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Full text of "Lateinisch-romanisches Wörterbuch"

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HANDBOUND 
AT THE 



UNIVERSITY OF 
TORONTO PRESS 



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LATEINISCH-ROMANISCHES 



WÖRTERBUCH 



VON 



GUSTAV KOKTING. 



Ut silvae foliis pronos mutantur in annos, 
prima cadunt; ita verborum vetus interit aetas, 
et iuvenum ritu florent modo nata virentque. 
Horat. de arte poet. v. 60 ff. 



ZWEITE, VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUSGABE. 



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PADERBORN. 

DRUCK UND VERLAG VON FERDINAND SCHÖNINGH. 

1901. 



PC 



<^ 



Dem Andenken 



meines lieben Bruders 



Heinrich. Körting 



(geb. 15. März 1859, gest. 19. Juli 1890). 



-HK-- 



^^ 



Vorwort. 



L/ie zweite Ausgabe des vorliegenden Wörterbuches ist eine dem Umfange 
nach wesentlich vermehrte, denn sie umfafst 10469 Artikel, während die erste 
deren nur 8954 zählte i. Vollständigkeit freilich ist selbstverständlich auch jetzt 
weder erreicht noch beabsichtigt worden: weifs doch ein jeder Sachverständige, 
dafs überhaupt ein Wörterbuch n i e vollständig sein kann. Ausdrücklich aber 
hebe ich dabei noch hervor , dafs ich im wesentlichen nur die romanischen 
Schriftsprachen habe behandeln wollen, die Mundarten also nur mehr gelegentlich 
berücksichtigt habe, nämlich meist nur dann, wenn mir zuverlässige Samm- 
lungen, wie z. B. Salvionis treffliche »Postille«, zur Verfügung standen. Die 
Gründe meines Verfahrens sind so naheliegend, dafs sie einer ausführlichen 
Darlegung überhaupt nicht bedürfen. Es genüge zu bemerken, dafs gegen- 
wärtig, wo sicheres lexikalisches Material für die so zahlreichen Mundarten 
des Romanischen nur erst verhältnismäfsig wenig gesammelt und gesichtet ist, 
die Zeit für die systematische Einbeziehung der Mundarten in das romanische 
Gesamtwörterbuch noch nicht gekommen ist. Sollte diese Zeit jemals kommen, 
so wird dann sicherlich der gewaltige Stoff eine Mehrzahl von Arbeitern zu 
seiner Bewältigung erfordern. 

Was die lateinischen Kopfworte der einzelnen Artikel anbelangt, so wolle 
man sehr beachten, dafs folgende Unterschiede gemacht werden: Worte ohne 
vorgesetztes Sternchen sind im lateinischen Schrifttum belegte Worte, Worte 
mit vorgesetztem Sternchen dagegen sind unbelegte, also konstruierte Worte. 
Zur Ansetzung derartiger Worte — mitunter auch solcher, welche ganz gewifs 
nie existiert haben und nie existiert haben können (sie sind meistens durch 
Setzung in Klammern kenntlich gemacht) — wurde ich durch den praktischen 
Grund gezwungen, für die betreffenden romanischen Wortsippen einen äufser- 
lichen, dem Alphabete sich anpassenden Stützpunkt zu finden. Den Vorwurf, 
»Rekonstruktionslatein« getrieben zu haben, mufs ich also von vornherein zurück- 
weisen, denn meine Konstruktionsworte erheben nicht im mindesten Anspruch 
auf die Ehre eines Platzes im Thesaurus der lateinischen Sprache. 



» Weggelassen ist dagegen der deutsch -romanische Index, welcher der ersten 
Ausgabe beigegeben war. Veranlassung zu seiner Streichung gab mir die Beobachtung, 
dafs er nur wenig benutzt wurde. Es konnte demnach der durch seinen Wegfall frei- 
gewordene Raum für die notwendige Vermehrung des romanischen Index verwertet 
werden. 



VI Vorwort. 

Zu danken habe ich zunächst allen denjenigen Fachgenossen, durch 
deren freundliche Unterstützung mir die Erweiterung und Verbesserung meines 
Werkes zu einem guten Teile ermöglicht worden ist. Insbesondere gilt dieser 
mein Dank den Herren Kollegen Meyer-Lübke in Wien und Salvioni in 
Mailand. Zu danken habe ich ferner Herrn Dr. phil. Heinrich Berger in 
Kiel für die aufopfernde und sachkundige Beihilfe, welche er mir bei der Druck- 
korrektur des Textes und namentlich des so umfangreichen Wortindex geleistet 
hat. Endlich habe ich aufrichtigst zu danken den Herren Mitgliedern des 
Romanisch-Englischen Seminars der hiesigen Universität, welche mir in liebens- 
würdigster Weise die Zusammenstellung des Wortindex abgenommen haben. 
Wer die Mühseligkeit solcher Arbeiten kennt, wird die volle Bedeutung dieser 
Unterstützung zu ermessen wissen. 

Ich schliefse mit der chronologischen Bemerkung, dafs die Ausarbeitung 
der zweiten Ausgabe zu Anfang des Jahres 1899 abgeschlossen', die bis zum 
April 1900 erschienene etymologische Litteratur aber für den Nachtrag noch 
berücksichtigt worden ist. Über diesen Zeitpunkt hinaus konnte, da der Druck 
des Textes beendet war, eine solche Berücksichtigung nicht mehr stattfinden. 
Immerhin enthält der Nachtrag ein verhältnismäfsig beträchtliches Material, 
weshalb die Benutzer meines Werkes gut thun werden, ihn im gegebenen 
Falle zu Rate zu ziehen. 

Kiel, den 8. November 1900. 

G. Körting. 






Erklärung der wichtigsten Abkürzungen. 

R — = Romania, p. p. P. Meyer und G. Paris (Paris, seit 1872). > 

Z = Zeitschrift für roman. Philologie, herausg. von G. Gröber (Halle, seit 1876).- 

Jahrb. == Jahrbuch f. roman. u. englische (Sprache u.) Litteratur, herausg. von A. Ebert, später von 
L. I.iemcke (Leipzig 1859 bis 76). 

RSt = Romanische Studien, herausg. von E. Böhmer (Halle, Strafsburg, Bonn, seit 1871). 

RP = Romanische Forschungen, herausg. von K. Vollmöller (Erlangen, seit 1882). 

Rdlr. oder Rev. des lang. rom. = Revue des langues romanes, p. p. la Societe pour l'etude des 
langues romanes (Montpellier u. Paris, seit 1870). 

Riv. di fil. rom. = Rivista di fllologia romanza, diretta da L. Manzoni, E. Monaci e E. Stengel 
(Roma 1872 bis 1876). 

Giorn. di fil. Rom. = Giornale di fllologia romanza, diretto da E. Monaci (Roma 1878 bis 1880). 

Studj di fil. Rom. = Studj di filologia romanza, pubblicati da E. Monaci (Roma, seit 1884). 

AG = Arohivio glottologico, diretto da G. J. Ascoli (Roma, Torino, Firenze, seit 1873). 

ALL = Archiv f. lat. Lexikographie, herausg. von E. Wölfflin (Leipzig, seit 1883). 

Dz = Diez, Etymologisches Wörterbuch der roman. Sprachen. 5. Ausg. Mit einem Anhange von 
A. Soheler (Bonn 1887). 

Scheler Dict. = Scheler, Dietionnaire d'etymologie fran9aise. 3ieme ed. (Brnxelles 1888). 

Mise. = Miscellanea di fllologia e linguistica in memoria di Nap. Caix e Ugo Ä. Canello (Firenze 1886). 

C. Michaelis, St. = Caroline Michaelis, Studien zur romanischen Wortschöpfung (Leipzig 1876). 

Caix, St. = Caix, Studj di etimologia italiana e romanza (Firenze 1878). 

Th = Thurneyson, Keltoromanisches. Berlin 1884. 

Mackel = Mackel, Die german. Elemente in der französ. u. provenzal. Sprache (Heilbronn 1887). 

Z. f. ö. G. = Zeitschrift für österreichische Gymnasien 1891. 

Salvioni, Post. = Postille italiane al vocabolario latino-romanzo (Sonderabdruck aus den Denk- 
schriften des Istituto storico lombardo, Milano 1897). 

Laromena = Lammens, Remarques sur les mots francjais derives de l'arabe (Beyrouth 1890). 

Eg. y Yang. = Eguilaz y Yanguas, Glosario etimolögico de las palabras espaüolas de origen oriental 
(Granada 1886). 

Berger = Berger, Die Lehnwörter in der französischen Sprache ältester Zeit (Leipzig 1899). 



Sonstige etymologische Werke (wie z. B. Zambaldi , Vocabolario etimolögico italiano , Turin 
1889, und: Coelho, üiccionario raanual etymologico da lingua portugueza, Leipzig 1890) sind mit 
ausreichend deutlicher Bezeichnung gelegentlich angeführt. 



^ Konnte bis Schlafs des Jahrganges 1899 benutzt werden. 
' Konnte bis Schlufs des Bandes XXIII benutzt worden. 



1) a, der erste Buchstabe des lateinischen Alpha- 
betes, hat diese Stellung in allen romanischen 
Alphabeten behauptet. 

2) ä, ah, Interj., ist in allen roman. Sprachen 
üblich. 

3) ä, ab (vgl, gr. änö aus ap-a), abs (vgl. gr. äxp 
aus ap-as) [„voraugust. meist ah, a selten im Ver- 
gleich zu ah u. nur vor Kons., aber auch hier 
seltener als ab; erst in der august. Zeit ab vor 
Vokalen, a vor Konsonanten ; abs schon bei Plautus, 
später nur abs te neben a te." Vanicek, Wtb. I 36. 
Im Volkslat. wurde vor Konsonanten ausschliefslich 
a gebraucht, vgl. Haufsleiter, ALL III 148]. IMe 
Präp. ((, ab, abs ist im Romanischen fast nur in 
Zusammensetzungen erhalten, ihre präpositionalen 
Funktionen sind meist von de übernommen worden. 
Im Altfrz. u. Altprov. ist ah als Präpos. zur An- 
gabe des Mittels, des Werkzeugs und der Begleitung 
erhalten. In solcher Funktion findet es sich bereits 
im Spätlatein gebraucht, vgl. Bonnet, Le Latin de 
Gregoire de Tours p. 600. Beispiele für das Prov. 
bei Appel 4, 166 u. 21, 10; im Altfrz. vgl. ab Lud- 
her (Eide). Wegen der Bedeutungsentwicklung vgl. 
lat. Sätze, wie z. B. Cicero ah Octaviano occisus 
est u. Cicero qladio occisus est (für gladio trat ein 
ah gladio nach Analogie des ab bei Angabe der 
handelnden Person). Erhalten hat sich ah in dieser 
Funktion in frz. avuec, avec = aft + hoc (nicht 
= ajrud -\- hoc, woraus *otuec hätte entstehen 
müssen, denn apud = ot), vgl. auch unten apud 
-\- hoc. Eine „Storia della preposizione a e de'suoi 
composti nella lingua italiana" hat B. Bianchi er- 
scheinen lassen (Florenz 1877), vgl. über das Buch 
Flechia, AG IV 368. 

4) [*abäco, -äre, mutmafsliches Ursprungswort 
zu ital. abhacare, Unsinn reden. Ob *afcacare von 
dbacus abgeleitet ist, raufs wegen des dann anzu- 
nehmenden Bedeutungsüberganges als zweifelhaft, 
wenn auch nicht gerade als undenkbar erscheinen ; 
vielleicht sind in a-ha-ca die Namen der drei ersten 
Buchstaben des Alphabetes enthalten, so dafs die 
ursprungliche Bedeutung des Verbums sein würde 
„das ABc; hersagen, ganz elementare und triviale 
Sachen schwatzen." Dz 662 rahächer läfst die 
Ursprungsfrage offen, ebenso läfst er es dahingestellt, 
ob in frz. rahächer ein Kompos. von *abacare zu 
erblicken sei. Scheler im Dict.'' s. v. spricht sich, 
nachdem er andere in Vorschlag gebrachte Ursprungs- 
worte (1. rahasser = rabaisser, 2. rabattre, angebl. 
v. gr. (jaßÜTTitv, 3. bäche, 4. revasser) mit Recht 
als unzulässig bezeichnet hat, dahin aus, dafs ra- 
hächer von rebec, rabac (= arab. rabäd) „Geige" 
abgeleitet werden müsse u. also eigentlich so viel 
wie „ableiern, immer dasselbe sagen" bedeute. Bei , 

Körting, lat.-roin. Wörterlmcli. 



der letzteren Annahme dürfte man sich vorläufig 
beruhigen können.] 

5) [*äbäetio, -äre nach Dz 353 Stammwort zu 
ital. avacciare , vgl. jedoch Caix,'St. 3, u. unten 

TlTäClÜS.] 

6) (abfieus, -um, i, m., Rechenbrett, Spiel-, Schenk- 
tisch n. dgl. (vgl. ALL 1 430); ital. äbhaco, Rechen- 
kunst; prov. abac-s, geL W., als solches auch in 
den übrigen roman. Spr. Vgl. Dz 351.) 

7) (ab ännö (siehe annus), davon nach Dz 353 
s. V. avannotto (ital.). nicht über ein Jahr altes 
Fischchen; s. dagegen Caix, St. 4, u. Bugge, R IV 
366. Vgl. unten hie haec hoc.) 

I äbäntätieum s. abante.] 

8) äb-änte, als Präp. mit Ace. od. Abi., vor etwas 
weg, ah. cum Itala in Naum I 6, ed. Mai, ah. oculis, 
Gruter inscr. 717, 11; od. als Adv. „vorweg", Orelli 
inscr. 4396. Vgl. Wölfflin, ALL I 437; Hamp, ib. 
V 335); it. avanti; rtr. avant ; prov. ahans; 
frz. avant. Von ahantc wird wieder abgeleitet das 
Subst. *<ibantaiicum , Vorteil, = ital. vantaggio; 
prov. avantatge-s: frz. avantage; span. ventaja, 
ptg. ventajein; vgl. Dz 31 ((nzi. — Nach C. Mi- 
chaelis, Revista lusitana 1, ist von ah-ante abge- 
leitet aucli ptg. avental Schürze, vgl. Mever-L., 
Z XV 269. 

9) [*abfiliteo, -are (v. ö6-ante), vorrücken ; ital. 
avamare; rtr. canzar (vgl. Horning p. 58, 61, 63); 
frz. avancer. Vgl. Grober, ALL I 240 unten.] 

10) bask. abarquia (v. aharra, zartos Holz od. 
Zweige u. quia Sache), davon nach Dz 413 span. 
ptg. aharca, grober Schuh. Schuchardt, Z XV 116, 
verwirft mit Recht die Diezsche Ableitung von 
aharca, ebenso die sonst gegebenen Erklärungen, 
und fragt: „Haben etwa die Araber harca , Barke' 
(südfrz. barco bedeutet nach Mistral auch ,einen 
zu grofsen Schuh', harqueto d'esclop ,den Absatz 
eines Holzschuhes') von den Spaniern entlehnt (vgl. 
moza.Ta.h. labarea , Barke', Siraonet, Gloss.), auf eine 
Art Fufsbekleidung angewandt und dann den Spa- 
niern zurückgegeben? Aharca findet sich schon zu 
Anfang des 10. Jahrhunderts als Beiname des 
Königs Sancho I. von Navarra (Simonet S. 424)." 

11) äbbäs, -ätem, m. (chald. äbä; vgl. ALL II 
292), Abt.; ital. abdte, abhdte; prov. abas; frz. 
altfrz. abhes, c. o. abbe, nfrz. abbe; span. ahad; 
ptg. ahbade. Vgl. Berger s. v. 

12) abbätia, -am, f. (v. abhas ; vgl. ALL II 444), 
Abtei; ital. ahhad'f-i. bad'ia, aßjbazla ; prov. abn- 
dia; frz. abhaye; span. ahadia; ptg. abhadia. 

13) äbbätissa, -am, /'. (Fem. z. abhas; vgl. ALL 
U 445), Äbtissin, ist in entspr. Form in alle rom. 
Spr. übergegangen. 

14) [*ab-battttIo, -äre, nachW. Meyer, Z. X 171, 
Grundwort zu ital. (pistoj.) ahhiaccare, der Be- 
deutung nach = soppesiare, infrangerc. Caix, 
St. 128, führte das Wort auf *flaecare zurück, 



15) äli-battüo 



37) äblatüm 



wogegen Meyer mit Recht einwendet, dafs der Über- 
gang von f : h unmöglich sei.] 

15) *8b-bättfio, äb-batto, -erS (s. battuo, batto), 
niederwerfen. (Über die Verbali-omposita mit ab 
vgl. Dz., Gr. II 420 u. Wtb. 393 ribaltare): ital. 
abhalf ere; rum. abat, ui, ut, e, vgl. Ch. bat; rtr. 
abatter, s. Ulrich, Chrest. II 216; prov. abatre; 
frz. abattre (dav. u. a. die Subst. altfrz. abateis, 
gleichsam *ab-batt-aticiiim : neufrz. abat, welch 
letzteres in der Bedeutung „Platzregen" volksoty- 
mologisch auch abas, gleichsam ä bas, geschrieben 
wird,' vgl. Pafs in EP III 494 Z. 9 v. c; abattoir 
Schlachthaus); span. abatir; ptg. abater. 

16) äb-brevio, -äre (nur spätl. , vgl. ALL II 
450), abkürzen; prov. abreujar ; altfrz. abregier; 
nfrz. abreger. In den übrigen rem. Spr. nur gel. W. 
Vgl. Gröber, ALL I 233 s. v. 

17) [*äb-brevo, -äre (v. brevis = prov. breu, frz. 
brief), abkürzen; prov. abrevar; frz. altfrz. ab- 
riever, abriver (?). Vgl. Gröber, ALL I 233 s. c. 
Das Part, abrive setzt Förster, Gl. z. A. et M., = 
*ad-brigatum an.] 

18) [*äb-baro, -ere (f. amburere), brennen (vgl. 
bustum); rum. afti/nVe (wozu das Postverbale «&»»•, 
Dampf, das nicht mit vapor zusammengebracht 
werden darf); prov. oferd; ital. span. a6(6)ui-a»-(c). 
Vgl. Densusianu, K XXV 130, vgl. Meyer-L., Rom. 
Gr. II 141. S. unten aburo.] 

19) [*äb-eido, -cidi, -cisum, -ere (v. caedu), 
töten, nach Gröber ALL I 233 s. v. u. VI 377 Grund- 
wort z. altital. {aucidere, aleidere), ancidere; 
sard. b-occhire (altsard. auch ochidere); prov. 
andre, altfrz. ocirei'i). Vgl. dagegen Caix, St.,1, 
u. Fumi, Mise. 95, wo ancidere u. aucire auf occi- 
dere zurückgeführt werden. S. unten Tncldere u. 
öccidere.] 

20) [*äb-düro, -äre (/'. ob-duro), härten; prov. 
abdurar. Vgl. (iröber, ALL I 233 s. v.; altfrz. 
adurer ist = *ad-durare anzusetzen, vgl. Förster, 
Gl. z. _A. et M. adure. S. unten obdürö.) 

21) Äbelläuä (nux), -am f., Haselnufs. Haselnuls- 
staude (nach der Stadt Abella in Campanien be- 
nannt); ital. avellana; rum. alunä, vgl. Ch. ahm; 
prov. aiilona; altfrz. aveiaine, nfrz. aveline; 
cat. span. avellana; ptg. avelläa, -ä. 

22) ^Sbellänäris u. *abellänärius, -niu m. (von 
Ahellana), Haselnufs, Haselnufsstrauch; rum. 
alnnar; prov. avelanier-s; frz. avelinier; cat. 
avellaner; span. aveUanar ; (ptg. avellaneira, 
avelleira). 

23) *äbelläiiella, -am /. (v. Äbellana), Nufs; 
rum. ahme, PI. alunele, auch in übertragener Be- 
deutung ,lentilles, taches de rousseur", vgl. Ch. ahm. 

24| *äbell&iiicä, -am /. (v. äbellana), kleine Nufs; 
rum. ahinicä: span. avellanica. 

25) *äbellfiiiiciä, -am, /'. (v. äbellana); rum. 
aluni^ä, kleine Nufs. 

26) *SbeIläliicinm, n. (v. äbellana); rum. aluni^ 
n>., PI. aluni^url f., Haselgebüsch. 

27) ■'äbellänmus, a, um (v. äbellana); rum. 
aluniü, nufstarbig. 

28) *äb-emo, -ere, wegnehmen (Paul, ex Fest. 
4, 18. Gloss. ed. Götz II p. 3, 29); frz. aveindre (im 
Dial. der Champagne avainder), hervor-, wegholen. 
Vgl. Dz 513 s. V.; Littre leitete das Verb von ad- 
venire ab, ebenso Marchot, Z XVI 380. 

29) dtsch. aber; rtr. über etc., vgl. Gärtner 
§ 17, St. 19. 

30) ab -f- hoe = frz. aviiec, aeec, vgl. oben a, 
ab u. unten apnd -|- lioc. 



81) ib-hörreo,-iU, -ere, vor etwas zurückschau- 
dern (vgl. über das Wort Ploen, ALL IV 277); 
ital. abborrire; (rum. nur das Simplex ure.sc, ü, 
it, i, vgL Ch. 8. v.); prov. aborrir, aorrir; frz. 
abhorrir u. abhorrer (gel.W.); cat. aborrir; span. 
aburrir, ärgern, Verdrufs machen; ptg. aborrir, 
langweilen, belästigen. 

32) äb-horresco, -ere, einen Abscheu bekommen. 
(Eccl. u. Gloss.); span. u. ptg. aborrecer. 

33) äbies, -etem /'. (vgl. über das Wort Wölff- 
lin, ALL IV 290), Tanne; (schriftitaL abete); 
calabr. apul. ajOit«, (venez. päd. nZ/;eo), venez. 
avedin, valses. avei, vgl. AG IX 253, Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 765, Salvioni, Post. 3; frz. abet 
(u. abies) ; span. abeto; ptg. abete u. abeto. 

[Ableitungen von abies sind vielleicht (vgl. 
jedoch Parodi, R XXVII 216) ital. bietta, Holz- 
pflock, Keil, dav. biettoUna, im-biettare u. a-biettare. 
Nach Dz 357 ist bietta dunklen Ursprungs; Caix, 
St. 200, bringt das Wort in Zusammenhang mit got. 
plats, ahd. pletz, blez. Nigra, AG XV 99, mit ahd. 
*bickil. Storm, AG IV 388, setzt e8 = altn. blegdi 
(schw. dialect. bligd), ahd. *bliht (bliht : bietta = 
sliht : Kcliiett-o) an , vgl. Scheler im Anhang z. Dz 
754 bietta. Ulrich, Z XI 557, leitet bietta aus 
*vectula ab, was ganz unstatthaft. — Vielleicht ist 
bietta = *ablecta (seil, ligna) v. *ab-legere, auf 
welches Verb auch das Subst. ablegmina, ausge- 
wählte Stücke des Opfertieres (vgl. Paul, ex Fest, 
p. 21, 7) hinzudeuten scheint; *ablecta würde etwa 
bedeutet haben „(für einen bestimmten Zweck) aus- 
gewählte Holzstucke".] 

34) *äb[i]eteus, a, um (v. abiea) ; dav. in subst. 
Bedeutung ital. abezzn abezza, Tanne. Dz 351 s.v. 

35) ab + inde -|- ad = ptg. ainda, noch (da- 
neben inde ad = inda). Vgl. Dz 461 inda. 

36) *äbismu8, -um, m. (Superlativbildung zu 
abyssus == gr. äßvaaog), Abgrund, Hölle; (ital.) 
sard. abismu (gemeinital. abisso, dazu dasVb. na- 
bissare (= in-obiss-are) , in den Abgrund verwün- 
schen); prov. abisme-s , daneben auch abia; frz. 
abisme, ahinte: span. ptg. abisnio. Vgl. Gröber, 
ALL I 233 .v. V.; Dz 3 abisso, Berger 287, vgl. 
auch unten abyssus. Von abismua sind abgeleitet 
die Verba frz. abimer. span. ptg. abismar. 

37) [*äblätiim, PI. äblätä n. (Pt. P. P. v. aiifero), 
(las (vom Felde) Weggetragene, das Getreide (vgl. 
Lehmann, Bedeutungswandel p. 25); hiervon wurde 
früher abgeleitet: ital. biado u. biada (mail., ven., 
piem. biava), dav. das Verbum im-biadare mit Ge- 
treide besäen; rtr. *blava (vgl. Gärtner § 3 a); 
prov. blat-z : frz. (ahlatum =) altfrz. bled, blef 
(über das ausl. /, scheinbar an Stolle von *, vgl. 
unten die Bemerkung bei sitls = soif u. Gröber in 
Z II 459), bleif, blce; nfrz. ble; hierher gehört auch 
altfrz. Ich ablais (vgl. Körting in seiner Ausg. der 
altfrz. Remedia amoris p. XXTII). Zu altfrz. blef 
die Verba altfrz. emblaver, de-blaver, nfrz. de- 
blayer, r-em-blayer (dav. Vbsbst. reinblai), rem- 
blaver. 

J. Grimm, Gesch. d. dtsch. Spr. p. 49 der 3'«", 
p. 69 der Iten Ausg., leitete ble von kelt. blawd 
ab, auch Thurneysen p. 49 meint, dal's mcymr. 
blawt, jetzt blaiod, corn. blot, später bles, bret. bleut, 
bleud, biet lautlich vollkommen genügen, da alle 
diese Worte auf einen Stamm blät- (entstanden aus 
mW/ö, Part.Pass. zu cymr. malti, ir. melim „mahlen") 
zurückgehen. Indessen dürfe, namentlich in Hin- 
sicht auf ablais, die Ableitung aus dem Lat. vor- 
zuziehen .sein. — Förster, Z III 260 Anni. 1, setzt 



5 



38) äb-bcülo 



54) äb-sölvo 



ein Etymon *blavum an [blavuiii : biado = clavuvi: 
chiodo) , u. wenigstens in Bezug auf hiava ist dies 
ganz berechtigt. — Völlig unannehmbar ist Böh- 
mer's (RSt 1234 ausgesprochene) Vermutung, wonach 
*bladum aus flac[ct]dum entstanden sein soll. — 
Richtiger sind vielleicht als Grundworte anzusetzen 
*blatum (*bludum, bezw. *blada), *blavum vom 
Verbalstamme bl-ii, Nebenform von fl-ä (wov. fläre) 
von der idg. Wurzel W/j(vgl. Brugmann, vgl. Gramm, 
d. idg. Spr. II 956); wegen bla = lat. b (statt /) 
vgl. z. B. barba. Jedenfalls darf frz. blef, biet, bU 
nicht getrennt werden von den Verben evi-, rem-, 
deblaver. em-, rem-, deblayer (bezw. aucli *ablaijer, 
wov. ablais). Ausführlichere Begründung dieser 
Hypothese bei Körting, Formenbau des frz. Nomens 
p. 317] Vgl. Gröber, ALL I 251 blatimi. 
Sblätärellus s. unten blätärellns. 

38) I *äb-ocülo, -are (s. nftocu^Hs); it. avocolare; 
prov. avogolar; frz. aveugler, blenilen , averigler, 
-ir blenden, vgl. Berger 292] 

39) [*äb-5c01us \a, um], ohne Augen, blind (die 
Bildung des Wortes ist höchst auffällig; Dz 32 
führt als Analoga dafür a-mens u. ab-iwrmis an, 
aber nur das erstere läfst sich vergleichen, wobei je- 
doch zu beachten ist, dafs ein amens, weil mit seinem 
Ausgange -ens an die Participieu sich anschliefsend, 
eine weit möglichere Bildung war, als aboculus; 
*antoculus = span. ptg. antojo läfst sieh, weil 
Sbst., nicht vergleichen); it. avocolo; vocolo (ver- 
altet!; prov. arvcle, aviigle; frz. aveugle. Die 
lautliche Entwickelung desWortes ist sowohl im Ital. 
wie im Prov. u Frz. eine abnorme (vgl. oechio, olh-s, 
ml). Vgl. Dz 32 avocolo; Canello, AG III 355 
(erklärt die abnorme Jjautontwickelung des Wortes 
daraus, dafs es ursprünglich eine strafrechtliche 
Neubildung gewesen sei , bezw. auf einer solchen, 
nämlich dem Verbum nboculare, beruhe); Gröber, 
ALL I 238 s. V. u. Berger 275. Vgl. auch unten 
caecns.] 

40) *ab-öininätns, a, am (Pt. P. P. v. abomino, 
welches Verb im Rom. nur als gel. W. vorhanden 
ist; im älteren Frz. volksetymologische, an hämo 
sich anlehnende Schreibung abhominer, vgl. Fafs, 
RF III 511), nach Dz 502 Grundwort z. altfrz 
abome, abosnie. — „Im Pariser Glossar 7692 wird. 
abominari durch cscommovoir (ergreifen, erregen) 
übersetzt, s. Tobler, Jahrb. XU 205." Scjieler im 
Anhang z. Dz 780. — Nach Cohn, Z XIX 57, ge- 
hört abosmer, ahosmir (worin das s nur graphisch!), 
nfrz. (mundartlich) bomir u. dgl. zu dem Subst. 
bäume, Niederung, Senkung, Höhle, bäume aber soll 
^ *bassima v. bassus nach Analogie yonpessimus u. 
dgl. gebildet sein: wegen der Lautentwickelung *ad- 
bassiiiiare > abo{s)mer vgl. phcmtasma > fantöme, 
die ursprüngl. Bedtg. von abosmer wäre „versenken, 
verbergen" gewesen. Neben abosmer war auch 
embosmer vorhanden. — Parodi, R XXVII 231, er- 
klärt abosmer aus Mischung von *ftom«-e {=vomere) 
mit dbominare (das letztere ist aber ausreichend). 
— Vgl. noch Berger 43. 

41) [afrikanisch aboogrerdaii, Silberreiher; daraus 
vielleicht durch volksetymologische Neugestaltung 
frz. breuf-garde, garde-bceuf, Name einer Art des 
Silberreihers. Vgl. Fafs, RF III 488.] 

42) aborto, -äre, eine Fehlgeburt thun, mifs- 
glücken; ital. (sillan.) avortar (sard. avorlire), vgl. 
AG XIII 338; frz. avorter. Vgl. Salvioni, Post, 
p. 3. 

43) [*8bortfinea, -am, f. (y.abortus), Fehlge- 
bärerin nach C. Michaelis, Frg. Et. p. 4, Grundwort 



' zu ptg. artuna, ortuiia, Schaf, das eine Fehlgeburt 
getnan hat.] 

44) [•Sb-rädico, -Bre (v. radic-s), von der Wurzel 
losreifsen, nach Gröber, ALL I 233 s. v. (vgl. jedoch 
III 34), u. nach Neumann, Z XIV 566, Grundwort 

] zu prov. arraigar, frz. arracher. Da für ab- im 
Prov. u. Frz. eine andere lautliche Behandlung zu 
erwarten wäre (vgl. aucire, ocire nach Gröber a. 

I a. 0. = ab-cidere), so dürfte nicht ab-, sondern 
ad-radicare, an derWurzel reifsen , also losreifsen, 

; das richtige Grundwort sein. Meyer-L., Rom. Gr. 
II p. 618, erklärt arracher aus esrachier ..durch As- 
similation des e an das folgende a". (Schwan)-Beh- 
rens, Altfrz. Gr. § 12, 3a, setzt volkslat. nrradicare 
neben exradicare an. 

45) *äb-ri|)o, -äre (v. n'pa), vom Ufer wegfahren; 
ital abbrivare, dav. das Vbsbst. abbrivo; (prov. 
abrivar in rasche Bewegung setzen, s. brigü). Mit 
brio, brioso etc. (vom kelt. Stamm *brigä [s. u. s. ü.]) 
hat abbrivare nichts zu thun. Vgl. Dz 68 brio. 

46) abrötönnm, n. (gr. aß()6tovov\ vgl. ALL 
V 260), Stabwurz, Artemisia abrotonum L.; ital. 
abrotano; tose, abruotano, verones. ambrögano; 
frz. vrone (vroncelle), vrogne, daneben das halbgeL 
W. aurone f., Eberraute; im Wallon. durch Volks- 
etymologie z. ivrogne geworden, vgl. Fafs, RF III 
492 unt. Vgl. Dz. 512; Salvioni p. 3. 

47) *ab-runco, -äre [f. erunco), ausjäten; rum. 
arunc, ai, at, a, werfen, stofsen, vgl. Ch. s. v. 

48) äbs-condo (Georges teilt ab-scondo ab), -eondi 
u. (selten) -condidi, -eönditam oder (sjiäter) -eon- 
snin, -ere, verbergen; ital. ascondere u. (i)n-as- 
condere, dazu das Subst. nascondiglio, Versteck, 
vgl. AG XIII 411; rum. ascund,- nsei, ris. nde, vgl. 
Ch. s. V.; (prov. escondre : cat. escondir ; span. 
ptg. esconder). 

49) *äb-8eco, -secüi, -seetum, -äre, abschneiden, 
nach Förster, Z. V 98, Grundwort zu prov. (dial.) 
auscar; cat. oscar, Vbsbst. osca; altfrz. oscher, 
ocher, einschneiden, brechen, Vbsbst. osche, oche. 
Kerb, Einschnitt (nfrz. hocher, Vbsbst. hoche). — 

j Andere Vermutungen über den Ursprung von hocher 

hat Scheler im Dict. s. v. aufgestellt, darunter ist 

noch die verbal tnismäfsig ansprechendste hocher = 

occare eggen. Keltischen Ursprung des Wortes 

'< (bret. aska einschneiden , cymr. asgen Verletzung) 

I stellt Thurneyson , p. 108 , mit gutem Grunde in 

■Abrede. — Vgl; Dz 650 osche, dazu Scheler im 

Anhang 801 u. 807. 

50) absens, absentem (Part. Praes. v. abesse), 
j abwesend; span. ausente, dazu dasVb. ausentarsi 
! sich entfernen. 

I 51) äbsentia, -am, /., Abwesenheit, span. au- 
' sencia. In volkstümlicher Gestaltung und in prä- 
! positionaler Verwendung (als Ersatz für lt. sine) 

scheint dies Sbst. im ital. senza u. im rtr. saintsa 
(vgl. Gärtner § 81) erhalten zu sein. 

i 52) äbslnthinm, -ii, n. (gr. d<plv&iov), Wermut, 
Artemisia absinthium L ; sard. sewjM, span. axenjo, 
vgl. Dz 428 s. V. (In den übrigen rom. Spr. ist 
abs. nur als gel. oder halbgel. W. vorhanden (ital. 
assenzio, vgl. d'Ovidio, Grundrifs d. rom. Phil. I 
506 Anm. 3; Salvioni p. 3; frz. absinthe; ptg. 

! absintho). 

53) absig, absida f. (dxpig, -iSa), Rundteil der 

; Kirche, Chor; ptg. {ausia), „nome archaico da 

I capella-mor". C. Michaelis, Frg. Et. p. 50 ; sonst 
ist obsis nur als gel. W. vorhanden (ital. ab- 

j side etc.). 

t 54) Sb-sölro, -solvi, -solütum, -ere, loslösen; 



65) äbsqug 



82) ä[c]-carrtco. -are 



ital. veraltet asciogliere, üblicher assolvere, solvei 
u. (lichterisch assolsi, assoluto u. assolto (Blanc 442 ! 
u. 457) befreien, asciolvere frühstücken , d. h. das ! 
Fasten lösen, vgl. ]at. solverejejunia, engl, hreakfast. ! 
Vgl. Dz 353 asciolvere, Canello im AG III 353 i 
s. V.; rtr. Pt. asolt (Gredcn u. Gormons, s. Gart- j 
ner § 148); prov. absol, absöls, solt-z |u. sout-z,] 
cibsolvre; frz. altfrz. asi-ol {absol) u. assoil. Vf.assols 
II. assous, Pt. assols, assotis, assnus, assos u. (ge- 
lehrt) assolu {absolii), Inf. assoldre [absoldre], 
assoudre (s. Burguy II 204); nfrz. (tbsoits, nbsolus, 
absous, absoute u. als gel. W. absolu, nbsoudre; 
spun. absueJvo, absolvi, ahsuelto, absolver; ptg. 
ahsolvo, absolvi, absolvido, absolto n. absoluto, 
absolver. 

55) äbsque, Präp. m. Abi. u. Adv., fern von;; 
ital. (lombard.) asca. der Bedeutung nach = lat. 
jiraeter, vgl. Dz 353 s. v. 

56) *Sbs-tento, -äre (f. absHncre), sich enthalten, 
Hunger leiden, nach Dz 403 Grundwort z. ital. 
stentare, Mühe, Beschwerde haben, dav. Vbsbst. 
stoito. rtr. ilenta. Caii, St. 60, erblickt in sten- 
tare das durch intensives s („s intensive") ver- 
stärkte tentare, also wohl *ex-tentare. 

57) abstiiientia, -am, f., Enthaltsamkeit; ital. 
a(b)stinenza, lebt auch in den übrigen Spr. als gel.W. ; 
altfrz. astenance, atenance. Waffenstillstand zwi- 
schen Edelleuten in Privatfehden (noch bei Sachs ' 
verzeichnet). 

58) abstlneo, -tinni, -tentum, -tinere, sich ent- ! 
halten; nur als gel. W. vorhanden (ital. astinersi, 
frz. s'nbstenir, vgl. Berger s. v.). 

59) äbs-träetus, a, um (Pt. P. P. v. abstrahire), 
abgezogen, nach Dz 404 Grundwort z. ital, stratto, i 
falls dies nicht lieber = distractiis anzusetzen sei. 

60) [äb-sürdns, a, um (wegen der Quantität des ] 
u s. Marx s. v.; nach Vanicek 1220 ist abs. abzu- 
leiten V. v' svar tönen und hat also mit sürdiis aus 
\/ svar, schmutzig, dunkel sein, nichts zu thun), 
mifstönend. ungereimt, albern, nach Baiat, Z. VII 
125, Grundwort zu sp'an. zurdo. link, links; Dz 
500 leitete zurdo von surdus ab, u. wohl dadurch 
liefs C. Michaelis, St. p. 233, sich bewegen, zurdo u. ! 
sordo als Scheideformen anzusetzen.! 

61) äbulter, -erum, m. (f. adulter), Ehebrecher; 
nach G. Paris. R X 61 u. XXIII 527, Grundwort zu 
altfrz. mmiitre. 

62) abfinde, reichlich: levent. u. valtell. 
aüiida, pi-utida etc., vgl. AG I 265 u. VII 591 n., 
Salv., Post. 3. 

63) äb-undo, -äre, überfliefsen; sard. aundar, l 
allagare; (frz. abonder) prov. aondar, im Über- 
flufs vorhanden sein, fördern, helfen, frommen, 
Vbsbst. aon-z. Vgl. Dz 508. Salv., Post. 3 u. Ber- 
ger 44. 

64) [*ab-üro, -ere (f. com-burere) , nach Caix, j 
St. 132, Grundwort z. ital. abburare (neap. abbor- \ 
rare), „lavorar naseosto del ftioco, abbronzare'' ; 
Span, abwar.] 

65) äbüsio, -önem, f. (v. abuti), Mifsbraiich, 
Verhöhnung; ptg. abusäo u. aiiz/fJo, Wahngebildc. 
Schreckgestalt, vgl. C. Michaelis, Frg. Et. p. 3. — 
Cornu (ptg. Gr. § 95' in Gröber's Grundrifs) u. a. 
setzten alnijdo = visiönem (vijäo) an. 

66) [*äb-ri80, -äre (v. usus) ist der lat. Typus 
f. roraan. abusare, abusar, abuser, es sind jedoch 
diese Verba jedenfalls rom. Ableitungen aus dem 
Subst. ab-ii.'<[us]. Vgl. Gröber, ALL I 234 *. v.] 

67) äbyssus, -um, f. (gr. äßvaaog), Abgrund, 
Hölle; ital, alrisso m., dav. Vb, abissare u. sobbis- 



sare, gleichsam sub + \a\bissare; altfrz. prov. 
abis, dav, dasVb, abissar. Vgl. Dz 3 abisso, Berger 
40, u. oben "'abisrnns. — Dtsch. {i)n abysso ~ 
Nobis(krug). 

68) Scäeia, -am, /'. (gr. äxaxla), Akazie (b. Pün. 
u. Cels,); ital, «cdcia, acdzia „albero spinoso", u, 
gaggia = acacia farnesiana L. , vgl, Canello in 
AG III 388, C, Michaelis, St, p, 70, In den übrigen 
rom, Spr, nur gel, W, 

69) [*8c-cädisco, -ere (v,*((ccadcre), sich ereignen; 
Span, ptg. acaecer, vgl. Dz 413 s. v.] 

70) [*ä[cJ-eSlento , -äre (v, calent- \\ calere), 
wärmen; ptg, acaentar, aquentar. Vgl, Dz 435 
calentare, s, auch unten *exealentare.] 

71) [*ä[c]-cSlesco, -ere (v, caleo, -ere), wärmen; 
ptg, aquecer. Vgl, Dz 435 calentare, s, auch unten 
*excalentare.j 

72) [*ä[e|-eämmo, -äre (v. caminus), auf den 
Weg bringen; frz. acheiiiiiier.] 

73) [arab, a(;amm, einfarbig (t) ; davon vielleicht 
ital. zaitio ganz schwarz, ungefleckt (von Pferden); 
frz, zain ; span, zaino. Vgl, Eg, y Yang 522, j 

74) I*äc-camo, «äre (v, CdWia), zu Boden strecken ,• 
span. ptg. acaiiiar. Vgl, Dz 436 cama.] 

75) arab, ac'-(;!anifah (vgl. Freytag II 527»), Kand 
od, Saum des Kleides; span, azanefa (veraltet), 
sanefa, cene/a; ptg, sancfa, Bett- oder Thürvor- 
hang, VgL Dz 438 cenefa; Eg, y Yang. 319. 

76) [*ac-eapitio, -äre (v. St. cap-o-, wov. *capum 
f. Caput), zu Ende bringen; ital. accapezzare.] 

77) [*ä[c]-cäpo, -äre (v. St. *cap-o-, wov. *ca- 
pum f, Caput), an das Ende kommen, beenden; 
frz. achever: prov. span. ptg. acabar. Vgl. Dz 
545 clu'f u. Ascoli, AG XI 427.] 

78) *S[e]-cäpto, -äre (v. capto, capto), erwerben, 
kaufen; ital. accattare, r-accattare, dav, dasVbsbst, 
accatto: genues, acatar, vgl, Flechia, AG VIII 
318; rtr. achatter, s. Ulrich, Gloss, z, Chrest, II; 
frz, altfrz, achapter, acuter, achteer, nfrz, acheter, 
Vbsbst, achat; span, acabdar (veralt,); ptg. 
achatar (veraltet). Vgl. Dz 5 accattare; Gröber, 
ALL 234 accaptare, Ascoli, AG XI 427; s. auch 
unten re-excapto. Durch accaptare u. comparare 
(letzteres namentl. im Ital., Span., Ptg.) ist emere 
völlig verdrängt worden. 

79) [*ä[e|-cärio, -äre (v, *cara), von Angesicht 
zu Angesicht gegenüberstellen; altfrz, acarier, wov. 
Scheler u. Littrö in ihren Dict. nfrz. acariätre ab- 
leiten, hat nie existiert, acarer ist nur ein Kunst- 
ausdruck der Eechtssprache gewesen. Über die 
Herkunft v. acariätre vgL Tobler, Z. IV 375, u. 
namentl. G. Paris, KX 302; (s. unten aeharis); 
span. acarar. Vgl. Dz 87 carar. Sieh unten eara. 
— Altfrz. acariier, achariier, acharoier ist = *ad- 
carricare [richtiger wohl *carrigare] v. carrum, 
vgl. Tobler a.a, 0.] 

80) [*ä[cl-caritio, -äre (v, carus), liebhaben, lieb- 
kosen, schmeicheln; span. ptg. acariciar. — Ob 
statt des in einer span. Urkunde (bezw. deren Ab- 
schrift) vom J. 1042 überlieferten anno aklisiato 
zu lesen sei anno akareisiato und dies als aTio de 
carestia aufgefafst werden müsse, wie Taliban in 
R IX 297 vorgeschlagen hat, bleibe hier ganz dahin- 
gestellt.] 

81) [*ä[c]-carno, -äre (v. caro, carnis), ein Tier 
auf Fleiscli hetzen; ital, accarnare ins Fleisch 
dringen {accarnire mit den Klauen, Zähnen u, dgl, 
ergreifen); frz, acharner. Vgl, Dz 503 ac}iarner.\ 

82) [*äici-cärrico (od, -Tgo?), -äre (v. carrus), 
an einen Ort fahren; altfrz. acliariier, acharoier.] 



83) *a[c]-cätabÖlo 



114) angr 



10 



83) |*ä[c)-catSb51o, -äre (v. gr. xaiafioi.)], lulat. 
catabola, altfrz. canfc/e), niederwerfen : frz. accabler. 
Vgl. Scheler im Dict. s. v ; Dz 536 caahle ; Berger 276.] 

84) accSia, -am f., Schnepfe (Itala, Levit. 11,17); 
ital. acceggia; frz. altfrz. acie, acliie, nfrz. (dial.) 
acie; span. arcea. Der Ursprung des lat. Wortes 
ist dunkel, mit acies kann es nichts zu thun haben. 
Vgl. Dz 5 acceggia; Gröber, ALL I 234 acce'ia. 

85) Sccendo, accendl, acceusam, accendere, 
anzünden; ital. accendo, accesi, acceso, accendere. 

86) *äccepto, -äre (v. accijno), empfangen; ital. 
accettare. Canollo, AG III 405, stellt dazu als 
Scheideforra accattare, welches vielmehr = *ac- 
captare ist. Sonst nur gel. Wort. 

87) [ficceptör, -Srem m. (v. accipio). Habicht, Lucil. 
rel. ine. 123 (Charis 98, 11). Cypr. Ep. 60, 2. 
Nicht acceptor, sondern astur ist Grundwort zu den 
rom. Benennungen des Habichts, nur altspan. 
acetorc, aztor (fem. aztorera), agor (fem. azorera) 
sind auf acceptörem zurückzuführen , vgl. Taliban, 
E Vin 609; Gröber, Mise. 42, vgl. unten astnr.] 

88) äeeeptus, a, um (Pt. P. P. v. accipio); ital. 
accetto, angenommen, angenehm. 

89) [*Sc-eeiTltus, a, um (v. cerehrum ':'), verrückt, 
närrisch; dav. viell. ita,\.acceirito, „accessoin volto, 
fuor di so", vgl. Caix, St. 133.] 

90) äe-eessns, -nm, m. (v. ac-cedo), Annäherung: 
rtr. antschiess, Gebiet, Grenze, vgl. Ascoli, AG 1 
18 Anm. 1 u. S. 110 § 231. 

91) [*äc-cilio, -äre (v. cilium), (einem Falken) 
die Augenlider zusammennähen, (damit er zahm 
(rird); ital. accigliare (jetzt nur als Reflexiv ge- 
bräuchlich mit der Bedtg. „die Augen närrisch ver- 
ziehen, finster aussehen".] 

[*ac-cimo, -äre s. cyma.] 

92) [*accIpTträrins, -um, /». (v. accipiter), dav. 
span. cetrero Falkenjäger, vgl. Dz 439 s. «>.] 

93) [*SccipItrellns, -um, m. (v. accipiter), dav. 
ital. accertelln Wannenweihe, vgl. Dz 351 s. v.: 
nach Rönsch, Z I 420, ist das Wort Deminutiv v. 
acceptor.] 

94) arab. ac'-ciqäl, Politur, <;aqala, polieren (Frey- 
tag II 509); dav. span. acicalar, ptg. acicalar, 
agacalar, polieren, vgl. Dz 414 s. v.; Eg. y Yung. 29. 

95) [*ae-clsmo, -äre (unbekannter Herkunft), nach 
Förster, Z VI 112, Grundwort zu ital. accismare 
zurichten; altfrz. acesmer, ordnen, schmücken, 
dav. nach Littre nfrz. 'hachement Hclmschmuck, vgl. 
auch Fafs in EF III 496. — Dz 128 esmar (und 

' ebenso Canello in AG III 387) hielt acesmer für 
identisch mit altfrz. aesmer , prov. azesmar, 
span. azemar (vgl. Baist, Z VI 117) = adaesti- 
mare, was lautlich unzulässig ist , wie Förster ge- 
zeigt hat.] — accisma b. Dante, Inf. 28, 37, scheint 
eine künstliche, auf das Wortspiel mit seisma in 
V. 35 berechnete Bildung zu sein, vgl. G. Paris, 
R XI 405 (vielleicht ist accismare überhaupt = 
ac-sc[h]ismare , teilen). Vgl. Scheler im Anhang 
z. Dz 724. —Vgl. auch unten adaestlmo u. cyma. 

96) äc-clino, -äre anlehnen; ital. acchinare 
niederbeugen, demütigen. 

97) ä[e]-cög:nIto, -äre {vgl. cognitus) ; altober- 
ital. quintar , coitar, cnitar, vgl. AG XII 426, 
Studj di filol. rom. VII 76; mail. eiiiitä, ,contare 
c raccontare' , „si son dunique confusi *cugnitare e 
computare" Salvioni, Post. p. 3.; altfrz. acointier 
kennen lernen, in Kenntnis setzen, dazu das Vbsbst. 
acointance, Bekanntschaft. 

98) *8[cJ-cögrnitns, a, um (Pt. P. P. v. cognosco) ; 
altfrz. acointe, befreundet; Bekannter. 



99) *äc-col-ligo, -legi, -leetum, -ere (v. lego); 
ital. aecogliere; prov. acolhir, acidhir; frz. ac- 
cueülir ; cat. acullir ; span. acoger; ptg. acolher. 
t'ber die Flexion dieser Verba s. unten eol-ligo. 

100) [*äc-cömtio, -äre (v. comtus); ital. accon- 
ciarc putzen, zurichten, dav. das Vbadj. acconcio: 
span. aconchar. Vgl. Dz 366 conciare.] 

101) [*ac-cöntingesco, -ere (v. acconlingo); 
span. ptg. acontecer sich ereignen, vgl. Dz 441 
contir.] 

102) [*äc-contingo, -ere; altspan. acMwtJc sich 
ereignen, vgl. Dz 441 contir.] 

102) [*äc-eö-operio, -perfli, -pertnm, -perire 
(v. operio), bedecken: rum. acoper, perii, perit, 
peri, vgl. Ch. ,«. v. Die übrigen rom. Spr. brauchen 
co-operirc.] 

104) f*äe-cö-5perto, •äre(v. opertus), bedecken; 
; frz. (lothr.) acovateir, vgl. Apfelstedt im Gloss. z. 

seiner Ausg. <li"s lothr. Psalters s. v. u. Horning, 
1 Z. IX 141.1 

105) *äec5rdlum m., Übereinstimmung, Vertrag, 
[Vergleich; sicil. accordiu; prov. accordi(-s). 
I Vgl. Meyer-L.. Rom. Gr. II p. 450. 

106) *ac-cordo, -äre (v. chorda Saite), inÜberein- 
, Stimmung bringen; ital. accordare; rtr. accorder; 

frz. accorder; prov. accordar : altoat. span. 
; acordar; ptg. acnrdar. Dazu Vbsbst. accordo, 
accord, aciierdo etc. Vgl. Gröber, .■\LL I 234 u. 
Dz 5 accordo; Behrens, Metath. p. 81. 

107) *äc-CorrigO, -ere; ital. accorger-si wahr- 
nehmen (über deu Bedeutungswandel s. unten cor- 
rigo). Über <lie Flexion s. corrigo. — Vgl Dz 366 
corgere. 

108) f*äc-erepäiito, -äre; altspan. acrepantar, 
anscheinend in der Bedeutung „zu etwas zwingen", 
in einer lat.-span. Urkunde vom J. 937, man sehe 
das Nähere b. Tailhan in R VHI 611.] 

109) Secttmbo, -ere, sich hinlagern; tarent. 
alkommere legen, vgl. Meyer-L, Z. f. ö. G. 1891 

, p. 765. 

110) [*äe-eur80, -are (v. cursiis); span. acosar 
verfolgen, vgl. Dz 442 coso. 

111) |*äc-cutio, -cussl, -cüssnm, -etttere (v. 
(ßiatio), dav. nach Dz 443 cudir, span. ptg. acu- 
dir, zu Hülfe eilen (ptg. acudo, acodes, acode, aco- 
dem). Den starken Bedeutungswandel — die Brücke 
zwischen der lat. u. der sp. ptg. Bedeutung wird 
durch den Begriff , .springen" geschlagen — hat Dz 
1. 1. wohl hinreichend erklärt.] 

112) äcedia (acidia, accidia, vgl. Landgraf, ALL 
IX 359) -am, /'. (gr. dxrjdia), lüürrisches Wesen, 
iiblo Laune (Eccl.); ital. accidia; prov. accidia; 
altfrz. accide; altspan. acidia: ptg. accidia. 
Vgl. Dz 5 accidia. — Über den theologischen Be- 

; griff von aeedia vgl. Schwane , Speziolle Moral- 
: theologie (Freiburg i. B. 1879) I § 35, 2. 

113) äcer, -eris n., Ahornbaum; ital. acero; 
rum. ar^ar, vgl. Ch. .«. v.; (prov. frz. [acer arbor, 
vgl. A. Darmesteter. R I 388, Z. 2 v. u.] = prov. 
esrahre. erabre, frz. mit volksetymolog. Endung 
erable, vgl. Fafs, RF III 492; Horning, Z XIX 72, 
setzt erable = aisrabre= acerem arborem an; 
cat. ars ; span. azre (veraltet), arce : ptg. acer. 
Vgl. Dz 5 acero. — Dtsch. Ahorn ist nicht aus 
dem Lat. entlehnt, vgl. Kluge s. v. 

114) äcer, äcris, -e u. *äcrns, a, um (acre, 
Hüll acrum, App. Probi 41) scharf; ital. acre, acro, 

j agro, dav. Dem. agretto Sbst., Sauerampfer füber 

dialektische Gestaltungen von acer im Ital. vgl. Sal- 

1 vioni, Post. p. 3 [257]); rum. acru, a. Ch. s. v.; prov. 



n 



115) acSrbODica 



137) acte 



12 



agre; frz. ücre, aigre, (acris fames = aigrefin[?] 
Gauner, vgl. Littre s. v., Fafs in KF III 489); von 
aigre das Vb. aigrir ; span. acre, agre (veraltet), 
agro, agrio = acreus, dav. das Vb. agriar; ptg. 
acre, agro. — Eine Ableitung von acer ist: ital. 
agresto, rum. agris, prov. agraK, altfrz. aigret, 
span. agraz, ptg. agrago, unreife Traube, säuer- 
licherWein, vgl. Dz 9 a(;re.s<o. Yon a{n)gref!to wiedet 
leitete Tobler, R II 240, scharfsinnig, aber nicht 
überzeugend ab ital. guastada, prov. engrestara, 
Flasche mit engem Halse, vgl. dagegen Mussafia, 
E II 477, wo als Grundwort *atigiistiiria angesetzt 
wird, 8, unten angustaria. 

115) [*äcerböiiica(v. acej-((i/.s) = ital. acerboneca, 
schlechter, saurer Wein, vgl. Storm, AG IV 309.] 

116) [*äceriiiüs, a, nm (v aciex), stählern, viell. 
Grundwort zu ital. f/MazzerinoFumeThemA; prov. 
jnzcran-.i; altfrz. jozerant, jaserenc : s\>a.n.jaza- 
rina (Ädj. ,,au8 Algier-', vgl. C. Michaelis 203 u. 227) ; 
ptg. jaceräo. — l3ie Frage nach der Herkunft des 
Wortes ist viel erörtert u. noch nicht wirklich ge- 
löst, denn auch acerinus kann als Grundwort nicht 
befriedigen, weil Beispiele für die Vorsetzung eines 

j selten und überdies zweifelhaft sind. vgl. Dz 162 
ghiazzerino , Caix in Gfr. II 69. Am wahrschein- 
lichsten ist doch wohl die Herkunft von arab. 
gazäir (chazäir, vgl. Eg. y Yang. p. 427) Algier. 
Vgl. auch Dozy 289, wo das Wort von jacn-zarnd 
hergeleitet wird.] 

117) aeernns, a, nm, ahornen; venez. aceino, 
rtr. aser, vgl. Meyer-L., Z. f. ö, G. 1891 p. 765. 

118) *äcerula, -am, /. (Dem, v. acer), eine herbe 
Frucht; davon vermutlich (u. nicht ans dem Ara- 
bischen, vgl. Eg. y Yang. 25) span, acerola, ptg. 
azarola etc., s. unten azza'rdra. 

119) *äcetösüs, a, um (v. acetum), sauer; dav. 
ital. acetosa Sauerampfer, daneben agretto v. acer; 
(prov. azedinlia = *aceiinea : rtr. aschiella u, 
frz. oseille = *acetula, wo der frz. Wandel von a 
zu wohl auf irgend einer volksetymologischen 
Anlehnung oder auf Einwirkung von oxalis beruht 
(Meyer-L., Rom. Gr. Ip. 412, vermutet, dafs oseille = 
*acedida sei, vgl. dagegen Cohn, Suffixw. p. 304, 
der aber seinerseits zu einem festen Ergebnisse nicht 
gelangt, jedoch darauf aufmerksam macht, dafs mit 
oseille gleichbedeutend surelle sei); cat, agrella 
V. acer; span. acedera; ptg. azedinha). Vgl. Dz 
650 oseille. S, unten oxälis. 

120) äcetum n. (Pt. P. P. v, acere, sauer sein), 
Essig; ital. aceto, campob. cita, vgl. d'Ovidio, AG 
rv 148 Z 8 V, 0. ; rum. ofet m., s, Ch. s. v. (das 
Wort ist aus dem Slav. in das Rum. übernommen 
worden, vgl. Meyer-L., Rom. Gr. I p. 82); rtr. 
aschaid, friaul azet f., vgl. Gärtner § 2 /?) : 
(frz. altfrz. aisil, aissil, dafür nfrz. vinaigre = 
viniim acre). Vgl. Dz 505 aisil; Meyer, Ntr. 165. 

121) bask. achaparra, Kralle; dav. viell. gpan. 
chaparru, chaparro Steineiche, vgl. unten garra. 
Vgl. Dz 439 chaparru — Gerland, Gröbers Grundr. 
I 331, stellt chaparra mit dem gleichbedeutenden 
bask. zaparra zusammen. 

122) acharis, »itis (gr. «xagiq), undankbar (homo, 
Vulg. eccl. 20, 21), soll nach Tobler, Z. IV 375, 
das Grundwort des erst spät (16. Jahrb.) u. auf 
gelehrtem Wege gebildeten frz. acariätre (vgl. 
opini-ätre) sein. G. Paris, R X 302, bestritt diese 
Erklärung u. leitete seinerseits das Wort von dem 
Namen des bl. Acharius ab. Scheler, Littre u. a. 
leiteten acariätre von dem (freilich nicht existieren- 



den) Vb. acarier ab, s. oben a-eario. Vgl. auch 
unten cara. 

123) acta, -am /'., Einfädelfaden, Ptr. 76,11 ital. 
accia; rtr. asa; rum. ata, s. Cb. s. v. — Über 
*ucia == acies s. aciaritim. 

124) *ScTSlS, «. (v. acies), Stahl; ital. acciale 
(venet. azzale); rtr. atsel. Vgl. Dz 5 acciajo; 
Gröher, ALL I 234. 

125) *äciärinm, >i. (v. acies), Stahl; ital. acciajo; 
rum. arcer; rtr. oberl. itschal; prov. frz. acier, 
dav. viell. acerer; cat. asser; span. acero; ptg. 
acciro (gewöhnlicher a(o ■= *acium). Vgl. Dz 5 
acciajo; Gröber, ALL I 234; K. Hofmann, ALL II 
275, wo das angeblich b. Plautus vorkommende 
acieris, „securis aerea", als Stammwort angesetzt 
wird. — CanoUo, AG III 303, will auch it. acciale 
auf *aciario zurückfahren, weil das Adj. accialino 
neben acciarino vorhanden sei. — Horning, p. 15, 
macht darauf aufmerksam, dafs aciarium frz. aisier 
(sie!) hätte ergeben müssen (vgl. *aucion- : oison), 
u. ist daher geneigt, in acier eine Ableitung von 
einem vorauszusetzenden geraeinrom. *acia = acies, 
das im Altptg. nachgewiesen ist, zu erl)licken, wo- 
mit aber die Schwierigkeit keineswegs gehoben wird ; 
eher dürfte man in acier ein halbgel. Wort er- 
blicken. 

126) Scidtts, a, am (v. aceo) scharf; [ital. lazzo, 
herb {acidus : azzo = siicidus : sozzo, aus azzo durch 
Verwachsen des Artikels lazzo, d. i. l'azzo, vgl. Dz 
380 s. V.)]; sard. dida salata, vgl. Salvioni, Post, 
p. 3; rtr. dis, äs, es, vgl. Gärtner § 32 a), Hor- 
ning, p. 105 unten; prov. aisse. 

127) acies, -em /. (v. \/ ak, vgl. Vanicek I 7), 
Schärfe, Schlachtordnung; altspan. u. altptg. 
haz, Schlachtordnung, vgl. Dz 458 s. v. — Über 
*acia == acies s. Horning, p. 15; tirol.-lad. aze, 
eie; güdfrz.as.s'e, aisse, aiclie, vgl. Schuchardt.Rom. 
Et. I 43. 

128) äcinns, -um m., Weinbeere; ital. acino, 
sard. dghina Traube (vgl. Salvioni, Post p. 3); 
frz. aisne (nur altfrz.); ptg. azeo. Vgl. Dz 504 
aisne. 

129) *äeTum n. (v. \/ak), Stahl; ptg. ai'o, da- 
neben aceiro. Vgl. Dz 5 acciajo; Gröber, ALL I 234. 

130) dtsch. acker = frz. acre, vgl. Dz 503 s. v., 
wo mit Recht die Herleitung des Wortes aus lat. 
acnua (ein Flächenmafs) zurückgewiesen wird; 
Mackel p. 63. 

131) *äequaero u. äcqniro, -sivi, -situm, -ere; 
prov. aquier, quis, qiies , querre; frz. acquiers, 
acquis, acquis, acquerir; span. adquerir u. ad- 
quirir; ptg. adquirir. 

132) *äcriciolns, a, um, (v. acris) = rum. 
acri^or Adj. 

133) *äcricius, -um »i. «= rum. af/rts Sbst, un- 
reife Beere. 

134) äcrifölium, *geif511nm »., Stechpalme; 
Wallis, agrehlya; gask. agreu; jur. egrilu; 
vionn. agreda; span. oce&o (aus acebojo?); cat. 
grevol; ptg. azevinho. Vgl. Meyer-L., Rom. Gr. I 
p. 497. Gröber, ALL VI 133. 

135) *äcriTus, a, um, = rum. acriii Adj., vgl. 
Ch. acrä. 

*Mrvs, a, um. s. oben äeer. 

136) *aerümen n. (v. acer), saueres Zeug, Sauer- 
frucht; ital. acrume, agrume; prov. agrun-s; 
altfrz. aiqrum, aigrin (egrain). Vgl. Thomas, R 
XXV 84. \ 

137) acte, -en (gr. dxtij, ccxria), Attich; dav. 
viell. span. yedgo, yezgo Holunder. 



13 



138) *actIdio 



153) äd 



14 



188) [*actidio, -äre =ital. attegqiare, s. actum.] 

139) actio, -önem f. Handlung, aetor, -örem m., 

handelnde Person; beide Worte sind nur als gel. 
Worte vorhanden. Vgl. Berger 45 über frz. action. 
[*actrlciuin s. actum.] 

140) actum n. (Pt. P. P. v. ago), das Abgehandelte; 
ital. atto , Handlung, That; span. ptg. auto, 
Verordnung. Nach Förster, Z III 564, ist actum 
auch das Grundwort zu ptg. eito, Reihe, Ordnung 
(actum : eito = pactum : peito, vgl. ilagcgen As- 
coli, AG VII 601, u. C. Michaelis, Frg. Et. 17 
(eito = ictus). Vgl. Diez 428 auto. S. unten ictus. 
— Von actum scheint abgeleitet zu sein *actidiäre 
= ital. atteggiare , in eine bestimmte Stellung 
bringen , richten (dazu das Postverbale atteggio). 
Auf ein *actricium geht ital. attrezzo Werkzeug, 
Gerät, zurück. Tobler, Sitzungsb. d. Berl. Akad. d. 
Wiss., philos.-hist. Cl., vom 19. Januar 1893, erklärte 
attrezzo aus altfrz. attrail, Plur. attraiz (attri'Sj = 
attractus Vorrat, Einrichtung, Ausstattung. 

141) *äcfiärins, -um m. (v. acus), Nadler; (ital. 
agornjo. vgl. Nr. 148; prov. agullier-n; frz. ai- 
guillier); span. agujero; (ptg. ngiilheiro). 

142) [*Scücilla, -am f., *ag:ugilia (Dem. v. aciin), 
Nadel, s äcücüla. Vgl. Ascoli, AG I 76 A.] 

143) [*äciiculentärius, -um, *ScttculentInns, a, 
um, '*'Scuculentu8, a, um (v. acus); prov. aguilcn, 
Hagebutte, aguilancief, aiglentina; frz. cglantier, 
altfrz. aiglent. Vgl. Dz 504 aiglent u. Berger 126 
Anm.j 

144) *äcüettla, -am u. *äcücula /; (Dem. v. 
acus), Nadel; ital. aguglia Nadel, guglin Obelisk, 
Bergspitze, agucchia Hufeisen, agocchia Haarnadel, 
gucchia zugespitzter Eisenpfahl, vgl. Canello, AG 
III 351; venez. gmcia (dazu das Vb. gucciar); 
rtr. 8, unten; (rum. s. acus): prov. agulha; alt- 
frz. agouille u. aiguiUe. vgl. Förster zu Erec2643; 
frz. aiguille. s. unten: rat. agulla; span. aguja; 
ptg. agulha. Vgl. Dz 9 ugiiglia. 

Die lautliche Entwickelung von *äcftcülu zu frz. 
aiguille = ^g^if ist eine unregelmäfsige u. schwer 
zu erklärende (bei regelrechter Entwickelung hätte 
äcücüla ergeben müssen , u. hat im Pic. wirklich 
ergeben, aigouille = egüf , vgl. genüculum : genouil, 
genau). Es sind über den Vorgang namentlich 
folgende Ansichten ausgesprochen worden : 1. As- 
coli, AG I 76 Anni., vorwirft das Grundwort acucula 
u. setzt dafür *acucilla an, das thatsächlich in 
rtr. Mundarten fortlebt, vgl. d'Ovidio, AG IV 170 
u. Gärtner- § 38. 2. Mussafia, R II 479, erklärt 
aiguiUe aus *acucla, *acuicla, aiguille, vgl. lui aus 
Im; auch Suchier, Z. HI 626, läl'st das * in aiguille 
aus dem palatalen / hervorgehen, sonstige Bei- 
spiele aber für eine derartige Entwicklung des i 
sind nicht nachzuwei'^en. (In seiner Altfrz. Gr. 
§lla setzt ö. aguilte =*acuculam „mit ü vonacütus" 
an, das ist aber höchstens eine halbe Erklärung.) 

3. Havet, R lU 330, leitet aig. von *äcütüla ab, womit 
die Schwierigkeit nicht im mindesten gelost wird. 

4. Fürster, Z. III 515 (vgl. auch F.'s Anmerkung zu 
Erec 2643 fS. 317]), nimmt *äcücüla als Grund- 
wort an und weist nach, dafs im Altfrz. das dem 
äcücüla, regelrecht entsprechende aiguille = egüj' 
wirklich vorhanden war, allerdings daneben auch 
schon aiguille; letztere Form erklärt er als ent- 
standen aus aiguille durch Einflufs der Orthographie: 
das MJ, in welchem i nur Zeichen der Palatalisierung 
des II war, soll zu der Zeit, als alle üi zu ui 
wurden, irrtümlich denselben Wandel durchgemacht 
haben. Das ist schwer glaublich, wie es denn auch 



von G. Paris, R IX 331 f. bezweifelt worden ist. 

5. Gröber , ALL I 235 u. Mise. 39 (wo , nebenbei 
bemerkt, Försters Meinung unrichtig wiedergegeben 
wird), glaubt, dafs aiguille durch Einflufs von 
aiguise etc. zu aiguille geworden u. dieses dadurch 
in die Reihe der Wörter auf -iüe (pointille, cour- 
tille etc.) eingetreten sei, wobei auch angiiitle u. 
das Adj. aigu mitgewirkt haben sollen. Für voll 
befriedigend kann wohl auch diese Erklärung, so 
scharfsinnig sie auch ist, nicht erachtet werden. 

6. Meyer-L., Rom. Gr. I §67, scheint sich Gröbers 
Meinung anzuschliefsen. 7. Cohn, Suffi,xw. p. 234 ff., 
widmet dorn Worte eine sehr eingehende Unter- 

I suchung; er ist geneigt, einen Typus *aqulr.üki oder 
*acülea anzunehmen, gelangt aber nicht zu einer 
klaren Entscheidung. 8. d'Ovidio, AG XIII 389, 
nimmt zwei Grundwerte an: a) *acülea, dav. sard. 
(logud.) a[g\uza, (gallures.) agudda, ital. (tose.) 
aguglia, sowie fast alle Formen der westlii^hen rom. 
Sprachen; b) *acüculit , dav. tose, agocchia, pic. 
aigouille. Diese Hypothese vermag am ehesten zu 
befriedigen. Vgl. Berger 49 Aum. 

145) [*acücullo, -äre, nadeln, nähen; sticheln: 
ital. aguechiare: STpiin. iiguijar ; ptg. ayaillar; 
frz. aiginller. Über die Lautontwickelung vgl. 
oben unter acüciila, acueiila.] 

146) [*äcucüIio, -önem m. (v. acus), Stachel; 
frz. aiguillon, über dessen lautliche Entwickelung 
die über aiguille gegebenen Bemerkungen zu ver- 
gleichen sind; ital. aguglione; span. aguijon; 
ptg. agiiiltaio.] 

147) äcümen »., PI. äeümina, nach Canello, AG 
111324, Grundwort z. ital. gumina, gomona, gomena 
.,il grosso canapo da legar le navi". Diese Her- 
leitung ist wegen des unglaublichen Bedeutungs- 
wandels, den sie voraussetzt, sehr zu beanstanden. 
Weit annehmbarer ist Flechia's Ansicht, dafs gumina 
= *ligunu.iia f. ligamtna sei, vgl. AG IV 386. Caix, 
St. 79, leitete gomena v. capula ab, was völlig un- 
glaubhaft ist. Tobler, Z. IV 182, vermutet, dafs 
gomona das Verbalsubst. zu s-gominare, s-gombi- 
nare = combinäre sei — Auch span. gumia, ptg. 
agomia, gomia, Dolch, geht schwerlich auf acumen, 
bezw. acuiiiina zurück (wohl aber ptg. gume), wgl. 
Dz 45 gumia, doch ist immerhin die Möglichkeit 
nicht durchaus in Abrede zu stellen. 

148) acus, -um /'., Nadel; ital. ar/o, südital. aco 
u. aca; rum. ac m., PI. ace f.. vgl. Ch. s. u. Über 
agorajo „Nadler" vgl. Salvioni, Z XXII 465 {ago- 
rnjo von dem PI. agora). 

149) [*acfitia, -am f. (v. acutus); altspan. 
acucia, cucia, Behendigkeit, Gewandtheit, Fleifs, 
dazu das Vb. acuciar, vgl. Dz 414 acucia.] Hor- 
ning, p. 86 Z. 2 v. u. im Text. 

150) *äeütIätor, -örem m. (v. *cutiare), Schleifer; 
iia,i. aguzzatore; V Mm. ascu^Uur ; Sf an. aguzador. 

151) *äcütio, -äre (v. acuo), schäfen; ital. 
aguzzare; rum. ascut, }ii, }it, ii, vgl. Ch. s. v.; 
prov. agusar ; frz. aiguiser , vgl. Horning p. 6; 
rtr. gizar; span. aguzar, acuciar, s. oben acutia; 
ptg. agufjar. 

152) acutus, a, um (Pt. P. P. v. acuo), schart; 
ital. acuto u. agudo , letzteres auch Sbst. in der 
Bedeutung „Nagel", vgl. Canello in AG III 370; 
span. ptg. agudo; frz. aigu (Lehnwort; in dem 
Eigennamen Montheu ist acut regelrecht zu -eu 
geworden, vgl. Scheler im Nachtr. z. Dz 865 u. 
Berger 48); altfrz. ague (gel. W.) =-- acuta seil. 
febris. 

153) ad (altlat. ar; über den Ursprung des mit 



15 



154) äd 



178) adel-ar. 



16 



et, £Ti etc. verwandten Wortes vgl. Vanicek I 2), • 
Präp. mit Acc, zu, nach, an: ital. ad, a; rura. a; '< 
rtr. a; prov. az, a; frz. ä; cat. Span. ptg. a, ä. 
Diese Präp. hat den ihr im Lat. eigen gewesenen 
Anwendungskreis im Eoman. im wesentlichen be- 
wahrt, namentl. in Hinsicht auf ränmliche Verhält- \ 
nisse. Überdies ist ihr in allen rora. Spr. mit 
einziger Ausnahme des Rumänischen der Ausdruck 
der Dativbeziehung übertragen worden (im Rum an. 
wird der Dativbegriff durch die Artikelttexion be- 
zeichnet, vgl. Dz Gr. II 54). (iber den spätlat. 
u. frührom. Gebrauch von ad als Kasnspräpos. vgl. 
Bourciez, De praepositiono ad casuali in latinitate 
aevi merovingici, Paris 1887, vgl. ALL IV 330. 
Im Altfrz. konnte a auch zum Ausdruck des Pos- 
sessivverhältnisses gebraucht werden. 

154) äd -f dtsch. acht; rtr. adaig in Verbin- 
dungen, wie avcr a. acht haben, dar a. acht geben, 
vgl. Gärtner, § 20; Ascoli, AG VII 563. [ 

155) ädaequo, -äre, gleichmachen; ital. ade- 
guare; jitov. azegar; altfrz. aiwer. Vgl. Meyer- L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 765. 

156) *äd-aestimo, -äre, berechnen; prov. azes- 
mar, ordnen, altfrz. aeamer; span. azemar (nach 
Baist, Z. VI 117, umgestellt aus aesmar). Mit 
prov. azesmar .scheint azermar identisch zu sein, 
zu azesmar dürfte aesmar, zu azermar seriiiar ge- 
kürzte Form sein. Grundbedtg. aller die.ser Verben 
ist „ordnen, richten". — Ital. accismare u. alt- 
frz. acesmer sind anderen Ursprunges, vgl. oben 
ac-eismare, Förster Z VI 112. 

157) bürg, adaling, Edeling, u. ahd. anfränk. i 
edeling; prov. adelenr: altfrz. eliri. Vgl. Dz 503 
nrfe/ewc, Mackel45,96, 153,168u 90,99,153,163,164. 

158) *äd-äIto, -äre, erheben, = prov. azautar 
(refl. Verb. | sich erheben , in gehobener Stimmung 
sein, entzückt sein. 

159) adämäs, -änta m., (gr. ddaßao), Diamant; 
ital. span. ptg. diamante; prov. diaman; frz. 
diamant (diu- wohl gelehrte Anbildung an griech. 
Composita mit äiä). — Eine zweite Umbildung 
erfuhr das Wort in der ihm im Mittelalter über- 
tragenen Bedeutung „Magnet": prov. adiman-s, 
aziniun-s, aiman-s, frz. aimani (über die angebliche 
Nominativform aunas vgl. Horning , Z VI 440), 
daraus volksetymologisch mit Anlehnung an aimer 
aimant, vgl. Fafs, RF III 493; span. ptg. iman. ■ 

160) *ädämplo, -äre, erweitern; engad. ad-' 
avipler, vgl. Meyer-L., Z, f. ö. (i. 1891 p. 765. 

161) [*äd-aptio, -Ire (v. aptus), nach Scheler im ' 
Anhang zu Dz 780 vielleicht Grundwort z. prov. j 
adaptir, azaptir angreifen, u. (?, denn vgl. die unter 
2 ad-at-io gegebene, weit glaubhaftere Ableitung) 
mittelbar zu altfrz. a-atir (Vb. zu dem Adj. ate), 
reizen (eigentlich Jem. in die Stimmung versetzen, 
in der man ihn haben will, insbesondere Jem. ärgern), 
vgl. unten aptus.] 

162) [*äd--|-äptas, a, um, anstehend, anmutig; 
ital. adatto; prov. adaut, azaut, dav. das Vb. 
azautar. — Vgl. Dz 515 azaut: Gröber, ALLI 218.] 

163) äd-äqno, -äre, anwässern; ital. adacquare 
wässern; rum. adäp, ai, at, at tränken, s. Ch. 
apä; prov. adaigar, azaignr ; span. adaguar. 

164) 1. [*ad-atlo, -are (v. germ. asatia, got. azeti 
st. n., Annehmlichkeit, vgl. Kremer in Paul's u. 
Braune's Beitr. VIII 439), angenehm machen , dav. 
viell. (s. aber unten adjaeens! vgl. Thomas R XXI 
508); ital. adagiare, agiare, dav. Vbsbst. agio; 
prov. aisar (vgL Bartsch Z 1 75 Zeile 6 v. o., 
Raynouard, LR II 42»), dav. Vbsbst. ais, aise m., 



Vbadj. ais, gleichen Stammes sind wohl auch das 
Vb. aizir, aisir, die Substantiva aizina, aizimen-s, 
welche Worte sämtlich den Begriff des „bequem 
machen" in sieh tragen; altfrz aaüier, aisier, 
dav. Vbsbst. aüe f., nfrz aise, aisance u. dgL; 
cat. aise; ptg. azo. Vgl. Mackel 54; Bugge, R 
rV 349, u. Gröber, ALL I 242, leiteten aise etc. von 
lt. ansa ab, s. unten asium. — Prov. adaptir kann 
mit*ad-atiare nicht zusammenhängen, vgl. oben s.».J 

165) 2. [*ad-at-lo, -ire (v. altn. Sbst. at n., 
Beifsen, Hetzen); altfrz. aatir, anreizen, dav. Vbsbst. 
aatie. Vgl. Dz 502 aatir; Mackel 46 u. 156. — 
Prov. adaptir hat mit *ad-atire nichts zu schaffen, 
vgl. oben *adaptio.\ 

166) äd-augeu, -auxi, -auctnm, -ere, vermehren; 
rum. adaog, adansei, adaos , adaoge (auch nach 
der A- und I-Konj. abgewandelt), vgl. Ch. «. v.; 
prov. Part. Perf. arniit : altfrz. aoire (Perf. aois) 
= *ad-aug\e]re. 

167) [*äd-bädo(u. -bädlo),-äre; it a\. abbajare, 
anbellen; frz. altfrz. abaiier, abayer, nfr. ahoyer, 
dav. Vbsbst. aJioi. Vgl. Förster, Z V 95 ; G. Paris, 
R X 444; anders Th. 42; Dz 355 hajare hielt die 
Ableitung von ad-hauhari für möglich, woraus aber 
nur aboiier od. aboer hätte entstehen können , s. 
Förster a. a. 0. — ] (S. bado.) 

168) [*äd-bar-lac-öIo; -äre (mit bar = bis zu- 
sammengesetztes Dem. vom &i. lue leuchten); mut- 
mafsliches Grundwort z. ital. ahbagliare blenden, 
wov. die Vbsbsttvu abhaylio u. abbagliore. Vgl. Dz 
355 bagliore: Parodi, R XXVII 210, ist geneigt, 
die W^orte von *ftfi)7j/.s f. varius abzuleiten.] 

169) [*äd-bibero, -äre = ital. abbei-erare, a. 
bibero.] 

170) ad bonäm fidem; dav. durch Zusammen- 
ziehung aus d boa fv die altptg. Versioherungs- 
partikel bofe traun, gewifs, vgl. Dz 433 bnfe. 

171) [*8d-bonio, -ire, verbessern u. *äd-bono, 
-äre, gutsagen, bürgen; ital. abbonare, abbonire; 
frz abonner (wohl aus [donner, acheter etc.] ä bon 
gebildet), vgl. Dz 502 abonner; span. ptg. aboitar 
(ptg. wohl nur das Pt. P. P. gebräuchlich, vgl. 
Michaelis' Wtb )] 

172) [*äd-brigätus, a, um (v. kelt. Stamm *brigä, 
über welchen z. vgl. Th. p. 50 brio): prov. abri- 
vat-z, altfrz. abritte schnell, eilfertig, hastig; per- 
sönliche Formen der Verben abrivar, -er sind selten. 
Vgl. Dz 58 brio: Förster, Z V 99; s. auch unten 
]brfga.| 

*ad-circulo, -are s. 2. as-secto, -are. 

173) arab. a'd-'dai'ah, Grundstück; cat. span. 
ptg. aJdca Dorf, vgl. Dz 418 .s. ».; Eg. y Yang. 
148 (aldöia). 

174) atab. ad-dalil (v. Vb. dalla), Wegweiser; 
span. adalil, -id, ptg. adail Heerführer, vgL Dz 
415 adalid ; Eg. y Yang. 44 ff. 

175) arab. ad-dftraka (vgl. Eg.y Yang. 48), Leder- 
schild; span. adaraga, adarga, daraga Schild, 
dagegen geht span. tarja, ital. targa, prov. ptg. 
tarja, frz. targe auf altn. targa (vgl. Mackel 63) 
zurück, dazu dasVb. targar, -er. Vgl. Dz 315 targa. 

176) arab. ad-darb (vgl. Freitag II 19»), enger 
Weg, dav. span. adarve, der Kranz der Mauer. Vgl. 
Dz 415 adarve; Eg. y Yang. 50. 

177) ad + de -f In + hörä, hörls; davon 

rum. adineoarä, adineori, Adv., bald, vgl. Ch. narä. 

178) mhd. adel-ar, edler Aar (vgl. Kluge s. v.): 
Grundwort z. frz. alirion (d. i. aler-ion), kleiner 
Adler (jetzt nur ein heraldischer Ausdruck.) Vgl. 
Dz 505 alerihn. 



17 



179) ad + de + mänufs] 



205) (ad) haue Jiorani 



18 



179) Sd + de + inanu[s]; diese Wortverbindung 
scheint die Grundlage des span. ptg. Substantivs 
ademan ni., Haltung, Gebärde zu sein, welches 
sonst von dem bask. Vb. adieman ,,zu verstehen 
gebuir' abgeleitet wird. Vgl Dz 415 ademan. Die 
Genusverschiedenheit des lat. manus u. des rom. 
Sbsts ist kein unbedingter Beweis gegen ihre Ver- 
wandtschaft, zumal da es sich b. ad -\- de -{- manu(s) 
um eine ursprünglich adverbial aufgefafste Wort- 
verbindung handelt. Span, desmun m., Unord- 
nung, dürfte aus de ex manu entstanden sein; ptg. 
ist das Verb desmanar, verwirren, vorhanden. 

180) äd-denso, -äre (v. detisus), dicht machen 
(vgl. Aon. X 432); prov. adesar: altfrz. adeaer 
berühren, aneinanderdrängen. Dz 503 adeser leitete 
das Vb. irrig von *adhaesare ab, vgl. dagegen 
G. Paris, R IV 501, Baist, RF I 133, Gröber ALL 
I 235. 

181) ad densüm, ad densa; dav. rum. ades, 
adesea, Adv., häufig, oft, vgl. Ch. dei (p. 75). 

182) ad + de + retro, zurück, rückwärts, dav. 
ital. nddietro. Vgl. Dz 288 retrn. 

183) [*addes80 oder addepso (mit offenem e, viell. 
aus ad-li]d-ipsu[m] entstanden) mufs nach Gröber's 
überzeugenden Bemerkungen, ALL I 236 u. im 
Nachtrag zu Körting, Lat-rom.Wib.' 161 (vgl. auch 
Förster im Gloss. z. A. et M. s. ades) die Grund- 
form sein zu ital. adesso, sogleich; rtr. ades, bei- 
nahe; prov. altfrz., cat. ades, sogleich; alt- 
span. adieso. Die naheliegende Herleitung aus 
adipsum wird verboten durch die offene Qualität 
des e und durch das d im Prov., Altfrz. u. Cat. ; 
darnach ist also Dz 129 esso zu berichtigen , vgl. 
auch P. Meyer, R. VIH 156. Höchstens dann Heise 
die Ableitung von ad ipsmn sich rechtfertigen, wenn 
man annehmen wollte, dafs ad-pressum = apri's 
etc. analogisch eingewirkt habe. Sehr lebhaft be- 
fürwortet die Ableitung des adesso etc. von aä 
ipsum Schuchardt, Z XV 240 (vgl. auch d'Ovidio in 
Gröber's Grundrifs I 506). Ulrich bringt, Z XVI 
521, fragweise dieAbleitung adesso=ad ^[um\-psu[m] 
in Vorschlag, Nigra, AG XIV 269, ad de ipsum.\ 

184) arab.ad-dlb (Freytag II 78'), Schakal; span. 
adiva u. adive Schakal; ptg. adibe Schakal, Gold- 
wolf; frz. adive Schakal, Zwergwolf. Vgl. Dz 415 
adiva; Eg. y Yang. p. 56. 

185) addictum n. (v. *addicere), nach Cornu, 
Ptg. Gramm, (in Gröber's Grundr. I) § 23, Grund- 
wort zu ptg. eito, vgL dagegen C. Michaelis, Frg. 
Et. p. 17. >S. oben actum u. unten ietus. 

186) arab. ad-diflä, Lorbeerbaum: span. ptg. 
adelfa. Vgl. Dz 415 adelfa; Eg. y Yang. p. 54. 

187) [*gd-directio, -äre (v. directus), wohin 
richten; ital. addirizzare ; frz. adresser, dav.Vbsbst. 
adresse. Vgl. Dz 272 rizzare.] 

188) *äd-directus, a, um (Pt. P. P. v. dirigo), 
geschickt; ital. addritto; prov. adreit; frz. altfrz. 
adrett, nfrz. adroit; cat. adreyt(ament). Vgl. Grö- 1 
her, ALL I 236 (u. 218). Von *äd-dlrecte viell. das 
span. ptg. Adv. adrede, absichtlich, sowie cat. 
adretas, richtig, vorsätzlich, vgl. Dz 415 adrede.] 
S. u. dlrigo. j 

189) [ad-disco, -scere, hinzulernen; neap. ad- \ 
dissere, vgl. Mussafia, Reg. san. 102, Salvioni, p. 3.] , 

190) [äd-do, -didi, -ditum, -dere, ist von Einigen ! 
als Grundwort zu ital. andare aufgestellt worden. 
Näheres darüber sehe man unter amhulo, -are.] 

191) *äd-döno, -äre, hingeben; ital. adonare; 
prov. adonar; frz. adonner; span. adonar{se). 
Vgl. Dz 351 adonare. 

Kürting, lat.-ram. Wörterbucb. 



[ad-dubbo (v. altn. dubha) s. *dnbbo.] 

192) ad-düco, -düxi, -diietum, -dUcere, heran- 
führen; ital. addiico , dussi, dotto, dürre; rum. 
aduc, dasei, das, duce, vgl. Ch. duc; prov. aduc, 
dui, diitz, diiire: frz. altfrz. adui, duis. duit, 
duire; span. aducir (veraltet, wegen der Flexion 
8. dueo): ptg. aducir, Metall weich u. biegsam 
machon (in der alten Spr, Pf. 3 Sg. adusse, Pt. 
adiicho, vgl. Dz, Gr. II 196). 

193) |'*'äd-diiIcio, -fire (v. dulci.i), mildern, lin- 
dern; altfrz. adouchier, über dessen Bedeutung 
Tobler in seinen Anmerkungen zu Li dis dou vrai 
aniel p. 52 gehandelt hat.] 

194) Sd durum; dav. altspan. adur, Adv., 
schwer, kaum, daneben adiiras. Vgl. Dz 415 adur. 

195) äd-eo, -li, -itum, -Ire soll nach Bianchi, 
Storia della preposizione a etc. (Firenzo 1877), p. 97, 
Grundwort zu ital. andare sein, vgl. dagegen 
Flechia, AG IV 369. 

196) ädeps (aleps), ädipemc, Fett; sard. abile, 
bergam. alef. vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 765; ALLXI 63. 

197) [*gd-e-r[i]go, -e-r[ijgere, aufrichten; ital. 
adergere, errichten. Nach Tobler (Venet. Cato, 
p. 33) u. Mussafia (Ltbl. f. germ. u. rom. Phil. 
1883, Juli) soll aderigere Grundwort z. prov. alt- 
frz. aerdre sein, s. unten adhaereo. Vgl. Gröber, 
ALL I 236.1 

198) äd-esco, -äre, heranfüttern; sard. aiscai 
„imboccare", Salvioni, Post. p. 3. 

199) ad + fSräs; ital. affuori (veTaltet), aufser, 
ausgenommen; rum. afärä. draufsen, aufsen, vgl. 
Ch. färä; span. afuera, aufserhalb. Die übrigen 
rom. Spr. kennen nur das Simplex foras u. die 
Verbindung de + foras, s. unten ss. vv. 

200) [*ad -|- fräctiim = span. afrecho Kleie, 
galliz. afreito. VgL Parodi, R XVII 52.J 

201) äd fiindüm; dav. das Adj. ital. a/foiidu, 
tief (auch Subst.: überschuldete Lage); rum. afund, 
vgl. Ch. /■»nd; (cat. fondo, altspan. /'«»do, neu- 
span. hondo, ptg. fando). 

202) ['äd-grütto, -äre {y. gutta)^»^^^. agotar, 
ausschöpfen, dazu das Adj. agotable.] 

203) [*ad + gyrön- (v. gyras) soll nach Dz 513 
Z. 1 v.u. der vorauszusetzende Typus für frz. aviron, 
Ruderstange, sein.] 

204) ad-haereo, -haesi, -haesum, -ere (f. -ere), 
an etw. hangen, ist nach Dz 503 Grundwort zu prov. 
altfrz. a[h]erdre (Präs. Ind. 3 Sg. aert, Pf. 3 Sg. 
aerst, Pt. aers), erfassen, packen. Tobler u. Mus- 
safia dagegen leiten das Vb. v. ader{i)gere ab, s. 
oben aderiyo, und diese Etymologie dürfte, da das r 
im Pf. u. Pt. von aerdre stammhaft zu sein sclieint, 
den Vorzug verdienen; die Bedeutungsentwickelung, 
hinsichtlich welcher Gröber, ALL I 236, ein an 
sich sehr gerechtfertigtes Bedenken ausspricht, 
dürfte vielleicht gewesen sein: aufrichten — heben 
— packen. 

(*ad-hae8o, -äre, s. oben äd-deuso.) 

205) (ad) haue höram (oder vielleiclit, wegen der 
Qualität des o in encore, haue ad horam) ist die 
wahrscheinliche Grundlage von ital. ancora, frz. 
encore (mit offenem o), prov. ancar. Ist dies 
richtig, so wird man wohl auch ital. anche, rum. 
incä, altfrz. anc (in der Bedeutung ,,noch, auch", 
im Loodeg. V. 159 u. 183) auf ad haue [seil, horam] 
zurückführen müssen, wobei in Bezug auf anche u. 
incä analogis« he Anbildungen an che, bezw. an die 
Adverbien auf -d anzunehmen sein würden. Vgl. 
d'Ovidio, AG IV 171 Anm. Nichts zu schaffen hat 



19 



206) *äd-hano 



224) ♦äd-llmitänSus 



20 



mit anche etc. span. aün (= ad unum). Prov. 
u. altfrz. ane, ainc, rtr. ounc, jemals, dürften 
auf timqiiam zurückgehen, vgl. auch AG I 12. Über 
die Etymologie von anche etc. vgl. Dz 17 anche 
{wo auch die Ableitung von adhuc für möglich 
gehalten wird, was Ch. s. iticä billigt); Havet, R 
VIII 93 {anche == atque, acque, vgl. (iagpgen Cha- 
baneau, Rdlr 3 s. II 77 [s. auch R IX 155]), vgl. 
auch Gröber, ALL I 241, der sich für *antque = 
alque ausspricht; wegen des -ore in encore vgl. 
Suchier, Z I 431 u. III 149 {ore = *ha hora, vgl. 
auch Ascoli, AG VII 600), G. Paris, R. VI 629 u. 
VII 129, u. Cornu, RVI 381 u. Vü 358 {ore = ad 
hör am). 

206) |*ad-hano u. '"ad-fano, -äre (unbekannter 
Herkunft, die mehrfach b' hanptete Möglichkeit kel- 
tischen Ursprungs bezweifelt Th. p 30), sich ab- 
mühen, placken, hart arbeiten, ist das mutraafsliche 
Grundwort z. ital. affannare, bekümmern, prov. 
afanar, sich abmühen, altfrz. ahaner, das Feld 
bestellen, schwer arbeiten, span. ptg. afanar, mit 
grofser Mühe u. unter Sorgen arbeiten. Herkunft 
des Wortes aus einem interjektionalen Ausrufe der 
Ermattung u. Ermüdung „ahan" ist nicht recht 
glaublich. — Vgl. Dz 7 affanno; Förster, Z VI 
111 oben. Die zu dem Vb. gehörigen Substantiva 
sind: ital. affanno, Kummer, prov. afan-s, altfrz. 
ahnn, Plage, Mühe (aber auch Acker, zu bebauendes 
Land), span. ptg. afan. Kummer (altspan. auch 
afano). — Mit It afaniae, afannae (s. d.) können 
diese Worte nichts zu thun haben.] 

207) *ad -|- ahd. hazjan hetzen; ital. agazzare 
reizen, quälen; frz. ayncer (vermutlich dem Ital. 
entlehnt), welches Vb. auch die Bedtg. „stumpf 
machen (Zähne, Messer)" angenommen, wofür alt- 
frz. aacitr gesagt wurde. Vgl. Dz 8 afmazzare; 
Mackel p. 66 f. (M. hält für möglich, dafs aacier 
= germ. azjan, ahd. ezzen, nhd. ätzen, sei); Wedg- 
wood, R VIII 435 (stellt germ. httattjan, wetzen, als 
Grundwort auf, vgl. dagegen G. Paris, R VIII 436 
Anm.). GoUob (Olmütz) vermutet (nach brieflicher 
Mitteilung) das Grundwort zu agacer in dem griech. 
äyd^iiv, welches z. H. bei Alschylos, Hiketides 
1062. auch in transitiver, der des frz. Verbs sehr 
nahekommender Hedtg. gebraucht wird. 

208) [*äd + hizz-äre (v. ahd. hizza ?); viell. 
Grundwort z. ital. adizzare, aizzare, anreizen, 
hetzen. Vgl. Dz 379 izza; Mackel p. 100; Förster 
z. Chev. as 2 esp. 9604 u. Elie de Gilles 1591. 
ßaist, Z. VI 427, hält ad-izzare für entstanden aus 
einem zum Antreiben der Hunde verwandten Natur- 
laut. S. unten hetzen u. hizza.] 

209) ad höräni, zur Stunde, jetzt, gegenwärtig; 
ital. a ora, prov. aora, aor, (alt)frz. aore (mit 
off. fi); span. ahora. Vgl. Dz 227 ora. — Nach 
G. Paris, R VI 629 u. VII 129, u. Cornu, R VII 358 
ist auch frz. ore, or — ad horam, vgl. dajregen 
Suchier, Z. I 431 u. III 149. Vgl. endlich Gröber, 
ALL lU 140. 

210) [adhuc (adhuc, non aduc, App. Probi 225) 
kann nicht, wie Dz 17 anche anzunehmen geneigt 
war, Grundwort zu span. aun (= ad unum) u. 
noch welliger dasji-nige zu anche etc. sein.] 

211) ad illäm fidem; dav. altspan. ptg. alafe, 
alahe, aiue, Adv., fürwahr, meiner Treue, vgl. Dz 
416 alale. 

212) ad Illäm höram, zu jener Stunde, damals ; 
dav. ital. allora ; frz. alors. 

213) Sdimpleo, -ere, anfüllen; ital. adempiere; 



altfrz. aemplir; prov. azemplir: vgl. Meyer-L., Z. 
f. ö. G. 1891 p. 765. 
213») (ad ipsiim vgl. oben ^addesso.) — ad id 

ipsnm, vermutlich Grundwort zu r u m. adin, vgl. 
Ch. din.9. 

214) äditus, um (v. ädlre), Zugang; nach C. Mi- 
chaelis, Mise. 124, Grundwort zu ptg. cito, eido, 
heito, heido, in der Volkssprache aido, Vorraum 
vor einem Bauernhause. Sard. didu; ital. adito, 
Zugang; irrig fafst Canello, AG III 358, andito, 
grofser Gang, Vorhaus, als eine Scheideform zu 
adito. 

215) ädjScens «., das Anliegende, die Umgebung, 
der Bezirk, die Örtlichkeit, der (wohnliche) Ort, wird 
von Thomas, R XXI 506, in Anlafs einerVermutung 
Darmesteters als Grundwort zu prov. atze, frz. 
aise aufgestellt. So seltsam diese Ableitung auch 
erscheinen mag, so ist sie von Th. doch gut be- 
gründet und glaubhaft gemacht worden; das ital. 
agio hat Th. freilich unberücksichtigt gelassen. S. 
oben ad-atio u. unten asium. 

216) *ad-jecto, -äre (v. adjicere), zuwerfen ; rum. 
a'iept, ai, at, a, werfen, richten, erreichen, finden, 
vi,'l Ch. .1. V. — S. unten ejecto. 

217) *äd-jejünium, n.; rum. ajun m., PI. aju- 
nuri f., Tag vor dem Fasttage, vgl Ch. s. v. 

218) *Sd-[je]jüuo -äre; rum. ajun, ai, at, a, 
vgl. Ch. ajun; span. apunar, fasten. Die übrigen 
rom. Spr. brauchen das Simplex [jejjünö, w. m. s. 
Vgl. G. Paris, R VIII 95; Gröber, ALL HI 141, 
setzt rum. njuna, span. ayunar = *jajunare an, 
8. unten *jäjüno. 

219) *äd-jiigo, -äre, ins Joch spannen, = ital. 
aggingnre. vgl. Salviorii, Post. p. 3. 

220) *äd-jringo, -jäuxi, -jünctum, -ere, hinzu- 
fügen: ital. aggiungo u. -.f/)(0, aggiunti, aggiunto. 
aggiungere od. -gnere; rum. ajung, junsei, juns. 
junge, vgl. Ch. s. v.; frz. altfrz. ojning , joins, 
Joint, joindre, nfr. adjoindre, joignis, Joint, joindre; 
span. adjungir. 

221) *äd-jüto, -äre (v. adjuvo), helfen; ital. 
ajut.are u. aUare (Pt. P. ajutante „che ajuta", 
aitante „vigoroso", vgl. Canello, AG III 331); rum. 
njut, ai, at, a, vgl. Ch. .v. v.; rtr. njüdar, ad{i)üder, 
vgl. Ulrich, Gloss. z. Chrest. II; prov. adjudar, 
ajudar, aidar, aizar; frz. aidier , vgl. Havet, R 
VI 323, aider , über die altfrz. Konj. des Verbs 
vgl. Cornu, R VII 420; der altfrz. Imperativ aie, 
aye wurde interjektional gebraucht, vgl. Dz 515 
aye; cat. ajudar; span. ayudar; ptg. ajudar. 
Trier (in „det philologisk-historiske Samfunds Min- 
deskrift in Anledning af dets 25 aarige Virksomhed", 
Kopenhagen 1879, p. 220) wollte frz. aidier v. 
nqitnre ableiten, vgl. G. Paris, R IX. 174. — Vgl. 
ädljütus. 

222) ädjütiis, -um m. (v. adjuvo). Hülfe; ital. 
ajuto (daneben das Vbsbst. aita). Die übrigen rom. 
Spr. brauchen statt dessen weibliche Verbalsub- 
stantive: prov. ajuda, ahia, altfrz. adiudha (in 
den Eiden), aiude, aüe, aie, nfrz. aide (in aide- 
de-camp auch in Bezug auf männliche Personen 
gebraucht), span. ayuda, ptg. ajuda. Vgl. Dz 10 
ajuto. Vgl. Berger s. v. adjutorie. 

*äd-juxto -äre s. jüxto. 

223) äd latus, zur Seite; ital. allato. Im Rum. 
besteht ein Vb. alaturez, ai, at, a, nebeneinander- 
stellen, gleichsam *ailaterare, vgl. Ch. lat. 

224) [*Sd-lImitäneug, a, um (v. limes), angren- 
zend, mutmafsliches Grundwort z. span. aledaflo, 
angrenzend, auch Sbst. „Grenze". Vgl.Dz418o/eda«o, 



21 



225) äd-llveo 



244) *äd-mör8n 



22 



wo mit Kecht die Herleitung aus angeblich baslc. 
*aldedano (v. aldea, Nachbarschaft, u. Präp. dano) 
abgewiesen wird.] 

225) *ad-liTeo, -ere, bezw. *ad-liTio, -ire = 
ital. alHbbire, erblassen, vgl. d'Ovidio. .\G XIII 
383. 

226) *äd-lupätns, *-itns (lüpus), hungrig wie 
ein Wolf; ital. aUiqmto, heifshungrig {aUuparsi, 
heifshungrig werden); frz. alloiivi (sallouvir), vgl. 
Cohn, Suffixw. 186 Anm. 

227) [*ad-niänsöno, -äre (v. raansus), vorauszu- 
setzender Typus f. neap. am,masonar{d), nach 
Hause gehen, sich zur Ruhe begeben; in demselben 
Dial. ist auch das Sbst. ammasonnluro Hühnerstall 
vorhanden. Vgl. Flechia, Mise. 205.] 

228) [*äd-manTlo, -Ire (v. got. wanvjnn, zube- 
reiten); prov. omanvir, -oir; altfrz. amanevir, 
bereit sein ; besonders üblich ist das Pt. Prät. in der 
Bedeutung „bereit, hitzig". Vgl. Dz 633 manevir.] 

229) [*ad-inästico, -äre, kauen; rura. amestec, 
ai, at, a, vgl. Ch. mestec. Die übrigen rom. Spr. 
kennen nur das Simplex.] 

230) [*ad-mat-ii-o, -äre (v. altn.Vb. tnata atzen), 
mit Speise anlocken, vgl. lat. ad-escare, ist nach 
Dz 506 das Grundwort zu frz. amadouer, liebkosen, 
wozu Vbsbst. amadou, Zunder (erst seit 1740 in 
dem Dict. de TAc). Mackel p. 48 erklärt, dafs er 
gegen Diez' Annahme nichts einzuwenden habe, es 
sei denn das Herabsinken von * zu d, was wohl bei 
got., aber nicht mehr bei altn. t geschehen könne. 
Wichtiger aber ist, dafs bei DIez' Hypothese das 
-ou rätselhaft bleibt, denn es läfst sich weder wie 
das ou in evanouir (aus Pf. eeanui) noch wie das 
<m in ha-fou-er = *biiifacjare v. fagus (vgl. Tobler, 
Z. X 577) erklären. Es war deshalb sehr berech- 
tigt, dafs von Suchier u. Tobler neue Herleitungen 
des Wortes versucht wurden. Ersterer (im Lit. 
Centralbl. 1884, No 50) nahm südfrz. amadour = 
amatnr-em, dessen r in Languedoc verstummt, als 
Grundwort an, was ohne Zweifel ein Fehlgriff 
war. Tobler dagegen (Z. X 576) ging von pic. 
amidouler aus u. erblickte darin ein aus der Ver- 
bindung ami doux hervorgegangenes Verb, dessen 
eigentliche Bedeutung also sein würde „jemanden 
als seinen ami doux bezeichnen u. behandeln"; 
bezüglich des -l- würde amidouler zu ami doii[x] 
äufserlich sich verhalten, wie noiiler zu soii[J], cou- 
eouler zu coucou, in Wirklichkeit freilich bestände 
die bedeutsame Verschiedenheit, dafs in soüler u. 
coucouler das l stammhaft ist. während es in ami- 
douler eingeschoben sein würde. Das i der zweiten 
Silbe konnte, meint T., einem a leicht weichen, 
nachdem einmal die Herkunft des Ausdrucks aus 
der Erinnerung geschwunden war. (Hiergegen läfst 
sich freilich einwenden, dafs ein Grund für diesen 
Vocalwechsel gar nicht ersichtlich ist.) Ist die 
geistreiche Vermutung Toblers richtig, so wäre am. 
formal u. begriiflich eine ähnliche Verbindung, wie 
es viell. ital. ammiccare ist, s. unten ad me, care.J 

231) [ä(d) ine (dafür ital. mi), cäre! Aus dieser 
Verbindung scheint das ital. Verb ammiccare, 
(heran)winken, sich entwickelt haben. Ein unge- 
fähres Analogen zu dieser Bildung würde frz. ami- 
douler sein, wenn man Toblers Herleitung (s. Z. X 
576, vgl. oben ad-mat-u-o) annehmen darf. Gröber, 
Mise. 39, erklärte dasVerbum aus ad me {—ammi) 
-f Suffix -[i]care, vgl. frz. tutoyer. Die Herleitung 
von amm. aus lat. ad-micare hatte bereits Dz 352 
H. V. zurückgewiesen.] 



232) *ad-inensurätiis, a, um (v. mennura), ge- 
mäfsigt; dav. rum. amäsurat, vgl. Ch. mäsurä; 
prov. ameziirnfz. 

233) ad mentem bäbeö, -ere in Erinnerung 
haben; <lav. prov. amentaver, altfrz. amptitevoir 
u. amentoiore, in Erinnerung bringen, erwähnen, 
also mit auffälligem Übertritt zu kausativer Be- 
deutung. Vgl. Dz 209 mentar. 

234) *ad-ineiito, -are, in Erinnerung bringen ; 
ital. ammentare; altptg. amentar. Vgl. Dz 209 
mentar. 

235) *äd-nierendo, -äre (v. merenda), davon rum. 
amerindez, ai, at, a, mit Lebensmitteln versehen, 
verzehren, vgl. Ch. merindä. 

236) *äd-meto, -äre (v. meta), nach einem Ziele 
richten; dav. altfrz. amoier , worüber Tobler z. 
Li dis dou vrai aniel p. 24 eingehender gehandelt 
hat. Scheler leitete das Wort fälschlich von neupic. 
amer = altfrz. ef^mer ab. 

237) [*ad-minätiätor, -5rem (v. minari), Be- 
droher, dav. Span, amenazndor: (eine ähnliche auf 
*adminitare [s. d.] zurückgehende Bildung ist rum. 
amenin{ätor. aweriv{ätor) ] 

238) [*gd-miiiito, -äre u. *ad-iiiinitio, -äre 
(v. minari), androhen; rum. amenin}, amerint, ai, 
at, a, vgl. Ch. win; altcat. amenassar; span. 
amenazar.] 

239) ad minus, dav. span. amen (de), abgesehen 
davon, ausgenommen, vgl. Dz 422 amen. 

240) Sd minUtum; dav. rum. amärunt , Adj. 
u. Sbst., zerkleinert, einzeln, Einzelheit, vgl. Ch. 
ntärunt. 

241) admissärins, -um (v. admitto) m., Zucht- 
hengst, Beschäler; rum. armäsar, vgl. Ch. s. v. 

*äd-molesto, -äre, s. ad-mnnesto. 

242) äd-moneo, -mönui, -Ttum, -ere, ermahnen, 
wohl nur im ital. ammonire (vgl. Salvioni. Post. 
3[257|) u. im rtr. admnner, volkstümlich admuni, 
erhalten, vgl. Gärtner. Gr. ^ 155 S. 128. 

243) [*ad-monesto, -äre (von dem Pt P. *monestus 
zu mnnere; über die Partizipialbildungen auf -estus 
hat Ascoli, AG IV 393, eingehend u. scharfsinnig 
gehandelt, nachdem er die Frage schon früher 
mehrfach gestreift hatte, AG I 402, 406, 409, 415, 
419 etc., II 4U5 unten; kurz zusammengefafst hat 
Äscoli's Ansicht Mussafia, Z. III 270 Anm. 1, unter 
Vorausschickung einiger Bemerkungen, deren er 
auch in seinem Beitrag zur Kumle nordital. Mund- 
arten p. 21 gegeben hat; vgl. auch Böhmer, ESt 
in 78. Ulrich's R VIII 264 gegebene Erklärung 
der betr. Bildung ist unhaltbar), ermahnen; prov. 
amonestar; frz. altfrz. amonester, dazu Vbsbst. 
moneste, monneste, V/artwing, vgl. G. Paris, RVIU 
264; nfrz. admoneter, einen Verweis erteilen; 
span. amonestar; ptg. amoentar. Vgl. Dz 16 
amonestar. — Cornu wollte das Wort zuerst, R III 
377, V. *admolestare , später, R VU 365, v. *ad- 
modestare herleiten; da jedoch die Annahme eines 
Pt.'s "monestus durchaus zulässig ist, so liegt kein 
Grund vor, die nächstliegende Ableitung zu be- 
streiten.] 

244) [gleichsam *Sd-mörso, -äre (v. morsus, 
Bifs, Gebifs, dav. ?nÖ5- = ital. mus-o, frz. *mus-; 
vgl. *mursellus ; museau; wegen des Überganges 
V. ö zu ü vgl. auch mörum : müre; freilich ist 
dieser Vergleich insofern nii-ht zulänglich, als müre 
auf das Frz. u. Rtr. beschränkt u. entweder aus 
*moure, *meure (vgl. [nous] eümes) entstanden ist 
oder aber als abnorme Erscheinung gelten mufs, 
denn ital, moro, prov. mora etc., es ist also die 

2* 



23 



245) *äH-mör8Ö8 



271) ä(l + t«n«8 



24 



Annahme dos Wandels von ö : ü immerhin höchst 
bedenklich, zumal da Ascoli's Ansatz [AG I 36] 
*tötare > frz. tuer „ganz und gar tödten" eine 
nur sehr schwankende Stütze gewährt), die Schnauze 
an etw. legen scheint der vorauszusetzende, selbstver- 
ständlich aber im Lat. nie vorhanden gewesene, 
Typus zu frz. {muser u.) amuser zu sein, dessen 
ursprüngliche Hedeutung also sein würde: ,,die 
Schnauze, das Gesicht auf etw. richten" („avoir le 
visage fiche sur un endroit" wird es im Dict. von 
Trövoux definiert), dann ,. anglotzen, mit Behagen 
beschauen etc." (Jedoch empfiehlt ein anderer Weg 
der Bedeutungsentwickelung sich mehr: muser 
gaffen, muse das Gaffen, das Zeitvertrödeln, davon 
amuser Jem. die Zeit vertrödeln lassen, Jem. hin- 
halten, unterhalten, s. auch unten unter mnrsus.) 
Diese von Diez 220 muso aufgestellte Herleitung des 
bekannten Verbs mag auf den ersten Blick aben- 
teuerlich erscheinen, sie ist aber dennoch begrifflich, 
weil glaubhafter, als alle sonst gegebenen Etymo- 
logien (lat. mussare; lat. musa: ahd. muoeön, un- 
thätig sein; altfries. miith, Mund; am ehesten könnte 
mannoch an txA\. mutzen, nachsinnen, denken; indessen 
dies ist vermutlich erst aus muser entstanden. Vgl. 
Dz a. a. 0., Scheler im Dict.» muser.)] S. *inüso. 

245) [*äd-iiiörsOs, a, um (Pt. P.P. v.mordeu); 
dav. frz. amorce , Sbst. f., Köder, dazu das Vb. 
amorcer, ködern. Das c erklärt sich durch An- 
lehnung an morcel, morceau = *morscellus, vgl. 
Gröber, Mise. 46 Vgl. Dz 643 morceau.] 

246) "'äd-morsfis (f. admörsiis) -um (v. admordeo) 
m., das Anbeifsen, davon span. ahnuerzo, der An- 
bifs, das Frühstück (al- a]so = ad- u. nicht =arab. 
Artikel), dazu das Vb. almorzar; ptg. almo(r)Qo. 
Vgl. Dz 421 almuerzo. S. unten disjejüiio. 

247) [' äd-mörtieo, -äre, *gd-inörtio, -äre u. 
-Ire, *äd-niortiseo, -ere, *8d-inorto, -äre {v.mors), 
ertöten; ital. ammorti-re ; -zare, -tare; rum. amor- 
iesc, ii, ü, i, vgl. Ch. mor; prov. amortir, -ar, 
anwrtezir; frz. amortir; span. amortir, amnrtecer 
(daneben amoriiguar, span. Sonderbildung, welche 
nicht = *mortificare angesetzt werden darf), -izar; 
ptg. amortigar, amorfeeer.] 

248) [gleichs *äd-iiiÖTitino, -Sre (v. mövilus f 
mötus], in Erregung bringen, aufregen, aufhetzen; 
ital. ammutinare , aufwiegeln; span. amotinar. 
Vgl. Dz 639 meute.] 

249) [*äd-infltio, -Ire (v. mütus), verstummen, 
zum Verstummen bringen; ital. ammutire; rum. 
amutese, ii. it, *'.] 

250) äd noctem, dav. altfrz. (aber auch in neu- 
frz. Mundarten, namentl. in der normannischen, 
noch gebräuchlich) anuit, diese Nacht, heute, vgl. ! 
G. Paris, K VI 629, u. P. Meyer, RIX 158, namentl. 
aber Espagne, Eev. des lang, rom 3 s. II 156, wo ' 
besonders auf die Bedeutung „heute" des Wortes 
eingegangen u. dieselbe erklärt wird. Suchier, Z I 
131, setzte o. = *ha nocte an, vgl. dagegen 
G. Paris a. a. 0.; span. anoche; ptg. {h)ontem 
gestern, vgl. Cornu, R XI 91. 

*ad-iiöcto s. *nofto. 

251) *äd-öcco, -äre, eggen; dav. span. ahuecar, 
die Erdschollen zerschlagen, aushöhlen, vgl. Dz 460 
hueco. 

252) *äd-octtIo, -äre, anschauen ; i t a 1. adocchiare; 
span. anjnr; ptg. olhar, vgl. Cornu, R XI 90. 

253) ädopero, -äre (f. adoperari), vernichten; 
rtr, dunrnr, vgl._Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 765. 

254) fidomo, -äre, schmücken; ital. adornare; 
prov. azornar; altfrz. aourner. 



255) ädöro, -äre, anbeten; ital. udorare: alt- 
frz. aourer. 

256) äd -f pectus, davon ital. appetto, gegen- 
über, dazu das Vb. appettare, widerstehen, vgl. Dz 
393 rimpetto. 

267) äd + pÖ8t = runi. apoi, dann, vgl. Ch. s. v. 
Sd + pressum s. appressum. 

258) äd + pr5pe= r um. aproape, nahebei; alt- 
frz. apruef (auch altital. aproto), vgl. Gröber, 
ALL II 103 Z. 1 V. u. 

259) [ädqaisitio, -önem f., der Erwerb (b. Cassian 
Conl. 24, 13, 3, vgl Petschenig, ALL V 138); ital. 
acquisizimie.] 

260) äd + qnod = rum. adecö , nämlich, vgl. 
Ch. ca. _ 

*äd-rädieo, -äre, s. oben *abradieo. 

261) [*äd-räinio, -Ire (v. anfränk. ramjan = got. 
hramjan, altn. hremma); dav. altfrz. prov. 
ar{r)amir, ramir, zusichern, bestimmen, vgl. Dz 509 
aramir, Mackel 45 u. 136, vgl. auch Thevenin, 
Mem. de la soc. de ling. de Paris II 222 (vgl. R 
III 124).] 

262) [gleichs. *gd-rätiöno, -äre (v. ratio); davon 
altfrz. (araisoner), araisnier, anreden, vgL Gröber, 
ALL I 243; über die Konjugation dieses Verbs vgl. 
Cornu, R VII 420.] 

263) äd + retro= (ital. addietro), raodenesisch 
adree, vgl. Flochia, A(j II 6 f.; prov. areire, frz. 
arriere hinter; ptg. (das abgel. Vb. arredar ent- 
fernen, dav. das Postverbale arreda Entfernung, 
auch interjectional gebraucht: ,, hinweg, fort!", ar- 
redio [gleichs. *ad-retrtvus] entfernt, vgl. altspan. 
radio, s. C. Michaelis, Frg. Et. p. 54), vgl. Dz 268 
retro. 

264) [*gd-re-tinco (uncus) = cat. arronsar 
krümmen, vgL Parodi, R XVII 53.] 

ad-ripo, -äre s. arripo, -äre. 

265) *ad-rümo, -äre; lomb. rüma, vgl. AG IX 
208, Salvioni, Post. p. 3. 

266) [gleichs. *äd-rtttubo, -äre (v. rütuba,\er- 
wirrung, Varr. sat. Men. 488), ist nach Storm, R 
V 165, das Grundwort zu span. alhorotar, ver- 
wirren, stören, davon das Vbsbst. alhoroto, ptg. 
alvoroto. Dz 417 führt das Wort zwar auf, be- 
merkt aber nur, dafs nach Engelmann dasselbe aus 
dem Arab. nicht nachweislich sei. Über sp. al- = 
lt. ad vgl. oben admorsus ^^ almuerzo. — Behrens, 
Metath. p. 54, stellt alhorotar mit ital. alberare, 
span. arbolar, frz. arborer zusammen. 

267) äd -f sätis, zur Genüge, = ital. assai 
(= ad + sa|t] + angefügtes adverbiales i nach 
Analogie von acanti, anzi, poi etc.); prov. assatz; 
frz. asses; altspan. altptg. asaz. assaz, vgl. Dz 
29 assai. Im neueren Span. u. Ptg. wird das Wort 
durch ' bastantcmente ersetzt. Vgl. auch Gröber, 
ALL III 521 unter magis. 

268) äd Signa, viell. = ptg. asinha (auf den 
Wink), sogleich, schnell, vgl. Üz 427 asinlia. 

269) äd + suprä = rum. asupra, über, vgl. Ch. 
s.v. Die übrigen rom. Spr. brauchen das einfache supra, 

270) äd -t- täntum, viell. = rum. atät, Adv., vgl. 
Ch. s. V.; möglii'herweise gehört auch altspan. 
atanto hierher, nicht aber haben wahrscheinlich 
mit ad tantum zu schaffen prov. aitant, altfrz. 
itant. Vgl. Dz 111 cotanto. 

271) äd + tenüs, bis,= altspan. atdnes, ptg. 
atem, ale, vgl. Dz 490 tc. — Dz 491 tino hält für 
möglich, dafs aus adtenus das ptg. Vb. atinar, 
zielen, das Rechte treffen (wozu das Vbsbst. *atino, 
tino, richtiges Urteil, Verstand) sich entwickelt habe. 



2b 



272) äd + trSns 



302) äd-vöto 



26 



*8d-titttlo, -äre s. at-titttlo. 

272) ad + träns ^prov. span. ptg. afcas, vgl. 
Dz 325 fräs. 

273) äd + tränsäctSm, in + tränsäeto (v. trans- 
iyo, durchtreiben, durchstofsen); davon nach Diez' 
(571 entresait) überaus scharfsinniger Vermutung 
die Adverbien prov. airaÄnjr, atrazag (altfrz. ewfre- 
sait), unverzüglich, sofort, gowifs, sicher. 

274) [ad + tum-ce = tttnc. Nach gewöhnlicher 
Annahme gehen auf ad + tunc zurück rum. atunci, 
prov. adoiic, altfrz. adonc, adont etc. In Wirk- 
lichkeit dürfte dies aber nur bezügl. des rum. Advs. 
der Fall sein, die entsprechenden Formen der anderen 
Sprachen aber, einsehliefslich der mit d anlautenden, 
dürften auf donec, bezw. ad -f donec beruhen.] 

275) adülter, -um w. {ulter — alter, \g\yan\ceVl 
66))«., Ehebrecher; altital. avoltero (neuital. adul- 
tero), Ehebrecher: rum. votru, Kuppler, vgl. Ch. 
s. V.: prov. avoultre, avnutre, -o, aoultre, Bastard; 
altfrz. avoutre, Bastard, dazu das Fem. avultere 
[vgl. Berger s. v.] u. avoultreresse , vgl. Tobler b. 
Leser p. 73; span. u. ptg. adultero, Ehebrecher 
u. ehebrecherisch. Vgl. Dz 515 avotitre; G. Paris, 
E X 61 u. XXUl 597, setzte für das Frz. mit Recht 
*ahulter an. 

276) adülteriuin «., Ehebruch; altfrz. avo(u)l- 
tire. 

277) [*ad-umbrio, -Ire (v. umbra), beschatten, 
= rum. adumbresc, ii, it, i, vgl. Ch. umhrä.] 

278) Sdumbro, -äre, beschatten; ital. adovi- 
brare; prov. azomhrar ; altfrz. aombrer. 

279) ädttiico, -äre, krümmen; lucoh. aoncare. 

280) [äd-fineiis, a, um (v. uneus), krumm, ein- 
gebogen; ital. adiinco ; rum. admc, dav. das Vb. 
adwcesc, ii, it, i, vgl. Ch. s. v.; span. ptg. adunco.] 

281) äd-ünö, -äre (v. unus), vereinigen. Im alten 
Ital. Prov. Span. Cat. aunar, in den neueren 
Sprachen, auch im Rum., nur als gel.W. adunar, 
rum. adun, ai, at, a, vgl. Ch. un. 

282) äd ünfim, dav, span. aun. Dz 7 anclie 
wollte das Wort, von adhuc ableiten. 

283) äd vallem (Quantität des a zweifelhaft, s. 
Marx vallis) = prov. aval, avalli; altfrz. aval, 
hinab. 

284) [*äd-vallo, -äre (v. vallis, Quantität des a in 
V. zweifelhaft, s. Marx s. v.), hinabsteigen, = frz. 
avaler, hinabsteigen, -schlingen. — Vielleicht Ab- 
leitungen V. avaler sind die Sbst. avalange, aoa- 
lanche, Lawine, u. avalaison, Giefsbach; ital. prov. 
lavanca, frz. lavange, -che dagegen dürften zu 
*labina (s. d.) gehören u. zugleich an das Vb. laiiare 
sich angelehnt haben. Vgl. Dz 513 avalange; Beh- 
rens, Metath. p. 94.] 

285) fid-vectö, -äre (v. veho), zufahren, = (?) 
ital. avettare, „saltare, passare", vgl. Caix, St. 174. 

ädVeniens, -tem (v. advenio), s. ad-venio. 

286) äd-venio, -Teni, -Tentum, •venire, an-, 
herankommen; ital. avvenire (die Konjug. sehe man 
b. venio), geschehen, vorkommen; 3 P. Sg. Präs. Konj. 
avvegna -]- che ^avvegnacche, Koujunkt., obgleich: 
der Inf. auch Subst. „Zukunft"; prov. avenir 
(Kon), s. b. venio), ankommen, gelangen, geschehen; 
Pt. Pr. avinen-s, zukommend, anständig, artig, vgl. 
Dz 513 avenant; frz. subst. Inf. avenir, Zukunft, 
adj. Part. Pr. avenant, geziemend. — In seiner ur- 
sprünglichen Bedtg. ist advenire durch *arripare 
(s. d.) frz. arriver etc., jüngere (ital. giungere) u. 
[dicare (span. llegar, ptg. chegar) verdrängt worden. 

287) 1. *äd-Tento, -äre (v. ventus), dem Winde 
preisgeben, lüften; ital. avventare, werfen; rum. 



avint, ai, at, a, refl. Vb. sich flüchten, vgl. Ch. 
V'int: span. aventar{iie) , fliehen (vom Vieh); ptg. 
aventar, lüften, wittern. Vgl. Dz 354 avventare. 

288) 2. äd-yento, -äre (v. advenio), ankommen; 
ital. aventare, gedeihen; sicil. abhentare, Ruhe 
finden, dav. Vbsbst. ubbento, Ruhe. Vgl. Dz 354 
avventare. 

289) Sd-Tentor, -örem »!., Besucher, Gast; ital. 
avventare Kunde, vgl. Salvioni, Post. 3. 

290) *ad-Tentürä, -am f. (v. advenio), Vorkomm- 
nis; ital. avventura; prov. span. ptg. aventura; 
frz. aeentiire. Vgl. Dz 32 avventura u. Gröber, 
ALL I 236. 

291) [*äd-TerifTeo, -äre = span. averiguar, die 
Wahrheit einer Sache untersuchen. Vgl. Dz 428 
averiguar. Richtiger fafst man das Wort als spa- 
nische Neubildung auf.] 

292) adTersäritts, a, um (v. adversus), entgegen- 
gekehrt; ital. altit. avversaro, -iere, (la versiera 
aus l'aversiera, Fora, zu avversiere), Sbst., Teufel, 
in der gleichen Bedeutung modenes. arvsari (vgl. 
Flechia, AG II 18, wo namentlich über ital. r = 
lat. d eingehend gehandelt wird): neuit. avversario, 
Adj. u. Sbst, vgl. Canello, AG III 303; altfrz. 
aversier Widersacher Gottes, Teufel, vgl. Berger 
s. V. 

293) äd verum, dav. rum. adever, Sbst. m., 
Wahrheit, P. adeveruri f., vgl. Ch. ,s. v. 

294) *ad- Visum, n. (Pt. P. P. v. videre); dav, ital. 
avviso, Ansicht, Meinung, Gutachten, Rat; prov. 
frz. avis, dazu die Verba avisar, aviser. Vgl. Dz 
343 viso. — Von *ad-vis-äre abgel. ital. avvisaglia 
„lo scontru di viso a viso, V affrontarsi" (bei Pueci 
auch in der Bdtg. von avviso), vgl. AG XIII 403. 

295) [*ad-vTtio, -äre u. *in-Titio (v. vitium): 
ital. avvezsare, gewöhnen: rum. inväf, ai, at, a, 
gewöhnen, lehren, studieren, vgl. Ch. s. v.; prov. 
cat. span. ptg. nvezar , avesar. Fafst man 
Vitium als ., Laster = böse Angewöhnung", so ist 
der rom. Bedeutungswandel leicht begreiflich. Vgl. 
Dz 344 vizio.] 

296) [*äd-vitto, -äre (v. vitta) + tortolare hat 
nach Caix, St. 175, ital. avvitortolare , „torcere 
insieme", ergeben.] 

297) äd + Tix = altspan. avi-s, kaum. Vgl. 
Gröber, ALL VI 145; Dz 428 avis. 

298) advocätor, -örem m. (advocare), ital. av- 
vocatore; (altoberital. avogadro, avogaro; alt- 
venez. avogadore, vgl. Salvioni, Post. 3). 

299) ädvocätus, -um m. {advocare); Rechts- 
beistand, Sachwalt; ital. avvocato; frz. avoui 
(u. avocat). 

300) äd-voeo, -äre, herbeirufen; ital. avvocare; 
prov. ptg. avocar ; frz. awiMe»' ist besser auf *äd- 
votare (a. d.) zurückzuführen, vgl. Scheler im Dict. 
s. v; as subst. Pt. P. P. avoue indessen ist = 
advocatus; span. abogar. 

301) |*Sd-volns, a, um (v. volu, -are), zugeflogen; 
dav. viell. prov. avols (vereinzelt auch in den alt- 
pyrenäischen Sprachen vorkommend; altcat. aul 
= avol wird von Vogel, p. 67, auf habilis zurück- 
geführt), fremd, elend, schlecht, feig. Vgl. die 
ausführliche Bemerkung b. Dz 514 avol, vgl. da- 
gegen Hentschke, Z VIII 122, wo habilis als Grund- 
wort aufgestellt wird. S. habilis.] 

302) [*äd-Tö.to, -äre (v. votum), angeloben ; dav. 
wahrscheinlich frz. avouer, wozu das Vbsbst. aveu, 
gleichs. = *advotum ; möglicherweise entstand dasVb. 

i erst aus dem Sbst., vgl. Scheler im Dict. .«. v. Dz 514 
avoiier führte das Vb. auf advocare zurück , was 



27 



303) ad-wifo 



322) aertlgo 



28 



wegen des dann anzunehmenden komplizierten Be- 
deutungswandels nicht glaubhaft ist, nur das sbst. 
Pt. P. avoue ist allerdings = advocatua.] 

303) [*äd-wifo, -äre (v. ahd. wifan. weben) = 
altital. aggueffare, beifügen (eigentl. anwehen), 
vgl. Dz 351 aggueffare, und Caix, St. 70] 

304) aedificium ri., Gebäude; altfrz. edeßs{wo- 
bei die Belegstellen nicht erkennen lassen, ob das s 
stimmhaft ist, vgl. Cohn, Suffixw. p. 39 Anm. 1); 
neufrz. edifice (gel. W., als solches auch in an- 
deren Sprachen vorhanden). 

305) aedifico, -äre, bauen; altfrz. mgier, vgl. 
Darmesieter, R I 164, 166, 169, Thomas, R XXVI 
436; ptg. eivigar (f. ««.), vgl. Cornu, Gramm, (in 
Gröber's Grundrifs I) § 185, C. Michaelis, Frg. 
Et. p. 19. (Nfr. edifier geistlich erbauen.) 

306) [aeser, ra, rnm, krank; dav. leitete Dz 614 
das altfrz. heingre, Rol. 3820, ab (u. hielt frz. ma- 
lingre, kränklich, für eine Znsammensetzung, woraus 
durch Umstellung wieder altfrz. mingrelin, ital. 
mingherlino entstanden sei); besser aber ist dies 
Adj. auf dtsch. hager zurückzuführen, vgl. Förster 
in Gautiers Gloss. zum Rol. s. v.] 

307) Aegidius, Personenname; frz. Gilles, eine 
komische Charaktormaske, davon viell. gilet, Weste, 
wie sie der Gilles zu tragen pflegte, vgl. R X 444. 

308) [aegrrötns, a, um krank; nach Dz 614 heingre, 
Grundwort z. altfrz. engrot, Krankheit, engrote, 
krank] 

309) *aegrypin8, -um in. (gr. aiyimiog), Geier, 
dav. ital. gheppio, vgl. Caix, St. 34; Dz 375 leitete 
das Wort von yv\p ab. 

310) *aegyptäiiU8, a, um (Aegyptus), aegyptisch; 
span. gitono (vgl. engl, gipsy) Zigenner; ptg. ^i- 
tano u. cigano; (ital. zingano u. zingaro ; frz. 
bohemien), — span. aziago = *aegyptiactii!). 

311) aegyptius, a, um, aegyptisch; dav. viell. 
ital. ghezzo, schwärzlich (aegyptius : ghezzo = 
gyp- : gheppio), vgl. Dz 375 ghezzo. 

312) [^aeqnällfico, -äre (v. aequalis + faciö), 
gleich machen, ist nach Dz 621 jauger das Grund- 
wort z. frz. (*egalger, *egavger, *gauger) jauger, 
aichen (engl, gauge); auch das Sbst. jalon.Ymer- 
stange, leitet Dz v. aequ. ab. Dz selbst bemerkt 
aber, dafs die Ableitung des Verbs v. qualificare 
noch näher liege. Soheler (im Anhange zu Dz 801) 
befürwortet die Ableitung von gal (woraus jalon) 
mittelst eines Typus *galica. Was gal betrifft, so 
schwankt er zwischen breton. gwalen Stange, got. 
valus Stock u. lt. rallus = frz. i/aule. Horning, 
Z XVIII 220 u. XXI 456, stellt dtsch. galga, gal- 
gen, Stange, Rute, Mefsrute als Grundwort auf S. 
unten Galgen.! 

313) aeqnälis, e (v. aequus), gleich; ital. (alt- 
ital. if/uaie), uguale, Ad}., „liscio, lovigato", agtiale, 
avale, Adv., sogleich, vgl. Canello, AG III 334, u. 
Dz 353 avale; rtr. gual, engal, inqal etc., vgl. 
Ascoli, AG I 222, 111 Anm. 2, 398 Anm. u. III 
442; prov. engals, enguals, egals; frz. altfrz. iwels, 
vgl. W. Meyer, Z XI 540, nfrz. egal; span. ptg. 
egual, igual. 

314) aeque sie, ebenso; ital. cos'i (dasco- beruht 
wohl auf Angleichung an die mit [ecjco gebildeten 
Worte, wie eotesto etc.); rum. aja vgl. Ch. ^i; 
rtr. aschia, vgl. Ulrich, (iloss. z. Chrest. I; prov. 
acsi, aissi, eissi; frz. altfrz. eissi, issi, ainsinc, 
einseinc, ainsi, einst, ansi; nfrz. ainsi; cat. assi; 
span. altspan. ansi, neuspan. asi, ptg. assim. 
Vgl. Dz 110 cosi. 

315) aeque tälis, e, ebenso beschaffen, u. aeque 



tantus, a, um, ebenso grofs; ital. cotak = aequum 
t. (altit. auch aitale), cotanto; rura. aeätare u. 
cutare {aeque tantus fehlt); prov. aital; altfrz. 
itel, daneben altel, autel = al-talis u. altretel =. 
alterum talis; hltc&t. aytal; altspan. atal. Vgl. 
Dz 111 totale, cotanto. 

316) aequTnöctiam n., Tag- und Nachtgleiche: 
überall nur als gelehrtes Wort vorhanden , z. B. 
altfrz. equinoce, daneben equinoction , vgl. Berger 
s. V.; neufrz. equinoxc. 

317) aeqnitas -tätem f., Gleichheit; ptg. equi- 
dade. eguedat, yeguedat, enguedaf, vgl. C. Michae- 
lis, Frg. Et. p. 26, u. Meyer-L., Z XIX 271; sonst 
nur gel. W. 

318) äer, äerem (gr. «»Jp) m., Luft; ital. aere, 
aire, arem. (letzteres b. Dante, Vita Nuova, cap. 28; 
cader gli augelli volando per Vare, vgl. Canello, 
AG III 401 Anm. 1 ; über mundartl. Formen vgl. 
Salvioni, Post. 3.) u. aria f., entstanden aus dem 
Adj. *arius, -a. v. *are für aerius v. aer, vgl. Canello 

a. a. 0. u. Dz 6 aere. Das Fem. aria hat neben 
der ursprünglichen auch die übertragenen Bedeu- 
tungen „Melodie, Laune, Aussehen, Miene"; wie 
dieselben aus dem Begriffe .,Luft" sich entwickeln 
konnten, ist unschwer begreiflich: die Luft ist die 
Trägerin des musikalischen Klanges, die Laune aber 
samt dem durch sie bedingten Gesichtsausdrucke 
ist gleichsam die wechselnde Melodie des Gemütes, 
wie sie ja auch im Deutschen mit dem auf die 
Musik bezugnehmenden Ausdruck , .Stimmung-' be- 
zeichnet wird; von aria ist wohl abgel. das Vb. 
arieggiare gleichen, ähnlich sein (eigentl. wohl „an- 
wehen, ansäuseln"); rum. aer m., PI. aere f., vgl. 
Ch. s. V.; rtr. aria, prov. aire, ayre, aer-s; frz. 
air; span. aire; ptg. ar. Wie im Ital., so besitzt 
auch in den übrigen rom. Spr. das Wort neben der 
eigentlichen die oben erwähnten übertragenen Be- 
deutungen. Vgl. Dz 6 aere. 

319) [aera, -am /'. (v. aes), die gegebene Zahl, 
Rechenposten, Zeitraum (in dieser Bedeutung nur 

b. Isid. 5, 36, 4, s. Georges); ital. span. ptg. era; 
frz. ere. VgL Dz 126 ero.] 

320) aerämen u. *aramen, n. (v. aes), Erz, Com- 
modian. inst. 1, 20, 6; im Roman, hat das Wort 
die besondere Bedeutung „Kupfer" angenommen. 
Ital. rame, dav. viell. abgeleitet ramarro , eine 
Eidechsenart (vgl. dtsch. „Kupfereidechse", vgl. 
Mahn, Etymolog. Untersuchungen LXXXVII u. 
Flechia, AG III 162, der letztere hält jedoch auch 
Ableitung von raimts für möglich , wonach das 
Grundwort *ramarius sein würde, wovon auch frz. 
ramier wilde Taube); rum. aramä f., PL arämi w. 
arämuri, vgl. Ch. s. v.; rtr. iröni, vgl. Ascoli, AG 
III 443 Z. 1 V. u. im Texte u. 466; prov. aram; 
frz. airain (über das altfrz. Fem. airaine, Trom- 
pete, vgl. W. Meyer, Ntr. p. 80. u. Cohn, Suffixw. 
p. 185 Anm.); cat. nrum; span. arambre, alambre; 
ptg. arame, Mcs8ing(draht). Vgl. Dz 262 rame; 
Gröber, ALL I 242. 

aero s. ero. 

äereus, a, um u. äerius, a, um, s. aSr. 

321 ) aerügino, -äre,Ecol. (s. Rönscb, Italap. 154) 
u. *aerügjniö, -Ire, rosten; ital. (ar- u. ir-)rug- 
ginire: rum. ruginesc, ii, it, i, vgl. Ch. rugina; 
prov. {e)ruginar. Anderer Herkunft ist frz. rouüler, 
vgl. unten *robigula, Scheler im Dict. s. rouille. 

322) aerügo, -ginem f. (v. aes), Kupferrost, Grün- 
span; ital. ruggine; rum. ruginä, s. Ch. s. v.; 
rtr. ruina (vgl. Gröber, ALLV238); (altfrz. ruyn, 
ruym gehört wohl zu ruhigineni, vgl. Leser p. 110); 



29 



323) aescfilüB 



349) äf-fläöco 



30 



span. orin, vgl. Dz 278 ruggine n. 487 serrin. 
S. u. ferrügö. 

323) aesculus, -um /. (v. \/id, aid, schwellen, vgl. 
Vanicek I 84), Wintereiche (Qnerciis robur, Willd.) 
oder Speiseiche (Quercus aesculus L.); ital. escolo, 
esclHo, ischio, vgl. Dz 379 ischio; mit dem Eigen- 
nameu Ischia hat das Wort nichts gemein, vgl. 
Ascoli, AG III 459 Anni. Vgl. Gröber, ALL II 278. 

324)aestä8, -ätem f. {\.\/idh, aidh, brennen, vgl. 
Vanicek I 85), Sommer; \ta]. State; rtr. utad, sted 
etc., vgl. Ascoli, AG I 222 Anra. 4 u. III 443 Z. 1 
V. 0., Gärtner, § 106, S. 84; prov. estat-z; frz. 
este, ete m. (der Genuswechsel durch Angleichung 
an printnnps (nutomne) u. hiver veranlafst). Die 
pyrenäischen Sprachen haben das Wort aufgegeben 
und brauchen dafür eine Ableitung von vcr: span. 
vernno, pts. veräo (neben estio). 

325) aestimo. -äre (v. \/is, ais, begehren, schätzen, 
vgl. Vanicek I 89), schätzen; ital. stimare, dav. 
Vbsbst. stimo u. stima; rtr. stiniar u. stimer, dav. 
Vbsbst. Uima, vgl. Ulrich, Gloss. z. Chrest. I u. II; 
prov. «Äjnar; altfrz. esmc?'; altspan.u. altptg. 
asmar, osmar. Vgl. Dz 128 esmar u. 403 stimare. 
— Altfrz. acesmer hat mit aestimare nichts zu 
schaffen, vgl. oben *ac-cismo. 

326) aestiTälis, e, sommerlich; dav. (?) it. stivale, 
Sbst. (Somraerschuh), Stiefel; prov. estival ; altsp. 
estibal. Vgl. Dz 307 8ti.oale. S. strip (AG XIV 299). 

327) *aestlTätium n., sommerlicher , d. h. nie- 
drigster Wasserstand; frz. etiage. 

328) aestivo, -äre (v. aestivus), den Sommer wo 
zubringen; dav. span. estiar (mit verallgemeinerter 
Bedeutung) irgendwo bleiben, sich aufhalten; ptg. 
estiar (in der Bedtg. sich an estio anschliefsend), 
schönes Wetter werden, zu regnen aufhören. Vgl. 
Dz 450 estiar. 

329) aestiTÜs, a, um (v. aestas), sommerlich, dav. 
ital. estivo, Ady, u. stio, Shit., Sommerlein; sard. 
istiu; prov. estiu; span. ptg. estio, vgl. Dz 404 
stio u. Canello, AG III 362. Vgl. Meyer-L., Rom. 
Gr. II p. 438. S. auch messis aestira. 

330) aestüärium M., Seelache; frz. ctier, Wasser- 
graben; span. ptg. estero, -eiro. 

331) aetas, -ätem f. (v. St. ai-va, wov. auch 
aevum, gr. alaiv etc.), Alter; ital. etate, etade, 
etä; rtr. eted, s. Ulrich, Gloss. z. Chrest. I; prov. 
etat-z; altfrz. ae; span. edad, idad; ptg. edade, 
idade. 

332) *aetäticüm, n. (v. aetas), Alter; dav. frz. 
edage, eage. (aage mit Anlehnung an ae), (Ige, vgl. 
Dz 503 (Ige. 

333) ["aetätöSDS, a, um {aetas), alt; ptg. idoso, 
doso, vgl. C. Michaelis, Frg. Et. p. 21 unten.] 

334) [gleichs. '"afdöjo, -äre (v. got. afdaajan, 
bezw. afdojan, quälen, abmartern); dav. nach Caix, 
St. 169, ital. (aret.) atojare, „affannare, affati- 
care".] 

335) [äf = äd + faeere, zu thun = ital. affare 
m., Geschäft, frz. affaire f. (der Genuswechsel 
durch die Endung veranlafst), vgl. Scheler im Dict. 
s. «.] 

336) [*äf-fäcio, -äre (v. facies), vor das Angesicht 
bringen, dav. ital. affacciar[si), sich sehen lassen, 
auch: glatt, eben machen.) 

337) [affaniae oder afannae,-as/'.ij2. (Herkunft des 
bei Apulej. Met. 9, 10 u. 10, 10 sich findenden Wortes 
ist dunkel), leere Ausflüchte; wenn Goltz, ALL II 
597, fragt „ist das Wort identisch mit ital. af- 
fanno?", so ist darauf mit einem entschiedenen 
„nein" zu antworten. Vgl. oben adhano.] 



338) [*äf-fascio, -äre (v. fascis), zusammenbinden, 
dav. ital. affascinre (hat die eigentl. Bedtg. be- 
wahrt); prov. aff'aissar u. frz. affaisser (sind in 
die Bedeutung ,,durch eine Last niederdrücken" 
übergegangen). Vgl. Dz 134 fascio.] 
; 339) [*Sf-faut», -äre (v. *fautus f. folus), ver- 
, hätscheln, sicher, dreist machen; nach Moraes, dem 
j G. Paris, R IX 333, beistimmt, Grundwort z. span. 
I (nliotar) ahotado dreist, ptg. afoutar, dazu Vbadj. 
afoitto, sicher, dreist. Förster, Z III 563, leitete 
das Wort von fiiltus ab. Dz 460 hoto von fötus, 
was wegen des ou im Ptg. unstatthaft ist.] 

340) dtsch. äffe = rtr. dfa f., vgl. Gärtner, 
Gr. § 22. 

341) Sf-feeto, -äre (v. afficio), (zu einer Sache an- 
dere) hinzuthun;ptg. affeitar, zurichten, schmücken: 
altfrz. afetier, afitier, vgl. Förster zu Yvain 70; 
span. afeitar, schminken. Vgl. Dz 415 afeitar. 

342) *affectug, -um, m. {afficere), Gemütszustand, 
Stimmung u. dgl.; altfrz. aßt, Neigung, Liebe, 
(aber auch) Beleidigung, Schimpf, dazu das Vb. 
afitier, vgl. Förster zu Yvain 70. 

*äf-ferIo, -Ire s. ferio. 

343) Sf-flbulo, -äre (v. fibula), (ein Kleid) mit 
einer Spange befestigen; ital. affibbiare, mit einer 
Spange an.stecken; prov. afiblar. afablar (mit der- 
selben Bedtg. wie im Ital.); frz. «ffubler, einhüllen 
(abnorm ist der Wandel des i zu m). Vgl. Dz 503 
äff übler; Gröber, ALL I 236. 

344) [*af-fIcto, -S,re{y.fictu8 i.fi.vus), fest machen; 
davon ital. affittare, vermieten. Vgl. Dz 141 fitto. 
S. auch unten loco.] 

345) [*äf-fidflcio, -äre (v. fides), anvertrauen; 
dav. span. afiuciar, ahuciar, Vertrauen einflöfsen, 
vgl. Dz 451 fiücia.] 

346) *äf-fllio, -äre (v. filius), an Kindesstatt 
annehmen; prov. afilhar ; frz. affilier (gel. W.); 
cat. afiUar; span. afijar, ahijar (dav. ahijado, 
Pate), ahijar hat auch die Bdtg. „Junge werfen"; 
ptg. aßliar. — Im Rum. wird *infiliare = infiez, 
ai, at, a gebraucht, vgl. Ch. fiu. 

347) *äf-fIlo, -äre (v. filum), an einem Faden 
aufziehen, die Schneide eines Werkzeuges faden- 
dünn, scharf machen, schleifen (die letztere Bdtg. 
ist im Rom. die übliche); ital. affilare; prov. 
afilar; frz. affiler; span. ahilar, in einer Reihe 
gehen; ptg. afilar, zuspitzen. 

348) [*af-fIno, -äre (v. *finus, fein), fein machen; 
ital. affinare; rum. afin, ai, at, a, vgl. Ch. fain; 
prov. afinar; frz. affiner u. r-affiner (altfrz. auch 
afiner, beenden, v. fin = finis; cat. span. afinar; 
ptg. affinar).]_ 

349) [*äf-flatico, -äre (am wahrscheinlichsten v. 
lat. fläto, blasen, vgl. Storm, R V 179, Scheler im 
Dict. s. flatter, indessen ist auch die Ableitung vom 
altn. flatr, flach, glatt, als möglich zu bezeichnen, 
vgl. Mackel 68), anblasen, Luft zufächeln u. dadurch 
jem. ein Behagen bereiten, daher in übertragener 
Bdtg. liebkosen, schmeicheln (oder: glatt machen, 
streicheln, schmeicheln). Afflaticare ist nach Storm, 
R V 178, das Grundwort z. span. halagar, lieb- 
kosen, das demnach mit frz. flatter stammverwandt 
wäre. Dz 457 halagar stellte bezüglich der Her- 
kunft des Verbs zwei Vermutungen auf: entweder 
sei es abzuleiten von got. thlaihan, naQaxaküv, 
^vayxali^foi^ai , oder aber es sei als Kompositum 
fa-lagar zu fassen, dessen zweiter Teil dem got. 
(bi)laigdn, belecken, wovon auch span. lagotear, 
prov. lagot (vgl. Dz 623 lagot), entspreche. Die 
erste Annahme stöfst jedoch auf grofae lautliche 



31 



350) äf-fligo 



366) ägino 



32 



Schwierigkeiten , die zweite aber läfst das fa- un- ; 
erklärt. In Bezug auf die Lücke der zweiten Diez- 
schen Hypothese trat Cornu, K IX 133 u. X 404,' 
ergänzend ein, indem er, auf vereinzelt vorkommen- , 
des fallagar sich berufend , das Wort aus fticiem j 
> faz, hnz Hegare oder lagare = laic/ün, das | 
Gesicht belecken , erklärte. In ähnlichem Sinne ; 
sprach sich Brinkmann, Metaphern 244, aus. G.Paris | 
aber wies , R X 404 Anm., darauf hin , dafs auch 
frz. /lauer ursprünglich ,,mit der flachen Zunge be- < 
lecken" wie (der Bär sein Junges) bedeute. Bedenken | 
dagegen äufserte Baist, Z IV 474. Der letztere 
Gelehrte vermutete, RF I 134, dafs halagar eine, 
Scheideform zu folgar, holgar = lt. foUicare (vgl. 1 
Dz 459 Jiolgar) sei , Übertritt von o vor Z zu a sei 1 
zwar sehr selten, könne aber durch die (in ahalagar) \ 
vorgesetzte Partikel (Assimilation) begünstigt wer- 
den; in Z VII 117 vermutet B. das Crrundwort in 
ahd. hlahhan. Alles in allem erwogen, bleibt Storm's 
Herleitung doch die wahrscheinlichste, da sie so- 
wohl den Lauten wie dem Begriffe leidlich gerecht 
wird. Vgl. unten flätito,] 

350) af-fllgo, flixl, fiictum, fligere, nieder- 
.schlagen, betrüben; ital. affligo, flissi,fliUo, fliggere ; 
alt frz. afflire, Pt. afflit; neu frz. affliger 
(gel. W.). 

351) äf-flo, -äre, anblasen, anwehen, (etwas an- 
schnuppern, auswittern, finden); ital. neap. axiare, 
sicil. asciari ; rum. a/iu, ai. at, «, vgl. Ch. s. v.: 
rtr. afflar , vgl. Ascoli, AG I 57 u. 111 Anm. 1, 
VII 515 (über die Konjug. des Vbs. s. ebenda 463); 
span. ajar (hat im Neuspan, die Bdig. , .beleidigen" 
angenommen, welche aus „anblasen, anrühren" eich 
unschwer erklärt) u. fallar, hallar (durch Umstel- 
lung aus afflar, finden); ptg. aflar, achar. Vgl. 
Dz 414 achar u. 458 hallar; Schuchardt, Z XX 
535 (Seh erachtet *afflo = span. Itallo für ein aus 
Redewendungen, wie afßatiim habeo, mihi afflatum 
ent abgezogenes Verbum). 

352) [*äf-f5Ilo, -äre (v. follis — frz. fou) , zum 
Narren machen , ist nach Tobler's [Ztschr. f. vgl. 
Sprachf. XXIU = NF. III 419] Annahme das Grund- 
wort zu altfrz. afoler (mit offenem o), jem. übel 
mitspielen, Leid, Schaden am Leibe anthun. vgl. auch 
G. Paris, R VI 156. Dz 142 follare hielt das Vb. für 
ein Komp. v. fouler, treten, es ist dies aber wegen 
der Qualität des o nicht möglich. Das Richtige hat 
Scheler im Anhang 727 nachgetragen. S. auch 
unten fallo.] 

353) [*Sf-föro, -äre (v. forum), den Marktpreis 
bestimmen, taxieren ; altfrz. a/ewrer; prov. span. 
ptg. aforar. Vgl. Dz 146 foro.\ 

354) [Sf-frönto, -äre (v. fröns), die Stirn zu- 
wenden, trotzen; ital. affrontare; (rum. infrunt, 
ai, at, a, vgl. Chr. frunte); prov. afrontar; frz. 
affronter: cat. span. afrontar, neusp. afrentar. 
Vgl. Dz 8 affrontare.] 

355) [*äNfUmo, -äre (v. fumus), anrauchen; ital. 
affumare; rum. afum, ai, at, a, vgl. Ch. fum; 
prov. afumar; span. ahumar; ptg. afumar,] 

356) [*äf-fundio, -äre u. 'äf-fQndo, -äre (v. 
fundus), vertiefen; ital. affondare; rum. afund, 
ai, at, a, vgl. Ch. fund; prov. cat. afonsar, -zar; 
altfrz. afonder: span. afondar, ahondar; ptg. 
afundar.] 

357) ndL afhalen, herabholen; davon frz. af- 
fahr, Tauwerk herunterziehen, vgl. Dz 503 affaler; 
Scheler im Dict.-' s. v. 

358) äfrleuB, -um m., (der von Afrika herkom- 
kommende) Westsüdwestwind; ital. affrico, vgl. 



Bianchi, AG XIII 1; span. dbrego. Vgl. Dz 413 
dbrego. 

359) ägärtcon, i, n. (gr. äyaptxöv), der Lärchen - 
schwamm (Boletus laricis, Jacq.), Plin. 25, 103; 
daraus soll (nach Dz 454 yarzo) entstellt sein span. 
garzo, Baumschwamm. Diese Ableitung ist nicht 
recht glaublich, u. eher möchte man das span. 
garzo für ursprungsgleich mit dem lomb. garzo (s. 
Dz 375 *■. V.) = *cardeus v. Carduus, Distel, halten, 
wenn auch freilich ein etwas eigenartiger, indessen 
wohl nicht unerklärlicher Bedeutungsü borgang an- 
zunehmen wäre. 

360) [agaso, -önem in., Pferdeknecht; sard. 
basone, vgl. Meyer-L., Z f. ö. G. 1891 p. 766, in- 
dessen ist die Ableitung wohl fraglich.] 

361) ahd. agaza (aus agatja?), Elster; ital. 
gazza, gdzzera: prov. agasna, gacha; frz. agace. 
Dz 159 gazza leitete das Wort von ahd. agastra 
ab. Vgl. Mackel, 12, 46, 62, 149, 174. — Eine 
Ableitung von frz. agace ist agacin, Hühnerauge, 
vgl. P'afs, RF III 495. — Über das Vb. agacer s. 
oben ad + hazjan; zu agaza gehört agacer nur 
insofern, als es altfrz. auch „wie eine Eistor schreien" 
bedeutet; agacer „reizen" ist = ad -\- ahd. hazjan 
hetzen; agacer „stumpf machen (Zähne, Messer)' 
ist vermutlich dasselbe Wort, dessen altfrz. volks- 
tümliche Form aacier lautete. S. oben Nr. 207. 

362) äger, ägrfim m., Acker, Feld, ist im Rom. 
fast gänzlich durch Campus verdrängt, selbst im 
Ital. findet sich das Wort nur vereinzelt mundart- 
lich, worüber zu vergl. Salvioni, Post. 4; erhalten 
ist das Wort nur im altrum. agru u. vielleicht 
im ptg. aro, ero, Stadtgebiet, Weichbild, vgl. Cornu, 
R XI 81 (Bugge, R III 160, hatte das M^ort auf 
änus zurückgeführt; Dz 425 verzeichnet aro, ohne 
eine Ableitung zu geben; Baist, Z VII 633, hält 
als Grundwort aroum für möglich). Vgl. unten 
anus. — Vermischung zwischen ager, area u. aer 
scheint vorzuliegen im prov. altfrz. aire, vgl. 
unten area. 

363) *äg-geiiüciilo, -äre (\.*genuculum i.genu; 
b. Tert. de poen. findet sich agge.niculari), die Kniee 
beugen; prov. agenoUuir : frz. agenomller ; cat. 
u. alt span. agenollar (das Neuspan, braucht statt 
dessen arrodillarse) ; ptg. agoelhar, jetzt ajuelhar. 
Das Ital. u. Rum. brauchen *ingenuculare, vgl. 
Ch. genunchiu. Vgl. unten *genüenIo. 

ägger, -erem, Damm s. ärger. 

364) [*äg-glädio, -äre (v. gladius mit Anlehnung 
an glacies); ital. agghiadare, vor Kälte erstarren 
(aber auch: erstechen); prov. esglayer, erschrecken, 
niederschlagen; altspan. aglayarse, erstaunen. 
Vgl. Dz 161 ghiado. Näheres s. unter gladins.] 

365) *äginä, -am /'. (v. agere, vgl. rulna v. 
ruere), Schnelligkeit (agina b. Tertull., pudic. 41, 
,, Schnellwage"; wo es sonst in der Latinität vor- 
kommt, bezeichnet es „das Loch , in welchem der 
Stift des Wagebalkens liegt und die Schnellwage 
sich bewegt", Georges); ital. agitia, aina, gina; 
altspan. agina, ahina ; altptg. aginha. Vgl. 
Dz 8 agina; Bücheier, Rhein. Mus. XXXVII 518; 
Gröber, ALL I 236; Tobler im Jahrb. XII 205 (zum 
Pariser Glossar 7692). 

366) ägino, -äre (v. agina), sich drehen u. wenden, 
ist nach Caix , St. 135 . das Grundwort zu ital. 
acciannarsi, „affaticarsi , adoperarsi", indem das 
vortonige i dem hochtoiiigen o sich assimiliert habe; 
auf acc. führt dann Caix wieder eine ganze Reihe 
sonst schwer erklärbarerWorte zurück {acciacinnarsi, 



33 



367) ägito 



385) «loxng 



34 



acciacciarc, cuKciare, ciaccione, aaccmo, accia- 
pinarsi). 

367) [ägito, -äre; davon wollte Trier frz. «irfier 
ableiten, vgl. oben ädjüto am Schlüsse.] 

368) ägnellfis, -um m. (Dem. v. agnus), Lamm; 
ital. aguelln : (sard. anzoui, ossol. agnön, vgl. 
Salviiini, Post. 4.); rum. miel , s. Ch. s. v.; rtr. 
das Fom. agnella, vgl. AG I 255, Z. 2 v. ob. u. 
VII 515; fxuy. ngnfl-s, anhels; irz,. agneau. Den 
pyren. Spr. fehlt dasWort, sie braiK^hen statt dessen 
Ableitungen v. chordus (s. d.). Vgl. Gröber, ALL 
VI 377. 

369) agnile n., Schafstall; sard. annile , vgl. 
Salvioni, Post. 4. 

370) ä§rnus, ägna, Lamm; abruzz. äyene, tar- 
rent. amo; altfrz. aigne; ptg. galiz. ojto. Vgl. 
Meyer- L., Z. f ö. G 1891 p. 766. 

371) [ägo, egi, actum, -ere, ist, mit Ausnahme 
des subst. gebrauchten Pt. P. N. (icttim [s. d.], den 
rom Spr völlig abhanden gekommen (frz. agir u. 
dgl. sind rein gel. W.); ersetzt wird es durch mi- 
rutre treiben, conducere führen, facere thun etc.] 

372) *agönio, -äre (v. gr. dywviäv), grofses Ver- 
langen nach etw. haben, dav. ital. agognare, vgl. 
Dz 851 aqoqnnre. 

373) [*SgorSsiä, -am (v. gr. dyopaala) f., ist nach 
Dz 377 grasvia das Grundwort des ital. Subst.'s 
grascia, Lebensmittel; Caix dagegen leitet, St. 38, 
das Wort v. granea [s. d.j ab. Liebrecht, Jahrb. 
XIII 230, bringt ganz unnötigerweise grascia in 
Zusammenhang mit sscr. grä-sa, gr. yQUOTig, dtsch. 
Gras. Das richtige Grundwort hat Canello, AG III 
370, in crass[i\a gefunden. S. unten crass[i]a.] 

374) Sgrestis, e, *ägrestins, a, um (v. ager), 
bäurisch, ist nach Caix, St. 39, das Grundwort zu 
ital. grezzo, greggio , roh, nicht bearbeitet (aber 
der Übergang von st : zz ist schwer glaublich, vgl. 
G. Paris, RVUI 618). Canello, AG III 348, nahm 
als Grundwort *gregius v. grex, zur Herde ge- 
hörig , gemein (also das Gegenteil von e-gregius) 
an, womit die Qualität des e (j?) sich nicht wohl 
vereinbaren läfat. Pumi endlich schlägt, Mise. 99, 
vor, als Grundwort ein Adj. *grevius, gebildet nach 
Analogie von *}evius f. levis = i tal. leggio, leggiero, 
anzusetzen; auch d'Ovidio, R XXV 295, spricht sich 
für *grevius aus und erklärt, dafs grez(z)(> ursprüng- 
lich venezianisch sei. Rönsch, RF III 372, glaubte, 
dafs greggio aus gr. *dyQOLXog entstanden sei, was 
ganz undenkbar ist. Auch Fumi's Annahme aber 
hat keineswegs die Wahrscheinlichkeit für sich, u. 
die Ableitung des Wortes mufs als noch fraglich 
bezeichnet werden , wie das schon Dz 377 gethan 
hatte. — Ital. agresto, Säuerling, geht nicht, wie 
Fumi p. 102 meint, auf agreslis, sondern auf acer 
(s. oben) zurück, dagegen ist agrestis im sard. 
areste „selvaggio" u. im lecc. riestu erhalten, vgl. 
Salvioni, Post. p. 4. — Dz 569 engres fragt, ob 
altfrz. engres hitzig, heftig, leidenschaftlich nicht 
etwa auf agrestis zurückgeführt werden könne. Die 
Frage ist entschieden zu verneinen. Ebenso ist aber 
auch keltischer Ursprung des Wortes abzulehnen, 
vgl. Th. p. 98. Das wahrscheinliche Grundwort ist 
ingressus (s. d.). Marchesini, Stndj di fil. rom. 
II 4, setzt ital. gresta „uva acerba" = agrestis 
u. das florentinische gnaresta „specie di uva aspra" 
= [vi]nea agrestis an. j 

375) [agrimöniä, -am f., Odermennig (Agrimonia 
Eupatoria L.), Geis. 5, 27, 10, davon frz. aigre- 
moine, vgl. Fafs, RF III 492.] 

376) bask. agnindu, anbieten, darbringen, ist das 

Körting, lat.-rom. Wörterbuch. 



wabrscheinlicho Grundwort für span. aguinaldo, 
agailandn, Weihnachtsgeschenk. Nach Liebrecht, 
Jahrb. XIII 231 , wäre das span. Wort sowie frz. 
agiiiUanneuf, Neujalirskuchen, aus dem Rufe der 
bretonischen Weihnachtsbettler ,,Eghinad d'e" 
(etrennes ä moi!) entstanden, wofür er sich auf de 
la Villemarque, Barzaz Breiz (4. Ausg. I 346) be- 
ruft. Es hat dies jedoch wenig Glaubwürdigkeit 
für sich, uamentl. was das frz. Wort anbelangt. 
Schuchardt, R IV 253, leitete ag. von ealendae ab; 
Dz 415 li''fs das Wort unerklärt. 

377j *ägilriüm n. (f. angurium), Vorzeichen, dav. 
rtr. agur, in einzelnen Redensarten, namentlich in 
catar d'agiir, beobachten, wahrnehmen, vgl Ascoli, 
AG VII 515; auch far agur ,,con8iderare", vgl. 
Ascoli, AG I 50; prov. aür Glück; altfrz. aür, 
eür in bon-eür, Glück, mal-eür, Unglück, nfrz. 
bonheur, iiialheur, worin das h auf falsch etymolo- 
gisierender Anlehnung an heitre = hora beruht; zu 
eür (Jieur) gehört das Adj. heureux, gleichsam 
*ngurosus; prov. u. altfrz. wurde auch das Pt. 
Prt. ahurat, eure, gleichsam *aguratus, als Adj. 
gebraucht. — Die übrigen rom. Spr. haben (abge- 
sehen von ital. augurio, gel. W., u. uria =:auquria) 
agurium volkstümlich u. mit der Bedtg. „Glück" 
nur in zusammengesetzten Ableitungen bewahrt, 
z. B. *ex-aguratus = ital. scia[g]iirato, unglück- 
lich, span. jauro (xauro), verlassen. Vgl. Dz 31 
augurio; Gröber, ALL I 237; Schwan, Z XII 198. 
Als gel. W. in der Bedtg. „Vorzeichen" = ital. 
augurio; prov. auguri-s; span. agüero; ptg. 
agouro. 

378) *ägfiro, -äre (f. auguro), vorhersagen; (ital. 
augurare) altoberital, agurar, aurar, vgl. AG 
XII 390; sard. aüra, mail. ingürd, vgl. Salvioni, 
Post. 4; rum. ur, ai, at, a, s. Ch. s. v.; altfrz. 
orer, wünschen, vgl. Tobler, Z I 480; prov. aurar; 
span. agornr; ptg. agourar. 

379) *Aga8tu8, -um, m. (f. Augustus), der Mo- 
natsname August; ital. agosto (sard. austu); rtr. 
avust; rum. august ; prov. agost, aost; frz. aaut; 
cat. agost; span. ptg. agosto. Vgl. Gröber, ALL 
I 237.' 

380) ah, Interjection, in allen roman. Spr. üblich. 
Vgl. Houle, Anthropolog. Vorträge, Heft 1 (1870): 
Zur Naturgeschichte des Seufzers p. 56. — F. Pabst. 

381) arab a'hlas, Fem. 'halsä, braunrotes Pferd, 
davon nach Devic span. alazan, alazano (frz. als 
Fremdwort aZ[<;]zaw), Fuchs (von Pferden). VgL 
Scheler im Anhang 766; Eg. y Yang. p. 96. 

382) kelt. Stamm *aibft f., *aibo in. (davon gäl. 
qoibli, freimdlicher Blick, freundliche Haltung), das 
Aufsei'e, freundliche Miene, ist vermutlich das 
Grundwort zu dem rätselhaften prov. aib-s, aip-s 
(auch haip-s geschrieben), ab-s, Sitte, Gewohnheit, 
Benehmen, vgl. Th. p. 88. Dz 504 aib brachte, 
aber freilich mit allem Vorbehalte, als mögliche 
Grundworte in Vorschlag: got. aibr , bask. aipua, 
arab. aub. Nach Settegast, RF I 237, ist aib = 
habeo, ab = habet, was lautlich unmöglich. 

384) anfränk. aibhor (ahd. aibar, bei Notker eißr 
u. eiver, ags. äfor); davon altfrz. afre, Schrecken, 
Grauen, nfrz. meist nur noch im PI. üblich: affres, 
Todesschrecken; zu affre das Adj. affreux. Vgl. 
Dz 503 aAe.-.Caix, St. 93, Mackel 114, 180. 

385) gr. aioxoq u. alaxQÖv, mit verschobenem 
Accente '^aiaxQov sind nach Wiese, Z XI 554, die 
Grundworte zu span. ptg. asco, sard. ascu, für 
welche Dz 426 asco u. Caix, St. 166, ganz andere 
Ableitungen in Vorschlag gebracht hatten, vgl. die 

3 



35 



386) *ai8k6n 



410) älbesco 



36 



beiden folgenden Artikel. Auch ital. ascMo, astio, 
Streit, Zwietracht, führt Wiese auf aisehion zurück 
(anders Dz 353 astio). Wiese's Aufstellungen haben 
grofse Wahrscheinlichkeit fUr sich. S. unten haifsts. 

386) [got. *aiskdii (ags. äscian, ahd. eiMn, fragen, 
nhd. heischen) scheint das Grundwort zu sein z. 
ital. aschero: „voglia, vivo desiderio", vgl. Caix, 
St. 166.] 

387) [got. airiskl, Schande, ist nach Dz 426 a.sco 
viell. Grundwort z. (ital.) piem. scür, Ekel, lomb. 
ascara, sicil. ascu, sard. atcamu, span. ptg. 
asco, Ekel, Abscheu, Neid, auch alt frz. asJceror, 
(s. Leser p. 72) dürfte hierher gehören, vgl. Seifert, 
Gloss. z. Bonv. da Riva p. 9 u. Caix, St, 166.] 

388) [neugriech. äscöfia, noch; dasWort hat mit 
rum. acuniä etc. ,jetzt, gleich' nichts zu schaffen, 
vgl. Krumbaoher, ßeitr. zu einer Gesch. d. griech. 
Spr. (Weimar 1884) p. 41. S. unten ecca[iii] + 
modo.] 

389) älä, -am f. (aus ag-la v. ago), Flügel; ital. 
ala u. ale (zum Sg. gewordener PI.), vgl. Canello, 
AG III 403 u. Tomm. 4960; rtr. prov. ala; frz. 
aile; cat. span. ptg. ala. 

390) bask. alabea, das sich nach unten Neigende, 
ist viell. das Grundwert z. span. alabe, Zweig; 
Mahn, Etym. Unters, p. 52, leitete das Wort von 
bask. adarra (Zweig) -\- he (unten) ab, vgl. Dz 415 
alahe. 

391) äläcer, cris, cre u. *älieer, *äl6crfl$,a, nm, 
(mit offenem e, s. W. Meyer, Ntr. 148 Anm., u. 
Seelmann, Ausspr. des Lat. p. 52), lebhaft; ital. 
allegro (im Dial. v. Lecce liegru, liegra , vgl. Mo- 
rosi, AG IV 118); rtr. friul. alegro, legro, Uro, 
vgl. Ascoli, AG IX 854; prov. alegre; frz. altfrz. 
alaigre, halaigre (A. et A. 2847), dazu das Vb. 
halagrer, -egrer,-egrir, nfrz. aliiyegre; cat. span. 
ptg. nlegre. Vgl. Dz 12 allegro; Gröber, ALL I 
237; Darmesteter, R V 147 Anm.; Förster, R St. 
IV 53 (reichhaltige Angaben über die altfrz. Formen); 
Meyer-L., Ital. Gr. § 50 (M.-L. ist geneigt, den Ur- 
sprung des rem. Wortes nicht im lat. alacer, *ale- 
crus zu suchen); Suohier glaubt, Gröber's Grundrifs 
I 630, dafs altfrz. halaigre durch Kreuzung von 
lat alncrem mit germ. hail oder häl entstanden 
sei. Alles in allem genommen mufs die Frage nach 
der Herkunft von allegro etc. für eine noch offene 
erklärt werden. 

392) Slamännüs, a, um, alemannisch, im Born, 
deutsch; prov. alaman-s; frz. allemand; span. 
Alenian; ptg. allemä, allemäo. Dem Adj. entspricht 
in den betr. Sprachen der Name für „Deutsch- 
land". — Der Italiener braucht als Adj. „deutsch"' 
= tedesco (ebenso der Rätoromane), als Sbst. aber 
Germania. 

393) arab. al-'amftra; dav. ital. alamari „allac- 
ciatura fatta con cordicini di sota o d'argenteria", 
span. alamar. Vgl Caix, St. 145; Eg. y Yang. p. 87. 

394) arab. al-anb!q (vgl. Freytag 1 62b), dav. ital. 
lambicco,lambtccio, ftmfcicco, Destillierkolben ; prov. 
elambic-s; frz. alambic; span. alambique; ptg. 
lambique. Vgl. Dz 187 lambicco; Eg. y Tang, 
p. 89. S. unten lambicco. 

395) Alänüg, -um »«., Alane, dav. viell. ital. alano, 
BuUenbeifser, Dogge; altfrz. alan ; span. alano; 
ptg. aläu. Dz 10 alano leitete das Wort von Al- 
banus (Albanier) , also ebenfalls von einem Völker- 
namen ab, wie dies auch schon Menage gethan 
hatte, Alanus liegt aber lautlich näher und begriff- 
lich nicht ferner. 

396) |*aIäpetto, -äre (v. alapa), nach Bartsch, Z II 



306, Grundwort zu dem einmal bei Peire Cardinal 
vorkommenden prov. Verbum eiss- {=''ex) oder 
deiss- {== de-ex) alabetar, dessen Bedeutung • aus 
der betr. Stelle nicht mit voller Sicherheit sich er- 
kennen läfst.] 

397) *älapo, -äre (viell. mit alapa zusammen- 
hängend, viell. aber richtiger mit gr. ?.(nili,siv, vgl. 
über das Wort u. sein Vorkommen in der spätesten 
Latinität Rönsch, Z III 102), prahlen, sich rühmen, 
ist das wahrschdnliche Grundwort z. span. ptg. 
alabar, loben, vgl. Rönsch a. a. 0. Dz 415 alabar 
leitete das Wort von allaudare ab, indem er Aus- 
fall des du.— was nicht statthaft — Verhärtung 
des u IM V Vi. weiter zu 6 annahm. 

398) arab. al-'aqrab, Scorpion,dav. span. alacran, 
ptg. alacräo. Vgl. Dz 416 alacran; Eg.yYang. p. 82. 

399) arab. al-'arabt, dav. span. alarbe, roher, 
ungebildeter Mensch, Vielfrafs; ptg. alarve. Yg\. Dz 
416 alarbe. 

400) arab. al-'ar'd, Heerschau (vgl. Freytag III 
137a); dav. span ptg. alarde. Vgl. Dz 416 alarde. 

401) arab. al-arlr, Getöse (vgl. Froytag I 24a); 
dav. span. ptg. alarido, Kriegsgeschrei. Vgl. Dz 

416 alarido, wo auch darauf aufmerksam gemacht 
wird, dafs in der altfrz. Chanson d'Antioche H 
122 den Saracenen der Kriegsruf „aride! aride" bei- 
gelegt wird; Coriiu, Z XVI 520, stellt lat. ululitus 
f.ululätus als Grundwort auf. Vgl. Eg. y Yang. p. 92. 

402) arab. al-arzah (vgl. Freytag I 25), eine 
Fichtenart, s. lärix. 

403) alatemus, -um f., immergrüner Wegdorn; 
sard. aladerric, vgl. Salvioni, Post. 4; prov. 
alader; span. ladierno. 

404) älanda, -am f. (gallisch-keltisches Wort, vgl. 
Plin. 11, 121), Lerche; dav. ital. aUodola, lodola, 
allodetta; (sicil, lödana); prov. alauza, alauzeta; 
frz. altfrz. aloe, vgl. Schwan Z XII 211; für ein 
Dem. von aloe erklärt Tobler (Sitzungsb. der Berl. 
Akad. d. Wiss., philos.-hist. CL, vom 13. Jan. 1893) 
frz. aloel, aloyau, eigentl. „eine Fleischschnitte, 
welche, wie ein kleiner Vogel (ein Lorchleiu), am 
Spiefse gebraten wird (auch neuprov. eluseto wird 
in ähnlicher Weise gebraucht); nfrz. alouette (davon 
bret. alc'houedeg, vgl. Th. 29); span. altsp. aloa, 
aloeta, neusp. alondra (nach calandra); (ptg. ist 
statt des Wortes eingetreten cotovia, sombria). 
Vgl. Dz 13 allodola. 

405) alausa, -am /,, Alse (ein kleiner Fisch); 
frz. alose, span. alosa. Vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 
1891 p. 766. 

alba, -am s. albus, a, um. 

406) albärius, a, um (v. albäre), zum Übertünchen 
der Wände gehörig (nur in dieser Bedeutung zu 
belegen, bedeutctu aber gewifs auch „weifslich" u. 
dgl.); dav. prov. albar, Sbst., frz. aubier , obier, 
Subst., Splint, Wasserholunder. Vgl. Dz 57 aubier. 

407) arab. al-baschärah, gute Nachricht (vgl. 
Freytag I 142b); dav. span.albricias, PI., Geschenk 
für eine gute Nachricht, dazu auch das Vb. albri- 
ciar, ptg. alvigara, Trinkgeld, Finderlohn, vgl. Dz 

417 albricia; Eguilaz y Yanguas p, 118. 

408) *älbenum (v. albus), mit Umstellung *bale- 
num, nach Nigra, R XXVI 556, Grundwort zu 
ital. baleno (weifslicher Lichtglanz), Blitz. S. unten 
ball am Schlüsse. 

} 409) *älbeoIn8, a, um, weifslich; dav. rum. albior, 
\ vgl. Ch. alh. 

410) älbesco, -ere (v. albeo), weifs werden; dav. 

sard. albeschere, abbresiri „far giorno", vgl. Sal- 

I vioni, Post. 4; rum. albesc, ii, it, i, vgl. Ch. (üb. 



37 



411) älbico 



433) al-färis. 



38 



411) Slbico, -äre, weifs machen; dav. ital. albi- 
care, weifsen (neben welchem alheggiare, ffleichs. 
*alMdiare. dämmern), vgl. Canello, AG III 373; 
sard. abbrigai .,arroventare", vgl. Salvioni, Post. 4 
(die Ableitung erscheint jedoch als sehr zweifel- 
haft). 

412) älbidus, a, um, weifslich; rum. albed. 

413) [älbinärinm n. (f. alvinarium v. <üvus), 
Bienenkorb; dav. nach Nigra, AG XIV 355, ital. 
arnin, cat. span. arnia.] 

414) '''älbispina (vgl. Gröber, ALL I 237) s. unten 
albus, a, um. 

415) *älbitia, -am (\. albus), Vi e\i»e; dav. rum. 
albenfa, vgl. Ch. alb, wo auch eine grofse Anzahl 
anderer, meist blofs auf das Eum. beschränkter Ab- 
leitungen V. albus angeführt ist; prov. albeza. 

416) arab. alboudaca, Klofs, ist nach Kaist, Z V 
233, dasGrundwort zu rtr. anduchiel; frz. andouille, 
Leberwurst, davon andouillette, Kalbfleischklöfschen, 
cat. mandonguilla u. mondonguilla ; span. albön- 
diga, albondiguilla,almondiguilla, dazu die Scheide- 
form mondongo, Kutteln, ptg. almnndega. Dz 508 
andouille leitete das frz. u. rtr. Wort sowie das 
gleichbedeutende neap. nnnglia v. lt. inductilis ab, 
und daran wird für diese Worte auch festzuhalten 
sein, vgl. G. Paris, R XI 163, XIX 451 u. Scheler 
im Anhang zu Dz 781; für die Ausdrücke der 
pyren. Sprachen dagegen wäre der arab. Ursprung 
recht denkbar, vgl. Kg. y Yang. p. 115. 

417) arab. al-bornos, Bock mit Kapuze (vgl. P'rey- 
tag I 115a); davon span. albornoz, eine Art grobes, 
wollenes Zeug, ein Mantel mit Kapuze; ptg. albnr- 
noz u. albernoz (nfrz. bournoua). Vgl. Dz 416 
albornoz; Eg. y Yang. p. 117. 

418) älbfllfis, a, um (v. albus), weifslich, ist das 
mutmafsliche Grundwort zu 1) ital. dlbaro, dlbero, 
Schwarzpappel, vgl. Dz 351 albaro , wo auch auf 
Blanc's Ansicht, dal's albero ^ arborem sein könne, 
ausführlich eingegangen wird — 2) frz. able (f. alble 
= albula). Weifsfisch, vgl. Dz 502 able. 

419) albümen, inis n. (v. albus), das Weifse; ital. 
albume; rum. albtme f.. vgl. Ch. alb. 

420) *älbündus, 'äbliindus, a, um (v. albus, 
vg\. rubicundus), weifshch, wird von Nigra, RXXVI 
555, als Grundwort zu ital. biondo, frz. blond 
angesetzt, ebenso zu altfrz. alborne, auborne. 
S. unten bland. 

421) älburnüm, i n. (v. albus), Splint; davon alt- 
frz. auboiir. Vgl. Dz 511 aubier. 

422) ilbtts, a, um (vom St.albha weifs, vgl.Vanicek 
I 64), weifs, ist als Adj. in den rom. Spr. nahezu 
gesehwunden u. durch germ. blank verdrängt worden 
(erhalten ist albus, doch nur in beschränktem Ge- 
brauche, im Rum. alb, vgl. Ch. ,s-. v.; sard. arbu 
Eiweifs; vgl. jualb, vegl. Salvioni, Post. 4; rtr, alf, 
alva, vgl. Ascoli, AG VII 515, u. ptg. alvo, weifs- 
lich, auch Sbst. : das Weifse im Auge, Zielscheibe, 
Ziel). Sonst lebt albits noch in vereinzelten Fällen 
substantivierten Gebrauches und in einigen Zu- 
sammensetzungen fort, nämlich; 1. alba, Sbst., im 
Cat. eine Pappelart bezeichnend, vgl. Dz 351 al- 
baro; 2. ital. prov. span. alba, Morgenröte, frz. 
aube (dav. aubaine [= albäni], Morgengabe, un- 
verhoffter Fund), ptg. (u. rtr.) alva, vgl. Dz 10 
alba; 3. *albispina, *albispmum, Weifsdorn, = 
prov. albespi-s, altfrz. albespine, albespin, nfrz. 
aubipine, Gröber, ALL I 237 {aubepine darf nicht 
= aföa .spmrt angesetzt werden, denn, wäre das Adj. 
mit dem Subst. verbunden, so würde nach Analogie 
von bejaune u. a. ein *epinaube zu erwarten sein). 



i Vgl. auch A. Darmesteter , R I 388 Z. 4 v. u. 4. 

i auf alb[us] -\- span. bazo, dunkelbraun, dürfte viell. 
span. albazano, hellbraun, zurückgehen (ptg. al- 
vaQäo, weiRfslich, direkt v, albus). Vgl. Dz 416 
albazano. Über alba als Kleidungsstück vgl. Havet, 
R VI 294. 

423) arab. al-cbäng-ar (vgl. Freytag I 530«, Eg. 
y Yang. p. 159), Dolch; dav. span. ptg. alfange, 
Säbel, vgl. Dz 419 alfange. 

424) arab. al-eharschof (aljorxofa nach Eg. y 
Yang. p. 124), Artischocke, davon ital. carciofo, 
span. ptg. alcarchofa, alcachofa, -fra. vgl. Dz 
27 articiocco, s. auch unten är'dl schankt u. ar- 
tytica. 

425) arab. al-chftzeo, berberisch az-zagäya (Eg. 
y Yang. p. 318), Lanzenspitze (vgl. Freytag I 483b), 
vielleicht Grundwort zu ital. «agiag'rja, Wurfspiefs ; 
prov. arssagnya; frz. zagaie (altfrz. arcigaye, 
archegaye), Assagaie; span. azagaya; ptg. aza- 
gaia, zagaia. Vgl. Dz 345 zagaia, wo aber be- 
merkt wird, dafs Engelmann 69 u. Dozy 76 andere 
Ableitungen vorziehen. 

426) *alehemilla, -am f. (arabisch?), Löwen- 
klau; ital. alchimilla; frz. acmelle; span. alqui- 
mila, vgl. Cohn, Suffixw. p. 49 Anm. Bei Eg. y 
Yang, ist das Wort nicht verzeichnet, 

427) arab. al-ehlU (aljilel, Eg, y Yang, p; 168), 
Nadel (vgl. Freytag I 472b) ; davon span. alfiler u. 
alßel (viell. an ßo angebildet), Stecknadel; ptg. 
alfmete. Vgl Dz 419 alfiler. 

428) arab. al-cbomrah, Teppich zum Beten (vgl. 
Freytagl472b); davon span. alfombra, Fufstoppich; 
ptg. alfambar; grobe, rote Bettdecke. Vgl. Dz 
419 alfombra; Eg. y Yang. p. 170. 

429) arab. al-ehörg (vgl. Freytag I 441a); davon 
span. alforja, Quersack, Felleisen; ptg. alforge, 
Quer-, Bettel-, Eeisesack. Vgl. Dz 419 alforja; 
Eg. y Yang. p. 171. 

430) *älenitu8, -um m. (aus anhelitus), Atem 
(sard. alenu); span. aliento ; ptg. alento. Vgl. 
Dz 12 alenare; Gröber, ALL I 237; W. Meyer, 
Z VIII 227j Behrens, Metath. p 97. 

431) *Slenö, -äre (aus anhelare, wohl durch 
halare, halitare beeinflufst), atmen; ital. alenare 
„tirar 11 fiato", u. anelare, „tirar il fiato lungo, 
aspirare moralmente", vgl. Canello, AG III 397; 
dav. Vbsbst. alena, lena, sard. alenu; prov. alenar; 
frz. haleiner, halener, dazu Vbsbst. haieine. (Span, 
ptg. ist respirar dafür eingetreten.) Vgl. Dz 12 
alenare; Gröber, ALL I 237. 

432) germ. alesna, Ahle (ahd. alansa); davon 
ital. lesina (bedeutet auch ,,Knauserei" und ist in 
dieser Bedtg. im Frz. als Fremdwort, lesine, er- 
halten; der seltsame Bedeutungswandel ist von 
Menage erklärt worden, freilich in sehr unbefrie- 
digender Weise, man sehe das Nähere bei Dz 192 
lesina); prov. alena; frz. alene (u. lesine, s. ob.); 
span. alesna, lesna. Vgl. Dz 192 lesina, Mackel 
46, 96, 173 (p. 46 setzt Mackel alesna, p. 96 da- 
gegen *älisna oder *älinsa als Grundform an). 

433) arab. al-fftrls, Reiter, Soldat (vgl. Freytag 
III 331b, Eg. y Yang. p. 161); span. ptg. alfa- 
raz, leichtes Pferd der maurischen Reiterei, vgl. Dz 
il9 alfaraz. Frz.: vielleicht aus ai-/ara6- entstanden 
sind altfrz. aufage, Pferd (vgl. Dz 511 aufage) so- 
wie das Adj. auferrant (prov. alferan), grau, wo 
Antritt des Suffixes -ant an den scheinbaren Stamm 
fer u. im Frz. Verdoppelung des r in Anleljnung an 
das Adj. ferrant, eisenfarbig (grau), stattgefunden 
hätte; für auferrant würde dann auch das ver- 

3* 



3J» 



434) al-Hl 



451) ällcöbl 



40 



meintlich damit zusammenhängende Partizipialadj. 
ferrant (prov. ferran) für ein Pferd von bestimmter 
grauer Farbe gebraucht worden sein. Vgl. Dz 582 
ferrant u. Böhmer, RSt I 258. Möglicherweise 
steht mit al-faras auch im Zusammenhang frz. 
haras, Stuterei. Vgl. Dz 611 harras; Baist, Ltbl. 
f. germ. u. rom. Phil. 1892 Sp. 24. S. unten ha- 
raceum. — Ital. alfiere, Fähndrich, Läufer (wohl 
erst aus dem Span, entlehnti; span. ptg. alferee, 
Fähndrich. Vgl. Dz 352 alfiere, 419 alferez. — 
Nicht auf arab. al-färis, sondern auf pers. fers, 
Feldherr, gehen zurück die prov. u. frz. Benennungen 
der Königin im Schachspiel: prov. fersa, altfrz. 
fieree, fierche, fierge, daraus durch Volksetymologie 
nfrz. vierge. Vgl. Dz 584 fieree. 

434) arab.-pers. al-fl], Elephant, ist in den rom. 
Spr. als Benennung der dem Könige, bezw. dem 
Feldherrn (der Königin , s. oben den Schlufs des 
vorhergehenden Artikels) nächststehendeu Schach- 
figur mit arab. al-färis (s. d.) = ap an. alferez etc., 
Fähndrich, vermengt worden, was eine Änderung in 
der Auffassung der betr. Figur zur Folge gehabt 
hat: der Kriegselephant wurde zum Fahnenträger, 
ja zum Läufer, im Frz. sogar durch volksetymolo- 
gieche Um- u. Andeutung (s. Fafs, RF III 505 
ohen) zum Hofnarren (die somit frei gewordene 
Rolle des Kriegselephanten wurde auf den Thurm 
übertragen); ital. alfido (neben alfiere); span. 
alfil, arfil; ptg. alfil, alfir; altfrz. aufin; nfrz. 
fou. Vgl. Dz 12 alfido. 

435) arab. al-fostoq, Pistazienbaum (vgl. Frey- 
tag in 146a); davon span. alfö^tigo, alföcigo, 
alfönsigo; ptg. alfostico. Vgl. Dz 419 alföcigo; 
Eg. y Yang. p. 169 leitet das Wort vom griech.- 
lat. pistacia, -um ab. 

436) SIgä, -am f., Seegras, Tang; ital. alga; 
frz. algue (gel. W); span. alga, aliga, ova (aus 
alga, *avga,*oga: Meyer L., Z XII 560, stellt Iva 
als (irundwort auf), vgl. Parodi, R XVII 70. 

437) arab. al-^abah {alchäaba, Eg. y Yang, 
p. 200), Köcher (vgl. Freytag 1 281); davon span. 
aljaba, ptg. aljava. Vgl. Dz 420 nljaba. (Über 
die Benennungen des Köchers in den rom. Spr. s. 
die eingehende Untersuchung von C. Michaelis, 
Jahrb. XIII 212 u. 308.) 

438) arab. al-^nbr {nlchebra, Eg. y Yang. p. 178, 
vgl. Lammens p. 13), Wiedereinrichtung zerbrochener 
Dinge, dann terminus technicus für eine Rechnungs- 
art (vgl. Freytag I 239''); davon ital. dlgehra; 
frz. algebre; span. ptg. älgebra (nur gel. W., 
daher auch die auffällige Betonung). Vgl. Dz 12 
(ügebra. 

439) arab. algaräbla, zu Algarve, d. h. zum 
Westen gehörig, die Sprache der Afrikaner, soll 
nach C. Michaelis, R II 87 Anm., das Grundwort 
zu frz. charabia, Kauderwelsch (insbesondere der 
Dialekt von Auvergne) sein. Möglicherweise ist 
frz. charabia, span. algarabia, ptg. algaravia, 
algravia, arabia nichts Anderes als charr'arabia 
arabische Redeweise, vgl. Lammens p. 85, Eg. y 
Yang. p. 176. 

440) arab. al-garfth, Streifzug auf feindliches 
Gebiet (vgl. Freytag III SOli"); davon span. alyara 
Streifzug, Haufe berittener Parteigänger, dazu Vb. 
algarear, das Kriegsgeschrei erheben, u. davon wieder 
dasVbsbst. algarada, Kriegsgeschrei (auch frz. als 
Fremdwort algarade). Vgl. Dz 419 algara; Eg. 
y Yang. p. 176 (setzt al-charräda „Scharmützel" 
als Grundwort für algarada an, vgl. dagegen Lam- 
mens p. 12). 



441) pers.-arab. al-^auhar, Edelstein (vgl. Frey- 
tag I säyb); davon span. aljöfar, kleine, ächte, 
schief u. unregelmäfsig gebildete Perle; ptg. aljofre. 
Vgl. Dz 420 aljofar; Eg. y Yang. p. 203.^ 

442) algeo, -ere, frieren; obwald. alger, vgl. 
Meyer-L., Z. f. il. G. 1891 p. 766. 

443) Al-gozz, Name eines türkischen Stammes, 
dessen Angehörige von den Almohaden zu Henkers- 
diensten gebraucht wurden; davon ptg. n/,(/o^, Henker, 
Scharfrichter. Vgl. Dz 419 <dgog; Eg. y Yang, 
p. 182. 

444) arab. al-gnbbah, baumwollenes Unterkleid 
(vgl. Freitag I 238"); ital. giubba, giuppa, Warams, 
Jacke (davon verschieden giubba, Mähne = lt. .^tifea); 
vielleicht gehört hierher auch cioppa, langes Frauen- 
oberkleid; rum. .^ubeä; rtr. gippa; prov. ,/upa; 
frz. jupe; span. aljuba, chupa. Vgl. Eg. y Yang, 
p. 204; Lammens p. 265. 

Dazu 1) die Deminutivbildungen ital. giubbetto, 
giuhbetta; frz. gibet, Galgen (eigentl. Krägelchen, 
vom Strick, der umgelegt wird; indessen ist diese 
von Diez aufgestellte Allleitung wohl nur ein geist- 
reicher Einfall, in Wirklichkeit dürfte gibet das 
Deminutiv zu gibe sein, wie Littre annimmt, u. mit 
gibier u. gibelet eine Sippe bilden, s. unten *capico 
am Schlüsse). — 2) Die Augmentativbildungen ital. 
giuppone; prov. jubo-s; frz. jupon; cat. gipö; 
span jubon (bezeichnet auch die Strafe des Staup- 
besens); ptg. jubäo, gibäo. — Vgl. Dz 766 giubba 
u. giubbetto. 

446) arab. alhäcbcb, alhadjidji, „peregrino 
mucho tiempo, romero que vu en romeria"; alt- 
span. alfage, alfaje; altfrz. aufage, Saracenen- 
häuptling, vgl. Thomas, R XXVI 413, Devic, Mem. 
de la soc. ling. de Paris V 37; Eg. y Yang, 
p. 156. 

446) arab. al-'ha^ab (od. aljfth), nötige Sachen, 
Kleider, Spielzeug; davon span. ptg. alhaja, al- 
faja, Möbel, Kleinod ; von ptg. r/Z/'a^a ist abgeleitet 
alfajate, alfajata, eine Person, welche etwas, nament- 
lich Kleider zurecht macht, Schneider, Schneiderin. 
Vgl. Dz 420 alhnjn; Eg. y Yang. p. 155. 

447) arab. al-^hauz, Bezirk (vgl. Freytag I 441a); 
davon span. ptg. alföz, Bezirk, Landschaft, Um- 
gegend. Vgl. Dz 419 alfoz; Eg. y Yang. p. 173 
(das Wort in zw^-i Artikeln behandelt). 

448) arab al-'bolbah, eine Pflanze, fenum grae- 
cum {yg\. Freytag I 415»); davon span. alholva, 
Bockshorn (ein Pflanzenname); ptg. PI. alforvas. 
Vgl. Dz 420 alholba; Eg. y Yang. p. 192. 

449) ['■'älTbänus, a, um (v. alibi), wo andershin 
gehörig: davon frz. aubain. Fremder, u. aubaine, 
unverhoffter Fund, wenn letzteres Sub.^t. nicht etwa 
= *albana (v. alba, Morgenröte, s. oben albus) ist 
u. eigentlich „Morgengabe" bedeutet. — Vgl. Dz 
511 aubain; Herrig's Archiv 98 p. 218.] 

450) älica, -am f. u. Slieum n., Speltgraupen 
(wohl von V ol abzuleiten); davon rum. alac, Spelt, 
Malz, s. Ch. s. V.; span. dlaga, Spelt, Dinkel, vgl. 
Dz 416 alaga. — Scheler im Anhang zu Dz 802 
ist geneigt, in frz. arigot, larignt (wofür Dz 625 
die Ableitung Frisch 's von dem musikalischen Kunst- 
ausdruek largo als lautlich untadelhaft bezeichnete), 
Flöte, eine Ableitung von alica zu erblicken. 

451) älicubl, irgendwo; davon ptg. algur, alhur, 
alhures (span. alubre = al- + ubi). Vgl. Dz 420 
algures (in seiner Gramm.' 744 leitete Diez ptg. 
alhures von aliursum ab, vgl. auch Munthe, Z XV 
232). Analog gebildet ist ptg. nenhures •= nee ubi 
nirgendwo, vgl. Dz 472 {ubi : ubre : ure). 



41 



452) *ällcanüs 



471) al-käfor 



42 



452) *alieünug,a, um (= aUqu[i!<] -\- unus), irgend 
einer; ital. alcuno, sard. alcunn; rtr. alchün; 
prov. alcus; frz. {alcun , daneben alcuen-s, d. i. 
al[i]c + uen-s = hämo, vgl. chascuen u. agen. 
ognomo, AG X 159, vgl. Meyer-L., Rom. Gr. I § 67) 
aucun; cat.algü: span. algunn; ptg, algum. Vgl. 
Dz 11 alcuno: Gröber, ALL I 237. 

453) ftl[id] (altlat., z. B. b. Lueret. 1, 263. Catiill. 
29, 15 vorkommende Form für al-iud), Anderes; 
davon prov. al, altfrz. al, el, altspan. altptg. 
al. Vgl. Dz 10 al: Gröber, ALL I 237. — Statt 
alid setzt man wohl besser *ale {*alis , e, nach 
talis, qual.is etc. gebildet) an. 

454) älienüs, a, um (v. alius), einem andern 
gehörig, fremd: ital. alieno (aavA. alenu), gel. W. ; 
frz. alien, aliene, gel. W., (im 16. ii. 17. Jahrb. 
aliene für beide Gesohlechter, jetzt veraltet, dagegen 
ist das Vb. aliener [gel. W.] sehr üblich), vgl. Ber- 
ger «.«;.; span. ageno; ptg. alheo. Vgl. Dz 415 
ageno. 

455) germ. alina, Elle; davon itaL alna, auna, 
alla; prov. alna; frz. aune; span. alna. ana; 
ptg. auna (neben ulna). Vgl. Dz 14 alna; Mackol 
12, 14, 57; G. Paris, E X 62. — Gröber, ALL I 
288, setzt lat. alna f. ulna an, wozu eine Notwendig- 
keit nicht vorliegt, wenn auch allerdings die von 
Gr. im Nachtrag zur ersten Ausg. des lat.-rom. 
Wtb's No. 392 vorgebrachten Gründe recht be- 
achtenswert sind. Auch Kluge (unter Elle) setzt 
alma als germ. Grundform an und leitet aus ihr 
die rora. Sippe ab. 

456) aliorsüm (aus alivorsum). anderswohin; dav. 
prov. alhorsi. frz. ailleurs. Vgl. Dz 504 ailleur.9. 

457) *(ali)quain = (?) rum. cam, Adv., leidlich, 
gut, gewissermafsen, beinahe, vgl. Ch. s. v. 

458) äliquSndö, einstmals; davon altspan. al- 
guandre, vgl. Cornu, R X 75. Dz Gr. I 361 hatte 
aliqtiantum oder aliquantulum als Grundwort an- 
gesetzt. 

459) äliqni, -qnae, -qnod (u. äliqnis, äliqnid), 
irgend einer, -jemand , irgend etwas. Von diesen 
Pronominibus sind im Rom. nur erhalten: 1. das 
Neutr. Sg. rtr. velc, vgl. Ascoli, AG 1 363 Z. 15 
V. ob. u 371 Z. 6 V. ob.; prov. altfz. alquea; 
span. ptg. algo. — 2. Acc Sg. M. span. alguien, 
jemand; ptg. nlguem. Vgl. Gröber, ALL I 237. 

Ersetzt wird das Pron. im Rom. durch Kompo- 
sitionen, wie aliqui -\- unus = *alicnnus (s. d.), 
irgend einer, qualis + quam -\- causa = ital. 
qualche cosh, frz. quelque chose, etwas, u dgl. 

460) [aliquot, irgend einige, soll zu dem frz. 
Speisenamen haricot, Gemengsei, Ragout von Kalb- 
fleisch, geworden sein (weil eine solche Speise aus 
einigen Bestandteilen sich zusammensetzt), u. dieser 
Name. soll dann wieder auf (grüne, geschnittene) 
Bohnen übertragen worden sein, weil dies Gericht 
eine gewisse äufsere Ähnlichkeit mit einem Ragout 
habe. So Genin, Recr. phil. I 46, worüber Dz 612 
haricot u. Schejer (im Dict. , haricot 1 u. 2) be- 
richten, vgl. auch Förster im Nachtrag (Nn. 397) 
zur ersten Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s. Die ganze 
Hypothese kann aber nur als ein gastronomischer 
Scherz aufgefafst werden, denn sie ist völlig un- 
glaubhaft, namentlich — worauf schon Dz a. a. 0. 
hinwies — in ihrem ersten Teile, weil ein Ragout 
vernünftigerweise nimmermehr als „aliquot" be- 
zeichnet werden kann. Schötensaok, p. 185 u. 219, 
erklärt haricot, Bohne, als aus *fardicot v. fard 
entstanden (also eigentl. ,. Schminkebohne") u. meint, 
dafs -CO* mit lt. cutis, gr. axvtog zusammenhänge (!). 



Espagnolie, I 231, erlaubt sieh den schlechten Witz, 
haricot, Bohne, vom griech. aXv§, aXvxog (das, 
nebenbei bemerkt, in den üblichen griech. Wörter- 
büchern, z. B. in dem von Passow, fehlt) abzu- 
leiten ( ! !). Der Ursprung des Wortes u. seiner 
Sippe (altfrz. harligote, Stück, harigoter, harligoter, 
zerstückeln; nfrz. haricoter , knickern, knausern, 
harieoteur, Knicker) ist eben vorläufig noch dunkel. 
Fast möchte man vermuten, dafs haricot in der 
Bedeutung ,, Gemengsei" eine Verballhornung von 
ragnut sei, die auf irgend welcher Volksetymologie 
beruht. Dafs aus dem Namen einer Mischspoise. 
in welcher gehacktes Fleisch eine grofse Rolle spielt, 
Worte mit der Bedeutung „Stück" u. ,, zerstückeln" 
abgeleitet werden konnten, würde man wohl glauben 
dürfen. Die Übertragung der Benennung haricot 
, .Ragout" auf grüne, geschnittene Bohnen, wie sie 
Genin annahm , ist wenigstens nicht undenkbar, 
zumal da dieser Gebrauch erst im 17. Jahrh. auf- 
kam. Nach G. Paris, R IX 575 Anm., ist es nicht 
unwahrscheinlich , dafs haricot aus dem mejieani- 
schen ayncotti entstanden sei.] 

461) al(i)-(Samm v. alius) oder *ale (Ntr. v. 
*nlis, e) -j- SIC eberso = ital als'i.; frz. aussi. 
vgl. Dz 512 aussi; rtr. aschi, vgl. Ascoli, AG VII 
516; in den übrigen rom. Spr. (gewöhnlich auch im 
Ital.) wird „auch" durch anche (ital., rum., s. oben 
ad hanc horam), aun (sp.) = ad unwn, ainda 
iptg.) = ab inde ad, auch durch tarn hene (span. 
tambien) ausgedrückt; vgl. auch die Zusammen- 
setzungen mit aeque, wie aeque sie = aissi. 

462) alice, -en u. alTca, -am /'., Speltgranpen; 
sard. dlighe ,,pan eiallo", vgl. Salvinni, Post. 4. 

463) 81(1)- + Jälis, ebenso beschafifen, — frz. 
autel, vgl. aeque talis. 

464) äl(i)- + täntns, ebenso grofs, = frz. autant, 
vgl. aeque talis: wall, ostä d. i. atissitant, vgl. 
Horning. Z XVIII 226. 

465) aliter ubi, anderswo; davon ital. altrove. 

466) [*alitto, -äre (ala), mit dem Flügel schlagen; 
davon nach Tobler (Sitzungsb. der ßerl. Akad. d. 
Wiss., philos.-hist. GL, vom 23. Jan. 1898 p. 16) 
frz. haleter pochen, schlagen (vom Herzen). G. 
Paris. R XXII 240, stimmte dieser Erklärung bei. 
Horning, Z XVIII 219, vermutet, dafs altfrz. ha- 
reter klopfen (an eine Thür) dasselbe Wort sei. 
Indessen erscheint Tobler's Annahme doch nicht als 
völlig frei von Bedenken : ein lat. *alütäre hätte 
frz. *alter, auter ergeben müssen; wäre aber von 
frz. aih ein Verbum abgeleitet worden, so würde 
dasselbe wohl das ai des Stammwortes beibehalten, 
also *nileter gelautet haben. Ableitung von dem 
begrifflich naheliegenden halitare ist aus dem 
gleichen Grunde, wie die von *alittare, nicht statt- 
haft, vielleicht aber kann man in haleter eine Ab- 
leitung von *haler = lat. haläre erblicken.] 

467) Sliübl, anderswo; davon rum. aiure, a. Ch. 
s. V.; altspan. alubre. Vgl, Dz 421 alubre. 

aliud, 8. oben alid. 

468) älTum »., Knoblauch; ital. aglio; rum. 
\aiu, m., PI. n'iuri, f., vgl. Ch. s. v.; prov. alh; 

frz. ail: cat. all; span. aju; ptg. alho. 

469) Slittnde, anderswoher; dav. prov. alhondre, 
vgl. Dz 505 alhondre. 

470) [älius, a, um (vom St. alja, s. Vanicek I 
65), ein anderer. Dies Pronominaladjoktiv ist im 
Rom. durch al-ter fast völlig verdrängt worden, s. 
auch oben alid.] 

471) arab. aMcäför, Kampfer (vgl. Eg. y Yang, 
p. 181; Frey tag IV 47'>); davon ital. cafura, 



43 



472) al-kandarah 



504) {h)allucinor 



44 



cänfora; frz. camphre; span. alcanfor, cdnfora. 
Vgl. Dz 84 cänfora, Latnmens p. 72. 

472) arab. al-kandarah, Stange (vgl. Preytag IV 
63*); davon span. alcdndara, Stange, auf welcher 
die Falken u. andere zur Jagd abgerichtete Vögel 
sitzen. Vgl. Dz 417 alcanddra; Eg. y Yang, 
p. 130. 

473) arab. alklmtä, Scheideknnst (vgl. Freytag 
IV 75b); davon ital. a/diimia; prov. alkimia; frz. 
alchiwie; span. ptg. alquimia, nur gel. WW. 
Kürzungen des Wortes sind chimica, frz. chitnie. 
Ob griechisch y^rißtLa (b. Suidas) u. x^/^og mit dem 
arab. al-Mmiä etwas zu schaffen haben, das ist 
eine Frage, deren Erörterung auf«erhalb der roni. 
Wortforschung liegt. Vgl. Eg. y Yang. p. 250. 

474) arab. al-kira, Mietpreis (vgl. Freytag IV 
31''); davon span. alquile u. alquüer ; •gtg. alquile 
u. alquiUr, dazu in beiden Spr. das Vh. alquilar, 
vermieten. Vgl. Dz 421 alqtiüe; Eg. yYang. p. 250 
(setzt alquere als Grundform an). S. unten 1 
löco. 

475) arab. al-ko'hl, ein feines Pulver zum Schwär- 
zen der Augenbrauen (vgl. Freytag IV 15«). ist mit 
seltsamem Bedeutungswandel, vermöge dessen es 
zur Bezeichnung des Weingeistes gebraucht wird, 
in alle rom. u. überhaupt in alle modernen Kultnr- 
sprachen übergegangen. Vgl. Dz 11 alcohol; Eg. 
y Yang, p 240; Lammens p. XIV Anm. 3. 

476) arab. al-korräz, Krug; dav. span. alcar- 
raza, weifses, irdenes Geschirr zur Kühlung des 
Wassers. Vgl. Dz 417 alcarraza; Eg. y Yang, 
p. 133. 

477) arab. al-knniah, Beiname; davon span. 
alcuna, Geschlecht, u. alcutio, Geschlechtsname, 
ptg. alcunha. Spottname, Beiname; cat. (valenc.) 
alcufiya, Geschlecht. Vgl. Dz 418 alcuna, wo Dz 
bemerkt, dafs das Wort lautlich auch aus dem 
germ. (ahd.) adal kttnni, edles Geschlecht, herge- 
leitet werden könne. Eg. y Yang. p. 147 (unter 
alcuna). 

478) äl-läcto, -äre, nebenbei stillen (Marc. Emp. 
c. 8); ital. nllnttare, säugen; frz. allaiter. 

479) [*Sl-Iaetämino, -äre (v. laetamen), düngen; 
davon ital. alletamare, vgl. Flechia, AG 11 58, 
Z. 2. V. ob.] 

480) [ital. all'anne, zu den Waffen; dav. die 
Sbsttve ital. allarme; rum. lärme; frz. alartne; 
span. alarma etc. Vgl. Dz 12 allarme.] 

481) [*äl-lätIno, -äre (v. latinus), nach latei- 
nischer Weise sprechen; davon ital. (genues.) alai- 
nar, deutlich reden.vgl. Flechia, AG VIII 321.J 

482) [*gl-laflo, -äre (v. got. latjan aufhalten); 
davon ital. allazzare, ermüden, vgl. Dz 352 al- 
lazzare.] 

483) [*äl-läturo, äre (v. latus), an die Seite 
setzen, = rum. aläturez, ai, at, a, vergleichen, 
s. Ch. s. V.] 

484) [äl-lando, -äre, nach Dz 415 alabar Grund- 
wort z. span. ptg. alabar, loben, vgl. dagegen 
oben alSpo, -äre.] 

485) dts<h. all'ans! (oberdtsch. alViis!) (Zuruf 
beim Trinken); davon frz. alluz (b. Rabelais), vgl. 
Dz 328 trincare. 

486) ällec, -eels {allee, von allex App. Prob! 
210) «., Fischsauce; davon ital. dlece, gel. W. in 
der lat. Bdtg., u. dlice, Sardelle, vgl. Canello, AG 
III 317, Ascoli, AG X 93, viell. auch laccia, Mai- 
iisch; span. alice, Fischleberragoüt, u. haleche, eine 
Art Makrele, viell. auch alacha, Sardelle; neuprov. 
alacho, I\Iaifisch. Vgl. Dz 186 laccia. 



487) [*al-18ctico, -äre (v. alUcio), anlocken, nach 
Horning, Z IX 140 u. Ztsohr. f. nfrz. Spr. u. Lit. 
X» 242, Grundwort z. frz. allicher ködern. Da 
aber neben allicher pic. allequler steht, so wird 
man besser germ. lekkön (vgl. Mackel p. 141) als 
Grundwort ansetzen.] 

488) [*alIecto, -äre (aUicio), anlocken, ködern; 
ital. allettare.] 

489) [*äl-lego, -äre (v. lex), dem Gesetz anpassen ; 
davon ital. allegnre, den Metallgehalt der Münzen 
(in gesetzlicher Weise) normieren, dazu Vbsbst. lega; 
frz. aloyer, dazu das Vbsbst. al'4; span. nlear. 
Vgl. Dz 191 lega: Förster, Z VI 108, wo wegen 
altfrz. alier das nfrz. aloyer als wahrscheinlich aus 
ad-h(i)gnre entstanden erklärt wird.] 

490) [Sl-Ieno, -äre u. Sl-lenito, -äre (v. lenis), 
besänftigen , davon rum. alin u. alint, ai, at, a, 
s. Ch. s. /m.] 

491) ällevätum, -i n. (Pt. P. P. v. allevo); davon 
rum. aluat m., Hefe, Teig, s. Ch. lua. 

492) [*alleTimen w. (allevare), Laiche; frz. ale- 
vin Fischbrut, dazu das Vb. aleriner, vgl. Thomas, 
E XXV 88 (u G. Paris, R XVIII 132)]. Vgl. 493. 

493) *äl-leTTo, -äre (v. levin), erleichtern; davon 
ital. alleggiare; frz. alleger; span. aliviar, alige- 
rar; ptg. nlliviar. 

494) Sl-levo, -äre, emporheben, erziehen, = ital. 
alhvar, Vbsbst. aZ/iet)o, Zögling; p ro v. aZe^ar; frz. 
(clever, dav. Vbsbst. eleve), jedoch ist altfrz. (n. 
auch noch neuf rz., s. Sachs s. v.) das Sbst. alevin, 
Brut, Zucht, vorhanden, davon die Redensart avoir 
son alevin [volksetymologisch verkehrt in olivier^ 
courant, vgl. G. Paris, R XVIH 165; Tobler, Z 
XIII 330; span. {alevar) Vbsbst. alievo. Vgl. Dz 
12 allevnre. . 

495) äl-levo, -äre (v. levis), glätten ; davon nach 
Bugge, R III 160, span. alifar, ebnen, polieren, u. 
ptg. annfar, reinigen. 

496) älligo, -äre, anbinden; ital. allegare, an- 
binden, allear-si (nach dem frz. s'allier), sich ver- 
binden, vgl. Canello, AG III 374, wo fälschlich auch 
allegare, anführen, beweisen, citiren (v. al-leg-are), 
als Scheideform aufgeführt wird; frz. allier; span. 
alignr ; ptg. alligar. 

497) [alligo, -ere = sard. alezer, vgl. Parodi, 
R XXII 307 Anm. 1, Salvioni, Post. 4.] 

498) älllsuB, a, um (Pt. P. P. v. allldo), ange- 
stofsen; davon ital. (aret.) aliso, abgenutzt, vgl. 
Caix, St. 147. 

i 499) [*511o, -are (nach al-la-tus gebildet, wie 
*postro nach prostra-tus), soll nach J. Baur, Z II 
592, das Grundwort zu frz. aller sein. Vgl. unten 
ambulo.] 

500) *al-15co, -äre, anlegen; davon frz. aHouer, 
I Geldsummen genehmigen, gelten lassen, vgl. Scheler 

im Anhang z. Dz 781. 
' [allodium, n. s. unten al-öd.j 

501) äl-longo, -äre, in die Ferne bringen ; davon 
ital. idlungare; rum. (düng, ai, at, a, vgl. Ch. 
lung ; auch sonst ist dies zusammenges. Ztw. vor- 
handen, so z. B. frz. allonger, längen, dazu das 
Vbsbst. allonge Verlängerung, daraus longe Strick 
am Halfter, vgl. Dz 628. 

502) *äl-lübrieo, -äre (v. lübricus), gleiten; 
davon rum. alunec, ai, at, a, vgl. Ch. lunec (aus 
lurec aus lubrec). 

503) ällficeo, -ere, anzünden; sard. allüghere, 
allüiri, Part, alluttii, vgl. Salvioni Post 4. 

504) ällüeinor, -ärl, bezw. -o, -äre, faseln; 
sard. alhdnare, vgl. Salvioni, Post. 4. 



45 



505) *äl-laco 



685) al-qa'di 



46 



505) *äl-lüco, -äre (v. luc-s), anzündeu; davon 
prov. aliicar; altfrz. alucher, vgl Dz 630 lueur. 

506) äl-Iüdio, -äre (neben allüdere), streicheln, 
kosen, plätschern (von dem an das Ufer schlagen- 
den, das Ufer gleichsam streichelnden Wasser); 
davon (?) (mit Bedeutungsverstärkung) ptg. aluir 
schütteln, vgl. Dz 421 aluir. 

507) *aI-lüiiiino, -äre, anzünden; davon ital. 
alluininare ; prov. alumenar ; frz. allumer; span. 
alumbrar ; ptg. al{l)uminar. 

508) *äl-lütülo, -äre (v. lutum), beschmutzen; 
davon ital. (iJial. v. Campobasso) alluterä, „in- 
fangare", vgl._ d'Ovjdio, AG IV 161 Z. 1 v. u. 

509) allÜTies, -em (v. alluo), Anschwemmung; 
davon nach Dz 381 loja ital. loja, der dem Leibe 
anhaftende Schmutz. Caix, St. 43, leitete dasWort 
von illuvies ab; W. Meyer, Z XI 256, erkannte in 
lt. lorea, Treberwein, das Grundwort. 

510) arab. al-maehsan (od. almajzen), Scheune, 
Warenniederlage (vgl. Freytag 1 48411); dav. ital. 
magazzino; sard. (logud. gallur.) camasinu neben 
magasinu; frz. magasin; span. (al)magacen, al- 
macen; ptg. armazem. Vgl. Dz 200 magazzino; 
Eg. y Yang. p. 205; bei Lammens fehlt das Wort; 
Behrens, Metath. p. 28. 

511) arab. al-mä'den, Bergwerk (vgl. Frey tag 

III 122*); davon span. almaden, Bergwerk, Metall- 
mine, vgl. Dz 420 almaden; Eg. y Yang. p. 207. 

512) arab. al-mägrah, rote Erde (vgl. Freytag 

IV 195b); davon span. ptg. almagra n. almagre, 
Bergrot, vgl. Dz 430 almagra; Eg, y Yang. p. 209. 

513) arab. al-mai'ah (od. al-meia), Storax; da- 
von span. almea (Rinde des) Storax, vgl. Dz 420 
almea; Eg. y Yang. p. 218. 

514) arab. al-mais, Nesselbaum; davon span. 
almez, vgl. Dz 421 almez; Eg. y Yang. p. 221. 

516) arab.-griech. al-manaeh (v. gr. fiijvaxog, 
manachus, Mondkreis an der Sonnenuhr) ist nach 
Mahn in Herrig's Archiv LVI 422 (vgl. Soheler im 
Anhang zu Dz 706) das vorauszusetzende Grundwort 
für ital. almanacco, Kalender; prov. armana; frz. 
almanac; span. almanaque; ptg. almandk. Vgl. 
Dz 13 almanacco; Eg y Yang. p. 211. 

516) arab. al-mansonr , der Siegreiche, = al t- 
frz. aumoQor, vgl. Devic, Mem. de la soc. de ling. 
de Paris V 37. 

517) arab. al-ma'tra'h, Ort, wohin etwas gelegt 
wird, Kissen (vgl. Freytag III 47»); davon ital. 
materasso , Matratze; (romagn. tamarazz) prov. 
almatrac; frz. materas, matelas; cat. matalds; 
span. ptg. almadraque, Matraze, Strohsack, Kopf- 
kissen. Vgl. Dz 207 materasso; Eg. y Yang. p. 207; 
Lammens p. 161; Behrens p. 30. 

518) arab al-mechaddah (vgl. Freytag I 464»); 
davon span. almohada (Kopfkissen); ptg. almofada, 
vgl. Dz 421 almohada; Eg. y Yang. p. 233 {almo- 
jädda). , , 

519) arab. al-mesnias, nach Caix, St. 152, Stamm- 
wort z. ital. amoscino , ahosino, Pflaumenbaum, 
Pflaume; ptg. ameixa, amexa; Eg. y Yang. p. 258 
setzt griech.-lat. myxa {(iv^a) als Grundwort an. 

620) arab. al-migfar, aus Eisenringen verfertigter 
Helm (vgl. Freytag III 285b): davon span. almofar, 
-fre, der über den Kopf reichende Teil des Panzers; 
ptg. almafre. Vgl. Dz 421 almofar; Eg. y Yang, 
p. 232 (almagfar). 

521) arab. al-mod, Mafs für Getreide u. Früchte 
(vgl. Freytag IV 159a); davon span. almud; ptg. 
almude. Vgl. Dz 421 almud; Eg. y Yang. p. 239 
{älmudd). 



522) arab. al-monftdija, Versteigerung; davon 
span. almoneda, Versteigerung; ptg. almoeda, vgl. 
Dz 421 almoneda; Eg. y Yang. p. 236 {almo- 
näda) 

523) arab. al-moschrif, Aufseher (vgl. Freytag 
n 414t>); davon span. almojarife, Zolleinnehmer; 
ptg. almoxarife, Rentraeister. Vgl. Dz 421 al- 
moxarife; Eg. y Yang. p. 235 (almdxrif). 

624) *älmösinä, -am (aus gr. iksrjuoaivif), Al- 
mosen; (ital. lemosina); prov. almosna; frz. 
aumöne, vgl. Scheler s. v.; span. altsp. almosna, 
(neuspiin. limosna); (ptg. esmola). Vgl. Gröber, 
ALL I 238; Dz 194 limisina. 

525) [*alna, -am f, (f. iilna), Elle, nach Gröber, 
ALL I 238, Grundwort z. ital. alna etc., s. oben 
alina. | 

\ 526) *älnetänus, älneas (v. alnns), Sinus, -um 
/. (vom St. al- wachsen), Erle; [ital. ontatio (?), 

j vgl. Dz 387 s. V.; alno ist dichterisches Wort, vgl. 
Gröber, ALL 11 431]; rum. {anin), arin, vgl. Ch. 
s. V.; rtr. obereng. aign, oin, untereng. äudan, 
(friaul. aundr, olndr), vgl. Ascoli, AG I 13 Z. 6 
v. oben, 261 no 10, 276 no 8, 487 Z. 17 ff. v. u., 
IX 210, Lorck, Altberg. Sprachdenkm. 209, Sal- 
vioni, Post. 4.; frz. aune; span. alno, alamo (we- 
gro), vgl. Dz 416 s. v.; ptg. alamo, alemo (be- 
deutet Pappel u. Erle). 
alnus s. alnetanns. 

527) [Slo, alfil, älitüm u. Sltum, älere, nähren. 
Dieses wiciitige Vb. ist im Rom. durch nutrire 
fast völlig verdrängt worden, nur altoberital. 
alid, monf. alui-se „fnrsi lesto e ben nudrito", 
vgl. Salvioni, Post. 4.] 

528) altfräak. al-öd (öd aus aud = altn. auSr, 
ahd. öt, ags. ead), Ganzbesitz; mutmafsliches Grund- 
wort zu ital. allodio; prov. alodi u. aloc, alo; frz. 
(altfrz.) alue{f), alo (mit oö'enem o) u. alon (mit 
oflf. o), aleu, vgl. Förster, Einltg zum Cliges p. LXIII, 
nfrz. alleu; span. aZorfjo; (mlat. al[l]odiam, allodis). 
Über die lautliche Entwickelung des schwierigen 
Wortes vgl. Mackel 27, 44, 121, 161, u. Th. Braune, 
Z X 266 £f., wo aber nichts wesentlich Neues vor- 
gebracht wird. Vgl. Dz 12 allodio. 

529) [*äl5inä, -am u. "älolniä, -am (v. älöe, 
gr. dlörj), vorauszusetzendes Grundwort zu altfrz. 
alogne (daneben aloe u. aloen), nfrz. aZitme, Wer- 
mut; vielleicht hängt damit auch das gleichbedeu- 
tende span. ptg. alosna, losna zusammen. Vgl. 
Dz 506 aluine.] 

530) griech. äkmq, -la (u. *-(ova) f., Tenne, 
Hot um den Mond; itaL alone Hof um den Mond, 
der von einer Lampe geworfene Lichtkreis. 

531) Alpes, f.pL, Alpen; ital. Alpi; ix z. Alpes 
u. Aups, Name einer Stadt im. Dep. Var. 

632) [*alpico, -äre u. *alpidlo, -äre = briss. 
alpegare, mal. alpezare „occupar l'alpe coUa man- 
dra", vgl. Salvioni, L'elemento volgare negli statuti 
latini di Brissago, Intragna u. Malesco (ßellinzona 
1897) p. 13.] 

633) arab. al-qabälah, an den Fiskus zu zahlende 
Taxe; davon span. alcabdla, Verkaufsgebühr; ptg. 
alcavala, Eingangssteuer. Vgl. Dz 417 alcabdla; 
Eg. y Yang. p. 121. 

634) arab. al-qa<;ar, Schlofs (vgl. Freytag HI 
462b); davon ital. cdssero kleines Schlofs; span. 
alcdzar, Schlofs, Kastell; ptg. ebenso (fehlt jedoch 
im Wtb. V. H. Michaelis). Vgl. Dz 417 alcdzar; 
Eg. y Yang. p. 138. 

535) arab. al-qa'di, Richter (vgl. Preytag HI 
461b); davon span. alcalde, Dorfvorstand; (ptg. 



47 



536) al-qäia 



560) aluccus 



48 



alcaide). Vgl. I)z 417 alcaldc; Eg. y Yang, 
p. 127. 

536) arab. al-qäid, Befehlshaber (vgl. Freytag 
in 513»); davon span. rticajde, Kommandant einer 
Festung u. dgl. Im Ptg. haben sich al-qa'di u. 
al-q&id in der Form alcaide vereinigt. Vgl. Dz 417 
alcaide; Eg. y Yang. 126. 

537) arab. al-qali, Aschensalz (vgl. Freytag III 
494a), ist als technischer Ausdruck der Chemie in 
alle neueren Kultursprachen übergegangen. Vgl. 
Eg. y Yang. p. 127. 

538) arab. al-qana<;, Jagdbeute, Vb. qanaga er- 
jagen (vgl. Freytag, HI 504''); davon Span. ptg. 
alcance, Verfolgung, Erreichung, Spur u. dgl., dazu 
das Vb. acalzar u. alcanzar (seit , dem 12. Jahrh.) 
verfolgen, erreichen, gewinnen. Vgl. Dz 417 al- 
cance; Taliban. E IX 294; Eg. y Yang. p. 131 (es 
wird nur das Vb. alcanzar besprochen u. von cä- 
naza „Sehätze sammeln" abtreleitet). 

539) arab. al-qarah, Anhöhe; davon span. alcor 
Hügel. Vgl. Dz 417 alcor; Eg. y Yang p. 141 
erblickt in alcor lat. collis mit dem arab. Artikel 

540) arab. al-qa'trftn, Theer (vgl. Freytag III 
4641)); davon ital. catrame, (Schiff3)theer; frz. 
guitran, Weiterbildung ^o«(iron; sfsm. alquitran; 
ptg. alcaträo. Vgl. Dz 93 catrame; Eg. y Yang, 
p. 251. 

541) arab. al-qauväd, Kuppler (vgl. Freytag III 
513a); davon mit gleicher Bedtg. prov. alca[v]ot-z; 
span. alcahuete; ptg. alcayote (fehlt im Wtb. v. 
Michaelis). Vgl. Dz 417 alcahuete; Eg. y Yang. 
p. 126 (alcauwnd). 

542) arab. al-qobbah, Gewölbe, Zelt; davon ita'l. 
alcöva, Nebenzimmer; prov. alcuba, Zelt; altfrz. 
aucube, Zelt; nfrz. alcöve (Fremdwort), Neben- 
zimmer; span. ptg. alcoba, Schlaf kabinett. Vgl. 
Dz 11 alcöva; Eg. y Yang. p. 131 [alcobba]; Lam- 
mens p. 8. 

543) arab. al-qo'ton, Baumwolle (vgl. Freytag 
III 469'>); davon ital. cotone; frz. coton (damit 
vielleicht verwandt altfrz. auqueton, nfrz. 'ho- 
queton, gestepptes Wamms, gestickter Waffenrock), 
prov. alcoto; span. algodon; ptg. algodäo. — 
Vgl. Dz 111 cotone: Eg. y Y'^ang. p. 162 {alcöton). 

544) arab. al-sa'tl, kleiner Napf, ist nach Engel- 
mann (s. Dz 289 secchia) das Grundwort zu span. 
acetre, Schöpfeimer; diese Herleitung ist indessen 
nicht eben wahrscheinlich, auf das gleichbedeutende 
celtre kann sie keinesfalls ausgedehnt werden. Eg. 
y Tang. p. 27 nimmt arab. Ursprung (v. ag-^etl) an. 

545) arab. al-<tabl, Pauke (vgl. Freytag III 40a); 
davon in gleicher Hedtg. ital. ataballo, taballo; 
span. atabal; ptg. atabale. Vgl. Dz 30 ataballo; 
Eg. y Yang. p. 295 {at-täbal). 

(arab. al-tftbüt s. unten t&büt.) 

546) altänus, a, um (v. altus); davon ital. 
span. allana, Sbst., Altan; (frz. 'hautain hoch- 
mütig); auf altanum geht mittelst Sufflxvertau- 
schuug wohl auch zurück frz. hautin, Weinland 
mit hochgezogenen Beben (auch Fischname), vgl. 
Cohn. Snffixw. p. 300. 

547) ältärium, -1, n., altäriS, -lum, PI. n., äl- 
täre, -Is, n., (v. altm), Altar; ital. altare; rum. 
altar, PI. f. altare, vgl. Ch. ». v.; rtr. autä, ante, 
autar, alteir, vgl. Ascoli, AG I 261, 275, 487; 
prov. altar, autar; frz. autel (das l beruht auf 
Suffixvertauschung; Cohn jedoch, Suffixw. p. 239, 
erblickt in dem l von autel „eine Angleichung des 
lat. r an das l der voraufgehenden Silbe"); span. 



ptg. altar, Altar, und atcro, olciro, Hügel, vgl. 
Dz 473 otero. 

648) [*ältärius, a, um (v. altus), hochfahrend, 
vorauszusetzendes Grundwort zu ital. altiero; frz. 
altier (Fremdw.).] 

549) älter, a, um (Komparativbildung aus dem 
Stamme aZ), der eine von zweien, der andere, ist in 
schlechthinniger Bedtg. u. altus nahezu völlig ver- 
drängend in alle rem. Spr. übergegant;on ; ital. 
altro ; rum. alt, vgl. Ch. s. v.; rtr. altar, olter, 
oter, anter (Ordinalzahl f. secundus), atri etc., vgl. 
Gärtner, § 105 S. 83 u. § 120, S. 166 u. 198; 
prov. altre; frz. autre; cat. altre; span. otro ; 
ptg. niitrn. 

550) altera mente, auf andere Weise; davon 
ital. altrimente, -i; rum. altmintre, altminte (das 
einzige mit mente gebildete rum. Adv.) , vgL Ch. 
minte; frz. autrement. 

551) SIterco, -äre (v. alter], streiten, nach Caix, 
St. 171, Grundw. z. ital. attricarsi, ,,garrire, con- 
tendere", das wohl besser auf lt. tricare zurück- 
zuführen ist; auch ital. (dialekt.) taroccare, „con- 
tendere, bisticciare" möchte Caix, St. 621, auf 
altercare zurückführen. 

552) [*älteritia, -am f. (v. altus), Hoclimut; 
ital. alterezza, Stolz, u. alterigia, Hochmut, vgl. 
Canello, AG IH 342.] 

553) SItero, -are (v. alter), anders machen, 
schlimmer machen (in letzterer Bedtg. b. Cael. Aur. 
chron. 2, 8, 115), ist als gel. W. in fast alle rom. 
Spr. übergegangen, z. B. ital. alterare, frz. alterer 
(das gleichlautende Vb. „Durst erregen" ist von 
*arteriare abzuleiten). Vgl. Dz 506 alterer. 

554) älterttm herl = ital. altrieri vorgestern, 
afrz. autrehier, (dageg. span. anteayer, ptg. ant- 
honlem). 

555) Siterum sie, ebenso; davon ital. altresi; 
prov. altresi; altfrz. autresi; span. otrosi; ptg. 
outrosini. Vgl. Dz 14 altresi. Entsprechende 
Bildungen sind von alterum talis u. a. tantus vor- 
handen. 

556) *81tio, -äre (v. altus), erhöhen, emporheben; 
ital. alzare; rum. [in)al{, ai, at, o, vgl. Ch. s. v.; 
prov. alsar; frz. hausser; span. alzar; ptg. aZfar. 
Vgl. Dz 14 alzare; Gröber, ALL I 238; Flechia, 
AG II 31. — In ptg. algapäo, Klappe, Fallthür, 
erblickt C. Michaelis, Mise. 117, ein aus Verbindung 
der beiden Imperative alga -j- pöe (v. pör) ent- 
standenes Sbst. 

557) ältitia, -am f. (belegt in Cbironis Mulo- 
medicina, vgl. ALL X 421), Höhe, Hoheit; ital. 
altezza etc. 

558) ältus, a, um (Pt. P. P. v. alere), grofs ge- 
zogen, hoch; ital. aiio; rum. nalt (^leiahs. in altus 
V. in alto); rtr. alt, ault, aut, voll etc., vgl. 
Gärtner, § 200 S. 166; prov. alt (dazu Komp. 
algor, aussor); frz. 'haut, dazu die Sbstva altfrz. 
'hauture, neufrz. 'hauteur; span. ptg. alto. Vgl. 
Dz 613 haut. 

559) [ältus ^bfiscus (f. buxus), gleichsam hohes 
Holz, = f rz. hautbois, ein Blasinstrument, vgl. Dz 
613 hautbois.] 

560) alneeus,-umm., Kauz(Serv.Vergil. ecl. 8, 55); 
davon wahrscheinlich das Adj. span. loco, wovon 
locura; ptg. louco, thöricht; auch in der Form tocco 
(daneben alocco, allocco, welche Worte „Eule" u. 
„Dummkopf" bedeuten) in ital. Dialekten vorkom- 
mend. An keltische Herkunft der Worte ist nicht 
zu denken, vgl. Th. p. 66. Dz 195 locco. 



41t 



561) al'iul 



582) äinbltariiis 



50 



» 



I 



561) arab. al'üd, ein Saiteninstruiiiüiit (vgl. Frey- 
tag III 240»); davon ital. liuto, liüdo; nim. aläu{ä, 
läiiiä; proT. laut; frz. altfrz. leut , nfrz. luth; 
span. laüd; ptg. alnüde. — Engl, lute, dtsch. 
Laute. Vgl. Dz 195 liüto; Eg. y Yang. p. 437. 

562) älüta, -am/'., Alaunleder; ital. alluda; \ 
prov. aliida; altfrz. alue; span. luda. Vgl. 
Meyer-L., Z. f. ö. (i. 1891 p. 766. 

563) arab. al-vazir, Regent, erster Minister (vgl. \ 
Freytag IV 461»); davon (ital. ayuzzino, Sklaven- 
aufseher; frz. argnusin, Stock meister im Magno); 
span. alvncil, alguacil, aguncil, Gerichtshäscher; 
ptg. alvazir, alvazil, Schöffe, Richter, alguazil,\ 
Gerichtsdiener, guazil, Statthalter. Vgl. Dz 420 
algurizil; Eg. y Yang. p. 69 [alguazir). 

564) [*SlY(e)älllüle, n. (v. alveus); würde der lt. 
Typus zu span. albahal, albanar, Abzugsgraben, 
sein. Vgl. Dz 416 alhanal.] j 

565) älTeüs, -um m., volkslat. auch albeus, vgl. 
Parodi, R XXVII 235 (v. St. al, vgl. Vanicekl43), 
eine dem hohlen Leibe ähnliche Vertiefung, Wanne, 
Flufsbett; davon ital. a/i;eo, Flufsbett, Bienenkorb! 
(auch diese Bedtg. schon lat.), äav.albuolo, „vasetto", 
vgl. Caix, St. 146, Mussafia, Beitr. 25, Salvioni, ■ 
Post. 4; rum. atbie, Wanne, dav. zahlreiche Ab- 
leitungen, s. Ch. s. V.; frz. äuge, Trog., dav. viell. 
augive , ogive, s. unten au^; span. ptg. alveo, 
Flufsbett. Vgl. Dz 512 äuge. 

566) [*älvinä, -am /'. (v. alvus Bienenkorb); 
rum. albiriä. Biene. Vgl Dz 22 ape; Ch. albie.] 

567) älysson, -i n. (gr. ä/.vaaov), eine Pflanze, 
gut wider den Hundsbifs, nach einigen die wilde 
Art der Färberröte (Rubia tinctorum L.), Plin. 24, 
95; davon span. aliso, Steinkraut. 

568) 'ämäntiä (v. anw): dav. nach Caix, St. 
574, alt ital. {a)manza , Liebe, Geliebte, womit 
Caix dann wieder smanziere, Verlii'bter, u. sman- 
zeria, smanceria, Liebkosen, Schmeicheln in Zu- 
sammenhang bringt. 

569) amäräCHS, -I m. u. -um, -1 n. (gr. dfiäpaxog 
u. -ov), Majoran, Meigranune (Origanum Majorana 
L.); dav., vermutlich durch Einwirkung der Volks- 
etymologie, ital. majnrana, maggiorana; rum. 
mäfiheran, a. Ch. s. v.; prov. majorana; altfrz. 
marone; nfrz. marjolaine; span. majorana, mejo- 
rana; ptg. mawrana, mangerona. Vgl. Dz 200 
majorana. 

570) *amSrasca, -Em /. (v. ainarus); davon 
ital. amarasea, marasca, Sauerkirsche. Vgl. Dz 383 
marasca. 

571) amärico, -äre (v. amarus), ver-, erbittern 
(vgl. Eönsch, Itala 162); davon ital. amancare (u. 
amareggiare) ; prov. span. ptg. amargar; cat. 
das Adj. amarg. Vgl. Dz 15 amaricare. S. *ämä- 
ricus. 

572) '*'amäricus, a, um u. 'amaricösüs, a, um, 
bitter (über das Vorkommen des Wortes s. Georges 
unter amaritosun) ; dav. in den pyrenäischen Sprachen 
amargo, amargoso, dazu das Sbst. amargar. Vgl. 
Dz 15 amaricare. 

5731 *ämäritado, -dinem f. (od. *amäritümeii, 
vgl. Körting, Formenbau des frz. Nomens p. 316) 
Bitterkeit, = frz. amertume Bitterkeit, Herzeleid. 
Vgl. Cornu, EVn365; Havet, R VII 593; Canello, 
AG III 367 Anm. 2; Ascoii, AG III 368 Anm.*; 
über altfrz. amertonde vgl. Cohn, Suffixw. p. 269. 
S. auch unten *con8uetumen. 

574) amäriis, a, um (v. \/am schädigen, schad- 
haft, krank sein, vgl. Vanicek I 38 u. II 1234), 
bitter, erhalten im ital. amaro : rum. amar, s. Ch. 

Körting, lat.-rora. Wörterbuch. 



6'. V.; prov. amar-s; frz. amer; in den pyrenäischen 
Spr. durch *amaricu!i, -osurt (s. d.) verdrängt. 

575) amätrix, -tricem /'., die Liebende; frlaul. 
madresse „amorosa", vgl. Ascoii , AG X 258 (das 
Wort entspricht aber wohl vielmehr einem [a]ma- 
i[o]r + i^.ia). 

576) [*fimbactiäta , -am /'. (v. *amhactiare u. 
dieses v. ambactus, w. m. s.), Amt; davon ital. 
ambasciata , Botschaft; prov. embaisaada; (frz. 
ambassade ist Fremdw.); cat. embaixada; span. 
cmbnjada; ptg. embaixada. Vgl. Dz 15 ambasciata; 
Gröber, ALL I 238.J 

577) ['ämbäctiätör, -örem m. (v. ambactus), Be- 
amter; ital. amhasciatore Botschafter; frz. am- 
bassadeur etc. Vgl. Darmesteter, Rev. crit. 1884 
p. 370 u. dagegen Horning, Z IX 141.] 

578) ämbäctiis, -um m. (keltischen Ursprunges: 
partizipiale Bildung zu dem mit der Präp. ambi 
verbundenen Verbalst, ag- ,,sich bewegen, umher- 
treiben", vgl. Tb. p. 30: got. andbahts, Diener, ist 
dem kelt. Worte urverwandt oder wahrscheinlicher 
dem Kelt. entlehnt). Dienstmann (Cäs. b. g 6, 15, 2), 
davon prov. abah (abait) im Girartz v. Rossilho 
3603, (Gericht8)beamter, vgl. Dz502abait: altfrz. 
abait, ampas, im Guill. de Palerne (ed. Michelant) 
902, Beamter, vgl. Mackel p. 74 (M. hält für mög- 
lich, dafs das Wort zwar ki-ltisch sei, die Romanen 
aber ihr Wort dem Germanischen entlehnt haben); 
Seheier im Anhang z. Dz 780. 

579) [arab. 'ambar, gemeiner, grauer Amber, 
wurde von Mahn p. 61 u. Dz 422 als Grundw. des 
span. ptg. Adj. 's amanllo. amarello, gelb, ange- 
nommen; von Taliban, R IX 297, ist jedoch nach- 
gewiesen worden, dafs diese, schon an sich wenig 
wahrscheinliche Annahme, nach welcher der Name 
einer dunkeln Substanz zur Bezeichnung der gelben 
Farbe geworden sein soll, auch aus äufserem Grunde 
unhaltbar ist, da die massenhafte Verbreitung des 
Ambers, welche allein die Entstehung des schon im 
J. 912 urkundlich vorkommenden span. Adjektivs 
erklären könnte, für das frühere span. Mittelalter 
nicht nachgewiesen werden kann. Somit ist der 
Ursprung des Wortes dunkel, denkbar aber ist 
immerhin, dafs es mit amarus, bitter, zusammen- 
hängt, wie ebenfalls Dz a. a. 0. vermutete, aber 
aus Rücksicht auf die Logik für unwahrscheinlich 
erklärte. Der Bedeutungsübergang raüfste gewesen 
sein „bitterl(ich) — gallig — gelb"; wenn Dz be- 
merkt, dafs mit gleichem Rechte sich „süfs" und 
„gelb" durch „Honig" vermitteln liefsen, so ist dies 
allerdings bereitwillig zuzugeben, zugleich aber auch 
zu bemerken, dafs ein stichhaltiger Einwand darin 
nicht enthalten ist, da ja ein Bedeutungswandel 
immer infolge einer einseitigen Auffassung u. Über- 
tragung eines Begriffes sich vollzieht, so dafs also 
unter mehreren, vielleicht sogar vielen Ausgangs- 
punkten des Wandels, welche an sich vorhanden 
oder doch möglich sind, immer nur einer von der 
Sprache herausgegriffen wird.] 

580) *Smblduo {ambo + duo), beide; ital. am- 
bedue, amendue; rum. amindoi; prov. am{be)dui, 
am(be)dos; altfrz. amdui, andui, andos. Vgl. 
Gröber, ALL I 239. 

581) ambiens (Part. Präs. v. ambire), umgebend; 
frz. ambient, ambiant; ital. span. ambiente, vgl. 
Cohn, Suffixw. p. 72. 

582) [""ambitärius, -um m. (v. ambitoj, scheint 
das Grundwort zu sein zu frz. andier , landier, 
Feuer-, Brandbock (engl, andiran). Dz 624 lan- 
dier brachte das Wort in Zusammenhang mit dem 



51 



583) ärat)Ito 



588) ämbalo 



52 



mlat. andena; Meyer-L., Rom. Ur. I § 430, deutet 
frz. landier = Vandier aus *amitänu v. antes. 

583) amblto, -äre (Frequ. v. ambire), umher- 
gehen, ist nach Srheler im Anhang z. Dz 799 das 
Grundw. z. frz. hanler (vgl. auch Scholer's Diot.' 
s. ».). Scheler's Grundwort ist gewifs annehmbarer, 
als die sonst aufgestellten (altn. heiinta, einen ver- 
lorenen Gegenstand zurückverlangen oder aufnehmen, 
Dz 611; liabitnre, Littre), völlig kann es indessen 
doch nicht befriedigen, ebenso wenig das von Soheler 
in der 3. Ausg. des Dict. vorgesihlageno *hamit<ire 
V. mlat. hnmus = germ. heim. Vielleicht darf man 
an *iimitare v. ames, iti», Querholz u. dgl., denken, 
so dafs die Grundbedeutung wäre „einen Stock in 
der Hand herumdrehen, mit einem Stock hantieren, 
ein Werkzeug handhaben". Anlehnung an germ. 
hand, hant konnte die Bedeutungserweiterung u. 
-Verschiebung erleichtern. — Nach Gröber. AIX I 
238 u. Mise. 40, soll ambitare das Grundwort zu 
andare etc. sein, vgl. darüber unten ambiilo. 

584) Smbitus, -um {v. nrnbire), das Herumgehen, 
ist nach Gröber, ALL I 239, das Grundwort z. rom. 
*ando, altfrz. onde, Schritt, diese Ableitung ist 
jedoch unannehmbar. 

585) 1. *ämbo, -önem (gr. ä/ußwv), Kirchenpult, 
ist nach Caix, St. 235, das Grundwort z. rum. 
amvön, Pult, Tribüne, u. dem ital. Deminutiv 
büynola „cattedra, larga cesta fatta di paglie in- 
trecciate, banco ove alle udienze criminali stanno 
gli accusati'". 

586) 2. ambo, ae, o, beide; ital. ambo, ambi, 
nmbe; rum. ambi (imbi), nmbe {imbe], vgl. Ch. s.v.; 
prov. ambs, ambaii; altfrz. am.t, an.i, ambes; 
span. ptg. ambo.i, ambas. Vgl. auch oben *am- 
bidno u. unten *ainptaoteroii. 

587) ambiilatörius, a, um, zum Wandeln ge- 
hörig „wandelm ; davon (??) genues. anyou „per- 
golato", vgl. Salvioni, Post. 4. 

588) ämbulo, -äre, (umher)gehen, wandeln (vgl. 
ALL 111 2t)2; Bonnet, Le Latin de Gregoire de 
Tours p. 292, nach Rönsch. Z XI 247, soll ambu- 
lare von ambo abgeleitet sein u. eigentlich „auf 
beiden Beinen gehen" bedeuten; besser aber leitet 
man ambidare von der untrennbaren Partikel amb- 
„herum" ab, vgl. ambire); ital. ambulare (gel.W.) 
„caniminare" (dazu das Vbsbst, ambulo in der 
Verbindung pipZtar (ijnfcMfo), daneben das jedenfalls 
erst aus frz. avibler entstandene ambiare (dazu das 
Vbsbst. (Tm6jo)„randare dei cavallia un certo passo", 
vgl. Canello, AG HI 359; rum. amblxi (umbin), 
ai, at, a, neben mergere das übliche Verbum für 
den Begriff ..gehen"; prov. amblar; frz. ambler; 
cat. span. ptg. amblar (in den ptg. Wörterbüchern 
von Coelho u. H. Michaelis fehlt das Wort). Ab- 
gesehen von dem ital. ambidare, welches ein rein 
gelehrtes Wort ist, besitzt das Verbum nur im Ru- 
man. die allgemeine Bedeutung „gehen", während 
es in allen übrigen Sprachen auf die Bedeutung „im 
Passe gehen" (von Pferden) eingeengt worden ist; 
vielleicht aber ist ambler = *amniülare (v. mülus) 
anzusetzen, s. No 605. Vgl. Dz 16 ambiare; Gröber, 
ALL 1 239. 

In neuerer Zeit ist ambulare von mehreren hervor- 
ragenden Romanisten als gemeinsames Grundwort 
aufgestellt worden für die Verbalgruppe: 

'Rwm. umblä, istro-rum. ämblä, ämna, mace du- 
rum, imndre. — Ital. andare; span. ptg. awdar, 
vgl. Tailhan, R IX 299; auch frz. Mundarten weisen 
mehrfach entsprechende Formen auf, vgl. Meyer-L., 
Rom. Gr. II p. 262. — Mittelital. annar. prov. 



annar, anar. Rtr. (bozw. lad. u. friaul.) 

amna- (ma, na, ala, la), vgl. Gärtner, Rtr. Gramm. 
§ 185, Ascoli, AG Vit 492 u. 535. — Franco- 
prov. alä; frz. aler, aller. — Über die Konjuga- 
tion dieser Verben (Mischung teils mit vadere teils 
mit ire, namentl. in den stammbetonten Formen, 
mit Ausnahme jedoch des Rum.) vgl. Meyer-L.. Rom. 
Gr. II. p. 262. Über die bis zum J. 1889 in Vor- 
schlag gebrachten Ableitungen s. Körting, De ver- 
borum ncolatinoium andare, anar, aller originatione, 
Münster 1889 Index Icc.t. 

1) Der <länische Gelehrte Thomson war der 
erste, welcher in „det philologisk-historiske Samfunds 
Mindeskrift etc." (Kopenhagen 1879) in methodischer 
Weise andare anar aller auf ambulare zurückzu- 
führen versuchte. Ein näheres Eingehen auf die 
an sich verdienstliche, späterhin aber durch die 
Leistungen anderer überholte Arbeit erscheint hier 
als entbehrlich, es genüge, auf G. Paris' Bespre- 
chung derselben, R IX 174, zu verweisen, vgl. auch 
Schuchardt, Z VI 423. 

2) Nur eben erwähnt werden möge, dafs Wölfflin 
in seiner Schrift ,,die Komparation im Lat. u. Ro- 
man." (Erlangen 1881) p. 86 den gemeinsamen Ur- 
sprung von andare anar aller aus ambidare be- 
hauptete, ohne diese These näher zu begründen. 

3) Gärtner bemühte sich in seiner (1885 erschie- 
nenen) Rtr. Gramm § 185 <lie verschiedenen Gruppen 
der rtr. Verba, welche Gruppen im wesentlichen den 
allgemein romanischen Gruppen entsprechen, auf am- 
bulare als auf das gemeinsame Ursprnngswort zurück- 
zuleiten. Vgl. darüber Schuchardt, Z XIII 529 Anm. 

4) Cornu hat, R XIX 283, folgende Entwicke- 
lung angenommen: 

a) ambulare (> *ambunare od. *ammunare oder 
[den Lautneigungen des Lateins mehr entsprechend] 
> *ambinare od. *amminare (,.le changement de 1'/ 
en n avait sa raison d'etre parce .quo il s'y trou- 
vait trop voisin de l'r" ; als auf eine mögliche Pa- 
rallclentwickelung weist C. auf cinclurare > tose. 
centinare hin, freilich mit dem Bemerken, dafs man 
eigentlich cenlidare erwarten müsse, ,,mais le d 
trop voisin de l'r s'est change en n sans doute sous 
l'influence de la premiere syllabe"; zugleich aber 
iiält 0. auch d .1 3 für möglich, dafs zunächst am- 
bulo, ambulem, amhula etc. sich zu *ambino, bezw. 
*ammino etc. gewandelt haben (vgl. modulus: ital. 
modano, seliiion : ital. sedano u. dgl.) und dann 
durch die Einwirkung dieser Formen ambulare, 
ambuldmus etc. zu *amb-, bezw. *ammindre, -dmus 
etc. gestaltet worden seien. 

ß) In den Formen *ambi-, bezw. ammindmus, 
dmb-, bezw. dmminant erzeugten die auf einander 
folgenden Nasale m-n einen Mifsklang, es wurde um 
deswillen w in d dissimiliert (vgl. numerare : lad. 
dumbrar, non magis : mail. domd, Idmpada : ital. 
Idmpana, amylum : ital. dmido u. a. m.). 

)') Die Gesamtentwickelung von ambulare ist also 
diese gewesen: 

,,a) ambulare, d'oü le roum sept. umbld, l'istro- 
roum. ämbld et peut-etre aussi le ladin ala, la ; 

b) *ambino, -as, -at, *ambinem, -e.s, -et, dmbina: 
ammino etc., anibinare ou amminare, d'oü l'istro- 
roum. ämnd, le roum.-mac. imndre et le ladin. amna, 
ma, tia; 

c) *ambidamu8, ambidant, ambidemus, ambident 
ou ammidamus etc., d'oü l'it. andiamo, l'anc. it. 
ändano et dndino, l'esp. et port. andamo.«, andemos, 
l'esp. andan, anden, et le port. andäo, andem, qui 
ont donne le radical and- a touto la conjugaison. 



53 



588) ämbOlo 



688) ärabülo 



54 



» 



L'it. mer. annar est du domaine oü quando de- 
vient guanno. Quant au prov. annar, anar, au 
franoo-prov. ald et au fr. aller, iious pensons qun 
l'explication que nous en avons donnee, Rom. XVI 
563, a garde sa valeur. II n'y a en pffet qiie an- 
daie qui sulfise ä ces formes, car une base avmare 
eüt laisse, dans le traitement de mn, des tracea de 
son existenee." (An der citierton Stelle der Rom. 
erklärt C. alkr für entstanden ans annar, amlar 
in der Verbindung ind'andar ind'annar durch Dis- 
similation.) 

Anni'hmb.Tr sind C.'s Annahmen gewifs nieht. vgl. 
Meyer-L., Z. XV 274; den dort ausjjesproehonen 
Bedenken würden aber, namentlich bezüglich des 
Frz., noch gar manche andere sich biifiigen las.sen. 
5) Wiederliolt u. eingehend hat sich Schuchardt 
mit dem ambulare- PTMfme beschäftigt u. im 
Laufe der Jahre verschiedene Lösungen desselben 
in Vorschlag gebracht. 

Zuerst. Z IV (1880) 126 u. VI (1882) 423. sprach 
Seh. die Vermutung aus, dafs sich in die Entwicke- 
lung von ambulnre die keltische Wurzel el , .gehen" 
eingemischt haben könne, er ist indessen, wie es 
scheint, von diesem Gi'dnnken spater gänzlich ab- 
gegangen, vgl. Z XXU 399. VgL G. Paris, R IX 
480. 

In der Roraania XVII (1887) 417 setzte Seh. fol- 
gende Übergänge an: 1. ambulare ; ambitare (vgl. 
minculare = frz. meler neben miscUare = rtr. mns- 
dar), daraus andare; 2. ambulare : *ammulare : 
*amminari', daraus rtr. amnnr, prov. annar, anar; 
3. die Imperativisch gebrauchte 1. P. PI. Präs. Konj. 
ambulemus wird zu *amlemus, *aWeHiMS umgewandelt, 
daraus frz. aller, rtr. lar. 

^ In Z XIII (1889) 528 u. XV (1891) 117 stellte 
Seh. den sehr beachtenswerten Satz auf, dafs man 
bei der Entwickelung eines überliäufig gebrauchten 
Verbums, wie ambulare es gewesen sei, lautgesetz- 
liche Regelraäfsigkeit nicht erwarten dürfe, sondern 
den Eintritt starker Kürzungen anzunehmen durch 
aus berechtigt sei: wenn aus lazare , laschar im 
Rtr. sa entstanden sei, so habe auch aus amblar 
ein la entstehen können. Scb. begründete diese An- 
schauung in scharfsinnigster Weise und erläuterte 
sie durch zahlreiche Verweisungen auf entsprechende 
Vorgänge in aufserromanischen Sprachen. 

In Z XXII 398 ff. erklärte Seh. andare aus *am- 
bitare (dieses aus ambulare, vgl. wiscitare neben 
misculare u. dgl.), aller aber aus *anler (vgl. sanier 
u. wallen, sonle, neben welchem snne, pic. sane 
steht, vgl. namentl. auch wall, strole aus stronle 
aus strangulare) ; über das Verhältnis von andare 
zu anar enthielt sich Seh. einer eingehenden Äufse- 
rung, bemerkte aber, dafs ihm die Annahme, es sei 
nd ausnn entstanden, bedenklich erscheine. Gegen 
Seh. 's Aufstellungen hat G. Paris, R XXVII 626, 
beachtenswerte Einwendungen erhoben. 

6) F. Wulff hat, R XXVII 480, folgende Ent- 
wickelungsreihen in Vorschlag gebracht (wobei er 
mit dem, von ihm mit griechischem J bezeichneten. 
Laute des „l gras, la vibrante apicule eacuminale-' 
operiert: ,,ce z/ a le son ä la fois d'un d gras, 
d'un n gras et d'un r lingual", es ist also ein recht 
vielseitiger und deshalb überaus brauchbarer Laut): 

a) Für das Ital., Span., Ptg.: ambulare : amb- 
/lare : am Aare : andare : andare; 

b) für das Rtr.: ambulare : am. lar, dann neben- 

j {(am)lar 
. einander [^ ' 



c) für das Prov. u. Cat. : ambulare : amdar : an- 
dar : annar : anar; 

d) für das Frz. : ambidare : amdar : addar : 
adder : aller. 

Die zutreffende Beurteilung dieser Auf-itellung hat 
G. Paria in einer Ful'snote zu p. 481 gegeben: 
„reste ä expliquer comment dans aucune des lan- 
gues romanes lea mots sembl;tbl«s ä ambulare (et 
ambulare lui-meme au aens d'ambler) n'ont subi 
de transformations pareilles ä celles qu'on suppose 
pour ambulare au sens draller, ces transformations 
etant dans chiique langue egalement, mais diffe- 
reminent, exceptionnelles''. 

7) Kbenfalls wled'rhnlt u. eindringlich hat W. 
Förster die a)iibiilare-Fr«s<' behandelt. Unter Ver- 
zicht auf eine früher (RSt. IV 196 u. Z III 563) 
ausgcsprocheneVermutung. wonach andare uns einem 
*eandäre f. vadere entstanden sein snllte. stellte er 
Z XVI 251 ambulare als gemeinsames Grundwort 
für andare etc. auf, n*chdem ihm Thomsen, Cornu 
u. Sihuchardt hierin vorangegangen waren. In Z 
XXII 265 u. 509 - an letzterer Stelle Schuchardt's 
inzwisch'n, Z XXII 398. gemachte Einwendungen 
berücksichtigend — hat er dann seine Ansicht näher 
begründet u. am Schlüsse (p. 520) der scharf- 
sinnigen Untersuchung folgende Übersicht über die 
von ihm angenommene lautliche Entwickelang von 
ambulare gegeben: 
„wal.' imbla, umbla, lat. ambulare frz. ambler 

„gehen" ,,gphen" (vom Pafsgang) 

ammulare^ 

*ammunare 

*ammi(»)nare 
rtr. amnar amnare 

wal. imna 



andare 

it. span. ptg. 



annare 

altprov. a««ar (Boeci) 
prov. anar, lomb. 

[a]Ma[r] u. s. f. anar 
alare (Reich. Glossen) 
altfrz aler (rätisch u. s. f.). 
Damit sind sämtliche Formen zwanglos erklärt." 

Unter den im Obigen kurz wiedergegebenen Theo- 
rien über den Ursprung von andare etc. aus am- 
bulare nimmt diejenige Schuchardt's, wonach die 
Entwickelung als diejenige eines überhäufig ge- 
brauchten Zeitwortes sich aufserhalb des lautregel- 
mäfsigen Ganges bewegt haben soll, eine besondere 
Stellung ein. Wer ihr zustimmt, ist aller Schwierig- 
keiten ohne Weiteres überhoben. Und ganz gewifs 
darf man ihr zustimmen, denn der Grundsatz, auf 
welchen Seh. sie gründet, ist ein durchaus richtiger. 
Nur das eine wird man — weniger gegen, als über 
sie — bemerken dürfen, dafs, wenn eine innernalb 
lies Rahmens der normalen Wortforschung liegende 
Erklärung gefunden werden könnte, dieselbe zu be- 
vorzugen Sein würde. 

Den Versuchen Thomsen's etc. , die Entstehung 
von andare eti\ aus ambulare auf lautlichem Wege 
zu erklären, ist sämtlich das Lob des Schaifsinns 
u. methodischer Behandlung der Lautvorgänge zu- 
zuerkennen. Der befriedigi-nileste Versuch ist un- 
streitig derjenige Försters. Voll überzeugende Kraft 
besitzt indessen auch er schwerlich, denn ange- 
nommen auch, dafs alle Einzelaufstellungen F.'s 
vollkommen einwandsfrei seien, so bleibt doch immer 



■ So sagt F., nach Diez' VoiBans:, statt rum. 

2 amnulare ist belegt (Inscr. Biit. Christ. N. !I4), „aber 
die Form ist einrnn Kymren des i». Jahrb. 's aiifHechnang 
zu setzen" Schnchardt, Z XXII 398. 

4* 



55 



588) ämbttlo 



590) ämSntla 



56 



ein Bedenken übrig. Man sieht nicht ein, warum 
gerade ambulare in allen roman. Sprachen — mit 
Ausnahme des rum. ambla nnd des frz. ambler — 
.so weit u. nach so verschiedenen Eichtungen hin 
aus den üblichen Gleisen der Lautentwickelung 
hinausgeschleudert worden sein soll. Denn auf den 
überhänfigen Gebrauch des Wortes darf sich nicht 
berufen, wer eine zwar auffällige, aber doch immer- 
hin noch in lantregelrechten Bahnen verlaufende j 
Entwickelung annimmt: am wenigsten darf Förster 
solche Berufung einlegen, weil er die Statthaftigkeit i 
jeder einzelnen der von ihm angenommenen vielen ] 
Lautwandelungen nachdrücklichst behauptet und l 
mit umsichtigster und scharfsichtigster Sorgsamkrit 
begründet hat. Stellt man sich, wie F. dies thut u. mit 
gutem Rechte thut, auf den Standpunkt, dafs wn- 
bulars zu andnre, annar, aller geworden sei nicht 
durch sprunghaft erfolgte, gewaltsame, jeder Laut- 
regel sich entziehendeWandlungen, welche allein aus 
dem überhäufigenGebrauche des Wortes erklärt werden 
können, sondern durch eine lange Reihe aufeinander 
folgender Lautvorgänge, deren jeder durchaus korrekt 
und begreiflich sei, so mufs man auch darlegen, 
warum ambulare diese eigenartige Entwickelung ge- 
nommen hat, während seine Lautbeschaffenheit ihm 
doch das Verharren in regelrechter Bahn vollständig 
gestattete — , denn warum hätte z. B. im Frz. am- 
bulare nicht auch in der Bedeutung „gehen" zu 
ambler werden sollen.*^ 

Für erwiesen darf bis jetzt nur gelten, dafs die 
Zurückführung von andnre etc. auf ambulare laut- 
lich möglich ist. Ein Vorbehalt ist allerdings in 
Bezug auf aller zu machen. Denn erklärt man den 
Wandel von n{n} zu 1(1) in an(n)ar : al(l)er durch 
Dissimilation, welche zunächst in Formen , wie an- 
nümiis annänt (Part.), erfolgt sei, so ist einzuwenden, 
dafs doch Formen, wie z. B. venons venant, in 
denen gleichfalls zwei Nasale nach einander er- 
scheinen, nie und nirgends Dissimilation erfahren 
haben. Ebenso sieht man nicht ein, warum in inde 
annare = en an{n)er Dissimilation vorgenommen 
worden sein soll, da doch inde minare = emmener 
unbeanstandet geblieben ist. Will man aber, wie 
Schuchardt thut, al{l)er aus *anler [an{n)er] durch 
wallonischen Einflufs erklären, so hat G. Paris, R 
XXVII 626, mit Recht dagegen bemerkt: „comment 
croire que des le commencement du IXe siecle un 
wallen alar < anlar < anilar <Z ambulare eüt 
penetre dans le fran5ais {alare so trouve ä plusieurs 
reprises dans les gloses de Reichenau)?'' 

Bei dieser Sachlage sei es gestattet, unter Fest- 
haltung von ambulare als dem gemeinsamen Grund- 
worte eine andere Lösung in Vorschlag zu brin- 
gen. . 

In der lat. Volkssprache trat, vermutlich in der 
späteren Kaiserzeit — jedenfalls nach der Über- 
tragung des Lateins nach Dacien — neben ambulare 
„gehen" das von dem kelt. Nominalstamme cam- 
mino „Weg"' (vgl. Thurneysen p. 95, s. auch unten 
den Artikel cammino) abgeleitete Verbum *cam- 
minare „einen Weg machen, gehen" (ital. cammi- 
nare, prov. span. caminar, ptg. caminhar , frz. 
cheminer; vgl. Dz 81 cammino, Gröber, ALL I 541). 
Dieses camminare wirkte auf sein Synonymum am- 
bulare analogisch ein und veranlafste dessen Um- 
gestaltung zunächst in *ambinare , dann in *am- 
minare (umgekehrt hätte ambulare die Umbildung 
von *camminare in *cammulare, *cambnlare bewirken 
können, wenn nicht *camminare durch da^ Sbst. 
*camminus gestützt und geschützt worden wäre). 



Während nun *camminare sein i in der Mittelsilbe 
bewahrte, weil ihm *camminus zur Seite stand, 
wurde in *amminare , zu dem ein Sbst. *amminux 
fehlte, das i ausgestofsen, also *am(m)[t]ware. Dieses 
*amnare hatte nun verschiedenes Schicksal; in einem 
Teile des volkslat. Sprachgebietes wurde es von 
mandare (welches die Bedtg. .,jera. mit einem Auf- 
trage entsenden'' od. auch „jeni. zu einem Auftrage 
entbieten" angenommen hatte, also ein Verbum der 
Bewegung geworden war) angezogen u. infolge dessen 
zu andare umgestaltet'; in einem anderen Teile 
des Gebietes (in Südgallien etc.) entstand durch 
Assimilation das »m > nn annare; in Nordgallion 
ergab *amnare lautregelrecht *amer (vgl. z. B. 
intaminare : eiilamer, Seminare : semer). In Sud- 
gallien etc. behauptete sich annare als an{n)ar; in 
Nordgallien dagegen wurde *amer in Anlehnung 
an die Verben der Bewegung auf -ler {avaler, 
voler, couler, rouler, baller) zu al{l)er umgewan- 
delt. 

Aufscr ambulare sind als Ursprungsworte für 
andare, annr, aller aufgestellt worden': a) adnare, 
daraus durch Umstellung *andare etc. — b) e.nare, 
enatare, vgl. Curnu. R XVI 560, von Cornu selbst 
als irrig erkannt, R XIX 283 — c) nditare, *andi- 
tare, vgl. Dz 19, Flechia, AG III 166 — d) adire 
(adeo, *andeo, ando), vgl. Bianchi, Storia della pre- 
posizione a etc." (Florenz 1877) p. 97, Flechia AG 
III 369 — e) *ambitare (Frequ. v. ambire), vgl. 
Gröber, Mise. 40 — f) *addäre f. addere, vgl. 
Langensiepen , Herrig's Archiv Bd. XXV 392, G. 
Paris, RVIII 298 u. 466, IX 174 u. 333, Settegast, 
RF I 238 — g) am[b]dare, vgl. Ascoli, AG VII 
535 Anm. — h) *anitare (v. anas *anUü Ente), 
vgl. Behrens, Ztschr. f. nfrz. Spr. u. Lit. X 84 — 
= i) *aUäre (zu allatus v. afferre gebildet wie 
*prO'itrare zu prostratus), vgl. Baur, Z II 592 — 
k) *vandäre v. vadere, vgl. För-ster RSt. IV 196 
(unt«r den „Berichtigungen") u. Z. III 563, von F. 
selbst, wie es scheint, stillschweigend zurückgenom- 
men, vgl. Z XVI 251 u XXII 520 — 1) kelt. 
Stämme (andag-, anna-, a[n]la), vgl. Th. p. 51 — 
m) an- {ambi) + dare, vgl. Settegast, Z XV 255; 
ebenda erklärt S. sehr ansprechend (u. in Übereiu- 
stimmung mit G. Paris, R XIX 449) frz. andain 
aus indaginem (s. u. indago); aus andain soll 
durch Suffixvertauschung andee, ondee u. aus letzte- 
rem wieder altfrz. onde ,, Schritt" entstanden sein 
— n) Meyer-L. , Rom. Gr. II p. 262, setzt ambu- 
lare, *aminare (.,wohl aus ambulare durch Dissi- 
milation oder Suffixtausch entstanden") u. ambitare 
als Grundworte an. 

589) [*ambütrüm = (?) altfrz. ambure, beide. 
Vgl. G. Paris, R61e de l'accent latin p. 62 ; Burguy, 
I 112; Cornu, R XI 109. Die Ableitung mufs als 
höchst zweifelhaft erscheinen.] S. No 613 und 
iitrum. 

590) [ämentia, -am (v. mens), Sinnlosigkeit; ital. 
am^nza ; prov. u. alt span. amencia.] 



1 Dadurch wurde andare scheinbar ein Kompos. zu dare 
u. lionnte demnach ein Perfect 'andedi liilden (iiuffäliisf ist, 
dafs ein 'mandedi ZU mandare nicht bestanden zu haben 
scheint). 

' Eine Kritik dieser Hypothesen erscheint entbehrlich, 
da sie durch die neueren Forschungen als überholt gelten 
dürfen Ks ge.nüt;a also auf das zu verweisen, was in der 
1. Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s Sp. 281 ff. darüber gesagt 
worden ist u. was schon aus Kücksicht auf die notwendige 
Raumersparnis hier nicht wieder abgedruckt werden soll. 



57 



591) *ätngntIo 



607) amo 



58 



591) [*ämentio, -Ire (v. amens), von Sinnen 
kommen, von Sinnen bringen; dav. rum. amefesc, 
ii, it., i. vgl. Ch. minte.] 

592) ^ämentinum, i, n. (v. amentum für agi- 
nientiim), Treibmittel; dav. altfrz. nniewitw, aman- 
tin (b. Froissiirt, l'Esp. amoureuse 241, ed. Scheler), 
Schnur, die um den Kreisel gewiekelt wird . dazu 
viell. das Vb. amenter. Vgl. DelbouUe, E Xll 104, 

593) 1. amentum, «., Eiemen; sard. «»lewteJofh- 
riemen, vgl. Salvioni, Post. 4. 

594) 2 amentum w., Treibmittel; a 1 t s p a n. 
amünto. altgaliz. amento, vgl. Meyer-L., Z. f. ö. 
G. 1891_p. 766. 

595) ämes, -Ttis (eig. apmea v. *npo, einfügen), 
Querholz; davon prov. antz, hölzerne Werkzeuge, 
vgl. P. Meyer, E VII 594 (im Dialekt v. Lyon 
antiron ,,le bois de choix que Ton rencontre dans 
las fagots'', vgl. Puitspelu, K XV 435) ; span. ptg. 
(andes), andas, Sänfte, vgl. Dz 423 andas. — Alt- 
frz. haute, hauste, Lanzenschaft, ist nicht, wie Dz 
610 s. V. meint. = amitem, sondern =: hastaiit, 
vgl. Förster, Z II 84. 

596) amieS, -am, Freundin; <iavon altfrz. mie. 
Geliebte, vgl. I)z 639 mie, daneben amie, Freundin, 
u. dementsprechend mit gleicher Bedtg. in den 
übrigen Spr. amica, amiga. 

597) *ämlcitas, -ätem f. (für amicitia v. amicus), 
Freundschaft; davon ital. amistä, nach d'Ovidio, 
AG XIII 426, Gallicismus; prov. amistat-z; frz. 
amistie, amitie; cat. amistat (daneben amistan^a, '\ 
vgl. Ollerich p. 12); Span, amistad; ptg. amizade. 
Vgl. Gröber. ALL I 239. 

598) [ämicitiä, -am f. (v. avueun), Freundschaft, '\ 
ist durch *amieitas verdrängt worden; ital. ami-. 
cizia ist gel. W.] 

599) amictus, -um w. (v. amicio), Umhüllung;! 
davon altfrz. arnit, Kappe, Mütze (möglicherweise i 
hängt auch nfrz. aumiisse, Chor|,elzmütze, damit 
zusammen, freilich nur unter Annahme einer .starken 
volksetymologischen Verballhornung); span. amito, 
leinene Kappe , welche der Messe lesende Priester \ 
anlegt. Vgl. Dz 422 amito. — Dz Ü34 pantofola j 
ist geneigt, auch frz. emmitoufler, einmummen, mit 
ainicttts in Zusammenhang zu bringen. 

600) ämiens, -um »". (von der \/[k]am, begehren, i 
lieben, vgl. Vanicek I 113), Freund; ital. amieo : \ 
rtr. amic, amih; prov. amic-n ; frz. ami, dav. ab- 
gel. das Adj. amiable, cat. amig; span. ptg 
amigo. — ' Über den etwaigen Zusammenhang 
zwischen amicus dulcis. frz. ami dauxu. frz. ama- ' 
douer (vgl. Tohler, Z X 577) s. oben äd-mät-flo. ■ 

601) *ämidum, -i n. (volkslat. für amylon),Krsift- j 
mehl. Stärke, s. amylum. ' 

602) arab. amir, Fürst, Befehlshaber (vgl. Freytag ' 
I 59'*); davon ital. almirantc (aus al-amir], ad- \ 
miraglio, ammiraglio ; prov. amiran-s, amirat-s, 
amiralh-s; altfrz. amire (einen Beleg für diese 
Form findet man b. Burguy II 370), amirant (das 
t nach Analogie der Partizipialstämme auf -nt), 
amirail, amiral (c. r. amiraus); nfrz. amiral ; 
span. almiral, almirante, almiraj, alv)iraje; ptg. 
almirante. Die Form des Wortes ist offenbar in 
jeder Einzelsprache Gegenstand volksetymologisie- 
render Umbildung gewesen, vermöge deren es bald 
den Partizipialstämmen auf -w«, bald den Adjektiven 
auf -al{is). bald denen auf -alitis angeglichen, und 
überdies das anlautende a teils als arab. Artikel 
al teils als Präpos. ad aufgefafst worden ist. Die 
ursprünglich allgemeine Bedeutung des Wortes, 



: „Feldherr", wurde durch italienischen (sicilianischen, 

I genuesischen) Einfiufs zu derjenigen „Flottenführer" 

verengt. Zusammenhang zwischen frz. amiral u. 

arab. amir-al-ba'hr , „Befehlshaber des Meeres", 

anzunehmen, wie Engelmann p. 54 thut, ist nicht 

nur unnötig, sondern auch unstatthaft, weil es gar 

zu selten wäre, dafs der Artikel al sich erhalten 

: haben, das durch ihn bestimmte Subst. ba'hr aber 

geschwunden sein sollte. Vgl. Dz 13 nlmirante; 

\ eine ganz interessante etymolog. Plauderei über das 

! Wort „Ädmiral" findet man in der Kreuzzeitung 

j vom 19. August 1893, Abendausgabe. Lehrreicher 

freilieh ist die ausführliche Besprechung des Wortes 

bei Eg. y Yang. p. 224. 

603) ämitä, -am /'. (Weiterbildung aus am[m]a, 
i w. m. s.), Vaters Schwester, Tante, nur erhalten im 

rtr. ameda (in Ampezzo; dort auch rameda, wo 
r=l aus dem Artikel la, vgl. Ascoh, AG I 381, Z 2 
V. ob.), niederengd. anda, oberengd. amda, vgl. As- 
coli, AG I 230 Anm. 1 u. 511; im altfrz. ante 
(c. 0. antain) n. im nfrz. tante, das anlautende t 

: der letzteren Form erklärt sich aus kindersprach- 

: lieber Wiederholung des Wortes: ant(e)ante = an- 
tanie, wodurch der Auslaut des erstgesetzten zu 
dem Anlaut des zweitgesetzten Wortes wurde, vgl. 
Darmesteter, Traite de la form, des mots compo- 
ses p. 207 Anm. 5; Canello, AG III 341 Anm. 1. 
Ober Eeflexe des Wortes in ital. Mundarten z. B. 
lomb. »rtcrfns, genues. dmea [neugr. a/zia], ossol. 
Idma, Idmla, vgl. Mussafla, Beitr. 26, u. Salvioni, 

I Post. 4; G. Meyer, Idg. Forsch. II 370, Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 766, zieht auch piora. m.!u1-i 

\ hierher, doch ist das wohl zu kühn. — In den 
übrigen rom. Spr. (ob auch im Prov.?) ist amita 
durch griech. S-sia (ital. zia. span. ptg. «w) u. 
durch lt. prima (so span. u. ptg. neben tia) völlig 
verdrängt worden. Andererseits hat amita in dem 
Englischen [aunt] u. im Deutschen die betr. germ. 
Worte völlig oder doch nahezu völlig verdrängt. 

604) ammS, -am / (Lallwort der Kindersprache 
zur Bezeichnung der Säugerin , insbesondere iler 
Amme, während zur Benennung der Mutter dieselben 
Laute, nur in anderer Folge: jnrtinma, dienten ; in der 
Volkssprache wurde amma auch zur Bezeichnung 
der Ohreule gebraucht, weil man irgend welche 
Ähnlichkeit zwischen diesem Vogel u. einer Amme 
herausfand; in dieser Bedtg. kommt das Wort bei 
Isidor 12, 7, 42 u. Gloss. vor; von Isidor wird es 
thörichterweise von amare abgeleitet: „haec avis 
vulgo dicitur amma ab amando parvulos, unde et 
lac praebere fertur nascentibus"): davon span. ptg. 
ama, Amme, Wärterin, Haushälterin, Hausfrau, dazu 
wurde das Masc. amo mit der entspr. Bedtg. ge- 
bildet. Vgl. Dz 421 ama. 

(KS" Die mit amm ....(= ad + m ...) an- 
lautenden Verba, wie *ammevsurare, *amminare a. 
dgl. sehe man unter den betr. Simplicibus; über 
*ammieare (vgl. Gröber, Mise. 40) s. oben ad me 
care. 

605) [*ämmulo, -äre {ad + *mulare (v. malus), 
ein Pferd an die Gangart des Maultiers gewöhnen; 
dav. viell. prov. cat. span. amblar, frz. ambler.] 

606) [äninestiä, -am /., gr. äßvrjorsia, ist als 
gel. W. mit der spätgriech. Aussprache des tj als 
i in die rom. Spr. übergegangen ; amnistia etc.] 

607) amo, -äre (v. \/ (k)am begehren, lieben, vgl. 
Vanicek I 113), lieben; ital. amare; rtr. amer 
(ital. Fremdw., „gehört in keinem rätischen Orte 
zu den gewöhnlichen Wörtern [meistens ist .gern 



59 



608) äin«r 



629) 'anbar 



60 



haben' u. ,voler beiie' üblich], bekannt ist es aber 
doch und gilt für ein edleres Wort'', Gärtner, § 6) ; 
prov amar; frz. {amer, wovon jptzt noch amant; 
durch denEinflufs der stammbetonten Formen) aiwec; 
cat. Span. ptg. ainnr. In den pyrenäisehen Ppr. 
ist die Anwendung von amare durch quaerere = 
querer wesentlich eingeschränkt worden — Über 
frz. aimnnt „Magnet" u. dgl. s. oben adamas. 

608) ämor, -örem m., Liebe; ital. amore; rtr. 
amur (auch Kormen u. Abli-ituiigeu mit abgefallenem 
a, vgl. AG I 107 Anm. 3); über den sehr eigen- 
artigen präpo.<!itionalpn Gebrauch des Wortes mit 
oder ohne Verbindung mit par {pnramur ^prnpter), 
in welchem es lautliih an mortem sich angleicht 
(avi)iort ,, wegen", s Ulrich, Gloss. z. Chrest. 1), vgl. 
Ascoli, AG I 25, Anm. 1: ital. amore (per amore 
wird dialektisch ebenfalls in der Bedtg. ,, wegen" 
gebraucht); prov. amor-s: frz. amour; cat. span. 
ptg. amor. 

609) *Sinörösiis, a, nm (v. amor), verliebt; ital. 
amoroso, Adj. u. Sbsi.. u. moroso, nur Shst., vgl. 
Canello, AG III 391; in den übrigen rom. Spr. ist 
das Wort in den entsprechenden Formen vorhanden. 

610) [*ämp)iaMa, -am f (verderbt, aus griech. 
a(paaia Spraihlüsigkeit. vielleicht in Anlehnung an 
s/JKfaoK;), bis zur Sprachloi-igkeit gesteigerte Angst, 
daraus vermutlich ital. ambascia, Qual, dazu das 
Tb. onifca-c/ar, Qual empfinden, vor Angst keuchen. 
Vgl. Dz 15 amhafCKita. — Caix , St. 139, wollte 
in dem zweiten Bestandteile des Wortes (-ascii) lt. 
*ai)xia erkennen. Vgl. Nr. 716.] 

611) *fiinphisbetiffis, a, um (gr. dfi<piaßtjziiföc\ 
streit-, zwcifelsücditig, ist nach Rön<ch, Jahrb. XIV 
341 (vgl. C. Michaelis, ebenda XIII 3-27), das Grund- 
wort zu ital. htsbetico, launisch, wuntlerlich. 

612) amphöra, -am f. Henkelkrug (amfiira, non 
amporn Appendix Probi 227); das Wort lebt in 
den roman. Spr. nicht fort. 

613) *ämpli5terön (gr. d^Kpöttgov), beides, ist 
nach Dz 506 ambore das Grundwort z. altfrz. 
ambiire, anibure, al tital. (7»i6u)Y); sowohl im Alt- 
frz. wie im Altital findet sich das Wort im Sinne 
von diKpötfQor .... xal (vgl. engl, hoth . . . and) 
= ,, sowohl .... als auch" gelDraucht. Die Ableitung 
aus aiiiborum verwirft Dz, ebenso die von ihm in 
der Gramm. II' 416 vorgebrachte von nmbo -\- utrum ; 
gleichwohl dürfte amboriim, woraus viell. ambora 
gebildet wurde, gröfsere Wahrscheinlichkeit für sich 
haben, als das griech. Wort. 

614) ämpllfis iKomp. N. v. aniplus), weiter; 
altfrz. iimjiieis kann nicht unmittelbar aus ämplius 
entstanden sein, sondern ist eine nach dem Muster 
von sordeis = sordidius v. sördi(lu>< geformte Neu- 
bildung, vgl. W. Meyer, Z XI 250; Suchier, Gröber'» 
Grundiifs, Bd. I 611. Vgl. Dz 507 anipleis. 

615) äiiipltts, a, um (gebildet aus avib u. dem 
raultip ikativen Suffix pala von \/ par, pal füllen, 
vgl. Vanicek I 508), weit; ital. ampio; prov. 
ample-<; frz. ample; span. ptg. ancho. Vgl. Dz 
422 ancho. 

616) ampulla, -am f., kleine F'lascbe; ital. am- 
polla; sard. ampudda; prov. ampola; frz. am- 
poule; cat. span. ampulla; ptg. {ampolhetn), em- 
pola. Das Wort dürfte überall halbgelohrt sein. 
Vgl. Gröber, ALL VI 378. 

617) amfiletum n. (Plinius 28, 38 u. öfters), (vgl. 
arab. Äan/a/c< Anhängsel), Talisman; ita\. atnuleto; 
frz. amulette, -ele; span. ptg. amuleto. 

618) SmOrcä, -am f. (gr. d/iöpyi]) u. *ämflrcnlä, 
-am /'., Olschaum; ital. »Horca (mail.), morchia = 



amurcula, vgl. Flechia, AG 11 329, morcia; frz. 
amurgue; cat. morca; span. morqa. Vgl. Dz 217 
morchia; Gröber, ALL IV 120; vgl. auch AG Xlll 
121. 

619) amygdalä, -am f. (amycdala, non amid- 
diiln, App. Probi 140) (gr. dfivyifäf.rj), Mandel, für 
<la8 V(dkslat. ist die Form amendola anzusetzen, 
vgl. Gröber. ALL I 240; ital. (venez.) mandola, 
'nuwdorla; rum. mandutäj u. migdalä; rtr man- 
del; prov. amenta u. {a)melli; frz. amande; cat. 
ametlla; span. almendra; ptg, mnendoa. Vgl. Dz 
202 mändorla. Gröber, ALL I 240; über das Ver- 
hältnis von frz. amadou zu amyydala vgl. Nigra, 
R XXVI 560 

62(1) Smylfim, -i, v. u. ämiilflm, -1, n. (gr. aiiv- 
).ov), Kraftraehl, Stärke; davon in gleicher Bedtg. 
ital. iinndo; aus dem Ital. enth-hnt: frz. amid'm 
(Fremdwort, vgl. Meyer, Ntr. 165); span. almidon: 
ptg. dmidii, amida'K Vgl. Dz 16 ämido. 

621) änä (gr. dvä), je (bei Zahlwörtern distributiv, 
z. B. ftdii cypressi ana uncian tres deteres, Veget. 
4[3], 2, 6; aliiminis caiturii ana uncias duas, 
Plin. Val. \, 36); in derselben Bedtg. findet sich 
ana gebraucht in dem Lyoner Dokument, Lo Car- 
cabeau du Peage de Givors 1225 (ed. Guigue s. a.), 
vgl. K. Hofmann, RKII 361 unten. 

622) *analysi8 {diä'/.vni;) f., Analyse (das Wort 
ist im Liitein nicht belegt, ebensowenig ein dazu 
gehöriges Vb.); ital. andlise, dazu das Vb. annUz- 
zare; frz analyse, dazu das Vb. analyser, (über 
iinaly-ixte und analiste vgl. Tobler, Herrig's Archiv 
97 S. 375). 

6231 amerik. ananas, die Ananasstaude n. deren 
FVucht: ital. span. frz. etc. anands; ptg. ananäz 
Ananasfrucht, ananazeiro, Ananasstaude. Vgl. Dz 
16 niianiU. 

624) änäs, -ätis, daneben -itis u. -ätis (ent- 
standen aus a-mi-t, vgl. Vanicek I 24), Ente; itaL 
(sard.) andile; rtr. obereugd. anda, unterengd. 
andang, andän, oherwald. enta = dt seh. Ente, 
vgl. Ascoli, AG VII 444 Anm.; prov. anedo; alt- 
frz. anne, dazu Dem. anette (nfrz. ist can-nrd v. 
nd. cane, dtsch. Kahn, eingetreten, vgl. Mackel 
13): cat. anech; span. dnarle; ptg. adem. Vgl. 
Gröber, ALL I 240; s. auch änäträ. 

625) *änäticüla, -am /'. (f. nnaticula), kleine 
Ente; prov. anadäha; frz. anille (wie ein Enten- 
schnabel gekrümmte) Krücke. Vgl. Meyer-L. , Z. 
f. ö. G. 1891 p. 766; Dict. general s. v. anille. 

; 626) anätomlä, am f. (gr dvuiofila). Anatomie; 
! dav. ital. (neben dem gel. W. anatomia) notomia 
i „strazio, scarificazione inutile', vgl. Canello, AG 
!III 391. 

627) *äDSträ, -am, *äniträ, -am (v. anas), Ente; 
ital. änatra, dnitra, venez. antra, trent. dnedra 
etc.. vgl. Ascoli, AG VII 444 Anm. 

628) ahd. äuazan, antreiben; davon (ein altrom. 
Vb, anetsar, das sich in den Roichcnauer Glossen 
findet, vgl. Dz, Altrom, Gloss. p. 41) ital. anniz- 
zare (nur dialektisch) mit der Bedtg v. aizzare, 
vgl. Caix, St. 153; altptg. anaziar (dessen Bedtg. 
noch ncht genügend ermittelt ist, vermutlich bedeutet 
es „Räuberei treiben"), davon anaziador ; ob neu- 
ptg. anoQar, schütteln, mischen, dem altptg Worte 
entspricht, mufs dahingestellt bleiben. Vgl. Taliban, 
R VIII 612. 

629) arab. 'aubar (vgl. Frey tag lU 227b), Ambra; 
ital. ambra; frz. ambre; span. ptg. ambar, 
alambar, alambre. Vgl. Dz 16 ambra: Eg. yYang. 
258. 



til 



6SÖ) *finclil() 



645) ängfilds 



62 



630) [*ancido, eldi, cTsum, ciderc (v. «»(6- ii. 
caedo). Dieses aus dem Subst. ancaexa, -önim, Ge- 
fäfse mit erhabener Arbeit, b. Paul, ex Fest. 20, 3 
zu erscbliefsende Vb. ist im altital. ancidere etc. 
nicht erhalten, wie auch schon Dz 352 s. v. an- 
nahm, es ist das letztere vielmehr, ebenso wie 
prov. auch- = occidere, vgl. Fumi, Mise. 97.] 

631) ancilla, -am f., Magd: ital. ancella (u. 
-üla); altfrz. aneel(l)e, anciele (später nur als 
Prauenname Ancille); span. ancila; ptg. ancela. 
Vgl. Cohn, Suffixw. p. 47. 

632) Siieön, -öna m. (gr. äyxoiv), Bug, Bucht, 
Ellenbogen, hakenförmiges Werkzeug; auf a. scheinen 
zurückzugehen (rz.gond, Thiirangel (lothr. (mgr'«), 
vgl. Dz 169 fiomo; u. span. ancön, Bucht, Ehede, 
vgl. Dz 422 anco. S. auch unten coiltus. — Ver- 
mutlicli von ancon abgeleitet ist auch ital. (dial.) 
ancima, Strafsenecke, Knpelle an einer Strafscnecke, 
Heiligenbildchen, vgl. Mussafia, Beitr. 26 Dz 352 
s. V. hielt das Wort für aus gr. eilwn {dxuiv, -a5ra) 
entstanden, was durchaus unwahrscheinlich ist. 

633) äneörS, -am f. (gr. äyxv(>a), Anker, ist 
ohne Bedeutungs- u. Lautänderung (nur frz. ancre, 
span. ancla neben dncura) in die rem. Spr. über- 
gegangen. 

634) *aneös, n. (gr. äyxoe:), Bug; davon ptg. 
ancn, Ellenbogen, vgl. Dz 422 anco. 

635) *äiicra od. *aiigra, -am /'. (im Lat. nur 
Plur. z. h. b. Isid. gloss. no. 93; verwandt mit ancos 
etc. mit der Grundbedeutung „Krümmung"); davon 
span. ptg. ((ngrn Bucht, vgl. Dz 423 s. v. 

630) anculo, -äre (viell. verwandt mit St. anc- 
krumm u. demnach eigentl. bedeutend ,,sich krüm- 
men, sich bücken"), kredenzen, davon viell. nach 
Caix, St. 206 ital. (aret.) anc[ulliire , schaukeln, 
vgl. auch antlia, von welchem letzteren das ital. 
Vb. besser abzuleiten sein dürfte. 

637) ancus, a, um, gebogen, krumm: dav. rum. 
adtnc; noapol. ancino; bologn. anzinid; vonez. 
angin, pieni. angin, mail. lans'n; genues. leiixin. 
Vgl. Meyer-L., Ztschr. f. Österreich. Gymn. 1891 
S. 266; Salvioni. Post. 4; Horning, Z XVI 528. 

638) bask. andraminae, eigentl. Srhmerzen der 
Frauen (die als Vorwand dienen können, um z. B. 
Besuch abzulehnen), soll nach Larramendi's kühner 
u. wenig glaubhafter Vermutung das Grundwort 
sein zu span. rmr/römwa, Kunstgriff, zur Täuschung 
ersonnerie Geschichte, vgl Dz 423 andromiita. 

633) andrön, -öna »i. (gr. ävdfjiöv) , ein Gang 
zwischen zwei Mauern eines Gebäudes, ist das wahr- 
scheinliche Grundwort zu ital. androne , breiter 
Gang, Vorhaus, welches Wort nach Liebrecht, Jahrb. 
XIII 231, durch Einschub eines )• (der jedoch hier 
gar nicht wahrscheinlich ist) aus andone aridare 
entstanden sein soll. — Eine Nachbildung des gr. 
avffptuv (v. dn^() Mann, also eigentl. ,, Männer- ! 
gemach") soll nach Dz 409 verone ein lat. *inro, 
■önem v. vir sein, wovon ital. verone, offener Gang, 
Altan, Erker, vgl. dagegen Storm, K II 327, wo in 
überzeugender Weise verone von umbr. vero, osk. ' 
veru ,,Thfir" abgeleitet wird. Was Caix, St. p. XI 
Anm. 2, gegen Storm einwendet (die Grumlbedtg. ! 
von verone sei „Torrasse" u. dgl. gewesen), ist von j 
keiner Erheblii^hkeit. und die von Caix vermutete! 
Identität des ital. Wortes mit frz. perrnn völlig 
unglaubhaft. Baist, Z VII 124, vermag sich das i 
Wort nicht zu erklären u. bemerkt nur, dafs es der ' 
Bedtg. nach einigerniafsen zu cat. barana, span. 
baranda, ptg. varanda, Geländer (vermutlich glei- 
chen Ursprunges mit engl, verandd) passen würde. 



640) *aiiSI]ariU8, -um m. (v. a>Mus), Bingver- 
fertiger; ital. aneUaro; rum. inelar, s. Ch. inel: 
prov. anelier. 

641) änelliis, -um m. (v. aniis), kleiner Ring: 
davon ital. anelln, dav. das Dem. aneUotti, agnel- 
totti ,,specie di minestra di pasta', vgl. Caix, St. 
144; sard. anedda ; rum. inel, PI. f. inde, vgl. 
Ch. .«. V.; prov. anel-s; frz. {anel) anncaii; cat. 
nnel u. anelln; span. anilln ; ptg. an{n)el; elo, 
Ring einer Kette, vgl. C. Michaelis, Rev. Lusit. I, 
Meyer-L., Z XV 269. Vgl. Gröber, ALL VI 378. 

642) anethum ». {avrjd-ov), Dill, eine wohl- 
riechende Pflanze; ital. aneto; frz. anoi; span. 
eneldo; ptg. endro. Vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 
1891 p. 766. 

643) angäria (u. aiigäria), -am/", (gr. dyyapeia, 
Ursprung!, ein pers. Wort), Spanndienst, Fronfuhr- 
werk; davon ital. ««(jr/iena, Erpressung, Bedrängung; 
alt span. anguera, enguera, ew^«/-«, Entschädigung 
für ilio unberechtigte Benutzung eines Reit- oder 
Zugtieres, vgl. Taliban, R IX 431 (dazu Suchier, 
Z V 172): ptg. angue.ira, Mietgeld für Zug- oder 
Lasttiere. Devic vermutete Zusammenhang zwischen 
angdria u. ital. (avaria, averia), avania, frz. 
avanie (nach Scheler im Dict. s. v. das Vbsbst. zu 
altfrz. avanir, kränken, v. lt. vanm), ptg. avania, 
Weggeld, Kopfsteuer, Plackerei, vgl. Dz 31 avania 
u. dazu Scheler im Anhang 709. Darf man das 
glauben — u. statthaft ist es (falls man eine Mittel- 
forni *anguaria annimmt) — , so dürften dann auch 
ital. avaria, frz. avarie, span. haheria, ptg. 
(ivaria, Hafensteuer, Steuer auf über See gehende 
Waren, Schaden an Schiff oder Ladung, für in ihrer 
Bedtg. nach besonderer Richtung entwickelte Ge- 
staltungen von *anguaria gehalten werden. Gewöhn- 
lich leitet man nvaria etc. von arab. awär, Ge- 
brechen, Hfjchädigung, ab, vgl. Dz 31 avaria. Mit 
dtsch. „Hafen" u. dgl. hat das Wort nichts zu 
schaffen, Bildungen wie dtsch. Havarie u. dgl. be- 
ruhen auf volksetymologisierender Angleichuiig. — 
Die Vermutung, dafs frz. «««/ar, /janf/«r, Schuppen, 
mit anguria zusammenhänge, ist naheliegend, gleich- 
wohl aber aus lautlichem Grunde abzuweisen , wie 
dies auch Dz 508 angar thut; an kelt. Ursprung 
des Wortes darf man ebenso wenig denken, vgL 
Th. 89. Sollte es vom dtsch. hangen abzuleiten 
sein? Die ursprüngliche Bedtg. des Wortes „Schutz- 
dach" würde dazu gut stimmen, ebenso die alte 
Form hangard, vgl. Stappers 3177; Scheler freilich 
im Dict. s. v. weist die Ableitung v. hangen unbe- 
dingt zurück. — Baist, Z VII 117, schlägt für 
span. enguera, ptg. angunra lat. *equarin als 
Grundwort vor, indessen liegt weder eine Notwendig- 
keit vor, von angaria abzugehen, noch ist die Na- 
salierung zu erklären {indentico f. identico u. dgl. 
ist ein ganz aiidercr F'all). 

644) [angärön n. (gr. ayyuQov nvQ, Signalfeuer, 
Aesch. Ag. 292), ist nach Mahn, p. 128 u Dz 423 
dng'iro identisch mit span. dngaro Signalflamme. 
Das ist um so glaublicher, als im Altspan, auch 
angitri-a in einer <ler ursprünglichen noch ziemlich 
nahe stehenden Hedtg. erhalten war, s. den vorigen 
Artikel. Larramendi erblickte in dem Worte eine 
Zusammensetzung aus bask. an, dort, -|- garra, 
Flamme.] 

645) ängelus, -um m. (gr. äyyekog), Bote, Engel ; 
ital. angelo; rum. iiiger, a. Ch. s. ».; rtr. angel; 
prov. angel-s; frz. angeles ^zweisilbig, z. B. Pass. 
393, vgl. Stengel, Wtb. 89 Anm., Berger s. v.), 



63 



(i4t;) anyreii 



(i6(>) annlcttliiR 



64 



(iiiijcl, amjc; cat. span. anfiel; ptg, laijo. Vfjfl. 
Dz 508 ange. 

646) malaiisch an^req, eiue Orchideenart; liav. 
frz. angrec, woraus wieder der pseudo-lat. botani- 
sche Name ancßrnecum abgeleitet ward. vgl. Üovic 
.S-. ■»., Fafs, RP III 492. 

647) augfillli, -am /'. (Dem. v. anguis), Aal; 
ital. anguilla; sard. ambidda. sicil. ancidda, 
lecc. angidda, friaul. anzille; venez. anguela 
(cl. i. acutella -\- anguilla), vgl. Salvioni, Post. 4. 
frz. anguUle (altfrz. anguile mit nicht palatalem 
l, anguille mit palat. l ist gelehrte Neubildung); 
span. anguila; ptg. anguilla. anguia, engitia. 

648) [angfiis, -em [v. ango], die Schlange, ist 
in den rom. Spr. durch serpens als dem lautlich 
bequemeren Worte fast völlig verdrängt worden, 
vgl. jedoch Meyer-L., Ztschr. f. Österreich. Gymnas. 
1891 S. 766; Salvioni, Post. 4. Sollte viell. frz. 
envtiyp., Blindschleiche, im letzten Grunde auf an- 
guis zurückgehen, indem man anzunehmen hätte, 
dafs das Wort volksetymologisch umgebildet worden 
sei (anguis : *angvia : envoye, gleichs. eii voie 
„das auf dem Wege liegende Tier")?J 

6491 augfilärius, a, um (v. angulus), in der 
Ecke befindlich; rum. unghier, Winkel, Versteck, 
s. Ch. unghiu. 

650) ängfilösus, a, um (v. angulus), eckig; 
ital. anguloso; rum. unghiuros, s. Ch. unghiu; 
prov. angulos; frz. anguleux; span. ptg. angu- 
loso. 

651) ängultts, -um (vom St. ang-, wow. ang-o, 
flH(/-MSt!(s etc.), Winkel; itul. angoln ; rum. unghiu 
f., PI. unghiuri, s. Gh. s. v.; prov. angl-es; frz. 
cat. angle {altfrz. auch anglet \i. anglef;on); span. 
ptg. äiigulo. 

652) *angürion n. (gr. a/yoiSptov), Wassermelone, 
ist wohl das Grundwort zu dem gleichbedeutenden 
ital. (dial.) u. span. angur{r)ia, vgl. Mussafia, 
Beitr. 27: nach Larramendi (b. Dz 423 ang.) ist 
das Wort baskisch (vgl. dagegen Gerland, Gröber's 
Grundrils I 330), doch ist solcher Ursprung wenig- 
stens für die ital. Formen unwahrscheinlich. 

653) ('ängfistära u. -i5, -am (v. angustus), 
Grundwort z. ital. guastada, Flasche mit engem 
Hals; prov. engrestara, vgl. Mussafia, E II 477. 
S. aeer.] 

654) ängastiä, -am (v. angustus; der Sg. ist zwar 
selten, findet sich aber doch z. B. b. Sali, fr., Plin., 
Augustin. serm. 22, 3, s. Georges s. ».), Enge, 
Angst; ital. angoscia (daneben als gel. W. angu-itia, 
vgl. Canello, AG III 339); rtr. anguosche; prov. 
angoissa; frz. angoisse; altspan. angoxa ; cat. 
neuspan. ptg. congoxa, congoja (indem -an als 
Präfix aufgefafst u. mit cnn vortauscht wurde). Vgl. 
Dz 21 angoscia; Gröber, ALL I 240. 

655) äugüstio u. ängüstö, -äre (v. angustus), 
verengen, in die Enge treiben , ängstigen ; ital. 
angustiare u. angosciare; rum. ingust, ai, at, a 
s. Ch. ingust; prov. angoissar: frz. angoisser ; 
span. ptg. angustiar. 

656) ängüstfis, a, um (vom St. ang-, wov. anqo), 
eng; ital. angusto; rum. ingust, s. Ch. s. v.; 
(prov. angoissos, engoyssos = *angustosus); span. 
ptg. angosto. 

657) anhelitns, -um m. (v. anhelo), Schnauben, 
Keuchen, s. oben ""alenitus. 

658) änhelo, -äre (= am + lielo) , schnauben, 
keuchen; ital. anelare „tirare il fiato lungo, aspi- 
rare moralmente" (neben dem veralteten alenare 



„tirar il lialo"). vgl. Canello, AG III 397; .sonst 
ist das Vb. durch *alenare verdrängt worden , s. 
oben *aIeno. 

659) äiiima, -am /'., Lebenshauch, Seele: ital. 
anima (u. alma, vgl. Canello, AG III 329; sicil. 
arvia, dav. Dem. mail. armella, mod. rumela, vgl. 
Flechia, AG II 366 u. 376); rum. inimä, s. Ch. 
s. V.; rtr. *amna, ana, vgl. Ascoli, AG I 371 No 
234, vgl. auch 438 Anm., olma; prov. anma, alma, 
arma; altfrz. anima (Leod. 174, Eul. 2), anema 
(AI. 109 d), «newe (AI. 67 b), aname {A\ 82c, 121 e 
etc.), erme (Steph. 12 b). vgl. Stengel, Wtb. p. 90a, 
amne, nhne, arme, vgl. Feilitzen, Li ver del Juise 
p. XM Anm. 2, Cloetta, Roman. Forsch. III 54 
Anm., Berger s. v. ; nfrz. äme; cat. arma, alma; 
span. ptg. nima. Vgl. Dz 21 anima. 

660) finimSI, -is n. (v. anima), lebendes Wesen ; 
ital. aniniale (in zahlreichen Dialekten bezeichnet 
animale nur ein bestimmtes Tier, das Schwein, die 
Kuh, die Hündin etc.); valses. rimd „bestia in 
genere, ma specialmente bestia che faccia ribrezzo", 
Salvioni, Post. 4 (die Ableitung dürfte jedoch 
zweifelhaft sein); rtr. oberwald. armal, Rind, ali- 
meri, Schwein, s. Gärtner § 4, friaul. nemal, Ochse, 

\(magne, Schlange). „Vom PI. animalia wird ein 

\ neuer Sg. gebildet: animaUum, surs. Igimari, eng. 

\ almeris" W. Meyer, Ntr. 101; frz. aumaille = 

animalia (gewöhnlich nur im Plur., so dafs also ein 

ursprünglicher Piur. das Pluralsuffix annimmt), 

Ma8t(rind)vieh; span. ptg. animal, Tier, aufserdem 

ptg. almalho, -a, junger Stier, junge Kuh, galic. 

: armallo „buey flaco". — (animal ist im Rom. durch 

i bestia mehr oder weniger verdrängt worden). — 

' Vgl. Dz 513 aumaille; Parodi, R XVII 53. — Vgl. 

W. Meyer, Ntr. p. 101. 

j 661) finimus, -um m., Seele, Geist, ist in den 
rom. Spr. — ausgenommen das Prov. u. Frz., wo 
es durch *coraticum verdrängt ist — in den ent- 
spr. Formen vorhanden. 

662) Snisum, -i n. (gr. ävtaov), Anis (Pimpi- 
nella anisum L.); ital. dnice; rtr. ems, PI. anisch 
(ital. Fremdw., vgl. Ascoli, AG I 9 Anm.); frz. 
span. ptg. anis. 

[*Snito, -äre s. enäto, -äre.] 

663) germ. ankja (ahd. ancha, encha), Schenkel, 
Beinröhre, = frz. anche. Röhrchen; ital. prov. 
span. ptg. cat. anca; frz. hanclie, Hüfte ist 
(gegen Dz 16 anca) etymologisch von anche zu 
trennen u. auf. germ. hanka (s. d.) zurückzuführen, 
vgl. Bugge, R lU 152; Mackel p. 52, 57, 143. 

Auf anca, das im Cat. „natica, groppa" bedeutet, 
führt Parodi, R XVII 53, zurück cat. aixancarrar, 
die Beine ausspreizen. 

664) pers.-arab. au-nafir, eherne Trompete (vgl. 
Freitag IV 312a); prov. aniafil (?) , kleine Trom- 
pete; span. ptg. aiiafil, anafil, maurische Trom- 
pete, vgl. Dz 423 anafil; Eg. y Yang. p. 268. 

665) [*än-näsito, -äre (v. ad u. nasus), riechen ; 
davon ital. (genues.) anastd, riechen, dazu Vbsbst. 
anastu, Geruch, vgl. Flechia, AG VlH 323.] 

I 666) änniculns u. ^ännücülüs, a, um (v. annus 
mit langem a, weil aus ac-nus), einjährig; ital. 
sard. (logud.) anniju , annigru, Pferd von einem 
Jahr, neap. anniechie, Stier von einem Jahr, 
abruzz. nnechie, einjährige Ziege, vgl. Salvioni, 
Post. 4; rtr. obwald. anuljs, anugls, Lamm; 
[span. anojo; Kalb von einem Jahr; ptg. annojo, 
Kalb von einem Jahr], vgl. Ascoli, AG VII 515. S. 
auch *annöticu8, annotinus. 



65 



667) annilah 



687) antSä 



66 



667) arab. annilah, Indigo (vgl. Freytag IV 359a), 
apan. anil, ailir: ptg. anü. Vgl. Dz 443 s. v.; 
Eg. y Yang. p. 269 (an-nü). 

668) *än-nocto, -äre (v. nox) , die Nacht ver- 
bringen; ital. annottare: (rum. innoptez, ai, at, a, 
8. Ch. noapte); prov. anoitar; frz. amätier, anuiter, 
sich bis in die Nacht verspäten, in der Nacht reisen ; 
Span, atiochecer gehört nur mittelbar nach Form 
u. Bedeutnng hierher. 

669) *ännüticus, a, um (v. annus), ein Jahr alt; 
sicil. annoticu, vgl. Meyer-L., Rom. ür. II p. 523; 
prov. anouge, fti. (mundartl.) annage „jeune bete 
de Vannie", vgl. Horning, Z XXI 449; span. 
aii^jo; ptg. annojo. 

670) annütiniis, a, um (v. annus), vorjährig; 
rum. anoatiii, Lamm, Füllen etc. von einem Jahr; 
s. Ch. an. Auf ein {*antine[n]sis) *antin£s\em\, 
das von *an[no\ltnum abgeleitet worden sein soll, 
führt G. Paris, "E XXI 597, zurück frz. antinois 
(wall, antinai) „agneau de l'annee precedente." 

671) iinnuälig, e (annus), jährlich; altfrz. 
anvel. 

672) ännübilo, -äre (v. nubes), Wolken herbei- 
treiben; ital. annuvolarsi; rum. a se innoura, 
vgl. Ch. nöiir; span. anublarse ; ptg. anuviarse. 

673) ännfllärius, -um m., Eingemacher; ital. 
anellaro; rum. inelar; prov. anelier-s. 

674) [*ännulo, -äre (v. annulus), ringeln; ital. 
nnnellare; (rum. inelez, ai, at, a = inannulare); 
frz. anneler; span. anillar; ptg. an{n)elar.] 

675) ännfimero, -äre (v. numerus), zuzählen; 
ital. annoverare. Vgl. Dz 387 novero. 

676) Sn-nüntio, -äre (v. nuntius), ankündigen; 
ital. annunztare ; prov. annunciar; frz. annoncer, 
davon Vbsbst. annonce; span. anunciar; ptg. an- 
nunciar. 

677) änuus, -um m., (Kreis, Eiog), Jahr; ital. 
anno; rum. an, anutimp = anni tempus, a. Ch. 
an u. timp; rtr. ann, anj, any, vgl. Gärtner, Gr. 
§ 105 u. 106; prov. an-z; ixt. an; cat. an; span. 
ano; ptg. anno. Vgl. Gröber, ALL I 241. — hoc 
(daneben *hocque nach Analogie v. usque etc.) 
anno = ital. uguanno; rtr. uonn; prov. ogan; 
altfrz. nuan; altspan. hogaüo; altptg. ogano. 
Vgl. Dz 335 uguanno; Ascoli, AG VII 527 Anm. 

678) anquina, -am f. (dyxoivtj), Eaaschlinge; 
ital. anchini, vgl. Mever-L. , Z. f. ö. G. 1891 
p. 766. 

679) ansa, -am f. (nach Vanicek I 39 von ^ am 
stark sein; ansa, non asa App. Probi 76), Griff, 
Handhabe, Henkel; ital. (dialekt.) asa, aza etc., 
vgl. Mussafia, Beitr. 30; (frz. anse, Bucht); span. 
asa, Henkel; ptg. aza, Henkel, Flügel eines Vogels 
(gleichsam der Henkel, an welchem man den Vogel 
anfafst; Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 766, verneint 
die Herkunft des aza v. ansa). Vgl. Dz 429 aza. 
— (Nach Bugge, E IV 349, soll von ansa ein *a[n\- 
sium abgeleitet worden u. daraus ital. agio, frz. 
aise entstanden sein. S. oben '*'ad-atio u. adjacens 
u. unten ^asium.) 

680) ['^'äusium, -i n. (v. ansa), nach Bugge, E IV 
349, Grundwort z. ital. agio etc.. s. *a8lum.] 

681) [*änso, -äre (v. ansa), eine Handhabe dar- 
bieten, scheint das Grundwort zu ptg. azar, Ge- 
legenheit bieten, bequem machen, zu sein.] 

682) nbd. anstecken soll nach Dz 571 enticher 
das Grundwort zu dem gleichbedeutenden frz. en- 
ticher (altfrz. entechier, entichier) sein; diese An- 
nahme stöfst aber, wie auch Mackel p. 104 (vgl. 
auch 144) andeutet, auf grofse lautliche Schwierig- 

Körtini;, lat.-rom. Wörterbuch. 



keiten, u. auch abgesehen von diesen ist die einfache 
Übertragung eines fertigen nhd. Kompositums in das 
Frz. nicht eben wahrscheinlich; man wird vielmehr 
mit Schelor (im DicL^ enticher) in diesem Verbum 
nur eine Variation von entecher, entacher (mit dem 
Vokal der stammbetonton Formen) erblicken müssen. 
Suchier, Eeimpredigt p. 66, leitete das Verb von 
*intiiiare (v. titio) ab, was Horning p. 6 mit gutem 
Grunde abweist. Caix, St. 616, will ital. tecca, 
altfrz. teche , teka auf got. taikn-s, ags tcicen, 
alts. tecan zurückführen. Goldschmidt, Festschrift 
für Tobler p. 166, ist geneigt, altfrz. techier, en- 
techier, neufrz. enticher mit germ. *takko, wovon 
Hakjan, tekkan in Zusammenhang zu bringen, u. das 
dürfte das Richtige sein. S. unten tae- u. taikns. 

683) änsulä, -am f. (Dem. v. ansa), Henkelchen, 
kleine Schlinge; ital. ansula ,,anello da fermar le 
cortine"; ansola „anello a cui s'attacoa il battaglio 
delle campane", u. asola „occhiello". vgl. Canello, 
AG m 366. Caix, St. 168, Morosi, AG IV 141. 

684) [*ansulariu8, -um (v. ansa); davon ital. 
(lomb.) asuliere, usoliere „nastro, legame con cui 
si stringono le brache etc.", vgl. Caix, St. 168.] 

685) äntae, -as f. (v. ante), viereckige Pfeiler an 
den Thüren u. Ecken der Tempel, davon nach Caix, 
St. 154. abgeleitet ital. anticchia „nottolino perusci 
e finestre", lomb. ante-ine „imposte", rtr. (lad.) 
antina ,.porta del giardino"; ferner: sicil. calabr. 
anta; piem. parm. ante; monf. dntre; mesol- 
ci n. dnza; a ret. si c. anticchia „uollola", vgl.Salvioni, 
Post 4; Meyer-L., Ztschr. f. österr. Gymn. 1891 
p. 766. 

686) ante, Präp. u. Adv., ist in den rom. Spr. 
in präpositionaler u. adverbialer Verwendung nur 
in Verbindungen ab -{-ante, de -\- ab -{-ante, in -{-ante 
erhalten, blofs das Ptg. hat das einfache Wort 
sich bewahrt, das Span, braucht wenigstens ad- 
verbial ante-s. Vgl. Dz, Gr. IP 482 (wenn da- 
selbst ital. anzi = ante angesetzt wird, so ist das 
selbstverständlich ein Irrtum). Über altital. omü 
vgl. Tobler, AG X 238, u. Meyer-L., Ital. Gr. § 107 
S. 61. 

687) antea (v. ante), wurde früher als Grundwort 
angesetzt zu ital. anzi, altfrz. ains (prov. cat. 
ans). Die lautliche Entwickelung erklärte man 
folgendermafsen: „lat. antea = antja mufste laut- 
lich ital. *anza, frz. *aince ergeben, beide Formen 
aber standen hinsichtlich ihres Auslautes vereinzelt 
innerhalb der Adverbien da u. traten deshalb zu 
den Adverbialbildungen auf -i , bezw. auf -s über 
{anza : anzi nach avanti etc., vgl. post : poi; 
*aince : ains, nach postea : puis, moins = minus, 
dans = de intus u. dgl. Im Ital. hätte allerdings 
das Antonym poscia aus postea die Erhaltung von 
*anza begünstigen können, es überwog indessen die 
Einwirkung des stamm- u. sinnverwandten avanti; 
anzo ist oder vielmehr war eine nur sekundäre u. 
dialektisch begrenzte Nebenform für anzi, vgl. 
Gröber, Z X 175. Der auffällige Schwund des aus 
a entstandenen e in frz. ains = *aince aus antea 
hat sein Seitenatück in postea : puis, ad horam{?) = 
frz. or, auch ital. or neben uraY'. Gröber, Z VI 260 
Anm. u. X 175, war geneigt, anzi, ains aus ante 
i[d] zu erklären, wogegen einzuwenden ist, dafs das 
lautlich schwache id schwerlich im Volkslat. sich 
irgendwie zu erhalten vermochte (ausgenommen in 
ad id ipsum = adesso, wo es durch ipsum gestützt 
wurde). Schuchardt, Z XV 240, erklärt anzi aus 
*antie (Adv. zu *antius, a, um) u. ains aus *an- 
tium (adverbiales Ntr. zu *(intiitÄ). Über die ßedtg. 

ö 



67 



688) änt(e) 



709) *äntji(lius 



68 



von altfrz.atws vgl. Zeitlin, Z VI 260. Dz 21 
anzi leitete ital. anzi, span. ptg. antes, prov. 
cat. ans, altfrz. ans, ains „von dem in den 
meisten Sprachen noch fortdauernden ante mit an- 
gefügtem adverbialen s" ab, „so dafs die ital. Form 
eigentlich für ansi steht". — Vgl. auch R XIV 
572 u. unten *antjidins, antie, antinm. 

688) änt(e) ännnm, vorjährig, ehedem; prov. 
antan, anan ; altfrz. antan; span. antano; alt- 
ptg. antanho^ Vgl. Gröber, ALL 1240; R XXI 597. 

689) Snteeessör, -örem m. (v. antecedo), Vor- 
gänger; altfrz. c. r. ancestre (vgl. engl, aneestor), 
PI. ancestre{s), c. o. ancessour, ancesseur, anceissor 
(letztere Form, deren auffälliges ei bereits G. Paris, 
Alexiusleben p. 74 , bemerkt hatte , wurde von 
Thomas, R XIV 577, für eine Ableitung aus anceis 
erklärt, was zweifellos zu mifsbilligen ist, höchstens 
könnte das ei des Subst. für dem ei des Adv. an- 
geglichen erachtet werden); nfrz. nur Plur. ancetres. 
Vgl. Dz 507 ancetres. 

690) [Sute diem, daraus nach Dz ptg. hontem, 
gestern, kürzlich, vgl. Dz 459 /(owtejw ; s. aber oben 
No 250. J 

691) [änt(e) i(d), daraus nach Gröber, Z VI 260 
Anm. n. X 175, ital. anzi, frz. ains, vgL oben 
antea.] 

692) ante ist-ipsum, daraus nach Dz 406 testeso 
ital. testeso, teste, unlängst, neulich. 

693) ante (u. antea) nättts (v. nasci), vorher 
geboren; davon (prov. annat?), span. antenado, 
andado, alnado, der vorher (d. h. vor der zweiten 
Ehe) geborene Sohn, der Stiefsohn, ebenso ptg. 
enteado, wozu auch das Fem. enteada. Vgl. Dz 421 
alnado. — Frz. ains ni, aine kann, weil ains nicht 
= ante, sondern = *antium (s, d.), nur antium 
natus, nicht ante natits, wie Dz 505 ainc meinte, 
sein u. ist erst im Frz. gebildet; man beachte auch 
den Bedeutungsunterschied zwischen dem pyrenäi- 
sehen u. dem frz. Worte. Vgl. Gröber, ALL I 240. 

694) antenna, -am/'., Segelstange; sicil. ntinna, 
Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 766. 

695) änte-öbvio, -are, zuvor(entgegen)kommen ; 
davon span. antoviar, antuviar, vorwärts bringen, 
fördern, beschleunigen, dazu Vbsbst. antüvio. Vgl. 
Dz 496 itviar. 

696) [*8nte-5cüläre n. (v. ante u. ocidus); dav. 
nach Scheler im Dict. s. v. andomller u. bugge, R IV 
349, altfrz antoillier, entoillier (vgl. engl, antler), 
nfrz. andouiller (mit Angleichung an andouille, 
vgl. oben albondoca), Augensprosso am Hirschgeweih, 
also eine dem deutschen Worte begrifflieh nahe- 
stehende Bildung.] 

697) änt(e) ÖcSlum, vor dem Auge; davon mit 
eigenartiger ßedeulungsübertragung span. ptg. 
(antolho), antojo, Laune, Grille, Begierde, dazu das 
Vb. span. ptg. antojar (im Span, refl.), aus blofser 
Laune etwas wünschen; ptg. antolhar, vor Augen 
haben, die Augen bedecken, antolharse sich ein- 
bilden. Der Plur. des Sbst. span. anteojos, ptg. 
antolhos bedeutet „Augenklappe, Brille". Vgl. Dz 
423 antojo. 

698) anterior, -örem, (v. ante), der vordere, 
frühere; itaL anteriore; frz. anterieur; span. ptg. 
anterior, sämtlich, mit Ausnahme des rum., gel. 
Worte. 

699) ante sinnm, vor dem Busen, Busenschurz; 
dav. viell. neapol. andasind u. mit (Anlehnung an 
mantello) mandasin», (mit Anlehnung an avanti) 
manasina, vgl. Subak, Z XXII 531. 

700) ante + vännfis, diese vom Volkslateiii. wohl 



kaum gewagte, dem Roman, aber, welches ante 
verlor, unmögliche Bildung, soll nach Dz 512 dem 
prov. anvan, Schutz-, Schirmdach, zu Grunde liegen, 
woraus im F r z. (vgl. Fafs, RF III 503) durch volks- 
etymologisierendo Anlehnung an vent{us) auvent 
(gleichsam dtc-vent) entstanden wäre. 

701) ante + germ. *warda (ahd. warta, Beob- 
achtung, achthabende Mannschaft, vgl. Mackel 
p. 59) = prov. angarda, altfrz. anyarde (dafür 
nfrz. avantf/arde), Vorhut. Vgl. Dz 508 angarde. 

702) [*äntiänns, a, um (v. ante, bezw. v. *an- 
tius a, lim, vgl. Lindström, L' Analogie etc. p. 130), 
früher, vormalig; ital. anziano; prov. ancian-s, 
ancia-s; frz. ancien (die Silbengeltung des i weist 
daraufhin, dafs das Wort erst im Frz. gebildet worden 
ist, das Entsprechende gilt von ital. anziano); span. 
anciano; ptg. anciäo.] Vgl. Berger s. v. 

703) *fint1cfis, Sntiqniis, a, um (v. ante), der 
vordere, alt, im Rom. nur als gel. Wort erhalten 
(jedoch sard. genues. antigu, venez. antigo, 
lomb. antik, vgl. Salvioni, Post. 4; altfrz. masc. 
c. r. antis, c. o. antiu, antif, fem. antive, vgl. 
W. Meyer, Z IX 144 Anm. u. XI 540), s. auch 
unten antiquns, sonst durch *antianus u. vetulus 
verdrängt. Vgl. Dz 508 antif. 

704) [*Sntie (Adverb zu (lem Adj. *antiu8, a, 
um V. ante), früher; dav. nach Schuchardt's An- 
nahme, Z XV 237, ital. anzi eher, vielmehr, im 
Gegenteil.] 

705) ['*'äntiphönä, -am (gr. dvxiipiovog), entgegen- 
singend; davon frz. antienne (vgl. Stephanus: 
Etienne), kirchlicher Vor-, Gegen-, Wechselgesang. 
Vgl. Dz 508 antienne.] 

706) [*äntiquäticum , n. (v. antiquus) , Alter; 
prov. antigatge-s. \ gl. Dz 503 äge.] 

707) Sntiquiis, a, um (v. ante), der vordere, alt, 
s. oben anticns (auf antiqua geht altfrz. antive 
zurück). 

708) [*äntinm (adverbial gebrauchtes Neutr. des 
Adjectivs *antius, a, um v. ante), früher; dav. nach 
Schuchardt (i tal. anzo), altfrz. ainz, ains früher, 
eher, vgl. Z XV 237 (über die Bedtg. v. ains s. Z 
VI 260) — , sollte aber *antium *antjum nicht *anz 
ergeben haben? vgl. *ahantio : avanz iavance)]. 

709) [*Sntjidlus (f. *antidius f. *antius, Ntr. 
zu dem Komp. *antior v. dem Adj. *antius, a,um; 
aus *antior, *antjor entlehnte *antjidiu$ das j; 
*antidius ist gebildet nach *sordidius u. dgl., vgl. 
namentl. *foriiditis neben fortior-, altfrz. forceis 
neben forgor, vgl. Schuchardt, Z XV 240), früher, 
eher, vielmehr (hinsichtlich der Bedtg. vgl. ital. 
piuttosto, frz. plus tut, plutot); altfrz. ainceis, 
anceis, anQois. Thomas, R XIV 573 u. XVII 95, 
erklärte irrig ains = *dntius, Komp. zu ante. Meyer, 
Z XI 250, deutete anceis aus ante ipsum, wie das 
schon Dz 505 aingois gethan u. Gröber, Z VI 260 
Anm. u. X 174, befürwortet hatte. Indessen das 
Bedenken Meyer-L.'s, dafs ains -j- eis zu anseis habe 
werden können u. dafs deshalb ante ipsum zu be- 
vorzugen sei , ist sehwerlicli durchschlagend , da 
neben ainceis ja anceis ebenfalls vorhanden ist u. 
da in <ler betr. Zeit der Wechsel zwischen hoch- 
tonigem ai u. tieftonigem a (diment u. amcr) doch 
gewifs noch ganz der Lautneigung der Sprache ge- 
mäfs war, auch sonst mufsten die zahlreicheii mit 
tieftonigem an- u. en- anlautenden Worte den Über- 
gang von ai zu an- begünstigen ; in ainsne aller- 
dings erhielt sich ai, aber nur weil das ains hier 
seine ursprüngliche temporale Bedeutung behauptete 
u. folglich seine Identität mit dem .4dv. ains im 



I 



69 



710) antllä 



728) äpicülä 



70 



Sprachbewufatsein lebendig blieb. Überdies ist die 
bei ante ipsuni = antj ips- : unceis anzunehmende 
Diphthongierung des gedeckten i zu ei nicht glaub- 
lich, vgl. ecc-ist- : cest, ecc-ill- : cd. — Dz a. a. 0. 
stellte neben aiUe ipsum auch *antiseviis u. *antius 
als mögliche Grundworte auf, aber weder das eine 
noch das andere ist lautlich annehmbar. — Mit 
ains zusammengesetzt ist ainsne = antium Hiatus, 

8. 0. S. V.] 

710) antlia, -am (gr. ävr/.iov) , Pumpe ; davon 
nach Caix, St. 206, ital. ancola in hisciancola 
(= bis + ancola), Schaukel, daraus entstellt pis- 
nlanca. Frz. baseute, Schaukclbrett, dagegen ist 
sicherlich von dem ital. Worte zu trennen u. mit 
Littre für eine Zusammensetzung aus battre u. cul 
zu erachten, vgl. Scheler im Dict.'^ *•. v.; dafs das s 
späterer Einschub ist (vielleicht in Anlehnung an bas, 
basse), wird deutlich bezeugt durch das mit bascule 
zweifellos ursprünglich identische Wort feacw/e, Hinter- 
riemen der Zugtiere. Zusammensetzung aus bas-\- 
cul anzunehmen, wäre lautlich zulässig, dem Be- 
griffe aber genügt bat -j- cul weit besser , denn bei 
bas + cul „ist der Gedanke nicht ganz klar", wie 
Dz 517 bascule richtig bemerkt. 

■ 711) [*antque (f. atque), *anc (f. ac), nach Gröber, 
ALL I 241, Grundwort zu ital. anche, prov. anc, 
frz. encore etc Vgl. oben No 205.] 

712) autrum, -i, «. (gr. ävtpov). Höhle ist als 
volkstümliches Wort nur im Sicil. erhalten, wo es 
bezeichnet „il luogo dove i contadini riposauo in 
conversazione a mezzo del lavoro diurno" s. Meyer, 
Ntr. 165 ; sonst ist es durch caverna, crypta, specus 
u. spelunca verdrängt worden; das Wort war im 
Latein nur nachaugusteisch u. in Prosa ungebräuch- 
lich. Das Sicil. hat antru gewifs unmittelbar aus 
dem Griech. überkommen. 

713) [änülus, -um m. (Dem. v. anus), Ring, ist 
durch anellus u. (im Frz.) durch bacea (?='f rz. bague) 
verdrängt worden.] 

714) anfis, -um m. (von der \/ ak, krümmen, 
biegen, vgl. Vanicek I 2), Kreis, Fufsring, soll nach 
Bugge, E III 161, Grundwort zu span. ptg. uro, 
Bing, Reif, Umkreis, Weichbild, sein; da jedoch der 
Wandel von n : r in den pyrenäischen Sprachen 
unerhört ist — ptg. sarar ist nicht, wie Bugge 
als Beweis des Gegenteils anführt, aus lt. sanare 
entstanden, sondern Neubildung aus sa\n'\ar, saar, 
sar, sar-ar, vgl. Cornu, R XI 95 — , so mufs diese 
Etymologie abgelehnt werden. In der Bedeutung 
„Umkreis, Weichbild" dürfte aro = agrum sein, 
wie Cornu, R XI 81 , sehr wahrscheinlich gemacht 
hat, u. vermutlieh ist mit diesem aro das Wort in 
seiner sonstigen Anwendung identisch , indem Be- 
deutungserweiterung eingetreten ist. Dz 425 hat 
aro verzeichnet, aber unerklärt gelassen. — Aus 
aro -f gol(l)a= lt. gula entstand ptg. argola, span. 
argolla Halseisen, vgl. Dz 424 argolla. 

715) bask. anusca, Schlund; davon nach Larra- 
mendi (vgl. Dz 423 atiusgar) span. anusgar, nicht 
frei atmen, vor Zorn ersticken. 

716) anxiä, -am f. (das Schriftlat. kennt nur 
das Adj. anxius , a, um, doch dürfte Orest. trag. 
559 das Subst. belegt sein, vgl. Rofsberg, ALL 1564), 
Angst; ital. ansia u. (sard.) ansa, im Modene- 
sischen lans (aus l'ans), vgl. Flechia, AG H 52; 
prov. aissa; altfrz. ainse, aisse; span. ptg. 
ansia. Vgl. Dz 21 ansia u. 423 ansia; Gröber 
ALL I 242. 

717) *aiixio, -are (im Schriftlat. nur Dep. anxiari 
sich ängstigen), ängstlich atmen; dav. ital. ansinre. 



ansare, amciare, asciare, aeiare, vgl. Caix, St. 139; 
aus Mischung von *anxiare u. *astlimare asimare 
(v. nsthma) entstand ansimare, vgl. Dz 353 asma. 
In den meisten übrigen rom. Spr. ist *anxiare in 
entsprechender Form ebenfalls vorhanden. — Nach 
Caix, St. 111 u. 139, ist *anxiare auch enthalten 
in den zweiten Bestandteilen der Verba ital. 
(dialekt.) pantisciar, venez. pantezar, veron. pan- 
tesar, prov. pantaisar, cat. pantexar (dazu das 
frz. Vbadj. pantois, atemlos); ital. ambasciare, 
keuchen, Vbsbst. ambascia, Qual. Was pantisciar 
etc. anbelangt, so leitete Dz 654 pantois die Worte 
vermutungsweise vom kymr. pant, Druck, pantu, 
niederdrücken, ab, was von Th. 109 mit gutem 
Grunde zurückgewiesen wird; sehr annehmbar da- 
gegen ist das von G. Paris, R VI 629 u. VIII 619, 
aufgestellte Etymon phantasiare. Eher kann man 
bei ambasciare geneigt sein, Zusammensetzung mit 
anxiare anzunehmen, doch verdient die von Dz 15 
ambasciata befürwortete Ableitung aus *amphasia 
(gr. d(paala) alle Erwägung, vgl. oben *amphasia. 

718) änxiösfis, a, um (v. anxius), angstvoll; 
ital. ansioso, in den übrigen rom. Spr. (ausge- 
nommen die rum.) ebenfalls in entsprechender Form 
vorhanden. 

719) apälus, a, um (gr. analog), zart, weich; 
sicil. dppala, neapol. öpoto, tic. (Valle di Blenio) 
awre ,,u(ivo col panno", vgl. Salvioni, Post. 4. 

720) aper, aprum m., Eber; sard. abru. 

721) äperio, perui, pertum, perire (aus ab + 
perio vom St. par bereiten, also eigentl. ab-bereiten, 
aufmachen, vgl. Vanicek I 503), öffnen; ital. apro, 
(aprii u.) apersi, aperto, aprire; sard. apperere; 
rum.: im Rum. ist dasVb. verloren. Vgl. indessen 
apertatus. Rtr. drver, Pt. Prät. aviert, vgl. As- 
coli, AG VII 515 f.; prov. obrir, ubrir, Pt. Prät. 
obert, ubert; iri.owvre, ouvris, ouvert, ouvrir (die 
Verdunkelung des anlautenden a zu o, u, ou im 
Prov. u. Frz. erklärt sich aus Angleichung an 
cobrir, couvrir); cat. obrir, Pt. Prät. obert; span. 
abrir, Pt. Prät. abierto ; ptg. obrir, Pt. Prät. 
aberto u. abrido. Vgl. Gröber, ALL 379. 

722) äperl öcttlfim, mach' das Auge auf! Dieser 
Verbindung entspricht ptg. span. abrolho, abrojo, 
Fuchseisen, Fufsangel, auch Distel. Vgl. Dz 413 
abrojo. 

723) (äpertättts, a, um (Part. P. P. v. apertare 
b. Plaut. Men. 910. Arnob. 2, 2), entblöfst, geöffnet), 
davon (??) rum. apriat, offen, zugänglich, s. Ch. 
s. V. 



724) apertfls, a, um (Part. P. P. v. 
8. aperio. 

725) [aphasia /.- (gr. d<paaia), Sprachlosigkeit; 
viell. Grundwort zu ital. ambascia, (bis zur Sprach- 
losigkeit gesteigerte) Angst, vgl. Dz 15 ambasciata, 
s. oben ^amphasia u. *anxlo.] 

726) äpTärium n. (v. apis), Bienenhaus; ital. 
apiario, vgl. Canello, AG III 404; prov. apiari-s; 
altfrz. achter. Vgl. Dz 22 ape. 

727) äpiärius, -um m. (v. apis), Bienenwärter; 
ital. apiajo, vgl. Canello, AG III 404. 

728) äpicuIS, -am /'. (schriftlat. apicula [vgl. 
Cohn, Suffixw. p. 151 Anm.], jedoch auch apecula, 
v. apis, heiw.v.apes), Biene; ital. pecchia; lomb. 
aviga; piem. avija; prov. abelha; frz. abeüle 
(wie das b anzeigt, Lehnwort aus dem Prov.); 
span. abeja; ptg. abelha. Dem Rum. fehlt das 
Wort, es wird ersetzt durch alvinä v. alvus, Bienen- 
korb. — Vgl. Dz 22 ape: Gröber, ALL I 242; 

ö* 



71 



729) Spio 



761) *äp-pärt!o 



72 



Flecchia, AG 11 86 Anm., wo besonders über Ge- 
staltungen des Wortes in ital. Dialekten gehandelt 
wird. 

729) äpio, Ire, anpassen; dav. viell. frz. avir, 
die Ränder eines Gefäfses umbiegen, dazu das Sbst. 
avis{s)ure, vgl. Cohn, Suffixw. p. 128 Anm 2. ' 

730) apTs, em f. (v. V (^P, arbeiten, vgl. Vanicek i 
I 36), Biene, ist im Roman, meist durch das Dem. 
apictila (s. ri.) verdrängt worden , jedoch sind er- j 
halten schriftital. ape, sard. abe, abi, mittel-; 
u. sfidital. ape, apa, lapn, nordital. ave, ava,\ 
eva, av, ev, af, ef etc., vgl. Flechia, AG 11 37 Anm.; 
altfrz. ef (dazu die Dem. avet u. avette), vgl. 
Suchier in Gröber's Grundrifs I 664106 u. Cohn, 
Suffixw. p. 151 Anm., vgl. auch Förster zu Ywain 
3893; pic. is (aus ep.s), norm. Dem. av-ette. ost- 
frz. as, wov. asat, esat , vgl. Horning, Z XVIII 
214. Vgl. Dz 22 ap. 

731) [*äpisc(i)o, -Ire (f. schriftlat. apiscor. 
apisci), erfassen; davon nach Dz 427 asir mit gleicher 
Bedtg. span. ptg. asir (aus apsir), 1. P. Sg. Präs. 
Ind. asgo aus apsco, apisco. Storm, R V 166, be- 
merkt dagegen sehr richtig, dafs *apisnire, *apiscere 
spanisch abescer, abecer hätte ergeben müssen n. 
dafs der Präsensausgang •{if)go nicht aus -(s)co, 
sondern nur aus -(s)io, -{s)jo entstehen konnte (vgl. 
auch Böhmer, Jahrb. X 183); ar verwirft demnach 
mit gutem Grunde die Diez'sche Ableitung u. hält 
asir, azir für entstanden aus sazir = frz. saisir, 
prov. sazir, ital. sagire = ahd. sazjan (vgl 
Mackel p 72); azir habe aus sazir dadurch werden 
können, dafs das Kompos. des(s)azir vom Sprach- 
gefühle fäls(!hlich in des-azir zerlegt wurde. Storm's 
Beweisführung darf für überzeugend gelten. — 
Böhmer, Jahrb. X 183, hatte azir aus ad-cire ab- 
geleitet, was einfach als ein Fehlgriff bezeichnet 
werden mufs.] 

732) Spium n. (v. apis), Eppich; ital. appio; 
frz. ache; span. apio; ptg. aipo. Vgl. Dz 503 
aehe. 

738) [äplüdä, -am f. (v. ab + plu-o?), Abfall, 
Spreu' (Plin. H. N. XVIII 99); davon (?) viell. das 
gleichbedeutende ital. pula, bula , vgl. Flechia, 
AG II 329, wo auch die auffälligen Lautverände- 
rungen durch Hinweis auf analoge Fälle gerecht- 
fertigt werden; span. ptg. pua, vgl. Meyer-L., 
Ital. Gramm, p. 97 Anm. Vgl. Dz 391 pula.] 

*Spodixa {(X7iöö'fi§i(;) s. polyptychä. 

734) *Spostls, -em, Schiffsbug; daraus viell. durch 
volksetymologische Entstellung frz. les apötres, 
Bug- u. Klüshölzer, vgl. Fafs, RF III 399. 

735) *äpostoUn8, -um »»., Nachfolger des Apostels 
Petrus, Papst; altfrz. apostolie, apostoile, vgl. 
dagegen Herger s. v. 

786) apSstolüs, -um m. (gr. ajröar oAo;), Apostel ; 
das Wort ist als gel. W. in alle roman. Sprachen 
fibergegangen, Ansätze zu volkstümlicher Umbildung 
zeigen nur frz. apötre (vgl. Berger s. v.) u. span. 
apöstol. 

737) SpotheeS, -am f. (gr. dnoS-fjxrj), Niederlage; 
ital. bottega (wegen der Verdoppelung des t vgl. 
Flechia, AG II 318 unten); sard. biittega: neap. 
potega; iicil. putiga; halbgelehrt sind; prov. cat. 
botiga; frz. boutique (in der älteren Sprache auch 
boutiele); span. ptg. botica (die pyrenäischen 
Sprachen kennen das Wort auch in der verengten 
Bedtg. „Apotheke", während sonst das Rom. dafür 
pharmacia braucht), span. auch bodega. Vgl. 
Gröber, ALL I 252 u. VI 379. 

738) SpöthecarTus, -um m. (v. apothecn), der 



Lagerdiener; ital. bottegajo, bottecaro, „chi tien 
bottega, e l'avventore d'una b.", apoticario „far- 
macista", vgl. Canello, AG III 303. 

739) apozema, -ätis, n. (gr. dnö'Qefia), Absud; 
ital. apözzima, apoz{z)ema „decozione di materie 
vegetabili, ordinariamente forti e aromatiche, ad- 
ilolcita con miele e zucchero", bözzima „intriso di 
sego e di cnischello che usano i tessitori, mescuglio 
in genere", buzzina, bozzina (Fanf.) „cocitura" 
(Pantaffio), vgl. d'Ovidio, AG III 391. Nach Mar- 
chesini, Studj di fil. rom. II 12, gehört hierher auch 
span. pöcima Arzneitrank, welches Wort Dz 477 
s. «. vom gr. TtÖTtofia („umgestellt *potcima") her- 
leiten wollte. 

740) [*äp-pSeTfieo, -äre (v. jjax u. facio), be- 
ruhigen; span. apaciguar {vgl. sanctificare : santi- 
giiar). Vgl. Dz 423 apacigaarl\ 

741) [*Sp (= ad) -pactum (v. parujo), auf Ver- 
trag; ital. appalto, Pacht(geld) ; rum. apnlt, PI. f. 
apaUuri, Pachtgeld, Pacht, s. Ch. pace. Diese Ab- 
leitung ist aber höchst unsicher.] 

742) [*Sp (= ad) -palpebro, -äre (v. palpebra), 
die Augenlider öfters nach einer Richtung bewegen 
(das Simplex palpebro, -are h. Cael. Aur. acut. 2, 
10, 70); ital. appalparellarsi, appalparsi „addor- 
mentarsi", vgl. Caix, St. 155.] 

743) [*ap-pano, -äre (v. panis), mit Brot ver- 
sorgen, ernähren; prov. a/fanar; altfrz. ap(p)an«r, 
dazu Vbsbst apanage. Vgl. Dz 508 appaner.] 

744) ap-pSrätu8, -um m. (v. apparo), Zube- 
reitung; ital. apparato; rum. apärat m., PI. 
apärate f. (mit derselben erweiterten Bedtg. wie das 
Vb. apparo, w. m. s.), vgl. Ch. apär; frz. apparat 
(Lehnwort); span. ptg. ap{p)arato. 

745) äp-päreo, -ere, erscheinen; ital. apparere 
(neben appurire); frz. apparoir (nur im Inf. u. in 
der 3. P. Sg. Präs. Ind. appert gebräuchlich). Im 
übrigen ist das Vb. durch apparescere verdrängt 
worden. 

746) äp-päreseo, -ere (v. appareo), anfangen zu 
erscheinen; prov. apareisser; frz. apareistre, ap- 
paraitre; cat. aparexer; span. aparecer ; ptg. 
apparecer. Die Inchoativbedtg. dos Verbs ist im 
Rom. zur schlechthinnigen erweitert worden. Vgl. 
Gröber, ALL I 242. 

747) *fip-päriefllo, -äre (v. parieulus v. par), 
gleichartige Dmge zusammenbringen, ordnen, zube- 
reiten; ital. apparecchiare u. (dem Frz. entlehnt) 
apparigliare ; prov. ap(p)areillar, aparelhar; in., 
appareiller: cat. aparellar : s\>&r\. aparejar; ptg. 
apparelhar. Im Rum. fehlt das Vb. , dafür ist 
Hnipariculo , sowie das einfache *pariculo vor- 
handen = impärechiez u. pärechiez, ai, at, a, vgl. 
Ch. päreche. 

748) *äp-pario, -äre (v. par), paaren; ital. 
appajare; prov. cat. apariar; frz. apparier; 
span. aparear. 

749) l*ap-pärium, -i n. (v. apparo), Zuriistung; 
davon nach Dz 424 span. apero ; ptg apeiro, 
Ackergerätschaften, Werkzeug, im Span, auch: 
Schäferei, in welcher Bedtg. von apero auch aprisco, 
Schafstall, abgeleitet wird.] 

750) äp-paro, -äre, (v. jmro), zubereiten: ital. 
appurare; rum. apar, ai, at, a (mit sehr erwei- 
terter Bedtg.: schützen, verteidigen u. dgl.), s. Ch. 

i s. V.; span. ptg. ap(p)arar; im Prov. u. Frz. fehlt 
das Wort u. wird statt dessen das Simplex ge- 
braucht. 

751) [*Sp-pärtio, -ire(v.^arÄ), teilen, absondern; 
ital. appartire; altfrz. apartir, dav. apartiincnt, 



73 



752) *äp-pärto 



775) *ilpt.Illr. 



74 



neufrz. appartement , abgesondertor Raum, vgl. 
Cohn, Sufflxw. p. 110.] 

752) [*fip-pärto, -äre (v. pars), bei Seite bringen ; 
Span. ptg. aparlar, entfernen, davon apartamientn, 
ital. appartare, llntfemung, abgesonderter Raum, 
Versteck.] 

753) gleichs. *äp-pasto, -äre (v. pastus), füttern ; 
frz. appäter (appäteler), anlocken, ködern, dazu 
Vbsbst. appät, Lockspeise, PI. appas, Reize. Vgl. 
rSpaseo.] 

'^ 754) [*ap-pausSnto, -äre (v.pausa), ruhen lassen; 
span. ptg. aposentar, beherbergen, dazu Vbsbst. 
aposento, Herberge, Zimmer: das e für a erklärt 
sich aus Anlehnung an sentar, setzen, vgl. Dz 424 
aposentar.] 

755) [*äp-pectoro, -äre, (an die Brust) drücken; 
ital. sicil. appritari, drängen; span. apretar, 
drücken, drängen; ptg. apertar, dazu das Vbadj. 
span. prieto, ptg. preto, perto, gedrängt, nahe, 
voll, dunkel. Vgl. Dz 478 prieto 1 u. 2.] 

756) äppello, -are (Intens, v. appello, ere), jem. 
(durch Zurufen) an sich heranbringen, anrufen, ist 
ohne lautliche Änderungen — das einfache / in den 
fleiionsbetonten frz. Formen ist nur orthographische 
Änderung — in alle rom. Spr. (mit Ausnahme des 
Rum.) übergegangen , in eigentlich volkstümlicher 
Anwendung aber meist durch clamare verdrängt 
worden. Zu frz. appeler das Vbsbst. volkstümlich 
appeaii (s. Dz 508 s. v.), Lockvogel, geU appel. 

757) appendix, -leem f., Anhängsel; frz. op- 
pendice m. (früher f.), entweder gelehrte Bildung 
oder = *appendicia (n. pl.), vgl. Cohn, Suffixw. 
295. 

758) *8p-penso, -äre, zuwägen, in übertragener 
Bedtg. ital. appensare, erwägen; rum. apäs, ai, 
at, a, drücken, pressen, stützen, vgl. Ch. pasä; 
prov. apesar, apessar, bedrücken; (frz. appesanlir, 
schwer machen). 

759) *ap-pico, -äre (v. pix), ankleben ; in gleicher 
Bedtg. ital. a2)piccare u. appicciare; span. ptg. 
prov. apegar, vgl. Dz 240 *•. v. 

760) ap-plico, -äre anfügen, anwenden ; in letz- 
terer Bedtg. (ital. applicare; prov. aplicar ; frz. 
appliquer; cat. span. aplicar; ptg. applicar) ; 
rum. aplec, ai, at, a, halten, neigen, säugen (das 
Kind an die Brust legen), s. Ch. pilec. 

761) (*ap-p5dio, -äre (podtMm), anlehnen; ital. 
appoggiare, dazu das Vbsbst. appoggio Stütze; 
prov. apojar; frz. appuyer, dazu das Vbsbst. 
appui, span. ptg. apoj/ar, a/)oiar, dazu das Vbsbst. 
apoyo, apoio^ 

762) äp-pöno, pösSi, positfim, pönere, hin- 
stellen; ital. appurre; rum. apun, usei, us, mie, 
schliefsen (von den Augen), untergehen (von den 
Sternen), dazu Vbsbst. adäpost, Zufluchtsort, s. Ch. 
pun; prov. aponher, apondre; alt span. aponer; 
ptg. appör. Wegen der Konj. der rom. Verba 
s. pöno. 

763) ^äppositiclns, a, um (v. uppositus), an die 
Stelle einer Sache gesetzt; ital. (ap)posticcio, nach- 
gemacht, verfälscht; frz. posticke; span. postizo; 
ptg. postiQo. Vgl. Dz 254 posticcio. 

764) äp-prehendo, prehendl, preheiisiiin, pre- 
hendere , anfassen , geistig erfassen , in seine Ge- 
danken einsohliefsen ; ital. apprendere, lernen; 
rum. aprind, insei, ins, inde, anzünden, erhitzen, 
s. Ch. prind: prov. aprendre, apendre, apenre, 
hören, lernen; frz. apprendre, erfahren, u. appre- 
hender, orgreifen, (die Möglichkeit einer Gefahr im 



Geiste erfassen, also:) scheuen, fürchten; cat. apett- 
drer, erfahren; span. aprehender, greifen, u. apren- 
der, lernen; ptg. wie im Span. 

765) ap-pressüm (Pt. P. P. v. apprimere), heran- 
gedrttckt; adverbial, n. präpositional in der Bedtg. 
„nahe, nach" (in solcher Funktion belegt in Chi- 
ronis Mnlomedicium, s. ALLX 421); ital. appresso; 
prov. apres; frz. apres; ptg. (veraltet) apres. 
Vgl. Dz 256 presso. 

766) *ap-primo, -äre [v.primus; das Schriftlat. 
besitzt das Ädv. apprime, vorzüglich), vorzüglich 
machen; prov. cat. aprimar, verfeinern. Vgl. Dz 
256 primo. 

767) [*apprmtio, -äre (v. privus), = frz. ap- 
privoiser zähmen, vgl. (J. Paris, R XVIII 551, s. 
unten domesticö.] 

768) äp-pröbo, -äre (v. prohus), gutheifsen, ist 
mit gleicher Bedtg. u. in regelniäfsigen Lautgestal- 
tungen in alle rom. Spr. übergegangen. 

769) Sp-pröpT(c?)o, -äre {v.projnus), sich nähern 
(Eccl.); ital. (veraltet) approcciare ; rum. apropiu. 
ai, at, a, s. Ch. aproape; prov. apropchar ; frz. 
approcher. Vgl. Dz 661 proche; Gröber, ALL I 
242. 

770) appropinqiio, -are, annähern; prov. apro- 
bencar (Flamenca 2457). 

771) äp-pröprio, -äre (v. proprius), aneignen; 
davon nach Caix, St. 157, ital. appioppare, „ap- 
porre, attribuire ad alcuno"; sonst ist das Vb. im 
Rom. nur als gel. Wort vorhanden. 

772) *äprieo, -äre (v. apricus), an eine sonnige 
Stelle bringen, (vor Kälte etc.) schützen; prov. 
abrigar, Schutz suchen, dav. Vbsbst. abric-s, ge- 
schützte Stelle; (alt)frz. abrier (nfrz. abriter), 
wegen des Bedeutungsttberganges vgl. R IV 369 
Anm ; dazu Vbsbst. abri, geschützter Ort, Zufluchts- 
ort, vgl. Horning, Z XXI 449; span. ptg. abrigar, 
schützen (vor Kälte), dazu Vbsbst. abrigo, Schutz- 
ort, Obdach. — Dz 1 abrigo glaubte in Rücksicht 
auf die Bedtg. des Wortes dessen Herkunft aus 
dem lat. apricus verneinen zu müssen u. schlug 
Herleitnng aus dem vorauszusetzenden ahd. *bi- 
rihan, bedecken , vor. Einerseits aber sind Diez' 
Bedenken unbegründet, vgl. Mahn, Et. ü. p. 113 
(no LXXXIX) f. u. Bugge, R IV 348, u. andrer- 
seits unterliegt die Annahme eines Grundworts 
*bi-rihan den gröfsten lautlichen u. sprachgeschicht- 
lichen Bedenken. Die Ableitung von *apricare 
{apricus) kann mit irgend welchem triftigen Grunde 
jetzt nicht mehr angezweifelt werden. 

773) äpricfts, a, um (aus *apericus v. aperio), 
der Sonnenwärme offen, sonnig, nur erhalten als gel. 
W. im ital. aprico, sonnig, u. als volkstümliches 
W. im sard. abrigu, vgl. Salvioni, Post. 4; rum. 
aprig, hitzig, feurig, stürmisch, vgl. Ch. s. v. 

774) ÄprIlTs, -em m. (v. aperio), April; ital. 
Aprile; valverz. «eri [mii. primavera verschränkt, 
ebenso bei hin. veril, vgl. Salvioni, Post. 4); rum. 
Jpn'fe, volkstümlich Pner; vgl. Ch. s.o.; prov. abril; 
frz. avril; span. ptg. abril. 

11h) [^'aptillo, -äre (v. aptus), passend machen ; 

davon nach Langensiepen (s. Dz 686 teler) frz. 

\ atteler, anspannen. Diese Herleitung ist ebenso 

; unannehmbar, wie die vom bask. atliela, Deichsel- 

' pflock, oder die vom deutschen stell-en. Das Wort 

' dürfte in seinem Ursprünge dasselbe sein wie ital. 

attillare , altfrz. atillier etc. = lt. at-tit{u)lare 

(wegen der lautlichen Behandlung des tl in ad-tit- 

lare : atteler vgl. co-rot-lare ; cronler). Die Bedeu- 



75 



776) äpto 



780) aqua 



76 



tung bietet keine Schwierigkeit: at-tüulare heifst 
im Rom. „zurecht, fertig machen, putzen, schmücken", 
kann also sehr wohl auch von dem Anspannen des 
Wagens gebraucht werden. Ist man mit der An- 
setzung von atteler = at-tüulare nicht einverstanden, 
weil man vielleicht an e aus i Anstofs nimmt (ob- 
wohl diese Entwickelung in vortoniger Silbe nicht 
zu beanstanden ist), so darf man Zusammenhang 
zwischen (at-)teler u. dem Stamme ten, spannen, 
wovon ten-d-o (vgl. Vanicek I 273), vermuten; von 
Seiten des Begriffes empfiehlt sich das sehr. Wie 
man aber auch über die Herkunft von atteler denken 
möge, jedenfalls ist in dem Vb. ein Kompositum 
zu erkennen, wie dies ja auch durch de-teler be- 
wiesen wird, man müfste denn gerade annehmen, 
dafs atteler von atteUe = hastUla abgeleitet sei, 
dann würde das a- fälschlich als Präpos. u. folg- 
lich das Vb. als Kompos. aufgefafst worden sein, 
80 dafs zu dem vermeintlichen a[t]-teler ein deteler 
gebildet werden konnte; befremden aber müfste das 
doppelte t, zumal da atelier einfaches t bewahrt 
hat.] 

776) äpto, -äre (v. aptus), anfügen; cat. span. 
ptg. atar, binden, vgl. Dz 427 atar. 

777) äptus, a, um (Pt. P. P. v. *ap-o), passend: 
davon altfrz. ate (eigentlich: in der passenden 
Stimmung befindlich), munter, wohl aufgelegt, vgl. 
G. Paris, Mem. de la soc. de ling. I 91; von ate 
ist wieder abgeleitet a-atir, eigentlich munter, 
lebendig machen, reizen, vgl. Scheler im Anhang z. 
Dz 780. 

778) äpttd (ursprüngl. äpüt, Ablativ im lokalen 
Sinne vom Stamme apa, wovon auch abs, ab, a etc., 
vgl. Vanicek I 36), Präp. c. Acc, bei, neben. Ab- 
gesehen davon, dafs im Ital. appo als Adv. sich 
erhalten hat, ist aimd in wirklich lebendigem Ge- 
brauche nur im gallischen Volkslatein , bozw. im 
Provenzalischenu.Pranzös. geblieben, in allen übrigen 
roman. Idiomen aber ist es geschwunden u. durch 
Neubildungen (z. B. pressum, ad latus, nd costam, 
ad canthum = ital. presso, aüato, aecostn, accanto) 
verdrängt worden, in seiner ursprünglichen lokalen 
Bedtg. hat es sogar auch in Gallien Neubildungen 
(preasum, latus, casus = fiz.prcs, lee, chez) weichen 
müssen. Der Grund des Schwundes von apud dürfte 
in seiner Lautform zu suchen sein, welche innerhalb 
des Lateins nach dem Absterben des ablativischon t 
eine abnorme war {apud war das einzige Wort auf 
-ud ; auf -ut gingen, abgesehen von der im Volks- 
latein früh durch quod verdrängten Konjunktion ut, 
nur Caput u. sinciput aus). Aus apud hätte nun 
allerdings apo werden können (vgl. capu\t] : cajm] u. 
ist im Ital. auch wirklich geworden, indessen es 
begreift sich leicht, dafs apo in der Konkurrenz mit 
den nachdrucksvolleren u., so zu sagen, sinnlicheren 
Bildungen, wie ad latus, {ad) pressum u. dgl., unter- 
liegen mnfste. 

Im gallischen Volkslatein übernahm apud früh 
die Funktion von cum u. (mittelbar) auch die des 
Ablativs instrumenti, vgl. hierüber die gründliche u. 
interessante Untersuchung von Geyer, ALL II 26 ff. 

Die lautliche Entwicklung des Wortes war eine 
doppelte, nämlich; 1. ap[ud] : ap, ah (es ist in- 
dessen darin wahrscheinlich besser lat. ab [s. d.] 
zu erblicken), 2. ap[u]d : {abd : avd : aud :) od, 
ot, 0. Die Formen ap , ab, sind dem Prov. (u. 
Cat.) eigen, od, ot, o dem Französ. (in den Eid- 
schwüren findet sicli ab, was jedoch nicht etwa für 
ap aus apud steht, sondern als die Präpos-, ab 
aufzufassen ist: ab Ludher); ad in Enlalia 22 [ad 



une spede U roveret tolir lo chieef) ist = lt. ad' 
Die Form o fiel lautlich mit au = a -f Artikel 
zusammen, u. das mag zu ihrem allmählichen 
Schwunde beigetragen haben. Anders hat die Ent- 
wickelung von apud dargestellt Schwan , Herrig's 
Archiv Bd. 87 p. 111, jedoch schwerlich richtig. 

In der späteren Entwickelung des Frz. ist od, o 
teils durch avec = ab hoc verdrängt worden, teils 
verrautlieh mit au zusammengefallen (s. oben). 

779) [äpud + hoc, nach bisheriger aber fälsch- 
licher (denn vgl. oben a, ab) Annahme = frz. avoc, 
avuec, avec (über die Erhaltung des c vgl.W. Meyer, 
Z IX 144, Clodat, Rev. de philol. frgso et prov. 
t. IV p. 44, Neumann, Z XIV 564 u. in Vollmöller's 
Jahresb. 1 315), welches das einfache ajmd = f rz. od, 
ot, verdrängt u. die Funktion der die Begleitung 
(lat. cum) u. das Werkzeug (lat. Abi. instr.) anzei- 
genden Präpos. übernommen hat, wobei sehr auffällig 
ist, dafs ab, trotzdem dafs es bereits mit hoc ver- 
bunden ist, seine präpositionale Kraft bewahrt hat. 
Vgl. Dz 513 avec; über avecque {=ab-\-hoc-{- que 
= *abocque nach Analogie von usque, neque etc.) 
vgl. Ascoli, AG VII 527 Anm, 2 No 2; s. auch 
unten pro hoc = altfrz. poruec, pruec] 

780) aqua, -am {aqua, non acqua App. Probi 
112) /■ (v. v' ak, eilen, vgl. Vanicek I 6 u. 7), 
Wasser; ital. acqua (bresc. aigua, bergam. eigua, 
egua, piem. eva, vgl. Ascoli, AG I 300 Anm.), 
lomb. utva (über die Bedtg. des Worts vgl. Sal- 
vioni, Z XXII 478); rum. apä, vgl. Ch. s.v.; rtr. 
altoberengd. agua, augua, auva, niederengd. ouva, 
vgl. Ascoli, AG I 211, vgl. forner ebenda 347, 
360, 376, 381, 383 Anm., 414, 510 Anm., VII 516 , 
VIII 320, sowie Gärtner, Gr. § 200; die charakte- 
ristischsten der dort aufgeführten Formen sind. 
äkua, äga, egua, ega, äva, aiva, eva (mit offenem 
e); prov. aigua, aiga; altfrz. aigue (Lehnwort- 
form), aiwe, ewe, eawe {iave), eaue; nfrz. eau; in 
der lautlichen Entwickelung des frz. Wortes ist der 
Einschub des a in eawe, iawe schwer erklärlich 
(W. Meyer, Z XI 540, sagt: „Aus aqua entsteht 
ewe. Die Gutturalis schwindet spurlos. Das e ist 
kurz u. offen. Zwischen e u. ic entwickelt sich ein 
vokalischer Laut, der sich schliefslich zu a aus- 
bildet u. den Ton empfängt: eaue, iaue, ganz so 
wie aus beus : beaus : Maus entsteht." Aber ewe : 
eaue u. beus : beaus sind doch ganz verschiedene 
Fälle, oder vielmehr die Setzung beus : beaus ist 
irrig, weil beaus unmittelbar aus beal-s, bel-s ent- 
stand u. das a aus der Beschaffenheit des nach- 
folgenden l sich erklärt. Auffällig ist auch der im 
Nfrz. eingetretene Abfall des auslautenden e (= lt. a) 
in eau aus eaue, zumal damit kein Geschlochts- 
wechsel verbunden ist; vielleicht ist in dem Vor- 
gange eine rein graphische Anbildung an dieWorte 
auf -eau (aus lt. -eil-), wie chäteau, beau etc., zu 
erblicken. Über die Entwickelung von aqua > eawe 
haben noch ferner gehandelt: Meyer- L., Rom. Gr. 
I § 249 (das n in eawe wird als „Gleitelaut" be- 
zeichnet); Suchier. Altfrz. Gramm. S. 81 (vgl. Ni- 
col,. The Academy XIX [1881] 139), wo wieder 
fwe > ctce mit b^ls > bcls vorglichen wird , ob- 
wohl das doch ganz verschiedene Fälle sind (besser 
pafst der Vergleich von iawe mit miawc = ags. 
mäew „Möwe"); Schwan, Herrig's Archiv Bd. 87 
p. 112; Meyer- L., Ztschr. f. frz. Spr. u. Lit. XV^ 
p. 95 (bemerkenswerte Angaben über die mundart- 
lichen Gestaltungen von aqua im Altfrz.). Trotz 
alledem bleibt das Problem des Eintrittes von a in 
ewe und das der Entwickelung von ewe zu eaue. 



I 



77 



781) aqua ardent- 



803) *ärb5rlcgllüs 



78 



ea« noch ungelöst; diese Vorgänge sind um so 
rätselhafter, als sie völlig vereinzelt dastehen, denn 
z. B. *fava [fdba.) ist über ferne (feve) nicht hinaus- 
gekommen, hat sieh nicht zu *feau entwickelt. Span. 
agua; ptg. agna, agoa. Vgl. Dz 565 eau. Vgl. 
Brandt, Aqua u. sequi im Frz., Münster 1897 Diss. 

781) [gleichs. aqua ardent-, Peuerwasser; span. 
agttardiente Branntwein; ptg. nguardente; (ital. 
acguavita; frz. eau de vie.)] 

782) äquae ductus »i., Wasserleitung; engad. 
aquadottel ; altlyon. adoit. Vgl. Meyer-L., Z. f. 
ö. G. 1891 p. 766. 

783) äquä^ium, -i n. (v. aqua u. ago), Wasser- 
graben; frz. ouaiche (natsh der Acad. Mask., nach 
Littre Fem.), die Spur eines Schiffes im Wasser; 
span. ptg. aogagem, starke Meereströmung. Vgl. 
Dz 651 ouaiche. 

784) *äquäna, -am /. (v. aqua, wie Silvanus v. 
6i7»a), Wasserfee, Nixe; rtr. u. oberital. aiguana, 
agana, vgl. Joppi, AG IV 334 Anm. u. die dort 
angeführten Stellen : Giorn. stör, di lett. ital. XXIV 
267. 

785) äquäriolä, -am f. (Fem. z. aquariolus, 
Wasserträger); davon m öden es. inghiröla, ,,beve- 
rino delle stie", vgl. Flechia. AG IIl 175; Salvioni, 
Post. 4. 

786) äquärium, -i n.{\. aqua), Wasserbehälter; 
ital. acquajo, Gufssteln, vgl. Canello, AG III 404; 
frz. evier, Gufs-, Rinnstein. Vgl. auch Salv., Post 4. 

787) aquifölium n., Stechpalme; span. *acehojo, 
daraus, indem mit Weglassung des vermeintlichen 
Suffixes -ojo ein Primitiv gebildet wurde, acebo; 
ptg. das Demin. azeoinho, Judendorn. Vgl. Dz 413 
acebo; W. Meyer, Z VIII 239; Gröber, ALL VI 133. 

788) äqailS, -am /. (v. \/ ak, dunkel sein, vgl. 
Vanicek I 13), Schwarzadler, Adler; ital. aquüa; 
(sard. abbilastru Sperber, vgl. Salvioni, Post. 4); 
rtr.: die wichtigsten der zahlreichen rtr. Laut- 
gestaltungen des Wortes hat Ascoli, AG I 210, in 
folgender Tabelle zusammengestellt: 

AQUILÄ 
*auguüo *auiiila 



*äsila *aivla *duüa duilja 



eula dulja 

e^ula ölja 

vgl. aufserdem AG I 291 (ogola), 850 {tele); prov. 
aigla; frz. Sltfrz. aille {aillier u. alerion sind jedoch 
vermutlich nicht von aigle, sondern von ahd. adelär 
abzuleiten, vgl. Dz 505 aUrion); nfrz. aigle [Lehn- 
wort) m. (in best. Bedeutungen Fem.); auf Volks- 
etymologie beruht wohl aiglefm, feiner Gauner, für 
aigreßn, wenn letzteres Wort aus aigre faim, grofser 
Hunger, Hungerleider, entstanden sein sollte, wahr- 
scheinlicher aber ist aighßn einfach als Kompositum 
„feiner Adler" = „schlauer Vogel" aufzufassen, s. 
auch oben unter acer. 

789) *äquileja, -am f., Aglei (eine Pflanze); 
ital. aquilegia; frz. ancolie, viell. in volksetyraolo- 
gisierender Anlehnung an melancolie, vgl. Dz 508 
ancolie, Fafs, RF III 492; span. guilena = aqui- 
lina, vgl. Dz 456 s. v. 

aquilo s. ventus aqnilus. 

790) [arab- (Volksnamo); davon mit dem Adjektiv- 
suffix -e«co \tal. arabesco, ra^esco, Schnörkelzeich- 
nung nach arabischer Art; frz. arabesque; in den 
übrigen roman. Sprachen entsprechend, vgl. Dz 22 
arabesco.] 



791) ahd. arag, geizig, arg, nichtswürdig, träge ; 
davon nach Dz 424 aragan ital. comask. argan, 
bergam. arghen, Feigling; span. (h)aragan, müfsig, 
Faulenzer. 

792) äräneä -am /*., Spinne, Spinnegowebe ; ital. 
aragna (neben ragno). Spinne, aranea. Spinnewebe, 
ragna, Spinnewebe, vgl. Canello, AG III 391; prov. 
aranha : frz. araigne, dafür in der neueren Sprache 
araignee = *araneata, Spinnegewebo ; im Altfrz. 
auch iraignie, vgl. Dz 508 araignee, Scheler im Dict. 
s. araignee; span. arana; ptg. aranha. — Im 
Rtr. wird der Name des Tieres von filare abge- 
leitet. — Davon ausgehend, dafs aranea im Spätlat. 
,, Seidenwurm" bedeute, will Eönsch, Jahrb. XIV 
173, ital. arnia, cat. span. arna, Bienenkorb (von 
Dz 26 s. V. unerklärt gelassen), mit aranea gleich- 
setzen, es habe eben zunächst ein Behältnis für 
Seidenwürmer u. dann ein solches für Bienen be- 
deutet. Aber dem widerspricht der Accent, u. über- 
dies ist es undenkbar, dafs dasselbe Wort ein Tier 
u. zugleich ein Behältnis für dieses Tier bezeichne. 
arnia wird zu arnese (s. haearn) gehören. 

793) *äräiieäta (Pt. P. P. v. *araneo, wovon im 
Schriftlat. das Part. Pr. araneans erhalten ist, 
Apul. met. 4, 22), Spinnegewebe; frz. araignee 
(altfrz. auch irainede , iraignie), Spinnegewebe u. 
Spinne; bezüglich der übrigen rom. Spr. s. aranea. 

794) gleichs. aranea tela n. pl., Spinneweben; 
ital. ragnatela; frz. arantelle, aranteles; span. 
telaraiia. Vgl. Cohn, Suffixw. p. 218. 

795) äräneus, -um »i. (Mask. z. aranea). Spinne; 
davon ital. ragno, vgl. Flechia, AG H 329. 

796) ahd. arapeitöii, arbeiten; davon nach Caix, 
St. 164 ital. arrabattarsi „affaticarsi, darsi pena", 
dazu Sbst. rabbatino „uomo ingegnioso, industrioso", 
sicil. arbitriari ,,lavorare". Vgl. Nr. 864. 

797) arätor, -örem m. (v. aro), Pflüger, ist in 
den entspr. Formen als halbgel. W. in die meisten 
rom. Spr. übergegangen. 

798) ärätrttm, -i n. (v.. aro), Pflug; ital. ardtro, 
ardto; rum. aratru; prov. araire; altfrz. ar- 

I (r)ere f., vgl. Tobler, Z IX 149; über den Genns- 
wechsel vgl. W. Meyer, Ntr. 135; (im Nfrz. ist 
dafür charrue eingetreten); cat. aradra, arada; 
span. arado, arairo; ptg. arado, daneben c/mmta. 
Vgl. Dz 23 ardtro. — Das Rtr. braucht das deutsche 
„Pflug", s. Gärtner, g 17. 

799) [Arba, Name einer venezianischen Insel; 
danach wird ein dort verfertigtes Segeltuch ital. 
arbascio genannt, frz. heifst dasselbe herbage in 
volksetymologisierender Anbildung an herbe, vgl. 
Fafs, RF III 499, letzte Zeile v. u.] 

800) arbitrium, -1 n. (v. arbiter), Schiedsspruch, 
Gutachten; prov. albire-s, Meinung, Urteil; alt- 
frz. arvoire, arviere, vgl. Gröber, Jen. Lit.-Ztg. 
1877, p. 752, W. Meyer, Ntr. 153; span. albedrio, 
Willensfreiheit, Wille, Laune, Vgl. Dz 416 albe- 
drio ; C. Michaelis, St. 251 Z. 4 v. u. im Texte. 

801) arbör, -örem f. (v. V ardh, arf, arb , er- 
heben, fördern, pflegen, vgl. Vanicek I 61), Baum; 
ital. arbore, albore, arbero, albero m. ist vielleicht 
mit albero, Schwarzpappel, identisch; rum. arbur 
m., s. Ch. s. V.; rtr. arbre in. (?); prov. arbre-s m.; 

j frz. arbre m.; span. ärbol m.; ptg. arvore, arvor, 
I arvol f. (altpt. auch »«.). 

802) '''ärboretam n. [arbor); Baumpflanzung: 
[ital. arboreto: altfrz. arbroi; span. arboledn. 

j 803) *arboricelItt8, -um m. (Dem. zu arbor), 

Bäumchen; ital. aröonceMo, arbocello, albucello, 

I daneben Formen mit sc: arhuscello, albuscello, die 



79 



804) *ärb8riscglliis 



824) ar'di schauki 



80 



auf *arbuscellus (s. d.) zurückgeben; altfrz. (ar- 
hroissel = *arborisceUus). Vgl. Caix, St. 2; Gröber, 
ALL I 242. 

804) *arborl8cellus , -uiii m. (Dem. zu arbor), 
Bäumchen; altfrz. arbroissel; nfrz. arbrisseau 
(von Caix, St. 2, unricbtig auf arhoricellus zurück- 
geführt, vgl. ü. Paris, R VIII 618 u. Horning, 
p. 4). Vgl. Gröber, ALL I 242. 

805) *ärböro, -äre (v. arbor), (einen Baum, 
Mastbaum) aufrichten; ital. alberare; frz. arborer; 
Span, arbolar. Vgl. Dz 10 alberare. 

806) *arbQscelIus, -um m. (Dem. zu arbor mit An- 
lehnung an a;'6M«<M)n), Bäumchen; it^l. arbuscello, 
arboscello, alboscello, vgl. Caix, St. 2; nach Caix, 
St. 227, ist daraus auch entstanden bruscello, Mai- 
baum, lustiger Aufzug, endlich; „rappresentazione 
ofarsa popolare"; n eu pro v. arfcoMcAe?. Vgl. Gröber, 
ALL I 242. 

807) ärbüteus, a, um (v. arbutus, -um), zum 
Erdbeer-, Meerkirschenbaum gehörig; davon in sub- 
stantivischer Bedtg. frz. arbous-ier (arbouse, die 
Meerkirsche, ist Lehnwort, vgl. ü. Paris, K X 42); 
cat. arboss-er (die Frucht arbos); span. kastil. 
aborzo, alborzo; aragones. alborocera, albroccra 
(prov. arboussa = arbutea). Vgl. C. Michaelis, 
St. 2Ö1 Anm.; Dz 416 albedro. 

808) ärbutuä, -um m. u. arbütüm, '"ärbntrnm, 
*arbütrum, -i n. (von derselben Wurzel wie arbor 
abgeleitet, s. oben), Meerkirschen- oder Erdbeerbaura 
(Arbutum Unedo L.); ital. dlbatro; span. kastil. 
alborto, astur, albedro, gall. ervedo, herredo; alt- 
ptg. ervedo, ercodo. In der neuspan. u. neuptg. 
Schriftsprache ist das Wort durch span. madrono, 
madroiiera, ptg. medronheiro (vermutlich v. maturus 
abzuleiten) verdrängt worden. Vgl. C. Michaelis, 
Mise. 186, St. 251 Anm., Dz 416 albedro. 

809) areä, -am /. (v. x/ ark, festmachen, wahren, 
wovon auch arceo), Behälter, Kiste; ital. arca; 
rum. arcä, s. Ch. s.v.: prov. arclia, arqua; frz. 
arche; span. ptg. arca. 

810) *ärcäce(us), a (, um) (v. arca), kasten- 
artig; davon ital. arcaccia, alter Kasten, Kastell 
im Hinterteil des Schiffes; frz. arcasse; span. 
arcaza. Vgl. Dz 509 arcasse, wo der Zusammen- 
hang des Wortes mit arx sehr richtig als unan- 
nehmbar bezeichnet wird. 

811) Arcachou, eine Bucht beiMedoc in Guyenne; 
nach ihr ist das fichtenharz prov. arcassoun, ar- 
cansoun, frz. arcansou benannt; vgl. Thomas, R 
XXVI 412. 

812) [*arcameu, iuis «. {y.arca), Kasten; ital. 
arcame, Gerippe; davon nach Dz 88 careasso durch 
Anlehnung an dieses letztere Wort. ital. e-arcame, 
Gerippe, Aas, eher dürfte jedoch Anlehnung an 
carne anzunehmen sein.] 

813) *ärcäriu8 [u. *arciärius?] -um (v. arcus) 
m., Bogenschütze; ital. arciere (dem Frz. entlehnt?); 
frz. archier, archer. 

814) arca -f ahd. scraiina, Bank; aus dieser 
Verbindung entstand nach Caix, St. 22, altital. 
ciscranna, Kasten, der zugleich zum Sitzen dient. 
Dz 399 scranna erklärte den ersten Bestandteil des 
Wortes für dunkel. 

815) [arcblater, -trum {aQx^atffOQ) m., Arzt; 
Schucbardt, Z XVI 521, vermutet, dafs archiater 
,,auch auf romanischem Boden irgendwo, in volks- 
tümlicher Form, entdeckt wird".] 

816) arehitrlclinüs, -um m. (v. gr. dgx- u- ^qI-- 
xlivov), Tafelwart; davon (?) ital. (Dialekt von 



Lucca) arcidecUno, „chi soprintende alle spese della 
menaa", vgl. Caix, St. 159. 

817) [*arciballlsta (arballista), -am f., Bogenwurf- 
maschine, Armbrust; frz. arbalete; (ital. balestra, 
balestriglia), frz. balestriUe, arbalestrille aus span. 
ballestiila, vgl. d'Ovidio, AG XIU 403.] 

818) *arcio, -önem m. (v. arcus), Sattelbogen; 
ital. arcione; prov. arso-s; itz.arQon; span. arzon, 
vgl. Horning p. 91; ptg. argäo. Vgl. Dz 23 ar- 
cione; Gröber, ALL I 242. 

819) ärcus, -um m.. Bogen; ital. arco; nionf. 
arche „arcobaleno", vgl. Salvioni, Post 4; Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 766; rum. arc, PI. areuri f., 
8. Ch.s. V. ,• prov. arc-s; itz.nrc. span. ptg. arco. 

820) ardälio u. ardSlio, -önem m. (unbekannter 
Herkunft, Georges' Ableitung v. ardeo ist unan- 
nehmbar), geschäftiger Müfsiggänger; davon nach 
Dz 25 arlotto ital. arlotto, Fresser, Müfsiggänger; 
prov. arlot; frz. (altfrz.) arlot, harlot; span. 
arlote. (Im Ptg. fehlt das Sbst. , dagegen ist das 
Vb. alrotar , eigentl. bettelnd u. schreiend umher- 
ziehen, spassen, höhnen, verhöhnen, vorhanden.) — 
(Engl, harlot.) Suchier, Z 1432, hält für möglich, 
dafs die betr. Worte aus dem deutschen ,, Herold" 
entstanden seien, was G. Paris, R VI 629, mit 
Recht als „bien peu probable" bezeichnete. S. unten 
hariolus. 

821) ärdeo, ärsl (daneben ardui), ärsum, är- 
dere, brennen; iia,l.ardo,arsi,arso,drdere;{moni. 
ers „succo" = arsus, vgl. Salvioni, Post. 4); rum. 
ard, arsei, ars, arde; rtr. arder. Pt. Prät. et«, 
vgl. Gärtner, § 148; prov. ardre, Perf. u. Pt. Prät. 
ars; altfrz. ardoir u. ardre, Petf. ars (vgl. Cledat, 
Gramm. 147), Part. Prät. ars; dasVb. wurde durch 
brüler verdrängt, erhalten ist nur das Part. Präs. 
als Vbadj. ardent; span. ptg. arder (im Span, 
auch transitiv gebraucht). 

822) [*ärdesiä od. *ärdisia, -am (v. ardeu), ist 
das vermutliche (?) Grundwort zu dem rätselhaften 
frz. ardoise (ital. ardesia), Schiefer, dessen Her- 
kunft schon Dz 509 s. v. als dunkel bezeichnete; 
dafs der Name des Schiefers vom St. ard-e abge- 
leitet worden sei, könnte man sich aus dem schwarzen 
u. gleichsam verkohlten Aussehen dieses Gesteins 
leicht erklären (nur komisch freilich ist Philander's 
Deutung: ,,arde8iam vocamus credo ab ardendo, 
quod e tectis ad solis radios veluti flammas jacu- 
latur", 8. Scheler ä. v), die Bildung des Wortes 
aber bliebe freilich im höchsten Grade auffällig. — 
Von den sonst vorgebrachten Ableitungen sind die 
verständigsten: 1. ardoise = (pierre) ardennoise, 
V. Ardennes, weil die Ardennen schieferreich sind; 
2. ardoise v. kymr. arddu ,,8ehr schwarz" vgl. 
Littre s. ardoise u. Th. 89. — In den pyrenäischen 
Sprachen wird der Schiefer pizarra (ptg. picirra) 
genannt, ein ebenfalls dunkles Wort, denn wenn 
Dz 477 s. V. es von pieza, Stück, herleitet, so dafs 
der Schiefer als „Stück- oder Bruchstein" bezeichnet 
würde, so unterliegt das mehrfachen Bedenken.] 

823) ardico, -äre (ardere), brennen; dav. alt- 
frz. ardoiir (richtiger = *ardidiare); ptg. ardegn 
feurig, hitzig, eifrig, mühsam , vgl. Schuchardt, Z 
Xin 531; Cornu, Gröber's Grundrifs I S. 755 § 129, 
deutete ardego aus alacer. 

824) [arab. ar'dl schaukt, Erddorn (vgl. Freytag 
I 27»), ist nicht das Grundwort zu ital. articiocco, 
frz. artichaut, Artischocke, sondern vielmehr eine 
Umgestaltung des ital. Wortes (daneben ital. [al]- 
carciofo, neuprov. archiehaut, arquichaut, richi- 
chaut, vgl. Behrens, Metath. p. 81; span. alearcho/a. 



81 



825) ardita 



835) *arganum 



82 



alcaehofa; ptg. alcachofra), welches selbst wieder 
auf arab. al-charschof zurückgeht. Die Genealogie 
der betr. Worte läfst sich folgendermafsen deutlich 
machen : 

arab. al-charschof 



sp. alcarchnfa, alcaehofa ptg. alcachofra 



ital. *alcarciofo (neben carciofo), daneben articiocco 



arab. ar'di schauki 
Vgl. Dz. 27 articiocco; L. Bonaparte in den Trans- 
actions of the Philol. Society 1882/84 p. 41* und 
1885/87 p. (l)t: Eg- y Yang. p. 124 setzt, aber 
ohne nähere Begründung, aljorxofa als Grundwort 
an; s. auch unten artytlea.] 

825) bask. ardita (v. ardia, Schaf), ist möglicher- 
weise das Grundwort zu dem altspan. Münznamen 
ardite; hinsichtlich des Begriffes würde pecunia v. 
pecus eine Analogie darbieten, vgl. Dz 424 ardite. 

826)*ärdlTtts»). od. -um,-i». (v.ardeo), brennende 
Substanz, = rum. iirdeiu, PI. ardeiuri f., roter 
Pfeffer, vgl. Ch. ard. 

827) Srdüra, -am (ordere) /"., Entzündung; ital. 
span. prov. ardura; frz. ardure. Vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 175. 

828) Sreä, -am /'., freier Platz, Grundfläche, 
Tenne; ital. ara u. aja. Tenne, vgl. Cauello, AG 
III 303; rum. arte; rtr. er, Feld, vgl. Gärtner, 
Gr. § 27; lomb. dej solajo, vgl. Salvioni, Z XXII 
470; prov. eira, vgl. auch die Bemerkungen über 
das Frz.; frz. aire, Tenne, Bauplatz, Grundfläche, 
Hof um die Sonne und dgl. (über das Genus des 
Wortes vgl. Tobler u. Suchier, Herrig's Archiv 
Bd. 99 p. 208 u. Bd. 100 p. 169, Förster zu Erec 
171), daneben das gel. W. are, ein Flächenmafs 
(das Wort ist Mask. wohl nur, damit es im Ge- 
schlecht mit metre, litre etc. übereinstimme). Im 
Altfrz. (u. Prov.) ist neben dem Fem. aire ein 
gleichlautendes Mask. mit weitem Bedeutungs- 
umfänge vorhanden; das Wort bedeutet nämlich: 
1. Familie, Geschlecht (daher altfrz. de mal aire., 
put aire, hon aire = von schlechter, gemeiner, 
guter Abstammung; nfrz. noch debonnaire mit in 
deteriorem partem veränderter Bedtg. : [edel, gut- 
geartet] gutmütig); 2. Art, sich zu benehmen, Be- 
tragen; 3. Nest eines Raubvogels (so nur im Frz., 
aber auch nfrz. noch als aire erhalten). Die Her- 
kunft dieses aire ist viel erörtert worden, vgl. Dz 6 
aere, Scheler im Dict. s. v. Es von area abzuleiten, 
wäre das Nächstliegende, u. die Bedtg. würde es 
allenfalls gestatten, aber die Genusverschiedenheit 
(Vgl. Tobler, Suchier, Förster a. a. 0.) spricht da- 
gegen, denn es ist unerfindlich, warum area = aire 
in der Bedtg. „Geschlecht" etc. zum Mask. hätte 
werden sollen, zumal da es in der Bedtg. „Tenne, 
Platz" Fem. verblieb, u. dieses Fem. später auch das 
Mask. zu sich hinüberzog {dä>onnaire, wo aller- 
dings bonn- nicht unbedingt für das Fem. beweist). 
Diez hat atrium u. ager, bezw. agrum als Grund- 
worte vorgeschlagen, nachdem er in der ersten Auf- 
lage eine sehr verwickelte Ableitung aus dem Ger- 
manischen empfohlen hatte. Atrium ist abzulehnen, 
weil aus tr ein »•(■ zu erwarten wäre (vgl. iter : erre 
u. oirre, vitrum : verre u. dgl.; für einfaches r 
könnte man sich allerdings auf patrevi : pere u. dgl. 
berufen), besonders aber weil atrium schwerlich ein 
Wort der lat. Volkssprache späterer Zeit war, wie 
man dies aus seinem fast völligen Fehlen im Ro- 

Kürting:, lat.-rom. Wörterbuch. 



man. schliefseu mufs (nichtsdestoweniger verdienen 
die Gründe, welche Schwan in Herrig's Archiv Bd. 
87 p. 112 unter Hinweis auf Rom. de Rou, ed. An- 
dresenHI 3127ff., für atrium geltend gemacht hat, 
doch Beachtung, andrerseits vgl. Förster zu Erec 
171). Die Ableitung aus agrum scheitert daran, 
dafs agrum ein *air ergeben hätte, vgl. nigrum : 
neir, noir. Cat. era, Tenne; span. era, Tenne; 
dazu das Mask. ero (gleichsam *areum), Ackerland, 
wovon wieder die gleichbedeutenden Sbst. erio, erial, 
erazo, vgl. C. Michaelis, Mise. 137 (Dz 447 erial 
fafste diese Worte nur als Adj. auf u. leitete sie 
von era = area ab); ptg. eira, Tenne, u. leira 
(aus l'eira), ), vgl. Baist, Z VH 120, u. C. Michaelis, 
Mise. 135, wo auch alera, ein Streifen trockenen 
Landes, für aus *lera = leira entstanden erklärt 
wird, jedoch mit Offenlassung der Möglichkeit, dafs 
alera = *aglera (= ptg. gleira, astur, aleira, Hera, 
trockenes Stück Land, Strand) = lt. glarea sein 
könne. Wenn C. Michaelis a. a. 0. schlielslich 
fragt : „Und das altptg. ler = Meeresstrand gehört 
es zu area, era, ero? glarea glera lera? oder ist 
es ein ganz anderes alteinheimisches Wort?", so 
scheint die letztere Annahme die bei weitem gröfsere 
Wahrscheinlichkeit für sich zu haben. 

829) Srenä, -am /'., Sand, Sandplatz, Kampfplatz 
im Amphitheater; ital. arena, rena, vgl. Fleehia, 
AG II 374, u. Canello, AG IH 316; rum. arinä, 
nur gel. W., das volkstümliche W. ist das slav. 
näiip, vgl. (Jh. arinä; prov. arena; frz. arene, 
nur gel. W.. das volkstümliche Wort ist sable (in 
seiner Form freilich halbgelehrt) = sabutum, süd- 
ostfrz. are (mit off. e); span. arena; ptg. area. 
S. unten sSbtilfim. 

830) arenärius, a, nm {arena), sandig; sard. 
arenarhi sabbia. vgl. Salvioni, Post. 4. 

831) ärenösus a, nm (v. arena), sandig; ital. 
areno-so; rum. arinos, s. Ch. arinos; prov. cat. 
arenos; span. ptg. arenoso. 

832) äreolä, -am /. (v. area), kleiner, freier PI atz; 
ital. areola u. ajuola, vgl. Canello, AG III 303. 

833) äreölos, -um w)., Name eines kleinen Fisches; 
davon (oder von hariolus) galliciscb airoa, eiroa, 
ptg. eiro (Plur. eirözes für das jetzt veraltete ei- 
roos), vgl. C. Michaelis, Frg. Et. p. 16. 

834) arepennis, -em m. (als gallisches Wort 
bezeichnet von Columella b, 1, 6 ; von Isidor 15, 
15, 4, als Wort der Baetici angeführt), ein halber 
Morgen (ein halbes jugerum) Ackerland; prov. 
arpen-s; frz. arpent , davon das Vb. arpenter 
messen; altspan. arapende. Vgl. Dz 510 arpent; 
Tb. p. 32. 

835) *arganum, -i «., ein Werkzeug zum Heben, 
Krahn, ist das vorauszusetzende Grundwort zu ital. 
argano (sard. drganii); venez. argani, argane 
(Plur.); frz. argue, Drahtwinde; (^at. arga; span. 
argano; ptg. argäo, orgiio. Dazu die Deminutiva 
ital. arganello kleiner metallener Ring, span. ar- 
ganel, frz. arganeau (daneben organeau) Anker- 
ring. Über die Herkunft des Wortes arganum sind 
folgende Vermutungen aufgestellt worden : 1. arga- 
num entstanden aus gr. i^yärt/g^ lt. ergata durch 
Suffixvertauschung. 2. arganum entstanden aus 
dem zu vermutenden gallischen garanos = gr. ys- 
(lavog (wie auch das deutsche „Krahn" = „Kranich" 
ist) durch Umstellung des Anlautes gar: arg, ver- 
möge deren das Wort an Organum angeglichen ward, 
vgl. Storm R II 328. 3. arganum ist Scheideform 
zu Organum. 4. Schwan, Herrig's Archiv Bd. 87 
p. 114, vermutet, dafs Organum' ,, Werkzeug" in 

(i 



83 



836) ärggnttüs 



863) ärmSnttini 



«4 



volksetyraolog. Anlehnung an "ergere (f. erigire) 
„Hobewerkzeug" umgedeutet worden sei. Von diesen 
Annahmen setzen die beiden ersten eine schwer 
erklärliche Lautentwickelung des Wortes voraus, 
während gegen die dritte sich kaum ein ernstliches 
Bedenken vorbringen lassen dürfte; dafs ein Hebe- 
werkzeug schlechtweg als ein Organum bezeichnet 
wurde, ist bei der vielseitigen Verwendung, welche 
dies Wort im Lat fand, sehr glaublich, u. man 
begreift auch leicht, dafs, als Organum später zur 
technischen Bezeichnung des kirchlichen Musik- 
instrumentes (der Orgel) gebrauclit wurde, die Bil- 
dung einer Scheideform zum Ausdruck des profanen 
Begriffes erfolgte; dunkel ist nur, auf welcher volks- 
etymologischen Änbildung die Vertauschung des o 
mit a beruht; da aber frz. argue die Drahtwinde 
der (Gold- u.) Silberarbeiter bezeichnet, so läfst sich 
Termuten, dafs der Lautweohsel in Anlehnung an 
argentum begründet ist u. also von der technischen 
Sprache der Metallindustrie ausging. — Vgl. Dz 24 
argano; Gröber, ALL I 242 u. VI 378; Schuchardt, 
Z XV 91 Anra. 2, wo die Ableitung von Organum 
in überzeugender VVeise verteidigt wird. 

836) ärgenteus, a, um {argentum), silbern; 
altspan. ariemo; altptg. arenzo, Name einer 
alten Münze, vgl. Cornu, R XUI 297. 

837) argent&m, -i n (v. \/ arg, glänzen, hell sein, 
vgl. Vanicek I 58), Silber; ita,l. argento ; rura. ar- 
gint, 3. Ch. s. V.; rtr. argient; prov. argen-s; frz. 
urgent; in den pyrenäischen Sprachen ist das früher 
üblich gewesene argento durch jjlata (ptg. prata), 
„Platte", nahezu völlig verdrängt worden. — Im 
Altfrz. wurde argent volksetymologiach als art 
gens gedeutet, vgl. Fafs, RF III 505 f. 

838) altlat. arger, später ägger, -erem )». (v. 
ar = ad-\- gcro, eigen tl. das herangeführte Material), 
Damm; ital. dfv/uje, Damm; venez. drzac«; piem. 
erso, genuez. erze, Salvioni, Post. 4; spau. drcen, 
Brustwehr (ptg. dafür parapeito). Das Frz. hat 
zur Bezeichnung des Dammes das deutsche ,, Deich" 
== ilic/ue aufgenommen. Ygl.Dz 2idrgine: Gröber, 
ALL'I 242. 

839) ärgilla, -am f. (gr. ä^yMog u. äpyO.og f. 
V. \/ arg, glänzen), Töpferthon; ital. argilla (vgl. 
d'Ovidio, Gröber's Grundr. I 504'"), argiglia; frz. 
argile (gel. W.) u. argille (mit palat. l, vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 54); span. arcilla, vgl. Baist, Gröber's 
Grundrifs I 704"; ptg. argilla. Vgl. Dz 424 ar- 
cilla. 

840) *ärgüto, -äre (v. argutus, dieses von v/ arg, 
hell sein), schriftlat. argutor, -ari, sich deutlich 
vernehmen lassen, schwatzen; frz. (schon altfrz.) 
arguer. Dagegen hat argoter „kauderwälsches Zeug 
schwatzen", wozu das Sbst. argot, mit argutäre 
nichts zu schaffen, sondern ist von lat. ergo abge- 
leitet (vgl. neufrz. ergoter, s. unten ergo). Vgl. Dz 
509 argot; Scheler im Dict. s. argot; Gröber im 
Nachtrag zur ersten Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s 
(No 726). Altfrz. argot, neufrz. ergot, Spitze 
eines dürren Astes, Sporen eines Vogels, z. B. des 
Hahns, wird von Nigra, AG XIV 353, als aus 
*regot, *ragot, welches wieder aus garot (s. unten 
gar) umgestellt sei, entstanden erklärt. 

841) äridfls, a, um (v. \/ ar, trocken sein), dürr, 
ital. ärido u. dligo, letzteres auch in übertragener 
Bedtg. „sich auf dem Trockenen befindend, d. h. ohne 
Geld", vgl. Canello, AG III 360, altfrz. nre, arre, 
vgl. Horning, Z XV 502, ebenso prov. 

842) [arles, -etem m. (dunkler Herkunft, vgl. 



Vanicek I 58), Widder; das Wort ist als Tierbezeich- 
nung im Rom. durch *muliton- aus *mutilon- v. 
mutilus verdrängt worden, jedoch ast. arei, vgl. 
Salvioni, Post. 4; lyon., Forez, Brian90u, wald. nre, 
Meyer-L., Ztschr. f. Österreich. Gymnas. 1891 S. 766.] 

843) firista, -am f. (f. acrista v. y/ ak, scharf, 
spitz sein, vgl. Vanicek I 7), Granne an der Ähre, 
Ähre, Borste, Gräte; ital. arista, Schweinsrücken 
(wegen der Borsten so genannt), resta, Granne, vgl. 
Flechia, AG II 373, u. Canello, AG III 391; frz. 
arete, Granne, Gräte; span. aresta (altsp. ariesta; 
im Dict. der Akad. arista), Gräte, auch: grobe 
Sackleinewand (welche wohl wegen ihrer kratzigen 
Beschaffenheit zu diesem Namen kommt); ptg. 
aresta, Granne, Gräte. Vgl. Dz 25 arista; Hor- 
ning, Z XXI 449. 

844) [*8rTstärium, -i n. (v. arista); frz. aretier 
(auch Kern, aretiere), Gratsparren eines Daches, vgl. 
Scheler im Dict. s. ari'te; heritier ist vermutlich nur 
eine volksetyraologisiorende Nebenform des Wortes, 
vgl. Fafs, RF HI 503 unten.] 

845) *aristüla, -am /'. (Dem. v. arista); davon 
friaul. risele, vgl. Ascoli, AG I 514 Z. 5 v. u. i. T. ; 
neuprov. aresclo „arete" (u. aresto „echarde, eclat 
de bois"); frz. (mundartlich) arescle ,,cercle, bois de 
fente courbe en cercle", vgl. Thomas, R XXVI 414. 

846) arma, -örnm «. (v. ^/ ar, an-, einfügen, 
vgl. Vani6ek I 48), Gerät, Waffen; ital. arma u. 
arme Sg. f., PI. arme u. armi, Gewehr, Waffen, 
Geschütz, arvH, auch „Wappen" ; die präpositionale 
Verbindung all'arme! zu den Waffen! ist zum Sbst. 
allarme (dazu wieder das Vb. allarmare) geworden 
u. als Fremdwort in alle neueren Sprachen über- 
gegangen: prov. alarma, frz. alarme, span. ptg. 
alarma, rum. larmä, dtsch. AUarra, Lärm, engl. 
allarum, poln. larma, larmo, larum etc. etc. — 
Rum. arma Sg. f.; rtr. arma Sg. f. (kollektivisch): 
prov. armas PI. f., Waffen u. Wappen; frz. arme 
Sg. f. Waffe, PI. f. armes, Waffen u. Wappen; span. 
ptg. arwmSg. f, Waffe, PI. armas, Waffen, Wappen, 
Kriegshandwerk. — Vgl. Meyer, Ntr. 162. 

847) armämenta M. jpJ., Gerät; aurd.armamenta 
„le cornu della bestie'-, vgl. Salvioni, Post. 4. 

848) armärittm, -i n (v. arma), Schrank, Almer ; 
ital. armadio \i. armario, vgl. Canello, AG lU 404; 
bellun. armer; rum. armar, almar, s. Ch. armä; 
prov. armari-s; altfrz. almaire, armaire (Com- 
putus 1727, vgl. Berger s. «.), aumaire m.; nfrz. 
armoire f.; span. ptg. armario. Vgl. Dz 510 ar- 
moire, Scheler im Dict. s. v. 

armätS s. Srmo. 

849) ärmatüra, -am /'., Rüstung; span. itah 
armadura, -tura. 

850) armenlaenm (seil, pomum), armenischer 
Apfel, Aprikose; davon ital. in gleicher Bedtg. 
meliaca, muliaca, umiliaca, vgl. Dz 384 meliaca. 
Über ital. Dialektformen vgl. Lorck, Altbergam. 
Sprachdenkm. p. 208, u. Salvioni, Post. 4. 

851) [armenius (seil, mus), soll nach Ducange 
(vgl. auch Dz 25 armellino) das Grundwort zu ital. 
armelliuo, frz. hermine etc. sein, die betr. Worte 
sind jedoch deutschen Ursprungs, vgl. Kluge, Her- 
melin. S. unten ahd. harmo.] 

852) Srmentäriüs, -um m. (v. armentum), Rinder- 
hirt; ital. armentario u. armentiere, vgl. Canello, 
AG III 304. 

853) armentum, -i n. (von gleichem Stamme wie 
arma, eigentlich Gerät, Zeug u. dgl.), Grofsvieh- 
herde; ital. armento; friaul. o»*me»te Kuh; rum. 
nur PI. armenturi f., s. Ch. s. v.; rtr. (lad. friaul.) 



85 



8541 ärrallla 



874) ♦är-rSndo 



86 



armenta, arniente, ormento; im übrigen sclieint das 
Wort auf romanischem Gebiete verschollen zu sein, 
Ableitungen von bestia (wie frz. betau) u. der 
PI. animalia (frz. aumaille) sind an seine Stelle 
getreten. 

854) armilla, -am f., Armband; ital. prov. ar- 
milla; frz. armüles (mit palat. /, dagegen ohne 
solches armille u. nrniillaire); span. ptg. armilla, 
■üa, lilha. Vgl. Cohn, Suffixw. p. 54. 

855) armo, -äre (v. arma), bewaffnen, ist in den 
entspr. Formen in alle roman. Spr. übergegangen; 
das partizipiale armata ist in der Bedtg. „Heer" 
(ital. armata, span. artnada , frz. armee) zum 
Sbst. geworden u. hat meistenteils exercitus (s. d.) 
verdrängt, welches aufserdem auch in hostis (s. d.) 
einen mächtigen Mitbewerber besafs; eine deminutive 
Abltg. vom. Part. P. P. ist das span. armadülo, 
ptg. armadilho, Gürteltier. 

856) armoraciS, -am f. u. arniorSeium , i n. 
(gr. dgfiopaxla) , Meerrettig (Cochlearia armoracia 
L.) ; ital. rnwoiaccJo, Meerrettig; sard. armurattu; 
span. remolacha, rote Kübe (für Meerrettig fehlt 
dem Span, wie dem Ptg. ein eigentliches Wort, denn 
span. rdbano und ptg. rahäo haben eine allge- 
meinere Bedtg.; auch im Frz. entbehrt die Pflanze 
einer ganz bestimmten Benennung, denn raifort = 
radix fortis wird ebenfalls in weiterem Sinne ge- 
braucht, radis de cheval wird selten gesagt, u. ist 
übrigens offenbar ein Germanismus). Vgl. Dz 392 
ramolaceio u. 483 remolacha. 

857) ännüs, -um m. (v. \/ ar fügen), Oberarm, 
Schulterblatt; sard. armu; r am. arm, PI. armuri 
f.; altfrz. ars, vgl. Dz 510 «•. i). (nfrz. sagt man 
OS plat de l'epaule, v. Pferden paleron). 

858) [""arnicttlus, -um m. = ital. (luoch.) ar- 
mcchio, vgl. Caix, Studj § 293, d'Ovidio, AG XIII 
380.1 

859) äro, -are (v. y' ar, pflügen, rudern, vgl. 
Vanicek 50), pflügen; ital. arare; rum. ar, ai, 
at, a s. Ch. s. v.; prov. span. ptg. arar; nord- 
frz. arer ; dazu das Sbst. span. aramio; galic. 
aramia, ackerfähiges Land, vgl. Taliban, R IX 429 ; 
altfrz. arer (nfrz. ist dafür labourer eingetreten). 
Zweifelhaft ist, ob frz. lorandier, Pflugknecht, zu 
arare gehört , in welchem Falle es aus *arende 
(aranda), Pflugland, durch Verwachsung des Ar- 
tikels entstanden sein müfsto , es kann aber auch 
aus lab[o'\randa *lavrande Horande erklärt werden, 
Cohn, Suffixw. p. 80. 

860) ärömSticus, a, um (gr. dpca/tarixög) , ge- 
würzig , ist als volkstümliches Wort erhalten nur 
im Ital. {a)romatico, mit zahlreichen dialektischen 
Gestaltungen: piem. armatic, rumatic, crem. 
rumatec, parm. armateg, lumateg, piac. armattag, 
moderies. lumadegh, hol. rumagd, die betr. Worte 
haben die ursprüngliche Bedtg. in das Gegenteil, 
„übel riechend", verschoben (Zwischenstufe mufs 
gewesen sein „stark riechend") , vgl. Flecliia , AG 
11 361. 

861) äron u. arfim, -1 n. (gr. ä^ov), Zehrwurz 
(Arum L.); ital. aro; rum. aron, s. Ch. s. v.; 
frz. arum; span. aron, ijaro; ptg. aro, jarro. 

862) arra, auch arrha geschrieben, -am f. (ver- 
mutlich semitischen Ursprungs), Kauf-, Handgeld; 
ital. arra; frz. arrhes PI. span. ptg. arras PI. 

863) arab. ar-rftba'd, Vorstadt (vgl. Freytag n 
1111)); davon mit gleicher Bedtg. span. ptg. ar- 
rabal, arrabalde, vgl. Dz 425 s. v.; Eg. y Yang, 
p. 280. 



864) ['är-räbätto, -äre (v. gr. Qaßaaaw), lärmen ; 
Dz 662 rabasta ist geneigt, ital. arrabattarsi, sich 
bemühen, von diesem griech. Vb. abzuleiten, gewifs 

! ein wenig glücklicher Gedanke; eher darf man ver- 
; muten, dafs *battare das zur A-Konj. übergetretene 
j lt. batt{u)ere sei, so dafs arrabattarni eigentl. heifsen 
i würde ,,sich auf etwas werfen''. Vgl. No. 796.] 

865) arab. ar-rat^af, Steinreihe im Wasser (vgl. 
Freytag 11 155'') u. arab. ar-raelf, Dammweg an 
einem Flusse; durch Mischung beider arab. Worte 
ist hervorgegangen span. arrecife (alt arracife), 
blinde Klippe, Dammweg; ptg. arrecife {alt arracef), 
recife, Klippe; frz. recif, Klippe; das frz. Wort hat 
man thörichterweise von recisus oder auch vom 
dtsch. „Riff" ableiten wollen, s. Scheler im Dict. s.v. 
Vgl. Dz 425 arrecife; Eg. y Yang. p. 280. 

866) *ar-rädieo, -äre (v. radix, das Simplex 
radico ist im Spätlat. belegt), mit, an der Wurzel 
herausreifsen; ^rov. araigar; irz. arracher; span. 
arraigar wurzeln. Ein *ahradicare ist nicht als 
Grundwort anzunehmen. Dz 510 arracher setzt 
eosradicare als Grundwort an; die Notwendigkeit 
diesesVerfahrens ist nicht ersichtlich (dagegen gehen 
prov. esraigar , altfrz. esrachier selbstverständ- 
lich auf exradieare zurück). Vgl. No. 44. 

867) [*ar-raff«, -äre (v. ahd. raffon, raffen, vgl. 
Mackel p. 72); ital. arrnffare, mit Gewalt packen, 
wovon wieder arrafßare (gleichbedeutend) abgeleitet 
zu sein scheint. Vgl. Dz 261 raff are.] 

[*är-rämio, -äre s. oben äd-rämio.] 

868) f*är-raneo, -äre (v. germ. rank, verdreht, 
vgl. Mackel p. 60); davon nach Dz 263 ranco ital. 
arraneare hinken.] 

869) [*är-rapo, -äre (v. germ. rapön, raffen, vgl. 
Mackel p. 72); ital. arrappare, entreifsen. Vgl. 
Dz 264 ra2)jMre.] 

870) [Arras, nach dieser Stadt sind die ursprüng- 
lich dort gewirkten Tapeten benannt: ital. arazzo, 
razso, ptg, arrds, raz. Vgl. Dz arazzo?^ 

*fir-ratiöno, -äre s. oben ad-ratiöno. 

871) ärrectam (v. arrigere) seil, aurem; davon 
ital. (dar) retta, Gehör schenken, vgl. Caix, St. 488. 

872) [*ar-redo, -äre (s. unten *redo), bereit 
machen; davon ital. arredare, ausrüsten, dazu das 
Vbsbst. arredo, Gerät; prov. arredar , arrezar; 
altfrz. arreer , arroier, zurecht machon, rüsten, 
dazu Vbsbst. arroi (engl, array), Gerät; span. 
arrear, dazu das Vbsbst. arren; ptg. arreiar, dazu 
das Vbsbst. arreio. Vgl. Mackel p. 85 f.; Th. 76 
führte die betr. Worte auf den kelt. Stamm reidh-, 
red[i)- zurück, die Maokel'sche Annahme ist indessen 
die weit wahrscheinlichere, jedoch darf man an 
Urverwandtschaft zwischen dem kelt. u. dem germ. 
Stamme glauben. Dz 265 redo erachtete beide Ab- 
leitungen für möglich. S. unten *redo u. *redum. 
W. Meyer führt mit Recht auch das francoprov. 
aryd, melken, auf *ar{r)edare zurück u. verweist 
hinsichtlich der Bedeutungsverschiebung auf prov. 
adiustd = f rz. ajuster, da das prov. Vb. ebenfalls 
,,(die Kühe) zum Melken zurecht machen, melken" 
bedeutet, vgl. Z XI 252.] 

873) [*är-re-imito, -äre, nachahmen; span. 
ptg. arremedar mit gleicher Bedtg., vgl. Dz 483 
remedar.] 

874) [*Sr-rendo, -äre (v. *rendo f. reddo); rum- 
arendez, ai, at, a, verpachten, s. Ch. arendä, Pacht; 
(frz. arrenter v. reute = *rendita); span. arrendar, 
dazu Vbsbst. arriendo u. arrendamiento ; ptg. ar- 
rendar, dazu Vbsbst. arrendamento.] 

6* 



87 



875) *&r-rgpto 



890) *är-röo 



88 



875) [*är-repto, -äre (f. räpto v. rapere], wird 
von üz 482 rebatar als Grundwort des span. ptg. 
arrebatar, wegreifsen, vermutet.] 

876) *är-resto, -Sre, zum Stehen bringen, fest- 
halten , eine Sache endgültig entscheiden; ital. 
arrestare; prov. arestar : frz. arreter; span. ptg. 
arrestar: dazu die entspr. Vbsbstvo : arresto, arret. 
Vgl. Dz 27 arresto; Gröber, ALL I 243. 

877) f*4r-riffo, -are (v. dtsch. riffen, raufen, 
mhd. riffeln, durchhecheln) würde nach Dz 270 riffa 
als Grundwort v. ital. arriff'are, würfeln, anzu- 
setzen sein ; lautlich ist selbstverständlich nichts 
dagegen zu erinnern, aber die Bedeutungsentwickelung 
macht Schwierigkeit, denn mag auch immerhin der 
Streit der übliche Begleiter oder die häufige Folge 
des Würfelspiels sein, so ist doch nicht recht er- 
sichtlich, wie ein Verbum, das eigentlich „raufen" 
bedeutet, so schlankweg zur Bezeichnung des Wflr- 
felns habe gebraucht werden können, oder soll man 
glauben, dafs man das Würfeln aufgefafst liabe als 
ein Kaufen mit den Würfeln, weil die letzteren vom 
Werfenden geschüttelt oder gerüttelt werden? 
Schwan, Herrig's Archiv Bd. 87 p. 114, bemerkt: 
,,das Würfeln wurde als ein Streiten. Kämpfen mit 
Würfeln aufgefafst". 

878) [*ar-riino, -äre (v. gerra. *rinia /., rim m., 
Reihe, Reihenfolge, Zahl, vgl. Mackel p. 108 u. 120 
Anm. 2), aneinander reihen; frz. arrimer, schichten; 
cat. span. ptg. arrimar, heranbringen, annähern, 
anlehnen (eigentlich in eine Reihe bringen). Vgl. 
Dz 270 rima.] 

879) [*8r-rlng'0, -äre (v. anfränk. ring), in einen 
Kreis bringen, kreisförmig ordnen; frz. arranyer, 
ordnen.] 

880) 5r (= ad) -f ripa(in); davon span. ptg. 
arriba, oberhalb, darüber, vgl. Dz 426 s. v. 

881) *är-ripo, -äre (v. rJpa), an's Ufer kommen, 
anlanden, an das Ufer bringen; diese urspriingliche 
Bedtg. ist namentl. im Französ. zu der des An- 
kommens überhaupt erweitert worden; im Ital., 
Prov., Span. u. Ptg. ist jedoch das Vb. auch in 
eigentlicher Bedtg. (ja im Ptg. nur in dieser) er- 
halten, die pyrenäischen Spr. brauchen für ankommen 
neben arripare (das Ptg. ausschliefslich) plicare = 
span. llegar, ptg. chepar, im Ital. steht neben arri- 
vare hinsichtlich der Bedtg. giungerc; ital. arrivare 
(von Gröber, ALL I 243, als „entlehnt" bezeichnet, 
was zu bezweifeln ist, VI 378 hat Gr. auch seine 
Beliauptung zurückgenommen): prov. arribar; frz. 
arriver; cat. arribar, arriar : span. ptg. arn'&a)'. 
Vgl. Dz 27 arrivare; Gröber, ALL 1243; vgl. auch 
Schuchardt, Z XVI 523 (über frz. ribon, ribainc 
etc.); Suchier, Gröber's Grundrifs I 633. 

882) [*gr-ri80 (v. altn. rli = frz. ris Reff); 
davon frz. arriser, das Segel herablassen; Dz 510 
arriser u. Mackel p. 111 legen dem frz. Vb. die 
allgemeine (b. Sachs -Villatte nicht angegebene) 
Bedtg. „fallen lassen" = lt. conruere bei, u. der 
erstere will es deshalb von ahd. arrisan, zusammen- 
fallen, ableiten, Mackel weist wenigstens auf das 
ahd. Vb. hin.] 

883) arab. arrob'a (vgl. Freytag II 113"'), ein 
Gewicht von 12',2 Kilogramm, span. ptg. arroba ; 
dazu auch das Vb. arrobar, vgl. Dz 426 s. f.; Eg. 
y Yang. p. 289. 

884) mlat. ar(r)ogiuin (in span. Urkunden seit 
775 belegt, vgl. Taliban, R IX 430; die Herkunft 
des Wortes ist dunkel, vielleicht ist es iberischen 
Ursprungs [vgl. Meyer-L. , Rom. Gr. 1 § 21], viel- 
leicht auch hat es irgend welchen Zusammenhang 



mit rigare, in diesem Falle wäre von *arrigare 
auszugehen, der Wechsel von i zu o üefse sicli er- 
klären aus Anlehnung an arrojar, werfen, s. Sr- 
rtto), Bach; span. ar{r)ogio , arroio (auch ptg.), 
arroyo, Bach (das Wort erscheint zuerst in einer 
Urkunde vom J. 841 , vgl. Taliban a. a. 0.) , das 
Wort gehört jedenfalls zu arrugia (s. d.), dazu das 
Vb. arroyar, überschwemmen. Mit arrogium, alt- 
frz. rui, frz. ruissean in Zusammenhang bringen zu 
wollen (vgl. Mise. Caix - Canello) mufs aus mehr- 
fachem Grunde (Fragwürdigkeit des Wortes an sich, 
der Anlaut desselben, Möglichkeit anderer Erklärung 
der frz. Worte) als sehr bedenklich erscheinen. Vgl. 
Dz 426 arroyo. S. auch unten arrngia. 

885) är-rögro, -Sre, sich (etwas Fremdes) an- 
eignen; ital. arror/ere, arrosi, arroto (vgl. Blanc, 
Gr. 466, u. Dz., (Jr. 11« 136 Anm. 3, wo die von 
Dolius, Jahrb. IX 108, vorgeschlagene Horleitung 
aus adaugere gebilligt wird, sehr mit Unrecht!), 
dazulegen. Der Übergang des Verbs aus der 
schwachen in die starke Konj. ist nicht etwas so 
Befremdliches, dafs man um deswillen die nächst- 
liegende Ableitung vorwerfen müfste. Frz. arroger; 
span. arrogar; ptg. arrogar; in den drei letzten 
Sprachen gel. oder doch halbgel. W. Vgl. Dz 358 
arrogere. 

886) [*är-rS8cido , -äre (v. roncidus), tauartig 
besprengen: cat. arruxar, vgl. Cuervo, R XII 108, 
Gröber, Z VIII 319, vgl. auch span. ptg. arrojar, 
s. ar-rno, -äre. S. auch unten röseido.j 

887) *är-röso, -äre (v. ros abgeleitet, wie al- 
lum-cr V. lum-en, a-cab-ar v. cab-), betauen, soll 
nach Gröber, Mise. 42, das Grundwort zu prov. 
arrosar, frz. arroser, begiefsen, sein; Dz 275 ros 
leitete das Vb. von *roscidare (v. roscidus) ab, was, 
wie Gröber richtig bemerkt, lautlich unmöglich ist. 
Da das Sbst. ros wohl im Prov., nicht aber im Frz. 
vorhanden ist, so ist das Vb. im Frz. als Lehnwort 
anzusehen, worauf auch das o der stammbetonten 
Formen hindeutet. Vgl. auch Tobler, Sitzungsb. 
der Berl. Akad. d. Wiss., philos. - bist. CL, vom 
23. Juli 1896, Horning^ Z XXI 451. 

888) [*fir-rübello, -are (v. rubellus), rot worden ; 
ital. arrovellare (vor Aufregung rot werden), in 
Zorn geraten ; span. ptg. arrebolar, röteu, 
schminken, dazu Vbsbst. arrebol, roter Glanz, 
Abendröte.; Vgl. Dz 425 arrebol. 

889) arrfigia (oder arrügia?), -am/, (viell. vom 
gr. öpvytj oder, u. wahrscheinlicher, iberischer Her- 
kunft? das Wort ist belegt bei Plinius, Hist. Nat. 
33,70), Stollen im Bergwerk; rum. ärugä, ieruga; 
ital. roggia, Abzugsgraben. Vgl. Meyer-Lübke, 
Rom. Gramm. I §21. — arrugia u. arrogium [s.A.) 
gehören jedenfalls zusammen. 

890) [*är-rtto, -äre fv. ruo), werfen; aus einem 
vorauszusetzenden *arruare wollte Dz 426 arrojar 
herleiten span. ptg. arrojar, werfen, schleudern, 
Strahlen, Licht, Duft ausströmen lassen u. dgl. ; 
Cuervo, R XII 108, macht gegen die Diez'sche Her- 
kunft geltend, dafs arrojar im Kastilisclien erst seit 
dem 16 Jahrb. üblich sei, u. dafs auch das Simplex 
*ruar, *rojar in der vorausgegangenen Periode fehle, 
er hält daher arrojar für ein Lehnwort u. für 
identisch mit dem cat. arruxar = *ar-roscidare 
(v. roscidus), welches „besprengen, bestreuen, werfen" 
bedeutet. (Jröber bemerkt dazu, Z VIII 319, dafs 
arrojar in der Bedtg. ,, strahlen, werfen" allerdings 
catal. Lehnwort sein möge, bestreitet dagegen, dafs 
cat. arruxar in allen seinen Bedeutungen von ro- 
scidus sich herleite, es seien vielmehr in diesem Vb. 



89 



891) *ä,r rüpto 



904) *ärtilläriä 



90 



zwei Wörter verschiedenen Ursprunges zusammen- 
geflossen. Das scheint ein unnötiges Bedenken, denn 
die einzelnen Bedeutungen von arruxar liegen nicht 
so weit auseinander, als dafs sie sich nicht ver- 
einigen liefsen, sie lassen sich vielmehr aus der 
Grundbedeutung „tauartig befeuchten" (also „eine 
Flüssigkeit tropfen- oder strahlenförmig verstreuen") 
leicht ableiten (vgl. aber Gröber's Gegenbemerkung 
im Nachtrag zu No 771 der ersten Ausg. des Lat -rom. 
Wtb.'s). Was aber die Gleichung span. ptg. ar- 
rojar = cat. arruxar anlangt, so ist der gemein- 
same Ursprung aus lt. roscidus sehr wohl denkbar; 
dafs aber das Span. u. Ptg. ein derartiges Vb. aus 
dem Cat. entlehnt hätten, ist nur unter der erst 
noch zu beweisenden Voraussetzung annehmbar, dafs 
die Entlehnung zunächst auf die poetische Sprache 
beschränkt war.] 

891) [gleichs. *ar-rfipto, -äre; altfrz. arouter 
(von route, rote, Kriegerabteilung, Rotte), in Ord- 
nung bringen, aufstellen. Vgl. Dz 276 rotia] 

[*ar-rutubo, -äre s. Sd-rütubo, -äre.] 

892) ärs, -temf. (v.\/ar, fügen), Handwerk, Kunst; 
ital. arte f.; prov. art-s »«..• frz. art m.; span. 
arte m. u. f.; ptg. arte /'. Der Genusweehsel im 
Prov. (u. Span.) ist auffällig, im Frz. läfst er sich 
aus dem konsonantischen Auslaut erklären. Die 
übertragene Bedtg. des lat. Wortes „moralisches 
Können, moralische Eigenschaft" ist dem Eom. eben 
so fremd geblieben wie die Anwendung des Plurals 
auf den Begriff ,, Wissenschaften". 

893) Srs magica, (ärs iiiiithemätiea) ; ilas altfrz. 
artimaire, artumaire f. (daneben nrtimai/e, nrlinmi, 
artimal vi., vgl. Godefroy I 415a), Zauberei, wurde 
von Tobler, R II 243, auf das begrifflich gewifs 
zunächst liegende ars magica zurückgeführt (vgl. 
grammatica : grammaire. mediciis : inire). G. Paris, 
R VI 182, bestritt die Tobler'sche Ableitung, ohne 
einen überzeugenden Grund beizubringen, u. stellte 
ars matheiiiatica als Grundwort auf, das aber doch 
nur artimamaire hätte ergeben können. G. Paris' 
Ansicht fand denn auch Widerspruch von Seiten 
Havet's, R VI 255, Boucherie's, R. d. 1. r. 3 s. II 
218, u. namentlich Tobler's, Z I 480. In seinem 
Referate (R VI 630) über Tobler's letztgenannten 
Artikel brachte G. Paris etwas Neues zu Gunsten 
seiner Meinung nicht vor. Mayhew, The Academy 
No 1089 p. 242, nimmt folgende Entwickelung an : 
arte mathematica : arte mat'matica • artimatica, 
daraus einerseits artimage, andererseits artimaire 
etc. Chance, The Academy No 1092 p. 307, er- 
klärt artimage u. artimaire, artimal für Zusammen- 
setzungen aus arte -\- magica, bezw. arte + major, 
arte -j- mala. Dies dürfte ungefähr das Richtige 
sein: es sind die Wortformen artimaire u. artimal 
volkeetymologische Verballhornungen von artimage 
= arte magica, indem die Zauberei einerseits als 
,,gröfsere, höhere", andererseits als „böse Kunst" 
aufgefafst wurde. Das i statt e in artimage f ar- 
temage beruht wohl auf gelehrter Angleicliung des 
Wortes an lat. artifex u. dgl. 

894) ärsürS, -am f. (v. ardeo), das Brennen (b. 
Apul. herb. 118, 2 lemm.); sard. assura; ital. 
prov. ar.sura, Brand. Vgl. Dz 427 asurarse. 

895) *ärsüro, -äre (v. arsura), brennen; span. 
asurame, anbrennen; vgl. Dz 427 s. v. 

896) artemisiS, -am /'. (gr. äinefiioia, schrift- 
lat arteminia), Beifufs; ital. artemisia (gel. W.); 
prov. artemiza; altfrz. ermoise; nfrz. armoise; 
cat. altimira; span. altamisa; ptg. artemisia 
(gel. W., volkstümlich herva de S. Joäo). Vgl. 



Dz 421 altamisa u. 510 armoise: Gröber, ALL I 
243. 

897) [gleichs. *ärten8iaiiüs, -um m. (v. ars), 
Handwerker; ital. artigiano; frz. artisan; span. 
artesano; ptg. artesao. Dz 28 u. Gr. 11» 336 setzte 
*artitianus als Grundform an, vgl. dagegen Flechia, 
AG II 12 ft.] 

898) [*arterio, -are (v. arteria, Pulsader): auf 
1 *(irteriare scheint zurückzugehen frz. alterer, 
: durstig machen. Die Bedtg. würde nach Dz 506 
I alterer sich folgendormafsen entwickelt haben: ar- 
j teria „Pulsader", dann besonders „Halsader", *ar- 
i teriatus „eine entzündete Halsader habend u. infolge 
j dessen Durst leidend", daher frz. altere in gleicher 
! Bedtg. u. von ilem Pt. dann das Vb. So scharfsinnig 
1 diese Erklärung aber auch ist, so ist sie doch zu- 
gleich etwas sehr künstlich u. daher nicht recht 
überzeugend. Denkbar ist es immerhin, dafs alterer, 
durstig werden, nichts anderes ist als alterer (v. 
alter) , verändern , verderben : das Durstigmachen 
kann scherzhaft als ein Andern und Verderben des 
Menschen aufgefafst werden; volksetymologisierende 
Anlehnung an alterer ist übrigens auch anzunehmen, 

i wenn man von *arteriare , *artmer ausgeht, vgl. 
i Pafs, RF m 509.] 

899) arthriticus, a, um (v. uQi^Qlzii Gicht), 
I gichtisch ; ital. artetica Gicht; altfrz, artetique, 
\ arcetique, vgl. Förster zu Cliges 3024; span. ptg. 

artetica. 

900) [*ärtlca, -am (v. aro), ist nach Dz 426 
artiga als Grundwort anzusetzen für prov. artiquu, 
cat. span. artiz/a, frisch angebautes Feld. Eine 
höchst unglaubhafte Annahme, weil vom Verbal- 

I stamm nra — und nur dieser, nicht die Wurzel ar 
> kann hier in Frage kommen — höchstens *ardtiea, 
\ nicht aber *nrtica abgeleitet worden konnte. Eher 
; könnte man an Ableitung von art- (ars) denken. 
j Am wahrscheinlichsten aber ist die iberische Her- 
kunft des Wortes, vgl. Meyer-L., Rom. Gr. I § 21.] 

901) Srtieulug, -um m. (Dom. v. artus], Gelenk- 
glied ; das Wort ist in die meisten rom. Sprachen 
übergegangen, hat aber vielfach Bedeutungsver- 
engung, bezw. Fixierung auf ein bestimmtes Gelenk 
oder Glied erfahren: ital. artiglio (Lehnwort aus 

i dem Frz., vgl. d'Ovidio, AG XIÜ 427 , doch liefse 
sich dem wohl widersprechen). Kralle, vgl. Canello, 
AG III 351; prov. artelh-s Zehe; altfrz. arteil; 
nfrz. nrteil , Zehe (orteil erklärt sich durch kelt. 
I Einflufs, denn z. B. gael. ördag Daumen und grofser 
•■ Zeh, s. auch ordigas, Zehen, in den Casseler Gloss. 
i bei Diez, altroman. Gloss. p. 98, vgl. Ascoli, AG 
!X 270); span. artejo, Glied (die Zehe heifst el 
dedo del pie); ptg. artelho, Knöchel am Fufs. Vgl. 
Dz 28 artiglio. Gröber ALL I 243. Über die Be- 
deutungsentwickelung von articulus im Romanischen 
giebt d'Ovidio, AG XIII 427, hochinteressante Be- 
merkungen. 

902) artifex, -flcem m., Künstler: ital. urtfice: 
altumbr. arf'elo , vgl. Studj di filol. rom. VII 
184; Salvioni, Post. 4. 

903) ['►ärtilla (N. PI. v. *artais, e, v. artire) ; 
prov. artilha. Befestigung, vgl. Dz 28 s. «.] 

904) [*ärtllläria (v. *artüis mit begrifflicher An- 
lehnung an ars), eigentl. wohl soviel wie Kunst- 
waffe, künstliches Wurfgeschofs , Fahrgeschofs, Ge- 
schofswagen u. dgl.; ital. artiglieria; prov. ar- 
tilharia: frz. artillerie; span. artüleria; ptg. 
artüharia. Vgl. Dz 28 artilha. Das Wort ist 
höchstwahrscheinlich von Frankreich ausgegangen, 
wo es inmitten einer ganzen Sippe {artiller, artiUos. 



91 



905) Ȋrtlllo 



926) asch-soheqq 



92 



etc.) steht. Wirklich klargestellt ist aber die Ge- 
schichte des Wortes noch nicht, tlber sein erstes 
Vorkommen (b. Joinville) vgl. Godefroy u. Littre 
s. v. S. auch iinten artio.l 

905) [*artilio, -äre (v. *aitilis mit begrifflicher 
Anlehnung an arn); altfrz. artillier, auf Listen 
sinnen, schlau sein, vgl. Godefroy I 4X4b; das 
gleichlautende nfrz. Vb. bedeutet: ein Schiff mit 
Geschützen ausrüsten.] 

906) [*ärtlliösüs, a, um (v. *artUiK mit begriff- 
licher Anlehnung an ars); altfrz. artillos, -eus, 
listig, verschlagen, vgl. Dz 28 artilha, Godefroy 
I 415.1.] 

907) artio, -ire (wohl aus *arctio entstanden), 
dicht hineinschlagen, fügen , scheint mittels eines 
Adjektivs *arüUs das Grundwort zu der Sippe 
artiglieria etc. geworden zu sein. 

908) [*Srtitianüs, -um (v. artitus = „bonis ! 
artibus instructus", vgl. Paul, ex Fest. 20, 14 ; aus 
artitus kann aber nur *artitanus abgeleitet werden) 
wird von üz 28 als Grundwort zu ital. artigimio 
etc. angesetzt, vgl. dagegen Flechia, AG II 12 ff, 
s. auch oben unter *artensianus.J 

909) [*ärtitTo, -önem (v. artire) wird von Böhmer, 
RSt I 208, als Grundwort zu altfrz. artoison (im 
Oxforder hebr.-frz. Vocabular, s. R. St. I 187 No 
822), nfrz. artisnn, Kleidermotte, angesetzt. In 
Wirklichkeit ist jedocli dies Wort von Harmita = 
tarmes abzuleiten, vgl. Bugge, R IV 350.] S. unten 
tarmes. 

910) bask. artoa, Maisbrot, wird von Dz 510 
artoun als Grundwort zu neuprov. artoun ver- 
mutet, wahrscheinlicher dürfte aber doch Herkunft 
vom griech. ä(>Tog sein. 

911) [*artö8us, a, um (v. am); altfrz. artos, 
verschlagen, listig.] 

912) [artus, a, um, eng, ist im Roman, durch 
.stnctMs ■=ital. stretto, frz. Hroit fast völlig ver- 
drängt worden.] 

913) [gr. artytica {ä^Tvtixd), gewürzte, einge- 
machte Dinge, soll nach Devic, Journ. asiat., Jan. 
1862, p. 83 (s. Scheler im Anhang z. Dz 708) das 
Grundwort zu ital. articiocco etc. sein, vgl. jedoch 
oben aNcharschof u. ar'di schaakt.] 

914) (h)arändo, -dineni f. (v. \/ ar, aufstreben, 
wachsen, vgl. Vanicek I 43), Schilf, Rohr, ist in dieser 
Bedtg. im Roman, durch canna u. junciis verdrängt 
worden. Dagegen scheint das Wort im Volkslat. 
auch in der Kedtg. „Schwalbe" gebraucht worden 
u. also neben hirundo getreten zu sein, vielleicht 
wegen des schnellen u. gleichsam dahinschiefsenden 
Fluges der Schwalbe, welcher sie einem fliegenden 
Pfeile vergleichbar erscheinen läfst; ital. rnndine 
(kann allerdings auch aus irundine entstanden sein, 
jedoch ist arundine wahrscheinlicher, vgl. Gröber, 
ALL I 243), dazu Dem. rondinella; rum. nur Dem. 
rindune, s. Ch. s. v.; prov. arondeta (daneben 
ironda); altfrz. aronde (dazu Dem. arondelle), 
alondre; (nfrz. hirondelle); cat. oren-eta, auren- 
eta; (span. golondrino gehört nicht hierher, son- 
dern ist von (jolondro abzuleiten): ptg. awdonnAa. 
Vgl. Dz 275 rundine, Gröber, ALL I 243. 

915) arTum «., Gefilde; sard. arvu; (ptg. aro 
s. oben ager). 

916) ä8, ässem /». (v. \/ ak, scharf blicken, s. 
Vanicek I 10), eigcntl. das Auge auf dem Würfel, 
die Eins, dann Münzbezeichnung; ital. asso; 
prov. frz. span. as; ptg. ae, überall nur in 
derselben technischen Bedtg.: das Daus auf den 
Karten. 



917) SsSmm n. (aaagov), Haselwurz; ital. 
asero. 

918) ahd. asc, Esche, wird von Dz 429 als mut- 
mafsliches Grundwort zu prov. asconn , alt cat. 
escona, span. azcona, Wurfspeer, aufgestellt. 

919) ahd. aseft, Asche; davon nach Dz 426 span. 
ptg. ancua, glühende Kohle. (Andere haben bask. 
Ursprung angenommen.) 

920) {cepa) ascalonia, -am f. (v. Ascalon), as- 
calonische Zwiebel, Schalotte; ital. ncalogno; frz. 
altfrz. ec(h)aloigne , nfrz. mit Suffixvertauschung 
cchalotte; span. escalona; ptg. (xalota, frz. Fremd- 
wort). Vgl. üz 283 scalogno, dazu Scheler 744; 
Darmesteter, R V 144. 

921) ascendeus, -tem /. (seil, domus), das orsto 
Himmelshaus (in der Astrologie) = frz. ascendant, 
Einflufs der Gestirne auf die menschlichen Geschicke. 
— F. Pabst. 

922) ascensa (seil, via); ital. ascena „salita" u. 
ascensa ,,festa dell' Assunzione", indessen, bemerkt 
Canello, AG III 366, „ascensa potrebb' essere anche 
da ascensio". 

923) [*as(= ad) scerpellatus (abgel. v. scerpere = 
dis- od. excerpere) würde nach Caix, St. 134, der lat. 
Typus sein zu ital. accerpellato „stracciato, che 
ha lacerazioni".] 

924) arab. asch>8chakft, Unpäfslichkeit (vgl. 
Freytag II 445a; Eg. y Yang. p. 28), ist nach Dz 
414 achaque das Grundwort zu ital. acciacco, 
Leibesbeschwerde, (aber auch: Beschimpfung, 
Schmach); span. ptg. achaque, Kränklichkeit, 
Schwäche, Fehler, (von Kränklichkeit hergeholte) 
Entschuldigung, heimliche Anklage. Canello, AG 
III 383, verwirft diese Etymologie u. erklärt die 
betr. Worte für Verbalsbsttive zu ital. acciaccare, 
zerquetschen, span. ptg. achacar, beschuldigen, 
diese Verba aber oder doch das span. -portugiesische 
hält er für Ableitungen aus dem german. Stamme 
tak- (got. tekan, ags. tacan), berühren, greifen; be- 
züglich des ital. Vcrbnms allerdings giebt er in 
einer Anmerkung die Möglichkeit zu, dafses=lat. 
*ad-flaccare sei, u. bestreitet zugleich, dafs, falls 
man acciaccare von tak- ableiten wolle, man dies 
auch in Bezug auf azzeccare „treffen" thun dürfe, 
weil ital. e nicht dem got. e (tekan) entsprechen könne. 
Gegen Canello's Herleitung von acciaccare ist aber 
einzuwenden , dafs ital. c sich wohl aus hochd. z, 
nicht aber aus germ. (got.) t entwickeln kann, dafs 
man also von einem Stamme zak ausgehen müfste, 
ein solcher Stamm aber im Ahd. nicht vorhanden 
ist (ahd. zucch-en hat anderen Vokal). Andrerseits 
ist wohl für das pyrenäische achaque, achacar der 
von Diez behauptete arab. Ursprung recht denkbar, 
nicht aber für das ital. acciacco, acciaccare, falls 
man diese Worte nicht etwa als Entlehnungen aus 
dem Span, betrachtet. Vermutlich gehören ac-dac- 
care, acciacco etymologisch zu ciacche, ciacco u. 
gehen mit diesen Worten zurück auf einen onoma- 
topoietischen Stamm cak, der zum Ausdruck eines 
Quetsch-, Knack- u. Schnalzgeräusches dient (ciaccÄ« 
bezeichnet insbesondere das Geräusch , das beim 
Knacken von Nüssen entsteht, ciacco bezeichnet 
das Schwein als ein Tier, welches beim Fressen 
schmatzt). 

925) arab. aseh-seha'treng , Schachbrett (vgl. 
Freytag s. v. schi-'trendsch, Eg. y Yang. p. 76 u. 
Roth-Böthlingk s. v. catarangä); span. ajedrez; 
ptg. xedrez, enxedrez, Schachspiel. Vgl. Dz 428 
axedrez. 

926) arab. aseh-scheqq, Schwierigkeit (vgl. Freytag 



93 



927) asch-schuar 



952) ag-sau't 



94 



I 



II 433b); altspan. enjeco; altptg. enxeco, Hin- 
dernis, Unheil. Strafe. Vgl. üz 447 enxeco. S. No 924. 

927) arab. asch-schuar, Ausstattung (vgl. Frey- 
tag II 463''); span. njuar, ajovar ; ptg. enxovdl, 
Mitgift. Vgl. Dz 428 'n.^■Mf^•. 

928) ascia, -am/'., Zimmeraxt; ital. ascia; rtr. 
asa: (altfrz. asse?). 

929) *ascicellus, -um hj. (f. *aseic'iUus v. ascia), 
Hammerbeil; frz. nisceau, aisseau , asseau. vgl. 
Cohn, Suffixw. p. 25: span. azuola = nsciola. 

930) ahd. asco, Asch (forcllenartiger Fisch) ; davon 
nach Dz 760 (im Anhang) u. Caix, St. 372, ital. 
lasca. Im Texte des Wörterbuches 380 billigt Diez 
die Vermutung Menage's , dafs lasca aus grieeh. 
levxiaxog entstellt .sei. 

*asculto, -äre s. ""anscnlto, -äre. 

931) arab. 'asfar (turJc. aspur), carthamus tincto- 
rins; davon das gleichbedeutende sicil. iisfaru, 
vgl. G. Meyer, Z XVI 524. 

932) [asia, -am, Roggen, bei Plin. H. N. 18, 141, 
ist in sasia (s. d.) zu bessern: davon oat. xeixa; 
span. jeja, eine Art Weizen, vgl. W. Meyer, Z X 
172 (in der Roman. Gr. I p. 341 wird aber statt sasia 
richtiger *saxea als Grundwort aufgestellt, denn 
sasia hätte *sesa orgeben, vgl. hcisium : beso), u. 
Baist, RF III 644.] 

933) asilüs, -um m., Bremse; ital. asillo ; auf 
ein lat. *(isilio gehen eine Reihe Worte (zum Teil 
in der Bedtg. „Stachel") oberital. und ämilianischer 
Mundarten zurück, über welche vgl. Flechia, AG 
UI 166 unten. 

934) SsInSrifis, a, um (v. a.simfs), zu dem Esel ge- 
hörig; ital. asinario, Adj., u. asinajo, Eseltreiber, 
vgl. Canello, AG III 304. 

935) asinus, -um m., Esel; dasWort ist in den 
entspr. Formen (ital. asino, span. ptg. asno, frz. 
asne, äne) in alle rom. Spr. mit Ausnahme des Rum. 
übergegangen. 

936) [*a8ius, a, um, bezw. '^'asium, Sbst. aus 
*ansius v. ansa, eigeutl. eine Handhabe bietend, 
handlich, bequem, wurde von Bugge, R IV 349, u. 
Gröber, ALL I 242, als Grundwort zu ital. of/io, 
frz. aise etc. angesetzt, vgl. aber oben *ad-atio. 
Wenn Gröber a. a. 0. bemerkt, dafs die Verbreitung 
des Wortes lateinischen Ursprung anzeige, so ist 
dem entgegenzuhalten, dafs doch nicht ganz selten 
auch germanische Woi te eine sehr weite Verbreitung 
im Romanischen gefunden haben (z. B. iverra, blank 
u. a.), dafs also weite Verbreitung nicht ohne 
weiteres laf. Ursprung bezeugt. Im vorliegenden 
Falle ist es jedenfalls richtiger, ein germanisches ; 
Grundwort anzunehmen, als ein so fragwürdiges 
Substrat, wie *ansius, anzusetzen. Die richtige Ab- 
leitung der Wortsippe oder doch wenigstens der i 
prov. u. frz. Worte dürfte übrigens von Thomas,! 
R XXI 506, gefunden worden sein, s. oben äd^S- j 
eens.j i 

937) pors. aspanakh, isfanftdj, isflnAdj, Spinat, 
soll nach üevic,. Suppl. z. Littrö's Dict. s. epinard ! 
(vgl. Scheler im Anhang z. Dz 747), das Grundwort ' 
zu den rom. Benennungen des Spinates sein: ital. 
spinace; rum. spanac, s. Ch. spin; prov. espinar; 
altfrz. espinoche; nfrz. epinard; cat. espinac; 
span. espinaca; ptg. espinafre. Die rom. Worte ] 
lehnen sich aber begrifflich u. lautlich an lt. spina 
an. Vgl Dz 303 spinace; Eg.y Yang. p. 391. S. 
unten spinacens. 

938) fisparfi^us, -um m, (gr. danä^iayog), Spargel ; 
ital. Sparagio, {a)spdrago; rum. sparangä, s. Ch. 
s. V.: frz. asperge , vgl. Suchier in Gröber's 



Grundrifs I 632 (asperge soll statt *asparge in 
Gebrauch gekommen sein, weil das -er- an asperger 
erinnert); span. espdrrago: ptg. espargn. Über 
frz. asperge vgl. W. Meyer, Z VIII 235. 

939) aspecto, -äre, anschauen: mit Bedeutungs- 
verschiebung ital. aspettare (hat sich mit exspectarc 
gekreuzt); rum. a-^tept, ai, at, a, warten, erwarten ; 
in den übrigen rom. Sprachen fehlt das Vb. , ver- 
treten wird es in der Bedtg. „anschauen" durch 
*mirare u. das gerni. warten (frz. re-garder), der 
Begriff des Wartens wird durch attendere n. eben- 
falls durch das germ. warten (z. B. span. a-guar- 
dar) ausgedrückt. 

940) Ssper, a, um, rauh; ital. aspro; sard. 
aspru u. aspu; rum. aspru , s. Ch. s. v; prov. 
aspre; frz. äprc; südfrz. ispre (Mischung von 
asper mit hispidiis); span. ptg. dspero. 

941) "asperelli, -am f. (v. asper); ita,l. asperella, 
weifsartiges Glanzgras; pav. mail. sprela, vgl. AG 
XII 389, Salvioni, Po.st. 5; frz. prele, Schachtel- 
halm (das von Dz 575 angeführte espreUe fehlt bei 
Sachs- Villatte). 

942) fispero, -äre, rauh machen; nur das Rum. 
besitzt ein entspr. Vb. : aspresc, ii, it, i, s. Ch. 
aspru. 

943) aspis, -pidem f. (doTilg), Natter; niesalc. 
dspi Schlange, vgl. AG XII 389; Salvioni, Post. 5. 

944) aspretum, -i, «. (asper), rauhe Stelle; ital. 
aspreto; v e n ez. aspreo, spreo, vgl. Meyer-L., Ztschr. f. 
Österreich. Gymnas. 1897 p. 766, Salvioni, Post. 5. 

945) arab. as-safa'te, Körbchen (vgl. Freytag 
223')); davon span. ptg. agafate (fehlt im Wtb. 
von H. Michaelis). Vgl. Dz 429 s. v. 

946) ['^'Ss-sägmo, -äre (v. sagma), soll nach Dz 
280 salma der lat. Typus für ital. assommare, 
frz. assommer sein, vorzuziehen ist aber *as-siim- 
mare, vgl. Scheler im Anhang z. Dz 744.] 

947) *Ss-Balio, säliil, sältfim, salire (f. assilio), 
anspringen, angreifen; it-dl.assalire; p rov. as-salhir; 
frz. assaillir (Präs. nach der A-Konj.); span. 
asalir; (ptg. fehlt das Vb., dafür eingetreten ist 
assaltar). Das Vb. ist im Rom. zur schwachen 
Konj. übergetreten. Vgl. Gröber, ALL I 244. 

948) *as$ältfis, -um )». (Vbsbst. v. as.ialire), 
Ansprung, Angriff; ital. assalto; prov. assalt-z; 
frz. assaut; cat. aisalt; span. asa/io; ptg. assalto. 
Vgl. Gröber, ALL I 244. 

949) arab. äs-säniya = span. acena, Wasser- 
mühle, vgl. Taliban, R IX 295, wo auch urkund- 
licde, bis in das letzte Drittel des 9. Jahrhunderts 
hinaufreichende Beiego für das Vorkommen de» 
Wortes gegeben werden. 

950) "'äs-satio, -äre (v. satio), sättigen; sard. 
attatar, vgl. Flechia, Mise. 200, wo auch die Mög- 
lichkeit nachgewiesen ist, dafs sard. t lateinischem 
tj entspricht. 

951) [gleichsam *ä8-satiöno, -äre (v. sation- — 
frz. Saison) scheint der lat. Typus des frz. assai- 
sonner, würzen (eigentl. der .Jahreszeit gemäfs zu- 
bereiten), zu sein, vgl. Scheler im Dict. s. v., frei- 
lich aber leitet Seh. frz. saison v. Station- ab, vgl. 
unten *satio. — Ascoli, AG I 253 Anm. Z. 9 v. 
ob., hat aus den St. Cur. Matarellae Domus Ossulae 
(Mediol. 1587) „assasonatum" „gewürzt" belegt, 
dasselbe ist indessen offenbar erst nach dem roma- 
nischen Vb. gebildet.] 

952) arab. as-sauH, Peitsche (vgl. Freytag II 375b); 
davon span. azote; ptg. agoute. Peitsche, Geifsel; 
Dz 429 azote vermutet, dafs auch ital. ciottare, 
geifseln, gleichen Ursprunges sei. 



95 



953) *ä8-8gcto 



970) '''as-sinno 



96 



963) 1. *S8-8eeto, -äre (v. secare, sectum), schnei- 
den; ital. assftfare, verschneiden (das gleichlautende 
Vb. mit der Bedtg. „ordnen" ist nicht, wie Dz 29 
annimmt, ebenfalls = axsectare, sondern = *assS- 
ditare, vgl. Storm, R V 165). 

954) 2. *S8-8ecto, -äre (schriftlat. assectari), 
begleiten; span. asechar, acechar (mit den Augen 
oder Obren verfolgen), spüren, horchen; ptg. as.- 
seitar, jem. hinterlistig nachstellen. Baist, RF VI 
580, stellt für span. asechar, ptg. asseitar. gal. 
enxeitar das Grunuwort auf ad -f eirculare (bei 
Ducange in der Bedeutung „quaerere, indagare" 
belegt) ; das )■ sei geschwunden wie in macho = 
marculus und in sacho = sarculum. Die Ableitung 
ist scharfsinnig und durchaus annehmbar. Vgl. Dz 
413 acechar. 

955) *äs8eeüro, -äre (secMfus), versichern; ital. 
(issecurare,assicurare ; rum. asigur, ai, at, a: prov. 
assegurar; frz. assürer; cat. assegiirar; span. 
asegurar: ptg. assegurar. 

956) *Ss-sedento, -äre (Partizipialverb z. sedere), 
setzen; itiil. assentare: altfrz. os«ent«f, (vgl. aber 
Tobler, Gott. gel. Anz. 1874 p. 1040, «. dagegen 
Scheler im Anhang zu Dz 745); span. asentar; 
dazu Vbsbst. asiento, Sitz; ptg. assentar. Vgl. Dz 
292 sentare. S. auch unten sedento. 

957) *as-sedico, -äre (v. sedeo), etw. an etw. 
heransetzen; (ital. ansediare v. sedio, belegen, 
dazuVbsbst. assedio); prov. as{s)etjar; frz. assieger; 
span. asediar, dazu Vbsbst. asedio; ptg. assediar, 
dazuVbsbst. assedio. Vgl. Dz 289 sedio; Gröber, 
ALL V 463. 

958) *as-sedito, -are (v. sedere), setzen; ital. 
assettare, zuTisch setzen, ordnen, zieren, dav.Vbsbst. 
assetto, Putz; prov. assetar, zu Tisch setzen; alt- 
f rz. asset{t)er, setzen, ordnen, davon Vbsbst. assiette, 
Ort od. Gefäfs, an den, bozw. in welches etwas 
gesetzt oder gelegt wird. Dz 29 assettare hielt 
*as-sectare, schneiden, für das Grundwort; die 
richtige Darlegung gab Storm, R V 165. Scheler 
jedoch im Dict.^ assiette hält an der Diez'schen 
Ansicht fest u. erklärt auch frz. assiette aus *as- 
secta, wie disette aus dissecta, übersieht aber dabei, 
rtafs secta nicht siette ergeben konnte (vgl. lectus : 
lieit, lit) u. dafs ein disiette auch wirklich nicht 
existiert. Das doppelte tt in ital. assettare, an 
dem Scheler Anstofs nimmt, erklärt sich aus der 
Storm'schen Ableitung, deren sich Seh. nicht er- 
innert zu haben scheint, einfach genug. 

959) *8s-8edo, -äre {\. sedeo), setzen; rum. a^ez, 
ai, at, a, setzen, ordnen, s. Ch. s. v.; spau. asear, 
schmücken, verzieren; ptg. asse{i)ar. Vgl. Storm, 
R V 165. 

960) arab. al-8elqa (entstanden aus dem griech. 
atxt?.ög), eine Pflanze, beta sicula (vgl. Freytag II 
344b); span. acelga, Lauch, daneben die gelehrte 
Scheideform sieulo: ptg. acelja, selga, weifse Bete. 
Vgl. Dz 413 acelga; Eg. y Yang. p. 21. 

961) *ä8-sereno, -äre [v. serenus), heiter werden; 
ital. asserenare, heitern ; p r v. c a t. p t g. asserenar, 
heiter machen, aufklären, ebenso span. aserenar. 

962) *ä8-sero, -äre (v. serum), spät werden; 
prov. aserar; altfrz. aserir, Abend werden. Vgl. 
Dz 292 sera. 

963) bask. asserrecins, ernsthafter Streit; davon 
nach Dz 486 span. sarracina, Streit, in welchem 
Blut vergossen wird. 

964) ^äs-sessito, -äre (v.isessum), setzen; ital. 
assesUtre, in Ordnung bringen; prov. assestar; 
span. asestar, zielen, richten. Vgl. Cornn, R XIII 



305; Ulrich, Z IV 383 (vgl. auch RF lU 516;, hatte 
assexitare (s. d.) als Grundwort aufgestellt. 

965) [*8s-sexito, -äre (v. *sexus, angebl. Pt. P. P. 
v. secare) soll nach Ulrich, Z IV 383 (vgl. RF III 
516), das Grundwort zu ital. assestare etc. sein; 
die weit wahrscheinlichere Ableitung dieser Worte 
hat aber Cornu, R XIII 305 . gegeben, s. oben 
*a8se88ito.J 

966) *assicco, -äre [siccus), ab-, austrocknen; 
ital. anseccare; frz. asseeher. 

967) *Ss-8idero, -äre (v. sidus, eris), durch Ein- 
wirkung eines bösen Gestirns erkranken ; ital. 
assiderarsi, erstarren. Vgl. Dz 400 sido. S. unten 
sidero. 

968) Ss-8ldo, -sedi, -sessum, -ere, sich nieder- 
setzen; ital. assidere, assi.n (daneben assedetti), 
assiso, vgl. Blanc, Gr. 449, dazu Vbsbst. assisa, 
Auflage, Steuer, Verbrauchssteuer, Accise; prov. 
altfrz. assire, setzen, davon frz. das Vbsbst. assise, 
Steinschicht, Lage, PI. assises, Gerichtssitzung, Ge- 
richtshof, Schwurgericht, Geschworene ; Dz 510 assises 
vermutet, dafs accise eine volksetymologische Ver- 
drehung von assise (in der Bedtg. „Auflage") sei 
(vgl. auch Fafs, RF III 507 unten), das ist aber 
unwahrscheinlich, accise ist accisa, aber freilich 
im Frz. Fremdwort, s. Scheler im Dict. s. v. 

äs-siguo, -äre s. as-sinno. 

969) äs-simulo, -äre (v. ad u. simul), versam- 
meln ; u. äs-simfilo, (äs-similo), -äre (vom gleichen 
Stamme wie assimutare, versammeln, begrifflich aber 
mit similis zusammenhängend), ähnlich machen; 
ital. assembrare, assembiare, versammeln, ähnlich 
sehen, davon subst. Pt. P. assembiata (daneben als 
Fremd w. asserrdilea), Versammlung, vgl. Canello, 
AG III 311; aufserdem assomigliare, vergleichen; 
rum. asamän, ai, at, a, gleichmachen, vergleichen, 
s. Ch. samän; prov. assemblar, versammeln, gleich 
machen; frz. assembler, zusammenbringen, sammeln, 
dazu subst. Pt. P. assemblee; cat. assemblar, ver- 
sammeln; span. asemblar , gleichen, (asemejar, 
gleich machen); (ptg. assemelhar, ähnlich machen, 
(lies wie das entspr. span. Vb. ist = *assimiliare). 
Zum Ausdruck des Begrifl'es ,, versammeln" brauchen 
das Span. u. Ptg. junctare (= sp. juntar), congre- 
gare, reunire. Über die ital. Worte vgl. d'Ovidio, 
AG XIII 403. 

970) [gleichs. *as-äinno, -are (v. dtsch. sinn = 
ital. senno, altfrz. sen, Sinn, Verstand, Richtung); 
ital. assennare, (verständig) warnen, belehren; 
altfrz. assener, nach einer Richtung hin zielen, 
ausholen, treff'on u.dgl., auch : festsetzen, bestimmen, 
zuweisen. Dz 510 s. v. setzte das Vb. dem lat. 
assignare gleich. Auf das deutsche sinn wurde 
das Vb. in der Bedtg. ,, zielen, treffen", zuerst von 
Burguy, Gr. III s. v., zurückgeführt, dann von 

I Scheler, Rev. d. l'instr. publ. en Belgique 1863 Mai, 
im Dict." u. im Anhang zu Dz*, endlich u. am 
nachdrücklichsten von Förster, Z VI 112 (vgl. VII 
480, wo F. Schelor's Priorität anerkennt). Förster 
j hob sehr mit Recht hervor, dafs intervokalisches 
I lat. gn nicht zu nn werden könne. Schuchardt, Z 
I VT 424, verteidigte dann wieder die Diez'sche Ab- 
leitung, ohne jedoch Förster's Bedenken zu wider- 
legen. Im Anhange 782 zu Dz^ spricht sich Scheler 
dahin aus, dafs in einzelnen Verbindungen, wie 
assener jour, a. des rentes , assener allerdings = 
assignare sei, u. beruft sich hinsichtlich des dann 
anzunehmenden Wandels von gn : nn auf regnard 
u. renard, Regnaut u. Renaut, eine Berufung, die 
als beweiskräftig nicht gelten kann, weil renard n. 



97 



971) asm 



99G) *äat.racns 



98 



Menaut erstlioli nie nn zeigen ii. sodann niclit ans 
regnard, Regnaut, sondern neben dic-sen aus germ. 
liaginhard, Raginald entstanden sind, vgl. Mackel 
p. 151. Der von Fürster erhobene Einwand verbleibt 
demnach in voller Geltung. Begrifflich lassen sioli 
übrigens alle Bedeutungen von asseiter auf *as- 
sinnare zurückführen.] 

971) assis, -em m. (auch axis gcschr.), Brett; 
ital. asse; frz. ais. 

972) ässo (f. atvo), -äre, braten, scheint, nach 
seinem häufigen Vorkommen in der Vulgata zu ur- 
teilen, im Volkslatein gebräuchlich gewesen zu sein, 
ist aber nur im Span. u. Ptg. (span. asar, ptg. 
assar) u. aufserdem in sard, nssadu ,,arrostito" 
(viell. aber dem Span, entlehnt, vgl. Salvioni, Post. 5), 
möglicherweise auch in rtr. br-aasar (vgl. Meyer-L, 
Z. f. ö. G. 1891 p. 766) erhalten, in den übrigen 
rom. Spr. ist es durch andere Verba, namentl. durch 
germ. raustjan (= ital. rostire, frz. rütir) ver- 
drängt worden. 

973) [as-söcTo, -äre, beigesellen, ist in den rom. 
Spr. nur als gelehrtes Wort erhalten ; dem Verbum 
wurde in Folge der Verdrängung von socius durch 
*companio die Wurzel abgeschnitten.] 

974) *äs-söi)lo, -Ire, einschläfern; ital. assopire; 
frz. (gel. W. assoupir, einschläfern) assouvir, be- 
schwichtigen, stillen, beruhigen. Dz 511 leitete das 
frz Vb. zunächst von got. ga-sölhjnn ab, später 
identifizierte er es mit altfrz. asouffir, welches er 
von ad-sufficere herleitete, aber der Übergang von 
jf zn V ist unannehmbar. (Auf ptg. assohiar = 
*assufflare darf man sich nicht berufen, weil in 
letzterem Worte ff sich nicht in intervokalischer 
Stellung befindet.] asouffir ist vielmehr, wie auch 
seine Konstruktion mit dem Accus, zeigt (s. die 
Beispiele b. Godefroy I 452c), = assopire unter laut- 
licher Anlehnung an *assouffire =*assiifficere. 

975) [*as-sortio, -Ire (v. sors, hat mit "sortire 
hervor-, herausgehen, vermutlich keine Verwandt- 
schaft, s. *sortio\, nach Sorten ordnen; ital. assor- 
tire, u. aus dem Ital. als Fremdwort in die übrigen 
rom. Spr. übergegangen.] 

976) [*a(s)-stIgo , -äre (v. St. stig, wovon gr. 
arlyfia), anstacheln, soll nach Caix, St. 176, das 
Grundwort zu chian. azzechere, „stimolare" (wovon 
azzocco „stimolo") sein. Einer Widerlegung bedarf 
diese Vermutung nicht.] 

977) *ä(s)-8tipätüs, a, um (v. stips], gestopft; 
span. acipado, dicht, fest (vom Tuche), vgl. Dz 
414 s. V.; Baist, Z IX 146, bezweifelt diese Her- 
leitung mit gutem Grunde (wegen des st : c = z). 

978) ästo, -stitl, -äre, stehen bleiben; rum. 
adnst, ai, at, a, warten, vgl. Ch. stau. 

979) [*äs-sfiävio, -äre (v. suacis), sanft, mild 
machen; davon altfrz. assoagier; (prov. assua- 
viare ist gel. W.). Vgl. Dz 511 assoager; Gröber, 
ALL I 244.] 

980) |*ä8-sfib-äquo, -are = sard. assuahbare, 
anfeuchten, baden, vgl. Flechia, Mise. 199.] 

981) [*äs-sttb-Ieno, -äre (v. lenis) = sard. (log.) 
asselcnar, mildern, vgl. Flechia, Mise. 199.] 

982) äs-sudo, -äre, in Schweifs geraten, = rum. 
asud, ai, at, a, vgl. Ch. sudoare. Die übrigen rom. 
Spr. kennen nur das Simplex. 

983) [*as-8flfricio, -feei, -feetum, -ficere, nach 
Dz 511 assouvir Grundwort z. altfrz. asouffir, 
vgl. Godefroy I 452c, s. auch oben assöpTo.] 

984) [*Ss-süfflo, -äre, anblasen; ptg. assobiar, 
pfeifen, auspfeifen, verhöhnen. Vgl. Dz 297 soffiare.] 

985) *a8Sfilo, -äre (assare), ein wenig braten; 

Körting, lat.-rom. Wörtcrbucli. 



dav. nach Meyer-L., Z XIX 95, frz. (basier) luder, 
vgl. jedoch G. Paris, R XXIV 310: „cela parait 
fort douteux, il semble quo lüde (anc. fr. harle) 
soit plus ancien quo häler." S. unten liaeL 

986) äs-siimino, -äre (v. summa), dazu addieren 
(b. Isid. 16, 25, 15, vgl. Hultsoh, Metrol. p. 113,7) 
ist das vermutliche Grundwort zu frz. assommer 
(eigentlich jemandem die Rechnung fertig machen, 
jem. mit Schlufsrechnung bedenken, daher) töten; 
von assommer das Sbst. assommoir, Schlachtbank. 
Dz 280 leitete assommer v. *as-sagmare , belasten, 
niederdrücken, ab, freilich ohne die Bedtg. „töten" 
zu erwähnen, vgl. dagegen Scheler im Anhang 744. 

987) Ss-sürdo, ••Are {y. surdus), betäuben; ital. 
assordare u. -ire; rum. asurzesc, ii, it, i, vgl. Ch. 
surd , itz. assourdir. 

988) arab. as-süsan (v. gr. novaov), Lilie; span. 
azucena, acucena (nach Dz 429 .s-. v. soll das Wort 
auch portugiesisch sein, b. H. Michaelis fehlt es). 
Vgl. Eg. y Vang. p. 325. 

*asta s. hasta. 

989) astacus, -um »». , ein Meerkrebs; venez. 
ästesc, vgl. Salvioni, Post. 5. 

990) ästerno, -ere, hinstreuen; rum. altern, ui, 
ut, e, ausbreiten, werfen, s. Ch. «. v. S. sterno. 

991) ästhmä, -mätis n. (gr. aa^/na), Engbrüstig- 
keit; ital. asma, asima „specie di malattia", an- 
sima (con Influenza di ansiai „passaggera difficoltä 
di respirare" Canello, AG lU 398, vgl. Dz 353 
asma, s. auch oben anxio. 

992) *ästillfi, -am f (Dem. v. [h]asta), Splitter; 
(ital. stell-etta, vgl. Caix, St. 596; prov. astella. 
Klotz, Trumra; altfrz. astete; neufrz. attelle, 
Schiene; cat. astella; span. astilla, Splitter; ptg. 
astella, Schiene, u. {h)a.itea, Stumpf. Vgl. Gröber, 
ALL I 244; Cohn, Suffixw. p. 22 u. 302 (C. stellt 
*astella als Grundwort auf). 

993) '*'a$tiUärium, -i n. (v. *astüla), Raum, wo 
Splitter u. Spähne fallen, (Holzarbeiter-) Werkstatt ; 
(prov. astcHer-s); in. astelier,atelier; spa,n. astil- 
lern {= [h]astiliarium) , Schiffsbauplatz, Lanzen- 
ständer (in der letzteren Bedtg. sich begrifflich an 
das Primitiv hasta anschliefsend). Vgl. Dz 51 1 
atelier u. Scheler im Anhang 782; Rönsch, Jahrb. 
XIV 180; Gröber, ALL I 244; Bugge, R IV 359. 
S. unten hasta. 

astor, -örem s. u. astur. 

994) [ästricus, a, um (v. astrum), zu den Sternen 
gehörig; davon viell. ital. (astrico u. mit aggluti- 
niertemÄrtikel)/astrJco, (sternförmiges) Steinpflaster, 
Estrich; altfrz. aistre, astre. Dz 244 piastra 
hielt lastrico für das Vbsbst. zu lastricare, pflastern, 
u. erblickte in diesem Vb. eine Ableitung von *pla- 
strum, so dafs also das anlautende p abgefallen 
wäre. Die schon von Wackernagel (s. Dz a. a. 0.) 
vermutete Herleitung von astrieus hat unleugbar 
gröfsere Wahrscheinlichkeit für sich, als die Diez'- 
sche, übrigens von Mackel p. 68 verteidigte, be- 
friedigen kann aber auch sie nicht, sehr annehmbar 
erscheint dagegen das von G. Meyer, Zur neugriech. 
Gr. p. 4, aufgestellte Grundwort oar^axov, vgl. 
Ulrich, Z XXII 262. S. unten öOTQaxov u. pla- 
strum.] 

995) aströsfis, a, um (v. astrum), unter übler 
Konstellation geboren (b. Isid. 10, 13); span. ptg. 
astroso, unglücklich. 

996) [*astrücüs, a, um (v. astrum), wird von 
Dz 30 astro u. Gröber, ALL I 244, als Grundwort 
aufgestellt zu prov. astruc (benastruc) glücklieh, 
malastruc unglücklich; altfrz. malastru, malostru 



99 



997) astrüm 



1010) ätrium 



100 



unglücklich, nfrz. malotru, mifsgestaltet , wider- 
wärtig (mit male instructus hat das Wort nichts 
zu schaffen, vgl. Scheler im Dict. s. v.); span. 
astrugo, glücl<lich.] 

997) [Sstrüm, -i w., Gestirn, ist in den roni. Spr. 
nur als gelehrtes, bezw. als halbgelehrtes Wort er- 
halten, dagegen leben volkstümliche Ableitungen 
fort, z. B. prov. adastrar jem. beglücken (gleich- 
sam günstig ansternen); frz. desastre Unglück 
(eigentl. Unstern).] 

998) *äst[ü]lä (= assida), daraus *ascla, -am f. 
(über die lautliche Entwickelung vgl. Ascoli, Aü 111 
456), Spahn, Splitter; sard. ascia; neapol. asca; 
sicil. PI. aschi; rum. a^tie u. aachie, s. Ch. s. r.; 
prov. cat. ascla; ptg. acha. Vgl. Dz 28 nscla 
u. dazu Scheler im Anhang 709; Mussafia, Beitr. 
zur Kunde der nordital. Mundarten im 15. Jahrh. 
(Wien 1873), S. 110; Gröber. ALL I 244. — Baist, 
Z V 554, Anm. 5, hält span. estallar zersplittern, 
knallen, estrcllar (angelehnt an estrella, man sieht 
freilich nicht ein, warum), zerbrechen; ital. sc7wan- 
sare, zerschmettern, dazu Vbsbst. schianto; frz. 
esclater, eclater, platzen, dazu Vbsbst. eclat; ptg. 
estalar, platzen, bersten — sämtlich für Ableitungen 
a,us*astäla u. *ascla; für cat. span. ptg. estal[l)ar 
mag man das zugeben , obwohl es befremdlich ist, 
dafs neben dem Subst. astitla, astella (s. oben Artikel 
No 992) die mit e anlautenden Verben stehen sollen, 
aber bezüglich der ital. u. frz. Worte kann man 
Baist nimmermehr beipflichten; über deren Ableitung 
8. unten *excläniito u. klap. Parodi, K XVII 67, 
wiederholt in Bezug auf die pyrenäischon Verba 
Baist's Hypothese u. stützt sie durch die Bemerkung, 
dafs neben cat. estellar. estallar auch astellar, 
asclar vorkomme, ohne freilich Belege dafür zu geben. 
Vgl. auch Flechia, AG III 148; Gröber, ALL VI 
378 (Stowasser, Hisperica famina p. 29). 

*ä$t01äriQni, -1 n. s. oben *astillariuni. 

999) *ä8tüppo, -äre(v. s(M^^ja), vorstopfen ; rum. 
astup, ai, at, a, s. Ch. s. v. 

1000) [astttr, -ttrein, dafür volkslat. (nach Analogie 
der Nomina actoris auf -tor) *a8tor, -örem m., 
eine Habichtsart (Firm. math. 5, 7 extr.), ist nach 
Gröber's einleuchtender Darlegung, Mise. 42, als 
Grundwort für prov. austor, altfrz. ostor, nfr. 
autour (die frz. Worte sind dem Prov. entlehnt), 
über autour vgl. Pafs, EP IH 488; von autour ab- 
geleitet ist autourserie Palknerei (cat. astor?) 
anzusetzen. Wenn Gröber aber span. ptg. asor 
auf astorem zurückführt, so spricht dagegen das 
Vorhandensein des altspan. acetore, astor , vgl. 
Taliban, R VllI 609; auch lautlich ist der von Gr. 
für möglich gehaltene Wandel von intervokalischem, 
vor hoohtonigem o stehenden st : s {astorem : azor) 
zu beanstanden. Die pyrenäischon Worte — denn 
aucli cat. ostor wird man besser hier einbeziehen 
— sind vielmehr= acceptorem anzusetzen. {Acceptor, 
eigentl. „Einnehmer", trat in derVolkssprache für 
accipiter ein, weil dieser als Jagdvogel die Vögel 
für seinen Herrn gleichsam einkassiert; über die 
Verwendung des Habichts zur Vogeljagd im späteren 
Altertume vgl. Brandes u. Dressel, ALL IV 141 u. 
324.) Andrerseits gestatten die prov. u. frz. Worte 
nur die Herleitung von ''astorem, nicht die von 
acceptorem (welche namentl. von Förster, Z II 166 
Anm., befürwortet wurde), weil die Annahme, dafs 
aceept- einmal zu akgt- (woraus durch Vokalisierung 
des k prov. aust- sich entwickelt habe) geworden 
sei, unglaubhaft ist. Aus *astorem hätte nun frei- 
lich prov. *astor, frz. *atour werden sollen', aber 



das au im Prov. erklärt sich wohl aus Anlehnung 
an aussor (= altiorem), das o im altfrz. ostor durch 
Anlehnung an oster, wegnehmen, oder auch ost, 
Heer, weil der Jagdvogel ein Kaub- u. Kampfvogel 
ist, auch die nfrz. Schreibung autour beruht wohl 
auf Volksetymologie. — Vgl. Dz 29 astore u. An- 
hang 709; G. Paris, R XII 99; Gröber im Nach- 
trag zu No 866 der ersten Ausg. des Lat.-rom. 
Wtb.'s. 

1001) ätävia, -am f., Oheim; altfrz. täte, c. o. 
taien, vgl. G. Paris, R XXIII 327 Anm. 

1002) ätavio, -önem to. , Ahn; altfrz. taion, 
vgl. G. Paris, R XXHI 327 Anm. 

1003) ater, a, um, schwarz; altital. adro, vgl. 
Salvioni, Post. 5. 

10Ö4) altn. atgeirr, Speer; davon nach Dz 605 u. 
Mackel p. 73 u. 175 vielleicht das gleichbedeutende 
altfrz. algeir, algier oder vielmehr atgeir, atgier, 
wie Gautier im Rol. 439, 443 u. 2075 (es sind dies 
aber nach Godefroy I 220" die einzigen Stellen, an 
denen das Wort vorkommt) korrigiert hat. Th. 
Braune, Z X 277, findet eine solche wiederholte 
Korrektur gewagt — und darin kann man ihm bei- 
stimmen, obwohl die Schreibung algeir sich leicht 
daraus erklären liefse, dafs dem Worte eine den 
betr. Stellen angemessene orientalische Färbung ge- 
geben werden sollte — , wenn er aber sagt: ,,wir 
entscheiden uns deshalb für eine Zusammensetzung 
mit dem germ. adal", so ist das unklar, weil man 
nicht einsieht, welches der zweite Bestandteil des 
angeblichen Kompositums sein soll (altn. geirr?). 

1005) bask.atlsbeatu (=ate(S, verschlossene Thür, 
u. heatu, schauen); davon nach Larramendi span. 
atisbar, lauern, vgl. Dz 427 s. v. 

1006) ätomfls, -um f. (gr. äro/zog). Körperchen, 
Atom; ital. atomo (gel. Wort, als solches auch in 
andern rom. Spr.) u. attimo, kleinster Zeitteil, Augen- 
blick (das Wort scheint angeglichen an superlati- 
vische Bildungen, wie ottimo, u. zugleich an atto), 
vgl. Canello, AG III 335. 

1007) [atque u. äe, und dazu, und auch, wird von 
Havet, R VIII 93, u. Gröber, ALL I 241, für das 
Grundwort des roman. anc- in ital. anche, frz. 
enc-ore u. dgl. gehalten ; atque, ac soll zu antque, 
anc geworden sein , indem nach Analogie von um- 
quam, donec ein Nasal eingeschaltet wurde. Die 
Annahme ist unwahrscheinlich in Anbetracht des 
kopulativen Gebrauches der lat. Konjunktion. Vgl. 
oben ad haue horam.] 

1008) äträmentfim, -i n. (v. ater), Tinte; sard. 
tramentu, vgl. Salvioni, Post. 5; prov. airamen-s : 
altfrz. errement (Lehnwort aus dem Prov.? vgl. 
Schwan, Horrig's Archiv Bd. 87 p. 714); in den 
übrigen rom. Spr. ist das Wort durch das griech. 
encaustum, bezw. encauma u. durch tincta verdrängt 
worden (auch altfrz. enque). 

1009) ätriplex, -plicis n.. Melde, ein Küchen- 
gewächs; ital. atrepiee; frz. arroclie, nach Fafs, 
RF III 492, volksetymologisch an röche angelehnt, 
vgl. Dz 510 s.v.; (span. annweHe, ptg. armoles u. 
armolas, PI. t., nach Dz 425 armuelle aus ätrliplex] 
+ möllis entstanden; Baist, Z VII 116, vermutet 
Verwandtschaft des zweiten W^ortbestandteiles mit 
maltha). 

1010) atriumn., Innenhof, Halle; dav. ptg. arfro 
und nach Schwan, Herrig's Archiv Bd. 87 p. 112, 
prov. aire-s m., altfrz. aire, eire in. (das Wort 
wird gewöhnlich = area [s. d.] angesetzt, aber 
Schwan's Ableitung verdient entschieden den Vorzug). 



I 



101 



1011) atta 



1038) *ät-tnro 



102 



Über das gelehrte Wort altfrz. atre, aitre {Rol. 
1750) vgl. Berger s. v. 

1011) atta (indecl.), lieber Vater (Paul, ex Fest, 
13, 18 u. 12. 11), findet sich in ital. Mundarten 
wieder; das Wort kann auch auf das gleichlautende 
gotische, bezw. germanische Wort, zurückgeführt 
werden. Vgl. Dz 318 tata. 

1012) [*St-täcco, -äre, die einer derartigen hypo- 
thetischen Grundform entsprechenden Verba, wie 
ital. aftaccare, frz. (atiaquer u.) attacher, gehen 
zurück auf einen Stamm tac-, tacc- (s. d.), der aus 
tac-tus V. ta-n-g-ere gewonnen wird.] 

1013) [*at-t8etieo, -äre scheint von Ulrich, Z IX 
429, als Grundwort zu frz. attacher, attaquer an- 
genommen zu werden, sehr unnötigerweise, da *at- 
tac{c)are vollkommen ausreicht.] 

1014) [attägia, -am f., eine Erdhütte, vgl. Lorck, 
Altbergam. Sprachdenkm. 186.] 

1015) [*ät-tälento, -äre (v. talentum); ital. 
attalentare, gefallen, ebenso prov. atalentar, alt- 
frz. atalenter (z. B. Rol. 3001). Der auffällige 
Bedeutungsübergang erklärt sich folgendermafsen : 
talentum, eigentl. Geldsumme, Vermögen, geistiges 
Vermögen, Beanlagung, Neigung zu. Gefallen an 
einer Sache. S. tfilentnm.] 

1016) arab. a't-'tarfa, Tamariske (vgl. Freytag 
III 50b); davon nach Dz 427 in gleicher Bedeutung 
span. atarfe. 

1017) [*ät-teginiino, -äre = *ät-timo, -äre; 
davon nach Flechia, AG 11 57, modenos. attimer, 
attime, bedecken (vom Wagen).] 

1018) *ät-tempero, -äre (v. tempus), mäfsigen 
(das schriftlat., bei Vitruv 10, 7 [12], 2 u. Sen. 
ep. 30, 6 vorkommende attemperare bedeutet „an- 
passen"); ital. attemperare; rum. astimpär, ni, 
at, a, s. Ch. stimpar („le s n'est ici que prepositif") ; 
span. ptg. at(t)emperar. 

1019) ättendo, -tendi, -tentuin, -ere, (die Auf- 
merksamkeit auf etwas hin) richten; ital. attendere; 
(rtr. von dem Partizipialadj. atent „aufmerkig" ist 
nach Ascoli, AG VII 584, abgeleitet tadlar [vgl. R 
X 257], aufmerken , horchen , das Verb soll nach 
Analogie schweizerdeutscher Worte, wie „süfseln", 
gebildet sein, vgl. auch unten *at-titnlo); prov. 
attendre; frz. attendre; span. ptg. at(t)ender. 
Aus dem Begriffe „aufmerksam auf etwas sein" hat 
sich im Rom. auch der von „warten" entwickelt. 

1020) ät-tento u. ät-tempto, -äre, versuchen, ist 
in den entspr. Formen in die meisten rom. Sprachen 
übergegangen. 

1021) [*at-terso, -äre (v. tersus v. tergere); dav. 
span. atezar, glätten, vgl. Dz 491 s. v.; dasselbe 
Vb. bedeutet auch „schwärzen", wie diese Bedtg. 
sich mit der eigentl. vereinbaren läfst, ist schwer 
abzusehen.] 

[*at-tiI(l)o, -äre s. *ät-titülo, -äre.J 

1022) [*ät-tipfo, -äre (v. ahd. tiptön); dav. viell. 
frz. attifer, schmücken, vgl. Mackel p. 100.] 

1023) *at-titTa, -äre (v. *titium f. titio), an- 
zünden; ital. attizzare; rum. a^if, ai, at, a, s. Ch. 
täciune; rtr. s-tizzar löschen; prov. atisar; frz. 
attiser (Präs. atice, Suchier, Reimpredigt p. 66, 
vgl. Horning p. 6); cat. atiar, vgl. Ollerich p. 11; 
span. atizar ; ptg. atisar. Vgl. Gröber, ALL I 
244; Dz 320 tizzo; Baist, Z V 559. 

1024) *ät-tituIo, -äre, betiteln (Eccl.), mit Titeln 
schmücken, daher überhaupt schmücken, zieren: 
ital. altillare u. (gelehrt) atlitolnre, vgl. Canello, 
AG III 354; (rtr. tadlar, worüber zu vergleichen 
Stürzinger, R X 257, ist nicht von attitidare ab- 



zuleiten, sondern von attent-us, s. oben attendere); 
prov. atilhar; (frz. atteler? vgl. No 775); span. 
atildar, dazu Vbsbst. tilde, gleichsam der Schmuck 
des Buchstabens, der übergeschriebene Punkt oder 
Accent; ptg. atilar, dazu Vbsbst. til. Die Laut- 
entwickelung des Verbs im Rom. ist abnorm, vgl. 
Gröber, ALL I 245. Vgl. Dz 30 attillare. — Moyer- 
Lübke, Z XV 241, setzt als Grundwort zu den 
unter dieser No besprochenen Verben (denen er noch 
altfrz. atilier anreiht) *atiUare oder *attillare 
„zurüsten" an, welches er wieder aus dem German. 
ableitet (got. gatilon, erlangen, gatils, passend, 
tauglich, ahd. zilon, ags. tilian etc., siehe Kluge 
unter Ziel). Wegen i == germ. i verweist M.-L. auf 
tirer und auf Mackel p. 103. Aber tirer ist schwer- 
lich german. Ursprunges (vgl. tiro), und die von 
Mackel behandelten Worte sind doch wohl anderer 
Art. Im Übrigen ist M.-L.'s Vermutung sehr an- 
sprechend, zumal da das Grundwort *attitulare 
allerdings schwere Bedenken gegen sich hat. — 
Über tadlar vgl. auch Ascoli, AG VII 583 ; A. stellt 
*atentlare, Hentlare (\. atent, wie dtsch. aufmerken 
neben aufmerhig) als Grundform auf. 

1025) ättonito, -äre (von attonitus), andonnern; 
span. atontar, betäuben. 

1026) attonitus, a, um (Pt. P. P. v. attonare), 
angedonnert, betäubt; ital. ättonito u. tonto (wohl 
gel. Worte), vgl. Canello, AG III 391; rum. tont, 
s. Ch. tun; span. ptg. tonto, dumm. Vgl. Dz 
492 tonto; Gröber im Nachtrag zu No 887 der 
ersten Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s. 

1027) [*ät-tSnso, -äre {v.tonsus); span. otM«ar, 
das Haar glatt scheren, vgl. Dz 495 tusir.] 

1028) [*ät-torno, -äre (v. tornjw) ; altfrz. ator- 
ner, wohin wenden, richten (über die vielseitige 
Verwendung des Verbs vgl. Godefroy, I 482 ff.). Vgl. 
Dz 322.] 

1029) [*at-toro, -are (v. torus); span. atorar, 
„stecken bleiben (wie ein Block oder Wulst)", vgl. 
Dz 494 tuero.] 

1030) [*ät-tortulo, -äre(v. tortus); ita,l. atirot- 
tolare, „girare", vgl. Caix, St. 172.] 

1031) [*ät-träbo, -äre (v. trabs = altfrz. tref); 
altfrz. atraver, Zelte aufschlagen, lagern (s. Gode- 
froy I 488a),_vgl. G. Paris, R VI 629.] 

1032) ätträctu8= frz. attrait; über die Bedeu- 
tung des Wortes im Altfrz. u. über seinen ver- 
meintlichen tTbergang in das Ital. (Plur. attraiz = 
attrezzo) vgl.Tobler, Sitzungsber. der Akad. d.Wiss., 
philos.-hist. Cl., vom 19. Jan. 1893. S. oben actum. 

1033) Sttraho, träxl, träctam, trähere, an- 
ziehen; \ia.\.attrarre; in. attraire; span. atraer, 

1034) [*ät-träppo, -äre (v. germ. trappa, 
Schlinge, vgl. Mackel p. 56, 176); ital. attrappare 
(in einer) Schlinge fangen, erwischen; prov. atra- 
par; frz. attraper; span. atrapar u. atrampar; 
(dem Ptg. ist das Vb. unbekannt). Vgl. Dz 325 
trappa.} 

1035) [*ät-tra-sälTo, -Ire, davon nach Caix, St. 
170, attragetlire, „stupefare".] 

1036) St-tribuo, -büi, -bfltum, -ere, zuteilen; 
span. ptg. atreverse, sieh etwas (ungebührlicher 
Weise) beilegen, erdreisten, vgl. Dz 427 .«. v. 

1037) *8t-tttbo, -äre (v. tuba), antrompeton; 
span. atobar, betäuben, vgl. Dz 427 s. v. 

1038) *ät-türo, -äre (schriftlat. obturo), ver- 
stopfen: ital. atturare (daneben turare, was im 
Lat. fehlt); prov. cat. aturar, anhalten, aufhalten; 
span. ptg. aturar (die Bedtg. „zustopfen" findet 
sich nur im Span, und auch da nur selten, die ge- 



103 



1039) aiicä 



1060) aurgölüs 



104 



wohnliche Bedtg. des Verbs im Span, und die aus- 
schliefslicho im Ptg. ist:) aushalten, in der Arbeit 
ausdauern, ertragen, es scheint also begriffliche An- 
lehnung an durare stattgefunden zu haben. Vgl. 
Dz 30 atturare; Gröber, ALL I 245. 

1039) aucä, -am f. (f. avicn), Gans (Gloss. Labb. 
p. 19» u. Gloss. Arab. p. 701 ed.Vulc); ital. oca, 
verones. oco, cremon. ooch. com. oga „suasso mi- 
nore'', vgl. Salvioni, Post. 5; rtr. auca, daneben 
olya = *aueula, vgl. Gärtner, Gr. § 2 /?); prov. 
auca; frz. oie; cat. auca; span. auca, oca; ptg. 
oca. Vgl. Dz 226 oca; Gröber, ALL I 245. Das 
lat. anser ist also aus dem gesamten roman. Sprach- 
gebiete verdrängt worden. S. auch unten *OTäta 
(frz. ouate). 

1040) *aneelläria (v. avis); ital. uecellaja, 
„frasconaja, inganno, tresca", u. uccelUera, „luogo 
da tenervi uccelli vivi", vgl. Canello, AG III 304. 

1041) ancelltts, -um (f. avicelhis), kleiner Vogel 
(Gloss. Labb. p. 19a u. a. Gloss., s. Hildebr. Gloss. 
Paris., p. 22 No 156); ital. uccello, sicil. aceddu, 
oceddu; rtr. utsi, utsel etc., vgl. Gärtner, S 106; 
prov. auzel-s; frz. oisel, oiseau; cat. aucel, vgl. 
OUerioh p. 12. Vgl. Dz 335 uccello ; Gröber, ALL 
I 245. Diirch aucellus ist das Primitiv avis im 
Rom. nahezu völlig verdrängt worden, nur im Span, 
u. Ptg. hat es sich noch behauptet, ist aber auch 
da durch pdjaro, pds.-aro {v. passer) in seinem An- 
wendungskreise erheblich eingeschränkt worden. 

1042) *aucio, -önem m. (v. avis, in den Caeseler 
Gloss. belegt: auciun, caensincli) ; frz. oison, Gäns- 
chen (das Wort ist lautlich „dashalb wichtig, weil 
es, wenn man von Verbalformen absieht, den einzig 
sicheren Fall von Übergang von cy in tönende 
Spirans vor dem Ton u. vor dunkeln Vokalen bietet", 
Horning p. 8, vgl. auch Th. p. 93; oison ist wohl 
an oisel angelehnt, vgl. Schwan, Herrig's Archiv 
Bd. 87 p. 114). 

1043) [*anciüs, -um m. (v. avis); davon nach 
Caix, St. 427, ital. ocio, indischer Hahn, u. mit 
verwachsenem Artikel locio „uomo dappoco".] 

1044) anetor, -örem vi., Urheber (auctor, non 
aM<or App. Probi 754); ital.aiftore etc., nur gel.W. 

1045) *auctorico, -äre (v. auctor), Gewähr bieten, 
bevollmächtigen, bewilligen (das Schriftlatein kennt 
auctorare in diesen Bedeutungen, auch in der des 
Vermietens); ital. otriare (Fremdwort); prov. autre- 
jar; frz. otreiier, nfrz. octroyer, dazuVbsbst. octroi; 
cat. autrejnr; span. oiorgar; ptg. outorgar, dazu 
Vbsbst. outorga. Vgl. Dz 230 otriare; Gröber, 
ALL I 246. 

1046) *ancupo, -are (f. aucupari), vogelstellen; 
rum. acupd, vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 766 
(das Wort fehlt bei Laurianu-Massimu). 

1047) audio, -Ire (nach Vanicek I 68 von \/ av, die 
unter vielen anderen auch die Bedeutung „auf- 
merken, beobachten" haben soll), hören; ital. audire 
u. udire; rum. aüd, ii, it, i, s. Ch. s. v.; prov. 
auzir; frz. ou'ir; cat. obir , s. Vogel p. 114 f; 
span. oir ; ptg. ouvir. Der Anwendungskreis des 
Verbs ist im Romanischen durch *ascoltare (z. B. 
frz. ecouter), intendere (z. B. frz. entendre), sentire 
erheblich eingeschränkt worden. 

1048) [aufero, äbstuli, äblätiim, auferre; von 
diesem Vb. ist nur das Pt. P. P. ablatum in das 
Romanische übergegangen, s. oben ablatum. | 

1049) arab. an^ (vgl. Freytag I 69», Fg. y Yang, 
p. 310), ein technischer Ausdruck der Astronomie 
(etwa ,. Erdferne"), ist als eben solcher in der. Form 
äuge in das ItaL, Span., Ptg. u. Frz. {aiige 



Sonnenferne) übergegangen und wird auch in ver- 
allgemeinerter Bedtg. (,,höchster Gipfel", z. B. des 
Glückes) gebraucht. Vgl. Dz 31 s. v. — Sollte 
von au/j violleicht frz. augive, ogive abgeleitet 
sein ? oder stammt ogioe vom griech. w6v, lu'iöv, 
spätgriech. dßyov, dßyiov? Die Ableitungen vom 
germ. atige oder von lat. aug-ere sind jedenfalls 
unhaltbar. Die gröfste Wahrscheinlichkeit aber dürfte 
alveus = äuge für sich haben, ogive würde dem- 
nach eigentl. einen wannenartig gestalteten Bogen 
bezeichnen, wie das schon der alte Menage in Vor- 
schlag gebracht hatte. 

1050) augur, angurem m., Wahrsager; davon 
viell. (als halbgel. W.) nprov. frz. o^re, Menschen- 
fresser, Ungeheuer, span. ogro. Der Bedeutungs- 
übergang würde etwa gewesen sein „Wahrsager, 
Zauberer, Hexenmeister, übernatürliches böses Wesen, 
Unmensch". Dz 228 orco stellte Orcus als Grund- 
wort auf, was lautlich unmöglich ist, vgl. Gröber, 
ALL IV 423. 

Augustus s. Agustus. 

1051) engl. Aunt Sally, „Tanta Sarah" (Name 
eines engl. Spieles, über welches man vgl. Hoppe, 
Suppl. Lex. s. V.), ist im Frz. durch das Spiel der 
Volksetymologie zu jeu de Väne säte geworden, vgl. 
Fafs, RF III 504. 

1052) anrä, -am f. (gr. aii'pa), Lufthauch, leiser 
Wind, ist in der entspr. Form (ital. aura u. ora, 
vgl. Canello, AG III 328, altfrz. ore) in alle rom. 
Spr. mit Ausnahme des Rum. (u. des Nfrz.) über- 
gegangen. Vgl. Dz 31 aura. 

1053) [*anraiitium, -i n. (v. auruvi), Goldfrucht, 
Orange, s. naraug.] 

1051) aurärius, a, um (v. aurum), zum Golde 
gehörig; davon rum. aurar, Goldwäscher, u. au- 
rärie f., Goldwaren, s. Ch. aur. 

1055) aurüta, -am f., Goldforelle; ital. orada; 
span. d-orada; ptg. d-ourada. 

1056) *auräticum, -i n. (v. aura), starker Luft- 
zug, Wind, Sturm, Unwetter; prov. auratge-s; frz. 
orage; span. oraje. DieVerba cat. oretjar, span. 
orear lüften, erfrischen, stehen zu auraticum nur 
in mittelbarem Verwandtschaftsverhältnisse. Vgl. 
Dz 31 aura. 

1057) aurütüra, -am f. (v. aurum), Vergoldung 
(b. Quintil. 8, 6, 28; Gruter, inscr. 583, 4); ital. 
oratura, daneben (b. Cellini) als Lehnwort aus dem 
Französ. orura, vgl. Canello, AG III 385; altfrz. 
oreure, nfrz. orure (fehlt b. Sachs-Villatte). 

1058) [*aurätus, -um m. (v. aura), Wind; prov. 
aurat-z; altfrz. ore.] 

1059) Aureliänensls {urhs) = frz. orlenois zu 
Orleans gehörig; orlenois wurde volksetymologisch 
durch begriffliche Anlehnung an alene verderbt zu ale- 
nois in cresson-alenois, Gartenkresse (aus cresson- 
alinois ist durch eine abermalige Volksetymologie 
cresson ä la noix entstanden), vgl. Littre s. v.; 
Fafs, RF III 492. 

1060) aureoltts, a, um (v. aureus), golden, gol- 
dig; davon piem. oriöl rigogolo; bellinz. orieu 
lucciola, vgl. Salvioni, Post. 5; prov. auriol-s, 
Goldamsel, Pirol; altfrz. oriol u. orieul, vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 260, mit angewachsenem Artikel loriol, 
mit Suffixvertauschung lorionn. nfrz. loriot; span. 
oriol u. oropendola. Der ital. Name für denVogel 
ist rigogolo — *aurigalgalus, w. m. s., vgl. auch 
Gröber, ALL II 431. S. auch unten galbulus u. 
galgulus (= rum. grangur). 



105 



1061) aurgfls 



1079) ausplclüm 



106 



1061) aureus, a, um (v. auriim), golden; aus 
dem lat. Adj. soll nach Dz 464 loro durch Ver- 
wachsen mit dem Artikel span. ptg. loro, louro, 
goldgelb, hellblond, entstanden sein. Diese An- 
nahme ist schwer glaublich , wie denn auch Diez 
selbst für das Verwachsen des Artikels mit einem 
Adj. nur noch ein (u. überdies anfechtbares) Bei- 
spiel [acidus : azzo : Vazzo, lazzo) beizubringen 
wufste. Baist, Z VII 120, erklärt das Wort aus 
ruber {*rouro, daraus durch Dissimilation louro), 
u. diese Herleitung ist sicherlich annehmbarer, als 
die Diez'sche. Zu altfrz. orie vgl. Berger s. v. 

1062) aurichaleum, -1 n. (volksetymologisch aus 
gr. ö^fi/aXxov, Bergerz, gebildet), Messing; ital. 
oricalco; frz. archal; span. aiirica/co (das übliche 
Wort für Messing ist aber span. laton, im Ptg. ist 
latäo allein gebräuchlich). Vgl. Dz 228 oricalco. 

1063) auriculä, -am f. (Dem. v. auris; auris, 
non oriclu App. Probi 83), Ohr; ital. orec/Iia u. 
origlia (vgl. d'Ovidio. AG XIII 387), dazu dasVb. 
origliare, orecchia u. orecchio; sard. orija: rum. 
urechie, s. Ch. s. v. ; rtr. ureglia, weitere Formen 
b. Gärtner, Gr. i; 200; pr ov. aurelha; frz. oreille 
(altfrz. auch orille, z. B. Elie 933 u. 1002), dazu 
das altfrz. Vb. oreillier, lauschen; span. oreja; 
ptg. orelha. Vgl. Dz 228 orecchia; Gröber, ALL 
I 246. — Im Ital. werden von dem Sbst. die Verba 
orecchiare u. oregliare abgeleitet, vgl. Canello, 
AG III 351. Frz. Ableitung ist oreiller, Ohr-, 
Kopfkissen. 

[*aurifaber s. anrifex.] 

1064) aurifex, -ficem m. (v. attrum u. fac-), 
Goldschmied; davon mit starker Umbildung ital. 
orafo (altumbr. orfo) u. orefice, vgl. Dz 387 s.v.; 
ptg. ourives. (Im Frz. or/evre = OMn/aöer, span. 
orespe u. platero v. plato.) 

1065) *aurificinus, -um m., Goldschmied ; prov. 
aurezi-s u., mit Anlehnung an daurar (= de-au- 
rare), daurezi-s (vgl. *Lemovicinus : Lemozi-s), 
vgl. Thomas, R XXVI 420. 

1066) [*aurIflSmma, -am f., Goldflamme (Name 
des altfrz. Reichsbanners); frz. oriflamhe, ori/lamme 
(Rol. 3093 orie flambe, wo orie dreisilbig zu lesen). 
Die Form orie flambe deutet darauf hin, dafs der 
erste Bestandteil des Wortes ein Partizip = lat. 
*aurita (das Vb. auri — aurire ist im Rum. vor- 
handen) oder ein Adj. = lat. *auriva (auriu = 
aurivus ist ebenfalls im Rum. vorhanden, s. Ch. aur) 
ist, vgl. Scheler im Anhang zu Dz 806; in diesem 
Falle würde oriflamme eine Kürzung aus orieflamme, 
das mlat. auriflamma aber nach oriflamme gebildet 
sein; andererseits weist das gleichbedeutende oriflor 
doch auf auri- hin, indessen kann es sehr wohl 
Analogiebildung zu oriflamme sein. Jedenfalls ist 
die Sclieler'sche Deutung des Wortes (= aurita od. 
auriva flamma) der von Diez 649 s. v. gegebenen 
(= auriflamma) vorzuziehen. Schuchardt, Z XVI 
522, vermutet das Grundwort für oriflamme in la- 
bari flamma. Über die Geschichte der Oriflamme 
vgl. Gautier z. Rol. 3093.] 

1067) [""aurigälgülus, -um m. {galgulus h. Plin. 
N. H. 30, 94, das übliche Wort im Schriftlatein 
ist galbulus), Goldamsel; davon vermutlich ital. 
rigogolo, rigoletto, vgl. Dz 152 gdlbero; Gröber, 
ALL II 431 u. Nachtrag zu No 922 der ersten 
Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s] 

1068) [*auripelli8 (aurum -f pellis), Goldhaut; 
ital. orpello; prov. aurpel-s; frz. oripeau; span. 
oropel, Flittergold, vgl. Dz 229 orpello.] 



1069) aurisy -em f., Ohr ; im Roman, durch au- 
riculä (s. d.) verdrängt, jedoch viell. erhalten in 
valtell. dar ora „dar ascolto", vgl. Salvioni, 
Post. 5. 

1070) auris marls= frz. ormter Meerohr (Name 
einer Schnecke). 

[♦aurltä oder aurirä flamma s. auriflamma.] 

1071) [*auritiüm, -i n. (v. aura), Luftzug; ital. 
orezzo, oreggio „soflio d'aria fresca, luogo ombroso 
ed aereato, fragranza" u. rezzo „coi due primi 
significati di orezzo, oreggio e con quello di ,freddo', 
^bujo', ,mandare al rezzo' = uccidere", Canello, AG 
III 392; neben rezzo ist auch arezzo vorhanden. 
Vgl. Dz 31 aura.] 

1072) aurum, -i n. (v. \/ aus brennen, glänzen, 
8. Vanicek I 946), Gold; ital. {auro), oro; rum. 
aur, PI. aururi f., s. Ch. s. v.; rtr. or; prov. 
aur-s; frz. or; span. oro; ptg. ouro. 

1073) [aurüm *fresum (fresum v. germ. /ri'es, 
vgl. Uhland, Schriften I 279 Anm. 1), mit Gold 
durchwirkter Stoff; prov. aurfres; frz. orfrois, or- 
frais (dazu altfrz. Dem. or/Vmei), orfroi; alt span. 
orofres. Vgl. Dz 649 orfroi; Darmesteter, Mots 
comp. p. 23.] 

1074) [*ausärium n. od. -ns m. od. *8lsarius, 
-um (viell. abgel. v. alsiis kühl?) würde eine dem 
frz. osier, Korb-, Bachweide, Weidenrute, ent- 
sprechende lat. Grundform lauten, aber ein der- 
artiges Wort ist weder im Lat. nachweisbar, noch 
auch läfst sich in dieser Sprache sein Vorhanden- 
sein voraussetzen. Dz 650 osier verglich mit dem 
frz. Worte einerseits bret. aozil, andrerseits gr. oiaog; 
das erstere aber ist erst aus dem Frz. entlehnt, bei 
dem letzteren würde der Vokal der hochtonigen 
Silbe Schwierigkeiten machen.] 

1075) ausciilto, -äre (f. ausiculito v. ausicula = 
auriculä), dafür volkslat. ascolto, -äre, horchen; 
ital. ascoltare; rum. ascult, ai, at, a s. Ch. s. ».; 
prov. escoltar, escoutar; frz. ascoUer, esco{l)ter, 
escouter, ecouter (die Anlautsilbe mit ex- ver- 
wechselt); cat. escotar; span. ascuchar, escuchar; 
ptg. escutar. Vgl. Dz 28 ascoltare; Gröber, ALL 
I 244. 

1076) [ausculnm (= osculum v. os, b. Plaut. 
Amph. 716 u. 800, vgl. Prise. 1, 52), Mäulchen, 
Kufs; über das auch für die romanische Lautlehre 
wichtige Verhältnis zwischen au u. ö vgl. Fumi, 
Mise. 95 £F.] 

1077) [*au8ieo, -äre (v. ausus), wagen; lomb. 
askdg u. oskd, vgl. Salvioni, Post. 5; rtr. ascar, 
vgl. Ascoli, AG I 50 Z. 5 v. o., 193 Z. 9 v. o., 
235 Anm. 1 Z. 3. Vgl. Gröber im Nachtrag zu 
No 930 des Lat.-rom. Wtb.'s.] 

1078) *anso, -äre (v. austts), wagen; ital. au- 
sare, osare; Tprov. auzar; frz. oser (südfrz. gausd, 
angelehnt an *gaudiare, vgl. Schuchardt, Z XI 
493); c3.t.q-osar; span. o.9ar {a.na\i gozar ?); ptg. 
ousar. Vgl. Gröber, ALL I 246. 

1079) auspiciüm, -1 n. (f. avispicium), Vogel- 
schau; auf auspiciüm führte Dz 428 auce das alt- 
span. Sbst. auce (richtiger auze, alze), Geschick, 
Los, zurück, welches Wort Sanchez aus aucilla 
(Apulej. Met. 9, 33, jetzt in aucilla od. aiKula 
gebessert, s. Georges unter aucella) erklären zu 
dürfen geglaubt hatte. Cornu, R X 76 f., hält 
avice für die Basis des Wortes, ohne sich darüber 
auszusprechen, in welchem Zusammenhange dies 
avice innerhalb des Lateins stehen soll; es würde 
wohl auf einen Nom. *avix od. *avis deuten, an 
dessen einstiges Vorhandensein man freilich kaum 



107 



1080) auster 



1101) ävistrttthlo 



108 



glauben kann (die im Appendix Probi getadelten 
Formen müex f. miles u. dgl. beziehen sich nur auf 
T-Stämme). Die Diez'sche Herleitung dürfte immer- 
hin vorzuziehen sein, obwohl sie, wie Cornu sagt, 
,,ne satisfait pas aux lois phonotiques", nur mufs 
man von avispicium ausgehen, das sich im Span., 
wo ni-is fortlebte, erbalten mochte; dann erklären 
sich auch die Deniinutiva span. avecica, avecita, 
nvecilla, ptg. avezinha. Dagegen erscheint es 
zweifelhaft, ob das span. Sbst. aciago, Zufall, 
u. das ptg. Adj. aziago etwas mit auze zu thun 
haben. 

1080) auster, -strum m. (v. \/ aus brennen), 
Südwind; ital. austro, ostro; mant. löster, vgl. 
Salvioni, Post. 5; rum. aiistru, s. Ch. s. v.; prov. 
austri-s; altfrz. ostre (Psautier en vers 125, 5); 
nfrz. anstre, vgl. Bergers. v.; span. ptg. austro; 
überall nur gelehrtes, bezw. poetisches Wort. 

1081) ansns, a, nm (schriftlat. das Pt. Prt. zu 
audere), kühn: ital. auso, oso; altfrz. os. Vgl. 
Gröber, ALL I 246. 

1082) aut (über die Bildung des Wortes s. Vanicek 
I 269), oder; ital. od, o; mm. au; rtr. od, o; 
prov. oz, o; frz. ou; span. o, u; ptg. oii. 

1083) awToj'p«<jpo<;ptAo5, Handschriftenliebhaber; 
frz. muiographile, vgl. Tobler, Hcrrig's Arcliiv Bd. 
97 p. 375. 

1084) autumno, -are (v. autumnus), den Herbst 
verbringen; sard. attunzare, vgl. Salvioni Post. 5; 
rum. tomnez, ai, at, a; span. otonar, den Herbst 
verbringen. (Das lat. Vb. findet sich b. Plin. H. 
N. 2, 124 u. 136.) 

1085) autumnOs, -um m. (alte Partizipialbildung, 
viell. zusammenhängend mit aujr-eo), Herbst; (ital. 
autunno); pi st oj. awiurno (nach iwwrno), vgl. Sal- 
vioni, Post. 5; sard. attünm u. attungu, vgl. Sal- 
vioni, Post. 5; rum. toamnä f., s. Ch. s. v; rtr. 
in allen Dial. vorhanden, vgl. Gärtner, Gr. § 1; 
prov. autom-s; (frz. automne [mn = nn]); span. 
otono; ptg. oiitono. 

1086) ävä, -am /., Grofsmutter (b. Ven. Fort. 8, 
19, 8 u. öfters); ital. ava; sard. aba, vgl. Sal- 
vioni, Post. 5. Vgl. Gröber, ALL I 246. 

1087) [ä + Täde, geh weg! vielleicbt erhalten in 
span. abd (dazu ein Plur. abdd), Platz da! Vgl. 
Dz 450 evay.] 

1088) äTärus, a, um, habsüchtig; ital. avaro; 
altfrz. aver; neufrz. atiare (gel. W.); span. ptg. 
avaro. 

1089) [Sve, hSre, sei gegrüfst; ist vielleicht das 
Grundwort zu frz. häte, abgezehrt, bleich, elend. 
Der Gang des seltsamen Bedeutungswandels würde 
dann folgender gewesen sein ; ave wurde als terminus 
technicus im mittelalterlichen Schachspiele gebraucht, 
zunächst als Warnungsruf „Schach", dann zur Be- 
zeichnung des Mattgesetztwerdens eines von allen 
Figuren allein übrig gebliebenen Königs (so R. de 
la Rose, ed. Michel I 221, ebenda auch das entspr. 
Vb. haver), so gelangte es zu der Bedeutung „matt" 
u. konnte, wie dieses letztere Adj. [ursprünglich 
pers. iiiät, „tot"], durchVerallgemeinerung zu seiner 
gegenwärtigen Verwendung gelangen. Die Achilles- 
ferse der geistvollen Ableitung [über welche zu vgl. 
Förster, Z V 97] ist, dafs sich der Gebrauch von 
ave als Zuruf im Sinne von „Schach" nicht nach- 
weisen lassen dürfte u. dafs ein solcher Gebrauch 
von ave auch begrifflich nicht recht glaubhaft ist, 
dem bedrohten Könige hätte man schicklicher ein 
cave! zugerufen; zu bedenken ist dabei auch, dafs 
ave, weil seine Bedtg. durch das Ave Maria geläufig 



war, nicht wohl als Warnungsruf verwendet worden 
konnte. Andererseits steht man , falls man die 
Gleichung häve = ave nicht annimmt, dem Worte 
so ziemlich ratlos gegenüber, denn wenn Dz 613 
s. V. ags. hasva, trocken, bleich, als Etymon vor- 
schlägt, so ist das schon um deswillen zurückzu- 
weisen, weil ein altfrz. hasve nicht belegt werden 
kann : auch Mackel p. 68 verwirft hasva. Ver- 
mutungsweise sei folgendes ausgesprochen: auszu- 
gehen ist von dem Vb. haver, welches nach Förster, 
Z V 98, zurückgeht auf den Stamm hav-, bezw. 
hoc- (wovon auch houer, houe, hocher) u. eigentlich 
„mit einem Haken an sich ziehen" bedeutet: dies 
Vb. wurde terminus technicus für das Wegnehmen 
oder Schlagen der Figuren im Schachspiele, bezw. 
für das nach dem Sclilagen aller Figuren erfolgende 
Mattsetzen des Königs, so konnte dann ein aus dem 
Vb. abgeleitetes Adj. zur Bedtg. „matt" u. weiter 
zu der von „elend" etc. gelangen.] 

1090) äTenä, -am f., Hafer; ital. avena; frz. 
avoine: span. avena; ptg. avea. 

1091) äveDärins, a, um {avena), zum Hafer, 
gehörig; sard. enarzu avena, lolio, vgl. Salvioni, 
Post. 5. 

1092) äTersiis, a, um (Pt. Pf. P. v. avertere), 
abgewandt; span. aviezo; ptg. avesso, verkehrt, 
vgl. Dz 428 avieso; nouprov. aves (f. averx), die 
von der Sonne abgewandte Himmelsgegend, Norden, 
vgl. Dz 272 ritto. 

1093) äTerto, verti, Tcrsum, vertere, abwenden; 
das Vb. ist mit Ausnahme des Pt. Pf. P. (s. obenj im 
Rom. geschwunden; ital. avvertire, frz. avertir, 
span. avertir gehen auf ad-vertere zurück (dazu 
das Pt. Pf. P. ad-versus = ital. avverso etc.). — 
Das frz. Sbst. avertin, Drehkrankheit der Schafe, 
hat mit avertere nichts zu schaffen, sondern ist von 
vertigo, wem abzuleiten, vgl. Tobler, Mise. 74. 

1094) äviätieas, a, um [avus), grofsmütterlich ; 
lomb. rtr. biadi, vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 766. 

*aTica I 

*avicellaria ; s. anca, aucellaria, aucellus. 

*avlcellns ) 

1095) äTidns, a, nm, habgierig; altfrz. ave 
(sonst nur gel. W.). 

1096) avilla, -am f., säugendes Lamm (das Wort 
ist bei Festus belegt); dav. ital. (lucch.) abbachio, 
vgl. d'Ovidio, AG XIH 382, indessen ist die Ab- 
leitung doch wohl zweifelhaft. 

1097) 1. *äTi51üs, (-a) (Dem. v. avm), Grofs- 
vater. Ahn; (ital. dvolo); prov. aviol-s; frz. oÄeul, 
-e (Mussafia, R XVIII 547 Anm. 2 , ist geneigt, 
awul aus *aivol- f. aviol- zu erklären); span. 
abuelo, -a; ptg. avo. Vgl. Dz 504 aieiä: Gröber, 
ALL 1 246. _ 

1098) 2. *äTioltts, -um m. od. äTioIiim n. (Dem. 
V. avis); ital. ajuolo , Vogelnetz. Vgl. Gröber, 
ALL I 246. 

1099) aris, avem f., Vogel; nur sard. ae, (vgl. 
Salvioni, Post. 5), sonst durch *avicelluD, *aucellus 
verdrängt. 

1100) avis tarda (langsamer Vogel, der nicht 
gut fliegen kann), Trappe; ital. ottarda (bistarda, 
ustarda, vgl. Caix, St. 84); prov. austarda; frz. 
oiitarde; span. avutarda; ptg. abctarda, betarda. 
Vgl. Dz 230 ottarda; Gröber ALL VI 378. 

1101) avistrüthio, -önem m., Straufs; (ital. 
struzzo); (prov. estrus); frz. autruche; span. 
avestruz; ptg. abestruz. Vgl. Dz 311 struzzo; 



109 



1102) ävlüs 



1122) *baba 



110 



Gröber, ALL I 246 u. Nachtrag zu No 946 der 
ersten Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s. 

1102) Stius (=avus))M., -&f.; prov. avis; cat. 
avi, avia, rum. avia. VgL Gröber, ALL I 246. 

1103) aTuncuIits, -um m. (Dem. v. avus), Oheim 
(Mutterbruder); rum. unchiu, s. Ch. s. «.; prov. 
avoncle-s, oncle-s; dauph. ouncon, councon (ein 
Seitenstüek zu tante aus amita, vgl. Behrens, Z 
XIII 412); frz. oncle. Das Ital., Span. u. Ptg. 
bezeichnen den „Onkel" mit dem griech. Lehnworte 
.9f(oj = ital. zio, span. tio, ptg. tio. Die Sprachen, 
welche avunculus festhielten, haben auch lat. amita 
(s. d.) bewahrt, während in den Sprachen, welche 
i^fTo? aufnahmen, neben diesem das entspr. Fem. 
zia, tia steht. Übrigens hat keine der rom. Spr. 
einen Unterschied zwischen Vater- u. Mutterbruder, 
bezw. -Schwester. Vgl. Dz 649 oncle. 

1104) avas, -um m., Grofsvater; lomb. äf, ast. 
auf, vgl. Salvioni, Post. 5. 

1105) [*aT-Tit(äre) + *tortolo, -äre soll nach 
Caix, St. 175 (vgl. auch Z I 423j ergeben haben 
ital. avvitortolare „attorcere insieme".] 

arab. awftr s. ang:aria. 

1106) *äxülis (v. axis), zur Achse gehörig; alt- 
frz. ais.'iiel!<. neufrz. essieu, vgl. Suchier, Altfrz. 
Gr. S. 87 Anm. (Diez hatte für dieses Wort axi- 
culus, Schuchardt, Vocalismus etc. I 203, axicellus, 
Koschwitz, Ltbl. f. germ. u. rom. Phil. 1892 Sp. 68 
axellus, Meyer-L., Rom. Gr. I § 38, axilis, Mirisch, 
Suffix -iolus, axiolus als Etymon aufgestellt; Cohn 
besprach im Suffixw. das Wort mehrfach , ohne 
jedoch zu einer festen Ansicht zu gelangen, man 
vgl. namentl. S. 253 u. 306. Von allen Ableitungen 
befriedigt die Koschwitz'sche am meisten, nächst 
ilir die Suchier' sehe); vielleicht entstand aus axalis 
auch durch Schwund der tonlosen Anlautsilbe u. 
ümbiegung der Endung ital. sala, Achse. Caix, 
St. 167, leitet auch ital. (lucch.) ascialone, „legno 
che si conficca negli stili delle fabbriche'" von 
*axaUs ab. 

^axellus s. *axalis. 

1 107) *axlcellus, -a (Dem. v. axis), kleines Brett, 
Schindel; ital. assicella; frz. aisseau, vgl. Dz 505 
ais; Cohn, Suffixw. p. 25. 

1108) äxicülüs, -um m. (Dem. v. axia), kleine 
Achse; ital. assiculo, Zäpfchen. 

1109) *äxllis, -em (v. axis, asifis), Brett; ver- 
mutl. Grundwort zu altfrz. aissil, neufrz. aissi, 
aissis Dachschindel, vgl. auch Cohn, Suffixw. 
p. 26. 

1110) äxilla, -am f. (Dem. zu axis), Achsel- 
höhle; ital. ascella, (in zahlreichen Dialekten, 
namentlich im Tarentinischen u. im Neapel, wird 
die Benennung der Achselhöhle in sehr eigenartiger 
Weise von *titillicare = titillare, kitzeln, abgeleitet, 
z. B. neap. tetelkca, vgl. Plechia, AG II 319); 
prov. aissella; ix'i. aissclle; ca.t. axella; im Span, 
u. Ptg. heifst die Achselhöhle sobaco, sovaco, im 
Sard. suercu, welche Worte vermutlich auf sub- 
brachium [Isid. 11, 1, 65] zurückzuführen sind, vgl. 
Dz 430 barca. 

1111) äxis, -em m., Achse; span. eje; ptg. 
eixo. Vgl. Gröber, ALL I 246. — Nicht hierher, 
sondern zu assis (s. d.) gehören ital. asse; frz. 
ais. 

1112) äxttnglä, -am f. (v. axis u. unc/o), Wagen- 
schmiere; ital. sugna, vgl. Ascoli, AG III 443 u. 454, 
Z. 10 V. u. im Text; Dz 589 Z. 2 v. o. hält das Sbst. 
frassugno, Fett, für zusammengesetzt aus fraysse 
■\- sugna, besser deutet man es wohl aus [in]fra -f 



sugno, wonach es eigentl. das zwischendurch mit 
Fett durchwachsene Fleisch bezeichnen würde; rtr. 
(engad.) soijna; frz. axonge, Schmer (die Wagen- 
schmiere heifst graisse = crassa); span. exnndia, 
Fett, ebenso ptg. Vgl. Dz 405 sugna und 447 
exündia. 

1113) mejicanisch ayacotli, dav. viell. frz. ha- 
ricot Schnittbohne, vgl. G. Paris, R IX 575 Anm. 
S. oben aliquot. 

1114) bask. ayoa, Wärter; span. ai/o, Hofmeister, 
aya Kinderwärterin (ital. ajo, aja ist wohl aus 
dem Span, entlehnt). Vgl. Dz 428 ayo , wo auch 
die Herleitung des Wortes aus ahd. hag(j)an, hegen, 
pflegen, für möglich erklärt, die baskische Abkunft 
aber mit Recht als wahrscheinlicher hingestellt wird. 

1115) azymus, a, um ungesäuert; venez. äsme 
azzimelle, vgl. Salvioni, Post. 5. 

1116) arab. azzalbaq, Quecksilber (vgl. Freytag 
219''); span. azogue; ptg. azougue, vgl. Dz 429 
azogue. (Im Ital. u. Frz. wird das Qu. argentum 
vivum u. mercurius benannt.) Vgl. Eg. y Yang, 
p. 324. 

1117) arab. azzar aus azzahar = as-sehär, 
Würfel; dav. mit dem Bedeutungsübergang „Würfel, 
Würfelspiel, Wurf, Zufall" ital. saro, zara (=scliär), 
Würfelspiel mit drei Würfeln, azzardo (aus dem 
Frz. entlehnt), Zufall; prov. azar-s; frz. liazard, 
dav. das Vb. hasarder und das Adj. hasardeux; 
cat. atsar; span. ptg. azar. Über andere Her- 
leitungen desWortes, unter denen manche sehr aben- 
teuerliche zu finden ist u. welche sämtlich unan- 
nehmbar sind, vgl. Dz 32 azzardo u. Scheler im 
Dict.^ s. V. Die richtige oder doch wenigstens ganz 
glaubhafte Ableitung gefunden zu haben, ist Mahn's 
Verdienst. Vgl. Eg. y Yang. p. 319. 

1118) arab. azza röra, eine Frucht; dav. span. 
acerola, ptg. azarola (frz. azerolle], eine Art 
Mispel; ital. (mit vorgefügtem Artikel) lazzeruola, 
„frutto piü grosso delle ciliege di sapore aspro", 
lomb. lazaren, vgl. Caix, St. 374; Eg. y Yang, 
p. 25 erklärt, u. jedenfalls mit Recht, lat. acerula 
(Dem. V. acer) für das Grundwort. 

1119) arab. az-zofaizaf = span. azufaifa, azo- 
feifa, Brustbeere; ptg. agofeifa, vgl. Dz 429 azu- 
faifa; Eg. y Yang. p. 323 bemerkt, dafs das arab. 
Wort erst selbst wieder aus dem Griech. [zizy- 
phum) entlehnt ist. 



B. 

1120) ba bah (Naturlaut), scheint auf keltischem 
Gebiete (Oberitalien, Gallion) als Interjektion zum 
Ausdruck des Staunens gebraucht worden zu sein; 
davon ital. ftaire; dagegen yon*bald]lret.*badäre 
(s. d.); prov. (es)bahir; frz. ebahir (von Parodi, 
R XXVII 202, aus *e,vvagire v. vagus gedeutet, 
ebenso ptg. embair, betrügen, aus *in-vagire), dazu 
das Adj. fcaü/ erstaunungsvoU. Span. ptg. embair 
scheint anderen Ursprunges (von invadere, wie frz. 
envahir?) zu sein. Vgl. Dz 37 baire; Meyer-L., 
Rom. Gr. I S. 48. — S. unten *bado und (über 
ba'if) *badivus. 

1121) russ. baba(ika), Buchweizenkuchen, = frz. 
baba, Rosinenkuchen, s. R VIII 139. 

1122) *baba, -am f. (ein im Volkslat. zweifellos 
vorhanden gewesener Naturausdruck), Geifer; ital. 
(auch sard.) bava; prov. das Sbst. ist nicht be- 
legt, wohl aber das dazu gehörigoVb. bavar, geifern ; 
frz. bave, dazu das Vb. baver, das auch „reden" 



111 



1123) balia 



1134) *bacRatäriu8 



112 



bedeutet, die zalilroioben woitorou Abloitungon dos 
Wortes (havard, havarder , havardage etc., auch 
hahiller, babil gehören, freilich nur mittelbar, hier- 
her) enthalten sämtlich den Begriff des Sidiwatzens; 
cat. iab-eifi; span. haba, Geifer, hahear, geifern, 
liabosa, schleimige, d. i. hauslose Schnecke; ptg. 
bava, bavar. Vgl. Dz 47 bava; Gröber, ALL I 
246; W. Meyer-L., Gr. I§ 24. Vgl. auch babulns. 

1123) bask. baba, Bohne, + zorro, Sack, = span. 
babazorro, ungeschliffener Mensch, vgl. Dz 429 s. v, 
Parodi, R XVII 53, erblickt in babazorro eine Ab- 
leitung von baba. 

1124) babaeculus, -um, Lebemann, Roue (Petr. 
37, 10; Arnob. 4, 22); davon span. babieca, Einfalts- 
pinsel, vgl. Sittl, ALL II 610. 

1125) engl, babble (mittelengl. babele), mU.babbele, 
plappern; frz. babeler, baboler, babiller,babü,babin, 
vgl. Förster, Z XXII 514. 

1126) *babbiis, Vater; das Vorhandensein eines 
solchen Wortes im Volkslat wird bewiesen durch 
sard. babu, ital. babbo, rum. babä. altes Weib 
(hier kann das Wort aber auch slav. Ursprungs 
sein, vgl. russ. 6ä6a, 6a6yuika etc.); rtr. bab. 
Vgl. Dz 354 babbo; Gröber, ALL I 246. 

1127) babfllus, -nm m., Spitzname eines Räubers 
b. Apal. Met. 4, 14, der Name scheint einen dummen, 
aber grofsmäuligen Menschen bezeichnen zu sollen; 
davon ital. 6a66io (mit Augmentativsuffix babbione), 
einfältiger Mensch (in oberital. Dialekten auch 
„Kröte"), vgl. Flechia, AG II 34 unten ; möglicher- 
weise gehört auch baggeo mittelbar hierher. — 
habulus ist offenbar das Dem. zu einem nicht be- 
legten *babus , das als Schimpfwort („Pinsel', 
„Tölpel" u. dgl.) ungemein volkstümlich gewesen 
sein mufs (vgl. auch baburrus b. Isid. 10, 31 u. 
Placid. gloss. 13, 5), wie die zahlreichen darauf 
zurückführenden n. die Bedtg. ihres Etymons be- 
wahrenden roman. Worte beweisen, z. B. ital. bab- 
beo, babbaccio, babbano, babbuasso, Dummkopf, 
babbole, Kinderpossen; cat. prov. babau, Tropf 
(Vogel p. 68 erklärt die Endung au aus dem dtsch. 
alt, was unzutreffend ist); frz. babioles, Lappalie, 
Kleinigkeit; ptg. babäo, Dummkopf. Vgl. i)z 33 
babbeo; Gröber, ALL I 246, führt auch die lat. 
Interjektion babae auf diesen Stamm zurück, schwer- 
lich mit Recht; Förster, Z XXII 514. 

1128) arab. bftbnsch (v. pers. pftbnseh) Fufs- 
bekleidung, = frz. babouches, Schlafschuhe, vgl. 
Dz 515 s. ■!;. 

1129) ndd. bac, Schüssel (engl, back, Kufe) = 
frz. bac, Becken, Maischbottich, vgl. Mackel p. 63, 
Kluge s. V. Deminutiva zu bac sind baquet u. 
baille = bacula, vgl. Dz 515 bac. Das bret. bak, 
bag ist gewifs Lehnwort, vgl. Th. 89. Mit ital. 
bac-ino etc. kann ndd. bac höchstens urverwandt, 
keineswegs aber das Grundwort der betr. roman. 
Sippe sein, vgl. "'baccinnm. 

1130) bacar, „vas vinarium simile bacrioni"', 
Festus ed. 0. Müller p. 31; davon ital. (sicil.) 
bdcara, kleiner Krug; das Wort ging in das Ger- 
manische über (ahd. hehhar, pehhar, altn. bikarr, 
engl, biker, doch sind die beiden letzteren wohl aus 
mlat. biccarium geformt) und kehrte dann mit ver- 
ändertem ersten Vokale in das Roman, zurück: 
ital. pecchero, bicchiere (= mlat. biccarium) ; rum. 
pähar, vgl. Miklosich, Slav. Elemente im Rumän. 
p. 35; rtr. bichcr; altfr z. pichier, pechier; span. 
ptg. pichel, Weinkrug, Topf. Vgl. Dz 52 bic- , 
chiere; Canello , AG III 381 , wo ganz unnötiger- 



weise gr. ßlxog als Stanmiwort zu *bic{c)arium an- 
gesetzt wird. 

1131) ^bacassa, -am (Ursprung dunkel, viell. 
setzt man besser *bagassa an und deutet dies aus 
*hagacea für *vagacea v. vagus), Frauenzimmer, 
Dienerin; ital. bagascia (wohl aus dem Prov. ent- 
lehnt); prov. bagassa; frz. baiasse, c. o. baias- 
sai«; span. bagasa; ptg. bagaza. Vgl. G. Paris, 
R XXIII 325 Anm., vgl. auch Suchier, Z XIX 104; 
8. unten bag u. bagniyya. Bei der oben in der 
Klammer angedeuteten Ableitung würde anzunehmen 
sein, dafs das Wort zuerst im Frz. gebildet und von da 
in die anderen Sprachen übertragen worden sei. Zu 
ital. bagascia ist viell. bajazzo das zugehörige 
Subst. (frz. baias) mit regelrechter ital. Form des 
Suffixes. 

1132) kelt. Stamm bacc-, krumm (davon ir. gäl. 
bacc, bac Haken, Biegung): auf diesen Stamm sind 
vielleicht zurückzuführen; ital. becco Schnabel (vgl. 
Suet. Vitell. 18: „cui Tolosae nato cognomen in 
pueritia Becco fuerat, id valet gallinacei rostrum"), 
beccare hacken; prov. bec-.« Schnabel, fteca Haken, 
bechar hacken; frz. bec Schnabel, beche (altfrz. 
besehe, wo das s wohl nur graphisch) Grabscheit 
(Horning, Z XXI 450, setzt beche, besehe = *bessica 
1. *bessicare an , ohne jedoch sich näher auszu- 
sprechen), becquer , becquetter hacken, picken, be- 
quille Krücke, bicasne (ital. beccaccia), Schnepfe 
[eigentl. Vogel mit spitzem Schnabel]; (span. bico, 
gewöhnlich pico Schnabel); ptg. bico Schnabel. 
Vgl. Dz 47 becco, Th. 39 u. 45. Die Entwickelung 
der Wortsippe ist vermutlich durch Mischung des 
Stammes bacc- mit dem ebenfalls keltischen Stamme 
becc-, bicc- „klein" (Th. 50) sowie mit dem roma- 
nischen Stamme pic- beeinflufst worden. 

1133) bäe(c)a, -am f. (f. babca, vgl. Vanicek I 
660), Beere, Perle, Gelenk einer Kette (in letzterer 
Bedtg. bei Prud. Tifpi aTS<f>. I 46 u. a.); ital. 
bacca, dessen Schreibung wohl auf schlecht lat. 
bacca beruht, {*baga, dazu Dem.) bagola, Eisbeere; 
prov. baga; frz. baie. Beere, bague (halbgel. AV.; 
Th. Braune stellt bague mit ostfries. bäge, ags. beag 
„Ring" zusammen), Ring, vgl. unten bag; span. 
baya, Hülse, Schote; ptg. baga, Beere, Tropfen 
(gall. bagoa, Thräne, vgl. Michaelis, Mise. 118). 
Vgl. Dz 431 baya u. 516 bague; Gröber, ALL I 
247. — Nach Schuchardt's Vermutung, Ztschr. f. 
vgl. Sprachf. XXI 451, sind auch ital. bagattino, 
bagatella, bajuca, bajocca, bajella auf baca zurück- 
zuführen, 8. unten bag. 

1134) |*baecalärius oder *baccaläris ist die lati- 
nisierte Form des ital. baccnlare (daneben baecel- 
liere, Lehnwort aus dem Frz.); prov. bacalar-s ; 
frz. bachelier; span. bachilter; ptg. bacharel. 
Die Grundbedeutung des Wortes scheint gewesen 
zu sein : „Besitzer eines gröfseren Bauerngutes" (vgl. 
Ducange s. v.) ; wie es auf Grund dieser Bedtg. zur 
Bezeichnung eines jungen Mannes in verschiedenen 
ganz bestimmten Beziehungen (junger Ritter, an- 
gehender Gelehrter, Junggeselle, letzteres im Engl.: 
bachelor) gebraucht werden konnte, ist nicht recht 
ersichtlich. Die Herkunft des Wortes ist ganz 
dunkel, keltischer Ursprung höchst unwahrscheinlich 
(ir. bachlach, entstanden aus *bacaläcos mit bacca- 
larius zusammenzustellen, ist sowohl lautlich mifs- 
lich — wegen des verschiedenen Suffixes — als 
auch begrifflich bedenklich, weil die Bedtg. „Hirt" 
dem Worte nicht mit Sicherheit beigelegt werden 
kann, vgl. Th. p. 38 f.). Unter den vorgeschlagenen 
Ableitungen findet sich manche recht thörichte, so 



113 



1136) bäccbäiiäl 



1150) *bado 



114 



z. B. wenn man an hau cavdlier oder gar an vassal 
gedacht hat. Auch nur als ein Notbehelf kann die 
Annahme gelten, dafs bacc. für *vaccalarius stehe 
[vacca, Knh ; *vacealaria , ein Gut mit einer be- 
stimmten Anzahl Kühe, *vaccnlarius, der Besitzer 
eines solchen Gutes, niäfsig begüterter, in der Regel 
noch jüngerer Landwirt), vgl. Scheler im Dict.'' s. 
1'. Wenn das Wort in seiner Eigenschaft als ter- 
minus teehnicus in gelehrten Eangverbältnissen zu 
haccalaureus (gleichsam von bacea u. laurun) lati- 
nisiert worden ist, so ist das ein drastisches Bei- 
spiel dafür, bis zu welchem Unsinn etymologisierende 
Wortbildnerei sich verirren kann. Vgl. Dz 33 hac- 
calare. 

1135) bficchänSl n. (v. Bacchus), Bacchusfest; 
dav. ital. batcano, „fracasso, bordello, romore sfor- 
mato", vgl. d'Ovidio, AG IV 410, wo haccano als 
aus dem Nom. bacchanal durch Abfall des l u. 
Übertritt des a zu o (um das Genus des Wortes 
fe-stzuhalten) entstanden erklärt wird (ähnlich wie 
nach d'Ovidio's Ansicht tribunal zu tribiina sich 
gestaltet hat) : Storni, AG IV 387, hatte angenommen, 
dafs aus dem adj. Neutr. hacclianale ein *baccha- 
num = baccano als vermeintliihes Primitiv abge- 
leitet worden sei, wie man z. B. aus mnculum ein 
Vinco gebildet hat. 

1136) [*bac(c)innin, -1 n., Becken, ist das voraus- 
zu8etzen(le Grundwort für ital. iuctwo, bacüe: prov. 
baci-s; frz. bacin, bassin (die Schreibung mit ss be- 
ruht wohl auf Angleichung an bas, basse); cat. 
baci; span. bacin (daneben bacia); ptg. bacin-eta 
u. bacin-ica (daneben bacia). An keltische Her- 
kunft der Worte ist nicht zu denken, vgl. Th. 39 ff., 
ebenso wonig an germanische, vielmehr ist dtsch. 
Becken etc. dem Roman, entlehnt. Man raufs einen 
lat. Stamm &ac(c)- ansetzen, wozu man durch das von 
Festus angeführte bacar (s. oben) u. bacrio („ba- 
crionem dicebant genus vasis longioris manubrii") 
sowie durch das bei Isidor belegte bacca „vas 
aquarium" vollberechtigt ist; „baccinon" wird von 
Gregor v. Tours als volkstümlicher Ausdruck für 
patera lignea bezeichnet. Vgl. Dz 34 bacino und 
429 bacia; Gröber, ALL I 247.J 

1137) altnfränk. bacco, Rücken (ahd. bacho, 
engl, back); prov. altfrz. bacon, Schinken, vgl. 
Mackel 71. 

1138) *bäeellüs, -um m. (Dem. z. baca), voraus- 
zusetzendes Grundwort zu ital. baccello , Hülse, 
Bohnenschote; sard. bacce-, baccheddu, bacchio, 
gruccin, vgl. Salvioni, Post. 5, prov. bacel, vgl. 
Dz 354 s. V. 

1139) baceöIOs (gr. ßäxrji.og), stockdumm (b. 
Suet. Aug. 87); davon vermutlich ital. baccello 
(und baciocco), Dummkopf, vgl. Dz 354 baciocco; 
Gröber, ALL I 247. 

1140)cymr. baehes {=bach „klein" + griech.-lat. 
Suffix -isna, vgl. Th. 42) ist von Dz 36 bagascia 
vermutungsweise als Grundwort aufgestellt worden 
zu ital. bagascia, Hure; T^ro\. baguassa; altfrz. 
bagasse, bajasse, haiasse (daneben baissele, bachele, 
letzteres wohl mit Anlehnung an bachelier), Dienerin, 
Kammermädchen, Dirne; span. bagasa, gnvasa, 
Hure; ptg. bagaxa. Es ist jedoch wenig glaub- 
haft, dafs die roman. Worte keltischen Ursprunges 
seien, schon weil baehes erst spät im Cymr. ent- 
standen zu sein scheint, ein *baches-ia od. *bacha-sia 
hätte auch nicht zu frz. bagasse werden können. 
Eher dürfte — woran Dz ebenfalls schon gedacht 
hat — bagassa mit bag-a, bag-aglia, bag-age etc. 
zusammenhängen. Dz verwarf freilich die Ableitung 

Körting, lat.-ram. Wörterbuch. 



von bag-a (Pack), weil „sie keinen befriedigenden 
Sinn gäbe". Aber es wird doch im Deutschen 
„Pack" als verächtliche Bezeichnung gemeiner Men- 
schen gebraucht. S. unten bagniyya. 

1141) bacillnm n. (baculus), Stäbchen, Stöek- 
chen; sard. bacchiddu bastono, vgl. Salvioni, 
Post. 5. 

1142) engl, backbord, Hinterdeck, = frz. babord 
u., mit voiksetymologischer Schreibung, bas-bord, 

j vgl. Pafs, EP III 499. 

1 143) *baciilo, -äre (v. baculus), mit einem Stocke 
sperren; prov. baclnr {=*bacculare? vgl. Thomas, 
R XXVI 414, Duvan, Mem. de la soc. de ling. de 
Paris VIII 185); frz. bäcler, dazu das Kompos. 
debäcler, wozu wieder das Sbst. debacle f. Eisbruch, 
vgl. Dz 515 s. V. 

1144) bäcttlum, -i n. und (spätere Form) baculus, 
-um )H. (nach Vanicek I 185 von \/ ba, gehen, ba- 
culua, non uaclus App. Probi 9), Stab, Stock; 
ital. bacchio „la pertica da abbaoohiare" u. baculo, 
bacolo, „bastone e una specie di misura", vgl. Ca- 
nello, AG III 351; (ptg. bacillo). Vgl. Gröber, 
ALL I 247, s. auch unten bacns. 

1145) *bacus, -um m. (Rückbildung aus baculus), 
Stock; oberital. bac, vgl. Flechia, AG II 35, 
Meyer, Ntr. 136; ptg. bago, Bischofsstab (kann 
aber unmittelbar auf baculus zurückgehen, vgl. 
jedoch Gröber, ALL VI 378). — Deminutivbildung 
zu bacus ist: ital. bacchetta, Gerte, Rute; frz. 
baguette; span. baqueta, vgl. Dz 34 bacchetta. 
Als gewöhnliche Bezeichnung des Stockes brauchen 
die rem. Sprachen *basto u. canna. 

1146) dtsch. bader = rtr. pöder, Arzt, s. Gärt- 
ner, Gr. § 22. _ 

I 1147) [*bädico, -are u. *bädito, -are (f. *va- 
dicare, *oaditare) werden von Parodi, R XXVI 198, 
als Grundformen für eine ganze Reihe ital. mund- 
artlicher Worte und aufserdem auch für frz. ra- 
vager aufgestellt.] 

1148) badiug, a, nm, kastanienbraun; (ital. 
bajo); prov. hai: frz. bai, davon abgeleitet baillet, 
rotbraun; span. bayo. Die Worte werden meist 
nur in Bezug auf Pferde gebraucht (so auch das 
abgeleitete prov. baiart). Vgl. Dz 37 bajo. (Diez 
zieht bajocco, Kupfermünze, braune Münze, hierher; 
Schuchardt dagegen, Ztschr. f. vgl. Spraohf. XXI 
451, zieht das Wort nebst bajuca, Kleinigkeit, zu 
baca.) 

1149) [gleichsam "'badlrus, a, um (v. badare, 
' vgl, pensif v. pensare) = altfrz. baif, wozu das 
; Dem. ba'ivel, baiveau, bailliveau, baliveau, vgl. 

Tobler, Sitzungsb. d. Berl. Akad. d. Wiss., phil.- 
hist. Ol., vom 23. Juli 1896 p. 856, G. Paris, E 
XXV 622.] 

1150) *bado, -äre, den Mund aufreifsen, mttfsig 
gaffen, warten, zaudern; ital. badare, zaudern, u. 
bajare, kläffen (badigliare gähnen), Vbsbst. baja 
mit doppelter Bedtg. : 1. Bucht, Bai (gleichsam der 
aufgerissene Mund des Landes), 2. Posse, Fopperei 
(daneben auch bada in star a bada, mit offenem 
Mundo dastehen, bada bedeutet aufserdem „Schild- 
wache''); zu bajore gehört viell. auch bajazzo (vgl. 
aber auch unten bagf), welches ursprünglich „Tölpel, 
der das Maul aufsperrt" bedeutet haben kann ; 
mittelbar scheint zu bajare zu gehören abbaina, 
Dachfenster, Luke ; prov. 6adac, warten, schmachten, 
{badalhar gähnen); altfrz. baer, beer, den Mund 
aufreifsen (bouche beante, mit offenem Munde, gueide 
bee u. begueule, Maulaffe, vgl. Dz 519 bigueule u. 
Scheler im Dict.^ s. v.); zu baer gehört altfrz. 

8 



115 



1161) baf 



1164) bag 



lin 



[h]abaanz, Bewerber, z. B. Villehard. 256; nfrz. 
bayer {baaiUer, bäiller, gähnen); baeler (glciehs. 
*badiUare), beler blöken; abayer, aboyer, kläffen, 
bellen, vgl. Förster, ZV 95, früher von *adbaubare 
abgeleitet, eine Ableitung, welche Th. p. 42 noch 
jetzt für möglich hält, denn „ahmte der Romane 
das Hundegebell, das der Römer durch bau wieder- 
gab, mit bai nach , so erklärt sich ohne weiteres 
die Differenz von baubari u. haiier", G. Paris, R 
X 444, meint, dafs Förster's Ableitung dem Sinne 
nicht genüge, doch ist das eine unbegründete Aus- 
setzung (vgl. das deutsche ,, klaffen" u. , .kläffen"). 
Vbsbst. baie , 1. Bucht, 2. (altfrz.) vergebliches 
Harren, nfrz. noch in der Verbindung donner la 
baie, einen Schabernack spielen; cat. badar; im 
Span. u. Ptg. fehlt das Vb. , doch ist span. das 
Vbsbst. vaya, scherzhafter Betrug vorhanden; ob 
span. ptg. bahia, Bucht, mit ital. baja, frz. 
baie identisch ist, erscheint zweifelhaft. Auf ein 
*ba[d]ire scheint zurückzugehen frz. esba'ir, ebahir 
(von Parodi, E XXVH 202, = *exva(/ire angesetzt). 
— Lautlich würde es möglich sein, badare etc. von 
germ. baidön (ahd. beitön) „warten" abzuleiten, 
begrifflich aber gestattet dies die ursprüngliche 
Bedtg. des rom. Verbs („den Mund aufsperren") 
nicht, vgl. Maekel p. 116. Herkunft vom kelt. 
*baitare „den Mund aufsperren, gaffen" ist denkbar, 
aber unwahrscheinlich, vgl. Th. p. 42. Vgl. Dz 34 
badare, 37 baja 1 u. 2, 356 bajare; Gröber, ALL 
I 247. — Caix, St. 6, ist geneigt, die ganze Sippe 
aus lat. pandiculari herzuleiten („pandiculari di- 
cuntur, qui tote corpore oscitantes extenduntur, eo 
quod pandi fiunt", Festus ed. 0. Müller p. 220), 
es erscheint das aber als sehr gewagt; badare findet 
sich übrigens schon in den Isidorischen Glossen.— 
Aus bada{re) -\- altital. alloccare (v. ahd. luogen, 
ags. locian = norm, luguer, vgl. Maekel p. 128) 
will Caix, St. 5, ableiten ital. badaluccare Schar- 
mützeln (dazu Vbsbst. badalucco, Scharmützel, ba- 
locco, Maulaffe, prov. badaluc-s, baluc-s), den Be- 
deutungsübergang erklärt er: .,star a guardare, indi 
jperdere il tempo, traccheggiare' e nel linguaggio 
della milizia ,temporeggiare, perder il tempo in 
scaramuccie". Die Hypothese ist aber zu künstlich, 
als dafs sie annehmbar wäre. Auch dafs, wie eben- 
falls Caix, St. 125, annimmt, aret. abndalillare 
„baderlare, perder tempo" aus badare -f lillare 
„balloccarsi" zusammengesetzt sein soll, wird man 
nicht leicht glauben. — Über die zu *badare ge- 
hörige Wortsippe vgl. auch d'Ovidio, AG XHI 414, 
wo aber eine bestimmte Ansicht nicht ausgesprochen 
wird. 

1151) Stamm baf (Naturlaut), hauchen; auf einen 
derartigen Stamm sind zurückzuführen span. vaho 
(altsp. fta/'o), Dampf, dazu Vb. tja/i(e)a»%- ptg. 6o/o, 
Hauch, Dampf, dazu Vb. bafar (gleichbedeutend mit 
bofar, atmen); cat. vaf. Der Stamm beiührt sich 
in Form u. Begriff nahe mit dem ebenfalls onomato- 
poietischen Stamme buflj). Vgl. Dz 429 bafo. 

1152) [bafa, Tunke, ist nach Gröber ALL I 247, 
das anzusetzende Grundwort zu ital. (piemont.) 
bafra, voller Bauch, bafre, schwelgen; neu prov. 
baffä, schwelgen; frz. bäfre, Fresserei, bäfrer, gierig 
fressen. Das lat. bafa ist bei Apic. 3, 89 belegt 
u. dürfte mit dem griech. ßacprj identisch sein. Ob 
auch mlat. baffa, baffo, Speck, Speckseite (s. Mus- 
safia, Beitr. 31), altvenet. bafa dasselbe Wort ist, 
dürfte sehr zu bezweifeln sein. Vielleicht thut man 

tut, von lat. bafa, dem als einem ganz spezifischen 
iunstausdrucke der feineren Küche keine sonder- 



; liehe Volkstümlichkeit u. Triebkraft zuzutrauen ist, 
überhaupt ganz abzusehen, u. die roman. Worte 
samt dem mlat. aus St. baf (s. oben) abzuleiten : 
„gierig essen" u. „den Bauch aufblähen" sind ja 
benachbarte Begriffe; von einem vollen bis zu einem 
fetten Leibe oder irgend welchem andern Körper- 
teile ist der begriffliche Übergangsweg auch nicht 
weit.] 

1153) germ. ^baiTjan (daraus mhd. beffen), u. 
baffön, zanken , schelten , ist vielleicht Grundwort 
zu ital. beffare, verspotten, dazu Vbsbst. beffa; 
prov. Vbsbst. bafa; altfrz. beffler, Vbsbst. befijf)e; 

j span. bafar, befar, Vbsbst. befa (vgl. aber Baist, 
RF I 111, der die span. Worte auf bifidus zurück- 
führen will, s. u. bifidus); nfrz. bafouer. Vgl. Dz 
48 beffa. Eine Notwendigkeit der Ableitung aus 
dem Germ, liegt aber nicht vor u. wird auch von 
Maekel p. 90 nicht behauptet, es lassen vielmehr 
; die betr. Worte sich sämtlich für onomatopoietisch 
; erklären u. auf den Stamm baf (s. d.), bef zurück- 
führen, vgl. auch W. Meyer-L., Z X 171, u. Gr. I § 24. 

1154) Stamm bag. Eine umfangreiche roma- 
nische Wortsippe läfst sich etymologisch nur durch 
die Annahme erklären, dafs die Wurzel pac-, pag- 
(wov. pac-isc-i, pac-s, pa-n-g-o, pe-pig-i, pac-tum, 
pag-ina) volkslateinisch auch mit anlautender tönen- 
der Explosiva in der Gestaltung bag vorhanden u. 
fruchtbar gewesen sei. Wechsel zwischen p u. ft im 
Anlaut ist zwischen Lateinisch u. Romanisch zwar 
selten, kommt aber doch vereinzelt vor (vgl. z. B. 

1 ball- u. päll-). Auf den Stamm bag sind zurück- 
zuführen: prov. altfrz. bagua, bague, Bündel 
(nfrz. bagues, Habseligkeiten) ; sehr möglich , dafs 
auch frz. bague, Ring, dasselbe Wort ist (eigentl. 
viell. ,, kreis-, ringförmig geschnürtes Bündel, Ring- 
wulst"), zumal da bague nicht einen Ring schlecht- 
weg, sondern einen Ring mit Steinen, also einen 
wulstigen Eing bedeutet (andrerseits ist aber auch 
die Gleichung bague = bäca statthaft, s. ob. bäca, 
jedenfalls ist bague im Frz. nur Lehnwort oder 
halbgel. Wort); Herleitung des prov. frz. bagua, 
bague von altn. baggi, Last (vgl. Maekel 67), ist 
mindestens unnötig, eher kann man an Zusammen- 
hang mit ags. beag denken; span. baga, Packseil, 
Last, die dem Maultiere aufgelegt wird. Ableitungen 
1 von baga sind. ital. bagaglio (dem Frz. entlehnt 
j mit Suffixvertausehung , vgl. d'Ovidio, AG XIII 
j 403 , ebenso sind span. bagage, ptg. bagagem 
Lehnworte, freilich aber darf man trotz Eg. y Yang, 
p. 329 u. Lammens p. 37 nicht Entlehnung aus 
dem Arabischen annehmen), frz. bagage, Gepäck; 
itah bagatella, frz. bagatelle, span. bagatela, 
kleiner Packen, Lumperei, Kleinigkeit (s. aber den 
Schlufsabsatz dieses Artikels!); möglicherweise ge- 
hört auch bagascia etc. hierher (s. oben baches). 
Denkbar ist, dafs der Stamm bag identisch ist mit 
St. bac, wov. *baccinum (s. d.) etc., es würde dann 
das Becken u. der Becher ursprünglich als Holz- 
gcfäfse, bestehend aus einzelnen Stücken (Dauben), 
oder auch als zusammengenähte Schläuche aufge- 
fafst worden sein. In ital. pacco, paehetto , frz. 
paquet (Lehnwort) etc. liegt der Stamm pac mit 
bewahrtem ursprüngl. Anlaute vor. — Worte gleichen 
Begriffes u. oöenbar zu demselben Stamme gehörig 
besitzen auch die german. u. die kelt. Sprachen 
(z. B. ahd. backen \}'\u. packen, altn. baggi, Last; 
ir. gäl. pac, bret. pak, vgl. Th. p. 70; Kluge s. v. 
Pack), sie sind wohl für dem Roman, entlehnt zu 
erachten (vgl. Th. p. 70) u. dürften in ähnlicher 
Weise durch den Handelsverkehr übertragen worden 



117 



1155) bäga 



1168) bäla-khaneh 



118 



sein, wie ital. pachetto in das Nhd. Eingang ge- 
funden liat. — [Zum Stamme bag ist vielleicht auch 
zu ziehen ital. baille, Koffer, frz. bahnt, Truhe, 
wenn man annehmen darf, dafs bai'äe aus *bag-üle, 1 
bahut aus *ba(j-ütum entstanden sei. Vgl. unten ' 
behnot.] Zur Erklärung von bagateUe etc. stellt ; 
Suchier, Z XIX 414, Folgendes auf: 1. prov. 6«- 
gas (über den Ursprung dieses Wortes giebt S. 
nichts an, s. unt. baguiyya) Bube, baias „insipidus'' 
(nach Uc Faidit ed. Stengel 45, 25, vgl. ital. ha- 
jaezo), Fem. bagassa frz. bagasse. 2. prov. 6a-' 
gaslel Hampelmann, Fem. bagastella, Nebenform 
bavastel (an bavas angelehnt , über hagastel vgl. ; 
0. Schultz in Herrig's Archiv Bd. 93 p. 129 Anm.), '- 
baastel (Nebenf. balestel, an bal angelehnt; von I 
b[a]astel abgel. das noch ncüfrz. bateleur). S.Aus, 
prov. bagastella, ital, bagatella {dav. bagatelliere),\ 
frz. hagatelle. G. Paris, E XXIV 311, stimmt mit , 
manchen Vorbehalten im wesentlichen Suchier bei, 
dessen Hypothese auch in der That ganz anspre- 
chend u. annehmbar wäre , wenn man nur wUfste, 
worauf bagas schliefslieh zurückgehen soll. 
1. *baga, s. oben bag. 

1155) 2. ahd. bAga, Streit, ist nach Caix, St.; 
194, u. Gärtner, § 22, das Grundwort zu ober- 
ital. (u. rtr.) bega, „contesa, briga", doch fragt 
Caix selbst: „ma come spiegare il mutamento della \ 
vocale tonica"? j 

1156) [^bägäcea, -am f. (f. *oagacea v. vagiis) 
s. unten bagruiyya.] 

1157) Bagdad (Städtename, vgl. Eg. y Yang. p. ' 
335), = ital. Baldacco, frz. Baudas; davon ab- 
geleitet ital. baldacchino (in Bagdad gefertigter. 
golddurchwirkter Seidenstoff, ein daraus hergestelltes 
Zelt, ein Thronhimmel); frz. baudequin, baldaqinn; 
span. baldaquin; ptg. baldaquino. Vgl. Dz 38 
baldacchino. 

1 158) [*bäglna, -am f. (f. vagina). Scheide ; dav. 
nach Parodi, R XXVII 201, ptg. 6ai»/ja, baonilha] 

1159) arab. bagniyya, Hure; dav. nach Eg. y 
Yang. p. 331 prov. span. bagassa, frz. bagasse '< 
Dirne, die Ableitung ist jedoch unwahrscheinlich. 
S. oben bag. Möglicherweise liegt *bagacea f. *va- 
gacea (v. vagus) Herumstreicherin, zu Grunde. S. 
unten vag'acea. 

1160) [bägrulo, -äre {i.vagulo v. vagus); Parodi, 
R XXVII 203, ist geneigt, davon oberital. bagu- 
lare, schwanken, u. andere Dialektworte abzuleiten.] i 

germ. bain s. kelt. banno. i 

1161) [ahd.' baltöii, beitdn, warten; davon wollte 1 
Caix, K. di f. r. II 176. lomb. baita, Hütte, u. 
ital. bettola, Hütte, Schenke, ableiten; für das 
erstere Wort mag man das gelten lassen, für das 
letztere aber ist Storm's Vermutung, AG IV 388, 
vorzuziehen, wonach bettola (mit geschlossenem e) 
aus *bevettola (v. bevetta , frz. buvette) gekürzt ist ■ 
u. folglich auf lt. bibere zurückgeht. An *bibita — ' 
frz. bette, boite, leichter Wein, hatte bereits G. Paris, 
K VIII 618, gedacht, vgl. auch Cohn , Suffixw. 
p. 133 Anm. Die Herleitung von bettola aus dtsc.h. 
betteln, die von Ferrari u. Muratori aufgestellt u. 
von Dz 357 bettola nicht unbedingt verworfen wurde, 
ist begrifflich unhaltbar.] 

1162) Bajae, -as, Stadt und warmes Bad an der 
campanischen Küste; davon rum. baie /'., PI. bat, 
„Bad" u. „Bergwerk", dazu das Vb. bäiez, ai, at, a, 
baden, falls baie nicht etwa Lehnwort aus dem 
Slav. ist, vgl. Dz 36 bagno, Ch. baie. In allen 
übrigen rom. Spr. dienen ba[l]neum u. *bal[e]neare j 
zum Ausdruck des Bades u. Badens. 



1163) bajfilo, -Sre (v. bajulus), eine Last tragen, 
(ein Kind tragen, ein Kind aufziehen, die Last eines 
Amtes tragen, ein Amt verwalten); ital. balire, 
verwalten; rum. bäiez, ai, at, a, aufziehen, pflegen, 
Pt. Pf. bäiat als Sbst. „Zögling", vgl. Ch. baiez; 
sard. baliai, ertragen; prov. bailir, verwalten; 
altfrz. bailler (daneben baillir), tragen, handhaben, 
verwalten, übertragen. Vgl, Dz 36 bailo. Für 
,, tragen" im eigentl. Sinne hat sich portare durch- 
weg behauptet. 

1164) bäjttlus, -um in. (Herkunft unbekannt), 
Lastträger, (dann; Träger eines Kindes = Pfleger, 
Erzieher, Träger eines Amtes = Verwalter, Amt- 
mann [vgl. Darmesteter, La vie des mots p. 92]), 
dazu das Fem. bajnla mit den entspr. Bedeutungen ; 
ital. (bajulo, Lastträger, verdrängt durch facchino), 
bailo u. balivo, balio (= *bajulivus), Amtmann; 
bdila u. bälia, (-o), Amme, balia, Amtei, Vogtei, 
Amtsbefugnis, Amtsbehörde u. dgl., hagliva Macht, 
vgl. Canello. AG III 335, wo auch baggiolo, „so- 
stegno" = bajulus angesetzt wird, wie dies schon 
vorher von Caix, St. 180, geschehen war; über ital. 
Dialektworte, welche auf bajulus zurückgehen, vgl. 
Salvioni, Post. 5; rum. fehlen die entspr Sbst.; 
rtr. baila, Amme; prov. bailieu-s, Landvogt, baila, 
Amme; frz. (bailUf), bailli, Amtmann, baillive. 
Amtmännin, baillie, Herrschaft; span. baile, Amt- 
mann; ptg. bailio, Amtmann. Vgl. Dz 36 hailo. 

1165) arab. [balad oder arab.] bfttll scheint in 
der Bedtg. ,. hohle Hand" (es bedeutet u. a. auch 
,, Stadt") das Grundwort zu span. baladi, wertlos, 
ptg. baladi{o), zu sein. Vgl. Dz 429 s. v., Cornu 
in seiner ptg. Gramm, (in Gröber's Grnndrifs § 131 
u. 255; C.Michaelis, Frgm. Et. p. 61. Eguilazs. ».). 

1166) bälaena, -am f.. Walfisch; ital. balena; 
frz. baieine: span. ballena; ptg. balea; dasWort 
bedeutet überall auch „Fischbein". — F. Pabst. 

1167) *bälaenärius, a, am {balaena), zum Wal- 
fisch gehörig; frz. baleinier Walfisohjäger (Mann 
u. Schiff); span. ballener eine Art Schiff; ptg. 
baleeiro Walfischjäger (Mann u. Schiff). — F. Pabst. 

1 168) pers. bftla-khaneh, hervorstehendes, balkon- 
artiges Fenster. Erker, oberes Zimmer, ist nach 
Wedgwood (s. Dz 42 barbacane u. Scheler im Dict* 
s. V.) das Grundwort zu ital. barbacane, Brustwehr 
mit Schiefsscharten, Stützmauer, Unterwall; rtr. 
barbachaun. Stützmauer; prov. barbaeana; frz. 
barbacane, Verteidigungswerk, jetzt nur: Schiefs- 
scharte; cat. barbaeana, Fensterdach, Dachvor- 
sprung, Schutzwehr; span. barbaeana, Aufsenwerk 
einer Festung, gleiche Bedtg. hat ptg. barbacä, 
barbacäo. DieWedgwood'sche Etymologie befriedigt 
nicht, ebensowenig thun dies andere Ableitungen 
aus Orient. Sprachen, wie z, B. von arab. barhakh, 
Wasserröhre (+ khäna Haus), vgl. Lammens p. 41 
(bei Eg. y Yang, wird das Wort nicht besprochen). 
Sollte das Wort nicht einfach aus barba + canis 
zu erklären u. volksetymologisch zu verstehen sein? 
Das Wort scheint ursprünglich eine aus spitzen 
Pfählen u. dgl. errichtete Schanze zu bedeuten, eine 
solche Befestigung konnte mit Bezug auf ihre gleich- 
sam struppige Beschaffenheit vom Volkswitz sehr 
wohl als „Bart" bezeichnet u. zugleich, weil sie aus 
einer Art von spitzen Zähnen besteht, mit dem 
Hund in Verbindung gesetzt werden. Jeder weifs 
ja, dafs die Volksetymologie sich derartige Scherze 
gestattet. Baist, Z V 244, hält das Wort für iden- 
tisch mit altspan. albacara, Aufsenwerk (eigent- 
lich ,,une vaste etable, oü les habitants et la gar- 
nison d'une forteresse mettaient le gros betail" Dozy) 

8* 



119 



1169) balan 



1183) balko 



120 



u. tritt, namentlich mit Hinweis auf die catalani' 
sollen Bedeutungen , naehdrücklich für die Herlei- 
tung aus bälakhaneh ein; überzeugend ist indessen 
seine Beweisführung keineswegs, namentlich wird 
man nicht leicht glauben, dafs albacara, das sich, 
wie Baist selbst bemerkt, aus al -\- vacar (v. vacca) 
leicht erklären würde, u. barbacana im Verhältnisse 
von Scheideformen zu einander stehen. 

1169) got. balan, Blässe, d. h. dunkelfarbiges 
Pferd mit weifsen Flecken an der Stirn (vgl. Prokop, 
Gotenkriegl 18); mm. bälan; a,\t{rz. balam, bnle. 
Vgl. Suchier. Z XVIII 187 (s. auch ALL IV 601). i 

1170) bälatro, -onem m., gemeiner Possenreifser; 
davon nach Schuchardt. Z. f. vgl. Sprachf. XX 270, 
das bei Diez 232 unerklärte span. frz. balandran 
u. ital. palandrano, -a. langer Mantel, Eegen- ; 
mantel, eigentl. ein Kleid, wie es übel berüchtigte 
Leute trugen. Übrigens ist auch ital. balandron, 
Gauner, Vagabund, vorhanden. S. unten unter 
binnenlaender u. ivallandaere. 

1171) [*bSlätro, -äre, schreien; span. bdladrar, \ 
schreien; ptg. bradar. Vgl. Cornu, R XI 82; Baist, 
Z VII 633; anders Diez 430 baladrar.] ' 

1172) bälaustium, -i n. {ßKlavaxiov), die Blüte 
des wilden Granatbauraes; das Wort ist im Roman, 
nur als Kunstausdruck der Architektur in der Bedtg. 
„Geländersäule'" erhalten: ital. balaustro u. 6a- 
laustre; frz. balustre; span. balnüstre, vgl. Dz 37 
balaustro. Wegen des unorganischen r vgl. C. Mi- 
chaelis, Jahrb. XIII 216, u. Storm, R V 168; Bei- 
spiele desselben Lautvorganges sind u. a. ital. 
giostra v. juxtare , frz. registre v. regesta. Vgl. i 
Lehmann, Bedtgswandel p. 80. 

1173) *balbäticus, a, nm (v. balbm), lallend, 
unzusammenhängend, thöricht redend, dumm; rum. 
hobletic, einfältig, dumm, s. Ch. s. v.; span. bo-' 
batico, dumm. j 

1174) [*balbecus, a, um (v. balbuK), stammelnd, 
stotternd, daraus soll nach Storm, R IV 351, durch 
Abfall der ersten Silbe (vgl. basin aus bombasin) 
entstanden sein frz. begiie (dav. begaud), dazu das 
Vb. begayer; altspan. vegue. Die Annahme ist 
unwahrscheinlich, erstlich weil ein lt. balbeeus eine 
gar wunderliche Bildung wäre, u. sodann weil aus 
-becus oder -becus nimmermehr ein volkstümliches 
begue eotstehen konnte. Dz 519 meinte, dafs begue 
möglicherweise aus prov. bavec-s (span. babieca), 
alberner Schwätzer (v. *baba, s. oben), gekürzt sei, 
aber auch dies ist unglaubhaft. Das Wort mufs 
als noch unaufgeklärt gelten. Horning, Z XXI 450, 
leitet begue v. *bissicare (v. *bissus v. bi.i) „zwei- 
mal sagen" ab, was höchst unwahrscheinlich ist.] 

1175) bälbns, a, um (verwandt mitbalare, blöken), 
stammelnd, lallend; sard. bovu, einfältig; ital. 
balbo; frz. (baube), e-baub-i, {balb-utier) ; prov.6a/6 
u. bob; ptg. bobo. Das Rum. u. Span, haben 
statt dessen *balbaticus. 

1176) ir. balc, stark (Grundbedtg. violl. ..fest"), 
ist vielleicht das Grundwort zu prov. balc, feucht. 
Die Ableitung erscheint wegen des Bedeutungs- 
wandels als kaum annehmbar. Vgl. Dz 616 balc 
u. Th. 89. Vgl. No. 1183. 

1177) 1. westgerm. (u. ahd.) bald, kühn; ital. 
baldo, keck, munter, dazu Sbst. baldore, Übermut, 
6aMonn, Freudenfeuer, Vb. s-baldire, s-baldeggiare, 
kühn werden; prov. baut, baudos, Sbst. baudor; 
in. baud, munter (jetzt nur als Sbst. in der Bedtg. 
Parforcehirsch), dazu das Dem. bandet , Zuchtescl 
(eigentlich das muntere, übermütige Tier), Sbst. 
baudour (daneben haldise, baudise, womit badise 



wohl identisch ist, vgl. Leser p. 73), altfr«. Vb. ««- 
baldir, übermütig werden; span. baldo etc. werden 
ihrer Bedtg. wegen besser von arab. ba'tala (s. d.) 
abgeleitet. Vgl. Dz 38 baldo und 518 bandet; 
Mackel p. 61; Th. Braune, Z XVIII 519. 

1178) 2. german. (engl.) bald, kahl; dav. leitet 
Nigra, AG XIV 269, ab frz. baud, haarloser, ber- 
berischer Hund, u. baudet, Esel (weil dies Tier im 
Vergleich zum Pferde haarlos ist). Höchstens aber 
für baad ist die Ableitung zu billigen (falls das 
Wort nicht etwa einer afrikanischen Sprache ent- 
stammt) , keinesfalls für baudet, das von Dz 518 
•5. V. ganz befriedigend erklärt ist. 

1179) ahd. bald(e)rich, Gurt; die ursprüngl. Bdtg. 
des Wortes lebt im Roman, nur in Ableitungen fort; 
ital. budriere, Gürtel, Degengehenk; prov. batt- 
drat-z; frz. baldre, baldret, baudre (nur altfrz.), 
baudrier, altfrz. eslmudre, die vom Gurt umspannte 
Mitte des Leibes; ptg. boldrie (Lehnwort). Vgl. 
Dz 518 baudre. — Das germ. Grundwort hat im 
Roman, die Bedtg. „Bauch" (d. i. der vom Gurt 
umspannte Körperteil) angenommen: ital. (parm.) 
bodriga, vgl. jedoch Mussafia, Beitr. 35 Anm.; 
span. ptg. barriga (wenn dies nicht vom Stamme 
barr abzuleiten ist), vgl. Dz 430 s. v. 

1180) [*b51Tänus, a, um (von dem griech. Pferde- 
namen Baliog, Ilias XVI 149, XIX 400), gespren- 
kelt, scheckig, soll nach Wölfflin (Sitzungsb. d. k. 
bayer. Akad. d. Wiss., phil.-hist. Gl. 1894 Heft 1 
p. 107) das Grundwort zu ital. bahano etc. sein, 
doch ist diese Ableitung lautlich unannehmbar. S. 

I unten balqä u. namentl. '''balteanus.] 

1181) bäl(i)iieo, -äre (v. balineuni), baden; ital. 
bagnare; (rum. baiez, ai, at, a, gleichsam *bajare 
v.Bajae?); ^rov.batihar; frz. baigner ; cat. ban- 

[har; span. baPiar; ptg. banhar. Vgl. Dz 36 
j bagno; Gröber, ALL I 248. 

1182) bSI(i)nefim, -i n. (gr. ßaXavslov), Bad; 
ital. bagno (aret. haregno = balineum, vgl. Caix, 
St. 182); (rum. baie = Bajae oder dem Slav. 
entlehnt?); prov. banh-s; frz. bain (daneben als 

; Fremdwort in der Bedtg. ,, Gefängnis für Galeeren- 
i Sklaven" bagne); cat. batiy; span. ftoAo (daneben 
i bona, sumpfiger Ort); ptg. banho. Vgl. Dz 36 
bagno; Gröber, ALL I 248; Meyer, Ntr. 164 f. 
' An den beiden ersten Stellen wird bemerkt, dafs 
nach der Konsonantierung von e (*balnjo) das l 
nicht mehr aussprechbar gewesen sei. Das ist bei 
romanischen Lautverhältnissen richtig, befremdlich 
aber ist, dafs l nicht vokalisiert wurde (*baunjo, 
*bonjo). Die Wortsippe scheint durch eine Fremd- 
sprache beeinflufst worden zu sein, aber durch 
welche? Man könnte an das Spätgriech. (Mittel- 
griech.) denken, in welchem (nach einer brieflichen 
Mitteilung Thumb's) ein *ßavelov od. *ßävsiov vor- 
handen gewesen zu sein scheint, aber vermutlich 
ist dies griech. Wort dem Romanischen entlehnt, 
nicht umgekehrt. Das slav. bartja ,, Badstube" (dazu 
das Vb. banitj) scheint dem griech. entnommen 
worden zu sein, kann also auch nicht auf das Ro- 
man, eingewirkt haben, was übrigens von vornherein 
1 unglaubhaft sein würde. Es ist wohl *bagnurn 
nach stagnum gebildet worden. — Dafs bagno aucli 
zur Bezeichnung des Gefängnisses für Galeeren- 
sklaven gebraucht wurde, erklärt sich leicht daraus, 
dafs in der Regel die schwimmende Galeere selbst 
der Kerker eines solchen Sklaven war. 

1 183) germ. balko schw. ra. (ahd. balcho) oder 
ibalk (st. m.?), Balken (vgl. Mackel p. 58) = ital. 

balco n. palco, Gerüst; altfrz. baue, nfrz. bau, 



121 



1184) ball, bal 



1194) balsa 



122 



Querbalken: span. ptg. palco. Tritt, Bühne u. dgl. 
Mitroman. Suffix: ital. balcone, frz. balcon (Lehn- 
wort); span. balcon; "ptg. balcäo. Vgl. Dz 37 
balco u. 517 6««. — Naoh Si'holer's (im Anhang 
z. Dz 783) geistvoller Annahme ist von altfrz. 
baue ein Vb. *baucher („aus Balken zimmern, eine 
Hütte bauen") u. von diesem das Vbsbst. bauche 
(., Balkenbau, Arbeiterhütte. Werkstätto", in letzterer 
Bedtg. von Menage angeführt) abgeleitet worden: 
daraus erklären sich die Verba em-bauclier (gleich- 
sam *imbalcare), einen Gesellen in die Werkstatt 
nehmen, anwerben, dcbaucher (gleichsam *de-ex-bal- 
care), einen Gesellen aus der Werkstatt locken, 
jem. verführen; ebaucher bedeutet eigentl. ,, einen 
Bau über das erste Gerüst hinausbringen, aus dem 
Groben herausarbeiten, die erste Anlage fertig 
stellen". (Seheier leitet ebaucher von baucJie in der 
Bedtg. ,, Tünchwerk" ab, „wenn es nicht aus altfrz. 
enbocher = it. sbozzare verderbt ist".) Kaum aber 
dürfte dem auf halko zurückgehenden bauche die 
Bedtg. „Tünchwerk" zukommen, es hat vielmehr, 
wenn das Wort scheinbar in dieser Bedtg. gebraucht 
wird, Verwechslung mit hauge stattgefunden ; letz- 
teres Wort dürfte auf kclt. hole [s. oben] zurück- 
gehen, die Grundbedtg. von balc scheint „fest" 
gewesen zu sein, vgl. Th. p. 89, folglich konnte ein 
von balc abgeleitetes Sbst. zur Bezeichnung einer 
festigenden , klebenden Substanz (Mörtel u. dgl.) 
dienen, weiterhin auch zur Bedeutung „schmutziger, 
klebriger Ort" gelangen; möglicherweise läfst sich 
auf ähnliche Art auch das prov. Adj. balc, feucht, 
begrifflich mit dem gleichlautenden kalt. Worte ver- 
bin<len. 

1184) Stamm ball, bal (womit sich wohl *hall- 
f. vall, wov, vallas Futterschwinge, kreuzt); auf 
diesen Stamm, der aus dem Griech. (ßa'/j.stv, nä'/.- 
Isiv etc.) in das Lat. verpflanzt worden sein dürfte 
u. dessen ursprüngliche Bedtg. „werfen, in kreisende 
Bewegung versetzen, herumschwingen" gewesen zu 
sein scheint, geht eine umfangreiche romanische 
Wortsippe zurück, deren wichtigste Vertreter sind: 

a) Verba: ttal. ballare, tanzen (in dieser Bedtg. 
schon im Lat. b. Augustin. z. B. serm. 106, 2 ed. 
Mai); pallare, Ball spielen: balicare, schwanken, 
flattern; vielleicht auch balenare. blitzen (Dz 855 
baleno wollte das Wort von gr. ßeXefivoi' ableiten, 
vgl. auch ob. No 408): coraask. balä, schwanken; 
piem. bale, schütteln; parm. baltar , schwingen. 
Vgl. Schuchardt, R IV 258. Prov. balar, tanzen; 
frz. altfrz. &aZer,tanzen; 6aZoj>r, schwanken, flattern; 
cat. balejar, Getreide schwingen; span. u. ptg. 
baiilar, tanzen, a-balar, erschüttern. 

b) Substantiva: a) in der Bedtg. „Kugel, Ball, 
Tanz": ital. balla, palla (gr. nä/.^.a), mit Aug- 
mentativsuffix ballone; prov. bala; frz. balle, 
Kugel (davon ballon u. ballot, wov. wieder balloter), 
bal (Vbsbst. z. baier): span. u. ptg. bala, Kugel, 
baile, Tanz. — ß) in der Bedtg. „schwankendes 
Reis, Rute, Rutenbesen" frz. baloi, balai (v. baloiier, 
ballliier, balayer, dasVb. übernahm dann vom Sbst. 
die Bedtg. „kehren"; balai aus dem Kelt. abzu- 
leiten, wie Dz 516 s. v. will, ist unmöglich, vgl. Th. 
p. 89). — y) in der Bedtg. „Blitz" ital. baleno. 
Ganz anders, nämlich aus bis -j- Hucinure (vgl. tose. 
balugmare), erklärt das Wort Caix, St. 7; noch 
anders, nämlich aus *albenum. Nigra, vgl. No 408. 

Vgl. Dz 38 balla (wo die betr. Subst. aus ahd. 
balla etc. abgeleitet werden; ein zwingender Grund 
dazu liegt aber nicht im mindesten vor, obwohl 
Kluge s. Ball es anzunehmen scheint; Mackol p. 59 



i läfst die Frage unentschieden), 38 balicare, 39 bal- 
lare, 516 balai, Schuchardt, K IV 253. 
*balla s. balL 

1185) [*ballatorium n. (f. vall. v. vallls:), nach 
Parodi, R XXVII 205 = ital. ballatojo, bedeckter 
Gang, Galerie.] 

"^ballico, -äre s. ball. 

1186) [*bfillis, -em f. ({. vallis), Thal; über Re- 
flexe dieser Form in ital. Mundarten vgl. Parodi, 
R XXVII 205.] 

1187)bällista, -am/', (v. ßäV.stv), Wurfmaschine; 
ital. balista, Schleuder, balestra (mit offenem e], 
Armbrust, vgl. Canello, AG III 321; obw. bnllc- 
ster; span. ballesta, ptg. besta, vgl. Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1188) ballistärifis, -nm (v. ballistd), Schleuder- 
schntze; ital. balestrajo, ,,chi fa balestrc", e ba- 
lestriere, „soldato armato di balestra", Canello, AG 
III 304. 

1189) [*bSllittum n. (tvall. v. oallis), nach Pa- 
rodi, R XXV1I205. = altfrz. balct kleines Thal.] 

1190) arab. bailfl't, Eichel, Kastanie (vgl. Freytag 
I 153a); ital. ballotta, gesottene Kastanie; span. 
bellota, Eichel; ptg. belota, boleta, bolota, Eichel. 
Vgl. Dz 432 bellota. 

1191) [*balma, -am /. scheint als Grundwort für 
prov. cat. altfrz. balma, balme, bäume, Fels- 
grotte, angesetzt werden zu müssen; andere Ab- 
leitungen dieser rom. Worte sind unhaltbar, weder 
im Germ, noch im Kelt. findet sich ein Stamm, der 
sich heranziehen liefse, freilich auch im Lat. nicht, 

'falls man nicht etwa mit Cohn, Z XIX 57, ein 
*bassima, Superl. v. bassus, ansetzt (s. oben unter 
aboniinatus) oder etwa das mutmai'sliche *balma 
für aus ball -\- ma{t) entstanden ansehen u. also 
für mit griechischem Suffixe gebildet erachten will, 
balma würde dann eigentl. das „Gehobene, Gewölbte" 
bedeuten; der Geschlechtswechsel (Ntr. : Fem.) hätte 
nichts Auffallendes an sich, s. Meyer, Ntr. 93. Vgl. 
Dz 516 balme.] 

1192) bälo u. belo, -äre, blöken; itaL belare; 
rum. .^bier, ai, at, a; frz. beler (gehört nur schein- 
bar hierher, in Wirklichkeit ist es = *badillare, 
woraus zunächst bneler entstand; mit beler identi- 

i ficiert Doutrepont, Z XXI 231, pic. berle „criailler, 
; pleurnicher"); prov. cat.belar; span. belar (ber- 

rear); ptg. belar (berrar). Vgl. Dz 48 belare; 

Gröber, ALL I 249. Aus ba(lare) + latrare ent- 
! stand nach Caix, Z I 422, span. baladrar ; (ptg. 
: braadar, bradar). S. latro. 

1193) arab. balqä, weifs u. schwarz gesprenkelt, 
weifsfüfsig (vom Pferde), ist nach Devic (s. Scheler 
im Anhang zu Dz 753) Grdw. zu ital. balzano, prov. 
bausari, altfrz. baugant, über dessen Bedtg. man 
vgl. Böhmer, RSt I 260 ff. (nf rz. balzan, schwarzes 
oder rotbraunes Pferd mit weifsgefleokten Füfsen, 
ist Lehnwort aus dem Ital.). Dz 355 balza leitete 
das Wort von *baUeanus (v. balteus) ab, die ur- 
sprüngl. Bedtg. würde dann etwa „gesäumt" ge- 
wesen sein. Die Ableitung aus dem Arab. genügt 
dem Begriffe, aber (weil q nicht zu f werden kann) 
nicht den Lauten. Das richtige Grundwort dürfte 
*balteanus sein, vgl. Densusianu, R XXIV 586 
(s. auch oben balianus). 

1194) bask. balsa, Sammlung, Anhäufung, soll nach 
Dz 430 s. V., der sich wieder auf Larramendi beruft, 
das Stammwort sein zu cat. bnssa, span. balsa, 
Pfütze, Plofs, ptg. balsa, Strohgeflecht, Gestrüpp. 
Die Ableitung aus dem Bask. ist wenig glaubhaft, 
wenigstens für das ptg. Wort, das eher aus baltea 



123 



1196) balsSmlna 



1206) band 



124 



(gürtelartige Einfassung, Saam, daher ein Geflecht ' 
u. Gebüsch , welches zur Einfassung dient) zu er- ! 
klären sein dürfte. 

1195) balsämiua (Fem. des Adj. halsaminua, o, 
um, Plin. H. N. 23, 92) = frz. balsaniine, wall. ' 
volksetyraologisch benjamine, hcljamine, vgl. Fafs, ; 
KF III 492. Das Wort findet sich auch sonst im I 
Rom. 

1196) balsämuni, -i n. (gr. ßälaufiov), Balsam- \ 
Strauch, -saft; ital. balsamn, halsiino; frz. bäume; ' 
span. bälsamo; ptg. balsamo. Vgl. Leser p. 73 j 
(wo altfrz. bahime angeführt wird). 

^baltearius , a, nm (v. halteu><] s. oben balqS. 

1197) [*balteätus, a, um (v. bnlteus) = rum. 
bältat gefleckt, vgl. Densusianu, R XXIV 586.] 

1198) balteus m. u. baltettra it., Gürtel; ital. 
halsa, in der Bedtg. „Saum" (in der Bedtg. „Ab- 
sturz, Abhang" ist es Vbsbst. zu balzar = *ballizsare 
V. ballare); rum. balf, bll^, Schnur, Netz: ptg.fcaZsa, 
Banner (vgl. auch oben balsa), balso, (gedrehtes 
Tau). Aufserdem ist das Wort in der gelehrten 
Form bilteo u. in der Be<itg. „Wehrgehänge" im 
Ital., Span. u. Ptg. vorhanden. Lat. balteus wurde 
durch das gleichbedeutende ahd. balderich (s. d.) i 
vielfach verdrängt, u. wo es sich erhielt, erhielt es j 
sich eben nur in den angegebenen abgeleiteten Be- 
deutungen. — Meyer-L., Rom. Gr. I g 17 am ; 
Schlüsse, leitet auch ital. balza, Vorsprung, bal- \ 
zare, springen von balteus ab. 

1199) bälfix, -ttcem /. (iberisches Wort, Goldsand, 
b. Plin. H. N. 33, 77) = span. baluz, kleiner Gold- 
klumpen, vgl. üz 430 s. V., die Ableitung ist jedoch 
zweifelhaft 

1200) germ. *balTäsi, *balowäsi (entspr. got. ' 
*balvasesis, balvasesci, vgl. Mackel p. 71) soll nach 
Dz 201 malvagio das Grundwort sein zu ital., 
malvagio (wahrscheinlich Lehnwort), bös, schlecht ; 
prov. malvatz, -vaitz; frz. mauvais. Bugge, R 
IV 862, hat die Diez'sche Ableitung mit guten 
Gründen bestritten (was Fafs, RF III 513 , wieder 
zu ihren Gunsten bemerkt hat, ist belanglos) und [ 
ein *malvatius als Grundwort aufgestellt, welches i 
er wieder aus *malcatas = male elevatus, schlecht \ 
erzogen, böse, entstanden sein läfst, (span. mnlvado, 
böse, prov. inalvat, altfrz. mauve, vgl. Dz 465 ] 
malvado). K. Hofmann, ALL I 592, will mauvais 
u. malvado v. *malvax, *malvatus herleiten (v. 
malva, die Malve. die Adj. sollen bedeuten „weich- 
lich wie Malvenblätter", die Begriffe „weichlich" | 
n. „schlecht" aber nach antiker Auffassung sich 
nahe berühren). Die Hypothese ist geistvoll , aber 
nnwahrscheinlich ; übrigens kann aus *malvax (u. 
ebensowenig aus malvaeeus) weder maleagio noch : 
mauvais entstehen. Gröber, Mise. 45, erklärt mal- 
vagio etc. aus male + vatius {male würde dabei 
als Gradationsadverb aufzufassen sein, so dafs male 
vatius eigentlich bedeutet „häfslich , krumm , sehr 
krumm", der Bedeutungsübergang von ., krumm" zu 
„schlecht" hätte sein Analogon in tnrtum :fn.turt). 
Auch bei dieser Ableitung kann man sich nicht j 
beruhigen, erstlich weil male als (rradationsadverb j 
nicht gehraucht wird, sodann weil das Simplex va- 
tius im Roman, fehlt. Über das Grundwort *mal- 
vntius k<immt man freilich nicht hinaus, aber es j 
mufs für dasselbe eine amiere Ableitung u. Be- 
gründung gesucht werden. Schuchardt, Z XX 536, 
bat malefatius als Grundwort aufgestellt — , ein 
sehr ansprechender Vorschlag, wenn nur der Wandel i 
von / zu V glaublicher gemacht werden könnte, vgl. ; 
indessen vices : fois, (freilich aber handelt es sich I 



da um anlautendes f), scrofellas : scrovellas : ecrou- 
elles (hier stand aber v zwiechenvokalisch). 

1201) *bäinbSeium, *boinbäcTiim, ■! n. (v. bom- 
byx), Baumwolle; ital. bambagio, bambagia; das 
übliche Wort für Baumwolle ist im Rom. das arab. 
(al)-qo'ton geworden; ital. cotowe, frz. coton, span. 
algodon, ptg. algoduo (dtsch. Kattun). VgL Dz 39 
bambagio u. 111 cntone. Vgl. oben al-qo'ton. 

1202) *bainbinaria (v. *bambus, bambino), zum 
Kinde gehörig: ital. hambinaja ,,bambinaggine, 
donna che custodisce i bambini", bambinea ,,cosa 
dolcissima e soavissima da bambini", vgl. Canello, 
AG HI 304. 

1203) bamborinm, -i w. (vom Stamme bamb-), 
ein „bam bara" tönendes musikalisches Instrument 
(Serg. expl. in Donat. 632, 2, ed. Keil): Gröber, 
ALL I 248, leitet von diesem lt. Worte ab: span. 
bamb-aro-tero, Schreier, bambolla, eitles Gepränge; 
limous. &a»i?)0)TO, Bafsinstrument, gascogn. bam- 
borlo, Geschwätz. 

1204) *bambus, a, um (v. einem Stamme bamb-, 
aus welchem der lat. Name Bavibalio abgeleitet ist, 
derselbe Stamm dürfte im griech. ßaiJißalL'C,eiv, 
stammeln, vorliegen), eigentl. stammelnd, dann ein- 
fältig; ital. bambo, bamba, einfältig, kindisch, dav. 
Deminutiva bambino, bambolo, -a, Puppe, Kind, Pejo- 
rativ bamboccio (frz. bamboche), Vb. bamboleggiare, 
Kindereien treiben; span. bambarria, Dummkopf, 
bamb-oche, kleiner, dicker Knirps. — Die ursprüng- 
liche Bedtg. des Stammes bamb- dürfte eine ono- 
matopoietischo gewesen sein , indem damit das 
Platzgeräusch bezeichnet worden zu sein scheint, 
welches durch wiederholtes Schliefsen u. Öffnen der 
Lippen, wie es bei den der Sprache wenig mächtigen 
Personen (Kindern, Stammlern) vorkommt, erzeugt 
wird (ba-ba, bam-ba). Wenn dem so ist, so konnte 
derselbe Stamm sehr wohl auch zum Ausdruck 
des Geräusches dienen , welches ein hin- und her- 
schaukelnder u. dabei anstofsender Gegenstand her- 
vorbringt (das deutsche bim-bam, bum-bum). Dem- 
nach würde Dz ganz mit Recht span. bamba, 
Schaukeln, hambolear, schaukeln, u. sonstige roman. 
Worte verwandter Bedtg. auf diesen Stamm zurück- 
geführt haben. Vgl. Dz 39 bambo: Gröber, ALL 
I 248, wo über die Worte mit der Bedeutung des 
Schaukelus bemerkt wird, dafs sie von dem Begriffe 
des Stammeins u. „mit den Zähnen klappern", die 
das griech. Wort vereinigt, „zu weit abliegen, um 
hierher gestellt zu werden". Da es sich aber eben 
um einen onomatopoietischen Stamm handelt, so 
erscheint die Annahme statthaft, dafs derselbe im 
Lat. einen weiteren Bodeutungskreis gewann, als im 
Griechischen. 

1205) *bampa f. vampa (u. *bapörem f. vapö- 
rem); über Reflexe dieser Formen vgl. Parodi, R 
XXVn 205. 

1206) germ. Stamm band aus bandv, mit Abfall 
des ableitenden -{n)d[-v] ban (v. v'öa, idg. bha, laut 
sprechen), Zeichen, ein Zeichen geben, vgl. Mackel 
p. 69; ital. bando, Aufgebot; prov. {auri-)ban-s, 
Goldbanner; altfrz. ban, Fahne, davon baniere 
(prov. baneira), banniere (dtsch. Panier), altfrz. 
baverez {-'es), haneret , vgl. Tobler, Sitzungsb der 
Berl. Akad. d. Wiss., phil -bist. Cl., 19. Jan. 1893). 
Tobler, Z III 572, war geneigt, in banquet ein an 
banc sich anlehnendes üemin. v. ban zu er- 
blicken, so dafs das Wort ursprünglich „Einladung" 
bedeutet haben würde, aber die von G. Paris, R IX 
334, dagegen geltend gemachten Gründe sind über- 
zeugend. S. auch No 1213. 



125 



1207) bandi 



1226) bärbSrös 



126 



1207) got. bandl f., westgerm. *banda, Band; 
ital. banda, Binde, Bande, dav. bandiera, Tahnen- 
band, Fahne; prov. banda, dav. bandiera: frz. 
bände, dav. banderole, das dann in penderole um- 
gedeutet worden zu scheint, vgl. Cohn , Suffixw. 
p. 260; span. banda, dav. bandera; ptg. banda, 
dav. bandeira. Vgl. Dz 40 banda: Mackel p. 58 
u. 69, s. auch oben band. 

1208) |*baiidieo, -äre, banlco, -äre (gleichs. 
Ableitung vom Stamme ban-dv, s. oben) = alt frz. 
banoiier (wie eine Fahne) flattern , hin u. her sich 
bewegen, sich umhertreiben, sich belustigen, sich 
erholen; in den letzteren Bedeutungen ist das Komp. 
esbanoiier gewöhnlicher.' 

1209) [*bandio, -Ire (= gerni. *bandjan vom 
Stamme bandv), durch Ruf ein Zeichen geben, jem. 
laut entbieten, vor Gericht laden, verurteilen, ver- 
bannen; ital. handire (Pt. Pf. bandito , der Ge- 
ächtete, der vogelfreie Verbrecher); prov. bandir; 
span. ptg. bandir. Vgl. Dz 40 bando: Mackel 
p. 69.] 

1210) [*band-o, -onem (abgeleitet vom germ. St. 
ban-d mittelst des roman. Suffixes -ow) = altfrz. 
bandon, Verkündigung, Ermächtigung, Vollmachts- 
erteilung, Gestattung eines freien u. willkürlichen 
Verfahrens, vgl. Burguy 11 266; ä bandon, nach 
Willkür, nach Belieben", dav. das Vb. abandonner 
etwas der Willkür jemandes überlassen, preisgeben 
(vgl. Förster zu Eroc 17). Vgl. Dz 40 bando.] 

1211) germ. bauk, st. f. u. st. m. (vgl. Mackel 
p. 57), Bank; ital. hanco n. banca, dazu das Vb. 
banchettare, Bänke (an Tische) hinstellen, ein Zimmer 
für ein Gastmahl fertig machen, ein Gastmahl halten, 
daher das Sbat. banchetto, frz. banquet, Gastmahl; 
frz. banc (so auch prov.) u. banque (letzteres wohl 
dem Ital. entlehnt, wie Laut u. Bedtg. anzeigen), 
von banc viell. abgel. bancal, krummbeinig {ban- 
croche viell. Kreuzung von bancal u. croche), vgl. 
Marchot, Z XIX 100; im Span. u. Ptg. lauten die 
Formen der Worte wie im Ital. Vgl. Dz 40 banco. 
Dafs an kelt. Ursprung der Worte nicht zu denken, 
bemerkt Th. p. 43. Über banquet vgl. Tobler, Z III 
572 (der es von ban herleitet), u. dagegen G. Paris, 
E IX 334. 

1212) [*bankäriu8, -um m. (v. bank), Inhaber einer 
Wechselbank; ital. banchiere etc. Vgl. Canello, 
AG III 304.] 

1213) [germ. ban + gall. leuga, gallische Meile, 
= frz. banlieue, Bannmeile, Gerichtsbezirk, Weich- 
bild, vgl. Dz 517 s. V.] 

1214) germ. ban(n) (v. v/ ba, idg. bha. laut 
sprechen, vgl. lat. fari, vgl. Mackel p. 69, Burguy 
II 265), öffentliche Verkündigung, prov. frz. ban. 

1215) |*ban(n-)älis (adjektivische Ableitung von 
germ. ban) = frz. banal, einem Aufgebote unter- 
worfen, einem Herren- oder Gemeinderechte unter- 
stehend, einer Gemeinde zugehörig (z. B. taureaii 
banal, Gemeinde-Zuchtbulle), daher: allgemein, ge- 
wöhnlich, abgedroschen, vgl. Burguy, II 266.] 

1216) [*bannlo, -Ire (= altnfränk. bannjan, vgl. 
Mackel p. 69), entbieten, vor Gericht laden etc., (s. 
oben *bandio), = frz. bannir. Vgl. Dz 40 bando.] 

1217) keltisch, bezw. gallisch banno-, Hörn; dav. 
prov. bans, bana; altfrz. baue; cat. banya. 
Vgl. Meyer-L., Z XIX 278; kelt. Ursprung hatte 
auch Diez (517 ban) schon vermutet, ihm wider- 
sprach aber Thurnoysen p. 90. Mackel p. 115 
stellte germ. bain „Bein , Knochen'' als Grund- 
wort auf. 



1218) [*bannn8 f. vannas; dav. nach Parodi, R 
XXVn 206, ptg. abano, Fäcfier, abanico, abanar.\ 

1219) bäptisterlum n. {ßannazijfiiov), Tauf- 
stein; tose, battisteo, vgl. Salvioni, Post. 5; frz. 

i baptistere (über die lautliche Entwickelung des 
I Wortes vgl. Cohn, Suffixw. p. 286, s. auch Berger 

s. V.), über das Adj. baptistaire vgl. ebenda p. 289 

Anm. 2. 

1220) bäptismiis, -um m. (gr. ßanrwfioi) u. bap- 
tizo, -äre (gr. ßami'C.fiv) , Taufe u. taufen , sind 
in gelehrter, bezw. halbgelehrter Form in alle rom. 
Spr. übergegangen: am weitesten entfernt sich von 
den Grundworten rum. botez, PI. botezuri, n. botez, 
ai, at, a, s. Ch. s. v. Bemerkenswert ist auch alt- 
frz. baptisier, batoiier, vgl. Berger s. «. ; cat. 6a- 
tiar u. batejar, vgl. Ollerich p. 12. 

ahd. bära, Trage, s. bera. 

1221) [*baranea (v. barwi= haro, Mann), Mann- 
weib, unfruchtbares Weib, soll nach Diez' Vermutung 
Grundwort sein zu dem altfrz. Sbst. fcarrtigfne, un- 
fruchtbare Frau , woraus durch Umstellung des r 

i nfrz. Adj. hrehaigne, unfruchtbar, entstanden wäre. 
Das bret. bre&hagn ist erst aus dem Frz. entlehnt. 
Vgl. Dz 532 brehaigne; Th. p. 93.] 

1222) bärbä, -am f. (aus bardha, vgl. Vanicek I 
565), Bart; das Wort ist in derselben Form in alle 
rom. Spr. übergegangen (frz. barbe , dazu barbet, 
Pudel, vgl. Cohn, Suffixw. p. 187, barbelle, barbelle, 
vgl. Cohn, p. 23 u. 199), auch die Bedtg. ist die- 
selbe geblieben, zu bemerken ist nur, dafs im Ital., 
Rtr. u. Altfrz. das Wort als Verwandtschaftsname 
(zur Bezeichnung des Vaterbruders, Oheims) ge- 

! braucht wird, vgl. Dz 355 .5. v. 

[*barbacana, -am f. s. oben bäla-khaneh.] 

1223) *bärbäctum, -i n. (f. vervactuin), Brach- 
acker; sard. barvatu; span. barbecho; ptg. bar- 
beitn. (Prov. garag-z, frz. gucret gehen, wie das 
anlautende g anzeigt, auf vervactuin zurück. Das 
Gemeinitalienischo kennt das Wort nicht u. braucht 
statt dessen *maggese = *majensis.) Vgl. Dz 42 
barbecho; Gröber, ALL I 248. S. unten verTactum. 

1224) [*bärbänu8, -um m. (v. barba) = ital. 
barbano, Oheim, vgl. Dz 355 barba.] 

1225) |*bärbärifis, -um m. (v. barba), Bart- 
schneider; ital. barbiere u. barbiero u. dem ent- 

i sprechend in den übrigen rom. Spr 1 

1226) bärbarus, a, um (gr. ßa^ßa^og, barbarus, 
non barbarApp. Probi 36, vgl. ALL XI 62), barbarisch, 
wild; in seiner (abgesehen vom Nominativ -s) vollen 
Gestalt ist das Adj. den roman. Spr. nur als gelehrtes 
Wort bekannt. — Vermutlich aber geht auf bar- 
barus (.- brabarus : *brabus) zurück ital. bravo, 
dav. Sbst. bravura (frz. bravoure); prov. brau, 
bravo; [frz. brave Lehnwort (dav. im 17. Jahrh. 
das deutsche brav), eigentl. frz. Form würde *bref 
sein, viell. auch *brou, worauf rabrouer hinzudeuten 
scheint]; span. ptg. bravo, vgl. die scharfsinnige 
und interessante Untersuchung von Cornu, R XIII 
111. — Andere Ableitungen des Wortes firauo sind: 
1. von *rabus (Grundwort zu rabidus), mit vorge- 
schlagenem b *brabu.i (Menage); 2. von rabidus, 
b-rabidus (Storni, R V 170, vgl. dazu Baist, Z V 
557, W. Meyer, Z VIII 219 u. Schuchardt, Roman. 
Etym. I 42, öch. verteidigt nachdrücklich Storm's 
Ableitung unter Hinweis auf span. ptg. bravio 
f. *brdvio, gleichs. * brabidus f. bräbidus u. ital. 
brado „junger Stier" für *brab'do, der Anlaut 6»- 
soll von bragire, bradere, bramare entlehnt sein); 
3. von kymr. brau, Schrecken (Dz 65 bravo, vgl. 
Th. p. 48); 4. v. pravus (Dz a. a. 0.); 5. v. ahd. 



127 



1227) bärbätüs 



1243) bSro 



128 



raw, roh (Dz a. a. 0.); 6. von fru in defrutum, ■ 
abgekochter Most (Böhmer, Jahrb. X 196); 7. von 
got. A(ij. blaggvus (zu bligyvan, schlagen), denn 
bravo soll zunächst von den an das Ufer anschlagen- 
den Wellen („unde brave") gesagt worden sein 
(Brinkmann, Metaphern 443 ff.). Einer Widerlegung 
bedürfen alle diese Etymologioon nicht, da sie den 
Stempel der Unmöglichkeit zu deutlich an sich , 
tragen. i 

1227) bärbätüs, a, um (v. barba), bärtig; das Ädj. 
ist in der entspr. Form in allen rem. Spr. vorhanden 
(frz. jedoch barbi, vgl. Cohn, Suffixw. p. 187 (u. 
183), u. barbu = harbutus, auch ptg. barbiido 
neben barbado), bemerkenswert ist nur, dafs rum. ' 
härbät auch als Sbst. in der Bedtg. „Mann, Ehe- 
mann" gebraucht wird. 

1228) *bärbea f. (barba) = ital. bargia „gio- 
gaja", vgl. Zambaldi s.v.; davon bargiglio ,,carnc 
pendente dal collo dei galli e anche dei becchi", 
vgl. d'Ovidio, AG XIII 404. 

1229) bärbitinm n. [barba], Bartwuchs, Bart; 
ital. barbigi, venez. barbisi, mail. barbis, vgl. 
Salvioni, Post. p. 5; Meyer-L., Ztschr. f. Österreich. 
Gymn. 1891 p. 767. 

1230) [*bärbülio, -äre (v. barba), in den Bart 
hinein murmeln, unverständlich reden, = ital. 
barbugliare, span. barbullar, frz. barbouiller (be- 
deutet auch „beschmutzen", eigentl. in den Bart ; 
spucken) (daneben span. barbotar, cat. barbotejar, 
mail. barboltä, pic. barboter). Vgl. Dz 58 bar-' 
bogliare, s. auch unten bullare.] I 

1231) barbus, -um »i., Barbe, Cyprinus barba L. 
(Auson. Mos. 94 u. 134); ital. barbo u. barbio: 
rum. barb, s. Ch. harbä; (frz. barbeau = *bar- < 
bellus); span. ptg. barbo. 

*bSrbiitus, a, um (v. barba), s. barbatus. 

1232) bäreä, -am f. (aus bäricä v. gr. /iäpig, 
Nachen), Kahn (Paul. Nol. carm. 21, 95; Corp. inscr. 
lat. 2, 13, Isid. 19, 1, 19. Vgl. Bucheler, Rhein. Mus. 
XLil 585); dies Sbst. ist in alle roni. Spr. über- 
gegangen, Bedoutungsänderung ist nirgends einge- 
treten, eine Lautänderung nur im Prov. (fcarja) u. 
im Frz. (altfrz. bärge, nfrz. berge, welches letztere 
Wort aber in der Bedtg. „Uferabhang" auf das 
deutsche „Berg" zurückgeht, falls es nicht keltischen 
Ursprunges ist, vgl. Th. p. 43; nfrz. barque ist aus , 
dem Ital. entlohnt). Vgl. Dz 42 barca. Herleitung 
des Wortes vom kelt. (ir.) bare (vgl. Th. p. 43) oder 
aus dem altn. barkr ist entschieden abzulehnen, 
vgl. Mackel p. 68. 

1233) [*barcaneo, -äre (v. barca), Waren zu Schiff 
hin- u. herfahren, handeln, ist violleicht das Grund- 
wort zu ital. bargagnarc, handeln, unterhandeln, 
feilschen, dazu Vbsbst. fcarf/a^wo, -p lov. bar ganhar, 
frz. harguigner, feilschen, zaudern (dazu altfrz. 
Vbsbst. bargaine, umständliches Benehmen), ptg. 
barganhar , Tauschhandel treiben. Vgl. Dz 43 
bargagno. Bedenklich ist bei dieser Ableitung frei- 
lich das an barca angetretene Suffix. Besprochen 
wird dies Wort (sowie das in ital. Mundarten sich 
findende Vb. bragagnar , tasten) von Mussafia, 
Beitr. 37. Scheinbar ansprechend ist Ulrich's Ver- 
mutung, Z III 266, dafs Oargacjnare aus einem got. | 
*haurgnjan, ahd. *borganjan abzuleiten sei, freilich 
aber sind die von Mackel p. 53 dagegen geltend 
gemachten lautlichen n. begrifflichen Einwendungen : 
durchaus überzeugend. G. Paris allerdings bemerkt, 
R VIII 629, Ulrich's Ansicht sei „ä prendre en : 
serieuse consideration".] 



1234) bSreella, -am /'. (barca), kleine Barke; 
pav. barcela; piac. barce, vgl. Salvioni, Post. 5. 

1235) [*bar (= bis) -cörrotfilo, -äre, widerlich 
rollen; dav. viell. ital. harcotlare, hin- und her- 
schwanken, vgl. Pascal, Studj di fll. rem. VII 89.] 

1236) arab. barda^, Sklave, vielleicht Grundwort 
zu ital. bardascia, Knabe, der zur Unzucht ge- 
brauclit wird (im Sard. bedeutet das Wort auch 
Knabe schlechtweg u. im Piemont. u. Mailand, hat 
es nur die-se schlechthinnige Bedtg.), altfrz. bar- 
dache (das Wort bedeutet auch „Stange"), span. 
bardaja. Vgl. Dz 42 bardascia: Eg. y Yang, 
p. 340. 

1237) altn. bardi, Schild; viell. Grundwort zu 
ital. barda, frz. barde, span. ptg. barda; diese 
Worte bedeuten „Pferdeharnisch (gleichsam Schild 
des Pferdes)", aber auch „Sattel", „Mauerbedeckung" 
u. „(wie ein Schild um den Braten gewickelte) Speck- 
schnitte". Alle diese Bedeutungen lassen sich, da 
sie in dem Begriffe des Bedeckens zusammentreffen, 
sehr wohl mit einander verainen, auch span. al- 
barda, Saumsattel, ist wohl dasselbe, nur mit dem 
arab. Artikel verbundene Wort u. braucht nicht auf 
arab. al-barda'ah, öattoliinterlage, zurückgeführt 
zu werden. Dagegen dürfte altfrz. barde in der 
Bedtg. „Zimmeraxt" (auch rum. barda) vom ahd. 
barta, ndl. harde, Hacke, abzuleiten sein. — Ab- 
leitungen von barda „Perdebedeckung" sind: ital. 
bardella, bardellone, prov. bardd-s, frz. bardeUe, 
Sattelkissen, ital. bardotto, frz. bardot, Satteltier 
(Maulesel), endlich frz. bardeau, Schindel (gleich- 
sam Decke des Daches). Vgl. Dz 42 barda; Mackel 
p. 59. 

1238) mlat. bariglldus („sicher ein deutsches 
Wort, aber von unklarem Ursprung" Dz) = ital. 
bar(i)gello , Häscherhauptmann, altfrz. barigel, 
span. ptg. b/irrachol, -el. Vgl. Dz 43 bargello. 

1239) l*bärigüIo, -äre (f. *varigulo v. varius) = 
piem. barguilc, frz.barioler, vgl. Parodi, R XXVII 
210; für das frz. Wort, das übrigens gelehrte Form 
zeigt, mufs man *baricläre ansetzen, vgl. Variola.] 

1240) arab. barlmah, Bohrer (Preytag 114b); dav. 
vielleicht ptg. verruma, Bohrer. Vgl. Dz 3iO ver- 
rina. 

1241) [*bar {= bis) -f longus, a, um, ungleich 
lang; davon ital. barlongolo „specie di rapa ob- 
lunga", s. Caix, St. 94; frz. berlong, barlong, un- 
gleich länglich. Vgl. Dz 517 barlong.] 

1242) [*bar (= Ms) + *Iacülo, -äre (v. lux), in 
falscher Weise erhellen, ist das vermutliche Grund- 
wort z. ital. (ab-, s-)bagliare, (vor)blenden, verstärkt 
durch nochmalige Vorsetzung der Partikel bar ab- 
barbagliare, dazu die Sbstve (s-)baglio, barbaglio, 
bagliore. Vgl. Dz 355 bngliore.] 

fftS" Andere mit bar = bis zusammen- 
gesetzte Worte sehe man unter bis. 

1243) bäro, -önem m. (identisch mit väro, vgl. 
varus, Klotz, Tölpel), einfältiger Mensch (in dieser 
Bedtg. bei Cicero) , dann : Trofsknecht , Soldaten- 
diener (vgl. die, nach Teuffei, Rom. Litteraturgesch. 
§ 302, 6, im karolingischen Zeitalter entstandenen, 
Schollen zu Persius' Satiren , herausg. v. 0. Jahn 
in seiner Persius - Ausg., zu Sat. V 138 „lingua 
Gallorura [d. h. im gallischen Latein, bezw. Roma- 
nischen] barones vel varones dicuntur servi militum, 
qui utique stultissimi sunt, servi scilicet stultorum", 
freilich stammt diese Bemerkung nur von dem 
Herausgeber Pithoeus, vgl. Wölfflin , Sitzungsb. der 
bayer. Akad. d. Wiss., phil.-hist. Cl., 1894, p. 105, 
s. auch ALL IX 13 u. 466), aus der Bedtg. 



129 



1244) barr 



1263) bäslllcä 



130 



„Trofsknecht" aber konnte sicli die von „kräftiger 
Kerl , starker Maon , tapferer Mann , ritterlicher 
Mann, Edelmann" entwickeln; i tal. 6arone; prov. 
c. r. bar, c. o. barö; altfrz. c. r. 6er, c. o. haron, 
nfrz. baron; span. varon; ptg. varäo (in den 
pyrenäischen Spr. wird das Wort vorwiegend in der 
bedtg. „Mann" schlechthin oder „tüchtiger Mann" 
gebraucht und dient nur im Span, gleichzeitig auch 
als Adelsprädikat. Die Herkunft des roui. baron 
vom lat. baro klar erkannt u. nachgewiesen zu 
haben, ist Settegast's (RF I 240) Verdienst, vgl. 
auch Kiccohoni in den Atti del R. Istituto Veneto 
di scienze t. 6. Serie 7 (1894/95); Parodi, R XXVII 
213; Fisch, ALL V 62. Vorher war der Ursprung 
des Wortes Gegenstand vielfacher u. z. Teil höchst 
abenteuerlicher Vermutungen gewesen. Dz 43 ba- 
rone dachte an Entstehung aus ahd. bero, Träger, 
was begrifflich sehr wohl gebilligt werden konnte. 
An keltischen Ursprung ist nicht zu denken, vgl. 
Th. p. 44. Cornu (Gröber's Grundrifs I 751) setzt 
ptg. varäo = *marönem (Ableitung von mas maris) 
an. — Neben barone, Baron, ist im Ital. ein baro 
und barone, Betrüger, Falschspieler, Schurke, vor- 
handen, woran eine zahlreiche auch über das Prov., 
Altfrz., Span. u. Ptg. sich ausbreitende Wortsippe 
sich anschliefst (ital. baroccio u. baroccino, pis. 
sbarazzino ,,biricchino, monello" [vgl. Caix, St. 502J 
barocco, unerlaubter Gewinn, iaruWo, Höker, prov. 
baralha u. altfrz. berele, Gezänk, Wirrwar, frz. 
barat,barat(t)erie,\]nteischleif, baratter, schwieraeln, 
span. u. ptg. barajar u. baralhar, Karten mischen, 
verwirren, dazu die Subst. baraja n. baralha, 
aufserdem span. baruca, Schlich, Intrigue.) Mit 
dieser Wortsippe berührt sich begrifflich u. laut- 
lich eine andere , vermutlich auf griech. TcpätTfir 
zurückgehende, zu welcher u. a. ital. barattare, 
im Handel betrügen, prellen, gehört. Es scheint 
gegenseitige Beeinflussung zwischen beiden Wort- 
sippen stattgefunden zu haben, durch welche auch 
der Wechsel von p:b in *prattare : barattare ver- 
anlafst worden sein mag). Es ist sehr wohl denk- 
bar, dafs ital. baru{ne), Betrüger, nebst seiner Sippe 
ebenfalls auf lat. haro beruht, die Bedtg. „Trofs- 
knecht, Soldatendiener" gab auch für eine Ent- 
wickelung des Begriffes in malam partera eine sehr 
geeignete Grundlage ab. Vgl. Dz 43 baro u. 41 
baratto. Für barattare ist aueh kelt. Ursprung 
aus Stamm mrat-, brat-, „verraten" denkbar, vgl. 
Th. p. 43. 

1244) kelt. l»arr (aus *bars, *basto), das buschige 
obere Ende, der Schopf; dav. friaul. bar, Busch, 
bologn. bar, parm. ferr. ber, Büschel, vgl. Schu- 
chardt, Z IV 126, Th. p. 43. 

1245) Stamm barr- (herausgebildet aus dem Adj. 
varus [vgl. ■oaro], *bariis [vgi.6aro|, *varrus [vgl. 
den Eigennamen Varro], *barrus, schräg, quer, sperrig, 
sperrend), vgl. Körting, Formenbau des frz. Nomens, 
AnhangVI, Parodi, R XXVII 207; um diesen St. ftarr 
reiht sich eine umfangreiche romanische Wortsippe 
(vgl. Dz 45 barra), deren hauptsächlichste Vertreter 
folgende sind: 1. ital. barra, Querholz, Stange, 
Riegel, dazu Vb. barrare, verriegeln; in den übrigen 
rom. Spr. entsprechend (nur das Rum. kennt den 
Stamm barr- überhaupt nicht); 2. ital. barriera, 
Sperre; in den übrigen rom. Spr. entsprechend; 
3. ital. ftamcata, Verraramelung ; ist in die übrigen 
rom. Spr. übergegangen; 4. ital. baracca, Bretter- 
bude, ist auch in andere rom. Spr. übergegangen; 
5. prov. (ob auch altfrz.?) barras, dav. frz. em- 
barrasser, versperren, ein Hindernis in <len Weg 

Körtiiif^, lat.-roin. Wörtt^rbuch. 



legen, auch span. em-barazar; 6. frz. barre,barrer 
(dav. barrot Karren, baroter fuhrwerken, barotier, 
Fuhrmann, vgl. Marchot, Z XIX 101), barreau, 
Gitterstange, vergitterter Platz; 7. span. ptg. bar- 
rica, Tonne (damit ist vielleicht identisch barriga, 
Bauch, s. aber oben unter balderich); 8. ital. 6a»'- 
rile, frz. barü, span. ptg. barril. Fafs; 9. span. 
barral, grofse Flasche. — Über die Wortsippe 
handelten früher Dz 45 barre, Th. 44, Körting unter 
No 1062 der ersten Ausg. des Lat.-rom. Wtb.'s u. 
dagegen Guarnerio, R XX 257. 

1246) [*bar-t- rigfilo (v. *riga, Wasserfurche), in 
unschöner Weise streifig machen, ist nach Dz 517 
der lat. Typus zu frz. barioler, in unscliönor Weise 
bunt bemalen. Darmesteter, Des Mots comp. 105, 
leitete das Wort von bis -j- regulo ab , was laut- 
widrig ist, wie Schelor im Anhang zu Dz 783 richtig 
bemerkt.] Über die richtige Ableitg. vgl. No 1239. 

1247) arab. barriyya ^Plur. baräri). Ebene, 
Wüste, = altfrz. berrie, Wüste (nichts mit berrie 
zu schaffen haben berrerie, brie, brye), vgl. Galtier, 
R XXVII 287. 

1248) [*bar-rotulo, -äre, in schlechter Art hin- 
und herdrehen, kreiseln; altital. baruUare roto- 
lare; lomb. borelä, burlä, tose, burlare rotolare, 
gettare via. Vgl. Pascal, Studj di fil. rom. VII 92 
(Pascal erklärt burla als Vbsbst. zu burlare, vgl. 
jedoch unten burrüla).] 

1249) hehr, bärüch habbäh (Dan '^ns, eigentlich 

„Gesegneter wohlan"), in hebräischen Gebeten häufig 
wiederkehrende, daher auch den der Sprache Un- 
kundigen auffällige Worte, welche nun eben wegen 
ihrer Unverständlichkeit in Verballhornungen zur 
Bezeichnung einer unverständlichen, kauderwälschen, 
wirren Rede gebraucht wurden; dav. ital. bara- 
onda, baracundia (aret. baruccabä, sieil. bara- 
gunna, Wirrwarr); frz. barngouin, Kauderwälsch; 
span. barahunda, Tumult; ptg. barafunda, Wirr- 
warr. Vgl. Caix, St. 181; G. Paris, R VIII 619; 
Scheler im Anhang zu Dz 782; Barad, Z XVII 562. 
— Dz 517 hatte baragouin aus bret. bara, Brot, 
+ gwin, Wein gedeutet, womit Th., da er das Wort 
nicht besprochen , einverstanden gewesen zu sein 
scheint. 

1250) altir. b4s, Tod; davon ital. basire, sterben, 
comask. sbasi, sterben, erbleichen, piem. sbas'i, 
erbleichen. Vgl. Dz 356 baaire u. Th. p. 83. 

1251) bask. basca, Ekel = span. ptg. prov. 
basea, vasca, Ekel, Angst, Mifsbehagen, dazu das 
Vb. ba^icar. Vgl. Dz 431 basca. W. Meyer, Z XI 
252, hält das bbst. für das Vbsbst. zu *vascare, 
sich krümmen (v. vascus, krumm), wobei er treffend 
auf die Bedtg. des ptg. vasca, krampfhafte Zuckung, 
Neigung zum Erbrechen hinweist. 

1252) kelt. bäscanda, väscauda; dav. nach G. 
Paris, R XXI 400, ital. vasca, altfrz. baschoe, 
frz. bcKhe Plane, Wagendecke. Vgl. Tobler, Z XVII 
317; Parodi, R XXVII 215. S. unten Täsica. 

1253) basiliea, -am f. (gr. ßaaü.ixri; basilica, 
non bassilica App. Probi 199), Kirche; rum. bise- 
ricä, s. Ch. s. v.; vegl. basdlca, valtell. baselga, 
bellinz. haserga, vgl. Salvioni, Post. 5; rtr. 6a- 
selgia, vgl. Gärtner, Gr. § 3». In den übriger, lum. 
Sprachen ist basiliea dujvh ccdesia völlig verdrängt 
worden. Ob altfrz. baeoche auf basiliea zurück- 
geht, wie gemeinhin angenommen wird, bleibe da- 
hingestellt; Förster zu Cliges V. 6121 erklärte das 
Wort aus barocke = *parochia, vgl. G. Paris, R 
XIII 446. 



131 



1254) basia 



1269) ba'tala 



132 



1254) ['''biisia, *ba8nla (f. vasia, vasula); dav. 
viell. oberital. feast'a, bozia, basgia,bas{o)la ,,ta.f- 
feria, piatto largo di terra o di Icguo, coiica, sco- 
della" vgl. Parodi, E XXVII 214; Lorck, Ältbergam. 
Sprachdenk., setzte *batii)la an)j. 

1255) gr. basiliscns, -umm.,SehlaDge;altfrz. ha- 
salisc, basalisques. basilique, benelique, vgl. Berger *•. v. 

1256) bäsio, -äre (v. basiiini), küssen; ital. 
haeiare; prov. baizar ; frz. bniser (auch Sbst.): 
Span, besar; ptg. heijar. Dem Rum. fehlt ein 
entspr. Verb gleicher Bedtg., huzeresc, ii, it, i (v. 
bmä = basium) bedeutet „nur mit den Lippen 
sprechen, betrügen". 

1257) *bäsiolnm, -1 n. (basium), Kufs; altfrz., 
bezw. prov. basiol (Passion 28^); dasselbe Wort 
ist viell. neu frz. baiseul, Kleberranft am Brote 
(cöte par lequel deux pains se sont touches dans le 
four" Littre), vgl. Cohn, Suffixw. 252. 

1258) bäsiam, -i n., Kufs; ital. bacio (selten 
bagio); prov. bais, Kufs; frz. fehlt das Wort, 
statt seiner wird der Inf. baiser gebraucht; span. 
heso, Kufs, bezo, Lippe (vielleicht gehört hierher 
auch buz in der Redensart hacer el buz, seine Er- 
gebenheit beteuern, eigentl. den Handkufs geben); 
ptg. beijo, Kufs, beigo, Lippe. Vgl. Dz 34 bncio. 

1259) gr. baskaino {ßaaxalvco). behexen; rum. 
boscani, ii, it, i, u. altfrz. basquiner, bezaubern; 
8. Dz 517 basqiiiner. 

1260) *bäs[sl]ina, -am f. (analog. Superl. zu 
bassus) , Vertiefung , dav. nach Cohn , Z XIX 57, 
frz. batime Höhle (vgl. fantasma : jf'aniome). S. 
balma u. abominatus. 

1261)*bassTo,-äre (v.öas«««), niedrig machen; [ital. 
(a6)6assare];prov. baissar; frz. baisser; span. bajar; 
ptg. baixar. Vgl. Dz 45 basso; Gröber, ALL I 248. 

bäss'nm] bütyrum s. batt[ere] büt.vrfim. 

1262) bassiim labrnm; daraus nach Dz 516 viel- 
leicht frz. baVetre, (Unterlippe), Schmarre, indessen 
will Diez in dem zweiten Bestandteile lieber ahd. 
leffur erkennen; Darmesteter, Mots comp. 110, setzt 
bar-\- labrum an, was glaubhafter ist, da nach Diez' 
Ableitung basse levre (denn levre ist Fem.) erwartet 
werden miifste. 

1263) *bassus, a, um (im Schriftlatein nur als 
Personenname üblich; nach Ulrich, Z XX 537, 
bassus : battere = missus : mitter e; [als Adj. ist 
das Wort in Gloss. mehrfach belegtj), dick, kurz, 
niedrig; ital. basso, sard. bassu, basciu (=*bas- 
sius); rtr. bass; prov. frz. bas; cat. baixo; span. 
hajo; ptg. baixo. Vgl. Dz 45 basso; Gröber, 
ALL I 248. — S. oben äböminätns. 

1264) bass[us] cal[ns], daraus nach Dz 517 frz. 
baseule, vgl. aber oben No 710 antlia. 

1265) Stamm bast-; zahlreiche romanische Worte 
nötigen zur Ansetzung eines volkslat. Stammes bast- 
mit der Grundbedtg. „stützen, tragen" (vgl. das 
vermutlich urverwandte gr. ßaar-at^eiv, s. Vanicek 
I 223), u. im Schriftlatcin wenigstens durch zwei 
Worte vertreten : basterna, eine auf Querhölzern 
getragene Sänfte (z. B. Lampr. Heliog. 21, 7), u. 
bastum, Stab, Stecken (b. Lampr. Commod. 13, 3). 
Die wichtigsten Glieder der aus bast- hervorge- 
gangenen rom. Wortsippe sind: a) Substantiva: 
1. itcl. hasto, Saumsattel (ursprüngl. wohl nur die 
Stange, welche LoStticrer über den Rücken gelegt 
wird u. an welche man Körbe u. dgl. befestigt), 
prov. bast-z, frz. bast, bat, dav. bateuil, bateul 
Hinterteil des Geschirrs der Packtiere, vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 252 Anm. 2; span. basto, ptg. fehlt 
das Wort. 2. Ital. bastone, Stock, rum. baston, 



prov. basto{'>i)-K , frz. bäton, span. baston, ptg. 
hastäo. 3. Ital. hastia, Bastei, (in den übrigen 
Sprachen scheinen entsprechende Bildungen zu 
fehlen"). 4. Ital. bnstione, Bollwerk, das ital. Wort 
ist in das Frz. etc. übergegangen. 5. Frz. bastille, 
kleine Festung (das Wort setzt ein ital. bastiglia 
voraus, welches jedoch fehlt); nicht hierher gehört 
span. bastilla, Saum, bastidilla, s. unten bastjan. 
6. Span, bastida (eigentl. Pt. Pf. P. von bastir), 
bewegliches Schutz-, Schirmdach (die vinea der 
Römer), im Ptg. bedeutet das Wort „Sehanzpfahl, 
Palissade", im Prov. (u. Frz.) „kleines Landhaus, 
Villa". 7. Ital. span. ptg. bastardo, prov. ba- 
start-z, frz. bätard, uneheliches Kind. Die Be- 
deutung des Wortes erklärt sich entweder aus der 
Bezugnahme auf den Maulesel {bast, Saumsattel, 
Lasttier, Maulesel), vgl. Caix, St. 8, oder, wie Mahn 
meinte, aus der Anspielung darauf, dafs uneheliche 
Kinder oft nicht in Betten, sondern auf zufällig 
sich darbietenden Lagern und Sitzen, etwa auch auf 
Saumsättcln und Warenballen, erzeugt werden, vgL 
G. Paris, R VIII 619. Die letztere Annahme kann 
durch Hinweis auf ähnliche Ausdrücke, wie frz. 
fils de char u. dtsch. Bankert (v. Hank, also das 
Bankkind), gestützt werden. Volksetymologisch 
wurde frz. fils de bast zu fils de bas umgedeutet. 
8. Span. ptg. basterna, eine Art Wagen oder 
Sänfte (s. oben). — b) Verba: 1. ital. bastire, 
frz. bätir, span. ptg. bastir (Stöcke zusammen- 
fügen), bauen, davon wieder bastida (s. oben) u. 
bastimento, frz. bätiment, Gebäude, Schiff. 2. Ital. 
prov. span. ptg. bastare, bastar (mit Stöcken 
ver)sto[jfen, anfüllen, voll machen, mit Übergang in 
die neutrale Redtg. „voll sein, genug sein, hin- 
reichen'', dazu Vbadj. span. ptg. basto, voll, dicht, 
dick, grob, roh. 3. Ital. bastonnare, frz. bätonner, 
mit einem Stocke prügeln, davon das Vbsbst. baston- 
nata, Stockprügel. — Vgl. Dz 46 basto u. 45 bastardo. 
[♦bastlo, -Ire s. Stamm bast- u. bastjan.] 

1266) germ. bastjan (ahd. hestan), flicken; davon 

ital. {im)hastare, frz. bätir, span. cat. (em)bastar, 

span. ptg. oastear; alle diese Verba bedeuten „mit 

weiten Stichen nähen, steppen, heften", dazu das 

Vbsbst. ital. span. ptg. basta, Heftdraht. Vgl. 

Dz 46 basto; M.ickel p. 69. 

*basto, -oneni m. i ^ „,„ .„„. 

V . ' . 1 s. ötanim bast-. 

bastum, -i n. | 

1267) [Bastuli u. Basculi, -orum, eine Völker- 
schaft in Hisp. Baetica; über das lautliche Verhält- 
nis der beiden Formen vgl. Ascoli, AG HI 456.] 

1268) *bästulo, -äre (f. *Bnstiilo v. vasto); dav. 
rum. bostur, ai, a, verwüsten; viell. gehört hierher 
auch piem. rabaste; altfrz. rabaster (Lehnwort) 
lärmen, stofsen, rahast. rebast Lärm. Vgl. Parodi, 
R XXVII 213. 

1269) arab. ba'tala, nutzlos sein; davon nach Dz 
38baldo span. ptg.&«/(üa, Mangel, Fehler,Schwäche, 
baldo, leer, dürftig, baldio, vergeblich, unnütz, eitel, 
leer, balde, vergebens, umsonst, baldar, unnütz 
sein, vielleicht auch baldon, baldäo, Mifsgeschick, 
Vorwurf, Tadel, wovon wieder baldonar, baldoar, 
beschimpfen. Nicht undenkbar ist es jedoch, dafs 
alle diese Worte auf das westgerm. Adj. bald, kühn 
(s. oben), zurückgehen, wie dies auch Diez für mög- 
lich, aber freilich rücksichtlich der Bedeutung für 
wenig glaubhaft hielt; der Bedeutungswandel würde 
dann etwa gewesen sein: kühn, keck, anmafsend, 
eitel, hohlköpfig, leer (beim Vb. baldonar kühn, 
frech sein, schimpfen). Lautlich ist jedenfalls die 

1 Ableitung aus dem Germ, weit besser. Vgl. bätil. 



133 



1270) bäHl 



1293) becc-, bicc- 



134 



1270) arab. bfttil, falsitas, fnistra, j,'ratis; dav. 
nach Eg. y Yang. p. 335 span. ptg. balde (s. oben 
ha'tala), baladi falsch, nichtig, wertlos (dagegen 
haladi „zu einem Lande gehörig" = arab. baladi). 
Nach Eg. y Yang. p. 335 f. gehören auch die oben 
unter ba'tala genannten Worte zu bätil. 

1271) *bStIle M. (f. batUlum, vatillum), Schaufel, 
= ital. badile, rtr. badell, Mistsohaufel, span. 
badil. Vgl. Gröber, ALL I 249. 

1272)altn.bätr,Boot; davon (?)itaL batto. Ruder- 
sebiff. Dem. battello; prov. batelh-s; frz. bateau; 
span. ptg. batel. Vgl. Dz 47 batto; Mackel p. 10. 

1273) griech. ßärga^og, ßQÖTQaxoq (b. Ari- 
stophanes). Frosch; calabr. vrötaku, vrösaku. 

1274) *bättäcillum , n. (v, baltere), Schlägel, 
Klöppel = ital. battufßio u. bat(t)acchio, Klöppel 
abbatacchiare, sbat.; prov. batalh-s; frz. batail; 
span. badajo, Glockenschwengel, dav. badajear ; 
ptg. badalo Klöppel, badajo geschwätzig. Vgl. 
d'Ovidio, AG XIII 395 u. Dz 46 battere. 

1275) *bättäli8 (v. *battere), Schlägerei, =ital. 
battaglia, Schlacht; rum. bätaie ; prov. batalha; 
frz. bataiUe, dazu das T>em. bataillole : span. ba- 
talla; ptg. batalha. Vgl, Gröber, ALL I 249; Dz 
46 battere. 

1276) bätt(ere) + butyrüm, Schlagbutter, ist 
nach Dz 515 das Grundwort zu frz. babeurre, 
Buttermilch ; richtiger deutet man das Wort wohl 
als bassum biityruin , Untorbutter, vgl. Liebrecht, 
Jahrb. XIII 232; Darmesteter, Mots comp. p. 192. 



I 1283) altnfränk. hang (abd. boug, ags. beag), das 
Gebogene, der Ring, = prov. bauc-s, Armband; alt- 
frz. bou. Vgl. Mackel p. 119; Dz 528 bau. 

1284) germ. *bausä (ahd. hösa, Schlechtigkeit, 
Albernheit, Possen) = prov. bauza, Betrug, dazu 
das Vb. bauzar; doch wäre auch denkbar, (lafs 
bauzar unmittelbar auf garm. *bausön (ahd. bösön) 
zurückginge u. dafs bauza erst aus dem Verbum ab- 
geleitet wäre. Ebenso kann altfrz. boise (s. unten 
bausjnn) unmittelbar aus dem germ. Thema *bausja 
hervorgegangen sein. Vgl. Mackel p. 119. — Hier- 
her gehört vioU. auch ital. bugia (aus *busja?, vgl. 
Braune, Z XXII 201), Lüge, vgl. Dz 73. 

1285) germ. '^bausjan, lästern, böse reden , böse 
handeln, = al tfrz. boisier, betrügen, dazu Vbsbst. 
boise (falls dieses nicht unmittelbar auf *bausja 
zurückgeht) u. boisie, „das nach Analogie von 
voisdie (s. unten Titiätfis u. Dz 344 vizio) zu boisdie 
wird", dazu wieder das Adj. boisdif. Vgl. Mackel 
p. 119, Braune, Z XXII 201; vgl. auch Dz 73 bugia, 
man sehe auch unten bösi. 



1277) bfitt(ere) + [*tostäre] (= tusitar.. ,. 
tusum zu tundere) soll nach Caix, St. 191, ergeben 
haben i t aL 6n«os«are, schlagen (dazu Vbsbst. bat- 
tosta. Schlag). 

1278) *bStto, -ere (f. battuo), schlagen,= ital. 
battere; rum. bat, ui, ut, e; prov. batre ; frz. 
battre; span. batir; ptg. bater. Vgl. Dz 46 bat- 
tere; Gröber, ALL 1249. — Unter den Ableitungen 
von diesem Vb. sind aufser den vorstehenden bereits 
angeführten namentlich hervorzuheben ital. etc. 
batteria, eine Reihe zerschlagbarer, zerbrechlicher, 
bezw. beim Aneinanderschlagen lärmender Gefäfse' 
Küchengeschirr, dann: Geschützreihe (entweder weil 
Metallgeschütze hinsichtlich ihres Materials Ähn- 
lichkeit mit Metallgeschirron haben oder weil sie 
losschlagen, losknallen können); ital. battigia, 
fallende Sucht; span. batan . Walkmühle; frz. 
(altfrz.) batoison, hatison Sclilägerei, Lärm'. Die 
Zusammensetzung battant-V(eil ,,coiffure negligee 
des dames" (Littre) ist, umgestaltet zu *battela:il, 
als battiloglio u. battilocchio italianisiert worden, 
welche Worte also Gallicismen sind, vgl. AG XIII 
388. Vgl. Dz a. a. 0. 

1279) dtsch. Batze, klebrige Masse, Teig (vgl. 
Grimm. .Wtb. I 1160); davon vielleicht frz. badi^ 
geon, Mörtel, vgl. Bngge, R IV 351. 

1280) dtsch. Batzen (v. Petz = Bär, eigentl. eine 
berner Münze, die den Bären als Wappentier zeigte); 
davon ital. bezzo, Geld, vgl. Dz 357 s. v. 

1281) bancälls, -em /: (gr. ßavxai.ig), thönernes 
Kühlgefäfs (Cassian. caenob. inst. 4, 16); itaL 
boccale, Krug; rum. bocal; rtr. buccal (mit An- 
lehnung an bucca); frz. bocal (aus dem Ital. ent- 
lehnt); (cat. brocal gehört nicht hierher, sondern 
zu ital. brocca, Krug, prov. broc, frz. broc und 
brocke, eine Wortsippe noch unaufgeklärten Ur- 
sprunges); span. ptg. bocal. Vgl. Gröber, ALL 
I 249; Dz 57 boccale. ] 

1282) dtsch. bauen (mhd. büwen); rtr. bagear,'. 
bdgeä etc., vgl. Gärtner § 17 S. 19. I 



1286) [germ. *bausön {AM.bösön) = \>Tov.bauzar, 
dazu Vbsbst. bauza, doch ist auch denkbar, dafs 
bauza = *bausä u. dafs das Vb. aus dem Sbst. 
abgeleitet ist, s. oben bausä. Vgl. Mackel p. 119; 
Braune. Z XXII 201.] 

1287) got. bauths, taub, stumm, stumpf; davon 
nach Dz 517 frz. barid, Name einer Hunderasse, 
die afrikanischen Ursprungs sein u. nicht bellen 
soll (b. Sachs -Villatte wird baud mit „Parforce-, 
Hirschhund" übersetzt); an keltische Herkunft des 
Wortes ist nicht zu denken, vgl. Th. p. 90. — Über 
ital. boto vgl. Caix, St 215. S unten Tötnm. 

1288) kymr. baw, Schlamm, nach Dz 529 viel- 
leicht Grundwort zu dem gleichbedeutenden frz. 
bpue (altfrz. boe). Th. bespricht das Wort nicht. 
Über andere sehr unglaubhafte Ableitungen vgl. 
Scheler im Dict.» s. v. Altfrz. braue darf mit boue 
nicht in Zusammenhang gebracht werden. Sollte 

, boue nicht einfach eine Scheideform zu bave (s. 

j oben baba) sein? Es würde dann ursprünglich 
,, Schleim" bedeutet haben, womit gut übereinstimmt, 
dals es jetzt bedeutet „la fange epaisse qui s'a- 
masse dans les rues des villes et dans les chomins 
apres la pluie" (Sachs -Villatte *•. v.), also zähen, 
schlammigen, schleimigen Kot. 

1289) Bayonne (Stadt im Dep. Basses-Pyrenees), 
I darnach als nach ihrem Fabrikorto wurde die Waffe 

bawnnette benannt, vgl. Dz 516 u. 782. In ähn- 
licher Vt^eise führen ja auch die Pistolen ihren Namen 
nach Pistoja. 

1290) pers. bazAr, Markt; frz. basar, vgl. Lam- 
mens p. 46. 

^ 1291) pers. bazze, Gewinn; davon ital. bazza. 
Glück im Kartonspiel, dazu das Vb. bazzicare, mit 
jem. (spielen u. also mit ihm) vorkehren, wovon 
wieder bazzica, Kartenspiel; cat.basa; span. bnza, 
Stiche im Kartenspiel. Vgl. Dz 47 bazza. 

1292) german. beber (vgl. ags. beofor , engl. 
beaver, ndl.beber), Biber; itaL6e«ero; tnm.bebru 
(brebu): neuprov. bivre; s-Hirz. bievre; alt- 
span. befre; neuspan. ptg. bidaro ; (ptg. heifst 
der Biber gewöhnlich castor). Vgl. Diez 50 bevero: 
Gröber, ALL I 250; G. Paris, R XIII 446. 

12931 kelt. Stamm becc-, blcc-, klein; davon 
vielleicht span. pequeii.o, klein, ptg. pequeno, vgl. 
Th. 73 s. piecolo; statthaft ist diese Ableitung nur 
unter der Voraussetzung, dafs der Stamm becc- sich 
von dem (ebenfalls zum Ausdruck des Begriffes 



135 



1294) bSccüs 



1309) »bglllUis 



136 



„klein" gebrauchton) Stamme pic habe beeinflussen | 
lassen. 

1294) beccfls, -um m. (gallisches Wort vom 
Stamme bacc-, Haken, vgl. Th. p. 45 hecco), Schnabel 
(findet sich im Lat. nur b. Suet. Vit. 18 am Schlüsse, 
wo es mit gallivacei rostrum erklärt wird); ital. ; 
heceo (Kompos. sottobecco, Schlag unter das Kinn, 
davon Dem. goUohecchetto, dem entspricht violleicht , 
frz. *so'ubzbequet , sobriquet, „le sens primitif est 
coup sous le menton, puis le sens figuro est propos 
railleur, bonmot et surnom", Littre, vgl. Bugge, 
B III 158), Schnabel, dav. beccare, mit dem Schnabel 
hacken, picken, von demselben Sbst. mit Pejorativ- l 
suffix 6f ccaccin, Vogel mit langem Schnabel, Schnepfe; 
prov. bee-s, Schnabel, beca , Haken (ob das Verb' 
bechar, hacken, dazu gehört, erscheint zweifelhaft); 
zahlreiche sardinischo zu beccus (beeinflufst 
durch jnc) gehörige Wortgebilde stellt Guarnerio, 
R XX 60 zusammen, darunter bicca pezzo, bran- 
dello, bicculu pezzo, brano, tozzo, biccidare spizzi- 
care, prondere a poco a poco, isbiccare levare un | 
pezzo, isbicculare sbricciolare , auch Sicca audacia | 
(eigentl. „punta"), bicchiriole membro virile; frz. bec, 
Schnabel, davon Vb. becqiier n. becquetter, mit dem 
Schnabel hacken, abecquer u. abecher, einem jungen 
Vogel das Futter in den Schnabel geben ; Ablei- 
tungen von bec sind u. a. becnsse, Schnepfe, fec- 
quüle, Hakonstock, Krückstock, vielleicht auch beche, 
Grabscheit, wov. wieder becher, graben; cat. bech; 
ptg. bico, Schnabel, Spitze (dasWort lehnt sich an 
den Stamm pic- an, aufweichen u. a. span. bicos, 
Spitzen an einer Art von Mützen, zurückgeht). Vgl. 
Dz 47 becco; Grober, ALL I 249. S. oben bacc- 
u. unten pXc. 

1295) ndd. beckebange, Wasserbunge, Wasser- 
gauchheil (eine Pflanze); ital. beccabungia; frz. 
becabunga u. 6ecca6»>!^a (halbgel. W.); span. ptg. 
bec{c)abunga. Vgl. Dz 47 beccabungia. 

1296) Beculf (deutscher Personenname, vgl. Förste- 
mann, Namenbuch I s. v. Big) = frz. *Becoul. 
*Bacoul, Fem. bacoule, Frettchen, vgl. Marchot, Z 
XIX 99. 

1297) germ. bed (aus badi), Bett, = altfrz. 
bied, Flufsbett (norm, bediere], vgl. Mackel p. 85. 
Mit bied scheint im Zusammenhang zu stehen frz. 
biez (auch bief), Mühlgang, ein latinisiertes *6e(?i«m 
od. *bettium v. ahd. betti (mlat. ist freilich nur 
bietiiini, biezium zu belegen) scheint dazwischen zu 
liegen. Vgl. Dz 523 bied; Nigra, AG XIV 358. 

["'bedium od. *bettTuin s. bed.| 

1298) Naturlaut beff, der mittelst der zugespitzten 
Lippen hervorgebracht wird, daher ital. far beffe, 
die Lippen (höhnisch) gegen jem. zuspitzen, jem. 
auszischen, davon bejfare, verspotten, beffa, Spott; 
prov. bafa; altfrz. be/f'e: nf T z. beffler u. bafouer 
(vgl. aber unten bisfago); span. befar, Vbsbst u. 
-adj. befo, Unterlippe des Pferdes, dicklippig (das 
Adj. befo, säbelbeinig, gehört kaum hierher); cat. 
bifi = span. befo. Vgl. W. Meyer, Z X 171, wo 
zuerst die richtige Ableitung gegeben ist: Dz 48 beffa 
glaubte an deutschen Ursprung der Wortsippe (mhd. 
beffen, vgl. Mackel p. 90): Baist, EF I 111, dachte 
an lat. bifidus; Tobler, Z X 577. S. jedoch ob. 
balQan. 

1299) türk. beg armddi, Herrenbirne; dav. itaL 
bergamotta; frz. bergamote: span. ptg. berga- 
niota, vgl. Dz 49 s.v.; von Eguilaz y Yanguas wird 
das Wort nicht besprochen. 

1300) mhd. bebat, behuot, Aufbewahrung, Auf- 
bewahrungsort, ist von Mahn p. 89, vgl. Dz 47 



baule, als Grundwort aufgestellt worden zu ital. 
feailte, Koffer, prov. baüc-s, frz. balmt, span. bniU, 
ptg. bahü{l) , eine im höchsten Grade unwahr- 
scheinliche Ableitung. Vielleicht liegt den Worten 
(mit Ausnahme des prover.zalischen) der Stamm 
bng- (wovon bagaglia, bagnge etc., s. oben) zu 
Grunde, so dafs sich ergäbe *bagüle : baüle (wegen 
des Ausfalles von intervokal, g vgl. z. B. sciaurato 
= exa[ug]Hratub) , *bagütum : bahnt (das h nur 
orthographisch, wie in trahir : die Bewahrung des 
vortonigen a u. die Erhaltung des auslautenden t 
liefse sich aus dem altertümlichen Charakter des 
Wortes erklären, das ja bekanntlich aus dem ge- 
wöhnlichen Gebrauche durch caisse, coffre, malle 
verdrängt worden ist). Godefroy führt das Wort in 
der Bedtg. ,, Truhe, Koffer" gar nicht auf, sondern 
kennt es nur in der Bedtg. ., Würze, die in ein Ge- 
tränk gethan wird". 

1301) dtsch. behüt' dich Gott! Dieser Grufs ist 
in das Rtr. übergegangen, wo er die Lautgestalt 
pietiqot u. dgl. angenommen hat, vgl. Gärtner, 
Gr. § 20. 

1302) bask. bela, Kuh, + ceeorra, Kalb, nach 
Larramendi (vgl. Dz 431 becerro) = span. ptg. 
becerro, Kalb, junger Stier (das Wort fehlt in H. 
Michaelis' Wtb.). 

1303) belbel (kindersprachliche Verdoppelung von 
bei „schön", vgl. bonbon) = altfrz. bealbel, bau- 
bel, beubel, dav. neu frz. bibelot (meist Plur.) 
,.menu objet de curiosite, generalement destine k 
etre mis en montre dans un appartement" (Darme- 
steter), vgl. Förster, Z XXII 263 u. 509 („il n'y a 
qu'une difficulte ä cette convaincante deduction : 
c'est le changement en i de la premiere voyelle eu. 
eau, au; bibelot, atteste des le XIV siecle, doit 
peut-etre son i ä ce mot singulier de bibiis „chose 
de bibus, chose de peu" G. Paris, R XXVH 512). 
— Für identisch mit belbel bibelot erklärt Förster, 
Z XXII 514, babiole{s) „Kinderspielzeug" (in dieser 
Bedtg. veraltet), ,, Nippsachen". 

1304) kymr. bele, Marder, nach Kluge, Etym- 
Wtb. d. dtsch. Spr. s. v. Bilch, Grundwort zu frz- 
belete Wiesel (gewöhnlich von belle abgeleitet, s. u- 
bellns). Auch Johansson, Ztschr. f. vgl. Spracht. 
XXX (N. F. X) 351, nimmt keltische Herkunft des 
Wortes und Verwandtschaft mit lat. felis an. 

1305) [*belettfis, a, um (Dem. zu hellus, schön); 
davon altfrz. belet, Schmuckgegenstand (b. Wace, 
R. de R. ed. Andresen, Teil III 1410 u. 1668; Vau- 
quelin de la Fresnaye, Art poet. 57), im jetzigen 
Patois der oberen Normandie belot, vgl. Delboulle, 
R XII 335. Vgl. auch bellus, a, um.] 

1306) ahd. belihha, Belebe, Wasserhuhn ; frz. 
belleqne, vgl. Gröber, Mise. 43. 

1307) altnfränk. bella, Glocke, + Suffix -ärius, 
-a, Glöckner, = frz. belier, Widder (mit einem 
Glöckchen versehener Leithammel), beliere, Glocken- 
ring. Vgl. Dz 519 belier; Mackel p. 84. 

1308) *bellätiör, -örein (Komp. zu *bellatus f. 
bellua) = prov. c. r. bellazer-s, bellaire, c. o. bellazor, 
schöner, frz. c. o. bellezour, Eul. 2, vgl. Stengel 
zu Durmart 40. Vgl. Dz 519 bellezour. In einer 
oberital. Reimvereion der Sötte Savi findet sich der 
Superl. beletisdmo (vgl. Rajna, R VH 49, wozu zu 
vgl. Mussafia, Beitr. 33). 

1309) *bellitas, -tätem f. (v. bellus), Schönheit 
= ital. beltä (daneben im modenes. Dialekt fceZW, 
gleichsam *beUitütem nach juventutem u. dgl.; 
Flechia, AG II 41 unten); prov. beltat-z ; frz. 



137 



1310) »bgllltfis 



1325) b^ra 



138 



I 



beatite ; span. beldad ; ptg. heldade. Vgl. Gröber, 
ALL I 249. 

1310) [*beJlittt8, a, nm (v. hellus, schön) = 
altspan. altptg. be!(l)ido; im Frz. ist das entspr. 
Vb. als Komp. emheUir vorhanden. Vf^l. Dz 519 
helleznur. | 

1311) *bello, -ere ({. vello). rupfen, zupfen; dav. 
abgeleitet (nach Parodi, R XXVII 216) ptg. bei- 
liscai; esbelto, esbeltarse. 

1312) bellus, a, um (aus ben-uliis), schön, nied- 
lich, = ital. hello; runi. 6eä (Anrede an Frauen); 
südsard. bedda; [o^uA.beUu; rtr. beal etc., vgl. 
Gärtner, § 106; prov. bel-s; frz. bei, beal, beau 
(über die Lautentwickelnng vgl. Förster, Z I 564, 
dessen Aufstellungen G. Paris, R VII 346, billigt, 
während Ascoli, AG X 95, widerspricht); das Fem. 
altfrz. bele (vgl. jedoch Delboulle, R XII 335), da- 
von das Dem. belete (wird zur Benennung des 
Wiesels gebraucht), ebenso geht in ital. Dialekten 
der Name des Tieres auf Deminutive von bellus 
zurück. (Über andere Ableitungen dieses Tier- 
namens vgl. jedoch Kluge, Etym. Wtb. unter Buch, 
u. Johansson, Ztschr. f. vgl. Sprachf. XXX N. F. 
X 351.) Ähnliches findet sich auch in nicht-roma- 
nischen Sprachen, z. B. in der dänischen u. im 
Bretonischen (fcner, schön, Icaerell, Wiesel, vgl. Th. 
p. 90), vgl. Dz 519 öeZe, Flechia, AG II 46 ff., Caix, 
St. 195. Über frz. bei + bel-et = hibelot, s. oben 
belbel. t ber die Verwendung von beau bei Ver- 
wandtschaftsnamen zum Ausdruck des Schwager- u. 
Stiefverhältnisses vgl. Dz 518 beau, hinzuzufügen 
ist, dafs im Altfrz. überhaupt beau in zärtlicher 
oder ehrender Anrede üblich ist (in gleicher Weise 
wird im Holländischen achoon gebraucht, z. B. 
schoonvader, -woder F. Pabst). Span. ptg. fteHo. 
Vgl. Gröber, ALL VI 379. — Durch bellus ist lat. 
puleker im Roman, völlig verdrängt worden. 

1313) bellus cöl[a]p;h]us (gr. xö}.a<poq), ein 
schöner Schlag, ist im Fran zös. adverbial geworden, 
beaucoup ,,viel", u. hat allmählich mvltum, das im 
Altfrz. noch vorhanden war u. auch sonst in den 
rom. Spr. sich erhalten bat, völlig verdrängt. Dieser 
Vorgang kann auffällig erscheinen , zumal da in 
allen andern rom. Spr. das Sbst. colaphus zwar vor- 
handen ist (ital. colpo, prov. colp-s, span. ptg. 
golpe), aber nirgends adverbial gebraucht wird. Es 
ist jedoch zu beachten, dafs lat. muUnm lautlich 
wenig geeignet war, sich im Frz. dauernd behaupten 
zu können (gegenwärtig lobt es nur in einzelnen 
Mundarten noch fort), u. dafs dadurch eine Ver- 
drängung durch eine Nominalverbindung erleichtert 
wurde. Vgl. unten co][a]p[h|ag. 

belo,-äre s. bälo, -äre. 

1314) belüä, -am f. (v. v/ bargh, brechen, reifsen, 
vgl. Vanicek 1 565), wildes Tier, = ital. belva, 
rum. bealä, s. Ch. s. v. Vgl. Miodonski, ALL I 
589. 

1315) bene (Adv. zu bonus), gut, wohl, = ital. 
bene; rum. bine; prov. ben; frz. bien; span. 
bien; ptg. bein: cat. be, vgl. Vogel p. 64; rtr. 
ben, bain, bein etc., vgl. Gärtner § 200. 

1316) benedico, dixi, dictnm, dicere, segnen, 
= ital. benedico, dissi, detto, dicere u. dire; sard. 
benegheire; lomb. benisi, vgl. Salvioni, Post. 5; 
prov. benezic u. bendic, benezis u. benezic, Pt. Pf. 
benezes, Fem. benezeita, benedida (Eigenname Be- 
nedictus = Beneih, Bartsch, 231, 3), Inf. benezir, 
bendir; altfrz. Pr. benei{s),Vi. beneisu. benesqui. 
Pt. ben{e)eiz, ben(e)oiz, bezw. ben(e)eit, ben{e)oit, 
daneben benit, Inf. beneir, benir u. benistre, 



beneifftre, vgl. Burguy I 820; nfrz.: das Vb. folgt 
der inchoativen I-Konj., nur im Fem. des Pt. Pf. 
ist die starke Form benite = ben[ed])cta in be- 
stimmten Verbindungen erhalten , aufserdem das 
Mask. als Eigenname: Benoit = benedict- ; cat. 
henehir, Pt. beneyt, vgl. Vogel p. 115; span. Pr. 
bendigo, Pf. bendije, Pt. benedecido u. bendito, Inf. 
bendecir (Fut. hendijere); ptg. Pr. bemdigo, Pf. 
hemdisse, Pt. bemdifo, Inf. bemdizer (häufig schreibt 
man bem digo etc.). 

1317) *benedictör, -örem m. (v. benedicere), 
Segner, scheint das Grundwort zu sein zu frz. 
belitre (span. belitre, ptg. biltre), Bettler, Lump 
(der Bettler pflegt den Geber zu segnen), vgl. Dz 
519 s. V.; Atzler p. 18. 

1318) •benellctöriä (seil, civitas) = span. ptg. 
behetria (aus benfetria), Freistadt, (staatliche) Ver- 
wirrung, Unordnung, vgl. Dz 431 s. v. 

1319) [benevölens {bene -\- volo), wohlwollend; 
frz. bienveillant, s. benevolentiä.] 

1320) beuevölentia, -am f. (bene + volo), Wohl- 
wollen; frz. bienveillance (mit Angleiehung an 
neiller). Sonst Bildungen mit bewahrtem o (ital. 
benevolenza etc.). 

1321) beneTolfis, a, um (bene + volo), wohl- 
wollend, = ital. benevolo etc. 

1322) benna, -am (.,lingua gallica genus vehiculi 
appellatur" Festus, ed Müller p. 32), = ital. 
(u. rtr.) benna, Korbschlitten, auch benda, vgl. 
Caix, St. 196; frz. banne, Tragkorb f. Lasttiere, 
u. banne, Wagenkorb, davon Deminutiva bannet, 
banneau, Tragkorb, bannelle, Pfropfenkorb, ban- 
neton. Fischkasten, Teigkorb, banatte, Tragkorb. 
Anbildung an *canasta ist neuprov. cat. span. 
banasta, altfrz. banaste, vgl. Storm, R V 167. 
Vgl. Dz 48 benna; Gröber, ALL I 250; Th. p. 46. 

1323) benignus, a, nm, gütig: frz. benin, be- 
nigne (gel. W., das Masc. aus dem Fem. gebildet, 
vgl. Cohn, Suffixw. p. 169): Berger s. v. 

1324) ahd. altndd. beost, biost, Biestmilch; davon 
altfrz. bet, vgl. P. Meyer, R VIII 452, nfrz. 
{heston), beton, erste Milch der Wöchnerinnen, Stein-, 
Gufsmörtel (in dieser Bedtg. nicht etwa von bitu- 
men abzuleiten, vgl. Körting, Formenbau des frz. 
Noniens p. 314). dazu altfrz. das Vb. beter, ge- 
rinnen. Vgl. Bugge, R III 145; Mackel p. 89; 
Dz 522 beter. 

1325) westgerm. bera (ahd. bära, ags. baer). 
Trage, Bahre, = ital. bara. Bahre, Sänfte, davon 
Deminutiva barella Trage (PI. barelle [Brillen- 
gestell], Brille, vgl. Gröber im Nachtrag zu No 
1143 der ersten Ausg. Lat.-rom. Wtb.'s, s. auch 
unten beryllus) u. barelUna, aus letzterem soll 
nach Canello's sehr wahrscheinlicher Vermutung, 
AG m 336, entstanden sein berlina, Schandkarren, 
Pranger. Halseisen (verschieden davon u. nebst dem 
frz. berline von dem Stadtnamen Berlin abzuleiten 
ist berlina in der Bedtg. „eocchio scoperto a quattro 
ruoto"); wenn aber Canello auch in. pilori, Pranger, 
in Zusammenhang mit berlina bringen will, so dürfte 
das als allzu kühn abzulehnen sein; G. Paris, R 
IX 486, sprach sich auch gegen die Herleitung von 
berlina. Karren, aus barellina aus. S. auch unten 
breelielin. Vgl. D 336 berlina (wo bair. brechelin 
u. mhd. britelin „Zäumchen" als mögliche Grund- 
worte bezeichnet werden); rtr. bara, Sarg, Leiche, 
vgl. Gärtner § 10; prov. bi'ra u. frz. biere, Toten- 
bahre; neuprov. berio, Tragkorb. Vgl. Dz 41 
Mackel p. 77. 

*berbactum s. Tervactum. 



139 



1326) berbaim 



1388) Berta 



140 



1326) altir. berbaim (kyrar. berwi, bret. birwi), 
sieden, sprudeln, soll nach Littre das Grundwort zu 
frz. boiirbe, Schlamm, sein, lautlich ist dies allen- 
falls, begrifflich kaum möglich, vgl. Th. p. 91; viel 
wahrscheinlicher ist die auch von Scheler im üict.* 
s. V. gebilligte Ableitung von gr. ßogßOQOq, Koth, 
Schlamm. 

*berbascuin s. *Terbascum. 

1327) (*berbicIo, -äre (v. *berbix), mit dem 
Widder (d. h. Sturmbock) treffen, durchbohren, ist 
nach Drz 520 bercer das Grundwort zu ital. (im)- 
berciare, in's Ziel treffen (nur mittelbar gehört hier- 
her, weil dem Frz. entlehnt, bersaglio, Scheibe, 
bersaglicre, Scheibenschütze); altfrz. berser u. 
bercer, treffen, jagen, birsehen (mit dem Bolzen oder 
mit dem Pfeile), davon bersail, Ziel, bersailler, das 
Ziel treffen. Diese Herleitung erscheint indessen 
als sehr fragwürdig, da ein Vb. *berbiciare eine 
mehr als wunderliche Bildung wäre u. da schwer- 
lich jemals im Volkslatein, bezw. im Roman, der 
Name des Sturmhocks von einem Worte abgeleitet 
worden sein dürfte, das aus der Bedtg. „Hammel" 
in die von „Schaf" überging (die Bedtg. „Widder" 
hat *berbix ja nur im Rumän. erhalten), einen 
Mauerbrecher mag man füglich als „Widder" be- 
nennen (schriftlt.anes), nimmermehr aber als „Schaf". 
Wenn Diez sich auf das vereinzelt vorkommende 
mlat. bercellum beruft, was an der betr. Stelle 
(Muratori, Script, rer. ital. VI 1041) mit trabs 
ferruta erklärt wird, so ist dagegen einzuwenden, 
dafs bercellum jedenfalls nur die Latinisierung eines 
romasischen Wortes ist u. mit berbix gar nicht 
zusammenzuhängen braucht. Andrerseits ist es 
schwierig, für bercer etc. ein passendes Grundwort 
zu entdecken. An irgendwelche Beziehung von 
berser ,, birsehen" mit bercer „wägen" zu denken 
(wie Körting in der ersten Ausg. des Lat.-rom. 
Wtb.'s es that), verbietet das Altfrz., vgl. Jeanroy 
in der Revue des Universites du Midi I 103. Viel- 
leicht ist berser = *bersare für versare „(das Go- 
scbofs) iiin- u. herwenden (ehe man es abschiefst)", 
dann ,, (zielen), schiefsen, erlegen, jagen"; man be- 
achte, dafs auch tirer den Bedeutungswandel von 
„(das Geschofs) hin- u. herziehen, richten, zielen" 
zu „schiefsen" durchgemacht hat.] 

1328) *berblx, -icem (f. vervex), Hammel; ital. 
berbice (irriger Weise bringt Caix, St. 198, bezeera 
u. ähnliche Worte mit berbix in Zusammenhang, 
sie gehören vielmehr zu ahd. biso); (sard. arceche); 
Tum. berbec, Widder (während in den andern Spr. 
das Wort die allgemeine Becitg. „Schaf" angenommen 
hat); rtr. berbeisch; prov. berbitz: frz. berbis, 
brebis. Im Span. u. Ptg. fehlt das Wort (span. 
„Schaf" = oveja, , .Widder" = carnero, [padre] 
morueco; ptg. ,, Schaf" = ooeZfea, „Widder" =car- 
neiro). Vgl. Dz 48 berbice; Gröber, ALL I 250; 
Meyer, Z VIII 238. — Von *berbix ist abgeleitet 
das Nomen actoris *berbicarius = rum. berbecar, 
prov. bergier-s, frz. berger; hierdurch u. durch Ab- 
leitungen von Ovis (span. ovejero, ptg. ovelheiro) 
ist das lt. past.or so ziemlich verdrängt worden (doch 
span. pastor, frz. pätre). Vgl. Meyer-L., Z XI 
284; Cohn, Suffixw.p. 41 (ausführliche Begründung 
der Ausetzung von berbiceni). S. unten oviciilä. 

1329) dtsch. bereit soll nach Caix, St. 218, das 
Grundwort zu aret. braidu „lesto, pronto" sein. 

1330) kelt. Stamm berg-, etwa „hoch" bedeutend, 
davon vielleicht frz. berge, Uferböschung, -abhang, 
falls das Wort nicht mit dem deutschen „Berg" 
zusammenhängt), barche, Heuhaufe (fehlt b. Sachs- 



Villatte); altfrz. bar(r)icane, Abgrund; span. ptg. 
barga, abschüssiges Ufer. Vgl. Dz 43 barga; Tb. 
p. 43 unten. 

1331) mhd. borgen; davon altfrz. (em)berguer, 
bedecken, in Sicherheit bringen, vgl. Mackel p. 84. 

1332) germ. (altnfränk.) bSrgfriS (mhd. bercvrid), 
W.nchtturm; davon in gleicher Bedtg. ital. batti- 
fredo (mit volksotymolog. Anlehnung an battere); 
altfrz. berfroi, beffroit; nfrz. beffroi. Vgl. Dz 47 
hattifredo; Mackel p. 83. 

(*bericellus, *bericulu8 s. beryllus.) 

1333) altn. berlcja, schreien, (engl, bark, bellen), 
damit steht nach Caix, St. 197, in verwandtschaft- 

I lichem Zusammenhange ital. berciare, bersciare, 
rufen, schreien. 

1334) dtsch. Berlin; davon ital. Sfun. berlina, 
frz. berline, eine Art leichter Reisekutsche, die 
ihren Namen von dem Herstellungsorte erhielt, vgl. 

I Dz 521 berline; neben berline auch berlingue, da- 
von nach Doutrepont, Z XXI 231, pic. grant ber- 
uh, Hure (gleichs. öffentliches Fuhrwerk). Über 
ital. berlina, „Pranger", s. oben bera. 

1335) bask. bero-ur-ga, Warm-wasser-stelle ; 
davon nach Larramendi (b. Dz 434 burga) span. 
burga, warme Heilquelle. 

1336) Berry; von diesem Landsehaftsnamen soll 
nach Dz 521 berruier abzuleiten sein prov. berro- 
vier-s; altfrz. berruier, Einwohner von Berry, 
Krieger aus Berry, (endlich mit noch unerklärtem 
Bedeutungsübergange) leichtbewaffneter Krieger, 

: Plänkler. 

! 1337) *bersio, -äre (f. *oersio v. versus Vers); 
nach Parodi, R XXVII 221, Grundwort zu itaL 
berciare gridare piangendo. 

! 1338) ahd. Bcrta (aus Berhta), Frauenname; Dz 
49 berta war geneigt, das ital. berta, Ramme(l), 

I Rammbock, Stampfe (dann auch: Belästigung je- 
mandes, Popperei, Neckerei, Scherz), von dem Namen 
Bertha abzuleiten, denn „wenn man erwägt, dafs 
die grauenhafte eiserne Bertha der deutschen Sage 
auch den Namen Stampfe führt, mit deren Stampfen 

I oder Treten die Kinder bedroht wurden (Grimm's 
Myth. p. 255), so ist die Herkunft des ital. Wortes 
deutlich genug." Das ist ein sinnreicher Einfall, 
keineswegs aberzugleich einüberzeugender. Höchstens 
in der Bedtg. ,, Ramme" (nicht in der von „Fopperei") 
liefse sich berta ^Berta ansetzen, u. auch da stöfst 
man auf das Bedenken, dafs die Entlehnung eines 
der deutsehen Mythologie angehörigen Namens u. 
dessen Verwendung zur Benennung eines ganz ge- 
wöhnlichen Werkzeuges im höchsten Grade unwahr- 

: schoinlich ist. Vielleicht steht berta , Ramme, für 
*verrUa (Pt. Pf. P. zu verrere, schleifen) seil, machina 
u. bedeutet eigentlich „das auf dem Boden hin- 
geschleppte, geschleifte Werkzeug, die (zum Ein- 
drücken von Steinen in die Erde dienende) Walze", 
von wo aus der Bedeutungsübergang zu der ganz 

■ ähnlichem Zwecke dienenden,, Ramme" wahrlich nahe 
genug lag. Die Brücke, welche von der „Ramme" 

I zur „Neckerei, Fopperei" führt, wird vielleicht durch 
die Redensart dar la berta = dar la burla ge- 
sehlagen, die ursprünglich bedeutet haben kann 
„jem. mit der Ramme den Fufs quetschen", eine 
Handlung, die unter Umständen, und wenn das 
Quetschen nicht gar zu arg ist, wohl als Scherz 
gemeint u. geübt werden kann, wenigstens unter 

I Arbeitern, die in ihren Spässen nicht wählerisch 

Isind. — Frz. bertauder, bretauder mit seiner Sippe 

j ist von ital. berta zu trennen u. auf 6ts -f tondere 

1 (s. d.) zurückzuführen. Vgl. Dz 49 berta. 



141 



1339) Bertoaldus 



1349) besttä 



142 



1339) Bertoaldus, Na nie des Sachsenherzogs in j 
der angcbl. Chanson de geste vom Sachsenkriege 
(Farolied); dav. viell. prov. frz. bertaud, hertau 
verwegen, übermütig, roi Berthavd Zaunkönig, 
neu prov. bertaou. Maikäfer. Vgl. Suchier, Z XVIII 
189, 0. Schultz ebenda p. 136. 

1340) *bertoTellum, -i «. (verstellt aus *vcrti- 
hellum für vertibulnm), ein drohbares, verschiebbares 
Gerät; ital. hertoveUo, Fischreuse (,,die Reuse heifst 
so, weil ihr Hals nach innen gekehrt, umgewandt 
ist"), auch Ofenbrücke, d. i. eine Art drehbarer 
Rost; frz. {oertveu), verveii, Kerr«i(a;, reusenförmiges 
Fischgarn. Vgl. Dz 49 bertovello; Gröber, ALL I 
250. 

1341) berülä, -am /.. eine zur Gattung der Kresse 
gehörige Pflanze (vgl. Marc. Emp. 36, wo 6. als 
der lat. Name für gr. xagdctfiiv)/ angegeben wird) 
= frz. berle, Wasserbunge, vgl. Dz 521 s. v. 

1342) mhd. beruofen, berufen, Vorwürfe machen; 
davon nach Caix, St. 469, ital. rabbiifj'o, ,,rim- 
provero" ; richtiger dürfte es sein, das Wort zum 
Stamme huf-, wovon hujfare etc., zu ziehen. j 

1343) kymr. berwr, Brunnenkresse, = span. berro, l 
vgl. Dz 432_s. V.; Th. p. 85. j 

1344) [*berjiIo, -äre (v. beryllua) , wie Beryll ' 
glänzen, funkeln, strahlen; ital. brülare, glänzen, \ 
Pt. Pr. brillante, glänzender Edelstein, besonders' 
geschlifl'ener Diamant; prov. brillar; frz. hriller ; \ 
span. brillar; ptg. hnlhar. Vgl. Uz 67 brülare. 
Ascoli, AG III 453, verwirft die Diez'sche Ab- 
leitung, weil es nicht wahrscheinlich sei, dafs die 
Romanen ein Vb. von beryllus abgeleitet hätten, u. 
weil ein *beryllare eher ,,mit Beryllen schmücken" 
(vgl. aurare, vergolden), als „wie Beryll glänzen" 
bedeutet haben würde, welchem letzteren Begriffe 
überdies besser *beri/llicare = ital. brilleggiare 
entsprochen hätte. Nach Zurückweisung der Diez'- 
schen Ansicht stellt Ascoli die Gleichung auf 
*ebriillare : brülare = *ebrnlliis (Deminutiv von 
ebrius) : brillo. Die zweite Hälfte dieser jedenfalls 
ebenso geistvollen wie überraschenden Gleicliung 
kann bereitwillig zugegeben werden, da die Bedtg. 
von brillo „leise berauscht" gut zu *ebri-illiis pafst. 
Dagegen ist der Bedeutungsübergang von *ebriillnre 
„leise berauscht sein" zu brülare „glänzen" nicht 
wohl annehmbar, so gern man auch A. beistimmen 
wird, wenn er hervorhebt, dafs nicht jeder Rausch 
widerlich sei, sondern dafs es auch eine angenehme 
Berauschtheit gebe , in welcher des Trinkers Auge 
u. Antlitz lebensfroh u. heiter erglänzen. Eber \ 
wäre, wenn man an *ebriillare festhalten wollte, an ' 
das unstäte Flimmern im .Auge des Berauschten zu 
denken, das sich sehr wohl mit dem Flimmern eines ! 
Edelsteins vergleichen läfst. Indessen dürfte man 
doch gut thun, bei der Diez'schen Etymologie zu 
verbleiben, denn die von Ascoli erhobenen Einwen- 
dungen sind zwar beachtenswert, aber doch nicht 
80 gewichtig, dafs sie zur Aufgabe des Grundwortes 
*heryllarc zwängen; vgl. G. Paris, R IX 487, wo 
bemerkt wird: „ces fantaisies sont extremoment in- 
genieuses, c'est tout ce qu'on peut en dire". Nigra, 
AG XIV 359, stellt als Grundwort für brülare auf 
ein *pirinulare (v.pirlnulus, Dem. v. pirus, = ital. 
prülo, kleine Birne, kleiner Zapfen) „girare come 
un pirlo o un paleo",=ital. prillare. als Scbeide- 
form dazu brülare (infolge rascher Bewegung flim- 
mern), glänzen. Einen recht überzeugenden Ein- 
druck macht diese, an sieh sehr scharfsinnige. 
Ableitung nicht, vor allem sieht man nicht ein, 
warum das seltsame Deminutiv *piriniilus gebildet ; 



worilen sein sollte, da doch pirulus zur Verfügung 
stand.] 

1345) beryllus, -um m. (gr. ßy'iQvU.og) , ein 
meergrüner indischer Edelstein; ital. berillo, .,specie 
di zaffiro", e brillo, „falso brillante", vgl. Cancllo, 
AG III 331 (brillo, leise berauscht, ist^ *ebri-illus, 
B. ohcn*beryllo): dav., nach Dz 522 besicle, barelle, 
Brillengläser, dazu barcelle = *bericellae u. piem. 
baricole = *bericulae, vgl. Caix, St. 183: die 
letztere, auf Vertausohung des scheinbaren Demi- 
nutivsufüxes -yllus = -illu/i mit dem ebenfalls de- 
minutiven Suffixe -iculus beruhende Bildung hat 
ihr Seitenstück im frz. (bericles :) beaides, das sich 
freilich durch sein cl als halbgelehrtes Wort verrät, 
was bei einem Begriffe wie „Brille" nicht befremden 
kann. Sonst bat man besicles auch von bis-\-cyeli 
oder bis + oculi abgeleitet. Sehr bemerkenswert, 
weil jedenfalls die richtige Ableitung von barelle 
u. besicles gebend, ist Gröber's Bemerkung zu No 
1143 der ersten Ausg. des Lat.-rora. Wtb.'s: „Die 
Brillen, die in Italien im 13. Jahrb. aufkamen, 
waren immer aus Glas; der Beryll ist undurch- 
sichtig; ital. (lOJ'eWe, Brillengläser, kann daher damit 
nicht zusammenhängen, wie Caix meint, barelle 
ist wohl nur das gewöhnliche barella. „Trage", 
das Brillengestell (dann auch die Brille) vertrug 
diese Benennung sehr wohl. Dtsch. brille aus frz. 
bericle . dieses wohl = frz. veriele = vetricida, 
Gläschen, Analogon zu vetriculitm (Wort der Technik 
und halbgelehrt). Der Anlafs, v zu b umzugestalten, 
war wohl darin gegeben, dafs zu hiriHle) die Neben- 
form bericle = Beryll bestand (s. Godefroy, schon 
12./13. Jahrb.), an welche volksetymologisch veriele 
angeglichen wurde, befiele ist etwas später belegt, 
als bericle = Brille und gelehrte Anlehnung an 
biscycliis. Auch veriele bezeugt Littre an entspr. 
Stelle mit der Bedtg. (Brillen -)Glas." (Vgl Skeat, 
Etym. Dict. s. v. beryl.) 

1346) [*bes8a, -am /', wird von Horning, Z XXI 
250, als Grundwort zu frz. (mundartlich) besse, 
Nebenform v. bi'che (nach H. Postverbale zu hicher 
= *bes>^icare).] 

1347) *bestä, -am /'., Tier (die Existenz von besta 
im Volkslat. wird durch das Deminutiv bestula b. 
VenantiusFortunatus, Vita Martini IH 341, bewiesen, 
vgl. Miodonski, ALL I 588, vgl. dazu Wölfflin, 
ALL III 107, s. auch unten bestia); frz. bete (dav. 
bHise, vgl. Cohn, Suffixw. p. 41 u. 306) u. ptg. 
besta, Vieh, dummes Tier, auch dummer Mensch. 
Vgl. Gröber, ALL I 250. 

1348) vlaem. besteeken, bestocken, schmücken; 
pic, wall, abistike, abistoke accoutrer, arranger 
mal, Sans elegance, vgl. Doutrepont, Z XX 521 u. 
XXI 229. _ 

1349) bestia, -am /'. (rtr. u. dialektisch frz. 
bieste setzt aber besta voraus, vgl. G. Paris, R IX 
486, über besta, s. den Artikel No 1347), Tier, 
wildes Tier, dazu das Adj. bestius, a, um, einem 
wilden Tiere ähnlich (b. Comraod. instr. 1, 34, 17); 
ital. biscia, Schlange (wegen des i der ersten Silbe 
sowie wegen des Bedeutungswandels vgl. Ascoli, AG 
III 339), biscio [?], Wurm unter der Haut, bescio 
(neben besso) , dumm, vgl. Canello, AG lU 339, 
G. Paris, R IX 486 u. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891, 
767; rtr. besä, blsa, biesa, Vieh, namentlich Schafe, 
vgl. Gärtner, § 81 u. lül, Ascoli, AGIII340 Anm., 
wo man auch die auf AG I bezüglichen, zahlreichen 
Citate findet, vgl. Parodi, Studj di filol. ital. class. 
I 440 (setzt ein *biitia an); neuprov. bessa, 
Schlange; altfrz. bisse, Schlange, kleiner Hund, 



143 



1350) bestiäriüs 



1371) bidal 



144 



8. Förster im Glossar zu Aiol: neben bis.ie in dieser 
Bedtg. auch biche, das nicht auf ags. bicce zurück- 
zuführen ist {hestia : hisse = aruiustia : angoisse); 
span. bicho u. bicha[?\, kleiner Wurm oder kleines 
Insekt (über latein. fj : span ch vgl. Ascoli, AG 
III 340 Anm. u. Cornu, R XI 82 u. dagegen 
Meyer-L., Ital. Gr. § 56 p. 40); ptg. bicha, Wurm, 
lilutegel, Schlange, u. biche, Wurm, Insekt, Laus, 
vgl. Cornu, a. a. 0. Vgl. Dz 358 biscia , wo die 
ganze Wortsippe auf ahd. *bizo , beifsendes Tier, 
zurückgeführt wird, was auch Mackel p. 101 für 
möglich zu halten scheint; Caix, St. 11, wo *(6o»n)- 
bycius als Grundwort angesetzt wird; Gröber, ALL 

I 250, Meyer-L., Ital Gr. § 56 p. 40. 

1350) bestlärius, -um vi. (v. bestia), Tierkämpfer; 
ital. bestiario „col valore della voce latina", e 
bestiajo „chi governa il bestiarae grosso", vgl. 
Canello, AG III 304. Erwähnt sei hier noch das 
halbgelehrte altfrz. bestiaire = bestiarium, Tier- 
buch. 

1351) ♦bestleülüm, -1 n. (v. bestia), = span. 
vestiglo, Untier, Ungetüm, Scheusal, Drache, vgl. 
C. Michaelis, Mise. 162. 

1352) betä, -am f., Beete, Mangold (Beta vul- 
garis L.), ital. bieta u. bietola, vgl. Flechia, AG 

II 56 Anm., rtr. bieta, bUde, vgl. Ascoli, AG I 
515 Z. 4 V. u. in der Anm. Vgl. unten blitom. 

1353) altnfränk. betan (ahd. beigan), beifsen 
machen, = altfrz. lieter (un ours, ein Beleg für 
diese Vorbindung z. B. b. Burguy II 87 Z, 6 v. u.), 
das Vb. scheint zu bedeuten ., einen Maulkorb an- 
legen", was freilich ungefähr das Gegenteil von 
betan ist; schwerlich gehört hierher das Komp. 
prov. (auch altspan.) abetar, betrügen; altfrz. 
abeter, ködern, dazu das Vbsbst. abet, Köder. Mit 
beter = betan hat nichts zu schaffen altfrz. bete, 
geronnen, s. oben No 1324. Vgl. Dz 522 beter; 
Mackel p. 89. In einem Briefe an Mussafia (ab- 
geilruckt bei Stengel, Erinnerungsworto an F. Diez, 
p. 92 f.) spricht Diez die Vermutung aus, dafs ober- 
ital. paissar (in: paissar, -e, cn.far) == bei^an sei. 
Vgl. unten bito. 

1354) dtsch. betteln, Bettler; rtr. betler, petler, 
petle etc., vgl. Gärtner § 17 S. 19. Über ital. bet- 
tola s. ob. No 1161. _ ' 

1355) betnlla [u. betulaj, -am f. u. *betnllus 
u. betülns -um m. (wahrscheinlich von einem kclt. 
Stamme hetw-, vgl. Th. p. 46), Birke (das Wort 
findet sich öfters b. Plinius N. H., z. B. 16, 75 u. 
176); ital. [betula u. hetttila] bedello, (vgl. Sal- 
vioni, Post. 5); frz. Deminutiv *beoukau, bouleau, 
vgl. R II 506; tat. bedoll; a f a.n. abedtd; iptg.be- 
tulla u. vidn (=*betus, zurückgebildet aus *betulus), 
vgl. C. Michaelis, Frgm. Et. p. 51. Vgl. Dz 50 betida; 
Gröber, ALL I 250; Storni, R V 174; Meyor-L. im 
Nachtrag zu No 1150 der ersten Ausg. des Lat.- 
rom. Wtb.'s. Über itaL Dialektformen, welche teils 
auf bettdla teils auf "betida zurückgehen , vgl. 
Salvioni, Post. 5. 

1356) [*biäsius, a, um (aus hi-a[n]sius f. ansa) 
= ? prov. frz. biais, schräg, schief, vgl. Thomas, 
R XXVI 415; die Ableitung ist mehr als zweifel- 
haft. S. unten bifax.j 

1357) [*bibäriiis, -a = prov. hiver-s, Schenk, 
beveria, Zecherei, vgl. Dz 533 breuvage.] 

1358) [gleichs. *biberäticum n. (v. *bibero), 
Trank; ital. beveraggio; Tp tov. beuragge-s; frz. 
breuvage; span. hebraje. Vgl. Dz 533 breuvage.] 

1359) [*bibero, -äre (v. hibo); davon Kompos. 
äd-bibero, tränken; ital. abbeverare, dialektisch 



auch bevernre; prov. abeurar; frz. (ahevrer), 
abreuver; cat. abeurar; Bpa,n.{abebrar), abrevar; 
ptg. ahrevar. Vgl. Gröber, ALL I 250.J 
♦bibita s. oben baiton. 

1360) *biblti8, -am f. (v. bibo) = rum. befie, 
bebifie u. ptg. bebcdice, Trunkenheit. 

1361) f*bibitio, -öntmf. (v. bibo), Trank, = ital. 
hevizione ,,beviniento" u. (veraltet) bevigione „be- 
vanda", vgl. Canello , AG III 343 ; frz. bnisson, 
vgl. Dz 527 s. V.; Gröber, ALL I 251 u. VI 379, 
Cohn, Suffixw. p. 133 Anm. (es wird *biptiönem v. 
*biptus f. bibitus angesetzt, aber ebenso wie *bihi{or 
konnte auch *bibitio gebihiet werden). Die übrigen 
rom. Spr. brauchen entweder andere Ableitungen 
von bibere, wie z. B. ital. bevanda, oder pötio, 
letzteres ist auch im frz. poison erhalten.] 

1362) *bibitör, -örem m. (v. bibo), Trinker; 
ital. bevitore; rum. beutor; prov. c, r. beveire, 
c. 0. bevedor; altfrz. c. r. beveire, c. o. beveor; 
nfrz. buveur ; span. ptg. bebedor. 

1363) bibo, bibi (Supinum und die davon ge- 
bildeten Formen werden im Schriftlatein von potare 
genommen, vgl. Wagener, Hauptschwierigkeiten der 
lat. Formenlehre p. 19; volkslateinisch ist *bibitum 
anzusetzen), bibere {v.\/pn, pi, vgl. Vanicek I 452 f.), 
trinken; ital. bevo, bevvi, bevuto, bevere u. bere; 
rum. 6c«, beui, beut, be, s. Ch. s. v.; rtr. beiver, 
vgl. Gärtner § 168; prov. beu, beg, begut, beure; 
altfrz. Pr. 1. sg. bei{f), boi{f), 1. pl. bevons, Pf. 
bui, Pt. beut, Inf. beivre, boivre, vgl. ßurguy II 122, 
nfrz. bois buvons, biis, bii, boire ; cat. Pr. beu 
bech, Pf. begui, Pt. begut, Inf. heurer, vgl. Vogel 
p. 119; span. ptg. beber (die Konjugation ist 
regelmäfsig). 

1364) ahd. bibOz = frz. bibeux, vgl, Joret, R 
XX 286. 

1365) [*bicarlum u. *biccariam, Becher, vgl. 
Canello, AG III 381, s. oben No 1130 baear.J 

1366) ags. bicce, Hündin, vielleicht (nach Dz 523) 
Stammwort zu altfrz. biche, bisse, kleiner Hund, 
wahrscheinlicher ist die Herleitung von bestia (s. d.). 
Vgl. Mackel 101. 

1367) ahd. *bickil, mhd. bickel, Spitzhacke, 
Würfel; viell. Stammwort zu ital. biglia, beinerne 
Kugel; prov. bilho-s, bülo-s, Kugel, bezw. ein Spiel 
mit Kugeln, Scheidemünze; frz. bille, Kugel, billon, 
Scheidemünze; span. 6iHa, Kugel; (ptg. bilha be- 
deutet „bauchiger Krug"); Ableitung von biglia, 
bille ist bigliurdo (Lehnwort, vgl. d'Ovidio, AG 
XIII 404, wo auch Näheres über die Geschichte des 
Wortes zu finden ist), billard, Kugelspiel. Vgl. Dz 
53 biglia; Mackel p. 103. 

1368) *bic5ngiüs, bisconglns, -um m., Doppel- 
mafs; davon \enei. bigomio ein Mafs für Flüssig- 
keiten; ital. bigoncia Kübel; rtr. hujinz „asta 
curva per appendervi e portare due secchie d'acqua", 
vgl. Dz 357; Ascoli, AG I 497 Anm. 

1869) bicornis, e, zweihornig; ital. bicornia, 
zweispitziger Anibos; irz.bigorne; ipan. bigornia: 
ptg. bigorna. Vgl. Dz 524 bigorne. Vgl. unten 
locus. 

bicus f. vieus s. unten bombyx am Schlüsse. 

1370) kelt Stamm bld- (?), klein, vgl. Th. 90, 
Dz 523 hidet: davon ital. bidetto; irz. bidet, 
kleines Pferd, Klepper; aus dem Altkeltischen können 
jedoch die rom. Worte nicht stammen. 

1371) germ. bidal (ahd. bital, pital, mhd. bitel; 
die Worte gehören zu dem Vb. „bitten" n. sind zu 
scheiden von ahd. butil, nhd. büttel, ags. bydel, die 
zu „bieten" gehören), der Vorlader, Gerichtsbote; 



145 



1372) bldoDB, bidentem 



1381) bi Gott 



146 



ital. bedello, Amtsbote; prov. bedel-s; frz. {bedel) 
bedeau; span. bedel; ptg. bedel. Die deutsche 
Endung wurde als Deminutivsuffix aufgefafst. Durch 
gelehrte Volksetymologie wurde das Wort zu pe- 
dellus umgestaltet, als ob es von pes, pedis, käme 
u. „Läufer" bedeutete. Vgl. Dz 52 bidello; Maekel 
p. 94. 

1872) Mdens, bidentem, zweizähnig; bellinz. 
com. bedent doppio dente, vgl. Salvioni, Post. 5. 

1373) isl. bidha, „vas superne adstrictum", dav. 
vielleicht frz. bidon, hölzernes Gefäfs, vgl. Bugge, 
R III 145, Scheler im Anhang zu Dz 784. 

1374) rahd. nhd. bier (vermutlich von der \/ brä, 
brauen, vgl. Kluge s. v., an keltischen Ursprung ist 
nicht zu denken, vgl. Th. p. 46); ital. birra, das 
von Canello, AG III 381, mit höchstem Unrechte 
zu bevere gestellt wird; daneben eervigia; rum. 
bearä; frz. biere; (in den pyren. Spr. ist cervisia 
das gewöhnliche Wort: span. cerveza, ptg. cerveja, 
auch prov. cerveza). Vgl. Dz 54 birra. 

1375) [*blfax (v. ftjs u. facies, wird in den Gloss. 
Isid. mit „duos habens obtutus" erklärt), doppel- 
blickend, schielend; davon vermutlich (freilich aber 
ist die Ableitung recht bedenklich) sard. biasciu, 
Quere, Schräge, dazu das Vb. s-biasciai; ital. Adj. 
s-biescio, schräg; rum. piez, schiefe Fläche, Bö- 
schung, dazu das Vb. piezi^ez , ai, at , a, schief, 
schräg legen; prov. u. frz. biais, Quere, Schräge, 
dazu die Vba biaisar n. Maiser, schief, schräg 
laufen; cat. biais (veraltet), neucat. biax; (ptg. 
viez, Schiefe, Quere). Vgl. Dz 51 biasciu; vgl. aber 
auch Thomas , R XXVI 415 , wo bialn\9ius als 
Grundwort aufgestellt wird, was auch nicht befrie- 
digen kann.] 

1376) biförä {bis + Stamm /er), zweimal tragend, 
= (?) ital. 6i/f era, zwei Männer habend (gleichsam 
doppeltschwanger), ptg. bebera frühzeitige Feige, 
vgl. C. Michaelis, Revista Lusitana I, Meyer-L., Z 
XV 269. Vgl. Ascoli, AG X 7. S. aber No 1443. 

1377) bifldüs, a, um (v. bis u. findo) soll nach 
Baist, RF I 111, das Grundwort sein zu span. 
hefo, Unterlippe des Pferdes; weil nun das Pferd 
beim Fressen (nach Baist's Beobachtung) oft einen 
höhnischen Zug hat, so soll hefn der Ausgangspunkt 
einer Wortsippe mit der Bedtg. , .Spott, spotten'' 
geworden sein. Vgl. dagegen W. Meyer, Z X 171, 
wo ital. beffare etc. richtig onomatopoietisch er- 
klärt wird. Dz 48 beffa leitete die Sippe aus dem 
Deutschen ab. Vgl. oben No 1297 beff. 

1378) bifureiis, a, um (v. furca), zweizackig; 
davon rtr. veltl. biörch „biforcuto", oberwald. 
vuorch, „nodo del tronco, donde si partono due 
rami" u. bavorch, buorch, zweizackig; tessin. biorca 
.jl'estremitä superiore del tronco , in cui questo 
spartesi"^ Val Poschiavo borca „stradella angusta", 
friaul. beurie, hevörce „piazzuola incolta frammezzo 
a strade campestri", vgl. Ascoli, AG I 62 Z. 1 v. u. 
im Text, 107 Z 7 v. u. im Text, 108 Z. 3 v. u. im 
Text, 263 No 132,, 284 Anm. 5, 517 No 132. 

1379) ahd. blga, Haufen (von Garben) = ital. 
bica, ein Haufen Garben, davon abbieare, das Korn 
in Haufen setzen. Vgl. Dz 357 bica. 

1380) blg:S, -am f., Zweigespann ; davon vielleicht 
prov. cat. biga, altfrz. bigue (noch nfrz. in der 
Bedtg. „Bock" = Hebemaschine), span. ptg. viga, 
Balken, vermutlich eigentl. der horizontale Balken, 
auf welchem die Dachsparren ruhen, u. welcher zu- 
sammen mit diesen Sparren eine gewisse Ähnlichkeit 
mit einem umgekehrten Leiterwagen hat. Vgl. Dz 
497 biga; Behrens p. 82. 

Körting:, lat.-rom. Wörterbuch. 



1381) dtsch. bt {bei) Gott, daraus soll nach ge- 
wöhnlicher Annahme das frz. bigot, frömmelnd, 
Frömmler entstanden sein ; diese Herleitung stützt 
sich auf die in einer freilieh nicht vor dem J. 1137 
abgeschlossenen Chronik (bei Bouquet VIII 316) 
überlieferte Anekdote, wonach Herzog Rollo auf die 
Aufforderung, seines Lehnsherrn, König Karls, Fufs 
zu küssen, „lingua anglica" gesagt haben soll „ne 
so bi god". Darnach seien die Normannen spott- 
weiso bigoz, d. h. Leute, die immer „bi god" sagen, 
also viel schwören, sich fromm anstellen, genannt 
worden. An sich kann es nun ja sehr wohl ge- 
schehen , dafs ein Wort aus gelegentlicher Veran- 
lassung entsteht. Auch das ist nicht gerade un- 
denkbar, dafs der Normannenhäuptling den ihm 
angesonnenen Fufskufs mit den angegebenen Worten 
abgelehnt habe, nur freilich nicht in englischer, 
sondern in nordischer Sprache, in welcher der 
Christengott guS (ein Heidengott goS n.) heilst. 
Dennoch stehen der Ableitung die gewichtigsten Be- 
denken entgegen. Im Altfrz. kommt das Wort wohl 
nur sehr selten vor (vgl. Godefroy im Compl. p. 325l> 
No 1), am wichtigsten ist die oft angeführte Stelle 
des Roman de Rou, Teil lil v. 4780, ed. Andresen .■ 

MuU ont Franceis Normanz laidiz 

e de meffaiz e de mesdiz, 

souent lor dient reprouiers 

e claiment bigoz e draschiers, 
also als Spott- oder Spitzname der Normannen. 
Möglich wäre es immerhin, dafs derselbe „Bi-Gott- 
sager, Schwörer" bedeuten soll, obwohl sich das 
neben draschiers „Malz- oder Gerstenesser" (maw^eur 
d'orge übersetzt Godefroy das Wort) etwas seltsam 
ausnimmt. Soll aber dieses bigoz dasselbe Wort 
sein wie nfrz. bigot, so wäre anzunehmen , dafs es 
mit verallgemeinerter Bedtg. in der Sprache fort- 
gelebt hätte, u. eben dies scheint durchaus nicht der 
Fall gewesen zu sein. Das Adj. bigot tritt viel- 
mehr erst im 16. Jahrb. auf (vgl. Littre u. Scheler 
s. V.). Bei dieser Sachlage ist eine andere Ableitung 
zu suchen. Frz. bigot ist offenbar ein Fremdwort, 
wenigstens deutet das intervokalische g darauf hin, 
ebenso die Femininform bigote. Sehen wir uns nun 
in den verwandten Sprachen um, so finden wir als 
.inklingende Worte: ital. bigotta (gewöhnlich nur 
im PL), Blöcke, die zum Befestigen von Schiffsseilen 
dienen, span. ptg. bigote, bigode, Knebelbart (davon 
bigotera, bigodeira, Futteral für den Knebelbart, 
frz. bigotelle). Es sind dies offenbar Deminutiv- 
bildungen, das Grundwort aber kann kein anderes 
sein als biga (s. d.), Balken (wenn der Knebelbart 
als „kleiner Balken" bezeichnet wird, so ist das ja 
sehr begreiflich). Nun bedeutet span. hombre de 
bigote u. ebenso ptg. hörnern de bigodes einen 
charakterfesten, energischen Mann (eine bestimmte 
Bartform wird ja leicht als Ausdruck eines be- 
stimmten Charakters aufgefafst). Es ist schwerlich 
zu kühn anzunehmen , dafs das nach Frankreich 
übertragene Wort dort die Bedeutung „glaubens- 
fest" erhielt u. sodann in die Bedtg. „abergläubisch, 
frömmelnd" überging. Auch die andere Bedeutung 
des frz. bigot, bigote „Schletten (kleine Holzplatten)" 
erklärt sich bei Annahme der Herkunft von biga 
(ebenso die von bigatelle, Bartfutteral, Beutel), nur 
freilich bigot „zweizinkige Hacke" fügt sich der 
Ableitung von biga nicht u. dürfte anderen Ursprung 
haben , in bi- ist wohl lat. bis zu erkennen , -got 
aber bleibt dunkel. Ital. sbigottire, in Schrecken 
versetzen, hängt möglicherweise ebenfalls mit bigotta, 
biga zusammen, es müfste dann ursprünglich 

10 



147 



1382) *bigrus 



1399) birrus 



148 



bedeutet haben „an Blöcken befestigte Taue loslösen | 
u. dadurch den vorher fest gewesenen Gegenstand 
(z. B. ein Schiff) haltlos machen, der Verwirrung; 
preisgeben u. dgl." Caix, St. 53, bringt, gestützt 
auf die alte Form eshauttire, in scharfsinniger, aber 
freilich nicht überzeugender Weise sbigottire in 
Zusammenhang mit ex-pavo[r] , wobei er sich auch 
darauf beruft, dafs tosk. s-pago = pavo[r] mit ein- 
geschobenem g sei, ebenso wie altital. pagura = 
paura. Aber auch, wenn man die Richtigkeit dieser 
Angaben einräumt, ist für frz. bigot damit nichts 
gewonnen. — Frz. bigot ist das Objekt vielfacher, 
zum Teil sehr abenteuerlicher Äbleitungsversuchc i 
gewesen, so hat man es z. B. von Visigothus ab- 
leiten wollen; Wedgwood, Academy 9. Aug. 1879 
(vgl. Ztschr. f. nfrz. Spr. u. Lit. I 301), stellte ital. 
bigio, grau, als Grundwort auf, was , um von den 
begrifflichen Schwierigkeiten ganz abzusehen, laut- 
lich durchaus unzulässig ist. — Vgl. Dz 524 bigot. 
Scheler im Dict.^s. v. Eine eingehende Besprechung 
des Wortes, welche aber zu klaren Ergebnissen nicht 
führt, giebt Baist, KF VII 407. 

1382) [*blgrii8, um m. (bretonisch) soll nach 
Baist, RF VII 413, Grundwort zu frz. bigre, 
Bienenwärter, Lumpenkerl, sein; Hatzfeld - Darme- 
steter - Thomas erklären das Wort aus germ. bi, 
Biene, + gar (= wahren). Beide Ableitungen sind 
sehr unwahrscheinlich.] 

1383) germ. Mk, Ziege; davon vielleicht ital. 
becco, Bock; frz. bique, Ziege. Vgl. Dz 523 biche, 
529 bouc. — Altfrz. &jcÄe, „Schlange" u. „Hündin" 
ist = bestia (s. d.). 

1384) ^bilaneearius, -um m. (v. bilanx) =ital. 
bilanciajo ,,chi fa bilance" u. bilanciere ,,ordigno 
per ottinere Uequilibrio nei moviraenti", vgl. Ganello, 
AG III 304, wo aber hinzugefügt wird ,,ma resta 
dubbio sei veramente il primo non sia da bilancia 
+ ario e il secondo da bilance + ario". 

1385) bilanx, -lancem, zwei Wagschalen habend; 
davon ital. bilancia, Wage; prov. balnnsa; frz. 
balance u. bilan, span. balanza. 

1386) ahd. blllbi, Brot; davon vielleicht nach 
Dz 66 frz. bribe, ein Stück Brot, Brocken, dazu 
das Vb. briber, altfrz. brifer, Brot erbetteln, (wie 
ein Bettler) gierig essen, wovon wieder das Sbst. 
bifraud, P'resser. Dz bringt mit bribe auch in Zu- 
sammenhang die Wortsippe ital. birba, Land- 
streicherei, birbante u. birbone, Landstreicher, alt- 
frz. briban, span. briba n. bribon; endlich ist Dz 
533 geneigt, auch in frz. brimborion, Lumperei, 
eine durch das Vb. brimber , betteln, vermittelte 
Ableitung von bribe zu erblicken. Keltischer Ur- 
sprung der Wortsippe ist abzulehnen, vgl. Th, 48. 
S. unten breriärlum. 

1387) [*bIlloIa (aus libiola) = [?] ptg. belhö,\ 
felhö, Waffelkuchen, vgl. Cornu, ptg. Gramm. § 130 
u. 214 (in Gröber's Grundrifs) u., abweichend, C. 
Michaelis, Frg. Et. p. 5.] 

1388) blmus, a, um, zweijährig; levent. bima, 
vgl. AG VII 409; friaul. bime zweijähriges Schaf; 
bearne bime junges Rind. Vgl. Meyer-L., Z. f. ö. 
G. 1891 p. 767; Salvioni, Post. 5. 

1389) ahd. binda. Binde; itaL benda (lomb. 
binda); prov. benda; altfrz. bende, dazu das Vb. 
bender ;n.irz. bände; span. benda,venda. Vgl.Dz48 
benda; Mackel p. 96. 

1390) [blni öculi; ital. binocolo; frz. binocle; 
Fernglas für zwei Augen, ist gelehrte u. verkehrte [ 
Neubildung nach lateinischem Muster, bei welcher 1 
die Ungeheuerlichkeit begangen wurde, das'plura- i 



lische bini mit dem Sg. oeulus zu verbinden. Vgl. 
Dz 53 binocolo.] 

1391) ndd. binnenlaeuder, Schiff, das innerhalb 
des Landes fährt, soll das Grundwort sein z. ital. 
palandra u. balandra, kleines Lastschiff; frz. ba- 
iandre, zweiraastiges Binnenfahrzeug mit trapez- 
förmigen Segeln; span. ptg. balandra, einmastiges 
Schiff. Vgl. Dz 232 palandra. Die Horleitung ist 
indessen zu beanstanden. Von palandra etc. dürften 
nicht zu trennen sein das von Diez 232 unerklärt 
gelassene, von Schuchardt, Ztschr. f. vgl. Sprachf. 
XX 270, auf balatro (s. d.) zurückgeführte ital. 
palandrn(na) , Reitmantel, frz. balandran, Gala- 
mantel, span. ptg. balandran, balandräo, weiter 
Überwurf. Die ursprüngliche Bedtg. von palandra 
etc. ist demnach vermutlich ,,ein mantelförmig zu- 
geschnittenes Stück Tuch", woraus sich die Bedtg. 
eines Segels von bestimmter Form entwickelte, nach 
dem Segel aber wurde das Schiff benannt, welches 
ein solches Segel führte. Das Grundwort scheint 
lat. pala zu sein, das ein schaufeiförmiges Werk- 
zeug (das Grabscheit) u. einen schaufelartig ge- 
stalteten Knochen (das Schlüsselbein) bezeichnet. 
Freilich bleibt die Art der Ableitung unklar. — 
Dagegen dürfte ital. balandron, Landstreicher, auf 
balatronem beruhen. 

|*bipennella, bipennula s. pimpinella.] 

1392) ['^biquädro, -äre {bis u. quadrum), mit 
doppelten Vierecken versehen, zweifach, d. h. schach- 
brettartig karrieren, = frz. bigarrer, buntscheckig 
machen; cat. bigarrar; span. abigarrar. Vgl. Dz 
523 bigarrer. Ableitung aus *bivariare ist unan- 
nehmbar. Eine ganz andere Erklärung giebt 
Schuchardt, Z XI 500; von südfrz. piga, Elster, 
werden abgeleitet pigal, pigau, pigalh, scheckig 
(weil die Elster ein scheckiges, schillerndes Gefieder 
hat), davon pigalha, bigalha, scheckig machen, 
daraus (mit Einmischung eines Insektennamens bigal, 
bigar „taon, frelon, cousin") bigarra = bigarrer.] 

1393) ahd. biral, grofser Korb; davon ital. 
(mail.) berla, Tragkorb. Vgl. Dz 356 s. v. 

1394) biramica (v. bis u. ramus). Zweig, ist nach 
Neumann, Z V 386, das Grundwort zu ital. branea, 
frz. branche etc., s. u. branea. 

1395) bask. biregueta, wegloser Ort, = span. 
vericueto, rauher, unebener Weg. Vgl. Dz 497 s. v. 

1396) [*birotium n., zweirädriger Karren; ital. 
biroccio ; rtr. broz; frz. (voges.) bro. Vgl. AG 
VII 410 u. 516; Horning, Z XVIII 234.] 

1397) birötiis, a, um, zweirädrig; obw. bert, vgl. 
Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1398) ahd. biroufan, raufen; davon ital. baruffa, 
Rauferei, dazu das Vb. baruffare u. daraus durch 
Umstellung rabbiiffare „scompigliare , disordinare", 
vgl Caix, St. 468, u. Canello, AG III 397; rtr. 
bariifar, raufen; prov. barufaut-z. Raufer; (frz. 
e-bouriffer, zausen). Vgl. Dz 277 ruffa. 

1399) birrus, -um in., kurzer Mantel mit Kapuze 
(eigentl. wohl von roter Farbe, denn birrus dürfte 
mit griech. nv^i^ög identisch sein, doch kann man 
auch Zusammenhang mit burrus annehmen, s. unten 
bnrrus), davon viell. ital. birro, sbirro (mit rotem 
Mantel bekleideter) Gerichtsdiener, Häscher, Scherge; 
span. esbirro. (Möglicherweise leitet sich von 
birrus in der Bedtg. „rot" auch ab birracehio, 
jähriges Rind, so wenigstens vermutete Menage.) 
Vgl. Dz 358 birro. — Deminutivableitung von 
birrus ist ital. berretta, Mütze (über den Bedeu- 
tungswandel s. Baist, Z VI 116); prov. berreta, 
barretta; frz. barrette; span. barrete; ptg. birreto, 



14$) 



1400) bis 



1426) *bl8 + öcülüs 



150 



baretta. Vgl. Dz 49 berretta u. 74 bujo; Gröber, i 
ALL 1 251. 

1400) bis, zweimal, doppelt. Dies Adv. ist im 
Roman, nur als erster Bestandteil von Kompositis 
erhalten, in dieser Verwendung aber sehr liäufig. 
Lautlich stellt sich die Partikel als bis, bes, ber u. 
frz. als bar, ba dar; begrifflich hat sie versohlim- 
mernde Kraft, indem sie — ganz ähnlich wie das 
deutsche „zwie-" in „Zwielicht, Zwietracht" u. dgl. 
— die Bedeutung des mit ihr verbundenen Nomens 
oder Verbs in ungünstigem Sinne abändert. Vgl. 
Dz 55 bis; Darmesteter, Mots comp. p. 108 ff.; 
Lehmann, der Bedeutungswandel etc., p. 55. — Die 
im folgenden aufgeführten Zusammensetzungen sollen 
nur als Beispiele der sehr beliebten Bildung gelten, 
Vollständigkeit konnte u. sollte nicht erstrebt werden. 

1401) ahd. btsa, Briswind d. i. Nordostwind; 
davon rtr. bisa etc. mit gleicher Bedtg. ; das nähere 
sehe man unter bris. 

1402) bisäeclum, -i w. , Doppelsack, Quersack 
(Petr. 31, 9) u. *bi[s]-8äccüs, -um m.; ital. bi- 
saccia; sard. brisacca, barsacca; piom. bersac, 
bersacca; rum. desngä, f., s. Ch. sac (das Wort 
ist beeinflufst durch mgriech. diaä-fiov, diaäxxi); 
p rov. bis{s)ac-s ; frz. besace, bissac; altcat. bissac, 
bessac; span. bizazas, bezazas u. (wohl in Anleh- 
nung an via) biazas, sämtlich nur im Plur. Vgl. 
Dz 55 bisaceia. 

1403) *bi8 + äcer = frz. besaigre, säuerlich, 
vgl. Dz 522 n. V. 

1404) *bis + äcutus, a, um = ital. bieciacuto, 
zweischneidig; (altfrz. bisaigue, besaigue scheint 
aus ital. bisegolo entstanden zu sein). Vgl. Dz 
357 bicc. 

[»bis + ancula (vgl. Caix, St. 206) s. antUa.] 
ahd. bisazjan s. unten sazjan. 

1405) *bi8 + cocca {cocca == concha, IMuschel, 
Schnecke mit gewundenem Gehäuse ; vulgär scheint 
das Wort ebensowohl ein kleines Gefäfs oder Haus 
als auch einen Gegenstand, der Windungen hat 
oder zum Winden dient, bezeichnet zuhaben); ital. 
bicocea, kleines Schlofs, Turm auf einem Berge (im 
Sardischen „Häuschen", „Treppe mit zwei Absätzen", 
im Lombardischen „Garnwinde", in noch anderen 
Dialekten bedeutet das Wort entweder „Haspel, 
Winde" oder „Knäuel", vgl. Mussafla, Boitr. 46 
Anm.; piemont. bicochin. Priestermütze); frz. bicnque 
(Fremdwort), elende Festung, jämmerliche Hütte, 
bicoq (wohl angeglichen an le coq. der Hahn), dritter 
Fufs des Hebeljocks, Baugerüststütze; span. bicoca, 
kleine Stadt oder Festung, Schilderhaus, hicoquete, 
bicoquin u. becoquin, eine Art von (etwa turban- 
artig gewundenen?) Mützen. Vgl. Dz 52 bicocea. 

1406) *bis + eöctus (v. coquoi), zweimal gekocht; 
ital. biscottn, Zwieback; prov. 6iscMeif-z; altfrz. 
becuit (vgl. Darmesteter, Mots comp. p. 111 Anm. 2), 
nfrz. biscuit; span. bizcoeho; ptg. biscouto. Vgl. 
Dz 55 biscotto. 

1407) *blscula (für viscera) , dav. nach Parodi, 
R XXVII 227 neu prov. blesquin die grofsen Ein- 
geweide (*viscidanum = lyon. bedien Schaf- 
milz).] 

1408) bisextus, -um m., Schalttag, unheil- 
bringender Tag; piemont. bisest, Unheil: frz. 
bissetre (wohl an etre angeglichen), Unglück ; in den 
übrigen rom. Spr. nur als gelehrtes Wort erhalten, 
die betr. Formen hat Cihac unter visect zusammen- 
gestellt. Vgl. Dz 525 bissetre. Vgl. No 1431. 

1409) [*bis -\- fiigro, -are (v. fagus, Buche, = 
irz.fou, Demin. ^OMf <, Rute), tüchtig hauen, geifseln. 



würde nach Tobler. Z X 577, die zurücklatinisierte 
Form von frz. bafouer , verspotten (gleichsam mo- 
ralisch geifseln), sein — eine geistvolle, aber wenig 
glaubliche Vermutung. Vgl. oben beff-.] 

1410) [*bT8fodicfilo, -äre, nach Puitspelu Grund- 
wort zu lyon. barfolhi, barfoyi „fouiller malpro- 
prement dans un liquide, n'avoir point de suite 
ilans ses paroles ou ses actions", (hierher gehört 
vielleicht auch neapol. farfagliare, lomb. farfa- 
(ßia, prov. far- u.fourfouia. frz. far fouiller, span. 
farfullar, vgl. Horning, Z XXII 483).] 

1411) *bis + gflttu8, Doppelkrug; davon itaL 
higutta „specie di vaso, marmitta", vgl. Caix, St. 
202. 

1412) [*bisico, -are (v. bis) ; dav. nach Horning, 
Z XXI 451 Anm. 1, ptg. vesquear, schielen, vesgo 
schielend, span. biscn, vgl. bisojo.] 

1413) *bis -f läxfis; davon vielleicht ital. bis- 
lacco, sbillacco. „scomposto, stravagante", wenn das 
Wort nicht = bis + ahd. slach anzusetzen ist, vgl. 
Caix, St. 207 u. 370. 

1414) *bis 4- ahd. leffur, = frz. 6aio/"re, Wund- 
lippe, Wundspalto, Schmarre, vgl. Dz 516 balafre;- 
Darmesteter, Mots comp. p. 110 Anm. 3. 

1415) [*bi8 + ahd. löken, vielleicht Stammwort 
zu ital. s-biluciare, s-berluciare u. dgl., vgl. Caix, 
St. 151.] 

1416) [*bl8 -\- altn. 16kr, etwas Herabhängendes; 
daraus viell. frz. berloque, breloque, Anhängsel 
(vgl. rtr. bargliocca, neuprov. barlocco f., ital. 
badalueco, Spielerei). Vgl. Dz 628 loque.] 

1417) bi8 + lon^us; frz. barlong, länglich, vgl. 
Dz 517 Ä. V. S. oben No 1241. 

1418) *bis -f lüca (v. St. lue leuchten); prov. 
beluga, Funken, dazu die Verba (a)beUucar, blenden, 
belugeiar, Funken sprühen; frz. berlue, vorüber- 
gehende Blendung des Auges, dazu das Dem. (norm. 
behielte') bluette, Feuerfunke, Witzfunke, vgl. Fafs, 
RP HI 494, davon das Vb. bluetter, aufserdem 
altfrz. bellugiie (Fremdwort), Funken. Vgl. Dz 
520 bellugue. Über entspr. Worte ital. Dialekte 
vgl. Flecliia, AG 11 342 Anm. 3; Caix, St. 395 (wo 
ahd. liuhtan als Grundwort angesetzt wird). 

1419) [*bis-lüeetta (v. Stamm lue); altfrz. ber- 
luette, behielte, nfrz. bluette, Fünkchen, vgl. Fafs, 
RF III 494: Dz 520 bellugue.] 

1420) *bls + lücin-, licln- (v. St. lue leuchten) ; 
aret. balecenare, leuchten, vgl. Caix, St. 7. 

1421) *bis + lücio (v. St. lue leuchten); ital. 
harluzzo ,,tra giorno e notte", vgl. Caix, St. 185. 

1422) *bi8 + lümen; ital. barlume, Zwielicht, 
vgl. Dz 55 bis. 

1423) *bis + lriridu8, a, nm (wegen des Be- 
deutungswandels s. luridus); ital. balordn, Tölpel; 
frz. balourd, Tölpel; span. palurdo, grob, plump; 
über den etwaigen Zusammenhang von frz. falourde, 
Holzscheit (mittelfrz. belourde, velourde) mit bis- 

' luridus sowie über die Frage, ob altfrz. falourde, 

Aufschneiderei, Posse, hierher gehört, vgl. Bugge, 

R IV 355. — S. No 1428. 
I 1424) *bi8 -f luscns, a, nm; ital. berlusco, 

schielend, henneg. berlou, berlouque. Vgl. Dz 356 

berlusco, Caix, St. 73. 

1425) [*bl80cca (d. i. bis + *soeca, vgl. frz. 
soc); dav. nach Thomas, R XX 444, frz. besoche, 
Grabscheit.] 

1426) *bi8 + oculfi8; span. bisojo, schielend 
(nach Dz 432 ist auch das gleichbedeutende span. 

1 hizeo, ptg. vesgo desselben Ursprungs): die von 

10* 



151 



1427) *bl8-rötetta 



1467) blank- 



152 



Dz 623 vermutete Herleitung des frz. bigle von 
iisoculus ist abzulehnen, freilich ohne dafs eine 
andere glaubhaftere gegeben werden könnte. 

1427) [*bi(s)-rotetta(Demin. zu rata); frz. brou- 
ette ursprünglich einrädriger, später zweirädriger 
Schubkarren, vgl. Scheler im Dict. s. v.] 

1428) *Ms-rötulns; ital. biroldo „salsicciotto", 
vgl. Caix, St. 204; span. belorta, vilorta, Ring am 
Pfluge, Parodi, E XVII 54. — Aus bisrotulus (bi- 
roldo, *ba.roldo) will Pascal, Studj di fil. rom. VII 
89, ital. balordo, frz. balourd erklären, indessen 
ist bisluridus (s. d.) als Grundwort vorzuziehen. 

1429) *bis-rotundus , a, am; ital. bistondo, 
rundlich, vgl. Dz 406 tondo. 

1430) *bis8äccülnm «., Säckchen; Tptg. bis[s]alho, 
vgl. C. Michaelis, Mise. 120. 

♦bisseus s. bysseas. 

1431) bi[s]-sexttts, a, um, eingeschaltet; ital. 
bisesto, wunderlich, unregelmäfsig; rum. visect, vgl. 
Ch. s. V.; prov. bisest, bissext; frz. bissestre, 
bissetre, Unheil (weil der Schalttag als unheilvoll 
galt, vgl. Dz 525 s.v.; Bergers. u.). Vgl. No 1197. 

1432) f*bissico, -äre (v. *bissus, a. d.); dav. nach 
Horning, Z XXI 450, frz. beque (aus besque?) 
stammelnd, und das mundartliche bejater „tomber 
dans rimbecillite senile".] 

1433) [*bl88U8, a, um (nach Siaaög gebildet), 
doppelt: dav. nach Horning, Z XXI 451, iri.besson 
Zwilling; neuprov. bes beis Fcva.bessa beissa.] 

1434) *bi8 4- tento, *tentTo, -äre; ital. bisten- 
tare, Not leiden; prov. bistensar; altfrz. bestan- 
cier. Vgl. Dz 403 stcntare; Caix, St. 208. 

1435) [*bi8-t5ndo, -äre (für bis-tondeo, -ere); 
ital. bertonar, die Haare abschneiden, vgl. Mussafia, 
Beitr. 33; altfrz. bertonder; nfrz. bertmider, 
bretauder, verschneiden. Vgl. Scheler im Anhang 
zu Dz 708 berta; Mackel 84.] 

1436) *bT8-törquo, -ere (für bis-torqueo, -ere); 
altfrz. bestordre, verdrehen, vgl. Dz 689 tordre. 

*bi8 + verrfleS s. verrücä. 

1437) [*bTs + Tidüta (f. visa v. videre); frz. 
bevue, Versehen, vgl. Dz 523 s. v.} 

1438) arab. bl-'tftnah (besser battAna, vgl. Eg. 
y Yang. p. 329); ital. basana, bazzana „pelle di 
castrato conciata"; span. ptg. badana, gegerbtes 
Schaf leder (im Ptg. auch altes, mageres Schaf); 
(prov. bazana?); frz. (vermutlich aus dem Prov. 
entlehnt) basane, dazu altfrz. Vb. basaner , I>eder 
schwärzlich färben (nfrz. basane, gebräunt), basa- 
nier, Schuhmacher. Vgl. Dz 429 badana; Caix, 
St. 186. 

1439) altn. blti, Querbalken; dav. (?) ital. bitla 
(meist im PI. bitte, dieWandsäulen auf den Seiten des 
Schiffes); frz. bitte, Ankerbeting, grofso Hölzer auf 
dem SchiflFsdeck zum Auflegen der Taue; span. cat. 
bita (davon wohl auch span. bitäcora, ptg. bita- 
cola, Kompafskasten, ptg. bitola, Aichmafs). Vgl. 
Dz 55 bitta; Mackel 13, 93, 156. 

1440) arab. bi'tichah (richtiger al-batija, vgl. 
Eg. y Yang. p. 119), Wassermelone; cat. ptg. al- 
budeca; ptg. pateca; span. ptg. badea. Vgl. Dz 
475 pateca. 

1441) altndd. *blto (ahd. biggo), Köder; davon 
prov. altfrz. abetar, -er, hintergehen (Sbst. abet. 
Trug, List, norm, abet, Köder, abeter, ködern), 
vgl. Mackel 89. Vgl. oben betan. 

1442) [bitOmen, -inls n., Erdpech; ist nicht 
Grundwort zu frz. beton, Stein-, Gufsmörtel, viel- 
mehr leitet das Wort sich von altniederl. best, Bist- 
milch, ab, vgl. Bugge, R IH 145, P. Meyer, ebenda 



Vm 452, Mackel p. 89, Körting, Formenbau des 
frz. Nomons p. 314.] 

1443) bivTra, -am f., eine Frau, die den zweiten 
Mann hat oder gehabt hat; davon nach Dz 357 
ital. biffera, Weib, das zwei Männer hat (wegen 
V : ff verweist Dz auf vasculum : fiaseo). Vgl. 
oben bifera. 

1444) bmnm, -1 n., Zweiweg; ital. bebbio, vgl. 
Flechia, AG IH 173; dazu das Vb. venez. bibiare 
„essero incerto, indugiare" (gleichsam „zweifelnd 
am Scheidewege stehen"), vgl. Marchesini, Studj di 
fil. rom. II 7. 

1445) dtsch. biwacht; frz. bivac, bivouac, Feld- 
wache; span. vivac, vivaque. Vgl. Dz 525 bivac. 

1446) bask. bizarra, tapfer (vgl. Mahn, Etym. 
Unters, p. 137); span. ptg. bizarro, tapfer, mutig, 
ritterlich, prächtig, dazu Sbst. bizarria; aus dem 
Span, ist das Wort in das Ital. u. Frz. übernommen 
worden (bizzarro, bizarre) u. hat den leicht erklär- 
lichen Bedeutungswandel zu „lebhaft, zornig (ital.), 
seltsam (frz.)" durchgemacht. Vgl. Dz 56 bizzarro. 

ahd. blzo s. oben bestla. 

1447) neubret. bizon, bezou, Ring mit gefafstem 
Stein (mittelbret. besou); frz. bijou, Kleinod (wohl 
mit Anlehnung an jouer, joiijou). Vgl. Dz 524 
bijou, Th. p. 91. 

1448) irisch, bift gelb (urkelt. blävo-s, lat. flavus, 
ahd. bläo), Schuchardt, Z XVIIl 433, fragt: „wäre 
nicht ein romanisches *blavius, *blaujus denkbar?" 
Zu diesem angenommenen Adj. dürfte nach Seh. 
der Stadtname Blava, Blama, Blaye gehören. Be- 
ruht vielleicht auch altfrz. ötois, blond, auf *6Za- 
vius ? 

1449) ndl. blaar, weifser Fleck auf der Stirn; 
davon frz. (G. de la Bigne) blaire, altfrz. bleron, 
nfrz. blerie, Bläfshuhn, Wasserhuhn, vgl. Gröber, 
Mise. 42 u. ALL VI 122 (s. oben "ablatarellns). 

1450) [*blädärlus,-l»i., Getreidehändler (davon (?) 
frz. blaireau, vgl. Wedgwood, R VIII 436), s. oben 
*ablatarellus, s. auch No 1463.] 

*blae8iu8 s. unten *obIlqnns. 

1451) dtsch. Blaesse; davon lothring. blese, 
Pferd mit weifsem Stirnfleck, vgl. Gröber, Mise. 43. 

1452) blae8ns, a, um, lispelnd; prov. bles, 
stammelnd; altfrz. blois. S. unten obliqnus. 

1453) altn. blftml, bläuliche Farbe; davon frz. 
bleme, blafs, bleich, Vb. blemir , erblassen (altfrz. 
auch: bläuen d. h. blau schlagen); das sin altfrz. 
blesme ist nur graphisch. Vgl. Dz 526 bleme; 
Bugge, R III 145. 

1454) *bländio, -ire (f. blandior, -tri), schmei- 
cheln, liebkosen; ital. Wamitre (gel. W., die volkstüm- 
lichen W. sind accarezzare, vezzeggiare, lusingare); 
rum. {im)blänzesc, ii, it, i, vgl. Ch. bland; prov. 
frz. span. blandir (veraltet, frz. dafür flatter, 
span. lisonjear, acariciar, ebenso ptg.). 

1455) blSndltlä, -ae /'., Schmeichelei; rum. 
bländeafä; in den übrigen rom. Spr. nur als gel. 
Wort vorhanden (nfrz. als PI. blandices b. Chateau- 
briand). 

1456) blandüs, a, um, schmeichelnd; ixim. bland, 
Si Ch. s. V., sonst in den rom. Spr. nur ital. u. 
span. als gel. W. vorhanden; aufserdem ptg. 
brando, wovon mehrfache Ableitungen. 

1457) germ. blank- (ahd. blanch, planch). blin- 
kend; ital. bianco; (rtr. bianco aus dem Ital. ent- 
lehnt, vgl. Gärtner § 9); frz. prov. fttewc; span. 
bianco; ptg. branco. Durch blank- ist lat. albus 
aus dem gröfsten Teile des roman. Sprachgebietes 
verdrängt worden. Vgl. Dz 51 bianco. 



153 



1458) »blank + mändncSrg 



1474) blgt 



154 



1458) [*blank + mändücäre; frz. blanc-manger, 
weifse Gallerte mit Mandeln; davon ital. braman- 
giere, Vorgericht, hlaneo-mangiare „vivanda di fa- 
rina o zucchero ootti in latte". vgl. Canello , AG 
III 313. Vgl. Dz 359 .v. v.] 

1459) [*Wanko, -äre, blankio, -Ire (v. hlanl;), 
weifsen ; ital. (im)hiancare, bianchire; entsprechende 
Bildungen in den übrigen roman. Sprachen, aufser- 
dem zahlreiche an die Verba sich anlehnende Ab- 
leitungen, z. B. *blank-arius = span. blanquero, 
Weifsgerber, *blank-e-ator-em — sfSLn. blanqueador, 
Tüncher.j 

1460) mhd. blas, Kerze, Fackel, Glut (ags. blase, 
blase, brennende Fackel); vielleicht Grundwort zu 
ital. blasone, Wappenkunde, dazu das Vb. blaso- 
Jinre, Wappen malen; prov. bleso-s, öKso-s, Wappen- 
schild; frz. blason, Wappen (altfrz. auch blezon), 
dazu dasVb. blasonner, ein Wappen erklären; cat. 
blaso, Wappen, Wappenzeichen, Kuhra, Glanz; 
span. blason, Ehre, Ruhm, Wappenzeichen, Wappen- 
kunde, dazu das Vb. blasonar, sich brüsten, und: 
ein Wappen erklären; ptg. brasäo mit denselben 
Bedeutungen wie im Span., was auch von dem Vb. 
blasonar gilt. Will man die roman. Worte wirklich 
mit Dz 56 vom mhd. blas (od. ags. blase) herleiten, 
so müfste der Bedeutungsübergang gewesen sein: 
Glut : Glanz : Ruhm : Ruhmeszeichen = Wappen- 
schild, Wappen. Die Sache ist aber herzlich wenig 
wahrscheinhch; eher dürfte blason für eine Ablei- 
tung von ahd. Mass „weifslich" (wovon Blässe, ] 
weifser Fleck auf der Stirn, altnord. bles, vgl. Kluge 
unter ,,blafs") zu halten sein, so dafs die ursprüng- 
liche Bedeutung sein würde „ein kennzeichnender 
weifslicher, bezw. hellfarbiger Fleck (auf dem sonst 
dunkeln Schilde)". 

dtsch. blasen s. ß}.ä§. 
blasphemia s. blasphemo. 

1461) '*'blasphemiain , -1 n., Lästerung; davon 
prov. blastenh-s (die entspr. Worte der übrigen 
Sprachen gehen auf blasphemia oder ß}.äo(prjixov 
zurück, vgl. Meyer, Neutr. 154). 

1462) blasphemo, -äre (von gr. ßlaatptjßeco), 
lästern; ital. biasmare, biasimare, t&deln, daneben 
das, wie es scheint, an bestia angebildete biastem- 
mare, bestemmiare, lästern, fluchen (gel. W. blas- 
femare), vgl. Canello, AG III 363; rum. bldstäma: 
rtr. blastemai-;i>Toy.blasmar, blastimar, blastenjar; 
frz. blasmer, blämer; cat. blasmar, blastemar; 
span. ptg. lastimar, beleidigen, mifshandeln, Mit- 
leid erregen. Zu den Verben sind überall die ent- 
sprechenden Substantiva vorhanden; ital. biasimo, 
bestemmia, biastemma; rum. blästäm, PI. blästä- 
muri; rtr. biastemma; prov. blastenh-s {= blas- 
phemium, w. m. s.); frz. blasvie, bläme (altfrz. 
auch blastenge); span. ptg. Idstima. Vgl. Dz 51 { 
biasimo. 

blasphemfis, a, um, lästernd, s. blasphemo. j 

1463) [*blätärellas, -um m. (v. *blatum), bezw. i 
[a'\blatarellus , Getreidehändler, wurde von Wedg- 
wood, EVIII 436, als Grundwort zu frz. blaireau, 
blereau, Dachs, aufgestellt, weil dieses Tier Getreide 
aufstapelt oder doch aufstapeln soll. Diese Ab- 
leitung ist aber von Gröber, ALL VI 122, mit i 
guten Gründen zurückgewiesen worden, das richtige 
Etymon ist ndl. blaar (s. d.).] 

1464) [»blätäria, -am f. (v. *blatum), = prov. ; 
bladaria, frz. blairie „Abgabe für die Erlaubnis der 
Nachhut" (Sachs).] j 

1465) »blätea (6Z(i<Mm)= altfrz. blaice, blaissc\ 



„recolte de ble" (scheint aber auch „Getreidearten" 
zu bedeuten), vgl. Horning, Z XXII 482. 

1466) blatero, -äre, plappern; ital. battolare 
„chiaccherare" (mit zahlreichen dialektischen Neben- 
formen), vgl. Caix, St. 189; span. baladrar, ptg. 
ftradar.vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1467) blatta, -am f.. Motte; „calabr. vratta, 
vgl. ital. /)ia«o/a" Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891p. 767. 

1468) *blätam, »blädnm, *blämm (vom Stamme 
bla, Nebenform von ßa ,, blasen", idg. VbMa, wegen 
bh = lat. 6 vgl. barba, albus u. a. m.), zusammen- 
geblasene, -gewehte Masse, Spreu, Strohhaufen, 
schliefslich Getreide; mutmafslicho Grundwerte zu 
ital. biado u. biada; prov. blat-i u. blada; rtr. 
blava, vgl. Gärtner, Gramm. § 3«; altfrz. biet, 
bled, blee, blef (bleif); neufrz. ble, zu den frz. 
Subst. die Verba (de-, em-, rem-) blaver = *blavare 
und (de-, em-, rem-, «-) blayer = *blaviäre od. 
*blädiäre, dazu wieder Postverbalia, z. B. remblai, 
ablais. Vgl. Körting, Formenbau des frz. Nomons 
p. 317. S. oben ablatum. 

1469) altnordfränk. bland (altnord. blaupr, ags. 
bleap, ahd. blödi, nhd. blöde), kraftlos, zaghaft; 
altfrz. prov. bloi. schwachfarbig (von Haaren), 
lichtfarbig, gelb, blond, vgl. Mackel 118. Auch 
ital. biondo, prov. blon-z, frz. blotid, span. blondo 
von blaud herzuleiten u. also Nasalierung anzu- 
nehmen, wie Dz 54 dies zu thun geneigt ist, er- 
scheint bedenklich. Eher dürfte, wie auch schon 
von anderen vorgeschlagen wurde, blond mit ags. 
blanden, blonden „gemischt" {blanden- feax misch-, 
grauhaarig) zusammenzubringen sein; noch wahr- 
scheinlicher ist Zusammenhang mit germ. blind, vgl. 
Kluge unter „blond". S. auch No 420. — Gold- 
schmidt, Z XXII 260, setzt altfrz. embloer, pic. 
emblaver — germ. blaufian an (blaupian = eblouir). 

1470) langob. *blant-, blofs; davon ital. biotto, 
armselig, elend, dazu die Deminutivbildung hrollo, 
nackt, blofs, vgl. Bugge, R IV 368; (prov. alt- 
frz. blos beruht auf ahd. blög, vgl. Mackel p. 28). 

1471) germ. bläw (ahd. bläo), blau; ital. biavo, 
biado (veraltet), blii (aus frz. bleu), das übliche 
Wort für „blau" ist turchino, azzurro, vgl. Canello, 
AG III 328; prov. blau (mit zahlreichen Ablei- 
tungen); frz. bleu (vgl. paucum : peii); im Span, 
u. Ptg. wird, „blau" mit azul bezeichnet; das 
rum. Wort ist venetu. VgL Dz 51 biavo; Mackel 
39, 120 ff. — Ableitung aus pic. blau für gemeinfrz. 
bleu scheint blafard zu sein, vgl. Storm, R V 168 
(wo unrichtig prov. blau als Grundwort angesetzt 
wird, vgl. Mackel 64): Dz 525 wollte dasWort von 
ahd. *bleihvaro (blaikvaro) herleiten, es ist aber 
nur mhd. bleichvar nachzuweisen, aus dem blafard 
sich kaum entwickeln konnte. 

1472) gr. ßXdi, schlaff, träge, ßla^siv = fioi- 
Qulvciv, thöricht reden, thöricht sein; von diesen 
gr. Worten will Rönsch, RF EI 459 f., das frz. 
blaser „abstumpfen, entnerven" ableiten, ohne dafs 
seine Beweisführung überzeugen könnte. Man wird 
sich vielmehr vorläufig mit der von Dz 526 aus- 
gesprochenen Vermutung begnügen müssen, dafs 
blaser sei es auf das deutsche blasen sei es auf 
das englische blaze zurückgehe, die Bedeutung frei- 
lich macht Schwierigkeiten. — Über ß).ä£ = bleche 
(?) vgl. biet. 

1473) nhd. blenden; davon (u. nicht von got. 
blindjan) frz. blinder, blenden im Sinne von bomben- 
fest machen; dazu das Sbst. blinde. Vgl. Dz 526 
blinder; Mackel 101. 

1474) altnordfränk. biet (ags. blät), bleich; frz. 



155 



1476) bli-, blid- 



1491) böjä 



156 



biet, morsch, teig, dazu das Vb. blettir, morsch 
werden, bleche, weibischer Mensch , dazu die Vbb. 
bUchir, weibisch werden, bleeher, faul sein, vgl. 
E. de Chambure, Glossaire du Morvan s. v. hlessi, 
Darmesteter, Kevue critique 1880 II 92. G. Paris, 
R IX 628, Mackel 88, Pogatscher, Z XII 556. Ver- 
mutlich ist auch frz. bieder, blesser von biet her- 
zuleiten, so dafs CS ursprünglich „rendre biet en 
frappant'' bedeutet hätte. Dz 526 führte bleche auf 
gr. ß>.ä^ zurück (was lautlich unmöglich), blesser 
aber brachte er mit mhd. bletzen ,, Klicken", bletz 
„Stückchen Leder" u. dgl. in Zusammenhang und 
setzte folglich „zerfetzen" als Grundbedeutung an. 
Dafs an deutsches „(ver)letzen" nicht gedacht 
werden darf, hat schon Dz bemerkt. Vgl. auch 
Scheler zu Dz 784. 

1475) Stamm bll-, blld- (unbekannten Ursprunges) 
-f- -al, -alt; prov. blial-s, bliau-s, blialt-z, bliaut-z, 
blizautz, seidenes Gewand,Überwurf; altfrz.fehaMi; 
span. ptg. brial, Frauenrock aus Seide oder einem 
andern feinen Stoffe; (mhd. blinlt, bliat „seidener 
Goldstoff" scheint erst aus dem Romanischen ent- 
lehnt zu sein). Nach Mahn, Etym. Unters. 40, hätte 
man das pers. baljäd als Grundwort anzusehen. 
Vgl. Dz 56 bliaut. 

1476) abd. blinchan, nhd. blinken; davon nach 
Dz 433 vielleicht span. ptg. brincar, schmücken, 
spielen, scherzen, hüpfen, springen ; wegen des Be- 
deutungsüberganges vergleicht Dz lat. micare u. 
coruscare. Storm, R V 173, führt brincar mittelst 
esbrincar auf ital. springare = dtsch. springen 
zurück, was Baist, Z V 550, billigt. Schuchardt 
leitet das Wort von altir. lingim, ich springe, ab, 
als dessen Stamm er wegen des Perf. leblaing ein 
*bling ansetzt, Z VI 428 ; Thurneysen, p. 85, bemerkt 
dagegen, dafs der Schwund des 6 im Anlaute auf- 
fällig sein würde. 

got. bllndjan s. blenden. 

1477) altd. blister, Blase; davon vermutlich 
altfrz. blestre, vgl. Mackel 23, s. auch Godefroy 
s. V. bleste. 

1478) bliteus, a, um, abgeschmackt, albern, 
unnütz (Plaut. Truc. 4, 1, Laber. com. 92); davon 
nach Dz 358 ital. bizzocco, Andächtler. 

1479) blltnm, -i n., Meieramaranth, Blutkraut; 
frz. blette, biete, Hahnenkamm (eine Pflanze); cat. 
bred; span. ptg. bredo, grüner Amaranth, eine 
Art Brunnenkresse (span. blednmora, Spinat). Vgl. 
Dz 432 bledo. — „Blitum mit beta vermischt gab 
ital. bieta, prov. bledo, friaul. blede etc." 
Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1480} alt- oder mittelndd. *blok (ahd. bilöh, 
mhd. hloch zum st. Vb. lükan) u. ndl. blök (ahd. 
mhd. blüh, bloch, nhd. block), ersteres eine Art 
Halle, Verschlufs, letzteres Klotz bedeutend; davon 
frz. bloc, Block, Stock (als Strafwerkzeug, Ein- 
sperrungsgerät, etre au bloc, Kasernenarrest haben), 
u. bloc, Klotz, Haufe, dazu das Vb. bioquer; blök- 
hüs = frz. blocus. Vgl. Dz 526 bloc; Mackel p. 32. 

1481) altd. bluster, Blase; davon wohl altfrz- 
blostre, Moste (mit offenem o), Geschwulst; vgl. 
Mackel 23. 

U82) böäriDS, a. um (v. bos), zum Rind ge- 
hörig; ital. boaro, Ochsen treiber; (rtr. bue); neu- 
prov. boyer; altfrz. boier; span. boyero; ptg. 
boieiro. Vgl. Gröber, ALL I 251. 

1483) boca, -am f. (für böca, Nebenform von box, 
gr. ßiö^), ein Meorfisch; ital. hoca, boga; sard. 
boga; prov. buga; (frz. bogue, davon boiiguüre, 



Fischnetz); span. ptg. boga. Vgl. Dz 56 boca; 
Gröber, ALL I 251; Bouquier, R VI 269. 

1484) Stamm bod, bot-; auf einen Stamm bod- 
bezw. bot-, bott- (wovon lat. *bot-um, bot-ulus, bot- 
ellus), dessen Grundbedeutung „schwellen, aufblasen" 
sein dürfte, scheinen zurückzugehen: modenosisch 
budenfi .,tragonfio", piemont. burenfi „gonfio", 
vgl. Mussafia, Beitr. 34, u. Flechia, AG II 326 f.; 
rum. bos-inftu, die Lippen aufwerfen, schmollen, 
vgl. Ch. bot; neuprov. boudenfld, schwellen; frz. 
houder, den Mund aufschwollen, die Lippen zum 
Zeichen desVerdrusses vorstülpen, schmollen, davon 
boudoir, eigentl. Schmollwinkel, boudin, Blutwurst, 
boudine, Kern, Auge in einem Glase (das inter- 
vokalische d dieser Worte nötigt zur Annahme eines 
Stammes bott-), boursouffler (für bor, bod -\- souffler) 
aufblasen (vgl. prov. boudenfld = bod -\- inflare); 
von boursouffler , das bereits aus dem 12. Jahrb. 
belegt ist (s. Littre), ist abgeleitet boursouf(f)lus, 
Fisch mit aufgeblähtem Leibe, vgl. Cohn, Suffixw. 
p. 201 ; wahrscheinlich gehört hierher auch borne 
(aus bosne, bodne, mittellat. bodina) eigentlich 
Schwelle, dann Grenze, jedoch hält Thurneysen 91 
Herkunft des Wortes von dem altir. Stamme *b6- 
dinä oder *bödinä (davon altir. huden, Heerschar, 
kymr. budden, Truppe, Armee) für möglich u. ver- 
weist bezüglich des Bedeutungsüberganges auf das 
deutsche „Heersäule". Über borne vgl. auch Nigra, 
R XXVI 558, s. unten oblula. Vgl. Dz 528 borne u. 
529 bouder, vgl. dazu Scheler 785; Rönsch, RFIII 
335, u. namentlich auch Caix, St. 241, wo inter- 
essante ital. Ableitungen (z. B. butifione „uomo 
grasso") angeführt werden. S. auch unten bold* 
u. bötnm. 

1485) ndl. bodemerij, die Anleihe auf ein Schilf; 
frz. boiverie, Bodmereivertrag, vgl. Dz 528. 

1486) mittelndl. boeckin, Büchlein; nfrz. bou- 
quin, altes Buch, Scharteke. Mackel 21 leitet das 
Wort von bouc ab, so dafs es eigentl. „(kleines 
Bocks-)Leder, Schwarte, Scharteke" bedeuten wUrde. 
Dz 530 s. V. 

1487) ndl. boegspriet, Bugspriet; daraus durch 
volksetymologische Umgestaltung frz. beaupre, vgl. 
Dz 518; Fafs. RF III 499. 

1488) ndl. boelijn, Seitontau, -segel ; altfrz. &o- 
line, nfrz. bouline, vgl. Dz 530, Mackel 110. 

1489) ndl. bogan, biegen (die übliche Form ist 
aber buigen); bogan wird von Dz 433 als Stamm- 
wort zu span. bojar, eine Insel, ein Vorgebirge 
umschiffen, hingestellt. 

1490) dtsch. bohren; vom deutschen bohren leitet 
Ulrich, Z III 266, frz. *borgner {: bohren=^epargner 
: dtsch. sparen) ab, wozu dann borgne, einäugig, 
das Adj. wäre; ital. bornio; cat. borni, auch 

[span. bornear, biegen, krümmen (schielen), würden 

i dann gleichen Ursprunges sein. Diese Annahme 

ist aber höchst unwahrscheinlich , schon weil die 

I ursprüngliche Hedeutung von borgne ., schielend" 

I gewesen zu sein scheint (vgl. Scheler im Dict. s. v., 

[ wo, wie schon hei Dz, auf genferisches bornicle, 

schielendos Auge, u. jurassisches bornicler, schielen, 

hingewiesen wird). Die Wortsippe mufs mit Dz 60 

für noch der Erklärung bedürftig erachtet werden. 

Dafs in dem zweiten Bestandteile von bornicle, 

bornicler lat. oculus zu erkennen sei, wie Dz will, 

mufs als sehr zweifelhaft erscheinen. 

1491) bojS, -am /'. (f. böjä), Halseisen; ital. 
bova, Fufsfessel (die Herkunft des Wortes von boja 
wird von Dz 359 s. v. bestritten , von Mussafia, 
Beitr. 34, jedoch mit gutem Grunde verteidigt), 



157 



1492) bSkwdte 



1606) bSnCs 



158 



boja, Henker; rtr. boier, Henker; prov. boia, Kette: 
neuprov. bmou, Henker; frz. altfrz. hiiie, Fessel, 
boye, Boje (nfrz. boiiee, vgl. Tobler, Sitzungsb. d. 
Berl. Akad. d. Wiss., phil.-hist. Cl., 1896, p. 858, 
G. Paris, R XXV 623), wallon. boie, Henker, viel- 
leicht gehört hierher auch nfrz. bourreau, Henker, 
falls dasselbe aus *fiojereZ/us (?) entstanden ist, vgl. 
Dz 531 s. V.; altspan. boyn, Henker. Vgl. Dz 57 
boja u. 531 bourreau; Gröber, ALL I 251; Tobler 
n. G. Paris a. a. 0. Die Benennung des Henkers 
nach einem sehr üblichen Strafwerkzeugo hat nichts 
Auffälliges an sich, wie schon Dz bemerkt, indem 
er auf span. verdugo (Reis, Rute n. Henker) hin- 
weist. 

1492) mittelndd. bÖkwSte, Buchweizen (s. auch 
unten Bachweizen); frz. boquette, bouquette „l'un 
des noms vulgaires du blö sarrasin dans le Nord" 
(Littre); buk -{■ alia ergab bucaille, vgl. Joret, R 
Xm 405 ff. 

1493) Stamm bold- (umgestellt aus bodl-, bö- 
tülns); ital. boldon, Blutwurst u. Zapfen, comask. 
bondon, kleine, dicke Frau; viell. gehört hierher 
auch frz. bonde, Zapfen, das Dz 528 s. v. aus dem 
Deutschen ableitete. Vgl. Scheler zu Dz 784 f.; 
Mussafia, Beitr. 34. 

1494) boletus, -am m. (gr. ßcuXlrtjg), eine Art 
efsbarer Pilze, Champignon; ital. holeto; venez. 
boUo, mod. bolid, hole; piem. buU, bologn. 6«- 
leider; rtr. bulieu; wald. bnle, vgl. Meyer L,, Z. 
f. ö. G. 1891 p. 767; Salvioni Post. 5; rum. bü- 
rete, PI. bure}i; prov. cat. bolet. Vgl. Ch. s. v., 
wo auch rumän. Ableitungen aus dem Worte ge- 
geben sind. 

1495) dtscb. Bollwerk; frz. boidevart, -ard, 
welches als Lehnwort in das Prov., Ital. u. Span. 
{balloar, baluardo u. haluarte) übergegangen ist, 
vgl. Dz 530 s. V. 

[♦bSmbito, -äre s. bombas am Schlüsse.] 

1496) bombus, -am (gr. ßößßog), Summen, 
Brummen; als Fem. erhalten im ital. bomba, 
summendes Geschofs, prov. bomba, Prahlerei, Ge- 
pränge, frz. bombe etc., sowie in Ableitungen, z. B. 
ital. bombanza (Förster, Z XXII 509: „ich möchte 
lieber bombanza von boban als umgekehrt ableiten ; 
das von Diez vorgeschlagene Etymon bombus scheint 
mir nicht recht zu passen"), prov. bobansa, frz. 
bombance, bobance, Jubel, Lärm, ital. bombarda. 
eine Art Kanone etc. Vgl. Dz 58 bomba; Caix, 
St. 75, wo burbanza „baldanza" als durch Dissi- 
milation aus bombanza entstanden erklärt wird. 
Nichts zu schaffen mit bombus hat nach Dz 358 
[bobö) das ital. Kinderwort bombo, das Trinken, 
nebst dem dazu gehörigen bombola, Fläschchen, 
das vielmehr mit ßo/ußiiv (glucksen) u. ßöfißvXog 
(enghalsiges Gefäfs. das beim Ausgiefsen einen 
glucksenden Ton gicbt) zusammenhängen soll. In- 
dessen ist doch ßo/j-ßetv „glucksen" u. ßoftßftv 
„summen" gewifs dasselbe Wort, das eben onoma- 
topoietisch zur Bezeichnung aller Arten dumpfer 
Geräusche diente. — Ein von bombus abgeleitetes 
Vb. *bombitare, -ire, dessen Grundbedeutung 
„brummen" gewesen sein mufs (aus welcher sich 
dann die von „mit Gebrumm, Gekraeh nieder- 
stürzen" entwickelt haben könnte), scheint das 
Stammwort zu prov. bondire, frz. hondir zu sein 
(im Altfrz. auch „dröhnen, schmettern" bedeutend, 
nfrz. „springen"); lautlich wäre freilich *bonter, 
bezw. *bontir zu erwarten (vgl. tinnitare : tentir). 
u. wenn Dz 528 zur Rechtfertigung des d auf 
coude aus eub[i]tum verweist, so kann das nicht 



[ für genügend erachtet werden. Bezüglich der Mög- 
lichkeit des BedeutungsUberganges von „dröhnen" 
zu „springen" sei daran erinnert, dafs das deutsche 
„springen", wenn angewandt auf zerbrechende 
(iefäfse u. dgl. („die Kanone springt" u. ähn- 
liches), dem Gebiete der Schallverba sehr nahe ge- 
kommen ist. 

1497) *bombycius, a, um (v. bombyx), seiden, 
die Farbe dunkler Seide habend ; davon vermutlich 
\t3.\. bigin, aschgrau, schwärzlich, davon abgeleitet 
bigione, Feigendrossel (im Ital. also nach der Farbe 
benannt, vgl. frz. biset, Holztaube); altfrz. bise; 
neufrz. beige wollfarbig, Naturfarbe der Wolle, 

j vgl. Horning, Z XXII 481 ; ptg. buzio, schwärzlich. 
Vgl. Dz 53 bigio (wo neben *bombycius auch *bys- 

■ seus als mögliches Grundwort bezeichnet wird). 
Prov. etc. bisa , Nordwind, hat mit bigio nichts 
zu thun, es ist vielmehr = ahd. bisa (s. d.). 

1498) bombyx, ycem m. u. f. (gr. ßö/xßv^), da- 
neben *bombäx, *bfimbäx, -äeem, *bömbäeiam, 
bombycinus, Seidenwurm, -raupe; diese Worte sind 

, die Stammväter einer zahlreichen u. vielgestaltigen 
j italienischen Wortsippe geworden, deren wichtigste 
Vertreter etwa folgende sind ; bombaco (woraus durch 
! Aphärese baco) boinbace, bambace, bascino = bam- 
! bagino = bombycinus, bigatto, bigattolo aus bom- 
bigatto, bigolone, bighellone „fannuUone, inetto" aus 
higolo = ^om]bycuhim. Vgl. Dz 354 baco; Flechia, 
' AG n 39; Caix St. 11, 72, 201; Parodi, R XXVII 
i 228 (P. ist geneigt, bighellone, bighellonare, strol- 
chen, von *bicus f. vicus abzuleiten; Nigra, AG XIV 
280, erklärt bigatto aus bis (Pejorativpartikel) -f 
gotto, u. das ist sehr ansprechend). Wegen biseio, 
biscia a. oben bestis. 

1499) kymr. bon, Wurzelstock eines Baumes; 
ital. bugno, Bienenstock, bugna, bugnola, von Stroh 
geflochtener Korb; neuprov. bugno, Baumstaram; 
altfrz. bugnon. Vgl. L)z 360 bugno; Th. 82. 

1500) *bonäcia, -am /. (von bonus, Seitenbildung 
zu malacia, vgl. Meyer-L. , ALL VII 445); ital. 

\bonaccia, heiteres Wetter; prov. bonaasa; frz. 
bonace; span. bonanza, stilles Wetter auf der See 
(daneben das Adj. bonazo, sanft, friedfertig; ptg. 
bonanza). Vgl. Dz 58 bonaccia. 

1501) bona hörä (Ablativ) wird gewöhnlich als 
Grundform für das bekannte altfrz. Adverb buer 
angenommen, schwerlich mit Recht, selbst wenn 
man zugesteht, dafs ein vielgebrauchtes Wort laut- 
regclmäfsiger Entwickelung sich völlig entziehen 
kann. 

1502) bona hörä mortuns; davon (durch Kreu- 
zung mit mala hora mortuus) nach Ulrich, Z XXI 

j 231, engad. barmoer, oberländ. fearwiier „selig". 
j Viel ansprechender aber stellt Schuchardt , Z XXI 
I 235, bönae memöriae als Grundform auf. 

1503) [*bonina, -am f. (v. bomts); span. ptg. 
bonina, Margaretenblume, Mafslieb, Tausendschön. J 

1504) bonitäs, -ätls f., Güte; ital. fcowtd (über 
den Wortausgang -tä vgl. Ascoli, AG II 437, u. 
dagegen Meyer-L., Ital. Gramm. § 206 S. 122); 
rum. bunätate; prov. bontat-z; frz. honte; span. 
bondad: ptg. bondade. 

1505) bonum a[tt]^riam, gutesVorzeichen ; prov. 
bonaur-a, Glück; altfrz. boneür; nfrz. bonheur. 
Vgl. Dz 31 aiigurio. 

1506) bönfis, a, um, gut; ital. huono; rum. 
, bun ; rtr. hun etc., vgl. Gärtner, § 200; prov. 

bon-a, bo-s; frz. hon [buona EuL); span. hueno; 
ptg. hont, boa. — Deminutiv zu bon ist wohl frz. 
bannet (prov. honeta, span. bonete) eigentl. ein gutes 



159 



1507) böo 



1522) botor 



160 



feines Tuch, dann eine aus solchem Tuche gefertigte j 
Mütze. 1 

1507) [boo, -äre, brüllen [gr. ßoäco]; Zusammen- j 
hang zwischen boare u. der Schmerzinterjektion ' 
ital. bua, wehweh, frz. bobn, span. buba [pupa] 
wird von Baist, Z VII 116, vermutet, vgl. Caix, 
St. 230, u. 8. unten ßovßoiv.] 

1508) ndl. bootsmann, niederdtsch. boosmann; 
davon frz. bosseman, vgl. Dz 528 s. v., Fafs, RF 
III 499. 

bor s. vapor. 

1509) ahd. boro, Bohrer; davon vermutlich ital. 
borino, burino, buUno, Grabstichel; frz. burin; 
span. ptg. buril. Vgl. Dz 60 borino; Storni, R V ; 
168; Mackel 112, wo mit Recht die Ableitung von 
boro als sehr unsicher bezeichnet wird. 

1510) gr. ßÖQßoQoq, Schlamm; davon vermutlich 
frz. bourbe mit semen zahlreichen Ableitungen 
(bourbeux etc.). Vgl. Dz 531 bourbe. In Zusammen- 
hang damit steht wohl das onomatopoietische Vb. 
ital. borfco^/iare, murmeln, yiic. borbouller, span. 
borbollar, ptg. borbolhar, sprudeln (cat. borbollar, 
verwirren, betrügen). Auf Mischung mit diesem Vb. 
u. dem von barba abgeleiteten barbottnre, in den 
Bart murmeln, scheint zu beruhen ital. borbottare, 
altfrz. borbeter, murmeln. Vgl. Dz 58 borbogliare, 
s. auch oben *barbuHare u. berbaim sowie unten 
bullo. Vgl. auch Marchot, RF X 579. 

1511) germ. bord- (ahd. bort, ags. bord), Schiffs- 
rand; ital. bordo;- frz. bord; span. ptg. bordo 
(daneben alt borda). Dazu das Vb. ital. bordare, 
einfassen; frz. border, einfassen, broder, sticken; 
cat. brodar, sticken; span. bordar , einfassen, 
sticken. Bordar u. brodar dürfen nicht, wie Dz 59 
bordo will, getrennt, u. brodar darf nicht auf kymr. 
brwyd „instrumentum acu pingendi" zurückgeführt 
werden, vgl. Th. 47. Von bord abgeleitet sind auch 
die nautischen Verba ital. bordeggiare, bald mit 
der rechten, bald mit der linken Seite des Schiffes 
gegen den Wind fahren, lavieren; frz. bordayer; 
span. bordear. Ursprünglich nautischer Ausdruck 
ist auch frz. aborder (mit dem Schiff herankommen), 
jem. anreden. 

1512) ags. bord (got. baürt, engl, board), Brett ; 
altfrz. borde, Bretterbude, Hütte; prov. cat. 
borda. Dazu das Dem. ital. bordello, kleine, 
schlechte Hütte, Hurenhaus, prov. frz. bordel, 
span. burdel (auch Adj. in der Bedtg. „geil"), ptg. 
bordel. Vgl. Dz 59 borda; Th. 47, wo als wahr- 
scheinlich hingestellt wird, dafs kymr. brwdd „table, 
board" älteres Lehnwort aus ags. bord sei. 

1513) arab. bord, ein dichter Wollstoff; davon 
viell. span. burdo, grob (von Zeugen), davon bur- 
dalla, grobwolliges Schaf, vgl. Dz 434 burdo, vgl. 
aber Cornu, R VII 595; s. unten brutuB. 

1514) *b5reäriüs, -um m. (v. boreas), daraus 
vielleicht durch Umstellung *robearius — ital. 
rovajo, Nordwind, vgl. Dz 394 s. v. 

1515) boreäs, -am m. (ßo^eag), Nordwind; ital. 
borea, dialektisch bora (venoz. böra, buora, hol. 
bura, Salvioni, Post. 5); davon abgeleitet ital. 
burrasca, (frz. bourrasque, cat. span. ptg. bor- 
rasco), Sturmwind mit Regen. Vgl. Dz 74 burrasca. 

1616) bös, boTem c, Rind; ital. bove, bue; 
rum. bou, PI. boi, vgl. Ch. s. v.; rtr. bof, bouf 
etc.; prov.6uou-s; f rz. fto;«^ (die Endung -beu/' in 
Orts- u. Personennamen, wie Elbeuf, Marbeuf etc., 
hat mit hoeuf nichts zu schaffen, sondern ist = 
akandinav. buS in Ortsnamen u. = germ. bödo in 



Personennamen, vgl. Gröber, Z H 460, Fafs, RF 
III 476); cat. bou; span. buey; ptg. boi. 

1517) ahd. bösl, schlecht, unnütz; auf ahd. 6ös» 
scheinen wenigstens der Bedeutung nach zu beruhen 
ital. busare, bugiare, durchlöchern, wozu das Sbst. 
bugio, Loch u. das Adj. bugio, durchlöchert, alt- 
span. bmo. Loch; ital. bugiare u. bucare sind 
demnach, obwohl gleichbedeutend, nicht gleichen 
Ursprunges. Vgl. Dz 73 bugia, siehe auch oben 
*baasjan. 

1518) [germ. bosk, Busch, kann nicht Grundwort 
zu ital. hosco, frz. boit etc. sein, vgl. unten 
^bnscus u. buxus.l 

bosta (vgl. Landgraf, ALL IX 414) s. *bu8cida. 

1519) *bo8tär n., Ochsenstall („bostar locus ubi 
stant boves" Gloss. laid.); span. bostar; ptg.ftosfaL 
Vgl. Dz 433 bostar. 

Stamm bot s. oben bod. 

1520) altnfränk. *bötan (ahd. bögan, ags. beatan), 
schlagen, stofsen; ital. bottare, buttare; prov. 
botar (mit off. o, ebenso in altfrz. boter); frz. 
bouter, stofsen (die Erhaltung des intervokalischen 
t kann auffallen, weshalb Förster im Glossar zu 
Aiol *böttan als Grundwort aufstellte, man sehe 
jedoch andere Fälle des erhaltenen t bei Mackel 156); 
span. ptg. botar (dazu das cat. span. ptg. 
Kompos. embutir, einschlagen, eindrücken, vgl. Dz 
445 s. V.). Dazu die Substantiva: ital. botto, Stofs, 
botta, Stofs, Hieb, Stich (vielleicht ist botta, Kröte, 
dasselbe Wort, indem die Kröte als stechendes, 
bezw. beifsendes Tier aufgefafst wurde), bottone, die 
aus der Blätterhülle hervorstofsende Blüte, die 
Knospe, dann auch der Knopf, weil er hinsichtlich 
seiner Gestalt einer Knospe gleicht; frz. bot (mit 
off. 0), Kröte (vgl. ital. botta), baut, eigentlich die 
hervorstofsende Spitze einer Sache, daher das Ende 
(von baut wieder abgeleitet a-boutir, nach einem 
Ende hinlaufen, auch: Knospen treiben, ausschlagen; 
bemerkenswert ist ferner die Zusammensetzung de- 
bout aufrecht, itre debout vertritt das geschwundene 
Stare), bouton, Knospe, Knopf (vgl. ital. bottone), 
davon wieder boutonni'ere , Knopfloch, botte, Stofs 
(gehört vielleicht nicht in diese Sippe, vgl. Mackel 
28); span. böte, Stofs, botami, kleiner Stöpsel, boton, 
Knopf; ptg. böte, Stofs, botao, Knopf. Vgl. Dz 61 
bottare; Mackel 28; Bergerp. 310; Schuchardt,Z XV 
97, wo der Wortsippe beigezählt werden: span. ptg. 
boto, botoso stumpf; frz. {pied) bot Klumpfufs, 
(mundartlich) bot, boteux hinkend, wovon das Vb. 
botoier; tosk. boto, stumpf; rum. but, butaciü 
stumpf; Horning,ZXXl451, will aus /(Out d'homme 
metzisch bodic, bodique, „magot, figure grotesque, 
bonhomme" erklären, auch rum. boudoc, Kuirps, 
bringt er damit in Zusammenhang (vgl. Z XIX 
187). Sieh auch unten butr u. butze. 

1521) bötellus, -um m. (Demin. v. botulus), 
Würstchen; ital. budello, Darm; prov. budel-s; 
altfrz. boel, daneben bode = botella, dazu das 
Vb. es-boeler ausweiden (noufrz. ebouler einsinken 

; [vom Einstürzen eines Hohlraumes] , vgl. Tobler, 
Öitzungsb. d. Berl. Akad. d. Wiss. , phil.-hist. Gl., 
19. Jan. 1893); nfrz. boyau; altspan. budel (im 
Neuspan, sowie im Ptg. ist das übliche Wort 
für „Darm" tripa, das vermutlich german. Ur- 
sprunges ist , vgl. Dz 328 trippa). Vgl. Dz 72 
budello, s. auch oben Stamm bod-. 

1522) arab. botÖr = ital. buttere „pustola, 
segno del vaiuolo" [buttero „mandriano" ist Neben- 
form ixi. puttolo); span. botor, Beule. Vgl. Caix, 
St. 243; Eg. y Yang. p. 349. 



161 



1623) ß6»eoc: 



1540) ßQayöq 



1(52} 



1523) gr. ßö&-ooq. Graben; ital. hotro, borro, 
durch Regengüsse ausgehöhlter Weg; davon abge- 
leitet dialektisch budrione (modenesisch), Schlucht, 
u. geineinital. hurrone, steiler Abhang; rum. bu- 
furäyHöhle; neuprov. fcrtMii, Abhang; span. buron 
in Val-de-buron. Vgl. Dz 359 borro. 

1524) altndl. »bötkin, kleines Hoot = span. 
botequill; auch in nordfrz. Dialekten boteqnin, 
bodequin etc.. Vgl. Dz 433 ;■■. f. 

♦bottegra, ^'bottiga s. apotheca. 

1525) *botiila, -am /'. (schriftlat. botulus), Ein- 
geweide, Darm, Wurst; altfrz. boille, buille. vgl. 
G. Paris, R V 382; in R VI 133 Anm. 2 erklärt 
G. Paris breuilles „entrailles de poisson" für den 
neufrz. PI. v. buille, der durch r verstärkt sei, 
wie dies auch in fronde, vrille (s. unten viticula) 
beobachtet werden könne, vgl. auch No 1650. Über 
b(u)uiUe vgl. auch Cohn, Suffixw. p. 208. Dasselbe 
boiiUle erblickt Tobler (Sitzungsber. d. Uerl. Akad. 
d. Wiss., phil.-hist. Cl., 19. Jan. 1893) auch in dem 
Kompos. bouille-abaisse. 

1526) *botum n. (vom Stamme bot-); belegt sind 
nur bot-ulusi u. bot-ellus, ein angesehwollener, auf- 
geblasener Gegenstand (Darm etc.); rum. bot, PI. 
boturi, Schnauze, Schnabel, Spitze, Ende, vgl. Ch. 

■1. V. 

ahd. bou§r s. altnfränk. baug. 

1527) [ahd. bougä, Armring, soll nach Dz 359 
Grundwort zu ital. bova, Fufsfessel, sein, indessen 
liegt keine hinreichende Ursache vor, bova von boja 
(8. d.) zu trennen, i 

1528) *bSTäcea n. pl. (v. box, bovin), Kuhmist; 
ital. (dialektisch) boascia, boazza; rtr. bovatscha: 
frz. *bouasse , daraus altfrz. bouse (auch prov. 
boza mit offenem o)? Die Frage darf kaum bejaht 
werden , weil man dann Verrückung des Hochtons 
annehmen müfste; andrerseits ist aber auch die von 
Dz vorgeschlagene Ableitung des Wortes aus mhd. 
hutze, Klumpen, kaum annehmbar. Vgl. Dz 531 
bouse; Mackel 23. 

1529) boTärius, a. um (bovem), zum Ochsen ge- 
hörig; frz. 6oMOTe?', Kuhhirt; dav. nach G. Paris, Mem. 
de la soc. de ling. I 264, u. Darmesteter, R V 141, 
deminutive Ableitung bouvreuil, Dompfaff (dazu das 
Syn. bouvreux); etwas anders erklärte das Wort 
Mirisch, Das Suffii -ölus p. 22, wozu vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 249. 

box, böeem s. oben böea. 

1530) germ. (?)Brabaiit; davon prov. brainian-s, 
Freibeuter; altspan. breimante. Vgl. Dz 531 
braiman, 

"brabidus s. barbarns. 

1531) bräea, bräcca, -am u. brSecae, -äs f. 
(gallolat. Wort, vermutlich umgebildet aus kelt. 
yraea, vgl. Schuchardt, Z IV 148, u. Th. 47), Hose; 
ital. braca u. PI. tirache; sard. raga; rum. bräcie, 
{= *bracia, bracen) , Hosengurt, vgl. Ch. s. ■».; 
prov. braya; altfrz. braies, Hosen; nfrz. braye, 
Hose, braie, Windel , davon das Vb. debrailler, 
gleichsam *de-ex-braculare, die Hosen ausziehen, un- 
anständig entblöfsen ; span. braga, Windel, bragas, 
Hosen; ptg. braga, Windel, Wickelband, Ring an 
der Kette der Galeeronklaven, PI. bragns, weite 
Hosen. Vgl. Dz 62 braca; Th. 47. 

braecia s. brachinm, 

1532) braces, Acc. -em /., gallische Benennung 
(aus dem kelt. St. mrachi-) einer vorzüglich weifsen 
Getreideart, aus welcher Malz bereitet wurde (Plin. 
18,62); altfrz. brau, Malz, frz. I)raKser,bras.ieri,e, 
vgl. Dz 532 s. V.; Tb. 92. 

Kört in);, lat.-rom. Wörterbiicli. 



1533) brächialis, -e, zum Arm gehörig: ital. 
bracciale, „armatura del braccio", vgl. Canello, AG 
UI 373 (das Adj. brachiale ist gel. W.); span. 
brazal; ptg. bragid, Armband. 

1534) [*brächico, -are (v. brächium), in die 
Arme nehmen, in den Armen halten; span. ptg. 
abarear, umarmen, sobarcar , unter dem Arme 
tragen. Vgl. Dz 430 barcar.l 

1535) [*bräc(b)io, -äre {brachium) , mit den 
.\rmen umspannen; frz. [em)brasser, — Auf *bar- 
c[h\iäre f. *brachiare wollte Körting in No 1310 
der ersten Ausg. des Lat.-romau. Wtb.'s zurück- 
führen frz. hercer wiegen, schaukeln, diese Ab- 
leitung ist aber unhaltbar, vgl. Jeanroy, Revue des 
Universites du Midi 1 103. Ein annehmbares Grund- 
wort für bercer, berceau ist bis jetzt nicht gefunden. 
In Vorschlag gebracht werde *berticellus f. *verti- 
cellus (vertieillus ist belegt) „Wirtel an der Spindel" 
= berceau, *verticellare = *berceler, davon zurück- 
gebildet bercer (ebenso aus berceau zurückgebildet 
bers). Im Dict. gen. von Hatzfeld etc. wird ber- 
ceau von bers abgeleitet und des letzteren Wortes 
Ursprung als unbekannt bezeichnet.] 

1536) brä(c)c[h]ium, -i n.. Arm; ital. braccio, 
brazzo; rum. braj; rtr. brats etc., vgl. Gärtner 
§106 8.84; prov.6rate, Arm, brassa='bracc[li]ia ; 
frz. bras (altfrz. brasse, Klafter); unmittelbar von 
bras, brasse {moht von 6racc/«ur«) ist wohl abgeleitet 
e-brasser, em-brasser (wovon embras{s)ure) ausweiten, 
umarmen (gleichsam aus-, einarmen); cat. bras; 
span. brazo; ptg. brago. Arm, brafa, Klafter. Vgl. 
Gröber, ALL 1 252; Meyer, Ntr. 154. 

1537) [*bracTo, -äre (v. braces), brauen; frz. 
brasser; den übrigen roman. Spr. iehlt ein Vb. für 
den Begriff, man sagt ital. span. ptg. far la 
birra, hacer cerveza, fabricar cerveja; doch findet 
sich altspan. brasar.] 

1538) germ. brädo (ahd. bräto), Fleisch(stück) ; 
ital. brandone, ein abgerissenes Stück Fleisch od. 
Zeug (das »t vor d wohl durch Anlehnung an 
*brandare zu erklären), vielleicht gehört auch fej-ano, 
Fetzen, hierher; über toskanische Formen u. Ablei- 
tungen des Wortes vgl. Caix, St. 76; prov. bradon-s, 
brazon-s, braon-s; altfrz. braon, braion; alt- 

i span. brahon. Vgl. Dz 64 brandone; Mackel 44. 

1539) kelt. Stamm brag- (davon altir. braigim 
„to give a crackling sound as wood burning, to 
crackle, burst, explod«, crush); auf diesen Stamm, 
dem sich lat. frag-or vergleichen läfst, gehen zurück 
die einem lat. *brago, -ere, *bragio, -ire, *bragito, 
-dre, *bragulo; -äre entsprechenden roman. Verba: 
ital. (tose.) braitare ^*bragitare, dialektisch zahl- 
reiche Formen, welche schriftital. bragghiare 
(*bragUare=*bragulare)entaptecheii würden; prov. 

•braidar, braidir; braire = bragere , braiUar = 
*bragulare; frz. braire, wie der Esel schreien, 

I brailler, plärren (über das Verhältnis von brailler 
zu braire vgl. Tobler, Sitzungsb. der Berl. Akad. 

! d. Wiss., phil.-hist. Cl. Bd. LI 1889); ptg. bra- 
dar, weinen, schreien. Vgl. Dz 532; Plechia, AG 

in 378 ff.; Horning, Lat. C p. 7, 8, 17, 19 u. a.; 
Th. 92; Caix, St. 98. 

I 1540) gr. ßQayög, Sumpf; ßijayog ist das ver- 
mutliche Stammwort zu ital. brago, Sehlamm; 
prov. brac; frz. brai (altfrz. „Schlamm" nfrz. 
,,Thcer" bedeutend); altspan. bray , Schlamm; 
span. brea, Theer; ptg. /'(-(yo, Sumpf, /)reo, Theer. 
Andere haben an ndl. braak, Bruch, als Grundwort 
gedacht. Vgl. Dz 63 brago; Mackel 40. Ob das 
prov. Adj. brac, gemein, schmutzig, mit dem Sbst. 

11 



163 



1541) brakko 



1561) Brente 



164 



gleichen Urspranges ist, mufs dahingestellt bleiben, 
vgl. Dz 531 hrac. 
l*braino, -äre s. vorägo.] 

1541) germ. brakko, Jagdhund, Bracke; ital. 
bracco; prov. brac-s; span. braco; (frz. braque); 
altf r z. bracon (davon ftracowwie)',Wikl(lieb, vgl. Leh- 
mann, Bedeutungswandel 56), dazu das Vb. ital. 
hraccare, frz. braquer, nachspüren. Vgl. Dz 63 
bracco; Mackel 18 (u. 145, wo altn. bräka = frz. 
braquer angesetzt wird). 

1542) ahd. brftmal (v. brämo, bräma, altsächs. 
bröm, engl, broom, neuhd. brom-beere) , Rotdorn; 
dav., durch Kreuzung mit prunus u. pruna, f riaul. 
brömbula prugna, brombolar pruno, trev. bell. 
bromboler, bell, paramboler, ver. brombolar pruno 
salvatico, piem. brombo tralcio, can. biell. brumba 
Gezweig, niederengad. brüinbla (das ü von prünna, 
brilnna = pruna). Vgl. Nigra, AG XV 101. 

1543) ndl. brftmbezie (ahd. brdmberie), Brom- 
beere; frz. framboise, vgl. Dz 587 s. o. ; Horning, 
Z XVIII 214. 

1544) brSnea, -am f., Pfote, Branke (Gromat. 
vet. 309, 2 n. 4); ital. branca, Klaue, Vorderpfote; 
rura. bräncä; rtr. braunca, innere Handfläche; 
prov. branca u. branc-s, Zweig, davon brancut-z, mit 
Zweigen versehen ; f r z. branche (u. branc) ; a 1 1 s p a n . 
altptg. branca. Vgl. Dz 63 branca; Gröber, ALL 
I 252; Th. 48; Neumann, Z V 386, wo branca aus 
bi-ramica abgeleitet wird; Rönsch, Jahrb. XIV 336 
(das Vorkommen des Wortes in der späten Latinität 
wird nachgewiesen); W. Meyer, Z VIII 242; Hor- 
ning, Z XVIIl 214. Nigra, AG XV 100 {branca, 
pranea soll durch Umstellung aus german. krampa 
entstanden sein). 

1645) germ. brand- (ahd. brant, ags. brand, 
altn. brandr), Schwertklinge, eigentl. Feuerstrahl 
oder Funke; ital. (^rawdo, Klinge, Zusammensetzung 
brand-i- -\- stocco (= dtsch. Stock), Wurfspeer, vgl. 
Dz 359 s. V.; prov. bran-e; altfrz. brant, branc; 
cat. (altval.) brant. Dazu das Vb. ita.\. brandire, 
(die Klinge) schwingen; prov. brandar, brennen, 
u. brandir ; frz. {brander, woraus nach Förster, 
Z II 170, zur Unterscheidung von brander, brennen) 
branler u. brandir, abgeleitet brandiüer, dazu das 
Sbst. brande, brandelle, brandiUoire, Schaukel, vgl. 
DelbouUe, R XVII 286; span. blandir; ptg. 
brandir, blandir. Von *brandare, brennen, ist ab- 
geleitet prov. brando-s, Fackel, frz. brandon, spa n. 
blandon. Vgl. Dz 63 brando; Mackel 59. 

1546) gerra. *brä8a (oder *bräsa?), daneben viel- 
leicht *bra80 (vgl. Mackel 87), glühende Masse; 
ital. brayia, brascia, bracia; rtr. brasar, barsar; 
prov. brasa; frz. brese, braise (altfrz. auch bra- 
son); span. brasa; ptg. braza; in sämtlichen 
Sprachen hat das Wort die Bedeutung „glühende 
Kohle", dazu das Verb *6rosrtre {ita\. ab-bragiare, 
rtr. brasar, barsar, frz. em-braser, anzünden, alt- 
frz. auch brasoier, rösten). Vgl. Dz 63 bragia; 
Mackel 37. Vgl. No 1547. 

1547) [mlat. brasilium, eine Holzart zum Rot- 
färben; ital. brasile (neben versino); frz. bresü 
(palatales l); prov. bresilh-s; sp an.ptg. brasil; die 
Sippe gehört jedenfalls zu *brasa. Dz 64 brasile 
will briza (zu briser, s. unten bris-) als Grundwort ! 
ansetzen.] 

1548) ibratta, Schmutz, Kot, unaufgeklärtes Wort 
des genuos. Dialekts; davon ital. im-brattare, bo- , 
schmutzen, s-hrattare, reinigen, vgl. Dz 359 bratta.] 

1549) ahd. brSeba, Werkzeug zum Brechen; frz. 
breche, Bruch, Lücke, Scharte (davon als Fremdwort I 



ital. breceia „rottura nelle mura di una cittä"; 
ob damit auch breceia „ghiaia, specie di marmo 
che par formato da piccoli sassolini" identisch ist, 
mufs dahingestellt bleiben, doch ist es wahrschein- 
lich sp. ftcec/ia). Vgl. Dz 532; Caix, St. 219; Th. 93. 

1550) ahd. breehan, brechen; ital. (dialektisch) 
s-breccare (montal.) „rompere", venez. s-breyar etc., 
vgl. Caix, St. 506, s. auch unten brikan. 

1551) bair. brecheltn, Pranger; Dz 356 vermutete 
in diesem Worte oder auch in mhd. britelin, 
,, Zäumchen", das Grundwort zu ital. berlina, ». 
oben bera. 

1552) ahd. brSeho, Verletzer, Gebrechen, Fehler; 
ital. bricco, Schurke (Fremdwort?); prov. bric, 
bricon; frz. bris, bricon, Thor (s. G. Paris, R IX 
626), Bettler, Schelm, Spitzbube, dazu briconie, 
Thorheit. Vgl. Dz 67 bricco; Mackel 106; Horning, 
RSt IV 328 (handelt hauptsächlich über die Bedtg. 
des Wortes, dessen Herkunft, weil sowohl briga als 
auch brecho nicht annehmbar seien, als noch dunkel 
bezeichnet wird, cf. Gröber, Z IV 464); G. Paris, 
Alexius 187, RV379, IX 626, XH 132; Settegast, 
RF I 242 , wollte bricon aus altsächs. wrekkio 
{= got. vrakja) ,, Landstreicher" herleiten , was 
nicht befriedigen kann. 

1553) nord. bredda, kurzes Messer; dazu viell. 
frz. hrette. Hieber, Schläger, dazu das Vb. bretailler. 
Dz 538. 

1554) [*brega, -am f., Brett; rtr. braja „asse", 
AG I 360 Z. 1 V. o.J 

1555) altnfränk. *brehsimo = altfrz. bresme, 
nfrz. breme, Brasse, vgl. Macke! p. 89. 

germ. brSkau s. brikan. 

1556) altn. breki, im Meer verborgene Klippe; 
davon vielleicht span. brico, Sandbank, vgl. Dz 
433 s. V. 

1557) germ. breman (ahd. Iireman, mhd. bremen), 
brüllen; ital. bramare (nach etwas schreien), ver- 
langen, begehren; rtr. hrainar, glühend wünschen; 
prov. bramar, tönen lassen; frz. bramer, schreien. 
Vgl. Dz 63 bramare; Mackel 80; Th. 92, wo be- 
merkt wird, dafs bramare vielleicht zum kelt. Stamm 
bremm- gehöre, obwohl gegen breman an sich nichts 
einzuwenden sei; Mackel a. a. 0. stellt neben breman 
ein *brammön, das mit „brummen" zu *brimman 
(st. V.) gehören würde, als mögliches Grundwort 
hin. 

1558) ndl. breme (engl, brim), Rand; davon frz. 
barme, Wollabsatz, span. berma, vgl. Dz 521 s.v. 

1559) bask. brena (= be-ereiia, besäte Tiefe?); 
span. brena, mit Gestrüpp bedockte Felsschlucht; 
ptg. brenha. Vgl. Dz 433 brena. 

1560) kelt. Stamm breiino- (? davon bret. brenn, 
neuir. bran, Kleie, doch könnte das neuir. Wort 
auch aus engl, bran entlehnt sein , vgl. Th. 48) ; 
ital. (dialektisch) brinnu (sard.), bren (pieraont.), 
Kleie; prov. altfrz. bren, Kleie; nfrz. bran, 
Kot, Abfall; altspan. bren; span. braiia, abge- 
fallene Blätter oder Baumrinde. Vgl. Dz 65 brenno, 
Th. 48. Dz 68 hält auch prov. frz. arag. brin, 
Faser, Halm, ptg. brim für gleichen Ursprunges 
mit bren etc., schwerlich mit Recht, eher mögen 
die Worte mit kymr. brig, brigijn „Gipfel der 
Bäume, die obersten Zweige", auch „Haupthaar" 
(vgl. Th. 49) zusammenhängen. Ein italianisiertes 
Dem. zu brin ist brillo (aus *brin-ulo), ein Baum 
(Salix felix L.), vgl. Flechia, AG II 4211. 

1561) dtsch. (dialektisch) breute (vgl. aber Grimm, 
Wtb. s. V., wo die deutsche Herkunft des Wortes 
angezweifelt u. romanisclier Ursprung für möglich 



165 



1662) bret 



1573) brikan 



1Ö6 



gehalten wird); ital. brenta, Weinfafs; gcnf. 
brande. Vgl. Dz 359 brenta. 

1562) bret, bretonisch; prov. bret, (bretonisch, 
also für Romanen) unverständlich redend; frz. 
bretonner [b. Sachs ist nur das Part. Präs. ange- 
geben], bretonisch reden, unverständlich sein (hierzu 
auch das gleichbed. brefloiUller'::'). Vgl. Uz 533 f. v. 

1563) dtsoh. bretling' (für bretlin), kleines Brett; 
davon viell. altfrz. brclenc, berlenc, bellinc, beilin, 
Brett zum Würfelspiel, nfrz. brelan, ein Karten- 
spiel (Krimpelspiel). dazu das Vb. breiander, Karten 
spielen; span. berlanga, ein Kartenspiel. Vgl. Dz 
533 brelan; Mackel 84; G. Paris, R VIII 618 (G. P. 
will brelenc in Zusammenhang bringen mit dem 
ital. Adj. bilenco, schief, krumm , das nach Gaix, 
St. 10, aus bis + ahd. sUnk entstanden ist; Dz 357 
vermutete in dein zweiten Bestandteile von bilenco 
das deutsche linl'). 

1564) dtsch. Brett; davon vielleicht durch An- 
tritt romanischer Suffixe ital. berte-ica (daneben 
baltresca), Fallturm, Fallbrücke, u. predella (von 
streng ahd. }}ret), Fufstritt, -schemel ; prov. ber- 
tresca, eine hölzerne Befestigung (u. bredola, Schemel) ; 
altfrz. bretesche. Vgl. Dz 49 bertesca und 391 
predella; Mahn, Etym. tfnters. 121. Förster, Z VI 
113, setzt *britt-isca (v. britt = Britto) als Grund- 
wort an u. vergleicht ital. saracinesca, Fallgitter, 
V. Saracene. — In Tirol u. Friaul ist dtsch. Brett 
als hreo etc. erhalten, vgl. Gärtner § 19. 

1565) breTiarium ii., Brevier; daraus vielleicht 
verballhornt frz. brimborion ., unverständlich ge- 
plapperte Gebetsworte, Geplärr" (vgl. das vielleicht 
aus hoc est corpus entstandene hociis pocus), dann 
„Lappalie, Lumperei", endlich ,, Nippsache"; diese 
Ableitung kann aber eben nur als möglich, nicht 
als wahrscheinlich bezeichnet werden, wenn sie auch 
durch die früher vorhanden gewesene Form brebo- 
rion, briborion einigem] afsen gestützt wird. Diez 
u. Soheler stellten das Wort zu der sehr dunkeln 
Sippe (s. oben bilibi), welcher bribe, brimbe etc. 
angehören. Mit seinem jetzigen Synonym bibelot 
(s. oben belbel) kann br. etymologisch schwerlich etwas 
zu schaffen haben. 

1566) [brcTio, -äre, kürzen; nur in Zusammen- 
setzungen erhalten: frz. abreger etc.] 

1567) brcTls, e, kurz; ital. breve, brieve; prov. 
brieu, breu; frz. brief, bref; span. ptg. breve. 
Das Wort ist in den rom. Sprachen, in denen es 
sich findet, > halbgelehrt, es ist namentlich durch 
cttrtus (s. d.) verdrängt worden. 

1568) ags. brice, Bruchstein: ital. bricco, Ziegel- 
stein; frz. brique, davon die Dem. briquet, Feuer- 
zeug, u. briquette, Lohkuehen. Vgl. Dz 67 bricco 1; 
Mackel 93. Sieh auch unten brig- u. brikan. 

1569)' germ. brida, Zügel; ital. prov. brida; 
frz. bride, davon abgeleitet altfrz. bridel (aus 
altdt. bridil könnte das Wort erst in später Zeit 
entlehnt sein, da bridil ein *brille ergeben mufste, 
s. ital. briglia , vgl. Mackel 110); span. ptg. 
brida. Ahd. pritil ist viell. Grundwort zu ital. 
predella, Zaum, falls das Wort nicht von brett, 
pret (s. d.) herzuleiten ist, was die Bedtg. allerdings 
schwerlich gestattet; ital. hrettine, Zügel, wird von 
Dz ebenfalls mit brida zusammengebracht, es geht 
aber wohl auf *retina (frz. rene) zurück u. lehnt 
sich nur im Anlaut an brida an. Vgl. Dz 67 brida; 
<l'Ovidio, AG XIII 405. 

1570) vlaem. briellng, schmutziges, unwirtschaft- 
liches Frauenzimmer; davon nach Doutrepont, Z 
XXI 231, das gleichbed. pic. b^rlek. 



1571) kelt. Stamm brigr- (davon altir. bri aus 
*brix, *brigos, Berg, Hügel, kyrar. com. bret. bre, 
Berg, Hügel, gallisch briga, worüber zu vgl. Glück, 
Kell. Namen etc. S. 126; von dem erweiterten 
Stamme brigant-, brigantin- ist abgeleitet der alt- 
brit. Völkemame Brigantes , „die Hohen", ,.die 
Edlen", vielleicht auch „die Bergbewohner" bedeu- 
tend, vgl. Th. 49); von dem Stamme brig- will 
Schuchardt, Z IV 126, ableiten niail. bricol, piem. 
piac. brik, Hügel, vorspringender Fels, schrift- 
ital. bricca, rauhe Gegend, vgl. dagegen Th. 49; 
die Worte scheinen von brikan (s. d.) nicht getrennt 
werden zu dürfen. 

1572) kelt. Stamm brtgä- (davon altir. brig, Sbst. 
u. Adj. Kraft, kräftig; neuir. gäl. brigh ,,substance, 
essence, elixir, juice"); davon ital. brio, Leb- 
haftigkeit, brioso, lebhaft (Ascoli, AG III 454, 
wollte diese Worte mit ebriiis, ebriosus in Ver- 
bindung bringen), auch brivido, kalter Schauer (von 
Dz 360 unerklärt gelassen) ist hierher zu ziehen 
(vgl. Förster, Z V 99); wegen abbrivo, abbrivare 
siehe oben abripo; prov. abrivar, in rasche Be- 
wegung setzen (doch könnte das Vb. wohl mit ital. 
abbrivare= ab-ripare zusammenfallen, da indessen 
auch ein Simplex brivar vorhanden ist, so darf 
abrivar auf brigä zurückgeführt werden); altfrz. 
abrice (mit Anlehnung an brief auch abrieve, 
abrevie), schnell, hastig; span. brioso, kraft-, mut- 
voll. Vgl. Dz 68 brio; Th. 50; Ascoli, AG III 454; 
Förster. Z V 99. 

1573) got. brikan, brechen u. kämpfen, ringen 
(vgl. das Sbst. brakja, das Ringen); montal. breccare, 
venez. s-bregar, über welche zu vgl. Caix, St. 506, 
gehören nur mittelbar hierher, da sie ahd. brechan 
entsprechen, desgl. lomb. brica, Krümchen, vgl. das 
gleichbedeutende schriftital. bricia, briciola, dazu 
das Vb. briciar, Worte, die trotz ihres ci von bricco 
nicht wohl zu trennen sind, s. Ascoli, Ztschr. f. 
vgl. Sprachf. XVI 125, Mussafia, Beitr. 37, andrer- 
seits Th. 93 briser; vgl. auch neuprov. brigo, 
brego, brigueto ein bischen, (wegen schriftital. bricco, 
Bruch-, Ziegelstein, bricca, Bruchland, rauhe Ge- 
gend, s. No 1568); wahrscheinlich gehört aber zu 
brikan ital. brigare (im Wettbewerb u. Streit mit 
andern eifrig) nach etwas trachten (davon das Pt. 
Präs. brigante, unruhiger Mensch, Aufrührer), dazu 
die Sbst. briga, Streit, Unruhe, Ungelegenheit, Sorge, 
brigata, eine Abteilung von Personen, Gesellschaft; 
rtr. bargieda, bargada, vgl. Ascoli, AG I 140 
No 124; prov. bregar, brechen, (auch streiten?), 
brega, Streit; frz. broyer, zerreiben, zerstofsen, 
dazu die Sbst. broie, Brechbank, altfrz. brie. Streit, 
Unruhe, Lärm ; (briguer. brigue, brigade, brigand 
sind dem Ital. entlehnte Fremdworte, wie schon ihr 
g[u] beweist, das d statt t in brigand beruht wohl 
auf Anbildung an marchand u. dgl.); über brique, 
Bruch-, Ziegelstein u. a. s. oben briee; cat. bregar, 
(Hanf) brechen, streiten; span. brigada (sonstige 
Worte der Sippe scheinen ganz zu fehlen); ptg. 
brigar, zanken, briga, Zank, brigäo u. brigador, 
Zänker, brigada. Vgl. Dz 67 briga (wo Dz die 
Worte briga, brigare u. dgl. [aber nicht broyer 
u. dgl.], freilich nur vermutungsweise, auf einen 
kelt. Stamm brig, dessen Grundbedeutung „Unruhe, 
Geschäftigkeit" sein möchte, zurückgeführt wissen 
will); Storm, R V 171 (hier wird zuerst brikan als 
das Grundwort der gesamten Sippe aufgestellt); 
Baist, RF I 133; Mackel 78 Anm.; Ascoli, Ztschr. 
f. vgl. Sprachf. XVI 125; Mussafia, Beitr. 37(8. unten 
bris-). Siehe auch oben die Artikel brSclio u. briee. 

U* 



167 



1574) brim 



1586) ßfiOVTTi 



168 



1574) alln. brim, Mcoresgebrause, Brandung; 
altfrz. brin, Gebrause, Gewalt, Stolz, vgl. Dz 533 
s. V.; Mackel 93. 

1575) dtsch. bring dir's! (Zuruf beim Trinken); 
daraus ital. brindisi, das Zutrinken, das zur Ge- 
sundheit jemandes Trinken, vgl. Dz 360 s. v., wo 
auch frz. brinde, der Zutrunk, u. span. brindar, 
die Gesundheit jemandes ausbringen, auf denselben 
Ursprung zurückgeführt werden. 

1576) kelt. Stamm bris- (als Nominalstamm mit 
f-Suffix erweitert brist-, davon abgeleitet altir. 
brissim, ich breche, wo also ss aus s-t entstand, 
bret. bresa, zerknittern, vgl.Th. 94|, brechen; davon 
ital. (lomb.) brisa, Krümchen (dagegen gehört 
bricia etc. nicht hierher, s. oben brikan); prov. 
brisar, (zer)brechen, quälen , dazu das Sbst. brisa, 
Bruch; frz. briser, brechen, dazu das Sbst. bris, 
Bruch. Komp. debriser. dazu das Sbst. debris, 
Trümmer; abgeleitetes Vb. prov. brezilhar , frz. 
bresiller, zerbröckeln. Vgl. Dz 533 briser (Dz denkt 
entweder an Ableitung von einem kelt. Stamme bris- 
oder von dem ahd. berstan. vgl. dazu Scheler im 
Anhang 786); Th. 93 (wo die kelt. Herkunft nach- 
drücklich verteidigt wird); Ascoli, Ztschr. f. vgl. 
Spracht. XVI 125 (A. führt einerseits briga etc., 
andrerseits bricia etc. auf das sei es keltische sei 
es germanische Wortpaar *brica , *bricea zurück, 
vgl. dagegen Th.'s a. a. 0. sehr begründete Ein- 
wendung); Mussafla, Beitr. 37; s. auch oben brilcan. 

— Möglicherweise ist ebenfalls von dem Stamme 
6m- herzuleiten die weitverbreitete Benennung des 
kalten oder doch kühlen (Nord)windos: (ital. bressa), 
mail. brisa, rtr. brilscha, frz. brise, span. ptg. 
brisa, briza, (engl, breeze), das Wort würde ur- 
sprünglich so etwas wie ,, Bruch in der Luft, Bruch 
der ruhigen Atmosphäre, der Windstille" bedeutet 
haben. Dz 66 brezza, welcher das Wort als von 
unsicherer Herkunft bezeichnet, u. Schuchardt, E IV 
255, sind geneigt, brisa u. das gleichbedeutende 
und ebenfalls, namentlich auf rätischem Gebiete, 
weitverbreitete bisa {büscha, bischa) zu identifizieren ; 
Caix, St. 221 , vermutet Zusammenhang zwischen 
brisa u. 1>roccia „acqua minuta e gelata", vonez. 
brosa (bresc. berg. calabrosa) ,,brina". Die ganze 
Wortsippe bedarf noch sehr der Untersuchung. Das 
dürfte indessen jetzt schon sicher sein, dafs brisa 
mit bisa etymologisch nichts zu schaffen hat, son- 
dern dafs letzteres = ahd. bisa, Beiswind, ist, vgl. 
Kluge s. V. Biese. Vgl. auch Mussafia, Beitr. 38. 

— Hinsichtlich des ital. brezza stellte Dz a. a. 0. 
Entstehung aus [o]rezza = *auritia v. aura als 
denkbar liin u. erklärte ribrezzo für aus ri-^[o]rezzo 
zusammengesetzt. 

1577) brisa, -am /., Weintrester (Colum. 12, 
39, 2j; span. brisa mit gleicher Bedeutung, vgl. 
Dz 433 s. V. 

1578) ]*bri8ca, -am, Honigwabe; ital. mantuan. 
bresca, sicil. vrisca; sard. prov. bresca; altfrz. 
bresche; cat. span. bresca. Vgl. Dz 66 bresca; 
Th. 48 (wo keltischer Ursprung verneint wird); 
Gröber ALL I 252 (wo das volkslat. Grundwort 
zuerst aufgestellt wird).] 

1579) Brito, -önem m., Brit(t)e, brit(t)isch; alt- 
frz. brct, brete brit(t)i8ch, dann mit übertragener 
Bedeutung (man denke an das deutsche wälsch im 
Sinne von falsch) „schlau, hinterlistig", vgl. Förster 
zu Ywain 1580. 

1580) ags. brittiau, zerbrechen; davon nach Dz 
484 altptg. britar, brechen. 

1581) germ. Wurzel brö (davon germ. *hröjan 



[mit off. o], mhd. brüejen, nhd. hriihen; got. *bröd- 
jan; ahd. bruot); altfrz. bruir u. broir (mitoflF. o), 
verbrennen, brouir, norm, brouer („germ. brojan 
gab stammbetonte Formen mit ui aus uei, endungs- 
betonte mit Ol d. i. offenes o -\- i, woraus in be- 
kannter Weise später geschlossenes o -f i. oui wurde, 
also broir mit geschloss. o, brouir; norm, brouer 
unterscheidet sich nur durch die Konjugation", 
Mackel 31), dazu Vbsbst. norm, braue, Brühe. Vgl. 
Joret, R IX 118, dessen Aufstellungen von Suchier, 
Z IV 473, u. Mackel 31 ergänzt u. berichtigt werden, 
s. auch unten brn u. Dz 535 brouir, wo mit diesem 
Verb piem. bro'e, brave, venez. broare, mail. sbroja 
zusammengestellt wird. 

1582) kelt. Stamm brocc-, spitz (davon altir. 
brocc, der Dachs, so genannt wegen seiner spitzen 
Schnauze); auf diesen Stamm scheinen zurückgeführt 
werden zu müssen: ital. brocco, spitziges Hölzchen, 
Pflock, Schöfsling, Keim, brocca, oben gespaltene 
Stange, brocca, Krug, so genannt wegen seiner 
spitzen Schnauze (das Wort hat mit gr. 7i(>6xovg 
nichts zu schaffen), hroccare, anspornen; prov. 
ferocrt, Spiefs, 6roc-A-, Krug; neuprov. ftroco, kleiner 
Zweig, Stab; frz. brache (Spiels), Schmucknadel, 
dazu das Vb. bracher, wovon wieder abgeleitet bro- 
chure, die mit Nadeln zusammengeheftete Schrift, 
fcrocart, durchwirkter Seidenstoff, broc, Krug; span. 
broca, Bohroisen, brocado, durchwirkter Stoff : ptg. 
braca, Bohrer, dazu das Vb. brocar etc. Vgl. Dz 68 
brocca und brocco, dazu Scheler im Anhang 754; 
Th. 50, wo zuerst eine klare Zusammenstellung der 
Wortsippe gegeben ist. Eönsch, RF II 475, setzte 
gr. /i(j6xo? als Grundwort an ; Canello, Eiv. di fil. 
rom. II 111, wollte brocco etc. nebst borchia (s. 
bulla) auf gr. tioqx'I zurückführen. — Auf den 
nasalierten Stamm bronc scheinen zurückzugehen: 
ital. bronco, Stamm, Stock, davon abgeleitet bron- 
cone, abgehauener Ast, Weinpfahl; frz. bronche, 
Strauch, broncher, straucheln, vgl. hierzu Förster, 
Ch. as II esp. S. 425 (Dz vorgleicht hinsichtlich 
der Bedeutung cespo, Strauch, cespicare, strauchein ; 
das Deutsche darf man nicht zurVergleichung heran- 
ziehen, vgl. Kluge unter „straucheln"); altspan. 
broncha, Ast; das span. ptg. Adj. broitco, plump, 
rauh, darf man nicht hierher ziehen, es ist ent- 
weder = lt. bronchus oder nach Baist, Z V 557, 
= lt. raucus. Vgl. Dz 69 bronco (Dz will die 
Worte von ahd. bruch, ndl. brok, etwas Abge- 
brochenes, herleiten). 

ahd. brod s. bru. 

1583) altn. broddr, Spitze (ahd. brort, prort); 
davon will Caix, St. 214, ital. hordoni „spuntoni 
delle penne, peli ritti" ableiten. 

1584) ndl. broelc, Hose: pic. brouques, Hosen, 
vgl. Dz 535 s. V. 

1586) kelt. Stamm brog-, brogl- (davon ir. bruig, 
kymr. com. bret. bro, Bezirk, Gegend, Land, gall. 
AUo-broges, s. Glück, Kelt. Namen 26, Th. 50); 
auf diesen Stamm sclieinen zurückgeleitet wenlen 
zu müssen: ital. brolo, hruolo, broglio (= *brog- 
ilo), Küchengarten; prov. broHl-s, bruelh-s, Go- 
bti.sch, Gehölz, daneben liruelha; ixz.breuü, einge- 
zäuntes Gebüsch, Brühl, daneben altfrz. bruelle. 
Vgl. Dz 69 broglio, Th. 50. Ptg. (a)brolhar, 
sprossen, sowie ital. broglio, Tumult, frz. brouil- 
ler, brouillon u. dgl. haben mit dem Stamme brog 
nichts zu schaffen, s. unten bru. — S. auch Ca- 
nello, AG HI 401. 

1586) gr. ßQOVTtj, Donner; davon nach Ansiebt 
italienischerWortforscher ital. brontolare, murmeln, 



169 



1587) brosekin, broseken 



1598) *brünltiri8 



170 



Tgl. Dz 360 s. V. Caix dagegen, St. 13 (womit zu 
vgl. 192), erkennt in hrontolare eine Scheidoform zu 
{rimjbrottolare für (rim)hroitare , welehes letztere 
«r wieder auf *(re)probitare (v. reprohare) zurück- 
führt; eine an urlare sich anlehnende Umbildung 
von brottolare soll aret. batmiare „romoreggiare 
dol tuono" sein. 

bronteä oder bröntia, -am /. (v. ß()ovzt'j). s. 
BrOndisiiini u. *brflnltius. 

1587) ndl. brosekin, broseken(Demin. von broos, 
Leder), kleiner Lederstiefel ; ital. borzacchino, Halb- 
stiefel; f TZ. briidequin; span. borceyui. Vgl. Dz 61 
borzacchino. 

1588) altndd. brot (mhd. brog, von der Wurzel 
brüt , brüt, wie abd. "prog^fi von sprüt, sprüt), 
Knospe; ital. brozza „boUa, pustula", davon ab- 
geleitet brozzolo „pastello della farinata non ben 
disciolto", briciolo ,,foruncolo", neap. bruaciolo, 
venez. brusola, vgl. Caix, St. 223; prov. brot-z, 
Knospe, dazu das Vb. brotar, knospen; frz. brout: 
span. brota, hrote, Knospe, dazu das Vb. brotar. 
Vgl. Dz 70 brote; Mackel 32. 

kelt. Stamm broxn- s. bruxn. 

1589) gcrm. Wurzel bru, brü (davon ags. brop, 
engl, broth, Brühe, abd. brüt, ags. bread, nhd. B)'o(), 
brodeln, brauen, durch Glut, Feuer bereiten; auf 
diese Wurzel scheinen zurückgeleitet werden zu 
müssen: ital. brodo, Fleischbrühe, broda, Brühe, 
die mit dem Safte der darin gekochten Dinge ver- 
mischt ist, auch: trübes oder schlammiges Wasser, 
xbroncia „brodacchio". vgl. Caix, St. 509; auch 
broylio (aus brod-iglio), Verivirrung (eigentl. Brodeloi, 
Brudelei), Empörung, Aufstand u. dgl., dazu das 
Vb. brofßiare, viell. auch borbogliare, wirr, unver- 
ständlich sprechen, s. auch unten bnllare; prov. 
bro (mit off. o), Brühe [braiizir (gehört zu *braud, 
brod), verbrennen]; altfrz. *brue, breu, Brühe, 
davon abgeleitet ftroei ,• nfrz. brouet: norm. brouer, 
brühen dagegen ist wohl zur Wurzel brö (s. d.) zu 
ziehen, welche Möglichkeit auch für das Sbst. braue 
zuzugeben ist, andrerseits gehört brouee, Staub- 
regen, vormutlieh zur Wurzel brü (das ungefähr 
gleichbedeutende bruinc aber, über welches zu vgl. 
Dz 535 .s. V., dürfte weder zu brö noch zu brü, brü 
gehören, sondern mit bruire zusammenhängen, wenn 
es nicht doch, trotz des Anlautes, = lat. pruina 
ist; der unorganische Wechsel von p : b liefsc sich 
vielleicht durch Anlehnung an brouee, broiUllard 
erklären); mit dtsch. brodeln scheinen zusammen- 
zuhängen brouüler, durcheinander mischen, trüben, 
verwirren, brnuülard, trübe Luft, Nebel, brouülon, 
als Adj. mischsüchtig, händelsüchtig, zänkisch, als 
Sbst. Mischmasch, unrein Geschriebenes, zu vor- 
bessernder erster Entwurf eines Schriftstückes; 
Marchotj RFX579, zieht hierher auch bredouiller, 
stammeln, u. ähnliche Worte; span. ptg. brodio, 
bodrio , eine aus Speiseresten zubereitete Suppe, 
Schmaus, davon abgeleitet brodista, Suppenbettler. 
Vgl. Dz 69 brodo. u. broglio (wo brouüler, brouü- 
lon zu der oben unter brog- besprochenen Sippe 
gezogen werden), 534 brouee (Dz vergleicht dies 
Wort u. brouillard mit ags. brop, mhd. brodem 
f. bradem, dtsch. brodel, brudel, trifft also das 
Richtige) u. 535 brouir; Joret, R IX 118 (vgl. 
dagegen Suchier, Z IV 473, u. Mackel 31, wo eine 
trefflich klare Darlegung des mutmafslichen That- 
bestandes gegeben ist); vgl. auch Kluge unter 
brauen, brodeln, Brodem, Brot, Brühe. — Über 
südf ranz ÖS. Nachkömmlinge des germ. brod vgl. 
Schuchardt, Z XI 492 potroska. 



1590) kelt. brne, Heidekraut; davon sü<lfrz. 
bruc, brou. bru (daneben bruse durch Einmischung 
von ruscuni): frz. brui/ere. Vgl. Schuchardt, Ro- 
man. Etym. I p. 67. Vgl. unten rroieä. 

1591) ahd. nhd. brn[e]h, abgebrochenes Stück; 
prov. bruc-s (neben brut-z), Rumpf, vgl. Dz 535 
s. V.: Mackel 25. 

*brrichetts, -um m. s. brüchus. 

1592) brüchüs, -um m., eine ungeHügelte Heu- 
schreckenart (Prud. Ham. 229): ital. bruco und 
brucio (= *brucheus), Raupe, davon violl. brucare, 
das Laub abstreifen, abblatten; [rum. vruli, Mai- 
käfer, das Wort stammt aus dem Neugriech., vgl. 
Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767]; span. brugo, 
Erdfloh. Vgl. Dz 71 bruco. 

1593) altnfränk. brüd (ahd. briif, nhd. Braut); 
frz. bruij, bru, Schwiegertochter, vgl. Dz 535 bruc; 
Mackel 18. 

1594) brümS, -am f., die Wintersoimenwende, die 
Winterszeit; ital. brunia, die härteste Winterszeit; 
valses. brumme; ossol. brime, Herbst, vgl. Sal- 
vioni, Post. 5; rura. bruiiiä. Reif; prov. briima, 
Nebel; frz. ftrHtne, dicker Nebel; span. ptg. bruma, 
Winter, Nebel, ebenso cat. bromn. Vgl. Dz 71 
bruma. 

1595) gern). biTiu, braun; ital. span. ptg. 
bruno; prov. frz. brun, vgl. Dz 71 bruno. 

1596) BrundTsium (auf der ersten Silbe betont, 
vgl. Brindisi); dieser Städtenamo ist das wahr- 
scheinliche Grundwort zu itaL bronzo etc., denn: 
„Eine neue Erklärung des Wortes , Bronze' hat kürz- 
lich Bertholot in einem Aufsatze (in: Revue archeo- 
logique, 1888 p. 294) aufgestellt. Dieser sucht als 
die älteste Form des Wortes aus alcliiniistischen 
Schriften ein niittelgriech. ß^iovirjoiov zu erweisen. 
Dieses aber entspreche einem lat. aen Brundiiium, 
da in Brundisium berühmte Bronzefabriken gewesen 
sein müssen (Plin. N. H. 33, 9, 45 u. 34, 17, 40).-' 
Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte-, 
Jena 1890, p. 290. S. auch Nuova Antologia, 
16. Dez. 1890, p. 786. S. unten brfliiitifls. 

1597) [*brfinio, -ire (v. germ. brun), braunen ; 
ital. brunire; prov. frz. brunir; span, brunir, 
brohir ; ptg. brunir, im Span. u. Ptg. bedeutet 
das Vb. auch ,, polieren", welche Bedtg. es auch im 
Frz. haben kann. Vgl. Dz 71 bruno.] 

1598) [*brüliitiii8, a, um (v. germ. brün), bräun- 
lich, wird von Dz 69 als Grundwort aufgestellt zn 
ital. iroMSo, Metallmischung, Uronce; (frz. bronze); 
span. bronce (u. brozne); dazu das Vb. ital. {ab)- 
broHzare, leicht versengen, schwärzen, frz. bronzer, 
erzfarben machen, altspan. bronzar ; ital. ist 
auch ein Adj. bromino, erzfarbig, vorhanden. Der 
Ableitung der Sippe von *brunitius stehen lautliche, 
von Dz wohl gewürdigte Schwierigkeiten entgegen, 
die so erheblich sind, dafs man besser auf das 
Grundwort verzichtet, namentlich ist die anzu- 
nehmende \'ersehiebung des Hochtons bedenklich u. 
kann durch ital. pincio aus piniceus [?1 kaum 
gerechtfertigt werden , eher könnte man glauben, 
dafs das Subst. bronzo aus dem Vb. bronzare = 
*brunitiare abgeleitet sei, docli dabei darf man 
sich schwerlich beruhigen (m ; o!), oder aber man 
leite bronzo wie bronza (s. unten) von *prunius ab. 
Nicht undenkbar wäre, dafs brontea , Donnerstein" 
(Plin. 37, 150) das Grundwort ist. Das glaub- 
hafteste Grundwort ist aber der Stadtname Brun- 
disium (s. d.). Die sonst in Vorschlag gebrachton 
Grundworte — [o]bryzum (seil, auruvi, gr. oß(>vt.ov 
icü.. XQvaiov); pers. ftui-wf/ od. pmnr/, Kupfer; engL 



171 



1699) bninnja 



1615) *buccglläriüB 



172 



brass — erweisen sich als dureliatis vinannebmbar; 
es gilt dasselbe auch von Baist's in Z V 558 aus- 
gesprochener Vermutung, wonach bronzu mit hronco 
auf lt. raucus zurückgehen soll. — Venez. broma, 
glühende Kohle, wird von Ascoli, Ztschr. f. vgl. 
Bprachf. II 269, von *prunia, von Storni, R V173, von 
*l)runicea hergeleitet, vgl. Mussafia, Keitr. 38; 
Dz 69 hatte an das deutsche Brunxt gedacht. 
Keine dieser Annahmen aber ist sonderlich wahr- 
scheinlich.] 

1599) altnfränk. brunnja (ahd. brunnja, altn. 
brynja), Panzer; prov. bronha (mit off. o); alt- 
frz. bronie, broif/ne (mit off. o). Vgl. Dz 534 
hroigne, Mackel 21. 

1600) kelt. Stamm brüs- (davon altir. brüim, ich 
zerschmettere); auf den Stamm lirüti scheint zurück- 
geführt werden zu müssen altfrz. bruser, hniiser, 
zerschmettern, vgl. Th. 94; Dz 536 dachte an alid. 
brochisön als Stammwort. 

1601) *brüsen8, a, um (zusammenhängend mit 
bniscum „tuber aceris arboris intortius erispum"; 
Plin. N. H. XVI 68), knollig, knorrig, kraus, rauh, 
ist das mutmafsliche Grundwort zu: ital. brusco 
Sbst.Myrthen-, Mäusedorn, Adj. rauh, herb, mürriscli; 
(sard. fruscii); prov. brusc, Rinde, ?;rHSC((., (ierte; 
frz. brusc, Besenheide, brusque, uni)oliert, rauh, 
barsch , dazu das Vb. brtisquer, barsch anfahren ; 
span. ptg. bru.-co Sbst. (auch -a), Mäusedorn, 
Adj. barsch. Die Substantive mögen indes unmittel- 
bar auf bruscum zurückgehen. Vgl. Storni, R IV 
352, Baist, Z V 557. Dz 71 lutete das Sbst. von 
lt. ruscum, Mäusedorn, ab u. nahm Verstärkung 
des Anlautes an (so auch üröber, ALL I 252. vgl, 
auch Schuchardt, Roman. Etym. 167: brusco ent- 
stand aus b-ruscum, indem ruscum sich mit bruc- 
[s. d.], wovon frz. bruyere , gemischt hat) , das 
Adj. aber von lt. labruscus (wovon nur das Fem, 
belegt ist: uva od. vitis labrusca, wilde Rebe, 
Klarettraube. Colum. 8, 5, 23), beide Ableitungen 
aber sind sehr bedenklich, namentlich die letztere. 
Canello, Riv. di fil. rom. II 111, leitet das Sbst. 
von ruscum, das Adj. von rusticus ab. Vgl. auch 
Gröber, ALL I 252 (stimmt Dz bei). — Pascal, 
Studj di fil. rom. VII 90, erklärt ital. brusco, 
dessen ursprüngliche Bedtg. „abbrustolito'' sei, aus 
bruscoto, brusclo, brustlo, *hrustulus. 

1602) [germ. brüst (got. brusts] kann nicht, 
wie mehrfach angenommen worden ist, Grundwort 
sein zu zu ital. busto, Büste; prov. bust-z; frz. 
buste m.; span. ptg. busto. Vgl. Dz Tö busto. S. 
unten bfistfim.j 

brütus s. brfittas. 

1603) brUttfis, a, um, schwer, stumpf, unver- 
nünftig, dumm, tierisch; ital. hruto {gel. Vf .), roh, 
gefühllos, u. brutto, ungestaltet, unbearbeitet, roh 
(„il raddoppiamento e qui normale, come in v e n n i, 
legge da veni, lege-, e serve a compensare la 
lunghezza originaria della vocale", Canello, AG III 
401, was jedoch kaum richtig sein dürfte); rtr. 
bürt, vgl. Ascoli, .\G I 361 No 59; span. bruto, 
roh, und [?] burdo, grob, vgl. Cornu, R VII 595, 
jedoch ist diese Ableitung sehr zweifelhaft. (Dz 434 
wollte hurdo von arab. bord ableiten, s. oben bord); 
ptg. bruto, roh. Vgl. Dz 360 brutto; Gröber, 
ALL I 253. 

1604) kelt. Stamm bruxu-, broxn-, brossn- 
(davon ir. ftrosswai, fcfo.vMa, Keisbündel) ; auf diesen 
Stamm scheinen zurückgeführt werden zu müssen: 
prov. brossa (mit off. o), Gestrüpp, Heidekraut; 
altfrz. broce (mit off. o), Grenzgebüsch, PI. wüstes 



Heideland, vgl. Schuchardt, Z VI 423, nfrz. 6ro»»e, 

auch „Bürste" bedeutend, dazu das Vb. brosser ; 

eine Ableitung ist wohl broussailles (dav. ital. 

bruzzaf/lia, vgl. d'Ovidio, AG Xin 405), Gestrüpp ; 

span. broza, Abfall von Baumrinde. Spähno, auch: 

Bürste (daneben bruza, s. brustja); ptg. broQit, 

Bürste. Vermutlich hat Mischung dos kelt. Stammes 

I mit germ. *borsta, *burstja stattgefunden. Vgl. 

! Dz 70 broza; Th. 51; Mackel 24; Baist, Z V 562 

j (B. will auch span. brezo, Heidekraut, in dieWort- 

I sippo einbeziehen). Vgl. auch unten bars^a. 

! 1605) kymr. brysced (bret. brusch, bruched) ist 

I nach Scheler, T>ict. brechet, Stammwort zu altfrz. 

bruschct, brichet, nfrz. brechet, Brustbein. 

[kelt. brwg s. rrolcft.] 

1606) buB, -am f., Naturlaut der Kinder zur Be- 
j Zeichnung des Trankes, wie pappa zu der der Speise 

(Varr. u. Lucil. bei Non, 81, Iff.); davon violleicht 
durch Reduplikation ital. (coraask. genuos.) bobö, 
bubii, Getränk, vgl. Dz 358 bobö. 

1607) bübälus, -um m. (wbos, bovis f"). daneben 
I büfälus (Ven, Fort. carm. 7, 4, 21), Büffel: ital. 

bufalo, bufolo, vgl. Flechia, AG II 328; rum. bivol; 
prov. buhali-s, brufe-s, brufol-s; frz. büffle; span. 
bvfalo; ptg. bufalo, bübalo. 

1608) bübo, -önem m., Uhu, Schuhu; rum. 
buhä (nach Gh. ,s. v. lautlich beeinflufst durch slav. 
hukä, Gebrüll): span. buho; ptg. biifo, eine Eulen- 
art. Vgl, Dz 434 buho. 

1609) gr. ßovßoiv, •tävam., Beule; ital. bubbone, 
Beule, venez. boba, Eiter (Caix, St. 230, zieht auch 
bua [s. oben ftöö] hierher, was insofern für berech- 
tigt gelten kann, als sowohl bua wie bubo u. boba 
auf interjoktionalera bu beruhen , welches in bubo 

: redupliziert ist); mm. buboiü u. bubii; frz. bubon 
i u. bube; span. bubon u. buba; ptg. bubäo, bubo 
u. bouha. Vgl. Dz 71 hubbone ; Caix, St. 230. 

1610) bübulcBs, -um m., Ochsentreiber; ital. 
boholco u. bifolco, vgl. Flechia, AG II 328, Canello, 
AG III 382; rtr. biölco, vgl. Ascoli, AG I 459 
Z. 4 v. ob. u. 517 No 132. 

1611) bübulo, -äre (v. bubo), wie der ühu 
schreien (Anthol. lat. 762, 37 [233, 37]); ital. 
bubbolare „romoreggiare del tuono", dazu das Sbst. 
bubbolo „tuono", davon der Plur. biibboli „sona- 
glietti tondi che hanno in corpo una pallottolina 
metallica", vgl. Caix, St, 231. 

1612) bficcä, -am f., Backe, Mund; ital. bocca, 
sard. bucca; rum. bucä, PI. buci, Wange; rtr. 
büka etc., s. Gärtner § 200; prov. boca: altfrz. 
bocke; nfrz.bouche; oat. span. ptg. bocic)a. Vgl. 
Dz 57 hocca; Gröber, ALL I 253. Die Bedtg. 
„Backe" hat das Wort nur im Rum. behauptet, in 
allen übrigen Sprachen ist es auf die Bedtg. „Mund" 
beschränkt, hat aber in dieser ös öris völlig ver- 
drängt. 

1613) *bücceäle ist das vorauszusetzende Grund- 
wort für span. bozal, Maulkorb, vgl. Gröber, ALL 
1253. 

1614) büccella, -am f., ein kleiner Muudbisson; 
i davon nach Caix, St. 212. ital. bonciarelle „fri- 
: telline, specie di dolce", indem das Wort ,,allungato 
! suir analogia dei diminutiv! in -arello" sei. — 

1 Aufserdem ital. büccella, kleiner Bissen; valverz. 
< buscella pano di una libbra, berg. bösela panetto, 
I com. buscel pane piccolo, vgl. Salvioni, Post. 5; 

rtr. busala, Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767; 

prov. hucela, vgl. Gröber, ALL I 253. 
j 1615) *büecellärins , -um m. : davon ital. 



173 



1616) bOccgllätüni 



1631) buidelen, builen 



174 



hozzolaro, genues. büsciellaju „venditore di fritel- 
line", vgl. Caix, St. 212. 

1616) Mceellätum n., Zwieback; ital. hicoh. 
buccelldto, sicil. vucciddatu, guccidatu , vgl. Caix, 
St. 212; Miissafia, Beitr. 40. ' 

1617) *bricceus, a, um (bunca); ptg. liu(;i) 
(biicinho), Haar auf dor Oberlippe, bii^al, bogal, un- 
Ijürtiger Biirsolie, eiiibugar-se, da.s Gesicht bis zur 
Oberlippe verhüllen, vgl. C. Michaelis, Frg. Et. 
p. 6. 

1618) *bücciiiiiin n., Bissen; prov. bnssi-s; alt- 
frz. boiisin; cat. boci, vgl. Gröber, ALL I 253. 

1619) biicco, -önem m., ein Mensch mit auf- 
geblasenen Baclien , ungeschickter Mensch , Tölpel 
(eigentl.: grofser, aufgeblasener Mund); ital. Öocco 
„scioccone, ebete", vgl. Caix, St. 210; boccone, 
Mundfiillung, den Mund stopfende Massen; prov. 
boco-s; frz. bmichoi), Stöpsel, Pfropfen, ebenso ptg. 
bucha (die ursprüngliche Bedtg. ist also verallge- 
meinert worden), vgl. Dz 529 boucher. 

1620) *bueco, -äre, den Mund vollstopfen; frz. 
boucher, stopfen , vgl. Dz 529 u. 754 s. v. ; Littre 
s. V. stellt bouclier zu altfrz. bouclie, Garbe, Stroh- 
wisch, hmcchnn, Bierwisch, u. leitet es v. St. bosc- ab. 

1621) buccfilä, -am f. (von bucea), kleine Backe, 
rundliche Erhöhung [bucciila scuU, Schildknauf, 
Gloss. Isid.); prov. bocla, bloca, Schildknanf, davon 
abgeleitet bloquier-n = *bucculariuii, Buckelschild ; 
frz. boucle (kreis-, ringförmige Erhöhung), Ring, 
Ringel, Locke, bouclier, Schild (altfrz. bocle, 
blouque bedeutet noch Schildknauf); span. bucle, 
Locke (wohl aus dem Frz. entlehnt); ital. huccola 
„pendente dcgli orecchi", biicchio ,,ricciolo", broc- 
chiere, -o, kleiner Schild. Vgl. Dz 529 boucle; 
Caix, St. 232. 

1622) dtsch. Buchweizen, daraus durch Volks- 
etymologie frz. benuciiit, hiicaü; wallen, houquetle 
(= vlaem. boekwei/t), vgl. Eafs, RF III 491. 

1623) bucinä u. bficcina, -am /'. (vielleicht aus 
bovicina entstanden), Kuhhorn, überhaupt Hörn als 
Blasinstrument: a) bucina = prov. bozina; alt- 
frz. buisine, boisine — ß) bücciiia = ita,\. bosna 
(u. biicciiia); rum. buccina, [biicimü, buciumü) ; alt- 
frz. bosiie: obw. bi^el; eng. büsen, vgl. Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891, p. 767. Vgl. Gröber, ALL I 253. 
Die Hauptbedeutung des Wortes ist allenthalben 
unverändert geblieben, nur rum. bucium bedeutet 
Schalmei, dann auch: Rolle, Rohr, vgl. Ch. ». v. 

1624) engl, buekram (dies wieder durch An- 
gleichung au bück aus dem arab. biircdn, barracän), 
Barchent: span. bucherame, bocaran, frz. bougran. 
vgl. Baist, Z V 556; Eg. y Yang, bespricht das 
VVort nicht. 

1625) engl, buckskln, Bock-, Schafwolle, Buckskin, 
daraus frz. boucassin, Futterbarchent, vgl. Baist, 
Z V 556. 

1626) *bucuIo, -äre u. *bucciilo, -are, wie ein 
Rind brüllen; altfrz. bugler, dazu das Sbst. bügle, 
ein Blasinstrument; nfrz. beugler, brüllen, vgl. Dz 
523 s. V. u. Scheler z. Dz 784; Bergor p. 124 Anm. 

1627) büdS, -am /'., Schilfgras ^Anthol. lat. 95, 2 
[1119, 2], Augustin. ep. 88, 6, Douat. ad Verg. 
Aen. 2, 135); ital. biodo; cat. boga, bova [?]; 
Iptg. buinho RohrJ; sard. buda, Riedgras, davon 
budedda = budella , Matte; sicil. buda, Stopf- 
werk; vgl. Dz 360 .v.l.; Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 767, Parodi, R XXVII 229; Guarnerio, R XX 56. 

1628) mhd. buene, Bühne; davon viell. abgeleitet 
ital. bugnola ,,cattodra", vgl. Caix, St. 235; jedoch 
ital. bugno, -a, Bienenstock, altfrz. bugnon, neu- 



ytrov. bugno, Baumstamm, sind schwerlich gleichen 
tlrsprunges: Dz 360 bugno verglich kyrar. bon, ir. gäl. 
bun, Wurzelstock eines Baumes, vgl. Th. 83, s. oben 
unter bon. Die Sippe ital. bugna, altfrz. bugne, 
nfrz. bigne. Beule (s. Dz 73 bugna) kann kaum 
damit in Zusammenhang gebracht werden, son<lern 
geht wohl auf ahd. bungo, Knolle, zurück, obwohl 
Dioz' Bedenken dagegen an sich berechtigt ist. 

1629) buf^f), Lautverbindung zur Bezeichnung des 
Geräusches, ilas durch einen Schlag auf die auf- 
geblasenen Backen hervorgebracht wird (vgl. dtsch. 
])uff, paff), davon: ital. buffare , ein Platz- oder 
Blasegeräusch erzeugen, herausplatzen, einen Witz 
loslassen, Possen treiben, daher die Sbst. buffo, 
Windstofs, buff'a, Posse, buffone, Possenreifsor; 
prov. biifar, blasen; frz. bouffer, die Backen auf- 
blasen, bouft'ir , schwellen; altfrz. auch bnß'er, 
auf die Backen schlagen, dazu das Sbst. bufj'e, 
S<!hlag auf die Backe, wovon das Demin. buffet, das 
ein aufgeblähtes Ding oder Gerät bezeichnet (altfrz. 
bufet, Hinterbacken, wallen, bofet, Nadelkissen, nfrz. 
buffet, ein bauchiger Tisch oder vielleicht auch ein 
Tisch, welcher, weil zum Prunke dienend, sich 
gleichsam aufbläht, Tisch für Silbergerät, Schenk- 
tisch, vgl. Mahn, Etyiu. Unters. 106), altfrz. /))(/"(, 
Pomp; aufserdem nfrz. das dem Ital. entlehnte 
bouffon mit seinen Ableitungen bouffonnerie etc.; 
span. ptg. bofe, Lunge, bufar; schnauben, Wasser 
aus dem Munde spritzen, dazu die Entlehnungen 
aus dem Ital. bufon etc. Schuchardt, Z XIII 527, 
zieht hierher, und wohl mit Recht, auch span. 
ptg. /b/b, aufgeblasen, dünkelhaft, während Cornu, 
Gröber's Grundrils I 718 u. 728, das Wort von 
fatuus ableiten will. Nach C. Michaelis, Frg. Et. 
p. 6, gehört hierher auch ptg. bufarinheiro (f. 
bufarieiro), wandernder Galanteriowarenhändler, 
Hausierer. Vgl. Dz 72 buf. Die ganze umfang- 
reiche Wortsippe bedarf noch einer eingehenden 
Untersuchung. 

1630) Bagia, Stadt in Nordafrika; nach dieser 
ehemals bedeutenden Ilandelstadt erhielten als nach 
dem Ausfuhrorte die „Kerzen" ihre Benennung: 
\i&\.hugia, prov. bogia, frz. bougie, span. bujia. 
bugera, ptg. luiiies de Bugia, bujia, bugeira, im 
Ptg. besteht daneben ein Masc. bugio mit der Bedtg. 
„Affe, Meerkatze"', weil auch diese Tiere vielfach 
aus Bugia bezogen wurden. Vgl. Dz 73; C. Michaelis, 
Mise. 120 

1631) ndl. buidelen, builen (mbd. biuteln), Mehl 
beuteln, sieben; davon vielleicht frz. bluter (altfrz. 
auch buleter), Mehl sieben, dazu die Sbsttve blutean, 
blutoir, Mehlsieb (nicht hierher gehören aber ital. 
buratto, burattello, Meblbeutel, prov. barutel-s, sieh 
unten *bürrens). vgl. Dz 527 bluter; für sicher frei- 
lich kann diese Herleitung durchaus nicht gelten, 
wie denn Diez selbst der Herleitung von bure, 
wollenes Zeug, den Vorzug gibt, sich berufend auf 
altfrz. buretel, das sich also weiter zu buletet, 
blutel, bluteau entwickelt haben würde, vgl. auch 
prov. barntel, Mehlbeutol, das für buratel zu stehen 
scheint. Diez 431 ist geneigt, auch span. ptg. 
barruntar (prov. barutar), erraten, mutmafsen, 
mit altfrz. buleter, neufrz. bluter zusammenzu- 
stellen, die Grundbedtg. von barruntar würde dann 
sein „im Denken sieben , sichten". Vgl. unten 
verrüneo. Wedgwood, R VIII 436, will auch 
[bolenge, das Mehlbeuteln, und) boulanger, Bäcker, 
(das also eigentl. Meblbeutler bedeuten würde), von 
buidelen herleiten, indem er sich auf die Stelle 
im Traktate des Walter von Biblesworth (b. Wright, 



175 



1632) buk 



1641) büllä 



176 



Ä Volume of Vocubularies, p. 155) beruft: „De 
fine farine vent la flour, bulting-clot par la bolenge 
le pestour bulting^P P^r bolenger est cevere of brenn 
la flur et le furfre deniore", wie aber lautlich die 
Ableitung möglich sein soll, wird nicht gesagt; für 
sicher also darf auf Grund von Wedgwood's Be- 
merkung nur angenommen werden, dafs der Bäcker 
im Altfrz. auch pfstour = pistorem genannt wurde. 
Am ratsamsten dürfte es sein, an Diez' Herleitung 
von holllanger aus boiile (Kugel, rundes Brot, vgl. 
span. hollo, feines Milchbrot) = lt. IniUa festzu- 
halten, botilanyer wäre also der Verfertiger runder 
Brote, freilich ist die Bildung des Wortes eine 
recht seltsame, auch dann noch, wenn man zwischen 
houle u. boulanger mit Dz 530 ein boulange (rundes 
Brot) einschiebt (boulange, gleichsam *bullanea 
[vgl. exlranea : etrange], also boulanger gleichsam 
*bullariearius). Vgl. auch Scheler zu Dz 785 und 
Suchier, Z III 611. 

1632) germ. buk (ahd. büh, püh), Bauch; ital. 
buco u. buca, Loch (der Bedeutungsübergang wird 
dadurch vermittelt, dafs das Wort zunächst, wie ja 
auch im Deutschen, zur Bezeichnung des Hohlraums 
eines Gefäfses u. Schiffes gebraucht wurde) , dazu 
das Vb. bucare, durchlöchern; prov. buc-s, Bauch, 
Rumpf, dazu das Vb. trabucar, gleichsam über- 
bauchen, zu Boden werfen, auch : stürzen, trabuquet-z, 
eine Maschine zum Umwerfen, Kriegsmaschine; 
altfrz. huc, dazu das Vb. trebticlier, wovon wieder 
trebuchet, mit gleicher Bedtg. wie im Prov., jedoch 
bedeutet altfrz. buc auch ,, Bienenkorb"; cat. buc; 
span. btique, Sehiffsbauch , trabucar, umwerfen, 
stürzen, trabuco u. trabuquete, Wurfmaschine; ptg. 
buco, Schiffsbauch, sonst wie im Span. Vgl. Dz 72 
huco. — S. auch No 1636. 

1633) dtsch. buk, erhöhte Grenzscheide; davon 
span. buega, Grenzstein, vgl. Dz 434 s. v. 

1634) al'tnfränk. bnkk- (ahd. trocc/i), Bock; ital. 
beeco (das e erklärt sich vielleicht aus Anlehnung 
des Wortes an becco, Schnabel, wozu der schnabel- 
artig spitz zulaufende Bart des Tieres Anlafs geben 
konnte), davon abgeleitet beccajo, eigentl. Bociks- 
schlächter, dann allgcm. Fleischer; rtr. bück, bock; 
prov. boc-s ; frz. baue, davon abgeleitet boucher, 
Fleischer; Baist, Z V 239 No 8, denkt an mög- 
lichen Zusammenhang zwischen frz. boucher u. cat. 
butxi, hotxi , Henker, altspan. buchin, bochin, 
boquin, gal. buxeo, Metzger; (Femininbildungen 
zu houc sind vielleicht, trotz ihres befremdlichen 
Vokales, bique, Ziege, u. biche, altfrz. auch bisse, 
Hindin; mit lat. ibex, ibicem, Steinbock, können die 
Worte nichts zu thun haben, obwohl Dz 523 biche 
die Möglichkeit eines Zusammenhanges nicht unbe- 
dingt abweist), s. ob. blcce; cat. boc; altspan. 
buco. Vgl. Dz 529 baue, Mackel 21 (M. hält auch 
bouquin, altes Buch, für aus bouc abgeleitet, die 
Bedtg. weist aber deutlich auf altndl. boeckin hin); 
Th. 91. 

1635) altn. bukka, niederdrücken, ist vielleicht 
das Stammwort zu frz. bouqurr, ducken lassen, vgl. 
Mackel 24; im zweiten Bestandteile von reboucher 
(in der Bedtg. „stumpf machen") erkennt Scheler 
.s. V. dasselbe Verb, schwerlich mit Recht, es dürfte 
vielmehr mit reboucher, „zustopfen" identisch sein, 
trotz der, freilich noch aufzuklärenden, Bedeutungs- 
verschiedenheit. 

1636) altnfränk. bükön (ahd. "Iiühhen, mhd. 
buchen), bauchen, d. i. in heifser Lauge einweichen ; 
ital. bucato, Wäsche; frz. huer, in Lauge waschen 
(das gleichbedeutende, von Mackel angeführte^M^HW 



; fehlt b. Sachs), davon viell. baute, Dampf, Qualm, 
bürg, buie, Lauge, buandier Wäscher, vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 80; (rtr. huadar , in Lauge waschen, 
ist wohl anderer Herkunft). Vgl. Dz 72 bucato; 
Mackel 19 ; Kluge s. v. bauchen. — Nigra , AG 
XV 102, zieht die Wortsippe zu buk (s. d.) in der 
Bedtg. „Loch", bucato soll eigentl. ein mit einem 
Loche (zum Wasserabflüsse) versehenes Waschgefäfs 
sein. Die eingehende Untersuchung Nigra's besitzt 
überzeugende Kraft. — Wie frz. combuger, wässern, 

i zu der Wortsippe sich verhält, ist nicht klar. 

1637) bulbus, -am m. igr. ßö/.ßog), Zwiebel, 
Bolle; ital. bulbo; rum. bolf; frz. bulbe; span. 
ptg. bulbo; das überall, mit .\usnahme des Rum., 
nur gelehrte Wort hat die Bedtg. „Geschwulst" 
angenommen. 

1638) bttiga, -am f., lederner Sack; dav. abgel. 
ital. bolgia (Gröber, ALL 1253, hält das Wort für 
aus dem Frz. entlehnt, Mackel 23 denkt an ahd. 
*bulgja, altn. hylgja, am einfachsten ist es aber 
doch wohl, ein *bulgea anzunehmen, wie Dz will; 
Entlehnung aus dem Frz. ist bei einem so alten 
ital. Worte nicht eben wahrscheinlich , vgl. freilich 

I Gröber im Nachtrag zu No 1407 der ersten Ausg. 

des Lat.-rom. Wtb.'s, wo die Ansicht, dafs bolgia 
< ein Lehnwort aus dem Frz. gallischen Ursprungs 
; sei, mit beachtenswerten , obgleich wohl nicht ent- 
j scheidenden Gründen verteidigt wird) , dazu das 

Demin. bolgetta „valigia di cuojo", vgl. Canello, 

AG III 390; rtr. buhcha, Felleisen, bulseh. Bausch; 
, altfrz. bolge (mit off. o), Ranzen; nfrz. bouge, 
I davon das Demin. bougette, Ränzel (das aus dem 

Englischen entlehnte budget ist stammverwandt). 
t Vgl. Dz 57 bolgia ; Gröber, ALL 1 253 ; Mackel 23 
j (M. leitet die Wortsippe von altdtsch. bulga her) ; 
! Th. 46 (führt ir. bolg, bolc. Sack, Schlauch, an): 

Flechia, AG II 329, bemerkt; „la parola bulga, 
' secondo che abbiamo dallo Festo (cf. Paul, ex Fest. 

35, 1), e voce gallica (e forse anco germanica)". 

1639) Bulgarns, Bulgare u. (wegen der Hin- 
neigung dieses Volkes zum Manichäismus), Ketzer; 
davon ital. buzetron (Gloss. venez.) = buggerone, 
Ketzer, tose, buggerare , lügen, buggera, Lüge, 
Dummheit, vgl. Mussafia, Beitr. 39, Caix, St. 234 ; 
frz. bougre, Ketzer, davon viell. rabougrir, eigentl. 
zum Ketzer werden, erbärmlich werden, verkrüppeln. 
Vgl. Dz 530 bougre >i. 663 rabougrir. 

1640) bfilimns, -um m. (gr. ßovXifiog), Ochsen- 
I hunger, Heifshunger; ital. bwZimo u. s?«Mt»io,Heifs- 

hunger, daneben linio „consumamento di stomaco", 
vgl. Caix, St. 383; frz. boulimie (gel. W.), vgl. 
Dz 360 .s. V. 

neugr. ßovXxoXäxa s. rrukolaku. 
i 1641) buUa, -am (u. *büla nach griech. ßo?.ij, 
ßöloi; gebildet) f.. Blase, Buckel, Knopf, Kapsel; 
ital. bolla, (bulla). Blase, bollo, Stempel, Marke; 
hiervon zahlreiche Ableitungen, über welche man 
vgl. Caix, St. 74: bugliolo „bollo, pustola" (das gl 
dieses u. der folgenden Worte erklärt sich durch 
Einmischung von Indlio), buglia „confusione, tumulto", 
buglionc „accozzaglia di piü cose", com- u. stub- 
buglio ,, confusione", dazu die Verba garbugliare (?) 
n.scombugliare, scombujarc „mescolare, confondore", 
Caix zieht hierher auch brugliolo „pustola" im- 
brogliare „confusione, viluppo" u. a., indessen ge- 
hören diese Worte wohl zum St. brü (s. d.), bezw. 
zu dtsch. brodeln ; zweifelhaft mufs auch bleiben, 
ob borchia (mit geschloss. o), Buckel am Pferde- 
geschirr, Nagelknopf, von bulla abgeleitet ist (gleich- 
sam *bull-ctüa), vgl. Dz 359 .«. v., wo ahd. bolca 



177 



1642) »bülllco 



1653) *bnr«ös 



178 



als mögliches Grundwort vermutet wird, u. CanoUo, 
Riv. di fil. rom. 11 111, wo bnrcia liebst hrocco, 
brncca n. dgl. (s. oben hrocc-) auf gr. noQXi} zurück- 
geführt wird; Deminutiva zu hiilla, holla sind: 
bolletta, hulletta, hullettino, Zottel; als sard. Ab- 
leitungen von bulla („Blase, Schwellung") fafst 
Guarnerio, R XX 56, auf nbbuddare saziarsi, 
farsi una panciata, irapinzarsi , abbuddada saziata 
panciata, abbuddadu sazio, impinzato (Caix, St. 
131, hatte ein *ad-bot-äre als Grundwort angesetzt); 
prov. bola, Inda (kugelförmiger Grenzstein); frz. 
boule, Kugel, Kegel, Klofs, davon das Kompos. 
boule -\- vemer = versare (Frequ. zu vertere): boule- 
ver.ier, umkugeln, umstürzen, verkehren ; von boule 
ist wohl auch abgeleitet (*boulange, gleichsam *bul- 
lanea, rundes Brot, und) boulanger, gleichsam 
*bullaneariun, Bäcker, vgl. aber oben buidelen; 
Deminutiv zu boule ist bulletin, Zettel (aus dem 
Ital. entlehnt), hierher gehört wohl auch billet, 
Karte, dessen i aus Anlehnung an engl, bill sich 
erklärt, das frz. Wort ist dann wieder zu bifjlietto 
italianisiert worden, vgl. Canello, AG 111 390; von 
boule soll abgeleitet sein houler, daraus (durch An- 
gleiduing an bouillir) bouiller, dav. bouille , Stör- 
atange, womit gleichbed. ist bouloir, vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 136; Span, bola, Kugel, bollo, Beule, 
Milchbrot, boleta, Zettel, hulla, verwirrtes Geschrei; 
ptg. bola, Kugel, Kegel (davon bolar, kegeln), 
bulla, Bulle, bulha , wirres Geschrei (die Bedtg. 
dieses Wortes sowie des span. bulla erklärt sich 
durch Anlehnung an bullire. Blasen treiben, spru- 
deln, sieden, zischen). Vgl. Dz 57 bolla. 

1642) |*bullico, -äre (v. bulla), Bla,sen treiben, 
in unruhiger Bewegung sein (vom Wasser); davon 
viell. prov. holegar, hojar; frz. bouger (in un- 
ruhiger Bewegung sein, eigentl. vom Wasser, dann 
auch von Personen), sich rühren. Vgl. Dz 530 
bouger, wo die frühere Ableitung von ahd. biogan 
mit Recht zurückgewiesen wird.j 

1643) bOllio, -Ire (v. bulla), Blasen werfen, 
sprudeln, sieden; ital. bollire, sieden, dazu die 
Sbsttve hoMore, das Aufwallen, der Zorn, boUone = 
frz. bouiüon (das übliche ital. Wort für Fleisch- 
brühe ist aber brodo, ftrofWto); feiner die Zusamiueii- 
setzung ad-hull\ire] + [e]Uxare = abbollessare „far 
bollire", vgl. Caix, St. 130; sard. buddire, rtr. 
huglir; prov. builhir, bollir ; frz. bouillir, davon 
das Sbst. houillon, Brühe (das übliche Wort für 
Fleischbrühe ist aber consomme); cat. (auch span.) 
bullir; a.\ts\>. bollir ; ptg. ftoKr; (sy>nn. eabullir int 
nicht = Kub-bullire (so Dz 498 s. v. nach Covar- 
ruvias), sondern = sepelire, vgl. C. Michaelis, R II 88, 
identisch mit zabullir ist zamhtdlir, untertauchen, 
auch: begraben); ptg. bulir. Vgl. Dz 57 holla; 
Grober, ALL VI 379. 

1644) bOllo, -äre (v. bulla), Blasen werfen, 
sprudeln; davon viell. cat. esbullar, vorwirren (vgl. 
span. ptg. bulla, bulha, wirres Geschrei), wohl 
auch ptg. ««-ftiiZ/mr,' ausplündern (das aus ex-spoUare 
nicht wohl hergeleitet werden kann) , vgl. Dz 57 
bolla. — Dz 58 borbogliare ist geneigt, auf hullare 
auch zurückzuführen: cat. borbollar , verwirren, 
span. borbollar u. ptg. borholhar. Blasen werfen, 
wozu die Sbstve span. borholla, ptg. borbulha, 
Wasserblase, Knospe, ja auch ital. borbogliare, 
frz. barbouiller (vgl. d'Ovidio, AG XIII 403) pic. 
borbouller, murmeln, erscheint ihm als möglicher- 
weise stammverwandt, doch macht ihn allerdings das 
gleichbedeutende ital. borboltare, altfiz. borbeter, 
bedenklich; vermutlich sind borbogliare, borbottare 

Kürtinjf, !at.-roin. Wörterbuch. 



etc. onomatopoietische (möglicherweise an gr. ^ö(>- 
ßoQOg [s. d.], Schlamm, sich anlehnende u. folglich 
auf Wassergeräusch Bezug nehmende) Umgestal- 
tungen von *barbuliare *barbottare von barba 
*barbotta (Dem.), bedeuten also eigentl. „in den 
Bart hinein sprechen"; auch span. borbollar etc. 
sind vielleicht rein schallnachahraende Bildungen. 
Vgl. No 1230, wo barbollar in horb- zu bessern ist. 

1645) altdtsch. *bttl1J0 (ahd. bolz), Bolzen; davon 
vielleicht ital. holzotie, bolcione, Bolzen, auch: 
Mauerbrecher; prov. bosso-s; altfrz. bozon; alt- 
span. bozon. Dz 58 bohone war geneigt, ein lat. 
*bul\l]-Uo von bulla in der Bedtg. „Nagelkopf" in 
der Be<itg, als Grundwort anzusetzen, die Ableitung 
aus dem Deutschen ist aber lautlich u. sachlich 
weit annehmbarer, vgl. Mackel 24. 

1646) dtsch. (schwäbisch) bunte, Spund(loch); 
davon viell. frz. bonde, Zapfen, falls das Wort 
nicht mit dem Stamme hold- (s. d.) zusammenhängt. 
Vgl. Dz 528 .■>-. V., Kluge unter „Spund". — Frz. 
hondieu, Keil, ist volksetymologischo Umgestaltung 
des pic. bondeau v. bonde, vgl. Fafs, RF 111 498. 

1647) altnordl. ahd. ags. bür, Haus; davon norm. 
6m)-, Wohnung, wovon altfrz. buron, buiron, Hütte, 
nfrz, buron, Käsehütto (in der Auvorgne), vgl. Dz 
536 bur; Mackel 19; Pogatscher, Z Xll 555. 

1648) bürä, -ae /'. (neben Imrra), grober Zeug-, 
Wollstoff; ital. (nur in Ableitungen erhalten:) 
buratto dünnes, wollenes Zeug, Mehlbeutel (davon 
burnttare, das Mehl sieben), burattello dsgl., burello, 
grobes Tuch, burella, finsterer Kerker (wegen des 
Bedeutungsüberganges s. hureus); altfrz. bure, 
groberWollstoff, dazu das Demin. btirel, eine wollene 
Decke, dann ein mit solcher bedeckter Tisch, daher 
nfrz. bureau, Schreibtisch, Schreib-, Amtszimmer; 
ptg. burel, grobes Zeug, Sack. Vgl. Dz 74 hujo; 
Gröber, ALL 1 253: vgl. Canello, AG 111 350. S. 
auch unten bfirra u. bureus, bnrins. 

1649) arab. büraq, Borax, borsaures Natron (vgl. 
Freytag 1 llli^); davon ital. borrace; frz. borox 
etc., vgl. Dz 60 borrace. 

1650) [burbalia (PI. n. ?) , Eingeweide (Gloss. 
Isid.), scheint mit frz. brouailles , Eingeweide der 
Fische u. Vögel in Zusammenhang zu stehen, vgl. 
Dz 534 s. V., 8. auch No 1525.] 

1651) [*bureula f., -us in. ist das vorauszusetzende 
Stammwort zu ital. burchio, -a, bedeckter Nachen 
mit Rudern: altspan. burcho, eine Art Nachen, 
vgl. Dz 361 burchia.] 

1652) biirdo, -Diiem m. u. biirdus, -um »i., Maul- 
tier (vgl. Isid. 12, 1, 60; burdo findet sich z. B. 
b. Ulp. Djg. 32, 49 pr., burduis b. Acron. Hör. 

i carm. 3, 27, 7); ital. [burdus = bordo fehlt dem 
Schriftital. , jedoch sardisch ist burdu , Bastard, 
Nebenschöfsling vorhanden), bordone, langer Pilger- 
stab (sogenannt, weil er dem Pilger ähnliche Dienste 
leistet wie ein Maultier, indem er ihn stützt u. also 
gleichsam trägt ; vermutlich ist auch bordone, Bafs, 
dasselbe Wort, obwohl freilich die Bedeutuiigsent- 
\ Wickelung recht unklar ist, vgl. darüber Dz 59 den 
, zweiten Artikel bordone). Die im Ital. vorhandene 
! Bedeutungsscheidung zwischen burdus und burdo 
kehrt auch in den übrigen Sprachen wieder; prov. 
bort-z, bordon-s; altfrz. borde, bourt u. (auch nfrz.) 
bourdon; span. borde \i. bordon; ptg. nur bordCio. 
1 Vgl. Dz 59 borde u. bordone; Gröber, ALL 1 253; 
Caix, St. 8. 

1653) *bureu8 oder *büriBs, a, um, neben und 
für *bürÜ8, a, um (statt bürrua), feuer-, scharlach- 
rot (Paul, ex Fest. 36, 12); ital. bujo, dunkel 

12 



179 



1654) burg- 



1664) *bü8cu8 



180 



(daraus erklärt sich die Bedtg. von burella, dunkler 
Kerker), vgl. Flechia, AG II 330; prov. burel, 
braunrot; frz. buret, Purpurschnecke; span. huriel, 
braunrötlich (auch: grobwollenes Zeug). Nicht hierher 
gehören (vgl. No 1648) itaLöuratJo (vgl. prov. baru- 
tel-s), wollenes Zeug, Mehlbeutel; prov. burel, grobes, 
wollenes Zeug; altfrz. bure, grobes, wollenes Zeug, 
dazu das Demin. burel, wovon neufrz. bureau 
(wollene Decke), Tisch mit wollener Decke, Schreib- 
tisch , Schreibstube, (über altfrz. buretel, Mehl- 
heutel, neufrz. bluteau, blutoir, Mehlsieb, bluter, 
sieben vgl. Dz 527 bluter u. oben No 1631): (span. 
buriel; ptg. burel). Vgl. Dz 74 bujo, Gröber, ALL 
I 253. 

1654) germ. burg-, Burg (lat. burgus, findet sich 
z. B. b. Vegetius, s. Georges s. v.); ital. borgo, 
kleine Stadt, davon borg{h)ese; prov. borc-s (mit 
off. o), davon borgues; altfrz. bore (mit off. o), 
nfrz. bourg, davon bourgeois; span. ptg. burgo, 
dav. ptg. burguez. Vgl. Dz ö9 borgo; Mackel 20. 

1655) ahd. burian, erheben. = ob er ital. 6or!(r) 
Wild aufjagen, vgl. Meyer-L., Z XX 529. 

1656) büris, -im /'., Krummholz am Pfluge; 
ital. bure, mail. bürett; piem. bü, abü; val- 
tell. buräla; sard. biiri. Vgl. Meyer-L., Z. f. ö. 
G. 1892 p. 767; Salvioni, Post. 5. 

1657) bfirrä, -am f. , zottiges Gewand (Anthol. 
lat. 390, 5 [385, 5]), PI. burrae, läppisches Zeug, 
Possen (Auson. praef. ad Lat. Pacat. 5): ital. borra, 
Scheerwolle , borre , Possen , von borra abgeleitet 
borrace,borraggiue, borrana, Korretsch (eine Pflanze, 
borrago L., sogenannt wegen der haarigen Be- 
schaffenheit der Blätter), ferner borraccia (aus 
haarigem Fell gefertigter) Weinschlaueh ; zu borra 
das Vb. {ab)borrare, mit Wolle ausstopfen; rum. 
borantzä, Borretsch; prov. borra, Scheerwolle, bor- 
rage-s, Borretsch, borrds, grobes Tuch (auch frz. 
bourras); frz. bourre, Scheerwolle, dazu das Vb. 
bourrer, (mit Wolle) stopfen; span. borra, borro, 
Scheerwolle, Wolle, aufserdem : junges Schaf (auch 
borrego), endlich: (Flocken, nichtsnutziges Zeug) 
sinnlose Worte, dummes Geschmiere, an die letztere 
Bedtg. schliefst sich an das Vb. borrar, sudeln, 
klecksen, dazu wieder das Sbst. borron, Tintenklecks; 
borraja, Borretsch; ptg. borrar, sudeln, borräo, 
Klecks, borragem, Borretsch. Vgl. Dz 60 borra u. 
borraggine : Gröber, ALL I 254 u. Mise. 44 (an 
letzterem Orte verteidigt G. die Diez'sche Ableitung 
von borraggine); Baist, Z V 239 (B. will auch 
boriijo, burujo, ortijo, Trester der Traube, u. sogar 
goruUotn), Klumpen, u. a. mit borra in Zusammen- 
hang bringen, vgl. dagegen Parodi, E XVII 56, wo 
*oolueuJum (v. volvere) als Grundwort aufgestellt 
wird). 

1658) *burrülä, -am f., Flocke, ein Ding ohne 
Wert, Kleinigkeit, Lappalie, Posse; ital. burla (man 
sollte borla erwarten) Posse, dazu dasVb. burlare, 
scherzen, u. da,s Ailj. burlesco, scherzhaft, komisch; 
sard. burrula, burla {borla, Troddel); altpr. bur- 
laire, Spötter; nouprov. bourlo , Posse; altfrz. 
bole, Betrug, boler, betrügen (dio Zugehörigkeit der 
Worte z. dieser Sippe ist jedoch zweifelhaft, es ist 
jedoch auch bourle, bourler vorhanden; nfrz. 
burleaque ist selbstredend Lehnwort aus dem Ital.) ; 
span. ptg. burla, Posse, dazu das Vb. burlar, 
span. auch borla, Troddel. Vgl. Dz 74 burla, 
Gröber, ALL I 254. — Pascal, Studj di fil. rom. 
VII 92, erblickt in burla das Vbsbst. zu tose. 
burlare. altital. barullare (= *bar-rotulare), ro- 
tolare, gettar via. Man darf indessen wohl an 



\*burrala festhalten, bezw. annehmen, dafs neben 
*burrula ein *bürula, welches an das Adj. bürus 
sich anlehnte, bestanden habe. 

1659) *bürTU8 u. *bürricüs, -um m. (für bür- 
ricus), kleines fuchsrotes Pferd (eigentlich vermut- 
lich: zottiges, häfsliches Pferd) ; ital. fcncco, Esel: 
a^an. borrico; ptg. burrico; frz. bourrique. 

1660) *bfirsä, -am (eigentl. Byrna, die Burg von 
Carthago), Versammlungsort der Kaufleute, Börse, 
Geldtasche; ital. borsa (dazu borsiglio); sard. 
busala; rum. boa.^ä: rtr. buorsa; prov. bossn; 
altfrz. borse; nfrz. bour.se; cat. bossa; span. 
ptg. bülsa (dazu span. bolsillo). Vgl. Dz 61 
borsa; Gröber, ALL 1254. (Es mufs dahingestellt 
bleiben, ob die romanische u. überhaupt die moderne 
Bedtg. des Wortes sich aus dem Eigennamen Byrsa 
oder aus dem ursprünglichen Appellativ gr. ßv(iaa, 
Leder, Fell, entwickelt hat, doch ist das erstere 
wahrscheinlicher.) Über entlegene ital. Ableitungen 
vgl. Caix, St. 216 u. 222. 

1661) altdtsch. *bnrstja (zusammenhängend mit 
mhd. nhd. börste), Bürste; ital. brustia (das üb- 
liche Wort für „Bürste" ist aber spazzola); span. 
bruza; (prov. brossa, altfrz. broce, nfr i. brosse, 
span. broza gehen auf den keltischen Stamm briixn- 
[s. d.] zurück). Ygl Dz 70 broza; Th. 61 ; Mackel 24: 
Baist, Z V 562; s. oben bruxn-. 

Stamm *busc s. *biisetts. 

1662) [gleichsam *büsea (für *büsca, a. buscus, 
wohl mit Anlehnung an bürere, büstum brennen), 
Holz, Holzscheit (?); ital. (mundartlich, z. B. 
lombardisch) buica Splitter (dazu das Dem. *hu.sculo, 
brusculo „pagliazza, fuscello" u. das gleichbed. 
buschetta, brusclietta, vgl. Caix, St. 228); altfrz. 
buisse u. busche; neufrz. buche, Scheit, dav. ab- 
gel. Vb. biccher, behauen, u. Sbst. bücher, Scheiter- 
haufen. Vgl. Dz 74 busca u. dazu Schelcr's Be- 
merkung im Anhang 716; Storm, RV 170; Bugge 
ebenda in der Anm. (Bugge stellt ein *buxica als 
Grundwort auf; vgl. Mackel p. 34.)J VgL No 1673. 

*buscida s. unten buxida. 

1663) [gleichsam *bilsco u. *büsco, -äre (vom St. 
busc, Holz, Wald), im Holz, Wald umherstöbern, 
-spüren, birschen, suchen; ital. buscare (auf der 
Jagd) erbeuten, erhaschen; altfrz. embuissie.r u. 
embuschier ; neufrz. embücher, ein Wild in sein 
Lager treiben, in den Hinterhalt legen, (daneben 
ursprüngl. pic. eiiibusquer in einen Hinterhalt, auf 
die Lauer legen); span. ptg. buscar. Vgl. Dz 61 
bosco u. 75 buscare; Storm, R V 169; Mackel p. 34, 
wo ohne hinlänglichen Grund got. *busks als Grund- 
wort vermutet wird.] 

1664) [gleichsam *buscus, -um /»., Gehölz, 
Busch, Wald (vom Stamme *busc, dessen Ursprung 
dunkel ist: lat.-griech. büxus nvqog palst lautlich 
wenig u. begrifflich schlecht; an german. Herkunft 
ist nicht zu denken, das deutsche Busch u. dgl. 
ist vielmehr erst dem Romanischen entlehnt, vgl. 
Goldschmidt, R XVII 290, Kluge, Etym. Wtb. .s. v. 
Busch; ein *buxicum, welches Goldschmidt in der 
Festsclirift für Tobler p. 166 aufstellt, ist eine ganz 
unwahrscheinliche Bildung); i tal. ^«wco Wald, dazu 
das Uem.bosclietto u. das Vb. imboscare; rtr. bösch, 
bOschg etc., vgl. Ascoli, AG III 186 oben u. Anm., 
Gärtner § 101; prov. bosc-s (mit off. o), das Vb. 
buscalhar, Reisig sammeln, gehört zu büsco (s. d.) ; 
neuprov. das Verb bouissa, kehren, wozu das 
Comp, grato-bouisso, frz. gratte-boesse, eine Art 
Bürste, vgl. Thomas, R XXVI 429; iri.bois, dav. 
bosquet, bouquet, boschet, altfrz. boschaille (daraus 



I 



181 



1665) büstar 



1674) büxidä 



182 



ital. hoscaglia), bocage (Lehnwort aus dem Span.); 
span. hosen, dav. boseaje, ptg. hoscage{m). Vgl. 
Dz 61 hosco; Storni V 169 (stellt 6iw;«s als Grund- 
wort auf); Canello, Riv. di fil. roni. II 111 (stellt 
ßöayog als (Jrundwort auf) ; Mackel p. 34 ; Meyer- 
L., Rom. Gr. I p. 139.] Die Wortsippe benötigt noch 
einer eingehenden Untersuchung. Lateinischer Ur- 
sprung dürfte zweifellos sein. Vermutlich ist *hnsciis 
abzuteilen in büs-cus (vgl. musca = nius-ca, s. Stolz, 
Lat. Gr. I p. 516 f.), viell. ist büscus aus büst-cus 
entstanden, u. « volksetymologisch gekürzt, wie in 
büstar. S. auch No 1675. 

1665) Mstar, ursprünglich wohl==6Mstar, Leichen - 
brandstätte (Charis. 38, 19), dann volksetymologisch 
als aus liov- -+- stare zusammengesetzt betrachtet 
u. 80 zu der Bedeutung „Ochsenstall" gelangend 
(bostar, locus uhi stant hovcs. Gloss. Isid.); span. 
bostar, ptg. bostal, Ochsenstall. Vgl. Dz 433 
bostan Gröber, ALL I 254. S. No 1519. 

1666) büstuni «.. Leichenbrandstätte, Grabmal 
(in letzterer Bedtg. b. Cicero, CatuU, Virgil u. a., 
s. Georges». ».); davon wahrscheinlich (vgl. d'Ovidio 
in Gröber's Grundrifs I 515) ital. buslo, (eigentl. 
das auf dem Grabmale aufgestellte Bruststandbild 
des Verstorbenen), Büste; ]>rov.bust-z; (rz. huste; 
span. ptg. husto. Dz 75 biisto verwarf die Her- 
leitung von hustum, weil der Bogriff dagegen streite 
(Dz fafste aber hustum nur in der Bedtg. als „ver- 
brannter Leichnam" auf), u. dachte an Ableitung 
von buxida, pijxida. 

1667) büteo, -önem m., eine Palkenart, der 
Busaar (das Wort findet sich z. B. b. Plin. N. H. 10, 
21 u. 135); ital. (nur in der Abltg. bozzago, abuz- 
zago, eine Geierai't): prov. buzac-s; bürg, büzö; 
frz. huison, davon huse , davon abgeleitet busart. 
Vgl. Dz 536 buse; Horning, Ztschr. f. neufrz. Spr. 
u. Litt. X 245. 

1668) bütio, -önem m., Rohrdommel (Anthol. 
lat. 762, 42 [233, 42]) ; auf bütio scheint der erste 
Bestandteil des gleichbedeutenden frz. bntor (mit 
offenem o) zurückzugehen; neben biitor findet sich 
bimtor, das wohl wegen des Geschreies des Vogels 
an hritire angelehnt ist; abgeleitet von butor ist 
hutordcrie, Dummheit. Vgl. Tobler, Mise. 71. 

1669) *bütiruin n. (f. hütyrum, gr. ßovtv()ov ; 
das u in butirum ist lang, die Messung bütirtmi 
bei Venant. Fort., welcher Gröber, ALL VI 379, 
erwähnt, ist fehlerhaft, vgl. Mever-L. , Ltbl. f. 
germ. u. rom. Phil. 1892 Sp. 71 , 'ital. Gr. § 16), 
Butter; ital. burro, hutirro; (sard. butirit, also 
die .schriftlat. Form erhaltend); prov. buire-s (neu- 
prov. hurre); altfrz. bur(r)e: nfrz. heurre (mit 
befremdlichem Vokal); (das span. ptg. Wort für 
„Butter" ist manteca , manteica). Vgl. Gröber, 
ALL I 254; Canello, AG III 311. 

1670) altn. bütr, Holzklotz, abgestumpftes Ding; 
davon vielleicht frz. biit, Ziel, Zweck (die ursprüng- 
liche Bedtg. kann gewesen sein : Erd- oder Stein- 
haufen, der als Zielpunkt beim Wettlaufen u. dgl. 
benutzt wurde), butte, Erdhaufen, Zusammensetzung 
dehut; hut[t)er, stofsen, gehört wohl zu bötan, ist 
aber an hut angeglichen. Vgl. Dz 62 bozza ; Mackel 23. 

1671) Stamm butt-; auf einen substantivischen 
Stamm hütt-, der vielleicht aus dem Griechischen 
(vgl. ßovzig, jivriq, Kübel, Flasche) in das Volks- 
latein übernommen ward u. eine grofse romanische 
Wortsippe zur Bezeichnung gröfserer Gefäfse (Butte, 
Kübel u. dgl.) erzeugte, gehen zurück: ital. botte 
u. botta, dazu die Demin. bottina, kleines Fafs, 
hottiglia (= frz. houteille) Flasche (das übliche 



[Wort für „Flasche" ist jedoch fiasco) ; rtr. bot; 

rura. botii, butä: prov. bota; altfrz. böte (mit 

offenem u. mit geschl. o), bedeutet auch „Möncbs- 

stiefel"; nfrz. honte (davon abgel. fiouto'He). hotte, 

j Sehlauch, Kübel, Stiefel Qiotte in den Bedeutungen 

! „Schlag" u. ,, Klumpen" gehört zu bötan, w. m. s , 

bezüglich der Bedtg. denke man an beaucoup, 

eigentl. „schöner Schlag", dann „viel"; wegen botte, 

Kröte, s. ebenfalls bötan): cat. span. ptg. bota 

(Demin. botella, botelha). Vgl. Dz 62 botte; Gröber, 

ALL I 254; d'Ovidio AG XIH 424; Mackel 23; 

Kluge unter „Bütte" (K. hält die betr. gernian. 

Wortsippe für aus dem Roman, entlehnt). 

bütyrüm s. *bütirüm. 

1672) mhd. butze, Klumpen; davon ital. huzzo, 
Bauch. — Nicht unmittelbar mit blitze, aber wohl 
mit dem Vb. bötan (ahd. hö^an), auf welches btttze 
zurückgeht, steht anscheinend in etymologischem 
Zusammenhange die Wortsippe: ital. bozza , Ge- 
schwulst, Beule, auch: grob bearbeiteter Stein, dazu 
das Vb. (ab)hozzare, im Groben arbeiten, skizzieren, 
wovon wieder hozzo (wenn dasselbe nicht ebenso 
Primitiv ist, wie das ungefähr gleichbedeutende 
bozza); vielleicht Scheideform zu bozza ist hoccia, 
Knospe; prov. hossa (mit off. o). Beule; altfrz. 
hoce (mit off. o), nfrz. hosse. Beule, Buckel, davon 
das Adj. bossu, bucklich ; span. hocha, hölzerne 
Kugel; (es)hozo, Roharbeit; ptg. hocliecha, dicke 
Backe, (es)boQar, im Rohen arbeiten. Die Grund- 
bedeutung der Worte scheint zu sein „durch Stofsen 
hervorgebrachte Schwellung". Vgl. Dz 62 bozza 
u. 64 botta, wo auch frz. {piet) bot, Klumpfufs, 
span. boto, stumpf mit mhd. fcö^cn in Zusammen- 
hang gebracht werden; Mackel 23. 

1673) *buxä (Feminin zu hiixus oder *büsca, Fem. 
zu *buseus?). Davon vielleicht ital. (dialektisch, 
z. B. lomb.) husca, Splitter, sicil. vusea; Deminutiv- 
bildungen zu busca sind*6«scoZo, 6rjtscttZo„pagliazza, 
fuscello" u. das gleichbedeutende buschetta. brus- 
ehetta, vgl. Caix, St. 228; altfrz. buisse u, husche; 
nfrz. buche, Scheit, davon abgeleitet büeher Vb. 
behauen, Sbst. Holzstall, Scheiterhaufen ; c.a.t.hiisca, 
brusca, Rute, Gerte. Das u (statt o) erklärt sich 
vielleicht aus begrifflicher Anlehnung an bru(s)ciare, 
brider, brennen. Vgl. Dz 74 busca u. dazu Scheler's 
Bemerkung im Anhang 716; Storni, R V 170; 
Bugge, ebenda in der Anmerkung (B. stellt ein 
*buxica als Grundwort auf); Mackel 34. 

1674) *büxidä (f. pyxida = gr. nv^löa v. nv^ig, 
die lautliche Umwandlung vielleicht durch begriff- 
liche Anlehnung an das ohnehin stammverwandte 
buxus veranlafst), daraus *bttxta = *bu[c]8ta = 
bosta (ist in einer Glosse belegt, vgl. Landgraf, 
ALL IX 414), Büchse, Schachtel; ital. [pisside, 
gelehrtes Wort, mit der Bedtg. „heiliges Gefäfs" 
u.] busta, Schachtel, vgl. Canello, AG HI 327; 
aufserdem mit Suffixvertauschung (u. wohl auch 
mit Einmischung von hosso = büxus, worüber zu 
vgl. Ascoli, AG II 408) bussola, bussilo, bossolo, 
Kästchen für die Magnetnadel, Kompafs, vgl. Caix, 
St. 17; prov. bostia (brostia, hrustia), boissa; frz. 
boite, Büchse, auch: Pfanne eines Gelenkes, davon 
deboiter, ein Gelenk entpfannen. verrenken, boiteux, 
lahm; abgeleitet von altfrz. boiste ist vielleicht 
hoisseau, Scheffel; boussole, Kompafs (aus dem 
Ital. entlehnt); span. hojeta, Schachtel, hrüjitla 
(aus dem Ital.), Kompafs; (ptg. boeta, aus dem 
Frz. entlehnt, vgl. C. Michaelis, Frg. Et. p. 6). 
Vgl. Dz 61 bosso u. 527 boite; Storm, R V 169; 
Caix 17 u. 97 (hier fügt Caix noch bei ital. botola, 

12* 



183 



1675) hnxnn 



1688) cäco 



184 



Schachtel, husta, Etui, Couvert, bustello, ein Mafs, 
= frz. boisseau). 
*bflxo 8. *bfl8co. 

1675) bnxus, -um f. u. (seltener) buxnm n. (ftr. 
nv^og), *bflsc-, Buchsbanm[holz] ; ital. bosso, 
Buchsbaum; prov. bois (?), frz. buis, span. boj, 
ptg. buxo. Von Storm, R V 169, wurde btixus 
als Grundwort zu der Sippe ital. bosco, frz. bois 
etc. aufgestellt, was aber lautliche Bedenken gegen 
sich hat (buxus konnte ital. nur bosso ergeben) u. 
auch begrifflich nicht recht pafst. Aber allerdings 
scheinen Kreuzungen zwischen bux'is u. *buscus 
stattgefunden zu haben, denn Bildungen, wie ital. 
bitscione Gebüsch, prov. boisson, frz. buisson 
lassen sich nicht wohl anders erklären. Vgl. Dz 61 
boscu u. bosso; Storm, R V 169 (es ist Storm 
nicht gelungen, buxus mit überzeugenden Gründen 
als Stammwort der ganzen grofsen Sippe nach- 
zuweisen, namentl. nicht mit Rücksicht auf die 
Bedeutungsentwickelung, vgl. auch Meyer -L., 
Gramm. I p. 139): Canello, Riv. di fil. rem II 111 
(C. ist geneigt, in dem gr. ßöaxoQ, Weide, das 
Grundwort zu ital. bosco u. dgl. zu erblicken);! 
Mackel 34 (M. erklärt, die frz. prov. Wörter nicht 
deuten zu können) ; Kluge unter „Busch". S. oben 
*buscus. 

1676) altn. bytin, Beute, Tausch; davon ital. 
bottino, Beute (das o der ersten Silbe scheint auf 
Entlehnung des Wortes aus dem Frz. zu deuten [?], 
vgl. Mackel 112); frz. butin; span. botin. Vgl. 
Dz 62 bottino; Storm, R V 168; Mackel 112. 

1677) byzaiitius, -um (v. Bi/zantium), eine by- 
zantinische Müuze; ital. bisaitte, Pfennig; prov. 
bezan-z; altfrz. besant; span. ptg. besante. 



c. 

(Die unter c fehlenden Worte sehe man unter K.) 

1678) cibällä, -am f., Stute (Änthol. lat. 148, 7 
[961, 7]); ital. cavalla: frz. cavale (dichterisches 
Wort, in der gewöhnlichen Sprache sagt ma.njument) ; 
span. caballa, Name eines Fisches, ist vermutlich 
dasselbe Wort, Übertragung der Namen von Säuge- 
tieren auf Fische ist ja nicht selten. 

1679) cäbSlIäriiis , -um m., ein Pferdewärter, 
Pferdeknecht (v. caballus); ital. cavallaro „stafetta, 
e chi guida cavalli" cavallajo (flor.) „chi mercau- 
teggia di cavalli"'; cavaliero (die Vereinfachung des 
l beruht auf Anlehnung an das Frz.) ,,chi monta o 
combattc a cavallo", cavaliere ,, cavaliero, e chi 
appartiene a un ordine cavallaresco, gentiluomo", 
vgl. Canello, AG in 304; rum. cälare, Adj. u. Adv., 
beritten, rittlings, vgl. Ch. cal: prov. cavallier-s, 
cavayer-s; frz. Chevalier, cavalier (aus dem Ital.); 
span. Caballero; ptg. cahalleiro. Die Bedtg. des 
Wortes ist überall zu „Reiter, Ritter, Edelmann" 
veredelt worden. 

1680) [gleichs. *cabällettfis, -um m. (v. caballus), 
kleines Pferd; ii&X. cavalletto ; frz. chevalet, Book, 
(ierüst, Staffelei (ital. auch cacalletta, Heupferd).] 

1681) eSbällico, -äre (v. caballus), reiten (An- 
thim. praef. 67, 2R); ital. cavalcare; ruai.{in)calic 
ai at a, daneben cäläresc ü it i; prov. cnvalear, 
cavalfjuar; frz. chevaucher (jetzt nur in derDichtor- 
sprache üblich, der gewöhnliche Ausdruck für „reiten" 
ist monier, aller ä cheval); span. cabalyar; ptg. 
cavalgar (auch im Span. u. Ptg. ist das Vb. aus 
der Umgangssprache durch andar, montar a eaballo 
verdrängt worden). Vgl. Dz 93 cavallo. 



1682) caballus, -um m. (Dem. z. caho, Wallach ; 
vgl. ALL VII 316; Meyer-L., Z XXII 5, bestreitet 
die Annahme, dafs caballus im Latein ein galli- 
sches Lehnwort sei); Gaul, Klepper, in der Volks- 
sprache Pferd überhaupt; ital. cavallo; rum. cal, 
PI. cai; rtr. havdl etc. s. Gärtner § 200; prov. 
caval-s, cavalh-s; frz. cheval (dazu die wunder- 
liche Zusammensetzung chevau-eger, worüber zu 
vgl. Darmesteter p. 108); cat. caball; span. ea- 
ballo; ptg. cavallo. Dazu überall zahlreiche Ab- 
leitungen, z. B. ital. cavalleria, Reiterei, frz. 
chevalerie u. cavalerie (letzteres aus dem Ital., 
aber mit Vereinfachung des l nach Analogie von 
cheval-erie) etc. Vgl. Dz 93 cavallo. 

1683) cSbannS, -am f., Hütte (Isid. 15, 2, 2, wo 
capanna geschrieben ist der Ableitung von capio 
zuliebe); itaL capanna, Hütten, Schuppen, cabina 
„stanzina d'un bastimento", capanno, Hütte für 
Vogelsteller, [hierher gehören auch die Demi- 
nutive gabinetto u. gabbanetto. vgl. Canello, AG 
III 315; dazu die Ableitung s^a?;M.£;^mo „stanzuccia, 
bugigattolo", vgl Caix, St. 560]; vielleicht gehört 
hierher auch ital. gabbdno (altfrz. .span. gaban) 
Regenmantel, denn der umhüllende, schützende Man- 
tel kann als Hütte aufgefafst werden, vgl. Dz 150 
i'. V.; rtr. kyamanna (?), vgl. Meyer-L., Z. f ö. 
G. 1891 p. 767; obwald. camonmi, engad. cha- 
manna, vgl. Salvioni, Z XXII 467; prov. cabana; 
frz. cabane, cabine, cabinet, cambuse (sämtlich 
Lehnworte); span. cabana, gabinete; ptg. cabana. 
Vgl. Dz 85 capanna; Th. 53 (der von Dz vermutete 
kelt. Ursprung des Wortes wird verneint). 

1684) bret. eacadd, aussätzig; davon vielleicht 
frz. cagot, scheinheilig („la signification moderne a 
pu s'etre produite sous l'influence de bigot" Scheler 
im Dict. .s. v.); gewöhnlich wird das Wort als zu- 
sammengesetzt aus prov. ca (= canis) + Got, also 
,, Gotenhund", erklärt mit Bezugnahme darauf, dafs 
die Westgoten als Arianer den katholischen Süd- 
franzosen vorhafst gewesen seien, vgl. Dz 537 s. v. 

1685) *cäccäbellfi$ , -um m. (Demin. zu cacca- 
bus), eigentlich kleiner Tiegel , Pfanne, Schädel ; 
altfrz. c{Ji)acheml, Schädel. Vgl. Coruu, R XI 109; 
Gröber, ALL I 539. 

1686) cäccabüs u. "'cäccSIug, -um m., Kachel 
(ahd. chahhala), Tiegel, Pfanne (z. B. Varro LIj V 
127); abruzz. käkkame (auch südital.). vgl. Z XV 
242 u. Z. f. ö. G. 1891 p. 767; tarent. kälckalo, 
kükkaro; span. cacho; ptg. caco, Scherbe, davon 
abgeleitet cacliimonia , Schädel (vgl. C. Michaelis, 
Mise. 122 Anm. 1), vgl. Dz 435; Gröber, ALL I 
539. 

1687) *cächeeticus, a, am (v. griech. xaxs^la), 
schwindsüchtig; ital. cacÄeMico (gel. Wort), daraus 
durch volkstümliche Umbildung scachicchio „debole, 
infermiccio", vgl. Caix, St. 511. 

1688) cäeo, -äre, kacken; itah cacare, davon 
abgeleitet squaccherare „avcr flusso di ventre, pale- 
sare senza bisogno le cose che si saimo", schicckcrare 
,,imbrattar fogli", vgl. Caix, St. 528; rum. cac, 
ai, at, a; rtr. chigar etc., vgl. Ascoli, AG I 144 
No 165; prov. catjar; frz. chier , vgl. G. Paris, 
R IV 123 Anm. 4; Cornu, R VH 354; Herrig's 
Archiv LXXVIII 422; span. cagar; damit viel- 
leicht zusammenhängend das Sbst. cazcarria 
(Schmutz, der sich unten an die Kleider ansetzt), 
wenn es aus cac« -{■ zacarria (vgl. ital. zaccaro, 
floront. zacehera, angespritzter Schmutz) entstanden 
ist, vgl. Storm, R V 175: ptg. cagar. 



185 



1689) cäctüs 



1713) naesiüs 



186 



1689) eSetfig, -um m. (gr. xäxtoi;), Kardenarti- 

schocke; davon (?) ital cacchioni „spuntori delle 
(iriine penne", vgl. Caix, St. 244. 

1690) [fjlcichs. *c8dentiä (v. cado), das Fallen, 
die Art, wie etwas fällt, günstiger Fall, guter Ton- 
fall, Glücksfall, gutes Benehmen; ital. cadenza, 
Tonfall; rum. cäden^ä. Anstand; frz. clieance, 
Chance, Glünksfall, davon chan^ard, Glückskind: 
Span. ptg. cadencia, Tonfall.J 

[=^esditä s. cädo.] 

1691) [*cädl¥us, a, um (v. cndere, vgl. Bihlungen 
vfie 2)e>isif, restif) = altfrz. cha'if; über ein etwa 
im Altfrz. vorhanden gewesenes rechaiver ,, rück- 
fällig werden" vgl. G. Paris, K XXV 622 (gegen 
Tobler, Sitzungsb. der Berl. Akad. d. Wiss.. phil.- 
hist. Cl., 23. Juli 1896 p. 855)]. 

1692) [eadmeS, cadmiä, cadmiä, -am /'. (griech. 
xad/teia, xadixla], Galraei; davon abgeleitet ital. 
calaminaria, kieselhaltiger Zink; frz. calamine ; 
span. ptg. calamina, vgl. Dz 77 calainiiiaria.] 

1693) cado, cecidi, casum, cädere (volkslat. 
*cädere), fallen; ital. endo (u. cayyio = *eadin), 
caddi (u. cadetti, cadei), caxo, cadere; rum. cad, 
cäztii, cäzut, cade: rtr. Gärtner führt von dem Vb. 
nur das Pt. P. txet (mit offenem e) an, § 148; 
prov. cliatz chai (3 P. Pr.), chazec (3 P. Pf.), 
chazefjut chazer; frz. altfrz. chiet (3 P. Pr.) chu-s 
diu chcoir (nfrz. ist das Vb. sonst nur in vereinzelten 
Formen noch gebräuchlich); altfrz. Pt. Pr. cheans, 
Glück (Chance) habend, dav. das Korapos. meiicheans, 
unglücklich, elend, nfrz. mechant, schlecht, böse, da- 
gegen chariQard, Glückskind; neucat. caych cayyui 
caygut cüurer, vgl. Vogel p. 119; span. caigo cai 
caido cacr; ptg. caio cahi caido (das Fem. caida 
= queda wird als Sbst.~ gebraucht in der Bedtg. 
„Fall", ebenso span. caida, ital. cadttta) cahir 
(altptg. caer). Nur also das Cat. hat den schrift- 
lat. starken Inf. cadere übernommen , sonst ist 
überall das schwache cadere eingetreten. Vgl. Gröber, 
ALL I 539, VI 379. 

1694) cadücus, a, um {v.cado), hinfällig; ital. 
caduco (gel. W.) ,,che cade, che presto finisee" u. 
caluco „mcschino" vgl. Canello, AG III 387; nicht 
aber gehört hierher, obwohl Uiez es annahm, prov. 
caluc, kurzsichtig, über die Ableitung dos Wortes 
vgl. Groene, C vor A im Frz. (Strafsburg 1888) 
p. 91, u. Gröber im Nachtrag zu No 1458 der 
ersten Ausg. des Lat.-rom. Wtb's, so recht über- 
zeugend ist freilich die dort vorgetragene Etymo- 
logie nicht. 'Vgl. üz 362 caluco u. 539 cahic. 

calautica s. calopodia u. calyptra. 

1695) Cädurci, -o%m., eine gallische Völkerschaft 
in .\quitanien; davon prov. caorci-s odor chaorci-ts, 
Einwohner von Cahors, davon wieder chaorcin-s (in 
Cahors ansässiger italienischer Kaufmann , Geld- 
wechsler), Wucherer (vgl. Dante, Inf. 11, 49). Vgl. 
Dz 542 ckaorcin, Ducange .v. v. cadurcinuts. 

1696) cadfls, -um m. , Krug; neapol. cäto 
secchia , vgl. Salvioni , Post. 5. Das Wort fehlt 
sonst im Roman., dagegen ist es in den slavischen 
Sprachen weit verbreitet u. auch in das Magya- 
rische, Neugricch. u. von da in das Rumän. (cadä) 
übergegangen. 

1697) caeca, -am /'. (Fem. des Adj.'s caeei«.s) = 
picm. cea, Nebel, vgl. obvvald. tschiera, vgl. Sal- 
vioni, Z XXII 467, u. Post. 5 cairiin. 

1698) [gli'ichs. *caecarilia, -am /'., ein der Blind- 
schleiche ähnliches Tier; ist nach Nigra, AG XIV 
270, das Grundwort zu mail. cerkarsa Sala- 
mander. I 



j eaecigena s. eaecilia. 

1699) caeciIiS, -am, eine Eidechsenart; davon 

ital. cecilia, Runzelschlange, auch cecella (cicigna, 

Blindschleiche. = eaecigena); über mundartliche 

1 ital. Formen vgl. Salvioni, Post. 5: rtr. sisehja, 

\ vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. Vgl. Dz 

|365 cicigna. S. No 1698. Vgl. Nigra, AG XIV 

378 wo genues. seizella, siguella etc. angeführt 

wird (ebenda p. 270 wird canav. hüxiga, val- 

brezz. saMdja angeführt). 

j 1700) caecus, a, um, blind; ital. cicco; rtr. 
tschiec etc.; prov. eec (mit off. e); altfrz. cieit, 
ciu (nfr. ist das Wort durch aveugle = *abocidus 
[s. d.] völlig verdrängt); cat. cceh: span. ciego; 
ptg. cego. Vgl. Gröber, ALL I 539; Salvioni, 
Post. 5. 

1701) [caedo, -ere, hauen, schlagen; dav., bezw. 
V. caeca. nach Salvioni, Post. 5, vonoz. cie.ia, 
lorab. se.ki Zaun.J 

1702) *caeläta (seil, cassis), Helm in getriebener 
Arbeit; ital. cel'.tta, Pickel-, Sturmhaube, Helm; 
frz nalade; span. cclada. Vgl. [)z 95 celata; 
Canello. Riv. di fil. rom. II 111 (C. will celata von 
eelare herleiten u. vergleicht das dtsche Helm von 
helan, aber da *celata doch nur heifsen könnte 
,, verborgen" u. nicht ,, verbergend", so ist die Ab- 
leitung unannehmbar). 

1703) caelebs, -libis, unvermählt; ptg. ceibo, 
Hagestolz, Junggeselle, ledig, frei, ungebunden, davon 
vermutlich das Vb, ceibar, lösen, vgl. C. Michaelis, 
Mise. 122. 

1704) eaelestis, e (v. caelum), himmlisch; ital. 
Celeste u. (archaisch) celesto, himmlisch , cilestro 
„color di cielo", vgl. CanoUo, AG III 398; Bergers. f. 

1706) caelum w. , Himmel; ital. cielo; rtr. 
tschiel, vgl. Gärtner § 200; rum. der, Pl.ciururi, 
davon das Adj. cieresc = *caeliscus; prov. vd-s (mit 
off', e); frz del; cat. cel; span. delo; ptg. ceo. 
Vgl. Gröber, ALL I 539. 

1706) jcaementum n. (v. caedo), Bruch-, Mauer- 
stein: davon nach Mahn, Etym. Unters. 72, viell. 
ital. cimento. Versuch, Probe, indessen würde der 
Bedeutungsübergang kaum zu erklären sein ; an- 
nehmbarer ist die Ableitung bei Dz 365 n. v. civicnto 
^= *specimentum ; vielleicht darf man auch an Zu- 

i sammenhang mit dma denken; frz. cement.] 

1707) *caenicäle w. [v.caenum), Schmutzmasse; 
span. cenugal, Misthaufe, vgl. Storni, R V 178. 

1708) *caeiiicösus, a, um (v. caenum). schmutzig; 
span. ccnagoso, kotig, vgl. Storm, R V 178. 

1709) caenum «., Schmutz; span. cieiio; ptg. 
ceno, Kot, Schlamm, vgl. Gröber, ALL I 539. 

caepQla s. cepülla. 

1710) caereföliüm n. (gr. x«ip^^vkii.ov), Kerbel; 
ita.\. cerfoglio; frz. cerfeuil; span. cera/bZto. Vgl. 
Dz 96 cerfoglio. 

1711) caerSmönla, -am /., religiöser Gebrauch, 
ist als gelehrtes Wort in allen rom. Spr. erhalten 
(auch rum. Zeremonie, vgl. Gh. *■. v.); eine volks- 
tümliche Form hat nur das Ptg. gebildet: cera- 
munlui , Qarmunha , cirmonha, vgl. C. Michaelis, 
Mise. 121 Z. 1 V. u. im Texte. 

1712) caerfilefls, a, um (v. caelum), himmelblau; 
ital. span. ptg. ceruleo, himmelblau. 

1713) caesiüs, a, um, blaugrau; davon vielleicht 
prov. sais, .laissa, grau (das Wort findet sich z. B. 
b. Bartsch. Chrest. prov. 269, 1), vgl Dz 674 s. v., 
wo aber allerdings auch mit Recht bemerkt ist, 
dafs diese Ableitung lautliche Bedenken gegen sich 
bat. 



187 



1714) caespgs 



1725) cälät[h]1iB 



188 



1714) caespeSf-Ttem m., der ausgesohnitteno Rasen, 
oiu Easenstück, woraus sich, wie es scheint, volks- 
sprachlich die Bedtg. „Haufe von (ausgejätetem) 
Kraut, Krautwerk, Blattmasse" u. dgl. entwickelte; 
ital. cespite u. cespita ,,specie d'erba", vgl. Canello, 
ALL III 402, cespo, ein Stück Rasen, eine mit Ra- 
sen bewachsene Erdscholle, Gesträuch (auch cespite 
kann diese Bedeutungen haben); vermutlich gehört 
hierlier auch cesto, Büschel, gleichsam *caes[pi]t,iim 
f. caespitem ; r tr. tschischpad, tsehisp, vgl. Ascoli, 
AGG I 39 Z. 6 V. u. im Texte u. 188 Anm. 2; 
valsass. scesp>ed etc., Salvioni, Post. 6, vgl. Dz 
364 cespo. 

1715) *caespico u. caespito, -äre (v. cnespes), 
auf dem Rasen straucheln {caespitare ist bei Georges 
mit Glusn. belegt); ital. cespicare, stolpern; rum. 
ccspet, ai, at, a, straucheln, stürzen: altfrz. ce- 
ster; span. cenpitar, bei einer Handlung gleichsam 
straucheln, bedenklich sein, zaudern. 

1716) altir. cai, Weg, Strafse (ursprünglich wohl 
„Wall, Damm" bedeutend): davon vermutl. altfrz. 
cai/c, Sandbank, nfrz. quai, Damm; span. cayos 
(PL), Sandbänke, Riffe. Indessen kann das Wort 
sehr wohl auch germanischen Ursprungs sein, vgl. 
nicdcrdtsch. kaje , niederländ. kaai, schwed. kaj, 
dän. kai, ostfries. käi, kaje. Vgl. Dz 94 cayo; 
Th. 54. 

1717) [*cäjuin, -i n. =frz. chai, unterirdisches 
Gewölbe? viell. auch Scheideform zu kai, quai? 
oder mit cavuvi zusammenhängend '?] 

1718) Cäjus (meist Gäjus geschrieben); dieser 
Eigenname soll nach Baist, Z V 247, das Grund- 
wort sein zu ital. (/ajo , munter, lebhaft, bunt; 
|)rov. gai: frz. gai; altspan. (jayo ; ptg. <iaio, 
sowie zu dem Sbst. prov. gai-s, jai-ts Holzhäher, 
frz. geai (pic. gai), span. gayf> u. gaya, davon 
gayar, bunt machen; ptg. gaio. ,, Der Name (raju.s 

" sagt Baist a. a. 0. — spielte eine Rolle in den 
VermähluDgsgebräuehen : die Braut sagte zum 
Bräutigam : ^ubi tu Gajus, ego Gaja'. Daraus konnte 
sich leicht eine adjektivische Verwendung von gajus 
= „Hochzeiter, hochzeitlich" ergeben, daher „munter" 
u. „bunt", der Häber aber wäre der Bräutigamsvogel. 
(Galiz. gayol, auch gayo die Goldammer.)" [Z VII 
119 vermutet Baist dagegen, dafs der Vogelname 
gayo ein onomatopoietisches Wort sei.] So non e 
vero, e ben trovato! Wahr ist es aber schwerlich, 
u. G. Paris fragt, R XI 164, ganz mit Recht „tirer 
Ic mot du lat. Gajus .... n'est-ce pas se moquer 
un pcu des lecteurs?" Dz 151 gajo leitete die 
Wortsippe von ahd. gähi (Thema *gähja), rasch, 
kräftig (nhd. jäh) ab, u. Mackel 40 verteidigt diese 
Ableitung gegen die von Baist erhobenen Bedenken. 
Nichtsdestoweniger ist sie nicht recht überzeugend, 
wie denn auch Paris a. a. 0. sie verwirft, vgl. auch 
Mackel, p. 40, u. s. unten gfähl. Schwan, Altfrz. 
Gramm. 2. Ausg. § 199 Anm.. stellt als Grundwort 
auf ahd. wähi, schön, fein. 

1719) calämärius, a, am (v. calainus), zum 
Schreibrohr gehörig; ital. calamaji), Schreibzeug, 
calmiere, -o „tariffa de'comestibili. II passaggio 
ideologica e da calamus ^canna' a misura', indi 
tariffa", Canello, AG III 305; rum. cälämari f. ß., 
Tintenfafs; span. prov. calamar. 

1720) efilämellos, -um »;. (Demin. v. calamus), 
Röhrchen; [ital. cerameUa, cennamella, Schalmei, 
kann nur unter Voraussetzung starker volksetymo- 
logischer Umgestaltung oder aber entstellender Ent- 
lehnung aus frz. chalumeau als hierher gehörig 
betrachtet werden, vgl. Dz 364 s. v.]; rtr. dasVb. 



carmalar, cramalar, charmalar, mit der Pfeife 
rufen, locken, vgl. Ascoli, AG I 73 Anm. 1; prov. 
caramel-s ; frz. chalumeau, Schalmei; span. cara- 
millo, Rohrpfeife. Vgl. Dz 542 chalumeau; The 
Academy 1888 Vol. II 338. 

1721) efilamltes, -am m. (gr. xaXaftlttj? v. 
xttkaßoq), Ijaubfrosch {rana arborca L.) , scheint 
durch eine seltsame, aber nicht einzig dastehende 
Bedeutungsübertragung — Tiernamen werden ja 
zuweilen zur Bezeichnung von Werkzeugen u. Ge- 
räten gebraucht (vgl. im Deutschen „Bock, Hahn, 
Pferd" u. a., lat. z. B. equuleus) — zur romanischen 
Bezeichnung der „Magnetnadel" geworden zu sein, 
vielleicht unter Bezugnahme auf ihre Beweglichkeit, 
die naive Beobachter an das Hüpfen des Frosches 
erinnern konnte; ital. calamita ; prov. caramida; 
(ri.calamite; ent. caramida; span. ptg. calamita. 
Einheimisch kann das Wort nur im Ital., in den 
übrigen Sprachen mufs es Lehnwort sein. Vgl. Dz 77 
calamita. 

1722) calamus, -um m. (gr. xä/.a/xog), Rohr; 
ital. calamo „penna, dardo ecc", calmo „marza", 
vgl. Canello, AG III 329; frz. chaume, Stoppel, 
davon chaumiere , chaumine, Strohhütte; span. 
edlamo , Schalmei: ptg. calamo, Rohr, Schalmei. 
Vgl. Dz 545 clmume. 

1723) *cälandrä, -am f. (gr. xä/.avdpa, xä).av- 
d()og, volksetymologische Verballhornung aus xaQÜ- 
d(jiog, vgl. über die Geschichte dieser Worte die 
interessante Abhandlung von Sittl, ALL II 478), 
Regenpfeifer, im Roman. Kalenderlerche; sard. 
chilandra ; ital. prov. calandra (ital. auch ca- 
landro,calandrino) ; frz. calandre (Nebenform hierzu 
ist nach Tobler u. Cohn, Sufflxw. 83 Anm., calande 
Maschine zum Heben der Steine in den Steinbrüchen) ; 
span. cat. calandr(i)a (bedeutet auch „Wäscb- 
rolle, Mangel"), davon abgeleitet das Schimpfwort 
calandrajo. Lump (ähnlich wie im Deutschen das 
Wort ,, Dohle" als Schimpfwort gebraucht wird); 
ptg. caZÄaHdm, Kalenderlerche, calandra (bedeutet 
gegenwärtig nur „Wäschrolle"). Vgl. Dz 77 calan- 
dra; Sittl, ALL II 478 u. 611; Gröber ALL VI 
380. 

1724) *calaria, -am (v. gr. xä/.uv, Holz, im La- 
cedämonischen auch „Schiff", vgl.Bergk z. Xenophon, 
Hell. I 1, 23. in Ztscbr. f. Altertumswiss. 1852, II 9), 
Schiff; dav. ital. galeara „galea e luogo di pena", 
galea u. galia ,,nave da guerra", dazu das Demin. 
galeotta u. die Ableitungen galeone, galeazza; 
prov. galeya, galea, galera; frz. galere, galion, 
galiote, galeasse; span. galera, galea (veraltet), 
galeoii, galeaza; ptg. galera, galt, galeote, galiäo, 
g(de(u> , galeara. Ursprünglich ist die Wortsippe 
nur in Italien heimisch gewesen u. von dort in die 
übrigen roman. Sprachen übertragen worden. Ver- 
mutlich gleichen Ursprunges ist ital. galleria, frz. 
galerie otc. (zuerst im Latein des 9. Jahrh.'s vor- 
kommend u. wohl einfach „Holzbau" bedeutend, s. 
Ducange s. v.). Vgl. Dz 152 galea, u. namentlich 
Canello, AG III 301 u. 305. G. Paris, R IX 486, 
hat dagegen als ein Bedenken hervorgehoben, dafs 
galea seit dem 9. Jahrh. sich findet. Eine aben- 
teuerliche Herleitung von yavUda {yavUi , Melk- 
eimer) brachte Settegast, RF I 246, in Vorschlag, 
vgl. dagegen G. Paris, R XII 133. 

1725) calSt[h]ii8, -um w. (gr. xd/.a.9og), Korb: 
davon vielleicht obwald. cdtla, vgl. Salvioni, Post. 6; 
galiz. caehas „especie de calabaza en que se en- 
vuelve la hilaza", vgl. Baist, Z VI 118, wo auch 
andere Worte als möglicherweise auf calathug 



189 



1726) *cälätluui 



1746) cäldüs 



190 



zuriickgehend bezeichnet werden, so namentl. frz. 
jah, Krug, Kübel, altfrz. jalon, für welche Worte 
sonst lt. gaulus, Trinkschale, oder dtsch. Schale 
als Griindwort in Vorschlag gebracht worden ist, 
vgl. Dz 619 jale. 

1726) *cälatTum n. (von calat[h]uK). Korb; 
davon frz. calaix i : calatium = palais : palatiuni), 
Korb, vgl. Bugge, R IV 352. 

1727) *ealca (von ealeo, -are, treten) + altnfränk. 
*mara (altn. nmra, Alp, auch im Ahd. u. Ags. 
vorhanden) = frz. cauchemar, Alpdrücken, Nacht- 
gespenst. Vgl. Dz 635 mare; Mackel 42; Darme- 
stotor 102; Mussafia, Beitr. 78. 

1728) eSleänefim n. (seltene Form für calx), 
Ferse; ital. cnlcayno; macedo-ruin. cälcäniu, 
daco-rum. cälcäiu m., PI. f. cälcäie; rtr. cal- 
caign; altfrz. calcain (Dial. Grog. 130, 2 u. 21), 
cbaucain (Chans. d'Antioche 222), vgl. Cohn, Suf- 
fixw. p. 162 Anm.; span. caleaneo (daneben cal- 
caüal u. calcanar, ebenso ptg. calcanhar). Vgl. 
Ch. s. V. cälcäiu. 

1729) cSlcäria, -am /'. (v. calx Kalk), Kalk- 
ofen; rtr. kyelkyera, vgl. Mever-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 767. 

1730) cälcatorium «. (calcare) — altlothr. 
cauchoir, vgl. Meyor-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1731) eaiceämeiituin n. (v. calx Ferse), Schuh- 
werk; ital. calciamenlo ; frz. chaussement ; span. 
calzamiento. Vgl. Meyer -L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 767. 

1732) *eäleeo, -oneiu vi. (f. calceus v. calx), 
Fufsbekleidung, Strumpf, Schuh; ital. calzone; runi. 
cäl^un; prov. causo-s ; frz. cale(;on (Lehnwort aus 
dem Ital.), Schwimmhose, chausnon, Socke. 

1733) *cälceo, -äre (v. calx), die Füfse, bezw. 
die Beine bekleulen, Scliuhe, Strümpfe anziehen; 
ital. calzare ; rum. {in)cal{, ai,at, a; i^rov. caiisKar; 
frz. chatisser; span. catzar; ptg. cali;ar. 

1734) •cSlceoIärifis u. ^eSleeonärlus, -um wi. 
(v. calx), Schuhmacher; ital. calzolajo- calzolaro; 
rum. cäl^unar; [frz. chaiinsetier^ ; e-pa.n.cahonern. 

1735) cälce pistare (Frequ. von pinsere), mit der 
Ferse stampfen, treten; Ital. calpestare, mit Füfsen 
treten, aus calpcstare durch Umstellung xcalpitare, 
vgl. Caix, St. 514; Dz 362 k. v.; Rönsch, Z I 420 
Z. 22. V. u. 

1736) *calc6us, -um »i. (calcens, non calcius 
App. Probi 81) u. efilcea, -am /'. (von calx), 
Schuh; ital, calzn u. eulza; prov. calsa, caussa ; 
frz. chausse: span. calza; ptg. cal^a. Vgl. Dz 
79 ealzo; Gröber, ALL I 540. 

1737) *cälciäta (seil, via), -am /., die mit Kalk- 
steinen gefestigte Strafse, Cliaussee; p ro v. cau.isada; 
frz. Chaussee; span. ptg. calzada. Vgl. Dz 79 
calzada; Rönsch, Z I 417 (E. setzt als Grundwort 
ein von *calciare [v. calx, Ferse] abgeleitetes *cal- 
ciata u. als dessen ßedtg. „allgemein betretene u. 
begangene Strafse" an. Ein zwingender Grund zum 
Aufgeben der Diez'schen Ableitung liegt indessen 
nicht vor). ~ „Span. ptg. calzada sind dem alt- 
prov. calzada entnommen (vgl. span. coz = calx, 
hoz = falx u. dgl.). Mithin ist calciata auch 
keine römische Einrichtung, die römische Fahr- 
strafse hiefs via strata, daher allgemein romaniscli 
dieselbe Benennung (ital. strada, altfrz. estree, 
prov. spiin. ptg. estrada). Ist aber die via calciata 
erst französisch d. h. nachrömisch , so ist es un- 
nötig und unrichtig, ein Substrat *calciata anzu- 
setzen, denn in Frankreich konnte das Wort aus 
chaux (calx) hervorgehen, wie altfrz. la ferree (seil. 



voie) aus ferrum, das man doch wohl mit ferree, 
nicht durch *ferrata vermitteln wird. Es scheint 
mir das von Belang in kulturgeschichtlicher Be- 
ziehung: die chau.ssee ist jung, wenn auch schon 
mittelalterlich. Daneben verdient Beachtung, dafs 
eine romanische Weganlage keltischer Herkunft 
ist; caminus (das mir zu den vulgärlat. Sub- 
i Straten zu gehören scheint, s. ALL I 541), welche 
im römischen Wegesysteme eine Lücke auszufüllen 
im Stande gewesen sein mufs, da das Wort allge- 
mein romanisch in Erbwortform auftritt. Von 
welcher Art der caminus war, wird freilich nicht 
zu ermitteln sein. Durch die Notwendigkeit, 
Chaussee v. chaux abzuleiten, erledigt sich auch 
Rönsch's Anlehnung des Wortes an calx, Ferse." 
Gröber. — Für die Annahme der Ableitung des 
Verbums chausser von chaux vermisse ich ein Ana- 
logen {(ausser u. faux sind doch wohl nur schein- 
bar analog, vgl. dagegen paix und apaiser, croix 
und croiser). Auch kann ich schwer glauben, dafs 
in französ. Zeit ein Chaussee v. calx, Kalk, neben 
chausser (v. calx, Ferse) gestellt worden sein sollte. 
Ich möchte an dem Substrate *calciata vorläufig 
noch festhalten. — camminus bedeutet wohl ur- 
sprünglich nicht „Weg", sondern ,,Gang, Gangart". 
Körting. 
*cäleina s. 2 calx. 

1738) ""eäleifimen (calx), Kalk; frz. Hhaucum, 
dav. chaucumier Kalkhändler, enehaucumer ver- 
kalken, vgl. Thomas, R XXV 448. 

1739) cSico, -äre (v. calx, Ferse), treten; ital. 
calcare; rum. calc, ai, at, a; prov. span. ptg. 
calcar (im Frz. ist das Vb. in der eigentl. Be- 
deutung durch marcher verdrängt worden, erhalten 
ist es nur als cöcher in der Bedeutung ,, treten = 
begatten"' (von Vögeln) u. in cauchemar, s. No 
1727). 

1740) ealcflliis, -um m. (Demin. von calx. Stein), 
kleiner Stein; davon vielleicht prov. caWta«-.«, Kiesel; 
altfrz. caiüau u. cailleu; nfrz. caillou; ptg. 
calhäo. Nach Dz 538 caillou würde die lautliche 
Entwickelunggewesen sein : caleulus, calcius. cad[us], 
caill ((L li. cal mit mouilliertem l), das auslautende 
-ou in cadlou würde = -ucnln anzusetzen sein (also 
caillou aus *caclucultim wie verrmi aus *veruculum), 
prov. -au aber wäre=-ai!0 (calhau aus *caclav-(> 
wie Arijau Anjou aus Andegav-). Nach Groene, 
C vor A im Frz. (Strafsburg 1888 Diss.) p. 33, ist 
caillou aus dem Picardischen in die Schriftsprache 
eingedrungen; eine andere Erklärung giebt Meyer-L., 
Z XIX 96, 3. unten ealljo. — S. auch der Nachtrag. 

1741) cäldäriS, -am /. (v. caldus = calidus), 
Warmbadezimmer, Badekessel, Kochtopf (Marc. 
Emp. 25; Lampr. Heliog. 24, 1; Apul. herb. 59; 
Vulg. 1 regg. 2, 14); ital. caldoja, -o, Kessel, u. cal- 
dario ,,cella calidaria", vgl. Canello, AG III 305; 
\)XO\.caudiera; frz. chatidiere; a^ an. Caldera. Vgl. 
Dz 78 caldaja; Rönsch, Z I 417. 

1742) [gleichsam *cäldellfim n. (v. caldus = 
calidus); altfrz. cha- , cheldel; frz. chaudeau, 
warmes Getränk, vgl. Fafs, RF III 501.J 

1743) [*cäldero, -önem m. (v. caldus = calidus) ; 
ital. calderone, ein grofser Kessel; frz. chandron, 
span. calderon.] 

1744) *caldümeu n., Hitze; ital. caldume, frz. 
(chaudum) chaudin, vgl. Thomas, R XXV 448. 

1745) caldus, a, um (wird von Georges als Neben- 
form zu calidus angeführt, vgl. Quintil. Inst. 1, 6, 
19; calida, non calda App. Probi 52), warm; ital. 

I caldo u. ealido, vgl. Cauello, AG III 329; (sard. 



191 



1746) *cälgfo 



1761) »oälöpödiä 



192 



caldu, sicil. caudu); rum. cald; rtr. holt etc., 
vgl. Gärtner, § 200; frz. chaud. dav. das Dem. 
chniidelet (darau.s volkselymologisch chaudelait) 
Aniskuchen, vgl. Colin, Suffixw. p. 13.; prov. cald, 
raut; Span, (calido), ealdo, Brühe, calda, das 
Heizen; ptg. caldo, Brühe, calda, das Glühen, 
Fruchtsaft (das übliche ptg. Wort für „warm" ist 
quente = calente-). Vgl. Gröber, ALL I 540 (wo 
treffliche Bemerkungen über die Schickaale der Ad- 
jektiva auf -idus im Roman, gegeben sind). 
*cSlefacto, *cälfScto, -äre s. unten qalafah. 

1746) [*cälefo, *calfo, -äre (f. calefacio; noch 
besser setzt man wohl cald[um]fare an, da dann 
das ff des frz. Wortes erklärt wird), wärmen; prov. 
calfar : frz. chauffer, dazu das Kompos. echauff'er. 
Die übrigen rora. Sprachen brauchen für <len Begriff 
excahlare. Vgl. Dz 545 chauffer. — Vielleicht 
gehört hierher auch ital. caleffare, f/aleffare, vor- 
spotten (eigentl. jem. warm machen). Dz 361 s. ■». 
hielt das Wort für deutschen Ursprunges, aber ahd. 
fialiffan, woran man denken könnte, pafst begriff- 
lich nicht. S. unten x^^väCtiv.] 

1747) calento, -äre (v. calens, calentis, Pt. Pr. 
V. calere), wärmen; span. calentar, escalentar; ptg. 
esquentar, acaentar, aquentar. Vgl. Dz 435 s. ?>. 

1748) calendae, -as f., der erste Tag des Mo- 
nats; das Wort ist in einigen ital. Mundarten in 
Verbindung mit Monatsnamen erhalten, z. B. tose. 
calendimafigio, vgl. Salvioni, Post. 6; auch rtr. 
Icolanda, vgl. Meyer L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1749) cäleo, ai,ere (stammverwandt mitgr. pfaiSo*, 
xalw), warm sein; ital. calere, unpers. Vb., sich 
um etwas kümmern, nii cale, es kümmert mich , es 
liegt mir am Herzen (eigentl. es ist mir warm wegen 
einer Sache); prov. cakr, unpers. Vb., sich be- 
kümmern, nötig sein, no m'en cal, es kümmert mich 
nicht, es ist mir gleichgültig; frz. chaloir, unpers. 
Vb. mit derselben ßedtg. wie im Ital. u. Prov.; Pt. 
Pr. chalans, chalant, nfrz. chaland, sich um etwas 
kümmernd (nonchalant, nachlässig, davon non- 
chalance), als Sbst. erhält chaland die Bedeutung 
,, Gönner, Freund, Interessent, Kunde eines Kauf- 
manns", vgl. Tobler, Z I 22 (Dz 541 .s. v. hielt 
chaland, Kunde, für identisch mit chaland, Boot, 
vgl. dagegen Scheler im Anhang 787), span. caler, 
unpers. Vb., gelegen , wichtig sein. Vgl. Dz 78 
calere. 

1750) Calepin, Ambrnise, Verfasser eines poly- 
glotten Wörterbuchs; dav. das frz. Appellativ calepin 
Taschen-, Notizbuch. 

1751) cälesco, cälüi, cälescere (Inchoat. von 
calere), warm werden: sp an. cn/ecer; ftg.(a-)quecer, 
Vgl. Dz 435 calentar. 

1752) (*cälicense, volksetymologische, an calix, 
Kelch, sich anlehnende Umbildung des gr. xa(>x}'jaiov, 
Mastkorb; ital. calccse, Mastkorh. Vgl. Könsch, 
RF I 449.] 

calidfis s. cäldus. 

1753) cali^rius, a, um (caliga), zum Stiefel 
gehörig; über Reflexe dieses Wortes in ital. Mund- 
arten vgl. AG XIII 135; Salvioni, Post. G. 

1754) eällgo, -giiiem /"., Dunst; ital. caleggine 
,,fuliggine" (lomb. caliz, calizen), vgl. Caix, St. 246; 
lomb. cariiina ; piem. calüso (= caliigo), vgl. 
Salvioni, Post. 6; rtr. calin, vgl. Ascoli, AG I 
526 Z. 13 V. u. im Text; prov. calina; altfrz. 
chaline; span. ptg. calina, vgl. Dz 436 s. v. 
Schuchardt, R IV 254, möchte auch rtr. chala- 
verna. Blitz, von caligo ableiten (vgl. Musßafla, 
Beitr. 41), oberital. calaverna, galaverna etc., 



Nebel, dagegen bringt er in Zusammenhang mit 
dem Vb. calare. 

1755) cali (Pejorativpartikel) + varl, Wirrwarr, 
= frz. charivari, wüster Lärm (altfrz. auch 
chalivali, caribari). vgl. Darmesteter p. 113. Andere 
Ableitungen, die aber unannehmbar sind, stellt Dz 
543 H. V. zusammen , vgl. dagegen Scheler im An- 
hang 788. — Suchier in Gröber's Grundrifs I 664, 
setzt charivari =?= hehr. TiDn* "ll'tt' schör vachamör 

T - 

i „Ochse u. Esel'' (Gen. 32, 5) an, ohne jedoch diese 
Ableitung näher zu begründen. 

1756) [gleichs. *cälivns, a, um (v. calere, vgl. 
pensif u. dgl.), heifs; prov. raliu Hitze, dazu das 
Vb. calicar, neu pro v. recalivar, einen neuen Fieber- 
anfall haben (Tobler, Sitzungsb. der Berlin. Akad. 
d. Wiss., phil.-hist. Gl., 23. Juli 1896, wollte dies 
Verb v. *recadivuf! f. recidivus abieilen, vgl. aber 
G. Paris, R XXV 622.] 

1757) ealix, -icem m., Kelch; sard. calighe; 
venez. cdlese, vgl. Salvioni, Post. 6; nouprov. 
caleu = caliculus ; span. caz, cauce, vgl. Mever-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1758) callis, -em m., Pfad; ital. calle. Weg, 
calla, Zaunthürchen (davon abgeleitet mit gleicher 
Bedtg. callaja), vgl. Canello, AGin402; tic.Mla 
Strafse im Schnee; venez. calese, vgl. Salvioni, 
Post. 6; rum. cale; span. calle; ptg. (calho), 
[quelha = caualicala, das sich z. B. bei Gellius 
17, 11 findet), Rinne, Kanal vgl. Dz 436 s. r. 

1759) gallisch ealljo, calljOT (vgl. kymr. caill, 
Plur. ceilliau) ==^ {?) frz. chatl, caillnu Kiesel; vgl. 
Meycr-L., Z XIX 96. Über andere Ableitungen, 
welche sämtlich unannehmbar sind, s. oben calcülus. 

callum s. galla. 

1760) cälo, -äre (für chalare v. gr. ;fa/l«)'), herab- 
lassen (Vitr. 10, 8 [13], 1; Veget. mil. 4, 23 init.); 
ital. calare, herablassen, davon cala, Bucht (eigentl. 
die zum Meer sich herabneigende Küste? oder Ort, 
wo das Meer gleichsam niederst»'igt , nachläfat?), 
calata, Abhang; über Form u. Bedtg. von calare 
vgl. auch Ascoli, AG I 357 u. 372; rtr. calar, 
aufhören, prov. calar, schweigen (der Bedeutungs- 
übergang dürfte sein : herablassen z. B. einen Vor- 
hang, etwas zu Ende bringen, eine Rede beenden, 
also schweigen); cnte, Bucht; frz. caZer (I^ehnwort), 
niederlassen, dazu das Sbst. cale, abhängiges Ufer, 
auch ein Stückchen Holz, das man unter etwas schiebt, 
vgl. Puitspelu, R XV 436; span. calar, senken, 
callar, schweigen; ptg. calar, herunterlassen, zum 
Schweigen bringen, schweigen. Vgl. Dz 78 calare; 
Th. 51; Gröber, ALL I 540; Baist, RF VI 580, 
will für prov. ptg. calar, span. callar „schwei- 
gen" ein Grundwort *callare v. callum ansetzen, 
welcher Ableitung aber die Bedeutung grofse 
Schwierigkeiten entgegenstellt. 

1761) [*cäIopodiä, *cälopTä, -am f. (gr. xaXo- 
noäiov, Schusterleistcn); davon nach G. Paris' Ver- 
mutung, R III 113: ital. (/a/o.scia, Überschuh, frz. 
galoche, span. gcäochä. Dz 154 galoscia leitete 
das Wort von lt. gallica (ländliche Männersandalo, 
vgl. Cic. Phil. II 76) ab, was aus lautlichem Grunde 
nicht gebilligt werden kann. Lagarde (Nachrichten 
von der Gesellsch. d. Wiss. zu Göttingen 1886 
p. 124, vgl. Meyer-L., Ltbl. f. germ. u. rom. Phil. 
1888 S. 305) glaubte in dem spätlat. calautica 
das Grundwort zu galnche gefunden zu haben, in- 
dessen ist das schwerlich richtig {calautica ist eher 
= calotte).] 



193 



1762) cälor 



1779) *cambItos, cammitos 



194 



1762) cSlor, -örem »w. . Wärme; ital. calore; 
frz. (altfrz. c. r. chalre, chaure, c. o.) ehaleur; 
prov. span. ptg. calor. 

1763) cältha, -am /., Ringelblume (Calendula 
officinalia L.); ital. catta; rum. calce, calcie, 
scalcie. 

176i) cälumniS, -am /'., Verleumdung; ital. 
calunnia, calogna : prov. calonja, falsche Beschul- 
digung, Leugnung, Beleidigung, Herausforderung, 
dazu das Vb. caloiijar = *ciüummare f. -i; alt- 
frz. chalonge, dazu das Vb. chalonyier, daneben 
chalengier (nach Analogie von hlastengier, laidengier) 
u. darnach wieder das Sbst. chaJenqe = chalonge, 
vgl. G. Paris, R X62 Anm. 3, Förster, Z XIU 535. 
(Gorm. 72 findet sich chalonge als Masc, also = 
*calumnium, vgl. Meyer, Ntr. 156); ^tg. calummn, 
Verleumdung; coima, Geldstrafe, vgl. Cornu , R 
XI 84; span. colona, dazu das Vb. colohar. Vgl. 
Dz 542) chalonge; Grüber, ALL I 540; Cornu, R 
XI 84 (coima). 

*cälumiiio, -äre (f. calumniari v. calumniä) a. 
cfilumnia. 

1765) *cälüra, -am f., Wärme; ital. span. 
calura; frz. chalure, vgl. Cohn, Suffixw. p. 175. 

1766) cäUäriä, -am f., Schädel; span. culavera, 
ptg. caveira, Totenkopf, vgl. üz 435 calavera. 

1767) *cBlTärIttm n.,. Schädelstätte, Calvarien- 
berg, ist als gelehrtes Wort durch das kirchliche 
Latein in alle roman. Sprachen übertragen worden. 

1768) [cSItS sörex/'., (-ricls) (im Schriftlat. ist 
iOj"«a; Masc), kahle Maus, vielleicht = frz. chauve.- 
souris (nach anderen ist ch.-s. entstanden durch 
Volksetymologie aus choue-souris. Eulenmaus, d. h. 
Maus, die wie eine Eule in der Nacht fliegt, vgl. 
Fafs, RF III 487). Vgl. jedoch unten sanrex, wo 
dio wahrscheinlichste Ableitung gegeben ist.] 

1769) cäMtia, -am /. (f. Calvities), Kablheit; 
ital. calvezza ; frz. calvitie (gel. W.); span. cal- 
veza, calvez; ptg. calves. 

1770) cSItus, a, um, kahl; ital. cako; ma- 
cedo-rum. cah; prov. calv (?); frz. chauve (wohl 
eigentl. = calva, so dafs das Fem. für das Masc. 
eingetreten ist); chauve-soiiris s. calva sorex; span. 
ptg. calvo; span. ptg. chamorro, -a, kahl, Kahl- 
kopf, vielleicht = clava aus calva -\- morra (= bask. 
muturra?), Schäilel, vgl. Dz 439 chamorro. 

1771) 1. cälx, -cem f., Ferse; ital. calce (hierher 
gehört viell. auch ital. calcio, span. coz. Fufstritt, 
wovon cocear, treten, vgl. Dz 443 coz); sonst ist 
das Wort im Roman, durch *calcaneum u. *talo 
(f. talus) verdrängt worden. — calce pistare s. d. 

1772) 2. eSlx, -cem /., selten m. (von gr. /äA(|), 
Stein, Kalk; ital. calce, davon abgeleitet calcina, 
Kalk; frz. chaux; span. cal, abgeleitet calcina; 
ptg. cal, 

calyba, xalvßri, s. canava. 

1773) ealyptrS (gr. xa}.vniQa), Kopfbedeckung; 
davon durch volksetymologisclie Umbildung ital. 
calotta, Mütze, Deckel, Käppchen ; frz. calotte u. 
calot (Lehnworte). Vgl. Caix, St. 248. Richtiger 
setzt man aber ealautlca als Grundwort an. 

1774) cämä, -am/., Bett, Lager (Isid. 19, 22,29; 
20, 11, 2); span. ptg. cama. Bett, Lager, vgl. Dz 
436 s. r. 

1775) cSmäi'S u. camera, -am f. (gr. xaßÜQu ; 
Camera, non cammara App. Probi 84), Kammer, 
Gemach; ital. camera, daneben ciambra, zamhra, 
von Canello, AG III 372, als archaisch bezeichnet: 
rum. cämarä; prov. cambra; frz. chambre; 
span. ptg. cdmara, dav. ptg. camarachuo (span. 

Körting, lat.-ioni. Wörterbuch. 



1 camarachon), caramachäo kleines Zimmer, Laube, 
vgl. C. Michaelis, Frg. Et. p. 8. Davon in allen 
j Sprachen mehrfache Ableitungen, unter denen her- 
' vorzuhebon sinddiePartizipialbildungital. camerato, 
' span. camarada, frz. camarade (Lehnwort), eigentl. 
die Stubengosellschaft, dann zur Bezeichnung eines 
einzelnen Genossen gebraucht (also mit ähnlicher 
Bedeutungsentwickelung u. demselben Geschlechts- 
weehsel wie das deutsche Bursche von hursn, vgl. 
Kluge s. V.), vgl. Dz 79 camerata, n. das Demin. 
ital. comereHa, span. camarilla, vgl. Flechia, AG 
III 170, u. Canello, ebenda 318 (u. 323, wo camar- 
lingo etc. besprochen ist); ans dem Ahd. wurde 
übernommen kamarling = ital. camarlingo , vgl. 
Canello, AG III 323, prov. camarlenc-s , altfrz. 
chambrelenc, nfrz. chambellan (gleichsam *camher- 
lamis, also latinisierende Rückbildung), vgl. Mackel 
45; Dz 79 s. v. 

1776) *camba, -am f. (gamhä), das zwischen Huf 
u. Schienbein befindliche Gelenk (Veget. 1, 56 extr. ; 
Pelag. vet. 14 p. 61; das Wort ist nnlateinisch u. 
geht vermutlich auf den kelt. Stamm camb-, camm- 
zurück, der sich mit dem Stamme comb- gemischt 
zu haben scheint, vgl. Th. 61 qamha u. 55 combo);' 
ital. gamba, Bein, gambo, Stengel; (sard. camba); 
rtr. liomba, tyomba, txoma etc., vgl. Gärtner, § 2 f ) 
u. § 92 'Q); prov. gamba [gamhautz , gabautz, 
Sprung); frz. jambe (altfrz. auch jame), davon 
abgeleitet jambon, Schinken ; aus einem vorauszu- 
setzenden *game ist gebildet gamache (Devic. s, v. 
leitet gamache nehat garaviaches, span. gorromazos, 
grofse Reiterstiefel, von dem Namen der tripolita- 
nischen Stadt Gadames her, aus welchem zunächst 
das span. gtiadamaci [Benennung einer Ledergattung] 
gebildet worden sei), Beinbekleidung; span. cat. 
gamba (altspan. auch cama), davon jamo«, Schinken; 
ptg. gambia, Bein, stammverwandt damit ist ver- 
mutlich camba, Radkrümmung, Felge, u. camhaio, 
krummbeinig). Vgl. Dz 154 gamba u. dazu Scheler 
im Anhang 720; Rönsch, Jahrb. XIV 174. — Über 
andere mutmafsliche Ableitungen aus dem Stamme 
camb-, camm- s. unten camm- und eamus. Vgl. 
auch Gröber, ALL II 432 (wo mit Recht die pyre- 
näischen Formen samt ihren Ableitungen als Fremd- 
worte gekennzeichnet werden; das übliche span. 
ptg. Wort für „Bein" ist pierna = lt. perna). 

1777) cSmbio, -äre, wechseln (Apul. apol. 17, 
Gromat. vot. p. 151, 20); ital. cambiare, cangiare; 
prov. cambiar, eamjar; frz. changer; spau. ptg. 
cambiar (u. eamjar); dazu das Vbsbstv. ital. 
span. ptg. cambio, prov. camhi-s, frz. change. 
Vgl. Dz 79 cambiare; Gröber, ALL I 540; Breal, 
Rev. de la soc. de ling. de Paris VI 340, will cam- 
biare von xä/xipa, xafi\pslov, xdu.\piov, Körbchen 
des Geldwechslers, ableiten, vgl. G. Paris, R XXIII 
285; Endlicher, Kuhn's Ztschr. XXXII 231. 

1778) kelt. *cambitft, *cammltä (vom St. camb-, 
camm-), Krümmung, = frz. jante, Radkrümmung, 
Felge (ptg. camba}. Vgl. Dz 620 (wo ein lt. *cames 
od. *camis, camitis als mögliches Grundwort ange- 
setzt wird); Th. 103. Vgl. No 1790. 

1779) kelt. *cambitos, cammitos (vom Stamme 
camb-, camm-), Krümmung; davon vermutlich (oder 
auch von dem gleichbedeutenden *cambtos) ital. 
eanto, Ecke, Winkel, Seite, Gegend; davon abgeleitet 
cantxiccio „pezzo, ritaglio, crostino, specie di bis- 
cotto", cantone, ein grofser Winkel, Bezirk, vgl. 
Caix, St. 251, Zusammensetzung bis + canto, Schlupf- 
winkel; altfrz. cant, dazu das Dem. cantel, chantel, 
chantele, Schildrand, nfrz. ist nur die dem Ital. 

13 



195 



1780) c&raSlla 



1796) carapänä 



196 



entlehnte Ableitung canton (wovon wieder eanton- 
nier, Bezirksaufseher, Bahnwärter u. a.) vorhanden ; 
span. ptg. canto, Winkel, Ecke, Seite, Kante, 
Spitze, Stein. Vgl. Dz 85 canto, wo die Wortsippe 
auf lat. canthus, Radschiene, zurückgeführt wird 
[8. d.]; Th. 53. 

1780) eamellä, -am f., eine Schale zu Flüssig- 
keiten(Gcll. 16,7,9); frz. r/ameKe, hölzerneSchüssel; 
span. ptg. gamella. Vgl. Dz 155 gamella; Flechia, 
AG lU 170; Gröber, ALL H 433. 

1781) cSmelus u. *cSinelIus, -um m. (camelus mit 
geschlossenem , camellus mit offenem e) (griechisch 
xä/xtj?.og), Kamel; ital. cammello (mit offenem e); 
sicil. camiddu; prov. eamel-s (mit offenem e); alt- 
frz. chameil, Fem. chamelle; frz. chameau = *ca- 
melius; cat. camell; span. camello; ptg. camelo 
(lat. Lehnwort). Vgl. Gröber, ALL I 540; d'Ovidio, 
in Gröber's Grundrifs I 510, Cornu, ebenda I 720; 
Cohn, Suffixw. p. 214; Berger s. v. 

1782) cämerärlüs, -um m. (v. camera), Kämmerer 
(Greg. Tur. bist. Franc. 4, 7); ital. camerario 
„titolo d'ufficio alla eorte imperiale e papale", arch. 
camerajo .,camerlingo", cameriere, Kellner. Vgl. 
Canello, AG III 305. 

1783) cSmero, -äre, wölben; nouprov. camfem; 
frz. cambrer, bogenförmig krümmen. Vgl. Dz 539 
cambrer. 

1784) [*cameüs, a, um (vom kelt. Stamme camm-), 
krumm; ptg. canho, links, davon abgeleitet canhota, 
linke Hand, canhoto, linkisch, als Sbst. krummes 
Holz. Vgl. Dz 436 canho. Denkbar wäre aber 
wohl auch, dafs canho auf *canius, hündisch (prov. 
canhs) zurückginge.] 

1785) [*eamex, -icem u. '''cames, -Item, f., 
Krümmung, Rundung (?); dav. nach Horning, Z 
XXI 452, neuprov. canfo Radfelge; frz. clmintre 
f., Saum eines Kleides (Z XXII 482 spricht H. die 
Mutmafsung aus, dafs frz. cinire m., welches ge- 
wöhnlich als Postverbale zu cintrer = *cincturare 
[s. d.] aufgefafst wird, identisch mit chaintre sei; 
das männliche Genus von cintre im Gegensatz zu 
dem weiblichen chaintre erkläre sich aus Einwir- 
kung von arc. Die Hypothese ist jedenfalls sehr 
ansprechend.] 

[*eamlcia s. eamlsia.] 

1786) *cäminäta, -am f. (v. caviinus), Esse, mit 
einem Kamin versehenes Zimmer; ital. cam{m)ino,ta 
,,stanza fornita di camino, che anticamente serviva 
da salotto", sciaminea „camino", neap. cemmenera, 
gleichsam *caminaria , vgl. Dz 80 camiitata; Ca- 
nello, AG UI 312; Caix, St. 534; frz. cheminee. 

1787) [*c8minettüs, -um ni. (Demin. zu caviinus), 
viell. Grundwort zu frz. chenet, Feuerbock, vgl. 
Scheler im Anhang zu Dz 188, s. auch unten 
*canettns.] 

Camino, -äre s. cSmiiius, cammlnu. 

1788) [cämlnus, -um i«. = gr. xäßivog, Feuer- 
stätte, Esse, hat wahrscheinlich mit der Wortsippe 
ital. cammino. Weg etc., unmittelbar nichts zu 
schaffen, sondern die betr. Worte gehen auf den 
gallischen Stamm *cainnnno-, Gang,Weg, zurück, der 
allerdings mit gr. xä/inog urverwandt sein mag. 
Dasselbe gilt von dem Verbum camminare, gehen. 
Dagegen entspricht selbstverständlich ital. cam- 
mino, camminata in der Bedtg. „Rauchfang" deni 
lat. caviinus.] 

1789) cämisiS, -am f., leinener Überwurf, Hemd 
(Hier. ep. 64, 11 ; Paul, ex Fest. 311, 4; Isid. 19, 
21, 1: das Wort ist germanischen Ursprunges, alt- 
germ. chamisiä von der W^urzel harn bekleiden', vgl. 



Mackel 130 f., vermutlich aber ging es zunächst 
in das Keltische u. erst aus diesem in das Latein 
über, vgl. Th. 51 f.); ital. camicia u. camiscia, 
Hemd, daneben cdmice, Chorhemd (setzt wohl An- 
bildung an die Substantive auf -ex, -icis voraus, also 
gleichsam *camex camicevi); abgeleitet camisciole, 
Weste, Wams; ruiu. cämesä, cäma^ä; rtr. haniisa 
etc., vgl. Gärtner § 200; prov. camisa (davon ab- 
geleitet camsil, gleichsam *catniiile , freilich eine 
schwer glaubhafte Bildung); frz. cliemise (daneben 
altfrz. canse, cainsc, cliainse, Chorhemd, davon 
abgeleitet chainsil), dazu das Demin. Chemisette; 
aus dem Ital. entlehnt ist camisole; cat. catnvia: 
span. camisa, davon abgeleitet cawiseia, camisoia, 
eamison, camisote, altspan. camzil; ptg. camisa, 
davon abgeleitet camisinha, camisola, camisote. 
Vgl. Dz 79 camicia; Tb. 51 f.; Mackel 130 f., 
Gröber, ALLI 541 (Gröber setzt für cdmice, chainse, 
camzil etc. eine Grundform *cdmisi- an). 

1790) [*cämita, -am f , Krümmung ; dav. nach Hor- 
ning, Z XXI 452, frz. jante Radfelge.] VgL No 1778. 

1791) ir. camm- (gallisch camho-, „doch ist nicht 
zu zweifeln, dafs auch im Gallischen mb dialektisch 
zu mm geworden war" Th. 53), krumm gebogen; 
davon 1. mittelst des Suffi.xes -ns- ital. camuso, 
Stumpfnase, prov. camus camusa (auch gamus), 
frz. camus, Sturapfnaso, auch Adj. stumpf-, platt- 
nasig (Brinkmann, Metaphern p. 263, hält camus 
für entstanden aus canis + miiso „hundeschnauzig, 
stumpf-, plattnasig"); 2. mittelst des Suffixes -üsi- 
ital. camoscio, platt, eingedrückt, prov. camois, 
Quetschung, blauer Fleck, frz. camoissier , platt 
drücken, quetschen. Vgl. Dz 83 camuso; Tb. 53. 
— Von dieser Wortsippe zu trennen ist ital. ca- 
moscio, Gemse (frz. chamois), camosciare , Leder 
sämisch gerben etc., welche Worte auf ahd. *gamuz 
zurückgehen, vgl. Mackel 47. 

1792) cämmärüs, -um m. (gr. xäixßaQog), Meer- 
krebs, Hummer; ital. gdmhero, vgl. Förster, Z 
XXII 265 [mm : mb ; viell. aber ist gambero aus 
*gammero durch Anlehnung an gamha entstanden); 
rum. camar; neuprov. jambre; altfrz. jamble, 
richtiger aber v/o\i\ = *chamüla v. chama (im Nfrz. 
ist das Wort durch homard [= altn. hummar] ver- 
drängt); span. gdmbaro ; ptg. camaräo. Vgl. Dz 
155 gdmbero. Vgl. auch Gröber, ALL II 433, u. 
s. unten *gambarns. 

1793) gallisch. Stamm cammino- (vgl. corn. cam- 
men), Gang, Weg; davon, indem das Suffix -ino mit 
dem lat. -ino vertauscht wurde, ital. cammino. Weg, 
dazu das Vb. camminare, gehen; prov. cami{n)-s, 
dazu das Vb. caminar; frz. chemin, dazu das Vb. 
pheminer; cat. cami; span. camino, dazu das Vb. 
caminar; ptg. caminho. dazu das Vb. caminhar. 
Vgl. Dz 81 cammino: Th. 52; Gröber, ALL 1541; 
s. auch oben cümiuns. 

1794) camomilla, -am /'. (Nebenform zu cha- 
maemelon, xufiaifiijXov), Kamille; ital. camamilla; 
frz. camomille (mit palat. /); span. camamila. 
Vgl. Cohn, Suffixw. p. 44. 

1795) mejik. camotli = span. camote, amerika- 
nische Batate, vgl. Dz 436 s. v. 

1796) campänS, -am (v. Campania), Glocke (Plin. 
N. H. 18, 360 D; Beda, liist. eccl. 4, 23); ital. 
campana; rum. cumpänä; prov. cat. span. cam- 
pana; ptg. campainha; (im Frz. ist campane nur 
als gelehrtes Wort, bezw. als terminus technicus 
vorhanden; das übliche Wort für „Glocke" ist cloche, 
auch prov. cloca, clocha, welches entweder auf 
keltisches eloc zurückgeht [vgl. Kluge unter „Glocke"] 



197 



1797) cämpängOs 



1812) cänärius 



198 



I 



odor aber onomatopoietischen Ursprungos ist, vgl. 
Th. 95). Vgl. Dz 83 campana. — S. Nachtrag. 

1797) oämpäneus u. -ins, a, um (v. campus), 
zum flachen Lande gehörig (Gromat. vot. 331, 20 
u. 22) , PI. siibst. campania n., das flache Land, 
Blachfeld (üromat. Tot. 332, 22); ital. campagna; 
prov. campanha; frz. ekampagne (ist zum Eigen- 
namen geworden, als Appellativ ist das Lehnwort 
cawpajrwe eingetreten); span. cnmpaila; ptg. cam- 
panha. Bemerkenswert ist, dafs das Wort aufser 
der Bedtg. ,, Gefilde, Land(schaft)" auch die von 
, .Feldzug" besitzt infolge derselben Auffassung des 
Begriffes, welcher auch das deutsche Wort sein 
Dasein verdankt; möglicherweise aber ist auch der 
lautliche Anklang von cawp-agna an das german. 
*kampa-, Kampf (das keineswegs aus dem Roman, 
übernommen ist, vgl. Kluge s. v.) dabei von Ein- 
wirkung gewesen; ital. campione, frz. Champion 
ist wohl aus ahd. chemphio unter Anlehnung an 
Campus entstanden, ob freilich auch in der Be- 
deutung ,, Probe, Muster" ist sehr fraglich, weil 
sich der Bedeutungswandel kaum erklären lassen 
dürfte. Auch in den Verben span. campar, sich 
lagern (frz. camper) u. campear (wovon der Bei- 
name des Cid „campoador" Kämpfer), das Feld 
halten (altfrz. champniier), 1 1 nl. campeggiare, mag 
sich Ableitung von ahd. kampfjan mit begrifflicher 
Anlehnung an campus gemischt haben. Vgl. Dz8S 
campo u. 82 cnmpagnn. 

1798) '''campanilla , -am f. [campana], Glöok- 
chen (als Blumennamc); ital. campanella; a,\iiti. 
cam- u. champanelle, vgl. Groene, C vor Ä im Frz. 
(Strafsburg 1888 Diss.) p. 62; newixz. campanelle 
(gel. W.); span. cavtpanüla. Vgl. Cohn, Suffixw. 
p. 23 u. 302. 

1799) cämpärius, -am m. {camims), Feldhüter; 
piem. lomb. campe, venez. camparo, u. camper, 
vgl. Salvioni, Post. 6. 

1800) Ortsname Campeche (in Centralamerika) ; 
dav. ital. campeggio , ein Färbeholz; frz. cam- 
peche: span. campeche. Vgl. Dz 83 campeggio. 

1801) cämpestris, -e [campus), zum Felde ge- 
hörig; ital. campestre, frz. champetre etc. 

1802) [*eSmpiiiIo, -ünem m. (v. campus) = frz. 
Champignon, ein Pilz, vgl. Dz 542 Champignon.] 

1803) [*cämpinTolus, -um = ital. campignuolo, 
altfrz. champignuel, vgl. Dz 542 Champignon, 
vgl. No 1802.] 

1804) cämpso, -äre (vgl. gr. xäßnrfiv), umsegeln 
(Enn. ann. 334, vgl. Prise. 10, 52); ital. cansare, 
ausbeugen, ausweichen, Kompos. scansare. Vgl. Dz 
362 cansare. Hierher gehört auch wohl span. 
cansar, müde machen [descansar, entmüden, ruhen), 
dazu das Adj. canso, müde, die eigentliche Bedeu- 
tung winde dann etwa sein „(die Glieder) krümmen'" 
vgl. gr. xäfiviLV neben xd/imstv. Vgl. Dz 91 cass 
(setzt canso = quasstis an). 

1805) cSmpus, -um»»., Fläche, Feld; ital. campo; 
rum. camp; pro^v. camp-s; frz. champ (dazu das 
Lehnwort camp); span ptg. cam/io. In der mili- 
tärischen Bedtg., welche campo neben der aus dem 
Lateinischen übernommenen besitzt, ist das Wort 
ebenso wie seine scheinbaren Ableitungen [campione, 
campear etc. , s. oben campania) auf altgerm. 
*kampa, Kampf (vgl. Kluge ,■.•. i\), zurückzuführen, 
wenn auch bereitwillig zuzugeben isl, dafs die be- 
treffende Wortsippe sich an die von lat. campus 
herstammende lautlich u. begrifflich angeschlossen 
hat. Vgl. Dz 83 campo. 

1806) gr. xafxnvXoq, gekrümmt; davon violleicht 



span. ptg. gancho, Haken (das gleichbedeutende 
ital. gancio könnte nur, wenn es Lehnwort aus 
dem Span, wäre, den gleichen Ursprung haben); frz. 
ganse, Schleife, Schlinge, ist fern zu halten, und 
zwar ohne dafs eine sichere Ableitung gegeben werden 
könnte, falls man nicht die Ableitung von Cancer 
(s. d.) als solche ansehen will. Vgl. Dz 155 gancio. 

1807) [cämfir, a, um, gekrümmt; davon vielleicht 
abgeleitet *ca>nbro, -ünem, Wegedorn, = span. 
cambron, Dornstraueh; ptg. cambröes [PL], Wolfs-, 
Kreuzdorn. Vgl. Dz 436 cambron.] 

1808) cämfls, -um m. (gr. xrjixög), Maulkorb, auch 
ein Strafwerkzeug für Verbrecher; ital. eamo, sard. 
accamu capestro, vgl. Salvioni, Post. 6 ; von camus, 
bezw. unmittelbar von xtjßög will Baist, Z V 560, 
herleiten: 1. span. camal, Halfter, Halsring mit 
Kette der Sklaven, 2. ital. camaglio, Hals des 
Panzerhemdes, mit welchem auch der Kopf bedeckt 
werden konnte, prov. capmalh-s, camalhs, altfrz. 
camail, im Nfrz. bezeichnet das Wort ein Priester- 
käppchen, Bischofsmäntelchen (Dz 79 camaglio hatte 
in dem Worte eine Zusammensetzung aus cap = 
cap[ut] -{■ malha, maille = macula, Panzerfring] 
erblickt und daran dürfte festzuhalten sein; der 
Genuswechsel, den Baist so auffällig findet, läfst 
sich vielleicht dadurch erklären, dafs man annimmt, 
es sei das Wort im Geschlecht an das sinnverwandte 
„Helm" = elvio etc. angeglichen worden). Aus 
camus u. frenum zusammengesetzt ist chanfrein. 
3. ,,Auch span. gramalla, Panzerhemd, jetzt ein 
über die Kniee herabfallendos Gewand, mit cat. 
gambet, gambetds, span. gambeto ^capote sin escla- 
vina y hasta mas abajo de la rodilla' kann ebenso- 
wohl mit gamache als mit camail verwandt sein. 
Hier mag auch noch span. gambo, gambuj, gam- 
boj, gambujo, cat. cambuix, gambuix, Kinder- 
mützchen, Erwähnung finden; das Suffix u. der 
Stamm lassen sich aus dem Keltischen herleiten, 
aber die Bedtg. nur insofern man eben aus einer 
Wurzel ^krumm' so ziemlich alles machen kann." 
Nichtsdestoweniger dürfte diese ganze Sippe auf 
dem kelt. Stamme camb-, camni- beruhen. Auf 
diesen Stamm führt Baist sehr mit Recht auch 
span. cama, camba, c&t.cama, Stange am Zügel- 
ring, zurück, das von Dz 4,36 s. v. von camus ab- 
geleitet war. — S. den Nachtrag. 

1809) cänäba, -am f. [kännäbä, cännäba, cänäva, 
cänäpo), nach Bianchi, AG XHI 210, entstanden 
aus caluba, xaXvßrj Hütte, Krämerbude, Wein- 
schenke (z. B. Orell. Inscr. 4077 u. 7007, Corp. 
inscr. lat. HI p. 940 u. 954); ital. ednova, Vor- 
ratskammer, Weinkeller (sard. candva), davon 
canovajo, canavajo, „cantiniere", canoviere „in an- 
tico chi teneva rivendita di sale", vgl. Canello, 
AG ni 305. Vgl. Dz 362 canova; Rönsch, Jahrb. 
XIV 176; Förster, RF I 324 Anm. 1. 

1810) gleichs. *canäliä (v. canis), Hundehaufen, 
Gesindel; ital. canaglia; 3,\titz. chienaille; niri. 
Canaille (Lehnwort); span. canalla (daneben per- 
reria von perro); ptg. canalha. VgL Dz 84 ca- 
naglia; d'Ovidio. AG XIH 405. 

[canäliciilä (v. canalis) s. oben callis.] 

1811) cänälis, -em m. u. /'. (v. canna), Röhre, 
Rinne; ital. canale; frz. chenal, cheneau, Strom- 
enge, enger Thalweg, sonst nur als gelehrtes Wort 
erhalten (span. frz. canal). Vgl. Bergor «. v. 

1812) cänärius, a, um [canis), zum Hunde ge- 
hörig; dav. sard. cawar«!« canattiere, vgl. Salvioni, 
Post. 6. 

canastra s. canistrum. 

13* 



199 



1813) cancBllärtüs 



1829) cänio 



200 



1813) cancelläriiis, -um m. (v. cancelli), Gitter-, 
Thürstoher, Vorsteher einer Kanzlei (Cassiod. var. 
11, 6); ital. cancelliere; frz. chancelier etc. 

1814) cSncello, -äre (v. cancelli), gitterförmig 
machen, gittern; ital. cancellare, wanken (eigentl. 
die Beine kreuzweise, gleichsam gitterförmig setzen), 
auch „cassare lo scritto con righe traversali, incro- 
ciare'', arch. ciancellare „barcollare", vgl. Canello, 
AG III 372; prov. cancellar; frz. chanceler. Vgl. 
Dz 84 cancellare. 

1815) eSncellfis, -um m. (Demin. v. Cancer in 
Anspielung an die Scheren des Krebses; gewöhnlich 
im PI. cancelli, der Sg. h. Ulpian. dig. 43, 24, 9, 
§ 1); daneben *eancella f., Gitter; ital. cancello, 
Gitter; [rum. canghelä]; frz. cancel u. chancel, 
Raum hinter einem Gitter; span. cancel, cancela, 
Vorhof, Loge. 

1816) Cancer (umgestellt crancer, davon das 
Demin. *cranculus, *eancricnlus), -um »»., Krebs; 
ital. cancro ,,uno doi segni dello zodiaco o specie 
di malattia", canchero ,,malattia, e persona o cosa 
molto uggiosa", granchio „animale crostaceo" (neben 
granchio auch grancio, davon das Vb. grancire, 
anpacken), von granchio abgeleitet aggranchiarsi, 
-irsi, aggricchiarsi „rattrarsi, ratrappirsi, raggrap- 
parsi", vgl. Caix, St. 142; ganghero „mastiettatura 
in metallo" ist wohl ebenfalls auf Cancer zurück- 
zuführen, denn die von Dz 374 aufgestellte Ableitung 
von xäyxai.oi; [s. d.] ist wenig glaubhaft, vgl. 
Canello, ÄG III 360; vielleicht gehört hierher auch 
gancio „strumento uncinato, per sirailitudine ool 
granchio" (dann würde auch span. ganchn u. viel- 
leicht selbst frz. ganse hierher zu stellen sein, vgl. 
oben xafinvXog), vgl. Canello, AG III 360; Cancer 
+ pägürüs [s. d.] = granciporro, vgl. Dz 377 s. v. ; 
prov. cat. cranc; frz. chancre, Krobsgeschwür (als 
Tiername ist das Wort durch ecrevisse = ahd. 
chrebig verdrängt worden); span. cangrejo, See- 
krebs = *cancriculus (daneben gdmbaro}; ptg. 
granquejo u. garanguejo. Vgl. Dz 171 granchio; 
ü. Michaelis, Jahrb. XIII 209. 

1817) [*canchalu8, gr. xcty/aXo? (b. Hcsychius), 
soll nach Dz 374 das Grundwort sein zu ital. 
ganghero, Thürangel, davon sgangherare , aus den 
Angeln heben (ptg. escancarar , sperrweit öffnen, 
wozu das Sbst. escancara, offen zu Tage liegende 
Sache). Wahrscheinlich aber gehen diese Worte 
(u. ebenso prov. ganguil, Thürangel) auf Cancer 
[s. d.] zurück, vgl. Canello, AG III 360. Wenn aber 
Bugge, R III 146, frz. degingandsr, schlottrig 
machen, von einem vorauszusetzenden *gingand = 
ganghero ableiten will, so iah degingander ursprüng- 
lich mit sgangherare gleichbedeutend gewesen sein 
würde, so ist das an sich ganz ansprechend, mufs 
aber doch für sehr fragwürdig gelten, schon weil das 
Primitiv gingand nicht zu belegen ist. Vgl. Dz 374 
ganghero.] 

1818) cändelä, -am /'., Wachslicht, Kerze; ital. 
candela; rum. candelä, Nachtlampe; prov. can- 
dela; altfrz. chandoüe; nfrz. chandelle, gleichsam 
*candeHa, vgl. Eothenberg 41, dagegen Chandeleur 
= *candelörum f. -ärum; span. candela; ptg. 
candea. Vgl. Cohn, Suffixw. p. 215. 

1819) cändeläbrum n. (auch candelaber und 
candelabrns), Kerzenträger, Leuchter; volkstümlich 
geworden ist das Wort nur im Altfrz., wo sich die 
an arbre angelehnte Bildung chandelarhre, gleich- 
sam „Kerzenbaum'' findet, vgl. Pafs, EP III 498. 

1820) *candelärins, &, um {\. candela), zur Kerze 



gehörig; ital. candclajo „chi fa candele" u. eande- 
liere „candelabro", vgl. Canello, AG III 305. 

1821) cändidus, a, um, hellweifs: canav. cande, 
vgl. AG XIV 115. 

1822) ndd. cane, Kahn, = frz. cane, davon 
canard, Ente (altfrz. caw^ bedeutet auch „Schiff"). 
Vgl. Dz 539 canard; Mackel p. 13. 

1823) cänesco, *-ire /'. -ere (Inch. v. caneo), 
grau werden; frz. chancir, schimmeln, vgl. Dz 
542 s. V. 

1824) [*cänettus, -um m. (Dem. v. canis), davon 
nach Dz 546 s. v. frz. chenet. Peuerbock zum Auf- 
legen des Holzes im Kamin, „weil er, so sagt man, 
Hundefüfse hat"; Schelor im Anhang zu Dz 758 ist 
geneigt, dienet für zusammengezogen aus *clieininet 
(= *caniineUus v. caminus) zu halten, als Analogen 
führt er das belegte cheminel an.] 

1825) *cänTS, -am f. (Fem. zu canis), Hündin; 
ital. cagna, dav. (mundartl.) cagndra Hundelärm 
(rtr. canira), vgl. Salvioni, Z XXII 466; prov. 
canha; frz. cagnc (Lehnwort). Vgl. Dz 591 
gagnon. 

1826) canicae, -as /'., eine Art Kleie; südital. 
kanikkga, vgl. Meyer-L., Z. f. ö. (J. 1891 p. 767. 

1827) caniciilä, -am /'. (Demin. v. canis), kleiner 
Hund; ital. caniculi, canicola „nome d'una costel- 
lazione, la stagione in cui il sole ö in canicula", 
ciniglia „cordone vellutato" (nach dem frz. chenille), 
vgl. Canello, AG HI 372, Littre, Bist, de la langue 
frcjse 1' 63; zu canicula gehören auch valbross. 
ankaniljar „aggrovigliaro" u. deskaniljar „distri- 
care, dipanare", vgL Nigra, E XIV 353; frz. che- 
nille. Raupe, samtartiges Seidonzeug, vgl. Dz 546 
s. »., wo bemerkt ist, dafs wohl die Ähnlichkeit 
mancher Eaupenköpfe mit Hundeköpfen Anlafs zu 
der Benennung gegeben habe, recht wahrscheinlich 
ist das freilich nicht, vielleicht ist der Grund in 
der an gierige Hunde erinnernden Frefssucht mancher 
Raupen zu suchen. Dz stellt übrigens auch *cate- 
ninüa (Demin. v. catena) als mögliches Grundwort 
hin „wegen des aus einzelnen Ringen zusammen- 
gesetzten Körpers", meint aber, diese Anschauung 
sei zu anatomisch, nichtsdestoweniger dürfte *cate- 
nicula annehmbarer sein, als canicula. Andrerseits 
ist freilich zu erwägen, dafs, wie Dz anführt, im 
Mail, die Seidenraupe can und cagnon „Hund" 
genannt wird. Im Lombard, wird die Raupe gatta 
genannt (vgl. altfrz chate, pic. cate, aus cate pe- 
leuse englisch Caterpillar, vgl. Skeat, Etym. Dict. 
«. 1).), Dz erblickt darin das bekannte Wort für 
„Katze" (es würde dies also ein Analogen zu der 
Bezeichnung „Hund" sein), Pleohia dagegen, AG II 
41 Anm., sieht in gatta eine Kürzung aus bigatta, 
das seinerseits wieder von [bom]byc- stammen soll. 
Aber auch hier ist Diez' Erklärung vorzuziehen. — 
Im Ital. ist das übliche Wort für Raupe bruco = 
brüchus, eigentl. Heuschrecke, u. ruca, im Span. 
oruga, im Ptg. lagarta = lacerta; ruca u. oruga 
gehen auf erüca, eigentl. Raute, zurück, mit welcher 
die Raupe durch ihr samtartiges Aussehen (das 
seinerseits wieder die Benennung eines samtartigen 
Seidenstoffes mit chenille veranlafst hat) Ähnlichkeit 
besitzt. 

1828) *cänilia«. jüJ. (woher? u. was bedeutend?); 
ital. (neapol.) caniglin, misura die biada, canigliola, 
Kleie. Vgl. d'Ovidio, AG XIII 406. 

1829) [gleichs. *cänio, -önem m. (v. canis); 
vielleicht läfst auf diese Grundform sich frz. 
gagnon, gaignon (wagnon, walgnon), Hofhund, 
zurückführen, richtiger aber wird mau das Wort 



201 



1830) cänipa, 



1853) oÄnttcöm 



202 



mit gannire „kläffen" in Zusammenhang bringen, 
Braune, Z XVIII 517, ist geneigt, das Wort von 
ivang „Aue" abzuleiten, so dafs es zunächst „Wiesen- 
liund, Schäferhund" bezeichnen würde, das ist aber 
wenig glaubhaft. Zu beachten ist übrigens, dafs 
Gaignon im. Altfrz. auch als Pferdoname gebraucht 
wird. Vgl. Dz 591 gagnun.] 

1830) eSnipa, -am /., Fruchtkorb; f ria ul."c«»!i«e 
u. ianive ; neuprov. canaveto; frz. (veraltet) cane- 
vette. Vgl. Mussafia, Beitr. p. 142; Behrens, Metath. 
p. 27. 

1831) cSnis, -ein c. (urverwandt mit gr. xvtof), 
Hund; ital. cnxe; rtr. Aa)i, k/ati, k/aun etc., vgl. 
Gärtner § 200; prov. can-s, dazu das Fem. canha 
u. das Adj. canh-s; frz. chicn (das ic erklärt sich 
aus dem sog. Bartsch'schen Gesetze, vgl. G. Paris, 
R IV 123), dazu das Fem. chienne; ptg. cäo. Im 
Span, ist canü durch das (auch im Ptg. vorhan- 
dene) jjerro = *petrus, hoivi. Petrus verdrängt worden 
(8. unten Petrus), auch im Sard. findet sich perru. 
Vgl. Dz 546 chien (u. dazu Scheler im Anhang 758), 
476 perro. Vgl. auch oben canla, canicnla, canio. 
Auf einem Adj. *canüis oder *caneii>i, hündisch, 
könnte wohl auch ptg. canlto, linkisch, beruhen. 
Dz 436 s. V. setzt als Grundwort *cameus, krumm, 
an, s. oben .s. v., s. auch caiiia. 

1832) canTstrum, ''canästriim n. (gr. xävaarpov), 
*canästrS f. {gr. xdiaaT(ia), Korb; ital. canestro; 
neuprov. canasto; frz. canastre (Lehnwort); span. 
canastro, canasto , canasta (wegen der letzteren 
Formen vgl. Storni, R V 167, s. auch oben benna). 
Vgl. Dz 436 canasto u. dazu Sehelor im Anhang 768. 

*cäiiiüs (od. *cäneus), a, um s. canis. 

1833) cänuä, -am /'. (gr. xävra), kleines Rohr, 
Schilf: ital. canna; frz. canne (Lehnwort, meist 
im Sinne von „Spazierstock" gebraucht); span. 
caiia, dav. abgel. cmiuto „pezzo di canna tra uodo 
e nodo", dav. wieder canutillo, woraus ital. 
can{n)utiglia u. frz. cannatiUe, vgl. d'Ovidio, AG 
XIII 407. 

1834) cannäbis, -bim f. u. cännäbttm n. (gr. 
xävvaßii;, xävvaßoq), Hanf; ital. cänape, davon 
abgeleitet cnnavaccio, grobe Leinewand; rum. cä- 
nepä; prov. canebe (davon abgeleitet canabas), 
cambre; irz.chanvre, dazu die entlehnte Ableitung 
canevas; span. cäünmo, davon abgeleitet caiia- 
mazo; ptg. can(li)amo, davon abgeleitet canha- 
ma(;o. Vgl. Dz 84 cdnape. — S. den Nachtrag. 

1835) cännS de ebttio (ebulum, eine HoUunder- 
art) = ital. Crtwwa d'ebolo, daraus dialektisch (aret. 
chian.) candepola, Epheu, vgl. Caix, St. 249. 

1836) cannä + ferulä (Rute), cänna + *fericüla 
= cat. canyafera. span. cailaherla, cahaheja, 
Gartenkraut, vgl. Dz 436 canaherla. 

1837) cännS *impletöria, Einfüllrohr, ist nach 
Caix' geistvoller Vermutung, St. 18, das (dann durch 
Volksetymologie verballhornte) Grundwort zu ital. 
span. cantiwplora, Kühlgcfäfs, frz. chantepleiire, 
Giefskanno, Trichter. Dz 542 chantepleiire hielt 
(nach Menage's Vorgang) das Wort für zusammen- 
gesetzt aus chante -\- pleiire, womit auch Fafs, RF 
III 497, sich einvei'standi'n erklärte. 

1838) eänna-|-mel, Honigrohr, Zuckerrohr; ital. 
cannamele ; span. cananiiel. Vgl. Dz 84 cannamele. 

1839) *cSn[n]ellä, -am f. (Demin. v. canna), 
Röhrchen; \Ux\. cannella, Schilfrohr, Zimmt; rum. 
cane, Hahn (als Werkzeug); prov. canella ; ixt. 
canweZZe, Zimmt(rohr); span. coMtW«, dünnes Rohr, 
canüla, Schienbein, canela, Zimmt; ptg. canela, 
Röhre, Spule, Zimmt. 



I 1840) *cän(n]ellus, -um m. (Demin. v. canna), 
iRöhrchon: ital. cannello, ein Stückchen Rohr; frz. 

cheneau, Dachrinne, wird von Diez 546 s. v. mit 
I Recht von canalis abgeleitet, vgl. jedoch Berger 

p. 71; span. canelo, Zimmtbaum. 
I 1841) eännetum n. {canna), Röhricht; ital. 
.canneto; sard. cannedu, vgl. Salvioni, Post. 6. 

1842) ital. eannibale; frz. cannihale; span. 
canibal, ein der Sprache der Eingeborenen auf den 
Antillen entlehntes Wort, vgl. Dz 84 s. v. 

1843) [*eäniiio, -önem m. (v. canna), Röhre == 
span. gaTion, Luftröhre, davon abgeleitet ganote, 
vgl. Dz 453 gauon.] 

1844) [*cSnno, -önem m. (v. canna), grofse 
Röhre; ital. cannone, Röhre, Geschützlauf, Kanone 
(damit dürfte zusammenhängen cannocchio „palo 
da vite", calocchia mit gleicher ßedtg., viell. auch 
caleggiolo für canneggiolo „cannuccia", vgl. Caix, 
St. 247); frz. canon; span. caiion; ptg. canhäo, 
Vgl. Dz 85 cannone.] 

1845) [*gleichs. cSnnönärius, a, um, = ital. 
cantioniere (frz. canonnier), Kanonier, cannoxiera, 
Schiefsloch -scharte. — Erwähnt werde hier auch 
frz. canonniste, Stückgiefser.] 

1846) cauün {xttvojv)m. Kanon, = altfrz. cane 
(Computus 44). Vgl. Berger p. 77. 

1847) cänönicus, a, um (gr. xavovixöq wxavwv), 
kanonisch, als Sbst. Domherr; ital. canünico, Sbst. 
u. Adj., canönaco, calönaco, Sbst., vgl. Canello, 
AG III 333; frz. chanoine {= *canonachus wie 
moine = monachus, vgl. Meyor, Z VIII 234), alt- 
frz. auch canonge {= *canonius'^). Berger p. 71 
verteidigt nachdrücklich canonicus >■ chanoine. 

1848) cantliäris, -Tda /'., spanische Fliege, Korn- 
wurm; dav. itul. canterella, vgl. Salvioni, Post. 6. 

1849) canthärns, -um m. {xäv9-a()oi) , Kanne, 
Humpen; ital. cantero, neapol. cäntaro, ebenso 
venez. (dazu cantarela ein Fischnarao), vgl. Sal- 
vioni, Post 6. 

1850) cantherifis, -um m. (viell. vom. gr. xav- 
&>j?.io?), Jochgeländer, jochartiges Gestell: ital. 
canieo , Querholz am Sägebock, cantiere, Werft 
(wegen der dort teils im Bau begriffenen, teils zum 
Bau dienenden Gerüste so bezeichnet); (sard. can- 
terJu, cantrexu, cantegghia guancia, vgl. Guarnerio, 
RXX 62): frz. chantier; ptg. canteiro. Im Span, 
wird der Begriff durch anilere Worte {atarazana, 
arsi:nal, carenero) bezeichnet, doch sind auf can- 
tlierius , bezw. xavt^riho^ zurückzuführen canteles, 
Stricke zum Befestigen der Tonnen u. Fässer, und 
wohl auch cantera, Steinbruch. Vgl. Dz 85 cantiere; 
Cohn, Suflixw. p. 287. — S. den Nachtrag. 

1851) [canthus, -um m. (gr. xavUog), der eiserne 
Reifen um ein Rad, die Radschiene: auf dieses Sbst. 
wurde von Dz 85 die Wortsippe ital. canto, Winkel, 
Ecke, Seite etc.. cantone, cantina u. dgl., altfrz. 
cant, span. ptg. canto etc. zurückgeführt. Mehr 
empfiehlt es sich wegen der Bedeutung der betr. 
Worte, die Sippe als auf den kelt. Stamm catnb-, 
cainm-, krumm, beziehentlich auf ein davon abge- 
leitetes Nomen *eambitos, *can>mUos, *cam{b]tos 
zurückgehend zu betrachten. Vgl. Th. 53; s. auch 
oben No 1779.] 

1852) canticulum n. {canticum) , kleines Lied; 
mail. andd in cantegora andare per lii bocche 
altrui, vgl. Salvioni, Post 6. 

1853) cänticum n. (v. cano), Lied; ital. cantico 
u. cantica; rum. cantic, cantecä; prov. cantic-s; 
frz. cantique (gel. W.); span. cantico, cantica; 
ptg. cantico, cantiga. 



203 



1854) cäntio 



1872) cäpItäUs 



204 



1854) cSntio, -onem f. (v. eano), Gesang, Lied; 
i t a 1. canzone ; pro v. cansö-x; frz. chanson ; s ji a n. 
canzon; ptp. can^no. 

1855) cänto, -äre (PVequ. v. cano), singen; ital. 
cantare; ruin. cant ai, at, a; prov. uanlar; frz. 
vhanter; span. ptg. cantar. 

1856) cäntus, -nm m. (v. cäno), Gesang; ital. 
canto; mm. cänt, PI. cänturi; prov. can\t]-z; frz. 
chant; span. ptg. canto. 

1857) cänus, a, nm, grau; ital. cawo, Adj., dazu 
das Sbst. cani, graue Haaro, nur in der Redensart 
anäare ai cani „andare a male, seadere", vgl. Caix, 
St. 250, es kann (aber wohl auch aufgefafst werden 
„zu den Hunden gehen, auf den Hund kommen" 
V. Pabst); prov. (canetas, graue Haare); altfrz. 
chanes, graue Haare; span. ptg. cano, davon ab- 
geleitet canoso. 

1858) *cänritiis, a, um (v. canus), grau; ital. 
entiuto; rum. cärunt; prov. canut; frz. chenu ; 
altspan. canudo. Vgl. Gröber, ALL VI 380. 

1859) [*eäpälis, e (v. *capitm, = span. cabo, 
statt Caput) = span. ptg. cahal, richtig an Mafs, 
vollständig (s. Caix, Giorn. di fil. rem. II 70), vgl. 
Dz 435 s. V.] 

1860) *eäpella, -am (Demin. zu einem voraus- 
zusetzenden *capa, vgl. cap-idus), das, was man 
fassen kann, eine Handvoll, ein Päckchen; prov. 
g{u)aveUa; [irx. javelle , Reisbündol u. dgl. Th. 
p. 62 hält kelt. Ursprung des Wortes nicht für 
unmöglich, vgl. Cohn, Suffixw. p. 19; span. (javilla; 
ptg. gavela]. Vgl. Dz 158 gavela. Durch piem. 
cavela neben tjavela scheint Diez' Ableitung ge- 
stützt zu werden, vgl. Nigra, AG XIV 363. 

caper s. capra. 

1861) cäpero, -äre, runzeln, faltig machen ; da- 
mit hängt viell. zusammen ital. caprtifjgine, Ver- 
zürchung der J'ässer, vgl. Ascoli, AG XV 106 
Anm. 

1862) [*eäpettum n. (v. capiit), Köpfchen, = frz. 
chevet, Kopfkissen, vgl. aber No 1907 (S. 209).] 

1863) *cSpibili8, e (f. capabilis, vgl. Ascoli, AG 
I 14 Anm. 3); ital. capibile ,,intelligibile", cai)e- 
vole ,,atto a contenere, atto a comprendere e ad 
essere compreso, abbondante'' vgl. Canello, AG III 
320. 

1864) [*eapico, -are (v. captis, Kapaun, später 
Falke), mit dem Falken jagen, soll nach Bugge, R 
IV 358, das vorauszusetzende Grundwort zu dem 
frz. püioi/er, gihier, auf die Jagd gehen, birschen, 
und dem Sbst. gibier, Wildpret sein; den Übergang 
von ca- in gi- will Bugge durch Hinweis auf ca- 
rijophyllum : girofle rechtfertigen, bezüglich des 
Begriffes aber vergleicht er engl, to hnwke von dem 
Sbst. hawk. Nichtsdestoweniger ist Bugge's Ab- 
leitung unannehmbar, weil der Inf. giboyer, gibier 
u. ebensowenig ein etwaiges *caparium nimmermehr 
gebraucht werden konnte, um das konkrete Er- 
gebnis der durch das VI», ausgedrückten Handlung, 
das Erjagte, die Jagdbeute, zu bezeichnen, diesem 
Begriffe würde nur eine Bildung auf -ee = -ata 
genügen. Aber auch lautlich ist die Gleichung 
giboyer = *capicare höchst bedenklich , denn der 
Hinweis auf girofle = caryophyllnm kann den 
Glauben an die Möglichkeit des Lautüberganges 
ca- : gi- schwei'Iich begründen , da Blumennamen 
ihre eigenen, durch volksetymologisierende An- 
schauungen bestimmte Wege gehen und folglich 
sich nicht wohl zu Beispielen für auffällige Laut- 
wandelungen verwenden lassen. Auch die von an- 
deren für gibier vorgebrachten Ableitungen (von 



cibaritiH v. cihun, von einem ganz hypothetischen 
Stamme gib, der ,, zwingen" bedeuten soll) sind völlig 
unannehmbar. Wenn endlich Dz 596 s. v. sagt: 
..Ist es richtig, dafs gibet (Galgen) eigentlich den 
Strick um den Hals bedeutet, so könnte sich gibier, 
ursprünglich ein Verbum, auf den Vogelfang mit 
der Schlinge beziehen, aber es bleibt dies immer 
nur eine schwach begründete Vermutung", so hat 
er selbst hinreichend zu erkennen gegeben, wie wenig 
Wert er auf seinen Gedanken legte. Die Herkunft 
des Wortes mufs als noch durchaus dunkel gelton. 
Abgeleitet von gibier sind altfrz. gibelet, Wild- 
pret (u. vielleicht nfrz. gibecihre, Jagdtasche).] 
Eine Frage werde liier aufgeworfen. Im Altfrz. ist 
das Sbst. gibe, ein mit Eisen beschlagener Stock, 
vorhanden : könnte davon nicht gibier (gleichsam 
*gibbärium) abgeleitet sein u. ursprünglich die über 
das Kreuz gelegten Hakenstöcke bezeichnet haben, 
an denen das erlegte Wild getragen wird, sodann 
das Wildpret selbst? Dann würde gibier zu gibet, 
Galgen (eigentl. gabelartiges Gerüst, vgl. ftirca), 
gibelet (kleine spitze Stange), Bohrer, gehören, die 
Herkunft von gibe ist freilich dunkel, die Bedeutung 
weist auf Urverwandtschaft mit lat. gnbulus , ir. 
gabtil, gabhla, dtsch. gabel, giebel (s. Kluge unter 
„Gabel") hin, das intervokalische 6 dagegen fordert 
ein *gibba. Sollte Kreuzung mit cippus, Spitz- 
sänle, Schanzpfahl (vgl. Caes. bell. gall. VII 73, 4), 
denkbar sein? 

1865) [*cäpTIlänus, -um m. (v. cäpus v. capere) 
scheint das Grundwort zu sein zu span. gavilan, 
Sperber; ptg. gavino. Vgl. Dz 454 gavilan. Siehe 
unten sparwftri.] 

1866) [*cäpillütüra, -am f. (v. capillics) , Be- 
haarung; ital. capellatura; frz. chevelure; span. 
ptg. cabelladura.] 

1867) cäpilltts, -um m. (vom Stamme cap, wovon 
auch cap-ut), Haupthaar; ital. eapella; rtr. kavelj, 
tyavel etc., vgl. Gärtner § 200; prov. cabelh-s ; frz. 
cheveu (über altfrz. chevol, cheveil vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 44 u. 47); span. ptg. cabello. Durch 
capillus ist crinis nahezu verdrängt worden. Vgl. 
Gröber, ALL VI 380. 

1868) *cäpTllütus, a, um (für cäpUlätüs v. ca- 
pillus), haarig; frz. chevelu; span. cabelludo, 
ebenso ptg. 

1869) capio, cepl, cäptfim, capere u. *cäpere, 
*cSpIre, fassen, nehmen; ital. capere u. capire ; 
prov. cap, caup (caubut), caber, in Kompositis 
-cep, -ceup, -ceubut, -cebre; frz. (nur in Kompositis) 
■Qoi(s), -{u{s), -QU (aus -ceii), -cevoir; cat. cdbrer; 
span. quepo, cupe, cabido, caber; ptg. caibo, coube, 
cabido, caber. (In seiner Bedtg. ist das Vb. (als Sim- 
plex) wesentlich verengt worden, indem es nur „Platz 
haben, in einen Raum hineinpassen" u. dgl. be- 
zeichnet; ital. capire (capisco etc.) bedeutet „be- 
greifen, verstehen"; in der allgemeinen Bedeutung 
..nehmen" wurde capere durch prehendere verdrängt. 
Vgl. Dz 85 capere; Gröber, ALL I 541.) 

1870) capisterium n. (f. scaphisterium) , Wurf- 
schaufel; tose, capistejo, -eo, per. capesteie, vgl. 
Salvioni, Post. 6. 

1871) capistrnm n., Schlinge, Halfter; ital. 
capestro; rum. cäpestru m., PI. cäpestre f.; prov. 
cabestre; altfrz. chevoistre, vgl. Förster zu Erec 
3512 (S. 820); nfrz. ehevetre, davon das Vb. enche- 
vetrer, halftern, verwickeln; span. cabestro; ptg. 
cabresto u. cabrestäo. Vgl. Dz 546 ehevetre. 

1872) cäpitälis, e, hauptsächlich; ital. capitale 
(über Reflexe des Wortes in Mundarten vgl. Salvioni, 



205 



1873) *capltanüs 



1888) cäprä 



206 



Post. 6; prov. cabdal; altfrz. chaudel; span. 
ptg. caudal, davon abgeleitet caifrfafoso. Das Wort 
wird namentlich auch substantivisch in der Bodtg. 
„Kapital" gebraucht. Vgl. Dz 437 caudal. 

1873) [*capitänus u, *eäpitäneüs, -um m. (von 
Caput), Hauptmann; ital. capitano u. cattano 
„castellano (titolo di nobiltä)", vgl. CanoUo, AG 
III 331; rum. cäpitan (daneben cäpätülu m., PI. 
cüpütäie f., mit der Bedtg. „Kopf" im Sinne von 
Anfangs- oder Endpunkt, aufserdom aber auch 
„Kopfkissen" bedeutend, vgl. Ch. cap); prov. capi- 
tanh-s; altfrz. ehevetaigne, chevetaine; nfrz. capi- 
tame (Lehnwort, vgl. Cohn, Suffixw. p. 1C5); span. 
capitan; ptg. capitäo.] 

1874) [*capitastrum n. (v. eaput), Kopfsteuer- 
liste; ital. catastro, catastn; frz. cadaslre; span. 
catastro. Eine ganz andere Ableitung giebt Dlrich, 
Z XXII 262, s. unten ^katostrakon. J 

1875) eapiteUum n. (Demin. v. caput), kleiner 
Kopf; ital. capitello. Kopf, Knauf, catella „ban- 
dolo, estremitä", vgl. Caix, St. 259; lomb. kavedel 
capezzoli, vgl. Salvioni, Post. 6; prov. capdel; it?.. 
{chapiteau, Knauf, u.) cadeau, Geschenk (gleichsam 
kleines Kapital oder, wie Dz meint, eigentlich 
das Köpfchen, der Schnörkel, womit man einen 
Buchstaben verziert, woraus sich die Bedtg. „Kleinig- 
keit, kleine Gabe" entwickeln konnte); Dz freilich 
537 s. V. u. Könach, Z III 104, wollten das Wort 
in dieser Bedtg. von *catellus, Kettchen, ableiten, 
vgl. aber Brächet, Doublots, suppl. p. 17, Scholer im 
Anhang zu Dz 755; span. caudillo; ptg. caudilho. 

1876) [gleichsam *eäpitettnm n. (Dem. v. caput), 
Köpfchen, Kindchen, jüngstes Kind; ital. vadetio; 
frz. cadet (Lehnwort).] 

1877) cSpitiüm n. (v. caput), Kopf, Kopfloch 
(d. h. die Öffnung des Kleides, wodurch der Kopf 
gesteckt wird), Oberkleid; ital. cavesza , Halfter; 
über dialektische Formen vgl. Flechia, AG II 333; 
Ableitungen cavezzone, gleichsam *capitionem, Kapp- 
zaum, u.capezzale, gleichsam *capitiale, Kopfkissen; 
prov. cabes, cabeissa, Kopf im Sinne von Endpunkt; 
altfrz. chevez u. chevece, Kragen, vgl. Horning, Z 
XVIII 234, caveQon, Kappzaum; span. ptg. cabezo, 
-QO, Gipfel, cabeza, -fa, Kopf, davon span. cabe- 
cear, ptg. co6ef(e)ar, mit dem Kopfe nicken. Vgl. 
Dz 93 cavezza. 

1878) 1. capito, -önem m. (v. caput), Grofskopf; 
ital. capitoni „alari", vgl. Caix, St. 252; eave- 
done (ein Fisch); prov. cabede u. frz. ehevene = 
*ca2)itinevi, vgl. Thomas, K XXIV 581; mozarab. 
eaudon eine Art Falke; vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 
1891 p. 767. 

1879) 2. *cäpito, -äre (v. caput) = ital. capi- 
tare, zum Kopf, zum Ende kommen, ankommen, vgl. 
Dz 362 s, V.; rum. capätd, gewinnen, vgl. Ascoli, 
AG XI 428, wo die gesamte um caput sich reihende 
verbale Wortsippe eingehend behandelt ist. 

1880) CapitölTüm n., Capitol; davon vielleicht 
prov. capdolh-s, Burg. 

1881) capitfila, -am/", (caput), Köpfchen; ital. 
cavicchia (daneben cutoccWo), Pflöckchen; irz. che- 
ville. Vgl. G. Paris, K V 382, u. dagegen Gröber, 
ALL VI 381; Cohn, Suffixw. p. 211. 

1882) cäpitfilfira n. (v. caput), kleiner Kopf, 
Kapital, Kopf =■ Überschrift eines Buchabschnittes, 
Kapitel; ital. capitolo u. capecchio „materia grossa 
e liscosa che si trae dalla prima pettinatura del 
lino avanti alla stoppa, detta capecchio porche si 
leva dai due capi del lino, cioe barbe e cime", vgl. 
Canello, AG III 352; Caix, St. 527, ist geneigt. 



auch scavitolo „cavillazione , pretesto" nebst dem 
Vb. scavitolare „stillarsi 11 cervello" von capitulum 
abzuleiten , indem er auf raccapezzare hinweist, 
andrerseits aber denkt er auch an cavillo als Grund- 
wort, u. dies dürfte entschieden den Vorzug ver- 
dienen, denn, wie er selbst sagt, „a questa seconda 
origine acconna l'equiv. stiviglio per schiviglio"; 
sard. cabidulu; rtr. capulj, vgl. Ascoli, AG VII 
515 Sp. 2; prov. capitnl-s; frz. chapitre; span. 
capitulo, eabildo; ptg. cabidn. Vgl. Dz 86 ca- 
pitolo. 

capo 8. cappo. 

1883) [gleichsam *cSpörälis, -ein )». (v. capn 
aus ^capum f. caput, also deutlich erst romanische 
Bildung, vermutlich einen Plur. *oapöra f. capita, 
nach Corpora gebildet, voraussetzend u. angelehnt 
an generale), Hauptmann, Anführer; ital. caporale; 
frz. corporal, volksetymologisierend an corp.i an- 
gelehnt, vgl. Fafs, EF III 484 unten; altspan. 
caboral u. caporal (Adj.). Vgl. Dz 86 caporal; 
Ascoli, AG XIII 295 u. XIV 336 (nimmt ein *cdpor, 
*cupore als Grundwort an, s. dagegen Schuchardt, 
Z XXII 394 u. XXIII 332).] — Siehe den Nachtrag. 

1884) [*cäp5ttüs u. *cäpotiu$, -um m. (v. caput) 
= frz. chabot, Kaulkopf (ein Fisch), ptg. chabos. 
Vgl. D 541 chabot.] 

1885) cSppä, -am /'. , eine Art Kopfbedeckung, 
(Isid. 19, 31, 3); ital. ca2ipa, Mantel; Ableitungen: 
cap{p)ello, (Kopf)mäntelchen, Hut (davon cappelliera 
„custodia da riporvi il cappello", cappellajo, Hut- 
macher, vgl. Canello, AG III 305), cappella, kleiner 
Mantel, Ort, wo ein Stück vom Mantel des heil. 
Martin aufbewahrt wird, Kapelle (s. Ducange s. v.), 
ca(p)potto, Mantel mit Kapuze, eap{p)uccio, Kuppe, 
Kapuze, Kopfkohl, Kappes (vermutlich mit Anleh- 
nung an capo), capperone, Kappe; prov. ca2M, 
Ableitungen: ca^ml-s, capella, capairö, Mütze; frz. 
chape, Ableitungen (die mit ca- anlautenden sind 
Lehnworte): chapelle, chapeau, chaperon, capot, 
capMce, cafttis (Kohlkopf); span. capa; Ableitungen 
capelo, Kardinalshut (das gewöhnliehe Wort für 
„Hut" ist Sombrero), capilla, Mönchskapuze und 
Kapelle, capucho, capuz, capacho, -a, Korb (nach Dz 
439 soll auch span. ptg. chapa, Blatt, Platte, 
wovon ptg. chapar, plattieren, hierher gehören, das 
wäre nur möglich, wenn es Lehnwort aus dem Frz. 
wäre, u. das ist höchst unwahrscheinlich, eher 
dürften frz. chappe, Saum, u. chap(p)in, eine Art 
Überschuh [Lesage, Gil Blas 4, 6] dem Spanischen 
entnommen sein); ptg. capa, chapeo (Lehnwort aus 
dem Frz.), Hut, capello, Kardinalshut, capella etc. 
Vgl. Dz 86 cappa; Gröber, ALL 1542; Varnhagen, 
EF III 404 (hier werden span. ^tg. chapa etc. auf 
den Stamm Map [s. d.] zurückgeführt). 

1886) capparls, -im {xäitna^tq) f., Kaperstaude, 
Kaper; ital. capjpero, vgl. Salvioni, Post. 6. 

*cappellus, "cappella etc. s. cappa. 

1887) *cäppo (f. *capo), -öuem u. *cappus (für 
capus), -um m., Kapaun; ital. capone; sard. 
cabone ; rum. cäpun; prov. capö-s, dazu das Vb. 
capuzar (v. *cappuii), verschneiden; frz. chapon, 
dazu altfrz. das Verb chapxdisier , Holz spalten, 
[wovon chapuis, Zimmermann]; cat. capo; span. 
copön, dazu das Vb. capar, verschneiden; ptg. ca- 
päo, dazu das Vb. capar. Vgl. Dz 543 chapuiser; 
Gröber, ALL I 542. 

*cäppo, -äre s. *eäppo. 

1888) cäprS, -am /'., Ziege; ital. capra, dazu das 
Demin. capretta; vum. cäpra; rtr. capra etc., vgl. 
Gärtner, § 200; prov. cabra; frz. chevre, dazu das 



207 



1889) cäprgä 



1903) oäptlvTis 



208 



Demin. chevrette; durch gelehrte Umdeutung wurde 
vielleicht an chivre angelehnt chevrette (aus crevette), 
Krabbe, vgl. Suchier, Z III 611, IV 383, V 173, 
Joret führte dagegen das Wort unmittelbar auf lt. 
*capretta zurück, RVIII 441, IX 301. X 238, ihm 
schlössen sich an G. Paris, R X 302 u. 445, sowie 
Vi. Musset, R IX 434. Der Streit ist so ziemlich 
gegenstandslos, da lautlich wie begrifflich beide 
Ableitungen sich rechtfertigen lassen u. eine be- 
stimmte Entscheidung gar nicht getroffen werden 
kann. Über die Bedtg. von chevrette vgl. Lehmann, 
Bedeutungswandel 73; cat. span. ptg. cabra; eine 
Zusammensetzung aus capra=ca&ra, bezw. cn^er = 
*cabro + stann, .stehend, scheint zu sein span. 
ptfi;. cabrestante, aach cahestrante, cahestante ((tz. 
cabestan), Schiffswinde, Tiernamen werden ja gern 
zur Bezeichnung von Geräten, Maschinen u. Ma- 
schinenteilen gebraucht, vgl. Dz 537 cabestan; Wed- 
gwood, The Academy 1889 (unter ,,Correspondence"). 

1889) [cäpreä, -am f., Reh; davon (?) viell. 
span. ptg. corza, corzo, Reh [caprea wurde durch 
Vokalisierung des p u. Verkonsonantierung des e 
zu .;' zu caurja corja, dann corzn, vgl. einerseits 
cap[i]tale : caudal, andrerseits argilla : arcilla). 
Vgl. Dz 442 corza, dagegen Meyer-L. , Z X 172, 
u. Schuchardt, Z XXIII 189 (s. den Nachtrag s.v. 
eurtius). 

1890) cSpreoliis, -um m. u. *eaprioIa (Demin. 
y. caper), eine Art wilder Ziege, eine Art gegabelter 
Hacke, Häkchen oder Gäbelchen am Weinstock; 
ital. capreolo „viticcio", capriolo, cavriölo ,,giovine 
capro", vgl. Canello, AG lÜ 389; gabrieUa „piro- 
letta", vgl. Caix, St. 331; prov. cat. cabirul; 
(altfrz. chevrel); nfrz. chevreuil. — Dazu das 
Fem. ital. capriola, span. cabriola etc., wunder- 
licher Sprung. Endlich die namentl. im Frz. übliche 
Ableitung cabriolet, eine Art Wagen , so genannt, 
weil ein solches Fuhrwerk gleichsam bocksartig 
springt oder weil seine Deichsel eine gabelförmige 
Gestalt hat, vgl. Wölfflin, ALL III 58. 

*capretta s. capra. 

1891) *eäpriciüs, a, um (v.caper), ziegenbocks- 
artig; davon als Sbst. ital. Capriccio, Bocks- 
sprung, seltsames Betragen, toller Einfall, Laune; 
frz. caprice (Lehnwort); span. ptg. capricho. 
Dazu das Vb. capricciare etc., das im Ital. die 
Bedtg. „vor Furcht schaudern, die Gänsehaut be- 
kommen" angenommen hat. Vgl. Dz 87 Capriccio. 

1892) *caprif51ium n., Geisblatt; ital. capri- 
foglio; rum. cäprifoiu; prov. eaprifuelh-s: frz. 
chevrefeuil(le) m.; (span. heifst die Pflanze madre- 
selva, ptg. viadresilva.) Vgl. Beljame in Etudes 
romanes dediees ä G. Paris p. 504. 

1893) cäprile n. (caper), Ziegenstall; ital. ca- 
prile; prov. cabril (Adj. cäprinus u. '^cäprflnns, 
a, um (caper), zur Ziege gehörig; ital. caprino, 
prov. cdbri; span. cdbruno; ptg. cabram. Vgl. 
Meyer-L, Z. f. ö. G. 1891 p. 767). 

1894) *cSprillns, -um in. [caper], Böckchen, = 
frz. chevreau, vgl. Cohn, Suffixw. p. 43. 

1895) *cäpritus, um m. (caper), Ziegenbock; 
prov. cabritz; frz. cabrit (Lehnwort, aus dem 
Plur. cabri[t]n wurde dann der Sing, cabri gebildet); 
span. cabrito (Lehnwort aus dem Prov.). Vgl. 
Cohn, Suffixw. p. 43 Anm. 

1896) capsa, -am f. (von dem Stamme cap, wovon 
capere), Kapsel, Kasten u. dgl.; ital. cassa; prov. 
caissa; frz. e?iässe, Reliquienkästchen, came (halb- 
gelehrtes Wort), Kiste, Kasse; span. caja;. ptg. 
caixa. Dazu die Demin. ital. etc. cassetta, cas- 



settone, u. daaVb. frz. en-chässer, ftg.en-caixar, 
einfassen; zu trennen hiervon ist vermutlieh die 
Gruppe ital. incastrare, einfügen, einpacken, ein- 
fassen u. dgl., castone „legatura die pietre prezioze" 
(= fr z. chäton u. jedenfalls aus dem Frz. entlehnt, 
vgl. Canello, AG III 331); prov. encastrar und 
encastonar; frz. encasirer; cat. encastar; span. 
engastar u. engastonar; ptg. encastoar, welche 
Verba wohl mit germ. (got.) *kasta (s. Kluge unter 
„Kasten") zusammengesetzt sein dürften, die Formen 
mit utr stehen vielleicht in Zusammenhang mit 
castrum, dessen Grundbedtg. ja ,, eingeschlossener 
Raum" ist, vielleicht hat überhaupt der scheinbare 
Stamm castr- in castrum u. cast- in castellum auf 
die Gestaltung der Nachkommenschaft von capisa 
eingewirkt. Dz 91 cassa allerdings leitet die ganze 
Sippe ohne jede bemerkung von capsa ab. 

1897) cäpsäriüs -um m. (v. capsa), der, welcher 
mit einem Kasten , bezw. mit einer Kasse zu thnn 
hat; ital. cassajo „chi fa casse", cassiere „chi 
tion la cassa", vgl. Canello, AG III 305. Im 
übrigen giebt das in allen roman. Sprachen vor- 
handene Wort zu Bemerkungen keinen Anlafs. Vgl. 
Dz 91 cassa. 

1898) cäpsfis, -um m., Wagen-, Kutschkasten (im 
Roman, wird das Wort zur Bezeichnung von Körper- 
teilen — des Brustkastens, der Kinnladen — ge- 
braucht); ital. casso, Brustkasten; prov. cais, 
Kinnlade u. Mund; cat. quex; span. quij-ada, 
Kinnbacken, quij-era, eiserner Beschlag am Schaft 
der Armbrust (Backenstück); ptg. queixo, queixada. 
Vgl. Dz 91 casso; Gröber, ALL I 542. — Förster 
zu Yvain 6033 zieht hierher auch altfrz. chas 
„gewölbter Rundsaal im Erdgescbofs" (vgl. Ducange 
unter capsam u. cassma). — Über carcasso etc. 
vgl. carehesium u. caro. 

1899) [*cäptänS (seil, vestis), vielleicht = ital. 
catana „casacca dei cacciatori", vgl. Caix, St. 258.J 

1900) [*cäptiätör, -örem m. (v. *captiare). Fasser, 
Ergreifer; ital. cacciatore, Jäger; prov. cassador-s ; 
frz. chasseur; span. cazador ; ptg. caQodor.] 

1901) [*eaptiätörius, a, um (v. *captiare), zur 
Jagd gehörig; ital. caccw^ora „abito e canzone da 
cacciatore", cacciatoja „specie di scalpello p6r cacciar 
dentro i chiodi", vgl. Canello, AG III 337.] 

1902) *cäptio, -äre (v. capere, vgl. das schrift- 
lat. Sbst, captio, das Fangen, in der Bedtg. „Fang- 
schlufs" u. dgl. oft bei Cicero, s. Georges), fangen, 
erbeuten, jagen; ital. cacciare; prov. cassar; frz. 
chasser; cat. cassar; span. ptg. cazar; dazu das 
Vbsbst. ital. caccia, Jagd; prov. cat. cassa; frz. 
chasse; span. ptg. caza, daneben sp. ehaza (dem 
Frz. entlehnt), Jagd im Ballspiel, davon das Vb. 
chazar. Vgl. Dz 76 cacciare und 439 cluiza; Gröber, 
ALL I 542. 

eaptivitas s. captivus. 
captivo, -are s. captivus. 

1903) cäptiTiis, a, um (v. capere), gefangen, 
schlecht (in letzterer Bedtg. Anthol. lat. 736, 3 R.) ; 
itah cattivo „prigioniero, misero, malvagio", captivo 
,,prigioniero", dazu das Vb. captivare ,,far prigione" 
cättivare „far prigione e procacciarsi ecc", vgl. 
Canello, AG III 386; sard. battia (aus gattiva, 
cattiva, captiva), Wittwe, vgl. Flechia, Mise. 200; 
prov. caitiu, gefangen, elend, erbärmlich; rtr. 
chiatiff etc., vgl. Gärtner § 6; frz. chetif, elend, 
kläglich (daneben das gel. Wort captif, gefangen); 
span. cativo u. cautivo, gefangen. Dazu das Vb. 
*captivare in entspr. Form u. Bedtg., sowie das 
schon im Schriftlatein vorliandene Sbst. captioitas 



209 



1904) capto 



1918) eäpütülüs 



210 



= ital. cattivitä, span. cautividad (daneben cau- 
tiverio = *captivarium), Gefangenschaft. Vgl. Dz 93 
cattivo; Th. p. 16 {captivus wurde durch keltischen 
Einflufs zu cachtivuK, woraus eaitiu, chetif); Schwan- 
Bohrens, Altfrz. Gr.'> S; 94 A. (es wird bemerkt, 
dafs man chHif aus Kontanaination von coactivas 
mit captivas erklärt habe, vgl. dagegen Neumann, 
Z XIV 553). 

1904) eSpto, -are (Intens v. capere), auf etwas 
fahnden, etwas erhaschen; ital. cattare (gel. W.), 
zu erlangen suchen, trachten; (catar, mit den Augen 
erhaschen, erfassen, sehen, schauen, nur in Zu- 
sammensetzungen, wie 1. catafalco aus cate + getm. 
balko, Sehaugerüst, prov. cadaf'alc-s , altfrz. cade- 
fallt, escadafaut, nfrz. echaf'aud = Schafott, aus 
dem Ital. entlehnt ist irz.catafalque; altcat. cada- 
f'al, span. cadafaUo , cadahcdso , cadalso , halbgel. 
W. aus dem Ital. catafalco; 2. cataletto, Schaubett, 
Totenbahre (span. cadalecho); 3. eine eigenartige 
Zusammensetzung ist das Particip eataeolto, „er- 
tappt", wo cata aus catato gekürzt zu sein scheint); 
rum. catit, ai, at, a; rtr. catar, finden; im Prov. 
u. Frz. ist das Vb. nicht vorhanden, jedoch neu- 
prov. capitd, finden; span. ptg. catar, sehen, be- 
obachten (in diesen Bedeutungen veraltet) , unter- 
suchen, versuchen, kosten, davon das Vbsbst. cata, 
die Suche, das Kosten, u. die Zusammensetzungen 
acator, bewachen, verehren (acataw(je»<o, Ehrfurcht), 
recatar, sorgsam bewahren {recata, Nachsuchung, 
recato, Umsicht, Vorsicht, Zurückhaltung, Ge- 
heimnis); spanische dem ital. cataletto etc. ent- 
sprechende Komposita: catasol, Sonnenblume, cata- 
lejo, Fernrohr, cataviento, Windfahne etc. Vgl. Dz 
catar; Gröber, ALL VI 880. Vgl. unten No 2003. 

1905) cäpiUo, -äre (v. capnlrui), abschneiden 
(Anthim. 75); dav. prov. c(h)aplar, altfrz. chapler, 
einhauen, kämpfen, dazu das Vbsbst. chaple, Ab- 
leitung chapladis, chapleis, Gemetzel. Vgl. Dz 543 
chapler; Caix, St. 517, vgl. auch 19 (S. 16 oben), 
s. unten capulus. — Auf cäpülo, -äre, mit dem 
Fangseil fangen, will Flechia, AG II 5, ital. chiap- 
pare etc. zurüekfiiliren , die betr. umfangreiche 
Wortsippe gehört aber zu dem germ. Stamme t/aj), 
bezw. zu *clappo [s. d.], vgl. Varnhagen, EP lU 403 ; 
Baist, Z VI 426. 

1906) efip[a]ln8, um m. u. eSp[^ttjlum n. (v. capio), 
Griff, Fangseil (in letzterer Bedtg. b. Isid. 20, 16,3); 
ital. cappio, Schleife (caoo, Kabel, s. No 1907); 
frz. cühle, Se\\, Tau; span. ptg. ca6/e, Schiffstau; 
aul'serdem span. cacha = *capula, Messergriff 
(Dz 435 cacho zieht auch span. caeho, kleines 
Stück, caehar, zerstücken, hierher). Vgl. Dz 87 
cappio; Gröber, ALL I 541. ~ Caix, St. 19 (S. 16 
oben), führt auf capulum auch zurück: ital. .s'-ca- 
polare „liberare", davon das Adj. scapolo „libero", 
span. escahullirne „liberarsi, fuggire", tose, in- 
gabolare „tirare in laccio, ingannaro" etc., andere 
von Caix hierher gezogene W^orto werden besser auf 
den Stamm klap, bezw. das Vb. *clappare (s. d.) 
zurückgeführt, vgl. Varnhagen, EP III 403. 

1907) *capu[iii] n. (f. caput), Kopf, Haupt; ital. 
capo, Kopf, cavo „grosso canapo e propriaraente 
l'estremitä del canapo grosso dell' ancora", (aus 
capo verderbt ist vielleicht caffo in essere ü caffo, 
ausgezeichnet [gleichsam das Haupt] sein, daher 
caifo ungerade Zahl, weil sie gleichsam eine gerade 
Zahl mit einem Kopfe ist, oder, nach Canello, AG III 
379, weil Eins die ungerade Zahl „per eccellenza" 
ist, vgl. Dz 361 s. ■!).); sard. kabudu, katmde, vgl. 
Meyer-L., Ital. Gramm. § 326 u. 346, Eoman. Gr. 

Körtin^r, lat.-rom. Wörterbuch. 



I 463, Ascoli, AG XI 434 Anm.; altabruzz. ca- 
pita; rum. cap; rtr. txäf etc., vgl. Gärtner § 106 ; 
prov. cop; cajB -|- tener, das Haupt halten, Hal- 
tung haben, sich benehmen , davon die Sbsttvo 
captenensa, captenenien-s, das Benehmen; irz.chef 
(in der Bedtg. „Kopf" durch tete = testa verdrängt), 
Oberhaupt, auch (im Altfrz.) Anfangs- oder End- 
punkt, dazu das Demin. clievet (gleichsam *capettum, 
sieh aber einige Zeilen weiter unten), Kopfkissen, 
das Vb. (it)chever, zu Ende bringen, chevir (ital. 
chire), über etwas Herr werden, sich einer Sache 
bemeistern , etwas fertig bekommen , davon wieder 
chevance (ital. civama), Errungenschaft, Besitztum; 
(nach Horning, Ztschr. neufrz. Spr. u. Litt. X' 242, 
ist chevet = altfrz. chevez, -ce, = capitium, be- 
oinflufst durch capitia); frz. eschief, Knäuel (eigent- 
lich kopfähnlicher Ball), ecMveau Gebinde, vgl. 
Nigra, AG XIV 181 (wenn an dieser Stelle Nigra 
auch ital. yavine, gavigne Ohrdrüsen, Mandeln, 
von *cnpum herleiten will, so macht das nicht eben 
den Eindruck der Wahrscheinlichkeit, eher könnte 
man an cavus denken, denn Höhlung, Wölbung u. 
Schwellung sind ja verwandte Begriffe); span. 
ptg. ca6o, Ende, Stiel u. dgl., auch Vorgebirge, 
dazu das Vb. a-cabar, beenden; ca6o (u. daneben 
eabe) werden auch präpositional im Sinne von „nahe" 
gebraucht. Vgl. Dz 435 eabe, 545 chef; Meyer-L., 
Z. f. frz. Spr. u. Lit. XX^ 70 (über die Laut- 
entwickelung von capu u. Itipu); Schuchardt, Z XXII 
394 (über astur. cabo). — In Zusammenhang mit 
capum steht vielleicht auch ital. caparbio, hals- 
starrig, vgl. Dz 362 Ä. V.; Brinkmann, Met. 470, 
hielt das Wort für gekürzt aus capra + barbio 
„ziegenbärtig". Aus di ricapo = da capo „noch 
einmal" ist entstanden monf. derko, lad. derecaw, 
darcau, da cauo „auch", vgl. Nigra, AG XIV 364. 
['''cäp(am) -f mäeulä s. carnns.] 

1908) [*c8p(uiii) -f inändücäre = ital. caman- 
giare, Zugemüse, Küchenkraut, eigentl. Anfangs- 
speise, vgl. Dz 362 s. V.] 

1909) [*cap(uin) + *Tiräre, bezw. gyräre = frz. 
chavirer, umschlagen (von Schiffen), vgl. Dz545«. «j.J 

1910) [*cäpfl(iii) -f volvere od. *völütäre = 
ital. capovolgere, capovoltare, auf den Kopf stellen, 
umschlagen, vgl. Dz 545 chavirer.] 

1911) cäpfit, -pitis «., Kopf; das Wort ist wohl 
nur im rum. cäpet, PI. capete (neben cap, PI. capi) 
erhalten, sonst ist es überall durch *eapuin (s. d.), 
im Frz. auch durch testa verdrängt worden. — Für 
mittelst des Deminutivsuffixes -er-on (z. B. in lai- 
deron) aus caplu]t abgeleitet hält Mussafia, Z III 
267, das altfrz. cateron (ein Schmeichelwort von 
nicht ganz klarer Bedtg.), Suchier im Glossar z. 
Aucassin u. Nicolete erklärte es früher mit „Kätz- 
chen, Brustwarze", wogegen G. Paris, E VIII 293 
Einsprache erhob, denn cateron kann mit chat 
nichts zu thun haben, es ist vielmehr Mussafla's 
Ableitung anzunehmen, vgl. auch Z XFV 175. 

1912) [aus Caput ärietis soll nach Geyjer's Ver- 
mutung, E XX 462, prov. frz. tafcarei entstanden 
sein, weil ein Widderkopf das Zeichen einer Schenke 
gewesen sei. Das ist aber ganz unwahrscheinlich, 
jedenfalls völlig unbeweisbar. Sehr glaubhaft ist 
dagegen P. Meyer's Annahme, E XX 463 Anm., 
dafs cabaret die prov. Form für frz. caverel, cave- 
reau „Keller" sei. Vielleicht auch ist cabaret ge- 
kürzt aus *canaharet v. canaba [s. d.], indem es 
an cave, Keller, angelehnt wurde.] 

1913) [*cSpiitttlus, a, um (v. caput), gleichsam 
kopfig, kopfdick; ital. capocchio, stockdumm, ca- 

14 



211 



1914) faqr 



1921) cärbönärlüs 



212 



pocchia, das dicke Ende eines Stockes, vgl. Dz 362 
s. V., indessen erscheint die Ableitung sehr frag- 
würdig.] 

1914) arab. Qaqr, fleischfressender Vogel, Habicht 
(Freytag 11 507b); davon vielleicht ital. sagro, 
Stofsvogel, Falke; frz. span. ptg. sacre. Vgl. Dz 
279 sagro (Diez möchte allerdings lieber sacer als 
Grundwort ansetzen, vgl.gr. leQtt§); Eg. y Yang. 488. 

1915) '■■cara, »am f., Gesicht; sard. prov. cat. 
span. ptg. cara; altfrz. cfo'ere (die lautliche Ent- 
wickelung dieses Wortes ist normal). Dafs *cara = 
griech. xÜqu sei, ist denkbar, aber nicht zu erweisen. 
Das gleichbedeutende ital. rtr. ciera, cera geht 
auf cera, bezw. das Adj. fem. cerea zurtick (Wachs, 
Wachsbild, Wachsgesicht u. endlich in verallge- 
meinerter Bedtg. „Gesicht" schlechtweg), vgl. die 
eingehende u. lehrreiche Untersuchung Ascoli's, AG 
IV 119 Anm. 2, wo Morosi'a auf derselben Seite 
aufgestellte Annahme eines *karia, *kaira, haera. 
cera mit besten Gründen widerlegt wird. Die Redens- 
art far buona cera ist = frz. faire honne chere, 
also Gallicismus. Vgl. Dz 87 cara; Gröber, ALL 
I 542. — Für eine Ableitung von cara hielt Dz 
a. a. 0. das altfrz. Vb. acarier (das zu chiere 
wahrhaftig schlecht genug pafst), und auf dieses 
Vb., welches er mit „konfrontieren" übersetzt, führte 
er wieder das Adj. acariätre, hartnäckig, wunder- 
lich zurück. Eine andere Erklärung gab Tobler, 
Z IV 375, indem er das Wort von gr. äxapi? ab- 
leitete, befriedigen kann aber auch das nicht. Das 
Richtige hat ohne Zweifel G. Paris, R X 302, er 
sagt: ,,La folie s'appelait jadis ,le mal de saint 
Acaire', parce que saint Acaire, eveque de Noyon, 
tres venere dans tout le nord de la France, en 
guerissait (voy. les jolies scenes du ,Jeu de la Feuil- 
Ue'); de lä, ä mon avis, acariastre, qui signifiait 
jadis .feu, furieux' (voy. Sainte-Palaye aux mots 
Acaire et acariastre). Sylvius, des le commencement 
du XlVe s. , a rapproche les deux mots, mais il 
semble, d'apres ce qu'en dit Sainte-Palaye, qu'il ait 
attribue ä saint Acaire la renommee de guerir leg 
acariastres k cause de la ressemblance de son nom 
au leur, tandis que le leur me parait derive du sien ; 
la terminaison a sans doute ete influencee par fola- 
stre". — ■ Auf Zusammensetzung von cara -f- Collum 
(also eigentlich Hals über Kopf) beruht vermutlich 
ital. caraeollo, caragollo, Sprung mit dem Pferde, 
Wendeltreppe, Schnecke; frz. caracol, {escargot, 
Schnecke); c&t. caragol; span. ptg. caracoi. Sal- 
vioni, Z XXII 471, zieht hierher auch \omh. gärof 
ammasso di pietre, macia, sasseto, mucchio di sassi 
per pigliarvi i pesci. Vgl. Dz 88 caragollo, 573 
escargot. S. unten No 1918. • 

1916) [1. cäräbns, -um in. (gr. xäpaßog), eine 
Art langgeschwänzter Meerkrebse (Plin. N. H. 9, 97) ; 
das Wort scheint im Romanischen keine unmittel- 
bare Nachkommenschaft zu besitzen, denn frz. cre- 
vette wird besser auf ein germanisches Grundwort 
(nach Joret aber auf lt. *capretta) zurückgeführt, 
man sehe das nähere oben in dem das Frz. betref- 
fenden Abschnitte unter capra. — Über die mittel- 
bare Nachkommenschaft des Wortes hat Nigra, AG 
XIV 277, eingehend gehandelt; er zieht in dieselbe ■ 
ein auch ital. garbuglio, Wirrwarr, was daran er- [ 
innert, dafs schon Diez 602 s. v. Zusammenhang 
des Wortes mit krabbeln vermutet hatte. S. unten ! 
grab.] j 

1917) 2. carabns, -nm m., ein kleiner Kahn aus 
Flechtwerk u. mit Leder überzogen (Isid. 336 ; ver- 
mntlich ist das Wort dasselbe wie carabus, Krabbe, j 



j da ein kleines Schiff ja sehr wohl mit einem Krebs 
j verglichen werden kann) ; dav. ital. Demin. caraveüa, 

kleines Schiff; frz. caravelle (Lehnwort); span. 

cdraba, dazu das Demin. carabela. Vgl. Dz 88 

cdraba. 

1918) gäl. caraeh „whiriing, circling, deeeiving, 
deceitful" (von dem Sbst. car, bogenförmige Be- 
wegung), wird von Dz 88 caragollo als Grundwort 
aufgestellt zu: ital. caraeollo, Wendung mit dem 
Pferde, caragollo, Wendeltreppe, caracollare , eine 
Wondung mit dem Pferde machen; frz. caracol 
(auch caracole), Schneckenhaus, Wendeltreppe, Wen- 
dung mit dem Pferde im (Halb)kroise (nach Dz 673 
soll escargot, Schnecke mit Gehäuse, wahrscheinlich 
gleichen Stammes mit caracol sein, „dem ein ver- 
stärkendes s vorgesetzt ward", welche Vermutung 
von Scheler im Dict. s. v. wiederholt u. durch An- 
führung der altfrz. Form escargol glaubhafter ge- 
macht wird, übrigens ist das Wort in jedem Falle 
Lehnwort); span. ptg. caracol. Die keltische 
Herkunft des Wortes ist indessen sehr zu bezweifeln, 
vgl. Th. 54. Eine andere Ableitung ist schwierig. 
Eine (freilich etwas verzweifelte) Vermutung werde 
gewagt. Vielleicht hat man von dem Vb. caracol- 
lare auszugehen u. in demselben ein Kompositum 
aus cara (Gesicht) + *collare (v. collum, also gleich- 
sam ,, halsen", d. h. den Hals wenden) zu erblicken 
(vgl. caplum] + voltare u. a.), so dafs das Vb. 
heifsen würde „das Gesicht, bezw. den Kopf (des 
Pferdes) am Hals herumdrehen, herumreifsen (mittelst 
der Zügel)", also „eine Wendung mit dem Pferde 
machen", dann das davon abgeleitete Vbsbst. all- 
gemein „Drehe, Wende" u. dies übertragen auf eine 
sich windende Treppe, bezw. auf das gewundene 
Schneckenhaus. 

1919) *caracta (eigentl. characta, gr. XC(>'"''CV9 
vom St. x^e'^y) /■ "• *caractum «., eingeritzter 
Zauberspruch; altfrz. caraute, cbaraute, charaude 
(dazu das Vb. en-charauder) , daneben charait u. 
charaie, nfrz. charade (mit Angleichung der Endung 
an die Lehnworte auf -ade), vgl. Förster, Z III 263 
(G. Paris, R VIH 629, erhebt gegen F. 's über- 
zeugende Ableitung einige Bedenken, welche nicht 
für erheblich erachtet werden können; wenn schliefs- 
lich gesagt wird : „il faudrait tenir plus de compte 
que ne le fait M. F. de l'origine meridionale men- 
tionnee par Littre", so mag man das zugeben, aber 
die Richtigkeit der F.'schen Annahme wird dadurch 
nicht im mindesten in Frage gestellt). Dz 543 bringt 
charade, neuprov. charado mit ital. ciarlata in 
Zusammenhang, ßaist, Z V 242, vermutet, dafs 
charade mit dem span. charrada, ein Bauern tanz, 
Tölpelei (von charro , Bauer aus der Gegend von 
Salamanca), identisch sei. 

1920) carbo, -önem m., Kohle; ital. carbone 
(über rtr. Gestaltungen des Wortes vgl. Gärtner in 
Gröber's Grundrifs I 481); rum. cärbmie; prov. 
carbo-s; frz. charhon; cat. carbo; span. carbon; 
ptg. carväo. 

1921) cärbönäriiis, a, um (v. carbo), die Kohlen 
betreffend; ital. carbonaro, -ajo, -üre „chi prepara 
o vende carbone, carbonare anche chi apparteneva 
alla societä polit. de' Carbonari", carbonaja, car- 
boniera „buca o stanza per il carbone, catasta di 
legna disposta per farne carbone, la moglie del 
carbonajo", carbonara „la catasta di legna da 
ridurre in carbone, e agg. di una specie di rena", 
vgl. Canello, AG III 306; lum. cärbunar, Köhler; 
i TZ. eharbonnier; cat. carboner; sfa.n. carbonero: 
ptg. carvoeiro. Dazu die entspr. Feminina. 



213 



1922) cärbönSsco 



1935) *cärgstüs 



214 



1922) earböneseo, -ere (v. carbo), verkohlen 
(Cael. Aur. chron. 2, 13, 168 u. 5, 1, 20); ital. 
[in-carbonire); rum. cärbunesc, n, ü, i. 

1923) earbuncttlns, -um »i. (Demin. v. carbo), 
kleine Kohle, ein Edelstein, ein Geschwür; ital. 
carhuHCulo, carboncolo ,,specie di piotra preziosa" 
cnrbonchio „la pietra preziosa, e anohe una malattia 
de' bovini" vgl. Canello, AG III 352: altfrz. car- 
buncle, escarbonde (Rol. 0. 1326, 1488), ecs[h]ar- 
boncle, escarbocle (R. de Troie 11628), vgl. Berger 
p. 123; neufrz. escarboucle /., {charbucle Getreide- 
brand), aufserdem carbouüle = *carbücula, wozu 
das Vb. carbouüler, vielleicht gehört hierher auch 
carbouülon. 

1924) Stamm carc-, coro-, (wovon gr. xaQxivog), 
Krebs (als Krankheit); auf diesen Stamm gehen 
nach C. Michaelis, Jahrb. XIII 209, zurück; 1. span. 
carcino, Krebs, carcinomia, Krebsschaden, carcoma, 
Wurrafrafs, davon abgeleitet carcomer (auch ptg.), 
anfressen (Dz 437 s. v. leitete die Worte von car[o] 
-\-c(ymedere ab) ; vielleicht auch carcueso, abgezehrt, 
ptg. caruncho (davon das Vb. carunchar, wurm- 
stichig werden) u. carugem, Holzwurm. 2. cat. 
corc (arag. corca), Holzwurm, Kornwurm. 

1925) carcer, -erem m., Gefängnis; ital. car- 
cere; altfrz. chartre f., dav. abgel. chartrier, 
chartier etc., vgl. Cohn, Suffixw. p. 22; span. 
cdrccl f. Vgl. Dz 544 chartre. 

1926) carcerärius, a, nm, zum Kerker gehörig; 
ital. carcerario, Adj., carceriere, Kerkermeister, 
vgl. Canello, AG HI 306. 

1927) carchesittm n. (gr. xatjx^oiov), ein hohes 
Trinkgeschirr, Mastkorb ; davon nach Rönscb , RF 
I 449, ital. calcese, Mastkorb, durch volksetymolog. 
Umbildung, vgl. oben *calcense. — C. Michaelis, 
Jahrb. XIII 312, leitete auch it al. carcasso, Köcher, 
frz. *carquois (dies Wort ist aber im Altfrz. in 
der Bedtg. „Köcher" nicht vorhanden, sondern findet 
sich nur in der Bedtg. „Rippenkasten", vgl. Förster, 
Z I 156), span. carcaj von carchesium ab, sich 
besonders darauf berufend, dafs frz. carquois noch 
im 17. Jahrh. auch „Mastkorb" bedeutet habe (s. 
Littrö s. V.) u. dafs span. carcaj auch das Futteral 
bezeichne, in welchem bei feierlichen Gelegenheiten 
das Kruzifix getragen werde. Man wird nicht umhin 
können, dem beizustimmen, jedoch mit dem Vor- 
behalte, dafs frz. carquois ein durch Suffixver- 
tauschung umgebildetes Lehnwort sei. Dz 88 carcasso 
hatte die Sippe von carcasso etc. ebenso wie die 
von carcassa, Gerippe, als aus caro + capsa zu- 
sammengesetzt erklärt. 

1928) *eärdeo (oder *cärdio), -önem m. (zu- 
sammenhängend mit Carduus, Distel), strunkartiges 
Gewächs, ist nach Diez Grundwort zu ital. gar- 
Zone, Knabe (die Bedeutungsentwickelung würde also 
gewesen sein: Strunk, dann als Schimpfwort für 
einen aufgeschossenen, jungen Menschen gebraucht, 
also Bursche); prov. garson-s (möglicherweise ist 
das Adj. gart-z, das z. B. b. Bertran de Born ed. 
Stiraming 20, 43 in der Bedtg. „schlecht" vorkommt, 
die ursprüngliche Nominativform dazu); altfrz. 
c. r. gars, c. o. garson, Bursche, vgl. Burguy I 71, j 
dazu das Fem. garce, Mädchen, Dirne, nfrz. gar- 
Qon, Bursche, Kellner, Knabe, unverheirateter Mann; 
span. garzon, Junggesell (das übliche Wort für 
Knabe \stmuclMeho); ptg. garQäo, Knabe (daneben 
in gleicher Bedtg. rapdz), vgl. Dz 157 garzone. 
Die Diez'sche Ableitung ist jedoch lautlich völlig 
unhaltbar, vgl. Baist, RF VI 426. Suchier, Z \ 
XVIII 281, erblickt in frz. garce die Koseform] 



des german.PrauennamensGarsiMdHs, (Garsuuinth), 
was auch nicht befriedigen kann. Körting, Formen- 
bau des frz. Nomens p. 317, setzt g{u)arce = germ. 
*wartja (mhd. warze) „Gewächs, Wurzel" an. 

1929) *cardellns, -um m. (carduus), Distelfink; 
ital. cardello; (frz. chardonnet , char donneret). 
Vgl. d'Ovidio, AG XIII 431 Anra. 1. 

1930) *cardeus (oder *cärdiüs), -um m. (zu- 
sammenhängend mit Carduus), büschelförmiger 
Pflanzenteil; i t&l.garzo{nuT lomb.), Herz des Kohles, 
davon das Demin. garzuolo: viell. gehört hierher 
auch garza, weifser Reiher, span. garceta, Haar- 
büschel, kleiner Reiher (der Vogel würde nach seinem 
Federbusch benannt worden sein). Vgl. Dz 375 
garzo u. 157 garzone. 

1981) 1. cardo, -dinem m. , das Dreh-, Wende- 
ding, Thürangel; ital. cardine, Thürangel; frz. 
[carne, Kante, Winkel (altfrz. auch Thürangel)], 
davon abgeleitet charniere, gleichsam *eardinaria, 
Gewinde, Gelenkband, charnon, Gewinde. Vgl. Dz 
539 carne; Salv., R XXVm 37. 

1932) 2. *c5rdo, -onem m. (Augmentativ zu 
*cardus f. Carduus), Distel; prov. cardo-s, Karden- 
distel; frz. chardon, Distel, aus chardon roulant 
entstand durch volksetymologische Umdeutung char- 
don Roland, vgl. Cohn, Suffixw. p. 13; span. car- 
don. Vgl. Dz 88 cardo; Gröber, ALL I 542, vgl. 
auch IX 6. 

1933) *cardÜ8, -um in. (für Carduus), Distel; 
ital. cardo, Distel (als Pflanze u. als Kratzwerk- 
zeug), dazu das Kompos. s-cardo, Krämpel, u. das 
Vb. cardare. Wolle kratzen; sard. cardu; frz. 
(das Primitiv ist durch *cardo [s. d.] verdrängt, 
liegt aber vor in den Substantiven zu dem vor- 
auszusetzenden Vb. *echarder = echardonner u. 
ecardonner, wov. ecardonneur, Stieglitz, vgl. Cohn, 
Suffixw. p. 249) echard, Pilz, echarde, Distelstachel ; 
henneg. ecari, Scharte, ecarier, schartig machen, 
ist von mndl. *sTcaerd (ndl. schaard, Scharte) abzu- 
leiten, vgl. Mackel 64; span. cardo, davon dasVb. 
escardar, Disteln ausjäten, wovon wieder das Sbst. 
escarda, Distelhacke. Ableitungen von cardus sind 
auch ital. scardassare. Wolle kardätschen; neu- 
^xoY.escarrassä; ca.i.escarrassarse, sich abhetzen 
(von Baist, Z V 246, fälschlich zu excarptiare ge- 
stellt). Vgl. Dz 88 cardo ; Gröber, ALL I 542 und 
II 279 (unter excarptiare). 

1934) carectnm n. (v. carex), Ort voll Riedgras; 
ital. carreto; mail. com. (auch tic?) carec, vgl. 
Salvioni, Po8t._6, Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767. 

1935) [*cSre8tus a, um; ein zu carere neuge- 
bildetes Partizip carestus soll nach Ulrich, R VIII 
264, das Grundwort sein zu ital. prov. span. 
ptg. carestia (span. ptg. auch cnristia, alt span. 
carastia), Mangel, Teuerung, davon das Adj. ital. 
carestoso, prov. carestios, notleidend. Ulrich ver- 
gleicht Bildungen, wie span. a-monestar v. *mo- 
nestus z. monere u. die Ableitungen v. *comestus 
V. *comere für comedere. Aber diese Herleitung 
ist sehr unwahrscheinlich, erstlich weil die Bildung 
eines Partizips Perf. Pass. von carere der Bedtg. 
dieses Verbs wegen nicht recht glaublich ist, u. so- 
dann weil das Suffix -ia an Passivpartizipialstämme 
nicht antritt; ein mit carere zusammenhängendes 
Sbst. würde *carentia gelautet haben. Auch ist in 
Bezug auf die Bedtg. zu bemerken, dafs an einer 
„Teuerung (der Lebensmittel)" nach volkstümlicher 
Auffassung nicht sowohl der Mangel an Lebens- 
mitteln oder die Entbehrung derselben, sondern 
eben ihr teuerer Preis das auffällige Merkmal ist. 

14* 



215 



1936) cärgüm 



1960) cärpentärtOs 



216 



Das Grundwort zu carestia kann, wie auch Dz 89 
s. V. annahm, nur cärus sein (man vgl. auch das 
schriftlat. Caritas annonae); die Bildung ist frei- 
lich schwer zu erklären, möglicherweise ist sie hy- 
brider Art u. beruht auf einem gräzisiorten Super- 
lativ *caristus, der in der Griechisches u. Lateinisches 
vielfach mengenden byzantinischen Beamtensprache 
nicht undenkbar ist.] 

1936) cärefim n. (gr. xüqov), Feldkümmel (Ca- 
nira carvi L.); ital. carvi; neuprov. charui; 
frz. carvi; span. carvi u. alcaravea (arab. al- 
karavia). Unmittelbare Herkunft aus dem Lat. ist 
lautlich nicht wohl möglich , vermutlich liegt den 
roman.Worten die arab. Form zu Grunde, vgl. Dz 90 
carvi u. dagegen Eg. y Yang. 132. 

1937) cärex, -rieem /'., Riedgras; ital. cdrice, 
Riedgras; span. cnrn>o, Schwertlilie; ptg. carn'co, 
Riedgras. Vgl. Dz 437 carrizo; Salvioni, Post. 6. 

1938) *cäriä, -am /". (f. cartes), Fäulnis; (venez. 
caresina; vic. cai'ese (= *cariceus); engad. kera: 
neuprov. keiro, vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 767; ptg. qitera, Krebs (als Krankheit), C. Mi- 
chaelis, Mise. 147; davon abgeleitet das Ptg. que- 
rado. 

1939) cärina, -am f., Schiffskiel; ptg. querena, 
crena, Kielholen. Vgl. Dz 443 crena. — „Ital. 
car^na, frz. carine, span. carena, ptg. querena, 
crena sind mit lat. carina nicht direkt zu ver- 
binden, auch lassen sich nicht alle Formen auf eine 
gemeinsame Grundform zurückführen. Wahrschein- 
lich ist das Wort, wie andere Schifferausdrücke, 
von einer Seestadt ausgegangen; es würde sich 
fragen, ob irgendwo am adriatischen oder am mittel- 
ländischen Meere i vor n zu e wird, wo also die 
Heimat der Form zu fixieren wäre. Genua kann 
es nicht sein, da hier das Wort caina lautet." 
Meyer-Lübke, Rom. Gr. I § 44. Vgl. auch Canello, 
Kiv. di fil. rom. I 511; d'Ovidio, Giorn. di fll. rom. 
I 80 u. Gröber's Grundrifs I 507; Cohn, Suffix w. 
p. 226. 

1940) Caritas, -tatem /'. (v. carus), Teuerung, 
Liebe (u. im kirchlichen Latein insbesondere christ- 
liche Bruderliebe, Barmherzigkeit); ital. caritä; 
prov. caritat-z; frz. cherie, Teuerung („Altfrz. 
cherte wohl Eigenbildung aus eher, wie malvaistie 
aus malvais, denn läge caritatem zu Grunde, so 
wäre Charte zu erwarten, weil der Schwund des 
vortonigen i älter ist, als die Umbildung von n zu 
e, und car't nur Chart werden konnte (vgl. carri- 
care : charger)." Gröber. — „Aber das e in eiterte 
kann auf Angleichung an eher beruhen ; die Bedeu- 
tung von cherte weist auf unmittelbaren Zusammen- 
hang mit kirchenlateinischem caritatem hin". 
Körting), charite, Barmherzigkeit; span. caridad; 
ptg. caridade. Vgl. Berger p. 77. 

1941) Carmen n., Spruch, (Gebets-, Zauber- etc.) 
Formel, Lied; frz. charme, Zauberformel, Zauber. 
Vgl. Dz 544 s. V.. Nach Caix, St. 336, würde auch 
ital. ghemiinella „inganno, truffa" auf Carmen, 
bezw. auf das davon abgeleitete ahd. kermindt 
zurückzuführen sein. 

1942) 1. carmino, -äre (v. earmen, Lied), dichten 
(Sidon. ep. 1, 9 u. 9, 15); ital. (in)giarmare (durch 
Zauberformeln) betrügen, vgl. Caix, St. 364; frz. 
charmer, bezaubern, neben charme „gefeit" ist im 
Altfrz. auch citarne vorhanden, vgl. Cohn, Sufixw. 
p. 188. Vgl. Dz 544 charme. 

1943) 2. eärmino, -äre (v. earmen, Krämpel), 
krämpeln; davon ital. searmigliare (venez. sgra- 
mignd) „arruffare, scompigliare", vgl. Caix, Sf. 519, 



dazu das Sbst. gramola. Breche zum Flachs, und 
das Vb. gramolare, Hanf brechen, Teig kneten; 
obwald. karmalar; span. carmenar, gramar; 
kneten, grama, gramilla, Schwingmesser, Hanf- 
schwinger; ptg. gramar, Hanf brechen, grama- 
deira, Hanfbrecher, Vgl. Dz 171 grama; Baist, 
RF I 133 (bestreitet, dafs gramar = carmi- 
nare sei). 

1944) (gallischer oder lateinischer?) Stamm *ear- 
mön (ahd. harmo, lit. ssermü) = rtr. (obwald.) 
karmun, Wiesel, Meyer-L Z., XIX 97. 

1945) [*camäceus, a, um, fleischern; rum. 
cärna{, Wurst.] 

1946) cSrnärium n. (v. caro), Fleischkammer; 
ital. carnajo „luogo da riporvi la carne, e sepoltura 
comune", carniere, -o „borsa da caccia, indi borsa 
in genere" vgl. Canello, AG HI 306; prov. carnier-s, 
Beinhaus; frz. charnier; span. carncru. Vgl. Dz 99 
cimeterio. 

1947) cSrnättts, a, am (v. caro), fleischig; frz. 
charree, Köder, vgl. Joret, R VI 596, vgl. auch 
Gröber im Nachtrag zu No 1672 der ersten Ausg. 
des Lat.-rom. Wtb.'s; span. cwnauta, Stück Fleisch, 
welches als Köder dient. 

1948) [carnem laxSre, das Fleisch loslassen, der 
Sinnenlust freien Lauf lassen; ital. carnelasciarc 
(daraus durch Umstellung) caniescialare, auch car- 
nascialare (in Anlehnung an carrus navalis, w. ra. s.), 
Fastnacht feiern, dazu das Sbst. carnaseiale. Vgl. 
Dz 362 carnevale. S. unten carrns navalis.] 

1949) cärnefls, a, um, fleischern; ital. span. 
carneo. 

1950) camifex, -Teem m., Henker; ital. carnC' 
fiee. 

1951) [*cärnltiärius, -um m. (v. caro), Fleischer; 
ru m. cärnä{ar; prov. earnacier-s; span. carnicero; 
ptg. carniceiro.] 

1952) carnöstts, a, um, fleischig; ital. carnoso; 
rum. cärnos ; prov. carnos; span. ptg. carnoso. 

1953) *cärnatüs, a, um (v. caro), fleischig; 
ital. carnuto; frz. charnu; span. ptg. carnudo. 

1954) cäro, carnem f.. Fleisch; itah carne; 
rum. carne; prov. carn-s; frz. chair; cat. carn; 
span. ptg. carne. 

1955) cäro + capsa, Fleischkasten, Fleisch- 
behälter; ital. carcassa, Gerippe; frz. carcasse; 
span. carcasa; ptg. carcassa. Vgl. Dz 88 carcasso; 
s. aber auch oben carchesium. 

1956) [*cärölüs (i'.cärölüs v. caries), -um m., Holz- 
' wurm, ist das Grundwort zu zahlreichen rtr. Bezeich- 
! nungeu dieses Insekts, vgl. Ascoli, AG I 74 Anm. 2 
iZ. 6 v. u. 144 Z. 1 V. ob., 328 Anm. Z. 3 v. u., 
I 522.] 

1957) [gleichs. *caroneus, a, um (v. caro, vgl. 
Ascoli, AG XI 419), zum Fleisch gehörig, Aas; 

: ital. carogna, Aas; T^tov.caronha; ixi. charogtte; 

span. carrofia, dazu das Adj. carroiio, stinkend. 
' Vgl. Dz 89 carogna; Gröber, ALL I 543; Ascoli, 

AG XI 419.^ 

1958) carota, -am f. {xäpwxoy), Möhre; ital. 
carota; frz. earotte. (F. Pabst.) 

-1959) earpa, -am/'., Karpfen (Cassiod. var. 2,4); 
ital. abgeleitet carpione; rum. crap m.; prov. 
escarpa; frz. carpe; span. carpa; ptg. carpa. 
Vgl. Dz 89 earpa; Kluge unter „Karpfen", wo man 
Näheres über die Verbreitung des Wortes im German. 
u. Slav. findet. 

1960) cärpentarius , -um m. (v. carpentum), 
Wagenbauer, Stellmacher; ital. carpentiere, WngaeT, 
Zimmermann; prov. carpentier-s ; frz. charpentier, 



217 



1961) cärpgntüra 



1978) cäsa 



218 



Zimmermann : span. carpintero, Zimmermann, 
Tischler: ptg. carpinteiro. Vgl. Dz 89 carpentiere. 

1961) eärpentuniH., (Gerüst, Leiterwagen), Wagen; 
rtr. carpient (vgl. auch crapenda, charpainta, val- 
tell. crapena Heuboden, vgl. Salvioni, Z XXII 
468); frz. charpente, f., Zimmergerüst, Gebälk. 
Vgl. Dz 89 carpentiere. 

1962) (cärplnns u.) *c5rpinus, um /., Hage- 
buche (Carpinus Betulus L.); ital. cdrpino, carpine 
{carpigno = carpineus) : piem. kerpu; rum. carpin, 
carpän; frz. clmrme (dialektisch carne); span. 
ptg. earpe. Vgl. Dz 544 chnrmei Gröber ALL I 543. 

1963) *cärpio, -Ire (für das im Roman, ganz 
geschwundene carpo, carpere, rupfen); ital. car- 
pire; regg. sgarbir; rtr. Jcarpir; aXtfrz. charpir, 
zupfen (Komp. escharpir, dencharpir) , davon das 
substantivierte Partizip charpie, gezupfte Leine- 
wand; das gleichbedeutende ital. carpia ist wohl 
eine an lat. carpere angelehnte Umformung des frz. 
Wortes; span. carpir. Vgl. Dz 544 charpie; Pa- 
rodi, R XVn61; (mit carpire bringt Horning. Z 
XVIII 215, auch est frz. charpaigne, Korb, in Ver- 
bindung). 

1964) *eärptTo, -äre (v. coj-pere). zerstückeln; 
davon nach Dz 595 frz. gercer {: *carptiare — 
gedle : caveola), spalten, wozu die Vbsbst. gerce, 
Spalte im Holz, Motte (weil sie zerreifst). Baist 
dagegen, Z V 563, will gercer (altfrz. jarcer) 
nebst dem gleichbedeutenden span. sarjar, «njar 
vom griech. äialQsaiQ, Trennung, Schnitt, herleiten, 
worin man ihm aus sachlichen wie aus lautlichen 
Gründen unmöglich beistimmen kann. Bezüglich 
gercer wird man bei Diez' Annahme sich beruhigen 
dürfen, span. sarjar aber steht vermutlich mit lat. 
sarire in Zusammenhang. 

1965) earpus, -um vi. (gr. «apTtöj), Vorderhand 
(das Wort fehlt b. Georges); ital. carpo, Vorder- 
hand, davon das Adv. carpone, gleichsam grofs- 
händig, d. h. auf allen Händen, auf allen Vieren. 
Vgl. I)z 363 carpone. 

1966) [(*earräg:iüni), *cärrTägiiiin, *eSrruäticüiii 
n. (v. carrus), Fuhrwerk, Fracht; ital. carriaggio, 
frz. charriage; span. carruaje; p tg. carrua gem.] 

1967) [*cärräriS, -am /. (v. carrua), Wagenwog, 
fahrbarer Weg, Strafse, Bahn; ital. carraja und 
carriera, vgl. Canello, AG III 306; rum. curare; 
prov. carriera; altfrz. charriere und carriere, 
quarriere; nfrz. carriere (ist also verschieden von 
carriere, Steinbruch = *quadraria) : span. carrera ; 
ptg. carreira.' Vgl. Dz 89 carriera.] 

1968) |*eSrrärins, -um m. (v. carrus), Fuhr- 
mann; ptg. carreiro.] 

1969) !*cSrrätS(v. carrus), Wagenladung; ital. 
carrata; frz. charree ,,cendre lessivee". vgl. Joret, 
R VI 595; das frz. Wort wird gewöhnlich aus 
*cinerata hergeleitet, lautlich aber kann es nur = 
*carrata sein, den seltsamen Bedeutungswandel 
freilich weifs auch Joret nicht zu erklären.] 

1970) f*c8rrätellnm n. (v. carrus), kleine Ladung; 
ital. caratello, Fäfschen, vgl. Dz 362 s. v.; Guar- 
nerio, R XX 257 Anm. (caratello soll auf quädra 
zurückgehen).] 

1971) *carrico, -äre (v. carrus), auf den Wagen 
laden, belasten; ital. car(i)care, dazu das Vbsbst. 
carico, -a; rum. carc, ai, at, a (nur in Kompositis); 
prov. cargar ; frz. charger, bt^lasten daneben 
altfrz. charrier, charroier, fahren, dazu das Vbsbst. 
Charge; cat. carregar ; span. cargar, dazu das 
Vbsbst. cargo, -a; ptg. carregar, dazu dieVbsbsttve 
earrego, cargo, carga. Vgl. Dz 89 caricare. 



\ 1972) cärrneS, -am f. (v. carrus), Wagen; ital. 

uur als Demin. carrucola, Zugwinde; sard. car- 
', ruga, dazu carrugare, carrucolare; prov. carruga, 

Kutsche; frz. charnie, Pflug. Vgl. Gröber, ALL 

I 543. 

1973) cSrrüs, -um m. u. carrum, PI. cärrä n. 
(vgl. Apel, ALL I 450 u. namentlich Georges, ALL 

II 254), Wagen; ital. carro; rum. car: rtr. cor 
etc., s. Gärtner §200; prov. car-s; frz. char; span. 
ptg. carro. — Zu den aufgezählten Worten sind 
zahlreiche Ableitungen in deminutivem wie augmen- 
tativem Sinne vorhanden, unter denen ital. carrozza 
(dazu das Adj. carrozzahüe), gleichsam *carrocea 
(davon wieder carrozzajo „chi fa e vende oarrozze" 
u. carrozziere „chi fa, noleggia, e piü spesso chi 
guida carrozze", vgl. Canello, AG IE 306), frz. car- 
rosse, dazu das Adj. carrossable; span. carroza 
u. ital. carosello, garosello, frz. carrousel, Eingel- 
rennen, die interessantesten sind. — Vgl. Dz 89 
carriera; Meyer, Ntr. 163. 

1974) [cärriis navälis, Schiffswagen, d. h. Schiff 
auf Rädern, wie es bei festlichen Aufzügen ange- 
wandt zu werden pflegt; vermutlich beruht auf 
dieser Wortverbindung ital. carnevale, carnovalc, 
frz. span. u. ptg. carnaval. Anlafs zu dieser 
Benennung des Fastnachtfestos konnte der Umstand 
geben, dafs vielleicht ein Schiffswagen einen stehenden 
Bestandteil der Maskenaufzüge gebildet hat. Wenn 
dem 80 ist, so würde anzunehmen sein, dafs im ItaL 
durch gelehrte etymologisierende Umdeutung das 
Wort in carnevale (gleichsam ital. carne, F'leisch 
-|- lat. vate, lebe wohl) umgewandelt worden sei, 
während das Frz. u. das Span, das aus dem Ital. 
entlehnte Wort in seiner ursprünglichen Gestalt 
bewahrten , weil, wenigstens im Frz. , eine solche 
Umdeutung weniger nahe lag. Neben carnevale 
besitzt das Ital. das Sbst. carnasdale v. carnaseia- 
lare = carnem laxare (s. d.); ähnlich wird im Rum. 
der Tag vor Beginn der Fasten läsare de carne 
genannt, sachlich entspricht dem Karneval das Wort 
cä.^legi „rejouissance de carnaval dans la semaine 
de beurre (de fromago) , avant le grand careme, 
pendant lequel meme le manger de laitago est de- 
fendu dans l'eglise grecque-orientale", vgl. Ch. cas. 
Vgl. Dz 362 carnevale; vgl. auch P. Meyer, R 
XVII 154; Behrens, Metath. p. 46 (handelt über 
carlevd).] 

1975) cartilägo, -inem f., Knorpel; (ital. car- 
tilaggine); lomb. carteldm, cartldm, carläm pelli- 
cola deir novo; obwald. cartilagna, vgl. Salvioni, 
Post. 6; (frz. cartilage). 

1976) eäriis, a, um, teuer; ital. caro; rtr. har, 
leer, txer etc., vgl. Gärtner § 27; prov. car; frz. 
chier, eher; span. ptg. caro. 

1977) cäryophyllum n. (gr. xaQvö<pv).).ov), daraus 
*gar6fulum (i*), Gewürznelke (Caryophyllus aroma- 
ticus L.); ital. (mit Umbildung) garofano; sard. 
colövru; sicil. galofaru; venez. garofölo; rum. 
carofil, garofd: rtr. garoful, vgl. Gärtner § 2 a); 
prov. frz. girofle; span. giroflc, girofre. Vgl. Dz 
156 garofano; Gröber, ALL II 433; Bugge, R 
m 147. 

1978) casa, -am f., Hütte, Haus; ital. casa, 
dazu die Ableitung casacca, frz. casaque, span. 
ptg. casaca , lange Überjacke (gleichsam eine an- 
ziehbare Hütte), vgl. Dz 90 •?. v., doch ist das Wort 
wohl besser als slavisches Lehnwort aufzufassen 

i („Kosakenrock") u. ebenso dürfte it. casipola , frz. 

ehasuble, nicht, wiePlechia,AG IV 380, will, von ca.'ia 

I abgeleitet, sondern Fremdwort sein, vgl. G. Paris, 



219 



1979) cäsa *matta 



1993) cästigo 



220 



R IX 624. Storra, K V 174, nimmt an, dafs das 
span. casulla, Mefsgewand, welches von Dz 91 
casipola trotz des Accontes dem lat. casula gleich- 
geset/,t wurde, aus *casupla, *casuhla (frz. chanuble) 
entstanden sei; rum. caaä; rtr. kaza, ka, kesa, 
txesa etc., vgl. Gärtner § 200; prov. casa; frz. 
{case, Häuschen, Hütte, das übliche Wort für „Haus" 
ist maison = *mansioneni), [Adv. chez, bei, geht 
auf *ca.9i(Ä zurück] ; span. ptg. cat. casa. S. auch 
unten ^easns. 

1979) cäsa *inatta, eigentl. mattes, schwaches 
d. h. rohes, nicht ausgebautes, sondern gleichsam 
mir angedeutetes Haus, Kellerhaus, Wallkeller; 
ital. casamatta ; frz. casemate; span. casamata. 
Diese von Mahn, Etym. Unters, p. 6, aufgestellte 
u. von Dz 90 s. v. wiederholte Herleitung ist des 
anzunehmenden Bedeutungswandels wegen nicht 
ohne Bedenken, immerhin aber ist sie glaubhafter 
als die von Wedgwood, wonach das Wort aus span. 
casa + matar, töten (bezw. Sbst. mata, Gemetzel) 
zusammengesetzt sein und also ursprünglich etwa 
„Mordhaus" bedeutet haben soll. Ebenso wenig 
glaubhaft ist Menage's, von Baist, EP VH 314, 
wieder aufgenommene Etymologie casamatta = 
yäofiaza (Plur. v. ;fä<j/<a), Klüfte; Baist's Berufung 
auf Rabelais, Prolog zu Buch HI, kann nichts er- 
weisen. Ein sicheres Urteil über die Herkunft des 
Wortes wird sich erst abgeben lassen, wenn festge- 
stellt sein wird, wo es zuerst gebildet und gebraucht 
wurde. 

1980) easens, a, nm, uralt (sabinisch-oskisches 
Wort, nur in der ältesten Latinität vorkommend, 
z. B. Enn. ann. 24, dann wieder von Ausonius ge- 
braucht, ep. 22, 27); ital. casco. alt, hinfällig 
(„im Ital. kaum volkstümlich , wohl aber im Räti- 
schen", Meyer -L., Z. f. ö. G. 1891 p. 767). Vgl. 
Dz 363 s. V. 

1981) *ca8eäriii8, nm m. (v. cnseus), Käsebereiter; 
rum. cägar: span. quesero; ptg. qiieijeiro: dazu 
das Sbst. (rum. cägärie) , span. queseria, ptg. 
queijeiria, Käserei. 

cäseölus, -nm s. cäsSüs. 

1982) [*cäserna, -am /. (von casa nach Analogie 
von caverna gebildet, vgl. Dz 90 caserma). weites 
Haus; ital. casenna; rum. cäsnrmä;iri. caserne; 
span. ptg. caserna.\ — Siehe <len Nachtrag. 

1983) eäseus, -m >«., Käse; ital. cacio u. cascio, 
davon abgeleitet caseina, Meierei; rum. ca-^; rtr.: 
das Primitiv ist durch das Deminutiv caseolus ver- 
drängt, welches sich zu kaiiel, kizlel, t^izöel etc. 
entwickelt hat, vgl. Gärtner, § 46; prov. casieu-s 
{= *caseolus); im Frz. (wohl auch im Prov.) ist 
*formaticum =■ fromage an die Stelle von caseus 
getreten, auch im Ital. steht formaggio neben 
cascio, u. aus dem Ital. ist das Wort in einzelne 
rätische Gebiete übertragen worden, vgl. Gärtner 
§ 6; span. queso : ptg. queijo. Vgl. Dz 90 cascio. 

1984) [*cSsico, -äre (v. cas[.i]o, -äre == cad-so, 
Plant, mil. 852 u. 856), fallen, ist das mutmafs- 
liche Grundwort zu ital. cascare, fallen, wovon 
das Partizipialsubst. cascata, Wasserfall. (Span, 
ptg. cascar, zerbrechen, = *quassicare, irz.casser 
■= *quassare gehören also zu einer anderen Sippe. 
Vgl. Dz 363 casco; Gröber, ALL VI 380).] 

1985) casnar, alter Geck (tuskisches oder oskisches 
Wort, belegt z. B. b. Varr. LL 7, 29); vielleicht (?) 
erhalten in altfrz. casnard, Schmeichler, falls 
dieses Wort nicht, wie Dz 540 s. v. wohl sehr 
richtig vermutet, von canis abzuleiten sei (die ä^lteste 
Form würde dann cagnard sein). 



1986) *cSso, -äre (v. casa), häuslich einrichten; 
ital. casare; [rum. lautet das betr. Vb. cäsätoresc, 
ii, it, i, abgeleitet von dem Adj. cäsätor = *casa- 
torius]; prov. cazar; frz. caser; cat. span. ptg. 
casar. Vgl. Ch. casä. 

1987) [*cas8inns (oder *eassann8 ?, vgl. Meyer-L., 
Z XV 271 u. Rom. Gr. I p. 352, oder *casnns v. kelt. 
cassen, cas-'iin, caissn? vgl. Ascoli, AG XI 425), -um 
m. (vielleicht zusammenhängend mit casnar „der 
Weifse", so dafs als Baumname das Wort zunächst 
etwa die Weifspappel bezeichnet hätte) ist die vor- 
auszusetzende Grundform für prov. casse (dav. der 
Eigenname Cassagnac), altfrz. chasne, Eiche, 
während frz. chene eher auf *caxinus hinweist, 
vgl. W. Meyer, Z VIII 236; Horning, Ztschr. f. 
nfrz. Spr. u. Litt. X» 245. S. auch imten caxinns.] 

1988) easso, -äre (v. cassus), für ungültig er- 
klären (Eccl. u. spät. JCt.); ital. cassare, frz. 
casser, u. auch sonst in den roman. Sprachen als 
gel. Wort erhalten. 

1989) eassng, a, nm, leer, nichtig, erfolglos; 
ital. casso; prov. cas; altfrz. quas; span. caso; 
ptg. casso, vgl. Dz 91 s. v. — Auf cassus, bezw. 
auf *cassimus (vgl. pessimus. *bassimus, s. oben No 
1260) führt Cohn.Z XIX 58, zurück frz. chaumcf., 
Brachland, Weideland, wozu dann das Vb. chömer, 
brachliegen, feiern, gehören soll; wegen der Laut- 
entwickelung vgl. Phantasma : fantöme. Die Ab- 
leitung von /äa/ia weist Cohn der Bedeutung wegen 
zurück, das gleiche Bedenken hätte er aber auch 
gegen cassitniis hegen u. zugleich erwägen sollen, 
dafs man auf das vereinzelte u. abnorme fantöme 
doch nicht wohl andere Etymologien stützen kann. 
Die übliche Ableitung des chömer v. gr. xavfia 
(s. unten caunia) ist allerdings nicht einwandsfrei, 
aber sie ist doch immerhin annehmbar. 

1990) castäneä, -am f. u. *castäneiis, -nm m. 
(gr.Ä'Cfffravoi'), Kastanienbaum, Kastaniennufs; ital. 
castagna, -o; rum. castanä u. castan; prov. ca- 
stanho u. -a; frz. chätaigne f. (für das Masc. ist die 
Ableitung chätaignier eingetreten); span. castana, 
■o; ptg. castanha, -a. 

1991) cästellänüs, a, nm (v. castellum), zu einem 
Bollwerk, einer Burg gehörig ; das Wort ist, namentl. 
in substantivischer Bedeutung f,,Schlofsherr, -in, 
Schlofsverwalter, -in"), in alle rom. Spr., mit Aus- 
nahme des Rum., übergegangen (frz. ehätelain, -e). 
Das Ital. bildet daneben mit deutschem Suffix 
castaldn{dsLoehen castaldione), Güterverwalter, wovon 
wieder castalderia, Meierhof; Dz 363 leitet das Wort 
von got. gastaldan, erwerben, ab. Vgl. unten 
^astaldan. 

1992) cästellüm n. (Demin. zu castrwn), Boll- 
werk, Burg; ital. castello; prov. castel-s; frz. 
chäteau; span. (mit Suffixvertauschung) castillo; 
ptg. castello. Dazu Deminutiva, z. B. frz. chätelet, 
Schlöfschen. Vgl. Gröber, ALL VI. 380. 

*cästlgämentum s. eästigo. 
cästigätio s. eästigo. 
I eästigätör s. cästigo. 

1993) cästigfo, -äre (= castum -f ago), säubern, 
bessern, strafen, züchtigen; itaL castigare, gastigare, 
davon castigo u. castigatnento ; rum. cä^tig at at a 
(etwas besser machen u. dadurch) Nutzen haben, 
gewinnen, dazu das Sbst. cästig; prov. castejar, 
castiar, dazu castic-s, Tadel, Rat, Warnung, castt- 

\amen-s, Züchtigung, castiaire, Tadler; altfrz. 
1 c{h)astiei-, c{h)astoicr , tadeln , ermahnen, belehren, 
i dazu chasti, chastoi, Tadel, Warnung, cJuistiement, 
I chastoiement, Belehrung u. dgl.; nfrz. ehätier, dazu 



221 



1994) cästimönlä 



2012) cätsUüs 



222 



chätiment, Strafe; span. castigar, strafen, kränken, 
betrüben, dazu castigo u. cadigamento, Strafe, 
castigador, Züchtiger; ptg. castigar, dazu castigo 
u. caatigaQäo. Vgl. Dz 544 chätier. 

1994) cSstimöniä, -am /. u. eästitäs, -tätem f., 
Reinheit, Keuschheit, sind nur als gelehrte Worte 
u. auch als soleho nur vereinzelt erhalten, z. B. 
ital. castitä, span. castimonia, ptg. castidade; 
frz. chasteti-. 

1995) castör, -örem m. (gr. xccarw^), Biber; 
it al. casfore u. -o; prov. frz. span. ptg. castör. 
Eigentl. volkstümlich sind die auf germ. beber \a. d.] 
beruhenden Worte. 

1996) Castro, -äre, verschneiden; ital. castrare ; 
frz. chätrer; span. castrnr; ebenso ptg. 

1997) cSstrüniM., Festung, Lager; sard. fcrast«; 
sonst nur gel. W. : ital. span. Castro; in den 
übrigen rom. Spr. ist das Wort durch campus ver- 
drängt worden, das auch im Ital. und Span, in 
dieser Bedeutung üblich ist. 

1998) castus, a, um, rein, unschuldig; als Adj. 
ist das Wort ital. span. ptg. casfo erhalten, aber 
nur in der gewählten, bezw. der gelehrten Sprache ; 
das Span. u. Ptg. besitzen aufserdem das sub- 
stantivierte Fem. casta in der Bedtg. „(unvermischte) 
Kasse, Geschlecht", welches aucli in das Frz. über- 
gegangen ist (caste). Vgl. Dz 437 casta; Berger p. 78. 

1999) cästUä, -am f. (Demin. v. casa), Hüttchen, 
ein Mantel mit Kapuze (in letzterer ' Bedtg. Ven. 
Fort. Vit. S. Medardi 2; Isid. 19, 24, 17); für 
identisch mit cäsula erklärte Dz 91 casipola das 
span. casülla. Mefsgewand, indessen der Hochton 
verbietet diese Gleichsetzung. Storm, R V 174, 
dagegen betrachtet casulla als entstanden aus *ca- 
subta (vgl. frz. chasuble), *casiipla, *casipula, 

2000) casus, -um m. (v. cado), der Fall im 
eigentl.. wie im übertragenen Sinne; ital. caso; 
prov. frz. cas; span. ptg. caso. 

2001) '*'cäsus, -um in. (Nebenform zu casa), vgl. 
Loewe, Gloss. nominum S. 27, No 373), Haus; 
altfrz. en u. a chies (mit folgendem cas. obl.) im 
Hause = bei, nfrz. chez; altspan. altptg. en 
cas. Vgl. Dz 546 chez; Cornu, R XI 83 (stellt, 
wie Diez, casa als Grundwort auf, sucht aber den 
Abfall des a zu erklären); Morel-Falio, R IV 41 
(setzt en cas = in casis an); Gröber, ALL I 543 
(hier zuerst das Richtige). 

2002) catä, griech. Präp. m. Acc. [xara , vgl. 
Morel-Falio, R XXII 482; richtiger ist übrigens 
nicht xarä, sondern xäf^a anzusetzen, vgl. Thumb, 
Handbuch der neugriech. Volksspr. § 137] [cata 
mane, gegen Morgen, Plin. Val. 2, 12; cata mane 
mane, jeden Morgen, Vulg. Ezech. 46, 14 u. 15); 
ita.\. cad-uno , jeder; (rum. cäte, zum Ausdruck 
der Distributivzahlen, z. D. cäte oder pre cäte unul, 
doi ■= un ä im, deux ä deux, vgl. P. Meyer, R II 
80, Ch. s. V. setzt cäte = quanta an); rtr. s-eadin; 
prov. cada, cada un, cada pauc und pauc cada 
pauc, allmählich (vgl. Kaynouard, Lex. rom. II 283 ; 
u. Bartsch im Gloss. zur Chrest. prov. unter cada), 
noch neuprov. a cha pau; altfrz. kiede (von Dz 76 
cadauno ohne Beleg zitiert), cadliuna (Eide), cheün, 
chaün (Livres des rois I 7, 16, IV 15, 20); cat. 
cada, cada hu; span. cada, cada uno; ptg. cada, 
cada hum. Der distributive Gebrauch von cata 
u. die Entwickelung desselben zu einem Pron. läfst 
sich veranschaulichen an der Anwendung des frz. ä 
im vulgären Deutach, wenn man z. B. sagt „ä Person 
(= jede Person) zahlt eine Mark". Vgl. Dz 76 
cadauno (wird von Dz als aus quisque ad unum 



erklärt); P. Meyer, R II 80 (hier zuerst das Rich- 
tige); Cornu, R VI 453; Gröber, ALL I 543. 

2003) *eata (v. catar, schauen, s. capto; Meyer- 
L., Rom. Gr. U 583, bestreitet diese Ableitung, 
aber wohl nicht in stichhaltiger Weise, vgl. Körting, 
Formenbau des frz. Nomons p. 157 Anm.; jeden- 
falls hat M.-L. die bisherige Ableitung durch keine 
bessere ersetzt) -)- germ. balko, Schaugerüst; ital. 
catafalco; prov. cadafalc; altfrz. eadefaut, cha- 
faut, escadafaut ; nfrz. echafaud (daneben das 
Fremdwort catafalque); span. cadafalso, cadalso, 
Blutgerüst, cadahalso, Holzbaracke (daneben das 
Fremdwort cadafalco); cat. cadafal ; ptg. ca- 
dafalso, Blutgerüst (daneben das Fremdwort cata- 
falco, Trauergerüst). Vgl. Dz 92 catafalco. S. 
oben No 1904. 

2004) *cätäbÖla, -am /'. (gr. xaiaßolrf) , das 
Niederwerfen, eine Schleuder- oder Wurfmaschine; 
prov. calabre-s (aus cadabre); altfrz. caable, chaable; 
nfrz. chäble, Flaschenseil, Winde (wenn dies nicht 
eine Scheideform zu cäble = capulum ist), Ablei- 
tungen chablis, niedergeworfene Masse, Windbruch 
in Wäldern, ac-cabler, zu Boden werfen; altspan. 
calabre. Vgl. Dz 536 caable, Berger p. 276. — 
Deminutivbildung zu calabre scheint zu sein ital. 
carabina, Karabiner; frz. carabine, carabin (alt 
calabrin), mit Karabiner bewaffneter Reiter; span. 
ptg. carabina. Vgl. Dz 88 carabina. 

2005) *eata (v. catar, schauen, s. capto) -\- 
*bürius (s. d.); ital. gattabuia, Kerker, vgl. Caix, 
St. 335. 

2006) cätäcfimbä, -am, Katakombe, Grabgewölbe 
(Orell. inscr. 4575 u. spät. Eccl.); ital. catacomba; 
frz. catacombe; span. ptg. catacumba{s). Vgl. 
Dz 91 catacomba; Meyer-L., Rom. Gr. II p. 583. 

2007) *cata (v. catar, schauen, s. capto, s. oben 
cata + balko) + leetus, -um m., Schaubett; 
\ta.\. cataletto; neuprov. carfaHecÄ; altfrz. kaalit, 
chadelit; nfrz. chälit, Bettstelle; span. chadalecho, 
Lager aus Baumzweigen oder Binsen. Vgl. Dz 92 
cataletro; s. oben 1904. 

2008) catSpläsmfis, umgestellt (unter Anlehnung 
an pafo = pasto, Teig) *pataela[s]mus, -um m., 
Breiumschlag; neuprov. (limous. rouerg. etc.) ca- 
taplasme, cataplaume, cataplame, cataplaime etc., 
vgl. Behrens, Metath. p. 69. 

2009) cätaräctes, -am m. (gr. xaia^äxTr) und 
xaruQf).), Wasserfall, ein schnell herabstürzender 
Wasservogel, nach einigen die Rotgans (in dieser 
Bedtg. Juba b. Plin. 10, 126); davon abgeleitet ptg. 
cataranha, Sturmmöve, woraus durch Entstellung 
tartaranha, tantaranha, ebenfalls einenWasservogel, 
aber auch Schreckgespenst bedeutend. Vgl. Dz 437 
cataraüa ; C. Michaelis, Mise. 123. 

2010) eätästä, -am f. {xardoTaaig), Schaugerüst; 
ital. catasta, Holzstofs, vgl. Dz 363 s. v. 

2011) *cätellüs m. od. *cätelliim n. (Demin. v. 
catena). Kettchen, wurde von Dz 537 als Grundwort 
zu frz. cadeau, Schnörkel, kleines Geschenk, ange- 
nommen, u. Rönsch, Z III 104, suchte diese Herleitung 
durch den Nachweis zu stützen, dafs bei den Römern 
in der That kleine Ketten ein übliches Geschenk 
gewesen seien. Nichtsdestoweniger dürfte cadeau 
nebst dem veralteten Vb. cadeler, Schnörkeln, auf 
*capitellum [s. d.] zurückgehen, vgl. Scheler im 
Anhange zu Dz 786. 

2012) eätellfis, cStellS (Demin. neben catulus), 
kleiner Hund; ital. cafello; rum. cä{el, Hund, 
ca^e, Hündin, prov. cadel-s, frz. cheau {caieu »= 
*caticulus, nur in übertragener Bedtg. „Brutknospe 



223 



2013) cätSnä 



2023) caacCs 



224 



der Zwiebel", über andere, aber ebenfalls unsichere 
Ableitungen des Wortes vgl. Cohn, Sufflxw. p. 255) ; 
cat. cadell; span. cadiello, -a; ptg. cadella, 
Hündin. Das Wort ist in seiner Gebrauchsweite 
durch die Deminutiva von canis sehr eingeschränkt 
worden. — Hierher scheint auch frz. cülin (== *ca- 
tellinus) zu gehören , doch ist die Lautgestaltung 
des Wortes auffällig, denn zu erwarten wäre *chelUn, 
vgl. über das Wort Mayhew, The Academy, 22, 
29 Jan. u. 3 Febr. 1887 (H. Bonk). 

2013) cäteua, -am f., Kette; ital. catena, davon 
abgel. catenaccio, eiserner Riegel; rtr. catena, vgl. 
Gärtner § 28; prov. cadena; altfrz. chaairic, 
chaaigne, chaene, chaine (vgl. Cohn, Suffixw. p. 177 
Anm., 222 u. 225), davon abgel. c{h)aaignon, 
chatgnon, nfrz. ehignon, Genick, Haarwulst, vgl. 
Dz 547 ehignon; nfrz. chaine (dazu das Fremd- 
wort cadewns, Vorlegeschlofs) ; span. cadena, (co- 
tenatus = candado); ptg. cadea, cadeia. 

2014) [''cStenäbttla, -am/", {catena), kleine Kette; 
auf diese, allerdings ihrer Bildung nach höchst be- 
fremdliche u. schwerlich annehmbare Grundform 
führt Nigra, AG XIV 868, zurück oberital. ka- 
näüla, gandula, kanävola, das Band, an welchem 
die Glocke ,der Kühe hängt] , 

2015) (cathSdrä) *cat(h)edrä, -am f. (griech. 
xa&iöQa), Stuhl, Sessel; ital. cdledra, cdttedra 
„il seggio del profossore e delle somme autoritä 
ecclesiastiche", cadrega „seggio reale, usato dal 
Cecchi", arch. carriega, cajera, ciajera „seggiola", 
vgl. Canello, AG HI 385; sard. kddrea: mail. 
kadrega ; veucz.karega ; hologti. kariga; ungad. 
kadräa, k'adrega, vgl. Meyer-L., Rom. Gr. I p. 417 
(es scheine Mischung von cathedra mit quadriga 
stattgefunden zu haben, jedoch seheine lim. cadiegro 
für die Möglichkeit des Übergangs von tr zu gr zu 
sprechen); prov. cadeira; frz. chaire (aus cha-iere), 
Katheder, Kanzel ; chaise, Stuhl, Kutsche (das Wort 
scheint ursprünglich dem Pariser Dialekt angehört 
zu haben u. erst seit Beginn des 16. Jahrb. 's in 
die Schriftsprache übergegangen zu sein); span. 
cat. cdtedra (gel. W.), Lehrstuhl, Professur, davon 
catedrdtico, Professor (das üblicheWort für „Stuhl" 
ist silla, für „Kanzel" pülpito), cadera , Hüfte 
(gleichsam der Stuhl, auf welchem der Oberleib 
ruht), davon caderillan, kleiner Reifrock; ptg. ca- 
thedra, Lehrstuhl, cadeira, Stuhl, Sitz, Sessel, 
Lehrstuhl, Gesäfs, Hinterbacken, Hüfte, dazu das 
Demin. cadeirinha, Tragsessel, Sänfte (für „Kanzel" 
werden cathedra, cadeira u. pulpito neben einander 
gebraucht). Vgl. Dz 435 cadera u. 541 chaire u. 
Chaise, dazu Scheler im Anhang 787; Mussafia, 
Beitr. 42; Gröber, ALL I 543. 

2016) eätlnfilüs, -um »i. (Demin. zu catinus), 
Näpfchen; ital. *catiglio, catagliolo (= *calilleo- 
lus?), catino di legno, vgl. Caix, St. 257. 

2017) catinfis, um m., Napf; ital. catino (gel. 
W., ebenso im Span.); sard. cadinu; lomb. ka- 
din, venez. kaiYi; engad. kyadin; ptg. cadinho, 
Napf; in den übrigen roman. Sprachen scheint das 
Wort gänzlich zu fehlen. Vgl. Mever-L. , Z. f. ö. 
G. 1891 p. 767; Salvioni, Post. 6. 

2018) [*Cätius, -um m., das männliche Glied; 
dav. vermutlich das gleichbedeutende ital. cazzo. 
Was das vorausgesetzte catius anbelangt, so würde 
dies eine Seitenform zu catus wov. (Dem. catuhis)smi, 
welches Wort ursprüglich „männliches Glied" be- 
deutet zu haben scheint u. dann zur Bezeichnung 
eines männlichen Tieres (besonders des Katers, cat- 
tits), auch des Knaben (vgl. catlaster aus catülaster 



,,Bur8che") gebraucht worden ist. Möglicherweise 
ist catus, *catiiis urverwandt mit dtsch. hode. Ein 
gewisser Käse wurde im Ital., weil er in seiner 
Gestalt dem cazzu eines Pferdes ähnlicii war, cazzo- 
cavallo genannt, daraus entstand durch Volksety- 
mologie cacincavaUo, vgl. Nigra, AG XV 104.] 

2019) [*cättüeulo, -äre (v. *cattiwulus , Demin. 
zu cattus, Katze), eigentl. kätzeln, d. h. mit einem 
Katzenschwanz streicheln, ist vielleicht das Grund- 
wort zu frz. chatouiller, kitzeln, u. gleichbedeutenden 
Verben in französ. u. ital. Dialekten, vgl. Flechia, 
AG 11 322. Man denke daran, wie auch im Deutschen 
„kitzeln" an „Katze" anklingt. Dz 544 hatte ca- 
tulire (s. d.) als Grundwort aufgestellt. — Nigra, 
AG XIV 279, zieht hierher auch, u. jedenfalls mit 
Recht, den Pflanzennamen frz. gat{t)il{l)ier, span. 
gatillo, Keuschlamm, vgl. die deutsche Benennung 
„Kätzchen" für die Blüten gewisser Pflanzen.] 

2020) cättüs ?«., eUt&f.{vgl. Sittl, ALLV 133; Max 
Müller. India, what can it teach us? [London 1883] 
p. 261), Kater, Katze (das Masc. z. B. b. Pallad. 4, 
9,4, Anthol. lat. 181, 3 [1098.3] u. 875, 1 [1094, 1], 
Mythograph. Vatic. 3, 6, 22 M.; das Fem. z. B. 
bei Mart. 13, 69; Vulg. Baruch 6, 21; Placid. de 
medic. 18 no 1); ital. gatto, -a; rtr. gat, dyat 
etc., vgl. Gärtner, § 200; prov. cat-z, cata; frz. 
chat, chatte; span. gato, a, dazu das Demin. ga- 
tillo in der Zusammensetzung savzgatillo, Keusch- 
lamra (Vitex' agnus castus L.), woraus wieder das 
gleichbedeutende frz. gat{t)illier gebildet ward, vgl. 
Bugge, RIV357, s. auch ob. No2019; für ein Komp. 
aus moj „Mietz" + gato hält G. Michaelis span. 
mojigato, mogato, eigentl. also Mietzekatze (vgl. fr z. 
chattemite) , böse Katze, katzenhaft, hinterlistig, 
tückisch, scheinheilig, s. Jahrb. XIII 207; ptg. 
gato, -a. Vgl. Dz 158 gatto; Gröber, ALL I 543. 
— Ob ital. sciatta, chiatta, Barke (eigentl. Katz- 
schiff), frz. chatte, cat. xata, span. chata hierher 
gehört, wie Baist, Z VII 125, anzunelimen scheint, 
dürfte sehr zu bezweifeln sein, das Wort macht den 
Eindruck der Entlehnung aus dem Germ. 

2021) catulio, -Ire (v. catulus), brünstig sein 
(von der Hündin), rum. cäielesc, ii, it, i. — Dz 
544 wollte auch prov. gatilhar, frz. chatouiller, 

\ kitzeln, auf catulire, bezw. auf *catuUare zurück- 
führen, indessen ist das, schon des dann anzunehmen- 
den Bedeutungsüberganges wegen, wenig glaublich; 
gatilhar, chatouiller beruhen aller Wahrscheinlich- 
! keit nach nebst zahlreicheu anderen gleichbedeu- 
; tenden Verben in französ. u. ital. Mundarten auf 
*eattuculare, bezw. *catticulare (v. cattulus, Demin, 
zu cattus), eigentl. ,, kätzeln". Man denke daran, 
! wie auch im Deutschen ,, kitzeln" an „Kitze = Katze" 
1 anklingt. Vgl. die treffliche Darlegung von Flechia, 
{ AG II 322, welcher Scheler im Anhang zu Dz 788 
' mit Recht beigestimmt hat. 

I 2022) catulus, -um m. {catulus, [non cat]ellus 

[ App. Probi 51 f.), junges Tier; ital. cachio ; span. 

cacho. Junge, auch Name eines Fisches (Barbe), 

j davon abgeleitet cachuelo, ein kleiner Flufsfisch, 

cachonda, läufige Hündin, cachorro, junger Hund, 

: Bär, Löwe u. dgl. (Gerland, Gröber's Grundrifs I 

i 331, stellt cachorro mit bask. zakur, zakurra zu- 

■ sammen), cachalote, Potfisch (dies dann als cachalot 

\ in das Frz. übertragen). Vgl. Dz 485 cachorro; 

Tobler, Z IV 376; d'Ovidio, AG XHI 380 (über 

cacchio). — Siehe den Nachtrag. 

2023) cauctts, -um »«., Trinkschale; [rum. cduj, 
j Schöpfkübel gehört wohl nicht hierher], s. unten 
I ooeea am Schlüsse. 



225 



2024) caudä 



2040) cävSä 



226 



2024) (eandS u.) cöda, -am f., Schwanz; ital. 
codt, davon abgeleitet codione, codrione, Bürzel 
der Vögel, codardo (mit gernian. Suffix), sehwänzig 
d. h. (aus Purdit) den Schwanz senkend oder im 
Schwänze, in der Nachhut des Heeres sich auf- 
haltend , also feige ; dazu das Vb. s-codare, den 
Schwanz stutzen ; r u m. coadä, dazu das Vb. codesc 
ii it i, Winkelzüge machen, zaudern; rtr. Icüa etc., 
vgl. Gärtner, § 200; prov. coda, eoza, eoa; alt- 
f rz. co«e, cne, dazu (auch nfrz.) couard, Feigling, 
cnuarder, feige sein, ecouer, den Schwanz stutzen, 
nfrz. queue; cat. eoa, cua; altspan. coa; neu- 
span. eola (neben coda; cola viell. aus *codola, 
*caudula, vgl. d'Ovidio, Aü XIII 371), davon ab- 
geleitet codilla, Steifs, cndasie, Hinterstevon am 
Schiffe, cnbarde, feig, cobardear, feig sein; ptg. 
cauda, coda, cola, davon abgeleitet cobarde, feig. 
Vgl. Dz 102 coda u. codardo; Gröber, ALL I 
549. 

2025) cauda trepida = ital. cutretta, Bach- 
stelze, vgl. Flechia, AG II 325 Anm. 2; Dz 367 
s. V. setzte cauda reeta als Grundform an. 

2026) candätus a, um (cauda), geschwänzt; ital. 
span. caudato (gel. W.); altfrz. coe, coue, neu- 
frz. coue (daneben gel. caude), vgl. Cohn, Sufflxw. 
p. 192. 

2027) caudica, -am /. (v. caudex), Baumstamm, 
wird von Scheler im Dict. unter souche als Grund- 
wort angesetzt zu ital. (mundartl.) zocco, Baum- 
stamm; prov. soca u. soc-s; frz. souche (altfrz. 
auch coche, pio. choque), Baumstumpf; cat. soca. 
Die Ableitung ist fragwürdig genug, nicht weniger 
aber gilt dies von der bei Dz 679 soc gegebenen 
von lat. Saccus. Vielleicht gehören die Worte zu 
der von Diez 100 ciocco behandelten und auf das 
deutsche schock zurückgeführten Sippe. — Nigra, 
AG XV 128, erblickt in caudica, *cödica „ausge- 
höhlter Baumstamm" das Grundwort zu ital. cocca 
Kahn, Schiff, frz. coque, coche. Durch die Papias- 
glosse caudica = navieuia erhält diese Annahme 
eine beachtenswerte Stütze. 

2028) [*cauditta, -am /'. [cauda), *canditto, 
-are; über picardische Formen, welche auf diese 
Grundworte zurückzugehen scheinen, vgl. Doutre- 
pont, Z XXI 232.] 

2029) [eaul(ae), Höhlung, + ttter, Schlauch, 
viell. Grundform zu span. colodra, Kübel, Schlauch, 
vgl. Dz 441 s. v.\ 

2030) (caulicOlus, -um u.) eöliculug, -um m., 
kleiner, zarter Stengel ; ital. coleechio „cavolo", 
vgl. Caix, St. 293; rum. curechiu, Kohl, davon 
abgol. ciirechier, Gemüsegärtuer, curecherie, Kohl- 
garten; span. cogollo, Herz des Kohls (wenn ange- 
nommen werden darf, dafs Umstellung aus *cologlo 
stattgefunden hat), vgl. Dz 441 s. v., s. dagegen 
Parodi, R XVH 58, der eine Grundform *coccuUo- 
für *cocculo- ansetzt. 

2031) caulis, -em »j., (Kohl)8tengel, Kohl; ital. 
cavolo; genues. cou; piem. eoj (eigentl. Plural- 
form, vgl. Salvioni, Post. 6); (rum. curechiu = 
cauliculus); prov. cauZ-,?; altfrz. chol (mit offenem 
o); nfrz. chou; (span. eol;) ptg. couve. Vgl. Dz 
94 cavolo; Gröber, ALL I 543. 

2032) cauma (daraus durch Anlehnung an cal- 
ere, *cal-idus *ealma) n. (gr. xavßa), Hitze (Vulg. 
Job 30, 30); ital. caZma, Wind, Meerstille, wie sie 
bei grofser Hitze einzutreten pflegt, dazu das Vb. 
calmare, beruhigen; itr. cauma, schattiger Ort für 
die Herden, camar , einen schattigen Ort suchen, 
vgl. Schuchardt, R IV 255; neu prov. ehaume, 

Körting;, lat.-roiii. Würtcrbucb. 



Ruhezeit der Herden; iri.calme, Windstille, Ruhe, 
dazu die Verba calmer (wie calme gel. Wort), be- 
sänftigen, chumer, (in der Hitze) feiern, dazu chö- 
mat/e, Ruhezeit, Stillstand in der Arbeit; span. 
TP tg. calnia, Windstille, dazu das Vb. ca/mar. Vgl. 
Dz 78 calma. — Eine ganz andere Ableitung der 
Wortsippe hat Cohn, Z XIX 58. aufgestellt, s. oben 
casstts, sie kann aJjer unmöglich für annehmbar 
erachtet werden. 

2033) [*caumico, -äre (v. caiimd), davon nach 
Schuchardt, R IV 255, rtr. camegiar , camiar, 
blitzen, camhg. Blitz, camitsch, heifs, u. a. m.] 

2034) causa, -am f., Ursache, Sache (ist als 
volkstümliches Wort nur in der allgemeinen Bedtg. 
in die roraan. Sprachen übergegangen u. hat dieselbe 
noch so gesteigert, dafs es begrifflich vielfach als 
neutrales Indefinitum = aliquid gebraucht wird. 
Über die bei Cassian vorkommende Verwendung von 
causa in einer der romanischen ähnlichen Weise vgl. 
Petschenig, ALL V 138. Durch causa ist res aus 
dem Roman, nahezu verdrängt worden, wenigstens 
in affirmativem Sinne); itaL causa (gel. W.), cosa, 
dazu das Masc. coso, ungestaltetes Ding, männ- 
liches Glied; rtr. kösa, t/ösa etc., vgl. Gärtner 
§83; prov. cosa; frz. cause (gel. W.), chose; 
span. ptg. causa (gel. W.), cosa. Vgl. Dz 109 cosa. 

2035) causo, -äre (f. causor, -ari v. causa), einen 
Grund vorbringen, sich beklagen; ital. [causare, 
bewirken), cosare, cusare (das u aus den Kompp. 
accusare etc. übernommen), behaupten; prov. cau- 
sar, zanken; altfrz. ehoser, zanken; (nfrz. causer, 
bewirken, ist gel. Wort; causer, plaudern, beruht 
auf ahd. andd. kösön, mhd. kosen [*kausön] , vgl. 
Mackel p. 142). Vgl. Dz 109 cosa. 

2036) cautus, a, um, vorsichtig, gesichert, ist 
nur erhalten in dem Sbst. span. coto, ptg. couto, 
eingehegter Platz, Park, Jagdgebiet u. dgl., im 
Span. auch Grenzstein, davon zahlreiche Ableitungen, 
z. B. span. acotar, ptg. acoutar, einhegen, schützen. 
Vgl. Dz 442 coto. 

2037) cStS, -am f., Höhlung; davon abgeleitet 
ital. (sen.) eavina, gavina „fogna", vgl. Caix, St. 
261; com. gavazza, grofses Maul, mail. gavasgia; 
altfrz. caive; pic. gave (in anderen Mundarten 
jave, jafe, jaffe), Kropf der Vögel, davon das Vb. 
engaver , (Geflügel) stopfen = frz. s'engouer, sich 
vollstopfen, aufserdem frz. gavion, Schlund. Hor- 
ning, Z XVI 230, bestreitet mit guten Gründen 
die Diez'sche Ableitung von frz. gave u. setzt ga- 
bata (s. d.) als Grundwort an, welches nun aber frei- 
lich weder begrifflich noch lautlich rocht passen 
will (die von H. angesetzte Gleichung gabata : gave 
= expavidus : epave od. male habitus : voges. via- 
lave kann nichts erweisen). Vgl. Dz 594 gave. S. 
auch cavea u. cavus. 

2038) [*cäTiineus, a, um (v.cavtis), hohl; ital. 
montal. qavagno, Korb, lomb. cavagn, sicil. cavagnu, 
vgl. Caix, St. 261.] 

2039) ["'cavannus, -um m., Nachteule; frz. 
chouan.] 

2040) cStcS, *gSTeS, -am /'. (v. cavus), Höhlung, 
Käfig; ital. cavea „la parte del teatro romano 
dove stavano gli spettatori, un gabbione per le bestie 
feroci", gabbia, gaggia „la gabbia delle navi, o 
nave", gaja, gaje „i luogbi nella stiva che rimangono 
da ciascuna banda fra il bordo e la cassa delle 
trombe", vgl. Canello, AG III 337; Canello will 
auch gueff'a „gabbia, prigione, muro, bastione" auf 
cavea zurückführen , wogegen Ascoli , AG IH 338 
Anm., mit Recht Einspruch erhebt, das Wort wird 

10 



227 



2041) *cävgSrtüs 



2058) cglgbro 



228 



= Cava sein, wie schon Dz 594 gavc annahm; 
lomb. kdpja; venez keba; neuprov. (;avi m.; 
altfrz. Demin. jagele, Gefängnis, davon jagelier, 
Gefängniswärter; frz. cage (altirz. caive '= cava?) ; 
für zusammengesetzt aus dtsch. kaue (entstanden 
aus cavea) -\- hatte hielt Dz 538 frz. cahute (alt- 
frz. chahute, cakuette), Baracke, nach Braune, Z 
XVIH 521, soll cahute, cajute = niederländ. kaje, 
Damm, Einfriedigung, + Imtte sein; cat. gabia; 
Span, gavia, Gefängnis; ptg. gavea, Mastkorb 
(alt^tg. guaiva, Gefängnis). Vgl. Dz 160 gabbia; 
Gröber, ALL H 434. 

2041) [*cäveärius, a, um (v. cavea), zum Käfig 
gehörig; ital. gabbiajo „chi fa gabbie", gabbiero, -e 
,,chi sta a vedetta nella gabbia delle navi", vgl. 
Canello, AG IH 306.] 

2042) *cäTeöIa, "'gaTeöIa, -am f. (Demin. zu 
cavea), kleiner Käfig; itsil. gabbiuola, kleiner Käfig; 
(daneben gabbiuzza); altfrz. gaole, jaiole; nfrz. 
geole, Kerker, davon geölier, Kerkermeister; span. 
gayola, Wächterhütte, jaula, Käfig; ptg. gaiola, 
Käfig, Gefängnis. Vgl. Dz 150 gabbia , Gröber, 
ALL U 484. 

2043) [*cäTeolo, *gaTe515, -are (v. caveola), in 
den Käfig bringen ; f rz. cajoler (durch Liebkosungen 
in den Käfig bringen), hätscheln, etijöler (in den 
Käfig locken), schmeichelnd hintergehen; span. 
enjaular, in den Käfig, in das Gefängnis sperren. 
Vgl. Dz 150 gabbia. (Iröber, ALL II 435, will 
en-jöler von *in-gallare (v. gallus, Hahn), *in-gau- 
lare (vgl. Gallia : Gaule), ankrähen, ableiten, in 
cajoler aber erblickt er eine an ital. carezzare 
sich anlehnende Umbildung von enjoler. Diese 
scharfsinnigen Annahmen haben mindestens grofse 
Wahrscheinlichkeit für sich.] 

2044) [*cavieo, -äre (abgeleitet von cavere , wie 
*pendicare, = frz. pencher, v. pendere), sorgsam, 
zärtlich behandeln; frz. choyer , verzärteln, vgl. 
Havet, R ID 321. Bugge, K Hl 146, hatte das 
Wort nebst altfrz. «wer, chuei-,itiil.soiare, schmei- 
cheln, von got. süthjön, kitzeln, ableiten wollen, 
aber in R IV 353 erklärte er sich mit Havet's 
Herleitung einverstanden. Vgl. Scheler im Anhang 
z. Dz 788.] _ _ 

2045) [*caTieülä, -am f. (f. clavicula, Demin. zu 
davis), Schlusselchon, Zapfen, Pflock; ital. (clavi- 
cola „osso del petto che sostiene la spalla"), caviglio 
(Gallicismus, vgl. d'Ovidio, AG XIII 392) „un osso 
della gamba", cavicchia und cavicchio „pinolo", 
vgl. Canello, AG III 352; prov. cavilha, frz. che- 
viUe; span. cavdla; ptg. cavüha. Vgl. Dz 94 
cavicchia; Gröber, ALL 1 543 u. VI 381; Asooli, 
AG I 357 Z. 8 V. ob.; Behrens, Metath. p. 82; 
G. Paris, R V 382, stellte *capicula — *capitula 
(s. d.) von Caput als Grundwort auf u. hat damit 
wohl das Richtige getroffen, denn anzunehmen, dafs 
anlautendes cl zu c vereinfacht worden sei, ist trotz 
Caix, St. p. 189, doch kaum statthaft, gewichtiger 
sind die Gründe, mit denen Gröber im Nachtrag 
zu No 1762 der ersten Ausg. des Lat.-roman. 
Wörterbuchs cavicula verteidigt hat, voll über- 
zeugend sind sie jedoch kaum. Cornu, Z XV 
530, stellt als Seitenstück zu der Dissimilation von 
clavicula : *cavicula ein *placebilis : paisible auf.] 

2046) [*cäTiiiea, -am f. (v. cavus), Höhlung, ist 
das vermutliche Grundwort zu ital. gavigna, gavina, 
Mandel (im Halse), die wegen ihrer Lage in der 
Rachenhöhlung so genannt werden konnte. Rönsch, 
Jahrbuch XIV 176, wollte das Wort mit frz. Jabot 
iu Zusammenhang bringen. Abgeleitet von gavigna 



ist das Vb. aggavignare, am Halse packen. Vgl. 
Dz 375 gavigna u. dazu Scheler im Anhang 758.] 

2047) cäriila, -am f., Neckerei; ital. cavelle, 
covelle, Kleinigkeit, Bagatelle, ein Nichts. Dz 363 
s. V. fand für das Wort keine Ableitung, hielt es 
aber nicht für voreilig, an mhd. kaf. Hülse, Spreu, 
zu erinnern; Storra, R 11 328, leitete das Wort von 
quid velles ab , was lautlich unmöglich ist, obwohl 
auch Caix, St. 23, sich dafür ausgesprochen hat. 
Suchier, Z I 428, wollte auch das interjektionale 
altfrz. ehaeles, cheles, keles, kieles (vgl. darüber 
Tobler, Jahrb. XII 213, u. Förster, Ztschr. f. Öster- 
reich. Gymnas. 1874, S. 145, wo Zusammenhang 
mit chaeler, befehlen, vormutet wird) auf quid 
velles zurückführen, es ist dies aber selbstverständlich 
lautlich eben so unmöglich. Man wird A. Schulze 
beistimmen, welcher, Z VIII 299, auch das altfrz. 
Wort von cavilla, bezw. cavillae herleitet u. auch 
den Bedeutungsübergang annehmbar zu machen 
weifs, vgl. auch Cohn, Suffixw. p. 49. Vgl. Scheler 
im Anhang zu Dz 756. 

2048) 1. cäro, -äre (v. cavus), aushöhlen; ital. 
cavare, s-cavare, ausgraben, davon das Vbsbst. seavi, 
Ausgrabungen. Vgl. Dz 363 cavare. 

2049) 2. *eSTO, -önem m. (v. cavus), Höhlung; 
altfrz. chaon, Nackenhöhlung, Genick. Vgl. Dz 
547 chignon; Gröber, ALL I 544. 

2050) *cäTÜla, -am f. {cavus) = ital. chiava 
„Cava dei marmi" (vgl. fionda aus fundula, fiaba 
aus fabula), d'Ovidio, AG XIII 364. 

2051) cärfis, a, um, hohl ; ital. cavo, hohl, cava, 
cova, Grube; rtr. cava, Höhlung; prov. caws, hohl ; 
frz. cave (gel. W. = cava) Sbst., Keller; span. 
cueva, Höhle; ptg. covo, hohl, cova. Höhle. Vgl. 
Dz 112 covare (wo cova etc. von cubare abgeleitet 
werden); Gröber, ALL I 554. S. auch oben cava. 

2052) [*eäxinu8, -um (nach fraxinus gebildet) 
ist vielleicht die vorauszusetzende Grundform für 
frz. cMne tri., Eiche, vgl. W. Meyer, Z VIH 236, 
in der Roman. Gr. I p. 352 setzt Meyer-L. „nicht- 
lateinisches, aus Gallien bekanntes *cassanu" als 
Grundwort an, „vgl. prov. casser".] 

2053) [cedo, eessl, cessum, cedere, schreiten, 
weichen; ital. cedo, cessi, cesso, cedere, nachgeben 
etc.,; span. ptg. ceder, nachgeben, abtreten.] 

2054) [gr. x^rfos n., Bekümmernis, daher viel- 
leicht in konkretem Sinne Arbeitszeit, Woche ; sard. 
chida, chedda, cida, Woche. Vgl. Dz 294 setti- 
mana.] 

2055) cedrtts, -um f. (gr. xeä(tog), Ceder, dann 
auch Citronenbaum (in letzterer Bedtg. schriftlat. 
citrus, s. d.); ital. cedro, Ceder u. Zitronenbaum 
(der gewöhnliche Name für den letzteren ist limone 
von pers. limü, vgl. Dz 194 limone), abgeleitet 
cedriuolo, Gurke, cedronella, Melissenkraut; frz. 
cedre; span. ptg. cedro, Ceder. Vgl. Dz 94 cedro; 
Gröber, ALL I 544. S. citrus; vgl. Berger s. v. 

2056) gr. xelfia (lat. *cima), Lagerstätte; davon 
vielleicht span. sima, Höhle, Grube. Dz 487 s. v. 
bezeichnete das Wort als „unermittelter Herkunft". 

celata s. caelata. 
- 2057) celeber, bris, bre, berühmt; ital. cekbre; 
frz. celebre; span. ptg. celebre. Das Wort ist 
nirgends volkstümlich. Dasselbe gilt von dem Sbst. 
celebritas u. von dem Vb. celebrare (s. d.). 

2058) eelebro, -äre (v. celeber), rühmen, feiern; 
ital. celebrare; (tz. celebrer; span. ftg.celebrar. 
Das Wort ist nirgends volkstümlich. Für celeber 
sind famosus, gloriosus, für celebrare sind *pretiare, 
preisen, *festare {in. feter), feiern, eingetreten. 



229 



2069) cglgr 



2084) *cgrägiiis 



230 



2059) celSr, ris, re, schnell, ist wohl nur ital. 
u. span. als celere, celerc u. auch da mir als gel. 
Wort erhalten. 

2060) celero, -äre (v. celer), beschleunigen ; nur 
als Komp. ital. accelerare, frz. accelerer, span. 
ucelerar, ptg. accelerar in der gelehrten Sprache 
erhalten. 

2061) celensmS n. (gr. xiXev/xa, xfleva/xa), das 
Kummando des xslevar^?. Vorgesetzten der Euder- 
knechte; ital. ciurma, die Gesamtheit der Euder- 
knechte eines Schiffes, vgl. d'Ovidio, AGXin368; frz. 
chiourme (Lehnwort); cat. xurma; span. chusma: 
ptg. chusma, churvia. Vgl. Dz 101 ciurma. 

2062) cella, -am /'., Kammer, Vorratskammer; 
sard. chedda, Vorrat, Menge, vgl. Flechia, Mise. 20Ö; 
(ital.) span. cella, celda, Zelle, cilla, Kornboden; 
ptg. cella, Kloster-, Bienenzelle. Vgl. Dz 438 
celda. 

2063) celläriüm n. (v. cella), Vorratskammer; 
ital. cellario, cigliere, celliere „cantina", neap. 
cellaro, vgl. Canello, AG HI 404 u. Caix, St. 278; 
valtell. sct^e, piccola cantina, vgl. Salvioni, Post. 6; 
frz. cellier, Vorratsgewölbe zu ebener Erde; span. 
cilleru; ptg. cilleiro (von Dz 438 celda angeführt, 
fohlt bei Michaelis). 

2064) eelläriiis, a, um (v. ceüa), zur Vorrats- 
kammergehörig; ital. cellajo ,,cantiniere, ma anche 
cantina", vgl. Canello, AG. lU 404; span. cillero, 
ein Verwaltungsbeamter in Klöstern u. dgl. 

2065) *cellerärius , -um m. (v. cella), Keller- 
meister; ital. cellerajo; rtr. tschellerer; prov. 
cellarier-s: frz. celerier; span. cülerero; ptg. 
ceUereiro. Vgl. Förster, Z III 508. 

2066) celo, -äre, verbergen; ita.\. celare ; prov. 
cclar; in. celer; span. celar, davon vielleicht 
salaf/arda, Hinterhalt, vgl. Dz 499 s. v. 

2067) cenä, -am f., Mahlzeit; ital. cena; rum. 
cinä; rtr. tschena, vgl. Äscoli, AG I 39, Z. 5 von 
oben, Gärtner § 200; prov. cena; frz. eine; span. 
cena; ptg. cea. Das Wort wird meist als kirch- 
licher Ausdruck zur Bezeichnung des heil. Abend- 
mahles gebraucht, in seiner eigentlichen allgemeinen 
Bodtg. ist es durch andere Worte (z. B. diner) 
vordrängt worden. 

2068) cenäctLlüm n. (v. ceno), Speisezimmer; 
ital. cenacolo; altfrz. cenad, cenaille m.; span. 
cenacho, Binsenkorb zur Aufbewahrung von Früchten, 
also Speisekorb. Vgl. Meyer, Ntr. p. 186. 

2069) cenätörlns, a, um (cena), zur Mahlzeit 
gehörig; sard. chenadoriu, tempo del pasto, vgl. 
Salvioni, Post. 6. 

2070) ceno, -äre, speisen; ital. cenare; rum. 
cinez ai at a; prov. cenar; altcat. span. cenar; 
ptg. cear. 

*cen8S' s. scisa (vgl. W. Meyer, Z X 173). 

2071) [censttälis, -em m. (v. censeo), Anfertiger 
von Steuerlisten, Finanzbeamter; ital. Sensale; 
prov. cessal-s; frz. censal, Makler, Börsensensal. 
Vgl. Dz 291 s. «.]■ 

2072) censOs, -um vi. (v. censeo), Schätzung; 
ital. censo; prov. ces, Tribut. — censualis und 
eensus sind die einzigen Reste der zu censeo ge- 
hörigen Sippe im Rom., auch das Vb. selbst ist 
völlig verloren u. wird durch aestimare, judicare, 
taxare u. a. ersetzt. 

2073) [centaurTS, -am /. (gr. ivivravpia), Tausend- 
güldenkraut (Apul. herb. 34 f.); ital. centaurea; 
rum. cintorie; frz. centauree; prov. span. ptg. 
centaurea^ 

2074) [centenärium n. (v. centum), Zentner; ital. 



cantäro -u. cantdre, daneben quintale (aus dem 
arab. quin'tär, vgl. Freytag, III 505); rum. cäntar; 
prov. frz. span. ptg. quintal. Vgl. Dz 261 
quintale.] 

2075) [centenSrius, a, um (von centum), aus 
hundert bestehend, hundert umfassend; ital. cen- 
tenario ,.solennitä che si ripete ogni cento anni", 
centinajo „somma di cento" vgl. Canello, AG III 
306; frz. centenaire, hundertjährig; span. ptg. 
centenario. Zeitraum v. 100 Jahren, lOOjährig.i 

2076) centenus, a, um (v. centum), hundert- 
malig; davon span. centeno, Roggen (so genannt, 
weil er hundertfältige Frucht giebt, vgl. die be- 
stätigende, auf Edict. Diocl. I 3 verweisende Be- 
merkung Wölfflins, Sitzungsb. der bayer. Akad. d. 
Wiss., phil.-hist. Cl., 1894 p. 106), centcna, Roggen- 
strohhalm; ptg. eenteio, Roggen. Vgl. Dz 438 
centeno ; Rönsch, Z I 420 , wo passend angeführt 
wird Plin. H. N. XVni 16, 40 „nascitur (secale) 
qualicunque solo cum centesimo grano". 

2077) centesimus, a, um (v. centum), hundertst; 
ital. centesimo; (rum. osutälea); rtr. tschientavel ; 
prov. centesmo; frz. Centime; cat. centesim; span. 
ptg. centesimo. 

2078) centrnm n. (v. xevzpov), Stachel, der ein- 
gehakte feste Schenkel des Zirkels, Kreismittel- 
punkt; gelehrtes Wort ital. ce«<ro, Irz. centre etc., 
dazu das Adj. *centralis = ital. centrale, frz. 
central etc. 

2079) centflm, indecl. , hundert; ital. cento; 
rum. unä (o) sutä (Herkunft von centum sehr 
zweifelhaft); rtr. tsent etc., vgl. Gärtner § 200; 
prov. cen; frz. cent (PI. cents); cat. Cent, PI. 
Cents; span. cien(<o), PI. cientos: ptg. cento, cem, 
PI. centos. Vgl. Dz, Gr. ü 79 (= 401); Gröber, 
ALL VI 381. 

2080) ags. ceorl, Kerl ; davon nach Caix, St. 270, 
ital. chiurlo „uomo semplice e buono a nulla", 
die Ableitung mufs aber als höchst zweifelhaft er- 
scheinen. 

2081) cepä (nicht coepa), -am f., Zwiebel; mm. 
ceapä; prov. ceba; frz. cive, Schnittlauch, dazu 
das gleichbedeutende civette, überdies civet, Hasen- 
pfeffer; cat. ceftn. Vgl. Gröber, ALL 1544; Bianchi, 
AG XIII 241. Sieh auch *cepnlla. 

2082) *eepulla (f. cepula, Demin. zu cepa), -am 
/"., kleine Zwiebel; ital. cipollo , Zwiebel; lomb. 
siöola, piem. siöla, sola, (venez. (eola, valtell. 
sigola, \)BTg.sigola = cepula), vgl. Salvioni, Post. 5; 
frz. ciboule, Schalotte, dazu das Demin. cihuulette, 
Schnittlauch (das übliche französische Wort für 
„Zwiebel" ist oignon = unionem); span. cebollo, 
Zwiebel; ptg. ceböla, Zwiebel. Vgl. Gröber, ALL 
I 544. 

2083) eera, -am f., Wachs; ital. cera; rum. 
cearä; prov. cera; frz. cire; span. ptg. cera. 
S. auch cara. 

2084) *cerä8lus (f. cerasus, xepaaog), *cere8ius »»., 
*cere8ia f., Kirschbaum, Kirsche; ital. cirie^io, a, 
ciliegio,-a; neap. cerase; lecc. cerasu; sard. A;e- 
rasa; röm. cerasa; sen. (Siena) saraza, Meyer-L., 
R. Gr. I § 273; rtr. ceriescha etc.; rum. dre-^, 
cireaga; prov. serier-s, serisia, cereia; irz. ceri- 
sier = *ceresarius,cerise; cat. cirer, cirera; span. 
cerezo, -a; ptg. cerejeira = *ceresiaria seil, arbor, 
cereja. Vgl. Dz 100 ciriegia; Förster, Z HI 512; 
Gröber, ALL I 544; Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 768: .jceraseus in Sardinien, Süd- u. Mittelitalien 
bis nach Toscana; cereseus in Norditalien, Frank- 
reich, Rätien, Rumänien ; ob die span. Formen -iseus 

15* 



231 



2086) cgrätiön 



2111) *cervl8lä 



232 



od. -äseus verlangen , ist nicht zu entscheiden" ; 
Horning, Z XXI 451 (altfrz. cesse, Vogelkirsohe, dav. 
cestiier, norm, checher = ''ceresus); Cornu, E XIII 
286 Anm.: „On se trompe, ä nion avis, en ad- 
mettant que cerenea vient do cerasea. Cerasus est 
devenu de bonne heure ceresus, d'oü ceresea, cf. 
citera du Probi Appendix et d'autres formes pareilles 
citees par Schuchardt, Vocalismus I 195 8. et III 
101 s." 

2085) cerätlön n. (gr. xspanov), ein griechisches 
Gewicht; ital. carato; frz. carat; span. quilate;\ 
ptg. quirate, quüate (aus arab. qirä't). Vgl. Dz 88 '■ 
carato. 

2086) cerberus, -um m., Höllenhund; span. ! 
cancerbero, d. i. canis -j- cerbero. 

2087) *cercedill5 (f. querquedula), -am /'., Kriek- j 
cnte; (ital. arzavolo); prov. sercela; altfrz. cer-; 
Celle; nfr z. sarcelle; cat. xerxetm.; span. cerceta 
(entweder = *cerceta oder es ist Suffixvertauschung 
eingetreten); ptg. zarzeta. Vgl. Dz 96 (wo ital. i 
garganello, Kriekente, für entstellt aus querquedula 
erklärt wird); Gröber, ALL I 544 u. VI 381. 

2088) *eereius (f. cireitts), -um m., Westwind; 
prov. cat. cers, Nordwind; span. cierzo; span. 
cccina, gedörrtes Fleisch, u. cecial, Stockfisch, haben 
mit cerciun nichts zu schaffen. Vgl. Dz 541 cers; 
Gröber, ALL I 544. 

2089) cer[e]bellnm n. (Demin. von cercbrum), 
Gehirn; ital. cerebello, kleines Gehirn (gewöhnlich 
cervettetto), cervello, arch. ciaravello, Gehirn, vgl. 
Canello, AG III 331 {cervella wird daselbst nicht 
angeführt); prov. cervel-s, cervella; frz. ceri^eau, 
cervelle: cat. cervell; (span. ptg. cerebro). Vgl. 
Dz 96 cervello; Gröber, ALL I 544. 

2090) cerebrum n., Gehirn, = rum. crieri; 
(span. ptg. cerebro, gel. W.); in den übrigen 
Sprachen ist das Demin. cerebellum (s. d.) dafür 
eingetreten. 

2091) cereolS, -am /'. (Demin. zu cerea), (die) 
wachsfarbig(e Frucht); span. ciruela, Pflaume, vgl. 
Dz 441 s. V. 

2092) cereus a, um (v. eera), wächsern; ital. 
cereo, Adj. u. cereo, Sbst., Kerze, daneben in gleicher 
Bedtg. ceru, vgl. Canello, AG III 317, wo namentl. 
auch über die Qualität des e gehandelt ist; (rum. 
fehlt ein von cearä abgeleitetes Sbst. in der Bedtg. 
„Kerze'); rtr. tscheri, vgl. Ascoli, AG VII 552, 
vgl. auch AG I 455 Z. 1 v. u., 507 Z. 14 v. ob.; 
prov. cm-s, Sbst. ; frz. ciergem., Sbst.; span. ptg. 
cirio, Sbst. Vgl. Dz 548 cierge; Berger s. v. 

2093) [*ceriia, -am (v. cernere) f., das, was sich 
absondert; nach Dz 440 cierna Grundwort zu ital. 
cerna, Auswahl, Ausschlufs; span. cierna, die Blüte 
oder das Beste eines Dinges; ptg. cerne, Kern des 
Baumes, davon das Vb. cernar, einen Baum bis auf 
den Kern anhauen.] 

2094) [cernenda (seil, grana), durchzusiebendes 
Getreide; davon nach Storm, K V 188, span. 
zaranda, ptg. viranda, Kornsieb. Dz 500 s. v. 
bemerkte „das Etymon ist noch zu finden".] 

2095) [*ceniicalum (woher u. was bedeutend? 
von cernere, gleichsam „Spähvogel"?) soll nach 
C. Michaelis, Mise. 123, das Grundwort zu 
span. cernicalo, sarnicalo (Name eines Raubvogels) 
sein; ebenda schlägt CM. vor, bei dem Erzpriester 
von Hita, estr. 982 für cenniglo zu lesen cerniglo, 
was soviel als „Schreckgespenst" bedeute, aber mit 
dem Vogelnamen identisch sei.] 

2096) cemiculnm n. (v. cernere), Sieb (Luoil. 
27, 7 M.); piem. (:ernej , vgl. Ascoli, AG I 514, 



II 129 Anm.; ital. eernecchio, ein Büschel Haare 
(der Bedeutungswandel ist kaum zu erklären, vgl. 
jedoch d'Ovidio, AG XIII 380 Anm. 2), vgl. Ascoli, 
AG I 354 Anm. zu No 28. S. unten discSrni- 
cnlum. 

2097) eemo, creTi, cretnm, cernere, sichton, 
scheiden; ital. cernere, aussondern (mod. dzernir, 
vgL Flechia, AG II 340): (über Ableitungen von 
cernere im Sardischen vgl. Guarnerio, R XX 63); 
rum. cec» M* «f <;, sieben ; (prov. des-sernir, unter- 
scheiden; frz. dis-cerner) (cerrmr, umringen, ein- 
schliefsen, ist = *circirMre]\ sudostfrz. sändre, 
sieben, vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768; 
span. cernar, sieben, fein regnen, blühen (vom 
Weinstock, s. oben cerna). 

2098) cero, -äre (v. cera), mit Wachs über- 
streichen; ital. cerare; rum. ceru^t^c ii it i; prov. 
{en)cerar; frz. cirer, wichsen; cat. span. ptg. 
{en)cerar. 

2099) ceröferärTüs, -um m., Wachskerzenträger; 
ital. cejf orale „candelabro", vgl. Caix, St. 264. 

2100) ! *cerritäiietts, a, um (v. cerritus), ver- 
rückt; davon nach Rönsch, Jahrb. XV 200, ital. 
cerretano, Marktschreier. Dz 98 ciarlatano hatte 
bemerkt „cerretano soll nach einigen von dem 
Städtchen Cerreto herrühren".] 

2101) cerritus, a, um (zusammengezogen aus 
cerebritus v. cerebrum), verrückt; ital. ac-cerito 
„acceso in volto, fuor di se", vgl. Caix, St. 133. 

2102) cerrüs -um f.. Cerreiche, Zirneiche; ital. 
cerro, davon cerreto, Eichenwald; rum. cer; viel- 
leicht abgeleitet von cerrus ist auch cat. span. 
ptg. carrasco, carrasca, Steineiche. Vgl. Dz 437 
carrasca. 

2103) *certSniis, a, um, gewifs, sicher, ein ge- 
wisser; ital. certano, ebenso span.; frz. certain. 

2104) certi + flni = ital. lucch. certiduni, lomb. 
sertedün (vgl. ciascheduno aus quisque -\- unus mit 
zur Tilgung des Hiatus [?] eingeschobenem d), vgl. 
Caix, Giorn. di fil. rom. I 47. 

certo, Adv., s. certtts. 

2105) certo, -äre, kämpfen, streiten; ital. cer- 
tare (gelehrtes Wort), streiten; sard. eher- u. 
cheltare, certai, vgl. Salvioni Post. 6; rum. cert 
ai at a, zanken, schelten, tadeln, strafen; frz. 
span. u. ptg. nur Komp. con-certer, con-certar, 
übereinstimmen, dazu das Vbsbst. concert, con- 
cierlo, concerto, Übereinstimmung, Einklang, Kon- 
zert. 

2106) certtts, a, um, sicher, gewifs (im Roman, 
entwickelt sich daraus die Bedtg. „ein gewisser"); 
ital. certo; rum. prov. cat. cert; frz. Adv. certes, 
wahrlich, gewifs; span. cierto (auch Adv.); ptg. 
certo (auch Adv.). Vgl. Gröber, ALL VI 381. 

2107) cerussa, -am f. [cera], Bleiweifs; per. 
eiroxsa; ma,i\.scir6ssa; com. sdröss, pol vere rossa 
di mattone. Vgl. Salvioni, Post. 6. 

2108) cerra, -am /., Hirschkuh; itaL cerva, 
cervia; rum. cerbä; prov. cervia; span. cierva; 
ptg. cerva. 

2109) cerrical n., Kopfkissen; valsass. scervi- 
(ßaa, -al, il sestegno d'un muro , vgl. Salvioni, 
Post. 6. 

2110) cervicttla, -am/", (cervix), kleiner Nacken ; 
sard. chervija, cervice, Salvioni, Post 6. 

2111) *cerTisiä (f. cervisla), -am f., Bier; ital. 
cervigia (das gewöhnliche Wort ist birra); prov. 
cerveza; frz. cervoise (das gewöhnliche Wort ist 
biere); cat. cerveea, Hopfen; span. cerveza; ptg. 
cerveja. Vgl. Dz 54 birra; Gröber, ALL I 546. 



233 



2112) cgrvu 



2133) chiff 



234 



*cerTius, a s. cerrns, cerva. 

2112) cervix, -vlcem /'., Nacken; ital. cervice; 
lum. cerbice; p rov, cerbit-z; altfrz. cerm; span. 
ptg. cerviz. Das Wort ist nirgends recht volks- 
tümlich, sondern wird durch andere ersetzt, unter 
denen *Huc{c)a (ital. wuca, ixi.rmque, span. pt}?. 
mwa) das verbreitetste ist. Vgl. Dz 225 nuca; 
Parodi, K XXVII 236. 

2113) cerrus, -um »i. Hirsch; ital. ccrvo, 
cei-'vio, cerbio; runi. cerb; prov. cer[v]-s; frz. 
cerf : cat. cervo; span. ciervo; ptg. cervo. Vgl. 
Gröber, ALL VI 381; Parodi, R XXVII 237. 

2114) cesso, -äre (Prequ. v. cedo), zurückbleiben, 
weichen; ital. cessare, aufhören, zurückweichen u. 
dgl., dazu das Vbsbst. cesso, Abtritt; prov. cessar; 
frz. cesser; span. ces{s)ar, cejar, zurückgehen; 
ptg. cessar. Vgl. Dz 438 cejar; Gröber, ALL VI 381. 

2115) arab. chalaii (richtiger nach Eguilaz y Yan- 
guas p. 404 jalanchäu), Galgant (eine Wurzel); 
ital. (jalanga; altfrz. galmige, (jarinyal (dies 
auch altspan.); span. ptg. galanga. Vgl. Dz 
152 galanga. 

2116) gr. Xf'^o? '"•) Hirtenstab; davon nach Dz 
438 abgeleitet cat. gayato , Hirtonstab, Krücken- 
stock; span. cayado; ptg. cajado. 

chälo, -äre s. calo, -äre. 

2117) chämaedrys f. (gr. xa^a'^pvg), Gamander- 
loin (eine Pflanze, Plin. N. H. 24, 130); daraus 
durch volksetymologische Umgestaltungen ital. 
calamandrea; frz. germandree, vgl. Fafs, RF III 
492 unten; span. camedrio; ptg. chamedrys, 
chamedrios (gel. W.), Vergifsmeinnicht. Vgl. Dz 77 
calatnandrea. 

2118) *ehamula, -am/'. (Dem. v. chäinä, eherne, 
XVßfj), Hirnmuschel; dav. frz. jamble (fehlt bei 
Sachs u. ebenso im Dict. genoral), vgl. Thomas, R 
XXVI 430. 

2119) gr. X^o?! Urmasse; aus diesem griech. 
Worte bildete der ältere van Helmont durch will- 
kürliche Entstellung den terminus technicus gas 
(frz. gaz) zur Bezeichnung dos bekannten Luftstoffes, 
vgl. Leo Meyer, Ztschr. f. vgl. Sprachf. XX 303 
u. darnach Scheler im Anhang zu Dz 729. (Dz 157 
wiederholte Adelung's Vermutung, dafs gas an ndl. 
geest angelehnt s<m.) 

charadrios s. calandra. 

2120) charaxo, -äre {gr. yaiiäaoEiv), einkratzen; 
davon vielleicht ital. (aret. chian.) scaruszicave 
„stuzzicare, punzecchiare", vgl. Caix, St. 523. 

2121) bask. charro, schlecht, gering = span. 
charro, Adj., mit geschmacklosen Zieraten über- 
laden, Sbst. Lümmel. VgL Dz 439 .9. v.; Baist, 
Z V 242, leitet das Wort von arab. garrah ab. 

2122) arab. charrob, Johannisbrot (Freyt. 1 471»); 
ital. ccwrüba, Johannisbrot, carrubo, carrubbio, 
Johannisbrotbaum; frz. caroube, carouge; span. 
garroba u. algarroba (die JVucht), garrobo u. al- 
garrobo (der Baum); ptg. alfarroba (die Frucht), 
alfarrobeira (der Baum). Vgl. Dz 90 carrüba ; Eg. 
y Yang. 178. 

2123) Charta, -am /., Papier (über die Schreib- 
weise tles auf gr. yägztjg zurückgehenilen Wortes 
vgl. Georges, ALL I 272); ital. carta, Papier, 
Urkunde, Land-, Post-, Spielkarte, davon s-cartare, 
Karten weglegen, ausmerzen, scarto, Ausschlufs, vgl. 
Flechia, AG III 125 Z. 4 v. u. im Texte; s-carta 
-\- tabellae = scartabello , Haufen von Papieren, 
altes Buch, Scharteke, scartabellare, durchblättern, 
VgL Caix, Z I 423; rum. carte, PI. cär^i, Buch, 
Brief, Spielkarte („le pl. car{i aussi le ventricule 



des animaux ruminants", Ch. s. «.); prov. carta; 
frz. Charte, Urkunde (daneben chartre = cartula, 
vgl. Dz 544 s. V.), carte (gel. W.), Pappe, Karte, 
davon (vielleicht! denn vgl. unten *exqnarto) 
ecarter, Karten weglegen, entfernen, wozu das Sbst. 
ecarl; (das übliche frz. Wort für ,, Papier" ist 
papier); cat. carta: span. carta, Brief, Karte 
(das übliche span. Wort für „Papier" ist papcl): 
ptg. wie im Span. (Papier = papel). Von charta 
sind in allen Sprachen zahlreiche Ableitungen vor- 
handen, z. H. ital. cartnne, frz. carton (Lehnw.), 
starkes Papier, Pappe, ital. cartoccio, üüte, ge- 
rolltes Papier, Patrone, frz. cartouche u. a. m. 
Über die Verba ital. scartare , frz. ecarter, vgl. 
unten *exqaärto. 

2124) chärtäceus, a, nm (v. carta), papieren; 
ital. caciacci«, schlechtes Papier, Makulatur; span. 
(mit arab. Artikel) alcartaz, Düte (altspan. auch 
nlcatraz); ptg. cartaz, Anschlagzettel. Vgl. Dz 417 
tücatraz. 

2125) chärtttlä, -am f. (Demin. von charta), 
Briefchen; ital. cartola, davon cartoUna; frz. 
chartre, Urkunde, vgl. Dz 544 charte. 

2126) ehärtülärius, -um m. (v. cartida), Archivar 
(Cod. Just. 3, 26, 10); ital. cartolajo, -ro ,,chi 
vende carta o libri da scrivero", cartolaro, -e „libro 
(li raemorie", dazu cartolario {= eartolarium) „ar- 
chivio", vgl. Canollo, AG III 306; rum. cärturar, 
Schreiber, Gelehrter, Buchhändler, Kartenspieler; 
prov. cartolar-s; frz.cartwte're, Urkundensammlung. 

2127) arab. chaol; davon vielleicht ital. ciullo 
,,accorto, sagace"; span. c/M<to, Witzbold, gescheiter 
Mensch, aber auch Schlächtcrgeselle, ehtila, Dirne. 
Vgl. Caix, St. 290, u. dagegen Eg. y Yang. 377. 

2128) Chauvin (Nicolas); von diesem Personen- 
namen ist abgeleitet frz. chaunnisme, chauviniste, 
vgl. Tobler, Horrig's Archiv Bd. 86 p. 86 u. 393, 
bezw. Figaro 1882 No 41. 

2129) ahd. ^'ehazzi, chezzi (v. lat. catinitm), 
Kessel, soll nach Dz 94 cazza das Grundwort sein 
zu ital. cazza, Schmelztiegel, dazu Demin. cazzuola, 
casserola; frz. caz; altfrz. casse, dazu Domin. 
casserole, darnach viell. gebildet caquerolle aus 
caque, vgl. Cohn, Suffixw. p. 260; cat. cassu; 
span. caz'>; ptg. cago, Pfanne mit Stiel, dazu 
Demin. cazuela. Baist, RF I 106, und Mackel 69 
haben gegen diese Annahme sehr begründete Be- 
denken erhoben; der erstore bringt als Grundwort 
in Vorschlag das griech. Demin. xväfhsiov, xväf^cov 
von dem auch in das Lat. übergegangenen xvaO-oi;, 
Schöpfkelle. Eguilaz y Yanguas p. 366 stellt, u. 
das ist wohl das Richtige, arab. ca^a, Schüssel, 
als Grundwort auf, vgl. auch Lammens p. 80. 

2130) mittellat. ehelandium n. (aus mittelgriech. 
xeläväiov), eine Art von Schiffen; altfrz. kaland, 
clialdnt, chalandre; neufrz. chalant, Boot; alt- 
cat. xelandrin. Vgl. Dz 541 chaland (wenn Dz 
chaland „Boot" u. chaland „Kunde" für ein und 
dasselbe Wort zu halten geneigt ist, so kann man 
ihm darin nicht beistimmen, vgl. oben unter caleo 
u. Schelor im Anhang zu Dz 787). Vgl. Lohmann, 
Bedeutungswandel 73. 

2131) chelidonia, -am f. (xe>,i<fövwg , -a, -ov), 
Schellkraut; piera. siriögna, vgl. Salvioni, Post. 6. 

2132) span. ehico (s. unten eiccnm); dav. viell. 
frz. chic. 

2133) arab. chiff, dünnes u. helles Gewand, viel- 
leicht (?)Grundw. zu frz. chiffe, dünnes Zeug, Papier- 
lumpen, davon chiffon, Hader, Lumpen, chiffonnier, 
Lumpensammler, chiffonner, zerknutschen u. a. Vgl. 



235 



2134) chlmaerä 



2151) ehrapfo, chräffo 



236 



Devic zu Littre s. v.; Scheler im Anhang zu Dz 788. I 
Dz 547 war geneigt, Grandgagnage beizustimmen,] 
der Identität von chiffonner mit wallon. cafaugni, 
das dieselbe Bedtg. hat, u. von chiffon mit wallon. 
ca/'u, wertlose Sache (vom ndl. u. mhd. kaf, Spreu), 
vermutete, indessen meinte üz „nur würde man die 
frz. Form besser zum ahd. kevä, Graff IV 370, i 
ordnen, da e leichter zu i wird als a". Er bemerkte 
dann weiter: ,, Hiermit lassen sich sinnverwandte j 
zum Teil nicht mehr übliche Wörter mit p für f 
verbinden, wie chippe s. v. a. chiffon G. Guiart 
p. 28, chipe (auch chife norm.), Runken Brot, cT^ipper, 
in Stücke scheiden = engl, chip, chipot. Kleinig- 
keit, chipoier, sich mit Kleinigkeiten abgeben, chi- 
paidt , Lumpenkerl u. dgl. ra." Am glaublichsten 
ist wohl, dafs diese, ganze Wortsippe auf einen inter- 
jektionalen, zum Ausdruck der Vorachtung und 
Geringachtung gebrauchten Stamm ehipp- (vgl. das 
deutsche „Schnippchen') zurückgeht. Jedenfalls 
dürften chippe u. chiffe zusammengehören u. nicht 
zu trennen sein. Die Ableitung aus dem Arab. ist 
also abzulehnen; sie hat übrigens auch schon das 
gegen sich, dafs die Überleitung eines arab. Nomons i 
nur in das Frz. (nicht zugleich auch in das Span, 
u. Ptg.) höchst unwahrscheinlich, namentlich bei 
einem schon älteren Worte, ist. Nein, die Wortsippe 
macht ganz den Eindruck, als beruhe sie auf einem 
interjektionalen, ursprünglich vielleicht mit einem 
Schnipsen der Finger verbundenen Lautkomplexe. — 
Braune. Z XVIII 522, will die ganze Sippe auf nie- 
derdeutsches kip-, bezw. hochdtsch. kipf- (Grund- 
bedeutung „schneiden, schnitzeln, spalten") zurück- 
führen, was ihm aber schwerlich jemand glauben 
wird. 

2134) ehlmaera, -am /'. (gr. /Ißati)«), fabel- 
haftes, phantastisches Ungeheuer, daher unsinniges 
Phantasiegebilde; ital. chimera, Hirngespinst; frz. 
chiniere (volksetymologisierende, an jument ange- 
lehnte Umgestaltung des Wortes ist viell. jiimart, 
Bastard aus dem Pferde- u. Rindergeschlecht, vgl. 
Dz 622 s. V.); span. quimera; ptg. chimera. Vgl. 
Dz 97 chimera. Vgl. auch jnmentuin. 

2135) chlrürgia, -am /'. (gr. yfi(/ov(.>yia), Wund- 
arzneikunst; prov. surfjiu, sonst nur als gelehrtes 
Wort vorhanden. Vgl. Dz 682 surgia. 

2136) chirürgieus , a, um (v. chirurgia), zur 
Wundarzneikunst gehörig; ital. chirurgico, Adj., 
cerusieo, arch. cirugico, cirusico „chirurgo", vgl. 
Canello, AG III 373; rtr. giruic, ciröi, i;eröj, vgl. 
Ascoli, AG I 500 No 64 u. 510 Z. 6 v. ob.; prov. 
(sitrgien, vgl. engl, surgeon = *chirurgianus, sieh 
Dz 682 surgia). 

2137) gr. x^l'*^«?«*'. spotten, ist von Bugge, 
R III 161, als Grundwort zu dem von Dz 361 un- 
erklärt gelassenen ital. caleffare, galeffare, ver- 
spotten, aufgestellt worden. Die Vermutung ist 
kühn, indessen Bugge hat sie ansprechend begründet. 
Glaublicher ist aber doch wohl, dafs caleffare einfach 
= *calefare = calefacerc ist, s. oben calefo. 

2138) chlöreus, -um m. (gr. ;(;.tt)()st;?), Grün- 
specht: davon vielleicht prov. altfrz. corlieu, 
curlieu; nfrz. courlieu, courlis (=/A(op4'), Brach- 
schnepfe (Dz 558 hielt das Wort für zusammengesetzt 
aus corre, laufen, + lieu, leicht, eine unwahrschein-r 
licho Annahme, wenn auch zugegeben werden mag, 
dafs die abnorme Lautentwickelung des Wortes auf 
volksetymologisierender Anbildung an corre -j- lieu 
beruht); span. chorlito, Regenpfeifer. Vgl. Baist, 
RF I 134. 

2139) ostfrz. choc, ehae, Ausrufe, gebraucht 



zum Ausdruck des Schmerzes, wenn man sich ver- 
brennt^ dav. ostfrz. cÄogMe, Brennnessel, viell. auch 
das bekannte frz. Vb. ehoquer, vgl. Horning, Z 
XVni 215. 

2140) arab. cho<;<; (Eguilaz y Yanguas p. 876 
setzt joff, Rohrhütte, an) == span. choza, ptg. 
choQu, Schäferhütte, Hütte; annehmbarer als diese 
von Dz 440 s. v. empfohlene Herleitung ist die von 
Dz als weniger gut bezeichnete von lat. plutea für 
pluteum, Schutzdach. 

2141) mejik. choco, Cacao + lattl, Wasser (also 
Cacaowasser) oder choco, Geräusch + lattl, Wasser 
(also etwa „Brausewasser", weil die Chocolade in 
heifsem Wasser schäumt); ital. cioceolata; frz. 
chocolat VI.; span. chocolate; ptg. chocolate. 
Vgl. Dz 100 cioceolata; Scheler im Dict. s. v. 
chocolat. 

2142) bask. chocnna, niedlich, artig; davon an- 
geblich span. chacona , Name eines Volkstänze«, 
vgl. Dz 439 chacona. 

2143) gr. ;cofpos,Ferkel, =(?) ital. ciro,Schwein. 
Vgl. Dz 365 s. V. 

2144) chölera, -am f. (gr. xo>-H>ci), Galle, Gallen- 
brechruhr (Cels.); ital. colera (selten colera) „il 
morbo asiatico", cöllera „ira improvvisa, trasferendo 
l'irrit.izione dagli intestini [■/öi.oi) all' animo", 
vgl. Canello, AG III 389: irz.'coVere, Zorn (gel.W., 
welches altfrz. courroux fast verdrängt hat), cholera 
{-morbus) m., Cholera; span. ptg. chölera, Cholera, 
colera, Zorn. S. auch unten eorruptlo. 

2145) [*choraulo, -äre (gleichsam gr. xoQavXato, 
XopavXew; das Sbst. xo(>av).>ig, Chorflötist, ist als 
choraules u. choraula in das Lat. übergegangen, 
s. Georges s. v.), einen Tanz (bei Flötenspiel) auf- 
führen; dav. vermutlich ital. carolare, einen Reigen- 
tanz aufführen, dazu das Sbst. carola; prov. 
carolar; altfrz. caroler, dazu das Sbst. Carole, 
querole. Frankreich scheint die Heimat desWortes 
wie der Sache zu sein. Vgl. Dz 539 carole; Förster, 
Z VI 109 (stellt corolla als Grundwort auf, was 
auch von Gröber, ALL I 552, angenommen wird). 
S. unten corolla.] 

2146) Chorda (corda, vgl. Gröber, ALL I 552), 
-am f. {gl. xo&ä'l], Darm, Darmsaite; ital. corda; 
rum. coardä, PL corzi; prov. corda; frz. corde, 
<lazu Demin. {cordel) cordeau, Schnur, davon wieder 
cordelier ; cat. corda; span. euer da: ptg. corda. 
Dazu das Demin. ital. etc. cordella, Schnur, rum. 
corde, frz. cordelle, prov. span. ptg. cordel m. 

2147) *chordäriüs, -um m., Seiler; frz. cordier; 
span. cordelero; ptg. cordoeiro; (ital. heilst dieser 
Handwerker funnjo = *funiarius, seine Werkstatt 
aber eorderia, es ist übrigens auch cordajo vor- 
handen). 

2148) [gleichs. *ch5rdfiIo, -äre {chorda), mit 
Stricken foltern; rtr. chiürler, viell. auch ital. 
collare, wenn man annehmen darf, dafs es aus 
*cor'lare entstanden ist. Vgl. Ulrich Z XIX 576.] 

2149) ehördfis, a, um, spät geboren; dav. ital. 
cordesco „agnello di seconda flgliatura"; abruzz. 
kurdeske agnello, vgl.Meyer-L., Rom. Gr. II p. 559 ; 
berg. cört, Heu vom zweiten Schnitt, vgl. Salvioni, 
Post. 6, wo auch noch andere Formen aufgeführt 
werden; cat. corder, Lamm; span. cordero; ptg. 
cordeiro. Vgl. Dz 442 cordero; Caix, St. 295. 

2150) chörüs, -um m. (gr. /opöj), Rundtauz; 
singende Schar, Chorgesang; ital. coro; frz. c/sceur; 
span. ptg. coro. 

2151) ahd. chräpfo, chräffo, Haken; dav. ital. 
sgraffa „unione di diversi pezzi di piccole linee che 



237 



2152) chrlsmä 



2166) cicgra 



238 



servono nella stampa per raccogliere diversi articoli", 
vgl. Caix, St. 564. 

2152) chrlsmä u. *crisma )J. (gr. /^iö/itt ; „sicher 
ist, (lafs chrisma zuletzt i hatte", d'Ovidio in Grö- 
ber's Grundrifs I 564, wo über die Quantität des 
i in chrisma u. Christus ausführlich gebandelt wird), 
Salbung; ital. crisma „l'olio consecrato", cresima, 
cresma .,il saeramento", vgl. Canello, AG III 398; 
crema (?), Milchrahm; frz. chreme, Salböl, viel- 
leicht auch creme, Rahm, Sahne, Schaum, dem Frz. 
wurde dann ital. crema „piatto dolce fatto con 
ova, latte, zucchero" u. span. ptg. c/enia, -e, Sahne, 
entlehnt sein, welche Annahme freilich nicht eben 

,, wahrscheinlich ist. Das von Dz 112 crema ange- 
nommene Grundwort spätlat. crema = cremor ist 
nicht vorhanden, da an der betr. Stelle des Venant. 
Fort. 11, 14 cräma (wovon wohl altfrz. cranme, 
das Leser p. 78 anführt) zu losen ist; auch würde ein 
crema dem offenen e des ital. crema nicht genügen. 
Die Frage bedarf noch der Untersuchung, welche 
von der Feststellung des ersten zeitlichen Vor- 
kommens der betr. Worte auszugehen haben wird. 
Vgl. W. Meyer, Z XI 253; Gröber, ALL 1 555 
(setzt crema als Grundwort an). 

2153) christianus, a, um (gr. x&iotiavög), christ- 
lich; ital. cristiano, christlich, cretino (vom frz. 
cretin), dumm; rtr. christgiaun; prov. crestiaii-s, 
crestia-s; frz. c[Alres<ne«, chretien, christlich, dazu 
das Sbst. chretiente =^ christiatiitatem , cretin, 
Idiot (Littre s. v. wollte letzteres Wort vom dtsch. 
kreidling ableiten, was lautlich unmöglich ist; die 
Herkunft des cretin von cliristianus dürfte nicht 
zu bezweifeln sein, auch der Bedeutungswandel läfst 
sich recht wohl erklären: Christ, Christenmensch, 
armer Mensch, der mit andern Menschen eben nur 
die Taufe gemeinsam hat; näheres sehe man bei 
Canello, AG III 316; am Lago maggiore wird cri- 
stian im Sinne von ,,scimunito, cretino" gebraucht, 
vgl. Salvioni, Z XXII 468); span. cristiano; ptg. 
christäo. Vgl. Berger s. v. 

2154) chymns, -um m. {-/v/iog), Magensaft; 
span. zumo. 

2155) arab. (^ibar (mit Artikel aggibar), Aloe; 
davon sicil. zabbara; cat. aciber; span. acibar; 
ptg. azevre. Vgl. Dz 414 acibar; C. Michaelis, 
R II 91 ; Eguilaz y Yanguas p. 29. 

2156) cibärlus, a, um (v. cibus), zur Speise 
gehörig; ital. cibaria „comestibili in genere", civaja 
„legumi, con evoluzione ideologica molto notevole 
per la caratteristica della dieta toscana" ; civea, 
civera „portantina, in origine portantina da cibi", 
cihario, Sbst., ,, cibaria", civeo ,,lo stesso che civea", 
cihri'.o „manicaretto, che il Caix, St. p. 99, ricava 
invece dal b. lat. cirbus. Anche ,cibare' „cibo" puö 
avere la stessa base", Canello, AG III 306; sard. 
chivarzu pan di cruschello; venez. civiera, lomb. 
üivera, piem. sivera, monf. sfera barella, vgl. 
Salvioni, Post, (i, wo noch weitere Formen, darunter 
auch Masculina, aufgeführt werden; span. cibera 
= cibaria, Getreide. Vgl. Dz 365 civaja u. 438 
cebada. 

2157) cibät(us, a), -um (v. cibare), Verfüttertes, 
Putter; prov. cat. civada, Hafer; span. cebada; 
ptg. cevada, Gerste. Vgl. Dz 438 cebada. 

2158) clbo, -äre, speisen, füttern; neapol. ce- 
nare: sicil., civari imboccare, vgl. Salvioni, Post. 6; 
span. cebar, füttern. Vgl. Dz 438 cebada. 

2159) [clbürinm n. (gr. pfi/Jcüpiov), Fruchtgehäuse 
der ägyptischen Bohne, eine Art Trinkbecher; ital. 
ciborio, Speisekelch; rum. ciabare „Poterium san- 



[ guisorba", vgl. Ch. s. v.; prov. cibori-s; frz. ci- 
\ boire, span. cimhorio, Kuppel (vgl. aber No 2184); 
I ptg. ciborio, Monstranz.] 

2160) eibfls, um »i., Speise; ital. {cibo, Speise), 
yebo, zeba, Ziege (,,la carne di capro era il cibo 
piti usuale nel raedio evo, come fanno fedo il nostro 

1 ^beccajo' da ^becco' o 11 fr. ,boucher' da ,bouc', 
\ quasi macella-becchi", Canello, AG HI 320, nichts- 
i destoweniger gehören gebo u. zeba nicht hierher, 
vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768. Dz 345 
zeba hatte richtig dies Wort nebst dem entsprechen- 
; den pyrenäischen vom deutschen zibbe, Lamm, ab- 
geleitet); sard. kiu Mark, sicil. ävu, tirol. iei, 
[vgl. Meyer-L. a. a. 0.; altneapol. cevo; ajt- 
a b r u z z. civo ; m o d e n e s. zio, vgl. Salvioni, Post. 6 ; 
(Horning, Z XXI 453, leitet von cibus ab aeniil. 
zibega lezioso, schifiltoso nel cibo, ital. cibeca, 
Kostverächter, Dummkopf); (rum. cib, Vogelfutter); 
span. cebo, Futter; {chibo, -a, junge Ziege); ptg. 
cibo, Speise, (chivo, junge Ziege). 

2161) cieäda, -am f., Cicade, Baumgrille; ital. 
cicdla, -gala Heuschrecke, Cicade; lomb. iigada; 
rum. cicalä, Schwätzer, maced.-rum. chincalä, Ci- 
cade; prov. cigala; frz. cigale; span. cigarra, 
chicharra (wohl onomatopoiet. Umbildung), Heu- 
schrecke; ptg. cigarra, Baumgrille. Nach gewöhn- 
licher Annahme soll die Benennung der „Cigarre" 
(span. ptg. cigarro, ital. sigaro, frz. cigare w.) 
auf span. cigarra zurückgehen, wegen einer ge- 
wissen Ähnlichkeit des Tabakröllchens mit (1er 
Cicade , sei es in Gestalt oder in Farbe. Vgl. Dz 
99 cigala. 

2162) bask. cicatea, eine Art Sporn; davon viol- 
leicht span. ptg. actcate; nach anderen soll arab. 
asch-schavkah, Stachel, das Grundwort sein. Vgl. 
Dz 414 acicate. Vgl. Eg. y Yang. 30. 

2163) eiceüm «., das Kerngehäuse im Apfel und 
dgl., ein nichtsnutziges Ding, Lumperei; davon ital. 
cica, Kleinigkeit, davon cigolo, klein, gering; frz. 
chiche, knauserig, chiquet, ein Bischen, Stückchen, 
chicot, Strunk, chieoter, sich herumzanken (vielleiclit 
gehört hierher auch chicane. Streit um nichts, 
Rechtskniff); von chiquet ist wieder abgeleitet das 
Vb. dechiqueter (in kleine Stücke brechen), zer- 
stückeln; cat. xic, klein, gering; span. chico, 
klein, Sbst. Knabe, chichota, die geringste Kleinig- 
keit, cicatear, knausern; ptg. chico, kleine Geld- 
münze. Vgl. Dz 98 cica, Gröber, ALL I 545; 
Meyer, Ntr. 62 (erklärt, nicht zu wissen, woher der 
Stamm cic komme, denn was Dz sage, befriedige 
wenig, aber was ist denn gegen ciccum einzu- 
wenden ?). 

2164) *cicen u. cicinus m. (f. cycnus), Schwan; 
altital. cecino; sard. cesini, sisini, venez. ce- 
sano, vgl. Mussafia, Beitr. 124, Salvioni Post. 6; 
span. ptg. cisne (ob auch altfrz. cisne hierher 
gehört, ist bislang nicht sicher zu entscheiden). 
Vgl. Dz 94 cecero; Gröber, ALL I 545. S. auch 
cicer. 

2165) Cieer n., Kichererbse; ital. cece, Erbse, 
auch Knolle (davon viell. cecero, Schwan, so genannt 
wegen der Knolle am Schnabel, doch kann cecero 
wohl auch aus cecino entstellt sein), dazu das 
Demin. cecino; prov. cezer; altfrz. ceire, Qoire; 
nfrz. (pois-) chiche (?). Vgl. Dz 94 cece u. cecero; 
Meyer , Neutr. 62 ; Scheler im Anhang zu Dz 
719. 

2166) cTcera, -am/'., Platterbsc; venez. cesara, 
vgl. Mussafia, Beitr. 124, Salvioni, Post. 6; frz. 
gesse Platterbse (Jerzais, vesce multiflore, u. a. 



239 



2167) cIcSrcülä 



2190) cingülö 



240 



mundartliche Pflanzennamen), vgl. Horning, Z 
XIX 70. 

2167) cTcercülä, -am f. (Demin. v. ciccra =^ cicer), 
kleine Erbse; it a.\. cicerchia; apan. ctcei'c/m. Vgl. 
Dz 94 cece. 

2168) [Cicero, -önem; ital. ciceronc, frz. cici- 
ron, beredter Erzähler, Erklärer, Premdonführer. 
Einen ähnlichen Bedeutungswandel hat der Eigen- 
name Maro [s. d.] durchgemacht.] 

2169) eichöreum n. (gr. xiy_(ü(>iov) u. *ciehoria 
n. (gr. xi^oiita], Cichorie; ital. cicorea u. cicoria; 
rum. cicoare f.; frz. Chicoree = *cichorata ; span. 
ehicoreo, chieoria. achicoria; ptg. chicoria. 

2170) cIcTndela, -am f., Leuchtwurm, kleine 
Lampe (in letzterer Bedtg. b. Isid. 20, 10, 2); davon 
ital. cicindello, cesindello „luiuinello", venez. cesen- 
dolo „lampada accesa davanti a qnalche immagine", 
gen. nexendi „lume da notte", vgl. Caix, St. 275; 
Marchesini, Studj di fil. rom. U 8. 

2171) [*cico,-äre (zusammenhängend mit Ciere(?)), 
schreien; davon vielleicht ital. cigolare, scivolare, 
knarren, knistern, venez. cigare, zischen (dagegen 
gehört ital. cingottare, cingiiettare, stammeln, 
zwitschern, schwerlich hierher). Vgl. Dz 365 cigolare 
u. Scheler im Anhang 756.] 

2172) cicöniä u. *cic5niä, -am /'., Storch; ital. 
cicogna (mit offenem u. mit geschlossenem o) ; über 
ital. Dialoktformen vgl. Salvioni, Post. 6; neuprov. 
cigouogno ; frz. cigogne, gigogne; span. ciguena, 
Storch u. Pumponstock; ptg. cegonha, Storch und 
Brunnenstock. Vgl. Uz 440 ciguena; Gröber, ALL 
I 545 u. VI 381; Berger s. v. 

2173) cieütä, -am /., Schierling (CicutavirosaL.); 
(ital. cicuta;) rum. eucutä; (prov. cicuda; alt- 
frz. ceue; frz. eigne); saintoug. kokiie, neu- 
prov. koküdo, vgl. Meyer-L. , Z. f. ö. G. 1891 
p. 768; (cat. span. ptg. cicuta). 

2174) arab. Qifr, Null; ital. cifra „numero 
grosso", cifera u. cifra „scrittura segreta", vgl. 
Canello, AG III 398, zero, Null; frz. chiffre, 
Zahlzeichen, Geheimschrift, zero, Null; span. ptg. 
cifra, Zahlzeichen, cero, zero, Null. Vgl. Dz 98 
cifra u. 346 zero. — Vgl. auch Krumbacher in den 
Etudes de philologie neo-grecque p. p. Psichari 
(Bibl. de l'Eo. de Hautes Etudes, fasc. 92 Paris 
1892), wonach Mittelstufe zwischen cifra u. zero 
ist (zephyrum, dav. ital.) zefiro, zefro; das Grund- 
wort ist nach Kr. griech. ip^<pog, hezw. %prj<po[(po)- 
fjta (in den Byzant. Stud. II 299 hat Kr. jedoch 
seine Anschauung nicht unerheblich abgeändert). 
Vgl. endlich noch Tannery, Sur l'etymologie du mot 
/!hiffre', Revue archeologique 1894. 

2175) [•eilio, -äre (cdium) = frz. silier (für 
ciller) „einem Falken die Augenlider zusammennähen, 
damit er still sitzen lerne", vgl. Dz 679 s. v.] 

2176) cillflm n., Augenbraue; ital. ciglio; ve- 
nez. zegia, mail. zii, vgl. Salvioni, Post. 6; sard. 
(log.) prov. cat. span. ptg. ceja; frz. eil, Augen- 
braue, Antlitz. Vgl. Meyer, Ntr. 154. 

*cima s. eyma. 

2177) bask. cimela, biegsam ; davon (?) vielleicht 
span. cimbreno, biegsam, cimbrar, eine Rute 
schwingen. Vgl. Dz 441 cimbrar. 

2178) bask. eimeterra „der von der feinen 
Schneide", vielleicht Grundwort zu ital. sciviitarra, 
kurzer, krummer Säbel; frz. cimeterre in.; span. 
cimitarra; ptg. samitarra. Die Herkunft des Wortes 
aus dem Bask. ist freilich nicht rocht walirschein- 
lich, eher wäre orientalischer Ursprung zu erwarten; 
woher das Wort aber auch stammen möge, oifenbar 



ist es volksetymologisch verballhornt worden. Vgl. 
Dz 287 scimitarra. 

2179) clmex, -micem m, Wanze; ital. cimice; 
sard. chimige; venez. cimese, lomb. iimes, borg. 
scivüga, vgl. Salvioni, Post. 7; (frz. cimex, ge- 
lehrtes Wort, das volkstümliche ist punaise = *pu- 
tinatia); altspan. zimse (b. Juan Manuel, Obras 
p. 249, wo freilich Gayangos zimnes in zinifes än- 
dern will, vgl. aber C. Michaelis, Mise. 165); neu- 
span. chinche; (ptg. per.ievejo, eigentl. „der Ver- 
folger" von perseguir; chinche ist im Ptg. nicht 
vorhanden, vgl. C. Michaelis a. a. 0. 166). Vgl. 
Dz 440 chinche. 

2180) bask. eincerria,cinzarria=^span. cencerro, 
Schelle, vgl. Dz 438 *. v. 

2181) cinctörium n., Gurt; sa,Tt\.chintorzac\n- 
tola, vgl. Salvioni, Post. 7. 

2182) cinctnm n., Gurt; ital. cinto, -a, val- 
magg. sienca; mail. zenta; span. cincho, vgl. 
Salvioni, Post. 7. 

2183) cinctürä, -am f. (v. cingo), Gürtung; ital. 
cintura, Gürtel; frz. ceinture, Gürtel, Lenden- 
gegend; span. cintura, Gürtel; ptg. cm<«ra, Gürtel, 
Lendengegend. 

2184) einctüro, -äre (v. cinctura), in Gürtel- 
bogen bauen, wölben; ital. centinare, wölben, dazu 
das Sbst. centina, Gewölbe; frz. cintrer , wölben, 
dazu das Sbst. cintre (eine ganz andere Ableitung 
hat Horning, Z XXI 453 u. XXII 482, gegeben, 
s. oben camex) [cat. cindria, Gewölbe; span. cim- 
bra, -ia, Wölbung; ptg. cimbre, Wölbung]. Vgl. 
Dz 95 centinare. 

2185) *ciiierätus, a, um, Part. P. P. zu dem 
Vb. cinerare (= frz. cendrer, mit Asche bestreuen) ; 
frz. cendre, aschfarbig, cendree, Bleichschwamm 
(charrie, Lauge, gehört nicht hierher, vgl. Joret, 
R VI 595, s. oben carrata); cat. cendrada; span. 
cernada, Laugenasche. Vgl. Dz 438 cernada. 

2186) *cmer58tts, a, nm, aschig; ita. ceneroso; 
rum. cemisos ; prov. cendros;iii.ce}idreux; (span. 
cenizoso). 

Cinetes s. yvfivtjTijg. 

2187) [eingillüm n. (v. cingo), ein netter Prauen- 
gürtel; dav.ital.c*Mct(/to, herabhängender Schmuck, 
vgl. Caix, St. 21, u. d'Ovidio, AG Xm 407 (in 
den ältesten Ausgaben des Diez'schen Wörterbuches 
ist das Wort, Bd. II p. 18, zu cencio gestellt und 
als „unbekannter Herkunft" bezeichnet, in der 5. 
Ausg. fehlt der Artikel); camp id. cingeddu, cin- 
tola; sicil. cincedda fascia, cintura, com. scensgei 
le verghe colle quali si fa sostegno e ricinto alla 
paglia de' capanni; mail. scinsgell u. scinsgella, 
vgl. Salvioni, Post. 7.] 

2188) cingo, cinxi (*cwxi), cinctfim {*cwctiini), 
eingere, gürten ; ital. cingo, cinsi, cinto, eignere u. 
cingere; rum. {in)cing, insei, ins, inge; prov. ce«?«, 
ceis, ceint, cenlier u. seigner; altfrz. ceing u. ceins, 
ceins, ceint, ceindre, vgl. Burguy H 237; nfrz. 
ceins, eeignis, ceint, ceindre; span. cenir, schwaches 
Vb. (altspan. Pf. cinxo, Pt. cinto); ptg. cingir, 
schwaches Vb. Vgl. Dz 540 ceindre; Gröber, ALL 
VI 381. 

2189) cingiila u. *cingrulä, -am f (v. eingo), 
Gürtel; ital. cinghia, daneben dgna = *cinga; 
rum. cingä =*cinga; prov. singla; frz. sangle; 
gpan. cincha; ptg. cilha (auch einla). Vgl. Dz 
99 cinghia; Gröber, ALL 1545 u. im Nachtr. No 
1888 der i. Ausg. des lt. rom. Wtb.'s. 

2190) cingRIö u. *cinguIo, -äre (v. eiiigulum), 
1 gürten; ital. cinghiare; prov. cinglar, singlar, 



^41 



2191) cingiilum 



2213) clrctts 



242 



ienchar; frz. cingler, mit einem Gurte schlagen; 1 prov. änc; frz. cinq; cat. cinch: span pte 
iangler, gürten^ span. cinckar; ptg. cilhar. \ cinco. Vgl. Gröber, ALL I 546. 



senchar 
San 

2191) cinguluin'». (v. cingo), Gurt; ital. cingolo 
„la cintura dol sacerdote parato per celebrare", 
cinghio „circuito, cerciiio", vgl. Canello, AG III 356; 
span. sobrecincho, Übergurt am Pferdegeschirr; 
(ptg. cincho, Korb, gehört nicht hierher). Vgl. 
W. Meyer, Neutr. 131. 

2192) [*clnieiärlum n. (v. cinii) = s p a n. cenicero, 
Aschengrube.] 

2193) [*ciniciiis, a, um (v. cinin), aschfarbig; 
ital. cinigia, Asche; altfrz. cenis; apan. cenizo, 
aschgrau, ceniza, Asche, cenisoso, ceniciento, asch- 
farbig. Vgl. Dz 438 ceniza ; Gröber, ALL VI 382.] 

2194) elnis, -erem m., selten f., Asche; ital. 
eenere; (runi. cenii^ä = *cinucea) ; prov. cenre-s, 
cendre-s; frz. cendre; cat. cendra; (span. ceniza 
= *cinicia; ptg. cinza). 

2195) ciniscnlum n. (Dem. v. cinis); dav. nach 
C. Michaelis, Frg. Et. p. 12, ptg. cisco, feiner 
Kohlenstaub u. dgl. 



2202) [*cinueeS (v. cj«»s)=rum. cenu^ä, Asche; 
s. oben einis.] 

2203) *eippillus, -um m. (Demin. zu eippus), 
kleiner Klotz, = span. cepillo, ptg. cepilho, Hobel, 
Bürste. 

2204) *cippus (für cippas), -um in., Spitzsäule, 
Grenzstein; ital. cippo „eolonna tronoa", ceppo 
„troncone d'albero", vgl. Canello, AG III 321; prov. 
cep-s; frz. cep, sep; cat. cep, cepa ; span. cepo, 
cepa, Pfahl, Klotz. Vgl. Gröber, ALL I 546. 

2205) circa, Adv. u. Präp., ringsum, in der Nähe, 
bei; ital. circa; span. ptg. cerca, nahe, bei. 

2206) circellüs, -um m. (Demin. v. circiilus), 
kleiner Kreis; (ital. cerc/we«o, Demin. zu cerchio); 
sicil. circeddu sortu di orecchino; rum. cercel 
(bedeutet auch „Ohrring"); frz. cerceau, Reif, dazu 
das Vb. *ccrceler, wovon aber auch schon altfrz. 
nur vereinzelte Formen belegt sind; spsm. cerciiio, 
zarcillo, Ohrgehäng; ptg. cercitho, Platte, Tonsur! 



2196) cinnabäri «. u. cinnSbaris, -im m. (gr. Vgl- ßz 500 zarcillo u. 540 cerceau. 



xivraßuQi u. xiwdßaQig), Zinnober; ital. cinäbro ; 
ru m. chinovdr; prov. cinobre-s ; ixz.cinabre; span. 
ptg. cinabrio. Vgl. Dz 99 cinäbro. 

2197) clnnämum n. (xivvafiov), Zimmt; ital. 
cennamo, veron. cendamo, vgl. AG I 308, Sal- 
vioni, Post. 7. 

2198) *einnus m. od. *cinnum n. ist das voraus- 
zusetzende Grundwort zu ital. cenMO, Wink, davon 
accennare, heranwinken. „Lieber als von einem 
cinnus = cincinnus möchte ich ital. cenno, ac- 
eenno von eoncinnat herleiten, das nach der Aphä- 
rese von con- und der Wiederzusammensetzung mit 
ad-cennare , accennare ergeben hätte, gleichsam 
,mittels des Gesichtsausdrucks eine Warnung er- 
teilen', cenno wäre postverbal" d'Ovidio, Gröber's 
Grundrifs I 503; rtr. ein, Wink; prov. cennar, 
winken; altfrz. cener, acener, (zujwinken; span. 
ceno, Wink, dazu altspan. das Vb. aeeiiar ; ptg. 
cenho. Diez 95 cenno hielt *cinniis für gekürzt 
aus cincinnus, Locke, was aber lautlich wie sach- 
lich gleich unannehmbar ist. Baist, Z V 243, 
glaubte, dafs das bei Arnobius 5, 25 in der Bedtg. 
„Mischtrank" vorkommende cinnus trotz der so 
weit abliegenden Bedeutung als Grundwort ange- 
sehen werden könne; später aber hat er, RF I 134, 
seine Ansicht zurückgezogen und auf Grund des 
span. zuiio behauptet, dafs cenno u. seine Sippe 
auf gr. {i7ti)axvvtov = ocpQvg zurückgehe (Ilias 

XVII 136 wg TIS rf Xewv näv 6i tini- 

axvviov xäx(o tlxerai oaas xai.vnxwv). Aber ein 
*scynium hätte ital. «cf^wo ergeben, um von anderen 
Bedenken ganz abzusehen. Über die Annahme eines 
cinnum oder cinnus wird man nicht hinwegkommen 
können. Vgl. Gröber, ALL VI 545. 

2199) *einquä?esima (seil, dies), ■ rtr. cunkeisma 
Pfingsten; altspan. einquesma. Vgl. Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891_ p. 768. 

2200) *einquagTnta (für quinquaginta), fünfzig; 
sard. chimbanta (dagegen bindeghi = quindecim, 
vgl. Moyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768); ital. cin- 
quanta; (rum. cincidieci); rtr. tschunconta, vgl. 
Gärtner, §200; prov. cinquanta ; frz. cinquante; 
cat. cinquanta; span. cincuenta; ptg. cincoenta. 
Vgl. Gröber, ALL I 546, V 125 u. VI 382. 

2201) *cinque (für quinque), fünf; (sard. chimbe, 
vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768; ital. cin- 
que; rum. cinci; rtr. tschunc, vgl. Gärtner § 200; 

Körting, lat.-rom. Wörterbuch. 



2207) *circTno, -are (v. circinus) , einen Kreis 
ziehen; sard. chirchinare, tagliare in tondo, vgL 
Salvioni, Post. 7; rtr. gerbend, vgl. Ascoli, AG I 
523 Z. 4 V. u. im Texte; frz. cerner, einschliefsen, 
umrändern; span. cercewar, abrunden, beschneiden 
ausroden, vgl. Horning, Z XVIII 215. ' 

2208) circiniis, -um m. (gr. xi^xivog), Zirkel; 
ital. cercine, runder Wulst, Ring, vgl. Flecbia, 
AG II 337; rum. cearcän, Kreis, Kranz, Hof um' 
Sonne oder Mond; frz. cerne, Kreis; span. cercen, 
Adv., rundum; ptg. cerce, glatt, flach, eben. Vgl. 
Dz 96 cercine. 

2209) eircito, -äre (v. circu.s), in der Runde 
gehen; rum. cercetez ai at a, prüfen, untersuchen, 
beraten u. dgl., vgl. Ch. cerc. 

circius s. cerclus. 

2210) Circo, -äre (v. circus), umkreisen (Gromat. 
vet. 326, 17); ital. cercare, suchen, vgl. Flechia, 
AG III 170: rum. cerc ai at a, suchen, unter- 
suchen, versuchen, kosten ; prov. cat. cercar; alt- 
frz. cerchier; nfrz. chereher; (span. ptg. wird 
das Vb. in der Bedtg. „suchen" vertreten durch 
buscar, cercar heifst nur „umgeben, umringen"). 
Vgl. Dz 95 cercare; Gröber, ALL I 546- Wölfflin 
ALL III 559. ' 

2211) circttlo, -äre (v. circulus), kreisförmig 
machen, kreisförmig umgeben; ital. cerchiare; 
(rum. ccrcuesc ii it i); prov.cerclar; frz. cercler; 
(span. cercülar; ptg. cercillwr = *circillare). 
Über span. acechar f. acerchar = ad-circulare 
vgl. Baist, RF VI 580, s. oben as-secto. 

2212) circfilüs, -um m. (Demin. v. circus), Kreis; 
ital. cerchio; veron. zercolo; prov. cercles; frz. 
cercle (altfrz. m. u f. ; altfrz. Ableitungen von cercle 
sind cercler gleichs. *circulare n., cerclal, cercal 
gleichs. *circulale, cerchel, gleichs. circulello, vgl. 
Förster zu Erec 5782); span. ptg. circulo. S No 
2213. 

2213) circus, -um m. (gr. xi^xog), Kreis; ital. 
Circo „specie d'anfiteatro", cerco „cerchio. Ma 
cerco potrebbe anche essere ricavato dal pl. cerchi 
= circ'li", Canello, AG III 322; rum. cerc, Kreis, 
Reifen, Einzäunung u. dgl. Sonst ist das Wort nur 
als termiuus technicus zur Bezeichnung eines für 
Kunstreiter etc. bestimmten Rundbaues vorhanden, 
(frz. cirque etc.), in der Bedtg. „Kreis" ist das 
Dem. circulus eingetreten, (doch auch span. ptg. 
cerco). 

16 



243 



2214) oirrüs 



2239) clärtts 



244 



2214) cirrus, -um m., Haar-, Pedorbiischel auf 
den Köpfen der Vögel; davon vielleicht ital. cerro; 
(sardischo Ableitungen: chirrioni ciocca di ca- 
pelli, chirrionudu velloso, vgl. Guarnerio, R XX 63) ; 
prov. ser-s; span. ptg. cerro, Hügel, Höhe, 
Nacken, Genick, Rückgrat bei Tieren (dieBedeutungs- 
entwickelnng wurde also eine ähnliche gewesen sein, 
wie bei dem engl. top). Vgl. Dz 438 cerro. S. d. 
Nachtrag ! 

2215) *cisäle n. (v. cldo, clsum f. caedo, cnesum), 
ein abgeschnittenes Stuck; ital. cisale, der zwischen 
zwei Feldern eingeschnittene Weg, PI. Schnitzel. 

2216) *clselln8, -um »i. (v, cido, cimm f. caedo. 
caesum), ein Schneidewerkzeug; frz. ciseau, Meifsel, 
PI. Scheere; dazu das Vb. eiseler; cat. sisell; span. 
cincel; ptg. [cizel), cinzel. Das Wort bedeutet 
überall „Meifsel", im Ital. wird dufnr scalpeJlo (neben 
cesello) gebraucht. Vgl. Dz 99 cincel (Diez stellte 
*scilicellus aus *sicüicellus v. sicilis als Grundwort 
auf; Gröber, ALL I 546; Th. 54 cincel). 

[*cismo s. *äccismo.] 

2217) *cisöriüm n. (v. *cido, cisum f. caedo, 
caesum), ein Schneidewerkzeug; ital. cesoje, Scheere 
(das übliche Wort ist aber förhici); rtr. cisore, 
vgl. Ascoli, AG 1510, Z. 8v. ob., dagegen Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 768; altfrz. cisoires. Vgl. Dz 
364 cesoje; Gröber, ALL I 546. 

2218) [*cispüs, a, um = ital. cispo, triefäugig? 
Vgl. Dz 365 s. v.\ 

2219) cisternä, -am f., Wasserbehälter; ital. 
cisterna (mail. sisterna, berg. sostergna, vgl. Sal- 
vioni, Post. 7), und so auch als gelehrtes Wort in 
den anderen Sprachen. 

2220) eithärä, -am f. (gr. yi&äga; cithara, tion 
citera App. Probi 23), Cither; itaL citera, cetera, 
cetra, chitarra, vgl. Canello, AG HI 389; rum. 
cetera, Geige; prov. cidra, citola; altfrz. cittire, 
citole; nfrz. guitare = ital. chitarra u. dieses 
wieder unmittelbar = gr. xi&äpa; cat. citara; 
span. citara, guitarra, cithara, guitarra. Vgl. 
Dz 97 chitarra. 

2221) cito (Adv.), schnell, sogleich; ital. cetto, 
abruzz. cecto; campobass. ciette, span. cedo, 
vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768; Salvioni, 
Post. 7. — citius = B&id.chigzu, per tempo, vgl. 
Salvioni a. a. 0. 

2222) [cito, -äre (Frequ. v. eiere), herbeirufen; 
ital. citare; frz. citer; span. ptg. citar.] 

2223) citrägo, -inem /. [citrus), Citronenkraut ; 
ital. citraggine, vgl. Salvioni, Post. 7. 

2224) [*eitriniis, -um (v. citrus), zitronengelb, 
soll nach Baist, RF I 441, das Stammwort zu frz. 
serin, gelber Zeisig {serin de Canarie, Kanarienvogel, 
span. canario, ebenso ptg., ital. canarino) sein. 
Gewöhnlich wird das Wort von lat.-griech. .siren 
{aeip^v) hergeleitet. Bei<le Ableitungen sind wenig 
glaublich, die erstere, weil citrin zu *cerrin hätte 
werden müssen, die zweite, weil dann das Fem. zu 
erwarten wäre. Das Wort dürfte von serenus her- 
kommen u. den ,, lustigen, muntern Vogel" be- 
zeichnen sollen. Vgl. Scheler im Dict. unter .lerin.] 

2225) *citri51üm n. (Demin. v. citrus)', kleine 
Zitrone, = ital. cetriuolo, vgl. Caix, St. 287. 

2226) *citrucülä, -am f. (v. citrus), = frz. 
citrouille, Kürbis, wohl der gelben Farbe wegen so 
genannt. Vgl. Scheler im Dict. s. v.; Cohn, 
Suffixw. p. 233, möchte in citrouille eine Umbildung 
von mittelfrz. citrulle erblicken. 

2227) citrus, -um f., Zitronenbaum; span. ptg. 
cidro, Zitronenbaum, cidra, eine Art Zitrone (das 



übliche Wort für diese Frucht ist limon). Vgl. 
Gröber, ALL I 544. S. oben cedrus. 

2228) ciT[i]täs, -tätem /',, Bürgerschaft, Stadt- 
gemeinde; ital. cjüä, Stadt; rum. ceiate, befestigter 
Stadtteil, Schlofs, Festung; rtr. t§ite etc., vgl. 
Gärtner § 6 (der Begriff wird im Rtr. auch durch 
wiercatMS ausgedrückt) ; ^ro\. ciiitat-z; altfrz. cit, 
ciu (Thomas, R XXVI 418, erklärt cit = *civitem 
f. civem u. ciu = civ[em], wegen civis in der Bedtg. 
von civitas vgl. altfrz. oz = hostis in der Bedtg. 
von exercitus), vgl. aber auch Meyer-L., Rom. Gr. 
II p. 8), cite; nfrz. citi, innere, alte Stadt (das 
gewöhnliche Wort für Stadt ist ville); cat. ciutat; 
span. ciudad; ptg. cidade. Vgl. Dz 100 cittä; 
Gröber, ALL I 546. 

2229) [*clTitäteIlä, -am f., kleine Stadt, Stadt- 
festung; ital. cittadella; rum.cetäfe; irz. citadelle 
(Lehnwort); span. ciudadela; ptg. citadeUa.] 

2230) *clT[i]tatinüs, *cmtätänfls, -um tn. (von 
civitas), Bürger; ital. cittadino; rum. cetä{ean ; 
prov. ciutadan-s; frz. ciiadi« (Lehnwort), [citoyen 
[Neubildung], Staatsbürger); das übliche Wort für 
„Bürger" im Sinne von Stadtbewohner u. Nicht- 
adeliger ist bourgeois = *burgensis: span. ciuda- 
dano; ptg. cidadäo. Lat. civis ist völlig ge- 
schwunden, vgl. jedoch No 2228. 

civis s. *ciTltatinus. 

2231) clämätä (Part. P. P. v. clamare), = ital. 
chiamata, span. Ilamada, ptg. chamada. Ruf, 
Trommelsignal zum Zeichen einer beabsichtigten 
Kapitulation; in letzterer Bedeutung als ehamade 
in das Frz. aufgenommen. Vgl. Dz 542 s. v. 

2232) clämu, -ärc, rufen; ital. chiamare, dazu 
die Vbsbsttve chiamo u. cliiama, vgl. Canello, AG 
ni 405; rum. chiem ai at a; prov. clamar; alt- 
frz. claimer; nfrz. clamer (nur in Kompositis ge- 
lehrten Charakters, z. B. reclamer, dazu das Vbsbst. 
riclame); span. llamar; ptg. clmmar. Vgl. Dz 97 
chiamare. 

2233) clämor, -örem m. (zu clamo), Geschrei; 
ital. clamore (gelehrtes Wort, auch in den andern 
Sprachen nur als solches vorhanden). 

2234) Stamm clap (*clapio, *clappetto, *claptus 
etc.) 8. klap. 

2235) [*clapa, -am f. (?); wird von Parodi, 
R XVII 60, als Grundwort angesetzt zu span. 
ptg. chapa, Platte (von Metall u. dgl.).] 

2236) clära (Fem. v. clarus) = ital. chiara, 
Eiweifs, auch Sandbank (in dieser Bedtg. wohl = 
glarea, Kies); prov. glara; frz. glaire (doch ist 
auch dies Wort vielleicht = glarea). Vgl. Dz 597 
glaire. S. unten glarea. Vgl. auch Th. p. 100. 

2237) clärü Tiä = frz. claire-voie, Öffnung, 
Durchsicht, doch ist vielleicht in voie eine unregel- 
mäfsige Ableitung von voir zu erblicken, vgl. Fafs, 
RF HI 503, der sich wieder auf Littre I 653 be- 
ruft. 

2238) *clärinus, a, um (v. clarus), helltönend; 
davon ital. chiarina, clarinetto, Klarinette; span. 
darin, Trompete, daneben claiinete (frz. clarinette). 
Eine andere, gleichfalls zur Bezeichnung eines Blas- 
instrumentes gebildete Ableitung ist ital. clarone, 
prov. altfrz. clarion, nfrz. clairon. Vgl. Dz 97 
chiarina. 

2239) clarus, a, um, klar, hell, deutlich, be- 
rühmt; ital. c/itaro; rum. t7»tar(Adv.); rtr. clair, 
vgl. Ascoli, AG I 275 Z. 13 v. u.; prov. dar; 
altfrz. der; nfrz. clair, dav. clairet blafsrot, anch 
Sbst. blasser Wein; span. ptg. claro. 

clässieum s. '^classiim. 



245 



2240) classis 



2261) cllnicus 



246 



2240) classis, -em f., Abteilung, soll nach 
Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768, Grundwort zu 
it al. cÄJasso, (Wohnviertel einer best. Klasse der 
Bürgerschaft?) enge Gasse, sein. 

2241) *clässuin «. (für classicum), Hörn-, Trom- 
potensigual; itiil. chiasso, Getöse; prov. altfrz. 
das, Lärm (über altfrz. glais vgl. Förster zu Erec 
2363); nfrz. glan, Glockengeläuto. Vgl. Dz 97 
chiasso; Gröber, ALL 1 547; CanoUo, AG III 400. 

2242) *claudico, -äre (claudus), hinken; davon 
nach Nigra, AG XV 108, pioni. coke; prov. clo- 
quar; frz. clocher; pic. cloquer. Die übliche Ab- 
leitung der Worte ist die von cloppicare (s. d.). 

2243) clando u. cludo, clausi u. clüsl, clausuni 
u. elüsum, claudere u. clüdere, schliefsen; ital. 
chiudo chtHsi chiiino . dnudere ; (lomb. cof, coqu 
podere , podere ciiitato, vgl. Salvioni, Post. 7); 
prov. clau claus claus claure; altfrz. clo (mit 
offenem o) dos dos dore: nfrz. dos (Pf. fehlt) 
dos dore; cat. dodi dogui dof/ut dourer, vgl. 
Ferro y Carrio, Gram. cat. p. 52 Z. 9 v. u.; span. 
ist daudere durch cerrar = serrare völlig ver- 
drängt, ptg. durch fechar [= *factare v. factum 
= fecho, oigentl. das Datum unter einen Brief 
setzen, ihn beenden, schliefsen] u. cerrar, doch ist 
im Altptg. chouvir als schw. Vb. vorhanden. 
Vgl. Dz 97 chhidere; Gröber, ALL I 548 u. VI 
382. 

2244) [*clausico, -are (cZaMsus). schliefsen; ptg. 
chossar, die Augen schliefsen, dav. CJiosco „der 
Sandmann", vgl. C. Michaelis, Frg. Et. p. 11.] 

2245) claustrum n. (v. claitdo), clöstrum, Ver- 
schlufs ; ital. daustro, chiostro= dostrum, Kloster 
(daneben convento), chiostra, ein von Mauern um- 
schlossener Platz, vgl. Canello, AG III 403; rtr. 
daustro; prov. claustra; frz. doUre, gleichsam 
*claustrium (das übliche Wort für „Kloster" ist 
couvent); span. daustro (daneben cowijenio, mo- 
nasterio); ptg. daustro (üblicher sind convento u. 
mosteiro). Vgl. Gröber, ALL I 547, wo die halb 
irrige Bemerkung ,,ein Wort erst <'hristlicher Zeit 
seiner Form wie seiner Bedtg. nach", denn claustrum 
gehört schon der klassischen Latinität an (s. Georges 
s. V.), wenn auch selbstverständlich nicht in der 
christlichen Bedtg. 

2246) clausürä u. clQsürS, -am f. (v. claudere), 
Versohlufs; ital. dawsMra „dei convcnti", chiusura 
„l'atto dol ■ chiudere", vgl. Canello, AG III 351; 
lecc. chiasura, chesura, vgl. AG IV 141; venez. 
chiesura, piccolo podore, vgl. Salvioni, Post. 7; — 
*clanslon- = prov. dauso[n]s; frz. cloison. 

2247) (cläTä u.) *c]äbS, -am /'., Keule, Pfropf- 
reis; itaL glaha, Ableger, Senker; \ stliell. yandz 
pala, giavarött, lungo baston per frngare, vgl. Sal- 
vioni, Po&t. 7; span. chab-asco, Reis, Gerte, chab- 
orra, junges Mädchen (eigentlich junger Sprofs). 
Vgl. Dz 376 glaba u. 439 chabasca. 

2248) *cIäTärium n., Musikinstrument mit Tasten 
{claves), = frz. davier. 

2249) ciäväritts, -um m. (v. clavis), Schlüssel- 
bewahrer; ital. chiavajo, -ro „chi custodisce le 
chiavi, e chi le fa", chiaviere „chi tiene le chiavi", 
vgl. Canello, AG III 306. 

2250) ciävellus, -um m. u. *cIäTellä, -am f. 
(Demin. zu clavus), kleiner Nagel; itaL chiavello, 
Nagel; sard. gravellu garafano; piem. ciavel, 
giavel, vgl. AG XII 395, Salvioni, Post. 7; rum. 
caie, PI. cüiele, Hufeisennagel; prov. clavel-s; cat. 
span. ciavel, Nelke (vgl. Gewürznägelein); ptg. 
chavelho, Geweih des Ochsen, chavelha, Pflock, 



[cavilha, Pflock, Stift, Zapfen = *cavicula für 
davicula]. 
cläTlculä s. *cäTleiilä. 

2251) cläTis, -em f., Kloben, Schlüssel; itaL 
chiave; rum. cheie, PI. chei; rtr. Uäf, tsaf etc., 

[vgl. Gärtner § 200; prov. dau-s; frz. clef, de; 
[cat. clau; span llave ; ptg. chave. 

2252) cläTls + cymbälüm, Musikinstrument mit 
\ Tasten {claves); ital. davicembalo, gravicembalo 
I (daneben davkordio aus clavis + chorda); frz. 

clavecin, span. clavecimbano. Vgl. Dz 101 davi- 
cembalo. 

2253) clävo figere, mitNägoln anheften, kreuzigen, 
= altfrz. doufire, [cloufichier] (z. B. Alexius, re- 
daction du XlVe giecle, ed. Pannier, Str. 13 v. 2), 
vgl. Darmesteter, Mots comp. p. 140. 

2254) cläiiis, -um m., Nagel; ita,\.claeo, chiavo 
chiovo, chiodo ,,con sensi traslati che mancano alle 
forme arcaiche, p. e. chiodi = debiti", Canello, AG 
III 399, vgl. auch Flechia, AG II 334; rtr. cldud, 
vgl. Ascoli, AG I 513 Z. 1 v. u. im Texte; prov. 
clau-s: altfrz. cto; nfrz. c?om, dazu dasVb. clouer 
(nicht = clavare, welches sich als claver hätte er- 
halten müssen, sondern nach Analogie von nouer 
gebildet); span. clavo ; ptg. cravo. Vgl. Dz 364 
chiodo; Gröber, ALLI 547, wo dovus neben clavus 
als Substrat angesetzt wird, aber die Entwickelung 
des a : oö'enem o kann sehr wohl erst in nach- 
lateinischer Zeit erfolgt sein. Vgl. Schwan, Z XII 
207 ff. 

2255) [depo, clepsi, eleptum, clepere, heimlich 
wegstehlen; vielleicht Grundwort zu frz. se clapir, 
sich verkriechen, vgl. Dz 549 clapir. Wahrscheinlich 
aber gehört <la8 Wort zu dem Stamme Iclap (s. d.).] 

2256) clerTcätns, -um m. (clerus), geistlicher 
Stand; frz. derge. 

2257) clericus, -um in. (v. xi.rjQoq), Geistlicher; 
ital. chierico. frz. clerc etc. Vgl. Berger s. v. 

2258) [*eletä, -am /'. = piem. cea, ceja grat- 
ticcio, vgl. Salvioni, Z XXII 467; prov. cleda; 
altfrz. deie, nfrz. claie, Flechtwerk, Hütte; Dz 
548 claie vermutete, dafs das Wort auf das 
gleichbedeutende altir. cUath, cymr. clwyd zurück- 
gehe. Thurneysen hat das Wort nicht besprochen. 
Vgl. Nigra, AGXIV 364.] 

2259) ellmactericus, a, um (gr. xXtfiaxrtjpixög), 
auf die sog. Stufenjahre bezüglich ; ital. climaterico; 
frz. cUmaterique, vgl. Fafs, RF III 513; span. 
ptg. climaterico. 

2260) *clInico u. *clinio, -äre (v. clinare), (die 
Augen) neigen; frz. cUgner (altfrz. auch clingier), 
blinzeln , dazu das Vbsbsttv. din. Vgl. Dz 549 
digncr; Gröber, ALL I 547. 

2261) clinTcus, a, um (gr. x).ivix6g), bettlägerig; 
nach Dz 446 enclenque, C. Michaelis, Studien etc. 
p. 268 u. 286 ist dlnicüs, bezw. *indirdcüs Grund- 
wort zu span. enclenque, kränklich. Förster, Z I 
559, hat diese Herleitung mit guten Gründen zurück- 
gewiesen u. für span. enclenque, altfrz. esclenc, 
esclenche (pic. esclenque) das ahd. slinc, link, als 
Grundwort aufgestellt. Ihm haben beigestimmt 
G. Paris, R VlI 346, Ascoli, AG UI 449 Anm., 
Schuchardt, Z VI 425, letzterer jedoch mit dorn 
Vorbehalte, dafs in der Anlautssilbe en- (ebenso wie 
in enjemplo etc.) Einmischung der Präpos. en zu 
erblicken sei, während Förster eine rein lautliche 
Entstehung behauptet hatte. Gegen Förster's Her- 
leitung erhob Haist, Z V 550, Einspruch, das Diez'- 
sche Grundwort *inclinicus verteidigend. Förster 
wiederholte darauf, Z VI 113, nachdrucksvoll seine 

IG* 



247 



2262) cllno 



2280) coc 



248 



frühere Beweisführung. Baist entgegnete, Z VI 427, 
in einem längeren Aufsatze, zog aber *inclinicus 
zurück u. setzte dafür auf K. Hofmann's Anregung 
mlat. endeticus (s. Ducange «. v.) als Grundwort 
ein. Die lebhafte u. eingehende Erörterung, welche 
die Herkunft des Wortes gefunden, hat manche 
feine u. wertvolle lautgeschichtliche Bemerkung zu 
Tage gefördert, zu einem sicheren Ergebnisse aber 
doch nicht geführt. Alles in allem genommen, 
scheint es, dafs span. enclenque u. altfrz. esclenc 
auseinander gehalten werden müssen, u. dafsersteres 
aus *incllnicus entstellt (i : e erklärt sich aus 
roman. Position, wie anfangs auch Förster, Z I 559 
Zeile 1 V. u. im Text für möglich gehalten hatte), 
letzteres aber aus ahd. slinc entstanden sei. Vgl. 
über die Frage auch Goldschmidt p. 58. 

2262) clino, -äre, neigen (Not. Tir. 109; das Pt. 
cllnätus b. Cic. Arat. 53 [287] u. 86 [327]); ital. 
clinare; prov. clinar; altfrz. ditier. Vgl. Gröber, 
ALL I 547 u. VI 382. 

2263) Minus, a, um (v. dinare), geneigt; ital. 
chino {ehini b. Dante, Purg. 14, 7, ist Plur. : Vun 
all' altro chini = beide aneinander geneigt, anein- 
ander sich lehnend); prov. di-s; altfrz. din 
(adin). Vgl. Gröber, ALL I 547, wo *dinis an- 
gesetzt wird. 

2264) eloäca, -am f. (spätlat. dauaca, doca), 
Abzugskanal; ital. eloäca „voce stör., condotto 
sotcrraneo di grandiosa struttura", chiavica, sen. 
chioca „fogna, smaltitojo", vgl. Canello, AG III 389; 
Caix, St. 268; frz. le doaque (gel. W.). Dz 364 
chiavica. 

2265) onomatopoiet. Stamm cloc-, glucken (vgl. 
auch schrif Hat. ^?öcire, glucken, u. docitare, schreien 
[vom Hirsche]); davon ital. chiocciare, glucken, 
c/itoccio, Gluckhenne; sTp&n. doquear, clucca; ptg. 
choca, Gluckhenne, chocar, brüten; prov. clocir, 
glocir, tTZ. glousser {dia.leit.clousser,crousser),rtT. 
clutschar, glutschar. Im Zusammenhang damit stehen 
wohl ital. accoccolarsi, auf den Fersen hocken 
(gleichsam brütend nach Art einer Henne hocken), 
dazu das Adv. coccoloni; a^an. aclocarse, brütend 
hocken, ]>tg. cöcaras, PI., das Niederhocken, Kauern, 
estar en cöcaras, kauern. Vgl. Dz 97 chiocciare; 
Gröber, ALL I 547; Caix, St. 292. 

eloca, cloeea s. campana. 

2266) *clöchea, *cl5chla (umgestellt aus Cochlea), 
•am f., Schnecke; davon ital. {*chiocchia, dazu das 
Demin.) chiocciola, vgl. Dz 364 s. v., chian. chioc- 
quelo, venez. cuogolo, Kiesel, vgl. Caix, St. 269; 
Flechia, AG II 335 unten; rum. ghioacä, Schale, 
vgl. Ascoli, AG XIII 456, (des)ghioc ai at a, 
schälen; [frz. heifst ,, Schnecke" Ziniac« = it'mac-em 
V. limtis, span. caracol u. limaza (nackte Schnecke), 
ptg. caracol u. lesma\ — S. Nachtrag zu No 2287. 

2267) clödus, a, um (f. claudus), lahm; prov. 
dod, (mit offenem o), vgl. Gröber, ALL I 547; 
Flechia, AG II 335 — (, lahm" ital. zoppo, frz. 
estropie, eclopiie, perdus; span. cojo (s. coxns), 
baldado, paralilico : ptg. coxo, tolhido, estropeado). 
S. cloppns u. claudico. 

2268) *clöpä, -am /'. (umgestellt aus copla =■■ 
copula), Verknüpfung; ital. (dialektisch) und rtr. 
ciopa u. dgl., vgl. Ascoli, AG I 515; Flechia, AG 
n 6 u. 335 Z. 1 V. u. 

2269) *cloppTco, -äre (v. cloppus), hinken; prov. 
dopchar; frz. clodier (daneben clopfer = *doppare); 
pic. doquer. S. auch *cIoppa8 u. claudlCO. 

2270) *cl5ppfis, a, um, hinkend, lahm; rum. 
fchiop, dazu das Vb. ^diiopjez ai at a; prov. dop; 



altfrz. dop, dazu das Vb. cloper. Vgl. Dz 550 
dop; Gröber, ALL I 547. 
clüdo s. elando. 

2271) clüpea, -am f., ein Flufsfisch, die Alose 
(Plin. N. H. 9, 44); davon vielleicht ital. ckieppa, 
cheppia, Wels, vgl. Dz 364 s. v. (über ital. Dialekt- 
forraen des Wortes vgl. Salvioni, Post. 7); span. 
chopa; galiz. jouba, vgl. Meyer-L. , Z. f. ö. G. 
1891 p. 768. 

2272) *c5actico, -äre (v. coacto), zusammen- 
drängen; T tr. s-quicciar, quetschen; prov. cachar, 
quichar, (neuprov. csjujc/iri, quetschen); frz. cacAer, 
ducken , verstecken ( daneben catir, gleichsam *coactire, 
dem Tuche die Glanzpresse geben, dav. cati u. eatis, 
Zeug-, Glanzpresse, vgl. Cohn, Suffixw. p. 115, s. 
auch unten coacto), eeacher, quetschen; zu caeher 
die Vbsbsttve cache , Versteck, cachette, Schlupf- 
winkel, cachet, Petschaft, cachot, Gefängnis, span. 
acacharse, agacharse, sich niederducken (das Sim- 
plex cachar, zerbrechen, = *quaticare). Vgl. Dz 260 
quatto; Horning, Z IX 140. 

2273) *cöacüo, -äre (coactus) = altfrz. gwa- 
cier gerinnen, vgl. Förster zu Yvain 6129 u. G. 
Paris, R XXVH 317. 

2274) cöäcto, -äre (Frequ. v. cogere), zusammen- 
drücken; sard. cattare, platt drücken; (prov. 
quatir, ducken, frz. catir, pressen, entweder = 
*eoactire oder = *quatire f. quatere, indessen sind 
beide Ableitungen nicht einwandfrei, vgl. Förster 
zu Yvain 6129). Vgl. Dz 260 quatto. 

2275) coactfls, a, um (Pt. P. P. von cogere), 
zusammengedrängt,geprefst;ital.coa«<o,gezwungen, 
quatto, platt, vgl. Canello AG III 372; rtr. quai,; 
prov. quait; span. cacho, gacho, geduckt. Vgl. 
Dz 260 quatto; Förster zu Yvain 6129. 

2276) cöägulo, -äre (v. coagulum), gerinnen 
machen; ital. quagliare, cagliare, vgl. Canello, 
AG m 372, Flechia, AG II 382; d'Ovidio, AG 
Xni 443 (d'O. vermutet, dafs in quagliare etc. 
sich der Pflanzenname galion, ital. gaglia, einge- 
mischt habe, weil die betr. Pflanze zur Käse- 
bereitung gebraucht wurde) ; rum. in-chieg ai at a ; 
rtr. en-cugliar; prov. coagular ; frz. cailler; cat. 
coagular ; span. cuajar; ptg. coalhar. Vgl. Dz 
259 quagliare: Gröber, ALL I 548. 

2277) cöägülum«., geronneneMilch; ital. ca^Zio, 
quaglio, gaglio ; r am. chiag; (frz. caillot, caillotte, 
Gerinsel, gaillet = caüle-lait [?], Labkraut, vgl. 
Fafs, EP III 492; über cailloii, Kiesel, vgl. oben 
calculug); span. euajo; ptg. coaZ/to. Vgl. Dz 259 
quagliare; Gröber, ALL I 548. 

2278) cöaxo, -äre, quaken; davon nach Cornu, 
R IX 136, (sard. ehesciare); cat. queixarse; 
span. quejar ; ptg. 5«e!a;ac, wehklagen. Dz 479 
quexar hatte das Wort auf *questare (Frequ. von 
queri) zurückgeführt. Das richtige Grundwort ist 
*questiare, vgl. Baist, Z V 248; Gröber allerdings 
setzt, ALL V 128, *quaxare = coaxare als Grund- 
wort an. 

2279) (*cobelinBS, -um m., mlat. gobellnus (von 
gern), lioh-, Haus, Gemach, wovon z. B. mhd. Icohel, 
enges Haus, isl. Icofi, Hütte, nhd. Koben, Kofen), 
Hausgeist, = frz. gobelin, Kobold. Dz 599 s. v. 
leitete das Wort aus griech. xoßaXog, Gauner, 
Schmarotzer, ab, was der Bedeutung wegen nicht 
wohl angeht. Vgl. Kluge unter „Koben" und 
„Kobold".) 

2280) Naturlaut coc (lat. coco, Petr. 59, 2) zur 
Bezeichnung des Hahnenschreies, = fr z. coq, Hahn, 
davon zahlreiche Ableitungen, z. B. coqueliner, 



249 



2281) *c5cä 



2293) coco 



250 



coqueriquer (vgl. kikeriki), krähen, coquer, denun- 
zieren (gleichsam „ankrähen"), coquant kleines Kohr- 
huhn, coquet, gefallsüchtig (wie ein Hahn stol- 
zierend), cocarde, Hutschleife (eigentlich Hahnen- 
kamtn), eoqiierelle, Judenkirsche (weil sie knallrot 
aussieht wie ein Hahnenkanira), coquelicot, Klatsch- 
rose, wilder Mohn (wegen der roten Farbe) u. a. m., 
dagegen gehört nicht hierher cocu = cücütus (s. d.). 
Aus coq d'Inde, indischer Hahn, entstand dinde, 
Truthenne, dindon, Truthahn (cat. gall dindi, in- 
diot), Tgl. Dz 562 dinde. Vgl. Dz 552 coq u. co- 
quelicot; Gröber, ALL I 549; Joret im Bull, de la 
soc. de ling. de Paris No 20122 (1880|82) p. LIIL 

2281) *c5eä, -am f. (v. *cocere = coquere), 
Kuchen; rtr. cocca; neuprov. coco; pic. couque; 
cat. coca. Vgl. Dz 114 cticcagna. 

22821 *c5cäniS, -am f. {coca), Kuchenland, 
Schlaraffenland; ital. cuccugna; frz. cocagne, vgl. 
Scheler im Anhang zu Dz 722; span. oieaiia; 
(engl, cnkaygne). Vgl. Dz 114 cuccagna, Mackel 
p. 34 hält es für möglich, dafs cocagne etc. mit ndd. 
icauh, ndl. koeh, ahd. chuohho, ndl. Kuchen (Worte, 
welche Kluge s. v. für acht germanisch hält) zu- 
sammenhänge. Indessen, wenn „kochen" ein Lehn- 
wort im German. ist, wie auch Kluge s. v. annimmt, 
so wird auch „Kuchen" ein solches sein. 

2283) *coccä, -am f. u. conc[]iJä, -am f. (gr. 
xöy/rj), Muschel (die Form cocca erklärt sich viel- 
leicht durch keltischen Einflufs; vielleicht auch war 
neben ihr ein Mask. *coccus [vgl. c3-mr. cwch „linter, 
cymba", Davies, „round concavity, boat, hive, crown 
of a hat", Spurrell] vorhanden, vgl. Th. 55, in- 
dessen ist die Annahme keltischen Einflusses bezüg- 
lich der Nichtnasalierung von cocca nicht unbedingt 
notwendig, da cocca sich als einfach reduplizierte, 
concha als die nasaliert reduplizierte Form auffassen 
läfst, man vgl. cocÄZea, cocWear); ital. coHcn, cocca, 
Muschel, Becken , Wanne (die üblichen Worte für 
„Muschel" sind nicchio u. conchiglia), cocca, Korbe 
an der Armbrust (eigentl. wohl rauschelartige Höh- 
lung, vgl. Th. 55 Z. 6 ff. V. ob.); coccia {= *coccea 
f. conchea), kleines Geschwulst, vgl. Plechia, AG 
U 335; es gehören hierher wohl auch (vgl. jedoch 
hierüber sowie über dieWortsippe überhaupt d'Ovidio 
in Gröber's Grundrifs I 521 !) die Mask. coccio 
{*cocceus f. concheus), Scherbe, u. cocchio {=*coc- 
cnlus), [muschelförmiger Wagenkasten], Kutsche 
(slavischer Ursprung dieses Wortes ist abzulehnen, 
weil der Palatal sich im Ital. erhalten haben würde; 
vgl. auch Caix, St. 24); prov. coca, Kerbe, neu- 
prov. coquo, Fahrzeug; frz. coque, Eier-, Nufs- 
schale, coche, Kerbe, dazu das Vb. encocher , die 
Sehne einlegen (ital. coccare, wozu auch ein scoc- 
care, losschnellen, vorhanden ist); vermutlich ist 
von coche, Kerbe, Einschnitt, abgeleitet cochon 
(eigentlich zur Mast verschnittenes Tier) , Schwein 
(span. cochino, Schwein, cochambre, Schmutz), vgl. 
Dz 550 s. V. (keltischer Ursprung des Wortes ist 
zu verneinen, vgl, Th. 95; nach Behrens, Z XIII 
413, sollen in coche, coch-on „tonmalende Lock- 
worte" [vgL mundartl. dtsch. Tiaf, Teuf!] zu erblicken 
sein, doch ist das wenig glaubhaft; Settegast, Z 
XV 249, bringt mhd. Icotze ,,Hure" als Grundwort 
für coche „Sau" in Vorschlag, dagegen sprechen 
aber gewiclitige, lautliche Bedenken; vgl. auch 
Schuchardt, Z XV 97); von coque ist wolil abge- 
leitet cocon, Gehäuse der Seidenraupe, Demin. zu 
coque ist coquiUe, Muschel (=ital. cochiglia), coche, 
Kutsche; cat. conca, Napf; span. coca, Muschel-, 
Nufs-, Hirnschale, Kopf (davon abgeleitet cogote, 



Hinterkopf), conca, euenca, Napf, cuezo {=*cocceu8), 
Kübel, coche, Kutsche, vgl. aber Schuchardt, Z XV 
95, wo m agy. kocsi als Grundwort zu cocchio, coche 
aufgestellt wird; ptg. conca, Schüssel. Vgl. Dz 
101 cocca, 102 cocca und cocchio; Gröber, ALL 
I 548; Flechia. AG II 335; Th. p. 54 f.; d'Ovidio, 
Gröber's Grundrifs I 521, wo eine Anzahl der hier 
besprochenen Worte auf xöxxoq (s. d.) u. xöxxakog 
(s d.) zurückgeführt wird. — S. den Nachtrag! 

*C()ceeu8, a, um (v. cocca), muschelartig, siehe 
*cocca. 

2284) *c5cciiieII8, -am f. (Demin. v. *cocca f. 
coccMH() = frz cendle, Frucht der Stechpalme, vgl. 
Dz 540 s. V. 

2285) coceinns, a, um, scharlachfarben ; rtr. 
kuicen, vgl. Meyor-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768. 
Ableitungen von coccinus sind ital. cocciniglia, 
frz. Cochenille, span. cochinilla, vgl. d'Ovidio, AG 
XIII 407. 

2286) coccum n. (xöxxog), Fruchtkern, Beere; 
ital. cöccola. S. unten xöxxog. 

eöc[h]Ie5, -am f. (gr. xo/Xiag), Schnecke, siehe 
clochea. 

2287) cöc[h]lear, coc[h]leäre (cocleare, non cocli- 
arium App. Probi 67). cöc[h)leariBm n. (v. Cochlea), 
muschelartiges Gefäfs, Löffel; ital. cucchiajo, da- 
neben ein Fem. cucchiaja; prov. cuilher-s; frz. 
cuiller, daneben das Fem. cuilVere: span. cuchara; 
ptg. colher (altptg. colhar). Vgl. Dz 114 cucchiajo; 
Gröber, ALL I 549. — Unklar ist, ob mittellat. 
lochea grofser Löffel (altfrzJoMsse, neufrz. /oMCÄe, 
wov. pic. fourlauchier , vgl. Doutrepont, Z XX 
528) in Beziehung zu cochlear steht. Über bologn. 
caslir aus *cochlearium vgl. Schuchardt, Z XXII 
398, G. Paris, R XXVII 626. — S. den Nachtrag! 

2288) *cocliylium n. (f. conchylium), Muschel- 
oder Schaltier; ital. cochiglia, Muschel; frz. co- 
quille. Vgl. Dz 102 cochiglia. 

2589) *cocInä, -am f. (v. cocere f. coquere), 
Küche; ital. ciicina; saTi\. coghina (rum. CMCWi'c); 
rtr. cuschina ; prov. cozina; frz. cuisine; cat. 
cuyna; span. cozina, eocina; ptg. cozinha. Vgl. 
Dz 115 cucina; Gröber, ALL 1 548. 

2290) *cocinarius, a, um (f. coquinarius) , zur 
Küche gehörig; ital. cucinario „spettante a cucina", 
cuciniere, cucinajo „il cuooo delle societä religiöse 
e quello de' soldati", vgl. AG III 306. S. No 2300. 

2291) *cöcino, -äre (f. coquinare), die Küche 
besorgen (Plaut. Aul. 3, 1, 3) = ital. cucinare, frz. 
cuisiner, vgl. Dz 115 cucina. 

cöcio s. 2 cöctio. 

2292) 1. *c5co (f. coquo), eöxi, cöetiim, cocere 
(für coquere), kochen); ital. cuoco cossi cotto cuo- 
cere; rum. coc copuei copt coace; rtr. Prs. köiel, 
Pt. P. kot/, kuet etc., Inf. köir etc., vgl. Gärtner 
§ 146 u. 154; prov. Prs. 3 cueis, cotz, Pf. coc, 
Pt. coit cueich, Inf. cozer, cozir, kochen, brennen, 
quälen, davon das Sbst. cosenza, Pein; frz. cuis 
cuisis cuit cuire; span. cocrr (schw. Vb.); ptg. 
cozer (schw. Vb., altptg. Pt. P. cöito). Vgl. Gröber, 
ALL I 548; Dz 557 cuire. 

2293) [2. COCO = span. ptg. frz. coco (frz. davon 
abgeleitet cocotier), Kokosbaum, Kokosnufs, Schreck- 
gespenst für Kinder (etwa Knecht Ruprecht, über 
den seltsamen Bedeutungsübergang vgl. Cornu, R 
XI 119), im Frz. bedeutet coco auch Gurgel, Schlund, 
ohne dafs sich sagen liel'se, wie diese Bodtg. sich 
entwi(;kelt hat. Über coco vgl. auch Lentzncr, Engl. 
Stud. XI 2.] 

3. coco (Naturlaut der Hühner) s. coe. 



251 



2294) cöctio 



2313) c81[ä]p[h]ü8 



252 



2294) 1. cöctTo, -önein f. (von coquere), das 
Kochen, Brennen, = frz. cuisson, Kochen, Sieden, 
Brennen. 

2295) 2. cöctio (gewöhnlich cöcio), -önem m„ 
Makler; ital. cozznne „Sensale di cavalli", scozsone 
„Chi doma cavalli", vgl. Canello, AG III 399 (Dz 
hält mit Recht scozzone für zusammengesetzt) ; pro v. 
cussö-s; altfrz. cosson; cat. cusso. Vgl. Dz 112 
cozzone; Gröber, ALL I 549. 

2296) 3. coctTo, -äre (v. coquere), kochen, brennen ; 
ptg. cOQar, jucken, davon das Vhsbst. tofa, das 
.Tücken; {span. coscarse, die Schultern bewegen, 
wenn sie jucken, dazu das Vbsbsttv. co^guiMas, PI., 
das Kitzeln). Vgl. Dz 441 cof«r. 

2297) *cocto, -äre (Froqu. u. Intens, v. coquere), 
tüchtig kochen , in übertragener Bedtg. jem. heifs 
machen; prov. coitnr, antreiben, beschleunigen; 
altfrz. coitier; cat. cui/tar, bedrängen; span. 
cocharse, sich beeilen (altspan. coytar); ptg. coitar. 
Vgl. Dz 103 coitar 1; Gröber, ALL I 549 u. VI 
382. Rönsch, RF II 315, wollte diese Verba in der 
Bedeutung .,antreibcn", namentlich aber altfrz. 
coitier, cuitier, auf lat. cogilare v. coqere zurück- 
führen, dem aber hat K. Hofmann, ALL III 552, mit 
gutem Grunde widersprochen u. altfrz. cuitier aus 
dem Vbsbst. cuite = cocta erklärt. 

2298) cöctör, -örem m. (v. coquere), Koch, = 
rum. coptor. In den übrigen rem. Sprachen wird 
,,Koch'' entweder durch *cocus (s. d.) = coquus oder 
durch *cocinarius (= frz. cuisinier) ausgedrückt. 

2299) coctüra, -am f. (v. coquere), das Kochen ; 
ital. cottura, das Kochen, das Gekochte); rum. 
copturä;'pro\.coitura; (altspan. coceiwra); (ptg. 
cozidurä). 

2300) *cöcOs, -um m. {v. coquere], Koch); ital. 
cuoi-o; prov. coc-s; altfrz. c. r. kex, c. o. keu; 
nfrz. queux (das übliche Wort für „Koch"' ist aber 
cuisinier =*cociiiarius) ; cat. codi; (s p an. coctweco, • 
ptg. cozinkeiro). Vgl. Gröber, ALL I 549. Weder 
frz. eoquin, Schurke (vgl. Dz 552 s. v.), noch frz. 
gueux, bettelhaft (vgl. Dz 607 s. v.), können mit 
cocus etwas zu thun haben; ersteres ist wohl Demin. 
zu coq, der Ursprung des letzteren ist unklar. 

cödä s. cauda. 

2301) codex, -dieem m., Buch; ital. codice; 
rum. codicä; prov. codi-s; frz. code; cat. codi; 
span. ptg. codiqo. Die lautliche Entwickelung 
des Wortes ist infolge seiner Verwendung als ter- 
minus technicus abnorm gewesen. 

2302) [kelt. (Dialekt v.Vannes) codioc'h, Hauben- 
lerche; davon vielleicht ptg. cotovia, Lerche; vgl. 
Dz 442 .S-. V. (Th. 87 findet mit Recht die Ableitung 
sehr fragwürdig); Rönsch, Jahrb. XIV 343 (bringt 
das Wort mit toppo , Schopf [(o(o«(a : cotovia] zu- 
sammen); Baist, Z V 561, erinnert an xozToq, 
x6xxv<po<i?\ 

2303) coemeteriüm n. (gr. xonirixiiiiiov), mit 
spätgriech. Aussprache cTmiteriam , Ruhestätte, 
Kirchhof (Eccl.); ital. cimeterio; rum. cinterim, 
{intirim; prov. cementeri-s ; altfrz. cimetire, ci- 
mentire; ixz. cimeti'ere m., vgl. Cohn, Suffixw. p. 
286 u. 289; span. cimenterio; ptg. cemiterio. 
Vgl. Dz 99 cimeterio; Rianchi, AG XIII 242 (B. 
nimmt Beeinflussung des coemeteriüm durch caemen- 
tarium an). 

*cofea s. cupa. 

2304) arab. <,'offa (Freyt. II 502«), Ruhobaflk vor 
dem Hause; ital. sofä; frz. sopha, aofa; span. 
ptg. sofd. Vgl, Dz 297 sofa; Eg. y Yang. 494. 

*coflnus s. copliinus. 



2305) *coglto, -äre (für eö.9.). denken; altital. 
coitare; lecc. cüsetu, vgl. AG IV 130; rum. cuf/et 
ai ata; prov. cuidar , cuiar ; altfrz. cuidier, vgl. 
Förster, Z II 169 (n fr z. ist das Vb. nur in outre- 
cuider — ultra cof/itare, übermütig behandeln, outre- 
cuidant, übermütig, outrecuidance , Übermut, er- 
halten), span. ptg. CMirfar. Vgl. Dz 103 coitare2; 
s. auch oben cocto, unten cQgito sowie peuBO. 

2306) cögrnätus, a, um {gnatus = natua von 
nascor), blutsverwandt; ital. cognato. Schwager; 
(nach Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891, p. 768, ist das 
Wort auch im Rtr. vorhanden); rura. cumnat, 
davon abgeleitet cumnäfesc, Adv. , schwägerlich, 
cmminlcnc ii it i, sich verschwägern; prov. cun- 
hat-z; (frz. ist das Wort durch beau-f'r'ere, belle- 
sicur, völlig verdrängt worden); span. cuiiado; 
ptg. cunhado. Dazu überall Fem. 

2307) cognitüs, a, um (Pt. P. P. v. cognoscere), 
bekannt; ital. cögidto ,,cono8ciuto", arch. conto 
„conosciuto, che conosce, pratico (Dante, Inf. 33, 31)', 
vgl. Canello, AG III 329; [Ableitung von conto ist 
v/ohl contigia]; prov. cointe, coinde, kundig (auch 
zierlich, anmutig, weil das Bekannte oft angenehm 
ist), dazu das Vb. coindar, zu erkennen geben, zu- 
sammenges. acoindar, bekannt machen, dav. wieder 
nco j«da«.sa, Vertraulichkeit; altfrz. cointe, kundig, 
davon das Vb. cointier, cointoiier, unterrichten, zu- 
sammenges. accointier, dazu accointance, cointise; 
percoindier, kundthun. Vgl. Dz 107 u. dazu Scheler 
im Anhang 756 conciare. 

2308) *cognöscentTä, -am f. (von cognoscere), 
Kenntnis; itsil.conoscenza; rum.CMWOjShVi^a; prov. 
conoissensa, conoichensa ; frz. connaissance ; span. 
conoccncia; ptg. conhecen(;a. 

2309) *cögnöscitör, -örem »i. (v. cognoscere), 
Konner; ital. conoscitore; rum. cunoscätor; prov. 
c. r. conoisseire,v. o. conoissedor; ir?.. connaisseur ; 
span. conocedor; ptg. conhecedor. 

2310) cö^nöseo, cognöTi, cognitüm, cognoscere 
[con + gnosco = nosco), kennen lernen, erkennen; 
ital. conosco conobbi conosciuto conoscere; rum. 
cunosc tii ut cunoa§te; prov. conosc conoc conogut 
conoisser, conoicher; frz. connais connus connu 
connaitre; cat. cone{i)xer; {conech etc.); span. 
conozco conoci (im Altspan, auch starke 3 P. Sg. 
conuvo, 3 PI. conuvieron) conocido conocer; ptg. 
conhecer (schw. Vb.). Vgl. Gröber, ALL I 135. 

2311) (cöhors,) cörs, eörtem /'., Hofraum; ital. 
corte; rum. curte (daneben ein Mask. curt, Zelt, 
Plane, Regenschirm, von Ch. auf mittelgriech. xoqxtj, 
x6()xig zurückgeführt); rtr. curt (davon curtgin, 
Baumgarten); prov. cort-z; frz. cour; span. ptg. 
Corte. Davon überall zahlreiche Ableitungen, z. B. 
*cortensis = ital. cortese, frz. courtois, höfisch, 
*cortens{i)anus = ital. cortigiano, Hofniann, frz. 
courtisan, span. cortesano; *cortidiare, -zare = i t a 1. 
corteggiare, den Hof machen (davon corteggio, Ge- 
folge), frz. courtiser (dazu das entlehnte Vbsbsttv. 
cortege), span. cortezar, cortejar. Vgl. Dz 109 
corte; Gröber, ALL I 553; G. Paris, R X 56; 
Canello, AG III 373; Flechia, AG II 12 f. 

2312) »cöictio, -äre (v. ictus, Pt. P. v. icere), 
stofsen; ital. cozzare, mit den Hörnern stofsen, 
dazu das Vbsbsttv. cozzo; frz. cosser. Vgl. Dz 112 
cozzare. 

2313) eoI[ä'p[h]üs, -um m. (griech. xöXaipoi;), 
Paustschlag, Backenstreich; ital. colpo, Schlag, 
Stofs, Streich, Hieb, dazu das Vb. colpire, (ernoT das 
Kompos. accoppare „ammazzaro", vgl. Caix, St. 137; 
rtr. culp; prov. colp-s; altfrz. colp; nfrz. coup 



253 



2314) cölätlclös 



2334) *o8l8quInta 



254 



(dialekt. chmip, vgl. Fafs, RF III 504), dazu das 
Vb. couper; cat. cop; span. colpe (dazu das Vb. 
colpar), polpe; ptg. golpe. Vgl. Dz 104 colpn; 
Gröber, ALL I 550. 

2314) eölätlcTiis, a, um (von colare), flüssig, 
laufend, schiebbar, beweglich; yiTOv. coladit-z ; frz. 
eoulis, flüssiges Metall, Brei, Fem. coulisse, Schieb- 
wand, al tfrz. cok'ice, Fallgatter. Vgl. Dz 554 couler. 

2315) *cöleo, -önem m. (f. coleus), Hode; ital. 
coglione; prov. coUio[n]-s; altfrz. coillon; neu- 
frz. co'ion, couyon, Memme; span. cojon; (ptg. 
sind escroto u. bolsas für den Begriff „Hode" ein- 
getreten). Vgl. Gröber ALL I 549. S. coleus. 

2316) cöleüs, -um m., Hode; ital. coglia = 
*colea; rum.coiu; prov. culh-s: altfrz. coi7,- nfrz. 
couüle = *colea. Vgl. Gröber, ALL I 549; siehe 
auch coleo. 

*eoliandrum s. coriandrum. 

2317) colla, -am /. (gr. x6Xf.a), Leim; ital. 
colla; frz. colle ; span. eola; ptg. colla (neben 
grude = gliiten). Vgl. Dz 104 colla. 

2318) coilaeteus, -um m. (lac), Milchbruder; 
span. collazo; ptg. collafo. Vgl. Gröber, ALL 
I 549; Dz 441 collaio. 

23191 colläris, -e (Collum), zum Hals gehörig; 
prov. coler-s Lastträger (vgl. frz. colporter = collo 
portare). 

2320) [*CÖIläta, Schlag auf den Hals; prov. 
colada; frz. colce, Ritterschlag.] 

2321) cöllätio, -önem f., Vergleichung; ital. 
collazione ,,conforimento, raffronto, conferenza"; 
colazione, colezione, colizione „il mangiar legger- 
mente che si faccia fuori del pranzo e della cena" 
(in dieser Bedtg. ist das Wort violleicht von colatio 
V. colare abzuleiten, worauf auch die übliche altfrz. 
Schreibung colation hinzudeuten scheint), vgl. Ca- 
nello, AG III 401; Littre, Biet, collation 2 ; Tobler, 
Z IV 183, bestreitet die Ableitung von colare; vgl. 
auch Gröber, ALL VI 383. 

2322) [*e511ibertüs, -um m., Mitfreigelassener, 
Mensch niederen Standes, soll (vgl. Dz 557 
culvert) <las Grundwort sein zu prov. culeert-z, 
schurkisch, gottlos, Sbst. Schurke, altfrz. cul- 
vert, cuivert, cuvert, gemein, verräterisch, treu- 
los, Sbst. Diener, Schurke. Diese Ableitung ist 
aber, schon aus lautlichem Grunde, höchst an- 
fechtbar, es scheint das Wort (ein Schimpfwort!) 
vielmehr aus culus, Arsch, u. viridis, grün, zu- 
sammengesetzt zu sein, also etwa „Grünarsch" d. h. 
ein Kerl, dessen Hinterer mit Prügel gründlich ge- 
färbt worden ist oder gründlich gefärbt worden 
soll. Möglicherweise auch beruht das -vert, da ja 
von einer grünlichen Färbung durch Prügel nicht 
wohl die Rede sein kann, auf Volksetymologie und 
steht für versu.i.] 

2323) 1. eolligo, collegi, colleetum, cölli^ere, 
sammeln ; ital. coglio (colgu), colsi = *coUexi, collo, 
cogliere; lorab. corze, venez. arcorger, vgl. Sal- 
vioni, Post. 7; rura. culeg, eulesei, cules, culege; 
prov. colhir (schw. Vb. , jedoch Präs. colh); frz. 
cueillir, pflücken (schw. Vb., Präs. nach der A-, 
sonst nach der I-Konj. , dav. abgel. cueillaison 
Obsterntezeit, vgl. Cohn, Sufflxw. p. 134; Fem. des 
st. Part. P. cueillette = collecta. Ernte); span. 
enger (schw. Vb., Fem. eines abnormen Part. P. 
cogecha, Ernte, nur altspan., in der neueren Sprache 
ist dafür cnsecha eingetreten, vgl. Dz 442 cosecha, 
namentlich aber Cornu, R XIII 298, wo cosecha, 
von Diez = consecta angesetzt, aus collecta erklärt 
wird, s. unten consecta); ptg. colher. Vgl. Risop, 



Zur Gesch. d. frz. Konj. auf 4r (Halle 1891) 
p. 58. Körting, Frz. Formenlehre I § 23, 1. 

2324) 2. colligo, -äre, zusammenbinden; span. 
colgar. hängen. 

2325) *c51Io, -äre (gr. xoX?Mr), leimen; ital. 
eollare; frz. coller; span. (en)colar; ptg. collar 
(neben grudar). S. No 2317. 

2326) cölloco, -äre {con + loco), stellen, setzen, 
legen; ital. collocare „porre a luogo", cnricare 
corcare (nach Ulrich, Z XVIH 284, aus *cölicäre!) 
„porre disteso", (cucciare, hinstrecken, ist wohl 
entlehntes frz. coucher), vgl. Canello, AG 111349; 
rum. cidc ai at a; prov. colcar, colgar, dazu 
das Sbst. colcha, Bett; altfrz. colchier (die ge- 
schlossene Qualität des o wollte Förster, Z III 503, 
aus Einwirkung eines nachtonigen i [*c6llicat für 
cöllocat] erklären, während G. Paris, R X 61, an 
Anlehnung des Verbs an das Sbst. culcita gedacht 
u. damit wohl das Richtige getroffen hat); nfrz. 
coucher, dazu das Vbsbsttv. couche, Lage, Schicht; 
cat. span. colgar (span. Präs. Sg. 1 cuelgo); ptg. 
collocar (gel. W.), vielleicht gehört hierher auch 
chocar, ausbrüten, wenn angenommen werden darf, 
dafs es aus c[ol]locare entstand. Vgl. Dz 103 cor- 
care; Gröber, ALL I 550; Henry, Mem. de la soc. 
de ling. de Paris VHI 90; Jenkins , Med. Lang. 
Notes VIII 5. 

2327) cöllo portäre, am Halse tragen, = frz. 
colporter (davon colportage, colporteur etc.), vgl. 
A. Darmesteter, Mots comp. p. 139 f. 

2328) Collum «., Hals; ital. collo, davon abge- 
leitet collottola, Nacken, vgl. Dz 365 s. v. ; rtr. 
kul, davon „mit einem sonderbaren Suffix" kuliets, 
kalöts, vgl. Gärtner § 3 a); prov. col-s; frz. col, 
cou [col wird gegenwärtig meist nur in der Bedtg. 
„Halskragen" gebraucht); cat. col; span. cuello; 
ptg. collo. Vg]. ALL VI 382. 

2329) cölluvies, -em /'. (colluere), Spülicht, Un- 
rat; pav. colobia; mail. corobia, vgL Mever-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p^768. 

2330) 1. cölo, -äre, durchseihen; ital. colare; 
seihen; rum. cur ai at a, fliefsen; prov. colar; 
frz. couler, davon abgeleitet couloir, Durchseiher, 
Verbindungsgang (weil er die Gehenden durchläfst), 
Flur; cat. span. colar, seihen; ptg. coar, seihen. 
Vgl. Dz 554 couler; a. auch oben colaticlus. 

2331) 2. colo, -ui, -itum, -ere, bebauen; v al- 
teil, cöler, cultivare il terreno, dazu berg. cola, 
ajuola, vgl. ,Salviüni, Post. 7. 

2332) *cölobrä, -am f. (fär cölubra ; coluher, non 
colober App. Probi 177), Natter; ital. (dem Schrift- 
ital. fehlt das Wort, es wird durch vipera ver- 
treten), sard. coloro, -a; sicil. culövria; prov. 
colöbra; altfrz. culuevre; nfrz. couleuvre; cat. 
culebra; span. culebra; ptg. cöbra aus coöbra. 
Vgl. Havet, R VI 433 (sehr inhaltsreicher Aufsatz, 
durch welchen Darmesteters Bemerkung, R V 147, 
überflüssig gemacht worden ist); Gröber, ALL I 
550 (ebenda IV 142 hat Havet eine Vermutung 
über den Ursprung des lat. coluber ausgesprochen, 
er erblickt darin eine Umbildung des gr. pjeAvrfpos). 
S. auch unten cölubriniis. 

2333) [cölönus, -um m. (v. colere), Bauer, Land- 
raann; ital. colono, Landmann, down (englisch) 
„pagliaccio, il rustico del teatro", vgl. Canello, AG 
III 323. Sonst ist das Wort samt seinem Primitiv 
colere aus den rom. Volksspr. gänzlich geschwunden.] 

2334) [*coloquinta, -am f. (xoXoxvvD^tj), Purgier- 
gurke; ital. coloquinta ; frz. coloquinte, dazu das 
Dem. coloquinelle , span. ptg. coloquintida,] 



255 



2335) c8l6r 



2354) ciSmgs 



256 



2335) colör, -örem m. (v. co/o, seihen), die Farbe; 
ital. colore; prov. color-s: frz. couleur; span. 
color; ptg. (eohr) cur. 

2886) eölöro, -äre (v. color), färben; ital. colo- 
rare etc. 

2837) colosträ, -am f. u. Colostrum (colustrum) 
«., Biestmilch: ital. colostro; rum. corastä, co- 
reastä, coraslä; frz. Colostrum (medizinischer Knnst- 
ausdruck); span. ptg. colostro, colostro; astur. 
kuUestro (= *cnelestrum). Vgl. Meyer-L,, Rom. Gr. 

I § 119 S. 125. 

2338) colpus, -um vi. {xöXnog; colpiis [colfus] 
findet sich hei dem Ravennatischen Geographen, 
vgl. Frick, ALL VII 443, u. Gröber, ebenda VII 
522; Plur. colf'ora, dar. viell. frz. gou/fre, dessen 
männliches Geschlecht auffällig ist, vgl. Sittl, ALL 

II 570, u. Gröber, ebenda VII 522), Meerbusen; 
ital. span. ptg. golfo, Meerbusen; neuprov. 
(lou(f); frz. golfe, Golf, {gouffre. Abgrund). Vgl. 
Dz 168 golfo; Gröber, ALL II 442. 

colubra s. eolöbra. 

2339) eölubrlnüs, a, um, schlangenartig; davon 
nach Ch. p. 72 rum. curpen (die schlangenartig 
sich windende) Ranke z. B. des Weinstocks, dazu 
das Vb. curpenesc ii it i, sich krümmen, kriechen. 

colucula s. councula. 

2340) colümbä, -am /'. u. colttmbiis, -um vi., 
Taube; ital. colomba,-o {äanehen pippione.piccione 
= lat. pipionem, Piepvogel); prov. colomba (?); 
frz. colombe, (gel. W., das übliche Wort ist pigeon 
= pipionem); im Span. u. Ptg. fehlt das Wort, 
dafür span. palomo , paloma (v. palumhus) u. 
pichon; ptg. pomha, pomhinha (ebenfalls auf 
palumhus zurückgehend). S. unten pälümbüs u. 
pIpTo. Vgl. Berger p. 81. 

2341) columbärifim w. (v. cohimba), Taubenhaus, 
Graburnenhaus; ita.\. colombario „sepolcreto a foggia 
di colombaja", eolombajo „colombaja", vgl. Canello, 
AG III 306. 

2342) eolumella, -am /. (v. columna), kleine 
Säule; venez. colmelo , corvielo, pilastro, vgl. Sal- 
vioni, Post. 7; span. colmillo, Hauzahn (der schrift- 
lat. Ausdruck war dens columellaris ; bei Isid. 11, 
1, 52 findet sich colomelli, wofür vielleicht colu- 
mellas zu lesen ist, in dem betr. Sinne); ptg. col- 
milho. Vgl. Dz 441 colmillo. 

2343) coIumnS, -am f. (columna, non colomna 
App. Probi 20), Säule; ital. colonna; lorab. co- 
lana; prov. colmnna, colona; frz. colonne, altfrz. 
auch colombe, vgl. Klahn, Über die Entwickelung 
des lat. mn im Frz. (Kiel 1898 Diss.) p. 35; span. 
ptg. columna. Vgl. Gröber, ALL VI 383; Berger 
p. 81. 

2344) eomS, -am f. (gr. xöfiri), Haar; ital. 
ehioma, coma; rum. coamä; prov. („auch in ganz 
Südostfrankreich von Savoyen bis Belgien" Meyer-L., 
Z. f. ö. G. 1891 p. 768) altspan. ptg. coma. 
VgL d'Ovidio, AG XHI 363. 

2345) eomärön n. {xojxaQov), die Frucht des 
pjrdbeerbauras ; venez. gomära, -era = *comaria ; 
(auch sicil. agümara?), vgl. Salvioni, Post 7. 

2346) [eömätfis, a, um, behaart; ital. comato, 
chiomato; span. ptg. comato.] 

2347) [*c5mbäsium n. (volksetymologisierende, 
an basiuvi angelehnte Umgestaltung v.*co»ipa.9i«»i), 
Zusammenfügung; ital. combagio, dazu das Vb. 
conibagiare. Vgl. Dz 365 combagio.] 

2348) '''combätto, -ere (Uir*combattuere), kämpfen ; 
itaL eombattere; rtr. cumbatter; prov. combatre; 
frz. combattre, dazu das Vbsbst. combat; cat. 



combatrer; span. combatir; ptg. eombater. VgL 
Gröber, ALL I 550. 

2349) eömbiiiö, -äre, verbinden; dav. ital. 
s-gombinare, s-gominare, wozu nach Tobler, Z IV 
182, die Sbst. gomena, gomona, gumena, Ankertau. 
Andere Deutungen dieser Worte sehe man oben 
unter acumen. Sonst ist combinare im Rom. nur 
gel. W.: frz. combiner etc. 

2350) kelt. (gall.) combo, gekrümmt; ital'. 
comba Thal; prov. com6-s; altfrz. co)nbre; span. 
co»i6o,coni6ar(dasSb8t. combo.«, PL, Fafslager, gehört 
wohl ebenfalls hierher). Vgl. Th. p. 255; Meyer-L., 
Z XIX 277. S. auch unten concürülo. 

2851) spätlat. combrus, -um m. „barrage" (das 
Wort ist belegt b. Gregor Tur., Hist. eccl. III c. 
28; der Ursprung ist dunkel: Zusammenhang mit 
commorari ist abzuweisen, ebenso solcher mit cu- 
mera, cumerus fs. d.]; viell. ist combrus — gall. 
komboro, konibero, Verbalsubst. zu kombero, welches 
in Form u. Bedtg. dem lat. confero entspricht, 
vergleichen kann man auch avfi<po(tä zu avfKpigw, 
s. Meyer-L., Z XIX 276). Von dem vorauszusetzen- 
den Stamme kombr-, comb- kommen nach G. Paris, 
R XXIII 243, ital. ingombrare barrer, rendre im- 
practicable (un cherain), dazu das Sbst. ingombro; 
sgombrare debarasser, dazu das Sbst. sgombro; 
frz. combre, barrage pratiquo dans une riviere, 
encombrer, faire obstacle ä, gener ä (dav. encombre, 
encombrier, encombrement , combres, decombres, 
wohl auch altfrz. combes, s. Godefroy). Dagegen 
gehören die span. u. ptg. Worte (combos, combro, 
cömoro), welche G. Paris ebenfalls hierher zieht, 
wohl teils zu combo (s. d.), teils zu cumulus (s. d.), 
vgl. Meyer-L. a. a. 0. — Früher wurde die ganze 
Sippe als zu cumulus gehörig betrachtet, s. unten 
eumulus. Cornu, R XXIV 114 stellte cumera, cu- 
merus (s. d.) als Grundwort auf. 

2352) [*cömbastio, -äre u. *combü8tulo, -äre 
(von combustus, Part. P. P. v. comburere), brennen, 
daraus nach Storm, R V 173, durch Abfall von 
com- (infolge begrifflicher Anlehnung an bustum, 
Leichenbrandstätte) *bustiare u. bustulare, welche 
Verba, indem sie durch Einwirkung des german. 
brunst v. brennen ein r eingeschoben erhielten (also 
*brustiare, *brustulare) , die Grundworte wurden 
zu ital. brusciare, bruciare, brustolare; über dazu 
gehörige Ableitungen vgl. Caix, St. 78, Ascoli, AG 
II 42, Meyer-L., Ital. Gr. S. 97 Anm., Ulrich, Z 
XX 537; rum. ustur ai at a; rtr. brischar; prov. 
brus(l)ar, bru{i)zar; frz. brusler (brudler, Adams- 
spiel 360), brider; — (span. guewior; ptg. gMetmar, 
Verba, die wohl auf cremare beruhen). Dz 70 
bruciare hatte *perustare , -ustulare als mutmafs- 
liche Grundworte aufgestellt, was von Caix, St. 78, 
gebilligt wurde; Böhmer, Jahrb. X 195, hatte an 
*bustare (von bustum) gedacht. Die Storm'sche 
Annahme, obwohl anscheinend kühn, hat doch grofse 
Wahrscheinlichkeit für sich.J 

2353) cömedo, edl, esum, edere, essen; (prov.) 
span. ptg. comer; in den übrigen Sprachen ist 
manducare das herrschende Vb. geworden. Vgl. 
Dz 441 comer; Gröber, ALL H 277; über die Ver- 
drängung von edere durch comedere u. manducare 
vgl. Wölfflin, Sitzungsb. d. k. bayer. Akad. d. 
Wiss., phil.-hist. GL, 1894 p. 115. 

2354) cömes, -Item vi. {com u. eo), Begleiter; 
ital. cow(e (Begleiter des Fürsten), Graf: (Salvioni, 
Post. 7, zieht hierher venez. comedgna, comagna, 
compagnia di barche, aber schwerlich mit Recht); 

i prov. c. r. cons, c. o. contc, comte; altfrz. c. r. 



257 



2355) cömSs stäbull 



2371) ♦cSmplängo 



258 



quens, e. o. conte, comte, vgl. Förster, Z XIII 541; | 
nfrz. comte; span. ptg. conde. In ihrer eigentl. 
Bedeutung sind coines u. comitare durcili *com- 
panio u. *accompaniare völlig verdrängt worden. 
Vgl. Dz 107 conte. 

2355) coines stäbuIi, Stallmeister; ital. con- 
testabile, connestahile ; frz. connctahle; span. ptg. 
condestable. Vgl. Dz 107 conteslabüe. 

2356) *cömiii[i]tio, -äre {cum + initium), an- 
fangen; ital. cominciare ; prov. comensar; frz. 
commencer, dazu das Sbst. cominenQailles (altfrz. 
auch commengail) , vgl. ital. incominciglia ; cat. 
comensar; span. comenzar; ptg. comegar , Ylazu 
das Vbsbsttv. coweQO (frz. dafür cojnmericemfwf = 
*eominitiamentum, ital. comincio u. cominciamento). 
Vgl. Dz 105 cominciare ; Gröber, ALL I 550. 

2357) cömltätus, -um m. (v. comes), [das Geleit], 
die Grafschaft; ital. contado, Grafschaft, Land- 
schaft, Landbezirk, davon contadinu, Landbewohner, 
Bauer; prov. comtat-z ; frz. comte m. (der Genus- 
wechsel in Franche comte erklärt sich aus Anlehnung 
an die Feminina auf -te = -tätem); über altfrz. 
comtee = comte -{- -tatem vgl. Darmesteter, R V 150; 
span. ptg. condado. Vgl. Dz 107 conte. 

2358) [*comitTssS, -am /'. (v. comes), Gräfin; 
ital. contessa; prov. comtessa; frz. comtesse; 
span. condesa; ptg. condessa.'\ 

2359) cömma n. (gr. xö/xfia), davon *comma- 
tiilnm, kleiner Schnitt, kleines Gepräge u. dgl., 
wurde von Dz 80 cammeo vermutungsweise als 
Grundwort zu frz. camaieu, camee m. (ital. cammeo, 
span. camafco, ptg. camafeo, camafeio, camafeii) 
aufgestellt. Diese Herleitung entbehrt schon laut- 
lich jeder Wahrscheinlichkeit. Mahn, Etym. Unters, 
p. 73, entwarf folgende Hypothesenreihe: gemma, 
Edelstein, : gamma (altfrz. game) : *camma, davon 
das Adj. *cammaeus, woraus ital. cammeo, die 
Verbindung cammaeus altus aber wurde die Grund- 
lage für frz. camaieu, span. camafeo etc. (mlat. 
cam[m]ahutus). Alles das ist recht sinnreich, aber 
nicht im mindesten glaubhaft. Littre endlich, dem 
Scheler im Diot. s. v. camee beistimmt, geht aus von 
dem spätgr. xä/narov (v. xafiviiv) = *camäliim, 
das also eigentl. das Ausgearbeitete bedeuten würde; 
frz. camee wäre damit allerdings erklärt, nicht aber 
die anderen Formen des Wortes. Vielleicht läfst 
sich nachstehende Vermutung wagen. Aus dem bei 
den Gromatikern häufig gebrauchten (u. zwar auch 
als Epitheton zu lapis gebrauchten) Adj. gämmätüs 
(von ydfi/ia), gammaförmig, rechtwinklig (z. B. 
Gromat. vet. 243, 5, s. auch Georges unter gamma) 
erklärt sieh frz. camee als gel. W. ohne sonderliche 
Schwierigkeit, ebenso aus dem anzunehmenden Dem. 
*gamma-\-dlus [?j das frz. camaieu. Auch die Bedeu- 
tung dürfte mit diesem Ursprünge sich vereinbaren 
lassen: ein g.'imraaförmiger, rechtwinkeliger Stein 
wird in der Regel ein künstlich bearbeiteter sein. 
Ital. cammeo könnte vielleicht = *yafi/iatog sein. 
In den span. u. ptg. Worten aber darf man viel- 
leicht volksetymologisierende, an das Adj. feo, feio, 
häfslich, sich anlehnende Umgestaltungen des frz. 
camaieu erblicken (auf geschnittenen Steinen sind 
häufig Medusenhäupter u. dgl. dargestellt u. sie 
konnten daher als häfslich, fratzenhaft erscheinen). 
Nur freilich mlat. cammahutus fügt si(!h solcher 
Ableitung nicht, indessen bei den im Mittellatein so 
häufigen Verballhornungen ist das kein ernstes Be- 
denken. — Denkbar wäre endlich auch Herkunft 
der Wortsippe aus dem kelt. Stamme camh-, camm-. 
— Jedenfalls aber ist camee, camaieu als halb- 

Körtini;, lat.-rom. Wörterbuch. 



gelehrtes Wort zu betrachten, worauf schon der 
Anlaut hinweist. 

2360) *cömmaiido, -are, anempfehlen, befehlen ; 
ital. comandare; rura. comänd ai at a; prov. 
comandar; frz. Commander; out. comanar; span. 
comandar,comendar; Tptg. commandar. Vgl. Gröber, 
ALL I 550. 

2361) [*commäterculS, -am f. (Domin. v. com- 
mater), kleine Gevatterin; span. comadreja, Wiesel. 
Vgl. Dz 441 comadreja.] 

2362) cSmmeätfls, -um v>. (v. commeo), das unge- 
hinderte Gehen; ital. commiato, congedo, vgl. 
Canello, AGIII312; prov. comjat-z, Urlaub; frz. 
conge, dazu das Vb. altfrz. congier, nfrz. (Lehnwort 
nach ital. congedo) congedier. Vgl. Dz 552 conge. 

cömmitto s. mitto. 

2363) communis, -e, gemeinsam; ital. eomune; 
prov. comu-s; frz. commun, PI. als Sbst. les com- 
muns, Gesindewohnung; span. comun; ptg. com- 
mum, Fem. commua. 

2364) *cömo für quomö, gekürzt aus quomodo, 
auf welche Weise, wie?; ital. {como), come; rum. 
cum; prov. com; altfrz. come, com; nfrz. comme, 
davon comme>?.<, gleichsam quomo[do] -{-mente; cat. 
com; span. [cuemo) como; ptg. como. Vgl. Dz 
105 u. 720 come ; Gröber, ALL I 550. Für comment 
stellte Cornu, R X 216, qua mente als Grundwort 
auf, vgl. dagegen Toblor, Verm. Beitr. I p. 83. 

2365) comösfis, a, um (v. como), stark behaart, 
= rum. comos. 

2366) "^compänio, -önem m. (v. panis), der mit 
jem. von demselben Brote Essende, der vertraute 
Genosse, Begleiter; ital. compagno, davon com- 
pagnia, Gesellschaft; prov. altfrz. c. r. compaigns, 
compaings, companhs, c. o. companhon, compagnon, 
davon abgeleitet prov. compnnhiers, Genosse, com- 
panha, companhia, Gesellschaft, companhar, be- 
gleitet; frz. compagnon, davon compagnie, {ac)- 
compagner; span. compaüo; ptg. companhäo, 
companheiro, companha, companhar. Vgl. Dz 106 
compagno. 

2367) eömparo, *compero, -äre {com -\- paro 
bezw. com -\- par), beschafien ; ital. comperare, 
comprnre, kaufen; daneben als gel. W. comparare, 
vergleichen, vgl. Canello, AG III 329; rum. cumpär 
ai at a; rtr. comprar; frz. {comperer), gel. W. 
comparer; span. ptg. comprar. Vgl. Gröber, ALL 
I 550. 

2368) *cömpasso, -äre (v. jja.ssus), abschreiten, 
abmessen; ital. compafsare, dazu das Vbsbst. 

\compasso, Zirkel, Kompafs; prov. compassar, an- 
j legen, dazu das Vbsbsttv. compas, Schritt, Mafs; 
I altfrz. compasser, bauen, verfertigen, dazu das 
; Vbsbsttv. compas. Schritt; nirz. compasser, messen, 
! dazu das Vbsbsttv. compas, Zirkel; span. ptg. 
compas{s)ar, abzirkeln, dazu das Vbsbsttv. com- 
pas{s)o, Zirkel. Vgl. Dz 106 compasso. 

2369) compenso, -äre, ausgleichen; lomb. kom- 
' pen.ki, mangiare il pane in giusta proporzione colla 
j pietanza, Salvioui, Post. 7; sonst nur gel. W. 

1 2370) [*c5mpetio, -Ire (f. competere], erstreben, 
wurde von Dz 444 als Stammwort zu span. cutir, 
etwas zu einer Streitsache machen, sehlagen, .ver- 
mutet. Storm dagegen, R V 176, erklärte das Wort 
für ein auf gelehrtem Wege aus repercutir = *reper- 
cutire (f. -cutere = quatere) abgezogenes Primitiv. 

■ Diese Herleitung dürfte die richtige sein.] 

2371) *complängo, plänxi, plänctüm, pläugere 

i {com -\- plango), beklagen; ital. compiango piansi 

I pianto piangere; prov. complanh plais plant planlier; 

17 



259 



2372) cömplgo 



2385) cbncävüs 



260 



frz. complains plaignis plaint plaindre; cat. com- 
planyir. Vgl. Gröber, ALL I 551. 

2372) cönipleo, pleTi, pletum, plere (com + 
pileo), anfüllen; ital. compKre „complimentare, 
soddisfare" (vom span. cumpUr), compire „finire", 
cömpiere „che s'usa per lo piii al traslato, p. e. 
compiere un lavoro = compire un lavoro", vgl. Ca- 
nello, AG III 857, completa : cowpieta; rum. nur 
das Part. P. P. als Adj. cumplit, übervoll, mafs- 
los, heftig, grausam etc. erhalten, s. Ch. unter 
plin; prov. complir, füllen; altfrz. complir, dav. 
das Partizipialsubsttv. complie, Nachvesper, vgl. 
Cohn, Suffixw. p.225 Anm.; nfrz. nur das Kompos. 
accomplir (das Sbsttv. compliment ist vielleicht 
nicht = *complementum, .sondern = comiAiement = 
*compUcamentum , eigentl. Zusammonfaltung, Ver- 
beugung); spun. cumplir; ptg. nur die Partizipien 
cmnplente, Sbst., steigende Flut, u. cnmpleto, Adj., 
vollständig, = frz. lomplet. 

2373) [*eoniplicämentum n. (y. complicare), Zu- 
sammenfaltung, Beugung, = frz. com/)M»ier!<, wenn 
dasselbe nicht = *complementum, bezw. Ableitung 
aus complir ist.] 

2374) [cömplTcitum (Part. P. P. v. complicare), 
zusammengefaltet, verwickelt, wird von Dz 551 ver- 
mutungsweise als Grundwort aufgestellt für frz. 
complot, Übereinkunft, verbrecherischer Plan (davon 
das Vb. comploter); indessen complicitum hätte 
comploit ergeben müssen, vgl. explicitum = exploit. 
Auch die von Frisch behauptete Herlcitung von 
pila, Demin. *ptlotta, kleiner Knaul, befriedigt nicht, 
schon weil der Geschle(ditsweeh8el auffällig wäre. 
Nahe liegt es, den zweiten Teil des Wortes für 
identisch mit dem engl, plot zu halten. Gewonnen 
ist aber damit nichts, denn erstlich ist die Her- 
kunft des englischen Wortes dunkel , sodann ist 
Zusammensetzung mit com- höchst unwahrscheinlich. 
(Vermutlich ist engl, plot erst aus complot gekürzt.) 
Vielleicht läfst Folgendes sich wenigstens hören, 
wobei davon ausgegangen ist, dafs complot im Altfrz. 
auch „Menge" bedeutet. Lat. cumulus ergiobt 
comble, das bekanntlich auch adjektivisch im Sinne 
von „voll" (z. B. von Menschen) gebraucht wird, in 
Redewendungen, wie la solle est comhle u. dgl. Von 
comble wäre eine Ableitung comblot denkbar, welcher 
die Bedeutung „kleine Anhäufung (von Menschen), 
Zusammenrottung" zukommen würde. Die Bedeutung 
konnte Ursache werden, dafs das Wort sich lautlich 
an complir, füllen, anlehnte u. folglich sein b mit 
p vertauschte, also comblot : complot. Besser noch 
wäre es vielleicht, von comble zunächst das Verb 
combtot(t)er = comploter abgeleitet sein zu lassen 
n. daraus das Sbsttv. complot zu gewinnen ; *com- 
hloter wäre eine Bildung, die in trembloter ihr 
ungefähres Gegenstück hätte. — Einfacher aber dürfte 
es sein, die Frisch'sche Annahme folgendermafsen 
abzuändern : von {jnta) *püotta wird abgeleitet *pi- 
lottare={Tz.peloter,*ploter((\siv.(isisPostverheileplot), 
Kompos. comploter, dazu das Postverbale complot. 

2375) cömpöuo, pösfii, pösitum, pöuere, zu- 
sammensetzen, -stellen; ital. compongo, posi, posto, 
porre, Part. P. P. composta, Eingemachtes; prov. 
Part. P. P. compost, zusammengesetzt; frz. Part. 
P. P. Mask. compost, Dünger, Fem. compote (wohl 
in Anlehnung an pot ohne Circumflox geschrieben), 
eingemachte Früchte, vgl. Dz 551 s. v.; das Verb 
composer gehört nur mittelbar hierher; span. 
compongo puse puesto poner ; ptg. componlm puz 
posto pör, Part. P. P. composto, Mischung., 

cömpösitus, a, um s. compöno. 



2376) eömprehendo, prehendi, prehensum, 
prehendere, ergreifen; ital. comprendo presi preso 
prendere: rum. cuprind prinsei prins prinde ; prov. 
compren{c) pris pris prendre u. pendre, penre; frz. 
comprends pris pris prendre; span. comprendo 
(altspan. prisi, neuspan. schwach) preso prender ; 
ptg. comprendo (altptg. pres) preso prender. Vgl, 
Gröber, ALL I 551. 

2377) *cöraptio, -äre (v. comptus, Pt. P. P. von 
comere), schmüiken; ital. conciare, schmücken, 
zurichten, dazu das Vb.sbsttv. concio, Schmuck, u. 
das Adj. acconcio, zierlich; rum. nur das Sbsttv. 
coiiciii, Kopfputz; rtr. contschar, flicken. Vgl. 
Dz 366 conciare; Gröber, ALL I 551. 

2378) cömpiilsü, -äre (Intens, v. compello), heftig 
drängen; davon ital. .tcompmeare „rovistare, scom- 
pigliare, mettere sossopra", vgl. Caix, St. 546. 

2379) I ^eompfitätörium n., K«chenstube, = frz. 
comptoir.] 

2380) compiito, -äre, rechnen, zählen, erzählen; 
ital. contare, rechnen, cömputo, conto, Rechnung, 
r-ac-coniare, erzählen, racconto, Erzählung; rum. 
capet ai at a, messen, rechnen, prüfen, erwägen, 
schonen; prov. comptar , zählen; frz. compter, 
zählen, conter , erzählen; span. contar ; ptg. 
contar, zälilen, erzählen, dazu das Vbsbsttv. conto, 
Erzählung. Vgl. Dz 107 contare. S. auch eompntos. 

2381) conipfltus, -um m. (v. computo), die Be- 
rechnung; ital. cömjmto (gel. W.), conto; Canello, 
AG III 329, zieht auch, u. wohl mit Recht, compito 
„lavore assegnato" hierher; rum. ciimpet, Gleich- 
gewicht; frz. compte (altfrz. halbgelehrtcs Wort 
CMWi/joi', Kalendarium) ; 6^a.n. cuento, cuenta; ptg. 
conto, conta. Vgl. Berger p. 83. 

2382) [*cönadQlo, -äre (con -\- adulo = adulor), 
schmeicheln; davon rum. gudur, ai, at a, schmei- 
cheln, schweifwedeln; die lautliche Entwickelung 
erklärt sich, wenn man von *co-adulo ausgeht] 

2383) cöncäco, -äre, bekacken; davon ital. 
s-concJiigarsi ; altfrz. conchier ; vgl. Mussafia, 
Beitr. 102; Scheler im Anhang zu Dz 794 escliiter. 

concäro s. concavfilo. 

2384) *concäTrilö, -äre (v. cavus), aushöhlen; 
rum. covaiee ai at a, krumm machen, biegen. 
Dz 104 combo zieht, jedenfalls aber mit Unrecht, 
hierher, bezw. zu concavo, -are u. concaviis, auch 
ital. comba. Thal (nur in Ortsnamen erhalten, vgl. 
Murray in den Transact, of the Philol. Soc. 1891/94 
p. 281); prov. comb, gekrümmt; altfrz. combe, 
Thalschlucht; span. combar , krümmen, comba, 
Krümmung, combo, gekrümmt. Indessen ist es 
wahrscheinlicher, dafs die Worte auf einen kelti- 
schen Stamm comb-, cumbo-, (s. d.) zurückzuführen 
sind, vgl. Th. 55. Lat. conc[a]pa hätte eher co)i- 
qua, conca, als comba ergeben. Storm, R V 175, 
hält cüinbä, cymhä (gr. xvfißij) für das Grundwort, 
wogegen lautlich u. begrifflich an sich nichts zu 
erinnern ist, denn ,,Kahn", ,,KahnhühIung" konnte 
sehr wohl zu „Höhlung, Thal" verallgemeinert 
werden, u. passend weist St. auf den analogen Ge- 
brauch von bassin hin. Aber ciimba, cymba scheint, 
nach seinem Vorkommen zu schliefsen (s. Georges 
s. V.), der Volkssprache nicht angehört zu haben. 
Vgl. auch Baist, Z V 244, wo altital. gomberuto 
ebenfalls auf den Stamm combo- zurückgeführt, über 
den Stamm selbst aber Auskunft nicht gegeben wird. 

2385) cöncBvfis, a, um, hohl ; davon nach Dz 
436 span. cdrcava, Festungsgraben (so auch ptg.), 
Leichengrube; cärcavo, Bauchhöhlung eines Tieres. 
Siehe auch coucavnlo. 



261 



2386) cSnchüla 



2414) cönfoslo 



262 



eone[h]ä, -am /'., Muschel, s. oben *cocca. 
cönc[h]eus a. *cocca. 

2386) conchtila, -am f. (concha), kleine Mu- 
schel; ital. coticola; sard. cuncida, vgl. Salvioni, 
Post. 7. 

conc[h]ylium s. cochjlium. 

2387) concTiino, -äre, zusammenfügen; davon 
vielleicht unter Anlehnung an Hngeniare (v. ingc- \ 
nium) ital. congcgnare, zusammenfügen, vgl. Dz i 
366 congegmire. 

2388) cSncipio, tepi, ceptum, cTpere {con + 
capio), auffassen; ital. concepire. (schw. Vb., nur 
st. Prt. P. concetto neben concepitu); prov. concep 
conceup conceuput concebre; frz. congois i;us qu 
cevoir; span. concehir ; span. coiiceber. 

concürro s. eurro. 
concursüs s. ciir&fls. 

2389) *concttrTeus, a, um (v. airvus), gebogen ; 
runi. cucurbeu, Begeubogen. 

2390) concttrTO, -äre (v. curvus), zusammen- 
krümmen; span. ptg. corcovar, krümmen, davon 
corcöva, Höcker, vgl. Dz 442 corcovar. 

2391) *c5ncurT<)süs, a, um, krumm; ptg. corcös; 
krumm, bucklig, vgl. Dz 442 corcooar. 

2392) concussus, a, um (Part. P. v. covcutere), 
erschüttert; ital. cosso (aus concosso), kleine Beule. 
Dz 366 «•. V. gab kein Grundwort an. 

2393) [*con(lämno und condemno, -äre {con + 
clavino), verurteilen; ital. condannare, condennare; 
prov. condampnar: frz. condamner; span. con- 
denar; ptg. condemnar. Vgl. Berger p. 84.J 

2394) eöndenso, -äre (v. densus), dicht machen; 
span. condesar, aufhäufen, davon condesa, Haufen 
von Menschen. Vgl. Dz 441 condesa; Baist, RF 
I 133. 

2395) eöndescendo, -ere , sich zu jem. herab- 
lassen; ital. condescenderc ; frz. coiidescendre ; 
span. condescender ; ptg. condescender. Vgl. 
Petschenig, ALL V 138. 

2396) condio, -ire, würzen; ital. condire (ein 
dazu gehöriges Subst. actoris conditore giebt es 
nicht, conditore gehört zu lat. cnndere, bedeutet 
also „Erbauer, Gründer"; „Konditor" ist ital. 
confettiere, pastieciere; frz. confiseitr, pätissier ; 
span. confitero; ptg. confeiteiro, doceiro. Vgl. 
No 2403. 

2397) [condirectum (*condreetum , Part. P. P. 
von condirigere), nach Dz 550 Grundwort zu prov. 
coderc-s (also für codrec-s), angebautes Land, Aue.] 

2398) cöndltto, -önem /'. (v. condire), Bedingung; 
ital. condizione; prov. condicio-.'i ; frz. condition; 
span. condicion; ptg. condigäo. Überall nur gel.W. 

2399) peruan. condor, cundur, Kondor; itaL 
condore; frz. span. ptg. co«rfor. Vgl. Dz 107 s. v.; 
Scheler im Dict. s. v. 

2400) condüco, düxi, ductum, dncere, geleiten; 
ital. condnco, dussi dotto diicere u. dürre: vom 
Partizipialstamme ist abgeleitet condolliere, Führer, 
Feldherr; (runi. ist adducere [s. d.] für conducere 
eingetreten); prov. condue dui duit u. duch diiire, 
altfrz. condui{ß\ duis duit duire; nfrz. conduis 
duisis duit duire; span. conducir (schw. Vb.); 
conduzir (schw. Vb.). 

2401) condiictor, -örem m. [conducere), Mieter; 
sicil. connutturi pigianale; sonst nur gel. (frz. 
conducteur etc.) in der Bedtg. „Führer". 

2402) condy «., gr. xövöv n., Trinkgefäfs, Pokal, 
ist nach Dz 376 gunda das Grundwort zu ital. 
gonda, göndola, Gondel; frz. gondole, .schmaleSj 
hohes Trinkgefäfs, Gondel; span. ptg. gondola. 



Diese Herleitung befriedigt wenig. D'Ovidio, AG 
IV 170 Anm., hielt Herkunft von lt. cüna cünula 
für möglich , wogegen Ascoli an demselben Orte 
Bedenken erhob , ohne sich jedoch unbedingt ver- 
neinend auszusprechen. 

2403) *Cönfecto, -äre, zubereiten (schriftlat. ist 
confectura, Zubereitung, vorhanden: c. mellis Col. 
9, 4, 5, chnrtae Plin. N. H. 13, 75); ital. con- 
fettare, einmachen, davon confetto, confettiere; 
span. confitar, davon confito, confitero; ptg. con- 
feitar, davon con feitos, confeiteiro. Im Frz. hat 
das Primitiv conficere [a. d.] = confire die Bedeutung 
von confectare übernommen. 

cönfectüra s. confecto. 

2404) cönficTo, feci, factum, ficere, fertig 
machen; ital. con ficio feci fetto ficere, nur theolog. 
terminus technicus mit der Bodtg. „die heil. Wand- 
lung vollziehen"; frz. confire fis fis fit, einmachen, 
davon abgeleitet confiture confiseur. 

2405) *cSnfIdantiS, -am f. (v. *confidäre), Zu- 
versicht; ital. confidiima; frz. confiance; span. 
confidencia, confianza; ptg. confidencia, confianga. 
VgL Cohn, Suffixw. p. 77. 

2406) *cönfldo, -äre (f. confidere) , vertrauen ; 
ital. confidare: frz. confier; span. confiar ; ptg. 
confiar. Vgl. Cohn, Suffixw. p. 77. 

2407) conflictiis, -um m. (v. confligo), Kampf; 
ital. confUtto; frz. conflit; span. ptg. conflicto 
(gel. W.). 

2408) eouflo, -are, zusammenblasen; ital. gon- 
fiare, aufblasen, Part. P. P. gonfiato, angeschwollen, 
daneben als gel. VV. con/lato, vgl. Canello, AG HI 
370, Ascoli, AG XIII 454 (A. erklärt das g für c 
aus der Tonlosigkeit der ersten Silbe, was aber mit 
golfo aus colpus in Widerspruch steht); frz. gon- 
jUr : span. ptg. ist inflare = hinchar, inchar 
an Stelle von conßare getreten. Vgl. Gröber, ALL 
II 439. S. auch unten inflare. 

2409) eönforio, -Ire, mit flüssigem Kot beflecken; 
rum. cufur ii it i, Durchfall haben; (frz. das 
Simplex foirer?). 

2410) cönförto, -äre (v. fortis), stärken; ital. 
confortare; (^roy. conortar, ermutigen, trösten, ist 
= *conhortare, dazu das Vbsbsttv. conortz, Trost) ; 
frz. conforter, stärken, erfrischen, trösten, dazu 
das Vbsbsttv. con fort; span. (confortar u.) con- 
hortar , dazu die Vbsbsttve (conforte u.) eonhorte; 
ptg. confortar, dazu das Vbsbsttv. conforto. Vgl. 
Dz 107 confortare; G. Paris, R I 310, Anm. zu 
S. Leger 20 e. 

2411) *cönfr()nto, -äre (v. frons), gegenüber- 
stellen; ital. confrontare; rum. cufrunt ai at a; 
prov. confrontar; frz. confronter; span. ptg. 
confrontar. 

2412) 1. *eönnindo, -äre (v. fundiis), auf den 
Grund, Boden bringen, rum. cufund ai at a, ein- 
graben, eintauchen; (in den übrigen Sprachen wird 
confundare AMXch. affundare vertreten: ital. affon- 
dare, span. afondar, ahondar, ptg. afundar, 
daneben *{in)fund{i)tiare f. *{in)fundiare = prov. 
fonsar, fonzar (auch afonsar); frz. enfoncer; cat. 
{a)foHsar). 

2413) 2. cönfündo, füdi, füsiim, fuiidere, zu- 
sammengiefsen , mischen , verwirren , beschämen ; 
ital. conjundo, fusi, fuso, fundere; prov. con- 
fondre, cofundre; frz. confondre (st. Part. P. P. als 
Adj. confus); span. ptg. confundir. 

2414) cönfusTo, -önem /'. (v. confundere), Ver- 
mischung, Verwirrung; ital. confiisione; frz. con- 
fusion, u. dementsprechend in den anderen Sprachen. 

17* 



263 



2415) cöngaudgo 



2442) cöfn]8[8b]rlnüs 



264 



2415) cSugaudeo, -ere, sich mitfreuen; frz. 
conjouir. 

2416) cöngelo, -äre, zusammenfrieren; sicil. 
cunilari, vgl. Salvioni, Post. 7. 

2417) congTüs, -um m., ein Mafs für Flüssig- 
keiten; i tal. cogno, ein Weinmafs, vgl. Dz 365 «. r. ; 
abgeleitet (?) span. cangilon, ptg. cangiräo, ein 
Mafs, vgl. Dz 436 cangilon. 

2418) *e5ngTÜs, -um vt. (für conger u. gonger 
= gr. yöy/poc), Meeraal; ital. gongro, grongo, 
Meeraal, vgl. Dz 378 s. v. 

[*c8iihorto, -äre |f. cohortari) a. cönfoilo.] 

2419) [*co[ll] -f hnco, -äre, hierher rufen; frz. 
(cohuer, vgl. huer. davon das Vbsbsttv.) cohue, 
Lärm, Gewühl, vgl. Dz 551 «. v.: die von Mahn, 
Et. Unters, p. 124, vermutete keltische Herkunft des 
Wortes wird von Th. 96 verneint.] 

2420) [conjügiüm n., Verbindung, Ehe; über 
Formen u. Ableitungen des sonst aus den roman. 
Volkssprachen geschwundenen Wortes in ital. Dia- 
lekten vgl. Flechia, AG II 131.] 

2421) conjügo, -äre, verbinden; altsard. coin- 
vare, maritare ; n e u s a r d. cojuare, cojdi, vgl. Sal- 
vioni, Post. 7. 

2422) [cönjünctüra, -am f. (conjungire), Ver- 
bindungsstelle, Gelenk; ital. conjantura; altfrz. 
conjointure, vgl. Förster zu Erec 14; span. con- 
juntura, ^tg.conjunctura. Also nur gel. W., ausg. 
im Altfrz.] 

2423) coDJungo, jünxi, jünctum, jüngere, ver- 
binden; ital. congiungo n. giugno giunsi giunto 
giugnere u. giungere; prov. conjonh Jons u. jos 
Joint jonher; frz. conjoins joignis Joint joindre; 
die altfrz. Formen s. h. jüngere; (span. ptg. nur 
das Part. P. conjunto, conjuncto, davon die Verba 
conjunctar, conpintar). 

2424) conjürätio, -önem /'. (v. conjurare), Ver- 
•schwörung; ital. congiurazione, daneben congiiira; 
sonst nur als gel. W. vorhanden. 

2425) conjüro, -äre, zusammen schwören, sich 
verschwören; ital. congiurare (davon das Vbsbsttv. 
congiiira), sonst nur gel. W. 

2426) cönSpeüm u. cönöpifim n. (gr. xwvw- 
ntXov, „vermutlich volksetymolog. Umbildung von 
semit. Jcanaph" F. Pabst), feinmaschiges Mücken- 
netz u. die mit einem Mückennetze umzogene Lager- 
stätte, das Himmelbett (Hör. Epod. 9, 16; Prop. 
3, 11, 45; Juven. 6, 80); ital. canope, Kuhebett; 
rum. canapett; frz. span. ptg. canape. Vgl. Dz 
85 canope; über frz. canape vgl. Blanc in Revue 
des langues rom. 1890 p. 438. 

2427) [cönor, -äri, versuchen: „n'ö il deverbale 
nel »a.r A.conos, oonati di vomito", Salvioni Post. 7.] 

2428) *conquaero und cönqniro, quaesivi und 
quisivi, quaesitüm und qnisltum, quaerere und 
qnirere, sich zu verschaffen suchen; \ta.\.conquido, 
quisi quiso quidere, überwinden, unterjochen; mm. 
cuceresc ii it i, unterwerfen, erobern; prov. con- 
quier quis ques u. quis querre querer u. querir, 
erobern; frz. conquiers quis quis querir, erobern; 
span. conquerir (schw. Vb.); im Ptg. fehlt das Vb. 

2429) conqnisitio, -önem f. (v. conquiro), Nach- 
suchung; altfrz. cui'ienQon, Sorge, Eifer, davon 
die Adj. cusen^onos, cusencenavle u. das Adv. cu- 
sencenosement. Vgl. Tobler, Z III 571, wo zuerst 
die richtige Ableitung gegeben ist; üz 557 cuire 
hatte das Wort mit prov. cosenza (s. oben *coco 
cocere) in Zusammenhang bringen wollen, u. G. Paris, 
R IX 334, verteidigt diese Ableitung gegen Tobler. 

2430) *cönqnisto, -äre (Intens, v. conquircre). 



erobern; ital. conquistare, dazu das Vbsbsttv. 
conquista u. das nomen act. conquistatore ; prov. 
conquistar, davon conquista; frz. [conquester], con- 
quet, die Errungenschaft, conquete, die Eroberung; 
span. ptg. conquistar, davon conquista, conqui- 
stador etc. 

2431) [*cönsäcro, -äre (f. consecro v. sacer), 
weihen; frz. consacrer; in den übrigen Spr. ist 
consecrare als gel. W. vorhanden.] 

2432) [cönscTentiä, -am /. (v. conscire), Bewufst^ 
sein. Gewissen; it n\.coscienz{i)a; prov. consciencia, 
consiensa; ixz. conscience; s]>ai n.conciencia; ptg. 
consciencia.] 

2433) cönscribillo, -äre (Demin. von conscribere), 
kritzeln; zu vorgl. ist das gleichbedeutende ital. 
scombiccherare l*sconchiberare , *sconscriberare, 
*conscriherare), vgl. Marchesini.Studj di fil. rom. II 6. 

2434') [cSnsectä (Fem. des Part. P. P. v. conse- 
care), zerschnitten, = span. cosecha, Ernte, vgl. 
Dz 442 s. V.; vgl. haist, Z V 236 ; C. Michaelis, 
St. p. 58, u. Cornu, R XIII 298, setzen cosecha = 
collecta an {collecta : coyecha : cogecha : coxecha, 
worin x = frz. ch, : cosecha).] 

2435) cönservätöriiim n. (von conservo), Auf- 
bewahrungsort; ita.1. conservatorio „luogo di ricovero 

di educazione per lo piii musicale", conservatojo 
„magazzino", vgl. Canello, AG III 337. 

^conservius s. gymnasiarclius. 

2436) conservo, -äre, bewahren; ital. conscr- 
vare; frz. conserver; in den übrigen rom. Spr. dem 
entsprechend (fehlt rum.). 

2437) *c5n8iderinm n. (v. considerare nach desi- 
deriutn gebildet), Sorge, Sehnsucht; prov. co(n)sire-s, 
daneben consirier-s = *considerarium, von consirc 
abgeleitet das Adj. consiros, gleichsam *considerosus, 
nachdenklich, besorgt. 

2438) cönsidero, -äre, betrachten; ital. consi- 
derare; prov. consirar, cos{s)irar; frz. considerer 
(gel. W., als solches auch im Span. u. Ptg.). 

2439) eönsiliarius, -um m. (v. consilium) , Rat- 
geber; ital. consigiiere, -o; prov. conseillier-s 
[? dasselbe Wort bedeutet „Kissen"] ; irz.conseiller; 
span. consejero: ptg. conselheiro. Vgl. Bergers.«). 

24401 *cönsilio, -äre (v. consilium, schriftlat. 
consiliari, Rat pflegen); ital. consigliare; prov. 
conselhar, cosselhar; frz. conseiller; span. consejar; 
ptg. {a)conselhar. 

2441) cönsTllüm n., Rat; ital. consiglio; prov. 
conselh-s; frz. conseil; span. consejo; ptg. conselho. 

2442) cönsistörium n. (v. consisto) , Vorsamm- 
lungsort; prov. consistori-s, Konsistorium, gel.W., 
als solches in der entspr. Form auch in den übrigen 
rom. Sprachen. 

1 2443) cö[n]8[ob]riuus, -um m. u. -a, -am f., 
Geschwisterkind von mütterlicher Seite; ital. cu- 

\ gino, -a; lecc. cussiprinu, vegl. consubraina, 
friaul. consovrin, vgl. Tappertz, Die roman. Ver- 
I wandtschaftsnamen (Strafsburg 1893 Diss.) p. 115, 
i Salvioni Post. 7; rtr. eusrin, cusdrin; prov. co«in; 
frz. Cousin, -e; cat. cosi; span. so6rmo, -a; ptg. 
sobrinho, -a (im Span. u. Ptg. bedeuten die Worte 
meist „Neffe, Nichte", „Vetter, Base" \at=primo, 
-a, ptg. auch coirmüo, -äa). Vgl. Dz 116 cujriwo; 
Gröber, ALL I 553; Canello, AG III 341 Anm., 
wo mit Recht die Ansicht ausgesprochen ist, dafs 
die starke lautliche Umgestaltung des Wortes im 
Ital. etc. sich aus seinem häufigen Gebrauche in 
der Kinderspraclie erkläre. — Aus dem span. Sa- 
brina = frz. soubrine durch Suffixvertauschung 
Soubrette. 



265 



2444) cönsbcgr 



2464) cSntgro 



266 



2444) cönsocer, -cerum »i., Mitschwiegervater; 
rum. cuscru, Schwiegervater, Schwager, Hochzeits- 
gevatter, vgl. Ch. unter socru. 

2445) cöiisolida, -am f. , eine Pflanze , gemeine 
Schwarzwurz (Symphytum offlcinalo L.); frz. coti- ■ 
solide, Schwarzwurz, vgl. Dz 552 «■. v. Wegen 
etwaigen Zusammenhanges von cnnsolida mit frz. 
console, Konsole, Stiitzbank, s. cönsölo. 

2446) eönsölo, -äre (gut schriftlat. consolari), 
trösten; ital. conaolare, dazu das Vbsbst. consblo\ 
(gewöhnlicher consolazione); prov. consolar ; frz. 
consoler (dazu consolation), von consoler vielleicht , 
als Vbsbsttv. abgeleitet cowsoie, Konsole (auch ptg. ! 
consola), doch ist freilich der dann anzunehmende [ 
Bedoutungsübergang (Trost : Stütze : Stützbänkchenv! 
bedenklich, andererseits ist das sonst als Grundwort \ 
vorgeschlagene u. begrifflich recht passende consolida 
lautlich unannehmbar, vgl. Scheler im Dict. con- 
soler; s p an. coOTSofar, dazu das Vbsbsttv. consuelo, 
Trost: ptg. consolar. Das Wort trägt überall 
gelehrten Charakter. 

2447) eönsönä, -am f., Konsonant, = frz. con- 
sonne; in den übrigen Sprachen wird dafür das 
Part, consonans — ital. consonante etc. gebraucht. 

2448) eönsors, sörtem, gleichlosig, teilhaftig; 
itul. consorte, Teilhaber, Mitgenofs, Gatte, Gattin, 
davon abgeleitet consorteria, Genossenschaft. 

2449) cönspuo, spüi, spütnm, sptiere, spucken; 
ptg. cospir, cuspir, vgl. Dz 444 s. i'. (ital. ist 
„spucken" = sputare; prov. escracar; frz. cracher 
vermutlich vom westgcrm. *räl!ön. Stamm hrak, 
vgl. Mackel 47; span. esciipir = *exspuire für 
exspuere). 

2450) cönsto, stitl, stätürus, stäre, zu stehen 
kommen, koston; ital. costare, dazu das Vbsbsttv. 
co.sto, Preis, Aufwand; rum. cust ai at n, dazu 
das Vbsbsttv. cust; prov. costar ; frz. coüter, dazu 
das Vbsbsttv. coAt, gewöhnl. im PI., Kosten; cat. 
span. costar, dazu cosia; ptg. custar, dazu custo 
u. custa. Vgl. Dz 554 conter. 

2451) cönstringo, strinxi, strictum, stringere, 
zusammenziehen, zähmen; ita,\. co{n)string(>, co{n)- 
strigno, strinsi, stretto, stringere und strignere, 
zwingen; prov. costrenc streis streit und streg 
strevher; frz. contrains traignis traint traindre, 
zu altfrz. constraindre des Adj. constraindable, 
vgl. Cohn, Suffixw. p. 503; span. costrenir; ptg. 
constranger u. stringir. 

2452) *cönstrügo (f. strüo), strüxl, strfletum, 
strügere, erbauen; ital. construo strussi strutto 
struere; prov. construi slruis struitw. »trug struire 
u. strurre; frz. Cünstrui(s) struisis struit struire; 
span. ptg. construir. Vgl. Gröber, ALL II 102 
unter *destrügere. 

2453) .cönsuesco , -ere, gewohnt werden; rtr. 
kuseser, vgl. Meyer-L., Z. f. 5. G. 1891 p. 768. 

2454) *cö[nls[ue]tamen «. u. *cö[n]8{ue]tfimTna 
[?] (i.cunsuetudo, -inem, das nur im Ital. als ge- 
lehrtes Wort erhalten ist). Gewohnheit; ital. co- 
stume, costuma : surA.costumene : prov. cosrfu»i«a, 
costuma; frz. (costume), coutmne f.; cat. costum; 
alt span. costumne; neu span. costiimbre ; ptg. 
coslüme. Vgl. Dz 110coö<«wi(t (nimmt Vertauschung 
des Suffixes -üdinem mit -ftme an); Cornu, R VII 
365 (nimmt Übergang von -üdine : -ünine : -ümine 
an); Havet, RVIl 593 (nimmt Übergang von -ttrfine ; 
-übine : -übne : -ünine an); Canello, AG III 367 
Anm. 2 (schliefst sich Cornu an); Ascoli, AG III 
368 Anm.* (nimmt an. dafs -üdine, -üdtie zu -unne 
assimiliert u. dies dann mit dem beliebten Suffix 



-üm[i]ne, -üme vertauscht worden sei); Gröber, 
ALL I 553 (stellt als Grundformen cos'tumen u. 
cos'lumina auf u. begründet dies in längerer Aus- 
einandersetzung). Die gröfste Glaubwürdigkeit darf 
Ascoli's Ansicht beanspruchen, doch darf auch nach 
dieser *costumen als wenigstens sekundäres Grund- 
wort angesetzt werden. Vgl. auch Körting, Formen- 
bau des frz. Nomons, Anhang II. 

2455) cönsül, -sfilem m., Konsul: ital. console 
u. cönsolo, vgl. Canello, AG III 402. 

2456) eönsflmmo, -äre, summieren, vollführen, 
vollenden (begrifflich hat sich das Vb. mit *con- 
sumare = consumere, verzehren, gemischt); ital. 
consumare, aufzehren (daneben consuino sunsi sunto 
suviere), consumato als Sbst. Kraftbrühe, vgl. 
Canello, AG III 312; frz. consommer, vollenden, 
vollziehen, verzehren, davon consomme, Kraftbrühe, 
consKtner , verzehren; span. consumar, vollenden, 
consiimir, aufzehren; ptg. consummar, vollenden, 
consumir, aufzehren. 

eönsümo s. consnmmo. 

2457) cS[n]süo, stii, sütum, stiere, zusammen- 
nähen: ital. (mit Übergang in die I-Konj. und 
Palatalisierung des s) cuscire, cucire, davon Kompos. 
sdrucire, sdniscire, auftrennen, gleichsam *ex-dis- 

■■ re-suere, doch würde wohl auch dis-re-suere genügen, 
; falls man Umstellung des d[i]s : sd annehmen darf, 
vgl. Caix. St. 56; rum. cos cusui cusut coase; 
rtr. h'izer, Pt. kiit, vgl. Gärtner § 148 u. 172; 
Iprov. coser; altfrz. cosdre; nfrz. couds coiisis 
cousw coudre = co[n]s[ue']re nach der Betonung des 
Ind. cö)is[uo], u. dieser wieder hat nach Analogie 
des Inf 's das d angenommen; cat. eusir: span. 
coser; ptg. cnscr. Vgl. Gröber, ALL I 553; Dz 
115 cucire; d'Ovidio, Note etim. p. 52. 

2458) *cö[nj8[filtürä, -am /'. (v. consuo), Naht; 
ital. ca5f!(ra „cucitura doppia che fa costola", da- 
neben (unmittelbar von cucire) als allgem. Ausdruck 
cucitura, vgl. Canello, AG III 331; prov. costura; 
frz. couturc, das Nähen, die Naht, davon couturier, 
-ere, gleichsam *consuturarius, -a, Näher, Näherin. 

2459) [cöntemplo, -äre (s. Georges unter con- 
templor am Schlüsse), betrachten; ital. contemplare ; 
prov. span. ptg. contemplar ; frz. contempler.] 

i 2460) [*c6iitemp5räneiis, a, um, zeitgenössisch; 
frz. contemporain, gel. W., erst seit dem 16. Jahrh. 

I nachweisbar, altfrz. dafür contemporel , vgl. Cohn, 

j Suffixw. p. 167; ital. span. contemporaneo.] 
2461) *cönteiieo (f. contineo), tenül, tentüm, 

I tenere, zusammenhalten, umfassen; ital. cnntenere 
(gel. Part. Präs. continente, enthaltsam, als Sbst. 
Festland, vgl. Canello, AG III 333); dem ent- 

I sprechend in den übrigen rom. Sprachen; wegen der 

1 Flexion s. tenere. 

! 2462) contentio, -önem /. (v. contemlcre), Streit; 
davon nach Caix, St. 208, durch Abfall des Präfixes 
ital. {tenza u.) temone; prov. tcnsa n. tenson 
{tenso-s); altfrz. tence, ten^.on, Streit, Streitgedicht; 

j die Doppelforraen wurden also einerseits dem (zur 
A-Dckl. übergetretenen) Cas. rect., andrerseits dem 
Cas. obl. entsprechen u. sich zu einander verhalten 

; wie etwa t(i)erre zu larron. 

2463) cöntentus, a, um (Pt. P. P. v. continere), 
zufrieden; ital. cnntento ; prov. conten-s; frz. 

[content; span. ptg. contento (im Span. Lehn- 

I wort). 

I 2464) contero, triTi, tritum, terere, zerreiben ; 

]span. curtir (für cutrir), ptg. cortir, gerben, vgl. 

i Dz 443 s. V. 



267 



2465) cöntingntlä 



2493) c8[Ö]pgrcüliim 



268 



2465) cöntinentiä, -am f. (von eontinere), das 
Ansiohlialten, die Haltung, Fassung; ital. con- 
tinenza; dem entsprechend in den übrigen rom. 
Sprachen. 

*eöiitingeseo s. contingo. 

2466) cöntingo, tigi, täctum, tingere (con + 
tango), berühren, erreichen, treffen, geschehen; 
altspan. coniir, cuntir, sich ereignen, davon das 
Inchoativ contescer; neuspan. ptg. (a)contecer. 
Vgl. Dz 441 contir; Cornu, R X 77. 

2467) cSntlnüo, -äre (v. continuus), fortsetzen;! 
ital. continuare (gel. W. u. als solches auch in 
den übrigen rom. Hauptsprachen vorhanden). 

2468) cönlinuüs, a,um (v. eontinere), zusammen- 
hängend; ital. continuo, continovo. 

2469) contra, fräp., gegenüber, gegen; ital. 
contra, contro; rum. cäträ; prov. contra; frz., 
contre; span. ptg. contra. 

2470) eonträetus, -um »i., Vertrag; ital. con- 
tratto; (prov. Adj. contrag-z, zusammengezogen); 
(altfrz. contrait, Adj., gelähmt); frz. contrai; j 
span. ptg. contrato; überall halbgel. Wort. j 

2471) contra + fäcio, fäcere, entgegen machen; j 
\\.du\. contraffare, nachmachen; frz. contrefaire ; \ 
sy an. contrahacer; ptg. contntfazer. Wegen der j 
Flexion s. facio. _ 1 

2472) contra + quädro, -are, entgegenbauf n, = 
frz. contrecarrer, entgegenarbeiten. ! 

2473) contra + rotülüs, -um in., Gegenrolle,! 
Gegenrechnung, = frz. controle vi., Aufsicht, dazu i 
das Vb. contröler. Aus dem Frz. ist das Wort in j 
die anderen Sprachen übernommen worden. Vgl. 
Dz 276 rotolo. _ \ 

2474) contra + sto, stare, gegenüberstehen, im 
Gegensatz stehen: ital. contrastare, dazu das Vb- 
sbsttv. contrasto, Gegensatz; dem entsprechend auch 
in den übrigen Sprachen. 

2475) *cönträtä, -am f. (v. contra), Gegend; 
ital. contrata, contrada; rtr. contrada; prov. 
contrada; irz.contree: altspan. contrada. Vgl. 
Dz 107 contrata; Könsch, Jahrb. XIV 837; Gröber, 
ALL I 551. 

2476) *cÖntremülo, -are, zittern, = rura. cutre- 
mur ai at a. 

2477) contribiilo, -äre, zermalmen, quälen, = 
rum. cutrier ai at a (die Leute beunruhigen, be- 
lästigen), vagabundieren, umherstreifen. 

2478) cöntribuo, tribtti, tribfltüm, tribuere, 
beisteuern, ist nur als gel. W. vorbanden; ital. 
coniribuere; frz. contribuer, span. ptg. contribuir. 

2479) cöntüs, -um m. {gr. xovzoq), Ruderstange; 
nach Dz 169 gonzo das mutmafsliche Grundwort 
zu span. goncc, Thürangel; ptg. gonzo, engonzo, 
„freilich mit einer nicht gewöhnlichen Sehärfung 
des <"; das gleichbedeutende prov. gofon-s (aus 
gonfon) will Dz aus griech. yößifoi, Pflock, das 
frz. gond endlich (wegen des lothr. nngon) von 
ancon = gr. dyxwv, Halfen, herleiten. Vgl. Gröber, 
ALL II 439. 

2480) *c5nüciilä, -am f. (f. *colucula, Demin. 
v. cöhis; der Wechsel von n : l beruht vielleicht 
auf begrifflicher Anlehnung an Conus, Zapfen), Spinn- 
rocken; ital. conocchia; altfrz. conoille; nfrz. 
qitenouille (span. wird dies Werkzeug rueca, ptg. 
roca genannt, auch ital. ist rocca vorhanden, das 
Grundwort ist wohl vorauszusetzendes got. *rukka-, 
vgl. Kluge unter „Rocken"). Vgl. Dz 107 conocchia; 
Gröber, ALL I 551; Cohn, Suffixw. p. 231. 

2481) cönvenio, veni, Tcntum, venire, zu- 
sammenkommen; ital. convengo cenni vento venire; 



(über mundartliche ital. Gestaltungen von convenire 
u. convenitare vgl. Mussafia, Beitr. 99 f.); rum. 
euvin ü it i, refl. Vb , sich zu jem. begeben, sitzen: 
prov. convenh vinc vengat venir; frz. conviens 
vins venu venir, hat auch die übertragene Bedeu- 
tung „zukommen, sich schicken, passen"; span. 
convengo vinc venido venir; ptg. convenho vim 
vindo vir. Wegen der Flexion vgl. auch venio. 

2482) f*convenium n. u. *conTenla /. (v. con- 
venire), Übereinkunft; ital. convegno u. convegna; 
yrov. covina; altfrz. conwn, convigne,conn>iem.; 
cat. conveni; span. cönvenio. Vgl. Dz 107 con- 
vegno.] 

2483) conventüm n., Übereinkunft, Vertrag, und 
conventttS m., Zusammenkunft, Gesollschaft, Verein ; 
ital. convento, Vertrag, Zusammenkunft, Kloster; 
rum. cutint (Vertrag, Abmachung, Unterredung), 
Gespräch, Rede, Ausdruck, Wort; prov. convent-z, 
coneen-s; al t f rz. conuewt ; nfrz. couvent, Kloster; 
span. ptg. convento. 

conversätio s. cönverso. 

2484) *c8nTerso, -äre (f. corioersart), verkehren; 
ital. eonversare u. dem entspr. in den anderen Spr., 
das Vb. hat die eingeengte ßodtg. „mündlich ver- 
kehren, sich unterhalten" angenommen, ebenso wie 
das dazu gehörige Sbst. conversätio im Lat. „Ver- 
kehr", im Roman. ,, Unterhaltung" bedeutet. 

2485) eonversus, a, um, Part. Perf. Pass. v. 
convertlre; sard. cuiiibessu, storto, vgl. Salvioni, 
Post. 7. 

2486) converto, verti, yersüni, vertere, um- 
wenden; ita.\.{convertere, verso,üh\icheT:) convertire 
u. dem entspr. in den anderen Sprachen. 

2487) convinco, viel, victOm, vlucere, ersiegon, 
jem. einer Schuld überführen, unwiderleglich dar- 
thun, überzeugen; ital. convinco vinsi vinto vin- 
cere; prov. convenc venquei vencut vencer; frz. 
convainc vainquis vaincu vaincre; span. con- 
vencer; ptg. convencer, wegen der Flexion vgl. 
auch Vinco. 

2488) *conTio, -are (v. via), den Weg zusammen- 
gehen, geleiten; ital. conviare, daneben convojare, 
(nach dem Französ.) u. convogliare (mit Suffix- 
vertauschung für convojare), davon das Vbsbsttv. 
convojo, convoglio, Begleitung, Bedeckung, Wagen- 
zug; frz. convoyer, dazu das Vbsbsttv. convoi. 
Vgl. Dz 700 coyer 2. 

2489) *cönTito, -are (für invitare, die Ver- 
tauschung der Präp. wurde wohl durch begriffliche 
Anlehnung des Wortes an convivium veranlafst), 
einladen; ital. convitare; prov. coiwidar; frz. 
convier; span. ptg. convidar; <lazu das Vbsbsttv. 
ital. convito, Einladung, Gastmahl, prov. convit-z, 
altfrz. convi, span. ptg. convite. Vgl. Uz 108 

j convitare; Gröber, ALL I 551. 
; 2490) [conviviüm n.. Gastmahl; ital. convivio 
j (üblicher ist convito); frz. convive, dazu da.s Adj. 
conviviable in der Verbindung poesie c, poosic qui 
traite des festins, vgl. Cohn, Suffixw. p. 97.] 

;i491) cönvivo, vixi, victum, vivere, zusammen- 
leben, = ital. convico lussi vcsnutn vivere. 

2492) cönvöeo, -äre, zusammenrufen; ital. con- 
vocare, dem entsprechend als halbgel. Wort auch 

1 in den anderen Sprachen. 

2493) colo]perculttm n. (v. cooperire), Deckel; 
ital. coperchio; rtr. nur das Vb. curclar, bedecken; 
frz. couvercle; span. cobija, Decke, dazu das Vb. 

\cobijar, bedecken. Vgl. Dz 441 cobija; Gröber, 
ALL I 551. 



269 



2494) c8[ö]pgrto 



2512) cSrläcgüs 



270 



2494) eo[o]perio, perul, pertiira, perire, be- 
decken ; it &l. copro copersi coperto coprire; sard. 
coperrere; prov. cobrir; irz. (covrir), couvrir (Part. 
P. P. couvert) ; cat. cohir, ciibir; span. cobrir, 
cubrir ; ptg. ciihrir ; rtr. cuvrir; rum. acnperi. 
Vgl. Gröber, ALL I 551 u. VI 378 (caperire). 

2495) c5p[h]infis, um vi. (gr. x6(pivoi), ein 
grofser Korb, Tragkorb (Isid. 20, 9, 9); itaL cöfano 
(das übliche Wort für „Reisekoffer" ist baule), {cnffa, 
Mastkorb); prov. altfrz. cnfre; nfrz. cojf're, vgl. 
Karston, Mod. Lang. Notes III 374. u. Berger s. v, 
(das übliche Wort für „Eeisekoffer" igt malle = 
germ. malha, vgl. Mackel 59); span. ciiebano, 
(cofa, -e, Maatkorb), Deniin. cofin, Körbehen (frz. 
coffin), was ein *coJinus v. *cofus voraussetzt, vgl. 
Cohn, Sufflxw. p. 145; nicht hierher, sondern zu 
cuppa (s. d.) gehört altspan. cöpino, kleiner 
Becher. Vgl. Dz 103 cöfano; Gröber, ALL I 551. 

2496) *copreus, a, um (für cypre.us v. cyprum, 
vuprum). kupfern; davon frz. cuirre, Kupfer, vgl. 
G. Paris. R X 49; Gröber, ALL I 551; Dz 557 
cuivre; Baist, Z VII 116. 

2497) *copriim n. (für cyprum, cuprum), Kupfer; 
(ital. fehlt das Wort, es wird vertreten durch 
rame= aeramen); pieni. crof, rame, altbol. cooro, 
vgl. Salvioni, Post. 8; altfrz. coerre (nfrz. cuivre 
= *copreum); cat. couvre ; span. ptg. cofice. Vgl. 
Gröber, ALI» I 552. — Ital. copparona, Vitriol, 
frz. couperose, span. ptg. caparrosa gehen wohl 
nicht, wie Diez 108 s. v. will, auf cupri + rosa, 
sondern auf das deutsche Kupferasche zurück. 

2498) eöpfilä, -am/'., Band; ith].c6ptila,c6pola, 
coppiia „pajo", archaisch cobola, gobola, cobbola, 
niontal. guhbia „coppia di rauli", venez. cübia 
,,pariglia di cavalli'-, vgl. Canello, AG III 358, über 
sonstige dialektische Gestaltungen des Wortes vgl. 
Caix, St. 79 u. 352, Flechia, AG II 6 u. 338 Z. 15 
V. u.; prov. cobla, Paar; frz. couple, Paar, dazu 
das Demin. couplet, Verspaar. Vgl. Dz 108 coppia ; 
Gröber, ALL I 551 ; s. auch oben *clopa. 

2499) [*cöqnästro, -önem m., Koch, = prov. 
cogua.Hrö-s , vgl. Dz 557 cuire (frz. cuistre kann 
nicht hierher gehören).] 

cöquina s. cöclnä. 
coquinäriüs s. *e8cinärius. 
cöquTnö, -äre s, cocTno. 
eSquo, -ere s. *cöco. 
eöquiis s. *c5cus. 

2500) cor, cördis n. (vgl. gr. aagdiu) , Herz; 
ital. cuore; rtr. kor, kör, koer etc., vgl. Gärtner 
§ 200; prov. cor-s; frz. cwur (damit zusammen- 
gesetzt \ie\\ni:\i\, courbatu=-= cor -[■batlidm, besser 
setzt man aber wohl mit Scheler im Dict. p. 113 cour 
= court = ciirtum an); altspan. euer (dafür ist 
eingetreten corazon, gleichsam *corationem ; ptg. 
cora^uo, vgl. Dz 441 corazon; Cornu, R IX 129, 
ist geneigt, corazon v. curation-em abzuleiten, docli i 
ist das, was er vorbringt, nicht eben überzeugend). 

2501) *cörälis,. e (v. cor), herzlich, == prov. 
cnral-f!. 

2502) cörallTum n. (gr. xo(>äU.iov) u. corallum i 
»!., Koralle; ital. corallo; frz. corail; span. ptg. i 
cural. 

2503) *c5rätTenm n. (v. cor), Herzhaftigkeit, 
Mut; ital. coraggio; prop. coratge-s; frz. cou- ] 
rage; span. coraje; ptg. cnragem. Vgl. Dz 108 
coraggio. 

[*eorätTo, -ouem s. cor.] j 

2504) [corax, coräeem m. (gr. xö(>ai), Rabe;i 
Cihac p. 56 hält für möglich, dafs rum. cioarä,\ 



schwarze Krähe, auf corax zurückgehe, falls es 
nicht etwa ein mit lat. crocire zusammenhängendes 
Onomatopoieton sei.] 

2505) cörbiculä, -am f. (Demin. von corbis), 
Körbehen (Pallad. 3, 10, 6), = frz. corbeille; ptg. 
corbelha, vgl. Dz 553 n. v. 

2506) corbis, -em in. u. f., Korb; ital. corba; 
sard. corve, hol. corbe, Salvioni, Post. 7; rum. 
corfä; (prov. Demin. gorbel); (frz. corbeille, ptg, 
corbelha; dem Span, fehlt das Wort, es braucht 
dafür canastro, canasta = gr. xavaaxQOV, s. oben 
canistrnm). 

2507) cörbltS, -am /. (v. corbis), langsam fahren- 
des Transport- oder LastschifF, Korvette (z. B. Cic. 
ad Att. 16, 6, 1); frz. corvette; span. corbeta; 
ptg. corvela. Vgl. Dz 108 corbeta. 

2508) *cörbiis u. cöryus, -um m., Rabe; ital. 
corbo (dazu wohl das Vb. eorbellare, verspotten) u. 
Corvo; ossol. cor/', pav. crof; mm. corb ; rtr. 
corv; altprov. corb, davon das Demin. corbel-n; 
(frz. corbeau = *corbellus); cat. corb; span. 
cueroo; ptg. corvo. Vgl. (iröber, ALL I 552; 
Parodi, R XXVIl 237. 

eördfi s. chorda. 

2509) cördütus, a, um (v. cor), sinnig, verständig; 
span. cuerdo (aus cordado gekürzt); ptg. cordo. 
Vgl. Dz 443 cuerdo. 

2510) cördölium n. (v. cor -\- St. dol-, wovon 
dolor), Herzeleid (Plaut. Cist. 1, 1, 67); ital. eor- 
doglio; rtr. cordoli; prov. cordolh-s; span. eor- 
dojo. Vgl. Dz 108 cordoqlio. Vgl. Bücheier, Rhein. 
Mus. XXX Vn 517. 

2511) ^cordubänfis, a, um (v. Corduba), aus 
Corduba (Cordova) kommend; ital. cordovano, 
Bockleder, Corduanleder, davon cordovaniere, Cor- 
duaumacher, auch Schuhmacher (für letzteren Be- 
griff ist calzolajo —- *calceolarius das gewöhnliche 
Wort); prov. cordoan-s, cortvea, eine Art Leder; 
altfrz. corvois, wov. corvisier, corviserie etc., vgl. 
Tobler, Z XIII 546; frz. cordouan, davon {cor- 
doannier) r.ordonnier. Schuhmacher, vgl. Pafs, RF 
III 486 Mitte; span. cordoban („Schuhmacher" 
heifst span. zapatero, ptg. sapateiro = frz. 
sabotier, Holzschuhmacher, abgeleitet von span. 
zapalo, -a, Schuh, ptg. sapata, {apatn, prov. 
sabato, frz. .'<abot, savate, eine Wortsippe dunkeln 
Ursprunges; Scheler im Dict. unter savate ist geneigt, 
sie auf den germ. stap-, sap-, wovon stapfen in 
Fufsstapfe u. dgl., zurückzuführen, s. unten sapa-; 
Dz 674 sabot stellt keine Ableitung auf; vielleicht 
führt folgendes auf die richtige Spur; it?u\. zapipare 
bedeutet ,, hacken'-, aber auch „mit dem Fufse 
stampfen" und geht zurück auf ein lat. sappa, vgl. 
Rönsch, Z I 420, u. G. Paris, E VI 628, dieses 
sappa nun, dessen Grundbedeutung etwa „Stampfe" 
gewesen sein mag, kann recht füglich zur Ableitung 
von Worten gedient haben, welche Schuhe, also 
gleichsam kleine Stampfwerkzeuge, bezeichnen. Sonst 
liefse sich noch an ein "sappus (= prov. altfrz. 
sap), (las mutmafsliche Stammwort zu sappinus, 
Tanne, denken, zapalo etc. würde dann, wie frz. 
sahot, eigentlich einen HoIzs(>huh bedeuten). 

2512) coriäceüs, a, um (v. corium), ledern; ital. 
corazza „specie di usbergo, che in origine sarä 
stato di cuojo", vgl. Canello, AG III 348, s-cur- 
raccio „'grerabiule", vgl. Caix, St. 551; prov. 
coirassa; frz. cuirasse; span. coraza. Vgl. Dz 108 
corazza. 

*eoriämeu s. coriiim. 



271 



2513) cbriSndrüm 



2539) corrlgo 



272 



2513) coriändruin n. (gr. xoQiavvov), Coriander 
(Coriandrum Bativum L.); span. ciilantro, Corian- 
<ler: ptg. coentro, vgl. Dz 443 s. v.; Ascoli, AG 
VII 143. 

l*eorTeüs s. crödi.] 

2514) *c5rIsco, -äre (v. coruscus, über i statt 
u in der späten Latinität s. Könsch, Jahrb. XIV 
177), blitzen, = ptg. coriscar, blitzen. Vgl. Dz 442 
corii<ear. 

2515) *coriscns, -um m. (vgl. Könsch, Jahrb. 
XIV 178), Blitz, = ptg. corkco. Vgl. Dz 442 
coriscar. 

2516) cöriüm n. (gr. /6(>iov), Leder; ital. cuojo 
(vielleicht ist (/uoglin dasselbe Wort, vgl. Canello, AG 
III 302 Z. 14 V. ob.); (rtr. Jcurdm = *cor(i)amen, 
vgl. Gärtner § 68); prov. coir-s; frz. cuir; span. 
cuero; ptg. coiro, couro. 

2517; gr. xoQfiög, Klotz, davon vielleicht span. 
cornia, Fulsklotz, vgl. Dz 442 s. v. 

2518) [*cormus, um (?) = frz. corme, Spier- 
ling (davon cormier. Spierlingsbaum); ptg. corme, 
Spierlingsbaum. Vgl. Dz 553 s. v.] 

2519) cörneölus, a, um (v. cornu) , hornartig; 
ital. corniolo, Kornelkirsche, u. -nbaum (daneben 
eornio u. cornia) u. corniola, Karneol; nim. corn, 
Kornelkirschenbautn, coarnä, Karneol; frz. cor- 
nouille (= *cornücula), daneben cornoille, altfrz. 
auch Corneille , cornille (= *cornlcula) , Kornel- 
kirsche, cornouiller, Kornelkirseheubaum, curnaline, 
Karneol; span. cornizola, Kornelkirsche, cornizo 
u. corncjo (= *corniculiim) , Kornelkirschenbaum, 
cornerina, Karneol; ptg. eornisolo, Kornelkirsche, 
corniso, Kornelkirschenbaum, cornelina , Karneol. 
Vgl. Dz 109 eornio u. corniola; Cohn, Suffixw. 
p. 228. 

cömeus s. corneolfis. 

2520) *e5riiic[ü]la, -am f. (f. cornicula, Deniin. 
V. cornix), Krähe; ital. cornacchia = *cornacula 
(oder nach gracchia gebildet? vgl. d'Ovidio, AG 
XIII 382); rtr. coruaigl; prov. cornelha u. cor- 
nilha; frz. Corneille, altfrz. auch cornaiUe, vgl. 
Cohn, Suflixw. p. 151; cat. corneja, Cornelia: 
span. corneja; (ptg. fohlt das Wort, es wird er- 
setzt durch gralha, -o, auch span. grajo, prov. 
gralha, altfrz. graille, nfrz. grolle, mm. graur, 
ital. gracchia = lat. gräcülüs, -a [s. d.], vgl. Dz 
170 g'racco). Vgl. Gröber, ALL I 552. 

cornix B. corönis. 

2521) cömfl n., cornOm «., cornüs »»., Hörn; 
ital. corno; sard. corru ; rtr. tschiern ; rum. 
corn (bedeutet aufser „Hörn, Geweih" auch „Ecke, 
Winkel"); prov. corn; frz. cor u. corne; davon 
Deniin. cortiet, Hörnchen, Düte; cat. corn; span. 
cuerno, -a; ptg. corno, -a. Vgl. Gröber, ALL VI 383. 

2522) cSrnfi + gerni. hard = frz. cornard, 
Hörnerträger, Hahnrei, vgl. Dz 553 s. v. 

cöruiim u. cöriius, Kornelkirsche n. -ubaum, s. 
cörneölus. 

2523) [cornu Mttsae soll, unwahrscheinlich genug, 
dem ital. prov. span. ptg. cornaniK.stt, Sackpfeife, 
frz. cornemuse zu Grunde liegen, doch läfst sich 
oino andere Ableitung nicht geben. Vgl. Dz 109 
s. V.] 

2524) cörnutus, a, um (w.cormt), gehörnt; ital. 
cornuto; frz. cornu; span. cnrnitdo u. s. w. 

2525) cöröllä, am f. (Demin. v. Corona), Kränz- 
chen; seu. cdriiUa corcine, vgl. Salvioni, Post. 7; 
prov. corolla, Reigentanz; altfrz. Carole, dazu 
das Vb. caroler (auch prov. u. ital. carolar(e). 
Vgl. Dz 539 Carole (s. oben choraulo); Förster, 



Z VI 109 (hier zuerst die richtige Herleitung); 
Gröber, ALL I 552. 

2526) |*cörölleum,*cöröllium(Demin, v.*co)-ona), 
kleiner Kranz; davon neap. coruoglio, aret. coroglio, 
raod. croi, ringförmiges Tuch am den Kopf, vgL 
Flechia, AG II 337.] 

2527) Corona, -am /. (gr. xoqwvtj), Kranz, Krone ; 
ital. Corona, Krono, cruna, Nadelöhr, vgl. Dz 307 
crunn, Canello, AG III 323, u. Ascoli's Anmerkung 
daselbst zu der betr. Stelle; rum. cununä ; rtr. 
prov. cat. Corona; frz. couronne; span. Corona; 
ptg. coröa. 

2528) *cörönäriu8, a, um, zum Kranze gehörig; 
ital. coronario , Adj., coronajo, coroniere, Sbst. 
„chi fa corone". vgl. Canello, AG III 307. 

2529) *cörönilla, -am /'. (corona). Krönohen; 
frz. coronille (mit palat. l), Kronenwicke; span. 
coronilla. 

2530) cörönis, -idem /. (gr. xo()(ovis), kleiner 
Kranz; begrifflich geht hierauf, wohl durch Ver- 
mittelung des Mittelgriech., zurück, ist aber durch 
seltsameVolksetymologie lautlich mit eörnix, -Icem, 
Krähe, in Zusammenhang gebracht worden ital. 
cornice, Kranzleiste am Hauptgesimse; frz. cor- 
niche; span. cornisa; ptg. cornija sind dem Ital. 
entlehnt. Vgl. Dz 109 cornice; Meyer-L. , Z. f. ö. 
G. 1891 p 768. 

2531) cöröno, -äre (v. corona), bekr^zen, krönen ; 
ital. coronare u. dem entsprechend in allen übrigen 
roman. Sprachen. 

2532) *cörönülo, -äre (corona) = cat. curullar, 
häufen, dazu das Vbsbst. curult, vgl. Parodi, E 
XVII 59. 

2533) *eör + pfilsus == altfrz. cuerpons Herz- 
klopfen, vgl. Förster zu Cliges 3025. 

2534) corpus w., Körper; ital. corpo = *corpum; 
rtr. cerp etc., vgL Gärtner, Gröber's Grundrifs I 
481; prov. cor{p)s, frz. cat. - cor^s (cat. auch 
con, davon das Vb. cossar, um den Leib gürten, vgl. 
Vogel p. 53); span. cuerpo; ptg. corpo. Vgl. 
ALL VI 383. 

2535) corpus -f Deminutivsuffix -itto; ital. cor- 
petto „una specie di farsetto da portare sopra la 
camicia", comelto (aus frz. corset, Leibchen, Schnfir- 
leibchen), „busto, camieiuola da notte"'; vom frz. 
corset das Demin. cor seiet, davon ital. corsaletto 
„il corpo della corazza", vgl. Canello, AG III 364. 

2536) arab. <,'orrah, Geldbeutel {Freytag II 490a), 
davon vielleicht cat. sarro; span. siirron, Schäfer- 
tasche; ptg. siirrao. Vgl. Dz 501 ztirron. Eg. y 
Yang. 533. 

[*corredo, -äre s. Stamm r6d-, vgl. 872.] 

2537) cörrigia, -am /'., Riemen; ital. coreggia; 
rum. eure; (rtr. corregia); prov. correja (mit 
off. e); altfrz. corroie; nfrz. courroie; cat. cor- 
retja; span. ptg. correa. Vgl. Dz 109 correggia; 
Gröber, ALL I 552. — Von ital. coreggia das 
Kompos. Hcoreggia, Peitsche, davon wieder scoreg- 
giata, Peitschenhieb (frz. ecourgie, Karbatsche, das 
aber auch = excoriata sein kann, vgl. Dz 289 scu- 
riada). 

- 2538) *cörrig:iölum «. (com(/i'a), kleiner Riemen; 
ital. correggiulo: neu prov. courrojola; span. 
correjuela. 

2539) cörrigo, rexi, rectum, rigere, berichtigen, 
bessern; ital. corgere in den Kompositis accorgo, 
corsi, corto, corgere, refl. Vb., sich selbst berich- 
tigen, sich klar werden über eine Sache , etwas 
gewahr werden, bemerken, und: scorgo , scorsi, 
scorto, scorgere (= ex-corrigere), etwas in Ordnung 



273 



2540) ♦cörrögätä 



2550) cörvüs 



274 



bringen, einen Zug ordnen u. leiten, geleiten; davon 
«las Intens, ital. ncortare, geleiten, spaii. escoltar, 
dazu das Vbsbsttv. ital. scorla, Begleitung, Be- 
declfung, (frz. eacorte), span. escolta. Vgl. Dz 366 
scorgere. — Cornu, R X 78, setzt aueh altspan. 
escurrir „acompanar ä alguno que va de viaje 
saliendo con el ä despedirle" = excorrigere an; 
Diez 446 engreir hatte das Verbum als auf excurrere 
zurückgehend betrachtet, und diese Ableitung ist 
mindestens für das neuspan. escwr/ir durchaus bei- 
zubehalten. Dagegen hat Cornu gewifs das Richtige 
getroffen, wenn er a. a. 0. span. escorrecho von 
*excorrectus herleitet. 

2540) [*cörrogätä, -am f. (v. corrogare), Auf- 
gebot, vielleicht = frz. corvee, Frohndienst (rogare 
= frz. rouver, so wenigstens nach gewöhnlicher 
Annahme, interrogare = enterver, ebenso corrogata 
= corvee). Vgl. Dz 554 corvee.] 

corröso, -äre s. corrösus. 

2541) cörrösfis, a, um (Part. P. P. v. corrodere), 
ringsum benagt: prov. cros, Höhle, Grube; (frz. 
creux, -se, hohl?, dazu das Vb. creuser, aushöhlen). 
Vgl. Dz 556 creux; G. Paris, R X 47, u. Förster, 
Z VI 109, haben mit Recht bemerkt, dafs frz. 
creux, weil altfrz. crues, nicht = corrösus sein könne, 
sondern auf ein bis jetzt nicht nachgewiesenes 
c[o\rösus zurückführe. - 

2542) *corrotulo, -äre (v. rotulus), zusammen- 
rollen, drehen, schütteln, erschüttern , infolge der 
Erschütterung stürzen; ital. crollare, dazu das 
Sbst. crnllo „scotimento, rovina", crocchio „cercnlo 
di persone", vgl. Canello , AG III 405, und Caix, 
St. 89 (wo noch eine ganze Reihe auf rotulare und 
corrotulare zurückgehender Worte angeführt ist, bei 
manchen freilich dürfte die Zugehörigkeit zweifel- 
haft sein), vgl. auch Flechia, AG II 338 oben; 
prov. crollar; altfrz. erodier; nfrz. crouler, davon 
Kompos. s'ecrouler; cat. crollar. Vgl. Dz 113 crollar; 
Gröber, ALL I 552, vgl. auch AG I 59. 

2543) *cörr5tiilus , a, um, zusammengerollt; 
dav. noch Pascal, Studj di fil. rom. VII 94 , das 
ital. Adj. (*crullo) gritllo, klumpig, dick, dumm. 
Die Ableitung ist nicht eben wahrscheinlich. 

2544) [*cörriiptio, -äre (v. corrxptus , Part. P. 
P. v. corrumpere), eigentlich verderben, ruinieren, 
dann in Bezug auf die Geniütsstimmung jem. die 
Laune verderben, ihn ärgern, daher endlich zornig 
werden, zürnen (besser ist aber wohl die Ableitung 
von cor rupium [s. d.|, also: ,,das Herz brechen, 
betrüben"); ital. corrucciare (aus dem Frz. entlehnt), 
dazu das Vbsbst. corruccio; prov. corrossar, dazu 
das Vbsbst. eorrot-z; altfrz. corrossier, dazu das 
Vbsbst. courroux; nfrz. coitrroucer, dazu das Vb- 
sbst. courroux. Vgl. Dz 109 corruccio u. dazu 
Scheler im Anhang 721 (Dz leitete die Wortsippe 
von Cholera ab , was von Scheler berichtigt worden 
ist; altfrz. corine, Groll, dürfte aber allerdings = 
*cholerma sein); G. Paris, R I 309 (Anm. zu S. 
Leger 18«) u. XXVIII 287; Gröber, ALL I 552.] 

2545) cor ruptnm, gebrochenes Herz, Herzeleid, 
Betrübnis; ital. corrotto, Trauer, Wehklagen; 
altprov. altfrz. corrot; altspan. corroto, Ka- 
steiung. Vgl. Gröber, ALL 1 553; G. Paris, R XXVÜI 
287. 

2546) eörtex, -ticem m. u. /., Rinde: sard. 
corteghe; rum. corteee; span. eorche, Sandale, 
Schuh von Korkholz (auch alcorque genannt, welches 
Wort zugleich pt g. ist), nur mittelbar aus corticem : 
corcho, Korkholz, corcha, Gefäfs aus Kork. Vgl. 

Körting, lat.-rom. Wörterbuch. 



Dz 418 alcorque u. 442 corcho. — In der allge- 
meinen Bedeutung „Rinde" ist cortex durch *scortea 
(von scortum), ledern, Leder, verdrängt worden: 
ital. scorza, dazu das Vb. scorzare; rura. scoar}ä 
(dazu das Vb. adescorjd); rtr. scorza, davon das 
Vb. scorzar; prov. escorca, dazu das Vb. escorsar; 
frz. ecorce, dazu das Vb. ecorcer, schälen (daneben 
ecorcher); ital. scorticare, pro v. esco)-(/ar, (span. 
ptg. escorchar) = *excorticare, abhäuten, schinden). 
Vgl. Dz 288 scorza (wo bemerkt ist: „Auch Ent- 
stehung von scorza u. scorzare aus cortex mit vor- 
gefügtem s ist denkbar", was nicht gebilligt 
werden kann); Gröber, ALI- H 280 oben. 

2547) cortlcefis, a, um (von cortex), aus Rinde 
oder Korb; ital. corteccia, Rinde; span. corteza: 
ptg. cortiQa. Vgl. Dz 109 corteccia; Gröber, ALL 
VI 383. 

2548) cortinä, am f. (nach Marx s. v. cörtina; 
nach Bergk, Beitr. 1, 118 Anm. 3 entstanden aus 
convortina, covortina), rundes Gefäfs, Kessel, kessei- 
förmiger Dreifufs, Rundung, Kreis, Vorhang (in 
letzterer Bedtg. z. B. Isid. 19, 26, 9; Vulg. Exod. 
26, 1); ital. cortina, Vorhang; rum. cortinä; 
prov. cortina; altfrz. curtine ; nfrz. courtine; 
cat. span. ptg. cortina. Vgl. Dz 109 cor<ma(das 
Wort wird auf cörs = cohors zurückgeführt, soll 
also eigentlich „Höfchen" bedeutet haben, wogegen 
die roman. Bedtg. streitet); Storm, R V 176 (St. 
will das Wort auf gr. xvQTÖq zurückführen, erwähnt 
aber, dafs Bugge ein *covortina vom umbr. covortus, 
courtus als Grundwort ansetze. Scheler im Anhang 
zu Dz 721 wiederholt Storm's u. Bugge's Ansichten, 
von denen die letztere übrigens sehr wohl mit der- 
jenigen Bergk's sich vereinigen läfst); Gröber, ALL 
I 553 (setzt cörtina als Grundwort an, ohne sich 
weiter über das Wort auszusprechen); Marchesini, 
Studj di fiL rom. II 1 (M., sich auf das venez. 
coltrina berufend, erklärt cortina als Demin. von 
coltre = *cidcta f. culcita [vgl. Dz 104 cöltrice], 
als parallelen Fall betrachtet er cuscino aus *cul- 
ticinum = *eulcitinum. Die letztere Ableitung mag 
man zugeben, aber damit ist für cortina noch nichts 
bewiesen). Das Richtige dürfte sein, ein Grundwort 
cörtina = covortina (v. convortere = convertere), 
eigentl. die Windung, das Gewundene, ein auf- oder 
zurückrollbares Zeug, Vorhang, anzusetzen, welches 
mit dem (vermutlich mit xv^trög zusammenhängen- 
den) cörtina, Kessel etc., nichts zu schaffen hätte. 

cöruscus s. cöriscns. 

2549) [*corTiceä, *corTiciä, -am /'. (v. corvus), 
vielleicht ^ ital. corbezza (davon Demin. cor- 
bezzola, -o), Meerkirscho; Anlal's zur Ableitung des 
Namens von corvus konnte die Farbe sein. Vgl. 
Flechia, AG H 339 unten.] 

cSrvfis 8. corbfis. 

2550) cörvüs (corbus) mariufis, corvus märä- 
ticus, Seerabe, = prov. corp-s niari-s ; altfrz. coc- 
marage, cormorage; nfr z.curmoran; cat. corbmari; 
ptg. corvomarinho. Dz 553 cormoran erblickte 
in dem Worte das bret. mör (Meer) -{- bran (Rabe) 
mit vorgesetztem corh = corvus, also ein Doppel- 
kompositum in der Art wie loup-garou , vgl. auch 

1 Darmesteter, M. c. p. 238; Scheler im Anhang zu 
Dz 789; frz. cormoran dürfte sich aber einfach aus 
c. marinus od. maraticus durch Annahme von Suffii- 
vertauschung erklären lassen. Cohn, Suffixw. p. 143, 

; erachtet die Diez'sche Ableitung für noch annehm- 
bar. Thomas, R XXIV 115, hält cormorant für 
die ursprüngliche Form u. erklärt sie aus corp 

! marenc, d. i. corp mar-enc {-enc = germ. -ing, 

18 



275 



2561) cörylas 



2573) crässttB 



2:tJ 



für dessen Vorkommen im Frz. Tli. Beispiele bei- 
bringt). 

2551) cörylus, *cölyrus, um /'. (gr. xögvlog), 
Haselstaude ; ital. cörilo; frz. coudre; (span. u. 
ptg. fehlt das Wort, es steht dafür avellano, avel- 
leiro, wohl aus *arhellus für arborellus von arbor 
abzuleiten, vgl. jedoch No 21). Vgl, Salvioni, Post. 7; 
Meyer-L., Rom. Gr. II p. 484. 

2552) cörytüs, -um m. (gr. ycopvrot;), Köcher; 
span. goldre, Köcher; ptg. coldre. Vgl. J)z 456 
goldre; C. Michaelis, Jahrb. XIII 213 ff. 

2553) cöryzä, -am f. (gr. x6pvt,a), Schnupfen, = 
ital. corizza. 

2554) cös, cötem f., Wetzstein; ital. cote; rum. 
cute [cohi, gohi, Wetzsteinbüchse; rtr. coder, coddr, 
vgl. AG I 381, II 131, Horning, Z XVIII 234); 
prov. cot-z (neuprov. codon); altfrz. kou, keu = 
cotem, queuz = *coteum; vgl. Horning, Z XVIII 
233; frz. queux; cat. Dem. codol = cotulus; 
(span. ptg. piedra, bezw. pedra de amolar). Vgl. 
Dz 662 queux 1. 

2555) [bask. coskha, Stofs des Widders, ist nach 
Dz 443 cuesco vielleicht das Grundwort (?) zu 
span. cuesco, Obstkern, coscorron, Beule am Kopf, 
ptg. cosco, davon coscorräo mit denselben Be- 
deutungen wie im Spanischen. Über den mehr als 
seltsamen Bedeutungswechsel spricht sich Dz nicht 
aus. Die ganze, von Dz übrigens auch nur frage- 
weise vorgebrachte Ableitung darf man ruhig für 
undenkbar erklären, eine andere freilich bietet sich 
nicht dar.| 

2556) *cossänus, um m. (v. cossvs), Wurm, = 
span. ptg. gusano, davon das Vb. gusanear, wie 
Würmer scharenweise kriechen, wimmeln, vgl. Dz 457 
gusano u. 587 fourmiller. 

2557) *cösso, -önem m. (f. cossus), eine Art 
Larve unter der Rinde der Bäume, = trz. cosson, 
Kornwurm, vgl. Dz 554 .s. v.; Grober, ALL 1553. 

2558) cossus, -um vi. (wegen der Bedeutung s. 
*cosso); posch. cöss, ein Insekt; rtr. coss, Enger- 
ling. Vgl. Dz 554 cosson; Gröber, ALL I 553. 

2559) Costa, -am /'., Rippe, Seite (im Roman, auch 
„Küste"); ital. Costa, davon die Demin. costola, 
costolina, Rippchen, costereÜa, Rippchen, kleiner 
Hügel, u. das Vb. ac-costare, nähern; rum. coastä; 
prov. Costa, Seite, auch Präp. nahebei; frz. cöte, 
davon die Demin. (cdteau) coteau, Abhang, cötelette, 
Rippenstückchen, u. das Vb. accoster, nahe kommen; 
altfrz. encostc, neben; span. cuesta ; ptg. eosta. 
Vgl. Dz 110 Costa; Gröber, ALL VI 383. 

2560) costätüs, a, um (v. costa), mit Rippen 
versehen (Varr. r. r. 2, 5, 8); davon ital. costato, 
Seite; frz. cöte; span. costado. Vgl. Dz 110 
Costa. 

'''cöstumen s. cö[n]s[ue|tfimen. 

2561) [*cötitU8, a, um, gewetzt; rum. eu{it 
Messer, vgl. Tiktin, Z XVHI 448.] 

cotöneus s. cydonius. 

2562) gr. xoTTÖg wird von Baist, Z V 561, mit 
span. cotovia verglichen. S. oben codioe'h. 

2563) cötiiltts, um m. (v. cos), kleiner Wetz- 
stein; sard. codulu (lucch. cvtano, mail. coden); 
prov. cat. codol, harter Stein. Vgl. Dz 550 cörfoi; 
Caix, St. 296. 

2564) cotfirnix, -nlcem f. , Wachtel (in dieser 
Bedtg. ital. quaglia, prov. cnlha, frz. c{o]aiUe, 
altspan. coaMa = ahd. quatala?), Rebhuhn; ital. i 
eotornice; rum. poturnic, männliches Rebhuhn; 
prov. codornitz, Wachtel; span. ptg. codorniz, 
Wachtel. ' I 



2565) engl, country-dance = frz. contredanse, 
vgl. Pafs, RP m 504. 

*coTä s. cävus. 

2566) eoxa, -am/'., Hüfte, Schenkel; ital. coscia, 
Hüfte, u. coscio ,,Ia coscia dell' animale, preparata 
per vendere o cuocere", vgl. Canello, AG III 404 ; 
rum. coapsä; prov. eueissa; frz. cuisse , davon 
cuissot, Schlägel des Wildprets; span. cuja, vgl. 
Baist, Z V 243 u. Meyer, Ncutr. p. 154; ptg. coxa. 
Durch coxa ist crus ganz verdrängt worden. Vgl. 
Dz 110 coscia; Gröber, ALL VI 383. 

2567) *cöxüs, a, um, hinkend (das Vorhanden- 
sein des Wortes im Lat. ist aus coxo, -önem, 
hinkend, u. coxigare, hinken, zu ersohliefsen, siehe 
Georges unter diesen Worten); cat. coix; span.co/o; 
ptg. coxo. Vgl. Dz 110 coscia. Gröber, ALL I 
555. 

! 2568) crabro, -önem m., Hornisse; ital. cala- 

\brone, scalabronc, venez. gralaon; lomb. gala- 

\vr6n; msiil. glavaron; pav. gravlön; genues. 

\ gravallon; bellun. galegran, vgl. Salvioni, Post. 7; 

! vgl. Dz 361 s. V.; vgl. Plechia, Mise. 201. Siehe 

! Nachtrag. 

j crämä s. chrisma. 

! 2569) ['*'cramac| ulum] (??), dav. nach Horning, 

iZ XVIII 216, durch Suffixvertauschung lothr. 

: cremzo, larape ä cremaillere.] 

2570) Stamm crap-, craf-, g:rap-, graf(f)-, so- 
wohl im Keltischen als auch im Germanischen in 
zahlreichen Ableitungen sich bekundend, dessen 
Grundbedeutung, wenn verbal aufgefafst, sein mufs 
„etwas mit gekrümmten Fingern fassen''; auf diesem 
Stamme beruht eine sehr zahlreiche, vermutlich so- 
wohl durch keltischen als auch durch germanischen 
Einflufs emporgewachsene, romanische Wortfamilie, 
deren wichtigste Vertreter sein dürften: i\,a.\. graf- 
fio, Haken, Kralle, graffiare , kratzen, nggraffare, 
packen, grappare, packen, grappa, das Anpacken, 
die Klammer, grappo (der hakenförmige, gleichsam 
wie ein krummer Finger packende) Trauljenkamm, 
die Traube, dazu das Demin. grappoto; prov. gra- . 
fio-s, Haken, Kralle, grap-s, hohle Hand; frz. 
(norm, grapper, pic. agraper, packen), grappe (alt- 
frz. crape), Traubenkamm, Traube, agrafe (= ahd. 
*hräpfa oder kräpfo ?), Klammer, {agrafer, packen), 
grappin, Anker; span. agarrafar, engarrafar, 
packen, grapa, Klammer, grapon, grofse eiserne 
Krampe; ptg. grampa, hakenförmiges Werkzeug, 
grampo, Klammer. Vgl. Dz 171 graffio und 172 
grappa; Th. p. 64; Mackel p. 63. 

2571) cräs, morgen; altital. crai; sard. cras, 
crasi; sicil. crai; altspan. cras; sonst ist dies 
Adv. überall durch [de -j-J niane ersetzt worden 
(ital. dimani, dnmani); rum. mäine ; prov. dema; 
frz. demain (davon lendemain = ille in de mane, 
der nachfolgende Tag); cat. demä; span. manana 
(eigentl. Sbst.); ptg. manhä, -äa). Vgl. Dz 202mane. 

2572) [*cräss[i]5, -am f. (v. crassus), Fett; ital. 
grascia, grassa „untumo, sugna, e ora i comestibili 
in genere", vgl. Canello, AG III 370; Dz 377 grascia 
setzte das Wort in der Bedtg. „Fett, Schmalz"' dem 
frz. graisse gleich, in der Bedtg. ,, Lebensmittel" 
aber wollte er es von gr. dyoQaala ableiten; Caix, 
St. 38, stellte granea = frz. grange als Grundwort 
auf; ir?.. graisse; sp an. ^rasn, Wichse; ptg. graixa, 
graxa. Sonst wird der Begriff durch eera (s. d.) 
ausgedrückt. Vgl. C. Michaelis, Mise. 122 Anm. 1.] 

2573) erässus, a, um, fett; ital. crasso „grosso- 
lano, materiale", grasso „pingue", vgl. Canello, 
AG III 370; rum. rtr. gras, prov. gras; frz. 



277 



2574) *orätälIs 



2591) crena 



278 



f/ras, grasse: ca.t.gras: sp an. (/ra.so; ptg. qraxo. 
Vgl. Dz n2 grasso; Gröber, ALL II 440. ö. auch 
*crassia. 

2574) [*crätälis m. (v. cratus für crater), Misch- 
gcfäfs, Schüssel, ist das vermutliche Stammwort zu 
iproy. grazal; altfrz. grasal, grnal, greal; alt- 
cat. gresnl-s; altspan. grial; ptg. gral. Das 
Wort bezeichnet bekanntlich das wunderbare Gefäfs, 
welches der Heiland beim Abendmahle brauchte etc. 
Vgl. Dz 601 graal, wo auch andere Ableitungen 
erwähnt u. zurückgewiesen werden.] 

2575) erätellfi, -am /. (Demin. v. crates), eine 
kleine Flechte, ein kleiner Eost (im Schriftlatein 
Hndet sich das Wort nur bei dem Auct. de idiom. 
p. 381 a, 33 K., s. Georges s. v., in der Bedtg. „ein 
liölzerner Packsattel") ; ita.1. gratella, gradella, ge- 
llochtenes Gitter, u. gritola = *cratülä, Stäbchen 
eines Käfigs (c für a durch Einflufs des ahd. crettili, 
Körbchen), vgl. Dz 377 s. v.; Canello, AG III 315; 
rum. gräde, PL grädcle, Gittersieb, Rute. 

2576) [*cräticea, -am /' (crates), Geflecht, Rost, 
Gatter; über Reflexe dieser Form im Pieniontesi- 
schen etc. (z. ß. Val d'Aosta grisse, Rost, piem. 
gersa, Reihe, grisain, Brot länglicher Form' vgl. 
iSIigra, AG XIV 366.] 

2577) cräticius, a, um {crates), aus Flechtwerk 
bestehend; ital. giaticcio; h eil \i n. gardis; mail. 
gradisa, vgl. Salvioni, Post. 7. 

2578) cräticulä, -am f. (Demin. v. crates), kleines 
Flechtwerk, kleiner Rost; ital. gratiglia , griglia 
(dem Frz. entlehnt), Gitter, satriechio, feiner Kamm, 
vgl. d'Ovidio, in Gröber's Grundrifs I 501'"; sard. 
cardija; (prov. gnllo, grilho, grcllo, Rost); alt- 
frz. graule, graille, auch Mask. grail, gril, dazu 
A&syh. graaillier, graelier etc., rösten; nitz. grille, 
Rost, dazu das Vb. griller; cat. graella, grillo; 
span. grülos (?), Fuisschellon; ptg. grclhas, Rost, 
dazu das Vb. (/relhar, rösten. Vgl. Dz 172 grata; 
Gröber, ALL H 440; d'Ovidio, AG XIII 393. 

2579) crntis, -gm/'., Flechtwerk, Geflocht; ital. 
grata, Gitter; venez. grae; tose, catro f. crato, 
cancello rustico, vgl. Salvioni, Z XXII 487; rum. 
gratie, Hürde, Fl. gratii, gratcru, Rost; rtr. grat, 
Flechte; span. grada; ptg. grade. Vgl. Dz 172 
grata; Gröber, ALL II 440. — J. Grimm wollte 
altfrz. re, Scheiterhaufen, von cratis ableiten, es 
ist dies aber entschieden abzulehnen; Dz 666 s. v. 
stellte rete „Netz" als Grundwort auf, Förster, Z 
I 561, ratis „Flofs", Baist, RF I 545, mhd. räz 
„Scheiterhaufbn"', welches ein älteres rat voraus- 
setzte, Bartsch hatte schon lange vor Baist eben- 
falls an ein ahd. Wort, nämlich hreo, re, erinnert, 
Z II 311. Die Wahrscheinlichkeit spricht durchaus 
für Förster's Annahme. 

2580). kelt. Stamm [cranc-], cröc-, kegelförmiger 
Haufe (vgl. kymr. crug „cippus, tumulus", com. 
cruc „a hillock, a mound, a barrow", bret. krugell 
„monceau, tas", ir. cruac „a rick, a heap", gäl. 
cruach „a Stack of hay", s. Th. 96); auf diesen 
Stamm gehen vielleicht zurück prov. Crau, Name! 
eines Kieselfeldes bei Arles, craiic, steinig, unfrucht- ■ 
bar. Vgl. Dz 556 Crau. 

2581) creätSr, -orem m. (v. creare), Schöpfer; in 
volkstümlicher Form nur prov. c. r. creaire, c. o. 
creador, altfrz. c. r. creere-s, crierre-s, c. o. crea- 
tour; sonst nur als halbgel. Wort. S. Berger s. v. 

2582) creätus, a, um (Part. P. P. v. creare), 
erschafl'on; span. ptg. criado, Diener (über den 
Bedeutungswandel vgl. ereo, -äre). Vgl. Dz 443 



2583) *cröiientiS, -am f. (v. credere), Glaube; 
, ital. credenza; rum. credin{a, Treue; prov. cre- 

densa, crezensa, Glaube, Treue; frz. creance, Glaube, 
! Glaubhaftigkeit, croyance, Treue; cat. crezensa; 
span. creencia; ptg. crenQa. 

2584) *eredentiäriüs, a, um m. (v. crediri), 
Vertrauensmann; ital. credenziere, Aufseher über 
Tafelgeschirr; rum. credin}ar, credincer; frz. cre- 
dencier, Speisemeister, creancier, Gläubiger; span. 
credenciero, Speisemeister {credencia, Schenktisch); 
ptg. credcnciario. 

2585) *credento, -äre (v. credere), versichern, 
bürgen; altfrz. creanter, greanter, granter, dazu 
das Sbst. creant, Bürgschaft. Vgl. Dz 556 creanter. 

2586) ereditüm n. (Part. P. P.), das leihweise 
Anvertraute, das Darlehen; ital. credito; (venez. 
crelo fededegno, alt hoch ital. cretojCrediito, lomb. 
a kreta, a credito, obwald. crett, vgl. Salvioni, 
Post. 7); frz. credit etc. 

2587) credo, didi, ditum, dere, vertrauen, 
glauben; ital. credo credetti creduto credere; rum. 
cred crezui crezut crede; rtr. Prs. crei, Pt. cret, 
Inf. crer, vgl. Gärtner § 148 u. 154; prov. crei 
crezei crezut creire u. crezer; frz. (crei) croi crus 
{creu) cru {creire) croire; altcat. cmre; neucat. 
crech cregui cregut creurer; span. creer (schw. 
Vb.); ptg. crer (Prs. crelo). 

*cremä u. *cremä s. chrlsmä. 

2588) [*cremasclus, -um m. (vgl. griech. xqs- 
ßtta-Trj()) = (?) prov. cremascla , vgl. Horning, Z 
XXI 453. S. unten kram,] 

2589) cremia pl. n. (v. cremo), Reisholz; ital. 
grcgna ,,fascio di biade secche , unione di covoni", 
vgl. Caix, St. 347. 

2590) cremo, -äre, verbrennen; lomb. gremd, 
arsicciaro; prov. cremar ; span. quemar; ptg. 
queimar (der Verlust des r erklärt sich vielleicht 
aus Angleichung an die auf lat. calere, calescere 
zurückgehenden Verba). Vgl. Dz 479 quemar. 
Ascoli, AG XI 447, erklärt span. quemar, ptg. 
qucirnar aus *kelmar, *kermar = cremare. Meyer- 
Lübke, Z XV 272, erhebt dagegen berechtigte Be- 
denken. Vgl. auch Cornu in Gröber's Grundrifg 
I 720 und 760 f. — Meyer-L., Rom. Gr. I § 180 
S. 165, vermutet das Grundwort zu quemar, quei- 
mar in *caimare vom griech. (mittelgriech. nen- 
griech.) xaißÖQ = xav/j-öi. — Cornu (Gröber's 
Grundrifs I 720) hält an queinio = cremo fest, 
indem er als Mittelstufen *kelmo, *keumo annimmt. 

2591) crena, -am f., Kerbe (Gloss. ,,crenae 
YlvfplSeg"; bei Plin. N. H. 11, 180 jetzt nach Hdss. 
renis); ital. crena, davon incrinarsi „fendersi, 
screpolarsi", vgl. Caix, St. 361; rtr. crenna; frz. 
cran (== *crenum, doch wäre dann crein croin die 
zu erwartende Bildung, es findet sich auch wirklieh 
belg. crein in der Bedtg. ,,Au8keilung", s. Sachs 
s. V.), davon abgeleitet {carnel) creneau, Zinne, 
criner, creneler, kerben; Baist, Z VH 116, will 
auch eclanche, Vorderblatt, u. eclancher, ecrancher, 
Falten aus dem Tuche streichen, auf crena, bezw. 
aut *excrenicare zurückführen; span. abgeleitet 
von crena ist wohl carnero, das gleichsam einge- 
kerbte, verschnittene Tier, der Hammel; Demin. zu 
crena dürfte crencha (auch ptg. crencha, cat. 
clenxa), Scheitel, sein, so dafs es also = *crenicula 
u. nicht, wie Cabrera, annahm = criniculus wäre; 
ptg. cre« a, abgeleitet car/ieiro, Hammel. Vgl. Dz 
555 cran, 437 carnero u. 443 crencha; Gröber, 
ALL I 555; Mussafia, Beitr. 103. „Die hier ange- 
führten Worte sind schwer zu beurteilen; frz. cra» 

18'* 



279 



2592) ergo 



2611) crlstätüB 



280 



gehört viell. zu einem Vb. *craner = crenare, vgl. 
faner von *fenare." Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 
p. 768. 

2592) creo, -are, schaffen; ital. creare (bedeutet 
auch ,.gei8tig schaffen , bilden , erziehen", daher 
creanza „Bildung"), dazu dasVbsbst. cria „ultimo 
nato di una covata" (vgl. lad. cria „fanciulletto", 
span. cria „covata e piccolo nato", port. cria de 
egoa „puledro"), vgl. Caix, St. 300; prov. crear, 
criar ; frz. creer ; cat. criar ; span. ptg. criar 
(bedeutet auch „erziehen", daher Part. P. P. criado, 
der Aufgezogene, der zum Hause Gehörige, der 
Diener, wenn man nicht vorzieht den Bedeutungs- 
wandel „Geschaffener, Geschöpf, Mensch, Mann, 
Diener" anzunehmen. Eine ähnliche Bedeutungs- 
entwickelung hegt vor, wenn altn. fädd, ernährt, 
auferzogen, im altfrz. fe (pM) die Bedeutung 
„Knecht" angenommen hat, vgl. Dz 582 fe). 

2593) ags. creöpan (altsächs. kriupan, ndl. krui- 
pen, altn. krjüpa, niederdtsch. kröp), kriechen; 
hierauf, bezw. auf das entspr. Verbum einer andern 
germ. Mundart scheint zurückzugehen prov. cra- 
paut-z, grapaut-z, Kröte; frz. crapaud; cat. gri- 
pau. Vgl. Dz 555 crapaud. C. Michaelis, St. 53 
Anm. 2, vermutet, dafs diese Worte nebst span. 
galapago, Schildkröte, neucat. calapat (= span. 
ealapatillo , eine Art Wurm, der dem Getreide u. 
den Früchten schadet) weder mit ags. creöpan noch 
mit lat. crepare etwas zu thun haben, sondern auf 
einen idg. Stamm grh zurückgehen. Aber roma- 
nische Worte dürfen nicht unmittelbar aus idg. 
Stämmen abgeleitet, sondern ihr Ursprung mufs in 
einer der Grundsprachen des roman. Wortscliatzes 
gesucht werden. 

2594) *crepSiito, -äre (von crepare), nieder- 
schmettern; prov. crebantar; altfrz. cravanter; 
span. ptg. quebrantar, brechen. Vgl. Dz 112 
crebantar. 

2595) crepätürä, -am (v. crepare), Eifs, Spalte; 
i tal. crepatura; ru m. crepaturä; prov. crebadura; 
(frz. crevasse); cat. crebadura ; span. ptg. que- 
bradura. 

2596) crepTto, -äre {v. crepare), Geräusch machen, 
platzen; ital. crepitare, crettare, sich spalten, vgl. 
Canello, AG III 329; Caix, St. 299; span. ^netar, 
sich spalten, davon dasVbsbst. grieta, Spalte; ptg. 
gretar, dazu das Vbsbst. greta. Vgl. Dz 456 grietar. 

2597) crepitüs, -um m. (v. crepare), Geräusch, 
Platzen; ital. crepito „scoppiettio", cretto „fendi- 
tura, screpolatura", vgl. Canello, AG III 329. 

2598) crepo, piii, pitnm, äre, krachen, platzen; 
ital. crepare; sard. crebare; valsass. vaca cre- 
vada, vacca orniosa. (1 o m b. cre-, craventd, recere), 
vgl. Salvioni, Post. 7 u. Z XXII 468; rum. crep 
ai at a; prov. crebar; frz. crever ; span. ptg. 
qiiebrar, brechen , davon das Kompos. requebrar, 
die Stimme biegen, Artigkeiten sagen, dazu das 
Vbsbst. requiebro, freundliche Eede, Liebkosung. 
Vgl. Dz 112 crepare. 

2599) crepor, -örem m. (v. crepare), das Krachen, 
Bersten; ital. crepore, Groll, vgl. Dz 366 s. v. 

2600) [*crescio, -onem f. (v. crescere) , Kresse 
(„a celeritate Crescendi" C. Stephanus); ital. 
crescione, dsutehon nasturzio ; neu^rov. creissoun; 
irz. cresson; cat. crexen; (span. berro, keltischeh 
Ursprungs fmittelir. biror, corn. beler etc., vgl. Dz 
432 berro, Th. 85]; ptg. masturgo, mastrugo = 
nasturtium, wovon auch span. mastuerzo, sicil. 
mastrozzu, sard. martuzzu, daneben ascione; ital. 
nasturzio, auch das wohl durch gelehrte Etymologie 



verdrehte frz. nasitort , vgl. Dz 221 nasturzio). 
Vgl. Dz 112 crescione; Kluge unter „Kresse"; K. 
will die romanischen Worte aus dem German. [ahd. 
chresso, got. *krasja ?] ableiten , wogegen Mackel, 
p. 34, das ital. crescione geltend macht; es würde 
sich dies jedoch aus *krasja hinreichend erklären. 
Alles in allem genommen , dürfte der german. Ur- 
sprung wahrscheinlich sein, schon weil ein lt. crescio 
eine gar seltsame Bildung wäre.] 

2601) cresco, crevi, cretttm, crescere, wachsen ; 
ital. cresco crebbi creseiuto crescere; rum. cresc 
ui ut cre.^tc; rtr. kreser, vgl. Gärtner § 84 u. 172; 
prov. creis crec u. creg cregut creisser; frz. crois 
cn'is er II croitrc; cat. crcxer; span. crezer (Prs. 
crezco) ; ptg. crescer (schw. Vb.). Vgl. ALL VI 383. 

2602) cretä, -um f.. Kreide; ital. creta; lomb. 
creda; borg, gren, lorab. crea , vgl. Salvioni, 
Post. 7; rum. cridä; prov. greda; frz. (creie, 
croie), eraie, davon abgeleitet crayon, Kreidestift, 
dann Bleistift; cat. span. ptg. greda. Vgl. Dz 
555 craie; Gröber, ALL II 440. 

2603) cribellum n. (Demin. v. cribrum), kleines 
Sieb; ital. cri-vello, dazu das Vb. criveltar (vgl. 
Mussafia, Beitr. 54); prov. nur das Vb. crivellnr; 
altcat. nur das Vb. crivelar ; span. garbilto, Sk^h 
von Weidenzweigen, dazu das Vb. garbillar, sieben, 
vgl. Dz 454 garbillo; Caix, St. 106, führt auch 
altital. garbello und garbellare an. 

2604) crlbro, -äre (v. cribrum), durchsieben; 
lomb. kribjd; (rum. ciuruesc iiiti); iiz. cribler; 
span. cribar; ptg. crivar. S. auch cribellum. 

2605) cribrum n. , Sieb; sard. chibru, vgl. 
Flechia, Mise. 201; rum. ciur; frz. crible; span. 
cribo, crib'dlo, criba; ptg. crivo; sonst ist das 
Demin. cribellum (s. d.) für das Primitiv eingetreten. 
Vgl. W. Meyer, Ntr. p. 133. 

2606) [crimen w., Verbrechen; ital. crme; prov. 
crim-s; frz. crime; span. crimen; ptg. crime.] 

(erimculüs s. crena.) 

2607) crinls, -em m., Haar; ital. crine, Haar 
des Menschen, crino, für gewerbliche Zwecke zube- 
reitetes Eofshaar, crina, Scheitel der Berge (hierfür 
gewöhnlich criniera, vgl. Canello, AG HI 402); 
altvenez. crena; neuvenez. crena u. grena, vgl. 
Salvioni, Post. 7; prov. cri-«; frz. cn'n, Eofshaar; 
davon criniere = *criniaria, Mähne; span. crin, 
Eofshaar; ptg. crma, Eofshaar. In der Anwendung 
auf menschliches Haar wird crinis im Eom. meist 
durch capilli (s. d.) vertreten. 

2608) crinitüs, a, um (v. crinis), behaart; ital. 
crinito (daneben erinuto); rum. crinit (fehlt b. Ch.); 
prov. crinit (daneben crinut); frz. crenu (wegen 
l : e vgl. G. Paris, E VIII 629); span. crinito 
(daneben crwarfo); (cat. crmat); ptg. mntto. Vgl. 
Cloetta, E XIV 571. 

2609) *erispüs, a, um (für crispus), kraus; ital. 
Crespo \y. crispus abgeleitet ist nach Caix, St. 349, 
grispignolo „cicerbita, erba da insalata"); prov. 
cresp (mit off. e); altfrz. cresp (mit off. e); nfrz. 
crepe, krauses Zeug, Krepp, dazu das Vb. crepir 
(eine Mauer) mit Kalk bewerfen , decrepir (eine 
Mauer) des Bewurfs entkleiden; cat. cresp; span. 
ptg. Crespo. Vgl. Dz 556 crepe; Gröber, ALL I 
555. 

2610) cristS, am f. {crista, non crysta App. 
Probi 24), Kamm (der Vögel); ital. cresta; rum. 
ereastä; iprov. cresta ; irz.crete; cat. span. cresta; 
ptg. crista. Vgl. ALL VI 384. 

2611) cristätüs, a, um (v. crista), mit einem 
Kamme versehen (von Tieren); ital. cristato; rum. 



281 



2612) Croate, Cravate 



2636) crüx 



282 



crestat (im Rum. auch sonstige Ableitungen von 
crista, so namentl. ein Vb. cresta „einkerben"), in 
den übrigen Sprachen entsprechend. 

2612) Yölkername Croate, Cravate; davon ital. 
cravntta, croatta, Halsbinde; frz. cravate; span. 
crohata. Vgl. Dz 112 cravaita; Scheler im Dict. 
s. V. 

*cröc[allnm s. erotäliim. 

2613) *cr6cca, -am/., Haken; pic. croque; von 
einem vorauszusetzenden *croche sind abgeleitet 
crocliet, Häkchen, (span. corchete, ptg. colchete) 
n. crochit, hakenförmig, vgl. Förster, Z H 86. 

2614) *cröcceüs, a, um (v. crocca od. croccum). 
hakenförmig; it 3. \. croccia, Krücke; p r o v. cros.sa ; 
altfrz. croce, Crosse; nfrz. Crosse; span. croza. 
Vgl. Förster, Z H 85; Dz 113 croccia (stellt *crucea 
als Grundwort auf). 

2615) *crocco, -äre (v. croccjjjw), einhaken; altfrz. 
crochier, crocher (erhalten in accrocher, decrocher) 
u. encroiter, davon Part. P. encroiie, eingehakt. 

2G16) *croccttm n. (wohl mit crüc-s zusammen- 
hängend), Haken; rtr. criec: prov. frz. croc, da- 
von abgeleitet altfrz. crocu (fälschlich crofii ge- 
schrieben). Vgl. Dz 557 croc (wo eine bestimmte 
Ableitung nicht gegeben , aber auf altn. krokr u. 
dgl. sowie auf cymr. crög hingewiesen wird) ; Förster, 
Z H 85 (hier zuerst richtige Behandlung der ganzen 
ronian. Wortsippe) ; Th. 96 (es werden anscheinend 
stammverwandte kelt. Worte angeführt, ohne dafs 
kelt. Ursprung der roman. Wortsippe behauptet 
würde) ; Mackel 33 (verneint germanischen Ursprung). 
Zu frz. croc gehört das Vb. croquer (eigentl. mit 
einem Haken wegraffen, schnell wegnehmen, rauben 
(jetzt in übertragener Bedtg. „eine Zeichnung gleich- 
sam hinhaken, rasch entwerfen", davon das Sbst. 
croqnis , flüchtige Zeichnung, Skizze, vgl. Scheler 
im Dict. unter croquer). In der Bedtg. ,. knacken" 
ist croquer Nebenform zu craquer, dies aber laut- 
malende Bildung). Von frz. croc span. ptg. croque 
(cloque). Ob frz. croquifinole, Nasenstüber, Krach- 
gebäck, hierher gehört, mufs dahingestellt bleiben, 
vgl. Cohn, Suffixw. p. 260 Anm. 

2617) cröcit«, -äre, krächzen (vom Raben); ital. 
crocidare. 

2618) cröcus, -um m. (xQoxog), Safran; ital. 
gruogo (daneben gel. croco), sard. grogu giallo. 

2619) kelt. Stamm crödi- (aus craudi-, vgl. altir. 
cruaid, neuir. gäl. cruaidh, hart, fest, unbiegsam), 
davon viell. *crödiüs, a, um =ital. crojo, starr; 
prov. croi. Vgl. Dz 366 crojo (wird von *cruditis 
= crudus abgeleitet, was aus lautlichem Grunde 
abgelehnt werden mufs) ; Caix, St. 25 (stellt *corieus 
V. corium, Leder, als Grundwort auf, eine zu künst- 
liche Ableitung); Th. 83 (hier zuerst die Hinweisung 
auf das Keltische). 

2620) [*cro8Üs, a, nm, vorauszusetzendes Grund- 
wort zu altfrz. erues, ufrz. creux, hohl, vgl. 
G. Paris, R X 47; Förster, Z VI 109. S. No 2541.] 

2621) altir. crot., ein Saiteninstrument; daraus 
vermutlich prov. rota: altfrz. rote; altspan. 
rota. Vgl. Dz 672 rote; Mackel p. 32 (wo die 
Herloitung aus ahd. rota, rottä für *hrotä als un- 
sicher bezeichnet wird); Th. bespricht das Wort 
nicht. 

2622) crotSIum n. (griech. xQÖraXov), Klapper: 
ital. crotalo (gel. W.), crocchio (= *croc\a]lurn] 
„rumore di vaso fesso", vgl. Canello, AG III 405 
(d'Ovidio setzt crocchio = corotulus an, AG XIII 
380), dazu das Vb. crocchiare, klappern; posch. 
grogl, sonaglio rotondo, vgl. Salvioni, Post. 7 ; (frz. 



grelot, Schelle, wovon grelotter, mit den Zähnen 
klappern? Eher ist grelot wohl Demin. zu altfrz.. 
graislc, graille, grelle); span. crötalo (Lehnwort), 
davon das Vb. crotorar. Vgl. Dz 366 crocchiare 
u. 603 grelot; Gröber, ALL I 555. 

2623) [gleichs. *cruciät8, am (v. crux), Kreuz- 
zug; ital. crociata: ^roY. crozada; frz. croisade; 
span. ptg. crusada.] 

2624) [erucTo, -äre (v. crux), kreuzigen, martern; 
ital. crucciare u. crocinre (nur letzteres bedeutet 
,, kreuzigen" u. ist wohl von croce abgeleitet), hierher 
gehören vielleicht auch crogiare, rösten, u. crogio- 
lare, dämpfen, (nach Dz 366 vom ahd. chrose I?], 
Geröstetes), vgl. Marchesini, Stndj di fil. rom. II 1, 
näheres sehe man ira nachfolgenden Artikel cru- 
clolam; prov. crozar (crozatz, Kreuzritter): frz. 
croiser (aus crois neugebildet, vgl. Th. 93 Z. 1 v. 
unten im Texte); span. ptg. cruzar (von cruz 
abgeleitet.] 

2625) *crucTdlum n. (Cohn, Suffixw. p. 252, setzt 
*crösiölum an), Schnielztigel (vgl. den Satz b. Plin. 
aes cruciatur „das Erz wird geschmolzen"), davon 
nach Marchesini, Studj di fil. rom. II 1, ital. cro- 
ciuolo, crogiuolo, Schmelzticgel ; span. crisol, 
Schmelztiegel, crisuelo, Lampe, crisuela, das Gefäfs 
der Lampe (Dz 443 hält bask. criselua, Lampe, für 
das Grundwort, indessen ist das bask. Wort doch 
sicher erst aus dem Span, entlehnt; Scheler im An- 
hang zu Dz 769 und im Dict. unter creuset führt 
die Worte nebst frz. creuset auf mhd. krus, ahd. 
krause zurück, Littre auf *crucibuluni. Beide Ab- 
leitungen aber erscheinen als einfach unmöglich, 
während die Annahme Marchesini's grofse Glaub- 
würdigkeit für sich beanspruchen darf). 

2626) *crüdälis, e (für cri(deiis), grausam; (sard. 
crueli = crudelis); frz. cruel. vgl. Förster, Chev. 
as 2 espees p^ XXXVI u. Z III 565, Berger s. v. 

2627) crüdelis, e (v. crudus), grausam; ital. 
crudele : prov. crudel-s, cruzel-s; frz. cruel =*cru- 
dalis (s. d.); span. ptg. cruel. 

2628) crudelTtas, -tätem (v. crudelis), Grausam- 
keit; ital. crudelitä , crudcltä; sard. crueldadi; 
frz. cruaute, vgl. Cohn, Suffixw. p. 61; span. 
crueldad; ptg. erueldadc. 

2629) crüdesco, -ere {crudus) , roh werden ; 
sard. incrueschere, farsi duro, aspro, vgl. Salvioni, 
Post. 8. 

|*crildius s. erödi.] 

2630) crüdösiis, a, um, grans.am; altfrz. crueus 
(belegt ist das Fem. crueuse, z. B. b. Philipp Mousket 
8478 u. das AAv. crueusement , s. Ducange unter 
crudellus), vgl. Förster, Z IH 565. 

2631) crüdtts, a, um, roh; ital. crudo; rura. 
crud; prov. frz. cru; span. crudo; ptg. crü. 

2632) crüento, -äre, blutig machen; runi. (in)- 
cruent ai at a; altspan. cruentar. 

2633) erüentus, a, um, blutig; ital. cruento; 
rum. erunt ; span. cruento. 

*criipta s. eryptä. 

2634) ahd. crusc, Kleie; rtr. crisca; ital. crusca; 
frz. gruis (wird von Mackel allerdings von crusc 
getrennt; Pogatscher, Z XII 555, macht aber ein 
ahd. crusc wahrscheinlich). Vgl. Dz 367 s. v.; 

' Mackel, p. 25 oben. 

! 2635) crfista u. *crüsta, -am f., Rinde; ital. 

prov. cat. ptg. crosta; frz. croüte; s p a n. cosira ; 

ptg. crusta. Vgl. Dz 442 costra; Gröber, ALL 

VI 384. 
2636) crux, crueem/'., Kreuz; ital. croce; rum. 

cruce; rtr. krutz, kruz, auch Fem. kruze; prov. 



•283 



2637) crjptä 



2657) oulcitä 



284 



crotz; altfrz. cruis; nfrz. mit gelehrt etymologi- 
sierender Schreibweise croix; cat. crotz; span. 
ptf,'. Cruz. 

2637) (erj'ptä), cruptä (gr. xpvnzrj), Grotte, 
Gruft; ital. crüta od. cripla (gel. W.) „cella sot- 
terranea nelle chiese ad uso di sepolereto", grotta, 
Grotte, Höhle, vgl. CanoUo, AG III 327; davon 
abgeleitet grottesco, gleichsam *cryptiscus, grotten- 
haft, romantiscli, wunderlich, bizarr; sard. grutta; 
(rum. criptä, Kryptc, ist gel. W.); prov. crota; 
altfrz. crotc, cr(o)ute : aus ernte -\-porque(=^porca) 
entstand nach Bugge's scharfsinniger Vermutung, 
R IV 353, nfrz. cloporte, Kellerassel (gewöhnlich 
unpassend au.s *closporque = clausus porcus erklärt); 
nfrz. grottc ist Lehnwort aus dem Ital., ebenso 
grotesque; cat. span. ptg. qruta. Vgl. Dz 174 
grotla; Gröber, ALL I 555, 11 442. 

2638) cfibicnlum n., Schlafgemach; abbruzz. 
cuvicchie , cuficchie, adoperati scherzosamente per 
^camera, letto', Salvioni, Post. 8. 

2639) ciibile n., Lagerstätte; ital. covile; dav. 
wohl abgel. coviglio, Bienenkorb, covigliata, Schar, 
covigliare, ricoverare, vgl. d'Ovidio, AG XIII 407. 

2640) cubitiim n. u. cubitus, -um m. (v. cubare, 
gr. xvßnov), Ellbogen, Elle; ital. cübito , Elle, 
gomito (altital. gonibito , vicll. an cumbere ange- 
lehnt, Meyer-L., Ital. Gr. S. 171, u. dagegen Förster, 
Z XXII 509) u. govito, Ellbogen, vgl. Canello, AG 
III 325; rum. cot, PI. coate u. coturi mit zahl- 
reichen Ableitungen, so namontl. die Verba coli, 
messen, aichen, Umwege machen u. dgl., und coteli, 
suchen, wühlen; prov. coirle-s, code-s; altfrz. cote, 
vgl. Förster zu Free S. 305 ganz unten; frz. coude; 
altspan. cobdo: neuspan. codo; ptg. cubito, 
cotovel{l)o, cooado. Vgl. Dz 114 cubito. 

2641) *cubiüm «. (v. cubare), Lager, = modc- 
nes. cubi, vgl. Flechia, AG II 338; rum. cuib. 

2642) cnbo, bttl, bituni, -äre, auf dem Lager 
liegen, ruhen (im Roman, ist die Bedeutung ein- 
geengt wordeu zu „auf den Eiern sitzen, brüten"); 
ital. covare (Vbsbst. covo u. cova, Wildlager, sich 
also noch an die ursprüngliche weitere Bedtg. dos 
Verbums ansehliefsend) ; rtr. koar; prov. coar; 
frz. couver, couvi in neu/' couvi ist nicht etwa 
heteroklitisches Particip für couve, sondern = alt- 
frz. couoe'iz (= *cubaticium] , couviz, aus dem 
Plur. couvis wurde der Sing, couvi gewonnen, u. das 
scheinbare Part, couvi gab dann wieder Anlafs zur 
Bildung des Inf.'s couvir, vgl. Cohn, Suffixw. p. 201 
Anm.; (span. estar sobre loshuevos; ptg. chocar 
[vielleicht aus collocare, *clocare entstanden?]). 
Vgl. Dz 112 covare. 

2643) *cübulus, -um m. (v. cubare), kleine Lager- 
stätte; ital. covolo, Wildlager (daneben covile = 
cubile); (span. cubil; ptg. covil). 

2644) *cncä, -am f. (Stammwort zu cuctdla) = 
ram. ciicä. Fürstenhaube. 

2645) cucuUä f. u. ciicüllus m., dafür auch 
*cücülla, *cueülltts, Hülle (besonders des Kopfes); 
ital. cucullo, cncuüa, cocolla, Mönchskutte; rum. 
cucuiti, der Kamm (gleichsam die Kapuze) eines 
Vogels, Geschwulst; prov. cogula; (frz. coule); 
cat. coguUa; span. cogulla; ptg. cogula. Vgl. 
Gröber, ALL I 555 u. VI 384. 

26461 cucflllätüs (f. cucüllatus), a, um (von 
cuciilla), mit einer Kapuze versehen; cat. cogullada, 
' Haubenlerche; span. cogujada. Vgl. Dz 441 cogu- 
jada; Gröber, ALL I 555. 

2647) cucüllio, -önem in. (v. cucullus), Kapuze; 



j span. cogujon, (haubenartige) P>ke eines Kissens. 

Vgl. Dz 441 cogujada; Gröber ALL I 555. 
I eücnilus H. cucüllä. 
I 2648) cflcülo, -äre, Kukuk rufen ; ital. CMcuHare; 

(rum. cucuesc ii it i); frz. coucouer, coucoiiler. 
I 2649) cücülus u. *cucttllüs, -um ni., Kukuk; 

ital. cucülo ; prov. cogul-s; altfrz. col, cou, 
: Hahnrei; neuf rz. cowco«, Kukuk; (span. cuquillo). 

Vgl. Dz 114 cucco; Gröber, ALL I 556. S. auch 

cucus. 

2650) cueumä (cttccüma) , -am f. , Kochtopf; 
ital. cocomo, cogoma, Topf; (rum. cumar, Nacht- 
topf; frz. coquemar, Flaschenkessol; span. comal). 
Vgl. Dz 365 cogoma. 

2651) cucumis, -merem m., Gurke; ital. co- 
comero , rum. cucumä; prov. cogombre-s; frz. con- 

I coiubre; span. cohombrn: ptg. cogombro. 
1 2652) cüeiirbita, -am /'., Kürbis; ital. Cucurbita, 
I daraus entstellt cucuzza (gleichsam cucucea in An- 
: lehnung an cucu-meris) und daraus wieder duridi 
; Umstellung ^Mcca; rum. Cucurbita; prov. znc-s, 
; suc-s, dazu Demin. zuquet-z; neu prov. cougourdo; 

altfrz. gougourde, coorde ; nfrz. courge, Kürbis, 
,=curbea, curvea, gourde, Kürbis u. Kürbisflasche; 
.(span. calabaza; ptg. cabaca). Vgl. Dz 115 cu- 

cuzza: Gröber, ALL I 556. 
j 2653) cuciis u. *cüccus, -um »«., Kukuk; ital. 

cucco; rum. ciic; [altfrz. coun (oas. obl. aber 
1 coup!), Hahnroi (Ristelhuber will dies Wort von 
'-CUSSUS , Part. v. \con\cutere, herleiten unter Be- 
! rufung aufJuvenal's aliemmi lectum concutere, vgl. 
I Scheler im Anhang zu Dz 722||; ptg. cuco. Vgl. 
iDz 114 cucco; Gröber, ALL 1556; Th. 56. S. oben 

No 2649. 

2654) cncutia, -am /., Name einer Frucht; oder: 

cucutium, eine Kopfbedeckung; davon nach Hor- 

ning, Z XIX 104, neu prov. cougousso , Kopf; 

G. Paris, R'XXIV 311, bezweifelt diese Ableitung. 
j 2655) *cucütus, a, um (v. cucus), durch Kukuks- 

ruf verspottet; prov. cugut-z, Hahnrei; frz. cocu 
' (indessen dürfte cocu wohl durch cog beeinflufst 
i worden sein, vgl. Brinkmann, Metaphern 521 ff., u. 
: Scheler im Anbang zu Dz 722, sowie im Dict. .s. v.) ; 
\ cat. cucut. Vgl. Dz 114 cucco; Gröber, ALL I 556. 
*cüdisum s. cytisum. 
2656) *eügito, -äre s. cögito (Förster, Z II 169, 

hat cügito aus altfrz. quiet erschlossen). 
I 2657) culcitä, culeiträ (ist belegt), *ciilctS, 

-am /'., Kissen; ital. cöltrice (durch Umstellung aus 
I dem Plur. cülcitrae; Behrens, Metath. p. 45, ver- 
! mutet Anlehnung an cervice, calice n. dgl.) „ma- 
j terazzo" u. coltre „coperta da letto", vgl. Canello, 
! AG III 397 ; rum. cultuc, PI. cidtuce (das Wort 
j scheint entstellte Dominutivbildung zu sein); prov. 
'. cosser (eota): altfrz. colstre, coltre, colte, coutre, 
j coute, davon nfrz. Demin. couette, coite, Federbett; 
j das altfrz. Kompos. coute-pointe (gleichsam culcitra 
\puncta), Steppdecke, ist durch volksetymologische 
j Umbildung zu cottrte-pointe und contre-poinle go- 
: worden, vgl. Fafs, RF III 500; (von coutre leitet 
I Ulrich, Z III 266, wohl mit Recht frz. accoutrcr, 
!"prov. acotrar, bedecken, bekleiden, ab, Dz 115 cticire 
! brachte das Wort in Zusammenhang mit coudre, 
I meinte aber, dafs sich auch an cultura erinnern 

liefso; G. Paris, R XIX 287, setzt accoutrer = *ad- 

costiirare v. *costura, = *consütüra „Naht" an, 

s. auch unten culter); altspan. colcedra, colcha, 
' acölcetra, cozedra; ptg. colcha. Vgl. Dz 104 co^ 
\trice; Gröber, ALL 1 556; Taliban, R VIII 611 
I (bespriclit altspan. Formen). S. auch cülcitinüm. 



285 



265a) *cülcltinOm 



2680) *cüngo 



286 



2658) *cülcitlnuin n. (v. culcita), Kisson; ital. 
cuacino (vermutlich Lelinwort aus dem Französ.); 
frz. coussin, vgl. Jenkins, Mod. Lang. Notes VIII 5; 
spau. cojin (vermutlich Lehnwort aus dem Französ.). 
Vgl. Dz 104 coltrice; Gröber, ALL I 556. 

2659) [*culeämen n. (v. culeus); davon nach 
Rönsch, Jahrb. XIV 179, das von Dz 479 unerklärt 
gelassene qiiilma, Mehlsack, wovon wieder esquilmar, 
ernten, esquUmo, Ernteertrag. Die Wortsippe mufs 
auch fernerhin als unerklärt gelten.] 

2660) Culex, -Iieem in., Mücke, Schnacke; ital. 
cülice (gel. W., das übliche Wort ist aber zenzdra, 
zanzära, wohl ein Onomatopoieton, dem rum. fen- 
zarin, altfrz cincelle, span. zenzalo entspricht 
u. welches samt diesen Worten an lat. zinzulare, 
zwitschern, summen, sich anlehnt, vgl. Dz 346 
zenzdra. In den pyrenäischen Sprachen ist mo.iquito, 
Demin. von musca, das übliche Wort für „Mücke", 
jedoch ptg. couce, Schabe). S. auch *culicinüs. 

2661) *«ulieliius, -um m. (Demin. von culex), 
Schnacke, = frz. cousin. Vgl. Dz 554 cousin; 
Gröber, ALL I 556 u. VI 384; Ascoli, AG IX 103. 

2662) cülmen n., Gipfel, Kuppe; ital. colmo, 
gleichsam *culmus, dazu das Vb. colmare, häufen; 
com. i'-olman, culmino, sommitä „e ne derivano, con 
comignolo, sard. colutninzii e il lomb. cülmena, 
coniignolo" Salvioni, Post. 8; rum. culme; span. 
cumbre = *cumle, vielleicht in Anlehnung an 
cum[u]lus; ptg. cume. Vgl. Dz 104 colmo; Gröber, 
ALL VI 384. 

2663) culmiis, -um vi., Halm; davon ptg. colmo, 
Stroh; abgeleitet von culmun sind wohl span. 
(astur.) cuelmo, colmena, Bienenkorb, ptg. cobneal, 
colmea. Vgl. Dz 441 cohnena; Mahn, Etym. 
Unters. 54 (erklärt die Worte aus dem Keltischen, 
was Th. p. 86 widerlegt). 

2664) culpa, -am/., Schuld; ital. culpa; rum. 
culpa; prov. colpa ; t'rz. (coulpe) coupe (veraltet); 
cat. span. ptg. culpa. Das Wort ist überall nur 
gelehrt u. kirchlich; volkstümlich wird der Begriff 
der sittlichen Schuld durch von fallere abgeleitete 
Sbsttve ausgedrückt. Vgl. Gröber, ALL VI 384. 

2665) *eriltellärius u. *cültellinärins, -um (von 
cuUellus), Messermacher; ital. coUelhnajo; (rum. 
cufitar): frz. coutelie.r; span. cuchillero; ptg. 
cutileiro. 

2666) cültellus, -um m. (Domin. v. culter), ein 
(kleines) Messer; ital. coltello, cortello, auch Fem. 
coltella; (rum. cupt ; rtr. liurtis , daneben aber 
auch cültellus); p r o v . coltelh-s ; frz. couteau; cat. 
cnltell; span. cuchillo, -a, guchillo, dazu das Vb. 
guchillar (F. Pabst) ; ptg. cutel(l)o, -a. 

2667) eolter, -trum »n., Messer; ital. coltro, 
eine Art Pflugeisen; prov. coltre-s; frz. coutre, 
Pflugmesser, dav. altfrz. accoutrer (accoustrer 
mit nur graphischem *•), den Pflug mit dem Messer 
versehen (dagegen neu frz. accoutrer ausputzen, 
ausstatten, ist besser = *ad-costurare v. *costura 
aus *consüiara „Naht" anzusetzen, vgl. G. Paris, 
R XIX 287), rfe»C0M(rcr zerschneiden (dagegen neufrz. 
dimaccoutrer , den Aufputz abnehmen, := dis-*ad- 
cogturare), vgl. Tobler, Sitzungsb. der Berl. Akad. 
d. Wiss., phil.-hist. Cl. Hd. LI (1889) p, 1092. In 
der Bedeutung ,, Messer" ist culter durch das De- j 
min. cültellus (s. d.) völlig verdrängt worden. i 

2668) cültüra, -am f. (v. colere), angebautes Land j 
(diese Bedtg. nur in der Spätlatinität, z. B. Hier. 
Ep. 52, 12; Salv. gub. dei 7, 2) = altfrz. eouture. I 
Vgl. Dz 115 cucire. [ 

2669) cfiltus, a, um (Part. P. P. v. colere), an- I 



gebaut, = ital. culto u. coUo, letzteres auch Sbst. 
mit der Bedtg. „campagna coltivata"' vgl. Caneüo, 
AG III 826; Gröber, ALL VI 384. 

2670) cfliüm + *butare (vgl. oben botan und 
bütr), den Hintern (nach oben) stofsen, = frz. cul- 
buter, Burzelbaum schiefsen, dazu das Vbsbsttv. 
culbute. Vgl. Dz 557 culbute. Vgl. Darmesteter, 
Mots comp. p. 104 f. 

2671) culiis, -um m., der Hintere; ital. span. 
culo ; rum. cur; prov. frz. cat. cul , davon frz. 
dasVb. reculer, nach hinten rücken, zurückweichen; 
viel), culus viridis (od. versus): altfrz. culverz, 
s. oben eollibertus; ptg. cü. 

2672) cum, Präp., mit; ital. con (u. co in vieco 
u. dgl.); rum. cu; prov. als Präp. ist com im Ab- 
sterben, gewöhnlich wird es vertreten durch ab, vgl. 
oben No 3; frz. com ist nur in Zusammensetzungen 
erhalten, als Präp. wird es vertreten durch avec = 
ab hoc, altfrz. auch durch od, ot = apud; cat. 
wie im Prov.; span. con (go in conmigo etc.); 
ptg. com. 

cfimbä s. *c5ncaTulo am Schlüsse. 

2673) cttmera, -am f., cttmerus, um m., ein 
aus Weidenruten geflochtener Korb, wurde von 
Cornu, R XXIV114, als Grundwort zu der oben unter 
combrns (s. d.) verzeichneten Wortsippe aufgestellt, 
vgl. dagegen G. Paris, R XXIV 117 Anm. (XXIII 
243), Meyer-L., Z XIX 275. 

2674) cfiminum n. [xvfxivov), Kümmel; ital. 
cotnino, altfrz. coumin. Vgl. Meyer-L., Z. f. ö. G. 
1891 p. 768. 

cnmma, cummi s. giimmä. 

2675) [*cttm-rubresco, -ere (rubrigo) wird von 
Parodi, R XVII 58, als Grundwort zu span. ca- 
lumbreeerse, rosten, angesetzt.] 

2676) cumSIo, -äre (v. cumulus), aufhäufen; 
ital. cumulare (gel. Wort, volkstümlich dafür am- 
massare, colmare); frz. combler, häufen, anfüllen, 
dazu das Verbaladj. comble, voll (comble : combler 
= delivre : delivrer). — Nicht zu cumulare, son- 
dern zu dem (keltischen?) Stamme combr- (s. oben 
conibrus) gehört die Wortsippe ital. mgombrare, 
sgombrare, frz. encombrer , decombrer, decombres 
etc. (auch altfrz. combrer „packen, greifen", eigentl. 
wohl „jem. festhalten, am Gehen hindern", dürfte 
hierher gehören, jedenfalls kann man darin nicht 
mit Scheler, Anhang zu Dz 715. eine „rhinistische" 
Nebenform zu coicer, coubrer=cuperäre erblicken). 
Vgl. Dz 104 colmo. 

2677) CÜmiilus, -um m., Haufe; ital. cümulo 
und mucchio (dies Wort entweder unmittelbar aus 
cumulus, *muculus entstanden oder aus ammucchiare 
= *ammuculare, accumulare abgeleitet, erstere An- 
.sicht vertritt Canello, AG HI 397, letztere Storni, 
AG IV 391; Dz 386 s. v. hielt Entstehung des 
Wortes aus monticulus oder auch aus mutulus für 
möglich, s. auch unten mutiliiä am Schlüsse und 
unter mfitülüs; Braune, Z XXI 217, setzt ahd. 
*muckel, *muhhd als Grundwort an); prov. cömol, 
Adj., voll; frz. comble, Sbst., Haufe, u. Adj., 
voll; ptg. combro, comoro, Erdhaufe. Vgl. Dz 104 
colmo; Meyer-L., Z XIX 276. 

2678) cüna, -am f., Wiege, = obwald. k'iuna; 
monf. chiuna; lomb. küna, vgl. Salvioni, Post. 8; 
span. cuna. 

2679) eüiieätiis, a, um (v. cuneus), keilförmig 
zugespitzt; davon frz. cognie, Axt. Vgl. Dz 551 
coin. 

2680) 1. *cfineo, -öuem m., keilförmiges Stück; 
frz. quignon, ein Runken Brot; span. quiilon (das 



287 



2681) cüngo 



2699) cfircöllo 



288 



zugeteilte Stück), Anteil; ptg. quinhäo. Vgl. Dz 
551 coin. i 

2681) 2. citiieo, -äre (v. cuneus) , vorkeilen (die 1 
roman. Bedtgen haben sich entsprechend denen des 
Sbsttv.'s gestaltet): ital. coninre, verkeilen, stem- 
peln, prägen; sard. cunzare, chiudere, vgl. AG 
XIII 118; rum. {injcuiu ai at a, verstopfen, ver- 
schliefsen; span. acunar, prägen; ptg. cunhar, 
prägen. 

2682) ciiiieüs, -um m., Keil (im Roman, anch i 
„Stempel"); ital. conio; sicil. lecc. cugnu, vgl.! 
Salvioni, Post. 8, wo auch andere Dialektformen an- 
geführt werden; rum. cuiu; prov. cunh-s; alt- 
frz. coing ; nfrz. coin (bedeutet auch „Ecke"); 
span. ciuio, cuna; ptg. cunho, cunha. — Über 
ostfrz. Brotbenennungen von cimeus vgl. Horning, 
Z XVIII 216. 

2683) euiiicülüs, -um m., Kaninchen; ital. 
cunieulo, Kaninchen, unterirdischer Gang, coniglio, 
Kaninchen, vgl. Canello, AG III 352; barg, camö, 
stradasotteranea, vgl.AGXIIl429u.433 Anm. ; prov. 
eonnil-s; Skltirz. connil, connin, dazu dasVb. con- 
nillier fliehen; nfrz. fehlt das Wort, es wird er- 
setzt durch lapin, welches vermutlich von german. 
lappa (s. d.) herzuleiten ist (gleichsam *lappinus, 
kleines Tier mit lappigen Oliren ; Dz 624 führte 
lapin auf *clapin v. clapir, sich verstecken, zurück); 
span. conejo ; ptg. coelho. Vgl. Dz 107 coniglio; 
Griiber, ALL I 384; d'Ovidio, AG XIH 429 ff.; 
Hehn , Kulturpflanzen u. Haustiere (Berlin 1883) 
p. 371 u. 479. 

2684) ctinnus, -um m., weibliche Scham; ital. 
conno; frz. con; span. cono. 

2685) cünOIa, -am f. (nur der PI. ist belegt, 
Demin. v. cuna), kleine Wiege, = ital. citlla, Wiege; 
abruzz. cunele; romagn. conla (prov. cat. frz. 
bers, nfrz. berceau; altspan. hrizo: ptg. hergo; 
vgl. oben ll)rae[h]io, neu span. ist cuna üblich) 

cüpä s. *euppä. 

2686) cttpedJa, -am f. [eupere], Naschhaftigkeit; 
altgenues. covea, vgl. Flechia, AG VIII 342, 
Meyer-L., Z. f. ö. G. 1891 p. 768. Salvioni, Post. 8, 
setzt als Grundform *cupida (vgl. cupedo, -dinis) 
an, worauf auch altoberital. covea u. andere 
Dialektformen zurückgehen sollen, vgl. auch AG I 
266, VIII 342, IX 258, XII 397. 

2687) cüpella, -am/l (Ci7/)a), kloine Kufe, Tonne; 
neapol. cupielle, mastello, vgl. d'Ovidio, AG IV 
408. 

2688) euplditäs, -taXem f., Begierde, = altfrz. 
couvoitii, vgl. Tobler, Götting. gel. Anz. 1877, 
S. 1618; Scheler im Anhang zu Dz 722 cüpido. 

2689) *cfipiditiä, -am f. (v. cupidus), Begierde; 
ital. cupidigia, cupidezza (cupidigia „desiderio che 
si rivela negli atti e riguarda specialmente gli onori 
e piü gli averi", cupidezza „cupiditä interna e 
generale", vgl. Canello, AG III 342; wenn C. ein 
*cupiditilia ansetzen will , so erscheint das über- 
flüssig); prov. cobittcia, cohezeza; altfrz. cou-,con- 
voitise (nfrz. wird der Begriff durch appetit, envie, 
desir ausgedrückt); span. (cobdicia), codicia; ptg. 
cubiga (daneben desejo, concupiscencia, paixäo). 
Vgl. Dz 116 cuindo. 

2690) *eiipi[diJto, -äre (v. cupidus), begehren; 
ital. cupitare, covidare; prov. cobeitar;: frz. 
co{n)voiter, vgl. Fafs, RF III 509; Breal, Mem. de 
la soe. de ling. de Paris VII 191 , setzt ebenfalls 
*cupitare als Grundwort an ; G. Paris dagegen, 
R XXIII 285, stellt die Gleichung auf *cupedietare : 



coveitier = *cripieditia : covoitise, es soll cupid- 
durch cup{pMdium, cop(2))edia beinflufst worden 
sein. Vgl. Dz 116 cüpido; Meyer, Z Vin 234. 

2691) cfipTdus, a, um, begierig,= (ital. cüpido), 
covidoso, vgl. AG VIII 342; prov. cobe. Vgl. Dz 
116 cüpido. 

2692) cupTo, i¥l, itum, ere, begehren; sard. 
Tcubere, kubire; rtr. cuvir; prov. cobir, zu Teil 
werden (die Bedeutung hat sich aus eupere alicui 
„für jem. Wünsche hegen" entwickelt), encobir, be- 
gehren; altfrz. encovir. Vgl. Dz 116 cüpido. 

2693) cuppä u. eüpä, -am /., Kufe; ital. cuppa, 
Becher, coppo, Krug, cüp-ola (kleine Schale), halb- 
kugelförmiges Dach; rum. cofä, Becher, wird von 
Diez angeführt, fehlt aber b. Gh., der nur cupä 
verzeichnet; rtr. coppa,cuppa; prov.co/;a, Schädel, 
euba, Wanne u. dgl., cubels, Kübel; frz. (cope), 
coupe, Becher, coupeau, Kuppe, gobelet, gleichsam 
*cuppillettum, Becher, coupole (Lehnwort) , cuve, 
Kufe; span. copa, Becher, cöpino kleiner Becher, 
cuha, Kufe, cubilete, Becher, alcubilla, Wassergefäfs, 
vgl. Dz 418 s. V. (dagegen gehört copete. Haarstutz, 
schwerlich hierher); ptg. copa, copa, Becher. Vgl. 
Dz 108 coppa; Gröber, ALL I 556. — Von cuppa 
zu scheiden ist die zu ahd *kupphja (s. d.) gehörige 
Wortsippe. 

2694) cttpressus, -um f. (über das Verhältnis 
des lat. Wortes zum griech. *xv7cs(>iaaog, xvnä- 
Qiaaoi vgl. d'Ovidio, AGXin450); ital. cipresso; 
frz. cypres etc , überall nur gel. W. 

ctipreüs s. *e()preus. 
cuprüm s. *cöprum. 

2695) cflpulä, -am /'. (Demin. v. cupa), kleine 
Tonne, kleines Grabgewölbe (in letzterer Bedeutung 
inschriftlich belegt, s. Georges); ital. cupola; frz. 
coupole (gel. W.). Vgl. Dz 108 coppa; Gröber, 
ALL II 556. 

2696) eürä, -am f., Sorge; ital. eura; prov. 
cura; frz. ist eure nur gelehrtes Wort (,,Kur"), 
für „Sorge" ist sonium (vgl. über dies Wort Bücheier, 
Rhein. Mus. XLII 586, u. Lagarde, Mitteilungen II 4) 
eingetreten = frz. soin, prov. sonhs; span. ptg. 
ciira, Sorge, Seelsorge, Pfarrer (als Mask. in der 
Bedeutung „Aufseher" wird cura schon in der Spät- 
latinität gebraucht, s. Georges s. v. am Schlüsse 
des Abschnittes I). Vgl. Dz 114 cura. 

2697) [*cürätärius, -um m. (v. cura), Besorger 
von Geschäften; davon nach Dz 116 cura: ital. 
curaUiere, Makler; frz. courtier. Dafs diese Ab- 
leitung irrig ist, hat Horning, Ztschr. f. nfrz. Spr. 
u. Lit. X2 242 u. Z XIII 325 gezeigt. Frz. courtier 
gehört zu currere; ital. curaUiere ist wohl dem 
Frz. entlehnt.] 

2698) cürätus, -um m. (Part. P. P. v. curare), 
der mit der Seelsorge Betraute, der Pfarrer; ital. 
curato; irz.cure; (span. ptg. C(/ra). Vgl. Dz 116 
cura. Im Rumän. ist curat als Adj. vorhanden 
in der Bedeutung von accuratus. 

cürätio, -önem s. cor. 

*cürbOs s. curTüs. 
- 2699) curcfllio u. gfirgfilio, -önem ni., Korn- 
wurm; ital. gorgöglio u. gorgoglione ; sard. is- 
gurzone; rum. curculez; nenprov. gourgoul: alt- 
frz. gourgueillon; (frz. heifst das Tierchen cha- 
rangon, welches Wort mit dem etymologisch dunkeln 
mittellat. caiawdrus zusammenhängen dürfte); cat. 
coroll, davon das Vb. escorcollar, durchforschen, 
vgl. Vogel, p. 53; span. gorgojo: ptg. gurgulho. 
Vgl, Dz 456 gorgojo; Gröber, ALL VI 391. 



289 



2700) cttrlösItSs 



2721) *cütlnä 



290 



2700) fcüriositäs, -tatem f. (v. curiosus), Neu- 
gierde; ital. curiositä u. dem entsprechend in allen 
übrigen Sprachen.] 

2701) [cüriösiis, a, nm (v. cura) , interessant, 
neugierig; ital. curioso; ruin. curios; prov. cu- 
rios, curos, besorgt; frz. curieux; span. ptg. 
curioso.] 

2702) cüro, -äre (v. cura), sorgen; ital. curare 
n. dem entsprechend in den übrigen Sprachen. Das 
Vb. hat neben seiner ursprünglichen Bedtg. diejenige 
von „(ärztlich besorgen, behandeln) heilen" ange- 
nommen; im Frz. wird es auch in der Bedeutung 
„reinigen" u.dgl. gebraucht (daher ec«rer, scheuern). 
Im Span, ist neben curar ein curiar „heilen" vor- 
handen; Morel-Fatio, R IV 35, u. Cornu, R X 77, 
halten — u. zwar gewifs mit Recht — beide Verben 
für etymologisch identisch, während Baist, Z IV 450, 
verschiedenen Ursprung annimmt, ohne doch sich 
näher darüber auszusprechen. 

2703) [gleichsam *cürrärias, -um m. {currere), 
Läufer, Schnellläufer; frz. courrier.] 

2704) curre (Impt. v. currere) + locum = prov. 
altfrz. curlieu, curlier, Läufer; nfrz. corlieu, ein 
langbeiniger Vogel, Brachvogel. Vgl. Dz 553 corlieu 
(das Wort wird aus cwrre + levis erklärt); Suchier, 
Z I 430 (hier zuerst die richtige Deutung). 

2705) eürro, cueürrl, cilrsüm, currere, laufen ; 
ital. corro corsi corso correre; rum. curg (aus 
*currio) cursei curs curg; rtr. kor kors küerer, 
vgl. Gärtner § 148 u. 172; prov. cm- cors u. correc 
corregut corre u. correr, -ir; altfrz. euer co{uyu{s) 
couru corre (colre) u. courir; nfrz. cours courus 
couru courir, davon (?) abgeleitet courtier, Makler 
(ital. curattiere), vgl. Horning, Z XIII 325; cat. 
span. ptg. correr (schw. Vb.); vom span. correr 
ist wohl abgeleitet das Sbst. corro (zusammen- 
gelaufener) Kreis von Personen, u. corral, Laufplatz, 
Hof, vgl. Dz 442 s. v.; Gröber, ALL VI 384. 

2706) *cfirsärTus, -um m. (v. currere), Läufer, 
Renner, Umherschweifer; ital. corsiere, -o „nobile 
cavallo da corsa", corsaro (arch. corsare, corsale) 
„chi, autorizzato dal suo sovrano, pirateggia i nemici 
della stato", vgl. Canello, AG III 307; prov. 
cnrsari-s, Seeräuber; frz. coursier, Renner, corsaire, 
Seeräuber; span. ptg. corsario, Seeräuber; ptg. 
Adj. corseiro, unstet. — In anderer Entwickelung 
wurde das Wort zu mittelgriech. xovQaäpiog, xo- 
aä(jio?, daraus serb. gusar, liusar u. endlich durch 
Vermittelung des Magyarischen dtsch. Husar, frz. 
hussard. Vgl. 'Leger, Bull, de la soc. de ling. de 
Paris No 23/26 (1883/85) p. XCVIIL 

2707) *cur8iTUS, a, um (v. cursus), laufend; 
ital. corstKO, laufend, geläufig; cor.iia, laufend (nur 
Fem. als Attribut zu acqua), Sbst. Strom eines 
Flusses, ein schmaler Gang auf dem Schiffe, vgl. 
Canello, AG III 362. 

2708) cürsorins, a, um {cursus), zum Laufen 
gehörig; log. kussoria distretto, vgl. AG XIV 135; 
Salvioni, Post. 8. 

2709) cürsüs, -um m., Lauf; ital. corso, Lauf, 
Laufbahn, corsa, das Rennen; dem entsprechend 
auch in den anderen Sprachen, z. B. frz. cours, 
u. course. 

2710) [cürt- (curtus), + (I)ättütu8, Part. Prät. v. 
battuere), vermutlich = frz. courbatu, zerschlagen, 
steif. S. oben cor.] 

2711) cürto, -äre (v. curtus), kürzen; ital. 
s-cortare; rum. s-curtez ai at a (daneben cru^ ai 
at a = *curtiare),- prov. es-cortar; frz. e-courter; 
span. ptg. cortar. 

Körting, lat.-rom. Wörterbuch. 



2712) curtus, a, um, verkürzt; ital. corto, scorto; 
mm. scurt („le s dans le mot romain et ital. n'est 
que prepositif", Ch. s. v.)\ prov. cort; frz. court; 
cat. cort; span. corto; ptg. curto, dav. abgel. eine 
zahlreiche Wortfamilie {cortar etc.), welcher auch 
cortamäo, Winkelmafs, zuzurechnen sein wird, ob- 
wohl C. Michaelis , Frg. Et. 12, eine andere Ab- 
leitung (v. lat. *quartaho [?], fehlt bei Georges) in 
Vorschlag bringt. ALL VI 384. 

2713) cürvo u. ciirbo, -are (v. curims), krümmen; 
ital. curvare; com. corhd; prov. corbar ; frz. 
courber ; span. (en)corvar ; ptg. {eti)curvar. 

2714) (currüs u.) *curbüs, a, um, krumm; ital. 
curvo, {Corvo scheint nicht mehr vorhanden zu sein, 
doch findet sich die Ableitung corvetta, mittlerer 
Sprung des Pferdes); prov. corp; altfrz. corp; 
nfiz. courbe, davon courbette ; span. corvo, davon 
cprveta; ptg. curvo. Vgl. Parodi, R XXVII 237. 
Über corvetta vgl. Dz 109 s. v. Die Schiffs- 
benennung corvetta gehört nicht hierher, vgl. oben 
cörbUä. 

2715) cuscölmm «., Scharlachbeere an der Stech- 
eiche (Plin. N. H. 16, 32); cat. coscoll (der Baum 
heifst coscolla); span. coscojo (der Baum coscoja). 
Vgl. Dz 442 coscojo; Gröber, ALL VI 385. 

2716) [*cüspellüm (vielleicht zusammenhängend 
mit cuspis, Spitze, Stachel) ist das vorauszusetzende 
Grundwort zu altvenez. cösp-elo, vgl. Mussafia, 
Beitr. 47; altfrz.' cos/^ei, nfrz. copeau, Spahn. 
Vgl. Dz 552 copeau.] 

2717) [*cuspicülo, -äre (v. cuspis), sticheln; 
davon vielleicht frz. houspiller (norm, gouspiller), 
zausen, mifshandeln. Diez 617 vermutete das Grund- 
wort in ags. hyspan, verspotten. Littte s. v. er- 
klärt das Verbum für entstanden aus liouce (Rock) 
+ pigner (auskämmen), woraus housse piller , jem. 
am Rock packen, ihn mifshandeln. Die von Scheler 
im Dict. s. v. vorgeschlagene Ableitung von *cuspi- 
culare verdient aber den Vorzug.] 

2718) custodia, -am f. {v. eustos), Wache; ital. 
custodia; rum. custodie; dem entsprechend in ge- 
lehrter Form in den übrigen Sprachen, volkstümlich 
wird der Begriff „Wache, wachen = Hut, behüten" 
durch gerni. *warda ausgedrückt. 

2719) eüstödio, -Ire, behüten; sard. custoire ; 
rum. cuslodiez ai at a; span. custodiar; ebenso 
ptg. S. custodia. 

2720) ciistös, -ödem m., Wächter; itst\. cusiode 
u. custodio; prov. custodi-s; frz. custode (gel. W.), 
cuistre (aus dem Nomin. *custor entstanden, vgl. 
G. Paris in seiner Ausg. der Vie de S. Alexis p. 184 
zu V. 36'>' ; Dz 557 cuire legte dem Worte die Bedtg. 
„Pfaffenkoch" bei u. leitete es von *coquaster oder 
*cocistro, wov. coistron, ab, womit Scheler im An- 
hang zu Dz 790 einverstanden zu sein scheint, 
indessen G. Paris' Ansicht verdient schon um des- 
willen den Vorzug, weil an der betr. Stolle des 
Alexius ein „Kirchendiener" weit besser am Platze 
ist, als ein „Pfaffenkoch"); cat. custodi; span. 
ptg. custodio. — S. den Nachtrag. 

2721) [*cütinä, -am f. (v. cutis), Haut, scheint 
als Grundwort angesetzt werden zu müssen für 
(span. cödena. Stärke, Festigkeit eines Gewebes) 
ptg. rödea, Rinde, Kruste; (auch itaL ist das Wort 
in Dialekten vorhanden: sicil. ctUina, neap. cötena, 
neap. piem. cuna], vgl. Flechia, AG IH 134 f. 
(namentl. die Anmerkung auf S. 135); Dz 111 co- 
tenna. Diez wollte sp. codena aus *eutanea, ptg. 
cödea aus *cutica ableiten, wogegen schon Caix, 
Giorn. dl fil. rom. ü 70, Bedenken erhob.] S. No 2722. 

19 



291 



2722) *cötlnlä 



2742) Damaghan 



292 



2722) [*etttinTS (Fem. eines Adj. *cutinius von 
cutis) scheint trotz mancher Bedenkon als Grund- 
wort angesetzt werden zu müssen für ital. cotenna, 
codenna, Dichtigkeit des Tuches; prov. codena; 
frz. couenne, Schwarte, vielleicht auch span. co- 
dena, vgl. Flechia, AG III 134 f. (namentl. die An- 
merkung auf S. 135); Dz 111 cotenna (Diez setzte 
*cutanea als Grundwort an, wogegen schon Caix, 
Giorn. di fil. rom. II 70, Bedenken erhob).] 

2723) *cutio, eüssl, cussüm, cutere {(üt quatere), 
erschüttern, stofsen; davon ital. cozzare, stofsen, 
accozzare, zusammenstofsen, -bringen, vereinigen, 
vielleicht auch span. cutir, schlagen, vgl. Storm, 
E V 176; Diez 444 s. v. führte das Wort auf com- 
petere, *conipetire zurück, was unannehmbar ist. 

2724) cutis, -em f., Haut; sard. cude, sicil. 
cuti, piem. cu, vgl. Flechia, AG III 135 Anm., 
,,dove anche si tocca del derivato cödega enc." 
Salvioni, Post. 8. 

cyäthüs 8. chazzi. 

2725) eycläs, -clädem f. (gr. xvxXäq, vgl. Eguilaz 
y Yanguas p. 391), Rundkleid; davon abgeleitet 
altfrz. siglaton, singlaton, unten rund zuge- 
schnittenes Kleidungsstück, ein KleidstofF; prov. 
sisclato-s; span. ciclaton. Vgl. Dz 98 ciclaton; 
Berger s. v. 

2726) cycnüs, -um m. (gr. xvxvo(;) , Schwan ; 
ital. eigno : nfrz. cygne. „Vgl. oben cicen. 

2727) cydönea (mala), Äpfel aus Cydonea (auf 
Kreta), Quitten, daraus *e5töneä u. *eotöiiens, 
Quitte; ital. cotogna; (rum. gutuiä); prov. co- 
doing; altfrz. coöing; n