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Full text of "Kurzer Leitfaden für die klinische Krankenuntersuchung"

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JAN 2 7 1958 




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Kurzer Leitfaden 

für die 



Klinisclie Krankenimtersnchniig. 

Für die Praktikanten der medizinischen Klinik 

zasammengestellt 



Prof. Dr. AdolftoimpeU, 

Direktor der medizinischeirKlijulcf in Breslau. 



Sechste verbesserte und vermehrte Auflage. 




Leipzig, 

Verlag von F. C. W. Vogel. 
1908. 






Vorbemerkungen. 



Die genaue klinische Untersuchung eines Kranken 
zerfällt in zwei Hauptteile: in die Au&ahme der 
Anamnese und die objektive Untersuchung (Aufnahme 
des yfStatus praesens*^). Da es häufig unmöglich 
und oft auch unnötig ist^ in jedem einzelnen Falle 
sämtliche Organe in gleich ausführlicher Weise zu 
untersuchen, so soll man bei jedem Kranken durch 
einige vorläufige Fragen, zuweilen auch durch eine 
kurze^ vorläufige Untersuchung sich zunächst eine 
annähernde Kenntnis von der Art seines Leidens 
zu verschaffen suchen. Hierdurch erfährt man dann, 
auf welche Umstände bei der nun folgenden genauen 
Untersuchung vorzugsweise zu achten ist. Hiermit 
ist aber natürlich nicht ausgeschlossen, dass man 
trotzdem in jedem Falle alle einzelnen Organe wenig- 
stens bis zu einem gewissen Grade der Genauigkeit 
untersucht, weil man sich häufig nur auf diese Weise 
vor groben diagnostischen Irrtümern schützen kann. 
Oft wird man auch erst durch den weiteren Verlauf einer 
Krankheit dazu veranlasst, die sich herausstellenden 
Lücken der bisherigen Untersuchung auszufüllen. 

Wir geben im folgenden zuerst ein Schema für 
die Krankenuntersuchung im allgemeinen» Dann 

1* 



— 4 — 

folgen kurze Grundrisse für die Untersuchung der 
wichtigsten einzelnen Krankheitsgruppen, insofern 
hierbei gewisse Besonderheiten in Betracht zu ziehen 
sind. Anhangsweise habe ich auch einige besonders 
wichtige diagnostische Bemerkungen eingefügt. 

1. Allgemeines Schema der Eranken- 
untersuchung. 

Vor Beginn der Untersuchung notiert man: 
I. Namen, Stand (Beschäftigung), Alter und Wohnort 

des Kranken. Die Beschäftigung des Kranken 
lässt uns oft sofort an die Möglichkeit gewisser be- 
sonderer Schädlichkeiten denken (Blei und andere 
Oifte, Staub-Inhalationen, Infektionen u. a.). ^ — 
Datum der Untersuchung (resp. der Aufnahme 
des Kranken in das Krankenhaus oder in die 
ärztliche Beobachtung). 

IL Anamnese. 

1. Hereditäre Verhältnisse des Kranken. 

2. Früheres Lehen des Kranken bis zu seiner 
jetzigen Erkrankung {frühere Krankheiten, all- 
gemeines Befinden, Art der Beschäftigung, etwaige 
in Betracht kommende Gewohnheiten (Alkohol, 
Tabak, Lebensweise). Bei Frauen fragt man 
häufig nach etwa vorangegangenen Wochenbetten, 
etwaigen Frühgeburten (Lues!) und nach dem 
Verhalten der Menstruation. 

3. Welche Ursachen glaubt der Kranke selbst für 
sein jetziges Leiden angeben zu können (Er- 
kältung, Traumen, Diätfehler, Möglichkeit einer 



- 5 - 

Infektion, Berufsschädlichkeiten, Ueberanstreng- 
ung, psychische Erregungen n. a.). 

. Wie hat die jetzige Krankheit begonnen (plötzlich, 
allmählich) und mit welchen Erscheinungen. Die 
Berücksichtigung der Anfangserscheinungen der 
Krankheit ist oft von besonderem diagnostischen 
Wert! Nur eine sorgsame Anamnese kann hier- 
über Aufschluss geben. 

. Wie ist der bisherige weitere Verlauf der Krank- 
heit gewesen. Welche Symptome hat der Kranke 
bisher besonders bemerkt und in welcher Reihen- 
folge (gleichzeitig, nacheinander) sind dieselben 
aufgetreten. 

.Wie verhielten sich, abgesehen von den haupt- 
sächlichsten Krankheitserscheinungen, die übrigen 
Organe und Funktionen. Man gewöhne sich 
daran, in jedem wichtigeren Falle kurz nach den 
wichtigsten Symptomen von Seiten aller inneren 
Organe zu fragen, am besten in der folgenden 
bestimmten Reihenfolge, wobei man sicher ist, 
nichts Wesentliches zu vergessen. Man fragt 
gewöhnlich kurz nach Erscheinungen von Seiten 
des Kopfes (Kopfweh, Schwindel, Ohrsymptome), 
des Halses (Schlingbeschwerden, Heiserkeit), der 
Brustorgane (Husten, Auswurf, Brustschmerzen, 
Kurzatmigkeit), des Leibes (Leibschmerzen, Appe- 
tit, üebelkeit, Erbrechen, Stuhlgang, Harn- 
entleerung) und der Extremitäten (Schmerzen, 
Schwäche). Wie war das Allgemeinbefinden 
(Mattigkeit, Bettlägerigkeit, Schlaf u. dergl.) und 
der Ernährungszustand (etwaige Abmagerung^ 
Anschwellungen). 



- 6 - 

Zuweilen ist es zweckmässig, zum Schlnss der 
Anamnese die gerade zur Zeit der Untersuchung vom 
Patienten empfundenen subjektiven Symptome noch 
einmal kurz zusammenzufassen. 

III Status praesens. 

1 . An die Spitze des Status praesens stellt man in 
allen wichtigeren Fällen gewöhnlich das Ver- 
halten der K9rpertenperatur (Fieber) und die 
Pulsfrequenz. Fieber weist meist von vornherein 
auf das Bestehen eines infektiösen Prozesses 
hin. Dann folgt: 

2. KQrpergrQsse und allgemeiner Körperbau (kräftig 
gebaut oder schwächlich, regelmässig gebaut oder 
verwachsen u. dergl.). 

3. Allgemeiner Ern&hrangszustand (Eutwickelung 
der Muskulatur, Verhalten des Fettpolsters). 

4. Allgemeine Lage und Haltung des KQrpers (Bett- 
lage, Rückenlage, Seitenlage, sitzende Stellung, 
Steifigkeit). 

5. Allgemeines Aussehen des Kranken (gesund, 
kränklich). Hautfarbe (blass, rot, cyanotisch, 
ikterisch u. a.). Gedunsenes Aussehen. Etwaiges 
Oedem der Haut 

6. Untersuchung des Kopfes. 

Schädel. Capillitium. Augen. Ohren. Nase. 
Wangen. Zunge. Weicher Gaumen. Pharynx. 

7. Untersuchung des Halses. 

Form und Dimensionen des Halses. Verhalten 
der grossen Halsgefässe (Carotis und Jugular- 
venen). Schilddrüse (Struma). Etwaige Schwellung 
der Lymphdrüsen. Kehlkopf. Stimme. 



- 7 — 

8. Unter Buchung der Brust« 

Thoraxform. Verhalten der Atmung. Per- 
kussion und Auskultation der Lungen (vom und 
am Rücken). Verhalten der Herzbewegungen 
(Herzstoss), Perkussion und Auskultation des 
Herzens. Zweckmässig ist es, hieran das Ver- 
halten des Radialpulses (Frequenz, Beschafifenheit 
und Regelmässigkeit) anzufügen. 

9. Untersuchung des Abdomens. 

Allgemeine Form und Ausdehnung des Ab- 
domens. Resistenz desselben bei der Palpation 
und etwaige Schmer zhaftigkeit dabei. 
Untersuchung der Leber (Perkussion, Palpation) 
und der Gallenwege. 

Untersuchung der Milz (Perkussion, Palpation). 
Perkussion und Palpation des übrigen Abdomens 
(Nieren usw.). 

1 0. Untersuchung der Extremitäten. 
Haut, Muskeln. Knochen. Gelenke. 

11. Untersuchung der Genitalien, falls dieselbe not- 
wendig erscheint. 

12. Untersuchung der Sekrete und Exkrete: 

Harn (Eiweissprobe und Zuckerprobe in 
jedem wichtigeren Falle zu machen). 

Stuhl (Häufigkeit und Beschafifenheit der 
Stühle). 

Sputum (Aussehen, Beschafifenheit, Menge 
desselben). Bakteriologische Unter- 
suchung. 

13. Unter Umständen mikroskopische und bakteri- 
ologische Untersuchung des Blutes, 



- 8 - 

2. üntersuchnng bei akut fieberhaften 

Krankheiten, insbesondere bei akuten 

Infektionskrankheiten. 

I. Anamnese. 

1. Hereditäre Verhältnisse^ nur zuweilen von be- 
sonderer Wichtigkeit (z. B. erbliche tuberkulöse 
Anlage bei akuter Miliartuberkulose). 

2. Früherer Körperzustand, oh kräftig oder schwäch- 
lich u. dergl. Sehr wichtig ist die Frage nach 
früheren Krankheiten, insbesondere früheren 
Infektionskrankheiten. Typhus, Masern, Schar- 
lach u. a. befallen den Menschen gewöhnlich 
nur einmal im Leben ; Pneumonie, Rheumatismus 
acutus, Erysipel u. a. häufig mehrere Male. 

3. Ursachen der Krankheit. Unmittelbare Krank- 
heitsursache (Gelegenheit zur Infektion, ähnliche 
Krankheitsfälle in der Umgebung des Kranken, 
Beschäftigung desselben (z. B. Typhus bei Fluss- 
schiflfern, Milzbrand bei Fleischern und Haar- 
arbeitern, Rotz bei Kutschern usw.) und veran- 
lassende Momente (Erkältung, Diätfehler, psy- 
chische Erregung, Trauma u. a.). Aeussere 
Verletzungen und kleine Wunden (Panaritien, 
Furunkel u. dergl.) wichtig für die Diagnose 
septischer Infektionen^ ebenso Uterinblutungen 
(Abort!) bei Frauen. Hygienische Verhältnisse. 

4. Beginn der Krankheit. Wichtige Initialsym- 
ptome : Schüttelfrost (insbesondere bei Pneumonie, 
Pocken, Malaria, septisch -pyaemi sehen Infek- 
tionen), Kopfschmerzen, anginöFC Symptome, 
Seitenstechen, Kreuzschmerzen, Muskelscbmerzen, 



- 9 - 

Leibschmerzen, Erbrechen (ausser bei Magen- 
krankheiten noch besonders bei Pneumonie, 
Scharlach, Meningitis u. a.), Mattigkeit u. a. 

5. Weiterer bisheriger Krankheitsverlauf. 

6. Erscheinungen von Seiten der einzelnen Organe 
(s. 0. S. 5). 

II. Status praesens. 

1. Körpertemperatur (Fieber!). Pulsfrequenz, Re- 
spirationsfrequenz. 

2. Körperbau und Ernährungszustand des Kranken. 

3. Allgemeines Aussehen des Kranken (schwer krank 
oder leicht krank). Gesichtsausdruck (frisch oder 
matt, benommen). Körperlage (herabgesunkene 
Rückenlage, anhaltende Seitenlage u. dergl.). 
Etwaige Exantheme. 

4. Verhalten des Sensoriums (frei, benommen, som- 
nolent, soporös). Delirien. 

5. Kopf und Gesicht. Farbe der Wangen (um- 
schriebene Röte) und der Lippen. Nasenflügel- 
atmen (Zeichen von Dyspnoe, besonders bei 
Pneumonie). Herpes labialis (bei Pneumonie, 
Intermittens, Typhus recurrens, epidemischer 
Meningitis u. a., fehlt gewöhnlich bei Typhus 
abdominalis). Trockene oder feuchte Lippen. 

6. Zunge (feucht oder trocken, rein oder belegt, 
zitternd oder nicht zitternd). 

7. Rachenteile (Angina, Soor u. a.). 

8. Ohren (alte eitrige Mittelohrentzündung bei 
Meningitis, Hirnabszess). 

9. Hals (Nackensteifigkeit bei Meningitis). Drüsen- 
schwellung. Kehlkopf, 



- 10 - 

\0, BncsL Bau des Thorax. Atmung. Untersuchung 
der Lunge (Bronchitis, sekundäre Pneumonien, 
Pleuritiden); des /^(?r2:ßn^ (Dilatation; akzessorische 
Geräusche). Puls: Frequenz (auffallend hohe 
Pulsfrequenz bei Sepsis, Tuberkulose, Scharlach ; 
verhältnismässig geringe Palssteigerung beim 
Typhus abdominalis; unregelmässiger Puls bei 
Meningitis u. a.), Regelmässigkeit, Spannung 
{dicroter Puls), Beschleunigung der Pulsfrequenz 
beim Aufsetzen des Kranken. 

W.Leib. Auftreibung des Leibes, Spannung, Emp- 
findlichkeit gegen Druck. Ileocöcalgurren und 
Roseolen bei Typhus abdominalis. Leber. Milz 
(Grösse der Milzdämpfung und Angabe, ob die 
Milz palpabel ist oder nicht). 

12. Geniialien (insbesondere bei akuten Erkrankungen 
der Frauen ist diese Untersuchung oft notwendig). 

13. Extremitäten. Druckempfindlichkeit der Haut, 
der tieferen Teile. Etwaige Exantheme (Hä- 
morrhagien u. a. bei septischer Infektion, akuter 
maligner Endocarditis). Gelenke. Zuweilen be- 
achtenswert Verhalten der Reflexe (z. B. Fehlen 
der Patellarreflexe bei Trichinosis, Polyneuritis 
u. a.). Ä^rni^'sches Symptom bei Meningitis 
(Eintritt einer Beugekontraktur im Knie beim Auf- 
setzen des Kranken oder Hobon des Beins, so 
dass Rumpf und Oberaolieukol oinon rechten 
Winkel bilden). 

\A. Harn (Albuminurie, Ktunpllniloronde akute 
Nephritis). Viuzoreaktion (bt^i 'l\v|»huH, Masern, 
Miliartuberkulose, schwerar LuuKonttiberkulose 
u. a.). 



- li - , 

l^- Stuhl (Zahl der Stühle, Konsistenz, Aussehen, 
Farbe). Geschichteter erbsfarbener Stuhl bei 
Typhus. Reiswasser- Stühle bei Cholera. Blutig- 
eitriger Stuhl bei Dysenterie. 

16. Sputum (rostfarben hämorrhagisches Sputum bei 
Pneumonie!) Bakteriologische Untersuchung des 
Sputums (Tuberkelbazillen, Pneumokokken u. a.). 

iß. Blut (Leukozytosis bei croupöser Pneumonie, 
Erysipel, epidemischer Meningitis, Scharlach, 
inneren Eiterungen, septischen Erkrankungen u. a. 
Dagegen fehlt die Leukozytose oder besteht 
^Leukopenien beim abdominalen Typhus, zuweilen 
auch bei Masern. 

Die bakteriologische Blutuntef^suchung ist vor 
allem wichtig bei septischen Erkrankungen 
(Streptokokken, Staphylokokken, Diplokokken, 
Colibazillen, Gonokokken), beim Typhus (Typhus- 
bazillen), bei dem Typhus recurrens (Spirillen), 
bei Malanaerkrankungen (Plasmodien) u. a. 
^eVfa/'sche Reaktion bei Typhus (Agglutination 
der beweglichen Typhusbazillen durch das Blut- 
serum eines Typhuskranken). 

3. Cutersuchung bei Erankheiteu 

der Bespiratlonsorgane, insbesondere 

der Lungen. 

I. Anamnese. 

1. Heredität. Besonders wichtig ist die Ermittlung 
der hereditären Verhältnisse beim Verdacht auf 
Tuberkulose. Genaues Fragen nach den Krank- 



- 12 - 

heiten der Eltern, Geschwister und sonstigen 
Angehörigen. 

2. Früheres Befinden des Kranken und frflhere 
Krankheiten: „skrophulöse^ Erscheinungen in 
der Kindheit, früher durchgemachte Kehlkopf- 
und Lungenkatarrhe, Lungenentzündung, Blut- 
husten, Brustfellentzündung, fungöse Knochen- 
und Gelenkaffektionen u. a. 

3. Etwaige Berufsschädlichkeiten (Staubinhalation, 
Steinhauerarbeit u. dergl.). Zusammenleben mit 
anderen Lungenkranken. Erkältungen. Alko- 
holi&mus (disponiert zu Pneumonie, ev. mit 
Delirium tremens, ferner zu Tuberkulose). Bei 
Frauen schliessen sich Lungenerkrankungen nicht 
selten an das Puerperium an. 

4. Beginn der Erkrankung, akuter oder allmählicher 
Anfang. Anfangssymptome entweder gleich von 
Seiten der Respirationsorgane (Husten, Auswarf, 
Seitenstechen, Kurzatmigkeit) oder zunächst nur 
von selten des Allgemeinbefindens (Mattigkeit, 
Appetitlosigkeit, Abmagerung, Fiebersymptome, 
Kopfschmerzen). Bei croupöser Pneumonie 
anfangs oft Erbrechen. 

5. Bisheriger Krankheitsverlauf. Erscheinungen von 
Seiten des Respirationsapparates: 

Brustschmerz (pleuritisches Seitenstechen ; 
Muskelschmerzen durch starken Husten). 

Husten (häufig oder selten, trocken oder mit 
Auswurf verbunden, leicht lösend oder 
quälend, anhaltend oder besonders nachts, 
morgens, in Anfallen auftretend, wie z. B. 
beim Keuchhusten u. dergl.). 



- 13 - 

Auswurf: Reichlich oder spärlich, schleijnig 
oder eitrig (grünlich, gelblich). Blutig, 
Bei stärkerer Blutung muss man nach 
der Menge und der Beschaffenheit des 
Blutes (hellrot, schaumig) fragen. — 
Geruch des Auswurfs (fötides Sputum). 
Kurzatmigkeit (beständig oder nur beim Gehen, 

Treppensteigen u. dergl.). 
Kehlkopf Symptome (Schmerzen im Halse, Heiser- 
keit). Schlingbeschwerden. 
6. Von den Erscheinungen der übrigen Organe be- 
sonders hervorzuheben: 

Magen, Appetitlosigkeit, Erbrechen z. B. beim 

Husten). 
Darm, Durchfälle (Darmtuberkulose). 
Kopf (Kopfschmerz, Schwindel u. dergl. als 

Zeichen der Anämie). 
Haut (Nachtschweissel), 
Sehr wichtig die allgemeinen Verhältnisse: Zu- 
nehmende Blässe, Schwäche und vor allem Ab- 
magerung. 

II. Status praesens. 

1. Körpertemperatur (besonders wichtig beim Ver- 
dacht auf Lungentuberkulose). Pulsfrequenz. 
Respirationsfrequenz. 

2. Allgemeiner Körperhau, Muskulatur. Fett- 
polster. — Trommelschlag er 'Finger (kolbige Ver 
dickung der Endphalangen bei fötider Bronchitis, 
bei Bronchiektasien, selten bei chronischer Tuber- 
kulose). 



— 14 — 

3. Karperlage (Seitenlage, Lage mit erhöhtem Ober- 
körper wegen Atemnot). 

4. Atissehen des Kranken, Blässe, Cyanose der 
Haut Etwaige Oedeme (Knöchel, Unterschenkel). 

5. Kopf, Ohren (Mittelohrerkranknngy Garies des 
Felsenbeines). NasenflUgelatmen (Zeichen von 
Dyspnoe). Zunge, weicher Gaumen nnd Pharynx 
(tuberkulöse Erkrankungen). 

^.ffals. I>imensionen (lang, schmal beim phthi- 
sieben, kurz und gedrungen beim emphysematösen 
Habitus). Gruben (SupraclaYicula^ruben, Ju- 
gulum) eingesunken oder verstrichen. Baisvenen 
(vortretend, undulierend; pulsierend). Kehlkopf. 
Stimme (rauh heiser, aphonisch. Druckempfindlich- 
keit. Laryngoskopische Untersuchung! 
7. üntersnehniig der Brast und der Luiireii. 
a) Thoraxform (phthisischer oder paralytischer 
Thorax, emphysematöser oder fassförmiger 
Thorax). Dimensionen (Lange, Breite, Tiefe). 
Der „phthisische Thorax" ist lang, schmal, 
flach, der „emphysematöse Thorax" ist kurz, 
breit, tief. Verhalten der Infraclavicular- 
gruben (Vortreten der Schlüsselbeine). Ster- 
num (Louis'scher Winkel!). Iniercostalräume 
(breit, eng). Epigastrischer Winkel (normal 
ein rechter, spitz beim phthisischen, stumpf 
beim emphysematösen Thorax). Wirbelsäule, 
Symmetrie des Thorax, d. h. gleiehmässige 
Ausdehnung auf beiden Seiten ; einseitige Ab- 
flachung (Schrumpfung der Infiraclavicular- 
gegend bei Tuberkulose, Schrumpfung in den 
unteren Teilen bei schrumpfender Pleuritis 



— 15 — 

u. a.) oder einseitige Vortreihung (pleuritisches 
Exsudat, Pneumothorax, Geschwülste). 

b) Atembewegungren : Frequenz, Tiefe, Regel- 
mässigkeit, Gleichmässigkeit auf beiden Seiten 
(Nachschleppen einer Spitze, einer Seite). 
Verhältnis von In- und Exspiration (verlängerte 
Inspiration bei Stenosen der Luftwege, ver- 
längerte Exspiration bei Emphysem, chro- 
nischer Bronchitis, Bronchialasthma u. a.). 

c) Perkussion der Lungen. QualUative Aen- 
derungen des Lungenschalles (Dämpfung, 
Tympanismus mit oder ohne Schallwechsel). 
Dämpfung des Schalls bedeutet stets Ab- 
nahme des Luftgehalts der Lungen. Tympa- 
nitischer Schall entsteht durch Entspannung 
des Lungengewebes oder durch Cavernen- 
bildung. Arten des Schallrvechsels bei tympa- 
nitischem Cavernenschall : 1) Wintrich'BciheT 
Schallwechsel (Höherwerden beim Oeffnen des 
Mundes); 2) Biermer-Gerhardt'Bcher Schall- 
wechsel bei Lageänderungen des Kranken; 
3) Frieäreich'saheT respiratorischer Schall- 
wechsel: meist Höherwerden des Schalls bei 
der Inspiration. Bestimmung der Lungen- 
grenzen: vorn rechts in der ParaSternallinie 
(normal unterer Rand der 6. Rippe), vorn 
links am linken Sternalrand (normal am 
unteren Rande der 4. Rippe). Am Rücken 
zu beiden Seiten der Wirbelsäule (normal bis 
zur Höhe des 10. — 11. Brustwirbels). Ver- 
schiebbarkeit der Lungengrenzen bei der 
Atmung (das inspiratorische Herabrücken fehlt 



- 16 — 

bei pleuritischen Verwachsungen, ist gering bei 
starkem Emphysem), bei Lagewechsel des Kran- 
ken. Beachtenswert auch das Resistenz-Gefühl 
beim Perkutieren mit dem Finger (starke Re- 
sistenz bei Pleuritis exsudativa und Tumoren). 
d) Auskultation der Lungen. An allen Stellen 
der Brustwand, wo Lunge anliegt, ist zu be- 
stimmen: Stärke des Atemgeräusches (abge- 
schwächtes, fehlendes, dem Ohre nah oder 
fem klingendes Atemgeräusch). Qualität des 
Atemgeräusches (vesikuläres, verschärft vesi- 
kuläres, unbestimmtes, hauchendes, bronchi- 
ales, amphorisches Atemgeräusch) bei der 
Inspiration und bei der Exspiration. Das 
vesikuläre Atemgeräusch bedeutet das freie 
Eindringen der Inspirationsluft in die Alveolen 
(vesiculae) der Lungen. Das bronchiale 
Atemgeräusch entsteht, wenn die Respirations- 
luft bei ausgefüllten Alveolen nur in den 
Bronchien ein- und ausstreichen kann oder 
in den Cavernen. — Verhältnis von In- und 
Exspirationsgeräusch (verlängertes Exspirati- 
onsgeräusch bei Katarrh der feineren Bron- 
chien, Emphysem, Asthma bronchiale). Neben- 
geräusche : trockene bronchitische Geräusche 
(Pfeifen, Giemen, Schnurren u. dergl.). Rassel- 
geräusche: reichlich oder spärlich; gross-, 
mittel-, kleinblasig (Knisterrasseln); klingend 
(konsonierend) oder nicht klingend; feucht 
oder zäh ; inspiratorisch, exspiratorisch. Pleu- 
ritisches Reibegeräusch (weich und leise, 
grob und laut, Lederknarren u. a.). 



- 17 - 

e) Auskultation der Stimme, Bronchophonie bei 
Infiltration der Lunge, Aegophonie (besonders 
bei plenritischem Exsudat.). Zuweilen Aus- 
kultation der Flüsterstimme (undeutlicher bei 
eitrigem Exsudat). 

f) Stimmfremittcs (abgeschwächt bei Pleuritis 
und bei Verstopfung der Bronchien). Zuweilen 
fühlbares pleuritisches Reiben. 

g) Seltener angewandte Untersuchungsmethoden: 
Spirometrie, Pneumatometrie u. a. Sehr wichtig, 
namentlich zur Erkennung tiefer sitzender Er- 
krankungen (Tumoren, Abszesse), femer bei 
beginnender Lungentuberkulose, endlich zur 
Beurteilung der Bronchialdrüsen u. a. ist die 
Durchleuchtung der Lungen mit Röntgen- 
strahlen. 

8. Untersuchung des Herzens (Beschaffenheit und 
etwaige Verschiebung desselben durch einen 
pleuritischen Erguss). 

9. Untersuchung des Abdomens. 

Leber (Stauungsleber, Fettleber, Amyloidleber). 
Milz (Stauungsmilz, Amyloidmilz). 

1 0. Harn : Albuminurie (Stauungsniere , Amyloid- 
niere, begleitende Nephritis). Eitergehalt (Tu- 
berkulose des Urogenitalapparates : Untersuch- 
ung auf Tuberkelbazillen). Biazoreaktion (bei 
schwerer Lungentuberkulose). 

11. Stuhl. Durchfälle bei Darmtuberkulose (Tuber- 
kelbazillen im Stuhl). 

12. Sputum: Menge. Sog. „maul volles Sputum" bei 
BroBchiektasien. Aussehen : serös, schleimig, 
eitrig, blutig. Geballtes, münzenförmiges Spu- 

Strflmpell , Leidfaden. 2 



— 18 — 

tum bei Cavernen. Schichtung (bei fötider 
Bronchitis und Lungengangrän). Bronchialabgüsse 
und Bronchialgerinnsel. Spiralen (bei Bronchio- 
litis exsudativa asthmatica). Geruch (fötid^ süss- 
lichfade). 

Mikroskopische Untersuchung des Sputums: 
Eiterkörperchen, rote Blutkörperchen, Alveo- 
larepithelien, Fettsäurenadeln, Cholestearintafeln, 
Asthmakrystalle, elastische Fasern, Bakterio- 
logische Untersuchung: Tuberkelbazillen, Dip- 
lokokken bei croupöser Pneumonie. Influenza- 
bazillen u. a. 

4. Untersuchung bei Erkrankungen 
des Zirkulationsapparates, insbeson- 
dere bei Erkrankungen des Herzens. 

I. Anamnese. 

1 . Hereditäre Verhältnisse kommen zuweilen bei 
Herzfehlern in Betracht, ferner bei Arterioskle- 
rose (Neigung zu Apoplexie u. dergl.). Zu be- 
achten auch die hereditäre Beanlagung zu rheu- 
matischen Erkrankungen, zu Gicht u. dergl. 

2. Frühere Lebensweise des Kranken: übermässige 
körperliche Anstrengung („Ueberanstrengung des 
Herzens", Herzhypertrophie), grosse psychische 
Erregungen (Herzhypertrophie , Morbus Base- 
dowii). Zu reichliche Nahrungsaufnahme und 
Alkoholismus, insbesondere überreichlicher Bier- 
genuss (Herzhypertrophie, Myocarditis). Zu starkes 
Bauchen ( Arteriosklerosis, nervöse Herzstörungen). 

3 . Frühere /{rankheiten : vor allem Bheumatismus 



— 19 — 

acutus (Endocarditis !). Ferner andere akute 
Infektionskrankheiten (Masern, Scharlach, Diph- 
therie , Influenza), chronischer Rheumatismus. 
Chorea. Syphilis (Myocarditis, Aorten-Aneurys- 
men, Klappenfehler an der Aorta). 
4. Subjektive Beschwerden und Zeit ihres Auf- 
tretens: Herzklopfen, Kurzatmigkeit (bestän- 
dig, bei Anstrengungen, anfallsweise). Schmerzen 
am Qerzen selbst zuweilen bei Pericarditis, auch 
bei Myocarditis, häufiger bei nervösen Herz- 
aflfektionen. Anfälle von Angina pectoris (ste- 
nocardische Anfälle), mit krampfhaftem Schmerz 
in der Herzgegend und Beängstigung verbunden, 
bes. bei Sklerose der Coronararterien. Zuweilen 
Anfälle von Tachycardie oder von Arythmie. 
Ferner allgemeine Mattigkeit und Körperschwäche. 
Kopfsymptome (Kopfschmerz, Schwindel, Ohren- 
sausen). Schlaf. Brustsymptome: Kurzatmig- 
keit (s. 0.). Husten und Auswurf (blutiges Spu- 
tum bei hämorrhagischem Infarkt der Lunge). 
Seitenstechen. Symptome von Seiten des Magens 
und des Darms: Appetitlosigkeit, Aufstossen, 
Erbrechen. Verhalten des Stuhlgangs. Harn- 
entleerung (verminderte Menge u. a.). Waren 
Anschwellungen (Oeäeme) vorhanden? 

II. Status praesens. 

1 . Allgemeiner Körperhau (Zurückbleiben der Ent- 
wicklung bei Kindern mit Herzfehlem) und Er» 
nährungszustand (Fettleibigkeit!). 

2, Aussehen des Kranken : blass, cyanotisch, leicht 
ikterisch (für viele Herzkranke ist gerade die 

2* 



— 20 — 

eigentümliche Mischung der Blässe mit der 
Cyanose charakteristisch, wobei oft auch noch 
eine leicht gelbliche Färbung vorhanden ist). 
Gedunsenes Aussehen. Oedeme. 

3. Kopf: Temporalarterien (Arteriosklerose!). Lip- 
pen (Cyanose). Zunge. 

\,Hdls: Dimensionen. Carotiden: Pulsation. Aus- 
kultation (Töne, Geräusche). 

Halsvenen; Schwellung als Zeichen der Stau- 
ung im Venensysteme. Undulation. Herzsysto- 
lischer Yenencollaps. Echte herzsystolische 
Pulsation bei Insuffizienz des Tricuspidalis 
(rechts stärker, oder auf beiden Seiten gleich; 
Pulsation des Bulbus jugulaxis oder der ganzen 
Vene. Anacroter Venenpuls bedingt durch die 
Vorhofs- und die Kammerkontraktion). Auskul- 
tation der Venen. 

Struma (M. Basedowii u. a.). 

5. Untersuchung der Lungen. Herzfehlerlunge 
{„Herzfehlerzellen" im Sputum). Stauongs- 
Bronchitis. Lungeninfarkte. Hydrothorax, 

6. Untersuchung des Herzens: 

a) Inspektion der Herzgegend (Vorwölbung bei 
Herzhypertrophie, Pericarditis ; selten Ein- 
ziehung bei pericardialer Schrumpfung). 

Inspektion der Herzbewegungen (Spitzen- 
stoss des linken Ventrikels. Diffuse Palsa- 
tion des rechten Ventrikels am Stemum, zu 
beiden Seiten des Sternums und vor allem im 
Epigastrium). Systolische Einziehungen durch 
den Luftdruck bedingt oder bei Verwachsungen 



— 21 — 

der Pericardialblätter und des äusseren Peri- 
cards mit der vorderen Brustwand. 

b) Palpaiion des Spüzenstosses : Lage (normal 
im linken Y. Intercostalraum, 1 — 2 Cm. nach 
innen von der 1. Mammillarlinie). Beschaffen- 
heit (schwach, kräftig, massig, hebend ; gleich- 
massig oder nngleichmässig, nnregelmässig.) 

Palpation der übrigen Herzbewegungen 
(diffase Pnlsation, unduUerende Pulsation). 
Palsation im Epigastrium (rechter Ventrikel) 
und Pulsation rechts vom Sternum (meist er- 
weiterter rechter Vorhof). — Fühlbares 
Schnurren an der Herzspitze (sog. Fr^misse- 
ment) Eatzenschnurren) entspricht den hörbaren 
Herzgeräuschen (systolisches Schwirren bei 
Mitralinsuffizienz, diastolisches Schwirren bei 
Mitralstenose). Seltener rufen auch die Aorta- 
geräusche und pericardiale Reibegeräusche fühl- 
bares Schwirren hervor. 

Palpation der grossen Gefässe, Pulsation 
der Art. pulmonalis. Fühlbarer Klappen- 
schluss der Pulmonalis bei linksseitiger Lun- 
genschrumpfang. Fühlbare Pulsation der 
Aorta (auch von Jugulum aus zu untersuchen), 
Pulsieren von Aneurysmen u. dergl. 

c) Perkussion des Herzens. Bestimmung der 
oberen Grenze der absoluten Herzdämpfung 
am linken Sternalrand (normal am unteren 
Rand der 4. Rippe). Rechte Grenze (normal 
am linken Sternalrand). Linke Grenze (normal 
bis zur Linie des Spitzenstosses reichend). 
Ausser der absoluten Herzdämpfung ist, na- 



— 22 — 

mentlich bei Herzfehlern, auch die j^relative 
Herzdämpfung'* zu bestimmen (relativ starke 
Dämpfung am unteren Sternum u. a.). Er- 
weiterung der Dämpfung nach oben bedeutet 
meist Hypertrophie des rechten Ventrikels (conns 
arteriosus). Verbreitung der Herzdämpfang 
über den rechten Sternalrand hinaus bemht 
fast stets auf Erweiterung des rechten Vorhof s* 
d) Aicskuliation des Herzens an der Herzspitze 
(Mitralis), am Sternalende des zweiten linken 
Intercostalraums (PulmonalisJ, am Sternalende 
des zweiten rechten Intercostalraums bezw. 
am oberen Sternum (Aorta), am Ansatz der 
rechten 5. Rippe (Tricuspidalis). Die Herz- 
auskultation ergibt zunächst das sicherste 
Urteil über die Frequenz und die Regel- 
mässigkeit der Herzaktion. Dann ist genau 
anzugeben, was man bei der Systole und was 
man bei der Diastole hört: Ton, Geräusch 
oder Geräusch neben dem Ton. Ton: hell, 
klappend, akzentuiert (zweiter Pulmonalton ver- 
stärkt bei Stauung im kleinen Kreislauf, 
zweiter Aortaton verstärkt und klingend bei 
Drucksteigerung im Aortasystem durch Ar- 
teriosklerose, Nierenschrumpfung u. dgl.) oder 
dumpf, leise, undeutlich. Geräusch blasend 
oder reibend, laut, leise, langgezogen oder 
kurz usw. Spaltung resp. Verdoppelung der 
Herztöne (Spaltung des II. Pulmonaltons bei 
Mitralstenose). Galopprhythmus (bes. bei 
Nierenschrumpfung und muskulären Herz- 
erkrankungen). Bigeminie (zwei rasch fol- 



— 23 — 

gende Herzkontraktionen anf einen Radial- 

puls). 
7. Die Untersuchung der Blutgefässe (Gefässe des 
Halses s. o.) schliesst man bei Herzkranken häufig 
gleich an die Untersuchung des Herzens an. 

Dabei ist zu beachten: Pulsation der grossen 
und der kleinen Arterien (sichtbare Pulsation 
der Brachialis, Radialis und anderer kleinerer 
Arterien bei Aorteninsuffizienz und bei Arterio- 
sklerose). Perkussion der Aorta (Aortendämpfung 
am oberen Sternum und im rechten zweiten 
Intercostalraum). 

Beschaffenheit des Gefässrohrs an den 
mittleren Arterien, bes. an der Radialis und 
Brachialis: geschlängelt, atheromatös, starrund 
verdickt oder eng, zart u. a. 

Beschaffenheit des Pulses: Frequenz, Regel- 
mässigkeit, Spannung (harter Puls bei Arterio- 
sklerose, Schrumpfniere u. a.), Grosse und Höhe 
der Pulswelle, Beschaffenheit des Pulses (Pul- 
sus celer bei Insuffizienz der Aortaklappen, 
tardus u. a.). Paradoxer Puls (bes. bei Peri- 
carditis u. a.). Ungleicher Puls an beiden 
Eörperhälften bei Aneurysmen. Sphygmogra- 
phische Untersuchung. Bestimmung des arte- 
riellen Drucks (Apparat von Riva-Rocci u. a.) 

Auskultation der Arterien, insbesondere der 
Cruralis (Ton, spontanes Geräusch, Druckge- 
räusch, Doppelton, Doppelgeräusch). Töne an 
den kleineren Arterien (Radialis u. a.) bei Aorten- 
insuffizienz. Auskultation der Venen (Venenton, 
Geräusche) s. a. Venen: Halsvenen s. o. Ve- 



— 24 — 

nöser Leberpuls bei Tricuspidal-Insuffizienz (ar- 
terieller Leberpols bei Aorta-Insuffizienz). 

Sehr wichtig für die Beurteilung der Herz- 
grosse und vor allem für die Diagnose der 
Sklerose und der Aneurysmen der Aorta ist die 
Röntgen- Untersuchung. 

8. Untersuchung des Abdomens. Ausdehnung 
(Oedem der Bauchdecken, Ascites). 

Leber (Vergrösserung derselben durch Stauung) 

Leberpuls s. o.). 

Milz (Vergrösserung durch Stauung). 

Beschaffenheit und Häufigkeit der Stuhlentlee- 
rungen. 

9. Harn. Sehr wichtig die Menge und Beschaffenheit 
desselben zur Beurteilung der Zirkulationsver- 
hältnisse. Stauungsharn (spärlich, dunkel, hohes 
spezifisches Gewicht, oft üratsediment, oft ei- 
weisshaltig). Komplizierende Nephritis. 

Anbang. Uebersichtliche Zusammenstellung 
der wichtigsten physikalischen Symptome bei den 
Klappenfehlern des Herzens. (Siehe Tabelle 
auf Seite 25 u. 26.) 

5.lJntersachuDgbei ErkrankuDgen der 

Digestlonsorgane) insbesondere des 

Magens, des Darmes und der Leber. 

I. Anamnese. 

1. Heredität nur selten wichtig (Carcinoma, nervöse 
Magenleiden u. a.). 

2. Früheres Verhalten des Kranken. Lebensweise 
(Diätfehler, Alkoholismus). Berufsschädlichkeiten : 



— 25 — 



a 

•1 

1 


Lautes blasendes 
systolischesGeräusch 
an der Herzspitze 
statt oder neben dem 
1. Ton. 2 Pulmonal- 
ton verstärkt 

Diastolisches oder 

präsystolisches 
schwirrendes Ge- 
räusch an der Spitze 
(Kann freilich auch 
ganz fehlen !). Erster 
Ton oft verstärkt 
und klappend. Zwei- 
ter Pulmonalton ak- 
zentuiert, oft ge- 
spalten (verdoppelt). 


1 

u 


Hypertrophie des 

linken, später auch 

des rechten Ven- 

tikels. 

Starke Erweiterung 
des rechten Ven- 
trikels und rechten 
Vorhofs. Verhalten 
des 1. Ventrikels 
wechselnd (hyper- 
trophisch bei gleich- 
zeitiger Insuffizienz 
der Mitralis). 


1 


Systolisches Schwir- 
ren an der Herz- 
spitze. Radialpuls 
oft leidlich hoch und 
kräftig. 

Diastolisches od.prä- 
systoliches Schwir- 
ren an der Herz- 
spitze Kleiner, oft 
unregelmässiger 
Puls. 


i 

1 


Verstärkter, oft nach 

aussen verlagerter 

Spitzenstoss. 

Verbreiterte Herz- 
aktion. Verstärkte 
Pulsation des ver- 
grösserten rechten 
Ventrikels , epiga- 
strische Pulsation. 


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I.Insuffizienz der 
Mitralis. 

2. Mitralstenose. 



— 26 — 



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— 27 -- 

chroDische Intoxicationen (Blei), sitzende Lebens- 
weise, nervöse Aufregungen u. a. Traumen 
(z. B. bei Ulcus ventriculi). 

3. Allgemeinerscheinungen, Abmagerung. Allge- 
meine Schwäche. 

4. Erscheinungen von Seiten der Speiseröhre: 
Herabbewegung der Speisen durch den Schlingakt. 

5. Erscheinungen von Seiten des Magens: Appetit- 
losigkeit, Heißhunger. Gefühl von Druck, Völle, 
Aufgetriebensein in der Magengegend. Magen- 
schmerzen: Art der Schmerzen, schneidend 
(cardialgisch), bohrend oder drückend. Zeit und 
Dauer ihres Auftretens, Abhängigkeit von der 
Nahrungsaufnahme, ülcusschmerzen von der 
Nahrungsaufiiahme abhängig täglich auftretend, 
Gallensteinkoliken oft nachts auftretend, von 
ganz schmerzfreien Zwischenzeiten unterbrochen. 
Ort der Schmerzen, umschrieben oder aus- 
strahlend (Epigastrium , Rücken bei Magen- 
geschwür, Lebergegend und in die rechte Schulter 
ausstrahlend bei Gallensteinen usw.). Äufstossen 
(einfaches Aufstoßen, saures Aufstoßen, übel 
riechendes Aufstoßen, bitteres, galliges Aufstoßen). 
Sodbrennen, Erbrechen: Häufigkeit des Er- 
brechens, Abhängigkeit desselben von der 
Nahrungsaufnahme, Beschaflfenheit des Er- 
brochenen: Speisereste, Schleim, Galle, Blut 
(Ulcus), kaffeesatzsatzähnliches Erbrechen bei 
Carcinom und Ulcus. Stärkere Hämatemesis am 
häufigsten bei Ulcus ventriculi, seltener bei 
Pfortaderstörung durch Lebercirrhose, Leber- 
syphilis u. dgL 



— 28 — 

6. Erscheinungen von Seiten des Darmes: Schmen> 
haftigkeit, ^ufgetriebensein des Leibes. Bläh- 
ungen. Eolikschmerzen. Stuhlgang \ regelmäßig 
angehalten, durchfällig. Beschaffenheit des 
Stuhles: dünn, schleimig, blutig, knollig, bandartig 
u. a Schmerzen bei der Stuhlentleerung (Tenes- 
mus). Hämorrhoiden. 

6. Sonstige Symptome von Seiten der Bauchorgane: 
Schmerzen in der Lebergegend (Gallenstein- 
koliken s. 0.). Bestand früher einmal Icterus ? — 
Harnentleerung. 

II. Status praesens. 

1. Allgemeine Körperverhältnisse, Emährungszu- 
stand (Abmagerung bei Carcinom). Hautfarbe 
(fahl und kachectisch bei Carcinom, gelblieh 
bei Lebererkrankungen u. a.). Dunkle Haar- 
farbe zuweilen bei älteren Carcinomkranken 
auffallend. 

2. Kopf. Beachtenswert das Verhalten der Zunge 
bei Magenkranken (belegt, trocken). 

3. Brustorgane (Stand des Zwerchfells). Herz. 
Lungen. Untersuchung der Speiseröhre und der 
Cardia durch die Sonde, wenn die anamnestischen 
Angaben auf den Oesophagus hinweisen. In 
wichtigen Fällen Oesophagoskopie und Röntgen- 
untersuchung der Speiseröhre mit Hilfe einer 
verschluckten Wismuth-Kartoffelbrei-Pille. 

4. Uutersuehang des Marens* 

a) Aeussere üntersuchnng, Inspektion: Anf- 
treibung der Magengegend, sichtbare Vor- 
wölbung des Magens, perisialtische Bewe- 



— 29 — 

gungen desselben. Palpation: Empfindlich- 
keit des Magens gegen Druck (lokalisierter 
Druckschmerz zuweilen bei Ulcus veatriculi). 
Fühlbare Tumoren (Sitz, Größe und Beschaffen- 
heit, Verschiebbarkeit mit der Atmung). 
PlätschergeräuBche des Magens (bei Dilatation, 
Atonie, oft auch bei normalem Magen). Die 
Größe des Magens kann durch Palpation nur 
bei kontrahierter Muskulaiur des Magens be- 
stimmt werden (Pylorus-Stenose mit Dilatation). 
Perkussion: Abgrenzung des tiefen Magen- 
schalls (oft unsicher!). Perkussion über 
Tumoren. Auskultation ist selten wichtig 
(Plätschergeräusche, Gurren, zuweilen Gefäß- 
geräusche bei Carcinom). Künstliche Auf- 
treibung des Magens durch Brausemischung 
(Weinsäure und doppeltkohlensaures Natron); 
zweckmäßiger durch Luft s. u. 
b) Untersuchung des Magens mit Hülfe des 
weichen Schlundrohrs. Die Sondenunter- 
suchung gibt zunächst Aufschluß über das 
Verhalten des Oesophagus (s. o. Stenosen, 
Divertikel). Außerdem kommt in Betracht: 
1) Bestimmung der Ausdehnung des Magens 
und der Lage desselben (sog. Gastroptosis) 
durch Einblasen von Luft mit dem Gummi- 
Ballon, sichtbare Auftreibung, (Palpation und 
Perkussion des aufgeblasenen Magens). Die 
anderen Methoden (tiefes Eindringen der 
Sonde, Fühlen des unteren Sondenendes, 
Perkussion des Magens bei abwechselndem 
Anfüllen und Ausleeren desselben) unsicherer 



— So- 
und weniger gebräuchlich. 2. Motorische 
Funkäon, d. h. Entleerbarkeit des Magens 
(weit wichtiger, als die schwankende Größen- 
bestimmung). Der nüchterne Magen früh 
Morgens oder der Magen spätestens sieben 
Stunden nach einer reichlicheren Mahlzeit 
(die „ Probemahlzeit^ besteht aus einem Teller 
Fleischbrühe, 150 g gebratenes gehacktes 
Beefsteak und 50 g Kartoffelpüree) soll im 
Wesentlichen leer sein. Längeres Liegen- 
bleiben reichlicher Speisereste spricht fast 
immer für Stenose des Pylorus, ev. auch für 
Atonie der Muskulatur, oder vielleicht für 
Pyloruskrampf bei Hypersekretion. Zu be- 
achten auch die Beschaffenheit des durch 
Sondenspülung entleerten Mageninhalts (Speise- 
reste, Geruch, Gährung, Schleimbeimengung 
u. a.). 
c) Chemische Untersuchung des Magensaftes 
(Auspressen resp. Aushebern von etwas Magen- 
inhalt ca. eine Stunde nach dem Probefrüh- 
stück, bestehend aus einer Semmel und einer 
Tasse Tee. Dabei zunächst zu beachteni 
ob die Semmel gut verdaut (in feinen Brei 
verwandelt) ist oder nicht. Im Filtrat unter- 
sucht man die Reaktion (Lakmuspapier, 
Tropäolin). Prüfung auf freie Salzsäure 
(Phloroglucin- Vanillin, Congopapier, Methylvio- 
lett) und auf Milchsäure (Eisenchlorid-Carbol- 
lösung). Fehlen der Salzsäure - Reaktionen 
bei sog. Achylie, bei chronischer Gastritis 
und vor allem beim Carcinom. Superacidität 



— 31 — 

und Supersekretion bei Ulcus und der sog. 
Dyspepsia acidia, die oft nervösen Ursprungs 
ist. Reichliche Milchsäure ist stets verdächtig 
für Carcinom 

Prüfung der Verdauungskraft und des 
Pepsingehaltes des Magensaftes (Auflösung 
eines Eiweisscheibchens allein durch den 
Magensaft oder erst nach Zusatz von Salz- 
säure resp. Pepsin). 

d) Mikroskopische Untersuchung des Magen- 
inhalts, Speisereste. Sarcine (meist bei saurem 
Mageninhalt). Hefezellen. Blutkörperchen. 
Die sog. „langen Bazillen'^ d. h. die Milch- 
säure-Bazillen stets sehr verdächtig für 
Carcinom des Magens. Carcinom-Partikelchen, 
namentlich beim Ausspülen des Magens. 

e) Unter Umständen Nachweis von zersetztem 
Blut im Mageninhalt resp. im Erbrochenen 
(kaffeesatzähnlich) durch Darstellung der 
Häminkrystalle (Abdampfen mit Eisessig und 
etwas Kochsalz) oder durch die Probe mit 
Terpentin und Guajaktinktur (Blaufärbung). 

Die methodische Magenuntersuchung wird 
zweckmässig in folgender Reihenfolge vor- 
genommen: 1. Untersuchung des nüchternen 
Magens (Retention, Supersekretion, Schleim- 
absonderung). 2. Probefriihstück und Aus- 
heberung eine Stunde später zur Bestimmung 
der Sekretions- Verhältnisse des Magens, ins- 
besondere der Salzsäure-Sekretion. 3. Probe- 
mahlzeit zur Bestimmung der motorischen 
Funktion (Entleerung des Magens. Aus- 



— 32 — 

heberang nach 6 — 7 Standen. Noch vorhandene 
Speisereste beweisen die erschwerte Magen- 
entleerang. Aaßerdem üntersnchong aaf 
Salzsäare and bes. Milchsäure (s. o.). 4. Auf- 
blähang des leeren oder aasgespülten Magens 
darch Luft zar Bestimmung seiner Lage und 
Grösse, 
. Untersaehung des Darms. Inspektion: Anf- 
treibung (Meteori8I^as, Ascites), Einziehung. 
Sichtbare Peristaltik, besonders bei Darm- 
stenosen). Palpation: Empfindlichkeit, fdhlbare 
Tumoren (Scybala!), entzündliche Tumoren in 
der Ileo-Coecalgegend, Gurren bei der Pal- 
pation. Perkussion: Anfüllung bez. Kontraktion 
des Darms. Ascites u. a. Auskultation (selten 
wichtig): gurrende Geräusche, selten peritoneale 
Reibegeräusche. 

Untersuchung der Stuhlentleerungen: Häufig- 
keit, Menge, Farbe (tonfarben, hell, dunkel, 
blutig u. a.), Beschaffenheit der Stühle (wässerig, 
dünn, geschichtet, breiig, geformt, knollig, band- 
artig; schleimig, blutig, eitrig u. a.). Unverdaute 
Speisereste. Schleim-Membranen (Dickdarm- 
Katarrh. Enteritis membranacea. Colica mucosa). 
— Fettstühle bei Icterus und zuw. bei Pankreas- 
Erkrankungen. Darmparasiten, 

Mikroskopische Untersuchung : Speisereste, 
Blutkörperchen, Eiterkörperchen, Epithelien, 
Krystalle (Tripelphosphat, Phosphate, Fettsäuren 
und Seifen), Bakterien, Infusorien. — Eier von 
Parasiten. — Zuweilen ist die spezielle bakterio- 
logische Untersuchung wichtig (Tuberkelbazillen, 



— 33 — 

Typhusbazillen. Cholerabazillen). 

Unter Umständen manuelle Untersuchung oder 
Spiegeluntersuchung des Rektums (Geschwüre, 
Neubildungen, syphilitische Stenosen u. a.). 

Auch die künstliche Auftreihung des Dick- 
darms durch Flüssigkeit oder Luft ist in einzelnen 
Fällen von diagnostischer Bedeutung. 

6. Untersuchungr der Leber. Palpatiön: Ver- 
grösserung der Leber, BeschaflFenheit des Leber- 
randes (stumpf, scharf) und der Leberoberfläche 
(glatt, höckerig). Schnürleber, Lebertumoren. 
Palpation der Gallenblase bei Verdacht auf 
Cholelithiasis. Perkussion (unter normalen Ver- 
hältnissen reicht die Leberdämpfung in der 
rechten ParaSternallinie nach unten bis zum 
Rippenbogen) : Vergrösserung der Leberdämpfang, 
Verkleinerung derselben (Ueberlagerung durch 
Darm, Luft im Peritoneum, Verkleinerung der 
Leber). 

7 . Untersuchung der Milz : Palpation (Vergrösserung, 
Incisuren am vorderen Milzrand), Perkussion. 

%. Palpation der Nieren (fühlbare Niere; sog. 

Wandernieren, Nierentumoren). 
9. Untersuchung des /^arn^ (Ei weiss, Gallenfarbstoff), 

des Blutes usw. 

6. Untersucbung bei Krankheiten der 
Nieren und der Harnwege. 

I. Anamnese. 

1. Berücksichtigung ätiologischer Momente: Lebens- 
weise (Alkoholismus, übermässige Nahrungsauf- 
st rümp eil, Leitfaden. 3 



— 34 — 

nähme), Besohäftigang (ehronische Bleiintoxikation 
u. a.). Sonstige Schädlichkeiten: heftige Er- 
kältungen und DurchnäSBungen. Toxisch wirkende 
Stoffe, die durch die Nieren ausgeschieden werden 
(Arzneimittel u. a.). Vorhergehende sonstige Er- 
krankungen (insbesondere Scharlach, Diphtherie, 
Syphilis, Gicht u. a., Hautkrankheiten). 

2. Laxier und bisheriger Verlauf der Krankheit. 

3. Einzelne Symptome : 

a) Allgemeinsymptome : Mattigkeit, Blässe, Appetit- 
losigkeit u. dergl. 

b) Anschwellungen des Gesichts (der Nieren- 
hydrops beginnt oft im Gesicht!), der Fflsse 
u. a. 

c) Schmerzen in der Nierengegend und Schmerzen 
bei der HamentleeruDg. Nierenkoliken bei 
Nephrolithiasis. Veränderung des Harns: 
Menge, Häufigkeit der Entleerung desselben, 
Aussehen (hell, dunkel, trübe, blutig, schleimig, 
sedimentierend u. dergl.). 

d) Kopfsymptome: Kopfschmerzen, Schwindel, 
gestörter Schlaf u. a. 

e) Magensymptome : Appetitlosigkeit, Erbrechen. 
— Verhalten der Stuhlentleerung. 

f) Husten, Kurzatmigkeit. Asthmatische Zufillle. 
Herzklopfen. 

g) Sehstörungen (Ritinitis albuminurica). 

II. Status praesens. 

1. Allgemeiner Ernährungszustand. Hautfarbe (auf- 
fallende Anämie). Oedeme. 

2. Kopf: Temporalarterien. Augenspiegelbefund 



— 35 — 

(Retinitis albuminurica). Mundhöhle (Salivation). 
Rachen. 

3. Hals. Verhalten der grossen Gefässe. 

4. Br^ASi. Lungen (Bronchitis. Pneumonie der 
Nierenkranken. Hydrothorax). 

Herz (Hypertrophie des linken Ventrikels, 
Akzentuation des zweiten Aortatons). — Be- 
schafifenheit des RadicUpulses (abnorm gespannt, 
hart). Messung des Blutdrucks. 

5. Leib. Ascites. Leber, Milz (Stauung). — Unter- 
suchung der Nierengegend (Schmerzhaftigkeit 
u. dergl.); der Blase, unter Umständen der 
Harnröhre, der Prostata und der Hoden. 

6. Unterstichunff des Harns. Zuweilen ist die Unter- 
scheidung des Tag- und Nachthams wünschens- 
wert. 

a.) Farbe und Aussehen (hell, trübe, sedimen- 
tierend). Schleim-, Eiter-, Blutgehalt. 

b) In 24 Stunden ausgeschiedene Menge (normal 
ca. 1500 Ccm.). 

c) Spezifisches 6r^wicÄ^ (normal ca. 1012 — 1016). 

d) Eiweissgehält (Eochprobe mit nachherigem 
Zusatz von Salpetersäure oder Probe mit 
Essigsäure und Ferrocyankalium). 

e) Etwaiger Blutgehalt. Heller'sche Blutprobe 
durch Kochen mit Kalilauge (Rotfärbung der 
ausfallenden Phosphate) oder Probe mit Gua- 
jaktinktur und Terpentinöl (Blaufärbung). 

i) Mikroskopische Untersuchung des Ham- 
sediments: Harnzylinder (hyalin, wachsartig, 
kömig, mit Auflagerungen besetzt, Epithel- 
zylinder u. a.). Weisse Blutkörperchen^ rote 

8* 



Blutkörperchen, Epithelimi aus der Niere 
oder aus den Harnwegen. Harnsaure- und 
andere Salze. Zerfallsprodukte u. a. Bei 
Verdacht auf Tuberkulose des ürogenital- 
apparats Untersuchung des Sediments auf 
Tuberkelbazillen. — Bei Neubildungen in 
den Harnwegen (Blasencarcinom u. a.) sind 
in seltenen Fällen Geschwulstteilchen im 
Sediment zu finden. 

Die Cystoskopie der Blase und die sog. 
Funktionsprüfungen der Nieren sind Sache 
des Spezialisten^ dabei aber in manchen Fällen 
von grösster praktischer Wichtigkeit (Neu- 
bildungen in der Blase, einseitige Nieren- 
erkrankungen bei Tumoren, Nephrolithiasis^ 
Hydronephrose, Pyonephrose, Nierentuberkulose 
u. dergl.). Siehe Tabelle S. 37. 

7. Untersachang bei chronlsehen 
Constitutlonskrankhelten. 

I. Anamnese. 

1 . Allgemeinverhältnisse : Heredität, Lebensweise, 
Beschäftigung. Berufsschädlichkeiten. Traumen. 
Starke psychische Erregungen. 

2. Allgemeinsymptome: S<i\iw'a.c\ie,l&siiägkeit, Appetit- 
losigkeit, gestörter Schlaf, geistige Abspannung, 
Gemütsverstimmung. — Verhalten des allge- 
meinen Ernährungszustandes (Abnahme des 
Körpergewichts,Fettzunahme, eingetretene Blässe). 
Auffallendes Hunger- und Durstgefühl (bei 
Diabetes). 



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— 38 — 

3. Von einzelnen Symptomen besonders beachtens- 
wert: 

9) Kopf Symptome (insbesondere Zeichen von 
Gehimanämie) : Kopfschmerz, Schwindel. 
Flimmern vor den Augen, Ohrensausen u. a. 
— Neuralgische Schmerzen (Chlorose, Ischi- 
algien bei Diabetes). 
h) Brustsymptome : Dyspnoe (Anämie). Herz- 
klopfen (Anämie). 

c) Magen- und Darmsymptome. Verhalten des 
Appetits (s. o.), Erbrechen, Cardialgie (bei 
Anämie). 

d) Neigung zu Blutungen, Nasenbluten u. dergl. 
(bei Leukämie). 

II. Status praesens. 

Allgemeiner Ernährungszustand, Hautfarbe 
(blass, gelblich bei Anämien). Abnorme Pigmen*- 
tierung bei Nebennierenerkrankung (M. Addison). 

1. Kopf. Gesichtsfarbe. Untersuchung der Äugen 
(Katarakt bei Diabetes, Netzhautblutungen und 
sonstige Netzhautveränderungen bei Leukämie, 
schweren Anämien u. a.). Zunge, ^ähne. 
Zahnfleisch (Alveolareiterung bei Diabetes). 

2. Hals und Brustorgane. Lymphdrüsenl Herz: 
anämische Geräusche. Verhalten des Pulses. 

3. Leib : Leber, Milz. 

i.ffam: Zucker. Trow/w^r'sche Probe mit Kali- 
lauge und Kupfersulfat, Nylander'%Q\iei Probe 
mit Wismutlösung, ifoor^'sche Probe durch 
Kochen mit Kalilauge. In allen zweifelhaften 



— 39 — 

Fällen ist die Gährungsprobe durchaus not- 
wendig. Eiweiss. 
5. Untersuchung des Blutes, 1. Aussehen, rot, 
blass, wässrig. 2. Bestimmung der Zahl der 
Erythrocyten und der Leukocyten durch Zählung 
(Zählapparat von Thoma-Zeiss). 3. Bestimmung 
des Hämoglobingehalts (Methoden von Gowers- 
Sahli, Fleischl). 4. Mikroskopische Untersuchung 
des frischen und gefärbten Blutpräparates. Das 
frische Präparat zeigt vor allem die Gleich- 
mässigkeit, Grösse und Form der Erythrocyten 
(Normocyten, Makrocyten, Mikrocyten, Poikilo- 
cyten). Das gefärbte Präparat zeigt das Vor- 
kommen ArömÄa//t^^r Erythrocyten (Normoblasten 
und Megaloblasten) und die verschiedenen Arten 
der Leukocyteu: a) mehrkemige neutrophile 
Zellen d. s. die gewöhnlichen Leukocyten und 
Eiterzellen mit neutrophiler Granulation, b) die 
eosinophilen Zellen mit acidophiler Granulation, 

c) die Mastzellen mit basophiler Granulation, 

d) die Lymphocytenj kleine einkernige Zellen 

e) die sog. grossen Lymphocyten, f) die aus dem 
Knochenmark stammenden Myelocyten, grosse 
einkernige Zellen, die nur unter pathologischen 
Verhältnissen, (vor allem bei der Leukämie) ins 
Blut übertreten. — Von Wichtigkeit ist zuweilen 
die Bestimmung des relativen Mengenverhältnisses 
der einzelnen Leukocyten-Formen. — Blut- 
plättchen. 



— 40 — 

8. UntersuchuDg bei Krankheiten des 
Nervensystems. 

I. Anamnese. 

1. Heredität von hervorragender Wichtigkeit (ins- 
besondere bei psychischen Erkrankungen , all- 
gemeiner Nervosität, Hysterie, Epilepsie u. a.). 
Zuweilen ist auch die Frage nach etwaiger Tu- 
berkulose oder Syphilis der Eltern wichtig. 

2. Vorhergehende Erkrankungen, vor allem Sy- 
philis. — Vorhergehende akute Infektionskrank- 
heiten (Influenza, Typhus u. a.), an welche sich 
nervöse Leiden zuweilen anschlieesen. — Frtlhere 
nervöse Erkrankungen (Convulsionen in der 
Kindheit, Migräne u. v. a.) 

3. Sonstige ätiologische Momente: Traumen (bes. 
wichtig bei Blutungen, Tumoren, Syringomyelie, 
Tabes, multipler Sklerose u. a.). Starke Er- 
kältungen, — Psychische Erregungen, Schreck, 
geistige Ueberanstrengung. Angstvorstellungen. 
— Intoxikationen (Blei, Quecksilber u. v. a.). 
Lebensweise (Alkoholistnus), 

4. Früheres Verhalten des Kranken: nervöse Reiz- 
barkeit, Neigung zu Kopfschmerzen u. dergl. 

5. Einzelne Symptome von Seiten des Nerven- 
systems. 

a) Symptome von Seiten des Gehirns und der 
Gehirnnervtn : Kopfschmerzen , Schwindel, 
psychische Störungen (Gedächtnissschwäche, 
Gemfltsverstimmnng u. v. a.). Sehstörungen, 
Poppeltsehen^ Ohrenklingen und andere 6e- 
hörsturnngen. Sprachstörungen. Schlingbe- 



— 41 — 

schwerden. Nervöses Erbrechen. Lähmun- 
gen, Sensibilitätsstörungen s. u. 

b) Symptome von Seiten des Rückenmarks: 
Rückenschmerzen, Gürtelgefühl, ausstrahlende 
Schmerzen , Blasenstörungen (Inkontinenz, 
Retentio). Stuhlverstopfung. Sexuelle Stö- 
rungen. 

c) Motorische Symptome: Schwäche, Lähmung, 
Zuckungen, Krämpfe. 

d) Sensible Symptome: Reizerscheinungen, 
(Schmerzen, Kriebeln, Ameisenkriechen, Ver- 
taubungsgefühl). Gefühllosigkeit. 

e) Trophische und vasomotorische Störungen : 
auffallende Abmagerung eines Körperteils, 
Kältegefühl, Hitzegefühl in der Haut u. dergl.). 

f ) Apoplektiforme oder epileptiforme Anfälle. 
Sehr wichtig ist die genaue Nachfrage nach der 

Reihenfolge, in welcher die einzelnen Symptome auf- 
getreten sind. Welches waren die ersten Krankheits- 
erscheinungen ? Plötzliches rasches (bei Blutungen, 
Embolien, akuten Entzündungen) oder langsames Auf- 
treten (bei Tumoren, chronischen Degenerationen u. a.) 
derselben. Wie und wann sind die später folgenden 
Erscheinungen aufgetreten ? 

6. Verhalten der übrigen Organe und des AllgC' 
meinbefindens, 

II. Status praesens. 

\. Allgemeiner Körperbau, Ernährungszustand. 

I.Haut: Farbe. Etwaige Exantheme, Narben 
u. dergl. (Anzeichen von Lues, Folgen von Ver- 
letzungen u. a.). 



— 42 — 

3. Zustand des Sensoriums (frei, benommen, Sopor, 
Coma usw.). Psychische Anomalien (geistige 
Klarheit oder Verwirrtheit, Delirien, psychische 
Leistungsfähigkeit beim Rechnen, Gedächtnis, 
Urteil, Gemtttsstimmung). 

4. I^opf: Capillitium (Haare. Narben). Schmerz 
beim Beklopfen des Schädels. 

Motilität im Stimteil des Facialis, 

Augen: Verhalten der Lidspalte (Sympathicus!), 
Beweglichkeit der Lider. Beweglichkeit der 
Bulbi. Verhalten der Pupillen (eng, weit, un- 
gleich, nicht gleichmässig rund, reflektorisch 
starr bei Tabes und Paralyse, accomodative Be- 
wegungen). 

Sehschärfe und Sehfeld, Hemianopsie. Farben- 
sinn. 

Ophthalmoskopische Untersuchung (Atrophie 
des Opticus bei Tabes, multipler Sklerose u. a., 
Stauungspapille bei Gehirntumoren u. a.). 

Beweglichkeit im Gesichtsteil des Facialis. 

Sensibilität im Trigeminusgebiet. 

Gehör. (Unter Umständen Untersuchung mit 
dem Ohrenspiegel. Meningitis und Gehirnabszess !) 

Geruch. Geschmack. 

Beweglichkeit der Kiefer (Kaumuskeln, inner- 
viert vom motorischen Trigeminus.) 

Beweglichkeit der Zunge (n. hypoglossus), 
des weichen Gaumens (motor. Vagus. Reflexe). 

Sprache. (Anarthrie. Aphasie, s. u.) 
Stimme (Beweglichkeit der Kehlkopfmuskeln). 

Schlingbewegungen. 

Verhalten der Speichelsekretion. 



— 43 — 

5. HaJs (Strama). Verhalten der Hals- und Nacken- 
mnskeln, Nackenstarre. Druckempfindlichkeit der 
Halswirbel. 
ß.ffalS' und Abdominalorgane, Untersuchung der 
Wirbelsäule. — Harn. Harnentleerung (Retentio 
nrinae, Incontinentia urinae, häufige reflektorische 
Entleerung der Blase). 
An den Extremitäten und am Rumpf ist die spe- 
zielle Untersuchung der nervösen Störungen nach 
folgendem Schema vorzunehmen: 

A) StSrangen der Motillt&t. 

a) Aktive Beweglickeit in allen Gelenken und 
nach allen Richtungen hin (Parese. Lähmung). 
(Die Prüfung der einzelnen Muskelgebiete, 
s. u. im Anhang 2.) 

b) Coordination der Bewegung (Ataxie) , an 
den Armen durch Zielbewegungen mit dem 
Zeigefinger, an den Beinen durch den 
Enie-Hackenversuch geprüft. — Ihteniions- 
zittern. 

c) Mitbewegungen (Tibialisphänomen am Unter- 
schenkel bei Beugung des Knies). 

d) Motorische Beizerscheinungen (Zuckungen, 
choreatische Bewegungen , Athetose - Be- 
wegungen, tonische und klonische Krämpfe 
usw.). Tremor. Fibrilläre Zuckungen 
(weisen meist auf eine Erkrankung der 
spinalen grauen Vordersäulen hin). 

e) Passive Beweglichkeit (Muskelspannungen, 
Kontrakturen). Hypotonie der Muskeln bei 



— 44 — 

Tabes, Neuritis, Hypertonie bei Erkrankung 
der Seitenstränge. Kataleptische Störungen. 

f) Trophisches Verhalten der Muskeln (Atro- 
phie, Lipomatosis). 

g) Elektrisches Verhalten der Muskeln und 
Nerven (galvanischer Strom, faradischer 
Strom). Quantitativ gesteigerte oder ver- 
minderte Erregbarkeit. Qualitative Aen- 
derungen der Erregbarkeit. Entartungs- 
reaktion {Nerv für beide Stromesarten 
unerregbar, Muskel faradisch unerregbar, 
galvanisch aber erregbar, wobei die starke 
Anodenwirkung und vor Allem die trägen 
Zuckungen zu beachten sind). 

h) Gang. (Spastischer, paretischer, ataktischer 
Gang.) — Schwanken beim Stehen mit ge- 
schlossenen Augen bei aneinander gestellten 
Füssen („Romberg'sches Symptom"). 

B) StOrnngen der Sensibilität. 

\. Sensibilität der Haut. 

a) Berührungsempfindung (Berührung der Haut 
mit dem Finger, mit einem Pinsel). 

b) Schmerzempfindung (Nadelstiche, Kneifen 
der Haut, elektrischer Strom). Unterschei- 
dung von Nadelspitze und Nadelkopf 
u. dergl. — Verspätung der Schmerz- 
empfindung (durch Summation des Reizes). 

c) Temperatursinn {Wärmeempfindung und 
Kälteempfindung gesondert zu prüfen. Per- 
verse Temperaturempfindung). 

2. Sensibilität der tieferen Teile. 



— 45 — 

a) Gefühl für passive Bewegungen (sog. Mus- 
kelsinn). 

h) Drucksinn ^ Gefühl für tiefen Druck und 
Druckunterschiede. 

3. Kompliziertere Gefühlsleistungen. 

a) Lokalisation der Empfindungen (Tastkreise). 

b) Sog. Stereognostischer Sinn : Erkennen von 
Gegenständen durch den Tastsinn, d. h. durch 
Betasten bei Ausschluss des Sehens. 

4. Seltene Anomalien : 

Polyaesthesie. Nachempfindungen. AUo- 
cheirie. 

C) Prflfangr der Reflexe. 

9) Hautreflexe : 

Fussohlenreflex (Nadelstich , Streichen 
usw.). Bahinski' scher Zehenreflex (Dor- 
salflexion der grossen Zehe nach Reizung 
der Fussohle), wichtiges Zeichen für 
organische Erkrankung im Gebiet der 
Pyramidenbahnen. 

Hautreflexe durch Stechen oder Kneifen 
der übrigen Haut an den unteren Ex- 
tremitäten. Verspätung der Reflexe durch 
SummatioQ der Reize. 

Cremasterreflex. 

Bauchdeckenreflex. Fehlen bei multipler 
Sklerose. Einseitiges Fehlen bei Hemi- 
plegie, 
b) Sehnenreflexe, 

An den oberen Extremitäten von den 



— 46 — 

unteren Enden der Vorderarmknochen ans, 
femer im Biceps, Triceps u. a. 
In den unteren Extremitäten: 
Patellarreflex (Kniephänomen). Fehlen bei 
Tabes, Poliomyelitis, Neuritis. 
Adductorenreflex. 

Achiilessehnenreflex , fehlt bei Tabes etc. 
Einseitiges Fehlen bei Ischias. Fuss- 
Phänomen, 

D) Yasomotorisehe und trophisehe StOrangren. 

Verhalten der Hautgefässe. 
Schweissekretion. 

Epidermisabschuppung. Nägel u. a. 
Handelt es sich um aphatische und verwandte 
Zustande, so ist zu prüfen: 

{.Freies Sprechen, Unterhaltung. Hersagen von 

Gedichten, der Zahlen, Monate u. v. a. 
2. Worthezeichnung von gesehenen Gegenständen. 
Z. Nachsprechen von Lauten, Silben, Wörtern, 

Sätzen. 
^. Lautes Lesen, 

5. Schreiben. — Diktatschreiben und Abschreiben. 

6. Wortverständnis („Worttaubheit*'). 

7. Schrift Verständnis. 

Hiernach unterscheidet man die motorische und 
die amnestische (sensorische) Aphasie^ die Agraphie^ 
Alexie, Seelentaubheit und Seelenblindheit 



Anhang I. 

Die wichtigsten Harnproben. 

1 . Eiweiss ( Serumalbumin J, a) Kochprobe, Man 
erhitzt den Harn zum Kochen. Entsteht ein Nieder- 
schlag, der sich durch Zusatz von Salpetersäure nicht 
auflöst, so ist Eiweiss im Harn enthalten. Löst sich der 
Niederschlag durch Salzsäure wieder auf, so handelt 
es sich um Phosphate oder um Carbonate (Aufbrausen 
von Kohlensäure). b) Der Harn wird reich- 
lich mit Essigsäure und dann mit einigen Tropfen 
Ferrocyankalium versetzt: eine entstehende Trübung 
ist Eiweiss. c) JIeller*schQ Probe mit Salpeter- 
säure. Der Harn wird auf Salpetersäure geschichtet; 
enthält er Eiweiss, so bildet sich an der Grenze ein 
Ring von ausgeschiedenem Eiweiss. 

2. Zucker, 1. TVöww^r'sche Probe. Der Harn 
wird reichlich mit Kalilauge versetzt und dann lang- 
sam eine dünne Lösung von Kupfersulfat hinzuge- 
fügt. Es bildet sich Kupferoxydhydrat, welches 
von einem zuckerhaltigen Harn reichlich gelöst wird. 
Erwärmt man die schön blaue Lösung, so reduziert 
der Zucker das Kupferoxyd zu Kupferoxydul, wel- 
ches als gelber oder rötlicher Niederschlag aus- 
fallt. 2. Man kocht den Harn 1 — 2 Minuten mit 
Nylander*%(t\L&r Lösung, bestehend aus 2,0 basisch 
salpetersaurem Wismuth, 4,0 Seignettesalz, 100,0 



— 48 — 

Natronlauge von S^/o. Durch Reduktion des 
Wismuthoxydes wird Wismuthoxydul ausgeschieden 
und der Harn dunkelschwarz gefärbt. 3. Kaliprohe 
(Moore'sche Probe). Der Harn wird mit Kalilauge 
versetzt und die oberste Schicht erhitzt. Es tritt 
schöne kastanienbraune Färbung ein. 4. Gärungs- 
probe. Traubenzucker wird durch Hefe im Gährungs- 
röhrchen zu Alkohol und Kohlensäure vergoren. 

4. Aceton. Man fügt zum Harn einige Tropfen 
frischer Natriumnitroprussid- Lösung und setzt dann 
starke Natronlauge hinzu, wobei eine Rotfärbung 
auftritt. Fügt man nun konzentrierte Essigsäure 
hinzu, so nimmt die Rotfärbung bei Anwesenheit von 
Aceton noch zu und verwandelt sich in Karmoisin-Rot. 

5. Acetessigsäure (Eisen cbloridreaktion). Bei 
Zusatz von einigen Tropfen Eisenchlorid tritt ausser 
dem Niederschlag von Eisenphosphat eine burgunder- 
violette Färbung auf. 

6. Blut, 1. ffeller^BCihe Blutprobe. Der Harn wird 
mit 1/4 Vol. Kalilauge gekocht; dadurch werden die 
in ihm enthaltenen roten Blutkörperchen zerstört, 
nur der Blutfarbstoff bleibt ungelöst und verbindet 
sich mechanisch mit den ausfallenden Phosphaten 
zu einem braunrot gefärbten wolkigen Niederschlag. 
2. Man mischt in einem Probierröhrchen zu gleichen 
Teilen Terpentinöl und frische Guajaktinktur zu 
gleichen Teilen. Mit dieser Mischung tiberschüttet 
man den Harn. Enthält letzterer Blut, so bildet 
sich an der Berührungsstelle nach kurzer Zeit eint 
blauer Ring. 3. Mikroskopischer Nachweis der 
roten Blutkörperchen. 4. Spektroskopischer Nach- 
weis. 



— 49 — 

7. Gallenfarhstoff. 1. Chloroformprobe. Der 
Harn wird mit Chloroform ausgeschüttelt. Das 
Chloroform löst den Gallenfarbstoff, senkt sich in 
der Ruhe zu Boden und erscheint deutlich gelb ge- 
färbt. 2. Man überschüttet Salpetersäure, der ein 
Tropfen rauchende Salpetersäure zugefügt ist, mit 
dem zu untersuchenden Harn. An der Bertihrungs- 
stelle bilden sich durch Oxydation des Gallenfarb< 
Stoffs farbige Kinge, insbesondere ein grüner Ring. 
3. Man überschüttet den Harn mit verdünnter alkoho- 
lischer Jodtinktur. An der Berührungsstelle bildet 
sich ein grüner Ring. 

8. Urobilin (bei Leberkrankheiten, Blutergüssen 
u. a.). Man versetzt den Harn mit 3—5 Tropfen 
einer lO^o Chlorzinklösung und dann so lange Am- 
moniak hinzu, bis der Niederschlag von Zinkoxyd 
sich wieder löst. In dem Filtrat tritt bei Anwesen- 
heit von Urobilin deutliche grüne Fluoreszenz auf. 

9. Indican (bei Verstopfung, Darmversohluss u. a.). 
Man versetzt den Harn mit dem gleichen Volumen 
konzentrierter Salzsäure, fügt einige Tropfen einer 
Chlorkalklösung zu und schüttelt mit Chloroform aus, 
welches durch das sich lösende Indigo bei starkem In- 
dicangehalt des Harns eine dunkelblaue Farbe an- 
nimmt. 

10. Die Ehrlich'sche Diazoreaktion wird am 
besten in besonders dazu konstruierten Reagensgläsern 
angestellt. Man vermischt eine kleine (durch Mar- 
kierung angegebene) Menge einer Lösung von 0,5 Na- 
triumnitrit in 100 Aq. destill, mit .einer ebenfalls 
bestimmten grösseren Menge einer Lösung von 
5,0 Sulfanilsäure, 50,0 Salzsäure und 1000,0 Wasser. 

Strümpell, Leitfaden. 4 



— 50 — 

Dann komm die gleiche Menge Harn hinzu nnd etwa 
Vs Vol. Ammoniak« Beim Schütteln tritt, wenn die 
Reaktion positiv ausfllllt (z. B. bei Typhns, schwerer 
Tuberkulose, Masern), starke Rotfarbung auf, besonders 
auch am Schaum. 

11. Hamsedimente. 1. Urate (hamsaure Salze): 
Ziegelmehlroter Niederschlag, löst sich beim Er- 
wärmen des Harns vollständig auf. 2. Phosphate: 
weisser lockerer Niederschlag, nimmt durch Er- 
wärmen oft noch zu, löst sich durch Zusatz von 
Säuren (Salpetersäure u. a.). Tripelphosphate u. a. 
(im ammoniakalischen Harn) werden bei der mikro- 
skopischen Untersuchung durch ihre „Sargdeckel- 
form" erkannt. 3. Geformte Sedimente (Eiter, Zy- 
linder usw.) müssen durch die mikroskopische Unter- 
suchung erkannt werden. 



Anhang IL 

Uebersichtliche Tabelle Ober die einzelnen Formen 
willkürlicher Bewegung und die dabei in Betracht 
kommenden Muskeln und Nerven. . 

I. Muskulatur am Kopf und Rumpf. 

1. Gesichtsmuskeln und Kaumuskeln. 

1. Runzeln der Stirn in Querfalten (M. frontalis 
und occipitalis. N. facialis). 

2. Runzeln der Stirn in Längsfalten (M. corrugator 
supercilii. N. facialis). 

3. Schliessen der Augen (M. orbicularis oculi. 
N. facialis). 

4. Erweitern des Nasenloches (M. compressor nasi 
und M. levator alae nasi. N. facialis). 



— 51 — 

5. Verziehen des Mundes nach anssen und oben 
(Mm. levator labii superioris, zygomatici, risorinSy 
N. facialis). 

6. Verziehen des Mnndes nach unten (M. depressor 
anguli oris et labii super. N. facialis). 

.T.Heben der Unterlippe (M, levator menti. N. 
facialis). 

S.Spitzen des Mundes und Pfeifen (M. orbieularis 
oris. N. facialis). 

9. Eaubewegung (Mm. masseter und temporalis. 

Mot. Ast des N. trigeminus). 
10. Seitwärts- und Vorwärtsbewegung des Unter- 
kiefers (Mm. pterygoidei externi und intemi. 

2. Augenmuskeln. 
I.Hebung des oberen Lides (M. levator palpebrae 
sup. N. oculomotorius). 

2. Blick nach oben innen (M. rectus superior) und 
oben aussen (M. obliquus inf.) N. oculomotorius. 

3. Blick nasalwärts (M. rectus internus. N. 
oculomotorius). 

4. Blick temporalwärts (M. rectus extemus. N. 
abducens). 

5. Blick nach unten innen (M. rectus inferior. 
N. oculomotorius). 

6. Blick nach unten aussen (M. obliquus superior. 
N. trochlearis). 

T.Verengerung der Pupille (Sphincter iridis. N. 

oculomotorius). 
S.Akkomodation (M. ciliaris. N. oculomotorius). 

3. Zunge. WeicherGaumen. Pharynx. Larynx, 
1. Zungenbewegungen (N. hypoglossus). 

4* 



— 52 — 

7. Weicher Gaumen (N. vago-accessorins). 

3. Schlucken (N. vago-accessorins). 

4. Epiglottis (M. thyreo- und aryepiglotticus. N. 
laryngeus snperior. 

5. Stimmbänder (N. recurrens). 

4. Kopf und Rumpf. 

1. Vorwärtsbeugung des Kopfes und der Halswirbel 
(Mm. recti capitis antici, longus colli rectus. 
N. cervicalis 1 — 3). M. stemocleidomastoideus, 
N. accessorius). 

2. Rückwärtsbeugung des Kopfes und der Halswirbel 
(Mm. splenius capitis et colli; biventer, complexus, 
recti capitis postici, spinalis und semispinalis 
cervicis. N. cervicalis 1—4). 

3 . Drehung des Kopfes (M. stemocleidomastoideus, 
N. accessorius, M. obliquus capitis inf. und 
obliquus colli). 

4. Seitwärtsbewegung des Kopfes (M. recti capitis 
laterales. M. spinalis cervicis). 

5. Streckung der Wirbelsäule (Mm. sacro-lumbalis 
und longissimus dorsi. M. spinalis dorsi). 

6. Beugung der Wirbelsäule nach vorn und Auf- 
richten des Rumpfes aus liegender Stellung 
(Bauchmuskeln). Recti abdom. vom 8. DN an, 
ebenso Obliqui abdom. 

7. Drehung der Wirbelsäule (M. semispinalis dorsi). 

8. Seitwärtsbeugung der Wirbelsäule (M. quadratus 
^lumborum, innerviert vom Plexus cruralis. Mm. 

, ;intertransversariij. 

9. Zwerchfell (N. phrenicus von N. cervicalis 4, 
vielleicht auch 3). 



— sa- 
li. Sehalterblatt und obere Extremität. 

1. Bewegungen des Schulterblattes. 

1 . Heben des Schulterblattes (M. Cucullaris, N. 
accessorius, M. levator anguli scapulae 1 — 3. CN t). 

2. Medialwärts ziehen des Schulterblattes (Mm. rhom- 
boidei. Nn. thoracic! post. aus dem 4. und 
5. CN). 

3. Fixation und Drehung des Schulterblattes bei 
der Vertikalerhebung des Oberarmes (M. serratus 
ant. major, N. thoracicus major vorzugsweise 
aus dem 5. CN). 

2. Bewegungen im Schultergelenk. 

1. Heben des Oberarmes nach vorn und nach aussen . 
(M. deltoideus, N. axillaris aus dem 5. und 6. CN). 

2. Adduktion und Herabziehen (M. pectoralis major 
und minor, N. thoracici ant. aus dem 5. und 6. 
CN. M. latissimus dorsi^ N. subscapularis longus 
aus dem 5. und 6. CN). 

3. AuswärtsroUung (Mm. supraspinatus, infraspinatus, 
teres minor. N. suprascapularis aus dem 4. 
und 5. CN). 

4. EinwärtsroUung (Mm. subscapularis und teres 
major. N. subscapularis vom 5. und 6 CN). 

3. Bewegungen im Ellenbogengelenk. 
1. Beugung (Mm. biceps und brachialis internus, 

N. musculo-cutaneus vom 5. und 6. CN. M. 

supinator logus, N. radialis, 5. CN). 
2. Streckung (M. triceps. N. radialis; 6. und 7. CN). 

1) CN = Cervicalnerv, DN = Dorsalnerv, LN = Lum- 
balnerv, SN = Sacralnerv, d. h. die betreffende vordere Wurzel, 
entspringend aus dem entsprechenden RUckenmarkssegmente. 



— 54 — 

3. Sapination (M. bicepB, N. muBcnlo - cutanens, 
M. supinator brevis, N. radiaÜB; 5. ON). 

4. Pronation (Mm. pronator teres und pronator 
qnadrataBy N. medianna. 6. GN). 

4. Bewegungen im Handgelenk. 
l.Doraalflexion (M. extaisor earpi radialis longoB 
nnd brevis, extenaor earpi nlnaria. N. radiatis ; 

6. und 7. CN). 

2. Yolarflezion (Flexor earpi radialis, N. medianos. 
Flexor earpi olnaris, N. nlnaris, 7. nnd 8. Cn). 

3. Radialw&rtsbiegnng (N. extensor earpi radialis 
longos). 

4. ülnarwärtsbiegnng (Mm. flexor nnd extensor 
earpi ulnaris). 

5. Bewegungen des 2. bis 5. Fingers. 

1. Streckung der Grundpbalangen (Mm. extensor 
dig. communis, indicator, extensor digiti mininü. 
N. radialis; 6. und besonders 7. CN). 

2. Streckung der Endpbalangen (M. interossei. 
N. ulnaris). 

3. Beugung der Grundphalangen (Mm. interossei 
und lumbricales. Nn. ulnaris und medianus; 

7. und besonders 8. CN). 

4. Beugung der Endpbalangen (Mm. flexor digitomin 
sublimis und profundus, letzterer ftlr die dritte 
Phalanx. N. medianus; 7. und besonders 8. CN). 

5. Spreizen (Abduktion) der Finger (Mm. interossei 
extemi, N. ulnaris; 8. CN). 

6. Adduktion der Finger (Mm. interossei, intemi, 
N. ulnaris). 

7. Beugung der Grundphalanx und Abduktion des 



— 55 — 

kleinen Fingers (Mm. flexor brevis und abductor 
dig. minimi im Hypothenar, N. ulnaris). 

6. Bewegungen des Daumens. 

1. Streckung des Metacarpus und der beiden 
Phalangen (Mm. extensor pollicis brevis und 
longus, letzterer ftir die zweite Phalanx. N. 
radialis; 8. CN). 

2. Abduktion des Metacarpus (M. abductor pollicis 
longus. M. radialis). 

3. Adduktion des Metacarpus (M. adductor und 
Caput profundum des M. flexor brevis^ N. ulnaris). 

4. Beugung und Opposition des Metacarpus, Beugung 
der ersten Phalanx mit gleichzeitiger Streckung 
der Endphalanx (Thenarmuskelu: Opponens, 
Abductor brevis und Caput superf. des Flexor 
brevis. N. medianus; 8. CN). 

5. Beugung der zweiten Phalanx (M. flexor pollicis 
longus. N. medianus). 

7. Bewegungen des kleinen Fingers. 

1. Beugung und Abduktion der Grundphalanx 
(Muskeln des Hypothenar; 8. CN und besonders 
1. DN). 

III. Untere Extremität. 

1. Bewegungen im Hüftgelenk. 
I.Beugung (Mm. ilio-psoas, sartorius, N. cruralis. 
M. tensor fasciae latae, N. glutaeus superior; 
1. und 2. LN). 

2. Streckung (M. glutaeus maximns. N. glutaeus 
inf. vom Plexus ischiadicus; 1. SN). 

3. Abduktion (M. glutaeus medius und minimns, 
N. glutaeus sup.; 1. SN). 



— 56 — 

4. Adduktion (M. adductor brevis, longus, magnus, 
M. pectineus, M. gracilis, N. obturatorius vom 
Plexus lumbalis; 2. und 3. LN). 

5. Auswärtsrollung (Mm. pyriformis, obturator 
internus, gemelli, quadratusfemoris, N. ischiadicus. 
M. obturator externus, N. obturatorius vom 
Plexus lumbalis; 5. LN). 

6. EinwärtsroUung (M. glutaeus medius und minimus, 
N. glutaeus superior; l. SN). 

2. Bewegungen im Kniegelenk. 

1 . Streckung (M. extensor cruris quadrieeps, N. 
cruralis; 3. und besonders 4. LN). 

2. Beugung (Mm. biceps, semi-membranosus und 
semi-tendinosus, N. ischiadicus; 5. LN und 1 SN). 

3. Bewegungen im Fussgelenk und in 
den Zehen. 

1. Dorsalflexion des inneren Fussrandes (M. tibialis 
anticus, N. peron.; 4. und 5. LN). 

2. Dorsalflexion des äusseren Fussrandes (M. peroneus 
longus und brevis, N. peroneus; 5. LN und 1 SN), 

3. Plantarflexion des Fusses i^Mm. gastrocnemiua 
und soleus, N. tibialis; 1. und 2 SN). 

4. Adduktion des inneren Fussrandes (M. tibialis 
posticus, N. tibialis). 

5. Abduktion des Fusses (M. peroneus brevis, N. 
peroneus). 

6. Dorsalflexion (Extension) der Zehen (Mm. extensor 
digitorum communis und ext. hallucis longns, 
N. peroneus; 4. und 5. LN). 

7. Plantarflexion der Zehen (Mm. flexor digitorum 
hallucis longus, flexor digitorum brevis, N. tibialis; 
1. und 2. SN). 

Druck von J. B. Hirsch fei d in Leipzig. 



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