(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Kupfertafeln zur Naturgeschichte der Vögel"

"TT^^JI^yP 


* ■•S>s(r 


^r^^^^i» 


•23ei -S 


l^^^]ßB 


ifS:>> - 




.teiö -= 


3St2. 


£;'^-^ 


-»2. 


■»:\X> 


'^i^^ 


•►i^v 


^^ 


I^^Sgi 


-'^^Ij^jk 


^^>S 


"^S3^ 


i®fc> 


''^'^St 


je£ji3 


'""^^|P^32a»> 


, ■■;-;;ip^Safc>j 




;:-ifc»?.:i:^5ai>^ 


^^^s-^:»»^ »:xi 


g:»^^^^^^ 


"^M^Bl^i^ 



Dl'%-'*''%''%'^<%''% 



HIBRARY OF CONGRESSj 

t [SMITHSONIAM DEPOSIT.] t 

I -^^ l 

I UNITED STATES OF AMERICA.^ 



/"f- 



f 






aß Ir 

Kupfertafeln 



zur 



Naturgeschichte der Vögel 



F. H. von "Kitt litz. 



Erstesfleft, 
mit 12 ausgemalten K u p f e r t a f e 1 n. 



Preis: Rthlr. 1. oder fl. 1. 45 kr. netto. 



Frankfurt am Main. 

VerlagTon Johann DaTid Sauerländer. 

.18 3 2. 






Vorrede, 



d^- 



Der Zweck dieser Blätter ist, mit der Zeit die Figuren 
aller bekannten Vögelarten, und ZAvar in systematischer 
Ordnung zu liefern. Den grossen Bedarf einer solchen 
umfassenden Bildersammlung empfindet wohl jeder, der 
sich gegenwärtig mit dem Studium der Ornithologie be- 
schäftigt. Noch besitzen wir nichts vollständiges der Art, 
und. das Vorhandene ist dabei schon fast immer viel zu 
kostbar für den Privatmann, oft aber auch zu sehr blosse 
Compilation und zu oberflächlich, um dem Bedürfniss derer 
abhelfen zu können, deren besonderes Fach dieser Zweig 
der Naturgeschichte ist. Es handelt sich nun darum, eine 
vor allen Dingen wohlfeile und nicht sehr voluminöse Samm- 
lung solcher Abbildungen zu veranstalten, die bei möglich- 
ster Kleinheit des Formats noch immer die nöthige natur- 
historische Brauchbarkeit haben und soviel als möglich 
auch den lebenden Charakter, der bei Vögeln noch beson- 
ders in Betracht kommt, darstellen. — Frühe Liebhaberei 
für den Gegenstand, und die Erfahrung, die ich auf bedeu- 
tenden Reisen zu sammeln Gelegenheit hatte, lassen mich 
hoffen, den SchAvierigkeiten dieser Aufgabe gewachsen zu 
seyn. Ich werde nur Originalzeichnungen und zwar vor- 
zugsweise von solchen Arten liefern, deren natürlicher Ha- 
bitus mir bekannt ist. Bei Vertheilung der Figuren habe 
ich es mir zur Pflicht gemacht, nur ganz benachbarte Spe- 
cies auf einer und derselben Platte darzustellen, damit ihrer 
dereinstigen systematischen Anordnung kein Hinderniss ent- 

1 



'— II ■ — 

gegenstehe, auch sorgfältig darauf zu sehn, dass die Grösse 
der jedesmal Zusammgeslellten gehörig übereinstimme. Bei 
so kleinem Format sind freilich die verschiedenartigsten 
Grade der Verkleinerung unvermeidlich, soviel es sich thuii 
lässt, werde ieh dies im beigefügten Text durch eine kurze 
Andeutung der Grösse zu ersetzen suchen, besonders bei 
neuen Arten, ■ — ■ übrigens muss, um den Plan des Werks 
nicht zu verletzen, dieser Text möglichst kurz seyn. 
Ich betrachte denselben nur als ein, gewiss nützliches, 
Magazin für so manches Neue, das ich über viele der ab- 
gebildeten Vögel mitzutheilen im Stande bin, Bemerkun- 
gen, die hier gewiss am zweckmässigsten Platz finden, 
insofern sie von Wichtigkeit für die allgemeine Naturge- 
schichte der Vögel sind. Eine solche Naturgeschichte 
schon jetzt förmlich aufstellen zu wollen, scheint mir durch- 
aus nicht rathsam, da die Erfahrung uns täglich mehr be- 
lehrt, dass es uns für diese Arbeit noch bei weitem an 
Material fehlt. Alle bisher aufgestellten Systeme dieser 
Thierklasse zeigen sich bei näherer Beleuchtung immer 
unhaltbarer, und selbst die einzelnen Genera sind noch 
lange nicht richtig bestimmt, abgesehn von der Menge 
von Arten, die da noch zu entdecken und zu sondern sind. 
Erst wenn wir die erforderlichen Kenntnisse von ihrer 
Lebensart, Nahrung, Fortpflanzung u. s. w. und ihre voll- 
ständige Anatomie besitzen werden, lässt sich ein der 
Natur einigermaassen entsprechendes System der Vögel 
von dem Eifer und Fleiss unsrer Naturhistoriker erwarten. 
Füi'erst aber sey hiermit zu der dann immer unentbehr- 
lichen Bildersammlung der Grund gelegt. 
Frankfurt am Main, im Februar 1833. 



Erläuterungen 

zum ersten Heft. 



Taf. I. Fig. 1. Mormon comiculatum auct. Fig. 2. 
M. cirrJiatum (Alca cirrhata. I>.) Beide sind häufig an 
allen Küsten des nördlichen stillen Oceans, ungefähr vom 
45. Breitengrade an, und zwar Fig. 1, vornehmlich auf 
entlegenen Inseln, Fig. 2. mehr um die Continente. Sie 
bewohnen gesellschaftlich das Meer und nisten in grosser 
Anzahl auf Felseninseln. Fig. 1 legt zwei weisse Eier in 
eine natürliche Höhle zwischen Steinen, Fig. 2 aber gräbt 
tiefe Löcher in die den Felsen bedeckende Erde und legt 
nur ein grosses zugespitztes, schmutzig weisses Ei, wel- 
ches das Weibchen ausschliesslich zu bebrüten scheint. 
Im Magen dieser brütenden Weibchen fand ich immer 
nur grünes Gras, sonst leben diese Vögel wie ihre Gat- 
tungsverwandten von Mollusken und Crustaceen. Sie tau- 
chen sehr geschickt, fliegen aber auch gut und viel. 



Taf. II. Fig. 1. Aquila pelagica Pallas. Vor der Wie- 
derauffindung der Zoographia russo-asiatica hatte ich die- 
sen Adler Falco Imperator genannt, auch passt die obige 
Benennung nicht ganz auf ihn, da er keineswegs ein Be- 
wohner des Meeres, sondern nur eines benachbarten Lan- 



_ 4 — 

des ist. Sein liebster Aufenthalt sind die waldigen Ufer 
der grössern Flüsse in der Halbinsel Kamtschatka, beson- 
ders auf deren westlicher Abdachung, sonst findet man ihn 
auch auf den benachbarten Inseln, insofern sie zum Con- 
tinent von Asien gehören. Auf den ganz nahe gelegenen 
amerikanischen (den Aleuten) vertritt ihn der diesem Erd- 
theil angehörende Falco leucocephalusj es scheint nicht, 
dass beide irgendwo gemeinschaftlich leben. Er wandert 
nicht, nährt sich im Sommer von grossen Lachsarten, im 
Winter von Hasen und ähnlichen Thieren, und horstet au 
starken Bäumen, in deren Ermangelung er sich, wie F. 
leucocephaluSj mit Felsen begnügt. Er ist der grösste aller 
bekannten Adler, genau beschrieben in Pallas Zoogr. russo- 
as. I. 343. ji. 21. Die weisse Zeichnung an der Stirn 
scheint mit dem Alter zuzunehmen, und das sehr alte 
Männchen sogar einen ganz weissen Kopf zu haben, die 
Jüngern Vögel aber haben anfönglich gar nichts weisses* 
Die gegenwärtige Figur ist ein Weibchen. 

Der Falco leucopteriis Temm. (pl. col. 489), aus Ja- 
pan, unterscheidet sich von diesem durch den graden 
Schwanz und kleinern Schnabel, sonst scheint er ganz der 
nämliche zu seyn. 

Fig. 2. Falco Albicilla aiicf.j auch auf Kamtschatka, 
aber nicht häufisr. 



Taf. III. Fig. 1. Falco rufipes Besehe (vollk. Männ- 
chen). Fig. 2. Falco caerulescens Gm., L., aus Indien. 
Fig. 3. F. sericeus mihij von den Philippinen, dem vorigen 
sehr benachbart, doch unbezweifelt verschieden (der Schwanz 
ist ganz einfarbig); beide Geschlechter sind von der näm- 
lichen Farbe und Zeichnung. Beschreibung und lebens- 
grosse Abbildung dieser neuen Art muss so eben in den 
Memoiren der kais. Akademie der Wissenschaften zu Pe- 
tersburg erscheinen. 



— ö — 

Taf. IV. Fig. 1. Cursorius isabellinus Meyer, ist in 
Abyssinien und Kordofan häufig-, und konj^mt auch von 
Zeit zu Zeit nach Nubien und Egypten. 

Fig. 2. Cursorius melanocephalus oder Charadrius 
jnelanocephalus Lath., bewohnt paarweiss und zu dreien 
die Ufer des JVil, besonders weiter oben, und nährt sich 
von Getraidekörnern, die der Fluss anschwemmt. 



Taf. V. Fig. 1. Coliimha jantJümi Temm. (pl. col.503) 
von Japan. Ich sah sie häufig auf der Inselgruppe von 
Boninsima, hier lebt sie mit Fig. 2. (C. versicolor mihi) die 
als Art sichtbar verschieden obgleich ihr äusserst ähnlich 
ist, dabei aber weit seltener vorkommt. In allen Ge- 
schlechts- und Altersverschiedenheiten ist der Unterschied 
beider in Farbe und Grösse bemerkbar, in Nahrmig und 
Lebensart sind sie übrigens sehr verwandt. Sie halten sich 
einzeln und paarweiss, und fressen unter andern gern die 
Fruchte der dortigen Fächerpalme. 



Taf. VI. Fig. 1. Climacterts scandens Temm., vom 
heissen Australien. Fig. 2. Clim. striolata mihij von der 
Insel Luzon (Melliphaya mystacdlis Temm. pl. col. 335. 
f. 2.) Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass Fig. 2 
durchaus hierher gehört. Ihre Lebejisart scheint wie ihr 
Betragen ganz spechtartig, und zwar am meisten der Gat- 
tung Süta benachbart zu seyn. Ich sah und schoss nur 
ein einziges (männliches) Exemplar in einer waldigen Ge- 
gend auf Luzon. Die Zunge ist flach, hornartig, an der 
Spitze gespalten und faserig, nur wenig protraktil. Die 
Art scheint nicht häufig in jener Gegend. 

Taf. VII. Fig. 1. Merops aegyptius Forskäl, aus Egyp- 
ten. Fig. 2. Merops collaris Viell. und Fig. 3. M, mrie^ 



— 6 — 

gatus VielL, aus Kordofan und Abyssinien. Man darf die 
Vögel, der Gattung Merops nur einigemal im Freien gesehn 
haben, um vollkommen überzeugt zu seyn, dass sie von 
den Schwalben, mit denen schon ihr Aeusseres so sehr 
übereinstimmt, durchaus nicht getrennt werden dürfen. Sie 
zeigen sich gewöhnlich in Gesellschaft derselben, fliegen 
und nähren sich wie jene, (nisten wie Hirundo riparid)^ auch 
hüpfen und laufen sie nie, eben so wie die Kolibri's, welche 
gewissermassen in Amerika sie vertreten, und dem Bau 
nach nicht minder schwalbenartig sind, obschon sie in der 
Lebensart mehr abweichen. Die Unbrauchbarkeit der Füsse 
zum Hüpfen und Laufen, verbunden mit den auffallend 
km-zen Armknochen und langen Schwingen, giebt ein sehr 
gründliches Unterscheidungszeichen der Abtheilung: Schwal- 
benarfige Vogel, von w^elcher man bisher die Kolibri's und 
Bienenfresser blos der abweichenden Schuabelform wegen 
getrennt zu haben scheint, aber diese allein darf bei der 
Classification der Vö^rel nicht entscheiden. 



Taf. VIII. Fig. 1. Cinnyris ruhrafer Lesson, es scheint 
vollkommen die Certhia Cardmalis in Lathum's Synopsis 
zu seyn. Fig. 2 ist eine neue Species, die ich in den 
Memoiren der Akademie von Petersburg einstweilen Dre- 
panis cinerea genannt habe, obschon, wie ich mich später 
überzeugt, diese beide Vögel sich von der Certhia vestiaria 
Lath. durch anders geformte Nasenlöcher unterscheiden, 
und also wahrscheinlich eher zu der Cuvier'schen Gattung 
Dicaeum zu zählen sind. Leider fehlen uns noch zu viel 
anatomische Notizen, um diese Genera gehörig sondern zu 
können, dass aber beide hier abgebildete Vögel vollkommen 
benachbart sind, bin ich überzeugt, ich fand sie beide auf 
der Insel Ualan, zum Archipel der Carolinen gehörig, und 
zwar Fig. 2 nirgends anderswo, Fig. 1 aber noch auf der 
Marianeninsel Guaham, wo sie indess immer ein wenig 



— 7 — 

kleiner vorkommt, auch in der Stimme und Lebensart etwas 
abweicht ; eine Erscheinung die inzwischen oft Statt findet, 
bei so ganz; getrennten Vögehi der nämlichen Art, wie 
diese Bewohner verschiedener Inseln. An beiden hier ab- 
gebildeten ist die Zunge hornartig und flach, au der Spitze 
mit einem Büschel Fasern wie bei der Gattung Philedon^ 
die Nasenlöcher aber wie hei Nectarinia, lang und schmal, 
unter einer knorpelichten Haut. 



Taf. IX. Fig. 1. Muscicapa caerulea L. Fig. 2. M, 
Bamhusae mihij beide von der Insel Luzon. Die letztere 
ist mit unter den neuen Vögeln, deren Beschreibung jetzt 
in Petersburg erscheinen muss ; sie ist ziemlich häufig in 
den Bambusgebüschen um Manila, und wohl zu unterschei- 
den von Muscicapa flahelUfera Gm. L., der sie jedoch ohne 
Zweifel sehr nahe steht. Fig. 1 ein angenehmer Sänger, 
bewohnt die dunkeln und niedrigen Gebüsche und liebt 
die Verborgenheit. 



Taf. X. Fig. 1. Fringilla cmerm Viellot. Fig. 2. Fr. 
Astrild und Fig. 3 Fr. Benghalus auct.j aus Kordofan und 
Abyssinien. 



Taf. XI. Fig. 1. jTwr^/ws m«croMrw5 L. aus Indien. Fig. 2. 
T. luzoniensis mihij ebenfalls eine neue, von mir in Petersburg 
beschriebene und abgebildete Art, schliesst sich sehr genau 
an jene Fig. 1 an ; von ihrer Lebensart habe ich indess 
nichts näheres erfahren können, ich erhielt nur ein einziges 
Exemplar auf der Insel Luzon. Grösse der Sylvia Thytis. 



Taf. XII. Zwei Arten einer neuen Gattung: Galgulus. 
Kennzeichen : Schnabel von der Länge des Kopfs, mittel- 



— 8 — 

massig stark, grade, der Oberkiefer erhaben, an der Spitze 
übergekrümmt und ausgeschnitten mit deutlicher Firste, vor 
der Wurzel zusammengedrückt, die Nasenlöcher mit einer 
knorplichten Haut halb bedeckt, starke Bartborsten um die 
Mundwinkel. Zunge flach, hornartig, an der Spitze zwei- 
getheilt und gefasert. Fasse wie bei der. Gattung Oriolus. 
Flügel spitz, die fünfte Schwungfeder die längste, die vor- 
hergehenden ungleich lang. Gefieder dunkelfarbig, die 
Kopffedern besonders steif und zugespitzt. • — Gehört in 
die Nachbarschaft von Oriolus. 

Fig. 1. Galgulus amaurotis und Fig. 2. G. philippi- 
nensis mihi. In den mehrerwähnten Memoiren der Aka- 
demie von Petersburg habe ich im Jahr 1830 den Vogel 
Fig. 1 bekannt gemacht, unter dem Namen Oriolus squa- 
micepsj, indem ich damals noch Anstand nahm, seinetwegen 
eine neue Gattung' zu errichten, er erschien fast gleich- 
zeitig in Tenmiinks pl. col. 497 als Turdis amaurotis^ von 
Japan, ich hatte ihn auf den benachbarten Boninsima ge- 
funden. Fig. 2 ist auf den Philippinen nicht selten, lebt 
in Wäldern gesellschaftlich und nährt sich von kleinen 
Früchten. Wahrscheinlich ist dies Turdus philippensis Gm. L. 
II. 814. n. 40. Die Geschlechter sehen einander ziemlich 
ähnlich bei diesen Vögeln, nur bei Fig. 1 fand ich das 
Weibchen um etwas merkliches kleiner und heller gefärbt 
als das Männchen. 



— 9 



Erläuterungen 



zum zweiten Heft. 



Taf. XIII. Fig. 1. Mino Dumontii Less. Voy. de la 
Coquille pl. 36. Mino Dumont von Neu Guinea. 

Fig. 2. G. calva h. von den Philippinen, (^e Goulin, 
Bufibn 3. p. 420.) 

Es ist wohl nicht zu verkennen, wie natürlich benach- 
bart beide Arten sind, die letztere ist mit Unrecht einigemal 
zu der Gattung Pastor gezählt worden. Während meines 
kurzen Aufenthalts auf der Insel Luzon im Januar 1829 
habe ich sie nur hin und wieder in einer bergigen und wal- 
digen Gegend bemerkt, und zwar immer paarweis gegen 
Abend auf hohen Bäumen. Ihr einfacher aber starker und 
klangvoller Lockton macht sie von weitem her kenntlich. 
Zwischen Männchen und Weibchen, die sehr zusammenhal- 
ten, habe ich keinen äussern Unterschied bemerkt, als dass 
letzteres kleiner ist. In dem kleinen muskulösen Magen 
fand ich meist Überreste von Früchten. Die Zunge ist im 
Ganzen wie bei der Gattung Turdus gestaltet, flach, horn- 



— 10 — 

artig, an der Spitze gespalten und faserig, an der AVurzel 
etwas fleischig. 



Taf. XIV. Fig. 1. Alcedo collaris auct. Lath. Syn. übers, 
von Bechstein. 2. p. 510. N. 12 v, D. Martin pecheur a 
Collier blanc des Philippiues. Sonnerat Voy. n. 67. t. 33. 

Fig. 2. Alcedo rufirostris (Berlinei- Museum.) A. Smyr^ 
nensis L. Lath. Syn. übers, v. Bechst. p. 505. N. 7 v. A. 

Beide sah ich oft auf der Insel Luzon, sie gehören ei- 
gentUch zur Cuvierschen Gattung Daceloj es wird aber 
schwer halten, diese genau zu bestimmen, weil die äussern 
Kennzeichen gar zu sehr mit denen von Alcedo übereinkom- 
men, und die Lebensart erst sorgfältig beobachtet seyn will. 
In Hinsicht der letztern giebt es drei Hauptverschiedenheiten 
unter den sogenannten Eisvögeln oder Königsfischern : 1) Ei- 
gentliche Fischer {Martin pecheurs) die stets am süssen Was- 
ser wohnen. 2) Waldbewohner oder Jäger (Martin Chasseurs) 
und 3) Krabbenfresser (wie Alcedo cancrophaga L») weichen 
die waldigen Ufer des Meeres zum Aufenthalt dienen. Die bei- 
den letztern haben meist etwas aufgetriebene und au der 
Spitze mehr oder weniger merklieh gekrümmte Schnäbel, 
und diess ist denn die Gattung Duceloj die sonst kein äusse- 
res Abzeichen hat^ sie gehört bislier nur dem alten Conti- 
nent und Australien an. 

Die hier abgebildeten beiden Arten zeigen den Unter- 
schied der Lebensart sehr stark. Fig. 1 nährt sich von 
Krustaceen und ist ein beständiger Bewohner des Meerufers, 
so weit es mit Bäumen bewachsen ist, erst gleich dahinter 
beginnt die Region, wo auch Fig, 2 häufig angetroffen wird, 
und diese erstreckt sich bis ins Innere der waldigen Gebirge. 
Die Nahrung aber machen hier grössere Insekten, Eidexen 
und kleine Säugthiere, als Fledermäuse und dergl. aus, viel- 



— 11 — 

leicht sogar auch Fische, da man oft genug den Vogel auch 
am süssen Wasser sieht, wo er wie unser Eisvogel Platz 
nimmt, obschon ich mich nicht entsinne, Fischgräten in sei- 
nem Magen gefunden zu haben. Doch zieht er die Wal- 
dungen und mit hohen Bäumen besetzten Felder zu seinem 
Aufenthalte stets vor, er lebt einsam und sitzt gern hoch. 
Sein Flug und seine Stimme haben viel mit denen von AU 
cedo Alcyüii gemein, er bewegt aber nicht den Schwanz 
wie dieser, der übrigens ein ächter Martin pedieur ist. 



Taf. XV. Fig. 1. Turdus Canfor Lath. wohl eins mit 
Lamprothornis Canfor Temm. (pl. col. 149 f. 1. mas. f. 2. 
fcem.) von Java, es hält aber ungemein schwer die hierher 
gehörenden Vögel richtig zu sondern. Der gegenwärtige 
lebt in kleinen Truppen auf der Insel Luzon, ich fand beide 
Geschlechter so schwarz gefiedert, da doch bei Temmink 
das Weibchen noch weisslich gemischt ist, vielleicht hat es 
damit dieselbe Bewandtniss wie mit Fig. 2. Wenn die Au- 
gen beim Temmink'schen Vogel wirklidi gelb sind, so halte 
ich die Art für gewiss verschieden, bei dem von Luzon sind 
sie schön blutroth, wie die Abbildung zeigt. 

Fig. 2. Turdus columbinus Gm. L. oder Lamprotlu 
opaca Lichtenstein, ein häufiger Vogel auf den Marianen und 
Carolinen, und besonders gemein auf den niedrigen Corallen- 
inseln der letztern. Zwischen den dort wohnenden Vögeln 
dieser Art und denen von der Insel Ualan bemerkte ich 
einen auffallenden Unterschied in Betragen, Haltung und 
Stimme, obschon die Körperverhältnisse beider genau über- 
einstimmen. Aber auch das Gefieder der letztem war nicht 
so rein schwarz, bei den Alten beiderlei Geschlechts gleich, 
und bei einzelnen Jungen am üiiterleibe nur wenig heller 
gemischt, während auf den flachen Inseln Weibchen und 
Junge am Bauche gelblich weiss, mit sehr regelmässigen 

2* 



-^ 12 -^ 

schwarzbraunen Längsstreifen bezeichnet, erschienen, wobei 
ich freilich aus Mangel an Erfahrung nicht behaupten kann, 
dass es nicht auch schwarze Weibchen gebe. — Wären 
diess wirklich zwei verschiedene Arten, so würden sie den- 
noch in Cabinetten und Abbildungen nie zu unterscheiden 
seyn, ihrer zu grossen Aehnlichkeit wegen. Diese Vögel 
haben einen weiten, nur wenig muskulösen Magen, leben 
aber fast nur von Früchten, gesellig, aber nicht heerdenweis, 
und lieben die Nähe der Menschenwohnungen. 

Fig. 3 ist eine neue Species, die ich auf der Insel Ualan 
gefunden, und Lamprothornis corvina genannt habe. Beschrei- 
bung und lebensgrosse Abbildung muss in den neuesten 
Memoiren der Academie von Petersburg erschienen seyn. 
Sie schliesst sich sichtbar an Fig 2 an, unterscheidet sich 
aber auch sehr wesentlich von dieser durch ihre weit mehr 
animalische Nahrung ; grosse Insekten, als Cikaden und der- 
gleichen, und kleine Eidexen, machen die Hauptgegenstände 
derselben aus und wechseln nur nebenbei mit Früchten ab, 
dabei ist der Magen kleiner und viel muskulöser als bei 
jener Art. Diess ist ein sehr einsamer Vogel, der die tiefsten 
gebirgigen Waldungen bewohnt und die Nähe des Menschen 
flieht; die noch ungemauserten Jungen sind gelblich weiss 
und schwarzbraun gefleckt, bei den Alten beide Geschlech- 
ter schwarz. 



Was die Grösse der hier abgebildeten Vögel betriffll;, so 
wird Fig. 1 ungefälu" die unseres europäischen Staars haben, 
an welchen die zugespitzten glänzenden Halsfedern noch be- 
sonders erinnern. Die Federn über der Schnabelwurzel sind 
hier sehr schön sammetartig, bei Fig. 3 sind es schon mehr 
sehr kleine struppige Federchen von wolligem Ansehn, bei 
Fig. 2 aber fast nur ganz feine Borsten, ohne den Glanz und 
die Weichheit der gewöhnlichen Sammelfedern. Die Zunge 



— 13 — 

hat bei allen die meiste Ähnlichkeit mit der der Gattung 
Tardus. 



Taf. XVI. Zwei Arten einer neuen Gattung Pteropto- 
chos. Fig. 1. Pt. Megapodius und Fig. 2. Pt. ulhicollis 
mihi. < — ' Die Gattung habe ich selbst erst aufgestellt in den 
Memoiren der Petersburger Academie von 1830, ich habe 
dort drei Arten derselben beschrieben und abgebildet. Alle 
drei fand ich an der Küste von Chili. Sie bewohnen dort 
dichtes Gebüsch in den Schluchten der zunächst dem Meere 
gelegenen Höhen, und können ihrer kurzen Flügel wegen 
nicht eigentlich fliegen, sondern nur sehr schnell laufen und 
grosse Sprünge thun, eine sonst bei sperlingsartigen Vögeln 
nicht vorgefundene Einrichtung. Gestalt, Betragen und Glie- 
derform nähern sie übrigens am meisten der Gattung Troglo- 
dytes. Ihre Nahrung jedoch ist vorherrschend vegetabilisch, 
mehligte Sämereien und Wurzeln findet man allezeit mit 
zahlreichen kleinen Steinen vermischt in dem stark musku- 
lösen Magen und nur zuweilen auch einige Trümmer \on 
Insekten. 

Die beiden hier abgebildeten Arten sind um Valparaiso 
herum ziemlich häufig, leban aber sehr versteckt. Fig. 1 
hat migefähr die Grösse unserer Wasserralle^ Fig. 2 die des 
Cinclus aquaticus. Die Geschlechter unterscheiden sich 
nicht in der Farbe. 



Taf. XVII. Fig. 1. Sylvia ccerulecula Pallas. Wohl 
kaum etwas anders als eine Race von unsrer Sylvia suecica^ 
von welcher sie ausser dem gelben Stern nur noch die mehr 
hyacinthenblaue Kehlfarbe unterscheidet, alles übrige, wie 
auch Betragen und Lebensart, kommt mit jener überein. Die 
Heimath dieser beständigen Varietät ist vorzugsweise der 



— 14 — 

Orient, in Russland und Sibirien scheint sie jene mit weis- 
sem Stern ganz zu vertreten, doch findet sie sich auch in 
Schweden und Norwegen, und gemeinschaftUch mit jener, 
in Egypten und Nubien. 

Fig. 2. Sylvia Calliope Fall. Der Repräsentant unsres 
Blaukehlchens im östlichen Asien, im Sommer häufig in 
Kamtschatka, in Sibirien seltner, westlich vom Ural aber ist 
sie noch nicht bemerkt worden, dagegen im Süden bis Ben- 
galen, wahrscheinlich nur im Winter, Lebensart und Be- 
tragen sind die der Sylvia suecica. Wie diese bei uns sah 
ich sie in Kamtschatka auf dem Guga im niedrigen Wei- 
dengebüsch zu Ende September in kleinen Gesellschaften. 
Im Sommer lebt sie paarweis in den grossen lichten Birken- 
wäldern, hier sitzt das Männchen gern auf den Wipfeln der 
Bäume und singt Tag und Nacht hindurch, sein Gesang ist 
sehr wohlklingend. Es bläst dabei die Kehle stark auf und 
hebt den Schwanz in die Höhe. Das Weibchen ist gewöhn- 
lich einfach grau, die Kehle weisslich, nur ältere bekommen 
auch die rothe Kehle, doch kennt man sie leicht an den 
minder schönen Streifen am Kopfe und der etwas kleineren 
Gestalt. 



Taf. XVIII. Fig. 1. Pipra pareola. Fig. 2. P. lotigi- 
caitda und Fig. 3. Ampelis Carnifex atict^ sämmtlich vom 
heissen Südamerika. Fig. 3 erlaube ich mir hiermit Pipra 
Carnifex zu nennen, und gewiss wird bei näherer Betrach- 
tung dies Jedermann billigen, da zumal die Füsse ganz den 
Charakter dieser Gattung zeigen, die bis zum ersten Gelenk 
zusammengewachsene äussere und Mittel -Zehe. Übrigens 
mag dieser Vogel wohl den natürlichen Übergang von Pipra 
zu Ampelis machen, welche beide gewiss in Körperbau und 
Lebensart viel gemein haben. Dahin gehört z. B. das Ver- 
schliiJgen ganzer sehr harter Früchte, die durch den Saft 



r- 15 — 

des blos häutigen Magens nachher erweicht werden. So 
schoss ich ein Weibchen von Ampelis nudicollis L., dessen 
Magen durch zwei gleich grosse ganze Palmennüsse unge- 
wöhnlich ausgespannt war, und bald nachher eine Pipra 
Manacusj die eine so grosse Frucht der Art verschlungen 
hatte, dass der ganze Vogel dadurch ein unnatürlich auf- 
getriebenes Ansehn erhielt und sich kaum bewegen konnte. 
Die Dehnbarkeit der Kinnladen muss dabei bewundernswür- 
dig seyn, und erinnert ganz an die der meisten Schlangen. 



Taf. XIX. Zwei neue Arten einer noch nicht gehörig 
bestimmten Gattung. Fig. 1 von der Marianen-Insel Gua- 
ham, Fig. S aber von Luzon. In meinem für die mehrge- 
nannten Memoiren der Akademie von Petersburg bestimmten 
Manuskripte habe ich sie vorläufig Bicomm conspicillatum 
(Fig. 1) und D. flavum (Fig. 2) genannt, aber es fragt sich, 
ob die Charaktere dieser Cuvierschen Gattung auch wirk- 
lich hier zu suchen sind. Jedenfalls bilden diese Vögel den 
natürlichen Übergang von den Sylvien zu den Nectarinien, 
sie haben im Allgemeinen die Schnabelform der letztern, 
aber die Zunge der erstem, beide gegenwärtige leben ge- 
sellschaftlich auf hohen Waldbäumen, streichen wie die Mei- 
sen und nähren sich von kleinen Insekten. 



Taf. XX. Fig. 1. Tachypetes Aquilus und Fig. 2. T. 
leucocephalus auct. Beide scheinen nicht, wie gewöhnlich 
geglaubt wird, zu einer und derselben Art, sondern zu zwei 
bestimmt verschiedenen zu gehören, obschon es immer 
schwer hält, sie bei der grossen Übereinstimmung der Kör- 
perverhältnisse gehörig zu unterscheiden. Am meisten hat 
mich in dieser Meinung die Aussage der Officiere des rus- 
sischen EntdeckungsscMflfs Moller bestärkt, welche im März 
und April 1828 die Brüteplätze dieser und vieler andern See- 



— 16 — 

vögel auf den nördlich von den Sandwichs-Inseln gelegenen 
Sandbänken fanden. Diese zweifelten keinen Augenblick an 
der Verschiedenheit beider Arten, davon Fig. 1 in Menge 
gepaart und brütend angetroffen ward und zwar so wenig 
scheu, dass man sie beständig mit Händen griff. Das Weib- 
chen, dessen Balg ich nachher selbst gesehn, war damals 
im Gefieder wenig verschieden, doch fehlte ihm ganz de^ 
Kehlsack, an dessen Stelle die Kehle weiss gefiedert war, 
auch am Hinterkopf zeigten sich einige weisse Fleckchen, 
und die Rückenfedern waren nicht so lang und glänzend. 
(Vergl. Viellot Ornitli. I, 45.) 

Fig. 2 mag ein jüngeres Exemplar seiner Art seyn, bei 
wahrscheinlich vollkommeren ist der Kopf und Hals rein weiss. 

Taf. XXI. Fig. 1. Motacilla lugena Pallas (im Früh- 
lingskleide). Der bekannteste Sommervogel auf Kamtschatka, 
kommt dort im April an und zieht um Anfang Octobers wie-* 
der ab. Die Lebensart ist ganz wie bei unsrer weissen Bach- 
stelze, der auch die Stimme sehr gleich kommt. ZAvischen 
beiden Geschlechtern ist kein äusserer Unterschied, im Herbst 
aber tritt der Farbenwechsel ungefähr wie bei der unsrigen 
ein. Alle Vögel der Art haben dann eine weisse, unten 
schwarz begrenzte Kehle und einen aschgrauen Rücken, die 
schwarze Farbe wird erst nach und nach herrschend, und 
zeigt sich am stärksten kurz vor der Mauser. Diese Bach- 
stelze liebt besonders die felsigten Ufer des Meeres, wenn 
süsses Wasser in der Nähe ist, nur einmal fand ich ihr Nest 
an einem steilen Abhänge über dem Strande, es war in den 
Rasen gebaut, wie bei unserer Motacilla flavuj und enthielt 
bereits 5 Junge, ich kenne daher die Eier nicht. 

Fig. 2. Motacilla capensis auct. Von der Abyssinischen 
Küste, scheint in Afrika vom Wendekreise des Krebses an 
unsre weisse Bachstelze zu vertreten. 



_ 17 _ 

Taf. XXII. Fig. 1. Einheri%a aureola und Fig. 2. E. 
rustica Pallas, aus Kamtschatka. Beide beleben den Som- 
mer hindurch die sonst so todten Birkenwälder der Halbin- 
sel einigermaassen, es findet sich hier bald die eine bald die 
andre Art häufiger. — ' Fig. 1 kommt sehr spät an (bei ver- 
spätetem Frühlinge erst im Juni) und zieht schon im Au- 
gust wieder fort. Das Gefieder scheint sein- dem Alter nach 
zu variiren, Avenn nicht etwa die abgebildete Tracht des 
vollkommenen Männchens überhaupt nur das vollendete Som- 
merkleid ist, wie man fast daraus schliessen möchte, dass 
dieselbe immer häufiger gefunden wird, nachdem der Som- 
mer zunimmt. Das muthmasslich jüngere Männchen hat am 
Oberleibe mehr Lerchengrau, und von dieser Farbe sind 
auch die sonst weissen kleinen Flügeldecken. Dem Weib- 
chen aber fehlt das Schwarze am Vorderkopf und Kinn, 
und über die Augen läuft ein weisslicher Streifen. Dieser 
zeigt sieh bei den ungemauserten Jungen nur undeut- 
lich, sonst kommen sie dem Weibchen in der Farbe am 
nächsten. Die Stimme dieses Vogels hat viel Ähnlichkeit 
mit der unsers Rohrammers, einfache, äusserst feine und 
scharfe Locktöne, und so ist auch sein etwas melancholisch 
klingender Gesang, der gewöhnlich nur aus fünf Tönen be- 
steht, davon der letzte lang und schwebend verhallt; man 
hört ihn überall im Juni, so lange die Paarungszeit dauert, 
später selten. Das einzige Nest, das ich finden konnte, war 
im flachen Rasenboden zwischen Gesträuch aus dürren Gras- 
halmen erbaut, mid enthielt nebst 4 Jungen noch ein un- 
fruchtbares Ey, röthUch weissgrau mit schwarzröthlicheii 
Punkten und geschlungenen Strichelchen bezeichnet, wie bei 
Etnberi%a Schwmclus. Zu ihrem Aufenthalt liebt diese Art 
besonders ebene Grasplätze mit einzelnem Gesträuch, dort 
sitzt das Männchen, wenn es singt, gern unbeweglich auf 
hervorragenden Spitzen. 

Fig. 2 hingegen bewohnt mehr hohe Bäume und zieht 



— 18 ^ 

daher das Innere der Birkenwälder vor, diese ist viel leb- 
hafter, beständig in Bewegung und ähnelt im Betragen un- 
serm Buchfinkenj an dessen Gesang auch die Melodie des 
ihrigen erinnert, welche freilich viel schwächer und klang- 
loser ist. Die Kopffedern sträubt sie gewönhch etwas, was 
besonders im Herbste, wo sie länger sind, eine Art spitzer 
Haube bildet. Es findet bei diesem Vogel nämlich dasselbe 
Verhältniss zwischen Winter- und Sommerkleid statt, wie 
bei unserm Rohrammer. Im Herbste sehn beide Geschlech- 
ter einander gleich, alles sonst schwai'ze ist hier durch rost- 
graue Federeinfassungen fast verdeckt, und die weissen 
Theile sind gelblich gewässert, gegen den Sommer hin 
nutzen sich die Federn nach und nach ab und die Grund- 
farben werden herrschend, wie wir es bei unsrer FHngilla 
montifringilla und vielen Andern sehn. Die Abbildung zeigt 
das vollkommne Sommerkleid des Männchens, das Weibchen 
gleicht um diese Zeit ziemlich dem Herbstvogel, zeigt aber 
auch noch mehr Schwarz, und das Kastanienbraun ist 
schwärzlich gemischt. 

Fig. 2 verweilt viel länger auf Kamtschatka als Fig. 1, 
wenigstens wandert sie erst gegen Ende Septembers und 
Anfang Octobers in kleinen zerstreuten Gesellschaften weg. 
Wie wohl alle Ammerarten nährt auch sie sich von Säme- 
reien und Insekten zugleich. 

Beide haben ungefähr die Grösse von E. Schcmicltts. 



'Taf. XXIII. Fig. 1. Fringilla fruticeti und Fig. 2. Frin- 
gilla alaudina mihi. Fig. 3. Fr. matutina Lichtenstein, 
sämmtlich aus Chili, doch fand ich Fig. 3 auch häufig um 
Rio-Janeiro. 

Diese Vögel gehören zu der ziemlich zalilreichen Gruppe, 



_ 19 -^ 

welche den Übergang von den Finken zu den Ammern so 
unmerklich bildet, dass man zuweilen an der Möglichkeit 
zweifeln sollte, diese beiden gehörig zu sondern. Es ist 
vornehmlich das gemässigte und kalte Amerika beider He- 
misphären, welches diese Form hervorbringt, doch findet 
sich auch eine Art auf Kamtschatka. Hierher gehören be- 
sonders mehrere nordamerikanische Vögel, als die Fringilla 
rufüj graminea und melodia des Wilson, die Emheriza sand- 
tvichensis und Fring. norloniensis des Latham, und wahr- 
scheinlich auch Emh. hyemalis. Die meisten scheinen an- 
muthige Sänger zu seyn. 

Fig. 1 ist ein Männchen im Herbstkleide, wahrschein- 
lich wird im Frühlinge wie bei andern Vögeln die schwarze 
Farbe stärker verbreitet seyn. Die Grösse dieses Vogels 
ist ungefähr die der Emheriza citrinella, er zeigt sich im 
März und April nur einzeln auf den kahlen mit wenigem 
Strauchwerk bewachsenen Höhen zunächst der Küste bei 
Valparaiso. Ich habe daher wenig oder gar keine Gelegen- 
heit gehabt ihn zu beobachten. 

Fig. 2 (ein Männchen) hat ungefähr die Grösse der 
Fring, cannabinuy das (muthmassliche) Weibchen ist am 
Halse und den Seiten mit braunschwärzlichen Längsstreifen 
bezeichnet und überhaupt mehr lerchengrau, es ist kaum 
merklich kleiner als das Männchen. Auch dieser Vogel, der 
in Gestalt und Betragen den auffallendsten Übergang zu den 
Lerchen macht (man sehe die Länge der hintern Schwung- 
federn) sah ich nur wenig während meines kurzen Aufent- 
halts in Chili. Diejenigen der Art, welche ich antraf, hiel- 
ten sich auf nacktem trockenen Boden paarweiss, liefen wie 
die Lerchen im Sande umhier und setzten sich nur dann 
und wann auf eine niedrige Staude, wobei sie den Schwanz 
mit einer schnellenden Bewegung einen Augenblick auszu- 



— 20 — 

breiten pflegteji, ungefähr wie es unsre Saxicola Oenanthe 
thut. Eine Stimme hörte ich dabei nicht von ihnen. 

Fig. 3 ist ebenfalls ein Herbstvogel seiner Art, das 
Sommerkleid welches ich in Brasilien gesehn, ist von etwas 
bleicheren Farben mid des abgenutzten Gefieders wegen 
unansehnlicher. Sowohl in Brasilien als Chili fand ich den 
Vogel häufig, doch lebt er immer vereinzelt auf solchen Fel- 
dern, die verstreutes Buchwerk enthalten, er läuft viel auf 
dem Boden, setzt sich aber auch gern auf die Gipfel klei- 
ner Bäume. Ich habe keinen Geschlechtsunterschied im 
Gefieder bemerkt. 



Taf. XXIV. Fig. 1. Dendrocolaptes turdinus Lichtenstein. 
Fig. 2. D. syltiellus Temm. aus Brasilien. Die Vermuthung, 
dass der letztere zu den Synnalaxen gehören möge, ist mi- 
gegründet, denn er ist ein vollkommener Klettervogel und 
gleicht in Haltung und Betragen ganz unsrer Cerfhia fami- 
liaris. Aber auffallend genug ist der Übergang, der we- 
nigstens hierdurch angedeutet wird. Ich sah den gegenwär- 
tigen Vogel etlichemal um Rio-Janeiro in hochstämmiger 
Waldung, wo er einzeln lebt, schnell und ohne Geräusch 
von einem Baume zum andern fliegt und mit grosser Ge- 
wandtheit klettert, wobei er gern unten am Stamm anfängt 
und in schneckenförmigen Windungen den Baum bis in 
seine Krone liinauf besteigt, ohne dabei an einzelnen Stel- 
len sich aufzuhalten. Auch weiss er, wie andre Kletter- 
vögel, sich sehr geschickt auf der Rückseite eines Stammes 
zu verstecken, wenn er sich verfolgt sieht. 



21 



Erläuterungen 

zum dritten He f t. 



Taf. XXV. Fig. 1. Turdus nceviusj, und Fig. 2. T. mU 
gratorius auct., aus Nordamerika 5 ich sah beide ziemlich 
häufig im July 1827 um Norfolk-Sound an der Westküste, *) 
und zwar scheint Fig. 1 derselben vorzugsweise anzugehö- 
ren, während Fig. 2 eine viel ausgedehntere Verbreitung hat. 

Fig. 1 zeigt durch die starken und Sgruppenweis ge- 
stellten Bartborsten eine Annäherung an die Formen der 
Fliegenfänger, wiewohl ihr Habitus ganz den eigentlichen 
Walddrosseln angehört. Ihre weniger aus Früchten beste- 
hende Nahrung möchte ebenfalls einen Übergang andeuten, 
ich fand besonders viel Krustaceen und kleinere Seegewürme 
in ihrem Magen, wie sie denn auch die felsigten und mit 
Nadelholz bewachsenen Ufer des Meeres besonders gern 
bewohnt. Die Alten beiderlei Geschlechts zeigen die Farbe 
der Abbildung, bei den Jungen ist das Rostgelb unreiner und 
grau geschuppt, das Schwarz aber nur dunkelbraun und 
ebenfalls unterbrochen, das Aschgrau endlich rostgelb über- 
laufen. Die Grösse kommt fast der unsrer europäischen 



*) Ich kam in jene Gegenden, wie auch nach Kamtschatka, den 
Carolinen u. s. w., mit der Entdeckungsexpedition der Kaiserl. 
Russischen Schaluppe Senjatvin, unter Capitain v. Lütke (1826 
bis 1829) welcher ich als Naturforscher beigegehen war. Ich 
ward als solcher der Gefährte und Mitarbeiter des damals schon 
rühmlichst bekannten Dr. Heinrich Merlens^ v_on dessen unschätz- 
baren auf jener Reise gesammelten Beobachtungen leider nur zu 
vieles durch seinen frühzeitigen Tod verloren ging. 



— 22 — 

Amsel gleich. — Den Gesang des Männchens hörte ich nur 
ein paarmal in den letzten Tagen des Juni, er hat einen son- 
derbar klirrenden Ton und viel eigenthümliches. 

Fig. 2 ist im Ganzen häufiger in jener Gegend als 
Fig. 1, besonders gegen Ende Juli, wenn die Himbeeren 
reif sind, wo dieser Vogel alsdann in grosser Menge er- 
scheint, ohne jedoch geschlossene Trupps zu bilden. Vor 
der Reife der Himbeeren fand ich den ziemlich grossen häu- 
tigen Magen meist angefüllt mit kleinen Mollusken und 
Krustaceen. 

Taf. XXVI. Fig. 1. Sylvia cmrorea Pallas^ aus Japan. 
Fig. 2. Ä*. Phmiicurus auct., aus Egypten, scheint den 
Winter tief im Innern von Afrika zuzubringen. 

Taf. XXVII. Fig. I. Sylvia Ruppelli Teram. (Männ- 
chen) , aus Egypten. Kommt nicht in Dalmatien vor, nach 
neuern Nachrichten aber in Morea, wo überhaupt viel egyp- 
tische Vögel gefunden werden. 

Fig. 2. »S*. suhalpina Bonelli. (Männchen), ebenfalls aus 
Egypten, geht aber nördlicher als die vorige Art und scheint 
sogar in Dalmatien häufig zu seyn. — Das Weibchen ist 
am ünterleibe heller, oft nur röthlich weiss. Die Augen- 
kreise sind nicht, wie man der Farbe nach schliessen sollte, 
nackt, sondern mit fleischfarbigen Federchen besetzt. Die 
Lebensart und Haltung ist ganz die unsrer Grasmücken. 

Taf. XXVIII. Fig. I. Nectarinia purpurata Illiger, aus 
Abyssinien. 

Fig. 2. N. senegalensis auct., von der Westküste von 
Afrika. 

Taf. XXIX. Fig. 1. Alcedo Ispida L. 

Fig. 2. A. bengalensis Gm., L., unterscheidet sich von 
Fig. 1 fast nur durch die stets geringere Grösse und den 
verhäldiissmässig viel längeren Schnabel. Auch die Lebens- 



_ 23 -^ 

art beider scheint ganz übereinzukommen, ich sah Fig. 2 
ziemlich cU auf der Insel Luzon und zwar stets am Was- 
ser, damals hielt ich die Art für nicht verschieden von un- 
serm Eisvogel, obschon die kleinere Gestalt mir auffiel. Es 
scheint, dass jener durch gegenwärtige Art in ganz Indien 
vertreten wird. 

Fig. 3. Alcedo cristata L., von den Molluken. 

Taf. XXX. Fig. 1. Ocypterus leucorhynchos Temm., von 
den Sunda-Inseln. Doch sah ich denselben auch im Januar 
1829 auf der Insel Luzon, wo er zu dieser Jahrszeit in 
kleinen Truppen von 3 — 4 Stück um die Ränder der Wal- 
dungen streicht. Diese Vögel lieben die offenen und ange- 
bauten Stellen und setzen sich, nachdem sie schwalbenartig 
die Luft durchkreuzt haben, gern nahe bei einander, am 
liebsten auf trockne Spitzen niedriger Bäume, Zaunpfähle 
und dergl. ■ — In Haltung und Betragen gleichen sie ganz 
den Schwalben, auch ihre Lockstimme erinnert an diese. 
In dem wenig muskulösen Magen fand ich nur Trümmer 
von grossen fliegenden Insekten. Ich konnte keinen Ge- 
schlechtsunterschied im Gefieder bemerken. 

Fig. 2. O, alhoviitatus Valenciennes, von Timor. 

Taf. XXXI. Fig. 1. Tanagra Iricolor L. Fig. 2. T, 
Irichroa L. und Fig. 3. T. Tatao L., alle vom heissen Süd- 
amerika. Fig. 1 und 2 sah ich während unsers kurzen 
Aufenthalts in Brasilien öfters im Freien, damals, es war im 
Januar, hielt sich Fig. 1 mehr einzeln auf Obstbäumen und 
um die Häuser her, Fig. 2 hingegen in den Wäldern und 
in mehr oder weniger zahlreichen Hcerden vereinigt. Diese 
Vögel streichen dann ungefähr, wie unsre Meisen, zeigen 
sehr lebhafte Bewegungen bei ganz eigenthümlichem Habitus, 
und nähren sich von kleinen Sämereien und Beeren. 

Taf. XXXII. Fig. 1. Fringilla erythrina Pallas. (Männ- 
chen). Pyrrlmla erythrina Temm. Scheint über das ganze 

3* 



— 24 ~ 

nördliche Asien und einen ziemlichen Theil des daran stos- 
senden Europa verbreitet zu seyn. Ich fand sie häufig den 
Sommer über auf Kamtschatka (wo indess die ähnlichen si- 
birischen Arten, Fring. roseuj longicmtda &c. durchaus nicht 
vorkommen) — > und nicht minder häufig scheint sie am Kau- 
kasus zu seyn. In Kamtschatka kommt sie gegen Ende Mai 
an, man sieht sie dann 'paarweis allenthalben, wo niedriges 
Gebüsch (besonders Erlengebüsch) ist, und hört den ganzen 
Tag über den einfachen, aber wohlklingenden Gesang des 
Männchens, der nur aus einer füufsylbigen Strophe besteht ; 
im August zieht sie aber schon wieder ab. 

Fig. 2. F. Papa mihi (altes Männchen) zuerst beschrie- 
ben und abgebildet in den Memoiren der Kais. Russ. Acade- 
mie der Wissenschaften zu Petersburg 1830= *) 

Ich fand diese ausgezeichnete Species auf der Insel- 
gruppe von Boninsima, sie scheint nicht in Japan vorzukom- 
men und muss ihre Verbreitung sehr gering seyn. 

Die Länge beträgt etwas über 8 Zoll. Das Weibchen 
ist nicht merkUch kleiner, aber im Gefieder dadurch ver- 
schieden, dass ihm sowohl als dem Jüngern Männchen das 
Holh gänzlich fehlt, es stehen dafür zwei schmutzig gelbe 
FJecken an der Stirn und die graubraune Hauptfarbe ist 
mehr gelblich überlaufen. 

Auf Boninsima bewohnt dieser Vogel einzeln und paar- 
weis die Waldstrecken zunächst dem Meeresufer, er ist auoh 
hier nicht häufig, hält sich gern versteckt, ist aber dabei 
phlegmatischer Natur und wenig scheu. Gewöhnlich sieht 
man ihn laufend am Boden, nur selten höher auf den Bäu- 
men. Seine Lockstimme ist ein einziger leiser, äusserst fei- 
ner und hoher pfeifender Ton, den er bald länger bald kür- 



') Diese Abbildung hat aber einen wesentlichen Fehler, den ich 
erst 5BU spät gewahr worden bin, -^ der Schwanz ist nämlich 
dort grade angegeben, indess er eigentlich etwas ausgeschnitten 
jgt, wie die gegenwärtige Figur zeigt. 



-, 25 — 

sser, bald einzeln, bald öfter wiederholt angiebt. In dem stark 
muskulösen Magen und der geräumigen Speiseröhre fand 
ich fast nur kleine Früchte und Baumknospen. 

Taf. XXXIII. Fig. 1. Columha oceanica Lesson, von 
der Carolinen-Insel üalau. Wir fanden sie aber auch sehr 
häufig auf der Corallenkette von Lugunor oder den Mord- 
loks-Iuseln, doch nicht mehr auf den westlicher gelegenen 
Carolinen. Auf Ualau ist sie die einzige Taubenart, aber 
häufig und gar nicht scheu. Man sieht sie viel in der Nähe 
der Menschenwohnungen, doch auch weit von ihnen ent- 
fernt, gern auf hohen Bäumen, besonders an Bächen und 
Flüssen, meist paarweis, doch auch oft einzeln, es ist ein 
träger Vogel, der lange unbeweglich auf einer Stelle sitzt. 
Die :Lockstimme ist taubenartig, aber ungemein tief, man 
hört sie im Ganzen nicht viel. Im Magen fand ich meist 
Blattknospen und aromatische Blüthen. Der Unterschied des 
Geschlechts und Alters zeigt sich stark in der Grösse, be- 
sonders sind die noch unvermauserten Jungen auffallend viel 
kleiner, als die Alten, diese Art scheint langsamer als andre 
Vögel zu wachsen. — Das Weibchen hat allemal nur eine 
Spur des fleischigten Nasenhöckers, der auch den Jungen 
fast ganz fehlt. Vor der ersten Mauser haben diese am 
Oberleibe blass-rostfarbene Federränder und die Augensterne 
sind bräunlich, bei den Alten dunkelcarmoisinroth. 

Diese Taube ward von uns ihres wohlschmeckenden 
Fleisches halber viel gejagt. Ein alter und zwei junge 
Vögel der Art, die wir lebendig von den Mordloks-Inseln 
mitnahmen, hielten sich lange Zeit an Bord des SchiflFs ge- 
sund bei eingeweichtem Zwieback und gekochtem Äeis, sie 
vertrugen, wie es schien, das gemässigte Klima sehr gut, 
sind aber nach und nach durch Zufall umgekommen. 

Fig. 2. Columba purpurata L., von der Marianen-Insel 
Guaham, wo sie häufig in den Wäldern lebt. Sie hält sich 
fast immer hoch auf Bäumen und erscheint oft auf den 



höchsten hervorragenden dürren Ästen derselben, in der Re- 
gel trifft man sie einzeln an. Ihre sehr oft ertönende Lock- 
stimme macht sie weithin bemerkbar, sie klingt buchstäblich: 
giih! guh! gukurukukukukuh ! in einem sehr hohlen, aber 
zärthchen und nicht übellautenden Tone. — Im Gefieder 
zeigt sich durchaus kein Unterschied des Geschlechts, die 
Varietät mit weisser Kopfplatte welche Temmink (pl. col. 
254) als das Weibchen abbildet, mag wohl nur eine weiss- 
bunte Spielart seyn. Dagegen fehlt die rothe Kopfplatte dem 
ersten Jugendkleide; — ich erhielt zwei übrigens vollkom- 
men ausgebildete Exemplare, an welchen diese Stelle grau 
und roth gemischt erschien, ferner ein wahrscheinlich eben 
erst vom Nest geflogenes Junges, welches ungleich kleiner 
war, an den grünen Federn des Oberleibs weissgelbliche 
Ränder und einen ganz grüngrauen Kopf hatte, die sonst 
hellgelben Augen waren bei diesem bräunlich grau. In dem 
ziemlich kleinen, wenig muskulösen Magen fand ich allemal 
kleine Früchte, besonders von einer dort in Menge wuchern- 
den Limonia, mitunter auch Blüthenknospen. 

Taf. XXXIV. Fig. 1. Charadrius pecuarius Temm., 
aus der Gegend von Alexandrien, woselbst ich im April 1831 
mehrere einzelne, walwscheinlich durchziehende, Vögel die- 
ser Art bemerkte. Die Grösse ist ungefähr die von Ch. 
Hiaticula. Sonst keimt man diesen Vogel vom Cap und 
vom Senegal her. 

Fig. S. Ch. Geoffroyi Wagler. Von der Küste des 
rothen Meeres. 

Taf. XXXV. Fig. 1. Ardea NycHcorax Ij.^ scheint bei- 
nahe über den ganzen Erdboden verbreitet zu seyn. Doch 
wichen die von mir in Chili geschossenen Exemplare etwas 
in der Farbe von unsern europäischen ab, das Gefieder war 
besonders beim voUkommnen Vogel viel bräunlicher, auch 
die nackten Zügel und Augenränder waren dort dunkel- 
fleischroth, statt grünlich. 



— 27 — 

Fig. 2. Ardea caledonica Forster, Ardea Sparrmannii 
Wagler. Ziemlich häufig auf Boninsima, wo dieser ächte 
Nachtreiher den Tag über sich gern verborgen hält, in 
den Lavahöhlen des Ufers und dem benachbarten dichten 
Gebüsche, in welchem letzteren er zuweilen mit den 
Füssen hängen bleibt, und so leicht gegriffen werden 
kann. Wahrscheinlich rührt von ihm das verworrene 
Geschrei her, welches wir dort fast zu allen Zeiten der 
Nacht in der Luft hörten, doch giebt er zuweilen auch am 
Tage einige rauhe, dem Krächzen der Raben nicht unähn- 
liche Locktöue von sich. 

Die Abbildung stellt ein völlig ausgebildetes Männchen 
dar, es scheint, dass dies das vollkommene Gefieder sey. 
Ich schoss zwar einmal ein Exemplar von einer sehr schö- 
nen ganz ungefleckten dunkeln Isabellfarbe, mit schiefer- 
grauem Scheitel und aus drei langen Federn bestehendem 
Federbusche, welches ganz der A. calendonica glich, wie 
sie im Museum zu Paris steht, — dies war aber ein 
Weibchen. Ein andres Weibchen war dagegen noch merk- 
lich stärker gefleckt als die übrigen männlichen Exemplare, 
mit sehr kurzem Federbusche. 

Taf. XXXVI. Fig. 1. Sterna stolida L. Wir fanden 
sie sehr häufig um fast alle im Archipel der Carolinen ge- 
sehene Inseln, besonders um die grössern und höhern. Sie 
setzt sich gern auf hohe Bäume zunächst dem Ufer, beson- 
ders auf solche, welche innerhalb der Corallenriffe im See- 
wasser selbst wachsen, doch geht sie auch, in starke Ge- 
sellschaften vereinigt, mehrere Seemeilen weit ins offene 
Meer hinaus, um dort ebenfalls heerdenweis lebende Fische 
zu verfolgen; so wie diese an der Oberfläche erscheinen, , 
drängen sich die Vögel in dichte Haufen zusammen und 
stürzen gemeinschaftlich mit einer flatternden Bewegung auf 
die Fische, was einen auffallenden AnbUck giebt. Die Lock- 
stimme dieser Art, die man von der kleinern folgenden leicht 



durch ihre ansehnlichere Grösse und den nicht gabelförmigen 
Schwanz unterscheidet, ist rauh und ziemlich stark. Zwi- 
schen beiden Geschlechtern ist kein Unterschied im Gefieder. 
Auf einer der entlegeneren unbewohnten Mordloks-Inseln 
fand Dr. Hertens eine Menge von Nestern dieser Art, auf 
einigen hohen Bäumen dicht bei einander, und brachte mir eins 
davon mit, nebst dem darin befindlichen Ei, welches von der 
Grösse eines Ringeltaubeneies, von graugelber Farbe, am 
stumpfen Ende stark schwarzbraun gefleckt war, jedes Nest 
hat ein Ei enthalten. Das Nest selbst war ganz kunstlos 
aus dürren Kräutern verfertigt, fast nur eine Unterlage ohne 
bedeutende Vertiefung, es liegt flach auf starken Ästen auf. 
Ein dabei geschossener Vogel überzeugte mich, dass es 
grade dieser Art gehört hatte. 

Fig. 2. Sterna tenuirostris Temm. Der Unterschied von 
der vorigen in der Grösse, Länge des Schnabels und Schwanz- 
form ist beständig. Die Farbe der Füsse ist auch mehr 
orangegelb und die des Gefieders allemal dunkler, wogegen 
die reiner weisse Kopfplatte mehr absticht. Kein Unterschied 
des Geschlechts in Grösse und Gefieder, Aufenthalt und Le- 
hensart sind wie bei Fig 1, die Stimme aber ist weniger 
stark und tief, und gleicht mehr dem girrenden Tone unsrer 
Sterna Hirundo. 

Bei der Insel St. Helena traf ich diese Art sehr zahl- 
reich an, ohne die vorige zu bemerken. Sie brütet hier in 
Gesellschaft der übrigens auch auf den Carolinen häufigen 
Sterna alba Gm. L., an Felsenwänden. 



/ 




9 




:)' 




# 





6 




7 




8 





Q 



9 




fo 





// 




JZ 




— — 1 ('• " 'J 



/5. 




y^. 




/s. 




i6. 




n. 





i8- 




^^). 





20, 




J/. 




2'i. 




1^. 




2^i 




2S- 




^6. 





^7, 





28 



yl 






29. 




■30 






3L 




^. 




33. 




34- 




3J, 




36. 





1 "•' '' ,\ , 



Kupfertafeln 



zur 



Naturgeschichte der Vögel 



F. H. von Kittlitz. 



Zweites Heft, 
mit \1t ausgemalten Kupfertafeln. 



Preis: Rthlr. 1. oder fl. 1. 45. kr. netto 





->'' > » 3^ ^ 



Frankfurt am Main. 

Verlag von Johann David Sauerländer. 

18 33. 



Kupfertafeln 



zur 



Naturgeschichte der Vögel 



F. H. von Kittlitz. 



Drittes Heft^ 
mlt^lS ausgemalten Kupfertafeln. 



Preis? Rthlr. 1. oder fl. 1. 45. kr. netto 





Frankfurt am Main. 

Verlag von Johann Darid Sauerländer. 

18 3 3. 







*Lr:ä> 



3 9088 00898 0401 



s>'isr* --^ 


— .Jm^ -i^^ 


%^J^ 


-,~"^23li >