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Full text of "Kunst- und geschichts-denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-schwerin"

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Die 

Kanst- und Geschicht&-Denkmäler 

des Grossherzogthums 

Mecklenburg-Schwerin. 

Im Auftrage 
des Grossherzoglichen Ministeriums des Innern 

herausgegeben 
von der 

Commission zur Erhaltung der Denkmäler. 



V. Band: 

Die Amtsgerichtsbezirke 

Teterow, Malchin, Stavenhagen, Penzlin, 
Waren, Malchow und Röbel 

bearbeitet 
von Geh. Hofr. Prof. Dr. Friedrich Schlie, 

Direktor des Grossh. Museums und der Grossh. Kunstsammlungen. 



Mit einem Anhang Über einige ältere Denkmäler ausserhalb Landes 
und einem Generalregister über alle fünf Bände. 



Schwerin i. M. 1902. 

Druck und Vertrieb der Bärensprungschen Hofbuchdruckerei. 

Kommissionär K. F. Köhler, Leipzig. 



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jT 



HARVARD 
UNIVERSITY 

LIBRARY 
APR 15 1955 



Vorrede. 




ach den Vorredeir m den- ^ voraufgehenden vier 
Bänden hat der Verfasser zu dem jetzt voll- 
endeten fünften und letzten Band des Werkes 
der mecklenburgischen Kunst- und Geschichts- 
Denkmäler nichts weiter zu sagen, als dass er 
hierin zum ersten Mal bei der Herstellung des 
Textes selber einen freiwilligen Mitarbeiter gefunden hat, dem er 
sich zu lebhaftem Danke verpflichtet fühlt. Es ist Herr Kammerherr 
Ulrich Graf von Oeynhausen, der seine Müsse dazu benutzt hat, 
um die Güter - Geschichten in den Amtsgerichtsbezirken Malchin, 
Stavenhagen, Waren, Malchow, und zum Theil auch im Amts- 
gerichtsbezirk Röbel, in gleicher Weise, wie es der Verfasser ge- 
wohnt war, zusammenzustellen, und der nun mit Erfolg dazu über- 
gegangen ist, solche Lokalgeschichten auch für andere Plätze, die 
durch den Plan des Werkes ausgeschlossen waren, anzufertigen, 
und zwar auf breiterer Grundlage, als es in dem Werk der mecklen- 
burgischen Kunst- und Geschichts- Denkmäler thunlich war. Es ist 
nicht daran zu zweifeln, dass derartige Ergänzungen überall sehr 
willkommen werden geheissen werden. Im Uebrigen sind es be- 
sonders die von Herrn Pastor Karsten (jetzt in Vellahn) in den 
Kirchen des Amtsgerichtsbezirkes Röbel mit grosser Gewissenhaftigkeit 
gemachten Aufzeichnungen gewesen, welche des Verfassers Arbeit in 
bequemer Weise erleichtert haben. 

Bei der mühseligen Herstellung des viertheiligen Generalregisters 
zu allen fünf Bänden, das diesem fünften Bande angeschlossen ist, haben 
Herr Oberleutnant a. D. Plüschow, der am Museum als Volontär 
thätig ist, und Herr Ministerialkanzlist Passow nützliche Dienste ge- 
leistet, theils durch Herstellung von Zettelauszügen, theils durch 



IV VORREDE. 

Nachprüfung der Seitenzahlen in der Druck - Korrektur. Der letzt- 
genannte hat auch den Verfasser während der ganzen zehnjährigen 
Arbeitszeit, in der das Werk entstanden ist, unablässig durch Ab- 
schriften dessen, was von den Vertrauensmännern der Kommission 
und von dem Verfasser und einzelnen Mitgliedern der Kommission 
als Revisoren in die in der Vorrede des ersten Bandes erwähnten 
Formulare eingetragen worden war, aufs Beste unterstützt. Beiden 
Herren soll dafiir an dieser Stelle gedankt sein. 

Der dem Generalregister voraufgehende Anhang enthält einige 
ältere mecklenburgische Kunst- und Geschichts- Denkmäler ausserhalb 
Landes, welche bis dahin nicht so bekannt waren, wie es z. B. die herr- 
liche Bronzefigur der Herzogin Katharina von Carlo de Cesare im 
Dom zu Freiberg und die Marmorgruppe der Herzoginnen Marie 
Louise und Friederike von Gottfried Schadow im Schloss zu Berlin 
sind, auf welche deshalb nicht weiter einzugehen war. 

Zuletzt kann der Verfasser nicht unterlassen, seine Freude 
darüber auszusprechen, dass es ihm gelungen ist, das Werk der 
mecklenburgischen Kunst- und Geschichts - Denkmäler , welches von 
dem hochseligen Grossherzog Friedrich Franz III. ins Leben gerufen 
und von dem gnädigen Wohlwollen Seiner Hoheit des Herzogs Johann 
Albrecht als Herzog- Regenten getragen worden, schon in dem ersten 
Regierungsjahr Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs Friedrich 
Franz IV. zu vollenden. Auch drängt es den Verfasser, hier darauf 
hinzuweisen, dass dieses Werk die ganze Zeit hindurch von einer 
freundlichen Haltung der Kommissionsmitglieder, im Besonderen von 
der des Vorsitzenden, des Herrn Ministerialdirektors Schmidt, dessen 
rühmlicl^ bekanntes Verwaltungsgeschick keine Schwierigkeiten auf- 
kommen Hess, begleitet gewesen ist. Es hätte ja in der langen Zeit 
auch anders kommen und z. B. der einheitliche Guss des Ganzen 
gestört werden können. Sehr viele Arbeit hat es gegeben, aber 
auch sehr viele werthvolle Anregung, an die der Verfasser sein Leben 
lang gerne zurück denken wird. Darum am Schluss ein 

DEO GRATIAS. 



Schwerin, den 17. Januar 1902. 



Friedrich Schlie. 



Inhalts-Verzeichniss. 



Seite 

I. Amtsgerichtsbezirk Teterow i — 83 

Teterow i 

Hohen -Mistorf 24 

Thürkow 29 

Levitzow 32 

Jördenstorf 35 

Wamkenhagen 41 

Diekbof 44 

Gross -Wokem 45 

Klaber 48 

Langhagen 51 

Grubenhagen 53 

Schorssow 63 

Bülow 66 

Bristow 71 

Hohen -Demzin 79 

Burg Schlitz 82 

Vorgeschichtliche Stellen . . 224 

II. Amtsgerichtsbezirk Malchin 84 — 152 

Malchin 84 

Gorschendorf 1 1 1 

Remplin 114 

Panstorf 117 

Basedow 118 

Faulenrost 136 

Gessin 137 

Dahmen 138 

Schwinkendorf 1 40 

Rittermannshagen 145 

Gic'low 148 

Vorgeschichtliche Stellen 225 

III. Amtsgerichtsbezirk Stavenhagen 

153—227 

Stavenhagen 153 

Ritzerow .... . . 162 

Jürgenstorf 164 

Pribbenow 168 



Kloster Ivenack 

Borgfeld . 

Röckwitz 

Zwiedorf 

Wolde . 

Kastorf . 

Rosenow 

Kittendorf 

Suiten . 

Varchentin 

Varchow 

Bredenfelde 

Briggow 

Tamow . 

Vorgeschichtliche Stellen 



IV. Amtsgerichtsbezirk 



Penzlin . 
Lübkow . 
Lapitz 
Puchow . 
Wrodow . 
Gross -Helle 
Alt-Rehse 
Krukow . 
Maliin 
Breesen . 
Pinnow . 
Chemnitz 
Woggersin 
Mölln 

Klein -Helle 
Seh wandt 
Passentin 
Gross- Lukow 
Marin 

Gross -Flotow 
Luplow . 









Seite 


169 






• 


. 185 






« 


. 187 






• 


• 191 






• 


• 193 






• 


198 






• 


200 






• 


203 






• 


210 






■ 


211 






• 


216 






» 


219 








220 








222 


len 


■ 


226 


Penzlin 


228—325 


. . . 228 








249 








250 








252 








253 








254 








255 








257 








258 








260 








263 








265 








268 






■ 


270 
277 
279 
280 
283 

285 
287 

288 



VI 



INHAl/rS - VERZEICIINISS. 



Seite 

Ankershagen 290 

Möllenhagen 303 

Rumpshagen 304 

(iross -Vielen 306 

Zähren 310 

Mollenstorf 315 

Peckatel 318 

Liepen 322 

Kraase 324 

Vorgeschichtliche Stellen . 455 

V. Amtsgerichtsbezirk Waren 

326—390 

Waren 326 

Federow 346 

'Kargow 350 

Speck 351 

Boek 353 

Schlön 356 

Klein -Plasten 361 

Gross - Drato w 362 

Deven 364 

Gross -Gievitz 365 

Alt-Schönau 371 

Lansen 375 

Rambow 377 

Ulrichshiisen 380 

Vielist 383 

Sommerstorf 387 

Klink 389 

Vorgeschichtliche Stellen . . 459 

VI. Amtsgerichtsbezirk Malchow 

391—463 

Malchow 391 

Lexow 414 

Alt -Schwerin 416 

Nossentin 420 

Jabel 422 

Kieth 424 

Wangelin 427 

I.ütgendorf . 429 

Grüssow 432 

Walow 436 

Sietow 437 

Poppentin 441 

Satow 442 



Zislow 

Stuer 

Vorgeschichtliche Stellen 



Seite 
444 

445 
46 I 



VII. Amtss^erichtsbczirk Röbel 

464—597 

Rubel 464 

Ludorf 512 

Nätebow 520 

Leizen 523 

Minzow 526 

Dambeck 527 

Karchow 534 

Bütow 537 

Finken 538 

Massow 5^o 

Kambs . , . 541 

Grabow 545 

Kiewe 547 

Wredenhagen 551 

Zepkow 560 

Melz 562 

Buchholtz 566 

Krümmel 568 

Vipperow 570 

Priborn 574 

Zielow 576 

Rechlin 57 8 

Laerz 580 

Schwarz 584 

Diemitz 585 

Ahrensberg 586 

Rossow 587 

Netzeband 593 

Schönberg 595 

Vorgeschichtliche Stellen , . 596 

Anhang I: 

Amelungsborn 601 

Havelberg 608 

Wisby 609 

Freiberg 610 

Gandersheim 613 



Anhang II: 

Orts-, Personen-, Künstler- und 
Kunsthandwerker - Register . 



615 



Verzeichniss der Illustrationen. 



auf den Altar 



auf die Orgel 



(Licht- 
(Licht- 



Tctcrow. 

Blick auf TeteroAv (Kopfleiste) i 
Kirche (Nordseite) 7. 
Querschnitt 8. 
Grundriss 8. 
I^ngsschnitt 8. 
Inneres, Blick 

druck) 8. 
inneres, Blick 

druck) 9. 
Frühgothisches Portal (Sakristei) 9. 
Laubwerk- Kapitelle 9. 
Hochgothisches Triptychon 10. 
Spätgothisches Triptychon 1 1 . 
Hl. Maria mit dem Kinde 12. 
Ehemalige Kanzel 13. 
Messingschüssel 14. 

Grabstein desPleban Gerh. Vogelsang 15. 
Wandgemälde (östliches Gewölbe) :6. 
Zwei Fürsten von Werle 17. 
Wandmalerei (westliches Gewölbe) 18. 
Kelch [i] 19. 

Rostocker Thor 20. 
Malchiner Thor 21, 
Aufriss und Grundrisse des Malchiner 

Thor 22. 
Aufriss und Grundrisse des Rostocker 

Thor 23. 

Hohen-Mistorf. 
Kirche 25. 

Kirche, Aufriss und Grundrisse 27. 
Ostgiebel 28. 
Fenster- und Thürlaibungen 28. 



L e V i t z o w. 



Jördensdorf. 
Kirche 36. 

Aufriss und Grundriss 37. 
Giebel und Südseite 38. 
Bogenfries und Laibungen 38. 
Aeltestes Christusbild 40. 

Schloss Diekhof 44. 



Gr.-Wockern. 
Ansicht der Kirche 46. 
Portal (Xordseite) 47. 

Kl ab er. 
Grabstein des Christoffer Moltsan 50. 

Grubenhagen. 

Blick auf Grubenhagen 55. 

Inneres der Kirche 57. 

Maltzahn'sche Epitaphien 59. 

Leichenstein der Katharina von Malt- 
zahn 60. 

Leichenstein des Ulrich von Maltzahn 61. 

Willkomm als Kelch der Kirche (Licht- 
druck) 62. 



Ansicht $$. 



Bülo w. 
Kirche 67. 

Aufriss und Grundriss der Kirche 68. 
Von der Ostseite der Kirche 69. 

B r i s t o w. 
Kirche mit Umgebung 72. 
Altaraufsötz (Lichtdruck) 74. 
Kanzel (Lichtdruck) 75. 
Orgel -Empore 75. 
Epitaph als Stuhlbekrönung 75. 
Taufständer 76. 
Messingschüssel 77. 
Grabstein des Hans Hahn 78. 



VIII 



VERZEICHNISS DER ILLUSTRATIONEN. 



Hohen-Demzin. 
Wappen des H. A. v. der Osten 80. 



Burg Schlitz (Lichtdruck) 82. 



Malchin. 

Ansicht der Stadt (Kopfleiste) 84. 

Bombardement der Stadt i . Januar 1 7 6 1 
(Lichtdruck) 92. 

Grundriss der Kirche 94. 

Querschnitt der Kirche 95. 

Friese an der Kirche 96. 

Inneres, Blick auf den Altar (Licht- 
druck) 96. 

Inneres, Blick auf die Orgel (Licht- 
druck) 97. 

Früherer Altaraufsatz 98. 

Flügel des Altaraufsatzes 99. 

Alte Kanzel 100. 

Taufständer 101. 

Grabstein des Nikolaus Breide 103. 

Frühgothischer Kelch 104. 

Fuss des Kelches 105. 



Kalensches Thor 106. 107. 
Steinthor 108. 109. 
Alter Wartthurm iio. 



Gorschendorf. 
Kelch [i] 1 14. 

Schloss Remplin (Lichtdruck) 114. 



Basedow. 
Kirche 119. 
Orgel - Empore 120. 
Altaraufsatz (Lichtdruck) 120. 
Frozessionsstangen 121. 
Taufbehälter 122. 
Messingschüssel 123. 
Schulenburg- Hahn' sches Epitaph 124. 
Epitaph des Werner Hahn (Lichtdruck) 

124. 
Epitaph des Kuno Hahn 125. 
Epitaph des Paris Hahn 126. 
Grabstein des Kone Hahn 127. 
Grabstein des Joachim Hahn und der 

Lucie Fineke 128. 



Grabstein des Joachim Hahn und der 

Dorothea von Putlitz 128. 
Grabstein der Anna Hahn 129. 



Alter Theil des Schlosses 131. 
Aeltere Theile des Schlosses 132. 
Ausgrabungen im Schlossgarten 133. 
Schloss zur Zeit der Stüler' sehen Um- 
bauten 134. 
Schloss Basedow (von Haupt) 134. 
Schloss (innerer Hof) 135. 
Schloss, Gartenseite 135. 



Schloss Faulenrost 136. 



Schwinkendorf. 
Inneres der Kirche 141. 
Grabstein des Otto Hahn 142. 
Grabstein des Dietrich van dem Werder 

143- 

Rittermannshagen. 
Strebepfeiler an der Kirche 146. 



Gielow. 
Grundriss der Kirche 150. 
Granitfünte 151. 



Stavenhagen. 

Blick auf die Stadt (Kopfleiste) 153. 
Altes Siegel der Stadt 154. 
Kirche, Südseite 159. 
Kirche mit Thurm 160. 
Schloss 162. 



Jürgensdorf. 
Altaraufsatz 165. 
Grabstein des Henning Christoph v. Höbe 

166. 
Taufbecken 167. 



Pribbenow. 
Altaraufsatz 168. 



Ivenack. 

Fernblick auf das Schloss 170. 

Ehemal. Kloster -Wirthschafsshaus [1707] 
176. 

Facciata und inwendige Gestalt des fürst- 
lichen Hauses 176. 

Uralte Eichen 178. 



VERZEICIINISS DER ILLUSTRATIONEN. 



IX 



Kirche 179. 

Grabstein des Klosterprobstes A. Gilow 180. 
V. Koppelow'sches Marmor-Epitaph (Licht- 
druck) 1 80. 
Glockenbild 181. 



Parkanlagen 182. 183. 184. 223. 
Schloss 183. 

Röckwitz. 
Kirche 189. 
Inneres der Kirche 190. 



Zwiedorf. 

Kirche, Südseite 192. 
Kirche, Westseite 193. 

Wolde. 
Kirche 195. 
Altaraufsatz 196. 
Kelch, Ciborium und Kanne (Lichtdruck) 

196. 
Taufschale 197. 



Alte Burg 245. 

Theile der Burg 246. 247. 



Klein-Helle. 
Spätgothisches Triptychon 278. 



Ankershagen. 
Kirche 293. 
Grundriss 294. 

Inneres der Kirche (Lichtdruck) 294. 
Querschnitt, Laibungs- Profile 295. 
Altes Fenster im Schiff der Kirche 296. 
Gewölbe und Pfeiler 297. 
Taufbehälter 2q8. 



Herrenhaus (Vorderansicht) 299. 
Herrenhaus (Gartenansicht) 300. 
Alte Festungsmauer im Garten 301. 
2 Pläne zum alten Haus auf dem Wicken- 
werder 302. 



Rosenow. 
Mittelstück eines gothischen Triptychons 



201. 



Kittendorf. 
Kirche 203. 
3 Portale 204. 205. 
Inneres der Kirche 206. 
Altar (Lichtdruck) 206. 
Empore 207. 

Schloss 209. 



Zähren. . 
Blick auf die Kirche 311. 
Grundriss 312. 
Ostseite 312. 
Längsschnitt 313. 
Nordseite 313. 
Pforte, Gesims, Rippe 314. 



Peckatel. 
Ansicht 319. 

Spätgothisches- Triptychon 320. 
Glockeninschrift 321. 



Varchentin. 
Ansicht 213. 
Inneres der Kirche 214. 



Schloss 216. 



Penzlin. 

Stadtansicht (Kopfleiste) 228^ 

Kirche, Ostseite 240. 

Grundriss 241. 

2 Friese 242. 

Inneres der Kirche (Lichtdruck) 242. 

Gesims, Laibungen, Blenden 243. 



Liepen. 
Blick auf die Kirche 322. 



Waren. 

Blick auf die Stadt 326. 

Altes Siegel 334. 

Grundriss der St. Georgen-Kirche 338. 

Inneres der Kirche, Blick auf den Altar 

(Lichtdruck) 338. 
Inneres, Blick auf die Orgel (Lichtdr.) 339. 
Obergaden, Profile 339. 
Grundriss der Marien - Kirche 341. 
Fenster, Kaffgesimse, Fries 341. 
Thurmeingangs- Halle, Chorgiebel 342. 
Thurm portal 343. 
Altar und Kanzel 344. 
Taufständer 345. 



X 



VERZEICIINISS DER ILKUSTKATIONEN, 



Seh lön. 
(irundriss der Kirche 357. 
Kirclie und Längsschnitt 358. 359. 
Fenster der Südseite 360. 

Gross-Gie V itz. 
Ansicht 366. 

Kirche, Grundriss und Längschnitt 367. 
Thurmeingang 368. 
Romanische Steinfünte 369. 
Marmor- P^pitaph des E. Chr. v. Voss 370. 



Alt-Schönau. 
Kapelle 372. 

West- und Ostgiebel 373. 
(irundriss 373. 
Fenster- und Thüren -Profile 374. 



Ulrichshusen. 
Schloss (Lichtdruck) 380. 



Vielist. 

Grimdriss der Kirche 384. 

Kirche 385. 

Ostseite des Chors 386. 



Malchow. 



Blick auf die Stadt (Kopfleiste) 391. 

Flotow'sches Wappen 405. 

Malchower Stadtsiegel 405. 

Blick auf die Klosterkirche(Kopfleiste) 408 

Klosterkirche 409. 

Inneres der früheren Kirche 410. 

Inneres der jetzigen Kirche 410. 



Kelch 
Kelch 
Kelcli 



41 1. 
412. 

413- 



G r ü s s o w. 



Kirche 435. 



S i e t o w. 
Kirche 438. 
Portal der Südseite 439. 



Burg Stuer 447. 451. 452. 
Burg Stuer (Lichtdruck) 448. 
Gothisches Triptychon 449. 
Burg -Grundriss 453. 454. 



Grimdriss der Burg auf dem Werder bei 

Penzlin 456. 
Grundplan der alten Befestigung zu Frei- 

dorf 458. 



RöbeL 

Blick auf die Stadt (Kopfleiste) 464. 
niick auf St. Marien (Kopfleiste) 479. 
Marienkirche 480. 
Inneres der Manenkirche, Blick auf den 

Altar (Lichtdruck) 481. 
Inneres der Marienkirche, BHck auf die 

Orgel (Lichtdruck) 482. 
Zwei frühgothische Portale 481. 
Hauptansicht des Chors (Farbendruck) 

482. 
I Wandmalereien der Gewölbe 483. 484. 

485. 
. Wandmalereien (Farbendruck) 483. 

Spätgothisches Triptychon 486. 

Zwei Hochreliefs: Erschaffung der Eva; 

Der Sünden fall 487. 

Ehemalige Triumphbogen -Gruppe 488. 

Kelch [i] 489. 

Altes Taufbecken 490. 

Kelch [3] 491. 

Grund plan von St. Nikolai 492. 

Inneres der Kirche, Blick auf den Altar 
(Lichtdruck) 492. 

Inneres der Kirche, Blick auf die Orgel 
(Lichtdruck) 493. 
j Chorgiebel 493. 
. Sakristei -Giebel 493. 

Nordportal 494. 

Süd portal 495. 

Bogenband 496. 

Fenster im Chor 496. 
I Altes Portal in den Altar räum 496. 

Pfeiler 496. 

Portal zwischen Thurm und Kirche 496. 

Wappenschild des Probstes Werner 407. 

Ehemaliger Altaraufsatz 498. 
I Flügel zum Altaraufsatz 499. 

Glas aus dem XV. Jahrhundert 501. 

Weihurkunde von 1490 501. 
I Einzelheiten vom Dominikaner- Gestühl 

504- 505- 
Dominikaner- Gestühl (Doppel -Lichtdruck) 

504. 505- 
' Stuhl bekrönungen 505. 



VEKZKICIINISS DKR 1LT.I\STKA'H()NKN. 



XI 



Vom ehemaligen Gestühl 506. 
Stuhlbekrönung 507. 
Siuhhvangen 50S. 
KeJch [1] 509. 
BeJt 510. 

(ieräthschaften des Amtes der Maurer in 

Rubel (Lichtdruck) 510. 
Zwei Pulverhürner 511. 
Hifthorn 511. 

Ludorf. 
Kirche 513. 
Grundriss 514. 
l^ngsschnitt 515. 
Querschnitt 515. 
Inneres der Kirche 517. 



Leizen. 
Knuth' scher (}rabstein 525. 

M i n z o w. 
Seh wedenschanze 527. 

Dambeck. 

Kirchenruine 530. 
Priesterpforte 531. 
Zwei Messingschüsseln 532. 533. 

Kare ho w. 
Altaraufsatz 535. 



Kanibs. 

Schnitzwerk aus der Kirche 543 
Kelch [i] 544. 
Monstranz 545. 

Wredenhagen. 

Blick auf Wredenhagen (Kopfleiste) 551 
Schloss und Kirche (1827) 554. 
Wredenhagen (1860) 555. 



Aufgang zur Burg 556. 

Plan der Burg 558. 

Grundrisse der ältesten (iebäude der 

Burg 559 
Theile der L'infassungsmaucr der Burg 560. 

Mclz. 
Gothisches Triptychon 564. 



Laerz. 



Kelch [i] 582 
Leuchter 583. 



Rossow. 
Gothisches Triptychon 591. 



Silberne Schale, gefunden bei Gross- 
Kelle 597. 



Anhang I. 

A melungsborn. 

Klosteransicht 601. 

Westliches Langhaus der Klosterkirche 

604, 
Querschiff und Chor der Klosterkirche 

605. 
Schild des Hauses Werle 607. 



Havell)erg. 
Schild des Hauses Werle 608. 



Wisbv. 
Wappenschild des Herzogs Erich 609. 

Freiberg. 

Herzogin Katharina mit ihrem Sohn (nach 

Lukas Kranach) 610. 
Grabplatte der Herzogin Katharina 611. 



Gandersheim. 

Denkmal der Herzoginnen Christine und 
Marie Elisabeth 612. 



BUcIe auf die SUdt Tetero 



Amtsgeriolitsbezirk Teterov. 



Die Stadt Teterow.') 

leschicbte der Stadt. Schon im XII. Jahrhundert fällt ein heller Geschichte 
Liclitstreir in das geschichtliche Dunkel, in welchem derjenige der 
Theil des alten Circipanerlandes ruht, dem Teterow mit seinem ^ ' 

mitten im See gelegenen ehemaligen wendischen Burgwall angehört. Es ist 
jene Zeit, in der zwei mächtige politische Grössen, der Baiem- und Sachsen- 
herzo^ Heinrich der Löwe und der Dänenkönig Waldemar, beide im Dienste 
der Kirche stehend und gemeinsam das Werk Gottes fördernd, beide aber von 
ehrgeizigen Machtplänen und zum Theil einander widerstrebenden politischen 
Interessen geleitet) ihre Hand auf das heidnische Wendenland legen, der eine 
von Süden und Westen her, der andere von Norden und Osten her. Selbst- 
verständlich kann hier nicht auf Alles eingegangen werden, was zur Beleuchtung 
dieser Zeiten und Verhältnisse dient. Es mag deshalb besonders auf das 
neunte und zehnte Kapitel in dem Leben Bischof Berno's von Wigger und auf 
den von Lisch in wörtlicher Uebersetzung veröffentlichten Bericht des Saxo 
Grammaticus über den Zug Waldemar's ins Circipanerland verwiesen werden, 

') Im XI[[. Jahrhundert Thiterow, Telerowe, Theterowe, Thitterowe, von teierev, Auer- 
habn, also soviel wie Auerhahnstldt. Vgl. Kuhnel, M. Jahrb. XLVI. S. 144. äiem^sen. M. Jahrb. VI, 
S. S3- AU AbkQrzung könnte das Keuter'scbe >Khansiäill< gehen. 



2 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

nach welchem der König und der dem Saxo Grammaticus befreundete Bischof 
Absalon von Roskilde im Jahre 1171 von Stralsund aus durch Festland Rügen 
zieht, mit unsäglichen Schwierigkeiten den Durchgang durch die Trebelmoore 
bewerkstelligt, dann den Hartwald zwischen Malchin, Neu -Kaien und Teterow 
durchquert und zu der Burg des Chotimar vordringt, welche keine andere als 
die im Teterower See gelegene sein kann, die damals als die am schwersten zu 
erobernde Trutzburg des Circipanerlandes gegolten haben muss.^) Den Bericht 
kann Saxo sehr wohl direkt aus dem Munde des Bischofs Absalon, der als 
streitbarer Herr an allen Fährlichkeiten der Fahrt und des Krieges den leb- 
haftesten und thatkräftigsten Antheil nimmt, empfangen haben. Zwar kommen 
die ebengenannten Ortsnamen nicht darin vor, aber die ungemein anschau- 
liche, echt epische Darstellung, die an die klassischsten Beispiele der Alten 
erinnert, und das starke Lokal -Kolorit der Erzählung haben für den, der 
die Gegenden kennt, eine solche Ueberzeugungskraft, dass, da auch Anfang, 
Richtung und Ziel des Zuges sowie die noch heute vorhandenen Burg-, Wall- 
und Damm -Reste im Teterower See aufs Allerbeste zu der Erzählung passen, 
jeder Zweifel an der Richtigkeit der topographischen Deutung des Berichtes 
durch Lisch und Wigger verschwindet.*) Mit der Eroberung der Burg und 
ihrer Wiek ist der Zweck des Heerzuges erreicht, und es erfolgt nun, wie 
bereits im ersten Bande des Werkes erzählt worden ist, unter Betheiligung 
Chotimar's und seiner Brüder die Gründung des Klosters Dargun durch dänische 
Mönche aus Esrom, welche die Aufgabe haben, im Circipanerlande einen 
solchen Stützpunkt für christliche Kultur zu schaffen, wie ihn die Schöpfungen 
Heinrich's des Löwen in Ratzeburg und Schwerin im Westen und das von 
Bischof Berno gegründete Kloster Doberan im Norden des Wendenlandes dar- 
stellen. Dass aber das dänische Kloster in Dargun nicht von Bestand bleibt, 
sondern schon 11 88 nach Hilda bei Greifswald übersiedelt und 1209 durch 
eine Tochtergründung des Klosters Doberan ersetzt wird, ist ebenfalls im ersten 
Bande auseinandergesetzt worden. Hier kommt es ja auch nur darauf an, daran 
zu erinnern, dass die Geschichte der Stadt Teterow mit der Erzählung des 
Saxo Grammaticus vom Zuge des Königs Waldemar von Dänemark ins Circi- 
panerland und der Erstürmung der Feste im Teterower See einzusetzen hat.') 



^) Saxonis Grammatici Historia danica, Liber XIV (Edd. Müller & Velschow, Pars IIa, Pag. 
883—886). Lisch, M. Jahrb. XXVI, S. 181 — 195. Wigger, M. Jahrb. XXVIII, S. 143—186. Vgl. 
dazu dessen Annalen, S. 126/127. 148. 

*) An anderer Stelle, in der Knytlinga-Sage über diesen Zug, werden Stralsund (Straela), 
Triebsees (Tribuzis) und das östlich von Güstrow gelegene Land Tribeden (Atripiden), zu dem 
auch Teterow gehört, genannt. Vgl. Lisch, a. a. O., S. 186. 

•) Es kann nicht auffallen, dass die älteren Geschichtsforscher, welche den Zug des 
Waldemar nach den Quellen erzählen, ohne Gegenden und Verhältnisse im alten Circipanien von 
den Trebel- Mooren über den Hartwald weg bis zum Teterower See zu kennen (wie z. B. Ludwig 
Giesebrecht, Wend. Geschichten III, S. 203/4, Barthold, Gesch. von Rügen und Pommern II, 
S. 223/24 und Quandt in Balt. Studien X, 2, S. 162), zu Darstellungen und Auffassungen kommen, 
welche mit denen der jüngeren mecklenburgischen Forscher, die mit den in Betracht kommenden 
örtlichen Verhältnissen vertrauter sind, nicht übereinstimmen. 



GESCHICHTE DER STADT TETEROW. 3 

Indessen der Faden spinnt sich nicht weiter. Zwischen dieser Geschichte 
und der ersten urkundlichen Nachricht über Teterower Verhältnisse liegen 
hundert Jahre. Damals sind die von Moltke die Grundherrn sowohl über den 
Teterower See als auch über die an seiner Ostseite liegenden Güter Sührkow 
und Niendorf (ehemals Teschow), über deren Verkauf an das Kloster. Dargun 
am I.Januar 1297 der landesherrliche Konsens durch den Fürsten Nikolaus 
von Rostock erfolgt.^) Diese Gegend gehört somit (und wie wir auch sonst 
wissen) in jener Zeit vorübergehend zur Herrschaft Rostock, welche im Jahre 
1300 unter dänische Oberlehnsherrlichkelt geräth, und Ritter Friedrich von Moltke 
ist wenigstens in Bezug auf den See als Rechtsnachfolger des Chotimar an- 
zusehen, der hundert Jahre früher als Burgherr des Sees die dänische Eroberung 
erduldet. Dass das aber nicht ausreicht, um die Vermuthung einer Bluts- 
verwandtschaft zwischen beiden zu begründen, ist selbstverständlich.*) 

Zur selben Zeit aber ist auch Teterow längst eine kleine Stadt (oppi- 
dum) mit Rath und Bürgerschaft, welche sich als solche schon am 17. De- 
cember 1272 dreiundvierzig im Dorfe Baudorf angekaufte Hufen von Fürst 
Nikolaus von Werle hat zu Stadtrecht legen lassen.') Andererseits kommen 
am 18. März 1285 zweiundzwanzig Hufen der städtischen Feldmark durch 
Kauf an das Lübecker Heiligengeist- Stift und mit diesen Hufen zugleich das 
ganze 14 km nordwestlich von Teterow gelegene Dorf Striesenow, damals ein 
Bauemdorf.*) Aus einer Urkunde vom 20. December 13 12 ersehen wir, dass 
das Dominikaner -Kloster zu Rostock ein eigenes Haus in der Stadt besitzt, 
und aus der bekannteren Urkunde vom 2. December 13 16 über die werlesche 
Landestheilung, dass Teterow zu demjenigen Landestheil gelegt wird, von 
welchem Parchim die Vorderstadt ist.^) Diese Zeit des XIV. Jahrhunderts, in 
welcher die Stadtvertretung nicht selten als Zeuge bei grösseren Staatsaktionen 
der werleschen Fürsten mitwirkt,®) ist die Zeit, in welcher die prächtigen hohen 
gothischen Thore entstehen, wenn auch keine besondere Urkunde darüber vor- 
handen ist. Teterow hat sich diese seine Stadtzierden besser zu bewahren 
gewusst als die Vorderstadt Parchim, obgleich diese als die grössere und 
führende Stadt im alten werleschen Landestheil der kleineren Stadt mit gutem 
Beispiele hätte vorangehen sollen. Von guten ökonomischen Verhältnissen in 
der Stadt zeugt auch der Kirchenbau, der, wenn er auch nach seinem älteren 



') M. U.-B. 2431. 2432. Vgl. M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. IV, S. 2. Ueber das zeitweise 
Condominium der Linien Rostock und Werle vgl. Rudloif, Hdb. II, S. 89. 190. 

*) M. Jahrb. XXVI, S. 195. 

•) M. U.-B. 1261. 

*) M. U.-B. 1788. Vgl. 3956. Wie die Lübecker Rechte in Vergessenheit kommen und den 
Bauern neue Gerechtsame von den Herzögen und den Gottiner Erbherrn von Lehsten auferlegt 
werden, wie sich dann aus diesen Wirren am Ende des XVI. Jahrhunderts eine Reihe von Pro- 
zessen entwickelt, woran die Bauern zu Grunde gehen: darüber handelt G. W. Dittmer im M. 
Jahrb. VIII, S. 161 — 176: >Der reichsgerichtliche Pfändungsprozess in besonderer Anwendung auf 
das mecklenburgische Dorf, jetzt Lehngut Strisenow.c 

5) M. U.-B. 3581. 3860. 

•) M. Ü.-B. 6098. 7771. 7772. 9394. 9491. 9560. 10334. 10672. 10678. 11009. 



4 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Theil, dem Chor, bereits dem Anfange des XIII. oder gar schon dem Ende 
des XII. Jahrhunderts angehören wird, die grössere und höhere Ausfuhrung 
des Schiffes erst im XIV. Jahrhundert erhalten haben wird, und dessen Mauer- 
werk den Eindruck grösster Gediegenheit macht. Auch hören wir in den 
zwanziger und dreissiger Jahren des XIV. Jahrhunderts wiederholt von der 
Stiftung einer grösseren Vikarei in der Kirche zu Teterow durch den Priester 
Dietrich Glashagen, deren Patronat die Fürsten von Werle übernehmen.*) Um 
die Verbesserung der Teterower Pfarre mit Ackerland und Wiesen macht sich 
besonders der Magister Johann Sternberg verdient, der zugleich Domherr zu 
Güstrow und Kirchherr zu Teterow ist, und dem wir von 1334 bis 1359 sehr häufig 
in den Urkunden begegnen.*) Ein dritter Geistlicher, der sich durch Stiftung eines 
Altars in der Teterower Kirche bemerkbar macht, und von dem noch heute ein 
sehr schöner Abendmahlskelch und ein wohlerhaltener trefflicher Grabstein in 
der Kirche Zeugniss geben, ist der in den achtziger Jahren des XIV. Jahr- 
hunderts genannte Pleban Gerhard Vogelsang.^) Im Jahre 1403 kommen die 
Wangelin'schen Vikarei -Stiftungen hinzu.*) Im Uebrigen aber hebt die an- 
scheinende Wohlhabenheit ihrer Bürger die Stadt doch nicht aus der Reihe 
der kleineren Städte hinaus, wie an ihrer Stellung in den verschiedenen Land- 
friedenstraktaten jener Zeit zu erkennen ist. Nachdem nämlich Teterow im 
werle - mecklenburgischen Vertrag vom 16. Oktober 135 1, gleich den Städten 
Grevesmühlen, Gadebusch, Gnoien, Ribnitz, Barth, Lychen, Röbel, Penzlin, 
Malchow und Kaien mit zehn Helmen eingesetzt worden und damit doppelt 
soviel wie Laage, halbsoviel wie Sternberg und ein Drittel soviel wie Malchin 
zu leisten hat, erscheint es in dem vom 14. März 1354 gleich der kleineren 
Stadt Laage nur mit fünf Mann.^) Als Mittelpunkt einer werleschen Vogtei 
wird Teterow im Jahre 1336 zum ersten Mal urkundlich genannt; auch 1359, 
als Fürst Nikolaus von Werle dem Henneke Moltke auf Rossewitz für Kriegs- 
kosten einen Theil der Bede aus den Vogteien Güstrow, Krakow, Laage, 
Teterow, Malchin, Neukaien, Goldberg und Parchim verschreibt;®) und be- 
sonders 1380, als am 24. April d. J. F*ürst Lorenz von Werle Stadt und Land 
Teterow an die von Smeker verpfändet und nur Kirchlehn, Mannschaft und 
Rossdienst sich vorbehält.') Wann dieses Pfandverhältniss seine Endschaft 



*) M. U.-B. 4621. 5274. 9953, Anmkg. 

*) M. U.-B. 4621. 71 16. 7583. 7921 (honorabilis vir magister J. St.). 8579. 

•) M. U.-B. II 260. II 505. Den Altar des Gerhard Vogelsang weiht am 23. April 1380 
Johann von Tana, Weihbischof des Bischofs Philipp von Kammin (altare in angulo ecclesie parro- 
chialis opidi Theterowe fundatum et dotatum ob preces et rogatum honorabilis viri domini Gherardi 
Vogelsanck in honorem omnipotentis dei, sancte virginis Marie, Laurencii martyris, Katherine vir- 
ginis et omnium sanctorum beatorum). Ein Altar des hl. Laurentius wird auch in einer bis jetzt 
nicht gedruckten Urkunde vom 15. Juni 1461 genannt. 

*) Nach noch nicht gedruckten Urkunden im Grossh. Archiv. 

*) M. U.-B. 7524. 7911. Vgl. dazu 7731. 9174. 11378. 

°) M. U.-B. 5689. 8561. 

') M. U.-B. II 261. Für 8900 Mark lUb. Pfennige »de nu ghenghe vnde gheue sint, alsze 
dat dre Lubesche marck ene lodighe marck maken.c 



GESCHICHTE DER STADT TETEROW. 5 

erreicht hat, ist unbekannt. Als Vögte von Teterow werden im XIV. Jahr- 
hundert Berend von Lehsten (1362) und Hartmann von Oldenburg (1363, 
1364) genannt.^) 

Wie sich im Jahre 1374, als die Parchim-Goldberger Linie des werle- 
schen Hauses erlischt, die Städte Parchim, Malchin, Teterow und Laage zum 
Schutze ihrer Privilegien mit einander verbinden, ist früher bereits erwähnt 
worden, ebenso aber auch, wie unbegründet die Sorge war, dass ihnen davon 
etwas durch die beiden anderen Linien des Hauses, die erbenden Linien zu 
Güstrow und Waren, verloren gehen könne.*) Teterow geht damals, wie nicht 
bloss zu vermuthen, sondern auch urkundlich zu belegen ist, an die Güstrower 
Linie über.*) Die erste mecklenburgische Privilegienbestätigung erfolgt nach 
dem Aussterben des werleschen Mannesstammes im Jahre 1436, die nach- 
folgenden vertheilen sich auf die Jahre 1469, 1588, 1613, 1619, 1660 und 
1702. Bei den mecklenburgischen Ländertheilungen gehört die Vogtei Teterow 
Anfangs (1520) zur Hälfte der Schweriner und zur andern Hälfte der Güstrower 
Linie, bei der zweiten und dritten Theilung (1556 und 161 1) ausschliesslich 
zur Güstrower Linie.*) 

Im Uebrigen ist nichts Erhebliches aus der weiteren Geschichte der 
Stadt zu berichten. Einzelheiten aus den Jahren der Pest, der Kriegsunruhen 
und der Stadtbrände werden weiter unten in der Pastoren - Liste vorkommen. 
Die bekannten »Teterower Stücke«, lustige kleine Erzählungen, welche zum 
Theil den Weg in Fritz Reuter's »Olle Kamellen« gefunden haben, beweisen, 
dass guter plattdeutscher Humor in der von hübschen Hügeln und Waldbergen 
eingeschlossenen weiten Wiesenniederung, in welcher Stadt und See gelegen 
sind, noch nicht ausgestorben ist. 

Ausser den schon genannten Geistlichen des Mittelalters, die dem 
XIV. Jahrhundert angehören, ist für das letzte Viertel des XIIL Jahrhunderts 
noch der Pfarrer Johann von Reez zu nennen, der als Notar, Kaplan und 
I^ichtvater der Fürsten von Werle häufig genug vorkommt. Fürs XIV. 
Jahrhundert, und zwar dessen erstes Drittel, ist der Pfarrer Konrad nach- 
zuholen, unter dessen Kirchenrektorat der Priester Dietrich Glashagen, wie 
oben bemerkt worden, eine Vikarei stiftet. Dem Pfarrer Konrad folgt der 
oben bereits erwähnte Pfarrer Johann Sternberg, und neben diesem wird in 
der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts ein Vikar Nikolaus von Kaien auf- 
geführt. Die zeitweise Verbindung von Teterower Pfarrlehn und Güstrower 
Kanonikat, wie sie sich in der Person des Johann Sternberg darstellt, wird 
1489 durch Inkorporierung der Teterower Pfarre in eine schon seit dem Jahre 
1301 mit der Pfarre zu Malchin verbundene Güstrower Domherrnstelle zu 
einer dauernden Institution, d. h. zu einer Pfründen -Anhäufung, die von vor- 
nehmen Herren gesucht wird, welche dafür gering besoldete Vikare mit dem 



*) M. ü.-B. 9033. 9174- 9307- 

*) M. U-B. 10635. Vgl. M. Kunst- 11. Gesch. -Dcnkm. IV, S. 426. 

*) M L'.-B. II 378 (8. November 1381). Vgl. Rudloff, Hdb. d. m. Gesch. II, S. 645. 

^) Rudloff, Hdb. Hla, S. 55. 228. Hlb, S. 1 19/120 (Amt Güstrow). 



6 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Dienst betrauen. *) So macht es z. B. der Doctor iitriusqiie juris und Pro- 
fessor an der Universität Rostock Liborius Meyer mit Genehmigung des Bischofs 
von Kammin im Jahre 1494, da er selbst dem Dienst in Teterow nicht nach- 
zukommen vermag.*) 

Und der vielbeschäftigte Kanzler Brandanus Schöneich, welcher am 
25. Januar 1503 von den Herzögen Magnus und Balthasar dem Güstrower 
Domstift als Nachfolger des Liborius Meyer präsentiert wird, und dem ein 
paar Wochen später vom Offizial der Präpositur Güstrow auch die seiner 
Präbende inkorporierte Pfarre zu Teterow verliehen wird, hat es ohne Zweifel 
ebenso gemacht.') Die Teterower Kirche muss damals überhaupt viel haben 
hergeben können, denn auch der in der Reformationsgeschichte Mecklenburgs 
häufig genannte stark papistisch gesinnte Detlev Danquardi, Rostocker Dom- 
Thesaurarius, bischöflicher Offizial, Archidiakon und Pfarrherr zu Kessin, zehrt, 
anscheinend bis an seinen Tod im Jahre 1556, von zwei Fürstenlehnen der 
Kirche zu Teterow.*) 

Der erste evangelische Prediger zu Teterow, der den Papisten gegen- 
über einen schweren Stand hat, ist Joachim Mesekow, er predigt die neue 
Lehre 1541 und auch noch 1564 oder länger. Zu seiner Zeit hat die Kirche 
ausser dem Hauptaltar noch elf Nebenaltäre und führt den in früherer Zeit 
nicht nachzuweisenden Titel »St. Petri und Pauli Pfarrkirche«, der auch in 
späteren Visitationsprotokollen des XVIL Jahrhunderts vorkommt. Schröder 
nennt fiir das Jahr 1564 neben dem alten Mesekow dessen Sohn N. Mesekow 
als Diakon und als zweiten Pastor den David Quade, sowie später, etwa um 
1570, den Diakonus Griphan.^) Nach den im Grossh. Archiv bewahrten Tete- 
rower Kirchenakten heisst er richtiger Nikolaus Grifanck (Gryfanck) und ist 
um 1580 sicher im Dienst^ aber vor ihm muss Magister Heimradus Rinckwich 
(Ringwicht) berufen sein, da dieser 1595 und 1596 als erster vor Nikolaus 
Grifanck unterzeichnet. Uebrigens wird neben dem alten Mesekow 1564 auch 
ein Er Heinrich Bansow genannt, dem die in Verfall gerathene Kirchen- 
ökonomie übertragen wird. Nach Grifancks Tode 1608 folgt Magister Sieg- 
fried Neumeister als zweiter Pastor und nach Rinckwich's Tode Petrus Scharling 
(seit 1614, stirbt 1629 an der Pest). Neben Scharling wirkt seit 1616 Kaspar 
Mester. Dieser erhält 1629 in dem von Wallenstein berufenen Nikolaus Ring- 
wicht einen Kollegen, welcher 1638 stirbt. Beide erleben im Jahre 1632 die 
erste grosse Feuersbrunst, von der berichtet wird. Mester versieht nun den 
Dienst einige Jahre hindurch allein. 1643 soll er an seinem Sohn Johannes 
einen Gehülfen haben. Aber die kaiserliche Armee rückt heran, und der 



*) Lisch, M. Jahrb. XII, S. 16/17. XVI, S. 98. XXXI, S. 85. XXXIX, S. 206. 

') Schröder, Pap. M., S. 2542. 

•) Lisch, M. Jahrb. XII, S. 338—340. Vgl. dazu VIII, S. 44 (Zustände in Teterow um I535)- 

*) Visitationsprotokolle der Kirche zu Teterow von 1535, 1541 und 1552. 

*) Schröder, Kirchenhist. d. ev. M. I, S. 429. II, S. 465. III, S. 50. Er wird derselbe 
sein, der 1577 die Formula Concordiae unterschreibt: Schröder III, S. 328 (Nicolaus Gryfanius). 
Der Sohn N. Mesekow ist vielleicht der in Retzow (bei Gorschendorf) genannte Elias Mesekow. 



GESCHICHTE DEK STADT TETEROW. f 

Sohn, um nicht eingezogen zu werden, macht sich aus dem Staube. Erst 
1646 wird er wirklich der Gehülfe des Vaters, stirbt aber schon im Früh- 
sommer 1651. Nun wird Johannes Schultz zweiter Pastor neben dem alten 
Mester, der erst 1658 oder 1659 stirbt und in seinem Schwiegersohn Joachim 
Krüger einen Nachfolger erhalt. Aber schon 1661 tritt Felix Fidlerus (Fiedler) 
als zweiter Pastor an dessen Stelle. Schultz stirbt 1672, während Fiedler als 



Kirche lu Teterow (Nordseite). 

Präpositus {seit 1673) noch 1704 am Leben und im Amte ist.*) Als zweite 
Prediger wirken neben ihm Christian Netzeband (seit 1673}, Joachim Mowius 
(seit 1694, f 1701), und seit 1703 Jakobus Brasch (Brasche), der noch 1743 
im Amte ist. Zur Zeit des alten Fiedler und des Jakob Brasch, im Jahre 1702, 
erlebt Teterow die zweite grosse Feuersbrunst; Brasch erlebt auch die dritte 
im Jahre 1722, Neben Brasch wirkt seit 1704 der aus Mölln berufene Kon- 
stantin Fiedler (zuerst als Adjunkt des Vaters), und seit 1727 (auch wieder als 

') Er ist der Stifter des Fiedler'schen Legates lu Gunsten armer Schulliinder. Vgl. Millies, 
die kirchlichen Stiftuneen in MecklenburE (1900), S. 35. 



8 



AMTSGERICHTSBKZIRK TETEROW. 



Beschrei- 
bung des 
Baues. 






Substitut des Vaters) Konstantin's Sohn Heinrich Christoph Fiedler. 1741 bittet 
Brasch, der 17 17, als dänisches Kriegsvolk in der Stadt lag, von einem 
trunkenen Soldaten schwer verwundet worden war, um einen Substituten. Er 
erhält ihn in seinem Schwiegersohn Vollrath Heinrich Hane, der 1760 stirbt. 
Sechs Jahre vorher (1754) hat auch 
Fiedler in Michael Sigismund Herr- 
lich einen Nachfolger erhalten. 
Neben Herrlich wirken an zweiter 
Stelle: von 1762 an J. F. Haeger, 
der 1770 nach Gadebusch geht, 
von 1770 an Joh. Wilhelm Schultz, 
der 1778 Pastor und Präpositus in 
Schwaan wird, und von 1779 an 
Joh. Christian Gramm aus Rey, 
der 1807 aus dem Leben scheidet. 
Herrlich stirbt schon 1780. Es 
folgen nun an zweiter Stelle neben 
Gramm zuerst Karl Leopold Hintze 
(1782 bis 1794) und nachher Joh. 
Rudolph Brinckmann (bis 181 1 in 
Teterow, bis 1838 in Neukaien, 
f 1843 als Emeritus). Zur Zeit 
von Gramm und Hintze, im Jahre 
1793, findet die vierte grössere 
Feuersbrunst statt. Vgl. Walter 
a. a. O. 



S.^N.»»^/^.^ ^~^^ 



Die Kirche. 



IB^ aubeschreibung. Die Kirche 
zu Teterow*) ist von 1877 




(gir --4-l-4-4-l-l^4--^4 -T ) 



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bis 1880 einem grösseren Durch- 
bau unterzogen, bei dem man die 
Nordseite stark verändert und auch ~ 
die Sakristei von der Nordseite auf 
die Südseite verlegt hat. Der dem 
Anfange des XIII. Jahrhunderts angehörende spätromanisch gestaltete Chor ist 
ein Backsteinbau mit Lisenen und ruht auf einem Granitsockel. Er wird im 
Innern von zwei anscheinend erst dem XIV. Jahrhundert angehörenden Kreuz- 
gewölben, mit gothischem Rippenprofil, überdeckt, deren Kappen mit Gemälden 



') Lisch, M. Jahrb. XII, S. 464/65. XLII, S. i6i ff. Crull, M. Jahrb. XLV, S. 274. 280. 



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Innere« der Kirch« zu Telerow. Blick auf den Allar. 



Inneres der Kirche in Teterow. Blick anf die Orgel. 



KIKCIIK ZU TETERÜW. 



gefüllt sind. Die mit hiibsctiei 
Gewölberippen gehen bis zum 
die theils 
romani- 
schen, 
theils friih- 
gothischen 
Nischen- 
bildungen 
unten an 
der Nord- 
und an der 
Südwand 
des Chors. 
In der Ost- 
wand drei, 
in den 
Seiten- 
wänden je 
zweimal 

zwei 
Schlitz- 
fenster ro- 
niaiiisclien 
Stils. Das 
gothtsche 
Langhaus 
ist jünger 



1 Laubwerk-Kapitellen verzierten Dienste der 
Fussboden herunter. Zu beachten sind auch 
als der 
Chor : es 
gehört in 
seinen An- 
langen 
ohne Zwei- 
fel der früh- 
gothi sehen 
Zeit am 
Ende des 

XIII. oder 
am An- 
fange des 

XIV. Jahr- 
hunderts 

an und war 
zuerst 
wahr- 
scheinlich, 
wie so viele 
andere 
Kirchen 
dieser Zeit, 
mit einer 
flachen 
Balken- 



FrUhgothischM Porta] (in der Sakristei). 



Laubwerk -Kapitelle im Chor. 



f 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

und Bretterdecke 
geschlossen. Das 
stark erhöhte 
Mittelschiff wird 
auf jeder Seite 
von zwei frei- 
stehenden acht- 
seitigen Pfeilern 

von grosser 
Massigkeit ge- 
tragen und durch 
drei spätgothische 
Stemgewölbe im 

Charakter des 
XV. Jahrhunderts 
geschlossen. Das 
anscheinmd 
gleichaltrige 
schmälere süd- 
liche Seitenschiff 
wird durch drei 

S achttheilige 

8 Gewölbe ge- 

S schlössen , 

3 während in dem 

§ sehr viel breiteren 

nördüchen Seiten- 
schiff mit Ober- 
licht drei vier- 
theilige Kreuz- 
gewölbe den 
Raum über- 
decken. In der 
Sakristei, die an 

Stelle einer 
früheren Vorhalle 
neu angebracht 
ist, sieht man ein 

frühgothisches 
Prachtportal mit 
reichem Kapitell- 

und Blätter- 
schmuck, ähnlich 
denen in ReJns- 



KIKCHE ZU TETEROW. II 

hagen bei Güstrow und an anderen Orten. Das Rund bogen portal der alten 
Sakristei auf der Nordseite ist zugesetzt, aber noch scltön erhalten. Ein vier- 
seitiger Thurm, gleich der ganzen Kirche aus Backsteinen aufgeführt, trägt 
einen Helm in der Form einer niedrigen vierseitigen Pyramide. 

In den Visitationsprotokollen von 1553 bis 1646 wird die Kirche, 
wie schon bemerkt worden, wiederholt als S. S. Petri- und Pauli-Pfarrkirche 
bezeichnet. Ob sie diesen Namen auch schon im Mittelalter führte, ist aus 
älteren Urkunden nicht zu ersehen. Sie hatte ausser dem Hauplaltar elf 
Nebenaltäre. Es waren die .\ltäre: i, S. Crucis; 2. S. Petri; 3. S. Catha- 
rinae; 4. St. Laurentii; S- S. Magdalenae; 6. St. Andreae et Johannis Evan- 
gelistae; 7. S. Mariae im Thurm; 8. St. Bartholoniaei', g. St. Jacobi; 10. S, 
Mariae; 11. Trium regum.') 



Spätgothisches Triplychon. 

Ausser der Haiiptkirche gab es noch eine S. Marien-Kapelle vor 
dem Malchiner Thor mit zwei Altären, eine S. Gertruden-Kapelle eben- 
daselbst mit einem Altar, und eine S. Georgen-Kapelle vor dem Rostocker 
Thor mit einem Altar. Sie scheinen schon am Ende des XVI, Jahrhunderts 
verschwunden zu sein. Das St. Georgs- und Armbudenstift dagegen ist von 
Bestand geblieben. Von Kalands- Einkünften ist noch im XVII. Jahrhundert 
die Rede. 

Altar und Kanzel sind neu, ebenso das Altarbild (der auferstandene Aliar und 
Christus), eine Kopie nach Plockhorst. Kanzel. 

Das frühere Triptychon, ein treffliches hochgothisches Werk aus der Triptychon. 
zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, ist, soweit es auf die Schnitt werke 

') Vul. l-isch, M.Jahrb.^Xl.IT, S. 165. 



12 AMTSÜERICHTSUliZlRK TETEKOW. 

ankommt, noch gut erhalten. E^ hat seinen Platz an der Westwand des nörd- 
lichen Seitenschiffes gefunden. Man sieht in der Mitte die Krönung Mariae 
und die stehenden Gestalten der Apostel, denen St. Paulus und der erste 
Märtyrer der Kirche, St. Stephanus, zugesellt sind. Unten siebenzehn Halb- 
figuren. Es sind zu nennen: in der Mitte die hl. Anna und die hl. Maria mit 
dem Kinde und rechts acht weibliche Heilige (Magdalena, Katharina, Marga- 
retha, Dorothea, Harbara, 
Gertrud, eine Heilige mit 
Palme [Christine?] und eine 
Heilige in Nonnentracht, an- 
scheinend einen Tetler mit 
Fischen haltend [Elisabeth? 

Anielberga? Eanswida ?] ). 
Links von der Aiinaselbdritt- 
gruppe: Erzengel Michael, 
die Heiligen Job. Baptista, 
I^urentius, Georg, Mauritius 
und drei Bischöfe (Nikolaus, 
Otto, Erasmus?). 

Triptychon. An der Ostwand des- 

selben Schiffes noch ein 
kleineres spätgothisches Trip- 
tychon aus der zweiten Hälfte 
des XV. Jahrhunderts. Ausser 
der hl. Maria mit dem Kinde 
erkennt man oben zwei 
Apostel sowie die Id. Katha- 
rina und die hl. Barbara, 
unten aber die beiden hl. 
Johannes Baptista und Evan- 
gelista sowie die hl. Magda- 
lena und die Ul. Elisabeth.') 

') Beide Triplyclia sind so 
befesligt, dass dns Umschlagen der Die hl. .Marin mit dem Kinde. 

Vorder- und Hinterflllgel schwer 

ist. Sobald die VorderflUgel des Hauptwerkes lusammeneesehlngen .sind, erliliclit man auf 
ihnen und den Vorderseiten der llinterfldgel scchiehn Wilder ans der Pas sionsge schichte, die im 
Inventar von 1811 einzeln heschrielien sind: 1. EiniUj> in Jerusalem; 2. Kssen des Osterl.imms; 
3. Gehet im Garten Gethsemane; 4. Verralh: 5. Verhöhnung im Palast des Kaiphas; 6. Christus 
vor PiUtus; 7. Geisselung; 8. Dornenkrönung; 9. Ecco homo; 10. lländewaschen des Pilalus; 
II. Kreuitragung; 12. Kreuiigung; 13. Christus am Kreui, mit Johannes und Maria; 14. Grab- 
legung; 15. Auferstehung; 16. Christi Mimmelfahrt. — Üa^ andere Triptychon hat auf den Rück- 
seiten acht Bilder mit Heiligen-Martyrien. Vgl, die austtllirliche Beschreibung des Hauptaltars hei 
Lisch, M. Jahrb. XI.IT, S- 161-164. I-isch hal Neigung, dicken Schrein mit jener Altarstiftung 
lies Gerhard Vi^elsang in Verbindung zu bringen, welche von Kammin her am 23. April 1380 



KIllCIIE ZU TETEROW. 13 

Ausserdem in einem besonderen gothischen Rahmen noch eine zweite Die hl. 

geschnitzte hl. Maria mit dem Kinde in einer Strahlenmandorla, gleich dem Maria mit 

vorhergehenden Schnitzwerk aus dem XV. Jahrhundert stammend. " '" 



Ehemalige Kanzel (jetzt im 'Iliurm aufgestellt]. 

Die ehemalige Kanzel, ein tretHiches Werk der Ren: 
des XVI. Jahrhunderts, ist jetzt an einer Wand im Thurm aufgestellt, 

■lie bischöfliche Weihe erhSlt: M. U.-B. ll>6o. Der Altar wird geweiht «in honorem omiii- 
^ulcntis dei sue(|ue gloriose genitricis virginis Marie. Laurencii marliris, Katherine vir^ini.i el 
Mnniutn &anctonim beatorum." Das könnte stimmen, und da auch das Schnitiwerk dieses Altars 
thr wohl zu der Zeit des Gerhard Vogelsang passt, so wäre es nicht unmi^lich, dass Li^cli mit 
ittner Veraiuthung Recht halte. — Von dem kleineren nicht so werthvoUen Triptyclion hat Lisch 
i\t Meinung, es möchte zu dem Altar in der Marien -Ka(>elle zum Thurm (s. o. S. 11) geliiirt halien. 



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AMTSGEKICHTSBEZIRK TETEROW. 



Orgel- 
Prospekt. 



Tauf- 
behäller 



Messing- 
schüssel. 



Triumph- 



An der Westseite des Mittelschiffes der grosse Barock - Prospekt der 
Orgel, der aus dem XVIII. Jahrhundert stammt. Das Pfeifenwerk der Orgel 
wurde 1877/80 erneuert. 

Vor dem Altar ein alter gothischer steinerner Tanfbehältcr; in ihm 
eine schöne alte Hessingscbüssel mit der Darstellung der Verkündigung des 
Engels an die hl. 
Maria. In der 
Schüssel eine un- 
gewöhnliche 
Legende, be- 
stehend aus den 
sich wiederholen- 
den Buchstaben 
RJfiaWISIlRBI. 

Oberhalb 
des Triumph- 
bogens das grosse 
Triumpfakrenz 
mit den über- 
lebe nsgrossen 
Nebenfiguren des 
hl. Johannes und 
der hl. Maria. 

Unter- In derThurm- 

schrifteines halle, hinter der 
Epitaphs. Q^^,_ jjg Ujij^^ 

scbrjft eines Epi- 
taphs (nicht mehr 

das Epitaph selber) auf CUNO HANS VON OLDENBURG, geb. 25. März 1656, 
gest. 17. November 1735 auf seinem Erbgut Köthel, und seiner beiden Ge- 
mahlinnen DOROTHEA MARGARETHA VON OLDENBURG a, d. H. Köthel (Kotel), 
geb. 14. December 1656, gest. 24. November 1703, und MARIA CHRISTINA 
VON LOVTZOW (Lautzowe) a. d. H. Rensow, geb. 28. Januar 1677, gest. 28. 
Juli 1711. 

Wappen. Oberhalb der Eingangsthür vom Thurm her, im Innern der Kirche, die 

Wappen des ADAM CHRISTOFFER VON OLDENBURG auf Köthel, geb. I3. April 
1691, gest. 3. Januar 1736, und das seiner Gattin EVA KATHARINA VON ZEPLIN 
a. d. H. Klenz, geb. i. Oktober 1712, gest. 10. Juli 1730.') 

Glocken. Im Thurm zwei grosse Glocken, die grössere ist 1871 von Ed. Albrecht 

in Wismar, die zweite 1749 von Otto Gerhard Meyer in Rostock gegossen. 

') Das Inventar von iSli beschreibt noch einige andere Denkmäler der Kamilie von Olden- 



ingschUssel. 



KIRCHE ZU TETEKOW. I 5 

Eine dritte kleinere Glocke hängt aussen am Chorgiebcl. Spuren einer Inschrift 
von unten nicht zu entdecken. Im Thurm ganz oben, nach draussen gehängt, 
noch eine vierte kleine Glocke, welche der Kirchenuhr dient.') 

Grabsteine. Im Chor Grabsteine, 
an der Nordseite der Grab- 
stein des Plebanus Gerhard 
Vogel sang, gestorben nach 
dem Jahre 1383: 

HÜnna boniiiii mctc\% \ ff 

r 1 

aMt bomlmi^ sfjttat' 

baiiu^ Duiu^ ecciefie • 
cuiu^ miinia rcQuiefcat 
in )fate.*) 

Auf dem Grabstein ist der 
Schild des Geistlichen zu 
beachten. 

Hinter dem Altar der 
anscheinend dem Ende des 

XVI. Jahrhunderts an- 
gehörende Stein des OTTE 
WOTZENITZ und der ELSE 
BELOW mit Wappen. Der 
Wotzenitz'sche Schild enthält 
drei gewässerte Querbalken, 
und die Helmzier darüber 
drei Pfauenfedern, der Below- 
sche den bekannten Doppel- 
adler.') 



Grabstein des Plebans Gerhard Vt^elsang. 'J Nach dem Inventar von 

181 1 war die grosse Glocke 1779 
inr Zeit der Pastoren M. S. Herrlich und Job. Christian Gramm von Job. Val. Schuli gegossen 
worden. Die zweite von O. G. Meyer-Rosiock 174g gegossene Glocke enthält die Namen der 
I^'itoren Jakob Brasch, Heinr. Christ. Fiedler und Volrath Heinrich Hane. Von der dritten heisst 
es, sie hat>e die Inschrift tetro AtMO r«S3, und von der vierten, sie sei ohne Inschriri. 

*) V<^elsHng ist noch am 39. MBrz 1383 am I^ben: M. U.-6. itS^S- l'ie hei Lebzeiten 
des Plebanus auf dem Stein gelassene Lücke, welche nach dem Tode ergSnzt werden sollte, ist 
inaasgcfallt geblieben. Im mecklenburgischen Uikundenbuch fehlt bei 1 1 505 der lliniveis auf 
1:260, wo die Inschrift dieser Grabplatte und ebenso auch die des von Vogelsang geslirteteii 
Ktiches (nach Lisch, M. Jahrb. XII. S. 464/465. und Xl.II, S. 165—167), bereits verüfferit licht 
imd. Lisch will ihm auch dos ehemalige Triptychon des Hochaltars beigelegt ui^^ien (s. 0.). 
■) Vgl. Lisch, M. Jahrb. XII, S. 465. Crull, Geschl. d. Mannschaft, N. 14 und .N. 603. 



l6 AMTSGKRICHTSBEZIRK TETEROW. 

Die übrigen Steine sind sehr abgetreten, auch der von Lisch auf- 
geführte Stein der Lntgard von Rumpeshagen : SGlIlta bamtllf mta%tlr in 

ptaft^a beatarum ayoftolociim M&i(l')'t>i) et fncobi ofiiit (lut)0]^act u%at 
bjcftoiii^ rumpcfÖÄOcn et pficrttubi^ pfia ciu^ • ora pro ti$J) 

Wand- Wandgemälde.') Bei der Restauration der Kirche in den Jahren von 

gciiiälde. 1877 bis 1880 fanden sich im Chor unter der Kalktünche der Gewölbe eine 
Mcn^'C wohlerhaitener Gemälde des XIV. Jahrhunderts Sie wurden beluitsam 
blüisijclegt und bilden jetzt, nach ihrer Auffrischung durch den Maler Michaelsen 
aus Wismar, eine werthvolle Zierde der Kirche. 



WandgemSlde (ü^tliches Geivölbe). 

I. Oestliches Gewölbe, südliche Kappe, unterer Theil: SchöpfungS' 
geschichte der Welt in vier Bildern (1. Geist Gottes über den Wassern; 2 — 4. 
Erschaffung von Sonne und Mond, den vier Elementen und den Thieren); 
Fortsetzung davon: in der westlichen Kappe mit den Bildern der Erschaffung 
des. Adam und der Eva sowie mit der Darstellung des Baumes der Erkenntntss, 
und in der südlichen Kappe mit dem Sündenfall, der Austreibung aus dem Para- 
diese und dem Brudermorde. Als Zwickelfiguren in diesen drei Kappen phan- 
tastische Thier- und Mensch engebilde. In demselben östlichen Gewölbe sieht 
man als grössere, bis zum Scheitel des Gewölbes reichende Darstellungen 

') I.i^cll, M. Jahrb. Xl[, S. 465, XI.V, S, 189. 

') Eine ausführliche lieschreibuiig aller dieser liilder, auch mil Keriicksithligung der Farben, 
giebt Crull, M. Jahrb. XI.V {1880), S. 274—282. 



KIRCHE ZU TETEROW. \^ 

erstens in der Südkappe die Geisselung, in der Westkappe die Kreuzigung, 
in weicher als Figuren neben dem Kreuz ausser Maria und Johannes die hl. 
Katharina und ein heiliger Bischof (welcher?) ') zu bemerken sind, und in der 
Nordkappe die Auferstehung und die Höllenfahrt. Die Ostkappe desselben 
Gewölbes dagegen ist mit der Darstellung des jüngsten Gerichts gefüllt: 
Christus in einer Mandorla auf dem Regenbogen thronend, mit dem Schwert 
der Gerechtigkeit und der Lilie der Gnade, die aus seinem Munde gehen. 
Dazu die vier Evangelisten-Symbole, zwei geflügelte Engel und zwei knieende 



Zwei Füraten von Werte (Zwickelüguren vom östlichen Gewölbe). 

Gestallen, die ohne Zweifel die hl. Maria und den hl. Johannes Baptista dar- 
stellen sollen, wenngleich der letztere nicht charakteristisch genug erscheint. 
Darunter, als kleineres Figurenband, die zwölf Apostel, alle sitzend; und 
endlich als Zwickel figuren zwei gepanzerte Fürst engestalten mit dem Schild 
und der Fahne der Herren von Werle, also zwei Fürsten dieses Haases.') 
Neben jedem eine phantastische Thiergestalt. 



hl. Nikolaus an 


i^unehm 


en sein, oder 


auch ci< 


auf die Zu^eh 


üriKkcit 


der Teterou'i 


;r Kirch t 



') Nach CniU wird wohl der 
ApiHlel der Pommem (mit KUcküich 
Diöcesc). 

') Mit Ktlcksichl auf den llelmschmuck der Fürsten kon 
Nikolaus III. von Werle Güstrow <f 1360 oder 61), der lu 



l8 AMTS6ERICHTSBEZIBK TETEROW. 

II. Westliches Gewölbe. Als unterer Figurenring durch alle vier 
Kappen die Geschichte Christi von der Verkündigung bis zum Einzug in 
Jerusalem in vierzehn Bildern. Als grössere Darstellungen darüber: in der Süd- 
kappe die Dingung des Judas und der Verrath, in der Westkappe Christus 
vor Pilatus, in der Nordkappe die Dornenkrönung und Kreuztragung und in 
der Ostkappe die Krönung Mariae Als Zwickelfiguren in diesen vier Kappen 
der erhängte Judas, zwei phantastische Thier- und Menschenbildungen und 
fünf Bäume. 



Wandmalerei (wesllicl 



Von dem verstorbenen Restaurator MichaelsenWismar sagt CruU a. a. 0. 
S. i8i, dass er seiner glaubhaften Versicherung gemäss mit gewissenhafter 
Treue und Pietät den alten Umrissen nachgegangen sei. »Verbessert hat er 
nur die Gestalten der beiden Büttel in der Darstellung der Geisseiung, welche 
einer späteren Restauration angehören, die sie unförmlich stark gebildet hatte, 
und die Banner, in denen die Stierköpfe weiss geblieben waren, und ganz neu 

Mecklenburg auf seinen I [elm gesetzt habe, und an dessen Btuder und Milregenten, liernhard 
von Waren (f ijSl), gedacht werden mdsse. Es bleibt aber auch der Gedanke an die beiden 
Sühne von Nikolaus III., KUrst I.orenü (f 1399) und l'Urst Johann V. (f 1377 oder 78), die beide 
gemeinschaftlich das Land Werle-Gd.strow regierten, nicht au >ige schlössen. Auffallend ist die 
Kilstung. 



KIRCHE ZU TETEROW. ig 

gemacht ein paar Zwickel, indem er an die Stelle d^ völlig verloschenen 
Grotesken Laubwerk malte, sowie die gleichfalls fast unkenntlich gewordenen 
Gruppen, welche Kain's Mord, die Geburt Jesu und Jesus im Tempel lehrend 
darstellen, die er nach alten Vorlagen ergänzte.* 

Klcinknastwcrke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf sechseckigem Fuss, Kleinkunst- 
der nach innen geschweifte Seiten und eine durchbrochen gearbeitete Basis hat. werke. 
An den Rotuü des etwas flachgedrückten Kelches der Name IhÖSVS. Am 
Fuss ein plastischer Kmcifixus als Signaculum. Um den Fuss in gothischen 
Minuskeln die Umschrift: ffUM • ralfcein ttebit • btl^ x QÜecatttll^ UO^tU 
jantö * ptEfianuiä • in tfteterota. Die zugehörige Patene ist ohne Inschrift 

und nur mit einem vertieften 
Vierpass geschmückt. Keine 
Stempel, weder am Kelch 
noch an der Patene. — 3. 
Silber vergoldeter Kelch auf 
sechspassigem Fuss, an den 
Rotuli des Knaufes abwech- 
selnd Rosen und Christus- 
köpfe. Am oberen Theil des 
sechseckigen Schaftes %tlp 
got. am unteren OC limtia 
Am Fuss als Signaculum ein 

plastischer frühgothischer 
Krucitixus und ein späterer 
silberner Tartschenschild mit 
drei Adlerköpfen. Stempel 
fehlen. — 4. Silber vergoldete 
Patene, 17 15 geschenkt von 

GOTFRID ADELER und 
ANNA CATARINA ADELERS. 
Mit den Stempeln des Gü- 
strower Goldschmiedes Len- 
hafd Mestlln (G mit Krone 
und L M). — s. 6. Silber- 
Kelch (i). vergoldeter Kelch auf sechs- 
passigem Fuss, mit dem ein- 
gravierten Oldenbui^ 'sehen Wappen, sammt'der silbervergoldeten Patene ge- 
stiftet 1737 von dem Major JOACH. FRIEDR. VON OLDENBURG. Beide Stücke, 
Kelch und Patene, von demselben Güstrower Goldschmied wie 4. — 7. Kleiner 
silbervergoldeter Krankenkelch, 1672 von JOCHIM SCHMIDT und ELISABETH 
MEYLANS gestiftet. Von dem Güstrower Goldschmied Heinrich Hölscher (165S 
bis 1706). — 8. Silberne Oblatenpyxis mit Doppelmonogramm, gebildet aus 

>) CniU, GOsIrower Goldschmiede, M. Jahrb. LXIII, S. 149/150. 



20 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEBOW. 

den Buchstaben H. D. H. ANNO 1760. Werkzeichen des Güstrower Gold- 
schmiedes Caspar Joh. Livonlue (C I L).') — 9. Abendmahlskanne, neu, 1855 
vom Grossherzog FRIEDRICH FRANZ II. gestiftet. — 10. Taufbecken, neu, 



Das Rostocker Thor lu Teterow. 



ebenfalls von 1855. — 11. 12. Zwei Leuchter von Alfenide, gestiftet 1880 von 
Gutsbesitzer HELD -Kl. -Rege. 



Ausser der Kirche verdienen die beiden stattlichen Thore, das Rostocker 
und das Malcbiner Thor, als gothische Bauten des XIV. Jahrhunderts die 
grösste Aufmerksamkeit. Zwar haben die Giebel, die ursprünglich ohne Zweifel 



THORE DER STADT TETEROW. 21 

nach hochgothischer Art scharf abgetreppt waren, in späterer Zeit (wahr- 
scheinlich erst im XVII. Jahrhundert) Veränderungen erlitten, indem die Ab- 
stufungea ihre jetzige Umbildung in Kurven erhielten, wie sie dem Geschmack 



Das Malchiner Thor 



der Renaissance entsprechend waren, auch ist die grosse Mittelnische auf der 
Innenseite des Rostocker Thors im Charakter der klassicierenden Phantasic- 
Gothik aus dem ersten Viertel des XIX. Jahrhunderts (vgl, Ludwigslust, 
kathohsche Kirche; Parchim, Rathhaus; dazu die der romantischen Kultur- 
periode angehörende »modificierte Schinkel-Gothik« in Dobbertin u. a. m.) 
umgestaltet worden: indessen thut der kleine Verlust an Ursprünglichkeit der 
grossen monumentalen Wirkung dieser beiden untrüglichen Zeugen einstmaliger 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 





fe^F~^B^H 




2!?^^M. 






Aufriss und Grundrisse vom Malchiner Thor. 



THORE DER STADT TETEROW. 23 

Städte-Blüthe des Mittelalters keinen Eintrag. Die Stadt Teterow wird wie 
heute, so auch hoffentlich für alle zukünftigen Zeiten sich das Verständniss 
Tür den historischen und künstlerischen Werth dieser Bauten zu erhalten wissen 



t tgtflngfgthtiit . 



AuTriss und Gru 



1 Rostocker Thor 



und niemals der Stimme derjenigen nachgeben, welche (lir die Venvirklichung 
moderner Verkehrsbedürfnisse nicht anders als mit Zerstörung geschichtlicher 
Denkmäler und mit Verleugnung der Pietät und des historischen Sinnes sich 
zu helfen wissen. In dieser Beziehung giebt es auch in Mecklenburg schon 
viel zu viel, dessen Verlust aufrichtig zu beklagen ist. 




24 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Dorfes. 



Das Kirchdorf Hohen - Mistorf.') 

Geschichte H ffi] ass der in einer zu Dargun am 12. März 1249 von Bischof Wilhelm 
des von Kammin ausgestellten Urkunde als Zeuge vorkommende Pfarrer 

Johannes von Mistorf, der zugleich Kaplan des Fürsten Borwin von Rostock 
ist, nicht, wie Lisch annahm, dem erst im Jahre 1342 zu einem Filialdorf mit 
Kapelle erhobenen Dorfe Mistorf bei Schwaan angehören kann, sondern nach 
Hohen -Mistorf bei Teterow zu versetzen ist, und dass die Register des Ur- 
kundenbuches zwischen beiden Dörfern nicht scharf genug unterscheiden, hat 
der Verfasser bereits früher darzuthun Gelegenheit gehabt.*) Um 1249 ist 
somit Hohen -Mistorf bereits ein Kirchdorf. Dazu passt der frühgothische 
Ziegelbau der Kirche, die mit ihrem eigenartigen, auf der Nord- und Südseite 
verhältnissmässig schmal angelegten, aber auf der Westseite mit der vollen 
Breite des Schiffes emporgeRihrten und mit einem nördlich und südlich ab- 
gewalmten Satteldach versehenen Thurm an verschiedene Kirchen dieser Zeit 
in der Mark erinnert. Wenn schon aus der Berufung ihres Plebans durch den 
Kamminer Bischof am 12. März 1249 zur Zeugenschaft nach Dargun und aus 
ihrer Lage mitten im mecklenburgischen Circipanien auf Zugehörigkeit zur 
Kamminer Diöcese geschlossen werden durfte, so wird dies ganz direkt durch 
eine Urkunde vom 16. Juni 1305 bezeugt. Damals weilt Bischof Heinrich von 
Kammin zu Hohen- Mistorf und beurkundet von dort «lus, dass er die von 
dem Ritter Dietrich Moltke zu Schlakendorf bei Neukaien gegründete Kirche 
geweiht, mit Pfarrgut bestätigt und von der Mutterkirche (ab ecclcsia matrice) 
zu Schorrentin abgetrennt habe.^) 

In der werleschen Theilung der Länder Hart und Kaien nach dem 
Jahre 13 14 wird Hohen- Mistorf mit einem Rossdienst sowie mit dreissig Hufen 
aufgeführt, von denen sechzehn bedepflichtig sind.^) Im Jahre 1328 machen 

*) 7 km östlich von Teterow, in Luftlinie nur 6 km. Mistisdorph. Mist = Mikist = Ort 
des Mik, Mika, wie auch Miekow: Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 95. Also wendisch und deutsch 
mit einander verbunden : Dorf des Mik, Mika, Mica. 

*) M. Kunst- u. (»esch.-Denkm. IV, S. 18, Anmkg. 2. Dazu M.U. -11622: »Johannes ple- 
banus de Mistisdorph capellanus domini Boriuwini.« Lisch, M. Jahrb. VI, S. 96. Ebenso ist 
der in den Urkunden zwischen 1306 und 1339 mehrfach vorkommende Priester und spätere 
Pleban Hermann von Lage, wie auch aus Nebenumständen zu ersehen ist, der Kirche in Ilohen- 
Mistorf zuzuweisen. Vgl. besonders M. U.-B. 3597, ferner 3072 n., 4691 und 5939 n. 

•) M. U.-B. 3007. Mit Hohen -Mistorf werden somit auch Schlakendorf, Schorrentin (und 
weiterhin durch die Zeugen -Namen) Röcknitz und Levin als zur Kamminer Diöcese gehörig ur- 
kundlich bezeugt. Ueber die ehemalige Kirche zu Schlakendorf vgl. M. Kunst- u. Gesch. -Denk- 
mäler I, S. 591 (612). 

*) M. U.-B. 3721. »Mystorpe in deme lande tome Kaiende,« heisst es bei der werleschen 
Theilung im Jahre 1347: M. U.-B. 6779. 



KIRCHDORF HOHEN- MISTORF. 25 

sich die Brüder Raven, Henning und Reimar von Biick durch eine Memorien- 
stiftung für das Seelenheil ihres Vaters, des Ritters Raven von Bück, um die 
Kirche zu Hohen-Mistorf verdient, indem ihr dafür Einkünfte aus einer Hufe 
(fcs Greifswaider Stadtgutes Tremt (Tremete) zugeführt werden.'} Am 3. No- 
vember 1352 gründen die von Wozenitz und von Stahl eine unter ihrem 
Familien -Patronat stehende gemeinsame Vikarei zu Ehren der Apostel Petrus 
uad Paulus in der Kirche zu Mistorf und bewidmen sie mit Hebungen aus 
Damen und >Siden(-Remplin *) Auch dreizehn Jahre später, als die von Stahl 

ihrenHofzu »Sidenc- 
Remplin nebst der 
Mühle an Heinrich 
Schnakenburg ver- 
kaufen, bedenken sie 
ihreMislorferVikarei 
aufs Neue mit Ein- 
künften durch Be- 
lastung des ver- 
kauTten Gutes mit 
einer an sie abzu- 
gebenden Rente.*) 
Um 1367 giebt es 
wieder einen Pfarrer 
Johann zu Hohen- 
Mistorf, der mit dem 
1376 genannten Jo- 
hann Rücze identisch 
ist.*} Dass hier der 
Probst zu Güstrow 
die geistliche 
Zwischen-Instanz 
zwischen derbischöf- 
Kirche lu Hohen-Mistorf. liehen Gewalt und 

der KirchenÖkono- 
tnie ist. beweist ein Tausch von Rcinshäger Vikarei -Aeckern in dem unter- 
gegangenen Dorfe Lulow mit Vikarei -Aeckern in Hohen-Mistorf, worüber sich 
der Ritter Hartwig von Wozenitz und der Reinshäger Vikar Hermann Prange 
im Jahre 1379 mit einander vertragen.'') 

') Nach einem Transsumt in iwei bisher nicht e^ärucklen Urkunden vom 27. und 28. 
Anpi« 1503. 

*) M. V.U. 7673. 
») M. U.U. 9154- 
•) M- L'.-B. 9580. 10928. 

'J M. f.-B. 11 183. 1125s. Lulow einstmals bei Bartelshagen (j'/t Vm sUdlich vom Kirch- 
dorf Wamkenhngen). Vgl. Raster des Urkunden buch es. Der Vikar Prange erhält die Mistorfer 



26 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Noch ZU Anfang des XVI. Jahrhunderts sitzen die schon genannten 
werleschen Vasallenfamilien von Wozenitz und Stahl auf oder an den wald- 
reichen Hartbergen zwischen Neukaien, Teterow und Malchin, jene auf Teschow, 
diese auf Pohnstorf. Neben ihnen werden Eier Levetzow (to Gorloess, Gorschen- 
dorff), Hinrick vom Hagen und Kersten Passow, beide mit Antheilen an 
Hohen -Mistorf, als zum Rossdienst pflichtige Ritter des Hartlandes (vpp 
Harthe) aufgeführt.*) Aber um das Ende des XVI. Jahrhunderts sind alle diese 
alten Vasallenfamilien, mit Ausnahme des Passow'schen und Levetzow'schen 
Geschlechts, in Mecklenburg erloschen.*) Zu Anfang des XVI. Jahrhunderts 
haben auch die erst im XVII. Jahrhundert ausgestorbenen von Marin (Morin) 
Antheile von Hohen -Mistorf. Doch der Besitz wechselt von einer Hand in 
die andere. Immer aber sind es ausser ihnen entweder die von Wozenitz, 
oder die von Passow, oder die von Levetzow, die ihre Hand in Hohen- 
Mistorf haben. ^) Im XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts sind es 
dann ausser den von Levetzow auch die von Möller*) und von Lowtzow, bis 
im Jahre 1730 das Gut Hohen -Mistorf dauernd an die von Levetzow kommt, 
die es noch heute besitzen. 

Die bis jetzt bekannt gewordenen Namen mittelalterlicher Geistlicher 
sind schon genannt. Um 1534 ist der Küchenmeister Vicke Hildebrand zu 
Bützow Inhaber des ihm von Herzog Heinrich verliehenen Kirchlehns. Später 
— nach der Handschrift und den im Schreiben genannten Personen zu 
schliessen, ungefähr von 1560 bis 70 — ist Jochim Protzen »Prediger« zu 
Hohen -Mistorf. 1575 schreibt Christoph von Stralendorff auf Pohnstorf von 
einem flüchtig gewordenen Mistorfer Pastor, nennt ihn aber nicht. Zwischen 
1585 und 1590 finden wir dort den Pastor Joh. Albrecht. Die eingepfarrten 
Gutsherrn wünschen den Erasmus Hohlschacht an seine Stelle gesetzt zu 
sehen. Aber wir haben nicht ermitteln können, ob dieser wirklich Nachfolger 
geworden. 16 10 verlässt Petrus Paschedag die Pfarre zu Hohen -Mistorf, um 
Gehülfe seines Vaters zu werden. Für ihn wird der Teterower Rektor Johann 
Zimmer berufen. Zwischen 16 19 und 1634 (seinem Todesjahr) wirkt dort 
Aegidius Othmann, vielleicht schon vor 16 19; von 1634 bis 1642 Andreas 
Wendt; von 1643 bis 1660 Johannes Conradi; von 1661 bis 1682 Christoph 
Meyer; von 1683 bis 1723, volle vierzig Jahre lang, Jakobus Erdmann Krönicke 
[f 1724); nach ihm sein Sohn Samuel Joachim Krönicke, der, weil er solitarie 
eingesetzt ist, in Folge der politisch -geistlichen Wirren zwischen Herzog Karl 



Vikarei-Aecker. Wozenitz nimmt dafür die Lulowschen Aecker, die bis dahin zur Reinshäger 
Vikarei gehört haben. 

*) Lisch, M. Jahrb. IX, S. 399/400. — Das Dorf Hagensruhm, nicht von Ruhm, son- 
dern von Raum abgeleitet, mag noch an die von Hagen auf dem Hart- Lande erinnern, die lange 
SUhrkow, dessen Pertinenz es ist, im Besitz hatten. 

') Gamm, M. Jahrb. XI, S. 427—458. 

•) Akten im Grossh. Archiv. 

*) Im Jahre 181 1 befand sich noch in der Kirche zu Hohen - Mistorf ein Epitaph des 1639 
den 10. Oktober zu Heiligenthal geborenen Herrn Heinrich Wilhelm von Möller, der im Jahre 
1672 vor seinem eigenen Hofe ermordet worden war. 



KIRCHDORF HOHEN- MISTORF. 



Leopold und der Kaiserlichen Reichskommission 1739 sein Amt niederlegen 
muss; zwischen 1739 und 1744 Joh. Christoph Martini; von 1745 bis zum 



V«'^ — 

Kirche lu Hohen -Mistoif. 

31. Januar 1799 Nikolaus Andreas Ockel; und 
nach ihm sein 1791 eingetretener zweiter Sub- 
stitut (sein erster KoUaborator von 1786 an hiess 
Suderow) Jakob Augustin Giesenhagen, dessen 
Hauptzeit den ersten vier Jahrzehnten des XIX. 
Jahrhunderts angehört.') S. Walter a. a. O. 

Kirche. Die hier gegebenen Abbildungen, Kirche. 
Grundrisse und a. m. überheben uns einer Be- 
schreibung. Leider hat sich die prächtige wetter- 
graue Ostwand des Chors durch einen Anbau in 
neuerer [Zeit eine Erweiterung und damit einen 
Verlust an ihrer Ursprünglichkeit gerallen lassen müssen, ebenso die Südseite 
des Chors durch eine Vorhalle. Das gothische Kreuzgewölbe, welches den 



*) AktcD im Grossb. Archiv. 



28 



AMI-SGERICIITSDEZIRK TETEROW. 



Innenraum des Chores deckt, wird durch untergelegte Balken zusammen- 
gehalten, während die Deckbalken des Bodens oberhalb des Gewölbes über 
die seitlichen Aussenmauern hinausragen und hier mit derb geschnitzten Holz- 
konsolen verklammert sind. Ob das Kreuzgewölbe des Chors erst nach einem 
Dachsturz zu Anfang des XIX. Jahrhunderts eingewölbt ist, wie die lokale Ueber- 

liefening wissen will, 
erscheint fraglich. 
Das durch einen 
steilen schweren 
Triumphbogen vom 
Chor getrennte, im 
Uebrigen aber flach 
gedeckte Gemeinde- 
haus ist kleiner als 
der Chor, wird aber 
durch einen Theil des 
Thurmraumes ver- 
grössert , der sich 
zum Gemeindehaus 

hin mit einem 
gleichen Spitzbogen 
wie der Triumph- 
bogen vom Chor her 
öffnet. Der Thurm 
.soll noch im vorigen 

Jahrhundert eine 

Spitze gehabt haben, 

die bei ihrem Nieder- 

, das innere Gewölbe 



y^/'j^ 



■-*=g^ 






; sehen ' 



fallen, wie man an der Ostwand des Thui 
des Schiffes weggebrochen hat. 

Die innere Einrichtung ist neu. 
Tafel. An der Wand eine Tafel mit kleinen Wappenschilden der Familie 

VON BLOCHER-Teschow.') 
Stocken. Im Thurm hängen drei Glocken (Dm. i,io, 0,82, 0,68 m); alle drei 

sind 1839 von F, SchQnsmann in Demmin gegossen worden.*) 

') Es sind die Wappen von l. Helmuth Iliutwig von lilQcher, geb. lo. Januar 1745, gest. 
12. April 1817, vermähll mit Sophie Hedwig von Rieben, geb. 5. September 1756, ge»t. 10. Man 
1S31. 2. Luidrath Ernst Anton von HiUcher, geb. z6. April 1793. gest. 36. August 1863, vermShlt 
mit Koroline von l.evetzow, geb. 21. December 1793, gest. aS. Aptil 1S33. 3. Oberst Helmuth 
von BlUcher, geb. 3. Mai iSiS, gest. 19. November 1882, vermählt mit Außiisle von BlUcher, geb. 
von Meyenn, geb. 7. Mai 1817, gest, 19. Märi 1883. 4. Karl Wilhelm von Meyenn, Kammerherr 
nnd D103I, geb. S.September 1790, gest. 10. August 1831, vennSblt mit Pauline von BasMwiti, 
geb. 12. December 1S04, gest. 23. Oktober 1E73. 

*) Von den Vorgängerinnen dieser Clocken hatte die grüssle (nach dem Inv. von l8tl mit 
einem Dm. von 3>/i Fuss) gar keine Schrift, wlhrend die kleinste von 2 Fuss Dm. 1 Münchsschrin c 



KIRCHDORF THÜRKOW. 29 

I. Grosser silberner Kelch auf rundem Fuss. An Kleinkunst- 
der Kupa das Wappen des Dr. C. STURTZ 1698.*) Als Stempel eine drei- werke, 
thürmige Burg mit Krone darüber (Hamburg?). — 2. Silbervergoldete Patene, 
gestiftet 1859 vom Hausgutspächter C. SCHMIDT zu Niendorf.*) — 3. 4. Grosse 
ninde Oblatenschachtel und eine Abendmahlskanne, beide mit der Jahreszahl 
1856 und dem Namen des ERNST ANTON V. BLÜCHER auf Teschow.^) 




Das Kirchdorf ThUrkow/) 

|us einer Urkunde vom 8. April 1371 — eher erfahren wir nichts — geht Geschichte 
hervor, dass Thürkow ein Gut der mit den Levetzow's verschwägerten ^^s 
Familie von Sukow ist, und dass der damalige Besitzer Dietrich von Sukow, Liorfes. 
als Erbe und Vormund des jungen unmündigen Werner von Sukow zu Klever- 
hof, seinem ebenfalls zu Kleverhof wohnenden Oheim Werner von Levetzow 
im Namen seines Mündels dessen Besitz den damaligen Rechtsbedingungen 
der Vormundschaft gemäss käuflich überlässt.^) Nun vergehen über hundert 
Jahre, ehe es wieder eine Nachricht giebt. Inzwischen aber ist Thürkow ein 
Gut der Familie von Barold geworden, als deren Hauptsitze im Mittelalter 
Dobbin bei Krakow, Dudinghausen bei Schwaan und Moisall bei Bützow er- 
scheinen. Aber am 17. März 148 1 (nicht 1418) verkaufen die Brüder Henneke 
und RoloflT von Barold die Güter Thürkow und Appelhagen (Abelenhagen) an 
den mit ihnen verschwägerten Hermann von Zepelin.®) Und nun bleibt 
Thürkow bis zum Jahre 1796 in Zepelin'schen Händen. Von 1796 bis 1831 
wird es Besitz des Domdechanten Hans Graf von Schlitz. 1831 erwirbt es 

nnd die Jahreszahl 1487, die mittlere aber von 3 Fuss Dm. 1750 von Otto Gerhard Meyer in 
Rostock gegossen war und die Namen des Pastors Nikolaus Andreas Ockel und der Vorsteher 
Friedrich Kanseyer und Jochim Lüders trug. 

*) Aeltester Sohn des Jakob Sturtz (1602 — 1672), welcher Besitzer der nach Ilohen-Mistorf 
eingepfarrten Guter SUhrkow und Bukow wurde. Der hier genannte Christoph wurde im Juni 
1642 noch als Knabe in Rostock immatrikuliert, Dr. juris zu Altorf 1656, und starb 1698 als viel- 
bescbiftigter Sachwalter zu Hamburg. Nach Hofmeister, Allgem. deutsche Bibliographie. Das Inv. 
von 181 1 fügt zu dem Sturtz'schen Kelche hinzu: »Dieser Kelch ist im November 1806 gerettet, 
da die beiden kleinen silbernen weggenommen sind sammt den Patenen.« 

*) Niendorf ist eingepfarrt nach Hohen - Mistorf. 

•) Tcschow ist ebenfalls nach Hohen - Mistorf eingepfarrt. 

*) 6 km nördlich von Teterow. Von Kühnel mit dem altslavischen Stamm turu = Auer 
verbunden: Ort des Turek, Auerhagen, Auerdorf. 

») M. LVB. 10 180. 10 183. 

^ Dieser Hermann von Zepelin war mit Margaretha von Barold a. d. H. Dobbin vermahlt. 
Vgl. Fromm, Gesch. d. Farn, von Zepelin, S. 128. Die Annahme 1418 für 1481 beruht, wie die 
Verkaufs -Urkunde im Grossh. Archiv beweist, auf einem Schreib- oder Lesefehler in Claus Joseph 
von Behr's Genealogie der Familie von Zepelin: Fromm, a. a. O., Urkunden, S. 68. Der Fehler 
W in Lehsten, Adel Mecklenburgs, übergegangen und für die genealogischen Zusammenstellungen 
Fromm's verhangnissvoU geworden. Im Jahre 1555 lösen die von Zepelin eine Reihe landesherr- 
licher Gerechtsame ab, doch bleibt das Kirchlehn ausgenommen. 



30 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Kirche. 



Altar. 



Gestühl. 



Glocken. 



Friedrich Graf von Hahn, und aus Hahn'schen Händen kommt es 1890 an 
Wilhelm Blohm. Appelhagen aber ist noch heute, also bereits über vier- 
hundertundzwanzig Jahre, ein Zepelin'sches Gut. 

Ueber den Bau der Kirche ist uns nichts überliefert. Da aber Thür- 
kovv im Lande Circipanien liegt, das seit der Mitte des XIII. Jahrhunderts 
zum Bisthum Kammin gehört, so wird das Gotteshaus von dorther seine Weihe 
empfangen haben. Namen von mittelalterlichen Geistlichen fehlen ganz. Um 
1534 haben die herzoglichen Vögte zu Güstrow die Kirche zu verleihen: Herr 
Jochim Keding beschwert sich über Cord von Zepelin. 1541 ist Nikolaus 
Schönicke der erste Prediger im Sinne der Reformation. Er wird gelobt und 
ist auch 1552 im Dienst. Nach ihm werden Joh. Deneke und Wolfgang Sieg- 
fried genannt, jener in der Zeit zwischen 1572 und 1579, dieser um 1580, 
aber die Akten lauten über beide nicht erfreulich. 1580 wird Joh. Koster 
(Coster) von Herzog Ulrich berufen, er ist auch 161 6 noch im Dienst. 1638 
wird Pastor Zacharias Altenkirch vom Tode hingerafft, das Kirchspiel und die 
Pfarre werden als völlig verwüstet geschildert. Die wenigen Hofbesitzer, die 
übrig geblieben sind, bitten den Herzog Adolf Friedrich, sich zur Kirche nach 
Levitzow und an den von Hans von Lowtzow dort eingesetzten jungen Pastor 
Heinrich Neusenius halten zu dürfen. Doch 1643 bekommen sie bereits wieder 
ihren eigenen Pastor in Balthasar Hüttenheber. Diesem folgt schon 1647 der 
Teterower Kantor Joachim Geist, der aber auch nur kurze Zeit dableibt. Denn 
1652 tritt Joh. Georg Denstedt an seine Stelle. Es folgen weiter: 1655 Michael 
Blancke, 1689 Daniel Perlensticker, 1697 Paulus Roht (Rohte, Rathke), der 
am 6. Mai 1724 stirbt. Von 1726 bis 1786 wirken Joh. Jakob Sievert und 
sein Sohn Georg VoUrath Jakob Sievert, letztgenannter erst seit den sieben- 
ziger Jahren. Er stirbt im Frühsommer 1786. 1787 wird Daniel Knöchel be- 
rufen (f 28. Januar 183 1). S. Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein kleiner auf einem Granitfundament ruhender 
niedriger frühgothischer Ziegelbau in Form eines länglichen Vierecks. Im 
Innern eine flache Decke. Der Ostgiebel ist mit Blenden verziert. Auf der 
Südseite ein Eingangs -Anbau und auf der Westseite ein mit der Kirche ver- 
bundenes Fachwerk -Glockenhaus, dessen First niedriger ist als der der Kirche. 

Die innere Einrichtung ist ohne Bedeutung. Auf dem Altar ein Bild 
der hl. Maria mit dem Leichnam Christi (Pietas) von Fr. Oesterreich. 

Beachtenswerth ist der alte Appelhäger Hofstuhl des CHRIST : FRIED- 
RICH VON ZEPELIN^) und seiner Gemahlin IDA DOROTHEA VON LEVETZOW, 

mit übergesetztem geschnitzten Allianz -Prunk -Wappen von 1746. 

Im Glockenstuhl zwei Glocken. Die erste ist laut Inschrift im Jahre 
1805 unter dem regierenden Herzog FRIEDRICH FRANZ von Valentin Schultz 
zu Rostock umgegossen worden. — Die zweite hat die Inschrift: © • ttf • 



*) Weiland Besitzer des nach Thürkow eingepfarrten Rittergutes Appelhagen. 




KIRCHDORF THÜRKOW. 3I 

BloriC • JCpC • bClip • cum • patt • ano • blli (Jahreszahl fehlt, der 
Schriftring ist geschlossen). Unter dem oberen Schriftring kleine 
Rundbilder, ebenso zwischen den einzelnen Worten. Am Mantel 
eingeritzt das nebenstehende Giesserzeichen und ein +. Die Buch- 
staben sind ungeschickt behandelt. — Auf dem Boden des Glockenstuhles 
11^ noch eine dritte kleine Glocke, die weder Zeichen noch Inschrift hat. 

Kleinktmstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss und Kleinkunst- 
mit rundem Knauf Am Fusse das Zepelin'sche Wappen, darüber: 0»F» werke. 
ZIEPLIEN ANNO 1707. Als Stadtstempel eine dreithürmige Burg mit dem 
Jahresbuchstaben C, und als Meisterzeichen ein aus der Wolke ragender Arm, 
der einen Schlüssel hält. Die dazu gehörige Patene hat dieselbe Umschrift 
wie der Kelch. — 3. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss und mit rundem 
Knauf. Am Fuss ein Drieberg-Zepelin'sches Allianzwappen, dazu die Anfangs- 
buchstaben A. D. und D. Z. ^) An ihm auch die Stempel des Güstrower 
Goldschmiedes Heinr. Hölscher (1658 — 1706). — 4. Ovale silberne Oblatendose, 
auf dem Boden die Buchstaben A • M • T» Dazu Güstrower Werkzeichen: G 
und C L (Christian von Lohe, 1698 — 1701?). — 5. Neue silberne Abendmahls- 
kanne in gothischer Form, in der Verzierung dem Kelch und der Patene von 
1707 angepasst. Am Fuss das Zepelin'sche Wappen und die Buchstaben 
S • V • Z • 1893. Werkzeichen fehlen. — 6. 7. Zwei alte Zinnleuchter. Der 
eine trägt die Inschrift: DAViDT X SCHONOW X 1646 X DOROTHEA X ZEPE- 
UEN. Der andere: HANS SCHRÖDER THO TVRC'W IN DAT GOTTES HVS — 
1646 — . Werkzeichen bei beiden verhämmert. 

Ein Vergleich des jetzigen Inhalts der Kirche mit dem von 1811 
zeigt, dass hier seitdem mit Kunst- und Geschichts- Denkmälern stark auf- 
geräumt ist. Die ehemaligen Kancellen des Altars stammten von 1581, 
der Altaraufsatz selbst mit einem Bilde der Grablegung Christi war ein Ge- 
schenk des in dänischen Diensten gewesenen Oberstleutnants JOHANN VON 
ZEPELIN vom Jahre 1686. Zu seinem Gedächtniss (geb. 1645, S^^t. 1720) 
war auch eine Fahne mit Inschrift und Wappen in der Kirche aufgehängt. 
Ein dritter silberner Kelch war mit dem Zepelin-Plessen' sehen Allianzwappen 
und den beiden Namen JOHANN ZEPELIN und HENRICA VON PLESSEN versehen, 
und eine zweite silberne Oblatenschachtel von runder Form trug die Jahres- 
zahl 1662 und die Namen und Wappen des JOHANN VON ZEPELIN und der 
HEDWIG MARGARETHA VON BARSTORFF. Statt zweier zinnerner Altarleuchter 
gab es 1 8 1 1 deren fünf. Auch war noch ein beim Absterben des auf 
Wotrum erbgesessenen JULIUS GEORG OTTO VON OLDENBURG im Jahre 1754 
aufgestellter Krucifixus von Zinn vorhanden. Am Thürkower Hofstuhl sah 
man in Farben das Zepelin-Holck'sche Allianzwappen mit den beiden Namen 
VOLRATH HARTWIG VON ZEPELIN und LOUISE FRIEDERICA QRXFIN VON HOLCKEN, 
die auch an der im Jahre 1745 aufgestellten Kanzel wiederkehrten. An 
dieser Kanzel ausserdem das Wappen der DOROTHEA EVA ELISABETH VON 
OLDENBURG. 



*) Adam von Drieberg auf Sprenz, vor 1650 vermählt mit Dorothea von Zepelin a. d. H. 
Appelhagen. 



32 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Das Kirchdorf 



.') 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




|ie Geschichte des Gutes und Dorfes beginnt mit der Gründung der Kirche 
durch den Ritter Johann von Levetzow im Jahre 1304. Der Gründer 
selbst freilich kommt schon von 1292 an in mecklenburgischen Urkunden vor, 
er ist das Haupt jener Adelsfamilie, die ihren Namen von der Mitte des 
XVI. Jahrhunderts an in Loutzouw, Lautzau, Lowtzow verändert hat, und nicht 
mit den ein anderes Wappen führenden Herren von Levetzow verwechselt 
werden darf.*) Bis 1304 gehören Gut und Dorf Levitzow zur Jördenstorfer 
Plebanie. In diesem Jahre aber werden die Dörfer Todendorf und Perow aus- 
geschieden und mit dem neuerstandenen Kirchdorf Levitzow zu einer beson- 
deren Parochie verbunden.') Der Kirchherr zu Jördenstorf (damals Herr Gerdes), 
wird mit Einkünften aus Gross -Methling entschädigt, für deren Aufbringung 
das Kloster Dargun die Bürgschaft übernimmt, der Bischof von Kammin giebt 
zu dieser Veränderung in seiner Diöcese die Zustimmung, und Markgraf Otto 
von Brandenburg, der damals als Oberlehnsherr des südlichen Mecklenburg 
und im Besonderen des Hauses Werle auftritt und den Ritter Johann von 
Levetzow seinen Vasallen nennt, (ugt seine weltliche Bestätigung hinzu. Zu- 
gleich verleiht er dem Kloster Dargun das Patronat über die Kirche.*) Dass 
im Jahre 1305 zwei Priester an der Kirche wirken, deren Einkünfte durch 
Ritter Johann von Levitzow verbessert werden, erfahren wir aus einer Urkunde 
vom 30. September 1305.^) Damit aber ist unsere Kunde aus dem Mittelalter zu 
Ende. Nur noch von den in ununterbrochener Reihe auf Levitzow wohnenden 
Herren von Levetzow (Lowtzow) giebt es einige Nachrichten, die Lisch im 
M. Jahrb. XI, S. 476 — 481, zusammengestellt hat, und auf die wir daher hier 
nicht zurückzukommen brauchen. Erwähnt soll nur werden, dass Ritter 
Johann, der Erbauer der Levitzower Kirche, für sich und .seine Frau Gertrud 
im Jahre 1308 eine Grabstätte in der Klosterkirche zu Dargun erwirbt und 
mit vieler Freigiebigkeit allerlei Anordnungen für seine Bestattung trifft.^) 
Doch hat sich keine Spur von der letzten Stätte beider erhalten. 

Bis 1796 bleiben die von Lowtzow auf Levitzow. In diesem Jahre 
übernimmt die Frau Geh. Etatsräthin Gräfin von Lüttichau das Gut. 1799 



*) 8 km nördlich von Teterow. >Ort des Levik, Levicac : Ktthnel, M. Jahrb. XLVI, S. 83. 

*) Lisch, M. Jahrb. XI, S. 476—81. Lehsten, Adel M.'s, S. 152. 

*) M. U.-B. 2930. Ueber den Hufenstand dieser drei Dörfer, ihre Bede und Verpflichtung 
zum Rossdienst giebt die Urkunde 3721 (werlescher Theilungsvertrag Über die Länder Kaien und 
Hart im Jahre 1314) weitere Auskunft. 

*) M. U.-B. 2931. 2936. Vgl. Rudloff, Hdb. d. m. Gesch. II, S. 178. 199. 

*) M. U.-B. 3027. 

«) M. U.-B. 3236. 



KIRCHDORF LBVITZOW. 33 

folgt ihr der Oberjägermeister Kaspar Heinrich von Sierstorpff, welcher acht- 
unddreissig Jahre im Besitz bleibt. Seit 1837 aber ist das Gut in den Händen 
der Familie Nahmmacher. 

Die Quellen über die Geistlichkeit fliessen nur spärlich.') Den Namen 
des Bartholomaeus Theophilus entnehmen wir dem Kelch von 1596 (s. u.). 
Reichlichere Nachweise giebt es liir Heinrich Ncusenius (1641 — 1681), Joh. 
Brü^e (1682 — 169g], Joh. Reineccius (1700 — (719) und Joachim Nochland 
(1720 — 1730). Nach Nochland's Tode bittet der Patron der Kirche Eier Detlev 
von Lowtzow (s. Glocke und Kirchenstuhl) um Kombinierung seiner Kirche 
mit der in Thürkow. Aber es ist die Zeit der Wirren unter Herzog Karl 



Levitzow. 

Leopold, und er bleibt ohne Antwort, so auch noch 1743- Zuletzt geht aus 
den Thürkower Kirchenakten hervor, dass die Kombinierung thatsächlich ein- 
getreten und auf keinen Widerstand gestossen ist. 

Kirche. Die Kirche, ein noch stark romanisch anmuthendes schlichtes 
Bauwerk aus Backstein, mit kleinen Rundb<^enrenstern {drei im Osten, vier im 
Süden und drei im Norden) ruht auf einem Granitfundament und bildet ein läng- 
liches Viereck mit plattem Chorschluss. Im Mauerwerk überall der wendische 
VcrlMind. Am Westende ein Fachwerkthurm mit einem vierseitigen niedrigen 
Helm. An der Nordseite eine Grabkapelle vom Jahre 1604, an ihr als 
Schmuck ein Lowtzow -Winterfeld 'sches Allianzwappen in Terrakotta. Dieselben 
Wappen in Terrakotta an der im Renaissancestil erbauten kleinen steinernen 
Eingan^halle vom Jahre 1619. Dies Datum findet sich hier an einem Balken. 

') Vgl. Evoi^el. Mecklenburg I, S. 286. 379. Durch ein Versehen h.it hier Schröder 
LeassowcT und LeviWowcr Pasloren mi( einander verbunden (Grotefend). 



34 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Der Innenraum der Kirche ist mit einer im Barockstil bemalten Balken- und 
Bretterdecke überspannt, die das Jahr 17 lO aufweist.*) 

Altar und Altar und Kanzel sind zu einem Körper verbunden. 

Kanzel, 
Gothisches Noch erhalten ein kleiner Johannes Baptista mit einem knieenden Engel 

Schnitz- zur Seite. Ein ursprünglich auch auf der anderen Seite vorhanden gewesener 

werk. Engel ist weggebrochen. Gothisches Schnitzwerk aus Eichenholz. 

Allianz- An der Nordwand ein polychrom behandeltes Allianzwappen des 

Wappen. JOCHIM V. LOWTZOW und der MARGARETHA VON WINTERFELD mit dem 
Datum 1620. 

Prunk.stiihl. An der Südwand ein grosser Prunkstuhl mit dem Lowtzow-Stralen- 

dorff 'sehen Allianzwappen von 1732 (E«D*V«L« — J.M»V-S.).-) 

Glocken. Im Thurm zwei Glocken. Die eine mit der Umschrift: i^ IIHX 

GliORie VeWI QVSß PäQG. Die zweite hat oben als Inschrift: LAURENTIUS 
STRAHLBORN ME FUDIT LUBECAE ANNO 1738. Im Felde auf der einen Seite 
das Lowtzow'sche Wappen und die Anfangsbuchstaben E« D»V» L», auf der 
anderen Engelsköpfe und dazwischen SOLI DEO GLORIA. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke, i. Silbcrvergoldeter spätgothischer Kelch auf sechs- 

werke, passigem F'uss, mit dem Namen il)eflj^ am Knauf Am Fuss die Inschrift: 
JOCH : LOVZ : ex • MORBO • gravi • liberal • CVM • CONIVGE • MAR : 
WINT • DEDIT • GRATITUDINIS • ERGO • ANNO • 1596. Dazu die eingravierten 
Wappen beider. Unter dem Fusse: (EO) TEMPORE PASTOR BARTHOLV'MEUS 
THEOPHILUS. Ohne Werkzeichen. — 2. Kleiner silberner Kelch auf rundem 
Fuss, vom Rostocker Goldschmied Peter Qu istorp (löiT, 1632). An der Kupa 
die Inschrift ADAM LOWTZOW und das Lowtzow'sche Wappen. — 3. Silber- 
vergoldete Patene ohne jedes Zeichen. — 4. Ovale Oblatendose, vom Güstrowcr 
Goldschmied Lenhard Mestlin (1705 — 1739). — 5. 6. Zwei zinnerne Henkel vascn 
von 1733. Malchiner Stadtzeichen: Büffelskopf. Meisterzeichen: Pelikan mit 
CK. — 7. 8. 9. Drei grosse zinnerne Leuchter aus der Zopfzeit. Malchiner 
Stadtzeichen: Büffelskopf; Meisterzeichen: I C P. — 9. Kleiner Leuchter mit 
der Marke des englischen Zinns von 1786. 



*) Lisch, M. Jahrb. XII, S. 470. 

*) Eier Detlev von Lowtzow (s. o.) auf Levitzow und Silhrkow, vermählt mit der >F^rl)lehii- 
Jungfrau« Juliane Margarethe von Stralendorff a. d. II. (Ireven. 



KIRCHDORF JÖRDENSTORF. 35 




*) Gut 12 km nördlich von Teterow, 14 km nordwestlich von Neukaien. 

*) M. U.-B. 2979. Rudioff, Hdb. H, S. 202. 

') M. U.-B. 4026. Die durch diese Urkunde geschaffenen grossen Einkünfte der Pfarre he 
^Tehen noch heute. Auch die Jurisdiktion bei der Pfarre hat bis ins XIX. Jahrhundert hinein ge- 
dauert, ist aber seitdem auf das Amtsgericht übergegangen. 

*) M. U.-B. 6550. 6667. 9673. 

3* 



Dorfes. 



Das Kirchdorf Jördenstorf.') 

|ls ältere und grössere Plebanie ist uns das »in der vogedeye thom Geschichte 
Kalandec gelegene deutsche Bauerndorf Jördenstorf (Jordanstorp, Jordens- ,^^^^ 
dorpe) schon im Jahre 1304 bei der Gründung der Kirche zu Levitzow ent- 
gegengetreten (s. o. S. 32). Damals ist Herr Gerdes der Pleban. Weiteres 
hören wir über Jördenstorf im Jahre 1305. Da giebt es hier am 3. April eine 
grosse Fürsten -Versammlung, deren Spitze gegen den König von Dänemark 
gekehrt ist, die aber z. Zt. gar keinen praktischen Erfolg gehabt hat: es ist 
eine Berathung zwischen den Fürsten der drei Linien Rostock, Mecklenburg 
und Werle und den brandenburger Markgrafen Otto, Johann, Hermann und 
Woldemar über die Wiederauslösung des Landes Rostock aus der dänischen 
Oberlehnshoheit.*) Im Jahre 13 18 kommt abermals eine Kunde von Jördenstorf. 
Damals ist Konrad Gamm der Kirchherr. Im Auftrage seines Landesherrn, 
des F*ürsten Johann von Werle, hat er für dessen Seelenheil eine Pilgerreise 
zum heiligen Grabe gemacht. Zum Dank dafiir bestätigt ihm der Fürst nicht 
nur das von seinen Vorfahren gestiftete und ausgestattete Kirchlehn, sondern 
er verbessert auch dessen Einkünfte in erheblicher Weise durch eine Schenkung 
von vier Hufen in der Jördenstorfer Feldmark und durch Genehmigung des 
Besitzes einer fünften Hufe, welche Reimar von Moltke Gott zu Ehren der Pfarre 
überwiesen hat. Dazu giebt er das Gericht und schenkt der Pfarre sieben 
Käthen (aus jedem Käthen das Rauchhuhn), sowie Holz- und Weide -Nutzung. 
Nur knüpft er daran einige Bedingungen für das geistliche Amt, wie gebühren- 
freie Verabreichung des heiligen Sakraments der Oelung (»vnd vor de houe 
schal de kerckher, de dar den ist, tho allen krancken luden ghan vnd in sinen (!) 
bedde mith dem hilligen sacrament de hilligen öligen [geuen] vnd nene pen- 
ninge daraff eschene) und Abhaltung von Vigilien und Seelenmessen für das 
werlesche Haus zweimal im Jahre (twyge des jares).*) 

Um 1345 ist Johannes Dähn (Dacus) Pleban in Jördenstorf, dem wir ein 
Jahr später in Stavenhagen begegnen, wenn es derselbe ist, und 1367 giebt 
es wieder einen Dominus Johann zu Jördenstorf.*) Dass es hier im Mittelalter 
ritterschaftlichen Hufenbesitz gab, wird sowohl durch die Moltke'sche Schenkung 
im Jahre 1318 als auch durch zwei Kaufverträge bewiesen. Am 10. Februar 
1359 überlassen die von Brizkow (Brützkow), welche den von Bülow stamm- 



36 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

verwandt sind,') zwei Jördenstorfer Hufen, die sie vom Kamminer Bischof zu 
Lehn tragen, den Herren von Moltke auf Strietfeld, und am 30. April 1373 
gewähren diese wieder der Familie Hasse in Gnoien eine Komhebung von 
neun Drömt aus ihren Jördenstorfer Hufen (in duobus mansis sitis in catnpo 
ville Jordenstorp, in aduocacia Nygencaland). *) 

Als letzten vorre forma torischen Geistlichen werden wir den von Herzog 
Albrecht eingesetzten Matthaeus Stime um 1534 anzusehen haben. Um 1544 
wird Nikolaus Borch (Barg) genannt.') Nachher Er Melchior Brandt, der noch 
1585 als Pastor in Rittermannshagen lebt, 1575 wird Joachim Grape berufen. 



Kirche lu Jördenslorf. 

der über 90 Jahre alt wird. Er wird 1629 emeritiert, und an seine Stelle tritt 
der von Wallenstein eingesetzte Christian Netzeband.*) Aber schon 1632 folgt, 
noch bei Grape's Lebzeiten, der von Herzog Hans Albrecht von Mecklenbui^ 
berufene Kaspar Schwarz. Diesem wird 1647 Andreas Rosenow substituiert. 
Es sind die Kriegszeiten: 1648 werden in Jördenstorf, wo es vordem neun 
Bauern und sieben Kossäten gab, nur vier Personen gezahlt.'') Auch später 
giebt es noch viele Drangsale dieser Art bei Truppen - Durchmärschen, welche 

') Lisch, M. Jahrb. XXXIII, S. 88—93. 

•) M. U.-B. 8565. 1043z. 

■) In einem uns vorUegenden Verieichniss von 1544 wird auch Jlirgenslorf bei Slavcnhagen 
als Jördenstorf aufgeführt. In dem einen ist Nik. Horch (Haig) l'astor, in dem andern Joachim 
KrUg«r. Wenn nun Schräder den Nik. Borch richtig nach Jördenslorf setz) (Evnng. M. III, S. 203) 
dann gehört der andere nach JUrgenstorf hin. Vgl. el«ndaselbst I, S. 455. 

■) Im Verzeichniss bei Lisch, M. Jahrb. XXXVIl, S, 7fr., nicht mit aufgeflihrt. 

=■) Groth, M. Jahrb. VI. .S. 138. 1703 sind wieder 66 Iteichlkinder im Horfe. 



KIRCHDORF JORDENSTORF. 37 

den Pastor Rosenow im Jahre 1660 veranlassen, iiiii eine >Salva giiardia« zu 
bitten. Auf Rosenow folgt 1698 Kaspar Mantzel. Nach dessen Tode (30. Sep- 
tember r735) tritt eine Vakanz von dreizehn Jahren ein. Als Patronatsherrin in 
alten Kirchen des Darguner Amtes will die Herzogin Auguste einen Prediger 



Kirche zu Jördenstorf. 

im Sinne ihrer Darguner Geistlichen ') nach Jördenstorf gesetzt haben. Aber 
die ganze Gemeinde widersteht. Auch die Wirren zwischen dem Herzog Karl 
Leopold und der Kaiserlichen Reichskommission halten die Ordnung der Ver- 
hältnisse auf. Endlich kommt auf Vorschlag der Herzogin Auguste Pastor 

') Vgl. M. Kunst- u. Gesch.-Denkni. I, S. 5Z7 (546)- 



3» AMTSGERICHTSBRZIRK TETKROW. 

ICrnst Ludwig Fratick ins Jördcnstorfer ITarr.imt. ') Indessen Anfang und Ende 
bei ihm haben l^einen gleichen Klang. Die Akten berichten in den sechziger 
Jahren des XVIII, Jahrhunderts allerlei Nachtheiliges über ihn. Ihm folgt 176S 
Joh. Andreas Hetschack (7 12. Mai 1795), und diesem 1796 Dr. Joh. Georg 
Kecker, später Dr. thcol. und Konsistorialrath in Rostock. Vgl. Walter a. a. 0. 



Kirche zu Jördenstorf. 



Kirche. Kirche. Den beigegebenen Abbildungen der 

Kirche sieht man sofort an, dnss es sich um 
einen Bau von grösserer Hcdeutung aus dem An- 
fange des XIII. Jahrhunderts handelt, dessen ältester 
Theil, der Chor, vielleicht schon dem letzten Viertel 
des XII. Jahrhunderts angehört. Sein Gewölbe ist 
zwar ein achttheiliges Rippengewölbe, aber nicht 
nach gothi.scher Art, sondern von jener romani- 
schen Kuppel- oder Backofen-Form, wie sie in den 
älteren mecklenburgischen Stadt- und Landkirchen 
nicht selten ist. Der Kalkputz am Chor und der 
südlichen Eingangshalle oberhalb der Granitplatten 
ist quadriert. Schiff und Chor werden durch einen 
schweren Triumphbogen in Form eines gedrückten 
Spitzbogens von einander getrennt. Der Rund- 
bogenfries ist neu, aber durch alte Reste auf der 
Westseite vorgezeichnet. Wie Chor und Langhaus 
ist auch der Thurm ein massiger Ziegelbau, der 
immerhin noch dem XIII. Jahrhundert angehört. 




') Wilhelmi, M. Jahrb. XI.VIIT. ü. 186— 197 (lies 



r Jördenstorfer Pfarre). 



KIRCHDORF JORDENSTORF. 39 

wenn auch wohl mehr dessen Ende. Er hat ein rundbogiges Portal sowie 
auch rundbogige Blenden und Schallöffnungen, aber es fehlen die feineren 
Profilierungen der älteren Zeit. Wandungen und Laibungen sind in jener ein- 
facheren Art ausgeführt, die z. B. die spätromanische Kirche zu Levitzow am 
Ende des XIII. Jahrhunderts aufzuweisen hat. Dagegen giebt es auf der Süd- 
seite ein zugesetztes gutes frühgothisches Portal mit hübscher Laibung in einem 
vorgeschobenen Mauerkern, geradeso auf der Nordseite ein solches mit einem 
Kapitellglied in der Kämpferlinie. Leider haben der trefflichen alten Kirche 
störende Anbauten und stillose Zuthaten in späterer Zeit nicht erspart werden 
können. 

Das Innere der Kirche ist mit Werken der letzten Jahrhunderte gefüllt. Altar- 
Der Altaraafsatz ist eine Stiftung des HELMUTH HARTWIG VON BLÜCHER aufsatz. 
auf Sukow, Wasdow und Bobbin und seiner Frau ELEONORA MARIA VON 
OERTZEN vom Jahre 1793, das Altargemälde in ihm aber ein Geschenk von 
ANTON SCHRÖDER auf Schrödershof und seiner Ehefrau SOPHIE, geb. HELD. 
Es stellt den Krucifixus nach Guido Reni von Andrea Guglielmi in Rom dar. 

Die Kanzel ist von 1734, die Orgel von 1777. — Neben der Kanzel Kanzel, 
ein Blüchcrsches Epitaph, gesetzt von JÖRGEN VON BLÜCHER auf Sukow, 17 10 Ofgel, 

renoviert auf Kosten der Wittwe des ERNST LUDWIG VON BLÜCHER, MARIE ^P'^aph. 
VON BREDOW. Auf dem Epitaph das Gemälde der Auferstehung Christi. 

• 

Im Chor auf der Südseite die Remliner Empore mit Wappen der Emporen. 

Familien VON KARDORFF und VON OERTZEN. *)— Auf der Nordseite die Klcnzer 

und Sukower Empore, jene mit den Wappen der Familien VON LEVETZOW 

und VON TREUENFELS, diese (Sukower) mit einer Reihe von Wappen der 

Familie VON BLÜCHER.') — Im Langhaus auf der Südseite die Schröders- 

böfer Empore mit einem Monogramm (SCHRÖDER) von 1868, die Klenzer 

Leute- Empore mit denselben Wappen wie die Klenzer Empore im Chor; 

auf der Xordseite aber die jetzige Poggelower Empore mit dem LEHSTEN- 

BÜLOW sehen Allianzwappen, die jetzige Schwetziner Empore mit dem 

KETTENBURG -BARNER'schen Wappen und die jetzige Schwasdorfer Empore 

ohne dergleichen Schmuck.') — Zu beachten sind ferner zwei Sukower 

Kirchenstiihle mit geschnitzten Wangen und Familienwappen. Der eine, an 

der Nordseite des Altarplatzes, zeigt die Namen und Wappen von LUDER 

BLÜCHER + ELSE SMEKER + TONS BLÜCHER + ELSE PENS (Preen'sches 

Wappen, also wohl »PRENS« zu lesen), JÜRGEN BLÜCHER, LUDER BLÜCHER 

TONS SONE + ELSE BLÜCHER ANNO 1569. Der zweite Stuhl (der erste der 

Mittelreihe) hat die Namen und Wappen von LUDER BLÜCHER TONS SON + 

') Remlin von 1494 bis 1860 in Kardorff'schem, seitdem in Oertzen'schem Besitz. 

') Klenz noch heute im Besitz der Familie von Treuenfels, früher, von 1372 bis 1653 und 
voa 1707 bis 1789, im Besitz der Familie von Levetzow. — Suckow von 1505 bis vor wenigen 
Jahren im Besitz der Familie von Blücher. 

•) Die von I^hsten hatten das nach Jördenstorf eingepfarrte Gut Schwasdorf in der Zeit 
von 1607 bis 1619 und nachher wieder von 1735 *"• — ^^^^ ^o" ^^^ Kettenburg halien das nach 
Jördenstorf eingcpfante Gut Schwetzin seit 1683. 



40 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

JÜRGEN BLÜCHER + JÜRGEN PRENNEN + LUDER BLÜCHER + ILSE SME- 
KER + ABEL LUZOW + MAODELEN BLÜCHER + ELSE BLÜCHER ANNO 1569. 
— In der Kirche auch zwei Brustbilder ehemaliger Pastoren der Gemeinde: 
JOACHIM GRAPIUS, f 163z, und JOH. ANDREAS HETSCHACK, f [795 (s. o.). 

Eucharistie- Tn der Ostwand, nördlich vom Ahar, ein Encharistie-Schrank, so alt 

Schrank, ^ie die Kirche. Auf der Innenseite das Brustbild des Heilandes in schwarzen 
Umrissen und mit rother 
Füllung (Blutstropfen). Das 
Bild ist so alt wie der Chor 
und kann daher sehr wohl 
dem Ende des XII. Jahr- 
hunderts angehören. Es hat 
in seiner ländlichen Schlicht- 
heit etwas von jener herben 
und strengen Auffassung des 
Königs der Könige, d. h. ge- 
wisse Züge, die an die nor- 
mannischen Christusbilder in 
Sicilien erinnern. 

Glocken. Im Thurm hängen drei 

Glocken. Die grösste ist 1744 
von Otto Gerhard Meyer in 
Rostock gegossen und trägt 
die Wappen des Herzogs 

CARL LEOPOLD und der 
Herzogin AUGUSTA zu Meck- 
lenburg. Die zweite trägt 
die Wappen des Herzogs 

CHRISTIAN LUDEWIG und 
der Herzogin AUGUSTA und 
ist von Otto Gerhard Meyer 
in Rostock 1749 gegossen 
worden. Die dritte, ohne Embleme, goss P. M. Hausbrandt in Wismar 1866. 

Das Inventar von iSii führt vier Glocken auf, eine dritte ältere mit 
(nicht gelesener) »Mönchsschrift« und eine vierte mit der blossen Jahreszahl 
174g. Als Lisch die Kirche sah (es war vor dem Jahre 1847), fand er 
drei Glocken vor. Er beschreibt nur die älteste, welche die Inschrift hatte: 

ipi ttt glode beiii cum pact • Tinna täi iaaa^iiiU. 

M. Jahrb. XU, S. 465. 

Vasa Sacra. Vasa Sacra. 1. Grosser silbervergoldeter gothischer Kelch auf rundem 

Fuss. Am verkehrt angeschrobenen Knauf der Name if|efl)^. Am Fuss die 
InschriH: DIESER • ANNO 1677 DEN 1t . AUGUSTY IN ROSTOCK VORBRANT 



Adlest. 

(Auf der Irnenseil 



KIRCHDORF WARNKENHAGEN. 4I 

VND EBENDENSELBEN JAHRE IM MONAT NOVEMBER RENOVIRTER KELCH 
GEHÖRET IN DIE KIRCH ZV JÖRDENSDORFF. Dazu das Güstrower Stadt- 
zeichen G und das Meisterzeichen KH des Heinrich Hölscher. An der Kupa 
zwei Allianzwappen eingraviert, als älteres das des ANTONIES VON BLÜCHER 
und der SOFFIA CATRINA VON KNUTTEN, und als jüngeres das des ERNST 
VON BLÜCHER und der INA VON SCHACK mit dem Datum 1866. Ohne 
Patene. — 2. 3. Grosser silbervergoldeter gothischer Kelch auf sechspassigem 
Fuss. Am Knauf die Buchstaben I S N C R N (In sancto nomine Christi 
redemptoris nostri?). Am Fuss die Inschrift: ANNA DORROTIEA VON WARN- 
STADT HAT DIESEN KELCH ZU GÖRNSTORFF IN DIE KIRCHE ZUM STETTEN 
GEDÄCHTNIS VOREHREN WOLLEN. Dazu ihr eingraviertes Wappen, sowie 
ein Kreuz und eine Dornenkrone. Am Rande die Stempel des Rostocker 
Goldschmiedes Jürgen Muller: I M.^) Dazu eine Patene mit denselben Werk- 
stempeln. — 4. 5. Grosser innen vergoldeter Kelch auf rundem Fuss, gestiftet 
1756 von O • F • H • und D • M • H • Am Rande die Zeichen des Rostocker 
Goldschmiedes Daniel Halbeck. Patene mit derselben Bezeichnung. — 6. Neue 
runde Oblatendose von 1869. — 7. Neue Abendmahlskanne von 1878, ge- 
stiftet von ERNST VON BLÜCHER und INA VON SCHACK. 




Das Kirchdorf Warnkenhagen.') 

jittelalterliche Urkunden vor dem XV. Jahrhundert haben sich bis heute Geschichte 
nicht gefunden. Auffallend bleibt es, dass jenes Dorf Warnkenhagen, ^^^ 
welches die noch im XIV. Jahrhundert auf Wattmannshagen sitzenden Herren I^o"*ss. 
von Ketelhodt im Jahre 1 290 dem Kloster Rühn überlassen, nicht das in Rede 
stehende benachbarte, sondern jenes Rinfzig Kilometer westwärts auf Wismar 
zu gelegene Warnkenhagen ist: allein spätere Nachrichten machen es un- 
zweifelhaft, dass nur dieses Warnkenhagen das wirkliche Kühner Klosterdorf 
ist, nicht das bei Teterow gelegene.') Hier ist es, wo von 1458 bis zur Mitte 
des XVII. Jahrhunderts die von Adrum über Höfe, Hufen und Pflugdienste 
verfugen. 1656 haben die Gläubiger des Augustin von Adrum, des letzten 
seines Stammes*) auf Zierstorf, ihre Hand auch in Wamkenhagen, das um 
diese Zeit und auch später als Pertinenz von Zierstorf angesehen und be- 
handelt wird. Es folgen die Herren von Vieregge als Besitzer von Zier- 
storf c. p. in Wamkenhagen, Klein- Roge und Bartelshagen bis 1728, darauf 
der Hauptmann Christian Ludwig von Hein, von 1752 an der Kammerherr 



^) In der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts thätig. 
■) II km nordwestlich von Teterow. 

•) Vgl. Lisch im Ortsregister zu Band IV des mecklenburgischen Urkundenwerkes. — 
Schüdt, M. Jahrb. XLVII, S. 237/238. — Schlie, M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. IV, S. 80. 307. 
*) Nicht Paul von Adrum, wie von Gamm im M. Jahrb. XI, S. 427, angiebt. 



42 AMTSGERICHTSBEZ1KK TETEROW. 

und Oberforstmeister Nikolaus von Warnstädt, von 1785 an der Amtmann 
Joh. Christoph Hennings, von 1798 der schon oft genannte Kammerrath Hahn 
(später von Hahn), von 1803 an die Gebrüder Grafen von Hessenstein, und 
von 1830 an der Domänenrath J. C. Pogge. Dessen Erben trennen 1832 
Warnkenhagen von Zierstorf. In der Familie Pogge bleibt Warnkenhagen bis 
1844. In diesem Jahre übernimmt es Karl Bernh. Wilh. Müller. Von ihm 
kommt es 1863 an den Kammerjunker Otto Ch Heinrich von Bülow. Seit 
1875 aber ist Warnkenhagen Schlieffen'scher Besitz. 

Auf der Pfarre ist ein vollständiges Verzeichniss der Geistlichen von 
1541 an vorhanden: Jakobus Reincke (Reneke) von 1541 bis 1588; Joachim 
Bambam von 1588 bis 1629; der von Wallenstein eingesetzte Johannes Bannier 
von 1629 bis 1635;^) Joachim Willebrand von 1636 bis 1688; Christian 
Krichel von 1688 bis 1725; Joachim Christian Schütz von 1725 bis 1778; 
und Johann L. Voss von 1779 bis 1828. S. Walter a. a. O. 

Zu den hier Verzeichneten gesellt sich nun als vorreformatorischer 
Geistlicher der Vikar Johannes Bo . . . ., dessen Grabstein erhalten ist (s. u.). 
Als zur Kamminer Diöcese gehörig wird Warnkenhagen in einer Urkunde des 
Jahres 1424 (Stiftung einer Vikarei in Malchow betreffend) genannt: Werneken- 
hagen dicte Caminensis diocesis. S. Rudioff 's handschriftliches Diplom. 
Mecklenb., Vol. VIII, fol. 281 b.^) 

Kirche. Kirche. Die Kirche zu Warnkenhagen ist ein einschiffiger frühgothischer 

Ziegelbau auf einem Granitfundament. Chor und Langhaus sind mit Strebe- 
pfeilern bewehrt, jedoch sind diese beim Chor eine Zuthat des XIV. Jahr- 
hunderts, seine ursprüngliche Anlage ist die nach Art des älteren romanischen 
Stils mit Lisenen, die noch an mehreren Stellen hervortreten. Auch schliesst 
der durch einen hohen Triumphbogen vom Langhaus geschiedene Chor nach 
älterer Weise mit der Ostwand platt ab. Er ist mit zwei trefflichen Kreuz- 
gewölben überspannt. Als Schmuck an den Aussenmauern des Chors sehen 
wir einen abgetreppten Fries, wie er sich an Bauten aus der Zeit des Ueber- 
ganges vom romanischen zum gothischen Stil findet und später in der Gothik 
herrschend wird. Unter ihm ein Band in Form einer Stromschicht. Das 
breitere Gemeindehaus ist mit einer flachen hölzernen Decke überspannt. Wie 
an seinen Mauern heute noch zu sehen ist, wollte man in alter Zeit wölben, 
kam aber nicht dazu. Sämmtliche Fenster sind spitzbogig geschlossen. Zu 
beachten ist auch das treffliche spätgothische Thurmportal mit einem schlichten 
Kapitellband in der Kämpferlinie. Der im Westen vorgesetzte Thurm ist mit 
einem Kreuzdach versehen. Er soll früher eine Spitze gehabt haben, die 
heruntergenommen wurde, weil man ihrer Festigkeit nicht traute.') Am Ost- 
ende des Langhauses ein einfacher Dachreiter, welcher eine kleine Glocke 



») Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXXVII, S. 7. 
') Grossh. Archiv in Schwerin. 

•) Jedenfalls handelt es sich in der ersten Hälfte der achtziger Jahre des XV III. Jahr- 
hunderts um eine Reparatur des schadhaft gewordenen Thurmes. Aber von einem Thurmsturz, 



KIRCHDORF VVARNKENHAGEN. 



43 



enthält. An der Nordseite des Chors eine gewölbte alte Sakristei, vor der 
südlichen Eingangsthür eine Vorhalle, die dem Ansehen des alten Baues nicht 
zum Vortheil gereicht.*) 

Der Altaraufsatz stammt aus dem Jahre 1785. Die Kosten wurden 
seiner Zeit auf Betrieb des Pastors VOSS »durch milde Beiträge guter Freunde« 
aufgebracht. Im Hauptstock das Gemälde der Auferstehung, darunter als 
kleineres Bild das hl. Abendmahl. Säulen und Statuen (die Evangelisten) bilden 
das Rahmenwerk. Darüber plastisch der Heiland in schwebender Gestalt, von 
Engeln umgeben, ganz oben das Auge Gottes in einer Strahlenglorie. 

Der vorhergehende Altaraufsatz, eine Stiftung der Frau Generalmajorin 
VON HEIN auf Gottin und des Hauptmanns VON HEIN auf Zierstorf aus dem 
Jahre 1737, wurde 1783 durch Blitzschlag zerstört. 

Die Kanzel ist eine Stiftung des Herzogs und späteren Grossherzogs 
FRIEDRICH FRANZ I. aus dem Jahre 1788. 

Die Orgel ist neu. 

Verschiedenes, aber nicht besonders werthvolles Schnitzwerk der alten 
Orgel -Empore wird im Pfarrhause aufbewahrt. 



Altar- 
aufsatz. 



Kanzel. 



Orgel. 



Stuhl auf der Südseite im Chor: Sünno • botnitli • m^CCC^ (Vorderwand Gestühl, 
des Stuhles) COtltdb^ • Cltgj^lt • Ot • Im Wappen nur der Schrägbalken zu 
erkennen. 



Bedeutendere Epitaphien fehlen ganz, doch mag die Gedächtnisstafel Ge 
der Ehefrau des Pastors WILBRANT, geb. MARGARETHA SCHULTZ, gest. den dächtniss- 
26. Juni 1667, genannt werden. 



tafel. 



Im Fussboden der Kirche drei Grabplatten mit abgetretenen Inschriften Grabsteine, 
und Figuren. Ein mittelalterlicher Stein hat die Inschrift: 

bicariu^ in tacrtiTi7l)age or' <p eo« 

Eine jüngere Platte deckt die Ruhestätte des Pastors JOACHIM US BAMBAM 
und seiner Ehefrau, und eine dritte die des PAUL VON ADRUM (s. o.). 



Im Glockenstuhl des Thurmes drei Glocken. Die grösste (Dm. 1,28 m) 
ist laut Inschrift 1777 von J. V. Schultz in Rostock zur Zeit des Pastors J. C. 
SCHÜTZ umgegossen. Der Giesser der zweiten Glocke (Dm. 1,07 m) ist Huges 
Collier-Berlin 1875. Die kleinste Glocke (Dm. 0,79 m) ist 1855 von C. Jllles 
in Waren umgegossen worden.*) 



Glocken. 



wie es die Sage will, ist in den Akten keine Rede. Zwischen der ebengenannten Reparatur und 
dem Blitzschlag, der 1783 den Altar zerstört (s. o.) wird wohl ein Zusammenhang sein. 

») Vgl. Lisch, M. Jahrb. XII, S. 468. 

•) Die Vorgängerinnen der zweiten und dritten Glocke stammten ebenfalls von J. V. Schultz 
und aus dem Jahre 1777. 



44 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Kleinkunst- Kleinkunstwerke. I. 2. Silbervei^oldeter Abendmahlskelch mit Patene, 

werke. gestiftet 1706 von dem Oberst und späteren Generalmajor VON HEIN auf 
Gottin und seiner Ehefrau, geb. VON BRÜGGMANN a. d. H. Uldrichsholm. 
Meisterzeichen @, das Stadtzeichen fehlt.'} — 3. Einfache silberne Oblaten- 
dose mit der Inschrift: JOHANN LUDEWIG VOSS, PASTOR IN WARNKEN- 
HAGEN 1779. Meisterzeichen des 1769 in die Zunft eingetretenen Joh. G«org 
Rahm zu Rostock: |jG§. Aber ohne Stadtstempel. — 4. Kleinere Patene mit 
dem Stempel ^. — Ausserdem verschiedene neuere Geräthe: Berliner Fabrik- 
arbeiten, theils von Aumann-LDdanscheidt, thcils von Ernst. 



Schloss lu Diekhof. 

Das Uut SHn dem nach Warnkenhagen hin eingepfarrten grossen und schönen Gut 
Ditkhof. HH Diekhof) giebt es schon in alter Zeil eine Kapelle. Doch ist sie im 
XVII. (wenn nicht schon im XVt.) Jahrhundert eingegangen. Statt ihrer entsteht 
im Jahre 1768 im Schlosse selbst die heutige Schlosskapelle in jenen Formen 
und Farben, die zur Zeit des Ueberganges vom Rokoko zum Klassicismus beliebt 
sind. AEDES VSVI PROFANO OLIM DICATAS AD SACRARIVM DOMESTICVM 
APTAVIT EXORNAVIT CONSECRAVIT LVDOVICVS STATIVS HAHN CANON ■ 
MAGDEB • ET CVBICVLI PRAEF • ELECTORIS SAXONIAE A . R . S • MDCCLXVMI : 
so lautet die Ueberschrift oberhalb der Eingangsthür in den hellen, anmuthig 
gestalteten Raum, in welchem Alles in Weiss und Gold erglänzt. 

•) Das Inventar von 181 1 fuhrt noch einen iweilen von Hein'schen Kelch aiif. 
*) Vgl. Lisch, Album meeklenb. Schlösser, Heft III und IV. Von 1470 bis 1780 Hahn'sches 
Gut, von 1780 bis 1S4S U'allmoden-Gimborn'sches und von 184; an Basse witz' sc hes Gut. 



KIRCHDORF GROSS -WOKERN. 45 




Das Kirchdorf Gross- Wokern/) 

|okart oder Wokert (Wokerd) lautet der Name des alten Dorfes zu Anfang Geschichte 
des XIV. Jahrhunderts, das damals schon seit langem ein Kirchdorf des 
ist. Denn wenn der Ritter Deneke von Kröpelin, der mit dem schon in den Ajorfes. 
siebenziger Jahren des XIII. Jahrhunderts genannten werleschen Vasallen 
gleichen Namens identisch sein wird, zusammen mit seiner Vetternschaft in 
der Kirche zu Gross -Wokern eine Vikarei gründet, und wenn die Stifter dieses 
ausgesprochenermassen nicht nur zu ihrem eigenen Heile, sondern auch zu 
dem ihrer geliebten Vorfahren und Gründer der Kirche thun (in remissionem 
peccatorum nostrorum dilectorum progenitorum et fundatorum ecclesie ejusdem, 
sc. Wokart), so muss die Kirchengründung selber schon ziemlich weit zurück- 
liegen. In der That entspricht denn auch der wuchtige alte Feldsteinbau aufs 
Allerbeste dem spätromanischen Stil im ersten Viertel des XIII. Jahrhunderts, 
jener schweren Zeit, in welcher, wie die Geschichte des Klosters Dargun lehrt, 
die Geistlichen des Circipanerlandes überall noch einen harten Kampf gegen 
das trotzige Heidenthum zu fuhren haben und darin vom Bisthum Kammin 
her berathen und unterstützt werden. Wie dieses um die Mitte des XIII. Jahr- 
hunderts seine Ansprüche auf Circipanien dem Bisthum Schwerin gegenüber 
zur Geltung bringt, ist in der Geschichte des Klosters Dargun erzählt worden. 
Demgemäss ist es auch Bischof Heinrich von Kammin, der am 25. November 
1306 der vom Landesherrn Nikolaus von Werle bereits am 8. April 1302 be- 
stätigten Stiftung der Familie Kröpelin, die zunächst dem Priester Ern Konrad 
Pennink zu Gute kommt, die geistliche Konfirmation ertheilt.*) Eine Ver- 
besserung dieser Vikarei durch weitere Einkünfte aus Hufen des Dorfes Gross- 
Wokern (majoris Wokert) erfolgt im September 1364, als der Priester Johannes 
Phoyterock ständiger Vikar (vic. perpetuus) der Kirche ist und Johannes 
Rumpeshagen die Plebanie dort inne hat.^) Damals hat auch die Familie 
Hasenor Hufenbesitz in Gross -Wokern, dessen sie sich zu Gunsten der Vikarei 
entäussert. Ob sie aber neben oder nach der Familie Kröpelin zu diesem 
Besitz gekommen ist und ob sie noch weitere Hufen dort hat oder behält, 
wird nicht gesagt. Aus einer noch nicht veröffentlichten Urkunde des Jahres 
1396 ersehen wir ferner, dass auch Timme Zorow und seine Söhne Gerd und 
Kord im XIV. Jahrhundert Besitz in Wokern haben, freilich nicht in Gross- 



') 6 km westsiidwestlich von Teterow. KUhnel deutet den Namen auf »die Wokertc und 
crionert dabei an den altslavischen Wortstamm krüt- (polnisch kret = Maulwurf), der durch C) = 
Prothesis zu dem Eigennamen des Dorfes geführt haben könne. 

•) M. U.-B. 2792. 3124. Ein Priester Ilermannus de Wokart wird 1318 genannt, aber ob 
er mit Dorf und Kirche Gross -Wokern zu verbinden ist, bleibt zweifelhaft: M. U.-B. 3854. 

*) M. U.-B. 9299. 



46 AMTSÜEKlCHTSItEZlRK TETEKOW. 

Wokern, sondern in dem anstossenden Wendisch -Wo kern oder Lütten -Wokern 
(Klein -Wokern), Es sind vier Hufen, die sie damals an Otto und Heine 
von Wozenitz überlassen. Rund fünTzig Jahre später, nämlich 1448, hat 
Henneke von Flotow Besitz in beiden Dörfern. Als die letzte Erbin dieser 
Linie, Margarethe Von Flotow, im Jahre 1562 stirbt, werden beide Lehne, 
Gross- und Klein-Wokern, von den Herzögen eingezogen und bleiben, trotz 
der Proteste von Andreas und Christoph von Flotow, landesherrliches Do- 
manium. Als solches werden sie noch ein paar Male im XVII. Jahrhundert 
verplandet, wie z. B. 1648 an den Geh. Rath Adam Otto von Vieregge und 
später an den Geh. Rath Georg von Mecklenburg.'} 



Um 1534 wird als Pfarrer zu Gross-Wokern ein Kaspar Dessin genannt, 
der zehn Jahre vorher vom Güstrower Probst als dem herkömmlichen bischöflich- 
kamminschen Offizial und ArchJdiakon für Circipanien (das Darguner Kloster- 
Archidiakonat Alt-Kaien ausgenommen) eingesetzt ist. Um 1541 finden wir 
dort den Matthaeus Blumenholz (Blumenholt), der auch noch ISS3 genannt wird.') 
Seit dem Jahre 1602, dem Jahre der Berufung des Pastors Joachim Gott- 
schalk nach Klaber, ist die Kirche zu Gross-Wokern mit der zu Klaber 
kombiniert, wie der Pastor selber in einem Aktenstück sagt, nicht erst seit 
1608, wie es in einem sehr viel späteren Aktenstück irrthümücher Weise heisst. 

Kirche. Die Kirche ist ein spätromanischer Feldsteinbau ohne Thurm, 
mit einem schmalen Chor und einem etwas breiteren Langhaus, die beide 

I) Vgl. Akten im (Irn^h. Archiv. 

*) Schröder, evargel. Meckleilb. I, S. 282. Vgl. S. 429- 



KIRCHDORF GROSS-WOKERN. 47 

zusammen durch elf Schlitzfenster erleuchtet werden. Die Laienpforte auf der 
Nordseite ist ein treffliches rein romanisches Granitportal; die Priesterpforte 
auf der Südseite des Chors ist von geringerer Bedeutung. Die ehemalige 
Sakristei an der Nordseite dient jetzt als Holzschuppen, der Eingang dazu 
von der Kirche her ist vermauert. Der Chor ist mit einem aus Granitgeröll 
erbauten Kuppelgewölbe, das Langhaus aber mit zwei anscheinend erst in 
spaterer Zeit eingesetzten Kreuzgewölben geschlossen, die aus Ziegelsteinen auf- 
gemauert sind und eine ziemlich rohe Rippenbildung aufweisen. Vor dem 



Portal auf der Nordseite der Kirche. 

Hauptportal auf der Nordseite liegen zwei ehemalige Kornquetsch- Steine, die 
als Weihwasserbecken gedient haben können. Im Westen ein hölzerner 
Glockenstuhl. 

Der eingehenden Beschreibung dieses altehrwürdigen Kirchenbaues bei 
Lisch, M. Jahrb. XXI, S. 164 — 367, und dem Vergleich mit den Kirchen- 
ruinen in Dambeck bei Roebel und dem untergegangenen Domherren - Papen- 
hagen bei Ulrichshusen, später auch mit der Kirche zu Semlow, M. Jalirb. 
XXIII, S. 318 — 20, merkt man den tiefen Eindruck an, den dieser alte Bau 
zu Gross-Wokem auf empfängliche Gemüther macht. Möge ihm ein besseres 
Schicksal beschieden sein als seinen beiden mecklenburgischen ScliMesler- 
kirchen, die dem Untergange geweiht sind. Bei Dambeck wäre der Chor 
allenfalls noch zu retten. 

Die innere Einrichtung ist ohne Bedeutung. 



48 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Die drei Glocken der Kirche sind 1892 von Oberg- Wismar gegossen 

worden. 

Von den älteren Glocken war nach Angabe des Inventars von 181 1 
die grössere im Jahre 1 7 5 1 unter Herzog CHRISTIAN LUDWIG und z. Zt. des Pastors 
JOHANNES WALTER von O. G. Meyer in Rostock gegossen worden. Die andern 
beiden hatten keine Inschriften. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter gothischer Kelch auf sechs- 
passigem Fuss, am Knauf kleine geflügelte Engelsköpfe und der Name 
IHESVS. Keine Werkzeichen, auch nicht an der zugehörigen Patene. — 
3. 4. Silberner Kelch, mit einem aufgehefteten Krucifixus als Signaculum. 
Ohne Werkzeichen, auch nicht an der zugehörigen Patene. — 5. Neugothische 
Abendmahlskanne. — 6. Neugothische Oblatendose. — 7. Schöpflöffel mit dem 
Doppel -Monogramm P« B« und dem Stempel des Güstrower Goldschmiedes 
Lenhard Mestlin (1705 — 1739). — 8. Neue messingene Taufschale. — 9. 10. 
Zwei schwere alte Messingleuchter, gestiftet von A • M • TÖPPELL.*) 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Kiaber.') 

|ie Geschichte des Dorfes hebt an mit der Ueberweisung des Kirchen- 
patronates an das Güstrower Domstift durch den Landesherrn Fürst 
Nikolaus von Werle am 16. Mai 1303 und mit der schon nach zehn Tagen, 
den 26. d. M., nachfolgenden Bestätigung durch den Bischof Heinrich von 
Kammin.') Demgemäss begegnen wir der Kirche auch später in den Güstrower 
Dom -Statuten.*) Um 1364 ist Bertrammus de Hapezel Kirchenrektor in Klaber 
(rector parrochialis ecclesie in C?ilaber, Caniinensis dyocesis), der aus unbekannt 
gebliebenen Anlässen auf einen Schutzbrief Kaiser Karl's IV. besonderes 
Gewicht legt, welcher der Geistlichkeit in den Kirchenprovinzen Magdeburg 
und Bremen wider die Bedrückung durch weltliche Gewalten verliehen ist.*) 
Hapezel, dessen Name nicht in Hapsal übersetzt werden muss, da er ohne 
diese Uebersetzung viel verständlicher ist, bleibt aber auch der einzige mittel- 
alterliche Geistliche der mecklenburgischen Calabria, den wir kennen lernen. 
Als Herren im Dorfe begegnen uns im XV. Jahrhundert die Herren von 
Müggesfeld, eine in Lauenburg, Holstein und Mecklenburg ansässige alte 
Adelsfamilie, deren Mitglieder in Mecklenburg schon im Anfange des 



^) Ebenderselbe Pensionarius Arend Moritz Töppel stiftete im Jahre 171 7 einen silbernen 
Kelch, der jetzt in Klaber ist (s. u.). 

*) 10 km südwestlich von Teterow. Der alte Name des XIII. und XIV. Jahrhunderts 
Calabria, Kalaber muss im Dunkeln bleiben. Vgl. Ktthnel, M. Jahrb. XLVI, S. 68. 

•) M. U.-B. 2864. 2869. 

*) M. U.-B. 8428. 

*) M. U.-B. 7873. 9262. 



GUT UND KIRCHDORF KLABER. 49 

XIV. Jahrhunderts als werlesche Vasallen vorkommen. Sie haben das Gut 
Klaber und die im Jahre 1726 eingegangene Schäferei Klingenberg nach- 
weislich im Jahre T433 ^^^^ "^^ behalten beide Güter bis zu ihrem Aus- 
sterben im Jahre 1515.^) Da fallen diese an die Herzöge zurück, die 15 17 
den Wedige von Maltzahn damit belehnen. Maltzahn 'scher Besitz bleiben sie 
bis 1648. In diesem Jahre kommen sie, indem als Zwischenkäufer erst die 
Gebrüder Hallermann und dann der Dr. Neubauer auftreten, als Pfandgüter an 
den Generaladjutanten Zacharias von Holstein. 1699 kauft sie der Rittmeister 
Klaus Christoph von Schack; 1706 besitzt sie der Oberhofmeister und spätere 
Geh. Rath Christian von Schack, dem Herzog Friedrich Wilhelm 1706 das 
Patronat der Kirche überlässt. Der Geh. Rath von Schack verkauft sie 1726 
an Gerd Heinrich von Levetzow. Levetzow'scher Besitz bleibt Klaber c. p. 
bis 1765. Von 1765 an Thomstorff'sches Gut, kommt es als Pfandbesitz an 
Jakob Friedr. Joachim von Bülow, der mit Louise von Thomstorff a. d. H. 
Rothspalk vermählt ist (s. u. Klingbeutel), und von diesem 1798 an die 
von Lowtzow, die es noch heute haben. 

1541 ist Nikolaus Gilow vom Güstrower Domkapitel eingesetzter Pfarr- 
herr zu Klaber. Er ist auch 1553 noch da, offenbar aber viel länger. Ihm 
folgt David Lau (Lowe, nicht David Bauer), der 1574 bereits als Pastor in 
Wokern thätig ist, aber acht Jahre vorher in Klaber das Pastorat innegehabt 
hat. Lau's (Lowe's) Nachfolger Paulus Stegemann, welcher 24 Jahre Pastor 
in Klaber und dort nachweislich schon 1574 im Pfarramt ist (wie seine Tochter, 
die spätere Pastorin Zepelin, im Jahre 1602 in einem Briefe sagt, als sie schon 
Wittwe geworden), unterschreibt 1577 die Konkordien- Formel. Ihm folgt der 
Schwiegersohn Kord Zepelin, dieser stirbt aber schon 1602 oder 1601. 
1602 folgt (seit 1608 Pastor in Klaber und Wokern zugleich) Joachim 
Gottschalk, dem 1635 der Sohn Simon Gottschalk substituiert wird. Simon 
Gottschalk, nachdem er alle Noth und Drangsal des Krieges erfahren hat und 
nach Güstrow geflüchtet ist, stirbt am 15. Juni 1638. Es folgen nun: Joh. 
Koch von 1640 — 71, Barthold Guhle von 1672 — 86, Joachim Wittmann von 
1686 bis 1706, und Joh. Laurentius Grambtzow (Gramsow) von 1707 an. 
Grambtzow lässt sich 1735 den David Joh. Walter substituieren, der bis 1774 
lebt. Nach ihm folgen: Joh. Christian Lehmann (1775 — 1780), Kaspar Johann 
Christian Bade (1781 — 95) und 1797 Andreas Friedr. Tarnow (f 1815). Siehe 
Walter a. a O. 

Kirche. Die Kirche hat in den Jahren 1872 — 76 einen Durchbau er- Kirche. 
fahren und ist dabei aus einem alten, der Zeit des Uebergangs vom romani- 
schen zum gothischen Stil angehörenden gewölbten Bau, in welchem der 
Triumphbogen in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist, zu einem 
stattlichen, stark vergrösserten Neubau geworden. Besonders erweitert ist der 
Chor. Auf der Nordseite der Kirche ist auch ein zugesetztes frühgothisches 



') Akten im Grossh. Archiv. Vgl. Schildt, M, Jahrb. LVI, S. 215. Eine Ziegelei Glinken- 
Itr^ liegt noch jetzt in der Nahe, gleich südwestlich von Rothspalk. 

4 



50 AMTSGERICHTSBEZIBK TETEROW. 

Portal mit einem schlichten Kapitel Ig liede in der Kämpferlinie unverändert ge- 
blieben. Dagegen ist der drei Stockwerke hohe Thurm mit einem steilen 
achtseitigen Pyramidenhelm völlig neu. 

Innere Ein- Altaraufsatz, Kanzel und 

richtung. Gestühl sind neu. 

Grabstein. An der Nordwand des Lang- 

hauses ein alter Grabstein mit dem 
erhaben gearbeiteten Rildniss eines 
Kitters in voller Figur: ANO • 
1589 • AM • NYEN'JARS • DAGE* 
IS • DER • EDLER* • VND • EREN- 
VEST • CHBISTOFFER MOLTSAN. 
IN . GODT • SALICH . ENTSLAPEN • 
j . S • G > G • S . In den Ecken 
vier Wappen: das Mattzan'sche, 
Buchwald'sche, Biilow'sche und 
War nstedt 'sehe. 
Glocken. Im Thurm hängen drei 

Glocken, die im Jahre 1841 von 
F. Schflnemann in Demmin ge- 
gossen worden sind. Die beiden 
grösseren führen den Namen des 
Landesherrn und ausserdem die 
Namen der Besitzer der einge- 
pfarrten ritterschaftlichen Güter, 
des Predigers, Küsters und der 
Ju raten. 

Das Inventar von 181 1 

giebt die Inschriften der älteren 

Glocke nicht an, wohl aber 

von der mittleren das Glocken- 

gi esserzeichen des /v/v/V 

noch ein + zugesetzt ist. 
Kleinkunst- Kleinkunstwerke. i . 2. Silbcrvergoldeter gothischer Kelch , am 

werke. Knauf sechs getriebene Christusköpfe und spätgothisch stilisierte eingravierte 
Blätter. Umschrift auf dem Fu.sse: HINRICK • FHIG • DACH . ACCHIM . 
SCHONEVELT • ACCHIM • SCHMIDT • 1553 • HER NICOLAVS • GILOW KARCK- 
HER TOM KLABER • 1553 HANS ■ ROSTE • H D • K M * Zwischen HANS 
und ROSTE ein aufgelegter plastischer Krucifixus als Signaculum. Keine 
Werkzeichen, auch nicht an der Patene. — 3. Silbcrvergoldeter Kelch mit der 
Inschrift: ILSABE • JOHANNA • ANNA • TROGEN • SEEL • H. • HOFF • RAHT. 
TROGEN • JVNGFER • TOCHTER > HAT • DIESEN • KELCH ■ DER • KLABER- 



Ricken von MSnke- 

hagen, dem vorne X X N > Grabslein des Christoffer Molisa 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF LANGHAGEN. 51 

SCHEN • KIRCHEN • IN • EWIGEN • ANDENCKEN • GESCHENKET • ANNO« 
1698 • DEN • 3 • DECEMBER. Meisterzeichen verhämmert; das Stadtzeichen 
scheint @ = Güstrow zu sein. — 4. Silbervergoldete Patene mit der Inschrift 
auf der Unterseite: DISEN • KELCH • GIBET • GOTT • ZU • EHREN • HR • 
AREND • MORITZ TÖPPEL') • PENSIONARIUS • DER • KIRCH • IN WOCKERN • 
ANNO 1717. — 5. Neugothische silberne Kanne, geschenkt von Freiherrn 
MOELLER VON LILIENSTERN auf Rothspalk 1868. — 6. Neugothisches 
Ciborium. — 7. Hübscher alter Schöpflöffel, dem in Wokern gleich, aber 
ohne Monogramm und Stempel. — 8. Kleiner zinnerner Krankenkelch. Auf 
der Unterseite des Fusses der Name des Stifters: 1698 WITMAN P • KIRCHE 
ZUM KLABER. (Englisch Zinn.) — 9. Alte getriebene Messingschüssel, ge- 
stiftet 1729 von JOHAN STUEFF. — 10. Noch eine Messingschüssel, reicher 
verziert, ohne Inschrift. — 11. 12. 13. Drei hübsche Vela mit farbiger Blumen- 
stickerei, aus dem Anfange des XVIII. Jahrhunderts. 

Das Inventar von 181 1 erwähnt einen Klingbeutel mit der Inschrift am 
Bügel: lACOB FRIEDRICH lOACHIM VON BÜLOW ddiXHRIGER BESITZER DES GVTES 
CLABER VND DOROTHEA SOPHIA LOVISA V BÜLOW GEB. VON THOMSTORFF A. D. H. 
ROTHSPALCK VEREHREN DIESES DER KIRCHE ZV CLABER 1798. 

♦ ♦ ♦ 

Der Pastor Tamow (s. o.) berichtet, dass ein im Pfarrhaasc aufbewahrter Kasten mit 
viereckiger Kasten von Eichenholz 1801 in den damals neu errichteten Altar Reliquien 
der Kirche zu Klaber eingemauert worden und in ihm die von Pastor Witt- ^™ Pfarr- 
mann aufgezählten Reliquien (cf. Chronik, S. i) aufbewahrt seien. Bei der 
Restauration der Klaberschen Kirche in den siebenziger Jahren des XIX. Jahr- 
hunderts wurde der Kasten im Altar gefunden. Er ist durch ein Versehen 
des Baumeisters Koch nicht wieder eingemauert worden. 

»Die Reliquien sind: ein hölzernes Büchslein, gelb angestrichen, darin 
zwei kleine Stücklein von Reliquien, so in Cartuk gewickelt. Briefe vermodert. 
Dabei etwas von einem grossen Siegel mit Frauengestalt [hl. Cäcilie] und 
einem M. So gefunden 1706 von Pastor Wittmann.« 

Chronik auf der Pfarre mit Angabe der Pastoren von 1560 an. 



Das Gut und Fiiiai - Kirchdorf Langhagen 

[vormals Lankavel].*) 

|eltere Urkunden über Langhagen vor Mitte des XV. Jahrhunderts scheinen Geschichte 
zu fehlen. Im Jahre 145 1, nach dem Aussterben der von (oder von ^^s 
der) Oldenstadt, die Gut und Dorf zu Lehn getragen haben, wird Heinrich Hahn 
zu Kuchelmiss mit dem herzoglichen Anfall von Lankavel oder Langhagen 




') Siehe Leuchter in Wokern. 

*) 13 km sUdsttdwestlich von Teterow. 

4* 



52 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Kirche 



belehnt.*) Von da an bis zum Jahre 1780 gehört Langhagen zur Hahn'schen 
Begüterung. In diesem Jahre erwirbt es der Generalleutnant Joh. Ludwig Gts^( 
von Wallmoden -Gimborn. Dieser überlässt es 1796 dem schon öfter genannten 
Kammerrath Hahn, der 1788 in den Adelsstand erhoben war. Dessen Erben 
behalten es bis 1815. Von 1815 bis 1846 ist der Hof- und Kanzleirath Georg 
Ludwig von Wedemeyer der Besitzer, dem auch Laiendorf gehört. 1846 
kommt Langhagen an Adolf Aug. Hellm. Albrecht Freiherrn von Maltzan. 
Der Freiherrlich -Maltzan'schen Linie gehört es auch heute. 

Die Kapelle hat von jeher zur Mutterkirche in Serrahn gehört. Vgl. 
M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. IV, S. 335/336. Es scheint ihr aber keine vor- 
reformatorische Gründung voraufgegangen zu sein. 

Kirche. Sie stellt sich als ein schlichtes Fachwerk in Form eines Vierecks 
dar und stammt aus dem Jahre 1615, der ihr in gleicher Breite vorgesetzte 
Thurm dagegen erst aus dem Jahre 171 5. An einem Aussenbalken der Kirche 
die eingeschnitzte Inschrift: HOC AEDEFICIUM SACRUM EXSTRUCTUM EST 
1616 -< ANNO 1716. 

Innere Ein- Altar, Kanzel und Gestühl sind ohne Bedeutung. 

richtung. 

Im Innern auf einer grossen Holztafel eine mit Gold auf Schwarz ge- 

Holztafel. malte Inschrift, welche besagt, dass unter HAHN'schem Patronat und zur Zeit 

des Pastors URBANUS OESLER') im Jahre 1703 eine Erneuerung stattgefunden 

habe. — In den Fenstern sieht man noch eine Anzahl farbiger Scheiben von 

1703, darunter folgende Namen: HERR JULIUS LUDWIG VON PEDERSTORFF, 

HOCHFURSTL • CAMMERJUNCKER ANNO 1703; HERR EHRENREICH VON 

MOLTKE HOCHFURSTL • MECKL • LANDRATH ANNO 1703;») das HAHN'sclie 

Wappen ohne Namen; dazu die bürgerlichen Namen: BADEMÖLLER, KOITE, 

ZENCKER, PRANGE, SCHMIDT DER ALTE, VOSS DER SOHN, GLASOW, VOS 

DER ALTE. 

Glocken. In dem kleinen Thurmaufsatz auf dem Westgiebel zwei Glocken, die 

eine 1893 von C. Oberg in Wismar, die andere 1859 von C. Jllies in Waren 
gegossen. 

Die Vorgängerin der grösseren Glocke war nach dem Inventar von 1 8 1 1 
im Jahre 17 19 gegossen. Sie wurde bereits im Jahre 1778 durch J. Valentin 
Schulz -Rostock umgegossen. Die Vorgängerin der zweiten Glocke war ohne 
Inschrift. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke, i. Silberner Kelch von 183 1, ohne Inschrift und 

werke. Stempel. — 2. Silberne Patene, 1716 von C. GRÜTZMACHER gestiftet. Ohne 



Glas- 
malerei. 



*) Lisch, Geschl. Hahn II, S. 147. 154. 157. IV, S. 177. 224. 227. 231. 

•) Vgl. M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. IV, S. 336. 

•) Im Jahre 1698 erfolgte der landesherrliche Konsens zur pfandweisen Ueberlassung des 
Gutes Hinzenhagen c. p. in Bansow, Striggow, Langhagen und Ahrenshagen an den Landrath 
Bogislav Ernst von PederstorfT. Die eigenthche Besitzerin von Ilinzenhagen war Maria Magdalena 
Cothmann, Ehefrau des Oberstleutnants Joachim von Moltke. 



KIRCHDORF GRUBENHAGEN. 53 

Stempel. — 3. Silberne Oblatendose, 1669 gestiftet von JOHANN COTHMANN, 
FÖRSTL • MECKL • KAMMERJUNCKER.i) Auf der Unterseite ein undeutlicher 
Stempel. — 4. Zinnschüssel, ohne Inschrift und Stempel. — 5. Zinnerne Wein- 
kanne mit der Inschrift: ECCLESIAE LANGHAGENSI SACRUM • E • H • BRUM- 
MERSTAEDT PASTOR 1775,*) umgegossen im Jahre 1848, wobei die alte Schrift 
konserviert worden ist. — 6. 7. Zwei schwere treffliche Leuchter von Messing 
auf drei Füssen, die von ruhenden Löwen gebildet werden, gestiftet von 
GUSTAV WALTER im Jahre 1728. — 8. Neben der Kanzel, unterhalb des 
Fensters, ein trefflicher Armleuchter von Messing. 




Das Kirchdorf Grubenhagen/) 

|m XIIL Jahrhundert, aber anscheinend nicht ganz bis zur Mitte des XIV. Geschichte 
Jahrhunderts hin, sitzen auf der alten Burg Grubenhagen, dem heutigen ^^s 
Schloss gleichen Namens, gut i km nordnordwestlich von Kirch -Grubenhagen, Do"*ss. 
die von Grube als Vasallen der Fürsten von Werle.*) Sie mögen die Stifter 
von Burg, Dorf und Kirche gewesen sein, wie angenommen worden ist, aber 
ihre Zeit ist damals abgelaufen. Denn beim Beginn der zweiten Hälfte des 
XIV. Jahrhunderts sind sie aus der Geschichte verschwunden.*) Auffallender 
Weise wird unter jenen im Jahre 1353 von Fürsten und Städten bezwungenen 
Raubburgen, die eine lange Linie vom Nordende des Schaalsees bis nach 
Perleberg hinunter bilden, auch die Burg Grubenhagen genannt. Wenigstens 
geschieht dies in der Chronik des Wismarschen Stadtschreibers Heinrich 
von Baisee, der freilich, der lübischen Detmar- Chronik entgegen, irriger Weise 
die Ereignisse auf 1354 statt auf 1353 setzt. Und das Register des Urkunden- 
büches identifiziert demgemäss die von Baisee genannte Burg Grubenhagen 
mit der gleichnamigen Burg in Circipanien.®) Da aber diese ganz aus der 
erstgenannten Reihe herausfallt und auch sonst als Raubburg nicht bekannt 
ist, so muss an ein anderes Verhältniss gedacht werden. Es ist uns deshalb 
sehr willkommen, dass Crull, der Herausgeber der Baisee -Chronik, im mecklen- 
burgischen Jahrbuch XLIII, S. 184, mit sehr viel grösserer Wahrscheinlichkeit 



^) Vgl. M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. IV, S. 337. 

*) Vgl. M. Kunst- u. Gesch.- Denkm. IV, S. 336. 

•) 15 km südsüdwestlich von Teterow. 

*) M. U.-B. 547. 1932. Schild und Helmzier der von Grube abgebildet bei Crull, Geschl. 
d. Mannschaft, N. 21. Weiteres über die Familie von Grube und ihre Güter bei Lisch, Gesch. d. 
Geschl. von Maltzan II, S. 181—183. 

*) Lisch, M. Jahrb. VIII B, S. 129. — Christoph Otto von Gamm, in seinem Adels -Ver- 
zeichniss um I775t M. Jahrb. XI, S. 442, lässt einen Kaplan Heinrich Grube (in Diensten des 
er?teo mecklenburgischen Herzogs Albrecht) den letzten seines Geschlechts sein. Aber es wird 
das auf einer Verwechslung mit dem in den Urkunden dieser Zeit sehr häufig genannten Kaplan 
and Hofnotar Heinrich von Griben (Gryben, Greben) beruhen. 

«) Vgl. M. U.-B. 7797, Anmkg. 



54 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

die 13 km südöstlich von Perleberg gelegene Burg Grube in der Mark dafür 
eingesetzt hat, von der aus die von Quitzow noch im XV. Jahrhundert nach- 
gewiesenermassen, z. B. 1447/48, ihre Raubzüge weit nach Mecklenburg hinein 
unternahmen.^) Es giebt somit keinen Anlass, die bekannte Bezwingung der 
mecklenburgischen, lauenburgischen und märkischen Raubburgen im Jahre 
1353 mit der Familiengeschichte der von Grube oder von Maltzan in Ver- 
bindung zu bringen. 

An die Stelle der von Grube nämlich tritt auf Burg Grubenhagen das 
alte Geschlecht der von Maltzan. Es scheint, als wenn es Schulden waren, 
welche die erstgenannten zur Veräusserung ihrer Güter brachten. Wann aber 
dieser Uebergang von Burg und Dorf Grubenhagen von der einen an die 
andere Familie stattgehabt habe, ist nicht genau anzugeben, nach Lisch's 
Annahme nicht vor dem Jahre 13 10, jedenfalls aber vor 1364, vielleicht 
zwischen 1325 und 1340.*) Denn um 1364 sitzt bereits Ritter Ulrich von 
Maltzan (Moltzan) auf Grubenhagen.*) Seit dieser Zeit nun ist die Familie 
von Maltzan auf Grubenhagen ansässig geblieben, also weit ins sechste Jahr- 
hundert hinein. Nicht so freilich auch auf Kirch -Grubenhagen, denn hier giebt 
es von 1828 bis 185 1, also dreiundzwanzig Jahre lang, eine Unterbrechung 
durch die Familie Heise (später von Heise -Rothenburg), und 1877 ist Kirch- 
Grubenhagen mit Vollrathsruhe und seinen Nebengütern an den damaligen 
Oberstleutnant Hubert Gustav Victor von Tiele -Winkler übergegangen, dessen 
Familie noch heute im Besitz ist.*) 



») M. Jahrb. XVII, S. 340. XLIII, S. 177/178 und 184, Anmkg. 

•) Lisch, Gesch. d. Geschl. von Maltzan II, S. 182, bringt mit der Familie von Grube eine 
Reihe alter Lehen in Verl)indung, wie Grube bei Hristow und Hohen -Dempzin, Hof und Dorf 
Grube zwischen Krakow und Gross -Grabow (seit 1796 Charlottenthal geheissen), Vorwerk Grube 
zwischen Krakow und Serrahn, das 1791 See -Grube heisst. Hauptgüter, ausser Grubenhagen, 
waren Wangelin und Lipen, die noch zu Anfang des XIV. Jahrhunderts Gruben -Wangelin und 
Gruben - Lipen hiessen. 

•) M. U.-B. 9256. 9274. 10121. 11491. 

*) Die ältere Grubenhäger Linie war bereits 181 5 erloschen. Der letzte seines Stammes 
war der Erblandmarschall Cord Jasper Ferdinand von Maltzahn, den sein Schwager von Dannen- 
berg am i. December 18 15 im Duell crschoss. Seine Leiche wurde im Gewölbe unter dem Altar 
der Kirche zu Grubenhagen beigesetzt. Es war die letzte, die dies Gewölbe aufnahm. 1861 
wurde es fest vermauert. — Die übrigen Linien des Geschleclits der von Maltzan und Maltzahn in 
Mecklenburg, Pommern und Schlesien konnten ihre Erbrechte auf die Grubenhäger Güter nicht 
sofort hinlänglich erweisen, und es trat daher bis zum Jahre 1822 eine Verwaltung unter Sequester 
ein. Aber 1822 wurden die Güter freigegeben und auf Anordnung des Grossherzogs Friedrich 
Franz I. unter die Familienmitglieder verloost, nachdem sie zu ziemlich gleichen Theilen getrennt 
worden waren. Das Patronat wurde auf Vollrathsruhe gelegt, das seit 1759 der Wohnsitz der 
Grubenhäger Linie von Maltzahn gewesen war. Bei der Verloosung kam Vollrathsruhe an die 
Penzliner Linie von Maltzan, also an die Freiherrn zu Wartenberg und Penzlin, die es 1828 ver- 
kauften. 1852 erwarb es der Landschaftsdirektor PVeiherr Karl von Maltzahn zurück. Er baute 
die beiden Güter Vollrathsruhe und Hallalit nebst dem Kirchdorf Grubenhagen fast ganz neu 
wieder auf. Von ihm stammt auch das Eingangsportal in der Kirchhofsmauer, wie denn überhaupt 
die ganze Kirchhofsmauer im Jahre 1857 auf Kosten des Patrons der Kirche erbaut worden ist 
(Nach Mittheilungen des Herrn Pastor Hoyer.) 



KIKCIIDOKF GKUBENHAGEN. 55 

Der Name Kirch-Grubenhagen ist kein alter Name. Denn in dem von 
1667 an geluhrten Kirchenbuch heisst das Kirchdorf einfach Kirchhagen, und 
erst von 1756 an kommt der Name Kirch-Grubciihagen auf, ein Name, der 
dann im XIX. Jahrhundert der herrschende wird. In alter Zeit dagegen ist 
Grubenhagen auch der Name für das Kirchdorf (ecclesia in Grubenhagen, 
ecciesia in villa Gruben Iiagen, plebanus in Gmbenhagen). Alle älteren Ur- 
kunden über das Kirchdorf bis auf eine sollen bei einem Brande des Pfarr- 
hauses im XVII. Jahrhundert vernichtet sein.') Man weiss aber doch, dass 
dem Orte eine Art von Flecken - Gerechtigkeit zugestanden war, denn es durften 
sich hier auf Grund einer Maltzan "sehen Verfügung von 1546 Handwerker 
jeder Art niederlassen, auch wurden bis 1886 jährlich drei Märkte abgehalten.'} 



Blick anf die Kirch« lU Grubenhagen. 

Alte Filial- Kirchen oder Filial -Kapellen der Kirche waren die von 
Gross -Luckow und Klocksin. Aber von beiden heisst es im Visitations- 
Protokoll von 1648, dass sie in den Kriegsjahren vernichtet worden seien. 
1786 dachte man /.war an einen Wiederaufbau der Kapelle in Klocksin, aber 
es kam nicht dazu. 

Als Kirche im Lande Circipanien gehört Kirch-Grubenhagen selbst- 
verständlich üur Kamminer Diöcese. Aber es wird das ausserdem durch eine 
Urkunde vom 16. August 1494 ausdrücklich bezeugt, in welcher Bischof Bene- 
dikt von Kanimin, der an diesem Tage selber in Gmbenhagen anwesend ist, 
eine Schenkung Wedeges von Malt:^an an die Kirche, bestehend in anderthalb 
Hufen zum Zweck einer Seelenmessen-Stiftung, bestätigt.*) 

Im Jahre 1288 wird der Pfarrer Dietrich genannt (»plebanus in Gruben- 
liagen*). Der nächste, welchen wir urkundlich zwischen 1399 und 1439 kennen 
lernen, ist der Pleban Heinrich Weltzin.*) Dass aber ausser dem Pleban noch 

■) Nach schriftlichen und mUnclUchen Mitlheilungen des Herrn Poslor Iloyer. 
*) Lisch, M, Jahrb. XXIV, S. 59. 

*) Lisch, M. Jahrb. XXIV. S. 63/64. Diese Hufen sind als Pfarrantheil vom Hofe ni Vnll. 
riilisruhe in Erbpacht genommen worden. 

*) Schröder, l'api^t. Meckl., S. 1674. 1978. 



56 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Vikare da waren, ersehen wir aus der angezogenen Urkunde des Bischofs von 
Kammin (plebanus . . . cum vicariis suis). Und aus Akten des XVI. Jahr- 
hunderts ergiebt sich, dass der Pleban deren vier zur Hülfe hatte, für die es 
auch vier besondere Häuser gab.^) In der nachreformatorischen Zeit tritt statt 
der Vikare ein Diakon dem Pastor an die Seite. Aber nach dem dreissig- 
jährigen Kriege und dem Untergange der Filial -Kirchen in Klocksin und 
Gross -Luckow verschwindet auch dieser. Am i6. August 1543 schreibt 
Dr. Martin Luther an seinen gelehrten und theuren Freund Dietrich Maltzan, 
dass er ihm für den sei. Pfarrer Balthasar einen anderen senden werde, und 
zugleich mit dem Briefe trifft Mag. Johannes Frisius ein. An dessen Stelle 
tritt von 1546 bis 1551 Sebastian Bock, unter welchem 155 1 von einem un- 
genannten Diakonus die Rede ist. Ungefähr 1 560 folgt Mag. Martinus Brasclie 
(f 1592). Zu seinerzeit wirken neben ihm die Diakoni Thomas Schult {1580) 
und Johannes Capobus (1581). Von 1593 bis 161 2 folgt Pfarrer Eberhard 
Westerhausen, und neben ihm werden die Diakoni Joachim Colberg und Johann 
Bolte genannt. Von 161 3 bis 1625 folgt Mag. Sebastian Peschelius, unter dem 
Johannes Kohlhof als Diakonus wirkt. An die Stelle des Peschelius tritt 
Simon Rhode (Rhodius). und an Kohlhof 's Stelle, dessen 1629 als eines Ver- 
storbenen Erwähnung geschieht, wird Heinrich Otto (Otte) gesetzt: der letzte 
Diakon. Von 1635 bis 1641 werden keine Pfarr- Register gefuhrt, angeblich 
in Folge der Kriegszeiten, vielleicht auch deshalb nicht, weil Simon Rhode 
bereits todt war, wenngleich auf der Prediger -Tafel in der Kirche zu Gruben - 
hagen sein Todesjahr mit 1638 angegeben wird.*) 1640 folgt Christophorus 
Bertram, unter dessen Pastorat 1648 eine Kirchen -Visitation stattfindet. Er 
lebt bis 1660. 1662 ist das Pfarrhaus abgebrannt, der Pastor Joachim Rhode 
wohnt in der Kapellanei und ist (nach dem Visitations- Protokoll von 1662) 
bereits drei Vierteljahre in officio gewesen: er ist der Sohn des Simon 
Rhodius. Es folgen nun Joh. Lüning I von 1676 bis 1709, Joh. Lüning II von 
1707 bis 17 II (Anfangs als Substitut) und Joh. Christoph Wendt von 171 1 
bis 1738. Nach elfjähriger Vakanz, in Folge langen Patronatsstreites zwischen 
dem von Bassewitz auf Klocksin und den von Maltzan auf Schloss Gruben- 
hagen, folgen von 1749 bis 71 Wilhelm Studemund und von 1773 bis 181 1 
Joh. Christian Beeck. Ueber ihn und seine Nachfolger im XIX. Jahrhundert 
s. Walter a. a. O. 

Kirche. Kirche. Die dem Typus der Kirchen des Ueberganges vom romani- 

schen zum gothischen Stil in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts folgende 
alte Kirche stellt sich mit ihrem dreischiffigen Langhaus und einem aus Feld- 
steinen erbauten Chor sammt dem in den Innenraum hineingezogenen massigen 
Thurm als ein stattliches Gebäude dar, dessen alter Bestand freilich gründlich 



>) Lisch, M. Jahrb. XXIV, S. 56. 59. 

') In dieser Zeit des Krieges und der Pestilenz war der Bauern- und Kossatenstand der 
gesammten Gemeinde von Kirch -Grubenhagen von achtundneunzig bewohnten Gehöften auf — 
fünf! bewohnte Gehöfte zusammengeschmolzen: vgl. Groth, M. Jahrb. VI, S. 135. 



KIRCHDORF GkL'BENIIAGEN, 57 

verändert ist. Die Fenster im Schiff erscheinen als ältere romanische Schlitz- 
foniien, im Chor aber als jüngere breitere gothische Lichtöffnungen, die ihre 
Ursprünglichkeit nicht bewahrt haben. Der Innenraum des Thurmes ist mit 
einem Kreuzgewölbe geschlossen, das Langhaus dagegen liat eine neuere Holz- 
decke, die von dem Dachbodenraum so viel wie möglich mitnimmt. Der 
durch einen schweren Triumphbogen in Form eines gedrückten frühgothischen 

Spitzbogens vom 
I^nghaus ab- 
getrennte Chor, 
dessen Ostwand 
ursprünglich glatt 

abschloss, ist 
gleich dem Thtirm 
mit einem steiner- 
nen Gewölbe aus 

Kalkluff ge- 
schlossen, der aus 
Ablagerimgen 
herstammen 
muss, die sich bei 

Teterow und 
Gorschendorf ge- 
funden haben.'} 
Seit 1861 ist der 
Chor um eine 
polygone Apsis 
vergrössert wor- 
den, durch deren 
Anlage der ur- 
sprüngliche Cha- 
rakter der Kirche 
eine Einbusse er- 
litten hat.') Die 
,. . die Decke des 

Inneres der Kirche lU Gnibenhagen. ., , _ 

Mittelschiffes 
tragenden neuen Säulen sind von Holz. Unter dem Chor ein Grabgewölbe 
der Familie VON MALTZAN ■ Grubenhagen, jetzt aber vermauert (s. o.), und unter 
der neuen Apsis ein gewölbter Raum, der als Leichenkammer benutzt wird. 

Der Altaranfsatz, sowie der Patronats- und Pfarrstnhl im Chor sind Innere Kin- 
neugothisches Schnitzwerk aus Eichenholz. Das Altargemälde, Christus am ricluimg. 

') Lisch, M. Jahrb. XXVII, -S, 124, 

"} Li»ch, M. Jahrb. VIIIB, S. Iä8, beschreibt noch die alten Choifc.i^ter al^ schmale, leise 
eespiUte Feniter mit schräge eiiiEehenden unge|;liederlen Wänden, 



58 



AMTSGERlCinSDEZIRK TETEROW. 



Kanzel. 



Zurück- 
gesetzte 
Schnitz- 
werke. 

Gedenk- 
tafel. 



Maltzalin- 
sehe Epi- 
taphien. 



Kreuz, daneben Johannes und Maria, ist von Professor Kaselowsky in der Art 
und Weise Pfannschmidt's und der Neu-Nazarener ausgeführt. 

Die von der Figur des Moses getragene Kanzel ist im Jahre 1707 von 
dem Bildhauer Johann Vieregge aus Rostock geschnitzt. In den Füllungen ver- 
schiedene Darstellungen, wie Christus mit der Sünderin beim Mahl des Simeon, 
Christus in Gethsemane, Christus am Kreuz und Magdalena am Fuss des 
Kreuzes, Christus als Salvator mundi und als Richter. 

In der Sakristei ein zurückgesetzter Altaraufsatz ^) und über ihm ein 
geschnitzter Krucifixus aus jüngerer Zeit. Ferner auch auf dem Glockenboden 
der Rest eines geschnitzten Krucifixus. 

Neben der Kanzel eine grosse Gedenktafel der seit der Reformation thätig 
gewesenen Pastoren, die, nach Angabe in der Unterschrift, 1728 angefertigt 
worden ist. Sie stimmt freilich nicht ganz mit dem geschichtlichen That- 
bestande (s. o.). 

Im Altarraum ferner zwei grosse Maltzahn'sche Epitaphien in üppiger 
Harockschnitzerci, mit reicher Vergoldung und Polychromie. In der Nordost- 
ecke, neben dem Altar, das des ADOLF FRIEDRICH VON MOLTZAN, geb. 
1622 zu Grubenhagen, gest. 1697 zu Wien. Im Mittelfelde das Maltzan'sche 
Wappen mit Löwen als Schildhaltern und umgeben von sechs allegorischen 
Figuren: FORTITUDO, SPES, FIDES, CARITAS, JUSTITIA und SAPIENTIA. Ganz 
oben die Gestalt Christi, dessen Fuss oberhalb des Hauptes eines knieenden 
Ritters erscheint. Unten eine lange lateinische Inschrift mit Angaben über die 
Lebensstellungen und Charaktereigenschaften des Verstorbenen. 

DOMINO DN. A«F*DEMOLTZANGENERISANTIQUITATEVIRTUTUM DIG- 
NITATE ERUDITIONIS CLARITATE ACTORUM ET CONSILIORUM FELICI- 
TATE VARIARUMQUE LINGUARUM SCIENTIA LONGE EXCELLENTISSI- 
MO EQUm MECKLENBURGICO DN • IN GRUBENHAGEN ET BOECKE 
ORDINIS EQUESTRIS SENATORI PROVINCIALI ASSESSORI SUPREMO 
JUDICII PROVINCIALIS GRAVISSIMO DUCATUS MECKLENBURGICI :MA- 
RESCHALLO HEREDITARIO IN DUCATU VANDALORUM : FIDE SPE 
CHARITATE ET RELIGIONE EVANGELICA AD FINEM CONSTANTISSIMO 
INGENII SUBTILITATE PRUDENTIAE RARITATE CORDIS PIETATE VITAE 
INTEGRITATE MORUM GRAVITATE SPLENDIDISSIMO MENTIS HUMILI- 
TATE ORIS SUAVITATE ANIMI GENEROSITATE DOCTRINAE ERUDITIONE 
ECCLESIAE ET SUBDITORUM FAVORE LAUDATISSIMO NATO GRUBEN- 
HAGI 1622 D • 15 • NOVEMB • MORTUO VIENNAE 1697 D • 16 • APRIL • 

In der Südostecke, neben dem Altar, das Epitaphium des VOLLRATH 
LEVIN VON MALTZAHN, Schwiegersohnes des vorigen. Die Tafel gleicht der 



*) Dieser alte Altaraufsatz, ein Werk des Barockstils, war eine Stiftung des VoUrath Levin 
von Multzahn und seiner dritten Gemahlin Ilse Mnrgarethe von Grombow aus dem Jahre 1706. 
Vgl. Inventar von 181 1. 



KIRCHDORF GRUBEN! lAGEN. 



60 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

vorbeschriebenen, nur sind die Nebenfiguren keine Allegorien, sondern Apostel 
und andere Heilige. Unten ebenfalls eine lange lateinische Inschrill mit der 
Angabe des Geburts- und Todestages. 

MEMORIAE DIVAE INGENUAE PERILLUSTRIS AC GENEROSSISSIMI DNI ■ 

DN* VOLRATH LEV1N A MOLTZAHN VETUSTA QENTE VIRTUTE ET FIDE 

QUI CONSILIIS ET PIETATE 

NATIVO DUCATU1 ITA PRAE- 

FUIT UT QUEM NATURA 

MARESCHALLUM HAERE- 

DITARIUM EUM MERITA | 

CONSILIARIUM FACERENT 

PROVINCIALEM FAMILIAE 

SECUNDUS CONDITOR 
SENESCENTEM NON GLO- 
RIAM QUAE PER TOT 
SECLA SERENA FULSIT 
SED FORTUNAM RESTAU- 
RAVIT MULTORUM ET TO- 
GATAS ET SAGATAS ELUSIT 
INJURIAS ELIDENDO AVIDA 
EXTRANEORUM DESIDERtA 
INHIANTIUM SEDIBUS PA- 
TERNIS AVITI5QUE ET FE- 
LICI IMPRIMIS OMINE AN- 

TIQUAM HANG DENTIS 
SUAE SEDEM VINDICAVIT 
SIBIQUE ET SUIS CON- 
FIRMAVIT . NATUS A • 1626 
D • 28 OCTOBR . DENATUS 

A 1700 D. 22 JULIJ • 
EX TRIBUS CONJUQIBUSt 
ILSA METTA AB HAHNEN 
DOROTHEA SOPHIA A 
MOLTZAHN EN • HOC 
MONUMENTUM POSUIT •'"^"""= """ """"""■ «'"'■ ^°" "" Schulenburg. 

SUPERSTES TERTIA ILSA MARGAR : A GRAMBOWEN . 

Im Altarraum der Grabstein der Frau KATHARINA, LEVIN'S VON DER 
SCHULENBURG Tochter, vermählt in erster Ehe mit VICKE VON DEM BERGE, 
in zweiter mit CHRISTOFFER VON MALTZAHN. Die stark vertretene Inschrift 
ist heute nicht mehr so gut zu lesen, wie vor sechzig Jahren, als Lisch sie 
aufzeichnete. Sie lautet voll ausgeschrieben: ANNO 1582 DEN 12 • APRILIS 
UMB 4 UHR VOR j MITTAGE IST DIE EDLE VND VILTHUGENTSAME CATARINA 
LEVINS VAN DER SCHULENBVRGK DOCHTER IN GOT DEM | HERN SELICH 



KIRCHDORF GRUBENHAGEN. 



6l 



ENTSCHLAFFEN NACHDEM SY MIT IHREN | ERSTEN EHMANNE II KINDER 
GHEZEUGET ALS FRITZ VAN BERGEN VND ILSE VAN BERGEN DIDERICK 
MOLTZANS EHELICHE HVSFROUWE. In den Ecken oben das Schuienburg'sche 
und Quitzow'sche Wappen, unten das der von dem Berge und der von Arnim; 
unmittelbar über dem Haupte das der Verstorbenen und ihrer beiden 

Ehemänner. 

Ausserdem zwei Grabsteine, 
deren Inschriften heute kaum 
mehr zu entzifTem sind, deren 
einen aber Lisch noch im Jahre 
1862 sehr gut zu lesen ver- 
mochte. Er ist at^ebildet in 
der Geschichte des Geschlechts 
der von Maltzan, Band III, 
S. 268. Voll ausgeschrieben 
lautet die Inschrift: 

^nno bQminf mcccclijr | ht 
bemt bflQlge bonatf ciif^cajii 
ofiiit alrfru^ moltfan taaniiie 
Ocu I fieiigciggen mtirfi^alftl 
bei: gereii to meßelenftori^ 
biibe fieate fiiie j^iifbrohie 
be Qot gnebii$ f1. 

Von dem dritten Stein war 
nur noch zu lesen : ^IltlO 

bomtiii mccc(lj;)C)c 

An der Südwand hängen 
die lebensgrossen Bilder der 
Pastoren LÖNING (1667-1709), 

WENDT (1711 — 1738} und 
STUDEMUND (1749— 1771), alle 
drei mit längeren lateinischen 
Unterschriften, weiter auch noch 
eatc das Brustbild des Pastors KAVSEL 

(1812—1852). 

Im Thurm drei Glocken, alle drei umgegossen im Jahre 1851 von 
F. Schünemann in Demmin. 

Die Vorgängerinnen dieser drei Glocken waren sämmdich von Martin 
Hslntze in Perleberg gegossen worden (1668 und 1671) unter den Patronen 
Herzog Adolph Friedrich sowie Dietrich und VoUrath I.evin Gevettem von 
Maltzahn, dann aber tlieÜs 1720 und 1721 unter dem l'atronat des Herrn 



') M. Jahtb. Vlim. S. 129/130. 



62 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Levin Joachim von Maltxahn, Erblandiiiarschalls und Erbherrn zum Gruben- 
hagen, theils 1753 unter dem Patronat des Erblandmarschalls Vollrath Levin 
von Maltzahn umgegossen worden. 1720 und 172 1 war der schon oft ge- 
nannte Michael Begun der Giesser, 1753 Gottfried Wosack in Stralsund. 

Kleinkunst- Kleinknnstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf achtpassigem Fuss, 

werke. von 1698, mit dem Güstrower Stadtzeichen G und dem hier undeutlich ge- 
wordenen, aber auf der zugehörigen Patene wohl erhaltenen Meisterzeichen W 
des Heinr. Hölscher (1658 — 1706). — 3. 4. Silbervergoldeter grösserer Kelch 
auf achtpassigem Fuss, ohne Inschrift, wahrscheinlich 17 12 gestiftet. Güstrower 
Arbeit mit dem Meisterzeichen A R des Abraham Ratke, dessen Thätigkeit von 
1706 an nachzuweisen ist. Auf der zugehörigen Patene weder Stempel noch 
Inschrift. — 5. Silbervergoldeter Kelch von sehr schöner Treibarbeit, ur- 
sprünglich kein kirchliches Geräth, sondern ein profaner Deckel -Willkomm. 
Am Fuss das eingravierte Maltzan'sche Wappen mit V L M.*) Rostocker 
Stadtstempel, dazu der Meisterstempel ^Rj, der dem um 1632 nachweisbaren 
Meister Hans Klein II angehören wird. — 6. Silberner Kelch auf sechspassigem 
Fuss, gestiftet von D»E v»W«g«H 1740 i«d»G«K»*) Güstrower Arbeit 
von dem Goldschmied Caspar Johann Livonius: JcTl}- — 7 — 9- Silberner 
Krankenkelch, Güstrower Arbeit von dem schon genannten Heinrich Hölscher, 
gestiftet von ELISABETH CAPPELLEN • WITWE MOLTZANEN. Dazu Patene 
und Dose. — 10. Silbervergoldete runde Oblatenschachtel mit der Inschrift: 
ZU GOTTES EHRE HABE ICH ANNA MARGRETHA MALZANN GEBORNE VON 
BÜRKHOLZEN_DIESE OBLATENSCHACHTEL IN DIE GRUBENHAGER KIRCHEN 
VOREHRET AO 1665. Zeichen B (zweites Zeichen undeutlich). — ii. Silber- 
vergoldete längliche Oblatenschachtel, grösser als die vorige, mit der Inschrift: 
ZU GOTTES EHREN! CHRISTINA WILHELMINA VON MOLZAHN, GEBOHRNE 
REICHS- FREY : VON LÖWEN ANNO 1726. Güstrower Arbeit von dem schon 
genannten Andreas Ratke. — 12. Neue silberne Abendmahlskanne. Wagner- 
Berlin, 1857. — 13. Neue Taufschale von F. LIppold- Malchin, gestiftet 1857 
von A. FREIH. V. MALTZAN und LOUISE V. MALTZAN, geb. V. TREUENFELS, 
auf Gross-Luckow. — 14. Becken, in Messing getrieben, gestiftet 17 14 von 
CHARLOTTE ELISABETH FREDENHAGENS, DAVID STINTMANS EHEFRAU. - 
15. 16. Zwei zinnerne Becken, das eine 1653 von MARIE >-*>^-^ ^'^•^^^ 
RESEN, Güstrower Arbeit (nebenstehendes erstes Zeichen). \ JCuT/ \ ^^ ^^ / 
das andere 1765 von einem Ungenannten (nebenstehendes i^\\ i B J 
zweites Zeichen). — 17. Klingbeutel, mit dem in Silber ^ "^ 

gestickten Maltzan- Löwen 'sehen Allianzwappen. Am Rande die Initialen 
L J V M und C W V L (s. o. unter 1 1). — 18—21. Vier schöne Vela mit Gold- 
.stickerei aus neuerer Zeit. 

* * * 



*) Kein anderer als jener Vollrath Levin von Maltzahn, dem das zweite Prunk - Epitaph ge- 
stiftet worden ist. 

') Der Schluss soll heissen: »in die Grubenhäger Kirchec sc. gestiftet. 



i 



^ 




w 



m 



Ehemaliger Witlkomni als Kelch der Kirche la GrubenhagsD. 



GUT UND EHEMAUGES KIRCHDORF SCHORSSOW. 



63 



In Schloss-Grttbenhagen steht noch eine Mauerwand des alten Maltzahn- 
schen Schlosses. — Auf dem früheren Schlossplatz findet sich der Eingang 
zu einem unterirdischen Gange, der wegen Gerölls und schlechter Luft noch 
nicht hat erforscht werden können. Ob er weit fuhrt — der Sage nach bis 
zur Kirche in Grubenhagen, zwei Kilometer vom Schloss Grubenhagen ent- 
fernt — ist zweifelhaft. 

* ♦ * 

Im Garten des Herrenhauses zu Gross -Luckow steht eine alte Granit- 
Fünte, welche der im zweiten Bande der mecklenburgischen Kunst- und Geschichts- 
Denkmäler am Schluss des Amtsgerichtsbezirkes Wismar abgebildeten, jetzt 
im Schlossgarten zu Wiligrad stehenden Fünte sehr ähnlich ist. Nach einer 
Mitiheilung des Herrn Baron von Maltzan auf Schloss Grubenhagen ist der 
Untersatz in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts durch Ankauf von einem 
Bauern in der Gegend von Sternberg nach Gross -Luckow gekommen, das 
Becken aber, das schwache Bogen -Verzierungen zeigt und an dem früher ein 
eiserner Reifen befestigt gewesen ist, wurde in dem Fundament eines alten 
Gebäudes auf dem Nebenhofe Bartz gefunden. 



Schloss- 

Gruben- 

hagen. 



Gross- 
Luckow. 




Dorfes. 



Das Gut und ehemalige Kirchdorf Schorssow.') 

|as Gut Schorssow liegt sowohl unmittelbar an einem kleineren See, der Geschichte 
zum Gute selbst gehört, als auch zugleich an dem westlichen Ende des ^^s 
malerisch eingebetteten grossen Malchiner Sees, dessen Längenachse die Richtung 
von Nordost nach Südwest innehält. Schon in der zweiten Hälfte des XIV. Jahr- 
hunderts ist das theilweise auch von Bauern bewohnte Dorf Schorssow im 
Besitz der Maltzan (Maltzahn, Moltzan). *) Höchst wahrscheinlich aber haben 
sie es von längerer Zeit her. Die beiden Brüder, die in den siebenziger Jahren 
als Herren von Schorssow auftreten, nennen sich Moltzan und Hinrick Moltzan, 
Herrn Hinrickes Moltzans Söhne, eines Ritters von Schorssow.') Dass der auf- 
fälliger Weise immer ohne Vornamen genannte Knappe Moltzan zu den be- 
deutenderen werleschen Vasallen gehört, beweist der über Rechte und Einkünfte 
aus dem Lande Malchin zwischen ihm und den beiden Fürsten Lorenz und Johann 
vonWerle geschlossene Pfandvertrag vom i. Novbr. 1375.*) In einer Urkunde 
vom 7. Juni 1378 bezeichnet ihn Fürst Johann von Werle als seinen Marschall. ^) 

') 10 km südlich von Teterow. Die ältesten Formen des Namens sind Schorsowe, Schortzow, 
Scorsowe» Scortzowe. »Ort des Skores«: Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 130. 

*) M. U.-B. 10334. Vor dem dreissigjährigen Kriege werden hier elf Kossäten gezählt: 
Groth, M. Jahrb. VI, S. 135. 

*) M. LVB. 10643. 

*) M. U.-B. 10 791. Lisch, Geschl. M. II, S. 61. 254. 

*) M. V.-B. II 113. 



64 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

Auch begegnet er uns in einer grossen Anzahl von Urkunden, in denen es 
sich öfter um werlesche Staatsaktionen handelt, als Zeuge.*) Das ändert aber 
nichts an der gegen theiligen Auffassung der Lübecker, die ihn im Jahre 1385 
in ihr Verzeichniss der mit Krieg zu überziehenden »Raubritterc aufnehmen, 
die wendischen Städte, darunter auch Malchin, in ihren Bund hineinziehen 
und vereint mit diesen ungefähr zwanzig Berchfride und befestigte Höfe be- 
zwingen. Wie bei diesem Anlass, oder auch bald darauf aus anderen Gründen, 
Maltzan von Schorssow von den Malchinern im Dorfe Faulenrost erschlagen 
wird, wie Fürst Johann von Werle daliir eine Sühne fordert und diese Sühne 
von den Bürgern geleistet wird: das alles ist durch Urkunden und Chroniken 
aus jenen Tagen klargelegt und braucht hier nicht ausfuhrlicher erörtert zu 
werden. *) Die von Maltzahn halten sich, drei verhältnissmässig kurze Unter- 
brechungen abgerechnet, eine durch ihren Schwager Arnd Höbe von 1447 an, 
die andere durch ihren Schwager Volrath Preen in der ersten Hälfte des 
XVI. Jahrhunderts und die dritte durch zeitweise Verpfändung während einer 
Vormundschaftsperiode von 1596 an, auf Schorssow bis in die vierziger Jahre 
des XVII. Jahrhunderts. ') Am 8. Februar 1645 erhält der Lübecker Bischof 
Herzog Hans von Holstein den Konsens zu einem auf dreissig Jahre mit den 
von Maltzan abgeschlossenen Pfandkontrakt über Schorssow c. p. Bülow und 
Tessenow. Von ihm aber kommen diese drei Güter, auch Ziddorf, schon um 
die Mitte des XVII. Jahrhunderts an die von Moltke*), die bis 18 16 darin 
bleiben. Ihre Rechtsnachfolger sind: 1817 Oberamtmann Georg Karl Friedr. 
Siebmann, 1823 Louise Gräfin von Hahn (Friedrich Graf von Hahn), 1835 
Gräfin von Voss, geb. Gräfin von Hahn (Felix, Graf von Voss), und 1891 der 
Oberstleutnant von Thiele -Winkler, in dessen Familie die Güter heute noch sind 
mit Ausnahme von Tessenow und Ziddorf, welche jetzt zu dem Gräfl. Bassewitz- 
schen Grundbesitz gehören. 



*) M. U.-B. 10503. 10583. 10672. 10678. 10763. 10764. 10791. 10857. 11004. 11009. 
II 068. II 089. II 093. II 114. II 155. II 261. II 329. II 383. II 399. II 403. II 424. II 535. 

*) M. U.-B. 1 1 665, Anmkg. Vgl. Lisch» Geschl. Maltzan II, S. 337 — 345. 355 — 358. M. 
Jahrb. XV, S. 6i. 62. XXXVIII, S. 176. Chroniken der niedersächsischen Städte, ed. Koppmann, 
I, S. 588 89. II, S. 264. »In deme siilven jare voreneden sik de van Lubeke mit konink Albert 
van Sweden, vnde de konink toch darto sine stede Rostok vnde Wismar. Desse togen mit her- 
schilde vnde mankraft to vordervende de rovere, de de Straten roveden vnde ok andere roverie 
deden, wor em dat steden künde. Hovellude desser rovere weren: Moltzan van Scortzowe, Hen- 
neke Mallin van Ghomtowe, Hinrik van Bvlowe van deme Prensberge, Hinrik Bvlouwe van 
[C]ritz[owe], Tideke Bulowe van Radem. Dessen wannen se ere slote vnde ere vestene af vnde 
breken se vnde woU XX gude berchvrede vnde vaste hove. De sake, dar dit mest umme schach, 
was, dat de stratenrovere de ko vor Molne nemen, de de van Lubeke vordeghedingheden.« — 
Das Chronikon Ruf! hebt allein den Gömtower (Kriedrichsruher) Mallin aus der Reihe heraus, 
spricht von dreissig zerstörten Berchfriden und setzt hinzu: »De dar gud hadden to verlesende, 
de geven sik an gnaden des koninges vnd der stede und worden entvangen to gnaden. Se zworen 
truwe to holden vnde behelden ere gud.« 

•) Ueber Arnd Hohe s. Lisch, Geschl. Maltzahn IV, S. 505/6 (ürk. 863). Ueber die Ver- 
pfändung von 1596 an vgl. Lisch, Geschl. Mahn III, S. 246. 250. 

*) Konsens vom 5 Juni 1652. 



GUT UND EHEMALIGES KIRCHDORF SCHORSSOW. 65 

Die Kirche zu Schorssow wird am 25. März 1403 zum ersten Mal ur- 
kundlich genannt, als Hinricus Moltzan fiir das Seelenheil seines erschlagenen 
Bruders Moltzan eine Vikarei stiftet und deshalb einen eigenen Altar errichten 
lässt^) Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass die Kirche zu Schorssow 
eine Filia der Mutterkirche zu Dahmen ist. Da nun die Ruinen der Kirche 
noch heute den Stil der alten Feldsteinkirchen des XIII. Jahrhunderts mit 
geradem Chorschluss erkennen lassen, so können wir annehmen, dass das an- 
g^ebene Verhältniss zu Dahmen um 1403 schon gegen anderthalb Jahr- 
hunderte von Bestand gewesen war. So bleibt es auch noch gut weitere 
hundert Jahre. Aber zur Zeit des lang dauernden heftigen Streites der Maltzan 
mit ihrem Schwager Volrath Preen, der sich als Gemahl der Erbjungfer Anna 
von Maltzan auf Schorssow in den Besitz des Gutes gesetzt hatte, ändert sich 
die Sache gründlich. Man ersieht aus den Akten, im Besondern aus den 
Frageartikeln wegen der Besitznahme des Gutes, dass Volrath Preen in 
Schorssow, wie man zu sagen pflegt, das Oberste zu unterst und das Unterste 
zu oberst gekehrt und schon vor 1520 die schön gewölbte und mit einer 
Orgel versehene Kirche, ohne darnach zu fragen, hatte einreissen lassen.*) So 
ist es denn auch zu verstehen, dass, während 1507 noch ein Schorssower 
Vikar Jakob Meyer urkundlich angetroffen wird, im Visitationsprotokoll 
von 1541 von einer eigenen Kirche keine Rede mehr ist, sondern Schorssow 
schon als zur Parochie Bülow gehörig verzeichnet wird, wohin es Volrath Preen 
als Patron und zugleich als Besitzer des Gutes und Dorfes Bülow im Namen 
seiner Hausfrau Anna eigenmächtig gelegt hatte.*) So erklärt es sich ferner, 
dass etwas über hundert Jahr später, nämlich im Visitationsprotokoll der 
Bülower Kirche von 1648, zu lesen ist, dass die Filialkirche zu Schorssow vor 
vielen Jahren niedergefallen, eine von ihren drei Glocken widerrechtlich, d. h. 
ohne Konsens des Landesherrn als obersten Biscliofes, im Jahre 1604 durch 
Bernd Ludolf Moltzan nach Rambow versetzt, und an Stelle der Schorssower 
Kirche, die (hier tritt nun der Irrthum ein, weil man von dem alten Ver- 
hältniss zu Dahmen nichts mehr weiss) einst Mater gewesen, die Kirche zu 
Bülow als Mutterkirche getreten sei. 



*) Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 36 — 39. Der Satz der von einem Schweriner und einem 

Kamminer Geistlichen beglaubigten Urkunden - Abschrift, auf den es hier ankommt, lautet: 

prefatam vicariam .... feci et facio ordinanter annuatim ad quoddam altare in ecclesia Schorsovv, 
qoe est filia ecclesie parrochialis Damen, dotandum (nicht dotandam), quod (nicht ({ue) in honore 
omnipotentis dei, beate Marie virginis genitricis ejus necnon decem milium martirum ac sanctissime 

Katerine virginis constnixi In Folge dieser abschriftlichen Versehen bezieht Lisch das, 

was den Altar angeht, auf die Kirche und lässt diese um 1400 erbaut sein. Dass Lisch Anfangs 
kein richtiges Bild von der Kirche hatte, ist auch aus dem Vergleich von M. Jahrb. VI B, S. 104, 
mit dem zehn Jahre späteren Text in der Gesch. des Geschl. v. Maltzan III, S. 39, Anmkg., zu 
eikennen. 

*) Lisch, Geschl. v. Maltzan III, S. 489—496 (Urk. 854—856). IV, S. 391/92 (Urk. 805). 
S. 476—480 (Urk. 850). V, S. 105/6 (Urk. 935). S. 203/4 (Urk. 984). S. 225/26 (Urk. 997). 

•) Das Patronat von Schorssow finden wir u.a. im Jahre 1475 in Maltzan'schcn ILHnden: 
Ijsch, Geschl. v. M. III, S. 391. Der Altar der Vikarei führt damals den Namen des hl. Märtyrers 
Eraamus, der vor den übrigen Märtyrern, denen er gewidmet war, den Vorrang errungen. 

5 



66 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Alte 
Kirche. 



1403 wird Hermann Maltzan, der den geistlichen Beruf ergriffen hat, 
Inhaber der neu gestifteten Vikarei. 1475 ist der Vikar Nikolaus Dupow 
gestorben ; an seine Stelle tritt der Priester Otto Reme, und diesem mag 
nachher der schon genannte Jakobus Meyer gefolgt sein, der möglicherweise der 
letzte war. Alle diese Geistlichen haben wir als zur Kamminer Diöcese gehörig 
anzusehen. Mitten in Circipanien gelegen, wie alle Kirchen auf der Nordseite 
des Malchiner Sees, kann sie schon gar nicht anderswohin gewiesen werden. 
Als Filia der alten Kirche zu Dahmen (Damen) nimmt sie überdies Theil an 
den urkundlichen Erweisen, welche für die Zugehörigkeit dieser Kirche zur 
Kamminer Diöcese schon aus dem XIII. Jahrhundert beizubringen sind.^) Seit 
Volrath Preen's Zeit gehört wie bemerkt, Schorssow zur Bülower Kirche. 

In der alten Kirche, der Ruine am Haussee, hängen in einem Glocken- 
stuhl zwei Glocken. Die ejne hat die Jahreszahl ANNO 1696 und im Felde 
die Inschrift: ERENTREICH V • MOLTKEN CATHAR • HEDW • V • VOSSEN M • 
MARTIN KOPPEN PAST • HINRICH KAESSIN JOCHIM GRIFHANKE JOCHIM 
BASSE : VORSTEHER • M • ERNST SIEBENBAUM AUS ROSTOCK HAT MICH 
GEGOSSEN. Die Glocke ist jetzt gerissen. — Die zweite Glocke hat 
in grösseren Zwischenräumen die Buchstaben: £1 U C (1) C • tll \l C i \l« 
(^11110 Cgriftf inbMb). Im Felde das nebenstehende Giesserzeichen. 



W" 



Das Inventar von 1 8 1 1 erwähnt auch eine kleine Glocke zu Ziddorf, 
welche 1750 unter dem Patronat des Eberhard Friedrich Ehrenreich von Moltke 
und dem l'astorat des VoUrath Dietrich Drepper zu Bülow aus einer älteren 
Glocke umgegossen war. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf BUlow.') 

JBSis 1372 (oder auch bis 1373) ist Volrath Hanensce der Besitzer eines oder 
^=^ auch des grössten Theiles vom Gut und Dorfe Bülow, wie man an 



seinen letztwilligen Bestimmungen zu Gunsten des dortigen Kirchherrn wahr- 
nimmt. Auch sieht man, dass zu jener Zeit noch eine ganze Anzahl deutscher 
Bauern dort wohnen.^) Diese werden erst durch den dreissigjährigen Krieg 
hinweggeräumt. Bis dahin zählt man immer noch sechzehn Höfe, nämlich 
zwölf Vollbauern und vier Kossäten.^) An Hanensee's Stelle aber treten ein 
Jahr später die von Moltzan auf Schorssow. Sie einigen sich mit der Stadt 
Malchin über denselben Kamp in oder vor dem Dorfe, den schon Volrath 
Hanensee der Stadt zum Trocknen ihrer Netze überlassen hatte.*) Ueber 



») M. U.-B. 439. 758. 

') 12 km südlich von Teterow, unmittelbar am Malchiner See. 
Kühnel, M. Jahrb. XLVI, .S. 31. 
■j M. U.-B. 10271. 
*) Groth, M. Jahrb. VI. S. 135. 
») M. U.-B. 10643. 



»Ort des Bul, Balac 



GUT UND KIRCHDORF BÜLOW. 6^ 

dritteliaib hundert Jnlire bleiben sie die Herren.') Als sie aber gegen die 
vierziger Jahre des XVII. Jahrhunderts das schöne Gut und Dorf Schorssow 
an den Bischof von Lübeck, den Herzog Hans zu Holstein, verlieren, da haben 
die Güter Bülow und Tessenow als Pertinenzen von Schorssow bis 1816 das- 
selbe Schicksal. Es folgen nämlich hier wie dort um die Mitte des XVII. 
Jahrhunderts die von Moltke im Besitz. 1816 übernimmt Joh. Heinr. Degener 

das Gut Bülow, 
1845 Joh. Ad. 
Karl Christian 

Erbrecht, 
1859 der Ma- 
jor a. D. W. 
E. B, von Bü- 
low und 1890 
der Oberstleut- 
nant V, Thiele- 
Winkler, der 
es wieder mit 
Schorssow wie 
in alter Zeit 
vereinigt hat. 
Heute ist Ra- 
ban von Thiele- 
Winkler der 
Herr von Bü- 
low, Schorssow 
und Carlshof 
bei Hohen- 
Demzin. 

Das Patro- 
nat der Kirche 
zu Bülow 

„. . „., schenkt Chri- 

Kirche zu UUlow. 

stoffer, Fürst 
zu Wenden und Herr zu Werle, schon im Jahre 1423 seinem Marschall Ulrich 
Maltzan.*) Von da an hadet es am Besitz von Bülow. 

Namen von mittelalterlichen Geistlichen sind bis jetzt nicht bekannt 
geworden, 154'. ^'s der vielgenannte Volrath Preen das Patronat innehat, 
ist Heinrich Schwieger (Tacitus) Pastor zu Bülow, Zu seiner Parochie gehören 
damals ausser Bülow die Dörfer und Güter Schorssow, Tessenow, Bristow, 

'1 Wie Volrath Preen im XVI. Jahrhundert eine Zeit lang den Beäiti erzwingt, siehe bei 
ihomow. Vgl. Lisch, Gesch. des Geschl. v. M. III, S. 391 und 491 (Urk. 805 und 855). 

*) Vgl. Akten im Grossh. Archiv, betr. Erbiandmarschallamt im FUrstenthum Wenden. Im 
Besonderea Evers, Nachrichten etc., S. 77. 



AMTSGERlCHTSbEZIRK TETEROW. 



Ziddorf. Karstorf dagegen, das früher auch dabei gewesen, hat Achim 
von der Osten auf Hohen-Demzin davon abgenommen. Schwieger's Nachfolger 



l 



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OPfi 

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1 



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ITb ^ ^L 



Kirche zu BQIow. 



'■ ' ' I I I I I 



Nach Zeichnungen von Prie 



■wvo^Ce^r^- 



GUT UND KIRCHDORF WÜLOW. 



69 



Johann Ricke wird wegen zeitweiser Geisteskrankheit 1590 entlassen. 1591 
folgt Erasmus Haischacht. Um 1608 finden wir dort den Pastor Arnold 
Stappenbeck, um 1624 den Joh. Preissinger (Pressinger, Priessing), von 1643 
bis 1656 Paul Gottschalk, von 1657 bis 1676 Heinrich Heidemann, von 
1677 bis 1706 Martinus Koppe, von 1707 bis Ende der vierziger Jahre Joh. 
Cyriacus Kraue), nach längerer Vakanz von 1749 an Volrath Dietr. Drepper, 

um 1762 den Pastor 
'^ Schmidt, und nach 

dessen im Jahre 1774 
erfolgten Tode von 

1775 an den Pastor 

Daniel Philipp Walter 

\(f 1832), den Vater des 
späteren Ober- Hof- 
predigers. Ueber ihn 
und die Geistlichen 
des XIX. Jahrhunderts 
vgl. Walter a. a. O. 
Ueber die Zu- 
gehörigkeit der Kirche 
während des Mittel- 
alters zur Kamminer 
Diöcese siehe oben bei 
Schorssow, S. 65, An- 
merkung 1. 

Kirche. Fruhgothi- 
sche Kirche aus der 
Zeit des XIII. Jahr- 
hunderts im Charakter 
des Ueberganges vom 
romanischen zum go- 
thischen Stil, mit einem 
Feldstein thurm, der ein 
abgewalmtes Dach 
trägt. Der Chor 
schliesst platt ab und 
hat auf der Ostseite 
an dreitheiliges, aus zusammengestellten Schlitzen gebildetes Fenster, in 
«Ichem ebenso nach aussen wie nach innen hin romanische Pilaster mit unten 
abgerundeten Würfelkapitellen die Scheidewand architektonisch beleben. Im 
Chor ein Kreuzgewölbe mit Rippen. Von Süden her fuhrt als » Priesterpforte« 
ein stattliches "ifrühgothisches Portal aus einer Vorhalle in den Chor. Ein 
schwerer Triumphbogen scheidet den Chor von dem durch frühgothische zwei- 
theilige Fenster erleuchteten flachgedeckten Langhause. 



Ivwwty, 



^iwäto»S . 



VoD der Ostseite der ICirchc i 



70 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Kanzel. Die innere Einrichtung ist zum grössten Theil neu. Die hübsche, leider 

mit Farben überstrichene Kanzel von 1673 ist eine Stiftung der KATHARINA 
VON STRALENDORFF, Wittwe des Oberst JOACHIM VON MOLTKE. 

Moltke'sche In der Sakristei auf der Nordseite eine Moltke'sche Prnnkrttstttng und 

Rüstung, die Reste eines Moltke'schen geschnitzten Wappens.^) 



Glocken, 



Kleinkunst- 
werke. 



Im Thurm drei Glocken. Die erste hat obenherum die Inschrift: SOLI 
DEO GLORIA ANNO 1790. Im Felde die Inschrift: SO MANCHER SCHWUNG, 
SO MANCHER SCHLAG TRAFEN MICH, BIS ICH ZERBRACH • GLEICH DEN 
MENSCHEN, DIE DA STERBEN, MUSS DER TOD MICH ERST VERDERBEN • 
VERWANDELT DURCH DES FEUERS MACHT LEB ICH NUN MIT NEUER 
PRACHT« GOS MICH JOHANN CHRISTIAN MEYER IN NEUSTRELITZ. Auf 
der Rückseite die Namen des Patrons CARL GUSTAV LUDWIG VON MOLTKE 
und seiner Gemahlin MARIA ELISABETH CAROLINA GRAFIN VON BASSEWITZ, 
sowie die Namen des Pastors RUDOLPH FRIEDR. DAVID WALTER und der 
Kirchenvorsteher JOHANN GRIEWAN und EHRENREICH GRIEWAN. — Die 
zweite Glocke hat die Inschrift: rcj flloric cgtifte Ucnl CU jfMt • a • b • 
in • CCCdii* Dazu die Giesserzeichen : 



^+;t 




— Die dritte Glocke ist ohne Schrift und Zeichen. 

Kleinkttnstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf achtpassigem Fuss, 
mit einem aufgelegten plastischen Krucifixus als Signaculum und dem ein- 
gravierten Wappen des J. VON MOLTKE und der A. M. VON DER LUHE 1651. 
Rostocker Arbeit von L G (Lorenz Gudejohann). Patene ohne Werkzeichen. — 

3. Eine zweite silberne Patene, gestiftet von HANS TIMME, hat das Werk- 
zeichen des Güstrower Goldschmiedes I L (Johann oder Joachim Lemke).*) — 

4. Kleiner silberner Krankenkelch mit undeutlichem Stempel. — 5. Runde sil- 
berne Oblatenschachtel, von einem Güstrower Meister mit undeutlichem Stempel. 
Auf dem Deckel ein Monogramm aus S V M. — 6. Kleine Oblatenschachtel 
im Rokokogeschmack, von dem Warenschen (W) Goldschmied L. B. Auf dem 
Deckel in Treibarbeit ein Agnus Dei. — 7. Neugothische Kanne. — 8. Tauf- 
schüssel von Zinn, neu. — 9. Silbervergoldeter Schöpflöffel, gestiftet 1754 von 
E«F«E«V«M» Vom Schweriner Goldschmied A • L • K (Konow). ') 

*) Aufbewahrt in einer Kiste. 

*) CruU, M. Jahrb. LXIII, S. 149. Johann um 1662/69, Joachim um 1680/1691 nachweisbar. 

») Vgl. Stieda, M. Jahrb. LIX, S. Iio. 



GUT UND KIRCHDORF BRISTOW. 71 



Das Gut und Kirchdorf Bristow.') 

Kam 6. Januar 1297 verkauft der Ritter Friedrich Moltke dem Abt Johann Geschichte 
■^" zu Dargun sein nahe am Teterower See gelegenes Dorf Sührkow ^^s 
(villulam Scurekendorp) sammt vier Hufen in Niendorf und macht zugleich L)<>"es. 
beim Kloster eine Anleihe von 200 Mark Geldes, die er als Abzahlung für 
das von ihm gekaufte Gut Bristow nöthig hat.*) Aber fünfund fünfzig Jahre 
später, den i. April 1352, geht Bristow als Lehn der Linie Werle- Goldberg 
an den Knappen Nikolaus Hahn über.*) Ob direkt von den Herrn von Moltke 
oder aus anderen Händen, die es inzwischen erlangt haben könnten, erfahren 
wir nicht. Doch bleiben Anrechte Anderer, die an einzelnen Bauerhöfen in 
Bristow haften, vorläufig noch von Bestand.*) Später mag das Gut auch 
hiervon frei geworden sein. Hahn 'scher Besitz ist es nun zunächst bis zum 
Jahre 16 16. Da kommt es an die Gläubiger von Hans Hahn, nur noch ein 
Bauhof und die Mühle zu Bristow sammt einem Antheil am Gute Grube ver- 
bleiben ihm und seiner Familie. Bei dem lang sich hinschleppenden Konkurs- 
Verfahren gehen endlich auch diese verloren, und 1687 geht Bristow sammt 
seinen Pertinenzen Glasow und Grambzow an den Landrath Adam Henning 
von Bülow über. An dessen Stelle tritt schon 1693 der Kammerjunker 
Volrath Paris von Vieregge, und noch in der ersten Hälfte des XVIIL Jahr- 
hunderts kommen die Güter in den Pfandbesitz des Oberstleutnants Eickstädt. 
Als aber die von Hahn unermüdlich die Muthung ihrer alten Lehne fortsetzen, 
gelingt es ihnen im Jahre 1752, aufs Neue mit dem Lehn begnadigt zu werden. 
Sie stellen nun eine Reluitionsklage gegen die Eickstädt'schen Söhne an, 
kommen aber erst 1779 wieder in den thatsächlichen Besitz ihrer Güter. 
Doch erfreuen sie sich deren nur bis zum Jahre 1815.^) Da wird Friedrich 
Schläger der Rechtsnachfolger, und 1845 wird es Karl August Ludwig Graf 
von Bassewitz. Seitdem sind Bristow, Glasow und Grube Bassewitz'scher 
Besitz. Eins der denkwürdigsten Ereignisse, welche Bristow erlebt hat, ist der 
von Werner Hahn begonnene und von seinem Sohn Hans fortgesetzte und 
1597/98 vollendete Kirchenbau, ein Bau, der in seiner Art einzig dasteht. Im 
Hinblick auf den alten Werner nennt Lisch ihn ein Denkmal seiner Kraft und 



*) 8 km sttdsüdöstlich von Teterow, am Malchiner See. Den Namen, der schon im XIII. 
Jahrhundert so geschrieben wird wie heute, tibersetzt man mit »Ülmenort« (ahslavisch brSstü = 
llmc). Vgl. KOhnel, M. Jahrb. XL VI, S. 29. 
*) M. U.-B. 2432. 
•) M. U.-B. 7597. 

*) M. U.-B. 9660. Vor dem dreissigjährigen Kriege zählt Bristow noch fünf Bauern und 
zwei Kossäten: Groth, M. Jahrb. VI, S. 135. 

■) Lisch, Gesch. des GeschL Hahn II, S. 47. 66. 115. III, S. 34. 235 ff. IV, S. 154. 155. 
262. 264. 301. 304. 324. 



72 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

seines Glaubens. Das ist ohne Zweifel richtig. Aber es kann auch hinzu- 
gefiigt werden, dass, als später Hans Hahn in ünanzielle Bedrängnisse geräth, 
diese Kirchenstiftung mit ihren testamentarisch festgelegten Lasten anlangt, 
einen Druck auf ihn nnd seine Familie auszuüben, der immer schwerer wird. 
Anfangs hat diese Kirche ihren eigenen Pastor. Es ist im Jahre 1600, 
als Hans Hahn den ersten beruft. Doch haben wir seinen Namen nicht zu 
ermitteln vermocht. Dabei hat Hans Hahn sich verpflichtet, der Kirche zu 
Biilow, welcher in Folge davon Ihre Pfarrkinder zu Bristow und Glasow ent- 
zogen werden, ein Kapital zu überweisen, von dessen Zinsen Pastor und 
Küster entschädigt werden sollen, und auch allen sonstigen früheren Verbind- 



Kirclie lu Bristow mit Um|;ebimu. 

lichkeitcn gegen Kirche, Wedem u. s. w. nachzukommen. Aber schon 1624. 
als Bristow langst keinen eigenen Pastor mehr hat — der zweite und 
letzte war von 1610 bis 1617 der nach Roebel versetzte Georg Kenast ge- 
wesen — giebt es in diesem Punkte Verdriessüchkeiten aller Art, worüber 
Pastor Preissinger zu Bülow, der auch Pastor zu Bristow ist, Klage fiihrt. 
Aehnliche Beschwerden folgen 1652. Vier Jahre vorher, nämlich im Visitations- 
protokoll von 1648, heisst es, das Pfarrhaus in Bristow sei abgebrannt und 
nicht wieder ersetzt worden, der Pastor sei todt. Darauf liest man im 
Visitationsprotokoll von 1662, dass Magister Adam Müller von Basedow her 
den Gottesdienst in Bristow verwalte, weil hier kein Pastorat bestehe. Uebrigens 
wird die Gemeinde sehr gelobt, von der schönen Kirche aber bemerkt, dass 
darin vieles ruiniert sei. Nach Adam Müller hat wieder Pastor Heinrich 
Heidemann zu Bülow die Cura zu Bristow, von 1677 an hat sie der Pastor 
Friedr. Nikolaus Ideler zu Hohen-Demzin. Von da an sind Hohen-Demzin 
und Bristow über hundert Jahre lang mit einander verbunden, 1790 aber kehrt 



GUT UND KIRCHDORF URISTOW. 



73 



Bristow zu Bülow zurück, und zugleich nimmt die Filia die Mater mit sich: 
auch Hohen-Demzin wird in diesem Jahre mit Bülow verbunden.*) 

Wenn, was mit Bestimmtheit weder zu bejahen noch zu verneinen ist, 
Bristow schon vor der Zeit der Kirche des Werner und Hans von Hahn eine 
ältere Kapelle hatte, so gehörte sie selbstverständlich ebenso wie ihre Mutter- 
kirche zu Bülow zur Kamminer Diöcese, die neue Kirche aber, welche der Zeit 
nach der Reformation entstammt, berührt sich selbstverständlich nicht mehr mit 
dem Kamminer Bischof. Vgl. oben S. 65 (Schorssow). 

Kirche. Die ganze Kirche ist ein von sauber behauenen Granitquadern 
aufgeführter eigenartiger schwerer Bau in Form eines Vierecks und im Ge- 
schmack der Renaissance vom Jahre 1597. Diese Zahl findet sich an dem 
Ostgiebel des platt abschneidenden Chors. Der im Westen vorgesetzte Thurm 
ist ebenfalls von unten bis oben ein schwerer Granitbau und hat einen 
Helm mit einem laternenförmigen Aufsatz. An der Nordwand eine zugesetzte 
Rundbogenthür mit darüber angebrachter Kreuzesgruppe in einer Rahmen- 
Einfassung, die an die Form eines Renai.ssance- Epitaphs erinnert.*) 

Dem Aufwand an Granitquadern, die ohne Zweifel aus einheimi.schen 
erratischen Blöcken gewonnen sind, entspricht die ganze innere Einrichtung, 
in welcher eine überraschende Pracht der Renaissance in Marmor- und Sand- 
steinarbeit mit Vergoldung und Polychromie entwickelt ist. 

Am Altaraufsatz acht Hoch- Reliefs : die Geburt des Heilandes (ober- 
halb des Durchganges auf der Nordseite), die Anbetung der hl. drei Könige, 
das Ostcrlamm - Essen und das Gebet in Gethsemane (im unteren Mitteltheil), 
die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt (alle drei im oberen Mittel- 
theil) und endlich die Ausgiessung des hl. Geistes (oberhalb des Durchganges 
auf der Südseite). Ausserdem in den Zwickel fei dern der Durchgänge die vier 
Evangelisten-Symbole, und hinter den die Kreuzigung flankierenden ionischen 
Säulen die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Dazu eine Menge 
von Versen, die sich auf alle diese plastischen Werke beziehen. 

Hinter dem Altar auf steinernen Tafeln das Testament Werner 
von Hahn's an seinen Sohn Hans: des Gründers der Kirche an deren Vollender. 
Die Aufschrift der Tafel lautet: 

EXTRACT • WERNER • HAHNS • TESTAMENT • AN • SEINEN • 

EINIGEN • SOHN«*) 

„Extract aus des ehrlichen und seligen Mans Werner Hanen letzten 
„Willen und Befehlig an seinen einigen Sohn. 

„Es Ist dir auch, mein lieber Sohn, die Lehre, so der alte Tobias 
„seinem Sohn dem jungen Tobias im 4 • Cap • gegeben, wol bekant, das- 



Kirche. 



Altar- 
aufsatz. 



Steinerne 
Tafeln. 



') Vgl Lisch, Geschl. Hahn III, S. 238/39. 

*) Lisch, M. Jahrb. XVII, S. 169. — (Jesch. des Geschl. Mahn lll, S. 235—239. 245. 

•) Nach Lisch, Gesch. des Geschl. Hahn III, S. 236 — 238. 



74 AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 

„selbe will du oft leeen und nicht andere aufnehmen, als wen ich dein gut 
„meinender Vater in meinem letzten solches mündlich mit dir geredet hotte, 
„das wird dich dein lebelangk nicht gereuen • Darneben weistu, das ich zu 
„Bristow eine Kapel oder kleine Kirche erbauwet und einen eigenen Prediger 
„bei mir habe und halte, wan dereelbe hinwegk komt, bin ich Willens, wo 
„mich unser lieber Herre Gott lenger fristet, dreihundert Thaler an einen 
„gewissen Ort zu belegen, darvan en Pastor in der Nachbarschaft, der mihr 
„gef&lligk ist und sich rühmlich und fleisigk in seinem Ambt verh&lt, lährlich 
„18 Thaler Zinsen, auch ein Drömpt Rocken und ein Drömpt Gerste grosse 
„mas von meinem Howe daselbst zu heben haben und davor auf die Son- 
ntage und Freitage auch auf die Mitwochen predigen soll • Und weil die 
„Pastores auch ihre Mängel haben, soll mir frei sein und bleiben, auf vor- 
„faliende erhebliche Ursachen von einem auf den andern solches zu ver- 
„endern • Wurde ich aber von dem lieben Gott vor der Zeit abgefurdert, 
„wie ich in meinem Alter mich stündlich vormuthen mus, so wilt du mein 
„lieber Sohn dieses also verordnen und was ich wolmeinlich angefangen, 
„voilent ins Werk richten • "• 

„Diesen väterlichen Willen und christlichen Befehlig zu gebührlig und 
„gehorsamer folge, zu vorderet aber Gott dem allmechtigen und seinem 
„helligen Wordt zu Ehren, auch seiner^ hertzliebenden öltem und ihm selbst 
„zum Gedechtnis hat der Edler und Ehrenfester Hans Han, vorbemeldten 
„Werner Hanen einiger Sohn, durch Hülf und Beistand des Allmechtigen 
„diese Kirche nicht allein erweitert und renoviret, auch die von seinem 
„seligen Vätern izt gedachten Gelt- und Kornhebunge bis anhero richtigk 
„ausgeben und folgen lasen, sondern vor pflichtiget sich auch hirmidt, hen- 
„ferner vor sich, seine Lehnsfolger, Erben und Erbnehmen durch gnedige 
„Verleihung des Allmechtigen diese Kirche bei ihrem Einkomen, auch in 
„guten Bau und Beserung zu erhalten und dereelbigen viel lieber etwas zu- 
„kehren, als das geringste darvon zu entwenden • "• 

„Der getreue fromme Gott wolle die Landesfüreten und das gantze 
„Land, diese Gemeine, Ordt und Untertanen, Lehrer und Zuhörer mit seinem 
„heiligen Geist erleuchten und regieren, auch in wahrem Glauben bei reiner 
„Lehr und rechten Gebrauch der heiligen hochwürdigen Sacramente wider 
„den Teufel, Türeken, Babst, Muscowiter, Spanier, Cal vi nisten, Widertaufer, 
„allen Secten, Rotten, Wulffuchsen und falschen Bruedern gnedigk schützen 
„und erhalten, auch vor Kriegk, Pestilenz und teurer Zeit veterlich behüten 
„im weitlichen Regimente und haushalten, auch einen Jeden in seinen 
„beruf thun und lasen mit Segen und Glück beiwohnen und uns allen 
„endlich das Ende unsere Glaubens nemllch der Seele Seligkeit darvon 
„bringen lassen um der Ehre seines heiligen Nhamens und seines lieben 
„Sones Jesu Christi bitter Leiden und Sterbens willen hochgelobet vor aller 
„Woltat • Amen • Her Jesu Christ • Amen • Anno 1598 • H • A • 

.G«W«Z«B« — G^B^M^S««" 



Kanzel der Kirche zu Brixlov. 



GUT UNI) KIUCHPOKF BRISTOW. 



Epitaph ttls StahlbekrSnung. 



76 AMTSGERlCHTSnEZIKK TEIEROW. 

Glas- In den Fenstern ausser andern Glasmalereien das herzog], mecklenb 

malereien. Wappen und die Wappen des lOACHIM . HANE und der ANNA ■ VON • DER • 
SCHVLENBURGK . GNAD • IR • GOD . (Der Eltern des Werner und der Gross- 
eltern des Hans von Habn.) 

Kanzel. Der Pracht des Altars entspricht die Kannl. An der Wandung des 

Aufganges die Gestalten des Heilandes und der Apostel Petrus und Paulus, 
am Predigtstuhl die Halbfiguren 
der vier Evangelisten, an der 
Hinterwand im Predigtstuh'l das 
Christkind als Satvator mundi 
mit dem Weltglobus, und oben 
auf dem Schalldeckel eine An- 
zahl allegorischer Figuren. 

Orgel. Ebenso ist der Orgel- 

Prospekt. Prospekt vom Jahre 1601 zu 
beachten, an dessen Brüstung 
dieGestalten derGRAMMATTICA, 
DIALECTICA, RHETORICA, MV- 
SICA. ARITMETICA. ASTRO- 
NOMIA und GEOMETRIA an- 
gebracht sind. Am Prospekt 
weiter das Distichon: 
ORGANA DECANTANT CHRI- 
STO LAVDESQVE DECUS- 
QVE 
ET RECREANT VARIIS PEG- 
TORA NOSTRA S0NI8 • 

Etwas tiefer die Initialen des 
stiftenden Ehepaars und ihrer 
Sinnsprüche und die Jahres- 
zahl 1601. 

Der Pfeifen-Prospekt Taufständer. 

hatte 181 1 noch seine alten 

Thüren mit Malereien: Jakob's Traum, Isaak's Opferung, der brennende Busch 

des Moses u. s. w. 

Tauf- Der Tanfständer der Kirche ist nicht mehr der ursprüngliche. An 

Schüssel, ihm gab es einst einen reichen Figurenschmuck, dazu am Decket die Initialen : 

H*H-G.W*Z>B<, J<V*A., G'B'M'S. ANNO A NATO CHRISTO 

Messing- 1600. Aber noch vorhanden ist die zu ihm gehörige grosse prächtige Messing- 

Schüssel. schUssel mit dem Bilde der Verkündigung des Engels an die hl. Maria. 



GUT UND KIRCHDORF BRISTOW. 77 

Zwischen beiden im Hintergninde ein Blumentopf mit einer blühenden Lilie, 
und darüber die Taube als Sinnbild des hl. Geistes. 

Zur Rechten des Altars, also an der Südwand der Kirche, mit der Steinerne 
Wand verbunden, eine steincrae Stnhlbekröonog mit den Wappen des HANS Stuhl- 
HAHN und seiner beiden Gemahlinnen ILSE VON ARNIM und ILSE VON "»ekrömmg, 
HALBERSTADT. 



Grabsteine. Der Grabstein des HANS HAHN (i^sS, f 1633) steigt Grn 
sdn Bild in ganzer Rittergestalt. Der bei Lisch '} abgedruckten langen Inschrift 
fehlen die Data. Sie sind unausgefüllt geblieben. An den Ecken die Wappen 
der von Hahn, von der Luhe, von Veitheim und Halberstadt. Dagegen enthält 
der Grabstein von Hans Hahn's erster Ehefrau, ILSE VON ARNIM, wenigstens 
das Datum des Todes, nämlich: DEN • 22 • SEPT • 1605. 

') Vgl. Lisch, Geschl. Hahn lU, S. 155/57. Von Hans Hahnes «weiter Krau, Ilse von 
llalbersUdt, weiss man, dass sie die Seh recke nsieit der Jahre 1637 und (638 Überlebte. In 
einem Bericht an den Herzig Adolph Friedrich vom 18. Aueusi 1639 heisst es: illans Hanen 
Erben zn Brittow, lel»! die Witbe, ist in Rostogk, der Hoff ist wUsle," Wahrscheinlich hat auch 
ac ihr Begribniss in der Kirche lu Uristow gefunden. 



7» AMTSGERICHTSBEZI KK TETEUOW. 

Im Thurtn drei Glocken, sämmtlich im Jahre 1598 von Clawes Blncka 
in Wismar gegossen und mit den Stifteraamen HANS HANE und ILSE VON 
ARNIM versehen. 



Grabslein des Hans llahn und deswn erster Ehefrau Ilse von Arnim, 

Kleinkunst- KlciDknnstwerke. i. 2. Silberner Kelch auf sechspassigem Fuss, mit 

werke. aufgelegter plastischer Kreuzesgruppe als Signaculum. Auf der Unterseite des 
Fusses die Inschnll: DER KIRCHGEN ZU BRISTOW ANNO 1725 • D • 20* JULY. 
Vom Güstrow er Goldschmied L«M. (Lenhard Msstlin). Ebenso die Patene. — 
3. 4. Silberner Kelch auf sechspassigem Fuss, mit aufgelegter plastischer 
Kreuzesgruppe als Signaculum. Auf der Unterseite des Fusses eingraviert: 
JACOB MÜLLER HAT DIESEN KELCH DER KIRCHEN ZU BRISTOW VEREHRET 



GUT UND KIRCHDORF HOHEN -DEMZIN. 79 

ANNO 1752. D . 8 . JANUARI. Vom Malchiner Goldschmied D • I • W. Patene 
ohne Schrift und Zeichen. — 5. Längliche achtseitige Oblatendose vom Gü- 
strower Goldschmied Lenhard Mestlin. — 6. Neugothische Kanne, gestiftet von 
CARL GRAF BASSEWITZ und Gemahlin MARGARETHE GEB • GRAFIN V • D • 
SCHULENBURG. — 7. Altes Messing -Taufbecken mit der Scene der Ver- 
kündigung. — 8. 9. Zwei Messing -Leuchter ohne Datum, der eine gestiftet 
laut Inschrift von JOCHGIM RESING und WARNER STEN, der andere von 
JOCHGIM WVLF. — 10. Kleiner silbervergoldeter Schöpflöffel ohne Inschrift 
und Stempel. 




Das Gut und Kirchdorf Hohen - Demzin/) 

Irühmittelalterliche Urkunden fehlen. Aber vom ersten Viertel des Geschichte 
XV. Jahrhunderts her sind die von der Osten, eine schon im XIII. Jahr- ^^s 
hundert in Pommern und Mecklenburg ansässige Adelsfamilie, als Herren von ^^ries. 
Hohen-Demzin und Karstorf nachzuweisen. Der letzte von ihnen, der Kloster- 
hauptmann Johann Dietrich von der Osten in Dobbertin, nimmt aber Ende der 
sechziger Jahre des XVIII. Jahrhunderts aus Mecklenburg einen unrühmlichen 
Abgang und wird flüchtig.*) Aus seiner Konkursmasse erwirbt Joachim Joh. 
Friedrich von Müller 1788 die Güter, tritt sie aber schon 1791 an den 1786 
von König Friedrich Wilhelm II. von Preussen in den Freiherrnstand und 1793 
mit dem Prädikat »Freiherr von Labes gen. Graf von Schlitz« in den Grafen- 
stand erhobenen späteren Domdechanten und Geh. Legationsrath Hans 
Graf von Schlitz ab. Dieser stirbt am 25. Juli 1831 mit Hinterlassung einer 
einzigen Tochter, Johanna Carolina Louise, vermählten Gräfin Bassewitz, deren 
Nachkommen heute im Besitz der Güter sind. Die Reihe der Geistlichen von 
Hohen-Demzin beginnt für uns erst im XVII. Jahrhundert, aus früherer Zeit 
haben wir keine Nachrichten. Um 1660 ist der alte Pastor Christophorus 
Conradi gestorben. Er ist über vierzig Jahre zu Hohen-Demzin im Amte 
gewesen und hat alle Noth und alles Elend des dreissigjährigen Krieges mit 
seiner Gemeinde durchlebt. Von sechzehn Höfen in Hohen-Demzin, auf denen 
es vorher zwölf Bauern und vier Kossäten gab, ist 1648 nur noch einer von 
Menschen bewohnt, und Karstorf, wo acht Höfe waren, hat 1648 gar keinen 
mehr.') Auf Conradi folgt 1662 Christian Karsten (Carstenius), welcher 1675 

') 7 km südlich von Teterow. Nach KUhnel >Ort des Demeta, Demesac : M. Jahrb. XL VI, 
Seite 39. 

*) Nach Akten im Grossh. Archiv. Am 21. November 1768 wird wegen »rnuth willigen 
CoDcurses und eingestandener Falsorum« ein Steckbrief gegen ihn erlassen. Im Mfirz 177 1 wird 
er anf die Festung Dömitz gebracht, aber nach anderthalbjähriger Gefangenschaft am i. Oktober 
1773 mit Landesverweisung begnadigt. Sein einziger Sohn Johann Dietrich stirbt als Student auf der 
Imrersität Leipzig. 

») Groth, M. Jahrb. VI, S. 135. 



80 AM|-.SGERICiriSUEZIKK TETEUOW. 

Stirbt, 1676 wird Mag. Friedr. Nik. Ideler berufen, der 1702 als Pastor und 
Präpositus nach Schwaan übersiedelt. Ideler übernimmt 1677 auch die Cura 
von Bristow. Ihm folgt Stephanus Hane (Hahn), von 1702 bis 1742. Nach 
längerer Vakanz während der bekannten Wirren zwischen Herzog Karl Leopold 
und der Kaiserlichen Reichskommission wird endhch im Jahre 175 1 Johann Diet- 
rich von Neulich 
(Vonneilich) be- 
rufen (f 1773). 
Nach dessen Tode 
übernehmen die 
Pastoren zu Tete- 
row den Dienst; 
1 790 aber geht 
auf einen Vor- 
schlag des oben- 
genannten Herrn 
von Müller, zu 
welchem die 
landesherrliche 
Zustimmung er- 
folgt, die Hohen- 
Demziner Kirche, 
wie schon S. 73 
erwähnt worden 
ist, als vagierende 
Mutterkirche zur 
Kirche in Bülow 
über. Man bat 
aber in Aussicht 
genommen, dem- 
nächst in Demzin 
wieder ein eigenes 

Pastorat zu er- 
richten. 

Ueber die 
ehemalige Zu- 
gehörigkeit der Wappen des Heinrich Adnm von der Osten. 
mitten in Circi- 

panien gelegenen alten Demziner Kirche zur Kamminer Diöcese kann kein 
Zweifel bestehen, wenn auch kein ausdrückliches Zeugniss daliir vorliegt. Siehe 
oben S. 65, Anmkg. 1 (Schorssow). 
Kirche. Kirche. Die Kirche, 1872 umgebaut, ruht auf einem hohen Granit- 

fundament und hat einen Chorschluss aus dem Achteck sowie einen ganz aus 
Granit aufgeführten Thurm mit einer achtseitigen steilen Helmspitze, 



GUT UND KIRCHDORF HOHEN -DEMZIN. 8l 

Im Innern ist Alles neu. Auf dem Altar ein auf Goldgrund gemalter Innere Ein- 
Krucifixna von Fischer- Polsson 1871. Auf der Nordseite der Kirche, draussen, richtung 
ein Denkstein der gräflichen Familien VON SCHLITZ und BASSEWITZ-SCHLITZ <ler Kirche, 
(nach 1861), und ein anderer kleinerer Stein mit der Angabe: HIER RUHEN 
DIE VON DER OSTEN, WELCHE SEIT 1427 BIS ZUM JAHRE 1788 AUF KAR- 
STORF GESESSEN. Unter dem Chor die von aussen mit einer eisernen Platte 
geschlossene BASSEWITZ-SCHLITZ'sche Gruft (1871). Im Innern der Kirche, 
und zwar an der Nordwand, ein aus Holz geschnitztes und bemaltes grosses 
Wappen mit kriegerischen Emblemen und einer Unterschrift, welche besagt, 
dass der kurfürstlich -brandenburgische Generalquartiermeister HEINRICH ADAM 
VON DER OSTEN, grundgesessen auf Schildberg, Karstorf und Wildberg, am 
28. September 1626 zu Schildberg geboren und 2. August 1682 zu Karstorf 
gestorben sei. Ausserdem im herrschaftlichen Stuhl ein geschnitztes und be- 
maltes neues BASSEWITZ-MALTZAN'sches Allianzwappen. An der Wange 
desselben Stuhls treffliche neugothische Schnitzerei mit dem BASSEWITZ- 
BÜLOW'schen Allianz wappen. 

Im Thurm zwei Glocken. An der grösseren Glocke die Inschrift: Glocken. 
LOBET DEN HEREN LOBET IN MIT HELLEN CYMBELN, LOBET IN MIT WOL- 
KLINGENDEN CYMBELN • CL PSALM CHRISTOPHORUS CONRADUS PASTOR 
ANNO DNi 1620. Auf der Vorderseite ein reichverziertes Kreuz. Giesser nicht 
genannt. — Die zweite Glocke ist ohne Inschrift und Zeichen. 

Kleinkunstwerke. i. 2. Silbervergoldeter gothischer Kelch auf sechs- Kleinkunst- 
passigem Fuss. Am Knauf der Name IHESVS. Kein Signaculum. Auf der werke. 
Unterseite des Fusses die Aufschrift: GOTT ZU EHREN VNDT DEM HOCH- 
HEILIGESTEN SACRAMENT ZV ZIRDE VEREHRET DISEN KELCH IN DIE HO- 
HEN DEMZVNSCHEN KIRCHEN H • GEORG WILHELM VON DER OSTEN • AO 
1653. Keine Werkzeichen, auch nicht an der zugehörigen Patene. — 3. 4. 
Silberner Kelch auf sechspassigem Fuss, mit aufgelegtem plastischen Kruci- 
fixus als Signaculum und dem eingravierten Osten'schen Wappen sowie den 
Initialen J»D.V»0» sammt der Jahreszahl 1736. Güstrower Arbeit von Lenhard 
Mestiin. Patene ohne Inschrift und Zeichen. — 5. Kleiner silberner Kranken- 
kelch, gestiftet 1859 von A. und S. WURZBACH.^) Als Werkzeichen ein ein- 
gestempeltes S. — 6. 7. Neugothische Deckelkanne und neugothische Oblaten- 
schachtel, mit den Initialen des Stifters A • B • S • unter einer Grafenkrone 
(von Bassewitz- Schlitz). — 8. Messingene Taufschale von 1856. — 9. Zinnerner 
Klingbeutel mit Sammetbeutel und aufgesticktem Osten'schen Doppelwappen 
von 1745 (J»D»V»D»0» und D»C»V»D»0»). 

') Kflster and Lehrer zu Hohen -Demzin. 



82 



AMTSGERICHTSBEZIRK TETEROW. 



Geschichte 

von Burg 

Schlitz. 




Burg Schlitz. 

rei Kilometer weiter südlich von Hohen -Demzin treffen wir das von jeher 
als Pertinenz dazu gehörige alte von der Osten'sche, jetzt Gräflich 
Bassewitz'sche Gut Karstorf, auf dessen Feldmark der schon bei Hohen -Demzin 
erwähnte Hans Labes, seit 1786 Freiherr und, nach Adoption durch den 
Grafen Johann Eustachius von Schlitz gen. von Görtz, seit 1793 mit dem 
Prädikat »Freiherr von Labes, gen. Graf von Schlitz« in den Grafenstand er- 
hoben, zur Erinnerung an die ihm gewordenen neuen Namen und Titel die 
beiden Ortschaften Burg Schlitz und Görzhausen gegründet hat.*) Wenn wir 
hier nun Burg Schlitz, das als breiter Schlossbau weiss aus dem Grün hervor- 
leuchtet, besonders erwähnen, so geschieht es weniger wegen irgend welcher 
Besonderheiten der Architektur, die im Ganzen bei bequemer Weiträumigkeit 
schlicht und einfach gehalten ist, als wegen der besonderen Art der Verbin- 
dung von Kunst und Natur in jenem klassicierenden Geschmack vom Ende 
des XVIII. und Anfange des XIX. Jahrhunderts, dem z. B. das ältere Ludwigs- 
lust, sowie das ältere Doberan sammt den älteren Theilen von Heiligendamm 
ihre Entstehung danken. Dieser Art von Schöpfungen, die eine hinter uns 
liegende höchst bemerkenswerthe Periode des klassicierenden Geschmacks re- 
präsentieren, eine Periode, die das grosse Publikum ihres zeitlichen Zusammen- 
treffens wegen gerne mit dem französischen Namen »Empire« bezeichnet, obwohl 
dieser Name ihren wirklichen Zeit- Umfang keineswegs deckt und das ganze 
Empire vom Standpunkte seiner Kunst sogar nur als eins ihrer Produkte an 
einer bestimmten Stelle anzusehen ist, schliesst sich Burg Schlitz als eine der 
hervorragendsten Lei.stungen der Garten- und Landschaftskunst jener längst ver- 
gangenen herrlichen Tage an, die in Literatur und Kunst soviel Glanz über 
Deutschland ergossen haben. Wir können hier in keine genauere Einzel- 
beschreibung eintreten, aber es ist nicht zuviel gesagt, wenn wir das Land- 
schaftsbild, welches sich von der Rampe des Schlosses oder von den Platt- 
formen der Dächer oder oben vom Thurm vor dem Beschauer ausbreitet, als 
ein Paradies bezeichnen, gross, weit und vollendet schön in den Formen seiner 
Hügel und Thäler, Wälder und Felder, Baumgruppen und Garten- Anlagen, 



^) Hohen -Schlitz bei Thürkow und Görzhausen erscheinen 1802 zum ersten Mal im Staats- 
kalender, Hohen -Schlitz mit Thürkow im ritterschaftlichen Amt Güstrow verbunden, Görzhausen 
zusammen mit Karstorf und Hohen -Demzin im ritterschaftlichen Amt Stavenhagen. Burg- Schlitz 
dagegen erhält als neue Anlage, die 1806 begonnen und 1816 zum ersten Mal bezogen wird, erst 
am 17. Januar 1817 die landesherrliche Genehmigung zur Führung eines eigenen Namens. Zugleich 
wird es zum Hauptgut erhoben und das bisherige Hauptgut Karstorf zu einer Pertinenz von jenem 
gemacht. 



BURG SCHLITZ. 83 

aus denen überall hübsche Dörfer mit Kirchthürmen hervorlugen , und in deren 
Mitte wie eine grosse blaue Perle der Malchiner See sich ausdehnt. Von diesem 
eigenartigen kultur- und kunstgeschichtlichen Gesichtspunkte aus wollen auch die 
sechsunddreissig Denkmäler beurtheilt sein, die, grösstentheils sauber aus errati- 
schen Granitblöcken der Feldmark hergestellt und theilweise mit eingemeisselten 
Versen, Sprüchen, Dedikationen u. dgl. m. versehen, den weiten Park und Wald 
füllen und überall, an Wegen und Stegen und auf freien Plätzen, den Wanderer 
an die alte klassische Zeit mit ihrer feinen Empfindsamkeit erinnern. Mögen 
einzelne, z. B. Pyramiden mit genauer Angabe der Entfernung von Regensburg 
und andern Plätzen, nach denen heute im neuen Reich nicht mehr gefragt 
wird, für die aber der alte Geh. Legationsrath und Graf irgend ein Interesse 
hatte, für den Betrachter etwas Auffalliges haben und mehr wie Spielereien 
denn wie ernst gemeinte Dinge erscheinen-: was thut das dem Platze, wo sie 
stehen? Ist doch die Hauptsache die, dass so ein Denkstein, sei es auf 
grünem Rasen, sei es vor einem geschmackvoll gruppierten Hintergrunde von 
Gebüsch und Bäumen, wirkungsvoll sich abhebt. Das ist aber bei allen der 
Fall. Eis wäre daher schade, wenn auch nur ein einziges dieser alten 
schlichten, glücklicherweise aber äusserst dauerhaften Monumente verschwände.^) 
Die Bauzeit des Schlosses währte von 1806 bis 1823. 



■ \^ ■^^ -s^ \^ f 



Vorgeschichtliche Plätze 

s. am Schluss des Amtsgerichtsbezirks Stavenhagen, 



') Wir bemerken dies absichtlich, weil in der Vaterlandskunde von Raabe-Quade I, 
S. Ii03f eine Bemerkung darüber zu lesen ist, welche zeigt, dass die alte Kunst der Landschafts- 
gärtnerei in Burg Schlitz nicht, wie es bitte sein müssen, vom Standpunkte ilirer Zeit aus ver- 
standen und beurtheilt worden ist. — Vgl. Lisch und Wedemeyer, Album mecklenb. Schlösser und 
Landgüter, Heft 3 und 4, S. 29 — 32. — Lisch, Mecklenburg in Bildern II, S. 54 — 56. 



1 Hfitrte des XIX. Johrhundetts. 



Amtsgericlitslieziik MalcMn. 



Die Stadt Malchin.) 

Hlescbichte der Stadt. Als im Anfange des XIII. Jahrhunderts das 
westlich von der Stadt Seehausen in der Altmark gelegene Cister- 
cienser - Nonnenkloster Arendsee seine Besitzungen bis in das 
mecklenburgische Circipanien ausdehnt, da giebt es zwischen Malchin und 
Wargentin, einem erst im Jahre 1788 völlig eingegangenen Kirchdorf, dessen 
unmittelbar am Malchiner See gelegene Feldmark jetzt mit der von Basedow 
verbunden ist, einen Eichwald, in welchem Fuclisgruben {uosgrouen) vorhanden 
sind, die als Grenzpunkte genannt werden. Das ist das erste Mal, dass der 
Name Malchin urkundlich vorkommt: es geschieht in jeuer Schenkungsurkunde 
des Herzogs Kasimar von Pommern, in welcher er, der damals Herr von 
Circipanien ist, das Dorf Wargentin mit dem halben Wargentiner See am 
26. Juni 1215 zu Dcnimin dem genannten Kloster überweist.*) Es wird nicht 
angedeutet, aber man empfängt den Hindruck, dass Malchin um diese Zeit 
noch ein Dorf ist. Auch steht es fest, dass der grosse schöne See seinen 
heutigen Namen noch nicht fuhrt, sondern ganz und gar zu Wargentin gehört 
und den Namen sWargentiner See* auch dann noch lange behält, als die 



') Im XIH. Jahrhundert Malekin, Malchyn, Malechm geschrieben: .Ort des Malek. (all- 
^vi»ch mala = klein): Kuhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 89, Deutsch also unEefähr dasselbe wie 
> Kleinhagen • ■ 

*) M. U.-B. »19. 371. 3715. Vgl. Lisch, M. Jahrb. XV, S. 1— II (Clesch. der Besitiangen des 
Klosters Arendsee in Mecklenburg, im liesondern der Dörfer Waqjenlin und Kögelin). 



GESCHICHTE DER STADT MALCHIN. 85 

Besitzverhältnisse völlig andere geworden sind. Aber eine grössere, städtische 
Einrichtungen zustrebende Gemeinde wird Malchin auch damals schon gewesen 
sein, denn sonst würde es uns im Jahre 1236 kaum als eine fertige Stadt mit 
Kirche, Pfarrer und Bürgern entgegengetreten sein, als eine Stadt, welcher 
Fürst Nikolaus von Werle, nachdem Circipanien in demselben Jahr wieder an 
Land Mecklenburg gekommen, am 7. April dieses Jahres das Schwerinsche 
Stadtrecht verleiht.^) Dass die Kirche gleich den meisten unseres Landes der 
hl. Jungfrau Maria und dem hl. Evangelisten Johannes gewidmet war, erfahren 
wir aus jener Urkunde des Bischofs Wilhelm von Kammin, in welcher er am 
14. Januar 1247 ^^ Filial-Verhältniss der Basedower zur Malchiner Kirche 
feststellt.*) Um diese Zeit giebt es auch bereits eine mit landesherrlichen 
Privilegien ausgestattete Mühle zu Malchin.') Uneinigkeiten zwischen der Stadt 
und dem Kloster Dargun, welchem das benachbarte Dorf Gielow gehört, führen 
unter Mithülfe der Landesherrn und des Kamniiner Bischofs Hermann, der 
öfter in der Stadt weilt, allmählich zu Ausgleichen: die Stadt erhält den Wald 
zwischen ihrer und der Gielower Feldmark; das Klosterdorf Gielow bekommt 
das nicht ganz rechtmässig auf seiner Feldmark angelegte und nach Malchin 
eingepfarrte Dorf Moizle zurück; es erfolgt eine bestimmte Abgrenzung des 
Hofes Gielow, auf welchem der Darguner Magister Curiae die Verwaltung führt; 
und endlich leistet das Kloster Spanndienste beim Malchiner Brückenbau, 
wofür es, mit einem seinerseits zu leistenden Zuschlag von Geld, vom Brücken- 
zoll befreit wird: alles das in der Zeit von 1253 bis 1283.*) Dass das Ver- 
hältniss der Stadt zu dem nahen Pommernlande durch die einschneidenden 
politischen Veränderungen keine nachhaltige Trübung erfahren hat, beweist 
eine von Herzog Bogislav am 20. Juni 1286 zu Ukermünde ertheilte Zoll- 
vergünstigung fiir den Malchiner Handel und Verkehr in Anklam und anderen 
Städten seines Landes: der Zoll soll dort nicht höher sein als in dem nahe 
gelegenen Demmin.*) Das gute Verhältniss der Stadt zum Fürstenhause Werle 
aber erfahrt eine weitere Bestätigung durch die am 26. Juni 1294 gegebene 
Genehmigung zur Erwerbung sowohl der Peene-Mühle vor der Stadt als auch 
des Wargentiner Sees, von dem natürlich der dem Kloster Arendsee gehörende 
Theil auszunehmen ist, wenngleich dies nicht besonders gesagt wird.®) Wenn 

*) M. U.-H. 449. 7667. Vgl. M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. I, S. 519 (537). 

•) M. Ü.-B. 589. Vgl. 2404. 

») M. U.-B. 595. 

*) M. U.-B. 721. 857. 858. 913. 1335. 1435. 1436. 1654. I^as Dorf Moizle wird im XIV. 
Jahrhandert nicht mehr genannt. Schildt, M. Jahrb. LVI, S. 205. Zu beachten ist auch die Be- 
freiung des Klosters Dargun vom Ausfuhr -Verbot, das für Malchin in Betreff von KornfrUchten 
erlassen worden war, im Jahre 13 10: M. U.-B. 3384. 6431. Uebrigens hören wir 1357 wieder von 
einem Vergleich neuer Zwistigkeiten : M. U.-B. 8332. Die Legende von einem Burgenbau bei 
Malchin im Jahre 1261 gegen pommersche Raubritter, welche sich auf gar keine Urkunde stützt, 
trotzdem aber in viele Bücher, auch in Raabe - Quade's Vaterlandskunde, eingedrungen ist, geht 
wahrscheinlich auf eine Nachricht in Klüver's Beschreibung Mecklenburgs, II, S. 280, zurück. 

») M. U.-B. 1853. 1854. 

•) M. U.-B. 2290. Vgl. 7668. 10672. Der Kloster -Antheil am See kommt später an die 
Ton Hahn und heisst schon im XIV. Jahrhundert »das Hahnen -Wasser« : Lisch, a. a. O., S, 13. 



86 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

wir diesen Nachrichten über die Entwickelung der Stadt noch hinzufügen, dass 
vierzehn Hufen im Dorfe Tessenow, welche der Kirche in Malchin gehören, 
mit Genehmigung des Kamminer Bischofs und Domkapitels sowie auch des 
Fürsten Nikolaus von Werle an das Kloster Doberan verkauft werden und 
dieses auch in den Besitz der Malchiner Mühle gelangt, so ist damit alles, 
was für das XIII. Jahrhundert urkundlich feststeht, angegeben worden.^) 

Am 4. September 1301 inkorporiert Fürst Nikolaus von Werle die 
Pfarre zu Malchin mit allen ihren Einkünften einer der Domherrenstellen zu 
Güstrow, verpflichtet aber ihren jeweiligen Inhaber — damals ist es Martin 
von Mailin — jedem der dreizehn Domherren wöchentlich vierzehn Präbenden- 
brote zu liefern, wie sie ein Scheffel feinen und reinen Weizenmehls hergiebt, 
wogegen die Domherren wiederum den Beschluss festsetzen, auch den Fürsten 
und seine Gemahlin in diese Präbendenbrot- Gemeinschaft aufzunehmen und 
nach dem Schloss in Güstrow gleichfalls im Fall der Anwesenheit des Fürsten, 
oder auch wenn die Fürstin allein anwesend sei, dieselbe Zahl von Broten ab- 
zugeben.*) Der Stadt Malchin aber giebt derselbe Fürst am 25. Mai 1302 
einen Beweis seines Wohlwollens und Vertrauens damit, dass er ihr den dritten 
Theil der Gefälle des Gerichts in der Stadt und auf dem Stadtfelde verleiht 
und zugleich für eine Stellvertretung der fürstlichen Vögte im Fall ihrer Ab- 
wesenheit durch den Rath der Stadt Sorge trägt ^) Ein paar Jahre später 
hören wir von einer Krebsmühle bei Malchin (Creuetesmolen), welche dem 
Ritter Friedrich von KardorfT gehört. Er vermacht sie aber am 6. Juli 1306 
dem Kloster zu Dargun mit der Bedingung, dafür fiir sich und die Seinigen 
die letzte Ruhestätte im Kloster zu erhalten.*) 1310, den 6. Februar, geht der 
Antheil, den die Stadt an der Aussen -Mühle {ante ciuitatem) seit 1294 inne 
hat, an das Kloster Doberan über, zugleich auch das Eigenthum dieser Mühle, 
die wir nach dem in der Urkunde gebrauchten Ausdruck weder mit der Krebs- 
mühle noch mit der Mühle in der Stadt, die das Kloster seit 1298 inne hat, 
verwechseln dürfen.*) 

In den Streitigkeiten und Kämpfen der Jahre 131 5 und 13 16, in denen 
Fürst Johann von Werle eine zweifelhafte Rolle spielt, indem er Anfangs auf 
Seiten des Königs Erich und seiner Bundesgenossen steht, dann aber zur 
Partei des Markgrafen Waldemar von Brandenburg tritt und gleich darauf im 
Treffen bei Luplow von seinen nunmehrigen Gegnern gefangen genommen 
wird, muss er, statt ein Lösegeld zu bezahlen, unter der Bedingung des Ver- 
lustes, am 23. März 13 16 Haus, Stadt und Land Malchin auf sechs Jahre fiir 



') M. U.-B. 2436. 2443. 2446. 2502. 2621. 

*) M. U.-B. 275. 2854. 2868. 2887. 2908. 4218. 4598. 5130. 6743. 6744. 8428. II 453. 
Vgl. Schröder, Pap. M., S. 871—73. 879. 

•) M. U.-B. 2796. 

*) M. U.-B. 3101. 

•) M. U.-B. 3373« Diese Mühle vor der Stadt wird später eingegangen sein: heute ist 
ausser der Krebsmilhle nur die grosse Mühle in der Stadt vorhanden. Vgl. auch M. U.-B. 
9454. 9801. 



GESCHICHTE DER STADT MALCHIN. Sy 

loooo Mark löthigen Silbers dem Könige und zugleich dem Fürsten Heinrich 
von Mecklenburg zum Pfände setzen, sowie dem kurz vorher von ihm beim 
Dorfe Mölln gefangen genommenen Grafen Heinrich von Schwerin unentgeltlich 
die Freiheit wiedergeben.^) Die Stadt Malchin leistet bald darauf dem Fürsten 
Heinrich von Mecklenburg die Pfandhuldigung, aber sie nimmt es damit nicht 
ernst und treu genug, wie Kirchberg erzählt, ohne darüber weitere Andeutungen 
zu geben.*) Wie unterdessen Fürst Johann von Werle vom Domkapitel zu 
Güstrow (bei der werleschen Landestheilung am 2. December 1316 war 
Malchin an die Parchim - Goldberger Hälfte gekommen) am 6. September 13 18 
die zur Einlösung von Malchin erforderliche Summe geschenkt erhält, diese 
Summe aber nur als Darlehn angesehen wissen will, wenn der Bischof von 
Kammin die Schenkung nicht genehmigt, erfahren wir aus einer besonderen 
Urkunde, die für die Verhältnisse jener Zeiten charakteristisch ist.^) Im 
Uebrigen hält das Haus Werle, beunruhigt und misstrauisch geworden durch 
die Machtentwicklung des Fürsten Heinrich von Mecklenburg, in der Folge 
zum König von Dänemark und sichert sich zugleich durch ein Bündniss mit 
Pommern. Man nimmt dabei wahr, dass der Verlust von Lübz mit der Türe, 
wie es begreiflich erscheint, besonders schwer empfunden wird und dass 
Malchin politisch und strategisch als einer der Hauptstützpunkte der Herren 
von Werle angesehen wird.*) Diese Bedeutung Malchins tritt vierzig Jahre 
später ganz besonders in dem Vertrage zwischen Herzog Albrecht von 
Mecklenburg und Herzog Barnim zu Stettin am 29. August 1355 über die 
Eventual-Succession hervor, insofern die Beschlussfassung über Malchin vor- 
behalten bleibt.*) 

Den 16. Juni 1330 hören wir von einer Verplandung der Bede des 
Landes Malchin durch die Fürsten von Werle an die Gebrüder Kossebade.®) 
Die weitere innere und äussere Entwickelung der Stadt ist aus dem Bruchstück 
einer Stadtrechnung von 1331/32 zu erkennen, insofern sich ergiebt, dass in- 
zwischen ein Heiligengeiststift gegründet ist und dass Mauern und Thore vor- 



') M. U.-6. 3818. Vgl. Dettmar- Chronik (ed. Koppmann) I, S. 429. Rudioff. Pldb. d. m. 
Gesch. II, S. 217 — 222. 

*) Reimchronik von Ernst von Kirchberg, ed. Westphalen, Mon. ined. IV, S. 810. Rudioff, 
Hdb. d. m. Gesch. II, S. 222. 

»Wer wyfe iv ^tvvt wolle f^n 

^er l)übt iid9 vüv btn t>on Hlalcb^n« 

— sagt der alte Kirchberg. 

•) M. U.-B. 4005. Vgl. dazu 3860. 7771. 7772. 

*) M. U.-B. 4358. 6393. 9174. 9394. 9560. Vgl. Band IV der M. Kunst- u. Gesch.-Denkm., 
S. 513 und 514. In den LandfriedensbUndnissen der späteren Zeit steht Malchin mit 30 Mann 
eingeschrieben, also auf gleicher Stufe wie Neubrandenburg, nur Überboten von Parchim, Wismar 
and Rostock. Selbst Güstrow bleibt dahinter zurück, die meisten übrigen Städte aber stellen nur 
lehn Mann: M. U.-B. 7524. 7717, Anmkg. 791 1. 
») M. U.-B. 8125. 

•) M. U.-B. 5154. Später sind die von Bamekow im Pfandbesitz der Bede aus der Vogtei 
Makhin: M. U.-B. 7378. 1359» den 18. Januar, erhalten auch die von Moltke einen Antheil daran: 
M. U.-B. 8561. 



88 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

banden sind, unter ihnen das mehrmals genannte Wargentiner Thor.*) That- 
sächlich findet sich denn auch schon wenige Jahre nachher der gewiss 
nicht bloss bildlich gemeinte Ausdruck »intra muros Malchin« in einer Urkunde 
vom 22. Januar 1338.') Zugleich hören wir von einer erheblichen Stiftung 
des Malchiner Bürgermeisters Gerlach Dempzin und seiner Ehefrau Gertrud, 
womit diese einestheils das Heiligengeiststift bedenken, anderntheils ein Armen- 
haus für nicht weniger als zwölf hülfsbedürftige Personen einrichten. Auch 
andere wohlhabende Familien in der Stadt, wie die von Reez, Gube und 
Sachow werden um diese Zeit genannt, die sich um eine Vikarei in der 
Malchiner Kirche verdient machen.^) Deshalb hat sich hier auch ein Platz 
für den Franziskaner - Orden , die fratres minores, gefunden, von denen 
bereits eine Strasse den Namen trägt.^) Dass sich die Cisterciensermönche 
zu Dargun dort in anscheinend noch umfangreicherer Weise ausgebreitet haben, 
erklärt sich aus den bereits in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts vor- 
handenen Beziehungen zwischen Stadt und Kloster, die oben erwähnt sind.^) 

Noch vor dem Abscheiden des Hauses Werle aus der Geschichte em- 
pfangt das bisherige gute Verhältniss zur Stadt einen schweren Stoss. Ein 
besonderer äusserer Anlass ist unbekannt. Wir erfahren aber aus einer Ver- 
söhnungsurkunde vom II. Juni 1372, dass sich der Trotz des selbstbewussten 
Bürgerthums jener Zeiten während der Minderjährigkeit des Fürsten Johann d. ä. 
zu einer Gewaltthat hat hinreissen lassen, nämlich zur Niederreissung des fürst- 
lichen Hauses oder Schlosses in der Stadt, das mit einem Wall umgeben war. 
Fürst Johann von Werle söhnt sich zwar mit der Stadt wieder aus, aber er 
verkauft den Wall und die Stelle des abgebrochenen Hauses zu Bürgerrecht 
und wendet der eigenmächtigen Stadt den Rücken.®) 

Es naht die Zeit des Aussterbens der Goldberger Linie des Hauses 
Werle. Unsicher über ihre Zukunft verbinden sich die Städte Parchim, 
Malchin, Teterow und Laage am 23. September 1374 zu gegenseitigem Schutz 
ihrer Privilegien.') Aber das Haus Werle behält die Oberhand, und Malchin 
geht auf die Güstrower Linie über. In einem Streit der Stadt mit den von 
Maltzan um den an Schorssow angrenzenden Theil des Wargentiner oder 
Malchiner Sees behält jene Recht, und die Herren von Werle bestätigen ihr 



*) M. U.-B. 5273. Das Steinthor wird zehn Jahre später genannt (freilich nicht in einer 
Original -Urkunde, sondern — was nicht zu übersehen ist — in deren Abschrift aus dem XVI. 
Jahrhundert): M. U.-B. 6198 (. . . agri jacentis extra ciuitatem infra valuam lapideam et aliam valuam 
proprie Wargantinns (!) nuncupatam). Das MUhlenthor wird 1381 zum ersten Mal urkundlich ge- 
nannt: M. U.-B. II 352. 

*) M. U.-B. 5847. Vgl. 7651, Anmkg. Die Stadtmauern werden auch 1372 urkundlich ge- 
nannt: M. U.-B. 10334. 

«) M. U.-B. 6198. 

*) M. U.-B. 5847. 

^) M. U.-B. 6431 (habitacionem, curiam, domum lapideam, et horreum aliaque edificia . . . . 
in ciuitate nostra Malchin . . . habent abbas et conuentus). Vgl. M. U.-B. 7651. 8332. 

•) M. U.-B. 10334. 

^ M. U.-B. 10635. 



GESCHICHTE DER STADT MALCHIN. 89 

am 29. December 1374 aufs Neue den Besitz des Sees und der Peene-Mühle 
vor der Stadt.*) Indessen das Verhältniss zwischen der Landesherrschaft und 
dieser ist vorläufig noch ein bedingtes. Das sieht man sowohl an der Ein- 
schränkung der Huldigung im Jahre 1374 durch den vom Malchiner Rath 
gemachten Hinweis auf die Rechte der mecklenburger Herren, obwohl doch 
diese damals noch nicht daran denken konnten, die werleschen Lande in Besitz 
zu nehmen, als auch an der über die bedingte Huldigung unter grosser Zeugen- 
Betheiligung aufgenommenen Urkunde vom 4. Januar 1375.*) Die hierin kund 
gegebene Vorsicht entspringt nämlich dem für eine Zeitdauer von vierzehn 
Jahren geschlossenen und daher noch nicht abgelaufenen Rostocker Vertrage 
vom 31. Oktober 1366 zwischen denen von Werle einerseits und denen von 
Mecklenburg andererseits, wenngleich darin auch der vor der Zeit eingetretene 
Todesfall Johanns d. ä., des letzten Herrn von Werle -Goldberg, der sich, wie 
festgesetzt war, im Jahre 1378 mit der mecklenburgischen Herzogin Euphemia 
vennählen sollte, nach allen Richtungen hin auf das Gründlichste vorgesehen 
war.^) Indessen, da sich dieselbe Herzogin bald darauf mit Fürst Johann d. j. 
von der Linie Werle- Güstrow vermählt, so bleiben die seit dem genannten 
Vertrage bestehenden Freundschafts- und Verwandtschaftsverhältnisse zwischen 
beiden Theilen dieselben, und die angewendete Vorsicht der Stadt Malchin 
gelangt zu keiner praktischen Bedeutung. Auch hindert das in keiner Weise 
die weitere politische Entwickelung durch Verträge verschiedener Art zwischen 
dem Landesfürsten und seinen Vasallen auf einer Seite und der Stadt auf 
anderer Seite.*) Man war eben in jenen Zeiten nicht allzu empfindsam; im 
Gegentheil genossen gewaltthätiges und rücksichtsloses Vorgehen weithin eine 
gewisse Duldung und selbst Entschuldigung, wie z. B. die Ueberlistung und 
Gefangennehmung des Ritters Johann von Stralendorff durch den Malchiner 
Bürger Adrian Breide im Sommer 1383 und der von einer grösseren Anzahl 
Malchiner Bürger bei Gelegenheit eines Wortstreites an dem Schorssower 
Maltzan im Frühjahr 1385 zu Faulenrost in Gegenwart des Fürsten Johann 
von Werle begangene Todschlag beweisen.*) War der Fall unangenehmerer 
Art, wie z. B. der letztgenannte, dann half man sich und seinem Gewissen 
durch den Bau einer Sühnekapelle und durch Memorienstiftungen, nahm es 
aber auch damit nicht allemal ernst, wie aus einer Urkunde vom 25. März 1403 
in dieser Schorssower Sache zu ersehen ist.®) Der Erschlagene war seit dem 

*) M. U.-B. 10339. 10643. 10672. 

*) M. U.-B. 10678. 

*) M. U.-B. 9560. Rudioff, Ildb. d. m. Gesch. II, S. 470. 493. 511. 

^) M. U.-B. II 113. 11155. II37S- II444- ii45X- 11664. 

*) M. U.-B. II 524. II 665. Aehnliche Vergewaltigungen wie dem Johann Stralendorff ge- 
schahen 1394 dem Heyne Plessen, 1400 dem Koneke Eggherdes, 1410 dem Henneke von dem 
I^aland, Gherwen und Reiner Steffen, 1534 dem Jürgen Hogendorp und 1536 dem Matthias Kerk- 
dorp, wie urkundlich nachzuweisen ist. Verzeichnisse der Ritterschaft im Lande Malchin giebt es 
▼on 1425 und 1491 : Lisch, M. Jahrb. XXXVIII, S. 176. Abgedruckt in Gesch. des Geschlechts 
Maltzan II, S. S55, und IV, S. 211. 

") Lisch, Gesch. des Geschl. Maltzan III, S. 36 (Urk. 468). Vgl. dazu II, S. 356 (Urk. 338); 
S.365 (Urk. 341); S. 371 (Urk. 344); S. 374 (Urk. 345). M. Jahrb. XV, S. 61. 



90 AMTSGERICHTSUEZIRK MALCHIN. 

I. November 1375 Pfandherr des Landes Malchin gewesen, da ihm und seinen 
Erben an diesem Tage von den beiden Fürsten Lorenz und Johann von Werle 
das Hundekorn, sowie das höchste und niederste Gericht sanimt allen Unter- 
thanenpflichten im ganzen Lande Malchin (lir die Summe von 1800 Mark 
lübischer Pfennige überlassen worden waren. ^) An seine Stelle tritt nun der 
Bruder Heinrich von Maltzan als Pfandherr der Vogtei (vaghed der voghedye 
to Malchin).*) 

Das bedeutsamste Ereigniss (lir die Stadt gegen Ende des XIV. Jahr- 
hunderts ist — wenn wir von dem im Jahre 1382 geschehenen Ankaufe des 
Schnakenburg'schen kleinen Gutes Pisede zur städtischen Kämmerei absehen 
— der grosse Brand der Kirche im Jahre 1397. Dabei verliert diese ihren 
gesammten Inhalt an Schmuck, Gewändern, Büchern, Kelchen, Leuchtern und 
allem Andern, was zu ihrem Bestände nöthig ist. Wir erfahren das aus einem 
Ablassbrief des Kamminer Weihbischofs Johann, Bischof von Garda in partibus, 
der am 6. Juni des Jahres in der Stadt anwesend ist und in diesem Briefe 
nicht bloss einen weitreichenden Ablass gewährt, sondern die Aussendung von 
Boten zur Einsammlung milder Gaben gestattet.') Da entsteht nun der statt- 
liche hochgothische Bau der heutigen Kirche an Stelle der älteren und niedrigeren 
spätromanischen Kirche aus der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts (s. u.). 
Der Uebergang der Stadt an das Haus Mecklenburg nach dem Aussterben 
des Mannesstammes der letzten Linie des Hauses Werle im Jahre 1436 
und die den Herzögen von Mecklenburg noch im selben Jahre dargebrachte 
Huldigung; die Eventualhuldigung an das Haus Brandenburg, das bei dieser 
Gelegenheit am 12. April 1442 zu Wittstock das Zugeständniss der Eventual- 
Succession von Mecklenburg erreicht hatte, und die noch im selben Jahre am 
Abend vor Himmelfahrt erfolgte Privilegienbestätigung durch die Markgrafen 
Friedrich d. ä. und Friedrich d. j.;^) der Ankauf der Binnenmühle vom Kloster 
Doberan durch den Rath im Jahre 1451; das von den beiden Herzögen 
Heinrich d. ä. und Heinrich d. j. von Mecklenburg erlassene Verbot im Jahre 
1460, weiterhin noch liegende Gründe in Malchin an Geistliche zu vermachen 
und bei Lebzeiten zu überlas.sen — bei Verlust des der Landesherrschaft 
anheimfallenden Vermögens und vom Veräusserer überlassenen Gutes, sowie 
bei Strafe der Vertreibung der dawider handelnden Geistlichen aus der Stadt, 
es sei denn, dass es mit Rath und Willen der Bürgermeister und Rathmannen 
geschehen und dass in diesem Falle den Erben der Stifter die Wiedereinlösung 
des gestifteten Gutes mit baarem Gelde verblieben; die Privilegienertheilungen 



») M. U.-B. II 665. 

*) Lisch, a. a. O. II, S. 378 (Urk. 347). 

•) M. U.-B. II 405. M. Jahrb. XXXI, S. 93 — 95. Dabei wird versehenUich als besonderer 
Schützpatron der hl. Johannes Baptista an die Stelle des in der Kamminer Konfirmationsurkunde 
vom 14. Januar 1247 richtig genannten hl. Johannes Evangelista gesetzt. 

*) Rudioff, Hdb. d. m. Gesch. II, S. 41. 178. 742—746. 749—754. Vgl. M. Kunst- u. Gesch.- 
Denkm. IV, S. 582. — Unter den Malchiner Urkunden und Akten finden sich in der Zeit von 
1286 bis 1697 über zwanzig fürstliche Privilegien -Bestätigungen. 



GESCHICHTE DER STADT MALCHIN. 9I 

vom Rath an die Schöngewandschneider 1463, an die Kaufleute- Gilde ebenfalls 
1463, und an das Haak- oder Haken-Amt 15 10, die am 6. März 1489 ge- 
schehene Einverleibung der Teterower Pfarre in die Malchiner Pfarre und 
damit zugleich in das Güstrower Domstift zwecks Aufrechterhaltung der 
Mallin'schen Präbendenbrot- Stiftung (s. o.): das sind die Hauptmomente in 
der Entwickelung städtischer Verhältnisse des XV. Jahrhunderts und schon 
darüber hinaus.^) 

lieber die Kirchen -Reformation in Malchin, für die der eben erwähnte 
Erlass der beiden mecklenburgischen Herzöge vom Jahre 1460 fast wie ein 
früher Vorbote erscheint, hat Lisch einen lesenswerthen längeren Aufsatz im 
M. Jahrb. XVI, S. 98 — 125, niedergelegt, auf den wir hier verweisen.*) In 
Malchin giebt es einen harten Widerstand, spät erst unterliegt das Alte dem 
Neuen. Im Jahre 1561, nach Antritt des Darguner Erbes durch den Herzog 
Ulrich, schenkt dieser das in Malchin gelegene Haus des Klosters mit Hof 
und allen dazu gehörenden liegenden Gründen, aber mit Ausnahme aller 
Hebungen an Zehnten und aus Holzungen und Wiesen sowie alles dessen, 
was sonst um des Klosters willen jährlich dahin gebracht worden sei, seinem 
bewährten Rath Kruse auf Varchentin und dessen Erben. Zugleich erhält 
der Amtmann in Dargun den Befehl, den Ebengenannten sofort in seinen 
Besitz einzuweisen.') 

Mit dem Beginn des Reformationszeitalters tritt das Interesse an den 
Stadtgeschichten vor dem der Landesgeschichte zurück. So ist es denn auch 
ebensosehr und mehr noch ein landesgeschichtlicher Akt als ein stadt- 
geschichtlicher, wenn bei der » Totaldi vision« der Herzogthümer Schwerin und 
Güstrow im Jahre 1621 neben der schon seit 1572 für die Landtagsversamm- 
lungen dienenden Stadt Sternberg im Herzogthum Schwerin die Stadt Malchin 
im Herzogthum Güstrow fiir die umschichtig in dem einen und dem anderen 
Landestheil abzuhaltenden gemeinsamen Landtage der Ritter- und Landschaft 
eingesetzt wird.*) Die noch übrig bleibende Geschichte des XVII., XVIII. 
und des Anfanges des XIX. Jahrhunderts ist im Wesentlichen eine Leidens- 
geschichte, besonders die des dreissigjährigen Krieges, durch welchen die 
Blüthe des Bürger- und Bauernstandes vernichtet wird.*) Wir verweisen in dieser 
Beziehung auf die aus den Stadtbüchern wie »Kraut und Rüben« zusammen- 
gestellten chronistischen Aufzeichnungen in dem Büchlein von Herm. Christian 
Heinrich Gotthardt: »Sagen der Vorzeit Malchins und Denkwürdigkeiten der 
Stadt während der letzten drei Jahrhunderte, zusammengetragen aus mündlichen 



*) Vgl. Urkunden und Akten im Grossh. Archiv. Dazu oben S. 5 (bei Teterow). Lisch, 
M. Jahrb. XII, S. 16. 17. XXXI, S. 85. 

•) Vgl. M. Jahrb. VIII, S. 44. 

*) Nach bisher nicht gedruckten Urkunden der Stadt Malchin. Abschriften im Grossherzogl. 
.\rchiv. Vgl. M. Kunst- u. Gesch. - Denkm. I, S. 527 (546). 

*) Assecurations- Revers Art. XIV. XXIII. Rudioff, Hdb. d. m. Gesch. II, S. 209. 

') Es sollen einst 300 (I) Tuchmacher in Malchin ihr Brot gefunden haben : Gotthardt, a. a. O., 
Seite 34. 



92 AMTSGERICHTSIJEZIRK MALCHIN. 

Uebcrlieferungen, städtischen Urkunden und eigenen Beobachtungen.« Malchin, 
1862, gedruckt bei J. W. Piper.*) 

Besondere Erwähnung verdienen das persönHche Eingreifen und der 
Besuch des Herzogs Gustav Adolph in Malchin nach der grossen Feuersbrunst 
am 3. Juni 1663;*) die tausend Drangsale während des nordischen Krieges, 
wobei die Stadt die Fischereigerechtigkeit auf dem grossen See verliert, indem 
sie diese stückweise an die umliegenden Güter verkauft;') das Bombardement 
der von den Schweden besetzten Stadt in der Nacht vor Neujahr 1762 durch 
die Preussen,*) die Einquartierung von Russen im Jahre 1805 und von Franzosen 
unter Murat im Jahre 1806, wobei die Kirche als Heu- und Stroh-Magazin 
benutzt wird,*^) und endlich die Bildung des »Reform Vereins« im März 1848 
und des »Constitutionellen Vereins« im September desselben Jahres,®) wobei man 
an die ergötzlichen Schilderungen in Fritz Reuters »Stromtid« erinnert wird. 

In diesen letzten Dingen macht sich das erste politische Wiederaufleben 
bemerkbar, ein Wiederaufleben, das seitdem besonders im Handel und Verkehr 
zugenommen hat. Indessen finden sich selbst in den erwähnten Leidenszeiten 
allerlei Thatsachen, welche beweisen, dass die Kraft zum Schaffen niemals 
ganz erlahmte. Wir rechnen dahin z. B. die Gründung einer Synagoge im 
Jahre 1764 und deren Neubau 1837, den Bau eines Schulhauses 1782 und 
dessen Neubau 1846/47, sowie endlich den Neubau des Rathhauses im Jahre 
1842, wobei man im Thurmknopf des alten Hauses eine lange Mittheilung 
aus dem Jahre 1745 fand, in welchem eine durchgreifende Restauration des 
Hauses stattgefunden hatte.'') 

Von vor- und nachreformatorischen Geistlichen ist eine grosse Zahl 
Namen überliefert, für die wir theils auf die Verzeichnisse in den Personen- 
und Standesregistern des mecklenburgischen Urkundenbuches, theils auf die 
kleine Schrift des Pastors Christian Alard (1712 — 1723) über das Jubelfest der 
Reformation im Jahre 17 17,®) auf Schröder's papistisches Mecklenburg und die 
Geschichte der Malchiner Kirchenreformation im M. Jahrb. XVI, S. 98 bis 125, 
verweisen, dazu auch auf einen nur im Manuskript vorhandenen Cleemann'schen 



^) Für das Ende des XVI. und den Anfang des XVI I.Jahrhunderts sind die Sadenwather'schen 
Aufzeichnungen benutzt, für die letzten elf Jahre des dreissigjährigen Krieges und die nachfolgenden 
Zeiten die des Bürgermeisters Barthold Zahrndt, des Bürgermeisters Lorenz Goldschmidt u. a. m. 
(Gotthardt, a. a. O., S. 23. 40. 50. 120). — Zu den Nachrichten aus dem dreissigjährigen Krieg 
ist für dessen Anfang auch Klüver, Beschr. M.'s, II, S. 280 ff., heranzuziehen. 

') Gotthardt, a. a. O., S. 44. 

•) Gotthardt, a. a. O., S. 46—50. 

*) Gotthardt, a.a.O., S. 55ff. Dazu ist besonders ein von Pogge-Gevezin im Malchiner 
General -Anzeiger vom 5. und 10. März 1899 veröffentlichter Auszug aus dem Tagebuch des 
I Malchiner Kupferschmiedes Michael Friedr. Behm zu vergleichen. 

*) Gotthardt, a. a. O., S. 65 ff. 

*) Gotthardt, a. a. O., S. 72 ff. 

') Gotthardt, a. a. O., S. 14. 19. 20. 36. 37. 

*) Malchinsches Denckmahl nach abgelegtem ev.ingelisch -lutherischen Jubelfest .... des 
17 17. Jahres .... von Christian Alard, Güstrow bei Joh. Lcmbken, S. 27 — 40. 42 — 44 (Aus Ver- 
zeichnissen von Kirchlehnen, Kalands-Summarien, und aus Kirchenbüchern des XVII. Jahrhunderts). 



KIRCHE ZU MALCHIN. 



93 



Nachtrag zu dessen Repertorium universale (im Grossherzoglichen Archiv). 
Das Alard'sche Verzeichniss reicht bis zu seiner eigenen Person. Er stirbt 
den II. November 1723. Es folgen Friedrich Wilhelm Krüger (1725 — 1755) 
und Augustin Grapius (1728 — 1733), Samuel Sigismund (1735 — 1762) und 
J. H. A. Müller (1755 — 1787, f 1792), Joh. Andr. Fabricius (1763— 1799) und 
Joh. Christoph (nicht Christian) Lehmann (1787 — 181 1, Kollaborator des 
gemüthskrank gewordenen Pastors Müller). Ueber die Geistlichen des XIX. Jahr- 
hunderts s. Walter a. a. O. Seit dem ersten Adventssonntage 1848 ist Malchin 
der Sitz einer Superintendentur.*) 



Kirche. 




{anbeschreibung. Die Kirche zu Malchin ist ein vornehm wirkender hoher 
Backsteinbau, dessen Chor mit drei Seiten aus dem Achteck schliesst 
und dessen dreischiffiges Gemeindehaus einen von beiden Seiten her erleuchteten 
Obergaden hat. Die mit schwarzglasierten gothischen Thonfriesen verzierten 
Gesimse des Obergadens sind alt, d. h. sie gehören dem nach dem Jahre 1397 
begonnenen Bau an (s. o.), die der Seitenschiffe dagegen stammen aus dem 
Jahre 1870. Der Grundriss und die Abbildungen ersetzen nun zwar im 
Uebrigen die weitere Beschreibung, aber sie lassen nicht erkennen, was und 
wieviel von der ausgebrannten alten Kirche in die neue übergegangen ist. 
Nur soviel sieht man auch aus ihnen, dass hier verschiedene alte und neuere 
Theile schliesslich zu einem Ganzen vereinigt worden sind, wie es nicht von 
Anfang an erdacht worden war. Von der alten Kirche steht noch heute die 
südliche Wand der Abseite mit ihren romanischen Ecklisenen, von denen die 
östliche durch den ersten Strebepfeiler des jüngeren Baues beinahe ganz ver- 
deckt ist. Demgemäss fehlen auf dieser Seite die gothischen Strebepfeiler und 
jene Granitsockelbildungen, die an dem jüngeren Bau wahrzunehmen sind. 
Auch sind noch Spuren der ehemaligen romanischen Fensterlaibungen zu 
erkennen, die man ausgehauen und durch breitere gothische Fenster ersetzt 
hat. Ferner ist im Innern der angebauten Kapelle auf dem Westende noch 
etwas von dem südlichen Theil des ehemaligen Westgiebels der alten romani- 
schen Kirche zu erkennen.*) Es sind dies der Rest eines Rundbogen frieses 
unter einer zweifachen Stromschicht und ein Fensterschlitz mit schräge ein- 
gehenden Wandungen.^) Ueberhaupt enthält der ganze südwestliche Theil 
auch sonst im Innern soviele Spuren vom Bestände des alten Baues, dass es 
ein Leichtes sein würde, diesen, der höchst wahrscheinlich eine dreischiffige 
Hallenkirche von gleicher Breite war und ein Gemeindehaus von der Länge 



*) Gotthardt, a. a. O., S. 37. 

*) Auch in der Doberaner Abteikirche und im Schweriner Dom sind die südwestlichen 
Theile des Baues die Träger des alten Bestandes. 

•) Oberhalb des romanischen Frieses erscheint (als erste Koncession an die Frühgothik) 
eine vertiefte vierblatterige Kleeblatt -Verzierung. 



Beschrei- 
bung des 
Baues. 



AMISGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



dreier Ge- 
wölbejoche 
latte, ganz 
eder so auf- 
bauen wie er 
inst aussah. 
Is wesentlich 
Neues er- 
:heint dann 
m gegenüber 
dem zwei- 
in Kirchen- 
au die Er- 
öhung des 
littelschiffes 
zu einem 
Dbergaden, 
iwie dessen 
Erweiterung 
ach Osten 

lewölbejoch 
allen drei 
teilen (wobei 
es dahin- 
stellt bleiben 
nn, ob man, 
jvie Lisch 
Nnt, Anfangs 
;n seitliche 
usladungen 
durch ein 
Querschi ff 
ichte), und 
endlich 

auch 
der An- 
bau des 
hohen 
Chores 

mit 
seinem 
Poly- 
gonal- 



KIRCHE ZU MAI.CII1N. 95 

schluss.^) Am auflalligsten aber erscheint der Thurmbau, der, auf der Nord- 
seite der Kirche liegend, mit seiner Breitseite nur die nördliche Hälfte der 
Kirche deckt, und dessen inneres Gemäuer durch einen nachträglich plump 
in die Mitte gesetzten schweren Stutzpfeiler des Glockenstuhls einen sehr wenig 
erfreuenden Anblick bietet. Wie ist diese eigenth um liehe, dem Bau von 1397 
angehörende Anlage zu erklären? Wollte man zwei Thürme neben einander 
haben und kam der zweite Thurm in Folge des dazwischen tretenden stattlichen 



Kapellenbaues im Westen nicht zur Ausführung? Oder war diese Kapellen- 
Idee die erste und trat in Folge davon der Thurm seine althergebrachten 
Rechte auf die Mitte an die Kapelle ab, zu welcher dann noch eine Vor- 
halle hinzukam? Die Antwort ist nicht leicht. Was uns betrifft, so möchten 
wir dem letztgenannten Verhäitniss den Vorzug geben; zu völliger Gewissheit 
hierüber aber werden wir deshalb niemals gelangen, weil es über den Thurm- 
bau an Urkunden und älteren Akten fehlt, und weil aus den Mauern ganz allein 
auch nicht immer unfehlbare Schlüsse gezogen werden können, wenigstens 
nicht über alle Punkte, die dabei in Frage kommen. Nur das möchte man 

*) Am Chor ist m beachten, dass sein schwarz glasierter Fries ein anderes golhisches 
MiSer le^ als der des Schiffes der Kirche. 



96 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Altar- 
aiiTbau. 



für ausgemacht halten, dass die alte romanische Kirche des XIII. Jahrhunderts 
keinen Thurm hatte. Wäre dieser irgendwie beabsichtigt gewesen, so würde 
man die Westseite der Kirche nicht mit jenen trefflichen Blenden- und Fries- 
Verzierungen versehen haben, von 
denen noch heute ein ansehnlicher 
Theil hinter dem spätgothischen 
Bau sichtbar wird. Die Bedachung 
des jetzigen Thurmes stammt aus 
der zweiten Hälfte des XVII. Jahr- 
hunderts. Man ersieht das aus 
dem Visitationsprotokoll von 1662, 
in welchem es heisst, dass die 




im Jahre 1648 im Monat Februar 
heruntergefallene Spitze »in et- 
was wieder auffgebauet«, 
aber noch nicht wieder vollends 
fertig sei.') 

Der Altaraufbau ist ein Werk 
des klassi eieren den und romanti- 
sierenden Geschmacks vom Ende 
des zweiten Jahrzehnts im XIX. 
Jahrhundert; an ihm berühren sich 
die Formen antiker Säulen und 
antiken Gebälks mit denen der 
Phantasie- oder »modificiertem 
Gothik des XIX. Jahrhunderts. 



■ I, II 1. 1 




Tirig^irijr- 


▼" 1^ 










«,i,, .H.^t^iii^.£(Ci. - .,-, 


^-»^'■r. 






l"njWLW.,WlWl."{nU'J.'^ 




Ty^ 



■"•'•'-» i- 



J^afcl.iH 



Nach Zeichnungen * 



Seine schönen mattrosafarbenen Säulen aber sind nicht aus Mam 

I) Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXXI, S. 82—95. 



Inneres der Kirche iq Malchin. Blick auf den Altar. 



Kirche lu Malchin (Blick vom Chor nach W«lcn). 



KIRCHE ZU MALCHIN. 



97 



aus Stucco-Lustro hergestellt. Sie fassen ein Gemälde ein, das die Kreuzigung 
Christi darstellt und eine Arbeit des angeblich aus Malchin gebürtigen Malers 
Wilhelm Krüger ist, der damals (1824) und noch lange nachher in Dresden 
lebte. Ausserdem gereicht dem Altar ein trefflicher Krncifixus von Silber auf Krucifixus. 
einem Bronzefuss zum Schmuck, welcher der Kirche am i . Januar 1 894 über- 
wiesen wurde. 



Früherer 
Altar- 
aufsatz. 



An der Westwand der Kirche hängt der frühere Altaranfsatz, eine 
unrechter Weise arg vernachlässigte Holzschnitzerei mit Polychromie und Ver- 
goldung, ein Werk vom Anfange des XV. Jahrhunderts, ohne Zweifel jenes 
Triptychon, das den Hauptaltar der neuen Kirche nach dem grossen Brande 
von 1397 zierte. Das Mittelstück enthält die Krönung der Jungfrau Maria, 
aber es ist dabei zu beachten, dass, wie es in der vorreformatorischen Zeit 
sicher nicht war, beide Figuren ihre Plätze gewechselt haben : sie wenden sich 
gfi^enseitig den Rücken zu. Sehr zu würdigen ist das Schnitzwerk in der 
Basis der Mittelgruppe: es sind alttestamentliche Halbfiguren mit Spruch- 
bändern. Unter den Nebenfiguren zu jeder Seite der Mittelgruppe fallen oben 
die beiden Schutzheiligen der Kirche, Johannes Evangelista und der später 
ihm zugesellte Johannes Baptista, als nächste oben rechts und links ins Auge. 
Ks sind im Ganzen sechsunddreissig Heiligenfiguren, unter ihnen die zwölf 
Apostel. Die Rückseiten der Innenflügel und die beiden Seiten der Aussen- 
flügel sind bemalt mit neutestamentlichen Scenen aus der Leidensgeschichte 
und mit Darstellungen aus dem Leben des Evangelisten St. Johannes. 

Eine eingehende Beschreibung aller Schnitzfiguren und Bilder, an denen 
auch die niederdeutschen Inschriften von vielem Interesse sind, finden wir 
bei Lisch, M. Jahrb. XXXI, S. 8g — 92, worauf wir verweisen. Hier wollen 
wir nur auf das Nachdrücklichste betonen, dass, wenn irgend ein mittel- 
alterliches Kunstwerk eine bessere Erhaltung und Wiederher- 
stellung verdient, es dieses Triptychon ist (ebenso sehr wie das 
alte Werk in der Kirche zu Tempzin). 

Die Kirche hatte es im Mittelalter auf dreissig Altäre gebracht (neun- 
undzwanzig Nebenaltäre neben dem Hauptaltar). Es hat sich davon ein 
genaues Verzeichniss mit allen Intraden aus dem Jahre 1549 erhalten, das 
von Christian Alard, a. a. O., S. 27 — 30, und siebenzig Jahre später auch in 
Schröder's Kirchenhistorie des evangelischen Mecklenburg I, S. 396 — 398, 
abgedruckt ist. Man begreift daher die Erweiterung der Kirche durch eine 
grosse Kapelle im Westen, fiir die der Thurm ebenso zum Eingange diente 
und noch heute dient, wie fiir die Hauptkirche. Ein eigener Name für diese 
Kapelle ist nicht überliefert, aber sie wird ohne Zweifel jene Kapelle sein, 
in welcher nach dem ebengenannten Verzeichniss wenigstens vier Altäre unter- 
gebracht waren. ^) Demgemäss würden für die Kirche noch sechsundzwanzig 
Altäre übrig bleiben. Von ihnen gehörte je einer auch den Dominikanern 
und den Franziskanern. 

Kanzel. Die jetzige Kanzel ist ein neugothisches Werk unserer Zeit. Kanzel. 

') Lisch, M. Jahrb. XXXI, S. 88, hat Neigung, sie als »Marien- Kapelle < zu bezeichnen. 
VTir glauben aber, dass, wenn sie diesen Namen wirklich geführt hätte, er sich auch erhalten 
habeo würde. 

7 



AMTSGEKICIITSBEZIRK MALCHIN. 



KIRCHE ZU MALCHIN. 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Alte Künstlerisch bedeutender erscheint die alte Kanzel, ein Schnitzwerk 

Kanzel. der Renaissance vom Jahre 1571. Sie steht jetzt unter dem Raths-Chor. 

Ihr Verfertiger hiess Hans Boeckl«r, der nach einem aus Stettin gekommenen 
Vorbilde arbeitete. Das Geld dazu (104 FI. = 51 Rlhlr.) war von einzelnen 
Mitgliedern aus der Gemeinde aufgebracht. Von dem übrig gebliebenen 
Gelde (6 Fl. 6 ßl. ^= 3 'l'hlr. 6 fil.) wurde ein messingener Wandarm mit 
Leuchter beschafft.') 

An der Vorderseite der Kanzel in säulen verzierten Nischen die vier 
Evangelisten. Darunter, auf einem Wappenschilde mit drei Herzen, der 
Name des Stifters CONRADUS FftOLIKE-^) Die Jahreszahl 1571 findet sich am 
Schalldeckel. 
Orgel. Orgel. Die jetzige Orgel mit ihrem Prospekt stammt von dem Rostocker 

Orgelbauer Paul Schmidt und ist 1780 errichtet. Die Empore wurde von dem 
Zimmermeister Deichert und dem Tischlermeister Joh. Sponholz verfertigt, die 
Malerei und Vergoldung 
von den Malern Pel. 
Joh. Koch aus Güstrow 
und Juslus Chr. Hans 
Hetb«rg in Malchin. 

Die 1779 ab- 
gebrochene alte 

Orgel war 1570 
fertig geworden : 
»Anno 1567 in 

vespera circumcisi- 

onis Dei hat E. E. 

Rath mit Meister 

Fabian Peters, 
Orgelbauern, um 

eine neue Orgel zu 

bauen verdinget, da 
die Bürger Geld 

ziigeleget und Um- 

Speisung gethan und 

ist anno 1570 die 

Orgel gar fertig ge- 
worden und von 
Meister Potor 

Boechel, Maler, ge- 

sta füret und ge- 
liefert. Das Holz A]«K.-vn«l. 

dazu ist aus dem 

Siadtholz genommen und ist auf Angaben des Orgelbauers nach Daumen Zoll 

dick geschnitten worden und hat etliche Wochen in Wasser rotten müssen und 

hernach aufgesteigert gedürret worden, eodem provisore« (sc. Dr, Sadenwather).*) 

Granit- Vor dem Chor ein schön geschliffenes Granitbecken (Taufbecken) mit 
becken mit Granitdeckel auf eisernem Ständer, der Restauration in den zwanziger Jahren 
Deckel. ■ - 

:iiuatlier's Aufz eich nun gen). — ') Nach dem Inventar 
•) Collliaidl, a. a. O.. S. 24 und 34. 



KIRCHE ZU MALCHIN. 



des XIX. Jahrhunderts angehörig.') — Oberhalb des Konfirmandensaales wird Triumph- 
jetzt die grosse aus Holz geschnitzte Trinmphkreuz- Gruppe der allen Kirche kreuz- 
aufbewahrt (der Gekreuzigte, Maria und Johannes). Gruppe. 

Grosses Renaissance -Epitaphium mit zwei Hauptfeldern und zwei Epitaphien. 
Seitenfeldern. In dem oberen Hauptfelde die Auferstehung Cliristi, in dem 

. _- , unteren die Auferstehung des Lazarus, in 

den beiden Seitenfeldern Johannes und 
Paulus, jedes Feld mit Bibelsprüchen, Unter 
den beiden Mittelfeldern die Inschrift: ANO 
1599 DEN 24 MAI HAT DER ERBARE UND 
VORNEME ZEVERIN KRUSE DIS EPI- 
TAPHIUM SAMT SEINER LIEBEN HAUS- 
FRAWEN DER KIRCHEN ZUR ERE UND 
SICH ZUM OEDECHTNIS VOi^'FERTIGEN 
LASEN. 

Noch ein zweites Epitaphium aus dem 
Jahre 1676. Im Hauptfeld die Auferstehung, 
auf zwei Nebenfeldern je ein Bibelspruch, 
imten die Inschrift: DIESE GRABMAHL 
HAT MATTI ZIMERMAN SEINEN SOHN 
MATT • DER 1675 D • 4 FEB • GEBOH • 
1676 D • 7 SEPT • SETZEN LASSEN. 

Grosse Stundentafel einer Kirchen- Sltinden- 
uhr vom Jahre 1596. Auf einem oberen ^^^^^ einer 
Felde die zwölf Himmelszeichen, auf einem '^"'clien- 
unteren eine Uhr mit Zifferblatt, rechts 
davon ein Engel mit der Unterschrift: 
CAMPANA QUANDO EDIT SONUM TUBAE 
MEMOR SIS ULTIMA[E]; links ein Gerippe 
mit der Unterschrift: ELAPSA CEU HAEC 
CLEPSYDRA, SIC VITA LABETUR TUA. 
Die Arme beider Figuren sind beweglich und 
stehen mit den über ihnen angebrachten 
Glocken in Verbindung, die beim Stunden- 
wechsel von ihnen angeschlagen werden 
und von denen jede die Inschrift hat: 
DATVM MALGIN 1596. Ausserdem noch 
zwei auf den Engel, der die Viertelstunden anschlägt, und den Tod, der die 
VoUstundenschläge besorgt, sich beziehende Inschriften. Die eine lautet: 
FORMA VIRI ROSEIS DIDUCENS ORA LABELLIS 
DISCRETOS RICTU SIGNAT HIANTE SONOS. 

') I.i-sch, M. Jahrb. XXXI, S, 89, erwähnt auch der 
ilun Gnuiitbecken spStromanischen Slils aus der Zeit der 



Tanfständer. 



n Taufstein dor Kiicl 
in Kirch eiigrlindung. 



I02 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Kron- 
leuchter. 



Wand- 
leuchter. 



Oel- 
gemälde. 



Glocken. 



Die andere: 

QUANDO VIDES VERTI CLEPSYDRAM MORTIS AB UMBRA 

PROPEDIEM MORTIS TE MEMINISSE DECET • 
EN TIBI QUAM RAPIDO LABUNTUR TEMPORA CVRSU 

DUM SISTIS GRESSUS, JAM BREVIS HORA FUGIT. 

Unter dem Zifferblatt liegen zwei aus Holz geschnitzte Widder, die einstmals 
beim Schlagen der Uhr mit ihren Köpfen zusammenstiessen.*) 

In der Kirche zwei Kronleuchter von Messing, der eine mit der Inschrift: 
ECHHARD • KRULL • MARIA MÖLLERS • A • 1752; der zweite: DISE.CRONE* 
HABEN • S • ASMUS • GRISEN • VND • ANNA • BENEKENS • SEMPTLICH(E) • 
KINDER • ALS HANS ZACHARIAS • U • CATHARINA • DIE GRISEN • ZUM • GE- 
DECHTNISS • IHRER • S • E • IN • DIE • KIRCHE • V • E • ÄO • 1616. 

An den Wänden acht messingene Wandleuchter, ähnlich denen in den 
Rostocker Kirchen. An dem einen die Inschrift: H • ZACHARIAS KRUSE« 
ELISABETH TIMMEN ANNO 1698. Die Wappen dieses Leuchters (H Z K — 
E B T) finden sich auch an einem zweiten mit der Inschrift: LAVRENZ 
BENEKE ELISABET RATEKEN ANNO 1691. An einem dritten Leuchter: PAWEL 
BIDERMOLLER ELSEBE GRIPERS; an einem vierten: ONNA • 1689. 

Zwei Oelgemälde, Luther und Melanchton, sind von geringer Bedeutung, 
ebenso ein Bild aus dem Jahre 1742 (Hemento mori), das von JOH. FRID. 
SELLIN gestiftet ist. 



Im Thurm vier Glocken. Die grösste Glocke (Dm. 1,53 m) hat eine 
lange Inschrift, aus der hervorgeht, dass sie ursprünglich im Jahre 1561 von 
Mattheus Mattes gegossen wurde, 1808 einen Riss bekam und 1824 von den 
Gebrüdern Schwenn in Stettin umgegossen werden musste.*) — Von der 
zweiten Glocke ist die werthvolle Erzkrone abgesägt und durch ein Collier'sches 
Gehänge ersetzt. Inschrift: # tej: # plotic # )ci7e#beni # CllU1#pace# 

et # funbatc (0 # fbin # ipo # bic # 6cati # 

iaCObi # apoftoli« Unter der Inschrift zuerst das 
nebenstehende Zeichen und darauf das bekannte Zeichen 
des Rlkert von Mönkehagen. — Die dritte Glocke, eben- 
falls mit einem Collier'schen Gehänge, hat die Inschrift: rgi rC)C glotit %pt 

beni cü p^tt anö bni mtatl%xxi ^nte feftu paffe lielp i||^ inatia 

anna« Unter der Jahreszahl im Felde die eingerissene Figur des 
Täufers Johannes. Darunter das nebenstehende Giesserzeichen. — 
Die vierte Glocke, ohne Inschrift und Zeichen, ist gleichfalls durch 
ein neues Colller'sches Gehänge an ihrem Werthe geschädigt. 







*) Die letzte Wiederherstellung der Uhr fand 1721 statt. 

*) Vgl. Inventar 181 1. Matthaeus Matz, der Glockengiesser, war zugleich Rathsherr in 
Roebel: Vgl. Gotthardt, a. a. O., S. 23. 



KIRCHE ZU MALCHIN. IO3 

Von den Grabstetnen jn der Kirche verdient nur ein in die Wand Grabsteine, 
links vom Altar eingemauerter eine eingehendere Beachtung. Es ist der Stein 
des Güstrower Domherrn und Malchiner Kirchherrn Nikolaus Breide. Er 
zeigt dessen Bild in geistlicher Tracht und hat die InschriJl: ^nno boillfni 

mtctcltx% (Lücke) oßHt tiomfnu^ nicolau^ l&cejibe to<"nantcu^ giiftr<'>tatnfi^ 
~ " oratc heiim yco co. An der 

Tracht ist die mit Pelzwerk be- 
setzte Almucia (Almucium) des 
Domherrn zu beachten. ') 

Kleinkniistwerkc. i. 2. Kleinkunsi- 
Friihgothischer Kelch aus dem werke. 
XIII. Jahrhundert, auf rundem 
Fuss und mit stark ausladendem 
Knauf. Auf dem Fuss sechs 

spitzovale Silberplatten mit 
Passionsdarstellungen in Flach- 
relief: der Verrath des Judas, 
Christus vor Pilatus, die Kreuzi- 
gung. Dornenkrönung, Geisse- 
lung und Kreuztragung, sämmt- 
lich drcifigiirig. Dazwischen auf- 
gelegter plastischer Schmuck 
von gothisch stilisierten, leider 
aber theilweise weggebrochenen 
Eicheln und Eichenblättern. Am 
Knauf acht Rädchen (Rotuh, 

Rotulae) mit fünfblättrigen 

Blumen in Email. Kein Sig- 

naculum. Darüber und darunter, 

auch am oberen und unteren 

Scliafttheil, aufgelegte gothisch 

stilisierte Weinblätter. Keine 

Werkzeichen, auch nicht an der 
drabstem des Nikolaus Breide. 

zugehörigen vierpassigenl atene. 

Der Kelch gehört zu den alleräUesten in Mecklenburg und ist von 
hohem Werlhe. 
— 3. 4. Der Holstein'sche Kelch, auf sechspassigem Fuss, dessen Felder mit 
aus einer Blattfläche geschnittenen Silberranken belegt sind. Achnlicher 

') Ijsch. M. Jahrb. XXXIX, S. 205— ao8. Der Kanonikus Nik. Breide war noch 1488 am 
1.ebeD. Er hielt den Stein somit seit 1480 fUr sich bereit. Der Apotheker KrUg^er, welcher ihn 
liier 150 Jahre später für sich erwarb, ist der Vater des späteren Gdslrower Ariles Dr. Krllger- 
Hanicn, weichet sich weithin Ruf erwarb. 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Schmuck am Knauf und am unteren Theil der Kupa. Am oberen Schafttbeil 
die Sigla lESVM. Am unteren Schafttheü MARIA. Ohne Signaculum. 



Frühgothiacher Kelch (i). 

Inschrin;: ZV GEDECHTNIS HABE ICH ZACHARIAS HOLSTEIN HABE DISEN 
KELCH IN DIE KIRCHE IN MALGIN VERERET T> 1653. Keine Werkzeichen, 
auch nicht an der Patene, — 5, 6. Silbervergoldeler Kelch von I/IJ, gestiftet 



KIRCHE ZV MALCHIN. lo; 

von dem Oeconomen SAMUEL LUDWIG SCHULTZ und seiner Hausfrau MARIA 
ELISABETH EHGEL. Vom Güstrower Goldschmied Lanhard Msstlln: L M. 
Auf der Patene keine Werkzeichen. — 7. Kreisrunde silberne Oblatenschachtel 
auf drei Kugelfussen, mit hubscher Treibarbeit im Barockstil, gestiftet 1696 
von CHRISTOPFER MÜLLER. An der Wandung drei ovale Felder, im ersten 
die Abendmahlsscene, im andern das Gebet in Gethsemane, im dritten der 
Spruch: IN DIESEN GEFAS IST DAS BROT DES LEBENS ■ WER WÜRDIG 



Fus« vom nebenstehenden Kelch (i). 

DAVON ISSET, dem WIRD NIMMER HUNGERN SONDERN DAS EWIGE LEBEN 
HABEN. Auf dem Deckel gleichfalls drei Felder mit der Kreuztragung, 
Kreuzigung und Auferstehung. Werkzeichen zwei gekreuzte Bischofsstäbe und 
Meisterzeichen ^Q. — 8. Einfache kreisrunde silberne Oblatenschachtel, 17 18 
gestiftet von M • LUDERS. Als Stadtzeichen eine dreithürmige Burg mit dem 
Jahresbuchstaben L. Meisterzeichen undeutlich. — 9. Schlanke silberne Deckel- 
kanne in klassicierendem Stil, vom Malchiner Meister l»F» H* — 10. Eine 
grössere silberne Kanne von 1896. 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Ehemalige |J^Hon den ehemaligen Kapellen der Stadt steht nur noch die Heiligengeist- 
Kapellen, ■■■ Kapelle, die seit vielen Jahren als Spritzenhaus dient. Es ist ein kleiner 
unscheinbarer vierseitiger gothischer Bau des XIV. Jahrhunderts. Doch ist zu 
beachten, dass 

Chr. Alard, 
a. a. O., S. 30, 
im Jahre 1717 

nicht sicher 
angeben kann, 
ob sie ihren 

Namen mit 

Recht führt 

oder nicht. 
Die Heiligen- 

geisl- Kapelle 

ist in der 
zweiten Hälfte 
des XVI. Jahr- 
hunderts eine 

Filiale der 

St. Johannis- 

oder Haupt- 
kirche der 

Stadt. Sie 
wird 1577 aus 
ihrem Verfall 

wieder her- 
gestellt und 

Donnerstags 

zum Gottes- 
dienst ge- 
braucht.*) 



Knien sches Thor. 



Wo einst die Heiligenkreuz -Kapelle stand, weiss Niemand, Die St. 
Jürgen ■ Kapelle soll auf dem Friedhof vor dem Mühlenthor gestanden haben, 
die für den Mord des Moltzan-Schorssow (s. o.) als Siihnkapelle errichtete 
St. Erasmus-Kapelle dagegen nach einer Nachricht auf dem »Stadthof«, nach 
der anderen ebenfalls vor dem Mühlenthor zu finden gewesen sein. Die 
St. Katharinen- Kapelle stand vor dem Wargentiner Thor, soll später als Haus 
für kranke Reisende (Elendenhaus) eingerichtet und im Jahre 1554 abgebrochen 
sein. Die St. Gertruden-Kapelle wird wieder vor dem Mühlenthor gesucht. 
Endlich soll die Kalands- Bruderschalt, welcher zahlreicher Adel aus der 



THORE UND TIIÜRME ZU MALCHIN. 107 

Nachbarschaft angehörte, ihr Haus (»PapenCoUalion« geheissen) auf dem 
Wedenhof am » Papen stieg» in der Nähe der St. Johannis- Kirche gehabt 
haben. *) 

... 

Von den vier Thoren, welche ehemals die Stadt Malchin besass, sind Thore der 
noch vorhanden das Kalen'sche im Norden und das Steinthor im Süden, Stadt. 

deren äussere 
Fassaden aus den 
beigegebenen 
Photographien 
ersichtlich sind. 
Das westliche 
Wargentiner und 

das Östliche 
Mühlentbor sind 
erst im XIX. Jahr- 
hundert abge- 
brochen worden.') 
Das am besten 
erhaltene Thor 
ist das nördliche, 
welches durch die 
Munificenz Seiner 
Königlichen Ho- 
heit des Gross- 
herzogs vor eini- 
gen Jahren restau- 
riert worden 



Kalenaches Thor. 



■) Alard, a. a. O.. 
S. 33- 34- — Schrö- 
der, Gesch. des evan- 
gelisclien Mecklenb. I, 
S. 398. 399. — Gott- 
hardt, a. a. O., S. 13. 
*) Zur Zeit des 
dreissigjShrigen Krie- 
ges war das Mdhlen- 
thor noch ein drei- 
faches, an dem man 
das äussere, mittlere 

und innere unter- 
schied. Das äussere 
war das teWe. wel- 
ches abgebrochen 
wurde. Gotlhardl, 
a. a-O., S. II. 



I08 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

ist.') Beide Thore, dem Stile nach der nordischen Gothik angehörig, sind aus 
Ziegeln (zum Theil gla- 
sierten) im XV. Jahr- 
hundert erbaut worden. 
Nach der Stadtseite 
zu sind sie etwa bis 
zur halben Höhe der 

Fensterbögen mit 
einem schrägen Dache 
gedeckt. Der innere 
Raum des unteren Ge- 
schosses, zu dem man 
früher durch Seiten- 
treppen gelangen 
konnte, wurde noch in 
der ersten Hälfte des 
vorigenjahrhundertsals 
Gefängniss benutzt. 
Unmittelbar an die 
Thore schloss sich 
früher die Stadtmauer 
an, welche von einem 
jetzt vollständig zu- 
geschütteten Wall- 
graben umgeben war.'} 
In der Nähe des ehe- 
maligen östlichen 
(Mühlen-) Thores steht 
noch ein viereckiger 
aus Ziegeln gemauerter 

') Auch das südiiche Steinlhor. 

Steinthor ist vor einigen 
Jahren restauriert, nachdem 
es schon bis lum Durchgangs- I 

bc^en henintergebrochen 
war. Vergleiche Akten der 
Grossherz. Kommission zur 
Erh. d. DenltmSIer. — Das 
Kalcnsche Thor war einst- 
mals ein Doppel-Thor; Goit- 
hardt. a. a. O., S. 13. 

•) Den Zug der Stadt- 
mauer kann man in den An- 
lagen [wischen Steinthor und 
Wargentiner Thor noch beute , 



thurm«. 



THORE UND THÜRME ZU MALCHIN. IO9 

hoher Thttrm, welcher an Höhe die vorhin genannten Thore bedeutend über- Thurm. 
ragt. Sein Inneres ist in einem stark verfallenen Zastande. Sein Aeusseres 
macht einen besseren Eindruck. Man nimmt an den Giebeln wahr, dass sie 
seiner Zeit im Geschmack der Renaissance aus der zweiten Hälfte des XVI. 

Jahrhunderts zugestutzt 

sind. Wahrscheinlich 

diente er als Wartthurm 
nach Pommern hin, um 
die Malchiner vor plötz- 
lichen Ueberlallen zu 
warnen. Ein anderer Ehemaliger 
hoher Thurm war einst- »Fangel- 
mals der hohe >Fan9el- 
thurmc an der Wall- 
Mauer, der 1799 ab- 
getragen wurde. »Er 
stand da — sagt Gott- 
hardt, a. a, O., S. 12 
und 13 — , wo jetzt 
(1862) auf dem Striet- 
feld an der Mauer das 
kleine Häuschen ein- 
gebaut ist* 



Ueber die Anlage Alter 
eines alten Burgwalles Burgwall, 
in Form eines grossen 
etwas gerundeten Vier- 
ecks von ungelahr vier- 
zig Meter Durchmesser 

und durchschnittlich 
zwei Meter Höhe findet 
man Näheres bei Lisch, 

M. Jahrb. XXXVIII, 
S. 174 — 178. Er liegt 
»eine gute Viertelstunde 
südöstlich von der Stadt 
vor dem Mühlenthor, 
in den weiten Wiesen 
an der Oberen Peene, 
welche aus dem See 
von Rittermannsliagen 
kommt und bei Malchin 



3 06cff?&iÄüI 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



GUT UND KIRCHDORF GORSCHENDORF. III 

in die grosse Peene fliesst, jenseits des Flusses von der Stadt aus gesehen, 
und zwar, nach allgemeinen Bestimmungen, zwischen der Oberen Peene und 
der Chaussee nach Stavenhagen, in der Gegend nach dem Hainholze zu.< 

* * * 

In der Nähe von Malchin, und zwar anscheinend in oder bei den Alte Burg 
Wiesenstücken nach Kummerow und dem Kummerower See hin, die noch Kiekindc- 
heute von Obrigkeitswegen als »Kiekdepen« bezeichnet werden, lag die einst P^ne. 
den Herren von Thun gehörende alte Burg Kiekindepene, die in den Urkunden 
aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts mehrfach genannt wird.^) 




Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Gorschendorf.') 

|orschendorf, im ehemaligen Lande Hardt und nahe am Kummerower See Geschiclite 
gelegen, ist ein altes Levetzow'sches Lehn. Schon im Jahre 1363 ^^s 
erscheint »Arnoldus de Lewetzowe in villa Ghuratzendorp habitans« als Zeuge, 
1369 wohnen dort Günther und Amd Lewytzowen, deren Geschlecht auch 
sonst in jener Gegend reich begütert war und zum Theil es noch heutigen 
Tages ist.') Die Familie bleibt bis Anfang des XVII. Jahrhunderts im Besitz 
des Gutes, denn unter dem 4. April 1605 erhält Abraham Winterfeld Konsens 
und Lehnbrief über Gorschendorf, welches er aus dem Arnd Levetzow* sehen 
Konkurse für 22800 fl. gekauft hat.*) Der Winterfeld*sche Besitz dauert nur 
kurze Zeit, es tritt Konkurs ein, und 1651 erwirbt Arnd von Levetzow das 
Gut für 22000 fl. zurück. Doch ist auch dies nicht auf lange Dauer, da 
Axel Amd von Levetzow es 1687 an des Klaus Moltke hinterlassene Wittwe 
verkauft, und diese es im Jahre 1691 an Joachim Gabriel von Klitzing für 
9000 fl. wieder veräussert. Nachdem von Seiten der von Levetzow (1691) auf 
alle Lehnrechte verzichtet worden, wird Gorschendorf gegen eine Zahlung von 
400 Thalern vom Herzog Gustav Adolf allodificiert und der Allodialbrief für 
Joachim Gabriel von Klitzing den 2. Mai 1692 ausgestellt. 

Die von Klitzing haben Gor.schendorf bis zum Jahre 1724 besessen: da 
wird Ulrich Christoph von Blücher ihr Rechtsnachfolger.*) Von den Herren 



') M. U.-B. 4396. 4503. 4802. 5169. 5225. 5544. — Lisch, M. Jahrb. XXXVIII, S. 178. 

*) 5 km nördlich von Malchin. Im XIV. Jahrhundert Ghoratzendorp, Guratsendorpe , 
Ghorissendorp geheissen. Nach Kühnel, der an die altslavischen Wortstämme >gor- Brand, gor^ti 
brennen und gorazdu kluge erinnert, soviel wie Dorf des Gorac, was soviel sein würde wie 
»Brandshofe oder »Klugsdorfc. 

*) M- U.-B. 9163. 9998. 10 180. 

*} Zu gleicher Zeit belehnt ihn der Herzog Karl zu Mecklenburg mit dem Patronat der 
Kirche zu Gorschendorf. Vgl. Kirchenakten im Grossh. Archiv. 

*) Nachdem inzwischen Herzog Friedrich Wilhelm die Regierung des Herzogthums Güstrow 
angetreten hatte, und Gabriel von Klitzing mit Hinterlassung von Kindern gestorben war, ver- 



112 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

von Blücher kommt das Gut 1797 an Henning Friedrich Engel und von diesem 
an den Hauptmann Anton Christoph Caspar von Wickede. 1820 kauft es 
Adolf Friedr. Peters und 1841 der Hofrath Gustav von Kühlewein, dessen 
Rechtsnachfolger 1846 Carl Wilhelm Wendhausen wird. Von diesem ersteht 
es 1862 die Grossherzogliche Kammer. Seit 1873 aber befindet es sich in der 
Verwaltung der Behörde des Grossherzoglichen Haushalts. 

Es giebt eine Urkunde vom 27. Juni 1366 mit Siegelbändern von 
Pergamentstreifen, welche aus zerschnittenen älteren Urkunden gewonnen sind, 
die für die damals Lebenden keine Bedeutung mehr hatten. Auf einem dieser 
Bänder ist von einem Kirchenrektor in Ghorissendorp die Rede und zugleich 
der Name eines Demminer Probstes de Gard angegeben, also der eines höheren 

Geistlichen aus der Kamminer Diöcese: — de Gard, ofBcialis prepositi 

Dymyn., discreto viro rectori ecclesie in Ghorissendorp.^) Den Namen des 
Gorschendorfer Plebanus erfahren wir nicht, aber wir ersehen, dass schon vor 
1366 eine Kirche in Gorschendorf vorhanden war. Nur weiss Niemand, wie 
lange vorher. Dies ist das einzige Zeugniss dieser Art, das bis jetzt aus dem 
Mittelalter auf uns gekommen ist. Im Uebrigen beginnt die Reihe der 
Gorschendorfer Pastoren für uns erst mit Petrus Beckmann, der zwischen 1567 
und 1587 nachzuweisen ist.*) Um 1590 ist Petrus Hensel Pastor in Gorschen- 
dorf Nach einer Vakanz durch Tod folgt 1608 Nikolaus Potlingius. Aber 
161 3 ist bereits Peter Bruno an seiner Stelle.') Dieser lässt sich 1645 seinen 
Sohn Samuel adjungieren. Dem Samuel Bruno folgt 1658 Christian Güstrow; 



suchte der Hofrath Schäffer das Gut von den Erben zu erwerben und erklärte sich dem Herzog 
gegenüber bereit, dasselbe wieder als Lehn in Empfang zu nehmen. Friedrich Wilhelm hatte 
nämlich die Allodifikation nicht anerkannt und für ungtlltig erklärt. Indessen die Veräusserung 
scheiterte an dem Widerspruch des Vertreters der Klitzing'schen Erben, welcher für diese dem 
Herzog gegenüber die Konservierung des Gutes beanspruchte, und zwar unter Aufrechterhaltung 
seiner Eigenschaft als Allod. Der Herzog bestand indessen auf seinem AVillen, und nach mannig- 
fachen vergeblichen Bitten erklärte der Klitzing'sche Vertreter, Hans Kaspar von Klitzing, sich 
bereit, das Gut für seinen Pflegling Kaspar Christoph auch als Lehn anzunehmen. Dies wurde 
ihm dann durch Bescheid vom 4. Juli 17 10 unter Vorbehalt der Zahlung des üblichen Laudemiums 
zugestanden. Am 27. März leistete Kaspar von Klitzing den Lehneid. Obwohl er, unter Hinweis 
auf die erst gezahlte AUodialitäts- Gebühr von 400 Thalern, Befreiung von der Zahlung des Lau- 
demiums erbat, musste er dennoch 100 Dukaten Species entrichten. Ausserdem wurde die Aus- 
lieferung des inzwischen ertheilten Lehnbriefes an den neuen Vasallen davon abhängig gemacht, 
dass er vorher einen Revers unterschreibe, in welchem er auf Ausübung der hohen Jagd verzichte, 
und sein Protest mit dem Bescheide zurückgewiesen, les sei bei Ertheilung von Lehnbriefen überall 
also geschehene Klitzing unterschrieb, und nun trat Gorschendorf in die Reihe derjenigen ritter- 
schaftlichen Güter ein, welche im Anfang des vorletzten Jahrhunderts ihre hohe Jagd verlieren. 

*) M. U.-B. 9500, Anmkg. 

*) Nicht bis 1610, wie Schliemann im Archiv für Landeskunde XI, S. 275, annimmt. 
Während der Amtsdauer des Petrus Beckmann scheint eine Zeitlang eine Vertretung durch den 
Pastor Quast zu Schorrentin stattgefunden zu haben. Vgl. M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. I (2. Aufl.), 
S. 617, Anmkg. 

*) Petrus Bruno übernimmt 1639 auch das Pastorat in Schorrentin. Der Sohn Samuel 
Bruno behält es bis an seinen Tod im Jahre 1658. Vgl. M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. I (2. Aufl.) 
S. 616, Anmkg. 3. 



GUT UND KIRCHDORF GORSCHENDORF. 



113 



Kirche. 



diesem 1682 Laiirentiiis Sommer, der bis 1704 zu Gorschendorf im Amte ist. 
Die Pastoren des XVIII. Jahrhunderts sind: Jakob Vick (1704 — 1711), Andr. 
Melchior Zernotitzky (1712 — 1727), Christian Heinrich Pauli (1727 — 1757), 
Joh. Aug. Hermes (1759 — 1765), der spätere Darguner Präpositus Severus 
(1766 — 1774) und Clamor Jochim Kielmann (1774 — 1807). Nach Kielmann's 
Tode wird die Pfarre in Gorschendorf mit der in Neukaien verbunden. Das 
bleibt so bis über die Mitte des XIX. Jahrhunderts hinaus.*) Ueber die Ver- 
hältnisse im XIX. Jahrhundert s. Walter a. a. O. 

Bis in den dreissigjährigen Krieg hinein giebt es in dem benachbarten 
Retzow eine Filialkirche, die einstmals Materkirche von der in Gorschendorf 
war. Wann sich dies Verhältniss umkehrt, ist nicht bekannt, anscheinend 
schon im Mittelalter.*) Zur evangelischen Zeit sind wieder zwei eigene Pastoren 
in Retzow nachzuweisen, Elias Me.sekow und nach ihm Heinr. Gosslar. Es 
ist das in den sechziger Jahren des XVI. Jahrhunderts. Aber sie müssen, da 
die Wedem nicht wieder aufgerichtet ist, beim Bauern einlicgen. Daher nimmt 
denn auch in dieser Zeit das eigene Pastorat in Retzow sehr schnell wieder 
ein Ende. Das Inventar von 1 8 1 1 spricht noch von den Rudera der Retzower 
Kirche und von zwei Glocken auf dem dortigen Kirchhof, doch sind diese 
Rudera die eines versuchten Wiederaufbaues in den dreissiger Jahren des 
XVIII. Jahrhunderts, der 1740 ins Stocken geräth. 

Kirche. Die Kirche ist ein Neubau der allerjüngsten Zeit. 

Ihre Vorgängerin war ein schlichter Fach werk bau vom Jahre i593 ohne 
jede architektonische Bedeutung. Im Innern eine niedrige flache Decke. 
Kanzel und Altar, zu einem Körper vereinigt, stammten aus derselben Zeit. 
An ihrem Gehäuse, das in seinen Formen an die Altäre in Gnoien, Prestin 
u. s. w. erinnerte, gab es einige Figuren aus einem elicmaligen gothischen 
Triptychon. 

Glocken. Zwei Glocken, die grö.ssere, 1859 v^" ^- Schöne- 
mann in Demmin gegossen. Die kleinere mit der Inschrift: 

<0 itj: glotie icpc beut (uin pnre äiia ctcccjcti (das tu fehlt). 

Dazu das nebenstehende Glockenzeichen. 

Grabsteine. In der südwestlichen Mcke der Kirche lag der des Pastors Grabsteine. 
JOACHIM CLAMOR KIELMANN (geb. 6. April 1738, gest. 12. April 1807). — 
Auf dem Friedhof ausserhalb der Kirche ein zu beachtendes schmiedeeisernes 
Gitter (in der Art der Niens'schen Arbeit aus Ludwigslust) um den Stein der 
Frau WILHELMINE SOPHIE LUDOVtKA VON WICKEDE, geb von Blücher, geb. 
18. Februar 1767, gest. 16. December 1798. 

In der Kirche selbst viele kleine Wappenschilds der MOLTKE. KLITZING, 
BLÜCHER, WICKEDE mit denen ihrer Frauen, wie sie sich aus den jüngeren 
Besitzverhältni.ssen des Dorfes und Gutes erklären (s. o.). Diese Schildclien 
dienten als Zierrath für Särge. 

Schliemann, a. a. O., S. 270 ff. 347 ff. 609 ff. 
*) Schliemann, a. a. O., S. 270—275. 614. 

8 




Glocken. 



Wappen- 
schilde. 



I 14 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

Kleinkunst' KletnkanBtwerkc. i. Ein sehr zu beaclitcnder Kelch auf nindcin Fuss 

werke. aus der zweiten Hälfte des XiV. Jahrhunderts, mit den Wappen der beiden 
Adelsfamilien KALAND (des Mannes) und VOSS') (der Frau). Beide Wappen 
mit durchsichtiger Email rüllung. 
Der zwischen ihnen als Signaculum 
aufgelegte Krucifixus hat noch 
ganz die Formgebiuig der älteren 
Christnsbilder des XIII. Jahrhun- 
derts. Am Knauf der Name IhH- 
SVS, am Schaft oben jVjCfU^ 

iiaijarent)^), unten matia jo'gnii' 

nt^. — 2—4 Silberner Kelch mit 

dem Stempel des in den ersten 

Jahrzehnten des XVIII. Jahrhunderts 

thätigen Rostocker Goldschmiedes 

HInrIch Steffen Bornemann. Dazu 

Oblatendose und Patene. Auf der 

Oblatcndose der Name: M • £• 

VON WAHNKEN WITWE VON DER 

LÜNEN. — 5. Silberne Kanne. 

neu. — ö. 7. Zwei zinnerne Leuchter, 

der eine mit dem Namen DAVID 

CHRISTIAN GAtCKE 1718, der 

andere mit dem Namen ELIAS 

ZIEL 1732. Beide ohne Werk- 

, ., . . Kelch (I). 

zeichen. — 6. 7. Zwei zinnerne 

Blumenvasen mit Henkeln. Beide haben als Stadtzeichen den werleschen 

Stierkopf in einem Kreis. Als Meisterzeichen das Bild eines auf seinem Neste 

sitzenden Pelikans und die Initialen C K. 



Das Gut und Kirchdorf Remplin.') 



Dorfes. 



BSlas Gut Remplin erscheint urkundlich zuer.st 1283 als Eigenthum des 
^^ Bischofs von Kammin und besteht aus zwei Dörfern, welche Hohen- 
und Siden- bzw. Gross- und Klein-Remplin genannt werden (in villa Magno 
Repelyn, in Parvo Reppelyn, utrumque Remplyn, ambe ville Rampelin, Alta 
villa Rampelyn). Im Jahre 1283 vergiebt der Bischof Hebungen aus beiden 

') Oder slau Voss eine andere Familie, die einen »sleigerdem Kuchs im Wappen- 
schilde fuhrt. 

•) 5 km westnordwesilich von Malchin. Im Xlll. Jahrhundert Repelyn, Keppelin, Rampelyn 
Keschrieben. KUhncl, M. J.ihrb. XLVI. S. 118, erinnert an dis alt-lavische rfpa = Rübe und auch 
an den Stamm r^p-. l>arnach »Ort des Reph oder Rapclai. 



GUT UND KIRCHDORF REMPUN. II5 

Gütern an das Kloster Ivenack, welchem sie von Nikolaus von Werle am 
I. Juli 1300 bestätigt werden.^) Im Besitz des Hofes und der Mühle von 
Siden-Remplin finden wir 1352 die Familie der Stahl, welche am 3. No- 
vember cf. J. zusammen mit den von Wozenitz auf Dahmen eine Vikarei in 
der Kirche zu Hohen -Mistorf stiften, bei der sie Patronat und Präsentations- 
recht mit einander theilen.*) Sie verkaufen aber ihren Hof nebst der Mühle 
im Jahre 1363 dem Hinrik Schnakenburg (Snakenborghe), dessen Rechtsnach- 
folger 142 1 Klaus Wozenitz wird.'*) Allein schon im Jahre 1405 erscheinen 
neben ihnen die von Hahn im Besitze eines Theiles der beiden Güter, und 
nachdem 1425 der Bischof Siegfried von Kammin den Eckhard Hahn auf 
Wendisch -Wargentin mit fünfzehn Hufen in Siden-Remplin und allen Gütern, 
welche er schon in Hohen -Remplin besass, belehnt hat, und auch die 
von Wozenitz ihren Antheil den Herren von Hahn überlassen haben, sind 
die Güter hiemit anscheinend vollständig in Hahn'schen Besitz übergegangen. 
Wenigstens ist von irgend welchem Mitbesitz künftig nicht mehr die Rede.*) 
Unter mannigfachem Wechsel zwischen den einzelnen Linien halten die von Hahn 
ihren schönen Besitz bis zum Jahre 1816 fest. In diesem Jahre erwirbt der 
Fürst Georg Wilhelm von Schaumburg -Lippe das Gut Remplin. Von diesem 
kauft es 1848 der Landschaftsdirektor von Maltzahn auf Sommerstorf, um es 
vier Jahre später dem Herzog Georg von Mecklenburg- Strelitz zu überlassen, 
der das in einem prachtvollen Park gelegene Schloss durch Vor- und Anbauten 
nach Entwürfen des Geh. Regierungsrathes Hitzig in Berlin erweitert und mit 
kostbaren Denkmälern aller Art gefüllt hat. Jetzt sind es seine Nachkommen, 
die sich dieses schönen Besitzes erfreuen. 

Eine nach Hohen -Mistorf eingepfarrte Kapelle wird hier wahrscheinlich 
schon im Mittelalter vorhanden gewesen sein. Genannt wird sie freilich erst 
im Jahre 1647, ^'s das Dorf gleich allen andern umher wüste liegt. Auch 
heute gehört die Rempliner Kirche zur Kirche in Hohen-Mistorf, doch ist sie nicht 
mehr Filia, sondern hat seit 1879 ^*^ Rechte einer Mater vagans, die von 
der eingegangenen Panstorfer Kirche auf sie übertragen wurden. Im XVIII. 
Jahrhundert ist übrigens zeitweise die Ciira der Rempliner Kirche bei der in 
Basedow gewesen, z. B. unter dem Pastorat des Joachim Rudolf Vick von 17 13 
an, aber mit Wahrung der Rechte des Pastors in Hohen-Mistorf.^) 

Kirche. Die neue vom Geh. Oberbaurath Daniel erbaute Kirche ist ein Kirche. 
Ziegelbau in Kreuzform mit einem Chorschluss aus dem Sech.seck (nicht aus 
dem Achteck). Nur der letzte Theil des Chorschlusses ist gewölbt, der übrige 



*) M. U.-B, 1666. 2614. Vgl. 3721. — Ueber zeitweise Anrechte und von einer Hand in 
die andere wechselnde Einkünfte der von Kaland, von Keez und des Klosters Dargun vgl. M. 
U.-B. 5251. 6690. 6691. 6697. 

•) M. U.-B. 7673. 

•) M. U.-B. 91S4. 

*) Vgl. Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn IT, S. 64. 

•) Vgl. Kirchenakten von Hohen-Mistorf im Grossh. Archiv. 

8* 



ii6 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Raum ist nur mit einer den Formen des Dachgebälkes folgenden Holz- 
verkleidung überspannt. Im Innern ebenfalls alles neu. ^) 

Marmor- Als Aufsatz auf dem Marmor - Altar der Raphael'sche Verklärungs- 

Altar. Christus, gemalt von HELENE, Herzogin zu Mecklenburg- Strelitz, 1877. 



Bronze- 
Engel. 
Marmor- 
tafel. 



Nansen der 

gefallenen 

Krieger. 



Vor dem Altar ein Bronze -Engel mit Tanfschale. 

Auf der Südseite im Chor eine Harmortafel mit der Inschrift: 

MARIE, GROSSHERZOGIN MUTTER VON MECKLENBURG STRELITZ, 

GEB • PRINCESSIN VON HESSEN 
ERBAUTE DIESE KIRCHE IM JAHRE 1878 ZUR EHRE GOTTES UND ZUR 
ERINNERUNG AN ZWEI HEISSGELIEBTE BINNEN ZWANZIG TAGEN IHR 

ENTRISSENE KINDER 
GEORG HERZOG ZU MECKLENBURG GEST • 20 • JUNI 1876, GELIEBT 
UND VEREHRET IN ALLEN LEBENSSTELLUNGEN, BEGRÜNDER DER 
FIDEI-COMMISS- HERRSCHAFT REMPLIN, UND CAROLINE, HERZOGIN 
ZU MECKLENBURG, GEST • 1 • JUNI 1876, DEREN GANZES LEBEN NUR 
MENSCHENFREUNDLICHEN ZWECKEN GEWIDMET WAR. 

Auf der Gegenseite die Namen der 1813 — 15, 1870/71 gefallenen 
Krieger der Gemeinde. 



Gemälde. Auf der südlichen Empore drei Gemälde -Kopien: i. Kreuztragender 

Christus, gemalt 1875; 2. Johannes von Domenichino; 3. Italienischer Christuskopf. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Glocken. Im Thurm zwei Glocken, i. Grosse schöne Glocke, z. Zt. 
des Basedower Pastors JOH. VICK im Jahre 1689 gegossen von M. VItes 
Siebenbaum aus Schwerin. Die zweite hat die Inschrift: ♦ HlCCCrjCJCICiii *^ 
mdtid« Beide Glocken stammen aus der Kirche zu Alt-Panstorf, in der 
seit dem Neubau der Rempliner Kirche kein Gottesdienst mehr abgehalten wird. 

Kleinkunatwerke. i. 2. Silberner Kelch, gestiftet von JOH • VICK • 
PENSIN • 1685 REMPLIN ET LIEPEN. Werkzeichen des Güstrower Gold- 
schmiedes Joh. Frledr. Molstorf: G und I F M. Patene ohne Zeichen und Schrift. 
— 3. 4. Noch ein silberner Kelch. Malchiner Arbeit. Stempel: M und D I W. 
Dazu eine Patene. — 5. 6. Abendmahlskanne und Oblatendose, ganz neu, 
erstere vom Goldschmied BEHMEN. — 7. 8. Zwei treffliche Messing - Leuchter 
aus der Kirche zu Alt-Panstorf befinden sich im Schloss. 



*) Früher auf dem Wirthschaftshof eine einfache vierseitige Kapelle, die nach Vollendung 
der neuen Kirche abgebrochen wurde. 



GUT UND KIRCHDORF PANSTORF. 



117 




Das Gut und Kirchdorf Panstorf ) 

uf Panstorf sitzen im Jahre 13 14 die von Moltke,*) später aber die von Geschichte 



Nossentin. Im Jahre 1372 versichert Fürst Laurentius von Werle 
seinem Vasallen und Rath Marqiiard Nossentin den Besitz des höchsten Gerichts 
und Rossdienstes »in deme dorpe to Panstorpe, dat licht up deme Harte.«*) 
Doch die von Nossentin sind schon vor 1372 im Besitze Panstorfs gewesen, 
wie ein Pergamentstreifen nachweist, an welchem das Siegel zu vorgenannter 
Versicherungsurkunde gehangen hat.*) Ihre Rechtsnachfolger sind die von 
Hahn.'*) Das Kirchenpatronat und die Mühlenzufuhr in Panstorf besitzen die 
Hahn schon 1380. Als aber um 1426 Reimar von Nossentin gestorben, ge- 
langen sie in den vollständigen Besitz des Dorfes. Reimar von Nossentin 
hinterlässt nämlich drei Erbtöchter, Anna, Katharina und Czye, von denen die 
erste mit Nikolaus Hahn auf Basedow (Nikolaus V), die zweite mit Hennecke 
von Lehsten auf Wardow und die dritte mit Radeke von Kardorff auf Granzow 
und Wöpkendorf verheirathet ist. Von diesen drei Erbtöchtern und ihren 
Ehemännern ersteht Lüdecke III Hahn, Vater von Nikolaus V, das Gut mit 
allen Gerechtigkeiten, Herrlichkeiten und Gericht und erhält die landesherrliche 
Genehmigung dazu am 22. Januar 1470, sodass Panstorf nunmehr ganz in 
Hahn'schen Besitz übergeht. In diesem verbleibt es bis 1816. Im Jahre 1792 
wird der alte Hof zu Panstorf niedergerissen, und es entsteht ein neuer Hof 
an einer anderen Stelle der Feldmark. In Folge davon theilt sich das Dorf 
in Alt- und Neu-Panstorf, und Neu-Panstorf wird Pertinenz von Alt-Panstorf. 
Mit dem Rempliner Besitz gehen auch Alt- und Neu-Panstorf 1816 auf den 
Fürsten Georg Wilhelm von Schaumburg- Lippe über. Von diesem kommen sie 
1848 an den Landschaftsdirektor von Maltzahn auf Sommerstorf. 1853 kauft 
sie der Herzog Georg von Mecklenburg- Strelitz, dessen Nachkommen jetzt im 
Besitz sind. 

Die Kirche zu Panstorf steht heute noch an ihrer alten Stelle, aber todt 
und leer. Mit ihrem Chorschluss aus dem Achteck stellt sie sich als ein 
festes solides gothisches Mauerwerk aus dem XIV. Jahrhundert dar. Dazu 
stimmt es, dass wir 1366 von einem Kirchherrn »Hinric, perner to Panstorpe« 



*) Panstorf liegt 8 km westnordwesllich von Malchin. Die alte Schreibweise ist Pantacen- 
dorp. Daher ist die Ableitung KUhnels vom altslavischen patu = Weg der früheren Siemssen'schen 
von »panna = Mädchen« im M. Jahrb. VI, S. 53, vorzuziehen. >Dorf des Patak«, wie Kühnel 
im M. Jahrb. übersetzt, würde deutsch soviel heissen wie > Wegestorf < oder »Strassen«. 

«) M. U.-B. 3721. 

») M. U.-B. 10348. 

*) M. U.-B. 10250, Anmkg. 

') Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn IlT, S. 23 ff. 



des 
Dorfes. 



Kirche. 



Il8 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

hören.*) Ihr hoher schlanker mit Schindeln gedeckter Thurm ziert weithin die 
Gegend. Schon 1811 wurden ihr die Glocken genommen. Der Charakter 
einer Mater vagans, den sie hatte, wurde 1879 auf die neu erbaute Kirche in 
Remplin übertragen. An diese wurde auch die Panstorfer Gemeinde (die aus 
den Dörfern Panstorf und Wendischhagen bestand) gewiesen. Also mit 
Remplin zugleich nach Hohen -Mistorf, wohin Panstorf schon einmal zeitweise, 
nämlich vom dreissigjährigen Kriege her bis zum Jahre 1662, gehört hatte. 
Dieser Uebergang im Jahre 1879 bedeutete zugleich einen Wechsel aus der 
Präpositur Malchin hinüber zur Präpositur Neukaien. 

In alter Zeit hatte die Panstorfer Kirche ihren eigenen Pastor. Der 
letzte war Johannes Kiselius, den die Noth des dreissigjährigen Krieges vertrieb.*) 
1648 ist das Dorf menschenleer.*) Sobald sich nachher wieder Menschen 
anfinden, ist es die Kirche zu Hohen -Mistorf, die sie bei sich aufnimmt. 
Das dauert bis 1662. Mit diesem Jahr geht die Panstorfer Kirche zur Kirche 
in Basedow über. In Folge davon nennen sich für die nächste Zeit die 
Pastoren in Basedow Pastoren zu Basedow und Panstorf, so z. B. noch Christian 
Alard (1690 — 17 13). 1713 gewährt Herzog Friedrich Wilhelm dem Oberst 
Levin Ludwig von Hahn auf Remplin die Bitte, Panstorf mit Remplin zu- 
sammen zu Basedow legen zu dürfen (s. Remplin). Aber der Superintendent 
wahrt die Rechte des Pastors in Hohen- Mistorf, und später nennt sich der 
dortige Pastor wieder Pastor zu Hohen -Mistorf und Panstorf: so z. B. Giesen- 
hagen im Inventar von 181 1. Seit 1879 aber, nach Uebertragung der Rechte 
der Panstorfer Mater vagans auf Remplin, heisst der Pastor zu Hohen-Mistorf 
Pastor zu Hohen-Mistorf und Remplin. 



Das Gut und Kirchdorf Basedow/) 

Geschichte HHjie Geschichte des Gutes Basedow im Lande Circipanien beginnt mit der 
des Einverleibung seiner Kirche am 14. Januar 1247 durch den Bischof 

Dorfes. Wilhelm von Kammin in die Malchiner Kirche, indem er sie dieser als Tochter- 
kirche zuweist. Zugleich bestätigt er ihren Ackerbesitz, der in zwei Hufen zu 
Basedow und in ebensoviel Hufen zu Liepen besteht, setzt ihren Pfarrsprengel 
fest, der ausser Basedow fünf Dörfer umfasst (die noch bestehenden Gessin, 
Liepen und Sagel, sowie die untergegangenen Gutisdorp und Nykasiusdorp) 
und genehmigt die Schenkung der Einkünfte von einer Hufe in Basedow an 
den Pleban auf Lebenszeit durch den Theodoricus Luch, der damals als 



^) M. U.-B. 9449. 

') Die Namen von früheren Pastoren haben wir nicht ermittelt, ausgenommen den vor- 
genannten einzigen aus dem Mittelalter. 

•) Groth, M. Jahrb. VI, S. 136. 

*) 8 km südsUdwestlich von Malchin. Nach Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 23, = »Ort 
des Bazda«. Vgl. Bastorf. 



GUT UND KIRCHDORF BASEDOW. Up 

wcriescher Vasall auf Basedow sitzt.') Wie lange diese dem Lande Pommern 
und Mecklenburg angehörende alte Adelsfamilie hier und sonst in der Um- 
gegend ansässig gewesen ist, ist nicht bekannt.*) Als Rechtsnachfolger der 
Luch erscheint das schon 1287 auf den Gütern Lupendorf und Schlakendorf 

nachzuweisende 
Geschlecht der 
Hahn (Gallus) 
vom Jahre 1337 
an. Nämlich am 

3. Mai dieses 
Jahres giebt Fürst 
Johann III. von 
Werle-Goldberg 
den Brüdern 
Nikolaus, Eck- 
hard, Matthias 
und Nikolaus 
Hahn die Güter 
Basedow, G essin 
und Liepen zu 
erblichem Lehn. 
Mit dem Erwerb 
dieser drei Dörfer 
aber, besonders 
dem von Base- 
dow, beginnt die 

Blütlie des 
Hahn'schen Ge- 
schlechts, welches 
diese Güter bis 
auf den heutigen 
Tag festgehalten 
Kirche zu Basedow. hat. ^) 

Namen mittelalterlicher Plebane sind nicht überliefert. Das Register 
des M, Jahrb. tiihrt freilich irrthümlich den Ritter Theodoricus Luch als Base- 
dower Pleban auf, aber den müssen wir abweisen. Dagegen ist der in einer 
Urkunde am 1. April 1481 als Zeuge genannte >her Johan Tessen, der Haren 
vicarius to Bazedouwe« nicht zu übersehen. Erst die evangelische Zeit hebt 
') M. L',-B. 589. Vgl. die Bestätigung durch den Fürsten Nikolaus von Werle am 11, Juli 
1196: M, U.-B. 3404. 

») Die letite ihres Geschlechts war Liburg Loch, die mit Ewald von Kampti (■}■ vor 1506) 
tnmlhlt war: Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn I, S. 91. 

•) M. U.-B, 1896. 1906. S764- Zur weiteren Geschichte von Basedow sind lu vergleichen 
b Urkunden 7009. 7489. 9449. 11004. Besonders aber das vierbSndige Werk von Lisch, Gesch. 
LGeschl. Hahn (Schwerin, StUler'scbe Hofbuchhandlung, 1844—1856). 



I20 AMTSGERICUTSBEZIKK MALCHIN. 

mit einer vollständigeren Reihe an. Um 1587 wird Stephan Holste genannt. 
Wahrscheinlich war er schon 1577 da, denn er gehört in diesem Jahre zu 
jenen Pastoren im Amte Stavenhagen, welche die Konkordienformel unter- 
schreiben.') Um 1610 giebt es eine Vakanz durch Tod. Herzog Karl 
empfiehlt den Herren von Hahn als Patronen der Kirche den Christian Koppen 
(Coppius) aus Mirow als guten Prädikanten. Ob er Pastor wird, ist aus den 
uns zu Gebote stehenden Akten nicht zu ersehen, aber wahrscheinlich ist es. 



Blick auf die Uigcl-Empore. 

1645 wird Johann Adam Müller berufen, aber erst 1648 introduciert. Es 
folgen: 1664 Joachim Heinrich Fabriciiis, 1687 Joh. Lorenz Müller, 1690 
Christian Alard, 1713 Joach. Rudolph Vick, 1753 (vielleicht schon etwas früher} 
Joh. Samuel Martini, und 1783 Matthias Georg Christoph Wüstney (f 1822). 
Vgl. Walter a. a. O. 

Kirche. Die der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts angehörende 
Kirche hat einen den Zeiten des Uebcrganges vom romanischen zum golhischen 
Stil entsprechenden platt abscliliessenden Chor, der bis nahe unter das Dach 
aus Granitfindlingen mit quadrierten Kalkfugen aufgeführt ist. Das Schiff 
dagegen ist ein Ziegelbau derselben Zeit, in welchem der wendische Verband 
vorherrscht. Die Giebel beider, des Schiffes wie des Chors, der für diesen 

') Schröder, evang. Meckl. III, S. 319. 



AlUraa^tz der 



GUT UND KIRCHDORF BASEDOW. 



121 



Theil ebenfalls der Backstein -Ziegel nicht entbehren kann, sind mit Blenden 
geschmückt. Ob der ältere Bau der Kirche schon im XV. Jahrhundert durch 
Lüdeke (III) Hahn, den bekannten thatkräftigen Vertrauensmann der Herzöge 
und eifrigen Erbauer von P*estungen und Thürmen im Lande, eine Um- 
gestaltung in golhischem Sinne erfuhr, wie Lisch (a. a. O. III, S. 45) meint, 
müssen wir dahingestellt sein lassen. Sämmtliche Fenster sind heute dreitheilig 
und spitzbogig geschlossen. Sie stammen in ihrer jetzigen Ge.staltung aus 
neuerer Zeit, nämlich aus den Jahren 1855 bis 57. Ebenso hat der Thurm 
bei dieser Gelegenheit in seinem oberen Theil eine völlig neue Gestalt erhalten. 
Als Neuerungen sind übrigens auch die Aufsätze auf den Giebeln von Schiff 
und Chor in der Mitte und an den Seiten ins Auge zu fassen. 

Im Innern ist der Chor mit einem, das Langhaus mit drei niedrigen 
gerippten Kreuzgewölben geschlossen. Steiler erscheint das Gewölbe im Chor, 

flacher gespannt sind die im 
Schiff und anscheinend auch 
jünger als jenes, alle mit ein- 
ander aber mit jener hand- 
werksmässigen Unbeholfenheit 
ausgeführt, wie sie sich in zahl- 
reichen Kirchen des Mittel- 
alters zeigt. 

An der Südseite des Chors 
eine neuere Sakristei gothischen 
Stils; an der Südseite des 
Mittelschiffes, vor dem Haupt- 
eingang, eine kleine Vorhalle, 
die ebenfalls neu ist. An der 
Nordseite des Chors dagegen 
eine grosse Kapelle als Erb- 

begräbniss für die gräfliche Familie vom Ende der fünfziger Jahre des XIX. 

Jahrhunderts. 

Der Altaranfsatz ist ein reiches Werk der Renais.sance des XVI. Jahr- 
hunderts aus bestem Sandstein und mit vielen Relief- Einlagen aus weissem 
Marmor. Die Abbildung, welche wir hier geben, überhebt uns einer ein- 
gehenderen Beschreibung, Das Abendmahl hat den Hauptplatz erhalten. Auch 
erscheinen die Einsetzungsworte des Abendmahls als Haupt -Inschrift des Altar- 
werkes. Darunter, in der Basis, der Gebetskampf in Gethsemane. Seitlich vom 
Abendmahl die Kreuzigung und die Auferstehung, im oberen Theil aber die 
Himmelfahrt. Als Einfassung der drei Hauptbildwerke in der Mitte dienen die 
Statuen der vier Evangelisten. Unter dem Bilde der Himmelfahrt die Verse der 
Apostelgeschichte I, 9 — 11. Ueber dem Abendmahl: CHRISTUS IST UMB 
UNSER SUDE WILLEN IN DE TODT GEGEBEN UNDT UMB UNSER GERECH- 
TIGKEIT WILLEN AUFERSTANDEN. Ueber dem Gebet in Gethsemane: WACHET 





ProzejiMons -Stangen. 



Altar- 
aufsatz. 



122 AMTSGERlCltTSliEZlKK MALCHIN. 

UND BETET, DAS IHR NICHT IN ANFECHTUNG FALLET* MEIN VATER ISTS 
NICHT MVQLICH. DAS DIESER KELICH VAN MIHR GEHE ICH TR(etC.). Links 
und rechts neben der Kreuzigung: DIS SEIN DES EDLEN UNDT EHRENVESTEN 
WERNER HANEN UNOT SEINER VIELTUGENTSAME LIEBE HAUSFRAUWE 
ANNA VAN DER LUHE SELIGER ACHT AHNEN. - DIS SEIN DES EDLEN UNDT 
EHRENVESTEN CHUNE HANEN SELIGER UNDT SEINER VIELTUGENTSAME 
LIEBE HAUSFRAUWE SOPHIA VÄ DER SCHULENBURGK AUCH SELIGER ACHT 
AHNEN. Darüber je acht Wappen. 
In der Bekrönung dieses Flügels: 

NON HANG EFFIGIEM CHRISTI 
SED CHRISTVM ADORA 

AD DEXTRAM PATRIS QVI SINE 
FINE REGIT. 

Links und rechts neben der Auf- 
erstehung im rechten Seitenstück 

die Inschriften: DIS SEIN DES 
EDLEN UNDT EHRENVESTEN 

JOACHIM HANEN CHRISTOFFER 

SELIGER SOHNS UNDT SEINER 

VIELTUGENTSAME LIEBE HAUS- 

FRAUW DOROTEAQO) • GEBORN 

VAN POTLITZ ACHT AHNEN. — 
DIS SEIN DES EDLEN UND 
EHRENVESTEN HANS HANEN, 

WERNERS SOHNS, UNDT SEI- 
NER VIELTUGENTSAME LIEBE 

HAUSFRAUW JLSE VAN ARNIM 

ACHT AHNEN. Dazu die schon 

bei Bristow vorgekommenen Sigla 

der Sinnsprüche: G • W • Z • B. 

G<B*M>S>IS92 IM MAIO • M. 

In der Bekrönung dieser Seite 

die Worte: Ta.rbehaiter. 

PARTA TIBI ILLIVS VERE VERISSIMA PROBRIS 
GLORIA SVNT CHRISTI VVLNERA VITA TIBI.') 

Kanzel. Die Kanzel hat südlich an der Ecke vom Chor und Schiff ihren Platz. 

Krucifixus. Darüber der alte Triampbbogen-KruciGxus mit Maria und Johannes. 

Orgel. Die Orgel - Empore ist ein reiches Renaissance - Schnitzwerk des XVI. 

Jahrhunderts. Der Orgel-Prospekt selber aber mit seinen Risaliten ist hundert 
Jahre jünger und stammt aus dem Jahre 1680. Die Inschrift lautet: 

') Ueber den Altar vgl. Lisch, Gescbl. Hahn HI. S, 139—341, Als Sinnspruche der Siglen 
schlißt Grotefend mr: >Gott wende'» lum Besten« und »Gott bewahre meine Sinne>. 



GUT UND KIKCHDORF BASEDOW, I23 

ORGANA DECANTANT CHRISTO LAUDESQUE DECUSQUE» 

ET RECREANT VARIIS PECTORA NOSTRA SONIS. 

ANNO CHRISTI 1680 FRID • HAHN*') 

In der Sakristei ein aus Holz geschnitzter Johannes Baptiita, auch zwei Schniu- 
Prozessions - Staogen mit Engeln. werke. 

Im Chor steht ein achtseitiger hölzerner Taufbehältcr, der nicht mehr Tauf- 
gebraucht wird. In seinen acht Füllungen Apostelbilder, auf den acht drei- behälter. 

seitigen 
Deckelflächen 
die Bilder der 
Evangelisten, 
des Heilandes 
und des Jo- 
hannes Bap- 
tista, ausser- 
dem das 
HAHN'sche 
und LOHE- 
sche Wappen. 
* Im Innern eine 



MessingschUssel. 



Hesaing- Messig- 

schfluel mit schüssel. 
den schon oft 
erwähnten viel- 

gedcutetcn 
Legenden. 

Epitaphien. Epitaphien. 
An der Nord- 
seite des Chors 
ein Epi- 
taphium, das die ganze Wand einnimmt und wie der Altar aus feinem Sand- 
stein mit Einlagen von Marmor hergestellt ist. Es ist dem Eltempaare Werner 
Hahn und seiner Anna von der LUbe gewidmet von ihrem Sohn HANS HAHN. 
In der Mitte drei fast lebensgrosse knieende Gestalten und hinter ihnen der 
Sohn; beiden gegenüber die Gattin und Mutter. In der Mitte ein Marmor- 
Relief: Christus mit der Siegesfahne tritt den Drachen zu Boden. Das Relief 
wird in acht kleinen Gruppen von den Marterwerkzeugen Christi umgeben, 

') Beide, Kanzel ond Orgel, sind Stiftungen des Geh. Roths Fricdr. Hahn, der lum KaCholi- 
äsani flbertrat, aber nichtsdestoweniger die väterliche Kirche nach wie vor mit Gaben bedachte: 
Liich. GeschL Hahn HI, S. 360. Ueber eine Reparatur der Orgel im XIX. Jahrhundert 5. Lisch, 
i. ». O. IV, S. 304. 



124 AMTSGIildCHTKlIKZIKK MALCHIN. 

In der Bekrönung des Werkes mehrere allegorische Gestalten, in der Mitte die 
Caritas {nicht die hl. Marial) u. s. w. Ausser verschiedenen Bibelsprüchen auch 
eine lange 

Inschrift mit 

der Lebens- 
geschichte des 
Ehepaares und 

der Angabe, 
dass der Sohn 

HANS HAHN 
seinen Eltern 
dies Epi- 
taphium im 

Jahre 1594 

habe setzen 
lassen. ') 

An der 
Nord Seite des 
Langhauses, 
in der mitt- 
leren Fenster- 
nische , und 
fast das ganze 
Fenster ver- 
deckend, ein 
zweites Epi- 
taphium. 
Oben als Relief 
eine Dar- 
stellung der 
Auferstehung 
und in der 

Mitte die 
Kreuzigung. 
Vor dieser 
fiinf freie 
plastische Ge- 
stalten, welche 

knieen; links Schulenburg . Hahn'sches Epitaph. 

Bern dt von 
der Schulcnburgk, rechts seine Ehefrau Anna Hahn, dazwischen drei Kinder, 
Levin, Gudel und Ilse von der Schulenbnrgk. Zu jeder Seite sechzehn 

') Lisch, Gcschl. Hnhn lU, S. 241—243. Vgl. Grabsloine. 



GUT VSD KIRCHDORF BASEDOW. 125 

Ahnenwappen. Nach der Inschrift am Fuss ist dies Epitaphium von BERNDT 
VON DER SCHULENBURGK seiner am 9. Januar \$8g im 27. Lebensjahre ent- 
schlafenen Eherrau in demselben Jahre gestiftet.') 

An der westlichen Ecke der Nordwand, das ganxe Fenster verdockend, 
em dem Kuno Hahn und seinen beiden Frauen gewidmetes drittes Epitaphium. 
Im Aufsatz, die Mitte des ganzen Werkes 
einnehmend, die liegende Statue der ersten 
Gemahlin Kuno's, Gödel von Maltzan. 
Unten nebeneinander die gleichfalls liegen- 
den Gestalten Kuno's und seiner zweiten 
Gemahlin, der Sophie von der Schulcn- 
burg. Ausserdem sind die zweiunditwanzig 
Kinder Kuno's (acht Söhne und vierzehn 
Töchter) aus beiden Ehen in kleineren 
Figuren kntecnd und betend dargcstelli. 
Zu beachten ist auch die Anordntmg der 
Ahnentafeln. 

Rechts und links und über den Figuren 
verschiedene Bibelsprüche. Unter der Ge- 
stalt der Goedel von Maltzan die Inschrid: 
ANNO 1575 DEN TREITAGK VOR LETARE 
IST DIE EDLE UND VIEL TUGENTSAME 
GUEDEL MOLTZAN IM HEREN ENT- 
SCHLAFFEN, NACHDEM SIE VIER SOHNE 
UND ZEHEN TOCHTER GEZEUGET HATTE, 
DER SEHLE GOT GNADE* Unter den 
beiden unteren Bildsäulen : ANNO 1590 
DEN 21 • JANUARII IST DER EDLE UND 
EHRENVESTE CUNO HANE ERBGESESSEN 
ZV BASEDOW UND LIREN, INHABER DES 
HAUSES SEHEBURGK ZUR LIREN IN 
GOTT DEM HERREN SALICH ENTSCHLAF- 
FEN • GOTT VORLEIHE IHM EINE FROV- 
LICHE AUFERSTEHUNG. UND ANN0159t. 
DEN 21 • OCTOBRIS IST SEINE LIEBE 
Ep.,=ph des Kuno llnhn. HAUSFROVIfE DIE EDLE UND VIEL TU- 

GENTSAME SOPHIE VON DER SCHULENBURGK ZU SEHEBURGK IN WAH- 
RER ERKENTNIS CHRISTI SANFT IM HERREN ENTSCHLAFEN UND ALDAHR 
CHRISTLICH ZUR ERDEN BESTEDIGET. HAT IHM EHESTAND VIER SOHNE 
UND VIER TOCHTER GEZEUGET • S • G • G* Ganz unten steht: ANNO 1593.') 
An der Nordseite, zwischen Chor und Schiff, und am Triumphbogen 
(jetzt innerhalb des herrschaftlichen Chors), ein kleines Epitaphium des Paris (I) 

') J,isch, Gci^elil. Hahn IV, S. 19. 35—37. S. 11. tiralisleine. 

•) Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn IV, S. 20 und 21. Vyl. Grabsteine. 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Epitaph des Paris (I) Hahn und seioes Sohnes Paris (11). 

Hahn (f 1565) und seines Sohnes Paris (II, -i- 1587). Im Mittelstück der 
Gekreuzigte. Zu seinen Füssen knieend Vater und Sohn. Daneben die 



GUT UND KIRCHDORF BASEDOW. 127 

Ahnenwappen. Unter den Figuren der Spruch aus Jesaias LIII: DER HERR 
WARF UNSER ALLER SUNDE AUFF IHN. Rechts die Inschrift: PARYS HAN 
DER ELTER DES JUNGEN VATER, links: PARYS HANE DER JUNGER DES 
ALTEN SOHN. Als Unterschrift eine lange Inschrift, aus der hervorgeht, dass 
CATARINA VON BOLOW ihrem nach zweijähriger Ehe gestorbenen Gemahl und 
ihrem 1587 im Alter von zweiund- 
zwanzig Jahren durch einen Unglücks- 
fall ums Leben gekommenen Sohne 
dies Epitaphium habe setzen lassen.') 
lu einer Fensternische der Nord- 
wand, nach dem Chor zu, ein fünftes, 
zum Theil durch eine Empore ver- 
decktes Epitaphium, das des 1651 
gestorbenen Landraths und Erbland- 
marschalls Clani Hahn. Im Mittel- 
felde der gekreuzigte Christus, neben 
ihm die knieende und zu ihm auf- 
schauende Gestalt des Verstorbenen. 
Das Epitaphium ist halb durch 
die herrschaftliche Empore verdeckt. 
Unten eine lange Inschrift, aus der 
hervorgeht, dass der Sohn CHRISTIAN 
FRIEDRICH HAHN und der Enkel 
WEDIGE CHRISTIAN HAHN dies Epi- 
taphium haben setzen lassen.') 

Grabsteine. An der Südwand Grabsteine, 
des Chors ein Grabstein vom Ende 
des XVI. Jahrhunderts. Im Felde 
eine betende Frau mit der Ueber- 
schrift zu Häupten: CHRISTI STER- 
BEN IST MEIN EWIGES LEBEN. 
Die Umschrift ist unleserlich. Eben- 
daselbst ein zweiter Stein, der einen 
betenden Ritter darstellt. Umschrift: 
Grabstein des Rone Hahn. ANNO 1590 DEN 21 • JANVARII IST 

DER EDLER VND ERNVESTER KONE 

HAHN ERBGESESSEN ZV BASEDOV VND M(uggenburg) GOTSEL ') 

An der Südwand des Schiffes, der Kanzel zunächst, ein grosser Stein mit 

') IJsch, Ceschl. Hahn IV, S. 28. 41. 

*] T)em Valer geteilt von dem Sohne, dem zum KaChoIicismus Übergetretenen Geh. Rath 
Friedrich Hahn (1624— 1701): tjsch, Ceschl. Hahn IH , S. 338—361, besonders S. 360. Das 
Itenkmal wurde erst nach dem Tode des Siteren Stifters vollendet und ist daher mit 1702 datiert. 

'; Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn IV, S. ao (Kuno 1, S. ä— i2). S. o. Epitaphien. 



AMTSGERICHTSBEZI KK MALCHIN. 



GUT UND K.IRCHDORF BASEDOW. 129 

dem Bilde eines Mannes und einer Frau und einer nur theilweise zu lesenden 
Inschrift. Es ist der des JOACHIM HANE [f 1600) und seiner Gemahlin, der 
LUCIE FINEKE (f vor 1619).') Ebendaselbst ein Stein mit dem Bilde einer 
betenden Frau. Inschrift: ANNO 1589 DEN 9 • JANUARri IST DIE EDLE VND 

TVGENTSAME ANNA MA- 
NEN, DES EDLEN VNDT 
EflENVESTEN BERNDT 
VAN DER SCHVLEN- 
BVRGK EHELICHE HAVS- 
FRAW IN GODT SELICH. 
LICHEN ENTSCHLAFFEN, 
DER SEHLEN GODTGNE 
DIGK VNDT BARMHERT- 
ZIGK SEI.«) An demselben 
Ort noch ein Stein mit 
dem Bilde eines Mannes 
und einer Frau. Die In- 
schrift ist jeut nicht mehr 
genau zu entziffern. Nach 
einer Abschrift aus dem 
Jahre 1 8 1 6 lautete sie : 
ANNO {1598 DEN 15* 
FEBR • IST DER] EDLER 

[GE]STRENG[ER] UND 
EHRENVESTER JOACHIM 

HAN CHRISTOPHERS 
SEL [SOHN IN GOTT SE- 
LIG ENTSCHLAFEN] 
UNDT DE[N 15 MAJRTI . . 
ALHIER BEGRABEN • 

ANNO DEN 

IST DIE EDLE UND 

WOHLGEBORN DORO- 

TEA VON PUTLITZ IN 
GODT SELICH ENT- 
SCHLAFFEN UND ALHIE BEGRABEN. Sterbejahr und Tag sind nicht aus- 
gefiilll.') — Die vier erstgenannten Grabsteine lagen bis vor wenigen Jahren 
im Chor der Kirche, der letztgenannte in der nordwestlichen Ecke des Schiffes. 

Unten im Thurm der Kirche ist eine Reihe minderwerthiger, im Zurück- 
Renaissancestil auf Holz gemalter Bilder aus dem Jahre 1704 aufgestellt, die gestellte 
. Bilder im 

■) Lisch, Gcschl. Hahn III, S. 198— aoi. Thumi. 

*) Lisch, Geschl. Hahn IV, S, 19. 35—37- Vgl. o. Epilaphien. 

', Li=.cl.. Geschl. ILihn III. S. 301—305. 



130 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

früher an der Südseite des Schiffes ihren Platz hatten. Je ein oberes und das 
darunter befindliche Bild gehören zusammen, und zu je zwei Bildern gehören 
immer drei Inschriften. Man sieht die Sündfluth und die Taufe des Kämmerers 
durch Philippus, den Sündenfall und Christi Geisselung, Christi Geburt und 
Christi Grablegung u. s. w. Im Ganzen sind es zwanzig Bilder. 

Glocken. Im Thurm zwei Glocken, die im Jahre 1843 von C. Illies in Waren 

gegossen sind. Gestiftet sind sie von FRIEDRICH GRAF HAHN und AGNES 
GRÄFIN HAHN, geb. GRAFIN SCHLIPPENBACH. 

Das Inventar von 181 1 enthält folgende Notiz: »In dem von Mauer- 
steinen massiv aufgeführten Thurm sind ausser der zur Kirchenuhr gehörigen 
kleinen Glocke gar keine Glocken vorhanden, weil die ganze ehemals schöne 
Thurmspitze von der Kuppel an bis zu dem Gemäuer den 29. September 1766 
nebst allen Pfarrgebäuden abgebrannt ist, die Glocken zusammengeschmolzen 
und grösstentheils, bis auf einen vor zwei Jahren verkauften Ueberrest, verbrannt 
sind.« Auf dem Kirchhofe war damals eine kleine Glocke von 17 13. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke. i. 2. Grosser Kelch in klassicierendem Stil, vom 

werke. Malchiner Goldschmied Harck, ebenso die Patene. — 34. Kleiner silber- 
vergoldeter Kelch auf rundem Fuss, mit einem aufgenieteten plastischen 
Krucifixus als Signaculum. Der ausladende Knauf mit Falten erinnert an 
spätromanische F'ormen. Keine Werkzeichen, auch nicht an der Patene. — 
5. 6. Kanne und Oblatendose, neu, von 1847, letztgenannte aus einer älteren 
umgearbeitet vom Malchiner Goldschmied F. LIppold. Die Kanne ist von 
FRIEDRICH GRAF HAHN und AGNES GRAFIN HAHN, geb. GRAFIN SCHLIPPEN- 
BACH, gestiftet.*) — 7. Messingenes Taufbecken von 1669 mit der Angabe, 
dass es der ehemaligen Kirche zu Wargentin gehört hat. 



Schloss zu R\^as zur Geschichte des Schlosses beigebracht werden kann, ist nicht viel, 
Basedow. IMfll immerhin aber mehr als bei allen anderen alten Adelssitzen unseres 
Landes. Es ist das dem trefflichen Familien -Archiv in Basedow zu danken, 
für welches von jeher in besonderer Weise Sorge getragen worden ist. Nach- 
dem es Jahrhunderte lang, schon vom Mittelalter her, inmitten des alten Baues 
einen eigenen gewölbten Raum eingenommen hatte, wurde im XIX. Jahrhundert 
ein besonderer, freistehender steinerner Gewölbebau neben dem Sekretariat dafür 
aufgeführt, in welchem alle archivalischen Dokumente jetzt wohlbewahrt ruhen.*) 
Den Anfang zu einem festen Bau in Basedow hat, wie Lisch glaubt 
vermuthen zu dürfen, schon jener Nikolaus Hahn gemacht, welcher am 
I. April 1352 mit Bristow belehnt wurde. Indessen muss es dahin gestellt 
bleiben, ob diesem Bau jene Ruinen angehören, die heute hinter dem Schloss 
im Garten gefunden werden, aber mit vielen neueren Zuthaten versehen sind.*) 

*) Siehe Glocken. 

') Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn II, S. 5. 

•) Lisch, a. a. O. II, S. 48: »Ohne Zweifel unternahm er die erste Anlage des Schlosses 
zu Basedow, von dem noch über und unter der Erde kräftige Ruinen vorhanden sindc. 



GUT UND KIRCHDORF BASEDOW. I3I 

Gewiss freilich ist, dass sich in den unzweifelhaft alten Theilen dieser Ruinen 
die der gothischen Zeit angehörenden Ziegelverbandsweisen finden, die wendische 



Aller Theil des Schlosses Rasedow (Hinterseitc). 

wie die polnische. Klarer tritt der feste Bau des Mittelalters aus einer Urkunde 
vom 4. September 1467 und deren Anhängsel aus dem Jahre 1473 hervor, 
worin sich Oheim LUdeke und sein Neffe Hans über das Schloss zu Basedow 



t32 AMTSGliklCHTSBEZlRK MALCHIN. 

vertragen, und woraus man ersieht, dass besonders Liideke es war, der viele 
Kosten an den Bau gewandt halte. Liideke soll die eigentliche Obhut über 
das Schloss, Hans aber seine Wohnung darin haben, und jeder die Hälfte des 
Hoffeldes (lir sich benutzen. Während der Vormundschaft über Hans hatte 
Liideke den Hauptthurm, die Mauern, die Gräben, die Vorbui^ und die Bau- 
höfe von Grund aus neu gebaut. Er verzichtet nun im Uebrigen auf einen 
Ersatz von seinem Neffen, doch soll diesem sein Antheil an dem Hauptthor- 



Aeltere Ttieile des Schlosses Basedow (Vorderseite). 

gebäude (dem obersten Thor) mit 250 Mark Liibisch angerechnet werden und 
das Gebäude selbst dafür als Pfand in Lüdekes Hand bleiben. Gemeinschaftlich 
soll beiden das Gewölbe für die Armbrüste, Pfeile, Büchsen, lür Pulver und 
Briefe (Urkunden) gehören, doch soll jeder daneben ein Gewölbe (ur sich 
besitzen. Ferner soll das Thor vor der Vorburg als Pfand fiir 100 Mark 
Lübisch zu Ludeke's Verfügung stehen, mit dem Thor auch die beiden Thürme 
auf der Vorburg, die er auf eigene Kosten hat bauen lassen.') 

Dieser Lüdekc ist derselbe, den wir in der Geschichte der Stadt Plau 
als Vertrauensmann der mecklenburgischen Herzöge kennen gelernt haben, der 
') Lisch, fl. a. O. II, Urk., S. 136—14? (Nr. 246). 



GUT UND KIRCHDORF BASEDOW. I33 

gut zwanzig Jahre früher als landesherrlicher Vogt die Bui^ in Flau befestigt, 
die Lenzburg an' der Eide erbaut, mit starker Hand dem wilden Raubwesen 
jener Zeiten entgegentritt und mit seiner Gattin Jutta Preen die letzte Ruhe- 
stätte in der Klosterkirche zu Dargun ündet.') 

Nach Lüdeke's Zeit hören wir erst im Jahre 15 13 wieder von einem 
Neubau, den der Landrath Joachim Hahn auf dem Schlosshofe zu Basedow 
errichtet, und zu dem ihm der Herzog Heinrich und dessen Gemahlin Helena 
am 15. Juni desselben Jahres (zehn Tage nach seiner Vermählung) zwei gemalte 



AusgraboDgen im Schlossguten m Basedow. 

Fenster verehren. Joachim Hahn hat sich seines »neuen Hauses* noch über 
die Mitte des XVI. Jahrhunderts hinaus erfreuen können. >Dies ist (sagt Lisch 
im Jahre 1855), nachdem die mittelalterlichen Gebäude bis auf geringe Reste 
nach und nach abgebrochen sind, ohne Zweifel der noch vorhandene ältere 
Theil des Schlosses Basedow, welcher in der Mitte steht und sich im 
rechten Winkel an den neuesten (im Jahre 1891 durch Brand zerstörten) Bau 
anlehnt.« Zugleich hält Lisch auch den an diesen Theil angesetzten Thurm mit 
der Jahreszahl 1552 fiir einen Bau Joachim 's und seiner Gemahlin, welche die 



■) M. Kunst- und Gesch.-Denkm. IV, S. 581. SS2. I, S. 54S (567). Lisch, 



134 AMTSGERICHTSBEZIBK MALCHIN. 

Siglen ihrer unbekannten Sinnsprüche hinzugeliigt haben.') Sie stehen gleich 
oberhalb der Eingangsthiir in diesen Thurm. Auch nach der Gartenseite hin 
kommt von diesem älteren Theil des Schlosses aus dem XVI. Jahrhundert 
noch ein ansehnliches Stück zur Erscheinung. Vor allen Dingen ist hier ein 
alter Giebel mit angesetztem Treppenthurm zu beachten, der von unten her 
vierseitig emporsteigt und sich oben in ein Rund umsetzt. Auch ist im an- 
stossenden Giebel selbst noch der Kern des alten Mauerwerks deutlich zu er- 
kennen. Alles Andere auf dieser Seite ist im Sinne der alten Formen erneuert. 



Schloss Bmedovr lur Zeit der Stuler'schen Umbauten. 

Der nächste grössere Neubau findet unter dem ersten Grafen Fried- 
rich II im Anfange des XIX. Jahrhunderts statt. Er lässt den alten Flügel 
rechts am Aufgange abbrechen und einen neuen Bau mit einem hohen 
Thurm aufführen. »Dieser Flügel (sagt Lisch im Jahre 1856) ist gegenwärtig 
das herrschaftliche Wohngebäude und unter dem jetzigen Grafen durch den 
Geheimen Oberbaurath Stiller aus Berlin, welcher auch alle anderen neuen 
Gebäude in Basedow aufgeführt hat, erhöhet und geschmackvoll ausgebauet 
und eingerichtet.«*) 

Aber auch von diesem alten Flügel steht heute nur noch der untere 
Theil des Thurmes. Am 12. Januar 1891 brannte der ganze Bau gründlich 

■} Lisch, a. B. O. III, S. 143. 
^ Lisch, ». ft. O. IV, S. 304. 



GUT UND KIRCHDORF BASEDOW. 135 

nieder, nur die Umfassungsmauern blieben stehen. Dagegen konnte das grosse 
Thorgebäude gerettet werden. Es ist daher heute der einzige Theil jener am 
Ende der dreissiger Jahre des XIX. Jahrhunderts ausgeführten Bauten, in denen 
sich der klassicierende und nach englischer Art zugleich gothisierende Geschmack 
der Stüler'schen Periode offenbart. An die Stelle des niedergebrannten grossen 
Flügels zur Rechten erhebt sich jetzt ein seit dem Jahre 1891 unter der 
Leitung des Architekten Professor Dr. Haupt entstandener Prachtbau im 



Schloss Basedow, wie es jetzt ist (von der Gartenseite). 

Geschmack nordischer Renaissance, als deren glänzendste Leistung sich das 
grosse Portal im Innern des Hofes darstellt. Den herrlichen Bau schmückt 
die Inschrift: 

FRIDERICVS • FRANCISCVS • COMES • HAHN • ET • THERESA • COMI- 
TISSA • HENCKEL- DONNERSMARCK • HANG . DOMVM • ET • TVRRES* 
IGNE • CONSVMPTAS • E • CINERE • IN • NOWM > SPLENDOREM . 
MAIORVM • RITV • ERIGI • IVSSERVNT.') 

') V&'- auch die Abbildung des früheren Schlosses vor 1S91 bei Lisch und Wedemeyer, 
Albmn meckl. Schlösser nnd Landgüter, Heft i und z. Ebendon Text dazu. 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Das Gut Paulenrost 



Gut B^^^'* Kilometer sudöstlich von Basedow liegt das Hahn'sche Schloss Faulen- 

Faulenrost. ^21 ^ost. Einst, vom XIII. bis zum XV. Jahrhundert, als Villa Rostok. 

Villa Rozstock, Völen Rozstok, Vulenrosteke, Vulrostke, Vulenrostke im Besitz 



Schloss P'autenrost. 

der alten Adelsfamilie Rostock (nachher Rostkc) geht das Gut am i. November 
1494 an den Ritter Klaus Hahn zu Basedow über und ist seitdem in dessen 
Familie verblieben. Seit dem Ende des XVII. Jahrhunderts ist der Name 
Faulenrost üblich geworden. Das stattliche Schloss mit seinen Nebengebäuden 
ist ein im französischen Stil des XVIII. Jahrhunderts erdachter und ausgeführter 
Bau von sehr ansehnlichen Verhältnissen, den der durch sein tragisches Geschick 
bekannt gewordene Klaus Ludwig Hahn im Jahre 1760 errichten und mit 
entsprechenden ausgedehnten Parkanlagen versehen Hess.') Ueber die frühere 
Kapelle in Faulenrost s. Rittermannshagen, S. 146. 

■) Lisch und Wedemejer, a. b. O., Ueft S~I2, S. 68. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF GESSIN. 



137 




Geschichte 

des 

Dorfes. 



Kapelle. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Gessin.') 

|as Geschick des Dorfes Gessin ist eng mit dem von Basedow verknüpft. 
Noch ehe jenes in Hahn'schen Besitz übergeht, vereinigt es Bischof 
Wilhelm von Kammin mit Basedow, indem er durch eine Urkunde vom 
14. Januar 1247 die Gründung und Bewidmung der Pfarre zu Malchin sowie 
die ihrer Tochterkirche zu Basedow bestätigt und unter den Dörfern der letzt- 
genannten auch »Jacin« aufzählt.*) Neunzig Jahre später, am 3. Mai 1337, 
verleiht Johann III. von Werle- Goldberg den Brüdern Nikolaus, Eckhard, 
Mathias und Nikolaus von Hahn ausser Basedow auch die Dörfer Gessin und 
Liepen zu erblichem Lehn, und von da an bleibt nun Gessin ununterbrochen 
mit Basedow verbunden.') 

Kapelle. Die aus Feldsteinen und Ziegeln aufgebaute pfeilerbewehrte 
gothische Kapelle hat einen Chorschluss aus dem Achteck und stellt sich als 
ein Bau aus dem XIV. Jahrhundert dar. Der Innenraum ist mit niedrigen 
gerippten Kreuzgewölben geschlossen und wird durch fünf schmale Blenden 
erleuchtet. 

Die innere Einrichtnng ist ohne Bedeutung. Die Kanzel fehlt ganz.*) Innere Ein- 
Auf dem Altar stehen zwei Leuchter, der eine ist 1700 von HANS SCHMIDT, richtung 
der andere 1706 von SOPHIA H ACKERT gestiftet. Beide haben als Stempel 
den werleschen Büfielskopf, der zugleich als Stadtzeichen für Malchin anzusehen 
ist, und ein Meisterzeichen in Form einer undeutlichen Hausmarke +^. 

Als vasa sacra werden die in Basedow benutzt. 

Vor der Westwand der Kapelle, deren Giebel mit fünf schmalen Blenden Glocke. 
belebt ist, steht ein offener Glockenstuhl, in welchem eine einzige kleine 
Glocke ohne Inschrift hängt. 



der 
Kapelle. 



*) 6 km sudsüdwestlich von Malchin. KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 49, verbindet den alten 
Namen Jacin mit dem altsla vischen Stamm jacu = stark und übersetzt ihn mit »Ort des Jak«. 
Das wäre ungefähr »Starkenhagen«. Anders Siemssen im M. Jahrb. VI, S. 53. 

*) M. U.-B. 589. 

«) Lisch, Geschl. Hahn II, S. 22 ff. 

*) Die Kapelle wird nur für den Abendmahlsdienst verwandt. Zweimal im Jahr findet eine 
Predigt vom Altar ans statt. 



138 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Dahmen.') 

|as am Südende des Malchiner Sees gelegene Kirchdorf Dahmen gehört 
zum Sprengel des Bischofs von Kammin. Im Oktober 1235 schenkt 
Bischof Konrad von Kammin dem Domkapitel zu Güstrow theils zu neuen 
Präbenden, theils zum gemeinschaftlichen Genüsse der Domherrn, theils zu 
einer Memoria, die Zehnten von vierundsechzig Hufen zu Jahmen, Dahmen 
(Damene), Granzow, Klein - Methling, Beestland und Klein-Dalwitz.*) Der Ver- 
wirklichung dieser Spende steht jedoch der Widerspruch des Bisthums Schwerin 
entgegen, denn erst am 24. September 1255 ist Konrad's Nachfolger, der 
Bischof Hermann, im Stande, diese Schenkung zu bestätigen, nachdem er, 
wie er sich ausdrückt, die Zehnten im Lande Circipanien mit vieler Mühe und 
vielen Kosten erstritten hat. Aus Dahmen werden dreizehn Hufen verliehen.^) 
Hier sitzen im Jahre 1352 die Wozenitze, welche am 3. März desselben 
Jahres mit den Stahl auf Siden-Remplin eine Vikarei in der Kirche zu 
Hohen -Mistorf stiften und Hebungen dazu legen, sich auch über die Ausübung 
des Patronats daselbst und des Präsentationsrechts einigen.*) Mittels Urkunde 
vom 12. März 1371 gelangen die Güter Dahmen, Sagel und Moltzow an die 
von Maltzan, wenn auch zunächst blos pfandweise.^) Aber am 18. März 1462 
wird ihnen ihr Besitz bestätigt, den sie dann ununterbrochen bis zum Jahre 
1877 festhalten.^ In diesem Jahre wird der Oberst a. D. Hubert Gustav 
Viktor von Tiele-Winckler ihr Rechtsnachfolger, heute ist einer von dessen 
Söhnen im Besitz. 

Aus Aufzeichnungen des Pastors Kaspar Breslach (Bretschlag), der 
1645, im Jahre seiner Berufung, das Kirchenbuch anlegt und sich Pastor zu 
Dahmen und Rambow nennt, erfahren wir die Namen von vier Vorgängern, 
den Pastoren Henrikus Hermundt, Magister Andreas Voigt, der eine nennens- 
werthe Bibliothek hinterlassen, Johann Bent und dessen Schwiegersohn Arnold 
Stappenbeck. ^) Hermundt ist der unmittelbare Vorgänger von Bretschlag. Vor 
Hermundt ist Voigt und vor diesem Stappenbeck Pastor. Dessen Wittwe lebt 
noch zu Bretschlag's Zeit in Rambow und theilt ihm über die Pfarrverhältnisse 
das mit, was fiir ihn wissenswerth ist. Leider aber erfahren wir nichts über 
die Zeit dieser Vorgänger, von denen Bent der älteste ist. Auch ist diesen 



^) 16 km südwestlich von Malchin, am Ende des grossen Sees. Im XIII. Jahrhundert 
1 Damene« geheissen. Der altslavische Familienname Dahm oder Dahms ist noch heute von alter 
Zeit her in Mecklenburg sehr gebräuchlich. Daher der Ortsname : KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 36. 

*) M. U.-B. 439. 

•) M. U.-B. 758. 

*) M. U.-B. 7673. 

*) M. U.-B. 10 174. 

•) S. bei Lisch, Geschl. Maltzan, Urk.- Sammlung Nr, 287. 468. 581. 712. 819. 

') S. o. Bülow, S. 69. 



GUT UND KIRCHDORF DAHMEN. 



139 



Kirche. 



vieren der auf der Glocke von 161 4 genannte Magister Jakob Knüppel 
noch zuzugesellen, wenn nicht etwa »Meister Gottlieb Knüppelt als Glocken- 
giesser verstanden werden soll. Zu Bretschlag's Zeit sind Dahmen und Rambow 
zwei verödete Dörfer.^) Wann Dahmen, dessen Kirche im Visitationsprotokoll 
von 1648 als Mater vagans aufgeführt wird, mit Rambow verbunden worden, 
ob lange oder kurze Zeit vor dem dreissigjährigen Kriege, wissen wir nicht. 
Seit dieser Zeit aber sind beide Kirchdörfer nachweislich zusammen geblieben. 
Bretschlag lebt bis 1663. Ihm folgen: Joachim Warneke von 1664 an, Johann 
Meineke 1678 nach anderthalbjähriger Vakanz, nach Meineke's Tode im Jahre 
1732 Friedrich Heinrich Hacker, dessen Wittwe 1771 genannt wird, und von 
1771 bis 1806 Enoch Friedrich Studemund.*) lieber die Greistlichen des 
XIX. Jahrhunderts s. Walter a. a. O. 

Kirche. Die auf einem behauenen Granitsockel errichtete Kirche ist 
ein frühgothischer Backsteinbau mit wettergrauen trefflichen Ziegeln, in dem 
der wendische Verband vorherrscht. Der Chor schliesst platt ab. Auf der 
Südseite ein zugesetztes gothisches Portal ohne Kämpfer und Kapitell. Im 
Chor ein dreitheiliges gothisches Fenster, die übrigen Fenster sind ebenfalls 
spitzbogig, aber theils einfache schmale Schlitze, theils paarweise angeordnete 
Lichtöffnungen. An der Nordseite eine Sakristei mit Kreuzgewölbe. Der 
Innenraiim ist mit zwei gerippten Kreuzgewölben geschlossen. Ein Thurm ist 
nicht vorhanden. An der Südostseite ein Anbau, der als Materialienkammer dient. 

Der Altaraufsatz der Kirche ist mit sechs Oelbildern aus der Passions- 
geschichte geschmückt, die einem gothischen Triptychon des XV. Jahrhunderts 
entnommen sind, wie das Gebet in Gethsemane, Gefangennahme Christi, 
Christus vor Pilatus, die Kreuztragung mit der hl. Veronika, der Krucifixus 
mit Johannes und Maria und die Kreuzabnahme. — Im Uebrigen bietet das 
Innere nichts Bemerkenswerthes. Doch giebt es dort noch ein paar alte 
gothische Schnitzgrtippeii : eine sitzende Madonna mit dem Jesuskinde, eine 
Annaselbdrittgruppe und eine Gruppe aus einer Kreuzigungsscene. 

Im Glockenstuhl südlich von der Kirche drei Glocken. Die erste hat 
die Inschrift: # RflX + GLORIS + VQßl + QVSß + PÄOB ®. — 
Die zweite ist ohne Inschrift und Zeichen, die dritte hat die Inschrift: 1614 
VOLRAD LVTKE MOLTZAHN • M • lACOB KNVPPEL. 

Kleinknnstwerke. Kelch, Patene, Ciborium, neu, ohne Inschrift und Kleinkunst- 
Zeichen. — Zwei Zinnleuchter, der eine 1648 von JOCHIM FLEISTEN und werke. 
DOROTHEA HAKERS, der zweite 1729 von JOH • DIETR • SCHRÖDER 
gestiftet. Auf jenem als Stempel das Güstrow'er Stadtwappen, auf 
diesem der nebenstehende Meisterstempel.*) 

») Groth, M. Jahrb. VI, S. 136. 

*) Nicht C. F. Studemund, wie er unrichtiger Weise im Staatskalender und bei Cleemann heisst. 

■) Vgl. M. Kunst- und Gesch.-Denkm. I, S. 494. 



Altar- 
aufsatz. 



Gothische 
Schnitz- 
grupen. 

Glocken. 




I40 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Schwinkendorf/) 

Geschichte BBHIas zur Hahn'schen Begüterung gehörige Schwinkendorf kommt schon sehr 
^^s lUS« fj.^h als Kirchdorf vor. Denn am 7. Juni 1271 legt der Bischof Heinrich 
von Kammin das Dorf Rambow, welches bisher nach Schwinkendorf (Swineken- 
dorp) eingepfarrt war, zum Kirchspiel Domherrenhagen.*) Die Besitzverhältnisse 
sind ursprünglich sehr getheilt; erst nach und nach gelangen die von Hahn 
in das volle Eigenthum des schönen Gutes. ^) Lüdeke (II) Hahn kauft am 
17. März 1440 zunächst von den Gebrüdern Joachim und Andreas von Kosboth 
auf Torgelow und dem Heinrich Konstin auf Rittermannshagen 29 Mark 
3 Schillinge jährliche Pacht aus sieben Bauerhufen in Schwinkendorf, und am 
24. Juni 1446 verlassen die beiden Frauen Jabel Rodesche und Tzimmersche 
vor dem Voigteigericht in Stavenhagen ihm ihre Rittermannshäger Güter, 
nämlich einen halben Hof mit einer halben Hufe, einer Worth bei der Pfarre 
und einer andern bei der Ziegelscheune. Am 11. März 1445 verkauft Barthold 
von Schönau dem Lüdeke drei Höfe mit drei Hufen nebst Pacht, Dienst und 
Rauchhuhn. Auch die Herzöge haben Eigenthum in Schwinkendorf. Aber 
Heinrich der Aeltere und Heinrich der Jüngere verpfänden es am 18. Oktober 
1454 dem Lüdeke (III) Hahn auf Basedow für 500 rheinische Goldgulden, 
nämlich 50 Lübische Mark sowie 972 Drömt Korn und Pacht, ausserdem für 
weitere 500 rheinische Goldgulden das höchste Gericht. Schon am i. April 1456 
und 15. November 1461 machen beide Herzöge hieraus ein endgültiges Ver- 
hältniss und versichern dem Lüdeke auch das Patronat der Kirche. Herzog 
Ulrich bestätigt diese Verfügung seines Vaters vom 15. November 1461 am 
16. Januar 1470. Als endlich Lüdeke 1475 cl^" ^^"^ bereits als Pfand gehörenden 
letzten Schwinkendorfer Antheil der Rostke's auf Faulenrost für 472 Va Mark 
erwirbt, da sind die Hahn in den alleinigen Besitz gelangt, und bereits in 
einem Lehnregister von 1491 wird Claus Hahn, des Lüdeke Sohn, als einziger 
Besitzer von Schwinkendorf genannt.*) 

Geistliche des Mittelalters werden uns nicht genannt. Der erste evan- 
gelische Geistliche um 1541 ist Joachim Stritt. Nach ihm eine Lücke bis 
zum Pastor Andreas Conradi (1619, •}• 1631). Diesem folgt 1632 Jakob 
Wackerow, doch vertreibt ihn im Jahre 1638 die Kriegsnoth nach Dithmarsen. 
Die Visitation von 1648 trifft in Schwinkendorf keinen Pastor an. Vier 



*) 14 km sudsüdwestlich von Malchin. Swinekendorp, Swynekendorp, Tzuinekendorppe 
(altslavisch svinija = Schwein) ist nach KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 132, zu verstehen als »Dorf 
der Svinekc. 

*) M. U.-B. II, 1229. 

•) Ueber Anrechte der von Reez s. M. U.-B. 6198. 

*) Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn II, S. 91 ff. III, S. 18 ff. 



GUT UND KIRCHDORF SCH WIN KEN DORF. I4I 

Personen zählt das Dorf, während vorher neun Bauerstellen und sieben Kossäten- 
höfe den Bestand gebildet haben.') Die Vakanz der Pfarre dauert noch bis 
1653. Da wird Henricus Bernhardi berufen. Es folgen: 1673 Joachim Bulsz, 
1706 Augustinus Grapius, 1710 Joh. Frühling (RJelJng), 1717 Joh. Gottfried 
Rümker, 1745 Joachim SusemihI, 1762 Ad. Augustin Beckmann, 1773 Franz 
Ernst Lange und 1784 Erh. Ludw. Wilh, Friedr. Brummerstädt (■{■ 1825). Ueber 
ihn und seine Nachfolger im XIX. Jahrhundert s. Walter a. a. O. 



Inneres der Kirche zu Scbwinkendorf. 

Als Filialen treffen wir im XVII, Jahrhundert (1648 und 1662) die 
heute nicht mehr vorhandenen Kirchen und Kapellen zu Heinrichshagen, 
Langwitz, Lupendorf und Tressow. 

Kircbe. Frühgothische Kirche mit später vorgebautem Thurm, dessen 
wettergraue Steine eine treffliche Patina zeigen. Das alte frühgothische Portal 
im Westen liegt nicht in der Achse des Thurms. Auch die Priesterpforte 
auf der Südseite des Chors, die jetzt in eine Vorhalle fuhrt, hat frühgothischen 
Charakter. Im zweigetheilten Schiff sieht man an den ohne Zweifel verschiedene 
Mate veränderten Lichtöffnungen noch die Nachwirkungen der älteren Form 
romanischer Schlitzfenster. Im Chor nord- und südwärts je ein zweitheiliges, 
im Osten ein dreitheilig angelegtes Fenster mit Neuerungen aus jüngerer Zeit. 

') Grolh, M. Jahrb. VI, S. 135. 



142 AMTSGERlCHTSBEZrRK MALCHIN, 

Ein breiter und schwerer Triumphbogen in Form eines Stichbogens scheidet 
SchifT und Chor, und zwei achtseitige Pfeiler mit >alten« Diensten theilen das 
Gemeindehaus in zwei Schiffe, von denen jedes mit drei Stern ge wölben 
spätgothischer Zeit geschlossen ist, während der Chor nur ein einziges einfaches 
Kreuzgewölbe aus früherer Zeit aufzuweisen hat.') 

Der Altar hat 
einen Aufsatz im 

Geschmack der 
Spätrenaissance des 
XVII. Jahrhunderts. 

An der Hinter- 
wand des Chors, zu 
beiden Seiten de.*? 
Altars, sind zwei 
Grabsteine auf- 
gestellt, die in 
früherer Zeit vor 
dem Altar lagen. 
Der eine enthält die 
Figuren des Ritters 
Habn auf Hinrichs- 
hagen und seiner 
Gemahlin In den 
vier Ecken sind 
vier Wappen ein- 
gerne isselt. In dem 
unter den beiden 
Figuren befindlichen, 
durch einen verti- 
kalen Strich in zwei 
gleiche Hälften ge- 
theiiten Raum die 
Inschrift: ANNO 

1596 DEN • 29 • Grabstein des Otto Hahn und seiner üemnhlin liriijilta von Trothen. 

MAII HORA VESPER- 
TINA IST DER EDLER VND ERENFESTER . OTTO HANE ZUM HEINRICHS HAGEN 
JOACHIMI SELIGER SOHN IN GOT SELICHLICHEN ENTSCHLAFFE(N) AETATIS 

SUAE 33 • Rechts : ANNO 1 DIE . . . HORA IST DIE EDLE VND VIEL- 

TUGENTSAME BRIGITTA VON TROTHEN OTTO HANES SELIGER EHELICHE 

HAUSFRAW IN GOTT SELICHE(N) ENTSCHLAFF(EN) AETATIS SUAE ') Auf 

dem zweiten Stein ist in Ritterrüstung die Figur des Dietrich van dem Werder 

') Vgl, Beschreibung der Kirche bei Lisch, M. Jahrb. VIIIB. S. 127. 

^ Vgl. Lisch. Gesell, d. (iesclil. Hahn III, .S. a68. 



GUT UND KIRCHDORF SC HW IN KENDORF. I43 

at^ebildet, daneben acht Wappen. Umschrift: ANNO . 1589 • DEN . 28 • NO- 
VEMBRIS IST DER GESTRENGE EDLE VND ERNVESTE DIETRICH VAN DEM 
WERDER VF GORZ ALTERS 58 IN C(ODT) SELIGLICH ENTSCHLAF- 
FEN • DESSEN SELE GOT GNEDIG SEIN WOLLE •') 

Im Thurm drei grosse Glocken. 
Glocken. Die erste Glocke 
hat auf der einen Seite 
des Feldes die Inschrift: 

1847 WARD ICH GE- 
STIFTET 

1893 HAT MICH EIN 
BLITZSTRAHL VER- 
NICHTET 

1894 BIN ICH NEU ER- 
STANDEN 

NUN LAUT ICH WIEDER 

ALLEN LANDEN • 
ZU GOTTES EHR • 
F . F . H . B • cg] C ■ 
OBERG WISMAR HOF- 
GLOCKENGIESSER • 

Auf der entgegengesetzten 
Seite des Feldes: FRIED- 
RICH FRANZ GRAF 
HAHN— BASEDOW, ERB- 
LANDMARSCHALL, PA- 
TRON • THERESE GRA- 
FIN HAHN GB. GRÄFIN 
HENCKEL-DONNERS- 
MARCK • Darüber die 
Wappen beider, darunter 
D • A • RISCHE PASTOR. 
— Die Inschrift der zweiten 
Glocke lautet: PATRONUSi 
FR • FR • COMES HAHN - BASEDOW W*W<W<W-G*W**) PASTOR : D . 
A • RISCHE • O LAND LAND LAND HÖRE DES HERREN WORT • C • OBERG 
WISMAR HOFGLOCKENGIESSER. Auf der entgegengesetzten Seite das 
Hahn'schc Wappen und die Worte: ANNO DOMINI 1894. ICH LAUT GOTTES 
EHR. — Inschrift der dritten Glocke: EX IQNE FULMINIS RESURREXI SUM- 
TIBUS PAROCHI ET PAROCHIANORUM NEC NON OBERGII OPERA 1894- Auf 

') Vgl. Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn IV, S. 19. 34. 
•) Wie, wo, wann, was Gott will. 



Grabstein des Dietrich van dem Werder. 



144 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

der entgegengesetzten Seite: KOMMET, DENN ES IST ALLES BEREIT. C 
OBERG WISMAR HOFGLOCKENGIESSER. — Auf einem freistehenden Stuhl 
südlich vom Thurm eine kleine Glocke, die sog. Schulglocke. Wappen und 
laschrift: F.G.H. A^G« H*GEB«S.') Um den Ring: LASSET DIE KINDLEIN 
ZU MIR KOMMEN • RICHTE DU LEHRER DEIN AMT REDLICH AUS. 

Die Vorgängerinnen dieser Glocken waren nach dem Inventar von 
iSii: I. eine grosse im Jahre 17 13 von Michael Begun aus Friedland ge- 
gossene Glocke mit dem Spruch: 

WAS GOTTES HAND DURCH STRAHL UND FLAMMEN RUHRET 
WIRD WIEDERUM DURCH SEEGEN AUFGEFÜHRET. 

Dazu macht der Pastor Brummerstädt den Zusatz: »In eben diesem Jahre 
(1713) am Himmelfahrtstage Nachmittags ist die hiesige sehr hohe Thurm- 
spitze von einem Blitzstrahl getroffen und bis auf das Mauerwerk nieder- 
gebrannt.« — 2. Eine mittlere Glocke mit gothischer Majuskelschrift: 
RHX GLORie XFe VÖWI (IVSn PÄOe. — Eine kleinere Glocke des 
XVI. Jahrhunderts mit gothischer Minuskelschrift und dem Namen der hl. 

Katharina: ^ailCta Catetina* ailllO bomilli niCCCCCbii* Dazu das Glocken- 
zeichen : ^^V ^^£ 



/\ 



Kleinkunst- Kl«inkvnstwerke. i. 2. Grosser silberner Kelch, ursprünglich im klassi- 

werke. cieienden Stil des XVIII. Jahrhunderts gearbeitet, 1847 erneuert von F. G. H. 
und A. G. H. S. Ohne Stempel. Die zugehörige Patene stammt vom Malchiner 
Goldschmied M. Lippold. — 3. Krankengeräth, neu, gestiftet von H • SELL- 
SCHOPP und Frau LISETTE, geb. HILLMANN (1854— 1892). — 4. Gros.ser 
Zinnkelch, ohne Zeichen. — 5. Kleiner Zinnkelch, 1700 von ANNA SOPHIA 
BULSSIN gestiftet*) — 6. Ein kleineres Geräth für Kranken-Kommunion, von 
Zinn. — 7. Grosse Oblatendose, neu (Sy &. Wagner- Berhn). — 8. Zinnerne 
Dose, kreisrund, auf drei Füssen, auf dem Deckel ein plastischer Hahn. Als 
englisches Zinn gestempelt von einem 1756 ins Malchiner Zinngiesseramt ein- 
getretenen Meister. — 9. Kanne, neu, gestiftet 1847 von F. G. H. und A. G. H. S. 
(s. o). — 10. Grosse Messingschüssel mit dem doppelköpfigen Reichsadler, 
laut Inschrift 1679 der Kirche zu Schwinkendorf als Taufbecken verehrt von 
ILSE DOROTHEA VON MOLTZAHNEN VND FRAW ZEPELINEN. — ii. Des- 
gleichen, kleiner, mit dem Bilde des Sündenfalls in der Mitte. — 12. Desgleichen, 
neu, von Messing, gestiftet von F. G. H. — 13 — 16. Vier Zinnleuchter, von 
denen ein Paar 1701 von CLAUS HARTWICH VENDT, und das andere Paar 
1654 von ADAM MÖLLER gestiftet ist. 



*) Vgl. Basedow. 

') S. o. Pastor Bulsz. 



GUT UND KIRCHDORF RITTERM ANNSHAGEN. I45 




Das Gut und Kirchdorf Rittermannshagen.') 

jittermannshagen, im alten Lande Schloen (terra Zlone) gelegen, gehört Geschichte 
Anfangs zum Sprengel des Bischofs zu Kammin. Aber am 6. März 1260 ^^s 
überweist der Bischof Hermann von Kammin, in Folge des bekannten Ver- Dorfes, 
gleiches zwischen beiden Diöcesen, das Dorf Rittermannshagen mit Genehmigung 
des Kamminer Domkapitels dem Bisthum Schwerin.^ Der weltliche Besitz 
des Gutes ist in alter Zeit ein ausserordentlich wechselnder. Im Jahre 1349 
belehnen die Fürsten Johann III. und Nikolaus von Werle die von Babbezin mit 
viereinhalb Hufen aus Rittermannshagen.') Im XV. Jahrhundert erscheinen 
die Konstin (Kunstin) und die Rostke als gleichzeitige Besitzer von Antheilen 
am Dorfe. Schon damals gehen Antheile an dem Gut von diesen auf die von 
Hahn über. Daneben erscheinen später die von Holstein und Wangelin, deren 
Besitz nach und nach ganz an die von Staffeid zu kommen scheint. Jedenfalls 
gelangen die von Hahn dadurch, dass sie am 10. August 1680 von Johann 
Albrecht von Staffeid dessen Antheil an Rittermannshagen kaufen, in den 
ungetheilten Besitz dieses Gutes, den sie sich bis auf den heutigen Tag bewahrt 
haben.*) Vor 1648 giebt es acht Bauern und einen Kossäten in Rittermanns- 
hagen, in diesem Jahre aber zählte man nur drei Personen im Dorfe, 1703 
aber sind wieder vierundvierzig Beichtkinder beisammen.*) 

Ausser dem in Anmkg. i genannten Plebanus Johannes ist kein weiterer 
Name von Geistlichen des Mittelalters auf uns gekommen. Erst in der zweiten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts, zur Zeit des Hahn'schen Patronats, treten uns 
Personen und Verhältnisse wieder näher. Zwischen 1556 und 1567 ist Sigismund 
Predole Pastor in Rittermannshagen, vielleicht schon von früherer Zeit her 
und auch noch einige Jahre später. Aber 1571 ist Melchior Brand bereits 
an seiner Stelle. Er unterschreibt 1577 die Konkordienformel und wird auch 
noch 1579 dort angetroffen.®) 1599 giebt es einen Pastor Schönenz in Ritter- 
mannshagen, der in diesem Jahre dem Andenken seines gestorbenen Söhnchens 
eine Tafel stiftet. S. Inventar 181 1. Später, und zwar bis 1636, wirkt dort 

') 15 km südlich von Malchin. Die anscheinend nur in den beiden Kamminer Urkunden 
vom 6. März 1260 vorkommende enge Verbindung von Rittermannshagen und Mertensdorf (uilla 
Riddermanneshagen cum tota parrochia Mertinenstorpe), von denen das eine zur Terra Slone und 
das andere zur Terra Malchow (Malichowe) zählt, hat etwas Auffallendes. Jedenfalls ist Ritter- 
mannshagen im XIV. Jahrhundert selber ein Kirchdorf. Der Kirchherr Johannes wird im Jahre 
1373 »plebanus in Riddermanshaghenc bezeichnet: M. U.-B. 10404 und 10432. 

*) M. U.-B. 857. 858. 

*) M. U.-B. 6978. 

*) Lisch, Gesch. d. Geschl. Hahn III, S. 61 ff. 

*) Groth, M. Jahrb. VI, S. 136. 

•) Schröder, evangel. Meckl. III, S. 79. 329. 485. 

10 



I4Ö AMTSGEklCHTSBEZIRK MALCHIN. 

Joh. Reiche. Ob zwischen Schönenz und Reiche noch einer oder mehrere da 
waren, können wir nicht sagen. Reiche's Wittwe wird die Gattin seines Nach- 
folgers, des Jakob Witte, der in den Visitationsprotokollen von 1648 und 1662 
als Pastor der beiden menschenleer gewordenen Gemeinden in Demzin und 
Rittermannshagen genannt wird.') Dabei erfahren wir, dass Demzin die 
Mutterkirche ist und die Kirchen zu Rittermannshagen und Faulenrost als 
deren Töchter angesehen werden. Aber in Demzin ist zu jener Zeit weder 
Pfarrhaus noch Küsterei, der Pastor wohnt daher in Rittermannshagen. Von 
seinen beiden Kirchen ist die zu 
Demzin in besserem Zustande. An 
der Rittermannshäger Kirche sind am 
Grünen Donnerstag 1634 während des 
Gottesdienstes Thurm und Gemeinde- 
haus zusammengestürzt. Nur der Chor 
ist stehen geblieben, und die Predigt 
wird daher von der Zeit an vom Altar 
aus gehalten. Als verfallen wird auch 
die Kapelle in Faulenrost geschildert, 
in der aber dennoch zeitweise Gottes- 
dienst abgehalten wird. Vierzehn 
Jahre später freilich heisst es von 
dieser schon, dass sie ganz nieder- 
liege, während in den andern beiden 
Kirchen derselbe Zustand fortdauert. 
1 684 folgt Albertus Helmich als Pastor, 
1706 Zacharias Susemihl, 1752 (als 
Adjunkt) dessen Sohn Herrn. Lau- 
rentius Susemihl, und 1773 Joh. Fried- ' 
rieh Becker (f 1807), welchem 1786 
der Sohn Joh. Albr. Friedr. Becker 

adjungiert wird (+ 1837). Siehe t. ^ <■ ■■ ^ c. ^ , , ,^,. 

' ° \' ■"' Strebepfeiler an der SUdostecke der Kirche. 

Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein frühgothischer Ziegelbau auf behauenem 
Granitsockel und mit erneuerten Fenstern. Am Chor, der platt abschliesst, 
zwei starke Strebepfeiler, von denen der eine, und zwar der auf der Südost- 
ecke, einen von aussen her zugänglichen ganz kleinen Raum mit seitlicher 
Lichtöffnuiig in sich schliesst.*) Ein einfaches Kreuzgewölbe mit Rippen deckt 
das Innere des Chors, während das Langhaus mit einer unter dem Dachstuhl 
sitzenden Holzverkleidung überspannt und also nicht gewölbt ist. Der Triumph- 
bogen hat noch etwas von der Schwere des älteren Stils, erscheint aber nicht 

') Groth. M. Jahrb. VI, S. :36. 

*] Woiu mag dieser Innenraum des Pfeilers, in dem nicht mehr als eine Person shzen 
oder stehen und durch die l.ichlölTnung hindurchgehen l<ann, gedient hnben; Als liuKskapelle ? 
Reclusenielle ' Todtenleuchle P (Hofmeister). 



GUT UND KIRCHDORF RITTERMANNSHAGEN. I47 

SO gedrückt wie in manchen anderen Kirchen aus der Zeit des XIII. Jahr- 
hunderts. Auf der Nordseite des Chors ein zugemauertes Portal frühgothischen 
Stiles. Auf derselben Nordseite im Langhaus ein zweites zugesetztes Portal in 
vorgeschobenem Mauerkern, und ihm gegenüber auf der Südseite ein drittes, 
das nicht mehr als Eingang dient. Dafür ist der Eingang später in etwas 
geschmackloser Art und Weise in die Westmauer der Kirche eingebrochen. 
Die ehemalige Sakristei auf der Nordseite des Chors ist schon in alten Zeiten 
zu einer Grabkapelle gemacht worden. Später ist auf der Ostseite eine zweite 
Grabkapelle hinzugekommen. Die innere Einrichtung der Kirche bietet nichts 
Bemerkenswerthes. 

Von dem alten Triptycbon des XV. Jahrhunderts wird noch die Mittel- Triptychon. 
gruppe aufbewahrt: die hl. Maria mit dem Kinde auf dem Mond und in einer 
Strahlenmandorla, dazu unten rechts ein knieender Ritter, links ein knieender 
König, hinter dem ein stehender Herzog sichtbar wird. 

In der Hahn'schen Gruft auch noch ein altes Triamphkrenz. Triumph- 

kreuz. 
Im Westgiebel der Kirche zwei Glocken über einander. Die eine hat Glocken 

oben am Ring in gothischen Minuskeln die Inschrift: f^tljf l Sl^Qt ! ^tljf l 

Itiarjld I bt ! dlltt l not I ausserdem ein Rundbild mit der Kreuzi- 

g^ngsgruppe und das nebenstehende Giesserzeichen. Auch sonst 

noch im Felde kleine Relieffiguren und Rundbildchen in der Grösse 

eines Fünfmarkstückes. — Die andere Glocke ist 1875 unter dem 

Patronat des Grafen CUNO HAHN von Ed. Albrecht in Wismar gegossen worden. 

Das Inventar von 181 1 zählt drei Glocken auf, ausser der heute noch 
vorhandenen älteren Glocke eine zweite mit dem bekannten Spruch: ^ tt% 
glorif ttt • und eine dritte, die im Jahre 1793 unter dem Patronat Friedrichs 
von Hahn zur Zeit des Fastors Becker von Christian Meyer zu Neustrelitz 
gegossen worden war. Ausserdem bemerkt Pastor Becker, dass die Kirche 
noch eine vierte Glocke gehabt habe, die jetzt (181 1) auf dem Kirchhof zu 
Demzin angebracht sei und dort bei Beerdigungen gebraucht werde. 

Kleinktinstwerke. i . Silbervergoldeter frühgothischer Kelch auf rundem Kleinkunst- 
Fuss und mit gefälteltem Knauf. Stempel verdrückt. — 2. Silbervergoldeter werke, 
gothischer Kelch auf sechspassigem Fuss, mit aufgenietetem plastischen 
Krucifixus als Signaculum. Am Knauf Blätter und Rosen. Am oberen Theil 
des sechsseitigen Schaftes der Name i]^efb^) am unteren Theil fflÄRlÄ. 
— 3. 4. Silberner Kelch auf rundem Fuss, 1707 vom Güstrower Gold- 
schmied Molstorf. Die zugehörige Patene ist ohne Stempel. — 5. Längliche 
achtseitige Oblatendose, vom Malchiner Goldschmied D • I • W. — 6. Silberne 
Deckelkanne, 1864 von Graf CUNO HAHN der Lansener Kirche gestiftet. — 
7. Taufbecken von Messing, neu. — 8. 9. Zwei Zinnleuchter, der eine 1688 
von CHRISTIAN RIT2ER0W geschenkt (1854 umgegossen), der andere von 
JOCHIM MÖLLER 1719 geschenkt (ebenfalls 1854 umgegossen). Keine Werk- 
zeichen. 

10* 




148 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 



Dorfes. 



Das Kirchdorf Gielow.') 

Geschichte HSWechs Kilometer südlich von Malchin, auf fruchtbarstem Boden, liegt das 
des Kirchdorf Gielow, welches mit 1483 Einwohnern zu den grössten 

Dörfern des Landes zählt. In seiner um die Mitte des XIII. Jahrhunderts ab- 
gefassten polnischen Chronik erwähnt Bischof Boguphal von Posen des Dorfes 
Gielow als einer Burg (castrum) mit dem Zusatz »a crassitudine terre dicitur«.*) 
Kurz nach Beginn der Christiani.sierung des Landes Malchin wird Gielow 
(Chylowe, Chylow, Ghilow) Darguner Klostergut. Denn am 5. August 1228 
bestätigt Herzog Wartislaw von Pommern dem Kloster den Besitz der Dörfer 
Gielow (Chylow) und Benitz, welche Ritter Jenecke von Verchen »ob salutem 
anime matris sue« geschenkt hat.®) Auch Bischof Konrad von Kammin, zu 
dessen Sprengel der Ort gehört, verleiht dem Kloster mehrere Zehnten im 
Dorfe selbst, und Fürst Nikolaus vonWerle bestätigt dieVerchen'sche Schenkung 
am 12. August 1240.*) Indessen ist der Umfang dieser Gabe nicht ganz un- 
bestritten, und namentlich muss sich das Kloster von der Stadt Malchin 
mannigfache Anfechtung seines Gebietes gefallen lassen. So z. B. beansprucht 
Malchin den zwischen Gielow und der Stadt gelegenen Wald schon bald nach 
Uebergang des Dorfes an das Kloster. Fürst Nikolaus von Werle schlichtet 
den Streit dadurch, dass er dem Kloster mittels einer Urkunde vom 15. Mai 1253 
als Entschädigung fiir den Verzicht auf den Wald das Dorf Vipernitz verleiht.^) 
Manchen Streit zwischen dem Kloster Dargun und der Stadt Malchin über 
die Grenzen des Hofes Gielow legt der Fürst in seiner Fürsorge (lir das ihm 
ans Herz gewachsene Kloster am 10. Mai 1277 persönlich bei, indem er die 
Grenzen ein fiir alle Male feststellt und die Stadt veranlasst, diese nun- 
mehr anzuerkennen.**) Auch in anderer Weise war das Kloster bei Ueber- 
gabe des Gutes geschädigt worden, indem man auf einem Theile davon ohne 
des Klosters Zustimmung das später wieder untergegangene Dörfchen Moizle 
(Museliz) angelegt hatte. Das war zur Zeit der Minderjährigkeit des jungen 
Fürsten Nikolaus von Werle und seiner Brüder geschehen. Aus Reue hierüber 
und um seine Zuneigung zum Abt Heinrich von Dargun zu beweisen, verleiht 
der Fürst nunmehr dieses neue Dorf Moizle dem Kloster. Dies geschieht am 



*) Nach KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S 49, soviel wie »Ort des Chil«, was auf deutsch soviel 
wie 1 Bösendorf« oder »Krummendorf« heissen könnte. Doch ist die Deutung von Boguphal zu 
beachten. 

*) M. Jahrb. XXVII, S. 128. 

*) M. U.-B. 355. 

*) M. U.-B. 402. 514. 

*) M. U.-B. 721. 

®) M. U.-B. 1435. '436. 



KIRCHDORF GIELOW. I49 

22. Februar 1261.*) Ueber zwanzig Jahre später, nämlich am 5. Mai 1281, 
befreien die Fürsten Heinrich, Johann und Bernhard von Werle die Kloster- 
mühlen zu Gielow, Röcknitz, Pannekow, sowie elf Hufen zu Moizle von allen 
Abgaben und Lasten, und Bischof Hermann von Kammin bestätigt diese neue 
Gnadenerweisung am 27, Mai 1282.*) Dabei ist zu beachten, dass das Dorf 
Gielow damals noch keine Kirche hat. Wir erfahren aus der fürstlichen 
Urkunde vom 5. Mai 1281, dass die Einwohner von Gielow und Benitz (im 
XV. Jahrhundert untergegangen) vom Kamminer Bischof dem Duckower Pfarr- 
sprengel zugewiesen sind. Auch 1307 ist es noch so.*) Mit der Säkularisation 
des Klosters Dargun im Jahre 1552 fällt Gielow an die Landesherrschaft zurück, 
doch nicht ohne weitläufige Streitigkeiten mit den von Maltzan auf Gruben- 
hagen. Diesem Geschlecht ist seiner Zeit wegen der entlegenen Lage Gielows 
das Schutzverhältniss über das Dorf durch das Kloster übertragen, und die 
von Maltzan beziehen dafiir eine beträchtliche Anzahl von Gefällen und 
Abgaben aus dem Dorfe. Allein das Schutzverhältniss wird Mitte des X VL Jahr- 
hunderts vom Kloster aufgerufen und damit zugleich der Anspruch auf Fortfall 
dieser Bezüge der von Maltzan erhoben.*) Aber diese sind damit keines- 
wegs einverstanden, sondern beanspruchen jene Bezüge als ein wohlerworbenes 
Recht, da sie bisher selbstständig darüber verfugt und sie z. B. gelegentlich 
auch verkauft haben. Den Sitten jener Zeit entsprechend, geht es bei diesen 
Streitigkeiten nicht ohne Gewaltthätigkeiten ab, unter denen aber in erster 
Linie die Bauern zu leiden haben, Ihre endgültige Regelung findet die 
Angelegenheit erst unter dem Herzog Hans Albrecht, welcher den von Maltzan 
auf Grubenhagen ihre theils unbestrittenen, theils bestrittenen Antheile in 
Gielow durch Vertrag vom S.Juli 1618 für die Summe von 1800 fl. abkauft. 
Damit geht nun das Dorf ganz und gar an die Landesherrschaft über. 

Schon im Mittelalter ist es kein unbedeutender Ort. Vor dem dreissig- 
jährigen Kriege enthält Gielow sechzehn Bauern. Aber nach dem Kriege ist es 
eine vollständig wüste Feldmark mit nur drei Einwohnern.*) Heute ist Gielow 
in aufblühender Entwickelung begriffen. Es hat sechzehn Erbpächter, acht- 
undfiinfzig Büdner und sechsundzwanzig Häusler, dazu allerlei grösseren Ge- 
werbe- und Geschäftsbetrieb. »De Gielowsche MähU ist durch Fritz Reuter 
weltbekannt geworden. 

Schon lange vor den Zeiten der Reformation ist die Kirche zu Gielow 
Filia der Kirche zu Duckow.®) Dies Verhältniss währt bis 1766. Als in 
diesem Jahre Duckow zu einer Mater vagans mit Anschluss an Zettemin wird, 
geht Gielow mit.^) Aber 1837 löst sich Gielow von Zettemin und schliesst 



») M. ü.-B. 913. 
») M. U.-B. 1578. 1629. 
») M. U.-B. 3166. 

*) Lisch« Gesch. der Hahn IV, 4. 
») Groth, M. Jahrb. VI, S. 138. 

•; Vgl. die Visitationsprotokolle des Darguner Amtes von 1560 und 1648 und des Neu- 
kalenschen Amtes von 1662. 

') Stuhr, die Kirchenbücher Mecklenburgs, M. Jahrb. LX, S. 34. 



ISO AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

sich der Malchiner Kirche an, bis es endlich im Jahre 1S62 seinen eigenen 
Pfarrsprengel erhält. 

Kirche. Die aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts stammende Kirche 
mit Fiillmauem, in denen Backsteine und Feldsteine mit einander abwechseln, 
ist im Jahre 1897/98 einem grösseren Umbau unterzogen worden. Der frühere 
Chor mit Schluss aus dem Achteck steht nicht mehr da, statt dessen ist ein 
neuer Erweiterungsbau eingetreten, der dem Grundplan die Kreuzform gegeben 



Grunilriss der Kirche lu Cielow. (Bis Ostem 1S97.) 

ümriss der Emporen bis 1897. — ■■ Orgel bis 1897. 

Neubau 1897/98. 

a. Alter Taufstein von Granit b. Preiligerstuhl. c. Pfarrstuhl, d. Hinrichsrelder Stuhl. 

e. Kirchen vorsteherstuhl, f. Muhlenstuhl. g. HoUwSrterstuhl. 

A. Massiver Windfang, 1S39 errichtet, 1S97 abgerissen, 

hat. Dabei sind die Schlitzfenster der Kirche von Bestand geblieben, haben 
aber eine Erneuerung ihrer Wandungen und Laibungen erfahren. Dem Portal 
ist ein neuer Mauerkern mit Treppengiebel vorgesetzt. Der Thurm, welcher 
bei weitem nicht die Breite der Kirche hat, ist alt, seine Spitze aber stammt 
aus dem Umbau von 1897/98 und ist nach einer eigenhändigen Skizze des 
hochseligen Grossherzogs Friedrich Franz III. errichtet. Im Innern eine flache 
Bretterdecke. Auch die alte Kirche hatte seit dem dreissigjahrigen Kriege 
eine flache Decke, war aber ursprünglich mit drei Kreuzgewölben geschlossen. 
Innere Ein- Die ganze Einrichtung ist neu. Als Altarbild Christus und der Ver- 

richtung, sinkende Petrus von Bortha Albin. 



KIRCHDORF GIELOW. 



Das älteste Stück in der Kirche ist eine roh behaltene GraDitfUnte, FünteuDd 

deren Körper mit tief eingegrabenen seltsamen Kopfformen und mit Blatt- und Tauf- 

Ringbildungen bedeckt ist. Unter den Köpfen der Stierkopf von Werle. Als '>«"t«'>- 
Taufbecken dient ein sechseckiges zinnernes Becken, das von KATHARINA 



HÖFFSCHEN und SOPHIE ELISABETH SOLVEREN 1666 gestiftet ist. 

E^ hat als Malchiner Stadtzeichen den Biifielskopf, dazu zweimal 1 ^ 

nebenstehendes Meisterzeichen. 

Eine ähnliche Fünte zu Treptow a. d. Tollense, Femer eine der Gie- 
lower Fünte verwandtes Stück als Traufe vor der Zetteminer Kirche. 

Im Thurm zwei Glockeo. Die älteste, welche 1756 nach einem grossen Glocken. 
Brande, der am 14. April 1755 fast das ganze Dorf und auch denThumihelm 
verzehrte, aus dem Metallgut der geschmolzenen beiden älteren Glocken 
gegossen ist, hat die Inschrift: FÜRST FRIEDERICH SCHÜTZT, EIN RÖNN- 



152 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHIN. 

BERG WACHT, EIN WILCKE LEHRT, DA ICH GEMACHT* ICH RUF VOM 
HEILIGEN ORT : KOMMET, HÖRET GOTTES WORT • Darüber: ICH BIN 
DURCHS FEUER GEFLOSSEN, DA MICH JOHANN VALENTIN SCHULTZ') GE- 
GOSSEN • 1756 • — Die zweite Glocke ist 1849 von lllles in Waren gegossen. 

Kleinkunst- Kleiokunstwerke. i. 2. Silberner Kelch auf rundem Fuss mit Ver- 

werke. zierungen in klassicierendem Geschmack, 1835 vom Goldschmied H. Gotthardt 
in Malchin angefertigt. Ebenso die Patene. — 3. Deckelkanne, neu. — 
4. Eine zweite Kanne von Silber, geschenkt 1898 von Ihrer Kaiserlichen Hoheit 
der Frau Grossherzogin AN ASTASI A. — 5. Oblatendose, neu, 1874 gestiftet von 
FRIEDRICH WILHELM GREFFRATH zu Liepen. — 6. Achtseitiges Taufbecken 
von Zinn, aus dem Jahre 1755, als Stadtzeichen der Malchinsche Büffelskopf 
und ein Meisterzeichen mit den Initialen I. I. S. — 7. Geräth für die Kranken- 
kommunion, von Zinn, gestiftet 1748 von ANDREAS WAGENKNECHT. 



Vorgeschichtliche 

s. am Schluss des Amtsgerichtsbezirks Stavenhagen. 



*) Aus Rostock. 



Blick auf die Stadt Stavenbagen. 



Amtsgerichtsliezirk Stavenhagen. 



Die Stadt Stavenhagen. 



Stadt. 



beschichte der Stadt. Das Land Stavenhagen (der Stovenhagen) hat Geschichte 
seinen Namen von der Adelsfamilie der Stove, die es im XIII. Jahr- 
hundert von den Pommerherzögen zu Lehn tragen und möglicher- 
weise schon vom XII. Jahrhundert her ihren Sitz auf jenem alten Castrum 
haben, den heute das Schloss zu Stavenhagen einnimmt. Dass dieses Land 
damals ziemlich dieselbe Ausdehnung hat wie der heutige Amtsgerichtsbezirk 
Stavenhagen, ist daran zu sehen, dass nicht bloss Ivenack und Basepohl 
zum Gebiet des Burgherrn Reimbern von Stove gehören, sondern auch Suiten 
und die in gerader Luftlinie von Norden nach Süden fünfzehn Kilometer weit 
von einander entfernten Dörfer Fahrenholz (Vorneholt) und Kleeth (Kleth) aus- 
drücklich als im Lande oder in der Vogtei Stavenhagen gelegene Dörfer 
urkundlich aufgeführt werden.') Auf welche Rechtstitel hin das Land Staven- 
hagen einst an Pommern gekommen, ob Circipanien oder das ganze Peene- 
Gebiet von der Neukalenschen bis zur Kittendorfer Peene und darüber hinaus 
als ein Theil des alten Leutizier-Landes oder geradezu als das ganze pom- 
mersche Leutizier- Land angesehen wurde (woraufhin, und zwar, wie nicht 
zu übersehen ist, bei einschneidenden Verfügungen über dieses Land, Herzog 
Kasimar II. sich im Jahre 1215 princeps Leuticiorum und Bischof Konrad von 
Kammin sich im Jahre 1220 dej gracia Caminensis ecciesie et Pomeranorum 

•) M. U.-B. 691. 1249. 2065. 2895. 6970. 7103. Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 277. 



154 AMTSGEKICHTSBEZIKK STAVENIIAGEN. 

et Leuticiorum episcopus nennt), ob dieses Land einstmals von dem Schutz 
und Hüire suchenden Pribislav in der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts 
zeitweise an Pommern abgetreten wurde und nachher bei der Wiedereroberung 
im Anfange der dreissiger Jahre des XIII. Jahrhunderts von Pommern vor- 
läufig noch behalten wurde, ob das pommersche Recht auf einer Belehnung 
durch Heinrich den Löwen beruhte, oder ob die Verhältnisse noch ganz anders 
waren: — alles das liegt ebenso im Dunkeln wie Anlass und Zeitpunkt der 
Wiedergewinnung durch die Fürsten von Werle am Ende des XIII. oder im 
Anfange des XIV. Jahrhunderts.') Dagegen sind es unnmstössliche Thatsnchen. 
dass Haus, Stadt und Land 
Stavenhagen bis über 1282 
hinaus unter ausschliesslich 
pommerscher Herrschaft sich 
befinden, dass die Erhebung 
Stavenhagens zur Stadt durch 
die Herzöge Wartislav III. 
von Pommern- Demmin und 

Barnim I. von Pommern- 
Stettin geschehen ist (wenn 
wir auch den ungefähr in die 
Mitte des XIII. Jahrhunderts 

fallenden Zeitpunkt dieser 
Erhebung nicht genau an- 
geben können), dass die zu 
Treptow ausgestellte Urkunde 
des Herzogs Bogislav II, vom 
29. Mai 1282 in Betreff aller 

c. j.. Li ■ n Altes Sirael der Stadt Siavciiliaijeii. 

btadtrechte nur eme Be- ^ 

stätigungsurkunde ist, dass die Fürsten von Werle (soweit dies nachzuweisen 
ist) nicht vor 1290 an den Staatsaktionen im Lande Stavenhagen sich be- 
theiligen und ihr angeblicher, immerhin aber gewiss in irgend einer Form zu 
Recht bestehender Pfand-Anspruch sich auf eine verdächtige Urkunde von 
1282 (ohne Datum) stützt, dass Pommern erst am 20. Januar 1317 in Folge 
enger verwandtschaftlicher Verbindung mit den Fürsten von Werle auf Haus, 
Stadt und Land Stavenhagen in förmlicher Weise Verzicht leistet, sowie dass 
die Stadt noch im Jahre 1353 den steigenden pommerschen Greif in ihrem 
grossen Stadtsiegel fuhrt.*) 

■) M. U.-B. 3ig. 372. 446. 458. 491. Dazu Lisch, M. Jahrb. III. S. 27. z8. Beyer, M. 
lahrb. XI, S. 43. 44. Lisch, Gesch. des Geschl. Maltzan II , S. 3S4. aSs- Wiese, Über die Cisler- 
cienser in Dargun, S. 49. Schbc, M. Kunst- 11. Gesch. -Detikm. I, 8.517, -'^nmkg. 3 {535, Anmkg. 3] 
und 519 (537). lieber die I.eutiiier s. Wi^jger, Annalen, S. 114S. Ueber die Circipaner eben- 
daselbst S. 117. 118. Wagner, Wendenieit (M. Gesch. in EinieldarsleUungcn, lieft tl), S. 5. 

') M. I'.-Il. 861. 932. 1630. 1631. 2065. ii8(. 3874. — na?u PrUmers: Die angeliliche 
Verpßndung des Landes Stavenhagen im Jahre IlSa. Stettin, liei llciicke u. Lebeling IÜ85. — 



GESCHICHTE DER STADT STA VENHAGEN. 155 

Die anfangliche Unsicherheit des Besitzes auf werlescher Seite merkt 
man besonders in dem der pommerschen Verzichtleistung voraufgehenden 
Jahre 13 16. In einer Klausel in dem bekannten Rendsburger Vertrag vom 
23. März 13 16, dessen Spitze gegen Brandenburg gerichtet ist und dem die 
Fürsten von Werle beitreten, nachdem sie kurz vorher als brandenburgische 
Bundesgenossen üble Erfahrungen gemacht haben, sagen ihre neuen Freunde, 
der König Erich von Dänemark, Herzog Erich von Sachsen, Fürst Wizlav 
von Rügen, Fürst Heinrich von Mecklenburg, die Grafen Nikolaus und Heinrich 
von Schwerin und der Bischof Hermann von Schwerin Folgendes: »Wegen 
des Hauses und Landes zu Stavenhagen sollen wir Herren einen 
neuen Rechtsspruch fällen; will aber Herzog Otto (von Pommern- 
Stettin) darüber den Herren von Werle irgend Unrecht und Gewalt 
thun, so sollen wir Herren allen denen von Werle helfen mit aller 
unserer Macht diesseit der See.« Ebenso ist in dem werleschen Theilungs- 
vertrage vom 2. December 13 16, in welchem das Land Kaien dem Güstrower 
und das Land Stavenhagen dem Parchim-Goldberger Theil zugelegt wird, die 
nachstehende Abmachung nicht zu übersehen: »Spreke we mit rechte oder 
mit orloge vppe de lant thome Stouenhaghen vnde Kalant, dat se 
van vns quemen, dat skole wy beyde like weren. Ghynke vnser 
eme desser lant en äff, mit weide oder mit rechte, den scaden 
scole wy beyde hebben.« ^) Aber wie gesagt, schon am 20. Januar 1317 
macht der Heirathsvertrag zwischen Herrn Johann d. j. von Werle und der 
Herzogin Mechtild, der Tochter Herzog Otto's von Pommern - Stettin, diesen 
unsichern politischen Verhältnissen in Betreff des Landes Stavenhagen für alle 
Zeiten ein Ende, Herzog Otto verzichtet endgültig auf sein Einlösungsrecht, 
und Stavenhagen ist seit diesem Tage von den mecklenburgischen Landen 
wenigstens nicht mehr getrennt worden, wenngleich das Gelüsten darnach 
noch wieder zum Vorschein gelangt.*) 

Was nun die Stadt selbst betrifft, so verdient es Beachtung, dass dort 
schon im XIIL Jahrhundert der Gewinn von Salz und Eisen aus dem heimischen 
Boden durch Anlegung von Salinen und Eisengruben (»salinis et ferrifodinis«, 
oder, wie es in späteren Uebersetzungen heisst, »mit sültten edder solttspennige, 
isergrouen«, auch »zolten, morkulen« und »mit soltbörne vnd isergrufften«) ins 
Auge gefasst wird.') Doch hat sich hier offenbar kein grösserer und länger 
dauernder Betrieb dieser Art entwickelt, denn sonst würde es wohl Nachrichten 
davon geben. Nur der Name des südlich gelegenen Dorfes Suiten und femer 
der Umstand, dass unmittelbar bei Stavenhagen selbst in den zwanziger Jahren 
des XIX. Jahrhunderts wieder soviel eisenhaltiges Wasser gefunden wurde. 



Das prachtige alte pommersche Siegel der Stadt ist abgebildet bei Lisch, M. Jahrb. XV, S. 355. 
M. U.-B. 1630. — Jüngere Privilegien - Bestätigungen giebt es von 1606, 1613, 1662, 1691, 1703, 
1720, 1736 und 1749. 

*) M. U.-B. 3818. 3860. Vgl. dazu Kudloff, Hdb. II, S. 217—226. 

*) M. U.-B. 3874. Rudioff, a. a. O. II, S. 232. Wigger, M. Jahrb. L, S. 235. 

*) M. U.B. 1630. Vgl. Lisch, M. Jahrb. VII, S. 54. 55. 



156 AMTSGERICHTSIJEZIKK STA VENHAGEN. 

dass daraufhin ein Mineralbad eröffnet werden konnte (welches aber nur wenige 
Jahre bestand), dient den urkundlichen Nachrichten aus dem XIII. Jahrhundert 
über diese Dinge zur Bestätigung.^) Ein Pleban Gerhard wird 1260 genannt*) 
Als Vögte und Burgmannen aber sitzen auf dem alten Stove'schen Castrum 
die durch besonders viele Privatsiegel des XIII. und XIV. Jahrhunderts bekannt 
gewordenen Herren von Voss, zuerst als pommersche und dann als werlesche 
Vasallen.') Doch nachdem später eine Verpfandung von Burg und Land 
Stavenhagen durch Fürst Johann III. von Werle stattgehabt — an wen wird 
nicht gesagt — und das Kloster Dobbertin dem Fürsten durch Ankauf der 
Seen bei Drewitz, Cramon, Malkwitz und Kraz die Möglichkeit verschafft, 
Burg und Land im Jahre 1332 wieder einzulösen, treten andere Adelsfamilien 
im Amt der Burgmannen und landesherrlichen Vögte in Stavenhagen auf, wie 
z. B. die von Schönberg in den dreissiger Jahren, die von Breide und Kessin 
in den vierziger und fünfziger Jahren, und die von Maltzan in den sechziger 
und siebenziger Jahren des XIV. Jahrhunderts.*) Auch hören wir von neuen 
Verpfandungen des Landes Stavenhagen erst durch Johann IV. von Werle 
und nachher durch seine Erben und Oheime, die Fürsten und Brüder Lorenz 
und Johann von Werle, an die von Maltzan im Jahre 1375.^) Dabei ist es 
nicht ohne Interesse wahrzunehmen, wie bei den Realpolitikern jener Tage der 
zwischen Pommern und Werle im Jahre 13 17 geschlossene Vertrag über Haus, 
Stadt und Land Stavenhagen wieder in Vergessenheit kommt, obgleich in der 
Urkunde darüber klar und deutlich ausgesprochen ist, »dat nen man by vnsen 
dagen edder na vnsen dagen schal edder ne mach vppe de vorbenande land 
vorderen edder spreken«. Denn am 29. August 1355 erkennt der weit 
schauende Herzog Albrecht von Mecklenburg dem Herzog Barnim d. ä. von 
Pommern -Stettin gegenüber dessen Lehn- und Heim fallsrecht an Land Staven- 
hagen an, wogegen dieser jenem die Vormundschaft für die Wittwe und Kinder 
des Fürsten Nikolaus IV. von Werle-Goldberg sowie das Eventual - Successions- 
recht auf dessen übrige Lande zugesteht.®) Darauf entwickelt sich das wieder 
aufgewärmte alte Verhältniss in der Art weiter, dass am 6. November 1368 
Johann IV. von Werle-Goldberg und am 9. April 1377 seine Oheime und 
Erben, die Fürsten Lorenz und Johann von Werle -Güstrow die pommersche 
Oberlehnshoheit über das Land Stavenhagen anerkennen.'') Indessen macht 
Pommern bei dem Uebergange der werleschen Länder im Jahre 1436 an das 



*) Vgl, die lustige Geschichte von dem Stavenhäger Gesundbrunnen in Reuter's Schurr - Murr. 

«) M. U.-B. 861. 

•) M. U.-B. 1725. 2181. 2615. 2640. 2747. 4081. 4321. Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXXIII, 
S. 200 — 204. 

*) M. U.-B. 5369. 5370. 5950. 5951. 6431. 6934. 7499- 7520. 7597- 777i- 7772- 10763. 
10764. 10784. II 009. II 471. 

*) M. U.-B. 9394. 10763. 10764. Vgl. Lisch, M. Jahrb. XVII, S. 123. 124. 126. Gesch. 
des GeschL Maltzan II, S. 186 — 190. 277 — 285. 

•) M. U.-B. 8125. 

') M. U.-B. 9838. 1 1 009. 



GESCHICHTE DER STADT STAVENHAGEN. 157 

Haus Mecklenburg von seinem Reluitionsrechte keinen Gebrauch, und Schloss 
wie Vorwerk Stavenhagen werden gemeinsamer Besitz der beiden herzoglichen 
Linien Mecklenburg und Stargard.^) 

Im Uebrigen giebt es bis jetzt aus dem XV. Jahrhundert nur wenige 
Mittheilungen von grösserem Belang. Am 17. December 1414 übernehmen 
die von Maltzan Haus, Stadt und Land Penzlin als Pfand von den beiden 
Fürsten Balthasar und Christoph von Werle und erhalten ausserdem das Ver- 
sprechen, dass in Betreff von Kauf und Verkauf ihrer Güter im Lande Staven- 
hagen ihren Wünschen auf jede Art Rechnung getragen werden soll.*) Dies 
vielleicht im Hinblick auf die bereits beabsichtigte Wiedereinlösung des Landes. 
Um diese zu ermöglichen, verpfänden die Fürsten von Werle im Jahre 141 5 
die Vogtei Kaien an Heinrich von Kalant. In diesem Jahre mag Stavenhagen 
frei geworden sein. Wenigstens kann es damit zusammenhängen, dass Fürst 
Balthasar von Wenden im Januar 14 16 an den »langhen Henning Kossebade« 
220 lübische Mark aus dem Lande Stavenhagen überträgt.') Wenn wir 
noch hinzufügen, dass nach dem Uebergange des Landes Stavenhagen an 
das Haus Mecklenburg der tapfere Lüdeke Hahn nicht bloss das Land Flau, 
sondern auch das Land Stavenhagen als herzoglicher Vogt unter seinen 
Schirm nimmt und hier bis über 1455 hinaus seines Amtes waltet, und dass 
in den dreissiger Jahren des XVL Jahrhunderts, nachweislich 1531, Hans 
von Quitzow auf dem Schloss zu Stavenhagen als herzoglicher Vogt sitzt, dass 
sich die Kirchen -Reformation im Lande ohne besondere Vorgänge vollzieht, 
sowie dass am Ende desselben Jahrhunderts die Herzogin Elisabeth, die Ge- 
mahlin des Herzogs Ulrich, dem aus einem St. Jürgen -Stift hervorgegangenen 
Armenhause der Stadt eine Stiftung für sechs hülfsbedürftige Leute überweist, 
so ist damit eigentlich alles berichtet, was in dieser Zeit vom XV. Jahrhundert 
her durch das XVL Jahrhundert hindurch eine gewisse Bedeutung hat.*) 

Bei der Landestheilung im Jahre 1520 kommt das Amt Stavenhagen 
an die Güstrowsche Linie.*^) Auch im Fahrenholzer Vertrag von 161 1 ver- 
bleibt es dem Herzogthum Güstrow.") Sehr schwer nimmt der dreissigjährige 
Krieg das ganze Amt mit, und nur langsam heben sich wieder Bevölkerung 
und Wohlstand.') Davon zeugen im XVIII. Jahrhundert die Erneuerung des 

^) Rudloif, Hdb. d. m. Gesch. II, S. 741. Schon 1426 giebt es einen Vertrag zwischen 
Pommern und Mecklenburg, wonach der Streit zwischen ihnen über Stavenhagen einstweilen 
ruhen soll. Vgl. Urkunden im Grossh. Archiv. 

*) Lisch, Gesch. des Geschl. Maltzan II, S. 494 — 501. 

•) Noch nicht gedruckte Urkunden im Grossh. Archiv. Vgl. Lisch, Gesch. des Gesch]. 
Maltzan II, S. 285. 

*) Lisch, Geschl. Hahn II, S. 98. M. Jahrb. XVI, S. iio und iii (Brief des Prädikanten 
Thomas Aderpul). 

*) Rudioff, Hdb. III, I, S. 228. Ueber die Grösse des Amtes Stavenhagen, das im Jahre 
1570 auch das Land Malchin sowie die Vogteien Penzlin und Waren in sich begreift, s. eben- 
daselbst S. 226, Anmkg. i. 

•) Rudioff, Hdb. III, 2, S. 120. 

') Groth, M. Jahrb. VI, S. 132 — 138 (Tabellarische Uebersicht über die Kirchen und Pfarren 
im Amte Stavenhagen nach den Visitationsprotokollen von 1648). 



158 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

Stadt -Reglements von 1775 an, der Bau der Kirche am Ende der siebenziger 
und Anfange der achtziger Jahre, das Aufhören der Amtssässigkeit des Städt- 
chens im Jahre 1789^) und der Bau des Rathhauses im Jahre 1790. Zwar 
bringt das Jahr 1806 wieder schwere Kriegsdrangsale, die Stadt erduldet eine 
Plünderung, aber diese und die nachfolgende Zeit (1808 bis 1845), >" welcher 
der Vater des plattdeutschen Dichters Fritz Reuter als Bürgermeister der Stadt 
deren Gemeinwesen zu leiten hat, wird auch wieder Ursache zu bedeutenden 
literarischen Denkmälern, womit der berühmte Sohn des Bürgermeisters den 
Namen von Stadt und Land — es ist nicht zuviel damit gesagt — durch die 
Welt getragen hat. Es sind vor allen Dingen »Ut de Franzosentid«, »de 
Stromtid« und »Meine Vaterstadt Stavenhagen«. 

Ausser dem schon genannten Pleban Gerhard, dem ersten, der uns im 
XIII. Jahrhundert entgegentritt, kennen wir noch einen zweiten aus diesem 
Zeitabschnitt, den Kirchherrn Albertus um 1293. Ebenso sind aus der ersten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts zwei Plebane bekannt geworden, Pfarrer Heinrich 
und Pfarrer Johann Däne. Damit hören die Nachrichten bis zum XVI. Jahr- 
hundert auf. In den Jahren 1534, 1541 und 1552 giebt es Mittheilungen über 
den Kirchherrn Johann Parrmann, welcher der Reformation beitritt. Damals 
ist Ritzerow noch kein Filial von Stavenhagen, denn es hat noch in Joh. 
Wagenknecht seinen eigenen Pastor, der auch die heute nicht mehr vorhandene 
Kirche in Grischow bedient, deren Patronat ebenso wie das in Ritzerow die 
Aebtissin zu Ivenack ausübt. Ebenso bildet damals noch Jürgenstorf mit 
seinen Filialen Pribbenow und Krummsee (wo es heute keine Kirche mehr 
giebt) ein eigenes Kirchspiel, dessen Kirchherr Joachim Bünger ist. 1560 folgt 
in Stavenhagen Pastor Eberhard Telius, der 1577 ^*^ Konkord ienformel unter- 
zeichnet. Er ist, wie dem Visitationsprotokoll von 1603 zu entnehmen ist, in 
diesem Jahre noch am Leben, hat aber einen Pfarrverweser in Ern Otto 
Wesenberg. Auch ist Ritzerow um diese Zeit bereits zu Stavenhagen über- 
gegangen, ebenso Grischow zu Ivenack. Auf Wesenberg folgt (das Jahr 
selbst ist nicht bekannt) Joachim Walter, den die Kriegsnoth vertreibt. Er 
stirbt 1638 in Rostock. 1640 wird Johann Telius berufen, der bis 1668 hin 
lebt und im Amte ist. Vorher ist er zwanzig Jahre lang Pastor in Gülzow 
gewesen, wo 1603 Pastor Krull seit sechsunddreissig Jahren im Amte ist, und 
1607 Pastor Chrysostomus Suderow als dessen Nachfolger genannt wird. 
Damals hat auch Scharpzow eine Kirche, welche Filia der Gülzower Kirche 
ist. Das Patronat beider Kirchen aber hat »der Stovenhagen«, also der 
Landesherr. Als aber Johannes Telius sein Amt in Stavenhagen antritt, da 
versieht er den Dienst nicht bloss in der Stadt und in Ritzerow, sondern auch 
in Gülzow, Scharpzow und Jürgenstorf und dessen Filiale Pribbenow.*) 
Ueberall sind die Kirchen verwüstet, überall ist die Bevölkerung bis auf einen 



*) Balck, Güter und Aemter II, S. 73. Akten im Grossh. Archiv, betr. Entwurf und Be- 
stätigung des Stadt -Reglements von 1775 bis 1782. 

') Krummsee sucht und findet Unterkunft bei der Kirche zu Ivenack. 



GESCHICHTE DER STADT STA VENHAGEN. I 59 

kleinen Rest zusammengeschmolzen. Man sehe die Zahlen bei Groth a. a. O. 
und lese die VisitationsproloWolle von 1643, 1648, 1662. Jürgenstorf hat bis 
1638 seinen eigenen Pastor gehabt. Als 1597 der alte Conradus Philipp, der 
1577 die Konkordienrormel unterzeichnet hat, selig entschlafen ist, da sorgen 
die von Voss auf Luplow, welche das Patronat von Jtirgenstorf wider die 
von Hahn auf Basedow behaupten, für einen Nachfolger in der Person des 
Pastors Daniel Weinholz. Aber wie viele andere Pastoren treibt auch ihn der 



Kirche lu Stavenhigen. 

Krieg von der Pfarre, und er stirbt ebenso wie der Stavenhäger Walter in 
Rostock. Die Verhältnisse verändern sich nicht unter dem Nachfolger von 
Telius, dem 1668 erwählten Pastor Bernhard Kellermann, von dem es auch 
1678 Nachrichten giebt. Nicht anders wird es unter dem Pastor Adam 
Joachim Koch, den wir 1695 bereits als Kellermann's Nachfolger vorfinden.') 
Zwar wird 1717 unter dem mit dem Gute erlangten Patronat des Henning 
Jürgen von Höbe in Jüi^enstorf eine eigene Pfarre wieder errichtet, um welche 
sich der Pastor Joh. Friedr. Hartmann zu Kittendorf bewirbt. Und 1719 
handelt es sich darum, auch das alte Filial Pribbenow wieder zu seiner ehe- 
maligen Mutterkirche zu legen. Aber alles das erscheint nur vorübergehend. 
Denn der von der Herzogin Magdalena Sibylla als Inhaberin ihres Witthum- 

') Vgl. Stnhr, M. Jahrb. LX, S. 91. 



l6o AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

Amtes Stavenhagen im Jahre 1709 zu Koch's Nachfolger berufene Magister 
und spätere Präpositus des Malchinschen Zirkels, Justus Henricus Riimcker, 
hat bald wieder die Verwaltung von Pribbenow. Riimcker stirbt 1763. Es 
folgt ihm Job. Ludwig Knöchel, welcher 1797 als zweiundachtzigjähriger Greis 
um einen Substituten bittet.') Er erhält ihn in Jakob Bernhard Johann 
Schmidt, der 1802 sein 
Nachfolger wird und 
1843 stirbt. S. Walter 
a. a. O. 



Kirche. I^irchc. Die Ab- 
""^ bildungen der 

Kirche veranschau- 
lichen die Art ihrer 
Anlage in Kreuzform 
sowie den nüchternen 
klassi eieren den Stil des 
XVIII. Jahrhunderts zur 

Genüge (s. o.). Im 
Uebrigen stellt sie sich 
als ein gut ausgefijhrter 
Ziegelbau dar. Der 

Innenraum ist mit 
einer flachen Decke ge- 
schlossen. Er ent- 
spricht in seiner Er- 
scheinung der Schlicht- 
heit des Aeiisseren. 

Die frühere 
Kirche war ein 

Fachwerkbau. Kirche z« Suvenhagen. 

Von Reparaturen 

ist seit 1600 oft in den Akten die Rede. 1643 wW sie von den Kaiser- 
lichen arg mitgenommen. Weitere Erneuerungen finden 1661, 1669 und 
1682 statt. 

Altar- Als Altaranfsatz ein Gemälde von J. H. Suhrland in Ludwigslust: die 

aiifsatz. Auferstehung Christi, ein Gemälde, das die Einwirkungen von Findorfl" und 
Dietericy offenbart. Es ist ein Geschenk des Grossherzogs FRIEDRICH 
FRAN2 I. in einem sehr guten Rokoko - Rahmen. 

') Von RUmcker und Knöchel gab es früher (s. Inventar 1811) Bilder in der Kirche, die 
mit Unterschriften versehen waren. Damach war Rümcker 1683 geboren und bei seinem Tode 
in) 53. Amtsjahr. Von Knöchel hiess es, dass er 1716 geboren war, das« er 1749 ins geistliche 
Amt kam, 1781 die neu erbaute Kirche einweihte und den 19. April 1802 aus dem Leben schied. 



KIRCHE ZU STAVEKHAGEN. 



l6l 



Die Kanzel, ein schlichtes Werk im Geschmack der Renaissance, Kanzel, 
stammt aus der älteren Kirche. — Der Taiifstein ist neu. Taufstein. 



Grab- 
platten. 



Glocken. 



In der Kirche liegen mehrere Grabplatten aus jüngerer Zeit, unter 
andern die des Präpositus RÜMCKER, f 1763 (s. o.), und die eines Fräulein 
CHARLOTTE VON DER LUHE aus dem Anfange des XIX. Jahrhunderts mit der 
charakteristischen In.schrift: EIN ENGEL WAR IN IHR ZUR WELT GEKOMMEN, 
SIE WAR DER ELTERN LIEB UND LUST DIE EWIGE NATUR HAT SIE ZU- 
RÜCK GENOMMEN UND DRÜCKT SIE IRGENDWO AN IHRE BRUST. 

Im Thurm drei Glocken. Die grösste trägt die Inschrift: % anno 

# 1585 # QQt]^ # iocgitn ^ grbttetnafiier # berfiutn # tioinini # tna^ 

nrt # in ttttnbm* Hierunter ein verwischtes Rundbild von ziemlicher 
Grösse, vielleicht ein Wappen. — Die zweite Glocke ist alt, ohne Inschrift 
und Meisterzeichen. — Die dritte ist 1864 von Jllies in Waren gegossen. 

lieber die Glocke von 1585 und ihren Giesser, den Jochim Grutz- 
macher zu Neubrandenburg, giebt es Nachrichten aus den Jahren 1585 bis 
1587 im Grossh. Archiv (Stavenhäger Kirchenakten). Das Inventar von 181 1 
enthält nichts Näheres über die Glocken. 

Kleinknnstwerke. i. 2. Kleiner gothischer Kelch mit der Jahreszahl Kleinkunst- 
1637 am oberen Annulus und dem Namen i]^0fb|§ am Knauf. Auf dem sechs- werke, 
passigen Fuss die Stifternamen des JOHANN VON GRABOW und der SOPHIA VON 
RESTORFF sowie beider Wappen.*) Keine Werkzeichen, auch nicht an der zu- 
gehörigen Patene. — 3. 4. Grösserer Kelch auf rundem Fuss; auf der Unter- 
seite des Fusses die Inschrift: CHRISTIAN SCHRÖDER, ANNA MARGARETHA 
REVTERN, NICOLAS REVTER, CHRISTIAN ALEXANDER REVTER UND FRIED- 
RICH REVTER, FÜRSTLICHE BEAMBTE ZU STAVENHAGEN HABEN DIESES 
GERAhT der STAVENHAGENSCHEN KIRCHEN ZUM ANDENCKEN VERERET 
ANNO 1712. Vom Güstrower Goldschmied Lenhard Mestlin. Dazu eine Patene. 
— 5. 6. Silbervergoldeter gothischer Kelch von mittlerer Grösse, auf sechs- 
passigem Fuss.*) Unter dem Fuss die Inschrift: MARTIN KRAKOW FLOREN- 
TINA WESTPHALIN. Keine Werkzeichen, auch nicht an der Patene. — 7. Sil- 
bernes Geräth zur Kranken -Kommunion: Kelch, Patene, Oblatenschachtel und 
Weinflasche. Inschrift unter dem Kelch: M • I • H • RVMKER • P • STAVEN- 
HAGEN • ANNO 1731 HAT DIES ZUR KRANKEN -COMMUNION GESCHENKT. 
Vom Malchiner Goldschmied D»J»W» — 8. Grosse zinnerne Patene 
ohne Inschrift. Als Werkzeichen der werlesche Stierkopf, daneben i L* H 
die Reste von zwei Buchstaben und das nebenstehende Meister- yH 
zeichen. — 9. Ovale Oblatenschachtel von Zinn, mit einem eingravierten Kruci- 
fixus auf dem Deckel, 1778 gestiftet von JOHANN CHRISTIAN LADENDORFF. 

*) Sophia von Restorff, die Wittwe des am 5. Februar 1636 verstorbenen Joachim 
von Grabow, Pfandinhabers des Amtes Stavenhagen, erbgesessen auf Woosten. Der Kelch 
erscheint somit als eine Stiftung zu Ehren des Verstorbenen, sowohl von der Wittwe wie von 
deren Schwager und Mitvormund, dem Bruder des Verstorbenen, Johann von Grabow. 

") VemachUssigt, verdient eine Wiederherstellung. 

11 



l62 AMTSÜF.RICIITSltEZIKK STAVKNIIAGEN. 

Ohne Wcrkzeiclien. — lo. Runde getriebene Messing -Taufschale, in der Mitte 
die Verkündigung mit einer Legende, welche die Buchstaben W»J«S»H» 
N*B*J>R<A>J-E> bilden. Ein andermal ist der Schluss A'J-H.N.E« 
— II. Neue silberne Kanne. — 12. Silberner Schöpflöffel mit den Initialen: 
C • S • A • M • R •') — 12 13. Zwei zinnerne Leuchter, der eine 1711 von 
HANS SOLTZ und MARTHA RASEN, der andere i;i2 von GERHARD WASCHER. 
Werkzeichen nicht gefunden. 



Sog. Schlo^s zu ijtavenliagen. 

Sog. Neben der Stadt, auf dem Schlossberge, ringsum von einem ab- 

Schioss. getragenen Walle umgeben, das Scbloss, z. Zt. Sitz des Amtsgerichts und 
des Domanialamts. Ursprünglich für die Herzogin Magdalena Sibylla ein- 
gerichtet, aber nicht von ihr bezogen, S, o. S, 159/160 und M. Kunst- u. 
Gesch.-Denkm, IV, S. 195.*) 



Das Filial- Kirchdorf Ritzerow.') 

ISnitzerow ist ein der alten Terra Stavenhagen angehörendes grosses 
*"* DoraanialKirchdorf, welches bereits im Jahre 1276 eine Pfarre besitzt. 
Herzog Wartislav von Pommern verleiht es in demselben Jahre dem Kloster 
Ivenack, welchem es bis zur Säkularisierung angehört.') Am i. Juni 1300 

') V);l. den zweiten Kelch mit den beulen Nnmen SCHRÖDER und REUTCr. 
') Vgl. Keuter's Werke, Schurr-Murr. 
') 3-;, km sIldöMlLcli von Stavenhagen, 
') M. U.-B. 762. 



FILIAL- KIRCHDORF RITZEROW. 



163 



Kirche. 



bestätigt diesen Besitz mit anderen Klostergütern zusammen auch Fürst 
Nikolaus von Werle.^) In späterer Zeit müssen die landesherrlichen Abgaben 
in Ritzerow, im Besonderen die an Bede, Münzpfennigen, Hundekom, Diensten 
u. s. w. den von Maltzan verpfändet gewesen sein, da sie von diesen am 

6. December 1381 mit Ausnahme des Manndienstes weiter verpfändet werden, 
nämlich an den Knappen Arnd Wosten.*) Die von Wosten sind übrigens 
nur mit geringem Grundbesitz während des XV. Jahrhunderts zu Ritzerow 
angesessen und veräussern ihn überdies an die von Gustekow.') Nachdem 
Ivenack in den fünfziger Jahren des XVI. Jahrhunderts säkularisiert worden, 
gelangt Ritzerow an die landesherrliche Verwaltung zurück. Unter dieser 
macht es die schwere Zeit des dreissigjährigen Krieges durch, nach dessen 
Ende nur vier Personen im Orte gezählt werden, während schon gelegentlich 
der Verpfandung der landesherrlichen Gefälle im Jahre 1381 sechzehn Hufen- 
besitzer genannt werden. Es sind : Bernd by der Beke, Gustecowe, Krummenze, 
Sperlink, Bergheman, GoUenbeke, Goscalk, Zagher, Perkowe, Wentorp, Kethel, 
Tomowe, Gronowe, Moryn und zwei Burmeister. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Stavenhagen. 

Kirche. Die Filial- Kirche zu Ritzerow ist ein Neubau aus den sechziger 
Jahren des XIX. Jahrhunderts. Ihr Thurm stammt sogar erst von 1884. 
Der Chor ist mit drei Seiten aus dem Achteck gebildet. Die innere Ein- 
richtung der Kirche hat keine Bedeutung. 

Im Thürm drei Glocken. Die grösste ist 1837 von Schünemann in 
Demmin gegossen worden.**) Die zweite hat gar keine Inschrift. 
Die dritte hat den mittelalterlichen Anruf: <& Itj: jloriE j:pE belli 
cum pace anno bni incCCCC^, dazu das nebenstehende Giesser- 
zeichen. 

Kleinkunstwerke, i — 3. Neuer Kelch, gestiftet 1889 von ANNA IBEN- Kleinkunst- 
DORFF. Dazu Patene und Oblatendose, alles von Prüfer- Berlin. — 4. Zinnerner werke. 
Kelch, gestiftet 1660 von CASPER BOLTE. Von einem Rostocker Zinngiesser. 
— 5. 6. Zinnerner Kelch mit Patene, gestiftet 1735 von HANS WAGENKNECHT. 
Mit der Marke des englischen Zinns und den Meister -Initialen F • S. — 

7. Zinnerner Kelch, gestiftet 1741 von BERNHARD KROGER. Stempel un- 
deutlich. — 8. Achtseitige zinnerne Weinflasche von 1731. Als Stadtzeichen 
der werlesche Stierkopf und als Meisterstempel ein Pelikan mit den Initialen 
C • K. — 9 — 15. Sieben Zinnleuchter, jeder mit dem Namen seines Stifters: 
ANNA BOLTEN 1660; DAVID KRASEMANN 1680; HANS NEVENDORF 1680; 
CLAUS HOMEYER 1699; MÄRTEN WAGEN KNECHT 1729; FRIEDERICH WAGEN- 
KNECHT 1735; BLEICH ERT ERNST KRÜGER 1752. 

1) M. U.-B. 2614. 

*) M. U.-B. II 383. 

•) Vgl. Akten im Grossh. Archiv. 

*) Das Inventar von 1811 enthält keine Angaben über ihre Vorgängerin. 



Glocken. 




,^s ^ ^-^^ 



11* 



164 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENIIAGEN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Filial - Kirchdorf JUrgenstorf) 

|as Blücher'sche Dorf und Gut Jürgenstorf grenzt mit einem Theil an 
die ehemals zum Kloster Ivenack gehörenden Ortschaften. Es ist 
daher begreiflich, wenn das Kloster seine Wünsche auch auf Jürgenstorf 
richtet und sich 141 1 durch Fürst Christoph von Wenden bezeugen lässt, 
dass er sowohl von seinen Vorfahren wie von den pommerschen Herzögen 
Briefe gesehen, in welchen neben anderen auch Dorf »Joerdensdorp« mit aller 
Bede, Pacht etc. aufgeführt sei.*) Indessen scheint das Kloster mit diesem 
Bemühen kein Glück gehabt zu haben, denn in keiner sonst bekannten älteren 
Urkunde wird Jürgenstorf unter den Besitzungen des Klosters aufgeführt. Im 
Gegentheil vergiebt noch 15 16 Lütke Moltzan in Demmin der Klosterjungfrau 
Elze Wulfes zu Ivenack eine Hebung von fünf Mark Sundisch aus diesem 
Dorfe, welche nach ihrem Tode dem Kloster bleiben sollen, ist also jedenfalls 
im Besitze eines Theiles des Dorfes, und wenn auch das Kloster im Jahre 1434 
die Hebungen zweier Vikareien aus Jürgenstorf verkauft, so beweist das nichts 
für ein ausgedehnteres Eigenthum in und an dem Dorfe. Erst im Jahre 15 16 
gelingt es dem Kloster, in den Besitz eines grösseren Antheils zu gelangen, 
indem es von Eggert Voss zu Flotow wiederkäuflich acht Höfe und Hufen 
erwirbt, die bei der einige Jahrzehnte später erfolgenden Säkularisierung an 
den Landesherrn zurückgefallen sein werden. Ueberhaupt steht das Gut 
damals zum grössten Theil in Voss'schem Eigenthum. Am 15. März 1483 
verkauft Claus Voss auf Rumpshagen den Brüdern Claus und Otto Hahn auf 
Basedow das halbe Dorf Jürgenstorf und den halben Vosshagen mit Aus- 
nahme dessen, was die von Moltzan besitzen, fiir 511 Mark Lübisch zu 
erblichem Besitz. Die Käufer erhalten die landesherrliche Belehnung am 
25. Januar 1484. Der Moltzan'sche Antheil aber, welcher nicht gross gewesen 
sein kann, verschwindet vollständig aus der Geschichte dieses Gutes, er wird 
daher wohl in den Voss'schen Besitz aufgegangen sein. Die von Hahn ver- 
kaufen ihren Antheil 161 1 an Wedege von Staffeid, welchem die von Voss 
zwei Jahre früher schon einen Theil des ihnen verbliebenen Restes verpfändet 
hatten. Lehnbrief und Konsens werden ihm am 30. Januar 161 2 ertheilt. 
Im Jahre 1666 muthen die Stafifeld zum letzten Mal. 1671 thun dies auch 
die Voss'schen Erben in Betreff ihres Antheils am Lehn. Thatsächlich kehrt 
dieses am 12. Juli 1702 wieder in den Besitz der von Voss zurück, wobei 
indessen der Landesherr, dem damaligen Brauche entsprechend, sich die hohe 



*) 4 km südlich von Stavenhagen. Ursprünglich (d. h. vom XV. bis 2um XVIII. Jahrhundert) 
Jördenstorf geheissen, also von Jordanus und nicht von Georg abzuleiten. Frühere mittelalterliche 
Urkunden fehlen. 

*) Wicht gedruckte Urkunde im Grossh. Archiv. 



FILIAL-KIRCIIDORF JÜRGENSTORF. l6$ 

Jagd vorbehält, ohne freilich dieses Recht thatsächlich auszuüben. Aber die 
von Voss haben keine Freude an ihrem Besitz, welcher fast werthlos aus dem 
dreissigjährigen Kriege hervorgegangen war. Von neun Bauern und sieben 
Kossäten sind 1648 gar keine mehr da Nur vier Personen leben im Dorfe, 
und die Gehöfte und Felder liegen wüst und unbebaut da. Mag auch im 
Jahre 1703 die Zahl der Beichtkinder wieder auf sechsundsech/ig gestiegen 



sein, so kann die Ertragsfahigkeit des Gutes doch nur eine sehr geringe 
gewesen sein.') Unaufhörliche Verpfändungen sind die Folge dieser traurigen 
Verhältnisse. Für Summen von neunhundert bis zu zwölfhundert Thalem 
geht das Gut von einem Pfandinhaber auf den anderen über, um .schliesslich 
bei Henning Christoph von Höbe hängen zu bleiben, den die Lehnkammer 
als Eigenthümer oder Vasatlus bezeichnet, ohne dass er es jemals auf Grund 

■) Groth, M. Jahrb. VI, S. 138. 



I66 AMTSGERICHTSBEZIKK STAVENHACKN. 

älterer Lehn rech tstitel gemuthet hätte. Letzteres besorgen die Voss unentwegt 
weiter, können aber den gänzlichen Verlust des Gutes nicht aufhalten, das 
1786 von den Hobe's auf den Rittmeister August Friedrich von Lowtzow auf 
Gross-Lunow übergeht. Dieser empfangt 1789 die Belehnung. Aber schon 
1798 wird der Kammerherr Gustav Dietrich von Oertzen auf Kittendorf dessen 
Rechtsnachfolger. In Oertzen'schen Händen bleibt das Gut bis 1 869. Da 
erwirbt es Friedrich Helmuth Anton von Blücher, dessen Familie es noch 
heute hat. 

Ueber die geistlichen Verhältnisse s. o. S. 159 bei Stavenhagen. 

Kirche. Die Filial-Kirche zu Jürgenstorf, welche im dreissigjährigen 
Kriege untergegangen war (s. o.), ist 1700 neu erbaut. Der untere Theil des 
Thurmes ist noch ein gothisches Ueberblelbsel aus dem XIV. Jahrhundert. 



Grabstein des Henning Christoph von Hohe. 

Altar- Der Altaraufsatz, ein spätgothischcs Triptychon des XV. Jahrhunderts, 

aufeatz. enthält im Mitlel.schrein die figurenreiche Darstellung der Kreuzigung und als 
Nebenfiguren die vier Apostel Jakobus minor, Matthaeus, Bartliolomaeus und 
Jakobus major, während in den beiden Flügeln die übrigen acht Apostel an- 
gebracht sind, alle mit langen Spruchbändern, auf denen ihre Namen stehen. 
In der Gruppe am Kreuz fällt rechts ein gepanzerter Ritter auf, in welchem 
vielleicht der Stifter des Werkes zu erkennen ist. Oberhalb des Triptychons 
Krucifixus. die Gruppe des Kmcifixus mit Maria und Johannes in dreiviertel Lebensgrösse. 

Kanzel. An der Kanzel mit der Jahreszahl 1718 die Bilder der vier Evangelisten. 

Ausserdem sind hier zwei Wappen mit der Unterschrift: HENNING CHRI- 
STOPH V • HÖBE 1715, MARIA DOROTHEA V . BLÜCHER 1715 (s. o.]. 

Taufstein. Der alte Taufstein li^ in zwei Stücken im Thurm. 

Glas- Im herrschaftlichen Stuhle ein buntes Glasfeaster, das den Evan- 

malerei. gdisten Johannes darstellt. Dazu die Unterschrift: GOTT ZU EHREN VER- 
EHRET DIESES FENSTER OTTE THOMSEN ANNO 1714. Vor dem Stuhl drei 



FILIAL- KIRCHDORF JÜKGENSIÜRF. 1 67 

Wappenpaare, die der Familien VON BLÜCHER und VON RIEBEN, VON 
OERTZEN und VON BODDIEN, VON HÖBE und VON BLÜCHER. 

Die Kirche hat zwei alte Glocken. Die eine enthält die ^^V ^V^ Glocken. 

Inschrift: fftXp QQt • ICE Bloric ccfftc iiciit tüm pacc aincii'^^N^^ 
gclf nmcfa btrQO fmura tatctina aca jpca iio6i^ bebm. ^^\^ 

Dazu als Bild eine Bischofsfigur und das nebenstehende Glocken- 4^ ^^ 
zeichen. Die andere hat die Inschrift: i0 tCF ßlotic (tiftc ticnt CÜIÜ pacC. 



Vor dem Altar der Grabstein des HENNING CHRISTOPH VON HÖBE, Grabstein, 
geb. 1659, gest. 1728, dazu sein Familien wappen. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Kelch mit der Inschrift: DIESEN KELK HABE Kleinkunst- 
ZU GOTTES EHREN IN DER JÜRGENSTÖRFFER KIRG ZUM ANDENCKEN VER- werke. 
EHREN WOLLEN ADOLFF FRIEDRICH VON STAFFELD D.1. JANUAR Ao 1715. 
Stadtzeichen: drei Thürme; Meisterzeichen: D B. Auf der Patene die In- 
schrift: CATRINA MARIE'a VON STAFFELD GEBORNE VON DER LÜHEN. Dazu 
das Stafifeld'sche Wappen mit drei Messern.'} — 3 Messingenes Taufbecken 
mit der Darstellung des Sündenfalles. — 4. 5. Zwei zinnerne Leuchter, der 

') Die Familie von Staffeid be.'^ass damals Knimmäee, das einst lar JUrgenstorfer Gemeinde 
gehörte. S. o. S. ijS. 



l68 AMTSSERICHTSBEZIBK STAVENHAGEN. 

eine von DAVID HILDEMANN 1715, der andere von CHRISTIAN HILLMANN 1716. 
Beide mit den schon genannten Stempeln des Meisters C K mit dem Pelikan. 
(S. o. S. 163.) — 6. Altardecke mit den eingestickten Wappen und Namen 
C • D*,yON HOBEN und B • A>') VON POWISCHEN 1718. 



Das Filial- Kirchdorf Pribbenow.*) 

Geschichte R^Uribbenow wird schon im XIII. Jahrhundert Dargunsches Klosterdorf. Am 
des IUhB g März 1360 giebt nämlich Herzog Wartislav von Pommern dem 
Kloster den Besitz des Dorfes, und gleich dam uf verleiht ihm Bischof Hermann 



Dorfes. 



von Kammin den Zehnten daraus.') Eine neue Bestätigung erfolgt am 27. Mai 
1282.*} Nach der Säkularisierung des Klosters geht das Dorf in die Ver- 
waltung des Amtes Stavenhagen über, unter welcher es sich, nachdem es 

') Benedicts Anna, 

^ 4 km slLdlich von Slavenhagen. Pnbignewe = Wachsmuth. Vgl. M. Jahrb. XL VI, S. III. 

•) M. U.-B. 861. 86a. Vgl. 1071. laög. 

*) M. U.B. 162g. 



FIUAL- KIRCHDORF PRIBBENOW. — KLOSTER IVENACK. 169 

durch den dreissigjährigen Krieg völlig verwüstet worden war, zu einem 
blühenden Domanialdorf entwickelt hat.^) 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Stavenhagen. 

Kapelle« Die Kapelle zu Pribbenow ist ein Fachwerkbau mit einem Kapelle. 
Dachreiterthürmchen auf dem Westende. Ihre innere Einrichtung ist ohne 
Bedeutung. 

Als Altaranfsatz dient ein älteres gothisches Triptychon mit Schnitz- Altar- 
figuren: in der Mitte die hl. Maria mit dem Kinde, umgeben von Engeln; in aufsatz. 
den Flügeln die zwölf Apostel. Das kleine Werk stammt aus der früheren 
Kirche zu Stavenhagen. — Nur eine kleine Glocke giebt es, die 1793 von 
Joh. Chr. Meyer gegossen worden ist. 

Kleinkttnatwcrke. i. 2. Grösserer zinnerner Kelch mit Patene, gestiftet Kleinkunst- 
1843 von J • F • VOSS. — 3.4. Noch ein zinnerner Kelch mit Patene, gestiftet werke. 
1752 von JACOB HILMAN. Englisches Zinn, Stempel undeutlich. — 5. 6. Zwei 
zinnerne Leuchter, der eine 1734 von CHRISTIAN VOSS, der andere 1738 von 
ADAM JOCHIM CAREL geschenkt. Als Stempel der werlesche Büffelskopf und 
der Pelikan mit den Initialen C • K. (s. S 163. 168). 




Klosters. 



Das Kloster Ivenack.') 

|argun ist die erste, Ivenack die zweite grosse Feldkloster -Stiftung im Geschichte 
mecklenburgischen Circipanien, das dem Heidenthum nur auf das ,^,^^^ 
Allerschwerste abgerungen war. Es ist am 15. Mai 1252, als Ritter Reim- 
bern von Stoue von seiner Burg Stouenhagen aus zur Ehre Christi und seiner 
glorreichen Mutter einen Cisterciensernonnen- Konvent in seinem Dorfe Ivenack 
(Ivenach) begründet.') Er verleiht diesem nicht nur den Ort selbst nebst dem 
See, an dem er liegt, sondern auch die Kirche zu Basepohl (Bospole) und die 
zwischen beiden Dörfern damals vorhandenen Inseln oder Werder. In der 
That: der hervorragende gute Grund und Boden sowie die anziehenden Wald- 
und Wasser -Verhältnisse werden diese Gegend schon damals als zur Anlage 
eines ackerbautreibenden Klosters besonders geeignet haben erscheinen lassen. 
Die zur Diöcese des Kamminer Bischofes gehörende Stiftung erfreut sich bald 
der Gunst und Förderung von Seiten der pommerschen Herzöge und Anderer. 
Im Jahre 1256 verleiht Herzog Wartislav von Pommern auch seinerseits als 



») Groth, M. Jahrb. VI, S. 136. 

•) 5 km ostnordöstlich von Stavenhagen. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 63, leitet den Namen 
von dem altslavischen Wort iva = salix helix = Weide ab und übersetzt ihn mit > Weidenort« 
(Weidendorf). 

•) M. U.-B. 691. 



170 AMTSGEklCHTSIlKZlRK HTAVICNHACEN. 

Landesherr dem Kloster die zwischen Ivenack und Basepohl liegenden Werder 
sowie die Pfarrdörfer Zolkendorf (Soldekedorp), Grischow (Gro.ssow), Ritzerow 
(Ricerow), Klockow (Clokow), beide (Gross- und Klein) Basepohl (utrumque 
Bozepol), sowie Ankun und Kossocendorp, von welchen die beiden letzt- 
genannten wahrscheinlich schon während des Mittelalters in einen Theil der 
vorgenannten Feldmarken aufgegangen sein werden.') Auch gestattet der 
Herzog am 15. December 1261 dem Vikar Bernhard Honig (Bernardus Mel) 
die Schenkung zweier Hufen im Dorfe Buchholz (Bokholt), bestätigt dem 
Kloster das Eigenthum an ihnen und schenkt selbst den halben Zehnten in 
den Dörfern Gutzkow (Gostekow) und Takun (in Vorpommern).*) 1264 ver- 
leiht Herzog Barnim von Pommern dem Kloster Ivenack schon im Voraus 
das Eigenthum von hundert, beliebig an irgend einem Platze in seinen Landen 



Fernblick ouf Ivenack. 

ZU erwerbenden Hufen und fugt am 6. Februar 1265 das l'atronat der Kirche 
in Sophienhof (Cerbenzin) bei Loiz, sowie am 28. Juli 1265 das Eigenthum 
des Dorfes Glendelin, südlich von Denimin, hinzu.') Immer mehr wächst der 
Besitz des Klosters an Land und Gefallen: in der Zeit von 1271 bis 1276 
werden Wrodow, Fahrenholz (Vorenholt), zehn Hufen in Pinnow (im Lande 
Gädebehn) und das Dorf Neuendorf im Lande Loiz erworben.*) Als 
am 31. Januar 1283 Bischof Hermann von Kammin dem Kloster alle Be- 
sitzungen und Zehnten bestätigt, nennt er bereits folgende, theils mecklen- 
bui^ische, theils pommersche Ortschaften : Ivenack (Yuenac), Grischow (Grescow), 
Fahrenholz (Vorenholt), Wrodow, Pinnow, Wackerow (Wakkarow), Gutzkow 

') M. U.-B. 762. Vgl. Schildt, M. Jahrb. LVI, S. 214. Hei diesen ISesilzangalien miiss fteilich 
im Ange behalten weiden, dass es sich nicht immer sofort um die ganzen Dörfer, sondern, wie 
z. B. bei beiden Basepohl, nicht selten nur um die ersten Antheile und um blosse llebangen 
bandelt. 

>) M. U.-B. 93a. 

') M. U.-B. 1000. 1037. 1053. Vgl. 1094. 

*) M. U.-B. 1227. 1249. 1405. Zu 1405 vgl. 4699. 5739. S9I2. 9790. 



KLOSTER IVENACK. 171 

(Gustecow), Zwiedorf (Tvedorp), Glendelin (Glandelyn), Hasseldorf (Hassendorp), 
Buchholz (Bucholt), Wittenwerder, Neuendorf (Nyendorp), Gross- und Klein- 
Remplin (Magnum et Parvum Reppelyn), Sophienhof (Cerberzyn), Benzin 
(Bentcyn), Kastorf (Kerstiansdorp), Rosenow, Galenbek (Golenbek), Goddin, 
Klockow und Relyn (Lindenberg).*) Inzwischen ist Fürst Nikolaus von Werle 
in den alleinigen Besitz von Circipanien gekommen und bestätigt nunmehr 
auch seinerseits dem Kloster alle Güter und Freiheiten, wenngleich die Urkunde, 
die diese Bestätigung enthält, keine zweifellos echte Original -Urkunde ist, 
sondern als eine spätere, etwas nachlässig hergestellte Anfertigung bezeichnet 
werden muss, mit welcher man sich und Andere anscheinend über den Verlust 
einer mehr oder minder ähnlich lautenden Original -Urkunde, die es schon 
gegeben haben wird, hinwegzutäuschen suchte.*) Im Uebrigen ist es zweifel- 
los, dass der Güterbesitz inzwischen wiederum erheblich zugenommen hatte, 
z. B. um fünf Hufen in Vanselow bei Demmin, zwei Hufen in Zwiedorf und 
zwei Hufen in Gnevkow (Vorpommern).^) 

Die weiteren Urkunden des XIV., XV. und XVI. Jahrhunderts bis zur 
Auflösung des Klosters im Jahre 1555 können sich, soweit die materielle 
Bedeutung ihres Inhaltes in Betracht kommt, mit den grossen Fundations- 
urkunden des XIII. Jahrhunderts nicht messen, aber sie zeigen den unauf- 
haltsamen Fortschritt des ausgedehnten Wirthschaftsbetriebes auf eingeschlagener 
Bahn und liefern ausserdem den Beweis, dass das Vertrauen der Bevölkerung 
zu diesem Betriebe kein einziges Mal auch nur vorübergehend erlahmte, 
sondern bis zuletzt in fortwährendem Steigen begriffen war. Anders als bei 
anderen Klöstern und geistlichen Stiftungen des Landes: man vergleiche nur 
Neukloster, Tempzin u. a. m., welche zeitweise von schweren wirthschaftlichen 
Krisen heimgesucht waren. 

Als weitere Besitzvermehrungen in der ersten Hälfte des XIV. Jahr- 
hunderts sind zu verzeichnen: das nahe bei Ivenack gelegene Dorf Weitendorf 
und zehn Hufen in Wackerow, beide im Jahre 1302; die Zehnten von Glendehn 
in Vorpommern, zehn Hufen in Pinnow im I^nde Neu-Brandenburg oder 
Gädebehn (in terra Ghotebende) und das Eigenthum des Dorfes Fahrenholz 
im Jahre 1303; die Anwartschaft auf die nach dem Tode ihrer derzeitigen 
Inhaber eintreten sollende Einverleibung zweier Pfarren im Jahre 1304, nämlich 
der zu Kastorf und der zu Sophienhof (Cerbencin in Vorpommern), welcher 
ein Jahr später die Kapelle zu Kletzin als Tochterkirche angeschlossen wird; 
die für Kleider und Schuhe zu verwendenden Einkünfte aus der Kukuksmühle 
im Jahre 1307;*) die von Fürst Nikolaus von Werle zur Stiftung einer Vikarei 
verliehene Bede aus neun Hufen zu Weitendorf im Jahre 1309; zwei Hufen 
zu Hohen-Brünzow in Vorpommern zu einer Memorienstiftung für die Familie 
von Erteneburg im Jahre 13 10; ein Kapital von einhundert Mark wendischer 

*) M. U.-B. 1666. Vgl. dazu 1533. 1822. 1843. »878. 

') M. U.-B. 2614. Vgl. Prümers, Angebliche Verpfändung des Amtes Stavenhagen, S. 8. 

*; M. U.-B. 2232. 2237. 2274. 

*) Die Lage dieser Mühle ist anscheinend unbekannt. 



172 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENIIAGEN. 

Pfennige (lir eine gleiche Stiftung des Konrad Voss im Jahre 13 19; ein 
Abgaben- Er lass des Bischofs Konrad von Kammin, der vorläufig seiner 
Schwester Ermgard auf Lebenszeit zu Gute kommen soll, im Jahre 1321; und 
endlich Hebungen aus Schossow bei Treptow, welche Ritter Matthias Voss 
und seine Gattin Beatrix zu Gunsten ihrer ins Kloster eingetretenen Tochter 
Margarethe am 24. Juli 1324 stiften.^) Die unentwegt festgehaltene Gunst der 
weltlichen Landesherren in Pommern und Werle aber offenbart sich in zwei 
Konfirmationsbriefen dieser Zeit, sowie in dem am 11. Juni 1349 von Fürst 
Johann III. von Werle ertheilten Privileg der freien Wahl des Probstes »wy 
Johannes van gades gnaden eyn here to Werle, myth vnsem eigen fryen vnde 
guden willen vnde mith rade vnser rhede hebben auergeuen vnde auergeuen 
hirmith den closteriunckfrowen to luenack frye vnde vullenkamen gewalt vnde 
macht erhe praweste edder vorweser na rade erer olderen tho erwelende vnde 
[a]ffto[setten]de, alszo dat wy edder vnse eruen edder aduocate[n] [e]dder stede- 
holder edder ampthlude sze yn nynem [stucke] hy[nderen]; sunder, wen sze vns 
hyrynne vmme v[nsere] hulpe bidden, wille wy enn helpen, alsze wy van gade, 
wen sick vnse liff vnde szele scheiden schal, wedder to entfangen bogeren.«*) 

In die zweite Hälfte des XIV. Jahrhunderts fällt die schrittweise Er- 
werbung des Dorfes »Hillefeld« im Jahre 1355, das in der Nähe von Fahren- 
holz gelegen war; ferner allerlei geschäftliche Beziehung zur Stadt Rostock, 
deren Patriziertöchter uns in dieser Zeit mehrfach als Ivenacker Kloster- 
jungfrauen begegnen; ein Vergleich am 8. November 1382 mit Fürst Johann VI. 
von Werle über die dem Kloster gehörenden beiden Dörfer Grischow und 
Weitendorf; der Bau einer Kapelle durch Wedege von Buggenhagen in der 
Zeit von 1388 auf 1389 neben seinem Burgsitz zu Wolde, und die Einverleibung 
dieser unter seinem Patronat verbleibenden Kapelle mit ihren Einkünften als 
Filia in die Kastorfer Parochie, deren Patronat das Kloster hat; die Stiftung 
von Seelenmessen und einer damit verbundenen jährlichen Mahlzeit des Kloster- 
konventes mit Hebungen aus dem pommerschen Dorfe Schmarsow durch den 
Ritter Bernhard von Maltzan am 25. März 1389; und endlich die Erwerbung 
von Pachten aus Antheilen der Familie von der Osten an Gross- Basepohl im 
Jahre 1398 als erster Schritt zum Ankauf von ganz Basepohl. ^) 

Von zahlreichen einzelnen Hebungen abgesehen, die bald hie, bald da 
erworben werden und bisweilen von einer Hand in die andere gehen, sind die 



*) M. U.-B. 2810. 2826. 2849. 2850. 2895. 2961. 2995. 3157. 3329. 3356. 4077. 4282. 
4548. 4699. 

*) M. U.-B. 2754. 2937. 6973. 

') M. U.-B. 8035. 8143. 8859. 9087. 9620, Anmkg. 11471. Lisch, Geschl. Maltzan II, 
S. 376 — 378. Noch nicht gedruckte Urkunden von 1388, 1389 und 1398 im Grossh. Archiv. — 
»Hillefeld« ist die pommersche Feldmark >Krusemarkshagenc (Grotefend). Von Hillefeld geht 
freilich im Jahre 1404 durch Verkauf an Ritter Heinrich Voss zum Lindenberge ein Theil wieder 
aus dem Besitz des Klosters heraus. — Auch dem Kloster selbst vermacht Ritter Wedege Buggen- 
hagen bei Gelegenheit einer Stiftung von Seelenmessen für seine Gattin Ceffe (Sophie), die vor 
einem Altar der Kirche zu Ivenack begraben liegt, eine Reihe bedeutender Einkünfte im Jahre 
1405. — Klein -Basepohl wird nicht lange vor 1499 vom Kloster Ivenack erworben. 



KLOSTER IVENACK. 1/3 

wichtigsten Entwicklungs-Momente in der Geschichte des klösterlichen Wirth- 
schaftsbetriebes während der ersten Hälfte des mit Urkunden reichgesegneten 
XV. Jahrhunderts : *) die Ueberweisung des Kirchlehns zu Varchentin durch 
Fürst Christoph zu Wenden um seiner, seines Bruders und seiner Eltern Selig- 
keit willen an das Kloster im Jahre 1409 und die Genehmigung zum Ankauf 
von Grund und Boden sowie von Fischerei-Gerechtigkeiten in demselben Dorfe, 
wo auch die Kalandsherrn zu Waren Einkünfte haben, die sie im Jahre 1410 
dem Kloster überlassen; der Ankauf von Hufen in Goddin und Tützpatz in 
den Jahren 14 10 und 141 2; die Erwerbung eines Erbes im Dorfe Tenzerow 
(Vorpommern) im Jahre 1418; die Stiftung einer Vikarei durch den Probst 
Gerd Bertekow (Berkow) im Jahre 1420; weitere Erwerbungen von Hebungen 
und Antheilen in Gross-Basepohl in den Jahren 1420, 1422, 1424, 1442, 1445, 
desgleichen in Varchentin, in Sarow (Vorpommern), Hasseldorf, Gross-Giewitz, 
Ritzerow, Jürgenstorf, Haselow,*) Mölln und Briggow in derselben Zeit; die 
grosse Maltzan'sche Vikareien-Stiftung mit jährlich 60 Mark Sundisch aus 
zwölf Hufen im Dorf und Gut Loischentin im Jahre 1427 und deren Bestäti- 
gung durch den Bischof Siegfried von Kammin am 12. November 1429: 
.... »an de closterkerke to Yuenacke tho eyner ewyghen vyckarien to dem 
altare, dat an de norden syde nedden an de zuluen kerken m&ret ys vnde dar 
wy Moltzane vnse gruft v8r hebben, myd wyllen vnde ghunst des prauestes 
vnde der ebdyssen vnde des ghantzen conuentes, dar Luteke Moltzan vnser 
vader, Anna vnse müder vnde Katherina, Hinrik Moltzans husvrowe vnde 
Ghereke Moltzan v8r lygghen synt, des de preystere tho deme suluen altare 
ok dechthych wesen scholen. Vortmer to desser vorscreuen vycaryen schal 
de prauest, de nu yst vnde to eweghen tyden zyne nakomere twe preystere 
holden, vnde de scholen anders an deme clostere nyn ambacht hebben, men 
dat se de vycaryen waren scholen myd myssen, alzo dat alle daghe schal 
misse werden to deme vorscreuen altare .... Wer ok, dat Got afifkere, dat 
vnse siechte vorstorue der Moltzane vnde nyne Moltzane meer weren, zo schal 
de rad tho Malchyn van vnser Moltzane weghen to ewighen tyden vor der 
preystere tho der vorscreuen vycaryen de bede tho deme praueste vnde 

ebdissen stede vnde ghentsliken beholden Vortmer desse vorscreuen 

twe preystere van der Moltzane weghen scholen myd alle den, dede praueste 
syn edder werden to luenacke, hebben erlyke vrye koste, alzo dat zee scholen 
to ewyghen tyden tho des prauestes tafeilen alle daghe ethen vnde drynken, 
alze der daghe tyd ys. Ok scholen de beyden preystere, de tho der tyd dar 
zyn, hebben an deme closterehaue vrye husynghe vnde voringhe, alzo see 
zych de prauest zuluen brüket myd zynen preysteren an der dornitzen vnde 
kokenen. Ok wan vnde wo vaken de prauest mit zynen anderen preysteren 
coUacie drynket, so scholen de twe vicaryen preystere vrye collacien mede 



*) Grösstentheils noch nicht gedruckte Urkunden im Grossh. Archiv. Zur Maltzan'schen 
Stiftung des Jahres 1427 vgl. Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 585 — 593. 

•) Ehemals bei Kittendorf gelegen (jetzt Mittelhof), also nicht untergegangen im XVI. Jahr- 
hundert wie früher angenommen wurde (Grotefend). Vgl. Schildt, M. Jahrb. LVI, S. 214. 



1 74 AMTSGERICHTSBEZIRK STA VENHAGEN. 

drynken, lyke den anderen prysteren « ; *) und endlich die von den auf den 
Gütern Markow und Gutzkow u. a. m. angesessenen Jakob und Lippold von 
Woosten (Wüsten, Wüsten) im Jahre 1436 mit nicht unerheblichen Mitteln 
gestiftete ewige Vikarei. 

So bedeutende Stiftungen wie diese hat die nachfolgende Zeit der 
zweiten Hälfte des XV. und ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts nicht mehr 
aufzuweisen. Dennoch geben rund sechzig Urkunden aus dieser Zeit ein Bild 
von dem überaus regen und lebhaften Geld- und Geschäftsverkehr im Kloster, 
in dessen Kundschaft — um es so auszudrücken — ausser den schon früher 
genannten nach und nach auch die theils mecklenburgischen, theils pommerschen 
Dörfer und Güter Breesen, Gädebehn, Schwandt, Luplow, Rosenow, Flotow, 
Gantschendorp, Strehlow, Toitin, Dratow, Deven, Wolde, Clempenow, 
Schossow, Lindenberg, Wolde, Gültz, Bredenfelde, Jürgenstorf, Klockow, 
Varchow, Kargow, Bellin u. a. m., oder besser gesagt, deren Inhaber und Be- 
sitzer mit ihren Interessen eintreten. Auch haben diese Urkunden dadurch 
keine geringe lokalgeschichtliche Bedeutung, dass bei dieser Gelegenheit ihre 
damaligen Besitzer zum Vorschein kommen. Aber im Ganzen und Grossen 
handelt es sich um eine Menge von Kleinigkeiten, aus denen nur wenige be- 
deutendere Momente hervorragen, wie z. B. der weitere Erwerb von Antheilen 
in Goddin in den Jahren 1452, 1454 und 1465; die Ueberweisung von jährlich 
7 Mark Sundisch durch den Abt zu Dargun als Buss- und Sühnegeld an die 
Ivenackcr Nonne Ghese von Zcpelin für den durch einen Darguner Priester 
geschehenen Mord ihres Bruders im Jahre 1467; die Zustimmung Herzog 
Albrecht's VI. von Mecklenburg im Jahre 1482 zu der durchgeführten Ver- 
pfandung von ganz Gross-Basepohl durch Henning von der Osten an das 
Kloster; der Ankauf von Klein Basepohl nicht lange vor 1499 von Heinrich 
von Heidebrek auf Clempenow und die landesherrliche Genehmigung dazu von 
Pommern her; die Stiftung einer Badestube für die Klosterjungfrauen im 
Jahre 1499 durch den Probst Michel Weger mit allerlei kleinen Annehmlich- 
keiten, zu denen u. a. für jede alle vierzehn Tage aus dem Bade kommende 
Sanctimonialis ein Malchinscher Stuten sowie ein Quart Bier gehören ; die 
Festsetzung des Zinsfusses durch die Herzöge Magnus und Balthasar im 
Jahre 1502 auf 6 Procent, während früher der hohe Satz von 10 Procent im 
Geschäftsverkehr gegolten hatte; und endlich im Jahre 1520 die Erwerbung 
des Kruse'schen Antheils in Varchow sowie des von der Schulenburg'schen 
Antheils an Klein-Basepohl. 

Aber die Reformation steht vor der Thür. Wir können hier nicht alle 
Namen von Pröbsten, Aebtissinnen, Priorissinnen und Nonnen aufzählen, die 
im Mittelalter bekannt geworden sind, sondern müssen uns damit begnügen, 
in dieser Beziehung auf die Register des mecklenburgischen Urkundenwerkes 
zu verweisen. Doch mögen hier aus den noch nicht gedruckten Urkunden 
des XV. und XVI. Jahrhunderts folgende genannt werden : Aebtissin Margarethe 



») Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 585—592 (Urk. CCCCXXVII). 



KLOSTER IVENACK. 175 

Rostock um 1404 und 1409, Probst Gerhard Bertekow um 141 1, 1420 und 
1434,^) die Aebtissin Adelheid von Maltzan um 1488 und der Probst Michel 
Weger um 1499. 

Die letzte Aebtissin ist Anna von Kamptz, unter welcher der Ueber- 
gang von der alten in die neue Zeit statthat. Denn, wie die Inschrift auf 
der grossen Glocke zu Ivenack (s. u.) ausweist, sind ihr im Jahre 1555 bereits 
zwei fürstliche Verwaltungsbeamte, Clawes Pentz als Präfekt und Otto Schröder 
als Quästor, sowie ein lutherischer Geistlicher Eddeling als Prediger (concionator) 
beigeordnet. Im Uebrigen ist aus den Rentereirechnungen nachzuweisen, dass 
noch im Jahre 1557 Klosterjungfrauen zu Ivenack wohnen.*) 

Im Ruppiner Machtspruch vom i. August 1556 wird Ivenack zunächst 
unter denjenigen Jungfrauenklöstern genannt, welche den Ständen überlassen 
werden sollen. Nachdem hierzu aber schliesslich andere Klöster bestimmt 
werden, verfallt es der landesherrlichen Verwaltung als »Amt Ivenack«. Im 
Jahre 1586 wird das Amt Ivenack dem Herzog Sigismund August zum Niess- 
brauch eingeräumt, welcher 1600 stirbt.^) Später wird es Witthumsamt der 
Herzogin Eleonora Maria, der dritten Gemahlin des Herzogs Hans Albrecht IL, 
welche es von 1636 bis zu ihrem Tode (1657) ^^"^ ^^t- Nachher verfugt 
wieder Herzog Gustav Adolph über beide Aemter, Ivenack und Stavenhagen. 
Seine Wittwe, die Herzogin Magdalene Sibylla, hat aber nur das Amt 
Stavenhagen als Witthum (s.o. S. 159/160). Von den Schrecken des dreissig- 
jährigen Krieges wird der Ort so hart mitgenommen, dass im Jahre 1649 von 
acht Bauern und siebenzehn Kossäten gar keine mehr da sind. Bleiben doch 
im ganzen Kirchspiel von einunddreissig Bauern und sechsunddreissig Kossäten 
nur acht Bauern und ein Kossat übrig. Dabei ist Basepohl, das im Jahre 
1649 ganz wüst und menschenleer ist und wo einst sechzehn Bauern und neun 
Kossäten gewohnt haben, als eigenes Kirchspiel, das es damals war, gar nicht 
mitgerechnet.^) Der Besitz des Klosters besteht bei seiner Aufhebung aus 
folgenden Gütern: Ivenack, Gross- und Klein -Basepohl, Zolkendorf, Fahrenholz, 
Klockow, Wackerow, Weitendorf, Grischow, Krummsee, Goddin und Briggow. 
Alle diese bilden noch heutigen Tages das Amt Ivenack. Nur Briggow zählt 
jetzt zum Amte Stavenhagen. Ausserdem werden Gefalle aus Rosenow, 
Galenbeck, Kittendorf, Tützpatz, Stavenhagen, Bredenfelde, Mölln, Ritzerow, 
Markow, Sarow, Ganschendorf und Kastorf verzeichnet, welche Ortschaften im 
Eigenthum Dritter stehen.'') 

Ueber das Amt Ivenack wird am 10. April 1709 ein Tauschvertrag 
zwischen dem Herzog Friedrich Wilhelm einerseits und dem Geheimrath Ernst 
Christoph von Koppelow andererseits abgeschlossen. Dieser giebt dafür seine 
Güter Bakendorf, Gammelin, Viez und Radelübbc fort, denn der Herzog 



*) Vgl. auch Lisch, M. Jahrb. XL, S. 215. 

*) Lisch, M. Jahrb. XL, S. 215. 

•) Lisch, M. Jahrb. IX, S. 106. XIII, S. 177. Wif^'ger, M. Jahrb. L, S. 292. 

*) Groth, M. Jahrb. VI, S. 135. 

*) Akten im Grossh. Archiv. 



AMTSGERICUTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



wünscht sein Amt Walsmühlen abzurunden, daneben aber auch ausreichendes 
Land' fiir seine Parforcejagd zu gewinnen, und die Herzöge Karl Leopold und 



Ehemaliges K loste r-Wirthschaftshaus. [i707-] 
(L&nse 80 Schritt) 

und kursächsischer Geheimer Rath in den Reichsgrafenstand erhoben wird.^ 
Die Gräfin stirbt am 21. Mai 1747- Auf Grund des von ihr errichteten 
Testaments, und 
weil die Ehe un- 
beerbt geblieben, 
wird nunmehr 
deren hinter- 
lassener Gatte 
Eigenthümer der 
Guter, welche er 

zu einem Fa- 
milien-Majorat er- 
hebt und dem 
Sohne seiner 

Q , p ' >Facciata und inwendige Gestalt des FUrstl. Hauses Ivenack.i [1707.] 

bchwester, frei- (Linge so schritt) 

herrn Helmuth 
Burchard Hartwig von Maltzahn a. d. H. Kummerow, vermacht. Dieser nimmt 
mit Ermächtigung des Königs Friedrich IL von Preussen und des Kaisers 
Joseph IL für sich und den jedesmahgen Majoratsbesitzer, einer Bestimmung 
des Erblassers gemäss, den Titel Graf von Plessen an, und seine Nach- 

') S. Akten im Grossh. Archiv. 

') Vgl. M. Kunst- und Gesch.-Denkm. III, S. 13. 



KLOSTER IVENACK. \^^ 

kommenschaft ist noch heutigen Tages im Besitze dieses schönen Majorates, 
welches am 14. Februar 1838 die Genehmigung des Mecklenburgischen Landes- 
herrn erhalten hat. 

Als im Jahre 1541 zu Ivenack die erste grössere Kirchen Visitation statt- 
findet, da heisst der Weltgeistliche oder Pleban der Ivenacker Gemeinde, der 
von den Klosterjungfrauen eingesetzt ist, Lübbert Schönfisch. Er hat auch 
die Kapellen zu Zolkendorf, Klockow, Weitendorf und Wackerow zu bedienen, 
die heute lange nicht mehr vorhanden sind, nachweislich aber noch in der 
zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts ihre Cura von Ivenack her empfangen. 
Von den vier Vikareien der Kirche zu Ivenack (s. o.) zehren 1541 Gerd Süverke, 
Kalandsdekan und Küchenmeister zu Neu-Kalen,*) Jochim Trebel, der Stadt- 
sekretarius zu Malchin, Nikolaus Swarte, der Pastor zu Duckow, und ein vom 
Kapitel zu Güstrow präsentierter Marquard Fineke. Ausserdem giebt es in 
der Nachbarschaft mehrere Kirchdörfer mit eigenen Pastoraten, in denen heute 
weder Kirche noch Pfarre mehr vorhanden sind, wie z. B. Basepohl, dessen 
letzter Pastor, Wolfgang Glaser, in dem grossen Todesjahr 1638 das Leben 
verliert,*) und das daher schon 1649 "^'^ Ivenack vereinigt wird; ferner 
Grischow, dessen Kirchherr im Jahre 1541 Johann Wagenknecht ist, das aber 
bereits im Jahre 1620 als Filia von Ivenack verzeichnet wird; und endlich 
Fahrenholz, wo es 1650 einen Pastor Laurentius Dagius (Tagius) giebt, während 
es 1662, in jener Zeit, als das Land durch den grossen Krieg menschenleer 
geworden war, schon Filia von Ivenack ist. Dagegen gehört die Kapelle zu 
Krummsee (heute ist nur noch ein Kirchhof da), die 1620 als Filia bei Ivenack 
ist, wie auch heute wieder die Leute im Dorf nach Ivenack zur Kirche gehen, 
im Jahre 1662 (und zwar schon seit 1649) zur Kirche in Jürgenstorf'*) Als 
erster evangelischer Geistlicher unter fürstlichem Patronat tritt uns der oben- 
genannte Eddeling im Jahre 1555 entgegen. Ihm folgt, ungefähr von 1565 
an und bis 1607 im Leben und Amt, Thomas Severus. 1608 wird Martin 
Müller berufen (f 1625). Damals, 1608, ist der Oberst Klaus von Peccatel 
Geheimer Rath und Pfandinhaber des Amtes Ivenack. 1626 wird Paulus 
Agricola, der Schwiegersohn des Thomas Severus berufen. Es folgen: 1670 
Andreas Michael, zuerst als Substitut des Agricola; 1682 (nach Michael's Tode 
im Jahre 168 1) Joh. Philipp Weigel, der 171 1 zur Präpositur in Malchin be- 
rufen wird; 171 1 der Gadebuscher Pastor Christian Berends (f 1713); 1714 
Franz Joachim Schulz (f 1747); nach ihm von 1749 an Pastor Bärenwald 



*) M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. I, S. 591 (2. Aufl. S. 612). 

*) Von 1574 bis 1592 ist Kriedr. Wieneke Pastor zu Hasepohl, den wir später in Kastorf 
finden. Um 1598 giebt Cleemann in seinem Syllabus Gustroviensis den Martin Kruk als Pastor 
zu Basepohl an. 

■) Das Inventar von 181 1 erwähnt noch in sechs eheniali<;en Kirchdörfern je eine (jlocke: 
in Grischow, Weitendorf, Klockow, H.isepolil, Zolkendorf und Wackerow. Sie halben freilich 
durchweg Jahreszahlen des XVIII. Jahrhunderts, werden aber wahrscheinlich l'mgiisse ans ehe- 
maligen Kapellen -Glocken sein. 

12 



178 \MTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN, 

(f 1772); daraur von 1773 an Joh. Nikolaus von Scheven, dem bereits 1778 
der Sohn Joachim August von Scheven adjungiert wird. Der Vater stirbt 1795, 
der Sohn 1810. S. Walter a. a. O. 



Urilte Eichen bei Ivenack. 

Kirche. Die alte Kirche, ein Bau aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts, 
soll im drei SS igj ährigen Kriege bis auf die Mauern zerstört worden sein. Der 
Thurm, nach einer Skizze von 1709 am nördlichen Eingange, nach einer 
Ansicht von 1789 bereits am Westende stehend, ist in den Jahren 1867 und 
1868 in die bekannten Formen des klassicierenden Stils gebracht worden, 
doch sind hierbei die drei untersten Stockwerke in gleicher Höhe mit den 
Mauern der Kirche stehen geblieben. Das Erdgeschoss des Thurmes ist mit 
einem alten Kreuzgeivölbe gedeckt und dient z. Zt. als Leichenhalle. Zu be- 
achten ist hier die aus dem Thurm in die Kirche führende Thiir, welche aus 
ungehobelten dicken und breiten Eichenplanken zusammengefugt ist und noch 



KLOSTER IVENACK. 



179 



ein altes einfaches Riegelschloss hat. In dem zweiten Geschoss des Thurmes 
sieht man noch an den Wänden die Ansätze der ehemaligen Wölbung. Die 
Kirche selbst ist seit dem Anfange des XVIII. oder vielleicht schon am Ende 
des XVII. Jahrhunderts mit flacher Decke geschlossen worden, doch lassen 
sich auch hier noch Spuren der früheren Wölbung nachweisen. Die sieben 
Fenster im Rundbogen mit Rosetten darüber stammen aus neuerer Zeit, 
indessen ist bei einzelnen die Form des ehemaligen Spitzb<^ens im Mauer- 
werk noch zu erkennen. 
Im Uebrigen sind die 
mittelalterlichen Spuren 
des älteren Baues ziem- 
lich verwischt. Nur in 
der Vorhalle auf der 
Nordseite steckt noch 
ein Rest gothi scher 
Wölbung. Eben- 
daselbst ist auch ein 
frühgothisches Ein- 
gangsportal erhalten, 
dessen Wandung und 
Laibung aus kräftigen 
Viertel rund Stäben von 
vortreffiichem Ziegel- 
material gebildet sind. 
Nicht zu übersehen ist 
auch der aus dem 
Achteck gebildete go- 
thische Chorschluss mit 
Strebepfeilern, die frei- 
lich heule mit Kalk- 
putz überzogen sind,*) 

Kirche zu Ivenack. Der Altaraufsatz Allar- 

stammt aus dem XVIII. aufsaiz. 
Jahrhundert, ist 1869 mit einigen Veränderungen restauriert und enthält ein 
Bild von Professor Schubert-Berlin: Christus am Oelberge. Auf dem Altar ein Krucifixus. 
Kmcifixiu aus Marmor. An den Altarschranken aus dem Anfange des XVI. Altar- 
Jahrhunderts in Holzschnitzerei vier Wappen: das PECCATEL'sche mit der schranken. 
Unterschrift: CLAUS VON PECCATEL, VATER UND SOHN, das MOLTKE'sche, 
das HELPTE'sche und das STRALENDORFF'sche, letztere drei ohne Unter- 
schrift, 

Die Kanzel, ein Werk vom Ende des XVI. Jahrhunderts, ist mit Bibel- Kanzel. 
Sprüchen aus dem alten und neuen Testament bemalt. Im Schalldeckel der 

■) Vgl. BeschreibuDg der Kirche bei Lisch, M. Jahrb. VIB, S. lol— 103. XL. S. 314—216. 



i8o 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



Name FRANCISCUS JOACHIMUS SCHULTZ . PAST . 1714. Sonstige Jahres- 
zahlen an der Kanzel sind: 98 {= 1598), und 1716. 

Gestithl. Am herrschaftlichen Stuhl, der aus der Mitte des XVIII. Jahrhunderts 

stammt, ein gemaltes Wappen der Grafen VON PLESSEN. 

t^piLiph. Am meisten in der Kirche zu beachten ist das grosse prunkvolle 

Marmor -Epitaphium des Geheimraths ERNST CHRISTOPH VON KOPPELOW 
(1659—1721), das Werk eines Meisters H. J. Bulla') im Barockstil. Die Ab- 
bildung dieses Epitaphiums erspart uns dessen Beschreibung. Eigenartig ist 
die Anbringung der Ahnenwappen des Verstorbenen und derer seiner Ge- 
mahlin, der MARGARETHE JULIANE VON FRANCK. Als Unterschrift eine 
lange Inschrift des Inhalts, dass der Verstorbene Erbherr auf Ivenack war, 
aus dem Hause Möllenbeck stammte, und dass seine Linie mit ihm zu Grabe 
gegangen sei. 

Grabstein. Grabstein des Kl osterprobst es Andreas Gilow in der Vorhalle des 

Thurmes. Der Stein zeigt in einfachen Konturen den Probst in ganzer 



Grabstein des K loslerprohslcs Andreas Gilow. 

Figur, mit dem Kelch in der Hand. In den vier Ecken die Evangelisten- 
Symbole. Die Umschrift lautet voll ausgeschrieben: 

^nno bDiniiiJ mcccFtViü ipfa bie fancti Bciicbfcti a&&atf^ o6itt 
lieiicta&llf^ bamiitu^ 3tiibrc(i(i glj^ilobie iiccpofitit^ ^u)u^ 1110' 
iidfterti : ocate pro aiifnia eju^.') 

Im Thurm vier Glocken. Die kleinste Glocke, welche leider einen 
Sprung hat, ist ohne Jahreszahl, aber sie zeigt schöne gothische Verzierungen 

und die Inschrift: O • rcjT • Qiotit • f\it * Vicui • tuiii • patc • SucnacA. 

— Die zweite Glocke, grösser als die vorhergehende, hat dieselbe Inschrift in 
Spiegelschrift. — Die dritte und grösste Glocke hat die nachstehende Inschrift: 

« SDnno • iioft • cgtiftuiii • iiatum • JUS • cclit • funbatuc • inona^eclum • 



■) Im Kunstler -Lexi' 


knr, nicht mifeefunden. 


•) Andreas Giloiv i: 


-t ein aus Urkunden vom Jahre 1362 an, iii 


Priester iii Ivenack lebl, m 


ehifaeh nach in weisender Mann: M. U.-H. 908;. 


Siein verdient anfiel ichtel 


lu .Verden. Vgl. Lisch, M. Jahrb. VI B. -S. 102. 



1 KoppeloVich«! Mannor-Epitaphium in der Kirche lU Ivenacli. 



KLÜ.STER IVENACK. l8l 

iuenadi • a • rembecno • br • Itmieii • fngafiitante caflirum') * ftaueii= 
gagen • Sfnno • JIS • b • Iti ■ ^at • opu^ • fleci • facie&ant • amia • 
fiamip^en • abfiabtffa * tlaluc^ • i^eiit3e • ptefect^ nl^tta • ^crobet • 

queftat ebbelilig • canctaiiatar. Unter dem Anfang der Inschrift 

die zweimalige Darstellung eines alten Klostersiegels zwischen einer weiblichen 

und einer männ- 
lichen Figur in 
der Tracht des 

XVr. Jahr- 
hunderts. Eine 
ähnliche Dar- 
stellung, aber 
ohne das oder 
die Siegel, sieht 
man auf der ent- 
gegengesetzten 
Seite , und 
darunter fol- 
gendes Giesser- 
zeichen : 



^ 



sowie den Namen 

HANS X KAR- 
CHOF.*) — Die 
vierte Glocke, 
'^''^'"="'''"- kleiner als die 

vorige, trägt 
die Inschrift: HONOREM DE! SUB SER • DUCE DNO GUSTAVO - ADOLPHO : 
AD USUM ECCLESIAE IVENACIENSIS PRAEF : - GUSTAVO RUELIO : 
PASTORE JOHANNE PHILIPPO WEIGELIO - REPARATA ET AUCTA : ANNO 
MDCXIV. 

') Nicht fnbabirarorc «ftri in St., wie bei Lisch, M. Jahrb. XL, S. 215, und schon im 
M. J»hrb. VIB, S. 103, zu lesen ist. 

1 Kindo 

S' SKKOTH . iRJTRia . lU . lUHimO +. 

Das auf der Glocke von 1555 abgebildete jüngere Siegelbild zeigt eine siehende hl. Mari; 
Kinde und die schwer zu lesende und knum mit Sicherheit zu behauptende Umschrift: 
& monjaliom • i • mon • iftnad!. 



l82 AMTSGERICHTSBEZIRK STA VENHAGEN. 

KleinlcuDSt- Kleinkanstwerke. I. Silbervergoldeter Kelch auf sechsseitigem Fuss und 

werke. mit sechsseitigem Knauf. An der Kupa eingraviert unter einer fiinfzackigen 
Krone das Wappen und die Namen des HELMUTH VON PLESSEN und das 
der JULIANE MARGARETHE VON FRANCKEN mit dem Datum 1726.') Zeichen: 
(§) ^ö - — 2. Silbervergoldeter schlanker Kelch, aber ohne Wappenschmuck 
und Inschrift. Von demselben (vielleicht Schweriner) Meister wie i.*) — 
3. 4. Zwei gleiche Patenen aus sehr viel jüngerer Zeit, mit den Zeichen: fS| 
iTtCy.l - ■ — 5- Längliche achtseitrge silberne Oblatcnschachtel mit einem ein- 
gravierten Krucißxus auf dem Deckel, Auf der Unterseite unter dreizackiger 
Krone ein Doppelmonogramm, bestehend aus H und C. Dazu die Jahreszahl 
1733. Von einem Malchiner Meister D • J • W. ^ 6. 7. Zwei Henkelkannen 
aus neuester Zeit. — 8 — 10. Kleines silbernes Krankengeräth, neu, von Sy & 
Wagner- Berlin. — 11. Silbervergoldeter Schöpflöffel, mit einem Griff in 
Renaissance-Geschmack, von 1881. — 12. Silbervergoldete Klingbeutel -Ein- 
fassung mit Ornamenten aus der Zeit von 1720 — 1730. — 13. 14. Messing- 
Kronleuchter aus dem XVIII. Jahrhundert und ein neuer Kronleuchter von 1S82. 



') Vgl. Epitaph. 

*) Um die Mitte des XV[II. Jahrhunderts ist ein Goldschmied Madau 



Park -Anlagen des Schlosses lu Ivenack. 



Schloss tit Ivenack. 



HSRchloss. Das in wundervollen Gartenanlagen nahe am See gel^ene 
'*™' Schloss enthält nur noch in seinen Fundamenten einzelne wenige Ueber- 
reste von einem älteren Kloslergebäude, verräth aber im Wesentlichen den 
Charakter des XVIII. Jahrhunderts. 

Vor eini- 
gen Jahren 

sind im 
Keller des 

Schlosses 
zwei Steine 
mit den 
Wappen 
und Titeln 
des Her- 
zogs SIQIS- 
MUND 
AUGUST 
und seiner 
Gemahlin 
CLARA 
MARIA von 
Ponimern- 
Aus dem Scfalosspark zu Ivenack. 



184 AMTSGEklCHTSUEZlRK STAVENllAGKN. 

Stettin gefunden worden. Der eine Stein enlliält die Wappen, der andere die 
Titel: VON GOTTES GNADEN SIGISMUNDUS AUOUSTUS HERTZOCK ZU 
MECKLENBURG FÜRST ZU WENDEN GRAF ZU SCHWERIN DER LANDE 
ROSTOCK U • STARQARD HERR, und: VON GOTTES GNADEN CLARA MARIA 
GEBOREN ZU STETTIN POMMERN HERTZOGIN ZU MECKLENBURG FÜRSTIN 
ZU WENDEN OREFIN ZU SCHWERIN DER LANDE ROSTOCK U • STARGAR D 
FRAW. S. o. S. 175. 

Einen Begriff von der früheren Beschatfenheit der Klosterbauten bald 
nach der Säkularisation gewinnt man aus der erhaltenen Zeichnung vom 
Jahre 1707. S, o. S. 176 

Die berühmten uralten Eichen des Parks (s. S. 178) sind ohne Zweifel 
schon zur Zeit der Klostcigründung vor sechshundertfünfzig Jahren sehr statt- 
liche Bäume gewesen. 



GUT UNO KIKCIIÜÜRF BOKGFELD. 185 




Das Gut und Kirchdorf Borgfeld.') 

|as jetzt zur Ivenacker Begüterung gehörende Gut Borgfeld wird im Geschichte 
XIII. Jahrhundert von den Herzögen von Pommern dem Kloster ^^^ 
Verchen verliehen. Urkundlich erscheint es zuerst am 8. April 1279, ^^ or ^s. 
Bischof Hermann von Kammin die Zehnten bestätigt, welche sein Vorgänger 
dem Kloster Verchen in Borgfeld geschenkt hat.'*) Ein zweites Mal wird es 
genannt, als am 8. September 1287 die Herzöge Bogislav, Barnim und Otto 
von Pommern jene Schenkung bestätigen.') 

Im Jahre 1407 finden wir auf dem Gute die Drake als Vasallen des 
Klosters. Sie erhalten sich ihren Besitz über die Reformationszeit hinaus bis 
zum Jahre 1579. In diesem Jahre stirbt das Geschlecht mit Antonius Drake 
aus. Und nun fällt das Gut als eröffnetes Lehn an den Landesherrn (Herzog 
Ulrich) zurück, der es seinem zur Familie der Kruse gehörenden Rath Joachim 
Krause auf Varchentin etc. verleiht und diesem den Lehnbrief am 12. März 1588 
ausstellt.*) Doch die Kruse behalten es nicht lange, sie verkaufen es 161 1 
an Joachim Thun zu Schlemmin. 1688 fallt es in Konkurs. Aus diesem 
ersteht es 1694 Rudolf Christian von Marschall. 1750 verkaufen es dessen 
Nachkommen an den Grafen Helmold von Plessen, den Besitzer der Ivenacker 
Begüterung. Bei der Stiftung des Ivenacker Majorates durch Graf Helmold 
wird Borgfeld diesem beigefugt und gehört somit noch heute dazu 

Im Jahre 1534 ist Tüzen das Hauptkirchdorf, zu welchem die Dörfer 
Borgfeld und Kriesow, die damals beide Filialkapellendörfer sind, gehören. 
Damals ist Joh. Appell seit längerer Zeit Kirchherr zu Tüzen. 1562 wird 
Joh. Gylow als solcher genannt, 1603 Joachim Schonow, der damals bereits 
27 Jahre seines Amtes dort waltet und daher 1576 berufen sein wird. Auch 
die Kapelle zu Marko w empfangt um diese Zeit ihre Cura von Tüzen. Nach 
Schonow wird Joachim Strigelius Pastor in Tüzen. Aber als der Krieg die 
Dörfer entvölkert, als Tüzen, Borgfeld und Kriesow ganz öde und wüste liegen 
und nur noch in Markow drei Bauern übrig geblieben sind, da geht Striegel 
nach Dänemark und wird dort Feldprediger. ^) Tüzen hört auf, ein Kirch- 
spiel zu sein und ist es nie wieder geworden. 

Da wenden sich die Blicke nach Fahrenholz, wo Pastor und Kirche 
die Schreckenszeit überdauert haben. 1541, als die Kirche noch unter dem 



*) 10 km östlich von Stavenhagen. 
*) M. U.-B. 1489. 
»; M. U.-B. 1923. 
*) Akten im ('irossh. Archiv. 

*) 1650 hat er Lust, nach Tüzen zurückzukehren, erhält auch die Erlaubniss dazu. Aber 
es wird nichts aus der Sache. 



i86 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



Kirche. 



Glocken. 



Patronat des Klosters zu Ivenack steht, ist Kurt Fröhlich Kirchherr zu 
Fahrenholz, 1603 ist es seit langen Jahren der alte Bartholomaeus Micke, der 
noch zehn Jahre im Amte bleibt und 161 3 stirbt. 16 14 folgt Joachim 
Lentulus; und 1648, als die Herzogin Eleonora Maria, die dritte Gemahlin des 
Herzogs Hans Albrecht IL, Inhaberin des Amtes Ivenack ist und als solche 
das Patronatsrecht in den Kirchen des Amtes ausübt, wird der Kantor 
Laurentius Dagius aus Richtenberg in Pommern zum Pastor in Fahrenholz 
berufen. Als dieser hört, dass Joachim Strigelius nach Tüzen zurückkehren will, 
bittet er um dauernde Vereinigung der Pfarren zu Tüzen und Fahrenholz. 
Doch geht er, noch ehe es zu dieser Vereinigung kommt, aus Fahrenholz fort 
und wird Pastor in Malchow. Von 1654 an giebt es nun mehrere Jahre lang 
gar keinen Pastor zu Fahrenholz. Das Pfarrhaus wird sogar an den Pächter 
der Pfarrländereien auf vier Jahre vermiethet. Schon damals werden wohl, 
ebenso wie hundert Jahre später, für die Gottesdienste predigende Studenten 
und für die Actus ministeriales ordinierte Pastoren aus der Nachbarschaft aus- 
geholfen haben. Endlich wird 1661 wieder in Daniel Bergmann ein Pastor 
für Fahrenholz gewonnen, Tüzen wird 1662 mit Fahrenholz vereinigt, und in 
der Folge bilden diese beiden Dörfer mit Borgfeld, Kriesow und Markow zu- 
sammen eine Parochie. So bleibt es bis an das Ende der vierziger Jahre des 
XVIII. Jahrhunderts. Auf Bergmann, der 1672 wegen verschiedener gegebener 
Aergernisse seines Amtes entsetzt wird, folgt 1674 der Teterower Kantor 
Georgius Reuschelius als Pastor in Fahrenholz. Ihm wird 17 18 Christian Köhn 
als Substitut an die Seite gesetzt. Nach Reuschel's Tode wird er Pastor und 
lebt bis 1739. Nun bringen Uneinigkeiten zwischen dem Herzog Karl 
Leopold und dem damaligen Inhaber des Patronats, dem obengenannten ersten 
von Plessen auf Ivenack, eine Unterbrechung, die bis zum Jahre 1750 dauert. 
Die Aushülfe wird so besorgt, wie oben bereits angedeutet worden ist. 
Endlich wird im Jahre 1750, nachdem ein landesherrlicher Befehl an den 
Patronus ergangen, der Pastor H. C. Gerlach berufen. Aber er erhält seine 
Wohnung auf dem Hofe im Dorfe Borgfeld, welches von Plessen durch Kauf 
an sich gebracht hat. Und endlich gelingt es diesem auch, die landes- 
herrliche Genehmigung zur Verlegung der Pfarre von Fahrenholz nach Borgfeld 
sowie die Erlaubniss zu einem Kirchenbau in Borgfeld zu erlangen. 1774 wird 
der Bau vollendet, die Fahrenholzer Kirche und Pfarre gehen ebenso ein wie 
weiland die Tüzener, und Gerlach wirkt noch bis ans Ende der achtziger 
Jahre des XVIII. Jahrhunderts. 1790 folgt ihm Ludwig Bernhard Christian 
Groth. S. Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist im Jahre 1774 fest und gut aus Ziegeln im 
klassicierenden Stil jener Zeit erbaut. Sie hat einen Chorschluss aus dem 
Achteck und einen eingebauten Thurm auf der Westseite. Der Innenraum 
ist mit flacher Bretterdecke geschlossen. 

Im Thurm zwei Glocken ohne Inschriften, von ziemlich gleicher Grösse, 
von denen die eine ganz ohne jeden Schmuck ist, während die andere um 



GUT UND KIRCHDORF RÖCKWITZ. 187 

den oberen Ring Laub- und Blumengewinde zeigt. So schon im Jahre 181 1. 
Angaben über Guss und Giesser fehlen. 

Kleinkunstwerke. i — 4. Zwei silbervergoldete Kelche von gleicher Kleinkunst- 
Form. Beide Kelche haben einen sechsseitigen Fuss und Knauf und zeigen werke, 
an der Kupa das eingravierte Plessen'sche Wappen. Als Stadtstempel ein 
dreithürmiges Thor und als Meisterstempel die Initialen T und A. Die zu- 
gehörigen beiden silbervergoldeten Patenen zeigen dasselbe Wappen, haben 
aber keine Werkzeichen. — 5. 6. Kleiner silbervergoldeter Kelch mit der 
Inschrift: ERRETTET HAST DU MICH GAR OFT, GANZ WUNDERLICH UND 
UNVERHOFFT 1766. Unter dem Fuss eine Klappe, welche die Initialen 
F«J*F*E* verschliesst. Der Stadtstempel ist undeutlich, der des Meisters 
enthält die Initialen A • S. Zu diesem Kelch eine kleine Weinflasche, von dem 
Malchiner Goldschmied Harck. — 7. Schadhafter Zinnkelch mit der Inschrift: 
LENORA KISBACHEN 1727. Als Stempel eine Rose. — 8. Kreisrunde 
silberne Oblatenschachtel mit den eingravierten Initialen und Namen A • E« 
FREUNDTEN • C • M • l{( C • MONSTERN 1739. Vom Malchiner Goldschmied 
D I W. — 9. Taufbecken von Messing, mit der Darstellung von Josua und 
Kaleb, welche die Traube tragen.*) — 10. Taufschale, neu, von Sy & Wagner- 
Berlin. — II. Silberne Kanne, geschenkt 1859 von AD • GRAF V • PLESSEN. — 
12. 13. Zwei zinnerne Altarleuchter, auf drei Kugelfüssen ruhend, an dem einen 
noch ein Schild mit den beiden Namen: C • MÜNSTER • A • E • FREUNDTEN 
1736. Werkzeichen nicht gefunden. — 14. Weissseidenes Velum mit reicher 
Blumenstickerei, in der Mitte eine funfzinkige Krone und die Jahreszahl 1753. 




Das Gut und Kirchdorf Röckwitz.') 

|öckwitz, früher Radekenuice, auch Reckevitz genannt, erscheint zuerst Geschichte 
urkundlich im Jahre 1286, als die Herzöge Bogislav und Otto von ^^^ 
Pommern die Grenzen des Dorfes Japsow bestimmen, welches sie dem Kloster Dorfes. 
Reinfeld geschenkt haben. Seine Ländereien sollen sich u. A. erstrecken 
»usque ad terrum Radekenuice«.*) Dann tritt es uns erst im XVI. Jahr- 
hundert wieder entgegen, und zwar im Besitz der Maltzan auf Wolde und 
Gutzkow. Wahrscheinlich ist es zugleich mit diesen Gütern in ihre Hände 
gekommen. Ein Theil von Röckwitz gehört nach Wolde, ein anderer Theil, 



*) Schlichter als das Weitendorfer Taufbecken. Vgl. M. Kunst- und Gesch.-Denkm., Bd. I, 
S. 459 (475). 

*) 14 km östlich von Stavenhagen. Die alte Form Radekevitz = Nachkommen des Radik. 
Radfi altslavisch ^ froh. Also ungefähr soviel wie > Freuden berg<. Vgl. Kühnel, M. Jahrb. XLVI. 
Seite 120. 

•) M. U.-B. 1872. 



l88 AMISGEKlCirrSBEZIKK Sl AVENIIAGEN. 

nämlich drei Bauern, zu Gutzkow. Es theilt daher die Schicksale und den 
Erbgang dieser Güter, wie es bei der Geschichte der Dörfer Wolde, Kastorf 
u. a. m. angedeutet werden wird. Bekanntlich gelangen die von Maltzan 1650 
wieder in den Besitz der ihnen durch Erbgang und in den Wirren des 
dreissigjährigen Krieges verloren gegangenen Woldeschen Stammgüter. Gutz- 
kow c. p. wird von den Maltzan -Preen 'sehen Erben 1693 an den Kapitän 
Lorenz von Blücher verkauft und von diesem allodificiert, doch sieht er sich 
1702 dazu gezwungen, dasselbe Gut von Herzog Friedrich Wilhelm wieder 
als Lehn zu empfangen und, wie damals herkömmlich, auf die hohe Jagd zu 
verzichten. Während nun die von Maltzan Wolde, die Blücher aber Gutzkow 
besitzen, gehört Röckwitz noch immer als Pertinenz zu beiden Gütern. Die 
hieraus entstehenden Unzuträglichkeiten zu heben, schliessen am 18. December 
1731 Klaus Berend von Maltzan auf Wolde und Adam Christoph von Blücher 
auf Gutzkow einen Vertrag, in welchem sich jener nicht bloss aller Rechte 
auf Röckwitz zu Gunsten des andern begiebt, sondern diesem auch seinen 
ganzen Besitzantheil überlässt. Dieser Vertrag erhält im folgenden Jahre die 
landesherrliche Genehmigung.^) Bis zum 15. Oktober 1808 bleibt Gutzkow 
mit Röckwitz in Blücher'schen Händen: an diesem Tage aber verkauft es der 
Major Friedrich von Blücher seinem Schwiegersohn, dem Grafen Friedrich 
Ludwig Alexander von Moltke. Doch die französischen Kriege sind Anlass, 
dass über Moltke's Vermögen der Konkurs ausbricht, aus welchem es dessen 
Gattin 18 19 erwirbt. Diese Frau versteht es, den Besitz unter den schwierigsten 
Verhältnissen zu erhalten. Da aber ihr einziger Sohn vor ihr stirbt, erreicht 
sie die Allodifikation der Güter und erhebt sie zugleich zu einem Familien -Fidei- 
kommiss, um sie dem Sohn ihrer Tochter Amalia, welche mit Friedrich Karl 
Albrecht von Maltzan vermählt ist, zu hinterlassen. Somit kommt nach ihrem 
1862 erfolgten Tode Gutzkow mit Röckwitz wieder an die von Maltzan zurück 
und ist noch heute in deren Besitz.*) 

Wie über die in die zweite Hälfte des XIIL Jahrhunderts zu setzende 
Kirche, so fehlt es auch über die an ihr wirkenden Geistlichen des Mittel- 
alters an jeder Nachricht. Erst mit dem Jahre 1579 giebt es etwas Licht. 
In dem Visitationsprotokoll dieses Jahres heisst es nämlich, dass das Kirch- 
lelin zu Röckwitz den Draken (von Drake oder Dracke) gehört habe und von 
diesen an die Maltzahn gekommen sei. Aber Hauptkirche sei nicht die in 
Röckwitz, sondern die in dem pommerschen Dorfe Tützpatz, wo von 1570 her 
Er Joachim Helmich wirke, dem Schossow und Röckwitz als Filialen über- 
wiesen seien. Seit vier Jahren aber, also seit 1575, habe er auch die Cura 
der Kirchen zu Zwiedorf und Wolde; und endlich sei noch die Kapelle zu 
Gutzkow zu nennen, diese als Pertinenz der Kirche zu Röckwitz. Etwas anders 
stellt sich die Sache nach einem Notariats-Instrument von 1576, welches in einem 
in die Zeit von 1626 bis 1634 fallenden Prozess produciert wird, den Joachim 

*) Akten im (Irossh. Archiv. 

') Wigtjer, l''rimilie von Blücher, II 2, S. 264. 



GUT UND KIRCHDORF RÖCKWITZ. iSg 

Kleinow auf Kastorf und Volrath Preen auf Wolde des Patronats in Röckwitz 
wegen mit einander fuhren. Nach diesem Notariats- Instrument Hegt der 
Schwerpunkt in dieser Frage ganz anderswo: iDas Kirchenlehn zu Rekewitz 
— so lautet es — gehöret gen TwidorfF und gehöret gen Gutzkow.« Man 
sieht, dass bereits im XVI. Jahrhundert eine starke Verwirrung in die Sache 
gekommen war, im Uebrigen wird es sich im Jahre 1579 thatsächlich so ver- 
halten haben, wie es im Visitationsprotokoll dieses Jahres angegeben wird. 

Im Jahre 1603 aber 
liegen die Verhältnisse 
wieder anders: in dem 

V isi tati o nsprotokol I 
dieses Jahres ist von 
Tützpatz keine Rede 
mehr: da heisst es, das 
Patronat der Kirche zu 
Röckwitz gehöre halb 
nach Gutzkow und halb 
zu den Preen cn auf 
Wokle, und als Filial 
wird nur Zwtedorf ge- 
nannt. Damals ist 
Thomas Stindtmann 
(Stintniann) Pastor zu 
Röckwitz und Zwiedorf, 
und zwar von 1591 an. 
Er bleibt bis i6og auf 
seiner Stelle, wird dann 
aber Hofprediger des 
Herzogs Karl von 
Mecklenbui^, Sein 
Nachfolger in Röckwitz 
und Zwiedorf wird 1610 
Kirche zu Röckwiu. Joachim Zabel {f 1626). 

Mit dessen Tode be- 
ginnt der schon genannte Patronatsstreit über Röckwitz zwischen Kastorf und 
Wolde. Indessen werden zunächst noch zwei Pastoren genannt: Walter Eschen 
(1627 — ^31) und Matthaeus Sager von 1633 an. Dann folgen die schlimmen 
Kriegsjahre, und 1648 heisst es im Visitationsprotokoll, dass kein lebendiger 
Mensch in Röckwitz existiere, das Dorf sei wüste, dagegen sei die gewölbte 
Kirche noch in gutem Zustande, ebenso auch der Altar. Und wie in Röck- 
witz, so sei auch in Zwiedorf kein Mensch angetroffen worden, Patroni seien 
die Preene auf dem Wolde. Einen Pa.stor giebt es erst wieder im Jahre 1653, 
es ist Samuel Schultze, den auch das Protokoll von 1662 als im Amte be- 
findlich aufführt (f 1692). Nach ihm finden wir Franz Wilhelm Franck als 



igo AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

Pastor ZU Röckwitz, Zwicdorf und Wolde (f 1728). Nach einer Vakanz von 
neun Jahren tritt Christoph Lorenz Krambeer ein (f 1774); darauf Johann 
Gotthilf Miculci (j- 1799). Ueber das XIX. Jahrhundert s. Walter a. a. O. 
Gegenwärtig ist Baron von Maltzahn auf Gutzkow Patron der Kirche zu 
Röckwitz, und Ida Gräfin von Schwerin, geb. von Werthern, auf Wolde, 
Patronin der Kirchen zu Zwicdorf und Wolde. Die Kirche zu Wolde aber, 
die im XIX. Jahrhundert eine Zeit lang (1827 — 1896) von Kastorf her ver- 
soi^ wurde, ist jetzt als Mater vagans wieder wie in früherer Zeit mit Röck- 
witz verbunden.^) 



Inneres der Kirche lu Röcicwiu. 

ICirche. Kirche. Alte friihgothtsche Kirche mit plattem Chorschluss und zwei 

niedrig ansetzenden Kreuzgewölben im Innern, deren bimfÖrmig profilierte 
Diagonalrippen ein Kapitellglied zur Basis haben, welches die Dienste in der 
Kämpferlinie umzieht. An den Aussen mauern ist noch Lisenenbildung zu 
erkennen, an dem zugesetzten Portal der Südseite aber, das spitzbogig ge- 
schlossen ist, tritt schon die gothische Abfasung auf. Der Thurm ist mit 
einem Laternendach versehen. 

Glocken. Im Thurm zwei Glocken, welche beide im Jahre 1886 unter dem 

Patronatdes FRITZ FREIHERRN VON MALTZAHN von dem Gtockengiesser Ed. 
Albr«cht in Wismar gegossen worden sind. 



') Vgl, Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 105. Waller, a 



GUT UND KIRCHDORF Z WIEDORF. 19I 

Im Jahre 181 1 gab es nur eine Glocke, die 1721 vom Meister Begun 
gegossen war. 

Kleinknnstwerke. 1.2. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss mit Kleinkunst- 
einem auf die Familie MOLTKE hinweisenden Monogramm unter einer Grafen- werke, 
kröne. Als Stadtstempel |P, als Meisterzeichen ein steigender Greif. Patene 
ohne Zeichen. — 3. Krankengeräth neu, ebenso Ciborium und Kanne. — 
4. Alte Schale mit der Inschrift: HENNING KLOCKNER 1674. — 5. Neuer 
flacher Taufteller, von weissem Metall. 




Das Gut und Kirchdorf Zwiedorf.') 

|uf Zwiedorf sitzen in ältester Zeit die Schönfeld (Sconevelde). Aber im Geschichte 
Laufe der Zeit erwirbt Kloster Reinfeld den grössten Besitz im Dorfe. ^^s 
Schon vor 1266 verleiht der Ritter Arnold von Schönfeld dem Kloster Rein- I^o^fes. 
feld vier Hufen daselbst, und Herzog Barnim von Pommern giebt dem Konvent 
1266 das Eigenthum an diesen Hufen.*) 1270 schenkt derselbe Herzog 
weitere vierundzwanzig Hufen, und 1280 verleiht Herzog Bogislav dem Kloster 
das Eigenthum an dem Dorfe. ^) Doch neben Kloster Reinfeld kommt auch 
Kloster Ivenack zu Grundbesitz in demselben Dorfe. 1283 bestätigt Bischof 
Hermann von Kammin dem Kloster Ivenack den Besitz von eineinhalb Hufen 
in >Tvedorp«, und Arnold von Schönefeld schenkt 1293 demselben Kloster 
zwei Hufen dazu, dem Kloster Reinfeld aber sechs Hufen und obendrein das 
Kirchenpatronat.*) Ausserdem vergiebt er sechs Hufen an das Kloster Dargun, 
wofür er sich und seiner Frau eine Leibrente ausbedingt.*) Im Jahre 1349 
aber entäussert sich das Kloster Reinfeld aller Zwiedorfer Besitzungen fiir 
750 Mark Wendisch an Heine Gutzkow, nur das Eigenthums-, Lehn- und 
Patronatsrecht sich vorbehaltend.®) Die von Gutzkow verkaufen im Jahre 141 1 
Zwiedorf an die von Wüsten auf Tützen fiir 700 Mark.'') Aber schon am Ende 
des XV. Jahrhunderts ist Zwiedorf in Maltzan'schem Besitz und gehört zur 
Begüterung Wolde und Schorssow. Stets als Pertinenz des erstgenannten 
aufgefiihrt, ist es bei diesem Gute bis auf den heutigen Tag verblieben. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse des gleich Röckwitz und Wolde zur 
Kamminer Diöcese zählenden Dorfes s. bei Röckwitz. 1648 sind Röckwitz 



^) 10 km östlich von Stavenhagen. 

*) M. U.-B. 7183. 

») M. U.-B. 7186. 7203. 

*) M. U.-B. 2237» 2747. 7233. 

») M. U.-B. 7183. 

«) M. U.-B. 6902. 

') Akten im Grossh. Archiv. Lisch, Gesch. des Geschl. Maltzan IV, S. 215 (Urk. DCCXIV). 



192 



AMTSGERICIITSDEZIRK STA VENHAGEN. 



und Zwiedorf wüste und menschenleer, 1703 giebt es in beiden Dörfern zu- 
sammen wieder siebenundachtzig Beichtkinder.') 

Kirche. Alter spätromanischer Bau auf wohlbehauenem Granitfundament. 
Die Wölbung ist mit Rippen versehen, deren Durchschnittsprofil das des 
Rundstabes ist. Der Rundstab herrseht auch in Wandung und Laibung des 
Ostfensters und im Portal der Westseite, dem ein Vorbau mit dem neuen 
Westgiebel voi^eschuht ist. Alt sind auch die beiden Dreischlitzgruppen von 
Fenstern auf der Südseite und der platt abschliessenden Ostseite. Aber die 



Innere Ein 

richtungde: 
Kirche. 



Kirche zu Zwiedorf. 

Wände zwischen den Schlitzen sind mit Kalk überputzt, ebenso auch die 
Blenden des Ostgiebels, der im Uebrigen alt ist. Die Kapelle macht aussen 
wie innen einen guten Eindruck. 

Die innere Einrichtung bietet nichts Bemerkenswerthes. Im Vorraum 
' zur Kirche auf der Westseite wird eine Reihe von Schnitzfigureo eines alten 
gothischen Triptychons aufbewahrt. Ein altes Lesepult, der Ständer von 
Eichenholz, der Aufsatz von Tannenholz, hat die Inschrift: C • N • ANNO 1623* 
H • O • S • Ausserdem wird auch eine Menschenhand aufbewahrt, die nach 
einer Mittheilung im Röckwitzer Archiv sich im Jahre 1648 auf dem Altar 
der Zwiedorfer Kirche gefunden haben soll. Vgl. M. Jahrb. III, Seite 94; IX, 
Seite 485. 

Im Westgiebel der Kapelle zwei Glocken, die grössere mit der Inschrift: 
'O rC)C O'oriC FJJ'C \itn\ rbm paf''*C amen. Zwischen den einzelnen Wörtern 

■) Grolh, M. Jahrb. VI, S. 137. ;38. 



GUT UND KIRCHDORF WOLDE. 193 

sind kleinere und grössere Rundbildchen mit figürlichen Darstellungen angebracht. 
Am Schlagring ein Rundbild von 7 cm Durchmesser, das in einem Blumen- 
und Blätterkranz ein von einem Pfeile durchbohrtes Herz enthält. Kein 
Giesserzeichen. — Die kleinere, oben mit Schnurstreifen versehene Glocke, 

hat keine Inschrift. Im 
Felde die stehende 
Figur eines segnenden 
Bischofs, daneben ein 
undeutliches Rundbild, 
das wie ein Siegel- 

abdnick aussieht. 
Ausserdem die stehende 
Gestalt des hl. Petrus, 
und daneben drei in 
Kleeblattform zusam- 
mengelegte Münz- 
abdriicke. 

Die Vasa Sacra be- Vasa sacra. 

stehen in einer Kanne 

mit Henkel und Deckel, 

in zwei Bechern, die 

als Kelche gebraucht 

werden und in üwei 

Patenen. Alle diese 

Stucke sind von Silber 

und stark vergoldet. 

Die Kanne hat in einer 

plastischen Kartouche 
Kirche zu Zwiedorf. , « n- 

das Allianzwappen des 

OSWALD VON FABRICE und der HELENE VON FABRICE, geb. GRAfIN VON 
REICHENBACH -LESSONITZ, dazu das Datum 1855. Stadtzeichen fehlt, Meister- 
zeichen A • F • Von den Hechem hat einer Wappen und Namen des Mannes, 
der andere Wappen und Namen der Frau, und beide haben dieselben Meister- 
zeichen. Die Patenen haben beide den Stempel des Goldschmieds Thiesenhusen. 



Das Gut und Kirchdorf Wolde.') 

I^Hls eine der festesten Burgen auf der Grenze zwischen Mecklenburg und Geschichle 
^** Pommern spielt Wolde im Mittelalter eine bedeutende Rolle. Sowohl ^^^ 
die Herzöge von Mecklenburg als auch die Herzöge von Pommern beanspruchen ""^ "^^^ 
die Landeshoheit über den Ort, welcher in Urkunden nicht selten als »Städticin« 

'} 13 km östlich von Stavenhagen, 



194 AMTSGERICHTSBEZIRK STA VENHAGEN. 

bezeichnet wird; mancherlei Konflikte werden dadurch hervorgerufen, welche 
ihre Lösung keineswegs immer auf friedlichem Wege finden. Der umwohnende 
Adel, oft mächtiger und einflussreicher als seine Fürsten, betheiligt sich lebhaft 
an den Händeln, und es ist ebenso oft Gewinn- und Rauflust, welche ihm das 
Schwert in die Hand drücken, als Vasallentreue. Endlich aber unterliegt die Burg 
der Fürstenmacht; noch heute reden ihre Trümmer von ihrer einstigen Stärke. 

In wie weit die Annahme, dass die Burg auf einer älteren wendischen 
Anlage erbaut worden, der Wirklichkeit entspricht, muss dahin gestellt bleiben.^) 
Durchaus sichere Spuren davon sind nicht aufgefunden worden, unzweifel- 
haft aber ist ihr hohes Alter. Zuerst mag die alte Familie der Wolde auf ihr 
gesessen haben. Urkundlich dagegen begegnen uns als Inhaber im Jahre 1292 
die von Voss, die auch im folgenden Jahrhundert hier vorkommen.*) Damals 
ist sie kein verliehenes Lehn, sondern ein fürstliches Schloss, dessen Inhaber 
schlossgesessene Mannen des Fürsten sind. Damit erklärt sich der häufige 
Wechsel seiner Inhaber. Am 5. August 1326 versichert Henning von Winter- 
feld den Herzog Albrecht von Mecklenburg seiner Dienste auf der Burg und 
hält sie ihm offen, 1330 ist sie im Besitz der Behr, 1341 der Knappen Grube 
und Otto Swanow, dann der Buggenhagen, 1381 wohnt dort wieder ein Voss.*) 
Fürstlich Pommerscher Einfluss herrscht entschieden vor, daher belehnt im 
Jahre 1331 am 13. März Papst Johann zu Avignon die Herzöge von Pommern 
ausdrücklich mit den »in terra Stetinensi« gelegenen Burgen Osten und »Wolt«.*) 
Im Jahre 1428 aber erlangt der angesehene Erbland marschall Heinrich 
Maltzan die erbliche Belehnung mit der Burg Wolde, und seine Nachkommen 
sind dazu bestimmt, mit thatkräftiger Hand sowohl in die engere Geschichte 
unseres Vaterlandes wie in diejenige Deutschlands einzugreifen. Die Macht 
des auf Wolde sitzenden eigenmächtigen Ritters Berend Maltzan freilich führt 
zu heftigen Konflikten mit den Herzögen von Mecklenburg und dem Herzog 
Bogislav von Pommern, deren Folge langjährige Fehden sind. Endlich gelingt 
es dem Herzog Bogislav am 29. August 1491 die Burg einzunehmen, und nun 
wird sie dem Erdboden gleich gemacht. 

Eine eingehende Schilderung dieser geschichtlichen Episode, ihrer Ent- 
wickelung und ihres weiteren Verlaufes findet sich bei Lisch, Geschichte 
des Geschlechts Maltzan.*) Berend wird zwar seiner Güter beraubt, aber nach 
geschlossenem Frieden im Jahre 1498 zu Gnaden angenommen und in seine 
Güter wieder eingesetzt. Nach seinem 1525 erfolgten Tode bringt sich Vollrath 
Preen Namens seiner Ehefrau, welche eine Tochter Berend 's ist, in den Besitz 
der Woldeschen Güter. Seine Nachkommen wissen sich trotz mannigfacher 
Anfechtung von Maltzan'scher Seite, theils durch Gewalt, theils durch An- 



») Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 270. 

*) M. U.-B. 2i8l. 2747. 2810, 3494. 3665. 4783. 91 14. H360. Lisch, Geschl. Maltzan 11, 
S. 4 (Urk. CLXXXIV, Anmkg.). 

») M. U.-B. 4754. 5127. 6117. 6934. 

*) Lisch, Geschl. Maltzan II, S. i (Urk. CCXIII). M. U.-B. 5225. 

*) A. a. O. IV, S. 14—19. 167—179. Vgl. dazu M. Jahrb. XX, S. 7—9. 



GUT UND KIRCHDORF WOLDE. 19S 

nifutig des Reichskammergerichts darin zu erhalten. So wird Heinrich Magnus 
Preen am J. December 1569 auf Gnind eines reichskammergerichtlichen 
Urtheils von den Herzögen von Pommern in das Gut Wolde imd seine Neben- 
güter eingesetzt, und ein Attest der mecklenburgischen Lehnkammer vom 
7. August 1571 bezeugt, dass Otto Preen die Woldeschen Lehne, soviel die 
Herzöge von Mecklenburg davon zu verleihen haben, sämmtlich zu Lehn em- 
pfangen und den Lehneid geleistet habe.') 

Im Jahre 1613 sind Preen'sche Erben, zum Theil Namens ihrer Ehe- 
frauen, im ungetheilten Besitz Woldes c. p., insbesondere die von Below, 
von der Luhe, von Kehr, von Kleinow und von Hahn, und die nachfolgende 



Kirehe «n Wdde. 

Zeit des dreissigjährigen Krieges ist nicht geeignet, Klärung in die ungeord- 
neten Verhältnisse zu bringen. Dies zu thun bleibt nach Schluss des Krieges 
der Krone Schweden vorbehalten, welche kurzer Hand 1649/50 der 
Familie Maltzan zu ihren Stammgiitem verhilß und Albert Joachim Maltzan 
wieder mit Wolde, Kastorf, Röckwitz und Zwiedorf belehnt. Von da an bleibt 
Wolde noch einhundertneunundzwanzig Jahre lang dem Geschlecht erhalten. 
Denn nachdem es im Ganzen dreihiindcrieinundlunfzig Jahre lang bei ihm war, 
geht es 1779 auf die Moltke über, von denen es 1840 Theodor Helmuth 
von Heyden-Linden erwirbt, um es noch im selben Jahre dem Grafen 
von Plessen auf Ivenack zu verkaufen. Dessen Rechtsnachfolger ist 1851 
August Friedrich Oswald von Fabrice, von dem es 1866 vorgenannter 
von Heyden-Linden aufs Neue erwirbt. Doch schon 1874 verkauft er es 

') Akten im Grosah. Archiv. 



ig6 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

wieder an den Freiherm Georg von Werthern, dessen Tochter Ida Gräfin 
Schwerin noch heute die Eigenthümerin von Wolde ist. Die Hoheitsverhält- 
nisse aber über Wolde sind streitig geblieben bis in die neueste Zeit und erst 
1873 durch einen zwischen Mecklenburg und dem Königreich Preussen 
geschlossenen Staatsvertrag in der Weise geregelt, dass beide Landesherr- 
schaften ihren 
Antheil daran 
haben. Schloss , 

Kirche und 
Wirthschaftshof 
sind mecklen- 
burgisch, die 
meisten Tage- 
löhnerwohnungen 
sind preussisch. 
Ueber die 
kirchlichen Ver- 
hältnisse s. o. bei 
Röckwitz. 

Kirche. Kirche. Die 

Kirche, ein 
Ziegelbau aus den 
Jahren 1859/60, 
folgt in ihrer An- 
lage den mittel- 
alterlichen Cen- 
tralbauten der 
Baptisterien und 
trägt in der Mitte 

einen acht- 
seitigen, von 24 
kleinen Fenstern 
erleuchteten 
Obergaden. 
Ausserdem drei 

grössere Licht- Altaraufsatz (Bronic-Grunie von Rjetschel). 

Öffnungen im 

Unterbau, eine auf der Nord-, eine andere auf der Süd- und eine dritte (in 

Form eines Rundfensters) auf der Westseite. Auf der Ostseite bildet eine 

runde Apsis den Abschluss. 

Innere Ein- Die inaere Einrichtung verräth eine sehr gediegene Kunsttischlcrei. Als 

richtung der Altaraufsatz dient eine mit grösster Feinheit und Schönheit in Bronze aus- 

Ku-che. geführte Kreuzesgruppe von E. Ristschel aus dem Jahre 1854 (Lauch hammerscher 



GUT UND KIRCHDORF WOLDE. 197 

Guss). Die Gruppe besteht aus dem Krucißxus und der am Kreuz knieend 
niedergesunkenen Mater dolorosa. Hervorzuheben ist femer die Schnitzerei und 
Täfelung an der Kanzel, dem herrschaftlichen Gestühl, der Orgel und am 
Taufständer. 

Die Glocken befinden sich in dem auf preussischem Gebiet gelegenen Glocken. 
Eingangsthor zum Friedhof. Sie sind daher im pommerschen Inventar von 
Lemcke beschrieben. 



Taufachale. 

Kleinknnstwerke. i. 2. Kleiner silbervergoldeter gothischer Kelch des Kleinkunst- 
XVI. Jahrhunderts auf sechspassigem Fuss. Inschrift: DIESEN . KELCK* HABEN- werke. 
ZV • GOTTES. EHREN • IN • DIE • KIRCHE • ZVM • WOLDE • GEGEBEN • WIE- 
FOLGET • JOCHIM • HAVESCH • 12 R. 16 jS • CLAVS • KROGER 2 R. JOCHIM* 
NIEMAN . 2 R. MICHEL • PAPENHAGEN • 2 R. DIE BALEMANSCH • 2 R. 
JASPER • SASSE • 2 R. Keine Werkzeichen, ebenfalls nicht an der zugehörigen 
Patene. — 3 — 8. Neue silber vergoldete Prachtgeräthe, bestehend aus einem 
Kelch mit Patene, einem Ciborium auf hohem Fuss, einer Weinkanne und 
einer Taufschale mit Wasserkanne, alle diese Stücke in reicher Treibarbeit 
und im klassicierenden Geschmack, wie er in Frankreich zur Zeil der Regence 
im XVIIl. Jahrhundert herrschte, ausgeführt von einem Goldschmiede P. P. R-, 
dessen Meisterzeichen ein Kreuz, ein Anker und ein Herz bilden (Kreuz 
und Anker über Kreuz gestellt}. Als Stadtzeichen ein mehr weiblich als 



198 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



männlich erscheinender Kopf mit Flügeln. Geschenke des Herrn VON FABRICE 
aus dem Jahre 1860. Als bildlicher Schmuck des Kelches und Ciboriums 
sind besonders hervorzuheben: an der Cupa des Kelches die Halbfiguren des 
Heilandes, der Maria und des Johannes, am Deckel und am Gefass des Cibo- 
riums die Marterwerkzeuge, und am Fuss des Kelches wie des Ciboriums die 
Sinnbilder des Pelikans, Kreuzes und Opferlammes. — 9. 10. Zwei grosse 
prächtige vergoldete Altarleuchter mit den Wappen des Stifters und der 
Stifterin: OSWALD V • FABRICE und HELENE VON FABRICE, geb. GRAFIN 
VON REICHENBACH -LESSONITZ 1859. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Kirchdorf Kastorf.') 

astorf kommt am 25. April 1280 zum ersten Mal Urkundlich vor: Herzog 
Barnim von Pommern schenkt dem Klo.ster Ivenack acht Hufen zu 
»Kerstianesdorp«.*) Diese Schenkung bestätigt der Bischof Hermann von Kammin 
am 31. Januar 1283 und verleiht dem Kloster zugleich das Patronatsrecht 
über die dortige Kirche.') Als Vasall des Klosters auf diesen vier Hufen 
wird damals Johann von Heidebreck mit seiner Ehefrau auf Lebenszeit ein- 
gesetzt.*) Siebenzig Jahre später treffen wir die Familie Voss auf Kastorf, 
welche schon vom XIII. Jahrhundert her auf dem benachbarten Wolde an- 
gesessen sind.*) Im ersten Viertel des XV. Jahrhunderts aber erwerben die 
von Maltzan auf Schorssow die Burg Wolde und mehrere umliegende Güter. 
Darunter tritt später auch Kastorf auf Sie halten es mit den übrigen Gütern 
fest, bis nach dem Tode Bernd Maltzahn's dessen Schwiegersohn Vollrath Preen 
theils auf Grund des Erbjungfernrechts seiner Frau, theils auf prozessualischem 
Wege und theils sogar gewaltsam den Besitz erlangt.*) Daher finden wir im 
Jahre 161 8 Kastorf im Besitz Preen'scher Erben. Während des dreissigjährigen 
Krieges aber sind die Zeiten wenig geeignet, eine Klärung der Besitzver- 
hältnisse eintreten zu lassen. Indessen 1649 erhält Albrecht Joachim Maltzan 
von der Krone Schweden her wiederum die Belehnung mit Wolde und Kastorf, 
und 1681 erbietet sich Hans Joachim Maltzan zur Ableistung des Lehneides 
hinsichtlich der zu Wolde gehörenden Pertinenzen. Man kann somit sagen, 
dass die Besitzverhältnisse wieder auf ihre älteren rechtlichen Grundlagen 
zurückgebracht sind. Indessen haben sich die von Maltzan des Besitzes nicht 
lange erfreut. 1740 veräussem sie Kastorf antichretisch auf achtzehn Jahre an 



^) 12 km ostsUdöstlich von Stavenhagen. Kerstianesdorp, Kerstenstorp, Kerstorp. M.U.-B.8143. 

«) M. U.-B. 1533. 

») M. U.-B. i666. Vgl. 2754. 2961. 

*) M. U.-B. 1878. 

*) M. U.-B. 2181. 7778. 8143. II 360. 

•) Lisch, Geschl. Maltzahn, No. 175—855. II, S. 4. 40. 538. 598. III, S. 352. 459. 491. 



KIRCHDORF KASTORF. I99 

Karl DettloF von Kahlden, und 1770 verpfänden sie es an den Geheimrath 
Julius Friedrich von Burkersroda, welcher schon am 26. April 1775 stirbt. 
Nachdem die von Maltzan auf Erfordern der Lehnkammer das Lehn aus- 
geschlagen, wird es nach beendetem Proklamations- Verfahren dem Grafen 
Moltke auf Wolde angeboten. Dieser erwirbt es 1782, leistet den Lehneid 
und erhält die förmliche Belehnung am 8. Februar 1785. 1841 wird Ernst 
Holz Rechtsnachfolger der von Moltke, welchem 1860 Robert Ludwig Gustav 
Holz im Besitz folgt. Von diesem erwirbt es 1881 Gustav Baessler. Seit 1897 
aber ist Anna Hedwig Baronin von Brockdorff, geb. Baessler, Eigenthümerin 
des Gutes. 

Mittelalterliche Geistliche von Kastorf sind bis jetzt nicht bekannt ge- 
worden. Um 1541 ist Joachim Schröder Pastor und zugleich der Küster seiner 
Kirche. Er hat ausserdem in jedem der drei übrigen Dörfer seiner Parochie, 
Galenbeck, Rosenow und Knorrendorf, eine Filialkapelle zu bedienen. Ihm 
folgt Dionysius Sangel, der 1577 ^i^ Konkordienformel unterschreibt. Gegen 
Ende des Jahrhunderts, genauer seit 1592, ist Friedrich Wieneke Pastor in 
Kastorf und in den genannten drei Filialkirchdörfern. Vorher ist er achtzehn 
Jahre lang Pastor in Basepohl gewesen. Als Fridericus Vinicaeus unterschreibt 
er dort die Konkordienformel. Nach Wieneke's Tode wird 1614 Balthasar 
Breitsprecher (Breitspreker) berufen, aber bald erheben sich Klagen wider ihn, 
und schon 1623 wird er anstössigen Lebenswandels halber seines Amtes ent- 
setzt. 1624 folgt Joachim Friedrich. Friedrich ist über 1629 hinaus im Dienst, 
Ihn wird der dreissigjährige Krieg ebenso fortgefegt haben wie seine Gemeinde.*) 
Denn als 1645 Friedrich Greving von der Herzogin Eleonora Maria, die das 
Amt Ivenack als Witthumsamt besitzt, berufen wird, da hat bereits Jahre 
lang der Pastor von Ivenack ausgeholfen. 1649 heisst es von der Kirche zu 
Galenbeck, sie sei abgebrannt und von der in Knorrendorf, sie habe kein 
ordentliches Dach mehr. Dieser Zustand ist auch noch 1662 derselbe. Nach 
Greving's Tode wird 1667 Hermann Müller durch Herzog Gustav Adolf 
berufen. Müller erhält 1703 einen Substituten in Andreas Koppe, der nachher 
Pastor wird, 1709 den Ivenacker Patronatswechsel erlebt und 171 3 aus dem 
Leben scheidet. Unter Koppelow'schem Patronat tritt 1714 Andreas Barkow 
die Pfarre zu Kastorf an. Ihm folgt 1724 Jakob Gerhard, der ebenfalls einen 
Patronatswechsel erlebt. Denn durch Vertrag zwischen Helmold von Plessen 
auf Ivenack mit Hans Bernd von Maltzan zum Wolde am 4. Juni 1730 geht 
das Patronat über Kastorf auf den letztgenannten über. Es folgen nun weiter: 
1736 Josias Andreas Jäger, bis dahin Pastor zu Ankershagen, und 1774 Johann 
Christian Sänger als Pastor zu Kastorf und Briggow. Sänger wird 1827 
emeritiert und stirbt den 2. Mai 1831 als dreiundachtzigjähriger Greis. Siehe 
Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche, ein Ziegelbau im klassicierenden Stil von 1788, Kirche, 
bildet ein längliches Viereck, in dessen Westseite ein Thurm eingebaut ist. Sehr 

*) Groth, M. Jahrb. VI, S. 139. 140. 



200 



AMTSGERICHTSBEZIRK STA VENHAGEN. 



Kanzel und 

Altar. 

Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



verwandt der Borgfelder Kirche. Im Innern eine flache Decke und eine der 
Zeit des Baues entsprechende Einrichtung. 

Kanzel und Altar sind zu einem Körper verbunden. 

Im Thurm zwei Glocken. Die grössere, mit einem Durchmesser von 
90 cm, ist 1788 zur Zeit des ^eichsgrafen VON MOLTKE und des Pastors 
SAnGER von J. C. Meyer in Neustrelitz gegossen worden. Die zweite, mit 
einem Durchmesser von 70 cm, i.st 1721 von Michael Begun gegossen worden. 
Sie hat als Schmuck das Allianzwappen des Geheimen Raths ERNST CHRI- 
STOFFER VON KOPPELOW und seiner Gemahlin MARGARETHA JULIANA, geb. 
VON FRANKE. Dazu der Name des Pastors ANDREAS BARCKOW. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf achtpassigem Fuss. 
An der Kupa ein Allianzwappen. Das eine zeigt im Schilde und in der Helm- 
zier einen steigenden Löwen. Das andere zeigt im Schilde zwei gekreuzte 
Anker und darüber einen sechsstrahl igen Stern, in der Helmzier aber ein 
Hirschgeweih, dazu die Initialen M • S • M • und den Namen MAGDALENA 
DEMONTRONDT. Kein Werkzeichen, auch nicht an der Patene. — 3 — 6. Kelch, 
Kanne, Ciborium, Oblatenteller von Silber, neu. An Kelch und Kanne als 
Stadtzeichen eine dreithürmige Burg und als Meisterzeichen B & G. Ciborium 
und Teller von Prüfer- Berlin. Der Teller ist ein Geschenk von HENNING 
BARON BROCKDORFF 1891. 



Das Filial - Kirchdorf Rosenow/) 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




osenow erscheint urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1283, als Bischof 
Hermann von Kammin dem Kloster Ivenack alle Zehnten und Be- 
sitzungen bestätigt.*) Dabei werden nämlich auch Zehnten in Rosenow genannt, 
welches im Uebrigen fürstliches Kigenthum ist. Am 29. August 1292 ver- 
leiht Nikolaus von Werle das Dorf mit allen Gerechtsamen, namentlich auch 
dem höchsten und niederen Gericht, dem Heinrich Voss auf Wolde aus Er- 
kenntlichkeit für geleistete Kriegshülfe, und hundert Jahre später berufen sich 
die Voss auf diese Verleihungsurkunde, als es darauf ankommt, ihr Recht auf 
Rosenow nachzuweisen. •'*) Später wird das Dorf ein Stalbom'sches Lehn, und 
als dieses Geschlecht zu Anfang des XVI. Jahrhunderts mit dem Tode des 
Vicke Stalbom erlischt und das Lehn heimfallt, wird es von den Herzögen 
Heinrich und Albrecht am 11. November 1527 nebst dem Gute Ballin ihren 



^) 12 km südöstlich von Stavenhagen. »Ort des Rozßnac (vom altslavischen Stamm ruza, 
poln. roza = Rose). Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 122. Also soviel wie » Rosenhagen c. 
*) M. U.-B. 1666. 
») M. U.-B. 2 181. II 360. 



PILIAL- KIRCHDORF ROSENOW. 201 

beiden Kanzlern, Caspar von Schöneich und Dr. Wolfgang Ketwig, und zwar 
jedem zur Hälfte, verliehen. Wolfgang Ketwig's Erben verkaufen ihren An- 
theil am ii. November 1563 ihrem Schwager Joachim von ArenstorfT, aber 

1 589 finden wir 
die von Arenstorff 
schon im un- 
getheilten Besitze 

des Gutes, 
Diese verkaufen 
es i696anjüigen 
Christoph von 
Bamer, Dessen 
Rechtsnachfolger 
wird 1702 Ernst 
von Blücher. 
Seine Nach- 
kommen haben 
es heute. Dabei 
ist ein Theil des 
Ortes Domanial- 
Eigenthum ge- 
blieben ; wahr- 
scheinlich sind 
das die Hufen, 
welche früher dem 
Kloster Ivenack 
zustanden und mit 
dessen Säculari- 
sierung in die 
landesherrliche 
Verwaltung über- 
gingen. 

Ueber die 
kirchlichen Ver- 
hältnisse s. bei 
Kastorf Rose- 

MteUmok .in.. |.o,hi.A„ Triptycton.. 

jeher Filial-Kirch- 
dorf von Kastorf. Die ehemaligen Filialen Gaienbeck und Knorrendorf werden 
seit 1662 nicht mehr als solche genannt. 

Kirche. Die Kirche ist ein neugothischer Ziegelbau von 1849 — -51 in Kirche, 
der Grundform eines länglichen Vierecks mit vorgebautem Thurm. Im Innern 
eine flache Decke. Altar und Kanzel bieten nichts Bcmerkenswerthes, 



202 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



Triptychon. Hinter dem Altar das Mittelstück eines geschnitzten gothischen Tripty- 

chons, welches die Darstellung der hl. Maria mit dem Kinde in einer Strahlen- 
mandorla enthält. Unten rechts ein Ritter, welcher kniet, unten links ein 
thronender König oder Kaiser, hinter dem ein Herzog oder Kurfürst steht. 
Oben rechts das zu den marianischen Typen gehörende Sinnbild des Ezechiel 
vor der verschlossenen Pforte, links das andere des Moses vor Gott Vater im 
brennenden Busch. ^) Als weitere Nebenfiguren in Nischen die hl. Barbara, die 
hl. Katharina, der hl. Georg, und ein nicht zu benennender Bischof. Auf dem 
Schrein noch ein paar Schnitzwerke von anderswoher : ein Krucifixus und zwei 
sitzende Heilige. 



Wappen. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



In der Südwand drei eingelassene Zinkwappeo, das des F • W • V« 
BLÜCHER und die seiner beiden Gemahlinnen L ^ (?) C • (f) V • WARDENBURG 
und F • V • WOLFRADT • Ausserdem noch drei unbenannte BLOCH ER'sche 
Wappen. 

Im Thurm zwei Glocken. Die grösste ist 1841 unter dem Patronat 
des FRIEDR • WILH • V • BLÜCHER zur Zeit des Pastors ERNST NAHMMACHER 
von C. Illies in Waren gegossen worden. Ebenso die zweite im Jahre 1862 
unter dem Patronat des CARL WILHELM LEOPOLD V • BLÜCHER und zur Zeit 
des Pastors F • WALTER • . 

Das Inventar von 1 8 1 1 enthält keine Nachrichten über die Inschriften 
der Vorgängerinnen. Aber eine Mittheilung von Lisch im M. Jahrb. XXVII, 
S. 234, besagt, dass eine im Jahre 1861 zum Umguss bestimmte Glocke 
die Inschrift hatte: 

(Giesserzeichen) 15 ♦ ♦ + 8^11^ + ^tof^^ailt + ht (Giesserzeichen) 
ÖCft + teffe + 0lOC0e + Oateil (Giesserzeichen). 

Die Zehner-Zahl in der Jahreszahl war undeutlich. Lisch ergänzt sie mit 41. 
Der Giesser Stofesant kommt sonst bei uns nicht vor. Leider ist das Giesser- 
zeichen nicht angegeben. 

Kleinkanstwerke. i. 2, Silbervergoldeter Kelch auf achtpassigem Fuss 
mit dem Wappen des Stifters OTTO VON ARENSTORFF und mit dem Datum 
1662. Werkzeichen undeutlich. Auf der jüngeren Patene als Stempel ein drei- 
thiirmiges Stadtthor mit einem undeutlichen Jahresbuchstaben und dem Meister- 
stempel B & G. — 3. 4. Kanne und Ciborium, gestiftet 1874 von dem Patron 
der Kirche C • V • BLÜCHER. — 5. Messing-Schale mit Blumen, Blättern und 
I^Xichten auf dem Rande. — 6. Neue Taufschale, von Prüfer -Berlin. — 
7. 8. Zwei versilberte zinnerne Leuchter, der eine 1679 gestiftet von HANS 
KLAEFSADT, der andere 1683 von MICHEL HINTZE. Beide von Rostocker 
Zinngiessern gegossen, der erstgenannte von Andreas Wösthoff, der andere von 
Olrik Schlüter^) — 9 — 12. Noch vier zinnerne Leuchter. 



*) Das >Maschelrygen€-Werk der Basis fehlt, daher ist das Bildwerk nach unten gesunken. 
*) Andreas Wöst oder Wiisthoff tint 1673 >"s Amt der Zinngiesser ein, Olrik (Ulrich) 
Schlüter schon 1671. 



GUT UND KIRCHDORF KITTENDORF. 



Das Gut und Kirchdorf Kittendorf.') 

B^Huf Kittendorf, wo 1338 ein Knappe Snerinc genannt wird, und dessen Bede Geschichle 
^^^ '349 3n den Ritter Heinrich Dargatz verpfändet wird, wohnt im Jahre *^^ 
1381 Hartwig Breide, dessen Geschlecht es bis zu seinem im Jahre 1500 D**"«^- 

erfolgenden 
Aussterben 
innehat. ■) 
Zwar scheint 
das Kloster 
Ivenack in- 
zwischen seine 
Augen auf den 
werth vollen 
Besitz ge- 
richtet zu 
haben, denn es 
lässt sich 1411 
durch Fürst 
Christoph von 
Wenden be- 
zeugen, dass 
er seiner Vor- 
fahren und 
einiger Herren 

zu Stettin 
Briefe gesehen, 
über Dörfer 
und Güter , 
welche sie dem 
Kloster Ive- 
nack ge- 
schenkt, unter 
denen auch 

Kittendorf mit 
Kirche zu Kittendorf. „ ., ,. . 

allen Herrlich- 
keiten und Pachten sich befinde.*) Allein das Kloster kommt über einigen 

■] 9 km südlich von Slavenh^en. 

*) M. U.-B. 5890. 6934. 11383- Ueber die von Breide vgl. Lisch, M. Jahrb. XXXIX, 
S. loj — 3oS. S. o. Grabstein in der Kirche zn Malchin. 
*) S. Akten im Gro»sh. Archiv. 



204 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

Pfandbesitz im Gute, den es 
von den Breide's erwirbt, 
nicht hinaus, und als das 
Lehn durch Aussterben der 
Breide an die Landesherren 
zurücklallt, wird es ohne 
Weiteres am 5. August 1500 
an Berend Maltzan auf Wolde 
(seit igoi auch auf PenzHn) 
wiederveriiehen.'} Nun macht 
zwar Volirath Preen, welcher 

[454 in den Pfandbesitz 
Kittendorfs gekommen ist, 
Ansprüche, indessen beendet 
ein Vergleich den Prozess 
im Jahre 1 5 1 1 , und Maltzan 
findet den Gegner mit 1500 
Gulden rheinisch ab.*) Auch 
das Verfahren gegen Berend, 
worin dieser wegen Gewalt 
und Auflehnung gegen seinen 
Lehnsherrn seiner Güter be- 
raubt werden soll, endet 15 16 

mit einem Vergleich, und Portale der Kirche. 

Kittendorf verbleibt seinem 
Besitzer und somit dem Ge- 
schlechte der von Maltzan 
bis zum 1648 erfolgenden 
Tode Franz Joachim's, worauf 
das Gut an dessen hinter- 
lassene Wittwe Anna Maria 
von Blücher, wiederverhei- 
rathete von Sanitz, gelangt.') 
Zwar melden sich 

Maltzan'sche Lehnsvettern 
und beanspruchen das Gut, 
erhalten auch einen Muth- 
schein am 23. Juli 1653, 



■) Lisch, Geschl. Moltzahn 
IV, S. 322. 

*) Akten im Grossh. Archiv. 

') Vgl. Wigger, Geschichle d. 
Blücher II. 2, S. CS ff. — Lisch, 
Geschichte d. Maltzahn IV, ä. 456. 



CUT UND KIRCHDORF KITTENDORF. 205 

doch beenden Vei^leichsverhandlungen auch hier den Pro7.ess, und Kitten- 
dorf verbleibt der genannten Wittwe. Nach ihrem im Jahre 1679 erfolgten 
Tode übernimmt der Sohn das Gut. In der That mochte sein Besitz in An- 
betracht des Zustandes, in welchem es ans dem dreissigj ährigen Kriege, >den 
Baner'schen Zeiten«, hervorgegangen, wenig Verlockendes haben und den 
von Maltzan den Verzicht erleichtern. Ist doch im Jahre 1648 von sechzehn 
Bauern und sechzehn Kossäten nur ein Bauer vorhanden, sonst aber alles 
niedergebrannt oder verwüstet.') 1718 macht Kittendorf die böse Zeit der 

Beschlagnahme durch die 
Kommissarien Karl Leo- 
pold's durch, Durch Erb- 
vertrag vom 16, April 
1751 seitens des damaligen 
Besitzers von Blücher 
kommt es an dessen 
Schwiegersohn, den Kam- 
merjunker Georg Ludwig 
von Oertzen aus dem 
Hause Lübbersdorf. Seit- 
dem befindet sich das 
schöne Gut in Oertzen- 
schen Händen. 

Wenngleich die zwei- 
fellos dem XIII. Jahr- 
hundert angehörende alte 
Kirche des Dorfes in den 
wenigen Urkunden des 
Mittelalters über Kitten- 
dorf nicht genannt wird 
und die Namen mittelalter- 
licher Geistücher bis jetzt 
nicht auf uns gekommen 
^'"*^- sind, so ist es doch höchst 

wahrscheinlich, dass Kittendorf schon im Mittelalter als eins der Hauptdörfer 
in Circipanien angesehen wurde, und dass die in der alten Vogtei Stavenhagen 
von frühester Zeit her reich begüterten Herren von Voss die Patrone der 
Kirche waren. Sie geben dies Patronat selbst dann nicht auf, als nach denen 
von Breide die von Maltzan als Lehnstrager eingesetzt werden. Die von Voss 
müssen daher schon vor denen von Breide zur Kirche und zum Dorfe in Be- 
ziehungen gestanden haben, von denen wir nichts wissen. Als Inhaber des 
Kirchlehns werden sie 1541 zum ersten Mal genannt. Damals ist Nikolaus 
Meyer Pastor in Kittendorf und in dem benachbarten Ivenacker Klosterdorf 

') Groth. M. Jahrb. VI, S, 138. Wigger, Gesch. der Hlücher II, 3, S. 68 ff. 



206 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENIIAGEN. 

Suiten, dessen Kirche zu der Kittendorfer Kirche von Alters her in einem 
Fihal-Verhältniss steht. Zwanzig Jahre später finden wir den Henricus Holste 
als Nachfolger Meyer's an beiden Kirchen. Er wird 1593 emeritiert.') Ihm 
folgt Martin Taumann, der 1626 stirbt; diesem 1Ö27 David Thuring, den die 
von Voss auf Luplow, Flotow und Rumpshagen berufen haben, und welchen 
Franz Joachim von Maltzan auf Kittendorf und Penzlin vei^ebens zu entfernen 
sucht. 163s ist abermals Vakanz in Folge Todesfalles. Aber nun kommen 
die verheerenden Kriegsjahre 1637 und 1638, in denen alles Leben auf dem 
Lande erstirbt und selbst die Gottesdienste eingestellt werden müssen. Erst 



Innerei der Kirche zu Kitten doif. 

im Jahre 1650 giebt es wieder einen Pastor in Kittendorf und Suiten: es ist 
Johann Poland, der in diesem Jahre berufen wird und länger als vierzig Jahre 
im Dienste bleibt. Er erhält 1697 einen Substituten an Job. Friedr. Hartmann, 
für dessen Berufung auch die Herzogin -Witt we Magdalena Sibylla als Inhaberin 
des Amtes Stavenhagen und Patronin zu Siilten eintritt. Hartmann wird 
schon 1698 Pastor und stirbt 1734. Es folgen: 1737 C. Fromm, 1762 C. H. 
Hahn (Anfangs als Substitut, f 1793), '794 Heinrich Gustav FlÖrke und (nach 
dessen Versetzung im Jahre 1796) Karl Friedrich Spiegelberg {1798— 1807). 
S. Walter a a. O. 

') Zu HoUte's Zeit wird Suiten zur Kirche in Stavenhagen gelegt, zu Taninann's Zeit aber 

bereits wieder mit Kittendorf verbunden. 



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i-^ 



Altar der Kirche la Kitlendorf. 



GUT UND KIRCHDORF KITTENDORF. 207 

Kirche. Die Kirche, ein schwerer Feldsteinbau, gehört der Zeit des 
Uebergangs vom romanischen zum gothischen Stil im Anfange des XIII. Jahr 
hunderts an. Der platt abschliessende Chor ist mit einem Kreuzgewölbe über- 
spannt. Das Durchschnittsprofil der Rippen dieses Gewölbes ist nicht bim- 
förmig, aber doch abgeschrägt und mit einem Steg versehen. Der Triumph- 
bogen hat die Form eines gedrückten Spitzb<^ens. Das breitere Langschiff 
hat einen runden Pfeiler in der Mitte, der mit plumpen »jungent Diensten 
als Stütze fiir die vier Kreuzgewölbe dient, welche den Raum des Schiffes 
überspannen. Die Dienste am Pfeiler theilen sich in vier breitere Gurtdienste 
und vier schmälere Rippendienste, letztere von gleichem Durchschnitts-Frofil 
wie im Chor. Zu beachten sind die beiden früh gothischen Portale im Schiff 
(auf der Nordseite eins, auf der Südseite das andere), tieide in einem vor- 
geschobenen abgetreppten Mauerkern. Auch die »Priesterpforte« auf der Süd- 
seite des Chors ist nicht zu übersehen, besonders nicht die Itasis der Wandimg 



und die Kapitellbildung in der Kämpferlinie unter der Bogen-Laibung. Als 
ursprünglich ist auch das > Dreieinigkeitsfensten in der Ostwand des Chorä 
sowie das kleine Schlitzfenster auf der Südseite des Langhauses zu be- 
zeichnen. Im Westen eine von der Kirche in den Thurm hinein führende Rund- 
bogenpforte. Der Thurm selbst, ein schwerer hoher Bau, ist jünger als die 
Kirche. 

Der Altaranbatz ist ein unverhältnissmässig hoher phantastischer Bau Altar- 
in zügellos zu einander gesetzten und grösstentheils schlecht verstandenen aufsatz. 
Formen der Renaissance: eine Maltzan'sche Stiftung vom Jahre 1603. Die 
Abbildung überhebt uns einer eingehenderen Beschreibung, da die Bikl- 
schnitzereien leicht verständlich sind. Nur von der obersten mag gesagt 
werden, dass sie Gott Vater und Gott Sohn neben einander thronend darstellt, 
und dass in den Sonnenstrahlen des Hintergrundes auch die Taube als Sinn- 
bild des hl. Geistes sichtbar wird. 

Das ganze Werk sieht aus, als wenn es dem Bristower Altaraufsat/ 
nahe kommen soll, der kurz vorher entstanden war und alle Welt von sich 



208 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

reden machte. Indessen weit gefehlt. Der Kittendorfer Aufsatz verhält sich 
zu dem Bristower wie die Nacht zum Tage. 

Ein anderer Altaraufsatz, ebenfalls eine Schnitzarbeit im Geschmack 
der Renaissance, hängt oberhalb des inneren Rundportals im Thurm. 

Kanzel. Die Kaozel, gleichfalls ein Werk der Renaissance, und zwar vom 

Jahre 1596, hat in ihren Füllungen die Gestalten des Heilandes und der vier 
Evangelisten. Zu beachten ist der niederdeutsche Spruch: IM • ANFANG • WAS« 
DAT • WORT • VND • DAT • WORDT • WAS « Bl • GADE • VND • GODT • WAS* 
DAT • WORT • DAT • SULUE • WAS • VAN • ANFANG • BIE • GADE. 

Empore. An der Empore der Gutsherrschaft, deren Brüstung gleichfalls ein be- 

achtenswerthes Schnitzwerk ist, sieht man neun Figuren, welche Tugenden 
darstellen, ausserdem aber auch acht Doppelwappen aus der Zeit der 
von Maltzan, Blücher und Oertzen. 

Glas- Im Fenster auf der Südseite des Chors als Glasmalereien mehrere 

malereien. bürgerliche Wappen, in den Fenstern des Langhauses noch eine Reihe anderer 
Malereien. 

Glocken. Von den drei Glockeo im Thurm ist die grösste gesprungen und an- 

gebohrt, wird aber noch gebraucht. Sie hat unten am Rande die ringsum 

laufende Inschrift: gelp • 50I1 • ht§ • Ift • 61i(g)]^iniie • bat • Iß • enen • ggbben • 

eube^ • (B)8etailine ®.^) — Die zweite Glocke ist die älteste Glocke des 
Landes und wohl erhalten. Sie hat zwei umlaufende Umschriften. Die obere 
lautet: S ffiftßO » Dlil i AR ^ QQ * LXXX i VIII *? RVSK * SVfitt . 
Die untere lautet: S i ^ i i R i ö i X ! ^ i G l h ': ': R ': l \ & S, ': 
V ; e ': ft ; I : a : V S ; P : Ä i G ; e : . — Die dritte Glocke hat die Um- 
schrift: + re]c glorle O firifle O iieni O quin pace O. 

Kleinkunst- Kleinkunatwerke. i. 2. Kleiner silberner Kelch auf sechspassigem Fuss 

werke. mit dem eingravierten Parkentin'schen Wappen und den Buchstaben M» 
E • V • P« Von dem Rostocker Goldschmied Jürgen Müller. Patene mit den- 
selben Werkzeichen. — 3. 4. Grosser silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem 
Fuss, ohne Inschrift, aus dem XVIII. Jahrhundert. Auf dem Fuss nachstehende 
Stempel @ H/. Patene ohne Werkzeichen. — 5. 6. Neusilbemer Kranken- 
kelch mit Patene. — 7. Silbernes Krankengeräth, ohne Inschrift und Stempel. — 
8. Länglichrunde silberne Oblatenschachtel. Auf dem Deckel eingraviert das 
Parkentin'sche (Barkentin) Wappen mit der Jahreszahl 1692 und den Initialen 
M*E*V*B* — 9. Kreisrunde silberne Oblatenschachtel mit dem Sanitz- 
Blücher'schen Allianzwappen und den Initialen B • S» und A • M • B»*) Auf 
der Unterseite der Stralsunder Stadtstempel und der Meisterstempel F. B. — 
10. Zinnernes Taufbecken, gestiftet von JOACHIM WITT 1696. 

*) Sollte sie einmal umgegossen werden, so würde es sich empfehlen, von der Inschrift 
vorher einen Gypsabdruck zu nehmen. M. Jahrb. XL, S. 192. 

') Das Sanitz'sche Wappen zeigt im Felde drei Weinstöcke und als Helmzier drei Pfauen- 
federn. Die Initialen bedeuten Berend Sanitz und Anna Marie Blüchers (s. o.). 



GUT UND KIRCHDORF KITTENDORF. 209 

Schloss Kittendorf. Der Erbauer des Schlosses, dessen Park-Anlage Schloss zu 
zu den schönsten dieser Art in Mecklenbui^ gehört, ist der Kammerherr Hans Kittendorf. 
Friedrich von Oertzen, der im Jahre 1855 mit dem Gute Kittendorr und seinen 
Nebcngütem Mittelhof und Oevelgünne ein Familien - Fideikommiss errichtete. 
Der Bau selbst Tolgt in seiner malerischen Zertheilung den gothisierenden 
Tendenzen des englischen Tudorstiles, wie er in jener Zeit in Mecklenbui^ 
beliebt war.*) 

*) Lisch und Wedemeyer, Album mecklenburgischer Schlösser und LandgUter: Text und 
Abbildung in den Hefleo 8 — i*. 



210 AMTSGERICHTSBEZIRK STA VENHAGEN. 



Das Filial- Kirchdorf SUIten.') 

Geschichte HBlIer Name des Domanialkirchdorfes Suiten lässt erkennen, dass hier früher 
des HiSfia gj^i2 gesucht und gefunden sein muss. Und in der That werden noch 
Dorfes. heute die Stellen gezeigt, wo die Salzquellen gewesen sein sollen. Auch 
spricht jene Urkunde vom 29 Mai 1282, in welcher Herzog Bogislav 
von Pommern die Stadt Stavenhagen und deren liegende Gründe bestätigt, 
von Salinen und Eisengruben.*) Sonst aber ist geschichtlich nichts weiter 
nachzuweisen. Das holsteinische Kloster Reinfeld, welches Suiten um jene 
Zeit erwarb, hätte gewiss nicht ermangelt, das Salzlager auszubeuten, wenn 
der Nutzen entsprechend gewesen wäre. Zur Zeit der ersten urkundlichen 
Erwähnung sitzt die Familie Voss in Suiten. Auf deren Veranlassung verleiht 
Herzog Barnim von Pommern dem Kloster Reinfeld am 28. Mai 1264 das 
Eigenthum an zehn Hufen im Dorfe, und wenige Jahre später verkaufen 
die Ritter Johann und Friedrich Voss zu Stavenhagen auf ihren Todesfall 
dem Kloster weitere sechsunddreissig Hufen in Suiten mit allen Rechten und 
Zehnten, und endlich überträgt noch in demselben Jahre der Herzog Barnim 
von Pommern dem Kloster das volle Eigenthum dessen, was es an Gütern im 
Dorfe innehat, sowie das, welches die Voss mit dem höchsten und niedersten 
Gericht zu diesem Zweck vor ihm aufgelassen haben.') 1271 wiederholen die 
Voss den gleichen Handel mit anderen achtzehn Hufen, denen Bischof 
Hermann von Kammin 1274 den halben Zehnten von vierundvierzig Hufen 
hinzufügt.^) Endlich erwirbt das Kloster den ungetheilten Besitz des ganzen 
Dorfes und weiss ihn zu schützen.*) In diesem Eifer scheut es sich nicht, 
das Kloster Dargun sogar mit dem Interdikt belegen zu lassen. Das kam so: 
Der Ritter Nikolaus Hahn, der in Suiten Räubereien begangen hatte, war ge- 
storben und in der Klosterkirche von Dargun beigesetzt worden. Kloster Rein- 
feld aber hatte den Plünderer mit Interdikt und Bann strafen lassen und ver- 
langte nun die Entfernung des Gebannten aus geweihter Erde. Dargun aber, 
welches die von Hahn stets als seine Gönner verehrt hatte, versagt das Be- 
gehren. Da erfolgt der Bannfluch von einem Kloster über das andere, und 
es bedarf erst der Absendung eines päpstlichen Specialdeputierten aus Avignon 
im Jahre 1374, um die Sache aus der Welt zu schaffen, die übrigens in 



*) 7 km südlich von Stavenhagen. Der Name verräth die niederdeutsche Gründung. 

«) M. U.-B. 1630. 

•) M. U.-B. 1013. iioo. iioi (Suiten in terra Tucen, vgl. Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 276). 

*) M. U.-B. 121 1. 

») M. U.-B. 7778. 



FILIAL- KIRCHDORF SÜLTEN. — GUT UND KIRCHDORF VARCHENTIN. 21 1 

ungünstigem Sinne für Reinfeld endet.*) Bis zur Säkularisierung bleibt Suiten 
klösterlicher Besitz, um dann, wie die übrigen mecklenburgischen Güter dieses 
Klosters in früher bereits geschilderter Weise, für immer in landesherrliche 
Verwaltung überzugehen.*) 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Kittendorf. 

Kirche. Die Kirche zu Suiten ist ein gothischer Neubau von 1870/73. Kirche. 
Neu ist auch die innere Einrichtung. 

Im Thurm zwei Glocken. Die grössere (Dm. 0,95 m) stammt vom Glocken. 
Jahre 1494, von der Inschrift war ausser der Jahreszahl nur zu lesen 

<0 rector celi o et alpga noä abiuba Unter dem 

Schluss das Abbild einer Monstranz, seitwärts vom Mantel das 
nebenstehende Giesserzeichen. Die sehr kleine zweite Glocke ist 
ohne Inschrift und Zeichen. 

Kleinknnstwerke. i — 3. Kelch, Patene und Oblatendose, alle drei von Kleinkunst- 
dem Malchiner Goldschmied F. W., aber ohne jede weitere Inschrift. In den werke. 
Formen des XVIII. Jahrhunderts. — 4 — 6. Kanne mit Untersatz, Kelch und 
Teller, alle neu, mit ftinf englischen Goldschmiedsstempeln. Geschenke des 
1806 zu Hof Suiten geborenen und in England zu grossem Vermögen und 
Ansehen gelangten A • W • F • BÖLCKOW. — 7. Zinnernes Becken, gestiftet 
1700 von HANS JAKOB FRESE und MARIE ELISABETH FRESE. Dieselben 
Stempel wie an den Leuchtern in Tarnow. 





Das Gut und Kirchdorf Yarchentin.^) 

|ie erste urkundliche Nachricht über Varchentin stammt aus dem Jahre 1333. Geschichte 
Freilich erfahren wir nichts weiter, als dass es damals eine Parochie des 
ist, zu welcher das Dorf Kraase gehört.*) Der Bürgermeister Nikolaus Dorfes, 
von dem Berge, der um die Mitte des XIV. Jahrhunderts das Gemeinwesen 
der Stadt Waren regiert, ist der erste, der uns mit Besitz und Rechten in 
Varchentin entgegentritt, zu denen er im Jahre 1350 gelangt. '^) Derselbe 
Bürgermeister vermacht in seinem am 11. August 1360 zu Waren errichteten 



*) M. U.-B. 10666. 

*) M. Kunst- und Gesch.-Denkm. II, S. 683. 

*) 14 km südlich von Stavenhagen. »Ort des Vargetac (vragü = Feind, Teufel): Kühnel, 
M. Jahrb. XLVI, S. 149. 
*) M. U.-B. 5433. 
») M. U.-B. 7033. 

14» 



212 AMTSGERICHTSBKZIRK STAVENHAGEN. 

Testament um seiner und der Seinigen Seligkeit willen der Marienkirche seiner 
Stadt drei Hufen und sechs Käthen zu »Verghentyn«, dem Pfarrer in Varchentin 
selbst aber den dritten Theil »des standen lütken Waters«, welches mitten im 
Dorfe gelegen ist.*) Diese Stiftung wird am 21. December desselben Jahres 
vom Domherrn Gerhard Koch, Vikar des Bischofs Albrecht in Schwerin, 
bestätigt.*) Varchentin gehört somit nicht mehr zum Lande Circipanien und 
zur Kamminer Diöcese, wie noch Kittendorf und Suiten. Ausser dem von 
dem Berge finden wir dort den Wedege Brüsewitz, welcher 1378 neun Hufen 
nebst dem grossen See an Tönnies Scherve und dessen beide Söhne verkauft, 
die im Jahre 1406 fünfzehn Hufen, ein und ein halbes Viertel am See und 
das höchste Gericht zur Hälfte an Klaus von Heydebreck überlassen.') Von 
1445 ^^ ^^^^ gelangen allmählich die Kruse (Krause) und Rostke neben den 
Herzögen in den Besitz verschiedener Antheile, sodass thatsächlich von einer 
auffallenden Zerstückelung des Gutes und Dorfes gesprochen werden kann. 
Unter den Theilbesitzern mag besonders des Herzogs Johann Albrecht be- 
kannter Land- und Hofrath Joachim Kruse genannt werden, welcher um 
die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts Antheil- Inhaber von Varchentin ist. 
S. o. bei Malchin S. 91. 

Den Kruse'schen Antheil erwirbt im Jahre 167 1 der Lehnrath Dr. 
Ferber, einstweilen antichretisch auf fünfundzwanzig Jahre, den fürstlichen An- 
theil aber hat der Lehnsherr inzwischen tauschweise an Kamptz von Blumenow 
überwiesen, von welchem er an Winterfeld von Varchow übergeht. Laut 
Protokoll der Lehnkammer vom 17. März 1691 haben damals die Ferber, fünf 
Rostke und ein Winterfeld das Dorf und Gut Varchentin im Besitz. Doch 
im Jahre 1693 ist der Geheimrath Johann Levin Ferber Inhaber des ganzen 
Gutes, das auf seine Bitte von Herzog Gustav Adolf allodificiert wird. Er wird 
in dem am 20. September 1693 ausgestellten Allodialbrief ausdrücklich als 
alleiniger Besitzer des ganzen Gutes c. p. anerkannt.*) Indessen ver- 
anlasst Herzog Friedrich Wilhelm den Geheimrath, auf die Allodialität 
zu verzichten, und ertheilt ihm unter dem 17. December 1701 einen Lehn- 
brief, in welchem die Erbfolge dahin festgesetzt wird, dass, wenn Gustav 
Ferber oder dessen Descendenten männlichen Geschlechts ohne Hinterlassung 
männlicher Leibeserben versterben .sollten, seine und deren Descendenten weib- 
lichen Geschlechts succedieren sollen. So wird Varchentin zu einem Kunkel- 
lehn. Nach Gustav's Tode folgt sein Sohn, der Hofmeister Joh. Friedrich 
von Ferber, und als dieser 1752 ohne Leibeserben stirbt, übernimmt seine 
Schwester, verwittwete von Klinggräff, das Gut. Nachdem in einem Prokla- 
mationsverfahren sich ausser den Kruse's Niemand gemeldet, diese jedoch 
abgewiesen sind, überträgt die ebengenannte verwittwete von Klinggräff das 
Gut im Jahre 1760 auf ihren Sohn, den Etats- und Landrath Christian 



M. U.-H. S777. 

*) M. U.-B. 8810. 

*) Akten im Grossh. Archiv. 

*) Akten im Grossh. Archiv. 



GUT UND KIRCHDORF VARCHENTIN. 213 

von Klinggräir. Von diesem kommt es 1809 wieder an die von Ferber, 
welche es 1836 dem Banquier Gottlieb Jenisch verkaufen, dessen Tochter 
Maria Anna, Gräfin Grote, noch heute Eigenthümerin ist. 

Einen Pleban Heinrich Kroppenstädt finden wir schon 1 304 in Varchentin. 
Um 1326 ist von einem »Fernere Rudolf die Rede, auch von seinem Kaplan 
Giese. Um 1350 lernen wir ferner eine Reihe von Bauern in Varchentin 
kennen : es sind lauter deutsche Namen, die sie tragen und unter denen der 
Name Westphat hier wie anderswo nicht fehlt. Weitere Pfarrer des Mittel- 
alters aber können wir nicht nennen. Im Jahre 1541, als die Parochie mit 
Clausdcrf, Deven und Kraase schon dieselbe Ausdehnung hat, welche sie Jieute 



besitzt, und als die von Kruse das Kirchlehn zu vergeben haben,') ist Johann 
Sperling Pastor zu Varchentin. Anfang der siebenziger Jahre des XVI. Jahr- 
hunderts ist es Andreas Mangelstorff, der 1577 die Konkordienformel unter- 
schreibt und 1589 noch im Amte ist. Nach ihm nennt Cleemann in seinem 
Manuskript zum unvollendeten Syllabus Gustroviensium noch einen Job. Meifarth. 
Von 1614 bis 1662, also 48 Jahre lang, ist Joachim Taumann Pastor zu 
Varchentin, einer von den wenigen Landgeistlichen, welche die ganze Leidens- 
zeit des dreissigjährigen Krieges auf ihrer Pfarre überdauern. Als er gestorben 
ist, wird Kaspar Krause sein Nachfolger. Damals, 1664, sind Adam Philipp 
Oldenburg, Henning Kruse, Baltzer Berg und Johann RestorfTs Erben im 
Besitz des Patronats. 1671, als Kaspar Krause das Amt eines Hofpredigers 
in Mirow übernimmt und Michael Jordan sein Nachfolger wird, haben das 

') Im Filialdorf Kraase hatten die Rostke das Kirchlehn zu vergehen. 



214 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 

Patronat Joh. Levin Ferber, die Kruse und Baltzer Berg. Jordan stirbt bereits 
1678. Ihm folgt Johann Buchholz (f 1723), und diesem im Jahre 1723, als 
Joh. Friedr. von Ferber alleiniger Patron zu Varchentin und Kraase ist, der 
Sohn Samuel Heinrich Buchholz (f 1732). Nach fast fiinrjähriger Vakanz 
folgt 1737 Joh. David Wagener (f 1756), und diesem im Jahre 1758 Jakob 
Valentin Linde (■}■ 1813). Ueber ihn und seine Nachfolger s. Walter a. a. O. 

Kirche. Kircbe. Die Kirche besteht aus einem schmäleren Chor, der mit einem 

Kreuzgewölbe überspannt ist, dessen Urspriinglichkeit nicht sicher erscheint, 



Inneres der Kirche zu Varchentin. 

und an dessen Rippen keine feinere Stabform entwickelt ist. Die OefTnung 
des Chors nach dem etwas breiteren Langhause hin wird durch zwei gothische 
DurchgangsbÖgen bewirkt, die einen vierseitigen Pfeiler zwischen sich haben 
und an die Stelle des sonst hier vorhandenen einen Triumphb<^ens getreten 
sind. Das Langhaus hat jetzt eine flache Bretterdecke, scheint aber früher 
ebenfalls eingewölbt gewesen zu sein, und zwar so, dass der Scheidepfeiler 
der beiden Triumphbogenöffnungen dabei als Träger verwandt wurde. In 
diesem Falle kann man annehmen, dass es mit vier kleineren Kreuzgewölben 
überspannt war und somit noch ein zweiter Pfeiler in der Mitte des Langhauses 
stand, der das Langhaus in zwei Schiffe (Frauen- und Männerseite) thetlte. 
Die Bildung der Lichtöffnungen in der platt abschliessenden Ost wand des 



GUT UND KIRCHDORF VARCHENTIN. 21 5 

Chors und in der einen Hälfte der Südwand des Langhauses lässt erkennen, 
dass die ursprünglichen Theile des Kirchenbaues der Zeit des Ueberganges 
vom romanischen zum gothischen Stile des XIII. Jahrhunderts angehören. 
Denn die alten Lichtöffnungen zeigen die bekannte Schlitzform der früheren 
Zeit. Der im Westen vorgesetzte Thurm ist ein Holzbau. Unter den archi- 
tektonischen Einzelheiten der Kirche verdienen die Portale auf der Nordseite 
und Südseite des Langhauses, die innerhalb eines vorgeschobenen und ab- 
getreppten Mauerkerns angelegt sind, eingehendere Beachtung. Der Ostgiebel 
des Chors ist Fachwerk, wie denn der ganze Bau erkennen lässt, dass er eine 
Zeit lang als offene Ruine dastand. Im Innern ist die Kirche in allen ihren 
Theilen in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erneuert. 

Der Predigtstuhl der Kanzel ist aus Stein aufgemauert, der Schalldeckel Innere Ein- 
gehört dem XVII. Jahrhundert an und trägt das FERBER'sche Wappen. — richtung. 
Orgel und Taufständer sind neu. 

Die vorhandenen Bilder stammen zwar aus älterer Zeit, sind aber erst Bilder und 
in neuerer Zeit vom Patron der Kirche geschenkt worden. Andere Alter- zurück- 
thümer, darunter der Torso eines grossen Triumph-Christus, eine Mutter Gottes gestellte 
mit dem Kinde auf dem Schoosse, und verschiedene andere gothische ^erke 
Schnitzereien, sind in einem Nebenraum untergebracht. Zu erwähnen sind 
ferner ein geschnitzter Taufständer des XVI. Jahrhunderts, der von der Familie 
ROSTKE (Rostock) gestiftet ist, die Reste eines Epitaphs u. a. m. 

Im Thurm hängen drei Glocken. Die grössere (Dm. 1,22 m) hat die Glocken. 
Inschrift SOLI DEO GLORIA und dabei die Angabe, dass sie unter dem Etats- 
und Landrath CHRISTIAN LUDWIG KARL VON KLINGGRAEFF und seiner Frau 
MARGARETHE ELISABETH VON LUTZOW von Joh. Christian Meier zu Neustrelitz 
1799 umgegossen sei, darüber Krone und Engel. Die zweite (Dm. 1,00 m) 
und dritte Glocke (Dm. 0,73 m) sind ohne Schrift und Zeichen. 

Vasa Sacra. i. Silbervergoldeter gothischer Kelch vom Ende des Vasa sacra. 
XIV. oder Anfang des XV. Jahrhunderts, auf vierpassigem Fuss, welcher so 
gebildet ist, dass den vier Hauptpässen vier kleinere Pässe zwischengefugt 
sind. Auf dem P'uss ein kleiner plastischer Knicifixus als Signaculum, 
diesem entgegengesetzt ein dem XVI, Jahrhundert angehörendes Kruse'sches 
Wappen mit den Initialen M • K» In den Rotuli des Knaufes der Name ij^efU^» 
ebenso in den Annuli des Schaftes i|^^fu^ — CtlftU^. — 2. Silberner Kelch auf 
rundem Fuss, aus dem sich ein sechsseitiger Schaft entwickelt. Die sechs 
Theilflächen des Fusses sind mit Gravierungen geschmückt; die eine dieser 
Flächen enthält das Wappen der MARGRETA MORDERS mit dem Datum 1618, 
während oben an der Kupa das Wappen der GÖDELL HÖRN zu sehen ist. 
Arbeit des Rostocker Goldschmieds W(inckelmann). — 3. Silbervergoldeter 
Kelch des XVIII. Jahrhunderts, auf sechspassigeni Fuss. An der Kupa zwei 
Doppelmonogramme unter fiinfzackiger Krone, von denen das eine F»B«V»0. 
und das andere die Buchstaben A»J«B«V«0« enthält. Als Stadtstempel 



2l6 AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENUAGEN. 

ein dreithürmiges Thor, ais Meisteislempet ein P. — 4 — 8. Neuer silber- 
vergoldeter Kelch mit Patene, dazu eine Oblatendose und zwei Kannen: alle 
fünf Stücke neuere Hamburger Arbeiten, Geschenke des Erbherrn JENISCH 
auf Varchentin — 9^12. Kranken geräth, geschenkt von demselben, dazu ein 
kleiner Knicitixus und zwei Leuchter Gleichfalls Hamburger Goldschmieds- 
arbeiten. — 13. Alter Zinnkelch, mit der Marke des englischen Zinns. ^ 
14. Kleiner silberner Schöpflöffel, ohne Stempel. 



Schloss lu Vu-chep 



Das Gut und Kirchdorf Varchow.') 

^^Huf der Burg zu Varchow sitzt in alter Zeit das mit der mächtigen Familie 
^*" Holstein stammverwandte Geschlecht der Kruse. Schon am 13. Juli 1326 
gründen vier Mitglieder dieser Familie auf Varchow die Kapelle in Lehsten.*} 
Am 22. März 1342 erscheinen Reynekinus und Thydericus fratres, dicti Krusen 
in villa Verchowe.') Nach Art vieler alter Familien halten die Kruse, welche 
später auch Krause genannt werden, ihren Besitz lange fest. Noch am An- 
fang des siebenzehnten Jahrhunderts blüht die Familie, welche inzwischen auch 
die benachbarten Güter Varchentin, Kraase und Bredenfetde erwirbt, dann aber 
b^innt der Niedergang ihres Besitzes.*) 

') 15 km südlich von Stavenhngen. >Ort des Verchi, oder Hochdorf, wenn die Ableitung 
TOD dem Bltstaviscfaen >vrühü< = Gipfel richtig ist. Vgl. Kuhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 149. 
■) M. U.-B. 4749- 
•) M. U.-B. 6196. 
*) Vgl. Lisch, M, Jahrb. XXIX, S. 165 ff. 



GUT UND KIRCHDORF VARCHOW. 217 

Ausser den Krusen haben aber auch die von Kamptz Antheile in 
Varchow. Henning von Kamptz erscheint 1420 als Inhaber von vier Bauer- 
höfen und acht Hufen daselbst. Dass dieser Besitz ein sehr alter ist, geht aus 
einem Zeugenverhör vom Jahre 1574 hervor. Damals weiss keiner unter den 
Kamptzen anzugeben, wann und von wem sie ihn erworben haben. Da jedoch 
Varchow Stammlehn der Krusen ist, und eine Mai^aretha Kruse in ältester 
Zeit als Ehefrau eines Kamptz genannt wird, scheinen diese Güter von der 
Familie Kruse erheirathet zu sein.^) Die von Kamptz verkaufen sie in den 
Jahren 1696 und 171 1 an Dietrich Otto von Winterfeld, der auch einen 
Kruse'schen Antheil erwirbt. Doch im Jahre 1755 kauft Joachim Ernst 
von Kamptz den alten Besitz zurück und bildet damit das seitdem selbst- 
ständig gewordene Gut Klein- Varchow.*) 

Der vorher berührte Niedergang des Kruse'schen Besitzes erhellt aus 
den unaufhörlichen Verpfandungen, welche sich durch das ganze siebenzehnte 
Jahrhundert hindurchziehen und mit dem im Jahre 1700 an Otto Dietrich 
von Winterfeld geschehenen Verkauf Varchows enden.') Winterfeld erhält 
den Lehnbrief über das ganze Gut Varchow am 23. April 1702, muss aber 
bei dieser Gelegenheit auf die hohe Jagd verzichten. Wie bereits bemerkt 
worden, veräussert Winterfeld den früheren Kamptz'schen Antheil, welcher 
später das Gut Klein- Varchow bildet, 1755 an Joachim Ernst von Kamptz; 
der zurückbleibende Theil, welcher nunmehr das Gut Gross- Varchow bildet, 
geht 1756 in die Hände des Etatsraths Christian von Klinggräff über, von 
dem ihn 1803 der Kammerrath Johann Karl David Zimmermann erwirbt. 
Dessen Rechtsnachfolger ist 1821 der Rathsherr Martin Jenisch und 1828 der 
Banquier Gottlieb Jenisch. Im Jahre 1836 erwirbt der letztgenannte das 
Kunkellehn Varchentin. 1863 wird auch Varchow Kunkellehn, und heute sind 
beide Güter im Besitz der Gräfin Maria Anna Grote, geb. Jenisch. 

Wie Varchentin, so gehört auch Varchow mit seinen älteren Filialen 
Bredenfelde und Lehsten nicht mehr zur Kamminer, sondern bereits zur 
Schweriner Diöcese und liegt somit ausserhalb des Landes Circipanien, dessen 
Grenze hier durch die Kittendorfer Peene gebildet wird. Die Zugehörigkeit 
zur Diöcese Schwerin ist überdies deutlich aus jener Urkunde vom 13. Juli 1326 
zu ersehen, in welcher die von den Bewohnern des Dorfes Lehsten und von 
den Krusen auf Varchow neu gegründete Kirche des hl. Nikolaus zu Lehsten, 
an welche heute nur noch eine Glocke eine Erinnerung wachruft, durch den 
Bischof Johann von Schwerin als Filia zur Kirche in Varchow gelegt wird.*) 
Damals giebt es hier einen Kirchherrn Thymo (Timm). Um 1520 verräth 
uns die Glocke zu Lehsten den Namen des Pastors : es ist Nikolaus Mandüvel. 
Um 1541 ist Johann Berckow Pastor in Varchow, der (nach Cleemann) erst 
im Jahre 1582 gestorben sein soll. Aber als seinen Substituten und späteren 



*) Vgl. C. J. G. von Kamptz, Geschichte der Familie von Kamptz 1871, S. 33. 
*) Kamptz, a. a. O., § 319 ff. 
*) Akten im Grossh. Archiv. 
*) M. U.-B. 4749. 



2l8 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



Kirche. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Nachfolger finden wir schon 1575 den Martinas Brathering auf der Pfarre. Er 
unterschreibt 1577 die Konkordienformel. Eine Zeit lang nennt er sich 
Martinus Moenius, nimmt aber später den Namen Brathering wieder an, wie 
aus seinen vielen Briefen an den Herzog Ulrich ersehen werden kann, und ist 
nachweislich noch über 16 14 hinaus im Amt (nach Cleemann's Quellen bis 1622). 
Ihm folgt Johann Heinrici bis in die grossen Unglücksjahre 1637 und 1638, 
die ihn zugleich mit seinen Pfarrkindern vertilgen. Drei Personen giebt es 
1648 in Lehsten, während Varchow und Bredenfelde menschenleer geworden 
sind. Doch 1651 berufen die von Kruse, als Inhaber des Patronats von 
alter Zeit her, wieder einen Pastor nach Varchow : es ist Christian Arnold 
Lange (f 1669). Es folgen weiter: 1670 Joh. Bernhard Hartmann (f 1676), 
1677 F'riedrich Sternhagen (f 1703), 1704 Nikolaus Breddin (f 1738), 1738 
der Sohn Christoph Joh. Breddin (f 1753 oder 1754), 1755 Adolph Christoph 
Bresse (f 1775) und 1776 Kord Joachim Knöchel (7 1801). Ueber die Geist- 
lichen des XIX. Jahrhunderts s. Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein frühgothischer Ziegelbau auf einem Granit- 
fundament, mit Chorschluss aus dem Achteck und mit lauter zweitheiligen 
Fenstern, deren Wandungen und Laibungen alt, deren Pfostungen aber neu 
sind. Im Innern eine neue flache Holzdecke, wie denn überhaupt die ganze 
Einrichtung neu ist. Das Innere des alten Thurms hat 1860 eine neue 
Wölbung erhalten und dient als Raum Tür die Taufen.^) In einem Anbau 
werden noch sieben gut geschnitzte Figuren aus einem gothischen Triptychon 
aufbewahrt. In der Kirche hängen zwei grosse Bilder, eins vom Pastor Stern- 
hagen (gest. 1704), das andere vom Pastor Breddin, dem Schwiegersohn und 
Nachfolger jenes. 

Im Thurm zwei Glocken. Die grössere ist ohne Inschrift und Zeichen. 
Die kleinere hat eine zweizeilige rund herumlaufende Inschrift in gothischen 
Minuskeln. Sie ist aber nur von einer Seite her erreichbar und lä.sst sich 
daher nur theilweise entziffern: . . . \)ÜX\§ fitoficr • Ijcnuillrfl • IltUfe • Ijllirfcft 

&arliota • iodjitn • laiifeman • b ti 111 i e • anno • boniini • nitil):liiii * * « * 

Aus der Jahreszahl 1568 ist somit zu ersehen, dass die Glocke zur Zeit des 
Pastors Johann Berchow (Barkow) gegossen worden ist.*) 

Kleinkunstwerke. i. 2. Gothischer Kelch auf sechspassigem Fuss; auf 
den Rotuli des Knaufes der Name IIlHSVS. Als Signaculum am Fuss die 
Kreuzigungsgruppe. Keine Werkzeichen, weder am Kelch noch an der zu- 
gehörigen Patene. — 3. Grösserer Kelch des XVIII. Jahrhunderts auf sechs- 
passigem Fuss, mit einem aufgelegten Krucifixus als Signaculum. Vom 
Rostocker Meister BL (Detlof Lehmann). Auf der Unterseite die Inschrift: 
JFR • MARIA DOROTHEA STERNHAGEN ANNO 1719, 24 SEPT« — 4. 5. Kelch 



^) Rönnherg, M. Jahrb. XL, S. 211. 

*) Die Siglen V b tn i t bedeuten >verbum domini manet in eternum«. Hinter der Jahres- 
zahl mag noch der Name des Ciiessers folgen. Es war der Glocke sehr schwer beizukommen. 
Vgl. Rönnberg, M. Jahrb. XL, S. 211. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF BREDENFELDE. 



219 



auf rundem Fuss, auf dessen Unterseite die Inschrift steht: CHRISTI ANUS 
SAMUEL BREDDIEN 23 • MARZ 1736. Als Stadtstempel ::n dreithürmiges 
Thor und als Meisterstempel (T^§), ebenso auf der Patene. — 6. Geräth für die 
Kranken-Kommunion, Hamburger Arbeit (B ^t G). — 7. Silbervergoldete länglich 
runde Oblatendose, mit dem Namen der Stifterin SOPHIA CHRISTINA STERN- 
HAGIN auf dem Deckel. Stadtzeichen wie bei No. 4 und 5. Als Meisterzeichen 
ein Cursiv-F. — 8. Grosse silberne Kanne, 1854 von GOTTLIEB JENISCH als 
Patron der Kirche geschenkt. Hamburger Arbeit (B A G). — 9. Taufbecken 
von Messing, mit Adam und Eva unter dem Baum. 



Am Schulbausc zu Lehsten hängt eine kleine Glocke, die bei Sterbe- 
fallen gebraucht wird. Sie soll ursprünglich auch ihren Platz auf dem Thurm 
zu Gross -Varchow gehabt haben, aber später als Vergütung für Glockengut, 
das von Lehsten zum Guss der Varchowschen Glocke geliefert wurde, dorthin 
gegeben sein. Alles das angeblich noch vor dem dreissigjährigen Kriege. 
Nach Niederlegung der Kirche zu Lehsten (welche erst nach dem dreissig- 
jährigen Kriege statthatte), ist die Glocke in Lehsten geblieben. Ihre Inschrift 

lautet: aiiQ tiFf • tn • cccccj:}: • ^tt nicQlau^ inantililiel • ]^el)i • goti • bntie 

Ü • lliarya • }ftttt • Zwi.schen den einzelnen Wörtern der Inschrift statt der 
Punkte kleine Blatt -Verzierungen. 



Schulhaus 

zu 
Lehsten. 



" -N -> ^*. 




') Fast 12 km südsUdöstlich von Stavenhagen. Der Name wird wahrscheinlich von der 
alten Adelsfamilie der Brede abzuleiten sein, wenngleich wir von deren Beziehungen zum Gute 
nichts wissen. 

*) M. U.-B. 7829. 

') Akten im Grossh. Archiv. 



Dorfes. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Bredenfelde.') 

|as Gut Bredenfelde ist in alter Zeit unter mehrere Besitzer getheilt und Geschichte 
kommt erst verhältnissmässig spät in eine einzige Hand. Am ^^s 
12. November 1353 verleiht Fürst Bernhard von Werle den Gebrüdem 
Henning und Hardeloff Voss neue Besitzungen in Bredenfelde und bestätigt 
ihnen die alten daselbst.*) Dies der eine Theil. Der andere Theil wird von 
den Krusen auf Varchentin besessen, bildet eine Pertinenz dieses Gutes und 
theilt dessen Schicksale bis ins neunzehnte Jahrhundert. 

Die von Voss halten ihren Antheil bis zum Jahre 1702 fest; dann 
treten sie ihn an Vincent von Aven ab, welcher am 8. Oktober desselben 
Jahres um Ertheilung des Lehns über Bredenfelde bittet und den Lehn- 
brief erhält.*) Nach dessen Tode übernimmt sein Tochtersohn Friedrich 



220 



AMTSGERICI ITSBEZIRK ST AVEN HAGEN . 



Kapelle. 



August von Kaikreuth in der Auseinandersetzung mit seinen Miterben das 
Gut, um es 1773 dem Etatsrath Christian von Klinggräff auf Chemnitz und 
Pinnow zu verkaufen, welcher inzwischen das Gut Varchentin mit seinen Per- 
tinenzen, also auch mit denen in Bredenfelde erworben hat.*) 

Die Kruse'schen Antheile von Bredenfelde kommen theilweise in die 
Hände des Otto Dietrich von Winterfeld und in die eines Gottschalk. 

Nachdem darauf die von Kruse ihre Rechte im Jahre 1693 dem Geheimrath 
Johann Levin Ferber abgetreten haben, erreicht dieser von Herzog Gustav Adolf 
die Allodificierung Varchentins nebst Pertinenzen und dessen, was er hinzu- 
erwerben würde. Doch die Allodialität des Besitzes wird ihm durch Herzog 
Friedrich Wilhelm wieder genommen, dafür aber sein Besitz zum Kunkellehn 
gemacht, und nun gelangen 17 19 auch die Antheile des Winterfeld und des Gott- 
schalk in seinen Besitz. Daher ist Bredenfelde noch heute zum Theil Mann-, 
zum Theil Kunkellehn.*) Im Jahre 1752 stirbt der Hofmeister Johann Friedrich 
von Ferber auf Varchentin, Bredenfelde und Kraase, ohne Leibeserben zu 
hinterlassen. In Folge davon erhält seine Schwester, die verwittwete 
von Klinggräff, diese Güter in der Erbtheilung und tritt sie 1760 ihrem Sohn, 
dem Etatsrath Christian von Klinggräff ab, von dem oben bereits bemerkt ist, 
dass er auch den Voss'schen Antheil an Bredenfelde erwarb. Nach seinem 
Tode übernimmt 1809 Ernst Moritz von Heyden das nunmehr zu einem 
Ganzen vereinigte Gut, veräussert es aber kurz vor seinem am 29. December 1 8 1 5 
erfolgenden Hinscheiden an den Premier- Leutnant von Arenstorff aus dem 
Hause Sadelkow. Indessen macht sein Neffe Wichard Wilhelm von Heyden 
das agnatische Vorkaufsrecht hinsichtlich des Mannlehn -Theils geltend und 
erwirbt 18 16 Bredenfelde durch Vergleich zurück. Seitdem ist es Heyden'schcr 
Besitz geblieben. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Varchow. 

Kapelle. Die Kapelle in Bredenfelde ist ganz neu, ebenso sind es die 
Glocken und die Vasa sacra. 



Das Kirchdorf Briggow/) 

Geschichte H^Hls Gemeke Kossebade im Jahre 1350 zusammen mit seinen Vettern und 

des '(■a Söhnen den Berend Maltzan und dessen Brüder wecken zahlreicher 

^^ ^^' schwerer Vergewaltigungen seiner Besitzungen mit Raub und Brand beim 

Herzog Albrecht verklagt, da nennt er unter seinen geschädigten Gütern auch 



*) Akten im Grossh. Archiv. 

•) Akten im Grossh. Archiv. 

■) 12 km sUdsUdöstlich von Stavenhagen. KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 29, verbindet den 
Namen Begerrowe mit den altslavischen Wortstämmen b^gö = Flucht und begarl = Läufer und 
übersetzt ihn mit »Ort des B^garc Das könnte also soviel sein wie der deutsche OrtsnamQ Lau^'en. 



KIRCHDORF BRIGGOW. 221 

einen Hof zu Briggow (t& Begerrowe, tho Beggherow).*) Dreissig Jahre später, 
um 1381, finden wir dort auch den Knappen Günther Stalbom angesessen.*) 
Neben den von Stalbom treten nachher im XV. Jahrhundert auch die von 
Wozenitz (Wotzen, Wutzen) auf.*) Die meisten Antheile aber am Dorf erwirbt 
in der Folge das Kloster Ivenack, sodass es im Amtsbuch von 1 565/1 576 
heisst, das Dorf gehöre dem Klosteramt Ivenack mit allen Rechten und Ge- 
rechtigkeiten, doch seien einzelne Bauernhöfe da, deren Eigenthum den Herren 
Kaspar Ganz, Joachim Arenstorff und Kune Hane gehöre. Einige dieser An- 
theile gehen an die Familie Voss über. Aber eine Konsolidierung des Gutes 
gelingt erst im XVII. Jahrhundert (1647, 1670, 1674, 1691) dem Hans Friedr. 
von Krackewitz, der am 25. April 1702 von Herzog Friedrich Wilhelm den 
Lehnbrief erwirkt. In Krackewitz'schen Händen bleibt Briggow bis 1791. In 
diesem Jahre geht es an die Familie von Oertzen über, die es noch heute 
besitzt. 

Ueber die Gründung der Kirche und ihre ursprünglichen Verhältnisse 
ist nichts bekannt geworden. Um 1638 ist sie Filia der Kirche zu Gross- 
Helle. 1648 ist an beiden Orten alles wüste und leer.*) Man nimmt einen 
Anschluss an Stavenhagen in Aussicht, aber es kommt nicht dazu. Im Visi- 
tationsprotokoll von 1662 heisst es, dass die von Arenstorff das Patronat 
gehabt haben. Es ist. ferner eine aktenmässig festgestellte Thatsache, dass 
der gen. von Krackewitz mit dem Arenstorff'schen Grundbesitz auch das 
Patronat erwirbt, und dass die Kirche unter Kracke^yitz'schem Patronat, und 
zwar zusammen mit ihrer ehemaligen Materkirche in Gross -Helle, in ein Filial- 
Verhältniss zur Kirche in Mölln tritt, wie es auch heute wieder besteht. In- 
zwischen aber ist sie mehrfach hin und her gewandert: schon im XVIII. Jahr- 
hundert von Mölln wieder fort zur Kirche in Gross-Varchow und von dieser 
zur Kirche in Kastorf Seit 1829 aber ist sie wieder mit Mölln verbunden.^) 

Kirche. Die neugothische Kirche ist 1866 in nicht gerade glücklichen Kirche. 
Formen erbaut. Im Innern eine flache Decke, im Osten eine Apsis aus dem 
Achteck. Die innere Einrichtung ist ebenfalls neu und bietet nichts Bemerkens- 
werthes. 

Im Thurm drei Glocken übereinander. Die unterste und grösste Glocke Glocken. 
(Dm. 0,97 m) ist die jüngere. Sie ist laut Inschrift 1722 unter dem Patronat 
des CHRISTIAN FRIEDERICH V. KRACKEWITZ, Hochfürstlich Mecklenburgischer 
Kapitän, und zur Zeit des Pastors ANDREAS BARCKOW zu Kastorf von Michael 
Begun gegossen worden. Die zweite Glocke (Dm. 0,91 m) ist die ältere. Sie 



*) M. U.-B. 7142. Das Register des Urkundenbuches identificiert allerdings Briggow und 
Beggerrowe, aber es ist, wie Grotefend mit Recht erinnert, nicht zu tibersehen, dass es auch in 
Pommern ein Beggerow giebt. Hier muss also auf weitere Aufklärung gewartet werden. 

*) M. U.-B. 1 1 360. 

') Akten im Grossh. Archiv. 

*) Groth, M. Jahrb. VI, S. 137. 

*) Stuhr, Kirchenbücher Mecklenburgs, M. Jahrb. LX, S. 20. 21. 



222 



AMTSGERICHTSBEZIRK STAVENHAGEN. 



Kleinkunst- 
werke. 



ist 1696 unter dem Patronat des HANS FRIEDRICH V. KRACKEWITZ von Ernst 
Siebenbaum gegossen. Ausserdem eine dritte Glocke. Aber sie ist so gehängt, 
dass sie sich nur mit den grössten Schwierigkeiten besichtigen lässt. Indessen 
ist uns ihre Inschrift im Inventar von 181 1 erhalten. Darnach ist sie der 
Kirche von MARIA ELEONORA VON KRACKEWITZ geschenkt und 1742 von 
Joh. Heinrich Scheel in Stettin gegossen worden. 

Kleinknnstwerke. i. 2. Kelch mit Patene von dem Güstrower Gold- 
schmied Lenhard Mestlin, 171 5 von URSULA ELISABETH VON KRACKEWITZ 
gestiftet. Am Fusse ihr Wappen. — 3. 4. Silbervergoldeter Kelch mit Patene, 
gestiftet 1755 von S • E • V . KRACKEWITZ. Auf der Unterseite des Kelch- 
ftisses ein undeutlicher Stadtstempel neben dem Meisterstempel J. F. M. — 
5. Länglich runde Oblatendose auf vier Füssen, gestiftet 1749 von C«D«V« K« 
Auf der Unterseite als Stadtstempel ein Thor mit drei Thürmen, als Meister- 
stempel A. F. S. — 6. Messingbecken mit Verzierungen auf dem Rande. Im 
Innern der Name CHRISTOF RICHTER A • 1703. — 7. Neues Taufbecken, ge- 
stiftet 1898 von der Familie V • OERTZEN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Filial - Kirchdorf Tarnow/) 

n Tarnow sitzen schon 1273 die Dargatz. In diesem Jahre bewidmen 
Friedrich und Gothan Dargatz die Kirchen zu Kleeth und Tarnow 
und verleihen ihnen einen Priester.*) Im Jahre 131 2 vergleichen die Fürsten 
Nikolaus und Johann von Werle einen Streit des Klosters Reinfeld mit den 
Dargatz wegen des Patronates der Kirche in Kleeth.*) Weitere Nachrichten 
aus dem Mittelalter fehlen. Mit dem 1505 erfolgten Aussterben der Dargatz 
scheint das Gut an die Maltzan gekommen zu sein, denn 1520 gehört es theil- 
weise zu Schorssow, und später finden wir es mit dem im Maltzan'schen 
Besitz befindlichen Gut Kittendorf vereinigt.*) 1625 verpfändet Franz Maltzan 
Tarnow an Daniel Gebben auf 20 Jahre und 1644 auf weitere 20 Jahre an 
die Gebben'schen Erben, welche es 1672 an Valentin Christoph von Barner 
cedieren. Bald darauf wird Tarnow von den von Maltzan wieder eingelöst. 
Wenigstens ist es 1700 schon wieder in ihrem Besitz, diesmal bis 1779. Von 
1779 bis 1786 haben es die von Zülow. Dann aber ist es bis 18 19 wieder in 
Maltzan'schen Händen. 1819 hat es Georg Haberland, 1836 Karl Neumann, 
1848 Friedr. Wilh. Burchard, 1855 Karl August von Meyenn, 1860 Joh. Heinr. 
Karl Schilder, 1872 Gustav Adolf Bock und von 1896 an bis jetzt Gustav 
Franz Wendenburg. 



^) 13 km südsüdöstlich von Stavenhagen. >Ort des Tarne oder »Dorndorf c 
trunu = Dom : Kühnel M. Jahrb. XLVI, S. 142. 
*) M. U.-B. 1300. 
») M. U.-B. 3538. 
^) Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 492. Akten im Grossh. Archiv. 



Altslavisch 



GUT UND FILIAL- KIRCH DORF TARNÜW. 223 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse siehe bei Mölln (Amtsgerichtsbezirk 
Penzlin). 1648 ist das Dorf, in dem es vor dem Kriege sechs Bauern und 
einen Kossäten gegeben hat, völlig wüst und menschenleer. 1703 werden 
wieder vierunddreissig Beichtkinder gezählt.') 

Kapeil«. Die Kapelle ist ein Fachwerkbau in Form eines regulären Kapelle. 
Achtecks und mit einer flachen Decke geschlossen. Die innere Einrichtung 
im klassicierenden Stil des XVIII. Jahrhunderts ist unbedeutend. Altar und 
Kanzel befinden sich an der nordwestlichen Seite, 

Im freistehenden Glockenstuhl neben der Kapelle zwei Glocken, eine Glocken, 
grössere und eine kleinere. Beide sind 1760 unter dem Patronat des KARL 
LUDWIG VON VIEREGGE von Joh. Va). Schultz in Rostock gegossen worden. 

Kleinknnstwerke. 1 — 3. Zwei Zinnkelche und eine Zinnpatene, alle Klcinkunst- 
drei mit der Marke des englischen Zinns. — 4 — 5. Zwei Zinnleuchter, der eine werke, 
gestiftet laut Inschrift von PETER VlifULF 1692, der andere von 1 ^^^ 
FRANTZ BOOCHMANN 1692. Bei beiden als Stadtstempel der wer- | | j3jH| 
lesche Stierkopf und der nebenstehende Meisterstempel. 

') Groth, M. Jahrb. VI, S. 137. 



Aus dem Schlosspark i 



224 



VORGESCHICHTLICHE STELLEN. 



Amts- 
gerichts- 
bezirk 
Teterow. 



Die wichtigsten vorgeschichtlichen Stellen 

in den Amtsgerichtsbezirken Teterow, Malchin und Stavenhagen. 

Amtagerichtabezirk Teterow. Teterow. Kegelgrab an der 
Eisenbahn bei Teterow, worin zerbrochene Aschenurnen mit zerbrannten 
Kinderknochen, ein Ring und eine Nadel aus Bronze, sowie mehrere Spindel- 
steine und Perlen gefunden wurden. Lisch, M. Jahrb. XXIX, Q.-B., S. 2. 

Auf der »Borgwallinsel« im Teterower See ein Burgwall, ca. loo Schritt 
lang und 40 Schritt breit, 8 m über dem Wasserspiegel. Lisch, M. Jahrb. 
XXVI, S. 181. Siehe o. S. i und 2. 

Pampow. Beim Bau des neuen Hofes fand man 1847 mehrere Urnen 
von schwarzer und brauner Farbe mit und ohne Henkel und mit Verzierungen, 
die auf einen alteisenzeitlichen Begräbnissplatz schliessen lassen. Lisch, M. 
Jahrb. XIII, S. 381. 

Levitzow. In einem früheren Grabhügel fand man im Anfang des 
XVIII. Jahrhunderts einen (römischen) Becher von dunkelblauem Glase, der 
sehr schön erhalten war. Er wird im Grossherzoglichen Museum aufbewahrt. 
Lisch, M. Jahrb. XXXVII B, S. 234. — Ueber neuerdings gefundene Urnen- 
gräber und Wohngruben ist noch nichts näheres bekannt geworden. 

Bttlow. Am See ein schöner, jetzt ebengemachter Burgwall wendischen 
Charakters. 

Klein -Lttkow. Nicht weit vom Malchiner See bei Klein -Lukow findet 
sich ein Hügel mit einem Erdwal!, der »Burgwall« genannt. Lisch, M. Jahr- 
buch IV B, S. 93, XXXVIII, S. 163. Ueber einen Moorfund jüngerer Bronze- 
zeit, sehr ähnlich denen von Basedow und Dahmen, vgl. Lisch, M. Jahrb. XIII, 
Seite 376. 

Gnibenbagen, Moltzow und VoUrathsrnhe. Die Feldmarken von 
Grubenhagen, Hallalit, Steinhagen und Vollrathsruhe sind mit heidnischen 
Gräbern übersäet, während mitten dazwischen die Feldmark von Glocksin, 
wahrscheinlich durch die Ackerkultur, völlig rein von Steinen und Grabhügeln 
ist. Lisch, M. Jahrb. VI B, S. 70. Beltz, Vorgeschichte, S. 37. Untersucht 
sind erst wenige: eine Ausgrabung des Dr. Beltz bei Hallalit 1900 ergab in 
einem sehr grossen Kegelgrabe und anschliessendem niedrigen Grabhügel sehr 
werthvoUe Funde aus der älteren Bronzezeit (im Besitz des Herrn von Tiele- 
Winckler auf Vollrathsruhe). 

Hallalit. In den Tannen ein zum Theil noch erhaltenes Hünengrab; 
vgl. Beltz, M. Jahrb. LXVI, S. 126. 



VORGESCHICHTLICHE STELLEN. 



22S 



Amtsgerichtabezirk Malchin. Malchin. Der :!>Kätelberg«, un- 
gefähr eine Viertelmeile von der Stadt entfernt, ist ein früherer Begrähniss- 
platz. Man fand dort unverbrannte Gebeine, eine granitene Steinaxt, eine 
Urne mit verbrannten Knochen und zwei bronzene Beschläge. Ritter, M. Jahr- 
buch VI B, S. 31. — Eine Viertelstunde südöstlich von der Stadt liegt der 
»Borgwall«. Der Burgwall bildet ein grosses rundliches Viereck, welches ca. 
125 Schritt im Durchmesser hat und sich ca. 2 Meter noch über die Wiesen- 
höhe erhebt. Dieser Burgwall mag in heidnischer Zeit der Sitz der Verwaltung 
des Landes Malchin gewesen sein. Lisch, M. Jahrb. XXXVIII B, S. 174. Im 
Jahre 1822 wurden unter einem Steine mehrere Bronzedolche ganz alter Form 
angetroffen. Vgl. zuletzt Beltz, Vorgeschichte, S. 304. — Ueber ein im Hain- 
holze 1894 zerstörtes Urnenfeld, dessen Funde zerstreut sind, ist leider nichts 
Näheres zu ermitteln gewesen. 

Gorschendorf. An der Chaussee von Neu -Kaien wurden 1852 vier 
eisenzeitliche grosse Urnen gefunden, worin sich zerbrannte Knochen befanden. 
IJsch, M. Jahrb. XXI, S. 241. Ein, anscheinend wendisches, Skelettgräberfeld 
ist 1894 aufgedeckt. 

Pisede. Einen an der Rostock -Neubrandenburger Chaussee gelegenen 
grossen ovalen Begräbnissplatz von ungefähr 22 Meter Länge und 16 Meter 
Breite, in welchem ein Hünengrab, zwei Kegelgräber und ausserdem noch be- 
sondere Urnen mit nicht unbedeutenden bronzezeitlichen Funden entdeckt 
wurden, beschreibt ausführlich Lisch, M. Jahrb. XXI, S. 234. 

Basedow. Auf der Feldmark des Gutes, ungefähr 500 Schritte vom 
Malchiner See, stand ein Kegelgrab, in dem man Waffen und Geräthe von 
13ronze fand, die im Grossherzoglichen Museum aufbewahrt werden. Lisch, 
M. Jahrb. XXXVI B, S. 134. 135. Die Feldmark ist ungemein reich an vor- 
geschichtlichen Denkmälern: im Park zwei steinzeitliche Hünengräber; am 
Fuchsberge rechts von der Chaussee jungsteinzeitliche Flachgräber; vgl. Beltz, 
M. Jahrb. LXIV, S. 125. Die zahlreichen Hügel im »Thiergarten« haben sich 
bei Gelegenheit des Chausseebaues 1898 und durch Ausgrabungen, die Dr. Beltz 
damals und seitdem wiederholt vorgenommen hat, als Grabhügel erwiesen, 
die zum Theil der Steinzeit, zum Theil der jüngeren Bronzezeit angehören; 
erhalten ist ein grösseres Steinkistengrab, vgl. Beltz, M. Jahrb. LXIV, S. 123. 
Ueber einen jungbronzezeitlichen Moorfund berichtet Lisch, M. Jahrb. XIV, S. 320. 
— Die Lage des Schlosses und einige Funde machen es wahrscheinlich, dass 
es sich auf den Fundamenten eines wendischen Burgwalls erhebt. 

Demzin. Ueber eine schöne, wohl einem Grabe entstammende Lanzen- 
spitze vgl. Beltz, M. Jahrb. LXI, S. 210. 

Lupendorf. Ein 1899 bekannt gewordenes Urnenfeld ist noch nicht 
weiter untersucht. 

Schwinkendorf. 1842 wurden hier römische Gegenstände gefunden. 
Vgl. Lisch, M. Jahrb. VIII B, S. 51. 

15 



Amts- 
gerichts- 
bezirk 
Malchin. 



226 



VORGESCHICHTLICHE STELLEN. 



Rothenmoor. Früher gab es ein Hünengrab an einem Berge am Gross- 
Stüder See, darin zertrümmerte Urnen gefunden wurden. Lisch, M. Jahrb. XIII, 
S. 362. Die Feldmark ist überhaupt reich an Gräbern. Ein Kegelgrab mit 
einer Steinkiste liegt nicht weit vom Dorfe hart am Wege nach Dahmen. 
Ebendaselbst mehrere Grabstätten, worin bronzene Hals- und Armringe, Heftel 
und Knöpfe gefunden wurden. Lisch, M. Jahrb. VII B, S. 24 und XVI, 
Seite 260. 

Sagel. Auf der Feldmark ein Burgwall. Nahebei der »Hexenbergc 
und auf dem Felde »Peschendorfc eine runde Stelle von 26 Schritt im Durch- 
messer, die mit einem alten verfallenen Graben umgeben ist. Li.sch, M. Jahr- 
buch IV B, S. 92. Auf derselben Sageischen Feldmark wurde eine Steinkiste 
von fiinf starken Granitblöcken freigelegt. Darin zwei Kinderskelette und noch 
einige Knochen. Lisch, M. Jahrb. VIII B, S. 90. 

Dahmen. Ueber einen jungbronzezeitlichen Moorfund vgl. Lisch, M.Jahr- 
buch X, S. 283. Beltz, Vorgeschichte, S. 71. 



¥t 



* 



Amts- 
gerichts- 
bezirk 
Staven- 
hagen. 



Amtsgerichtsbezirk Stavenhagcn. Stavenhagen. An der 

Grenze des Stadtfeldes lag ein im Jahre 1283 urkundlich erwähntes Hünengrab 
»sepulchrum gigantisc Die Stelle, wo dieses Grab gelegen, ist der heutige 
Resenberg. Lisch, M. Jahrb. III B, S. 116. 

Neu -Bauhof. 1860 wurde im Moor ein F'und von Bronzen gemacht, 
die zu den ältesten des Landes gehören. Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXVI, S. 144. 

Basepohl. Von einem in den achtziger Jahren angeschnittenen und 
zerstörten Urnenfelde ist leider nichts erhalten als diese Nachricht. 

Rentershof. Auf dem Acker des Gutes fanden sich Grab.stätten, die 
durch Steiiisetzungen im Erdboden gebildet wurden, in deren Mitte ein oder 
mehrere Urnen standen. In der grösseren lagen ein Ring von 2\'i Centimeter 
Durchmesser und ein offener Armring von Bronze. Beltz, M. Jahrb. XLVII, 
S. 292; über spätere Funde M. Jahrb. LXI, S. 209. 

Fahrenholz. In der Nähe (nach einer Beschreibung von 1584) ein alter 
»Wendenkirchhof«, eine dem Pastor und Küster als Acker zugewiesene vor- 
geschichtliche Grabstätte, für welche, wie man sieht, im XVI. Jahrhundert der 
Name »wendischer Kirchhof« gebraucht wurde. Von wie langer Zeit her, ist 
natürlich nicht zu sagen. Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 248. 

Bei Kastorf und Wolde liegen Burgwälle wendischen Charakters (vgl. 
Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 270 und 272), welche zu dem ausgedehnten Befesti- 
gungssystem an der Grenze des ToUenser- und Rhedarierlandes gehören. Vgl. 
Beltz, Vorgeschichte, S. 162 und vier Karten zur Vorgeschichte von Mecklen- 
burg IV. 



VORGESCHICHTLICHE STELLEN. 22/ 

Kittendorf. Ein Hünengrab wird genannt: M. Jahrb. HIB, S. 119. — 
Beim Bau der Chaussee von Waren nach Stavenhagen wurde auf der Feldmark 
Kittendorf ein Hügelgrab aufgebrochen, worin eine Urne mit zerbrannten 
Knochen und auf derselben ein kleines gehenkeltes Geföss aus Thon zum 
Vorschein kamen. Lisch, M. Jahrb. XII, S. 414. Das Grab wurde später als 
ein »Römergrab« angesprochen, nachdem man noch ein un verbranntes Skelett 
mit Bronze- und Silbersachen römischen Ursprungs gefunden hatte. Lisch, 
M. Jahrb. XXXVII B, S. 223. 

Claasdorf. Ein Urnenfeld älterer Eisenzeit ist 1900 von Dr. Beltz 
untersucht (noch nicht veröffentlicht, Funde im Grossherzoglichen Museum). — 
Am See ein kleiner wendischer Burgwall; nahe dabei wendische Brandgruben 
(Wohn- oder Grabstätten?). 

Varchentin. Ueber Gräber der jüngeren Bronzezeit vgl. Lisch, M. Jahr- 
buch X, S. 286. Beltz, M. Jahrb. LXI, S. 219. 



Schliesslich mag hier nachgetragen werden, dass im Pfarrgarten zu 
Borgfeld Ueberreste einer alten Befestigung erhalten sind, die freilich weniger 
auf die vorgeschichtliche Zeit als auf das Mittelalter hinweisen. Sie sind 
im Geviert angelegt und etwas erhöht. Der innere Umfang beträgt ungefähr 
400 Schritt. Auch ist der Platz auf drei Seiten von einem 5 — 6 Meter breiten 
Graben umgeben, während er nach Westen hin an einen kleinen Teich anstösst. 
Schmidt. M. Jahrb. XLVI B, S. 309. 



15» 



Blick auf die Stadt Penzlin. 



Amtsgerichtsbezirk Penzlia. 



Die Stadt Penzlin.') 

leschichtc der Stadt. Zum ersten Mal urkundlich genannt wird der 
Ort als Dorf unter vielen anderen Dörfern im Jahre 1170 bei der 
Gründung des Klosters Broda, das Fürst Kasimar von Pommern 
dem Domstifte zu Havelberg überweist.*) Es sind im Tollense-Lande die 
Dörfer Broda (Braode), Weitin (Woiutin), Chemnitz (Caminiz), Woggersin 
(Wogarzin), Lebbin (SzÜubin), Kalübbe (Calubye), Passentin (Patsutin), Wulken- 
zin (Wolcazcin), Krukow (Crukowe), das untergegangene, anscheinend zwischen 
Krukow und Alt-Rehse gelegen gewesene Michnin,'} Penzlin (Pacelin), Gross- 
Vielen (Vihm), Klein-Vielen (Vilim Carstici), Hohen-Zieritz (Cyrice), Wustrow 
(W&zstrowe, castrum cum villa), ferner im Rhedarier- Lande (Raduir) oder Lande 
Stargard Podewall (Podulin), die untergegangenen Dörfer Tribenow (Tribinowe) 
und Wigon (Neubrandenburger Feldmark), Küssow (Cussowe), Warlin (Werdelin, 
Tuardulin), die nicht mehr vorhandenen Dobre und Step (Neubrandenburger 

') Die älteste Form des Namens ist Pacelin (1170). Dann folgen Pentzelin (1230), Pacirin 
(1354), Pentiellin (1263) und PenieUin (1273) u. s. w. Nach Kuhnel .Ort des Pecela.. 

') M. U.-B. 95. 

') Schildt, M. Jahrb. LVI, S. 211. Vgl, daiu Lisch, M. Jahrb. III. S. 13, Annikg. 1. Viel- 
leicht gleichbedeutend mit MaUin. 5. u. S, 255, Anmkg. 2. 



GESCHICHTE DER STADT PENZLIN. 229 

Feldmark),*) Rowa (Rouene), Prillwitz (Priulbiz), die ehenjaligen Dörfer Nicakowe 
und Malke (östlich von Prillwitz), Cammin (Kamino), Karlshof bei Cammin 
(Lang), Riepke (Ribike), Säbel (Tsaple), Gross- und Klein-Nemerow (Nimyrow), 
das ehemalige Malkowe bei Stargard, Stargard selbst, sowie das ganze Gebiet 
zwischen der Liepz, dem Woblitz-See (stagnum Woblesko) und der Havel bis 
nach Götebend (Chotibanz) hinauf, wobei dann die derzeit wüst gelegenen 
Dörfer zwischen Vielen, Götebend, der Liepz und der Havel noch im Besonderen 
wiederholt werden. Doch muss hierzu bemerkt werden, dass die Bestätigungs- 
urkunde von 1182 etwas sparsamer mit den Namen umgeht und dass es 
Gründe giebt, die Urkunde von 1170 für eine spätere Unterschiebung zu halten, 
wenngleich die Mehrzahl der in ihr vorgebrachten Thatsachen durch nach- 
folgende echte Bestätigungsurkunden als bestehende erwiesen werden.*) In der 
Bestätigungsurkunde von 1182 steht nichts weiter als: ... . confirmamus 
videlicet uillam Br6d ... et has uillas: Wigon, Woitin, Reze et Wolcaz, 
Cameniz, Vilin et desertas uillas, que a Uilin inter fines Chotebanz, Lipiz et 
Hauulam iacent. Und darauf wird, wie auch in der Urkunde von 1170, die 
Saline in Golchen (Cholchele) nördlich von Treptow hinzugefügt.^) 

Dem sei wie ihm wolle: für die Geschichte von Penzlin hat es eine 
Bedeutung, bei dieser Gelegenheit jenes weite mecklenburgische Gebiet ein bis 
zwei deutsche Meilen weit im Umkreis von Broda und Neubrandenburg und 
nach Südwesten zu — wenn die Angabe in den älteren Urkunden genau zu 
nehmen ist — sogar mehr als doppelt so weit ins Auge zu fassen, über welches 
damals der Herzog von Pommern gebietet, und festzustellen, dass Penzlin davon 
umfasst und zugleich mit allen andern genannten Ortschaften der Havelberger 
Diöcese zugewiesen wird. Wie nun dieses Gebiet des alten Tolensaner- und 
Rhedarier- Landes, das in den Verwüstungskriegen des Sachsenherzogs Heinrichs 
des Löwen hart mitgenommen war, einige Jahrzehnte später nicht mehr unter 
der Herrschaft der pommerschen Herzöge sondern unter der des Heinrich 
Borwin und seiner Söhne steht, ohne dass die Ursache dieser Veränderung, 
die Art und Weise, wie sie geschah, und der Vertrag, durch den sie besiegelt 
ward, bekannt geworden wären, das ist einer Urkunde des Jahres 1263 zu 
entnehmen. Aus dieser Urkunde, in welcher der Stadt Penzlin von Fürst 
Nikolaus von Werle ihre Privilegien bestätigt werden, ist zu ersehen, dass 
Penzlin von dem Vater des Fürsten, Heinrich Borwin dem jüngeren, der von 
12 19 an Mitregent ist und 1226 aus dem Leben scheidet, zur Stadt erhoben 
und mit dem Schweriner Stadtrecht bewidmet worden war: ein Ereigniss, das 
zwischen 12 19 und 1226 und unter anderen politischen Verhältnissen geschehen 
sein musste als denen von 11 70 und 1182.*) Mochte nun freilich dieses 
Brodaer Gebiet, soweit es jetzt nicht mehr zu Pommern gehörte, ebenso wie 



^) Lisch, M. Jahrb. III, 'i. 17. 30. 
«) Beyer, M. Jahrb. XXXVII, S. 114. 

•) M. U.-B. 135. Vgl. Lisch, M. Jahrb. III, S. 22, Über die >desertae villaet. Ebendaselbst 
S. 148 bis 150 über die Haveheen. 

*) M. U.-B. 987. Vgl. Rudioff, Hdb. I, S. 205. 



230 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

wieder ein Jahrzehnt später auch das nördlich davon gelegene Circipanien,^) 
für Mecklenburg noch längere Zeit hindurch ein unsicherer Besitz bleiben, der 
durch den Wechsel des Verhältnisses zu Pommern und Brandenburg gefährdet 
werden konnte:") so ist doch zu begreifen, dass das Kloster Broda in der 
Folge ebenso eifrig die Bestätigungen seines Besitzes durch die mecklen- 
burgischen Herren, d. i. die Herren von Werle, wie die durch die pommerschen 
Herzöge suchte.^) Uebrigens lassen es sich die Herren von Werle angelegen 
sein, auch an ihrem Theile den Besitz des Klosters erheblich zu vermehren, 
indem sie ihm folgende Güter und Rechte überweisen, für welche eine Urkunde 
vom 23. April 1273 grundleglich zu machen ist, nicht aber, wie früher ge- 
schehen, jene Urkunde vom 24. April 1230, welche als eine spätere Ableitung 
aus der vorhergenannten von 1273 und ausserdem als eine Fälschung erwiesen 
ist, da sie einen zum Theil erst im XIV. Jahrhundert eingetretenen Besitzstand 
des Klosters als einen schon in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts vor- 
handenen hingestellt wissen will.*) Die Güter und Rechte, welche dem Kloster 
von werlescher Seite im Jahre 1273 zu Theil werden und wobei auch Penzlin 
eine erhebliche Rolle spielt, sind die Kirche zu Waren mit Dorf und fünfzehn 
Hufen zu Schwenzin, ein Antheil an den drei obersten Aalwehren zwischen 
der Müritz und dem Kölpin, d. h. deren Nutzniessung in jeder zehnten Nacht, 
Freidorf (Vrychdorp oder Bornhof bei Ankershagen) mit fünfzig Hufen und 
mit drei Seen (cum tribus stagnis, de quibus effluit aqua que Hauele nuncupatur), 
zehn Hägerhufen zu Rumpshagen, die Kirche zu Ankershagen mit fünftehalb 
Hufen, die Kirche zu Penzlin mit zwölf zur Wedem gehörenden Morgen Ackers 
sammt der Kirche und zwei Hufen auf dem Schmort,^) acht Hufen zu Klokow, 
von deren Ertrag das Kloster die Cura für die Vikarei auf dem fürstlichen 
Schlosse zu Penzlin zu übernehmen hat, und endlich das Eigenthum der Mühle 
zwischen Freidorf und Pieverstorf^) 

*) M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. I, S. 519 (537). V, S. 85 (Malchin) und 154 (Stavenhagen). 

*) M. U.-B. 1449, Anmkg. Vgl. VVehrmann, Barnim von Werle, M. Jahrb. LXIll, S. 132. 134. 

«) M. Ü.-B. 377. 563. 

*) Wigger, M. U.-B. 1284, Anmkg. Vgl. Lisch, M. Jahrb. III, S. 32 und 33. Wie die 
Urkunde 377, so ist auch die Urkunde vom 22. September 13 12 (Nr. 3563) ein späteres Machwerk 
und aus gleichen Gründen wie jene als eine Fälschung anzusehen. Wirkliche oder vermeintliche 
Rechtsansprüche mit Transsumpten durchzusetzen, die zu diesem Zweck eigens zurechtgemacht 
wurden, war eine weit verbreitete und lange dauernde Unsitte des Mittelalters: vgl. auch Kopp- 
mann im M. Jahrb. LVI, S. 232, zu M. U.-B. 7230 (die grosse Mühle zu Penzlin mit Stadtsee und 
Oberteich betreffend). 

^) M. U.-B. 1695. 

®) M. U.-B. 1284. Das Patronat über die Kirche in Gross -Lukow erhält Broda erst am 
30. Juli 1304, und die Patronate der Kirchen zu Kalkenhagen mit der Tochterkirche zu Schönau, 
zu Federow mit der Tochterkirche zu Kargow, und zu Schlön erhält Broda am 14. März 1331, 
indem es dafür das Patronat über die Kirche zu Waren an die Fürsten zu Werle zurUckgiebt. 
Vgl. M. U.-B. 2945. 5226. 5247. Dazu die späteren Bestätigungsurkunden der Fürsten von Werle, 
Mecklenburg und des Papstes Alexander VI. a. d. H. Borgia aus dem XV. Jahrhundert (bezw. 1402, 
1482, 1500), welche durch die gefälschte Urkunde vom 24. April 1230 getäuscht wurden. Vgl. 
Lisch, M. Jahrb. III, S. 2o6 — 210. 229. 230. Nicht zu übersehen ist bei der Aufzählung der 



GESCHICHTE DER STADT PENZLIN. 23 1 

Dass die Stadt Penzlin den Mittelpunkt einer Vogtei bildet, ersieht 
man zuerst aus einer Urkunde vom 12. März 1274.^) 1283 fungieren drei 
Geistliche an der dortigen Kirche, der Pleban Dietrich und zwei Kaplane, die 
Priester Nikolaus und Jakobus. Es ist dies zu jener Zeit, als Fürst Heinrich I. 
von Werle auf Grund einer werleschen Landestheilung, von der wir sonst 
nichts wissen, in demjenigen Theile die Herrschaft hat, in welchem Penzlin 
liegt.*) Wie dann nach seiner Ermordung durch die eigenen beiden Söhne 
Nikolaus und Heinrich am 8. Oktober 1291 der ältere Sohn das Land verlässt 
und der jüngere längere Zeit auf dem Schloss zu Penzlin residiert, bis ihn hier 
die strafende Hand Nikolaus IL von Werle ereilt, indem es einem der Vasallen 
des letztgenannten, dem Heinrich von Goldstedt, im Jahre 1307 oder 1308 
gelingt, Stadt und Burg Penzlin ihm abzunehmen: das alles erfahren wir nur 
zum geringeren Theile aus Urkunden, zum grösseren aber aus den Annalisten 
und Chronisten jener Zeit. Die Kombinierung beider aber bietet Schwierig- 
keiten, auf die wir hier nicht eingehen könnend) Thatsache ist, dass Nikolaus IL 
von Werle, Herr zu Parchim und Güstrow, nach Vertreibung der Vatermörder 
im Lande Penzlin die Zügel in die Hand nimmt, und dass wir daher die Ver- 
leihung des yGrapen Werders« bei Penzlin an die von Rosenhagen am 28 Sep- 
tember 1309 keinem anderen Nikolaus von Werle als ihm zuzuschreiben haben.*) 
Am 28. November 131 1 vollzieht auch sein Bruder und Mitregent, Für^t Johann 
von Werle, einen Regierung^akt zu Penzlin.^) Nach dem Tode Nikolaus IL 
im Jahre 1316 aber gehen bei der nunmehrigen werleschen Landestheilung 
Stadt und Land Penzlin in diejenige Hälfte über, von welcher Güstrow die 
Vorderstadt ist.®) Es sind die Gebiete von Güstrow, Krakow, Plan, Röbel, 
Penzlin, Kaien und Waren, die (mit Ausnahme von Waren) solange vereinigt 
bleiben, als das Haus Werle- Güstrow besteht, das den Besitz der beiden davon 
getrennten Linien Werle- Parchim -Goldberg (1316 — 1374) und Werle-Waren 
(1347 — 1425) zuletzt wieder an sich nimmt, d. i also bis zu dem vollständigen 
Erlöschen des Hauses Werle im Jahre 1436.') In dieser Zeit von 13 16 bis 
1436 lösen vier Fürstengenerationen einander ab. Doch residieren sie nicht 
auf ihrer Burg in Penzlin, sondern auf der in Güstrow. Die Burg zu Penzlin 
wird daher Wohnsitz der fürstlichen Vögte, z. B. des Heine von Holstein, der 

Patronate der Ausdruck der päpstlichen Urkunde >jus patronatus seu presentandi personas idoneas 

ad parrochiales ecclesias opidorum et villarum Hauelbergensis ac aliarum diocesium . . . .c 

(d. i. der Havelberger und Schweriner Diöcese). 

») M. U.-B. 131 7. 

*) M. U.-B. 1695. Vgl. Wigger. M. Jahrb. L, S. 223. 

•) Ueber das ältere Quellen - Material und die einschlägige neuere Literatur vgl. Wigger, 
Stammtafeln, M. Jahrb. L, S. 224. 227. — Koppmann, Detmar- Chronik I, S. 372. Stichert, 
Nikolaus II. von Werle (Rostocker Schulprogramm von 1891). Koppmann, Zur Gesch. Nikolaus 11. 
von Werle, M. Jahrb. LVI, S. 230 — 236. — Wehrmann, Barnim von Werle, M. Jahrb. LXllI 
S. 130—137. 

*) M. U.-B. 3345. Dazu Wigger, M. Jahrb. L, S. 227. 

*) M. U. B. 3498. 

•) M. U.-B. 3860. 

') Wigger, M. Jahrb. L, S. 253. 



232 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZUN. 

uns in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts (1328 — 1341) als ein einfluss- 
reicher Mann entgegentritt. 

In welcher Weise damals Fürst Johann von Werle gewaltthätigen 
Vasallen seines Landes gegenüber die Geistlichkeit schützt, zeigt der Fall 
seines Hofkaplans, des Penzliner Kirchherrn Arnold, im Jahre 1317. Diesen 
hat Siegfried Metzeke mit Wort und That auf das Allerschwerste verletzt. 
Metzeke und nicht weniger als vierzehn Helfershelfer haben ihn mit Worten 
geschmäht und ausserdem mit Schlägen und Verwundungen aufs Uebelste 
zugerichtet. Dafür wird Metzeke zunächst mit einer empfindlichen Vermögens- 
strafe angesehen, dann aber auch sammt seinen Komplizen zu einer Büsser- 
Prozession verurtheilt, die darin besteht, dass sämmtliche fünfzehn Uebelthäter 
an einem von dem geschädigten Pfarrer zu bestimmenden kirchlichen Festtage, 
nur mit Hemd und Hosen bekleidet (depositis omnibus indumentis, camisia 
tarnen et bracis retentis) und ein Wachslicht in der Hand tragend, vom 
Thatort her in die Stadt gehen (deuoto accessu), einen Umgang auf dem 
Kirchhofe machen (cum tota decencia), von den fünfzehn Wachslichtern acht 
dem beleidigten Pfarrer übergeben (die er seiner Kirche stiften möge, wenn er 
wolle), mit den sieben übrigen Lichtern aber sieben andere Kirchen der 
Brodaer Präpositur besuchen und auf deren Kirchhöfen den gleichen Umgang 
mit Zurücklassung je eines Lichtes vollziehen.*) Zwei Jahre später, 13 19, 
hören wir von einem Kaland zu Penzlin und von der Stiftung einer Vikarei an 
dem den Kalandsherren gehörenden St. Annen -Altar in der Pfarrkirche durch 
die Gebrüder Wokenstedt (Wakenstedt) auf Gross -Lukow.*) Auch von Privaten 
in der Stadt werden Pfarrer und Pfarrkirche reichlich bedacht.*) Die Stadt 
selbst vergrössert ihre Kämmerei durch Ankauf des Dorfes Schmort im Jahre 
1327.*) Mit einer Hebung von achtzehn Mark aus drei Hufen in Schmort 
und mit einem Wispel Roggen und Gerste aus der dortigen Mühle stiftet 
acht Jahre später der dem Vogte Heine Holstein eng befreundete Kirchherr 
Walter in Penzlin eine Vikarei bei den Domherren in der Kirche zu Broda, 
und Heine Holstein bestätigt wiederum zwei Jahre darauf nicht bloss diese 
That seines Freundes, sondern fügt aus eigenem Vermögen noch einen Wispel 
Kornes hinzu, der aus derselben Schmorter Mühle zu heben ist.*) Walter aber 
ist inzwischen selber Kanonikus von Broda geworden. Auch des Weiteren 
erfreut sich Broda einer Vermehrung seiner Einkünfte durch Vermittlung des 
Bischofs Dietrich von Havelberg nicht bloss aus den Kirchen zu Neubranden- 
burg, Ankershagen, Lukow und Wulkenzin, sondern auch aus der von Penzlin. 
Aus der Penzliner Kirche, welche, wie wir im Jahre 1348 bei Gelegenheit 
einer Aufbesserung der Wokenstedt'schen Vikarei erfahren, den Titel Nikolai- 



») M. U.-B. 3940. 

•) M. U.-B. 4042. Vgl. dazu 6834. 10872. 
») M. U.-B. 4687. 4963. 
*) M. U.-B. 4835. 

*) M. U.-B. 5619. 5740. 6139. Vgl. auch die Holstein'sche Memorien Stiftung von 1346: 
M. U.-B. 6657. 



GESCHICHTE DER STADT PENZLIN. 233 

Kirche (ecclesia parrochialis beati Nicolai) fuhrt, ist es eine Hebung von 
jährlich 50 Mark Wendisch.^) 

Bei der Schlichtung von Streitigkeiten zwischen denen von Werle auf 
einer Seite und dem Bischof Heinrich von Schwerin und dem Herzog Albrecht 
von Mecklenburg auf anderer Seite durch den Herzog Rudolf von Sachsen 
setzen Nikolaus III. und Bernhard, Fürsten von Werle (in der zweiten Gene- 
ration nach der Theilung von 13 16), am 2. Juli 1342 für ihr Versprechen, sich 
dem Schiedsspruch zu unterwerfen, Schloss, Stadt und Land Penzlin zum 
Pfände.*) Indessen kommt es nicht zu diesem Schiedsspruch, sondern es tritt 
dafiir bald nachher eine auch in den nachfolgenden Jahren mehrmals wieder- 
holte und aufs Neue bekräftigte Erbvereinigung und Erbverbrüderung zwischen 
Werle und Mecklenburg ein, welche auf die Dauer werthvoUer und wirkungs- 
voller wird als ein einmaliger Schiedsspruch.') Darauf hat es selbstverständlich 
keinen Einfluss, dass bei der abermaligen Theilung des Werle -Güstrower 
Landes am 14. Juli 1347 Penzlin mit Röbel, Wredenhagen und W^aren ver- 
einigt wird.*) 

In der Folgezeit werden die Bündnisse und Verträge zwischen den 
Häusern Werle und Mecklenburg mehrfach erneuert.^) Auch stellen sich die 
Fürsten von Werle dadurch, dass sie ihre Lande im Jahre 1374 von der 
Krone Böhmen zu Lehn nehmen, ebenso unter den Schutz Kaiser KarFs IV., 
wie es die mecklenburgischen Herzöge schon im Jahre 1348 gethan hatten, 
indem sie sich ihre Lande als Reichslehn von demselben Kaiser bestätigen 
Hessen.®) Die Stadt Penzlin, welcher Fürst Bernhard von Werle am 11. Januar 
1353 Freiheit von dem bisherigen Ausfuhrzoll, der fiir Getreide und Waaren 
bezahlt werden niusste, verliehen hatte, wird für die Landfriedenskontingente mit 
zehn Mann eingeschätzt, ganz ebenso wie die Städte Grevesmühlen, Gnoien, 
Gadebusch, Ribnitz, Bard, Lychen, Roebel, Teterow, Malchow, Plan und 
Neukaien.'') Für den Verkehr, den das Kloster Broda mit der Stadt unterhält, 
ist es von Wichtigkeit, dass der Krukower Pfarrer Johann von Reval am 
10. März 1356 auf seinen Todesfall dem Kloster ausser seinem beweglichen 
Nachlass auch einen Hof in der Stadt vermacht, um damit seine Dankbarkeit 



») M. U.-B. 5960. Vgl. 6834. 

*) M. U.-B. 6223. 

») M. U.-B. 6254. 6271. 6434. Rudioff, Hdb. II, S. 285. 

*) M. U.-B. 6779. 

*) M. U.-B. 7524. 7712. 7731. 7771. 7881. 7911. 8234. 9008. 9935. 10560. 

•) M. U.-B. 10 561. 10569. Vgl. dazu 6860. 

'') M. U.-B. 7524. 7698. Die bei 7698 in der Anmerkung aufgeworfene Frage, ob nicht 
>adducentibusc statt »abducentibusc geschrieben werden müsse, ist an sich berechtigt. Denn das 
vel der mittelalterlichen Urkunden dieser Zeit und Gattung ist, dem klassischen Sprachgebrauch 
entgegen, in der Regel gleich aut und nicht gleich sive. In diesem Fall würde es sich dann um 
die Freiheit nicht bloss von einem Ausfuhrzoll, sondern auch von einem Einfuhrzoll handeln. 
Allein der Verfasser des Wort- und Sach- Registers zum Urkundenbuch (s. angaria, Ausfuhr, Zoll, 
unplicht) zieht es vor, hier nur den Ausfuhr -Zoll und daher »abducentibusc stehen und >velc 
gleich >seuc gelten zu lassen. 



234 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

für die ihm gewährte Bruderschaft und Theilnahme an den guten Werken 
sowie für das Versprechen eines Begräbnisses innerhalb des Klosters zu be- 
zeugen.^) Zu den weiteren Vortheilen, die das Kloster aus der Stadt zu ziehen 
weiss, gehört auch die Inkorporierung der Penzliner Pfarrkirche zugleich mit 
der Neubrandenburger und der Ankershäger Kirche am 15. September 1354 
durch den Bischof Burchard von Havelberg, um dem angeblich von übel- 
wollenden Menschen und Gewalthabern, von Räubern, Dieben und Feuers- 
brünsten häufig und arg mitgenommenen Kloster (ex creberrimis malignancium 
et tyrannorum incursibus variisque rapinis et incendiis) damit aufzuhelfen. 
Die Sache erlebt übrigens noch zwanzig Jahre später eine von Rom her an- 
geordnete gründliche Nachprüfung.*) 

Während der Zeit, in welcher Penzlin zum Hause Werle -Waren gehört 
und unter der Herrschaft des Fürsten Bernhard II. steht, sind es besonders 
zwei Vasallen, die uns als einflussreiche Vertrauensmänner des Landesherrn 
urkundlich bekannt werden, zuerst Klaus von Plasten in den fünfziger und 
sechziger Jahren des XIV. Jahrhunderts, der eine Zeitlang Pfandinhaber der 
Länder Waren und Penzlin ist, und von 1378 an Wedege von Plote, den der 
Fürst zum Hauptmann der Länder Waren und Penzlin ernennt und mit den 
weitgehendsten Befugnissen ausstattet.') Von Wedege von Plote geht drei- 
undzwanzig Jahre später, nämlich am 30. August 1395, die Hälfte des Landes 
Penzlin zu treuen Händen an die von Voss über.*) Und nun nähert sich die 
Zeit, wo die von Maltzan als Pfandherren an die Reihe kommen. Zuerst im 
Jahre 1414. Am 14. December dieses Jahres nämlich beurkunden die Fürsten 
Balthasar und Christoph von Werle, die letzten ihres Hauses, dass sie dem 
Lüdeke Maltzan und seinem Sohne Heinrich Haus, Stadt und Land Penzlin 
mit der grossen und kleinen Bede, allem Hundekorn, allen Zehnten, mit 
Katen- und Münzpfennigen, mit Wasser, Weide, Holz, mit Mühlen, Zöllen, 
mit allen Bauern- und Burgdiensten, mit allem Acker- und Pflugwerk, höchstem 
und niederstem Gericht, mit Bruchgefällen und sonstigen Nutzniessungen aller 
Art für 3000 Mark guter lübischer Silberpfennige verpfändet haben, und zwar 
so, dass alle in diesem Pfandgebiet wohnenden Leute bei den Maltzanen 
bleiben, auch Bürgermeister, Rathmannen und ganze Gemeinde zu Penzlin 
ihnen huldigen, das Schloss aber den Fürsten offen bleiben solle, ohne dass 
dies jenen zum Nachtheil gereichen dürfe. ^) 



*) M. U.-B. 8203. 

*) M. U.-B. 7982. 9118. 10719. 10760. 10762. 10770. 

») M. U.-B. 9008. II 119. 

*) Ungedruckte Urkunde im Grossh. Archiv. Vgl. Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 50 !• 

*) Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 494 — 501. Die zu dem Pfandgebiet gehörende und be- 
sonders namhaft gemachte Walwens - M ühle bei Chemnitz heisst später Küsels- Mühle (Lisch, a. a. O., 
S. 501), ist aber heute nicht mehr da. Lisch vermuthet nicht ohne (irund, dass diese Ver- 
pfandung des Landes Penzlin im Jahre 141 4 im Zusammenhang stehe mit der Wiedereinlösung 
des Landes Stavenhagen aus Maltzan'schen Händen um dieselbe Zeit. Vgl. a. a. O., S. 285. — 
Ueber die Walwens -Mühle, die ihren Namen von dem Probst Walwanus zu Broda (1283 — 1309) 
führt, vgl. Boll, Chronik der Stadt Neubrandenburg, S. 22. 307. 



GESCHICHTE DER STADT PENZLIN. 235 

Wie sehr aber derartige Verpfandungen, bei denen wesentliche Hoheits- 
rechte der Fürsten allzu leichten Kaufes preisgegeben wurden, dem landes- 
herrlichen Ansehen schadeten, das wird durch nichts mehr bewiesen als durch 
jene urkundlich bekannt gewordenen vier Raub- und Beutezüge des vorhin 
genannten Heinrich Maltzan, die er mit zahlreichen ritterbürtigen Komplicen 
aus der Penzliner Gegend (. . . ok meneliken de wonen vnde hussittende sin 
in deme lande to Pentzelin) und überhaupt aus dem Lande Werle in den Jahren 
1426 bis 1428 gegen die mecklenburgischen Lande unternimmt, als die Herzogin 
Katharina die Vormundschaft über ihre minderjährigen Söhne, die Herzöge 
Heinrich und Johann, ausübt. Der erste Zug fuhrt die beutelustigen Kämpen 
bis in die Gegend von Schwerin nach Pinnow und Steinfeld, wo Ochsen, 
Kühe, Schweine, Schafe, Pferde und Plünderwaare (plunderware) mitgenommen 
werden. Der zweite Zug geht bis nach Neubukow und Neukloster, der dritte 
in die Vogtei Mecklenburg nach Lübow, Masslow, Moltow und Wietow, und 
der vierte in die Schwaaner Gegend: alles das mit einer Schädigung, die nach 
den damaligen Verhältnissen über 30000 Mark Lübisch berechnet wird. Das 
Schlimmste aber ist, dass sogar der werlesche Landesherr die Eide seiner 
Vorfahren gegen die blutsverwandten Herzöge von Mecklenburg vergisst, »dar 
de van Wenden suluen to siner kokene aflfkregh ix stighe koye vnde ini*^ schap, 
de sin voget Werneke Cremmon vamme Sterneberge dreflf mit sinem knechte 
Bertolt Hockenoghen.«^) Und ein ganz besonders unritterliches Gepräge er- 
halten diese Raubzüge dadurch, dass die Minderjährigkeit der mecklenburgischen 
Herzöge und die Regentschaft einer Frau ohne Anstand dazu ausgenutzt 
werden. Bei solchen Anschauungen in der Vasallenschaft des Landes kann 
es kaum Verwunderung erregen, dass das Raubwesen im XV. und XVL Jahr- 
hundert zuletzt geradezu sportmässig betrieben wird und endlich das Verlangen 
nach einer gründlichen und durchgreifenden Reformation aller Verhältnisse 
überall in der Welt zu Tage tritt. 

Nachdem darauf zehn Jahre später die mecklenburgischen Herzöge in 
die Herrschaft über die werleschen Lande eingetreten sind und am 14. December 
des Jahres 1436 auch von Penzlin Besitz ergriffen haben, da fügen sich selbst- 
verständlich auch die Pfandinhaber des Landes.*) Als aber nach drittehalb 
Jahrzehnten die mecklenburgischen Herzöge die Rückgabe des halben ver- 
pfändeten Landes Penzlin fordern und damit bei Joachim und Lüdeke Maltzan 
(wanachtig thome Wolde) auf Weigerung stossen, da bleibt jenen nichts als 
die Aussicht auf eine offene Fehde, um derentwillen sie am 14. Oktober 1462 
mit dem Bischof Wedege von Havelberg ein Bündniss schliessen.^) Doch wird 
glücklicher Weise nichts daraus, denn schon am i. December 1463 kommt es 
in Waren zu einer Einigung zwischen beiden Theilen, den Herzögen auf einer 
und den »duchtigen leuen getruwen Jachymme vnd Ludeken Moltzane tome 



») Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 574—77 (Urk. CCCCXXV). 

*) Rudioff, Hdb. II, S. 741. 

•) Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 304—306 (Urk. DLXXXIV). 



236 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

Wolde vnd eren heren vnd frunden« auf der andern Seite. Die Herzöge ver- 
sprechen zu Martini nächsten Jahres 3000 Mark Sundisch (dredusent Stralen 
marc penninge) und ausserdem noch 3CX) Mark Finkenaugen zu bezahlen, wofür 
die von Maltzan die Urbede (Orbör) eingelöst und wiederversetzt hatten; die 
von Maltzan dagegen machen sich anheischig, Schloss, Stadt und Vogtei 
Penzlin wieder zu übergeben und alle Urkunden, die sie darüber von den 
wendischen Herren haben, auszuliefern.*) Doch bleibt dieser Vertrag ein un- 
voUzogenes Pergament, wie Urkunden vom 20. März 1464, 13. Juli 1467 und 
18. Juli 1475 hinlänglich beweisen, welche Mahnungen um die ausgebliebenen 
Zahlungen, erneute Versprechungen und sogar die Zurückweisung einer 
Beschwerde der von Maltzan beim Rostocker Rath durch den Herzog Heinrich 
enthalten.*) Das Ende dieser Sache ist endlich jene berühmte Fehde des er- 
bitterten Bernd Maltzan auf Wolde mit den Herzögen Albrecht und Magnus 
von Mecklenburg, von welcher neben den lübischen Chroniken auch zahlreiche 
Urkunden berichten,*) und aus der man erkennt, dass die Penzliner Sache der 
Kern und Schwerpunkt ist, dass aber zuletzt, trotz vieler Schwierigkeiten, 
welche die wechselnde Haltung des betheiligten Pommern -Herzogs verursacht, 
die Autorität der mecklenburgischen Landesherren das Uebergewicht erlangt.*) 
Der eigenmächtige und gewaltige Bernd bezwingt sich selber, lenkt ein und 
gilt endlich in seinen alten Tagen als der trefflichste und verständigste Rath 
des jungen Herzogs Heinrich, für den er in den Jahren 15 12 und 15 13 die 
wichtigsten Missionen auszurichten hat, wie auch schon im Jahre 1500 für 
dessen Vater, den Herzog Magnus. 

Die Abtretung von Schloss, Stadt und Land Penzlin an die Herzöge 
erfolgt am 6. August 1479, ^^^ ^i^ Entschädigung der von Maltzan auf Wolde 
besteht darin, dass sie die Güter Gädebehn, Klein -Helle, Krukow und die 
Anwartschaft auf die Lehngüter Gutzkow und Tützpatz erhalten.^) Bei der 
nachfolgenden Landestheilung am 13. Januar 1480 unter die drei Brüder, die 
Herzöge Albrecht (VL), Magnus (II.) und Balthasar, erhält der erstgenannte 
das ganze Fürstenthum Wenden mit Ausnahme der Stadt Waren, des Landes, 
der Stadt und Vogtei Penzlin, des Klosters Broda, des Landes und der Stadt 
Röbel sowie der Vogtei Wredenhagen und der Bede in dieser. Diese aus- 
genommenen Theile und die übrigen Lande, Mecklenburg, Stargard, Rostock, 
Gnoien und die Grafschaft Schwerin kommen zu gesammter Hand an die 
Herzöge Magnus und Balthasar. Doch reserviert sich Herzog Albrecht u. a. 
die Fischerei bei Waren, einen See bei Penzlin und die Hoheit über die 



») Lisch, Geschl. Maltzan 111, S. 316. 317 (Urk. DLXXXVIII) Rudioff, Hdb. II, S. 782. 
») Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 328. 329. 343—45. 393. 394 (Urk. DXCIV. DCIII. 
DCXXVIII). 

») Vgl. besonders Urk. DCLVIII und DCLIX bei Lisch, a. a. O. IV, S. 59—64. 

*) Eine ausführliche Darstellung dieser Fehde mit allen Quellen ist in der Geschichte des 
Geschlechts Maltzan von Lisch, IV, S. 7—19 enthalten. Urkunden DCXXXVI— DCLIV. DCLVIII, 
DCLIX. 

») Lisch, a. a. O. IV, S. 59—64 (Urk. DCLVIII und DCLIX). 



GESCHICHTE DER STADT PENZLIN. 237 

Brodaer Klostergüter in der Vogtei Stavenhagen, während die Brüder die 
Ablager- Rechte in den Malchower und Dobbertiner Klostergütem behalten.^) 
Als Herzog Albrecht 1483 stirbt, da treten die Herzöge Magnus und Balthasar 
auch in dessen Herrschaft zu gesammter Hand ein.*) Und nun erleben wir, 
dass der »gewaltige« Berend Maltzan, von dessen Thaten und Unternehmungen 
alle Welt zu erzählen wusste, bereits im Jahre 1500 wieder im Pfandbesitz 
von Schloss und Stadt Penzlin erscheint, und dass dieser Pfandbesitz, der wie 
kein anderer des Schweisses der Edlen werth befunden war, ein Jahr darauf, 
nämlich am 16. und 18. Juli 1501, von den Herzögen Magnus und Balthasar 
und den Söhnen des erstgenannten, den jungen Herzögen Heinrich (V.), Erich 
und Albrecht (VII.), in ein Maltzan'sches Erblehn zu gesammter Hand um- 
gewandelt wird.') Tempora mutantur nos et mutamur in Ulis. Darauf werden 
Rath und Bürgerschaft der Stadt Penzlin von den Herzögen ihrer Huldigungs- 
pflicht entlassen und an ihren neuen Herrn auf Wolde verwiesen, der ihnen 
alle bisherigen landesherrlichen Privilegien bestätigt.*) Und nachdem derselbe 
Bernd ein Jahr vorher, nämlich den 5. August ISCX), mit dem Hauptgute 
Kittendorf und allen dazu gehörenden anderen Nebengütern, auf denen das 
ausgestorbene Geschlecht der von Breide gesessen hatte, belehnt worden war, 
fugen die Herzöge am 14. August 1501 die bisher von Henning Stute auf 
Dewen zu Lehn getragenen und nun vor ihnen aufgelassenen Güter und 
Dörfer Ave und Marin nebst dem Acker auf dem Schmorter Felde und der 
dortigen Mühle hinzu, und am 16. Juni 1503 auch die ihm verpfändet gewesenen 
Güter Gädebehn (Gotebende) und Kastorf. ^) Weitere Belehnungen erfolgen 
am 12. September 1505 (mit dem vierten Theil des Schlosses und »Städtchensc 
Prillwitz und den dazu gehörenden Gütern, die Heinrich von Heidebreke an 
Bernd Maltzan abgestanden hat) und am 18. Juni 15 10 (mit dem durch Aus- 
sterben der von Passentin heimgefallenen Lehngut Passentin).^) Zwar kommt 
es noch einmal im Jahre 1514 zu schweren Irrungen zwischen den Herzögen 
und dem Bernd Maltzan theils in Folge von unbegreiflichen Vergewaltigungen, 
womit sich dieser an denen von Putlitz und Bülow vergangen, theils aber auch 
wegen Besitzstreitigkeiten, und Bernd ist nahe daran, seine Güter zu verlieren, 
doch wird das Aeusserste zu rechter Zeit durch Fürbitte seiner Gemahlin 
Gödel von Alvensleben beim Kurfürsten von Brandenburg abgewandt. Der 
Kurfürst übernimmt die Vermittlung, auch andere hohe Herren verwenden sich 
für ihn, und so kommt es am 28. März 15 16 zu einem Vergleich, durch 
welchen Bernd unter der Verpflichtung, den Herzögen einen Monat lang mit 
sechzig Reisigen zu dienen, in seine Güter Penzlin und Kittendorf wieder ein- 



») Rudioff, Hdb. II, S. 823. 824. 
*) Wigger, M. Jahrb. L, S. 195. 197. 200. 

») Lisch, a. a. O. IV, S. 161 — 179 (Urkunde DCCII [a— e] ff., besonders DCCLXII und 
DCCLXXIX). 

*) A.-a. O. IV, Urk. DCCLXVIII. DCCLXIX. DCCLXX. 

*) A. a. O. IV, Urk. DCCLXVII. DCCLXXI. DCCLXXXIII. 

•) A. a. O. IV, Urk. DCCLXXXVIII. DCCCXIV. Vgl. dazu DCCCXVI. 



238 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

gesetzt wird *) Es erfolgt sogar am 18. Januar 1517 eine neue förmliche Be- 
lehnung mit Stadt und Schloss Penzlin, die mit der vom 18. Juli 1501 wörtlich 
übereinstimmt.*) Von da ab hören wir nichts mehr von Bernd bis zu seinem 
im Jahre 1525 erfolgten Tode. Der alte fehdelustige Recke des Mittelalters 
wird den Geist der anbrechenden neuen Zeit erkannt haben, und auf dem 
Schloss zu Penzlin, wo er zuletzt wohnte, wird jene Stille des Alters über ihn 
gekommen sein, für welche der Lärm in der Welt nicht mehr taugt. 

Die Familiengeschichte der von Maltzan und die Stadtgeschichte von 
Penzlin fliessen von nun an so zusammen, dass wir für diese auf jene ver- 
weisen können und daher nur noch bemerken wollen, dass von den beiden 
Söhnen des alten Berend, Joachim und Georg, der erstgenannte im Jahre 1529 
die Herrschaft Wartenberg in Schlesien ankauft, dass daraufhin beide Brüder 
am 2. August 1530 vom König Ferdinand von Böhmen und Ungarn zu »Frei- 
herrn zu Wartenberg und Penzlin« ernannt und als solche von Kaiser Karl V. 
am 12. August 1530 bestätigt werden, dass Joachim die Wartenbergsche und 
Georg die Penzlinsche Linie begründet, welche 1774 ausstirbt, dass aber schon 
am 28. März 1702 durch den Puchower Vertrag Stadt, Schloss und Vogtei 
Penzlin auf die Wartenbergsche Linie übergehen, sowie dass am 4. Oktober 
1777 zwischen den von Maltzan und der Stadt Penzlin ein Vergleich statt- 
findet, durch den diese jenen einen Theil der von ihr bis dahin bestritten 
gewesenen Rechte, wie z. B. Verpflichtung der Stadt zur Huldigung, das Recht 
der Rathswahl, die Fräulein -Steuer, das Recht, das Maltzan'sche Wappen an 
das Rathhaus und an die Thore zu schlagen, u. a. m., für 3300 Thaler Gold 
abkauft und ihre volle Unmittelbarkeit und Landsässigkeit erlangt.^) Die 
Nieder -Gerichtsbarkeit, welche sich die von Maltzan vorbehalten, verliert erst 
im Jahre 1879 durch die neue Gerichtsorganisation, ihre frühere Bedeutung, 
sodass heute von den ehemaligen Privilegien hauptsächlich nur noch das 
Kirchen -Patronat und die Urbede übrig geblieben sind.*) 

Für alles Uebrige aus der Geschichte der Stadt verweisen wir hier auf 
die Chronik von dem ehemaligen Penzliner Stadtschul-Rektor Eduard Danneil, 
die 1873 im Selbstverlage des Verfassers erschienen ist. U. a. findet sich darin 
auf Seite 61 — 70 ein im Anschluss an die Geschichte der Kirche gegebenes 
Verzeichniss der Präpositi und Pastoren evangelischer Zeit, das bald nach der 
Reformation anhebt. Wenn es aber auf Seite 64 heisst, dass die Geistlichen 
vor der Reformation völlig unbekannt seien, so ist das nicht richtig. Ausser 
den schon oben genannten Plebanen und Vikaren giebt es noch eine gar nicht 
kleine Reihe anderer, deren Namen aus Urkunden auf uns gekommen und in 
den Personen -Registern des mecklenburgischen Urkundenbuches (unter Penzlin) 



>) A. a. O. IV, Urk. DCCCXXXI— DCCCXXXIV. DCCCXXXVII. DCCCXLI— DCCCXLIV. 

») A. a. O. V, Urk. DCCCCVI. DCCCCX. 

») A. a. O. V, Urk. DCCCCXXVI. DCCCCXXVII. MCXI. Ed. Danneil, Chronik der Burg 
und Stadt Penzlin (Penzlin 1873), S. 21. 33. 34. 38 ff. 

*) Der Dammzoll wird 1866 durch die Grossherzogliche Regierung für 2500 Thaler ab- 
gelöst und 1867 gänzlich aufgehoben. Danneil, a. a. O., S. 21. 



GESCHICHTE DER STADT PENZLIN. 239 

ZU finden sind. Aber auch über die Geistlichen nach der Reformation, und 
im Besonderen nach der noch vor 1552 erfolgten Aufhebung des Prämonstra- 
tenser- Klosters Broda, welches das Patronat der Penzliner Kirche besessen 
hatte, giebt es mehr Nachrichten, als bis jetzt bekannt waren. Sie finden sich 
in den Akten des Grossherzoglichen Archivs, welche das ebengenannte Patronat 
betreffen, das die von Maltzan auch im XVI. und XVII. Jahrhundert ohne 
weitere Verbriefung als das ihrige angesehen wissen wollen. Am 23. Juni 1606 
berufen sich nämlich die von Maltzan, deren Ansprüche der Herzog Ulrich im 
Jahre 1594 durchaus nicht anerkannt hatte, darauf, dass ihre Vorfahren, Vater 
und Grossvater, die Penzliner Pastoren eingesetzt hätten, so z. B. den Pastor 
Stephan Gebhard, der später von ihnen abgesetzt sei und bei Heinrich Schmeker 
als Pastor zu Belitz ein Unterkommen gefunden habe, und nach diesem den 
Pastor Heinrich Dorgelow (Dorgeloe), der im Jahre 1565 an der Pest gestorben 
sei. Nach dessen Tode sei Andreas Vielitz von ihnen berufen worden, ebenso 
der ihm zugesellte Kaplan Bernd und dessen Nachfolger Joachim Schwampe 
sowie auch der Kaplan Kaspar Koch (der offenbar als dritter Geistlicher an 
der Kirche und ihren Filialen zu dienen hat). An die Stelle von Vielitz (•}• 1 593) 
sei Nikolaus Burmeister berufen worden, und als dann von ihnen, den von 
Maltzan, als zweiter neben Burmeister Er Marcus gewünscht worden sei, da 
habe Herzog Ulrich den Kaspar Koch dafür eingesetzt. Das sei auf Betrieb 
von dessen Verwandten und Freunden in der Stadt und wider ihre Wünsche 
geschehen. Kombiniert man nun diese Nachrichten mit anderen Angaben und 
z. B. mit der in Schröder's evangelischem Mecklenburg III, S. 329, über die 
Unterschriften der Formula Concordiae im Jahre 1577, so ergiebt sich die 
Reihenfolge der evangelischen Pastoren wie folgt: bald nach 1552 Er Stephan 
Gebhard und nach dessen Abgang Er Heinrich Dorgelow (•}• 1565). Es folgt 
Er Andreas Vielite (•{• 1 593). Sein erster Kaplan ist Er Bernd, der schon vor 
1577 gestorben sein muss, da in diesem Jahre der nach Bernd's Tode berufene 
Er Joachim Schwampe mit Vielitz zusammen die Konkordienformel unterschreibt. 
Aber als dritte Unterschrift eines Penzliner Geistlichen finden wir 1577 die 
des Joannes Godschalcus, von dem die Akten des Archivs nichts zu berichten 
wissen. An dessen Stelle tritt 1581 Er Kaspar Koch, auf den die von Maltzan 
später nicht gut zu sprechen sind. Denn als es sich 1594, nach der Berufung 
des Ern Nikolaus Burmeister in die Stelle von Vielitz, um den zweiten Geist- 
lichen handelt, da sagt der für Koch eintretende Rath der Stadt in einem 
Schreiben an den Herzog Ulrich vom 8. November 1594, da.ss Koch dreizehn 
Jahre lang Prediger in Penzlin gewesen sei. Burmeister aber, der vor seiner 
Berufung nach Penzlin sechs Jahre lang in Ribnitz Pastor und Rektor schoiae 
gewesen (also von 1589 bis 1595) lebt bis 1632 und erhält 1628 einen Sub- 
stituten an Nikolaus Meinichius. Inzwischen ist Koch gestorben (1616) und 
als zweiter Geistlicher Joachim Schreck (Schreccius) 1617 an seine Stelle ge- 
treten, der bis 1622 in Penzlin als Prediger wirkt und dann nach Gadebusch 
geht. Im Jahre 1632 sind M. Stephanus Lehmann (Leomannus) und Nikolaus 
Meinke (Meinichius) die beiden Prediger, von einem dritten ist keine Rede 



240 AMTSGEKICUTSBEZIKK PEHZUH. 

mehr. Lehmann wird also 1628 oder 1633 der Nachfolger von Schreccius, 
also zweiter Prediger, geworden sein, nach Burmeister's Tode aber erster, und 
Burmeister's Substitut Meinke als zweiter an Lehmann's Stelle getreten sein. 
1643 dc^egen, als die alles Leben hinraffenden harten Kriegsjahre [637 und 

1638 ihre Wir- 
kung gethan 
haben, da scheint 
Meinke der ein- 
zige Prediger in 
Penzlin zu sein. 
Er stirbt 1653. 
Von da ab stim- 
men die Nach- 
richten in Dan- 
neils Chronik mit 

den Akten im 
Archiv. 

Die V. Maltzan 

erneuem 1617 

und 1628 ihre 

Versuche, das 

Patronat der 

Kirche als das 

ihrige zu er- 
streiten. Aber 
vergebens. Erst 
am 15. April 1702 

lässt sich der 
Herzog Kriedrich 

Wilhelm bereit 
finden, dem Baron 
und Oberst Hans 

Heinrich von 
Maltzan eine förm- 
liche ConfirmatiO Das Ost-Ende der Kirche t.a l'enilin. 
juris patronatus zu ertheilen.') 

Dass Puchow in kirchlicher Beziehung schon 1 326 mit Penzlin ver- 
bunden ist, lässt eine Urkunde dieses Jahres erkennen.') Es wird daher die 
dort schon im Mittelalter erbaute Kirche oder Kapelle ebenso zur Havelbei^er 
Diöcese gehört haben wie die Penzliner Mutterkirche selber. Dasselbe gilt 
ohne Zweifel auch von den zwei anderen Filialen Lübkow und Lapitz, die uns 



') Vgl. l^hnaklen von Penzlin im Grossh. Archiv. 
•) M. U.-B. 4687. 



KIRCHE ZU PENZLIN. 



•VT 



i^il[»\Tv«,,'W>.'^.ty- "•'' * 'i-if *--i ■■ 



Gruiidriss der Kirche lu Penzlin. 



242 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

freilich als solche urkundlich nicht eher denn im Jahre 1582 bei Gelegenheit 
der vom Herzog Ulrich angeordneten Visitation entgegentreten.^) Ein nega- 
tiver Beweis hierfür ist der, dass ihre Namen nicht in dem schon öfter an- 
gezogenen »Verzeichnus der Pfarrlehen und Kirchenn in den Schwerinischen 
Stifilssprengel gehörig« vorkommen.*) Ueber das kirchliche Verhältniss von 
Wrodow s. unter Wrodow. 



Baues. 



Die KirehB. 

Beschrei- |H|aubeschreibutig. Die Pfarrkirche, oder St. Nikolai -Kirche, zu Penzlin be- 
bung des .lUH g^gj^i; aus einem drelschiffigen Langhaus, einer im Jahre 1877 angebauten 
Apsis, deren Ostwand platt abschliesst, und aus einem über dem Westende auf- 
steigenden Thurm, dessen Höhe nach einem Brande von 1725 so verkürzt ist, 
dass das Walmdach unmittelbar über dem Dachfirst des Langhauses anfangt. 
Der Ostgiebel des Langhauses läuft seit 1877 '^ einen fialenartigen Mauer- 
aufsatz aus, in welchem die sogen. Klingglocke hängt. Unter dem Dach des 
Thurmes ein aus gothischen Vierpässen zusammengesetzter Fries, unter dem 





Unter dem Dach des Thurmes. Unter dem Dach der Seitenkapelle. 

Dach des Schiffes ein aus Rund- und Kleeblattbögen kombinierter Fries, und 
unter dem Dache der Seitenkapelle ein abgetreppter Zickzackfries. An der 
Süd- und Westseite finden sich auch noch mehrere Rundmarken und Längs- 
rillen. Der stark modernisierte Innenraum ist mit spitzbogigen Rippengewölben 
eingedeckt. Die an der Südwestseite angebaute Kapelle, welche der Familie 
von Maltzan als Grabkapelle dient, ist, wie aus dem verwitterten Mauerwerk 
und besonders aus dem hier gebrauchten gedrückten frühgothischen Spitzbogen 
geschlossen werden darf, wesentlich älter als der im steileren hochgothischen 
Bogen aufgeführte Hauptbau. Die früher allem Anscheine nach gewölbt 
gewesene Kapelle hat jetzt ein roh aufgesetztes — innen unverkleidet ge- 
bliebenes — Satteldach. Ein hohes, jetzt bis auf eine kleine Thür zu- 
gemauertes Portal lässt darauf schliessen, dass die Kapelle im Mittelalter einen 
Theil der Kirche bildete, also wohl die »Garwekamerc oder Sakristei war. 

Altar. Das Gemälde im Aufsatz des Altars aus dem Ende des XDC. Jahr- 

hunderts stammt von Professor Kannengiesser-Neustrelitz. An der Vorderwand 



^) Danneil irrt, wenn er auch die Visitationen von 1534 und 1541 heranzieht. Sie ent- 
halten nichts von der unter das Brodaer Kloster - Patronat gekommenen Penzliner Kirche. 

') Vgl. Wigger, Annalen, S. 132. 133. 



Inneres der Kirche la Peniltn. 



KIRCHE ZU PENZLIN. 



des älteren Altaraufbaues die Wappen des JOSEPH FREIHERRN VON MALT2AN 
und der JOHANNE GRAfIN VON LUCKNER. 



Die in Holz geschnitzte Kanzel ist 
Jahrhunderts. 



i Werk vom Ende des XVIII. Kanzel. 




An dem Orgel -Prospekt im Zopf-Stil Orgel- 
vom Ende des XVIII. Jahrhunderts dieselben Prospekt. 
Wappen wie am Altar. 




s#^^, — 



"RiilgtiMa^ 



Ueber den Chorschranken eine alte Land- Alte 
stnrm -Fahne mit der Inschrift: DIESER 1-andsturm- 
FAHNE FOLGEND, VERTHEIOIGTE IM BE- Fahne. 
FREIUNGSKRIEGE 1813 . DER LANDSTURM 
DES PENZLINER KREISES DIE GRANZEN 
Unter einem F. F. (ein Monogramm mit Krone) ein 
Unter dem Penzliner Stadt- 



DES VATERLANDES. 

Rosenkranz mit der Inschrift: WELCKE NIMMER, 
Wappen die Inschrift: NIEMALS RUCKWARTZ 1804. 

Die Glocken der Penzliner Kirche gehören sämmilich jüngeren Zeiten Glocken 
an, d. h. als Umgüsse aus älteren Glocken. Es sind ihrer drei. Die grösste 
ist 1791 unter dem Patronat des Freiherm JOSEPH VON MALTZAN von Joh. 
Christ Meyer in Neustrelitz gegossen worden; die mittlere [820 von Valentin 
Schultz zu Rostock, und die kleinere 1735 unter dem Patronat des Freiherrn 
OTTO JULIUS VON MALTZAN von dem Penzliner Glocketigiesser J. C. Altrichter.') 



'} Die mittlere Glocke h 
richter. Die Inschriften «Iler d 



:e eine Vorgängerin von dem I'eniliner Glockengiesser J. C. Alt- 
i Glocken sind vollständig bei Danneil. a. a. O., S. 56, lu lesen. 



244 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

Grabstein. Grabstein. In der Mitte der Kirche ein Stein mit einer eigenartigen 

Inschrift: ALHIER RUHET IN GOTT EIN FRÜHEZEITIG VERWELKTES BLUME. 
LEIN LUDEWICUS DIETERICH GEBHARDT DERSELBE IST GEBOHREN IN DER 
VORSTADT PERWER VOR SALTZWEDEL D • 13 • JULIJ ANNO 1716 U • IST 
SEELIG ALHIER VERSTORBEN DEN 10TEN APRIL 1736 SEINES ALTERS 19 
JAHR 9 MONAHT LEICHENTEXT HIOB 16 V 22 • U • 17 C • V 1 • (Hier folgt 
der ganze Text.) VALE TERRA SALVE COELUM • DIESES HABEN ZUM WOL- 

verdienten andencken legen lassen j • gebhardt e • m • riem- 
schRderin. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke, i. 2. Abendmahlskelch, aus einem älteren profanen 

werke. Trinkgefäss im Jahre 1837 umgearbeitet. Mit schwebenden Putten an der 
Kupa. Der Fuss ist neu. Die Inschrift des älteren Theiles besteht in Namen 
und Jahreszahl: GEORGUS JULIUS VON MALTZAN, FREIHERR V • PENZLIN 
UND WARTENBERG • 1702. Ohne Stempel. Die jetzt dazu gebrauchte Patene 
ist neu. (D (TfG) . — 3. 4. Kelch mit der Inschrift: EX RUINA INCENDIi 1725 
DEN 11 SEPTEMBER REPARARI CURAVERUNT 1731 PASTORES ET OECON • 
Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor, Meisterzeichen Qr). Patene mit den- 
selben Zeichen. — 5. 6. Zinnkelch von 1691, mit der Bezeichnung EH RENS 
SCHMIDT. Patene mit der Bezeichnung ES. — 7. 8. Zinnkelch aus dem 
XVIII. Jahrhundert, im Kelchboden eingestempelt eine weibliche Figur mit 
W N. Die Patene hat als Stempel ein dreithürmiges (das Friedländer?) Thor 
und als Meisterzeichen C H. — 9. Noch ein Kelch mit dem Güstrower Stadt- 
zeichen @ und dem Meisterstempel des zwischen 1698 und 1701 nachweis- 
baren Joh. (Hans) Frledr. Molstorf: [jpj^] . — 10. Ovale Oblatendose von 1733, 
mit einem Monogramm aus den Buch.staben «/. J. L. unter einer Krone, darunter 
Palmzweige. Inschrift: GOTT ZU EHREN UND ZUM GESEGNETEN AN- 
DENCKEN DER LINDEMANNISCHEN FAMILIE IN PENZLIN GAB DIESES DER 
KIRCHEN DASELBST JOHANN JACOB LINDEMANN. Als Stadtzeichen ein 
Adler, und als Meisterzeichen ein D in einem Barockschild, ausserdem auch 
das Beschauzeichen in Form eines Zickzackstriches : /wwwwwy^^^. — 1 1 . Schenk- 
kanne von 1835 mit den Stempeln |p] und [\ FGj (J- P- Gotthardt in Penzlin, 
s. o.). — 12. Löffelchen mit denselben Zeichen wie die Kanne. — 13. 14. Zwei 
Zinnleuchter mit später angesetzten Füssen und der Inschrift: CHRISTIAN 
FRIEDRICH STOLL CATRINA MARIA STOLLN 1760. Stempel: Friedländer (?) 
Thor und W N. — 15. Klingebeutel mit der Inschrift auf der Tülle: BARON 
FERDINAND MALTZAHN 1794 D • 26ten SEPT. 



BURG PENZLIN. 



Burg Penzlin.'i 



KWördlich von der Stadt, ungefähr siebenzig Schritte von dem letzten eng- Die Burg 
^'^^ geschlossenen Häuser-Komplex entfernt, liegen neben einander die »altec Penzlin. 
und die >neue< Burg. Die neue Bui^ ist ein erst im XIX, Jahrhundert er- 



Die alte Burg Penzlln. 

bautes, äusserlich einfach erscheinendes grosses geräumiges »Herrenhaus«, das 
mit einer Burganlage im Sinne des Mittelalters nichts als den zu drei Vierteln 
ziemlich schroff und tief zu W.isser und Wiese abfallenden Platz gemeinsam 

') Wir folgen hier einein lesenswenhen Aufsalze von Ouo l*iper, den er in den iMecklb. 
AnieigeiK Nr. 69 (34. MSrz 1SS3) verölTentlicht hat: iMeoklenbur^itche Butgioste. II. Penilin.c 
— Eine weitverbceilete Ansicht der Hui^ von Pcnzlin isl die von üotlheit im iMecklenb. AtlmnM 
(Hamburg-Berendsohn); aber sie ist derart mit willkürlichen maleiischen ZusSUen versehen, mil 
ThUnnen nnd gothischen Wandbilduiißcn aller Art. da'*« sie dem wirklichen Bestände e'^K'^i'I'i'^'' 
als werthlos beicichnet werden miis^. 



246 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

hat und zu einem Viertel mit einem gleich hohen Landrücken zusammen- 
hängt. Die südlich von der neuen Burg und jenseits der genannten, burg- 
grabenartig vertieften Schlucht gelegene alte Burg aber stellt sich als Rest 
einer in der Zeit der Renaissance mehrfach veränderten mittelalterlichen Anlage 
dar, die wir uns nach Analogie anderer Bauten dieser Art (in Wismar, Parchim, 
Malchin u. s. w.) anscheinend so vorzustellen haben, dass sie zu einem Theile 
die Stadtmauer be- 
rührte oder in sich 
aufnahm und dass 
der etwas höher ge- 
legene, jetzt wieder 
mit der alten Bui^ 
durch eine Holz- 
brücke verbundene 
Platz der neuen Burg 
die »Vorburgt oder 

das »Vorwerk« 
(ouvrage avance) zu 
bilden bestimmt war. 
Die alte Burg be- 
steht aus zwei recht- 
winklig an einander 
liegenden Gebäude- 
theilen, deren Archi- 
tektur freilich nach 

aussen hin auch 

nichts Burgartiges 

mehr aufzuweisen 
hat. Die erwähnte 
Hoizbrücke fuhrt von 
dem Hügel der neuen 
Burg zu einem spitz- 
bogig geschlossenen ^'" "''"''' ^" ■""" ^"^ Penilin. 
Eingange des Längsgebäudes der alten Burg hinliber. Bei diesem spitzbogigen 
Eingange sieht man das älteste Mauerwerk der Burg, soweit dessen Verwitterung 
hierauf schliessen lässt. Die Spitz bogen thür ifiihrt zunächst in einen Raum, der 
wie noch deutlich zu sehen ist, seiner Zeit in seinem ganzen Umfange von einem 
Rauchfangmantel überdacht war. Wir haben hier also eine vormalige Küche 
nicht geringen Alters und damit dieselbe Einrichtung wie z. B. auf dem noch 
erhaltenen Falkenstein im Harz, wo auch ein nur für Fussgänger passierbarer 
Nebeneingang durch die Küche in den Bui^hof fuhrt.* 

Neben dieser Spitzbogenthür, und zwar da, wo Längs- und Quergebäude 
an einander stossen, haben sich Spuren des ehemaligen Berchfrits der Burg 



BURG PENZLIN. 247 

gefunden,') ebenso iingeföhr fünfzig Schritt zu beiden Seiten des Berchfrits die 
Spuren von Vertheidigungsthürmen in der Mauer, welche Burg und Stadt um- 
schloss. Endlich sieht man noch im Erdgesclioss des Quergebäudes eine mit 
gothischen Kreuzgewölben überdeckte Halle, doch wird man auch sofort 
gewahr, dass sie durch eingesetzte Scherwände ihre Wirkung verloren hat. 

Zur Zeit aber interessieren an der alten Burg weitaus am meisten die 
erhaltenen »Hexenkeller«. 

»Aus einem niedrigen Balkenkeller unter dem Längsgebäude Tuhrt unter 

einer Falithüre eine 
enge Steintreppe von 
achtzehn Stufen in 
einen zweiten völlig 
finsteren Keller hinab, 
weicher, 6,75 zu 2,75 m 

in der Grundfläche 
messend, mit Ziegeln 
ausgemauert und mit 
einem Tonnengewölbe 
überspannt ist. An der 
einen Längsseite dieses 
Kellers zeigen sich nun 
in halber Wandhöhe 
drei Nischen von 1,75 m 
Höheund 0,92 m Breite, 
deren untere Hälfte etwa 
35 cm, die obere doppelt 
so weit hineinspringt. 
Auf diese inmitten der 

Mauer angebrachten 
Steinsitze wurden der 
Tradition nach die 
Ein Tb<Ll der alten Burg Penilin. Hexen angeschlossen, 

und in der That zeigen 
die bei allen Nischen gleichartig in die Mauer eingelassenen, jetzt zumeist ab- 
gebrochenen, zum Theil aber noch mit daran hängenden runden Klammern 
erhaltenen Eisenbolzen unwiderleglich, das.s hier Menschen am Hals, der Brust, 
beiden Armen und Füssen enge an die Wand angeschlossen worden sind. 
Zum Theil noch erhaltene starke Hespen u. s. w. lassen ausserdem erkennen, 
dass jede Nische durch eine schwere Thür abgeschlossen wurde, während ein 
für jede derselben aus der Mauer herausragender länglicher Felsstein offenbar 
ein Ausheben dieser Thür verhindern sollte.« 

'; Ab Beweis für dns Vorhandensein eines B 
dem Quer^ebäude herauskommende, jetil etwa in dr 
enge Wendeltreppe. 



248 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



»Von diesem Keller fuhren vier Stufen wieder aufwärts in einen zweiten 
ähnlichen, aber nur 4,50 zu 1,45 m in der Grundfläche messenden Keller, der 
gleichfalls drei Hexennischen enthält, nur mit dem Unterschiede, dass dieselben 
hier des besonders einspringenden Absatzes für die Füsse (vom Knie ab) und 
deshalb auch der engen vor die Nischen zu legenden Thüren entbehren. 
Ausserdem bringt hier eine 25 cm weite und 5 m lange, durch die Decke auf- 
wärts geführte Röhre wenn auch kein Licht, so doch spärliche frische Luft 
zu, während zugleich von diesem Keller die enge Wendeltreppe in der Wand- 
dicke aufwärts fuhrt, die, wie eben (S. 247, Anmkg. i) bemerkt, vormals in 
den jetzt abgebrochenen Berchfrit ausmündete. — An den nischenfreien Wänden 
beider Kellerräume finden sich noch weitere abgebrochene Eisenbolzen zur ein- 
facheren Ankettung von Gefangenen.« 

Diese Keller, welche, wie Piper a. a. O. nachgewiesen hat, zu dem, 
was wir über die Art der Einkerkerung der Hexen, über ihre Torturen und 
besonders über die Vorschriften des Malleus maleflcarum wissen, aufs Beste 
passen, weisen somit auf einen Bau, der erst in der zweiten Hälfte des 
XVL Jahrhunderts entstand, als in Mecklenburg die systematische Verfolgung 
der Hexen bereits begonnen hatte (1562). Damit schrumpft aber das, was 
von der frühmittelalterlichen Burg, wie sie einst unter den Fürsten von Werle 
bestand, noch übrig geblieben, zu einigen Mauerresten zusammen, deren 
genaue Abgrenzung von den jüngeren Theilen überdies auf Schwierigkeiten 
stösst und kaum noch Bedeutung hat.^) 



Stadt- 
mauer. 



Stadt- 
thore. 




|m Mittelalter war die Stadt da, wo sie nicht von Wasser und Sumpf ge- 
schützt wird, von einer hohen Ziegelmaner umgeben. Davon ist noch 
ein gut Theil erhalten, aber man findet keinerlei besondere Vorrichtungen :iur 
Vertheidigung. Vor der Mauer findet man nach der Landseite zu zwei tiefe, 
zumeist noch erhaltene Gräben, die jetzt durch einen abgeplatteten Wall ge- 
trennt sind. Stadttbore giebt es nicht mehr, auch keine sonst irgendwie noch 
bcmerkenswerth erscheinenden Gebäude. 



Wall. Die Stadtfeldmark war einstmals von einem breiten Wall umgeben, der 

theilweise noch erhalten ist. 



Grapen- 
werder. 



Grapenwerder. Auf der Feldmark findet sich eine rings von Wasser 
und (jetzt) Wiesen umgebene ca. 15000 Quadrat- Ruthen grosse Insel, der 
Grapenwerder (so schon in einer Urkunde von 1309 genannt), und auf deren 
höchsten Theile eine kreisrunde etwa 200 Schritt im Durchmesser haltende 



*) Vgl. Lisch und Wedemeyer, Album mecklenb. Schlösser und Landgüter, Heft 1 und 2, 
S. 3 und 4. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF LÜBKOW. 249 

Erderhöhung mit ca. lo — 12' hohen, nahezu senkrechten, mit Gestrüpp be- 
wachsenen Rändern, während von einer anderen Seite noch ein minder hoher 
Steilrand sich abzw-eigt. Der Grapenwerder darf nicht, wie es im M. Jahr- 
buch XXXVII, S. 66, geschehen ist, mit dem Werder verwechselt werden. 
Ueber beide Plätze Ausführlicheres weiter unten S. 455 ff. (Vorgesch. Stellen.) 







Das Gut und Filial- Kirchdorf LUbkow/) 

m Jahre 1274 gehört das Dorf Lübkow mit seiner Kirche zu jener umfang- Geschichte 
reichen Begüterung in der Vogtei Penzlin, welche mit ihren Kirchlebnen ^^s 
(cum collatione beneficiorum seu ecclesiarum) von Fürst Nikolaus von Werle ^^"es. 
am 12. März desselben Jahres den Rittern und Brüdern Bernhard und Heinrich 
von Peccatel und theihveise auch dem Ritter Raven (Corvo) zu gesammter 
Hand verliehen wird.*) Wie lange Lübkow ein Peccatel'sches Gut blieb, wissen 
wir nicht. Denn die Urkunden schweigen nach 1274 mehr als drittehalb Jahr- 
hunderte lang. Um 1538 besitzen die von Maltzan einen Katen im Dorfe. 
Aber neben ihnen haben auch die von Barnefleth Unterthanen daselbst. Doch 
Ende des XVI. Jahrhunderts ist das Dorf anscheinend ganz und gar in 
Maltzan'schen Händen. Am 30. Mai 161 7 kauft Hans von Blankenburg das 
Gut Lübkow cum pertinentiis et juribus in Prillwitz, Rehse, Passentin, Peccatel 
und Wustrow für 15000 Gulden, erhält aber den landesherrlichen Konsens 
dazu erst am 6. December 1625 und vergleicht sich darüber mit Ilsabe von 
Owstein, Jürgen Maltzan's Wittwe, im selben Jahre. Ende des XVII. Jahr- 
hunderts haben wieder die von Maltzan Gut und Dorf, verpfänden es aber 
theihveise an einen Steding. Zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts finden wir 
Lübkow in den Händen des Kammerjunkers Gustav Friedrich von Walsleben, 
welcher am 20. Februar 1702 den Lehnbrief über Lübkow und Krukow erhält, 
da das Geschlecht der von Blankenburg ausgestorben sei. Am 26. Mai 17 16 
verpfändet Ulrich Wedege von Walsleben die Güter Lübkow und Krukow an 
Ernst Friedrich von Kosboth, und nun bleiben die von Kosboth, bei allem 
Streit zwischen den von Maltzan und von Walsleben über das jus revocationis 
und trotz verschiedener Einlö.sungsversuche, als Pfand besitzer bis 1785 im Besitz. 
Seitdem ist Lübkow wieder bei der freiherrlichen Linie der von Maltzan-Penzlin. 

Ueber das kirchliche Verhältniss s. bei Penzlin. 

Kapelle. Die Kapelle ist ein nach einem Brande aufgeführter kleiner Kapelle. 
Bau von fast quadratischer Anlage aus dem Jahre 1827, welcher von Ziegeln 
mit eingemischten Granitsteinen, wie sie besonders im Sockel verwandt sind, 

*) 3 km südöstlich von Penzlin. Lubbechowe = Liebendorf, Ort des Liib^ch, Lubik (.ilt- 
slavisch Ijubu = lieb). Kuhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 87. 
*) M. U.-B. 1317. 



250 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



aufgeführt ist und der damals herrschenden Zopfgothik folgt. Der Innenraum 
ist mit flacher Bretterdecke geschlossen. Die innere Einrichtung ist ohne 
Bedeutung. 

Glocken. In dem kleinen Holzthürmchen, welches auf der Westseite aus dem 

Dache herauswächst, hängen drei Glocken. Die beiden ersten sind nach der 
Inschrift zum Ersatz einer vom Feuer zerstörten Glocke unter Maltzan'schem 
Patronat sowie zur Zeit des Pastors CHRISTOPH LUDWIG MÜLLER gestiftet 
und von dem Glockengiesser Johann Christian Meyer im Jahre 1782 gegossen 
worden.^) Die dritte ganz kleine Glocke oben in der Thurmspitze ist nicht 
zu erreichen.*) 

Kleinkunst- Kleinkuostwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuss, 

werke, laut Inschrift an der Kupa im Jahre 1729 gestiftet vom Amtmann E»E» 

WEYLANDT ZUM WERDER. Als Stadtstempel einköpfiger Adler, und als 

Meisterstempel STVMER. An der Patene keine Zeichen. — 3. Oblatenschachtel, 

neu. — 4. Zinnerne Taufschale, neu. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Filial- Kirchdorf Lapitz.') 

|rkunden des Mittelalters scheinen zu fehlen. In vorgeschichtlicher Zeit 
giebt es hier eine besonders grosse wendische Burganlage mit mehr 
als gewöhnlich ausgebreiteter Besiedelung.*) Aus dem geschichtlichen Dunkel 
aber tritt Lapitz erst in neuerer Zeit, nämlich zu Anfang des XVI. Jahrhunderts, 
heraus. Damals gehört es zu den Gütern, welche die Herzöge Heinrich und 
Albrecht von Mecklenburg dem Ritter Bernd von Maltzan verpfänden.^) Die 
weitere Geschichte des Gutes und Dorfes behandelt nun eine fortlaufende 
Reihe von ganzen und theilweisen Verpfandungen und Afterverpfändungen, so 
z. B. an Jakob von Vieregge, der sein Anrecht 1629 dem Dr. Wasmund über- 
lässt; an Joachim und Friedrich von Quilitz, die ihre Anrechte 1633 an die 
Oekonomie des Güstrower Domes abtreten, und an den im Jahre 1662 von 
Schweden her in den Adelsstand erhobenen Joachim Engel, der von 1656 an 
Pfandherr von Lapitz, Wrodow und Gross-Helle ist und 1687 einen Antheil 
in Lapitz an Albrecht von Krackewitz abgiebt. In Lapitz haben übrigens 
auch die von Maltzan dem von Engel nicht alles überlassen, es kommen daher 



*) Das Patronat hatten sich die von Maltzan bei der Verpfändung des Gutes vorbehalten. 

*) Nach dem Inventar von 181 1 ebenfalls von Joh. Christian Meyer gegossen. 

^) 5 km nördlich von Penzlin. Lapze entweder von lapa = Klaue, Bärlapp, lycopodium; 
oder von lap-lapica = Falle. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 81. Darnach also entweder soviel wie 
> Klauendorf c , »Iturendorfi oder > Kaliendorf c : — eine ganze Auswahl. 

*) Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 270. 278—281. XXVI, S. 304. 

») Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 459—463 (Urk. DCCCXLII). 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF LAPITZ. 



251 



auch im XVIII. Jahrhundert weitere Verpfandungen von einzelnen Antheilen, 
Bauern und Kossäten, aus ihren Händen vor. Als Inhaber von Lapitzer 
Pfandantheilen treten uns entgegen Christoph Krauthof (1702), der Oberst- 
leutnant von Scharfenberg (1705), der Oberstleutnant von Keyserlingk (1737 
bis 1788), Adolf Friedrich von der Lancken (1788 — 18 11), Karl Friedrich von 
Peccatel auf Wrodow {1762) und Graf von Bolza auf Gevezin (1777), die beiden 
letztgenannten als Afterpfand-Inhaber von den von der Lancken und Keyserlingk 
her. Ein Maltzan'scher Reluitions- Versuch im Jahre 1784 hat kein praktisches 
Ergebniss. 181 1 kauft Hofrath Siemerling das Lehngut Lapitz, und 18 14 geht 
es an Joh. Gottlieb Neumann über, dessen Familie noch heute im Besitz ist. 

Ueber das kirchliche Verhältniss s. bei Penzlin. 

Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau in Form eines Vierecks ohne Kirche. 
Thurm und mit flacher Balkendecke im Innern. 



Altar- 
aufsatz. 



Glocken. 



Im Altaraufsatz oberhalb eines grossen hohen Abendmahlgemäldes ein 
weiss gestrichenes spätgothisches Triptychon, dessen Mittelstück in Schnitz- 
figuren die Scene der Kreuzigung enthält, während jeder der Flügel vier 
Heiligenfiguren zeigt, die zu je zweien über und neben einander geordnet sind. 

Im freistehenden Glockenstuhl neben der Kirche zwei Glocken. Die 
erste hat die Inschrift: DEI IN HONOREM BARONES A MALZANEN SUB 
PASTORATU M • JO • SCHRECCII ANNO 1620. Die zweite hat nur die Jahres- 
zahl 1620. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silberner Kelch auf sechspassigem Fuss mit Kleinkunst- 
der Aufschrift: JOCHIM • FRIDERICH • QVILITZ • LEVTENANT • ANNO 1668. werke. 
Keine Werkzeicben, auch nicht an der zugehörigen Patene. — 3. Kleine 
Oblatendose von Neusilber. — 4. Zinnerne Weinkanne, neu (Kurtz- Stuttgart). 
— 5. Taiifschüssel von Messing, neu. — 6. Zinnschale, gestiftet 1696 von 
JOCHEN KRVMSEE. Stralsunder Stadtzeichen, Meisterzeichen * 91 * . — 78. 
Zwei zinnerne Altarleuchter, der eine mit der Aufschrift: JOCHIM KRVMSEE 
HANS KRVMSEE 1695; der andere mit der Aufschrift: MICHEL 
DRVHLL 1695; bei erstgenanntem der werlesche Stierkopf als 
Stadtstempel, und nebenstehendes Meisterzeichen, bei dem andern I 
das Stralsunder Stadtwappen und als Meisterzeichen drei Sterne 
mit der Zahl 91. — 9 — 13. Ausserdem noch ftinf zurückgesetzte Zinnleuchter 
von 1654, 1655, 1674, 1687 und 1726. 




252 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und ehemalige Fiiial- Kirchdorf Puchow.') 

|m ersten Viertel des XIV. Jahrhunderts wohnt in Puchow, das damals 
wie auch noch lange nachher aus einer Anzahl von Einzelhöfen besteht, 
der Knappe Petersberg. Wenigstens nehmen wir an, dass er es ist, dessen 
Wittwe im Jahre 1326 den Penzliner Kirchherrn mit der Stiftung eines Gefälles 
von jährlich zwölf Hühnern im Dorfe Puchow erfreut.*) Als ein deutsches 
Bauerndorf tritt es uns auch in einer Urkunde vom 18. Juli 1501 entgegen, 
durch welche es in jene Begüterung aufgenommen wird, mit der die mecklen- 
burgischen Herzöge den Berend Maltzan belehnen.^) In der Folge entwickelt 
sich hier nun ebenso wie anderswo auf ähnlichen ritterschaftlichen Dörfern 
Verpfändung und Afterverpfandung von einzelnen Antheilen zu schönster 
Blüthe. So sind z. B. zu Anfang des XVII. Jahrhunderts Hans Angermünde 
und Lukas Schröder die Pfandherrn von Maltzan'schen Höfen. Auch hören 
wir von einem »Vorwerk« Puchow, das mit dem Rittergut Klein-Lukow ver- 
bunden ist, welches Bernd Lüdeke von Holstein 1623 an Magnus von Bülow 
verkauft. Gleichzeitig giebt es Vieregge'sche Pfandanrechte, die 1629/30 an 
Dr. Jasmund und an Jürgen Höppener übergehen. 1636 sind Oberstleutnant 
Joachim Engel und der Friedländer Bürgermeister Joachim Quilitz Pfand- 
inhaber der Güter Werder und Puchow. In diese Pfandrechte treten 1649/50 
Dr. Jasmund's Wittwe und Oberstleutnant Gregorius Ziegler ein. Um dieselbe 
Zeit bricht über den genannten Bülow'schen Pfand-Antheil der Konkurs aus. 
Im XVIII. Jahrhundert sind die von der Lanken und von Hacke nachher auch 
ein von Raven die Pfandinhaber, die von der Lanken am längsten (1702 bis 
1805) 1805 kauft Leutnant Anton von Berg das Gut, 1839 Hermann von Voss, 
1855 Wilhelm Mecklenburg und 1878 Ulrich Freiherr von Maltzan, der es 
nebst Rahnenfelde nach langer Entfremdung für die Familie von Maltzan 
zurückerworben hat. 

Dass die ehemalige Kirche zu Puchow von jeher mit der Penzliner 
verbunden war, ist schon aus der oben angezogenen Urkunde von 1326 zu 
erkennen. Bis ins XVII. Jahrhundert hinein dauert dies Verhältniss. Es hat 
sich nämlich aus dem Jahre 1659 eine Nachricht erhalten, welche sagt, dass 
die Kirche zu Puchow »vor einigen Jahren« abgebrannt sei. In Folge dessen 
.seien zwei Glocken (also noch vor 1659) nach Broda gekommen. Damals sei 
Gregorius Ziegler Besitzer von Puchow gewesen. Wir wissen aber von Ziegler, 



*) 4 km nördlich von Penzlin. »Ort des Puchac : Kühnel, M. Jahrb. XLVl, S. 112. 

') M. U.-H. 4687. V^rl. dazu 3345. 

*) Lisch, (leschl. Maltzan IV, S. 3240". (Urk. DCCLXIX). 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF WRODOW. 253 

dass er 1650 seinen Besitz antrat (s. o.). Also muss die Kirche zwischen 1650 

und 1659 abgebrannt sein. Seitdem hat Puchow keine Kirche mehr. Indessen 

giebt es auf dem Kirchhof zu Puchow noch eine von ihren alten Glocken, Glocken. 

welche die Inschrift hat: 

gelp + 0ott + niaria * bnte * anna + fülf * brübbe * iftte befbl^ 
bert ') anno * botnini * bufent * tuet + bnbe * Ij: * ♦ 




*) ^^ echt versilbert. Der Verf. des Inventars von 181 1 liest 1409 statt 1509 und hat 
gleich vielen Andern mit den Worten »tftC vcfvivcrt« nicht fertig werden können, weil fort- 
während if und tt getrennt genommen wurden und bei dem nachfolgenden VCfulvctTt statt V 
im Anfange V gelesen und an das lateinische Verbum resolvere gedacht wurde. Auch wUsste man 
gerne, wie es sich mit dieser Versilberung verhält, da die Sache technisch in hohem Grade be- 
denklich erscheint, und erfahrungsmässig oft von Versilberung geredet worden ist, wo sie that- 
sächlich nicht vorhanden war. Vgl. Otte, Glockenkunde, S. 70 ff. 

•) Fast 7 km nördlich von Penzlin. Ktthnel erinnert an das altslavische Wort vredu =— Aussatz, 
Geschwür. >Schwärendorf< ? 

•) M. U.-B. 1227. Vgl. 1533. 1666. 2614. 2754. 2937. 

<) Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 459—463 (Urk. DCCCXLIl), 

») M. U.-B. 1666. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Wrodow.') 

|urch ein Geschenk des Herzogs Barnim von Pommern wird Wrodow im Geschichte 
Jahre 1271 Ivenacker Klosterdorf. ^) Nach der Säkularisierung des ^^s 
Klosters kommt Wrodow an die mecklenburgischen Herzöge. Diese verpfänden ^o"es. 
es an Bernd von Maltzan (s. o.).*) Durch weitere Verpfandung kommt es 
1656 an Joachim Engel (vgl. Lapitz), 17 17 an den Oberst von Barner und 
175 1 an Gotthard Karl Friedrich von Peccatel; 1785 verkaufen die von 
Maltzan das Gut Wrodow »cum connexis« an den Hauptmann von Zieten; 
1795 geht es an Karl Martin Greffrath über und 1818 an Joh. Gottlieb Neu- 
mann, dessen Nachkommen noch heute im Besitz sind. 

Da der Bischof von Kammin am 31. Januar 1283 ^^^ Kloster Ivenack 
die Zehnten in Wrodow bestätigt, so ist daraus zu ersehen, dass dieses im 
Mittelalter der Kamminer Diöcese zugetheilt war.*) Die spätere Zutheilung 
des Dorfes und seiner Kapelle an die der Havelberger Diöcese angehörende 
Kirche zu Penzlin, die uns in dem ersten PenzHner Visitationsprotokoll von 
1582 entgegentritt, kann daher erst in der Zeit nach der Durchführung der 
Reformation geschehen sein. Doch fehlt es an einem Dokument darüber. 
Ob es vorher mit dem benachbarten Gross-Helle verbunden war, ist aus dem 
Visitationsprotokoll von 1541 nicht zu ersehen. Hier werden nur Schwandt 
und Briggow als zugehörige Dörfer genannt. 

Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau in Form eines länglichen Kirche. 
Vierecks mit flacher Decke im Innern. Thurm fehlt. 



254 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Altar und 
Kanzel, 
Glocke. 



Kelch. 



Altar und Kanzel sind zu einem Körper verbunden. 

Eine kleine Glocke, ausserhalb des Gebäudes hängend, 
hat die Inschrift: mdtifl f^tlp mf. Dabei ist als Trennungs- 
zeichen eine Art Paragraphen -Zeichen verwandt. Ausserdem 
das nebenstehende Glockengiesserzeichen. 

Der Abendmahlskelch der Kirche ist neu und ohne Bedeutung. 




Das Gut und ehemalige Kirchdorf Gross- Helle.') 



Geschichte 

des 

Dorfes. 



^Q|1s Kirchdorf tritt uns Gross -Helle gleich bei seiner ersten urkundlichen 
Erwähnung im Jahre 1363 entgegen. Damals ist Dominus Johannes 



Ribe Plebanus in »Groten Helle«. Im XV. Jahrhundert kommt das Gut von 
den Herzögen an Berend von Maltzan (s. o. bei Wrodow). Von 1656 an ist 
es im Pfandbesitz des Joachim Engel (s. o. bei Lapitz). Von 175 1 hat es 
Gotthard Karl Friedr. von Peccatel auf Wrodow. Von 1785 an bis 1802 ist 
es wieder in Maltzan'schem Besitz. 1802 kauft es der Hofrath Karl David 
Heinrich Lüders und 18 16 der Leutnant Flügge, in dessen Nachkommenschaft 
es heute noch ist. 

Wenn schon Wrodow während des Mittelalters zu Circipanien und 
somit zur Kamminer Diöcese gehört, so muss das auch mit dem nördlich 
davon gelegenen Gross- Helle sammt seinen Filialen Schwandt und Briggow 
der Fall gewesen sein, zumal diese von Penzlin her jenseits des Wasser- 
gebietes der Kittendorfer Peene liegen, zu dem auch der Schwandter See 
gezählt wird. Gross- Helle, zu dessen Kirche vom Mittelalter her bis in die 
Zeit des dreissigjährigen Krieges hinein die Kirchen zu Briggow und Schwandt 
als Tochterkirchen gehören, ist seit 1637 seines Gotteshauses beraubt: ein 
Brand vernichtet es nämlich in diesem Jahre. Die Kirche zu Mölln übernimmt 
die Kura. Aber seit 1723 hat sie die Penzliner Kirche. Im Jahre 1800 wird 
ein Wiederaufbau der Kirche zu Gross- Helle ins Auge gefasst, doch es kommt 
nicht dazu. Zur Zeit wird der Gottesdienst für Gross -Helle in der Kirche zu 
Schwandt abgehalten, dessen Kirche 1723 ebenfalls zu Penzlin gelegt worden 
war, gegenwärtig aber von Mölln her ihre geistliche Versorgung empfängt.*) 



*) 8 km nördlich von Penzlin. Der Name hat deutschen Klang und findet sich daher nicht 
bei Kühnel, M. Jahrb. XLVL 

«) Vgl. Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 41. 71. 87. 



GUT UND KIRCHDORF ALT-REHSE. 255 




Das Gut und Kirchdorf Alt-Rehse.') 

jls am 16. August des Jahres 1170 Fürst Kasimar von Pommern in der Geschichte 
schon bei Penzlin angezogenen und als spätere Unterschiebung für ein ^^s 
verlorenes Original verdächtigten Urkunde dem Havelberger Domstift das l^o'"**ss. 
Dorf Broda mit vielen andern Dörfern und Gütern in der Nachbarschaft zur 
Gründung eines Klosters überweist, da fehlt zwar vorläufig noch der Name des 
Dorfes Reze dazwischen, aber zwölf Jahre später findet er sich bereits in jener 
weniger angreifbaren Bestätigungsurkunde des Herzogs Bogislav, die, wenn auch 
nicht datiert, doch nach dem Juni 1182, d. h. nach Kasimar's Tode, dem 
Kloster Broda zur Sicherung seines Besitzthums ertheilt wird.*) Beim Kloster 
bleibt Rehse bis zu dessen Auflösung um die Mitte des XVI. Jahrhunderts. 
Und zwar sind es beide Dörfer, in denen das Kloster seine Hand hat, Alt- 
Rehse und Neu -Rehse, deren Feldmarken an einander stossen.^) Auch er- 
fahren wir aus der Urkunde des Papstes Alexander VI. vom 27. Oktober 1500, 
dass das Kloster Broda das Patronatsrecht der Kirche zu Alt -Rehse besitzt 
(necnon Pentzelin, Smorte cum Resze). Schon zur Zeit des Klosters haben 
die von Maltzan auf Penzlin Antheile an Alt- Rehse. 1538 sind es zwei (ehe- 
mals Bardenflet'sche) Bauhöfe, im XVIII. Jahrhundert dagegen ist immer von 
drei Bauhöfen die Rede, deren Geschichte in nichts als in einer Reihe fort- 
laufender Verpfandungen besteht: im XVI. Jahrhundert an Jakob Zitwitz und 
Jochim Arenstorff; im XVII. Jahrhundert an Bertram Schmieterlow, die Stadt- 
kämmerei in Penzlin, an Christoph Peccatel, Hans Blankenburg, Jochim und 
Jakob Vieregge, Friedr. Arenstorff, an den Bürgermeister Krauthof in Güstrow, 
den Major Gregorius, Christian Wagner und Joachim Barnekow; im XVIII. Jahr- 
hundert an die von Winterfeld, von Engel, bis im letzten Viertel desselben 
Jahrhunderts die von Maltzan wieder selber auf Alt- Rehse sitzen und es nun 
bis 1849 festhalten. Als Besitzer folgen: 1849 Joh. Karl Friedr. Wendlandt, 
185 1 Johann Strasen und 1857 Carl Otto Ferd. Mercker. Von Hermann 
Mercker erwirbt 1892 August Beese das Gut, von diesem 1897 Ludwig Baron 
von Hauff, der es, mit Annahme des landesherrlichen Vorkaufsrechtes und 



*) Fast 6 km südöstlich von Penzlin. Der alte Name »Rezec des XII. und XIII. Jahr- 
hunderts wird mit dem altslavischen >reka< = Fluss verbunden und als >Ort am Wasser« ge- 
deutet, also vielleicht soviel wie > Seedorf <. Vgl. KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 117. Oder »Beken- 
dorf«? Vgl. Beyer, M. Jahrb. XXXII, S. 144. 

*) M. U.-B. 135. Vgl. dazu 95. Lisch, M. Jahrb. III, S. 13, Anmkg., nimmt an, dass das 
II 70 genannte Michnin mit Rehse identisch sei. Sollte nicht möglicherweise der spätere Name 
Mailin damit irgend einen Zusammenhang haben? Zu M. U.-B, 135 vgl. Boll, Chronik der Stadt 
Neubrandenburg, S. 303, Anmkg. 

•) M. U.-B. 3016. 3563. 5275. 5276. Vgl. auch die späteren Urkunden von 1402, 1482 
und 1500 bei Lisch, M. Jahrb. III, S. 206—210. 229/230. 



256 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

besonderer Bestimmungen über die Erbfolge, aus einem Lehn in ein Allod 
umwandeln lässt. 

Ueber die Pastoren in Alt-Rehse sind wir nur mangelhaft unterrichtet. 
Am 26. November 1627 spricht Herzog Hans Albrecht seinen Tadel darüber 
aus, dass die Pfarre von Alt-Rehse nun schon ins dritte Jahr vakant sei. 
Dieser Tadel trifft den Alt-Rehser Antheil am Maltzan'schen Patronat. Aus 
einem Schreiben der Sabina Meyer, sei. Ern Adams Friederichs nachgelassener 
Wittwe, vom 23. Januar 1628 erfahren wir ferner, dass Adam Friederich über 
dreissig Jahre Pastor zu Alt-Rehse gewesen und an der Pest gestorben sei. 
Aus beiden Schriftstücken folgt somit, dass er ungefähr um 1594 berufen 
worden. Eine dritte Nachricht besagt, dass er am 28. August 1625 starb 
und Pastor von Alt-Rehse, Krukow und Mallin gewesen.^) Ueber seinen Vor- 
gänger und darüber, ob die genannten drei Kirchen schon vor der Refor- 
mation mit einander verbunden gewesen, giebt es keine Nachricht. Wohl 
aber wissen wir, dass die Kirche zu Krukow im XIV. Jahrhundert ihre eigenen 
Plebane hatte, die als Geistliche der Havelberger Diöcese in allerlei Verbin- 
dung mit dem Kloster Broda standen. Auf Friederich folgt dessen Schwieger- 
sohn, der Friedländer Kantor Petrus Zimmermann: der Rehser Maltzan wider- 
strebt ihm Anfangs sehr, aber die anderen Maltzane und der von Blankenburg 
auf dem Werder, die ihn schon am 19. Juli 1626 berufen haben, bringen ihn 
endlich durch. Zimmermann wird ein Opfer des dreissigjährigen Krieges ge- 
worden sein, denn sein Nachfolger Er Andreas Cato wird 1642 berufen. Nach 
Cato's Tode wird Jakobus Nemptzow im Jahre 1668 Pastor. Ihm folgt 1683 
Immanuel Meinichius, der Sohn des Penzliner Meinichius, der 17 16 an 
Melchior Eppen einen Substituten erhält. Eppen wird am 11. Oktober 17 16 
in der Kirche zu Krukow ins Amt gewiesen, weil die zu Alten Rehse wüste 
liegt und erst im Jahre 1727 wieder hergestellt wird. Eppen soll nach 1736 
gestorben sein. 1745 folgt Joh. Gottlieb Hinrichs (Hinrichsen), welcher 1766 
stirbt, 1768 Joach. Joh. Wachenhusen, der 177 1 stirbt, 1773 Ad. Friedr. Müller, 
und diesem 1793 Pastor Joh. Ernst Zorn (f 21. April 18 17). Vgl. Walter a. a. O. 

Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein gothischer Neubau von Feldsteinen und 

Ziegeln aus den Jahren 1889 — 1893. Im Westen ein mit einem Pyramiden- 
helm versehener Thurm aus gleichem Material, aber schmäler als die Kirche 
und im oberen Theil aus Fachwerk aufgeführt. Auch die innere Einrichtung 
ist neu. 

Glocken. Im Thurm zwei Glocken. Die grössere ist von Gusseisen und hat die 

Inschrift: JOSEPH REICHSFREIHERR VON MALZAHN ALTEN 
REHSE DEN 1 • NOVBR • ANNO 1791. Die zweite, von Bronze, 
stammt aus dem XVI. Jahrhundert und zeigt keine Inschrift, 
wohl aber das nebenstehende Giesserzeichen. 




*) Er wird im Jahre 1608 auf dem Kelch der Kirche zu Mailin genannt. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF KRUKOW. 257 

Kleinkttnstwerke. 1.2. Stark vergoldeter silberner Kelch auf sechs- Kleinkunst- 
passigem Fuss. Am Knauf der Name ij^cfu^. Am Fuss ein Allianzwappen werke, 
mit den Initialen T • G • und A • K . Als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor, 
und als Meisterzeichen der Stempel "BL- Auf der zugehörigen Patene die 
vollen Namen der Stifter zu den Wappen: THOMAS GREGORIUS MAJOR und 
ANNA KRAUTHOF sowie die Jahreszahl 1647. Dieselben Werkzeichen wie am 
Kelch. — 3. Ciborium, neu, gestiftet von Pastor LUCIUS. — 4. Weinkanne, 
neu, ohne Zeichen. — 5. 6. Kleiner Zinnkelch, laut Inschrift 1748 gestiftet 
von JOHANN MESMAN. Als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor, und als 
Meisterzeichen der Stempel C. H. 1713. Der zugehörige Oblatenteller hat eben-* 
falls als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor, als Meisterzeichen aber den 
Stempel I D H 1739. — 7. Zinnkelch, ohne Aufschrift. Als Stadtzeichen ein 
dreithürmiges Thor, und als Meisterzeichen der Stempel I. P. B. M. 1742. — 
8. Zinnkelch, laut Inschrift an der Kupa gestiftet von SAMUEL GOTTLIEB 
FRIEDRICH KLESSEN 1761. Ohne Werkzeichen. — 9. Zinnkelch, ohne Auf- 
schrift und ohne Werkzeichen. — 10 — 12. Drei zinnerne Patenen, von denen 
eine das genannte dreithürmige Thor als Stadtzeichen und dasselbe Meister- 
zeichen hat wie die unter 6 aufgeführten Zinngeräthe. 




Dorfes. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Krukow.') 

|ie Rehse, so wird nach der schon mehrfach genannten Kasimar'schen Geschichte 
Urkunde auch Krukow seit 1170 zu den Brodaer Kloster -Dörfern _^^f 
gezählt.*) Eine engere Verbindung zwischen dem Kloster und dem Dorf 
sammt seiner Kirche erhellt denn auch — wenigstens im XIV. Jahrhundert — 
aus der Stiftung des Krukower Pfarrherrn Johann von Reval, der auf .seinen 
Todesfall dem Kloster einen Hof zu Penzlin sowie seine ganze bewegliche 
Habe am 10. März 1356 vermacht.*) Dass aber Krukow im Mittelalter ein 
Bauerndorf ist, erkennt man aus dem Stiftungsbriefe der Kord 'sehen Vikarei 
im Klo.ster Broda vom 21. März 1358.*) Auch im XVII. Jahrhundert giebt 
es noch Bauern und einen Schulzen im Dorfe. Später aber werden sie nicht 
mehr genannt. 

Sicher ist, dass das Kloster Broda nicht das ganze Dorf gehabt hat. 
Denn als herzogliche Vasallen sitzen dort im XV. Jahrhundert zuerst die 



*) 4 km nordöstlich von Penzlin. .Mslavisch kriikü = Rabe. Also soviel wie »Rabendorf«, 
>Ort des Kruk«. Vgl. Ktihnel, M. Jahrb. XLVI, S. 77. Siemssen, M. Jahrb. VI, S. 53. Heyer, 
M. Jahrb. XXXII, S. 144. 

') M. U.-B. 95. 563. Vgl. auch die Bestätigung des Besitzes durch Bischof Thidericus von 
Ilavelberg am 24. März 1328 bei Lisch, M. Jahrb. III, S. 202. 

•) M. U.-B. 8203. .Ein Krukower Pleban Balduin wird 1376 genannt: M. U.-B. 6834. 

*) M. U.-B. 8470. 

17 



258 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Kapelle. 



Glocke. 



Kleinkunst- 
werke. 



von Kargow und dann die von Bardenflet. Die Fischerei aber auf dem grossen 
Krukow-Malliner See haben seit 1443 die mecklenburgischen Herzöge, die zu 
Beginn des XVI. Jahrhunderts u. a. auch das Gut und Dorf Krukow an die 
von Maltzan verpfänden.^) In der Folge hören wir von weiteren Verpfändungen 
des Gutes durch die von Maltzan an Jakob Zitwitz, Hans von Blankenburg 
u. a. m., bis im Jahre 1702, gegen Verzichtleistung auf die hohe Jagd, der mit 
einer von Maltzan vermählte Gustav Friedrich von Walsleben den Lehnbrief 
über die Güter Krukow und Lübkow erhält. 17 16 verpfändet Ulrich Wedige 
von Walsleben beide Güter an den Major Ernst Friedrich von Kosboth. Aus 
diesem Pfandvertrag wird 1725 ein Verkau fsvertrag, und nun bleiben die Güter 
Krukow und Lübkow bis 1785 (nicht 1781) in Kosboth'schem Besitz. 1786 
aber gehen beide wieder in den Besitz der Penzliner von Maltzan über, die 
sie heute noch haben. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Alt-Rehse. 

Kapelle. Die Kapelle ist ein aus Feldsteinen und Ziegeln aufgeführter 
und im Innern flachgedeckter Neubau aus der ersten Hälfte des XIX. Jahr- 
hunderts und stellt ein Viereck mit einem eingebauten schmalen Thurm dar, 
der mit einem kleinen Pyramidenhelm versehen ist. Die innere Einrichtung 
ist ebenfalls neu. — Hinter der platt abschliessenden Ostwand steht noch die 
alte Kirche, ein niedriger Bau, der jetzt als Schuppen benutzt wird. 

Der ziemlich grossen Glocke im Thurm ist ohne Gefahr nicht bei- 
zukommen, anscheinend ist sie nicht alt. Das Inventar von 181 1 giebt an, 
dass sie 1738 gegossen worden sei. 

Kleinkunstwerke, i — 3. Kelch, Patene und Oblatenschachtel sind neu 
und 1858 von ULRICH VON MALTZAN gestiftet. Sie haben die Stempel [p] 
IFREHSEI QU- — 4. Taufbecken, neu, 1856 vom Goldschmied Lippold in 
Malchin. — 5 — 8. Vier zinnerne Stand leuchter, der eine gestiftet 1661 von 
CHRISTIAN BUWMANN, der zweite von NEINS JENSZEN 1661, beide versilbert; 
der dritte und vierte sind ohne Inschrift. Diese beiden haben als Stempel 
ein dreithürmiges Thor und die Meisterinitialen W N. Auch sind sie jünger 
und gehören der klassicierenden Periode des XVIII. Jahrhunderts an. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Mailin.') 

Geschichte |K\Wie Krukow, so ist auch Mailin im Mittelalter ein Bauerndorf, das theil- 
des BÄfll weise dem Kloster Broda gehört, an dem aber auch im XIV. Jahr- 
^^ ^^' hundert die von Wokenstedt (Wakenstädt) einen Antheil haben. Der Knappe 

*) Vgl. Urkunde vom 8. Mai 1516 bei Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 459 ff. 

*) 5 km nordöstlich von Penzlin. Altslavisch malina = Himbeere. Also vielleicht »Himbeer- 
dorf c ; oder »Ort des Mala« vom altslavischen malu =1 klein, und in diesem Falle soviel wie 
»Kleine, »Kleinen«. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF MALLIN. ^§9 

Heinrich Wakenstädt begründet nämlich am 22. März 1348 zu Memorien (vir 
sich und die Seinen mit den Einkünften aus acht Malliner Hufen eine Vikarei 
in der Kirche des hl. Nikolaus zu Penzlin.*) An zweien dieser Hufen sichert 
sich übrigens Klaus von Giewitz am 25. Mai 1376 seine Anrechte auf Zeit 
seines Lebens.^ 

Im XV. Jahrhundert gehört Mailin zu den Gütern, an welchen die 
von Maltzan vom Kloster Broda her Anrechte gewinnen.^) Wie sie dann in 
den Besitz des ganzen Dorfes Mallin gelangen, in welchem vorläufig noch dem 
Matthias Kargow ein Hof verbleibt, ersieht man aus einer Urkunde vom 
28. Oktober 1446.*) Die weitere Geschichte des Dorfes besteht nun in der 
Folge aus einer Reihe von Verpfandungen: im XVII. Jahrhundert an Bertram 
Schmieterlow, Joachim Ihlefeldt, Johann Stüneke, Theodor Meyer, Heinrich 
Dreves und Dr. Krauthoff; im XVIII. Jahrhundert an den Güstrower Kupfer- 
schmied Richter, den Leutnant Kloss, an Hans Christoph von Dechow, an 
Kunstmann und an Ernst Werner von Raven, Aber bald nach der Mitte des 
XVIII. Jahrhunderts nehmen die von Maltzan das Gut wieder an sich. 1781 
hören wir von eigenmächtigen Verlegungen von Bauern aus Mailin nach 
Lübkow. In Maltzan'schen Händen bleibt Maliin bis 1857. Da kauft es 
Andreas Ludwig Schröder, und von diesem erwirbt es 1869 Karl Ludwig Baron 
von Hauff, dessen Söhne das Lehn im Jahre 1888 in ein Allod umwandeln. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Alt-Rehse. 

Kirche. Die Kirche ist ein Ziegelbau im klassicierenden Stil des XVIII. Kirche. 
Jahrhunderts und stellt einen einzigen ungetheilten Raum dar, der im Osten 
mit drei Seiten aus dem Achteck geschlossen ist. Im Innern eine flache 
Bretterdecke. Der Thurm wächst auf dem Westende aus der Dachkonstruktion 
heraus und ist mit einer offenen Laterne bekrönt. In der Wetterfahne die 
Jahreszahl 1757. 

Von der inneren Einrichtung ist nichts weiter zu erwähnen, als dass Innere Ein 
Kanzel und Altar zu einem Körper verbunden sind. richtung. 

Im Thurm hängen drei Glocken, alle drei 1877 von C. Voss & Sohn in Glocken. 
Stettin gegossen. Die grösste trägt die Widmungs- Inschrift: ZUM ANDENKEN 
IHRES AM 7TEN JANUAR 1876 VERSTORBENEN MANNES, DES BARON LOUIS 
VON HAUFF, SCHENKTE DIESE GLOCKE DER KIRCHE ZU MALLIN SEINE 
GATTIN KAROLINE VON HAUFF GEB • REICHERT • — FRIEDE SEI MIT EUCH. 
— Auch die zweite ist von der Baronin VON HAUFF gestiftet »ZUM AN- 
DENKEN IHRES NAMENS«. — Auf dem Kirchenboden eine ausser Gebrauch 
gesetzte gusseiserne Glocke, die 1828 in Berlin gegossen ist. 



*) M. U.-B. 6834. 10872. 
') M. U.-B. 10889. 

■) Urkunden vom 3. August 1428 und vom 13. Januar 1429 bei Lisch, Geschl. Maltzan 11, 
^•595 ff« 599- Dazu Anmkg. zur Urkunde vom 22. Juli 1519. 
*) Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 164fr. (Urk. DXXII). 



26o 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Von den Vorgängerinnen der beiden Bronze -Glocken war die eine 
1690 gegossen und trug den Namen des Patrons Jürgen Heinrich von Maltzan 
sowie den des Pastors Immanuel Meinig (Meinichius) und des Kirchen- 
vorstehers Peter Krey. Von der andern giebt das Inventar von 181 1 nichts 
weiter an. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke, i. 2. Stark vergoldeter silberner Kelch auf sechs- 

werke, passigem Fuss mit einem eingravierten Krucifixus als Signaculum. Die Stelle 
der Rotuli am Knauf nehmen kleine plastische geflügelte Engelsköpfe ein. 
Auf der Unterseite des Fusses die nachfolgende Inschrift: DISER KELCK 
INT GADESHVS MALLIN WICHT 35 LOD* DER PASTOR H : ADAM FREDRICH* 
CLAVS LOSEHANT MÄRTEN STRATFELT VORSTENDER • ANNO 1608 IN DEN 
OSTERN. Als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor, und als Meisterzeichen 
der Stempel J^. Die dazu gehörige Patene ist ohne Werkzeichen. — 3. Sil- 
bernes Ciborium, neu, der Kirche 1898 geschenkt. — 4. 5. Taufschale und 
Taufkanne. — 6. Silberner Schöpflöffel, ohne Abzeichen, neu. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Breesen/) 

m XIV. und XV. Jahrhundert giebt es mehrere ritterbürtige Familien im 
Dorf mit Höfen und Antheilen an der Feldmark. Wir hören von denen 
von Lankow (1342, 1356), Wodarg (1342), Wörpel (1393, 1410), Steen (1400), 
Gotebend (1408, 1414), Buk (1427 und 1436) und Parsenow (1393 — 1491).*) 
Von ihnen scheinen die letztgenannten durch schrittweisen Ankauf der Antheile 
der anderen zuletzt die alleinigen Herren des Dorfes geworden zu sein. Aber 
mit dem Anfange des XVI. Jahrhunderts erfahren wir nichts mehr von ihnen, 
freilich auch nichts von den nächsten Verfügungen der mecklenburgischen 
Herzöge nach dem Aussterben der von Parsenow und dem dadurch verursachten 
Heimfall ihrer Lehne. Erst im Jahre 1545 giebt es wieder eine Nachricht: da 
verschreibt Herzog Albrecht den Hof Breesen für eine Anleihe von 3000 
Gulden an Balthasar Eichstedt. Den 18. Juli 1553 kommt derselbe Hof auf 
fünf Jahre als Pfand für 2000 Gulden an Levin Kamptz auf Plasten, und, nach 
Ablauf dieser Zeit, sammt dem halben Dorf Pinnow, mittelst Permutations- 
Kontraktes vom 8. November 1558 für die ehemaligen Priorei- Güter Gross- 
Eichsen und Goddin c. p., an den fürstlichen Rath Johann von Lucka.^) 1595 
erwirbt Jakob von Holstein auf Gross -Vielen, Ehemann der Kordula von Lucka, 

*) 17 km nördlich von Penzlin. Altslavisch br^za = Birke, also soviel wie »Birkendorfc 
Vgl. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 28. 

') M. U.-B. 6196. 6197. 8250. Dazu Akten im Grossh. Archiv. Vgl. M. Jahrb. XXXII, S. iio, 
Anmerkung 5. 

') S. Abdruck des Kontraktes zwischen dem Herzog Johann Albrecht und dem Rath von 
Lucka im M. Jahrb. I, S. 225 — 227. 



GUT UND KIRCHDORF BREESEN. 26 1 

auch die andere Hälfte des Dorfes und Gutes Pinnow von Klaus von Olden- 
burg, der sie 1579 von Kuno Hahn auf Basedow erstanden hatte. ^) Aber 
nachdem durch denselben Jakob von Holstein auf Gross-Vielen eine Zeit lang 
Breesen an Klaus Preen zum Wolde und Pinnow an Valentin Voss auf Flotow 
verpfändet gewesen war, gehen beide Güter durch Kauf an Friedrich von 
Aschersleben auf Chemnitz über, der u. a. die landesherrlichen Konsense zu 
Verfügungen über Pinnow im Jahre 161 2 erhält. Die von Aschersleben be- 
halten Breesen bis 1656. Da kauft es der Hauptmann Christian von Krauthof. 
Aber zwei Jahre früher hat bereits der Oberst Hans Engel einen Antheil daran 
(ein Achtel) erworben. Und wenn auch die von Krauthof, welche am 
20. Oktober 1694 den Allodialitätsbrief über Breesen erhalten und darüber 
später mit Herzog Friedrich Wilhelm, der die Allodialilät nicht gelten lassen 
will, in einen Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht gerathen, das Gut 
noch lange bis ins XVIII. Jahrhundert festhalten, so werden doch die von Engel 
noch vor Mitte desselben Jahrhunderts ihre Rechtsnachfolger und sind noch 
heute im Besitz des Gutes. 

Aus dem Visitationsprotokoll von 1534 ersieht man, dass das Kirchlehn 
zu Breesen vom Landesherrn vergeben wird. Herzog Albrecht hat es 1532 
dem Cord Danneel verliehen. Zugleich wird angegeben, dass Pinnow dahin 
eingepfarrt ist. Da nun Pinnow nachwei.slich zur Diöcese des Bischofs von 
Kammin gehört, so folgt aus diesem vorreformatorischen Verhältniss beider 
Kirchen zu einander, dass auch Breesen, für welches es an direkten Zeug- 
nissen gebricht, dem Sprengel von Kammin und dem Lande Circipanien 
zuzuweisen ist. Das leuchtet noch mehr ein, wenn man auf der Land- 
karte bemerkt, dass es nördlich von Pinnow liegt. Ferner ist fiir Breesen 
das Visitationsprotokoll der Kirche zu Chemnitz vom Jahre 1575 zu be- 
achten — dieses enthält nämlich gelegentlich eines darin mitgetheilten 
Zeugen -Verhörs eine Reihe von Nachrichten über nicht weniger als vier- 
zehn zum grössten Theil noch vom Prämonstratenser- Stift Broda als Inhaber 
des Patronats über die der Diöcese Kammin angehörende Kirche zu Chemnitz 
berufene und daher vom Bischof dieser Diöcese bestätigte Geistliche, von 
denen aber nur der erste in Chemnitz gewohnt hat, die andern dagegen, 
nachdem das Pfarrhaus zu Chemnitz abgebrannt und nicht wieder aufgebaut 
war, bald auf dieser, bald auf jener benachbarten Wedem ihren Wohnsitz 
aufgeschlagen haben (s. Chemnitz). Darunter finden sich nun nicht weniger 
als drei Geistliche, die von Breesen aus die Cura in Chemnitz besorgt haben. 
Es sind der neunte, elfte und zwölfte innerhalb der erwähnten Reihe: Cord 
Danneel, Marcus Varenholt und Jochim Unger, deren kurze Amtsdauer, oder 
besser gesagt Inhaberschaft des Chemnitzer Pfarrlehns, noch in die fünfziger 
Jahre des XVI. Jahrhunderts fallen wird. Varenholt war z. B. zugleich 
Kanonikus des der Havelberger Diöcese angehörenden Stiftes Broda. Von 
1556 an ist Joachim Voigt (von 1558 an unter Lucka'schem Patronat) Pastor 



*) Lisch, M. Jahrb. V, S. 217 (Familienverhältnisse des Kanzlers Joh. von Lucka). 



202 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Kirche. 



zu Breesen und Pinnow. Er stirbt 1582. Ihm folgt 1585 Simon Arends, ein 
unwürdiger Geistlicher, der nach fünfundzwanzigjähriger Amtsthätigkeit von 
dem oben genannten Jakob von Holstein auf Gross -Vielen, dem Ehemann der 
Kordula von Lucka, zahlreicher höchst unstatthafter Begangenschaften angeklagt 
und überführt wird. Von 161 2 an ist Petrus Schütte Pastor zu Breesen und 
Pinnow. Wie lange, wis.sen wir nicht. 1648 ist Johannes Colerus da, unter 
dem Patronat der von Aschersleben. Zu seiner Zeit sind Kirche, Wedem und 
Pastorat niedergebrannt. Der Gottesdienst wird daher (1648) auf dem grossen 
Saal des Herrenhauses abgehalten. 1649 übernimmt er die Pfarre zu Gädebehn 
(Gotebende) mit dem Filial Klein- Helle, nachdem der letzte Pastor Christoph 
Schneidewin verstorben: unter Voss'schem Patronat. Hier herrscht dieselbe 
Verwüstung wie in Breesen und Pinnow.^) Noch im Jahre 1662 sagt Colerus 
bei Gelegenheit der Visitation seiner Kirchen, dass er sein eigener Küster sei. 
1671, unter dem Patronat des Christian Krauthof zu Breesen und des Adam 
Christoph Voss zu Pinnow, wird Matthaeus Jurisius zum Pastor erwählt (-j- 1703). 
1704 folgt, nur auf ein Jahr, Pastor Wetzenow, 1707 Albertus Pauli (s. Glocke 
von 1741). 1752 finden wir den Christian Friedrich Keibel als Pastor adjunclus 
in Breesen. Nach seinem Tode folgt 1789 Aug. Jakob Friedrich Sponholz 
(t 18 19). S. Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein von den Gebrüdern Krauthoff im Jahre 
1712 errichteter Fachwerkbau in Form eines länglichen Vierecks. Auf dem 
Westende ein aus dem Dachstuhl hervorkommender Thurm, der eine mit 
einer offenen Laterne bekrönte glockenförmige Haube trägt. Im Innern eine 
flache Decke. 



Innere Kin- Die jetzige Einrichtung der Kirche entspricht mehr der Zeit des klassi- 

richtung cierenden Geschmacks aus dem Anfange des XIX., als der des Barockstils des 

der Kirche. xVIII. Jahrhunderts. An der herrschaftlichen Empore, welche sich in einem 
südlichen Anbau befindet, sieht man das Wappen des HENNING KRAUTHOFF 
mit der Jahreszahl 1712. Daneben das Wappen des ADOLF VON ENGEL und 
das seiner Gemahlin FRIDERICKE VON BÜLOW mit der Jahreszahl 1832. Ge 
nannt sei auch ein Bildniss des Pastors KEIBEL, f 1789.^) 

Glocken. Im Thurm hängen zwei Glocken. Die grössere ist 1741 von Otto 

Gerhard Meyer in Rostock unter dem Patronat des HANS DAVID VON ENGEL 
und dem Pastorat des ALBERTUS PAULY gegossen worden, die kleinere im 
Jahre 1728 von Michael Begun in Friedland. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke. 1.2. Silberner Kelch auf sechspassigem Fuss. An den 

werke. Rotuli des Knaufes in grünem Email die Buchstaben ^ g ^1^1679. Der Kelch 

und die zugehörige Patene sind von dem Rostocker Goldschmied Jürgen Müller 



^) Groth, M. Jahrb. VI, S. 137. 

^ Die Unterschrift lautet: Herr Christian Friedrich Keibel, geb. zu Strasburg in der 
Uckermark 17 18, ward Pastor zu Breesen und Pinnow 175a und Pastor zu Woggersin 
1760, starb d. i. April 1789. 



GUT UND KIRCHDORF PINNOW. 263 

gemacht. — 3. 4. Silbervergoldeter grosser Kelch auf sechspassigem Fuss, laut 
Inschrift vom Jahre 1746. An der Kupa die eingravierten Wappen des HANS 
DAVID VON ENGEL und seiner Gattin KATHARINA DOROTHEA VON HOINCK- 
HUSEN. Vom Güstrower Goldschmied C I L (Caspar Johann Livonius). Von 
demselben auch die Patene. — 5. Zinnernes Krankengeräth, der Schrift nach 
aus dem XVIII. Jahrhundert. Werkzeichen nicht vorhanden. — 6. Silberne 
kreisrunde Oblatenschachtel, auf dem Deckel die Initialen C • L • K »(rauthoff) 
1694. Auf der Unterseite ein anscheinend aus SS gebildetes Doppel -Mono- 
gramm. — 7. Kanne, neu, von Humbert- Berlin. — 8. Grosser Oblatenkasten 
von Silberblech, im Deckel eine kleine Platte von Gusseisen mit dem Abend- 
mahl des Lionardo da Vinci. Ein Geschenk des Geh. Kammerrath ADOLPH 
V. KAMPTZ bei Gelegenheit der Einweihung der renovierten Kirche im 
Jahre 1832. 




Das Gut und Kirchdorf Pinnow.') 

|ie erste urkundliche Nachricht über Pinnow im Lande Gädebehn (in terra Geschichte 
Ghotebant) ist eine Schenkung von zehn Hufen im Dorfe an das ^^^ 
Kloster Ivenack durch den Herzog Barnim von Pommern am 10. April 1272.^) l^o"es. 
Bischof Hermann von Kammin bestätigt dem Kloster die Zehnten von diesen 
Hufen am 31. Januar 1283.^) Um die Mitte des XIV. Jahrhunderts wohnt ein 
ritterbürtiger Mann mit Namen Berthold Döring in Pinnow, der als Zeuge und 
Bürge in einer Vertragsurkunde zwischen Henning Brasche und dem Kloster 
Reinfeld vorkommt.*) Wie dann über einhundertsechzig Jahre später der be- 
kannte mächtige Bernd Maltzan den halben Theil von Pinnow aus der Hand 
der Herzöge Heinrich und Albrecht als Pfand erhält, ersieht man aus einer 
Urkunde vom 8. Mai 1516.^) Wie aber in der zweiten Hälfte des XVI. Jahr- 
hunderts zuletzt das ganze Dorf Pinnow an die Familie von Lucka, und von 
dieser im XVII. Jahrhundert an die von Aschersleben kommt, ist bereits bei 
Breesen (S. 261) erwähnt worden. Friedr. von Aschersleben erhält am 
27. August 161 2 den landesherrlichen Konsens über die Verschreibung des 
Gutes Pinnow an seine Schwiegermutter Margarethe von Blankenburg, Wittwe 
des Otto von Blankenburg. Von den Familien Aschersleben und Blankenburg 



*) 14 km nördlich von Penzlin. Altslavisch pTni == Baumstamm. Also soviel wie »Baum- 
garten«. Vgl. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 107. — Im ersten Register des Meckl. Urkundenwerkes 
(Bd. IV) sind Pinnow in der pommerschen Enklave und Pinnow im Lande Gädebehn irrthUmlich er- 
weise zu einem Dorf zusammengeworfen. Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXV, S. 268 ff. (Burg und Land 
Gotebant). 

•) M. U. B. 1249. Vgl. 1533. 2614. 2754. 2895. 

») M. U.-B. 1666. 

*) M. U.-H. 7778. 

*) Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 459 ff. (DCCCXLII). Vgl. dazu S. 492 (DCCCLV). 



204 AMTSGERICIITSBEZIRK PENZLIN. 

kommt das Gut 1668 an Reimar Ernst von Voss auf Chemnitz, 1700 aber 
verkauft der Oberhofmeister von Voss die Güter Chemnitz und Pinnow an 
Werner Friedr. Klinggräff und dessen Bruder.') Beide Güter sind noch heute 
in den Händen der Herren von Klinggräff. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Breesen. 

Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau aus der ersten Hälfte des 

XVIIl. Jahrhunderts (in der Wetterfahne C • F • V . K • 1730) und der in Breesen 
sehr ähnlich, nur finden wir hier einen Chorschluss mit drei Seiten aus dem 
Achteck.*) Im Innern eine flache Decke. Im Westen ein sich aus dem Dach- 
stuhl entwickelnder Thurm mit Pyramidenhelm. 

Inneres. Die innere Einrichtung ist einfach. 

Glocken. Im Thurm zwei Glocken, die beide im Jahre 1855 von C. Illles in 

Waren gegossen sind.^) 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke, i — 3. Silberner Kelch auf rundem Fuss, mit einer 

werke. langen Inschrift, welche besagt, dass die Pinnowsche Kirche im Jahre 18 13 
ihren alten silbernen Kelch dem Vaterlande opferte und nach dem Siege der 
Verbündeten über Napoleon den jetzigen als Ersatz erhielt. Der Kelch, die 
dazu gehörige Patene und die kreisrunde Oblatenschachtel zeigen dieselben 
Stempel, nämlich eine dreithürmige Burg und den Namen FEHMER.*) — 4. Sil- 
berne Kanne, gestiftet von F. und J. VON KLINGGRÄFF. Stempel: C. A. Beu- 
mers- Düsseldorf. — 5 — 7. Ciborium, Sammelbecken und Taufschale, alle drei 
Stücke von Zinn, von C. W. Kurtz- Stuttgart. — * 8. Zinnerner Oblatenteller, 
ebendaher. 



*) Die Belehnung erfolgt am 27. Juni 1702. 

*) Die Vorgängerin dieser Kirche oder Kapelle war ein im Jahre 1623 von Friedrich 
von Aschersleben errichteter Bau. Nach Akten im Grossh. Archiv. 

•) Das Inventar von 181 1 führt drei Glocken auf: eine mit der Inschrift: 

belp got vn mar ja oc anna anno öomini mcccclfryru'i; die andere mit der 
Inschrift: bxfft florfe l)ortb tbo pinnotP funtbe jacob patron anno 6o* 

mini mcccc):]Ci]C, imd mit dem nebenstehenden Glockengiesser- Zeichen: sowie 
endlich eine dritte hochhängende Glocke, deren Inschrift nicht zu entziffern war. 

*) Fehmer soll ein alter Goldschmied in Neubrandenburg gewesen sein, wie Dr. Hofmeister 
schreibt. Wenn das richtig ist, dann hätten wir das dreithürmige Thor als Stempel auf Gold- 
und Silber- Arbeiten in Neubrandenburg und Umgegend auf diese Stadt und nicht, wie bisher, auf 
Friedland als Stadtzeichen zu deuten. Derselbe theilt mit: »In unserm Besitz befinden sich Fried- 
länder Silberlöffel von 18 15 etc., diese zeigen [2j» spätere |n . Dagegen zeigen alle in unserm 
Familien besitz befindlichen Silbersachen aus Neubrandenburg (die ältesten von 1809) das drei- 
thürmige Thor.t 




• ^^ ■^-—.^ ^^^,^ 



GUT UND KIRCHDORF CHEMNITZ. 265 




^) II km nordnordöstlich von Penzlin. Ungefähr soviel wie »Steinbeckc Altslavisch 
kamen! = Stein. S. KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 33. 

*) M. U.-B. 90. 135. Vgl. dazu 377. 563. 3563. 7062. 

•) M. U.-B. 3004. 

*) M. U.-B. 9190. 

*) Noch nicht gedruckte Urkunden im Grossh. Archiv. 



Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Chemnitz.^) 

|ie für eine spätere Unterschiebung gehaltene und mit Einfügung späterer (Jeschichte 
thatsächlicher Verhältnisse verbesserte, in Wirklichkeit aber auf diese ^^s 
Art gefälschte Schenkungsurkunde des Fürsten Kasimar von Pommern, für 
welche, wie die bessere Urkunde des Herzogs Bogislav von 1182 beweist, 
ein verloren gegangenes Original mit wahrscheinlich etwas bescheidener an- 
gegebenen Besitzverhältnissen des Klosters Broda vorhanden gewesen sein 
muss, lässt Chemnitz schon im XII. Jahrhundert als ein dem Stifte Havelberg 
und von diesem wieder dem ebengenannten Kloster überwiesenes Dorf und Gut 
erkennen.*) Aber es gehört nicht wie Broda zur Havelberger, sondern vielmehr 
zur Kamminer Diöcese, denn am 7. Juni 1305 bezeugt Bischof Heinrich 
von Kammin, dass er die Kirche im Dorfe Chemnitz und ihren Hauptaltar zu 
Ehren der heiligen Jungfrau Maria und der hl. Katharina geweiht und be- 
widmet habe.^) Weitere Hebungen aus zwei Katen, dem des Beneke Seyszen- 
megher und dem des Henneke Wytte, erwirbt das Kloster Broda im Jahre 
1363 von der Familie Mughesveld.*) In grösserem Umfange tritt dort Ende 
des XIV. Jahrhunderts die ritterbürtige Familie der Kruse oder Krause 
auf. Man sieht das an Verträgen mit dem Kloster Broda, wobei es sich 
ausser Einkünften verschiedener Art auch um das Patronatsrecht über die 
Kirche handelt, und an einem Verkauf von fünfzehn Hufen im Dorfe, mehreren 
Plätzen, die als Kampe bezeichnet werden, der Mühle, zwei Vikarei-Hufen u. a. m. 
an die gleichfalls ritterbürtige Familie Stalbom. Der Vertrag mit Broda 
gehört dem Jahre 1394, der mit den Stalbom dem Jahre 1398 an.*) Auch 
lernen wir mehrere Geistliche des XV. Jahrhunderts kennen, darunter den 
Bertram Wuggersin, welchen das Kapitel zu Broda kraft seines Patronats- 
rechtes dem Kamminer Bischof Konrad Bonow am 14. November 141 3 zur 
Pfarre in Chemnitz an Stelle des verstorbenen Henricus Beckmann vorschlägt, 
ferner den Vikar Johann Wolkow, an dessen Vikarei Henning Stalbom und 
seine Ehefrau Diliana zwei Hufen und einen Hof im Januar 1425 verkaufen, 
und endlich den Brodaschen Kanonikus Nikolaus Vlatow, den sein eigenes 
Kapitel im Jahre 1462 zu der durch den Tod des Pleban Heinrich Bernd 
vakant gewordenen Pfarre in Chemnitz vorschlägt und mit dessen Einsetzung 
der Bischof Henning von Kammin einverstanden ist, wenn nicht an einem in 



266 AMTSGERICIITSBEZIRK PENZLIN. 

Greifswald von seinem Offizial Peter Reper anzusetzenden Termin von irgend 
welcher Seite erhebliche Einwände erhoben werden sollten. Zu Anfang des 
XVI. Jahrhunderts (leider fehlt eine genauere Festsetzung der Zeit) ist der 
Schweriner Domherr Heinrich Schröder im Besitz der Chemnitzer Pfründe. 
Eine weitere lange Reihe von Geistlichen als Inhaber der Chemnitzer Pfarre 
in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts werden im Visitationsprotokoll von 
1575 genannt, aber mit wenigen Zeitangaben: unter nicht weniger als vierzehn 
Pfarrinhabern die ersten sechs bis 1539, die anderen acht bis 1573, mit Aus- 
nahme des letzten sämmtlich unter dem Patronat des Kapitels zu Broda ein- 
gesetzt, aber alle nur kurze Zeit mit dem Pfarrlehn ausgestattet und daher 
wahrscheinlich auch in keinem lebendigeren Verhältniss zu ihrer Gemeinde. 
Der erste ist Er Hermann; der hat noch auf der Wedem in Chemnitz gewohnt, 
ist aber später nach Weitin verzogen. Ganz allgemein heisst es im Protokoll 
von 157s, die Wedem in Chemnitz sei vor ungefähr zwanzig Jahren nieder- 
gebrannt und nicht wieder aufgebaut, es mag das aber auch schon länger her 
gewesen sein. Der zweite ist Jasper Tornow zu Weitin; der dritte der 
Brodasche Küchenmeister Jochim Krissow; der vierte Peter Backhuss, der 
ebenfalls von Broda aus die Cura leitet; der fünfte Matthias Tegeler; der 
sechste Gerd Ungemakt, der um 1539 die Cura in Wulkenzin, Rehse (Neu- 
Rehse) und Chemnitz hat; der siebente der Wulkenziner Pleban* Cassube; der 
achte Joh. Nels (Cornelius) zu Gevezin; der neunte Kord Danneel zu Breesen; 
der zehnte Karsten Schmidt zu Gevezin, gleich dem achten und neunten vom 
Probst Ulrich zu Broda eingesetzt; der elfte der Kanonikus (»ein Brodascher 
Herrc) Marcus Varenholt, der auch das Pfarrlehn zu Breesen hat; der zwölfte 
Jochim Unger zu Breesen, nur auf ein Jahr; der dreizehnte Thomas Negen- 
dank zu Gädebehn (Gotebende), das damals noch Kirchdorf ist, auf drei Jahre; 
der vierzehnte Nikolaus Dambeck zu Gevezin, der fünf Jahre lang die Cura 
der Kirche zu Chemnitz hat, von dem zu Putlitz, der sich an Stelle des Stiftes 
das Patronat »angemasst« hat, eingesetzt ist und am Tage vor Martini des 
Jahres 1573 stirbt 

Diese Aufzählung sagt mehr als viele Worte. Sie ist ein Bild von der 
Veräusserlichung des kirchlichen Lebens in jener Zeit und lässt zugleich er- 
kennen, wie eine Mutterkirche zu einer Ecclesia vagans wird. Denn von da 
an bis auf den heutigen Tag ist die Kirche zu Chemnitz aus diesem Ver- 
hältniss nicht wieder herausgekommen. Zunächst sucht sie ihr geistliches 
Brod bei der Kirche zu Wulkenzin, von 1575 bis 1721, dann bei Weitin bis 
1808, darauf bei Mölln bis 1872, und seitdem bei Breesen.^) 



*) Wie in Gevezin -Chemnitz nach dem Tode des oben erwähnten Nikolaus Dambeck, so 
tritt auch in Wulkenzin nach dem Tode des Pastors Kleinsorge im selben Jahre 1573 (Freitag 
nach Pfingsten) eine Vakanz ein, die noch im Jahre 1575 gelegentlich der Chemnitzer Visitation 
nicht behoben ist. 1576 aber finden wir den Pastor Joachim Kniebusch in Wulkenzin (höchst- 
wahrscheinlich den von Schröder in seinem evangel. Meckl. III, S. 329, genannten Klebasch, der 
ausser in Wulkenzin auch in Neu -Rehse und Chemnitz die Cura hat). Ebenso seine Nachfolger: 
von 1579 an Bernhard Sperwer, von 1597 an Andreas Cato, um 1631/34 Bernhard Gotthun, von 



GUT UND KIRCHDORF CHEMNITZ. 



267 



Um ZU den weltlichen Verhältnissen zurückzukehren: — die letzte ihres 
Geschlechtes ist Anna Stalbom, die Ehefrau des Bertram Holstendorp. Nach 
ihrem Tode im Jahre 1568 fällt das halbe Gut Chemnitz an die Brüder 
Christoph, Kaspar und Balthasar von Schöneich, die die Anwartschaft darauf 
hatten. Balthasar verkauft seinen Antheil c. p. in Ballin (im Lande Stargard) 
an Johann von Restorff, der am 8. Juli 1587 den landesherrlichen Konsens 
und Lehnbrief erhält. Aber der Restorffsche Besitz geht zwanzig Jahre später 
an die sechs Brüder und Vettern von Aschersleben (Hans, Georg, Otto, 
Friedrich, Kaspar und Ernst) über. Sie erhalten am 19. April 1607 den Konsens 
und Lehnbrief über ihren Ankauf, der in einem Wohnhof zu Chemnitz, drei 
Bauern und sieben Kossäten ebendaselbst, einem Bauern und zwei Kossäten 
zu Briggow, einem Bauern und zwei Kossäten zu Passentin, der Walwes- 
(später Küsels) Mühle, sowie aus 1972 Gulden Pacht aus Weitin und 1 V« Gulden 
aus Woggersin sammt allem Zubehör besteht. Derselbe Besitz geht anti- 
chretice zu vierzigjährigem Niessbrauch fünfzehn Jahre später, und mit landes- 
herrlicher Zustimmung vom 28. Januar 1622, an Philipp Julius von Platen über, 
von diesem aber 1648/49 an die Brüder Joachim und Otto von Aschersleben 
sowie an deren Schwager Heinrich von Bibow zurück. Diesen Aschers- 
leben'schen Antheil erwirbt 1661 der auf Lukow erbgesessene Stallmeister 
Adam Christoph von Voss, dazu aber auch von den Brüdern Joachim und 
Hans Friedrich von Engel den in zwei nach Gevezin hin gehörenden Bauer- 
höfen bestehenden Antheil in Chemnitz. Wie dann im Jahre 1700 beide Güter, 
Chemnitz und Pinnow, von den von Voss an die von Klinggräff übergehen, 
ist bereits bei Pinnow erwähnt worden. S. o. S. 264. 

Kirche. Alte Feldsteinkirche aus der Zeit des Ueberganges vom 
romanischen zum gothischen Stil, geweiht 1305 (s. o.). Sie bildet einen 
einzigen Raum in Form eines Vierecks, ohne Scheidung von Chor und Lang- 
haus, mit flacher Balkendecke im Innern. In voller Ursprünglichkeit sind 
erhalten die drei F'ensterschlitze in der platt abschliessenden Ostwand, sowie 
das Eingangsportal mit einfacher Granitwandung auf der Südseite. Als im 
Ganzen neu sind zu bezeichnen die hohe Westwand mit dem ihr vorgesetzten 
Holzthurm, sowie die vier Fensterpaare in den beiden Langwänden. Auf der 
Nordseite befand sich vormals eine Sakristei. Die innere Einrichtung ist neu. 

An der Rückwandung des herrschaftlichen Stuhles verschiedene Wappen 
der Familien KLINGGRÄFF und LÜTZOW. 



Kirche. 



Gestühl. 



1649 an (nach langer Vakanz) Christian Satorius, von 1662 an Magnus Richter, von 1664 an 
Bernhard Schultz, der 1705 an Joh. Ulrici einen Substituten erhält. Ulrici stirbt 17 18. 1722 wird 
der Patron von Klinggräff an Alt-Rehse gewiesen. Die Alt-Rehser Pastoren ftlr Chemnitz sind 
Eppen, Hinrichsen und Wachenhusen (s. o. S. 256). Nach Wachenhusen's Tode wird Chemnitz 
mit Weitin verbunden (seit 1773). Die Weitiner Pastoren ftlr Chemnitz sind Behm (bis 1791) und 
Loholm (bis 1807). 1808 erfolgt die Verbindung mit Mölln z. Zt. des Pastors Wagner und 1872 
mit Breesen z. Zt. des Pastors Weber (jetzigen Dompredigers in Schwerin). Uebcr die Pastoren 
des XIX. Jahrhunderts in Mölln und Breesen s. Walter a. a. O. 



268 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Im Glockenthurm drei Glocken. Die erste ist laut Inschrift zur Zeit 
des Pastors J • J • BEHM von J. V. Schultz zu Rostock im Jahre 1781 um- 
gegossen, die zweite und dritte sind alte Glocken, aber ohne Inschrift und 
Zeichen. 

Kleinkunstwerke. i. Silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuss. 
Unter dem Fuss eingraviert das Platen - Lüderitz'sche Allianzwappen und die 
Inschrift: PHILIP JVLIVS V.PLATE • EUSABEHT HEDWICH V. LVDERITZ 1636. 

— 2 — 5. Kelch, Patene, Ciborium und Kanne von Zinn, alle vier Stücke von 
C. W. Kurtz- Stuttgart. — 6. Grosser alter Zinnkelch ohne Inschrift und Zeichen. 

— 7. Achtseitiges Messing -Becken, gestiftet von ANNA S:-RINGKWICHTS. — 
8 — 13. Sechs zinnerne Leuchter, gestiftet laut Inschrift von: ELISEBET 
SCHWEPPEN 1635, PHILIP JVLIVS VAN PLATEN, ELISEBET HEDEWIGH VAN 
LVDERITZ 1644, JOCHIM KOPPE 1648, ELISABETT VON ASSCHERSLEHVENT 
1657, HANS MENTZEL und ILSBE VOTS 1677, ANNA MARIA NVRENBERG 1681. 



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Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Woggersin/) 

|as Dorf Woggersin gehört zu der schon öfter erwähnten grossen Güter- 
schenkung des Fürsten Kasimar von Pommern an das Prämonstratenser- 
stift Broda im Jahre 11 70, die der Bischof von Havelberg bestätigt.*) Aber 
es ist zu beachten, dass es in der Bestätigungsurkunde des Herzogs Bogislav 
von 1182 fehlt. Ferner anzunehmen, dass es von Anfang an und dauernd zur 
Havelberger Diöcese gehört habe, wäre schon deshalb gewagt, weil z. B. auch 
Chemnitz zugleich mit Woggersin aufgeführt wird, das später nachweislich dem 
Bischof von Kammin unterstellt ist. S. o. S. 265. Dennoch giebt es bei 
Woggersin einen Grund fiir die Zuschreibung an Havelberg, der in einer 
Urkunde vom 20. December 1346 zu Tage tritt. Hier sieht man nämlich 
deutlich, dass die Brüder Konrad und Ebel von Woggersin (Wughersin), die 
ihren Namen offenbar von dem Dorf als ihrem Stammgut tragen, sowie die 
von Lankow, die nachher bis ins XVI. Jahrhundert hinein darauf erbgesessen 
sind, ein besonderes kirchliches Interesse für Zirzow bekunden, welches nach- 
weislich zur Havelberger Diöcese gehört.') Denn der Pfarrer von Zirzow ist 

^) 16 km nordnordösilich von Penzlin. Die im XII. Jahrhundert vorkommende Schreibweise 
Wogarzin will Ktlhnel mit dem altslavischen Wort ogarü verbinden, das eine Art Jagdhund be- 
deutet. Aber er macht selber ein Fragezeichen zu der Deutung »Ort des Ogarka«. Wäre es 
richtig, so hiesse das soviel wie ungefähr > Hundehagen c. Der Slavist Piof. Perwolf setzt den 
Namen Woggersin gleich mit Vogardin und weist auf das altslavische Wort ograda = saepes = 
Zaun hin. Kühnel, Nachträge S. 185. 

«) M. U.-B. 95. 

•) M. U.-B. 6708. 6790. Die Annahme von Wigger, Annalen, S. 133, dass Zirzow gleich 
Chemnitz zur Kamminer Diöcese gehöre, ist somit irrthümlich. 



GUT UND KIRCHDORF WOGGERSIN. 269 

es, dem die genannten Knappen von Woggersin zu Seelenmessen fiir ihre 
Eltern, sechs Schwestern und sich selber auf alle Zeit eine erhebliche Stiftung 
von Wiesenland vermachen, und zwar unter Zeugenschaft des Plebans und des 
Vikars vom Dorfe Woggersin, das damit auch seinerseits als Kirchdorf um 
1346 erwiesen wird. Dies enge Verhältniss lässt sich aber bei Kirchen aus 
zwei verschiedenen Diöcesen kaum vorstellen. Es kommt hinzu, dass, wenn 
sich die Grenze zwischen der Kamminer und Havelberger Diöcese zwischen 
Chemnitz und Zirzow, wie es der Fall ist, nach Norden hinaufzieht, Woggersin, 
welches östlicher als Zirzow gelegen ist, nicht gut mehr zur Kamminer Diöcese 
gezogen werden kann, sondern bei der Havelberger Diöcese zu verbleiben hat. 
Doch ist zuzugeben, dass diese Beweisführung den Werth eines direkten Zeug- 
nisses nicht aufwiegt. Ein solches ist uns aber bis jetzt nicht beschieden. 

Im Jahre 1424 wird ein Antheil an Woggersin, den der verstorbene 
Jochim Dransow gehabt hat, an Vicke Stalbom von Fürst Christoph zu 
Wenden verliehen. Diesen Antheil verkauft Vicke's Sohn Lüdeke zehn Jahre 
später an Henneke Holstein, den Ehemann seiner Schwester. Einer der An- 
theile aber, den die Lankow an Woggersin haben, kommt nach dem Aussterben 
des Lankow'schen Mannesstammes an den zu Woggersin wohnenden Eitel 
Schenk von Kaldern, der mit Köne Lankow vermählt ist. Ebenderselbe 
Schenk von Kaldern übernimmt auch als Pfand im Jahre 1548 den genannten 
Holstein 'sehen Antheil an Woggersin c. p. in Kalübbe und Mölln, nämlich zu 
Woggersin den Viehhof mit achtehalb Hufen auf der Feldmark Kalübbe, 
dabei zehn Höfe und zwei Käthen mit siebenzehn dreiviertel Hufen auf dem 
Felde Kalübbe, wofür jährlich einhundertneunzehn Mark, zwölf Rauchhühner 
und zwölf Zehntlämmer gegeben werden, sowie endlich zu Mölln drei Höfe 
mit sechseinviertel Hufen sammt einem Antheil am Möllner See Und ein 
Jahr darauf übernimmt er pfandweise auch den andern an Herzog Heinrich 
heimgefallenen und von diesem an seinen Hofmarschall Christoph Linstow 1 549 
zu Lehn gegebenen Lankow'schen Antheil an Woggersin c. p. in Kalübbe.^) 
Dieser Linstow'sche Antheil an Woggersin und Kalübbe geht in weiterer Ver- 
pfandung 1 593 an Elar Voss fiir zehntausend Gulden auf sechzehn Jahre über, 
der Holstein'sche Antheil aber, nachdem die an Eitel Schenk von Kaldern 
geschehene und 1556 auf dreissig Jahre erneuerte Verpfandung abgelaufen 
war, durch Verkauf zu erblichem Besitz an Hermann Warburg, dem am 
3. Juli 1595 der landesherrliche Konsens ertheilt wird. Nachdem dann auch 
der Warburg'sche Antheil noch eine Reihe von Verpfandungen durchlaufen 
hat (1623 an Christoph Bunsow, 1632 an Joh. Lossius), ebenso der Linstow'sche 
(an den Dom zu Güstrow von Mitte des XVII. Jahrhunderts bis 1681, zwei 
wüst gewordene Bauernhufen in Woggersin seit 1650 auch an Franz Warnke), 
werden die von Linstow im Laufe des XVIII Jahrhunderts auch die Herren 
des Warburg'schen Antheils und besitzen ganz Woggersin mit Kalübbe und 
Neuhof bis 18 16. In diesem Jahre geht der ebengenannte Besitz an Heinr. 



*) Vgl. M. Jahrb. V, S. 275. XI, S. 454. 



270 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Kirche. 



Inneres. 



Kleinkunst- 
werke. 



Joh. Friedr. Blanck über, 1830 an Rudolf Ludwig Griesebach und 1848 an 
Hermann Wackerow. Aus Wackerow'schem Eigenthum kommen 1859 Kalübbe 
und Nenhof an Karl August Heinrich Berlin, und Woggersin 1860 an Hermann 
Krey, in dessen Familie es heute noch ist. 

Von den mittelalterlichen Geistlichen zu Woggersin lernen wir nur den 
Pleban Heinrich und den Vikar Johann kennen, die um 1346 im Amte sind. 
Nach der Reformation aber wird die Kirche zu einer Mater vagans, die an 
Weitin gewiesen wird,*) aber im Jahre 1756, nachdem der Weitinsche Pastor 
David Emanuel Walter seines Amtes enthoben worden war, dem Pastor Keibel 
zu Breesen übergeben wird und seitdem mit Breesen verbunden geblieben ist. 

Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau vom Jahre 1788 in Form 
eines länglichen Vierecks, mit einem Thurm, welcher vierseitig aus dem Dach- 
stuhl hervorwächst und eine mit einer Spitze versehene glockenförmige Haube 
trägt. Im Innern eine flache Balkendecke. 

Die schlichte innere Einrichtung stimmt zur Zeit der Erbauung. 

Im Thurm eine grosse Glocke (Dm. 1,04 m), die unter dem Patronat 
von R. U GRISEBACH zur Zeit des Pastors WILH. ALBAN im Jahre 1833 um- 
gegossen ist. Giesser nicht genannt. 

Die Vorgängerin dieser Glocke hatte nach dem Inventar von 1 8 1 1 die 

Inschrift: l^elp sob ittatia anno bui mtttcljLj:. 

Kleinkunstwerke, i — 3. Kelch, Patene und Oblatenschachtel, gestiftet 
von RUDOLPH LUDWIG GRISEBACH auf Kalübbe 1833 bezw. 1838. Als 
Stempel das dreithürmige Neubrandenburger Thor und der Name c. PETSCHLER. 

— 4. Silberne Kanne, gestiftet von der Familie VON RÜDIGER auf Kalübbe 
1883 — 92. Stempel: ^). — 5. Zinnerner Kelch mit einem verputzten Stempel. 

— 6. Neues Taufbecken von Zinn, von C. W. Kurtz- Stuttgart. 



Das Gut und Kirchdorf Mölln.') 

ittelalterliche Urkunden fehlen. Dafür aber gelangt Mölln bei den 
Chronisten und Annalisten des XIV. Jahrhunderts zu einer historischen 



Geschichte 
des 

Dorfes. Bedeutung. Hier ist es nämlich, wo bei den Kämpfen um das Land Stargard 
Fürst Johann von Werle, der Anfangs auf Seiten der Feinde des Markgrafen von 
Brandenburg steht, dann aber zu diesem übergeht, im Frühjahr 13 16 den Grafen 




*) Im Visitationsprotokoll von 1661 heisst es, ehedem habe »der Linstowc das Patronat 
gehabt, nun aber gehöre es dem Dom zu Güstrow (s. o.). 

*) 9 km nördlich von Penzlin. Altslavisch mlynu - - Mühle. Also Mölln ^ Mühldorf. Vgl. 
Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 96. 



GUT UND KIRCHDORF MÖLLN. 2/1 

Heinrich von Schwerin gefangen nimmt, um gleich darauf bei Luplow von 
seinen Gegnern mit demselben Schicksal bezahlt zu werden.*) Nachher schweigt 
die Geschichte von dem Dorf zwischen Gross- und Klein-Helle zweihundert 
Jahre lang. Zu Anfang des XVI. Jahrhunderts aber giebt es landesherrliche 
und ritterschaftliche Antheile an Mölln. Diese gehören den Holsteinen auf 
Ankershagen, die sich bis ins XVII. Jahrhundert als zuständige Vasallen an- 
sehen, wenngleich ihr Besitz von 1620 an eine Reihe von Verpfandungen 
durchläuft (1620 an Joh. von Restorff, 1623 an Jürgen Magnus von Bülow, 
1630 an Moritz von Kardorff, 1632 an Daniel Dörksen), bis am Ende des 
XVII. Jahrhunderts das ganze Gut an den Hofrath Heinrich Schuckmann 
übergeht, der am 30. März 1694 vom Herzog Gustav Adolf den Allodialbrief 
über Mölln empfangt. Doch muss er es sich gefallen lassen, dass hier wie 
anderswo im Jahre 1702 Herzog Friedr. Wilhelm an Stelle des Allodialbriefes 
einen Lehnbrief setzt. In der Familie Schuckmann, welche 1732 geadelt wird, 
bleibt Mölln bis zum Jahre 1899. In diesem Jahre werden die Gebrüder 
Glantz die Herren des Gutes Mölln. 

Ein ungemein wechselndes Bild bieten die kirchlichen Verhältnisse nach 
der Reformation bis in die neueste Zeit hinein. Das Schwinden von Kirchen, 
Kapellen und Pfarren schon in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts und 
noch mehr in den Zeiten des dreissigjährigen Krieges, die Verödung der 
Dörfer und das massenhafte Aussterben der Menschen in ihnen, die überall 
bei Vornehm und Gering einreissende Mittellosigkeit und in Folge davon die 
wirklich vorhandene Unmöglichkeit, die verbrannten und verwüsteten Gottes- 
und Pfarrhäuser wieder herzustellen und den Geistlichen das Brod zu schaffen: 
alle diese Verhältnisse sind Ursache, dass eine grosse Zahl alter Mutterkirchen 
genöthigt werden, sich als »Matres vagantes« unter eine einzige Cura zusammen- 
zuthun. Und die vielen ritterschaftlichen Patronate, die dabei zu sagen haben, 
besonders in der Stavenhäger und Penzliner Gegend, die Eifersucht der alten 
Vasallengeschlechter unter einander, die oft bei den Predigerwahlen zum Vor- 
schein kommt, die Zuneigung und Abneigung der Personen unter einander, 
die zeitweise Ueberlastung einzelner Geistlicher u. a. m , sind Anlass, dass 
Verbindungen, die eben geschlossen sind, nach kurzer Zeit wieder gelöst 
werden, dass Stetigkeit und Ruhe, deren alle Dinge zu ihrer guten Entwicke- 
lung bedürfen, völlig verschwinden, dass ein ewiges Hin und Her allerlei un- 
erträgliche Wirrsale schafft, bei denen gewissenlose Menschen im Trüben 
fischen, und dass nicht selten auch das oberste Episkopalrecht des Landesherrn 
in ungebührlicher Weise ausser Augen gelassen wird. 

Davon ist auch bei Mölln allerlei Uebles zu sagen. Vielleicht mehr als 
anderswo. Kaum wird irgend eine Pfarre ein solches Bild von der Haltlosigkeit 

*) Kirchberg'sche Chronik bei Westi)halen, Mon. ined. IV, S. 809 und 810. — Detmar- 
Chronik, ed. Koppmann, I, S. 429. — RudlofT, Handbuch d. meckl. Gesch. II, S. 217 — 222. Die 
Tagesdata der Kämpfe bei Mölln und Luplow sind nicht festgestellt. Fallen die Ereignisse 
wirklich noch in das Frühjahr 13 16, wie nach der Detmar- Chronik anzunehmen ist, dann müssen 
sie vor dem 23. März 13 16 stattgefunden haben, jenem Datum des Rendsburger Vertrages, in 
welchem darauf Rücksicht genommen wird: M. U.-B. 3818. 



272 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZIJN. 

kirchlicher Zustände in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts bieten 
wie die zu Mölln. Sie kann geradezu als Bild für viele andere Bilder dieser 
traurigen Zeit gesetzt werden, und es verlohnt sich deshalb, hier einmal aus- 
fuhrlicher als es sonst im Rahmen unseres Werkes liegt, darauf einzugehen. 

Im Jahre 1534 ist Joachim Schmit der Inhaber des Kirchlehns, das ihm 
im Namen der Landesfiirsten im Jahre 1526 von den Stavenhäger Beamten, 
dem Vogt Joachim Welzien und dem Küchenmeister August Boie, verliehen 
ist. Ausser diesem giebt es noch ein zweites fürstliches Lehn in der Kirche 
zu Mölln, das der Havelberger Probst in der Neustadt Roebel (prawest to nien 
Robell) zu geniessen hat. Im Filialverhältniss zu Mölln aber steht nur Klein- 
Helle (Lütken Helle). Damals, und ebenso 1541, haben Kleeth, Luplow und 
Gross-Helle noch ihre eigenen Kirchen und Pfarren. In Kleeth, zu dem auch 
Tarnow gehört, wirkt 1541 Michael Lowe (Löwe) im Sinne der neuen Lehre, 
in Luplow Jochim Schmidt und in Gross -Helle ist ein alter achtzigjähriger 
Seelenhirte Johann Gustevel, der »sich zu bessern« verspricht. 1574 hören 
wir von einem nicht genannten Pastor in Mölln, der seines Amtes entsetzt 
wird, sowie von der Bewerbung des Ahrensberger Pastors Joh. Köster, 
1596 aber ist von einer Wittwe auf der Pfarre zu Mölln die Rede, und 1603 
sagt das Visitationsprotokoll, die Wedem in Mölln sei verfallen und der Pastor 
wohne daher nicht in Mölln, sondern in Kleeth. Somit bilden also damals 
die beiden Mutterkirchen Mölln und Kleeth eine Kirchengemeinschaft mit 
einander.^) Als Pastor wirkt seit 1597 Johannes Hausmann in Kleeth, als 
dessen Vorgänger 1590 Elias Löser genannt wird, der 1577 die Konkordien- 
formel unterzeichnet. 1606 aber bittet Hausmann, die ungesunde Wedem in 
Kleeth verlassen und wieder nach Mölln ziehen zu dürfen. Er erreicht seinen 
Wunsch, wenigstens finden wir ihn 1610, 161 3 und 1620 (s. Glocke) auf der 
wieder hergerichteten Wedem in Mölln. 

Inzwischen- ist aber Klein Helle von Mölln getrennt und mit der Pfarre 
zu Gädebehn (Gotebende) unter Voss'schem Patronat vereinigt worden. In 
Gädebehn ist 16 18 der alte Pastor Michael Freund gestorben und Christoph 
Schneidewin wird sein Nachfolger. Zugleich ist dieser der letzte Pastor von 
Gädebehn. Im schlimmen Kriegsjahr 1637 wird seine Kirche völlig ver- 
wüstet, er selbst aber wird nachher nicht mehr genannt. Von 1649 ^" suchen 
und finden Gädebehn und Klein -Helle ihr geistliches Brod bei Breesen (unter 
Colerus), dann bei Kastorf (unter Hermann Müller) und wieder bei Breesen 



') Die Gründung der Kirche zu Kleeth als Mutterkirche und der zu Tarnow als Tochter- 
kirche fällt in das Jahr 1273: M. U.-B. 1300. Vgl. 3538 und 7778. Im Jahre 1541, als Lowe 
(Löwe, Lau) Pastor ist, hat der > Hofmeister zu Treptow« das Kirchlehn zu vergeben. 1643 heisst 
es im Visitationsprotokoll, dass die Kirche zu Kleeth sammt ihrem Thurm baufällig sei. 1648 
heisst es, die Kirche fürstlichen Patronates in Kleeth sei zusammengestürzt und selbst in ihren 
Trümmern nicht mehr ganz vorhanden, das »Uebrige« (innere Einrichtung) nebst dem Thurm sei 
durch Anzündung des Grases, so der VVindmüller daselbst gethan, ganz bis auf den (Jrund ab- 
gebrannt. 1662 wohnen in Kleeth, wo zwölf Bauern gewesen, nur noch zwei Büdner und der 
Müller. 



GUT UND KIRCHDORF MÖLLN. 273 

(unter lurisius s. o.), bis im Jahre 1704, als Aeminga Pastor in Mölln ist, beide 
Dörfer auf Betreiben der Herren von Voss als Patronatsinhaber zu gesammter 
Hand zu Mölln kommen, dessen Filia Klein -Helle schon vor der Reformation 
gewesen war. 

Seit 1631 wirkt in Mölln Thomas Severus aus Ivenack, wo ein gleich- 
namiger Vorfahr im XVI. Jahrhundert war (s. o. S. 177). Severus überdauert 
die furchtbaren Kriegsjahre und ist noch 1670 am Leben und im Amte. 
1643 sagt er aus, dass von den ehemaligen Bauersleuten im Dorf nur noch 
einer, der Chim Krasemann, am Leben sei. Früher, in Friedenszeiten, habe 
er in seinem Kirchspiel »bei sechshundert Leuten c gehabt. In Kleeth sei kein 
lebendiger Mensch mehr im Dorfe ausser einem Knecht, der als Drescher in 
Grabow'schem Dienst stehe. Die Kirche in Mölln sei stark verwüstet, habe 
aber noch drei Glocken, dagegen sei aus der baufälligen Kirche zu Kleeth 
eine der beiden Glocken gestohlen. In Tarnow aber, wo es noch einen 
Bauersmann gebe, sei die Kirche besser erhalten, eine der beiden Glocken 
jedoch geborsten.^) 1649 klagt er über die Verwüstungen, die ein heftiger 
Sturmwind am 14. Februar d. J. überall angerichtet habe, der Thurm seiner 
Kirche sei umgeworfen, zwei Glocken seien heil geblieben, eine aber zer- 
schmettert. Die Noth sei gross, er müsse selber seinen Acker pflügen, da die 
Bauern ringsum todt seien. Er bittet, dass, da die Kirche in Gross -Helle ab- 
gebrannt sei, die dahin gehörenden Dörfer Schwandt und Briggow seiner 
Pfarre zugelegt werden möchten. Der Brand der Kirche zu Gross -Helle hatte 
1637 stattgefunden. Von dem letzten Pastor in Gross -Helle, Johann Stamme, 
heisst es im Visitationsprotokoll von 1662, dass er vor zwanzig Jahren ge- 
storben sein solle. Der Bitte des Severus um Vereinigung von Schwandt und 
Briggow mit Mölln muss nachgegeben sein, denn sonst hätte nicht der 
Güstrower Superintendent Arnoldi dem Pastor Christian Sagittarius zu Flotow 
im Jahre 1650 die Ausübung des Predigtamtes für die Gemeinden in Gross-Helle 
und Schwandt verbieten und darauf hinweisen können, dass hier der Pastor 
zu Mölln zuständig sei, dessen Einnahmen dadurch geschmälert würden. Doch 
wird darin einige Jahre später wieder eine Aenderung eingetreten sein, da im 
Visitationsprotokoll von 1662 berichtet wird, dass in Schwandt jeden Sonntag 
von Ern Christianus Arnold Lange (alias Christian Arnold) in Varchow gepredigt 
werde, in der Kirche zu Briggow aber, deren Patronat einst den Fürsten 
gehört haben solle und jetzt von den Arenstorffen beansprucht werde, zeit- 
weilig von dem Pastor zu Mölln der Gottesdienst abgehalten werde, obwohl 
sie öde und wüste geworden sei. Auch in Luplow predigt er ebenso wie in 
Briggow jeden dritten Sonntag. Doch das Maass des Unglücks, welches 
Severus erträgt und zu ertragen versteht, erreicht im Jahre 1661, als ihm 
die kaiserliche Soldateska das Haus niederbrennt, seinen Höhepunkt. Der 
landesherrliche Befehl vom 18. März 1663, ^'^s Pfarrhaus wieder zu erbauen, 
stösst auf unüberwindliche Hindernisse. Das Amt in Stavenhagen ist nicht 



») Vgl. Groth, M. Jahrb. VI, S. 137. 

18 



274 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

im Stande, die Leute und das Holz zum Bau zu beschaffen, und entschädigt 
den Pastor einstweilen mit zweiunddreissig Gulden jährlich, womit er sich 
helfen möge, so gut es gehe. Im Jahre 1670 wird der Befehl zum Bau er- 
neuert, aber der alte Severus stirbt darüber hinweg. Er gelangt nicht wieder 
in ein ordnungsmässig eingerichtetes Pfarrhaus. Am 8. September 1674 ergeht 
ein Mandat des Herzogs Gustav Adolf an die Patronate von Gross -Helle, 
Briggovv und Schwandt wegen Zögerung (Tergiversierung) in der Besetzung 
der Gross -Heller Pfarre. Auf die Androhung des Verlustes des Patronats 
erwidert der Oberst Joachim von EngeP) als Pfandherr von Gross -Helle im 
Namen der eigentlichen Patrone von Gross -Helle und Schwandt, des Georg 
Heinrich Freiherrn von Maltzan zu Wartenberg und Penzlin und des Moritz 
von Walsleben auf Penzlin, Leistenow u. s. w. sowie des Patrons von Briggow, 
des Hans Friedrich von Krackewitz auf Briggow, mit Vorlegung der von ihnen 
schon am 14. August 1674 erlassenen Vokation des Johannes Nemzovius. 
Aber daraufhin findet die Eröffnung statt, dass dieses Vorgehen als ein 
Verstoss gegen die jura episcopalia bezeichnet werden müsse, da die Berufung 
ohne Wissen und Genehmigung des Landesherrn und ohne Zuziehung des 
Superintendenten geschehen sei. 

So kommt die Sache aufs Neue ins Stocken. Am 26. November 1677 
befiehlt der Herzog, nunmehr bei Strafe von einhundert Thalern an die Er- 
bauung der Pfarrgebäude und an die »hochnöthige Besetzung und Kombi- 
nation« der Pfarren von Gross -Helle, Schwandt, Briggovv, Mölln, Kleeth und 
Tarnow zu denken. Aber es kommt wiederum zu nichts. Vielmehr bitten 
die Herren von Voss im Jahre 1679, ihre inzwischen ganz wüst gewordene 
Kirche zu Luplow an die zu Schwandt und Briggow anschliessen zu dürfen; 
in Luplow wohne ausser Joachim Christoph Voss nur noch ein Bauer, dort 
könne sich deshalb ein Pastor durchaus nicht halten. Aus diesem Anschluss 
wird aber nichts, denn wir erfahren später, dass der Pastor Sternhagen zu 
Varchow die Cura in Luplow übernommen hat. Am i. September 1683 
meldet der Superintendent Schuckmann, dass die Kirche zu Mölln nun schon 
geraume Zeit keinen Prediger und kein Pfarrhaus gehabt habe. Er erreicht 
damit, dass der Pfarrhausbau 1684 aufs Neue befohlen wird. Wirklich besser 
aber wird die Sache erst, als der Hofrath Heinrich Schuckmann im Jahre 1694 
das Gut und auch das Patronat von Mölln übernimmt, womit ihn Herzog 
Gustav Adolf beschenkt, und als seit 1692 Konstantin Fiedler Pastor der bis 
dahin von Breesen her nothdürftig versorgten Gemeinden zu Mölln und Gross- 
Helle mit ihren Tochterkirchen geworden ist.*) Trotzdem hat Fiedler am 
4. Oktober 1693 darüber zu klagen, dass der Pensionär Nergendorf zu Kleeth 
zum Bau der Pfarrscheune nicht thue, was er schuldig sei, sein Vieh müsse 



*) Oberst von Engel hat bis dahin für Gross -Helle Anschluss an die Kirche zu Gevezin 
gefunden. 

') Briggow hatte bis dahin Anschluss an Kastorf (unter Pastor Hermann Müller) gefunden 
und geht daher nicht ohne Widerstreben auf Herzoglichen Befehl vom 13. September 1692 nach 
Mölln zurück. Akten im Grossh. Archiv. 



GUT UND KIRCHDORF MÖLLN. ^7$ 

draussen liegen, und der Wolf habe ihm bereits grossen Schaden zugefiigt. 
Doch der Herzog hilft ihm mit einem strengen Befehl. Als zu einer Pfarr- 
gemeinde vereinigt werden nun die Dörfer Gross -Helle, Schwandt, Briggow, 
Tarnovv und Kleeth im Jahre 1694 aufgezählt. Konstantin Fiedler bleibt 
bis 1704 (s. o. S. 7). Ihm folgt der unter Voss'schem Patronat 1701 nach 
Flotow berufene, unter demselben Patronat am 16. December 1703 für Gäde- 
behn und Klein -Helle gewählte und am 12. Februar 1704 auch für Luplow 
bestätigte Pastor Joh. Christoph Aeminga,^) der, weil nirgends eine Wedem 
fiir ihn einzurichten ist, zu Flotow in einem Voss'schen Katen wohnt.*) Am 
19. Januar 1705 richtet der Hofrath Schuckmann auf Mölln an den Herzog 
Friedrich Wilhelm die Bitte, ihm dazu helfen zu wollen, dass der Pastor 
Aeminga durch eine Vermittlung des Superintendenten Haberkorn zu Güstrow 
und durch eine von diesem zu bewirkende Vereinbarung mit den Herren 
von Voss auch das Pastorat in Mölln übernehme und die Wedem daselbst 
beziehe. Diesmal wird etwas aus der Sache. Aeminga wohnt bald darauf in 
Mölln und verwaltet hier alle seine Pfarren zu grösster Zufriedenheit seiner 
Gemeinden bis an seinen Tod im Jahre 1721, doch nicht anders als nachdem er 
Flotow im Jahre 17 12 wieder abgegeben hat: in der That ein eigenartiges Bild 
seiner Zeit. Als nach seinem Tode Adolf Ludwig Hein am Palmsonntag 1723 
in Mölln die Pfarre antritt, weist F. E. von Voss als Patronatsherr die Gädebehn- 
Klein- Heller Gemeinde an den Pastor Balthasar Simonis in Gevezin, doch 
kehrt sie 1729, nach dem Absterben des Simonis im Jahre 1728, nach Mölln 
zurück. Ebenso wird die Gemeinde von Gross -Helle und Schwandt unter 
Maltzan'schem Patronat 1723 der Kirche zu Penzlin zugewiesen und bleibt 
bei dieser. Hein, der in diesem Jahr das Kirchenbuch zu Mölln anlegt, fiihrt 
es bis zu seinem Tode am 25. März 1761. Seine Amtsführung fallt in die 
Zeit der Herrschaft der Herzogin Auguste über das Amt Stavenhagen. Für 
Gädebehn und Klein -Helle erhält sein Nachfolger Joachim Christoph Hennings 
eine besondere Vokation. Ebenso wird mit dem im Jahre 1790 nach Mölln 
berufenen Pastor Johann Dietrich Wagner für Gädebehn und Klein -Helle ein 
besonderer Vergleich abgeschlossen. Ueber Wagner (f 1840) und die übrigen 
Geistlichen des XIX. Jahrhunderts s. Walter a. a. O. 

Schwandt kehrt erst im Jahre 1865 von Penzlin unter die Cura von 
Mölln zurück. Gross -Helle aber bleibt bei Penzlin. Ueber die Filial- Kirche 
zu Tarnow s. o. S. 222. Die geographische Lage weist Mölln, Schwandt, 



*) Gebürtig aus Güstrow. Sein Vater besass eine Bude auf dem Klosterhof zu Güstrow. 
Akten im Grossh. Archiv. 

•) Von Gädebehn heisst es im Visitationsprotokoll von 1648, die Kirche sei ganz verwüstet, 
der Thurm liege nieder, zwei Glocken wären auf den Erdboden gefallen, dagegen sei die Kirche 
zu Lütken -Helle in gutem Zust.inde. 1669 wünscht Joachim Zabel von StafTeld als Pfandinhaber 
die Wiederherstellung der Kirche und macht darauf aufmerksam, dass zwei Glocken der Gäde- 
behner Kirche — es werden die vorhergenannten sein — schon seit 1662 auf dem Kirchhof zu 
Klein -Helle wären. Mit ihm sind die von Voss bereit, die Glocken zu veräussern zum Besten 
des Gädebehner Kirchenbaues, und bitten um Konsens. Aber es wird nichts daraus, denn 1704 
heisst es bereits, dass von Kirche und Wedem in Gädebehn keine Rudera mehr vorhanden seien. 

18* 



2^6 



AMTSGERICIITSDEZIRK PENZLIN. 



Kirche. 



Altar und 
Kanzel. 

Empore. 

Glas- 
malerei. 

Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Tarnow und Briggow als in Circipanien gelegene Ortschaften an die Kamminer 
Diöcese, wenngleich ein direktes Zeugniss dafür nicht vorliegt. S. o. bei 
Gross- Helle S. 254. 

Kirche. Die Kirche ist ein Ziegelbau vom Ende des XIII. oder Anfang 
des XIV. Jahrhunderts und stellt einen ungetheilten flachgedeckten Raum mit 
Schluss aus dem Achteck dar. Als unverfälschte Einzelheiten zeigen sich in 
der Westwand das frühgothische Portal, in welchem der romanische Rundstab 
und die abgefaste Kante und ein Rundbogen unterhalb eines Spitzbogens mit 
einander vereinigt sind, sowie ferner ein zugesetztes Schlitzfenster auf der 
Nordseite und neun spitzbogige Schildbögen im Innenraum. Neben der Kirche 
ein freistehender Glockenstuhl. 

Altar und Kanzel, zu einem Körper verbunden, stammen aus dem 
XVIII. Jahrhundert. Oberhalb des Altars hängt ein gothischer Krucifixus. 

An der herrschaftlichen Empore finden sich viele Wappen der Familie 
VON SCH UCKMANN, welche den Zeitraum von 1695 — 1870 umspannen. 

Im Fenster der Südseite auf Glas zwei Namen von 1559: ACHIM 
PEMAN und CLAWES HUETH. 

Im Glockenstuhl zwei Glocken. Die eine davon hat die Inschrift: 
^ ANNO MDCXX GERDT VON CÖLN • H • H JOHAN HAUSMAN P SOLI DEO 
QLORIA.^) Die zweite hat nur die Jahreszahl 1620. 

Kleinkunstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss von 
dem Güstrower Goldschmied Andreas Rathke. Patene ohne Werkzeichen. — 

3. Kleiner silbervergoldeter Becher, ähnlich dem Kelch unter i, aber ohne 
Inschrift und nur mit der Jahreszahl 1890 versehen. Ohne Werkzeichen. — 

4. Aelterer Zinnkelch, mit der Marke des englischen Zinns und dem Meister- 
stempel I. B. — 5. Länglich silberne Oblatenschachtel mit schrägen Rundfalten 
am Deckel. Auf dem Deckel ein Doppel -Monogramm unter fünfzackiger 
Krone, bestehend aus den Buchstaben H L {V.) S.*) Stadtstempel S, Meister- 
stempel UL«K« — 6. Taufschüssel von Messing, neu. — 7. 8. Zwei Zinn- 
leuchter, der eine mit der Inschrift JOCHIM LVCHT 1685, der andere 
mit BEKE LANGE 1685. Der erste zeigt als Stadtzeichen einen Stier- . 
köpf und als Meisterstempel nebenstehende Hausmarke mit J und H. ■ 
Vgl. Lapitz. 




*) Gerd von Colin, um diese Zeit (1613— 1628) Amtshauptmann zu Stavenhagen, Pfand- 
inhaber von Grabow und PrUtzen. Vorher Beamter in Ribnitz. Seine unbeerbt verstorbenen 
Söhne, Christoph und Joachim, sind die letzten ihres Geschlechts. Akten im Grossh. Archiv. 

*) Schuckmann. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF KLEIN -HELLE. 



277 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Klein -Helle.') 




|it Besitz und Rechten treffen wir um 1359 das alte Geschlecht der Geschichte 
Muggesfeld in Klein -Helle (Lütteken- Helle), das sich uns im Uebrigen des 
als ein deutsches Bauerndorf darstellt.*) Im nachfolgenden XV. Jahrhundert Dorfes, 
finden wir dort als Vasallen der mecklenburgischen Herzöge die Maltzan, Voss, 
Woosten, Parsow. Sie sind mit einzelnen Höfen im Dorf belehnt. Und von den 
Vossen haben auch die Prillwitzer Peccatel einen Antheil in Pfand genommen. 
Im XVI. Jahrhundert treten die Holstein auf Ankershagen mit Antheilen auf, die 
sie 1 5 1 1 an das Kloster Broda verpfänden. Es sind in der Hauptsache drei 
Höfe und zwei Käthen mit im Ganzen sechs Hufen. Gegen Ende des XVI. 
Jahrhunderts aber übernimmt Achim Voss auf Rumpshagen die Holstein 'sehen 
Hufen und Höfe, und im XVII. Jahrhundert kommen die Herren von Voss in 
den Besitz des ganzen Dorfes. Sie haben auch das Patronat von Gädebehn 
und Klein -Helle zu gesammter Hand (s. o. S. 275). Der dreissigjährige Krieg 
vernichtet die Blüthe des Dorfes: 1648 giebt es dort nur noch einen Bauern, 
während vorher sechzehn Höfe gezählt wurden, nämlich die von sechs Bauern 
und von zehn Kossäten. In Voss'schem Besitz bleibt Klein -Helle bis 1759. 
Von da an bis 1789 ist es Schuckmann'scher Besitz. Dann hat es bis 18 12 der 
Oberstwachtmeister Barthold Hans von Zülow, und von 1812 an Hauptmann 
Christian Elisa Bogislav von Ferber. Ferber'scher Besitz bleibt es bis 1871. 
Es folgen 1871 Friedr. Ludwig Franz Reissmann, 1875 A. Bartold, noch im 
selben Jahre Rud. Karl Helmuth Bahlcke und 1898 Karl Schwanitz, der gegen- 
wärtige Besitzer. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Mölln. Die geographische 
Lage nöthigt dazu. Klein -Helle ebenso wie Mölln, Gross -Helle, Wrodow, 
Gevezin und Chemnitz fiir Circipahien und die Kamminer Diöcese in Anspruch 
zu nehmen. S. o. bei Gross- Helle. 

Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau in der Form eines länglichen Kirche. 
Vierecks mit flacher Decke im Innern. Im Westen ein Holzthurm als Glocken- 
stuhl, dessen Wetterfahne mit B»D»V»S» 1781 gezeichnet ist.') 



Als Altaraufsatz ein nicht zu übersehendes spätgothisches Triptychon 
des XV. Jahrhunderts, dessen Schnitzwerk die hl. Maria mit dem Kinde in 
einer Mandorla darstellt, von Engeln umgeben, den Mond zu ihren Füssen. 
Als besonders zu beachtende Figuren erscheinen neben der Mandorla oben 
links der jugendliche David als Harfenspieler und rechts der jugendliche Moses, 



Altar- 
aufsatz. 



') 12 km nördlich von Penzlin. 
*) M. U.-B. 8633. 
') von Schlickmann. 



Ueber den Namen s. bei Gross -Helle. 



278 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZUN. 

welcher sich anschickt, vom rechten Fuss einen Schuh abzuziehen.') Unten 
links der schon öfter in Darstellungen dieser Art gefundene sitzende König 
mit einer Krone, die fast an eine Bischofsniitra erinnert, und hinter ihm 
stehend der Herzog im Fiirstenhut. Beide weisen mit Unker Hand und linkem 
Arm nach oben. Unten rechts aber der dazu gehörende knieende jugendliche 
Ritter. In besonderen Nischen daneben oben hnks die hl. Gertrud, rechts die 
hl. Maria Magda- 
lena, unten je ein 
nicht näher zu be- 
stimmender 
Apostel. Auf den 
Flügeln die ge- 
malten Figuren 
des Petrus und 
Paulus. 

Wappen. Unterhalb der 

Empore im 

Westen ein 

V • FERBER- 

BLOCHER'sches 

Alllanzwappen 

von Zinn (Sarg- 

dekoration]. 

Glocken. Im Glocken- 

stuhl zwei 
Glocken, von 
denen die 
grössere mit dem 
Voss' sehen Wap- 
pen laut Inschrift 
im Jahre 175 1 
unter dem Patro- 

nat des FRIEDR. CHRISTOPH HIERONYMUS VON VOSS (Domprobst zu Havel- 
berg, Königl. Preuss. Geh. Justiz- und Legat ionsrath, bevollmächtigter Minister 
am Königl. Dan. Hofe und Erbherr auf Trollenhagen, Podewal und Kleinen- 
Helle) von C. D. Hsintzs gegossen ist, während die andere, welche bedeutend 
älter ist, weder Inschrift noch Zeichen aufweist. 

Kleinkunst- Kleiokanstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch. Am Knauf der Name 

werke. JESVSS (!}. Auf dem Fuss ein aufgelötheter Krucifixus als Signaculum und der 

') Stall dieser beiden Figuren sieht man sonst gewöhnlich iwei Gruppen aus der Reihe der 
Maiianischen Typen des alten Testaments: Moses vor Gott Vater im brennenden Busch und 
Ezechiel vor der verschlossenen Pforte. 



Spälgothisches Triptycho] 



GUT UND FILTAL- KIRCHDORF SCHWANDT. 



279 



zweimal eingeschlagene Stempel [pj r] , Patene ohne Werkzeichen. — 3. Silberner 
Deckelpokal, geschenkt laut Inschrift 1870 von FRIEDERIKE POLLOW. Keine 
Werkzeichen, nur (J3) als Angabe des Feingehalts. — 4. Kleines Kranken- 
geräth, silbervergoldet, ohne Werkzeichen. — 5. 6. Zwei Zinnleuchter, der 
eine 1789 gestiftet von C • F • bACKER (Stempel undeutlich), der andere 1683 
gestiftet von CHRISTOFFER TOLL. Stadtzeichen undeutlich (UJ?). Meister- 
zeichen O. S. mit Hausmarke. Also wohl Rostocker Arbeit von Olrik (Ulrich) 
Schlüter. 




Das Gut und Filial- Kirchdorf Schwandt.') 

as Dorf Schwandt (Zwante) wird 1273 bei Gelegenheit der Gründung der Geschichte 



*) II km nordnordwestlich von Penzlin. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 130, erinnert an den 
altslavischen Stamm svetü = stark, heilig. Wäre das richtig, so hiesse Schwandt ungefähr soviel 
wie »Hilgendorfc, oder auch > Heiligenhagen«. 

*) M. U.-B. 1300. 

») M. U.-B. 3538. 7778- 

*) Akten im Grossh. Archiv. Vgl. Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 492. 

*) Groth, M. Jahrb. VI, S. 137. 



des 
Dorfes. 



Kirchen zu Kleeth und Tarnow durch die Ritter Friedrich und Gothan 
Dargatz zum ersten Mal urkundlich genannt. Sie bewidmen Mutterkirche und 
Tochterkirche gemeinsam mit drei Hufen, einer in Kleeth, einer andern in 
Tarnow sowie einer dritten in Schwandt, und setzen den Priester Konrad fiir 
beide Kirchen ein.*) Das Patronat darüber wird später vom Kloster Reinfeld 
erworben. Die Nachkommen der Dargatz sind dessen ungeachtet auch noch über 
die Hälfte des XIV. Jahrhunderts hinaus in Schwandt ansässig.^) Zu Anfang 
des XVI. Jahrhunderts aber streiten die von Maltzan mit den Herzögen Heinrich 
und Albrecht um zwei Bauern in Schwandt, die sie als die ihrigen bean- 
spruchen, und 1520 geben sie zwei Höfe und einen Käthen als ihren Besitz 
an (»item zweier hoffe vnnd einer halbenn kottenn oder suldenn zu Schwante«).*) 
In den Maltzan'schen Besitz tritt noch vor 1550 Achim Voss auf Luplow 
durch einen Pfandvertrag ein, und 1594 kaufen Achim und Adam Voss auch 
die Oldenburg'schen Antheile an Schwandt. So kommen die Herren von Voss, 
obwohl sie deswegen mit den Freiherrn von Maltzan 1614 noch Streit haben, 
schrittweise in den Besitz des ganzen Dorfes. Der dreissigjährige Krieg 
nimmt das Dorf so mit, dass es 1648 völlig wüst und menschenleer daliegt.^) 
Nachdem es bis 1831 in Voss'schem Besitz gewesen ist, geht es in diesem 
Jahre in die Gräflich Schlieffen'sche Begüterung über, der es heute noch angehört. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse siehe bei Mölln. 

Kirche. Die Kirche ist ein dem XVIII. Jahrhundert (1747?) angehörender Kirche. 
Bau, welcher einen flachgedeckten Raum mit Schluss aus dem Achteck dar- 
stellt. Der aus der Dachkonstruktion hervorwachsende Thurm hat eine offene 



28o 



AMTSGERICllTSBliZIRK PENZLIN. 



Altar und 
Kanzel, 
Empore. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Laterne als Aufsatz. In dem Anbau auf der Nordseite, welcher fiir die Gross- 
Hellesche Empore angefugt ist, befindet sich die Ruhestätte der von Engel 
und von Pentz. Vor dem Thurm im Westen ein neuer grosser Anbau, der 
als Schliefifen'sches Erbbegräbniss dient. An der Südseite ein Treppenanbau 
zur Schwandter Empore. An der Thür dieses Anbaues ein kleiner eiserner 
Schild für den Thürklopfer, welcher die Jahreszahl 1752 enthält. 

Altar und Kanzel sind zu einem Körper verbunden. An der Schwandter 
Empore mehrere zinnerne Sargwappcn der Familien VON VOSS und VON 
SCHLIEFFEN, ebenso auch am Altar, unter denen auch VON ENGEL'sche 
(Gross- Helle) vorkommen. 

Im Thurm hängen zwei Glocken. Die grössere ist laut Inschrift 1747 
unter dem Patronat des ADAM CARL VON VOSS und seiner Gemahlin MARIA 
ELISABETH, GEB. VON DER HARDT, sowie unter dem Kompatronat der Frau 
BEATA ELISABETH WITTWE VON ENGEL, GEB. VON ENGEL, ebendaselbst, und 
z. Zt. der Penzliner Pastoren BALTHASAR FRIEDR. SCHEIBEL und JOH. 
CHRISTIAN MÜLLER von C. D. Heintze gegossen worden. Die kleinere zweite 
Glocke trägt weder Inschrift noch Zeichen, doch deutet ihre Form auf ein 
hohes Alter hin. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss. Als 
Signaculum die dreifigurige Kreuzigungsgruppe auf einem Wappenschild. Der 
Kelch ist laut Inschrift auf der Unterseite 1744 von BEATA MAGDALENA 
GIESEN gestiftet. Stadtzeichen das dreithürmige Thor von Neubrandenburg, 
Meisterstempel E T. Die Patene hat ebenfalls den Namen der Stifterin des 
Kelches, aber keine Werkzeichen. — 3. Silberne länglich runde Oblaten- 
schachtel. Auf der Unterseite die Initialen J • J • V» Stempel undeutlich.*) — 
4. Silbervergoldete Taufschale auf einem Fuss; an der Schale zweimal das 
Zeichen S. und das Beschauzeichen /vvw^^Nf^. — 5. 6. Zwei grosse versilberte 
Messingleuchter, gestiftet von JULIE VON VOSS 1819. — ImThurmraum ausser- 
dem noch zwei dreifiissige Leuchter zwei beschädigte Vasen von Zinn. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Passentin.') 

Geschichte MJj^^^ jener öfter bereits angezogenen Urkunde vom Jahre 1170, in welcher 
des ■»»■ Fürst Kasimar von Pommern dem Stifte Havelberg eine Anzahl von 
ories. Dörfern zwecks Gründung des Klosters Broda überweist, wird unter diesen 

^) Das Inventar von 181 1 beschreibt eine silberne Oblatenschachtel mit der Inschrift: 
OTTO CARL VON VOSS 1706. 

') 7 km nordnordöstlich von Penzlin. Die alte Form des Namens Patsutin verbindet 
Ktthnel, M. Jahrb. XLVI, S. 104 mit dem altslavischen Wortstamm pak-, kroatisch pacetin (= stark) 
und übersetzt ihn mit »Ort des Pacuta, Paceta«. Das würde deutsch ungefähr soviel sein wie 
>Starkenhagen<. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF PASSENllN. 28 1 

Dörfern auch Passentin (Patsutin) genannt.^) Indessen diese Urkunde ist 
nicht echt, und unter den Gründen, die wider sie und ihre Konfirmation 
von 1244 sprechen, ist auch der, dass Passentin in der für echt gehaltenen 
Bestätigungsurkunde des Herzogs Bogislav vom Jahre 11 82 und ebenso in 
der auch ihrerseits wieder für untergeschoben erklärten Bestätigungsurkunde 
des Fürsten Nikolaus von Werle vom Jahre 1230 ausgelassen ist.'^) Dagegen 
scheint es sicher zu sein, dass wir nach einer im Jahre 1396 von den beiden 
Fürsten Nikolaus und Christoffer von Wenden vollzogenen Beglaubigung einer 
älteren Urkunde — deren Echtheit freilich, ohne dass es zu unserer Sache 
etwas thut, ebenfalls angefochten worden ist — Passentin für eine im Mittel- 
alter stark befestigte Burg zu halten haben, auf welcher die Bardenfleth 
Sassen, zu deren Gütern auch die grosse Stadtmühle bei Penzlin nebst dem 
Stadtsee gehörte. Der Brief über diese Mühle (so heisst es in der ge- 
nannten Beglaubigung) sei dem Gerd Bardenfleth bei Gelegenheit der Zer- 
störung der Burg Passentin verloren gegangen (»do Passentynn wunnen vnde 
brakenn wardt«). In welchem geschichtlichen Zusammenhange es aber war, 
als diese Burg zerstört wurde, das erfahren wir nicht. Es lässt sich nur sagen, 
dass die Angabe den Eindruck macht, als wenn das Ereigniss in der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts stattgefunden haben müsse. ^) 

»Die Burg lag an dem Südrande des Dorfes in dem umfänglichen 
Wiesengrunde an den Ufern des Malliner Sees und des Fischstroms, welcher 
hier noch einen kleinen von Norden herabkommenden Bach in sich aufnimmt. 
Die Wiebeking'sche Originalkarte im Archive hat hier neben einander den 
»grossen« und »kleinen Burgwall«, beide viereckig, und etwas weiter nord- 
östlich neben dem Dorfe den runden »Möllerwall«. Dorf und Burgwälle liegen 
jetzt auf der linken, Mecklenburg -Schwerinschen Seite des Stromes, welcher 
aber vielleicht in den letzten Jahrhunderten geändert und früher Dorf und Burg 
getrennt, oder letztere auf beiden Seiten umflossen haben mag, da die Grenze 
zwischen Passentin und Mailin schon vor der Mitte des XVIII. Jahrhunderts 
streitig war.«*) 

Ob aber, wie Beyer meint und noch mit dem späteren Verhältniss der 
Maltzan und Holstein zu einander begründet wissen will, aus diesen ehemaligen 
Burgwallverhältnissen auf nähere Beziehungen zur Burg Penzlin geschlossen 
werden darf, und ob die Burg Passentin zu den befestigten Eingangspunkten 
oder Pforten des Landes Radvir, dem Redarierlande oder Stargard, gehört 
habe : das wollen wir dahin gestellt sein lassen. Was uns betrifft, so erscheint 
uns das mehr als zweifelhaft. 

Nach den Bardenfleth's finden wir auf Passentin die nach dem Ort ge- 
nannte Familie der Passentin. Kord und Henneke sind die letzten männlichen 
Nachkommen ihres Geschlechts. Noch bei Lebzeiten des letztgenannten. 



*) M. U.-B. 95. Vgl. 563 (vom Jahre 1244). 

«) M. U.-B. 135. 377. Vgl. W'igger zu M. ü.-B. 1284. Beyer, M. Jahrb. XXXVIT, S. 60. 

*) M. U.-B. 7230. Vgl. Koppmann, M. Jahrb. LVI, S. 232. 

*) Wörtlich nach Beyer, M. Jahib. XXXVII, S. 61. 



282 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

nämlich im Jahre 1510, geben die Herzöge Heinrich und Albrecht dem Penzliner 
Maltzan die Anwartschaft auf die Belehnung mit Passentin.^) Aber auch die 
Holstein haben Pfand -Antheile daran, die sie 1511 an das Kloster Broda ab- 
treten, 1552 aber wieder einlösen. Bald darauf, 1519, giebt es Streit zwischen 
ihnen und Bernd Maltzan.^) 1562 wird der Maltzan'sche Antheil an Jakob 
Zitzewitz, dann aber wieder, und zwar noch vor 1593, an Joachim Arenstorff 
verpfändet. Zu gleicher Zeit, nämlich 1592, geht der Holstein'sche Antheil 
durch Kauf an Joh. Restorfif auf Chemnitz über, in den Jahren 1609 und 1610 
aber kauft Friedrich von Aschersleben für sich und seine Brüder sowohl den 
Maltzan'schen wie den Holstein'schen Antheil. Darauf tritt von 1622 an 
Philipp Julius von Platen als Pfandbesitzer auf längere Zeit, noch über 1647 
hinaus, an die Stelle der von Aschersleben. In gleichen und ähnlichen Rechts- 
verhältnissen folgen im XVII. und XVIII. Jahrhundert die Familien Vogelsang, 
Hacke, KlinggräfT, von der Lanken, Pankert und Voss, bis endlich schrittweise 
alle diese Anrechte (1716, 1721 und vor 1735) an die Brüder Friedrich Wil- 
helm und Ludwig von Hacke kommen. Hacke'scher Besitz bleibt Passentin 
bis 1789. Es folgen 1789 Advokat Christian Vollrath Nikolai und dessen 
Familie bis 1852,^) Ulrich von Schack bis 1862, Theodor Karl August Ernst 
von Blücher bis 1868, Staatsminister Theodor Dietrich von Levetzow bis 1869, 
Leutnant a. D. Eugen Seip bis 1882, und von diesem Jahre an Wilhelm 
Theodor Herrn. Lemke, der den Besitz heute mit Georg Lemke theilt. 

Die Kirche zu Passentin, welche, ihrer geographischen Lage nach, im 
Mittelalter zu keiner anderen als der Diöcese Havelberg gehört haben kann, 
wenngleich ein ausdrückliches Zeugniss dafür nicht vorliegt, lässt sich von 1575 
an bis ins XVIII. Jahrhundert hinein als Tochter der in der Strelitzer 
Enklave liegenden Mutterkirche zu Gevezin verfolgen. Indessen schreibt B. F. 
von Krackewitz auf Gevezin im Jahre 1705, die Kirche zu Passentin sei vor 
vielen Jahren zu Grunde gerichtet, es seien kaum noch Spuren davon vor- 
handen.^) Die Einwohner von Passentin seien daher 1689 (aufs Neue) an die 
Mater zu Gevezin verwiesen und hätten auch Grabsteine in der Geveziner 
Kirche, hielten sich aber z. Zt. mehr nach Lapitz, wo ein junger Pastor predige 
(von Penzlin her, s. o. S. 240). Aber später finden wir Passentin bei Wulkenzin 
(von 1727 an), dann eine Zeit lang bei Alt-Rehse (bis 1747), doch seitdem 
wieder bei Wulkenzin in Mecklenburg- Strelitz. 

Kirche. Kirche. Die Kirche, oder richtiger Kapelle, ist ein Fachwerbau von 

1794, der fast ein Quadrat darstellt. Mitten auf dem First ein kleiner Dach- 
reiter mit einer offenen Laterne, deren Wetterfahne ein N und die Jahreszahl 
1794 zeigt. 



*) Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 402—404 (Urk. DCCCXIII. DCCCXIV). Vgl. S. 498 
(Urk. DCCCXLVIII). S. 505 (Urk. DCCCLXIII). 

«) Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 485 (Urk. DCCCLII). 

*) Doch ist Passentin schon vor 1780 Nikolai'scher Pfandbesitz. 

*) Im Visitationsprotokoll von 1661 heisst es freilich, dass die Kirche in Passentin benutzt 
werde. Der Thurm aber sei umgefallen. 



CUT UND KIRCHDORF GROSS-LUKOW. 283 

Die innere Einrichtung ist einfach, Altar und Kanzel sind zu einem Innere Ein- 
Körper verbunden. richtung. 

Im Dachreiter eine Glocke mit der Inschrift: SOLI DEO GLORIA WIL- Glocke. 
HELM NICOLAI PATZENTIHN ANNO 1780.') 

Kelch und Abendmahlskanne sind neu und erst in den letzten Jahren Vasa sacra. 
beschafft. 




*) S. o. S. 282, Anmkg. 3. 

•) 6 km nordwestlich von Penzlin. Njich Kühne!, M. Jahrb. XLVI, S. 88, soviel wie »Ort 
des Luk, Lukac 

'j M. U.-B. 377. 1284, Anmkg. Dort auch das Nöthige tlher die Fälschung vom 22. Sep- 
tember 1312: M. U.-B. 3563. Vgl. ferner die Konfirmationen der Fürsten von Werle 1402, der 
Herzöge Magnus und Balthasar von 1482 und des Popstes Alexander VI. von 1500 (Urkunden- 
Abschrift im Grossh. Archiv): M. Jahrb. III, S. 206 — 210. 229/30. — BoU, Chronik der Stadt 
Neubrandenburg, S. 321, bezweifelt auch die Echtheit der Beurkundung vom 5. Mai 1402 und hält 
sie für ein Machwerk aus der Zeit nach 1433. 

*) M. U.-B. 1284. 

*) M. U.-B. 5960. 

•) M. U.-B. II 554. 



Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Gross- Lukow.') 

arum eine unter dem 24. April 1230 ausgestellte Urkunde, nach welcher Geschichte 
das Dorf Gross -Lukow schon um 1230 dem Kloster Broda gehören _^^5 
würde, als eine Fälschung angesehen werden muss, hat Wigger in der An- 
merkung zu der unverdächtigen Urkunde des Fürsten Nikolaus I. von Werle 
vom 23. April 1273 überzeugend dargethan.*) Thatsächlich beginnt das Ver- 
hältniss des Klosters zum Dorfe nicht eher als am 30. Juli 1 304, an welchem 
Tage Fürst Nikolaus II. von Werle dem Kloster für erlittenen Kriegsschaden 
das Patronat der Kirche in Gross -Lukow sowie das der Tochterkirche in 
Marin sammt dem Dorfe Klein -Lukow und drei Kirchen- Hufen verleiht.*) Um 
das Jahr 1319 treffen wir in Gross-Lukow die Gebrüder Wokenstedt mit Besitz 
und Rechten. Am 24. Mai 1339 vermehrt Bischof Dietrich von Havelberg 
die Einkünfte des Klosters Broda mit verschiedenen Hebungen aus den Kirchen 
zu Neubrandenburg, Penzlin, Ankershagen, Wulkenzin und Lukow, aus letzt- 
genannter mit einer Hebung von zehn Mark Wendisch.^) Im Jahre 1384 aber 
tritt dort bereits die ritterbürtige Familie der Holstein auf: es sind Hans und 
Arnd, die der Kirche zu Penzlin Pachte im Betrage von sechs Mark aus 
Gross-Lukow verschrieben haben.®) In der Folge wird Gross-Lukow eins der 
Hauptgüter im Lande Penzlin und bleibt — eine Reihe von Verpfandungen 
von Antheilen und Einkünften im XVII. und XVIII. Jahrhundert an die Voss, 
Restorff, Bülow, Peterswald, Bekendorf, Langermann, auch einen vorüber- 
gehenden Verkauf im Jahre 1730 an die von Warnstedt abgerechnet — bis 



284 AMISGERICIITSBEZIRK PliNZLlN. 

1802 im Besitz der Familie von Holstein. Von 1803 bis 1841 haben es die 
von der Lanken, von 1841 bis 1852 Friedr. Heinr. Ernst von Blücher, dann 
ein Jahr lang Franz Döhn, von 1853 bis 1862 August Balck, und von 1862 
an Gustav Heinr. Karl Lukas von Oertzen. Oertzen'scher Besitz bleibt es bis 
1881. In diesem Jahre folgt Karl von Sittmann, und 1885 Amtsrath Karl 
Friedr. Gudewill, der es heute noch hat. 

Um 1375 ist Hinricus Nemerow Pleban der Kirche in Gross-Lukow, 
die, wie schon aus der oben angezogenen Urkunde von 1339 ersichtlich ist, 
der Diöcese Havelberg angehört. Ebenso gehört natürlich die Filia Marin 
dahin. Andere Geistliche des Mittelalters sind bis jetzt nicht bekannt ge- 
worden. Um 1577 unterschreibt Bartholomaeus Caelius (Coelius, Zelle) die 
Konkordienformel. Er wirkt als Seelsorger in Gross-Lukow bis 16 10. Sein 
Nachfolger Georgius Grosskopf, den Herzog Hans Albrecht IL kraft seines 
landesherrlichen Patronates beruft, ist dort von 161 1 bis 1636 nachweisbar. 
Vielleicht war er noch länger daselbst im Amt.^) 165 1 tritt Martin Stern- 
hagen an seine Stelle. Er wird von Herzog Adolf Friedrich, der fiir den 
jungen Herzog Gustav Adolf die Vormundschaft führt, berufen, übernimmt 
auch die Cura der Kirche zu Flotow, dazu hat er die der Tochterkirchen 
Ave, Marin und Klein-Lukow. 1695 verliert er seinen Adjunkten und 
Schwiegersohn Melchior Eppen durch den Tod, er selbst ist inzwischen er- 
blindet. Es folgt nun 1695 David Franck, der später Präpositus des Penz- 
linschen Cirkels ist. Die Cura von Flotow und Rumpshagen tritt er (nach 
1701) an den oben S. 275 genannten und vielbeschäftigten Pastor Aeminga in 
Mölln ab, nimmt sie aber 17 13 von Neuem auf seine Schultern. Er stirbt 
1747, erhält aber schon 1742 einen Helfer an seinem Sohn Georg Matthaeus 
Franck, welcher den Vater nur um vier Jahre überlebt, er stirbt 175 1. 1752 
folgt Joh. Heinrich Schimmelmann (f 1797) und 1798 Joh. Benjamin Ladewig 
(t 1834). Vgl. Walter a. a. O. 

Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein neugothischer Bau von 1866 mit Schluss 

aus dem Zwölfeck und stellt im Innern einen ungetheilten Raum dar. Nur der 
schmälere Thurm im Westen, der einen vierseitigen Pyramidenhelm trägt, ist 
alt und gehört anscheinend dem XIV. oder XV. Jahrhundert an. 

Die innere Einrichtung ist vollständig neu. 

Triptychon. Im Vorraum ist das Mittelstück eines alten spätgothischen Triptychons, 

Triumph- und über der Orgel das ehemalige Triumphkreaz angebracht. 

kreuz, 
Glocken. ^^ Thurm hängen drei Glocken von 0,97 m, 0,78 m und 0,61 m Durch- 

messer. Die beiden grössten sind 1850 von C. Jllles in Waren gegossen, die 



*) Nach einer früheren Pastorentafel in der Kirche lebte er bis 1648. Ein von dem Ver- 
fasser früher irgendwo (leider ist die Fundstelle nicht notiert worden) gefundener »Pastor Paul 
Schoop in Gross-Lukow, Marin und Gross-Flotow« ist anderswo als vor Caelius nicht 
unterzubringen. Die im Inventar von i8ii genannte Pastoren -Tsifel hebt mit Caelius an, macht 
aber sofort einen Fehler, indem sie ihn 1590 sterben lässt. 



GUT UND FILIAL-KTRCIIDORF MAKTN. 285 

dritte ist ohne Inschrift, hat aber am oberen Rande fünf Rundbilder mit figür- 
lichen Darstellungen.^) 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter Kelch in den Formen der Kleinkunst- 
Spätrenaissance. An dem eiförmig gebildeten Knauf drei kleine Engel in werke, 
ganzer Figur, mit plastisch heraustretenden Köpfen. Am runden Fuss ein 
breiter Rand mit getriebenem Laub- und Bandelwerk. Auf der Unterseite des 
Fussrandes eine Angabe des Gewichtes und der Jahreszahl, wobei die Reihen- 
folge Beachtung verdient, nämlich so: W • 42 L • 37« Q • ANNO 1721 • W • 46 
LOTT. Der Kelch ist somit in späterer Zeit verstärkt worden. Werkzeichen 
fehlen, sowohl am Kelch, wie an der zugehörigen Patene. — 3-4- Silber- 
vergoldeter gothischer Kelch auf sechspassigem Fuss. Am Knauf der Name 
lEHSVS. Auf dem Fuss ein plastischer Krucifixus als Signaculum, dazu der 
zweimalige Stempel F I R. Auf der Unterseite des Fusses unter fiinfzackiger 
Krone: J • G • B • 1703. Patene ohne Werkzeichen. — 5. Kleiner silberner 
Krankenkelch auf sechsseitigem Fuss, im kla.ssicierenden Geschmack vom Ende 
des XVIII. Jahrhunderts. An der Kupa ein Doppelmonogramm, bestehend 
aus den Buchstaben J • V • M • (vielleicht J • B • V • M .) Stadtzeichen M mit 
der Krone darüber und als Meisterzeichen die Buchstaben HM. — 6. Runde 
silberne Oblatendose, auf dem Deckel ein aufgravierter Christus. Auf der 
Unterseite zweimal derselbe Stempel wie bei 3. — 7. Längliche silberne 
Oblatenschachtel. Auf der Unterseite üIs Stadtstempel das dreithürmige Thor 
von Neubrandenburg, und als Meisterzeichen ^). — 8. Dritte silberne Oblaten- 
dose, länglich, mit getriebenem Rokoko -Ornament am Deckel. Gestiftet 1781 
von E • E • S • GEB • H. Von demselben Meister wie 7. — 9. Silberne Wein- 
kanne, gestiftet von LUD • MÜLLER auf Stolpe und seiner Gemahlin SOPHIE 
GEB • NEUMANN 1841. Als Stadtstempel ein steigender Löwe mit K, daneben 
als Meisterstempel der Name KASS. — 10. Neues Taufbecken, gestiftet von 
FR# und CL*H0HN 1880. — 11. Altes getriebenes Messingbecken, in der 
Mitte das Einhorn, verfolgt von einem kläffenden Hunde im Walde, laut 
Inschrift gestiftet 1703 von K. PETER ATZMANN. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Marin.') 

jjj^ls Filial-Kirchdorf der Mutterkirche zu Gross-Lukow, und damit zusammen Geschichte 

zur Diöcese Havelberg gehörig, tritt uns das Dorf Marin schon 1304 des 

entgegen.^) Zwei Jahre später belehnt dort Fürst Nikolaus II. von Werle den Dorfes. 




*) Die Vorgängerinnen der beiden grösseren Glocken stammten nach dem Inventar von i8n 
aus dem Jahre 1706 und trugen die Namen des Herzogs Friedrich Wilhelm, des Pastors l)av. 
Franck und der Juraten Andreas Schultz und Christian Loibs. Der Giesser wird nicht genannt. 

*) 7 km westlich von Penzlin. Nach Ktlhnel ist der Name Marin (Morin) als Ort des 
Mor oder Mar zu erklären: M. Jahrb. XLVI, S. 91. 

») M. U.-B. 2945. 



286 AMTSGKRICIITSBEZIRK PENZLIN. 

Ritter Johann Holstein mit zAvanzig Hu Pen. ^) Indessen bedeuten diese zwanzig 
Hufen nur einen Theil des Dorfes, dessen Hälfte, wie die von Holstein selbst 
1470 erklären, der ritterbürtigen Familie Marin gehört.*) Mannigfacher Besitz- 
Wechsel findet freilich auch hier wie anderswo statt. Hier wie anderswo 
drängen und stossen sich die Geschlechter an und durch einander. So 
geht z. B. der Antheil, den bis zum Ende des XV. Jahrhunderts Henning 
Stute, Otto Stuten's Sohn, besessen hat, nach dessen Tode 1501 auf Bernd 
Maltzan über, und 1505/8 hat auch ein Zweig der Familie Blücher, von der 
Otte Stute einen Theil seines Besitzes gekauft hatte, fünfzehn Hufen im Dorfe 
Marin. ^) Die Brüder Henning und Levin Marin, welche Ende des XVI. Jahr- 
hunderts auf Ludorf und Kelle wohnen, verkaufen 1588 einen Antheil von 
Marin an die vier Brüder Kossebade (Kosboth) auf Torgelow und machen 
1589 mit Christoph Kamptz einen Tauschvertrag über einen anderen Antheil, 
den dieser 1597 den Gebrüdern Holstein auf Ankershagen überlässt. 16 16 
theilen Balthasar Lepel und Henneke Marin ihren Besitz in Ludorf und Marin 
unter sich. Die Lepel'sche Hälfte in Ludorf und Marin kommt 1625 an 
Heinrich von der Lanken. Im Jahre 1630 ist von zwei wüsten Höfen zu Marin 
die Rede, die Adam Kossebade an Christoph Hahn verpfändet. Von 1645 
an, die ganze zweite Hälfte des XVII. Jahrhunderts hindurch, muthen die 
von Blücher ihre alten Güter in Marin. 1648 überlassen die Ankershäger Holstein 
ihren »Meierhof« zu Marin an Heinr. Bibow zu Mollenstorf für 5000 Gulden 
niessbräuchlich auf fünfzehn Jahre. In Bibow'schem Besitz bleibt er aber bis 
1705, da geht er als Pfandbesitz an Hans Matthias von Guhlen. Anscheinend 
aber nur auf kurze Zeit. Denn 17 19 sind die von Holstein wieder im Besitz, 
verkaufen aber ihre Hufen in Marin im Jahre 172 1 an den Hauptmann 
Christian von Blücher auf Kittendorf und Clausdorf, dessen Rechte später auf 
den Schwiegersohn Georg Ludwig von Oertzen übergehen. Ueberhaupt müssen 
die erwähnten Blücher'schen Muthungen Frucht getragen haben, denn wir 
hören 1699, dass Siegfried von Voss auf Flotow über einige von Karl 
von Blücher's Vormündern an ihn verpfändete Hufen und Höfe zu Marin den 
landesherrlichen Konsens erhalten hat. Um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts 
finden wir die von Le Fort im Pfandbesitz von Marin.*) Sie haben ihn bis 
1804, neben ihnen wieder seit 1795 die von Oertzen. 1804 aber wird Gustav 
Dietrich von Oertzen alleiniger Besitzer von Marin. ^) Marin bleibt bis 1874 
Oertzen'sches Eigenthum. Da wird Chr. Mart. Theod. Reichhoff der Rechts- 
nachfolger, und seit 1895 ist es Karl von Rocheid. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Gross -Lukow. 
Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau vom Jahre 1726 mit einem 



*) M. U.-R 3121. 7017. 

') Akten im Grossh. Archiv. 

«) Lisch, Geschl. Mnltzan IV, S. 331 (Urk. DCCLXXI). 

*) Sie haben auch Möllenhagen bis 183 1 und Rethwisch bis 1795. 

*) Auch Federow, Schwarzenhof und Lehmhorst sind seine Güter. 



GUT UND KIRCHDORF GROSS- FLOTOW. 287 

hölzernen, aus dem westlichen Ende des Daches herauswachsenden Holz- 
thürmchen. 

Die innere Einrichtung ist ohne Bedeutung. 

Die einzige Glocke (Dm. 0,88 m) ist 1861 von C. Jllies in Waren um- Glocke, 
gegossen worden.^) 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuss, Kleinkunst- 
laut Inschrift an der Kupa gestiftet von JOHAN VON HOLSTEN • SOFFIA werke. 
HEDEWIG VON PETERSTORF • MARIEN 1690. Keine Werkzeichen. An der 
Patene der Stadtstempel P und der Meisterstempel I. F. C. — 3. Alte Messing- 
schüssel mit der Darstellung der Verkündigung des Engels an die hl. Maria. 



,1^^ ^^ •v 




Das Gut und Kirchdorf Gross -Flotow.') 

|as Gut und Dorf Flotow (Vlotow), das 14 18 zuerst genannt wird, hat, Geschichte 
wie noch heute, von jeher der ritterbürtigen Familie Voss gehört. Mit ^^s 
dem Gute und Dorfe auch das Patronat der Kirche, wie es das Visitations- ^o"es. 
Protokoll von 1541 erkennen lässt. 1534 hat Michael Low das Pastorat, 1541 
aber der Pastor Joachim Schmit, der auch Kirchherr zu Luplow ist, wo wir 
ihn schon 1534 finden.^) Später ist David Wahl Pastor zu Flotow (f 1596). 
Nachher finden wir dort von 1627 bis 1649 oder 1650 den Christian Schütte 
(Sagittarius), zu dessen Zeit Georgius Grosskopf in Gross -Lukow Pastor i.st. 
Unter dem 165 1 nach Gross-Lukow berufenen Pastor Martin Sternhagen tritt 
eine Verbindung beider Pfarren ein. Aber unter dessen Nachfolger David 
Franck, den wir schon 1698 in Lukow finden, besteht diese Verbindung an- 
scheinend nicht mehr. Denn 1701 hat Flotow wieder seinen eigenen Pastor 
in dem schon oft genannten Joh. Christoph Aeminga, der nachher von Mölln 
aus mehrere Kirchspiele verwaltet (s. o. S. 275). Doch um 1712 ist es diesem 
des Guten zuviel geworden, und daher übernimmt 171 3 der Lukower Pastor 
David Franck (f 1747) aufs Neue die Cura von Flotow. Seitdem ist die 
Kirche zu Flotow, die wir ihrer geographischen Lage nach zur Diöcese Havel- 
berg rechnen müssen, bei der Kirche zu Gross-Lukow verblieben.^) 



*) Ihre Vorgängerin war 1727 von Michael Begun gegossen worden unter dem Patronat 
des Herzogs Karl Leopold und dem Pastorat des David Franck. 

*) 9 km nordwestlich von Penzlin. Kllhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 45, verbindet den Namen 
mit dem slavischen Wort blolo =^ Sumpf und übersetzt ihn daher mit »Sumpfortt. 

•) S. bei Luplow S. 289. 

*) Akten im Grossh. Archiv. Vgl. Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 32. 



288 



AMTSGERICHTSHEZIRK PENZLIN. 



Kirche. 



Glocken. 

Kleinkunst- 
werke. 



Kirche. Die Kirche ist ein Neubau von 1894 auf der Grundlage eines 
frühgothischen Baues aus dem XIII. Jahrhundert. In den Portalen und Fenster- 
wandungen, für welche besonders die Südseite zu beachten ist, sind die 
Laibungs- und Wandungssteine der alten Kirche verwendet worden. 

Die innere Einrichtung ist neu, ebenso sind es die zwei von Albrecht 
in Wismar gegossenen Glocken.') 

Kleinkanstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuss. 
Rostocker Arbeit von Jürgen Müller. Patene ebenso. — 3.4. Zinnerner Kelch, 
gestiftet von HANS BARDMANN, mit Patene, von einem Stralsunder Zinngiesser 
I. M. — 5. 6. Kanne und Oblatendose, neu, von Sy & Wagner- Berlin. — 7. Zinn- 
leuchter, gestiftet von D • S • W • 1757. Als Stadtstempel das dreithürmige 
Thor von Neubrandenburg, als Meisterstempel die Initialen C. H. 1713. — 
8. Desgleichen, gestiftet 1776 von MICHEL LADENDÖRP. Als Stadtstempel 
das Neubrandenburger Thor, der Meisterstempel ist undeutlich. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Luplow/) 

ie mit Rosenow, so belehnt Fürst Nikolaus von Werle den Ritter Heinrich 
Voss von Wolde fiir Hülfe in der Kriegsnoth und besonders beim Bau 
des Schlosses Kobelbruck (Kavelsbruck, ehemals in der Strelitzer Feldmark) 
am 29. August 1282 auch mit dem Gut und Dorf Luplow, d. h. mit der Bede, 
Münzpfennigen, Diensten, Gerichten, mit Frucht und Niessbrauch beider Dörfer. 
Seitdem ist nun Luplow bis heute unentwegt ein Voss'sches Gut geblieben.*) 
Ueber seine historische Bedeutung durch die Gefangennahme des Fürsten 
Johann von Werle, die hier im Frühjahr 13 16 statthatte, s. o. S. 271. Uebrigens 
haben auch die Kossebade (Kosboth) hier um die Mitte des XIV. Jahrhunderts 
Besitz und Rechte, an denen sie, wie ihre Klage vor Herzog Albrecht nach- 
weist, durch Berend Maltzan und dessen Brüder in der Zeit vor 1350 arg ge- 
schädigt worden sind (item brande he vs vnde rouede vs af tür Lupeglove 
alse gut alse VIII hundert Lub. mark).**) Später werden auch die Kossebade'schen 
Antheile Voss'sches Eigenthum geworden sein, wenngleich eine besondere Ur- 
kunde hierüber nicht vorliegt. 

*) Das Inventar von 1811 verzeichnet vier (Hocken, von denen zwei im Jahre 1714 unter 
Voss'scheni Patronat und Franck'schem Pastorat von Michael liegun und Hans Siebenbaum gegossen 
worden waren. Ueber die beiden anderen fehlt es an näheren Angaben. 

*) 13 km nordnordwestlich von Penzlin. Den Namen des XUl. Jahrhunderts Lupegloue 
(später Lupeglaue, I.upegloue, Luplegowe) erklärt Ktihnel als »Ort des Lupoglav (Si)altekopf)« : 
M. Jahrb. XLVI, S. 88. 

') M. U.-B. 2181. Dazu Akten im Grossh. Archiv. Vgl. auch M. Jahrb. XXVI, S. 95—98. 

*) M. U.-B. 7142, B. 



GUT UND KIRCHDORF LUPLOW. 



289 



Die südlich von der Grenze des Landes Circipanien und nordöstlich von 
Varchow, der östlichsten Kirche des Bisthums Schwerin gelegene Kirche unter 
Voss'schem Patronat hat an Joachim Schmidt im Jahre 1534 ihren eigenen 
Pastor. Gleichzeitig mit ihm wirkt in Flotow und deren Filia Rumpshagen 
der Pastor Michael Lowe, der ebenfalls unter Voss'schem Patronat das Amt 
fuhrt. Sieben Jahre später aber, 1541, finden wir beide Kirchen, die von 
Luplow und Flotow unter dem Pastorat des genannten Joachim Schmidt 
(Schmit) mit einander vereinigt.^) Diese Vereinigung wird wohl das XVI. Jahr- 
hundert hindurch vorgehalten haben. 

Mit dem XVII. Jahrhundert tritt allerlei Wechsel ein. Da finden 
wir die Kirche zu Luplow Anfangs mit Mölln verbunden (s. o. S. 273), später 
mit Kastorf, Varchow und Kittendorf, und im XIX. und XX. Jahrhundert wieder 
mit Varchow.^) 

Kirche. Die Kirche ist ein Feldsteinbau spätgothischen Charakters Kirche, 
in Form eines länglichen Vierecks. In den LichtöfTnungen herrscht bereits der 
Stichbogen, welcher die Zeit der Renaissance ankündigt. Im Eingangs -Portal 
auf der Südseite aber, dem eine kleine Renaissance- Halle vorgesetzt ist, wird 
der Stichbogen von einer Spitzbogenlaibung überfangen. Im Innern eine 
flache Holzdecke. Der Thurm ist neu. 

Die Altarwand ist ein mehrtheiliger Renaissance -Aufbau vom Anfange Altar, 
des XVII. Jahrhunderts nach Art der Altäre in Varchentin, Gnoien u. s. w. 

Die Renaissance -Kanzel stammt aus dem Jahre 16 17 und die Empore Kanzel, 
im Westen aus derselben Zeit. ^ . Empore. 

In der Kirche werden auch noch einige Schnitzfiguren eines alten Schnitz- 
Triptychons aufbewahrt. figuren. 

Am Altar eine ganze Reihe von Sargschildem der Familie VON VOSS. Sarg- 
schilder, 
In der Ostwand hinter dem Altar, links, also nach Norden hin, ein alter Eucliaristie- 

Ettcharistie- Schrank mit einem Thürverschluss, dessen Innenseite mit Ranken Schrank. 

bemalt ist. 



*) Schröder, evang. Mecklenb. I, S. 282. Visitationsprotokoll von 1541 im Grossh. Archiv. 
Gehörte die Kirche zu Luplow einstmals zur Diöcese Schwerin? Oder zu der von Kammin? Der 
geographischen Lage nach, wenn sie ganz streng genommen wird, zur Diöcese Schwerin. Aber 
es ist nicht zu übersehen, dass sie in dem öfter genannten Verzeichniss der Kirchen und Pfarr- 
lehne des Stifts Schwerin im Grossherzoglichen Archiv — man mag über den Werth dieses Ver- 
zeichnisses denken wie man will — nicht genannt wird, und dass als Kittendorfer Peene und 
somit als südliche Grenze des Stifts Kammin auch der aus dem Schwandter See kommende Bach, 
welcher Luplow strejft, angesehen wird (vgl. Staatskalender). So ganz unmöglich wäre es daher 
picht, dass auch Luplow noch zur Kamminer Diöcese gehört hätte. Doch bleibt immer sehr 
zu beachten, dass Wasserläufe zwischen den BisthUmern bisweilen eine scharfe Grenze bilden, 
wie z. B. zwischen Wismar und Alt-W^ismar, Güstrow und Alt- Güstrow, Altstadt und Neustadt 
Koebel u. 9. m. 

*) Vgl. Schröder, evangel. Mecklenb. I, S. 282. Stuhr, M* Jahrb. LX, S. 59. 

19 



290 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Im Thurm drei Glocken übereinander. Die erste ist laut Inschrift und 
Wappen 1858 im Auftrage des Kammerherrn C. V. VOSS und seiner Gemahlin 
A. J. GEB. V. BUCH von C. Jllies- Waren gegossen worden. Die zweite, welche 
das Allianzwappen der VOSS und BEHR zeigt, ist 1801 von C. Miltzow in 
Neustrelitz gegossen worden. Die dritte, welche die älteste ist, war nicht zu 
erreichen.^) 

Kleinkttiistwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuss, 
laut Inschrift auf der Unterseite 1737, den 16. Juni, von JOCHIM GREFERAHT 
gestiftet. Vom Güstrower Goldschmied Lenhart Mestlin, ebenso die zugehörige 
Patene. — 3. 4. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss. Auf dem Fuss die 
bekannte dreifigurige Kreuzesgruppe als Signaculum. Gestiftet laut Inschrift 
1739 von J. (V.) VOSS und E. C. (V.) KOPPELOW. Als Stadtstempel das drei- 
thürmige Thor von Neubrandenburg, und als Meisterstempel die Initialen 
I R. — 5. Dazu eine ovale silberne Oblatenschachtel, welche dieselben Stifter- 
namen und dasselbe Datum 1739 trägt, aber von einem Goldschmied J. G. 
ausgeftihrt ist, dessen Stadtzeichen ein werlescher Stierkopf ist. — 6. Noch 
eine kleine runde Oblatenschachtel, gestiftet von ILSABE JENSEN 1711. — 
7. Grosse Weinkanne, 1889 von C. V. VOSS und O. V. VOSS, GEB. V. WAR- 
BURG, gestiftet. — 8. 9. Kelch von Zinn, gestiftet von JOCHIM SCHMIT LUP- 
LOW 1648. Ohne Stempel. Die zugehörige Patene hat keine 
Stiftungs- Inschrift, als Stadtzeichen aber das dreithürmige Thor (FSB 
von Neubrandenburg und das nebenstehende Meisterzeichen. — 
10. II. Zwei Zinnleuchter, der eine 167 1 von JOCHIM TRAECHO (Trechow), 
der andere von JOCHIM BEHM 1684 gestiftet. Beide mit dem Rostocker 
Stadtstempel ^ und mit Meisterstempeln, die nicht mehr völlig deutlich sind, 
aber ohne Zweifel der Zinngiesser- Familie Schlüter angehören (s. Anhang zu 
Band I der M. Kunst- u. Gesch. -Denkm.). 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Ankershagen/) 

|ie Aufiiihrung des Kirchenpatronates von Ankershagen als dem Kloster 
Broda gehörig in der mit dem 24. April 1230 datierten Urkunde 377 
des M. Urkundenwerks ist einer der Gründe ftir die Unechtheit dieser Urkunde, 
welche gleich anderen Kloster- Urkunden in späterer Zeit angefertigt und 

*) Die Vorgängerin der ersten Glocke war, wie die noch erhaltene zweite Glocke, im 
Jahre x8oi von C. Miltzow in Neustrelitz gegossen worden. Die dritte hat, nach dem Inventar 
von 181 1, eine Jahreszahl aus dem XV. Jahrhundert, die man nicht ordentlich las und schrieb, 
anscheinend mCCCCl^p^iU. 

•) 10 km westsüdwestlich von Penzlin. Ueber die Möglichkeit der Benennung des Dorfes 
nach der Sachsen -lauenburgischen, nach Mecklenburg eingewanderten ritterbürtigen Familie Anker 
s. Lisch, M. Jahrb. XXIX, S. 265. Vgl. A. Graf von Bemstorff, M. Jahrb. LIX, S. 283. 



GUT UND KIRCHDORF ANKERSHÄGEN. 29 1 

untergeschoben wurde, um theils jüngere wirklich vorhandene Rechtstitel älter 
zu machen als sie waren, theils neue Rechtstitel auf eine bequeme und trügerische 
Art zu gewinnen.^) Denn dass die Kirche zu Ankershagen erst im Jahre 1266 
gegründet und der älteren Kirche in dem benachbarten, aber schon im Mittel- 
alter und anscheinend bereits im XV. Jahrhundert als Kirchdorf eingegangenen 
Dorfe Freidorf als Tochterkirche vom Bischof zu Havelberg beigelegt wurde, 
steht urkundlich fest.*) Ebenso freilich auch das Verhältniss des Klosters 
Broda zur Kirche vom Tage der Gründung an, wie dies in der Fundations- 
urkunde vom i. Mai 1266 selber deutlich zu erkennen (consentiente dilecto 
nobis in Christo preposito in Broda) und in der Bestätigungsurkunde des 
Fürsten Nikolaus von Werle vom 23. April 1273 geradezu ausgesprochen ist 
(ecclesiam in Ankershagen .... quam ecclesia Brodensis a prima plantatione 
tenuit libere et quiete). Und wie die Kirche zu Ankershagen mit fiinftehalb 
Hufen (zwei Hägerhufen hatte schon Ritter Eckhard im Jahre 1 266 geschenkt), 
so wird auch die Mutterkirche zu Freidorf vom Fürsten Nikolaus mit fünfzig 
Hufen und mit jenen drei Seen der Freidorfer Feldmark, aus denen die Havel 
herausfliesst (cum tribus stagnis, de quibus efHuit aqua, que Hauele nüncupatur), 
dem Kloster Broda überwiesen, dazu endlich noch eine Zugabe von zehn 
Hufen in Rumpshagen.*) Auf der Basis dieser Schenkung ruht denn auch an 
ihrem Theile die spätere reiche Ausstattung der Pfarre zu Ankershagen mit 
liegenden Gründen, auf deren weitere geschichtliche Entwickelung hier aber 
nicht eingegangen werden kann.*) 

Wie lange die von Ankershagen oder Anker auf dem gleichnamigen 
Dorfe gesessen haben, ist nicht festzustellen. Ein jüngerer Knappe Eghardus 
de Anckere wird noch 1328 dort angetroffen und kann derselbe sein, der 1342 
und 1365 mit Andern zusammen als Zeuge aufgeführt wird.*) Aber er ist 
nicht der Herr des ganzen Dorfes. Sondern neben ihm besitzt dort z. B. auch 
die Johanniter -Komthurei Mirow seit 1273 eine ihr vom Fürsten Nikolaus I. 
von Werle überwiesene Hufe. Ferner ist es keineswegs ausgeschlossen, dass 
hier wie anderswo in jenen Zeiten des Mittelalters, in denen der Trieb, allein 
der Herr im Dorfe zu sein, noch nicht ausgebildet war, nicht bloss Bauern- 
höfe in grösserer Zahl, sondern auch mehrere Rittersitze neben einander vor- 
handen waren. Auf zwei solcher Bauern- oder Kossatenhöfe in Ankershagen, 



*) M. U.-B. 377. Dazu Wigger, Anmkg. zu M. U.-B. 1284. Vgl. auch die Fälschung vom 
22. September 1312: M. U.-B. 3563. Ebenso die Fälschung von 1170 und 1230: M. U.-B. 95. 377. 

*) M. U.-B. 1080. 1284, Die drei Seen, von denen hier die Rede ist, werden die nördlich 
vom Dicker Bruch gelegenen sein, der jetzt als Quellgebiet der Havel bezeichnet wird. Der 
> Mahlensee c (einer dieser drei) hat gleiche Wasserhöhe mit dem Bruch. — Dass die Namen 
Ankershagen und Freidorf schon in der Vergleichsurkunde zwischen Havelberg und .Schwerin von 
1252 vorkommen sollen, ist ein Irrthum: M. Jahrb. LIX, S. 282. Im Regest des Clandrian — und 
"Weiteres haben wir nicht — steht nichts davon: M. U.-B. 710. 

•) Eine ausführliche Darlegung über die Ackerkompetenzen der Pfarre zu Ankershagen 
s. bei A. Graf v. Bernstorff, M. Jahrb. LIX, S. 311— 314. 

*) M. U.B. 4914. 6224. 9340. Vgl. Lisch, M. Jahrb. VIII, S. 124, Anmkg. Ferner M. 
Jahrb. XXIX, S. 265, sowie A. Graf von Bernstorff, a. a. ü., S. 283. 

19* 



292 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

von denen der eine die frühere Wedem gewesen war, lässt z. B. schon eine 
Urkunde vom 14. April 1328 schliessen.*) So würde es auch zu verstehen 
sein, dass wir dort später, nämlich in der zweiten Hälfte des XIV. und in der 
ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts ([386, 1422, 1432, 1434, 1435, 1439) die 
ritterbürtigen Geschlechter der Gelder, Stalbom und Holstein nach einander 
antreffen.*) Vielleicht wohnten sie dort schon auf dem » Wicken werder« neben 
einander, der Stelle des späteren Herrenhauses oder Schlosses der Herren 
von Holstein zu Ankershagen.*) Wie dann bald nachher, von 1435 an, die 
Familie Holstein zum Alleinbesitze des Gutes und Dorfes gelangt, ist hin- 
länglich bekannt und zuletzt in zusammenhängender Weise von A. Graf 
von Bernstorff im M. Jahrb. LIX, S. 282 — 314 ausfuhrlich behandelt worden. 
Doch der Verfall des Vermögens der Familie in der zweiten Hälfte des 
XVII. Jahrhunderts*) führt zu Verpfandungen, bei denen uns in kurzer Zeit 
hinter einander die Joh. Hauswecjel, Kaspar Putzar, Julius Mörder, Jakob 
Sturtz, Melchior von Kossebade, Joh. Heinr. von Erlenkamp, Klemens 
von Wangelin, Philipp Brandt als Pfandinhaber entgegentreten, und zuletzt im 
Jahre 1743 zu einem vollständigen Verkauf des Gutes an den Hauptmann 
Henning Leopold von Oertzen auf Blumenow. Oertzen'sches Gut bleibt 
Ankershagen bis 1831. Es folgen nun als Besitzer: 1831 der Glashütten- 
meister Ulrich Friedrich Heinrich Strecker zu Klockow, 1854 Ludwig Voss, 
1875 Ernst Winckelmann, 1889 Andreas Graf von Bernstorff, und 1897 
Oskar Wolff. 

Von vorreformatorischen Geistlichen unter dem Patronat des Klosters 
Broda werden in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts Walter um 1328 
und Albrecht um 1330, und in der zweiten ein Pleban mit Namen Johann um 
1365 genannt.^) Im XV. Jahrhundert ist von 141 1 bis 145 1 Gerd Stubben- 
dorf (nicht Stubbe) und 1492 Johann Colberg als Pleban von Ankershagen 
(später Probst von Broda) nachzuweisen.**) Als Pleban an der Kirche zu Freidorf 
ist bis jetzt nur einer bekannt, Heinrich Seedorf um 1365, der zugleich Kanonikus 
des Prämonstratenserstiftes Broda ist. Damals also, in der zweiten Hälfte des 
XIV. Jahrhunderts, hat die Kirche zu Freidorf noch ihre Bedeutung. Aber es 
fällt auf, dass die nachfolgenden frommen Stiftungen des XIV. und XV. Jahr- 



^) M. U.-B. 4914. Später zählt man dreiunddreissig Bauern und Kossäten in Ankershagen. 
1765 sind sie auf sechs zusammengeschmolzen, 1794 auf drei: vgl. A. Graf von Bernstorff, 
a. a. O., S. 294. 

*) Schröder, Pap. Meckl. I, S. 1572. II, S. 193 1. Vgl. A. Graf von Bernstorff, a. a. O., 
S. 284. Ueber die von Gelder ist auch Urk. 11 736 zu vergleichen. 

*) Wie z. B. in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts die Brtider Jakob und Hans 
von Holstein. 

^) 1665 lässt Herzog Christian Louis der Familie Holstein den Vorschlag machen, ihm 
Ankershagen abzustehen. Doch es wird nichts aus der Sache. A. Graf v. Bernstorff, a. a. O., S. 291. 

*) Register des Urkundenbuches. 

®) Vgl. Kirchenurkunden von Ankershagen im Grossh. Archiv und Schröder, Pap. Meckl. II, 
S. 1931 und 2465 (nicht 2965). Es darf also nicht gesagt werden, dass über das Verhältniss der 
Geschlechter Gelder und Stalbom zu Ankershagen urkundlich nichts feststehe: M. Jahrb. LIX, S. 283. 



GUT UND KIRCHDORF ANKERSHAGEN, 293 

hunderts aus den schon genannten ritterbürtigen Familien der Gemeinde, 
soweit sie bekannt geworden sind, der Tochterkirche in Ankershagen zuge- 
wandt werden, wie die von Köneke Gelder, Hennings Sohne, geschenkten 
Hebungen im Jahre 1386, die Memorienstiftung des Vicke Stalbom von 1422 
um seiner und seiner Frauen Seligkeit willen, sowie das Geschenk des Klaus 
Holstein im Betrage von 20 Mark jährlicher Pacht zur Vikarei der hl. drei 
Könige, St. Georgs und der zehntausend Ritter im Jahre 1464.*) Alles das 
macht den Eindruck, wie wenn schon damals die Kirche zu Ankershagen als 



Kirche zu Ankershagen. 

die bedeutendere angesehen und die zu Freidorf in den Hintergrund gedrängt 
worden wäre. Auch der Ackerverkauf des Köneke Gelder an den Kirchherrn 
Gerd Stubbendorf im Jahre 1432 ist vielleicht von diesem Gesichtspunkt aus 
zu betrachten, noch mehr aber ohne Zweifel der Umstand, dass, nach Aussage 
des Joachim Holstein im Jahre 1572, in früherer Zeit neben dem Pfarrer drei 
Kaplane in Ankershagen gewohnt haben.*) Auch darf nicht übersehen werden, 
dass bei den Vermehrungen des Einkommens der Stiftsherren in Broda durch 
die Havelberger Bischöfe Dietrich und Burchard in den Jahren 1339 und 1354 
mit Hebungen aus den Kirchen zu Neubrandenburg, Penzlin, Ankershagen und 

') Schröder, Pap, Meckl. I, S, 1572, M. U.-B. 11824. Akten im Grosäh. Archiv. Vgl. 
A, Graf von Bernslorff, a. a. O., S. 284, 285. 

») Schröder, Pap. Meckl. II. S. 1931. Ankershäger Kirchen -Akten im Grossh. Archiv. 



294 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

Lukow der Kirche zu Freidorf mit gar keinem Worte gedacht wird.*} Erst 
recht nicht in dem Visitationsprotokoll von 1574, dem ersten, das wir von 
Ankershagen besitzen. Man möchte daher glauben, dass Kirche und Pfarre 
zu Freidorf schon vor der Reformation eingegangen waren. Be.-itimmtere 
Nachrichten fehlen. In der vom Papste Alexander VI. am 27. Oktober 1500 
ertheilten Konfirmation über die Brodaer Patronate wird die Kirche zu Freidorf 
anscheinend zum letzten Mal urkundlich erwähnt') 

Ueber die Reihe der zum grössten Theil unter landesherrlichem Patronat 
(das nach der Reformation an die Stelle des ßrodaschen Klosterpatronats trat) 
berufenen Geistlichen des XVI., XVII., XVIU. und XIX. Jahrhunderts, welche 



Kirche lu Ankershagen (Priet). 

auch die Cura der Kirchen und Kapellen zu Dambeck, Klockow und Piever- 
storf, später auch die von Möllenhagen, hatten, finden wir bei A. Graf 
von Bernstorff im M. Jahrb LIX, S. 309 — 311 die ausgiebigsten und zuver- 
lässigsten Nachrichten, welche theils der Chronik des Pastors Mauritius (1692 
bis 1699), theils den Akten des Grossherzoglichen Archivs entnommen sind.') 

') M. U.-B. 5960. 7982. 

*) M. Jahrb. III, S, 339. 

'1 Die Kirchen oder Kapellen der Dörfer Dambeck, Klockow und Pieverstorf gingen im 
dreissigjjihcigen Kriege unter, die jetzige Kirche zu Mollenhagen aber entstand erst im Jahre 1633 
und wurde, nachdem es — des Patronates halber — von 1692 her allerlei Schwierigkeiten K'' 
geben hatte, 1705 lum ersten Mal als Filia aufgeführt: A. Graf von Bernstorff, a. a. O., S. 308. 
309 und 314. Ueber die Bedienung der Kirchen eu Boek und Speck durch die Kapellane nad 
Vikare von Ankershagen s. u. bei Boek und Speck, 



GUT UND KIRCHDORF ANKERSHAGEN, 295 

Wir begnügen uns daher hier damit, darauf zu verweisen, wollen aber doch 
erwähnen, dass der Pastor Schliemann (1822 — 1834) der Vater des in Ankers- 
hagen geborenen berühmten Dr. Heinrich Schliemann ist, der durch seine 
Ausgrabungen, Entdeckungen und Forschungen den älteren Theil der griechi- 
schen Kunstgeschichte um einige wichtige Kapitel vermehrt hat. 

Kirche. Die Kirche zu Ankers- 
hagen hat sich in alter wie in 
neuer Zeit soviel Veränderungen 
und Umbauten gefallen lassen 
müssen, dass sie heute nicht mehr 



^^AffX^. 



Kirche zu Ankershaeen (Pries). 




in ihrer Ursprünglichkeit vor uns 
steht. Der zweifellos älteste und 
verhältnissmässig noch heute am 



/ 



besten erhaltene Theil ist der Chor, 
der in seiner Grundform ein 
Viereck von 7,13 m Länge und 5,90 m Breite {im Innern) bildet und sich mit 
seinen Schlitzfenstern und seinem steilen Kuppelgewölbe, das durch zwei sich 
kreuzende und auf niedrigen romanischen Eck-Pilastern aufsetzende Diagonal- 
Rippen von halbkreisförmigem Durchschnittsprofil in vier hohe Kappen zerlegt 
wird, als ein spätromanischer Bau vom Ende des Xu. oder Anfang des XIII. 
Jahrhunderts darstellt. 

Das (als Rechteck von 7,13 x9,70 m angeschlossene) Schiff dagegen, 
in welchem sich als Reminiscenz an die ersten spätromaniscben Bau-Absichten 



296 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

die volle Fonn eines der jetzt zugesetzten oder auch veränderten, in Mecklen- 
burg als einzig in ihrer Art anzusehenden Rund böge nfenster mit doppeltem 
Blend - Ueberfang (zunächst einem stark ausladenden romanischen, nicht gothi- 
schen KleebJ altbogen und dann einem gedrückten frühgothischen Spitzbogen) 
erhalten hat, und das, wenn auch anscheinend auf Ueberwölbung mit zwei 



Altes Fensicr im Schiff der Kirche (nach A. Graf von Bernstorff). 

backofen form igen Kuppeln nach Analogie vieler anderer Kirchen vom Ende 
des XII. oder Anfang des XIII. Jahrhunderts angeltet, ursprünglich gewiss 
nichts Anderes als eine hoch oberhalb des Triumphbogens ausgespannte flache 
Balken- und Bretterdecke hatte, ist in späterer Zeit durch vier in der Richtung 
von Osten nach Westen eingesetzte plumpe Pfeiler, von denen allein der an 
den Triumphbogen anstossende östliche dem feineren und gediegeneren älteren 
Stil in der Formengebung einige Konzessionen macht, in zwei lange Schiffe 



GUT UND KIRCHDORF ANKERSHAGEN. 297 

zertheilt worden, von denen jedes mit vier verhältnissmässig niedrig gespannten 
gothischen Kreuzgewölben eingedeckt wurde.') Dadurch aber, und durch 

Alles, was damit zusammen- 
hing, sind die ursprünglich 




angelegten schönen Licht- 
und Portal Öffnungen in rück- 
sichtslosester und geschmack- 
losester Weise verstört 
worden. 




Dieses Schicksal, welches 
die Kirche im XIV. Jahr- 
hundert erduldet hat, ist von 
Nach A. Graf von Bemstorff. allen das härteste. Ihm stellt 

sich das andere durch den 
Thurmbau verursachte an die Seite, indem dadurch das stattliche, mit einer 
Wandung und Laibung von drei Ecken und drei Rundstäben ausgestattete 
frühgothische Hauptportal des westlichen Kircheinganges verdeckt wurde.''} 
Weitere Unbill an den Giebeln und Dächern von Chor und Langhaus erlebte 
die Kirche bei den Restaurationen in den Jahren 1698, 1699 und 1864, auf 
die wir hier nicht eingehen. Sie sind mit fachzeitschriftlicher Ausführlichkeit 
von A. Graf Bemstorff, a. a. O., S, 298 bis 304 behandelt worden. Doch 
möge bemerkt sein, dass wir einigen seiner Vermuthungen und Auffassungen, 
auf die es hier weniger ankommt, nicht beistimmen können.^) 

') Vgl- in. Grossheriogthuni Mecklenhurg Schwerin die Kirchen zu Gnoien, Tarnow, Mesllin, 
Schwinhendorf und die durch einen Pfeiler miilen im SchifT getheilten l.anghSuser, wie die in 
Recknilz, Kittendorf und Vietist. 

'} Auch am Dom lu Güstiow {s. Hand IV) finden wir Eleichieilige Rundbogen- und Spiti- 
bogen-Fonnen, man vei^leiche besonders die Portale im Querschiff mit Kapitellgliedem in der 
Kimpferlinie. 

•) Eine frühere kuriere I(e^ehleitlung der 
S. 134 — 1:7. Wir linden, dass sie in dankenswer 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Altar und 

Tauf- ' 
behälter. 



Kleinkunst- 
werke. 



Altar und Kanzel sind neu. 

Beachtung verdient ein hölzerner achtseitiger TaufbehSlter vom Jahre 
1618, dessen Grundform im XVII. Jahrhundert einige Male in Mecklenburg 
vorkommt.*) Die in Holz ge- 
schnitzte Inschrift lautet: MARCI 
AM LESTEN WOL DAR GELOVET 

UNDE GEDOFFT WERDT, DE 
WERD SALICH , WOL ÖVERST 
NICH GELOVET, DE WERDT VER- 
DOMET WERDEN 161S. 

An einer Wand der lebens- 
grosse Krncifixtts des Triumph- 
bogens. 

Im Thurm drei Glocken 
aus der ersten Hälfte des XVIII. 
Jahrhunderts, alle drei laut Inschrift 
unter der Regierung des Herzogs 

KARL LEOPOLD gegossen, die 
kleinere 1730 von Michael Begun, 
die beiden grösseren von Otto 
Gerhard Meyer im Jahre 174Ö. 

Kleinkunstwerke, i. Silber- 
vergoldeter Renaissance- Kelch auf 
rundem Fuss und mit Ausbuch- 
tungen am Knauf. An der Kupa 
das Allianzwappen Holstein-Hol- 
stein und die Inschrift: J • F . 
V.H • A-M.V.H.AÖ 1701.») 
Am Fuss der Güstrower Stadt- 
stempel G und der Meisterstempel 
(hh] des Heinrich HÖlscher. — 2. 
3. Zwei silberne Patenen mit den 
Initialen U ■ V • B . 1843, dem Taufbehälier. 



nicht die ungUnsÜge Beurtheilung verdient, die ihr A. Graf Kern^to 
werden lässt. Ueber das. was bei einer solchen Beschreibung nothw 
wesentlich ond unwesentlich ist, wird Lisch wahrscheinlich seine eig 
gehabt haben. 

•) Z. B. in LUbi, Below, Vgl. auch KlUti. 

') Jochim Friedrich von Holstein und Anna Margaretha, geb. vi 
ist die einzige Erinnerung, welche sich an das alte Geschlecht der Hc 
hat. Früher gab es in den Kenslern der Kirche kleine Wappenm. 



a. a. O., S. 298, tu Theil 
lig und nicht noihwcndig, 
; gut begründete Meinung 



Die Griber der von Holstein sind theils 1864, theil 
von Bernstorff, a. a. O., S. 301 und 304. 



Holstein. — Dieser Kelch 
(tetn in der Kirche erhalten 
mi„ .om J,hre ,538. - 
t zugeschüttet worden. Vgl. A. Graf 



GUT UND KIRCHDORF ANKERSHAGEN. 299 

Meisterstenipel I F G und dem Stadtstempel P. — 4. Länglichrunde silberne 
Oblatenschachtel mit den punktierten Buchstaben M S V W. Meisterzeichen 
H S B, Stadtzeichen undeutlich, wahrscheinlich aber eine Arbeit des Rostocker 
Goldschmiedes Heinr. Steffan Bomamann, der vor 1712 ins Amt der Gold- 
schmiede eintrat. — s — 8. Vier zinnerne Leuchter ohne Stiftungsinschriften. 
Der eine hat die Jahreszahl 1683 und als Stadtzeichen den werleschen Stier- 
kopf, der zweite die Jahreszahl 1706 und ebenfalls den genannten Stierkopf, 
der dritte die Jahreszahl 1697, aber als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor 
und als Meisterzeichen P - W. Der vierte, in trefflicher Form, hat die Jahres- 
zahl 1743 und als Stadtzeichen ebenfalls ein dreithürmiges Thor, als Meister- 
zeichen aber C. H. 1713. Die letztgenannten Leuchter können also sehr wohl 
Neubrandenburger Arbeiten sein. 



Herren haas lu Ankerthagen. 

Für die Beschreibung des auf der Anlage einer alten Wasserburg er- Herrenhaus 
bauten Herrenhauses') lassen wir hier einem langjährigen Bewohner desselben, ^^ Ankers- 
Herrn A. Graf von Bernstorff, das Wort (a. a. O.. S. 295 bis 297): ^*8^"' 

»Wann und von wem das jetzt als Herrenhaus bewohnte, früher sogen, 
»Neue Haus< erbaut ist, darüber fehlt es an Ueberüeferungen. Lisch's und 
ebenso von Kamptz's Annahme, dass es zwischen 1550 und 1570 erbaut sei, 
erweist sich als irrig, indem es in dem Theilungsvergleich von 1551 schon 
erwähnt wird. Der Flügel, in welchem sich die 1551 genannte »gewölbte 
grüne Dönske* befindet, ist aber offensichtlich nicht mit dem Hauptlhell des 
Hauses gleichzeitig, vielmehr erst später an dasselbe angebaut, wie dieses eine 



') Vgl. Lisch, M. Jahrb. XXVI, S. 213. 



300 AMTSGEBICHTSBEZIRK PENZLIN. 

in der Zwischenwand beündliche Schiessscharte beweist, welche durch den 
Anbau des Flügels unbenutzbar werden niusste. Wir dürfen daher die Er- 
bauung des neuen Hauses in seinem Haupttheü noch weiter zu rück verlegen. 
Ob die 1551 erwähnte gewölbte Dönske als Schlosskapelle gedient hat, wissen 
wir nicht. Daliir spricht ihre von Osten nach Westen gestreckte längliche 
Konstruktion mit einer grossen Wandnische in der östlichen, einer kleineren 
in der westlichen Wand, welche sehr wohl Altar und Kanzel aufgenommen 
haben können, und einem tiefen, rechts neben der Östlichen Nische befindlichen 
Wandschrank.*) Von dem 1551 erwähnten sogen, alten Hause sind erkennbare 



Herrenhaus zu Ankershagen. 

Reste nicht mehr vorhanden. Für Lisch's Annahme, dass dasselbe sehr gross 
gewesen sei, finden wir keinen Anhalt, vielmehr lässt der Recess von 1551, 
welcher das ganze alte Haus mit einem Theil des neuen Hauses zusammen 
in eine Kavel legt, eher darauf schliessen, dass das alte Haus nur klein ge- 
wesen sei. Die südostwärts an das neue Haus sich anschliessende Mauer 
erklärt Lisch mit Unrecht für das Erdgeschoss eines mächtigen, viereckigen 
Thurmes. Ihrer geringen Fundament ierung und ihrer gleichen Konstruktion 
nach ist sie als Vertheidigungsmauer anzusehen, wie die anderen zum Theil 
noch wohlerhaltenen Festungs mauern, welche den hohen Erdwall im Garten 
nach Norden und Osten einfassen. Wie diese ist auch jene auf schwachen 
Felsenfundamenten bis zur Höhe von drei Metern wesentlich aus Backsteinen 
erbaut, dann oben mit einer fast einen Meter starken Lage von Felsmauerwerk 
gekrönt, ofTensichtlich, um derselben mit diesem Abschluss nach oben einen 



') Anscheinend dem Eucharislie- Schrank der vorreformatori sehen Kiiche entsprechend. 



GUT UND KIRCHDORF ANKERSHAGEN. 3OI 

Halt gegen feindliche Geschosse zu geben. Von einem Thurm auf dem Hause 
zu Ankershagen ist auch in den Untersuchungsakten gegen Henning Holstein 
die Rede, und da sich etwas weiter nordöstlich, da, wo die an das neue Haus 
sich anschliessende Mauer unterhalb des jetzigen Waschhauses durchläuft, aus 
der durch die Mauer bezeichneten Linie weit vorspringend bedeutende Felsen- 
fundamente finden, 
die einem schweren 
Bau als Unterlage 
gedient haben, so 
möchte wohl dort 
die Stelle zu suchen 
sein, an der jener alte 
Thurm gestanden.« 
»Als das älteste, 
wohl noch aus dem 

XV. Jahrhundert 
stammende Denkmal 
kriegerischer Bau- 
kunst auf dem be- 
festigten Hofe 
Wicken Werder 
haben wir das von 
Lisch nicht be- 
schriebene grosse 
Rondel, welches aus 
der den Wall nach 

Osten deckenden 
Mauer weit in den 
Sumpf vorspringt, 
zu betrachten. Es 
ist aus riesigen, im 
Innern mit Felsen 
untermischten Zie- 

Alte Festungsmauer im Carlen des Herrenhauses. geln erbaut, Welche 

eine Länge von stark 
29 cm, eine Breite von 14'/« cm und eine Stärke von 12 cm haben. Später 
sind die in dem Mauerwerk angelegten Schiessscharten mit Ziegeln umgebaut, 
welche denen gleich sind, aus welchen die an das neue Haus sich an- 
schliessende und die nordwärts den Wall deckende Mauer hergestellt ist, und 
welche nur 26'h cm lang, 12 cm breit, 9 cm stark sind. Im Innern des 
Rondels sehen wir zwischen den noch vorhandenen neun Schi essscharten acht 
vermauerte Schiessscharten, deren Seitenwandungen rechtwinklig durch das 
Mauerwerk gehen, während die späteren schräge, zu schmalen Schlitzen eng 
zusammenlaufende Laibungen haben. Den hohen Wall mit seiner Unifassungs- 



302 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



mauer und diesem Rondel haben wir als die äussere Vertheidigungslinie auf 
der östlichen, der dort geringen Breite der Wiesenniederung wegen angreif- 




t I I I I 1 I I I I I I I I I I I I I I I I I I I i I I r 




I I I I I 



bareren Seite der Festung zu denken, von der die Vertheidiger sich dann 
hinter die innere, das Scl\loss enger umgebende Mauer zurückziehen konnten. 




Pläne zum alten Hause auf dem Wickenwerder (nach A. Graf von Bernstorff). 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF MÖLLENHAGEN. 3O3 

Auf dem Hofe in der nächsten Umgebung des Hauses stossen wir vielfach 
auf altes, fest in Kalk liegendes Ziegelmauerwerk, und weitere Nachgrabungen 
würden voraussichtlich Aufschlüsse über die Gestalt der alten Burg zum 
Wickenwerder, sowie über den erst in diesem Jahrhundert zugeschütteten 
unterirdischen Gang geben, welcher einen in Kriegszeiten zu sperrenden Ein- 
gang zum neuen Hause vermittelt haben wird.c^) 




Das Gut und Filial- Kirchdorf Möllenhagen.') 

|rts- und Personen -Register des Mecklenb. Urkundenbuches identifizieren Geschichte 
das in einer Brodaer Urkunde vom 23. März 1365 genannte Kirchdorf des 
Oldenhaghen, das damals in Henning Kastorf seinen eigenen Pleban hat, mit Dorfes, 
dem Dorfe Möllenhagen.') Der Zusammenhang von Personen und Sachen, in 
dem beide genannt werden, und die Unmöglichkeit, ein besonderes Kirchdorf 
Oldenhagen, wie es innerhalb dieses Zusammenhanges denkbar wäre, irgendwo 
aufzufinden, machen diese Identifizierung allerdings wahrscheinlich, doch behält 
sie so lange, als nicht weitere Beweise dafür vorzubringen sind — und gäbe 
es diese, so wären sie wohl in einer exegetischen Note am Fuss der Ur- 
kunde oder auch in den genannten Registern zum Vorschein gekommen — 
den Charakter des Gewagten. Sollte sie sich aber noch weiterhin richtig 
erweisen, so wäre damit dargethan, dass Möllenhagen ursprünglich eine 
Mutterkirche hatte. Nur muss es vorläufig unentschieden bleiben, ob sie zur 
Havelberger Diöcese gehörte, mag dies auch noch so wahrscheinlich sein. 
Aus dem Filial- Verhältniss der späteren, erst im Jahre 1632 von Berend Lüdeke 
Holstein erbauten Kapelle in Möllenhagen zur Kirche in Ankershagen ist selbst- 
verständlich auf das mittelalterliche Verhältniss kein Schluss zu machen.*) 
Wohl aber ist nicht zu übersehen, dass Möllenhagen in dem schon öfter ge- 
nannten Verzeichniss der Kirchen und Pfarrlehne des Stiftes Schwerin, das 
ohne Zweifel auf ein älteres mittelalterliches Verzeichniss zurückgeht, nicht 
genannt wird. 

Neben Bauerhöfen treten uns dort in der Zeit vom XVI. zum XVIII. 
Jahrhundert auch Rittersitze der Holstein entgegen, die bald, von Mitgliedern 

*) Die BernstorfTsche Beschreibung enthält auch die Abbildung eines eingemauerten Relief- 
bildes, denen ähnlich, die wir in so grosser Zahl an den fürstlichen Schlössern in Wismar, 
Gadebusch und Schwerin als Zierziegel in Friesen verwandt finden. 

•) Fa«t 12 km westlich von Penzlin. Das M vor O würde, wenn die Identifizierung von 
Möllenhagen mit Oldenhagen richtig ist, eine Analogie zu dem M vor U in Mupahl (Upahl), M 
vor A in Marnesse (Arensse), M vor E in Mertenehagen (Ertenehagen) und M vor I in Mieken- 
hagen (Ikenhagen) u. s. w. sein und als Abschleifung der niederdeutschen Präposition >tomc ver- 
standen werden müssen. 

•) M. U.-B. 9340. 

*) Vgl. A. Graf von Bernstorff, M. Jahrb. LIX, S. 314. Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 12 und 13. 



304 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Kirche. 



Altar und 
Kanzel. 

Glocke. 



Kleinkunst- 
werke. 



der Familie, bald auch von Anderen als Pfandbesitzern und Pächtern über- 
nommen werden, wie z. B. in den dreissiger Jahren des XVII. Jahrhunderts 
von Hans von Schulz von Pieverstorf. Ein landesherrlicher Konsens zur An- 
legung einer Glashütte in der Möllenhäger Holzung wird 1696 ertheilt und 
17 17 auf zwölf Jahre erneuert. Holstein'scher Besitz bleibt Möllenhagen bis 
1734. In diesem Jahr geht das Gut an die Familie Le Fort über, die auch 
die Güter Klockow, Bocksee, Marin und Rethwisch an sich bringt. Le Fort'scher 
Besitz bleibt Möllenhagen bis 1831. Es folgen: Paul Amadeus von Frisch 
bis 1834, Rittmeister Friedrich Ernst Aug. von Gundlach bis 1869, Friedr. 
Ludw. Karl Aug. Greffrath und nachher dessen Sohn Franz bis 1885, 
Aug. Bätke bis 1891, Paul Schnitze und darauf dessen Erben bis 1898, und 
von da an Henning Baron von Brockdorff. 

Kirche« Die Kirche im klassicierenden Stil des XVIII. Jahrhunderts, 
dem auch der aufgesetzte Dachreiter angehört, ist zur Zeit des Besitzers 
Greffrath stark erneuert. Der Innenraum ist plafondartig gewölbt. 

Altar und Kanzel sind zu einem Körper vereinigt. Im Uebrigen bietet 
die innere Einrichtung nichts Bemerkenswerthes. 

Im Dachreiter eine Glocke, die im Jahre 1825 von J. Schultz in Rostock 
umgegossen ist. Die Inschrift lautet: ICH RUF ZUR KIRCH VERKÜNDIGE 
DAS GRAB SAG AN DIE NOTH UND RUFE VON DER ARBEIT AB. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter Kelch des XVIII. Jahrhunderts, 
gestiftet von G. LORENTZEN. Stadtzeichen S, Meisterzeichen undeutlich. Die 
dazu gehörige Patene ist gestiftet von JOACHIM HASS 1749. Stadtzeichen W, 
Meisterzeichen i B F. — 3. Silberne ovale Oblatenschachtel, gestiftet von 
BLEICHART GOTFRIED EWERT ANNO 1752. Als Stadtstempel das dreithürmige 
Thor von Neubrandenburg, als Meisterstempel die Initialen FA. — 4. 5. Zin- 
nerner Kelch von 1783, englisches Zinn mit den Meister- Initialen A T. Dazu 
eine Patene. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Rumpshagen.') 

||K](|m 23. April 1273 verleiht F'ürst Nikolaus I. von Werle dem Kloster Broda 
unter anderen Gütern auch zehn Hufen in Rumpshagen.*) Dass es 
diese sammt Mann- und Kirchlehn daselbst schon länger besessen habe, das 
soll die öfter erwähnte falsche Urkunde vom 24. April 1230 darthun, 
doch wird dies durch die vorher genannte Urkunde als eine Unwahrheit er- 
wiesen, da hierin von diesem weiteren Besitz gar keine Rede ist.^) Den 

') 10 km westlich von Penzlin. 

«) M. U.-H. 1284. 

») M. U.-H. 377. 3563. 



GUT UND KIRCHDORF RUMPSHAGEN. 305 

Klosterbesitz zu Rumpshagen bewirthschaften die Ritter und Burgmänner 
Bernhard und Heinrich von Peccatel zu Prillwitz, geben ihn aber am i. Januar 
1286 an die Stiftsherrn zurück.*) Bald nachher finden wir in Rumpshagen 
den Hinne Voss als Vasallen der Herren von Werle. Dieses Verhältniss 
hindert freilich nach den Anschauungen des Mittelalters in keiner Weise daran, 
dass zwischen ihm und seinen Landesherren eine Fehde entsteht und aus- 
gefochten wird, bei welcher »der Rumpshagen«, also der befestigte Sitz des 
Hinne Voss, berannt und gebrochen wird. Doch eine Generation später wird 
das wieder eingetretene gute Verhältniss beider Theile dadurch bekundet, dass 
Fürst Bernhard von Werle am 2. November 1353 den beiden Söhnen des 
alten Hinne, den Brüdern Henning und Hardelof Voss, neue Besitzungen zu 
Bredenfelde überweist. Dabei gedenkt der Fürst in gnädiger Weise sowohl 
der Dienste, die sie ihm erwiesen, als auch des Schadens, der ihrem Vater 
durch Zerstörung der Burg von seinen Vorfahren geschehen sei.*) Bezüglich 
ihres Verhältnisses zum Kloster Broda ist nicht zu übersehen, dass, als sie 
diesem am 28. Februar 1360 eine Hufe überlassen, wiederum in gar keiner 
Weise von jenen Ansprüchen des Klosters an Mann- und Kirchlehn im Dorfe 
Rumpshagen die Rede ist, welche mit Hülfe der gefälschten Urkunde von 
1230 erschlichen werden sollen. Es scheint aber, als ob es dem Kloster in 
späterer Zeit mit dieser und der gefälschten Konfirmations- Urkunde vom 
22. September 13 12 gelungen ist, in den Besitz der angemassten Rechte des 
Mann- und Kirchlehns zu gelangen. Denn nicht bloss die Fürsten Nikolaus 
und Christoffer von Werle — wenn ihre Beurkundung nicht auch gefälscht, 
worden ist (s. o. S. 283, Anmkg. 3) — bestätigen gutgläubig die falschen Ur- 
kunden, sondern auch die mecklenburgischen Herzöge Magnus und Balthasar 
und der bekannte Papst Alexander VI. aus dem Hause Borgia. Es geschieht 
dies bzw. am 5. Mai 1402, am 20. Juni 1482 und am 27. Oktober 1500.*) 

In Voss'schem Besitz bleibt das Gut Rumpshagen bis zur Mitte des 
XVIII. Jahrhunderts, wenngleich es bisweilen verpfändet wird, so z. B. 17 14 
(oder schon etwas früher) an den Oberhofküchenmeister Nerentz. Von der 
Mitte des XVIII. Jahrhunderts an haben es die von Gundlach. Mit dem 
Gute auch das Patronat der Kirche. 

Kirche. Die Kirche hat einen Chorschluss aus dem Achteck, ist aber Kirche, 
im Uebrigen in den nüchternen Formen der Spätrenaissance des XVII. und 
XVIII. Jahrhunderts erbaut. Am Glockenstuhl des im Westen aus dem Dache 
emporsteigenden Thurms die aufgemalte Jahreszahl 1779. Oberhalb des west- 
lichen Eingangs das Gundlach'sche Wappen. Im Innern ist der ganze Raum 
mit einer flachen Holzdecke überspannt. 



») M. U.-B. 1834. 

*) M. U.-B. 7829. Sollte damit — wie Grptefend meint — der Inhalt der Urkunde 5533 
in irgend einem Zusammenhange sein? Zu dem Namen »Hinne« vgl. M. U.-B. 8723, Anmkg., wo 
»lleraienc dafUr empfohlen wird. 

•) Vgl. M. Jahrb. III, S. 206. 209. 210 u. 229. 

20 



3o6 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Altar und Die innere Einrichtung ist dem Baustil entsprechend. Altar und Kanzel 

Kanzel, sind zu einem Körper verbunden. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Im Thurm hängen zwei Glocken. Die grössere (Dm. 0,77 m) mit dem 
Gundlach'schen Wappen und den beiden Namen ERNST FRIDERICH VON 
GUNDLACH und CHRISTINA SOPHIA FRIDERICA VON GUNDLACH ist im Jahre 
1781 von Johann Christian Friedrich Meyer in Berlin gegossen. Die zweite 
(Dm. 0,32 m) hat nur die Angabe C • D • V • K • ANNO 1766. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Versilberter, innen sogar vergoldeter Zinnkelch, 
von H • V . G • (undlach) A • V . G • GEB . V . ST . 1868. An der Kupa das 
Allianzwappen beider. Englisches Zinn, mit dem Meisterstempel C. H. — 
Ebenso die Patene. — 3. 4. Kelch und Patene, ebenso wie die Stücke i und 2. 
Meisterzeichen W N. — 5. Silberne Kanne, gestiftet 1863 von demselben Ehe- 
paar. — 6. Taufschale desgleichen, 1868. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Gross -Vielen.') 

|ie erste glaubwürdige Erwähnung des Dorfes Vielen als Dorf des Klosters 
Broda findet sich in jener Urkunde des Herzogs Bogislav von Pommern, 
in welcher er die Schenkungen seines Bruders, des Fürsten Kasimar, nach 
dessen Tode dem Kloster bestätigt.*) Es muss daher als gewiss hingestellt 
werden, dass auch die verloren gegangene echte Schenkungsurkunde des 
Fürsten Kasimar, fiir welche später die schon öfter erwähnte falsche Urkunde 
mit der Jahreszahl 11 70 untergeschoben wurde, das genannte Dorf bereits in 
der Reihe der Klostergüter verzeichnete. Insoweit berichtet also auch die 
falsche Urkunde nichts Falsches.') Als zur gesammten Hand belehnte Herren 
des zur werleschen Vogtei Penzlin gehörenden Dorfes finden wir hier seit 1272 
die Ritter Bernhard und Heinrich von Peccatel sowie den Ritter Raven. Sie 
theilen sich in die ganze Gerichtsbarkeit, in alle Beden und Dienste, und haben 
alle Freiheiten und Gerechtigkeiten sowie auch das gleich allen Kirchlehnen 
im Lande Penzlin zur Diöcese Havelberg gehörende Vielensche Kirchlehn 
gemeinsam.*) Uebrigens verfugt im Jahre 1342 auch der Knappe Heinrich 
von Wokenstedt über eine Hebung aus einem Bauernhofe in Gross-Vielen zu 



*) 5 km südwestlich von Penzlin. Die Formen des Namens im XII., XIII. und XIV. Jahr- 
hundert, Vilim, Vilin, Magnum Vilem, Groten Vylim, verbindet KUhnel mit dem altslavischen Wort- 
stamm velü ^ gross und übersetzt ihn mit »Ort des Velimc : M. Jahrb. XLVI, S. 150. Das wäre 
also soviel wie »Ort des Groot oder Grothc oder ungefähr Grothhagen. Anders Lisch, M. Jahrb. 
XXIII, S. 29. Wigger, M. Jahrb. XXVIII, S. 41. 

«) M. U.-B. 135. Vgl. 563. 

8) M. U.-B. 95. 

*) M. U.-B. 1317. Vgl. 1327. 



GUT UND KIRCHDORF GROSS-VIELEN. 307 

Gunsten des Klosters Wanzka.*) Sechs andere Bauernhöfe, über welche 1352 
die Gebrüder Heine und Johann Holstein verfugen, haben zu den Hebungen 
beizusteuern, womit diese eine Memorien- Stiftung für sich und ihre Familie 
im Kloster Broda begründen.*) Daraus folgt nun allerdings noch keineswegs, 
dass alle diese Familien, auch befestigte Rittersitze im Dorfe hatten. Nach 
den späteren Verhältnissen des XV., XVI. und XVII. Jahrhunderts freilich 
möchte man annehmen, dass dies bei den Familien der Peccatel und Holstein 
der Fall war, vielleicht auch bei dem zuletzt (vor ihrem Aussterben 1548) auf 
Clausdorf erbgesessenen Geschlecht der Bardenfleth, von denen Henning 
Holstein am 2. Januar 15 19 ausser anderen Gütern (Zähren, Dambeck oder 
Dannenbeck, wie es in der Urkunde heisst, und Pieverstorf) zu der einen 
Hälfte, die er bereits von den Vätern her besitzt, auch die andere Hälfte des 
Dorfes Gross- Vielen erwirbt.®) So kommt es, dass die von Peccatel sich von 
diesen alten Stammgütern verziehen und den Schwerpunkt ihres Besitzes 
während des XVII. Jahrhunderts in den östlicher gelegenen, später zu Mecklen- 
burg- Strelitz gekommenen Gütern Prillwitz, Usadel, Hohenzieritz, Blumenholz, 
Weisdin, Blumenhagen, Zierke u. s. w. suchen.*) Doch bleibt nach wie vor 
Verbindung und Verwandtschaft zwischen beiden Familien. Von Hennings 
Söhnen heirathet der vierte, Hans, eine Dorothea von Peccatel aus Klein- 
Vielen. Doch hält diese Verwandtschaft seinen gleichnamigen Sohn Henning 
den jüngeren nicht davon ab, 1565 einen seiner Vettern aus der Familie 
Peccatel zu erstechen. Eine Sühne von 800 Thalern löst ihn »nach üblichem 
Landesgeprauch« von der Schuld. Aber vier Jahre später ereilt ihn die 
Nemesis, als er auf dem Landtage zu Güstrow von seinem Halbbruder Philipp 
erschlagen wird, der den Brudermord mit 3000 Thalern zu büssen hat.*) 

Missliche Verhältnisse anderer Art treten in der zweiten Hälfte des 
XVII. Jahrhunderts ein und nöthigen zu Verpfändung einzelner Antheile des 
Gutes an Andere, z. B. an den Rostocker Bürgermeister Jochim Klinge 1646, 
an Christoph Altwig Kamptz 1652 und an die Klinge'schen Erben 1698. Auch 
ereilt den Joachim Friedrich von Holstein am 26. Januar 1703 das von vielen 
Standesgenossen z. Z. des Herzogs Friedrich Wilhelm getheilte weniger schwere 
Schicksal, einen Revers unterschreiben zu müssen, in welchem er auf die Aus- 
übung der hohen Jagd verzichtet So kommt dann allmählich die Zeit heran, 
in welcher derselbe Joachim Friedr. von Holstein ganz und gar auf Gross- 



*) M. U.-B. 6224. 
•) M. U.-B. 8133. 

•) M. Jahrb. XXIII, S. 26. 27. 244. Ein Theil der Peccaterschen Güter, wie Lübkow und 
Liepen, waren den Bardenfleth's schon vor 1408 verpfändet. Antheile von Dambeck (1$ Hufen) 
und Zähren (7'/« Hufen) überliess Vicke von Peccatel damals nebst vielen anderen Besitzungen 
dem Ritter Joh. von Heydebreck. Vgl. Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 476—481 (Urk. CCCLXXXVl). 
Von diesem Heydebreck mögen nachher auch Zähren und Dambeck an die Bardenflethe ge- 
kommen sein. 

*) Akten im (irossh. Archiv (Jürgen Peccatel producieit seine Briefschaften am 7. Febr. 1662). 

^) Akten im Grossh. Archiv. Vgl. GlÖckler, M. Jahrb. XV, S. 119. Die Anmkg. zu M. 
Jahrb. VIII, S. 100 (Lisch) irrt in der Person. 

20* 



308 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 

Vielen verzichtet. Zwar legt er dort noch 17 17 eine Glashütte an, aber ein 
Jahr vorher schon überlässt er das Gut pfandweise auf zwölf Jahre dem 
Johann Friedrich Gamm, in dessen Pfandvertrag für den Rest der Jahre 
1720 der Stallmeister von Finckh eintritt. 1729 verpfändet Joachim Friedrich 
von Holstein Gross -Vielen aufs Neue für die Zeit von zwölf Jahren an Adolf 
Friedrich von Langermann, und in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts 
kommt das Gut ebenso wie Ankershagen an die durch enge Verwandt- 
schaft mit den von Holstein verbundene Familie von Oertzen, in deren Händen 
es bis 1844 bleibt. Die weiteren Rechtsnachfolger sind: 1844 Heinr. Licht- 
wald, 1845 Otto Berlin, 1846 Ferd. Burchard, 1865 Oberhofmeister und 
Kammerherr Rudolf von der Luhe und zuletzt dessen Erben bis 1883, 1883 
Georg Eugen Seip und 1886 Franz Adolf Bernhard Wenck. 

Als vorreformatorische Geistliche werden der Pleban Johann von 13 10 
bis 1330, ein späterer einfacher Priester oder Vikar Johann um 1335 und 
wieder 1348 ein Pleban ohne Namen urkundlich genannt. Um 1378 giebt es 
einen Pfarrer Dietrich Lukow in Gross -Vielen. Mehr sind bis jetzt nicht zum 
Vorschein gekommen. Aus der evangelischen Zeit sind zu nennen: um 1581 
ChristofTer Wendt, von 1587 bis 162 1 nachweisbar (und vielleicht noch länger 
dort) Petrus Bambam,^) der sich als Pastor zu Vielen, Zähren und Mollenstorf 
bezeichnet. Nach ihm wirkt dort ein Daniel Bauert. So, und nicht Samuel 
Bauert, nennt ihn sein Nachfolger Henricus Danneel in einem Schriftstück 
vom Jahre 1652, welches von pfarrwirthschaftlichen Sachen handelt, giebt aber 
nichts über seine Zeit und deutet auch in keiner Weise jene Sage an, nach 
welcher ihn die Kaiserlichen im Backofen verbrannt haben sollen.*) Auf 
Bauert soll eine längere Vakanz gefolgt sein, während welcher die Cura von 
Penzlin her besorgt wurde. Der nächste Nachfolger, Heinrich Danneel, ist in 
Aktenstücken nur zwischen 1652 und 1655 nachzuweisen. Immerhin aber 
kann er jener alte Pastor sein, von dem 1664 die Rede ist, und der damals 
in Zähren wohnt. Er unterschreibt sich nämlich im Jahre 1652 ebenso wie 
Bambam als Pastor von Gross -Vielen, Zähren und Mollenstorf und kann daher 
sehr gut die Wedem in Gross -Vielen mit einer in Zähren vertauscht haben.*) 
Dieser nicht genannte alte Pastor hat nun 1664 einen Adjunctus in Em 
Georgius Martini. Wie lange Martini das Amt führt, wissen wir nicht. 
Jedenfalls ist er 1670 nicht mehr da. Denn in diesem Jahre kommt ein 
Johannes Danneel als Pastor in Gross -Vielen vor, und 1790 folgt bereits Magnus 
Danneel, den man bisher für einen Sohn des Henricus Danneel und für einen 
unmittelbaren Nachfolger jenes hat halten wollen. Aber er ist weder ein Sohn 
des Henricus noch ein Sohn des Johannes Danneel, weil er sich in demselben 



') Einen Pastor Joachim Bambam giebt es zur selben Zeit in Warnkenhagen, s. o. S. 42. 

') Köhler, Archiv für Landeskunde XVI, S. 346 (Nachrichten Über das Kirchspiel Gross- 
Vielen, S. 337—363)- 

•) Möglicherweise ist es aber auch der Pastor Friedrich Kreienbrink, den der Verfasser 
früher irgendwo als Pastor von Gross -Vielen, Zähren und Mollenstorf gefunden hat, ohne aber die 
Fundstelle heute angeben zu können. 



GUT UND KIRCHDORF GROSS -VIELEN. 



309 



Jahr seines Antritts brieflich darüber äussert, dass es ihm unbequem sei, die 
Wittwe seines Vorgängers in seinem Hause wohnen lassen zu müssen, weil es 
an einem besonderen Wittwenhause mangele. So würde er ja nicht geschrieben 
haben, wenn diese Wittwe seine leibliche Mutter oder Stiefmutter gewesen 
wäre. Hier sind somit Berichtigungen der bisherigen Angaben nöthig.*) Magnus 
Danneel stirbt 1739, erhält aber bereits 1736 an Samuel Fabricius einen Sub- 
stituten und Nachfolger, der bis 1772 Pastor in Gross -Vielen, Zähren und 
Mollenstorf ist. Es folgen nun: 1773 Ernst Theodor Joh. Brückner bis 1790 
(gest. 1805 ^^ Neubrandenburg), und von 1790 bis 1804 Philipp Joachim 
Friedrich Nahmmacher. Vgl. Walter a. a. O. Das Patronat haftet vom XVI. 
Jahrhundert her und vielleicht schon früher, am Besitz des Gutes und erleidet 
nur im Jahre 1709 eine vorübergehende Beanstandung.*) 

« 

Kirche. Die Kirche ist ein Fachwerkbau von 1774 in Form eines Kirche. 
Vierecks mit einem Schluss aus dem Achteck. Im Westen ein aus der Dach- 
konstruktion hervorsteigender kleiner Thurm. Im Innern eine im Profil eines 
Stichbogens flachgewölbte hölzerne Decke. 

Die innere Einrichtung ist der Zeit der Erbauung entsprechend. Altar Innere £in- 
und Kanzel sind zu einem Körper verbunden. In den seitlichen Verzierungen nchtung. 
des Altaraufsatzes die Oertzen*schen Initialen A«F«V«Ö« und F • V • ö • 
Oberhalb des herrschaftlichen Stuhles vier OERTZEN'sche Sargwappen 
von Zinn. 



Sechsseitiger Taufständer von weissem Marmor, 1866 von F. BUR- 
CHARD gestiftet. 



Tauf- 
ständer. 



Im Thurm zwei Glocken. Die grössere hat die Inschrift: SOLI DEO Glocken. 
GLORIA HER V HORTZ (!) HAT MICH GIESSEN LASSEN • 1783 GOSS MICH 



*) Köhler, a. a. O., S. 347. 

*) In einem Brief an den Herzog Ulrich vom Jahre 1587 nennt Pastor Bambam als Patrone 
für Gross -Vielen und Zähren die Vettern Dietrich und Matthias Holstein und fttr Mollenstorf den 
Heinrich Bibow, der an die Stelle des sei. Balthasar Kalden getreten sei. Mit diesem Briefe sucht 
er beim Herzog eine Visitation zu erreichen. Aber es wird nichts daraus. Ebenso wird auch 
1661/62 nichts aus der Sache. Die Visitatoren fahren auf Befehl des Herzogs Gustav Adolf, 
vorhandener Schwierigkeiten halber (wegen der Patrone?) an Gross -Vielen vorüber. Auf diese 
Art ist es gekommen, dass überhaupt kein Visitationsprotokoll über die Kirche daselbst vor- 
handen ist. Wohl aber sehen sich die Visitatoren bei dieser Gelegenheit Klein -Vielen an, wo 
es bis dahin eine Kirche unter Peccatel'schem Patronat gegeben hat. Aber wie sieht es hier 
aus? Die Kirche ist ganz niedergefallen, alles liegt öde und wüste da. Nur einen Menschen 
giebt es im Dorfe, den Simon Calib (KalUbbe), der wird nach den früheren kirchlichen Verhält- 
nissen gefragt. Aber was er zu sagen weiss, ist mangelhaft und reicht nach keiner Richtung hin 
ans. S. u. bei Peckatel. — 1709 ist das Patronat vorübergehend bei beiden herzoglichen Häusern, 
>so lange nichts anderes erwiesene. Dieser Erweis muss erbracht sein, denn 1736 ist es wieder 
bei den Gutsherrschaften. (S. Zähren). — Ueber das Schwinden der Bauern im Kirchspiel (Gross- 
Vielen, Zähren und Mollenstorf) s. Archiv f. Landesk. XVI, S. 354. Nur in Mollenstorf giebt es 
noch drei Hauswirthe. 



3IO 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 




J • C • MEYER. Die zweite Glocke ist alt. Inschrift: +5elp + 
got + Ünbe + inarla +. ') Dazu das nebenstehende Giesser- 
zeichen. Auf dem Boden der Kirche noch eine kleine zer- 
brochene Glocke. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke, i — 4. Hoher silbervergoldeter Kelch des XVIII. Jahr- 

werke, hunderts. Auf dem Fuss das RIEBEN'sche und das LANGERMANN'sche 
Wappen. Stempel M, Meistefzeichen ®g^. Auf der zugehörigen silber- 
vergoldeten Patene befinden sich in der Mitte des Tellers dieselben Wappen 
in derselben Zusammenstellung wie am Kelch. Auf dem Rande die Umschrift: 
ADOLPH FRIEDERICH VON LANGERMAN, SEINER KGL • MAJESTÄT IN 
PREUSSEN BESTELTER OBRISTER BEY DER CAVALLERIE, ERBHERR ZU 
GROSSEN VIELEN, UND DESSEN EHEFRAU CHRISTIANA JULIANA GEBOHRNE 
VON RIIBEN AUS DEM HAUSE REY SCHENKEN ZU GOTTES EHREN DER 
GROSSEN VIELEN'SCHEN KIRCHEN GEGENWERTIGE PATENE, KELCH, OB- 
LATENDOSE UND KANNE ANNO 1746. Die zuletzt genannten beiden Stücke, 
Oblatendose und Kanne, tragen dieselben Wappen und Werkzeichen. — 

5. Messingenes Becken mit der Inschrift: JACOB FOSSIL AO 71 (1671). — 

6. Neusilberne Kanne, gestiftet 1866 von CLARA V. D. LUHE, GEB. V. ARNIM- 
KLOCKOW. — 7. 8. Zwei gute zinnerne Leuchter, auf Klauenfüssen stehend 
und mit Rokoko -Ornamenten verziert, ohne Werkzeichen. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Filial- Kirchdorf Zähren.') 

Is am 12. März 1274 Fürst Nikolaus I. von Werle die Brüder und Ritter 
Bernhard und Heinrich Peccatel in die Güter Lübkow, Ziplow, Hohen- 
Zieritz, Stribbow, Peckatel, Gross- und Klein -Vielen (Kohlhasen -Vielen), Bru- 
storf und Langhagen einsetzt, da gehört ausser den beiden Vielen und Lübkow 
das Dorf Zähren zu jener Gruppe, an denen auch der Ritter Raven als werle- 
scher Vasall seinen Antheil empfängt.*) Aber wir erfahren nicht, in welcher 
Art diese zu gesammter Hand verliehenen Lehnantheile von einander ge- 
schieden oder den Dreien gemeinsam waren. Nur das wird gesagt, dass sie 
fiir die kleinere Gruppe mit dem Raven'schen Antheil zweihundertvierzig Mark 
und fiir die grössere Gruppe sechshundert Mark Wendenpfennige bezahlt 
haben. Ferner bleibt es im Dunkeln, ob es in Zähren, um welches es sich 
zunächst handelt, eine Kirche gab, oder ob sie es waren, von denen die jetzt 
stehende, ohne Zweifel dem XIIL Jahrhundert angehörende Kirche gegründet 

^) M. Jahrb. XL, S. 202. Hier fehlt die Angabe über das Giesserzeichen. 
') 7 km südwestlich von Penzlin. »Nachkommen des camc (altslavisch crunu, polnisch 
czarny = schwarz): Ktthnel, M. Jahrb. XLVI, S. 163. Das wäre verdeutscht soviel wie »Schwarzenhof«. 
•) M. U.-B. 1317. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF ZÄHREN. 3II 

wurde. Wie nachher das Geschlecht der Bardenfleth zur Rechtsnachfolge der 
Peccatcl in Zähren und anderen Gütern gelangt (in Zähren nachweislich schon 
vor 1449), und diese im ersten Viertel des XVI. Jahrhunderts an die Holstein 
übergehen, ist schon bei Gross -Vielen zur Ausfuhrung gelangt (s. o. S. 307). ') 
Als Henning Holstein 1565 seinen Vetter Peccatel erstochen hat, da hebt 
seine Bestrafung damit an, dass Ihm vor der Hand das Gut und Dorf Zähren 
entzogen wird. Wie er sich aber nachher, »üblichem Landesgeprauch« ent- 
sprechend, mit achthundert Thalern vom Morde abkauft, ist bereits in der 
Ortsgeschichte von Gross-Vielen erwähnt (S. 307). Von 1621 bis 1649 ist 
Zähren Pfandbesitz, zuerst der Preene, dann des mit den Preenen verwandt 
gewordenen Klaus Hahn; 1649 aber kommt es an Elisabeth Mack Duwal, 
die Wittwe Adam Holstein's, für loooo Gulden zurück. Doch 1668 sitzt 



Blick Ruf die Kirche id Zähren. 

schon wieder der Hauptmann Henning von Heidebrecht (Heidebreke) auf dem 
Gute; er überlässt es 1685 dem ßaron Johann Heinrich Erlenkamp, der es 
sofort zum AUod erhebt und 1696 eine Erneuerung des Allodialltätsbriefes 
erhält. Aus Erle n kam p' seh em Besitz (bis 1715) geht es später an die schon 
öfter genannten Brüder von Hacke über, die seit 1716 auch im Besitz der 
Güter Passentin, Peckatel und Klein -Vielen sind. 1728 zeigt Hauptmann Otto 
Sigismund von Behr an, dass er das Allodialgut Zähren vom Leutnant Hacke 
gekauft habe 1736 wird bereits der Behr'sche Schwiegersohn, J. F. von Ziethen, 
als Patron der Filialkirche zu Zähren genannt.') Ziethen'sches Gut bleibt 

') M. Jahrb. XXIII, S. 344 (Urkunde vom 2. Januar 1519). Hundert Jahre früher erwirbt 
Achim von Ileidebreck auf Klempenow mit achtehalb Hufen einen Antheil an Zähren : vgl. Li^^eh, 
Geachl. Maltzan II, S.478 (Urk. CCCI.XXXVI vom 6. April 140S). Femer M. Jahrb. XIV, S. 243. 
XXVI, S, 218. 

') Gleicbfeitig bethätigen sich bei der Berufung des jungen Fahricius iu einem Subslituten 
seines Vaters die Patrone A. F. von Langermann van der Hauptkirche zu Gross-Vielen und 



312 AMTSGERICIITSBEZIRK PENZLIN. 

Zähren bis 1782. 1782 übernimmt es Adolf Friedrich von Oertzen auf 
Blumenovv, und 1836 Karl August von Arenstorff, dessen Familie es heute 
noch hat. 




H • • ' ■ ^ - ■ ' ^ "* ' - 



_]'"■'''"■■ 



Als Filialkirche von der 
Mutterkirche zu Gross Vielen tritt 
uns die in Zähren schon 1 587 ent- 
gegen. Ebenso haftet das Patro- 
nat nachweislich vom XVI. Jahr- 
hundert her am Gute. Wahrschein- 
lich aber entstammen beide Ver- 
hältnisse schon der vorreformatori- 
schen Zeit des Mittelalters. 

Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein 

thurm loser und verhältnissmässig 
sehr kleiner Feldsteinbau des XIII. 
Jahrhunderts mit frühgothischen 
Stil-Erscheinungen auf der Süd- 

E. von Bas^ewiti (als Vertreter seiner 

SchwSger von Bibow] von der Filialkirche 

lu MoUenstorf. Siehe Kirchen-Akten von 

Gross-Vielen im Grossh. Archiv, — 1709 

war das Patronat vorUber|;ehend bei den henoglichen 

wiesen sei«. — Das geßenwKrtiEe Palron ata verhältniss 

vemher 177O: Archiv Ttlr Landeskunde XVI S. 345. 



VMts^ 



>so lange nicht ein 
f einem Vei^leich 1 



GUT UND niJAL-KIRCHDOKF ZAHKEN. 313 

Seite des Chors, dessen in einen vorgeschobenen Mauerkern eingelegte »Priester- 
Pforte* in dieser BeKiehnng zu beachten ist. Etwas jünger mögen die Blenden 

des Ostgiebels 
oberhalb des platt 
abschliessenden 
Chores sein, 
welcher im Volks- 
munde als »neue 

Kirche« im 
Gegensatz zu dem 

Langhause be- 
zeichnet werden 
soll. Doch würde 
es sicher zu weit 
gegangen sein, 
wenn man daraus, 
über das XIV. 
Jahrhundert hin- 
aus, auf eine 
jüngere Zeit 
schliessen wollte. Von vorzüglicher Güte sind die grossen Ziegel, welche 
theils in der schon genannten Laibung der Priester- Pforte, im Portal des Lang- 
hauses, in den 
LichtöfTnungen, 
an einigen später 
angesetzten go- 
thischen Pfeilern 
und besonders in 
den Giebeln zur 
Benutzung ge- 
langt sind. Das 
im Innern 
7.33 X 8.30 m 
messende Lang- 
haus , dessen 
Längs wände 
durch quer dar- 
über gelegte, 
nach aussen hin- 
ausragende und 
hier mit ent- 



^ötto^- 



sprechenden Holzblöcken verankerte starke Balken zusammengehalten werden,') 

') Auch die Giebel werden durch HolzverankeninEen gestülit, die lum Thejl dem Ende 
des XVIII. Jahrhunderts (* F V Ö r790) angehören. 



314 



AMTSGERICHTSllEZIRK PENZLIN. 



wird von einer flachen Holzdecke überspannt. Ob hier einstmals Wölbung be- 
absichtigt oder gar ausgeführt war, kann dahingestellt bleiben. Der durch einen 
schweren früh gothi sehen Triumphbogen vom Langhause getrennte und als ein 
etwas schief gerathenes Viereck angesetzte Chor, der im Innern 6,2$ m Länge 
und beim Triumphbogen 5,90, an der Ostwand aber 6,10 m Breite hat, ist mit 
einem frühgothischen Kreuzgewölbe geschlossen, dessen Rippen ein birn- 
förmiges Profil aufweisen und auf schlichten, 1,30 m hohen Eck ■ Pilastern auf- 
setzen. Von den 

Lichtöffnungen - 

hat nur eine in 
der nördlichen 
Längswand des 
Langhauses, das 
einstmals im Gan- 
zen deren vier *t; 
gehabt hat, als 
schmales romani- "^i 



sches Schlitz- 



^ 



fenster seinen ur- 
sprünglichen Cha- 
rakter bewahrt, 
die übrigen sind 
durch Neue- 
rungen, unter 
denen auch diese 
kleine Kirche viel- 
fach zu leiden ge- 
habt hat, ent- 
stellt worden. 
Ueber der 
Priesterpforte, 
aber nicht mehr 
im Chor, sondern 
schon im Östlich- 
sten Pfeiler des 

Langhauses, eine kleine Nische für ein Heiligenbild, und unter der Nische eine 
alte Kornquetsche von Granit, die als Weih Wasserbecken gedient haben wird. 
Auf der Nordseite des Chors sieht man draussen die Reste einer ein- 
gegangenen Sakristei von 3,50 m im Quadrat, die ähnlich wie der Chor gewölbt 
gewesen sein muss, und deren Fussboden jetzt ungefähr 1 m tief unter der 
Erde liegt. Ehemals führte von innen her aus dem Chor ein Eingang zur 
Sakristei, der jetzt vermauert ist. Neben diesem vermauerten Eingang, in der 
inneren Nordwand des Chores, sieht man eine kleine Nische für einen 
Eucharistie -Schrank, dessen Verschluss jetzt fehlt. 




GUT UND FILIAL- KIRCHDORF MOLLENSTORF. 



315 



Der Altar ist ein Werk des Barockstils vom Jahre 1706, mit den Bildern 
der Taufe Christi, des Abendmahls und der Kreuzigung. Doch werden diese 
Bilder jünger sein, wenigstens das der Taufe, da man unter diesem die Initialen 
O • S • V • B und A • E • V • B antrifft, die sich nur auf Otto Siegmund von 
Behr und dessen Ehefrau Anna Elisabeth von Behr beziehen können (s. o.). 
Die Kanzel ist ebenfalls von geringer Bedeutung. 

In einem besonderen Glockenstuhl auf dem Kirchhofe hängen zwei 
Glocken. Die eine, mit der Jahreszahl 1706, wird von dem Freiherrn VON 
ERLEN KAMP, dem damaligen Patron der Kirche, angeschafft sein, nachdem 
eine von der im dreissigjährigen Kriege zerstörten Kirche zu Pieverstorf nach 
Zähren gebrachte Glocke wieder nach Pieverstorf hatte abgegeben werden 
müssen. Die zweite Glocke, ein Geschenk des Kammerherrn C • VON AREN- 
STORFF, ist 1862 von C. Jllies in Waren gegossen worden.^) 

Die heiligen Geräthe, 1862 vom Kammerherrn C • V • ARENSTORFF 

geschenkt, sind neu. 



Altar. 



Glocken. 



Heilige 
Geräthe. 




Das Gut und Filial- Kirchdorf Mollenstorf) 

|ittelalterliche Urkunden fehlen. Gewiss ist nur, dass hier die Barden- 
fleth's bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1548 sassen. Der letzte war 
Achim Bardenfleth.*) Sehr wahrscheinlich ist es ferner, dass die Identifizierung 
von Molmerstorp und Mollenstorf, welche im zweiten Personen -Register des 
mecklenb. Urkunden werkes angeregt wird, richtig ist In diesem Fall hat 
Mollenstorf bereits um 1335 eine Kirche.^) Ob sie aber Mutter- oder Tochter- 
kirche war, wissen wir nicht. Dass der bei dieser Gelegenheit genannte Geist- 
liche, der Dominus Bolekinus, kein Pleban, sondern nur ein einfacher Priester 
(sacerdos) ist, lässt keinen weiteren Schluss zu, da auch der neben ihm ge- 
nannte Dominus Joh. von Vielen keinen höheren Rang hat, von Gross -Vielen 
aber mehrere Plebane des Mittelalters bekannt sind. Es könnte also auch in 
Mollenstorf selbständige Plebane gegeben haben, ohne dass sie uns bekannt 
geworden wären. Wenn aber im Archiv fiir Landeskunde mitgetheilt worden 
ist, dass bis 1590 eine eigene Pfarre bestanden habe, so ist das wenigstens 
insoweit nicht richtig, als sich der Pastor Petrus Bambam im Jahre 1587 in 
seinem Gesuch um eine Visitation klar und deutlich als Pastor zu Vielen, 
Zähren und Mollenstorf unterschreibt. Im Uebrigen könnte es schon so ge- 
wesen sein. Doch fehlt es bis jetzt an jeder zuverlässigen Kunde. Auch in 
der Folge bleibt die Kirche zu Mollenstorf als Tochterkirche mit der in 



*) Das Inventar von 181 1 nennt nur die ältere Glocke von 1706. 
*) 5 km westlich von Penzlin. 
») Lisch, M. Jahrb. XXIII, S. 26. 244. 

*) M. U.-B. 5619. Auch in der Urkunde vom 8. November 1558 über den Lucka'schen 
GUtenimtausch wird für Mollenstorf Molmesdorff gesagt: M. Jahrb. I, S. 227. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 



3l6 AMTSGER1CHTSBEZIRK PENZLIN. 

Gross- Vielen verbunden, so sehr auch Justus von Gundlach, nachdem er 1764 
das Gut übernommen, darum bemüht ist, seine Kirche zu einer Mater vagans 
zu machen.*) 

Nach dem Absterben des Achim Bardenfleth verleihen die Herzöge 
Johann Albrecht, Ulrich und Georg fiir sich und ihre Brüder Christoph und 
Karl im Herbst des Jahres 1549 die eine Hälfte des Gutes ihrem Kanzler 
Johann von Lucka; die andere Hälfte aber erhält der Kammerjunker (damals 
»Kammerdiener« geheissen) Jürgen von Below. Lucka verkauft seine Hälfte, 
die er unter dem Vorbehalt der Wiedereinlösung nach zehn Jahren erhalten 
hat, im Jahre 1550 wiederkäuflich an die von Holstein auf Ankershagen. 
Daraus erklärt sich nachher in der Urkunde vom 8. November 1558 über den 
grossen bekannten Lucka'schen Güter- Umtausch die ausdrückliche Verzicht- 
leistung des Herzogs Johann Albrecht auf die dem Lucka obliegende Wieder- 
Einlösung des verpfändeten halben Dorfes Mollenstorf (Molmesdorflf). Später 
verschreibt der Kanzler diese Hälfte des Gutes seiner Gattin Margarethe 
Schieferdecker als Leibgedinge. Doch kommt diese Hälfte von Mollenstorf 
schon gegen das Ende des XVI. Jahrhunderts in den Besitz der Holstein, mit 
denen sich die von Lucka verschwägert haben.*) Jürgen von Below dagegen 
verkauft die andere Hälfte des Gutes im Jahre 1557 an Balthasar Kalden. 
Kalden stirbt 1584. Sein Rechtsnachfolger wird Heinr. Bibow (s. Glocke). 
Und nun bleibt Mollenstorf in den Händen der Bibow, wenn die letzte weib- 
liche Descendenz dieser Linie mitgerechnet wird, bis 1764. Auch die Lucka- 
Holstein'sche Hälfte, welche in der zweiten Hälfte des XVIL Jahrhunderts von 
Adam von Holstein auf Zähren, durch Weggabe bei* der Vermählung seiner 
Schwester als Leibgedinge, eine Zeit lang an die von der Luhe auf Schulen- 
berg und Fahrenhaupt gekommen war, geht noch vor Ablauf des XVIL Jahr- 
hunderts auf Jürgen von Bibow aus den Händen seiner Schwiegermutter über.*) 
In Folge dessen wird er — selbstverständlich unter Verzichtleistung auf die 
hohe Jagd — am 8. März 1702 mit beiden Hälften von Mollenstorf, die 
damals als Schwerinscher und Güstrowscher Antheil von einander unterschieden 
werden, belehnt. Sibilla Hedwig von Bibow ist es dann, die das Gut bei 
ihrer ersten Vermählung 1736 dem Albrecht Leopold Gans von Putlitz, und 
(nach dessen Tode 1755) bei ihrer zweiten Vermählung 1756 dem Georg Ernst 
von Oldenburg zubringt. Aber Oldenburg stirbt noch im selben Jahr. Miss- 
liche Verhältnisse aller Art hatten dazu gefuhrt, dass das Gut noch bei Leb- 
zeiten des Putlitz im Jahre 1743 einem »Pensionär« Peters in Pfand gegeben 
war. Die Wittwe des Pensionärs zieht 1764 vom Gute ab, nachdem dieses 
für 40000 Thlr. N^a an Justus von Gundlach verkauft worden war, dessen 
Nachkommen es noch heute haben. 



*) Archiv für Landeskunde XVI, S. 345. 346. 351, Anxnkg. 2. Vgl. Rönnberg, M. Jahrb. XL, 
S. 193. Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 97. 

•) Lisch, M. Jahrb. V, S. 216—218. 

*) Akten im Grossh. Aichiv. Im Besondern Brief des Jürgen von Bibow an den Herzog 
Friedrich Wilhelm vom 26. December 1697. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF MOLLENSTORF. 



317 



Kirche. Die Kirche ist ein alter frühgothischer Bau in Form eines 
Vierecks, das durch neu eingebrochene Lichtöffnungen an seiner Ursprünglichkeit 
sehr eingebüsst hat. Der Innenraum ist mit einer in flachem Stichbogen ge- 
wölbten Bretterdecke überspannt. Auch das Westportal ist im Stichbogen 
geschlossen, wird aber von einem Spitzbogen überfangen. 

Der Altaraufsatz ist ein Werk des Barokstils von 1750 in zwei Stock- 
werken, dessen unterer Theil durch korinthische Säulen und dessen oberer 
Theil durch ionische Pilaster flankiert wird. In der Predella das Gemälde des 
Abendmahls, im Hauptstock die Kreuzigung, im Oberstock die Auferstehung 
und ganz oben das Gottesauge in der Sonne. Am Altar unten das BIBOW- 
sche Wappen, daneben ein anderes mit einem gekrönten Schwaan. 

Zu erwähnen ist eine überkalkte Pietas- Gruppe aus einem gothischen 
Triptychon. 

An der Kanzel drei Wappen mit Unterschriften: CLARA VON WENK- 
STERN 1700 • GEORG VON BIBOW 1700 • JUSTUS V«GUNDLACH 1764. 

An einer Stuhlwange flndet sich eingeschnitten L • V • B(ibow) 1585. 

Oberhalb des herrschaftlichen Stuhles viele zinnerne Sargwappen der 
Familie VON GUNDLACH, auch an der Wand bei dem Pastorenstuhl BIBOWsche 
und PENTZ*sche Sargschilder von Zinn. 

Oberhalb des Pastorenstuhles in der Nordostecke zwei Trauerfahnen 
des dänischen Majors CONRAD V . PENTZ 1667—1728. Vgl. Inschrift der Glocke. 

In der inneren Ostwand nach Norden hin ein alter Eucharistie -Schrank. 

Im Thurm drei Glocken. Die älteste (Dm. 0,75 m) hat die Inschrift: 

re^ glotie %^t lietii cb pace «l^elp flinte anna fblfbrbbtie anno bni niccrccjtb. 

Die grössere (Dm. 0,95 m) hat nachstehende Inschrift: DIESE GLOCKE IST 
1729 ZVR ZEIT HINRICH VON BIBOW VND DESSEN FRAVEN EVA DOROTHEA 
VON PENTZEN VMBGEGOSSEN WORDEN VON MICHAEL BEGVN. Auf der 
Glocke ein grösseres Rundbild. Darin als Flachrelief eine Glocke mit schräge 
sich unter ihr kreuzenden Kanonenläufen, rechts und links davon das Fried- 
länder Wappen (ein dreithürmiges Thor, zweimal). Unter den Kanonenläufen 
ein Elephant und darunter M BEGVN. — Die dritte kleinere Glocke hat weder 
Inschrift noch Zeichen. 

KleinkuDStwerke. i. 2. Versilberter Kelch, gestiftet von C«V«G(undlach) 
1854. Patene ebenso. — 3. Kleine runde Oblatendose, von Behmen-Neustrelitz. 

— 4. Weinkanne, gestiftet 1861 von E.V-G. und E.V«G«GEB«V. B(ülow). — 
5. Taufschale, gestiftet 1880 von EMILIE VON GUNDLACH, GEB. VON BÜLOW. 

— 5.6. Zwei zinnerne Leuchter, der eine mit der Jahreszahl 1732. Beide haben 
als Stadtstempel ein dreithürmiges Thor und als Meisterstempel ^'yj^' . — 
7. Noch ein Zinnleuchter, mit denselben Zeichen und dem Namen CLAS 
PETERS 1733. Jetzt bei Seite gesetzt. Also 5 — 7 wahrscheinlich Neubranden- 
burger Arbeiten. 

Auf dem Hofe ein sogenannter »Opferstein«. 



Kirche. 



Altar- 
aufsatz. 



Pietas- 
Griippe. 

Kanzel. 



Stuhl- 
wange, 

Sarg- 
wappen. 

IVauer- 

fahnen, 

Eucharistie- 

Schrank, 

Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



»Opfer- 
Stein.« 



3l8 AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Das Gut und Kirchdorf Peckatel.') 

Geschichte KlUenngleich die Ritter Bernhard und Heinrich von Peccatel erst im Jahre 1 274 
des Mkmm ^^j^ ^^^^ jj^ ^^^ Vogtei Penzlin gelegenen und somit zur Diöcese Havel- 
Dorfes. jjgj.g gehörenden Dorf Peckatel belehnt werden, so lässt doch die Gleich- 
namigkeit von Ort und Geschlecht schon auf ältere Beziehungen zwischen 
beiden schliessen.*) Ausser dem Rittersitz, auf dem der Burgherr wohnt, giebt 
es hier eine Bauernschaft mit einem Schulzen an der Spitze, deren Zeugen- 
schaft der erstgenannte am i. Januar 1325 in einer Darguner Kloster- Angelegen- 
heit verwendet : Testes huius rei sunt Ebelingus scultetus de Peckatele ciuiumque 
communitas ibidem.^) In der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts nennt sich 
die Familie »Pickatel«.*) Die erst im XVIII. Jahrhundert (1775) ausgestorbene 
Familie erhebt noch in der ersten Hälfte desselben Jahrhunderts vom Gute 
Weisdin her Ansprüche an das alte Stammdorf. Aber durch Verpfändung 
und Verkauf einzelner und mehrerer Höfe und Hufen hat sie es doch schon 
vom XV. Jahrhundert her schrittweise aus der Hand gegeben, so z. B. an 
Heinrich von Heydebreck (Heidebreke) achtundzwanzig und eine halbe Hufe, 
eine wüste Worth, den halben Krug, anderthalb Käthen und die halbe Wind- 
mühle, die dieser in derselben Gesammtheit dem am 12. September 1505 
damit belehnten Berend von Maltzan überlässt.^) Ein anderer bis 1514 an 
Eggerd Soneke verpfändet gewesener Antheil wird in diesem Jahre von Hans 
von Peccatel wieder eingelöst. Von dem Maltzan'schen Besitz verkauft Georg 
Freiherr von Maltzan zu Penzlin und Wartenberg im Jahre 1556 wiederkäuflich 
für eine Anleihe von 6900 Gulden acht Höfe und achtzehn Hufen an den 
Herzog Johann Albrecht. Von den Peccatel'schen Antheilen ist nachher in 
Akten von 1593, 1598 und 1646 die Rede. So verpfändet u. a. Jürgen 
von Peccatel im Jahre 1646 den Schulzenhof in Peckatel für eine Anleihe von 
sechshundert Gulden an den Rostocker Doctor juris Siebrand. Dass sich die 
von Peccatel immer mehr auf ihre östlicher gelegenen Güter zurückziehen, ist 
schon in der Ortsgeschichte von Gross -Vielen bemerkt worden. Weisdin ist 
zuletzt einer ihrer Hauptsitze. 1652 hat Adam Holstein's Wittwe (s. Mollen- 
storf) mehrere wüste Bauerngehöfte in Peckatel. 1685 hat auch Hauptmann 



^) 7 km südlich von Penzlin. KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 105, hält es für möglich, dass 
dem Ortsnamen der altslavische Personenname Pek (Peek) zu Grunde liege und vergleicht damit 
die tschechischen Ortsnamen Pecetin und Pekotluky. 

») M. U.-B. 1317. 

») M. U.-B. 4583. 

*) M. U.-B. 10483. 

*) Lisch, Geschl. Maltzan, IV, S. 362—364 (Urk. 1>CCLXXXVI1I). 



GUT UND KlRCnUORF PECKATEL. 3I9 

von Heidebreck Rechte und Ansprüche, die er neben anderen in Zähren, 
Pieverstorf, Dambeck und Boek an den schon oft genannten Baron von Erlen- 
kamp für 3000 Gulden abtritt. 1704 haben die Erben des Oberst von Aren- 
storff dreizehn und eine halbe Hufe, die ihnen von dem Baron von Maltzan 
überlassen sind. Neben ihnen finden wir dort als E rl en kam p' sehe Erben die 
von Langermann mit Besitz und Rechten, von 1716 an die von Hacke, die 
gleichzeitig Passentin und Klein-Vielen besitzen (s. o. 282. 311). Von 1760 
an ist neben Balthasar Daniel von Arenstorff Balthasar Christoph Vick Mit- 
eigenthiimer des Gutes und Dorfes; von 1790 an hat es Kammerherr 
von Plessen, der wegen weiterer Legung von Bauernstellen — heute giebt es 
deren nicht mehr in Peckatel — zu Beschwerden Anlass giebt, und seit 1795 
sind die Penzliner Freiherren von Maltzan im Besitz. 



Die Namen mittelalterlicher Geistlicher fehlen bis jetzt. 1568 giebt es 
eine Vakanz in den unter Peccatel'schem Patronat verbundenen Kirchspielen 
Peckatel und Lütken- Vielen: der alte Pastor Er Jochim Schutt (Schutt) ist ge- 
storben. Die von Maltzan, sich ihres Besitzes halber dazu befugt haltend, 
setzen Georg Schencke ein. 1607 aber (vielleicht schon früher) ist Gregorius 
Reimer Pastor in Peckatel, auch 161 1 und 1616. Ob noch länger? 164S 
macht Jürgen von Peccatel auf Weisdin den Pastor Augustin Eberhard, der 
die Cura der Kirchspiele Prillwitz, Hohenzieritz und Weisdin hat, auch zum 
Pastor des verödeten Kirchspiels Peckatel. Anscheinend aber nur auf kurze 
Zeit. Denn 1661 hören wir bereits wieder, dass der Peckatelsche Pastor 
Heinrich Eulenbrock ein Jahr vorher verstorben sei, und in Folge davon ist ■ 
1664 abermals die Rede von einer Verbindung der Kirchspiele unter dem 
noch amtierenden Pastor Eberhard in Prillwitz. Zwischen 1696 und 1726 ist 
Michael Christoph Haselberg als Pastor zu Peckatel und in den Filialen Liepen 
und Langhagen nachzuweisen. S. Glocke in Liepen. Er lebt aber anscheinend 
bis 1737. Seine Wittwe wird noch 1750 genannt. Von 1737 bis 1749 (in 



320 AMTSGERICIITSBEZIRK PENZI.IN. 

der Zeit der Leopoldinischen Wirren) ist anscheinend Vakanz.') 1750 heisst 
der Pastor Joh. Jakob Barkow (-J- vor 1804). Ihm wird 1781 der Sohn Friedr. 
Wilhelm Barkow an die Seite gegeben (f vor 1824). Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein gewölbter gothischer Neubau von 1862, 
mit einem östlichen Polygonalschluss aus dem Zwölfeck. Nach aussen hin 
sind Chor und Schiff unter einen First gebracht. 



.Si>ittgolhi»iches Tri[il)-chon. 

Triptychon. Auf dem Altar ein spätgothisches Triptychon des XV. Jahrhunderts. 

Im Mittelschrein die drei Gestalten des hl. Dionysius, der hl. Maria mit dem 
Kinde und der hl. Katharina. In den Flügeln die zwölf Apostel. Die Pre- 
Wappen. della ist neu. — In den Fenatern des Chors sieben MALTZAHN'sche Familien- 
Wappen, andere in anderer Ausführung am herrschaftlichen Stuhl. 

') Sluhr, M. Jalirb. I.X, S. ^0. 



GUT UND KIRCHDORF PECKATKt.. ^21 

Im Thurm drei Glocken. Die grössere (Dm. 0,94 m) aus dem XV. Glocken. 
Jahrhundert zeigt im oberen Felde zweimal die hl. Maria mit dem Kinde unter 
gothischen Baldachinen und drei münzartige Rundbilder- Abdrücke. — An der 
zweiten Glocke (Dm. 0,70 m) sieht man am oberen Ringe eine Reihe zum 
Theil missverstandener gothischer Minuskeln: 

MiltOüQ.O.tO.U 

auf deren Entzifferung wir verzichten. Im Felde zwei kleine Reliefbilder von 
Monstranzen und ein Heiligenbild in gothischer Nische. — An der kleinen 
Glocke das Hacke'sche Wappen und die Inschrift: WILHELM OTTO VON 
HAKE ERBHERR VON KLEIN VIHLEN UND PECCATEL PATRON DER KIRCHE 
ZU PECCATEL . _ L • J • BARKOW PASTOR. Unten: FECIT C • D • HEINTZE 
1767. 

Kleinkunstwerke, i. 2. Silbervergoldeter Kelch des XVIII. Jahrhunderts, Kleinkunst- 
auf rundem Fuss. An der Kupa das Bülow-Buch'sche Allianzwappen mit werke. 
den Initialen O • V • B • Als Stadtstempel zweimal ein dreithiirmiges Thor 
und als Meisterzeichen die Initialen V. R., dazu ein Topf mit drei Blumen. 
An der zugehörigen Patene ein anderes Allianzwappen, das des Mannes ein 
leeres Feld, das der Frau das Bülow'sche, daneben die Initialen G»J« 
V • B • Werkzeichen fehlen. — 3. Kleiner zinnerner Krankenkelch, ohne 
Inschrift und Werkzeichen. — 4. Grössere zinnerne Patene. Als Stadtzeichen 
ein dreithiirmiges Thor und als Meisterzeichen die Initialen C. H. — 5 — 8. 
Kelch, Patene, Ciborium und Weinkanne, gestiftet von HANS VON PLESSEN 
auf Damshagen und INA VON PLESSEN, geb. VON BRANDENSTEIN, bei 
Erbauung der Kirche in den sechziger Jahren des XIX. Jahrhunderts. — 

9. Silberne ovale Oblatenschachtel, auf der Unterseite der Name des Stifters 
ERNST JACOB VICK 1770. (S. o.) Als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor, 
und als Meisterzeichen der Buchstabe S. (Der Lieper Filiale gehörend.) — 

10. Messingene Taufschale, neu. — 11 — 18. Acht Zinnleuchter aus dem XVII. 
und XVIII. Jahrhundert. Stifternamen: i. B • V • A • 1685; 2. ELISEBETH 
ALGRIM 1686; 3. JOCHIM WADE 1703; 4. JOCHIM PRÄGST 1712; 5. G • V* 
H • B • C • V • P • ANNA LUCIE VON B • 1700; 6. CATARINA DOROTEA RID- 
DEN 1717; 7. FRIDERICH HOTH 1721; 8. OTTO FRIDERICH FRANCK 1774. 
Fast bei allen ein dreithürmiges Thor als Stadtzeichen. 

Das dreithürmige Thor wird daher wohl auf Arbeiten aus Neubranden- 
burg weisen, wenngleich auf Glocken nicht übersehen werden darf, dass es 
dort als Stadtzeichen des Friedländer Giessers Begun vorkommt. 



21 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZL1N. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Liepen.*) 

|ffl|jit Besitz und Rechten im Dorf treffen wir im XIV. und XV. Jahrhundert 
^*" die alten ritterbürtigen Familien der Peccatel, Plasten, Gelder, Schwerin 
und Stalbom, und im XVI. Jahrhundert ausser den Söneke auch die der 
Heidebreck an, deren aus achtund/wanzig Hufen bestehendes Eigenthum am 
12. September 1505 als herzogliches Lehn an Berend Maltzan übergeht.*) Der 
Maltzan'sche Besitz kommt 1556 wtederkäiiflich an den Herzog Johann Albrecht 



Blick auf die Kirche zu l.iepen. 

(es sind die genannten achtundzwanzig Hufen sanimt den dazu gehörenden 
acht Bauernhöfen und zwei Käthen); der Peccatel'sche Besitz aber, welcher 
ursprünglich der grösste gewesen zu sein scheint, schwindet durch Verkauf 
und Verpfandung, wenngleich Anrechte und Ansprüche nicht bloss 1569 und 
1620, sondern auch noch 1727 von einzelnen Mitgliedern der Familie erhoben 
und geltend gemacht werden. Im Uebrigen sind es in der zweiten Hälße des 
XVI. und nachher im XVII. Jahrhundert ausser den von Maltzan, deren Besitz 

') 13 km sUd südwestlich von Penilin. Mit dem altslavischen Wort »lipa = linde« von 
Kuhnel verbunden: M. Jahrb. XLVI, S. 84. Uarnach ungeßjhr soviel wie >l.indenhof<. Vgl. 
I Lindenbeck". 

•] Bis jelit nicht gedruckte Urkunden von 1386, 1389 und 1437 im Grossh. Archiv. Vgl. 
A. Graf von Bernstorff, M. Jahrb. LIX, .S. 311. — Lisch, Geschl. Maltzan IV, S. 363 (Urkunde 
UCCLXXXVIII). 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF LIEFEN. 



323 



bald wieder auftaucht, besonders die von Holstein, Hans von Schulz -Pieverstorf 
und Jürgen von Blankenburg-Prillwitz, die bald mit diesen, bald mit jenen 
grösseren und kleineren Antheilen an Liepen genannt werden. An deren 
Stelle treten im XVIII. Jahrhundert zuerst die von Langermann, dann von 
17 16 an die von Hacke, und von 1790 an der Kammerherr Karl Hartwig von 
Plessen; endlich im XIX. Jahrhundert 18 10 Graf Blumenthal, 1835 Hermann 
Jahn, 1842 Friedr. Dudy, 1850 Karl Erichson, 1854 Ernst Christian Samuel 
Schwabe, 1878 Emil Glantz, 1880 Ferd. Schmidt, und von 1884 an die von 
Kap-herr. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse siehe bei Peckatel. Im Visitations- 
protokoll von 1661 heisst es, das Kirchlehn gehöre von alten Zeiten her denen 
von Peccatel, jetzt aber (1661) hätten es die von Maltzan sich angeeignet. 
Seitdem haftet das Patronat am Besitz des ritterschaftlichen Bauerndorfes, das 
heute fünf Erbpächter zählt. 

Kirche. Neugothische Kirche, aus Feldsteinen und Ziegeln aufgeführt, Kirche, 
vom Ende des XIX. Jahrhunderts, mit einem kleinen gewölbten Chor von 
rechtwinklicher Anlage und einem breiteren und höheren Schiff, das mit einer 
der Dachkonstruktion sich anschliessenden Eindeckung versehen ist. Der 
schmälere Thurm trägt einen Pyramidenhelm. Die innere Einrichtung ist ohne 
Bedeutung. 

Die einzige Glocke der Kirche ist 1723 von dem Giesser Michael Begun Glocke, 
zur Zeit des Pastors MICH • CHPH • HASELBERG in Peckatel und unter dem 
Patronat des FRIDERICH WILHELM VON HACKE gegossen worden. 

Kleinkunstwerke. i. 2. Silberner Kelch ohne Inschrift und Zeichen, Kleinkunst- 
von 1857. An der Patene der werlesche Stierkopf und der Meisterstempel werke. 
DP.*) — 3. Taufbecken von Messing. — 4 — 6. Drei zinnerne Leuchter. Der 
erste gestiftet von DOROTHEA ELISABETH JULIANE GUNDLACH 1751, der 
zweite von CHRISTIAN LANG 1751, der dritte von JOHAN CASPER ANDREAE 
1698. An dem ersten als Stadtzeichen ein dreithürmiges Thor und als 
Meisterstempel die Initialen C H mit der Jahreszahl 17 . . Die beiden letzt- 
genannten haben keine Stempel. 



*) Oblatenschachtel schon bei Peckatel genannt (S. 321). 



21* 



324 



AMTSGERICHTSBEZIRK PENZLIN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Filial- Kirchdorf Kraase.') 

|ie drei ältesten Urkunden, welche vom Dorfe Kraase handeln, erbringen 
den Beweis, dass das schon im frühen Mittelalter der Parochie Varchentin 
zugewiesene Dorf Kraase der Diöcese Schwerin angehört.*) Das Schweriner 
Domkapitel bestätigt nämlich am 19. Juni 1286 dem Bützower Kollegiatstift 
unter andern Gütern auch sieben Hufen in »Crasec, welche Bischof Hermann 
(1262 — 92) dem Stift für Messelesen in der Kapelle der bischöflichen Burg 
(pro missa in Castro perpetuo celebranda) vermacht hatte. Bischof Gottfried I., 
der Nachfolger (1292 — 13 14), trifft nun des Weiteren die Bestimmung, dass 
drei von ihm geschaffene und mit den Zehnten aus Kraase bewidmete kleinere 
Bützower Dompräbenden, auf deren Verbesserung durch weitere fromme Stif- 
tungen er vergeblich gehofft hat, schrittweise wieder eingehen sollen. Indessen 
zwanzig Jahre später, den 22. Juni 1333, als Zeiten und Verhältnisse besser 
geworden sind (postquam intelleximus redditus prebendales canonicorum 
Butzowensis ecclesie in tantum excrevisse, quod cet.), ruft Bischof Ludolf 
(133 1 — 1339) mit diesen Einkünften des Stiftes eine neue Domherren -Präbende 
ins Leben. Wann die Kirche oder Kapelle in Kraase gegründet worden, 
wissen wir nicht, anscheinend noch im XIII. Jahrhundert. Wenigstens weist 
der Feldsteinbau auf diese Zeit. Das Filial -Verhältniss zur Kirche in 
Varchentin aber ist, wie die letztgenannte Urkunde erkennen lässt, so alt wie 
die Kirche selber. 

Aus dieser Urkunde ist zugleich zu ersehen, dass es deutsche Bauern 
sind, die das Dorf bewohnen. Das Lehn des Dorfes aber hat am Ende des 
XVI. Jahrhunderts die alte ritterbürtige Familie der Rostke oder Rostock, die 
ausserdem in den Dörfern Schlön und Varchentin begütert ist. Die Rostke 
sind auch die Inhaber des Kraaser Kirchlehns. (S. o. S. 212 bei Varchentin.) 
Zu Anfang des XVII. Jahrhunderts haben auch die in den Besitz von Varchentin 
gekommenen Kruse einen Antheil an Kraase. Als Pfandbesitzer treten nach 
einander ferner die Stoislaf, Kamptz und Ferber in die Rostke'schen Antheile 
ein. So kommt es, dass, obwohl noch im Jahre 1639 der König Christian 
von Dänemark fiir die Erhaltung und Anerkennung der Lehns - Ansprüche der 
Rostke eintritt, die genannten Güter und Dörfer allmählich aus ihren Händen 
kommen. 1674 bitten Joh. Rostke's Vormünder um die landesherrliche Ge- 
nehmigung zur Verpfandung des Gutes und Dorfes Kraase an den Lehnrath 



^) 15 km westnordwestlich von Penzlin. Grase, Craze, Krase sind die Formen des Namens 
im XIII. und XIV. Jahrhundert, die Ktthnel auf das altslavische Wort »krasa = Schönheit« zurück- 
fuhrt und als Personen-Namen gedeutet wissen will: »die krasa«. Also ungefähr soviel wie 
»Schöndorf oder Schönberge. 

«) M. U.-B. 1852. 3713. 5433. 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF KRAASE. 325 

Dr. juris Ferber. Der Ferber'sche Pfandbesitz verwandelt sich 1693 in ein 
Allod (s. o. S. 212) und 1701 wieder rückwärts in ein Lehn mit einem an- 
geschlossenen Revers über den Verzicht auf die hohe Jagd. Zwar meldet 
sich 1702, und ebenso 17 14 noch einmal, Kaspar Christoph Rostke mit 
Muthungen seiner alten Familien -Lehne, aber ohne praktischen Erfolg. Kraase 
bleibt bis 1756 in Ferber'schen Händen. Als Ferber'sches Gut wird es von 
1738 an an den seit 1721 angestellten Verwalter Peter Langhoff verpachtet. 
1756 wird es Klinggräff 'scher, 1808 Gentzkow 'scher und 184S Lemcke'scher 
Besitz. 

Kapelle. Die Kapelle ist ein alter Feldsteinbau vom Ende des XIIL Kapelle. 
Jahrhunderts in Form eines länglichen Vierecks. Beide Giebel aber sind in 
Fachwerk aufgeführt. In seiner Ursprünglichkeit erhalten ist das kleine schmale 
frühgothische Eingangsportal auf der Südseite, ein anderes im Westen ist zu- 
gesetzt. Im Innern eine flache Balkendecke. Vor dem Südportal eine alte 
Kornquetsche von Granit als Weih Wasserbecken. Ein Thurm ist nicht vor- 
handen, dafür steht südwestlich von der Kirche ein freier Glockenstuhl. 

Die innere Einrichtung ist ohne Bedeutung. Der Predigtstuhl der Innere Ein 
Kanzel steht ebenso wie der in Varchentin auf einem gemauerten Steinblock, richtung. 
Auf dem Schalldeckel fünf Schnitzfiguren aus einem ehemaligen gothischen Schnitz- 
Triptychon. Der grösste Theil dieser Triptychon- Figuren aber steht in der figwren. 
inneren westlichen Portalnische. Oberhalb des herrschaftlichen Stuhls fünf 
kleine Epitaphien des XVIII. Jahrhunderts, welche der Familie LANG HOFF 
angehören (s. o.). 

Im freistehenden Glockenstuhl hängen zwei Glocken, von denen die eine Glocken. 
1787 von J. C. Meyer, die andere 1841 von Jllles in Waren gegossen ist.^) 

Kleinkunstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch auf rundem Fuss, ge- Kleinkunst- 
stiftet laut Inschrift 1796 von CHRISTIAN CARL BREMER. Als Stadtzeichen werke, 
das dreithürmige Thor von Neubrandenburg, und als Meisterzeichen die Ini- 
tialen C O; Patene ebenso. — 34. Oblatendose und Kanne sind beide 
neu und haben den Stempel W M F M. 



Vorgeschichtliche Plätze 

s. am Schluss des Amtsgerichtsbezirks Malchow. 



*) Nach dem Inventar von 181 1 hatte ihre Vorgängerin die Namen des Karl von Kling- 
gräff und des Gustav Langhoff. 






Wick auf die Sladi War 



Amtsffericlitsbezirk Waren. 



Die Stadt Waren/) 

leschichte der Stadt. Am 5 Mai 1402 legen Probst und Prior des 

Klosters Hroda den Fürsten Nikolaus und Christoffer von Wenden 
eine angeblich von Fürst Nikolaus I. am 24, April 1230 aus- 
gestellte Urkunde vor, an deren Echtheit jene nicht zweifeln.*) Sie bestätigen 
diese Urkunde in gutem Glauben, und in Folge dessen versagen ihr auch die 
mecklenburgischen Herzöge Magnus und Balthasar achlzig Jahre später, nämlich 
den 20. Juni 1482, durchaus nicht ihre Anerkennung,') Indessen diese Urkunde 
ist, wie andere zweiTellos echte Urkunden vom 23. April 1273, 30. Juli 1304 
und 14. März 1331 leicht erkennen lassen, eine Fälschung, womit die Landes- 
herren vom Kloster hintergangen werden, um durch eine unwahre Zusammen- 
wiirfelung geschichtlicher Thatsachen einen Theil des Klosterbesilzes älter zu 
machen, als er war, und den anderen, der einstmals vorhanden, dann aber in 

I) Die ältere Form hx Warne. Kuhnel, M. Jahrb. XLVl, S. :5s. fasst den Nnmen als 
Personen - Namen anf und deutet ihn auf >die Varn-, Vamnc Zugteich erinnert er an den alt- 
slavischen Worlstamm vrsnü = schwan, Rabe, vrana Krähe. 

') M- U.-lt. 377. 

•) M. Jahrb. lEI, S. 209. 



GESCHICHTE DER STADT WAKEN. 327 

aller Form Rechtens aufgegeben war, aufs Neue als zu Recht bestehend 
erscheinen zu lassen.^) 

Von diesem Lug und Trug des Klosters Broda wird auch die Stadt 
Waren, oder genauer gesagt, ihre dem hl. Georg geweihte Hauptkirche be- 
troffen, und die urkundliche Geschichte beider, von Stadt und Kirche, hebt in 
unschöner Weise damit an. Denn wenn es in diesem Machwerk mit dem 
Datum des 24. April 1230 heisst, dass das Kloster die Kirche zu Waren mit 
dem Dorfe Schwenzin und dem Aalfange jede zehnte Nacht in den drei 
oberen Wehren zwischen der Müritz und dem Kölpin-See als für alle Zeiten 
bei der Kirche verbleibenden Besitz sein Eigenthum nenne, so ist das nicht 
seit dem 24. April 1230 (oder gar noch viel länger, wie die Fälschung glauben 
machen will), sondern thatsächlich erst seit dem 23. April 1273 der Fall, an 
welchem Tage Fürst Nikolaus I. von Werle dem Kloster Broda den wirklichen 
Besitz in seinem Gebiete anweist und bestätigt. Aber man sieht, dass der 
Text der echten lateinischen Urkunde von 1273: .... assignavimus et con- 
tulimus ecclesie Brodensi perpetuo et libere possidenda: ecclesiam Warne, 
villam Svansin cum mansis quindecim, in tribus capturis superioribus etiam 
noctem decimam in captura anguillarum inter stagnum Muriz et aquam que 
Colpin puplice nuncupatur . . . für die untergeschobene spätere Fälschung 
benutzt ist: ... . dat wy*) na vthwysinge older breue der heren van deme 
Brode, de se vor vns ghehat hebben, scen vnde höret hebben, gheuen vnde 
voregeuen eem vnde eren ewigen nakomelynghen : de kerke to Warne myd 
deme to Swansyn dorp vnde Schede mit voeftheyn huuen, de theynde nacht 
in den bouensteen dren aleweren tusschen der Muretzenn vnde deme Colpyne 
ewighen by der kerken tho bl inende .... Und wenn ferner, was in dem 
vorliegenden Falle die Hauptsache ist, die falsche Urkunde zu erweisen sucht, 
dass ausser dem Kirchlehn zu Gross- Lukow (bei Pcnzlin), das thatsächlich 
erst am 30. Juli 1304 an das Kloster kommt, auch die Patronate der Kirchen 
zu Falkenhagen (mit der Filial- Kapelle zu Alt-Schönau), Federow (mit der 
Filial- Kapelle zu Kargow) und Schlön schon vor 1230 des Klosters Eigenthum 
gewesen seien, so ist der wahre Sachverhalt der, dass diese ebengenannten 
Kirchenpatronate erst am 14. März 1331 aus dem Besitz des Landesherrn, des 
Fürsten Johann II. von Werle, an das Kloster übergehen, und zwar dadurch, 
dass das Kloster dafiir das Patronat über die Hauptkirche zu Waren und 



*) M. U.-B. 1284. 2945 5226. Besonders wichtig ist die Anmerkung von Wigger zu 
Urkunde 1284. — Boll, Chronik von Neuhrandenlnirg, S. 321/23, hält auch die Beurkundung 
vom 5. Mai 1402 durch die Fürsten Nikolaus und Christoffer für eine Fälschung. Wenn er mit 
dieser Annahme Recht haben sollte, dann wäre die Täuschung nicht schon 1402, sondern erst 
I482 gelungen, als die Herzöge Magnus und Balthasar sich darauf einliessen, dem Kloster die 
Urkunde von 1230 und auch die Bestätigung von 1402 zu beglaubigen. Wir geben zu, dass es 
sich so verhalten haben kann; es bleibt aber auch die andere Möglichkeit von Bestand, welcher 
wir am Anfange unseres Textes Ausdruck gegeben haben. 

•) So lässt das Kloster >heer Niclaus van godes gnaden here to Werlle« schon 1230 
sprechen. Ob dieser Fälschung in niederdeutscher Sprache noch eine lateinische voraufging oder 
nicht, .spielt für die Fragen, auf die es ankommt, keine Rolle. 



328 AMTSGERICHTSBEZIKK WAREN. 

deren Eigenthum in Schwenzin und in der Reke (dem Abfluss der Eide aus 
der Müritz in den Kölpin-See) mit ausdrücklicher Zustimmung des Bischofs zu 
Schwerin sowie des Bischofs und Domkapitels zu Havelberg an den Landes- 
herrn zurückgiebt. ^) Des Pudels Kern in dieser offenbar erst lange nach 
1331 angefertigten Fälschung ist also eigentlich der, dass das Kloster auf 
eine bequeme Art in den Besitz der möglicherweise etwas zu billig weg- 
gegebenen fetten Pfründe des heiligen Georg zu Waren zurückgelangen möge. 
Dass ihm dies aber für die letzten Zeiten seines Bestandes gelungen ist, be- 
weisen die schon genannten Konfirmationen vom 20. Juni 1482 durch die 
Landesherren und vom 27. Oktober 1500 durch Papst Alexander VL*) 

Im (Jebrigen gehört die Stadt Waren, deren Gründungsjahr unbekannt 
ist, wahrscheinlich aber gleich dem vieler anderer Städte des Landes ins dritte 
Jahrzehnt des XIII. Jahrhunderts fallen wird, zur Diöcese Schwerin und ist 
schon frühe vom XIII. Jahrhundert her bis zur Reformation hin der Sitz eines 
Archidiakonats.^) Aber verhältnissmässig ausserordentlich klein ist der Vorrath 
von Urkunden zur Geschichte der eigentlichen städtischen Entwicklung. Und 
doch muss dieser Urkundenschatz einmal sehr gross gewesen sein, wenn man 
die ungewöhnliche Ausdehnung des städtischen Gebietes und den stattlichen 
Besitz von Pachthöfen, Waldungen, Wiesen und Gewässern überblickt, der den 
von Parchim überragt und nur hinter dem von Rostock zurückbleibt. Es ist 
somit nicht möglich, von dem Wachsen des Kommunalvermögens der Stadt 
im Mittelalter ein solches Bild zu gewinnen, wie es sich von anderen Städten 
zeichnen lässt. Als schwacher Ersatz dafür hat sich in der Chronik des 
Kirchberg ein anderes Geschichtsbild erhalten, das der unfreiwilligen Theil- 
nahnie der Stadt an jenen Kriegswirren, welche nach dem werleschen Vater- 
morde im Jahre 1291 entstehen. Es ist jene ausgeschmückte Erzählung von 
der Einnahme der Stadt durch den jungen Fürsten Heinrich den Löwen von 
Mecklenburg, der sich aus politischen Gründen auf die Seite der vertriebenen 
Vatermörder gestellt hatte, und von der Ueberrumpelung der Leute Heinrichs 
des Löwen in der Stadt durch einen bei Nachtzeit ausgeführten Ueberfall von 
der Wasserseite her, den Fürst Nikolaus von Parchim, der Gegner, zusammen 
mit den zu Schiffe herangekommenen Bürgern von Röbel und Plan, und an- 
scheinend auch mit der ihm zugethanen grösseren Partei in der Stadt selbst, 
glücklich ausführt.*) 



^) M. U.B. 5226 und 5247. 

-) M. Jahrb. III, S. 206 — 210. 229/30. 

") M. U.-B. 1451. 2016. 2507. 2508. 761 1. 8402. 9794. 9837. 10254. 10551. — Eine ander- 
weitig, bei Klüver, Beschreibung Mecklenburgs, Bd. II, S. 632, mit dem Datum des 24. Juni 1272, 
und im Warener Wochenblatt von 184 1, Nr. 7, mit dem Datum des 22. Juli 1271, genannte Urkunde 
über städtische Privilegien und Gerichtsbarkeit scheint, wenn sie überhaupt jemals vorhanden war, 
nicht wieder aufgefunden zu sein. Das meckl. Urkundenwerk enthält sie nicht. Auch verweist 
Dankert auf eine Bestätigung dieser Urkunde durch eine am Abende der hl. drei Könige des Jahres 
1464 erlassene Urkunde, welche dem Verfasser ebenfalls nicht bekannt geworden ist. 

*) Kirchberg bei Westphalen, Mon. ined. IV, 831/32. Nach einer späteren Version der Sage 
auch mit Bürgern aus Malchow. Vgl, >Cieschichtliche Nachrichten über die Stadt Waren« im 



GESCHICHTE DER STADT WAREN. 329 

Von den grösseren Gebietserwerbungen der Stadt sind nur die nach- 
folgenden mit untrügerischen Urkunden zu belegen: 

1. Der Warensche »Wohld« noch vor dem Jahre 1292, wie aus einer 
Bestätigungsurkunde des Fürsten Nikolaus von Werle von diesem Jahre deutlich 
hervorgeht. Es ist dies das ganze Waldgebiet, das ostwärts von der Müritz 
bis nach Speck und Boek hinunter reicht. Die Urkunde selbst bezeichnet ihn 
als jenes Wiesen-, Weide- und Wald -Land, das begrenzt wird von den Dörfern 
Schönberg, Federow, Jamen, Paletze, Speck und Boek, von denen Schönberg, 
Jamen und Paletze nicht mehr vorhanden sind.*) 

2. Durch Kauf von den werleschen Fürsten, den Brüdern Günther und 
Johann am 10. März 1306 die Pachte von der Müritz und dem Feisneck-See 
(. . . dat wy von vnsem freien willen, besunderen ock vth ripem rade vnsere 
belebenden manne, der gemeinheit der borgere tho Warnne die inboringe ifft 
pechte der vnderschreuenn sehen, alse Müritz vnd Vehessnick, redelick verkofft 
hebbenn vor driehundert marck wendischer penninge, ock den suluesten ge- 
geuen hebben die macht tho viskennde in den sehen mit twen waden vnd 
netten, ock andern instrumenth(en) vnd thowen, mit welckern viscke mögen 
gefangen werden, allenthaluen, wor idt ehn in den wateren euenst kumpt . . .).^) 

3. Der Ankauf des Dorfes Glewest mit der von den Landesherm, den 
Fürsten Johann II. und Johann III. gewährten Befugniss, es zum Stadtfelde zu 
legen: (. . . wen sze szick (sc. radtmannen vnnde menheit vnserer Stadt Warne) 
vthgekoft hebben de erfflicheit der inwanere desz sulften dorpps, dene mögen 
sze de erfflickheit tobreken vnde gruntliken vorstoren, alzo dat sze edder ere 
nauolgere nicht scholen dessze gesechte erfflickheit vnnde worde ofte ackere 
desszeme dorpe vorgesecht beieggen namalsz bogaden, men dit vorgenomede 
dorpp vnnde andere dink, darbii bolegen szint, scholen ewich blyuen woste . . .).^) 

4. Der Ankauf des Dorfes Falkenhagen aus den Händen des Klaus 
Kamin am 6. December 1427.*) 

Das ist alles, was wir in dieser Richtung erfahren. Es fehlt vieles, so 
z. B., um nur eins zu nennen, eine Nachricht darüber, wann das einstmals vor 
dem »Neuen Thor« gelegene Dorf Melz (Melist), über dessen Zehnten der 
Domherr Erpo zu Schwerin am 8. September 1284 und der Bischof Hermann 



Warener Wochenblatt des Jahres 1841, von Nr. 5 bis Nr. 22 und 1842, Nr. i bis Nr. 7. Der 
Verfasser nennt sich nicht. Es ist aber bekannt, dass es der emeritierte Kirchenrath Joh. Karl 
Christian Dankert ist, der, zu Anfang der vierziger Jahre des XIX. Jahrhunderts bei Hofrath Schmidt 
in Waren als Hauslehrer thätig, später Pastor in Schorrentin war. Vgl. Lisch, M. Jahrb. VllI B, 
S. 122, Anmkg. — Bachmann, landeskundl. Literatur, S. 471 (Nr. 5426). — Walter, Unsere Landes- 
geistlichen, unter Schorrentin. 

*) M. U.-B. 2161. Schönberg, ehemaliges Dorf zwischen Federow und Waren, noch 1395 
genannt. — Jamen an der Kederang- Bucht, noch in Akten des XVL Jahrhunderts genannt. Vgl. 
den Jambke-See auf der Schmettau'schen Karte. — Paletze, östlich von Jamen; doch scheint in 
der Feldmark nichts mehr an diesen Namen zu erinnern. Vgl. Schildt, M. Jahrb. LVI, S. 218. 

«) M. U.-B. 3071. 

*) M. U.-B. 4584. 

*) Noch nicht gedruckte Urkunde im Grossh. Archiv zu Schwerin. 



330 AMTSGERICIITSBEZIRK WAREN. 

von Schwerin am 6. April 1289 Verfügungen treffen, das nachher im XIV. Jahr- 
hundert zu öfteren Malen genannt wird und noch 1379 einen Schulzenhof hat, 
den F'ürst Bernhard von Werle und seine Gemahlin Elisabeth am 25. April 
dieses Jahres dem Arnd Boseke überweisen, eingegangen und zur Stadtfeldmark 
gelegt worden ist.^) Andererseits darf aber auch nicht übersehen werden, dass 
die städtischen Zeitpachthöfe »Jägerhof« zwischen den beiden Höfen Falken- 
hagen und Alt- Falkenhagen, ferner der zunächst östlich an Falkenhagen 
grenzende »Rüg^band«, der östlich von dem Pfarrgut Schwenzin gelegene 
»Warenshof«, der »Müritzhof« und der »Warenschc Wold« am Rederang-Sce, 
sowie endlich das Gehöft »Schlamme (noch weiter südlich und nahe dem 
Boeker »Schlamm«) neue Anlagen innerhalb der städtischen Feldmark sind, 
deren Namen wir in dem grossen Schmettau sehen Kartenwerk von 1788/94 
vergebens suchen. Diese Höfe gehören nämlich alle mit einander dem 
XIX. Jahrhundert an und sind in ihrer Art Zeugnisse des neuen wirthschaft- 
lichen Aufschwunges, den die Stadt im XIX. Jahrhundert genommen, nachdem 
die vorhergehenden drei Jahrhunderte hindurch das Blut in den Adern gestockt 
hatte.^j Ob zu den Zeichen des Rückganges in diesen Jahrhunderten auch der 
im Jahre 1683 geschehene Verkauf der Eidenburg an der Reke zwischen 
Müritz und Kölpin-See durch Bürgermeister und Rath der Stadt Waren an 
den Baron von Erlenkamp gerechnet werden müsse, wollen wir dahin gestellt 
sein lassen, möchten es aber wohl glauben.^) 

Verhältnissmässig sehr viel reicher ist der Urkundenschatz des geistlichen 
Wirthschaftsbetriebes oder der beide Kirchen unter einem Rektorat ver- 
einigenden Kirchenökonomie.*) Ausser den Einkünften aus dem schon ge- 
nannten Pfarrgut Schwenzin, womit einstmals die Grundlage fiir die Plebanie 
in Waren geschaffen wurde, werden folgende Legate und Stiftungen genannt: 
Im Jahre 131 5 von dem Bürger Nikolaus van der Mollen eine Memorienstiftung 
für den verstorbenen Johannes Templin, bestehend in einer Mark Finkenaugen 
an den Pfarrherrn in Waren aus vier Hufen des ehemaligen Dorfes Schönberg; 
im selben Jahr an ebendenselben eine Mark Wendisch zu ewigen Zeiten aus 
einem Garten vor dem »Alten Thor« vom Bürger Johann Westphal und seiner 
wie seiner Frauen Verwandtschaft; von demselben We.stphal im Jahre 1324 
ein ganzer Hof ausserhalb des »Neuen Thores« an den Pfarrherrn, doch kann 
der frühere Besitzer des Hofes, Hermann Krüger, wenn er will, den Hof für 
zehn Mark Finkenaugen wieder einlösen; im Jahre 1333 die Stiftung einer 
Vikarei in St. Marien von den Gebrüdern Johann und Hermann Templin mit 
den Einkünften aus drei Melitzer Hufen sammt dreissig Joch Landes bei dem 
»Möwenbruch«; in demselben Jahr an den Pfarrherrn ein Hof ausserhalb des 
i Alten Thores« von Joh. Szokebandt und Margarethe Knoppes mit Vorbehalt 
des Niessbrauches für ihre Lebenszeit; ein Jahr darauf eine Vikarei in St. Georgen 

*) M. U.-B. 1752. 2016. 5382. 5478. II 193. 

*) Vgl. Raabe-Qiiade, Vaterlandskunde, T, S. 299. 

') Die von Erlenkamp sassen von 1674 bis 1776 auf Vielist. Akten im Grossh. Archiv. 

*) Vgl. Lisch, M. Jahrb. VIll B, S. 123. 



GESCHICHTE DER STADT WAREN. 33 I 

von den Brüdern Nikolaus und Heinrich Blek, Bürgern der Stadt, mit den 
Einkünften aus drei Melitzer Hufen, wobei die aus dem Gericht dem Rath 
der Stadt vorbehalten bleiben, als Ersatz dafür aber wieder fünf Mark aus 
zwei Gärten an der Müritz hinzukommen; 1340 von dem schon genannten 
Nikolaus Blek an St. Georgen zwei Hufen am Vielister Felde; am 5. Januar 
1350 eine Vikarei in St. Marien von dem Bürgermeister Nikolaus von dem 
Berge mit den Einkünften aus drei Hufen und sechs Hausstätten in Varchentin, 
die er von Fürst Bernhard von Werle gekauft hat; am 11. März 1351 die 
Memoriensliftung des Warenschen Pfarrherrn Johann Rambow fiir sich und 
seine Eltern mit einer vom Kloster Malchow gekauften Rente von fünfzehn 
Mark zwei Schillingen, woran übrigens das Kloster einen Antheil erhält; am 
17. Oktober 1357 an St Georgen bedeutende jährliche Geld- und Kornhebungen 
von dem Warenschen Rathmann Dietrich Mirow aus zwei Hufen in Sommer- 
storf und fiinf Hufen in dem ehemals zwischen der Stadt und dem Dorfe 
Federow gelegen gewesenen Dorfe Schönberg: Hebungen, die so ziemlich alle 
Arten von Einkünften und Privilegien umfassen, wie sie im Mittelalter gang 
und gäbe waren, und für welche die Bedingung die ist, dass der Pfarrherr in 
Waren nach dem Tode des Mirow, seiner Gattin und seines Sohnes, für die 
Seelen der Verstorbenen das ganze Jahr hindurch jeden Tag frühmorgens, ab- 
wechselnd die eine Woche in St. Georgen und die andere in St. Marien, eine 
Messe lese (pro quibus quidem bonis et redditibus ad dotem sepedicte ecclesie, 
ut premittitur, appositis rector ecclesie qui pro tempore fuerit per totum anni 
circulum in vna ebdomada in ecclesia sancti Georgü et in alia ebdomada in 
ecclesia beate virginis in Warne continuando omni die hora matutina vel quasi 
ad celebrandam vnam perpetuam missam pro defunctis vel aliam secundum 
exigenciam diei et ad memoriam animarum supradicti Thidetici Myrowen, 
vxoris sue Aluerik ac filii sui Hermanni Myrowe, in missa predicta que pro 
defunctis dicetur faciendam perpetuo est adstrictus); am 11. August 1360 
durch testamentarische Verfügung des Bürgermeisters Nikolaus von dem Berge, 
des Stifters der obenerwähnten Vikarei, an St. Marien sechs Mark Finkenaugen 
wendischer Münze für sein Grab, sowie eine Mark Wendisch zu neuem Gestühl 
und zu einem eichenen Block oder Armgeldskasten in ebenderselben Kirche; 
am 20. März 1378 die Schenkung eines Gartens an die Pfarre zu Waren durch 
den Priester Hermann Kriwitz; am 13. April 1382 die Schenkung der 
»Waseghen- Mühle« an der Peene zwischen Schwastorf und Dratow, mit 
Ausschluss der den von Kampz aus der Mühle zur Zeit noch zustehenden 
Einkünfte, durch den Pleban Dietrich Rulow, der dafür vierteljährlich eine 
Todtenfeier für sich und seine Eltern bedingt (tho veer thyden in deme jare, 
na paschen, na sunte Johannes baptisten, na sunte Michele, na wy nachten, 
myt al den vicariis vnde capellanen, myt vylgen vnde myt myssen vnde (.sc. 
we de kerkhere ys) schal gheuen gysliken vicario vnde capellane S0os Lubesche 
penninghe the der vylge, dre Lubesche to der mysse, we dar ieghenwardych 
is); am 13. März 143 1 die Ueberweisung von 60 Mark Lübisch durch den 
Marschall Heinrich Maltzan an eine Vikarei in St. Georgen, wofür er mit 



332 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

Genehmigung des Schweriner Bischofs Hermann erblich den Antheil erhält, 
welchen die Vikarei bisher an der Reke bei Eidenburg besessen hat; endlich 
am 24. Juni 1458 die Schenkung des fürstlichen Burghofes in der Stadt durch 
Herzog Heinrich IV. an St. Marien, sammt der weiteren landesherrlichen Ge- 
nehmigung zu Ankäufen von Erb- und Pfandgut im Lande Wenden.^) 

Zu allerletzt erfahren wir auch noch aus mehreren Schriftstücken der 
Jahre 1586 und 1587, dass Heinrich von Below, erbgesessen auf Kargow, die 
halbe Feldflur Gemekenhagen, welche nordwestlich von Kargow liegt, von der 
Kirche zu Waren her für eine jährliche Heuer in Nutzniessung hat, und dass 
er von dem ihm dabei zugestandenen Vorkaufsrecht mit der Summe von 
siebenzehnhundert Gulden ein Jahr später Gebrauch macht. ^) Aber eine Ur- 
kunde über den ohne Zweifel sehr viel früheren Zeitpunkt dieser Erwerbung 
durch die Kirche ist nicht auf uns gekommen. 

Ausser den bisher aufgezählten Kirchen -Urkunden giebt es nun noch 
einige, welche geistliche Personen und deren Interessen betreffen. Doch sind 
sie privatgeschäftlichen Inhaltes, auf den es hier nicht ankommt, und es mögen 
daher nur ihrer zwei, die eine von 1439 und die andere von 15 14, genannt 
werden, welche erkennen lassen, dass es in Waren ebenso wie an vielen 
anderen Orten während des Mittelalters einen Kaland giebt, zu dessen Auf- 
gaben bekanntlich nicht bloss die Abhaltung von Memorien, sondern auch die 
Ausübung von Werken der christlichen Liebe und Barmherzigkeit gehört.^) 

Ueber die sonstige innere Entwicklung der Stadt fliessen die Schrift- 
quellen älterer Zeit nur äusserst spärlich. Von der Einrichtung des Rathes 
wissen wir nicht mehr, als was Monnik im Jahre 15 16 in seinem Bericht über 
die Gewohnheiten der mecklenburgischen Städte, der die Grundlage fiir die 
Entstehung der Polizeiordnung des Landes abgegeben hat, vorbringt. Er sagt 
von Waren: Hir sint VII personenn in deme rade vnd sust plegen dar XII 
tp wesenn. — Die raethkoste deytt eynn nie rathmann nha synen gefallen, 
wenns emhe geleuett, darto biddet eynn jeder nha synem willen die frunde 
vnnd den radt. — Item eynn nie borgermeister giflft nicht, kemerer geuenn 
ok nichts. — Die raethkoste warhet vam sondage bet vp denn donredag. — 
Die kemerer nhemenn in der Stadt gutt vnnd doenn deme rade reckenschop. 
— Vann deme rade vnnd dem kerckherrn werdenn geordent vorstender der 
gotshuser, vnnd die doenn den suluenn reckenschop des jares eynns.*) 

Auch die späteren Privilegienbestimmungen der Landesherm geben in 
dieser Richtung keine Aufschlüsse über die Verhältnisse in früherer Zeit.^) 

*) M. U.-B. 3730. 3731. 4499. 5382. 5383. 5478. 6016. 7033. 8402. 8777. 11182. II 424. 
Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 605 (Urk. CCCCXXXVII). Schröder, Pap. Meckl., II, S. 2121/22. 
Dazu ungedruckte Urkunden aus dem XV. und XVI. Jahrhundert im Grossh. Archiv. 

*) Lisch, M. Jahrb. XXXIV, S. 176. 177. 

^) Akten im Grossh. Archiv. Vgl. Lisch, M. Jahrb. VIIIB, S. 124. 

*) P. Groth, die Entstehung der mecklenburgischen Polizeiordnung vom Jahre 15 16: M.Jahr- 
buch LVII, S. 225. 

*) Erhalten sind die Bestätigungsbriefe von 1549, 1588, 1609 und 1666. Vgl. Akten im 
Grossh. Archiv. 



GESCHICHTE DER STADT WAREN. 333 

Als Rechtsgrundlage gilt das gemeine Recht. Auf einzelne Partikularrechte 
fällt erst von 1589 an etwas mehr Licht.^) Einen Anklang an die alte Zeit 
enthält die am 26. Februar 17 13 erlassene Bürgersprache: Statuta urbanica 
urbis Wamae.*) Von den älteren Amtsrollen ist nur die der Leinewandweber 
erhalten, die der Rath der Stadt (damals aus acht Personen bestehend) am 
27. Mai 1334 erlässt.^) Doch lernen wir die übrigen Aemter und Gilden der 
Stadt sammt einem Theil ihrer Gewohnheiten und Gebräuche aus dem schon 
genannten Monnick'schen Bericht von 1516 näher kennen: es sind ausser der 
Kaufleutegilde, Schützengilde, Elendengilde und dem schon genannten Leinewand- 
weberamt die Aemter der Schuhmacher, Bäcker, Knochenhauer, Schneider, 
Krämer, Schmiede, Kürschner und Fischer.*) Letztgenanntes Amt, das für die 
Stadt bis in die Gegenwart hinein eine besondere Bedeutung gehabt hat, erhält 
am 31. Mai 1723 vom Rath der Stadt eine neue Amtsrolle, nachdem das Amt 
erklärt hat, dass ihm seine alte Rolle von 1472 und auch deren Erneuerung 
vom 28. Mai 1628 abhanden gekommen seien. Wahrscheinlich war aber auch 
die Rolle von 1472 schon die Wiederholung oder Erneuerung einer älteren Rolle, 
da, wie oben bereits erwähnt ist, ausser dem Feissneck-See der nördliche Theil 
der Müritz schon 1306 durch Kauf an die Stadt kam, während der südliche 
Theil in dem Besitz werlescher Vasallen war, wie einer Urkunde von 1375 zu 
entnehmen ist, durch welche die Gewässer dieses Theiles von den Fürsten Lorenz 
und Johann von Werle an die Gebrüder Regendanz (Regedantz) verliehen werden, 
während sie bis dahin die in Waren wohnenden Kröcher besessen hatten.^) 

Von der Betheiligung der Stadt an den Wirren in der Zeit unmittelbar 
nach dem werleschen Vatermorde ist oben bereits die Rede gewesen. Bei der 
ersten werleschen Landestheilung am 2. December 13 16 bleibt Waren, bis zu 
der vorläufig noch ausgesetzten Entscheidung über Malchin, halb bei der einen 
und halb bei der anderen Linie des Hauses, kommt aber nachher an den 
Güstrower Landestheil, also zu derjenigen Städtegruppe, von welcher Güstrow 
die Vorderstadt ist: es sind dies die Städte Güstrow, Krakow, Plau, Röbel, 
Penzlin, Neukaien und Waren. ^) Dass Waren in dieser Zeit neben Güstrow die 
vornehmste Stadt ist, sieht man sowohl an der gemeinsamen Bürgschaft beider 
fiir ihren Fürsten Nikolaus IIL bei dem Abschluss eines einjährigen Waffen- 
stillstandes am 19. März 1344 zwischen diesem und den Herzögen von Pommern, 
als auch an dem ausnehmend schönen und prächtigen grossen Siegel, das sie 
bei dieser Gelegenheit als äusseres Zeichen ihrer Würde und Bedeutung ver- 
wendet.^) Bei der abermaligen werleschen Landestheilung am 14. Juli 1347, 
in welcher Waren, Röbel, Wredenhagen und Penzlin die Hauptpunkte eines 



*) V. Kamptz, Civilrecht I, Theil i, S. 40. 236 — 239. 306. 316. 

') V. Kamptz, a. a. O. 11, S. 328 — 331. 

') M. U.-B. 5525. 

*) P. Groth, a. a. O., S. 225 — 230. 

^) M. U.-B. 10675. 

•) M. U.-B. 3860. 

') M. U.-B. 6392. Vgl. auch 6434. 



334 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

besonderen Gebietes abgeben, wird Waren zur Residenz erhoben und bleibt 
es bis zu dem Aussterben der Werlo- Waren sehen Linie im Jalire 1425.') Eine 
in der Nähe von St. Marien gelegene, oft besuchte und bewohnte landesherr- 
liche Burg giebt es Treilich schon von alter Zeit her. Sie wird der Hauptsitz 
des Wer le- Waren sehen Hauses. Eine ganz genaue Angabe ihrer Lage ist 
freilich bis jetzt nicht möghch gewesen. Wie sie 1458 Eigenthum von St. 
Marien wird, ist oben schon angedeutet worden. Bis Ende des XV. Jahr- 
hunderts sollen ihre Baulichkeiten noch gestanden haben. 

In den bekannten 
vielen Landfriedens- und 
anderen Verträgen des 
XIV. Jahrhunderts nimmt 
Waren jederzeit eine an- 
gesehene Stelle ein.*) 
Einen eigenthümllchen 
Eindruck macht jene Ur- 
kunde vom 14. Oktober 
1363, mit welcher sich 
die Stadt, angeblich un- 
beschadet der werleschen 
Oberherrlichkeit, auf fünf 
Jahre in den Schutz des 
Herzogs Albrecht von 
Mecklenburg begiebt.*) 
Aber die Sache erklärt 
sich theils aus der durch 
dieTheilungen des Landes 

stark geschwächten Haus- j^,,^^ sj^g^i ^^ st.dt Waren, 

macht der Fürsten, theils 

und ganz besonders aus dem schon in den fünfziger Jahren eingetretenen Pfand- 
verhältniss, durch welches der Herzog allerlei Einkunftsrechte aus dem Lande 
Waren gewonnen hatte, wenngleich am 23. Juni 1 362 das Land Waren selbst von 
den Herren von Werle wieder eingelöst worden war. Doch bleibt dieser That- 
sache gegenüber Herzog Albrecht noch lange Pfandherr der Lande Krakow und 
Plau, von Plau sogar bis zum Jahre 1375-') Bald nachher müssen Uneinig- 
keiten der Stadt Waren mit den Hansestädten vorgekommen sein, welche aus 
politischen Gründen den Handel mit Dänemark untersagt hatten. Es scheint, 
als ob die Kaufleute in Waren diesem oder auch einem anderen durch ge- 
meinsame Interessen veranlassten Gebot nicht nachgekommen waren, denn es 



') M. U.B. 6779. 

*) M. U.-B. 6437. 7524. 7731. 7771. 7881. 7911. 9935. 11664. 

') M. U.-B. 9205. 

*) M. t'.-B. 8242 Jnnch der Chemnitz 'sehen Chronik). 9008. 9051. 9937. 10769. 



GESCHICHTE DER STADT WAREN. 335 

steht zur Frage, ob der Handelsverkehr mit Waren in Folge dessen ein- 
zustellen sei oder nicht. ^) Das Ende der Sache erfahren wir nicht. 

Die letzten urkundlichen Nachrichten des XIV. Jahrhunderts über Waren, 
welche hier eine Erwähnung verdienen, sind die, dass Fürst Bernhard von 
Werle am 8. Juli 1378 den Wedege von Plote zum Hauptmann der Länder 
Waren und Penzlin bestellt, und dass sich Fürst Johann VI. von Werle, der 
die vorletzte Generation der Linie Werle -Waren vertritt, in einer Urkunde 
vom 26. September 1383 als »vann godds gnaden here van Warn vnnd ouer 
dat landt to Wenden« nennt. ^ 

Die wichtigsten politischen Ereignisse des XV. Jahrhunderts sind dann: 
der Uebergang von Stadt und Land Waren sammt dem Lande zu Wenden 
nach dem Tode des Fürsten Christoffer in der Schlacht bei Pritzwalk am 
25. August 1425 an das Haus Güstrow, das Aussterben dieses Hauses mit 
dem Fürsten Wilhelm elf Jahre später, am 7. September 1436, und der dadurch 
verursachte Uebergang der gesammten werleschen Lande an das Haus Mecklen- 
burg und das erwähnte Eingehen des fürstlichen Hauses zu Waren im Jahre 
1458. Das Haus selbst soll, wie schon bemerkt worden, noch bis 1500 hin 
gestanden haben. 

Im XVL Jahrhundert beschäftigen die Reformationsgedanken und die 
sich anschliessende verderbenschwangere grosse Kirchenspaltung die Geister 
und Gemüther aller Menschen, im XVII. folgt die entfesselte Kriegsfurie mit 
Pest und Elend, Noth und Tod, und verheert Stadt und Land in fürchter- 
lichster Weise, im XVIII. aber lastet tiefste Erschlaffung auf allen lebenden 
Wesen und verwandelt jeden Schaffensdrang' in ein unfruchtbares Philisterthum, 
das Niemandem frommt. Das ist auch die Geschichte der Stadt Waren in 
dieser Zeit. Wen freut es davon zu hören? Dazu giebt es mehrere grosse 
Brände, die den Wohlstand der Bürger aufs Schwerste schädigen, 1568, 1637, 
1656, 1671, 1699.^) Kurzum, es ist nicht mehr das Bild der schwellenden 
Knospe und aufbrechenden Blume, das die Geschichte der Stadt im Mittelalter 
bietet, es ist das weniger schöne Bild des verwelkenden Gewächses. Erst im 
XIX. Jahrhundert rafft sie sich langsam wieder empor, und wenn die Stadt 
heute in ihrer Gesammt- Erscheinung, in ihrem Leben und in ihrer Rührigkeit 
die meisten der übrigen Mittelstädte Mecklenburgs überragt, so ist es ganz 
besonders das Verdienst des erst vor wenigen Jahren verstorbenen Bürger- 
meisters Schlaaff, der fast vier Jahrzehnte hindurch dem Gemeinwesen vor- 
gestanden hat und über Feindschaften und Hindernisse hinweg die Stadt 
gehoben und mit eisernen Schienensträngen nach allen Richtungen hin aus 
ihrer Absperrung und Vereinsamung herausgerissen hat. 

Am Schluss seiner geschichtlichen Nachrichten über die Stadt Waren 
geht Dankert auf Personalien aller Art ein und giebt u. a. auch die Verzeich- 

») M. U.-B. 9748. 
') M. U.-B. II 119. 11527. 

') Vgl. Dankert, a. a. C)., Nr. 1$, 17. Ueher den grossen Brand vom 22. April 1699 berichtet 
das äheste Kirchenbuch (Wolff). 



33Ö AMTSGEKICIITSHEZIRK WAREK. 

nisse der Geistlichkeit. In Betreff der vorreformatorischen geben jetzt die Re- 
gister des mecklenb. Urkundenwerkes eine reiche Ergänzung, welche sich noch 
mehren wird, sobald die Urkunden des XV. Jahrhunderts an die Reihe kommen. 
Für die Geistlichkeit nach der Reformation bieten die Kirchenakten im Grossh. 
Archiv und ebenso die Kirchenbücher auf der Pfarre zu Waren einige Be- 
richtigungen, die hier nachgetragen werden mögen. Heinrich Wehen (nicht 
Weher) wird im Visitationsprotokoll von 1541/42 als ein gelehrter und christ- 
licher Prediger gerühmt. Neben ihm wirkt als Kapellan Steffen Monnich, der 
gleiches Lob erhält. Als dritter wird der »Schulmeister« Bartholomaeus 
Michaelis genannt, »ein gelehrter Geselle«. Dagegen ist der Stadtschreiber 
(nach altem Herkommen ohne Zweifel ebenfalls Theologe) »ein arger Papist 
und Verfolger des Wortes Gottes.«^) 

1576 (nicht 1574) wird Johann Pauli berufen. In einem Schreiben des 
Magistrats vom 11. Juli 1576 heisst es, dass dem alten »Er Jochim« nunmehr 
noch ein Unterhalt ausgewirkt werden müsse, neben dem bis dahin, und zwar 
seit drei Jahren, Christoffer Weede sich des Predigtamtes befleissigt habe. 
Also der Vorgänger von Pauli ist nicht der 1541 genannte Wehen, sondern 
der alte »Er Jochim«, ohne Zweifel kein anderer als der von Dankert genannte 
Joachim Weinholz, welchen bereits das Warener Visitationsprotokoll von 1559 
als Kirchherrn vorfuhrt. Christoffer Weede aber ist vielleicht der Nachfolger 
des von Dankert um 1563 genannten Kaspar Bornemann. Im Jahre 1577 
wirkt neben Pauli als zweiter Pastor Joachim Frederkink, und als dritter wird 
in Schröder's evangel. Mecklenburg III, S. 329, Jakob Voss genannt. Alle 
drei unterschreiben 1577 die Konkordien- Formel. Pauli wird noch im selben 
Jahr nach Wismar berufen. An .seine Stelle tritt Gelmerus Waldberg (Nemero- 
montius), der nun mit Frederkink bis zu dessen Tode im Frühjahr 1587 
zusammenwirkt. Waldberg stirbt im Frühjahr 1597. Als zweiter neben ihm 
führt nach Frederkink's Tode Christian Schwante (Suantenius) das Amt. Sein 
Kollege wird 1598 der junge Waldberg, der sich ebenso wie sein Vater 
Gelmerus Nemeromontius nennt,*) Schwante stirbt 1624 (nicht 1620) an der 
Pest, der jüngere Waldberg ist schon am 20. November 1622 gestorben. Nun 
fehlen mehrere Nachrichten. Nachdem Petrus Bambam, der Sohn des gleich- 
namigen Pastors in Gross -Vielen, durchs Examen gefallen ist, wünscht die 
Stadt den Joachim Schönemann zu erhalten. Vielleicht wird er's, und zwar 
neben Georg Arendt. Aber wenn er es wird, dann höchstens bis 1631. 
Denn von 1631 an ist neben Arendt bereits Nikolaus Grundt im Amte. 
Arendt stirbt am Montage nach Trinitatis 1638 (nicht 1646). Grundt aber 
lebt bis 1677. Neben ihm wirken: zuerst, als Nachfolger von Arendt, Georg 
Helmichius (f im December 1660), dann von 1662 an Joh. Weltzien (f im 
Januar 1673) und als dritter von 1674 an Christian Hämmerich, der 1676 



*) Das Visitationsprotokoll von 1534 nennt als Inhaber des Pfarrlehns seit 1509 einen 
Heinrich Weinholz. 

*) In der Rostocker Universitäts - Matrikel wird der Name Nemorimontius geschrieben. 



ST. GEORGEN -KIRCHE ZU WAREN. 337 

nach Rendsburg berufen wird. Grundt erlebt auch noch die Berufung des 
Joachim Rehfeld (f 14. August 17 15). Neben Rehfeld ist seit 1677 (nach 
Grundt's Tode) Simon Gabriel Rosenow zweiter Pastor (f 24. August 1686). 
Diesem folgt 1687 Otto Joachim Havemann (f i. März 1722, emeritiert 
schon 17 18). Und nun rücken wir in jene Nachrichten bei Dankert ein, welche 
sich bei weiterer Kontrole durch Kirchenakten und Kirchenbuch durchweg als 
richtig erweisen. Die Genannten sind Christian Dreyer (von 17 17 an, 
gest. 8. September 1734), Joach. Joh. Flohr (von 1718 an, 1747 abgesetzt, gest. 
19. Mai 1761), Joh. Friedr. Daries (von 1735 an, gest. 8. Juni 1769),^) Christian 
Daniel Graumann (von 1747 an, gest. 26. Januar 1764), Joh. Aug. Hermes 
(von 1765 bis 1774, nicht 1772, später in Jerichow, Magdeburg und zuletzt 
in Quedlinburg), Friedr. Traugott Schmidt (von 1770 bis 1813), später in 
Gnoien^); Joh. Friedr. Schneider (von 1774 bis 1804). Ueber die Geistlichen 
des XIX. Jahrhunderts s. Walter a. a. O. 




Die St. Georgen -Kirche. 

|aubeschreibung. Ihr jetziges Aussehen verdankt die Kirche einer Er- Beschrei- 
neuerung ihres ganzen Baues in den fünfziger Jahren des XIX. Jahr- bung des 
hunderts durch den Baurath Krüger. Leider hat sie dabei ihren ganzen alten ^^"^s. 
Chor eingebüsst, der, nach der Beschreibung bei Lisch im M. Jahrb. V B, S. 120, 
ein allerdings nicht mehr in seiner Ursprünglichkeit erhaltener Feldsteinbau 
aus der Zeit des Ueberganges vom romanischen zum gothischen Stil vom 
Anfange des XIII. oder gar noch vom Ende des XII. Jahrhunderts war. Be- 
sonders gedenkt Lisch einer Pforte mit Rundbogenschluss auf der Südseite des 
Chors, deren Wandung und Laibung aus wohl behauenem Granit gebildet war 
und deshalb in irgend einer Weise und an irgend einer Stelle hätte erhalten 
werden sollen, am besten an ihrer ursprünglichen Stelle. 

Der grosse Brand der Stadt am Sonntage Cantate des Jahres 1568, 
vier Wochen nach Ostern, hatte auch die Kirchen arg mitgenommen. Es wird 
erzählt, dass nur ihre Mauern stehen geblieben waren. Gleiche Wirkungen 
hatte der grosse Brand von 1699. Es ist daher wohl zu glauben, dass die 
Kirche, wie Lisch sagt, vor ihrer Erneuerung ein durchaus unerquickliches 
Ansehen hatte. Wie der Chor, so stand auch das dreischiffige Gemeindehaus 
ohne Wölbung da, nur mit Balken und Brettern eingedeckt. 

Auf die Jahreszahl 14 14 hin, die man früher auf einem Steine des 
Thurmes las, glaubte man den Bau des dreischiffigen Gemeindehauses in dieses 



*) Verfasser von »Etwas zur Geschichte und Beschreibung der mecklenburgischen Stadt 
Wahrent in Mantzel's Bützowschen Ruhestunden XVII, S. 66 bis 71. 

*) Verfasser von »Topographische Beschreibung der Stadt Wahren < in »Neue Monatsschrift 
von und für Mecklenburg«. Erster Jahrgang. Elftes Stück. November 1792 (S. 381 — 390). 

22 



338 AMTSÜERICHTSBEZIRK WAREN. 

Jahr setzen zu dürfen. Prüft man aber die noch erhaltenen alten Bautheile, 

besonders die Formen der Fensler des Obei^adens im Mittelschiff, in deren 

Wandung und Lai- 

bung der Wechsel 

zwischen Rundstab 

und rechtwinkligen 

scharfen Kanten zu 
beachten ist , so 

kann man sich dem 

Eindruck edler Früh- 
gothik vom Ende 

des XIII. oder auch 

dem Anfange des 
XIV. Jahrhunderts 
nicht entziehen. 
Eigenthümlich ist 
der Einsatz von 

blumen- oder 
knospenartig aus 
dem äussersten 

Gliede der Bogen- 
laibung heraus- 
ragenden Form- 

steinen, wie sie in 

dieser Weise sonst 

nicht in Mecklen- 
burg vorkommen 

und wie sie ausser 

bei den Fenstern 

auch bei den kleinen 

Blendnischen neben 
ihnen zu sehen 

sind.') Aber auch 

') Lisch nennt sie 

• Sperberköpfe • . Aller- 
dings erscheinen sie aus 
der Kerne fast wie hervor- 
stehende plastische Vogel- 
köpfe. Genauer besehen 
aber haben sie besonders 
da, wo sie zu dreien 
neben einander geordnet 
sind (wie z. B. in der 
Spille des Bogens) das (^ f 40 



Aussehen von kleeblatt- 



ST. GEORGEN-KIRCHK ZU WAREN. 339 

hierin meldet sich jenes Princip, das uns in einer ganzen Reihe schöngebüdeter 
Portale in frühgoth Ischen Kirchenbauten entgegengetreten ist. Man denke nur an 
Stetfenshagen, Parkenttn, Bützow, Güstrow, Wattmannshagen, Teterow u. a. ni. 
Es ist dies jene dem norddeut- 
schen Ziegelbau in besonderer 
Weise eigene Art, die Bogen- 
laibung vom Kapitellgliede in der 
Kämpferlinie herauf mit zierlich 
gebildeten Gliedchen aller Art, mit 
Scheiben, Radchen, Sternen, Ro- 
setten , Blättern , Blumen und 
Knospen zu schmücken. Beson- 
ders erfreuen sich die »Priester- 
pforteni im Chor dieser Auszeich- 
Obercade """gi die oft mit diesem Schmuck 

wie besäet erscheinen. Diese Nei- 
gung aber verschwindet, wenigstens soweit unser Zi^elbau dabei in Betracht 
kommt, in der nachfolgenden Zeit der Hochgothik und Spatgothik ganz 
und gar. 

Darum ist es durchaus nicht angebracht, die Jahreszahl 1414 auf das 
Schiff von St. Georgen anzuwenden. Sie muss dem Thurm gelassen werden, 





^ ^^ aliiM . ^T~ 



dessen Mauerwerk den polnischen Verband (ein Läufer, ein Binder) •) aufweist, 
und der hier wie anderswo als letzter Baukörper aus dem XV. Jahrhundert 
den Schluss des Ganzen bildet. 

Frühgoth ischer Charakter ist glücklicherweise auch den Scheidebögen 
im Innern verblieben, ebenso den Nischen oberhalb des Triumphbogens, 
während die gedrungenen achtseitigen Pfeiler von der Frühzeit nichts weiter 
haben und zeigen als die ihr noch vom romanischen Stil her anhaftende 
Schwere und Massigkeit. 

>) (Hte Wernicke, Hdb. I, 8. 43 (5. Aull.) nennt diesen Verliuid >wendischi und den, u-ekhen 
lt. den >gothi.schen< Verband. Wir mtlssen hier bei unserer 
de, beide auch bedingt durch das Fiillmaucnverk alter Zeit ; 
ndi'ich etwas Isahverivandtes. Aber fUr Meckleiibu^ mus?. 
inem Binder als der ältere in Anspruch gernimmen »erden, 
an der See der herrschende «ar, und der andere nül einem 
nachfolgende jUnijcre 7u e,hm. 

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340 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Das (lir die Küster- und Organisten -Wohnung dienende alte Haus auf 
der Südseite der Kirche soll im Mittelalter dem Kaland gedient haben. 



Innere Ein 
richtung 



Die innere Einrichtung der Kirche entstammt der Zeit der genannten 
Erneuerung durch den Baurath Krüger in den fünfziger Jahren des XIX. Jahr- 
der Kirche. Hunderts. Die Glasmalereien im Chor wurden von Ernst Gillmeister nach 
Entwürfen von Gaston Lenthe ausgeführt. Es sind die Gestalten des auf- 
erstehenden Christus, des Moses und des Jesaias; unter dem Heiland nach 
Art einer Predella die Grablegung. 



Epi- 
taphium. 



An einem Pfeiler des südlichen Seitenschiffes ein in Stein gehauenes 
Epitaphium mit Wappen und Kriegs -Emblemen; die Inschrift besagt, dass 
es dem ADAM CHRISTOPHER VON HOLSTEIN, Oberstleutnant in dänischen 
Diensten, geboren den lo. Februar 1683 zu Klink und gestorben den 29. Juli 17 12 
in Marchienne in Flandern, zum Andenken gesetzt worden sei. 

Krucifixus- Oberhalb des Triumphbogens auf getrennten Sockeln die alte drei- 

Gruppe. figurige Krucifixus -Gruppe, eine treffliche gothische Holzschnitzerei, an- 
scheinend aus dem XIV. Jahrhundert. 

Oelbilder. Zwei Oelbilder, die Emmahus -Jünger und Petri Fischzug, sind ohne 

künstlerische Bedeutung. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Im Thurm hängen vier Glocken. Die grösste ist laut Inschrift im Jahre 
1699 von M. Ernst Siebenbaum in Rostock gegossen, die beiden nächstfolgenden 
im Jahre 1769 von Johann Valentin Schultz- Rostock, und die kleinste 1842 von 
C. Jllies in Waren. 

Kleinkunstwcrke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch mit Patene ohne Inschrift. 
Stadtzeichen W, Meisterzeichen C O: vom Goldschmied Christian Osten in 
Waren, um die Mitte des XIX. Jahrhunderts. — 3 — 6. Kelch, Patene, Ciborium 
und Kanne (Sy A Wagner- Berlin), gestiftet 1872 vom Rentner STEIN -Waren, 
nachdem die 1857 durch Gaben der Gemeinde beschafften Geräthe gestohlen 
worden waren. — 7. Taufbecken, neu. 



■V- X- ^ \_ ■■«— 



Beschrei- 
bung des 
Baues. 




Die St. Marien -Kirche. 

|aubeschrcibung. Die St. Marien -Kirche ist gleich dem Schiff von St. 
Georgen ein frühgothischer Backsteinbau vom Ende des XIII. oder 
Anfang des XIV. Jahrhunderts. Der Chor, aus Felsen hochgeführt, schliesst 
mit der Ostwand platt ab. Chor und Langhaus sind beide mit einfachen 
Strebepfeilern bewehrt. Das Innere bildet einen ungetheilten Raum und ist 
mit einer flachen Decke geschlossen. Trotzdem lässt sich im Chor an den 



ST. MARIEN-KIRCHE ZU WAREN. 



Jouttf. it.>A;:.H.-SwtaMil>.ff^ 



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'iwJCfK *>. wt«. gttfn^^JW . 



beiden P'enster- 
schlitzen der Ost- 
und Südseite, ebenso 




an dem Charakter 
des Triumphbogens 
die alte Kirche aus 
der letzten Zeit des 







Uebergangs vom 
romanischen zum 
gothischen Stil noch 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



sehr wohl erkennen. Das 

Langhaus dagegen mit 
seinen hohen dreitheiligen 
Fenstern athmet bereits den 
Geist des späteren gothischen 
Geschmackes in der ersten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts. 
Dass die Kirche 1333 schon 
da war, zeigen uns ja die 





I ^^«W, 



^> t J i J J i' 



Urkunden (s. o.). Alt sind 
in der Wandung und Bogen- 
laibung der Fenster der Süd- 
seite die beiden ersten, sich 

an einander schüessenden 

breiten Halbwuiste der 

Aussenseite, ebenso auf der 

Nordseite die statt dieser 

angeordneten rechtwinkhg 



St. Moricn-Kirche 



ST. MARIEN -KIRCHE ZU WAREN. 343 

gebildeten scharfen Kanten. Der gleichen frühgothischen Zeit gehört auch das 
aus rechtwinkligen Kanten und kleineren Rundstäben gebildete Portal der 

Nordseite an, das jetzt 
leider durch einen Vor- 
bau verdeckt wird. 
Unzweifelhaft jünger 
dagegen erscheinen 
die beiden Portale im 
Thurm und auf der 
Südseite , in deren 
Wandungen und Lai- 
bungen sich bereits 
die birnenförmigen 
Profile und die durch 
Hohlkehlen abgefas'ten 
Zwischenglieder einer 
späteren Stufe der 
Gothik bemerkbar 
machen. Das Pfosten- 
werk der Fenster ist 

schlecht und plump 
gearbeitet und gehört 

wahrscheinlich einer 
der früheren Restau- 
rationen der Kirche an. 
Im Westen in der 
Langsachse des Lang- 
hauses der Thurm, 
bestehend aus einem 
quadratischen gothi- 
schen Unterbau mit 
einem barock gestal- 
teten Helmaufsatz aus 
Thunn-Pott.1. ^^^ XVIII. Jahrhun- 

dert. An der nörd- 
lichen Ecke am Choransatz die Sakristei, die ebenso wie der Chor aus 




Felsen erbaut ist. Das Thurmportal ist als eine kleine Vorhalle mit 




344 



AMTKGERJCHTSBEZIRK WAREN. 



einem Kreuzgewölbe gestallet. Endlich ist noch an der südlichen Seite 
des Chors ein Jetzt mit Blendmauerwerk gefüllter Spitzbogen zu beachten, 
welcher den Anschein hat, als ob in ihm der Ansatz zu einem früheren Ver- 
bindungsgange erkannt werden dürfte, der zu dem verschwundenen Bui^hause 
der Herren von Werle hinü berge fuhrt haben könnte, das ja in der Nähe der 
Kirche lag, wenngleich, wie 
bereits bemerkt worden, die 
Stelle nicht ohne Weiteres 
genau anzugeben ist.*) 

Mit dieser äusseren go- 
thischen Schale kontrastiert nun 
sehr stark der innere Kern, 
welcher der Restauration der 
Kirche im Anfange der neun- 
ziger Jahre des XVlIl. Jahr- 
hunderts durch den herzog- 
lichen Hofbaurath Husch aus 
Ludwigslust cntstanmit, der uns 
bei den Ludwigsluster Hauten 

bereits mehrfach entgegen- 
getreten ist. Er ist auch der 

Baumeister des Thurmhelms. 
Die Neueinrichtung der Kirche, 
welche dem damals herrschen- 
den klassicicrendcn Geschmack 
folgt, erforderte im Ganzen drei 
Jahre, 1792 war sie vollendet, 
und die neue Weihe der Kirche, 
welche vom drcissigjährigen 
Kriege her über einhundert- 
funf/ig Jahre lang wiist und 
leer gestanden hatte, erfolgte am 
26. August desselben Jahres.*) 

Altar und Altar und Kanzel sind Altar und Kamel. 

Kanzel, j-h einem Körper verbunden, und 

— man mag gegen den Zopfstil jetzt sagen, was man will — die Verhältnisse 

in dieser Zusammen fügung mit ihrer Umgebung sind keineswegs zu verachten. 

GesttihI, Gestühl und Emporen passen dazu, wenngleich sie nichts Besonderes dem 

Emporen, Auge bieten. Beachtung verdient ein schmiedeeiserner Taufatänder, der in 

*" seinen klassicierenden Formen ganz auffallig an die Arbeiten der Familie 

Niens in Ludwigslust erinnert und wahrscheinlich mit dem Baumeister von 

') Lisch, M.Jahrb, VIIIB, S. 1Z3. Anmkg. 

*) Neue Monatsschrift von und für Mecklenburg des Jahres 1792, S. 383. 




ST. MARIEN-KIRCHE ZU WAREN. 34S 

dort gekommen ist. Als Taufechüasel dient ein zinnernes Hecken vom Jahre 
1817, nach den Stempeln von einem VVarener Zinngiesser I B (Jochim Baass), 
welcher 1793 ins Amt getreten ist. 

Die Kirche hatte bis dahin nur eine kleine, nach aussen gehängte 
Einläute - Glock«. Jetzt, nachdem sie im Jahre 1901 zur zweiten Pfarrkirche 
der Stadt mit eigener Gemeinde erhoben worden ist, hat sie auch ihr eigenes 
grösseres Geläut erhalten.') 

') Vgl. Meckl. Zeitang vom 6. Juli 1901, Beilage. 



346 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Federow.') 

|on der mit dem Datum des 24. April 1230 versehenen Fälschung Nr. 377 
im M. U.-B. abgesehen, wird Federow zuerst am 9. April 1289 erwähnt, 
als der Bischof Hermann von Schwerin seinem Domkapitel Zehnten im Lande 
Waren (Warne), darunter auch »in Vederowe« verleiht.^) Im Jahre 1292 wird 
die Grenze des »Warenschen Wohld« bestimmt, welchen Nikolaus von Werle 
der Stadt Waren geschenkt hat, und dabei als Grenzfeldmark diejenige der 
»villa Vederowe« genannt. °) Ausser der Fälschung vom 24. April 1230 
giebt es, wie schon öfter berührt worden ist, noch eine zweite vom 22. Sep- 
tember 13 12, in welcher sich das Kloster Broda vom Fürsten Nikolaus von 
Werle alle seine Besitzungen, darunter auch das ganze Dorf Vederowe, bestätigen 
lässt.*) Indessen Gut und Dorf Federow selbst haben dem Kloster niemals 
gehört, nur das Kirchlehn ist es, welches dadurch an das viel begehrende Stift 
gelangt, dass Fürst Johann von Werle am 14. März 1331 das Patronatsrecht 
über die Kirche zu Federow und deren Tochterkirche zu Kargow mit Ge- 
nehmigung des Bischofs Johannes von Schwerin, zu dessen Diöcese Waren, 
Federow und Kargow gehören, gegen das der Kirche zu Waren, welches dem 
Kloster bis dahin zugestanden hat, umtauscht.^) Dieser Patronatsbesitz wird 
am 22. Mai 1331 vom Kapitel und am i. Juni 133 1 vom Bischof zu Havelberg, 
zu dessen Diöcese Broda gehört, verbrieft und bestätigt.®) 

Ob der im Jahre 1330 vorkommende Knappe Klaus Federow einem im 
Dorfe Federow angesessenen Geschlecht angehört, lässt sich nicht nachweisen; 
unwahrscheinlich ist es nicht. Wirklich nachweisbar ist als erster auf Federow 
angesessener Lehnsmann der Marschall Klaus Tamme, welchen die Herren 
Klaus und Christoph von Werle 1406 mit Gut und Dorf belehnen. Die 
Herzöge Heinrich von Stargard und Heinrich von Mecklenburg verleihen 1455 
aber auch Hennecke von Holstein auf Wickenwerder (Ankershagen) das höchste 
Gericht daselbst, und Alles, was sie dort haben, wozu Hennecke 1463 noch vom 
Domherrn Johann Stendal in Güstrow und dem Bürger Berend Wichmann in 
Rostock den Grundbesitz erwirbt, welchen diese in Federow haben. Man sieht 
also, dass hier, wie auf den meisten Gütern und Dörfern in Mecklenburg, in 



*) 7 km südöstlich von Waren. Nach Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 45, mit vedru = heiter 
zu verbinden. Also ungefähr soviel wie iFrohdorft. 

*) M. U.-B. 2016. 

8) M. U.-B. 2i6i. 

*) M. U.-B. 3562. 

*) M. U.-B. 5226. 

®) M. U.-B. 5247. Ueber die späteren Bestätigungen durch die werleschen und mecklen- 
burgischen Landesherren und den Papst Alexander VI. s. M. Jahrb. III, S. 206 ff. 229/30 und oben 
Seite 327, Anmkg. i. 



GUT UND KIRCHDORF FEDEROW. 347 

alter 2feit in der R^el mehrere Vasallen neben einander begütert sind. Aus 
dieser Gemeinsamkeit des Besitzes entstehen aber zahlreiche Irrungen, die zu 
langen Prozessen fuhren. 147 1 cediert Klaus Tamme seinem Schwiegersohn 
Joachim von Kamptz die Hälfte seines Federower Besitzes als Brautschatz, und 
15 13 tritt er ihm den Besitz ganz ab. In den Jahren 1588 und 1589 ver- 
pfändet Dietrich Holstein drei, bezw. sechs Bauernhufen an den von Wangelin 
auf Vielist antichretisch. Der gemeinsame Besitz dauert so unter mancherlei 
Streitigkeiten fort, bis am Ende des XVII. Jahrhunderts die von Oldenburg 
anfangen, sich in Federow festzusetzen, wo inzwischen auch der Rittmeister 
Sibrandt von Sechein mehrere Bauernhufen durch Adjudication erworben hat, 
an denen Jürgen Oldenburg die Rechte des Pfandbesitzes gewinnt. Am 
16. März 1696 schliesst dieser mit Joachim Friedrich von Holstein auf Ankers- 
hagen und am 30. August mit dem Oberstleutnant Christian Ulrich von Kamptz 
Kaufverträge über deren Antheile an Federow ab und erwirbt im folgenden 
Jahre auch den Antheil des Rittmeisters von Sechein, worauf er am 28. No- 
vember 1701 einen Lehnbrief über ganz Federow erhält,^) Die von Oldenburg 
bleiben nun bis 1767 im Besitz. In diesem Jahre kauft der Kammerherr 
Georg Ludwig von Oertzen das Gut. Er wird am 2. März 1769 damit be- 
lehnt. Sein Rechtsnachfolger ist 1820 der Amtmann Enoch Samuel Lembke, 
und dessen Nachfolger 1862 der Landrath Friedrich Nikolaus Rudolf von 
Maltzan. 1880 ersteht es der Advokat Wilhelm Heinrich Friedrich Krull, und 
1885 das Grossherzogliche Ministerium des Innern, welches daraus eine Neben- 
station fiir das Landarbeitshaus zu Güstrow gemacht hat. 

Mittelalterliche Geistliche sind mit Namen nicht auf uns gekommen. 
Der erste evangelische Geistliche, der genannt wird, ist Jochim Darsekow. An 
seine Stelle tritt 1586 Ulrich Lehmann, der nachweislich auch 1592 noch da 
ist, 1594 aber bereits als Pastor in Neubrandenburg wirkt. Mit den beiden 
Kirchen zu Federow und Kargow, deren Verhältniss als Mutter- und Tochter- 
kirche zu einander unentwegt dasselbe geblieben ist, das es zur Zeit der 
Schweriner Diöcese im Mittelalter war, sind von der zweiten Hälfle des XVI. 
Jahrhunderts her auch die Kirchen zu Speck und Boek verbunden, die vormals 
(nach Ausweis eines Berichtes zweier herzoglicher Kommissarii, des Pastors 
Hermann Kamptz zu Neubrandenburg und des Amtmannes Johann RestorflT zu 
Stargard, vom 23. September 1589) von den Kapellanen in Ankershagen mit 
der im Brodaer Stift gebräuchlichen Havelberger Agende, wovon in jeder 
dieser beiden Kirchen damals ein Exemplar vorhanden ist, bedient worden 
war. Damit stimmt denn auch eine Mittheilung im Visitationsprotokoll der 
Kirche zu Ankershagen vom Jahre 1574, nach welcher Hans und Jakob 
von Holstein auf Ankershagen mit Einwilligung des Philipp von Holstein und 
der »Wittfrawe« zu Zaren den Beschluss gefasst haben, Boek und Speck 
zusammenzulegen und zu Speck eine Wedem, die es für diese beiden Dörfer 
bis dahin nicht gegeben, zu erbauen und diese mit Acker, Wiesen, Holz, 



*) Akten im Grossh. Archiv. 



348 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

Messkorn u. s. w. auszustatten, sodass ein Pastor dort seinen Unterhalt haben 
könne. Doch ersieht man wieder aus dem genannten Bericht von 1589, 
dass diese guten Absichten unverwirklichte fromme Wünsche geblieben 
sind. Indessen gewinnt man aus diesen Mittheilungen die Ueberzeugung, 
dass die Kirchen oder Kapellen zu Speck und Boek, wie es auch die gep- 
graphische Lage mit sich brachte, vor der Reformation als Filialkapellen 
der zur Havelberger Diöcese gehörenden Kirche zu Ankershagen angesehen 
und mit der Havelberger Agende bedient wurden, und daher nicht, wie es 
geschehen ist,^) der Schweriner Diöcese zugerechnet werden können, gleich 
Federow, Kargow und Dratow, die wirklich dahin gehören. Als nega- 
tiver Beweis kommt hinzu, dass Speck und Boek nicht im Verzeichni.ss der 
Pfarrlehne und Kirchen des Schwerinschen Sprengeis aus der zweiten Hälfte 
des XV. Jahrhunderts mltaufgefiihrt sind. Bewiesen wäre somit ungefähr 
soviel, dass die mittelalterliche Grenze zwischen der Schweriner und Havel- 
berger Diöcese von der Müritz an den Feldscheiden zwischen Federow, 
Kargow und Dratow auf einer Seite und der von Speck auf der andern ent- 
spricht und somit eine entschiedene Richtung nach Nordost hat, welche es 
sehr annehmbar macht, auch Möllenhagen und Flotow auf der Havelberger 
Seite zu lassen, auf die ja auch sonst alle Umstände bei diesen beiden Kirchen 
hinweisen. 

Nach Ulrich Lehmann's Zeit ist Er Johann Albrecht Pastor bis 1604. Er 
wird in den Kirchenakten von Federow zwischen 1598 und 1604 wiederholt 
genannt. Von 1604 bis 1617 ist es Baltzer Wunne (s. u.). 1618 wird Clemens 
Sutorius berufen. Er schildert die Leiden des dreissigjährigen Krieges mit 
bewegenden Worten in einem Briefe vom 18. December 1634 an seinen 
Landesherrn. Doch kommt er über alles Unglück leidlich hinweg und ist 
noch 1675 und später im Dienst. 1679 folgt ihm Johann Matthaeus Birken- 
städt; diesem wieder der Sohn Matthaeus Christoffer Birkenstädt (f 17. Oktober 
1763). Es folgt für die nächsten drei Jahrzehnte, aber erst von 1764 an, 
Joh. Rudow, (f II. April 1793),*) und auf diesen 1794 Friedr. Heinr. Voss 
(t 1836). Vgl. Walter a. a. O. 

Obwohl das Patronat nach Auflösung des Klosters Broda auf den 
Landesherrn hätte übergehen sollen und dies auch wiederholt in den Kirchen- 
akten des XVL Jahrhunderts zum Ausdruck kommt, so hat sich die Sache 
dennoch so entwickelt, dass es nachher am Besitz des Gutes haftet. Seitdem 
daher das Grossherzogliche Ministerium des Innern Besitzer von Federow 
geworden ist, hat es auch die Rechte und Pflichten des Kirchenpatrons über- 
nommen. 

Kirche. Kirche, Die Kirche ist ein kleiner frühgothischer Feldsteinbau in Form 

eines länglichen Vierecks. Das ursprüngliche Portal auf der Südseite (jetzt 
zugesetzt) entspricht dem Charakter und der Zeit des Baues aus dem Ende 

') ^^'ȧgc'", Annalen, S. 133. 
>) Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 32. 



GUT UND KIRCHDORF FEDEROW. 349 

des XIII. oder Anfang des XIV, Jahrhunderts. Es hat ein einfaches Kapitell- 
glied, welches so tief unter der Kämpferlinie sitzt, dass die darüber liegende 
Bogenlaibung sich als gestelzter Spitzbogen darstellt. Im Innern eine flache 
Holz- und Bretterdecke. 

Die innere Einrichtung ist ohne Bedeutung. An der Nord wand zwei Innere Ein- 
SCHUCKMANN'sche Allianzwappen von Zinn. S. Kargow. richtung. 

Im Glockenthurm zwei Glocken. Die grössere (Dm. 0,70 m) ist 1887 Glocken, 
von Ed. Albrecht in Wismar umgegossen.^) Die kleine (Dm. 0,42 m) ist alt 
und stammt aus dem Jahre 1494. Oben um die Haube herum 

die Inschrift: V alle marffl ^tacia plena bni tt^ mcccc;:ciifi v JX^^ 

Daneben ein Giesserzeichen. Im Felde ist die Glocke mit ■ ^r^ 
einer ganzen Reihe von Figuren verziert: es sind ein Krieger ^^^ 
mit Lanze (also wohl der hl. Georg); ferner die hl. Jungfrau ^ 

Maria als Mater Misericordiae, unter ihren Armen je drei anbetende lang be- 
kleidete Figuren; die hl. drei Könige; Moses vor dem feurigen Busch mit 
der Gestalt des Herrn darüber, und zuletzt das Bild einer Monstranz mit 
einem zweitheiligen Gehäuse, in deren jedem zwei Engel die Eucharistie (oder 
geweihte Hostie) in Gestalt einer kreisrunden Scheibe emporhalten. 

Hier mag angeschlossen werden , dass 1 8 1 1 noch ein Bildniss des 
Pastors Baltzer Wunne in der Kirche war. Die Unterschrift gab an, dass er 
nach dreizehnjähriger Amtsthätigkeit an der Kirche zu Federow am 28. No- 
vember 16 17 verstorben sei. 

Kleinkunstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch mit dem Maltzan- Kleinkunst- 
Korckwitz'schen Allianzwappen und der Inschrift: HERMANN FREIHERR VON werke. 
MALTZAN U«EVA FREIFRAU VON MALTZAN GEB*VON KORCKWITZ SCHENK- 
TEN DER KIRCHE ZU FEDEROW DIESEN KELCH IN DANKBARER ERINNE- 
RUNG AN DIE GEBURT IHRES SOHNES HEINRICH NICOLAUS ZU FEDEROW 
AM 28 • OCTOBER 1871. Dazu eine Patene. Von einem Goldschmied Günther. 
— 3. 4. Abendmahlskanne mit der Umschrift auf dem Fusse: 1873 GESCHENK 
DES FREIHERRN V • MALTZAN UND DER FREIFRAU V • MALTZAN GEB • V • 
KORCKWITZ AN DIE KIRCHE ZU FEDEROW. Ohne Stempel, angeblich vom 
Rostocker Goldschmied Kerfack. Von diesem auch das Ciborium in Form 
einer kreisrunden Schachtel. — 5 — 8. Zwei zinnerne Kelche mit Patenen. 
Stempel verdrückt. — 9. Messingschüssel in Treibarbeit, gestiftet von SAMUEL 
HINRICH HEITMAN 1767. — 10 — 13. Zwei ältere und zwei jüngere Zinnleuchter. 
Die beiden älteren von 1688, der eine von HANS BARG, der andere von 
MARIA ZIZOWEN gestiftet. Stempel verdrückt. Die jüngeren von 1821, der 
eine von JAKOB CHRISTIAN RENTNER, der andere von JOHANN REINCKE 
gestiftet, beide von einem Zinngiesser F K. 



*) Ihre Vorgängerin war 1787 von J. C. Meyer gegossen worden und trug den Namen des 
Pastors Johann Rudow. S.Inventar 181 1. 



350 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN . 



Guss- 
eiseme 
Platten. 



Vor dem Backofen der Wittwe-Dieckmann'schen Wohnung steht eine 
guaseiseme Platte (44 x 64 cm), die in der Mitte erhöht darstellt, wie der 
Engel die Hagar tröstet. 

Vor dem Backofen des Altentheilers Witt eine gleiche Platte (28 X 64 cm), 
die die hl. Maria mit dem Christkind zeigt. Darunter sind zu erkennen die 
Buchstaben V I N C. Aus anderen Buchstabentheilen und den Intervallen 
scheint sich AMICITIA VINCIT OMNIA zu ergeben. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 



Kirche. 




Das Gut und Fiiiai- Kirchdorf Kargow.') 

|argow ist von ältester Zeit her ein Filial- Kirchdorf von Federow.") Was 
über des letzteren Zugehörigkeit zum Kloster Broda gesagt worden, 
gilt auch für Kargow. Auf Kargow sitzen im XIV. Jahrhundert die Pritzbuer 
und darnach die Kastorf. Nach deren Aussterben im Jahre 1 547 fällt das Lehn 
heim und wird nun im folgenden Jahre an Klaus Below verliehen, der es 1461 
seinen Söhnen abtritt.'*) Die Zeiten des dreissigj ährigen Krieges machen auch 
diesem Besitz ein Ende. Das Gut verfallt dem Konkurs. 1633 erwirbt es 
Sigismund August von Thomstorf. Er empfangt den Lehnbrief am 28. Mai 1636, 
verkauft es aber 1688 dem Baron von Erlenkamp.*) Im Antoni -Termin des 
Jahres 1741 wird es Schuckmann'scher Besitz. Solcher bleibt es bis 1839, 
dann aber wird es für 1 18000 Thlr. Gold an L. Nicolai verkauft, von dem es 
1866 C. J. Neumann ersteht, dessen Nachkommen es heute noch besitzen. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Federow. Das Patronat ist 
hier ebenso wie bei Federow mit dem Besitz des Gutes verbunden worden. 

Kirche. Die Kirche zu Kargow ist gleich der in Federow ein früh- 
gothischer Feldsteinbau in Form eines länglichen Vierecks vom Ende des XIIL 
oder Anfang des XIV. Jahrhunderts. Zwei frühgothische Portale fuhren ins 
Innere, jedoch ist das des Thurmes zugesetzt. .In den Wandungen und Lai- 
bungen dieser Portale wechseln rechtwinklig geformte Kanten mit Rundstäben 
ab, und in der Kämpferlinie dient ein entsprechender Rundstab als Kapitell- 
glied. In der Ostwand drei spätromanische Schlitzfenster, in deren Wandungen 
und Laibungen ebenfalls rechtwinklige Kanten und Rundstäbe abwechseln. 
Von den Fenstern der beiden Langseiten hat das auf dem westlichen Ende 
der Nordseite gelegene, in welchem zwei Fensterschlitze durch einen über- 



*) 7 km oststidöstlich von Waren. >Ort des Kargac : Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 65. Un- 
gefähr soviel wie > Habichtshagen c : altsl. Kraguj = Habicht. 
*) M. U.-B. 5226. S247. 
•) Akten im Grossh. Archiv. 
*) Akten im Grossh. Archiv. 



GUT UND KIRCHDORF SPECK. 35 1 

gespannten gedrückten Spitzbogen zusammengefasst werden, allein seine Ur- 
sprünglichkeit bewahrt. Im Innern eine flache Bretter- und Balkendecke. Die 
Kirche hat im Ganzen viele Aehnlichkeit mit der Federower, nur ist das 
Eingangsportal in Kargow nicht auf der Süd-, sondern auf der Nordseite. 
Neben dem Portal auf der Nordseite ein Weihwasserbecken von Granit. 

Von der inneren Einrichtung mag der Herrenstuhl mit dem SCHUCK- Innere Ein- 
MANN-LINSTOW'schen Allianzwappen hervorgehoben werden.^) richtung. 

Ausserdem bewahrt die Kirche noch iiinf zinnerne Allianzwappen der Wappen. 
Familie VON SCH UCKMANN auf. 

Auf dem Altartisch zwei zinnerne Leuchter von C. Jllies-Waren (1823). Leuchter, 
Ein messingenes Becken, gestiftet 1708 von DANIEL KOG und STEFFEN KOG. Becken. 

Im Glockenstuhl eine Glocke von 0,8o m Dm. mit der Inschrift: Glocke. 

GOTT LOB' ICH 
DIE LEBENDEN RUF ICH 
DIE TOTEN BEWEIN' ICH 
LEOPOLD NICOLAI KIRCHEN PATRON. 
Unten: MICH GOSS C. JLLIES IN WAREN 1841.*) 

Als Vasa sacra werden die zu Federow benutzt. Vasasacra. 




Das Gut und Kirchdorf Speck.') 

Ipeck ist ein alter Holsteinischer Besitz. Urkundlich wird es zuerst im Geschichte 
Jahre 1274 erwähnt, als Nikolaus von Werle der Stadt Röbel den des 
Düstem Wohld zwischen der Müritz und dem Specker See verkauft.*) Als A-'orles. 
darauf derselbe Fürst der Stadt Waren 1292 den ihr von seinem Oheim ge- 
schenkten Warenschen Wohld bestätigt, nennt er als Grenzen die Gebiete von 
Schonenberghe, Vederowe, Jamene, Paletzke, Specke etc.^) In dem Landes- 
theilungsvertrag zwischen den Fürsten Johann und Henning von Werle vom 
2. December 1316 wird »Specken« dem Parchim - Malchower Theile zu- 
getheilt.®) Ueber die ältesten Besitzer des Dorfes und Gutes verlautet nichts, 
aber solange die Holstein auf Ankershagen sitzen, wird Speck als Pertinenz 
dieses Gutes angesehen und ist somit seit dem XIV. Jahrhundert Holstein'scher 



^) Johann Friedrich von Schuckmann und Katharina Maria von Linstow. 
•) Das Inventar von 181 1 fuhrt ebenfalls nur eine Glocke auf: »hat eine Inschrift 
gehabt, die aber jetzt unleserlich ist.c 
') 15 km südöstlich von Waren. 
*) M. U-B. 1342. 
*) M. U.-B. 2161. S. o. S. 329. 
^ M. U.-B. 3860. 



352 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Kirche. 



Innere Ein- 
richtung. 



Glocke. 



Vasa Sacra. 



Besitz. Das bleibt so bis ins XVIII. Jahrhundert. Am 24. Januar 1739 schliesst 
Jakob Ernst von Holstein auf Klink mit Ludwig Reimar von Rohr einen 
Pfandvertrag über Speck ab, welcher am 16. August 1741 lehnsherrlich ge- 
nehmigt wird und zwölf Jahre später zur gänzlichen Veräusserung des Gutes 
an Ludwig Reimar von Rohr fuhrt, der am 23. Februar 1753 mit Speck 
belehnt wird. Rechtsnachfolger der Rohr ist 18 12 der Forstrath Karl Wilhelm 
von Haugwitz, dessen Nachkomme gleichen Namens noch heute im Besitz des 
Gutes ist. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Federow. Ebenso wie dort 
ist hier das Patronat mit dem Besitz des Gutes verbunden. 

Kirche. Die Kirche in Speck ist ein Phantasie -Neubau aus der ersten 
Hälfte des XIX. Jahrhunderts mit Anklängen an romanische und an gothische 
Formen. Der Chor hat gothischen Polygonalschluss aus dem Achteck, aber 
rundbogige Schlitzfenster. Das Langhaus hat dreitheilige rundbogige Fenster 
mit frühgothischem Masswerk. Beide, Chor und Langhaus, haben eine Holz- 
decke mit Kassettenmalerei in Blau, Roth und Gold. 

Der Platz einer älteren Kirche war südwestlich von dieser, der der 
allerältesten Kirche dagegen nordöstlich von der gegenwärtigen. 

Die innere Einrichtung (Orgel- Empore, Kanzel, Herren- und Prediger- 
stuhl) sind in klassicierenden Formen ausgeführt, bei denen die aufgelegten, 
theils geschnitzten, theils gemalten Ornamente an den klassicierenden Ge- 
schmack in den bekannten Thon- und Steingutgefassen des Engländers Wedg- 
wood erinnern. An der Orgel - Empore , welche keine wirkliche Orgel, 
sondern nur eine Orgelblende enthält, sieht man in einem länglichen Oval auf 
blauem Grunde die Wappen von O. F. V. ROHR und seiner Gattin L. B. 
V. RAM IN. 

Im Thurm eine von ALFRED HERMANN OTTO VON HAUGWITZ 1863 
gestiftete und von C, Jllies-Waren gegossene Glocke von 80 cm Dm. mit der 
Inschrift: HOC SIGNUM MAONI REGIS EST.') 

Vasa Sacra, i. 2. Silbervergoldeter Kelch, gestiftet 1819 von OTTO 
VON ROHR. Dazu eine Patene. Beide angefertigt vom Warenschen Gold- 
schmied F(rledrlch) ö(sten). — 3. 4. Zinnerner Kelch und Patene, 
gestiftet 1728 von F.V.R« mit den Stempeln eines Warenschen 
Zinngiessers. — 5. Neues Taufbecken von Assmann -Ludenscheid- 
Berlin. — 6. 7. Zwei zinnerne Leuchter in klassicierendem Geschmack von 
dem Warenschen Zinngiesser l(ochim) B(aass) 1793. 

*) Das Inventar von 181 1 spricht von einer kleinen Glocke, enthält aber keine näheren 
Angaben darüber. 




" .^ \^' •\^' ^ »■^-■^ 



GUT UNI) KIRCHDORF HOEK. 353 



l8 km siidsüdöstlich von Waren. 

Lisch, M. Jahrb. II, S. 63 IT., 951!'. M.U.H. 1295. 1342. 1946. 2388. 

Lisch, a. a. ()., S. 63 fr. 

M. U.-15. 1396. 

M. U.-H. 1295. 

M. U.-H. 2727. 

M. U.-B. 1308. 

23 



Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Boek.') 

^|n der Nordwestgrenze des alten Landes Turne oder der Komthurei Geschichte 
Mirovv liegt das Gut Boek, welches schon im XIII. Jahrhundert zum J^^^ 
wesentlichsten Theil im Besitz des Geschlechtes der Ritter von Havelberg ist, 
das in der Geschichte der Müritzgewässer und des Landes Turne eine wich- 
tige Rolle spielt.^) Der Stammhalter dieses Geschlechtes in Mecklenburg, 
Johannes von Havelberg, erscheint 1273 im Besitz von Boek an der Müritz. 
Sein Sohn Bertoldus verhandelt im selben Jahre wegen der Mühle in Boek, 
die sich im Besitz der Johanniter-Ritter zu Mirow befindet und welcher eine 
grosse Wichtigkeit beigelegt wird, wie das in damaliger Zeit mit allen Mühlen 
der Fall ist.^) Diese Mühle hat den Havelberg's fortwährend Veranlassung zu 
Klagen über Beeinträchtigung ihrer Ländereien und in Folge davon zu Ent- 
schädigungs- Forderungen gegeben, so dass sich die Herrn von Werte auf 
Grund langwieriger Verhandlungen zwischen den Interessenten veranlasst sehen, 
dem Orden 1276 den Besitz der Mühle zu bestätigen und die Söhne des 
Johannes von Havelberg, Bertold und Heinrich, zu bewegen, dass sie allen 
Ansprüchen entsagen, welche sie wegen des Laufes des Mühlwassers haben 
könnten.*) Vorher aber entschädigt Nikolaus von Werle den Johannes von 
Havelberg mit Geld dafür, dass er, zum Ablassen von Müritzwasser, durch 
seine Besitzungen in Boek einen Kanal gräbt. ^) 

Die Havelberg sitzen in Boek bis ins XIV. Jahrhundert hinein, worauf 
sie allmählich aus der Gegend verschwinden. Ausser ihnen finden wir den 
Ritter Retzow (Ritzecow) mit Besitz und Rechten in Boek. Er ist es z. B., 
der dem Kloster Neuenkamp die Gerichtsbarkeit über die Boeker Mühle ver- 
kauft, was am 25. Januar 1301 vom Fürsten Nikolaus von Werle bestätigt 
wird.^) Daher wird auch dem Kloster Neuenkamp vom Fürsten Nikolaus die 
Mühle daselbst übergeben, wobei es dunkel bleibt, wie sich das Verhältniss 
zur Komthurei Mirow stellt.^) 

Ausser dem Ritter von Retzow treffen wir später auch die Brüsehaver 
in Boek. Es ist dies zur Zeit des Niederganges der Havelberg, und es mu.ss 
als ein Zeichen der Ohnmacht der Mirower Komthurei und des geschwundenen 



354 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

Einflusses der Havelberg angesehen werden, dass die Brüsehaver dem Kloster 
Neuenkamp gestatten, die Mühle weiter abwärts zu verlegen.^) 

Nun fehlt es einige Zeit hindurch an urkundlichen Nachrichten. Wir 
merken nur, dass Boek im Laufe der Jahre in den Besitz der Holstein gelangt 
ist, welches Geschlecht u. a. auf den benachbarten Gütern Ankershagen, 
Möllenhagen, Federow u. s. w. angesessen ist. Es sind dies jene Güter und 
Dörfer, die sie im Laufe des XIV. und XV. Jahrhunderts erwerben, festhalten 
und noch im XVL Jahrhundert durch anderweitigen Erwerb vermehren. Der 
Stifts- und klösterliche Besitz verschwindet mit der Durchführung der Refor- 
mation. So auch in Boek. Nachher beginnen mit dem dreissigjährigen Kriege 
die Zeiten der Noth und damit jene Verpfandungen, durch welche eine kaum 
zu lösende Wirrniss in die Besitzverhältnisse der Güter kommt. 

Schon 1610 werden von den Holstein die Boeker Tannen verpfändet. 
1645 werden der Kirche zu Federow drei Bauern und der Antheil an der 
Boeker Mühle verpfändet. Auch Joachim Maltzan auf Grubenhagen h^t in- 
zwischen erheblichen Besitz daselbst erlangt. 165 1 werden dem Joachim Kriegow 
drei verpfändete Bauern zugesprochen. Desgleichen gehören dort dem 
Henning von Heydebreck auf Zähren einige Bauernhufen. Dieser verkauft 
seinen Besitz am 11. Juni 1678 an Heinrich Stegemann. Uebrigens hat auch 
Federow, welches inzwi.schen aus Holstein'schen Händen an Jürgen Oldenburg 
übergegangen ist, von dem Holstein'schen Besitze her noch einen Antheil an 
Boek. Jürgen Oldenburg kauft ferner das Dorf und Gut Zähren von Henning 
von Heydebreck und gewinnt damit zugleich die von Heydebreck pfandweise 
besessenen, ihm adjudicierten Boeker Antheile. Nach dem Tode Joachim 
Maltzan's verpfänden dessen Erben 1700 einige von ihren Boeker Antheilen an 
Friedrich Sittmann. Als dieser noch in demselben Jahre stirbt, melden sich 
zum Empfange des ihrer Ansicht nach geöffneten Lehens Retzow auf Eick- 
horst des Sittmann hinterlassene Wittwe im Namen ihrer Kinder, Maltzan's 
Bruder Christian Friedrich zu Rostock und Joachim Dietrich Plessen auf Tor- 
gelow. Es wird aber einstweilen nur der Sittmann'sche Pfandbesitz verlängert. 

Im Jahre 17 10 haben noch Antheil an Boek die Sittmann'schen Erben 
mit ihrem Stiefvater, ferner die Maltzan's und Jürgen Oldenburg wegen seines 
Gutes Federow. Der erst- und letztgenannte aber treten ihre Rechte an 
Dietrich von Plessen auf Torgelow ab, welcher einen Lehnbrief erwirkt. Indessen 
hat auch Jürgen Oldenburg in früherer Zeit Holstein'sche Antheile an Boek 
erworben. Diese verkauft er 1720 an Otto Christoph von Ribbeck, welcher 
schon vorher Sittmann'sche Antheile erworben hat, die durch Heirath an 
den Geh. Rath von Schuckmann gekommen waren. Dieser Wirrniss macht 
endlich Jakob Ernst von Holstein ein Ende durch Anstrengung eines grossen 
Reluitionsprozesses gegen sämmtliche Inhaber Boeker Antheile, ausgenommen 
den Inhaber des Federower Antheils, dessen Recht er anerkennt. Er ge- 
winnt den Prozess, findet sich mit dem Inhaber des Federowschen Antheiles 



^) M. U.-B. 9269. 



GUT UND KIRCHDORF BOEK. 355 

ab und wird nun im Jahre 1746 vom Herzog Karl Leopold mit dem ganzen 
Gute bewidmet, das bei dieser Gelegenheit allodificiert wird. Die Allodifikation 
aber wird später nicht anerkannt. Selbstverständlich ist während dieser Zeit 
der Zerstückelung das Gut sehr heruntergekommen, die Reiuition und der 
Prozess haben viel Geld gekostet, und daher verkauft Holstein das Gut schon 
in demselben Jahre an Ernst Friedrich von Raven auf Vielist, welcher es 1 780 
dem Baron von Schorlemer auf zwanzig Jahre antichretisch verpfändet. Dieser 
nutzt die zwanzig Jahre nicht ganz aus, 1797 ersteht es der Geh. Raths- 
Präsident Ulrich Otto von Dewitz. Sein Rechtsnachfolger ist 1805 der 
Regierungsrath Karl Wilhelm Friedrich David von Pentz, von dessen Erben 
es 1836 der Vice- Landmarschall Adolf Friedrich Karl von Oertzen erwirbt. 
1842 hat es der Klosterhauptmann Karl Peter Baron Le Fort, dessen Nach- 
kommen noch heute im Besitz sind. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Federow. Nachdem die Kirche 
zu Boek die letzten Jahrhunderte hindurch ohne ausreichende historische 
Gründe als vagierende Mutterkirche angesehen und als solche zu Federow 
gelegt worden, ist sie seit dem XIX. Jahrhundert, und zwar seit 181 5, in 
gleichem Charakter mit der Kirche zu Rechlin verbunden worden.*) Das 
Patronat haftet vom XVI. Jahrhundert her am Besitz des Gutes. 

Kirche. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1847 ^^^ i^^ i^ ^^^^ ^^^ Kirche, 
romantischen Gothik dieser Zeit erbaut.*) 

Die innere Einrichtung ist dementsprechend. Die Kanzel steht hinter Innere Ein- 
dem freistehenden Altar, ungefähr iV« m höher als dieser. Auf dem Altar richtung. 
ein Krucifix von Neusilber. Die Kirche wird auf den neuen Geräthen stets 
als Johannes -Kirche bezeichnet. 

Im Thurm hängen zwei Glocken von 66 und 44 cm Durchmesser. Glocken. 
Beide sind in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem 
Patron der Kirche, Baron VON LE FORT, gestiftet und von C. Jllies in Waren 
gegossen.^) 

Kleinknnstwerke. i. 2. Kelch von 1844 mit Patene, beide ohne Werk- Kleinkunst- 
zeichen. — 3 — 6. Kelch, Patene, Oblatendose und Kanne, neu, von Hossauer- werke. 
Berlin. — 7 — 9. Krankengeräth von 1892 (Sy & Wagner- Berlin). — 10. Tauf- 
becken von Messing, von 1856. — 11. Ein zweites Taufbecken von 1898 
(Reinecke -Hannover). — 12. 13. Zwei Leuchter, neu. 



*) Stuhr, M. Jahrb. LX, S. 18. 76. 

•) Vgl. darüber bei Dobbertin. 

•) Von den Vorgängerinnen hatte nur eine eine Inschrift: sie war 1723 z. Zt. des Pastors 
M. Chr. Birkenstädt und unter dem Patronat des O. Chr. von Ribbeck und seiner Gemahlin Sabina 
Dorothea von Knoblauch gegossen worden. Von wem, verschweigt das Inventar von 181 1. 



2a* 



356 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Schiön.') 

chlön ist in frühester Zeit ein Ort von grösserer Bedeutung. Ein ganzer 
Landstrich nämlich wird nach ihm das Land Schlön »terra Zlone« ge- 
nannt, und schon im Jahre 1218 kommt der Ort, welcher zur Schweriner 
Diöcese gehört, urkundlich vor.*) Im Jahre 1265 präsentieren Gemeke und 
Bernd Plasten den Johann Schröder zu einer Vikarei an der Kirche zu Schlön.*) 
Auch hier findet wie in Kargow und Federow ein Austausch der Patronate 
zwischen dem Fürsten Johann II. von Werle und dem Kloster Broda statt, 
welches für das Patronat der Kirche zu Waren u a. das in Schlön eintauscht.*) 
Im Jahre 1333 wird dem Notar des Fürsten Johann von Werle vom Probst 
und Konvent zu Broda die Pfarrerstelle zu Schlön verliehen.^) 

Im XVI Jahrhundert finden wir das Geschlecht der Rostke als Besitzer 
von Schlön, welches bis dahin anscheinend dem Landesherrn gehörte.®) Erst 
der dreissigjährige Krieg bringt auch diesen Besitz zum Wanken. Im Jahre 
1623 bitten die Vormünder des Erdmann Rostke um Erlaubniss zur Ver- 
pfandung des Gutes Schlön, und am 25. April 1626 wird der Konsens über 
die von Zacharias Rostke vorgenommene Verpfandung des Gutes an Kurt 
RestorfF auf einundzwanzig Jahre ertheilt. 1655 wird Schlön dem Hans Gräve- 
nitz für 10882 Gulden adjudiciert. Trotzdem muthen die Rostke das Gut und 
Dorf, an dem sie immer noch einen Antheil haben, in den Jahren 1661, 
1669 und 1670. Indessen der Amtmann Christian von Grävenitz verkauft es 
unbekümmert darum in den Jahren 1680 — 1684 an die Gebrüder Kosboth 
auf Torgelow. Und nun überlässt Kaspar Rostke 1685 den ihm gebliebenen 
Antheil an Schlön dem Baron von Erlenkamp für 2000 Gulden. 1687 hat 
dieser auch den Kosboth'schen Antheil erworben. Noch im Jahre 1689 muthen 
die Rostke Gut und Dorf Schlön; aber der Muthschein wird ihnen verweigert. 
Erlenkamp veräussert elf Jahre später, 1701, seinen Besitz an Kurt RestorfT. 
Am 2. März 1702 erhält dieser den Lehnbrief über das ganze Gut Schlön. 

*) 9 km nordöstlich von Waren. Bei dem alten Namen Slone erinnert Kllhnelf M. Jahrb. 
XLVI, S. 129, an die beiden Adjektive >sulanii = zusammengeflossene und »slony = salzig«, 
giebt also keine Entscheidung. 

*) M. U,-B. 857. Vgl. 2400., wo die Bemerkung: »Zlone terra resignatur capitulo Hauel- 
bergensi a Caminensi episcopoc mit Bedenken aufzunehmen ist, wie auch von den Herausgebern 
des Urkundenbuches geschehen. Denn das oft genannte mittelalterliche Verzeichniss der dem 
Schweriner Stifte angehörenden Kirchen und Pfarrlehne nennt ausdrücklich auch Schlön und 
Dratow. 

^) M. U.-B. 1029. 

*) M. U.-B. 5226. 5247, 

^) M. U.-B. 5470. 

<') Vgl. M. U.-B. 11391. 



GUT UND KIRCHDORF SCHLÖN. 357 

Ein Theii desselben, »das Ueberende«, hat stets zum Gute Torgelow gehört. 
Dieses Gut kauft 1703 der Landrath von Plessen für 26900 Thaler, und 
nun erwirbt er im folgenden Jahre auch Schlön nebst dem Patronat der 
Kirche und der hohen Jagd.') 1726 erwirbt beide Güter der Obrist Levin 
Ludwig III. Hahn, Seine Nachkommen verkaufen sie in der Erbregulierung 
1785 an den Kammerherrn Karl August von Behr-Negendank, dessen Ge- 
schlecht noch heute diese inzwischen zum Familienhdeikommiss erhobene Be- 
sitzung innehat.') 

Ein Vikar Johann Schröder wird 1265 genannt. Er wird, wie schon 
oben bemerkt worden, von den Gebrüdem Gemeke und Berend Plasten zu 



Gnindri^s der Kirche tu Schlön. Pries. 



einer Vikarei in der Kirche zu Schlön vorgeschlagen. Um 1333 hat der 
Notar des Fürsten Johann von Werle das Kirchlehn zu Schlön vom Kloster 
Broda erhalten, 1355/56 kommt ein Pleban oder Kirchenrektor Hermann 
Blankensee zu Schlön als Zeuge in einer Urkunde vor, und zehn Jahre später 
in Dratow ein Pleban Nikolaus vom Sunde. Mehr mittelalterliche Geistliche 
sind bis jetzt nicht auf uns gekommen. 

In der Zeit nach der Reformation bleiben die Kirchen zu Schlön und 
Dratow noch lange von einander getrennt. In Schlön folgen im XVI. Jahr- 
hundert auf einander Joh. Lobis (Lobys, nicht Tobys, um 1541/42), Jochim 
Sperling (um 1567 und später), Joachim Hete (um 1575, 1577) und Nikolaus 

') Akten im Grossh. Archiv. 

>) Lisch, Geschl. Hahn III, Ü. 131 ; IV, S, 142, 149- 



3S8 AMTSGERICHTSBEZIkK WAREN. 

Meibaum (noch 1613 im Dienst); in Dratow aber Ewald Purhagen (um 1541), 
Andreas Witte (um 1577), Johann Schleier (um 1586) Jochim Werth (Wehrdt, 



Kirche zu Schlön. Pries. 

Haus, Weib und Kind aufgiebt und in die Irre geht. Seine Abschiedsbriefe 
sind erhalten und geben Zeugniss von der tiefen Angst, die ihn um Seele 
und Seligkeit ergriffen hat. Die Kirche zu Dratow wird nun zu einer Mater 
vagans, tritt aber von 1712 an in eine dauernde Verbindung mit Schlön. In 
Schlön sind inzwischen folgende Prediger auf einander gefolgt; von 1617 an 
Kaspar Pippow (nicht Bibow), der bis in die dreissiger Jahre im Amte ist, und 
den die Kriegsnoth von Haus und Hof treibt. 1637 hejsst es, die Kirche sei 
gründlich verwüstet (»total ruiniert») und der Pastor in exilio gestorben. 



GUT UND KIRCHDORF SCHLÖN. 



359 



Nun tritt eine lange Vakanz von mehr als dreizehn Jahren ein. Erst 
1650 wird wieder ein Pastor berufen. Es ist Johann Henning, der bis 1660 
in Schlön bleibt. Ihm folgt im selben Jahr Henricus Schmidt, der nach acht- 

undvierzigjähriger Amtsthätigkeit 1708 in 
Christian Dietrich Meten (von der Meden) 
einen Substituten erhält und bis 171 1 im 
Amte ist. Schmidt bedient ausser seiner 
Hauptkirche in Schlön auch die Kapellen zu 
Torgelow und Klein -Plasten. In Gross- 
Plasten hat es auch eine Kapelle gegeben, 
aber sie liegt nach Angabe des Visitations- 
protokoUes von 1661 ganz danieder. Auch 
die Kirche Dratow hat damals noch eine 
Filialkapelle in Schwastorf, welche zu dieser 
Zeit der genannte unglückliche Amoidus 





Kirche zu Schlön. Pries. 



Krebs verwaltet. 171 2 folgt David Petrus Zilius als Pastor in Schlön und 
Dratow (f 1736). Nach längerer Vakanz wird 1742 Ernst Barthold Schenck 
sein Nachfolger.^) Diesem folgt 1760 Christoph Friedrich Seger (f 13. Januar 
1781). Von 1784 an ist Karl August Benold Pastor in Schlön (f 3. Februar 
1791), und 1792 tritt Friedr. Hermann Beckmann an seine Stelle (f 7. Juni 
1852). S. Walter a. a. O. 



*) Im letzten Amtsjahr des Pastors Schenck vernichtet eine Feuersbrunst das Pfarrhaus und 
beschädigt auch die Kirche und den Thurm zu Schlön. Daher die Zahl 1765 am Thurm. 



360 



amisgericht^hrzikk waren. 




Kirche. Die Kirche ist ein charakteristischer Feldsteinbaii aus der 
Zeit des Uebergangcs vom romanischen zum gothischen Slil des XIII, Jahr- 
hunderts, aber durch Neuerungen vielfach entstellt. Wie vortrefflich die alte 
Kirche ein.stnials in ihrer Gesammtwirkung erschienen sein niuss, zeigt die in 
ihrer Ursprünglichkeit erhalten gebliebene 
romanische Fenstergruppe auf der Südseite ..,-..~^,.., ^ 

des Schiffes. Alle übrigen Fenster haben — 

ihre alte Form verloren. Ebenso sind auch 
die Portale ohne jede Bedeutung. Der Chor 
ist mit einem scharfgralitjen Kreuzgewölbe 
geschlos.sen. Das etwas höhere, aber mit 
dem Chor unter einem einzigen Dachfir.st ver- 
einigte Gewölbe des Schiffes stellt sich als 
ein durch rundwulstige Uiagonahippen ab- 
gctheiltes Kreuzgewölbe dar, zu dessen 
Stütze ein schlanker achtseitiger Pfeiler 
dienen soll, welcher erst später eingeschoben 
i.st und keine günstige Vor.stellung von den 
Ansichten seines Baumeisters über Druck, 
Schub und Last des Gewölbes erweckt. Die 
Trennung zwischen Chor und Schiff wird 

durch einen flach ge.spannlen brcitgurtigen Kundbogen bewirkt, welcher mög- 
licherweise ebenfalls nicht von Anfang an in dieser Form beabsichtigt war. 
Viel stilentsprechender erscheint der als gedrückter Spitzbogen sich dar- 
.stellende Trennungsbogen zwischen Schiff imd 7"hurni, dessen Innenraum 
zwecks Aufnahme der Orgel-Empore zum Schiff der Kirche hinzugenonmien 
ist. Der Thurni, welcher wenig jünger sein wird als die übrige Kirche, trägt 
einen vielgliedrigen Helm im Geschniack des Barockstils. 

Der Altaraufsatz ist ein Werk des Barockstils, ebenso die Kanzel. 

Im Thurm hängen zwei Glocken. Die grössere ist ein im Jahre tS92 
ausgeführter Umgu.ss aus einer älteren Glocke und als solcher eine Stiftung 
des H. V. BEHR-NEGENDANK und seiner Gemahlin A. V. BEHR-NEGENDANK, 
geb. Gräfin BLÜCHER. Der Giesser ist Gustav Collier in /ehlendorf) — Auf 
der kleineren Glocke die In.schrift: GEHÖRIG DER KIRCHE ZU ALT SCHLOEN - 
ANNO 1829 GOSS MICH HACKENSCHMIDT-BERLIN. 

Kleinkunst- Kleinkunstwerke. i — 5. Zwei silberne Kelche, Lübecker Arbeit des 

werke. XVIII. Jahrhunderts, der eine mit dein Meisterzeichen I H D, der andere mit 

S F S (?), dazu zwei .silberne Patenen ohne Zeichen und eine silberne Oblaten- 

schaclitel, die aus neuester Zeit ist. Sämmiliche fünf Stücke sind ohne 

Inschrift. — 6. Zinnerne Weinkanne, ohne Inschrift. — 7. Messingenes Tauf- 



Altar, 

Kanzel, 



') llire Vorgänge rii 
Kiiülie hatte 181 1 nur dii 



1730 ^ 



I I.01 



K Strahlborn in Lul)eck gegos 



Die 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF KLEIN -PLASTEN. 



361 



becken vom Jahre 1652, gestiftet von ANNA PRANGERS. — 8. Noch ein 
messingenes neues Taufbecken. — 9. 10. Zwei zinnerne Altarleuchter, der 
eine 1750 von JOCHIM IHRNST BURMESSTER, der andere 1756 von ADAM 
LANG gestiftet. Beide von dem Warenschen Zinngiesser I D E 1749. — 11. 
12. Noch zwei zinnerne Leuchter, mit der Marke des englischen Zinns, von 
einem Zinngiesser C F B 1725, der eine gestiftet von JÜRGEN CHRISTOFFER 
STINDTMANN, der andere von N- BEHRENS 1729. 



Das Gut und Filial- Kirchdorf Klein -Plasten.') 




Geschichte 

des 

Dorfes. 



lein-Plasten hat laut einer Urkunde des Kloster Broda schon im Jahre 1284 
und zwar als wendisches Dorf bestanden.*) Das Gut gehört ursprünglich 
der Familie der Plasten, seit 1450 aber der auf zahlreichen Gütern in der 
Nachbarschaft angesessenen Familie Voss, von welcher es ums Jahr 1498 
Hermann Kamptzens Vormünder erwerben. Endgültig freilich verkauft Wedege 
Voss Klein -Plasten erst 15 14 an Hermann Kamptz, und zwar für 3000 Gulden 
Rhein. •'*) Die von Kamptz halten das Gut bis 1789 fest, in diesem Jahre 
verkaufen sie es für 33 500 Thaler Gold an den Hauptmann August von Blücher, 
dessen Nachkomme Ernst von Blücher es 1852 an Adolf Hermann von Boddin 
für 150000 Thaler wiederverkauft. 1893 besitzt es Adolf Friedr. Schmahl, 
1894 Max Fleischmann und seit 1898 Ernst von Blücher. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Schlön, wo erwähnt worden 
ist, dass auch Gross- Plasten bis ins XVII. Jahrhundert hinein eine eigene 
Kapeile hatte. 

Kapelle. Die Kapelle zu Klein -Plasten ist ein schlichter Bau aus dem 
Jahre 1731, den die damalige Besitzerin, Margarethe Elisabeth von Kamptz, 
geb. von Langermann, errichten liess. 

Das Innere bietet nichts Besonderes. Altar und Kanzel sind zu einem 
Baukörper verbunden. Von den beiden Glocken ist die grössere im Jahre 
1747 unter dem Patronat des CA. VON KAMPTZ undSCVON SCHUCKMANN 
.sowie unter dem Pastorat des E • B • SCHENCK von Joh. Gottfried Wosack ge- 
gossen worden. Die kleinere dagegen ist 1794 von J. C. Meyer zu Neustrelitz 
gegossen und enthält keine weiteren Angaben über die Patrone und den Pastor. 
Die Vasa sacra der Kapelle, Kelch, Oblatenteller und Kanne, sind neu und Vasa sacra. 
um 1870 von Frau VON BODDIEN, geb. VON ARNIM, geschenkt worden. 



Kapelle. 



Inneres. 
Glocken. 



^) II km ostnordöstlich von Waren. »Plast-, plostc = Hufe: Ktihnel, M. Jahrb. XLVI, 
S. 107. Also soviel wie > Hufendorf c. 

*) V. KamptZf Familiengeschichte der Kamptz, S. 34 § 75 fr. M. Jahrb. XIV, S. 334. 
') V. Kamptz, a. a. O., S. 183 ff., S. 28. 



362 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Das Gut und Kirchdorf Gross -Dratow.') 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Kirche. 



ross-Dratow erscheint urkundlich zuerst im Jahre 1284, als der Bischof 
Hermann von Schwerin die im Schweriner Dom vom Domherrn Erpo 
gestiftete Vikarei bestätigt, welche dieser mit Zehnten aus den Dörfern Melitz, 
Deutsch -Plasten und Deutsch -Dratow bewidmet hat.^) Die Bezeichnung der 
letzteren beiden Orte als »Deutsch« berechtigt zu der Annahme, dass schon 
zur wendischen Zeit Orte gleichen Namens an gleicher Stelle bestanden haben. 
Das wird denn auch durch das Dasein der Dörfer Klein -Dratow und Klein- 
Plasten in unmittelbarer Nähe bestätigt. Man weiss ja, dass die deutschen 
Kolonisten, welche Mecklenburg im XII. und XIII. Jahrhundert besiedelten, 
keine Gemeinschaft mit den vorgefundenen Wenden hielten. Das führte dann 
entweder zu deren völliger Vertreibung oder, wie in den allermeisten Fällen, 
zur Anlegung eines neuen Dorfes in der Nähe des alten sowie zur Unter- 
scheidung mit Deutsch- oder Gross- von Wendisch- oder Klein-. 

Ob die Familie Dratow, welcher der Knappe Nikolaus angehört, der im 
Jahre 1365 als Zeuge vorkommt, in Gross -Dratow angesessen war, lässt sich 
urkundlich nicht nachweisen, wohl aber tritt schon im Jahre 1378 Hermann 
Camptze »de dar wonet tu Dratowe« auf,^) sodass Dratow als der Stammsitz 
dieser alten Adelsfamilie angesehen werden muss,*) welche nach einer unge- 
druckten Brodaschen Urkunde »antea a prima plantatione« daselbst sitzt. Sie 
wird daher mit den deutschen Kolonisten eingewandert sein, wie es der münd- 
lichen und schriftlichen Tradition dieses Geschlechtes entspricht. Trotz viel- 
facher Bedrängniss, namentlich in den schweren Zeiten der vorletzten beiden 
Jahrhunderte, versteht es das Geschlecht der Kamptz, sich auf dem alten Besitz 
bis zum Jahre 1792 zu halten. Da wird Gross -Dratow an den Amtmann 
Enoch Lembcke verkauft, dessen Geschlecht heute auch bereits über hundert 
Jahre auf diesem Gute sitzt. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Schlön. 

Kirche. Die Kirche ist ein längliches Viereck, welches aus einem 
älteren Feldsteinbau des XIII. Jahrhunderts und aus einem jüngeren, ebenso 
grossen Fachwerk- Anbau im Osten aus dem XVIII. Jahrhundert besteht. Beide 
Theile haben eine gemeinsame flache Balken- und Bretterdecke. Im Westen 



') II km östlich von Waren. AUslavisch : der-, dera-, drati ^^ schinden. Klihnel, M. Jahrb 
XLVI, S. 42. Also ungefähr soviel wie > Schinderhagen c 
«) M. U.-B. 1752. 

*) M. U.-B. II 152. 11424. V. Kamptz, Familiengeschichte der Kamptz, S. 20 ff. 
*) V. Kamptz, ebenda. BoU, (beschichte des Landes Stargard I, S. 52. 



GUT UND KIRCIIDOKF GROSS- DR ATOW. 



363 



Altar, 
Kanzel. 

Leichen- 
steine. 



Tauf- 
ständer. 



Glocken. 



ein schmälerer Feldsteinthurm mit einer vierseitigen Helmpyramide. Auf dem 
herrschaftlichen Chor mehrere Langermann-, Schuckmann- und Kamptz'sche 
Allianzwappen aus Zinn. Ausser der Dratower Empore giebt es noch zwei 
Herrenstühle für Schwastorf und Klein- Dratow. 

Die innere Einrichtnng ist den mangelhaften architektonischen Ver- 
hältnissen entsprechend. Die Kanzel befindet sich über dem Altar. 

Vor dem Altar liegen drei Leichensteine aus dem XVIIL Jahrhundert: 
MARIANNE VON KAMPTZ, gest. 1781, ADOLPH VON KAMPTZ, gest. 1781, 
GEORG VON KAMPTZ, gest. 1789. 

Ein gusseisemer Tanfständer trägt die Inschrift: EINGEWEIHT BEI 
DER TAUFE VON ANNA DOROTHEA LEMCKE 3 • JULI 1866 • LASSET DIE 
KINDLEIN u. s. w. 

Auf dem Thurm hängen drei Glocken. Die erste Glocke hat die 
Inschrift: DIE HERREN GUTSBESITZER C • LEMCKE AUF GR. DRATOW, F. 
RICHTER AUF KL* DRATOW UND G«SAURKOHL AUF SCHWASTORF LIESSEN 
DIESE GLOCKE IM JAHRE 1853 VON C • ILLIES IN WAREN GIESSEN.') — 
Die zweite Glocke trägt die Inschrift: LEVIN KAMZE, PHILIPP KAMZE, 
PATRONE DIESER KIRCHEN; EHR «JOCHIM WERDT PASTOR A • D • 1620. — 
Die dritte hat die kurze Inschrift: HANS VOS GOS MICH IN LÜNEBURG 
ANNO 1680. 

Kleinknnstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch, gestiftet 17 14 von Kleinkunst- 
J • C • V • KAMTZ und M • E • V • LANGERMAN. Ohne Werkzeichen. Des- werke, 
gleichen die Patene. — 3. Zinnerner Kelch, gestiftet 17 14 von J«C«V«K« 
und M«E«V«L« Keine Werkzeichen. — 4 Ein kleinerer desgleichen mit 
denselben Initialen und derselben Jahreszahl, mit verquetschten Werkzeichen. — 

5. Silberne Kanne, gestiftet von C • und H • LEMCKE- GR • DRATOW 1868. — 

6. Ovale silberne Oblatenschachtel, 1737 gestiftet von J • O*, wie es sich aus 
einem bekrönten Doppelmonogramm auf dem Deckel ergiebt. Stadtzeichen 
{M) (Malchin), Meisterzeichen (giwi (Joh. Dietr. Westphal). — 7. Längliche zin- 
nerne Oblatenschachtel, gestiftet 1796 von H • J • BROCKMANN. Von einem 
Zinngiesser Ehlers. Englisches Zinn. — 8. Silberner Oblatenteller, 1735 ge- 
stiftet von GOTTFRIED LIPHARD. — 9. Zinnerne Taufschale von 1856. Keine 
Werkzeichen. — 10. 11. Zwei Zinnleuchter von verschiedener Form, der eine 
1737 gestiftet von CORNELIUS CLAUS BRAUER, mit undeutlichen anschei- 
nend Friedländer Stempeln, der andere 1766 gestiftet von JOHANN HUDDEL- 
BECK und ILSABE HEDWIG BARGEN, ebenfalls mit undeutlichen Stempeln. 



*) Die Vorgängerin war 1704 z. Zt. des Pastors Schmidt und unter dem Patronat von 
Christoph Albrecht von Kamptz gegossen worden. Von wem, verschweigt das Inventar von 181 1. 



364 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 



Kirche. 




Das Gut und Kirchdorf Deven. 

|even ist jetzt ein Filial- Kirchdorf von Varchentin. Einstmals war es ein 
Kirchdorf für sich, denn im Jahre 1373 ist Rambold Szanewitz Pfarrer 
»in Diven «.^) Die Besitzverhältnisse sind ungemein verwickelt.') Zuerst treten 
die Kargow in Deven und dortiger Gegend auf. Sie veräussern in der ersten 
Hälfte des XV. Jahrhunderts ihre Besitzungen in Holz-Liepen an Lüdeke Hahn 
auf Basedow; und als am 24. Februar 1469 der letzte Kargow stirbt und sein 
Besitz in Deven, welcher aus sechs Hufen und zwei Käthen besteht, heimfallt, 
wird Lüdeke Hahn auf Basedow unter der Bedingung damit belehnt, dass er 
sich mit des Kargow hinterla.ssener Wittwe wegen ihres Leibgedinges abfinde 
und sie keinen Schaden leide. ^) Ausserdem besitzt Hans Smort in Waren 
einen Hof und dazu gehörende Hufen zu Deven, ebenso Drewes von Kosboth 
drei Höfe und sechstehalb Hufen nebst einem Käthen und dem Mühlenkamp. 
Beide Antheile erwirbt Lüdeke Hahn's Sohn Nikolaus; er wird von Herzog 
Heinrich am 4. Oktober 1472 und am 15. Oktober 1475 damit belehnt.*) 
Auch die Stute und Brüsewitz sind zu Deven begütert. Die Brüsewitz ver- 
kaufen 1456 dem Knappen Heinrich Stute und seinem Sohn Otto zehntehalb 
freie Hufen, fünf Bedehufen, zwei Hunger'sche Hufen (es kommt dort ein sog. 
Hunger'scher Hof vor) und mehrere Käthen; die Stute erwerben 1507 von den 
Kosboth's (Kossebade) zwei Hufen. Im Jahre 1572 erlischt das Geschlecht 
der Stute. Da verleiht Herzog Johann Albrecht den heimgefallenen Devener 
Antheil dieses Geschlechtes an Jürgen Below auf Kargow.^) In den Besitz 
des Gutes und Dorfes theilen sich daher nun noch die Hahn und Below. 
Die von Hahn treten ihren Antheil 16 10 theilweise, 1633 aber ganz an 
Eckhardt Kamptz auf Plasten ab, dessen Nachkomme Christoph Ernst ihn 1764 
dem Besitzer des anderen Antheils, Kammerjunker Heinrich Otto von Below, 
verkauft.^) So gelangt Deven endlich in eine Hand. Rechtsnachfolger der 
Below ist 1837 Advokat Albrecht Karl Ludwig Voss. 1856 besitzt Friedr. 
Karl Christian Voss, 1879 Bernhard Söllner, 1886 Legationsrath a. D. Graf 
Grote und seit 1887 Otto Graf Grote das schöne Gut. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Varchentin. 

Kirche. Die Kirche ist ein alter Feldsteinbau, welcher ein längliches 
Viereck mit steilem Satteldach darstellt und dem Typus der Kirchen zu Federow, 



*) M. U.-B. 10 501. >Ort des D^ven«: Ktihnel, M. Jahrb. XLVI, S. 40. 

-) Lisch, (Jeschl. Hahn lll, S. 20. 

•) Lisch, a. a. O. 

*) Lisch, Geschl. Hahn lll, S. 59. 71 f. 

*) Akten im Grossh. Archiv. 

**) V. Kamptz, Familiengeschichte, S. 384. 



GUT UND KIRCHDORF GROSS -GIEVITZ. 365 

Kargow und Alt-Schönau folgt, im Ganzen aber einfacher gehalten ist und der 
charakteristischen Merkmale ermangelt, durch welche jene ausgezeichnet sind. 
Die aus guten Ziegelsteinen aufgeführten Giebel sind mit Blenden verziert. 
Der ganze Innenraum ist mit flacher Bretterdecke geschlossen. 

Altar und Kanzel im Barockstil des XVIII. Jahrhunderts sind zu einem Altar und 
Körper vereinigt, doch sind zum Schmuck des Altars acht geschnitzte Figuren Kanzel, 
aus einem früheren gothischen Triptychon benutzt worden. "P ^^ °°* 

Die der Kanzel gegenüber im Westen aufgebaute Empore zeigt ein Empore. 
BELOW'sches Familienwappen ohne weitere Angaben. 

Im Glockenstuhl befinden sich zwei Glocken; die grössere ist im Jahre Glocken. 
1841 von C. Jllles- Waren gegossen,^) die kleinere hat weder Inschrift noch 
Datum und ist nur mit einem Medaillon geziert, das einen einköpfigen Adler 
in Relief zeigt. 

Kleinktiastwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch, gestiftet 1880 von Kleinkunst- 
TR AUGOTT SÖLLNER und Frau, geb. HENRIETTE WOLLMER (den Eltern des werke. 
BERNHARD SÖLLNER, dessen Namensinitialen an der Cupa verewigt sind). 
Dazu eine Patene. — 3. Silbervergoldete Patene mit den Initialen H«L»F«G«M. 
Keine Stempel. — 4. 5. Zwei Zinnleuchter, gestiftet 1698 von BASTIAN 
MVNSTER. Ohne Stempel. (Andere Vasa sacra der Kirche zu Deven befinden 
sich in Varchentin.) 




Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Gross- Gievitz.') 

ross-Gievitz, am Nordende des Torgelower Sees belegen, ist in alter Zeit Geschichte 
ein von der Osten'sches Gut, kommt aber schon im XIV. Jahrhundert ^^s 
in Voss'schen Besitz, in welchem es sich, einige Unterbrechungen abgerechnet, 
noch heutigen Tages befindet. Vom Kummerower See und von Demmin her 
dringt das Geschlecht der Voss schon im XIII. Jahrhundert in die Gegend 
von Stavenhagen vor und erscheint sehr oft in der Umgebung der Herren 
von Werle.^) Am i. November 1332 verleiht Johann III. von Werle dem 
Friedrich Voss zur gesammten Hand mit Gottschalk von der Osten, so lange 
dieser lebt, die von der Osten'schen Güter Gross- und Klein -Gievitz. Nach 
beider Tode sollen allein die Erben des Vicke Voss die Güter besitzen. Dafür 



*) Die Vorgängerin dieser Glocke war von H. J. Meyer unter dem Patronat von II. O. von liclau 
und E. E. von Kamptz zur Zeit des Pastors Linde (in Varchentin 1758 — 18 13) gegossen worden. 

*) II km nordnordöstlich von Waren. Kuhnel verbindet die alten Formen des Namens 
Gywirtze, Giverz mit dem altslavischen Wort gvorü, gvorfcT ^^ Wasserblase: M. Jahrb. XLVI, 
S. 49. Daher >die Jeverec (Jeverka)c und vielleicht soviel wie »Seedorf f. 

») Lisch, M. Jahrb. XXXIII, S. 20off. 



366 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

sollen der Voss und seine Erben dem Fürsten jedes Jahr um Weihnachten 
eine Tonne Honig liefern.'} Damals gehört Gievitz zum Lande Malchow, 
welches die Flotow auf Stuer seit Mitte des XIV. Jahrhunderts in Pfandbesitz 
haben. Sie beanspruchen daher auch die Oberhoheit über Gievitz. Daraus, 
oder auch aus einem inzwischen daselbst erworbenen Antheil, erklärt es sich, 
wenn zwei Vettern von Flotow in den Jahren 1488 und 1489 ihr Gut Gievitz 
an Nikolaus Hahn auf Basedow verpfänden, obwohl damals auch Wedege 
Voss als Besitzer erscheint.*) Uebrigens nisten die Hahn sich allmählich 
immer mehr in Gievitz ein. 1489 verpfändet Hans Voss zu Plasten an Klaus 
Hahn auf Basedow sein Gut zu Gross ■ Gievitz, und 1519 verkauft Wedige 
Voss dasselbe an Achim Hahn. Auch die Flotow haben um diese Zeit that- 



sächlich einen Antheil an Gievitz. Sie verpfänden ihm 1564 auf zwanzig Jahre 
an Joachim Kruse auf Varchentin, und nach Ablauf dieser Zeit erbitten sie 
den landesherrlichen Konsens zu weiterer Verpfändung. So kommt es, dass 
1606 nur die Hahn und Flotow Besitzer von Gross-Gievitz sind. Aber seit 
1609 verpfändet Otto Hahn auf Basedow seinen Antheil an dem Gut nach 
und nach den Vossen und verkauft es endlich 1616 an Karl Valentin, Levin 
Ulrich und Friedrich Voss, des sei. Jürgen Voss Söhne. Die Flotow haben 
inzwischen ihren Antheil an Johann Barner auf zwanzig Jahre antichretisch 
überlassen. Als aber nach dessen Tode Konkurs ausbricht, cedieren die 
Gläubiger am 4. März 1653 den Barnerschen Antheil an Gross-Gievitz den 

') M. U.-ll. 5364. 

') Lisch, Ge^chl. Hahn III. S. I33ff. 



GUT UND KIRCHDORF GR0SS-G1EVITZ. 367 

Herren von Voss, und seitdem haben diese ihr schönes Gut niclit wieder 
aus den Händen gelassen. 

Mittelalterliche Geistliche sind bis jetzt nicht bekannt geworden. Der 
erste, welcher aus einem im Archiv aufbewahrten Verzeichniss von Predigern, 
die an den Synoden in der Zeit von 1540 bis 1546 theilgenommen haben, als 
Pfarrer zu Gross-Gievitz (Gewerze) genannt wird, ist Bariholomaeus Michael 



Im Jahre 1604 stirbt Er Henning Bremer, nachdem er in die vierundvierj:ig 
Jahre Pastor in Gievitz gewesen. Sein Schwiegersohn und Nachfolger ist 
Laurentius VVitting (1614, 1621). Im Visitationsprotokoll von 1621 wird er 
als ein Mann von vierzig Jahren genannt. Er kommt auch noch im Protokoll 
von 1648 vor, Ist aber damals nicht mehr in Gievitz, sondern zu Libau in 
Kurland. Ihn wird also wohl der dreisaigjährige Krieg vertrieben haben. 
Uebrigens hatte er vorher schon einmal, nämlich imjahre 1612, seinen Dienst 
aufgesagt. Das Patronat haben damals die Flotow auf Stuer, und zur Gemeinde 
gehören die Dörfer Klein -GievitK und Hungerstorf, wo bis in den Anfang des 




368 AMTSGERIi:ilTSI(E/.tRK WAREN. 

XVII, Jahrhunderts Kapellen bestanden haben, die nun nicht mehr da sind. 
Von Schönau keine Rede. 

Damals hat aber auch Lansen noch sein eigenes Pastorat. 1605 ist 
dort Er Elias Berndes Pastor. 1625 ist ein alter Pastor da, als dessen 
Patrone der auf Lansen erbgesessene Joh. Babbzien (Babetzin), der auf 
Schönau pfandgesessene Hinrick Zepelin, und Hippolyta von Blücher angegeben 
werden, des einst ebenfalls auf Schönau pfandgesessenen und auf üaberkow 
erbgesessenen 

Franz von =-^- 

ßlücher nach- 
gelassene Wittwe. 
Man sieht daran, 
dass Schönau mit 
Lansen verbun- 
den ist. Ein 
junger Theologe 
meldet sich, Hein- 
rich Lachmund, 
fiir die Pfarre 
und die Tochter. 
Aber es scheint . - 

nicht, als ob er 
ans Ziel gelangt. 
Denn 1635 ist 
dort ein Pastor 
Joh. Kobier, und 
im Visitations- 
protokoll von 

1648 wird als __^^^^^ 

vorletzter Pastor 
zu Lansen ein Joachim Bier genannt. 

Auch in Lansen verändert der gros.sc Krieg des XVII. Jahrhunderts 
alle Verhältnisse. 

Als 1642 Bartholomaeus Thasaeus als Nachfolger des Witting von den 
Stuerschen Flotow's nach Gross-Gievitz berufen wird, da übernimmt er auch 
die Kura von Lansen und Schönau, und nun bleibt Lansen lange Zeit hin- 
durch mit Gievitz verbunden. So unter dem Nachfolger des Thasaeus, 
Daniel Statius (1667 bis 1717), unter Johann Friedrich Schwarzkopf {1718 bis 
1749), Andreas Barkow (1747 bis 1753} und Gottlieb F'riedrich Wucke (1754 
bis 1771). Als aber 1773 Adolf Augustin Beckmann {-]- 1810) berufen wird, 
geht Lansen als vagierende Mutterkirche zur Kirche in Rittermannshagen über, 
Schönau aber verbleibt bei Gievitz.') S. Walter a. a. O. 

') Stiihr, M. Jahrb. LX, S, 35. 53. 78. 86. 



l t 




GUT UND KIRCHDORF GROSS -GIEVITZ. 369 

Kirche. Die Kirche ist ein alter Feldsteinbau aus der Zeit des Ueber- 
gat^es vom romanischen zum gothischen Stil im Anfange des XIII. Jahr- 
hunderts. Der Chor ist mit einem Halbkugelgewölbe 
geschlossen, während das etwas höhere Schiff zv 
schmälere Gewölbe ohne Rippen hat. In der Ostwand 
eine aus drei spätromanischen Schlitzöffnungen gebil- 
dete Fenstergruppe, deren mittlerer Schlitz leider zu- 
gesetzt ist und daher wirkungslos erscheint, während : 
in den Seitenschlitzen noch etwas von der ursprüng- 
lichen Wandung und Laibung mit 
Rund Stabbildung übrig geblieben 
ist. Auf der Südseite des Chors 
ein durch Neuerungen arg ver- 
dorbenes Fenster; auf der Nord- 
seite aber gar keine Lichtöffnung, 
da hier eine grosse Empore an- 
gebracht ist. Der Chor öffnet sich 
nach dem Langhause hin mit 
einem niedrigen Triumphbogen in 
der Form eines gedrückten gothi- 
schen Spitzbogens. Die Fenster 
des Langschiffes haben sich stil- 
widrige Erneuerungen gefallen 
lassen müssen. Dagegen verdient, 
ausser der jetzt in die Sakristei 
führenden ehemaligen »Priester- 
pforte«, das ältere Portal auf der 
Südseite mit seiner schönen früh- 
gothischen Gliederung (Rundstab, 
ausgekehlte Ecken, Kapitell und 
Wechsel von glasierten und un- 
glasierten Steinen) die eingehendste 
Romanuche Steintunie. Würdigung, ebenso, und fast noch 

mehr, die in die Westseite des 
Thurmes eingelassene und mit einem Backofengewölbe geschlossene Portalhalle. 
In dem kleinen Gewölbe der Vorhalle findet man nämlich dieselbe Felder- 
eintheilung, welche in vielen alten Chorgewölben vorkommt. Das Charak- 
teristische ist dabei ein aus einem Wulst gebildeter Kreis, der die aus den 
Ecken her aufsteigenden Rundstabrippen aufnimmt, durch welche das Gewölbe 
in vier Kappen eingetheilt wird. Beachtung verdient auch die Wandung der 
Portalhalle mit ihren abgefas'ten Ecken und Kapitellgliedern, die an ähn- 
liche Formen zu Neukloster erinnern. Die Vorhalle lässl erkennen, dass der 
Feldsteinthurm sehr bald nach dem Langhause erbaut ist. Dazu stimmen 
auch seine Lichtöffnungen in der Form von zwei Schlitzen auf jeder Seite, 



37° AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

die durch eine Blendnische mit dem Schluss eines gedrückten Spitzbogens 

zusammengefasst werden. 
Stein- Neben dem Portal auf der Südseite der Kirche eine romanische St«ia- 

fiintc. fttote des XII. oder XIII. Jahrhunderts. 



r- Epitaph des Ernst Christi 



Marmor- In der Kirche ein mit vielen kriegerischen Emblemen geschmücktes 

Epitaph. Harmor- Epitaph des ERNST CHRISTOPH VON VOSS, welcher in Hannover- 
schen Diensten stand und Erbherr auf Gross- und Klein -Gievitz, Flotow, 
Luplow, Rumpshagen, Klein -Helle und Bredenfelde war, geb. 1654, vermählt 



GUT UND Fl LIAL- KIRCHDORF ALT-SCIIÖNAU. 371 

1692 mit Anna Magdalena von Witzendorff aus dem Hause Zecher und gest. 
den 14. September 1720. Darunter der Grabstein des Ehepaares in jenem Grabstein. 
Geschmack des Barockstils, dem auch ein Theil der älteren Einrichtung der 
Kirche entstammt. 

In der Südostecke des Chors ein gutes Gemälde aus der Werkstatt Gemälde, 
des Lukas Cranach, welches eine in freier Landschaft sitzende Madonna mit C^edächt- 
dem heiligen Kinde und mit herumspielenden kleinen Engelgestalten darstellt, ^^^s-l afein, 
Daneben jüngere Gedächtniss-Tafeln der Gräflich VOSS' sehen Familie; ferner 1 
ebensolche als Glasmalereien in den beiden Fensterschlitzen der Ostwand. 

Im Thurm drei Glocken, die grösste mit der Inschrift in gothischen Glocken. 
Majuskeln: t#i \ RB* GLORIGö VGRI QOffi PÄOa OfffVQ. Ob der 
auffallig gebildete Schluss, der aus einem Majuskel -0, drei minuskelartig 
erscheinenden fff, einem wieder maju.skelartig auftretenden V und Schluss- Q 
besteht, die Zahl 1395 bedeuten soll, wollen wir dahin gestellt sein lassen. 
Unmöglich wäre es nicht. — Die mittlere und kleinere Glocke sind ohne 
Inschrift und Zeichen. 

Kleinkunstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch, gestiftet 1693 von Kleinkunst- 
ERNST CHRISTOFFER V. VOSS und ANNA MAGDALENA V. WITZENDORF. werke. 
Kelch mit dem Meisterstempel (^ und einem undeutlichen Stadtstempel. Die 
Patene von H. Holscher- Güstrow: (w) @. — 3.4. Desgleichen, grösser, ohne 
Inschrift. Zeichen: (^ (^. — 5. 6. Desgleichen, klein, Krankenkelch: |ETL 
Stadtstempel undeutlich. — 7. Längliche Oblatenschachtel, gestiftet 1752 von 
JOH. FRIEDR.SCHWARTZKOPFF, Pastor in Gievitz, und CATH. ELIS. SCHWARTZ- 
KOPFFEN, geb. MEYERN, mit den Warenschen Stempeln (w) (^. — 8. Neue 
Kanne, gestiftet von AUG. GRAF V. VOSS 1827. Anscheinend Berliner Stempel. 







Das Gut und Filial- Kirchdorf Alt-Schönau.') 

|as ganze Mittelalter hindurch, vom XIII. Jahrhundert her, ist die Kirche Geschichte 
zu Alt-Schönau, die, etwas vom Dorf entfernt, einsam auf einem Hügel des 
liegt, Tochterkirche der Kirche zu P^alkenhagen und steht gleich dieser vom I-'orfes. 
13. März 1331 an unter dem Patronat des Stiftes Broda.^) Als aber im dreissig- 
jährigen Kriege die Kirche zu Falkenhagen zu einem Trümmerhaufen wird und 
der Name des Dorfes eine Zeit lang von der Landkarte verschwindet, um erst 
im XIX. Jahrhundert an zwei Stellen der alten Feldflur unter Einwirkung der 

*) 9 km nördlich von Waren. 

*) M. U.-B. 5226. 5247. Vgl. dazu 377, 1284, Annikg., 1293, besonders auch die Erörte- 
rungen über die kirchlichen Verhältnisse von Waren, oben S. 327, sowie die L'rkunden von 1402, 
1482 und 1500 im M. Jahrb. HI, S. 206 — 210, 229/30. 

24« 



372 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

Warenschen Stadt- Oekonomie, der die Flur seit 1427 gehört, wiederaufzutauchen, 
da sucht Schönau ebenso wie Lansen das geistliche Brod bei der Kirche zu 
Gievitz. Lansen freilich geht im XVIII. Jahrhundert zu Ritte rmannshagen 
über, Schönau aber bleibt bei Gievitz.') 

Bei der werleschen Landesthetlung am 2. December 1316 wird Schönau 
gleich Gross- und Klein-Gievitz, soweit es den Rossdienst angeht, zu dem 
Parchim - Malchowschen Theil gelegt. *) Mit Besitz und Rechten treten uns 
im XV. Jahrhundert die Flotow auf Stuer und die Schönow auf Schönau 
selbst entgegen, jene als Ffandbesitzer des Landes Malchow, diese als die 
Lehnsinhaber am Dorfe. Die von Flotow verpfänden ihre Gerechtsame 1488 
an Klaus Hahn auf Basedow; die SchÖnow aber sind seit 1404 unbestrittene 



Uie Kapelle zu Alt-Schönau. 

Besitzer, sie haben das Dorf von den Fürsten Klaus und Christoph von Werle 
zu Lehn empfangen.') Indessen im Jahre 1607 verlieren sie es, nachdem sie 
es schon 1599 an Ventz von Blücher verpfändet haben. Diese Verpfändung 
wird nämlich zu einem antichretischen Verkauf, zu welchem der tandesherrliche 

>) In seiner Beschreibung der Sudt Waren bei Mantiel, Bittz. Kuhestunden XVII, S. 70, 
safit Pastor Darjes im Jahre 1765: lAn dem Falckenhäger See isl noch ein Stück Mauerwerk von 
einer varmdigen Kapelle. Der Ort heisst nuch der FalckenhSget Kirchhofe — Schmidt in seinen 
geschieht. Nachr. Über die Stadt Waren vom Jahre 1841 sagt: (Kalkenhageii) iwurde (im dreissig- 
jährigen Kriege) so gründlich lerslürl, dass auch kein einziger von den Bauern dort blieb, dass 
der Acker Jahre lang unbebaut lag und theilweise Waldungen dort aufschlugen, unter denen man 
noch jetzt die Spuren ehemaliger Bearbeitung erkennen kann. Falkenhagen hatte eine eigene 
Kirche, wovon noch wenige Ruinen zu Anfange des vorigen Jahrhunderts sichtbar waren. Sie 
stand auf der Stelle zwischen dem Kalkenhäger See und Tief-Waren, welche noch jetzt der Folken- 
hSger Kirchhof heisst und erst vor etwa drei.ssig Jahren urbar gemacht ist. Der jetzige Hof 
F'alkenhagen und die Meierei sind später angelegt.i — Vgl, Karte von Schmettau. 

') M. U.-B. 3860. 

'J Akten im Grossh. Archiv, 



GUT UND FILIAL- KIRCHDORF ALT-SCHÖNAU. 373 

Konsens am 20. November 1607 ertheilt wird. So kommt es, dass 1619 die 
hinterlassenen Kinder des Ventz von Blücher die alleinigen Besitzer von Schönau 
sind. Aber auch hier sieht man die Einwirkungen des grossen Krieges. Einen 



TSäjgtteC/- 'QflgttRC. 



( j-TunJirt^ ■ 



Kapelle lU Alt-Schönau. 

Antheit am Gute erwirbt nämlich Kurt Behr und muthet ihn am 24. Januar 1659. 
Acht Jahre später endlich cedieren die Blücher ihren Antheil an Schönau 1667 
dem Landrath Hans Friedrich von Lehsten auf Wardow, welchem am 14. Oktober 
desselben Jahres der Lehnbrief ertheilt wird. Der Landrath erwirbt anscheinend 



374 



AMTSGERTCIITSBEZIRK WAKEN. 



Kapelle. 




^rf<U<Ä4:L 



8?) 



VMCAV 



alle anderen Antheile hinzu, denn am i6. März 167 1 empfängt er den Konsens 
und Lehnbrief über das ganze Gut, aber schon 1684 verkauft er es an den 
Baron Johann Hinrich von Erlenkamp dir Socx) Gulden. Dieser lässt es 1686 
allodificieren. Im Jahre 1726 kauft die Wittwe des Oberstleutnants von Voss 
zu Gross-Gievitz das Gut fiir 15000 Thaler. In Voss'schen Händen verbleibt 
nun Schönau mit geringen Unterbrechungen, bis es 1899 Ferdinand Meisenburg 
und 1900 Friedrich Kolz erwirbt. 

Kapelle. Die Kapelle ist ein frühgothischer Feldsteinbau in P^orni eines 
länglichen Vierecks, aber zu irgend einer Zeit, die nicht angegeben werden 
kann, verfallen und erneuert. Die 
Ansätze zu den beiden Gewölben, 
mit denen der Innenraum ohne Zweifel 
einstmals geschlossen war, sind noch 
vorhanden. Jetzt überspannt ihn eine 
flache Balken- und Bretterdecke. In 
dem Portal auf der Südseite werden 
Wandung und Laibung belebt durch 
die Abwechselung von Rund- und 
Birnstab nach Art des Ueberganges 
von der F*rühgothik zur Hochgothik. 
Auch giebt es dort die dieser Ge- 
schmacksrichtung entsprechende Ab- 
fasung an der Aussenkante. Die 
beiden Fensterschlitze der 0.stvvand 
sind aussen und innen mit Viertel- 
Rundstäben des gleichen trefflichen 
Ziegelmaterials eingefasst, welches an 
dem Portal der Südseite verwandt 
ist. Abfasung und Viertel -Rundstab 
zeigen auch die etwas breiteren, wohl- 
gebauten Lichtöffnungen der Lang- 
seiten, welche mit einem gedrückten 
Spitzbogen geschlossen sind. Man 

zählt zwei Fenster auf der Süd- und eins auf der Nordseite. Auf der West- 
seite ein jetzt zugesetztes grösseres Portal in einem vorgeschobenen Mauerkern. 
In diesem zweifellos ursprünglichen alten Portal werden Wandung und Laibung 
aus fünf Kanten gebildet, von denen die inneren vier die frühgothische Ab- 
fasung haben. Sehr zu beachten sind auch die mit einem reichen Blenden- 
werk in gutem Mauersteinmaterial verzierten Spitzgiebel der West- und Ost- 
seite. Die durch den Gewölbesturz weggerissenen oberen Theile der vier Feld- 
steinmauern der Kirche sind durch schlechteres Ziegelwerk späterer Zeit ergänzt. 
Ein Fundament auf der Westseite zeigt, dass der jetzige Glockenstuhl einen 
etwas umfangreicheren Vorgänger hatte. 




Kapelle zu Alt Schönau. 



S>A*<A<iU 




GUT UND KIRCHDORF LANSEN. 37S 

Die innere Einrichtung ist ohne Bedeutung. Inneres. 

Hinter der Orgel ein spätgothischer Schnitzschrein, dessen Mittelstück Schnitz- 
mit den drei grösseren Figuren der hl. Maria, des hl. Georg und eines nicht schrein. 
mehr zu bestimmenden hl. Bischofs gefüllt ist, während in den Flügeln zwölf 
kleinere Figuren erscheinen, welche jederseits in zwei zu dreien angeordneten 
Gruppen über einander angebracht sind. Unter diesen kleineren Figuren sind 
zu erkennen die hl. Annaselbdritt- Gruppe, der hl. Johannes Evang., die hl. 
Maria Magdalena, der hl. Jakobus der Aeltere und die hl. Barbara. Bei den 
Uebrigen fehlen die Attribute. 

An der innern Nordwand der Kirche zwei Gräflich VOSS'sche Zinnscbilde. Zinn- 
schilde, 



An dem Portal der Südseite ein Weihwasserbecken von Granit. 



Weih- 



Im Glockenstuhl zwei Glocken, eine jüngere von JL^m^^ wasser- 

1852, von C. Jllies-Waren gegossen, die keine Vorgängerin £ \ Decken, 

hatte, und eine ältere mit dem nebenstehenden Giesserzeichen. 



•AK 



Kleinknnstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch, gestiftet 1852 von L* G* Kleinkunst- 
V«V*G«V«B« (Louise Gräfin v. Voss, geb. v. Behr). Keine Stempel, auch werke, 
nicht an der zugehörigen Fatene. — 3 — 7. Kleinerer Kelch, Patene, Oblaten- 
schachtel und Kanne, ohne Stempel. Alle vier Stücke Geschenke der gen. 
Gräfin LOUISE V. VOSS vom Jahre 1852. — 8. Zinnerne Patene, ohne Zeichen. 
— 9. 10. Zwei Zinnleuchter, der eine 1766 gestiftet von JOHANN C • LANZ 
und REGINA BERGEN, der andere 1823 von JOHANN JOACHIM ERNST PETERS; 
der letztgenannte ist von dem Warenschen Zinngiesser l(ochlm) B(aass) 1793 
angefertigt. — 11. Von demselben Zinngiesser auch eine Zinnschale. 




Das Gut und Kirchdorf Lansen.') 

{as Dorf und Gut Lansen gehört nachweislich vom XV. Jahrhundert Geschichte 
(148 1) her, vielleicht aber schon in frühester Zeit, dem alten ritter- ^^s 
bürtigen Geschlecht der Babbezin, deren letzter, August Friedrich, das AJorfes. 
Lehnrecht, das er auf Lansen hat, im Jahre 1700 an Andreas von Pritzbuer 
abtritt.*) Damals haben die Pritzbuer nämlich schon ihren Antheil am Gute. 
Das hat sich folgendermassen zugetragen. Im Jahre 16 19 giebt Johann 
von Babbezin einen Antheil an Lansen für 13000 Gulden als Pfand an 
Vollrath von Bassewitz auf Hohen -Lukow. Dieser Antheil geht 1663 auf 



*) 12 km nördlich von Waren. Von Ktlhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 8i, mit altslavisch lagu = 
Hain, oder auch mit lazlnu, polnisch lag ^^ Sumpfboden Bruch zu verbinden. Demnach also 
ungefähr soviel wie > Haindorf < oder >Brookdorf<. 

') V. Gamm, Verzeichniss des mecklenburgischen Adels im M. Jahrb. Xf, S. 429, lässt ihn 
schon 1698 sterben. S. Akten im Grossh. Archiv. 



3/6 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Kirche. 



Christus- 
bild. 

Weih- 
wasser- 
becken, 
Fünte. 

Glocken. 



Christian von Bernhard über. Als dann im Jahre 1694 der Babbezin'sche 
Antheil, der noch geblieben, aber für 12000 Gulden an die Familie Karnatz 
in Güstrow verpfändet ist, von dieser als Pfandgut an Andreas von Pritzbuer 
weitergegeben wird, da erwirbt dieser mit seinen Brüdern Gustav und Joachim 
zusammen auch die Anrechte auf den Bernhard'schen Antheil, sodass den drei 
Pritzbuer bereits am 14. Juni 1694 der landesherrliche Expektanzbrief auf das 
ganze Gut Lansen ertheilt werden kann. Pritzbuer'sches Gut bleibt es bis 1762, 
dann wird es Meyenn'scher Besitz bis 1793, Randow'scher Besitz bis 1797, 
und seitdem gehört es mit Schwarzenhof zur Begüterung der Gräflich 
Hahn'schen Linie auf Basedow.*) 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse des Dorfes, das mit Schwarzenhof 
zusammen früher eine eigene Parochie bildete, s. bei Gievitz. Seit 1773 ist die 
Kirche zu Lansen als Mater vagans mit der Kirche zu Rittermannshagen 
verbunden, 

Kirche. Die Kirche ist ein gothischer, mit Pfeilern bewehrter und mit 
Blenden am Westgiebel geschmückter Ziegelbau auf behauenem Granitsockel 
und hat einen Schluss aus dem Achteck. Die Fensterpfosten (sämmtlich in 
zweitheiligen Fenstern) sind neu. Eine flache Holzdecke überspannt den 
Innenraum. 

Die innere Einrichtung ist neu. 

Auf dem Kirchenboden ein alter Christas als Trinmphbild, von Drei- 
viertel - Lebensgrösse. 

In der Kirche, rechts vom Eingange auf der Südseite, ein Weihwasser- 
becken, ganz gleich den bekannten alten Quetschmühlen. 

Draussen vor der Westseite der Kirche steht eine alte GranitfUnte. 

Im Glockenstuhl westlich von der Kirche drei Glocken. Die eine hat 
auf der einen Seite des Feldes die Inschrift: CHRISTI A(N) VON BERNHARDT 
PATRONUS ILSEBE DOROTHIA VON WREEDEN HAT DISE KLOCK G LASEN, 
und daneben die Wappen beider mit der Unterschrift: ANNO 1690; auf der 
anderen Seite aber: DANIEL STACIUS PASTOHR ZU GIWITZ UND LANSE 
PAUL SCHRÖDER VOHRSTEHR DER KIRCH ZU LANSE. Am Schlagring: 
M • VITES SIEBENBAUM GOSS MICH IN SCHWERIN. 

Die zweite Glocke zeigt eine sitzende Figur mit segnend erhobenen 

Händen, dann die Inschrift: * 8(i)If * gat * bntie * maria * inolier * gatie$i* 

Unter dieser Inschrift mehrere kleine Bildchen: eine sitzende Bischofsfigur, 
ein Agnus Dei mit Kreuz unter einer gothischen Architektur, und zuletzt in 
hausartiger Umrahmung die Anbetung Christi durch die heiligen drei Könige. 

Die dritte Glocke führt im Felde das HAHN'sche Wappen mit C • G • 
H • 1865. (begossen von C. Jllies in Waren. 



*) Akten im Grossh. Archiv. Vgl. Lisch, Geschl. Hahn IV, S. 302. 328. 



GUT UND KIRCHDORF RAMBOW. 377 

Kleinknnstwerke<» i. 2. Silberner Kelch auf rundem Fuss. An der Kleinkunst- 
Kupa der PRITZBUER'sche Doppeladler ohne Köpfe. Dazu die Initialen werke. 
S*A«S*V«M • W^V.P. 1722. Vom Malchiner Goldschmied D I W(est. 
phal). Patene ohne Zeichen. — 3. 4. Desgleichen von 1747, mit Patene, beide 
laut Inschrift gestiftet von V. C. STUDMANN und mit den Stempeln S und 
*|j'. . — 5. Runde Oblatendose, neu (Sy & Wagner- Berlin). 




*) 16 km nördlich von Waren. >Ort des Rambc: Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 115. 

*) M. U.-B. 1229. 

•) M. Jahrb. IVB, S. 91; IX, S. 457. Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 262. Derselbe, 
Geschl. Hahn I, S. 85—87. 

*) Lisch und Wedemeyer, Album mecklenburgischer Schlösser und Landgüter, Heft 8 
und 9, S. 80. 

*) Vgl. M. Jahrb. LVI, S. 205. Hier sind irrthlimlicher Weise Dorf und Kirche als zwei 
verschiedene Ortschaften verzeichnet. 



Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Rambow.') 

|ambow wird zuerst in einer Urkunde vom 7. Juni 1271 genannt, als Geschichte 
Bischof Hermann von Kammin das Dorf, welches bisher nach Schwinken- _ ^^f 
dorf eingepfarrt ist, zum Kirchspiel Domherrenhagen (Papenhagen) legt.*) 
Dieses Dorf dient zur Ausstattung des 1226 gestifteten Domherrenstiftes 
zu Güstrow und wird ihm 1240 als »Hägerdorf« verliehen.^) Domherren- 
hagen ist längst verschwunden, seine Kirche liegt als versteckte Ruine in 
einem Wäldchen oberhalb der Burg Ulrichshusen, und seine Feldmark ist 
in die des frühestens im XV., wahrscheinlich aber erst im XVI. Jahr- 
hundert entstandenen Dorfes Ulrichshusen und in die des Gutes Rambow 
aufgegangen. Rambow ist Maltzan'scher Besitz von ältester Zeit her. Zu 
Anfang des XVIII. Jahrhunderts aber gelangt der Baron von Erlenkamp in den 
Besitz von Ulrichshusen und Rambow, das als Pertinenz von Ulrichshusen 
angesehen und behandelt wird, und erst im Jahre 1776 gelingt es dem 
Landmarschall Lüdeke von Maltzan, Ulrichshusen mit Rambow wieder zurück- 
zuerwerben. Am Schluss der Lehnssequestration der Maltzan'schen Güter in der 
Zeit von 18 16 — 1823 (s. o. S. 54, Anmkg.) wird Rambow von Ulrichshusen ge- 
trennt und zu Moltzow gelegt, mit dem es noch heute verbunden und zugleich 
in Maltzan'schen Händen ist, während Ulrichshusen seit 1841 zu der Hahn- 
schen Begüterung gehört.*) 

Durch die oben angezogene Urkunde vom 7. Juni 1271 wird bewiesen, 
dass Rambow damals noch kein Kirchdorf ist, sondern dass die oberhalb des 
Dorfes im Holz gelegene Ruine von »Domherrenhagen« das anscheinend eben 
erst fertig gewordene Gotteshaus ist, zu dem sich die Einwohnerschaft von 
Rambow, die bis dahin nach dem 5 km östlich gelegenen Schwinkendorf zur 
Kirche gegangen ist, in Zukunft zu halten hat.^) Zugleich geht daraus hervor. 



378 



AMTSGERICHTSHEZIRK WAREN. 



Kirche. 



Altar- 
aufsatZy 
Kanzel. 



Empore. 



dass die erloschene Parochie Domherrenhagen oder Papenhagen sammt Rambow 
während des Mittelalters zur Diöcese Kammin gehört. Das Vorhandensein 
des Dorfes Domherrenhagen oder Papenhagen, das zu den Einkünften einer 
der Güstrower Dompräbenden beizutragen hat,^) lässt sich an der Hand einiger 
Urkunden bis ins XV. Jahrhundert verfolgen. 1436 wird davon noch wie von 
etwas Vorhandenem gesprochen,") am 8. Mai 1458 aber heisst es bereits ur- 
kundlich, dass beide Feldmarken, Papenhagen und Marquardeshagen, wüst 
seien.*) Das letztgenannte Dorf hat sich wieder zu einem der stattlichsten 
Höfe und Dörfer erhoben, das andere aber ist untergegangen. Wie und 
warum, wissen wir nicht. Immerhin mag die alte Kirche noch eine Zeit lang 
benutzt worden sein, dann aber hat man, anscheinend erst in der zweiten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts, die Rambower Kirche an ihre Stelle treten 
lassen. In den General -Visitationsprotokollen von 1534 und 1541/42 wird 
weder die eine noch die andere erwähnt, was vielleicht daran liegt, dass die 
eine schon aufgegeben und die andere noch nicht da war. Erst das 
Visitationsprotokoll von 1648 erwähnt sie, die eine als Ruine der alten Papen- 
hager Kirche, die andere als mit der Parochialkirche in Dahmen verbunden.'*) 
Zugleich erfahren wir, dass Rambow noch eine Filialkapelle in Moltzow und 
Dahmen eine in Sagel hat, die es heute beide nicht mehr giebt. 

Die Pastoren von Dahmen und Rambow sind bereits bei Dahmen, 
S. 138/39 aufgezählt. 

Kirche. Die Kirche ist ein jüngerer Feldsteinbau aus der Zeit der 
Renaissance mit einem diesem Geschmack entsprechenden Ostgiebel, an 
welchem die horizontalen Bänder sowie die Belastungskörper auf den beiden 
Dachschrägen zu beachten sind, wie sie in der zweiten Hälfte des XVI. Jahr- 
hunderts üblich werden und lange noch im XVII. Jahrhundert beliebt bleiben. 
Der Innenraum erscheint als ein einziges langes flachgedecktes Viereck. Im 
Westen ein Feldsteinthurm, der nicht die Breite des Kirchenkörpers hat. 

Die innere Einrichtung stammt aus der Zeit der Erbauung der Kirche, 
soweit es sich um Altar und Kanzel handelt. Der Altaraufsatz erinnert an 
den in Gnoien, Prestin, Dambeck bei Röbel u. s. w., doch fehlen hier die 
Schnitzwerke. Statt deren sehen wir acht Gemälde aus der Passionsgeschichte. 
Die Kanzel aber enthält in ihren Füllungen vier geschnitzte und bemalte 
Wappenschilde, den Kardorff 'sehen mit D • V • K., den Maltzan'schen mit 
D • V • M., den v. Berge'schen mit J • V • B« und den quadrierten Schulen- 
burg'schen Schild mit D • V • S • 

An der Empore auf der Nordseite neben dem Altar das Maltzan* 
Bülow'sche Allianzwappen mit den Unterschriften L • A • V • MOLTZAHN und 
M • E • V • BOLOW. 



») M. U.-B. 8428. 

') Lisch, Geschl. Maltzan III, S. 261/62. Derselbe, Geschl. Hahn I, S. 85—87. M. Jahrb. 
IVB, S. 92; IX, S. 457; X, S. 263; XXIII, S. 317. 

*) Vgl. die Bemerkungen zur Kirche von Schorssow oben S. 65; besonders auch Anmkg. i. 



GUT UND KIRCHDORF RAMBOW. 379 

An der inneren Südseite die Rüstung des schwedischen Obersten KARL Rüstung, 
DIEDRICH VON RUTH (Rot) sowie als eine Art Epitaph sein geschnitztes Wappen. 
Wappen von 1657, dessen Unterschrift besagt, dass er unter anderen Würden 
auch die eines Stadtkommandanten von Elbing besass, 1592 geboren wurde 
und 1656 starb. 

Am wichtigsten aber sind die beiden geschnitzten Holzwappen an der Holz- 
äusseren Ostwand der Kirche, weil sie ohne Zweifel die der Gründer und wappen. 
Erbauer darstellen. Es sind BEREND LVDOLF MOLTZAHN und seine Gattin 
ANNA V • STAFFHORST. Leider ist die Jahreszahl oberhalb der Wappen weg- 
gebrochen. Aber man weiss, dass Berend Ludolf, der mit seiner Gattin 
inschriftlich auch an den Mauern des Schlosses Ulrichshusen vorkommt, 1639 
aus dem Leben schied und anscheinend um 1620 in den alleinigen Besitz des 
Gutes Ulrichshusen gelangte. Er wird daher auch der Erbauer der Kirche 
zu Rambow sein. 

Im Thurm zwei Glocken, die grosse ohne Inschrift und Giesserzeichen, Glocken, 
die kleine 1703 unter dem Pastorat von JOHANN MEINEKE (zu Dahmen und 
Rambow) gegossen. Giessemamen und Zeichen weder auf der einen noch 
auf der andern Glocke.^) 

Kleinkunstwerke, i. 2. 3. Sehr grosser silbervergoldeter Kelch auf Kleinkunst- 
achtpassigem Fuss, mit Patene, gestiftet von CARL DIDERICHSOHN ROT und werke. 
ANNA SOPHIA VON HOLTZENDORFF, deren beider Wappen nebeneinander auf 
dem Fuss des Kelches eingraviert sind. Keine Stempel. Dazu eine kreis- 
runde silberne Oblatenschachtel, auf deren Deckel dieselben Wappen und 
Inschriften angebracht sind. Auch diese ohne Stempel. — 4. Eine sechs- 
seitige silberne Flasche mit Schraubdeckel. Auf einer der Seiten eingraviert 
das Arnim'sche Wappen mit den Initialen I E V A • 1670. Auf der Unterseite 
des Fusses der Nürnberger Stadtstempel mit dem Meisterstempel C H oder 
G H in Ligatur: JnJ ^. — 5. 6. Kleiner silberner Krankenkelch, gestiftet 
1778 von Wittwe ILSABE ELEONORA VON MOLTZAHN, geb. VON STRALEN- 
DORFF. An der Kupa das Stralendorff'sche und das Maltzan'sche Wappen, 
ebenso auf der zierlichen Patene. Auf dem Fusse ein verputzter Güstrowscher 
Stempel. — 7. 8. Grösserer silbervergoldeter Kelch, 1745 gestiftet von 
JOACHIM HINRICH SCHMIDT für die Kirche zu Dahmen. Dazu eine Patene 
mit einem undeutlich gewordenen Güstrowschen Stempel. — 9. 10. Kleines 
zinnernes Krankengeräth ohne Stempel. — 11. Kleine kreisrunde silberne 
Oblatenschachtel, 1626 gestiftet von ANNA MOLZAN. Keine Zeichen. — 12. 
13. Zwei zinnerne Leuchter, 1730 gestiftet von JAKOB RÜNITZ. Keine Werk- 
zeichen. — 14. Noch ein zinnerner Löffel, gestiftet von JOHANN DANIEL 
MÖLLER und D. E. LANSEN, verehelichten MÖLLERN, 1786. Ebenfalls ohne 
Stempel. 



«) Vgl. oben S. 65. 



38o 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Pfarre zu 
Rambow. 



Auf der Pfarre zu Rambow werden die Reste eines aus der Kirche zu 
Dahmen stammenden gothischen Triptychons aus dem XV. Jahrhundert auf- 
bewahrt, darunter zwei Tafeln einer Predella mit den Halbfiguren der vier 
lateinischen Kirchenväter. Ferner zwei schlecht erhaltene Flügel mit Malereien, 
welche auf der einen Seite als Schutzheilige der Kirche die hl. Maria mit dem 
Kinde und die Annaselbdritt- Gruppe darstellen, während auf der anderen Seite 
Passionsblumen sind oder waren. 

Auf der Pfarre zu Rambow auch mehrere alte lateinische und detttsche 
Dmcke, welche 1623 durch MARKWART MOLTZAN zum Gebrauch der Prediger 
gestiftet worden sind. 



Ruine in 

der 
»Kirchen- 
koppel«. 



In der »Kirchenkoppel«, der Stätte des eingegangenen Kirchdorfes 
Domherrenhagen oder Papenhagen, liegt mitten unter Bäumen die Raine der 
oben bereits erwähnten alten Feldsteinkirche aus dem XIII. Jahrhundert. Es 
stehen noch die Giebelwände und einzelne Theile der Seitenwände, sodass 
man die Grundform eines länglichen Vierecks erkennt. Die ganze Ruine, deren 
Kalkverband immer mehr schwindet, macht den Eindruck, als ob sie wohl 
demnächst durch die langsame aber stetige Arbeit der Baumwurzeln im Erd- 
boden auseinander gesprengt werden wird. 



Das Schloss Ulrichshusen. 



Schloss 
Ulrichs- 
husen. 



B^Hm Südufer des Ulrichshuser Sees, dem Kirchdorf Rambow gegenüber, liegt 
die Burg Ulrichshusen, ein stattlicher Bau aus der Zeit der Renaissance, 

der theils in die zweite Hälfte des XVI., theils in die erste Hälfte des XVII. 

Jahrhunderts fällt. Auf der Südseite ein runder Thurm, der »Windelstein« mit 

Wendeltreppe, nach Südosten hin ein Thorhaus. Ein unterirdischer Gang — 

so ist die Sage — führte einst zu der »wüsten Kirche« in Domherrenhagen. 

Vor einigen Jahren ist das Schloss im Innern durch- und umgebaut worden, 

um als Wohnsitz dienen zu können. 

Da die frühere Beschreibung des Burgsitzes mit seiner Abbildung bei 

Lisch und Wedemeyer, Album mecklenburgischer Schlösser und Landgüter, 

Heft 8 und 9, S. ^^ ff., einen dauernden Werth gewonnen hat, so lassen wir 

sie hier unverkürzt folgen: 

»Das Gebäude steht auf einem erhöheten Burgraume; diesen schliesst 
ein jetzt etwas verfallener Wallgraben ein, über den man ehemals wohl auf 
einer Zugbrücke an die sogenannte Vorburg oder das äussere Thor gelangte, 
welches jetzt, wie die Zugbrücke, fehlt. Ueber einen schmalen gemauerten 
Weg, den zu beiden Seiten gezinnte Mauern einschliessen, gelangt man dann 



SCHLOSS ULRICHSHUSEN. 38 1 

an das Thorhaus oder das Binnenthor, welches eine gewölbte, durch starke 
Thorflügel befestigte Auffahrt hat und sich an das Hauptgebäude anschliesst.« 

»Die Aussenseite des Thorhauses ist im Styl der norddeutschen Renaissance 

mit Bildwerken und Memorialtafeln in gebranntem Thon geschmückt; über 

dem Eingange ist eine Tafel von roth gebranntem Thon eingemauert, welche 

durch eine verzierte Leiste in zwei Theile getheilt wird. Dem Eintretenden 

links befindet sich auf derselben oben das Brustbild des Erbauers Ulrich 

Maltzan in Medaillonform, darunter das Maltzan'sche Wappen, und unter 

diesem die Inschrift: 

Ulrichshausen ist mein Nahm 
wer Herberg in mir will han 
der nem vor gut Stubn und Gemak 
und was Küch und Keller vermag 
und nem den willen vor die That 
so wird dem Gaste guter Rat. 

»Rechts von der Leiste steht auf derselben Tafel oben dasselbe männliche 

Brustbild in Medaillonform, darunter das von Kardorff'sche Wappen, und unter 

diesem eine Inschrift, aus welcher jedoch ein Stück schon 1750 ausgesprungen 

war. Nach einer vor etwa fünfzehn Jahren genommenen Aufzeichnung war 

davon lesbar: 

Ulrichshausen 

Ulrich Moltzan D 

Margreta Kerdorff D 

Half fleissig dazu w . . . . dri . . 

Und ist vollend mit h . . . . es hi . . . 

Dem gebort vor allen Dingen. 

»Neben dieser Tafel sind links zwei männliche, rechts zwei weibliche 
Brustbilder aus gebranntem Thon, einander gegenüber und zugekehrt.« 

»Das Hauptgebäude ist drei Stockwerke hoch. Ueber dem Erdgeschosse 
von behauenen Quadern erheben sich zwei Stockwerke in Ziegelbau, welche 
in Charakter und Ausfuhrung den fürstlichen Schlössern zu Schwerin, Wismar 
und Gadebusch ähnlich sind. Die nach Osten und Westen gehenden Giebel- 
seiten sind oberhalb der drei Stockwerke mit gezinnten Rändern und anderen 
Ziegelomamenten versehen. Auf dem östlichen Giebel steht mit eisernen 
Buchstaben : 

BERNDT LUDOLPH MOLTZAHN. ANNA VON STAFFHORST. 

darunter, ein Stockwerk niedriger, das Distichon: 

IGNIBUS HAEC PERIIT STRUCTURA, AST CONDIDIT ILLAM 
BERNDT LUDOLPH MOLTZAHN, STET SINE CLADE DIU. 

»Der hier erwähnte, wohl nur partielle Brand fiel in die Zeiten des 
dreissigjälirigen Krieges (1624). Das Jahr der baulichen Wiederherstellung 
bezeichnet an der Südseite des Hauptgebäudes mit eisernen Ziffern die Zahl 
1626. Dieses Feuer mag auch den viereckigen Thurm zerstört haben, der 



382 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

noch im siebzehnten Jahrhunderte in der Mitte des Burgraums frei stand. 
Dieser sogenannte Bergfrit diente als Wart- und Gefangnissthurm.« 

»Ein anderer Thurm des alten Bauwerkes ist erhalten. Es ist dies ein 
sich an die Mitte der südlichen Langseite des Hauptgebäudes anlehnender, 
aus denselben Materialien erbaueter runder Thurm, der die Mauerhöhe des 
Gebäudes noch um ein Stockwerk überragt und dann durch eine offene Gallerie 
und ein sechseckiges, mit Metallplatten eingedecktes, in eine Spitze auslaufendes 
Dach gekrönt wird, in der Form, wie deren von dem alten Schweriner 
Schlosse noch in dem Neubau erhalten sind. Der Thurm dient als Treppen- 
haus. Auf der Wendeltreppe oder dem Windelstein gelangt man von den 
obersten Stockwerken, wo auch der sogenannte Redoutensaal sich befand, bis 
in die schönen geräumigen Keller hinab. An diesem Thurme befinden sich 
drei Tafeln über einander, in jedem Stockwerk eine. Jede dieser Tafeln hat 
oben zwei Wappen: neben dem Maltzan'schen Wappen steht (dem Beschauer 
rechts) auf der obersten Tafel das Kardorff'sche Wappen, auf der mittleren 
das Wappen der Familie von dem Berge, welche mit dem Landrath Fritz 
von dem Berge, dem Schwiegervater des Dietrich von Maltzan, am 10. De- 
cember 1623 im Mannsstamme ausstarb, und auf der untersten das Staff- 
horst'sche Wappen. Unter diesen Allianz -Wappenbildern trägt jede Tafel 
eine Inschrift. Der Inhalt der obersten Tafel ist nicht mehr zu entziffern ge- 
wesen; doch enthielt sie die Jahreszahl, den Namen des Erbauers und seiner 
Frau, und eine Anwünschung des göttlichen Segens. Unter der zweiten Tafel 

stehen die Verse: 

Diesem Dietrich Moltzahn succedirt 

Und selbigen Sitz häreditirt: 

Aus adeligem Stamm berühmet weit 

Hat des von dem Berg sich drauf bereit 

Die beiden denselben zur adlichen Preise 

Verbessert haben mit grossem Flelss. 

»Die Verse der dritten Tafel sind in der Mitte durch eine Linie getheilt 
und lauten also: 

• 

Nach Dietrich Moltzahn seligen Dot Hat es geschickt der liebe Gott 

Dass Behrend Ludolph Moltzahn durchs Als Miterb dieses Guts genoss 

Loos Aus altem adlichem Stamm gar wohl 
Eh lieh mit Anna von Staff hörst genannt bekannt 

Dasseib nicht lange bewohnet in Freud Denn da sie gewesen alle beld 

Im anderen Land das Haus verbrannt Da man gezählet hat zur Hand 

Tausend sechshundert zwanzig vier Nach Christi Geburt vermeld ich dir 

Von ihm wieder erbauet von neu Im sechsundzwanzigsten dieses Gebäu 

Gott dasseib fortan segne mehr Zu seines göttlichen Nahmens Ehr. 

und darunter die Memorialzahl: 

ESTO tVta DoMVs, CVra serVante IehoVa. 

deren Zahlbuchstaben die Jahreszahl 1626 ausmachen.« 

:»Die Länge des Gebäudes beträgt 97 Fuss; die von dem vorstehenden 
Thurme bezeichnete Mitte nimmt die 23 Fuss breite Diele und Küche ein; an 



GUT UND KIRCHDORF VIELIST. 383 

diese Räume, welche nach hinten über die Fronte hinaus gebaut sind und in 
einem schmäleren Stallgebäude endigen, stossen auf jeder Seite zwei Stuben, 
eine nach Süden und eine nach Norden gehend, von 21 Fuss, dann weiter je 
zwei kleinere von 16 Fuss Breite. Dem östlichsten Theil der Südfronte ist 
noch ein bis an das Thorhaus gehender Gebäudetheil, 17 Fuss tief und 12 Fuss 
breit, vorgebaut, so dass der Ostgiebel eine etwa doppelt so grosse Ausdehnung 
hat als der westliche. Nördlich und östlich wird die Burg und ihre Umgebung 
von dem Ulrichshusen'schen See begrenzt, der auch Kukuk-See (Guckguck- 
See) genannt wird.c 




Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf Vielist.') 

|rkundlich wird Vielist, eine alte Wangelin'sche Besitzung, zuerst am Geschichte 
8. November 1264 genannt, als Bischof Hermann von Schwerin der _^^f 
Gemahlin des Ritters Vredebern, aus dem Geschlecht der Ketelhot, Margaretha, 
den Zehnten des Dorfes Vielist (Vilist) verleiht.*) Von demselben Bischof er- 
hält das Schweriner Domkapitel am 6. April 1289 eine Reihe von Zehnten 
im Lande Waren, darunter auch solche in Vielist. ^) Es sind daselbst zweiund- 
dreissig Hufen, von denen jede acht Schillinge an das Domkapitel von 
Schwerin geben soll.*) 

Ob es vor den Wangelin noch andere Besitzer (wie etwa das alte 
ritterbürtige Geschlecht der Vilist, Vielitz) von Vielist gegeben hat, wissen wir 
nicht. Im Anfange des XVI. Jahrhunderts aber gehört Vielist nachweisbar zu den 
vielen Gütern, welche die Wangelin in dortiger Gegend innehaben. Als bevor- 
zugte Vasallen erscheinen sie öfter in nächster Umgebung ihrer Landesherrn. '^) 
Am 23. März 1593 erwirbt Joachim Wangelin die Fischerei auf der Reke bei 
Eidenburg von Herzog Ulrich für 366 Gulden 16 Schillinge und 1594 auch die- 
jenige, welche dort dem Kloster Dobbertin gehört. Während des dreissigjährigen 
Krieges geht der Besitz von Vielist dem Verfall und der Zerstückelung 
entgegen. 1629 liegt bereits ein Antheil an Vielist in Konkurs; 1637 ver- 
pfändet Hieronymus Wangelin das Gut für 8000 Gulden an Sabina Quitzow, 
sei. Jürgen Wangelin's Wittwe. 1645 verpfändet die Wittwe Christian 
Wangelin's, Dorothea Bibow, den Gebrüdern Bülow auf Harkensee und Plüschow 
das Gut für 13000 Gulden, nachdem es noch vor dem Tode ihres Gatten in 
Konkurs verfallen war, aus dem sie es mit ihrem Vermögen erworben hatte.®) 



*) 7 km nordnordwestlich von Waren. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 150 erinnert an das 
altslavische Adjektiv velö = gross und deutet den Namen als > Nachkommen des vel-c Das wäre 
also ungefähr > Grossendorf < . 

*) M. U.-B. 1024. 

•) M. U.-B. 2016. 

*) M. U.-B. 5899. 

») M. U.-B. 6389, Anmkg. M. Jahrb. VI, S. 150; IX, S. 170. 

•) Akten im Grossh. Archiv. 



384 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

1648 haben die Töchter des Hieronymus Wangelin, verehelichte Bonow und 
Warnstcdt, Antheil an Vielist. Die letztgenannte kauft das Gut von der 
Dorothea ßibow im Jahre 1653 für 28 500 Gulden. Auch die Restorff haben 
durch Verschwägerung Anrechte erworben. Allmählich aber fangt die Familie 
von Erlenkamp an, sich hier festzusetzen: 1674 erwirbt sie den Wamstedt- 
Bonow'schen Antheil. Ueber den Restorffschen Besitz ist inzwischen Konkurs 
ausgebrochen, und im Jahre 1682 gelangt nun Baron Hans Erlenkamp in den 
Besitz des ganzen Gutes. In Erlenkamp'schen Händen bleibt es bis 1761. 
In diesem Jahre kauft es der Kriegsrath von Meyenn. Von dessen Geschlecht - 
geht es 1896 auf Eduard Waldemar Weber über. 



M ' ' ' ' n 1 1 i [ I ' ' I T ' 



Grandriss der Kirche lU Vielist. (Pries.) 

In einem Schriftstück, das dem Jahre 1 508 oder 1 509 angehören mag und 
das so sauber geschrieben ist wie eine gute Urkunde jener Zeit, theilt Heinrich 
Wangelin auf Vielisl seinem Landesherrn mit, dass sein Kirchherr gestorben 
ist, und bittet um Einsetzung eines andern. Darauf finden wir im Visitations- 
protokotl von 1534 den Heinrich Wienholt als Pastor in Vielist, und zwar 
von 15 10 an. Damals hat auch Sommerstorf noch seinen eigenen Kirchherm, 
als welchen wir von 1526 an den Joachim Stritz kennen lernen. Dann aber klafft 
eine lange Lücke von fast einem Jahrhundert. Aus einem zu Anfang des 
Jahres 1614 geschriebenen Wangelin'schen Bericht an Herzog Hans Albrecht 
ersehen wir, dass im Sommer des Jahres 1613 die Pest in Vielist gehaust und 
u. a. auch den Pastor mit Frau und sechs Kindern hingerafft hat. Nur ein Sohn 



GUT UND KIRCHDORF VIEUST. 385 

ist verschont geblieben, für den Pastor Gelmer Waldberg {Woldtberg) und 
Bürgermeister Kaspar Lobis in Waren die Vormundschaft übernehmen wollen. 
Aber den Namen des verstorbenen Pastors erfahren wir nicht. Sein Nach- 
folger ist Christian Koppe, der 1625 im Amte und im Jahre 1633 (vor dem 
16. Februar) aus dem Leben scheidet. In der nachfolgenden Unglückszeit 
wird die Kirche gleich vielen andern leer gestanden haben und ihres Hirten 
beraubt gewesen sein. Erst 1651 wird wieder einer berufen: Nikolaus Stolze, 
der noch 1677 im Dienste ist. Ihm folgt 1679 Erich Oswald, der 1695 noch 
da ist. i6g8 folgt Laurentius Boccius (-J- 16. Januar 1733). Nach einer Vakanz 
von vier Jahren wird Joachim Christoph Roering berufen (f 14. März 1751}: 
er stirbt einsam und allein auf der Rückfahrt von Sommerstorf nach Vielist 
und kommt todt auf seinem Pfarrhof an. Seine Nachfolger im XVIII. Jahr- 



Kirche lu Vielisl (Südseite). 

hundert sind Samuel Ernst Boccius {der Sohn des Laurentius B.) von 1752 bis 
zu seinem Tode am 21. Oktober 1766, und Arend Heinr. Christian Bamewitz 
von 1767 bis zu seinem Tode im April 1805. 

lieber die Geistlichen im XIX, Jahrhundert s. Watter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein Feldsteinbau des XIII. Jahrhunderts mit 
quadrierten Kalkfugen. In der Ostwand des Chors das von einer Blende über- 
fasste bekannte »Dreieinigkeits-Fenster« in romanischer Hildungsform, mit Rund- 
stab und Kante und aus trefflichem Ziegelmaterial. Der Fries der Kirche, in den 
die Blende hineinschneidet, ist ein romanischer Rundbogen fries von ganz vor- 
züglich gebrannten Formsteinen. Die Seitenwände des Chors, die denselben 
Fries hatten, lassen erkennen, dass hier einst je zwei Fenstergruppen waren, 
die durch je zwei schmale romanische Schlitzöffnungen gebildet wurden. 
Diese sind später zugesetzt und durch ein stillos eingebrochenes neues Fenster 
ersetzt worden. Die Wölbung des Chors, jetzt ein durch Grate in Felder ein- 
getheiltes Kreuzgewölbe, war ursprünglich wahrscheinlich ein höheres Kugel- 



386 AHTSCERICIITSIIKZIKK WAKEN. 

gewölbe. Nach dem Schiff hin öffnet sich der Chor mit einem breiten, 
schweren Triumphbogen in stark ausgesprochener Spitzbogen form. Das Schiff, 
welches ursprünglich auf jeder Seite durch sechs, in Gruppen zu zweien an- 
geordnete schmale Schlitzfenster erleuchtet war, ist ebenfalls ein wuchtiger 
Feldsteinbau, welcher ziemlich gleichzeitig mit dem Chor aufgeführt sein wird, 
aber im Jahre 1566 {wie sowohl die gefundene Zahl, als auch die Ausführung 
des Baues erkennen lasst) durch eine starke Neuerung im Geschmack der 
Renaissance gründlich verändert ist. 
Diese Neuerung besteht in der Er- 
richtung eines Rundpfeilers dorisch- 
toskanischer Anordnung in der Mitte, 
der dazu dient, um vier durch Grate 
eingetheilte Kreuzgewölbe von glei- 
cher Art, wie das des Chors zu 

tragen. In jedem Scheitel dieser Ge- ' ' '"* 

wölbe, ebenso wie in dem des Chors, 
ist als Schlüss eine Blatter-Rosette in 
Flachrelief und im Renaissance - Ge- 
schmack angebracht. Diesen neuen 
Gewölben zu Liebe sind jedenfalls 
zwei stillose Fenster eingebrochen und 
die ursprünglichen Schlitzfenster zu- 
gesetzt worden. Die schon in alter 
Zeit auf der Nordseite des Chors an- 
gesetzte alte Sakristei ist zur Zeit 
des Barons von Erlenkamp zu einer 
Grabkapelle eingerichtet worden. Die 
Portale der Südseite (Priesterpforte 
im Chor und Laienpforte im Schiff) 

sind aus Granit aufgeführt und haben - — j i h i Jh ii j [ 1 — J i i-~*" — 5— 

dementsprechend eine scharfkantig Osiseite des Chors. '^ 

gebildete Wandung und Laibung. 

Der Thurm, ein etwas jüngerer Granitbau, lasst in seinen oberen Fachwerk- 
theilen und in seiner flachen vierseitigen Haube erkennen, dass sein Bau ver- 
schiedene Schicksale erlebt hat. 

Neben der Chorpforte finden sich zwei Kornquctscbcn vorgeschicht- 
licher Zeit, die als Weih Wasserbecken gedient haben können. 
1 Die ganze innere Einrichtung der Kirche, in welcher Altar und Kanzel 

einen Baukörper bilden, verräth den klassicierenden Stil vom Ende des vorigen 
Jahrhunderts und gehört ohne Zweifel dem Jahre 1794 an, welches neben dem 
Jahr 1566 als weiteres Jahr einer Kirchen -Erneuerung an dem Pfeiler in der 
Mitte des Schiffes genannt wird. 

Im Thurm hängen drei Glocken. Die beiden grösseren sind 1789 
unter dem Patronat des CARL ERNST BLEICHERT VON MEYENN und dem 



GUT UND KIRCHDORF SOMMERSTÜRF. 387 

Pastorat des AHRND HEINRICH CHRISTIAN BARNEWITZ von Johann Christian 
Meyer in Neustrelitz gegossen worden. — Die kleine Glocke ist 1844 von 
C. Jllles -Waren umgegossen worden.^) 

Kleinkunstwcrke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch mit Patene, gestiftet Kleinkiinst- 
1854 von ERNST V. MEYENN zu seiner goldenen Hochzeit, dem Vater des werke, 
späteren Kammerherrn. Beide in profanen Formen. — 3. 4. Kleiner silber- 
vergoldeter Renaissance -Kelch, gestiftet 1667 von JÜRGEN ERNST VON 
RESTORFF und seiner Gattin BARBARA AGNES VON HOLSTEIN. Nürnberger 
Arbeit von einem Meister, dessen Stempel undeutlich ist. Die dazu gehörige 
Patene ist ohne Stempel. — 5. Runde silberne Oblatenschachtel mit dem 
Namen ANDREAS TREGARDT auf dem Deckel. — 6. 7. Zwei Zinnleuchter von 
1794, von dem Röbeler Zinngiesser J(ochim) H(enzky). 




Das Gut und Kirchdorf Sommerstorf.'') 

ommerstorf wird urkundlich zuerst am 6. April 1289 genannt, als Bischof Geschichte 
Hermann von Schwerin dem Domkapitel Zehnten im Lande Waren ^^s 
verleiht.^) Fast siebenzig Jahre später erfahren wir, dass der Rathmann Dietrich ^^ories. 
Mirow in Waren der Kirche seiner Stadt Hebungen überweist, welche 
ihm in Sommerstorf zustehen. Fürst Bernhard von Werle bestätigt diese 
Schenkung am 17. Oktober 1357.^) 

Einen selbstständigen Besitz hat Sommerstorf anscheinend niemals ge- 
bildet, wenigstens nicht in späterer Zeit. Wo immer es uns begegnet, steht 
es in enger Verbindung mit Grabow, dem späteren Grabowhöfe, welches in 
Wangelin'schen Händen ist, und theilt dessen Schicksale. Als im Jahre 1646 
Hieronymus Wangelin mit Hinterlassung von zwei Töchtern stirbt, übernehmen 
seine Schwiegersöhne, der Ritter Bonow und Wilhelm Warnstedt, Namens 
ihrer Ehefrauen seinen Antheil an Grabow und Sommerstorf, während Bernd 
Christian Wangelin ebenfalls lehn- und antheilsberechtigt bleibt. Den 
Hieronymus'schen Antheil erwerben 1685 der Baron von Erlenkamp und der 
von Bülow auf Plüschow, auch erwirbt der erstgenannte im selben Jahre die 
Anrechte des Bernd Christian Wangelin. Fünfzehn Jahre später, nämlich im Jahre 
1700, verkauft der von Bülow seinen Antheil an Karl Friedrich von Koppelow 



') Auch die Vorgängerin dieser kleinen Glocke stammte aus dem Jahre 1789 und von dem 
Glockengiesser J. C. Meyer in Neustrelitz. 

') 12 km nordnordwestlich von Waren. 
^) M. U.-B. 2016. 
*) M. U.-H. 8402. 

25* 



388 AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 

für 7200 Thaler. Der Erlenkamp'sche Theil, welcher inzwischen allodificiert 
ist, wird 1762 vom Kriegsrath von Meyenn auf Vielist gekauft, 1788 aber 
erwirbt ihn der Justizrath Christian Friedr. Ludw. Schmidt.^) Die von Koppelow 
verpfänden ihren Besitz in Grabow und Sommerstorf 1757 auf zehn Jahre an 
Andreas David Röper zu Neubrandenburg. Dieser tritt sein Pfandrecht dem 
Kriegsrath von Meyenn ab, doch bald nachher wird der gen. Justizrath Schmidt 
der Eigenthümer und damit der Herr des ganzen Gutes. Von Schmidt erwirbt 
1790 Landmarschall Friedrich von Hahn Grabow und Sommerstorf, und die 
Hahn besitzen daher beide Güter und Dörfer noch heute. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Vielist. Seit dem dreissig- 
jährigen Kriege ist die Kirche zu Sommerstorf Tochterkirche von der zu Vielist. 

Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein frühgothischer Backsteinbau in Form eines 

länglichen Vierecks auf einem wohlbehauenen Granitsockel. Die kleinen 
gothischen Lichtöffnungen, in der Ostseite eine, auf den Langseiten je zwei, 
haben in ihrer scharfkantig gegliederten Wandung und Laibung ihre Ursprüng- 
lichkeit bewahrt, nur fehlt ihnen das innere Steinpfostenwerk (ursprünglich gewiss 
nur ein Pfosten). Das Innere der Kirche wird von zwei Kreuzgewölben mit 
birnförmig profilierten Rippen überspannt. Von besonderem Interesse ist das 
frühgothische Portal, welches von dem es verdeckenden Thurm her ins Innere 
fuhrt. Seine Gliederung besteht aus einem inneren romanischen Rundbogen- 
stab, welcher von einer Wandung und Laibung mit flachgedrücktem Spitz- 
bogenschluss überfasst wird. Diese Wandung und Laibung enthält zwei ab- 
gefas'te Glieder, zwischen denen ein Rundstab liegt. Oberhalb des Spitz- 
bogens, dessen Mauerkern etwas vorgeschoben ist, erhebt sich ein wimperg- 
artiges flaches Dreieck. Der hierüber emporgeführte jüngere Thurm im 
Westen ist ein etwas schmälerer Bau von Feldsteinen mit eingemischten 
Ziegeln, ebenso fest und solide, wie die ganze Kirche. Der Ostgiebel ist mit 
einem hübschen Blendenwerk verziert. 

Kanzel und Die innere Einrichtung gehört, gleich der der Vielister Kirche, dem 

Altar, Ende des XVIII. Jahrhunderts an, doch sind in dem Ueberbau von Kanzel 
i5chnitz- ^^^ Altar, die zu einem Körper verbunden sind, dreizehn kleine polychrom 



figuren. 



mit Gold behandelte Schnitzfiguren zur Verwendung gekommen, welche den 
Heiland und die zwölf Apostel darstellen und ursprünglich einem gothischen 
Triptychon des XV. Jahrhunderts angehört haben werden. 



Glocken. Im Thurm zwei neuere Glocken aus der Zeit des Gräflich Hahn'schen 

Patronats, die eine 1858 von C. JHies- Waren, die andere 1893 von C. Oberg- 
Wismar gegossen. Dazu als dritte und kleinste Glocke eine ältere, welche am 
5. April 1683 von Hans Mancke in Lüneburg gegossen worden ist.*) 

^) Akten im Grossh. Archiv. 

*) Die Vorgängerinnen der beiden neueren Glocken waren 1746 unter dem Patronat des 
Ernst Christoph von Koppelow und des Ernst Johann von Erlenkamp sowie unter dem Pastorat 
des J. C. Roering von Gottfried Wosack in Stralsund gegossen worden. 



GUT UND KIRCHDORF KLINK. 



389 



Kleinkunstwerke. i. 2. Silbervergoldeter Kelch ohne Inschrift, mit dem Kleinkiinst- 
Stadtzeichen (H] und dem Meisterstempel || FHl Dazu eine Patene ohne werke. 
Werkzeichen. — 3. Silberne Kanne, gestiftet von LOUISE GRÄFIN V • HAHN 
bei ihrer Einsegnung am 23. März 1823 in der Kirche zu Sommerstorf. Mit 
dem Stadtzeichen \Jlf\ und dem Meisterzeichen UigJ . 




Das Gut und Kirchdorf Klink.') 

link, in der Nähe der Reke oder Eideverbindung zwischen Müritz und dem Geschichte 
Kölpin-See gelegen, ist schon in alter Zeit Besitz der Hahn auf Solzow ^^s 
und Damerow, welche damit die wichtige Eidebrücke beherrschen.^) Schon im ^ories. 
XIII. Jahrhundert sind die Hahn und Pritzbuer auf Grabenitz die Herren des 
ganzen Kölpin-Sees und verfugen iiber dessen Fischerei, welche sie im Laufe 
des folgenden Jahrhunderts dem Kloster Malchow abtreten.^) 

Am 29. Juni 1375 verkauft Eckhard Hahn (IV) sein Gut Klink (myn 
ghud to der Clyncken dat by der Eldenen-Bruggen lycht), welches wüst ist, den 
Gebrüdern Gamm auf Werder mit der Bedingung, es nach vier Jahren wieder 
zurückkaufen zu können. Doch wird von diesem Reservatrecht kein Gebrauch 
gemacht.*) Die Gamm verkaufen Klink im März 1490 an Lorenz von Below 
auf Nossentin. Dem Below'schen Besitz aber macht der dreissigjährige Krieg 
ein Ende. Das Gut verfällt dem Konkurs, aus dem es Mitte des XVII. Jahr- 
hunderts die Holstein auf Ankershagen für 9 500 Gulden erstehen. Wiederholte 
Versuche der Below, ihr Gut wieder einzulösen, schlagen fehl, die Holstein 
behalten es, obwohl die Below unverdrossen weiter muthen. Endlich erliegen 
auch die Holstein den Wirren, die das Land Mecklenburg im XVIII. Jahr- 
hundert heimsuchen. Schon 1747 sind sie zu einer Verpfandung auf fiinf- 
undzwanzig Jahre genöthigt, aber 175 1 bricht der Konkurs aus. Aus diesem 
erwirbt es Johann Friedrich Kahler, dessen Geschlecht es bis 1891 fest hält. 
1892 hat es Eugen Hahn, 1897 Walter Reinhold Hermann und seit 1898 
Arthur Schnitzler. 

Ueber die kirchlichen Verhältnisse s. bei Sietow im Amtsgerichtsbezirk 
Malchow. 

Kapelle. Die Kapelle ist ein einschiffiger Backsteinbau ohne Thurm in Kapelle, 
der Form eines länglichen Vierecks und stammt aus den Jahren 1736 bis 
1742. Der Chor ist ausnahmsweise nach Westen gerichtet, während man im 



*) 8 km südwestlich von Waren. Altslavisch klinü = Winkel, polnisch klin = Keil: 
KUhnel, M. Jahrb. XLVI, S. 70. Also wohl ungefähr soviel wie > Winkelhagen <. 
*) Lisch, Geschl. Hahn IT, S. 248. 
«) M. U.-B. 6725. 
*) Lisch, Geschl. Hahn II, S. 260 (CCXIX). M. U.-B. 10749. 



390 



AMTSGERICHTSBEZIRK WAREN. 



Osten eine herrschaftliche Empore angebracht hat, die vom Fussboden her um 
vier Stufen erhöht ist. Der Innenraum ist mit einem flachgespannten Tonnen- 
gewölbe eingedeckt. Die Fenster, fast viereckig erscheinend, sind oben mit 
einem kleinen Rundbogen überspannt. Ueber der Eingangsthür ein Holstein- 
Bülow'sches Allianzvvappen mit der Unterschrift: JAKOB ERNST VON HOLSTEIN 
und ELISABETH SOPHIA VON BÜLOW; dazu die Jahreszahl 1736. An der 
Westseite der Kirche, doch mit dieser nicht in Verbindung stehend, eine 
Begräbnisskapelle der Gutsherrschaft. 

Altar und Altar und Kanzel sind zu einem Körper verbunden. Hier dieselben 

Kanzel. Wappen und Unterschriften wie über der Eingangsthür. 

Glocken. In einem Glockenstuhl neben der Kirche zwei Glocken, die beide 1738 

von dem Lübecker Giesser Laurentius Strahlborn gegossen sind. 



Kleinkunst- 
werke. 



Kleinkunstwerke, i — 3. Schön gearbeiteter silbervergoldeter Kelch, 
dazu Patene und Oblatendose, alle drei Stücke mit dem HOLSTEIN -BULOW- 
schen Allianz wappen verziert, Kelch und Patene von dem Schweriner Gold- 
schmied F G., Oblatendose dagegen von dem Güstrower Goldschmied Lenhard 
Mestlln. — 4. Zinnerner Kelch, gestiftet von J • E • V • HOLSTEIN 1745. 
Englisches Zinn von dem Giesser I. H. S. — 5. 6. Zwei grössere Zinnleuchter 
auf je drei Klauenfüssen, 1739 von dem Stifter der Kirche geschenkt. Eng- 
lisches Zinn von dem Zinngiesser I. H. S. — 7. 8. Zwei kleinere Zinnleuchter 
auf rundem Fuss, der eine 1770 gestiftet von FRIEDRICH LAGEMANN und 
seiner Gattin ILSABETA CATHARINA NEHLSEN, der andere 1781 von HANS 
JÜRGEN NEHLS und seiner Gattin SOPHIA CHRISTINE HAGEN. Beide von 
dem schon genannten Röbeler Zinngiesser J(ochim) H(ensky). 



Vorgeschichtliche Plätze 

s. am Schluss des Amtsgerichtsbezirks Malchow 



/■■^i^ -^- ■*•/■ V*-^ *• \^ N^ 



Ansicht der Stadt Mnlchaw 



Amtsgericlitsbezirk Malchow. 



Stadt und Kloster Malchow.') 



J|cscliichte der Stadt und des Klosters. Schon früher, als die Ur 
künden zu reden anfangen, erzählen Annalisten und Chronisten von 
Malchow. Es geschieht dies bei Gelegenheit des grossen Kreiiz- 
zuges gegen die mecklenburgischen und pommcrschen Wenden im Jahre 1147, 
Jenes Zuges, dem die ganze europäische Christenheit mit gespannter Auf- 
merksamkeit folgt, und welcher der Anfang eines erbitterten siebenzchnjährigen 
Kampfes ist.") Damals ist Malchow wiederholt, am Anfange wie am Schluss 
dieses Ringkampfes zwischen Christen und Heiden, der Schauplatz geschicht- 
licher Begebenheiten. Als im Sommer des Jahres 1147 Niedersachsen, Dänen 
und Brandenburger von verschiedenen Punkten her ins Land eindringen, zieht 
eine der Heersäulen nach Malchow und brennt dort sowohl den Ort selber 
als auch im Besonderen ein Götzenheiligthum nieder, das ausserhalb des Ortes 
liegt (fanum etiam cum idolis, quod erat ante ciuitatem Malchou, cum ipsa 

') Die allen Foraien des Namens sind Malchou, Melico(ii), Malachou, Mahcoive. Mnlechowe, 
Malachowe, Malchowe, bei denen wir in der Deutung Über den »Ort des M.ilach, .Malechi nicht 
hinan skommen. Vgl. Maloch hei naiciin lin conünia uüle, in r]iin hahitnt Malachit M. l'.-ll. 247 
(mg). Altslavisch malS = klein. Also vielK'icht soviel wie der deutsche Ortsname iKleim 
oder > Kleinen«. 

*) Vgl. WiRger, im I.ehen des liischofä »erno, M, Jahrh. XXVIII, S. 51 his 65. l'cber die 
SchrifHiuellen d>c 11 daselbst S. 55, Aimikg, 



Geschichle 
der Stadt 
und des 
Klosters. 



392 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCIIOW. 

ciuitate concremauerunt).^) Welcher Art dies Heiligthum war, wird mit keinem 
Worte weiter angedeutet. Sehr viel ernsterer Natur aber ist das zweite Er- 
eigniss, das in das Schlussjahr dieser das Land verheerenden Kämpfe, nämlich 
ins Jahr 1164, fällt. Der Baiern- und Sachsenherzog Heinrich der Löwe, 
welcher seine politischen Errungenschaften im Wendenlande durch die fort- 
währenden Aufstände des Volkes immer wieder in Frage gestellt sieht und 
besonders darüber erbittert ist, dass Fürst Pribislav die sächsische Besatzung 
der Burg Mecklenburg im Februar des Jahres 1164 vernichtet, sowie einige 
Zeit später die der Burg Malchow zum Abzüge genöthigt und selber den Platz 
hier eingenommen und besetzt hat, beschliesst nunmehr, zu dem äussersten 
Mittel zu greifen. Er rückt mit einem Heer vor Malchow und lässt hier den 
bereits zum Christenthum übergetretenen Bruder des Pribislav, den Fürsten 
Wertislav, welchen er zu Anfang des Jahres 1163 bei der Belagerung der 
Burg Werle zum Gefangenen gemacht hatte und seitdem als Geisel betrachtete, 
vor den Augen beider Heere erhängen.^) 

Wie dann Pribislav bei den pommerschen Fürsten einstweilen eine 
Zufluchtsstätte findet, wie aber sein Widerstand durch die Kette tragischer 
Ereignisse endlich gebrochen wird, wie sein Land immer mehr zur Einöde 
wird, wie die wendische Bevölkerung schaarenweise zu den Dänen und Pommern 
flieht und von diesen erbarmungslos an die Polen, Sorben und Böhmen ver- 
kauft wird: das kann hier nur angedeutet werden.*) 

Malchow aber wird sich, gleich anderen Gegenden und Ortschaften im 
Lande, durch einen desto stärkeren Zuzug niederdeutscher Kolonisten gehoben 
haben. Das ersieht man aus zahlreichen Urkunden der nachfolgenden Zeiten 
des Xin. und XIV. Jahrhunderts, welche Malchower Privatangelegenheiten zum 
Inhalt haben, und in denen uns die Familien Storni, Pape, Fuhrmann, Grapen- 
giesser, von der Wiek, Bäcker, von Utrecht, Düsterwold, Schwager, von Büne, 
Rovemann, von Biestorf, Eier, Pelzef, Rogge, Ditmar, Rantze, Vogt, Krevts- 
dorf, von Kisserow, von Dambeck, von Göhren, Katzow, Martens, Spiring, 
Metzeke, Hövet, Gamelichte, Hörn u. a. m. entgegentreten. Dabei kann es 
dahingestellt bleiben, ob einzelne unter ihnen, wie die einen gleichen Schild 
im Siegel führenden Familien Düsterwold, Eier, Vogt und Krevtsdorf, als eine 
Art Stadt- Patriziat anzusehen sind oder nicht.*) 



*) Vgl. Annal. Magdeb. ad annum 1147. — Wigger, a. a. Ü., S. 57. — Derselbe, Mecklenb. 
Annalen, S. 113 a. 126 a. — Lisch, M. Jahrb. XXXII, S. 9. — Die oft behandelte falsche Schreibung 
Malchon für Malchou kann mittlerweile bei Seite gelassen werden. 

*) Wigger, a. a. O., S. 119. 126. 127. 143. 148. 149. Lisch, a. a. O,, (S. 5—12. 18), hält 
den Burgwall von I^aschendorf, der in nordöstlicher Richtung vom Kloster gelegen ist, für den 
Schauplatz dieser Ereignisse. Dass zugleich mit dem Fürsten Wertislav ein Pritzbuer und ein 
Gamm hingerichtet worden sei, ist eine Sage, als deren älteste Quelle der dem Ende des XVI. 
und Anfange des XVII. Jahrhunderts angehörende Latomus (in seinem handschriftlichen Werke 
vom mecklenburgischen Adel) zu bezeichnen ist. In den Genealogien beider Familien (Lisch, 
a. a. O., S. 18 — 29 und Gritzner, M. Jahrb. LXV, S. 305 — 316) fehlt es an jedem Anhalte dafür. 

') Wigger, a. a. O., S. 152. 153. 159. 

*) Vgl. Personen -Register des Meckl. Urkundenbuchs. Lisch, M. Jahrb. XXXII, S. 46 — 53. 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KLOSTERS MALCHOW. 393 

Das Nächste, das uns darauf urkundlich mitgetheilt wird, ist die Be- 
widmung des Bisthums Schwerin im Januar 1170 durch den Kaiser Barbarossa 
u. a. mit Parchim, Cuthin (Quetzin) und Malchow sammt allen Dörfern auf 
beiden Seiten des Flusses Eide, die zu diesen Burgen gehörten (Parchim quoque, 
Cuthin et Malechowe, cum omnibus villis ex utraque parte aluei que dicitur 
Eide ad ipsa castra pertinentibus). ') Dass bei dieser Bewidmung des Bisthums 
Schwerin das ältere Recht des Bisthums Havelberg auf die Landstriche süd- 
wärts der Eide übersehen wurde, ist schon öfter von uns berührt worden.*) 
Das mag davon gekommen sein, dass man sich damals über die geographischen 
Verhältnisse der oberen Eide sowohl bei ihrem Einlauf in die Müritz von 
Darze, Käselin, Fincken, Massow, Zepkow u. s. w. her, als auch über ihren 
Auslauf aus der Müritz als Reke in den Kölpin-See nicht so klar und einig 
war wie heute, obwohl es immerhin zu beachten bleibt, dass an Stelle der 
späteren Fischerei »Eidenburg« an der Reke schon im Jahre 1290 von dem Aal- 
fang »bei der Eidenbrügge« die Rede ist, ebenso auch gut fünfzig Jahre später.^) 

Dass aber das Bisthum Schwerin nach dem im Jahre 1252 erfolgten 
Vertrage mit Havelberg den ihm durch den Hohenstaufenkaiser gewährten 
Besitz im Lande Malchow behielt, wird durch »Zeugenkundschaften und Unter- 
suchungen aus dem XVI. Jahrhundert« bestätigt. Darnach gehören zum 
Lande Malchow folgende Pfarren mit ihren eingepfarrten Dörfern und Kapellen, 
»südlich vom Malchowschen See: Alt -Malchow (Kloster), Satow, Grüssow, 
Poppentin, Lexow; nördlich vom See: Neu-Malchow" (Stadt), Alt-Schwerin 
(jedoch sollte Schwerin selbst noch zum Amte Plau gehören), Nossentin, Kieth, 
Wangelin, Lütgendorf, Jabel. Als südliche Grenze wird übereinstimmend an- 
gegeben das Dorf Darze, und namentlich ein Bach, der von dort durch Stuer 
in den Plauer See fliesst, und wo ein grosser Graben und eine Landwehr 
gegen die Mark (mit einem Schlagbaum) befindlich ist. Gegen Norden bildete 
die Pfarre Wangelin die Grenze.«*) Ausserdem wird bei der Ordnung der 
Grenzen der Bisthümer Kammin und Schwerin am 6. März 1260 gesagt, dass 
auch das bei Rittermannshagen gelegene Mertinsdorp noch zum Lande Malchow 
(ad terram Malichowe) gehöre.^) 

Als Stadt mit Schwerinschem Recht tritt uns Malchow mit einem 
Stiftungsbriefe vom Hause Werle am 14. März 1235 zum ersten Mal urkundlich 
entgegen.®) Ihre Kirche, die in Urkunden des XV. Jahrhunderts St. Georgen- 
kirche heisst, wird 1256 zum ersten Mal in Verbindung mit den Kirchen zu 
Kieth und Jabel genannt, als Fürst Nikolaus den Geistlichen dieser drei Kirchen, 
Plebanen und Priestern, und denen in der Probstei Alt-Röbel, die Vergünstigung 
zu Theil werden lässt, über ihr Vermögen testamentarisch in Dritt -Theilungen 



1) M. U.-B. 91. 

*) M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. III, S. 298. IV, S. 421. 

») M. U.-B. 2048. 6171. 

*) Wörtlich nach Lisch, a. a. O., S. 15. 

*) M. U.-B. 857. S. o. S. 145, Anmkg. 

•) M. U.-B. 433. 



394 AMTSGERICI1TS13EZIRK MALCIIOW. 

dir die Kirchen, die Freunde und die Armen verfügen zu dürfen.^) Von der 
Stadtkirche in Noua Malchowe muss aber in alter Zeit schärfer, als die ältesten 
Urkunden selber es thun, die Kirche tho Olden Malchowe unterschieden werden. 
Diese ist die Vorgängerin der heutigen Klosterkirche in dem Dorfe Alt- 
Malchow, jene die der heutigen Kirche in Neu-Malchow oder Stadt Malchow. 
So z. H. geht es in der Urkunde vom 25. November 1284 nur aus dem Zu- 
sammenhange mit den Besitzverhältnissen im Dorfe Roez hervor, dass die hier 
genannte Kirche in Malchow nicht die Stadtkirche, sondern die des hl. Johannes 
Baptista im Dorfe Alt-Malchow ist.*) Der Name Alt-Malchow begegnet uns 
urkundlich zum ersten Male im Jahre 1285, als die Fürsten von Werle für die 
Länder Roebel, Malchow und Wenden das Landding in die Dörfer Priborn, 
Alt-Malchow und Zepkow verlegen.^) Ein paar Jahre später aber, bei Ge- 
legenheit der Verlegung des Bü.sserinnen- Klosters von der Neustadt Roebel 
nach dem Dorfe Alt-Malchow, lässt sich erkennen, dass beide Kirchen, die im 
Dorfe Alt-Malchow und die in der Stadt Neu-Malchow sowie auch die in 
Lexow, bis dahin unter eine Plebanie zusammengefasst sind.*) Denn es 
handelt sich darum, den Malchower Pleban Hermann für den Verlust der 
Kirche zu Alt-Malchow an das neue Kloster zu entschädigen. Die enge Ver- 
bindung beider Kirchen in Malchow bis zu dem Zeitpunkte der Uebersiedlung 
des Klosters ist daher möglicherweise die Ursache, warum dieser Hermann 
früher nur »plebanus de Malchowe« genannt wird.^) Ob er mit dem späteren 
Probst Hermannus L, der im Jahre 1303 die Verwaltung führt, identisch ist, 
müssen wir dahingestellt sein lassen.^) 

Diese Verlegung des Büsserinnen- Klosters aus der Neustadt Roebel, 
welche der Havelberger Diöcese angehört, im Jahre 1298 in das Dorf Alt- 
Malchow und in die Schweriner Diöcese, sowie seine langsam sich vollziehende 
Umwandlung in ein Cistercienser- Nonnenkloster, als welches es in einer päpst- 
lichen Bulle vom 18. März 1474 zum ersten Marbezeichnet wird, sind für die 
Geschichte und Entwicklung der Stadt Malchow wichtiger als vieles Andere, 
das uns urkundlich im XIII. Jahrhundert überliefert worden ist, wie z. B. die 
Erwerbung des Grüssowschen Wassers, dessen Eigenthum ihr am 30. Juni 1287 
von Fürst Nikolaus von Werle überwiesen wird, oder wie die durch denselben 
F'ürsten geschehene Verleihung des Eigenthumes der langen Brücke bei der 
Stadt am 13. April 1292, die bis dahin den Bürgern Walter Pote und Erich 
gehört hatte, oder wie die Verpfändung eines Drittels vom höheren und niederen 
Gericht innerhalb der Stadt und Feldmark Malchow durch ebendenselben 
F'ürsten am 9. Oktober 1299.'^) Als Pathengeschenk überweist Fürst Nikolaus 



») M. U.-B. 763. 
*) M. U.-B. 1758. 

») M. U.-U. 1781. 

*) M. U.-B. 2503. 2506. 

'') M. U.-B. 1863. 1903. 2226. 2718. 2719. 

«) M. U.-B. 2845. 

') M. U.-B. 1914. 2160. 2574. 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KLOSTERS MALCHOW. 395 

von Werle dem neuen Kloster am 21. Mai 1298 mit Zustimmung seiner Mutter 
Sophie und seiner Brüder drei Kirchen -Patronate, nämlich die von Alt-Malchow, 
Neu-Malchow (utriusque ecciesie Malchowe) und Lexovv. Zugleich befiehlt er, 
dass das Kloster neben der Kirche zu Alt-Malchow aufgebaut werde.^) Im 
Uebrigen haben sich alle wichtigeren Schriftstücke, welche den Gepflogenheiten 
der damaligen Verwaltungs-Weise gemäss für die Neuordnung der Verhältnisse 
die Grundlage bildeten, bis heute erhalten. Es sind dies: erstens die bischöf- 
liche Genehmigung und Einweisung des Klosters in den Schweriner Sprengel 
durch den Bischof Gottfried von Schwerin auf Grund eines Vertrages zwischen 
ihm und dem Bischof Johannes von Havelberg; zweitens die Vermittlung eines 
Vertrages zwischen dem Kloster und dem Pleban Hermann über die Abtretung 
der Kirchen zu Malchow und Lexow; drittens eine Bestätigung dieser Ver- 
träge durch das Domkapitel zu Schwerin und zugleich die Unterordnung des 
Klosters unter das Archidiakonat zu Waren, sowie ausserdem viertens eine 
besondere Vollziehung der Schenkung auch durch das genannte Domkapitel.*) 
Den heiligen Johannes Baptista findet der Konvent als Schutzheiligen der 
Kirche zu Alt-Malchow vor, die hl. Maria Magdalena aber bringt er als Schutz- 
patronin des Klosters von Roebel her mit. Daher liest man am 15. März 1376 
die Bezeichnung »sanctimonialibus monasterii sancti Johannis baptiste ac sancte 
Marie Magdalene in Malchow«, während es z.B. am 19. Juli 1360 kürzer heisst 
»monasterium sancte Marie Magdalene in Malchowec, und am 3. März 1363 
»monasterium sancti Johannis Baptiste in Malchowec. Die Klosterkirche allein 
aber führt nur den Titel des hl. Johannes Baptista und heisst oft kurzweg nur 
ecclesia sancti Johannis. Am 14. Juli 1480 findet sich die Bezeichnung ecclesia 
beati Johannis Baptiste monasterii monialium antique Malchow.^) 

Unter den übrigen Malchower Kloster -Urkunden sind diejenigen, welche 
sich auf die Erwerbung von Gütern und die Ausdehnung des Wirthschafts- 
betriebes beziehen, die anziehenderen, wenngleich sie im Ganzen kein anderes 
Bild darbieten als das der übrigen Klöster des Landes, die wir bereits an 
unsern Blicken haben vorüberziehen lassen. 1299 dreizehn Hufen in dem ehe- 
maligen Dorfe Lebbin und der halbe Zehnte vom ganzen Dorf, wofür aber 
dem Landesherrn alljährlich zu Weihnachten ein Paar Stiefel zu entrichten 
sind;*) 1303 zwei Hufen in Zielow als Geschenk vom Ritter Dietrich Pape 
fiir die Aufnahme seiner Tochter ins Kloster;^) 1309 ein vor der Stadt ge- 
legener Hof (Neuhof), den bis dahin der Ritter Ludolf von Sternberg besessen 
hat;®) 13 IG zwei Hufen in Lexow, wo das Kloster bereits das Patronat der 

1) M. U.-H. 2503. 

') M. U.-B. 2505. 2506. 2507. 2508. 

^) Lisch, M. Jahrb. XXVII, S. 248 — 250 (vSiejjel des Klosters). — Zur Gesch. des Ordens 
der Bilsserinnen vgl. Grotefend in den Mitth. d. Vereins f. Gesch. u. Alt. in Frankfurt VI, S. 301 ff. 

*) M. U.-B. 2576. In seiner Geschiclite der drei Landesklöster, S. 16, verwechselt Julius 
Wiggers Lehbin mit Loppin und übersetzt ohne zwinc^ende Gründe das >uno pari caligarum« der 
Urkunde mit einem Paar Iloscn statt mit einem Paar Stiefeln. 

=) M. U.-B. 2845. 

•*) M. U.-B. 3288. 



396 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 

Kirche innehat (s. o.);*) 1314 ein Feld und eine Wiese zwischen dem Poppen- 
tiner See und dem Dorfe Roez, die bis dahin in Pritzbuer'schem Besitz ge- 
wesen;^) 1320 zwei Hufen in Grüssow und fünf in Roez,^ welche bis dahin 
im Besitz der ritterbürtigen Familie Sparow gewesen; 1330 aus den Händen 
der Familie Pape der nahe am Kloster gelegene ehemalige Hof Wicksol;*) 
1332 und 1333 verschiedene Hebungen aus dem Kölpin-See und Antheile 
am Aalfang von den Familien Hahn, Pritzbuer u. a.;*^) 1336 der Gamm'sche 
Antheil der Dörfer Deutsch- und Wendisch -Wangelin mit der alten Mühle 
daselbst;®) 1338 Hebungen aus der neuen Mühle zu Rehberg vom Knappen 
Heinrich Tessemer;^) 1339 Hebungen aus der Mühle zu Kölln von der Familie 
Köln;®) 1340 die Hälfte der Güter und des Werders Damerow von der Familie 
Rumpeshagen;®) in demselben Jahr Hebungen aus dem Dorfe Spitzkuhn von 
dem Knappen Johann Bune, der seine Schwestertochter Adelheid Maltzan im 
Kloster untergebracht hat;^°) Hebungen aus dem Hof des Johann von Gerden 
zu Sietow, dessen Brudertochter im Kloster ist;") 1341 vier Hufen in (Gruben-) 
Liepen von Nikolaus Kaland, und einen Tag darauf der ganze Gamm'sche 
Besitz im selben Dorfe, mit Ausnahme des an Liepen haftenden Kirchen- 
patronats zu Wangelin, das vorläufig noch in Gamm'schen Händen bleibt;^*) 
1344 der ganze Wangelin'sche Besitz in Wendisch- Damerow ;^^) 1346 und 
1347 weitere Pritzbuer'sche Fischereigerechtigkeiten im Kölpin-See und im 
Klinker Antheil an der Müritz, Lepzow'sche Hebungen aus der Mühle zu 
Walow, Gamm'sche Hebungen aus dem Dorfe Goldewin, sowie das ganze 
Dorf Loppin, das Johann Gamm und Jakob von Werle bis dahin als werlesche 
Vasallen innegehabt haben;^*) 1351 fünf Hufen und sieben Morgen Ackers im 
ehemaligen Dorfe Klippatendorf bei Zislow als Legat des verstorbenen Knappen 
Heinrich Wittenburg, sowie aus den Händen der Pritzbuer eine Hufe zu 
Poppentin und weitere Hebungen aus dem Kölpin-See;^^) 1352 Hebungen aus 
dem Hofe Beilin von der F'amilie Beilin, die eine Verwandte im Kloster hat;^*) 
1353 ^as Dorf Neu-Drewitz aus den Händen des Malchower Bürgers Gerd 



») M. U.-B. 3369. 

«) M. U.-B. 3680. 

') M. U.-B. 4191. 

*) M. U.-B. 5170. 5314. 

*) M. U.-B. 5344. 5386. 5944. 

«) M. U.-B. 5675. Vgl. dazu Lisch, Geschl. Maltzan 11, S. 397 (Urk. CCCLTII). 

'') M. U.-B. 5868. 

•*) M. U.-B. 5972. 

») M. U.-B. 6040. 
»0) M. U.-H. 6058. Vgl. 6618. 
*») M. U.-B. 6068. 

**) M. U.-B. 6099. 6100. 6105. 6152. 
*8) M. U.-B. 6461. 6466. 

^*) M. U.-B. 6591. 6618. 6621. 6645. 6646. 6722. 6723. 6726. 6727. 6737. 6808. 6816. 
Ueber den Jakob v. Werle vgl. Lisch, M. Jahrb. XXXII, S. 20. 21. 
") M. U.-B. 7475. 7528. Vgl. 11787. 
*«) M. U.-B. 7598. 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KLOSTERS MALCHOW. 397 

Ysermengher;^) 1355 der vierte Theil der Hardersmühle bei Malchow von 
dem Bürger Vogedeke und dessen Bruder in Malchow;*) 1356 Preen'sche 
Hebungen aus Goldewin;^) 1357 der Waghel'sche Besitz zu Poppentin, und 
1358 der in dreizehn Höfen und Hufen und anderen Gütern bestehende Pritz- 
buer*sche Besitz ebendaselbst;*) 1363 der vierte Theil der Tibbolds- Mühle zu 
Malchow als Geschenk von dem dortigen Bürger Ludolf Elers;^) 1366 Ho- 
tow'sche Hebungen verschiedener Art aus Kisserow und Loppin, sowie der 
Rantze'sche Erb-Antheil an der Härders -Mühle;*) 1374 eine Berkhahn'sche 
Rente aus Goldewin, die Mühle zu Grüssow aus Elers'schem Besitz, Flotow'sche 
Hebungen aus Wangelin, eine Pritzbuer'sche Rente aus Poppentin, sowie Hof 
und Dorf Laschendorf von der Familie Vriberg;^) in der zweiten Hälfte der 
siebenziger Jahre des XIV. Jahrhunderts (1375 bis 1379) ein Düsterwold'scher 
Hof mit zwei Hufen zu Kisserow und verschiedenen Hebungen aus diesem 
Dorf, wie auch aus Petersdorf, der Hof des Storm Schw'ickow zu Kisserow 
mit sechs Hufen, der Flotow'sche <Hof zu Kisserow mit vier Hufen und zwei 
Käthen, ebendaselbst Hufen und Höfe der Familie Pape, ferner zu Walow 
eine halbe Hufe mit den zugehörigen Worthen von der Familie Grambow, zu 
Grüssow fünf Hufen und Höfe aus der Hand des Priesters Albrecht Smede, 
dazu Flotow'sche Hebungen aus demselben Dorfe, von der Familie Krevestorp 
die Seh wertfeger- Mühle und von der Familie Wangelin eine Rente aus Damerow 
und die ehemalige Kutzeker Mühle;®) 1383 die ehemalige Schwichower Mühle 
von Dietrich von Flotow;®) 1384 eine Hebung aus Hufen in Kogel von Henning 
Poppentin;^®) 1385 Einkünfte aus vier Hufen und Höfen in Grüssow mit Vor- 
behalt des Rückkaufes von Henneke von Flotow zu Grüssow;^') 1387 der 
Tesmer'sche Hof mit sechs Hufen zu Wangelin, und Einkünfte aus einer 
Reihe von Hufen im Gut und Dorfe Walow von Henneke von Flotow'^): — 
das sind im Wesentlichen die Erwerbungen des Klosters im XIV. Jahrhundert. 
Und vergleicht man damit den jetzigen, immer noch bedeutend erscheinenden 
Güterbesitz, so sieht man, dass das Kloster den weitaus grössten Theil dieser 
Erwerbungen noch heute sein Eigen nennt. Im XV. Jahrhundert sind folgende 
Dörfer und Güter, mit denen allerlei geschäftliche Verbindungen schon in 
früherer Zeit angeknüpft waren, hinzugekommen: 1402 das Dorf Damerow und 

V) M. U.-B. 7826. 7840. 

') M. U.-B. 8124. 

8) M. U.-B. 8184. 

*) M. U.-B. 8359. 8459. 8460. 8471. 

*) M. U.-B. 9145. 

^) M. U.-B. 9459. 9460. 9467. 

^) M. U.-B. 10517. 10523. 10573. 10584. 10644. Vgl. 10775 und 10857. Auf Laschen- 
dorf bezieht sich auch eine noch nicht gedruckte Urkunde vom 21. Septeml)er 1396. 

") M. U.-B. 10750. 10751. 10804. 10805. 10806. 10810. 10811. 10843. 10982. 10995. 
11004. 11016. 11019. 11083. 11149. 11186. Vgl. 11547. 

») M. U.-B. II 520. 
") M. U.-B. II 587. 
"J M. U.-B. II 731. 
^*) M. U.-B. II 867. II 873. II 878. 



398 AMTSGERICHTSBEZIRK MAI.CHOW. 

die ehemalige Kuzeker Mühle von Henneke Wangelin; 1410 die Güter und 
Dörfer Hagenow und Jabel von Henneke Hahn, Lüdeke's Sohn von Basedow, 
und von Fürst Christoffer von Wenden;^) 1423 das Dorf Alt-Drewitz, woran 
bis dahin die Linstow theilgehabt haben, während Neu-Drewitz schon seit 
1353 ^cn^ Kloster gehört;*) und 148 1 das Dorf Sembzin von der Familie 
der Grambow. Diesen Erwerbungen gegenüber treten alle anderen des 
XV. Jahrhunderts an Bedeutung zurück, wie z. B. die Hälfte der Windmühle 
vor dem Neuen Thore zu Waren, die der Priester Joh. Katzow 1407 dem 
Kloster schenkt; weitere vier Hufen in Jabel im Jahre 141 4, die bis dahin 
noch dem Heinrich Gelder zu Lansen gehört haben; der »grosse Hof zu 
Grüssow vor dem Walower Ende«, den am 7. Januar 1437 Vicke Flotow um 
seiner Seligkeit willen schenkt; alljährlich zwei Drömt Mehl aus der Poppen- 
tiner Mühle als Stiftung der Familie Metzeke im Jahre 1445; 1450 eine 
Anzahl Kornhebungen in dem später wüst gewordenen Dorfe Lübow, das 
ehemals südlich vom Dorfe Drewitz lag, und wo man schon damals, wie 
vielleicht auch heute noch, Buchweizen baut; der Linstow'sche Antheil an der 
Mühle zu Hohen -Wangelin, welchen das Kloster am 6. Januar 1502 für ein- 
hundertzehn rheinische Gulden erwirbt; Pachte aus Hufen und Höfen des 
Hahn'schen Dorfes Demzin im Jahre 1509, und viele andere kleinere Hebungen 
und Einkünfte, von denen eine grosse Zahl noch nicht veröffentlichter Urkunden 
im Grossh. Archiv und im Kloster- Archiv ausfuhrlicher handelt. 

Dass auch in späterer Zeit noch Veränderungen innerhalb des Güter- 
besitzes vorkommen, zeigt der in der Geschichte des Klosters Dobbertin be- 
rührte Umtausch von Roez gegen Penkow im letzten Drittel des XVII. Jahr- 
hunderts.^) Die Dörfer Cramon und Kraaz werden zwischen 16 13 und 16 18 
von der Familie Quitzow erworben, die 1536 damit belehnt worden war, 
nachdem Reimar von Hagen, der letzte seines Geschlechts, das die Güter bis 
dahin zu Lehn getragen hatte, aus dem Leben geschieden war. Kraaz gehört 
übrigens Anfangs nur zur Hälfte dem Kloster, die andere Hälfte wird erst 
17 19 durch Umtausch gegen zwei Jabelsche Klosterbauern erworben.*) Ebenso 
ist es mit Wangelin, dessen letzte Antheile erst 1714 vom Kloster erworben 



*) Lisch, Geschl. Hahn II, S. 99 (Urk. CCXXX). 

*) Ueber die früheren Besitzer von Alt-Drewitz vgl. Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 410 
(Urk. CCCLX). 

®j Kunst- u. Gesch. -Denkm. IV, S. 355, Anmkg. i. Eine Mittheilung des Herrn Pastors 
Schnell zu Kloster Malchow aus Prozess- Akten in puncto veneficii i668 ergiebt, dass der Umtausch 
im Jahre 1668 noch nicht geschehen war. Er findet somit in der Zeit zwischen 1668 und 1688 
statt. Eine Nachricht in dem vom Küchenmeister Heinrich Dugge geschriebenen Amtsbuch 
(Th. II) vom Jahre 1697, das im Kloster aufbewahrt wird, giebt an, dass bei dem Eintausch 
des Dorfes Penkun zugleich mit Roez auch die dem Kloster Malchow seit 13 10 zugehörig ge- 
wesenen beiden Lexower Hufen an das Kloster Dobbertin gegeben worden seien, sodass in Folge 
dessen für das Kloster Malchow von Lexow nichts weiter als die Kirche mit ihrem Jus patronatus 
übrig blieb. 

**) Auch ein Theil der Feldmark Viere wurde zugleich mit Kraaz schon X613/18 erworben. 
Ueber das Vier'sche Feld s. bei Schildt, M. Jahrb. LVI, S. 207. 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KLOS'IERS MALCIIOW. 399 

werden (s. u. S. 428). Als verhältnissmässig jüngsten Besitz dürfen wir das 
Dorf Malkwitz bezeichnen, das ehemals ebenso wie Cramon Linstow'sches und 
dann Raven'sches Eigenthum war. Freilich finden wir schon im Jahre 1724 
einen erheblichen Antheil von Malkwitz als Pfandgut beim Kloster, als 
alleiniges Klostereigenthum aber wird es erst vom Jahre 1803 an im Staats- 
kalender aufgeführt. Dagegen verschwindet um diese Zeit der Antheil, den 
bis dahin das Kloster Malchow an dem Flotow'schen Dorf und Gut Grüssow 
hat, nachdem schon 1785/86 vom Kloster drei Bauernhöfe zu Grüssow an 
den Hauptmann von Flotow auf Kogel verkauft worden waren. ^) 

Mit den Gütern mehren sich die Kirchen -Patronate. So kommt als 
viertes am 14. Februar 1352 das der Kirche zu Grüs.sow durch eine Schenkung 
des Fürsten Nikolaus von Werle hinzu.^) Doch gehört es heute wieder mit 
dem Dorf und Gute der Familie von Flotow. Dagegen besitzt das Kloster 
seit 1410 das Patronat in der Kirche in Jabel; ebenso hatte es, solange eine 
Kirche im Dorfe Hagenow war, auch in dieser das Patronat, wie am 21. Ok- 
tober 1449 und am 6. Juli 1453 urkundlich bestätigt wird.^) Und noch heute 
gehören ihm von alter Zeit her die Patronate in den Kirchen zu Hohen- 
Wangelin und Poppentin. 

Ferner melden die Urkunden Manches von frommen Stiftungen, von 
Aufnahmen einzelner Stifter, wie des schon früher oft genannten Güstrowschen 
Bürgers Jakob Wörpel und seiner Frau Katharina am 23. Mai 1339, in die 
Fraternität des Klosters,'*) von der Theilnahme an den guten Werken des 
Konvents, welche z. B. der Nonne Bertha Wimann und ihren Verwandten am 
14. Mai 1355 zu Theil wird,°) sowie von Memorien und Vikareien. Unter 
diesen mögen hier genannt sein die Memorienstiftung des Pfarrers Joh. Rambow 
in Waren am 11. März 1351; die des Probstes Johann Katzow am 19. Juli 
1360; die am i. Februar 1427 von dem Priester Nikolaus Hagedorn und 
Hartwig Bonsack »to olden Malchow in der karken to sunte Johannes« ge- 
stiftete und am 20. Mai 1429 vom Bischof von Schwerin bestätigte Vikarei; 
die Memorienstiftung des Güstrowschen Bürgers Hinrick Vughe vom 23. August 
1432; die der Margarethe Preen vom 10. September 1437; die auf dem Chor 
der Klosterkirche am 3. März 1445 dem hl. Martin und der hl. Katharina zu 
Ehren gestiftete Vikarei der von Flotow auf Stuer, von welcher uns mehrere 
Inhaber bekannt werden, wie Johannes Hake, Hermann Kaghe und Johannes 
Roleke, und endlich eine zum St. Michaelis -Altar in der Klosterkirche ge- 
hörende Vikarei, deren Stifter nicht genannt wird, welcher aber Heinrich 
Gamm auf dem Gammenwerder im Jahre 1522 eine Summe von 20 Mark 
Lübisch schuldig ist.^) 

') Nach Akten im (Irossh. Archiv. 

») M. U.-IJ. 7580. 7660. 

^) Nicht gedruckte Urkuiulen im (irossh. Archiv. 

*) M. U.-H. 5959- 

'^) M. U.-B. 8084. 

") M. U.-B. 7435. 8063. 8770. 8795. Dazu KucUoffs handschriftliches Diplomalar des 

Klosters Malchow im Grossh. Archiv. 



400 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 

Dass übrigens das Kloster schon in der ersten Zeit seines Bestehens 
keineswegs immer von dem Wohlwollen und der guten Gesinnung seiner Zeit- 
genossen getragen wird, zeigt die Klage des Frohstes und Konventes wider 
die Ritter Nikolaus von Peccatel, Ghemekinus Kossebode, die Brüder Rumpes- 
hagen, Werner Kranz, Gerlach von Vicheln und Arnold von Liepen in den 
vierziger Jahren des XIV. Jahrhunderts, welche sich der weltlichen Gerechtigkeit 
zu entziehen suchen.^) In diesem Sinne wird auch der Schutzbrief des Ritters 
Ulrich von Maltzan auf Grubenhagen zu beurtheilen sein, den er dem Kloster 
am 5. April 1364 über die Dörfer Wangelin und Liepen ausstellt.*) Noch im 
Jahre 1546 giebt es Uneinigkeiten über diese beiden Dörfer zwischen denen 
von Gamm und dem Kloster, die durch fürstliche Kommissarien verglichen 
werden; ebenso über anderen Besitz, Fischerei-, Wald- und Wasser- Gerechtig- 
keiten, im Jahre 1546 mit den von Below auf Klink und Lebbin, die eben- 
falls durch einen Vergleich beendet werden; und endlich noch im Jahre 1595 
über Fischerei -Gerechtigkeiten mit denen von Flotow auf Stuer, die durch 
den Herzog Ulrich geschlichtet werden. Zu dieser Zeit sind bereits weltliche 
Provisoren an die Stelle des geistlichen Frohstes getreten.^) 

Was sonst noch über Angelegenheiten des Klosters urkundlich ge- 
meldet wird, ist von geringerer Bedeutung, doch mag man davon ausnehmen 
einen Ablassbrief des Bischofs Konrad Loste im Jahre 1492 zu Gunsten von 
Klosterbauten, die Gewährung der Erblichkeit des Schulzenamtes gegen eine 
jährliche Abgabe von neun Gulden Münze und acht Schilling Lübisch an den 
alten verdienten Dorfschulzen Hinrick Nagel und dessen Nachkommen in 
Klein -Rehberg am 13. December 1532, und die Ertheilung einer Krug- 
gerechtigkeit sowie die Erlaubniss zum Aufbau eines Kruges im Klosterdorf 
Liepen an den Feter Kaie aus Wangelin am 18. November 1591, »nachdem 
er sich eine Zeit hero bei denen vom Adel hin und wieder im Dienste, wie 
einem redlichen reisigen Knechte gebühret, verhalten, und nach seiner Ge- 
legenheit unter das Kloster, weil er darunter geboren, niederzulassen und ge- 
beten, ihme eine Stätte auf des Klosters Grund und Boden zu vergönnen zu 
bebauen«. 

Ueber alle dem Kloster angehörenden Personen geben die Register des 
mecklenburgischen Urkundenwerkes bis zum Ende des XIV. Jahrhunderts die 
ausreichendste Auskunft. Wir wollen daher hier im Anschluss daran nur 
noch die Fröbste, beziehungsweise Verweser und Provisoren, sowie die 
Friorinnen und Unterpriorinnen nennen, die uns im Urkundenschatz des XV. 
und XVI. Jahrhunderts entgegengetreten sind. Um 1386 ist Gerd Bomgarden 
Probst und Ida von Hagen Priorin; um 1396 ist Johann Katzow Probst; um 
14 IG Heinrich Wulf, und neben ihm Ilsabe von Pritzbuer Priorin, die auch 1414 
noch als solche genannt wird, während Hermann König als Probst gefolgt 



1) M. U.-B. 6080. 

•) M. U.-B. 9256. Vgl. Lisch, Geschl. Maltzan II, S. 180—183. 

■) Vgl. Urkunden im Grossh. Archiv. 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KLOSTERS MALCHOW. 4OI 

ist;^) 1450 haben Probst Nikolaus Reeps und Priorin Margarethe Kolres 
die Vorstandschaft im Kloster;*) 1475 ist Peter Warnstorp Probst, aber schon 
1476 steht Joh. Roghemann an seiner Stelle, den wir auch noch 1478 dort 
finden, als bereits Adelheid von Plessen Priorin ist. Diese ist auch 148 1 
noch da, während neben ihr Herr Hinrick Vaghet als Probst und Anna 
Metzeke als zweite Priorin (sonst Unterpriorin) genannt werden. 1484 ist 
Jutta von Hahn Priorin, 1508 Katharina von Hahn, und neben ihr als Probst 
Herr Johann Grabow. Beide sind auch 1520 noch auf ihrem Posten, während 
Margarethe von Grüssow (Grüskouwen) Unterpriorin ist. Johann von Grabow 
kommt auch 1532 noch als Probst vor, nachher nicht mehr. Von 1534 bis 
zu seinem Tode 1538 ist Dr. juris Heinrich von Bülow Probst.^) 1546, bei 
Gelegenheit des Vergleiches zwischen denen von Below und dem Kloster, 
werden in der hier stehenden Reihenfolge aufgeführt: Anna von Wangelin 
als Priorissa, Peter Weffinger als Verweser und Elisabeth von Rohr als Sub- 
priorissa. 1580 ist Anna von Rohr Priorin,*) und 1591 sind der bekannte 
Rath Henning Krause (Kruse) zu Varchow und Johann von Kramon zu 
Woserin die alleinigen weltlichen Provisoren des Klosters. 

Die Anweisung des Klosters an den Adel des Landes wird bereits in 
einem Erlass der vom Herzog bestellten Visitatoren des Klosters vom 22. Ok- 
tober 1557 deutlich ausgesprochen, während die wirkliche rechtliche Ueber- 
weisung an die Landstände erst durch die bekannten Sternberger Reversalen vom 
2. und 4. Juli 1572 geschieht.*^) Die Reformation war in aller Stille und ohne 
eine Spur jenes Widerstandes, den ihr z. B. das Kloster Dobbertin entgegen- 
setzte, in die Mauern des Klosters eingezogen, ebenso in die Stadt. Martin 
Bambam (Bamban), der Prediger auf der einen und auf der andern Seite des 
Wassers, in der St. Johannis- Kirche des Klosters und in der St. Georgen- 
Kirche der Stadt, ein im Jahre 1523 vom Weihbischof zu Schwerin, Dietrich 
von Sebaste, geweihter Priester, hatte nach seiner Anstellung als Pastor an 
der St. Georgen -Kirche der Stadt, nachdem er hier schon seit dem Jahre 1528 
als Vikar gewirkt hatte, im Sinne der neuen Lehre zu predigen begonnen. 
Er erhält 1568 auch die Pfarre zu Lexow als Filial des Klosters und lebt 
noch 1580, im Amte unterstützt von seinem Sohne, dem Kaplan Bernd 
Bambam.*) 

Bei einem Blick auf die weitere städtische Entwicklung während des 
Mittelalters finden wir, dass sich anscheinend in dem angeseheneren Theil der 
Bürgerschaft zu Anfang des XIV. Jahrhunderts ein besonderes Interesse für 

») Lisch, M. Jahrb. XXVII, S. 249. 

*) Lisch, M. Jahrb. XXXIX, S. 109 (zur Gesch. des Buchweizens). 

«) Lisch, M. Jahrb. XII, S. 237. 

*) Lisch, M. Jahrb. XXII, S. 107. 

*) Schröder, Kirchenhist. des evang. Mecklenburgs III, S. 132 ff. Franck, Altes u. Neues 
Mecklbg. X, S. 232 — 238. Lisch, M. Jahrb. XXII, S. io6. Wiggers, Gesch. der drei mecklenb. 
Landesklöster, S. 87. Viereck, die Rechtsverhältnisse der vier mecklenb. Jungfrauenklöster II, 
Beil. I, S. 2. Dazu I, S. 7iff. 

«) Lisch, M. Jahrb. XXII, S. 105. 

26 



402 AMTSGERICIITSBEZIRK MALCIIOW. 

den Mühlenbetrieb zu erkennen giebt. Es ist geradezu auffallend, wieviele 
Verträge einzelner Bürger über die in der Stadt und deren Nachbarschaft an- 
gelegten Mühlen auf uns gekommen sind. Man sieht daran, dass diese für 
die städtischen Wirthschaftsverhältnisse eine ebenso hervorragende Bedeutung 
hatten wie für die klösterlichen.^) Weitere Gewerke treten in den Urkunden 
nicht hervor. So findet sich z. B. von der späteren Tuchmacherei, die in 
Malchow bis ins XIX. Jahrhundert hinein in besonderer Blüthe war und noch 
heute in gutem Gange ist, in alter Zeit keine Spur. Auch der Trieb auf 
Vergrösserung der städtischen Feldmark, die von Fürst Nikolaus von Werle 
im Jahre 1235 mit vierzig Hufen eingesetzt war, und welcher er die Be- 
rechtigung zur Schweinemast und Viehweide, auch zur beliebigen Fällung von 
Brenn- und Bauholz in der Forst und Feldmark Geline hinzugefügt hatte, tritt 
bei Malchow weniger hervor als bei anderen Städten.*) Es ist nur Weniges 
dieser Art zu verzeichnen. So kauft z. B. die Stadt am 14. März 1334 einen 
Wald bei Nossentin von dem Knappen Henning Pape und dessen Angehörigen.*) 
Doch ist dieser Wald, der zwischen Nossentin und dem schon vor 1558 ein- 
gegangenen Dorf Locken gelegen war und zu dessen örtlicher Bestimmung 
die in Wiesen umgewandelten drei Seen einst dienten, welche die Schmettau'sche 
Karte noch als Wangelin-See, Belower See und Lochser See nördlich von 
Nossentiner Hütte verzeichnet, seit langem kein Stadtgebiet mehr, sondern 
gehört jetzt zur Malchower Klosterforst. 

Von ebenso geringer Bedeutung ist das Hervortreten der Stadt in 
äusseren Angelegenheiten. In dieser Beziehung sind zu erwähnen: 1304 die 
bei Gelegenheit des Bündnisses zwischen dem Fürsten Nikolaus von Werle 
und dem Grafen Gunzelin von Schwerin der Stadt auferlegte und geleistete 
Huldigung für den letztgenannten;*) 1309 das der Johanniter- Komthurei zu 
Mirow bewiesene Entgegenkommen der Stadt mit Befreiung vom Brücken-, 
Wege- und Durchgangszoll ;^) 13 16 die Verbindung der Stadt bei der Landes- 
theilung im Hause Werle mit demjenigen Theil, von welchem Parchim die 



^) M. u.-B, 2162. 2939. 2959. 3661. 3961. 5675. 5868. 5972. 8124. 8267. 9145. 9467. 

10523. 10995. 11083. II 149. 11520. Dazu Urkunden vom 1 6. März 1391 ; 15. August 1402; 
18. August 1407; 18. December 1445; 25. November 1482; 30. Juni 1488; 17. Januar 1501; 
29. April 1507; 1541 (ohne Datum); 3. Februar 1546. 

*) Vielleicht steckt der Name Geline in der Vorsilbe jener im Jahre 1697 genannten 
»Globahn«, einem sUdlich des Sees gelegenen Landstrich, der als Viehtrift und als Holzung ge- 
kennzeichnet wird: „„Die Stadt hat übers Wasser eine wüste Dorfstätte gehabt, so vormals 
Globahn geheissen."" „Die Stadt genoss damals aber wenig davon, „„da die Grüssower, die 
Petersdorfer, der Brantmüller und der VormUUer eine grosse Menge Vieh für eine schlechte 
Heuer darauf trieben,^ "^ „und auch Tannen darauf standen. Die Stadt hat jetzt auf dem Südufer 
ihr Jägergehöft, bedeutende Holzung, Wiesen und ihr Torfmoor, sowie die Ziegelei": Lisch, 
M. Jahrb. XXXH, S. 39. Die vom Fürsten Nikolaus geschenkten vierzig Hufen lagen zum grössten 
Theil auf dem Nordufer des Sees. 

») M. U.-B. 6389. 

*) M. U.-B. 3178. 

*) M. U.-B. 3341. Ein Vertrag mit dem Kloster Dobbertin über die Durchfahrt von Wagen 
kommt 1356 zu Stande: M. U.-B. 8204. 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KLOSTERS MALCHOW. 4O3 

Vorderstadt wird;^) 1346 die Verschreibung von Stadt und Land Malchow als 
Leibgedinge für die Fürstin Agnes, die Tochter Ulrich's IL von Lindow-Ruppin, 
und Gemahlin des Fürsten Nikolaus IV. von Werle;*) 135 1 die Einschätzung 
der Stadt mit zehn Mann für das Landfriedens -Kontingent;^) und 1354 die 
Stellung der Stadt bei der Verpfändung des Landes Malchow an die Flotow, 
sowie die ihr bei dieser Gelegenheit ertheilte besondere Versicherung des 
landesherrlichen Schutzes.*) Dieser Pfandvertrag des Landesherrn mit den 
Herren von Flotow kann wohl als das einschneidendste Ereigniss in der 
mittelalterlichen Stadtgeschichte von Malchow bezeichnet werden. Zwar ist 
die Original -Urkunde nicht mehr vorhanden, aber ihr Inhalt ergiebt sich voll- 
ständig aus einer vom Fürsten Christoffer von Wenden am 15. Juni 141 5 voll- 
zogenen Erneuerung, welche (wegen der darin genannten Zeugen Hinrick und 
Olrick Maltzan) im zweiten Bande der Urkunden -Sammlung zur Geschichte des 
Geschlechts Maltzan, S. 504 bis 508, abgedruckt ist. »Witliken vmme groter 
not willen vnser olderen«, wie Fürst Christoffer sagt, war den Flotowen, »dar 
ere olderen vore vnde vmme rumeden de stat vnde sloth Tribbezesc (also in 
jener Zeit, als die Häuser Mecklenburg und Werle das Festland Rügen an 
Pommern verloren),^) der Pfandbesitz von Stadt und Land Malchow sowie von 
der Sommer- Bede aus dem Lande Malchin für eine Summe von sechstausend 
löthigen Mark Silbers überwiesen worden: »Aldus so schal de stat Malchow 
vnde dat gantze land myd der samerbede to Malchin vorbenomed, so id licht 
an allen sinen enden, in alle sinen scheden, myt aller siner tobehoringe, mit 
alleme anualle, myt aller losinghe, myt aller herschop, myt alleme herenrechte, 
myt alle vnde dar nicht vt to nemende, der vorbenomeden Vlotowen vnde 
erer rechter eruen bruklicke pant wesen vnde bliuen, so quid, frig, vnbeworren, 
so vse olderen dat frigest brukelken beseten hebben, vs edder vsen rechten 
eruen edder vsen nakomelinghen dar nicht ane to beholdende edder to 
hebbende, men de losinghe«. Mit dieser die weiteste Deutung und den 
weitesten Niessbrauch zulassenden Verpfandungsurkunde treten nun die von 
Flotow thatsächlich in alle landesherrlichen Rechte über Stadt und Land 
Malchow ein. Demgemäss bestätigen sie z. B. am heiligen Dreikönigstage des 
Jahres 1423 der ganzen Einwohnerschaft von Stadt und Land Malchow und 
auch dem besonders dabei genannten Rath der Stadt alle Privilegien, die 
diese bisher genossen haben. Dass auch die oberste Gerichtsbarkeit über 
Stadt und Land dazu gehörte, war selbstverständlich. Daher kann denn auch 
die Zusicherung der von Flotow, die sie am 8. März 1354 den Mannen des 
Landes und der ganzen Bürgerschaft der Stadt ausstellen, nicht den Sinn 
haben, den die Ueberschrift im Urkundenbuche angiebt. »Ueber Stadt und 
Mannen der Landschaft kein Recht ausüben wollen«: das wäre ja das Gegentheil 



») M. U.-B. 3860. 

') M. U.-B. 6669. 

») M. U.-B. 7524. 7717, Anmkg. 7731. 7911. 

**) M. U.-H. 7907. 7908. Vgl. 9394. II 633. Dazu Crull, M. Jahrb. LIII, S. 355, Anmkg. 

*) Rudloff, Hdb. d. M. Gesch. II, S. 311— 315, 

26* 



404 AMTSGERlCllTSliEZlKK MALCHOW. 

von dem, was abgemacht worden war. Die Worte »juxta omnem iusticiam 
et ius penitus amittere« sind vielmehr, wie Crull nachgewiesen hat, eine 
unzureichende Uebersetzung der herkömmlichen Wendung »bi aller rechticheit 
vnde rechte dorchut latent.^) Die von Flotow machen sich damit anheischig, 
die hergebrachten Rechte und Privilegien von Stadt und Land Malchow in 
keinem Punkte irgend wie anzutasten und zu verletzen. Wenn es aber in 
dieser langen, fast ein halbes Jahrtausend dauernden Periode des Flotow'schen 
Pfandrechtes ohne allerlei schwerere und leichtere Konflikte nach oben wie 
nach unten nicht ganz abgeht, so kann das keine Verwunderung erregen. So 
ist z. B. 1681 von einem Verlust des vierten Theiles der Jurisdiktions- Gefalle 
ex delicto die Rede.^) Doch wollen alle diese Dinge immer aus den Ver- 
hältnissen ihrer Zeit und nicht mit dem Massstabe unserer Zeit verstanden 
und beurtheilt sein. Im Uebrigen unterlassen es die seit 1436 an die Stelle 
der werleschen Fürsten getretenen Herzöge von Mecklenburg niemals, in ihren 
nachfolgenden Bestätigungen (1436, 1469, 1477, 1505, 1549) neben denen 
von Flotow auch den Rath und die Bürgerschaft von Malchow sowie alle 
Einwohner des Landes als gleichmässig in ihren Rechten zu erhaltende und 
zu schützende Unterthanen hervorzuheben. Dieses Verhältniss hat erst im 
Jahre 1837, beziehungsweise 1838, durch Verträge mit der Landesherrschaft 
und der Stadt seine Endschaft erreicht.^) Doch mag es die Ursache davon 
sein, dass »der ringhaltende Vogel auf dem von Flotow'schen Helm mit dem 
ringhaltenden Vogelkopfe im Siegel der Stadt Malchow (in dem übrigens das 
»Herz« wohl zutreffender als »Seeblatt« anzusehen sein dürfte) in Zusammen- 
hang steht« . . . Dann würden aber die von Flotow den Vogel von der Stadt 
entlehnt haben, nicht diese von jenen, da der Vogelkopf bereits 13 18 im 
Malchower Siegel sich zeigt.«*) 

Eine besondere Geschichte haben die Brücken und Fähren der Stadt, 
die als Inselstadt ins Leben getreten war. Die nach Nordwesten ans Land 
führende kürzere »Stadtbrücke«, von der es keine urkundliche Ueberlieferung 
giebt, wird wahrscheinlich ebenso lange und ebenso früh dagewesen sein, wie 
die »lange Brücke (longus pons)«, welche einstmals, und zwar schon vor der 
Klosterzeit, die Stadt mit dem Dorfe Olden- Malchow verband. Diese Brücke, 
die von zwei Malchower Bürgern, Pote und Erich, angelegt worden war, 
wird im Jahre 1292 vor Fürst Nikolaus als Privatbesitz aufgelassen und 
nunmehr von diesem, wie schon bemerkt worden, der ^ Stadt Malchow als 
Eigenthum überwiesen. Aber ihre Erhaltung, bei der es sich um eine Länge 
von achthundert Fuss handelt, macht schon im XVI. Jahrhundert die grössten 



*) M. Jahrb. LIII, S. 355, Anmkg. Dazu Wortregister in Bd. XVII des Urkundenbuches 
unter »amittere«. 

*) Klüver, Beschreibung Mecklenburgs II, S. 283. 

») Lisch, M. Jahrb. XXXIT, S. 17. 

'') Wörtlich nach CruU, M. Jahrb. LllI, S. 355 (bei Besprechung eines Paares kleiner Schrank- 
thilren, auf denen das dem Flotow'schen ähnliche, aber wegen des Unterschiedes nicht mit ihm 
zu verwechselnde Wappen der westj)hälisch- niedersächsischen Chalong, gen. Gehle, vorkommt). 



GESCHICHTE DER STADT UND DES KIX)S'IERS MALCHOW. 40S 

Schwierigkeiten und veranlasst eine Unterstützung der Stadt durch den Herzog 
Ulrich mit zweihundert Gutden, die bei der Güstrower Stadtkämmerei mit 
fiinf Prozent Zinsen zur Unterhaltung der Brücke belegt werden. Da kommt 
das schlimme Kriegsjahr 1637 heran und 
mit ihm eine Zerstörung der Brücke. Diese 
Zerstörung fuhrt 1675, beim Rückzuge der 
Schweden aus der Mark, zu einer völligen 
Vernichtung/) sodass an eine Wiederher- 
stellung nicht zu denken ist. Klagen im 
Jahre 1639 und 1694 enthüllen diesen 
Zustand. Aber das Unglück wird noch 
grösser. Am 23. April 1697 zerstört ein 
Brand die ganze Stadt mit Kirche, Rath- 
haus und Thoren, kein einziges Haus 
bleibt stehen. Da denkt die Büi^erschaft 
allen Ernstes daran, die Insel zu verlassen, 
dies um so mehr, als die Stadt nach Ver- 
lust der alten langen Brücke zum Kloster 

„ . , , „, hinüber nahrlos dagesessen habe. Doch 

Plotowsches Wappen. ** 

die Bürgerschaft beruhigt sich und bezieht 

wieder die alte Insel. Da giebt es am 27. November 1721 einen zweiten 
grossen Stadtbrand, bei dem nur dreissig Wohnungen stehen bleiben, und 
aufs Neue entsteht der Wunsch, auf dem »festen Landet sich anzubauen. 
Der Herzog Karl Leopold giebt am 
10, Juli 1723 den Bescheid, dass er die 
»Wiederbebauung der Stadt placidire, auch 
permittire, wenn einige draussen bauen 
wollten.« Beides geschieht, und nun ent- 
steht in der »neven Stadt Malchowe«, wie 
sie im Gegensatz zum Dorf »Olden Mal- 
chowe* im Mittelalter heisst, zum ersten 
Mal eine Unterscheidung zwischen Altstadt 
und Neustadt. 

Endlich kommt am 13. Mai 1727 ein 
Malchower Stadtsiegel. Kontrakt Zwischen der Stadt und dem 

»Schiffsbaumeister« Heinrich Watermann 
zu Stande, nach welchem dieser auf seine Kosten und fiir seinen Nutzen eine 
Fähre erbaut. Diese Fähre hat bis zur Mitte des XIX. Jahrhunderts bestanden, 
d. h. bis zur Vollendung des jetzigen Dammes am 26. Februar 1846') und der 
dadurch veranlassten Verlegung der Durchfahrt für Eidekähne auf die andere 
Seite der Stadt zwischen der nunmehrigen Alt- und Neustadt Malchow. Dass 

') Franclt, Altes u. Neues Meckl. XIV, S. 282. 

') Ein Werk des thatkräftigen Bürgermeisters Mejer (s. Denkstein am Damm). 



406 AMTSGERICIITSBEZIRK MALCHOW. 

es Übrigens auch auf dieser Seite nicht immer, z. B. nicht am Ende des XVIII. 
Jahrhunderts, eine Brücke gab, sodass der Verkehr mit dem festen Land auch 
hier nicht anders als mit Böten und mit einer Fähre stattfinden konnte, 
ersieht man aus der grossen Schmettau sehen Karte von 1788 bis 94. Hier 
ist die Stadt als eine abgeschlossene Inselstadt eingetragen, vollkommen ent- 
sprechend der Beweglichkeit ihrer Klagen aus dem XVII. Jahrhundert. 

Die grossen Wellen der Geschichte, welche die Stadt 11 64 in den 
Angriffskriegen Heinrich's des Löwen, 1637 >°* dreissigjährigen Kriege und 
1675 in den Kämpfen des Grossen Kurfürsten berührt haben, kommen 1806 
noch einmal in ihre Nähe, als nach der Schlacht bei Jena die unter dem 
Befehl des Oberst von York stehenden Truppen der sich zurückziehenden 
preussischen Nachhut am i. November d. Js. auf der Nossentiner Heide, gegen 
sieben Kilometer nordöstlich von der Stadt, in einem scharfen Gefecht mit 
den sie verfolgenden Franzosen zusammenstossen. Im Uebrigen aber sind alle 
Spuren der älteren Geschichte der Stadt durch die genannten grossen Brände 
so sehr vernichtet, dass nirgends mehr ein Mauerwerk ein Bild davon giebt 
und nur noch Urkunden und Siegel, wie Lisch richtig bemerkt, die Zeugen 
ihrer Vergangenheit sind.*) 

Auch die Malchower Kirchen sind von unten bis oben völlig neue 
Bauten, sowohl die im Kloster wie die in der Stadt. Ehe wir aber darauf 
eingehen, mag hier noch in herkömmlicher Weise das Verzeichniss ihrer Geist- 
lichkeit von den ersten grossen Visitationen des XVI. Jahrhunderts an bis zum 
Beginn des XIX. Jahrhunderts hin folgen. 

Bei der Visitation von 1534, als eben an Stelle des alten Johann 
von Grabow der schon genannte Dr. Heinrich von Bülow als Probst eingetreten 
ist, bringt das Kloster viele Beschwerden über Verkürzungen seines Eigenthums 
und seiner Einkünfte durch den benachbarten Adel vor, besonders durch die 
von Linstow, Wangelin, Below und Flotow. Als Beichtherr der Nonnen fungiert 
1541 Er Dionysius Hoge, der von der neuen Lehre nichts wissen will. Die 
Visitatoren berichten, dass er erklärt habe, von der römischen Kirche niemals 
abgehen zu wollen, doch versagen sie ihm nicht das Zeugniss guter Gelehr- 
samkeit. Er hat auch den Dienst in Lexow. Neben ihm giebt es einen zweiten 
Kaplan, Heinrich Säbel, der zugleich der Kirche in Grüssow vorsteht. Der 
eigentliche Kirchherr der Stadt aber ist Johann Möller, welcher ebenfalls als 
Papist bezeichnet wird. Damals giebt es auch noch eine St. Gertruden -Kapelle*) 
und eine Hl. Kreuz -Kapelle, beide ausserhalb der Stadt gelegen, ferner einen 
Kaland und natürlich auch eine Reihe von Vikaren, zu denen jener bereits 
genannte Martin Bambam gehört, der nach Möller Pastor wird und im Sinne 
der neuen Lehre wirkt (S. o.). Neben ihm, ebenfalls der neuen Lehre folgend, 
erscheint schon 1550 Er Laurentius Betke, doch wird er beschuldigt, die 



1) M. Jahrb. XXXII, S. 44. 

') Ueber die noch 1650 stehende Gertruden-Kapelle vgl. Lisch, M. Jahrb. XXXII, S. 40, 
Anmkg. 40. 



GESCHICHTE DER S'L'ADT UND DES KLOSTERS MALCHOW. 407 

Einkünfte der Hl Kreuz -Kapelle treulos verwaltet zu haben. Wienachherder 
jüngere Bernd Bambam dem Vater zur Seite tritt (seit 1568), ist oben schon 
erwähnt worden. Er wird der Nachfolger des Vaters und bleibt bis 1620 im 
Dienst. Ihm folgt Laurentius Franke (f 10. Juli 1630), nachdem er neben ihm 
als Diakon oder zweiter Pastor schon von 1 593 an thätig gewesen war. Ebenso 
wirken neben einander Magister Rudolf von Ankum und Johann Landgraf,', 
jener schon von 1620 an als Diakon neben Franke, dieser aber (Landgraf) 
nachher als Diakon neben Ankum. Beide werden im schlimmen Kriegsjahr 
1638 vom Tode hingerafft. Es folgt, und zwar nunmehr als einziger Seel- 
sorger, Jakob Anselius (Ansei, Ansehl), der 1639 Franke's Wittwe heirathet 
und ausser Stadt und Kloster Malchow auch die durch Krieg und Pest 
verödete Umgegend mit Gottes Wort und Trost versieht. Er erreicht ein 
hohes Alter und stirbt erst, nach fünfzigjähriger Amtsverwaltung, im Jahre 
1689. Nicht weniger als fünf Diakoni treten von 165 1 her neben ihm auf: 
Martin Lange (später Pastor in Ribnitz), Laurentius Dagius oder Tagius 
(1661, f 1663),*) Johann Meyer (»665, f 25. April 1676), Heinrich Sprockhof 
(1677, f vor dem 12. Oktober 1680) und Bernhard Stegmann, 1680, seit 1689 
Pastor und gestorben 1697 alsbald nach dem grossen Brande, bei dem er, wie 
Cleemann erzählt, eine gute Bibliothek verlor. Schon ein Jahr nach ihm stirbt 
Matthias Strumpf, der seit 1690 als Diakon neben ihm thätig gewesen war. 
Es folgen nun Joh. Ad. Hartmann als Pastor von 1698 bis zu seinem Tode 1739, 
und neben ihm als Diakoni zuerst Joh. Christoph Wendt (1701 bis 171 r, nachher 
Pastor in Grubenhagen)*) und dann von 17 12 an Joachim Janenzky, der nachher 
als Pastor in Malchow von 1739 bis zu seinem Tode am 3. April 1754 im 
Amte ist. Neben ihm von 1748 an als Diakon Joh. Sigismund Frank, der 
nach Janenzky's Tode bis zu seinem eigenen Tode am 24. Oktober 1 763 Pastor 
ist; und neben Frank von 1755 an Barth. Ferd. Scheel, der 1763 Pastor Pri- 
marius wird und als solcher am 26. Januar 1808 stirbt. Endlich neben Scheel 
als Diakoni: Chr. Heiiir. Brummerstädt (1764, f 10. December 177S), Joh. 
Christian Behm (1777, f 7. Mai 1791) und Christian Ludwig Palack (1792, 
f 23. Juli 1810). Ueber die Geistlichen des XIX. Jahrhunderts s. Walter a. a. O. 

Am Schluss mag erwähnt werden, dass das Patronat der Stadtkirche 
am 18. April 1825 vom Kloster auf den Magistrat der Stadt übergegangen ist.^) 



^) Früher in Fahrenholz, s. o. S. 186. 

*) S. o. S. 56. 

») Lisch, M. Jahrb. XXXII, S. 44. 



Blick auf die Klosterkirche i 



Die Klosterkirche. 

Die B^Hjoti der ältesten Klosterkirche ist nichts mehr erhalten. Zu Anfang der 

Kloster- iB*l vierziger Jahre stand noch der alte Chor. Lisch, der die alte Kirche 
kirche. gesehen hat. beschreibt sie mit Tolgenden Worten: »Die Klosterkirche ist 
unbedeutend: ein oblonges Schiff mit einem oblongen Chor aus Feldsteinen, 
ohne Seitenschiffe und Gänge, ohne Pfeiler und Wölbung, ohne architektonischen 
Schmuck. Das einzig Bemerkenswerthe sind die drei ohne Gliederung schräge 
eingehenden schmalen Fenster aus der Zeit des Uebergangsstyls in der geraden 
Altarwand. Das Innere ist in den letzten Jahrhunderten im Renaissancestyl 
nicht geschmackvoll aufgeputzt. Von dem Kreuzgange steht ungelahr noch 
die Hälfte in den Grundmauern, jedoch ohne architektonische Eigenthümlich- 
keiten, vielmehr schon mit Gebälk überlegt und modernisiert.«') 

Es haben sich alte Abbildungen erhalten, die uns das Innere ver- 
anschaulichen. 

An Steile dieser alten Kirche, die um die Mitte des XVI. Jahrhunderts 
fünf Altäre und Altar-Lehne zählte (Lehn auf dem Jungfrauen-Chor; Lehn zu 
Unserer Frauen-Altar; Lehn zum hl. Kreuzaltar; St. Jodoci-Lehn; St. Michaeiis- 
Lehn), wurde in den Jahren von 1844 bis 1849 eine vollständig neue Kirche 
errichtet, die hier ebenfalls in einer Ansicht von der Wasserseite als Kopf- 
leiste wiedergegeben wird. Aber auch diese Kirche steht nicht mehr, sie ist 
in der Johannis- Nacht des Jahres 1888 vollständig ab- und ausgebrannt, nur 
der Thurm und die Mauern blieben stehen. Was davon benutzt werden 
konnte, das ist bei dem Neubau des damaligen Oberbauraths Daniel in den 
Jahren 1888 bis 1890 wieder zu Ehren gekommen. 

') M.Jahtb. VIIIB, S, 133. 



KLOSTERKIKCIIE ZU MALCIIÜW. 4O9 

Eine Erwähnung verdienen sowohl die im Neubau zur Verwendung Glasbilder, 
gelangten Glasbilder aus Innsbruck als auch das figurenreiche Altargemätde Altar- 

der kreuzesgruppe von Karl Andrea«. gemälde. 



Im Thurrn hängen zwei Glocken. Die älteste hat die Inschrift: BAR- 
BARA ROSTKEN DOMINA Ht- ELISABETH BUCHWOLT PRIORIN >i(< ANNA CAP- 
PELLEN Ht< UND ENGEL KNUTEN SACASTEN (!) 4. JOACHIM CARSTENS KUCH- 
MEISTER ANNO 1614. — Die zweite Glocke ist laut Inschrift: 1776 unter der 
Domina SOPHIE MAGDALENA VON PRESSENTIN, den Provisoren VON 



AMTSaEKICIITSUEZIKK MAI.CIIÜW. 



KLOSTERKIRCHE ZU MAl.CHOW. 4II 

BLÜCHER au( Finken und VON WELTZIEN auf Sammit sowie dem Kiostcr- 
hauptmann VON OERTZEN auf Leppln von dem Rostocker Glockengiesscr 
Johann Valftnlln Schultz aus einer älteren umgegossen worden. — Eine dritte 
Glocke von Eisen aus Berlin 1828 ist zurückgestellt worden, — Ausserdem 
hat das Kloster noch eine vierte Glocke, welche 1858 von C. Jllles in Waren 
aus guter Bronze gegossen worden ist. 

Kleioktinstwerke. 1. 2. Frühgothischer silbervergoldeter Kelch auf Kleinkunst- 
rundem Ftiss, mit einem aufgelegten plastischen Krucifixus als Signaculum. werke. 
Auf dem plattgedrückten Knaufe oben und unten kleine getriebene Rund- 
bildchen mit Köpfen. 
In den mit dunkel- 
blauem Email gefüllten 
Rotuli kleine Rosetten. 
Die zugehörige Patene 
hat eine Vertiefung 
in Vierpassform. — 
3. 4. Silbervergoldeter 
hochgothischer Kelch 
auf sechsseitigem Fuss, 
mit aufgelegter plasti- 
scher Kreuzesgruppe als 
Signaculum. Die sechs 
Seiten des Fusses und 
der Knauf sind mit aus- 
gegründetem Blattwerk 
verziert. Auf den Ro- 
tuli des Knaufes die 
Buchstaben fljenin (I), 
unmittelbar darüber die 

Inschrift: cafpar racl= 
djint X X fialcl^ajar 
inacia; darunter: al](e) 
inaria gracia pitim 
Kelch (I). öomiiiuf tcc(üm). Die 

Patene ebenso vertieft 
wie die zu Nr. 1. — 5. 6. Spätgothischer silberner Kelch auf sechspassigem 
Fuss, mit dem Namen t^efl)^ in den Rotuli des Knaufes, und mit der Jahres- 
zahl 1527 (?)- Am Fuss eingraviert die dreifigurige Kreuzesgruppe und Ranken- 
werk. Die Patene ohne Bedeutung. — 7. 8. Silbervergoldeter Kelch aus dem 
Jahre 1748 mit dem VON BOTHschen Wappen und der Inschrift: MEIN • JESUS. 
NIMM • MICH • AN • MICH • DURST • NACH • DEINEM • BLÜHT • Mit den 
Stempeln des Wismarschen Goldschmiedes Joh. Dietrich Gada, m ^5 Dazu 
eine silberne Patene. — 9. Runde silberne Oblatendose aus dem Jahre 1622, 
oben mit einem Blätterkranz verziert. Ohne Stempel. — 10. Ovale silberne 



412 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCIIOW. 

Oblatendose, 1743 von H. E. V. B(OTH) gestiftet, mit einem eingravierten 
Familienwappen. Von demselben Goldschmied wie 7 und 8.') — 11. 12. Zwei 
neue silberne Kannen von 1859 und 1861, gestiftet von der Domina CHAR- 
LOTTE VON FLOTOW und der Konventualln VON WELTZIEN. Von Fr. Emil 
G«rike-Berlin. — 13. 14. Zinnkelch, gestiftet von ERTMANN SCHRÖDER 1647. 



Kelch (3). 

Vom Gustrower Zinngiesser H P L, dazu eine Patene. — 15. Altes Messing- 
becken, mit gothischen Lilien und Sternen am Rande, in der Mitte der Gniss 
des Engels an die Maria mit der bekannten und vielfach bezweifelten Luther- 
Legende. Spätere Eingravierung: D S 1641. — 16. Neue versilberte Messing- 
Taufschale von 1856, vom Malchiner Goldschmied LIppold. — 17. Silberner 
Rokoko-Schild (17 cm hoch, 16 cm breit), der einst an einer Altardecke 

') Im Stempel int dn D nicht ausgeprägt, sudass man leicht bloss 1 G liest. 



sTAnTKiHciii; zu malchüw. 413 

gesessen haben soll, einen Krucifixus unter Rankenwerk darstellend, aus dem 
Jahre 1778. Gestiftet von J JH F. und G C F. Gustrower Arbeit von PGP. 
— 18. Silberner Klingbeutel, ge- 
stiftet von D. E. V. B(ÜLOW) 1746, 
mit Familienwappen. Von dem 
Rostocker Goldschmied - — »^ c^ 
Lonm Joh. Röpor. — ^ÜÄ' ißS 
19. 20. Zwei schön getriebene 
silberne Leuchter, gestiftet von 
der Konventualin SOPHIE VON 
LÜCKEN 1861, von Fr. Emil Gerike- 
Berlin. — 21. 22. Zwei einfachere 
silberne Leuchter im klassicieren- 
den Stil, ohne Werkzeichen, ge- 
stiftet vom Klosterhauptmann VON 
OERTZEN. — 23. Von ebendem- 
selben, unter Mitbetheilignng des 
Pastors SCHEVEN. ein auf dem 
Altar stehender versilberter Kruci- 
fixus, von Vollgold & Sohn-Berlin. 
- — 24-27. Vier zinnerne Leuchter, 
gestiftet 1 793 von der späteren 
Domina D. VON OLDENBURG. 
Englisches Zinn mit dem Stempel 

von J. C. Henscky. 
Kelch C7), 

« 
In der Friedhofs- Kapelle ein gusseiserner Krucißzus, 1860 von der Kruciüxus. 
Konventualin VON ARENSTORFF geschenkt. Aus Ilsenburg bezogen. 



Die Stadtkirche. 

BBlie Stadtkirche ist in den Jahren 1870 — 1873 als Kreuzkirche mit Holz- Die 
■■™ Wölbung im Innern unter Leitung des damaligen Baumeisters Georg Stadt- 
Daniel aus Schwerin neu erbaut worden. Auch ihre Vorgängerin war keine kirctie. 
alte Kirche. Sie stammte aus dem Jahre 1816. Lisch nennt sie 1843 »ein 
ganz neues Gebäude«.') Von der durch mehrfachen Brand beschädigten alten 
Kirche ist keine Beschreibung auf uns gekommen. Wir wissen nur aus einem 
zwischen 1540 und 1550 verfnsaten Protokoll über Malchower Lehne oder 
BenefizJen, dass sie vier Altäre mit Lehnen hatte, den St. Jürgen-Altar, St. 
Andreas - Altar, den »Neuen Altar* mit der Kommende von Em Joh. Curdes, 
und den St. Katharinen -Altar. 

') M.Jaluli. Vlim. S. Ij;;,. ^i« liiS ''i. "f s'!^!' j'^"' '1^'' "^^o «rlmitc Aml^gerielitseelJäude 



414 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCIIOW. 



Altar- 
gemälde, 
Bildniss. 



Glocken. 



Kleinkunst- 
werke. 



Von dem Kunst -Inhalt der neuen Kirche mag das Altargemälde (die 
Kreuzesgruppe von Theodor Fischer) genannt werden, und ferner das Bildniss 
des Pastors FERDINAND STOLZENBURG (1840— 1886), geb. 1811, gest. 1887, 
welcher den Bau der Kirche durch unermüdliches Einsammeln von Liebes- 
gaben möglich machte. 

Im Thurm drei Glocken. Die grosse ist am 16. September 1736 von 
Lorenz Strahlborn gegossen; die mittlere hat die Inschrift: GEGOSSEN ANNO 
MDCXCVIII • UMGEGOSSEN 1835 BEI J • C • HAACK IN ROSTOCK; die kleine 
von Ed. Albrecht in Wismar gegossene Stundenglocke ist ein Geschenk des 
Hofzimmermeisters JOH. VIRCK und seiner Frau MARIE, geb. REEPS, vom 
10. November 1883. 

Kleinkunstwerke. i. Grösserer neugothischer Kelch ohne Stempel. — 
2. 3. Grösserer neuer Kelch mit Patene, ohne Stempel, geschenkt von Dr. med. 
PENTZ. — 4. 5. Kanne und Oblatenschachtel, neu, geschenkt von demselben 
1856. — 6. Kleiner silberner Krankenkelch, von dem Güstrower Goldschmied 
Lenhard Mestlin. — 7. Taufbecken, neu. — 8. 9. Zwei silberne Leuchter, 1865 
geschenkt von dem Uhrmacher H. F. MICHAEt.. — 10 — 13. Vier zinnerne 
Leuchter, in der Form ganz übereinstimmend mit denen der Klosterkirche, 
wobei die Stempel des Röbelschen Zinngiessers H. Krummbügel zu beachten sind: 




RÖBELL 



14. 15. Zwei zinnerne Deckelkannen. Ohne Inschrift und Stempel. — 16. 
Messingene Taufschale, neu. — 17. Altes Sammelbecken von Messing. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Filial- Kirchdorf Lexow.') 

ie Geschichte Lexows fallt mit derjenigen der Klöster Malchow und 
Dobbertin zusammen, mit welchen es seit frühester Zeit in engster 
Verbindung steht. Als das Nonnenkloster vom Orden der Büsserinnen auf 
der Neustadt Röbel am 29. Mai 1298 durch Bischof Gottfried von Schwerin 
nach dem Dorfe Alt- Malchow verlegt wird, schenkt Fürst Nikolaus von Werle 
dem Kloster mit Einwilligung seiner Brüder und seiner Mutter Sophie das 
Patronat der Kirchen zu Alt- Malchow, Neu -Malchow und Lexow.") Das 
Patronat über die Lexower Kirche hat Kloster Malchow noch heutigen Tages; 
aber seinen geringen Grundbesitz, den es Anfangs hatte, hat es aufgegeben. 



*) 7 km südöstlich von Malchow. »Ort des Leksac: Klihnel, M. Jahrb. XLVI, S. 84. 
*) M. U.-B. 2503. 2505. 2506. 2507. 2508. 



FILIAL- KIRCHDORF LEXOW. 



415 



Dieser befindet sich seit dem Eintausch des Dorfes Penkun fiir das Dorf Roez 
beim Kloster Dobbertin. S. o. S. 398, Anmkg. 3. Lexow hat daher seit dieser 
Zeit ausser dem Landesherrn nie einen anderen Oberherrn gehabt als jenes 
Kloster und gehört im Uebrigen schon seit dem Jahre 1345 zu denjenigen 
Gütern, welche Dobbertin bis ins XVII. Jahrhundert hinein in Röbel durch 
seinen Geschäftsführer, den Sandprobst, verwalten lässt. Als Vorgänger im 
Besitz der Klosterhufen zu Lexow vor 1345 werden die werleschen Vasallen 
Hennekinus Budde und Gerhard Pape genannt. Der Budde'sche Besitz scheint 
der ältere zu sein. Pape erhält nachher für sich und seine Gattin eine lebens- 
längliche Rente vom Kloster Dobbertin.^) 

lieber die geistlichen Verhältnisse siehe bei Malchow. 

Kirche. Die Kirche zu Lexow ist ein kleiner Feldsteinbau mit äusserlich Kirche, 
gerundetem, innen aber polygonal gestaltetem Chorschluss. Bei ihrer gründ- 
lichen Erneuerung im Jahre 1888 wurde sie mit einem Thurm versehen. Im 
Innern eine hölzerne Wölbung, früher eine flache Holzdecke. 

Die Kanzel, deren Fuss 1887 erneuert ist, war zusammen mit der alten Kanzel. 
Altarwand, nach einer Inschrift auf der Rückseite der letzteren, z. Zt. des 
Küchenmeisters HEINRICH DUGGE und der Kirchenvorsteher FRANTZ SCHÖN- 
FELD und HINRICH HAGEDORN aufgestellt worden.^) 

Unter der Treppe steht ein alter Tanfengel, der in einem kranzartig Tauf- 
gebildeten Rahmen früher die unter den Kleinkunstwerken aufgeführte längliche engel. 
Messingschale hielt, offenbar derselben Zeit wie die Schale (1726) angehörend. 

Im Thurm eine kleine Glocke ohne Inschrift. Glocke. 

Kleinkunstwerke, i. Silbervergoldeter Kelch auf sechspassigem Fuss. Kleinkunst- 
Am Fuss hübsche Treibarbeit im Barockstil, vom Rostocker Meister Jürgen werke. 
Muller. Am Knauf in Email eingelassen I H S (Jesus) N (nazarenus) R (rex) 
I (Judaeorum). An der Kupa eine Inschrift, welche besagt, dass der Kelch 
unter dem Pastorat von JOHANN CHRISTOPH WENDT im Jahre 1706 von der 
Gemeinde der Kirche überwiesen worden ist. — 2. Patene vom Güstrower 
Goldschmied Lenhard Mestlin. — 3. Kleiner Zinnkelch vom Rostocker Zinn- 
giesser Martin Blawkogel. Als Stifter nennt sich JÜRGEN SALAMON 1655. — 
4. 5. Oblatendose und Patene, neu. — 6. 7. Neugothische Taufkanne von Zinn 
aus Stuttgart, dazu ein Becken. — 8. Ovales Messingbecken mit getriebenem 
Rande und der Jahreszahl 1726. — 9. Rundes Messingbecken, gestiftet 1661 
von CLAS und MAGRET HAGDORN. — lO. Grosses neues Einsatzbecken von 
Messing, ohne figuralen Schmuck. — 11. Zinnerner Leuchter, gestiftet von 
CATHARINA HAGEDORN 1771, vom Malchower Zinngiesser CSD. 



^) Lisch, M. Jahrb. VIII B, S. 117— 119; XXXII, S. 15. 36. M. U.-B. 6549. 6550. 7408. 
') Dugge kommt noch 1697 in den Akten vor, Hagedorn aber war 1695 nicht mehr im 
Amte. S. o. S. 398, Anmkg. 3. 



^\^;^ sy .•■.•,• -^^N- "^^ " 



4i6 



AMTSGERICIITSBEZIRK MALCHOW. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Gut und Kirchdorf Alt-Schwerin.') 

m Süden und Südwesten vom Flauer See begrenzt, auch sonst umgeben 
und durchsetzt von zahlreichen mehr oder weniger grossen Gewässern, 
liegt in waldreicher Gegend die grosse Feldmark Schwerin, wofür seit Mitte 
des XVI. Jahrhunderts der Name Alt- Schwerin aufkommt. Die Geschichte 
dieses Dorfes reicht bis in die mecklenburgische Vorzeit zurück, in seinen 
Hainen walten wendische Friester des Dienstes ihrer Götzen. Aber es ist hier 
nicht der Ort, Kaiser Otto I. auf seinem Feldzuge zu folgen, welchen er, 
vom Lechfelde zurückkehrend, 955 gegen die Obotritenfursten Nacco und 
Stoignew unternimmt, die in die wendische Mark eingefallen sind und seine 
Erblande verwüstet haben. Bei Alt -Schwerin (so nimmt man an) wird am 
16. Oktober die Schlacht an der Raxa geschlagen, und im Hain (am Tauchow- 
See?) findet Stoignew sein Ende.*) Auch die Geschichte des Kreuzzuges des 
Markgrafen Albrecht des Bären im Jahre 1147, welcher diese Gegend mit 
60CXX) (!) Streitern durchzieht, kann hier nur oberflächlich berührt werden. 
Aufs Neue werden die Dörfer und Städte der Wenden zerstört, und ihre Tempel 
mit den Götterbildern gehen in Flammen auf. Wenige Jahre später durch- 
quert der strenge Baiern- und Sachsenherzog Heinrich der Löwe das Land, 
und Niklot's Sohn büsst vor Malchow seine Vaterlandsliebe mit schimpflichem 
Tod. Wer sich mehr in diese Geschichte Alt- Schwerins und seiner Umgebung 
vertiefen will, der kann auf die in Anmerkung i citierte Abhandlung von Beyer 



') 7 km nordwestlich von Malchow. Ueber den als tThiergartent gedeuteten Namen siehe 
Kühnel, M. Jahrb. XLVl, S. 131. Beyer, M. Jahrb. XXXII, S. 58 — 134 (die wendischen Schwerine). 

*) Die Vermuthung Beyer's, a. a. O., S. 88, hat für den, der die Gegend kennt, wie i. B. 
der Verfasser, etwas geradezu Ueberzeugendes, sie trifft in der That alles Wesentliche im Bericht 
des Widukind, wie besonders die strategischen Vortheile dessen, der südlich von der Reke stand, 
gegenüber dem, der nördlich davon aufgestellt war, sobald es sich darum handelte, unbemerkt 
weiter westlich einen Uebergang zu finden. Auch erscheint nichts natürlicher und ungezwungener 
als die Annahme, dass hier die Gegner zuerst auf einander stiessen, sei es an der Eldenburger 
Reke, sei es an der Görenschen Reke, welche der westlichsten Reke beim >Lenz< um zehn Kilo- 
meter näher ist. Deshalb haben sich auch die mecklenburgischen Geschichtsforscher Wigger und 
Sass rückhaltlos der Beyer'schen Annahme angeschlossen, und erstgenannter hat seine anfängliche 
Identifizierung von Reke und Recknitz fallen lassen. Mit Recht, denn etwas Unnatürlicheres wie 
diese kann kaum erdacht werden. Indessen bleibt Beyer's Annahme eine Hypothese, gegen die 
der, welcher dazu Lust hat, den alten Unsinn von der Recknitz immer wieder aufs Neue hervor- 
holen kann. Vgl. Wigger, M. Annalen, S. 122, Anmkg. i. M. Jahrb. XLV, S. 9; LUX, Q.-B. 4, S. 8. 
Wagner, Wendenzeit, S, 74. 75. 184 (19). Viel interessanter als diese Frage ist die Thatsache, 
dass wir in der Schlacht an der Raxa das erste grosse geschichtliche Ereigniss auf mecklen- 
burgischem Grund und Boden zu verzeichnen haben, das auf einen bestimmten Tag fällt. Denn 
nach den Annalen des Klosters St. Gallen fand die Schlacht am St. Gallus-Tage des Jahres 955 
(den 16. Oktober) statt. 



GUT UND KIRCHDORF ALT- SCHWERIN. 417 

in den Jahrbüchern des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Alter- 
thumskunde verwiesen werden, in welcher er alles Material zusammengetragen 
findet.^) Für uns gewinnt der Ort ein weiteres Interesse durch die Urkunde 
vom 9. September 1171, in welcher der Sachsenherzog Heinrich der Löwe das 
Bisthum Schwerin bestätigt und zweier Dörfer im Lande Moritz und Warne 
erwähnt, die zu Tafelgütern des Bischofs bestimmt werden. Von diesen ist 
das eine nach Beyer's gut begründeter Meinung das damals noch zu Circipanien 
gerechnete Dorf Alt -Schwerin.") Urkundlich wird der Ort zuerst am 6. März 
1289 genannt, als Bischof Hermann von Schwerin dem Domkapitel Zehnten 
im Lande Waren anweist und unter den dazu gehörenden Dörfern auch 
»Zwerin« auflfiihrt.^) Im Jahre 1330 wird er zum zweiten Mal genannt, er ist 
in den Besitz der Gamm gelangt, welche von da an vielfältig als auf »Zwerin« 
sitzend, vorkommen. Dazu gehört auch die mit der Feldmark verbundene Halb- 
insel y Werder«.*) Die Gamm verbleiben im ungestörten Besitz des alten 
Lehnes bis zum Anfang des XVII. Jahrhunderts. Da beginnt die Zerstückelung 
und der Niedergang des Besitzes durch Verpfandung und Verkauf einzelner 
Antheile. Es fangen nunmehr die in der Nachbarschaft reich begüterten 
Wangelin an, sich auch in Alt- Schwerin festzusetzen und erwerben nach und 
nach den ganzen theils verpfändeten theils in dritte Hand adjudicierten Gamm- 
schen Besitz. Die Zeiten des dreissigjährigen Krieges sind auch nicht geeignet, 
eine Familie zu erhalten, geschweige denn, ihr wieder aufzuhelfen, wenn einmal 
der Niedergang begonnen hatte.^) Im Jahre 1720 ist Alt- Schwerin ganz in 
Wangelin'schen Händen und bleibt es bis 1786. Im folgenden Jahre hat es 
der Hauptmann Ernst Friedr. August von Flotow, und nun folgt ein ausser- 
ordentlich lebhafter Besitz Wechsel. 1791 hat es der Kammerherr Theodosius 
von Levetzow, 1798 der Etatsrath Graf Lüttichau, 1802 der Oberjägermeister 
Kaspar Heinrich von Sierstorflf, 1804 der Kammerherr Ernst Werner von Raven, 
1840 der Advokat Ludwig Friedrich Schnitze, 1841 E. Mierendorf, 1846 Friedr. 
Greffrath und 1869 Josua Klockmann. Von dessen Familie kommt Alt- 
Schwerin 1901 an Johannes Schlutius auf Karow. 

Von den mittelalterlichen Geistlichen des Dorfes sind bis jetzt nur zwei 
mit Namen auf uns gekommen: der Pleban Ludolf Elers (um 1375/77) und 
neben ihm gleichzeitig der Vikar Albertus Faber (Schmidt). 

Unter den nachreformatorischen Pastoren wird zuerst Nikolaus Abel 
genannt. Doch bleibt er nur bis 1569 auf der Pfarre. Er beschwert sich 1571 
darüber, dass er von seinem Nachfolger nicht das für die Winter- und Sommer- 
saat ausbedungene Geld im Betrage von 75 Gulden erhalten könne. Dieser, 
Gregorius Malow, geräth bei Antritt seines Amtes sofort mit den Gammen 
in heftige Streitigkeiten und tritt daher schon 1571 von seiner Pfarre wieder 

*) Vgl. auch Beyer, M. Jahrb. XIII, S. 151, und Lisch, ebendaselbst, S. i88ff. 

*) M. Jahrb. XXXil, S. 93. M. U.-ß. 100. 141. 149. 151. 398. 

«) M. U.-13. 2016. 

*) M. ü.-H. 6646. 6704. 10749. Akten im Giossh. Archiv; > Gammen -Werder c 

*) Akten im Grossh. Archiv. 

27 



41 8 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 

ab.*) Es folgt 1572 Nikolaus Schröder, aber wir wissen nicht, wie lange er im 
Amte bleibt. Um 1584 heisst der Pastor Hinricus Vicke (s. Glocke). Um 1600 
ist dort ein unwürdiger Seelenhirte, Mauritius Hovel, der als solcher schon früh 
erkannt wird, aber dennoch auf der Pfarre bleibt. Er wird 1616 auf richter- 
lichen Spruch hin abgesetzt. Sein Nachfolger Joh. Helwig stirbt bereits im 
Jahre 162 1. Joachim Wolfius, welcher 1622 berufen wird, wirkt über 1629 
hinaus. Aber von seinem Nachfolger Joachim Jabelmann heisst es im Visitations- 
protokoll von 1650, dass er längst gestorben sei. Nach langer Zeit erhält 
Alt-Schwerin, das bis 1604 unter Gamm'schen Patronat gewesen, dann aber 
(bei einem Umtausch mit dem Patronat zu Wangelin) unter das Kloster Malchow 
gekommen war, wieder einen Pastor in Nikolaus Stoltze, der auch die Cura in 
Nossentin übernimmt, das von nun an bis zum Jahre 1901 mit Alt -Schwerin 
verbunden bleibt. 1654 oder 1655 f*^'gt ihm Nikolaus Wiggers, der lange 
Jahre im Amte bleibt, bis 1697. Ebenso sein 1698 ins Amt gerufener Stief- 
sohn Joh. Vette (f im Winter von 1746/47). Dessen Sohn und Nachfolger, 
Joh. Simon Vette, bleibt ebenfalls bis zu seinem Tode am 27. März 1787 im 
Dienst zu Alt-Schwerin. Es folgen: 1788 Detl. Hartwig Dietr. Heinr. Zander, 
der 1796 nach Lohmen zieht, und 1796 Joh. Christian Georg Ladewig (f 18 18). 
S. Walter a. a. O. 

Das Patronat hat das Kloster Malchow später wieder abgegeben. Es 
haftet schon seit langen Zeiten am Besitz von Alt- Schwerin und Sparow. 

Kirche. Kirche. Die kleine einschiffige Backsteinkirche ist ein mit flacher Decke 

geschlossenes schlichtes Gebäude. Auf der Südseite ein gutes frühgothisches 
Portal. Der jetzige Thurm ist vor etwa dreissig Jahren neu aufgeführt. An 
der Ost- und Nordseite je eine alte Grabkapelle. 

Kanzel und Kanzel und Altar sind zu einem Körper vereinigt. Im Altaraufsatz 

Altar, das heilige Abendmahl als Oelgemälde. Dazu zwei kleinere Oelbilder, je 
Gemälde. ^-^^^^^ Engelskopf darstellend. 

Hölzerne Alte gothische hölzerne Pietas, fast 7» Meter hoch, mit brauner Oel- 

Pietas. färbe überstrichen. 



I Tauf- Auf dem Kirchenboden ein Tanfbehälter vom Jahre 1699, i Meter 

behälter. hoch, achteckig. Sechs von den Feldern sind mit Wappen und Namen ver- 
sehen, die beiden andern Felder mit Arabesken geschmückt. In den Feldern: 
LUDWIG V • WANGELIN, ANNA CATHARINA V • GRIEBEN, BERENDT LUDWIG 
V • WANGELIN, ANNA V • REMMIN, FRIEDRICH CHRISTOPF V • WANGELIN, 

* ANNA CATHARINA VON HANEN. 

Grabsteine. Vor dem Altar zwei Grabsteine. Unter dem einen ruht der Freiherr 

JOACHIM CHRISTOPH VON WENDHAUSEN, gestorben den ll. Oktober 1724, 
72 Jahre alt, königlich grossbrittannischer und fürstlich braunschweig -lüne- 
burgischer Geheimrath und Pfandinhaber des mecklenburgischen Amtes Plau.*) 

') Vgl. Lisch, M. Jahrb. XVII, S. 183/84. 
^) M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. IV, S. 584. 



GUT UND KIRCHDORF ALT- SCHWERIN. 419 

Unter dem zweiten Stein ruht die dritte Ehefrau des ebengenannten, MARIA 
ELISABETH BARONESSE VON WENDHAUSEN, geb. VON WANGELIN, gest. 
18. März 1757, ^^ Jahre alt.^) 

In der östlichen Grabkapelle befindet sich ein grosser Steinsarg mit Stein- 
der Inschrift: ANNO 1745 QORQEN CHRISTOPH VON WANGELIN • FRIEDRICH sarge. 
CHRISTOPH VON WANGELIN • ANNA CATHARINA VON HANEN. Ausserdem 
verschiedene Bibelsprüche. In der nördlichen Kapelle zwei grosse Steinsärge, 
laut Inschrift die Ruhestätten des Generalleutnants CHRISTIAN FRIEDERICH 
VON WANGELIN, gest. 1755 den 6. Januar, und seiner Ehefrau ADELHEID 
AUGUSTA VON WANGELIN, geb. VON HEESPEN, gest. 1758 den 15. Januar. 

Im Thurm hängen drei Glocken, zwei grosse und eine kleine. Die Glocken, 
grösste hat die nachstehende Inschrift: ANNO MCCCCCLXXXIIII HEFT MI DAVIT 
VOWTECH PARCHI MENSIS IN GADES NAMEN GEGATEN GOTTES WORDT ZV 
HÖREN Sl EIN IDER VNVORDRATEN DE CASPEUVNKERN SINDTCHRISTOFFER 
ENGELKE HANS HENNICK MORITZ LEVIN DE GAMMEN PASTOR HINRICVS 
VICKE DE VORSTENDER ACHIM WISE HANS TIES JACOB HASSE ACHIM 
KNVPPEL. — Die mittlere Glocke, gegossen 15 19, ist im Jahre 1869 von 
Jllies in Waren umgegossen worden.*) — Die kleine Glocke, 1704 gegossen, 
hat die Inschrift: PATRONI JOACHIMUS PRITZBUER, ANNA CATH • HANEN, 
W • JOHANN WANGELINEN, GABRIEL GAMM, PASTOR JOHANN VETTE, VOR- 
STEHER JOCHIM KRAPELIN, HANS KNÜPPEL. 

Kleinkunstwerke.^) i. 2. Zinnerner Kelch mit der Stiflungs- Inschrift: Kleinkunst- 
BERENDT PRANG 166L Dazu eine Patene. Stempel undeutlich, der eines werke. 
Meisters C D (J D?). — 3. 4. Zinnerner Abendmahlskelch auf hölzernem Fuss, 
mit der Inschrift: S • H • BR • 1821. Auf der zugehörigen Patene: S • H • 
BR • 1820. Güstrower Zinngiesser, Meisterstempel undeutlich. — 5. Neuer 
messingener Kelch, gestiftet 1858 von W. NEKEL. — 6. Desgl. Kanne, ohne 
Inschrift. Henniger-Berlin. — 7. Kleiner silberner Krankenkelch mit Patene. 
Stempel F oder E (?). 

Im Pfarrhanse ein mittelalterlicher Helm. Alter Helm. 

♦ -. ♦ 

Das im Jahre 1733 erbaute Herrenhaus von Alt-Schwerin ist aus Back- Herrenhaus 
steinen aufgebaut, hat ein hohes gewölbtes Erdgeschoss und eine steinerne ^u Alt- 
Freitreppe mit schmiedeeiserner Brüstung. An dem Hause das WANGELIN 'sehe Schwerin. 
Wappen und die Jahreszahl 1733. 



*) Die erste Frau war Dorothea Elisabeth von Wendhaiisen, die zweite Maria Amalia 
von Haacke. 

*) Das Inventar von 181 1 bemerkt nur, dass sie > Mönchsschrift« hatte. 

') Nach Angabe des Inventars von 181 1 wurden die älteren silbernen Vasa sacra im 
Jahre 1806 eine Beute der plündernden Soldaten. 



27 



420 



AMTSGERICHTSBEZIRK MAI.CHOW. 



Das Kirchdorf Nossentin/) 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




lie ersten urkundlichen Nachrichten über Nossentin stammen vom ii. Mai 
und 12. November 13 17. Da erfahren wir, dass die in Nossentin an- 
sässigen Geschlechter der Dessin, Nossentin und Kressin unter dem Protektorat 
des Klosters Malchow den Bau einer Kapelle durchgesetzt haben, und dass 
Bischof Hermann von Schwerin auf Bitte der Einwohnerschaft die Weihung 
dieser Kapelle vollzogen hat.") Ausser den genannten finden wir dort mit 
Besitz und Rechten im XIV., XV. und XVI. Jahrhundert auch andere Familien 
der Mannschaft, wie die Rodenbeck (diese schon von 1347 an), Kosegard 
(Kotzegard), Metzeke (Meske), Below, Flotow, Röggelin und Wangelin neben 
einander. Sie haben, wie es im Mittelalter, im Gegensatz zu dem heutigen 
Grossgrundbesitz, herkömmlich ist, im Dorfe ihre besonderen Hufen und Höfe, 
auf denen sie entweder selber sitzen, oder die sie auch durch ihre Bauern be- 
wirthschaften lassen. Von diesen durch Urkunden bezeugten Vasallenfamilien 
sind in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts nur noch drei vorhanden, 
die sich in den Besitz der grossen Feldmark Nossentin (mit Antheilen in Silz, 
Sparow, Locken, Loppin, Jabel, Malkwitz, Kraaz, Hinrichsberg, Kieth, Wangelin, 
Cramon, Gaarz u. s. w.) theilen. Es sind die Flotow, Below und Wangelin. 
Von diesen dreien aber gelangen, nach voraufgegangener langjähriger Ver- 
pfandung der grossen Flotow'schen und Below'schen Antheile, die von Wangelin 
durch Ankäufe am 20. Oktober und 22. November 1624 in den Alleinbesitz 
von Nossentin.*) 

Doch schon 1636 tritt Vicke von Wangelin den Below'schen Antheil 
für II 000 Gulden an Joh. Albrecht von Maltzan wieder ab. Und 1696 geräth 
der Wangelin'sche Besitz in Konkurs. Aus dem Konkurs kauft Eggerd Chri- 
stoph Knut das Gut Nossentin am 11. November 1692, nachdem vorher schon 
eine Reihe der oben genannten Antheile an die Nachbarn auf den angrenzenden 
Feldmarken abgegeben sind. Auf Knut folgt als dessen Erbe im Jahre 1702 
der Schwiegersohn Jochim von Pritzbuer. Von diesem Zweige der Pritzbuer 
kommen die Güter Nossentin, Sanz und Sparow durch Kauf im Jahre 1725 
an den mit ihnen verschwägerten und im Fürstenthum Calenberg begüterten 
Ernst Christian von Holle. Im Jahre 1747 kauft sie Ernst Friedr. von Raven, 
und 1789 werden sie vom regierenden Herzog erworben. Demgemäss fuhrt 
der Staatskalender »Se. regierende herzogliche Durchlaucht« bis zum Jahre 
1803 als Besitzer dieser drei Güter im ritterschaftlichen Amt Lübz auf. 1803 

^) 8 km nordnoiflüsllich von Malchow. »Ort des Nosejac: Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. loi. 
«) M. U.-B. 3895. 3937. 

■) Der Flotow'sche Antheil wird am 20. Oktober 1624 mit 25400 Gulden, der Below'sche 
am 22. November desselben Jahres mit 12000 Gulden bezahlt. 



KIRCHDORF NOSSENTIN. 42 1 

aber gehen sie an die Grossherzogliche Kammer über. Nossentin bleibt von 
da an im Domanium, aber Sanz und Sparow werden der Ritterschaft im 
Jahre 18 12 zurückgegeben. Von 18 12 bis 1850 sind sie in Gräflich Blücher- 
schem Besitz und seit 1850 in dem der Familie Neckel. 

Nossentin, das gegenwärtig, nämlich seit dem Jahre 1901, wieder seine 
eigene Pfarre hat, ist seit 165 1 der Kirche zu Alt-Schwerin affiliiert gewesen. 
Vorher hatte es bereits seinen eigenen Pfarrhof. Aus dem Visitationsprotokoll 
von 1541 ist zu ersehen, dass damals der oben S. 406 genannte Vikar Laurentius 
Betke zu Mafchow den Dienst in der Kirche zu Nossentin versieht, deren Lehn 
oder Patronat »die Jungfrauen zu Malchow« haben. 1578 ist Laurentius Francke 
Pastor daselbst; er wünscht seiner schmalen Einkünfte wegen versetzt zu 
werden. Endlich heisst es im Visitationsprotokoll von 1650, dass der letzte 
Pastor von Nossentin, Christoph Schmidt, im Jahre 1638 gestorben sei. Das 
sind die drei einzigen Namen, die bis jetzt auf uns gekommen sind. Das 
Patronat ist an den Landesherrn übergegangen. 

Kirche. Jüngerer stilloser Backsteinbau in Form eines länglichen Kirche. 
Rechtecks mit auf beiden Enden abgewalmtem Satteldach und aufgesetztem 
Dachreiter, der die Mitte des Firstes einnimmt. Im Innern eine verschalte 
Decke. 1) 

Die innere Einrichtung ist klassicierenden Stils und stammt aus dem Innere Ein 
Anfang des XIX. Jahrhunderts. richtung. 

In einem besonderen Glockenstuhl zwei Glocken, von denen die Glocken, 
grössere 1864 von C. Jllies-Waren gegossen ist.*) Die kleinere ist laut In- 
schrift 1750 unter dem Patronat von ERNST FRIEDRICH VON RAVEN, Erb- 
herrn auf Nossentin und Bock, von C. D. Heintze gegossen worden. 

Die Vasa sacra, zwei silbervergoldete Kelche mit Patenen, ein Ciborium Vasa sacra. 
und eine Deckelkanne, sind neu.^) Ebenso die Taufschale aus Messing. 

* * * 

Auf der Nossentiner Feldmark, in der Nähe der Jabelschen Tannen Blücher- 
und der mecklenburgischen Südbahn, das Blücher- Denkmal, zur Erinnerung Denkmal, 
an das am 2. Oktober 1806 dort stattgefundene Gefecht zwischen den Preussen 
und den Franzosen, feierlich enthüllt am 2. Oktober 1856. Es ist ein vier- 
seitiger Granitblock mit einem Adler und zwei Rundbildern von Gusseisen. 



*) Im Jahre 181 1 stand die jetzige Kirche noch nicht. Damals, und zwar schon seit langer 
Zeit, wurde der Gottesdienst in einem Saale des Herrenhauses abgehalten. 

•) Ihre Vorgängerin stammte, wie die zweite Glocke, aus dem Jahre 1750. 
*) Die älteren Vasa sacra gingen bei der Plünderung im Jahre 1806 verloren. 



422 



AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Kirchdorf Jabel.') 

aber die ältesten Besitzverhältnisse im Dorfe Jabel sind wir nicht aus- 
reichend unterrichtet, es fehlt an Urkunden. Wie aber in der zweiten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts, bald nach 1369, die Hälfte des Dorfes in Hahn- 
schen Besitz gekommen, und zwar an die Solzow'sche Linie des Hauses, 
erzählt Lisch in seiner Geschichte des Geschlechtes Hahn II, S. 70 ff. Bald 
darauf verpfändet Lüdeke Hahn seine Hufen in Jabel und auch im be- 
nachbarten Dorfe Hagenow für sechshundert Mark Lübisch an das Kloster 
Malchow. Wann dies geschehen, ist nicht zu sagen, Henneke Hahn aber, 
Lüdeke's Sohn, spricht es in einer Urkunde vom 21. December 1410 geradezu 
aus.^) An diesem Tage nämlich wird aus der Verpfändung ein Verkauf zu 
erblichem Besitz an das Kloster, den Fürst Christoffer am 21. September 
141 1 bestätigt, und der noch einmal, am 21. Oktober 1449, ^^ einer ur- 
kundlichen Festsetzung führt.*) Ausserdem überweist Fürst Christoffer gleich- 
zeitig dem Kloster Malchow die andere Hälfte des Dorfes. Beide Gönner 
des Klosters haben Angehörige in dessen Mauern, Fürst Christoffer seine 
Schwester Agnes, und Henning Hahn seine Schwestern Elisabeth und Ida. 
Indessen bleibt immer noch ein zu Nossentin gehöriger Antheil übrig, den das 
Kloster nicht hat. Diesen erwirbt es erst im Jahre 1785 durch Vergleich.^) 

Früher als von den Besitzverhältnissen des Dorfes hören wir von seiner 
Kirche. Schon 1256 wird sie mit ihrem Pfarrer genannt. In die Zehnten des 
Dorfes theilen sich der Bischof und das Domkapitel von Schwerin, und die 
kirchliche Oberaufsicht fiihrt in nächster Instanz der Archidiakon von Waren, 
bezw. dessen Vertreter, als welcher z. B. 1 339 der Fleban von Karow fungiert.*) 
Auch ist im Jahre 1346 von einem Neubau der Kirche die Rede und von 
einem vierzigtägigen Ablass zur Förderung des Baues durch alle Gläubigen. 
Diesen Ablass ertheilt der der Schweriner Diöcese benachbarte Bischof von 
Ratzeburg.'') Neben der Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes ist es, 
wie üblich, die Autorität der Apostel Petrus und Paulus, die um fleissiger 
Gaben willen besonders geltend gemacht wird. Doch gilt als Hauptschutz- 

^) 14 km nordöstlich von Malchow. Altslavisch jablii = Apfelbaum, also wie KUhnel 
deutet, > Apfelbaumort c: M. Jahrb. XLVI, S. 60. Vgl. M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. III, S. 171. 

^) Lisch, Geschl. Hahn II, S. 99. Die Annahme von Pentz (Gesch. des Kirchspiels Jabel, 
S. 5), dass die Verpfandung schon 1346 stattgehabt habe, lässt sich urkundlich nicht erweisen. 

*) Lisch, a.a.O., S. 1 14/15 (CCXXXVIII). Vgl. auch Urkunde vom 6. Januar 1404 auf 
S. 74 — 77 (CCXXIII). Schröder, Wismarsche Erstlinge, S. iio. Pap. Mecklenburg, S. 1757. Die 
Schenkung des Fürsten Christoph existiert als bisher nicht gedruckte Urkunde im Grossh. Archiv. 

*) Akten im Grossh. Archiv. 

®) M. U.-B. 763. 2016. 5233. 5921. 7296. 

') M. U.-B. 6633. Schröder, Pap. Meckl., S. 1277. 



KIRCHDORF JABEL. 



423 



heiliger der Kirche der Sanctus Georgius. Das Patronat aber gehört, wenn 
nicht schon früher, wenigstens seit 1410 oder 141 1 dem Kloster Malchow und 
wird diesem durch alle nachfolgenden kirchlichen Visitationsprotokolle des 
XVI. und XVII. Jahrhunderts bestätigt. 

1320 giebt es einen Pleban Gerhard von Stüvendorf in Jabel. Weitere 
Namen sind bis jetzt nicht bekannt geworden. Um 1500 soll der Probst in 
Malchow selbst sechsmal jährlich Gottesdienste in Jabel abgehalten haben. ^) 
Es lässt sich somit ziemlich sicher annehmen, dass für die übrige Zeit im 
Jahre Vikare des Klosters Malchow den Dienst gehabt haben. Um diese Zeit 
ist wieder von einem grossen Ablass zu Gunsten der Kirche die Rede, der 
von vielen Kardinälen in Rom selbst unterzeichnet worden, und den die 
Bürgerin Elisabeth Brummer und ihr Sohn, ein Student der Theologie, von 
ihrer Pilgerreise zur heiligen Stadt selber mitgebracht haben sollen. Der 
Schweriner Bischof Konrad Loste lässt diesen Brief durch bischöflichen Erlass 
vom IG. August 1500 in seiner Diöcese bekannt machen. Bücher, Kelche, 
Lichter, Decken u. a. m. hat die Kirche dringend nöthig, und zu deren Be- 
schaffung soll der Brief wesentlich dienen. Seine Früchte wird er getragen 
haben, denn 1505 erhält der Glockenstuhl auch eine weitere Glocke.^) 

Die evangelischen Pastoren werden von Pentz mit grosser AusRihrlichkeit 
behandelt, weshalb hier ihre Namen genügen mögen: 1541 Joachim Sperling; 
um 1577 (auch 1583) Johann Albrecht, welcher die Konkordienformel unter- 
schreibt; Joh. Gartz (Gratz) um 1602 und bis gegen 1626; Joachim Bentzing 
von 1626 bis 1638, der ein Opfer des Krieges und der Pest wird; Joachim 
Bier von 1640 bis 1665; Friedrich Hingst von 1668 bis 1677; Martin Balke 
von 1678 bis 1732; Zacharias Heinrich Balke, der Sohn, von 1732 bis 1760, 
und von 1760 bis 1810 der schon 1756 als Adjunkt angestellte Schwiegersohn 
des Zacharias Balke, Joachim Friedr. Storch. Vgl. Halck, Fam. Balcke, S. 33. 

Kirche. Bei dem Brande des Dorfes Jabel im Jahre 1859 wurde auch 
die Kirche stark beschädigt und in Folge davon im Jahre 1868 durchgebaut 
und restauriert. Sie gehört also in ihrer jetzigen Gestalt der neueren Zeit an, 
doch stammen die Fundamente und die Mauern bis zu zweidrittel der Höhe 
noch aus älterer Zeit, ebenso die zwei unteren Stockwerke des Thurmes. Die 
alten Theile des Langhauses haben den wendischen Vqrband, das jüngere 
Gemäuer des Thurmes hat mehr den polnischen. Der einschiffige Innenraum 
der Kirche ist mit einer flachen Decke überspannt. Die Sakristei ist der ein- 
zige von der Restauration unberührt gebliebene Theil der alten Kirche. Sie 
liegt auf der Nordseite des Chors und hat zwei flachgespannte Kreuzgewölbe, 
deren plump gebildete Rippen ein quadratisches Durchschnittsprofil aufweisen. 

In der Kirchhofsmauer ein Granitstein mit einer Nische, die wahr- 
scheinlich einstmals mit dem Bilde eines Schutzheiligen gefüllt war.') 



*) Nachrichten bei den Pfarrakten in Jabel. S. Pentz, a. a, ()., S. 6. 
') Pentz, a. a. O., S. 6. 7. 

*) Vgl- Toiten winke! bei Rostock und Kanimin bei T.aas^e im ersten Bande der M. Kunst- 
u. Gesch.-Denkm. 



Kirche. 



Kirchhofs- 
mauer. 



424 



AMTSGERICIITSBEZIRK MALCIIOW. 



Altar- 
anfsatz. 

Eucharistie- 

Schrank, 

Krucifixus. 



Eichene 
Rahmen. 



Holzbild. 



Glocken. 



Vasa Sacra. 



In dem neugothischen Altaraufsatz ein Gemälde von Theodor Fischer 

1868, darstellend die Kreuzesgruppe (Johannes, Maria und Maria Magdalena). 

In der Sakristei auf der Nordseite ein alter quadratischer Wandschrank 
als ehemaliger Eucharistie - Schrank , ohne Thür. Ihm gegenüber an der 
Wand ein kleiner hölzerner Krucifixus vom Ende des XIV. oder Anfang des 
XV. Jahrhunderts, der als Triumphkreuz gedient haben wird. An den Kreuzes- 
armen Vierpässe zur Aufnahme der Evangelisten -Symbole, die nicht mehr da 
sind. Jetzt mit brauner Oelfarbe überstrichen. Ferner ebendaselbst zwei 
eichene Rahmen zu den Grabsteinen des i8io verstorbenen Pastors Storch 
und dessen Ehefrau, gestorben 1798. Inschrift: JOACHIIVI FRIEDRICH STORCH 
55 JAHRE PREDIGER, GEBOREN 1732, GESTORBEN 1810« -^ SOPHIA ELISA- 
BETH STORCH, GEBORENE BALCK, GEBOREN 1731, GESTORBEN 1798 (s. o.). 

Auf dem Boden des Küsterhauses ein Ueberrest von einem Holzbilde 
des hl. Georg aus der Mitte des XV. Jahrhunderts, des Schutzheiligen der 
Kirche im Mittelalter (s. o.). 

Im Thurm hängen drei neue grosse Glocken, 1862 gegossen von 
C. Jllies-Waren. Die vier alten Glocken sind 1859 beim Brande geschmolzen.*) 

Die Vasa sacra, Kelch, Patene, Ciborium und Deckelkanne, sind vom 
Jahre 1867 (Sy & Wagner- Berlin). Ein messingenes Becken vom Jahre 1661 
mit der Inschrift: ADAM X BAHRENFLETH X CATHARINA X HEISEN X ANNO 
1661. Auf dem Altartisch zwei neugothische Messingleuchter, in der Sakristei 
zwei zinnerne Leuchter mit der Jahreszahl 1806, von dem Röbeler Zinngiesser 
H. Krummbügel. 



Geschichte 

des 

Dorfes. 




Das Kirchdorf Kieth.') 

as Dorf Kieth hat schon 1256 seine Kirche und seinen Kirchherrn. Das 
ergiebt sich aus einer nicht datierten Urkunde dieses Jahres, in welcher 
Fürst Nikolaus von Werle der Geistlichkeit in der Probstei (Alt-) Röbel, und 
ausserdem den Plebanen und Priestern von Malchow, Kieth und Jabel, das Recht 
testamentarischer Verfügung über ihr Vermögen und die Freiheit ihrer Leute 
von Zöllen und öffentlichen Diensten verleiht.^) Zwei Jahre später wird denn 
auch der Pleban Stephanus zu Kieth als Zeuge in einer Urkunde des Bischofs 
von Schwerin aufgeführt.*) 1338 kommt auch ein Priester Friedrich von Kieth 

■ » ■ ■ - ■ ■ 

^) 1402, 1505 und 1690 (Vites Siebeiibaum) waren die Data der älteren Glocken, deren 
Inschriften Pentz, a. a. O., S. 6, 7 und 29 mittheilt. 

') 15 km nordnordwestlich von Malchow. Altslavisch kyta = Zweige, Flechtwerk. >Ort, 
wo Zweige, Flechtwerk sind« : Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 67. 

») M. U.-B. 763. 

*) M. U.-B. 823. 



KIRCHDORF KIETH. 425 

vor.^) Was wir sonst noch aus dem Mittelalter in kirchlicher Beziehung 
erfahren, ist dies, dass die zwei gute deutsche Meilen nördlich von Malchow 
gelegenen Kirchdörfer Kieth, Wangelin und Lütgendorf ebenso wie Alt- Schwerin, 
Nossentin und Jabel zum Lande Malchow gerechnet werden, welches seinerseits 
wieder öfter aufs Engste mit dem Lande Waren verbunden und geradezu als 
ein Theil dieses Landes erscheint.*) Damit ist denn auch ein Fingerzeig dafür 
gegeben, die diesen beiden Landen und damit zugleich dem Bisthum Schwerin 
angehörenden Kirchen dem Archidiakonat Waren zuzuweisen, wie es z. B. von 
den Kirchen zu Malchow, Jabel und Karow ausdrücklich bezeugt ist.') Die 
Grenze zwischen den Bisthümern Kammin und Schwerin wird somit in dieser 
Gegend durch die Pfarrsprengel -Scheiden zwischen Dobbin und Kieth sowie 
die zwischen Wangelin und Lütgendorf einerseits und Grubenhagen andererseits 
festgelegt.*) 

Bei der Kirchenvisitation im Jahre 1541 beschweren sich die Visitatoren 
darüber, dass Pastor und Juraten nicht erschienen sind. Ob mit Zustimmung 
der Linstow auf Linstow, die von alter Zeit her das Patronat der Kirche zu 
Kieth (to dem Kythe) haben und zugleich auch die Gutsherren von Kieth sind, 
das noch heute als Pertinenz von Linstow angesehen und behandelt wird, das 
erfahren wir nicht. Es lässt sich aber annehmen. Einige Jahre später — 
genau ist es nicht anzugeben — begegnet uns in den Kirchen -Akten von 
Kieth ein Pastor Andreas Hoppius. Darauf wird erzählt, dass Er Niklas 
Rope im Jahre 1572 auf öffentlicher Strasse ermordet worden sei. 1597 ist 
wieder Vakanz durch Tod. Die Vakanz dauert anscheinend bis 1603. Es 
bewirbt sich zwar ein Daniel Winholt, aber wir erfahren nicht, ob er die 
Pfarre erhält. Am 29. März 1641 schreibt Pastor Joachim Baumann in Neu- 
Röbel, dass er sieben Jahre lang als Pastor in Kieth gedient habe, und 
beschwert sich bei Herzog Adolf Friedrich darüber, dass ihm die Linstow 
erhebliche Kornlieferungen schuldig geblieben seien. 1648 heisst es, die 
Kirche sei verwüstet und stehe leer, seit Baumann's Abgange sei kein Pastor 
mehr gewesen, auch gebe es nur wenig Eingepfarrte in der vom Kriege hart 
mitgenommenen Gemeinde. Endlich beruft Christoph von Linstow auf Linstow 
den Johannes Jordan zum Pastor von Kieth und auch von Wangelin, das bis 
zum dreissigjährigen Kriege seinen eigenen Pastor hatte.^) Jordan tritt 1649 
beide Pfarren an und ist 1678 noch im Dienst, doch zeigt er eine solche Vor- 
liebe für Advokatur -Geschäfte, dass ihm das zu zweien Malen, 1667 und 1678, 



^) M. u.-B. 5890. 

*) M. U.-B. 2016. Vgl. Wigger, Annalen, S. 113. Lisch, M. Jahrb. XXXII, S. 15. 

') M. U.-B. 2507. 5921. Dass diese letzgenannte Urkunde sr. Zt. bei Karow nicht mit- 
aufgeführt ist, liegt daran, dass sie im Ortsregister des elften Bandes des mecklenburgischen Ur- 
kundenwerkes übersehen ist. Die historische Wichtigkeit der Urkunde beruht besonders darauf, 
dass der Pleban von Karow, Johannes Priborn, als Viceprobst des Archidiakonats Waren eingesetzt 
wird und kirchliche Angelegenheiten in Jabel zu ordnen hat. 

*) Vgl. M. Kunst- u. Gesch.-Denkm. IV, S. 338; V, S. 55. 

*) S. bei Wangelin. 



426 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 

verwiesen wird. 1678 oder 79 muss er gestorben sein, denn 1680 tritt Henricus 
Krüger die beiden Pfarren an (f 1721). In der Zeit der nun eintretenden und 
durch die Wirren unter Herzog Karl Leopold bis 1734 verlängerten Vakanz 
übernimmt der Sohn Friedrich Christoph Krüger die Predigten und der Pastor 
Vette zu Alt -Schwerin die Amtsgeschäfte. 1735 wird Friedrich Christoph 
Krüger nach Goldberg berufen. Es folgen nun: 1737 Joh. Christoph Bühring 
(f 2. Juni 1780) und 1781 Christian Jakob Voss, vorher Rektor in Plau, (f 24. 
September 1807). S. Walter a. a. O. 

Ueber die mehrfach unterbrochene spätere Verbindung der Kirche zu 
Kieth mit der während des Mittelalters zur Kamminer Diöcese gehörenden 
Kirche zu Dobbin s. M. Kunst- u. Gesch. -Denkm. IV, S. 138. 

Die von Linstow auf Linstow behalten Kieth, wo sie schon im Jahre 1366 
sitzen, wie nachher auch auf Wangelin und Lütgendorf, bis zum Jahre 1802, 
wenn man eine längere Periode der Verpfandung (von 1735 an an den Jäger- 
meister Bogislav Hinrik von Steinsdorf und später bis 1795 an Joh. Christan Seitz) 
nicht abrechnen will.*) Von 1803 bis 1809 sind die Güter und Dörfer Linstow, 
Kieth und Bäbelin c. p. sowie das Patronat über Kieth in den Händen des 
Justizraths Dr. Daniel Christian Jakob Bolte, bezw. in denen seiner Erben und 
Gläubiger. Von 1809 bis 18 14 hat sie der Oberforstmeister von Behmen, darauf 
ein Jahr lang Friedrich Schläger, dann bis 181 7 der Staatsrath Joh. Christian 
Friedr. Scharnweber, und von 18 17 bis 1827 die Familie Vogel (s. Grabstein). 
Aus den Händen der Vogel'schen Kreditoren gelangen 1827 die Güter und 
Dörfer Linstow, Hinrichshof, Bornkrug, Klein- Bäbelin und Kieth an die Gross- 
herzogliche Kammer, die noch heute darüber verfugt und Linstow und Kieth 
als eine Pachtung beisammen gelassen hat. 

Kirche. Kirche. Die in Form eines länglichen Vierecks aufgeführte Kirche ist 

ein Ziegelbau, der in seiner ersten Anlage der Zeit der Frühgothik entstammt, 
aber Anfangs der sieb.enziger Jahre des XIX. Jahrhunderts umgebaut ist.*) 
Als älteste Theile des Baues verdienen die Portale, das eine auf der Nord- 
seite, das andere auf der Südseite, besondere Beachtung: jenes hat ein 
Kapitellglied in der Kämpferlinie, dieses hat keins. In den Wandungen und 
Bogenlaibungen beider Portale aber wechseln breite Auskehlungen und ent- 
sprechend kräftige Viertel - Rundstäbe mit einander ab. Es bleibt fraglich, ob 
die Wölbung jemals zur Ausführung kam. Man kennt die Kirche nur mit 
einer flachen Balken- und Bretterdecke. Der Thurm ist neu. 

Die innere Einrichtung ist neu. Die Holzfiguren des früheren alten 
Altars sind in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts abhanden ge- 
kommen.^) 

Grabsteine. Im Mittelgang vor dem Altar zwei Grabsteine, der des Dr. med. et chir. 

ALBRECHT HEINRICH JULIUS ZELLER, gestorben am 7. April 1791, und der 

*) M. U.-B. 9560 A und B. 

') Vgl. Beschreibung der Kirche bei Lisch, M. Jahrb. XL, S. 212. 

•) AngebHch an einen Händler verkauft. 



KIRCHDORF WANGELIN. 427 

der Frau DOROTHEA AMALIA SOPHIA ZELLER, geb. SCHLICHTING, gest. den 
17. December 181 3. — Auf dem Friedhofe noch ein Grabstein des CARL 
FERDINAND ERNST VOGEL, Besitzer des Gutes Linstow, gestorben 30. No- 
vember 1823 (s. o.). 

In der Kirche fünf Oelgemälde geringen Werthes, die durch Schenkung Oel- 
dahin gekommen sind:^) die Weisen aus dem Morgenlande, Jesus als Knabe gemälde. 
im Tempel, die Verklärung, Kreuzabnahme und die Schweisstuch-Scene. 

Im Thurm zwei grosse Glocken, die eine ohne Inschrift und Zeichen, Glocken, 
die andere 1879 ^^^^ ^^* Albrecht in Wismar gegossen.*) 

Kleinkunstwerke. i. Zinnerner Kelch mit der Inschrift: DIESEN Kleinkunst- 
KELCH HAT VOREHRT HANS HAGEL VON DREPS ZU GOTTES »EH REN IN DI werke. 
KIRCH ZUM KIET 1676. Güstrower Stadtzeichen, Meisterzeichen: HD.S. 
— 2. Zinnerne Fatene mit dem Röbeler Stadtzeichen und dem ^ 
verschlungenen Meisterstempel J H L{>), darunter 1765. — 3.4. Neugothischer 
Kelch mit Patene. — 5. Silberne Oblatendose, von Steusl off -Güstrow 1862. 




Dorfes. 



Das Kirchdorf Wangelin.') 

|ohen-Wangelin, dem Kloster Malchow gehörend, ist eine alte wendische Geschichte 
Ansiedlung, welche sich bei der Germanisierung des Landes im ,^^®^ 
XII. Jahrhundert in die beiden Dörfer Wangelyn Teutonica und Wangelin 
Slavicalis scheidet. Hauptbesitzer sind dort in frühester Zeit die Grube, welche 
auch Liepen haben und beiden Ortschaften die Namen Gruben -Liepen und 
Gruben -Wangelin geben. Johann Grube, mit Schulden belastet, verkauft am 
26. December 13 19 den Güstrower Bürgern Nikolaus Glöde und Dietrich Krug 
vierundzwanzig Mark Hebungen aus zwölf Hufen in Wangelin für 200 Mark mit 
Vorbehalt des Rückkaufes innerhalb dreier Jahre, und F'ürst Johann von Werle 
bestätigt diesen Handel in demselben Jahre.*) Unter den Bauern, die damals 
in Wangelin wohnen, fallen mehrere wendische Namen auf wie Milicke, Beno, 
Tessan, Tessessa und Cegedarghe. 1320 verkaufen die Grube ihren Besitz 
theils an die Knappen Heinrich und Walter Samekow, theils an die Brüder 
Gotemar und Heinrich Gamm, an jene gewisse Geldhebungen, an diese die 
Güter Gruben -Liepen sowie Deutsch- und Wendisch -Gruben -Wangelin, und 



*) Vgl. die Bilder in der Kirche zu Dobbin. 

*) Auch die Vorgängerin dieser Glocke war ohne Inschrift. S. Inventar 181 1. 

') 14 km nördlich von Malchow. Kühnel, M. Jahrb. XLVI, S. 153, erinnert an das alt- 
slavische Wort ^IT = Kohle und tibersetzt den Namen mit »Kohlenortc oder auch >Ort des 
Wagel.c Das wäre also nach deutscher Art soviel wie Kohlendorf oder Wangeistorf. 

*) M. U.-B. 4151. 4152. 



428 AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 

die beiden Fürsten Johann von Werle belehnen damit die letztgenannten am 
i6. März desselben Jahres.*) Ausser den Gamm finden wir aber auch bald 
nachher die Wangelin daselbst, denen Johann von Werle am 20. December 
1342 die Beden von den sechs Hufen ihres eigenen Hofes verkauft. *) Ebenso 
haben die Flotow Hebungen aus Wangelin entgegenzunehmen.*) Indessen 
allmählich fasst das Kloster Malchow Fuss in Wangelin, indem es am 27. Juni 
1336 den Gammen ihren ganzen Wangeliner Besitz abkauft und auch vom 
Güstrower Bürger Jakob Wörpel Hebungen aus dem Dorfe empfängt, wofür 
es ihn und seine Ehefrau Catharina in die Fraternität des Klosters aufnimmt.^) 
Auch von Hennecke Flotow empfängt es pfandweise Beden und Hundekorn aus 
Wangelin, in welchem den Flotow auch noch später Burgdienste und Ablager 
zustehen.*^) Im XVI. Jahrhundert sind es die Linstow, die neben den Flotow 
und Wangelin dort sitzen. Christoph Linstow verkauft seinen Antheil 1699 
auf IG Jahre antichretisch an den Kornet Koch, die Wangelin aber erwerben 
1629 den Flotow'schen Antheil, um ihn bald nachher nebst ihrem eigenen 
Antheil an Kloster Malchow abzutreten. Fünfundachtzig Jahre später, nämlich 
17 14, erwirbt dieses auch den Koch'schen Besitz nebst dem, was die Linstow 
noch haben, und wird dadurch Herr des ganzen Dorfes. 

Ein Geistlicher »Hermannus de Wangelin« wird schon 1244 genannt, 
ein Vicerektor Jakob in Wangelin 1358. 1541/42 hat Joachim Barss die 
Pfarre in Wangelin, und bis 1637 Magister Matthias Schaum, dem die 
Soldateska die Kirche verwüstet und das Haus ausplündert, wie er es selber 
in einem Briefe beschreibt. Später heisst es, er sei anderswohin ausgewandert. 
Aber wohin, wird nicht gesagt. Dass er von den Kaiserlichen in einem Teich 
ertränkt sei, ist somit eine durch nichts begründete Erzählung.®) Nach dem 
Kriege, von 1649 an, wird die Kirche zu Wangelin mit der von Kieth ver- 
einigt (s. o. S. 425). Das Verhältniss dauert bis nach Krüger 's Tode im Jahre 
1721. Da erreicht das Kloster Malchow, das als Herr des ganzen Dorfes 
auch in den Besitz des Kirchenpatronates gelangt war und wahrscheinlich den 
lange dauernden Kiether Kirchenkonflikt voraussah und an seinem Theile zu 
vermeiden wünschte, im Jahre 1724 die Verbindung der Kirche in WangeUn 
mit der zu Jabel, die ebenfalls unter dem Kloster stand. Und nun bleibt 
Wangelin, trotz der weiten Entfernung (12 km), bis zum Jahre 1864 mit Jabel 
verbunden.^) 

Kirche. Kirche. Die Kirche ist ein gothischer Backsteinbau auf einem Granit- 

fundament aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts, mit Polygonalschluss aus 

*) M. U.-B. 4161. 4175. 

») M. U.-B, 6257. 

») M. U.-B. 10573. 

*) M. U.-B. 5675. 5959. Nur das Kirchenpatronat bleibt in den Händen der Gamm: vgl. 
M. U.-B. 6152. Auch 9256. 

*) M. U.-B. 10573. 

®) Pentz, Gesch. des Kirchspiels Jabel, S. 31. 

'') Pentz, a. a. O., S. 32. Dieses Verhältniss von 1724 bis 1864 ist hie und da übersehen 
worden. M. Jahrb. LX, S. 43. 47. 99. Vgl. auch Balck, a. a. O., S. 34. 



GUT UND KIRCHDORF LÜTGENDORF. 



429 



dem Achteck. Die Wölbung ist niedrig und flachgespannt; ihre Rippen haben 
ein birnfbrmiges Durchschnittsprofil. Der Raum des Thurmes ist mit zur 
Kirche gezogen. Ueberall wendischer Ziegel -Verband, auch im Thurm. 1868/69 
hat eine Erneuerung stattgefunden. 

Als Altarbild die Kreuzesgruppe (Johannes, Maria und Maria Magdalena) Altarbild, 
von Theodor Fischer- Poisson, 1869. 



Draussen im Freien eine alte GranitfUnte. 



Fünte. 



Im Thurm drei Glocken, zwei grössere und eine kleinere. Davon nur Glocken, 
eine mit Inschrift und Jahreszahl, welche besagt, dass sie 1769 z. Zt. des 
Pastors STORCH unter dem Kloster- Pro visorat des VICTOR WILHELM VON 
OERTZEN auf Leppin und des FRIEDR. WILH. HANS VON LOWTZOW auf Gaarz 
sowie unter dem Klosterhauptmann HANS SIGISM. CHRISTOPH VON OERTZEN 
auf Ankershagen, unter dem Kompatron CHRISTOPH OTTO VON GAMM auf 
Göhren und unter dem Küchenmeister FRANZ ADAM FUHRMANN von Joh. 
Val. Schultz in Rostock gegossen worden ist. 

KleinkuDStwerke. i — 4. Kelch und Patene, Deckelkanne und Oblaten- Kleinkunst- 
dose, neu, vom Jahre 1867. — 5. 6. Zinnerner Kelch mit Patene, ohne Inschrift werke, 
und Werkzeichen. — 7. Zinnerne Deckelkanne, ebenfalls ohne Inschrift und 
Zeichen. — 8. 9. Zwei Taufbecken, neu. — 10. 11. Zwei zinnerne Leuchter, 
ohne Inschrift und Werkzeichen. — 12. 13. Zwei neugothische Leuchter von 
Messingguss. — 14. In der Mitte der Kirche ein neuer Messingkronleuchter. 




^) 17 km nordnordöstlich von Malchovv. 

*) Lisch, M. Jahrb. XXXU, S. 15. Vgl. da7Ai M. U.-B. 91. 857. 

*) M. U.-B. 2935 mit Anmkg. 

*) M. U.B. 5233. 7296. 

*) M. U.-B. 11514. 



Dorfes. 



Das Gut und Kirchdorf LUtgendorf.') 

las von alter Zeit her zum Lande Malchow und damit zur Schweriner Geschichte 
Diöcese*) zählende Dorf Lütgendorf hat schon 1304 eine Kirche, welcher ^^s 
die Wangelin auf Glans, dem späteren Blücherhof, »thor ehre de h. apostel 
Jacobi vnd Bartholomei« acht Hufen in Glans selbst verleihen.^) Da Lütgen- 
dorf zum bischöflichen Tisch nach Schwerin hin Hebungen zu leisten hat, so 
ist es geradezu als bischöfliches Tafelgut zu bezeichnen.*) Bereits im Jahre 
1383 sitzt auf Lütgendorf das Geschlecht der Linstow, welches lange Zeit 
hindurch zu den angesehensten des Landes gehört und es versteht, diesen 
Besitz Jahrhunderte hindurch festzuhalten.^) Der letzte Besitzer ist Hans 



43Ö AMTSGERICHTSBEZIRK MALCHOW. 

Rudolf von Linstow, welcher das Gut 1748 muthet und 1752 stirbt. Nach 
seinem Tode muthet es allerdings noch der Hauptmann Günther von Linstow, 
aber Hans Rudolfs Wittwe, welche den Kriegsrath von der Luhe auf 
Sophienhof wiedergeheirathet hat, ist im Besitz. Von der Lehnkammer 
aufgefordert, ihr Recht nachzuweisen, zeigt sie, dass sie auf Grund eines 
Testamentes ihres verstorbenen Ehegatten, sich mit Günther von Linstow ver- 
gleichsweise auseinandergesetzt, und dieser ihr gegen Zahlung einer Entschädi- 
gung das Gut und seine Ansprüche auf dasselbe cediert habe, worauf ihr der 
landesherrliche Konsens zu diesem Abkommen am 19. Februar 1754 gewährt 
wird. Den Lehneid aber leistet trotzdem im Jahre 1761 die Wittwe des eben 
erwähnten verstorbenen Günther von Linstow Namens ihrer Kinder. Indessen 
gelingt ihnen nicht die Reluition des Lehnes. Daher verkaufen der Kriegs- 
rath von der Luhe und seine Ehegattin das Gut Lütgendorf am 24. Oktober 
1763 an den Bürgermeister Urban Nauert in Malchow, und, als dieser 
sich zur Erfüllung des Kontraktes unfähig erweist, am 24. November 1764 
an Ernst Werner von Raven auf Nossentin. Nachdem dieser in Konkurs 
verfallen, ersteht es 1789 Helmuth Ludwig von Blücher, von dessen Erben es 
1793 ^^^ Hauptmann Hans Heinrich Ludwig von Arnim kauft. In Amim- 
schen Händen bleibt es bis 1848. Von da an ist August Christian Emanuel 
von Hintzenstern Eigenthümer; nach ihm 1876 Karl Helmuth Gerhard Gisbert 
von Plessen auf Reez, bezw. dessen Erben bis 1897. ^^9^ hat es Louise 
von Plessen, geb. von Restorff, 1899 Karl Axel Freiherr von Maltzahn und 
seit 1900 Heinrich Wessel auf Pohnstorf. 

Einen Geistlichen, genannt Nikolaus von Lütgendorf, finden wir als 
Zeugen in einer Urkunde vom 29. September 13 10, von da ab aber bis zur 
zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts keinen mehr. Nach der Reformation ist 
Henning Pankow Pastor, der lange Zeit als Seelsorger wirkt. Er unterschreibt 
1577 die Konkordien-Formel und lebt noch über 1600 hinaus. Sein Nach- 
folger, Joachim Bars (Barss, Baars), geräth schon 1605 mit den Linstowen in 
Streit.*) Doch haben nicht diese, sondern die Flotow auf Stuer das Patronat 
der Kirche. Ob auf Grund ihrer Pfandherrlichkeit über das Land Malchow, 
oder auf einen andern an irgend welchen Besitz geknüpften Rechtstitel hin, 
erfahren wir nicht. Das furchtbare Kriegs- und Todesjahr 1637 rafft auch den 
Pastor Barss aus dem Leben, und es folgt nun hier wie vieler Orten anderswo 
eine lange Vakanz. Erst im Jahre 1657 erhält Lütgendorf wieder einen Pastor 
in Henricus Ulrici, der aber schon 1664 stirbt und während seiner kurzen 
Amtsführung in den Schweden -Kriegen vieles und schweres Ungemach von 
durchziehenden Kriegsvölkern zu erdulden hat, wie er es selber kurz vor seinem 
Tode in einem Briefe ausfuhrlich schildert. Ihm folgt 1665 bis 1678 Erich 
Oswald. Als es sich in den siebenziger Jahren um Wiederherstellung der 
verwüsteten Kirche handelt, ist es den Flotowen auf Stuer anscheinend unmög- 
lich, ihren Verpflichtungen als Patronatsherren nachzukommen. Deshalb treten 



*) Vgl. Anmkg. zu M. U.-B. 2935. 



GUT UND KIRCHDORF LÜTGENDORF. 



431 



Kirche. 



sie das Patronat über Lütgendorf, dessen Verlust ihnen bereits angedroht war, 
im Jahre 1677 an Eier von Linstow auf Lütgendorf ab. Von diesem Zeitpunkt 
an ist es somit an den Besitz dieses Gutes geknüpft. Im Uebrigen hatten die 
Linstow schon vorher insoweit einen gewissen Antheil daran, als sie das 
Patronat über die Kapelle zu Gaarz besassen, die zur Kirche von Lütgendorf 
gehörte. Auf Oswald, der sich 1678 versetzen lässt, folgen: 1679 Christianus 
Ulricus Catovius (ti7i5), 17 16 Joachim Christoph Grantzow (emer. 1767), und 
1767 Heinr. Ad. Behm (f 1802). S. Walter a. a. O. 

Kirche. Die Kirche ist ein alter einschiffiger Feldsteinbau ohne Thurm 
aus dem XIIL Jahrhundert, mit flacher Balkendecke und einem Ostgiebel von 
Fachwerk und Backsteinen. Es haben soviele Veränderungen stattgehabt, 
dass heute nur noch der spitzbogige Haupteingang auf der Südseite, der in 
einem vorgeschobenen und oben abgetreppten Mauerkern angebracht ist, eine 
Aufmerksamkeit verdient. Auf dem Dach am Ostgiebel eine bekrönte Wetter- 
fahne mit der Jahreszahl 1775. 

Im Innern sind Altar und Kanzel zu einem Körper vereinigt. 

Am Sophienhöfer Chor, dem ehemaligen Patronatsstuhl, sieht man auf 
einer Tafel das Linstow'sche und das Lowtzow'sche Wappen mit den Unter- 
schriften: HANS RUDOLPH VON LI