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) 



IliIBIBlBIBID(BIIl 



der 









von 



J. J. BERZELIUS. 



Aus der schwedischen Handschrift des Verfassers übersetzt 



voa 



F. WIEHLER* 



Dritte umgearbeitete und vermehrte OriginaUAuflage. 
Mit königl« sächsischem Privilegiam. 



Zehnter Band. 
Mit 7 Kupfertafeln und 25 Holzschnitten. 



Dresden und Leipzigs 

in der Arnoldischen Buchhandlung. 



18 4 1 



iiiKiimi 






4 «k • 



* •* 4 



OPERAmü ^ GERATHSGHAFTl, 



nebst 



WirhMärung ehenUseher MLunBiwörter^ 

in alphabetischer Ordnung. 



Von 



jf. jr. mwinxwiMäMwis. 



Im Deut sehen herausgegeben 



von 



F. irShIer. 



* » ■ ' . - *^ 

« . - ^ I t - , , 
Hit 7 Kupfertafeltf und 25 Hobsschnitten. 



M9resden und Mjeipzig^ 

in der Arnoldischen Buchhandlung. 

184 1. 



,-» 



HARVARD MEDICAL LiBBARY 



FRANCIS A. GOUNTWAY 

UBRARY OF MEOtCirC 



liEHRBUCH DER CHEMIE, 



▼ o« 



J. Jacob Berzelius. 



Zehnter Band. 



X 



* « 



Chemische Operationen und Geräthschaften^ Er- 
klärung chemischer Konstwörter; in alphabeti- 
scher Ordnung. 



Das Studiom einer jeden praeiischen Wissenschaft bringt 
es mit sich^ dass dabei zuweilen Benennungen vorkommen^ 
welche der Studirende noch nicht versteht^ deren ausführ- 
liche Erklärung aber auch nicht^ ohne Verietzung des Zusam- 
menhangs^ bei Darstellung der Lehrsatze der Wissenschaft 
angebracht werden kann. In solchen Fällen muss dann vor- 
züglich die mündliche Belehrung aushelfen; aber es ist na- 
türlich^ dass das Studium um so mehr erleichtert wird^ je 
mehr man dahin gelangt ^ jene entbehren zu können. — In 
den chemischen Lehrbüchern pflegt man oft mit der Beschrei- 
bung von Instrumenten und solchen allgemeineren Operatio- 
nen^ wozu erstere gebraucht werden^ anzufangen^ um damit 
im Voraus und vor dem Studium der eigentlichen Wissen- 
schaft den Leser bekannt zu machen; aber diese Methode 
erfüllt nicht den beabsichtigten Zweck. Denn die Beschrei- 
bang von Operationen kann, ohne eine voiiiergehende Kennt- 
niss der Fälle^ wo sie vorkommen^ nicht verstanden werden^ 
und für den Leser hfdben auch die beschriebenen Instrumente 
noch nicht das Interesse^ wodurch sie sich ihm ins Gedächt- 
niss einprägen^ so dass ^^ wenn er im weiteren Verfolge seines 
Studiums zu den Fällen kommt ^ wo ihre Kenntniss erfordert 
wird^ er das Vergessene von Neuem nachsuchen muss; und 
dabei sind nun die langen Beschreibungen im Anfange für 
ihn unnütz und abschreckend gewesen. 

1* 



Aus solchen Gründen habe ich daher dieses Lehrbuch 
nicht mit Abhandlung der chemischen Operationen^ Instrumente 
und ihrer Anwendung anfangen wollen. Um aber dem Leser^ 
so viel wie möglich^ den mändlichen Unterricht entbehrlich 
zu machen^ da wo ihm unbekannte Dinge vorkommen^ habe 
ich die folgende Erklärung von Kunstwörtern^ chemischen 
Instrumenten und Operationen hinzugegeben^ worin er bei 
vorkommenden Fällen die Aufschlüsse zusammengestellt fin- 
det^ die er im Verlaufe seiner Studien nöthig haben kann. 
In diese alphabetische Aufstellung habe ich auch; um diese 
Abtheilung als ein Ganzes geben zu können und wegen 
Verwandtschaft des Gegenstandes, einen kurzen Abriss der 
chemischen Analyse unorganischer Körper aufgenommen^ wie* 
wohl dieser Abschnitt der Chemie streng genommen eigent- 
lich nicht hierher gehörte. 



Kf»«*-«! ■ I I 









• .. .'i , ■ f ■. , . IsJ.X .1..'.. 

Abdampfen. ^ fSd^nfliii f. Ttil>^>890^Abe i<Ai «e Theorie 
der Verdunstung gegeben. Hier werde ich sie nur in ftefeni 
berühren^ als isie eJAe'^sehr Widhtlg^ 4iad 4>ei dieinischen 
Arbeiten beständig vdrkommende O))eratioii aüsnMEdit« .Oeftei« 
g^rftudit man immAi lür Abdamplen^ das^ Wort WrtkwhM. 
Man wrdinistet aHer Auflds^ge», >aiia 4^en inan die ^atüi 
au%eldfiten Stoffe m feater Form MbiM mm^ mid ferner aebr 
verdünnte Aufidsmgeii^ mm4eaa^ SloflFb, siedärg4a«MigM 
werden sollen^ weil das Sammeln daa Mederaahlagl^'äit^^lBMlr 
grösseren Masse' v^tk IPlössigkeit s<AiV«tei^ fei/ «Is^'l^^^dn^ 
kleineren. ■'» " '■ '"^''- ^ ''--- o\*^:.A\-^ vS)" i.^ '.j 

Die VepAmymmg gesehieM^iteii» dftef'^^Dbbe Mll#klitin|r 
von Brhitsung. GesidiielM; sie^ttnt^ iNffiilfet 4^6* Wärme; 
80 bedient in«i sieh mehrerer \llefliodeii isa erhltas"^. iSs 
kann dies über IMem Fener^ uber'Kehleii^ od^ M^i- -der 
Flamme einer Laüipis g;i^sthebeh, wobei ^ Ve^cteOislniig' schnell 
vor iHCh geht^ i^r diese Art nitiss b^ chemischen Uäter*^ 
siMihnngen no 'ftcMi^n wie mögKeh 'tu Anwendung gebi^eiit 
Werden. Die gewöhiiMchsten AHM^- äitisis^re Wärme aniia- 
Mngen^ bestehen' darin ^ dass man das Abdampftingsgefäss 
in warmen Sand (S. Sandbad^ oder in kochendes Wasser 
(S. Wasserbad)NMe11t Det \en^^ret j^ ^en Ueb^tand^ 
dass die Hitze su stark werden' kann ^ beson^rs zulelist, wo 
dann die et^trocknende Mag^e -leicht spritzt und heraüsge^ 
wcNrfen wird^ oder^ wenn sie organischen Ursprungs ist^ 
anbrennt und zerstört wird. Aufmerksamkeit reicht nicht 
inuner fain^ diese Uebelstände zu vermeiden^ die das Wasser- 
bad nicht mit sich fährt^ und weldies deshalb stets vorzugs- 
weise anzuwenden ist. 

Abdampfungen in einer Wärme zwischen -|- 20^ und 
+ 90^ geschehen mit grosser Bequemlichkeit in dem Raum^ 






9 

welcher io den schwedischen Kachelöfen 2 bis 3 Foss über 
dem Feuerraum angebracht und mit einer besonderen Thäre 
versehen ist. Dieser Raum wird oben mittelst einer Ei- 
senplatte getheilt; die vor dem Einsetzen lackirt oder mit^ 
Blei überzogen werden muss^ damit sie durch die Dämpfe 
nicht roste. Wird der Ofen ein Mal im Tage geheitzt^ so 
erhält sich dieser Raufn beständig warm« Wenn der Ofen 
am wärmsten ist^ so ist die Temperatur im untern Räume 
4-86^ und in dem obem Räume 60®; sie sinkt allmälig^ so 
4ass sie jaaob 2A 8mni»u mten,ii9g^ihr -(^ 50® und oben 
+ 40® ist \ j , . . > 

.Bei Abdaiiipfiuigen hfit man.Versdiiedenes zu beobacb- 
4;ent i) Mvm m^ Luf tweehsd über dex . abdaiupfenden Ober- 
iUlChe .statt finden; nndidfe Dämpfe mässen abgeleit^ werden 
ji90i^en^ weshalb, die jMHlai«|ifaBgen :gew4balidi unter eipem 
Hanohfang vmg^tmvmfi tWeräm^' Aber dabei amss da» ver^ 
idm^itende^ Klu£»ii^mt^er iibbieiii^^ Sjtaub und ^^a» 

-^fm^hxt^^nimvJHm ihtfwiila mm dtdiarcb; dass man iSäß 
^h»akn4iiit,I4s^pa|iiito^b£id0ekt md (dies<^ über dan Ränr- 
dern der Schaale dicht umbiegt und umwickelt. Die Vei^ 
dpnstwgfgebtrfcduri^ dl^e;^ Plipier luigefaittdeft. hindurch; 
|ab6ff xna^ . bat : i^pmff m ■ achten > dass ; die .Masse in der 
Schalle nicht «ege^ ;4^,Fapi^r .«jifiti^l^, .theita um Vcirlwt 
vciTzub^ugeq^) u/ad tli^ils,> weil die biw^g^spritzte u«d ip 
das Papier ' gezoge90 ^Flüssigkeit von .d^r JjMqbte« A^hß 
M4ßt dem Buss, : die möglicherweise- auf d^ IPfipier gefaQcm 
m^iB können^ auflösen wünle. 2) SoU eine sel^ concentrirte 
Auflösung bei einer Temperatur aber 4^100® abgedampft 
wwden^ 60 muss, man die Masse inr^Uur^nd des Abdampfew 
beständig umrähre^^ weil sonst unn^er Tbeile davon mit 
kleinen Explosionen herausgeworfen werden und verlogen 
.gehen. Diese Explosionen entstdien dadurch^ dass eine Stelle 
des Bodens trocken und sehr heiss geworden ist^ und nach- 
her mit noch flussiger Masse in B^uhrung konnnt, wodurch 
Wasser plötzlich gasförmig wird^ und so die dabei liegende 
trockne Masse gewaltsam herauswirft. Glasgefisse springen 
dabei unvermeidlich. Dieser Umstand findet besonders bei 
Abdampfungen über der Lampe statt, wenn ein Theil voim 
Boden des Gefasses von der Lampe stärker erhitzt wird^ als 
ein anderer. 3) Hat man solche Auflösungen abzudampfen^ 



JMßmjffitu 7 

ans den^i die anfgdMCe Bnhrtmr. gMiie «OMwoirt^ m ge- 
sehieht es leieht^ dass och dfts Sala au. dea Seken der 
Schaale hinauf und bis übor ihmn Rand siebte und dann 
auf den äusseren Seiten der fidiaale zu eflBoreüciren fortfahrt» 
Besonders ereignet sich dies leieht^ wton die , Flüssigkeit 
Ammoniaksalze entbilt^ und quantitative Amdysen können 
auf die Weise gana Y«doiben werden. Man muss es dann 
so einrichten^ dass die Seitenwande der £khaale heisser ge*t 
halten werden ^ als die Flfissigkcal, weduvdi die sich hin?* 
aofxiehende Salzmasse vfiUig austrocknet^ und so der naiA* 
kommenden den Weg verfl^rrt 4) Ein anderer Umstand^ 
der zuweilen bei analytisdien Untersuebtagen vorkommen 
kann 9 ist^ dass man eine sohwierij^ verdan^fbaret Flüssigkeit 
abzudampfen hat^ auf deren . Boden ein «ehwetes Pulver 
liegt^ wo dann gewöhnlich die Hitze vom Boden ctes Ge* 
fisses sich nur so Imigsam nadi oben . mittbeät^ dass der 
Boden kochendheiss wird^ ehe neeh die oberen Sdiiehten 
warm geworden sind, llfam hat dann daradf zu achten^ dass 
das Gefass am Boden nicht die am istiriusten eihitzte ' Stelle 
werde^ wodurch ein Stossen enitsteh6n hanat ^Idi' nehme in 
eoleben Fällen zu felgendeih Aturweg^meine Zuflucht: TAfl I 
Fig* 6. ist ein Lampengestel mit .^em schief au%elegteii 
Plalintiegel ; der taiit dem queren Strich bezeichnete Raum 
bedeutet die Flössigkeit wd das unt^e Punctirte den Nieder«- 
sehlag. Sfie Flamme der liampe ^ wird dann <s^) geriehtfet^ 
dass sie oberhalb flo& Niederschlags auf den Tiegel wirkt, 
und so geht die Verdunstung ganz laicht von stiften ^ aber 
man muss nicht vergessen, dass, wenn die. Flüssigkeit «o 
tief gekommen ist, dass ihr Rand von der Hitze der Flamme 
getroffen wird, diese entweder darunter- oder viel darüber 
geriditet werden muss, weil sonst ein Theil der Salzmasse 
auf der heissesten Stelle der Tiegelwand eintrocknet und 
wegqiringt; wird aber die Flamme weit aber den Rand der 
Flüssigkeit hinweg gerichtet, so geschieht dies nicht, und 
auf diese Weise lassen sidi auch Flüssigkeiten abdampfen, 
aus denen sich leicht Efflorescenzen an den Wänden hinauf- 
ziehen, weil dann die Flüssigkeit durch die von den oberen 
Wänden des Gefasses ausgehende Hitze verdunstet. 

Ohne Mitwirkung von Erwärmung geschieht die Ver- 
dunstung, auf folgende Weise: 



8 JMempfäu 

t. In mffßmer Luft^ urts Ae fireiwilt^e V^rdtuMtung 
genannt wird. 'IHermi bedient man sieh^ wenn die Verdun-> 
«tnng Aohnett- veur sich gehen soii^ flacher nnd weiter Ge- 
Hs»e, weriwndie Flüssigkeit eine grosse Oberfi&che bekommt« 
Geschieht die^ Verdonstung aber in der Absicht^ grosse und 
regelmässige. Krystallfonnen , zu erhalten, w^'zu eine lang-> 
•ame Verdunstung erfordert wird, so w&hlt man hohe und 
sefamale Gipftsse# «^ Will man die freiwillige Verdunstong 
beschleunigen, se stellt man das Verdimstungsgef&ss an eiaan 
Ort, wo LttfUsug darfiber geht. Dies wird in der k&lteren 
Jahreszeit leicht dadurch erreicht, dass man das Verdttn«* 
stiingsgefltos'itt^ Fenster stellt, mit dem Rande an das CHas 
der untersten Fenstersdieibe. Sdion einige Zoll davon ent- 
fernt machen ^en bemerkbaren Unterschied. Das Fenster^ 
glas, weldies auf der Aussenseite die Temperatur der äus^ 
seren Luft amdmmt^ kohlt dadurch die wärmere Luft in dem 
Zimmer alv, welche ^an dem Glase herabsinkt und aber dem 
unteren Theüe des Fensters^ zurück in das Zimmer ffieast. 
Man kann diesen Luflstron» sichtbar machen, wenn man dva 
Flamme eines brennenden lidites an den Rand der Fenster«» 
bank hält, wo man sieht, wie die Flamme in da»Zinmi«r 
geblasep wird. Aus derselben Ursache gdit in ^Mi oberen 
¥heile des Fensters ein liUfb$tr(mi uach dem Glase; bringt 
man hier ein Repositorium an, v^sehen mit Lddiem^ um 
die Schaalen hineinzustellen, bo v^unstet die Flästigkeit 
darin viel schneller, als in dem unteren Theile des Fensterau 

9. hl abffesehlossener Z/uff, über Schwefelsäure, Chlor- 
calcium, gebranntem Kalk, Kalihydrat, je nach versdhiedenen 
Umständen. Man bringt eine von diesen Wasser einsaugen«*- 
den Substanzen in einer Scliaale auf eine eben gelKMiffbne 
Glasscheibe und stellt eine weite und niedrige, am Rande 
ebenfalls abgeschliffene, an die Scheibe dicht anschliessende 
Glasglocke darüber. Je grosser die Oberfläche üst^ welche 
die Wasser absorbirende Substanz bekommt > desto schneller 
geschieht die Verdunstung. Die Schaale wird mit einem 
Deckel von Messinggewebe bedeckt und auf diesen das 
Verdunstungsgeßiss gesetzt. Dieser Apparat wird Eoosiccafor 
oder Evaporaüonsglocke genannt. 

Anstatt der Glasglocke kann man sich auch eines weiten 
und niedrigen Cylinders von Eisenblech bedienen, der an 



jtbdampßn. % 

dem einem Ende 4ttit veinem Boden und nnt HandgiMTeii ver« 
flehen iit. Der: Cylinder und der Boden desselben mfiseen 
•nssen und innen ladtirt sein. Man i^btzt Um umgekehrt auf 
eine lackirte Hebbank^ die eine sirkelrunde Rinne hat, in 
weiche der Rand des Cyiinders einpasst. Diese Rinne mit 
inwendig ebenfalls laokirt. In dieselbe giesst man ein wenig 
Oel, damit ^ wenn der Cytinder au^elegt worden ist^ alle 
Gemeinschaft swischen der einges^lossenen Luflportien «nd 
der äesseren Luft verhindert wird. Ein seteher Bxsiecator 
kann mit weidg Kosten beliebig WMt gemacht werden und 
bat ausserdem den Vorsug, dass er das Licht aueschüess^ 
das bei der Verdunstung ron Silber «- und Crekhndfien eme 
Mkditheäige Wiikung ausöbt. Für diese Art von Verdun* 
eUmg kann man auch eine kleine^ sehr vertrefBidie^ von 
Mohr erfimdene Eänrichtüng anwmiden^ die bei dm Artäcel 
TraehnmufS'' Apparat beschrieben werden soll. 

Der EsQsieeater kann auch isu ganz entgegedgesetntMi 
Zwe<dEen beautzl werden. Man hat auweilen KrystaUe von 
^er dicMössigen, zihen^ rjrrupartigMi Flüssigkeit nu sebel^ 
den^ die zerfiiessKch vb^ und nicht abgewisehen weiden 
kann^ ^ne dass sieh die Krystalle auflosen, 'Dann legt man 
in die Sdiaale unter den Exsiccator 10 bis 12 zugee^dmittene 
mtra über einander und auf diese dte Massel Daneben legt 
man auf eine kleinere Schaale einen in Wass^ getaudiieA 
Schwamm und setzt nun die 6locke darüber. Die üaltef* 
lauge verdum^it sich nun auf Kosten des Wassers in der 
feuchten Luft unter der Glocke und sav^ sich in da&Papieni 
Ist dieses durchtränkt^ m wird es mit trocknen Filtem ver« 
taosiAt^ wobei man jedoch das oberste Fikrum^ worauf die 
Krystalle liegen^ immer beibehlUt. Das in das Papier ein«- 
gesogene kann ohne Verlust in einem 'Trichter wieder aus^ 
gelaugt werden« Dieser kleine Handgriff verdient aHe- Auf- 
merksamkeit. 

B. Im l^heren Raum. Diese Methode ist von Leslie 
«rfimden worden. Die zu verdunstend Flässigkeit wird 
unter die Glocke einer LujRipumpe neben oder fiber eine 
flache Schaale gestellt^ die^ je nach den Umständen^ eon- 
centrirte Schwefelsäure^ geschmolzenes und grob zerstossenee 
Chlorcalcium^ grobes Pulver von calcinirter Pottasche u. dgl. 
enthilt. Die Glodce macht man nicht soglei^ ganz luftleer^ 



10 JSbiMmfifia^ 

weil dabei öfters die ki der Fffiss^keit eiitlUdtMe liuft aiob 
mit 80 grosser Heftigkeit entwickelt^ ditös die Masse gleidi«- 
sam in's Kochen geräth und henmigespritet wkd. M«i 
hört daher^ wenn das Barometer der Lnftpompe 2 bis 2Vi 
Zoll Druck zeigt ^. mit dem Anspumpen auf; und lässt die 
FMuttigkeit etwa Vi. Stunde lang so i&teben. I>aiauf vermin- 
dert man den Druck noch uia diien Zoll, lasst ihn dann 
iRTieder so V« \v^ Vi Stwde; Und macdit endlich eifei so v^** 
koomitie«) Vaewm^ als sieh mit der Luftpumpe machen lässti 
«— Um die Luftpuntpe , moht durch eme einaoge Abdampfung 
in Beschlag %u nehmen^ w^ide ich ebengeschliffene Sebeibmi 
yei» diekMK £fpiegdgias an^ auf welche dt6 mit einem eben^ 
gesddiffenem Aande Und / oben mit einem H^hae verscALenen 
CUecken gestellt weirden. Duijch denHahnf^ der veAniltrisl 
^msmt bi(@4ttai€|i Röhre, mit ..der liuftpumpe in Yeisbindiilg 
gesetzt wird (si^e den. Artikel Bohren y biegsame)^ pnmpt 
Man -die^Luft aus» JEfierauf wird der Hahn zugeediraubt^ die 
Megaatne Adfare .abgeaomnlen und der Appajrat^ wehin mtn 
«HU^ 'gesteUt. Um das DkdbthaUea de^ Hahnes «n prufe% 
isteHt man mit der abzmdam^en^en Sulistaibi ein kleine^ 
Mnter.d€Un.Artfkelft£tofi9mß^r! befiidiiiebefi^ Baipmefier unter 
äie'Cfloeke. ^ ; •'■-'. •/. ^^^ r ^t . - 

1 ^ 4^ In andfiüßen 'Qmartm: iD^eae' V^jrduii£ftU]^metk<Hi0 
ward a<]^c^wendet> wenui eine Oicydatipn, d^(^ Aufgelosteji v^P^ 
miedM weirden tuu^. Man wendet dann; Kuble^am^as 
iider in den meisteta f'allen Wassersto%a^ an^ Cresehiebit 
die Verdunstung ebne Beihälfe von Wärme^ so bedient man 
sich einea>tubu}trten EJcsiccators^ dessen Tubulus mit einem 
Kork verschlossen ist^ durch welchen zwei BGbffen geben. 
Jdurdii die eine Wird das Gas hinein und durch die andere 
hinausgeleitet. Das erstere Rohr wird mit einem Gasent^ 
wickelungs-Ai^Huat verbunden^ <bus andere wird in ein Gtas 
mit Oel oder Wasser geführt Wenn die Luft In d^in £x- 
siccator durch das neue Gas ausgetrieben ist ^ Uisst man die 
Gasentwickelung aHmalig von selbst aufhören^ weil dann em 
weiterer Wechsel des Gases nicht erfordertich ist Gebraucht 
mau Wassefstoffgas^ so. wird dasselbe vorher durch ein Rohr 
geleitet^ in welches man einige aus Thon und Plantinschwamm 
gemachte Kugdn (s. Budiemetrie) gelegt hat^ und darauf 
zur Entwässerung durch ein Chlorcalciumrohr. In den Ex- 



Abdampfkn. 11 

Mcalor stellt man eine kleine Sckaale ndl UtuHohen ÜMgplsk. 
Dies gewährt den Vortheil, d«sH dadurcb der Sauerstoff^ 
weldier in der Glodce dem Wii9ser8to%ase beigenusoht 
geblieben sein kann^ in Wasser verwandelt, und dass die 
Atmosphäre in der Oloeke absolut sauerstofifirei wird, ohne 
dass man grosse Portionen Wasserst(^gas für diesen Zweok 
dnrdi dieselbe zu leiten braucht. 

GeschMit whet die Verdunstung in der Wifme, so giesst 
man die Flüssigkeit in eine tubulirte Retorte, die mit einer 
ddenfaUs tnbulirten und Wohl ansdiliessenden Vorlage vei^ 
sehen ist Das Wasserstoffgas wird dureh den Tubulus der 
Eetoite ekigdeket «od durcdi den der- Vortage ausg^ubrt. 
Auch hier witd das Gas xnerst über Platiiüaigeln und daranf 
über CUorcaleittm geleitet. Bie Retorte evhitftt. man am 
besten im Wasseibade und lisst die Wasseistoffgas-Bnt^ 
Wickelung während d^ -ganxen VerdiQi9tiing langsam fofl*- 
geben, weil der Luftstiom die Wasserdampfe .wegführt itfd 
die Verduastoag bescUeniiigt* Das Rohr., duteh welches 
das Wassersto%as in die Retorte geleitet wird,, «mss bis 
na die Oberfläche der Flüssigkeit reichen. . 

Nachdem ich nun; die. VefduHsM»^* Vorrichtungen an- 
gefahrt habe, will ich einige WQfte.ilbei: die'Geftese sagen, 
iwelche für die zu yerdmißti^en Flü|ü%keiten bestimmt sind« 
Diese Gef&sse können > nacht verscUedenen Uknstinden entr 
weder ven Metall <Platiii, Silber, Kupfer^ !8ünn, Blei-^nd 
Steen) oder von Pofcejlii»! und Glas sein« Fayence kann 
iMtten mit Nutaeii angewandt werden. Sie werden von vei^ 
isehiedeaer Form gemaeht. Die befitfe i$t ein Segment von 
einer Kugel oder der abgeplattete Theil eines Spharmds. 
Zuweilen bedient man stdi cylindrischer Gef&sse mit abge- 
rundetem Bodenrand. Scharfe Bodenecfcen müssen sorgfältig 
vMmieden werden, weil sie im Innern schwierig 2u reinigen 
sind und leicht Löcher bekommen. 

Schaalen von Platin sind die besten, aber auch die 
theuersten. Man kann sie zwar entbehren, aber wenn man 
sieh einmal an die Vortheile, die eine Platinsdiaaie mit sidi 
führt, gewöhnt hat, so hält es schwer, si^ auf andere 
Weise zu behelfen. Besonders sind sie nothwendig bei Ab« 
dampfong von Auflösungen mit freier Saure, wobei man sich 
aber erinnern muss, dass diese nicht Königswasser und dass 



18 j&äampfen. 

fiberhaopt nicht die MögKddceit zu einer Ekttwiokelimg inmi 
Chlor oder Brom vorhanden sein darf ^ denn dadurch wärde 
die Schaale unter dem Abdampfen angegriffen und der Rück- 
stand also durch ein Platinsalz verunreinigt werden. Bei 
MineralanalyTsen ist es fast unumgänglich nothwendig^ die 
erste Abdampfung od^ sogenannte CSelatinirung in emer Plät- 
tinschaale vorzunehmen; es kann dies nicht in einer Schaale 
Ton Glas geschehen^ tbeils weil das Glas von der über- 
flchussigen Säure gewöhnlich leicht angegriffen und doroli 
Mine Bestandtheile das Resultat der Analyse verwirrt wir^ 
tmd theils weil eine Glasschaale während des EintrockneiM 
der Masse ^ wenn es nicht sehr langsun geschielt ^ ü»i \mh 
Bier springt. Man kann sich zwar hierzu einer Porcellan«- 
fidiaale bedienen; aber diese führt den üblen Umstand not 
sich; dass beim Herausnehmen der nach Auflösung der Sahs«- 
masse zurückbleibenden Kieselsäure Theile von dieser a»f der 
Oberfläche der Schaale zurückbleiben können ^ ohne dass ste 
1EQ sehen sind. Aiif Platin dagegen sind sie leicht zu sdiea^ 
wenn msm die Schaale trocken werden lässt^ wo dann dto 
zurückbleibende Kieselsäure weiss wird; und so leicht te« 
entdecken ist. ^- Das Reinigen tor Platinschaalen tnrd bei 
den Platintiegeln attgeföhrt; ^ ; 

Schiialen mn S^ber Mnd mit dem grössten Vortheil b«l 
allen Abdampfungen imwendbar; wo die Flüssigkeä; keinb 
fi^eie Satire enthält. Besonders gdkaucbt man sie zum liln^ 
'kochen alkalischer/ zumal kaustischer Auflösungen^ von denien 
-Glas und Porcellan leicht angegriffen wei-den können. Man 
zieht in diesem Falle Silfoerschaalen den Platinschaalen theils 
deshalb vor^ weil "^nan sie^ weit wohlfeiler von hinlängM^ier 
Grösse haben kann^ und theils 9 weil eine Ptatinschaale von 
kautischem Kali ganz stark angegriffen wird^ wenn man die 
Hitze nach dem Eintrocknen der Masse bis zum Schmelzen 
derselben verstärken will^ was zwar iii einer Schaale gelten 
vorgenommen wird. — Das Silber zu diesen Schaalen muss 
db^nisch rein sein. 

J. G. Gähn hat 4eH Gebrauch einer eignen Art von 
kleinen Silber- oder Platin -Schaalen zum Kochen über der 
Lampe eingeführt^ die sehr bequem sind. Taf. I. Fig. 1. j{. 
ist eine solche Schaale im Profil^ und B, eine solche von 
eben gesehen. C. ist ein kleiner Griff von demselben Metall. 



Abdampfen. 13 

Wenn eine solche kleine Schaale^ deren Grösse nbrigens ver- 
sehieden sein kann^ und die man^ wenn sie von Silber ist^ am 
besten inwendig vergolden lässt^ über der Lampe steht und 
darin gekecht wird^ so kann man sie nicht mit blossen Händen 
wegnehmen; daher, hat Gähn lyerzu eine sehr bequeme 
Handhabe von Holz erfunden^ mit der man den kleinen Griff 
C fasst. Diese Handhabe ist in Fig. 2. A. und JS. abgebildet. 
Sie besteht aus drei, in (7.^ 2>. und E. einzeln abgebildeten 
Theilen. 2>. ist der gross te und hat einen ^ mit punctirten 
Linien in der Figur bezeichneten^ ausgeschnittenen Kanal^ 
der im Boden etwas weiter als oben ist^ und dessen obere 
Breite^ relativ zu der des Griffs^ man bei F. in der von 
oben g^seheben Figur sieht. E. ist ein in diesen Kanal pas- 
sender Keil^ welcher letztere nach unten zu ebenfalls etwas 
breiter isi^ so dass der Keil nicht herausfallen^ aber in dem 
Kanal vor- und rückwärts geschoben werden kann. Von 
dem Stück C. ist vorne an der unteren Seite so viel abge- 
schnitten^ dass wenn es gerade auf das entsprechende Stück 
von D. zu liegen kommt ^ ein kleiner Ausschnitt zum Fassen 
des Bleehgriffs am Kessel bleibt. Es ist bei IL mit emem 
durch beide gehenden Stift befestigt^ der an seinem unteren' 
Ende ^e Schraube mit Mutter hat^ womit man beide Theile 
nach Belieben dicht zusammenziehen kann. Indem man zwi- 
schen dem vorderen Ausschnitt der Handhabe den Griff des 
Kessels fasst ^ schiebt man zugleich mit dem Daumen den 
Keil vorwärts^ und das Stück (7.^ welches man dadurch von 
hinten hebt^ klemmt den Biechgriff des Kessels ein^ so dass 
er nun vollkommen festsitzt. Will man dagegen den Kessel 
wegsetzen^ so zieht man mit dem Daumen den Keil zurück^ 
wodurch sich der Stift^ der vorher gebogen war^ wieder 
gerade richtet^ während der Kessel wieder ganz losgelassen 
ist und von der Handhabe iosgeht« Ich habe dieses kleine 
Instrument sowohl wegen seiner ingeniösen Construction^ als 
vorzäglidi auch wegen der grossen Bequemlichkeit bdi die- 
mischen Arbeiten beschrieben^ indem man vermittelst eines 
solchen kleinen Kessels und einer Spifituslampe in wenigen 
Minuten z« B« kochendes Wasser haben kann, von dem man 
bei Versnchen im Kleinen selten mehr braudhit, als auf ein- 
mal in einen solchen kleinen Kessel geht.. 

SchaäUn tMm Zinn werden seltener zu reio dbemisdhem 



14 jß^dampfen. 

Bdiuf^ isondem meisit in der Phaniiaeie Titas Abdampfong 
vegetabilischer Extracte angewendet^ nnd hierzsn passen am 
besten tiefere Geflsse. 

Scha4iden von Blei haben eine sehr ausgedehnte Anwen« 
düng. Sie werden nor von w^gen Säuren^ fast nnr von 
Salpetersäure und etwas weniges von Essig angegriffen^ und 
dies ist nur in geringQin Grade der Fall^ wenn sie mit 
Schwefelsäure oder ihren Salzen vermischt sind. Es können 
daher die meisten Auflosungen in ihnen abgedampft werden, 
kaustische Alkalien und solche Metallsalze ausgenommen^ 
die vom Blei gefallt werden^ wie z* B. Silber uujd Queck- 
silber. Gleichwohl werden sie meistens nur im Grossen 
angewendet« In der Pharmacie dürfen sie nicht gebraucht 
werden^ wegen eines möglichen Bleigehaltes ^ den daäurch 
innere Arzneimittel bekommen können. In grösseren Labo- 
ratorien sind^ besonders bei den Uebungen^ Abdampfischaalen 
von Blei eine fast unentbehrliche Geräthschaft^ da in unge- 
übten Händen Glas und Porcellan^ durch die unvorsichtige 
Handhabung^ durdi unvorsichtiges Erhitzen und Abkühlen^ 
so leicht zerbricht. In Bleischaalen darf indessen nidits zur 
Trodc^ieit abgedampft werden^ weil dann die Hitze leicht 
so stark wird^ dass das Blei schmilzt. Bleischaalen ver- 
schafft man sich am leichtesten auf die Weise 5 dass man 
ausgewalzte Bleiplatten von einem Kupferschmied zu Schaa- 
len austreiben lässt. 

Pfannen und Kessel von Kupfer und JEisen werden nur 
im Grossen angewendet. Beide Arten von GeÜssen können 
jedoch auch für das Laboratorium des eigentliebsn Chemikers 
anwendbar gemacht werden^ wenn man sie nut Blei uber- 
säeht^ was auf dieselbe Weise geschidit> wie mit Zinn^ 
indem man statt des Sidmiaks oder der Schwefelsänre Chl^r- 
zink-Annnoniuni als Beizmittel anwendet. Das Chlorzinfe* 
Ammonium wird.ertialteci; wenn man gleiche Atomgewichte 
CMorzt^ und Salmiak vermischt niid die Lösung zur Kry- 
atallisation verdunstet Macht man dann den .BleiubenHig 
einigennaassen dick darauf^ so können diese Geflsse zu 
denselben Zwecken benutzt werden^ wie Gefässe von Biet 

Sohaalen von Glas Verschafft man sich leicht durch Aus- 
sprengung aus dem runden Theile von z^brochenen Kolbmi 
und Retmrten (siehe Glassprengen)^ von verschiedener Grösse^ 



Abdaßßoffefu 16 

je nadideni es die Grösse des nicht aen^pmog^Mii StSdcee 
zalassU Auch numnt man zu sotehen Schaalen kleinere vttd 
grossere Uhrglaser. Glaschaaleii übertreffen zum chemischeQ 
Gebrauch alle anderen Schaalen und missen daher in einem 
ehemischen Laboratorium in verschiedenen Gtrössen vorfaan» 
den sein. Man sieht dann vortrefflich die Verindemngen^ 
welche in den Flässigketten vorgeben, wie Trübungen^ Kry* 
ataUisationen u. s. w.^ was ein grosser Vorthefl ist« Abw 
sie sind zerbrechlicher als Porcellanschaalen^ sie werden 
durch schnellen Temperaturwedbsel^ durch sdiwacfae Stdsse^ 
durch unvorsichtiges Behandeln^ z. B. durch geringen Druds 
bei ihrer Reinigung, zerbrochen« Sie sind selten käuflich 
zu haben. Man Whält sie am besten auf die Weise ^ daas 
man sich auf einer Glashütte Kolben von nicht zu dünnem^ 
gleichmässigen Glas blasen lässt, die möglichst kugdrund 
sind und einen sdunalen, dünnen und von der Kugel gerade 
ausgehenden Hals haben. Wird dann ein solcher Kolben 
v<m oben nadi unten in der Mitte durchgesprengt^ so be-> 
kommt man zwei Schaalen, an denen die daran sitzende 
Hälfte des Hahes abgesprengt wird^ so dass sie einen kurzen 
abgerundeten Ausguss bildet^ vermittelst dessen man aus 
diesen Schaalen mit grosser Leichtigkeit die Flüssigkeit aus- 
giessen kann^ ohne dass sie an den R&ndem lünunter fliesst. 
Sogenannte Schumadierkugeln^ die von Schumachem und Uhiv 
machem gebraucht werden^ um Abends bei der Arbeit das Licht 
zu concentriren^ eignen sich sehr wohl dazu. Die gewöhn- 
lichen Kolben mit konisch auslaufenden Hälsen^ geben un- 
förmliche Sdiaalen^ die gewöhnlieh an dem Ausguss zu didk^ 
und an der entgegengesetzten Seite zu dünn in Glas smd. 
— Glasgefasse mit nicht gewölbtem Boden eignen sich nicht 
dazu^ da sie beim Abdampfen fast immer springen. Man 
ttuss sidi überhaupt vornehmen ^ nie eine Abdiampfüng , inr 
mnem Glase mit unebenem^ aufgebogenem Boden zu machen; 
denn für einmal^ dass das Glas hält, missglückt es wenig- 
stens zweimaL Eben so muss man sich erinnem, niemliJs 
etwas in einer über -f- 100^ gehenden Temperatur in einem 
Glasgefasse zur Trockne zu verdan^fen, weil dann das Glas 
fiist unvermeidlich springt, indem eine Stelle desselben trocken 
und heiss wird, wahrend ein höher gelegener Theil noch in 
Berührung mit Flüssigkeit ist, die dann auf die trockene 



16 jibdeanpfen. 

und )ids«ere Stette hinuiitiv fliesst und das GIm sprengt. 
Aach muss man beim Abdampfen in Glas auf der Sand* 
capelle darauf sehen ^ dass nicht die trocknen Wände über 
der Flüssigkeit der Hitze ausgesetzt werden^ denn die ge- 
ringste Bewegung in der Flüssigkeit sprengt dann das Gefäss^ 
weil der Rand erhitftt und dann von der weniger heissen 
Flüssigkeit plötzlich abgekühlt wird. Endlich muss man 
beitfi Aufheben eines Glasgefasses^ besonders wenn es fast 
eine Halbkugel bildet^ dasselbe nicht an dem Rande ^ son- 
dern von unten fassen.^ indem man sonst beim Halten des-- 
sdben einen Druck ausübt^ der die Sdiaale oval zu machen 
strebt^ wodurch sie teidit von oben herunter in dem Rande 
einen Sprang bekommt. 

Schaalen von Porcellan aindy nächst den Platinschaalen^ 
die anwendbarsten^ müssen aber dann immer von achtem 
Porcellau sein« Man kann sich selbst mit Theetassen und 
ähnlichen^ zu anderen Zwecken bestimmten Porcellangefussen 
behelfen. In chinesischem Porcellan kann man in&ssen nidit 
lange sehr saure Auflösungen abdampfen; denn die Glasur 
wird bald matt^ und es färbt sich zuletzt der Boden des 
Gefasses von den darin abgedampften Metallauflösungen. In 
äen Porcellanfabriken zu BerCn^ Paris ^ Gotha etc. werden 
jetzt zu chemischem Behuf Porcellanschaalen von den ver- 
schiedensten Grössen und von vorzi^cher Güte verfertigt. 
Ihre Glasur bleibt nach langem Gebrauch unangegriffen^ und 
man kann darin Salzmassen bis zur Trockne abdampfen^ 
ohne dass die Schaalen sprii^en. Obgleich sie natürlicher- 
weise bei einem Bebr plötzlichen Temperatur-Wechsel sprin- 
gen^ so vertragen sie doch ohne Schaden Abwedisehmgen 
der Ten^ratur, wobei Glas augenblicklich springen würde. 
Auch Schaalen von sogenanntem* Sanitätsgid: oder Hygio^ 
eerame sind fast eben so braui^bar. Die Sdiaalen voa 
Fayence und was man in England Wedgewood's Bar^ 
thenwara nennt ^ sind nicht zu empfehlen; sie springen fast 
eben so leicht wie Glas^ und werden bald von den darin 
abgedampften Flüssigkeiten durchdrungen^ so das« sie sieh 
in Kurzem durch ihre ganze Masse hindurch furbon^ und wenn 
Salzauflösungen in solchen Schaalen einige Wochen Img 
stehen gelassen werden^ so pflegt gewöhnlich auf der Aussen* 
Seite der Schaale eine EfiDoresfsenz von Salz zu entstehen» 

Die 



Abgiessen.^ 17 

Die Gestalt der Abdampfschaalen ist je iiadi ihrem 6e^ 
brauche verschieden. Die Verdunstung geht in der Regel 
um so rascher vor sich^ je grösser die Oberfläche d^ Fläs-* 
sigkeit ist ^ und wenn es hauptsächlich auf rasche Verdun- 
stung ankommt^ so muss die Schaale weit und flach sein. 
Die englischen Abdampfschaalen haben die Form Fig. 3» 
Taf. 1. Will man dagegen eine Flüssigkeit mehr gesammelt^ 
weniger über eine grosse Fläche ausgebreitet^ abdampfen^ 
so gibt man den Schaalen die Form von Figur 4 und 5« 
Erstere gibt man gewöhnlich den Platinschaalen^ zumal da 
eine Schaale bei derselben Oberfläche der Wände um so 
mehr Flüssigkeit fasst^ je mehr sich' ihre Form einer Halb« 
kugel nähert» 

Abgiessem — Bei chemischen Versuchen eine Flüs^. 
sigkeit aus einem Geiasse in ein anderes so giessen zu kön- 
nen^ dass nichts verloren geht^ ist eine Kunst ^ ohne die 
man keine analytische Untersuchung anstellen kann. Die 
Schwierigkeiten beim Abgiessen bestehen darin: 1} dass auf 
dem Rande des Gefasses^ aus dem man giesst^ ein Tropf ea 
hängen bleiben kann^ der beim Wiederhinstellen des Gefösscs 
an der Aussenseite desselben herunterfliesst^ verloren geht 
und eine Arbeit verdirbt^ auf die man schon viele Zeit ver« 
wendet hatte; oder auch dass die Flüssigkeit beim Aus« 
giessea nicht vollständig vom Glase abfliesst^ sondern zum 
Theil an der Aussenseite herunterläuft« Wenn auch dabei 
nichts wegfliesst^ so ist doch die Arbeit schon dadurch ver- 
dorben^ dass man nach geschehenem Ausgiessen das^ wiu» 
auf dem Glase hängen bleibt^ nicht vollständig wieder haben 
kann. Dieser letztere üble Umstand findet statt ^ wenn das 
Glas senkrechte Wände hat, oder wenn es zu voll ist^ so 
dass die äussere Seite desselben mit dem Strahle des her- 
ausfliessenden Liquidums einen spitzen Winkel macht Am 
besten lässt sich dem vorbeugen durch Anwendung von Glä- 
sern mit einer vortheilhaften Gestalt. Die Glasgefasse, weldie 
sich am besten zu den meisten chemichen Arbeiten mit Flüs- 
sigkeiten eignen, haben die Form von Fig. 8* Taf. L, und 
wegen ihres umgebogenen Randes hat man weniger Verlust 
zu befürchten. Diese Gläser müssen völlig cylindrisch sein. 
Wenn sie konisch und nach unten schmaler sind, so legen 

X ' 2 



18 Abgiessen. 

sich die Niederschläge an die Seiten und bleiben oft da 
sitzen. Besser ist es^' wenn sie unten etivas weiter^ als 
oben sind. Der Rand oben muss von der Seite gerade ab- 
gehen und nicht über IV2 bis höchstens 2 Linien breit sein^ 
weil es sonst schwer hält^ auszugiessen^ ohne zu verschütten. 
Aber mau hat ein noch sichereres Hülfsmittel^ welches darin 
bestellt^ dass man an der Stelle^ wo man ausgiessen will^ 
den äusseren Rand des Glases mit ein wenig Talg bestreicht^ 
wodurch die Flüssigkeit verhindert wird^ an dem Qlase her- 
unterzulaufen^ und der zuletzt hängen bleibende Tropfen, 
. statt sich über dem Rande auszubreiten^ zurückgeht. Ich 
stecke zu diesem Endzweck ein Stück von einem Talglicht 
in einen kleinen Cylinder von Bein oder Holz^ so dass ersteres 
etwas über den Rand des Cylinders hervorsteht^ den man 
überhaupt nur wegen der Reinlichkeit anwendet. Durch den 
Gebrauch des Talgs ist man nicht von der Gestalt des Ge- 
flsses abhängig; aber bei starken Auflösungen von kausti- 
schem Alkali^ oder wenn die Flüssigkeit so warm ist^ dass 
der Talg schmilzt^ ist er nicht anwendbar. 2) Kann beim 
Ausgiesseu ein Verlust entstehen, wenn man eine Flüssigkeit 
in vollem Strahl unmittelbar in eine andere giesst^ indem 
durch das dabei verursachte Spritzen oft mehrere Tropfen 
aus dem Gefasse geworfen werden, ohne dass man es immer 
gewahr wird. Dies vermeidet man dadurch, dass man ver- 
mittelst eines an die betaigte Stelle gehaltenen Glasstabes 
den fallenden Strahl gegen die Wand des Glases leitet, in 
welches man ausgiesst. Je mehr der Winkel, welchen der 
Glasstab mit der Seitenwand des ausgiessenden Gefasses 
bildet, sich einem rechten nähert, um so sicherer geht es. 
Beim Ausgiessen muss man die Ränder der beiden Gefasse 
sich nicht berühren und auf diese Weise die Flüssigkeit an 
der Seite herunterfliessen lassen, weil sonst sehr oft die 
Flüssigkeit auch auf der Aussenseite herunterläuft. 

Nordenskiöld hat ein Instrument erfunden, um bei 
genauen Analysen ohne Gefahr vor Verlust und ohne dass 
etwas an der äusseren Seite des Glases herabfliesst, ab^ 
giessen zu können. Aus eigner Erfahrung bei dem Gebrauch 
dieses Instruments kann ich es als höchst zweckmässig 
empfehlen, und es verdient in allen Laboratorien vorhanden 
£u siein. Nordenskiöld nennt es Abgiesser. Er ist bis 



19 

jeUt nirgends besefariebeo worden; itHk werde d«h» Mer rine 
Besebreibong and Zsichnang davon niiUb«Uen. 

Wenn man ein Liquidum von einem Niederaohlag ab* 
scheiden will, so geschiebt dies gewöhnlidi auf die Weise, 
dass «an das Glas, worin sich der Niederschlag za Boden 
gesetzt hat, neigt und die klare Flüssigkeit an einem tat 
Aesen Zweck an den Rand des Glases gehaltenen Glasstabe 
faerabfliessen lässt. Aber da des Filtmm, in weMie» das 
Afogiesseu geschieht, die klare Flüssigkeit selten auf «& 
Ifal ganz aufiiebmen kann, so muns man, wenn der Triehter 
gefÜflt ist, eine Weile mit dem Abgiaasen einhalten, we<dnrelt 
sich die Flüasigbeit trnbt, weil maa das Gla« aksht se laMge 
in derselben Stellung halten kann. Diesem wml daduvflh 
abgeholfen, dass man an mnem gewöhnlichen Filtrirgestelle) 
das mit einem etwas beben Pfeiler versehen tot, eine Bir- 
ricfatuflg anbringt, welche Fig. 1 v«b dcP Vordersnte und 
Fig. 2 in perspeotivisdier Stellang zeigt. 




a. a. Fig. 1 ist der PfeUer für die Filtrir-Anstalt, der 
rand sein mnsa, damit der Triiibter gerade unter dea Punct, 
vro das Abgiessen geschehen soll, gestellt werden kann. 

b, b. Fig. 1 ist eine an eiae Hüläe befestigte Scheibe, 
die an dem Pfeiler a. auf gewöbnliohe Weise , wie der Arm 
an einem Filtrirgestelle mit einer Schraube nach Belieben 
höher oder niedriger befestigt werden kann. Diese Scheibe 
ist mit einer Achse Versehen, von der nur der runde Kopf e. 

2* 



89 Jbrauehen* Mchemie. 

20 fidiett ist. Auf :dies0r Achse läaft eine andere Scheibe f. f., 
an deren zirkelfönnigen Rande ein gezähnter Messingbogen 
sa .befestigt ist) dass dessen Centrum 9iit der Axe e. zu- 
saninfentriffU ^ 

Auf diesen Bogen wirkt eine Schraube ohne Ende g,^ 
w^^dif^ch die. Scheibe f«f. mittetet der Kurbel h. etwas, mehr als 
Hm 90^:gedireht werden kann. An di^se Scheibe ist mittelst 
d^s Arqifi h Fig« 2 eine Vorrichtung befestigt^ um ein Glas 
7^ haltien^ ähnlich Gahn's Eprouvetten-llalter (s. Artikel 
Critöbel^ter)^ nur mit dem Unters^ed^ dass der Zapfen k«^ 
$o. weit n^ch der Uintem Seite gerückt ist^ dass durch das Cen-» 
(ru^t der Sobeib« dn ki de« oberen E^de gespaltener Stift 
i^on l&iaen oder Jtfesaing h 1, gehen kann. Dieser Stift^ der 
mit djNr Schraube p> ihüber oder niedriger befestigt wird^ dient 
da^^ Ja tseiuemig^spftUeiien Ende den Glasstab m. mittelste 
dcMT Schraubet tö# in .»eiqiec beliebigen Stellung zu befestigen. 

Nachdem das Glas n.^ welches das zum Abgie$sen be- 
stimmte Liquidum enthält^ mit dem Bande s. und durch Zu- 
schrauben des Zapfens k. an der gehörigen Stelle befestigt und 
der Rand des Glases auf die gewöhnliche Weise mit Talg 
bestrichen worden ist; wird der Glasstab nu m. so befestigt^ 
dass das untere Ende^ wo die Flüssigkeit abfliessen- soU^ 
ungefähr bis an die Umdrehung^axe des Instruments reicht. 
Man kann, dann ; wenn der zur Aufnahme der Flüssigkeit 
vorhandene Trichter gerade unter das untere Ende des Glas- 
stabes gestellt worden ist^ das Abgiessen dadurch beginnen^ 
dass man die Kurbel h. umdreht. Sobald das Filtrum gefüllt 
ist oder eine Trübung der Flüssigkeit bemerkt wird^ hält 
man mit dem Abgiessen so lange ein^ bis die Flüssigkeit 
sich wieder abgesetzt hat^ ohne dass die bereits Erreichte 
Neigung des Glases vermindert zu werden braucht. Auf diese 
Weise kann man die klare Flüssigkeit ziemlich vollständig 
abgiessen und' den Niederschlag^ wenn es seine Natur ge- 
stattet; dadurch auswaschen ^ dass man dem Glase wieder 
die aufrechte Stellung gibt; neues Wasser auf den Nieder- 
schlag giesst und das Verfahren nach dem Absetzen des* 
sdben wiederholt 

Ahrauchen — bedeutet dasselbe wie Abdampfen. 

Alchemie. — So wurde eigentlich anfangs die Chemie, 
genannt; aber schon im vierten Jahrhundert fing man an^ 



Akhemk. %\ 

dieses Wort nur für den Zweig der Chemie zu gebrauchen^ 
weicher sich mit der Umwandlung eines Metalies in ein an- 
deres^ uud mit den Versuchen^ Gold zumachen^ beschäftigte^ 
und seitdem ist es mit dem Begriff Von Goldmacherkunsi 
gleichbedeutend geworden. Es war nicht zu verwundern^ 
dass man in der ei^en Kindheit der CThemie^ wo alles noch 
uuuutersucht da lag^ auch auf die Idee der Metallverwand- 
lung gerieth^ und dass die Aussicht auf reichen Gewinn die 
emstlichsted Versuche^ G(rfd zu machen^ veranlasste; aber 
diese Hoffnung^ nachdem sie von Generatic^n zu Generation 
vierzehn Jahrhunderte hindurch unerfüllt und trüglich geblie- 
ben ist; noch bis auf unsere Zeit isdcfa erstrecken zu sehen, 
muss gewiss in hohem Grade Verwunderung erregen. Von 
nngeföhr dem Anfang des zwölften Jahrhunderts an bis za 
Anfang des jetzigen gab es in Europa eine eigene (Uass^ 
von absichtlichen Betrügern ^ die sich Alchemisten nannten^ 
und welche die Kunst^ Gold zu machen^ zu verkaufen suchten. 
Der grösste Theil derselben starb ^ von der Gerechtigkeit voü 
Land zu Land vertrieben ^ in Armuth; dem einen und anderen 
glückte eS; einen leichtgläubigen Regenten zu betrugen und 
mit der gemachten Beute zu entfliehen^ beVor die Betrügerei 
entdeckt wurde. Obgleich die Chemie^ auf dem Standpuncte^ 
wo sie nun steht ^ für immer die Atefaemisten verbannt hat^ 
so möchte es doch nicht ganz ohne Interesse sein^ hier 
einiges über die Art anzugeben^ wie solche Betrügereien mit 
Goldmachen ausgeführt wurden. Man gab vor^ das Gold 
aus anderen Metallen zu machen^ und gewöhnlich wurde diese 
Veredelung mit Silber oder Quecksilber vorgenommen. Die 
Veredelung des Silbers geschah nach einer der folgenden 
Methoden. Es wurde Gold auf trocknem Wege in einem 
alkalischen Schwefelmetall auf die Weise aufgelöst^ dass 
Glaubersalz in einem Tiegel erhitzt und darauf Kohle zuge- 
setzt wurde ^ in welche Masse man entweder Gold in Stücken 
einbrachte^ oder die man als Pulver mit Goldoxyd oder pul- 
verformigen Präparaten von Gold^ die damals noch nicht 
allgemein bekannt waren ^ vermischt hatte. Entweder Hess 
man nun die geschmolzene Masse erkalten ^ pulverte sie und 
gab sie nun für ein geheimnissvolles tingirendes Flusspulver 
aus; oder man liess den^ der betrogen werden sollte^ in die 
schmelzende Masse ein Stück Silber werfen. Das Silber 



99 jUchemk. 

8oUiig daan dfts Ck^ld aus diesef Verbindung nieder^ uild 
man erhielt^ nach noch eiwas fortgeaetztem Schmelzen^ einea 
Goldr^^uliui und eine Schlacke^ die SchweMsilb^ enthielt. 
Wendete man dagegen das Pulver an^ so wurde das Silber 
zuerst geschmolzen und dann mit seinem doppelten Gewicht 
Pulver überschüttet^ i.wodurch man dann ebenfalls einen Gold-* 
regulus bekam. Auch löste man das goldhaltige Sdiwefel- 
natrium auf und nannte diese Auflosung Gradirwasser; wenn 
man in dieselbe Silber legte ^ so schlug sich das Grold auf 
seine Oberflache nieder^ un4 sah nun aus^ als wäre es in 
Gold verwandelt. 

Die Veredelung des Quecksilbers geschah auf mehrfache 
Weise; entweder wurde heimlich und geschickt ein QoHr* 
amalgam hineingebracht ^ oder es wurde mit einer Karte^ 
zwischen deren Blattern Goldoxyd lag^ oder auch mit Papier 
mngerährty welches mit einer stark mit Goldoxyd gemraigten 
Dinte beschrieben war^ oder welches^ nach dem Schreiben^ 
init (nnem goldhaltigen Streusand bestreut wurde. Wenn nun 
das Quecksilber über Feuer kam^ und das Papier verbrannte^ 
so wurde das Gold amalgamirt und blieb nach dem^Weg* 
rauchen des Quecksilbers mit metallischem Ansehen zurück. 
Daniel von Siebenbürgen bereitete ein pulverformiges 
Goldpräparat ^ welches er in Italien in vielen Apotheken als 
ein Universalheilmittel ^ unter dem Namen Usvfur^ verkaufen 
liess. Er verschrieb es unter anderen Substanzen^ die er 
seinen Patienten aus der Apotheke holen liess , und woraus 
er ihnen dann die Arznei zubereitete^ ohne aber das Gold- 
präparat zuzusetzen^ welches er für sich behielt. Nachdem 
es ziemlich bekannt geworden war^ erbot er sich^ dem Herzog 
Cesmus L in Florenz Gold machen zu ldire% und liess den 
Herzog selbst Usufur aus der Apotheke nehmen^ womit der 
Versuch auch gelang. Der Herzog^ welcher auch für sich 
heimlicherweise die Angabe Daniels richtig befunden hatte^ 
bezahlte die Entdeckung mit 20^000 Ducaten^ welche dieser 
durch eine vorgebliche Reise nach Frankreich in Sicherhek 
brachte^ von wo aus er durch einen Brief dem Herzog den 
Streich entdeckte ^ den er ihm gespielt hatte. — Georg 
Honaner machte für den Kurfürst von Würtemberg Gold^ 
auf die Art^ dass der Tiegel mit den Ingredienzien in den 
Ofen gesetzt^ und darauf das Zimmer verschlossen wurde. 



Jkhemk. %i 

während aber ein in einer Kiste versteckter Knabe heraua- 

atieg^ Gold in den Tiegel legte^ und sich wieder versteckte* 

Honauer war indessen weniger glücklieb; sein Betrug wurde 

entdeckt^ und der Kurfürst Hess Honauer häogen« Zu einer 

gewissen Zdit machte man Nägel und Messer halb aus Gold 

und halb aus Eisen ^ indem man dem Eisen auf der Ober- 

fiUU^he das Ansehen des Goldes zu geben verstand. Mao gab 

nämlich vor^ ein Gradirwasser zu besitzen^ welches das Eisen 

in Gold verwandeln könne ^ und welches nur das Gold rein^ 

wasche. Einen solchen Versfuch machte ein Mönch mit einem 

Messer für die Königin Elisabeth von England. Diese 

Betrugerei gludite so sehr^ dass es der bekannte Geoffroy 

für dir Mühe werth hielte den Versuch niit solchen Nägeln 

in der Pariser Academie der Wissenschaften nachzumachen. 

um den Betrug aufzudecken« 

Um die Göldmacherkunst noch wahrscheinlicher zu machen^ 
gab man vor^ das Gold könne auch zerstört und in Etwas 
verwandelt werden^ woraus sich nicht wieder Gold herstellen 
liesse. Das Gold wurde mit seinem dreissigfachen Gewicht 
von einem Fluss aus Cremor tartari^ Schwefel und etwas 
Salpeter geschmolzen. Nach dem Auflösen der Masse in 
Wasser blieb ein schwarzes Pulver zurück^ welches sich 
nicht mehr in Gold verwandeln liess. Reaumur^ Lemery 
und Geoffroy^ welche diese Angabe untersuchten^ fanden 
das Gold in dem beim Schmelzen gebildeten Schwefelkalium 
aufgelöst^ und «zeigten^ dass das zurückbleibende schwarze 
Pulver Kohle vom Weinstein war. , 

Auch in Schweden hat die Göldmacherkunst eim'gemale 
Aufsehn gemacht. Der sächsische Generallieutenant Pay kull^ 
geboren in Liefland^ welches damals schwedisch war, wurde, 
als er bei Warschau einen Theil von König August's Armee 
gegen die Schweden anführte, 1705 vom General Nieroth 
gefangen genommen und von Carl XII. als Verräther zum 
Tode verurtheilt. Da erbot er sich, wenn man ihm das Lehen 
lassen wollte, wenn auch bei beständiger Gefangenschaft^ 
jährlich für eine Million Reichsthaler Gold zu machen, und 
zwar weder auf Kosten des Königs, noch des Reichs, und 
diese Kunst auf Befehl einem jeden Unterthan des Königs 
zu lehren. Ergab vor, dieselbe von einem polnischen OfScier, 
Naxnens Lubinski, gelernt zu haben, 4er sie wiederum von 



24 Jlchemk. 

seiner Seite von einem griechischen Priester zu Corinth gelernt 
haben sollte. — Urban Hjärne^ ein für seine Zeit ganz 
berühmter schwedischer Chemiker^ war der vollkommenen 
Ueberzeugung^ dass Paykull Blei in Gold verwandeln könne. 
Er gibt an^ dass er dazu eine Tinctur gebraucht habe^ die^ 
wegen ihrer Flüchtigkeit^ durch Antimon^ Schwefel und 
Salpeter hätte figirt^ d. h. feuerbeständige gemacht werden 
müssen. Nachdem die Tinctur mit diesen In Pulver ver^ 
wandelt gewesen wäre^ hätte ein Quentchen von diesem 
sechs Quentchen Blei in Gold verwandelt. Der General- 
Feldzeugmeister Hamilton wäre bei einem solchen Versuche 
zugegen gewesen; Paykull hätte diese Ingredienzien in 
Gegenwart von Hamilton gemischt ^ der sie alsdann mit 
nach Hause genommen^ und sie mit neuen^ die er selbst 
angeschafft hatte^ vertauscht hätte. Diese wurden dann den 
folgenden Morgen zu Paykull gebracht^ welcher das Pulver 
mit seiner Tinctur vermischt und eine gewisse Menge Blei 
hinzugesetzt hätte; aus dieser Masse ^ die er zusammenge- 
schmolsien hätte ^ wären nun für 147 Ducaten Gold erhalten 
worden. Aus diesem Golde hat man eine Schaumünze von 
zwei Ducaten Gewicht geprägt ^ mit der Aufschrift: Hoc 
avrum arte chemica conflavit Holmiae 1706. 0. A. v. Paykull* 
Die bei diesem Goldmachen gegenwärtigen Zeugen waren 
Hamilton und der Actor publicus in PaykulPs Process^ 
der Advokat-Fiscal Fe hm an. Der Bericht über Paykull's 
Verseuch, Gold zu machen^ wurde von UrBan Hjärne ab- 
gefasst^ der selbsjb in dieser Kunst arbeitete^ und in dessen 
chemischen Schriften man die Liebe zu dem Wunderbaren 
und Unglaublichen findet^ welche für die an Alchemie glau-* 
benden Chemiker, so characteristisch ist; es ist daher nicht 
zu verwundern^ dass dieser Bericht uns mit so vielem An- 
schein von Wahrscheinlichkeit für Paykull's Kunst über- 
liefert worden ist. Man fragt natürlicherweise^ warum Pay- 
kull's Lehrer diese schätzbare Kunst nicht auf andere 
Adepten unserer Zeit fortgepflanzt haben. Paykull seihst 
scheint einige Documente über die Kunst ^ Gold zu machen^ 
an' den General - Feldzeugmeister Hamilton gegeben zu 
h^ben^ welche noch von seinem Nachkommen^ dem Grafen 
Gustav Hamilton^ aufbewahrt werden^ und dieser hatte 
die Gefälligkeit^ mich diese Papiere durchsehen zu lassen. 



Akhemie. 25 

Die darin gegebene Beschreibung gleicht den g^wöhiüichen 
alehemisijtischen Angaben^ aber auf diese Weise konnte das 
Crold niclit vor Hamilton und Fehman gemacht worden 
sein, denn es sind dazu ungefähr 140 Tage erforderlich« 
Die Operation besteht aus drei Abschnitten , von denen jeder 
eine lange Zeit erfordert. Die Kunst geht da hinaus^ auf 
vielen, theils sehr unsinnigen Umwegen Schwefelantimou in 
zusammengeschmolzener Form zu erhalten. Dann ist noch 
das eigentliche geheime Mittel übrig, welches nicht in einer 
Tinctur, sondern iu zwei Pulvern besteht, wovon das eine 
Zinnober ist, welcher 3 mal mit Spiritus, bis zur Verdunstung 
desselben, gekocht wird, und das andere EUsenoxyd, das er 
Crocus martis nennt, und dessen Bereitung er ebenfUls an- 
gibt, und zwar auf eine höchst unvortheilhafte Weise nut 
Eisenspähnen und Salpetersäure. Diese Pulver werden nut 
dem zuvor erhaltenen Schwefelantimon gemengt, in einem 
verschlossenen Gefösse in, wie er es nennt, vjerzagtägige 
Digestion gestellt, und darauf ^U Loth voii diesem Gemenge 
mit 1 Pfund Antimonium cnidum und 2' Loth geläutertem 
Salpeter geschmolzen. Die geschmolzene Masse wird in 
einen Giessbuckel gegossen , und setzt zu unterst einen 
weissen strahligen Metallkluropen ab, der in einem offenen 
Tiegel so lange gebrannt wird, als er noch raucht, worauf 
das Gold zurückbleibt. • — Jeder, der nur einigermaassen in 
der Chemie zu Hause ist, ahnet schon, worauf hierbei der 
Betrug beruht* Crocus martis oder rothes Eisenoxyd und 
Zinnober könneu nämlich beide mit grossen Mengen von 
Goldpurpur gemengt werden, ohne dass dies, wenigstens 
von ungeübten Augen, zu entdecken wäre. Wird Goldpurpur, 
der sehr viel Zinn enthält, mit Schwefclantimon zusammen- 
geschmolzen, so wird das Gold vom Zinn ganz auf dieselbe 
Weise geschieden, wie ich es beim Abtreiben des Goldes 
mit Antimon an seinem Orte erwähnt habe, und nach dem 
Wegrauchen des Antimons bleibt das Gold zurück, aber 
von bedeutend geringerem Gewicht, als das angewendete 
rothe Pulver betrug. 

Das am allgemeinsten angegebene Recept zum Gold* 
machen ist folgendest Man digerirt Quecksilber nMt Grün-* 
spahn, Vitriol, Salz und starkem Essig in einem eisernen 
Topf, und rührt mit dnem Eisenspatel so lange um, bis dair 



fg Alembik — Aludel. 

QuedosiUbor 8a di<^ wie Butter geworden iaXy worauf man 
es herausnimmt und abwäscht. Das noch flässiga Queck- 
siH>er wird durch samisches Leder ausgepresst und die aus^* 
gepresste Masse ^ die ein Amalgam von Kupfer ist^ in kleine 
Kuchen geformt^ die man in einem Tiegel mU einem Gemenge 
von gleichen Theilen gepulverter Curcuma und Tutia cemen^*- 
tirt;« den Tiegel erhitzt man darauf vor einem Geblase. 
Nach beendigtem Versuch findet man auf dem Boden des 
Tiegels einen gelben Regulus^ welcher das gewünschte Gold 
ist. Die Curcuma reducirt die Tutia ^ welche ein unreines 
Zinkoxyd ist^ und das Kupfer im Amalgam vereinigt sich 
mit dem Zink zu Messing« — Von ähnlicher Beschaffenheit 
sind alle angeblichen Ihirstellungen des Goldes gewesen^ 
und wir dürfen uns nicht verwundern^ dass Betrügereien^ 
die nun so offen vor uns liegen^ unsere Vorfahren hinter's 
Liebt fiäiren konnten^ da damals die Chemie von so Wenigen 
getriebctn wurde^ und selbst das Bekannte unzureichend war^ 
mit Gewissheit i dergleichen Betrug zu entdecken. 

Alembik — ein nun ganz verlassener Destillations- 
apparat ^ den inan in Fig. 9. Taf, I. sieht. Er besteht ans 
einem Kolben mit einem aufgesetzten gläsernen Helm^ die 
öfters aus einem Stück geblasen sind^ in welchem Fall der 
Helm mit einer Oeffnung und eingescihliffenem Pfropf zom 
fiängiessen der Flüssigkeit versehen ist. Andere dagegen 
bestehen aus zwei Stucken^ so dass der Helm auf den Kol-^ 
ben auflutirt wird^ und dann braucht jener nicht tubidirt 
»1 sein. 

Alkahest — ein bei den Alchemisten vorkommende 
Losungsmittel für alle Körper^ das aber nicht ejüstirt. Glau- 
ber 's Alkahest war eine Auflösung von kohlensaurem Kali 
in Wasser^ erhatten durch Detonation von Salpeter mit Koh- 
ienpulver« Ras pur 's Alkahest war eine Auflösung von 
Zinkoxyd mit kaustischem Kali^ erhalten durch Detonation 
von Salpeter mit Zink. 

Alkohol — bedeutet heut zu Tage den concentrirtesten 
Weingeist^ ehemals aber jedes äusserst feine Pulver^ in 
welcher Bedeutung man dieses Wort bei äUereu Schriftstel- 
lecu gebraucht findet. 

Aludel — wurde eine Art kleiner, runder Gefässe ge* 
nAAut, die an Jbeiden Enden offen und etwas ausgezogen, 



Jhmly9€. 97 

aber an der einen Oeffiimig weiter witren^ n diM. sie in 
eiiiMider gesteckt werden konnten. Sie worden bei Subli- 
mationen gebraucht^ indem man sie auf Glaskolben setzte^ 
und so gleichsam den Hals des Kolbens verlängerte. Man 
bezweckte damit ^ das Sublimat in verschiedenen Höben be- 
sonders aufzufangen. * 

Afialyse. — Die chemische Analjrse setzt die Kennt- 
Bisse^ die Beurtheilongskraft und, die Genauigkeit des Che- 
imkers zugleich auf die Probe. Er hat dabei sowohl die 
Natur f der Stoffe^ welche der zu untersuchende Körper ent- 
halt^ als auch ihr quantitatives Verhältnis« zu einander zn 
bestimmen. Die Analyse ist also von zweierlei Art^ quaU^ 
iaüo und quantitativ, von welchen die erst^re immer in 
einem eigenen/ Versuche der letzteren voihergehen mns% 
weil es unmöglich ist^ für das Verfahren^ nadi weldiem das 
quantitative Verhältniss am besten bestimmt w^den kan% 
einen Plan zu machen^ ehe man weiss^ welche Bestandthetle 
der Körper enthalt 

Die Gegenstande analytischer UntersHichnngeA können 
mth, in verschiedenen Aggregationsformen befinden^ d. b. 
feste, flüssige und luftförmige Körper sein; die analytische 
Methode wird für eine jede dieser Formen verschieden. *— 
Aber nidit genug mit dieser Un^eicbheit in * der Form, sie 
können auch in Betreff der Verbindungsart varikren, wenn 
das, was untersucht werden soH, organischen oder unorga- 
nischen Ursprungs ist, wonadi die Untersuchungsmethode 
verschieden wird. Die Analysen variiren femer, je nachdem 
man die einfachen Elemente zusammengesetzter Köq^er, oder 
die zusammengesetzten Körper, woraus sie bestehend be- 
trachtet werden können, zu bestirnmen sucht. Bei. einem 
Körper, der von einer Verbindung zwischen zusammenge- 
setzten Körpern ausgemacht wird, pflegt man die Elemente 
seine entfernteren Bestandthdhy und die zusammengesetzten 
Körper seine näheren Bestandthetle zu nennen ; in dem Sal- 
peter z. B. sind Stickstoff, Kalium und Sauerstoff die ent- 
fernteren, und Salpetersäure und Kali die näheren Bestands- 
theile. 

Oft sind gemengte Köq>er der Geg^istand von Ana- 
lysen. Es ist dann von grossen Wertti für die Analyse, 
wenn dw Gemengiheile neehanisdi geschieden werden kte- 



28 Analyse. 

nen. Bei der Analyaie des Magneteisensteins z. B. trennt 
man^ wie ich weiter unten anfuhren werde^ vermittelst eines 
Magnets das Eisenerz von der Gebirgsart. Puiverformige 
Oemenge können zuweilen durch Schlämmen mit Wasser 
eder Alkohol geschieden .werden ^ indem man die leichteren 4 
mit der Flüssigkeit abgiesst^ die schwereren aber auf dem 
Boden zurückbleiben. Man muss bedenken^ dass^ wie müh- 
sam es auch sein mag^ vor der chemischen Analyse eines 
gemengtea Körpers das Gemengte mechanisch zu trennen^ 
die Muhe doch für unbedeutend zu halten ist in Vergleich 
95U der Unsicherheit in der richtigen Beurtheilung des Resul- 
tats^ welche entsteht^ wenn es nicht geschieht. 

Wenn man für die mechanische Trennung solcher Ge- 
menge keinen anwendbaren Ausweg aufißndett^ kann, so sucht 
man sie vermittelst eines zusammengesetzten Mikroskops zu 
erkennen^ wobei das Instrument oft genug finden lässt^ welche 
sie sind ^ wodurch dann das analytische Resultat sicherer 
beurtheilt werden kann. Auf diese Weise wurde vor einiger 
Zeit durch H. Rose eine alte Streitfrage zwischen den 
Chemikern entschieden^ nämlich ob der Kermes* minerale 
(Th. III. S. 140) Antimonoxyd als wesenäich enthalte^ oder 
nicht. Das Mikroskop zeigte^ dass der Kermes^ wenn er nach 
den gewöhnlichen^ in den Pbarmacopöen gegebenen Vor- 
schriften bereitet wird^ kleine Krystalle von Antimonoxyd 
eingemengt enthält^ die mit dem rothbraunen Schwefelantimon 
nicht chemisch verbunden sind. Man thut also immer wohl^ 
wenn man das^ was analysirt werden soll^ ^ mit einem 2ru- 
sammengesetzten Mikroskop betrachtet. Man wählt entweder 
so äusserst dünne Flitter^ dass sie durchsclicinend siud^ oder 
ein feineres Pulver^ betrachtet sie zuerst für sich selbst und 
darauf in Tropfen von einigen Flüssigkeiten^ die ein unglei- 
ches Brechungsvermögen haben^ z. B. in Alkohol^ Terpen- 
thinöl^ Cassiaöl^ Petroleum^ klarem Terpenthin oder cana^- 
schem Balsam. Was sich nicht in einem von diesen zeigt^ sieht 
man oft in einem andern^ wie Ehrenberg's vortrefEUdie 
Untersuchungen über die Bestandtheile der Kreide dargelegt 
haben. 

Endlich muss ich noch erwähnen^ dass man bei gemeng- 
ten Körpern eine mechanisch -chemische Trennung bewirken 
kaim; imd zwar durch verschiedene chemische Reagentien^ 



wdche den eisen Gemengtheil aoflösea^ ohne einen Awiereii 
aufzunehmen» Alle Analysen von Thier- und PflaazenUieilen 
sind in ihrem Anfang nichts anderes^ als solche mechanisch- 
chemische Scheidungen der gemengten StofPe^ welche durch 
verschiedene Lösungsmittel^ z. B. durch Aether, AUudioI^ 
Wasser^ von einander getrennt werden. 

Analyse unorganischer K(erper. 

i. unorganische Körper in fester Famu Das erste 
Moment der Analyse eines jeden festen Körpers besteht 
darin ^ denselben vollkommen trocken zu bekommen. Die 
meisten Mineralien schliessen eine geringe Menge Wasser» 
ein 9 welches nicht zu ihrer Zusammensetzung gehört^ indem 
sich ihre Zwischenräume mit dem von der Erdoberfläche 
eindriogenden Wasser angefüllt haben. Dies ist auch der 
Grund ^ warum man stets den frischen Bruch eines frisch 
abgelösten Gesteins im ersten Augenblicke seiner Ablösung 
feucht findet. Viele krystallisirte Miaeraliea enlhalten wirk- 
liches Krystallwasser^ andere dagegen blosses Decrepttations- 
Wasser 9 und zerknisterii mit Heftigkeit^ wenn sie schnell 
erhitzt werden; poröse^ erdförmige oder weiche Mineraliea 
enthalten immer sehr viel Wasser^ wovon o% ein grosser 
Theil und bisweilen alles nur hygroscopisch und aus derselben 
Ursache und nach denselben Gesetzen eingesogen ist^ die 
ich bereits im ersten Theile^ bei der Kraft der Kohle ^ Luft 
und Wasser zu absorbiren^ erwähnt habe* Wird die Menge 
des Wassers nicht bestimmt, so verschwindet, es während 
dejT Analyse, und gi]^t einep Verlost, dessen Ursache man 
dann nicht angeben kann. 

Solche Körper, welche Glühhitze vertragen, gliiht man 
in einem gewogenen Platintiegel, den man hernach mit sei- 
nem Deckel bedeckt, unter einer Glasglocke erkalten läss^ 
die auf einer geschliffeneu Scheibe von Metall oder Glas 
steht, und unter .welche man, um die Luft trocken zu er- 
halten, eine Schaale mit concentrirter Schwefelsäure gestellt 
hat. Der erkaltete Tiegel wird eiligst gewogen, ohne vorher' 
geöffnet zu sein* Körper dagegen, die keine strengere Hitze 
ohne Zersetzung, Verflüchtigung oc^r Entzündung vertra- 
gmi, trocknet man in einem dazu eingerichteten Geflsse von 



Analyse. 

iM fieBdiftflFeiiheit^ dass es in kochendes Wasser gesenkt 
werden kann^ w&hrend ein langsamer Strom von irockner 
lürft hisdureh geleitet wird. Dies fahrt man am besten auf 
die Weise ans^ dass man vermittelst eines grossen Caont- 
•dMuc^ailons oder eines Saugapparats die Luft auerst dureh 
eine mit grobem Pulver von geschmolzenem Chlorcaleium 
gefüllte Röhre ^ und von da in das Gefass^ worin der zu 
trocknende Körper liegt ^ leitet. Sobald die ausströmende 
Luft in der Ableitungsrohre keiue Feuchtigkeit mehr absetzt^ 
wird das Wasserbad weggenommen^ und die Substanz in 
dem noch fortdauernden Luftstrom erkalten gelassen« Beim 
Trocknen leicht oxydirbarer Körper bedient man sich^ statt 
atmoi^h&riscber Luft, des Wasserstoffgases^ indem man eine 
Oasentwickelungsflasche mit Zink und verdünnter Schwefel- 
fliure anwendet. Diese Vorrichtung eignet .sich vorzügKch 
xukn Trocknen der auf nassem Wege dargestellten Schi;icefel-» 
■letalle. 

Substanzen^ welche chemisch gebundenes Wasser ent- 
halten^ trocknet man zuerst entweder im luftleeren Raum aber 
Schwefelsäure oder in einem Exsiccator bei gewöhnlicher 
Lufttemperatur^ oder auch^ wenn eine höhere Temperatur 
angewandt werden muss^ in der Brunner 'sehen Trocknungs- 
llasch^ die d|iin in ein Wasserbad von bestimmter Temperatur 
eingesenkt wird. Bedarf es dabei der Kochhitze des Was- 
sers^ so benutzt man einen eigenen Trockenapparat mit 
Wasserbad (s. den Art. I^ocknen), was so lange fortgesetzt 
wird^ als die Probe noch an Gewicht verliert. Man bestimiht 
alsdann ihr Gewicht^ treibt durch eine höhere Temperatür 
dkis chemisch gebundene Wasser aus, und wiegt sie wieder. 

Wenn das chemisch gebundene Wasser leicht weggeb^ 
so ist es zuweilen sehr schwierig, das hygroscopische Wasser 
von dem gebundenen zu unterscheiden /weil die letzte Por^ 
tion des ersteren gewöhnlich die erste Portion von dem 
letzteren mitfahrt. Wenn unorganische Stoffe nicht das 
Gtihen, aber wohl eine Temperatur, die bedeutend über 
4" tOO* ist, vertragen, so legt man die zum Austreiben des 
Wassers bestimmte Portion, fein pulverisirt, in ein an einem 
Ende ssugeschmolzenes Glasrohr, was um so besser sich 
dazu eignet, je enger es ist, und wiegt in diesem die Probe. 
Dieses Rohr wird dann in einem kleinen Oelbade aber der 



Analyse* 31 



Spirituslftinpe erhitzt^ bis di« beabsichtigte Temperatur 
feicht ist^ und man unterhUt diese dann «ine Stunde lan|^. 
Das Rohr wird dann herausgezogen ^ gehörig von Od ges- 
teinigt und gewogen. Man erhitst es von Neuem bis ao 
derselben Temperatur V» Stunde lang und wiegt es wieder* 
Hat es dann noch an €rewicht verloren^ »o muss es wiederum 
V2 Stunde lang erhitzt und dieses Erhitzen so oft wiederhoü 
werden^ bis es endlich zweimal genau dasselbe Wiegt. 

Ausser Wasser können Mineralien^ besonders solche^ 
welche Kieselverbindungen enthalten^ im Glühen noch andwe 
ll&chtige Stoffe^ gewöhnlich Kohlensäure ; bisweilen Fluss« 
säure oder Chlorwasserstoffsäure ^ und zuweilen arseniga 
IMure oder Sauerstoffgas entwickeln ; oder es kann sich noch 
mehr oxydiren lassen. In allen diesen Fällen muss das 
Mineral in einer mit tubnlirter Vorlage versehenen Retorte 
geglüht^ und die sich entwickelnden gasformigen Materien 
durch eine Glasröhre in einen passenden Apparat zum Auf* 
sammeln geleitet werden. Man bedient sich hierzu am besten 
kleiner Retorten von achtem Porcellan^ die eine hinreichend 
hohe Temperatur vertragen; aber in Ermangelung dieser kann 
man kleine gläserne Retorten anwenden^ welche man^ wenn 
der Versuch in gelinder Hitze ^ z. B. in der Flamme einer 
Weingeistlampe^ gemacht wird, am besten selbst vor der 
Glasbläserlampe^ aus Röhren von einem weniger leichtflüssi- 
gen Glase ^ bläst. 

Man wiegt zuerst die Retorte^ und wenn diese auf der 
Waage im Gleichgewicht steht ^ legt man den zur Unter- 
suchung bestimmten Körper^ nach den Umständen ganz oder 
zerstossen^ hinein^ und wiegt ihn in der Retorte. Man ver- 
meidet dadurch bei seinem Einlegen den Verlust^ welcher 
nicht mit voller Sicherheit zu vermeiden wäre^ wenn man 
das Pulver zuerst ^viegen und dann in die Retorte bringen 
wollte. Der Hals der Retorte wird nun mit der Vorlage^ 
mittelst einer biegsamen Röhre von Caoutschouc^ am liebsten 
ohne Fuge^ wie man sie z. B. beim Abschneiden einer ge- 
wöhnlichen Caoutschoucsflasche erhält^ verbunden. Nur auf 
diese Art kann man verbäten^ dass von Pfropfen oder von 
Lutum herrührendes Wasser in die Vorlage komme. Man 
legt die Kugel der Retorte in einen kleinen Tiegel^ umgibt 
sie mit Sand und erhitzt sie darauf albnälig bis zum CHühen. 



3t AnalyH. 

Retorten vott Porebilan werden innmittelbar swisdien Kohlen 
in li^Ieinen Zugöfen erhitat. Wfipn die Masse in der Retorte, 
glüht ^ kann, man das Feuer ausgehen lassen^ wenn sich 
keine Gasentwickehing eingestellt hat^ in welchem Fall die 
Fenernng fortgesetzt wird^ so lange sidi Gas entwickelt. 
Naehd^n der Apparat abgekühlt ist^ findet man gewöhnlich 
in dem Halse der Retorte ein wenig Wasser^ welchjßs mit 
einem am Ende eines Eisendraths befestigten Löschpapier^ 
oder auf die Art herausgeschafft werden kann^ dass man 
die Retorte wieder er^värnit^ und durch eine in den Hals 
emgebrachte gläserne Röhre die Luft einsaugt « wodurch das 
Wasser naph wenigen Augenblicken abdampft. Dies ist 
ausserdem eine Vorsichtsmaassregel ^ die mit der Retorte zu 
beobachten ist^ ehe sie zum Versuche angewendet wird^ um 
alle Feuchtigkeit daraus zu entfernen. Die Retorte wird mit 
ihrem Inhalt gewogen^ und was sie weniger wiegt als vorher^ 
ist Giühverlust, 

Verschiedene Mineralien ^ z. B. Glimmer^ Augit u. m. a.^ 
geb^i einige wenige Tropfen eines sauren Wassers, worin 
die Säure Fluorwasserstoffsäure ist^ was man theils durch 
die Kieselsäure^ welche der Tropfen nach dem Abdampfen 
der Flüssigkeit auf dem Glase zurücklässt^ theils durch die 
gelbe Farbe^ welche die Säure dem Fernambuckpapier ertheilt^ 
erkennt. Bisweilen ist die Säure in diesem Wasser Fluorbor, 
sie gibt dann keine Zeichen einer Aetzung des Glases^ und 
das Fernambuckpapier wird an der Stelle^ wo es von der 
sauren Flüssigkeit getröffen wird^ erst gelb^ aber nach dem 
Trocknen weiss. Es versteht sich von selbst^ dass wenn 
ausser Wasser noch eine andere Substanz zugleich mit über- 
destillirt^ diese nach den anzugebenden Regeln untersucht 
werden muss. 

Das zweite Moment der Analyse ist^ den festen Körper 
in aufgelösten Zustand zu versetzen. Dies kann geschehen^ 
entweder unmittelbar durch Auflösung in Wasser oder in 
einer Säure ^ oder wenn der Stoff nicht davon angegriffen 
wird^ nach vorhergegangenem Glühen^ entweder mit einem 
Alkali oder mit saurem sdiwefelsauren Kali^ wodurch die 
vorher unauflösliche Verbindung zerstört wird^ und seine 
Bestandtheile die Eigenschaft^ von Wasser oder Säuren auf- 
genommen zu werden^ wiedererhalten. 

Zur 






/ 



Zur Auflosluig bedient man sidi der Chlorwassersteff- 
sänre oder eines Gemenges derselben mit Salpetersäure^); 
letzteres. besotiders in den Fällen^ wo der ^nr Untersuchnng 
bestimmte Körper Substanzen enthalt^ die w ihrer Auflösung 
oxydirt werden müssen. Diejenigen Stoffe , wek^e durch 
wiederholte Digestionen von den Siurea jmcht aufgelöst 
werden^ sind entweder Kieselsäure^ oder beigemiscfate TheUe 
eines fremden^ in Säuren unauflöslichen^ mehr zusammen«* 
gesetzten Stoffes. 

Der zur Untersuchung bestimmte Körper wird fein ge- 
pulvert. Die^ gehörige Zersetzung hingt oft gänzlich hiervon 
ab. Härtere Kölner ^ z. B. Mineralien^ werden in P^ier 
eingewickelt und auf einem Amboss mit einem Hammer zer-* 
stückelt Die erhaltenen Stä<^ werden in Mörsern von 
Chalcedon oder Feuerstein gepulv^^ und das Pulver darauf 
noch einmal auf einer Platte mit einem Läufer von derselben 
Steinart mit Wasser gerieben und g^schiämmt JbfSirman«» 
gelang von Chalcedon-?Mörsern und Platten kann man sich 
solcher von Porphyr bedienen ; aber diese Steinart ist minder 
hart, und es mischen sich di^von leicht abgenutzte Tfaeile 
dem feingeriebenen Pulver bei. Die aUgepeine Vorschrifl 
ist, den Stein vor und nach dem Pulverp zu wiegen^ und 
aus der entstandenen Gewichtszunahme ^»i^:beurtheilen^ was 
er vom Mörser aufgenommen hat; aber di^e Vorschrift, so 



^> Diese Auflösan^en geschehen in Glaskolben, bei einer aU^näüg bjg 
sam Kochen erhöhten Wärme, Der Glaskolben wird in einer Sand- 
kapelle so geneigt gestellt^ dass er einen etvras kleineren Winkel 
als 45* mit der Ebene der Kapelle macht ^ wodurch Verlust durch 
Aufbrausen oder SprÜsen gStizlieh vermieden wird. Je schwerflüs- 
siger^ je kieselhaltiger und je weittger Ueioxydhaltig das Glas tst^ 
um so besser. Es begegnete mir sonst hiuig^ daas das Glas bei 
der Digestion von den Säuren angegriffen wurde^ und ich weiss keine 
bessere Art^ dasselbe vorher 2u prüfen, als Schwefelsäure oder con- 
centrirte Salpetersäure einige Stunden darin zn kochen \ wenn man 
das Glas darauf nach dem Waschen weniger klar findet, so is( es 
«ehr ai^egriffen, oder weim es, so lasgo es Dass ist, klar bleibf, 
aber bei dem Trocknen, da, wq die Saure «tand, unklar wird, fp 
ist es weniger angegriffen, aber auf jeden Fall zu diesen Zweckefi 
untauglich. Wo man kein Königswasser zu nehmen braucht, ist es 
am besten, die Auflösung in einem Platintiegel, mit nach Innen con- 
T6X angelegtem Deckel^ VMziinehmen/' - ^ 

X. 3 



einfach die aueh zu mink lieheint^ üit ganz unifiöglieh zu 
bewerk«rt«ll{g^ii.' Denü wetäi maa auoh^ um Ana Stänben &su 
;irerhüleii'^ daiä Stöinpulver unter Wasser reiht ^ so hat es 
seine^ tieftitthe ühöbenvindlicheu Schwierigkeiten^ alles mit 
filier soldtverft yd[llp(rniittt&nheit zum Wiegen aufznsämmebi^ 
dass man 'VM fteSer (xenauigkeit einigen Nutzen haben 
boiinte. Ytii'^tl^d näeh dem Pul\rern den Mörser zu wiegen^ 
und die Ge<i4<^htszüMbme des Pohners aus der Abnutzung 
des Mörsers zu berechnen^ wäre wohl leichter; aber dies ist 
läetteii von fi^oldier Wichtigkeit^ dass etwas Wesentliches 
dadurch ge¥hMli6n wift^. Das Pulver wird vor ^em Wiegen 
fläch eüler de^ ^atogefiterteli Methoden gMrocknet^^ 
- ^ Die zu Untersucfaüngeti vorkommenden Stoffe bestehen 
^iö Verbitidungett o^c^dirter oder brennbarer Körper. Ich werde 
•die Analyse der oxydirten Kdrper zuerst aMiändeln^ weil die 
'brennbaren, tini getretout werden zu können^ durch die ana- 
iyti^he'iÖpefatfbtt öxydirt i^^^dett iaussen. Die in Säuren 
aufzaWübnM^' St öffb werden in den Geßtssen^ worin dies 
geschehen s^^ ab^^ögen^ weil das Ausschütten eines 
trochn^ti PMV^rs^' aus dem einen Gef&sse in ein anderes igelten 
ohhä Ve^lulst mögjifMi ist; Sie werden darauf mit der Säure 
äbergosseii/^ >Bidige -Stofie^ die sich vor dem Glühen in 
Säuren IMcÜt aüfloü^ft lassen^ verlieren bei dem GHühen diese 
^igeü^häft;«' ^. '#. die meisten wa&rserhaltigen Ai- und Tri^ 
Silicate von Kalk- und Thonerde; von diesen wendet man 
zur Bestimmung deS Wassergehalts einen eigenen Theil; und 
einen anderen zur Auflösung in Säure an« 

Die Aufschliessung der auf nassem Wege unauflöslichen 
,Stoffe durch Brennen wird folgendermaassen bewerkstelliget : 
•Das feingeriebene Steinpulver wird in einem Plaiintiegel mit 
feingeriebenem kohtensauren Kali vermittelst einer an den En* 
'den abgerundeten gläsernen Röhre genau vermischt; nachdem 
dies gehörig geschehen (wozii eine ziemUch lange Zelt nöthig 
ist)^ streicht man die gläserne Röhre in einer kleinen Menge 
gepulverten kohlensauren KaU's ab^ welches darauf in den 
Tiegel gelegt wird. Verschiedene Körper erfordern verschie- 
dene Quantitäten AlkaliV; man nimmt gewöhnlich das drei- 
bis fünffache des Gewichts vom Steinpulver. Die trockene 
Masse setzt man^ in dem mit seinem Deckel versehenen 
Platin tiegel; einer anfangs gelinden Hitze aus^ die nachher 



jhafy$e. 3ft 

bis zum Sduttekom der M4»m g^ekl/ im FaU Me'gMoiimJiiea 
werden knui. Wenn nuui sie za/sohoeU j^Anilz^ «egecüh 
fiie durch das Entweichen des kohlensatren Geses m.Koeheiii 
es spritzen Theile davon umher^ und.geheil Bwischen dem 
Deckel und Tiegel heraus. Die Probe muss dann wtederhok 
werden. Ein einstüiidiges^ anhalCtadea CHiiliea i)st. öfters 
mehr als hinreichend. 

Mehre]re Mineralien lassen sich vom kohlenaaoren Alkidl 
nicht zerlegen^ sondern können nur durch Glühen mit kauati# 
schem AlkiA aufgeschlossen werden* Hierher gehören iüle 
diejenigen, welche Zürkonerde^ Tantalsauro oder Zinnoxjrd 
enthalten^ und sie sind um so sdiwerer zu zerlegen^ je mehr 
sie von diesen Stoffen enthalten. In diesem Fall muss mail 
einen Tiegel von Silber anwenden ; dus gewogene St^inpulvet 
wird zuerst eingelegt und dann mit dem vier- bis sechS't 
fachen sdnes- Gewichts Kalihydrat gemengt» .Diese Operation 
erfordert viele Vorsicht, weil das Kalihydrat leicht schmilzt^ 
und das Entweichen des Wassers ein heftiges Kochen und 
Umherspritzen verursadit, wodurch Theile der geschmobbeaeit 
Masse leicht herausgeworfeu werden. Der Tiegel muss daher 
tief und nnt einem nach Innen convex gebogenen Deckel 
bedeckt sein. Das Glühen geschieht am besten über der 
Argandschen Spirituslampe, die eiue hinreichende Hitze gibt, 
und diese besser regiert werden kann, man auch nicht das 
Schmelzen des Tiegels durch zu hohe Temperatür zu be- 
furchten hat. Nachdem das Kochen aufgehört hat, wird die 
Hitze bis zum Glühen erhöht, womit man wenigstens eine 
Stunde fortfahrt. Ausserdem verweise ich hierbei noph auf 
eine bei der Zirkonerde im U. Th. p. 390 angeführte Methode, 
die Zirkone mit kaustischem Kali aufzuschliessen. Die Be* 
handluug mit Kalihydrat im Silbertiegel hat ausserdem den 
Uebelstand, dass die Masse silberhaltig wird und man wih-^ 
rend der Analyse Chlorsilber abzuscheiden bekommt, was, 
wenn es auch ausführbar ii^t, doch immer einen Umweg ver- 
anlasst, der zu einem fehlerhaften Resultat führen kann. 
Abich hat daher eine andere Methode angeführt, die darin 
besteht, dass man das geschlämmte Pulver in einem Platin- 
tiegel mit der vier- bis sechsfachen Gewichtsmenge kohlen- 
saurer Barjrterde mischt und diesen Tiegel, eingeschlossen 
in einen anderen von feuerfestem Thon, in der Sefström- 

3* 



36 Anahi$e* 

sehen Esse 6 Minuten lang dem Geblteefeiier aussetst^ vom 
begmmMien GKhen an gerechnet Bei dieser Hilse schmilzt 
der kohlttisaare Baryt und löst die Probe mit der grössten 
Leichdgkeit auf ^ auch wenn sie nicht besonders fein ge- 
rieben war. 

Nach beendigtem Glühen wird der Tiegel abgekühlt^ 
und die Masse in verdünnter ChlorwasserstoiTsaure aufgelöst. 
Dies bewerkstelligt man am besten so^ dass man die Masse 
aus dem Tiegel herausnimmt^ was^ wenn man kohlensaures 
Kali angewendet hat^ sehr leicht geht. Man kehrt den Tiegel 
über einem passenden gläsernen Gefasse um^ und durch 
wiederholtes gelindes Zusammendrucken der Wände des 
Tiegels^ was jedoch die Federkraft des Metalls nicht über- 
steigen darf ^ lost sich die Masse bald ab und fällt in's Glas. 
Das noch im Tiegel festsitzende wird mit verdünnter Chlor- 
wasserstoffsaure abgelöst und zu der im ^ Glase befindlichen 
Salzmasse gegossen. Sie wird hier mit Wasser übergössen 
und das Gefäss mit einem nach Innen gebogenen^ uhrglas- 
fthniicfaen Glase bedeckt. Es wird von Zeit zu Zeit Chlor^ 
W4U«erstoifisäure zugesetzt^ so lange als noch etwas unauf- 
gelöst ist 7 und wenn alles Aufbrausen aufgehört hat^ wird 
das Gefass zuvor noch in gelinde Wärme gestellt^ um alle 
Kohlensäure zu entfernen^ weil das während des Abdampfens 
durch ihr Entweichen verursachte Spritzen immer Verlust 
mit sich führt. Man hat sich dabei zu erinnern^ dass wenn 
die Flüssigkeit so concentrirt gewiM'den ist; dass das gebil- 
dete Chlorkalium nicht aufgelöst bleibt^ sondern in dem 
Maasse niederfall t^ als es sich bildet ^ die Masse nicht mehr 
zersetzt wird; wie viel Salzsäure auch zugesetzt werden 
mag. Daher muss die Masse stets mit Wasser verdünnt 
werden; sobald man bemerkt; dass sich Salz abzusetzen 
anfängt. Ist die Zersetzung vollkommen gewesen^ so ist 
die Auflösung klar; und es bleibt nichts unaufgelöst zurück; 
oder wenn etwas Unaufgelöstes sich in der Flüssigkeit be- 
findet; so bildet es leichte Flocken; ähnlich einer eben nie- 
dergeschlagenen Substanz. Ist im Gegentheil noch ein Theil 
des. Minerals unzersetzt; so liegt es schwer am Bodeu; und 
wenn man mit einem gläsernen Stabe darin umrührt; so fühlt 
es sich wie feiner Sand an. Es ist dann an| besten; den 
Versuch mit einer neuen Portion zu wiederholen* Die ge- 



JmhfSß» 37 

wfthnliche Ursache dieses Hissliugeoci kk Maugel aii Sorg- 
falt beim Sdilämmen^ wodurch wemger fbine Tbeile eiuge«- 
mengt gewesen waren. 

Geschah das Glühen mit kaustisDhdto Kali, so kaon die 
Masse nicht aus dem Tiegel genoimiiea werden* Man reinigt 
dann die äussere Seite des ' Tiegel^ "und stel^lha iii eine 
Schaale von PorceHan^ damit die durch das Aufferaosen um* 
hergespritzten Theile abgespült und zur Auflösung gesammelt 
werden können.. Mau setzt einen., Ueb^rs^uss von Chlor- 
wasserstoffsäure ZU; bis die Masse völlig zur klaren Flüssig- 
keit aufgelöst ist. Was von der Säure nicht aufgelöst wird^ 
ist gewöhnlich noch nnzerlegtes Steinpulver^ welches^ man 
einem neuen Glühen unterwerfen muss^ Iris endlidi keine in 
der Säure unauflöslichen Theile mehr zurückbleiben. ThoiH> 
erdehaitige krystallisirte Fossilien geben oft nach 3 bis* 4 
mal wiederholten Glühungen unaufgesohtoss^ne Aüc^ttede^ 
die man aufs Neue glühen muss \. was jedoch nicht der Fall 
ist; wenn sie auf die von Abi eh vorhin atiigeführte .Weise 
mit kohlensaurer Baiytefde v^ viel höherer Temperatur .be- 
handelt worden sind; was also sehr vorzneiehen ist. 

Manche mineralische Substanzen lassen sieh durch Glü- 
hen mit feuerbeständigen Säuren kachtev als mit AlkaHäufi^ 
schliesseu; wozu namentlich die naifiriiehen tkansauren; taiK- 
talsauretf; wolframsauren Verbindm^en^ so^ wie nach H. Hose 
auch die Verbindungen der Thmierde mit Talkecde und Zink- 
cfxyd (Spinell und Gahnit); femer Chnmieisen und Cymophaa 
gehören. Man nimmt hierzu reines sdiwefelsaures , KaB^ 
welches man in einem Platintiegel mit etwas weniger als 
dem halben Gewidit destillirter; concentrirter Schwvfdsäufe 
vermischt j diese Masse schmilzt mau so lange ^ i)is >das 
Wasser der Säure weggegangen isl^ «mid die Masse rnfaig 
und ohne Kochen fliesst. Man venkikrdit i nun 1 Th., ge- 
schlämmtes Pulver von der zu zerseitaen^en Probe redit 
genau ndt 3 bis 6 Th« von jener ebstarrteu; gepulvieH^n 
Salzmasse ; und hält das Gemenge in eihem Platintiegel so 
lange in glühendem FhisS; und zwar bei aufgelegtem Deckel; 
ohne weldben die überschüssige Säure £U leicht verfliegen 
wurde; bis Alles zu einer dnrcbstohtigon Hlaren Masse auf- 
gelöst ist; diese kocht man. nach deHi ElriiaUen mit Wasser 
auS; wobei Tan^alsämre, .TitasusiM«^ ode^ Wx^Iframsäure ge- 



88 JtMlffiß, 

wShalioh ilDgeUM Meibfiny : liber in wafiserhftltig^n and ndt 
andern K4it$erBrVji^In^^|iwrein jkiistafid; während die Basen 
in der Auflösong enthalten sind. 
'\> JV adidem ilniä dafiJBestandtbeile^r Probe in aüflöslicfaen 
Rttsland vers6talisiod>; hat mf^n ; zu untersuchen: a) weiidie 
sind diese^.Bei^tatidtheale? qnd ^^.ki welcher Quantüät sind 
sie vorhanden? .^ i. . ^ .. * 

QiÜjidt^aiii^^ tTniershchung. 

. Bti der qüaUtatiren Untersuehung mqss man in der 
Probe alle die Stofie.suchmi^ welche, man darin zu vernnithen 
llraaohe hat ^ und izugleiefa beweisen^ Aiss sich ketne andere 
darin beiodetf» Alan tbut daher am beirten^ ein^i bestimm^ 
tea'Theil ;des zu untersuchenden Rör{)ers dazu anzuwenden^ 
wi^idlen inaa nicht .mii sa ]g^sser Genaui^eit zu wie^^ 
bcaüoht . . : ' ' ;•; , . i ■ - 

^ ^. Sfiur Abccheidung der Kieselsäure aus den kieset 
sauren Yerbin Amgmi: wendet «an bei der qualitativen und 
quantitativen PlTflbeJBm'^giefQfacs Verfahren an« Die erhaltene 
Atifiösung «wird. in>' eider mit Papier bedeckten Schaale bei 
gMinder Wärme^ und a^etat am besten im Wasserbade^ 
anr: Trockne abgedampft. Man nimmt am in^ten Plaftin- 
sekaalen^ oder^ in Enmi^ehnig dieser^ iSch^fiileB von idH 
4cfm Porcellan^ M die Auflösong iB^Königswasser ges<ihehen> 
»d^r enthält, ein Minerat ieinen Stoff ^ der Chlor enttrickehi 
idaxin,^ z.B« iMang^n^ Cerivm; n« ä.^ Jso darf man ifie Auf-* 
iösun^ 'nicht in Piatingefössiern abiampfen^ weil. ^ (das Metall 
davion angiegnfifen w^ird und das iRestoUiit )fer Analyse verloren 
^gäity isoi^dertr man .bedient sich daom des Poröeltans. Man 
mbs hierzu nie Glas netenen^ weil dieses niemals ^ven so 
guter /Qäafitätnu Jek'halten'/ist, dass es nicht gegen das Eäid» 
der' Abdiftmpfung «Gseil^ «u werden lanfinge. Die Hitze darf 
^eht iso: stark s^iny dass die Flüssigkeit %i's Kochen kommt ^ 
«die an das aufgelegte Papi^ aufgespritzten Theile gehen 
verloren; Gegen das^ Ende der Operation ist es am besten^ 
die erstarrende -Masse umzuribhrehy' bis sie Völlig trocken ist 
und flicht mehr nach/CMorwasserstoJbäure nddit^ weil^ ohne 
diese Vorsicht ^ beim ZtigiesMn von Wasser ein Theii der 
Kiesdsäure si<di wieder 'jutffdst. Wenn aber die Masse ein* 



getf oeknet ist, «o haben ofj; EiaQAWxdr TAiOi»Moiifi4 Tfalteh 
er4e ihre &äure verloren^ und sie w^icd^n j^il^Ueb^r^ieß^ßit 
mit Wasser anaufgelöst bleiben ^.weimoHUi 4i^W:Sjiprj9 ßkht 
ersetzte. Man befeuchtet daher die.treijQ)^n«sA|9fS|^ Ipitti^QO-^ 
centriirterCMorwasserst offsäure, bedeqkt ^^Q^fäss {ni( einer 
Gla£usobefbe^ und lässt es so eipe. oier e'm paar, Stotiden. 
stehen, worauf es mit Wasser yers^^t und di0. AuflösfaQgi 
filtrirt wird. Was auf d^m Filtrum zurückbleibt, ist Kie<9el- 
spuire. Ist «um genöthigt gewesen, ki^sslisMdies AJkftU ilOi 
$^bertiegel anzuwenden, so enthält die £|0 erbAltfBne Kies^TM 
s^ureCblor/silber, welches, nachdem die Kieselsl^irentit WaASerr 
^usgfMsraachen worden ist, mit C09cwtrir(#ii| }^$tißßkßn Artkr: 
momiM^, welches das Silberjsalz auflöst, au^gezogeii wird. ', 
, Dass es Kieselsäure u^d lucdbts anderes^ sei^j^prgibt sictfr 
aus Folgendem: Sie niuss v^iss si9lii^ bei 4^4xlubm 4ipeh; 
weisaeac werden, und eine leiiehte pff4^ .M$»M i^Mm^. Mitl 
coucentrirter Chlorwasserstoffsäur/e djg^rirt, mtis^i di^üftiHicbtar 
auflösen und nicht davon gefärl^ wilden. Auf KDhk:vV9tr? 
dem Lötbrohr mit gleichviel Nation ß^olMPhrny' miiss j^t^i 
ein Mares, farbloses Cilas geb^; uAd S0w:<d)lV 
de^i GU4uen mit ein«r iblW^^chiefii^eA Qaantitlit ktibl^siaune^ 
Natron gekocht, muss sie zur farblosen, beim Erk^U^n g€t*?j 
latinirenden Flüssigkeit volljiommen aufgf4^t wejrd^n. Alle 
davon aJjrweiohenden Verbältnisipie Sf^^en «^c^. frf^mdi^ Bpi-» 
müs^^tuig an, und erfjprdem, dass die l^^sels^qre, gleich dpm^ 
Steinpulver, mit Alkali aufs Neue behan^^lt wef de, im ^vm. 
^scheid^n 4er frejoideu Stoiffe m^der au%ßlQ/^ >&u w^r^en. . 
Auch kann man in diese^r Absicht die Kieselsäure in ^iaer 
l^o^chendheissen Avflösupg von kohlensaur#ni. K<^U .w4ö^Q> 
die sjedendheisse Auflösung mit kochendein jW^^^r vpjrdün- 
n^n, um das Gelatiniren beinpi Erkaltfin zu yeiihüten, und die. 
Flüssigkeit 9 wenn sie erkaltet ist,, von dem Unaufgelösten 
at^essen, und den Hiickstand ui)^ersucI]^n^..;Die;9 wird hßr^t 
sonders dann nöthig, wenn man kieselhaUige Sul^^auzen • 
unft^n^icht^ die si^ schon auf nassem Wege yaufschliessen 
lassen Auch k#nn nptan sie in Fluorwassprstofisäure auflösen^ 
die Lösung zur Trockne verdunsten, den. R^ickstand noch 
ein Mal mit der Säure anfeuchten, darauf einige Tropfen 
Schwefelsäure zusetzen, verdunsten und den Jftiickstand bis 
zum .Glühen erhitzen, der dann. ein schwefelsaures Salz von.. 



40 Awaiyse. 

im iier Kiei^teStim' eifagenilsehten Basen ist. Aber dies bat 
den Fehlet^ da^lä fiftau^ wenn die Kieselsäure mit unzerset2stMii 
Mii)€Tal'Veriitiseht>vNity dabei auch die Kieselsäure^ welche 
diesem ftu^hiärt^^ a^tH^etrieben hat 

Bi Die filt^it^> Auflösung enthält jetzt die übrigen Be~ 
8tandth€^le^4a FWid Von Chlorüren aufgelöst. Um auszu- 
mitt^lny Welche sie sSiM, setzt man zuerst kaustisches Am-^ 
moniak hinzu/ bis die Flüssigkeit schwach darnach riecht. 
Ein Ueberscfauss dieses Alkaii's ist dabei nothwendig^ weil 
sonst der Niederschlag basische Chlorüre enthält^ die sich 
während des Waschens öfters iin Waschwasser außsulöiseB 
anftingen und dadurch irre leiten. Ein grosser Ueberscbuss 
dageg^i darf nicht zugesetzt werden^ weil er ein wenig 
Thonerde auflöst. Das Aminoniak scheidet alle Basen ; die 
schwädbe^ als dieses Alkali sinä^ ab^ und lässt, ausser den 
feuerfcji^en Alkalien^ Baryt-^ Strontian-j Kalk- und .Talkerde 
und >eiifen Theil Mangano:^dul in der Flüssigkeit zurück. 
Ist das Bisen nicht, als E^enchlorid vorhanden^ so bleibt 
«Euch ein Theil Eisenoxydul in der Auflöi^ung. Enthielt "die 
Flüssigkeit Zink^ Nickel^ Kupfer oder Kobalt^ so bleibt der 
grösste Tbeil dieser Oxyde i« dem überschussigen Ammoniak 
aufgelöst. ^ 

C. Das Ammoniak schilt die eigentlichen Erden und 
Hetalloxyde nieder. Man lä$st den Niederschlag in einem 
Geflsse^ welches^ zur Abhaltung der Kohlensäure^ wel^e 
kohlensaure Kalkerde niederschlagen würde^ mit einer, ge- 
schliffenen Glasscheibe luftdicht bedeckt werden kann^ zum 
Klären stehen. Die Flüssigkeit wird so schnell wie möglieh 
filtrirt^ und der Niederschlag auf dem Filtrum mit kochendem 
Wasser gewaschen. Nachdem man zu filtriren angefangen 
hat^ darf man diese Arbeit nicht eher verlassen^ als bis der 
Niederschlag anfangt völlig ausgewaschen zu sein ^ wenn 
man anders einer Einmischung von kohlensaurer Kalkerde 
entgehen will. 

D. Die durchgelaufene Flüssigkeit wird mit Schwefel-^ 
wasserstoffgas oder mit Kalium -Sulfhydrat auf einen mög- 
lichen Metallgehalt geprüft. Entsteht ein Niederschlag, so 
wird derselbe vor dem Löthrohr untersucht^ welches die 
besten und leichtesten Kennzeichen für unorganische Körper ^ 
abgibt. Bei jedem einzelnen Metalloxyde habe ich sein Ver- 



Anuty^ 41 

htltoii vor 4eni Ldlhrohr nt^g^SSsttty uad leh venrebe daiH 
balb auf die vber die Anwendung^ des lidthrohrs im Artikel 
Löthrohr gegebenen Votschriften« *-^ Einige Tropfe»- eines 
schwefelsauren Salaes gdl>en 2U eUt^nuten ^ ob Baryt - oder 
Strontiauerde anwesend ist; Oxälsauires- Amoniak sdilägt 
Kalkerde nieder, nnd nachdem diese abgeschieden ist, wird 
pbosphorsaures Natron zugesetüt^ wlslches die Gegenwart der 
Talkerde anzeigt 

JE. Der Niederschlag mtt Ammoiriak' (von C) wird mit 
door Lange von kanstischeiü Kall behandelt, womit er in 
einem Gefisser von Glas, Sflber ed^ iPlatin erwärmt wird. 
Das Kali löst Thonerde oder Beryllerde anf, und ziehet 
zaweilenr mit dte Basen gefUite Sfturen, wie Phosphor-^ 
ArsenUc-, -Borsäure u. a», ans. Ami besten ist es, eine sehr 
concentfirte Katiknge £u nelmien und %n kochen, um die 
Thonerde sicher auSsusiehen. llati darf nicht mit einer ver- 
dauten Kalilauge kochen, sobald man den geringsten Grund 
hat, Beryllerde zu venftuthen, weil deren Ldsung in Kali- 
hydrat nicht das Kochen verträgt, w^im sie verdünnt ist^ 
indem die Beryllerde dann* dari^us wieder niederfUlt. Nach- 
dem die Lösung erkaltet ist, wil'd sie mit so viel Wasser' 
verdünnt^ dass sie okie Zerstörung des Filtnims filtrirt wer* 
den kann. Man iltrirt mük das Aufgelöste von dem Unge- 
lösten ab« Das 'KaU ihuss stets im Ueberschuss angewandt 
werden. Ist dies nicht geschehen^, so bemerkt man es leicht 
daran, dass die filCrirte Flüssigkeit, mit einem Tropfen Salz-^ 
säure vermischt, einen -Niederschlag von Thonerde gibt, der 
sich nicht wieder auflöst. Wenn die Flüssi[gkeit umgeröhrt 
wird. Ist das Kau dagegen im Ueberschuss angewandt, so 
wird er sogleich 'Wieder au^elöst. Gibt Salzsäure keinen 
Niederschlag, so hat/ man entweder einen unnöthig grossen 
Ueberschuss von Kali genommen, oder das Mineral enthält 
keine Thonerde. Wird der Niederschlag bleibend, so muss 
das Ungelöste mit mehr Kali behandelt werden. Die ab- 
filtrirte Kaliftässigkeft und das Waschwasser werden dann 
bis zum Kochen * erhitzt und V2 bis 1 Stunde lang darin 
erhalten. War Beryllerde darin aufgelöst, so fällt sie während 
des Kochens nieder^ Sie wird dann nach dem Erkalten ab- 
filtrirt und mit kochendem Wasser gewaschen.' Die Auf- 
lösung wird vom Unau(ig;elösten abfiltiirt. Die alkäische 



4^ 4fifff$ß^. 

so viel znges^^t wiji^ daßs sich 4ie ^fang^ nieißvgfißiM^gßm 
Srde wieder, nufidst^;: f^^orauf ih fV^^igkeH. pit Überschüsse 
zi^esetpt^ k^ilei^E^sw^ AmPQoii^, m^dcffge^chlag^n wird** 

Es SkWt daM die T]^u>|it^rd^ ni<3dlBr, ^ber df^r U^ber^iplilis 
von kotüensaurem, Aippioffiaj^ löst die Bf^l^i^d^. apf, padb 
wenn die Flüssigkeit pi^ijrffUiid^ sc la^ge j iß u%ek A|im(>&iak 
riecht^ gekocht wird^ so scheidet sich die Bery])er'de aim, indem 
diß Flüssigkeit, TBiloliig wird^, nad iiMl^ 4>eejidtgt9li| Kochen 
«in yolwiiöoses,f i^j8i^§qs fPuhr^r abSßUMk. Bi^/ so «rhaU#ife 
3eiyHerde wird vpride^i |^thrct)tre ^mit kojilQiM|wrem^aA.rßP) 
im iReduotionsfßi^er auf ei^^n mögliche» (?0haU m Ziakoj^d 
geprüfte Maj^^ jaucht ^dif^s^SjVi^h ^^ %a||Wie|^al\^ftsi߀ff£^ jn^ 
det FUissigkeiitj fins i^elieher die.JPftlbiiig.igefM^b. - Das Ziok« 
oxyd i^t naiuKch; f^ic^lfi^ die Beryllerd^, ^QWobl in J^rii^. 
hydrat^ . als auch in iM^dm^aur^m AniinoiiiaH lo^VcJt?. wird 
i^ber die letztere^ Ii^i^upg.^kpcbt,.. 190 ; treibt dfiiptZiftko^^, 
eine Portion. .^mon^üiL ans dem in der Xösung, befipdlic|ipni 
Sahniak. Dies ist jai|c)i woM h^ ^r QeryJDterdi? dwi^yn 
aber diese ii^rd d^iinn qiit kan^Usch$ii9:A#^ni,0nl«^.aa|^^£^Hi,[ 
ohne dtfäi^ >$|e in einpni Ueber/^chiftss df^$P^ wieder aiij^et|»§|, 
wird. Das ^iiikQ3|^;fd wkd dadurch Aof##ggi g^f^Ut^, ali^j^jV 
wieder ntulgelost. ' Wird kohjlc^sauf e|{ i AiPmßni&k in s^t> 
grossem Uebers^uss ziig^ets^t^ so \qß^ sjIiqJi ;eiii,:]^Ieyi^ ?^hoi| 
Thofnerde auf ^ die oft i^acli i^ebr laugem^peMci^ 4ie F^t^gr^ 
keit trübt, aber sie imtef sobeidel^ [S|<^ yti^ fl 4px BcRryllfffdfi, 
theils .durch ein andere«» Aflsehe^, .^d.theite 'd^dnrioht ^^m*. 
wejm>e]n wenig kohlensaures 4.mii^9mk;KUg^e^ wifdi <M^ 
die BeiyUerde nach Verlauf vop einer gderij^^ipylMir^^tuiid^^ 
aufldst<^ Thonerde l^ngegen unveri^idertb^ibt. . : / 

War- Phosphorsaure ia der Probe, so enthalt djje^ .Thpnr 
erde Phosphorsäore in Gestalt von bapiischem- S^^ AfiMi 
löst sie dann in Salzsäure, verdunstet die I^ösmig w Wasser-, 
bade bis zur völligen Trockne, löst den^ trDQkii^i|.|iäeki^aiid. 
in ein .wenig Wasser,, wobei neutrale i^osphoisnupe Thoor 
erde ungelöst bleibt^ die auf einen Gehalt an Phom^hora^fturQ 
vor dem Löthrohre geprüft wird (s. Lathr^hr). D^ Umweg, 
mit dem Auflö9en in Salzsäure und dem Verdunsten hat zum 
Zweck, den Gehalt an Pfaosphorsäure auf. eine gerii^pere 
Menge von Thonerde zu concentriren, uni für /sie eine d^ut- 



Uobe Re«ctieo za bekommen, die, weaii der Qehalt tn.PheiiT* 
phorsäure gering ist, nicht so leidit erhalten wird. 

Aus dem in kaustisphem Kali unauflöslichen Röekaland 
zieht kohlensaures Ammoniak Yttererde, Zirkonevde, Niekel«* 
oxyd, Kobaltoxyd, Ceroxydul, Ceroxyd und Uranojqrd, diu 
beUten ersten und das Ceroxydul farblos, und die stvei letzteip 
mit einer gelben Farbe aus. Wenn man vor der Anwenduc^ 
des kohlensauren Aftimoniaks das in Kalilauge Unldslicha 
und davon Abgewaschene mit einer Lösung von Salmiak etw:a 
J Stunde lang kocht, so zieht dieser Nickeloxyd und Kobal;(*t 
oxjrd aus, so wie auch einen Rückhalt von Zinkoxyd wAA 
Talkerde, die immer. zurückbleiben, wenn der Niedersidiia|I 
Thonerde und Eisenoxyd enthält Darauf können aus dem 
Rückstände die Erden und das Uranoxyd, mit einer coiicen-( 
trirten- Lösung von Ammoniak-Sesqui-» oder Bioarbonat auST 
gezogen werden« ; ! i 

Der in koUetasaurem Ammoniak unlösliche Tbeil wii^ 
m Chlorwasserstoffsäure aufgelöst. Wenn etwas 4abei /im? 
aufgelöst zurückbleibt, so ist es Kieselsäure^ Titansäureoder 
Tantalsäure, worüber das Lethrohr entocheidet. . 

Das Aufgelöste ist seken etwas anderes als ein Gemeng« 
von Eisenoxjrd und Jfangaftoxydul. Die Auflösung wifd v^l-r 
kommen, oder am liebsten so mit kaustischem Ammoniak 
neutralisirt, dass nach einer kurzen kaiton Alaceration Eisfon-r 
oxyd am Boden niedergeschlagen lifgt, während die Flüssig-* 
keU noch die gelbe Varbe behält, worauf das übrige E^isen* 
oxyd durch ein neutrales, bercfeteinsaiires Salz mit alkalischer 
Basis niedergesdilagen . wird. Dar^f wird die Lösung }/% 
Stunde lang gekocht Eine andere Methode besteht dann, 
dass mau den Theil des Niederschlags, weloher bei den 
vorhergehenden Behandlungen übrig. i bleibt:,., in verdünnter 
Schwefelsäure auflöst, die Lösung mit 'kaustischem AitoBOnidsk 
sl^igt und hiervon so viel zusetzt, dass die Losung tietf 
roth wird und dass nach 1 Stunde noch eine geringe Menge 
Eisenoxyd auf dem Boden liegt, die sieh nicht wieder Mi-* 
lost. Dann wird die Ltemg Mit vielem Waäser verdünnt 
und 1 Stunde -lang gekocht. Das Etsenoxyd fällt dabei . in 
Gestalt von übwbasischem schwefelsauren 'EitsenoXyd nied^, 
und die Flüssigkeit wird farblos. Sie wird dabei skiuar ted 
es bleibt gewöhnlich eine geringe Spur Eisenoxyd darin aaf* 



44 Analyse. 

gelöst, was nicht der Fall ist, wenn man die Flüssigkeit 
mit bemsteinsaurem Alliali gefallt und sie hinlänglich ge- 
kocht hatte. Bei Untersuchungen von Mineralien, die viel 
Eisenoxyd enthalten , ist . die letztere Methode besonders 
anwendbar, weil die Bernsteinsäure ein theures Reagens ist. 
Wird die Fällung mit Schwefelsäure angewandt, so muss 
ttan jedoch, nach Fällung der filtrirten Flüssigkeit mit Am- 
moniak, Wiederauflosen des Niederschlags in Salzsäure und 
Neutralisirung dieser Losung, den Rückhalt von Eisenoxyd 
mit ein paar Tropfen bernsteinsaurem Alkali ausfallen und 
das Gemisch kochen, um die letzte Spur von Eisen wegzu- 
nehmen. 

Eine andere Methode, jdfts Eisenoxyd auszufällen, die 
bei quantitativen Untersuchungen mit Vortbeil angewandt 
wird, besteht darin, dass man die Lösung mit kohlensaurem 
Bleioxyd vermischt; dieses muss jedoch aus krystallisirtem 
salpetersauren 9leioxyd und kohlensaurem Ammoniak bereitet 
worden sein, damit ' es sicher rein ist. Dadurch wird das 
Eisenoxyd ausgelSllt, und die Flüssigkeit wird, wenn sie: die 
Farbe eines Eisenoxydsalzes gani^ verloren hat, filtrirt, das 
aufgelöste Bleioxyd durch schwefelsaures Ammoniak oder 
schwefelsaures Natron, je nach den Umständen, ausgefällt, die 
Flüssigkeit abflltrirt und weiter untersucht. Man kann das 
Bim auch mit Schwefelwasserstoff ajisfällen; enthält die Lö- 
sung aber ein Metalloxyd, welches dadurch gefällt werden 
kann, so fällt dies mit dem Blei nieder und entgeht der 
Beachtung. Auf diese Weise können Kupferoxyd, . Zinkoxyd^ 
Nickeloxyd und Kobaltoxyd aus der neutralen Flüssigkeit mit 
dem Schwefelblei leicht ausgefällt werden, b^ö&ders wenn 
ihre Menge sehr gering ist. 

Die von dem Eisenoxyd befreite Lösung enthält in den 
meisten Fällen nur Talkerde und Manganoxydul. Sind aber 
fremde, auch in kaustischem Kali lösliche Oxyde in der 
Probe enthalten, so werden sie durch kaustisches Kali nicht 
vollkommen ausgezogen (Thonerde und Bnyllerde ausge- 
nommen) und sie finden sich dami in der Lösung wieder. 
Enthält die Probe Thonerde und Talkerde, und geschieht die 
Fällung mit kaustisdiem, anstatt kohlensaurem, Ammoniak,' 
wetcbes letztere dann immer angewandt werden muss, so 
fallt mit dem Eisenoxyd ein Talkerde-Aiuminat nieder; aus 



diefeni wird dann die Thonerde nebst dem Süsrenoxyde dmdk 
die dazu angewandten Reagentien ausgefällt^ und die Tfaon- 
eide bleibt in der Lösung zurück. 

Die M etallexytle fiült man aus der rückständigen Lösung 
am besten durch Fünffadi-Schwefelkalium^ KS^^ welches 
von aller Einmischung von kohlensaurem Kali fr^i sein mnss* 
Die Metalle fallen dadurch als Supersulfurete nieder ^ und 
die Talkerde bleibt in der Lösung zurück, aus der sie durdi 
kohleQsaures'Kali kocbend ausgefallt wird. Ist es nur Auf- 
gabe^ über- ihre Gegenwart durch eine Reaction Gewissheit 
zu erlangen^ so macht man einen Zusatz von phosphorsaurem 
Natron und kaustischem Ammoniak^ wobei phosphorsaure 
Ammoniaktalkerde niedergeschlagen wird. Zuweilen enthalten 
Mineralsubstanzen Phosphorsäure ^ Borsäure^ Fluorwasser-r 
stoffsäure oder -noch andere unorganische S&urem Diese 
schlagen sich dann mit den durch Anunoniak gefällten Basen 
als basische Salze, ohne dass man sie bemerken kann^ nieder; 
man muss daher sowohl die Thou^rde, als die Eisen- und 
Mangauoxyde darauf priifen. Diese Niederschläge werden 
dann nach den für die Prüfung der Salze und der Entdeckung 
dieser Säuren gegebenen Regeln (Th. IV. p« 26 — 65^ so wie 
auch im Artikel Löthrohr) untersucht. 

Wenn man in einem Silicat , welches durch Säuren nicht 
zersetzt wird^ Alkali sucht^ so bedient man sich der kohlensauren 
Baryterde und zersetzt mit dieser das Steinpulver in der Glüh- 
hitze, nach der im Vorhergehenden von Ab ich angegebenen 
Methode. Hat . man keine S e f s t r ö m ' sehe Esse zur Disposi«« 
tion^ so muss man 6 mal so viel kohlensaure Barjrterde, als 
fein geschlämmtes Pulver, nehmen und das Gemisch in einem 
gewöhnlichen, gut ziehenden Ofen zwischen Kohlen 1 bis 
1'^ Stunden lang glühen. Die geglühete Masse wird, wie 
bei dem Glühen mit Alkali angeführt worden ist^ heraus- 
genommen, worauf die Masse in Chlprwasserstoffsäure auf- 
gelöst, und nachdem die Kieselsäure auf die oben angeführte 
Art abgeschieden ist, die Baryterde mit SchWefelsäure nie- 
dergeschlagen wird. Die übrigen aufgelösten Stoffe werden 
durch basisches kohlensaures Ammoniak abgeschieden; die 
Niederschläge können gemischt und auf demselben Filtrum 
gesammelt und gewaschen werden. Die abgelaufene Flüs- 
sigkeit wird abgedampft, und nachdem sie auf ein geringeres 



46 j4naly»e. 

Volumen «lügeeogt worden ist^ wird sie mit ein wenig oxA*- 
«anrem Ammoniak versetzt^ um einen Theii Kalkerde ^ cfer 
6ich noch in der Flüssigkeit befinden kann^ niederzuschlageik 
Sie wird /darauf filtrirt^ zur Trockne 'al^edampft^ und, die 
Salzmasse zum Verjagen des Ammoniaksalzes erhilzt. W^m 
sich ein Rückstand findet^ so ist dieser ein säorcfls schwefel«» 
^aures Salz mit alkalischer Basis. Bei der quantitativen 
Analyse werde ich angeben^ wie man die Natur des im 
(Sidze befindlichen Alkali's ausmittelt^ und wib man Alkali 
von Talkerde unterscheidet^ welche letztere bei dieser Ge- 
legenheit als schwefelsaure Talkerde zurückbleibt^ w/enn diese 
£rde in der Probe enthalten war. 

Eine Methode ^ Alkali zu entdtscken^ die weit weniger 
Umwege erfordert und viel schneller gehty besteht in der 
^^rsetzung des Minerals mit FluorwässerstojBsäujre. Man 
ubergiesiät das feingeschlämmte Mineralpulver in einem Pla- 
tintiegel mit Fluorwasserstoflfisäure^ die keineswegs conceetrirt 
o^r jauchend zu sein braucht. Der Deckel des Tiegels 
wird umgekehrt darauf gelegt und der Tiegel in ein Wasser- 
bad gestellt. Die Masse wird von Zeit zu Zeit mit einem 
steifen Platiudrath umgerührt und die Digestion in dem Wais- 
serbade fortgesetzt ^ bis die Masse trocken geworden ist. 
Die Basen sind dann in Fluorsilicate verwandelt. Man ver^ 
mischt die Masse tropfenweise mit etwas mehr destiUirter 
Schwefelsäure, als zur Verwandlung der Basen in schwefel- 
saure Salze nöthig ist^ verdunstet im Wasserbade ^ bis nur 
noch der Ueberschuss von Schwefelsäure übrig ist^ der am 
Ende über der Flamme einer Spirituslampe verdunstet vrird, 
bis alles Rauchen aufgehört hat. Die rückständige Masse 
wird mit kochendem. Wasser ausgelaugt und die Lösung, 
vne vorhin angeführt wurde ^ behandelt. Was von Wdsser 
nicht aufgelöst wird, ist gewöhnlich schwefelsaure Kalkerde^ 
die man in kochender verdünnter Salzsäure auflöst, um sich 
zu überaeugen, dass von der Probe nichts unsiersetzt gch- 
blieben ist 

Aber da nicht alle Chemiker den kostbaren Apparat be- 
sitzen, der für die Bereitung und Aufbewahrung der Fluor- 
wasserstoffsäure nöthig ist, so hat Brunn er einen anderen^ 
wenig kostbarto und sehr zweckmässigen Apparat vorge- 
schlagen. Man lässt sich eine Schaale mit plattem Boden 



von Blei machen/ did ^ Soill im DnrdüneAli&r hat vitiA 2Vi 
Zoll hoch ist. lik der Mitte ist sie mit einer Vorrichtung 
versehen^ um eine flache Schaale von flatin zu tragen« 
Diese Vorrichtung kann auch lose sein' uüd aus einem Runge 
von Blei bestehen^ d^ 1 bis IV2 Zoll im Durchmesser hat 
und auf drei V2 Zoll hchen Füssen ruht Die Schaaie wird 
mit einem Decliel von Blei und mit einem Handgriff voa 
Drath versoihen« Will man ein Silicat mit Fluorwasserstoff- 
säure analysiren^ so }egt man es fein pulverisirt in eine 
flache Schaaie von Platin^ z.B. auf den Declcel eines Pli^tid- 
tiegels^ dessen Stift man mit ein wenig Gold wasserdicht 
hat zulöthen lassen. In die Bleischaale legt man V2 Zoll 
hoch Flusssfiathpulver; übergiesst dieses mit Schwefelsäure^ 
befeuchtet das Mineralpulver schwach vmit Wasser^ setzt das 
Platingefäss auf den Bing^ legt den Bleideckel darauf und 
stellt eine kleine Oellamp^ unter die Bleisctiaale. Das Ganze 
Wird unter einen gut ziehenden Schornstein gebracht^ oder 
in die freie Luft. 2 Grammen Pulver bedürfen ein paar 
Stunden^ um auf diese Weise zersetzt zu werden^ auch ist 
es nöthig; dasselbe einige Mfl[le umzurühren^ wenn es nicht 
sehr dünn liegt^ und auch mit einigen Tropfen Wasser zu 
befeuchten. Im Uebrigen geschieht die Analyse durch Ver^ 
Wandlung des Rückstandes in schwefelsaures Salz. 

Die Analyse fnit Fluorwasserstoffsäure hat ausserdem 
einen anderen Vortheil^ der auf keine andere Weise erreicht 
werden kann^ nämlich^ bei manganhaltigen Proben be- 
stimmen zti können^ ob das Mangan 'darin als Oxyd oder 
als Oxydul enthalten ist. Im ersteren Fälle bekommt man 
Manganflttorid; welches sich in der Säure mit rothbrauner 
Farbe auflöst und welches beim Abdampfen der Säure mit 
schwarzer Farbe anschiesst Und in diesem Zustande durch 
Wasser zersetzt wird^ indem dasselbe freie Fluorwasserstoff- 
säure aufnimmt, worin sich ein wenig Fluorid auflöst, und 
Manganoxyd abscheidet Enthält das Mineral aber Mangan- 
oxydul, so wird ein schwerlösliches Fluorür gebildet, das, 
in. grösserer Menge vorhanden , der Masse einen Stich in's 
Rosenrothe ertheilt, im anderen Falle gibt es dem Rück-* 
Stande keine Farbe. 

Viele Silicate und beinahe alle natürlichen phosphor* 
sanren und arseniksauren Salze enthalten jp'luorverbindungen. 



48 Analf/m. 

In den letzter^t, Sie leicht difreh SSnren zersetzt werdeii^ 
ist das Vorhandensein des Flaors leicht zu entdecken^ wenn 
«eine Probe davon in Pulverform in einem Blatintiegel mit 
«ooncentrirter Schwefelsaure übergössen^ der Tiegel mit einem 
mit Wachs überzogenen und bezeichneten Glase bedeckt und 
«dann in eine Wärme von +40" bis +50® gestellt ,wrd, 
O^rgl. Th. II. pag. 202.) Mit Silicaten glückt dies selten oder 
.gar nicht; aber da werden die Reactionen des Fluors leicht 
durch die Löthrohrprobe entdeckt (s. Lathrohr). 

I>ie Gewohnheit, diese Stoffe zu sehen und zu behan- 
deln, erleichtert die ' Untersuchung sehr, abei^ sie gibt oft 
den älteren Chemikern ein Vertrauen auf ihren Blick, wodurch 
sie zuweilen Untersuchungen versäumen, die. ihr Urtheil ge-? 
ändert haben würden; »und dieser Umstand ist Ursache ; dass 
der jüngere Chemiker öfters die qualitative Analyse vor- 
trefflich macht, obgleich er aus mangelnden Handgriffen in 
der ijuantitativen fehlen kann^ während dagegen, die grössten 
Meister, aus zu grossem Vertrauen aui gewisse, weniger 
entscheidende Kennzefchen. nnd aus der mit den Jahren zu- 
nehmenden Bequemlichkeit, eine Untersuchung vorzunehmen, 
die vielleicht doch nicht mehr, als was man . schon vermu- 
thete^ bestätigen würde, in ihrei) qualitativen Bestimmungen 
nicht selten bedeutende Missgriffe begangen haben« Ich kapn 
also nicht genug empfehlen, die qualitative Untersuchung 
mit aller Umständlichkeit vorzunehmen;, abgesehen davon, 
dass jsie zu einer guten Arb^t beiträgt, kann sie vielleicht 
zuweilen das Vergnügen gewähren, vorher unbekannte Stoffe 
oder Verbindungen zu entdecken« 

Was die Untersuchung von Salzen im Allgemeinen be- 
trifft^ welche keine solche vorhergehende Behandlung wie 
die kieselsauren erfordern, und welche, selbst auch aus dem 
Mineralreich, selten so gemischt wie letztere vorkommen^ 
so habe ich schon im Th. IV. p. 26 — 65. des Lehrbuchs 
ausführiich angegeben, wie die «electronegativen Bestandtheile 
der Salze, d« h. ihre Säuren, entdeckt werden. Die Vor- 
schriften zur Erkennung der Basen dagegen findet man bei 
jeder einzelnen Basis bestimmt, und vor der Beschreibung 
der von jeder Basis gebildeten Salze findet man eine kurze 
Anweisung, durch welche Versuche die Basis in dem Salze 
nachzuweisen ist. Auf diese Abschnitte verweise ich, so 

wie 



jinalyse. 49 

wi6 auf den Artikel Lothrohr^ wo eine besondere Aufstel- 
lung von Vorschriften für die Behandlung der Salze .vor dem 
Löthrohr vorkommt. Dass ich diese Vorschriften nicht hier 
zusammengestellt habe^ hat darin seinen Grund , dass zu 
grosse Detaillirung in diesen Regeln zur Entwerfung eines 
Planes bei analytischen Untersuchungen^ die Aufmerksamkeit 
des Lesers ermüdet^ und er vielleicht durch die Einzelnheiten 
den Hauptplan vergessen haben würde. 

Die qualitative Untersuchung der Verbindungen brenn-- 
barer Körper y z. B. der Schwefelmetalle^ Arsenikmetalle 
u. a.^ geschieht am besten auf dem trocknen Wege vor dem 
Löthrohr^ n^ch den von mir in dem erwähnten Artikel aus- 
führlich anzuführenden Regeln; ich verweise also^ um hier 
aller Weitläufigkeit auszuweichen^ auf diesen hin. Will man 
dagegen die Probe auch auf dem nassen Wege anstellen^ 
so werden sie in Königswasser aufgelöst^ und dadurch in 
Salze verwandelt^ in welchen die Eigenschaft der metalli- 
schen Säuren^ durch Alkalien sich von mehreren Oxyden 
nicht völlig trennen zu lassen^ Aie qualitative Probe oft so 
erschweren^ dass man ohne Beihülfe des Löthrohrs bedeuten- 
den Irrthümern ausgesetzt sein würde. 

Von den Sto£Pen^ die in brennbarer Form zur Unter- 
suchung vorkommen^ bilden einige Verbindungen mit Sauer- 
stoff^ die von ^Königswasser nicht aufgelöst werden^ oder 
die sich nur unvollkommen davon auflösen lassen. Schwefel- 
blei gibt schwefelsaures Bleioxyd^ Silber gibt Chlorsilber und 
Zinn setzt unauflösliches Zinnoxyd ab y wovon beinahe nichts 
aufgelöst wird; wenn das Auflösungsmittel nur Salpetersäure 
ist. Auf gleiche Weise bleiben Molybdänsäure und Wolf- 
ramsäure unaufgelöst; wenn die Schwefelverbindungen dieser 
Metalle mit Königswässer behandelt werden. 

Aus 4ep concentrirten sauren Auflösung werden von 
zugegossenem Wasser Antimon- und Wismuthoxyd; nebst 
verschiedenen Metallsalzen ^ z. B. selensaures und schwefel- 
saures Silberoxyd und Bleioxyd; niedergeschlagen. Ammoniak 
schlägt die meisten Metalloxyde nieder; und hält; ausser den 
metallischen Säuren; die Oxyde von Silber; Kupfer; Kobalt; 
Nickel; Zink und Cadmium in der Auflösung zurück. Kohlen- 
saures Ammoniak hingegen hält in der Auflösung zugleich 
mit den ebenerwähnten Oxyden (ausser dem Cadmiumoxyd) 

X 4 



50 Analyse. 

auch Uranoxyd und die Ceroxyde zurück. Kaustisches Kali 
lost sowohl die Oxyde von Zink^ Blei und Zinn^ als die 
Metallsäuren auf. Von kohlensauren^ feuerbeständigen Al- 
kalien werden so viele Metalloxyde in geringer Quantität 
.aufgelöst^ dass nicht viel daraus geschlossen werden kann. 
— Metallisches Eisen schlägt Arsenik^ Selen^ Antimon^ Zinn^ 
Wismuth^ Blei^ Kupfer und die edeln Metalle^ mit Ausnahme 
von Silber und Quecksilber^ auf welche es nur langsam wirkt, 
nieder. Von Zink werden alle diese und dabei Cadmium^ 
welches nicht von Eisen gefällt wird^ niedergeschlagen. 
Titanhaltige Auflösungen nehmen in verschlossenen Geflssen, 
wenn man Zink hineinlegt^ nach einiger Zeit eine Purpur- 
farbe, und wolframhaltige eine hellblaue Farbe an. Kalium- 
Sulfhydrat schlägt alle Metalle, deren mit der Säure ver- 
bundenes Oxyd auf irgend eine Art Salzbasis ist, nieder; 
aber es löst alle die Oxyde auf, welche auf irgend eine Art 
die Rolle von Säuren spielen können, d. i. von Selen^ 
Arsenik, Molybdän, Wolfram, Antimon, Tellur, Zinn, Gold^ 
Iridiupi, Platin und Rhodium. Es nimmt indessen doch das 
grüne Chromoxyd, die Titansäure, Tantalsäure oder Kiesel- 
säure nicht auf, die also hierdurch von den Oxyden anderer 
electronegativer Metalle abgeschieden werden können. 



Quantitative WlnMeräuehang. 

Unter allen chemischen Arbeiten ist keine so schwer 
mit gehöriger Richtigkeit auszufuhren, als die quantitative 
Analyse, die besonders durch die Lehre von den chemischen 
Proportionen eine höhere Ausbildung gewonnen hat, sowohl 
durch die Verbesserungen in den analytischen Processen^ 
welche man zur Entwickelung dieser Lehre und zur Bestäti- 
gung ihrer Resultate aufzusuchen genöthigt war, als auch 
durch die Probe von der Richtigkeit der Analyse, die man 
bei Vergleichung des Resultats mit dieser Lehre erhSlt. So 
lange man nur durch Wiederholungen die Richtigkeit einer 
analytischen Untersuchung prüfen konnte, und so lange in 
der absoluten Richtigkeit der Zahlen kein höheres theoreti- 
sches Interesse lag, wendete man seltener diese beschwer- 
liche Probe an; entdeckte man seltener diese Irrthümer; die 



Analyse. 51 

so häufige ohn& dass man sie ahnet ^ gemacht werden; und 
die Ausübung der analytischen Chemie war^ hinsichtlich ihres 
quantitativen Theiles^ mehr ein schwieriges und unsicheres 
Handwerk^ als eine^ zu aufklärenden Begriffen führende^ 
wahre wissenschaftliche Untersuchung. Nachdem die che- 
mischen Proportionen und die Gesetze für die Quantitäten^ 
in welchen sich die Körper vorzugsweise verbinden^ bekannt 
zu werden anfingen^ bekam die quantitative Analyse einen 
besonderen Werth^ und wurde das Mittel^ auch höhere Theile 
der Theorie der Wissenschaft zu erforschen und zu bestä- 
tigen. Aber zur Gewinnung richtiger Resultate gehört die 
Kunst; das Mechanische dabei gut ausfuhren zu können^ und 
diese Kunst wird nur durch lange Uebung gewonnen ^ die 
ausserdem von einer natürlichen Anlage unterstützt werden 
muss; ohne welche man in der genauen Analyse nicht weit 
gehen kann. 

Anfänger in der Chemie müssen daher nicht versäumen^ 
sich in quantitativen Analysen zu üben; denn obgleich die 
quantitative Bestimmung gewiss in nichts Anderem als rein 
mechanischer Handarbeit besteht, so hat mau doch zu be- 
denken ^ dass; ehe man sich zu dieser Handarbeit eingeübt 
hat; man nicht föhig ist; in den höheren Theilen der Wis- 
senschaft einen genauen Versuch anzustellen. Man muss 
eine solche Gewohnheit haben ; genau zu wiegen; aus einem 
Gefösse in ein anderes zu giesseu; ohne etwas zu verlieren; 
und ohne den letzten Tropfen über den Rand auf die äussere 
Seite des Glases fliessen zu lassen ; und so viele kleine 
Umstände beobachten; deren Versäumen oft eine sorgfältige 
Arbeit von mehreren Wochen vernichtet; dass keine Zer- 
streuung; kein unvorhergesehener Umstand das Resultat ver- 
dirbt Bevor diese Gewohnheit erworben ist; hat man oft 
den Verdruss gehabt; durch Nachlässigkeit oder Unbedacht- 
samkeit seinen Versuch zu verderben. Man muss dabei 
immer als Grundsatz annehmen; einen solchen misslungenen 
Versuch sogleich wieder von vorne anzufangen; ohne mit 
einer wahrscheinlichen Correction das Resultat verbessern 
zu wollen; denn so unangenehm auch eine solche Wieder- 
holung sein 'mag; so ist sie doch weniger unangenehm; alS; 
nach einem mit grosser Mühe und langem Zeitaufwande 
endlich vollendetien Versuch, das innere Bewusstsein zu 

4* 



52 AnulyBC. 

haben ^ das Resultat dieses Versuchs sei^ ungeachtet allen 
Aufwandes an Geld, Zeit und Mühe, doch vielleicht nicht 
völlig richtig, und folglich, sowohl für die Wissenschaft als 
für die eigene Belehrung des Analytikers, so gut wie unge- 
schehen. Nachdem man sich der chemischen Proportionen 
als Leitfaden für die quantitative Analyse allgemeiner be- 
dient, hat ^sich eine grössere Anzahl Chemiker, als früher, 
mit quantitativen Analysen zu beschäftigen angefangen, und 
weniger Geübte haben, vermittelst der Bestätigung, welche 
sie durch eine vermeintliche Uebereinstimmung mit den che- 
mischen Proportionen ihrem Resultat gaben, ganz falsche 
Schlussfolgen dargelegt, deren Unrichtigkeit man durch diese 
Uebereinstimmung einzusehen oder zu ahnen verhindert wird« 
Es ist daher uöthig, <sich auf die Annäherung unvollständiger 
Versuche zu einem nach der chemischen Proportionslehre 
richtigen Verhältniss nicht zu verlassen; besonders in solchen 
Fällen, wenn mögliche Verhältnisse einander nahe liegen^ 
und bei welchen die äusserste Genauigkeit und die grösste 
Geschicklichkeit cft erfordert werden^ um zu bestimmen, 
welches von ihnen das rechte ist. 

Bei diesen Versuchen sind eine Menge Handgriffe nöthig, 
die gewiss dadurch am besten gelernt werden, dass man sie 
von einem geübten Chemiker ausführen sieht, wovon man 
sich aber auch vieles- aus ihrer Beschreibung aneignen kann. 
Ich habe daher in diesem Theile, bei der Beschreibung eines 
jeden einzelnen iQStruments, umständlich die bei seinem 
Gebrauche nothwendigen Vorsichtsmaassregeln gegeben, und 
bei den Artikeln : Abdampfen^ Abgiesseriy Filtriren, Waschen, 
Tiegel u. m. a. wird der Leser den grössten Theil der näheren^ 
nothwendigen Vorschriften bei Versuchen der Art finden. 

Die Quantität des zu^ untersuchenden Stoffes wird nach 
der Empfindlichkeit der Waage gewählt. Mit kleinen Men- 
gen erlangt man öfters einen höheren Grad von Genauigkeit, 
als mit grösseren, abgesehen davon, dass die Quantität an- 
zuwendender Reagentien und die Zeit zum Filtriren, Waschen 
und Abdampfen stets mit dem Gewichte der Probe zunehmen« 
Klaproth wendete bei seinen Analysen gewöhnlich 100 
Gran an. Nach diesem Beispiel wählte ich die damit nahe- 
übereinstimmende Quantität von 5 Grammen. Aber die Er- 
fahrung hat mich nachher belehrt^ dass dies für die meisten 



Analyse. 53 

Falle zu viel ist. Ich "ziehe 1 bis 2 Grammen vor, und 
wende von thonerdehaltigen Mineralien nicht mehr wie einen 
Gramm an^ weil die voluminöse Beschaffenheit derThonerde 
nach dem Niederschlagen ein Auswaschen erfordert, welches 
bei einer grösseren Probe oft länger als eine ganze Woche 
dauert« In solchen Fällen aber, wo der eine oder der andere 
Bestandtheil in einer sehr geringen Menge in die Mischung 
eingeht, ist es immer am besten, die Menge derselben durch 
eine besondere grössere Probe für sich genau zu bestimmen. 

Da es bei Angabe der Vorschriften fur^Q^^ysen unmög- 
lich ist, sie für alle Fälle zu bestimmen, so werde ich mich 
hVL ge\^se einzelne Verbindungsarten halben, die häufiger 
als anoere analysirt zu werden pflegen, und die im Mineral- 
reich vorkommen. Unter diesen sind die Silicate am allge- 
meinsten, und davon werde ich zuerst einige Beispiele an- 
geben. Hierauf werde ich Beispiele geben von anderen im 
Mineralreiche vorkommenden Verbindungen von anderen Säu- 
ren mit Basen, von nicht oxydirten Verbindungen der Metalle 
mit Schwefel, Arsenik, Antimon, Selen und Tellur, von 
Platinerzen, Gusseisen und Ackererde, um einigermaassen 
Beispiele von verschiedener Art zu sanuneln. 



1. Kieselsaure Verbindungen. 

Ich habe schon angeführt, wie die Kieselsäure abge- 
schieden wird. Sie muss, wie alle unorganischen Stoffe, die 
nicht flächtig sind, noch vor dem Wiegen geglüht werden, 
um alle Feuchtigkeit zu entfernen. Dieses Glühen geschieht 
am besten in kleinen gewogenen Platintiegeln, über der, 
beim Artikel Lampe beschriebenen, grossen Spirituslampe. 
Bei diesem Glühen wird entweder das Filtrum verbrannt, 
oder es wird mit der Masse gewogen, worauf einTheil zum 
Glühen abgewogen wird. Im ersten Fall bedient man sich 
eines Papiers, welches wenig Asche gibt, und dessen Rück-^ 
stand man durch mehrere wiederholte Versuche auf grössere, 
von mehreren Bogen des Buchs genommene, Quantitäten 
hinsichtlidi seiner Menge gleich gefunden hat. Nachdem 
das Filtrum vorher getrocknet und gewogen worden ist, zieht 
man nachher die Asche von diesem Gewicht Papier ab. 



i 



54 Jnalyse. 



Wiegt man hingegen das Filtmm zuerst für sich^ nach den 
im Artikel Ftltriren angegebenen Vorschriften^ und dann . 
nach dem Trocknen des Niederschlags^ so muss es in jedem 
Falle noch heiss in einen mit Deckel versehenen Tiegel 
gelegt^ und nachdem es in dem bedeckten Tiegel unter einer 
Glasglocke^ in welche man eine Schaale mit concentrirter 
Schwefelsäure eingesetzt hat^ abgekühlt ist^ zugleich mit 
diesem gewogen werden. Thut man dies nicht^ so bekommt 
man kein sicheres Gewicht^ weil das Papier während des 
Abkühlens und Wiegeus in offener Luft immer Feuchtigkeit 
anzieht und nicht gewogen werden kann. Hierauf wird ein 
Theil des getrockneten Stoffes abgewogen und geglüht und 
aus seinem Verlust berechnet^ was die ganze imWiltrum 
befindliche Quantität würde verloren haben. Ich wähle vor- 
zugsweise die erstere Methode^ wenn der geglühe te Stoff 
nach dem Wiegen keiner weiteren Behandlung bedarf^ und 
letztere^ wenn dieser weiter zerlegt werden muss^ wobei 
die Bestandtheile der Papierasche zu Irrthümern Veranlas- 
sung geben können/ Auch geschieht dies in solchen Fällen^ 
wo die Reduotion eines metallischen Stoffes zu befürchten ist 
Was die Kieselsäure in's 3esondere betrifft; so muss sie vor 
dem Glühen stark getrocknet und mit Vorsicht aus dem 
Filtrum in den Tiegel gebracht werden ^ worauf das Filtrum 
zum Verbrennen obenauf gelegt wird. Ist die Erde nicht 
völlig trocken ; oder liegt sie auf dem Filtrum^ so wird viel 
davon; durch die in der Hitze aus dem Papier sich ent- 
wickelnden gasförmigen Stoffe^ als feiner Staub weggeführt. 
Der bedeckte Tiegel wird unter eine Glocke neben Schwefel- 
säure gestellt; bis er kalt geworden ist; und dann schnell 
gewogen. Die Kieselsäure wird dann in einer kochenden 
Lauge von kohlensaurem Kali oder Natron aufgelöst; oder 
mit Fluorwasserstoffsäure geprüft; ob sie sich gänzlich ver- 
flüchtigen lässt; um sich zu überzeugen; ob sie vollkommen 
rein sei. 

L. Svanberg hat darauf aufmerksam gemacht; dass 
wenn man bei der Analyse fluorhaltiger Silicate den Fluor- 
gehalt übersieht; das Fluor stets eine Portion Kieselsäure mit 
wegführt; in dem VerhältnisS; wie zur Bildung von Fluor- 
kieselgas erfordert wird. Dieser Gehalt an Kieselsäure muss 
dann durch Berechnung bestimmt und hinzugefügt werden^ 



Analyse. 55 

sobald der Floorgehalt auf die weiter unten zn beschreibende 
Weise genau bestimmt worden ist 

Nun ist noch die Auflösung in Chlorwasserstoffsaure zu 
zersetzen übrig; aber^ da hierbei nach den verschiedenen 
Basen anders verfahren werden muss, und eine fär alle Fälle 
geltende Vorschrift nicht gegeben werden kann, so werde 
idi hier; statt einer solchen^ die Analyse einiger kieselsauren 
Verbindungen beschreiben ; welche die gewöhnlich vorkom- 
menden Fälle in sich fasst. 

Erstes Beispiel. Ich werde hierzu die Analyse des Or- 
thits , eines sehr zusammengesetzten Fossils ^ wählen. Wir 
setzen voraus ^ dass, nachdem dieses Mineral in Königs- 
wasser aufgelöst; die Auflösung zur Trockne abgedampft und 
die Kieselsäure auf die schon angeführte Art abgeschieden 
worden ist; die Auflösung der Chlorüre zu zerlegen übrig 
ist. Durch die qualitative Probe; nehmen wir au; sei aus- 
gemittelt; dass das Mineral KaU^erdc; ThonerdO; YttererdO; 
Eisenoxyd; Manganoxydul und Ceroxydul enthält. 

a. Nachdem das Wasser; womit die Kieselsäure aus- 
gewaschen wurde; zu einem geringeren Volumen abgedampft 
ist; wird es der sauren Auflösung zugefügt;' die man mit 
kaustischem Ammoniak niederschlägt. Ich erinnere* hier ein 
für alle Mal; dass das kaustische Ammoniak; welches bei 
Analysen angewendet wird; so vollkommen frei von Kohlen« 
säure sein musS; dass es mit Kalkwasser vollkommen klar 
bleibt; und dass sich in dem Gemisch damit nach ein Paar 
Stunden keine feine Kömer von kohlensaurer Kalkerde an 
der inneren Seite des Glases abgesetzt finden; wenn die 
Flasche; nachdem das Gemisch wieder ausgegossen worden 
ist; im Lm^n trocl^en wird. Ohne Beachtung dieses Um- 
standes erhält man niemals eine richtige Analyse; wo kau- 
stisches Ammoniak angewendet wird« Dieses lässt nur die 
Kalkerde mit etwas Manganoxydul in der Flüssigkeit zurück; 
während die übrigen niedergeschlagen werden. Man lässt 
den Niederschlag aus der Flüssigkeit; diC; wie p. 40 ange- 
fahrt ist; vor dem Zutritt der Luft bewahrt wird; sich ab- 
setzen. Die klare Flüssigkeit wird abgegossen; oder noch 
besser durch das Filtrum gehen gelassen; und dann erst der 
Niederschlag auf das Filtrum gebracht. Den Trichter hält 
man stets mit einer Glasscheibe bedeckt. Erst nachdem alle 



56 Analyse. 

Flüssigkeit darchgegaBgen Ist^ wird siedeadheisses Wasser 
aufgegossen^ und nacMem auch dieses' völlig durchgelaufen 
ist^ wird eine neue Quantität zugegossen^ womit man fort- 
fahrt^ so lange ein Tropfen des durchgegangenen Wassers^ 
nach Abdampfung auf einem Spatel von polirtem Platin oder 
Gold^ einen Flecken hinterlässt. Das Wasch wasser wird 
für sich bis zu einigen Drachmen abgedampft^ und dann der 
filtrirten Flüssigkeit beigemengt^ die man nun mit oxalsaurem 
Ammoniak niederschlägt^ und darauf gelinde erwärmt^ um 
den ganzen Kalkgehalt zum Sinken zu bringen. Der Oxal- 
säure Kalk wird aufs Filtrum gebracht^ gewaschen, getrock- 
net und mit dem Filtrum geglüht, wobei er in kohlensauren 
Kalk verwandelt wird. Enthielt er Mangan, was oft der 
Fall ist, so ist er nicht weiss, sondern grau oder selbst 
braun, je nach dem ungleichen Mangangehalt. Dabei kann 
man den Rückstand niemals mit völliger Sicherheit als koh- 
lensaure Kalkerde berechnen, weil die Kalkerde beim Glühen 
zu leicht iiire Kohlensäure verliert. Man pflegt den^ Rück- 
stand mit einigen Tropfen einer Lösung von 4iohlensaurem 
Ammoniak zu befeuchten, einzutrocknen und den Ueberschuss 
von Ammoniak bei gelinder Hitze wieder auszutreiben. Aber 
auch dieses ist nicht immer zuverlässig, besonders wenn die 
kohlensaure Kalkerde manganhaltig ist. Ich pflege die ge- 
glühete kohlensaure Kalkerde in einem Tiegel mit ein wenig 
Salzsäure aufzulösen, mit der gewöhnlichen Vorsicht, dass 
durch das Brausen nichts verloren geht. Ist der Kalk man- 
ganhaltig, so werden einige Tropfen Alkohol zu der Säure 
gesetzt, um die Bildung von freiem Chlor zu verhindern, 
darauf werden einige Tropfen destillirter Schwefelsäure zu- 
gesetzt, die Salzsäure im Wasserbade, und die Schwefelsäure 
über der Elanuüe einer Spirituslampe weggedunstet,' ohne den 
Boden des Tiegels bis zum Glühen zu erhitzen. Das zurück- 
gebliebene schwefelsaure Salz wird gewogen und daraus der 
Kalk berecimet. War es manganhaltig, so wird das schwe- 
felsaure Manganoxydul mit Wasser und ein wenig Salzsäure 
ausgezogen, die Flüssigkeit mit ein wenig mehr Wasser 
verdünnt und aus der Lösung durch reines Fünffach-Schwe- 
felkalium, KS^, Schwefelmangan gefällt, dieses gewaschen, 
noch feucht in ein wenig Königswasser aufgelöst, die Lö- 
sung kochend mit kohlensaurem Natron ausgefallt und der 



Analyse. 57 

Niederschlag zu Mangänoxyd-Oxydul gegläht. Nacb diesem 
wird dann der Manganoxydulgeh^t berechnet^ so wie auch 
das schwefelsaure Mangaooxydul; welches von dem Gewicht 
der schwefelsauren Kalkerde abgezogen werden muss^ bevor 
daraus der Gehalt an Kalkerde berechnet wird. 

Die gewöhnliche Vorschrift zur Ausfallung des Hangans 
und anderer Metalle^ als Schwefelmetalle^ besteht darin, dass 
man dazu Amraoniumsulfhydrat anwendet. Aber ausserdem, 
dass dieses Präparat theuer und schwierig unverändert auf- 
zubewahren ist, hat es verschiedene Uebelstände; es enthält 
nämlich nicht selten kohlensaures Ammoniak, an dessen 
Gehalt man nicht denkt und wodurch dem Schwefelmetall- 
Niederschlag ein kohlensaure^ Salz beigemischt wird, so wie 
auch in einem zugesetzten Ueberschuss davon verschiedpue 
Schwefelmetalle in geringer Menge aufgelöst bleiben, auch 
solche, welche den basischen Schwefelmetallen angehören. 
Der Niederschlag, welcher erhalten wird, ist eine niedrige 
Schwefelungsstufe und hat grosse NTeigung, sich beim Wa- 
schen za oxydiren. Dazu kommt, dass, wenn man den 
Ueberschuss des zugesetzten Ammoniumsulfhydrats oder auch 
nur den freigewordenen Schwefelwasserstoff wegdunsten will, 
auch Schwefelmagnesium, MgS, niederfällt, welches sich 
mit den gefällten Schwefelmetallen verbindet. Diese Schwefe- 
lungsstufe des Magnesiums und des Calciums ist nämlich in 
Wasser schwerlöslich, während die höheren Schwefelungsstu- 
fen leichtlöslich sind. Diese Uebelstände finden bei der höchsten 
Schwefelungsstufe von Kalium öder NTatrium, KS* oder NaS*, 
nicht statt, sie kosten wenig, sind leicht darzustellen und un- 
verändert aufzubewahren. Die Bereitung geschieht aus reinem 
kohlensauren Kali oder Natron, die vorher durch Glühen von 
allem Wasser befreit worden sind. Man vermischt sie genau mit 
reinem metallfreien Schwefel in etwas grösserer Menge, als 
zur Bildung erforderlich ist^ Die Verbindung geschieht in einer 
Schaale oder in einem grösseren Tiegel von achtem Porcellan, 
die mit einem Deckel versehen sind. Man erhitzt sie über einer 
Lampe bis gerade zu der Temperatur, die für die Vereinigung 
nöthig ist, und welche den Schmelzpunct des Schwefels 
wenig übersteigt, mit der Vorsicht, dass die Masse nicht 
überkocht. Sobald die Vereinigung erfolgt ist und das Auf- 
brausen nachgelassen . hat, legt man den Deckel auf und 



\ 



58 Analyse* 

dampft den Schwefel weg bei einer Temperatur^ die -|-300^ 
nicht übersteigen darf. Das Porcellan wird dabei nicht im 
Mindesten angegriffen. Die Masse wird dann auf eine kalte 
Steinplatte ausgegossen^ zerschlagen und in Stacken in einer 
Flasche mit eingeschliffenem und mit Talg bestrichenem Stöpsel 
aufbewahrt. Zum Gebrauch wird eine Portion herausgenom- 
men und in kochendem Wasser^ oder^ wenn man sie frei von 
eingemischtem schwefelsauren Salze haben will^ in ein wenig 
vorher gekochtem Alkohol aufgelöst. Dieses Fällungsmittel 
bildet immer Supersulphurete, die sich beim Waschen nicht 
80 leicht oxydiren^ und das im Ueberschuss zugesetzte Fäl* 
lungsmittel ist zu sehr mit Schwefel übersättigt^ als dass 
es sich mit irgend einem basischen Schwefelmetall verbinden 
und dieses in der Lösung zurückhalten könnte. Aus der 
filtrirten Flüssigkeit können Kalkerde und Talkerde dann auf 
die gewöhnliche Weise mit kohlensaurem Kali kochend aus- 
gefallt werden^ oder es wird die Kalkerde zuerst nach einem 
Zusatz von Salmiak durch oxalsaures Ammoniak und darauf 
die Talkerde durch kohlensaures Kali ausgefallt. Besser ist 
es jedoch^ wenn man vorher aus der Flüssigkeit durch Salz- 
säure und gelinde Verdunstung sowohl den Schwefel^ als 
auch den Schwefelwasserstoff entfernt^ und dann aus der 
filtrirten Flüssigkeit die Ausfallungen macht. 

Die Flüssigkeit^ aus welcher der Kalk durch oxalsaures 
Ammoniak gefallt worden ist^ kann nun Talkerde und einen 
Rückhalt von Manganoxydul^ die durch Oxalsäure nicht nie- 
dergeschlagen werden^ enthdten. Sie können auf die eben- 
erwähnte Weise mit KS* getrennt werden. Aber man hat 
noch eine Methode^ welche bei dieser Gelegenheit angewendet 
werden kann. Man versetzt die Lösung mit zweifach -koh- 
lensaurem Kali und leitet Chlor hinein^ oder man vermischt 
die Lösung mit ein wenig chlorigsaurem Alkali. Im ersteren 
Falle wird das Manganoxydul in dem aufgelösten Mangan- 
bicarbonat sogleich oxydirt und in dem letzteren erst nach 
einigen Stunden^ während das Gefäss verschlossen gehalten 
werden muss. Das erstere ist jedoch immer am sichersten; 
aber das Chlorgas ^ welches eingeleitet wird^ muss vorher 
durch Wasser gegangen sein^ damit es in diesem alles mit- 
gefühtre Mangausuperchlorid absetze^ was sonst den Mangan- 
gehalt in der Analyse vermehrep würde. 



Analyse. 59 

Die vom Manganoxyd abfittrirte Flüssigkeit wird im' 
Wasserbade bis zur Trockne verdaustet, die trockene Salz-* 
masse in wenigem kochenden Wasser aufgelöst und mit 
kohlensaurem Kali vermischt^ um zu finden^ ob sich dabei 
Ammoniak entwickelt^ in welchem Fall sie mit mehr kohlen- 
saurem Kali eingetrocknet werden muss^ so dass kein Am- 
moniaksalz darin uuzersetzt übrig bleibt; weil sonst die 
Talkerde niemals abgeschieden werden würde. Die meisten 
Orthite enthalten keine Talkerde ^ oder nur Spuren davon. 
Diese bleibt nun unaufgelöst ^ wenn man die Salzmasse iü 
kochendem Wasser wieder auflöst. Man sammelt sie auf 
einem Filtrum^ wäscht sie mit kochendem Wasser ^ weil 
kaltes Wasser mehr von der Talkerde auflöst^ als kochendes^ 
glüht und wiegt sie. 

b. Der Nied^schlag mit kaustischem Ammoniak^ welcher 
auf einem Filtrum gesammelt worden ^ ist gewöhnlich sehr 
voluminös. , Er muss nun^ für die Behandlung mit kausti;^chem 
Kali von dem Filtrum abgenommen werden. Dies erfordert 
eine gewisse Vorsicht; damit es ohne Verlust geschehe. 
Man lässt den Trichter mit dem Filtrum an einem warmen 
Ort stehen ; z. B. in der Nische eines Kachelofens ^ damit 
er langsam austrockne. Die Masse zieht sich dann allmalig 
zusammen zu einem losen Klumpen in der Spitze des Fil- 
trumS; der; sobald er lose darin liegt; in das GefasS; worin 
mau ihn mit Kalihydrat zu behandeln beabsichtigt; geschüttet 
wird. Etwas bleibt gewöhnlich an dem Filtrum sitzen; be- 
sonders oben an den Rändern; das Filtrum wird vorsichtig 
herausgenommen. Der umgelegte Theil de3selben; auf wel- 
chen nichts von dem Niederschlag kommen konnte; wird 
weggeschnitten; der übrige Theil auf einer flachen Schaale 
ausgebreitet; und auf dieser mit ein wenig warmem Was- 
ser und etwas verdünnter Salzsäure durchfeuchtet. Zeigt 
es sich; dass das Papier einen braunen Fleck bekommt; da 
wo die Masse aufgelöst wird; so rührt dieser von Mangan- 
oxyd her; man tropft dann ein wenig Alkohol darauf und 
erwärmt gelinde; bis das Manganoxyd aufgelöst worden ist. 
Das Papier wird nun wohl ausgewaschen und die Flüssigkeit 
verdunstet; bis davon nur noch einige Tropfen übrig sind; 
die man auf den vorhin ausgefällten JKlumpen des Nieder- 
schlags giesst 



V 



60 Analyse. 

Man kann auch die^ Masse ^ wenn man Zeit gewinnen 
will^ ohne sie vorher auf dem Filtnim zu trocknen^ mit klei- 
nen Portionen warmer verdünnter Salzsäure äbergiessen und^ 
sobald das Aufgelöste durchgegangen ist^ ein wenig mehr 
davon zusetzen^ bis das Filtrum in dem Trichter ausgewa- 
schen ist. Die durchgegangene Lösung wird im Wasserbade 
bis ungefähr zur Syrupdicke abgedunstet. Welchen Weg 
man auch wählt^ so wird die Masse nun mit einer concen- 
trirten Lauge von Kalihydrat vermischt^ damit im Wasser- 
bade erhitzt und darin bedeckt ein Paar Stunden lang stehen 
gelassen^ während man das Wasser in dem Wasserbade 
fortwährelid rasch kochen lässt. Man kocht nicht über freiem 
Feuer^ denn wenn die alkaUsche Flüssigkeit ins Sieden kommt^ 
so spritzt sie ynd man hat Verlust. Man muss das Kali- 
hydrat immer im Ueberschuss anwenden. Man lässt nun die 
Flüssigkeit erkalten; und verdünnt sie mit so viel Wasser^ 
dass sie filtrirt werden kann^ ohne das Filtmm zu zerfressen. 
Was auf deiQ Filtrum zurückbl^bt^ wird zuerst einige Male 
mit kaltem und darauf mit kochendem Wasser gewaschen^ 
bis das durchgehende nicht im Mindesten mehr auf Lack- 
muspapier alkalisch reagirt. Man prüft die durchgegangene 
alkalische Flüssigkeit auf einen überschüssigen Kaligehalt 
auf die schon im Vorhergehenden angeführte Weise. 

(In Betreff des KalihydratS; welches zu diesen Analysen 
angewendet wird; muss ich erinnern; dass es keine Kiesel- 
säure enthalten darf. Es muss vorher immer geprüft werden^ 
indem man es mit Salzsäure übersättigt; zur Trockne ver- 
dunstet und das trockne Salz in Wasser wieder auflöst. 
Bleibt dann keine Kieselsäure zurück; sondern löst sich alles 
klar und ohne Trübung wieder auf; so ist es gut; im ent- 
gegengesetzten Falle kann es nicht angewandt werden. 
Enthält es ein wenig kohlensaures oder schwefelsaures Kali 
oder Chlorkalium; so bedeuten diese für diesen Gebrauch 
nichts ; aber die Kieselsäure wird daraus mit der Thonerde 
ausgefällt und man bekommt ein falsches B,esultat. Für 
diesen Zweck muss man sich das Kalihydrat selbst bereiten^ 
und z\yar aus dem kohlensauren Kali; welches durch Glühen 
von saurem weinsauren Kali in einem Gefass von Eisen oder 
Platin erhalten wird.) 

Die abfiltrirte Kaliflüssigkeit wird mit dem Waschwasser 



JnaJyse. 61 

in ein Gefass von Silber oder Platin gegossen und eine 
Weile gekocht. Enthält sie Beryllerde aufgelöst^ ao fallt 
diese daraus nieder^ und die Thonerde bleibt in der Lösung 
zurück. Wird dagegen die Lösung bei einstundigem Kochen 
nicht getrübt 9 so hat man nur Thonerde darin. Fällt Beryll- 
erde nieder ; so wird diese auf ein Filtrum genommen^ lange 
Zeit mit kochendem Wasser gewaschen^ geglüht und gewogen. 
Die Thonerde wird aus der Lösung in Kali auf die Weise 
gefallt^ ^ass man die Flüssigkeit mit Salzsäure vermischt^ 
bis die Thonerde gefällt und wieder aufgelöst worden ist^ 
worauf man sie aus dieser sauren Flüssigkeit»mit kaustischem 
Ammoniak fällt^ welches in kleinem Ueberschuss zugesetzt 
wird. Dieser Ueberschuss hat den Zwecke die Bildung von 
basischem Chloraluminium zu verhindern^ welches voluminös^ 
schleimig und fast nicht auszuwaschen ist. Die Thonerde 
wird auf ein Filtrum genommen^ mit kochendem Wasser 
vollkommen ausgewaschen^ geglüht und gewogen. Die ab- 
filtrirte AmmoniaklBiüssigkeit wird zur Verjagung des Ammo- 
niaks verdunstet. Scheidet sich dabei noch etwas Thonerde 
ab; was meistens der Fall ist; so wird diese auf ein Filtrum 
genommen und der übrigen beigefügt. Die geglühete Thon- 
erde wird mit concentrirter Salzsäure Übergossen und damit 
gelinde digerirt^ bis sie aufgelöst ist. Dann wird der Ueber- 
schuss von Salzsäure im Wasserbade weggedunstet, das 
Chloraluminium in wenigem sauren Wasser wieder aufgelöst^ 
wobei gewöhnlich etwas Kieselsäure zurückbleibt ^ die man 
auswäscht; glüht; wiegt und ihr Gewicht von dem der 
Thonerde abzieht. 

War Beryllerde in der Flüssigkeit enthalten; so soll sie 
zwar; wie man angegeben hat; beim Kochen der Verdünnten 
Kalilösung vollständig ausgefällt werden; aber ich glaube 
nicht; dass diese Frage so sicher entschieden ist; dass man 
sich darauf verlassen kann; die Thonerde sei frei von 
Beryllerde. Man fallt daher die Lösung von Chloralumi- 
nium mit kohlensaurem Ammoniak aus und setzt dieses im 
Ueberschuss zu. Dies^ Ueberschuss löst die Beryllerde und 
sehr wenig Thonerde auf. Die Flüssigkeit wird abfiltrirt 
und im Wasserbade bis fast zur Trockne verdunstet. Das 
kohlensaure Ammoniak dunstet dann weg und verliert; was 
es aufgelöst hatte ; worauf die Beryllerde beim fortgesetzten 



62 Analyse. 

Verdonsten das Ammoniat austreibt und sich in der Flüs- 
sigkeit auflöst^ mit Zurücklassung der Spur Thonerde^ die 
der Sicherheit wegen von Neuem eine Weile mit ein wenig 
Salmiaklösung gekocht werden muss. Diese Salmiaklösung 
wird der Beryllerdelösung zugemischt ^ und daraus die Beryll- 
erde mit kaustischem Ammoniak gefallt^ dann ausgewaschen^ 
geglüht und gewogen. 

Man hat noch einige Methoden^ um Thonerde und Be- 
ryllerde von einander zu scheiden. Nachdem beide Erden 
aus der Kaliflüssigkeit auf dieselbe Weise ^ wie die Thon- 
erde allein ; ausgefällt und ausgewaschen worden sind^ wer- 
den sie mit einem grossen Ueberschuss vo]^ kohlensaurem 
Ammoniak behandelt^ worin sich die Beryllerde mit Zurück- 
lassung der Thonerde auflöst. Die Lösung in kohlensaurem 
Ammoniak wird gekocht, bis das Ammoniak ausgetrieben 
ist^ worauf die Beryllerde zurückbleibt^ die man auf ein Fil- 
trum nimmt. Auf diese Weise getreilnt^ enthält sie immer 
ein wenig Thonerde« Oder man löst sie in mit schwefliger 
Säure gesättigtem Wasser auf^ und kocht die Lösung^ bis sie 
den Geruch nach schwefliger Säure verloren hat. Dabei wird 
schwefligsa&re Thonerde ausgefällt^ während schwefligsaure 
Beryllerde sich aufgelöst erhält. Sie werden durch Filtriren 
geschieden^, die Beryllerde mit kaustischem Ammoniak aus- 
gefällt^ die Thonerde in Salzsäure aufgelöst^ aus der Lösung 
die schweflige Säure weggekocht und die Erde dann mit 
kaustischem Ammoniak ausgefallt. Eine dritte Methode be- 
stehet darin ^ dass man die ausgefällten Erden mit einör 
starken Salmiaklösung kocht ^ bis die dabei weggehenden 
Wasserdämpfe mittelst ein^s in Salpetersäure getauchten 
und damit in Berührung gebrachten Glasstabes keine Spur 
von Ammoniak inehr zu erkennen geben. Dabei wird die 
Beryllerde aufgelöst und die Thonerde bleibt zurück. 

Anmerkung. Wenn die Thonerde die grössere Quan- 
tität des mit Ammoniak erhaltenen Niederschlags ausmacht^ 
so pflege ich den Niederschlag zu trocknen ^ zu glühen und 
zu wiegen; darauf löse ich ihn in concentrirter Chlorwasser- 
sto£fsäure auf^ verdunste im Wasserbade die überschüssige 
Säure bis zur Trockne^ befeuchte die Masse mit Salzsäure 
und verdünne sie^ nachdem diese eine Weile eingewirkt hat^ 
mit Wasser. Die Kieselsäure bleibt dann ungelöst^ und wird 



Analyse. 63 

von der Lösung abfiltrirt, aus welcher die andern Stoffe 
durch kaustisches Kali niedergeschlagen^ darauf abfiltrirt^ 
ausgewaschen^ gistrocknet und gewogen werden. Was sie 
nun weniger als vorher wiegen^ ist das Gewicht der Thon- 
erde. Dieses Verfahren hat den Vortheil^ dass man bei der 
voluminösen Beschaffenheit der Thonerde und der Schwie- 
rigkeit^ sie auszuwaschen^ jetzt die ganze Operation der 
Ausscheidung derselben aus der Kalilauge vermeidet^ und 
die Analyse wenigstens doppelt so schnell geht. Die abfil- 
trirte verdünnte Kalilösung wird^ zur Prüfung auf Eferyllerde^ 
gekocht. 

c. Diejenigen Stoffe^ welche sich vom Kali nicht auf- 
lösen lassen^ werden in Chlorwasserstoffsäure aufgelöst. 
Diese sind nun Ceroxydul^ Eisenoxyd ^ Hanganoxyd und 
Yttererde. Das Ceroxydul wird auf eine eigenthümliche Art 
abgeschieden. Man setzt in die Auflösung eine Rinde von 
krystallisirtem schwefelsauren Kali^ die über die Oberfläche 
der Auflösung hervorragen muss^ damit alle Theile der Flüs- 
sigkeit mit diesem Salze völlig gesättigt werden. Die Cer- 
oxyde haben die Eigenschaft; mit Kali und Schwefelsäure 
ein Doppelsalz zu bilden ^ welches in einer gesättigten Auf- 
lösung von schwefelsaurem Kali unlöslich ist, diese mag 
übrigens freie Säure enthalten oder nicht. Dieses Salz wird 
jetzt niedergeschlagen ; und wenn nach 24 Stunden die Auf- 
lösung kein schwefelsaures Kali mehr aufnimmt ^ wird das 
Klare abgegossen und der Niederschlag mit einer concen- 
trirten Auflösung von schwefelsaurem Kali in Wasser aus- 
gewaschen. Er wird dann in reinem kochendheissen Wasser 
aufgelöst; und die Auflösung mit kaustischem Kali nieder- 
geschlagen (Ammoniak würde ein basisches schwefelsaures 
Salz fällen); der Niederschlag darauf gewaschen^ getrocknet 
und geglüht. Dieser ist immer Ceroxyd; und wenn das Mi- 
neral Oxydul enthielt; so muss der hinzugekommene Sauer- 
stoff abgerechnet werden *)• 



*> Mosander hat entdeckt^ dass das Ceroxyd in aUeu Mineralien^ 
worin es bis jetzt gefunden worden ist^ eine bedeutende Portion 
Cungefähr die Hälfte seines Gewichts) von ein|m anderen Oxyd 
enthält^ welches darin so versteckt ist, dass seine Salze die Cha- 
rmcter» der Ceroxydsalze nicht verändern. Aus diesem Grunde hat 



64 Analyse* 

Man Jcann nun auf zweierlei Weise das^ Eisenoxyd ab- 
scheiden, die ich beide bei der qualitativen Analyse ange- 
führt habe. Entweder versetzt man die Flüssigkeit mit ver- 
dünntem kaustischen Ammoniak in kleinen Portionen, bis die 
Lösung eine dunkelrothe Farbe bekommen hat, und kocht 
sie dann, bis das Eisen in Gestalt von basischem schwefel- 
sauren Sisenoxyd niedergefallen ist, was dann zuerst mit 
warmem kaustischen Ammoniak gewaschen wird, um die 
Schwefelsäure daraus auszuziehen, und darauf mit kochendem 
Wasser; oder man fallt das Eisenoxyd mit bemsteinsaurem 
Alkali aus, was immer am sichersten ist. 

Um diese Fällung richtig zu machen, sättigt man die 
Flüssigkeit mit Ammoniak, welches in einigem Ueberschuss 
zugesetzt wird, so dass sich ein wenig Eisenoxyd nieder- 
schlägt. Es geschieht immer beim Zusetzen des Ammoniaks, 
dass Eisenoxyd sogleich 'niederfallt; dieses löst sich aber 
nach einer Weile wieder auf. Man setzt dann wieder ein 
wenig Ammoniak zu, lässt das Gemenge an einem -f 20 bis 
30^ warmen Orte ein Paar Stunden stehen, und wenn der 
Niederschlag wieder verschwunden ist, werden wieder einige 
Tropfen zugesetzt, und die Flüssigkeit aufs N^eue stehen 
gelassen. Man fährt hiermit so lange fort, bis endlich eine 
Portion Eisenoxyd unaufgelöst zurückbleibt. Das Ammoniak, 

dessen 

er es Lanthan (von Tmv^olvbiv ^ verborgen sein) genannt. Basselbe 
wird aus dem Ceroxyd ausgezogen^ wenn man das gemischte salpeter- 
saure Salz beider Oxyde glüht und das riickständige Oxy4 in der 
Kälte mit äusserst verdünnter Salpetersäure behandelt. Dabei löst 
sich das Lanthanoxyd ^mit Zurücklassung des Ceroxyds auf. Das 
Lanthan hat nur ein Oxyd und dieses ist eine so starke Salzbasis^ 
dass es , in der Wärme mit Wasser Übergossen , sich in ein Hydrat 
yerwandelt; welches gerÖthetes Lackmuspapier, bläut ^ und welches 
sich bei anhaltendem Kochen in einer concentrirten Losung von 
Salmiak auflöst^ während aus diesem das Ammoniak entwickelt 
wird. Dagegen ist es in kohlensaurem Ammoniak nicht aufloslich^ 
wie das Ceroxyd. Das Lathanoxyd gibt farblose Salze von rein 
zusammenziehendem Geschmack, hat grosse Neigung^ basische Salze 
zu bilden , wird in reinem Zustande nicht durch schwefelsaures Kali 
gefällt^ sondern bildet damit ein Doppelsalz ^ welches ungefähr die- 
selbe Loslichkeit hat, wie das schwefelsaure Kali. In seiner Ver- 
bindung mit Ceroxyd wird es aber vollkommen dadurch mitgefällt. 
Uebrigens sind Bfosander's Versuche noch nicht pubUcirt worden. 



Analyse. 9b 

dessen man sich hiema bedient^ 'muss sehr verdinnt seta. 
Hat die Flüssi^eit ihre Farbe verloren^ so ist die ganze 
Portion des Eisenoxyds niedergeschlagen^ und die Flässigkeit 
enthält einen Ueberschuss von zugesetztem AlkaU; es muss 
dum eine neue Menge von Säure zugesetzt und die Sätti« 
gung mit mehr Vorsicht gemacht werden. Zum Nieder* 
sehlagen bedient mau sich eines völlig neutralen^ bemstein- 
sauren Salzes^ wozu krystallisirtes bemsteinsaures Natron 
am besten passt. Man wendet auch bemsteinsaures Ammo- 
niak an^ aber ^s ist öfters sauer^ was mit dem krystallisirten 
immer der Fall ist; man muss daher suchen^ seine Auflösung 
gerade so mit Ammoniak gesättigt zu eiAalten^ dass sio 
weder sauer noch alkalisch reagirt. Man braucht jedoch das 
bemsteinsaüre Ammoniak nur in solchen Fällen anzuwenden^ 
wo in der Flüssigkeit ein feuerbeständiges Alkali enthalten- 
ist ^ dessen Gehalt man bestimmen \vilL 

Das bemsteinsaüre Eisenoxyd schlägt sich mit Mass« 
rother Farbe nieder^ und der Niederschlag geschieht am voll- 
kommensten^ wenn man die Masse nachher 15 bis 20 Mi- 
nuten lang kochen lässt. Versäumt man dieses ^ so erhält 
man neutrales bemsteinsaures Eisenoxyd ^ welches beim Wa- 
schen gelatinös wird und sich in dem Waschwasser aufzu- 
lösen anfangt. Nach hinreichendem Kochen reagirt die Flüs- 
sigkeit schwach sauer^ aber sie enthält darum kein Eisen 
aufgelöst. Im Vorbeigehen bemerke ich^ das es zu allen 
diesep Fällungen des Eisens in Gestalt von basischen Salzen 
durch Kochen nöthig ist^ dass sich das Eisen in der Lösimg 
als Oxyd oder als Chlorid befinde^ weil Eisenoxydul oder 
Eisenchlorür auf diese Weise nicht ausgefällt werden« Bei 
der hier beschriebenen Analyse ist das Eis^i durch Anwen^ ■ 
düng von Königswasser zur Auflösung des Minerals in Oi^d 
verwandelt worden, bringt man aber diese Fällungsmethode 
bei anderen Analysen iu Anwendung; wo nichts die höhere 
Oxydirung des Eisens sicher macht, so sättigt man die Lö- 
sung mit Chlorgas und treibt darauf den Ueberschuss davon 
durch Verdunstung in der Wärme wieder aus. Man schreibt 
sonst vor, Salpeteri^ure zuzusetzen und damit zu kochen^ 
aber diese oxydirt niemals so sicher und bringt ausserdem 
Salpetersäure in die Analyse, was in vielen Fällen unge- 
legen sein kann. — Das gefällte basische bemsteinsaüre 

X 5 



$^ Jnalyse. 

Stöenosgrd wird auf dMB Filtnun gebracht« Nachdem ea ans- 
gewaschen isiy lässt man ammouiakhaltigea Wasser hm- 
durchgehen*)^ um einen Theil der Bemateinsiure aussu- 
aiehen^ weil man dann beim Glühen weniger zu beffiriditen 
braucht^ daas das* Eisenoxyd von der Säure su Oxydul re- 
ducirt werde. 

Man glüht das bemsteinsaure Eisenojyd in einem vor- 
Iwr geglühten und dann gewogenen PorceUantiegel^ welcher 
bei der ersten Einwirkung der Hitze bedeckt sein muas^ weil 
die Masse oft gelinde decrepitirt; aber nachher lässt man 
der Luft freien Zutritt Die Verbrennung des bernsteinsauren 
Eisens darf man nicht in einem Platintiegel vornehmen* Bei 
Beobachtung vieler Sorgfalt kann sie allerdings glücken; 
aber gewöhnlich reducirt die Bemsteinsaure in Berührung 
mit dem Platin das Eisen^ welches sich dann mit dem Platin 
verbindet und einen schwarzen Fleck zurücklässt^ der schwie- 
rig wieder wegzubringen ist und welcher in dem gewogenen 
Resultat eine Unrichtigkeit veranlasst. Wie Porcellantiegel 
über der Lampe zu ertiitzen sind^ findet man in dem Art* 
Hegel angeführt. Man bekommt^ wenn alles gehörig ge- 
schieht ^ rothes Oxyd^ wovon gewisse Theile^ am Magnet 
hängen bleiben; welches aber^ wenn es mit Salpetersäure be- 
handelt wird^ nie etwas Bestimmbares an Gewicht zunimmt, 
so dass diese letztere Arbeit immer überflüssig ist. 

Statt des bemsteinsanren Alkalis kann man auch sehr wohl 
benzoesaures Alkali anwenden, unter denselben Vorsichtsregeln 
hinsichtlich der Sättigung der Losung vor der Fällung, des 
Kochens des Gemisches und des Auswaschens des abfiltrirten 
Niederschlags mit kaustischem Ammoniak. Auf diese Weise 
habe ich auch mit Vortheil essigsaures Kali zur Fällung an- 
gewandt; das basische Eisenoxydsalz fallt beim Kochen leicht 
nieder, wenn etwas aufgelöst bleibt, so scheidet es sieh 
beim Abdampfen der Flüssigkeit ab, während sich Essig- 
säure, die durch das Kochen frei geworden ist, verflüchtigt. 

d. Die Flüssigkeit, woraus das Eisenoxyd niederge- 
schlagen ist, enthält noch Manganoxydul und Yttererde. 
Sie werden mit oxalsaurem oder kohlensaurem Kali gefällt^ 



*) Euthitt das Ammonink Kohlensiare, so wird ein wenig vom bem- 
steisiaiireB Eisen ^MfgelSst. 



Jmetg9e. 67 

ausgewaschen^ in ekiem gewogenen Platintiegel gegldht^ In 
Salpetersänre aufgelöst^ asiir Trockne verdunstet und in dem 
Tiegel bis nahe zum Glühen erhitzt. Dabei wird das Man- 
gaao^dul zu Oxyd exydirt^ indem es die Salpetersaure fah- 
ren lässt^ aber die Yttererde. bleibt als basisches Salz zu* 
ruck. Nadi dem Srkalten wird dieses durch Maceriren mit 
einer sehr verdünnten und von salpetriger Säure befreiten^ 
Salpetersaure ausgesogen; wobei das Manganoxyd ungddflft 
zurückbl^bt; Von dem aber viel fi(e fest an dem Tiegel sitc^ 
dass es nicht abgenommen w^den kann. Aus diesem Grunde 
muss der Tiegel vorher gewogen woarden iiein« Die Lesoig 
wird abfiltrirt; das Manganoxyd aosgewasdien und in dem* 
selben Tiegel gegMip;. Die salpetersaure Yttererde wird zmr 
Trockne verdunstet ^ die Salpetersäure daraus durch Glühen 
ausgetrieben, und die Erde gewogen. Ich bemühe hierbd^ 
dass Manganoxydul und Yttererde nicht durch kohlensaures 
Ammoniak gesdiieden werden können ^ das Oxydul geht mit 
der Erde in die Lösung über in Gestalt eines Doppelcar* 
bonats mit Ammoniak ^ auch verliert die kohlensaure Ytter- 
erde beim Glühen nicht. völlig ihrct Kohlenswre^ sondern 
löst sich immer mit schwachem Aufbrausen in Säuren auf^ 
so dass man stets zu viel Yttererde bekommt^ Wenn man 
sie nach dem berechnet^ was beim CUuhen des kuhlensaureil 
Salzes zurückbleibt ^ 

Zweites BdspkL Wir haben im Vorhergehenden die 
Tidkerde unter d«Q .Bestandtheilen vermKSSi Ihre AnWesen- 
hmt erfordert eine andere Operationsmetbode^ weil die Thon- 
erde und die Talkerde eine so grosse Verwundtschaft zu 
einander haben ^ dasES^ wenn eine Auflösui^ von beiden mit 
kaustischem Ammoniak vermischt wird^ sich ein Theil der 
Talkerde als thonsaure Talkerde (wenn man sie iso nemien 
darf) mit der Thonerde niederschlägt; wovon man die nähe- 
ren E%enschafteif Th« II. p. 377 nachschlagen kann. 

a* Wir weUen nns eine Verbinduttg von KieSelsämfe^ 
Thonerde^ Talkerde ^ Kalkerde und Ekenoxyd vorstellen^ se 
wie sie oft als Pyroxen (Augit) oder Amphibol (Hornblende) 
verkommt. — Wir denkeb uns hier die Kieselstere nach 
den vorher abgegebenen Grundsätzen abgeschieden. Es ist 
nech übrig 9 die vier Basen: Kalkerde, Talkerde ^ Thonerde 
und Eisenoxyd von eimuMkr zu scheiden. Bie saure l'lüs-« 

5* 



68 Aithlyse. 

sigkeit^ aas welcher wir die Kieselsäure durch PUtriren ab- 
geschieden haben ^ wird mit dem Waschwasser verdünnt und 
in ein cylindrisches Gefäss ^ welches mit einem uhrglasähn- 
liehen Deckel bedeckt werden kann^ oder am besten in eine 
verschliessbare Flasche gegossen und darauf in kleinen An- 
theilen mit einer Auflösung des Bicaril>onats von Kali ver- 
mischt. Es entsti^ht hierbei ein stail^es Aufbrausen^ wobei der 
Deckel; auch während der Zumischimg des Alkali's^ darüber 
liegen muss^ um einen Verlust durch Spritzen zu vermeiden. 
Das Bicarbonat schiigt die Thonerde und das Eisenoxyd 
^nieder; aber die Kalkerde und die Talkerde bleiben als Bicar- 
-bonate in der Flüssigkeit zurück. Wir wollen zuerst die 
Sehandlung des Niederschlags betracht<|il 

b. Der Niederschlag wird wohl gewaschen; aber, weil 
man sich des Kali's bedient ^ geht es nicht an^ ihn in diesem 
Zustande zu trocknen und zu glühen ^ um nachher ^ durch 
Abzug des Gerichts des Eisenoxyds ^ das der Thonerde zu 
bekommen ; weil die niedergeschlagene Thonerde kohlen- 
saures Kali; in einer unauflöslichen chemischen Verbindung^ 
enthält. Man nimmt ihn also vom Filtrum, zieht das auf 
dem Papier Rückständige mit Salzsäure aus^ löst alles zu- 
sammen in Salzsäure auf; verdunstet die Lösung im Wasser- 
bade zur Trockne; um die Kieselsäure abzuscheiden; be- 
feuchtet den Rückstand zuerst mit concentrirter Salzsäure 
und löst ihn dann nach einer halben Stunde in Wasser auf; 
fölH die filtrirte saure Lösung mit Kalihydrat; welches zur 
Aui^ösung der Thonerde im Ueberschuss^ zugesetzt wird; und 
das Eisenoxyd unaufgelöst zurücklässt; das gewaschen; ge« 
trocknet; geglüht und gewogen wird. Sollte das Eisenoxyd 
Mangan enthalten; so löst man es auf und behandelt es mit 
einem bernsteinsauren Salze ; wie es im Vorhergehenden an- 
geführt ist: Die alkalische Auflösung wird mit Chlorwasser- 
stoffsäure übersättigt; bis sich die Thonerde wieder aufgelöst 
hat; und dann mit kohlensaurem Amiboniak nkrdeigeschlagen. 
Der Niederschlag wird nnt kochendem Wasser gewaschen; 
g;etrocknet und geglüht. -*- 

Anmerkung. Mehrere Chemiker pflegen; um grösser« 
Kosten zu verm^eiden^iaus der alkalischen Auflösoug die 
Thonerde mit einer Auflösung von Chlor -Anmionium nieder^ 
suschlagoB; was sich darauf gnoAdet; dass das Chlor da« 



Kdium sättigt, und di« Thonerde Biedf^pflllt, 'YV&Hrend daa 
Ammoniak frei wird. Aber dieses Alhali löot, besonders 
wenn es im grossen Ueberschüss anwesend ist, eine nicht 
unbedeutende Menge Thdn^o auf, die j eilst durch die Ab-» 
dampfung des Ammoniaks aus d^r Flüssigkeit abgeschieden 
wird. Vergisst man diese AbdAmpfung , . Böf Erhält man noth« 
wendig einen Vedust« Es trifft auss^em hierbei ein anderer 
Umstand ein, welchem mau selten genug ^Aufinerksamkeit 
geschenkt hat, da»s ntoilich der grosse Ueberschuss ' von 
kaustischem Ammoniak, der in der Flässigkeit entsteht, zu 
einer Abscheiduog des Kali's mit der Thonerde beiträgt, 
wodurch man bei diesem Verfahren, wenn die Analyse mit 
Sorgfalt gemadit wird, bei Zusamm^urechming der Bestand« 
theile immer einen Ueberscbu$s bekommt.' Wenn man, im 
GegentheU, die Thonerde aus. einer sa<uren . Auflösung mit 
kohlensaurem Ammoniak niederschlägt , ^o enthält die Flüs- 
sigkeit freie Kohlensäure, durch weiche die Verwandtschaft, 
des Alkali's zur Thonerde aufgehoben wird;^ • : 

c. Die Kalkerde und die Tatkei;de, . wi»tehe in der mit 
Bicarbonat niedergeschlagenen Fiiiyssigkeit atufgelöst zurück- 
geblieben iMnd, können auf mehrere Art getrennt werd^ik 
1) Die Flüssigkeit wird mit Chlprwa^erstoffsäure gesattigt, 
die Kohlensäure verjagt, >und ein kleiner Ueberschuss von 
kaustischem Ammoniak augesetzt. {Is wird .darauf oxalsaures. 
Ammoniak, so lange noch ein Niederschlag entsteht, zuge«^ 
mischt, und die Flüssigkeit in Ruhe gelassen, um die Aus««< 
Scheidung vollkommen zu machen. Das ß^failte wird aufs 
Filtrum gebracht und wie im vorhergehenden Beispiel he^ 
handelt 

Die filtrirte Flüssigkeit und das !Waschwasser werden 
abgedampft, in einem gläsernen Kolben zum Kochen gebracht 
und mit kohlensaurem Kali niedergeschlagen. Di<e klarge^ 
wordene Flüssigkeit wird abgegosseil, der Niederschlag mit 
ein wenig Wasser abgespMt, und das Durchgegangene zur. 
Trockne abgedampft, worauf die Masse mit kochendem 
Wasser übergössen wird, welches einen neuen Theil Talk- 
erde unaufgelöst zurücklässt. Die Flüssigkeit muss nach 
der Wiederauflösung alkalisch reagiren< Geschiebt diese» 
nicht, so muss mehr Alkali zugesetzt und wieder eingetrock- 
net werden. Die beiden Portionen Talkecde werden auf 



V.. 



7D^ Jtnaiyse. 

dwsdbe B^lmiii geimudit and mit kochendem Wasser ge- 
wasdien. Das Wal»hen gdit schnell nnd moss nicht zu 
lange fortgesetzt werden^ weil sich ein wenig Talkerde im 
Wasch Wasser auflöst Nach Fyfe's Versuchen wird 1 Th. 
kohlensaure Talkerde Ton 9000 Th« kochendheissem Was-» 
ser aufgelöst. Wäscht man^ im Oegentheil^ mit kalten^ 
Wasser^ so geht das Wasdien langsamer^ und dann wird- 
1 !%• des Niederschlages von 2500 Th. Wasser aufgenommmi. 
Die Talkerde wird wohl geglüht und in kohlensäurefreiem 
Zustande gewogen« — Man löst sie dann in Chlorwasser- 
steffs&ure auf^ dampft zur Trockne ab; und löst die Blasse 
wieder in säurehaltigem Wasser auf; wobei eine nicht un-^ 
bedeutende Menge Kieselsäure zinräckbleibt; welche die Talk-» 
erdc; sowie das Manganoxydul und das Zinkoxyd; gewöhn- 
lich mehr als alle andere Stoffe zurückhalten. 

2) Die Flüssigkeit wird mit kohlensaurem Kali versetzt und 
jmr Trockne al^edampft. Man bekommt; wenn die Salzmasse 
mit Wasser übergössen wird; kohlensaure Kalkerde und koh^ 
lensaure Talkerde unaufgelöst; die wohl gewaschen; mit de- 
stillirter SchwefelsäiHre gesättigt und zum angehenden Gllihen 
^riutzt weiden. Die Masse wird gewogen; sie wird darauf 
mit einer gesättigten Auflösung von schwefelsaurer Kalkerda 
in Wasser ausgezogen; worauf das Unaufgelöste wieder ge- 
trocknet; • geglüht und gewogen wird. Hierbei zieht die 
Gypsauflösung nur schwefelsaure Talkerde aus; was diese 
dann unaufgelöst zurücklässt; ist schwefelsaurer Kalk; der 
Verlust ist schwefelsaure Talkerde. Die Quantität der beidea 
Basen wird nach der Zusammensetzung der schw^elsaurea 
SalzC; die man in den Tabellen angegeben findet; berechnet. 

Man kann auch die beiden zusammen gefällten kohlen-- 
sauren Erden in Salzs«ire auflösen; die Lösung zur Trockne 
verdunsten und den Rückstand so lange gelinde erhitzen^ 
ids noch Dämpfe von Salzsäure weggehen. Das Chlor^ 
magnesium zersetzt dabei Wasser und bildet damit Talkerde 
und Salzsäure. In dem erhitzten Rückstände ist dann Chlor- 
ealcium; vermischt mit basischem Chlormagnesium; enthalten« 
Man begiesst den Rückstand mit WasSer; vermischt ihn 
dann mit reinem Quecksilberoxyd in einer der Quantität der 
Masse angemessenen Menge; trocknet das Gemisch ein und 
erhitzt es bis zum anfangenden Glühen. Dann bleibt Talkerde 



Amh/$e. 71 

Eiur&Gk, wfihrend Quedcsilberebtorid^ Saiiefsfoff MA>tiidtfilli«* 
sehes Quecksilber wegdnnsten. Da» Chtorcalciani wild:' aar-* 
gelöst UDd die zurückbleibende Talkerde mit kocbemfcm 
Wasser gewaschen^ getrocknet und geglüht« Das Clilofv 
caltiiini wird auf die bereits angefülirte Weise in «dtwe^» 
saure Kalkerde verwandelt« a . .l > ij ,,.(.'• 

. 3) Die Kidkerde wird^ wie vorher angeführt^ mit o»:al^ 
saurem Ammoniak niedergeschlagen. Die Valkerde wird 
darauf mit phosphorsaurem Natron gefällt^ Welches mit ein 
wenig kaustischem Ammoniak gemischt ist (\^il das ein- 
fache neutrale Säle nicht gefallt wird); «&d dei: Niederschlags 
welcher basische phosphorsaure Ammoniaktalkerde ist^ Wird 
gewaschen ; geglüht und gewogen« Diese neuerlich vorge- 
schlagene Methode ist jedoch nicht zuverlässig^ weil der 
Niederschlag; obgleich ganz unauflöslich, wetfn die Flüssig- 
keit einen Uebersdiuss von phosphorsaureAi Salze enthSdt; 
von dem beim Waschen zugegossenen reiuöi^ Wasser auf^ 
gelöst wird; woraus es sich auTs Neue niederschlägt; weM 
man ein phosphorsaures Salz zusetzt. Diese Auflöslichkei'l; 
die beim Gebrauch dieser Methode übersehen wurde; macht 
das Resultat unzuverlässig; obgleich man es durdi die irrige 
Berechnung corrigirt hat; dass der geglühte Niederschlag 
40 p. C. Talkerde enthalten sollte; da er in der That n^ 
36;67 mithält. Was also durch's Waschen verloren gegan- 
gen wiUT; hatte man durch die Annahme einer grösseren 
Menge Talkerde im Niederschlage ersetzt. Die Talkerde 
wird daher entweder; wie vorher erwähnt ist; mit kohlen- 
saurem Kali abgeschieden; oder man kann die Flüssigkeit 
abdampfen und das Salz, glühen ; wo dann die Talkerde im 
Wasser unauflöslidi zurückbleibt. Enthält das Mineral Man- 
gan; so wird es wie im vorhergehenden Beispiel abge- 
schieden. 

Drittes Beispiel. Wenn Mineralien ein Alkali enthalten; 
so ist zum Ausziehen des Alkali's eine eigene Operation 
nöthig. Lässt si^ das Mineral in einer Säure auflösen; so 
ist diese Operation leicht. Besteht es Zr B. aus Kieselsäure; 
Natron; Kalk und Thonerdc; so wird das feingepulverte 
Mineral in Chlorwasserstofisäure aufgelöst. Oewöhnlich ge- 
latinirt es; die Masse wird zur Trockne abgedampft; erst 
mit coucentrirter ChlorWasserstoffsäure und dann mit Wasser 



ft Analyse. 

«Ug0EmoU»Ap4ieifiu^elsMire.tbfiltrurt und gewaschen^ und 
dieofliiflösuBg'mit ^kaustischem AnuiiODiak^ welches die Tho9- 
erdr jübsoheklet^ 'und endlich mit oxalsaurem Ammoniak^ 
livieldhi^s dte Kalkerde, niedersohlagt^ gefallt Nachdem diese 
ahgeschiodcdi tHud^» wird die Flüssigkeit ^ur Trockne abge- 
dampft und das Salz in einem gewogenen Platinticgel erhitzt^ 
so. lange n^iäi Sahniak davon weggeht^ worauf man den 
Bjitekstand triebt. Dieses darf nicht bis zum Schmelzen er- 
hiU^tv werden-^ wreil idanu leicht ein Theil Chlorkalium ver- 
flulahtigt. wiisd. ; Oas ^drhaltene Salz ist jetzt eine Chlorver- 
b^duttg vou^ KaltttW; (Natrium oder Lithium. Im letzteren 
F-AÜ/e sserfli^ast ^; aber die beiden ersteren bleiben unver- 
ändert Hat man^ uftch Zusatz von oxalsaurem Ammoniak^ 
dte^ Auflosung nicht. erwärmt^ so geschieht eS; dass nicht 
a^0^ Kalkerde, ausgefällt ist^ und dann hat man noch einen 
8%l^tand y^n.Chlorealcium^ welcher Feuchtigkeit anzieht^ 
iqi Sajze übrig > aber es wird in diesem Falle von kohlen- 
It9jur,en) Ammoniak sogleich gelallt. Enthielt das Mineral 
^Talkerde^ wovon diese Art Mineralien nicht immer absolut 
ixm- sind/ SP wird das trockene Salz zur Austreibung des 
Salmjaka erhitzt^ dann in wenig Wasser gelöst^ die Lösung 
mit retinem Quecksilberoxyd vermischt^ eingetrocknet und 
4»<rauf zur völligen Verflächtigung des Quecksilbers erhitzt. 
Qas Salz wird darauf in kochendem Wasser aufgelöst, wobei 
die Talkerde ungelöst zurückbleibt; die abfiltrirt wird. Die 
Lösung wird mit einem Tropfen Salzsäure versetzt, weil 
besonders leicht das Chlomatrium bei diesen Glühungen ein 
wenig Salzsäure verliert und zur Trockne verdunstet, zu 
völliger Verflächtigung des Wassers erhitzt und gewogen» 
Selten kommt das eine Alkali ohne Spur von dem an- 
deren vor, besonders was Kali und Natron betrifft. Diese 
Einmischungen müssen aufgesucht und bestimmt, so wie auch 
im Allgemeinen das Alkali erkannt werden. Man hat dazu 
mehrere Methoden vorgeschlagen. Die beste Methode ist; 
dass m^ das Chlorur, nachdem es gewogen worden ist, in 
Wasser auflöst, die Lösung mit so viel salpetersäurefreiem 
Platinchlorid. vermischt, als nöthig sein würde, um, wenn 
Alles Chlornatrium wäre, mit diesem eui Doppelsalz zu bil- 
den, und das Gemisch, mag bereits ein Niederschlag ent- 
standen sein oder nicht, im Wasserbade zur Trockene ver- 



doBStet« Auf den RückstaBd wird Alkohol voa 0^83S q^o«. 
Gewicht gegossen^* worin eich das Natriiinqilatinchlorid auf« 
löst mit Zurücklassang von Kaliumplattnchlorid, welches auf- 
ein Filtrum genommen^ mit Alkohol gewaschen^ bei ^ 100^ 
getrocknet und dann daraus der Gehalt an Chlorkalium und 
Kali berechnet wird. Wird das Gewicht vom Chlorkalium 
von dem Gewicht des gewogenen Sal^ses von beiden Alkalien 
abgezogen^ so bekommt man das Gewicht des Chlornatrium% 
nach welchem der Gehalt an Natron berechnet wird. — 
Wenn man in vielem Chlornatrium sehr wenig Chlorkalium 
hat^ so könnte es scheinen^ als wäre ein so grosser 2ki- 
satz von Platinchlorid ^ dass alles Chlomatrium in Doppelsalz 
verwandelt wird^ nicht erforderlich. Wird aber dieses ver- 
säumt^ so bleibt von dem Chlomatrium viel in dem cooceur 
trirten Alkohol ungelöst^ welcher zum Auswaschen desselben 
in grosser Menge angewendet werden muss^ und man ist 
niemals recht sicher^ das Doppelsalz von Kalium ausgewa- 
schen zu haben. Rose schreibt sogar vor^ ^e Lösung des 
Natriumdoppelsalzes mit Aether zu vennischen^ damit von 
dem Kaliumdoppelsalze sich nichts darin aufgelöst erhalten 
könne. Ich habe diese Vorsicht nicht angewandt. — Wie 
Lithion entdeckt un4 abgeschieden wird; soll weiter unten 
angeführt werden. 

Viertes Beispiel* Wenn ein alkalihaltiges Mineral von 
Säuren nicht aufgelöst wird; m}iss es als geschlämmtes 
Pulver mit dem 3 bis . 5 fachen seines Gewichts reiner koh- 
lensaurer Baryterde geglüht werden (welche durch Fällung 
aus reiner krystallisirter salpetersaurer Baryterde mit kohlen- 
saurem Ammoniak erhalten wurde). Das Glühen geschieht 
im Platintiegel nach der oben gegebenen Vorschrift. Man 
bekommt einen zusammengesinterten; oder auch gei^hmol- 
zenen Klumpen; der in sehr verdünnter Chlorwiasserstoffsäure 
aufgelöst wird; wobei die Kieselsäure gewöhnlich #$ ein 
flockiges Pulver grösstentheils pnaufgelöst zurückbleibt. Die 
Auflösung wird eingetrocknet und zur Abscheidung der Kier 
seisäure ganz wie nach dem Glühen mit Alkali behandelt. 
Will man auch die Menge noch anderer Bestandtheilc; als 
die des Alkalis ; bestimmen; so werden sie mit kaustischem 
Ammoniak niedergeschlagen; man verfährt damit; wie schon 
früher beschrieben ist; und schlägt darauf die Bipryterde mit 



74 Anatyie. 

Schwefelsäure nieder. Das bestä ist jedodi^ durch Behandt«» 
lung mit Alkali die übrigen Bestandtheilö auszumittehi^ und 
durch eine besondere Probe das Alkali durch die Analyse 
mit hcrfilensaurem Baryt zu bestimmen. Mah versetzt dann, 
nach Abscheidung der Kieselsäure^ die Auflösung mit einem 
Gemenge von schwefelsaurem Ammoniak und einer hinrei- 
chenden Menge kaustischem Ammoniak^ wovon Thonerde^ 
Eisenoxyd und schwefelsaure Baryterde zusammen niederge^ 
schlagen w*erden^ die dabei einen weit weniger voluminösen^ 
und folglich weit leichter auszuwaschenden Niederschlag bil- 
den^ als die Thonerde allein würde gegebeir haben; (will 
man hierauf noch die übrigen Betandtheile prüfen^ so können 
sie aus diesem gemeinschaftlichen Niederschlage mit Chlor- 
wasserstoffsäure ausgezogen werden). Die filtrirte Flüssig- 
keit kann noch Kalkerde enthalten; diese muss mit oxal- 
Saurem Ammoniak niedergeschlagen^ abfiltrirt und gewaschen 
werden. Die Flüssigkeit und das Waschwasser werden zur 
Trockne abgedampft; die Masse in einen gewognen Platin- 
tiegel mit umgekehrt aufgelegtem Deckel gelegt und sehr 
behutsam erwärmt. Sie wird mit einigem Kochen zersetzt^ 
es entweichen Ammoniak und schwefligsaures Ammoniak^ 
imd es bleibt endlich eine flüssige Masse von saurem schwe- 
felsauren Alkali zurück; die noch einiges Glühen aushalten 
kanu; ehe sie neutral wird. Das Salz wird nun im Wasser 
aufgelöst; mit essigsaurer Baryterde ausgefällt; die Ijösung 
abflltrirt und der Niederschlag vollkommen ausgewaschen. 
Die Lösung und das Waschwasser werden zur Trockene 
verdunstet und das rückständige essigsaure Salz gebrannt; 
bis alle Essigsäure darin zerstört ist. Die dabei zurück- 
bleibende kohlige Masse enthält kohlensaures Alkali; kohlen- 
saure Baryterde uud nicht selten Talkerde. Das Alkali wird 
daraus mit kochendem Wasser ausgezogen; mit Salzsäure 
gesät%t und auf die vorhin angegebene Weise behandelt. 
Eine viel bequemere Methode ist jedoch; das Mineral 
auf die^ vorhin angeführte Weise mit Fluorwasserstoffsäure 
zu «ersetzen, die Basen in schwefelsaure Salze zu verwan- 
deln; diese in Wasse^ aufzulösen; den zurückbleibenden 
Mhwefelsaureii Kalk wohl auszuwaschen; die Lösung; wie 
vorhin angegeben worden ist; mit kaustischem Ammoniak; 
und; nachdem Thonerde und Eisenoxyd abgeschieden u^id 



g«wasebea worden nitti^ mit eAsigsaurer Btryterde auf Ae 
eben angejf&hrte Weise 3sa fallen. ^ 

Fünftes Beispiel. Verschiedene Silicate; besonders die 
Glimmerarten und Amphibole^ enthalten eine kleine Menge 
einer Fluorverbindung. Zur Bestimmung des Fluorgehaltes 
muss man dann einen besonderen Versuch anstellen. Das 
Mineral wird mit Alkali geglüht, die geglühete Masse mit 
Wasser ausgekocht und das Ungelöste mit kochendem Wasser 
ausgewaschen. Es wird dadurch fortwährend etwas zersetzt^ 
weil es von basischen Doppelsilicaten von Alkali mit Thon-*^ 
erde^ Kalkerde ^ Talkerde u. s. w, ausgemacht wird; und 
man hört mit dem Auswaschen auf; wenn das Waschwasser 
einen sehr geringen Fleck zurücklässt« 

Die Losung enthält kohlensaures Natron ; Thonerde- 
Natron; kieselsaures Natron und eine kleine Portion Fluor^ 
natrium. Man vermischt sie mit kohlensaurem Ammoniak; 
so lange noch etwas dadurch gefallt wird; und dann mit 
einer Lösung von kohlensaurem Zinkoxyd in kaustischem 
Ammoniak; bis dadurch kein Niederschlug mehr entsteht. 
Die Flüssigkeit wird dann in gelinder Wärme zur Trockne 
verdunstet, wobei man im Anfange das Gefass mit einem 
bauchigen Glase bedeckt; bis das weggehende Ammoniak 
kein Spritzen mehr bewirkt. Die Masse wird in kochendem 
Wasser wieder aufgelöst und das Ungelöste damit abge-* 
waschen. Das Waschwasser wird auf ein geringeres Volum 
verdunstet und in einem Gefäss von Platin mit der zuerst 
durchgegangenen Lösung vermischt« Dann wird die Flüssig- 
keit mit der nöthigen Vorsicht mit Salzsäure gesättigt; die 
man in möglichst- kleinem Ueberschuss hinzusetzt. Hierbei 
Mitsteht eine starke Entwickelung von Kohlensäuregas; die 
Flüssigkeit wird dann bis zur Abdunstuug aller Kohlensäure 
24 Stunden lang in einer Temperatur von -f- 20** höchstens 
-f- 30® erhalten. Unterdessen hat man eine Lösung von 
Chlorcalcium in einer Flasche mit kaustischem Ammoniak in 
einigem Ueberi$chuss vermischt und dieses Gemisch 48 Stunden 
lang stehen gelassen; damit sich alle möglicherweise ent- 
standene kohlensaure Kalkerde daraus abgesetzt habe. Mit 
dieser klaren Lösung wird nun dje schwach saure Flüssigkeit 
vermischt, bis sie den Geruch nach Ammoniak erhalten hat; 



7^ Jnalff^e, 

das GemisiA sogleich ia «uie Fkusclie gegosse« und ' diose 
verschlossen. «Das Fluor fallt di^u mit Calcium nieder« 
Nachdem sich der Niederschlag abgesetzt hat^ wird die klare 
Flfissigkeit abgegossen und die Flasche mit gekochtem und 
wieder erkaltetem destillirten Wasser gefällt^ was nach 
erfolgter Klärung wieder abgegossen und noch ein Mal durch 
neues Wasser ersetzt wird. Jetzt wird das Fluorcalcium 
auf ein Filtrum genommen und gewaschen^ ohne dass man 
zu befurchten hat^ dass kohlensaure Kalkerde gebildet werde 
und sich dem Fluorcalcium beimische. Das Fluorcalcium 
wird getrocknet^ geglüht^ gewogen und daraus der Fhior- 
gehalt berechnet. 

Der Zusatz von Zinkoiyd-Ammonial^ hat zum Zweck^ 
die Thonerde und Kieselsäure mit Ziukoxyd zu verbinden^ 
wodurch sie in der alkalischen Flüssigkeit vollkommen un- 
löslich werden. Hat man dann diese zu beachten ^ so löst 
man die Verbindung in Salzsäure^ verdunstet die Lösung^ 
um die Kieselsäure auf die gewöhnliche Weise unlöslich zu 
machen 9 venhischt die Lösung von Zinkoxyd, und Thonerde 
mit essigsaurem Kali in hinreichender Menge^ um alle Salz- 
säure mit Kali zu sättigen^ fällt das Ziukoxyd durch Schwefel- 
wasserstoff aus und darauf die Thonerde mit Ammoniak. 

• 

Eine andere Methode^ die in manchen Fällen zur Be* 
Stimmung des Fluorgehaltes anwendbar sein kann^ ist von 
Wo hl er vorgeschlagen worden. Man vermisdit das abge* 
wogene Mineral^ wenn es nicht schon ein Silicat enthält^ 
sehr innig mit reiner Kiei^elsäure^ füllt das Gemenge in einen 
kleinen^ auf die Waage passenden Kolben^ mischt gekochte^ 
höchst concentrirte Schwefelsäure hinzu^ und verschliesst das 
Gefäss rasch mit einem Kork^ durch welchen ein kleines^ 
mit geschmolzenem Chlorcalcium gefülltes und zu einer feinen 
Spitze ausgezogenes Rohr luftdicht gestedit ist. Der ganze 
Apparat wird nun gewogen und dann so lange erwärmt ^ als 
noch Fluorkieselgas fortgeht. Die letzten Antheile entfernt 
man dadurch, dass man den Apparat , auf warmem Sand 
stehend, unter der Glocke einer Luftpumpe auspumpt* Der 
Gewichtsverlust, den er nachher zeigt, ist Fluorkiesel. Für 
jeden Theil Fluor werden 1,395 Fluorkiesel gebildet, entstellt 
lüso ein entsprechender Gewichtsverlust. 



Analyse* TT 



2. Phosphorsaure und arseniksaure Verbindungen. 

Sie kommen in der Natur gewöhnlich mit einander ver* 
mischt vor. Metalisalze zersetzt man am besten ^ durch 
Glühen mit dem 3 fachen Gewicht kohlensauren Kali's ; nach 
dem Auslaugen mit Wasser bleiben die Basen zurück. War 
die Probe vor der Behandlung mit Alkali geglüht und ge- 
wogen^ so zeigt das Gewicht der zurückbleibenden Basen 
die Menge der vom Alkali ausgezogenen Säuren an. Hier- 
von sind jedoch Eisen- und Manganoxydul-Salze auszuneh- 
men. Die Basen werden in Salpetersäure^ oder wenn sie 
aus Eisenoxyd und Manganoxyd, bestehen^ in mit ein wenig 
Alkohol vermiscliter Salzsäure aufgelöst und daraus durch 
Schwefelwasserstoffgas alles Fällbare niedergeschlagen. Das 
G9iS wird vollständig abgedunstet ^ und was dann in der 
Säure noch aufgelöst ist^ durch Ammoniak gefallt — Wenn 
zugleich phosphorsaurer Kalk mit vorkommt^ verhält sich 
dieser wie eine durch Ammoniak fällbare Basis. Man muss 
alsdann den Niederschlag in Essigsäure auflösen y und die 
Lösung so lauge mit essigsaurem Bleioxyd vermischen^ als 
dieses noch phosphorsaures Bleioxyd niederschlägt^ worauf 
man das überschüssig zugesetzte Bleisalz durch Schwefel- 
wasserstoff entfernt^ bevor man^ wie es im Folgenden für 
die Trennung von Metalloxyden angegeben ist^ zur weiteren 
Trennung der Basen schreitet. 

Die alkalische Lösung enthält die Arseniksäure und 
Phosphorsäure oder nur eine von beiden. Sie kann aber 
auch Thonerde enthalten^ wenn sie in der Probe enthalten 
war. Das Alkali wird mit Salpetersäure gesättigt; wird da- 
bei nichts niedergeschlagen^ so war im Alkali keine Thon- 
erde enthalten^ von der auf jeden Fall auch die geringste 
Spur entdeckt wird^ wenn man die Flüssigkeit ^ zu der 
man etwas überschüssige Säure gesetzt hat^ mit Ammoniak 
sättigt. Was so niederfällt^ ist basische phosphorsaure oder 
arseniksaure Thonerde. Ist nur die eine dieser Säuren vor- 
handen^ so schlägt man sie mit essigsaurem Bleioxyd nieder, 
und dieser Niederschlag ist zwei Drittel arseniksaüres oder 
phosphorsaures Bleioxyd^ woraus man das Gewicht der Säure 
berechnen kanii. Hat mati es mit beiden Satiren zugleich 



za thun^ so zersetzt man die Lösnng in einer tübnlirten 
Flasche^ unter Ausschluss der liuft^ durch einen Strom von 
Schwefelwasserstoffgas 9 bis das arseniksaure Salz in Sulf- 
Brseniat umgewandelt ist^ aus welchem man das ^chwefd-« 
arsenik durch Essigsäure niederschlagt^ auswäscht^ bei 4~ 100^ 
in einem getrockneten Luftstrom trocknet und wiegt. Das 
Gewicht der Arseniksäure kann daraus berechi^et werden. 
Die durch Essigsäure gefällte Fläscügkeit wird zur Verjagung 
aller Spur von Schwefelwasserstoff gekocht^ und. die Phos-* 
phorsäure durch essigsaures Bleioxyd gefallt. 

Phosphorsaure Erdsalze können nicht mit Alkali alleiii 
analysirt werden^ sondern man muss Kieselsäure zusetzen 
und damit glühen« Das Salz wird mit Wasser ausgezogen^ 
und ist phosphorsaures und . kieselsaures Alkali« Die Basen 
bleiben als kieselsaure zurück^ und werden wie solche be- 
handelt. Aus dem aufgelösten Salz wird die Kieselsäure 
durch Sättigung mit Salpetersäure und Abdampfung zur 
Trockne erhalten. Die weitere Behandlung geht aus d^n 
Vorhergehenden hervor. 

Die natürlichen phosphorsauren und arseniksauren Salze 
enthaltto jedoch fast immer sowohl Chlor als auch Fluor^ 
auf welche bei der Analyse Rücksicht genommen werdeu 
muss. Zu ihrer Bestimmung^ neben der der erwähnten Säu- 
ren ^ kann man auf folgende Weise verfahren: Nachdem die 
Probe mit hohlensaurem Natron geglüht worden ist^ sättigjt 
man die mit Wasser ausgezogene alkalische Flüssigkeit ae 
genau wie möglich mit Salpetersäure in einem Platingefass^ 
wobei man genau Acht gibt^ ob etwas niederfällt^ welche« 
dann abgeschieden und besonders untersucht werden muss. 
Fällt nichts nieder, so setzt man ein wenig Salpetersäure 
im Ueberschuss zu und fallt die Lösung mit Salpetersäure« 
Silberoxyd. Sie wird erhitzt, damit sich das ChlorsiBb^r 
ansammelt, 4^' Klare wird ab- und neues Wasser aufge- 
gossen, erhitzt und klären gelassen, worauf es dem ubrigea 
abgegossenen zugefügt Mrird. Jetzt kann das Chlorsilber 
auf ein gewogenes Filtrum gemmimen und gewasdien werden, 
ohne dass man ein Angreifen des Glases zu befürehten hat^ 
im Fall die Probe Fluor Mithielt. Darauf wird durch salpeter- 
saures Silberoxyd, das mit kaustischem Ammoniak verselst 
worden ist, basisches arseniksaures und phoqdhorsauras SU- 



Analyse. 79 

beroxyd ausgefällt^ und dann der Vebersehuss von Ammoniak 
vor dem Filtriren weggedunstet^ damit nichts von den Sal- 
zen^ die gefallt werdep sollen , dadurch aufgelöst erhalten 
wird. Will man nicht diese ganse Operation madien^ m 
kann man auch die Flüssigkeit^ nachdem sie mit Salpeter- 
saure übersättigt worden ist^ mit Ammoniak vermischen^ sie 
dann in ein Gefäss von Glas giessen^ das dabei etwa Nieder- 
fallende für eine genauere Untersuchung abfiltriren^ die am- 
moniakalische Flüssigkeit mit salpetersaurem Silberoxyd fallra 
und das überschüssige Ammoniak im Wasserbade abdunsten. 
Der Niederschlag^ welchen man nun erhält; besteht aus 
Chlorsilber und den beiden basischen Salzen. Salpetersäure 
löst die basischen Salze und lässt das Chlorsilber zurück, 
welches gewaschen und gewögen wird« Die Lösung in 
Salpetersäure wird mit einer Lösung von Kochsalz oder 
Salmiak ausgefällt ^ das Chlorsilber abgeschieden und die 
freie Säure mit Alkali gesättigt^ worauf die vorhin ange- 
führte Behandlung mit Schwefelwasserstoff zur Abscheidung 
des Schwefelarseniks angewandt wird. 

Will man nun eine von Wo hier vorgeschlagene Ver- 
besserung in der Bestimmung des Arsenikgehaltes als Schwe- 
felarsenik benutzen ; so vermischt man die von Silber befreite 
Flüssigkeit zuerst mit einher gesättigten Auflösung von schwef- 
ligsaurem Gas in Wasser und kocht das Gemisch ^ bis daraus 
aUe schweflige Säure ^ die im Ueberschuss hinzugekommen 
war, wieder ausgetrieben worden ist. Die schweflige Säure 
wird auf Kosten der Arseniksäure in Schwefelsäure verwan- 
delt und reducirt also die Arseniksäure zu arseniger Säure^ 
die durch Schwefelwassersioff mit Leichtigkeit in arseniges 
Sulfid; AsS'; verwandelt wird, welches mit ein wenig Salz- 
säure ausgefällt; auf ein Filtrum genommen; gewaschen; bei 
+ 100® getrocknet und gewogen wird. , 

Welchen von diesen Wegen man wählen mag; so MeiM 
noch übrig; die Quantität von Phosphorsäure zu bestimmen. 
Die Flüssigkeit vpird von Schwefelwasserstofi^ befreit; mit 
kaustischem Ammoniak gesättigt; welches man im Ueber- 
schuss zusetzt; und mit Chlorbarium gefällt. Der Nied^- 
schlag wird gut ausgewaschen; geglüht und gewogen. Dann 
wird er mit kochender verdünnter Salzsäure übergössen; die 
etwa darin enthaltene schwefelsaure Baryterde; Avelche^inrob 



so Analyse. 

die während der Operation hineingekommene Schwefelsaure 
gebildet worden ist^ bleibt dann ungelöst; sie wird abfiltrirt^ 
geglüht^ gewogen und ihr Gewicht von dem der phosphor-^ 
sauren Baryterde abgezogen. Jetzt wird die Baryterde aus 
der sauren Lösung mit Schwefelsäure ausgefällt^ der Nieder- 
schlag gewaschen^ geglüht, gewogen und das Gewicht der 
Baryterde daraus berechnet. Wird dieses dann von dem 
Gewicht der phosphorsauren Baryterde abgezogen, so bleibt 
das der Phosphorsäure übrig. 

Das Fluor, welches die Probe enthalten haben konnte, 
bleibt in der mit Silber gefällten Flüssigkeit zurück, denn 
Fluorsilber ist ein lösliches Salz. Die Flüssigkeit wird nun 
in einer Flasche mit einer Lösung von salpetersaurer Kalk- 
erde, die 48 Stunden vorher mit Ammoniak im Ueberschuss 
versetzt forden ist und alle möglicherweise gebildete koh- 
lensaure Kalkerde abgesetzt hat, vermischt und das nieder- 
fallende Fluorcalcium auf die im Vorhergehenden, S. 75, 
angeführte Weise behandelt. Aber dieses Fluorcalcium muss 
dann untersucht werden, ob es nicht etwa durch eine fehlerhaft 
ausgeführte Operation entstandene phosphorsaure oder arse- 
niksaure Kalkerde ist, was am leichtei^ten mit Hülfe des 
Löthrohrs geschieht« 

Phosphorsaure Erdsalze können auch auf die Weise 
analysirt werden, dass man sie durch Digestion mit Salpeter- 
säure auflöst, die Lösung mit kaustischem Ammoniak ver- 
mischt, gerade bis zu dem Moment, wo der Niederschlag 
anfängt, sich nicht mehr wieder aufzulösen, und dann essig- 
saures Bleioxyd zusetzt, bis dadurch kein Niederschlag mehr 
entsteht. Der entstandene Niederschlag wird abgeschieden 
und dem Gewichte nach bestim|nt. Das Blei wird aus der 
Lösung mit Schwefelwasserstoff gefallt, und nach dem Aus- 
treiben des überschüssigen Schwefelwasserstoffs in der 
Wärme wird die Erde mit einem geeigneten Fällungsmittel 
ausgefällt. 

Bei Analysen von phosphorsaurem Eisen ist es nicht 
seken der Fall, dass beide Oxydationsgrade des Eisens vor^ 
kommen, die dann beide dem Gewichte nach bestimmt wer- 
den müssen. Wie dieses geschieht, werde ich weiter unten 
bei den- besonderen Scheidungsmethoden anfuhren. 

3. Kohlen- 



Ai^alyse. 



81 



3. Kohlensaure Verbindungea. 

Es ist oft der Fall^ diBS koblensaure Verbindungen^ 
entweder für sich^ oder mit anderen Verbindnngen gemengt^ 
anf ihren Kohlensäure -Gehalt untersucht werden müssen. 
Dieses geschieht sowohl auf nadsem, als auch auf trocknem 
Wege. 

/. Auf ncmem Wege. Das Princip dieser Bestimmung 
besteht darin ^ dass man eine gewogene Probe in einer Säure 
auflöst und das Gewicht der dabei weggehenden Kohlensäure 
bestimmt. Aber dazu ist es erforderlich^ dass die Kohlen- 
saure wasserfrei weggehe^ dass nichts davon in der Lösung 
zurückbleibe und dass das Gas mit einer gerwissen Langsam- 
keit entwickelt werde ^ so dass es trocken wird. Dazu ist 
noch femer erforderlich^ da^s der dabei angewandte Apparat 
so leicht sei^ dass er mit aller Genauigkeit gewogen werden 
kann. 



Die MPenstehende Figur stellt 
einen hic^u geeigneten Apparat 
vor. Er besteht aus zwei dünnen^ 
leichten^ cylindrischen Unzenfla- 
schen A. und B.^ die eine etwas 
weite Oeffiiung haben; die Oeä-- 
nungen werden mit guten und 
luftdicht schliessenden Korken^ die 
mit 2 Lochern für Glasröhren ver- 
sehen sind^ verschlossen. In das 
eine Loch des Korks der Flasche 
A. ist ein in einen rechten Winkel 
gebogenes^ kurzes Rohr^ C. D.^ 
eingepasst^ welches sich mit dem 
Kork endigt. In das andere ist 
ein gewöhnliches Chlorcalciumrohr^ 
6.; gesteckt. In dem Koiic der Flasche B. sind diesen ent- 
sprechende Röhren eingepasst , aber das rechtwinklige Rohr 
D. F. reicht bis auf den Boden der Flasche^ und das Chlor- 
cahnümrohr^ H.^ liegt horizontal und hat an dem zuleiten- 
den Rohr efaie ausgeblasene Kugel ^ E. Die Figur zeigt dies 
X 6 




88 



Analyse. 



hinreichend deutlich; so dass es keiner genaueren Beschrei- 
bung bedarf. Die rechtwinkligen Röhren sind mit einem 
Caoutschoucrohr luftdicht mit einander verbunden. Die Fla- 
sche A. ist zur Aufnahme der Probe ^ deren Kohlensäure 
bestimmt werden soll^ und die Flasche B. zur Aufnahme der 
Säure bestimmt. Man wiegt zuerst den Apparat mit der 
Säure in der Flasche B.^ und wenn alles im Gleichgewicht 
ist; wird in A« die Probe* eingewogen. Um in A. die Säure 
in kleinen Portionen nach einander einzugiessen^ saugt man 
vorsichtig an dem offenen Ende des Chlorcalciumrohrs G.^ 
oder; was noch viel besser ist; man befestigt an dem offnen 
Ende des Chlorcalciumrohrs H. eine kleine Caoutschoucflasche 
luftdicht; die man jedes Mal; wenn die Säure aus B« in A. 
gelrieben werden soll; mit der Hand zusammendrückt. Das 
Kohlensäuregas geht dann durch das Chlorcalciumrohr H. 
und setzt darin sein Wasser ab. Zuletzt bleibt jedoch Koh- 
lensäuregas in der Flüssigkeit aufgelöst zurück; die mit 
einem Strom von atmosphärischer Luft daraus ausgetrieben 
werden muss. Der Apparat wird in ein Wasserbad gestellt; 
dei^sen Temperatur allm^p bis zu +80® erhöht wird. An 
das offene Ende von G. wird ein Chlorcalciumrohr gebunden 
und an das offene Ende von H. ein Saugapparat; und auf 
diese Weise lässt man nun einen getrockneten Luftstrom 
langsam durch G. ein- und durch H. ausdringen. Die Kugel 
E.; welche mit einer kleinen; kaltes Wasser oder Eis ent- 
haltenden Schaale umgeben werden kanU; dient zur Conden- 
sirung des Wassers aus der heraustretenden Luft; bevor 
diese in das Chlorcalciumrohr gelangt; welches durch auf- 
gelöstes Chlorcalcium sonst l^ht verstopft werden könnte. 
In Ermangelung einer Wage ; die hinreichend stark 
ist; um die schwereren Flaschen zu tragen; kann man vor 

der Lampe einen kleinen; sehr leichten 
Apparat von nebenstehender Gestalt bla- 
sen; bei welchem A. für die Probe und 
B. für die Säure bestimmt ist. Die Oeff- 
nungen werden mit Körken verschlossen; 
von denen jeder mit einem Chlorcalcium- 
rohr versehen ist; so wie vorhin bei A. 
und B. Die Operaration geht dann auf 
dieselbe Weise vor sich. Dieser letztere 




Jnalyse* 83 

Apparat ist etwas zerbrechlich, aber man bläst sich f&r deii 
jedesmaligen Gebrauch leicht einen neuen. 

Nachdem das Kohlensäuregas durch Luft ausgetrieben 
und der Apparat erkaltet und trocken geworden ist^ wird er 
gewogen. Was er nun weniger wie vorher wiegt^ ist weg- 
gegangene Kohlensäure. 

Die Säure, welche man hierzu anwendet^ ist entweder 
Salzsäure oder Salpetersäure. Die Salzsäure darf kein hö- 
heres specifisches Ge^vicht haben, als 1^10^ wenn nidit ein 
wenig Salzsäuregas mit dem Kohlensäuregas davon abdunsten 
solL Die Salpetersäure muss durch Kochen von salpetriger 
Säure befreit worden sein; sie kann 1,3 oder ein beliebig 
niedriger^es specifisches Gewicht haben, und man wendet 
sie immer vorzugsweise an, wenn die Probe sie nicht zersetzt 
und nicht die Bildung von Stickoxydgas veranlasst. 

2, Auf trocknem Wege bestimmt man den Kohlensäure- 
gehalt auf folgende Weise: Man bläst an das Ende eines 
3 — 4 Zoll langen Barometerrohrs von etwas schwer schmelz- 
barem Glas eine Kugel A., die gerade so gross ist, dass sie 
die Probe aufnehmen kann. Dieser kleine Apparat wird auf 
einer Wage ins Gleichgewicht gestellt, und dann in die Kugel 
desselben die in eüiem Exsiccator ausgetrocknete Probe ein- 
gewogen« Das Rohr wird dann so nahe an der Kugel wie 
möglich^ und ohne diese zu erhitzen, ausgezogen, und an 
der Ausziehungsstelle ^ in der Nähe der Kugel, gebogen^ so 

dass es die Gestalt einer kleinen 
Retorte bekommt. Die neben- 
stehende Figur A. zeigt die Ge- 
stalt des Rohrs zur Einwägung, 
und B. die Gestalt, nachdem es 
ausgezogen, gebogen und der aus- 
gezogene Theil des Rohrs an ei- 
ner passenden Stelle von nöthiger 
Länge abgeschnitten worden ist. 
Der kleine Apparat wird nun wieder gewogen, und mit einer 
ähnlichen kleinen gewogenen Vorlage mit Chlorcaiciumrohr 
verbunden, wie man sie bei organischen Analysen anwende^ 
Th. VI., Taf. I., Fig. 5 oder 8. Dann wird die Kugel in 
der Flamme einer Spirituslampe geglüht, bis alles Wasser 
ausgetrieben ist Darauf wird der Hals der kleinen Retorte 




84 Jnalgse. 

mittetet eines Feilstririw «bgescbnitten^ und zwar ein Stüdi 
von der Vorlage entfernt^ weil in dem Ende desselben immer 
ein Wass^tropfen zurückbleibt. Die Vorlage mit dem Chlor- 
caldumrohr und dem Glasstück wird nub gewogen und damit 
ganz so verfahren^ wie ich bei der organischen Analyse im 
Eina^elnen beschrieben habe^ nachdem man dadurch hinrei- 
chend lange Luft hat strömen lassen^ um die Kohlensäure 
daraus auszutreiben. Was die Vorlage an Gewicht zuge- 
'nommen hat; war Wasser. Was die P^obe verloren hat, 
findet man, wenn das Rohr, welches mit der Vorlage ge- 
wogen worden ist, dem Rückstande der* kleinen Retorte 
hinzugefügt, beide gewogen, und das Gewicht des Wassers 
von dem, was der kleine Apparat verloren hat, abgezogen 
wird. 

Inzwischen ist es recht oft der Fall, dass die Hitze, 
welche auf diese Weise angewandt werden kann, nicht 
hinreicht, um alle Kohlensaure auszutreiben. Man schneidet 
deshalb den Retortenhals so nahe wie möglich an der Kugel 
ab, wiegt so viel von der Probe, als man aus der Kugel bekommt, 
in einen Platintiegel, und glüht in stärkerer Hitze, bis die 
Probe bei neuem Glühen nichts mehr an Gewicht verliert^ 
wonach dann der Verlust des Ganzen berechnet wird. Der 
geglühete Rückstand muss hernach immer mit Säure geprüft 
werden, ob nicht bei der Auflösung noch Aufbrausen ent- 
steht. 

4. Borsäure Yerbindungen. 

Diese kommen in der Natur theils für sich, theils in 
Gestalt von Doppelsalzen mit kieselsauren Verbindungen vor. 
Von reinen borsauren Salzen kennen wir nur die borsaure 
Kalkerde und Talkerde als Mineralien. 

Ihre Analyse geschiebt am besten auf die Weise, dass 
man die pulverisirle Probe in zwei gleiche Theile theilt. Die 
eine Hälfte wird zur Bestimmung des Wassergehalts durch 
Glühen angewendet. Die andere Hälfte wird mit Fluorwas- 
serstoffsäure Übergossen, damit digerirt und dann der Ueber- 
schuss der Säure im Wasserbade wieder weggedunstet. Dar 
Rückstand besteht aus einem Fluorborür und einem Fluorür. 
Das erstere ist in Wasser löslich, besonders wenn dieses 
mit ein wenig Salzsäure« schwach sauer gemacht ist Das 



Analyse. d5 

letstere ist darin nnlfislich. Die Losung ond Am WasdH 
Wasser werden concentrirt und mit einer Lösung von essig«^ 
saurem Kali im Ueberschuss vermischt. Die Masse verdickt 
sich dadurch zu einem Magma ^ ind^m sieh Borfluorkalium 
bildet. Sie wird nun mit starkem Alkohol angerührt ^ worin 
sich die essigsauren Salze auflösen^ das Borfluorkalium aber 
wird auf ein gewogenes Filtrum genommen^ mit kaltem AI* 
kdiol gewaschen^ bei -f- 100^ getrocknet, gewogen und 
daraus die Quantität der Borsäure berechnet. Die Alkohol^ 
losung wird bis zur Verflächtigung des Alkohols verdunstet 
und die in der rückständigen Flüssigkeit enthaltene Erde 
nadi bereits gegebenen Regeln ausgeföUt« Das ungelöste 
Fluorür wird mit Schwefelsäure zersetzt^ als schwefelsaures' 
Salz gewogen und dann untersucht Man kann die Borsäure 
auch aus dem Verlust bestimmen, wenn man, nach beendig« 
ter Einwirkung der Fluorwasserstoffsäure, Sehwef(risäure' 
zusetzt und die Säuren durch Hitze austreibt^ so dass nur 
die Basen als schwefelsaure Salze zurückbleiben ^ die dann 
in Betreff ihrer Natur und Quantität bestimmt wetdeh« * 

Die Borosilicate werden in Salzsäure aufgelöst und die 
Lösung zur Abscheidung der Kieselsäure wie gew£bnU<dl^ 
im Wasserbade verdunstet. Die trockne Masse wird init 
einer kleinen Mei^e stariter Salzsäure befeuchtet, und dann 
mit Wasser übergössen, welches die Chlorüre und die Bot^ 
säure mit Zurucklassung de,r Kieselsäure auBostr Aus cKeser 
Losung werden die Basen auf die Wose gefallt, dass man 
sie mit kohlensaurem Kali übersättigt,, dann in einem Plati»- 
tiegdl verdunstet und das zurückbldJ)ende Salz gelinde glüht. 
Wird dann Wasser auf die erkaltete Masse gegosse»,. so* 
bleiben die kohlensauren Erden ungelöst zurück imd mas 
erhält eine Lösung von Chlorkalium ^ boraaurem imd kohlen-^ 
saurem Kali. Diese Lösung wird mit Essigsäure sauer ge^ 
macbt und mit einer Lösung von Fhiorkalium vermischt, so^ 
lange die Flüss^eit dabei noch BorfluorkaUini biUet. Die 
Masse wird dann mit einem gleichen Volum Alkohol von 
0,833 verdünnt^ das Borfluorkalium auf ein Filtrum genommen 
und mit Alkohol von 0,85 gewaschen. Die kohlensauren 
IMsalze werden auf die gewöhnliche Weise untersucht. 

Rammeisberg hat eine andere Methode angegeben: 
Er löst in Salzsäure auf, scheidet die Kieselsäure , wie eben 



86 Jnaly$e. 

gesagt wurde;: ab; sättigt die saure Lösung mit Ammonia^ 
wobei Thouerde und Etseiioxyd gefallt werden ^ fallt darauf 
die Kalkerde mit Oxalsäure ^ filtrirt; verdunstet die Lösung; 
welohe ausser oxalsaurem und borsaurem Ammoniak Salmiak 
enthält; bis zur Troekse und treibt aus dem Räckstande 
alles Flächtige durl^b Glühen auS; worauf die Borsäure allein 
zurückbleibt und gewogen werden kann. Diese Methode 
wird eigentlich für die Verbindung von borsaurer und kie- 
selsaurer Kalkerde hingewandt. Sie war bei Gegenwart von 
andern Basen nicbt anwendbar und erfordert zur Abscheidung 
der Borsäure aus diesen die Anwendung von Fluorwasser- 
stoffsäure. Die Borsäure führt ausserdem den Uebelstand 
mit sich; dass siö;. ungeachtet ihrer Feuerbeständigkeit beiin 
SchmelsSeU; in bemerkeuswerther Quantität in Dampfform den 
Stoffen folgt; die beim Erhitzen davon verflüchtigt werden; 
wodurch Verlust entsteht. Ein anderer Verlust entsteht auch 
dadurch; dass; wenn die Erden ^ mit Ammoniak aus einer 
borsäurebaltigen Flüssigkeit gefällt werden; der Niederschlag 
immer ein basisdies borsäures Salz ist. 

Kommt Borsäure in kleineren Quantitäten in Silicaten 
vor; Wiez. B. im Axinit und Turmaliu; die nicht durch Säu- 
ren zecsetzt werden; so wird die Prob^ durch Glühen mit 
koUensaurem Kali zersetzt; die geglühete Masse mit Wasser 
ausgelaligt; die Flüssigkeit; welche kohlensaures und bot- 
saureis Kali; so wie Kieselsäure und Thonerde aufgelöst ent- 
hält; durch Verdunstung concentrirt und bis zur völligen 
Verwandlung des Aikali's in Bicarbonat mit kohlensaurem 
Ammoniak vermischt, wodurch die kieselsaure Thonerde 
ausgefallt wird. Man lässt dann bei -{~ 30^ das Ammoniak 
in einem flachen Gefäss grösstentheils davon verdunsten; 
filtrirt die Flüssigkeit; sättigt sie mit Essigsäure und ver- 
mischt sie nun mit Fluorkalium; so lange noch Borfluorkalium 
niederfällt; worauf Alkohol zugemischt und das Borfluorka- 
lium auf die oben angeführte Weise gesammelt wird. 

5. Titansaure und tantalsaure Verbindungen. 

Sie werden im Allgemeinen nach demselben Plan analy- 
sirt; der jedoch modificirt werden kanU; wie ich in der Kürze 
andeuten will. 



Anaty$e. 87 

a. Die pulverisirte Probe wM in einem Platintiegel 
mit zweifach -schwefelsaurem Kali bei Glähhitze geschmol"- 
z^n« wobei sie sich in der freien Säure von diesem Salze 
zu einem klaren Liquidum auflöst. Wassbf löst dann alles 
auf^ wenn Titanate angewandt wurden ^ es lässt aber Tan- 
talsäure ungelöst zurück^ wenn der Versuch mit einem Tan- 
talat geschah. 

Die Auflösung des Titanats im sauren schwefelsauren 
Kali wird tnit vielem Wasser verddnnt^ mit kaustischem 
Ammoniak gesättigt und mit Ammoniuiasülfhydrat ausge^ 
fällt. Dadurch werden die basischen Mef alioxyde in Schwe- 
felmetalle verwandelt^ während tlie Titansäure unverändert 
niederfallt. Mau lässt die Flüssigkeit sich klären und giessrt 
sie dann ab, worauf der Niederschlag unmittelbar mit einer 
Lösung von schwefliger Säure in Wasser übergössen wird, 
mit der sich die Schwefelmetalle verbinden zu in Wasser 
löslichen unterschwefligsauren Salzen, während die THansäur^ 
ungelöst bleibt, welche mit schwacher schwefliger Säure 
gewaschen, dann getrocknet, geglüht lind gewogen wird. 
Die Titansäure hält jedoch leicht ein Wenig- Schwefelsäui^ 
zurück, die ihr Gewicht vermehrt. Diese lässt sich schwiie- 
rig durch blosses Glühen austreiben, wenigstens ni6ht über 
der Spirituslampe. Man muss dann die Säure in einer 
Atmosphäre von Ammoniakgas glühen, was sehr leicht auf 
folgende Weise geschieht: Man maeht einen kleinen Trian-^ 
gel von Platindrath, der gerade bis zur Hälfte^in den Tiegel 
hinunter geht, legt ihn in den Tiegel und setzt darauf ein 
rund geschnittenes Platinblech, dem man die Form einer 
Schaale gegeben hat durch Druck mit dem Pistill in einem 
kleinen Löthrohr- Mörser. Sobald der Tiegel mit der Titan-' 
säure im Boden glüht, bringt man auf die kleine Schaate ein 
Stück kohlensaures Ammoniak und legt den Tiegeldeckel 
wieder ganz dicht auf. Das Ammoniaksalz verfiüchtiigt sich 
allmälig und erfüHt den Tiegel mit Ammoniakgas, wothyf 
sich die Schwefelsäure verbindet und verflüchttgt. Man 
kann das Ammoniäksalz nicht direct auf ^ie Säure legen, 
theils weil es sich dann zu schnell verflüchtigen würde, theils 
weil, wenn es etwas Fremdes enthielte, dieses auf der . 
Säure zurückbleiben und deren Gewicht vermehren würde. 
Dieser kleine' Handgi'ifi^, um in Ammoniakgas zu glüheö> 



8$ Jtmljfse. 

findet in vebref«^ Italien Anwendung. £9 ist dabei nothig 
zu beobachten^ dass d^e kleine Schaale keinen zu grossen 
Durchmesser ^m Verhaltniss zu dem Tiegel erhalte^ sondern 
dass sie an de^ Seiten um sich herum dem Gase freien 
Spielraum lasse.. 

Die Lösung der unt^rschwefligsauren Metalloxyde wird 
mit Salpetersäure vermischt^ gekocht und dann nach den 
gewöhnlichen Vorschr^fteii behandelt. 

Ist die Probe ein Ta^talat, so bleibt die Tantalsäure 
ungelöst. Sie wii^d mit Wasser gut ausgekocht und die 
Lösung^ welche die Ba^u enthält ^ nach gewöhnlichen Re- 
geln behandelt. Die gewaschene Tantalsäure wird noch 
feucht mit, Api^ioniuinsulfhydrat behandelt; wodurch sie 
schwarz wird^ weil sich dabei eine Portion von zurückgehal- 
tenem Eiseno&yd .in.Scbwefeleisen verwandelt. Dabei zieht 
das Schwefelsalz sehr ^ft theils Zian, theils Wolfram ans^ 
4ie sich in CJestalt vqn Sulfiden auflösen. Der schwarze 
llfickstand wird mit W^sor^ welches Schwefelwasserstoff 
enthält; gewaschen ^ darauf mit verdünnter Salzsäure gekocht, 
4iedas Schwefeleisep aiju$zieht Die Tantalsätire wird dann ge- 
wascheU; getrocknet; in Ammoniakgas geglüht und gewogen. 

Die Lösung in Ammoniumsulf hydrat wird verdunstet, 
his das Scbwefelammonium verfiü^tigt ist; der Rückstand 
yeAXf concentrirter Salpetersäure gekocht; um die Schwefelme- 
talle zu oxydireu; und das Gemisqh mit kaustischem Ammo- 
niak in^ Ueberschuss versetzt; worin sich die Wolframsäure 
auflöst; während das Zinnoi^yd i^uriickbleibt. Die ammo- 
niakaiische Flüssigkeit wird abfiltrirt; verdunstet; bis der 
lUeberschuss von Ammoniak beinMhc entfernt ist; dann mit 
ein :m Tropfen bernsteinsaorem Amiponiak geprüft; ob noch 
^twas Zinnoxyd darin enthalten ist; upd; wenn dieses daraui^ 
ausgefällt und abgeschieden ist; wird die Flüssigkeit einge- 
trocknet; die Wolframsäure geglüht und gewogen. Wiewohl 
hierbei Ammoniak weggeht; so schadet es nicht; die Säure 
wieder zu glühen ; anfangs. in Ammoniakgas und hernach, 
wenn sie dabei blau geworden ist; in der Luft. 

. Das Ziunoxyd ist mit Schwefel gemischt, der weggebrannt 
wird ;^ worauf man auch das Zinnoxyd in Ammoniaikgas glüht. 

h. lUimeisen wird nach Mosander am besten auf 
die Weise analysirt, dass man die Probe in einem Porcel- 



Analyne. 89 

lanrohr bei strengem Feuer in Wasserstoffgas glüht (S. Art. 
Röhren von P&rcellan). Das Eisen wird dabei zu Metall 
reducirt^ welches nun mit verdünnter Salzsäure ausgezogen 
werden kann ; es löst sich unter Entwickelung von Wasser«- 
stoffgas auf^ während die Titansäure eiseufrei und unange- 
griffen zurückbleibt. 

In wie weit diese Methode auch beim Tantalit anwendbar 
sei^ ist nicht untersucht worden. 

c. Fuchs analysirt das Titaneisen auf folgende Weise: 
Das Mineral wird zu feinem Pulver gerieben^ in einer Fla- 
sche gewogen^ die Flasche niit einer etwas verdünnten 
Salzsäure^ die mit Kochsalz versetzt worden ist^ fast ganz 
angefüllt und durch Kochen von Luft befreit. Darauf wird 
ein schmales^ gewogenes^ ein Paar Mal mit einem Platin- 
drath umwickeltes Kupferblech eingelegt und die Flasche 
verschlossen. Bei + 18® bis + 20® braucht der Process 
nicht über 24 Stunden^ um beendet zu sein. Die Flüssig- 
keit färbt sich im Anfange grün, nachher wird sie fast farblos^ 
worauf weisse Titansäure auf dem Boden liegt. Wird der 
Versuch noch länger fortgesetzt^ so \Vird auch ein wenig 
von dieser reducirt, wodurch die Flüssigkeit einen Stich in 
Purpur bekommt. Das Kupfer muss also herausgezogen 
werden y sobald die Flüssigkeit ihre Farbe verloren hat. Der 
Zusatz von Kochsalz verhindert die Fällung des Kupferchlorürs 
in der weniger concentrirten Säure. 

d* Sie können auch mit kohlensaurem Alkali geglüht 
werden^ aber die Abscheidung der Bestandtheile wird dabei 
oft verwickelter, weil die Säure nicht richtig dem Alkali 
mitfolgt ^ wenn die geglühete Masse mit Wasser ausgezogen 
wird. 

€. Wühler vermischt die fein pulverisirte Probe mit 
Kohle von reinem Zucker und glüht das Gemenge in einem 
Strom von Chlorgas. Dabei bildet sich Chlortitan oder Chlor- 
tantal^ die sich verflüchtigen und aufgefangen werden; die 
basischen Metallchlorüre bleiben mit^j^ Kohle zurück und 
werden daraus ausgezogen. 

TÜansaure und kieselsaure Veriindungen , z. B. Sphen, 
werden nach H. Rose am besten durch Schmelzen mit 
saurem sehwefelsauren Kali zersetzt^ wobei die Kieselsäure 
abgeschieden wird und ungelöst bleibt. 



90 Analyse. 



6. Wolframsaure und molybdänsaure Salze« 

Sie werden am besten durch Glühen mit kohlensaurem 
Alkali analysirt. Die Basen bleiben zurück^ während die 
fiäure von dem Alkali aufgenommen wird. 

Die Wolframsäure ist in Wasser nicht so unlöslich^ als 
dass sie ohne Verlust durch eine stärkere Säure ausgefällt 
werden könnte. Man sättigt daher das Alkali mit Salpeter- 
säure^ bis die Wolframsäure anfangt gefallt zu werden^ 
setzt ein wenig kaustisches Ammoniak hinzu ^ um die ge- 
fällte Säure wieder aufzulösen^ und fällt dann mit salpciter- 
saurem Quecksilberoxydul. Der erhaltene blassgelbe Nieder- 
schlag wird gewaschen^ bis zur Verflüchtigung des Queck- 
silbers geglüht und die Säure gewogen. Wenn^ wie es 
gewöhnlich der Fall ist^ die Quecksilberlösung ^ welche man 
zu der Fällung anwendet, überschüssige Säure enthält, so 
setzt man nach beendigter Fällung einige Tropfen kaustisches 
Ammoniak hinzu, bis sich dadurch ein geringer schwarzer 
Niederschlag gebildet hat, der sich nicht wieder auflöst. 
Dann enthält die Flüssigkeit keine Spur von Wolframsäure 

mehr. Wird dieses versäumt, so kann man auf 100 Theile 

• ' _ 

Wolframsäure ungefähr 2 Theile, die in der sauren Flüssig- 
keit zurückbleiben, verlieren. 

Die Molybdänsäure führt den Uebelstand mit sich, dass 
sie weder völlig ausgefällt, noch ohne grossen Verlust 
geglüht werden kann. Es ist daher am besten, Schwefel- 
wasserstoff in die alkalische Flüssigkeit zu leiten, bis das 
molybdänsaure Salz in ein Sulfomolybdat verwandelt worden 
ist, worauf das Molybdänsulfid durch Salzsäure ausgefallt, 
auf ein gewogenes Filtrum genommen, gewaschen, bei 
-f- 100® getrocknet und gewogen wird. Ein bestimmtes , 
Gewicht davon wir#fei eine , an ein Barometerrohr geblasene 
Kugel gelegt und in einem Strom von Wassersfoffgas 
erhitzt, worauf das zurückbleibende graue Schwefelmolybdän, 
MoS*, gewogen und danach das Gewicht des Molybdäns 
für das Ganze berechnet wird. Nach diesem bestimmt man 
nachher das Gewicht der Säure. 



Analyse. 91 



7. Chromsaure und yanadinsaure Verbindungen. 

Sie werden wie die wolfiramsauren analysirt. Chromsaures 
Quecksilberoxydul lässt nach dem Glühen Chromoxyd zurück^ 
nach dem der Gehalt an Säure berechnet wird. Bei der 
Analyse der natürlichen vanadinsauren Verbindungen darf 
man nicht vergessen ^ dass sie von phosphorsauren Salzen 
und Chlorfiren derselben Basen begleitet werden^ die also 
bei der Analyse aufgesucht werden müssen« 

8* Verbindungen von Chromoxyd oder Thonerde 

mit Talkerde ; Zinkoxyd und Eisenoxydul ^ die zu denen 
gehören^ die durch Glühen mit Alkali am schwierigsten 
zersetzbar sind^ werden nach H. Rose sehr leicht durch 
Schmelzen mit saurem schwefelsauren Kali zersetzt^ worauf 
man sie in Wasser auflöst und nach den gewöhnlichen Regeln 
behandelt. Diese sehr harten Mineralien brauchen nicht fein 
gerieben zu werden^ man zerstösst sie in einem Mörser von 
Eisen oder Stahl und zieht das Eisen mit ein wenig Salz- 
saure wieder aus. Man^ findet dann bei der Analyse keine 
Kieselsaure darin ^ die man bisher immer darin gefunden hat^ 
wenn da^ Mineral in einem Chalcedon- oder Kiesel -Mörser 
fein gerieben werden musste^ die dabei abgenutzt wurden. 

9. Einige Oxyde. 

A. Braunstem. Die Bereitung von Chlor ^ zu welcher 
der Braunstein angewendet wird^ veranlasst häufig, die 
Braunsteinsorten auf ihren Gehalt au Suj^eroxyd zu probireny 
welches sehr oft nicht ihren einzigen Bestandtheil ausmadit^ 
sondern welches sie mit Manganoxydhydrat ^ Eisenoxydhydrat 
und zuweilen auch mit noch anderen Verbindungen gemengt 
enthalten. Der Chlorfabrikant muss nicht nur wissen^ wie 
viel Chlor sein Braunstein geben kann^ sondern auch^ wie 
viel Säure er dazu nöthig hat^ denn das Mangansuperoxyd 
verbraucht dabei 2 Aequivalente Salzsäure^ um 1 Aequivalent 
Chlor hervorzubringen 9 während das Manganoxytlhydrat 3 
Aequivalente Säure nothig hat^ um dieselbe Menge von Chlor 



9t Analyse. 

zu entwickeln^ und die Säure ^ welche das Eisenoxydhydrat 
aufnimmt; ist ganz verloren. Hierdurch nimmt der commer- 
cielle Werth des Braunsteins in einem bedeutend grösseren 
Verhäitniss ab y als seinem Sauerstoffgehalt proportional ist. 
Das Eisenoxydhydrat und Manganoxydhydrat werden von 
der Säure vorzugsweise angegriffen ^ und wendet der Fabri- 
kant die Säure immer in demselben Verhäitniss an ^ so ist 
es bei schlediteren Braunsteinsorten immer der Fall; dass^ 
wenn die Masse kein Chlor mehr gibt; das Superoxyd 
grösstentheils ungelöst auf dem Boden liegt und mit der 
Masse weggeworfen wird. Es muss ausgewaschen und wie- 
derum angewendet werden. 

Kaum gibt es einen Körper ; für dessen Prüfung man 
so vielerlei analytische Methoden vorgeschlagen findet; wie 
für diesen. Sie reduciren sich jedoch alle auf zwei Arten 
von Proben; entweder auf die Bestimmung; wie viel Sauer- 
stoff er liefert ; oder wie viel Chlor man daraus durch Salz- 
säure erhalten kann. 

1. Um zu finden; wie viel Sauerstoffgas eine Braun- 
steinsorte geben kanu; wird sie in einem ähnlichen kleinen 
Apparate geglüht; wie ich bei der Bestimmung der Kohlen- 
säure auf trocknem WegO; S. 83; beschrieben habe. Der 
Braunstein wird als grobes Pulver angewendet; das im Was** 
serbade getrocknet worden ist; bevor es in die Kugel ein- 
gewogen wird. Nachdem er dann bis zur völligen Austrei- 
bung des Wassers geglüht worden ist; wird die Kugel 
abgeschnitten und der Braunstein von Neuem in einem gewo- 
genen Platintiegel stärker geglüht. Um die Probe ohne 
Verlust aus der Kugel in den Tiegel zu fadngeU; darf er 
kein feines Pulver seiu; welches leicht an dem Glase sich 
befestigt. Was der Braunstein nun verloren hat; ist Wasser 
und Sauerstoffgas. Die Quantität des Wassers erfahrt man 
aus der Gewichtszunahme, welche der Apparat für dessea 
Auffangung erlitten hat; dieses abgezogen von dem Total- 
verlust; gibt den Sauerstoffgehalt 

Der Wassergehalt weist die Quantität des Manganoxyd- 
hydrats aus. 3 Atome von diesem Hydrat^ die beim Glühea 
zu Oxyd - Oxydul reducirt werden; geben 1 Atom Sauerstoff- 
gas. Was man an Sauerstoff mehr erhalten bat; rührt 
von Suptf oxyd her. Wenn dieses nicht zu der Rechnung 



Analyse. 93 

pisst und einen gar zu geringen Gehalt von Saperoxyd aus- 
weist^ so hat der Braunstein zugleich Eisenoxydhydrat 
enthalten. Die geglähete Probe wird hernach in Salzsäure 
aufgelöst^ die Lösung von der ungelösten Gangart abfiltrirt^ 
diese abgewaschen^ getrocknet^ gegläht und dem Gewichte 
nach bestimmt. Die Lösung wird so genau wie möglich 
neutralisirt; ohne dass etwas Eisenoxyd niederfällt ^ mit einer 
Lösung von schwefelsaurem Natron vermischt und eine 
Stunde lang gekocht^ wobei basisches schwefelsaures Eisen- 
oxyd niederfallt und die Flüssigkeit farblos wird. Der Nie- 
derschlag wird auf ein Filtrum genommen^ anfangs mit 
Wasser gewaschen^ dann mit kaustischem Ammoniak ange- 
rährt und abermals gewaschen ^ um die Schwefelsäure aus 
dem basischen Eisensalze wegzunehmen« Dann wird das 
läsenoxyd gegläht und gewogen. Bei dieser Probe kann 
man das Eisenoxyd auch direct aus der Lösung in Salzsäure^ 
nachdem sie mit Amihoniak gesättigt worden ist^ durch 
Digestion imit Quecksilberoxyd oder mit kohlensaurem Queck- 
silberoxyd ausfällen. Der Niederschlag wird gewaschen und 
zur Verflüchtigung des überschüssigen Quecksilberoxyds 
geglüht. Dies kostet ein wenig mehr^ aber es geht viel 
rascher und der Niederschlag ist so leicht ausgewaschen. 

Einige Braunsteinsorten enthalten kohlensaure Erden^ 
die Probe muss daher immer mit Salpetersäure auf einem 
Gehalt an Kohlensäure untersucht werden. 

2. Die Prüfung auf die Quantität von Chlor^ welche 
dardi Salzsäure aus einer Brauusteinsof te entwickelt werden 
kann^ geschieht am Besten auf die Weise ^ dass man eine 
abgewogene Probe in einer Retorte in Salzsäure auflöst und 
das dabei sich entwickelnde Gas in Wasser leitet^ welches 
mit einer bestimmten Gewichtsmenge von fein geriebenem 
Quecksilberchlorür in grösserer Menge ^ als durch das Chlor 
in Sublimat verwandelt werden kann^ vermischt worden ist. 
Das Chlor wird davon sogleich absorbirt und das dabei ge- 
bildete Chlorid von dem Wasser aufgelöst. Wenn sich beim 
Kochen kein Chlor mehr entwickelt; so wird das übrig ge- 
bliebene Chlorür auf ein gewogenes Filtrum genommen^ 
gewaschen, getrocknet und gewogen. Der Verlust weist aus^ 
wie viel Chlorid sich gebildet hat, dessen halber Chlorgehalt 
von dem Braonsteia henrührt. 



94 Analyse, 

B, Eisenerze. Diese könneu von fünf verschiedenen 
Arten sein. 

a. Magneteisen. Es wird zu feinem Pulver gerieb^ 
je feiner^ um so besser. Ein bestimmtes Gewicht davon 
wird mit Wasser angerührt^ das Eisenerzpulver mit einem 
Magnet ausgezogen^ in dem darüber stehenden Wasser um- 
hergeschwenkt^ dann in einem anderen Gefass unter Wasser 
abgestrichen^ und damit so lange fortgefaiuren^ als mit dem 
Magnet noch etwas ausgezogen werden kann. Der Räck^ 
stand wird noch einmal zerrieben^ worauf man versucht^ ob 
mit dem Magnet noch etwas ausgezogen werden kann. Das 
gesammelte Eisenerzpuiver wird ebenfalls zerrieben und auf 
gleiche Weise ausgezogen^ wobei gewöhnlich noch ein. wenig 
Pulver von der Gangart zurückbleibt. Auf diese Weise theilt 
man das Pulver der Stufe mechanisch in Eisenerz und in 
Gebirgsart^ die dann beide für sich genauer untersucht werden 
können. Der Gehalt des Magneteis^ns an Eisen ist immer 
derselbe^ nämlich 71^78 p. C. Die Gang-* oder Gebirgsart 
kann auf gewöhnliche Weise analysirt werden. 

ß. Rotheisensteine. Sie werden zuerst mit verdünnter 
Salpetersäure untersucht^ ob sie darin löi^liche kohlensaure 
Salze enthalten^ welche dann ausgezogen und ihrem Gewichte 
nach bestimmt werden. 

Das Erz wird zu feinem Pulver gerieben^ gelinde geglüht 
und darauf ein bestimmtes Gewicht davon in einem Strom 
von Wasserstoffgas bis zum Glühen erhitzt^ so lange sich 
dabei noch Wasser bildet. Man lässt die Probe in dem 
Wasserstoffgase erkalten und wiegt sie dann; der Verlust 
ist der Sauerstoff des Eisenerzes. Der Rückstand wird mit 
verdünnter Schwefelsäure behandelt ^ welche das metallische 
Eisen unter Entwickelung von Wasserstoffgas auflöst und 
die Gebirgsart ungelöst zurücklässt^ die dann analysirt wird. 
Sie enthält oft ein wenig Titansäure^ welche von zersetztem 
Titaneisen herrührt. Das aufgelöste Eisen wird höher oxy- 
idrt^ mit Ammoniak ausgefallt ^ gewaschen ^ getrocknet^ 
geglüht und gewogen. Es muss im Gewicht mit dem aus 
dem Sauerstoff -Verluste berechneten Eisengehalt überein- 
stimmen. 

y. .Eisenoxydhydrat, Die Probe wird pulverisirt, im 
Exsiccator getrocknet^ dann gewogen und schwach geglüht^ 



Analysf. 95 

um den Gehalt an Wasser zu bekommen« Die geglühete 
Probe wird mit einem gleichen Gewicht kohlensauren Natrons 
vermischt und damit geglüht. Das Natron wird darauf mit 
Wasser ausgezogen und auf Schwefelsäure ^ Phosphorsäure^ 
Arseniksäure ^ und selbst auf einen Gehalt an Chlor und 
Fluor untersucht. Das ungelöste Oxyd wird in Salzsäure 
aufgelöst^ die Lösung filtrirt^ mit kaustischem Ammoniak 
gesättigt^ so dass sie dunkelroth wird^ und nun das Eisen- 
oxyd daraus durch Digestion mit reinem Quecksilberoxyd 
abgeschieden^ gewaschen^ geglüht und gewogen. Aus der 
Lösung wird das Quecksilber durch Schwefelwasserstoff 
abgeschieden und die Flüssigkeit dann auf andere Basen 
untersucht *). 

6* Sumpferze oder Rasenetsensteine. Diese sind Ge- 
menge von Eisenoxydhydrat mit basischen Eisenoxydsalzen 
von Schwefelsäure^ Phosphorsäure^ Quellsäure^ Quellsatzsäure 
und Huminsäure. Die Probe wird im Exsiccator getrocknet^ 
gewogen und in einem offenen Porcellantiegel geglüht^ an- 
ßlnglich bei einer sehr gelinden Hitze ^ um die organischen 
Säuren daraus wegzubrennen ^ und darauf in stärkerer^ um 
das Eisenoxyd völlig zu oxydiren. Dann wird ein bestimmtes 
Gewicht davon mit kohlensaurem Natron geglüht und hierauf 
ganz so wie in y. weiter behandelt. 

Um die organischen Säuren zu finden und zu erkennen^ 
bat man zwei Wege: 1. das Eisenerz wird zu einem feinen 
Pulver gerieben und mit reinem kaustischen Kali gekocht^ 
bis es sein Ansehen vollkommen verändert und sich in eine 
flockige Masse verwandelt hat; die Lösung wird abfiltrirt uhd 
die in der alkalischen Flüssigkeit enthaltenen Säuren nach 
den Vorschriften untersucht^ die ich bei Abhandlung der 
Quellsäure und Huminsäure im VH!« Theile gegeben habe. 
2. Das fein pulverisirte Erz wird mit Wasser vermischt und 
in das Gemisch Schwefelwasserstoffgas bis zur völligen 
Sättigung geleitet; das Gefäss dann verschlossen und 
24 Stunden stehen gelassen. Dabei werden die Eisenoxydul- 
salze mit den organischen Säuren in der Flüssigkeit aufgelöst 



*) ArcIi ist. hier tu beaehten, dass viele^ selbst fsserig^e Brauneisensteine 
kiesebaure» £iiieuoxyd iunig beigemischt euthalfeu. VV. 



96 Analyse, 

und der Rest vom Eisen in Schwefeleisen verwandelt* Die 
Lösung wird abfiltrirt, der Schwefelwasserstoff abdunsten 
gelassen und das Eisenoxydul im Kochen mit kohlensaurem 
Natron geföUt^ worauf die Säuren in der ausgefällten Fläs- 
sigkeit aufgesucht werden. 

^« Thonetsensteine werden auf den Gehalt an kohlen- 
sauren Verbindungen und auf den Wassergehalt untersucht« 
Dann werden sie durch Wasserstoffgas redncirt und das 
Eisen mit verdünnter Schwefelsäure ausgezogen^ aus der es 
dann gefallt wird. Der ungelöste Thon wird wie ein Silicat 
analysirt. 

^. Spatheisenstein wird wie ein kohlensaures Salz ana«^ 
lysirt. Die Lösung wird oxydirt und dann daraus das Eisen« 
oxyd durch kaustisches Ammoniak gefällt. 

10. Verbindungen zwischen Schvrefelbasen. 

Als Beispiel^ nehmen wir an^ sei eine Verbindung von 
Kupfer, Eisen und Zink, alle drei mit Schwefel verbunden, 
zu untersuchen, a) Die Probe wird pulverisirt und in einem 
gläsernen Kolben mit Königswasser äbergosstön. Die Metalle 
lösen sich bald unter Zuräcklassung des Schwefels auf; man 
setzt jedoch die Digestion fort, bis der Schwefel in runden 
Tropfen zurückbleibt, worauf man, um die Arbeit zu be- 
schleunigen, diese abfiltriren und sie wohl waschen kann^ 
indem man zusieht, dass sie nichts von der Auflösung in 
sich enthalten. Sie werden bei gelinder Wärme getrocknet 
und gewogen. Die Lösung wird mit der gehörigen Vorsicht^ 
dass nichts durch SpriCzen und Brausen verloren gehe, in 
eine Lösung von schwefelsäurefreiem kohleusamFen Natron 
getropft, die mehr Natron enthält, als zur Ausfallung der 
aufgelösten Oxyde erforderlich ist. Die Flüssigkeit wird im 
Wasserbade bis zur Trockne verdunstet, und das trockne 
Salz eine Weile auf der Sandcapelle erhitzt. Durch dieses 
Verfahren ^wird zweierlei erreicht : 1} dass die gebildete 
Schwefelsäure (vielleicht auch Arseniksäure) in dem Alkali 
zurückbleibt, und 2) dass die abgeschiedenen Oxyde sich in 
einem gesammelten md wenig voluminösen Zustande befinden, 
in welchem sie sich mit der grössten Leichtigkeit auswaschen . 
lassen. Die alkalische Flüssigkeit, welche durch Auflösung 

der 



Analyse. 97 

der trocknen Masse in Wasser erhalten wird^ übersättigt 
man ein wenig mit Salzsäure und fällt die Schwefelsäure 
mit Chlorbarium. Aus der .erhaltenen Quantität von schwe- 
felsaurer Baryterde wird der Schwefelgehalt berechnet« 
Die filtrirte saure^ chlorbariumhaltige Flüssigkeit wird in eine 
Flasche gegossen^ darin mit kaustischem und kohlensäure- 
freiem Ammoniak vermischt und verschlossen. Wenn^ wie 
es oft der Fall ist^ die Probe ein wenig Arsenik enthalten 
hat^ so fallt nun arseniksaure Baryterde nieder. 

Die Oxyde werden in Salzsäure aufgelöst. Das Kupfer 
wird durch einen Strom von Schwefelwasserstoffgas^ welches 
in die stark saure Flüssigkeit geleitet wird^ abgeschieden« 
Der Niederschlag ist das Bisulfuretum des Kupfers. Er wird 
in Salpetersäure aufgelöst^ vom Schwefel abfiltrit^ und mit 
überschüssig zugesetztem kaustischen Kali niedergeschlagen. 
Der Niederschlag wird mit kochendem Wasser ausgewaschen^ 
getrocknet und (ohne Filtrum) geglüht. Der Kupfergebalt 
wird vom Oxyd berechnet. 

b) Die mit Schwefelwasserstoffgas niedergeschlagene 
Flüssigkeit wird mit Salpetersäure vermischt ifnd zum Kochen 
erhitzt; oder noch besser^ man leitet in die Flüssigkeit Chlor- 
gas ^ welches vorher zur Befreiung von etwa mitgerissenem 
Mangansuperchlorid durch Wasser geleitet ist^ und wenn die 
Flüssigkeit nach freiem Chlorgas riecht^ wird sie erhitzt^ 
bis das überschüssige Chlor daraus wieder entfernt ist. Hat 
sich dabei Schwefel abgesetzt ^ so muss dieser abfiltrirt uad 
abgewaschen werden. Die klare Flüssigkeit wird mit Am- 
moniak gesättigt^ so dass sich ein Theil des Eisenoxyds 
ausscheidet^ worauf der ganze Eisengehalt mit bernsteiu- 
saurem Natron, und endlich, nachdem dieser abfiltrirt ist, 
der Zinkgehalt mit kohlensaurem Kali niedergeschlagen wird^ 
womit man die Flüssigkeit zur Trockne abdampft. — Nach 
Verjagung des ganzen Gehalts von Ammoniak, muss die 
trockene Masse alkalisch sein, wenn der ganze Ziukgehalt 
ausgefällt sein soll. Die Salzmasse wird dann gelinde ge- 
glüht. Das Zinkoxyd bleibt nun unaufgelöst zurück, wenn 
man Wasser zusetzt. Es wird gewaschen, getrocknet und 
geglüht, und der Zinkgehalt aus dem Gewjchte des Oxyds 
berechnet. 

Die drei Metalloxyde kann man auch in einer anderen 
X 7 



98 Analyse. 

Ordnung abscheiden ; indem man nämlich aus ihrer Lösung 
in Salzsäure zuerst das Eisenoxyd mit bernsteinsaurem Na- 
tron abscheidet^ die Flüssigkeit darauf sauer macht und das 
Kupferoxyd dann mit Schwefelwasserstoff fällt ^ und, wenn 
der Ueberschuss von Schwefelwasserstoff wieder wegge- 
dunstet worden ist^ das Zinkoxyd ausfällt. Hierdurch wird 
die höhere Oxydirung des Eisens durch Chlor oder durch 
Salpetersäure umgangen. 

Es würde ohne Zweifel eine grosse Bequemlichkeit sein^ 
wenn diese Analysen auch auf trocknem Wege geschehen 
könnten ; aber dies lässt sich nicht mit Sicherheit durchführen. 
Ich habe versucht, z. B. 1 Th. Schwefelkies als fein ge- 
schlämmtes Pulver (äusserste Feinheit ist erforderlich^ wenn 
völlige Oxydirung statt finden soll) mit 4V2 bis 6 Th. 
chlorsaurem Kali und 3 Th. kohlensaurem Natron zu oxy- 
diren. Als dieses Gemisch in einen Platintiegel gebracht 
und darin allmälig erhitzt wurde , entwickelte sich Schwefel 
in Dampfform viel früher^ als die Verbrennungs-Erscheinung 
eintrat. Wird die Masse in kleinen Portionen nach einander 
in einen vorher erhitzten Tiegel gebracht ^ so verbrennt sie 
zwar^ aber man bekommt immer ein wenig Platin in die ge- 
glühete Masse. Geschieht der Versuch in einem Porcellan- 
tiegel^ so bekommt man Kieselsäure und Thonerd'e. Vielleicht 
wäre es möglich^ den Platintiegel vorher inwendig mit einer 
dünnen Schicht von geschmolzenem Kochsalz zu überziehen^ 
was ich indessen nicht versucht habe. 

Diese Methode ist insbesondere da anzuwenden^ wo 
man Selen oder Tellur in dem Schwefelmetall vermuthet^ 
die dabei in völlig oxydirte Säuren verwandelt werden^ ein 
Umstand, der auf nassem Wege nicht statt findet. Man zieht 
die geglühete Masse mit Wasser aus^ übersättigt die Lösung^ 
mit Salzsäure^ fällt mit Chlorbarium ^ wobei schwefelsaure 
und selensaure Baryterde niederfallen^ die gewaschen^ geglüht 
und gewogen werden. Dann wird eine bestimmte Gewichts- 
menge davon über der Lampe in einem Strom von Wasser- 
stoffgas geglüht^ welches die selensaure Baryterde zersetzt 
in Selenbarium^ und die schwefelsaure Baryterde unverändert 
lässt. Die so behandelte Masse wird mit Salzsäure über- 
gössen; die das Barium aus dem Selenbarium auszieht^ 
welches dann mit Schwefelsäure ausgefällt; geglüht^ gewogen 



Jnahfie. 99 

und auf selensaare Baiyterde berechnet wird» Die Tellursäure 
wird nicht diirch Chlorbarium gefiUit; wird aber dann Am-* 
moniak zugesetzt^ so fallt tellursaore Baryterde nieder« Aw 
jedoch auch arseniksaure Baryterde enthalten kann. Der 
Niederschlag wird gewaschen ^ geglüht^ gewogen^ in Salz- 
säure wieder aufgelöst und aus der Losung die Baryterde 
durch Schwefelsäure gefallt* Das Gewicht der schwelel«« 
sauren Baryterde gibt dann das der Baryterde* Die Lösung 
in Salzsäure wird mit schwefliger Säure versetzt und gekocht, 
wobei metallisches Tellur niederfällt; welches gewaschen^ bei 
-f- 100^ getrocknet und gewogen wird. Ist Arsenik Tor- 
banden^ so wird es nun aus der sauren Lösung mit Schwe- 
felwasserstoff gefallt und als A S' gewogen. 

Anmerkung. Klaproth schlug das Kupfer immer durch 
Eisen nieder ^ und wog es^ getrocknet und gewaschen , in 
metallischer Form. Aber dies gibt nur eine Annäherung^ 
denn das Kupfer oxydirt sich während des Trocknens ^ und 
Theile von dem niederschlagenden Eisen mischen sich öfters 
als ein schwarzer Rus ein^ so dass das Gewicht nie genau 
werden kann. Ich habe diese Methode sehr anwendbar 
gefunden ; wenn man auf folgende Art verfährt: Die Kupfer- 
auflösung wird mit Schwefelsäure versetzt ^ und wenn sie 
Salpetersäure enthielt ^ wird sie zum völligen Verjagen dieser 
Säure abgedampft, worauf man sie^ mit Wasser verdünnt 
und zum Kochen erhitzt. Sobald die Flüssigkeit kocht , stellt 
man eine blankgefeilte Eisenscheibe ^ oder am besten eineil 
mit verdünnter Schwefelsäure gereinigten^ etwas breiten 
Streifen von Eisenblech ein^ und setzt die Digestion feri^ 
bis das Kupfer ausgefällt ist. Das Kupfer wird vom Eisen 
abgenommen ; darauf mit Wasser ausgekocht ^ getrocknet 
und in einen passenden Glasapparat gelegt ^ erst in einem 
Strom von atmosphärischer Luft^ um die vom Eisen abge^ 
setzte Kohle zu verbrennen ^ und dann zur Reduction desr 
entstandenen Kupferoxyds in Wasserstoffgas geglüht, nadi-^ 
her in diesem der Abkühlung überlassen und dann gewogen. 
Wäscht man das Kupfer auf dem Filtrum, und verbrennt 
letzteres nachher mit dem, was sich nicht abnehmen lässt, 
so erhält man ein wenig von einem Kupfersilicat, welches 
vom Wasserstoffgas nicht vollständig reducirt wird, und 
welches man^ mit Abzug der Asche des Papiers, am besten 

7* 



100 Analyse. 

4 

9is Knpferoxyd in Berechnung aufnimmt. — Man kann das 
Gewicht des Kupfers aus dem Gewicht des mit Schwefel- 
wasserstoffgas erhaltenen Niederschlages nicht beurtheilen^ 
weil sich das Schwefelkupfer während des Trocknens zum 
Theil oxydirt und «auer wird ; al^er wenn man eine bestimmte 
Menge davon in eine kleine^ vor der Lampe ausgeblasene 
Retorte legt^ die man damit anfüllt^ und die Masse so lange 
erhitzt^ bis ^ der fiberschüssige Schwefel mit der Feuchtigkeit 
und der Schwefelsaure entwichen ist^ und nur die niedrigste 
Schwefelungsstufe des Kupfers zurückbleibt^ so kann man 
vom Gewicht dieser Masse das des Kupf^s berechnen. 

11. Scliwefelsalze. 

Stellen whr uns vor^ es sei jein Gemische von Sulf- 
Itrseniten und Hyposulfantimoniten von mehreren Metallen^ 
z. B. Eisen ^ Kobalt^ Nickel^ Zink^ Blei und Silber^ zu 
analysiren. Hier lässt sieh nicht die Auflösung in Königs- 
wasser anwenden^ weil sich das Silber- und Blei-Chlorür 
mit der sich abscheidenden antimonigen Säure und Schwefel 
vermischen^ und dann nicht so scharf^ wie durch folgende 
Methode^ zu trennen sind. Man erhitzt nämlich die Probe in 
einem Strom von Chlorgas ^ und fangt die flüchtigen Chloride 
von Schwefel^ Antimon^ und Arsenik in Wasser auf. 

Dies zu bewerkstelligen^ macht man sich einen kleinen 
Apparat aus einer 12 bis 14 Zoll langen^ und V4 bis Vs 
Zoll weiten Glasröhre. Man bläst^ einige Zoll weit von dem 
einen Ende eine Kugel ^ und ungefalur V2 Zoll weiter eine 
zweite^ etwas längliche. Das Stück Röhre zwischen beiden 
Kugeln wird hierauf gebogen^ so dass^ bei horizontaler 
Stellung der ersteren^ die zweite etwas abwärts geneigt ist. 
Das Aöbrenstuck zwischen beiden Kugeln wird dann so 
gebogen ^ dass der Apparat die Gestalt von Fig. 9 Taf. I. 
bekommt. — Bei Anwendung desselben wird die feingepul- 
verte Probe in die Kugel A. gelegt ^ und durch C. Chlorgas 
eingeleitet^ welches durch eine mit geschmolzenem Chlor- 
caleium gefüllte Röhre gegangen ist; das andere Ende D* 
wird bis auf den Boden in eine geräumige, zu V4 mit 
einer etwas verdünnten reinen kaustischen Kalilauge ge- 
füllte Flasche geleitet^ welche zur Aufnahme des Chlor- 



Analy$e. Wl 

gafies und der ihm mitfolgenden etoktr^egativen Chlo- 
ride dient* Sobald durch das Chlorgas alle Luft ausgetrieben 
ist^ wird unter die Kugel A. eine einfache Spirituslampe 
mit ganz kleiner Flamme gesetzt. Das in die Flasche ge- 
langende und durch die Kalifaiuge aussteigende Gas raucht 
etwas ^ weil ihm nur unvollständig vom Wasser der Chlor- 
schwefel entzogen wird. Aus diesem ^Gründe muss der 
Raum in der Flasche über dem Wasser- gross sein ; auch 
kann es von Nutzen sein^ die Röhre B. D. durch einen Kork 
in den Hals der Flasche gehen zu lassen^ und in ein zwei- 
tes Loch im Koric eine zweite lange ubd gerade Röhre ein- 
zupassen^ die man inwendig befeuchtet (in die man z. B. 
eine Zeit lang geblasen hat^^ und durch die nun der Ueber* 
8ch^8S von Chlorgas ^ den das Wasser der Flasöhe nicht 
absorbirt^ abgeleitet wird;^ in lüeser Röhre werden alsdann 
die rauchigen Theile^ die sonst mit dem Gase weggehen 
könnten ; zurückgehalten. Man lasst das Chlorgas so lange 
in die Lauge strömen^ bis sie damit möglichst gesättigt ist. 
Hierdurch werden sämnitliche hineingeleitete elektronegative 
Chloride vöHig in Säuren verwandelt. Ist dabei Antimon 
vorhanden^^ so fällt dieses in Gestalt von zweifach -antimon- 
sanrem Kali nieder. 

Enthält die Probe in Verbindung mit Schwefbl und ande- 
ren Metallen- nur Arsenik und kein Antimon^ so geht die 
Zersetzung schwieriger vor sich und erfordert eine mehr- 
stündig fortdauernde Operation; ist afoer^ wie wir hier vor- 
aussetzen^ zugleich Antimon dabei ^ so geht die Zersetzung 
viel rascher. Auf jeden Fall^ wo man sie auch unterbrechen 
nag^ findet man^ dass sie niemals nur partiell geschicfht^ 
sondern dass der Theil des Pulvers ; welcher sich nicht mit 
Chlor verbunden hat^ unverändert ist^ und ausgewaschen 
und dem Gewicht nach abge2K»gen werden kann. 

Bei dieser Operation verwandelt sich ein Theil- des 
Eisens in Chlorid^ welches flüchtig ist^ und sich in der 
kleinen Röhre zwischen A. und B. sublimirt^ von wo ans 
man es allmälig^ und je langsamer um so besser^ in £e 
zu seiner Aufnahme bestimmte Kugel B. treibt. Wenn die 
Operation beendigt ist^ was man daran erkennt^ dass das 
in A. eingelegte Pulver allmälig seine Farbe ändert^ und 
dass der letzte zurückbleibende y dunkelgraue Punct auf dem 



lOS Analyse. 

Boden yoa A«..,(^dlicb verschwimdon ist^ «riiitzt maa di« 
Kugel B. so gelinde, ia^s die elektroaegativen Chloride 
daraus abdunsten, d«s Eisenchlorid aber trocken zurückbleibt; 
worauf man auch einen Tbeil der abwärts steigenden Röhr» 
erhitzt, um aUe flüchtigen Chlodde daraus abzudampfen. 
Die Röhre wird hierauf mit einer Feile abgeschnitten^ und 
4as fibgescbnittene Stück in die Flasche gebracht^ die man 
wohl verschliesst und 24 Stunden lang an einer warmen 
Stelle stehen lässt. 

Man hi^t nun den Rückstand in den Kugeln und den 
Inhalt der Flasche :z^ untersuchen. 

/. Inhalt der Kugeln. Er besteht aus Chlorüren der 
basischen Metalle* Durch hineingebrachtes Wasser löst man 
die Salze anf ^ so dass die ganze Masse in ein tvlas ausge* 
gössen werden kann. Bleibt etwas ungelöst ^ so ist dieses 
Chlorblei oder Chlorsilb^r und zuweilen auch Gaugart. Das 
Cblorblei wird mit Wasser ausgekocht > bis eine Probe 
davon beim Verdunsten keinen Rückstand mehr lässt Das 
Chlorsilber filtrirt man ab, wascht es, trocknet es scharf^ 
und wiegt es, worauf man es in kaustischem Ammoniak 
auflöst, um zu sehen, ob vielleicht ein Rückstand von noch 
unzersetzter Probe oder Gangart darin enthalten sei, den 
VB^ßSk dann wiegt und abzieht. 

Die erhaltene Lösung versetzt man mit Schwefelsäure 
im Ueberschuss, und dunstet zur Verjagung der Salzsäure 
ab. Bei Auflösung der zurückgebliebenen schwefelsauren 
Salze in Walser bleibt schwefelsaures Bleioxyd zurück, 
^us dessen Gewicht man das des Bleies berechnet. Schwe- 
felsaures Bleioxyd wird stets auf ein gewogenes Filtruai 
genommen, bei + 100^ getrocknet und gewogen. Dana 
wird eine gew<^ene Quantität davon, die keine Papierfasern 
eingemengt enthält ^ bis zum Glühen erhitzt, um zu bestim- 
men, ob noch Wasser darin zurückgeblieben ist, was dann 
nach der kleineren Probe von dem Ganzen abgerechnet wird* 
Man kann nicht ein Filtrum mit darauf sitzendem schwefel- 
sauren Bleioxyd verbrennen, weil dieses dabei leicht iu 
Schwefelblei verwandelt wird. Die saure Flüssigkeit wird 
mit Ammoniak neutralisirt, und das Eisen, nach den gege- 
benen Vorschriften, durch bernsteinsaures Alkali niederge- 
schlagen. — Aus der übrigbleibenden, mit Schwefelsäure 



Analyse. 103 

versetzten täsang wird das Kupfer durch Scfawefelwasser- 
«toffgas niedergeschlagen^ und der Niederschlag auf die frü- 
her angegebene Art behandelt. Nachdem aus der Lösung 
aller Schwefelwasserstoff ausgetrieben Ist^ wird dieselbe mit 
kohlensaurem Kali übersättigt^ das Gemische zur Trockne 
verdunstet^ und die Salzmasse ^ die nun kohlensaures Kati 
im Ueberschuss enthalten muss^ gelinde geglüht; das Salz 
wird mit Wasser ausgezogen^ wobei die Oxyde zurück- 
bleiben^ welche man in Chlorwasserstoffsäure auflost. 

Die Scheidung des Zinko^ds von Nickelo^d und Ko- 
baltoxyd gehört zu den schwierigsten Aufgaben in der analy- 
tischen Mineralchemie. Alte bis jetzt dazu angegebenen 
Methoden sind unanwendbar. Ich will daher auf das ver- 
weisen^ was ich im Folgenden in Betreff der Scheidungs- 
methoden derjenigen Metalloxyde^ Erden u. s. W. angeführt 
habe^ die dazu eigne Wege erfordern. 

Ist die Abscheidung des Zinkoxyds geglückt^ so werden 
die Oxyde von Kobalt und Nickel auf die Weise geschieden^ 
dass man ihre neutralen Salze von Satzsäure oder Schwe- 
felsäure bis zur Wiederauflösung der gefällten Oxyde mit 
kaustischem Ammoniak versetzt^ darauf das Ilfickeloxyd 
aus der Flüssigkeit durch kieselsäufefreles KaHhydrat ausfällt^ 
und aus der filtrirten rothen Flüssigkek das Kobaftoxyd durch 
Verdunstung des Ammoniaks niederschlägt« Die ausgewa- 
schenen Oxyde werden stark geglüht und g€fWogen. Man 
hat angegeben ^ dass diese Oxyde schwierig immer auf dem- 
selben Oxydationsgrade erhalten werden könnten^ und hat vor- 
geschrieben^ dass eine gewogene Quantität Von den erhaltenen 
Oxyden durch Wasserstoffgas reducirt werden müsse. Das 
Verhalten hierbei ist^ dass^ wenil die Oxyde rein sind^ sie 

sich durch Glühen in Ni und Co verwandeln^ dass man aber^ 
wenn sie mit einander vermischt sind^ eine Verbindung von 
dem Oxyd des einen mit dem Sesquioxyd des anderen erhält^ 
ist jedes von ihnen gut abgeschieden^ aber verunreinigt durch 
Zinkoxyd oder Talkerde^ so bekommt mau dieses Oxyd oder 
diese Erde verbunden Atom für Atom mit dem Sesquioxyd 
von Nickel oder von Kobalt; und das Oxyd löst sich dann 
mit Chlorentwickelung in Salzsäure auf. Durch Reduction 
mit Wasserstoffgas bekommt man dann in keiüer Hinsicht 
richtigere Resultate. 



104 Analyse. 

2, Per JnkaJt der Flasche besteht aus Chlorkaliaqi^ 
cblorigsaarem^ schwefelsaurem^ arseniksaureiU; antimonsau- 
rem^ vielleicht auch selensaurem und tellursaurem Kali. Er 
wird mit Salzsäure versetzt^ so lange noch ein Niederschlag 
von zweifach -antimonsaurem Kali entsteht, den man abfil- 
trirt. Dann. wird die Flüssigkeit verdunstet, bis sie nicht 
mehr nach C^lor.oder chloriger Säure riecht; scheidet sich 
dabei noch etwas Antimonsäure ab^ so wird diese dem vor- 
hin erhaltenen Niederschlag zugefügt. Die saure Flüssigkeit 
kann nun ein wenig Eisenchlorid enthalten^ welches den 
flüchtigen Chloriden gefolgt ist. Sie wird daher schwach 
mit kaustischem Ammoniak übersättigt. Wird dabei eio 
Niederschlag von Eisenoxyd erhalten^ so enthält dieses 
Arseniksäure ^ welche auf die Weise ausgezogen wird^ dass 
man den ausgewaschenen Niederschlag vom Filtrum mit 
Salzsäure auflöst^ die Lösung mit kohlensaurem Natron im 
Ueberschuss vermischt^ zur Trockne verdunstet^ glüht und 
den Rückstand mit Wassej auslaugt^ wobei das Eisenoxyd 
zurückbleibt« Die alkalische Flüssigkeit wird zu der gegossen^ 
woraus das Eisenoxyd gefällt worden ist. Nachdem man 
diese dann mit Salzsäure übersättigt hat^ wird die Schwe- 
felsäure daraus mit Chlorbarium gefallt und im Uebrigen so 
verfahren wie im Beispiel von den Verbindungen der Schwe- 
felbasen angeführt worden ist. 

Das erhaltene zweifach -antimonsaure Kali wird vom 
Filtrum abgespült^ dann mit einer Salpetersäure von, 1^22 
specif. Gewicht gekocht; um das Kali daraus abzuscheiden^ 
die Antimonsäure auf ein gewogenes Filtrum genommen^ 
gewaschen ; bei + 100® getrocknet und gewogen. Dann 
wird 'davon ein so grosser Theil von dem Filtrum genommen^ 
als es ohne Einmiscl^ung von Papierfaseru geschehen kann^ 
gewogen ; geglüht und darauf der Antimongehalt nach der 
nun zurückbleibenden antimonigen Säure berechnet. Die 
Salpetersäure ; womit das Kali ausgezogen worden ist^ ent- 
hält ein wenig Antimonsäure aufgelöst^ sie wird daher mit 
kaustischem Ammoniak übersättigt^ darauf in die Flüssigkeit 
bis zur Sättigung des Ammoniaks Schwefelwasserstoffgaa 
eingeleitet und im Wasserbade verdunstet. Dabei verflüch- 
tigt sich Schwefelammonium; während Schwef^lantimon nie- 
derfällt; welches abgeschieden und im Wasserstoflgas za 



Analyse. 105 

V 

4 

metallischem Antimon reducirt wird. Ist die Quantität sehr 
geringe so ist es besser^ sie mit ein wenig reinem Queck- 
silberoxyd zu vermischen und damit in einem Porcellantiegel 
zu glühen^ bis nur noch autimonige Säure übrig ist* Man 
hat noch eine sehr anwendbare Methode für die Bestimmung 
des Antimongehalts. Das zweifach -antimonsaure Kali wird 
durch Kochen in einer sehr verdünnten Lauge von kausti- 
schem Kali aufgelöst (das^ was sich dabei nicht auflöst, 
wird abgeschieden und untersucht}, die Lösung mit Salpeter- 
säure gesättigt, bis sich ein Niederschlag zu zeigen anfängt, 
und nun salpetersaures Quecksilberoxydul hinzugemischt, so ' 
lange noch ein Niederschlag dadurch entsteht. Zuletzt 
werden einige Tropfen kaustischei| Ammoniaks zugesetsst^ 
bis sich ein schwarzer Niederschlag zu bilden anfängt. Das 
Gefällte wird gewaschen und geglüht, wobei antimonige 
Säure zurückbleibt, nach welcher das Antimon berechnet wird. 
H. Rose gibt eine etwas andere Vorschrift für die 
Analyse der elektronegativen Chloride. Zum Wasser in der 
Flasche mischt er vor Anfang der Operation Weinsäure und 
etwas Chorwasserstoffsäure, um die antimonige Säure auf- 
gelöst zu behalten. Die erhaltene saure Flüssigkeit wird 
hernach von dem Schwefel abfiltrirt, und dessen Gewicht 
bestimmt JDie Schwefelsäure wird durch Chlorbarium ge- 
fällt, und aus der filtrirtentjösnng das überschüssig zugesetzte 
Bariumsalz durch Schwefelsäure niedergeschlagen. Antimon 
und Arsenik werden durch Schwefelwasserstoff gefällt, und 
dessen Ueberschuss vor Abfiltrirung der Schwefelmetalle aus 
der Flüssigkeit abgedunstet. Diese werden stark getrocknet 
und gewogen. Da das Antimon früher als das Arsenik fällt, 
so ist es nothwendig, nach beendigter , Fällung den Nieder- 
schlag vor dem Abfiltriren recht wohl in der Flüssigkeit 
umzumischen. Von der trockenen Masse wiegt man z. B. 
die Hälfte ab, um sie, zur Ausmittelung der^ Menge von 
darin enthaltenem Schwefel^ durch Königswasser zu oxydiren« . 
Die andere Hälfte wird in Wasserstoffgas reducirt^ wobei 
Schwefel und Schwefelarsenik weggehen und metallisches 
Antimon zurückbleibt. Wenn die Quantitäten von Schwefel 
und Antimon bekannt sind, findet man die des Arseniks durch 
Subtraction vom gemeinschaftlichen Gewicht der gemengten 
Schwefelmetalle. 



106 Analyse. 

Die mit Schwefelwasserstoffgas gef&llte Flüssigkeit ^bt 
mit Hydrothionalkali etwas Schwefeleisen. 

Es gibt noch eine Methode zur Analyse dieser Ver- 
bindungen^ die in Betracht gezogen zu werden verdient* 
Sie besteht darin ^ dass man die Probe in fein pulverisirtem 
Zustande in einem Glaskolben oder Platintiegel mit Kali- 
oder Natron-Sehwefelleber^ KS* oder NaS*, bei der Tempe- 
ratur behandelt^ welche gerade hinreicht^ um die Schwefelleber 
geschmolzen zu erhalten. Die Schwefelleber greift dann 
nicht das Glas oder Porcellan an^ und nimmt die elektrone- 
gativen Schwefelmetalle auf^ mit Zurücklassung der basischen^ 
die darauf in dem Wasser ungelöst bleiben^ womit man die 
Masse behandelt. Diese Methode ist noch nicht im Ein- 
zelnen untersucht worden^ was sie aber gewiss verdiente. 
Die pulverisirte Probe wird mit der dreißichen Gewichtsmenge 
frisch geglüheten kohlensauren Natrons oder Kali's und der 
1 Vsfachen Gewichtsmenge Schwefels vermischt^ das Gemenge 
in einem Glaskolben auf der Sandcapelle erhitzt , auf dieser 
die Masse so lange geschmolzen erhalten^ bis kein Aufblähen 
mehr statt findet^ und dann in derselben Teäiperatur ungefähr 
eine Stunde lang erhalten. Nach dem Erkalten wird fie 
alkalische Masse in Wasser aufgelöst^ die basischen Schwe- 
felmetalle ausgewaschen und nach den angegebenen Regeln 
mit Königswasser behandelt.^ 

Die elektronegativen Schwefelmetalle werden aus der 
alkalischen Flüssigkeit durch Salzsäure gefällt^ darauf mit 
Königswasser oxydirt^ und nach den gewöhnUchen Methoden 
geschieden. Der Schwefelgehalt wird bei dieser analytischen 
Methode ans dem Verlust bestimmt. 

Bei der Analyse einiger natürlichen Schwefelverbindnngen 
ist es nützlich^ die Probe in einem Strom von Wasserstoff- 
gas zu glühen^ um entweder einen Ueberschuss von Schwefel^ 
den man in Betreff seiner Quantität kennen zn lernen wünscht^ 
oder Schwefelarsenik abzuscheiden. Diese Operation geschieht 
am besten in einem Porcellanrohr^ in welches ein kleines 
Porcellangefass mit der darauf abgewogenen Probe bis zu 
der Stelle eingeschoben wird^ wo die Hitze am grössten wird. 
In einem Glasgefäss und über der Spirituslampe erhält man 
selten eine hinreichende Hitze^ und das Glasgefäss fängt an 
zu schmelzen, bevor die Zersetzung vollendet ist. Das 



Analyse. 107 

gegluhete Sulfaretum wird in einem Strom von Wasserstoff- 
gas erkalten gelassen. Der Gewicbtsveriust zeigt den Gebalt 
an weggegangenem Schwefel^ in so fern sich nicht auch 
Wasser gezeigt hat; in welchem Fall das Sulfuretum mit 
Oxyd vermischt gewesen sein würde. Es ist dann am besten^ 
eine besondere Probe in Glas zu machen^ um das Wasser 
aufzusammeln und zu wiegen. Der Schwefel setzt sich da- 
bei nicht ab , denn er geht nur in Schwefelwasserstoff ver- 
wandelt weg. Das in Wasserstoffgas geglühete Sulfuretum 
pflegt sich gewöhnlich in kochender Salzsäure aufzulösen^ 
und zwar unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff und 
ohne dass Schwefel ungelöst bleibt. Der Schwefelgehalt 
ist dann leicht aus den bei der Analyse eriiattenen Oxyden 
zu beredinen. 

Vi. Platinerz, 

Als Beispiel der Untersuchung einer gediegenen Metall- 
masse will ich die des Platinerzes anführ^i^ da seine Zu- 
sammensetzung sehr gemischt, und die Anzahl der (^ratk>ttea 
in der analytischen Untersuchung folglich gross ist. 

Zuvörderst sondert man die Kömer mechanisch von 
einander, welche sich durch ihr Ansehen von den übrigen 
unterscheiden. Dann versucht mau, ob der Magnet einige 
von ihnen ausziehe. Der Platinsand enthält, ausser den 
durch Osann darin entdeckten Flitterchen von gediegenem 
Eisen, oft metallische Verbindungen von Eisen und Platin, 
welche nicht nur vom Magnete ausgezogen werden, sondern 
sogar selbst Polarität besitzen. Diese haben eine andere 
Zusammensetzung als die unmagnetischen Körner. Man zieht 
sie mit dem Magnete aus, und bestimmt ihre relative^ Menge. 

Darauf behandelt man die Probe mit verdünnter Salz- 
saure. Der Zweck hierbei ist, sie von dem Ueberzug von 
Eisenoxyd, mit dem sie oft bekleidet sind, zu befreien und 
das metallische Eisen aufzulösen. Dann wird die- Menge 
des Eisens, welche auf diese Weise in der Probe gefunden 
ist, bestimmt. 

Die Probe darf nicht geglüht werden, ohne dass man 
sie nicht zuvor gewogen hat, denn sie bekleidet sich ge- 
wöhnlich dabei mit einer Haut von Eisenoxyd und nimmt 



108 Analyse. 

an Gewieht 'm. Es ist hmreiGhead^ sie aaf eiuer lieuswea 
Sandcapelle zu trocknen. 

Der Plan zu der eigentlichen Analyse wurde sich nach 
der Menge und Natur der Bestandtheile des Platinerzes 
richten; allein er bleibt für alle bis jetzt bekannten Platin- 
erze ^ sowohl für die aus Asien als fär die aus Amerika, 
derselbe ; da sie alle dieselben Bestandtheile, nur in etwas 
veränderten Verhältnissen, enthalten. Diese Bestandtheile, 
nach ihrer relativen Menge geordnet, sind: Platin, Eisen, 
Iridium, Kupfer, Rhodium, Palladium und Osmium. Iridium 
und Osmium finden sich in den Platinerzen in zwei ver^ 
schiedenen Zuständen, entweder als wirklich legirt mit den 
übrigen Metallen, oder nur eing^schmX)lzen in deren Masse 
als kleine Partikeln von Osniium-Iridium. Im ersten Falle 
lösen sie sich mit dem Platin auf; im letzteren bleiben sie 
ungelöst zurück, als glänzende weisse Flitterchen, die so 
zart und leicht sind, dass sie auf der Haut ausgestrichen 
werden können. Wenn grössere I^örner von Osmiutia-Iridium 
zurückbleiben, so ist dies ein Beweis, dass man sie nicht 
gehörig iausgelesen hat. Es kann bisweilen von Wichtigkeit 
sein, ihre relative Menge zu bestimmen; dies geschieht am 
besten dadurch, dass man das Uebrige auflöst. 

Ich bewerkstellige die Lösung des gewogenen Metalb 
mittelst Königswasser in einer mit einer abgekühlten Vorlage 
versehenen Glasretorte. Die Säure, welche während des 
Aufiösens überdestillirt, ist gelb. Dies rührt nicht blos vom 
Chlor her, sondern auch von den Bestandtheilen der Lösung, 
die während des Aufbrausens in einer feinen Wolke in die 
Höhe getrieben werden, und wegen des entweichenden 
Stickstoffoxydgases nicht wieder in, die Retorte zurückfallen 
können; sogar Flitterchen von Osmium und Iridium findet 
man auf diese Weise uberjgeführt« Die Säure wird abde- 
stillirt, bis die Flüssigkeit die Consistenz eines Syrups hat 
und beim Erkalten gesteht. Die Salzmasse wird in mög- 
lichst wenigem Wasser gelöst, und die Lösung mit der 
gehörigen Vorsicht abgegossen. Der ungelöste Ruckstand 
wird mit der übergegangenen Säure übergössen, und mit 
derselben abermals 4estillirt. Hierbei löst sich gewöhnlich, 
was beim ^sten 'Male ungelöst blieb« Die Flüssigkeit wird 
ebenfalls bis zur Syrups*Consistenz abdestillirt Wenn das 



Analyse. 109 

Destillat nicht farblos ist^ muss es nochmals umdestillirt 
werden« Es enthält gewöhnlich Osmiumoxyd^« wovon dann 
bei dem UmdestiHiren etwas verloren geht; allein die Quan- 
tität desselben ist im Allgemeinen sehr gering. 

Das farblose Destillat wird mit Wasser verdünnt und 
gesättigt^ entweder mit kaustischem Ammoniak^ oder^ wenn 
man dies zu kostbar finden sollte^ mit Kalkhydrat; doch 
muss die Säure etwas im Ueberschuss bleiben. Darch diese 
Sättigung wird beabsichtigt^ dass das Schwefelwasserstoflgas^ 
mit welchem man hernach die Flüssigkeit fallt^ nicht durch 
den Einfluss der Säuren zersetzt werde. Diese Fällung 
muss in einer Flasche vorgenommen werden ^ welche zuge- 
pfropft werden kann und von der Flüssigkeit fast gefüllt 
-wird. Sobald die Flüssigkeit freies Schwefelwasserstofigas 
enthält^ wird die Flasche zugepfropft imd zum Klären hin- 
gestellt. Dazu sind bisweilen ein oder zwei Tage erforderlich. 
Das Klare wird mit einem Stechheber abgenommen und das 
Schwefelosmium auf ein' gewogenes Filtrum gebracht^ ge- 
waschen^ getrocknet und gewogen. Nach der Theorie sollten 
in dem so erhaltenen Schwefelosmium 60^6 p. C. Metall 
enthalten sein; allein man erhält es nicht frei von über- 
schüssigem Schwefel und von Feuchtigl|eit^ auch oxydirt 
es sich etwas beim Trocknen. Nach einigen Versuchen mit 
gewogenen Quantitäten habe ich gefunden^ dass dieses 
Schwefelosmium ^ so wie man es bei dem angeführten Ver- 
suche bekommt^ 50 bis 52 p. C. Osmiu(Q enthält. Gewöhnlich 
sind die Quantitäten des Osmiums so gering ^ dass es von 
keinem Belange für die Analyse ist; ob man in der Berech- 
nung des Osmiumgehalts dieses Präparats einen Fehler von 
ein Paar Procenten begeht. 

Wir kommen nun auf die Metalllösung zurück. Es 
geschieht bisweilen^ dass nach der Auflösung der Salzmasse 
die Flüssigkeit nach Chlor rieeht ; dies rührt von der Zer- 
setzung des Palladiumchlorids her. Die Lösung muss dann 
so lange in Digestion gestellt werden ^ bis aller Geruch von 
Chlor verschwunden ist. Sollte dabei eine Trübung entste- 
hen ^ so rührt diese von Palladiumoxyd her^ das man dann 
auflösen muss. Diese Lösung filtrirt man durch ein gewo- 
genes Filtrum 9 worauf die ungelösten Theile zurückbleiben. 
Diese bestehen aus Körnern von Osmium- Iridium , aus den 



110 Analyse. 

«rwäbnf en Flitterchen derselben Metallverbindung^ aus Sand- 
körnern n. dergl.^ welche man vor der Analyse nicht entfernen 
konnte. Zuweilen erhält man überdies ein schwarzes^ wie 
Kohle aussehendes Pulver^ welches beim Waschen durch 
das Filtrirpapicr gehen will; dies ist Iridiumoxyd. Man 
bekommt es hauptsächlich^ wenn das Königswasser zu vie^ 
Salpetersäure enthält. Bei der Concentration der Salzlösung 
oxydirt sich nämlich das Iridium durch die Salpetersäure, 
und es geht Chlor fort. Daraus entsteht der Nachtheil, dem 
jetzt nur schwer abzuhelfen ist, dass man das Iridium von 
dem Osmium-Iridium nicht abscheiden kann, weil sie in allen 
Flüssigkeiten unlöslich sind. Man muss folglich vom Anfange 
an darnach trachten, diesem Uebelstande zuvorzukommen. 

Die flltrirte Lösung wird mit dem Doppelten ihres Vo- 
lumens an Alkohol von 0,833 spec. Gew. vermischt, wodurch 
sie ungefähr auf einen Alkoholgehalt von 60 p. C* ihres 
Volumens kommt» Nun setzt man eine concentrirte Lösung 
von Chlorkalium in Wasser hinzu, so lange als dadurch 
noch etwas gefallt wird. Der Niederschlag besteht aus 
Kalium - Chloridsalzen von Platin und Iridium, verunreinigt 
mit dem von Rhodium, und ein wenig von dem von Palla- 
dium, welche ungefähr auf gleiche^ Weise gefallt werden, 
wie überhaupt alle Krystalle etwas von den Salzen der 
Mutterlauge mitnehmen. Der Niederschlag ist schön citro- 
nengelb, wenn er von Iridium frei ist, besitzt aber alle 
Nuancen vom Roth, vom Brandgelb bis zur Zinnoberfarbe, 
wenn er Iridium enthält. Er wird auf ein Filtrum gebracht 
und mit 60 procentigem Weingeist, dem eine geringe Menge 
von concentrirter Chlorkaliumlösung zugesetzt ist, ausgewa- 
schen. Man wäscht ihn damit so lange, bis das Durchgehende 
nicht mehr von Schwefelwasserstoffgas gefällt wird. 

Die analytischen Operationen zerfallen nun: A. in die 
Behandlung des gewaschenen Niederschlags, und B. in die 
der weingeistigen Flüssigkeit. 

A. Das gewaschene Doppelsalz wird getrocknet und 
höchst genau mit einem gleichen Gewichte kohlensauren 
Natrons gemengt. Das Filtrum, mit dem, was nicht davon 
abgesondert werden kann, wird verbrannt, und die Asche, 
nachdem sie mit etwas kohlensaurem Natron vermischt 
worden, dein Uebrigen hinzugelegt. Das Ganze wird in 



Analyse. 111 

einen Porcellantiegel gelegt und "sehr gelinde erhitzt^ bis die 
Masse durch und durch schwarz ist. Wenn dieser Versuch 
im Platintiegel angestellt wird^ so setzt man sich der Gefahr 
aus^ dass^ wa;^ sehr leicht geschieht^ das Metall des Tiegels^ 
noch ehe eine zersetzende Wirkung des Alkali's statt ge- 
funden hat^ einen kleinen Theil des eingelegten Chlorid- 
salzes zu Chlorür reducirt^ indem sich Platin vom Tiegel 
damit verbindet^ wodurch ein unerwarteter Ueberschuss ver- 
ursacht wird. 

Bei dieser Behandlung werden die Doppelsalze durch 
das Alkali zerlegt^ und^ indem sein Sauerstoff mit der Koh- 
lensäure fortgeht^ das Platin reducirt^ während das Rhodium 
und Iridium oxydirt zurückbleiben^ in einem Zustande^ wel- 
cher erlaubt^ das Platin von ihnen durch Auflösen abzusondern. 
Wenn man statt dessen^ wie gewöhnlich ^ die F|lllung mit 
Salmiak bewirkt^ so werden^ bei Erhitzung des Niederschlags 
in einem Tiegel ^ sowohl das Rhodium^ als auch das Iridium^ 
neben dem Platin^ reducirt^ und bei nachheriger Behandlung 
mit Königswasser wieder gelöst. 

Die Salzmasse wird mit Wasser ausgelaugt. Wenn 
dadurch das meiste Salz fortgeschafil ist^ wird verdünnte 
Salzsäure hinzugesetzt^ um aus dem Iridium- und Rhodium- 
Oxyd das darin enthaltene Alkali auszuziehen^ worauf dies 
ausgewaschen^ getrocknet und geglüht wird. Man kann das 
Filtrum verbrennen und die Asche desselben abrechnen; 
allein es ist dabei zu bemerken^ dass man dasselbe besonders 
verbrennen muss^ damit die Oxyde nicht von den aus dem 
Papier entwickelten brennbaren Gasen reducirt werden. 
Darauf wiegt man die Masse. 

Nachdem dieses geschehen ist^ schmilzt man sie in 
einem Platintiegel mit dem 5- bis 6 fachen ihres Gewichts 
an saurem schwefelsauren Kali zusammen. Dies wird einige 
Male wiederholt^ oder so oft^ als sich der Fluss noch färbt. 

Die Menge des Rhodiums lässt sich auf zwei Weisen 
bestimmen. Entweder kann man das ungelöste Platin wa- 
schen^ glühen und wiegen^ wo sich dann das aufgelöste 
Rhodiumoxyd ^ welches 71 p. C. Metall enthält , aus dem 
Verluste ergibt; oder man versetzt die Auflösung des sauren 
rhodiumhaltigen Salzes mit kohlensaurem Natron im Ueber- 
schuss^ trocknet die Flüssigkeit ein/ und glüht das Salz in 



112 Analyse. 

einem Platintiegel. Nach Auflösung desselben in Wasser 
bleibt das Rhodiumoxyd zurück^ welches man nun auf ein 
Filtrum bringt^ wäscht^ mit dem Filtram verbrennt^ und 
durch Wasserstoffgas reducirt} das erhaltene Metall wird 
dani^ gewogen. Am besten ist es^ beide Methoden anzu- 
wenden. Das so erhaltene Rhodium enthält zuweilen Pal- 
ladium; dies zieht man mit Königswasser aus^ und fällt es 
aus der Lösung^' nachdem dieselbe neutralisirt worden^ mit 
Quecksilbercyanid. Das Gewicht des erhaltenen Palladiums 
wird von dem des Rhodiums abgezogen. 

Nachdem das Rhodium ausgezogen ist^ behandelt man 
die Metallmasse zunächst mit ganz verdünntem Königswasser^ 
welches beim Digeriren reines Platin aus derselben auszieht^ 
Die Lösung sieht von aufgeschlämmtem Iridiumoxyd sehr 
dunkel aus; nachdem sie aber sich geklärt hat ^ besitzt sie 
eine rein gelbe Farbe. Sie ivird nun abgegossen. Jetzt 
giesst man concentrirtes^ mit Kochsalz versetztes Königs- 
wasser auf den Rückstand und dunstet die Flüssigkeit zur 
Trockne ab. Das Kochsalz wird hinzugesetzt^ um die Bil- 
dung von Platinchlorfir zu verhindern. In dieser mehr con- 
centrirten Säure löst sich etwas Iridium auf; allein^ wenn 
man sie nicht anwendete ^ würde eine merkbare Menge Pla- 
tin im Iridium bleiben* Bei Auflösung der eingetrockneten 
Masse bleibt das Iridiumoxyd zurück. Wenn man sie mit 
reinem Wasser wäscht^ geht sie fast immer mit durch's Fil- 
trum ; man muss sie daher zur Absonderung der Platinlösung 
mit einer schwachen Kochsalzlösung waschen ^ und^ um diese 
fortzuschaffen^ mit einer schwachen Salmiaklösung ^ von 
welcher das Zurückbleibende beim Glühen verfluchtigt wird. 
Der gewaschene Rückstand wird mit dem Filtrum verbrannt^ 
durchs Wasserstoffgas reducirt und gewogen. Die iridium- 
haltige Lösung von Natronsalz wird mit kohlensaurem Natron 
vermischt 9 eingetrocknet und geglüht. Man erhält dann ein 
Gemenge von Platin- und Iridiumoxyd ^ welches durch Aus- 
laugen vom Salze befreit^ und nun mit Königswasser be- 
handelt wird ^ worauf das Iridiumoxyd zurückbleibt. Aus der 
Lösung fällt kaustisches Ammoniak noch eine Spur von 
braunem Iridiumoxyd ^ welches doch nicht ganz von Platin 
frei ist. Das Iridiumoxyd wird reducirt^ und das Metall zu 
dem früheren addirt. Um nun das Gewicht des Platins zu 



Analyse. 113 

erhalten^ hat man von dem gemeinschafUicheu Gewicht des 
Platios^ Rhodiumoxyds und Iridiumoxyds das Gewicht des 
Rhodiumoxyds abzuziehen. Dann muss man zu dem erhai-* 
tenen Iridiummetall 12 p. C. seines Gewichts addiren^ um 
das Gewicht des Iridiumoxyds zu bekommen^ welches man 
nun von dem noch übrigen Gewicht des Platins abzieht. 
Das Platin aus seinen Lösungen zu reduciren und sein Ge- 
wicht zu bestimmen 9 würde die Operationen nur verlängern^ 
ohne die Genauigkeit zu erhöhen. 

B. Behandlung der weingeistigen Flüssigkeit. Man giesst 
diese Flüssigkeit in eine Flasche mit eingeriebenem Stöpsel^ 
und leitet Schwefelwasserstoff in dieselbe, bis sie damit ge- 
sättigt ist. Sfan vcrschliesst alsdann die Flasche, und lässt 
sie 12 Stunden lang an einem warmen Orte stehen, worauf alle 
Schwefelmetalle niedergeschlagen sein werden. Zuweilen ist 
dann die Flüssigkeit roth, entweder von Rhodium- oder von 
Iridium-Sesquichlorid. Die Flüssigkeit wird filtrirt und der Alko- 
hol abgedunstet, wobei sich noch mehr Schwefelmetall absetzt, 
welches man dem vorher erhaltenen hinzufü^rt. Es besteht aus 
Sohwefeliridium , Schwefelrhodium, Schwefelpalladium und 
Schwefelkupfer, während die durchgegangene Flüssigkeit 
Eisen , ein wenig Iridium und Rhodium, Hebst einer Spur von 
Mangan enthält. Bei der Verdunstung des Alkohols setzt 
sich in dem Gef ässe ein gleichsam fettes, übelriechendes 
Schwefelmetall ab, welches man nicht fortspühlen kann« 
Nachdem die Lösung gänzlich von demselben abgespült wor- 
den ist, giesst man etwas kaustisches Ammoniak in die 
Schaale, wodurch es losgespült wird. Die Lösung wird nun 
in einen Platintiegel gegossen und zur Trockne verdunstet; 
dann legt man die feuchten Schwefelmetalle darauf^ trocknet 
und röstet sie im Tiegel, so lange noch etwas schweflige 
Säure gebildet wird« Nach beendigter Röstung übergiesst man 
die Masse mit concentrirter Salzsäure, welche sich grün oder 
gelblichgrün färbt, indem sie basisches schwefelsaures Kupfer- 
oxyd und basisches schwefelsaures Palladiumoxyd auflöst. Rho- 
dium- und Iridium-Oxyd, nebst etwas Platin, bleiben ungelöst. 

Die Lösung in Salzsäure wird mit Chlorkalium und Sal- 
petersäure versetzt, und darauf zur Trockne verdunstet; man 
bekommt dadurch eine dunkle Salzmasse, welche Chlorka- 
lium^ Kalium-Kupferchlorid und Kalium-Palladiumchlorid eut- 

X. 8 



X 



lt4 Analyn. 

hak. Die beiden ersten dieser Salze ^ welche in Alkohol 
von 0^833 spec. Gewicht löslich sind^ werden durch densel- 
ben ausgezogen; das Palladiun^alz aber, welches dabei un- 
gelöst bleibt, wird auf ein gewogenes Filtrum gebracht und 
mit Alkohol gewaschen. ES enthält 28,84 p. C. Palladium. 
Man kann die Salzmasse auch in siedendheissem Wasi^er 
auflösen, mit Cyanquecksilber fällen, and auf diese Weise 
den Palladiumgehalt bestimmen; allein diese Methode ist 
umstäudlicher. Sie verdient indess den Vorzug, wenn man 
£u viel Chlorkalium durch den Alkohol auszuziehen hat. 

Die weingeistige Lösung des Kupfersalzes enthält eine 
Spur von Palladium, welche indess ganz vernachlässigt wer- 
den kann. Die Lösung wird zur Verjagung des Alkohols 
verdunstet, und das Kupfer entweder mit kaustischem Kali, 
oder^ nach einem Zusätze von Schwefelsäure, mit Eisen 
gefallt. Will man das Palladium von diesem Kupfer aus- 
ziehen, so löst man es in Salpetersäure ^ neutralisirt die 
Lösung, und vermischt sie mit Quecksilbercyanid , wodurch 
zuweilen ein äusserst geringer Niederschlag von kupferhal- 
tigem Cyanpalladium entsteht, welchen man abfiltrirt, mit 
dem Filtrum verbrennt, und auf diese Weise seinem Ge- 
wichte nach bestimmt. Gewöhnlich ist seine Menge so 
gering, dass er nicht gewogen werden kann. 

Die gerösteten Schwefelmetalle, welche von der Salz- 
säure nicht gelöst wurden, werden mit saurem schwefelsauren 
Kali zusammengeschmolzen, so oft als dieses sich noch färbt. 
Sie enthalten weit mehr Rhodium, als das zu Anfang der 
Analyse gefällte Kalium-Platinchlorid, und mit ihnen wird 
eben so verfahren, wie dort angegeben ist, auch in Bezu^ 
auf einen Hinterhalt von Palladium , weicher hier gewöhnlich 
ist. Die mit saurem schwefelsauren i^ali ausgezogene Masse 
wird mit Königswasser behandelt, welches ein wenig Platin 
löst und Iridiumoxyd zurücklässt. 

Die eingekochte Flüssigkeit, aus welcher die Schwefel- 
metalle gefällt wurden, enthält nur Eisen, in Form des 
Chlorürsalzes, eine geringe Menge Iridium und Rhodium^ 
nebst einer Spur von Mangan. Sie wird mit einer hinrei-' 
chenden Menge Salpetersäure versetzt und bis zur vollstän- 
digen Oxydation des Eisens aufgekocht, worauf man das 
Bisenoxyd mit kaustischem Ammoniak niederschlägt^ wäscht. 



glüht und wiegt Dieses Eisenoxyd enUiäK Iridium und Rhe** 
diunit beide in einem solchen Zustande^ dass sie mit dem 
Eisenoxyde von Salzsäure gelöst werden. Bei dieser Auf<- 
lösung bleibt; in Felge der Zersetzung eines kieselhaltigen 
Minerals^ von dem das Platinerz einige Körner enthält^ etwas 
Kieselsaure ungelöst zurück/ doch gewöhnlich in zu geringer 
Menge ^ um in Rechnung gezogen werden zu dürfen. Das 
Eisenoxyd wird durch Wasserstoffgas reducirt^ und das 
Metall in Salzsäure^ die man zuletzt erwärmt ^ aufgelöst* 
Es bleibt alsdann eine geringe Menge ^ines schwarzen Pul- 
vers ungelöst zurudi:; dieses enthält die Metalle in einem 
noch nicht recht ausgemittelten Zustande^ da es bei einer 
äusserst geringen Hitze mit einer Feuererscbeinung decre« 
pitirt. In einem bedeckten Gefasse gibt es viel Wasser^ 
aber keine Feuererscbeinung. Nach dem BrenniMi an offner 
liuft wird es gewogen ^ und es hat nun denselben Oxydations- 
grad wie im Eisenoxyd. Man «ieht hierauf sein Gewicht 
von dem des Eiseuoxyds ab; und berechnet aus dem Gewichte 
des letzteren das des Eisens. 

Die «lit kaustischem Ammoniak gelallte Flüssigkeit ent- 
hält noch Iridium und Rhodium. Sie wird; nachdem sie zur 
Zersetzung der Ammoniaksalze mit der hinreichenden Menge 
von kohlensaurem Natron versetzt ist; zur Trockne abge- 
dunstet; und der Rückstand bis zum gelinden Glühen erhitzt. 
Darauf löst man das Salz in Wasser ; wobei die Metalloxyde 
ungelöst zurückbleiben. Erhitzt man den Rückstand zu stark^ 
no wird die Salzlösung gelb; und sie enthält etwas von den 
Oxyden aufgelöst. Diesem Uebelstande ist indess dMrch eine 
massige Hitze zuvorzukommen. Die Quantität des Mangans 
in den Metalloxyden ist kaum grösser; als zu seiner Erken- 
nung erforderlich ist; und bei einer Probe von 2 Grammen 
durchaus unwägbar. Sie wird aus den gewaschenen Oxyden 
mit Salzsäure ausgezogen. 

Um die gar zu grosse Menge von kleinen Operationen 
zu umgeben; hebt man die Oxyde von Rhodium und Iridium; 
welche aus dem Eisenexyde und der Salzmasse erhalten 
werden^ bis zur Behandlung der Schwefelmetalle mit saurem 
schwefelsauren Kali auf; wo sie dann diesen hinzugefügt un4 
mit ihnen analysirt werden. ^ 

Eine andere Methode zur Analyse der Platinerze ist vop 

8» 



116 Analyse. 

Döbereinor d. J* angegeben worden» Sein Verfahren ist 
folgendes: das Platinerz wird in einer ^ mit einer Vorlage 
versehenen Retorte aufgelöst. Die Salpetersäure wird auf 
ein Mal zugesetzt^ die Salzsäure aber in kleinen Portionen» 
Ob die Säure gesättigt sei) erkennt man an d^m anfangenden 
Stossen beim Kochen. Das Destillat^ welches Osmium ent-» 
hält^ wird mit Kalkmilch gesättigt^ filtrirt und kochend mit 
ameisensaiirem Kali gefällt^ wobei das reducirte Osmium als 
ein blaues Pulver niederfallt 

Das in der Säure Ungelöste nird mit Ammoniak behan- 
delt und damit auf eiiien Gehalt an (Jhlorsilber geprüft. 

Die freie Säure der Lösung wird an einem dunklen Orte 
bei Feuerlicht mit Kalkmilch gesättigt, so genau wie möglich. 
Darauf wird sie mit Kalkwasser, welches man im grossen 
Ueberschusse zusetzt, gefällt, schnell filtrirt, und der Nieder- 
schlag mit Kalkwasser gewaschen. Dieser Niederschlag 
enthält keine Spur von Platin, sondern die Oxyde von Iri- 
dium, Rhodium, Palladium, Eisen und Kupfer. Die filtrirte 
Lösung wird mit Salzsäure sauer gemacht und durch Zink 
gefallt. Sobald die Flüssigkeit farblos geworden, ist das Platin 
ausgefällt. Von dem Zink wird das Platin mit Wasser und 
verdünnter Salzsäure wohl abgespült, worauf es zur Befrei- 
ung von der Mutterlauge mit Wasser und zuletzt mit Salz- 
säure ausgekocht wird. Dann wird es gut ausgewaschen 
und das Palladium daraus mit reiner Salpetersäure ausgezogen. 

Der durch Kalkwasser entstandene Niederschlag wird 
noch feucht in Salzsäure aufgelöst und aus der Lösung das 
Palladium und Kupfer durch Cyanquecksilber ausgefallt. Der 
durch Cyanquecksilber entstandene Niederschlag wird ge- 
glüht, der Rückstand in Salpetersäure aufgelöst, die Lösung 
mit ameisensaurem Kali vermischt und so lange gekocht, 
als sich noch Kohlensäuregas entwiclf:elt, wobei das Palladium 
allein reducirt und ausgefallt wird. Aus der davon geschie- 
denen Flüssigkeit wird das Kupferoxyd durch Kalihydrat gefajlt. 

Die mit Cyanquecksilber vermischte Flüssigkeit wird 
nun mit Salmiak vermischt und eingetrocknet. Aus der 
trocknen Salzmasse zieht Alkohol von 0,833 spec. Gew. das 
Eisenchlorid. Durdi Glühen wird dann der Rückstand redu- 
cirt, und Iridium und Rhodium durch saures schwefelsaures 
Kali geschieden. 



Analyse. 117 

> 
13. Gusseiseu. 

Es kommt nicht selten vor^ dass man die Zusammen- 
setzung des Gusseisens kennen lernen muss^. entweder für 
die Endzwecke^ für die es bestimmt ist^ oder zur Aufsuchung 
der Ursache gewisser schlechter Eigenschaften^ die es zeigt. 
Die Analyse des Gusseisens gehört zu den weniger leichten^ 
und zwar wegen des darin enthaltenen Kohlenstoffs ^ dessen 
Quantität sich nicht bestimmen lässt^ wenn man das Guss- 
eisen in einer verdünnten Säure auflöst, weil das dabei sich 
entwickelnde Wasserstoffgas nach ungleichen Umständen 
ungleiche Quantitäten von Kohlenstoff wegführt* Wird das 
Eisen in Salpetersäure oder Jn Königswasser aufgelöst^ so 
tritt der Kohlenstoff in neue^ stickstoffhaltige Verbindungen 
ein^ wie Th. Vnf. S. 67 angeführt worden ist. Es ist also 
nöthig^ dass für die Bestimmung des Kohlenstoffgehalts im 
Gusseisen das Metall weder auf Kosten von Wasser noch 
von Salpetersäure oxydirt werde. 

Die Bestimmung des Kohlengehalts geschieht theils auf 
trocknem^ theils auf nassem Wege, a) Auf trocknem Wege 
wird auf folgende Art operirt: Hartes Roheisen wird in 
kleinere Stücke zerschlagen und diese in einem Stahlmörser 
zu Pulver zerstossen^ welches man durch ein Blechsieb mit 
sehr feinen Löchern siebt. Weiches Roheisen^ welches sich 
nicht zerstossen lässt^ wird zuerst blank gefeilt; dann wird 
das Feilen fortgesetzt und die Feilspäne auf einem unter-~ 
gelegten Papier für die Analyse aufgesammelt. Das Eisen- 
pulver wird darauf in derselben Art^ wie bei einer organischea 
Analyse verbrannt. Man vermischt es mit der 12 bis 14fachen 
Gewichtsmengo vorher geglübeten und pulverisirten chrom- 
sauren Bleioxyds. Nachdem dieses geschehen ^ wird von 
diesem Gemisch ungefähr V4 abgenommen und die übrigen 
V4 davon genau mit chlorsaurem Kali) das vorher geschmolzen 
und pulverisirt worden ist; gemengt. Man nimmt von dem 
Salz eben so viel^ als das Eisenpulver wiegt. Das Ganze 
wird; wie bei einer organischen Analyse ^ auf die Weise in 
ein Verbrennungsrohr gefüllt^ dass man in dasselbe zuerst 
die mit chlorsaurem Kali vermischten V4 und dann das übrige 
V4 einlegt. Das Verbrennungsrohr wird mit einer Hülse von 
Eisenblech umgeben und das Gas entweder in demLiebig'schen 



118 Analyse* 

Kaliapparat oder über Quecksilber aufgefangen^ wie bei der 
organischen Analyse beschrieben worden ist. 

Regnault^ der zuerst diese analytische Methode bei dem 
Gusseisen angewandt hat^ versichert^ dass er bei drei Ver- 
suchen mit demselben Eisen den Kohlen^ehalt so überein- 
stimmend erhalten habe, dass die Versuche 3,22; 3,23 und 
3;25 Procent Kohlenstoff gegeben hätten. 

b) Auf nassem Wege kann man den Kohlengehalt des 
Eisens abscheiden, wenn man es in einem Metallsalz auflöst^ 
dessen Metall durch Eisen reducirt wird, wobei also statt 
der ^ntwickelung von Wasserstoffgas ein Metall ausgefallt 
wird* Ich habe bereits im Bd. III. angeführt, wie das Eisen 
auf einem Kuchen von geschmolzenem Chlorsilber aufgelöst 
wird. Dies geht ganz gut, aber sehr langsam. Die Analyse 
erfolgt viel rascher, wenn man das Eisen mit einer Auflösung 
von Kupferchlorid in Wasser, oder auch mit einer Lösung 
von gleichen Atomgewichten schwefelsauren Kupferoxyds und 
Kochsalz öbergiesst Das -^Kupfer wird dann gegen Eisen 
ausgetauscht und gefallt, und zwar ohne Gaseutwickelung. 
Der Gehalt des Eisens an Kohlenstoff, Phosphoreisen, Ar- 
senikeisen, Kiesel (als Kieselsäure) u. s. w., bleibt dann 
mit dem gefällten Kupfer vermischt zurück. 

Für die Analyse wird das Gusseisen in kleine Stücke 
zerschlagen, das geschmeidige Eisen am besten in Gestalt 
von Dreh- oder Feilspänen angewendet. Das Puddeleisen, 
welches Schlacke eingemengt enthält, und wovon die Schlak- 
kentheile beim Feilen oder Drehen abgesondert werden^ 
wendet man in kleinen St^Qcken an. Ist die Kupferlösung 
frei von überschüssiger Salzsäure, so bildet sich kein Chtorör^ 
besonders wenn zugleich Wärme vermieden wird. Wenn 
die Farbe der Flüssigkeit ausweist, dass das Kupfer beinahe 
ausgefällt ist, wird die Kupferchloridlösung erneuert, oder 
krystallisirtes Rupferchlorid zugesetzt. Wenn dann auch in 
gelinder Wärme kein Kupfer mehr gefällt wird, so lässt 
man das Gemisch noch 24 Stunden lang stehen, um sicher 
.zu sein, dass alles Eisen aufgelöst worden ist*). Man hat 
nun zwei Wege zu wählen. 



*) Die AnweDdanfc Ton Kupferchlorid sur EntdeckuDg eines Kohlen- 
•tofll^eliaitf in Metallen ist von groMem Werth. 8o ist es s. B. 



Jnaly$e. 114 

1. Bei gesehmeidigem Eisen, welches eine leicht ver- 
brennliche Kohle absetzt^ wird die Masse, so wie sie ist, 
abfiltrirt. Die Filtrirung geschieht nicht durch Papier in 
einem gewöhnlichen Trichter, sondern in einem weiten Rohr 
von Glas, welches an einem Ende etwas ausgezogen worden 
ist. In das ausgezogene Ende wird ein Pfropf von reinem 
Platinschwamm eingesetzt, der vorher mit iSchwefelsäure 
ausgekocht, gewaschen und geglüht worden ist. Auf diesen 
bringt man in dem Rohr die Masse; nachdem die Fiüs-> 
sigkeit durchgelaufen und alles in das Rohr ^ingespült worden 
ist, wird sie gewaschen, zuerst mit Wasser, dann mit Salz-* 
säure und am Ende wieder mit Wasser. Die Masse wird 
in dem Rohr getrocknet, was langsam geschieht, wenn man 
nicht eine Vorrichtung hat, um das Rohr miHelst Körken in 
einem Metallgefass zu befestigen, welches zur Aufnahme 
der Korke mit Oeffuungen versehen ist. In dieses Gefäss 
wird dann Wasser gegossen , so dass das Rohr davon be- 
deckt wird, und das Wasser zum Kochen gebracht, während 
Luft mit Hülfe eines Saugapparats durch das Rohr geleitet 
wird. 

Das Rohr wird nun heraus genommen, mit dünnem 
Blech von Eisen oder Platin umwidielt, und die Masse in 
einem Strom von SauerstofTgas erhitzt, wobei das Kupfer 
und die Kohle oxydirt werden. Das Gas, ^welches man über 
die glühende Masse streichen gelassen hat, leitet man durch 



schwer^ einen Gehalt an Kohlenstoff im Kupfer zu entdecken, weil 
* sowohl Salpetersäure^ als ein Gemisch von Salzsaure und chlorsaurem 
Kali die Kohle mit dem Kupfer oxydiren. Aber wenn das Kupfer 
mit Salzsäure und Kupferchlorid oder Eisenchlorid behandelt wird, 
so bleibt die Kohle zurück^ nachdem sich das Kupfer zu der schwarzen 
intermediären Chlorverbindung aufgelost hat Mit Kupferchlorid, 
Eisenchlorid, Cblorsilber u. s. w. untersucht man mit Leichtigkeit 
die Reinheit mehrerer Metalle^ die in reinem Zustande die Chloride 
reduciren, die aber dabei Legierungen mit anderen Metallen, wenn 
sie darin eingemischt enthalten sind, zurücklassen. Zink, auf Chlor^ 
Silber unter Wasser gelegt, lasst Zinkblei zurück; Metcoreisen, in 
einer Auflosung von Eisenchlorid liegen gelassen, setzt Nickeleisen 
ab, besonders wenn keine Waripe angewandt wird; Rohkupfer mil 
Kupferchlorid und Salzsäure lasst Kohle, Schwefelkupfer u. s. w., 
zurück. Dieses Princip kann auf mehrfache Weise bei Analysen von 
Metallverbindungen vortheilhaft angewendet werden. 



120 Analyse. 

Chlorcalcium ^ fangt es dann über Quecksilber auf und be- 
stimmt den Kohlensäuregehalt darin nach der Vorschrift^ 
welche ich im Th. VII. S. 628—629^ gegeben habe. 

2. Beim Gusseisen, welches bedeutende Mengen von 
Graphit zurücklässt^ ist es nicht möglich^ auf diese Weise 
die Kohle zu verbrennen. Deshalb wählt man hier folgenden 
Ausweg: Nachdem das Eisen sich aufgelöst hat^ digerurt 
man die rückständige Masse mit Salzsäure und Kupferchlorid^ 
bis sich das Kupfer aufgelöst hat, und nur noch Kohle^ 
Kieselsäure u. s. w. übrig sind^ ein Verfahren^ das auch bei 
dem geschmeidigen Eisen in Anwendung gebracht werden 
kann. Dann wird die Masse in den eben beschriebenen 
Filtrir- Apparat gebracht, von Kupferchlorid mit Salzsäure 
und von Salzsäure mit Wasser abgewaschen^ und darauf 
das Rohr auf die angeführte Weise getrocknet. 

Die kohlige Masse, welche nun zurückbleibt, besteht 
aus Graphitblättchen . und Kohle, die mit dem Eisen che- 
misch verbunden war und durch die Verbindung des Eisens 
mit dem Chlor abgeschieden wurde. Diese Kohle ist nicht 
reine Kohle: in dem Augenblicke^ wo sie abgeschieden 
wurde, vereinigte sich wenigstens ein Theil davon mit den 
Bestandtheilen des Wassers. Wenn daher diese Masse der 
trocknen Destillation im luftleeren Räume unterworfen wird, 
so liefert sie Producte der trocknen Destillation; es ist also 
nicht möglich^ sie durch Trocknen bei + 100^ in atmo- 
sphärischer Luft oder bei noch höherer Temperatur in Wasser- 
stoff in dem Zustande zu bekommen, dass ihr Verlust beim 
Brennen in einem offenen Gefösse den Kohlenstoff^^ehalt mit 
einiger Zuverlässigkeit auswiese. Zu diesem Zw^eck muss 
sie in Sauerstoffgas verbrannt werden, was in demselben 
Rohr, auf gleiche Weise, wie mit dem Kupfergemisch, ge- 
schieht. Das Gas wird von der Kohle durch ein Rohr mit 
Chlorcaicium geleitet und dann über Quecksilber aufgefangen. 
Aber dass auf diese Weise auch der Graphit verbrenne^ 
grenzt an das Unmögliche; man unterbricht daher die Ope- 
ration, nachdem das Glühen im Sauerstoffgas eine Weile 
fortgedauert hat. Man hat nun eine Masse, die aus Kohle 
und unverbrennlichen Stoffen besteht, die durch anhaltendes 
Brennen im offenen Platintiegel bei völligem Rothglühen von 
Kohle befreit werden können, wobei dann der Verlust den 



Analyse* 121 

Kohlenstoffgfehalt richtig ausweist. Her Platinschwamin, in 
dessen Theiie sich K9hle eingehüllt hat^ wird auch hinein- 
gelegt* Daher mass er vorher gewogen werden ^ um sein 
Gewicht dann abrechnen zu können. Wenn dieser Verlust 
dem Kohlengehalt zugerechnet wird^ weicher aus dem er- 
halten wird^ welchen Kali aus dem aufgesammelten Sauer- 
stoifgas aufgenommen hat^ so bekommt man den Kohlengehalt 
und einen ungefähren Begriff von dem^ welcher mit dem 
Eisen chemisch verbunden ^ und wieviel als Graphitblättchen 
im Gusseisen eingeschlossen war. Genau wird das Resultat 
nicht ^ weil etwas von den Blättchen im Sauerstoffgas oxydirt 
wird. Man kann auch die kohlige Masse mft chromsaurem 
Bleioxyd auf die bereits angeführte Weise verbrennen^ aber 
dieses hat immer den Uebelstand^ dass dann der unverbrannta 
Rückstand nicht weiter analysirt werden kann. 

Der verbrannte Rückstand von Stabeisen liesteht aus 
Kupferoxyd und Kieselsäure^ so wie auch^ Wenn Puddel- 
eisen analysirt wird^ aus aller der Schlacke^ welche dieses 
einschliesst und wovon schon während der Operation zer- 
setzt worden ist. Das Kupferoxyd wird in verdünnter Sal- 
petersäure oder Salzsäure aufgelöst^ wobei die Kieselsäure 
und das Unzersetzte von der Schlacke zurückbleibt, woraus 
dann die Kieselsäure mit kochendem kohlensauren Kali oder 
Natron ausgezogen wird. Die Schlacke wird so leicht durch 
Salzsäure zersetzt^ dass man, nach S vanb er g's Versuchen^ 
ihren Gehalt in einem damit gemischten Eisen auf keine 
andere Weise richtig bestimmen kann, als durch Vergleichung 
der Menge des Wasserstoffgases, die es weniger als reines 
Eisen entwickelt. 

Der durch Verbrennung von Kohle befreite Ruckstand 
von Gusseisen wird mittelst Fluorwasserstoffsäure oder 
durch Glühen mit kohlensaurem Alkali analysirt. Wenn das 
Gusseisen auch Schlackentheile enthält, so kann man hier 
damit anfangen, die freie Kieselsäure durch Kochen mit 
kohlensaurem Natron auszuziehen. Bei ay^n diesen Ver- 
suchen ist es recht schwierig, die Kieselsäure aus der ein- 
gemischten Schlacke zu scheiden, denn das, was von der 
Schlacke zersetzt wird, lässt Kieselsäure übrig, die dem 
Eisen angehört zu haben scheint^ und ein Theil von der 



129 Jnalys0. 

Kalkerde der Sdilacke wird mit dem Kupferohlorür in der 
Salzsäure aufgelöst. 

Der Schwefel wird im geschmeidigen Eisen uiid im 
Crusscisen entdeckt und seiner Menge naph auf die Weise 
bestimmt^ dass man z. B. 10 Grammen Eisen in Salzsäure 
auflöst in einem passenden Gasentwickelungs-Apparate^ aus 
dem das Gas durch ein Absarptionsrohr von der Art geleitet 
^wird^ worin man bei organischen Analysen die Kohlensäure 
von Kali absorbiren lässt^ und in welches man eine sehr 
verdünnte Lösung von salpetersaurem Silberoxyd^ die mit 
Ammoniak vermischt ist^ gegossen hat* Gegen das Ende 
wird Wärme angewendet^ um die Einwirkung der Säure auf 
das Eisen zu vollenden. Bei langsamer Gasentwickeluiig 
wird aller Schwefelwasserstoff von der Flüssigkeit eingesogen^ 
die jedoch auch von schwefelfreiem Eisen einen schwachen 
Niederschlag von Kohlensilber absetzt^ herrührend von«^er 
Kohle 9 die bei der Auflösung mit dem Wasserstoff weggeht. 
Der schwarze Niederschlag wird abgeschieden^ mit Salpe- 
tersäure behandelt^ und^ nachdem er völlig aufgelöst wor- 
den ist; das Silber durch Salzsäure ausgefällt^ so wie die 
Schwefelsäure durch Chlorbariüm. Die filtrirte Lösung wird 
auf einen möglichen Gehalt an Arsenik geprüft ^ der jedoch 
gewöhnlich ungelöst bleibt in Gestalt von Arsenikeisen^ 
gleichwie der Phosphor in Gestalt von Phosphoreisen zu- 
rückbleibt. ^ 

Die Eisenlösung; welche sich bei dem Versuche gebil- 
det hat; wird von dem Ungelösten abfiltrirt und dieses wohl 
ausgewaschen. Das Durchgegangene wird mit Salpetersäure 
gekocht; was jedoch eine unsichere Oxydations-Methode ist; 
daher besser durch im Ueberschuss hiueing^leitetes Chlorgas 
in Chlorid verwandelt; und darauf das Eisehoxyd äurch fort- 
gesetzte Digestion mit kohlensaurem Bleioxyd ausgefallt* 
Die Lösung wird abfiltrirt; im Wasserbade zur Trockne 
verdunstet; und das Zurückbleibende mit Alkohol von 0;88 
behandelt; welcher Chlorblei ungelöst zürücklässt; und 
die Salze von «Alkali; Kalkerdc; Mangan; Kobalt; Nickel 
u. s. w.; aufnimmt; im Fall sie vorhanden sind; welche dann 
nach gewöhnlichen Vorschriften aufgesucht und von einander 
geschieden werden. In dem Niederschlage mit kohlensaurem 
Bleioxyd sucht man Titansäure; Manganoxyd und Thonerde. 



Analyse. 123 

Wenn die Oxydirung des Eisens mit Chlor greschielit^ s» 
wird das Manganoxyd durch das kohlensaure Bleioxyd aus- 
gefällt^ aber das Oxydal bleibt in der Lösung^ wenn Sal- 
petersäure angewandt worden war. 

Was Salzsäure von dem Eisen ungelöst zurücklässt^ 
wird mit Salpeter und kohlensaurem Natron gemischt und 
im Silbertiegel bis zur völligen Oxydirung geglüht. In der 
ihit Salpetersäure gesättigten und zur Abscheidung der Kie-» 
seisäure ahgedunsteten Lösung der Salzmasse sucht man 
Arseniksäure ^ Phosphorsäure^ Vanadinsäure ^ Titansäure ^ die 
hauptsächlich mit der Kieselsäure zurückgeblieben sind^ Mo- 
lybdänsäure ^ u. s. w. 

Als Lösungsmittel für das Gusseisen ^ wodurch der 
Zweck besser erreicht werden soll, als mit Kupferchlorid^ 
wendet Fuchs Eisenchlorid an, welches durch da» Eisen 
20 Chlorur reducirt wird. Dieses Lösungsmittel hat jedoch 
den Uebelstand, dass sich bei der Auflösung des Eisens 
darin eine grosse Menge basischen Eisenchlorids mit der 
Kohle abscheidet, welches dann eine anhaltende Behandlung 
mit Salzsäure erfordert, um ausgezogen zu werden, wobei man 
dennoch nicht sicher ist, dass man alles völlig ausgezogen 
habe. 

Um auszumitteln, welche fremde elektronegative Me- 
talle ein Gusseisen begleiten können, löst Wohle r das 
Gusseisen mit Hülfe von Wärme in verdünnter Schwefel- 
säure, kocht den gewaschenen Rückstand mit Kalihydrat, 
filtrirt die Lösung ab und vermischt sie heiss mit Ammonium- 
sulfhydrat, oder sättigt sie mit Schwefelwasserstoff; oder 
er behandelt auch den Rückstand unmittelbar mit Sckwefel- 
alkali; in beiden Fällen werden die aufgelösten Metalle durch 
Salzsäure als Schwefelmetalle gefällt. Der Niederschlag 
wird Arauf in einem, an dem einen Ende zugeblasenen ge- 
bogenen Glasrohr erhitzt. Dann sublimirt sich Schwefel- 
arsenik, während die nicht flüchtigen Schwefelmetalle zu- 
rückbleiben. Gewöhnlich bekommt man Schwefelmolybdän* 

14. Analyse der Ackererde. 

Analysen von Ackererde Jiaben oft grossen Werth für 
den Land wirth, der in dieser Beziehung häufig die Chemiker 
in Anspruch nehmen muss. Für die Anstellung dieser Ana- 



\ 



124 Jmlysem 

]yseii bat man sehr variirende Vorsohriften« An und für steh 
sind sie sehr einfach und leicht auszuführen^ wenn man 
sich in Betreff des beabsichtigten Zwecks vorher einen Plan 
gemacht hat. Dieser Zweck ist von zweierlei Art ^ nämlich 
1) wieviel und welche Stoffe organischen Ursprungs (d. h. 
wie viel Humus) sind in der Erde enthalten? Und 2) mit 
welchen zerriebenen Mineralien ist der unorganische Theil 
der Ackererde vermischt? 

Die Beantwortung der ersten Frage fallt gaüz und gar 
in das Gebiet der organischen Analyse. Die Ackererde wird 
bei -4* 130^ im Oelbade getrocknet^ dann gewogen und im 
Extractions-« Apparate (Th. VI. S. 214) zuerst mit Aether^ 
dann mit Alkohol^ Wasser u. s. w.^ auf die Weise behan- 
delt^ wie ich im Folgenden bei der Analyse von Stoffen des 
Pflanzen-^ und Thierreichs anführen werde. Man zieht da- 
durch aus der Erde mehrerlei verschiedene Stoffe; aber es 
ist sehr unsicher^ ob irgend einer davon^ als vorher bekannt 
gewesen ; erkennbar istr^ Wir haben die P^oducte der Faul- 
niss organischer Körper noch nicht hinreichend studirt^ um 
diese Art von Analyse so zu machen^ dass man definitiv 
bestimmen könnte^ welche Art von Producten der Fäuluiss 
die Erde enthält. Diese Untersuchung wird also schwierig 
und sie gibt dennoch nicht eher zuverlässige Resultate^ als 
bis wir diese Producte der Fäulniss durch ein genaues Stu- 
dium kennen gelernt haben« 

Zwei Umstände können in Betreff des Humus positiv 
ausgeiiiittelt werden^ nämlich 1) die Menge desselben^ welche 
mau findet^ wenn eine abgewogene Quantität Erde^ die bei 
-f-130® getrocknet worden ist^ im offenen Tiegel gebrannt 
wird^ bis alles Verbrenuliche zerstört ist^ wo dann der Ver- 
lust den Gehalt an organischen Stoffen ausweist ; und 2) der 
Stickstoffgehalt darin ^ den man durch eine Verbrenftuhgs- 
probe findet, angestellt auf die Weise^ wie man einen stick- 
stoffhaltigen Körper analysirt. Aber das Resultat von diesen 
Versuchen ist selten von einem grösseren Werth^ da der 
Humus in der Ackererde durch Düngung und die darauf 
folgenden Erndten^ die die Düngungsstoffe wieder absorbiren^ 
variirt. 

Die unorganischen Bestandtheile Aet Erde sind dagegen 
leicht auszumitteku Man wiegt eine lufttrockne und zwischen 



Analyse. 125 

den Händen so viel wie mSg^ich zerkrümelte Probe der Erde 
ab und siebt sie durch ein Sieb von Blech ^ welches aus 
mehreren auf einander folgenden Sieben mit immer kleineren 
Löchern besteht (s. den Art. Sieben). Man bewegt dann 
das Sieb mit aufgelegtem Deckel^ bis sich die Masse nach 
der ungleicheil Feinheit der Siebabtheilungen getheilt hat^ 
und wiegt jeden Theil^ um von der ungleichen Grösse der 
Gemengtheife einen Begriff zu bekommen. 

Eine andere lufttrockne Probe wird gewogen und darauf 
im Wasserbade getrocknet^ bis sie nicht mehr an Gewicht 
verliert. Dann wird davon eine kleinere Probe in ein^ an 
dem einen Ende zugeblaseues Glasrohr gewogen und im 
Oelbade bis -f-lSO^ erhitzt^ bis sie nicht mehr an Gewicht 
verliert^ wonach dann der Wassergehalt auf das Ganze be-* 
rechnet wird. Diese Probe wird im offnen Tiegel geglüht^ 
bis alle Kohle verbrannt ist^ und hiernach die organischen 
Stoffe auf das Ganze berechnet. 

Der grössere Theil der Probe wird ebenfalls dem Gewichte 
nach genau bestimmt^ in ein Glasgeßiss geschüttet^ mit Was- 
ser äbergossen und mit einer Feder umgerührt. Nach einigen 
Augenblicken Ruhe wird alles leichtere abgeschlämmt und 
das trübe Wasser durch ein Florsieb in ein anderes Gefass 
gegossen^ worin mau es zum Absetzen stehen lässt. Auf 
dem Siebe bleiben Wurzelfasern^ nicht verweste Theile von 
Stroh ^ Stengeln u. dgl. zurück. Die Operation wird so oft 
wiederholt^ bis neues aufgegossenes Wasser beim Umrühren 
nicht mehr trübe wird. Was am Ende übrig bleibt^ wird 
getrocknet und gewogen^ aber nicht geglüht« 

Dieser Rückstand wird auf einem Papier ausgebreitet 
und^ we^nn es nöthig ist^ durch ein Mikroskop betrachtet^ 
welches^ wenn die Theile sehr fein siud^ ein zusammen- 
gesetztes sein muss. Dabei erkennt dann ein geübtes Auge 
die Körner von den Mineralien^ deren Grus die Erde bildet. 
Man erkennt Körner von klarem Quarz ^ Miichquarz^ rothepa 
und weissem Feldspath^ Glimmerblättehen^ Kalkgrus, Thon- 
schiefergrt^s u. s. w. ^ von den in der Gegend vorkommenden 
Gebirgsarten^ und diese einfache Betrachtung reicht .hin^ um 
aufzuklären ; von welchen Mineralien die Erde ausgemacht 
wird^ worüber die chemische Analyse keine zuverlässige 
Auskunft geben könnte. Je mehr eine solche Erde von dem 



126 Jtnaiyse. 

Palver jüngerer Gebirgsarten enthält, desto grosser ist ihre 
Fruchtbarkeit^ wenn sie mit dem nöthigen Dünger versehen 
wird. Ghis von KaQ^einen und tertiären 'llionschieferartefl 
in einiger Menge dem Quarzsand oder Granitsand eingemengt^ 
gehören zu Aea besseren Gemengen. 

Aus diesem Rückstande zieht man den kohlensauren 
Kalk^ im Fall er darin enthalten ist ^ mit einem Gemisch von 
1 Th. Salpetersäure und 100 Th. Wasser aus^ indem man 
dasselbe in der Kälte darauf einwiriien lässt. Wenn sich kein 
Aufbrausen mehr zeigt ^ wieweit die Flüssigkeit noch Lack*- 
iBuspapier rdtbet, wird die Flüssigkeit abgegossen und die 
Kalkerde daraus nach dem NeutralisireQ mit kaustischem Am^ 
moniak durch oxalsaures Ammoniak ausgefällt; dann wird 
Talkerde darin gesucht^ indem man die Flüssigkeit mit koh- 
lensaurem Kali im Ueberscluiss versetzt und damit kocht. 

Was die Salpetersäure ungelöst zurückgelassen hat^ wird 
gewaschen^ getrocknet^ gewogen^ mit concentrirter Salzsäure 
behandelt und diese Lösung so behandelt^ wie im Vorher- 
gehenden in Betreff der Analyse von in Salzsäure lösli^dieii 
Silicaten angeführt worden ist. Sehr oft scheidet die Salas-» 
säure Kieselsäure ab^ ohne dieselbe aufzulösen. Diese wird 
dann durch Kochen des Ungelösten mit einer Lauge voa 
kohlensaurem Natron ausgezogen* Was dann ungelöst bieibt, 
wird gewogen. Es ist im Allgemeinen Sand von Quarz 
oder Granit. 

Wir kommen nun wieder auf das Abgeschlämmte zurück. 
Was durch das Florsieb gegangen^ ist ein Gemenge von vei^ 
moderten organischen Stoffen (Humus) ^ Thou^ äusserst fei- 
nem Sand^ der nicht selten Kieselpanzer von Infusionsthieren 
enthält. Nach einer Stunde Ruhe hat sich der Sand uad 
Humus abgesetzt; der Thon ist aber noch aufgeschlämmt 
geblieben. Man giesst den dicken Thonbrei ab^ und ver- 
dunstet ihn in kleinen Portionen in einer gewogenen Schaale 
oder einem Tiegel bis zur Trockne ^ worauf der zurück- 
gebliebene Thon scharf; z. B. im Oelbade bei + 150**, ge- 
trocknet und gewogen wird. 

Die unter dem Thenjirei abgesetzte Masse wird auf ein 
gewogenes Filtrum genommen ; das trübe Wasser ; welches 
beim Waschen durch das Papier geht; wird mit der Thon- 
ilüflsigkeit vereinigt und mit dieser verdunstet. Das Slkrom 



Jnaljfse. 1«7 

wird mil seinem lahalt bei -|- 100® getrec^et^ gewogen nn^ 
verbrannt^ worauf man das Uebrigbleibende unter dem Mi- 
kroskope betrachtet. Es wird dann auf die für das gröber» 
Pulver angefahrte Weise behandelt. 

Methoden zur Trennung gewisser Stoffe, die in den 
Yorherg^enden Beispielen nicht näher im Einzelnen 

angegeben werden konnten. 

Diejenigen Körper^ welche durch die Aehnlichkeit ih-^ 
rer Eigenschaften gewisse Gruppen ausmachen^ sind oft 
sehr schwierig auf eine solche Weise zu scheiden^ dass 
sich ihre relativen Quantitäten mit Genauigkeit bestimmen 
lassen. Einige können wir noch nicht mit völliger Sicher-» 
heit quantitativ von einander treuneu. Chlor und Brom^ die 
Oxyde von Ziuk^ Nickel; Kobalt und Talkerde^ Titansäure 
und Tantalsäure ; Zirkonerde und Titansäure u. s* w.^ sind 
Beispiele der Art. Ich will hier in der Kürze solche Schei- 
dungsmethoden anfuhren, deren man sich in solchen. Fällen 
bedienen kann. 

Unorganische Salzbilder. Fluor wird von anderen Salz-* 
bildern leicht daduroh geschieden ^ dass Fluorsilber ein in 
Wasser lösliches Salz ist^ während die Silberverbindungen 
der übrigen Salzbilder darin unlöslich siud. Das Fluor kann 
ausserdem durch salpetersaure Kalkerde ausgefällt werden^ 
während die übrigen in der Lösung zurückbleiben. 

Jod wird von dea übrigen Salzbildern durch Salpeter* 
saures Palladiumoxydul geschieden^ indem dieses mit einem 
Jodür einen schwarzen Niederschlag hervorbriugt, der völlig 
80 schwer löslich ist; wie £)hlorsilber. Nachdem das Jod 
ausgefällt ist^ kann Chlor oder Brom mit salpetersaurem 
Silberoxyd ausgefallt werden. Ist es Aufgabe ^ nur Jod von 
Chlor abzuscheiden ; ohne dass die Quantität des letzteren 
bestimmt zu werden braucht ^ so kann es auch mit Platin- 
chlorid ausgefällt werden ^ welches ebenfalls ein schwarzes 
und unlösliches Jodür gibt. Diese Reactionen erfordern für 
eine vollkommene Ausfallung^ dass das Gemisch beinahe bis 
zum Kochen erhitzt wird. Zur Scheidung von Jod und Chlor 
fallt man auch mit Silbersalz ^ wäscht^ trocknet und wiegt 
dio gefällten Verbindungen, und zieht dami dfuraus das Chlor- 



128 Analyse. 

eilber mit kaustischem Ammoniak^ welches man vorher 
mit Jodsilber gesättigt bat^ das übrigens wenig darin lös- 
lich ist. 

Jod wird von Brom auf dieselbe Weise ^ wie von Chlor 
geschieden. 

Wie Chlor von Brom geschieden wird^ habe ich bereits 
im Th. I. ausführlich abgehandelt^ aber mehr in Rücksicht^ das 
Brom frei von Chlor zu bekommen^ als sie quantitativ zu 
scheiden. E» gehört dies zu den schwierigeren analytischen 
Problemen. Was am häufigsten vorkommt^ ist^ kleine Men- 
gen von einer Bromverbindung in einer Chlorverbindung^ und 
umgekehrt^ zu entdecken. Im erstered Falle^ wo eine kleine 
Portion Brom in einer Chlorverbindung zu entdecken ist^ 
bedient man sich am besten der von Baiard angewandten 
Methode für die Ausziehung des Broms. Man übergiesst 
die Verbindung in einer Flasche mit Chlorwasser^ oder man 
setzt^ wenn die Verbindung aufgelöst ist^ in der Kälte mit 
Chlor gesättigtes Wasser zu^ schüttelt gut durch und giesst 
nach einer Stunde Aether auf die Flüssigkeit und schüttelt 
diese damit. Der Aether^ welcher sich wieder obenauf an- 
sammelt^ ist gelb, wenn Brom vorhanden ist; der Aether 
wird dann abgegossen und neuer aufgegossen ^ bis sich der 
Aether aus der Flüssigkeit farblos wieder abscheidet. Der 
abgegossene Aether wird mit kaustischem Ammoniak ver- 
setzt und freiwilig verdunsten gelassen. Er lässt ein Ge- 
menge von Bromammonium und Chlorammonium zurück, wel- 
ches in Wasser aufgelöst und mit salpetersaurem Silberoxyd 
gefallt wird. Ist dieser Niederschlag so reichlich, dass ein 
zuverlässiger Ausschlag durch die Gewichtsveränderung, 
welche er beim Erhitzen in Chlorgas und bei der dadurch 
erfolgenden gänzlichen Verwandlung in Chlorsilber erleidet, 
erhalten werden kann, so wird dieser Versuch angesteUt, 
im entgegengesetzten Fall muss man sich begnügen, gesehen 
zu haben, dass die Chloi^verbindung wirklich eine Spur Brom 
enthält. 

Im letzteren Falle aber, wo eine kleine Portion Chlor in Brom 
oder Bromüren aufgefunden werden soll, geschieht dies am besten 
auf die von H. Rose vorgeschlagene Weise, dass man nämlich 
die wasserfreie Bromverbiodung mit zweifach- chromsaurem 
Kali und rauchender Schwefelsäure destillirt und das lieber- 

gehende 



Analyse. 12^ 

gehende in verdönntem kaustischen Aminohiak auffangt. J>ieses ' 
.Verfahren gründet sich darauf^ dass das Brom keine flüch- 
tige Verbindung von Chromsuperbromid und Chromsäure bildet^ 
wie das Chlor; ist dann Chlor vorhanden ^ so geht die be- 

kannte Chromverbindung^ 2Cr -f- CrCl*, über und diese wird 
von dem Ammoniak in chromsaures Ammoniak und Salmiak 
zersetzt und die Flüssigkeit wird gelb. Man verdunstet sie 
dann im Wasserbade bis zur Trockene^ vermischt das Salz 
mit ein wenig Salzsäure und Alkohol^ welcher die Chromsäure 
in grünes Chlorchrom verwandelt^ woraus das Chromoxyd ge- 
fallt^ getrocknet und gewogen wird. Hiernach lässt sich dann 
der Chlorgehalt berechnen. Wird bei dieser Probe das Am- 
moniak nicht gefärbt^ so muss es doch bis zur Trockne ver- 
dunstet und das zurückgebliebene Salz vor dem Löthrobr 
geprüft werden^ wo sich dann die geringste Spur von Chrom 
zu erkennen gibt. 

Andere Scheidungsmethoden^ die man angegeben hat^ 
sind folgende: Wenn man vermuthet^ dass Brom und Chlor 
zusammen vorkommen^ so fallt man sie mit salpetersaurem 
Silbero^i^d und zersetzt den Niederschlag durch Schwefel- 
wasserstoff^ wobei man Chlorwasserstoffsäure und Bromwas- 
serstoffsäure in die Flüssigkeit bekommt. Der Schwefel- 
wasserstoff wird in gelinder Wärme abgedunstet und die 
Säuren dann mit kohlensaurem Quecksilberoxyd gesättigt. 
Nach Berthemot's Angabe zersetzt chromsaures Kali das 
Quecksilberchlorid^ aber nicht das Bromid. Wird dann das 
Salz im Wasserbade bis zur Trockne verdunstet^ so soll 
man das Quecksilberbromid mit wasserfreiem Alkohol aus- 
ziehen können. 

Oder man sättigt auch die Wasserstoffsäuren mit Queck- 
silberoxyd in der Quantität^ dass sie basische Verbindun- 
gen bilden. Das basische Chlorid ist in Wasser unlöslich^ 
das basische Bromid aber ist in kochendem Wasser lös-' 
lieh und soll auf diese Weise ausgezogen werden können. 
Man kann auch das als bromhaltig vermuthete Chlorür in 
Auflösung mit ein wenig Quecksilberchlorid vermischen^ das 
Salz eintrocknen und das Quecksitbersalz sublimiren. Das 
Chlor darin wird dann gegen Brom ausgewechselt^ z. B.' 
aus Bromkalium oder Bromnatrium ^ und das Sublimat besteht 
WOB einem Gemenge von Quecksilberchlorid und Quecksilber- * 

X. 9 



190 JHali/$$. 

hromid^ welehes man ia Wasser anfl&srt und mit QaackaiUier- 
ojyd kocht ^ um lösliches basisches Bromid uad uolöslidies 
basisches Chlorid zu erhalten. — Ich habe nicht Gelegenheit 
gehabt; diese Methoden selbst zu versuchen* 

Schwefel^ Seien und Tellur habe ich bereits im Vorber*- 
gehenden^ bei der Analyse der Schwefelmetalle^ S. 98^ an- 
geführt« 

Ar$enik und Phosphor^ in Sauren vorwandelt (s. arsenik- 
saure und phosphorsaure Salze). 

Arsenik tmd Antimon gehören zu denen^ die am schwie- 
rigsten vollständig zu trennen sind. Eine der am meisten 
angewandten und vielleicht sichersten Methoden besteht 
dariu; dass man sie in Schwefelmetalle verwandelt und das 
Gemenge in Wassersto£Fgas erhitzt. Das Schwefelarsenik 
sublimirt sich und das Schwefelantimon wird zu metallischem 
Antimon reducirt. Im oxydirten Zustande lassen sie sich viel- 
leicht niemals vollständig trennen. 

Chrom und Vanadin werden von einander geschieden^ 
wenn man sie zuerst in Oxydsalze verwandelt und deren 
Auflösung mit Kaliumsulfliydrat übersättigt. Das Chromoxyd 
fallt; unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff nieder upd 
das Vanadinoxyd wird in Vanadinsulfid verwandelt; welches 
sich mit dem Schwefelalkali verbindet und jn der Lösung 
bleibt; aus welcher es dann durch verdünnte Schwefelsäure 
aus£pefällt wird. In ihren neutralen Salzen mit alkalischer 
]|^sis können sie auch auf die Weise geschieden werden; 
dass n^an in der concentrirten Lösung Salmiak bis zur völ- 
ligen Sättigung auflöst. Vanadinsaures Ammoniak wird dann 
ausgefallt. Der Salmiak wird in Stücken in die Lösung 
gelegt; damit er nach beendigter ^Fällung herausgenommen 
werden kann. Das vanadinsaure Ammoniak wird auf ein 
Filtrum genommen und mit einer gesättigten Salmiaklösung 
gewaschen. Das chromsaure Ammoniak bleibt in der Lösung 
zurück. 

V(m anderen eleetronegativen Metalien werden sie ge- 
schieden; wenn man zu der Lösung ihrer Salze eine Säure 
mischt und sie dann mit Schwefelwasserstoff behandelt^ wel- 
cher daraus weder Chrom noch Vanadin ausfällt; sondern 
diese nur zu Oxyden reducirt. 



Analyse. 131 

Wolfram und Molybdän /sind bis jetzt nicht zusammen 
i« Mineralreiche vorgekommen^ aber wenn dieses der Fall 
wäre^ so wärden sie schwerlich quantitativ geschieden wer- 
den können^ weil wir keine zuverlässige Sdketdungsmethodo 
dafür haben. 

Tanialsäure von Kieselsäure. Beide werden in Fluor- 
wasserstoffsäure aufgelöst^ die Auflösung mit Sdiwefelsänre 
versetzt, zur Trockne abgedonstet und die Schwefelsäure 
durch Glühen ausgetrieben , zuletzt in Ammoniaks^» Die 
Kieselsäure geht als Fluorkieselgas weg und sc}iwlfelsaure 
Tantalsäure bleibt zurück. 

'Wie Tantalsäure von Wolframsäure und Zinnoxyd ge- 
schieden wird^ ist bei der Analyse der Tantalate angeführt 
worden. 

Iitansäure wird von der Kieselsäure auf dieselbe Weise^ 
wie die Tantalsäure, geschieden. 

Titansäure von Tantalsäure. Sie kommen znweilen zu- 
sammen vor. Wo hier, welcher dies zuerst bemerkt hat^ 
gibt folgende Scheidungsmethode dafür an: Die beiden Säu- 
ren werdeo mit pulverisirtem reinen Zucker vermischt^ das 
Gemenge durch Erhitzen in einem bedeckten Gefässe bis 
zum Glühen verkohlt, uud die kohlige Masse in einem Strom 
von Chlorgas geglüht Dabei bilden sich Chlortitan und 
Chlortantal, di^ abdestilliren^ so dass zuletzt »ur der Ueber- 
scl^s von Kohle zorfickMeibt. . Du» Chlorverbindungen wer- 
den in Wasser aufgelöst und die Losung mit Schwefelsäure 
vermischt, wobei die Tantalsäure niederfällt. Wühler halt 
es für wahrscheinlich, dass diese Scheidungsmethode nicht 
gaipz vollständig sei, aber sie ist die einzige, welche wir 
bis jetzt besitzen. 

Arsenik von Kupfer kann sowohl in geschwefelter^ als 
auch in oxydirter Gestalt geschieden werden. In der ersten 
Gestalt glückt es jedoch selten vollständig^ besonders wenn 
man Ammoniumsulfbydrat hat^ oder wenn Ammoniaksalze 
in der Lösung zugegen sind , die dieses Schwefelalkali bilden. 
Besser ist es, die Schwefelmetalle dann^ zn cucydiren und 
sie auf trocknem Wege mit kohlensaurem^ Kali oder Natron 
zt» scheiden, welches die Arseniksänre auflöst und di^s 
Kupferoxyd abscheidet. 

9* 



132 Analyse. 

QtiesksiBeroxyd von anderen Metalloxyden^ Die beiden 
Oxyde vom Quecksilber werden durch kaustisches Ammo- 
niak ausgefällt^ aber in neuen Verbindungen^ welche nach 
Umstanden Ammoniak oder Amid enthalten^ verbunden mit 
einem basischen Salz von der Säure ^ woraus sie gefallt 
werden* Durch Ammoniak fällbare Oxyde anderer Metalle 
folgen dabei ebenfalls mit. Der Niederschlag wird auf ein 
gewogenes Filtrum genommen^ bei +100® in wasserfreier 
Luft getrocknet und gewogen. Dann wird eine bestimmte 
Portion Ikvon abgewogen^ mit ihrer halben Gewichtsmenge 
kohlensauren Natrons vermischt^ und die Masse in ein an 
dem einen Ende zugeschmolzenes Glasrohr gebracht^ welches 
in einen stumpfen Winkel gebogen ist. Obenauf wird ein 
wenig kohlensaures Natron geschüttet. Dann wird der Theil 
des Rohrs^ in welchem die Masse liegt^ in einem Tiegel mit 
Sand umgeben und erhitzt^ am besten über der Lampe ^ die 
offene Mündung des anderen Schenkels aber in ein Glas mit 
Wasser geführt^ so dass die Oberfläche des Wassers genau 
die Oeffnung abschliesst. Das Quecksilberoxyd wird durch 
das Natron von seiner Säure geschieden^ das Metall reducirt^ 
so dass dieses in metallischer Gestalt übergeht. Sobald die 
Masse gelinde glüht und sidi keine Quecksilberkugeln mehr 
absetzen^ lässt man den Apparat erkalten^ schneidet das 
Glasrohr in der Biegung ab^ spült das in dem vorderen 
Schenkel sitzende Quecksilber in das Wasser^ giesst dann 
dieses ab^ lässt das Glas mit denr Quecksilber in gelinder 
Wärme trocken werden und wiegt das Quecksilber. Die 
fibrigen Metalloxyde bleiben mit dem Natron zurück und 
werden davon durch Wasser geschieden. Man schreibt auch 
vor^ ilas Quecksilber direct aus der Lösung auf die Weise 
zu reduciren^ dass man sie mit ameisensaurem Kali ver- 
mischt und kocht^ wobei das Quecksilber allmälig metallisch 
niederfällt« Aber es geht mit den Dämpfen Quecksilber weg^ 
und wenn man zur Vermeidung von Verlust den Versuch 
in einer Retorte mit Vorlage anstellt^ so zeigt es sich bei 
der Ausführung, dass die mit den Wasserdämpfen überge- 
gangenen äusserst kleinen Kugeln höchst schwierig zu sam- 
meln sind. 

Es ist dann besser, wenn die Lösung keine Chlorwas- 
serstoffsäure enthält, salpetersaures Silberoxyd zuzusetsen^ 



Amdy9e. 133 

und wom irie jene enthält^ eine Lösung iron CMdclüoric^ 
bevor das Kochen mit ameiseositiDeia AHudi geschieht Dana 
wird das Quecksilber von dem zugleich reducirten Silbei 
oder Gold zurüekgehalten^ es kann in Gestalt von Amalgam 
auf ein FUtrom genommen^ gewaschen und bei -^ 100^ vöU*^/ 
standig ausgetrocknet werden. Das Amalgam wird gewogen 
und dann in einem Porcellantiegel geglüht^ so dass nur das 
Silber oder Gold zurückbleibt^ worauf der Gewichtsverlust 
das Gewidit des Quecksilbers ausweist. Ist der Quecksilber^ 
gehalt gering und unsicher^ so dass man sich durch den 
Augenschein äbersengen will^ ^ass es vorhanden ist^ so 
legt man das Amalgam in ein ähnliches Rohr^ wie das eben 
evwähnte^ und glüht im Sandbade. Aber dazu ist eine weit 
stärkere Hitze erforderlich^ als wenn das Quecksilber aus 
dem Soda-Gemenge abdestillirt werden soll^ und das zurück-? 
bleibende Metall muss von Neuem in einem offenen Tiegel 
geglüht werden^ um das Gewicht des Quecksilbers xiäitig 
zu bekommen. . 

Urdnoxyd von anderen in kohlensaurem Ammoniak 
IdsUehen Oxyden, Die Oxyde werden in Essigsäure oder 
Salpetersäure aufgelöst^ die Lösutig'^ im Fall sie sauer ist^ 
mit Ammoniak gesättigt und mit einer Lösung von basischem 
essigsauren Bleioxyd vermischt^ wodurch das Uranexyd^ 
verbunden mit Bleioxyd ^ ausgefällt wird. Der Niederschlag 
wird mit verdünnter Schwefelsäure behandelt^ die irratt!ösun|^ 
abtttrirt^ bis zur Trockene verdunstet und das^ zuruckblei-* "^ 
bende Salz geglüht^ zuletzt im Ammoniakgas ^ worauf Uran*- 
oxydul zurückbleibt. 

Die Bleilöäung wird mit S^chwefelwasserstoff oder Schwe- 
felsäure behandelt^ um daraus das Bleioxyd abzuschei-^. 
deii^ und dann die übrigen Metalle auf gewöhnliclie Weiiste 
daraus abgeschieden« . V^/ 

TFhmiäh von Antimon^ Die Metalle weiden mit Sal^ 
petersäure oxydirt^ die Oxyde niit; einem alka^schea §;j[^-| 
bydrat behandelt^ welches das Schwefelantimonj m^ Z^üf^n ^ 
lassung yon Schwefelwisn^th^. ^auszieht. , , : , 

ffisimäh wiiJd auf gleiche Weise von jdr^ehäe^ gee^tHe^ 
den. Man kann «ie auch beide mit Sehlrefelwaäsersüstf 
MafftHen-und die Sehwefbln^etalle in ebiem ^rom Von W仫» 



Miatofl^^ gliben^ wolei Schwefel und araeui^M fiolfld 
ibergehen und metaHtsofaes Wismuth zurückbleibt. 

Kupfer und Wisnmih. Sie werdea am be«teu auf die 
Weise geschieden^ dass man zu ihrer Lösung ein wenig 
Salmiak setzt und sie dann in kleinen Portionen in ver^ 
dänntes kaustisdies Ammoniak tropft. Das Wismuth wird 
dadurch als basisches Salz gefUlt^ wahrend das Kupferoigrd 
in Gestalt von ChIorammoniak-4(upfer aufgelöst bleibt. D&[ 
Wismuth-Niederschlag wird mit verdünntem Ammoniak ge- 
waschen^ weil das Ammoniak^Kupfersalz von reinem Wasser 
oersetzt vdrd^ so dass sich dann ein wenig Kupferoxyd darin 
absetzt 

Zmn und Arsenik ^ wenn sie beide in metalüsch^ Fom 
aind^ werden am besten dadurch geschieden^ dasä man das 
Zinn in Salzsaure auflöst; wobei das sich entwickelnde Waiä- 
serstoffgas den Arsenikgehalt mitnimmt Das Wasserstoffgas 
wird durch ein Rohr geleitet ^ welches vorher gewoge|ies 
schwammiges ; d. h. durch Wasserstoflgas redueirles Kupfer 
enthält^ welches während des Versuchs glühend gehalten 
wird. Das Kupfer absorbirt das Arsenik aus ißm Gase^ 
und seine Gewichtsvermehrung weist die Quantität von Ar- 
senik aus. Die dabei zu beobachtenden Vorsichtsm^assregeln 
findet man weiter unten bei der Marsh 'sehen Arsenikprobo 
angegeben. 

Enthält, das Zinn Antimon^ so bat das Kupfer aucb 
Antimon aufgenonupen^ und es muss . dann , mit Chlo^ga^j 
auf die im llteu Beispiel angeführte Weise^ analysirt werden, 

Zinn und Antimon y wenn die Verbindung metallisch ist^ 
werden auf die Weise geschi^ed^n^ dass man das Metall in 
Salzsäure^ die mit sehr wehig Salpetersäure vermischt ist^ 
auflöst^ so dass die Lösung ohne alle Eutwickelung von 
WässerstoJ9gas geschieht^ wodurch sonst ein Theil vom 
Antimon weggeführt werden würde. Tst die Verbindung 
Oiitydirt^ s5 löst man sie in concentrirter Salzsäure; Die 
t^un|^ wiM mit So vter Wasser verdünnt, daSs sie hi<5ht 
lliefar Zinn unter Wasserstöffgas-Entwickelung auflöst. Dann 
wird in dieselbe eine Scl^ibe von reinem Zinn gesetest oud 
das Gemisch aü einen warmen Ort gestellt, ittas Zimi loest sich 
iluf, redneirt aafibigiieh tda^ Zinucfalorid «u.ZümcUtffur, .und 
Mhkdet dann dos Aaiimoh in .metlüliAohe^^Fnim.ab^.wldielmi 



Analyse. 135 

göwiuich^^ getrotkitet; gewogen and dann vor dem liftthrohr 
anf «inem Arsenikgehalt untersucht wird. SMgt sich dabei der 
Arsenikgertreh , so wird eine PorCion davon in eine^ an einem 
Olasrohr' ausgeblasene Kugel ehügewogeu und darin in einem 
Strom von Wasserstoil^as geglaubt. Das Arsenik wird dabei 
in einiger Entfernung von der Kugel in dem Rohr sublimirt; 
nach beendigtem V^elrsuch werden beide Metalle für Bieh 
gewogen. 

Das gewöhnliche Arbeitszinn enthält oft neben Arsenik 
und Antimon auch Blei. Ist die Quantität davon bedeutender^ 
so setzt es sich bei der Auflösung in Salzsäure^ mit Zusata 
von sehr wenig Salpetersäure]^ grösstentheils in Gestalt von 
Chlorblei eüb ^ aber etwas bleibt immer in der Lösung zurück^ 
was dann durch Zinn reducirt und mit dem Antimon ver- 
mischt gefallt wird. Die weitere Scheidung des Bleis imd 
Antimons kommt weiter unten vor. 

Zitmoäc^ul mud ZimtM^d itifssfen sich Mcht aaf ^ae 
solche Wetoe scheiden^ dass man das eine ^msfUH und dm 
imdere in 4^ Lösung behält. Dabei kommt a«cdi in Betracht^ 
daüs das ^Unn alter Wahrsdieinlichkeit nach eki zwischen 

beiden He^nd^s Oxyd = Sn hat, welches aber bis jetzt 
kaum gekannt iiSit. Um aber beuitheilen zu können, auf 
welchem Oxydations- oder Chlorverbindungsgrade z^Wtschen 
dem Maxinmm und Minimum sich dasr Zinn in einer aufge- 
lösten Verbindtmg befindet, stellt "matt eine gewogene Scheibe 
von reinem Zinn iti die Flüssigkeit, die in einer Flasche ent- 
haltet ist, welche, ganz dimiit angefüHt, verstihlossen ab 
einem warmen Ort eiinge Tage istehen gelassen Wird. Aus 
dem, was dann von der eingesetzten Zinnsch^ibe aufgelöst 
worden, ist leiV^bt zu hettrtheilen, wie Weit das Zhm in der 
Lösnng oxydiH t)dtet Inft Chhnr Vetbuürden ^nftfailtien "Wät 
Ist der Zinngehatt in der Ffussigkeit nicht h^ännt/ so tfaeät 
man sie in zwei Theile, fällt nach den bei ^t Besehreibung 
des Zinns gegebenen ftegeht aus dem einen iPheH den ZhMr. 
gehalt mit Ammoniak und verwendet deü tfndem 7heil ^ar 
Bestimmung der Menge Von Zinn, weldie die Flüsi^igkblt 
noch aufhehmen kann. £s Ist wafarsdb^inKtbh, das« ttmii 
Kupfer anstatt des metaHisthen Zinns aufwenden kakin; aber 
Uta isl noch nicht versudit wotdeh. 



136 Jnalgse. 

H. Rose giesst die Lösung in kleinen Portionen in eine 
kochende Lösung von Quecksilberchlorid^ die man in grossem 
Uebersphuss anwendet; dabei verwandelt sich das Zinn- 
cbloräi; auf Kosten des Quecksilberchlorids in Zinncblorid^ 
und das Quecksilberchlorid^ wenn es im Ueberschuss vor- 
handen ist^ in Quecksilbcrchlorür^ welches niederfallt. Ist 
das Quecksilberchlorid nicht in hinreichend grossem Ueber- 
schuss angewandt worden^ so kann leicht Quc^cksilber zu 
Metall reducirt werden. Das Gewicht des gefällten Queck-» 
silberchlorürs weist den Gehalt von Zinnchlorür aus^^ das 
darnach berechnet wird. 

Zinnoxyd und Ht ansäure werden leicht durch Ammo- 
niümsulfhydrat geschieden^ indem dieses Schwefelzinn aus- 
zieht und die Titansäure unverändert zurücklässt. 

Zinnoxyd und Wolframsäure. Wenn ihre Verbindung 
wasserhaltig ist^ dadurch^ daiss sich die Wolframsäure mit 
überschüssig zugesetztem Ammoniak verbindet und das Zinn- 
«icyd ungelöst bleibt^ oder^ wenn sich davon etwas auflöst^ 
dlesM beim gelinden Verdunsten des wolframsauren Ammor 
niaks sich wieder abscheidet. Ist die Verbindung geglüht^ 
jsoi-muss sie mit saurem schwefelsauren Kali löslich gemacht 
un^ di^nn derselben Behandlung unterworfen werden. Sind 
die Metalle mit Schwefel verbunden^ so werden sie erst mit 
, Salpetersäure oxydirt« 

Zirmojxyd wird im Uebrigen von elektropositiven Schwe- 
if elmetaUen durch Ammoniumsulf hydrat getrennt. 

^ ;. J)ie Scheidung des Zinnoxyds von Kupferoxyd macht 
Jed(och hiervou eine Ausnahme^ weil das Schwefelkupfer dem 
■^chwefel^unn stets in kleiner Menge folgt > gleichwie das 
tKupferoxyd dem Zinnoxyd folgt. 

;. Wenn Kiyifer ynd Zinn im meti^Uischen Zustande zu- 
saivimen vorkpmmen, wie z. B. in dem Kanonenmetall^ so 
ecl^fidet man sie ohne Zweifel am besten dadurch^ dass man 
Spähte, 4er Composition ^n einem Strome von luftfreiem Chlor- 
,fgdi& gelinde, erhifzt. Das Chlorzinn dunstet mit dem Chlor- 
j^ase w^.und wird in Wasser aufgefangen^ während Kupfer^ 
chlorür u^d C^loHd^ so wie Chlorzink ^ wenn Zink vorhan- 
den ist^ bei der gelinden Hitze in der Kugel zurückbleiben. 

Sind Zinnoxyd und Kupferoxyd vermischt oder verbun- 
den^ so erhitzt man sie in einem Strom von Salzsäurega«; 



Jbuily§e. 137 

oder^ nachdem maiir ste vodier mit Lumpmunis venniischl 
hat^ in einem Strom von Chlorgas^ wobei das Zinncblorid. 
abdestillirt nnd die Kupferv«rbiifjung zurückbleibt» 

Wird zinnhaltiges Kupfer ii/ Salpetersäure aufgridst nnd' 
die Lösung im Wasserbade bis zur Verflüchtigung der über- 
schüssigen Säure verdunstet^ so löst sich das zurückgeblie- 
bene Kupfersalz in mit ein wenig freier Salpetersäure ver- 
mischtem Wasser auf^ mit Zurficklassung eines kupferhaW 
tigen Zinnoxyds^ aus dem das Kupferoxyd nicht durch übei^ 
schüssige Säure ausgezogen werden kann. Wird dieses 
dann gewaschen und mit ein wenig concentrirter Salzsäure 
übergössen ; so bildet sich ein in der freien Säure schwer- 
lösliches Chlorid^ welches von vielem aufgegossenen lau** 
warmen Wasser ai|fgelöst wird. Diese Lösung wird dann 
in eine Lösung gegossen^ welche bedeutend mehr Kalihydrat 
enthält^ als von der Säure gesättigt Werden kann. Diese 
Kalilösung fällt das Kupferoxyd aus und behält das Zinn- 
oxyd aufgelöst. Das kupferhaltige Zinnoxyd direct mit Kali- 
hydrat zu behandeln ; führt zu keinem richtigen Resultat^ 
indem dasselbe Zinnoxyd in dem Kupferoxyd zurücklässt. 

Hätte man öfters Analysen von Bronce zu machen^ so 
wäre es ohne Zweifel am richtigsten^ den Kupfergehalt in 
dem^ nach der Lösung in Salpetersäure zurückbleibenden 
Zinnoxyd zu bestimmen^ indem dieses wahrscheinlich immer 
gleich zusammengesetzt ist und auf einem bestimmten Ver- 
hältnisse beruht^ wodurch die Analysen sehr an Leichtigkeit 
und Schnelligkeit gewinnen würden. 

Blei von uäntimon. Im oxydirten Zustande können isie 
nicht geschieden werden^ aber im metallisdiei^ Zustande sind 
sie leicht zu trennen^ wenn man sie in eii^em Strom von 
Chlorgas erhitzt^ indem dann Chlorantimon davon abdestil- 
lirt und Chlorblei zurückbleibt, Antimons^ures Bleioxy.d^ apt 
Kohlenpulver vermischt und in Chlorgas erhitzt^ gibt das- 
selbe Resultat. Aber man scheidet sie viel schneller^ wenn 
man die oxydurte Verbindung mit einem alkalischen Sulf- 
hydrat oder mit Kalischwefelleber kocht ^ wobei Schwefel- 
blei zurückbleibt und Schwefelantimon vpn der Flüssigkeit 
aufgelöst wird. Am schnellsten und voll9t&ndigsteiC'g«s<>hieht 
die Zersetaui^ dureb Sdmieh&en im . Porcellaatiegel nut 



138 Anäly$e. 

KaliscInvefeDeber bdi der niedrigen temperatur^ Vielehe ^mn 
Schmeteen der Schwefelleber erfordert wird. , 

Bleioxyd von SilberoüSffd. Die Lösung in Sa1|^etersattre 
wird adit Alkali gesättigt^ s« dasa dte Saure nicht vartierrscht^ 
und dann mit ameisensaurem Kali gekocht. Das Silber wird 
redueirt und ausgefällt^ und das Bleioxyd bleibt aufg^öst. 

Sättigt man die Oxyde mit Salzsäure^ so kann das Chlor- 
Mei mit kochendem Wasser ausgezogen werden^ oder das 
CUorsilber mit kaustischem Ammomak^ wobei dann basisdies 
Chldrblei zurückbleibt. 

Bkioxyd von Wismtähoxyd. Sind sie mit Salpetersäure 
verbouden^ so muss man sie auf Schwefelsäure oder SalB- 
«ättre übertragen. Um sie mit Schwefelsäure zu verbinden^ 
wird diese in geringem Ueberschuss zugesetzt und die Lö* 
suiig bis zmr Verflüchtigung der Salpetersäure gekocht. Der 
Rfldcstand^ weicher ein wenig überschüssige Sdiwefrisäure 
«nthält^ wird mit wenigem lauwarmen Wasser übergössen^ 
worin sich schwefelsaures Wismuthoxyd auflöst mitZul'ück* 
lassung von sdiwefelsaxurem Bleioxyd^ welches mit verdünn- 
ter Schwefelsäure und dann mit reinem Wasser gewaschen 
wird. Die Wismuthlösung wird verdunstet; ein grosser Theil 
von der darin überschüssigen Schwefelsäure auf der Saud- 
capelle abgeraucht^ der Rückstand ^ welcher noch sauer sein 
musS; in wenigem lauwarmen Wasser aufgelöst^ wobei ge- 
wöhnlich noch ein wenig schwefelsaures Bleioxyd zurück- 
bleibt; welches abgeschieden und dem vorhin erhaltenen 
zugefügt wird; und! dann das Wismuthoxyd mit kohlensaurem 
Ammoniak ausgefällt ^ gewaschen ^ getrocknet ^ geglüht und 
gewogen. 

Man kann die gemischten Oxyde auch mit kohlensaurem 
Ammoniak aus der Salpetersäure ausflinen; sie dann mit 
Salzsäure verbinden ^ die Lösung verdunsten^ bis sie raucht; 
ttftd dann das CMorwismuth aus dem Chlörblei mit Alkohol 
jiuszteheni 

Mcket&s^yd f^rd von Kobäkoxyd am sichersten nach 
äet voä Phililps ad^geftmdetote^ Methode; Th. HI.; S. 392; 
gei^hieden. Bs ist jedoch erf orderiit^h ; dass diese beiden 
Metalioxyde; vor ihrer IScheidung nach dieser Methode; von 
aUen attdereu Metalh^^dett und von Bhien befireit worden 
dftaid) tefiiend^fi^ von Talkerdo^ <äie mil dem Kobidtoxyd eine 



mj^elgr&ne VetbmdttDg gibt^ die fgmA wie NielMtexydyhydftit 
aasaieht. 

Man beautzt auch die fiigeasohaft der Salze > welche 
diese Oxyde mit gewissen Säuren ^ z* B. mit Oxalsäure^ 
Pbosphorsaurö^ Chromsaure bilden^ in kaustischem Ammo- 
niak aufgelöst und der freiwilligen Verdunstung überlassen^ 
das Nickelsalz abzusetzen^ wahrend das Kobaltsalz in einer 
löslichen Verbindung aufgelöst bleibt. Aber diese Methode 
ist nicht so scharf^ wie die '^vorhergehende^ indem das abge- 
setzte Niekelsalz mehrentheüs kobalthaltig ist^ und^ mit Aus«* 
nähme der Oxalsäure -Verbindung^ dann eine nett0 Behand-* 
lung zur Abstheidung der Säure uöthig niacht. > 

Nickel^oc^ und Kohaltoccyd von Manganodcydul. Die 
Metalle werden aus ihrer Lösung durch Kali- oder Natron^ 
Schw^Ueber. ausgefällt Aus dem erhaltenen Niederschlag 
löst Essigsäure 9 nach Wacke;nroder^ nur das Schwefel-«- 
mangan auf. Man kann apch aus den mit Essigsäure äber- 
sättigten essigsauren Salzen der Metalloxyde das Nickel und 
Kobalt durch Schwefelwasserstoff ausfallen^ wobei das Man- 
gan in dear Lösung bleibt. 

Persoz fällt die gemischten Chlorüre dinroh Digestion 
mit reinem (^ecksilberoxyd^ bis die Flüssigkeit farblos ge- 
worden ist^ flkrirt^ wäscht und glüht das Ungelöste^ wobei 
Kobaltoxyd und Nickeloxyd zurückbleiben. Auä der durch- 
gegangenen Lösung wird das Mangan auf gewöhidiche Weise 
durch kohlensaures Kali g^ällt und durch Glühen von Qüeck- 
ailberoxyd befreit. Diese Methode gründet sich darauf^ dass 
Quecksilberoxyd alle die Oxyde aitöfallt y welche basische 
Chlorüre .bilden^ die dann ;gefeUt werden. Wird d^ mit 
Quecksilberoxyd gemengte NiedefSchlag geglüht^ so geht das 
Qoecksilberoxyd als Sauerstoffgas u^d metaUisehes Queck-^ 
Silber weg. Aber diese foaäiseheil Salze sind nicht so un^ 
löslich in Wasser^ dass nicht, etwas Nickel öder Kobalt in 
der Mangaalösung zurückbleibt. 

H. Rose erhitzt das gewogne Oxydgemenge in einem 
Strom von Salzsäuregas ^ wodurch wasserfreie Chlorüre er^ 
tiaUen werden^ die man in einem Strom von trockenem 
(Vasserstoffgas erhitzt^ so lange, diesem noch Salzsäuregas 
blgt^ Wßl^hes am b0fiften sichtbar wird^ Wenn man das Gas 
an einen in Ammoniak getiuchten . Glais iah strömen lässt* 



\ 



140 4näfyH, 

Hierbei werden Nickel md Kobalt za Metall redacirt^ abei 
nicht das Mangan^ dessen Chlorür dann aus dem Metall«* 
polver mit Wasser ansgesogen wird. Scheidet sidi dabei 
ein wenig Manganoxyd 4ib^ so lässt sich die/se« von dem 
schwereren Metallpul^ier abschlämmen. Rose's Methode ist 
wahrscheinlich die sidierste und muss vorzugsweise gewählt 
werden^ wenn grosse Genauigkeit nötbig ist. 

Nickeloxyd und Kobaltoxyd von Zinkoxyd. Man hat 
sehr viele Methoden angegeben^ um das Zinkoxyd von jenen 
Oxyden zu trennen. Aber sie sind alle mehr oder weniger 
unbrauchbar. Meistens hat man sich auf die Loslichkeit des 
Zinkoxyds in Kali verlassen^ aber^ ungeachtet Kali Zink«* 
oxyd auszieht 9 so bleiben doch von diesem stets unbestimmte 
Mengen zurück. -Man kann das Oxydgemisch mehrerö Male 
nach einander mit weit grösseren Quantitäten von KaKkydrat 
kochen^ als zur Lösung nöthig wäre^ wenn das Ganze Zink** 
oxyd sein würde^ und ipan erhält jedes Mai Zinkoxyd in 
dem Kali aufgelöst, welches sich sogleich zu erkennen gibt^ 
wenn man die durchgegangene Kalilösung mit SchwefelalkaU 
vermischt, wodurch Schwefelzink mit weisser Farbe abge«- 
schieden wird. Man kann also durch mehrfoch wiederholte 
Auskochuugen mit neuen Quantitäten Kalihydrat den Zink^ 
oxydgehalt unaufbörlich vermindern, aber es liegt in der 
Natur der Sache, däss auf diese Weise eine vollkommeno 
Scheidung nicht glücken wird. 

Ich habe bereits vor längerer Zeit eine Seheidungsme^ 
thode angegeben, die darauf beruht, dass man diese Oxyd» 
in was;sperfreie Chlorure verwandelt und von diesen das Zink- 
ohloruir in höherer Temperatür aus dem- Niokelcbloror aus- 
treibt. ^8 geschieht auf die Weise, dass man «He Oj^de in 
einem ähnlichen kleinen Apparat abwiegt, wie ich ihn bei 
der Analyse der Schwefelmetalle mit Chlorgas beschrieben- 
habe; man leitet einen Strom von Salzsäuregas hindurch^ 
während die Kugel, in welcher die Oxyde liegen, gluh^i^ 
erhalten wird. I>a8 Chlorzinfc lässt sich dann verflüchtigen, 
mit Zurücklassung von Chlornickel in Gestalt einer gelben^ 
schuppigen,, in kaltem Wasser unlöslichen Masse, die anch- 
in mit Salzsäure vermischtem Wasser unlöslich ist, von der 
also das Chlorzink abgespölt werden könnte, im Fall etwas 
davon jBuruckgeUieben. wäre. Aber dieser Methode gibt nur 



Analyu. 141 

eine Approximation^ indem das Chlorznik nidi£ absolitt frei 
Ton Nickel wird und das unlösliche Chlornickel noch Zink 
enthält. Wird dieses durch Glühen mit Natron zersetzt 
(was die einzige Methode ist^ dasselbe leicht wieder löslidi 
zu machen}^ so erhält mau ein Nickeloxyd; welches auf der 
Kohle mit Soda in gutem und anhaltendem Feuer vor dem 
Löthrohr unverkennbare Spuren von Zinkoxyd ericennen lässt. 

Die einzige Methode^ wodurch mir die Scheidung dieser 
Metalloxyde glückte ^ ist folgende : Nachdem man sich durch 
Löthrohrversuche überzeugt hat^ dass das Nickeloxyd oder 
Kobaltoxyd Zinkoxyd enthält ^ wiegt mau eine Portion des 
fein geriebenen und geglüheten Oxyds in einen Porcellan- 
tiegel; vermischt dasselbe darin sehr genau mit pulverisirtem 
Zucker^ der durch Umkrystallisiren aus Alkohol vollkommea 
gereinigt ist^ wischt den Glasstab^ mit dem die Vermischung 
geschah; mit Zuckerpulver ab; so dass nichts von dem 
Oxyde daran haften bleibt; und erhitzt den Tiegel über einer 
Spirituslampe; so dass der Zucker schmilzt und allmälig 
verkohlt wird; mit der Vorsicht; dass nicht durch Aufblähen 
und Spritzen Verlust entstehe. Wenn die Masse wieder fest 
geworden ist und nicht mehr raucht; wird der Deckel aufge- 
legt; der Tiegel in einen hessischen Tiegel eingesetzt; auf 
dessen Boden man eine Lage Magnesia gelegt hat; so 
dass das Porcellan nicht die Tiegelmasse berührt. Der hes- 
sische Tiegel wird dann bedeckt in einen Zugofen gestellt 
(ich wende Luhme's tragbaren Ofen aU; s. Art. Oefen) 
und eine Stunde lang der stärksten HitzO; die der Ofen zu 
geben vermag; ausgesetzt. Die Metalle werden reducirt und 
das Zink verflüchtigt; so dass zuletzt nur das Nickel übrig 
bleibt; aber mit Kohle gemengt; wie denn überhaupt so viel 
Zucker angewandt werden muss; dass stets noch viel Kohle 
mit dem Metall zurückbleibt. Die kohlige Masse wird nach- 
her, in demselben Tiegel über der Spirituslampe verbrannt; 
dann zur Auflösung des Oxyds etwas Salpetersäure zuge- 
setzt; die Lösung im Wasserbade eingetrocknet und die 
Masse geglüht. Was sie nun weniger wiegt, als vor der 
Behandlung mit Kohle; ist das Gewicht des Zinkoxyds. 

Nickeloxyd und Kobaltoxyd von Talkerde, Die Talk- 
erde ist eben so schwierig von diesen Oxyden zu scheiden; 



N 



yde das Zinkoxyd ^ nnd ihre GegMtrart ist nidit^ wie die 
des Zinkoxyds ^ vor dem Löthrohr zu erkennen. Es fpht 
eine Verbindung von Kobaltoxyd mit Talkerde ^ die im An- 
sehen dem Nickeloxyd so ähnlidi ist^ dass sie davon nicht 
zu unterscheiden ist; löst man sie in einer im Ueberschuss 
zugesetzten Säure auf und vermischt die Lösung mit kausti- 
schem Amm(miak; so fällt sie nicht eher nieder^ als bis 
Kalihydrat hinzukommt^ wodurch dann ein grüner 'Nieder- 
schlag entsteht^ ganz wie von Nickeloxyd. Von dieser Erde 
werden diese Oxyde am besten geschieden , wenn man ihre 
Lösung in Säuren mit Kali- oder Natron-Hepar fällt ^ wobei 
Nickel und Kobalt ausgefällt werden und die Talkerde in 
der Lösung zurückbleibt^ wie ich im Vorhergehenden bei 
der Anwendung der Hepar beschrieben habe. 

Eisenoxyd und Chromoxyd können auf mehrfache Weise 
vo(i einander geschieden werden; am besten und sicher- 
sten geschieht es durch Glühen mit kohlensaurem Na- 
tron^ dem man ein wenig salpetersaures oder öhlorsaures 
Kali zugesetzt hat. Das Glühen muss in einem Silbertiegel 
geschehen. Die Hitze darf nicht stärker sein^ als gerade 
bis zum anfangenden Glühen. Wasser zieht dann. kohlen- 
saures und chromsaures Alkali aus und lässt das Eisenoxyd 
zurück. Das Alkali wird mit Salpetersäure gesättigt und 
die Chroibsäure mit salpetersaurem Quecksilberoxydul aus- 
gefällt^ worauf man ein wenig Ammoniak zusetzt^ bis ein 
geringer schwarzer Niederschlag entsteht; dann wird der 
Niederschlag gewaschen und geglüht^ wobei er Chromoxyd 
zurücklässt. Sonst wird das Eisenoxyd durch Schwefelwas- 
serstoff zu Oxydul reducirt und aus der * Flüssigkeit dasT 
Chromoxyd durch kohlensaure Baryterde ausgefällt^ oder 
man löst das Gemenge der gefällten Oxyde noch feucht in 
schwefliger Säure und kocht die Flüssigkeit, so lange sich 
noch schweflige Säure entwickelt, wobei das Chromoxyd 
niederfällt; aber keine von diesen Afethoden ist so zuverläs- 
sig, wie die zuerst angeführte. 

Eisenoxyd von EisenoxyduL Bei vielen Analysen kom- 
men die beiden Oxyde des Eisens vermischt vor; es ist dann 
von grosser Wichtigkeit, ihre relativen Quantitäten bestim- 
men zu können. Ist die Verbindung von der Beschaffenheit, 
dass sie ohne vorhergehendes Glühen mit Alkali in Salzsäure 






watg^dBt w^ti»^ kann^ so imcht omi diexL&iiing fai eisern 
mit der Saure beinahe angefüllten und verschlossenen Ge<* 
fasse ^ um die höhere Oxydiruiig des Eisens auf Kosten d^ 
Luft zu verhindern. Bleibt dabei etwas ungelöst^ so wird 
die klare ^ vorher erkaltete Lösung abgegossen und die Fla- 
sche mit geliochtem und wieder erkaltetem Wasser auTs 
Neue gefüllt^ verschlossen und klären gelassen^ und diese 
Flüssigkeit der ersteren zugemischt. Der Aüpkstand wird 
auf einem Filjtrum mit kochendem Wasser gewaschen. Die 
Flüssigkeit wird mit kaustischem Ammoniak gesättigt , bis 
Eisenoxyd gefällt zu werden anfängt, das Eisenoxyd mit' 
berusteinsaurem Alkali gefällt und die Flüssigkeit rasch bis 
^um Kochen erhitzt. Hierbei fällt bernsteinsaures Eisenoxyd 
nieder^ während bernsteinsaures Eisenoxydul in der Lösung 
zurückbleibt. Enthält die Lösung Thonerde^ so fällt diese 
-mit dem Eisenoxyd nieder und wird dann auf gewöhnliche 
Weise davon geschieden. Die abfiltrirte Lösung wird mit 
Cblorgas bis zur Oxydation des Eisenoxyduls versetzt und 
hierauf das gebildete Eisenoxyd durch' bernteinsaures Alkali 
ausgefällt. Es ist nicht möglich ^ diesen Versuch so auszu- 
führen^ dass das Resultat völlig genau werde^ stets bat man 
zu befürchten^ dass man einen kleinen Ueberschuss von 
Oxyd bekomme^ lAld zwar durch die höhere Oxydirung des 
Oxyduls auf Kosten der Luft; aber es wird immer hinrei- 
chend approximativ^ um das Verhältniss zu erfahren^ in 
welchem die Oxyde in der Verbindung enthalten sind^ wenn 
sie in bestimmten Proportionen und nicht zufälligerweise ge- 
mengt vorhanden sind. 

Man kann sich auch einer gewogenen Portion eines 
Metalls bedienen^ welches sich^ unter Reduction des Oxyds 
oder Chlorids zu Oxydul oder Chlorür^ in der Flüssigkeit 
auflöst. Hierzu eignet sich sehr gut das pulverförmige Sil- 
ber^ welches durch Kupfer aus salpetersaurem Silberoxyd 
ausgefallt wird^ und welches man eine Weile mit einer 
überschüssigen Lösuug von salpetersaurem Silberoxyd ge- 
kocht hat^ um jeden Kupfergehalt daraus auszuziehen. Man 
giesst dann die durch Auflösung der Probe unter Abschluss 
der Luft erhaltene Flüssigkeit auf eine gewogene Menge 
von diesem pulverförmigen Silber in einer bedeckten und 
beinahe angefüllten Flasche und erhitzt in kochendem Waaser 



144^ Analyse. 

Ms die Farbe der Fiussigkek ausweist, dass alles Eisenchio* 
rid zu Eisenehlorur reducirl ist; das Liquidum wird nun ab^ 
gegossen, das pulverformige Silber mit kochendem Wasser 
gut ausgewaschen und scharf, z. B. einige Grade über 4*100^ 
getrocknet. Was es nun mehr wiegt, wie vorher, ist von 
dem Chlorid aufgenommenes Chlor. Die Flüssigkeit wird 
dann mit Chlor oxydirt und das Eisenoxyd daraus durch 
berosteinsaures Alkali gefällt, Ist der ganze Gehalt an Eisen 
auf diese Weise gefunden, so ist es leicht zu berechnen, 
wieviel davon Oxyd gewesen ist, denn jedes Doppelatom 
Chlor entspricht einem Atom Eisenoxyd, der Rest ist dann 
Oxydul gewesen. 

Fuchs führt diese Methode so aus, dass er die erhal- 
tene Lösung in zwei gleiche Gewichtsmengen theilt. Die eine 
Hälfte wird mit Salzsäure^ sehr sauer gemacht, in eine Fla- 
sche gegossen, die davon beinahe angefüllt wird, und in 
dieselbe ein gewogenes Blech von reinem Kupfer gestellt« 
(Hierzu fallt er das Kupfer auf Eisen aus Kupfervitriol, be- 
freit das gefällte Kupfer durch Kochen mit Salzsäure von 
Eisen, wäscht, trocknet, schmilzt und walzt es dann aus.) 
Wenn nach der Digestion in kochendem Wasser die Farbe 
des Eisenoxyds verschwunden ist und die Flüssigkeit nur 
noch die Farbe von Eisenehlorur hat, \^fd das übrig ge- 
bliebene Kupfer herausgenommen, gewaschen, getrocknet 
und gewogen. Zwei Atomgewichte aufgelösten Kupfers ent- 
sprechen einem Atomgewicht Eisenoxyd. — Die andere 
Hälfte der Lösung wird mit Chlorgas gesättigt, der Ueber- 
schuss davon wieder abgedunstet, die Lösung mit Salzsäure 
im Ueberschuss versetzt, Kupfer in dieselbe gestellt und auf 
gleiche Weise verfahren. Was nun das Kupfer an Gewicht 
verliert, gibt den ganzen Eisengehalt in der Lösung zu er- 
kennen, wonach man dann leicht berechnen kann, wie viel 
Oxydul vorhanden gewesen ist, nachdem vorher die Quan- 
tität dos Eisenoxydjsi bekannt geworden war. Dieses Ver- 
fahren glückt jedoch nicht zuverlässig, wenn die Flüssigkeit 
Arseniksäure enthält, weil sich dann Arsenikkupfer bildet. 

In vielen Fällen gelingt es, d,en Eisenoxydgehalt in einer 
feuerbeständigen Verbindung, z. B. in einem Silicat oder in 
einem Titanat, durch Reduction in Wasserstoffgas bei höherer 
Temperatur zu bestimmen. In einem Silicat wird das Bisen- 
oxyd 



Analyse. %^ 

cfxyd gewäb^tich 9U Oxydul^ und in einem Titanat zu metal- 
Ii£ic|iei|i Eisen reducirt. Der Gewichtsveriust und die Menget 
des erhaltenep W^s^ers weisen da^n den Oxydiitioi^(zustan4 
des Eisens aus. 

Zinkoxyd von Manganoxydnl. Beide werden mit einem 
Alkali-Sulfhydrat ausgefällt^ worauf Essigsäure das SchwefeK 
mangan allein zersetzt und das Schwefelzink ungelöst zu« 
rückl&sst — Man kann auch das Zinkoxyd aus der Chlor- 
verbindung beider Metalle durch Quecksilberoxyd ausfal- 
len^ wobei dasselbe gilt^ was ich bei der Scheidung des 
Nickeloxyds von Chlormangan angeführt habe. Richter 
verbindet die Oxyde mit Salpetersaure und gläht das sal- 
petersaure Salz, wobei das Manganoxyd in Gestalt von 
Oxyd zurückbleibt; verdünnte Essigsaure lest dann das 
Zinkoxyd auf und lässt das Mangauoxyd zurück. Dieses 
Verfahren glückt nur dann^ wenn 2 Atomgewichte Mangan- 
oxydul mit mehr als 1 Atomgewicht Zinkoxyd vermischt sind^ 

denn entsteht durch Glühen Zu -f- Mn; ist aber das Zink 
nicht in dieser oder in einer grösseren Quantität vorhanden, 

so bildet sich ein Gemengt von Zn -f- Mn und Mn -|- Xn^ 
aus dem das Manganoxydul wie das Zinkoxyd durch Essig- 
säure aufgelöst wird« 

Zirkonerde von Eisenoxyd. Ihre gemeinschaftliche Lö- 
sung wird dprch Anmioniak gefallt, der Niederschlag ge- 
waschen, mit Wasser angerührt und Schwefelwasisef Stoff 
hipeingeleitet, bis die Flüssigkeit damit gesättigt ist. Das 
Eiseuoxyd verwandelt sich dabei in Schwefeleisen. Halben 
sich die Erde und das Schwefeleisen abgesetzt, so wird die 
Flüssigkeit abgegQssen und der schwarte Niederschlag mit 
einer Lösung von schwefliger Säure vermischt, worin sich 
das Schwefeleisen sogleich auflöst, mit Zurücklassui^ der 
Erdoj} welche p^t Wasser, das schweflige Säure enthält^ 
gewaschen, dann getrocknet und geglüht wird, wobei eia 
wenig £;chwefligß Säure und Schwefel, den die sch\yeflige 
Säure aus den^ Schwefeleisen abgeschieden hat, ^yegg^ii. 
Die Eisenlösung wird mit Salpetersäure oxydirt und das 
Oxyd mit kaustischem Ammoniak ausgefallt. 

In ßetiteff auderer Metboden verwekiß ich auf Tb« II» 
S. 301. 

X. 10 



14C Analyse- 

Zirkonerde von TUansäure. Die Verbindung wird zu 
feinem Pulver gerieben^ mit pulverisirtem reinen Zucker ver- 
mischt und bis zur Verkohlung des Zuckers erhitzt. Dann 
wird die Masse pulverisirt^ in einen Apparat ^ so wie er zur 
Analyse der Schwefelmetalle mit Chlor dieut^ gewogen und 
darin in einem Strom von trocknem Chlorgas geglüht. Das 
Titan verbindet sich mit Chlor zu einer flüchtigen Flüssig- 
keit; die abdestillirt; und Chlorzirkouium bleibt in der Kugel 
mit Kohle gemengt zurück ^ aus der es mit Wasser und 
Salzsäure ausgezogen werden kann. 

Thonerde von Beryllerde. Die gewöhnliche Scheidungs- 
methode dieser Erden bestand bis jetzt darin ^ dass man sie^ 
nachdem sie in kaustischem Kali aufgelöst und auf gewöhn- 
liche Weise wieder gefallt waren ^ mit kohlensaurem Am- 
moniak übergoss; welches die Beryllerde auflöst und die 
Thonerde zurücklässt. Diese Methode ist jedoch nicht scharf^ 
das Ammoniaksalz löst Thonerde mit der Beryllerde auf; und 
man weiss nicht; wann oder ob alle Beryllerde aus der Thon- 
erde ausgezogen ist. 

Ganz kürzlich haben gleichzeitig C. G. Gmelin und 
Graf Sch^ffgotsch eine andere Methode entdeckt^ die 
ich bereits im Vorhergehenden angeführt habe. Die bei- 
den Erden werden nämlich durch Kochen in einer concen- 
trirten Lauge von kaustischem Kali aufgelöst; die Lösung 
mit Wasser verdünnt ; filtrirt und die Beryllerde daraus durch 
Kochen ausgefällt. Im Uebrigen verweise ich auf S. 61. 

Eine dritte Methode; von Berthier angegeben; besteht 
in ihrer Trennung durch schweflige Säure ; Th. II.; S. 381. 

Talkerde von Zinkoxyd. Aus einer Lösung in Essig- 
säure fällt Schwefelwasserstofi^ das Zink als Schwefelzink; 
aus einer Lösung in« stärkeren Säuren wird es durch Kali- 
schwefelleber gefällt; oder nach dem Zusatz von so viel 
essigsaurem Kali ; dass die stärkere Säure mit Kali gesättigt 
wird; durch Schwefelwasserstoff. 

Kalkerde von Talkerde. Ausser der vorhin erwähnten 
Methode mit oxalsauräm Ammoniak; die immer die sicherste 
ist; kann man beide Erden ; nachdem sie durch kohlensaures 
Alkali gefällt worden sind; mit Schwefelsäure verbinden; 
das Salz wiegen; nachdem alle überschüssige Schwefelsäure 
davon abgeraucht worden ist^ dann die schwefelsaure Talk- 



Analyse. 147 

erde mit einer gesättigten Lösung von schwefelsaurer Kalk- 
erde ausziehen^ darauf wieder glühen und den schwefel- 
sauren Kalk wiegen. Man kann die Erden in Salzsäure 
lösen ^ die Lösung zur Trockne verdunsten^ das Salz glühen^ 
und wieder auflösen^ die Auflösung mit chlorsaurem Kali 
oder Ouecksilberoxyd mischen^ damit zur Trockne verdunsten 
und glühen. Die Talkerde scheidet sich dann von der Säl:^- 
säure^ und Chbrcalcium wird allein wieder aufgelöst. Aber 
bei dieser Methode wird die ^alkerde leicht kalkhaltig er- 
halten. Um dieses zu vermeiden ^-^ hat man vorgeschrieben^ 
die beiden Erden in einem, Strom von feuchtem Chlorgas zu 
glühen^ wobei aus der Kalkerde Chlorcalcium und Sauerstoff 
entstehen 9 die Talkerde aber unverändert bleibt. 

Baryterde von Kalkerde. Die trocknen salpetersauräH 
Salze dieser Erden werden fein gerieben und mit wasser- 
freiem Alkohol behandelt^ welcher das Kalksälz mit Zurück- 
lassung des Barytsalzes auflöst. Ist der Kalkgehalt nicht' 
zu gross^ so geschieht ihre Scheidung am sichersten aus 
einer saufen Lösung in Salzsäure^ die mit so viel Wasser 
verdünnt wird, dass, wenn der Barytgehalt durch Schwefel- 
säure ausgeffällt wird^ die sich bildende schwefelsaure Kalk- 
erde aufgelöst bleibt. Diese letztere Methode ist in jeder 
Beziehung die zuverlässigste. Lieb ig hat vorgeschlagen, 
aus der gemeinschaftlichen neutralen Auflösung dieser £rden 
die Baryterde mit jodsaurem Natron auszufällen. 

Baryterde von Stroniianerde wird am besten durch 
KieselfluforwasserstoffsäufG^ geschieden, indem diese die Ba- 
ryterde ausfällt. Nach Lieb ig kann dazu auch jodsaures 
Natron angewendet werden. 

Stroniianerde von Kalkerde. Die ganz wasserfreien 
salpetersauren Salze dieser Erden werden mit wasserfreiem 
Alkohol behandelt, der das Kalksalz auflöst und das Stron- 
tiansalz zurücklässt. 

Alkali von Talkerde. Die Scheidung geschieht, wenn 
sie als schwefelsaure Salze vorhanden sind, durch Ausfäl- 
lung mit essigsaurer Baryterde und Glühen des essigsauren 
Salzes bis zur Zerstörung der Essigsäure, worauf das Al- 
kali mit kochendem Wasser, und die Talkerde aus dem 
Rückstände durch verdünnte Schwefelsäure ausgezogen wird* 
Sind sie aber als Chlorüre vorhanden, so vermischt man ihre 



148 Analyse. 

concentrirte Lösung mit Quecksilberoxyd ^ verdunstet zur 
Trockne und glüht mit aufgelegtem Tiegeldeckel ^ bis alles 
Quecksilber verflüchtigt ist. Wenn dann der Rückstand mit 
kochendem Wasser behandelt wird, so bleibt die Talkerde 
ungelöst zurück. 

Ammoniak f Bestimmung seiner Qtmntität Die Probe 
wird mit überschüssigem Natrouhydrat in einer Retorte mit 
Vorlage^ in welcher Salzsäure enthalten ist^ [destillirt. Das 
Ammoniak geht über und verbindet sich mit der Salzsäure. 
Die Destillation wird so lange fortgesetzt^ bis in der Masse 
kein Ammoniak mehr zurück ist. Das Destillat wird mit 
Platinchlorid vermischt, im Wasserbade zur Trockne ver- 
dunstet und aus dem zurückgebliebenen Salz das überschüs- 
sig zugesetzte Platinchlorid mit Alkohol ausgezogen. Das 
übrigbleibende Doppelsalz wird bei +100® getrocknet, ge- 
wogen und der Ammoniakgehalt daraus berechfiet. — Man 
' muss bei dieser Gelegenheit kein Kalihydrat anwenden, denn 
wenn während der Destillation etwas durch Spritzen über- 
geführt wird, so erhält man den Platinsalmiak mit dem in Al- 
kohol unlöslichen Kaliumdoppelsalz vermischt« 

Ss möchte scheinen, als wäre hier die Behandlung mit 
deni Platinsalz überflüssig, weil die Lösung von Chloram- 
monium im Wasserbade, z. B. in einem gewogenen Platin- 
tiegel, zur Trockne abgedunstet und dann direct gewogen 
werden könnte; aber dabei verflüchtigt sich immer ein, wie- 
wohl nur geringer Theil des Salmiaks. Man braucht den 
Salmiak nur mit ein wenig Wasser im Platintiegel zu be- 
feuchten, ein Papier darüber zu legen und ihn dann \xa 
Wasserbade einzutrocknen; wird das Papier hernach mit 
Wasser ausgelaugt, so gibt die Flüssigkeit einen deutlichen 
Gehalt von Salmiak zu erkennen, wenn man sie mit ^i^l- 
petersaurem Silberoxyd vermischt. 

TJnterchlorige Säure ^ Bestimmßing ihrer QttantUät in 
einem Bleichsalze. Diese Bestimmung ist für technische 
Zwecke von grosser Wichtigkeit. Sie hat einen besonderen 
Namen erhalten, man hat sie Chlorometrie genannt. Gay- 
Lussac hat für diese Prüfung ein analytisches Verfahren 
erfunden, welches sich sowohl durch grosse Genauigkeit, als 
auch durch schnelle Ausführbarkeit auszeichnet. Jls gründet 
aiich darauf, dass fpan Lösungen von vorher bestimmtem 



Analyse. l49 

ißehalt anwendet; die in gradoirten Gläsern (S. Art. MehMr- 
jfiäser) gemessen werden. Man nimmt ein bestimmteiä Voluni 
vdn der einen Flüssigkeit ui^l vermischt es mit der anderen^ 
^enau abgemes^Sienen^ nach und nach in kleinen Qnantitäted; 
bis die verlangte Reaction eingetreten ist^ worauf danri dei^ 
Rückstand in dem Mensurglase ausweist^ tirieviel verbraucht 
forden ist. 

Die chlorometrischen Proben gründen sich auf zwei ver-^ 
schiedene Principien. Das eine hat zum Zweck; zu bestim« 
meu; eine wie grosse bleichende Wirkung ein bestimmte» 
Gewicht von dem Bleichsalze; gewöhnlich Chlorkalk (unter-<* 
chlorigsaure Kalkerde); hervorbringen kann; das andere aber 
zu bestimmen; wie viel Chlor bei der Bildung des Salze» 
aufgenommen worden ist. Diese beiden Prinzipien sind weit 
entfernt; stets ein übereinstimmendes Resultat zu geben; und 
es sind nur die Proben nach dem ersteren Princip; welche 
richtige Resultate geben. Inzwischf| hat man die anderen 
ganz aufgegeben und wendet [nur die letzteren an. Die» 
gründet sich darauf; dass man anfangs den Umstand über-^ 
sehen hatte; dass wenn sich bei der Bereitung des Chlor- 
kalks die Masse erwäi^mt; viel chlorsaure Kalkerde entsteht; 
die durchaus kein Bleichungsvermögen besitzt; man hat ein 
schlechtes Bleichsalz ; was aber bei der Chlorprobe deu 
ganzen Gehalt von hinzugekommenem Chlor zu erkennen 
gibt. 

Die Bleichungsprobe geschiebt mit Indigschwefelsäu^ä; 
zu welcher man eine Lösung von dem Bleichsalze tropft; 
bis die Färbet rein gelb geworden ist. Anfänglich bereitetet 
man eine Lösung von Indig in Schwefelsäure und verwahrte 
diese zum Gebrauch. Aber diese Lösung verändert läicU 
mit der Zeit; und als man dieses fand; wurde diese Proben 
ganz aufgegeben und man ging zu der Chlorprobe fibe'i';. 
anstatt eine bessere Form für die Indiglösung aufzusiiclieti. 
Eine solche Form haben wir in dem indigschwef^lsaureH 
kali; welches in trocknär Gestalt beliebig lauge aufbewahrt 
werden kann. Man wiegt davon z. B. 1 Gramm ab; löst 
in Wasser und vermischt die Lösung mit einer Lösung voll 
chlor saurem Kali in 20 Theilen Wasser; die mit mehr Salz- 
säure versetzt worden ist*; als zur Zersetzung der Chlor- 



15Q Jnalyie. 

säure erforderlich ist. Diese Lösung wird nach einc;r Weile 
mit i'einem Kalkbydr^t mit der Vorsicht gesättigt, dass sie 
sich nicht erwärmt. Darauf wird ihr Volum mit dem Men- 
surgla/se bestimmt und die Flüssigkeit daraus anfangs in 
kleinen Portionen in die blaiie Losung getropft^ bis sie grün 
geworden ist^ und darauf in einzelnen Tropfen nach einan- 
der^ bis die Lösung eine rein gelbe Farbe erhalten hiCt. Bin 
Atomgewicht chlorsaures Kali gibt mit überschüssiger Salz- 
säure 12 einfache oder 6 Doppelatomgewichte Chlor. Man 
Tveiss also^ wie vielem Chlor diese Lösung entspricht^ und 
wenn man das Volum der angewandten Solution mit dem 
vergleicht; was davon noch übrig ist^ so weiss man^ wie 
viel Chlor erforderlich ist^ um einen Gramm von dem Salze 
zu bleichen. Für jede neue Bereitung des indigschwefelsau- 
ren Kali's muss diese Probe wiederholt werden, weil das 
Salz zu theuer werden würde ^ wenn man es so rein bereiten 
wollte ; dass die Probe .stets ein für alle Mal gelten könnte. 
Um die Chlorkalkgj|lbe anzustellen^ wird ein gewisses 
Gewicht von dem blauen Salze abgewogen und in Wasser 
aufgelöst. Das Volum der Lösung braucht nicht gemessen 
zu werden. Dann wird ein bestimmtes Gewicht von dem 
Chlorkalk mit destillirtem Wasser in einem Mörser gerieben^ 
bis alle Theile des Salzes mit Wasser durchtränkt sind. 
Das Gemisch wird auf ein Filtrum gegossen^ welches vorher 
mit einer Chlorkalklösung Übergossen und gebleicht und her-* 
nach ein Paar Mal mit destillirtem Wasser ausgewaschen 
worden ist. Gewöhnliches Filtrirpapier wird durch eine 
Chlorkalklösung weisser, \vas eine Zersetzung des Chlor- 
kalks ausweist, die also mit ein<sr anderen Portion gesche- 
hen musS; als mit welcher die Probe angestellt werden soll. 
Das durchgehende wird in einem Mensiirglase aufgesammelt 
pnd das ungelöste mit Wasser' ausgewaschen, bis ein ge- 
wisses Volum von der Lösung erhaltet^ worden ist, was 
man bei jeder besonderen Probe immer von demselben Ge- 
richt Chlorkalk gleich gross macht. Von dieser gut ge- 
i^ischten Lösung werden nun kleine Portionen in die blaue 
Flüssigkeit getropft, bis sie gelb geworden ist Das Ge- 
richt des angewandten blauen Salzes weist aus, wieviel 
Chlor erforderlich war, wonach der Chlorgehalt auf das 
Gan;(e beri&chnißt wird. 



Analyse. 151 

Die Probe auf den Chlorgehalt wird auf mehrfache WeiM 
gemacht. Die von Gay-Lussac angegebenen sind gewis« 
die besten. Er wendet eins von den folgenden Reactions- 
mitteln zur Absorption des Chlors an^ nämlich 1) eine Lö- 
sung von arseniger Säure in Salzsäure; 2) eine Lösung von 
Cyaneisenkalium; 3) eine Lösung von salpetersaurem Queck- 
silber. Von diesen macht man sich Lösuiigen; von denen ein 
gegebenes Volum eine bekannte Menge des Reactionsmittels 
enthält. Kurz vor dem Versuche wird die anzuwendende 
Lösung mit einem Tropfen Indigblau gefärbt. Darauf macht . 
man sich von dem Chlorkalk eine Lösung in einem bestimm- 
ten Maas Wasser und untersucht^ wieviel davon zugesetzt 
werden muss^ um das Indigblau zu zerstören. So lange von 
dem Reactionsmittel noch etwas übrig ist^ erhält sich die 
blaue Farbe ^ deren Verschwinden anzeigt^ dass man genug 
zugesetzt habe. Beim Quecksilberoxydulsalz bedarf es des 
Zusatzes von Indigblau nicht; man fällt sie in einer Probe- 
röhre mit Salzsäure und setzt so lange Chlorkalklösung zu^ 
bis der Niederschlag aufgelöst ist. ' Das Chlorör absorbirt 
das Chlor und verwandelt sich damit so schnell in Chlorid^ 
dass dazu kein Ueberschuss von Chlor erfordert wird. Von 
diesen dreien gibt Gay-Lussac der arsenigen Säure den 
Vorzug. 

Salpetersäure. Bei analytischen Versuchen ist es im 
Allgemeinen nicht schwierig^ Salpetersäure zu entdecken^ 
wenn miin Veranlassung hat^ sie zu suchen. Aber sucht 
man sie nicht ^ so entgeht sie leicht der Aufmerksamkeit. 

Als Reactionsprobe auf die^ Gegenwart von Salpetersäure 
verfahrt man nach Desbassayns de Richemont auf fol- 
gende Weise: 4Volumtheile concentrirter, salpetersäurefreier 
Schwefelsäure werden mit 1 Volumtheil der Lösung^ in wel- 
cher Salpetersäure vermuthet wird^ vermischt und in das 
Gemisch jedes Mal ein Tropfen von einer concentrirten Lö- 
sung von schwefelsaurem Eisenoxydul getropft und damit 
umgerührt. Dieses Salz wird zu schwefelsaurem Eisenoxyd 
oxydirt und die Salpetersäure reducirt zu Stickoxyd; welches 
mit der concentrirten Schwefelsäure verbunden zurückge- 
halten wird. Wenn mehr Eisensalz eingetropft wird; so 
fangt die Flüssigkeit an^ sich röthlich oder purpurroth zu 
färben; und diese Farbe nimmt dann immer mehr und in 



151^ Analyse. 

«tem Iftaassid %% ab ihehr Etsenoxydulisalz hifiztikoniiüt^ wel- 
^heö »iek das Sticki^xyd Vdn der immer verdäüater werdfett- 
xlen Säure aneignet. Ist dl^r SalpeterSäuire^ehalt bedleütend^ 
sti wird die Flüssigkeit schwarzbraun. Von 1 Th. Salpeter^ 
iäUre in 24^000 Theilen der zugesetzten Flüssigkeit zieht 
siteh die Fatfre dbutlidi in Purpur. Bleibt sie nttgdf&rfot, so 
ist keine SalpeterMUre darin. 

Hat die Reaetion gezeigt > dass Salpetersäure Vorbandet 
ist) BO wird ein bestimmtes Gewicht Voh der Probe i^ 
Wasser aufgelöst; die Lösung hiit Salzsäure vermischt ühd 
hl dalä Gremiseh Blattgold oder durch Eisenvitriol ausgefälltes^ 
tfann^ taiit Salzsäure ausgekochtes Uhd ausgewaschenes pnl^ 
Tierförmiges Gold gelegt Das Gold wird in grösserer Menge 
si^esetzt; als man vermuthen kanh^ dass es von der Vbr^ 
faandenen Saipetersäiire aufgelöst werde ^ Und das Gefäsd 
mehrere Stunden lang in kochende Digestion gestellt. MiA 
l>raucht nichts von den rothen Dämpfen zu befQrchten^ weN 
ehe im Anfange gebildet werden ^ denn diese werden bald 
ausgetrieben; aber das Gcfäss muss mit einem unvoll'^ 
kommen schliessenden Glasstöpsel versehen sein^ so dass 
Gas und Dämpfe ausdringen können ^ ohne dass Luft ein-^ 
dringt. Wenn sich von dem Golde nichts mehr auflöst^ 
wird die Flässigkeit von dem ungelösten Metall abfiltrirt 
nnd von diesem die goldhaltige Flüssigkeit abgewaschen. 
Aus dieser Flüssi^eit wird dann das aufgelöste Gold durch 
ein Eisenoxydulsalz gefällt^ mit kochender Salzsäure und 
darauf mit Wasser gewaschen^ geglüht und gewogen. Eilt 
Doppelatomgewicht aufgelöstes Gold entspricht einem Atom- 
gewicht Salpetersäure. 

Man kann auch Kupfer anwenden^ indem man eben so 
verfährt^ wie bei seiner Anwendung zur Bestimmung des 
Oxydationsgrades von Eisen. Man wiegt das Kupfer, vor 
und .nadi dem Versuche^ den man nicht eher unterbricht^ 
als bis die Flüssigkeit farblos ist und der gaiize Kupfergehalt 
sich in Chlorür verwandelt hat. 6 Atome Kupfer entsprechen 
1 Atom Salpetersäure. 

Mit gleichem^ wenn nicht grösserem Vortheil bedient 
man sich des Quecksilberchlorürs^ weldies gewogeii und 
mit der trocknen Probe ^ oder^ wenn es eine Flüssigkeit ist^ 
But der eoneentrtrten Lösung vermischt wird. Darauf wird 



Analyse. ' 153 

BitLiM&ürö stigesetit und die FlfiiSsigkeit so Iniüge gekocht^ 
ate die Däihpfe tioth ttach Stickoxydgas riechen. Bas titi- 
gel5ste IThlorflr^ von dem sich jetzt ein Theil ftuf Kosten 
der Salpetersäure in Chlorid verwandelt ,und sich mifge- 
Kjlt hat^ wird gewaschen, s<Aarf getrocknet und gewogen. 
3 Atomgewichten aufgelösten Chlorurs entspridht 1 Atcfm 
«ersetzter Salpetersäure. 

Enthält die Prbbe organische Stoffe, so kann keine von 
diesen Methoden angewendet werden^ weil diese die SSni^e 
■ersetzen, wobei sowohl Ammoniak, als auch stickstoffhal«^ 
tige organische Körper und Stickoxydgas eirtst^en. In 
diesem Fall wird die Probe atifgelöst, die Lösung mit kolfr^ 
lensaurem Natron "^enmischt und wieder eingetrocknet^ wo«^ 
bei ein möglicher Gehalt von Ammoniak ausgetrieben wird. 
Die zurückgebliebene Salzmasse wird mit einer guten Por^ 
tion Chromoxyd und so viel Kupferfeilspänen oder auch 
Kupferoxyd vermischt, dass das Gemenge ohne zu schmel- 
zen geglüht werden kann. Man unterwirft es dann derselben 
Operation, wie man organische stickstoffhaltige Körper ana-^ 
lysirt. Zuerst wird kohlensaures Bleioxyd in das Rohr ge- 
legt, darauf bis zu Vs der Länge das Gemenge; die letzten 
Vs des Rohrs werden mit metallischem Kupfer gefüllt^ wel-* 
ches aus Kupferoxyd durch Wasserstoffgas reducirt worden 
ist. Sobald das Kupfer glüht, wird die Masse erhitzt; das 
Chromoxyd reducirt die Salpetersäure und tritt als Chrora-^ 
säure an deren Stelle, das Kupfer reducirt das Stickstoff- 
oxyd zu Stickgas^ Und dieses wird nach den gewöhnlichen 
Vorschriften aufgesammelt und gemessen. Die zuletzt zu- 
rückbleibende Portion von Stickgas wird durch die Kohlen- 
säure des Bleisalzes ausgetrieben. Die Quantität der Sal- 
petersäure wird nach der des Stickgases berechnet, 

Schwefel im isolirten Zustande. Wenn Schwefel mit 
anderen Körpern gemengt vorkommt, so ist es nicht leicht, 
ihn so auszuziehen, dass nicht auch das Lösungsmittel 
die anderen Bestandtheile angreift. Man zieht zuerst alles 
in Wasser Lösliche aus, dann, was verdünnte Salzsäure auf- 
lösen kann, und kocht den Ilückstand, nach Pelouze, mit 
einer Lösung von schwefligsaurem Kali oder Natron^ wobei 
sich der freie Schwefel zu unterschwefligsaurem Kali auflöst, 
dann wird das Ungelöste wiBiter analysirt. 



154 Jnalt^. 

Diejenigen ^ welche einer ausführlicheren Anleitung für 
Ihre aualytisdien Arbeiten bedürfen ^ muss ich auf H. Rose 's 
-vortrefBiches Handbuch der analytischen Chemie verweisen. 

Einige Bemerkungen in Betreff der Analyse unorgemi- 
scher Körper. Ich habe in den hier angeführten Beispielen 
<liejenigen Fälle^ welche am gewöhnlichsten vorzukommen 
pflegen^ zusammenzustellen gesucht. Für diejenigen^ welche 
hier nicht aufgenommen sein können^ oder für verwickelte 
J^äUe^ wo die hier angegebenen Methoden nicht passen 
würden ; muss ein jeder die Eigenschaften der Körper^ deren 
.Anwesenheit er ausgemittelt hat^ und sein individuelles Ver- 
:]nogeu^ eigene Methoden zu ihrer Abscheidung auszufinde% 
.iBsu Rathe ziehen^ wobei die Regel zum Grunde liegen muss : 
•dass die beste analytische Methode diejenige ist, deren Gre-^ 
-natdgkeit bei der Ausführuhg am wenigsten von der Ge- 
schicTcKchkeit des Analytikers abhängt. , 

Bei einer [jeden Analyse entsteht^ durch die Männich- 
ÜAltigkeit der Processe^ ein Verlust, dem man nicht entge- 
hen kann^ welcher bei geübteren Chemikern selten zu 2 p. C. 
^eht und gewöhnlich zwischen 1 und IVa p. C. variirt^ wel- 
<i\iQx aber^ wenn man nur zwei oder 3 Körper zu trennen 
liat; nicht zu Vi p. C. gehen darf*}. Man kann nicht nach 
Crutdünken diesen Verlust mit einem proportionalen Zusätze 
2u allen Bestandtheilen corrigiren; denn er trifft oft einen 
Stoff mehr als den anderen^ und eine Analyse^ deren Re- 
sultat der Menge der angewandten Probe gerade entspricht^ 
ist öfters^ weniger zuverlässig^ als [diejenige^ wo ein grös- 
serer Verlust aufrichtig angegeben ii^t. 

Geht der Verlust über 2 p. C.^ und keine Umstände 
während der Operation geben Anlass^ diesen von einem 
Fehler in der Analyse herzuleiten^ so hat mau einen Gehalt 
von Alkali und bisweilen eine Säure im untersuchten Stoffe 
;bu vermuthen. Wenn Fluor darin enthalten ist^ erleidet das 



Einige analytische Venache, >s. B. die Analysen^ nach welchen 
die Atomenge Wichte berechnet sind^ lassen darch die Einfachheit 
der Methode eine so grosse Genauigkeit zu, dass sie bei mehrmaliger 
Wiederholung nur in den Zehntansendtheilen des Gewicht« der lur 
AdaIF'o abgewogenen Probe unter einander abweichen. 



Analyse. 155 

Fossil durch Glühen immer einen grossen Verlust^ welcher 
sich durch eine noch länger fortgesetzte Hitze vermehrt, 
und unter der Analyse geht der Fluorgehalt verloren und 
nimmt noch Kieselsäure in Fom\ von Fluorkiesel mit. 

Ein anderer Umstand bei der Zusammenstellung des 
Resultats der Analyse ist ein vermehrtes Gewicht. Bei un- 
geübten Chemikern zeigt dieses unvollkommenes Auswaschen 
der Niederschläge an^ und ist ^n grösserer Fehler^ als der 
Verlust. In den Händen erfahwner Chemiker rührt ein ver- 
mehrtes Gewicht davon her^ dass^ wenn ein Fossil di» 
niedrigeren Oxyde von Eisen ^ Mangan ^ Kobalt u. s. w. ent* 
halten hat^ das Resultat der Analyse gewöhnlich die Quan- 
tität des höhereu Oxyds angibt, welches dabei gebildet wor- 
den ist 9 und dessen Sauerstoff-Ueberschuss dann abgerechnet 
werden muss. Dieser Umstand ist oft versäumt worden und 
hat nicht selten beigetragen^ grössere Verluste zu verbergen. 
Noch ein Umstand kann eine fehlerhaft vermehrte Menge int 
Resultate verursachen^ wenn sich nämlich^ beim Nieder- 
schlagen eines Oxyds oder einer Erde^ ein basisches Salz) 
z. B. von Chlor^ Schwefelsäure oder irgend einer anderen 
beim Versuche zugesetzten Säure ^ gebildet hat^ das sich 
bei dem Glühen entweder nicht zersetzt, oder erst bei einer 
Temperatur^ bis zu welcher man die Glühhitze der zum 
Wiegen bestimmten I^örper gewöhnlich nicht erhöht. Man 
kann ziemlich sicher seiu^ dass sich beim Niederschlagen 
mit kaustischem Ammoniak solche basische Satze bilden^ 
wenn das Ammoniak nicht überschüssig zugesetzt und die 
Flüssigkeit nicht mit dem Niederschlage eine Zeit lang 
macerirt wird. — Ich habe schon angeführt^ dass^ wenn 
thonerdehaltige Mineralien mit Kali behandelt wenden ^ man 
gewöhnlich einen Ueberschuss im Gewicht der Thonerde 
durch einen Rückhalt von Kali erhält. 

Bei der Zusammenstellung des Resultats der Analyse 
muss man vorzüglich auf die Uebereinstimmung desselben 
Qiit den Gesetzen der chemischen Proportionen seine Auf- 
merksamkeit richten. Wenn diese Uebereinstimmung fehlt^ 
ist es ein Beweis^ dass das Resultat der Analyse fehlerhaft 
ist^ und man hat dann Anlass^ nachzusuchen^ wo der Fehler 
liegt. Ein Resultat , wenn es mit diesen Gesetzen in Wider- 
spruch 8teht| sogleich als eine Ausnahme oder als einen 



156 Analyse. 

Btdtveis gegen die Richtigkeit dieser Gesetze erklären zu 
wollen^ 'Zeigt nur Unbekanntschaft mit den Schwierigkeiten 
tHy stets genaue Resultate zu erhalten. Es kann endlich 
auch ehi i^olchier Mangel iM der Uebereinstimmung mit den 
ehemischen Proportionen davon herrühren^ dass man zur 
Analyi^ö keine reine Probe oder nur ein mechanisches Ge- 
menge anwandte; öder auch von der Zusammenkrystallisirung 
iisomorpher körper^ die unteHteich keine bestimmte chemis(^he 
Verbihdüng bUden. 



2. Alljfemeine Regeln für die Untersuchung der 

Gase. 

Gasförmige Stoffe ^ die man untersuchen will^ werden 
am besten über Quecksilber aufgefangen; wer sich dieses 
aber^ wegen seiner Kostbarkeit^ nicht verschaffen kann^ 
mnss sich damit begnügen^ die Gase über Wasser aufzu- 
fangen^ und dabei kann man ziemlich richtige qualitative 
Resultate erhalten^ obgleich sie in quantitativer Hinsicht 
nicht auf völlige Genauigkeit Anspruch machen können. 
Mit einiger Uebung im Rechnen kanii man jedoch zu einem 
ziemlich zuverlässigen Resultate gelangen ^ wenn man das 
gefundene Resultat nach dem corrigirt^ was ich im ersten 
Theil über die Quantität von Wassergas in einer damit ge* 
sättigten Luft angeführt habe. Dies ist jedoch w^it weniger 
sicher^ als die Behandlung der Gase über Quecksilber^ was 
in den meisten Fällen bei Anstellung genauer Versuche un- 
umgänglich nothwendig ist. 

Bei der Uiltersuchüng von Gasgemengeii hat man za 
bestimmen: a) das Vdlümen des ganzen Gemenges und 
b') die Qualität und das relative Volumen der Bestandtheile. 
Bas Volumen wird in einem schmalen^ cylindrischen^ gra- 
duirteii^ am besten nach den Decimal - Abtheilungön d^S 
Cubiknieters eingetheilten glä&erhen Geflusse bestimmt^ mit 
Beobachtung, dass die Flüssigkeit^ sei sie Wasser oder 
Quecksilbigr^ ausserhalb Und innerhalb des Geßüsses gleich 
hoch stehe 9 mit Beobachtung der Barometerhöhe und des 
Thermometerstandes , und dass das Thermometer eine Weile 



am Messangsgefasse aufgehängt wan Mau ini^js daliei^ 
wenn das Maass des Gasvolumens bestimmt wird; da^ Vo- 
lamen des gefundeqen Barqmetpr- und Tbermometerj^taud^s 
zu einem gewissen Barometer- und Thermometerstande re«* 
ducireu; z. B. Q;,76 Meter Barometerhöhe und ipu 0® Tempe- 
ratur ^ und es wäre zu wünschen^ dass alle Chemiker ilure 
Angaben auf diesen Qxirten Punct reduciren woUtef^^^ damit 
man^ ohne Mühe^ sogleich zwischen verschiedenen Vprsucheq 
eine Yergleichung anstellen könnte. Ich habe ^hrigen^ bei 
dem Artikel Messet näher beschrieben^ was hie^rhei beob-* 
achtet werden muss. 

Man untersucht die qualitative Zpsamme^setzufig eines 
Gasgemenges mit folgenden ^eagentien: ä) im Wasserstoff-: 
gas-Eudiometer^ entweder mit Wasserstoffgas 9 wenn man 
glaubt^ dass es Sauerstoffgas ^ oder mit S^uerstqffgas ^ wenn 
man glaubt^ dass es brennbare Gasarten enthalte« Enthält 
es nur so kleine Beimengungen von Sauerstoff oder Wasser* 
Stoff ^ dass sie allein nicht verpuffen ^ so lässt man ein Ge- 
menge von Wasserstoffgas ^nd Sauerstoffgas hinzu ^ worin 
nach Bedarf die Menge des einen oder des anderen vor- 
waltet^ und dessen relative Quantitäten genau bestimmt sind; 
lässt dann einen elektrischen Funken durchschlagen^ und 
bemerkt^ ob die Condensation grösser ist^ als sie von diesem 
Gemenge hätte sein sollen. In diesem Falle wäre auch ein 
Theil des iProbegases verbrannt. Statt des elektrischen 
Funkens wendet n^an dabei au^h kleine^ aus Platinschwamm 
und Thon gemachte Kugeln an. Ihre Anwendung^ nebst 
einigen Erfahrungen darüber^ wird im Artikel Eudiometer 
beschrieben werden. Dies ist ohne Zweifel die beste Schei- 
dungsmethode für Wasserstoffgas^ wenn es nicht mit Kohlen- 
wasserstoffgas vermischt ist. In diesem Falle wird leicht 
auch eine Portion von^ diesem zersetzt. Aber dann ist Ka- 
lium ein vortrefOiches Reagens. Das Gas wird über Queck- 
silber in eine gebogene Röhre (Eprouvette) geleitet^ und 
das Kalium mittelst eines Eisendraths hineinführt ^i so dass 
es in den umgebogenen Theil des Rohrs zu liegen kom^it. 
Man erhitzt es nun gelinde mit einer Lampe bis zum Schmel- 
zen und bis zur anfangenden Absorption ;de(s Gases. Diese 
Temperatur wird dann unterhalten^ weil eine zu hohe Tem- 
peratur das Gas wieder austreibt. Naph beendigter Ab^sQrp- 



/ 



158 Analyse. 

tion wird mehr Kalium eingebracht^ dasselbe aafs Nene bis 
zu derselben Temperatur erhitzt^ und damit fortgefahren^ bis 
das Gas von neuem Kalium nicht mehr absorbirt wird (vrgL 
Th. II. Seite 292). Diese Eigenschaft des Kaliums^ reines 
Wasserstoffgas von den beiden Kohlenwasserstoffgasarten 
zu scheiden^ ist zuerst von Jaquelin angewendet worden* 
Ich habe es üicht versucht und kann die Zuverlässigkeit 
dieser Reactiou nicht bestätigen, h) Eine. Auflösung von 
neutralem schwefelsauren Eisenoxydul^ oder noch besser von 
Eisenchlorür. Es löst Stickoxydgas sehr schnell und mit 
schwarzer oder schwarzbrauner Farbe auf. c) Krystallisirtes 
essigsaures Bleioxyd wird von schwefelhaltigen und phos-* 
phorhaltigen^ brennbaren Gasen schwarz, d) Baryt- oder 
Kalkwasser saugt Kohlensäuregas mit Trübung^ aber Schwe- 
felwasserstoffgas ohne Trübung ein. e) Mangansuperoxyd^ 
Manganoxydhydrat und braunes Bleisüperoxyd absorbiren 
schwefligsaures Gas^ so wie auch Schwefelwasserstoffgas^ 
die jedoch nicht zusamiüen Vorkönimen^ Weil sie sich ein- 
ander zersetzen. Von dem ersten Gase bildet sich ^in schwe- 
felsaures Salz und von dem letzteren Gase Wasser und ein 
SchwefelmetaÜ. f) Kali- oder Natronhydrat saugen alle 
sauren Gase ein. Von Cyangas werden sie schwarzbraun. 
g) Wasserhaltiges Schwefelkalium nimmt Sauetstoffgas auf^ 
nachdem Kalihydrat die sauren Gase aufgenommen hat. 
A) Krystallwasserhaltiger Borax absorbirt alle sauren Gase^ 
ausser kohlensaures Gas und Schwefelwasserstoffgas. i) Chlor- 
silber absorbirt Ammoniakgas, Schwefelwasserstoff- undPhos- 
phorwasserstdffgas^ und entwickelt mit den beiden letzteren 
Chlorwasserstöffsäuregas^ ohne auf ändert Gase zu wirken. 
h) Geschmolzenes Chlorcalcium und krystallisirte Borsäure 
absorbiren Ammoniakgas ^ mit Hinterlassung der meisten an- 
deren Gasarten, l) Krystallisirte Borsäure trennt das Fluor- 
kieselgas von anderen sauren Gasen^ womit es gemengt sein 
kann, m) Chlor condensirt im Dunkeln Ölbildendes Gas und 
die Dämpfe von Brandöl^ und lässt Kohlenwasserstoffgas im 
Minimum zurück^ äU dessen Condensation nachher Tages- 
licht erforderlich ist. Am Sonnenlicht explodirt es heftig; 
das überschässige Chlor wird mit Kalihydrat weggenommen. 
n) Kalium scheidet Kohlenoxydgas von Kohlenwasserstoffgas 
ab; wenn es im Gase erhitzt wird. Es wird auf Kosten des 



Analyse. 159 

Kohlenoxyds o^^dirt^ condensirt es gänzlich , und laSst das 
Kohlenwasserstoffgas zurück, o) Unverbrennlichkeit und 
Mangel aller Reaction zeigt Stickgas an. Desbassaynflr 
de Richemont gibt ein positives Kennzeichen für Stickgas 
an: mau soll das Gas^ welches für Stickgas gehalten wird^ 
mit der 3 bis 6 fachen Volummenge eines Gasgemisches von 
gleichen Volumen Wasserstoffgas und Sauerstoffgas vermi* 
sehen und dann über Quecksilber mittelst eines elektrischen; 
Funkens verpuffen^ was mehrere Male wiederholt werden 
kann. Dabei bildet sich bei jeder Detonation ein wenige 
wasserhaltige Salpetersäure« Man lässt nun das Quecksilber 
aus dem Verpuffungsrohr heraus^ giesst in dasselbe einige- 
Grammen concentrirter Schwefelsäure und bringt auf die* 
YITeise^ wie bei der Erkennung der Salpetersäure angefahrt 
ivurde^ einige Tropfen einer Lösung von schwefelsauren^ 
Eisenoxydul hinzu ^ wodurch die Reaction der Salpetersäure* 
hervorkommt^ wenn das Gas Stickgas war oder enthielt*. 
p) Man pflegt auch durch Einführung verschiedener mit Re- 
agentien bestrichener Papieif'e^ die im Gas aufgehängt wer- 
den^ ihre Zusammensetzung zu erforschen^ z. B. blaues oder 
geröthetes Lackmuspapier ^ wenn man sehen will^ ob das 
Gas sauer oder alkalisch ist; in eine Auflösung von Eisen-> 
Vitriol getnuchtes Papier^ wenn man sehen will^ ob das Gas 
Blausäure enthalte u. s. w. Die einzuführenden Reagentien^ 
müssen wo möglich wieder herausgenommen werden können^, 
ohne dass man dabei Gase verliert^ damit andere an ihre 
Stelle eingeführt werden^ besonders dann^ wenn man von 
dem Gase nicht so viel hat^ um für jede^ Reagens eine 
besondere Portion davon anwenden zu können. Ich bediene 

mich dazu eines kleinen Glasgefässes von 
der nebenstehenden Gestalt , welches vor 
der Glasbläserlampe aus einem etwas wei- 
ten Glasrohr ^ von V2 bis V4 Zoll innerem 
Durchmesser^ gemacht wird. Dieses Rohr 
wird an einem Ende ausgezogen und an 
dem anderen wie eine Flaschenöffnung er- 
erweitert ^ wie A. B. der Figur. Das ausgezogene Ende B* 
wird ganz nahe an der Ausziehungstelle abgeschnitten und 
das Rohr 1 bis IV2 Zoll läng gemacht. An den Seiten wer- 
den mit einem Grabstichel; der in eine Lösung von Campher 




ia Tctrpentbmöl geti^ucbt ist (S. Art. Gla^ohren)^ mehrere 
Locher g^b(]|l^rt^ m dfis« die umgehende Laft*KU der iimerftu 
deiSt Rohrs freien Zutritt hat. In dieses kleine Gefäss w^'d 
nun das Reagens in so grossen S^ückeq gelegt^ dass diese 
nicht durch die Löcher fallen können^ worauf man die FU* 
sch^npffnung mit einen^ guten fCork C. verschliesst. Um 
dasselbe wird nun ein gegli^het^r feiner Eisendrath ge- 
wipKclt^ der so lang ist; dass er^ wenn man dan^it das 
Gefiptss in die Glocke binaufgescboben hat^ mit dem anderen 
Ende noph aus dem Quecksilber in der Wanne hervorragte 
Rieses Gefis3 wird zuerst langsam in das Quecksilber eiii«* 
gesenkt; damit alle Luft daraui^ ausgetrieben werde ^ dann 
imt^r die GlocI^e geschoben und in dieser aufsteigen gelassen* 
I^ach beendigter Absorption wi^d es darin langsam wied^ 
herunter gebogen; so dass keine Luft darin zurückbleibt. 
Sieht man; dass sich eine Luftblase bilden will; so schiebt 
man es wieder ein wenig bipauf upd zieht es unter schwa- 
chem Rütteln am Dfrath wieder zurück; so dass es sich 
nur mit Quecksilber füllt. Man hat diese Glaser von ver- 
schiedener Grpsso; je nach deqi Zweck. In mapphen Fällen 
ist es besser; die weitere Opffnung mit einem eingeschlifle- 
nen Glasstöpsel zu verschliessen. 

Für die quantitative Untersuchung möchte schwerlich 
eine andere Regel gegeben werden können; als dass man 
sich dieser Reagentien; jedes für sich; auf eine solche Art 
bedient; dass die von ihnen verursachte Absorption die 
Menge eines jeden Gases für sich bestimmen kann. 

V 

Jlfi^ Untersuchung gasföm^iger Stoffe; von einem mit 
ihreir Ausführung hinreichend bekannten Chemiker angestellt; 
gibt die sichersten aller Resultate; weil; bei der Verglei- 
chung der relativen Volume der Gase; die Fehler nicht leidit 
so groj^s werden können; dass picht das rechte Verhältniss; 
n^ch den Gesetzen der chemischen Proportionen; sogleich 
einzusehen wäre. Aber wenn ifian bei einer Ani^lyse einen 
Bestandtheil nach dem Gewichte; und den anderen durch 
MessKug in Gasfonp und Reduction auf Gewicht bestimmt, 
so können gfösse^e Fehler begangen werdpU; f^ls wenn die 
Bestinunupg beider nach Gewicht geschieht. Es treten j^ 
dpp^ hiswep^n FWte wi, wo diof» g«8qb^h©Ä »^sfif, undk 

dabei 



Analyse, 161 

dabei ist die grosste Geuauigkeit nothig. Hierbei ist es 
nothweudig^ eiue richtige Kenntniss des eigeutbümlichen 
Gewichts des Gases zu haben ^ dessen Gewicht man be-> 
stimmen will. 



3. Untersuchung der Mineralwasser. 

Durch die medicinische Anwendung gewisser salzhal- 
tiger Quellwasser haben die Analysen derselben, besonders 
för die medicinische Chemie^ ein bedeutendes Interesse ge- 
wonnen. Diejenigen Stoffe^ welche man in den WasserU 
schwedischer Quellen aufgelöst findet^ sind: Chlomatrium 
mit Chlorcalcium und Chlorkalium^ Chlormagnesium (seltener 
ein kleiner Gehalt von schwefelsaurem Alkali oder von Gyps), 
kohlensaures Alkali^ kohlensaure Kalkerde^ kohlensaure Talk- 
erde^ kohlensaures Eisenoxydul^ zuweilen kohlensaures Man-^^ 
ganoxydul^ und in allen ein Gehalt an Kieselsäure^ die ohne 
Mitwirkung einer Säure oder eines Alkali's aufgelöst ist« 
Zu diesen kann man für das Wasser grösserer Städte sal- 
petersaures Kali^ salpetersaure Kalkerde und salpetersaure 
Talkerde hinzufügen. 

Wenn diese Wasser bisweilen auf freie Säure reagiren^ 
enthalten sie eiue geringe Quantität Kohlensäure^ welche 
dann das Auflösungsmittel für kohlensaufe Erden ist. Einige 
Wasser enthalten auch Schwefelwasserstoffgas ^ aber in so 
geringer Menge ^ dass seine Anwesenheit nur dann zu ent- 
decken ist; wenn man ein Glas zur Hälfte mit Wasser füllt^ 
em mit der Hand bedeckt^ und das Wasser stark umschüt- 
telt ^ worauf man^ ii^em man das geöffnete Glas schnell 
unter die Nase hält^ «inen schwachen Geruch von Schwefel- 
wasserstoffgas zu bemerken pflegt. 

Alle schwedischen Wasser enthalten zugleich einen Theil 
jenes auflöslichen Stoffes aus dem Humus^ den man Extractiv- 
stoff zu nennen pflegt ; die meisten enthalten so wenige dass 
ihre Farbe nicht dadurch leidet^ aber das eingekochte Wasser 
nimmt stets gegen das Ende der Operation eine gelbbraune 
Farbe davon an. Die Eisenquelle zu Porla enthält so viel 
davon ^ dass das Wasser eine weingelbe Farbe hat. Unsere 
Gesundbrunnen enthalten übrigens Stickgas ohne Sauerstoff- 

X. 11 



169 JnaiysB. 

g^8, welches letztere während ihres Laofei durdi die Qaell- 
nder von Eisea oder Sbctractivstoff absorbirt worden ist, und 
gewöhnlich ist der Stickstoffgehalt gerade so gross, wie er 
in einem Wasser sein muss, welches mit atmosphärischer 
Luft imprägnirt ist, dessen Sauerstoffgehalt aber in einem 
verstopften Gefasse verzehrt worden ist, ohnje dass seine 
Stelle von mehr Stickgas hätte ersetzt werden können. Je 
längere Zeit das Wasser ausserhalb der Ader gewesen ist, 
desto mehr ist dieses Verhältnis verändert. 

Uebrigens variirt der Gehalt aufgelöster Stoffe in die- 
sem Wasser gar sehr; z. B. der Gesundbrunnen von Loka 
enthält gewiss das reinste bisher bekannte Quellwasser. Die 
Brunnen in Stockholm enthalten eine bedeutende Menge 
-Salpeter; die Heilquelle zu Ronneby enthält schwefelsaures 
£isenoxydul, Kali-, Natron- und Ammouiakalaun, nebst 
rSpurea eines Zinksalzes. Unsere gewöhnlichen Mioeral-'- 
,44irunnen, z. B. Medevi, Sätra, Ramlösa, Poria u. a. m., ent- 
4talten kohlensaures Eisenoxydul, einige mit und einige ohne 
iUkali. Die Heilquellen um Stockholm, eben so wie vermuth- 
lich die St. Ragnildsquelle bei Söderköping, sind nur als 
Springquellen anzusehen, deren Gehalt an kohlensaormi Er- 
den etwas grösser ist, als in den gewöhnlichen. 

Ausländische Heilquellen, besonders die deutschen, sind 
mit fremden Stoffen meist stark beladen» Viele daVon ent- 
halten eine Quantität Kohlensäuregas, die dem Volumen des 
Wassers gleich ist, z. B. das Selterser, Pyrmonter und 
Fachinger Wasser; andere wieder enthalten Schwefelwasser- 
stoffgas, mit Kohlensäure und Stickgas gemengt, z. B. 4as 
Achener und Nenndorfer Wasser. In diesen ist dann öftfers 
ein Sulfhydrat, z. B. das von NatAim, mit Bicarbonaten 
von Natron und Erden gemengt. * 

Die Quantität von Salzen ist in diesen Wassern, gegen 
die in den unsrigen befindlichen, sehr bedeutend. Das Fa- 
chinger, das Geilnauer und das Selterser Wasser enthalten 
sehr viel kohlensaures Natron. Das Pyrmonter, Marienba- 
der und das Spaa- Wasser enthalten bedeutende Mengen an 
kohlensaurem Eisenoxydul; die Seidlitzer und Seidschützer 
Brunnen grosse Mengen schwefelsaurer Talkerde und Chlor- 
magnesium u. 8. w. 



Analyse. 103 

Die Mineralwasser theilt man gewöhnlich in eisenhaltige^ 
alkalische^ salzige und hepatische oder schwefelhaltige ein. 
Zu diesen ist in der neueren Zeit noch eine Klasse gekom- 
men^ nämlich die jodhaltiffen Wasser^ in welchen eine be- 
merklichere Quantität von Jodnatrium oder Jodmagnesium 
enthalten ist. Unter diesen zeichnet sich vorzüglich die 
Adelheidsquelle bei Heilbronn aus. Verschiedene Wasser 
können zu mehreren dieser Klassen auf einmal gehören ; aber 
man stellt sie nach dem vorherrschenden Character auf. Die 
schwedischen und die in Schweden gebräuchlichsten auslän- 
dischen Mineralwasser sind folgende: 

1) Eisenhaltige f welche wieder in a) rein eisenhaltige^ 
wie z. B. Medevi^ Pyrmont^ und in b) eisenhaltige alkalische^ 
wie z. B. Porla^ Sätra^ Ramlösa^ Adolfsberg ^ Spaa^ Eger 
und Marieubad^ eingetheilt werden. 

2) Alkalische: z. B. Carlsbad^ Marienbad^ Bilin^ Fa- 
ehingen und Selters. Hierher können wir auch die Heil- 
quellen bei Stockholm y hinsichtlich ihres Gehalts an kohlen- 
sauren Erden^ die darin den Hauptbestandtheil ausmachen^ 
rechnen. 

3) Salzige: z. B. das Seidschützer^ Seidlitzer^ salzige 
Pyrmonter und Epsomer Wasser. 

4) Hepatische: z.B. das Aachener^ Nenndorfer und da$ 
Gasteiner Wässer. 

Mit Ausnahme einiger als Salzsoolen versuchter Brun- 
nen^ und einiger neuerlich wieder aufgeräumter Quellen^ iii 
denen sich durch Verwesung organischer Stoffe ein geringer 
Gehalt an Schwefelwasserstoffgas gebildet hat^ der in der 
Regel nach einigen Jahren wieder verschwunden ist, ken- 
nen wir in Schweden keine Quellen der zwei letzteren 
Klassen. 

Die chemische Untersuchung der Mineralwasser zerfallt 
ebenfalls in die qualitative und in die quantitative. JSrstere 
wird mit Reactionsproben gemacht, durch welche man ohne 
bedeutende Mühe einigermaassen entdeckt, welche Stoffe 
ein Wasser enthält, indem zugleich ein geübtes Auge aus 
der Stärke der Reaction die grössere oder geringere Reich- 
haltigkeit des Wassers beurtheilen kann. 

11« 



164 Analyse. 



Untersncliung der Mineralwasser mit reagirenden 

Mitteln. 

Man beobachtet: a) die Farbe und die Klarheit des 
Wassers; b) seinen Geruch auf die schon angeführte Art, 
um Schwefelwasserstoffgas zu entdecken; e) seinen Ge- 
schmack ^ welcher dinteartig, salzig oder bitter sein kanta; 
dabei ist zu erinnern, dass der unangenehme Nebengeschmack^ 
den mehrere Mineralwasser des Morgens zu haben scheinen^ 
und den man am Tage nicht entdeckt^ nur von der verschie- 
denen Disposition des GesChmackorgans nach verschiedenen 
Tageszeiten abhängt und nichts beweiset, d) Ob das Was- 
ser eine grössere Menge flüchtiger Stoffe enthalte^ wird auf 
folgende Art entdeckt: Eine Bouteille wird mit dem zur 
Prüfung bestimmten Wasser gefüllt^ die Hälfte davon wird 
ausgegessen; man hält nun nodt dem Daumen die Oeffnung 
zu und schüttelt die Bouteille stark einige Minuten lang, 
kehrt sie dann mit dem Halse nach unten^ und ziehet den 
Daumen so viel zurück, dass man sehen kann, ob etwas 
Wasser ausfliessen will^ welches man dann in ein Glas 
fallen lässt^ um seine Menge ungefähr zu bestimmen. Man 
muss dabei beobachten^ dass die Bouteille so gehalten werde^ 
dass sie während des Schütteins so wenig als möglich von 
der Hand erwärmt ivird, damit nicht eine blosse Ausdehnung 
der in der Bouteille eingeschlossenen Luft einen Irrthum 
veranlasse. Die einzige schwedische Quelle^ welche mir 
auf diese Art ein bemerkenswerthes Zeichen von entwickel- 
ten gasförmigen Stoffen gegeben hat^ ist Porla. 

Nachdem diese Proben^ wo möglich an der Quelle selbst, 
gemacht sind, stellt man die eigentlichen Reactionsproben 
auf folgende Art an : 

Man nimmt 13 Weingläser, von welchen 10 mit dem 
frischen, zur Prüfung bestimmten Wasser, und 3 mit Probe- 
wasser, welches wenigstens eine halbe Stunde gekocht hat 
und nach dem Abkühlen durch Löschpapier filtrirt wurde, 
gefüllt werden. In die einzelnen Gläser werden nun folgende 
Reageutien getropft. 

1) Lachmiistinciur (mit warmem Branntwein und Lack- 
muskuchen gemacht; der BrauntAvein bewirkt, dass sie sich 



Analyse. 165 

nicht verändert und lange aufbewahrt werden kann). Wen^ 
das Wasser von einigen wenigen Tropfen einen Stich in^s 
Rothe bekommt^ so zeigt es freie Säure au; nimmt es^ mit 
mehr Tinctur versetzt^ eine blauere Farbe, an^ so ist die 
Quantität der Säure gering^ und wenn das geröthete Wasser 
nach 12 bis 24 Stunden wieder blau wird^ und we^n in 
einem der Gläser^ die gekoclites Wasser enthalten^ keine 
rothe Farbe you der Lackmustinctur bewirkt wird^ so^ war 
die Säure Kohlensäure» Eine dunkele Röthe^ die nicht ver- 
geht^ zeigt ein Metallsalz an. 

2) Kalkn^dsser sättigt die freie Kohlensäure und wird 
zu neutraler^ kohlensaurer Kalkerde niedergeschlagen^ wobei 
die in der Kohlensäure aufgelösten Erden und Metalloxyde 
zugleich niedergeschlagen werden. . Enthielt das Wasser 
freie Kohlensäure^ so wird der Niederschlag wieder ay^e-r 
löst^ wenn man eine hinreichende Quantität des Probewas- 
sers zugiesst^ welches man am leichtesten auf. die Art sieh^ 
dass man anfängt^ ein Paar Tropfen Kalkwasser einzu- 
tröpfeln^ welche dann eine^ sogleich wieder verschwindende 
Trübung verursachen. Enthält das Wasser im Gegentheil 
nur saure ^ kohlensaure Erden (Bicarbonate), un4 keine freie 
Kohlensäure^ so verschw^indet die vom Kalkwpsser erzeugte 
Trübung nicht ^ wenn man auch, noch so viel vom Pirobe- 
wasser zusetzt.. Dies ist mit 4en ^eisten schwedischen 
kohlensäurehaltigen Wassern^ die ich zu untersuchen Ge- 
legenheit hatte ; der FalL 

3) Femambucktinctur wird gelbbraun bis schön hocb- 
roth« wenn das Wasser eia Alkali od^ eine kohlensaure 
Erde enthielt. ) 

4) Chlorbarium schlägt schwefelsaure Baryterde nieder. 
Ein alkalisches Wasser muss^ ehe die Barytauflösung zuge^ 
setzt wird^ mit Säure vermischt werden^ um die Reaction 
des Alkaii's auf das Barytsalz zu verhindern* Wenige 
schwedische Wasser enthalten schwefelsaure Salze in nur 
etwas bedeutender Menge. 

5) Salpetersaures Silberöxyd zeigt Chlorüre an^ indem 
es im Wasser eine dünne* weisse Wolke bildet. Ist. der 
Niederschlag im ersten Augenblicke schwarz oder bra^Uji 
so zeicfi; es Schwefelwasserstoff an. Bisweilen nimmt dija 
überstehende Flüssigkeit nach einer Weile eine weinrothe 



166 Analyse. 

t^arbe an^ und behält ihre iDarchsichtigkeit; dies rührt von 
einem organii^chen Stoffe her, 

6) Oxalsaures Ammoniak oder zweifach oxahaures KaU 
schlägt Oxalsäure Ralkerde nieder; die sich nur langsam zu 
Boden setzt. 

7) Die abfiltrirte Flfissigkeit wird mit hasischem phosphor* 
saurem Ammoniak versetzt ^ welches die Anwesenheit von 
Tatkerde entdeckt. 

8) Katistisches Alkali schlägt Erd- und Metallsalze 
nieder. Ein weisser Niederschlag^ der nach einer Weile 
gelb wird; zeigt einen Eisengehalt au; oder auch eine Menge 
iBji^tractivstoff; welcher die niedergesclilagene Erde färbt. 

9) Neutrales kohlensaures Kali schlägt diejenigen Erd- 
nnd Metallsalze nieder ; worin die Säure nicht Kohlen- 
säure ist. 

10) Cyafieisenkalium gibt mit eisenhaltigen ; alkalischen 
Wassern eine grüne Farbe; und nach einigen Stunden setzt 
sich ein blaugrüner jfCiederschlag ab. Enthielt das Wasser 
kein Alkali; oder wird dieses zuerst mit einer Säure gesät- 
tigt; so nimmt der Niederschlag sogleich eine blaue Farbe 
an. — Im gekochten Wasser reagirt das Cyaneisenkalium 
nicht; wenn das Eisen in Kohlensäure aufgelöiit war. Das 
rothe Cyaneisenkalium ist noch empfindlicher, als das gelbe; 
weil das Eisen in den Quellwai^sern nur als Oxydul enthalten 
ist; utid daher mit jenem sogleich Blau erzeugt. 

11) Neutrales Goldchlorid wird; nach FicinuS; von 
eisenhaltigen Wassern getrübt und setzt reducirtes Gold ab; 
welches auch in den Wassern; die nicht mit Cyaneisen- 
kalium und Galläpfel reagireU; sichtbar sein soll. Die freie 
Säure muss jedoch erst mit kohlensaurem Natron gesättigt 
Sein. 

12) Galläpfelsäure oder; in Ermangelung derselben; eine 
spiritudse Infusion von Galläpfeln; bringt in eisenhaltigem; 
frisch aus der Quelle geschöpftem Wasser im ersten Augen- 
blick keine Veränderung hervor; aber nachher färbt sich das 
Wasser allmälig immer mehr und mehr. Helle Purpurfarbe; 
die sich nach mehreren Stunden nicht vermehrt; zeigt einen 
sehr geringen Eisengehalt an. Unsere gewöhnlichen eisen- 
haltigen Wasser geben einen dunkelen Purpur; und die stär- 
keren eine schwarzbraune Farbe. Diejenigen Wasser; welche 



jinaftfse. KtT 

viel Alkali enthalten^ geben eine schmutzige Farbe^ zwischen 
grün und dunkelbraun. Wasser^ ii'eiches so wenig Eisen 
enthält^ dass es von der Galläpfeltinctur aliein nicht entdeckt 
wird^ reagirt^ nach Phillips^ dann merkbar, wenn ein we-- 
nig Kalkwasser^ oder noch besser^ wenn eine Auflösung 'vornr 
kohlensaurem Kalk in kohlensaurem Wasser zugesetzt wird. 

Wenn die Gall&pfelsäure in gekochtem Wasser keiiid 
Purpurfarbe hervorbringt^ so war das EiseAoxyduI in Kt>hlen-^ 
säure aufgelöst^ und wenn das gekochte Wasser nach emi^ 
gen Stunden mit der Gatläpfelsäure eine meergrüne Farbe 
annimmt, so enthielt es Alkali. Diese Reaction ist so ein^ 
pflndlich^ dass die kleinsten Quantitäten AlkaK davon ent^ 
deckt werden. Es ist für diese Probe nöthig^ das Hassel* 
lange gekocht zu haben ^ weil sonst ein Gehalt Volk k6hlen'>- 
saurer Talkerde die Ursache der alkalischen Reüctfdh si^ti 
kann. •' '' 

Jod und Brom sind mehrentheils in so kleinen Qäanti<u 
täten in dem Wasser enthalten^ dass sie der £in\^irkun^ 
der Reactioiismittel entgehen. Es ist jedoch wahrscheinl?ch^ 
dass kein Wasser^ welches Kochsalz enthält^ von äesketi 
natürlichen Begleitern Bromnatrrum und Jodnatrhim absolut 
frei sei. Von den Reactionen auf Jod und deren Ausführung 
mit Stärke und Chlorwasser habe . ich bereits im ersten Theile 
bei der Beschreibung des Jods geredet. Ich habd femer iu 
diesem Artikel zur Scheidung der Salzbilder den Gebravcb 
von Pailadiumsalz beschrieben. Selten lohnt es der Ijfühe^y 
diese Reagentien anders als auf den Rückstand dds einge^ 
kochten Wassers anzuwenden. Für Brom hat man kefn^ 
andere, als die Balard'sche Probe mit Chlorwasser niiS 
Aether^ aber diese Probe ist nicht so empfindlich^ dass matf 
so kleine Spuren von Brom entdecken könnte^ wie von Jod/ 

Man hat ausserdem eine Menge anderer Reagentien vor^' 
geschrieben^ aber ihr Gebrauch gab mir niemals bessere Auf-* 
Schlüsse^ und ich habe nie mehr^ als die jetzt aufgezählfev 
nöthig gehabt. — Wenn man nun die durch die "Reacüdä 
gefundenen Stoffe zusammenstellt^ so findet man leMtd, wel- 
die davon mit einander verbunden sein können^ und weni^ 
flian sie nach den bekannten stärkeren Verwandsdiaften zth^ 
sammenpaart^ so wird man iu den Stand gissetzt^ ungefähi^ 
ancogebea^ welche Salze das Wasser enthält. 



1S8 Anuly^, 



Bestimniung der festen Bestandtheile deis Wassers. 

In einer Schaale von achtem Porcellan oder von Glas^ 
die man mit Papier bedeckt hat^ dampft man bei einer ge- 
linden Wärmcf^ die niemals bis zum Kochen kommen dar^ 
genau abgemessene oder gewogene Quantitäten des zu unter- 
suchenden Wassers ab^ was stets am schnellsten und sicher- 
sten im Wa3serbad geschieht ^ bis die Masse fast bis zur 
Trockene gekommen ist Zu einer solchen genaueren Be- 
stimmung der Quantität des Wassers bediene ich mich einer 
Glai^flasche mit eingeschliffenem Stöpsel^ bestimme deren 
Gewicht be| +15^ zuerst leer und darauf mit destillirtem 
Wasac^ gefüllt^ den Stöpsel so eingesetzt^ dass keine Luft- 
b^e dfjnn ipehr sichtbar ist. Dies ist leicht zu erreichen^ 
wenn man die Flasche bis oben an den Rand voll füUt^ 
bevor der Stöpsel eingesetzt wird. Wa» dabei überfliesst^ 
wird genau abgetrocknet. Die Flasche wird mit einem lan- 
gen Trichter gefällt^ der eine enge Röhre hat^ die bis auf 
den Boden reicht^ und man beachtet^ dass sich an den 
Seiten keine Blasen bilden, während sich das Niveau des 
Wassers erhöht. Bildet sich eine solche^ so muss sie mit 
einem Glasstabe weggenommen werden. Man vermeidet die 
Blasen am besten^ wenn man ein wenig von dem zuerst 
eingegossenen Wasser in der Flasche umherschwenkt ^ so 
dass die Innenseite derselben dadurch befeuchtet wird. Wenn 
das. Gewicht der leeren und der mit destillirtem Wasser 
gefüllten Flasche bekannt ist^ so wird das zu analysirende 
mit. denselben Vorsichtsmaassregeln ge\vogen. Man erhält 
^Ubei zugleich das specifische Gewicht des Wassers^ und 
wird diese Flasche als Maass angewandt^ sq hat man so- 
wohl das Maass als auch das Gewicht des angewandten 
Wassers bestimmt. Die Flasche muss 500 bis 600 Grammen 
destiilirten Wassers fassen^ damit keine grössere Anzahl 
von wiederholten Abmessungen nöthig wird. 

.Wenn man die Flasche als ein Maass anwendet^ wel-* 
ches mehrere tfale gefüllt und geleert wird^ z. B. behuf 
einer fortgesetzten Abdunstung des Wassers^ so wird sie in 
das Abdunstungsgefass ausgeleert^ darauf mehrere MiUe mit 
ein wenig destillirtem Wasser ausgespült und dieses Späl-* 



J 



Jn<ayu. 160 

wasser ebenfalls in das Abdnnstuiigsgefaas gegonaen« Audi 
der Stöpsel muss abgespült werden. Bevor die Flasdie aufs 
Neue gefüllt wird^ muss sie vorher inwendig mit Lösch- 
papier mittelst eines Stahldraths abgetrocknet und ' darauf ein 
Strom von trockner Luft durch dieselbe geblasen werden«, 
Enthielt das Wasser viel Gas^ so muss es entweder 48 
Stunden in der Luft gelassen werden^ oder die Schaale wird 
zu Anfang der Abdampfung mit einem Glase bedeckt^ von^ 
welchem das, während des Aufbrausens Aufgespritzte abge*- 
spült werden kann. Man hat nicbjli nöthig, es völlig e^nzu-» 
trocknen^ um das Gewicht des Rückstandes zu bestimmen, 
was in Betracht der Schwierigkeit^ ihn ohne Verlust aus 
der Schaale herauszupehmen, fruchtlos wäre, wenn die 
Scbaale nicht von einer soldien Grösse ist, dass sie i^rst 
mit der darin befindlichen trockenen Hasse, und dann alleia 
gewogen werden kann. Aber hierbei gewinnt man nicht 
viel, da die Masse noch viel Feuchtigkeit enthält, und nidit 
ohne Zerstörung des Extractivstoffs getrocknet werden kann, 
wodurch das Resultat der Wägung keinen Aufschluss gibt.. 
Indessen hat es seinen Nutzen, das Gewicht des Ruck-* 
Standes, welchen das Wasser nach der Verdunstung direct 
zurücklässt, mit einiger Sicherheit 2U kennen, weil es eine 
gute Controle für die Richtigkeit der übrigen Analyse ist^ 
Zur Bestimmung des Gewichts von diesem Rückstände be« 
diene ich mich eines gewogenen Platintiegels, in welchen 
eine Portion Wasser eingewogen wird, wobei der. Tiegel mit 
seinem Deckel bedeckt werden muss, weil es sonst unmag«*^ 
lieh ist, ihn ins Gleichgewicht ^u bringen. Das Wasser 
wird darin im Wasserbade zur Trockne verdunstet, dann 
wieder neues Wasser eingewogen und damit fortgefahren, 
bis man ein hinreichendes Gewicht Rückstand erhalte^ h^t* 
Dieser Rückstand wird darauf im Trockenapparate bei -f- 100® 
in wasserfreier Luft getrocknet und im Exsiccator erkalten 
gelassen. Man trocknet die Masse dann weiter im Oelbade 
bei -f- 150® und, wenn man will, auch bei + 200®. Nur 
auf diese Weise kann man das Resultat einigermaassen ge« 
nau bekommen. Der Rückstand kann nicht ohne Verlust 
aus einer Schaale genommen werden und eine solche von 
grösserer Dimension kann nicht auf eine sichere und em- 
pfindliche Wage gesetzt werden. Der so in dem Tiegel 



170 Analyse. 

Erhaltene Rückstand ist gewdhtfich irAiAet fisu gering, um tXL 
weiteren analytischen Versuchen an^Vendbar 2u sein. 

Die Art der Untelrsuehung des Rüekstalides voni einge- 
dampften Wassei^' richtet sich danach y ob sie freies Alkali 
oder Erdsalze enthält. Ich werde diesen letztei'en FaH zu- 
erst voraussetzen. , 

ji. Die Masse wiM mit Alkohol übergössen, einige 
Stunden lang damit macerirt, auf einem gewogenen l^iltrum 
abfiltrirt, indenof man rermittelst Alkohol tmd ihit Hülfe eiueir 
Feder so viel wie nur möglich aus der Schaale herauszu^ 
bringen sucht, worauf sie auf dem l'iltrum mit siedendheissenl 
AHcohol) so lange dieser etwas auflöst, geWaschenf wird4 
Die A4ifl6sung in Alkohol enthält CMorkälium uäd Chlor- 
natrium^ Chiorcalciitoi und Chlormagnesiutii, Bxtractivstoif, 
Wovdn sie mehrentheils eine rothe oder braängeAe Farbd 
hat, und aus einigen Wassern ein Harz, welches nach ver- 
schiedenen Quellen zu variireii scheint. Man dampft Aea 
Alkohol auf einer gewogenen gläsernen SCbaale ab und wiegt 
den Rückstand. Er wird in Wasser aufgelöst, wobei das 
Harz zui^dckbleibt. Die Löiäung in Wassei' wil'd in einer 
PorCellanschaale zur Trockne verdunstet unfd der Rückstand 
darin mit einem passenden PiätiU zu Pulver gerieben ^ wobei 
ein Wenig wasserfreier Alkohol zugesetzt wii^d^ um da« 
Stäuben und Wegspringen von Theiled Wähfeild des Reibeti» 
ÄU verhüten. Wenn er recht fein vertheilt ist, so Wii^d 
mehr wasserfreier Alkohol zugesetzt. Dieser löst nun Chlo-* 
rüre uäd salpetersaui'e Salze von Kalkerde, Talkerde und 
liithiön auf und lässt, wenn er richtig wasserfrei ist, die 
Chlorüil» von Kalium und Natrium, so wie auch schtvefeK» 
saures, salpeterääures, kohlensaures und quellsaures Alkati 
zurück. 

Die Alkohollösung wird abgeschieden und das Ungelöste 
mit wasserfreiem Alkohol gewasfchen, die AlkohollösUng 
bis zur Trockne verdunstet, das zurückbleibende Salz \tk 
Wasser aufgelöst, die Lösung mit kohlensaurem Natron ver^ 
mischt und aufs Neue . zur Trockne verdmiStet. Wasser 
löst dann die Verbindungen der Säuren mit Natron und lässC 
kohlensaure Erden zurück. 

Ich habe schon im Voriiergehenden ausführlieh ange- 
geben, wie Alkalien, Erden und Säuren getrennt und m 



Analyse. 171 

Betreff ihrer Quantität bestimmt werden^ worauf ich ver- 
weise. Ich will nur bemerken^ dass^ wenn das in Alkohol 
Unlösliche braun ist^ es Quellsäure^ Quellsatzsäure oder Hu- 
minsäure enthält^ oder auch ein wenig von allen diesen 
Säuren. Es ist dann am besten^ das Alkali mit Essigsäure 
zu neutralisiren und die organischen Säuren^ auf die im 
Th. VI. bei der Quellsäure angeführte Weise ^ mit essig- 
saurem Rupferoxyd zu fällen^ die von dem NiederiSchlagö 
äbfiltrirte Flüssigkeit in einem Porcellangefass zur Trockne 
abzudunsten^ die Essigsäure zu verbrennen und das !Sate 
mit Wasser auszuziehen, worin das Chlor daiin auf die 
gewöhnliche Weise bestimmt wird. 

B. Der Rückstand in der Schaale wird mit Iauwantf6i^ 
Wasser ausgespült, welches alsdann auf den im Filtrur# 
(in A,') zurückgebliebenen, in Alkohol unlöslichen Rückstand 
gegossen wird, und man fährt fort, warmes Wasser zuzu- 
giessen, so lange das Durchgehende noch etwas aufgelöst 
enthält« Was sich nun auflöst, besteht gewöhnlich in schwe- 
felsauren Salzen von Kalkerde, Talkerde und Natron, selteii 
von KalL Diese werden auf die Art getrennt, dass erst eiii 
Tropfen Ammoniak zugesetzt wird^ um zu sehen, ob sieU 
ein Niedei'schlag bildet, welcher dann für sich untersucht 
Werden muss; hierauf werden die Erden mit kohlensaurem 
Natron, und die Schwefelsäure mit Chlorbarium niederge^ 
schlagen, worauf die Berechnung nach den €(b&n angeführ-^ 
ten Grundsätzen gemacht wird. 

C. Enthält die in Alkohol auflösliche Salzmasse zu^ 
gleich salpetersaure Salzö, so wird die Analyse verwickelt, 
ttan muss dann für die Bestimmung der Salpetersäure eine 
beiSrondere Einkochungsprobe machen, weil man sie gewöhn- 
lich sowohl mit Erden als auch mit Alkali verbunden hat. 
Man fallt die Erden mit im Ueberschuss zugesetztem Natron 
aus, so dass die Salpetersäure in einer alkalischeu Verbin- 
dung erhalten wird, welche eingetrocknet und auf die S. 153 
lUigefnhrte Weise durch Glühen mit Chromoxyd und Rupfer, 
gleichwie bei der Analyse einer stickstoffhaltigen organischeil 
Verbindung, zersetzt wird* 

D. In den Wassern, worin man Gyps findet^ muss mad 
den in kaltem Wasser uuaufgelösten Theil eine gute Weile 
mit dem SOOfachen seines Gewichts Wasser, am besten in 



178 Analyse. ^ 

kleinen Antheiien auf einmal, kochen. Das Wasser löst 
dann den Gyps auf. Die Auflösung wird abgedampft, und 
das Salz in einem offenen Platintiegel geglüht. Der Gyps 
hat gewöhnlich vor dem Glühen von Extractivstoff eine gelb- 
liche Farbe. 

E* Dasjenige, was weder mit Alkohol, noch durch 
nachher zugegossenes Wasser von der Schaale abgespült 
werden kann, wird mit ein wenig Salpetersäure abgelöst^ 
worin man den in Wasser unauflöslichen, auf dem Filtrum 
in B. gebliebenen Theil auflöst. Es kaim oft nützlich sein, 
noch vor der Auflösung dieser Masse den darin zurückge- 
bliebenen Extractivstoff durch Glühen zu ^^ri^tören. Die 
saure Auflösung enthält Eisen, Mangan, Kalkerde und Talk- 
l^de^ welche nach schon früher gegebenen Vorschriften ge- 
trennt werden. Dabei is^ aber zu bemerken ;■ dass wenn die 
Auflösung mit Salpetersäure geschehen ist, man nacli Aus- 
fallung der Kalkerde durch oxalsaures Ammoniak die Auf- 
lösung nur abzudampfen und den Rückstand zu glühen braucht, 
^m die T^lkerde ohne Weiteres zu bekommen. Sie muss 
dabei immer auf einen Ruckhalt von Alkali jimd auf Kiesel- 
erde untersucht werden, und enthält gewöhnlich etiyas yoa 
beiden, die als Doppelsilicat darin enthalten waren. In ei- 
nigen Wassern jGuidet man kohlensaure Strontianerde, Fluor- 
calcium^ phosphorsauie Kalkerde und phosphorsaure Thon-» 
erde, wovon die im Ellenbogener Kreise in Böhmen befind- 
lichen Mineralwasser, bei Carlsbad, Königswart und Eger^ 
Beispiele sind. Man bekommt die Strontianerde in der Ana- 
lyse mit der Kalkerde zugleich, und sie wird von dieser 
getrennt^ wenn sie in Salpetersäure aufgelöst, zur völligen 
Trockne abgedampft und der Rückstand in absolutem Al- 
kohol aufgelöst wird, welcher die salpetersaure Strontian-« 
erde unaufgelöst zurücklässt. Die Anwesenheit des Fluors 
wird entdeckt, wenn die in überschüssiger Salpetersäure 
aufgelösten Erden in einem mit einem reinen Uhrglase be- 
deckten Platintiegel abgedftmpft werden, worauf nach dem 
Eintrocknen der Masse Zeicheii der FluorAvasserstoffsäure 
auf dem Glase sichtbar werden; aber es ist unmöglich, den 
Gehalt 4&von mit einiger Sicherheit zu bestimmen, beson- 
ders da er- gewöhnlich äusserst geringe ist, und die i^n\ye- 
^nheit^ der Kieselerde die Bestimmung verwickelt macht. 



Analyse. 173 

Ist indessen die Menge der Fluorwasserstoffsäure nicht ausser- 
ordentlich gering^ so kann sie folgendergestalt bestimmt wer- 
den. Der in Wasser unauflösliche Rückstand wird in nicht 
sehr verdünnter Salpetersäure aufgelöst^ filtrirt und mit recht 
wenigem Wasser ein oder ein Paar Mal ausgespült^ worauf 
man der sauren Flüssigkeit, die man nicht durch Abdampfen 
concentriren darf, einige Tropfen von aufgelöstem Kalihydrat 
zusetzt, mit der Vorsicht, dass die Säurg so genau wie 
möglich gesättigt werde. Sollte Kali im.Ueberschuss hinzu- 
gekommen sein, so müsste es mit Essigsäure neutralisirt 
werden. Nach einer Weile setzt sich ein gallertartiger Bo- 
densatz ab, den man auf ein gewogenes Filtrum nimmt und 
mit Spiritus wäscht; dieser ist dann Fluorkieselkalium. Die 
phosphorsauren Erden werden mit dem Eisenoxyd durch 
Ammoniak niedergeschlagen. Die Thonerde wird mit Kali, 
welches auch seine Phosphorsäure aufnimmt, ausgezogen, 
und der phosphorsaure Kalk wird erhalten, wenn das Eisen 
mit einer, von kohlensaurem Kali freien Kalihepar abge- 
schieden wird. Die Salpetersäure hat Kieselsäure, die oft 
genug den grössteu Bestandtheil unserer Quellwasser aus- 
macht, unaufgelöst zurückgelassen. Diese kann aber etwas 
Manganoxyd zurückhalten, und muss daher mit Chlorwasser- 
stoffsäure geprüft werden. 

Die Analyse alkalischer Wasser ist einfacher. Man 
dampft die in Wasser aufgelösten Salze bis zur Trockne 
ab, glüht und wiegt sie, worauf die Masse mit Essigsäure 
gesättigt und durch essigsauren oder salpetersauren Baryt, 
und, nachdem der Niederschlag abgeschieden ist, mit sal- 
petersaurem Silberoxyd gefällt wird. Hierbei ist jedoch zu 
bemerken, dass man vor dem Niederschlagen mit salpeter- 
saurem Silber Salpetersäure zusetzen muss, damit kein essig- 
saures Silber niederfalle. Setzt man freie Salpetersäure von 
Anfang zu, so hält es schwer, die niedergeschlagene schwe- 
felsaure Baryterde von salpetersaurer Baryterde zu befreien. 
Man berechnet hiernach den Gehalt an schwefelsaurem Sabs 
und an Chlorverbindung; der Ueberschuss ist kohlensaures 
Alkali. Diese Wasser enthalten bisweilen phosphor.saure 
Salze. Man entdeckt diese, wenn das Silber mit Salzsäure 
niedergeschlagen, die Auflösung filtrirt und in einer zuge- 
pfropften Flasche mit kaustischem Ammoniak übersättigt 



174 Jndlysc 

wird^ wobei sich basische phosphorsaare Baryterde nieder- 
schlägt. Will man nachher auf Kali prüfen^ so wird die 
Flüssigkeit zur Trockne abgedampft^ und das Salz in einer 
Auflösung von kohlensaurem Ammoniak aufgelöst^ die den 
Baryt unaufgelöst lässt^ worauf das Ammoniak abgedampft^ 
und das geglühte Salz nach bereits . gegebener Vorschrift 
mit Platinauflösung behandelt wird. Zuweilen enthalten die 
alkalischen Wasser auch Lithion. Man kann es auf zweierfei 
Weise entdeckcfh. Man sättigt das kohlensaure Alkali bei- 
nahe mit Phosphorsäure und dampft zur Trockne ab. Wenn 
man das Salz nachher in so wenigem Wasser als möglich 
auflöst^' so bleibt ein weisses Pulver zurück^ welches ein 
Doppelsalz von phosphorsaurem Natron und phosphorsaureni 
Lithion^ und sehr wenig in Wasser auflöslich ist. Es enthält 
12^32 p. C. Lithion. — Oder man sättigt mit Schwefelsäure^ 
verjagt die überschussige Säure durch Erhitzen und zieht 
das schwefelsaure Lithion mit Alkohol aus. Diese Versuche 
müssen aber mit einem eigenen^ nur hierzu bestimmten Theil 
des Rückstandes angestellt werden. 

Die nun angeführten Proben sind jedoch mehr als Er- 
kennungsproben zu betrachten. Sie so anzustellen^ dass die 
relativen Quantitäten aller Bestandtheile^ einer nach dem 
andern^ mit völliger Richtigkeit bestimmt werden können^ 
ist wohl selten bei einer and derselben Masse ausführbar. 
Aber nachdem man auf diese Weise das Wasser untersucht 
und seine Bestandtheile aufgefunden hat^ sucht man die 
Quantität eines jeden Bestandtheils in einer besonderen Por-^ 
tion von dem Wasser zu bestimmen^ z. B. in einer oder in 
mehreren zusammengegossenen Maasflaschen davon. 

Ist der Gehalt des Wassers so gering^ dass dieses nicht 
thunlich ist^ so lässt man eine grössere und genau abge- 
messene Quantität Wasser in einer Schaale verdunsten und 
giesst fortwährend hinzu ^ so dass die Masse nicht trocken 
wird. Enthält das Wasser Chlormagnesium ^ so wird dieses 
während der Verdunstung leicht zersetzt; man vermischt 
daher das Wasser mit einer genau abgewogenen Quantität 
kohlensauren Natrons. Dieser Zusatz ist auch dann sehr 
zweckmässige Wenn ein sehr geringhaltiges Wasser salpeter- 
saure oder schwefelsaure Erdsalze enthält^ weil man dann 
die Säure in der Natronverbindung angesammelt erhält. 



Analyse. 175 

Wenn mra ^glap^it^ eine hinreichende Menge Wasser- 
Räckstand erhalten zu haben ^ um ihn in mehrere Theile 
vertheilen zu konnep^ so lässt man die Masse eintrocknen^ 
aber nicht anders^ als in der Wasserbad wärme ^ dann wird 
er mit destillirtem Wasser behandelt^ bis sich alles darin 
Lösliche aufgelöst hat^ der Rückstand mit kochendem Was- 
ser gewaschen und dieses Waschwasser der Lösung zuge- 
fügt. Diese Lösung wird nun in eine Flasche gewogen. 
Dann nimmt man davon gewogene Theile: einen Theil zur 
Ausfallung der Schwefelsäure^ einen anderen zur Bestimmung 
des Chlors^ einen dritten zur Abscheidung der Quellsäure u.s. W. 
Alle diese Theile werden voriiet' nach ungleichen Umständen 
mit Salpetersäure^ Salzsäure oder Essigsäure gesättigt. 

Enthält das Wasser kohlensaures Alkali^ so wird ein 
Theil davon mit neutraler salpetersaurer Kalkerde vermischt 
and verdunstet. Die dabei abgeschiedene kohlensaure Kalk- 
^de wird gut ausgewasdien, in Salzsäure aufgelöst^ in Gyps 
verwandelt und nach dem Glühen als schwefelsaure Kalk- 
erde gewogen^ wonach dann die Quantität des kohlensauren 
Alkali's berechnet werden kann. Andere Portionen werden 
zur Aufsuchung von Lithion bestimmt^ so wie auch zur Be- 
stimmung der ^^uantität von Kali und Natron. Mit einem 
Wort^ jeder Bestandtheil wird in einer besonderen Portion 
gesucht^ die entweder von dem Wasser selbst oder von dessen 
eingekochtem Rückstand genommen worden ist. 

Der Theil des Rückstandes von dem eingekochten Was- 
ser, welcher von Wasser nicht wieder aufgelöst wurde^ wird 
in verdünnter Salzsäure aufgelöst und die Lösung einge- 
trocknet, um darin die Kieselsäure unlöslich zu machen, 
worauf man ihn mit ein wenig Salzsäure anfeuchtet und aufs 
Neue in Wasser auflöst Diese Lösung wird mit kaustischem 
Ammoniak gesättigt. Der Niederschlag, welcher viellei(\lit 
entsteht, kann phosphorsaure Thonerde, phosphorsaure Kalk- 
erde und Eisenoxyd sein. Wie diese getrennt werden, ist 
bereits im Vorhergehenden angeführt worden. Was Ammo- 
niak nicht fallt, ist Kalkerde und Talkerde. Die erstere 
wird mit oxalsaurem Ammoniak ausgefallt, die Flüssigkeit 
darauf zur Trockne verdunstet und der Rückstand zur Zer- 
störung der Oxalsäure und Verflüchtigung des Salmiaks ge- 
glüht. Der Rückstand wird mit Wasser behandelt, welches 



176* Analyse. 

die Talkerde zurücklässt. Die Lösung in Wasser enthält 
oft^ ausser ein wenig Chlormaguesium^ eine Spur von Chlor- 
kalium oder Chlornatrium ^ welche in einer unlöslichen Gestalt 
als Doppelsilicate von Kalk und Alkali zurückgehalten waren» 
Diese Lösung wird mit ein wenig reinem Quecksilberoxyd 
eingetrocknet und das Quecksilber wieder verflüchtigt^ wor- 
auf Wasser das alkaJihaltige Salz auflöst und Talkerde 
zurücklässt. 

Ohne eine ganz besondere Einkochungsprobe für die 
Bestimmung der Kieselsäure erhält man den Gehalt von 
dieser in dem alkalischen Wasser schwerlich richtig. Man 
setzt dann gegen das Ende der Verdunstung Salzsäure im 
Ueberschuss hinzu ^ verdunstet damit zur Trockne und zieht 
den Rückstand mit Salzsäure und Wasiser aus^ wobei die 
Kieselsäure uugetheilt zurückbleibt. Ihr Gehalt ist nicht 
gross ^ aber gerade auß diesem Grunde kann ein sonst sehr 
geringer Fehler einen bedeutenden Bruch von diesem Gehalt 
ausmachen. 

Hat man keine Gelegenheit^ seine Versuche in der Nähe 
der Quelle^ deren Wasser untersucht werden soll, anzu- 
stellen, sondern muss man sie mit dem versandten Wasser 
machen, so muss man das Wasser auf grössere Flaschen 
von weissem Glas klar füllen, die mit gut schliessenden 
Glasstöpseln versehen sind und die der weiteren Sicherheit 
wegen mit feuchter Ochsenblasd fest Überbunden werden. 
Während des Transports setzt das Wasser nicht selten Stoffe 
im Glase ab, die mit in Berechnung genommen werden müs- 
sen und die man nicht in Flaschen von dunklem Glas sieht. 
Auch in Flaschen von klarem Glas sieht man diesen Absatz 
oft nicht eher, als bis die Flasche nach dem Ausleeren im 
Innern zu trocknen anfangt. Dieser Absatz wird auf die 
Weise aufgelöst, dass man ein wenig concentrirte Salzsäure 
in die Flasche giesst und über alle Puncto der Innenseite 
der Flasche fliesseu lässt, dann ein wenig Wasser hinzu- 
fügt, die saure Lösung herausfliessen lässt und das, was 
ungelöst sitzen geblieben ist, mit Wasser und einer Feder- 
fahue los macht. Gewöhnlich ist es eine Verbindung von 
Kieselsäure mit Eisenoxyd und kohlensaure Erden, welche 
diesen Ahsatz im Innern der Flasche bilden. 

Um 



JncJy^. 177. 

Um solche Stoffe zu bekommen^ die in dem Wasser in 
sehr geringer Menge enthalten sind^ z. B. Jod^ Brom^ Fluor^ 
Strontianerde^ Thonerde^ Phosphorsänre u. s. w.^ lasst man 
an der Quelle 2- bis 3000 Kannen Wasser oder noch mehr 
abdampfen. Dieses kann in einem reingescheuerten kupfer- 
nen Kessel; der 50 bis 100 Kanneu fassen kann^ geschehen* 
Während der Verdunstung wird dieser Kessel mit Leinwand 
überbundeu und^ -wenn Vs des eingegossenen Wassers ver- 
dunstet sind^ neues wieder zugegossen« Die zuletzt übrig- 
bleibende Mutterlauge wird in einem Gefäss von Porcellan^ 
Silber oder Platin im Wasserbade bis zur Trockne einge- 
kocht. Was dann in dem kupfernen Kessel ungelöst bleibt^ 
wird mit verdünnter und vorher durch Kochen von atmo- 
sphärischer Luft befreiter Salzsäure^ welche das Metall dann 
nicht angreift; herausgespült. Wäre dieses geschehen ^ so 
wird das Kupfer aus der iiltrirten Lösung durch Schwefel- 
wasserstoff ausgefallt. Diese saure Lösung enthält oft phos- 
phorsaure Thonerdc; phosphorsaure Kalkerde ^ Fluorcalcium^ 
kohlensaure Strontianerde u. s. w.^ welche sich während der 
Verdunstung abgesetzt haben. 

Ehe Ich die Abdampfungsprobe verlasse^ habe ich hoch 
eines Bestandtheils schwefelhaltiger Wasser zu emähnen^ 
welcher in dieser Aufstellung nidit vorgekommen ist^ den 
man aber zuweilen antrifft. Basse und Westrumb ent- 
deckten ihn im Jahre 1805 in den schwefelhaltigen Quellen 
von Hameln^ und nannten ihn Siinkharz* Man kocht dast 
Wasser in einer mit Vorlage versehenen Retorte ein; .überw 
giesst die bis nahe zur Trockne gebfachte Masse mit; Alkohely 
welcher dieses Stinkharz ^ nebst den in Alkohol auflöslichen 
Salzen^ auflöst. Die Alkoholauflösung wird abgeschieden^ 
mit ein wenig Wasser vermischt und abdestillirt. Nach dem 
Verjagen des Alkohols bleibt dieses Harz als ein gelbliches 
Oel auf dem Wasser schwimmend zurück. Dieses Oel zer- 
setzt sich in der freien Luft^ wird in eine harzartige^ kohle- 
haltige Substanz verwandelt und setzt >Sdiwefel ak Sie 
hat einen höchst unangenehmen y stinkenden Geruch^ wird 
aus ihrer Auflösung in Alkohol von Wasser niedergeschlagen^ 
aber ist in reinem Wasser höchst schwer auflöslich. Die 
Auflösung in Alkohol reagirt sauer» 

Dieses Stinkharz besteht aus einer havzartigfo^ mit 

X. 12 



178 AnßlyH. 

SehweFel und Schwefelwasilienrtoff verboadenen HtMe^ ihrer 
Natur nach derjenigen ähnlich^ welehe man erhält^ wenn 
Oele oder. Harze mit Schwefel zusammengeschmolzen wer- 
den. Man soll es auch erhalten^ wenn man Schwefelkalium 
in kochendem Alkohol auflöst^ Kalium und Schwefel mit der 
zur Sättigung des Alkali's erforderlichen Menge Schwefel- 
säure niederschlägt^ dann die filtrirte Auflösung mit sehr 
wenigem Wasser vermischt und sie abdestillirt; der Alkohol 
f wird zersetzt und es bildet sieh eine ähnliche schwefelhal- 
tige Harzmasse *). — Ich verweise übrigens auf noch einen 
organischen Bestandtheil der Wasser Th. VIII. p. 474. 

Untersuehnng der gasfSrmigen Bestandtheile der 

Mineralwasser. 

Die Kohlensäure^ welche das Wasser enthält^ ist darin 
theils mit Basen zu Bicarbonateu verbunden^ theils frei in 
dem Wasser aufgelöst. Man hat zwei Proben zu machen, 
um zu bestimmen^ wie viel Kohlensäure darin frei^ und wie 
viel an Basen gebunden ist. 

Die gebundene Kohlensäure wird erhalten^ wenn man 
ein bestimmtes grösseres Volian^ z. B. 5 Kannen^ Wasser 
mit einer Auflösung von neutralem salpetersaoran Bleioxyd 
im Ueberschuss vermischt. Die kohlensauren Salze wechseln 
dann ihre Kohlensäure mit ctem Bleioxyd aus^ welches nie- 
derfällt^ worauf man es sammelt^ abwäscht^ trocknet und 
wiegt. Enthält das Wasser kerne schwefelsauren Salze ^ so 
reidit es hin ^ das Gewicht des Niederschlags zu bestimmen. 



*> Dieses soi^ensmite Stinkbam der Sdn^refelwasser eDtstekt offenbar 
erst beim Abdampfen aus dem ScbweFel Wasserstoff and einer in diesen 
Wassern enthaltenen bituminösen Substanz^ die vielleicht gerade die 
Ursache der Bildung des Schwefel Wasserstoffs aus den schwefol* 
sanren Salzen dieser Quellen sein kann. Im Nenndorfer Wasser ist 
sie leicht daroh den Oenick sn erkennea« Fillt »an daraus durch 
etwas Zinkviiriollisung den Schwefelwasseratoff «nd achöttelt stark 
Hm^ so kommt sehr deutUcb ein bituminSser^ petroleumartiger Geruch 
■um Vorschein. Aller Scbwefe^ der sich aus dem Nenndorfer Wasser 
in den Reservoirs abseist; enthalt dieses Bitumen beigemengt , das 
auch in dem Kalkstein der umgebeadea Gebirgtfbmmtioa allgemeia 
Teihreitet iat« W. 



jinafyM. IT» 

loi enlgqfetigMetftttii Fall mnm der Kf^Uenalnfegehalt naoh 
bereits gegebenen Vorschrifteii auf naMem oder trocknem 
Wege besümmt werden. Wird dieser Gehalt verdoppelt^ so 
gibt er die Kohieuaiure^ «relcJie in den Bicarbonaten gelwui«- 
den enthalten war. 

Die Quantität der freien Kohleniiaure erfährt man^ wenn 
eine eben so grosse Quantität Wasser mit basischem essag«* 
sauren Bleioxyd in einer grossen verschlossenen Flasche 
ausgefällt wird. Der Niederschlag wird mit der Vorsicht 
gesammelt^ dass er sich nicht durch die Kohlensäure der Luft 
vermehre^ indem diese aus dem Uebersehuss des Fällungsr 
mittels, welches in der ausgefällten Flüssigkeit enthalten ist, 
kohlensaures Bleioxyd niederschlägt« — Der Niederschlag 
enthält kohlensaures Bleioxyd und basisches Chlorblei,. wel<^ 
ches während des Trocknens Kohlensäure anzüsht und des- 
halb nicht gewaschen und getrocknet werden darf, sondern 
sogleich auf nassem Wege auf seinen Kohlensäuregehalt 
untersucht werden muss. Wenn die gebundene Kohlensäure 
ans dem ersten Versuch bekannt ist und man diese von den| 
ganzen Kohlensäuregehalt abzieht, so bleibt der Gehalt *i^ 
freier Kohlensämre äbrig^ 

Man pflegte sonst das KoUensäuregas durch Kochen 
auszntreibett imd sein Volum zu messen, oder damit eine 
mit kaustischem Ammoniak vermischte Lösung von Chlor- 
caldum oder Chlorbarium zu fällen; aber es ist uumggUeh 
aof diese Weise ein einigermaassen riditiges Resultat zu 
erhalten, denn in einer so verdünnten Flüssigkeit weiss man 
nicht, wann die Kohlensäure aus den Bicarbonaten ausge- 
trieben ist, und es wird nöthig, die Hälfte des Wassers 
abzudestillireu, um völlig sicher zu sein, dass sie gänzlich 
ausgetrieben sei. 

Gase, die nicht durch B*ällung bestimsikl werden können, 
müssen durch Kochen ausgetrieben werden^ wie z. B. Stick- 
gas, Sauerstoffgas, Kohlenwasserstoffgas in JVlinimum. Man 
wendet dann einen Glasballon von bekanntem Volum an« 
Derselbe wird ganz gefällt und mit einem Kork Vierscblosseii> 
der mit einem, ebenfidls mit Wasser gefültt^ft GasenbKvick^ 
longsrohr versehen ist. Der Ballon wird ia.eülfrrSandeapello 
bis som Kochen erhitzt und das Ckw in einer graduirtOA 
Gloeke, die mit einer verdännten läMfe^^rdn Kaiihydvat 

12* 



18D jAialifie. 

gefüllt ist, aafger«o|;eu;> DadnrcU, dass der- Ballon und das 
Uohr mit Wasser gefallt sind, bekommt man kein rremdes 
(Jas eingemengt. Aber e» wird iu Folge der AusdefanODg 
beim Erhitxea nud Kochen ein TbeU vom Wasser aoa dem 
Ballon ausgetrieben, ohne dass dieses seinen ganzen Gas- 
gehalt verloren hat; wodurch allerdings ' ein Fehler entsteht, 
der sich «cbwerlich vermeiden liest. ' Nach 10 bis 12 Mi- 
unten Uagetn Kochen sind diese Gase ausgetrieben, wenn 
■neb Kblitensäuregas nbcfa zurückgeblieben sein kann. Naeh- 
■dem das Gas gemesseu worden ist, wird es zur näheren 
Untersuchung seiner Natur über Qaecksilbw ausgefällt. 

Hepatische Wasser können Schwefelalkali, ein Sulf- 
hydrat und freien Sobwefelwasserstofi' enthaltet. Wären sie 
von Carbonaten frei, so würde eine Losung von scbwefd- 
eaurcm Zinkoxyd -dareuH nur so viel Schwefelzink ansfallen, 
als dem Schwefelalkali entspricht; der Schwefelwasserstoff 
würde keinen Niederschlag bilden; aber sie enthalten immer 
kohlensaure Saize. 

Um den Gehah von Schwefelwasserstoff in einem Was- 
ser zu finden, und zwar den mit inbegriffen, welcher durch 
Zersetzung des Schwcfelalkali's entsteht, verfährt mau anf 
' folgende Weise: Eine grosse Flasche, wie 
die nebenstehende Fignr, deren Inhalt mit 
aller Genauigkeit bestimmt worden ist und 
nicht weniger als 2-300 Cub. Zoll betragen 
darf, wird mit einem schliessenden Kork 
versehen, durcbwelchensweiRÖhren gehen, 
wovon die eine 6a bis auf den Boden der 
Flasche reicht, die andere de sehr eag ist und 
sich sogleich anf beiden Seiten des Korlu 
endigt. Wird diese Flasche au eine Stange 
befMÜgt und dafait bis auf den Boden der Quelle geführt, 
so füllt sie sich ntit Wasser, indem es durch ba einfliessL, 
während die in der Flasche befindliche Luft durch da her- 
ausdringt. Dadurch, dass 6a bis auf den Boden reicht, fliesst 
das Wasser ohne Spradeln hinein, wodurnh sonst leicht ein 
Vheil des Gasgehalts in der Luft abdunsten und mit dieser 
Ausgetrieben tPcrden wikde. Un aber einen solchen Verlust 
uocfa sioherer bu -rorBMldeu, hat man vorher in die FlosdM 
^ genoa abgemMSUec Volum' einer Lösung von esaig- 



Analyse, 18 t 

saurem Zinkoxyd g^egossen^ mit so viel überUchüssigfot Ess%-^ 
säure versetzt, dass dtircli die kohlensauren Salze kein koh- 
lensaures^inkoxyd gefällt werden kann. Wenn dureh de 
keine Luftblasen melir an die Oberiläche des Wassers der 
Quelle aufsteigen^ so ist dfe Flasche gefüllt und tvird her-' 
ausgezogen. Beim Eindringen vermischt sich das Wasser- 
mit der Zinklösung^ so däss^ wenn die Flasche heraufge-^ 
zogen wird, der Schtvefelwasseretoff schon gefällt ist, und* 
nichts davon aus der Oberfläche des Wassers während der 
Fällung abdunsten konnte. Man lässt dann die Flasche eine 
halbe Stunde lang stehen, zieht den Kork ab, lässt das^ 
nicht ausgefällte Wasser, welches in dem längeren Glasrohr 
enthalten ist, aus diesem ausfliessen, spült <len Kork und 
das Rohr mit ein Wenig destillirtera Wasser ab, uhd lässt 
die Flüssigkeit sich in der Flasche klären. Das Schwefel«' 
zink wird auf ein gewogenes Filtrum geooAimen, gewaschen,^ 
bei -|- 100® in wasserfreier Luft getrockiet und aus seinem 
Gewicht das des Schwefelwasserstoffs berechnet. Ist die' 
Quantität des Schwefelzinks so bedeutend, däss sich damit 
noch ein besonderer Versuch anstellen lässt, so wird es 
entweder in Zinkoxyd oder in schwefelsaures "Zinkoxyd ' 
verwandelt, in diesem Zustande" nach dem Erhitz6n bis nahe 
zum Glühen gewogen, und daraus der Gehalt an Schwefel*^ 
ssink berechnet. Das Schwefelzink hält hartnäckig ein wenig' 
Wasser zurück, welches sich bei + 100® daraus nicht aus-^ 
treiben lässt. Bei einigen wenigen Millrgfammen Schwefel- 
zink gibt dieser Wassergehalt einen geringeren Fehler, als 
der Beobachtungsfehler in der Wäguug ist. Hat man aber 
einen oder mehrere Centigraihmeu erhalten, so wird das 
Filtnim im Porcellantiegel verbranitt und der Rückstand in 
Königswasser aufgelöst, worauf man aiis der Lösung das 
Zinkoxyd durch kohlensaures Alkali abscheidet, oder man' 
vermischt die Lösung nach, dem FiUriren mit Schwefelsäure, ' 
verdunstet die Flüssigkeit in einem gewogenen Porcellatt- 
tiegel im Wasserbade, bis- nur noch der Ueberschuss von 
Schwefelsäure übrig ist, dampft diesen über der Spiritus- 
lampe weg, ohne das Salz bis zum' Glühen kommen zu 
lassen, und wiegt das dann zurückgebliebene schwefelsliure 
Zinkoxyd* 

Wohl er bedient sich einer Lösung von salpetersaurera 



188 Analyte. 

Silberoxyd ^ die mit kaustischem AmaiOftiak vermischt ist; 
dadurch werden Scbwefelsilbßr und kohleosaure^ drdeo aus- 
gefällt ^ welche letztere aus dem Schw<^elsilber durch eine 
verdünnte Saure ausgezogen werden. , Wcna das AVasser 
Chlonire enthalt^ so enthalt der Niederschlag auch Chlor-. 
Silber^ welches durch das mit dem Wasser zu sehr verdünnte 
AnunoniaK nicht aufgelöst gehalten wird. Dieses rouss dann 
mit Ammoniak aus dem Niederschlage ausgewaschea wer- 
den^ bevor man die Erden daraus auflöst. Auch ich habe 
mich früher dieser Verbinduog^ so wie audi des mit ein 
wenig freier Säure v^^^tzten schwefelsauren Kupferoxyds 
bedient^ aber diese beiden Schw€>felmetaUe befestigen sich 
oft auf der inneren Seilet ,des Glases in Gestalt von dunklen 
Hauten, so dacps^ man sie nur mit chemischen Mitteln wieder 
ablösen kann^ währood dagegen das Sqhwefelzink inleichtco 
weissen Flocken^ ungefähr wie Thonerde^ niederfällt. 

Ganz kürzlich hat Pasquier noch eine andere Bestim-* 
mongsmethode des Gehalts an Schwefelwasserstoff in einem 
Wasser vorgeschlagen. £^ löst ein bestimmtes Gewicht 
J^d in einem bestimmten Volum Alkohol auf^ vermischt ein 
bestimmtes Volum von dem Wasser mit eiuer Lösung von 
Stärke in kochendem Wasser und tropft die Jodtinctur aus 
einer graduirten Pipette^ Tropfen für Tropfen^ in das Probe- 
wasser ^ bis dass dieses anfangt ^ sich in^s Blaue zu ziehen^ 
ein Beweis^ dass das eingetropfte Jod allen vorhandenen 
Schwefelwasserstoff zersetzt hat. Das Volum der verbrauch- 
ten Tinctur zeigt, wie viel Jod nöthig war^ und hiernach 
wird die Quantität des Schwefelwasserstoffs berechnet. 

Dieser Versuch führt, zu einem falschen Resultat. Das 
Jod wird in Alkohol nicht so aufgelöst, wie ein Salz in 
Wasser. Es wirkt auf die Bestandtheile des Alkohols ein^ 
es entsteht eine organische Jodverbindung und Zweifach« 
Jodwasserstoff, wobei nur die Hälfte von dem Jodgehalt des 
letzteren den Schwefelwasserstoff zersetzt. Aber das Priucip 
ist anwendbar, wenn man das Jod in einer Losung von 
Salmiak oder Jodammonium auflöst, so dass ein bestimmtes 
Gewicht Jod in einem bestimmten Volum von der Losung 
enthalten ist Wenn man diese Lösung nach Pasquier's 
Methode anwendet, so wird das Resultat wahrscheinlich 
richtig. 



Jnai^e. 183 

Die mtistra schwedisclieii Wa«ser^ die ich uatersuda 
iMÜ^e, entlueUea Kohlensfturegiis und gerade so viel Stick« 
«teffgaa^ als das Wasser gewöhnlich zu enthalteu pflegt 
Das Wasser zu Porla mafdit jedoch eine Ausnahme davoi^ 
weil es bo mit Stickgas^ ohne Spur von Sauerstoflgas^ ioH- 
pragnirt ist, dass es^ so wie es in der Ader dem Boden 
der Quelle naher kommt und der Druck verringert wird^ in, 
Gasform aufsteigt und grössere oder kleinere Blasen bildet, 
die aus einem Gemeuge von 7 Th. Stickgas auf 1 Th. Kohlen^ 
säuregas^ nebst ein wenig Kohlen wasserstoflgas^ bestehen. 
Das Kohlensäuregas ist jedoch wahrscheinlich nur im Stick«*- 
gase während seines Aufsteigens «bgedunstet^ weil das 
Wasser nicht so viel vom ersteren enthält^ als es .bei seiner 
T^nperatur vom reinen Gase behalten kann^ was doch der 
Fall sein müsstei wenn reines Kohlensäuregas schon vom 
Beden der Quelle aus in diesen GasUasen aufsteigen wurde. 



AXALYSE VON ThSUiEN VON PFIiilliZEN UND ThIEREN. 

£s ist hier nicht die Rede von der Elementar-Ahalyse; 
die bereits im VI. Bande abgehandelt worden ist, sondern 
es sollen hier nur in der Kürze die Methoden angedeutet 
werden/ deren man sich für die Scheidung derjenigen orga- 
nischen Körper bedient^ welche mit einander verbunden oder 
vermischt in Theilen von Pflanzen oder Thieren vorkommen. 

Diese Art von Analjgie gehört zu den Arbeiten^ die am 
schwierigsten so zu beurtheUeu sind^ dass daraus richtige 
Resultate hervorgehen. Man hat dafür keine speciellen Re- 
geln ^ sondern nur einen allgemeinen Plan^ in dessen^ Einzeln- 
heiten dann von dem Urtheile des Chemikers die Abände- 
rungen zu machen sind^ welche die eigenthümlichen Cha- 
jactere der vorhandenen Stofie zu ihrer Abscheidung erfor- 
dern. Dies wird dabei noch dadurch sehr erschwert^ dass 
bei solchen Arbeiten neue^ unbekannte Körper vorkommen^ 
deren Eigenschaften erst studirt werden müssen^ bevor man 
eine Methode für ihre quantitative Abscheidung findet. 

Den Analysen von Thier- und Pflanzentheilen muss die 
Aufsuchung von bekannten Bestandtheilen von Pflanzen und 
ThierM veraugeheni und nachher Versuche, um zu finden, 



1S4 Analyse. 

eb nie&t anch unbekannte darin vorkommen. Dieses Auf- 
sachen geschieht nach einem allgemeinen Plan ^ den ich hier 
angebeii will. Untersuchungen dieser Art zeigen sich an- 
fänglich als ganz leicht y es gehört keine gewöhnliche Kunst 
dazu, die Wurzel voä einer Pflanze in Holz^ Harz^ Fett^ 
in Alkohol und Wasser löslichen Extractivstoff, nur in Was- 
ser löslichen Extractivstoif^ in Albumin^ Gummi ^ Stärke^ 
Zucker^ Salze u. s. w.^ zu zerlegen. Aber diese Leichtig- 
keit ist sehr trügerisch^ denn die Schwierigkeit beginnt erst 
gerade dann^ wenn man dem abgeschiedenen Stoff seinen 
bestimmten Namen geben will; es gibt eine grosse Anzahl 
von Harzen^ von Gummi^ von Stärke^ und oft gibt man den 
Namen eines bekannten Körpers einem anderen^ der damit 
einige Aehnlichkelt hat^ der aber weit entfernt ist^ damit 
identiisch zu sein. Was die Chemiker ^ unter dem Namen 
Extractivstoff^ als einen besonderen Körper aufgeführt habe% 
ist oft ein Gemisch von mehreren verschiedenen Körpern 
gewesen^ die darin mit einander übereinkommen^ dass sie 
in Wasser leicht löslich sind und eine extractähnliche Masse 
bilden^ wenn das Wasser davon abgedunstet wird. Aus 
diesen Extraclivstoffen scliiessen oft erst nach Verlauf von 
JHouaten andere Körper an, die durch andere verhindert wur- 
den^ sogleich eine regelmässige Gestalt anzunehmen; aber 
oft sind, diese Krystallisationeu auch die Folge von Meta- 
morphosen^ welche das Extract auf Kosten der Luft erleidet. 
Es gibt kaum eine Art von chemischer Untersuchung, wobei 
die Unsicherheiten so gross und s# unüberwindlich sind, wie 
bei dieser. 

Im Allgemeinen muss man sich erinnern, dass jeder 
organische lebende Körper eine Menge von Bestandtheilen 
gemein hat mit denen, welchen er am meisten ähnlich ist, 
aber auch andere^ die entweder auf den specifischen Ver- 
schiedenheiten beruhen oder deren Ursache sind, wodurch 
er von ihnen abweicht, und diese sind nicht nur ganz eigne 
Arten von Körpern^ Sondern sie sind auch nicht selten von 
gemeinschaftlicher Art, aber von ungleich modificirten Eigen- 
schaften, z. B. die verschiedeneu Stärkearten in den Samen 
der Gräser, in den Wurzeln von Inula, Georgina, Taraxa- 
cum, Cetraria islandica^ Liehen fraxineus u. s. W., die dodi 
alle gleiche Zusammensetzung und gleiches Atomgewicht 



Jiudyaa. 19^ 

haben. Das Aesultat der Analyse musa alle dieaa Vierachio« 
deuheiten' aogebea und maa findet dann leioht, ,da$s^ wenn 
diese Untersuchungen so gemacht «eerdeu sollen^ dass unserf 
Kenntnisse mit sicheren Angaben bereichert werden ^ sie 
Geduld^ ausgedehnte Erfahrung von den Eigenschaften und 
Kennzeidien der organisc^n Körper und viel Urtheil er«« 
ferdem. \ 

Zuweilen geschieht es bei unseren Versuchen ^ zu ana* 
lysiren^ d. h. die Körper zu «chciden; weiche vorhandea 
sind, dass Metamorphosen hervorgebracht und. dadurch gaodi 
andere Kerper neu gebildet werden; es kommt dann öm%^ 
an^ das Product nicht für Educt zu nehmen« 

Es ist von grosser Wichtigkeit^ die ErkennungsprpbeR 
quantitativ zu machen, d, h., sowohl die Probe selbst y als 
aoeh das, was man daraus auszidit, au wiegen, weil man 
dann leicht bemerkt, ob etwas der Aufmerksamkeit entgangen 
ist, dem dann weiter nachgeforschti werden muas« - Indes^n 
erst nachdem man einige Brkennunglh-Analysitu gemaehl h^t^ 
kann man seinen Plan für eine eihigermaass^n richtige quan-? 
iitative Analyse machen« 

Organische -Körper enthalten viel Wasser# Um ein^n 
richtigen Begriff von den reliitiv^n Quantitäten zu bekommen^ 
muss dieses Wasser durch Trocknen • weggeschafft . werden« 
Das Trocknen wird am besten bei gewöhnlicher Lufttemper 
ratur im luftleeren Räume oder in einem Exsicoator ver- 
richtet. Viele von ihnen werdien beim 2kitritt der Luft me- 
tamorphosirt) bei diesen inuss der Exsiccater, wie bei diesem 
Instrumente angegeben ist, mit Wasserstofigas gefüllt wer^ 
den. Ist auf diese Weise der grösste Theil des Wassers 
entfernt, so geschieht das letzte Trocknen in einer tubu- 
lirten Retorte mit tubulirter Vorlage, wodurch tro^nes 
Wasserstoffgas geleitet-^wird, wahrend man die Retorte beji 
4-130® in einem Oeifoade erhält, so lange sich noch etwas 
Feuchtigkeit in dem Halse derselben abzusetZQU scheint. 
Das Wasserstoffgas muss zuerst über Platiuschwamm und 
dann über Chlorcalcium geleitet werden, bevor man es in 
die Retorte strömen lasst, damit es kein Sauerstoffgas mit- 
führt. 

Vergisst man diese Vorsichtsmaassregel, so ist schon 

getrocknete Masse ^mit Producten der Metamorphose 



184 AniOgBe. 

eifiSIt^ eütitaiideo dur^ dea gemeinsGluiftlidmi Biatluas dar 
liüft und des Wassers. Beginnt man das Trocknen in 
WasscFstoffgas bei einer iiöhereu Temperatur^ so hat man 
oft durch das Kochen in dem Wasser^ welches entfernt 
werden soll^ Metamorphosen hervorgebriEicht^ wobei 6toffe> 
die in besonderen Zellen der Probe abgelagert nnd^ aofgo* 
löst und verbunden werden und dann nicht mehr geschied^ 
werden können^ oder es werden neue Produote gebildet^ wie 
dies der Fall ist bei der Erzeugung von BittermandeliHl und 
Senföl. Die höhere Temperatur darf a^to nicht eher ange« 
wendet' werden^ als bis alles Wasser fort ist^ welches di» 
Probe bei gewöhnlicher Lufttemperatur verlieren kann. Viele 
Stoffe vertragen nicht das Trocknen in der Wärme ^ sondern 
sie verändern sich dabei ^ auch bei Aussdilnss von Sauer^ 
Stoff; flöchtige Stqffe entweidien^ Albumin gebt in den eoa-* 
gulirten und unlöslichen Zustand über. In solchen Fällen 
trocknet man die Probe nur bei gewöhnlicher Lufttemperatur 
und bestimmt das dabei auruckbleibende Wasser an einem 
besonderen Theil davon bei +130 ^ 

Der Plan für Analysen von Theilen von Pflanzen und 
Thiören besteht darin ^ dass man sie nach einander mit 
verschiedenen Lösungsmitteln behandelt^ als: mit Aetber^ 
Alkohol^ kaltem Wasser^ kochendem Wass^^ verdünnten 
Säuren, verdünnten Alkalien u. s.w« Die Ordnung, in welcher 
diese nach einander angewendet werden^ ist nicht gleichgültig; 
nach dem Trocknen müssen die nicht wasserhaltigen Lösungs-^ 
mittel angewendet werden, wobei man gewöhnUch immer 
mit Aether anfängt. Nach der Anwendung von Wasser kommt 
entweder Säure oder Alkali. Es ist nicht leicht im Voraus 
zu bestimmen, welches Ijösungsmittel am besten zuerst an* 
zuwenden sei. Säuren lösen viele in Wasser unlösliche 
Salze auf, aber sie zersetzen andere, mit Zuruoklassung 
einer unlöslichen Säure. Alkalien zersetzen fast alle Salze 
mit Zurücklassung der Base, welche dann von Säuren auf- 
genommen wird. Das eine kann in einem, das andere in 
einem anderen Fall den Vorzug, verdienen. 

In Rücksicht auf die Zerkleinerung muss ich bemerken^ 
dass die beste Methode derselben darin besteht > dass man 
die Probe, nachdem sie bei gewöhnlicher Lufttemperatur 
getrocknet worden ist, woeu sie nicht «etkleinart anfswandt 



Anolg9$^ 



187 



irird^ entweder mit einer groben Raspel iMpelt, edet muT 
einem Reibeeisen serreibt^ oder dass man sie zerhackt; 
Pidverisining im Mörser ist seken aiufihrbar^ und feines 
Pulver ausserdem weniger leicht mit Lösungsmitteln auf die 
hier nöthige Weise zu extrahireu. Geschieht die Zerklei«!» 
nerung der Probe^ wenn sie noch ihren rollen Gtehalt an 
natürlichen Säften hat^ so beginnt sehen die Metamorphose 
auf Kosten der Luft^ ehe uMin das Trocknen bei Ausschluss 
von Sauerstoffgas anfängt. Das so mechanisch Zerkleinerte 
wird dann zum weiteren Austrocknen anfangs im luftleeren 
Räume oder im Bxsiccator in Wasserstc^gas und darauf in 
einer Retorte bei +130^ verweilen gelassen. 

fch werde nun einige Worte über die Anwendung der 
verschiedenen Lösungsmittel anfuhren* 

1« jiethtr. Dieser wird theils' wasserflrei^ theils wassere 
faaltig angewandt. Es iässt sich nicht immer voraussagen^ 
wo der wasserhaltige zweckmässiger sein wird. Kann dieses 
ni<dit geschehen, so ist es immer am besten^ den wasser- 
freien anzuwenden. 

Der Aether löst fette und flüchtige Oele^ mehrere^ aber 
nicht alle Arten von Harzen^ freie Gerbsäure und viele 
andere Pflanzenstoffe auf. 

Das Ausziehen sowohl mit Aether^ als auch mit Alkohol 
geschieht am besten in einem Apparat^ den mau den Ro- 
bique tischen Extractions- Apparat nennt ^ beschrieben im 
Tb. VI. bei der Bereitung der Eichengerbsäure. Aber zu 
Analysen macht man sich diesen Apparat von geringerer 
Dimension. Man nimmt ein Glasrohr von V4 Zoll innerem 
Durchmesser^ zieht dieses an einem Ende zu einem 
feineren^ aber nicht zu dünnen Rohr von 3 bis 4 
Zoll Länge aus, oder man lötbet daran ein schma** 
les Rohr von Vs Zoll innerem Durchmesser. Dann 
schneidet man das weitere Rohr 10 bis 12 Zoll von 
der Löthungsstelle ab und bildet eine Flaschen-« 
v^ffnung daran, so dass es verkoriLt werden kann. 
Das Rohr hat dann das Ansehen der nebenstehenden 
Figur. Bei a wird ein wenig Baumwolle gesteckt| 
das Rohr mit Seinem Kork auf der Waage in's 
Gleichgewidit gd^racht, und die getrocknete und 
geraspelte Probe eingewogen« Das Rohr darf mit 



188 Jnalyse. 

der. Probe ^ wraa diese darin angenessen fest gedrockt inty 
nur ungeliihr haU) voll gefulit sein. Nachdem es dann ver- 
mittelst eines dsrchbobrteii Korks^ dnrch welchen das dünne 
Knde des Rohrs gesledit ist^ auf eine andere trockne Flasche 
gesetzt ist^ wird es mit Aetfaer beinahe voll gegossen und 
lose versehlosiwii. . Der Aetber dringt allmalfg in der Probe 
berab; wenn diese damit getrankt ist^ iwird neuer Aether 
a«fg<»gossen und das Rohr dann so verschlossen^ dass der 
Aether nicht niedersinken kann. So lässt man es dann 12 
Stunden lang stehen^ worauf man beide Kikrke so weit 
lüftet, dass der Aether in die untergesetzte Flasche nur 
tropfenweise aMKessen kann. Sobald dies geschehen ist, 
wird das Rohr aufs Neue mit Aether gefulit und damit fort- 
gefahren, bis der durchgehende Aetfaer nichts mehr auflöst, 
was erkannt wird, wenn man einen Tropfen auf ein Uhr- 
glas fallen lässt, von dem er dann ohne Rückstand ver- 
duoatet. 

Die Aetherlösung wird in eine kleine gewogene und tu- 
bulirte, mit Vorlage versehene Retorte oder in einen kleinen 
Kolben (siehe DestiUireri) gegossen und abdestillirt. Die 
Retorte braucht nur einen Theil der Lösung aufnehmen 2U 
können, nach Abdestillirung des grössten Theils wird in die 
Betorte von der Aetherlösung nachgegossen mid zuletzt 
wird die Flasche mit reinem Aether einige Male nachgespült 
und auch dieser Aether in die Retorte gegossen. Ich mache 
diese Destillation auf die Weise, dass ich die Retorte in 
eine Porcellanschaale mit Wasser lege, unter welche eine 
Oellampo mit einfachem Docht gestellt wird, und zwar in 
einer Entfernung, dass das Wasser in der Schaale uugefiihr 
rf- 40^ warm wird. Die Destillation wird besonders erleichtert, 
wenn man einige Kömer Osmium * Iridium in die Retorte 
legt, die mit der Retorte gewogen worden sind. Nachdem 
der Aether so weit abdestillirt worden ist, dass (he Masse 
in der Retorte nicht mehr fliesst, bringt man das Wasser 
in dem Bade zum Kochen und, wenn dabei kein Aether mehr 
übergeht, erhitzt man die RetoHe im Oelbadebis zu -|-130® 
und erhält sie dann in dieser Temperatur so lange, bis kein 
Geruch nach Aether mehr bemerkt wird. Dann wird die 
Retorte aussen gut von Oel gereinigt und gewogen. Man hat 
dann das Gewicht von dem, was der Aether ausgezogen hat. 



Anahf^. 189 

Jetet'setst inaii wieder so v]et- Aetber liitisa^ ab ssav 
Wiederauflö8UDgf der Masse erforderlich ist. Die Lösaag 
wird in ein Geilss gegossen ^ welches Wasser enthält^ ond 
die Retorte gut mit Aether nachgespölt^ so dass nichts von 
der Aetberlösung darin zuräckbleibt^ wobei man genau dar« 
auf achtet^ dass nidits am Tubulus herabfliessen kann^ was 
immer schwer zu vermeiden ist. 

Die AetherldsuRg wird nun fiber dem Wasser in einer 
Wärme verdunstet^ die nicht +30^ übersteigt; auf diese 
Weise sieht nun das Wasser aus^ was der Aether von in 
Wasser löslieheii Stoffen aufgenommen haben konnte^ und 
was durch Behandlung des Aether-Rückstandes mit Wasser 
allein unmöglich völlig ausgezogen worden w&re* Nach der 
Verdunstung des Aethers wird das Wasser im Wasserbade« 
so stark wie möglich erhitzt^ dann erkalten xmA klären ge« 
lassen und abgegossen» Der Rückstand wird noch einmal 
mit kochendem Wasser äbergossen^ was darauf der Wasser- 
lösung zugefügt und mit dieser in einem gewogenen Gefäss 
im Wasserbade bis zur Trockne verdunstet und nun gewo- 
gen wird. Für die Untersuchung^ was dieses ist^ können 
keine Regeln gegeben werden^ es kann von sehr verschie-* 
dener Natur scin^ z. B. Gerbsänren, andere freie Säuret^ 
Salze von vegetabilischen Salzbasen u. s. w. 

Was das Wasser ungelöst zurückgelassen hat^ wird mit 
60procentigem Alkohol erst kalt und dann kochend behan- 
delt^ und jede von diesen Lösungen für sich untersucht^ 
nachdem sie verdunstet und ihr Rückstand gewogen^ wor- 
den ist. 

Was der wasserhaltige Alkohol nicht auflöst^ wird mit 
wasserfreiem Alkohol behandelt^ ^und^ was dieser auflöst^ 
wird ebenfalls gewogen und genauer untersucht 

Der nun ungelöst gebliebene Rückstand kann bestehen 
aus Feit) aus in Alkohol nicht löslichen Harzen^ aus Caout«> 
scheue u. s. w. 'Wird dieser Rückstand nun mit ein wenig 
Aetber beiiandelt^ so löst dieser Fett auf und lässt Caout- 
«chottc zuiuek; so wie auch vielleicht noch ^andere Stoffe, 
welche sich in dem Aether durch die Gegenwart der Koörpei^ 
welche der Alkohol hernach auszog^ aufgelöst hatten^ 

Fett and Harze sind äusserst schwierig . zu . ieiieideii. 
Haa versucht destillirtes Petroleum ; destillivtes iTerpenlbiaö]^ 



IM Jnafym^ 

sekr verdäiwlei K^Hiiydml, weIckfB das Htrz Mfldaen kaun, 
phne cbs Fett zu verseifen. Ist das Fett ak2;e8chiedea^ ae 
wird ea verseift und die daraus darstelibaren fetten Sattre% 
aowohl flnchtige, als auch die gewöhnlicben weniger Audi- 
tigen, bestinBit Hier wird nun das eigene Vermögen des 
Chemikers^ zweckmässige Methoden oiiisaudenken^ in An* 
Spruch genommen. 

Wasserhaltiger Aether wird ausschliesslich bei frischen 
und noch wasserhaltigen Korpern angewendet Der Aether 
treibt gewöhnlich den Pilansensafl aus und tritt an dessen 
Stelle. Sobald die Probe mit Aether völlig ausgezogen ist, 
hat man eine schwerere Lösung in Wasser und eine leicb* 
tere in ^ether^ die dieses Mal zwar in Wasser lösliche 
Stoffe aufgelöst enthalten kann^ von denen aber auch ^9A 
Wasser seinen Theil aufgenommen hat. 

Wasserfreier AlkohoU Nach beendigter Ausziehung mit 
Aether wird das Extractionsrohr an einen warmen Ort ge-* 
bracht, damit der Aethergehalt daraus wegdunste. Ich be»» 
diene mich dazu eines kleinen kupfernen Kessels mit zwei 
an entsprechenden Stellen angebrachten OeiTuungeny in wel- 
chen das Rohr horizontal und mittelst durchbohrter Korke 
wasserdicht befestigt werden kann, so dass es quer durch 
den Kessel geht. In diesen giesst man dann Wasser und 
erhitzt es darin. Sobald die Masse in dem Rohr so trocken 
geworden, dass Luft durch dasselbe gehen kann, verbindet 
man das Rohr mit einem Saugapparat, der allmälig Lnft 
durch dasselbe zieht, bis der Aether ganz weggedunstet ist 
Darauf behandelt mau die Masse mit wasserfreiem Alkohol 
unter Beachtung derselben Vorsichtsmaassregelu, wie bei 
dem Aether. Die Alkohollösung wird auf gleiche Weise im 
Wasserbade abdestillirt, getrodinet und gewogen. 

Der in der Retorte gewogene llöckstand wird wieder in 
wenigem Alkohol aufgelöst, die Lösung mit Wasser ver-» 
mischt und der Alkohol im. Wasserbade daraus abdestillirt. 
Der Rückstand besteht nun aus einer Lösung von solehea 
Beatandtheilen des organischen Körpers in Wasser, die so«* 
woU in wasserfreiem Alkohol, als auch in Wasser Uslidi 
sind, und aus abgesdiiedenen harzartigen Stoffen« Es ist 
aidit moglidi, ap«ziette Vofsduri£ten zu geben, wie die vielen 
kierin vcmüsditen Stoffe getrennt werden e^en» In Botnaff 



jtnulyBe. 191 

der TrcttMÖg der HarBe Tenreise ieh auf die von Unver« 
derben angewandte Methode^ die im Th. VII. bei den da« 
selbst beschriebenen natürlichen Harzen angeführt worden 
siud^ und welche in der abwechselnden Anwendung von 
60procentigem Alkohol^ Ammoniak^ Kalihydrat in schw&cherer 
nnd stärkerer Lösnng; Fällnng ans Spirituosen Aoflösongea 
mit essigsaurem Blei- oder Kupferoxyd^ Petroleum^ Terpen- 
thindl u. s. w. besteht» 

Was dann in dem Extractionsrohr äbrig geblieben ist^ 
wird nun mit wasserfreiem Alkohol herausgespult und damit 
so oft wiederholt gekocht, als man findet , dass der Alkohol 
noch etwas auflöst. Die Losungen werden kochend filtrirt^ 
um das besonders sammeln su können, was während des 
Erkaltens daraus niederfällt Im Uebrigen wird mit diesor 
Alkohollösung verfahren, wie mit der Vorhergehendem 

Wasser von höchstens -^ 4Q^. Was Alkohol ungelöst 
gelassen bat, wird nach dem Abtrocknen des Alkohols mit 
Wasser von höchstens -f- 20^ bis -|- 40^ behandelt. Gewöhn- 
lich quillt die Masse darin sehr auf, so dass die Abscbei- 
düng der Lösung und das Auswaschen des Rückstandes viel 
schwieriger, als vorhin, geschieht. Das Auswaschen dauert 
oft lange und muss dann so kalt wie möglich gesdiehen» 
Im Sommer muss man von Zeit zu Zeit reine Stöcke von 
Eis in das Filtrum legen, oder, wenn man kein reines Eis 
hat, den Filtriruugs -Apparat in einen verschlossenen Raum^ 
2. B. in einen Schrank, stellen, versehen mit einem kleinen 
Behälter für ein Gefäss mit Eis. Sonst wird die Masse 
leicht sauer, sdiimmelig oder es entstehen darin Infusione- 
thierchen. 

Die erste Lösung, welche am concentrirtesten ist, wird 
m einem gewogenen Gefass im luftleeren Räume verdunstet; 
das Waschwasser muss im Wasserbade concentrirt weiden^ 
bevor man es der Hauptlösung zumischt. Zuletzt muss der 
Rückstand im Oelbade bei -|- 130^ getrocknet und erst dann 
gewogen werden. Dieser Rückstand wird dann in Wasser 
wieder aufgeweicht und darauf mit 50 procentig^n Alkohol 
vermiscbt, weldier das Aufgelöste grösstentheils ausfällt 
mit Zurückhaltung von Kochsalz, Salmiak und vielleicht 
anch anderen in verdünntem Alkohol löslichen Steffen. Da- 
bei f Allen nieder Gummi, saure äpfelsaure Kalkercb (welch« 



IM Jnalyie. 

ia diesem Zustinde wie Gummi auMiefat), In Alkvhel hd- 
tösliohos £xtract u. .8. w. 

Die UnterstichuBg dieser in Wasser löslichen Stoffe ist 
ziemlich schwierig so durcbzn fuhren, dass man. sicher wird, 
SU richtigen Hesultateu gekommen zu seiiL Eine der am 
meisten angewaudteii Metliodeu ist folgende: Dio Flüssigkeit 
wird mit Essigsäure versetzt, so dass sie sauer reagirt, und 
dann mit einer Lösung von neutralem essigsauren Bleioxyd 
vermischt. AHele orgauische Stoffe, vor Allem aber ver- 
schiedene Sauren, fallen aus einer schwach sauren, Lösung 
durch dieses Salz als Bleioxydverb 
sidi auf diese Weise abscheiden, 
and ia der Wärme mit kohleiiaaurei 
frisch gefällt und noch feucht ist, 
auf das kohlensaure Bleioxyd solc] 
welche durch das neutrale Salz g 
vergessen werden darf, dass ma 
dem oder den Körpern erlialt, die 
wovon eine kleine Porliou in der 
löst zurückgeblieben war. Naclid« 
Bleioxyd gesättigt hat, wird sie i 
saurem Bleioxyd vermischt nud^ 
schlag bildet, mit dem Vermisch 
Boch ein .Niederschlag entsteht. 

abfiltrirt und die durchgegangene Flüssigkeit mit basischem 
essigsauren Bleioxyd vermischt, bis dadurch nichts mehr 
gefällt wird; dann setzt man eiuige Tropfen verdünntes 
kohlensäurefrei es Ammoniak hinzu und fahrt damit fort, so 
lange sich dabei noch' ein Niederschlag bildet; diese Nieder- 
schläge sind gewöhnlich dieselbe Verbiudung. Der letztere 
«ntsteht dadurch, dass das Bleisalz durch die Fällung iu 
neutrales überging und durch das zugesetzte Ammoniak 
wieder basisch genug wurde, um den Pflauzeustoff völlig 
ftuszulallen. 

Alle diese Verbindungen werden nach dem- Waschen 
noch feucht mit Wasser und Schwefelwasserstoifgas heban- 
delt, bis das Wasser vollkommen mit SchwefelwasseralAff 
gesättigt ist. Die Fällungen geschehen in Flat'Cheu, dio 
verschlossen und zur Klärung der Flüssigkeit in die Wann« 
gestelU werden, welche Klärung oft sehr la^fsua erfoljg^ 

weil 



Analyse. 193 

weil die Schleimigkeit der Flüssigkeit das SchvreFelblei zn- 
rückbftlt, gleichwie das Gummi in der Tiute das gerbaaure 
Eisen suspendirt erhält. Aber früher oder später, wenig- 
trtens nach einigea Tagen, siakt das Schwefelblei zu Bodea 
ood die Flüssigkeit klärt sich. Das Schwefelblei wird mit 
schwerelwasserstoffhaltigem Wasser gewaschen, weil sonst 
das Durchgehende wäbrend des Auswaschen« bleihaltig win^ 
was bei einigea Chemikera das Vorurtheil veranlasst ha^ 
dass Sdiwefelwasserstoff das Blei aus seinen Verbindungen 
vollständig anställen könne, 
t. Sobald das Schwefelblei 
igem Wasser getroffen wird, 
», welches soineu Schwefel 
let, 60 zu sagen, eine saure 
m noch nicht ausgewaschenen 
. es 80 oft, dass, wen» die 
Schwefelwasserstoff enthält 
De Weile gewaschen hat, das 
ch das in dasselbe fallende 
Findet dieses statt, so ist es 
,en des Schwefelblei'« fortzu« 
in Flüssigkeit die kleine Quan- 
thält, mit Schwefelwasserstoff 
auszufällen und dieses mit schwefelwasserstoffhaltigem Was- 
ser auszuwaschen. 

Die Flüssigkeiten, welche beim Abscheiden des Blei's 
erhalten werden, verdunstet man im Wasserbade, bis aller 
Schwefelwasserstoff daraus entfernt ist; darauf werden sie 
eoncentrirt und %\ua Krystallisiren hingestellt oder im El&sic- 
catoi- eingetrocknet Wie diese Stoffe zu ihrer Erkennung 
behandelt werden müssen, dafür lassen sich keine allgemeine 
Regeln aufstellen. Man muss immer vermuthen, dass man 
es mit mehreren gemischten Stoffen zu thun habe, die man 
vermittelst dies» oder jener Reactionsmittel zu scheiden ver- 
sucht. Alkohol und Aether lösen nun oft Körper auf, die 
ans Verbindungen, in welchen sie darin unlöslich waren, 
abgeschieden worden sind. Man versucht Fällungen mit 
basisellem schwefelsauren Eisenoxyd (Fe S'), salpetersaurem 
Qaecksilberoxydul, Quecksilberchlorid, essigsaurem Knpfer- 

X. 13 



194 Analyse* 

oxyAj essigsaurer Thonerde, TbierkoUe oder gut ausge- 
braiiliter Kohle von Birkenholz u. s. w. 

Die mit Bleiessig ausgefällte Flüssigkeit wird durch 
Schwefelwässerstoff von Bleioxyd befreit^ im Wasserbade 
bis zur Trockne verdunstet, um den Ueberschuss von Essig- 
saure zu entfernen, in wenigem Wasser wieder aufgelöst 
und die Lösung mit Alkohol von 85 Procent vermischt. Der 
Alkohol hält in der Lösung die essigsauren Salze zurück 
und scheidet solche Pflanzenstoffe ab, die noch zurückge- 
halten sein können und die man mit Alkohol abwäscht. Die 
Alkohoilösung wird eingetrocknet und die darin vorhandenen 
Basen abgeschieden, nachdem die Essigsäure zerstört ist, 
und ihrer Natur und Quantität nach bestimmt. 

Kochendes Wasser. Was kaltes Wasser ungelöst zu- 
rückgelassen hat, wird mit Wasser gekocht. Dies gilt je- 
doch hauptsächlich für Pflanzenstoffe.; denn Thierstoffe werden 
durch Kochen immer metamorphosirt, so dass neue Materien 
entstehen, deren Menge in dem Maasse zunimmt, als man 
das Kochen fortsetzt. Von Pflanzenstoffeu ist es am ge- 
wöhnlichsten Stärke, welche von kochendem Wasser auf- 
gelöst wird. 

Eine verdünräe Säure, Man kann anweirden Schwefel- 
säure, Salzsäure oder Salpetersäure (die frei von aller sal- 
petrigen iSäure ist). Die Säuren werden mindestens mit der 
90 fachen Gewichtsmenge Wassers verdünnt und können ko- 
chend angewandt werden. Die Säuren lösen auf organische 
Stoffe, unorganische basische Salze, Oxalsäure Kalkerde, 
phosphorsaure Erden, Eisenoxyd, Manganoxydul (wiewohl 
selten) u. s. w. 

Die saure Lösung wird mit kaustischem Ammoniak ge- 
töttigt, wobei das Aufgelöste niederfällt, welches untersucht 
wird. Die abfiltrirte Flüssigkeit wird im Wasserbade ver- 
dunstet und, ehe sie eingetrocknet ist, mit Alkohol vermischt, 
wodurch gewöhnlich Dextrin, aus einem Rückhalt an Stärke 
gebildet, ausgefällt wird, was aber stets genauer untersucht 
werden muss. 

Die Alkohollösung wird eingetrocknet und man sucht 
darin organische Stoffe, die, ausser Salmiak, darin enthalten 
sein können. Man erhitzt ein wenig von der trocknen^asse 
auf Platinblech ; verkohlt sie dabei, so enthält sie organische 



Anhlyse. 195 

Stoffe^ im anderen Falle sublimirt sich Salmiak. Bleibt ein 
Rückstand, so muss dieser untersucht werden. Er zeigt 
eine durch die Säure aus der Probe ausgezogene Basis an^ 
die durch Ammoniak nicht ausgefällt worden war. 

Salpetersäure bat vor Salzsäure den Vorzugs dass man 
die Flüssigkeit^ welche durch Auflösung des nach der Ver- 
dunstung der Alkohollösung bleibenden Rückstandes in Was- 
ser erhalten wird^ untersuchen kann^ ob sie durch essig- 
saures Bleioxyd fällbare Stoffe enthält. 

Kalihydrat Was verdünnte Säuren von der Probe un- 
gelöst lassen^ wird kochend mit einer sehr verdünnten Lösung 
von Kalihydrat behandelt. Darin lösen sich nun gewöhnlich 
coagulirtes Albumin^ Poetin und Extractabsatz. Die fil- 
trirte Lösung wird schwach mit Salzsäure übersättigt^ wobei 
ein voluminöser Niederschlag entsteht^ der oft durch Extract- 
absatz^ welcher von dem Kali zugleich aufgelöst war^ ge- 
färbt ist. Das Albumin wird daraus durch concentrirte Essig- 
säure aufgelöst^ wobei Poetin zurückbleibt. Das Albumin 
bleibt bei der Verdunstung der Essigsäure zurück und kann 
nach dem Trocknen bei 4~ 120^ gewogen werden. Das Poetin 
ist schwierig von dem Extractabsatz zu scheiden. Man löst 
es in Kalihydrat und set^t dann kohlensaures Kali in fester 
Gestalt zu^ welches das pectinsaure Kali unlöslich macht. 
Der Absatz wird durch Säuren aus der Kalilösung gefallt 
und. die Pectinsaure auf gleiche Weise aus der Kaliverbin- 
dung geschieden. 

Die mit Salzsäure von Albumin und Pectin befreiete 
Alkaiilösung muss untersucht werden^ ob sie irgend etne^ 
nicht ausgefällte organische Substanz enthält. 

Nach diesen Behandlungen bleibt von Thierstoffen ge- 
wöhnlich nichts übrig. Aber von Pflanzentheilen bleibt Holz 
oder Pflanzenfaser zurück uud ausserdem Oxalsäure Kalk- 
erde^ die sich^ wenn sie vorhanden ist^ mit verdünnten Säu- 
ren selten gänzlich ausziehen lässt. Ob dabei zuweilen auch 
andere Stoffe von ähnlicher indiffbrenter Natur^ wie Holz^ 
zugleich vorhanden seien ^ ist nicht bemerkt worden^ aber 
möchte wohl möglich sein. Der dann ungelöste Rückstand 
witd mit kochendem Wasser gut ausgewaschen^ bei 4~ 130® 
im Oelbade getrocknet und gewogen. Die Hälfte davon wird zu 
Asche verbrannt. Wenn es nun reine Pflanzenfaser war^ so be- 



lOf Analyse. 

trägt die Asche nicht mehr als V4 bis Vs p« C. davon^ hraml 
nicht mit Säuren und besteht hauptsächlich aus Kieselsäure. 
Ist die Asche alkalisch^ so war das Alkali nicht richtig aus-» 
gewaschen, Ist sie dies nichts braust sie aber mit Säuren^ 
so enthielt die Holzfaser oxalsaure Kalkerde. — Die andere 
Hälfte der Holzfaser wird dann mit kohlensaurem Kali einige 
Stunden lang gekocht^ dann das Alkali abfiltrirt^ daiGf Unge-^ 
loste ausgewaschen^ zuerst mit verdännter Salzsäure^ nm 
kohlensaure Kalkerde wegzunehmen^ und darauf mit Wasser^ 
um die Salzsäure wieder zu entfernen, dann bei -f 1^0^ 
getrocknet und gewogen, worauf auch der Gehalt an Asche . 
daraus bestimmt wird. Was diese Hälfte nun weniger wiegt, 
als die erste, sind fremde, der Pflanzenfaser eingemischte 
Stoffe. — Das kohlensaure Alkali wird genau mit Salzsäure 
gesättigt, der Ueberschu/ss von Kohlensäure aus der Flüssige 
keit durch Kochen ausgetrieben, und die Flüssigkeit, wenn 
sie noch sauer ist, mit ein wenig kaustischem Ammoniak 
vers^zt und daraus die Oxalsäure mit einem aufgelösten 
Kalksalz ausgefällt. Was die Salzsäure von Kalkerde und 
vielleicht noch tmderen Stoffen aufgelöst hat, muss ebenfalls 
untersucht werden. Nachdem alles dieses ausgeführt werde« 
ist, kann der Gehalt an Pflanzenfttser und oxaisaurer Kalk-^ 
erde berechnet werden. 

Eine besonders abgewogene Portion von der getrock- 
neten Probe wird, ohne alle chemische Behajidlung, bei einer 
möglichst gelinden Hitze zu Asche verbrannt und deren 6e^ 
wicht und Zusammensetzung dann bestimmt Aus der Quan- 
tität des kohlensauren Alkali's findet man, wie viel pflanzen- 
saure Salze mit alkalischer Basis die Probe enthalten hatte^ 
wozu die vorhergehende Analyse, wofern diese ein richtiges 
Resultat gegeben hat, die Säuren ausgewiesen haben muss, 
und ihre Menge muss hinreichen, um mit dem Alkali neutrale 
Salze zu bilden. Der Gehalt an Chlornatrium und Chlor- 
kalium in der Asche muss mit dem übereinstimmen, welcher 
bei der Analyse auf nassem Wege gefunden worden ist. 
Bei der Besthnmung des Alkaligehalts in der Asche verf&hrt 
man eben so, wie bei Analysen von Silicaten, mit dem Un- 
terschiede, dass man Essigsäure, anstatt Salzsäure, anwendet, 
im Wasserbado zur Trockne verdunstet, um die Kieselsäure 
völlig abzuscheiden, und darauf die essigsauren Salze mit 



Malyse. IBT 

WMierfreieitt A&dM aassielO« Diau Losung wird sSor Trockne 
verdunstet und die Essigsaure durch Glühen aerstört. Aus 
dem RäeksUmde wird des Alkali. mit Wasser ausgesogen, 
wobei kohlensaure Kalkerde und Talkerde ungelöst xuruck>«> 
bleiben. -^ Was der Alkohol ungelöislt curudllässt, wird bis 
xum schwaGhen Glühen erhitst. Gewöhnlich kann der was** 
•erfreie Alkohol nur ein w^nig von dem essigsauren Kalk 
auszuehen, dessen Rückstand nun zerstört wird. ChloikaHum 
4Hid Chlomatrium werden darauf mit 60 procentigem AUcoIkA 
ausgezogen und mit Platinsalz geschieden. Wasser zieht daiy- 
auf schwefelsaures und phosphorsaures Alkali aus« Man kann 
auch erst alle Salze ,mit Wass^ ausziehen , und sie darauf 
mit wasserhaltigem Alkohol scheiden. — Die zurückbleiben^ 
den Erden werden mit Salzsäure behandelt^ Wobei kiesel^ 
saure ungelöst zurückbleibt. Kaustisches Ammoniak fölit 
aus der Salzsäure phosphorsaure Kalkerde ^ oft auch (Bisen«* 
pxyd. Darauf werden Kalkerde und Talkerde abgeschieden. 
Thonerde ist selten in der Asche von Pflanzen e^thl^ten^ 
aber sie kommt doch zuweilen vor. Sie fallt dann mit der 
pliosphorsauren Kalkerde nieder und hat einen Theil von 
ihrer Phosphorsäure aufgenonunen und eine entsprechende 
JPortion Kalk in der Lösung zurückgelassen. Wird Thon- 
erde gefunden ^ so muss sie auch in dem^ was Essigsäure 
aufgelöst hat^ gesucht werden. 

Allgemeine Bemerkungen zu det vorhergehenden analy- 
tischen Methode. Man kann sich nicht genug bestreben^ mit 
einem jeden von diesen verschiedenen Lösungsmitteln alles 
das vollständig auszuziehen ^ was sie auflösen können« Ge- 
schieht dies unvollständige so bekommt ma» im Verlauf der 
Analyse beständige Verwickelungen^ die von dem^ was man 
liuruckgelassen hat^ herrühren« Idi muss auch noch einmal 
bemerken e dass Stoffe ^ welche für sich in einem Lösungs« 
mittel unlöslich sind^ in Vermischung mH anderen darin lös- 
lich werden und umgekehrt. Wenn s. B. Aetber flüchtige 
O^ auszieht^ so lösen sich auch Harze mit auf^v die für 
sich in Aetber unlöslich sind. Ich muss ferner bemerketf^ 
dass die UnlöaUdilieit in einem Lösungsmittel niemals eine 
absolute ist) und dass also der Aetber ^ in grösserer Menge 
angewandt) wie geringe Menge von dem auflöst^ was man 
ftr darin unlöslich hält. Diasep Uebelstand wurd^ wenn er 



198 Andhfie* 

statt findet) abgeholfen wenn man die ein^lroeknete Masse 
in einer geringeren Quantität von dem Lösongsmittel wieder 
anflöst^ wobei das Schwerlösliche ungelöst zurückbleibt. Dies 
ist auch mit Wasser der Fall; z. B. Stärke^ weldie in kal- 
tem Wasser als unlöslich betrachtet wird^ und es auch is^ 
so lange die Stavkekdmer noch ganz sind^ wird docb^ 
wenn deren äussere Haut zerrissen ist^ bis zu Viooo vom 
Gewicht des kalten Wassers aufgelöst. Enthält dann die 
Wasserlösnng eine freie Säure ^ so wird das Aufgelöste 
während der Verdunstung in Dextrin oder zugleich in 
Stärkezucker verwandelt^ und dieise können dann bei der 
Analyse Gummi und Zucker vorstellen, Coagulirtes Albumin 
ist auf dieselbe Weise in einem geringeren Grade in kaltem 
Wasser löslidi^ es findet sich also unter den Educten mit 
kaltem Wasser wieder und hat oft den Namen Gluten^ 
GUiadin u. s. w. erhalten. 

Im Allgemeinen ist es nöthig^ dass Jeder^ welcher eine 
richtige Untersuchung machen will^ das Vermögen besitze^ 
alle die Umstände auszudenken^ welche Beobachtungsfehler 
veranlassen können^ und die Wege aufzufinden^ wodurch sie 
vermieden werden. Eine jede solche Veranlassung zu einem 
Beobachtungsfehler; die man nicht einsieht ^ veranlasst un- 
vermeidlich einen und dadurch ein unrichtiges Resultat. 

Der allgemeine Gang der Untersuchung ^ welcher im 
Vorhergehenden angegeben worden ist^ bedarf in vielen 
Fällen einer Abänderung j^ in welcher Beziehung ich einige 
Beispiele anführen will. 

Alle frischen Theile \t^ Pflanzen oder Thieren enjthaltea 
Albumin im uncoagulirten und zuweilen gleichzeitig im coa- 
gulirten Zustande. Geht dann der Analyse das Trocknen 
voran ; so geht Alles in den coagulirten Zustand über. Es 
ist jedoch wichtig zu wissen ^ wie viel davon im uncoagu- 
lirten Zustande vorhanden ijsft. 

Man trocknet dann eine besondre Probe ^ um ihren 
Wassergehalt zu bestimmen ^ und analysirt eine andere im 
frischen Zustande. Diese vrird zerhackt und das Flüssige 
daraus in einem neuen und reinen Beutel von starkem Leinen 
oder von Pferdehaar ausgepressu Reicht die natürliche 
Flüssigkeit darin nicht hin^ so wird das Zerhackte in einem 



Jnälgse. 199 

HSrser mit gekoditem uid wieder ericaltetem destillirten Wasser 
gerieben und dann ausgepresst. Das Ausgepresste wird noch 
ein Paar Mal mit kaltem Wasser gerieben und wieder ausge- 
presst. Darauf werden Beutet^ Pressplatten und Rückstand 
mit ein wenig mehr Wasser gewaschen. Alle diese Flüs- 
sigkeiten werden» von dem abfiltrirt^ was beim Pressen mit 
der Flüssigkeit durchgegangen sein kann. Das zuerst Aus- 
gepresste wird für sich genommen^ das darauf Ausgepresste 
mit dem Wasehwasser vermischt und mit diesem auf ein 
geringeres jVolum im Wasserbade einged unstet ^ bevor es 
der ersten Flüssigkeit zugemischt wird. Diese wird nun 
aufgekocht und dann verdunstet^ bis nur noch V3 davon 
übrig ist. Dann wird das abgeschiedene coagulirte Albumin 
auf ein gewogenes Filtrum genommen^ in wasserfreier Luft 
bei -|~ 100^ getrocknet und gewogen. Darauf wird das Durch-* 
gegangene bis zi|r Trockne verdunstet und mit Aether^ Al- 
kohol^ Wasser u. s. w. behandelt. 

Der ungelöste Theil der Probe wird getrocknet und dann 
mit Aether^ Alkohol^ kochendem Wasser u. s. w. behandelt^ 
wie vorhin angegeben wurde. 

Riechende frische Pflanzenstoffe^ besonders Kronenblätter 
von Blumen^ werden frisch mit wasserhaltigem Aether be- 
handelt^ welcher den Pflanzensaft daraus verdrängt^ der oft 
den leicht zerstörbaren Farbstoff der Blätter aufgelöst ent- 
hält^ und darauf kommt der Riechstoff ^ Harz^ gelber Farb- 
stoff u. s. w. ; aufgelöst in dem Aether. Aus der Wasser^ 
lösuttg kann der Farbstoff mit Bleisalz ausgefallt und auf 
diese Weise abgeschieden werden. Die Aetherlösung wird 
in einem undurchsichtigen Exsiccator über Schwefelsäure 
verdunstet^ wobei sie^ besonders wenn man die Verdunstung 
fractionirt^ am Ende das riechende Oel concentrirt^ wenn 
auch mcht absolut rein^ zurücklässt* 

Wenn man Pflanzenbasen sucht^ so wird die Unter- 
suehüng mit dem Ausziehen mit Wasser, dem Schwefel*^ 
säure oder Salzsäure zugesetzt worden ist, angefangen. Die 
Flüssigkeit wird so genau wie möglieh mit kaustischem 
Ammoniak nentralisirt und mit einer Lösung von Eichengerb-* 
säure so lange vermischt, als dadurch noch eine Fällung 
entsteht. Darauf setzt man ein wenig verdünntes kaustisches 
Ammoniak hinzu, welches auf's Neue einen Niederschlag 



198 .Smlyae. I 

«tatt findet, «b^ltolfen, wean man dieä >inen ist. H«q 

in ekier geringeren Quantität von ^ '%a von Gerb- 

•uflfist^ wobei das Schwerlöaliche us ^ Vflanzenb 

ist ancb mit Wasser der Fall; z- '»\ ' der ^ 

tem Wasser als unlöslich betrac^l vr 

so lange die StirkekÖmer nq ^ ir , 

wenn deren fausere Hant zer I \ ^S" 

Gewicht des kalten Wassen^ *^ ^ ^ .^^^ 

Wasserlösnng eine freie ^\ %\ • V ^'^ '^ 

wfihrond der Verdunstung C^*^ V^ ^^J^ ^ 

Stärkexucker verwandelt^ ^^*^ ^ "i ^ ^ ,^ 



Analyse Goniini und Zur i \\ ^ « -& 7 ^ 

ist anf dieselbe Weise. \V^%.%\* "^ 

Wasser lösUeh, e: "^^V^ '' 

kaltem Wasser « ^ ^ ^^ 

Crliadin u. s. w. ei : % ^ ''^^'' ^"' ^ 

Im Allgemeir. V ** "*" "^^^ ^^"" 

riehtige üntersu 5 '^'«l unlöslicher, als 

alle die Ümstä^ ■ j Wasser mit Schwefel- 

veranlassen klV X ^««s jodwasserstoffsaurea 

vermieden w l\ •'*™ abgeschiedenen Schwefel 

BeobachtuDt \ "^^'^ Ammoniak ausgefallt wird. 

venneidlic) \ ''' Gehandelt werden, weil dessea 

/ i .nähme von dem einen Jodatom eineo 

„ ^jf dtört. Bouchardat schreibt vor, das- 

Z,*' ^Y >er mitZmk oder Eisen zu behandeln; aber 

„ . ^I* ju ein Doppetsalz mit dem Metall, dessen Oxyd 

' ,ge zur Abscheidung erfordert. 

.ntersucliUDgeii znr Entdeckung von Arsenik 
bei Vergiftung. 

Ich habe bereits im Th. ID. beim Kapitel vom Arsenik 
diesen Gegenstand aosffihrlich abgehandelt. Aber seitdem 
sind in dieser Beziehung so bedeutende Kntdeckungen ge> 
macht, und dabei ein so ganz neues Prinsip angewandt wor- 
den, dasa man beinahe sagen kann, diese Probe bab« ihre 
grösste Vollendung erreicht. 

Wenn Körnchen von Arsenik aus der zu untersnchendea 
Hasse ausgelesen werden können, so ist die im Th. III. 



8. 73 bmohrlsbtf 

-•ncogsireiM / 

' aufgelö« 

'''erbe« 



O^e."* 



:^ 






^ «wirbt; wie anenige S&are. Dabei 

den, das9 weder Stdiwefelarsenik 

A .Entwickeihng von metallhaltigent 

^ "ti wenn man sie einer Sohwefel- 

wird, wofern sie nicht 

rermisoht sind, weldieH 



arsh, seine Probe auf 
das darch ein aofffkrtS 
igezfindet wird und nma 
* die Flamme gehalte- 
Jj Fleek hervorbringt, 
'^Mieibe, lässt einen 
^■i ^kebrt den Tropfeil 
Entfeninng vod 
wird dann iii 
'^anrgenommeD, 
1^ ^ Lösong voH 
'^ JVsser nichts 
\1 ^fen gaDB 
i| Ui hassti- 
*% einem 



4?j 






'»• 



. aus Schwe. 
.tflgende. Dm b«. 
jtostischeu AnmoniaAt a^, 
Büt kvfateoaauMm Natron v»^ 
sie einen hohen Grad t«d Cot. 
BD viel pulverisirter gut ausgebrOiHi. 
dass das Liquidum davon eingesogen ^. 
Ganee bei eioer Temperator, die 4*100 
kaan, aber nicht bis aum Glühen kommen dk «me« 

troekinet. Diese Masse wird nun in ein an dem nä-t 

sugeblaseoes Glasrobr, welches nach der tRigleiche^ n- 
tit&t der Masse '/« bis Vi Zoll Darehmesser hat, geac 1 
und das Rohr vor der Liampe ausgezogen und zugleich na. 
an der Masse umgebogen, so dass das Ganze eine Retorte 
mit engem, 6 bis 8 Zoll langen Halse bildet. Diese wird 
m ein Sandbad in einem kleinen Thoatiegel gelegt und darin 
EWiscbea freien Kohlen bis zum starken Glühen erhitzt (eine 
Spirituslampe gibt selteu Hitze genüg). Der Tiegel wird 
dabei so gestellt, dass ein grosser Tbeil des RetortMibalae« 
katt erhalten werden kanS. Die Produete der Einwirkung 
des Feuers sind Kohlenoxydgas, Schwefelnatrium und me- 
tallisches Arsenik, welche« sich verflüchtigt oad in den «ogeri 
Hals der Retort« absetzt. 

Biue andere Entdeekangamethode des Arseniks ist voa 
Halle angegeben worden. Di« verd&ebtige Umme w'ad im 



£09 Jnafy^ 

gibt^ im Fall die FMsIrigkeit vorher muer gewesen ist. Mtn 
achtet daun darauf^ dass eiae hinreichende Menge von Gerb-* 
säure hinzukomme^ um den ganzen Gehalt an Pflanzenbase 
auszufallen. Dieser Niederschkg ist ein Bitannat der Pflan- 
zenbase. Er wird gewaschen^ mit Kalkhydrat vermischt^ 
getrocknet und dann mit wasserfreiem Alkohol ausgekocht^ 
worin sich die Pflanzenbase auflöst. 

Eine andere Methode besteht darin ^ dass man die Pflanze 
mit Saizsäure auszieht^ die Lösung auf ein geringeres Vo- 
lum verdunstet und mit Platinchlorid' vermischt^ welches 
ein unlösliches Doppelsalz mit der Salzsäuren Pflanzenbase 
bildet^ welches nach dem Auswaschen mit Alkohol durch 
Schwefelwasserstoff zersetzt wird ^ worauf man die Pflan-* 
«enbase aus der Lösung durch kaustisches Ammoniak nie- 
dersdilägt. 

Das beste Fällungsmittel für Pflanzenbasen soll^ nach 
Bouchardat^ Kaliumbijodfir sein^ weldies mit der Pflan- 
zenbase ein unlösliches Bijodür bildet^ viel unlöslicher, als 
das Bitannat. Dieses behandelt man in Wasser mit Schwefel- 
wasserstoff^ wodurch es sich in saures jodwasserstoffsaures 
Salz verwandelt, welches von dem abgeschiedenen Schwefel 
abflltrirt und durch kaustisches Ammoniak ausgefällt wird. 
Es darf nicht mit Alkali behandelt werden, weil dessen 
Sauerstoff bei der Aufnahme von dem einen Jodatom einen 
Theil der Base zerstört. Bouchardat schreibt vor, das-* 
selbe unter Wssser mit Zink oder Eisen zu behandeln; aber 
dann erhält man ein Doppelsalz mit dem Metall, dessen Oxyd 
dann Umwege zur Abscheidung erfordert. 

Untersuchungen zur Entdeckung von Arsenik 

bei Vergiftung^ 

Ich habe bereits im Th. UL beim Kapitel vom Arsenik 
diesen Gegenstand ausföhrlidi abgehandelt Aber seitdem 
sind in dieser Beziehung so bedeutende Entdeckungen ge«^ 
macht und dabei ein so ganz neues Prinzip angewandt wor- 
den, dass man beinahe sagen kann, diese Probe habe ihre 
grösste Vollendung erreicht. 

Wenn Kömchen von Arsenik aus der zu untersuchenden 
Masse ausgelesen werden können, so ist die im Th. III. 



AnalyH. KM 

8. 73 bwchrieben» Probe immer die eichetete «od die^ i?elcb6 
riM«ag«freise gewählt werden muss^ Aker wenn das Ar«^ 
senik anfgeidst ist^ so ist dies eigent]i<^ der Fall^ wo die 
Be«en Verbesseruhgen anzuwenden sind. 

Tauf f lieb hat in Betreflf der Behandlung der Contenti 
Tentriculi mit Kalibydrat eine Verbesserung angegeben/ Welche 
darin bei^^t^ dass man Zinkoxyd in dem KaH auflöst; Wem 
das Kali dann die arsenige S&ore auszieht^ S0 bflden cRe 
oieisten organischen Stoflfe mit dem Zinkoxyde ekie'> unlös^ 
liehe Verbindung. Die Kali* Fläidnigkeit wird abfiltfirt, die 
Ungelöste gewaschen, das Durchgegangene stark mit desi9& 
Urter Schwefelsäure übersättigt, flltrirt, auf eln^ geringeres 
Velum eingeduns^et, und das Arsenik daraus durch Sdiw^ifeU 
Wasserstoff gefällt. 

Eine bessere Methode der Abscheidung von metallischem 
Arsenik aus Sehwefdarsenik^ wie die im Th. III# angegeftetis^ 
ist folgende. Das Sohwefelarsenik wird vom Filtrum mtt 
kaustischem Axamoniak abgelöst^ die düi^laufende Lösung 
mit kcAlensauMm Natoen vermischt^ verdunstet und, vrenta 
sie einen hohen Grad von Concentration erreicht bat) tttit 
so viel pulverisirler gut ausgebrannter Holzkohle vermisdi^ 
dass das Liquidum davon eingesogen wird« Dann wird das 
Ganze bei einer Temperatur, die + 100^ viel übersteigen 
kann, aber nicht bis 2um Glühen kommen darf, gut ausge«« 
trodcnet. Diese Masne wird nun in ein an dem einen Ende 
angeblasaie^ Glasrohr, welches nach der migleichen Quan«^ 
titftt der Masse V4 bis Vi Zoll Durchmesser Itat, geschüttet 
und das Rohr vor der Lampe ausgezogen und zugleich nahe 
an der Masse umgebogen, so dass das Ganze eine Retorte 
mit engem, 6 bis 8 Zoll langen Halse bildet Diese wird 
m ein Sandbad in einem kleinen Thontiegei gelegt und darin 
zwischen freien Kohlen bis zum starken Glühen erhitzt (eine 
Spiiituslampe gibt selten Hitze genüg). Der Tiegel wird 
dabei so gestellt, dass ein grosser Tbeil des Retortephalses 
kalt erhalten werden kanft. Die Producte der Einwirknnf 
des Feuers sind Kohlenoxydgas,^ Schwefelnatrium mid me^ 
tallisches Arsenik, wekbes sich verflücfaiigt «nd in deos engen 
Hals der Retorte absetzt« 

Bine andere Entdeekungsmethode des Ariseniks ist "vmn 
Malle angegeben worden. Die verdächtige Mawse wkd vm 



90$ Jnäli/ße. 

Wasserimde bis nahe zu dem Pnnct emgedaoBtei, wo sie an* 
fängt einzutrocknen 9 dureh Ausziehen mit Aether und darauf 
mit Alkohol von Fett befreit ^ dann in einer Poreellanschaale 
mit Ammoniumsulfhydrat übergössen und damit im Wasseribade 
bis zur Trockne digerirt. Aus dem Rückstande zieht man 
das Sdiwefelarsentk mit Alkohol ans^ der mit kaustisdiem 
Ammoniak versetzt worden ist. Der Alkohol wurd wieder 
abdemtiUirt und der Rückstand mit Königswasser oxydirt^ in 
Wasser wieder aufgelöst^ die Lösung mit Ammoukk ge- 
•Mtigt^ so dasa sie alkalisch wird^ und dann mit schwefel-» 
saurer Talkerde gefallt. Der Niederschlag ist arseoiksaure 
Ammoniak -Talkerde^ die mit Leichtigkeit reducirt werden 
bann^ wenn man sie in einem Strom von Wassersto£%as 
glüht^ wobei das Arsenik metallisch sublimirt wird. 

Mwnk^^c^ Jbrsenikprohe. Marsh hat ein anderes Prin- 
zip für die Entdeckung des Arseniks in seinen Lösungen anf-> 
gefunden^ welches beinahe alle andere Arten von tleactionen 
übertrifft. Er fand nämlich^ dass wenn man eine Flüssigkeit, 
die auch nur Spuren von arsenig^ Säure enthält, mit Schwe- 
fidsänre. vermischt und Zink dann auflost, die arsenige Säure 
ndtet dem Wasser in der nächsten Umgebung des Zinks 
reducirt und Arsenikwasserstofi^gas gebildet wird, welches 
mit dem Wassersfoffgase wegg^t und bei einer unvollkom- 
menen Verbrennung des ausströmenden Gases sichtbar ge- 
macht werden kann. Er hält ein Stück Porcellan gegen 
das, aujs einer feinen Röhre ausströmende und angezündete 
Gas, wobei das Porcellan so gehalten Wird, dass die Flamme 
sidi darauf ausbreitet. Das Arsenik wird dann abgeschieden 
und auf dem kalten Porcellan in Gestalt eines schwarzen 
Hecks abgesetzt. 

Sobald man anfing, diese Probe in gmchdichen FäHeni 
anzuwenden, wurde sie von Mehreren in Betreff ihrer Zu- 
Ir^rläsi^igkeit untersucht und im Allgemeinen bestätigt. Aber 
Thompson zeigte, dass Antimon dieselbe Reaction gibt, 
und er entdeckte, dass auch ein Antimenwasserstoffgas exi«^ 
stirt, welches vorher nicht bekannt gewesen war und dessen 
Eigenschaften auch jetzt noch nicht genügend ausgemittelt 
sind* Inzwischen war diese Entdeckung hinreidiend, die 
Marsh'sche Probe weniger sicher zu machen, weil wein- 
«anrea Antimoiioxyd-Kali, das ein gewöhnliches Arzneimittel 



Atmfyse* tos 

Mf dieselbe Reaction bewirkt^ ide areenige 6&ore. Dabei 
verdient bemerkt zu werden^ dass weder Sdiwefelarfiremk 
noch Sehwefeiantimon eine Kntwickeliing von metalihaltigeni 
WasserstoiFgas veranlasaien^ wenn man sie einer Schwefel- 
saare zumischt^ worin Zink anfgelöst wird^ wofern sie nicht 
zafUUgerweifile mit oxydirtem Metall vermischt sind, welches 
dann die Ursache der Reaction wird. 

Diese Entdeckung veranlasste Harsh^ seine Probe auf 
folgende Weise auszufahren: Wenn das durch ein aufwärts 
gerichtetes R^r auss^rdmende Gas angezündet wird und matt 
sieht^ dass es auf einer unmittelbar in die Flamme gehalte- 
nen Porcellanscheibe einen schwarzen Fleck hervorbringt^ 
80 nimmt man eine andere Porcellansdieibe^ lässt einen 
Tropfen destillirtes Wasser darauf fallen ^ kehrt den Tropfen 
nach unten und hält ihn eine Weile in einer Entfernung von 
etwa 1 Zoll gegen die Flamme. Das Metall wird dann iii 
dieser oxydirt und das Oxyd von dem Wasser aufgenommen. 
War es Arsenik^ so ist nun der Tropfen eine Lösung von 
arseniger Säure, war es Antimon^ so ha(; das Wasser nichts 
aufgenommen« Lässt man dann daneben einen Tropfen ganz 
neutrales salpetersaures Silberoxyd mit einer Spür von kaüsti-^ 
schem Ammoniak fallen und vereinigt die Tropfen mit einem 
Glasstabe^ so entsteht die bekannte gelbe Trdbung von 
arsenigsaurem Silberoxyd^ welche die so empfindliche Hume^ 
sehe Arsenikprobe ausmacht ^ die jedoch nitt da anwende 
bar ist^ wo die arsenige Säure- frei von fremden Einmi-* 
schungen ist. Ist der Gehalt an Arsenik gering^ so kann 
auf diese Weise die Reaction leicht undeutlich uittl unbe-» 
stimmt werden. Man befeuchtet dann ein langes Glasrohr 
von Va bis Vs Zoll innerem Durchmesser inwendig mit Was- 
ser^ hält dasselbe aufrecht und mit der unteren Oeffiaung 
über die Spitze der brennenden Flamme, damit das Ver^ 
brennungsproduct das Glasrohr durchströmt, wobei die arse-» 
nige Säure vollständig in dem Wasser aufgefangen werden 
kann. Der Inhalt des Rohrs wird dann mit einigen Tropfen 
Wasser herausgespält und mit salpetersaurem SUberoxyd«* 
Ammoniak geprüft. 

Nach meiner Ansicht kann die Probe auf folgende WeiM 
zuverlässiger angestellt werden: Man legt ungefähr in die 
Mitte eines engen Glasrohrs ; das z. B. eine Linie inneren 



t04 .^AuO^ 

Purdunesaer hiU^ an einen zuMimnieiiferoUten Sinbl* odet 
noch besser Ibqiferdratli eine i bis IVa Zoll lai^ Sehioht 
von Kupferoxyd ^nd reducirt dieses mit einem Strom von 
Wasserstoffgas auf die Weise^ dass das Oxyd in der Flamme 
einer Spirituslampe glühend erhalten wird^ so lange sich 
noch Wasser bildet. Wenn das Rohr hinter dem reducirten 
Kupfer durch Trocknen von dem gebildeten Wasser befrett 
worden iat^ lässt man es erkalten^ wahrend noch Wasser- 
stoffgas durch dasselbe hindurchgeht. Nachdem das Rohr 
«rkaltet ist^ wird ein wenig atmosphftrisdie LAift durch das* 
selbe gesogen^ um das Wasserstoffgas daraus bu entfernen^ 
und gewogen^ worauf es dann zum Gebrauch vorbereitet ist* 

Die Schwefelsäure y welche bei der Marsh'scben Probe 
angewend^ werden soll^ musfii entweder voHfcommen rein 
|(ei|i^ oder vorher auf folgeiide Weise vorbereitet werden; 
Sie wird mit der 6 fachen Gewichtsmenge Wassers v^dunnt^ 
in eine Flasche gegossen und Sohwefelwasserstoffgas in 
dieselbe geleitet^ bis die Flüssigkeit mit diesem gesättigt 
ist. Dabei fMIt Blei) Zinn und Arsenik nieder^ womit die 
im Handel vorkommende Säure häufig verunreinigt ist. Die 
Flasche wird wohl verschlossen und in gelinder Wärme 
klären gelassen. Nach 24 bis 48 Stunden wird sie Von den 
Schwefeloietallen abfiltrirt^ d^nn iSo lange gekocht^ als aie 
noch einen G.eruch nach Schwefelwasserstoff oder na<}h 
schwefliger Säure entwickelt und nun erkalten gelassen. Sie 
ist nun in dem Zustande^ in welchem sie bei der Prob^ 
angewendet werden kann. Ganz dasselbe gilt für Salzsäure 
wenn, man diese anwenden will. 

Das Zink müss destillirt worden sein. Manches im 
Handel vorkommende Zink ist mit Arsenik verunreinigt und 
deshalb bei dieser Gelegenheit auf eine gefährliche Weise 
trügend» Man muss es dahelr nach der Marsh'schen He«* 
tbode sorgfältig prüfen^ bevor man es anwendet. Das Zink 
wird zu diesem Zweck in eine Flasche gelegt^ in deren 
Hals mittelst eines dichten Korks ein Gaseutwickelungsrohr 
eingebraeht ist; dieses Rohr ist in einen reellen Winkel 
gebogen und am Ende mit dem vorhin erwähnten Rohr^ in 
welchem sich Kupfer befindet ^ mittelst eines Caoutschouc- 
rehrs luftdicht verbanden. Das Rohr ruht auf dem Greatell 
einer Spiiitüslampe ^ um das Ki^er glühen eu können. Auf 



da« Zink wird ein Gremiscb von Wasmr mid areenikfreier 
Schwefelsäure gegossen und^ wenn die atmosphärisclie Luft 
durch das Wasserstoffgas ausgetrieiien ist^ wird die Lampe 
angezündet und das nach der trasche gerichtete Endo 
des Kupfers zum Glühen gebracht und im Glühen eriialten^ 
bis alles Zink aufgelöst ist. Wenn dabei das Kupfer vorne 
seine Fariie nicht verändert hat^ und es beim Wägen nicht 
schwerer befunden wird^ so kann das Zink ange;fvendet 
werden^ widrigenfalls es zu verwerfen ist. Die geringste 
Quantität von Arsenik wird entdeckt ^ wenn man den vor- 
deren Theil des geglüheten Kupfers mit der Löthrohrflamme 
behandelt^ wobei sich der Arsonikgeruch deutlich zu erken- 
nen gibt. Ich erlaube mir, ganz besonders darauf auf merk«« 
sam zu machen, dass man dieses genau beachte, weil man, 
wenn diese Vorsicht versäumt wird, bei gerichtlichen Unter-»* 
Eichungen leicht einen I^d darauf ablegen kannte, man 
habe Arsenik in einer Probe gelunden, wo keine Spur davon 
vorhanden war. 

Mit derselben Sicherheit lässt sich Eisen nicht anwen*« 
den, weil sich bei der Auflösung desselben eine Portion 
Arsenik mit dem Eisen verbindet, zu einem schwarzen Pulver 
von Ars^enikeisen, auf weiches die Säure keine Wirkung 
ausübt. 

Die organische Substanz, vergiftete Speisen oder Ge- 
tränke, oder die Contenta aus dem Magen oder den Gedär^ 
men, welche uutersucht werden sollen (und worin sich nach 
den bereits im Th. III. beschriebenen Vorsichtsmaassregeln 
keine Kömer ven arseniger Säure entdecken lassen , in wel- 
(diem Fall die Reduction derselben mit Kohle vollkommen 
hinreicht), werden mit ein wenig von der präparirten Schwer 
feisäure vermischt un^ gekocht, um i|nsichtbare Theile von 
arseniger Säure aufzulösen und um das, was sich sonst bei der 
Marsh 'scheu Probe coaguliren würde, zu coaguliren. Die 
Flüssigkeit wird durch ein Filtrum abgeschieden und das 
Coagulum ausgedrückt. 

Zur Gasentwickelung bedient man sich einer einfachen, 
hinreichend geräumigen Flasche, die aber eine so weite 
Oeffnung hat, dass ein Kork hinetnpasst, der zwei Röhren 
aufnehmen kann, nämlich das Gas^ntwickelungsrohr und ein 
anderes Rohr, durch welches die FlfisAgkeit in die Flasche 



206 Jnal^. 

gegossen werden kann. Man legt das Zink in die Flasche^ 
verschliesst sie und giesst ein wenig mit Wasser verdünnte 
arsenikfreie Schwefelsamre hinein^ welche Wasserstoffgas 
entwickelt und dadurch die in dem Apparate eingeschlossene 
atmosphärische Lu£t austreibt. Wenn diese daraus weg- 
gegangen und keine Explosion mehr zu befürchten ist^ wird 
das Rohr mit dem Kupfer angebunden und dieses glühend 
gemacht Jetzt wird durch das aufrechte Rohr in dem Korke^ 
welches so lang sein muss^ dass es nahe bis auf den Boden 
reicht 9 die auf einen Arsenikgehalt zu prüfende Flüssigkeit 
eingegossen. Das Wasserstoffgas^ was im Anfange ^ent- 
wickelt wird^ ist aus leicht begi'eiäichen Gründen reicher 
an Arsenikwasserstoffgas und wird zuletzt immer ärmer^ weil 
sich die Quaatitat der arsenigen Säure in der Flüssigkeit 
fortwährend vermindert. Man darf dahelr die ersten Gas- 
portionen nicht dadurch verlieren, dass man damit die Lufit 
austreibt Je schwächer die Gasentwickelung geschieht^ 
desto sicherer ist die Probe. Wenn die Gasentwickelung 
snletzt aiüfuigt abzunehmen, so kann sie durch neue hinzu- 
gegossene Schwefelsäure noch einige Male wieder verstärkt 
werden, um die letzten Spuren von arseniger Säure in der 
Flüssigkeit wegzunehmen, wenigstens in so weit dies mög- 
lich. Keine Spur von Arsenik geht mit dem Wasserstoffgaso 
weg, welches durch das glühende Kupfer gegangen ist 

Nach Beendigung des Versuchs ist der vordere Theil 
des Kupfers durch Arsenikkupfer silberweiss. Die Gewichts- 
zunahme dos Rohrs besteht in Arsenik. Eine -kleine, von 
dem weissen Theil genommene Probe gibt vor dem Lothrohr 
unter allen den entscheidendsten Beweis, dass das Aufge- 
nommene Arsenik ist, nämlich durch den unverkennbaren 
Geruch. Will man aus dem Kupfer das Arsenikkupfer ab- 
scheiden, so digerirt man es mit fioipferchlorid und Salz- 
säure, worin sich das reine Kupfer auflöst, mit Zurücklas- 
sung des Arsenikkupfers, welches, durch Waschen mit Salz- 
säure von Kupferchlorür befreit wird. 

Zu diesen Versuchen kann man auch gewogenes Kupfer- 
oxyd anwenden, welches vorher ;sur Austreibung aller Ftadi- 
tigkeit in einem durch das Rohr geleiteten Strom von atmo- 
sphärischer Luft geglüht worden ist. Aus dem Gewicht des 
Oxyds kennt man das des Kupfers. Während des Versuchs 



Analyse* 807 

wird das Oxyd zu Metall reducirt und was dieses dana mehr 
wiegt ^ als nach der Rechnung^ ist Arsenik. Enthielt das 
Gas auch Antimon^ so wird auch dieses von dem Kupfer 
aufgenommen^ aber das Antimonkupfer gibt vor dem Lötb- 
röhre keinen Geruch. Sind sie mit einander vermischt, 
so erkennt man den Arsenikgeruch sogleich^ besonders wenn 
man ein wenig Soda oder Borax zusetzt. 

Bedient man sich aber der Marsh 'sehen Methode^ um 
die arsenige Säure in einem feuchten Rohre aufzusammeln^ 
so verfahrt mau eben so^ aber das Gasentwickelungsrohr 
wird zwei Mal rechtwinklig gebogen^ öder es ist ganz ge- 
rade^ und am Eude^ wo das Gas angezündet werden soll^ 
feiner ausgezogen. Man muss zwei feuchte Röhren zum 
Wechseln haben, damit das eine, nachdem es von der 
Flamme erhitzt worden ist, abkühlen kann, während das 
andere gebraucht wird. Da die Quantität oft sehr gering ist, 
so muss man in dem Rohr möglichst viel von der arsenigen 
Säure aufzufangen suchen, um unzweideutige Reactionen 
zu bekommen. 

Bei dem Aufsuchen von Arsenik in Leichen ist es oft 
der Fall, dass die zur Rettung der Verstorbenen angestellten 
Versuche das Gift aus dem Magen und den Gedärmen weg- 
geschafft haben, dass man von dem Ausgebrochenen nichts 
gesammelt hat und dass es also auf diese Weise unmöglich 
geworden ist, das Arsenik, wiewohl alle Symptome und 
wahrscheinlicher Verdacht auf eine Vergiftung deuten, ent-* 
decken zu können. Der Tod kann dessen ungeachtet durch 
Gift erfolgt sein, welches absorbirt worden ist. Dieser Um- 
stand hat den grösten Toxicologeii unserer Zeit, Orfila, zu 
Versuchen veranlasst, ob nicht alle Theile des Körpers eine 
Spur von Arsenik enthalten können, die sich nachweisen 
liesse, und diese Versuche sind vollkommen geglückt. Das 
Princip davon ist folgendes : Man nimmt ein grösseres Stück 
von einem Körpertheil einer Leiche, z. B. die Hälfte der 
Leber, eine Lunge, zerschneidet es in Stücke und kocht 
diese mit Wasser, dem sehr wenig Kalihydrat, z. B. 2 bis 
3 Gran trocknes Kalihydrat auf die ganze Quantität, zuge- 
setzt worden ist, aus und setzt das .Kochen 6 Stunden lang 
fort. Dadurch wird gewöhnlich der ganze Arsenikgehalt 
ausgezogen, jedoch nicht immer. Die Lösung wird mit 



208 Jnaly$e. 

Sal»iäiire sauer gemacht und filtrirt. Das abgeschiedene Vnr 
gelöste wird im Wasserbade vollkommen ausgetrocknet und^ 
gleich der fiUrirten Lösung^ einer besonderen Behandlung 
unterworfen. 

1. ' Die Lösung lässt man alles Fett, was sie enthalten 
kann 9 absetsen und scheidet dies dann ab. Man äbersättigt 
sie mit Schwefelwasserstoff und lässt sie damit 48 Stunden 
lang, stehen, damit sich das Schwefelarsenik absetze, das 
man auf einem Filtrum sammelt. Die abfiltrirte Flüssigkeit, 
welche auf diese Weise nicht völlig arsenikfrei wird, ver- 
dunstet man zur Trockne. Dies ist jedoch überflüssig, wenn 
der erhaltene gelbe Niederschlag Arsenik enthalt; zuweilen 
ist er aber nur eine organische Materie* 

Der gelbe Niederschlag wird bis zur völligen Oxydirung 
des Arseniks und Schwefels mit Königswasser behandelt 
und die Lösung im Wasserbade bis zur Trockne verdunstet. 
Sie lässt ein Gemisch von Arseniksäure und Schwefelsäure 
zurück, das man in verdünnter reiner Schwefelsäure auflöst 
und in dem Marsh 'sehen Apparate behandelt« Gibt sich 
dann keine Spur von Arsenik zu erkennen, so wird das, 
was nach dem Verdunsten bis zur Trockne der mit Schwefel- 
wasserstoff gefällten Flüssigkeit zurückgeblieben war, mit 
Salpetersäure von 1,37 verkohlt und, wie gleich weiter unten 
angeführt werden soll, weiter behandelt« 

2. Das getrocknete Ungelöste wird einem von Orfila 
erfundenen Verkohlungsprocess unterworfen, was auf folgende 
Weise geschieht: Man erhitzt Salpetersäure von 1,37 bis 
1,41 specif. Gewicht, nachdem man sie mit salpetersaurem 
Silber destillirt bat, um allen Verdacht eines Gehalts an 
Arsenik zu beseitigen, in einer Porcellanschaale über Koh- 
lenfeuer bis nahe zum Kochen und trägt in Zwischenräumen 
von einigen Minuten 3 bis 4 Stücke von der getrockneten 
Masse nach einander hinein. Siö lösen sich unter heftiger 
Bntwickelong von rothen Dämpfen auf und die Flüssigkeit 
besitzt, wenn alles aufgelöst worden ist, eine hellgelbe Farbe, 
die bei fortgesetztem Verdunsten orange- und am Ende dun- 
kelroth wird, und an den Rändern hier und da anfängt, ver- 
kohlte Stellen zu bekommen. Nach einigen Augenblicken 
fingt sie an, einen dicken, undurchsichtigen Rauch auszu- 
stosstn. Man ninmit sie dann sogleich vom Feuer. Die 

Ver- 



Analyse. 809 

Verwandlung geht jetzt von selbst fort^ die Hasse raucht 
und bläht sich auf^ ohne jedoch überzusteigen^ und wenn 
alles vorüber ist^ bleibt eine poröse Kohle zurück. Nach 
dem Erkalten wird die«^ in einem Glas- oder Porcellan- 
mörser zu Pulver zerrieben und mit Wasser ausgekocht. 
Dieses wird nun in den^ bereits mit Zink und verdünnter 
Schwefelsäure versehenen Marsh' sehen Apparat gegossen- 
Scheidet sich dabei eine schwarze oder braune Masse ab^ 
die einen Schaum bildet^ der überzusteigen droht^ so muss 
die Flüssigkeit sogleich in einen grossen verkorkten Trichter 
gebracht^ das Zink mit ein wenig Wasser abgespült und 
dieses Spülwasser auch mit in den Trichter gegossen werden. 
Der Schaum begibt sich dann oben auf und das Liqui- 
dum kann nach einer Weile wieder in den Apparat abge- 
lassen werden. Gibt sie Schaum^ aber weniger^ so giesst 
mau eine dünne Schicht Baumöl oben auf die Flüssigkeit^ 
wodurch das Schäumen verhindert wird. Orfila zündet das 
Wasserstoffgas an und lässt es gegen echtes Porcellan bren- 
nen^ aber so oft gegen eine andere Stelle^ bis es von dei* 
Flamme nicht mehr geschwärzt wird. ' 

£r zieht die vorhergehende Behandlung mit Kali^ Salz- 
säure und Schwefelwasserstoff vor^ wiewohl man auch die 
eben erwähnte Operation sogleich vornehmen kann^ nach- 
dem man die für die Prüfung bestimmte Substanz ^ ohne 
vorhergegangenes Auskochen^ getrocknet hat. 

Zum Gelingen dieser Verkohlungs-Operation thierischfdr 
•Stoffe ist eine Salpetersäure von bestimmter 8l;ärke und eine 
bestimmte Quantität davon erforderlich. Nimnit man zu viet 
Salpetersäure^ so entzündet sich die Masse bei der Verkoh- 
hmg und das Arsenik raucht weg. Verschiedene Körpertheile 
erfordern ungleiche Mengen von Salpetersäure^ worüber er 
Folgendes angibt: 

Getrocknetes Blut 3 Unzen ^ Salpetersäure von 1^37 
specif. Gew. 7 Unzen. Getrocknetes grosses und kleines 
Gehirn von einem Erwachsenen 6 Unzen, Salpetersäure 2 
Pfund 4 Unzen. Beide Lungen getrocknet 57^ Uiize, Salr 
petersäure 1 Pfund. Das Herz 6 Drachmen, Salt)etersäujfe 
ö Unzen. Die Leber 12 Unzen, Salpetersäuk« 34 Unzen. 
Die Milz 12 Drachmen, Salpetersäure 3Va Unze. Magen 
«od Gedärme 3 Unzen, Salpetersäure 9 Uisseu^ Die heidnn 

X 14 



210 Analyse* 

Nieren 2 Unzen, Salpetersäure 6 Unzen. Muskeln 22 Un- 
zen, Salpetersäure 2 Pfund 4 Unzen. 

Rückstand von der Einkochung des mit Schwefelwasser- 
stoff gefällten Decocts 3 Unzen^ Salpetersäure 9 Unzen. 

Alle diese Substanzen müssen so stark wie möglich 
getrocknet worden sein. 

Orfila hat auf diese Weise aus Leichen, die mehrere 
Jahre begraben gewesen warei^, Arsenik ausgezogen; aber 
er macht aufmerksam auf die Nothwendigkeit^ dass man^ 
wenn, der Sarg faul geworden und die Leiche mit Erde um- 
geben ist, die Erde des Begräbnissplatzes auf eine' Entfer-^ 
nung von 3 Fuss von der Leiche aufsammele, sie lange mit 
Wasser auskoche und diese Lösung mit Zink und Schwefel- 
säure auf Arsenik prüfe, weil ein Arsenikgehalt von einer 
schon vorher zu Erde vermoderten Leiche leicht irre fuhren 
könne, was nicht der Fall ist, so lange der Sarg noch un- 
beschädigt ist. Er hat die Erde von Begräbnissplätzen 
untersucht und darin unzweideutige Spuren von Arsenik 
gefunden. Einer Frau, die mit Arsenik vergiftet, aber her-» 
hach gerettet war, wurde nach Vorschrift des Arztes zur 
Ader gelassen und das Blut eingetrocknet; in diesem fand 
Orfila nach der eben angegebenen Methode Arsenik. 

Orfila hat dabei die überraschende Entdeckung gemacht, 
dass wenn frische Knochen auf dieselbe Weise behandelt 
werden, oder die Knochenerde zuerst aus dem Knorpel durch 
Salzsäure ausgezogen und die saure Lösung der Marsh- 
BChen Prob^ unterworfen wird, man eine ganz unzweideutige 
Spur von Arsenik erhält, die dagegen nicht erhalten wird, 
wenn man die Knochen vorher weiss brennt. Es ist also 
nothweudig, keine Knochenstücke mitfolgen zu lassen, wenn 
die Marsh' sehe Probe in gerichtlichen Fällen gemacht, wird. 

Bei dem ersten Blicke erscheint diese Entdeckung von 
Orfila sonderbar und selbst unwahrscheinlich. Aber wenn 
man sich die Frage vorlegt, woher der phosphorsaure Kalk 
in Pflanzen und Thieren konmit, so zeigt es sich deutlich, 
dass er hrsprünglich aus' der unorganischen Natur herge- 
nommen wird, gleichwie alle unverbrennlichen Bestandtheile 
der organischen Körper. Aber die Analysen zeigen, dass 
der phosphorssure Kalk und naturliche phosphorsaure Sals* 



\ 



Antiphlogistische Chemie -^ Aräometer. 211 

im Allgemeinen von kleinen Quantitäten von Fluorcalcimn 
und arseniksaurer Kalkerde begleitet' sind^ gerade densdben 
Begleitern^ welche wir auch in der Knochenerde finden« Da 
der arseuiksaure Kalk in dieser Gestalt sich nicht von dem 
phosphorsauren Kalk unterscheidet^ so ist es klar^ dass das 
Arsenik darin in nicht giftiger Form vorhanden ist. Es lässl 
sich voraussehei^^ dass die Knochenerde in verschiedenea 
Gegenden der Oberfläche unserer Erde ungleiche Quantitäten 
von diesen fremden Begleitern enthalten könne ^ je nachdenl 
es der natürliche phosphorsaure Kalk^ von dem er Ursprung«* 
lieh herrührt^ mehr oder weniger gewesen ist ^ und dass sie 
selbst hier und da ganz fehlen Rönnen. Bei der Abhandlung 
von den Knochen im vorhergehenden Theile habe ich dar- 
über nichtfi angefahrt^ weil diese Thatsache damals noch 
unbekannt war^}. • 

Antiphlogistische Chemie — wurde eine Zeit lang 
Lavoisier's Theorie der Verbrennung genannt^ weil sie 
eine Widerlegung der Lehre vom Phlogiston war^ die zur 
Erklärung der Verbrennungs-Erscheinungen diente. 

Are — die Einheit des französischen Flächenmaasses; 
siehe Maass. 

' Aräometer — Senkwaage ^ ist ein Instrument y womit 
das spec. Gewicht flässiger Körper bestimmt wird^ und wel- 
ches sich darauf gründet, dass ein schwimmender Körper in 
einem leichteren Liquidum tiefer einsinkt, als in einem sohwe-« 
reren. Von der Art ist unsere gewöhnliche Branütwein- 
Tvaa^ge, wiewohl sie nicht nach dem spec. Gewicht graduirt 
ist. Die am allgemeinsten angewandten sind ausserdem die 
von Beaume und von Richter. Das Aräometer des Er- 
steren kommt so oft in chemischen Schriften vor, und die 



*) Nach anderwei^en nenertn Untersuchungen ioll diese Ang;abej dass 
die -Kilochen im normalen Zustand Arsenik enthalten^ nicht gej^ündet 
sein und Orfila's Beobachtung; auf einer Täuschung; beruhen» Unter 
gewissen Umständen solleti nämlich aus arsenikfreien Flüssigkeiten) 
wenn sie der Marsh 'sehen Probe unterworfen werden^ htt^ dem 
Wassersiolfgase Materien sich verflüchtigen , \f eiche bei der V^rhren* 
noog des Gases auf Porcellan gans ahnliche Flecken erzeuglBA^ wie 
Arsenik. Um so mehr wird es also noth wendig^ das von n.erze'» 
lius angegebene Verfahren bei Anwendung d<r Marsh 'sehen Probe 
Ml heftigen. W* 

14* 



£12 



Grade deMidbea wetden so allgemeifl sor Bestimiirang des 
Conoentrationsgrades von Säuren^ Salzaoflösangen und spi* 
ritiidseii Flfissii^eiten gebrandit^ dass es nicht ohne Nutzen 
mm kann; die Beziehung seiner Grade zum spec. Gewicht 
anzuführen. Ich werde nicht das Instrument selbst beschreib 
ben^ da es ganz dasselbe ist^ wie unsere allgemein bekannte 
B«n«twmwage. 

Man hat davon zwei Arten: nämlich eins für Flüssig- 
keiten; die schwerer als Wasser^ und eins für Flüssigkeiten^ 
die leiditer als Wasser sind. 

Beaumj's Aräometergrade für Flüssigkeiten; die schwe- 
rer als Wasser; bei «1-12'^^ (»+55^ Fahr.); oder Lau- 
genwaage. 



Beanme's 


Nieholfon'fl 


BassenfraWs 


• 

Bingley's 


Gnde. 


Wignos. 

• 


WigMg. 


Wmgung. 


1 


1,0000 


W9 - - . ■ . 




2 


w 


1,0128 




3 


1,020 


1,0192 




4 




1,0256 




5 


■ 


1,0320 




6 


1,040 


1^0384 


V 


7 




1,0448 




8 




1,0502 




9 


1,064 


1,0576 




10 




1,0640 


• 


12 


1,069 


1,0775 




14 




1,0910 


1 


15 


1,114 






16 




1,1045 




18 


1,140 


1,1182 


1,150 


20 




• 1,1320 


1,167 


21 


1,170 




w 


22 


w 


1,1462 




24 


1,200 


1,1608 




26 


w 


1,1760 


1,216 


27 


1,230 


. 




28 





1,1920 


1,233 


29 




. 


1,250 


30 


1,261 


1,2100 


1,267 


81 






1,275 


32 






1,283 


33 


1,295 






34 




4 


1,300 



Aräomder, 



2ia 



Beaume's 


Nicholaon't 


VbuaviiXn.\£t 


Bingley's 


Gntde. 


WSgrmig. 


W&gimg. 


WigiiBf. 


35 






\^yi 


36 


1,333 




1,313 


37 






1,342 


38 




, 


1,350 


39 


1,373 




1,358 


40 


. ^ 




1,367 


41 






1,383 


42 


M14 




\m 


43 


w 




1,416 


45 


1,455 




1,435 


48 


1,500 






51 


1^47 


■ 




54 


1,597 




1 1 


57 ' 


1,659 




\ 


60 


1,717 






63 


1,779 


' 




66 


1,848 






69 


1,720 






72 


2,000 


* 


■* 



Beaamd'8 Aräometergnid« für FIöarigiECitM, ia» leMk« 
ter sind als Wasser^ toi +23V** (»+18V«* RJ 



ArSome- 


Nicholson« 


BaMea- 


! 

Aräome- 


■ 

Nicholson. 


Hasaen- 


tergrade. 




fraU. 


tergrade. 




frata. 


10 


1,000 


1,000 


25 


0,897 


0,9057 


11 


0,990 




26 


0,892 


0,8944 


12 


0,985 


0,9863 


27 


0,886 




13 


0,977 


0,9796 


28 


0,880 




14 


0,970 


0,9730 


29 


0,874 




15 


0,963 


0,9666 


29V» 




0,8807 


16 


0,955 


'. 


30 


0,87t 




16V, 


\ 

* 


0)9569 


31 


: 0^7. 




17 


0,949 




32 


^52 


0,8675 


18 


0,942 


0,9474 


33 


r 


19 


0,935 




34 


0,047 


0,8571 


19V» 




0,9382 


35 


0,842 


' 


20 


0,928 


t 


36 


0,837 


. 


21 


0,922 


i 0,9290 


37 


0,832 


0,8421 


22 


0,915 




38 


0,827 




23 


0,909 


0,9172 


39 


0,822 




24 


0,903 


_ 


40 


0,817 


0,8276 



214 Atäameier. 

Beaumj gradairte sein Aräometer far Salzlösungen auf 
folgende Art: Dasselbe wurde in Wasser von -f H^ einge- 
senkt^ und dann bq viel Quecksilber in die noch offene Röhre 
gebracht^ bis das Instrument fast bis an das Ende einsank. 
Dieser Punkt wurde nun mit QP bezeichnet Darauf wurde 
diese Waage in eine Salzauflösung von 15 Th. Kochsalz 
und 85 Th. Wasser gebracht^ und der Punkt, bis zu dem 
sie einsank^ mit 15 bezeichnet. Der Abstand zwischen die- 
sen Puncten wurde in 15 gleiche Theile^ welche Grade aus- 
machten^ eingetheilt^ und darauf die Röhre auch auf der 
unteren Hälfte in 15 gleich grosse Grade eingetheilt; denn 
Beaumä glaubte^ dass die Zahl eines jeden Grades den 
procentischen Gehalt von Salz in der Auflösung anzeige. 
Dies ist jedoch nicht richtige theils weil die Röhre dieser 
Waage nie genau cylindrisch sein kann^ und theils ^ weil 
das specifische Gewicht nicht ganz in demselben Verhältniss 
wie der Salzgehalt der Auflösung zunimmt. 

Die Waage für spirituöse Flüssigkeiten ist ganz nach 
demselben Principe^ d. h. nicht nach ungleichen Quantitäten 
von Alkohol^ sqpdern in einer Salzauflösung graduirt. Der 
Nullpunkt befindet sich hier nicht «an der Spitze^ sondern 
gleich übqr der Kugel ^ und ist durch die Stelle bestimmt^ 
bis zu der die Waag^ in einer Auflösung von 10 Th. Salz 
in 90 Th. Wasser sinkt. Sie wird hierauf in reines Wasser 
eingetaucht^ und der Punkt^ bis zu dem sie darin untersinkt^ 
mit 10 bezeichnet. Dieser Abstand wird in 10 Grade getheilt^ 
nach welchen nachher der übrige Theil der Röhre mit gleich 
grossen Graden graduirt wird. 

Die Zahlen für die entsprechenden specifischen Gewichte^ 
die in den vorhergehenden Columnen angefahrt sind; hat 
man auf folgende Art gefunden: Die von Nicholson mit 
der Laugen waage sind nach der Angabe von Guyton-Mo r- 
veau, dass 66 Grade einem specif. Gew. von 1^848 ent- 
sprechen ;. berechnet. Mit der Spiritus waage dagegen sind 
sie nach den eigenen Angaben von Beaum^ berechnet^ dass 
nämlich 37 Grade 0^842 spec. Gew. entsprechen ^ und dass 
ein Gemische von 2 Gewichtstheilen von diesem Spiritus 
mit 30 Gewichtstheilen Wasser ^ dessen specifisches Gewicht 
0;9915 ist; 12 Grade auf der Waage gibt. 



Aräometer. 815 

Die BefliimniiuigeB von Hassenfratz sind so erhalten^ 
dass er Wasser mit denjenigen Portionen Salz mischte^ die 
nach Beanme den angegebenen Graden der Waage ent- 
sprechen^ worauf er dasselbe auf einer hydrostatischen 
Waage wog. Mau sieht also aus dem Mangel an Ueberein- 
Stimmung zwischen den Zahlen von Hassenfratz und Ni- 
cholson^ in welchem Grade die Annahme von Beaum^ 
unriditig ist. — Hassen fr atz 's specifische Gewichte für 
die Spirituswaage wurden auf die Weise gefunden^ dass 
ib Th. Spiritus von 40 (^rad mit 1 Th. Wasser gemischt, 
37 Grad, 14 Th. Spiritus mit 2 Th. Wasser, 34 Gr., 13 Th. 
Spir. mit 3 Th. Wasser, 32 Gr. u. s.w. entsprachen. Diese 
Gemisdie wurden von Hassenfratz gemacht und gewogen. 
Die Angaben von Bingley dagegen gründen sich auf direote 
Wägungen von FJüssigkeiten, in denen ein mit Sorgfalt 
verfertigtes Aräometer von Beaume bis zu dem angegebe- 
nen Grade einsank. Sie erstrecken sich nur auf die specifi-^ 
sehen Gewichte, welche am allgemeinsten bei den Säuren 
4ind Salzauflosungen, die bei chemischen Versuchen gebraucht 
werden, vorkommen. 

Richter's Aräometer hat vor dem von Beavme be- 
deutende Vorzüge, theils weil es viel geringere Quantitäten 
von liquidum erfordert, und theils, weil es das specifische 
Gewicht angibt, ohne an couventionelle Grade gebunden zu 
sein. Es besteht aus einer Röhre von düimem Glase von 
IV2 bis 2 Linien innerem Durchmesser, von einer solchen 
Länge, dass sie im Wasser nicht weiter als bis zu einem 
gewissen Grade einsinkt, wenn sie am unteren Ende zuge- 
tfchmolzen ist. Von solchen Röhren macht man sich drei, 
denn wenn man nur apf eine einzige die ganze Scale brin- 
gen wollte, so würde sie für den Gebrauch unbequem wer- 
den* Auf der einen Röhre befindet sich die Scale von z. B. 
0,75 bis 1,000, auf der anderen von 1,00 bis 1,40 und auf 
der dritten von 1,30 bis 1,90. Um sie genau zu graduire% 
macht man sich Gemische von Spiritus und Wasser, wid 
von z. B. Schwefelsäure und Wasser, deren specifisches 
Gewicht man genau abwägt; je mehr man derselben hat^ 
um so sicherer wird die Waage. VUm die Röhre bis zur 
richtigen Höhe einzusenken, bringt man durch ihr ofibnes 
Ende Schrotkömer und grobes Pulver Vpp Stegellaok. Hat 



ei6 



Aräometer. 



man beim Eilisenken den gewfinsditen Ponkt getroffen, so 
eriiitzt mUn das untere Ende der Röhre über einer Licht** 
flamme, wodurpfa das Siegellack schmilzt und die Schrot^ 
kömer befestigt, die sonst durch ihre Bewegung beim Trans- 
portiren des Instruments die Röhre zerbrechen könnten. Zu 
gleicher Zeit muss man in das offne Ende der R^re das 
Papier, worauf die Scale geschrieben werden soll, oder 
wenigstens ein Papier von gleichem Gewicht einbringen; 
hierauf senkt man die Röhre in die abgewogenen Flüssige 
keiten, von denen man wenigstens 5 für jede Röhre haben 
muss, und, bemerkt auf der Rohre die Punkte, bis zu denen 
sie ib einer jeden derselben einsinkt. Diese Punkte über- 
trägt man dann i^uf eine Scale von Papier, die nach einem 
leichten Schenia zwischen den gefundenen Punkten gradoirt 
wird, und zwar so fein, als es die Deutlichkeit zulisst* Du 
die Punkte, bis zu denen die Waage in Flüssigkeiten von 
ungleichem spec. Gew. einsinkt, darauf bemhen, dass stdi 
die, in die Flüssigkeit eingesenkten Volummi der Waage^ 
umgekehrt wie die spec. Gewichte verhalten, so werde« 
die Grade auf der Waage für gleiche ab- oder zunehmoidte 
Zahlen im spec. Gew. nicht gleich gross, sondern sie wer- 
den immer grösser,^ in dem jlfaasse, als das* spec. Gewicht 
abnimmt. Das Schema, wodurch man am einfadisten diese 
Gradüirung bewerkstelligt, ist Folgendes: 




AB sei die liäAge von dem Stöcke der beabsichtigten 
Scale, von dem man durch Versuch^ gefunden hat, dass 
es zwischen dem spec. Gew. 0,900 und 0,950 liegt. Man 



Aräometer. S17 

iliisst danü eine gleich lange Linie auf einem andern Papier 
ab^ und zieht von dem Punkte A die Linie ACj deren Länge 
und Neigung gegen u4 man beliebig machen kann. Darauf, 
sieht man von B eine andere Linie BD parallel mit jlC* 
Nun mi8st man auf BD ein Stuck ab, dessen Länge sich 
BU ^^0=^90:% verhalten muss, so dass wenn die Länge 
von jäC 9V9 ist^ die Länge von BD gerade 9 ist Darauf 
iheilt man eine jede dieser Linien in so vide Theile, als 
man auf AB haben will, z. B. f&nf. Diese Theile macht 
nan gleich^ gross, wodurch ein jeder von ihnen auf der einen 
Linie sich zu einem jeden auf der andern, wie die ganzen 
Linien unter sich verhalten. Es seien diese Theiluugen a, 
&, c, d. Man verbindet a mit af^ b mit £', c mit & und d 
mit d*j webei die Linie AB von diesen Linien in den Punkten 
geschnitten wird, wohin die speciAschen Gewidite 0,940> 
0^930, 0,920, 0,910 fallen. Werden die beiden Linien in 10 
gleiche Theile getheilt, so hat man zugleich 0,945, 0,935 
o. 8. w* — Da der geometrische Beweis, wodurch diese 
Gradttimng ihre Richtigkeit erhält, ganz ausser den Grän- 
zen dieses Lehrbuchs liegt, no muss ich ihn übergehen. Die 
hier gegebene Aufstellung soll nur als Hinweisung auf einen 
einfkchen und leichten Handgriff, eine solche Theilmig zu 
machen, dienen. Naturiicher Weise theilt man nachher auf 
dieselbe Art die Scale auch zwischen den übrigen Punkten, 
die man durch Versuche gefunden hat, ein imd schiebt min 
diese Scale, mit der eingetheilten Seite nach aussen, in die 
Röhre, so dass die durch die Versuche geftuideu^n Punkte 
auf der Röhre und der Scale einander entsprechen. Das. 
Papier bleibt dann schon durch seine eigene Elasticität sit2ien^ 
Aber zur grösseren Sicherheit bringt man lieber etwas Sie^ 
gellack auf die Scale, ehe sie zum ersten Male eingeschoben 
wird, mit welchem man sie, nachdem man ihr die richtige 
Stellung gegeben hat, dadurch in der Röhre befestigt, dass 
man <ks Siegellack schmilzt, während man die Stelle der 
Röhre, wo sich die Scale beündet, mit feuchtem Papiere 
umgibt, um das Verbrennen derselben zu verhindern ^ und 
zuletzt schmilzt man das offene Ende zu. Dabei wird zwar 
durch die Hitze etwas Luft ausgetrieben, wodurch sieh der 
Standpunct verändert; allein es ist dies so wenig, dass es 
mdit in Betracht kommt. Als Behälter für die zu wägende 



218 Athamr. 

Flüssigkeit oimmt man dne etwas grössere Röte«/ 2. B. 
von einem kalben Zoll Durchmesser^ aber von gleieber Länge 
mit der Aräometerröhre ^ schmilzt sie an dem einen Ende 
vor der Lampe zu^ und erweitert sie am anderen trichter- 
fSrmig. Man füllt sie bis «u '/s mit der zu wägenden Flüs- 
sigkeit^ und setzt die Röhre ein^ wobei die Flüssigkeit in 
der trichterförmigen Erweiterung steigt; auf der Scale in 
der Röhre steht das specifische Gewicht des Liquidums^ 
welches mit Sicherheit bis zur dri(;]ten , und mit grosser 
Wahrscheinlichkeit bis zur vierten Decimalstelle zu fimlen 
sein muss. — Die grösste Schwierigkeit bei diesem, so wie 
bei allen Aräometern) ist^ eine Röhre zu finden^ die in der 
Strecke^ w^o die Scale sitit^ g<^z cylindrisch ist; je mehr 
sie davon bemerkbar abweicht^ um so mehr Punkte musis 
man durch Versuche auf der Scale bestimmen, wenn sie 

zuverlässig sein soll. Die Länge der Aräometer von 

Richter beträgt zwischen 20 bis 22 Zoll, und bei den 
Wägungs versuchen braucht man nicht mehr als einen, höch- 
stens 2 Cubikzoll Flüssigkeit. Es versteht sich, dass man 
beim Gebrauche dieser Instrumente die Temperatur nicht 
ausser Acht lassen darf, weil das specifische Gewicht der 
Flüssigkeiten sieh mit der Temperatur verändert. Ich ver- 
weise im Uebrigen, was den Gebrauch der Aräometer zur 
Prüfting spirituöser Flüssigkeiten betrifft^ auf das schon aijus- 
führlicher im VIII. Theile, pag. 147, Abgehandelte. 

Man hat auch Aräometer zur Bestimmung schvohl des 
absoluten, als auch des relativen oder specifischen Gewichts 
fester, Körper; dergleichen sind die von Guyton, Nichol- 
son, Tralles u. A.; sie sind alle recht sinnreich, können 
aber doch immer nur zum Nothbehelf dienen. Beim Artikel 
Waage will ich die Senkwaage von Tralles beschreiben^ 
die wegen ihrer leichten Tragbarkeit vorzüglich auf Reisen 
von Nut;ien ist. 

Athanor^ — Kohlenthumiy bedeutet einen Aufbau auf 
qbemischen Oefen, in welchen man eine grosse Menge Kob- 
len auf einmal bringen kann, die aus demselben, ohne ent- 
zündet zu werden, zum Verbrennen in den Ofen fallen, so 
dass man auf längere Zeit des Nachfüllens überhoben ist. 
Taf. I. Fig. 11 ist der Durchschnitt eines soldhen, auf einer 
Sandcapelle angebrauchten, Kohlentburms. B ist der eigent- 



Atmometer — jäusrvaschen. 219 

• 
Uche Athanor^ aas Blechplatten ^ oder aus Gosseisen gego«-* 

seo. A ist dessen Deckel ^ der nach dem Einfällen der 

Kohlen luftdicht aufgesetzt wird, und zu diesem Endzwecke 

greifen die heruntergebogenen Kauten des Deckels in eine, 

mit feinem Sande gefüllte Rinne^ womit die obere Oeifnung 

des Athanors umgeben ist. Die eine Seite des Athanors 

ist gegen den Feuerraum geneigt^ so dass die Kohlen auf 

den Rost fallen. D ist der Feuerraum ^ mit welchem der 

Athanor durch eine gleich weite Oeffnung commuuicirt. 

C ist eine Sandcapelle; E der Ausgang für den Rauch, und 

F der Aschenraum ^ wodurch die Luft einströmt. In dem 

Maasse, als die Kohlen in dem Feuerraume verzehrt werden^ 

fallen unaufhörlich andere aus dem Kohlenthurme nach; da 

aber dieser oben verschlossen ist^ so nimmt das Feuer nicht 

dahin seine Richtung^ sondern folgt dem Luftstrom. Die 

Thür des Aschenheerds moss mit mehreren grösseren uiid 

und kleineren verschliessbaren Zluglöchem versehen^ auch 

muss die Klappe in der Zugröhre stellbar sein^ so dass man 

den Zug naeh Belieben massigen kann. Zu Abdampfungen 

ist ein^ an einer Sandcapelle angebrachter Athanor oft recht 

bequem und nützlich. 

Atmometer^ — ein von Leslie erfundenes Instrument 
zum Messen der Quantität von Wasserverdunstung in einer 
gegebenen Atmosphäre^ ist schon im L Theilo; pag. 385^ 
erwähnt. 

Auslaugen und Aussüs^en -* bedeutet dasselbe wie 
Auswaschen. 

Auswaschen. — Nachdem man einen Niederschlag 
auf das Filtrum gebracht hat^ und die Flüssigkeit durch- 
gelaufen ist^ muss der noch im Niederschlag zurückbleibende 
Theil derselben mit Wasser abgespült werden. Dies nennt 
man auf dem Filtrum waschen^ auslaugen ^ aussüssen ^ edal« 
eoilren^ elixiviren u. s. w. Bei dem Auswaschen hat man 
zu* beachten^ dass man nicht eher von Neuem' Wasser auf- 
giesse^ als bis das vorher abgegossene abgelaufen ist^ denn 
sonst' würde man den noch zurückgebliebenen Theil der 
Flüssigkeit nur unaufhörlich verdünnen. Mit Hülfe der Spritz- 
flasche wäscht man auch beständig den Rand des Filtrums 
aoS; damit nichts in demselben zurückbleiben kanu^ und 
jBuweilen rührt man den Niederschlag durch einen stär- 



2t0 Ausn)a9ck€n* 

keren WMNserstrahl aaf^ damit er sich nicht fest zusatniBen-^ 
fege und den Durchlauf des Wassers verhindere. Sobald 
einige Tropfen des durclüaufenden Waschwassers beim Ver- 
dunsten auf einem polirten PJatinspatd (siehe das Nähere bei 
Platinspatel) keine Spuren eines Rüdcstandes hinterlassen^ 
18t das Auswaschen beendigt; so lange dagegen das Wasser 
hierbei noch etwas zurcklässt^ muss das Auswaschen fort- 
gesetzt werden^ und will man sehr genau sein^ so nimmt 
man diese Verdunstungsprobe auf Glas vor^ auf wddiem 
Fkcken besser sichtbar sind. 

Da das Auswäschen in der Regel^ besonders bei gewissen 
Niederschlägen^ eine zeitraubende Operation ist^ so ist es 
ein grosser Vortheil^ ein Mittel zu haben ^ wodurch sie be- 
deutend abgekürzt wird^ und wodurch das Auswaschen vor 
sich gehen kanU; ohne dass man dabei gegenwärtig zu sein 
braucht. Ich wende hierzu einen Apparat an^ der nadi 
demselben Principe^ wie der bei dem Artikel: Filirireny 
beschriebene Filtrirapparat eingerichtet ist Taf. I. Fig. i%, 
ist dersielbe abgebildet^ auf ein Ftltrirgestell aufgesetzt und 
mit dem darunter befindlichen Trichter. In den Hals einer 
gewöhnlichen Flasche a wird^ vermittelst eines durchbohrtea 
Korks ^ die Rohre y Fig. 13»^ eingesetzt. Diese Röhre bläst 
man steh aus einem Stuck einer weiten Glasröhre^ indem 
man ihre untere verengerte Oeffhung a «nach oben biegt, 
und an die Seite^ nahe an der Ausfluss-Oefinung ^ jedoch 
in der Linie bd^ ein kleinei^s Stuck einer engeren Röhre 
c anlöthet. Die Erklärung der Wirkung dieses kleinen Instru- 
ments ist folgende: In dem Punkt b^ wo das^ kleinere Rohr 
c in das grössere einmündet^ findet eine Capillar-Attraction 
SU dem Wasser statt. Damit das Wasser aus der Flasdie, 
in deren Oefinung dieses Rohr sitzt, ausfliessen kann, mus» 
Luft durch b eindringen. Um aber nun die Capillar-^Attrac- 
tie& zu überwinden, ist eine Saugkraft erforderiidi, die von 
der Höhe der Wassersäule bedingt wird, welche zwisel^n 
der Linie hd und a liegt Je feiner die Oeffnung bei b ist, 
desto höher muss diese Wassersäule sein. Man kann dieses 
Rohr also nicht aus freier Himd machen, denn wenn a der 
lÄnie bd zu nahe Uegt, so fliesst niemals etwas aus, und 
wenn a viel niedriger liegt, als zum Bewirken des Saugens 
erforderlich ist ,^ so muss das Rohr tief in das Filtcuia leidiia«. 



Auswaschen. 221 

mid weit tioter der Oberfläche das Wafiser aiisflie«sen lassen^ 
anstatt dieses gerade in der Obeifläehe zu thun. Daher rooss 
man^ bevor die Biegung gemacht wird und nachdem das Rohr 
e angelothet worden ist^ das Rohr mit einem Kork in einer 
mit Wasser gefüllten Flasche befestigen^ die man in ein 
kleines Glas uml^^rt^ worin ein wenig Wasser enthalten ist^ 
unter welchem das ausgezogene^ noch gerade Rohr mündet. 
Dann dringt Wasser aus der Flasche und f&hrt fort in 
dem Glase zu steigt ^ bis die Wassersäule zwischen der 
Linie bd und der Oberfläche der Flüssigkeit in dem Glase 
der Capillarkriift in der Oeffnung bei b das Gleichgewicht 
hält. Dieser Abstand wird nun gemessen^ das Rohr heraus- 
gezogen ^ getrocknet und gebogen^ so dass die Oefliiuag 
bei a um ein Haar tiefer kommt^ ^wie der abgemessene 
Abstand. Ohne diese Vorsidit kann man nur zufälligerweise 
ein brauchbares Rohr bekommen« So lange die Oeffnung a 
nicht nnter der Wasseroberfläche steht ^ fliesst nichts heraus^ 
weil eine grössere Capillarkraft das Wasser Jn Uy als bei b^ 
zoräckhält Wird also die Flasche ins Filtmm gesetzt^ so 
fliesst nicht eher Wasser aus^ als bis man aus einem an- 
deren Gefässe Wasser aufgegossen hat^ so dass dieses mit 
der Oeffnung bei a gleich hoch zu stehen kommt. Wird 
jedodi a in Berührung mi(> dem FMtrum gesetzt^ so fängt 
die Flasche an Wasser ausfliessen zu lassen^ bis dass dieses 
sein bestimmtes Niveau erreicht hat. Es hat keinen Nutzen^ 
die Oeffnung bei b sehr fein zu machen^ um einen grossen 
Abstand zwischen der Wasseroberfläche in dem Trichter 
nnd b zu bekommen; denn dann sinkt oft das Wasser in 
dem Trichter sehr tief^ bevor neues wieder anfängt aus- 
zuflieasen. Nachdem die Flasche mit Wasser gefüllt und 
die Röhre darauf gestedct ist^ wird sie umgekehrt an ein 
Filtrirgestell über den Trichter mit dem auszuwaschenden 
Niederiichlag gestellt^ Wasser auf letzteren gegossen^ und 
mm die Mündung der Röbre bis unter das Wasser-Niveau 
gebracht^ ivie es Figur zeigt. Sobald dieses bis zu einem 
gewissen Punkte gesunken ist, dringt durch die kleine 
Röhre c Luft in einzelnen Blasen in die Flasche , und m 
fliesst dafür eine entsprechende Menge Wassers auf das 
Filtrum aus. Damit sich dieses aber auf der Oberfläche 
gleicbförmig ausbreite und nicht etwa nur an einem Punkte 



t22 Auswaschen. 

dureh einen im Niederschlag entstehenden Kanal dnreh"* 
flietse^ ohne den übrigen richtig auszuwaschen^ ist die un- 
tere Mundung der Röhre aufwärts gebogen. - Auf die Ent«- 
stehung solcher Ausflusskanäle ist überhaupt bei jedem Aus- 
waschen na achten^ und der Niederschlag gut umzurühren, 
wenn sie sich gebildet haben ^ was man ^ dem schnellen 
Durchfliessen des Wassers sieht. 

Will man mit Hülfe dieses Apparates mit warmem 
Wasser ausw^ascben, so füllt man die Flasche mit siedendem 
Wasser, und überzieht sie entweder mit einem Pelzfutterale 
mit nach Innen gekehrter rauher Seite, oder man umgibt 
sie mit einem hölzernen jf^utteral, worin sie von looker ein- 
gestopfter Wolle umgeben ist. ^ 

Endlich möchten auch hier einige Worte über das 
Waschen der Hände nicht am unrechten Orte stehen; denn 
für diejenigen, welche sich mit chemischen Versuchen be- 
schäftigen , * hat diese Reinigung häufig grössere Schwierig- 
keiten als in gewöhnlichen Fällen. Alle Salze, Alkalien, 
Säuren u. s. w* machen die Haut, wenn sie darauf kommen, 
rauh und bereiten sie gleichsam durch Beitzen zur Aufnahme 
mancherlei fremder Stoffe vor, die nadiher erst durch Ab- 
nutzung daraus^ wieder verschwinden. Auch gibt es für 
solche chemisch befestigte Stofie kein anderes Reinigungs- 
mittel, als die Abnutzung der Oberhaut Zuweilen lässt 
sich iiKlessen Citronensaft, Essig verdünntes kaustisches 
Ammonmk u. dergl., je nach der Natur des färbenden Stoffes, 
mit Erfolg anwenden. Allein selbst nur mechanisch befestigter 
Schmutz, besonders Kohlenstaub, lässt sich öfters nicht 
durch einfaches Waschen mit Wasser und Seife we^chaffen, 
weil sich die schwärzenden Partikelchen in die Poren der 
Haut eingesenkt haben , und die Hand beim Waschen darüber 
weggleitet, so dass, wie viel Mühe man sich auch geben 
mag, die Schwärze doch nicht wegzubringen ist. Diesem 
Uebelstaude ist jedoch leicht abzuhelfen, wenn man die 
Hände zuerst mit Baumöl einschmiert und darauf mit Seife 
wäscht, und ganz besonders die schwärzesten Stellen mit 
einer kleinen, steifen Bürste und Seife bürstet. Die Borsten 
derselben nehmen durch ihr Eindringen in die kleinen Ver- 
tiefungen der Haut die färbende Kohle weg, was jedoch 
ohae B«hälfe des Oels nicht recht vollständig gelingen 



^ j 



Barometer. 203 

würde. Bei dem Reinigfungsgef&Bse im Laboratorium muM 
man stets mit einer solchen Bürste versehen sein, und auf 
die Reinigung der Hände nach chemischen Versuchen Sorg- 
falt verwenden; denn solche Zeichen des Fleisses sind für 
Andere^ so unangenehm wie für uns selbst. Flecken von 
Theer, Leioölkitt u. dergl., die mit Seife nicht weggehen^ 
reibt man zuvor mit etwas Baumol ein; Harz und Flecken 
von\Lackfirniss nimmt man mit Alkohol weg. 

Barometer y — ein allgemein bekanntes Instrument, wo- 
mit man den Druck der Atmosphäre misst. Es besteht aus 
einer, an dem einen Ende zugeschmolzeuen Glasröhre^ von 
mehr als 26 Deciipalzoll (ungefälir 0)85 Meter) Länge, wel- 
che man mit Quecksilber füllt, von Luft befreit und in eio 
Gefass mit , Quecksilber umstürzt. Das Quecksilber sinkt 
dann in der Röhre so weit herunter, bis die Höhe der darin 
stehenbleibenden Quecksilbersäule, von der Oberfläche de« 
äusseren Quecksilbers bis zu der des innecn Quecksilbers 
gerechnet, der Atmosphäre das Gleichgewicht hält, d. h* 
bis die Quecksilbersäule eben so viel wiegt, wie eine Luft- 
säule von demselben Durchmesser^ aber von der ganzen 
Höhe der Atmosphäre. Da die Höhe dieser Luftsäule täglich 
iooerbalb gewisser Gränzen verändert wird, so verändert 
sich auch die Höhe der' Quecksilbersäule im Barometer. Für 
Versuche mit Luftarten ist es sehr häufig nothwcndig, das 
Barometer zu beobachten. IJierzu muss man entweder mit 
einem Heberbarometer versehen sein, d. h. einem Barometer, 
dessen Röhre unten so umgebogen ist, dass, wenn sich der 
Stand des Quecksilbers ändert, dasselbe in dem kürzeren 
Schenkel um eben so viel steigt, als es in dem obern und 
längern fallt, und ein solches Barometer muss mit einer be- 
weglichen Scale versehen sein, vemittelst deren mau genau 
messen kann, um wie viel die Quecksilbersäule in dem 
längern Schenkel läoger ist als ia dem kürzern, wodurch 
man den Barometerstand findet. Oder auch muss man ein 
Barometer haben, welches so eingerichtet ist, dass die 
Oberfläche, des Quecksilbers in dem äussern Gefasse bei 
jeder Beobachtung vollkommen auf dieselbe Höhe gebracht 
werden kann, und hierzu ist ein gewöhnliches, zu Wetter- 
beobachtiUugeQ eingerichtetes Barometer nicht brauchbar. 
Wenn man die Tension fluchtiger Körper ausmitteln 



2ft4 Barometer. 

will^ 80 bedient mau sich einer geraden^ an dem einen Ende 
angeblasenen Barometerröhre die man mit Quecksilber fallt 
imd in dem Quecksilberapparat umkehrt^ worin man sie in 
einer seidcrechten Stellung befestigt. Hierauf lisst man ein 
wenig von der fluchtigen Flüssigkeit hinaufiBteigen^ und 
cwar in dem Verhältnisse dass ein ganz klein wenig davon 
in flüssiger Form auf dem Quecksilber in dwr Röhre bleibt. 
Um so viel nun das Barometer niedriger steht als das ge- 
wöhnliche , bedeutet für diese Temperatur die Tension der 
fluchtigen Flüssigkeit. 

Bei den oben angegebenen Verdunstungen im hiftleeren 
Räume bedient man sich sehr kleiner Barometer^ wodurch 
sich ein sehr geringer Druck beobachten Iftsst. Fig. 14. 
zeigt ein solches; jlB ist eine 3 Zoll lange Glasröhre von 
dem Durchmesser eines Gänsekiels ^ die bei ji zugeschmol- 
zene und bei B so viel zusammengeschmolzen ist^ dass die 
Oeflnung so fein wird, dass man die Röhre , wenn sie mit 
Quecksilber gefüllt ist^ umwenden kann^ ohne dass etwas 
herausfällt. Diese Röhre füllt man mit Quecksilber^ und wenn 
sich darin kleine Luftblasen zeigen^ so nimmt man sie ver- 
mittelst einer feinen^ auf einem Stahldrath befestigten Feder^ 
oder mit einer Pferdehaarschlinge weg. Man stellt es darauf 
in die ebenfalls an dem einen Ende zugeblasene Röhre CED, 
die etwas weiter^ und . worin etwas Quecksilber enthalten ist. 
Das Ganze kommt dann auf einen kleinen hölzernen Fuss E 
zu stehen. Setzt mau dieses Barometer unter eine Glocke 
und macht sie luftleer ^ so fällt das Quecksilber in der in- 
nem Röhre ^ und zeigt; da es immer etwas höher als in 
der äussern steht^ den Druck unter der Glocke an. Ein 
ähnliches ; wiewohl schwieriger anzufertigendes Instrument 
zu gleichem Endzwecke und auf einem ähnlichen Fuss be- 
festigt; ist Fig. 15. Das Quecksilber fällt in bd und steigt 
in cdy bis dass es in beiden fast gleich hodi steht. Dies 
ist das gewöhnliche Barometer für die Luftpumpe; es ist 
mit dem Ende a in eine Messinghülse gekittet ^ die Mif die 
Luftpumpe luftdicht aufgeschraubt wird. Da es nicht selten 
Unfällen ausgesetzt ist^ so muss man es selbst zu verferti- 
gen verstehen. Es sei aby Fig. 16. ^ die gerade bei b zu- 
gescfamolzene Röhre ^ woraus es gemacht wetden soU^ und 
c und ^ die Stellen, die den Krümmungen c und d in 

Fig. 



Bad* ft8& 

F%. 15. entspredtön sollen. Man gtesst das QuecksiUi«r*bis 
zu e ein^ befreit es durch Kochen soi^fütig von aller Luft, 
und hMq^ kd^rauf die Röhre zuerst in c^ und dann in dy 
aber mit grosscor Vorsicht^ ^iss das Quecksilber nicht auf 
das beisse Glas falle. Nachdem so die Röhre gelogen und 
•ikaitet ist^ last man allmäUig kleine Tropfen Quecksilber 
hinein, und lässt sie durch Drehung der Röhre in db fliessen, 
bis dass äh gefüllt ist^ und das Quecksilber^ wie Fig. 15. 
aeigt^ V2 Linie hoch in cd steht. Durch Einbringung einer 
Pferdehaarschlinge wird diese Füllung sehr erleichtert, aber 
abne ^ zu füllen, während die Röhre noch gerade ist, 
bekoflunt man es memals luftleer. 

Bad nennt man in der Chemie die Einrichtung, wenn 
das G^ass, worin ein Körper erhitzt wird, mit einer flüs- 
sigen oder pulverförmigen Substanz, auf welche die Hitze 
CAttwirkt, umgeben wird. Man beabsichtigt dadurch ein 
gleichmässisgeres Erhitzen zu bewirken, als es durch un- 
mittelbaf e Einwirkung der Wärmequelle auf das Gefass mög- 
lich ist. Die Materien, welche zu einem solchen Bad an- 
gewandt werden^ sind Wasser^ fettes Oel, Schwefelsäure 
Chlorzink, das leichtflüssige Metallgemisch aus Zinn, Blei 
und Wismuth, reine Talkerde, Sand u. s. w. Daher die 
Namen Wasserbad ^ Oelbad, Sandbad, u. s. w. 

Chlorzinkbad, Chlorzink ist ein zerfliessliches Salz 
welches in einer syrupdicken Lösung sein Wasser mit einer 
solchen Kraft zurückhält, dass es höhere Temperaturen 
verträgt als + 100^ ohne in's Kochen zu kommen. Dieses 
Salz ist erst neuerlich zu diesem Behuf vorgeschlagen worden, 
aber es führt Uebelstände mit sich, die seinen Gebrauch 
beschränken. Bei fortgesetzter Erhitzung wird es allmälig 
concentrirt, so dass es nach geringer Abkühlung erstarrt. 
Das concentrirte Liquidum, welches sich bei gewöhnlicher 
Lufttemperatur flüssig erhält, geräth bei + 160^ in's Kochen 
und entwickelt dann Salzsäure mit den Wasserdämpfen, 
beim Kochen spritzen unzählige feine Tropfen umher/ und 
ist das Gefäss bedeckt, so fängt e^ an zu schäumen und 
steigt leicht über. Nachdem ich mich eine Zeit lang desselben 
bedient hatte, habe ich seinen Gebrauch ganz aufgegeben. 

Metallbad. Hierzu wird das leichtflüssige Metallgemisch 
angewendet. Welches bereits im Th. III., S. 366 beschrieben 

X 15 



226 Bad. 

worden ist Es hat nicht die Uebelstände des ) ChlorzinhS; 
dass es kocht und raucht^ aber dagegen hat es andere. 
Man kann bei demselben keine Tiegel von Platin anwenden^ 
sondern nur Tiegel von Porzellan oder Glas. Diese ver- 
tragen wiederum nicht den schnellen Temperaturwe<^sel^ 
welcher stattfindet^ wenn man das Geföss in das vorher 
geschmolzene und stark wärmeleitende Metall eiqsenkt. Das 
flüssige Bad hat ein grosses specifisches Gewicht und es 
sind besondere Vorrichtungen erforderlich^ um das Gefass 
darin eingesenkt zu erhalten. Das Bad oxydirt sich auf der 
Oberfläche und es befestigen sich oft Theile davon fest an 
das Gefass^ die nur vermittelst Salpetersäure entfernt werden 
können. Uebrigens theilt das Bad seine Hitze gleichmässig 
und schnell mit^ und sie kann bis zum Glühen gesteigert 
werden^ was jedoch niemals in Frage kömmt ^ da man bei 
diesem Bad wohl immer nur die Anwendung einer gewissen 
Temperatur beabsiclUigt^ und höhere Temperaturgrade ^ als 
das Quecksilber-Thermometer verträgt^ nicht bequem ge- 
messen werden können. 

Quecksilber in eisernen Gefassen wurde das beste von 
allen sein^ aber es verdunstet bei höheren Temperaturen so 
stark und übt auf die Gesundheit einen so gefahrlichen 
Einfluss auS; das es niemals angewendet werden darf. 

Oelbad. Fette Oele sind das bequemste Liquidum^ 
welches man für ein Bad anwenden kann^ dessen Tempe- 
ratur 4' 100^ übersteigen muss^ aber nicht den Kochpunkt 
des Oels erreicht. Sie haben allerdings die Unbequemlich- 
keit^ dass sie einen unangenehm riechenden Dampf verbreiten^ 
aber dieser ist der Gesundheit nicht schädlich und kann unter 
einem Rauchfange weggeführt werden. Das Oel, welches 
auswendig an den Gefassen beim Herausnehmen hängen 
bleibt^ ist leicht zu entfernen^ wenn man das Gefass Qoch 
warm mit Leinewand reibt und dann zur völligen Reinigung 
ein wenig grüne Seife darauf streicht^ die mit Wasser wie- 
der abgewaschen wird^ was sehr schnell geht 

Sandbad. In sehr vielen Fällen kann das Eriiitzen auf 
die Weise geschehen^ dass man das Gefass in eine Lage 
von Sand stellt^ der durdi Kohlenfeuer erhitzt wird. S. Art. 
Sandcapelle. 



Bad. 22T 

TcUkerdebad. Wenn Tiegel von Platin^ Tieg;el oder 
Retorten von Porcellan oder Glas im Ofen bis zum Gläien 
erhitzt werden sollen, so stellt man sie in ein Bad von ge-* 
brannter Talkerde, die dann, je naeh den Umstän^n, in 
he|(sisehe oder Tiegel von feuerfestem Thon eingeschlossen 
wird. Die Talkerde greift weder den äusseren Tiegel noeh 
die in das Bad gestellten GeC&sse an, und wenn auch die 
Hitze so hoch gestiegen war, dass der äussere Tiegel er« 
weichte, so steht der innere lose und frei in dem Bad, in 
so fern er nicht mit der inneren Seite des äusseren Tiegete 
in Berührung gekommen war; er kann zum Wägen voll- 
kommen rein herausgenommen werden. Die Anwendung von 
Talkerde hierzu ist von H. Rose eingeführt worden. Da 
sie nicht schmilzt, so kann sie von Neuem angewandt wer-» 
den. Es ist hervorzuheben, dass die Magnesia alba^ au« 
der die reine Talkerde bereitet wird, stets chennsch gebun- 
denes kohlensaures Natron enthält , welches daraus > nach 
dem Glühen durch Waschen mit Wasser entfeftit werden 
muss, worauf mau die Erde lyieder ausglüht. Wird diesen 
versäumt, so greift das Natron die eingesetzten Gefasse an* 
Für Temperaturen, die nicht höher als bis zum gelinden 
Glühen gehen, kann Sand zu diesen Bädern angewendet 
werden. Aber die Talkerde hat immer den Vorzug wegen 
der Leichtigkeit, mit welcher die Aussenseite des erhitzten 
Gefässes rein erhalten wird. 

Wcisserbady in früheren Zeiten auch Marienbad genannt, 
wird allgemein in den Fällen angewandt, wo die Temperatur 
nicht 100^ übersteigen darf; eben so zum Abdampfen und 
Conceutriren von Lösungen. 

Die Vorrichtungen zu diesen Bädern sind sehr einfach. 
Ich nehme dazu Gefasse von Kupfer oder geschmiedetem 

Eisen, in der Form ähnlich den Platin- 
tiegeln, aber grösser. Sie sind 8 bis 9 
Centimeter hoch und 1 Decimeter weit« 
Die beistehende Figur zeigt ihre Form. 
Mit 6 bis 10 Stück davon, ^ die meisten 
von Kupfer und 1 oder 2 von Eisen, alle 
völlig gleich gross, hat man für ein Privat- 
Laboratorium genug. Als Wasserbad werden 
sie auf die Sandcapelle gestellt, zu Vs mit 

15» 




928 



Bad. 



Wasser geflUlt^ und die Abdampfsehaaleu bedecken ihre 
OeAnoBg. In solchen Fällen^ wo das Erhitzen oder Ab- 
dampfen in so kleinen Gefässen geschieht^ dass sie die 
Oeffnung des Badgefisses nicht bedecken können^ wende 
ich Deckel von Kupf^ an^ die zu allen Badgefössen« gleich 
passen^ und in der Mitte mit runden^ verschieden grossen 
Oeffnungen versehen sind^ von 7 oder 8 bis 4 Centimeter 
Dwrclmiesser. Der die Oeffoung umgebende Rand des D^k- 
kels ist abwärts gebogen. Die Figur zeigt einen solchen 
Decket Im Uebrigen sind die Maasse gleichgültige ich 
gebe sie nur so an, wie ich sie gebrauche. 

Die GeCasse zu diesen Bädern macht man audi von 
Porcellan. Sie sind sehr sauber ^ aber audi zerbrechlich. 
Versäumt man nachzusehen, wann das Wasser in dem Bade 
anfangt, weggekocht zu sein, so wird der Boden des Bad- 
gefässes leicht sehr stark erhitzt, und fallt dann ein Tropfen 
von . condeiksirtem Wasser von dem übergelegten GcdPass 
herab e so wird das Gefass zersprengt. Zum Bad mit Sehwe- 
fWsättre eignen sie sich sehr gut, wenn ein solches einmal 

erforderlich ist. Man bekommt sie in 
der Porcellanfabrik zu Berlin, verse- 
hen mit kleinen dazu gemachten Eva- 
porationsschaalen, die genau in die 
Oeffnungen einfallen. Die nebenste- 
hende Figur A zeigt das Badgefass 
im Durchschnitt und B die Evapora- 
tionsschaale. Das erstere fasst 6 bis 




8 Unzen Wasser. 




Zu einem grösseren Wasserbad 
bediene ich mich eines kupfernen 
Kessels mit oben eingebogenem 
Rande, wie die nebenstehende 
Figur A zeigt, der eine vollkom- 
men kreisrunde Oeffnung hat, de- 
ren Peripherie von einem abwärts 
gebogenen Rande gebildet wird, 
der einen abgestumpften Kegel 
von IVa Linien Höhe ausmacht, 
in welchen die Abdampfschaalen 
von verschiedener Grösse gestellt 



Bad. £ä) 

werden können, so dMs sie die Oeffbnng aiufuUen. W«» 
das Wasser in dem Kessel kocht ^ so werden die Duktpfe 
durdi einen am oberen Rande angebraditen Hdin heraus- 
fpeUssen^ den man mit einem Rohr verüngem kann^ um 
die Dämpfe weiter von der Oberfläche der Abdunstungs« 
schaale abzuleiten. B ist eiMe Abdampfschaale^ die zeigt^ 
dass auch Schaalen von grosserer Dimeosioii^ als die OeS-^ 
nuBg des Kessels ist^ sich anwenden lassen. Der Kess«! 
wird auf einen mit einer besonderen Rauchrdlure versehenen 
Ofen gestellt^ welche erstere um so besser ist^ je weiter 
man sie von dem Kessel entfemt hat; am besten ist es^ 
wenn man sie aus dem Ofen direet in einen gemaiwrten 
Sckornsteiu führt. Lasst man die beisse Luft und den RaiMsh 
u« den Kessel herum aufsteigen^ so veranlasst dies das 
Hineinfallen von Rus und Flugasche^ wodurch gewöhnlich 
das über die Schaale gelegte Papier unter sokhen Umstän-* 
den schmutzig^ und recht oft an den Rändern von der auf- 
steigenden heisseu Luft braun gebrannt wird. 

Zum Oelbade bediene ich mich der oben erwähnten 
tiegelähnlichen Gefässe^ the^s von Eisen ^ theils von Kupfer, 
Sie werden über einer Spirituslampe mit cylindrischem Dochte 
eriiitzt* Man setzt ein Thermometer in das Bad so: ein^ dass 
die Kugel sich in der Mitte der Oelschicht befindet Durch 
einige Versuche glückt es bald^ die Lampe so 2u stellen^ 
dass die beabsichtigte Temperatur erreicht und unterhalten 
wird. Mit einer Oellampe ist dies sehr schwer. Die Flanune 
der Spirituslampe dagegen kann mehrere Stunden lang eine 
gleiche Wärme -Entwickelung geben. Dabei gesdiieht es 
jedoch^ dass wenn sich Personen in dem Zimmer bewegen^ 
der Luftzug bemerkbare Schwankungen in der Temperatur 
bewirkt; sie können jedoch meist ganz vermieden werden^ 
wenn man das Badgefäss aussen mit einem Cylinder umgibt, 
der von der Aussenseite des Gefässes ^U Zoll eiitfernt ist, 

und mit einem platten Ringe, der durch 
Löthung sowohl um das Badgefäss als 
auch an den Cylinder befestigt und oben 
geschlosi^en ist, wie die nebenstehende 
Figur zeigt. Die Temperatur - Abwedise- 
luugen des Luftzugs wirken dann nur auf 
den äusseren Cylinder, dessen Temperatur 




230 Bad. 

Anrdi die aafSiteigwde Iteisse Luflsäale schneU wieder her- 
gestellt wird* 

Bei diesen Versuehen besteht die eigentKche Sehwierig- 
keit denn, den Körpern, welche in dem Bad erhitzt werden^ 
dieselbe Teroperatnr zu geben, welche das Thermometer in 
dem Bade anzeigt. Dies ist insbesondere schwierig, wenn 
man Gefasse von Glas oder Porcellan anwendet* Die Kör- 
per, welche in emem Glaskolben erhitzt yrerden, erreichen 
die Temperatur des Bades oft nicht naher, als auf 8 bis 10 
Grade. Dies beruht sehr auf dem Eiofluss des Luftstroms, 
der oben vor dem Bade entsteht, wodurch es in der Ober- 
fläche abgeköhlt wird, und es kann sehr verhindert werden, 
wenn man das Bad mit einem Deckel bedeckt, der mit einer 
passenden Oeflhung für das Thermometer versehen ist, wo- 
durch auch der Geruch des Oels weniger beschwerlich wird. 
Am sichersten ist es, um die Temperatur des Bades zu er- 
reichen, kleine ringförmige Gefasse von Silber oder Platin 
und in Ermangelung derselben von dünnem Glas anzuwenden. 
Je geringer ihr Durchn^sser ist, um so' so sicherer wird das 
Resultat« 

llan gebraucht noch eine andere Art von Oelbad, es 
ist ein kleiner vierseitiger Kasten von Kupfer, in den ein 
zweiter kleinerer mit Messinglöthung gleich' einer Muffel so 
eingesetzt ist, dass zwisched beiden ein hohler Raum bleibt, 
der mit Oel gefüllt wird« Die Muffel, in welche die zu er- 
hitzenden Substanzen gelegt werden, ist also überall mit 
heissem Oel umgeben, mit Ausnahme der vorderen Oeffnung, 
die durch eine Thur verschlossen wird. Der äussere Oel- 
kasten ist oben mit zwei Oeffnungen, in Gestalt kurzer 
Röhren versehen. Die eine dient zum Eingiessen des Oels, 
die andere an der Seite befindlidie zum Einsenken des Ther- 
mometers« Dieser Apparat wird auf einem Ofen mit Kohlen- 
feuer erhitzt und die Temperatur durch den Zug regulirt. 
Er ist bequem, wenn man viele Proben hat, die auf diese 
Weise behandelt werden sollen, aber er ist bequem auf 
Kosten der Genauigkeit; denn die Luft in der Muffel, in 
welche das Gefass zur Erhitzung eingesetzt wird, bekommt 
niemals dieselbe Temperatur, wie das Oel in dem Bade, und 
de ist aus leicht begreiflichen Gründen an der Thür, die 
durch die äussere Luft abgekühlt wird, nicht so hoch, wie 



Basis — Beizen. 231 

in dem hinteren Theil. Ausserdem geschiebt die* Mittheilung 
der Wärme ^ mit Ausnahme der Stelle^ wo der Boden des 
eingesetzten Gefasses die Muffel berührt^ nur durch Radiation 
von der Innenseite der Muffel. Die bei Anwendung dieses 
Apparats gemachten Temperatur-Bestimmungen sind niemals 
zuverlässig* Auch kann derselbe nicht wie die vorbin an- 
geführten gebraucht werden^ wenn man im luftleeren Raum 
bis zu einer gewissen Temperatur erhitzen will. 

Basis ^ basisch. — Basis bedeutet im elektrochemi- 
schen Sinne den Gegensatz von Säure ^ und man versteht 
also darunter alle Körper^ welche die sauren Eigenschaften 
der Säuren aufheben und mit ihnen Salze bilden können« 
Am stärksten finden wir diese Eigenschaften bei den Alka- 
lien und alkalischen l^rdeu^ schwächer bei den Erden ^ und 
am schwächsten bei den Metalloxyden. Eine Basis ist also 
ein Awali^ eine Erde oder ein eigentliches MetaÜDxyd^ und 
die Benennung gründet sich darauf^ dass man die Basis als 
den characterisirenden Grundstoff der Salze betrachtet. Ba- 
sisch bedeutet^ für ein Salz gebraucht^ wenn es Ueberschuss 
an Basis enthält^ und für ein Oxyd^ wenn es sich mit Säu- 
ren zu Salzen verbinden kann« Zwischen den Benennungen 
Basis und Radical machen wir den Unterschied, dass man 
erstere für Oxyde im Gegensatz der Säuren, und letztere 
für brennbare Körper im Gegensatz vom Sauerstoff gebraucht. 
So ist Kali die Basis im salpetersauren Kali^ aber Kalium 
das Radical vom Kali. 

Besitzen — heisst in der Färberei ein Zeug mit einer 
Flässig&eit eintränken, welche die Eigenschaft hat, aus der 
Farbbrühe den Farbstoff in unlöslicher Verbindung niederzu- 
schlagen. Ist z. B. ein Zeug in eine Auflösung von Alaun 
und Weinstein getaucht, und nadiher getrocknet worden, 
80 nennt man es gebeitzty und die Flüssigkeit, worin es ge- 
schah« Beitzmittel oder Beitze. Wird hierauf das Zeuor in 
eine Infusion, z. B« von Brasilien- oder Fernambuckholz 
gebracht, so schlägt sich der Farbstoff aus derselben auf 
das Zeug nieder und vereinigt sich mit der darin enthaltenen 
Thonerde. Die Färbung des Zeugs bestand also darin, dass 
sich der Farbstoff mit der Thonerde auf und in die feinsten 
Fasern desselben niederschlug« 



/ 



£32 BescJüdewng "-^ Beschlag. 

Beschickung^ — eki iriitteMnäiiiikicher Amdruck, d»r 
das Gemenge von Erz^ Flussmittel und Kohle bedeutet^ \vel^ 
cbes anir Aussoheidun|; des Metattes ui euiem Ofen ver- 
schmolzen wird. 

Beschleug — wird ein Ueberzug auf Gefassen genanot, 
die einer höheren Temperatur ausgesetzt werden sollen. Man 
b^chli^ hesmiders gläserne Gefässe^ und erlangt ^dureh 
den Vortheil^ dass sie bei einer Temperatur, b(M der sie 
sonst erweichen und zusammensinken, ihre Form behalten« 
Ein solcher Beschlag auf dem Bauch einer gläsernen Retorte 
wird auf die Weise gemacht, dass man ihn vermittelst 
eines Pinsels einigemal mit einem dünnen Mörtel, am besten 
von feuerfestem Thon, halb gebranntem und halb unge- 
branntem, bestreicht. Manche pflegen auch Vs vom Ge- 
wichte des Thons Kuhhaare oder ganz kurzgehacktes Stroh 
zuzusetzen^ damit die Masse beim Trocknen besser «isam- 
menhäuge; es erfordert aber viel Arbeit, diese Substanzen 
gleichförmig einzumengen. Auch kann man die Masse zu 
einem dünnen Kuchen ausarbeiten, auf den man dann die 
Retorte, nachdem man ihn auf seiner oberen Fläche mit 
etwas Wasser angefeuchtet hat, mitten aufsetzt und den 
Kuchen dann rund herum gleichförmig anknetet, worauf man 
den Beschlag langsam trocknen lässt. 

Glasröhren^ durch die man bei einer höheren Tempe- 
ratur gasförmige Stoffe hindurchleiten will, versieht man am 
besten auf die Weise mit einem Beschlag, dass man sie mit 
dünnem Eisenblech umgibt, welches man mit Stahldrath um- 
windet. Das Glas erweicht zwar durch die Hitze und wird 
durch den Druck des durchgehenden Gases erweitert, allein 
dies gelH^ nicht weiter, als bis zur völligen Berührung mit 
dem umgebende» Eisenblech. Es geschah mir oft, dass wenn 
das Blech ein Loch nur wie ein Stecknadelkopf gross hatte, 
das weiehe Glas dadurch ausgeblasen wurde, und sich ^ 
ein Loch im Glase bildete. Ich habe gefunden, dass solche 
mit Eisenbledi umgebene Glasröhren in vielen Fällen die 
theuren und oft schwer zu habenden Porcellanröhren ersetzen 
können. 

Betörten^ von gewöhnlichem Töpfer- und von feuer- 
festem Thop, werden bei höherer Temperatur undicht, so 
dass sie, ohne geborsten zu sein, die daraus zu destiliir^i- 



Betdeln — Capette. 233 

den Stoffe hkidardikMSsen / wie es z. 8. bei der DestUbttioa 
von Phosphor in steinernen Retorten der Fall ist» Um die- 
sem abzuhelfen, belegt man sie mit einem eigenen Lntum^ 
weldies man ans einer Auflösung von einer Unze Borax in 
Wasser «aeht^ die man mit frisch gelöschtem Kalk zu einem 
dicken Brei anrührt^ womit man dann die Retorte bestreicht. 
Nachdem dieser Ueberzug getrocknet ist^ bedeckt man ihn 
noch mit einem Lutum aus Leinöl und geleschteni Kalk; die 
man zu einer zusammenhängenden plastischen Masse zu- 
sammengestampft hat. Nach einigen Tagen ist es trocken 
und die Retorte brauchbar. Bekommt sie während der Ope- 
ration -einen Riss^ so lässt sich dieser noch während des 
Glühens mit demselben Oelkitt verstopfen. Eine so beschla- 
gene Retorte hält im Glühen luftdicht und kann bei vor- 
fi»<Atiger Behandlung mehrere Male gebraucht werden. 

FUntenläufe, die sehr hohen Temperaturen ausgesetzt 
werden sollen ^ wie z. B. bei der Bereitung von Kalium^ 
bescfalägt man mit feuerfestem Thon^ der aus gebranntem 
und ungebranntem gemischt ist. Der Beschlag verhindert 
sowohl die Oxydation ^ als die Vereinigung des Eisens mit 
Kohlenstoff; in welchem letzteren Falle es ebenfalls schmel- 
zen würde. 

Beut ein y — eine pharmacentisdie Operation ; die so 
viel als durch Leinen sieben heisst. Das Gepulverte wird 
in ein Leinentuch gelegt^ und dieses zu einem Beutel ohne 
Saum zusammengebunden; welefaer nun beim Schütteln das 
feinste Pulver durch ' seine Poren hindurchfallen lässt* Um 
das Stauben zu verhindern; hält man dabei den Beutel in 
ein weites GlaS; indem man dasselbe mit dem über derZu- 
bindung befindlichen Theil des Leinentuchs überbindet. 

Calciniren — bedeutet bei den älteren Chemikern 
Brennen oder. Glühen im offenen Feuer und calcinirt das- 
selbe; wie geglüht; so z. B. bedeutet calcinirte Pottasche 
dasselbe; wie stark durchgeglühte Pottasche. Das Wort 
stammt davon her; dass die Chemiker die Metalloxyde früher 
Metallkalke (Calces Metallorum) nannten; und calciniren 
so viel hiesS; als oxydiren. 

Capelle. — In der Chemie gibt es zweierlei Capellen. 
Die eine Art ist ein kleines; aus Knocheuerde verfertigtes 
GefasS; worauf im Probirofen das Silier mit Blei abgetrieben 



234 Capu$ mortmim — Candensiren. 

wird^ um den Grad seiner Reinheit ausznmitleln. Im IIL Th. 
p* 271 ist beim Silber diese Operation beschrieben. 

Die andere Art^ die Sandcapelle, s, Sandbad. 

Caput mortuum, — ein alchemistischer Ausdruck, 
der den nach einer Destillation in der Retorte bleibenden 
Rückstand bezeichnet. Man verglich diese Masse mit einem 
todten Kopf^ aus dem die Destillation den Geist, den Spi- 
ritus, ausgetrieben hatte. 

Cemenüren, — mehrere Substanzen schichtweise aber 
«inander legen, und so »der Einwirkung der Luft oder des 
Feuers aussetzen. 

Circulireriy — > eine nicht mehr gebräuchliche Art zu 
digeriren. Man gebrauchte hierzu Kolben mit Helm aus 
einem Stück und durch Röhren so mit einander verbunden, 
dass die in dem Helm sich condensirende Flüssigkeit stetsr 
wieder in den Kolben zurückfloss. Dieser Apparat ist nun 
gänzlich abgeschafft, weil er flüchtige Flüssigkeiten nicht 
so vollständig coudensirte, dass er ohne alle Gefahr gewe- 
sen wäre. 

Cohobiren, — bei einer Destillation das Destillat zu 
wiederholten Malen in die Retorte zurückgiessen und von 
Neuem destilliren. Diese Operation wird in den Fällen an- 
gewendet, wo man Körper bei höherer Temperatur der Ein- 
wirkung flüchtiger Materien aussetzen will, wobei in offnen 
Gefässen sich ein Theil des Lösungsmittels verflüchtigen, 
oder in verschlossenen dieselben sprengen würde, wenn man 
es nicht in einem kälteren Theile des Apparats coudensirte. 

Concentrireriy -r- stärker machen, sagt man von einer 
mit Wasser verdünnten Säure, von einer Salzlösung u.s. w., 
wenn man sie mehr oder weniger von ihrem Wasser befreit. 
Stoffe, die weniger flüchtig sind, als Wasser, concentrirt 
man durch Abdunstung, und solche, die flüchtiger sind, durch 
Abdestilliren vom Wasser« Auch durch Gefrieren lässt sich 
mitunter das Wasi^er wegschaffen, indem dadurch der un- 
gefrorne Theil concentrirter wird. — Concentrirt ist also der 
Gegensatz von verdünnt. 

CondensatoVy — siehe Electroscop. 

Condensiren — wird gesagt, wenn ein Gas. oder 
Dampf aus der Gasform in die feste oder flüssige Form ver- 
setzt wird. 



Cupeüiren -^ D^üliren. JS85 

CupeUiretty — Silber oder Gold dtirdi Abtreäea mit 
Blei auf der Capelle oder dem Test reinigen. 

Decanthireriy — ein pharmaceutischer Ausdruck, heissl 
die klare Flüssigkeit abgiessen^ nachdem sich die Trübung 
95U Boden gesetzt hat. 

Decoct — nennt man in derPharmacie eine Auflosung, 
die durch Kochen eines Pflanzen- oder Thiepstoffs mit Was- 
ser erhalten wird. Ein gewöhnliches Recept zu Decocten 
von Pflanzenstoffen sst^ 1 Unze des letzteren mit V2 Quart 
Wasser zu kochen , bis so viel verdunstet ist^ dass das 
geseihte Decoct etwa ^^U Quart betragen, kann. Von scharfen 
Stoffen wird weniger genommen ; für jeden schreibt die Phar-* 
macopoe eine bestimmte Dosis vor; zu schwerlöslichen wird 
mehr Wasser genommen^ um bei dem nöthigen längeren 
Kochen mehr verdunsten zu lassen. 

Decomponireriy — einen Körper in seine Bestand** 
theile zersetzen ^ in chemischem Sinne zerlegen. 

Decultlßitiren -— > wird von Substanzen gesagt, wenn 
liie beim Erhitzen zerknistem^ wie z. B. Kochsalz, schwefel- 
saures Kali. Siehe das Weitere Bd. I. p. 424. 

Dephlegmiren^ — ein nicht mehr gebrauchlicher 
chemischer Ausdruck für concentriren, kommt von Phlegma 
(Schleim), welches bei den älteren Chemikern das Wasser 
in einer sauren oder Spirituosen Flüssigkeit bedeutete. 

Dephlßgisticireriy — ein in der pfalogistischen Che- 
mie gebrauchtes Wort, welches, in unsere jetzige Nomen« 
clatur übersetzt, mit Sauerstoff vereinigen^ oxydiren heisst« 

Deplacirungs- oder VerdrängungS" Methode. — 
Hit diesem Namen hat man die Behandlung von Stoffen zu 
bezeichnen angefangen, wodurch gewisse Theile aus ihnen 
extrahirt werden sollen^ und zwar mit dem in Th. VI. p. 214 
erwähnten Robiquet' sehen Apparate. 

Desiillireriy — eine chemische Operation, wodurch 
eine flüchtige Flüssigkeit von weniger flüchtigen Materien 
geschieden^ und der verflüchtigte Theil aufgesammelt und 
benutzt wird. Der Destillationspr9cess ist noch nicht , so 
sehr lauge allgemein bekannt, und wie man glaubt, wurde 
er zuerst von den Arabern in ihrer blähenden Periode er- 
funden; wenigstens sind viele der älteren Benennungen von 
Destillationsgeräthschaften arabischen Ursprungs, wie z. B. 



29$ Destmren. 

Aiembik« Dioseorides^ einer der berühmtesten Pharma- 
ceuten Griechenlands^ wnsste von der Destillation nicht mehr^ 
ids dass ein kalter Schwamm^ den man über einen kochen- 
den Topf eine Zeit lang aufhängt^ aufquelle^ und dass man 
daraus flüssiges Wasser ausdrücken könne. Die ersten 
Nachriditen^ die man vom Destillationsprocess findet^ sind 
aus den Schriften des arabischen Arztes Alrhazes genom- 
men ^ worin er den Schnupfen mit einer DestiHatioa ver- 
gleicht. )9Der Magen ^ sagt er^ ist der Destillirkessel^ der 
Kopf der Helm^ und die Nase die Kühlröhre ^ aus welcher 
das Destillat heraustropft. « Daraus sieht man also^ dass 
diese Operation^ zu seiner Zeit bekannt war. Seit etwas 
mehr als einem halbe« Jahrhundert hat sie sehr widitige 
Vwbesserongen erlitten. 

Ich werde hier in der Kürze Einiges über die^ sewoU 
im Grossen als im Kleinen^ angewandten Destillations -Ap- 
parate anführen^ erinnere aber ausdrücklich^ dass das hier 
Ciesagte keineswegs eine Anweisung für Dest||piteure im 
Grossen sein soll^ sondern nur den Endzweck hat^ dem 
Studirenden eine theoretische Anschauung von der Operation 
zu geben. 

Wenn diese Operation^ wie beim Branntweinbrenneny 
bei der Destillation des Essigs und der destillirten Wasser 
in den Apotheken^ im Grossen betrieben wird^ so besteht 
der Apparat aus drei Theilen^ deren Form für den Erfolg 
der Operation von d^n wesentlichsten Einfluss ist. Diese 
sind der Kessel^ der Helm und der Kühlapparat. 

a. Für den Kessel wurde vor etwa 30 Jahren allgemein 
eine sehr unzweckmässige Form angewendet; er war dop- 
pelt so tief als weit. Da eine Flüssigkeit im Verhaltniss 
zur Grösse ihrer Oberfläche schnell verdunstet und leicht 
kocht 9 in dem Verhältnisse als die erhitzte Oberfläche gross^ 
und die über dem erwärmten Boden befindliche Flüssigkeits- 
schicht dünn ist^ so folgt hieraus, dass der Kesstl um so 
leichte das zu Verflüchtigende abgeben muss, je luisge- 
4efanter der Boden und je geringer die Höhe ist, und dass 
hierdurch um so mehr Zeit und Brennmaterial erspart werden 
kann. Seitdem in den meisten Ländern das Branntwein- 
birenuen mit einer, nacb der Grösse der Fabrikation sich 
richtenden Steuer belegt, und diese Grösse nadi der Geräu- 



DestilUren, 897 

migkeit des Kessels und der Menge bestimiiit worde^ die 
damit ^ in .beständigem Gang ilin gedacht^ gebrannt werden 
konnte^ so wurde es natürlicherweise für den Brenner von 
iiM^ grösserem Gewinn^ wenn er bei demselben Kesselinhalt 
seine Production verdoppeln konnte^ und man könnte fast 
sagen ^ dass auf diese Weise die Branntweinsteuer die Ur-» 
Sache der Vervollkommnung des Brennapparates geworden 
sei. Mehrere mit den wissenschaftlichen Grundsätzen wohl 
vertraute Branntweinbrenner in Schottland machten deshalb 
Versuche^ Destillatiouskessel zu construiren^ die in der kür- 
zesten Zeit die grösste Menge Branntwein liefern würdet^ 
und brachten es dahin ^ dass sie bei Anwendung von Kes-* 
seln^ die 20 bis 30 mal so weit als hoch wardn^ 200 bis 
400 mal in 24 Stunden brennen^ und dadurch ein vielmal 
grosseres Quantum Branntwein^ als mit anderen gleich hpch 
besteuerten Kesseln von der älteren unvortheilhaften Form^ 
gewinnen konnten. Diese flacheren Kessel sind unter Jem 
Namen der schottischen Kessel bekannt. Ihr Gebrauch 
wurde in Schweden im Jahre 1805 eingeführt^ . allein anfangs 
von der Regierung^ wegen der Steuerveruntreuung^ verboten. 
— Hinsichtlich der Form des Kesselbodens kommt man nun 
darin, ziemlich überein ^ dass ein nach Innen convexer Boden 
v<Mrtheilhafter ist^ als ein ganz ebener oder in entgegen- 
gesetzter Richtung convexer. 

b) Der Hehn ist noch häufigeren Veränderungen unter- 
worfen gewesen* Die vor ungeßihr 30 bis 40 Jahren in 
Schweden gebräuchlichen hatten ebenfalls eine unvortheil- 
hafte Form. Von dem oberen Rande des Helms gingen zur 
Ableitung der Dämpfe 3 kurze Röhren aus. Dieser Apparat 
hatte den grossen Fehler^ dass d% grosse Oberfläche des 
Helms von der Luft abgekühlt und auf demselben viel von 
den beim Kochen gebildeten Dämpfen condensirt wurde und 
in den Kessel wieder zurückfloss^ wodurch die ganze Ope- 
ration verlangsamt wurde. Nachdem mau diesen Uebelstand 
bemerkt hatte ^ veränderte man die Form des Helms ^ und 
brachte rund um den Hals herum eine Vertiefung an^ aus 
welcher das Ableitungsrohr ausging; hierdurch gewann man 
so viej^ dass alles, im Helme Condensirte in diese Rinne 
herabfloss und da diese etwas gegen das Ableitungsrohr ge- 
neigt war^ 80 konnte es dadurch abfliessen^ statt in den 



238 ^ DestilUren, 

Kessel zuräckzogehen. — Man hat nan gefimdeii^ dass der 
Helm gar nicht gross zu sein und darin gar keine Conden- 
sining vor sich zu gehen braucht; man macht ihn daher jetzt 
entweder sehr klein ^ oder man nimmt nur ein gebogenes 
kupfernes Rohr^ welches mit seinem weiteren Ende genau 
in die Kesselöffnung ^ und mit dem kleineren genau in den 
Kühlapparat passt. Im Allgemeinen darf ein so gestalteter 
Helm nicht zu klein sein; je weiter seine untere Oeffnung 
ist/ um so besser^ weil er dann den nachdringenden Dämpfen 
um so geringeren Widerstand leistet^ und die abkühlende 
Oberfläche auf einem weiteren Rohre relativ zur Menge der 
durdigehenden Dämpfe geringer ist; als auf einem schmä- 
leren. 

c) Der Kuhlapparat ist derjenige Theil^ in welchem die 
Dämpfe zur Flüssigkeit condensirt werden. Bei den älteren 
Kesseln bestand er nur in geraden Rohren ^ die durch ein 
mit Wasser und Eis gefälltes hölzernes Gefass gingen ^ ge- 
wöhnlich zwei oder drei^ je nachdem der Helm mit zwei 
oder drei Ableitungsröhren versehen war. Der Weg; den 
hier die Dämpfe zu durchlaufen hatten ^ war sehr kurz; und 
dies machte die Destillation zünden Zeiten im Jahre ^ wo 
man sich kein Eis verschaffen konnte^ ohne grossen Verlust 
, nicht möglich; da ein grosser Theil der Dämpfe unverdichtet 
durch das Rohr hindurchging. Man änderte daher die Form 
so ab; dass man statt 3 einzelner Rohre nur ein einziges 
nahm; das aber wenigstens 5 mal; und öfters noch vielmals 
darüber; spiralförmig gewunden war und nach unten bestän- 
dig schmäler wurde; wie Taf. II. Fig. 2 zeigt. Dieses ge- 
wundene Rohr wurde nun in das Kühlfass eingesetzt und 
mit Wasser umgeben. l9!s war dies eine sehr grosse Ver- 
besserung; die auch jetzt noch allgemein im Gebrauch ist. 
Ihre Vortheile bestehen iu einer vollständigen Abkühlung und 
in der Leichtigkeit; womit man den Apparat reinigen kann; 
allein er ist schwer zu machen und noch schwerer zu lötheu; 
wenn er undicht geworden ist. Diese Umstände veranlassten 
noch fernere Untersuchungen; ob sich nicht eine eben so 
gute; aber leichter darstellbare Kühlgeräthschaft auffinden 
lasse* Eine solche wurde 1790 vom Bergrathe Nor borg 
erfunden; welcher auf die Verfertigung dieser Kühlgeräth-^ 
Schaft ein ausschliessliches Privilegium bekam. Norberg's 



DesHlßrefL 2Z9 

Kuhlapparat bestand aas rinem düimeo^ hohlen Parallelepipe-« 
dum; oder einem sehr schmalen^ zwischen 2 breiten und 4 
sehr schmalen Seiten eingeschlossenen Raum^ Taf. IL Fig. 
3.^ der in das Kühlfass eingesetzt und mit Eis oder Wasser 
umgeben wurde. Ehe aber noch diese Erfindung allgemeines 
Zutrauen gewonnen hatte ^ erfand der Baron Gädda eine 
andere^ noch bessere Kühlgerathschaft; welche Erfindung er 
der Kupferschmieds-Innung zur freien Benutzung fiberliess; 
und sowohl hierdurch ^ als auch durch seine vortheilhaftere 
Construction , verdrängte er Norberg*s Erfindung fast bis 
zur Vergessenheit. Gädda's Kuhlapparat^ Figur 4^ besteht 
aus einem sehr sdimalen Raum^ gebildet durch die Wände 
zweier in einander gesetzter abgestumpfter Kegel von Kupfer-« 
blech ^ und oben und unten durch zwei aufgelöthete zirkel-» 
runde Blechstreifen; wie Figur zeigte geht also durch den 
kleineren inneren Kegel ein hohler Raum. Der innere Raum^ 
worin die Dämpfe condensirt werden sollen, ist nach oben 
weiter^ weil da der Dampf noch warm und ausgedehnter ist^ 
und nimmt nach unten zu ab. Oben werden die Dämpfe 
durch eine weite Rohre eingeleitet^^ und unten auf der ent- 
gegengesetzten Seite die condensirte Flüssigkeit durch ein 
schmales Rohr ablaufen gelassen. Der Boden des Kühlraumes 
ist gegen das Ableitungsrohr geneigt^ und muss^ damit der 
Apparat eben so leicht wie das Spiralrohr zu reinigen sei^ 
wenigstens mit 6 bis 10 Grad gegen die Horizontallinie ge- 
neigt seiu^ wodurch das Zurückbleiben von Flüssigkeit darin 
verhindert wird. Dieser Kühlapparat steht in dem Kühlfass 
auf drei eisernen Füssen. Bein^ Wechsel des Wassers in 
dem KühUasse während der Destillation giesst man das kalte 
durch den mitten im Apparat gebildeten hohlen Raum ^ wo- 
durch es^ ohne sich mit dem warmen zu vermischen^ zum 
Boden gelangt^ während eine entsprechende Menge warmen 
Wassers durch eine oben am Fasse angebrachte kleine Rinne 
abfliessen kann. Bei hinreichend oftem Zugiessen von kaltem 
Wasser ist der Gebrauch von Eis durchaus nicht nöthig. 

Ein anderer Kühlapparat ist von Weigel erfunden wor- 
den. Er besteht in einem dünnen^ breiten und langen^ von 
Kupferblech gebildeten Raum^ in welchen die Dämpfe zur 
Condensirung eingeleitet werdest Aeusserlich ist er von 
einem Futterale^ von Holz oder Kupferblech umgeben ^ wel- 



t4ti DemRren. 

cbefly je nach der TerseliiedeiiMi Ghrösse des Apparats^ Baum 
für Vi bis einige Zoll tief Wasser um das kupferne Rohr 
lasst. Dieser Raum wird mit Wasser gefüllt, und indem der 
Apparat gegen das Heknrohr geneigt gestellt wird^ wird am 
untern Ende durch ein aufrecht stehendes Rohr Wasser ein« 
gefüllt^ und, durch den Druck der Wassersäule in diesem 
Rohre beständig nach dem oberen Theile des Apparates huH- 
att%etrieben j wo es durdi eia besonderes Rohr wieder ab- 
fliesst« Fig, 5« zeigt diese Vorrichtung im Durchschnitte^ 
und Fig. & von vom, wo der Dampfraum von dem umge- 
benden Wasserraume verdeckt ist. Diese Kühlgeräthschaft 
hat besonders das Eigenthümliche^ dass sie mit der gingst 
möglichen Menge Wassers vollkommen abkuhh; denn man 
kann den Zufluss des Wassers so reguliren^ dass das oben 
abfliessende beständig •{- 60^ hat^ wobei sich der Rühlapparat 
auswendig ungefähr 2 Zoll weit von oben warm anfühlt^ 
allein in einer Entfernung von 6 Zoll von oben vollkommen 
kalt ist. Da es eine grosse Erleichterung in der Arbeit ist, 
mit der geringsten Menge Wassers abkühlen zu können, so 
hat man nachher WeigePs Idee, durch einen heständig fort- 
gehenden Wasserstrom abzukühlen, mit Oädda's vortheil- 
hafterer Form für den Abkühlungsraum verbunden. Dies 
hat den Vortheil, dass das, den eigentlichen Kühlapparat 
umgebende Kühlfass ganz klein sein, und sowohl in Betreff 
der Haltbarkeit, als auch der Dichtheit, ohne bedeutend grosse 
Kosten aus demselben Metall wie der Kühlapparat selbst ge- 
macht werden kann. Das Wasser wird alsdann durch ein 
an der Seite verlaufendes, am Boden des Fasses sich öflnen- 
des Rohr geleitet, steigt von dem Kühlapparat allmählig er- 
wärmt in die Höhe, und fliesst durch eine am Kühlfass an- 
gebrachte Röhre warm aus. Durch den Hahn, aus dem das 
Wasser aus einem höher stehenden hölzernen Reservoir in 
das Kühlfass fliesst, kann man dies stärker oder schwächer 
geschehen lassen, je nachdem es die Abkühlung bei der De- 
stillation erfordert. Ich halte diese Verbesserung für eine 
der besten unter den bis jetzt bekannten Kühlgeräthschaften. 
Fig 6. zeigt eine der besten Constructionen nach diesem 
Princip, so wie man sie in Stockholm verfertigt AB CD 
ist ein grosser kupferner pylinder, EFGH ein kleinerer, 
welche oben und unten durch cirkelförmige Kupferstreifen 

mit 



Destilliren. 241 

anit einander verbanden sind^ so dass der Raum zwischen 
beiden mit Wasser vollgefüllt werden kann; der mittelste 
Theil EFGH ist dagegen unten und oben offen. In diesen 
cylindrischen Raum wird der Kählapparat ML gestellt; durch 
die mit dem Trichter versehene Röhre wird das kalte Was-- 
ser zugelassen y und durch K fliesst es wieder aus. Bei M 
treten die Dämpfe ein^ und durch L fliesst die condensirt^ 
Flüssigkeit aus. 

Das Angefahrte gilt von den Kählgeräthschaften im All-^ 
gemeinen; für die Condensirung von Spiritus insbesondere 
hat man in neuerer Zeit mehrere Abänderungen erfunden^ 
unter denen die vom Franzosen Isaac Berard eine der 
einfachsten und dem Zwecke entsprechendsten ist. Sie grün*- 
det sich darauf^ dass Spiritus bei einer Temperatur dampf- 
förmig bleibt^ wobei Wasser condensirt wird^ d. h* z\Mischen 
+80® und 100*. Würde man demnach bei einer Branntwein- 
destillation 2 Kühlfasser anwenden^ von denen das erste nur 
bis -f-80® oder etwas darüber abkühlte^ so würden darin bloss 
Wasserdämpfe und nicht Spiritus condensirt werden^ welcher 
letztere dampfförmig bis in das nächste Kühlfass gehen^ und 
sich erst hier condensiren würde; man Würde also hierdurch 
zu gleicher Zeit brennen und rectificiren oder läutern^ wafl 
in mehrfacher Beziehung vortheilbaft wäre. Berard erlangte 
diesen Endzweck folgendermassen : Die Dämpfe aus dem 
Helm werden von einem Kühlfass aufgenommen^ dessen Prin- 
cip ich durch Fig. *7. am besten klar zu machen glaube ; AB 
stellt ein Parallelepipedum von Kupferblech vor^ in welches 
bei A die Dämpfe ein- und bei B ausgehen. Zur Verlänge- 
rung ihres Durchgangs ist der Raum durch Scheidewände 
so getheilt^ dass je die zweite Scheidewand die Dämpfe 
oben und je die zweite dieselben unten hindurch lässt^ dass 
also die Dämpfe in der Richtung der Pfeile in der Figur 
gehen. Dieser Kühlapparat steht in einem Fass^ umgeben 
mit Wasser von + 80<> bis 82®« Die dem Spiritus folgenden 
Wasserdämpfe werden hier condensirt; allein da sich das 
Wasser an den unten befestigten Scheidewänden ansammeln 
und den Apparat bald anfüllen würde ^ so hat eine jede der- 
selben ein kleines Loch^ durch welches dasselbe bis an die 
letzte Wand abfliesst^ um daselbst von der Röhre CD auf- 
genonunen zu werden y von welcher es wiederum in den 

X. 16 



2ii DesHlKren. 

Kessel anter die Oberfläche der darin koehenden Flüssigkeit 
zurückgeführt wird. Dieses Wasser üst nämlich nicht ganz 
frei von Spiritus^ und gibt diesen alsdann wieder ab^ so wie 
es in den Kessel kommt. Die aus B tretenden Dampfe wer- 
den in einem gewöhnlichen Kühlapparat condensirt und geben 
einen Spiritus von ungefähr 0^86 spec. Gewicht. 

Zu kleineren Destillationen gebrauchte man ehemals eine^ 
auf dem Helm selbst angebrachte Kühlanstalt. Bin fifolcher 
Helm wurde ein Mohrenkopf genannt. Fig. 8 steHt einen 
solchen vor; er ist eigentlich weiter nichts als ein Helm^ 
der auf dem Boden eines kupfernen Eimers sitzt ^ in den 
man kaltes Wasser giesst^ und das man so oft erneuert^ als 
es warm wird. 

Bei Destillationen von Spiritus pflegt man denselben ge- 
wöhnlich durch die Röhrenmündung des Kühlapparats ver^ 
mittelst eines ofienen Trichters in ein darunter stehendes 
Gefäss laufen zu lassen« Hierbei muss natürlicherweise viel 
Spiritus verdunsten. Da man aber das Gefäss nicht luftdicht 
an die Röhre des Kühlapparats anlutiren darf ^ so ist es am 
besten ) sich ein besonderes gebogenes Rohr von Kupfer zu 
halten^ welches genau an die Mündung des Kühlapparats 
passt und das Destillat in das unterstehende Gefäss hinab- 
leitet ^ so dass der Spiritus nicht mit einer sich stets wech- 
selnden Luft in Berührung kommt^ wodurch die Verdunstung 
hinlänglich verhindert wird. 

Destillationen im Kleinen bei chemischen Versuchen 
werden gewöhnlich in eigens dazu bestimmten gläsernen 
Gefässen^ den Retorten (siehe Retorte) ^ vorgenommen. Sie 
erfordern selten besondere Kühlanstalten ^ sondern man lutirt 
einen Glaskolben an die Retorte an^ legt die Kugel des 
ersteren^ wenn es nöthig ist^ in ein Gefäss mit kaltem oder 
mit Eis gemengtem Wasser^ und bedeckt sie mit nassen 
Tüchern. Eine andere^ ganz einfache Abkühlungsart für 
gläserne Vorlagen besteht darin ^ dass man aus einem Trichter 
Wasser in feinem Strahl oder tropfenweise auf die mit 
einem Leinentuche bedeckte Vorlage fliessen lässt^ wie es 
Fig. 9. Taf. n. zeigt. A ist eine mit der Vorlage B ver- 
bundene Retorte; die Vorläge ist mit einem leinenen Tucfae^ 
oder besser mit einem dicht anliegenden Netz bedeckt; und 
liegt in der SohMle Cy die auf einem Stri^ranze auf eiacm 



DestilRren. 843 

Clltrirgestelle E steht. D ist ein Trichter^ dessen Hab 
entw^cfr in eine mit einem Huhn versehene Hessingfassung 
gekittet^ oder wasserdicht durch einen durchbohrten^ in die 
Fassung eingesetzten Kork gesteckt ist. Man kann sich^ 
in Ermangelung einer messingenen Fassung^ unter anderm 
auch so helfen^ dass man in den Trichter blos ein Filtrum 
von Lösoipapier legt^ und so das Durchfliessen des Wassters 
durch d#n Trichter verlangsamt. Wenn sich zu viel Wasser 
in der Schaale angesammelt hat^ wird es mit einem Heber 
abgezogen. — Bei solchen Destillationen ist es eine Haupt« 
Sache ^ dass sich so wenig wie möglich in dem Gewölbe 
der Retorte condensire^ weil dieses wieder in dieselbe zu- 
ruckfliesst^ und so nur eine Circulation zwischen den oberen 
nnd unteren Theilen der Retortenkugel entsteht. Letztere 
muss daher bei der Destillation weniger flüchtiger Flüssig- 
keiten mit einem Schirm bedeckt werden^ weldier sie zwar 
nicht berühren^ aber auch keinen grossen Zwischenraum 
lassen muss^ und zu diesem Schirm nimmt man am besten^ 
wo es angeht^ eine die Wärme schlecht leitende Substanz. 
Auf Sandcapellen nimmt man dazu eine dünne Pappe ^ und 
in offnem Feuer unverzinntes Eisenblech. (S. femer Ofen^ 
Ein höchst' zweckmässiger Destillationsapparat für che- 
mische Laboratorien ist Taf. I. Fig. 17 abgebildet. Es ist 
ein Kühlapparat ^ der den Vortheil gewährt^ für die Destilla- 
tion sowohl sehr grosser^ als auch sehr kleiner Quantitäten 
anwendbar zu sein^ indem er sich mit Leichtigkeit mit De- 
stillationsgefassen von der verschiedensten Grösse und Form 
verbinden lässt. Ganz besonder}^ eignet er sich für die 
Destillation sehr flüchtiger Flüssigkeiten^ und bei Anwen- 
dung von etwas langhalsigen Kolben hat man niemals eine 
Verunreinigung des Destillats durch emporgespritzte Theil- 
chen zu befürchten. Er besteht aus einem 2 bis 3 FuSs 
langen Glasrohr ahcj von ungefähr ^U Zoll Weite, welches 
an dem einen Ende in einen 4 bis 5 Zoll langen, bei b in 
einem stumpfen Winkel gebogenen, schmalen Schnabel be 
mit ziemlich enger Mündung ausgezogen ist. Dieses Rohr 
wird vermittelst durchbohrter Korke durch ein zweites Rohr 
edf gesteckt, welches ebenfalls von Glas sein kann, am 
besten aber aus Weissblech oder Zinkblech gemacht und 
lackirt wird. Dieses äussere Rohr bat ungefähr 3 bis 4 Zoll 

16* 



S44 DestSliren. 

im Durchmesser und ist etwas känser^ als das inuere^ so 
dass dieses an beiden Enden einige Zoll weit hervorragt 
Zwischen beiden Röhren bleibt also ein Raum^ und dieser 
wird mit dem ^ur Abkühlung dienenden Wasser gefüllt 
Durch die Trichterröbre e wird es eingefüllt^ bei grösseren 
Destillationen aus einem darüber stehenden^ mit Hahn ver- 
sehenen Wassergefass^ aus dem es beständig zulfluft^ und 
bei f läuft das erwärmte Wasser durch die hier eiiigesetete 
heberförmige Röhre wieder aus. Mit dem Destillationsgefass 
wird dieser Kühlapparat durch die gebogene engere Röhre 
h vermittelst durchbohrter Korke in Verbindung gesetzt 
Die Spitze bc des Destillationsrohrs passt in jede enghals^e 
Flasche^ und in vielen Fällen kann es zweckmässig sein^ 
sie dabei in das Destillat . hineintauchen zu lassen. * Man 
kann diesen Kühlapparat auf verschiedene Weise unterstützen 
und befestigen. Eine sehr bequeme Einrichtung ist ein 
Träger wie g^ der jede Stellung und Bewegung gestattet^ 
und dessen Einrichtung aus der Figur deutlich zu ersehen 
ist .Es versteht sich von selbst; dass man in vielen Fällen 
mit dem Rohr abc allein ^ ohne das äussere Kühlrohr ^ aus- 
reicht; und bei sehr kleinen Destillationen kann man un- 
mittelbar auf das Defstillationsgefass eine enge zweischenklige 
Röhre setzen^ deren längerer ^ 2 bis 3 Fuss langer Schen- 
kel als Kühlrohr dient; indem man ihn mit nassem Papier 
umgibt. 

Eine der schwierigsten Destillationen in Retorten ist 
die der Schwefelsäure ; weshalb ich hierüber Einiges ins- 
besondere anführen will. Die Ursache dieser grösseren 
Schwierigkeit liegt darin ^ dass diese Säure wenig flüchtig 
ist; und während der Destillation schwefelsaures Bleioxyd 
absetzt; welches zu Boden sinkt; und von welchem alsdann 
das Kochen in explosionsähnlichen Stössen geschieht; wo- 
durch die Retorte zerschlagen werden kann; oder wenigstens 
die Säure ; statt überzudestillireu; mechanisch übergeworfen 
wird* Da es indessen von grosser Wichtigkeit ist; sich eine 
vollkommen reine Schwefelsäure verschaffen zu können; so 
war man darauf bedacht; hierzu ein Verfahren aufzufinden. 
Ich bewerkstellige diese Destillation auf folgende Weise: 
A in Fig. 10. Taf. II.' ist ein niedriger und breit abge- 
schnittener Kegel von Eisenblech; in dessen Abschnittsflächa 



die Retorte B genau passt^ so dass sie bis zu % hinein- 
reicht. Um den äussern Rand dieses Kegels schüttet man 
Sand^ um allen Luftzug zwischen demselben und der Fläche^ 
worauf er steht ^ zu verhindern. Um den Kegel herum stellt 
man Ziegelsteine EJS^ und über die Retorte hängt man^ Vi 
Zoll weit vom Glase ^ einen zweiten Kegel von Eisenblech 
C auf ^ der eben so platt ^ aber an der Spitze nicht abge-^ 
schnitten ist. Die Retorte wird zur Hälfte mit Schwefelsäure 
gefüllt^ und der Hals durch ein dünneres Ziegelsteiustück 
FG unterstützt. Darauf geschieht die Feuerung rund um 
die Retorte herum innerhalb der Ziegelsteine; nach einiger 
Zeit lang fortgesetztem vorsichtigen Feuern geräth die Säure 
in der oberen Hälfte in's Kochen^ ohne dabei zu stossen. 
und da der übergehängte Kegel C die Kugel heiss erhält^ 
so geschieht keine Condensation früher als im^Haüse^ Und 
die Tropfen aus demselben folgen so dicht auf einander^ 
dass man in IV2 Stunden ein Pfund Schwefelsäure über- 
destilliren kann. Die Vorlage muss von dünnem Glase sein^ 
und der Retortenhals so weit in dieselbe reichen^ dass die 
Tropfen nicht auf das Glas^ sondern direct in die schonf 
äberdestillirte Säure fallen. Das in der Retorte sich ab-« 
setzende schwefelsaure Bleioxyd sinkt zu Boden ^ und da 
£e Erhitzung nur von den Seiten ausgeht^ so kann in' Folgfei 
des auf dem Boden angesammelten Niederschlags kein 
stossendes Kochen entstehen. — Mit weit weniger Gefahr 
habe ich später diese' Destillation auch auf die Weise aus^ 
geführt; dass ich durch Verdünnung der Säure mit Wasser 
zuerst das Bleisalz ausfällte^ die geklärte Säure abgoss^ in 
einer Platinschaale bis zur völligen Concentration abdaittpfte^ 
und dann in einer Retorte in einem Capellenofen mit be- 
deckter Capelle (s. Luhme's Ofen) destillirte. Bei dieser 
Gelegenheit thut ein in die Retorte gelegter Platindrath vor- 
treffliche Dienste ; die Destillation geht ohne weiteren Anstoss 
vor sich; und nian erhält ein vollkommen reines Destillat. 

Trockne Destillation nennt man diejenige^ wo eine 
trockne Substanz ^ gewöhnlich organischen Ursprungs ^ in 
einer Retorte der Einwirkung einer höheren Temperatur 
ausgesetzt wird; und die dabei entstehenden Producte ge- 
sammelt werden; welche gewöhnlich in Gasarten ^ einem 
sauren oder ' alkalischen Wasßser; dünnerem und dickerem 



246 Detomren — Electrometer. 

Brtnd^^ und in der Retorte zurückbleibender KoUe be- 
stehen. 

Detaniren^ verpuffen — sagt man von der zisohendea 
Verbrennung; welche entsteht beim Anzünden eines Gemen- 
ges von einem brennbaren Körper mit i^alpetersaureu; chlor- 
sauren ^ bromsauren ; jodsauren ^ selensai^reo; chromsfauren 
u. a. Salzen ; oder mit einem Oxyd von einem der edlen 
Metalle. Auch gebraudit man diesen Ausdruck för die mit 
Explosion erfolgende Vereinigung von Gasen. 

Digeriren^ — einen Körper eine Zeit lang der Ein- 
wirkung einer Flüssigkeit , bei einer Temperatur zwischen 
-^ 30^ und dem Kochpunkte dei^ Flüssigkeit ^ aussetzen. 

JEductj — ein aus anderen Sub/Stanzen^ besonders 
Pflanzen- und Thiersto£Fen ^ ausgezogener Bestandtheil; der 
darin vorher fertig gebildet war^ und daraus nur abgesdiie- 
den worden ist. 

Edulcorirefiy — siehe Auswaschen. 

Einkochen^ — siehe Abdampfen. 

Electrometer y Electroscop^ — ein Instrument, 
womit man vorhandene freie Electricität entdeckt. Das ein- 
fadiste ist Hennefs Electrometer; Fig. 11. Taf. II. A ist 
eine schmale Glasflasche mit abgesprengtem Boden; BG ein 
polirter Ifetalldrath; bei B mit eiu^n runden Knopf, und 
bei (7 mit einem Oehr versehen; durch welches ein schmales 
Goldblättchen CD gezogen ist; so dass es auf beiden Seiten 
herabhängt. Gegenüber jedem der beiden Gbldblattistreifen 
ist ein Staniolstreifen EE angeklebt; um durch Anziehung 
die Divergenz der beiden Goldblätter zu vermehren; wenn 
B einem schwach electrischen Körper genähert wird. 

Volta's Electrometer ist wie jenes ; nur dass statt der 
Goldblättchen 2 feine Strohhalme an kurzep Leinenföden 
aufgehängt sind. Das Glas ist vierseitig und hat auf der 
einen Seite eine Graduirung zum Hessen der Divergenz, 
wodurch dieses Instrument als ein relatives Haass der elee- 
trischen Tension in schwach electrischen Körpern brauchbar 
wird. 

Bohnenberger's Electroscop übertrifft an Empfind- 
lichkeit alle übrigen dadurch; dass er ^ statt der Belegung 
auf dem inneren Glase an dem Benno tischen; 2 trockne 
electriscbe Säulen mit entgegengesetzt electrischen Polen 



" Elixir — EmpyreumaHsch. %4t7 

angebracht hat Fig. 12. zeigt die BiurichtuDg. AB ist ein 
gewöhnliches Wasserglas ^ bedeckt mit einem gutschliessen- 
den Deckel von Messing CD^ der in der Mitte eine mit 
einer Hälse versehene Oeffnung ah hat^ in welcher eine 
gut iackirte Glasröhre ahcd sitzt; auf derselben ist eine 
kleine runde Messingscheibe EF festgekittet ^ an deren un- 
terer Seite ein kleiner^ mit dem Knopfe e endigender Me- 
talldrath befestigt ist. Durch die Glasröhre hindurch geht 
ein anderer^ in der Mitte von EF befestigter Metalldrath^ 
welcher gleich unter dem Deckel im Glase mit einem Oehr 
endigt^ worin 2 schmale Goldblättchen gk parallel aufgehängt 
sind. Zu beiden Seiten derselben sind 2 kleine trockene 
electrische Säulen G und H in länglichen Einschnitten in 
dmi messingenen Deckel festgeschraubt, und können dadurch 
von dem Goldblatte mehr entfernt oder ihm genähert werden. 
Wird dem Knopfe e freie Electricität mitgetheilt^ so geht 
sie von da in die Goldblättchen^ die dadurch sogleich diver- 
giren^ allein so^ dass die entgegengesetzte Electricität von 
einer der trocknen Säulen das nächste Goldblatt anzieht. 
Ist es z. B. — Ey so wird das dem -|* Pol am nächsten sich 
befindende Goldblatt von diesem angezogen^ w^odurch also 
zu gleicher Zeit die Art von freier E bekannt wird. Dabei 
wird dieses Instrument zugleich ein sehr guter Codensator 
dordi Anwendung der Messingscheibe JK^ die an einem 
nicht leitenden Handgriff befestigt, und auf ihrer unteren 
Seite mit einer dünnen Lage von Lackfirniss überzogen 
ist. Wird IK auf EF gelegt, und der Knopf desselben mit 
einem electrischen Körper, IK aber mit dem Finger berührt, 
so wird die Harzschicht geladen; bei Aufhebung von IK 
wird E in EF frei und zeigt sich an den Goldblättchen. 
Mit diesem Instrumente glücken Volta's bekannte Versuche 
über den Ursprung der Contacts-Electricität ganz vortrefflich. 
Hare hat die Veränderung daran angebracht, dass er nur 
ein Goldblatt und eine trockne Säule anwendet^ die gegen 
das untere Ende des Goldblatts rechtwinklig gestellt und 
beweglich ist, so dass sich ihre Entfernung verändern lässt. 

Elixir y — pharmaceutische Benennung für unklare 
Auflösungen in Weingeist. Die klaren heissen Hncturen. 

Empyreumatischy brenzlich, — für die Producte 
der toocluien Destillation orgftnischer* Stoffe gebräuchlich. 



248 Enärindungs'Apparat ^ 

Entbindung 8^ App ar at ^ Entbindungs-Flasche. 
Bei Gbemisohen Untersuchungen sipd oft Gasentwickelungen 
Huf nassem Wege zu machen. Dies geschieht gewöhnlich 
in Flaschen 9 die mit einem Kork versehen sind; durchbohrt 
mit zwei Jiöchern^ von denen das eine eine Art Trichter 
aufnimmt; an dem sich eine cylindrische Röhre befindet^ 
die nahe bis auf den Boden der Flasche reicht ^ und durch 
das andere geht ein kurzes in einen Winkel gebogenes Rohr 
(Tab. 1; Fig. 7; A), An dem horizontalen Theil des in 
in einen Winkel gebogenen Rohrs hat man gewöhnlich eine 
Kugel geblasen ^ um das Liquidum aufzunehmen und zurück- 
zuhalten^ welches während der Gasentwickelung in dem 
Ableitungsrohr hinaufsprützen kann. In die Flasche wird 
der Körper gelegt; durch dessen Auflösung die Gasent- 
wickelung bewirkt werden soll, durch den Trichter wird 
das Auflösungsmittel eingegosnen. Hierbei ist es nöthig, 
im Verlaufe der Operation darauf zu achten , dass mit dem 
Lösungsmittel keine atmosphärische Luft hineinkomme. Ist 
die Röhre des Trichters schmal; so gehen Luft und das 
Eingegossene nicht neben einander vorbei; sondern es wird 
die Luft in der Trichterröbre in die Flasche getrieben; jedes 
Mal wenn neue Flüssigkeit eingegossen wird. Dieser Uebel- 
stand wird vermieden; wenn die bis auf den Boden der 
Flasche gehende Röhre nicht gar zu enge und unten in 
eine feinere Oeffuung ausgezogen ist; wie Figur B zeigt. 

Wiewohl die nun erwähnte einfache Vorrichtung dem 
Zweck entspricht; so stösst man doch häufig auf den un- 
angenehmen Umstand; dass der Kork undicht wird und bei 
jedem Versuche vorher geprüft oder erneuert werden moss. 
Dies hat zur Einrichtung einer anderen^ und bequemeren 
Art von Gasentwickelungs^Flaschen Anlass gegeben; die 
zuerst in Frankreich angewandt worden ist; und^ die ich 
nach mehrjährigem Gebrauch als besonders bequem empfeh- 
len kann. A. Taf. I. Fig. 18 ist eine Flasche von gewöhn- 
licher Form; aber an. ihrer Wölbung ist gleich auf der 
Glashätte ein gebogenes und dann gerade abstehendes 
Glasrohr B festgelöthet. In den Hals ist ein etwas starkes; 
wenig konisches Glasrohr CD eingeschliffen ; welches nahe 
bis auf den Boden der Flasche reicht. Dieses ist an beiden 
Enden offen; aber in dem]^ oberen Ende mit einem einge-^ 



Enibi$h^hmffi'Apparai. 



249 



sehliffenen Glasstöpsel E. versehen. Durch CD wird das. 
Lösungsmittel eingegossen und das Gas tritt durch B aus*. 
In B hat man einen Propf von Baumwolle eingeschoben^ 
der zurückhält^ was durch Spritzen das Gas begleiten kann» 
Für die Ekit Wickelung von Gasen ^ die eine Erhitzung mit 
dem Liquidum erfoirdem^ lasst man die Flasche im Boden 
rund machen^ wie ein Kolben^ z. B. für dijt^ Bntwickelung 
von Chlorgas. Dann muss man auch Asbest statt Baum- 
wolle in das Rohr einschieben. Der Stöpsel E hat den 
Zweck ^ einen Druck zu bewirken^ wenn dieser erforderlich 
ist^ oder den üblen Geruch von stinkenden Gaspn zu ver- 
meiden^ z. B. Schwefelwasserstoff oder Chlor ^ durch die 
Gasblasen ^ welche von dem Boden aufsteigen und ihren 
Weg durch das Rohr nehmen. Man muss diese Flaschen 
von zweierlei Dimensionen haben ^ z. B. von Vs und von. 
IVi Liter Inhalt; die letztere Grösse für die Entwickelung 
von Wasserstoffgas und Koblensäuregas^ die oft lange fort* 
gesetzt werden muss. 

Gay-Lussac hat an der sogenannten elektrisdien 
Wasserstoffgas - Lampe , oder an der «Döbereiner 'sehen. 
Platin-Lampe einen Gasbehälter angebracht^ der sich mit 
Gas beständig gefüllt erhält. Das Princip davon ist^ dtts» 
man in einer^ mit saurem Wasser gefüllten Glasglocke ein 
Stück Zink aufhängt^ so dass kein Theil davon niedriger 
steht ^ wie die nach unten gekehrte Oeffnung der Glocke* 
DfiA Zink löst sich dann auf und entwickelt Wasserstoffgas^ 

bis die saure Flüssigkeit unter das Ziidc 
hinabgedrückt ist^ worauf die Gasent- 
wickelung aufhört. Wird dann eine 
Portion Gas oben herausgelassen^ so 
dringt die Säure wieder hinein^ sie trifft 
auf das Zink ukid die Glocke füllt sich 
aufs Neue mit Gas. Dieses Princip 
kann mit Vortheil in Laboratorien an- 
gewandt werden^ insbesondere um im- 
mer Kohlensäuregas zur Hand zu haben» 
Man verfertigt den Apparat, wie, bei- 
stehende Figur zeigf, aus einem ge- 
wöhnlichen Glaskolben ab, der einen etwas dicken Boden hat, in 
den man ein oder mehrere Löcher bohrt (s. Art. Glashohren). 




250 EMmdung^-Jppixrai. 

Auf die Mündung des Kolbens wird eine Messingbälse festge- 
kktet; die mit Schrajubengängen versehen ist^ in welche eine 
andere Hülse oder ein Deckel d luftdicht aufgeschraubt wer- 
den kann. Dieser Deckel ist mit dem Hahne c versehen^ 
in dessen obere Oeffnung ein gebogenes Glasrohr e befestigt 
ist^ welches dann mit Hülfe eines Caoutschoucrohrs mit dem 
Apparat in Verbindung gesetzt werden kann^ in welchen 
das Gas geleitet werden soll. Der Kolben wird bis an den 
Hals mit Harmorstücken gefüllt. Wird der Apparat mit ge- 
öfihetem Hahn in ein cylindrisches Gefäss f eing^enkt^ 
worin eine^abgepasste Quantität roher Salzsäure enthalten 
ist^ die man mit so viel Wasser verdünnt hat^ dass keine 
Salzsaure mit dem Gase wegdunsten kann^ so dringt die 
Säure in den Kolben und die G^seutwickelung beginnt^ die 
man fortfahren lässt^ bis die atmosphärische Luft ausgetrie- 
ben ist. Wird dann der Hahn zugeschraubt^ so füllt sich 
der Kolben mit Gas^ welches die Säure heraiisdrückt. ^ Der 
Kolben wird in seiner Stellung auf die Weise festgehalten^ 
dass er in das Centrum des Bleideckels g eingekittet ist^ 
mit dem man das Sefäss f- bedeckt hat. Zwischen dem 
Boden des (}efösses f und dem Boden des Kolbens muss 
ein grösserer Abstand sein^ als welcher die mit Kalk ge- 
sattigte Flüssigkeit aufnimmt^ die sich da ansammelt. Durch 
das ungleich starke Oeffnen des Hahns wird die Schnellig-, 
keit der Gaseutwickelung nach Belieben moderirt. Wenn 
zuletzt die Flüssigkeit gesättigt zu werden anfängt^ geschieht 
es^ dass die Gasentwickelung nachlässt^ bevor noch die 
Säure in dem oberen Theil der Flüssigkeit gesättigt worden 
ist. Man schraubt dann den Hahn zu^ so dass die Flüssig- 
keit von der dann noch statt findenden Gasentwickelung 
herausgetrieben wird^ vermischt die obere und untere Flüs- 
mgkeit sehr wohl mit einander^ und öffnet den Hahn aufs 
Neue. Nachdem dies 2 bis 3 Hai wiederholt worden ist^ 
muss die Flüssigkeit erneuert werden. 

Dieser Apparat kann ausserdem auch sehr wohl zu einer 
anhaltenden Entwickelung von Wasserstoffgas benutzt wer- 
deu; und er hat den Vortheil^ dass man die Gasentwickelung 
beliebig langsam upd schnell vor ^ich gehen lassen kann; 
was mit einer gewöhnlichen Entbindungsflasche nicht so leicht 
und so bestimmt zu erreichen ist; aber er kann nicht^ wie 



Eprouvette — JSÜguette. 2&1 

OMtn sieh vorgestellt; hat^ $\» ein Beh&lter für Wa«sersto%M 
betmditet werden ;, um beim Gebruich kleine QuantititMi. 
WlisserstoffgAs aufausammeln, denn da dieses immer durdi 
ein Rohr geleitet werden moss^ welches Luft entluUt, m 
bekommt man diese Luft dem Wasserstoffgase eingemischt. 
Man kann zwar versuchen^ das Wasserstoffgas «rst eine 
Weile durch die Röhrenleitung durchströmen zu lassen^ bevor 
man es aufsammelt^ id^er es dauert lange ^ ehe die Ldffc 
völlig heraus ist. Für die Fälle ^ wo Üeine Quantitäten 
reines Wasserstoffgas erforderlich sind^ z. B. zu eudiome- 
trischen Versuchen^ ist es am besten^ dass man eine ver- 
dünnte Schwefelsäure eine Weile kocht^ um sie von Luft 
zu befreien; und sie dann in einer verkorkten Flasche er- 
kalten lässt. Mit dieser Säure wird 
dann eine kleine konische Flasche ge- 
fällt; die man innerhalb einer anderen 
Portion derselben Säure in einer Schaale 
umkehrt. Darauf wird ein Stück Zink 
an einem umgebogenen Platin**- oder 
Kupferdraih befestigt ^ damit in der 
Flasdie hinaufgeführt ^ wie die neben^ 
stehende Figur zeigt; und alimälig wie- 
der darin hinunter gezogen ^ so dass die Flasche sich volL- 
kommen mit Gas füllt; welches dann mit Leichtigkeit zum 
Eudiometerrohr gebracht werden kann. 

Eprouvette^ — siehe Messen. 

Etiquette — wird die Aufschrift auf Flasdien und 
überhaupt Verwahrungsgeflasen im Laboratorium genannt. 
Die einfachste Art; diese Aufschriften zu machen; besteht 
darin ; dass man sie auf Papierstreifen schreibt und auf die 
Gefasse aufklebt. Den besten Kleister hierzu erhält mau; 
wenn Tischlerleim in einem starken Essig aufgeweicht und 
gekocht; und diese Masse während des Kochens mit feinem 
Mehl verdickt wird. Er haftet sehr gut und kann in einem 
weithalsigen Geftos mit eingeschliffnem Stöpsel in weichem 
Z^tando; ohne zu faulen; aufbewahrt werden; ist also stets 
zum Crebrauche bereit Manche pflegen etwas Quecksilber^ 
Chlorid zuzusetzen* Bei seinem Gebrauche nimmt man et^ 
was davon mit einem kleinen Spatel heraus; erwärmt ihn 




S5f Euäxometer. 

m der Licht fltmiiie^ wenn es nöthi; ist^ ihn dufiner o» 
machen^ und streicht ihn auf das Papier aof. Statt aiifg>e<« 
Uebter Etiqnetten pflege ich auch oft mit einer Feder un- 
mittelbar auf die Flaschen und Porzellangeflisse mit einer 
rothen Farbe zu schreiben^ die man sich aus Zinnober^ 
Bemsteinfimiss und Terpenthinöl zu diesem Endzweck vor- 
xithig macht. Sie trocknet bald^ geht nicht mit Wasser ab, 
und lässt sich nöthigenfalls leicht mit Spiritus wegwaschen^ 

, In Paris und auch auf mehreren Glashütten in Deutsch- 
land verfertio:t man. Flaschen mit , auf einem weissen Email- 
grund, eingebrannten Etiquetten. Sie sind ganz besonders 
nützlich zur Aufbewahrung der am häufigsten gebrauchten 
Reagentien, und dürfen nicht fehlen. Ich habe es sogar 
bequem gefunden, den Emailgrund ohne Aufschrift anbringen 
zu lassen, die man alsdann vermittelst der erwähnten Farbe 
aufschreiben und nach Belieben wieder wechseln kann. 

JEudiomet^p^ — ursprünglich ein zur Bestimmung 
des Sauerstoffgasgehalts der Luft bestimmtes Instrument, 
welches aber auch zur Analyse atl^ mit SauerstoflFgas ver- 
brennbareu^ Gase dienen kann. In ersterer Beziehung siehe 
Th. I. pag. 354. Unter den mancherlei Einrichtungen, die 
man. diesem Instrumente gegeben hat, verdient die von * 
Mitsc^faerlich durch ihre Einfachheit und Sicherheit den' 
Vorzug. Fig. 13. Taf. II. ist ein solches Eudiometer abge-. 
bildet. Es ist eine 18 Zoll bis 2 Fuss lange Glasröhre von 
sehr dickem, wohl abgekühltem Glas, an dem einen Ende 
zugeschmokien, an dem anderen offen, und von ungefähr 
4 Linien innerem Durchmesse«^ Ihr Inhalt ist genau in 
gleiche Theile eingetheilt, und diese Eintheilung unmittelbar 
auf das Glas eidgeschrieben. (Siehe das Nähere darüber bei 
Messen.") Nahe an ihrem oberen Ende, bei ^, ist sie mit 
2 gegenüberstehenden Löchern durchbohrt, in welche 2 nidit 
zu dünne, an dem einen Ende abgerundete Platindräthe mit 
Sorgfalt luftdicht und fest, und in solcher Entfernung von 
einander eingekittet sind, dass ein electrischer Funke leicht 
zwischen ihnen überspringen kann. Das andere, ausserhalb 
der Röhre befindliche Ende ist zu einem Haken unii|gebogeD. 
Nahe an seiner Mündung B ist das Glasrohr der Quere nach 
mit einem so grossen Loch durchbohrt, dass es dmreh einen 



Eadiom^er. £58 

MtäTkea eingeschliffenen Glasstöpsel luftdicht veraehlosseii 
werden kann. Diese Verschliessung während der Detonatien 
dient dazu^ um jeden Verlust an Gas zu vermeiden^ der 
sonst durch die bei der Explosion des Gasgemenges ent-** 
stehende Ausdehnung zu befürchten ist^ und besonders um 
9U verhüten^ dass^ wenn der Versuch über Wasser ge- 
schieht^ nicht atmosphärische Luft aus dem Sperrungswasser 
dem Gase sich beimenge. Denn indem in Folge der Ex- 
plosion und momentanen grossen Ausdehnung der Gase ein 
grösseres Vacuum über dem Wasser entstehet^ entwickeln 
sich^ selbst noch einige Augenblicke nach der Detonation^ 
unzählige kleine Luftbläschen aus demselben und mengen 
sich dem Gase in der Röhre bei; was also durch diese 
Einrichtung verhütet wird. Nach der Detonation wird der 
Glasstöpsel herausgezogen^ damit die Sperrungsflüssigkeit 
den entstandenen leeren Raum aUisfüllen kann. Geschieht 
der Versuch über Quecksilber ^ so senkt man das mit dem 
abgemessenen Gasgemenge gefüllte und unten versöhlossene 
Instrument in einen hohed und starken^ oben erweiterten 
Glascylinder, Fig. 14.^ in den man nach geschehener De- 
tonation die Röhre so tief einsenken kann, dass der äussere 
und innere Quecksilberstand gleich hoch wird. 

Eine andere Röhre zur Detonation von atmosphärischer 
Luft mit Wasserstoffgas stellt Fig. 15 dar^ die keiner wei- 
teren Erklärung bedarf^ als dass ji ein mit einem Knopfe 
versehener beweglicher Hetalldrath ist. 

Die Entdeckung der Eigenschaft des Platinschwammes^ 
die Vereinigung von Sauerstoff- und Wasserstoffgas zu be- 
wirken , bietet uns ein Mittel dar^ diese Versuche ohne jene 
gewaltsame Verbrennung und mit völliger Sicherheit im Er- 
folg auszuführen. Döbereiner nämlich kam auf den inge- 
niösen Gedanken^ Platinschwanmipulver mit Thon zu einer 
JUasse zusammenzukneten^ zn Kugeln zu formen^ und diese 
nach dem Trocknen zu glühen. Werden diese Kugeln über 
Quecksilber in ein Gemenge von Luft und Wassecstoffgas 
gelassen^ so geht die Vereinigung des letzteren nut dem 
Sauerstoffgas langsam und ohne Feuer vor sich; jedoch so^ 
dass nach einer Weile nur der Ueberschuss des einen :Gases 
übrig bleibt. Diese Kugeln ersetzen^ wenigstens für gewöhn-* 



t54 Euähmder. 

Kdie Fälle; die AnwendHng der Kleetricitit. Man befestigt 
sie an einem feinen und gegläbten stählernen Cla^rierdrath^ 
bringt sie in das Gas^ nachdem sie kurs zuvor diBrchgegläht 
worden ; aber wieder erkaltet sind^ und zieht sie nachltör; 
wenn alle Gasyerroindemng sehen längere Zeit auPgehert 
hat; aus dem Gase wieder heraus und misst seii| Volumen. 
Man rechnet dabei das Volum des Wassers in Gasform^ 
nach seiner für diese Temperatur gegebenen Tension ^ ab; 
oder man schiebt auch ein; an einem Clavierdrath befestigtes 
Stückchen Chlorcalcium in das GaS; und sieht eS; nachdem 
ersteres durch ein * oder mehrständige Berührung damit g^ 
trooknet ist 9 wieder heraus. 

Ueber die Anwendung dieser Kugeln hat Turner Unter- 
suchungen angestellt^ deren Resultate hier mitgetheilt zu 
werden verdienen. 

Er versuchte Kugeln von verschiedenem Gewicht und 
Verschiedener Zusammensetzung zu n^achen^ nämlich: 

Putin. PfeifenthOD. 

No. 1 besteht aus 5 Gran 1 Gran 



2 


— 


_ 4 _ 


1 — 




3 


. — 


— 3 — 


1 — 


' 


4 


— 


— 4 — 


2 — 


' 


5 


— 


— 4 — 


4 - 




6 


— 


— 2 — 


4 — 




7 


— 


— 2 — 


6 - 




8 


— 


— 1 — 


5 


Kieselerde. 


9 


— 


^ V* - 


V. - 


IVi Gran 


10 


— 


- V. — 


IV.- 


3 — 


11 


— 


- V» — 


2 — 


l — 


12 


— 


- V4- 


2 — 


IVi — 



In einem zur Wasserbildung richtigen Gemenge von 
Sauerstoffgas und Wasserstoffgas bewirken die vier ersten 
dieser Kugeln Explosion^ wenn die Menge des Gases mehr 
als iVft Cubikzoll betritt. Ist sie geringer; so kann die 
Kugel nicht so heiss werden; dass sie zmidet, ehe das Gas 
absorbirt ist. Selbst No. 8 bewirkte Explosion in einem Ge- 
menge von 4 Cubikzoll; Nr. 12 wirkte sehr langsam; con- 
densirte aber das Gas vollständig. Diese Kugeln werden 
nicht durdi den Gebrauch verändert; und ihre mit der Zeit 



Eudiomeier. 255 

verminderte Wirksamkeit wird immer ^iircfa gelinde Glfiblu^ 
wieder hervorgerufen. Gasgemenge; welche wenig Sauerstoff 
oder Wasserstoff enthalten ^ können nicht durch den elec« 
trischeu Funken entzündet werden ^ indem man z. B. einem 
sauerstoffhaltigen Gas Wasserstoffgas zusetzt; sondern man 
muss zugleich Knallluft zusetzen^ um die Explosion hervor^* 
bringen zu können. Dies wird bei Anwendung dieser Kugeln 
ganz äberflüssig; denn sie condensiren die letzte Portmi 
Knallluft; welche ein Gasgemenge enthalten kann. In Gas- 
gemengen; worin der electrische Funke eine schwache De«- 
tonation bewirkt hat; wird oft durch diese Kugeln no<A mehr 
Gas condensirt. Es ist klar; dass; je weniger Sauerstoffgaa 
und Wasserstoffgas das Gemenge enthält; man eine an 
Platin um so reichere Kugel wählen muss. Turner hat 
durch Versuche ausgemittelt; dass es möglich sei; auf diese 
Weise bis zu Vioo Wasserstoffgas oder Sauerstoffgas in einem 
Gäsgemenge zu entdecken. Die Grösse der Röhro; worin 
das Gas eingeschlossen ist; hat auf die Schnelligkeit des 
Versuches EinflusS; und er geht in wdten Röhren schneller 
vor sich; als in engen. Turn er 's kleinste Röhre hatte 
0;4 Cubikzoll inneren Durchmesser. Er fand femer; dass in 
einem Gemenge von 11 Th. Sauerstoffgas und 1 Th. Wasser-^ 
stoffgas die Wirkung des electrischen Funkens bedeutend 
geschwächt war; und dass sie null war; wenn die Gase in 
dem Verhältniss wie 15:1 gemengt waren. Die Kugeln 
zeigten immer die richtige Menge des vorhandenen Wasser- 
stoffgases an. Bei ganz kleinen Mengen von WasserStoffgaa 
geschah es bisweilen; dass der Ausschlag; welchen die Ku- 
geln gaben; etwas zu gross ausfiel. Dies scheint mir eine 
nothwendige Folge von der Wirkung der Kugelu; als porösen 
Körpern; zu seiU; wenn siO; frisch geglüht; eingebracht 
werden; ohne sich zuvor mit Luft vollgesogen ^u haben. 
Das Wasser im G^e wurde vor der Messung mit Kalibydrat 
weggeschafft. Ais er diese analytische Methode zipr Ana- 
lyse der atmosphärischen Luft anwandte; erhielt er in sechs 
Versuchen 20,^ 20,3; 20;7; 21;0; 21;3 und 21,7 p. C. Sauei»- 
stoffgas. Diese Verschiedenheiten sind viel zu gross. 1;4 p. C. 
wäre bei dem' gegenwärtigen Zustande d^r Analyse ein enor- 
mer Beobachtungsfehler; wenn man mit absolut identischen 
Materien zu thun hat; und ehe die Ursache dieser Veränder- 



256 JSJudhmeter. 

lichkeit entdeckt und ihr vorgebeugt werden kann^ mangelt 
es diesem Verfahren noch an hinlänglicher Schärfe. Wahr- 
scheinlich liegt sie in der Porosität der Kugeln, und bei 
eudiometrischen Versuchen kann dann durch weite Röhren 
abgeholfen werden^ denn alsdann lässt sich der Fehler, um 
60 viel man will, vermindern. Die Unrichtigkeit^ welche in 
Folge der Porosität der Kugeln entstehen muss, kann gröss- 
tentheils vermieden werden^ wenn man kleine Kugeln von 
Glas bläst^ aus deren Stiel man ein Oehr bildet^ so dass sie 
an feinen Stahldräthen befestigt werden können* Diese Ku- 
geln taucht man in einen Brei von Platinschwammpulver und 
Thon, lässt sie trocknen und taucht sie noch ein oder meh- 
rere Haie ein^ wobei man sie jedes Hai trocknet. Dann 
werden sie bis zum gelinden Glühen erhitzt, so dass der 
Ueberzug an dem Glase haftet. Hier bildet die wirksame 
Substanz eine dünne, aber ausgebreitete Lage, deren Poro- 
sität so wenig Luft einsChliesst^ dass sie vernachlässigt 
werden kann. 

Diese Resultate kommen indcss Hur reinem Wasserstoff- 
gas und Sauerstoffgas, die mit Stickgas gemengt sind^ zu. 
Die Gegenwart verschiedener anderer Gase verhindert oder 
vernichtet selbst gänzlich die Wirkung der Platinkugeln. 
Die mit Saüerstoffgas gemengten Kohlenwasserstoffgase wer- 
den nicht bei gewöhnlicher Temperatur der Luft von Platin 
eendensirt. Bei höherer Temperatur geschieht es, hört aber 
in einem verschlossenen Räume weit eher auf^ als das ex- 
plosive Gemenge verzehrt ist. Werden sie in einem solchen 
Verhältnisse mit Wasserstoffgas gemengt, dass letzteres 
weniger als die Hälfte des Gemenges beträgt, so hat Platin 
keine Wirkung; ist aber das Volum des Wasserstoffgases 
grösser, als das des Kohlenwasserstoffgases, so entsteht eine 
Einwirkung, welche bald in dem Grade aufhört^ als das 
Volum des Kohlenwasserstoffgases grösser ist. Welches 
das Haximum von Kohlenwasserstoffgas sei, das auf diese 
Weise mit Wasserstoffgas vollkommen verbrannt werden 
kann^ hat Turner nicht durch Versuche bestimmt. Er führt 
blos an^ dass einmal ein Gemennge von 1 Vol. ölbildendem 
Gase und 2 VoL Wasserstoffgas durch eine warme Kugel 
vollkommen oxydirt worden sei, dass man aber dieses Re- 
sultat nicht in allen Fällen als für zuverlässig betrachten 

könne; 



Eudhmeier. 



25t 



könne; und dass ein anderes Mal durch eine sehr heisse 
Platinkugel ein Gemenge entzündet wurde ^ in welchem das 
Volum des ölbildenden Gases Vs von dem des Wasserstoff- 
gases betrug. Kohlenoxydgas und Sauerstoffgas werden von 
kalten Plktinkugeln kaum merklich condensirt^ besser ^ aber 
unvollständig von warmen; und mit Wasserstoffgas gemengt^ 
verhält, es sieh wie die vorhergehenden. Folgende Resul- 
tate, voa Turner 's Versuchen verdienen^ wie idi glaube^ 
ausführlich angeführt zu werden: 



Der Funke eines starken electrischen 


Der Funke eines starken 


Schlages entzündet nicht ein Gemenge 


electrischen 
plodirt ein 


Schlages e x- 
Cremende aus 


aus einem ' 


Vohm Knallluft und 


einem Volum KnalUnft und 


Volum 








Volum 


12 


Atmosphärischer Luft 


• 




10 


14 


Sauerstoffgas 






12 


9 


Wassersto%as 






7 


9 


Stickoxydgas 






7 


- 4 


Kohlenoxydgas 


1 




3 


3 


Kohlensäuregas 






2 


1 


Qelbildendem Gas 






•A 


V» 


Steinkohlengas 






V« 


V« 


Schwefelwasserstoffgas 






V4 


1 


Ammouiäkgas 






Vi 


4 


Chlorwasserstoffsäuregas 






3 

« 


2 


Schwefligsaurem Gas 






1 



Hiusichtlicb des Einflusses der Gasgemenge auf die Wir- . 
kung der Platinkugel hat er folgende Resultate gefunden; 

Kohlen- 
, oxyd. 

Die Platinkugel ohne Wirkung kalt^ 

wenig merkbar warm. 
Schwache Wirkung kalt, gute Wirkung 

warm. 
Gute Wirkung. 



1 
1 
1 



Steinkob- 
Ungas. 

1 

X 



KnalUuft. 
3 



7 



Keine Wirkung kalt; Spur davon^ wenn 
die Kugel warm war. 

17 



ti» 




Euäiotne/er. 


SleinkolUi> 


KnaUtuft. 


( 


lengas. 




. 


1 


5 


Unbedeutende Wirkung, 


1 


7 


Gute Wirkung. Oelbildendes Gas zeigte 
beinahe dieselbe Erscheinung. 


Schweflig- 






tMiret Om. 







1 


13 


Keine Wirkung^ weder kalt noch wann. 


1 


18 


Im Anfange gute Wirkung^ die , bald 
aufhörte. 


t 


37 


Wie vorher^ dauerte aber etwas länger. 


l 


75 


Sehr gut anfangs^ hörte i^ber auf, ehe 
alle Knallluft verzehrt war. Selbst 
1 p. C. schwefligsaures Gas hat hin- 


Schwefel- 




derlichen Einftuss. 


wasser- 




•1 


stoffgas. 






1 


19 


Keine Wirkung, weder kalt noch warm. 


1 


29 


Unbedeutende Wirkung. 


1 


59 


Wirkung, die bald aufhörte; auch 1 p. C. 
Schwefelwaa9erstof[]g;as wirkt hindere 
lieh. 


Koblen- 






Mores Gas. 






5 


1 


Volle Wirkung. 


8 


1 


Eben so, aber langsamer. 


15 


1 


Eben so. 






Grössere Beimengungen verhinderten 
nicht, dass sich die Wirkung in ei- 


\ 




nem gewissen Grade zeigte. 


Stickoxyd- 




* 


Salzsanres 




Völlig gleich mit dem Vorhergehenden. 


Gas. 






5 


1 


Schwache Wirkung. 


3 


t 


Vollkommen, aber langsam. 


i 


4 


Vollkommen und bald. 


Ammo- 


■ 




nUkgas. 






1 


3 


Keine Wirkung in der Kälte, starke 
in der Wärme. 


1 


5 


Langsam, aber vollständig. 


1 


9 


Sehneil und vollständiir. 



Evaporaiioniffloe&e -^ Hltriren. 859 

« 

Evapor^tionsifiveke, — sitk« Abdampfen. 

Evupvriren, — siiehe Abdumpfen. 

Explosion^ -^ ^ine plötzlich und momenlmi vor sich 
gehende Verbrennuiig brennbtwr Gase und fester Stoffe, 
wie des Pulvers^ Knallsilbers« 

Eocsleeatory -^ siehe die Art Abdampfen und 
Trocknen. 

Extraciy — die phannaceutische Benetulutig für das 
Ganze von in Wasser löslicben Materien, vl^elches maa 
eriiält, wenn trockne Pflanzen mit Wass^ gekocht, oder 
Arische ansgepresst, und das Decoct oder der ausgepiresste 
Saft alsdann zur Honlg^Consistenz abgedampft wird« 

Feuerfest^ — von einem Alkali^ eider SAure oder 
einem Sakbe gebraucht, bedeutet dieser Aüsdrubk, dass si<di 
jene ScAstanzen ohde Verflächtignng glühen lassen , aber 
von eitlem Mlneralprod^, z. B. einem Stein ^ ein^ai Thon 
gebraucht, heisst es, ditss der Stein oder Thon in der stark- 
sieii Hitze unserer Oefen unschmelzbar ist. 

Feuerzange, -^ In einem LaboratOrmm braucht ma% 
ausser den ganz gewöhnlichen Feuerzangen mit gerad^i 
Armen, noch eine andere mit gebogenen, wie Flg. 16. A^ 
Ttf. IL, und noch eine, die man in Fig. 17. B und (7 von 
veili Und im Profll sieht, und die zum Herausheben der 
l^legel aus dem Feuer, wahrend sie notih heiss sind, be~ 
SItflMiit sind« 

Um erhitzto Flatintiegel to lüsseii^ bedient itiau sich 
MMr Zange von der Länge einer gewöblilichen Papierscheei% 
üHe Figi 27. A. zdgt. , Die Ended der Sdieere haben einen 
kieisen ausgerundeten Kinschnitt, vermittelst denen man dei^ 
Kuopf auf dem Tiegeldeckel fasst^ wmn dieses erforder- 

IZvB IS««' 

Fig^ 27. B. stellt einä anderd Zange vor, mit Weldier man 
bequem üt geöffneten Tiegel am Rande fasst. Sie ist ins*» 
besendere bequem, wenn man Wasserbad-^S^IUse auf die 
Saudeapelle bringen will, wenn sie so heiss sind, dasS man 
sie mtikt siit den Händen fiissen kann, oder wenn toan Tkon- 
tiegel in oder aus dem Feuer heben wUl. 

Filtriren oder Seihen^ — eine Operation, die öfter 
ids andere bei ehemischen Versuchen vorkommt, und die; 
se einfach sie zu sein scheint, sowohl Aufmerksamkeit als 

17<» 



860 Fliiwen. 

UebuDg erfordert^ wen» sie richtig geflcheheii soll Wir 
werden durchgehen: a) die Materien^ wodurch man filtrirt; 
6) die Trichter und Ihre Form; c) das Gestell^ auf welchem der 
Trichter mit d«n darm liegenden FUtrirpapier gehalten wird; 
und d) die dabei zu beobachtenden Vorsichtamaasstt'egelu. . 
a) I)ie Substanz, Welche am meisten zum Filtriren ge- 
braucht wird, ist Druckpapier. Seine Beschaffenheit ist kei- 
neswegs gleichgültig. Es muss die Flüssigkeit ganz schnell 
doreh sibh hindurchlassen, ohne dass sie dabei trabe und 
nnklar hindun^hl&uft < Ein bmgsam filtrireodes. Papier ist 
g&ttzlich zu verwerfen, da man flurdi.ein langsame^ FUtriien 
und Auswaschen sehr viel Zeit verliert, und. ein schlechtes 
Filtrirpapier dadurch Ursache sdn kann , dass man nidit so 
viel zu Stande bringt^ als man sonst Jcflnnte. Man tbnt am 
besten; sich faein Fittrirpapier auf einer Papiorotuhle aus eii(ier 
sogenamoiten langfaserigen Masse etgens zu bestelleii^ und 
zwar dass es im Winter gemacht werde und npchi feucht 
stark friere. Während das Wasser zwischen den zusammen- 
giewalkten Fasern des Papiers zu Eis erstarrt, dehnt es sich 
aus und lockert dadurch die Poren in allen Richtungen auf, 
so dass ein solches Papier vieimal schneller filtrirt, als die- 
selbe Sorte Papier, die ohne Frost getrocknet wurd^, i|nd 
deren' Poren sich in dem Chrade, als das Wasser verdunstete^ 
zusammenzogen. Zu chemischen Versuchen muss man mit 
2 Sorten Filtrirpapier versehen sein; einer, von derselben 
Dicke wie gewöhnliches D^uckpajuer, und einer anderen, die 
wie ungeleimtes^ Brief- oder. noch besser Velinpapier, vnA 
so dfinn ist, wie nur mdglich, ohne löcherig, zu sein. Es 
versteht sich, dass auch dieses durch Frost getrocknei «ew 
muss. Die erstere Sorte wird zu Filtrirungen angewendet, 
wo keine abgewogene Quantitäten in Betracht kommen, und. 
wo grosse Filtra nöthtg.sind; die letztere dagegen, wenn 
mani mit gewogenen Quantitäten arbeitet. Der Grund, warum 
hii^rzudas Papier so dünn sein muss, ist,. dass das Papier 
eine, in einem gewissen Grade hygroscopische Substanz . ist, 
die Feuchtigkeit' enthält > und welche bei .dicker Beschaffen- 
heit mehr und rascher Feuchtigkeit eiosaugt, und also auch 
viel wiegt. — Das beste mir bekannte Filtrirpapier wird bei 
Fahlun in Dalame und. zu Lessebo bei Wexiö in Smaland. 
erhalten. Das Wasser, womit es gemacht wird, ist so rein, 



FtOriren. 861 

dass es aaf keine firemde Substanz reagirt^ und eiithäU keine 
Erden aufgelöst. Sauren und Wasser ziehen aus diesem 
Papiere nichts aus^ und beim Verbrennen giebt es nicht 
mehr und keine andere Asche ^ als das reinstfe Leinen^ oder 
in vollkommen trocknem Zustande 0^2 von 1 Ptocent seines 
Gewichts. Nach einer von Plantamour angestelUen Anar 
lyse der Asche des Lessebo- Papiers ^ welches bei +100^ 
in einem Strom von wasserfreier Luft getrocknet war^ wur- 
den von 1000 Theilen Papier 1,962 und 2,16 Th. Asche er- 
halt^i. Dieses Papier war zu verschiedenen Zeiten l>ereitet 
worden. Die Asche wurde zusammengesetzt gefunden aus 

Kieselsäure 60,39 63,23 



Kalkerde 


12,55 


12,83 


Talkerde 


9,80 


6,21 


Tbonorde 


2,39 


2,94 


Eüsenoxyd 


16^ 


13,92 



101,31 99,13 
Werthmüller von der EIgg hat in Deutsehland be- 
reitetes Filtrirpapier untersucht und darin Vs Procent Asche 
gefunden, die, wenn das Papier mit verdünntem Kaiihydrat 
und darauf mit Salzsäure ausgezogen und zuletzt mit Wasser 
ausgewaschen Wfrd, auf Vio p« C. erniedrigt w;erde» konnte* 
Dieser letztere Rückstand wurde aualysirt und zuslimmenge-* 

setzt gefunden aus: 

Kieselsäure 29,30 

Thonerde 11,83 

Bis^noxyd 7,25 

Talkerde 14,82 

Kalkerde 33,90 

Sand . 2,25 ' 

99,35 
Der Eisenoxydgehalt war jedoch variirend und er konnte 
bis zu 15 Procent von der Asche steigen. Wenn/Fittra* 
angewendet werden, die 0,20 bis 0,30 von 1 Gramm wiegen, 
so fallt der Gehalt an Asche auf eine so entfernte Zahl, 
dass es, wenigstens mit dem in Schweden gemachten Filtrir^ 
popier, keinen bemerkenswerthen Fehler veranlasst, w^n. 
man sie als reine Kieselsäure betrachtet. In letzterer Zeit 
hat man angefangen, dieses letztere Papier auch als Ausfuhr*, 
artikel zu verfertigen^ und gewiai^ werien auch nur an we-y 



26a FOtrirm. 

fiigea Orten alle Natorverliilinisse von so günstiger Art zur 
Crewinnung eines vortrefflichen Filtrirpapiers sein^ ab an den 
genannten. 

Das Stade Papier^ wodurch filtrirt wird^ nennt man 
ein Ftlimmy und wird sirkelrund geschnitten« Sehr oft 
wird^ besonders wo Viele susaninienarbeiten^ viel Filtrir- 
papier unnöthigerweise verthan^ indem grössere Stücke^ 
als nöthig waren ^ genommen^ und das Ueberflussige davon 
abgeschnitten wird^ während dabei das Vebrige vom Bogen 
eine solche Form bekommen hat^ dass man es nun nieht 
zu so vielen Filtern ijtnwenden kann^ als sonst der ganse 
Bogen gegeben haben wurde. Diesem unnätzen Verluste 
wird am besten dadurch vorgebeugt^ dass man im Voraus 
pach^ mit dem Zirkel ausgeschnittenen^ runden Formen 
eine Menge Filtra von verschiedener Grösse schneidet Die 
Grösse dieser Formen wählt man dabei am besten so^ dass 
bei dem Schneiden der Filtra nach denselben kein Papier 
überstehend bleibt Das beim Schneiden der FiUra abfUlende 
Papier ist nicht wegzuwerfen^ sondern zum Trocknen der 
Flaschen und dergl. aufzubewahren* Jede Filtrumsorte ver* 
wahrt man in einem besondern Behälter für sich^ so dass 
man sogleich jede Grösse ; nach welcher man greift^ ohne 
zu suchen^ zur Hand hat. Diese Formen werden von ver- 
zinntem Eisenblech oder von Holz gemacht Man legt A». 
Papier 6- bis Sdoppelt^ drückt die Form dagegen^ zeichnet 
rund um dieselbe mit Bleistift einen Kreis und schneidet da* 
nach die 6 bis 8 Filtra auf ein Mal aus. Um die Holzform 
können sie mit einem scharfen Messer gesdinitten werden^ 
wodurch sie viel gleichförmiger und genauer werden. Mohr 
hat das Schneiden der Filtra noch weiter verbessert« £r 
hat für jede Grösse 2 Formen von verzinntem Eisenblech^ 
von denen die eine genau V« von einem Kreis auttnacht, 
und die andere so viel grösser ist^ dass wenn die betdea 
geraden Seiten aufgebogen sind^ die eratere genau in dieae 
passt Nun wird das Filtrum gefaltet; so dass es. einen Va 
Kreis bildet^ in die Form mit aufgebogenen Bänd^ro gp^ 
legt; die andere Form darauf gelegt und das Filtrum mit 
einer Scheere nach, der runden Seite der Form geschnitteik 
Eine solche Präcision in. der Gestalt; wiewohl sie nicht sa 
yerachlen ist; kmn doob ohne allen Naphtbeil: eolbofart W3er<«. 



FiUriren. 3t3 

den. *-* Diese Vorsdirifteii mog^n kleiidich seheinen^ alMn 
ich führe sie dessen ungeaelitet an^ da Vieler AufmerlcSftii- 
keit^ ohne eine solche Erinoeniiig^ vielleicht nieioals aiif 
solche kleine Erfiqparongeo gerkshlet sein würde ^ die.aitfser« 
dem grosse BeqnendiddiLeit mit sich führen« 

Ein graiws weUeses Lösdq^apier^ wie man es sonst in 
den Apotheken brancbte^ darf in dem Laboratorium eines 
Ch^Bikers noch weniger voikemmen^ wml alles ^ was man 
auf einem sddien Filtram sammfelt^ dwefa lange Haare^ lose 
Wollefas^n n. dergl. verunreinigt winL 

Wenn man bei Analysen gefällte Stoffe zu wiegen haty 
die nicht geglfiht werden )lürfen^ so bedient man sich ge- 
trockneter umI vorher gewogener Fillra^ von denen mehrere 
zofittamiengefaitete auf ein Mal in den Trockenapparat ge- 
legt werden^ der beim Art. Trocknen beschrieben \giy und 
durch welchen eine Stunde lang ein -f- 100® warmer^ über 
CUofcalcinm getrockneter Luftstrom geleitet wird. Die 
Wagung geschieht dantf sc^ dass man ein Filfcrum nach 
dem anderen heransntnmrt^ in eiiien warmen tarirten Platin- 
tiegel legt^ ^n Tiegel sogleich mit seinem Deckel bedeckt, 
in einem, Exsiccator erkaken IXsst^ dann das Filtrum 
wiegt und das Gewicht auf beiden Seiten liiit s^warzer 
Kreide schreibt^ weit es zuweilen der Fall sein kann^ daSs 
der Niederschlag) weMier auf das FHtrum genommen wird^ 
das Lesen der Zahlen auf der Rückseite des Blatts^ auf 
welches er sieh gelegt hat^ ganz verhindert. 

Mass deir Niederschlag bei -f* 130* getrocknet werden, 
so muss audi das Filtrum vorher in dieser Tempet atur ge- 
trodcnet worden sein. Bs wird dazu m ehi älasrobr ^nge- 
sdK»ben^ welches bis zu dieser Ten^ratnr im Oelbade er- 
bilzt wird, bis alle Zeichen vim Feuchtigkeit in dem oberen 
Theil des Riohars verschwunden sind. Das^ Rohr wird vorher 
mit dem Kork gewoigen und darauf vor der W^png mit 
demselben Kork verschlosseti, wobei man bewriilet, dass 
dar Druck der Luft in dem Rohr nach der AbfauMwig wiedidr 
hergestellt werde. 

Zu grosseren Filtrirungen nismit man ein gQ^aiis|^augr 
tes und bemaieh in reinon Wasser ausgewaschene» Leinen«- 
tudi^ nnd man sieht nidittso sehr darauf, ob das'Dur<^tam- 
fende etwas unklar werde, was maa hemaoh leicht wdedw^ 



204 FiUriren. 

diirch Filtriren durch Papier oder freiwilliges Klären gut 
Brachen kann. Diese Art zu filtriren wird besonders für 
die kaustischen Alkalien^ b^ der Bereitung der Phosphorsäure 
aus Knochenerde u. dergl. angewendet. Es ist zu erinnern^ 
dass gleich nach dem Filtriren das LeineHtudi in reinem Was- 
ser ausgewaschen werden muss^ damit es nicht durch das Al- 
kali oder die Säure spröde werde. Man befestigt das Leinentuch 
auf einem viereckigen hölzernen Rahmen^ der mit mehreren 
scharfen Haken versehen ist^ auf welchen das Tuch fest- 
gehakt wird. Ein solcher Rahmen wird Tendkel genannt. 

Zuweilen^ besonders bei der Behandlung organischer 
Stoffe in etwas grösserem Maasstabe, bedient man sich 
zum Filtriren starker Säcke oder Beutel von neuem Leinen 
oder von Pferdehaar-Gewebe ^ die 'nach dem Durchlaufen 
der Lösung zugebunden und ausgepresst werden. S. den 
Art Presse. 

Zu vielen anderen Filtrirungen bedient man sich eines 
woUenen Tuchs ^ z. B. von Flanell oder von Hutfilz ^ und 
letzteren zu einem spitzen Sack^ einem sogenannten Spitz- 
beutel geformt^ wie er das Material fär die Hüte bei den 
Hutmachem bildet. Im Allgemeinen lässt es sich durch 
Hutfilz leicht filtriren, und was hindurchläuft, ist klar. Zu 
Alkalien ist er nicht anwendbar, da die Wolle, davon an- 
gegriffen wird. Auch diese Spitzbeutel werden in, für ihre 
Grösse passende Tenakel befestigt. 

Hat man scharfe Säuren oder stark conCMitrirte alka- 
lische Lösungen zu filtriren, was man jedoch stets za ver- 
meiden suchen muss, so geschieht dies durch reinen Saud 
oder gestossenes Glas, womit man den Trichter anfüllt, 
nachdem man zu Unterst einige grössere Glasstücke gri^ 
hat, damit es nicht durch den Hals herausfalle. Auf das 
grobe Glaspulver wird die zti filtrirende Flüss^keit gegossen, 
die alsdann gewöhnlich klar hindurchläuft. 

Hat man bei analytischen Versuchen Flüssigkeiten zu 
filtriren, die Papier zerstören würden, so geschieht das 
Filtriren durch Röhren, wie sie S. 187 beim Extractions- 
Apparate beschrieben worden sind. Man legt unten in die- 
selben eine kleine Sdiicht von PlatinschwaflMB oder, von 
Asbest, der vorher mit Salzsäune ausgekocht, gewaschen 
und darauf geglüht worden ist 



FtÜrirm. 805 

&) Tricks. Pftpie^ffitra werden in Triohter von Gtas 
gelegt. Man mass mit TrichteAi von mehreren Dimensionen 
versehen sein, mit ganz kleinen, die nur einige Fingerhut 
voU^ bis zu solchen, die 1 Quart und darüber fassen. Die 
Seitenwände des Trichters müssen gerade^ und dürfeii durch-« 
aus nicht gewölbt sein, denn sonst retsst das Filtrum ge-« 
wohnlich an einer solchen bauchigen Stelle. Die beste Ge« 
staltung eines kleinen, am gewöhnlichsten zu analytischen 
Untersuchungen angewendeten Trichters ist von der Art, 
dass er einen Kegel bildet, dessen Seiten unter einem 
Winkel von 60^ g^gcn einander geneigt sind, wie Fig. 13. 
Taf. n. Dies hat darin seinen Grund, weil, wenn man 
das zugeschnittene Filtrum zu einem Viertel^Kreis zusam-* 
mengelegt hat> man es bloss zu öffnen braucht, damit es 
genau ohne weitere Anpassung in den Trichter passe, und 
dass alsdann in die kleinste Menge Papiers die grösste 
Menge Niederschlag aufgenommen werden kann. Ist der 
Winkel grösser als 60^, so wird der Trichter zu flach, das 
Papier wird ven der darauf befindlichen Flüssigkeit zu stark 
i gegen das Glas gedrückt, und das Filtriren wird, wegen 
der zu geringen Neigung der Seiten, gehindert. Ist dagegen 
der Winkel etwas kleiner als 60^, so filtrirt der Trichter 
zwar untadelhaft, allein das Filtrum muss alsdann erst ein- 
gepasst werden, wenn es ohne Falten sein soll; und geht 
der Winkel des Trichters unter 45®, so ist man genöthigt^ 
•das Filtrum so viel über einander zu legen, dass schon da- 
durch das Filtriren langsamer geht, abgesehen davon, dass 
viel weniger in den Trichter geht, und man häufiger aufzu- 
giessen genöthigt ist. Im Allgemeinen müssen grosse Trich- 
ter, die 1 Quart und darüber fassen, einen Winkel von 54* 
bis 50'' bilden, weil sie dann dadurch schneller filtriren, das» 
das Papier nicht so stark gegen das Glas gedrückt wird. 
Man hielt es für das Filtriren für hinderlich, wenn äas Pa- 
pier an dem Glase läge, und schrieb darum vor, daSs ent- 
weder die Trichter der Länge nach inwendig gerieft sein, 
oder dass man das Filtrum krausig, ähnlich einer Krause^ 
legen nrasse; allein alles dies ist ganz zwecklos^ und ich 
habe nicht finden können^ dass durch solche Vorsicht da» 
Filtriren im Mindesten schneller ging. In den Apotheken, 
wo man^ wegen der leicditen ZerbrechUehkeit^ weniger aM- 



SM FUMren. 

geneitt Glaslriehter mwandet^ pflogt notti ahiUuin gefvröhn- 
lieh einige aclmiftle und lange Hohuitäokdien zwischen 
Filtnim und Glas £u stecken. Man madit die Trichter ancfa 
von PorceUan« Diese würden sehr anwendiMur sein^ wenn 
ttSB sich immer von ihrer Reinhdt in der' Röhre vesstchem 
könnte Trichter von Metall sind im Allgemeinen fär den 
Chemiker nnbrauciihi». Ein einzsiger Trichter Yon PfaUin 
kann nützlich sein^ wenn Lösungen zu fittriren sind^ die 
freie Flnorwatsserstoffstare enthalten. Süber ist dabei nicht 
znveriässig^ dann ist Blei besser; das Rdbr an einem solchen 
Trichter moss kurz und weit sein^ um sicher gereinigt 
werdea zu können. 

e) Beim Filtriren mnss der Trichter von etwas getragen 
werden. Das einfkchste ist^ denselben in den Hab einer 
Flasche za stecken; allein da er nicht immer passt^ und 
diese zuweilen vom Trichter^ wenn etwas Fltesigfeeit da- 
zwischen kommt ^ luftdicht veratopft wird^ so nrass man 
cnch mit anderen Gestellen versehenf sein. In chemischefl 
Lehrbüchern gab man sonst dazu eine Art Schemel an^ mit 
eiiwr Reihe von Löchern^ wodurch man mehrere Fi&trimngen 
anf einmal vornehmen kann. Allein eine solche Vorriehtung 
entü^richt nicht ganz ihrem Zweck; der Trichter hängt 
gewöhnlich zu hoch über dem untergestellten Geßisae^ wo- 
durdi ein Spritzen nach allen Seiten entsteht und Verlast 
unvermeidlich ist. Ein besseres Filtrii^esteU ist Fig. 19. 
Taff IL abgebiklet Es hat für den Trichter einen beweg- 
lichen Arm ab^ der vermittelst der. Schraube Cy je nach 
Bedarf des untergestelken Ciefasses^ höher und niedriger 
gestfillt wer^n kann* Das für den Trichter bestimmte Locir 
im Armr ist weit und konisch ^ so dass seine Seiten unter 
60^ gegen einander gendgt sind. Hierdurch sitzt der Trich- 
ter £est darin und kann nicht seitwärts weichen. Soll er 
lAer ganz uiAeweglich sitzen^ so setzt man einen nach 
dem Triditerhals g^nau durdibolurten Kork in das Loch^ 
und steckt alsdann den* Trichter durch dhisen Kork. Ich 
habe en aaaserdem vortbeilhaft gefunden^ mit abgesprengten 
Stacken; von Trichtern vermittelst eines Harzkitte» diese 
Löcher inwendig auszukleiden^ wodurch sie sich, viel leichler 
uim echalten lassen. — Man nrass mit Gestellen von. ver- 
sduedenen Dimensionen, veranhen «etn^ selbst mit sehr Idei- 



FiOriren. 9%7 

neUy om sie iidthigeiifalls unter Glasglocken oder unter den 
Recipi^ten der Luftpumpe stellen bu können; wenn die zu 
filtrirende Flüssigkeit nicht mit Luft in Berührung sein darf. 
Für das Auswaschen mit der S. 220 beschriebenen Wasch« 
fla»ehe muss die Wasch-^ Vorrichtung mit zwei beweglichen 
AÄnen versehen sein, der eine für den Trichter und der 
andere für die Waschflasche. 

d) Zu beobachtende VorsichtsiiMiassregeln beim Filtrirea 
«ind folgende; 1) Das Filtrirpapier wird so zusammengelegt; 
dass es einen dem Trichter gleichen Konus bildet; und so 
gegen einander gehalten und gelegt; dass kein Theil über 
den andern hervorsteht. Nach fiinsetzung des Filtrums in 
den Trichter muss es etwas kleiner sein als dieser; über 
das Glas hinaus darf es durdiaus nicht reichen; und zwar 
darum mcht; weil; wenn das Papier frei hervorsteht und 
mit seinem Rande nicht am Glase liegt; auf diesem Rande 
eine geständige Verdwistiing statt findet; wodurch die zu 
filtrireode flüssigkeit sich rund herum im Rande des Fil-- 
tirums concentrirt; und sich alsdann nur mit Schwierigkeit; 
auswaschen Usst; während zugleich die Menge dos Wasch«^ 
Wassers unnöthigerweise vermehrt wird. Die^em^ Uebel- 
Stande vorzobeugen; hat man auch vorgeschlagen; deo^ 
Rand des geschnittenen Filtrums mit Talg oder Lackfirniss 
etnzutranken; allein dies, hat seine Schwierigkeiten; und 
ist in mannben Fällen gaaz unanwendbar. Dem Uebel isl 
inzwischen dadurch gänzlich at^eliplfen^ dass mun das Fil« 
trum gut nach dem Trichter formirt; und dass sein Ra^d 
dicht am Glase anliegt. ^- 2) Ifuss djas Filtrum mit reinem« 
Wasser benetzt werden; bevor man das zu Fiitrirende au^ 
giesst; denn wird sogleich die tr^he Flüssigkeit auf da« 
Filtrirpapier gegossen; so zieht es die Flüssigkeit mit soldbef 
Heftigkeit ein; dass etwas von der Trübung in die Porei^ 
eindringt und das Filtriren äichtUch. verlangsamt. Ueberdies, 
lässt sich das feunhte Filtnua besser als das tfockne in den 
Trichter einpassen und eindijückem — 3) Wenn das Gefass>. 
welches die zu fiitrirende Flüssigkeit enthält; s^r voll ist;^ 
ao kann man sie nicht sicher ohne VerlusH ausgiessen« 
Alsdann schöpft man; vermittelst eines PlattnJtöffelS; so viel 
von der Flüssig^ceit auf das Filtrum; bis skh ihr Stand 
i^ im Gefassa geseid&t hat^ wn. auagegossm w)erdm 



268 BHriren. 

zu könuen^ worauf man äen Platinlöffel mit der Spritzflasche 
abwäscht. In diesem Falle wendet man auch mit Vortheil den 
päg. 19 beschriebenen Abgiesser von Nordenskjöld an. — 
4) Wenn eine der ersten Portionen durchgelaufen ist Und 
das Filtrum ganz leer gelassen hat^ so richtet man^ wenn 
neue Flüssigkeit aufgegossen wird^ den einfallenden Flüssig- 
keits-Strahl gegen die Seite des Filtrums; denn fällt er 
mitten in die Spitze^ so wird mit vieler Heftigkeit ein Tropfen 
weit aus dem Filtrum geworfen^ und nimmt dabei etwas von 
dem auf dem Boden des Filtrums liegenden Niederschlag mit. 
Manches Mal habe ich mir früher^ wenn ich diese Vorsicht 
vergass^ durch dieses Spritzen schon weit vorgeschrittene 
analytische Untersuchungen verdorben und musste sie darum 
von Neuem anfangen. Hat sich einmal so viel Niederschlag auf 
dem Filtrum gesammelt^ dass sein Boden gerundet ist^ so 
findet dies nicht mehr statt. -* 5) Nachdem alles vom Nie-* 
derschlag^ was sich durch Abspfilen und mit Hülfe der 
Spritzfiasche herausbekommen liess^ auf das Filtrum ge- 
bradht ist^ bleibt gewöhnlich noch etwas auf dem Boden 
und auf den Seiten des Glases zurück^ Was sich nicht ab- 
spülen lässt. Dies bringt man mit Hülfe einer Feder ab^ 
an der man nur an der äusserten Spitze die Fahne gelassen 
hat. Icli; nehme hierzu Schwanenfedern^ die sich vor allen 
übrigen gut dazu eignen , sowohl durch die Dichtheit der 
Fahne, als die Stärke des Kiels. Man hat indessen zu 
beachten^ dass^ ehe die Feder in das Glas gebracht wird^ 
alle Auflösung mit Wasser weggespült sei; denn sonst kann 
die Feder einen Theil der finsteren einsaugen^ die bei ana- 
lytischen Versuchen verloren gehen würde. Nachdem man 
mit Hülfe der Feder allen sichtbaren Rückstand von Nieder- 
schlag weggenommen hat^ lässt man das Glas trocknen^ 
wobei man daim noch oft zurückgebliebene Theile entdeckt^ 
die^ so lange das Glas feucht war^ nicht sichtbar waren^ 
und die man nun mit der Feder abreibt und auf das Filtrum 
bringt. -^ 6) Der Trichter^ wodurch man flltrirt^ wird . mit 
dem Ende seines Halses gegen die Seite des untergeseizten' 
Glases gestellt^ so dass die Flüssigkeit längs an dem Glase- 
herunterläuft und nicht in Tropfen hernnterftUt^ wodurch 
stets ein Spritzen verursacht wird^ welches zuweilen^ un-^ 
geachtet die Spitze des Trichters weit in das Glaa hinein- 



• 



' Ftftriren. ü^ 

reicht^ , mit einem eignen Ton die Tropfen hoch über den 
Rand. des Glas^ hinauswirft^ und dadurch also eine analy- 
fische Untersuchung verloren geht. Die Ursache; warum 
hierbei die Tropfen bedeutend höher geworfen werden ^ alsi 
fiie fallen^ liegt darin ^ dass der aus dem Trichter fallende 
grössere Trppfeu; durch die beim Fallen erlaugte grössere 
Qiiantitas motus^ einen kleineren Tropfen eine weitere 
Strecke wegschleudern kann^ als er selbst durchlaufen hat. — 
7) Pau^rt ein Filtriren lange ^ sp muss sowohl der Trichter 
als di^s untergehende Gefäss bedeckt sein. Ich pfliege hierzu* 
Scheiben von Fensterglas zu nehmen^ die an einer Stelle 
des Randes etwas ausgeschliffeu oder ausgeschnitten sind^ 
um den Hals des Trichters hindurchzulassen ^ während die 
GliM^cbeibe i|Q Uebrigen das Gefäss ganz bedeck^. — 8} Das 
FUtrirea) vpn. Alkohol ^Auflösungen geschieht unter einer 
Glasglocke ; um die Verdunstung des Alkohols zu verhin- 
dern. Auch dadurch; dass man den Hals des Trichters ^in^ 
eine Flasche stockt; und seine Mündung mit einer Glas-, 

' Scheibe bedeckt; wird die Verdunstung des Alkohols ziemlich 

» gut verhindert. 

Endlich waren noch einige Worte in Betreff der zur JEr- 
leichterung des Filtrirens ausgedachten Verfahrungsweisen 
zu sagen. Die einfachste davon ist die von Haüy d. j.; ver- 
mittelst deren das Filtriren vor sich gehen (canu; ohne dass^ 
man dabei gegenwärtig zu sein und aufzugiessen braucht.. 
Der Apparat ist Fig. 20 abgebildet; Jl ist ein Kolben oder 
eine kolben^rtig geformte Flasche ; welche ^e zu filtrirende 
Flüssigkeit enthält ynd die in dem mit Fiitrum versehenen 
Trichter umgekehrt und über demselben;, vermittelst eines 
Arms vom Filtrirgestelie ; so befestigt wird; dass ihre Mün- 
diiqg unter dem Niveau der Flüssigkeit im Filtrum steht. 
Sobald diese so weit abgeflossen ist; dass ihr Niveau eben 
unter die Mündung der Flasche mit dem zu Filtrireuden 
kommt; steigt eine Luftblase in diese in die Höhe ; ui|d es 
fliesst dafür wieder eine eutspreiphende Quantität Flüssigkeit 
auf das Filtrum. Den Stand derselben kann man natürlicher- 
weise, durch geringeres oder tieferes Einsenken der Flaschen- 
mündung; beliebig hoch erhalteü; und be:i der Einseukung 
desselben^ wie es z. B. Figur zeigt; würde das Niveau stets 
auf der Linie iiTinNbleiben. Zur Verschliessung ^er Flasche 



t70 



Ftliriren. 



in dem Moment^ wo man mt nmkehrt, kann man sidh ehies^ 
an einem Drath befestig^tcn Stöpsels bedienen^ den man nad» 
dem Umkehren wieder herauszieht. --^ Das Verfahren, wel- 
ehes ich zu meinem Behufe bequem gefunden habe, b^teht 
darin, dass ieh an einer gewöhnliehen Medicinflasehe den 
umgebogenen Rand an der Oeffnung abschneide, im FaU er 
für einen gewöhnlichen Platinlöflel tn breit ist, auf dem ich 
dann, nachdem ich ihn auf 4ie Hündung gelegt habe, die 
Flasche umkehre, wie in Fig. 21 angedeutet ist. Wenn er 
beinahe voll ist, geht aus leicht begreiflicher Ursache nichts 
von der Flüssigkeit verloren. Die Ffasohe wird alsdann über 
dem Filtmm befestigt, auf einem Arm, wie Fig. 22, der 
einen Ausschnitt hat, durch welchen man die Flasche, mit 
dem durch den Löffel zugehaltenen Hals, einschieben, oder 
den Stiel des Löffels niederlassen kann. Sobald die Hasche 
mit ihrem Halse unter das Niveau der Flüssigkeit im Fiitrum 
gelangt ist, wird sie mit dem Arme befestigt, der Löffel 
weggenommen und über dem Fiitrum mit dtf Spritzflasche 
abgespült. 

Eine noch bequemere Methode, deren ich mich jetzt 
stets bediene, wenn grosse Massen von Liquidum, worin 
si<^h ein geringer Niederschlag befindet, durch' ein kleines 
Fiitrum flitrirt werden isollen, oder im Allgemeinen, wenn 
Flüssigkeiten von grösserem Volum zu filtriren sind und nadi 
gewöhnlicher Art häufige Abgiessuhgen erfordern, ist folgende: 

' Eine Art Scheide-Trichter, von der Form der 
beistehenden Figur, ist mit einem eingeschlif- 
fenen Hahn ji und in der oberen Oeffnung 
mit einem ebenfalls eingeschliffenen Stöpsel 
B versehen. Man verschliesst den Hahn, giesst 
die zu filtrirende Flüssigkeit hinein, ver^ 
schliesst dann auch den oberen Stöpsel und 
hängt den Apparat nun über einem Trichter 
mit Fiitrum so auf, dass die Röhre gut eine 
Linie unter den Rand des Filtroms zu stehen 
kommt. Wenn der Hahn geöffnet wird, 
fliesst die Flüssigkeit in das Fiitrum, und 
dieses füllt sich, bis die Oberfläche des Was- 
sers die Oeffnung der Röhre absperrt, die dann 
fortfährt, das Fiitrum beständig bis zu die«- 




Filtrum — tTaschen. f71 

«er Höhe gefallt sa erimHen. Wenn der Triciiter auTs Nene 
gefüllt werden soll^ so dreht man den Hahn wieder su und 
giesst die Flüssigkeit durch die obere Oeffnung htneiA. Das 
Loch in dem Zapfen muss eiüe gewisse Grösse haben; damit 
es durch den Niederschlag nicht verstopft werde und Was-» 
ser und Luft darin mit Leichtigkeit aneinander vorbeigehen 
können. An dem Apparat^ dessen ich mich bediene^ hat das 
Loch in dem Zap%p 1 Centimeter im Durchmesser und die 
Oeffnung in der Röhre ein wen^ dariiber. Der Apparat kann 
allerdings mit kleineren Oeffnungen angewendet werden^ aber 
^r versagt dann leicht^ hört auf zu fliessen ui^ giebt nidits|^ 
wenn er über die Hälfte gefüllt wird. Alle diese Uebelstände 
werden durch hinreidiend weite Oeffnungen vermieden. Wenn 
er die Gestalt ha^, weiche die Figur zeigt; besonders wenn 
die gegen die obere Oeffnung geneigten Seiten gerade sind 
und einen Kegel bilden ; auf dessen Innenseite man überall 
mit einer Feder durch die obere OeflEhong kommen kanu; so 
kann er bei Analysen gebraucht werden ohne Gefahr; dasa 
etwas von dem Niederschlage zurückbleibe; was nicht w^g^ 
genommen werden könnte. Ich n^me dieses Instrument 
Nachgiesser und empfehle es als unschätzbar wegen der 
Ersparung an Zeit und Aufsidit. LangsaoM Filtrationen ge« 
hen mit Beihölfe desselben Tag und Nacht .fort. Ich ge» 
brauche es von dreierlei Grössen; nämlich von 20; 50 und 
100 C. Zoll Inhalt. Oft hat man mehrere von den kleineren 
Dimensionen auf einmal anzuwenden» 

Filtrum — siehe Filtriren. 

Flaschen — werden in der Chemie zur Aufbewahrung^ 
vorzuglich von Flüssigkeiten gebraucht* Für die meisten 
Fälle müssen sie mit eingescbliffenen Stöpseln von Glos ver- 
sehen sein. Ihre Form ist im Ganzen gleichgültig , indessen 
ist die cyliudrische die bequemste. Der Hals darf nicht unter 
einem; dem rechten sich nähernden Winkel von der Flasche 
ausgehen; sondern muss die Form wie Taf. IL Fig. 23 haben; 
weil man sonst den letzten Rest einer Flüssigkeit nicht voll* 
ständig ausgiessen kann. Auch muss der Hals einen dünnen 
und gut ansgebogenen Rand haben^ sO; dass er gut abfliesseu 
und abtropfen lässt; ohne dass die Flüssigkeit aussen an dem 
Glase herunterfliesst. Flaschen mit flüchtigen Säuren über-» 
ziehen sich gewöhnlich mit einem krystallinischfin Anflug 



272 ' Fluss. 

eines Ammoniaksalzes. Dies zu verbindern^ so wie zur Ab- 
haltUDg von Staub^ muss man sich mit kleinen Glocken oder 
Deckeln versehen^ die über den Stöpsel der Flaschen passen 
und darüber gest^t werden^ wie es Flg. 24 zeigt. Man 
hat sie auck äufden HaJs der Flasche aufgeschlifien ^ aHein 
dieser verliert dadurch seinen umgebogenen Rand ^ und es 
lässt sich alsdann nicht mehr ohne Herunterfliessen daraus 
giessen. Ueberdiess ist es uiinöthig^ 4^ss diese Glocken 
luftdicht scbliessen. In ürmangelung solcher Glocken kann 
man auch gewöhnliche kleine Gläser nehmen^ wenn sie nicht 
zu niedrig und zu weit sind. 

Manche Substanzen können nicht in gewöhnlichen F)a-< 
sehen aufbewahrt werden^ weil sie Kerkst^el zerfressen 
und eingeschliffene so befestigen ^ dass sie nicht wieder zu 
öffnen sind^ oder das Fett zerfressen^ womit man sie einge- 
schmiert hat^ um dies zu verhindern. Solche sind Chlor* 
Schwefel^ Chlorpliosphor^ <?hlorzinn u. dergl. Diese verwahrt 
maii in Flaschen^ die sich, in eine Röhre endigen^ wie Fig. 
25; die man alsdann vor der Lampen in eine Haarröhre aus- 
zieht. Solche Fkschen- füllt man auf die Weise ^ dass man 
sie erwärmt; mit der Mündung der Haarröhre in die Flüssig- 
keit taucht; wieder herausnimmt; so wie etwas davcm hinein- 
gedrnngen ist; ^e Flasche alsdann horizontal hält und er- 
hitzt; SO; dass die Flüssigkeit darin in's Kochen geräth;' und 
die Oeffhung darauf wieder in die Flüssigkeit hält. Beim 
Erkalten füllt sich dann die Flasche so .weit; als man es 
will ; ihre Oefiiiung wird nun zugeschmolzenr Braucht man 
etwas von der Flüssigkeit; so schneidet man die Spitze ab; 
«nd schmilzt sic; nachdem man nach Bedarf herausgenommen 
hat; wieder zu. 

Flu SS — nennt man bei metallurgischen Versuchen 
leichtschmelzbare Substanzen; die bei Aussschmelzung von 
Metallen zugesetzt werden; um von der Oberfläche derselben 
fremde Körper aufzulösen und wegzunehmen; die sonst die 
Vereinigung der geschmolzenen Metallkügelchen verhindern 
würden. Dergleichen Flüsse sind; je nach Bedarf; BoraX; 
kohlensaures Kali (weisser FlusS; wenn «s aus gleichen Thei-» 
len JSalpeter und Weinstein; und schwarzer; wenn es aus 
1 Th. Salpeter und 2 Th. Weinstein bereitet ist); Fluss- 

spath; Gias u. deigl. 

Flüsse 



Flüsse — Gasbehälter. 273 

Flüsse (GHtisflüssey, — gefirbte Gliuiartep^ womit man 
Edelsteine nachmadit. S. Tb. IV* pag. 515. 

Garmacheny — ein technischer Ausdruck für die Dar-* 
Stellung verschiedener hättenmännischer Producte, z. B* für 
die Reinigung des Rohkupfers ^ welches nachher Garkupfer 
heisst. S. Kupfer Th. III. pag. 297. 

Gas y — ein in Luftform yerwandelter Körper,. S. Th* h 
pag. 48. — Ueber Auffangung und Aufbewahrung der Gase^ 
siehe den folgenden Artikel. 

Gasbehälter y Gasreservoir y — ein zur Aufnabme un4 
Aufbewahrung der Gase dienendes Intsrument Man k^u^ji 
es vdn mehrfacher Art haben. Das einfachste sind Flasche^ 
die man mit Wasser oder Quecksilber füllt und in einem^ 
mit der einen oder anderen Flüssigkeit gefüllten G^fässe um- 
stülpt^ worin sie mit eine^l ausgeschnittenen Brett festge^ 
halten werden^ wl^ es Taf. II. Fig. 2 im Tb* I. zeigt. -^ Bei 
Versuchen über Quecksilber hat mau sich des von Da nie 11 
zuerst entdeckten und nachher von Faraday erörterten Um- 
Standes zu erinnern^ dass nämlich die Berührung zwischen 
Glas und Quecksilber nicht, so vollkommen^ wie die zwischen 
Wasser und Glas^ ist^ und dass dadurch eine Undi^htheit 
entsteht^ wodurch sich das über Quecksilber eingeschlossene 
Gas allmälig mit atmosphärischer Luft auswechseln kann. 
Es geht dies zwar nur so langsam^ dass man in einigen 
Tagen noch keine Aenderung bemerkt^ allein in längerer Zeit 
gibt es ganz bemerkenswertiie Aenderu^gen. Di^niell schlug 
vor 9 den Rand des Gefässes mit Platin oder Silber zu her 
kleiden^ die sich amatgamiren. IStatt dessen kann man ihn 
auch mit Talg bestreichen. Diese Luftumwechselung kann 
man sich leicht versinnlichen^ wenn man in ein^ über Quecke 
Silber zur Hälfte mit Gas gefülltes Gefäss eine kleine^ an 
einem Seidenfaden befestigte Glaskugel hinaullässt« Indem 
die Kugel auf dem Quecksilber schwimmt und man das freie 
Ende des Fadens ausserhalb über dem Metall erhält^ bilden 
die Poren des Fadens eine feine Rdhre^ durch welche all-" 
milig Luft eindringt; während das Quecksilber nach und nadl 
sinkt. 

Ueber Quecksilber fangt man Gase entweder in Gla/^ 
glockeii auf; die dann mebrentheils tubulirt und mit ei^ei^ 
messingeiiea Fassung^ mit luftdicht eii^epiuslstem Hahne; yeif-< 

X 18 



274 Gasbehälter. 

fiscfben sind^ wie Fig. 26 Taf. 11.^ oder in Eptdaveiten vou 
kleinerem und grösserem Inhalt^ theilis graduirt {s. Messen)^ 
fheils ungraduirt, und die dann nur scbmaje Glasglocken oder 
Cylinder von etwa 8 Zoll Höhe und 1 bis V/% Zoll lichtem 
Durchmesser sind. 

« 

Zum Halten der zu solchen. Versuchen bestimmten Glas- 
gefasse^ seien es Flaschen^ Cylinder oder Glocken^ eignet sich 
«m besten eine von J. G. Gähn erfundene Vorrichtung^ die durch 
die zu Fig. 18 Taf. I. gehörenden Theile in halber natürficher 
-Grösse vorgestellt ist. Das Hauptstück davon sieht man in ^ von 
tiben^ und in B im Profil. Es ist von Holz und bei ab bis zu % 
-weit eingesägt. In diesen Einschnitt wird ein seidenes Band 
eingesetzt; welches an dem einen Ende einen starken Saum 
liat; der durch den Einschnitt nicht hindurchgeht; das Band 
wird ISO gezogen ; dass sich der Saum bei ab in B anlegt. 
Es wird alsdann 9 wie B zeigt ^ herumgezogen ^ geht dann 
ivieder zurück und auf dersdben Seite ^ wo der Saum sitzt^ 
durch den Einschnitt fff hinein, von wo aus es in das ko- 
nische Loch c kommt. In diesem sitzt ein wie D geformter 
Zapfen. Derselbe hat ebenfalls einen Einschnitt hiy in wel- 
chen tlas Band eingesetzt und darin mit einem ähnUchen Saum, 
wie am anderen Ende^ befestigt wird, sb^ dasls es nicht vom 
Zapfen abgleitet; Das Band wird abdann um den Zapfen 
gewunden und dieser eingesetzt. Das ausserhalb befindliche 
Band kann mm durdh Drehen des Zapfens in der einen oder 
anderen Richtung zugezogen oder nachgelassen werden. In- 
dem man gegen den ausgeschnittenen Theil kl in ji einen 
Cylinder oder eine iSlocke setzt^ das Band um dieselbe her- 
umgehen lässt und es vermittelst des Zapfens zuzieht^ indem 
man diesen zugleich eindrückt ^ so dass er in dem ihm ent- 
sprechenden konischen Loch festsitzt^ so hat man die Glocke 
oder den Cylinder^ wie es Fig. 18 zeigt^ unbeweglich andern 
hölzernen Theil festgestellt. — Zu diesem Apparat gehört 
nun ferner das Gestell IHM^ welches mit der Schrauben- 
zwinge LM an der Wand der Wanne (oder des mit der 
Sperrflüssigkeit gefüllten Gefiüsses) befestigt wird. Sein auf- 
rechtstehender Theil HL ist cylindrisch und mit einem be- 
weglichen vierseitigen Arm IK versehen^ der vermittelst 
einer Schraube auf HL höher oder niedriger stellbar ist; die- 
ser Arm wird durck das vierseitige Loch m in dem Stüdc B 



GiübehälteTy 275 

eingeführt und darin dureh die Schraube n an jedem belie- 
bigen Punkte des Armes befestigt. Dadurch kann man dann 
die Stellung der in dem Halter befestigten Glocke^ so weit 
der Arm reicht^ beliebig verändern. Wenn das Instrument 
nicht zu schwach ausgeführt ist^ hält es die Glocke mit voll- 
kommener Unbeweglichkeit. Fig. 18 zeigt dasselbe^ an ein^ 
Gaswanne befestigt, zum Halten einer Glocke angewendet» 
Wenn man einmal die grosse Bequemlichkeit hat kennen ge- 
lernt, welche dasselbe bei Gas versuchen darbietet^ mochte, 
man es wohl schwerlich wieder entbehren können. 

Zu Versuchen, wo man grosse Gasquantitäten aufeu- 
sammeln hat, bedient man sich grosserer, aus verzinntem 
Eisenblech oder Kupferblech verfertigter Apparate. Ich ziehe 
die letzteren, wegen ihrer grosseren Dauerhaftigkeit, vor; 
denn die aus Eisenblech werden durch das^ oft wochenlang 
'darin stehende Wasser, häufig schon nach halbjährigem Ge- 
brauch, durch Rost zerfressen und undicht. ^ 

Die beste bekannte und jetzt allgemein gebrauchte Form 
von Gasbehältern ist folgende von Pepys erfundene: ABCDj 
Fig. 2. Taf. III. ist ein Cylinder vonKv^erblech, mit flachem Bo- 
den und etwas gewölbter, aufgelötheter Bedeckung. In England 
macht man sie aus lackirtem Eisenblech aus sswei Hälften, 
die in der Mitte zusammengesetzt und verkittet werden, was 
zum Eudzweck hat^ sie inwendig reinigen zu können; allein 
wegen der Schwierigkeit, diese Verkittung luftdicht zu be- 
kommen, ziehe ich die ganzen vor« Ueber diesem cylindri*- 
schen Gcfass steht ein anderes EGHF von demselben Durch- 
messer, aber Vs so hoch und nur oben offen. Auf das untere 
ist es vermittelst dreier Stützen befestigt, welche alle^ drei 
in der Figur leicht zu unterscheiden sind.^ Nahe am Boden 
hat das untere Gefäss bei D eine aufwärts stehende Oeff- 
nung, versehen mit einer Schraube, womit sie luftdicht ver- 
fi(chlie$sbar ist. Von der Mitte der Wölbung im Deckel des 
unleren Behälters geht eine mit einem Hahn versehene Röhre 
fa nach dem oberen Gefäss, und von einem Punkt an der 
Seite des oberen Gefässes geht eine zweite mit einem Hahn 
versebene Röhre gh hinab zu dem unteren Behälter, endigt 
aber nicht bei A, sondern setzt sich, wie die punktirte Linie 
zeigt, .bis zu V4 Zoll Abstand vom Boden in den Behälter 
fort« Eine dritte, ebenfalls mit einem Hahn versehene Röhre 

18<* 



876 qaOdiaUer. 

Bm ist seitwärts an einen Paukt des unteren Behalters an- 
gosetzi. An Boden und am Deckel desselben befindet sich 
ausserdem einet kleine gebogene Röhre k und l, in wel- 
cher eine CMasröhre kl luftdicht eingekittet ist. Bei 4em 
Crebiaiidi wird dieser Apparat mit Wasser gefüllt, wobei 
nan die Oeffnung bei D zuschraubt und die Hähne af, gh 
und Bm öffnet. Diie Zapfen dieser Hähne müssen mit grossen 
böehera .versehen sein, weil sie sich sonst leicht durch 

^ jBcfattutz.im Wasser verstopfen« Das Wasser wird in den 
oberen Behälter gegossen, und fliesst durch af und gh^ wäh- 
rend die Luft duroh Bm ausgetrieben wird« fik^hraubt man 
diese zu, so gdit die Luft in Blasen durch' af weg, und das 
Wasser fiiesst durch ghi ein, was aber dann viel langsamer 
geht. In dem Maasse, als sich der Behälter füllt, steigt 
das Wasser in der Glasröhre A:/, woran man also den Grad 
seiner Füllung beobachten kann. Sobald die Röhre voll ist, 
fliesst das Wasser durch Bm aus. Man verschliesst alsdann 
diese Röhre und lässt die nodi in der Wölbung des Deckels 
befindliche Luft durch af austreten; sieht man, auch bei 
gelindem Anstossen, krine BlttSfen mehr kommen, so werden 
die Hähne zugeschraubt. Der mit Wasser gefüllte Gas^ 
behälter Mrird nun, wenn er mit Gas gefüllt werden soll, 

- über einen Zuber oder Hiner gestellt, und die Oeffnung bei 
D aufgesduraubt, wobei natürlicherweise kein Wasser aus- 
flie/tet, so lange keine Luft eindringen und seine Stelle er- 
setzen kann. Durch die Oeffiiung D führt man die Röhre 
ein, aus welcher sich das Gas entwickelt. Dieses steigt 
durch das lYasser auf, welches nun bei D ausfiiesst und 
sich in dem unterstehenden Gef&sse sammelt. Bei lang- 
sameren Gasentwickelungen pflegt hierbei das Wasser rings 
um den Boden des Behälters herum, und nicht in das dazu 
bestimmte Gefass zu fliessen. Diesem Uebelstande lässt 
sich dadurch vorbeugen, dass man die Oeffnung rund herum 
mit Talg bestreicht und an ihrem niedrigsten Rande lese zusam- 
mengedrehtes, feuchtes Werg festbindet, an dem das Wasser 
herunterläuft. Sobald in den Behälter so viel Gas gekommen 
ist, dass man in der Glasröhre kein Wasser mehr isieht, wird 
die Entwickelungsröhre herausgenommen und die Schraube D 
wieder aufgesetzt SoH das aufgefangene Gas gebraucht 
und Portionen davon in andere Gefasse gebracht werden^ 



Gasometer — Gastransporteur. 277 

wird Wasser in den oberen Behälter"^ gegossen > eine mit 
Wasser gefüllte Flasche oder Glocke aber die Oeffiinng vmi 
af gestiirzt und die Hähne von af und gh geöffnet Das 
Wasser fliesst dann durch die Röhre ghi, und das dadurch 
herausgedrängte Gas kommt durch af und sammelt sich in 
dem äbergestürzten Gefasse an. 

Will' man dagegen das Gas zu GeUäse-Versuchen brau*^ 
chen^ so lässt man es durch Bm ausströmen^ während man 
€^ zuschraubt. 

Gusometery — sollte eigentlich ein zum Messen von 
Gasvolumen bestiinmtes Instrmnent bedeuten, allein da miali 
auf die meisten Gasbetialter eine Maass-Eintheilung zusetzen 
pflegte 9 so ist das Wort nun n^it Gasbehälter fast synonym 
geworden. Ein eigentliches Gasometer soll ein ganz kleineis 
Maass- Instrument sein, allein diese pflegt man nicht mit 
diesem Namen zu belegen. Der im vorhergehenden Artikel 
beschriebene Gasbehälter aus Kupferblech kann ein G^sOr 
meter werden^ wenn man die Glasröhre mit einer Scale «ver^ 
sieht, welche die Gasquantität durch die Höhe anzeigt, bis 
zu der die Wasserfläche im Gasbehälter steirt, d. h.y.Welche 
von oben herab graduirt ist« 

Gastransporteury ^-^ ein Instrument, um Gase, aus 
einem Gefäss in ein anderes zu bringen. Die bequemste 
Einrichtung für dasselbe sieht man Taf. IH. Fjg. '4. -^ AB 
ist eine Glasröhre von dickem Caliber, an die unten ein 
.kleiner Beutel C* aus Ochsenblase oder dünnem Caoutschouo, 
von etwas grösserem Inhitlt als die Röhre, angebundea ist 
Das untere Ende mit dem Beutel ist in eine hölzerne eyUn* 
drische Büchse BDEF gefasst. Der Beutel wird mit Queck«>- 
silber gefällt, so dass es 1 oder 2 Linien hocb in die Röhre 
zu stehen kommt. Die Büchse hat am Boden eine Schraube 
Oy welche ein in der Büchse befindliches loses Brett<dii»i.& 
hebt. Beim Einschrauben der Schraube wird das Brettchen 
gehoben und presst das Quecksilber in die Röhre AB. Bei 
A hat diese einen, mit einer Leitungsröhre AEIK versehe- 
nen Kork. Das Queeksilber wird nun aiBs^epresst, so dass 
0idi auch diese Röhre damit füllt. Wird nun diese in seine 
mit Gas gefüHte Glocke gdl>racht und die Schraube wieder 
heruntergeschraubt, so sinkt das Quecksilber in den Beutiel 
fluru(& und Saugt dsis Cb» aüs:der Glocdie in j^ ein. ZU 



278 Gaswanne — Gebläse 

diesem Behuf miiss AB stets länger als IK sein. Das ein- 
gesogene Gas ki^nn nun in ein anderes Gefäss gebracht 
werden^ wenn die Leitungsrohre in dasselbe geführt^ und 
das Brettchen u wieder in die Höhe geschraubt wird. — 
Einen Transporteur mit Wasser macht man^ indem man statt 
der Ochsenblase einen Caoutschoucbeutel anbindet^ den man 
mit Wasser fällt und mit den Händen drückt. 

Ein anderes ganz vortrefBiches Instrument, um Gase 
aus einem Gefass in ein anderes zu bringen^ ist von Pepys 
erfunden. Es besteht aus einer cylindrischen Röhre AB^ 
Fig. 5; angelöthet an eine andere Röhre von kleinem Ca- 
über und dickem Glase und wie BC gebogen ^ auf der wie- 
der ein anderes kleines Stück einer weiteren cylindrischen 
Röhre CD sitzt ^ bei D zu einer fast haarfeinen Oeffnung 
zusammengezogen. Mittelst zweier Korke und eines Stahl- 
draths macht man sich in AB einen Stempel, wie Figur zeigt. 
Beim Gebrauche dieser Röhre wird DCB mit Quecksilber 
gefallt, und DC in das Gefass mit Gas gefuhrt. Beim Her- 
ausziehen des Stempels wird das Gas in DC eingezogen, 
welches man alsdann in ein anderes Gefäss bringt, und 
darin das Gas wieder ausdrückt. Ist DC graduirt^ so lassen 
sich auf diese Weise genau bestimmte Quantitäten von Gas 
transportiren. 

Gasmanne^ ^— siehe Wanne. 

Gebläse mit Sauerstoffgas und mit Wasser- 
stoffgas. Sauerstoffgas, in die Flamme von Alkohol, 
Aether, Terpenthinöl, oder in eine geeignete« die Verbren- 
nung des Wasserstoffgases unterhaltende Vorrichtung geblasen, 
bringt die höchsten Temperatüren hervor ^ welche bewirkt 
werden können, und es schmilzt Platin, Kieselsäure, Thon- 
erde und mehrere andere, lange als unschmelzbar betrachtete 
Körper. Dies kann auf mehrfache Weise bewerkstelligt werden. 

Marcet's Gebläse* Man füllt den Gasbehälter Fig. 2 mit 
Sauerstoffgas und setzt auf die Röhre Bm eine andere, am 
Ende gebogene Messingröhre mit einer Oeffnung. Die Bie- 
gung dient dazu, um durch Drehung der Röhre das Gebläse 
nach oben oder unten richten zu können. Zur Verstärkung 
des Ausströmens des Gases schraubt man in die obere Oeff- 
nung gh einen hohen Trichter K ein, durch welchen das 
Wasser eingegossen wird; Bur Vermdmmg d^ Drucks könnte 



naH ibn nöthi^nfalla durch AofmchraubuDg mehnrer Metalh 
röhren erhöhen. Vor die OelfuuDg der Gebläserdbre stellt 
man die Flamme einer Spirituslampe. Durch daa Eiublasea 
des Sauerstoffgaäes entsteht nun eine spitze Löthrohrflahime, 
die so heiss ist, dass sich damit Platindrath zu Kugela von 
mehreren Gran Gewicht schmelzen lässt,, und reine Kiesel- 
erde und Thonerde darin zu klarem Glas schmelzen. Man 
legt solche Korger auf ein Stück harter Kohle, und hält sie 
in den Theil der Flamme, den man für den beisseaten. hält. 
Brennt man in der Lampe Aetber oder Steinöl^ ao. wird die 
Hitze bedeutend stärker als mit Alkohol. Lässt man Wasser- 
stoffgas durch sechs oder mehr ganz dicht tingförmig neben 
einander gestellte Oeffnuugen ausströmca und durch den 
Mittelpunkt des Ringes Sauerstoffgas in der Quantität zu- 
strömen, welche zur Verbrennung des Wasserstoff'gases er- 
forderlich ist, so wird eine ausserordentlich hohe Ten^teratur 
hervorgebracht. Hat man dann die Einrichtung gemacht, dass 
die Flamme nach oben oder seitwärts gerichtet werden kann, 
so lässt sie sich zu mehreren Schmelz versuchea anwenden. 
AFitscherlich's Gebläse besteht aus einer gewöhn- 
lichen Spirituslampe, wie die Fi- 
gur zeigt. Das Rohr für den 
Docht ist ziemlich weit und 
mit lose gesponnenen groben 
Fäden von Baamwt^engam ge- 
füllt, die parallel liegen, d. b., 
die nicht zusammengedreht sind. 
Der Boden der Lampe ist mit 
einem Loch durchbohrt, wel- 
ches mit einem Korke b ver- 
schlossen wird. Durch diesen 
Kork gebt ein in einen rech- 
ten Winkel gebogenes Rohr von 
Messing ch, wekhes in das 
Centrum des Dochts passt und dieselbe Höhe bat,, wie 
das Rohr, in welches der Docht eingeschlossen, ist, so dass 
es von allen Seiten mit dem Docht umgeben ist. Die Lampe 
und dieses Rohr sind in einen Fuss von. Holz d gefasst. 
Bei e hat die Lampe ein Loch, durch welches ein Kork mit ' 
dem gebogenen Rohr ef geht, g ist der Deckel der Lampe, 



280 Gehläse. 

welcher aafgfesetzt wird, wenn man sie nicht gebrandit. 
Man füllt die Lampe mit Aether, zändet den Docht an, bläst 
Sauerstoffgas dnrch das messingene Rohr ch ein, und be« 
kommt auf diese Weise eine äusserst heisse Flamme, in 
welcher Platindrath zu Kugeln schmilzt. Splitter von Quarz 
schmelzen darin und lassen sich in Fäden ziehen. Der 
Zweck des Rohrs ^ist, der Luft bei der vermehrten Hitze 
einen Ausweg zu geben, w^il sie sonst flüssigen Aether 
durch den Cylinder, welcher den Docht umgibt, heraus- 
pressen würde. 

Newmann's Gehläse ist ein ähnliches, zur Hervor- 
tiringung hoher kitzgrade dienendes Instrument« Es besteht 
aus einem cylindrischen Gasbehälter von dickem Kupferblech, 
in den ein Gemenge von 2 Volumen Wasserstoffgas und 1 
Volum Sauerstoffgas vermittelst einer Compressionspumpe 
eingepresst wird. Fig. 3 ist es abgebildet; A ist der Gas- 
behälter, B die Compressionspumpe, und C eine mit Knall-»- 
|uft zu füllende Blase, die an die Pumpe angeschraubt, und 
woraus diese mit dem in den Gasbehälter einzupressenden 
Gas versehen wird. /> ist ein, mit einer haarfeinen Löth- 
rohrspitze versehener Hahn, Beim Oeffnen desselben strömt 
das Gas aus, welches man anzündet, und welches nun, ohne 
dass sich die EntzÜQdung auf das Gas im Behälter fortpflanzt, 
mit einer Heftigkeit und einer Hitze zu brennen fortfilhrt, 
wodurch sich Platin, Thonerde, Kieselerde, mit einem Wort, 
alle Substanzen schmelzen lassen, die man sonst für un- 
schmelzbar hielt ^). Englische Chemiker haben sich ganz 
besonders viel mit dem Gebrauch dieses Instruments be- 
schäftigt, und wollen Baryt- und Strontianerde, auf Kohle 
diesem Feuer ausgesetzt, reducirt haben. Indessen ist der 
Gebrauch dieses Instruments nicht ohne Gefahr gewesen, 
und es ist dadurch Unglück damit geschehen, dass die feine 
Ableitungsröhre nicht hinlänglich genug das Gasgemenge an 
ihrer Mündung abkühlen konnte, um eine Fortpflanzung des 
JB^euers bis in den Behälter zu verhindern, der dadurch ge- 
waltsam zerschmettert wurde. Jttan empfahl daher, das 



*) Unter den bi« jetzt in dieser Hinsicht veraachten SubsUnsen ist es 
allein der Chrysopras^ welcher 4er S^inetekraf^ dieses AppamU 
^derst^^^f. 



Gebläse hiiiter eine Wand von dtickeu Brettern zu stcHleA 
und die Brennspitze durch ein kleines Loch in jener an 
stecken^ so dass der Operirende im Fall einer Explosion 
gesich^l wäre. Aach liess man das Oas^ ehe es in die 
Brenni^itze kam^ durch Wasser oder Oel gehen ^ damit^ 
wenn eine Explosion entstände^ dieselbe von dem eigent- 
lichen Behälter durch die Flüssigkeit getrennt wäre. Femer 
schlug man vor^ das Oas durch mehrere zusammenUegende 
haarfeine^ metallene Röhrdien ^ die sich zuletzt 2»i einer 
gemeinschaftlichen^ ebenfalls haarfeinen Rohre vereinigtet^ 
ausströmen zu lassen^ wo durch die grössere Anzahl von 
Röhren die Abkühlung natürlicherweise vollkommner und 
eine Explosion Veniger zu befürchten sein würde* Aber 
ganz sicher und gefahrlos kann man dieses Instrument da- 
durch madien^ dass man eine Röhre^ in einer Länge von 
IV2 bis 2 lioWy mit kleinen runden, über einander liegenden 
Scheiben von einem feinen Metallgewebe füllt, imd diese 
Röhre dann, wie EF zeigt, zwischen dem Hahn und der 
schmalen Ableitungsröhre anschraubt« Ich machte den Ver- 
such, in der weiten Oeffnung dieser Röhre die Knallluft an-* 
isuzünden, ohne dass sich £e Explosion nach Innen mit- 
theilte. — Dieses Instrument hat inzwischen nur geringe 
Anwendbarkeit; die Flamme darf nur sehr klein sein, und 
wirkt folglich nur auf kleine Quantitäten; denn vermehrt man 
das Ausströmen des Gases, so wird die Flamme gänzheh 
ausgeblasen. 

Die Anwendung eines Strahles von Wasserstoffgas und 
Sauerstoffgas, die jedes für sich besonders und neben ein- 
ander ausgeblasen und angezündet werden, ist zuerst von 
dem Amerikaner Hare vorgeschlagen und ausgeführt, und 
Versuche damit von Smith in einem amerikanischen Journal 
bekannt gemacht worden« Es glückte Smith auf diese 
durchaus gefahrlose Art fast alle die Substansseik zu schmelzen, 
die mit Newmann's Gebläse schmelzbar sind. Nachdem 
aber Davy entdeckt hatte, dass die Detonation brennbarer 
Gase durch abkühlende Media, wie Drathgewebe imd feine 
Röhren, imterbrochen werden kann (s. Lampe , Davy's 
Sicherheitslampe), sdüug man zu diesem Endzweck di& 
Knallluft vor, und fand, dass sie audi in comprimirtem Toj^ 
atiMid anwendbar ist, qjod ohne dass sich in gewöbididien 



\ 



282 Gewicht, specifisches. 



F&Uea die Entzonduiig doich die feinen Rohren dem äbrigen 
Gase mittheilt 

Brooke schlug zuerst vor^ Gomprimirtes Sauerstoffgas 
anzuwenden, nnd der Instrumentenmacber Newmann wagte 
zuerst den Versuch^ hierzu Knallluft zu nehmen. 

Gewicht f specifrsches (Gratitas specifica) — nennt 
man das Gewicht eines Körpers, verglichen mit dem Ge- 
wicht eines gleichen Volumens reinen, destillirten Wassers. 
Zur Vollständigkeit chemischer Untersuchungen ist es noth- 
wendig, mit aller Sich^heit das specifische Gewicht der 
Körper bestimmen zu können. 

Ausser den weniger genauen Methoden zu diesen Be- 
stimmungen, deren ich in der Kürze unter dem Artikel 
Aräometer erwähnte, hat man die sicherere, in allen Fällen 
den Vorzug verdienende, das specifische Gewicht auf einer 
guten Waage zu bestimmen. Hierüber werde ich einige 
Regeln angeben. 

1) Feste in Wasser unlösliche Körper^ die schwerer ab 
Wasser sind. Man wiegt den Körper in der Luft, und 
nachdem sein Gewicht mit Genauigkeit gefunden ist, wiegt 
man ihn in destillirtem Wasser, dessen Temperatpr man 
zuvor ^bemerkt hat. Zu dieser Wägung muss die Waag- 
schaale auf ihrer äusseren Seite einen kleineu Haken haben, 
und so hoch über der Basis, worauf die Waage steht, hän- 
gen, dass ein Gefasi^ mit Wassef darunter gestellt werden 
kann. Der gewogene Körper wird an einem Haar oder an 
dem feinsten Faden von roher Seide aufgehängt, in das 
Wasser gesenkt und mit einer Schlinge am Haar an den 
Haken der Waagschaale aufgehängt. Der Körper muss frei 
im Wasser hängen, und weder die Oberfläche des Wassers^ 
noch das Glas berühren. Bei seiner Einsenkung in das 
Wasser wird er nicht immer an allen Punkten von demselben 
benetzt, und hierdurch entsteht dann eine Blase auf seiner 
Oberfläche, die ihn leichter macht, als er eigentlich ist. 
Dies verhindert man am besten dadurch, dass man ihn zuvor 
mit einem nassen Pinsel überfährt, so dass er, vor seiner 
Einsenkung in das Wasser, überall gleichförmig benetzt ist 
Nachdem man ihn iiun ganz blasenfrei hat, wiegt man ihn 
im Wasser. Pulverformige oder poröse ' Körper hält man 
aber vor dem Wägen eine Zeit lang unter Wasser im luft-* 



Gewicht y ipedfisches. ^ 383 

leeren Raum. Aus hydrostatischen Gesetzen weiss man^ 
dass ein Kärper^ wenn er in Wasser gesenkt wird^ eben so 
viel an Gewicht verliert, als ein dem eingesenkten Körper 
gleiches Volumen Wasser wiegt; folglich beträgt der^ beim 
Wägen des Körpers im Wasser entstehende Gewichtsverlust 
gerade so viel^ wie ein^ dem untersuchten Körper gleich 
grosses Volumen Wasser wiegt« Wiegt der Körper in der 
Luft z. B. 166 Gewichtstheile^« und verliert er beim Wägen 
im Wasser 50^ so dass er nur 116 darin wiegt^ so ist es 
klar^ dass ein dem Körper gleich grosses Volumen Wasser 
50 wiegt. Um dies mit dem zu 1^000 angenommenen Ge- 
wicht des \y assers iii Vergleichung zu bringen ^ setzt man 
eine Proportionsrechnung auf folgenden Grund an: wie sich 
der Gewichtsverlust des im Wasser gewogenen Körpers ver^ 
hält zu seinem Gewicht in der Luft^ so verhält sich das 
Gewicht ilfes Wassers 1^000 zu dem gesuchten specifischen 
Gewicht; also in dem angeführten Beispiel 50:166=1^000:3^3!^^ 
so dass also hier das spec. Gewicht des gewogenen Körpers 
durch 3;320 ausgedrückt wird. 

In diesem Falle wurde auf das Gewicht des angewandten 
Haares keine Rücksicht genommen. Dies macht eine Ab- 
weichung; die aber erst auf die Dezimalzahlen fällt ^ die man^ 
als zu klein ; um in Rechnung genommen zu werden ^ ge* 
wohnlich weglässt. Eine grössere Abweichung macht die 
Temperatur des Wassers ^ die bei ungleichen Wägungea 
ungleich sein kann^ wiewohl auch dies eine Subtilität isty 
die selten so bedeutend wird; däss sie in Betracht kommea 
kann. Wo man diesen Umstand für beachtungswerth hälf^ 
berechnet man das speC Gewicht ' des Wassers zu 1^000 
bei -|~ ^^t Temperatur ; und bedient sich zur Reduction 
der im I. Th. pag. 367. aufgestellten Tabelle« War z. B. 
die Wärme des Wassers +10^^ so ist sein spec. GcwidU 
0,99978, und man rechnet: 50:166 = 0,99978:3,319. Man 
findet dann, dass das spec. Gewicht des Körpers in deii 
leichteren Wasser um 0,001 zu gross ausgefallen war; in- 
dessen wird das specifische Gewicht des Körpers nach der 
letzteren Rechnung etwas zu niedrig, dadurch ^ dass i^eine 
eigene Contractiou zwischen -|- 10^ und -f 4^,1 nicht mit in 
Rechnung kam, was indessen eine so kleine Quantität ist, 
dass sie ganz versäumt werden kann. 



B64 Gewicht y . spedfisches. 

2) Feäe KSrp^y die schwerer eh fFasser, aber darin 
•löslich sindy wiegt man in solchen Flüssigkeiten^ von denen 
«ie nicht aufgelöst werden^ und deren specifisehes Gewicht 
fliaa kennt. 

3) Feste ptUverßrmige Körper^ die schwerer als Wasser 
sindj wiegt man in einem kleinen Glasgeßlss^ welches man 
nach Einlegung und Wägung des Pulvers , mit Wasser füUt^ 
o» alle Luft aus dem Pulver zu verdrängen^ und senkt es 
4ann^ an einem Haare au%6hängt^ behutsam in das Wasser. 
Man i^t mit einem Gegengewicht für das Glas versehen^ 
welches ihm^ wenn es in Wasser gesenkt ist, das Gleich- 
gewicht hält, wodurch man überhoben ist, das absolute und 
«pec. Gewicht des Glasös mit in Rechnung zu ziehen. 

4) Feste Körper j die leichter sind als Wasser ^ befestigt 
man an einem schweren Körper von bekanntem absoluten 
nnd speciflschen Gewicht, so dass beide untersiiflten. Was 
nun der eingesenkte Körper an Gewicht mehr verliert, als 
der schwerere für sich allein verloren hätte, ist was ein, 
dem leichteren Körper gleich grosses Volumen Wasser wiegt. 
c B. ein Stück Holz von 166 Gewicht wird an einem Stück 
Blei befestigt, welches beim Wiegen im Wasser 200 ver- 
hnen würde. Indem beide eingesenkt werden, verlieren 
«ie 532. Diese 332, was es nun mehr verloren hat, ist also 
"Viras ein dem Holze gleich grosses Volumen Wasser wiegt, 
■nd das specifische €rewicht des Holzes wird dann folgen- 
dermaassen erhalten: 332:166=1,000:0,500, so dass also 
das spec. Gewicht des Holzes halb ho gross ist, wie das 
des Wassers. 

5) Flüssigkeiten können auf zweierlei Weise gewogen 
(Wiorden: a) Man hat ein Gewicht von Glas, dessen Verlust 
iük Wa«9ilr man ein- für allemal bestimmt hat, und welches 
man, an einem Haar aufgehängt^), in der Flüssigkeit wiegt, 
deren specifisehes Gewicht man untersuchen will. Der Ver- 
lust des Glasgewichts im Wasser verhält sich dann zu sei- 
nem Verlust in der Flüssigkeit, wie das spec. Gewicht des 
Wassefs zu dem der Flüssigkeit. Verliert z. B. das Glasge« 
"Wicht im Wasser 20 und in der Flüssigkeit 18, so rechnet 



^ Bei sdiirferen Flfisiigkeiten^ 8. B. Sauren^ wendet man einen aus« 
f erst feinen GolddraüL an. 



mau 20: 18 «b l^OÖO : 0;90Q. Ist dagegi^n der VeriMt vi Aw 
Flüssigkeit z. B. 25> so rechndt man 20 i25 »^ 1,000: i^KO; 

h) Man hat eine genau gew^^gene Flasche mit sehr: en^ 
gern Hals , die man bis zu einem gewissen Zeidien iM ' leMH 
lerem mit Waisser fällt , dieses nun wiegt und sein Gewidif 
mit einem Diamant auf die Flasche zeichnet. Wird alsdann 
die Flasche bis zu demselben Zeichen mit anderen Flisslgut 
keiten gefüllt und gewogen, so erbalt man ihr «fpec. Clewiofal/ 
und man braucht nur die gefundenen Gewichte, wie ebetty 
mit einander zu rergleichen. Wenn die Flasche gerade 
1,000 Gewichtstheile Wasser ftusNSt, so zeigt natärlidierv^eise 
das gefimdene Gewicht anderer Flüssigkeiten ihir eqpiedfisebw 
Gewicht ohne weitere Rechnung an. > >• '•' >i / 

Statt einer Ftesche mSt engem Hals ist eine mitekige-' 
schliffenem Stöpsel noch bequemer ; sie wird ganz angefäüt^ 
der Stöpsel so eingesetzt, dass keine Lirft zurMkUeibl^ und 
darauf auswendig woM getrocknet, ohne sie jedoch unmittel- 
bar mit den Händen zu berühren. Man wiegt darin zuerst 
Wasser und darauf die andere Flfissigkeit, beide bei der- 
selben Temperatur. . ; 

Bei dieser Art Wägung entsteht ein gar nicht «nbe-^ 
deutender Fehler dadurch, dass die Flasche von Luft ge«* 
tragen wird und also um so viel weniger wiegt, .als tkei 
gleiches Volumen Luft im luftleeren Raum wdegt, daher ist 
es nothwendig, das Resultat der Wägung 'auf das specifi 
Gewicht im luftleeren Raum zu reduciren, und dies ist aehi^ 
leicht Das Gewicht der Flasche ist bekannt, und das spec. 
Gewicht des Glases ebenfalls. Auch das Gei^cht des 
Wassers ist durch Wägung gefunden. Man dividirt nun das 
Gewicht der leeren Flasche mit der Zahl, welche das spec; 
Gewicht des Glases ausdrückt, und erfährt nub dadurch^ 
wie viel ein, dem Volumen des Glases gleich grosses Vo^ 
hunen Wasser wiegt, welches man zu dem Gewicht des 
Wassers addirf; aber das Wasser wiegt in der Luft bei 
0",76 Druck und 0^ Temperatur V770 weniger als im Iuft-> 
le^ea Räume; dies berechnet man dann auf die Temperatur, 
welche die Luft hat (s. d. Art. Messen) , und das Gewidit 
der Luft muss nun von dem gefundenen Gewicht, sowohl 
des Wassers als der anderen Flüssigkeit, abgezogen werden^ 
ehe die vorher angeführte Analogie ein richtiges Resultat 



ItöC Gewicht y spedßsches. 

boi der AoBredmimg gibt. — Eben so vmoAA muk beim Wa* 
gen fester Körper den Fehler^ dass das Gemcht derselben 
beim Wägen in der Luft um so viel zu leicht ausfallt^ als 
ein dem ihrigen gleich grosses Volumen Luft wiegt; allein 
wenn man^ nachdem man weiss ^ was ein gleiches Volumen 
Wasser wi^, Vito davon zu dem Gewicht des festen Kör- 
peitt hinzulegt^ so fallt dies gewöhnlich auf so entfernte 
Decimalstellen^ wie sie in der Regel nicht in Betracht ge- 
s^en werden« 

6) Ga»e» Die Bestimmung des^ specifischen Gewichts 
dei* Gase ist eine feine und schwierige Arbeit. Sie gehört 
»war gänzlich in das Gebiet der Physik ^ indessen muss sie 
von dem Chemiker nicht selten in Anwendung gebracht werden. 

A« Bestmtdige Gase. Diese werden in Glasballons ge- 
wogen^ an deren Hals eine Messinghülse luftdicht gekittet 
i»%y in welche ein vollkommen dichter Hahn von demselben 
Metall eingeschraubt ist Dieser Ballon wird zuers{; mit Luft 
gefüllt gewogen^ wobei der Stand des Thermometers und 
Barometers genau ^aufgezeichnet wird. Alle Wägungen wer- 
den mit Substitution (s. Waage^^ Wägen) gemacht. Dann 
wii^ er so luftleer gemacht^ wie es mit der Luftpumpe mög- 
lich ist^ verschlossen und aufs Neue gewogen ^ mit Auf- 
zeichnung der Veränderung^ die seit der ersten Wägung 
in der Temperatur und dem Druck entstanden sein kann. 
Was er nun weniger wiegt^ als vorher^ ist das Gewicht der 
ausgepumpten Luft. 

Das Gas^ dessen spec. Gewicht bestimmt werden soll^ ist 
vorher vollkommen rein über Quecksilber bereitet und ge- 
trocknet worden^ je nach den Umständen mit Chlorcalcium 
oder mit festem Kalihydrat. Man hat zuweilen versucht^ 
die Gase in ihrem Maximum von Feuchtigkeit zu wiegen 
und dann den Gehalt von Wassergas abzurechnen, aber dies 
hat zu weniger sicheren Resultaten geführt und darf nur im 
höchsten Nothfall angewendet werden. Das Gas ist über 
Quecksilber in einer hinreichend grossen, tubulirten Glas- 
glocke aufgesammelt, deren Tubulus mit Messinghülse und 
Hahn versehen ist In dem oberen Ende befindet sich eine 
Schraubenmutter, so gemacht, dass, wenn d{e Schraube an 
dem Hahn des - Ballons luftdicht in . dieselbe eingeschraubt 
wird^ sich der Baum darin so vollkommen füllt^ dass keine 



Grewicht, spec^l^hes. 287 

Luft darin zurciekbleibt. Die cjündriBohe Oeflhong in dem 
jSQflamniengesdiraubteii' lUfar beider Hfihne liiuss sehr fein 
sein^ so dass 4ie Lnft^ welche darin enthalten ist^ so wcn% 
wie möglich b^r%t^ da es nicht vermieden werden- kann^ 
dass sich diese in dem Ballon der Luft bdimiseht^ die ge- 
wogen werden soll. Nachdem der Ballon aufgeschraubt 
worden ist^ dffhet man beide Hähne und lässt das ^as 
in den Batlw einsaugen« Ist die Glocke nicht gross genüge 
um den Ballon zu fällen ^ so hat man vorher reines und ge« 
trocknetes Gas in Flaschen bereitet, . die mit getalgten und 
•ingeschliffeneu Stöpseln versclüossen worden sind. Die 
Hähne werden verschlossen, wenn die Glocke anfangt mit 
Quecksilber gefüllt zu werden, und das Gas aus den Fla«* 
sehen in dieselbe gelassen, mit besonderer Aufmerksamkeil^ 
dass wenn die Flaschen in das Quecksilber eingesenkt wer- 
den, keine Luft an der Mündung der Flasche um den Stöpsel 
herum stehen bleibt, was leicht vermieden wird, wenn man 
die Flasche in fast liegender Stellung einsenkt und mit einer 
Feder an der Stelle herumfährt, während mau die Flasehe 
rund umdrel^. Wenn der Ballon gefüllt ist, so wird in die 
Glocke aufs Neue Gas eingelassen, so dass die Oberfläche 
des Qaecksilbers innerhalb der Flasche absolut eben so bodi 
ist, wie (ausserhalb derselben, wenn der Hahn des Ballons 
verschlossen wird. Der Stand des Thermometers und Baro- 
meters wird in demselben Augenblick beobachtet und auf- 
gezeichnet. Mau untersucht auch die Temperatur des Queck«* 
Silbers in der Wanne, und wenn diese nicht dieselbe ist, 
wie die des neben dem Ballon aufgehängten Thermometers, 
so lässt man den Apparat stehen, bis sie gleich geworden 
sind. Man öffnet dann wieder die Hähne für einen Augen-* 
blick, setzt das Quecksilber innerhalb und ausserhalb der 
Glocke in Niveau, zeichnet aufs Neue den Barometerstand 
auf, wenn er sich verändert hat, und verschliesst darauf 
den Ballon. Nur auf diese Weise kann man sich über- 
zeugen, dass das Gas in dem Ballon dieselbe Temperatur-, 
wie die umgebende Luft hat. Ein Fehler in der Angabe det 
Temperatur für das Gas in dem Ballon gibt stets einen 
Fehler in dem Gewichts-Resultat. ' ^ 

Nachdem der Ballon verschlossen worden ist, wird er 
aussen, so wie auch der Hahn selbst, an welchem kein 



388 Qmkht^ ipedß$dke$. 

Fett angewimdet wtrdm sdn itaf, gut goreiaigt^ und mm 
gewogetky wiAei wieder der Stand des Tharminmetert und 
Bereneters aofgexeidMieC wird Setzen wir mui Yoraii% 
daaa diese lunreriuidert geblieben wären^ so &idet man dordi 
eine einfadie Regel de Tri das speeifisdie Gewiebt des 
ChMes, denn so wie sidi das Gewicht der ansgepampten 
lioft Yertiält sn dem gleich grossen Volum des Grases^ wel^ 
cbes statt ihrer mm den Ballon füllt ^ so Yerhalt sich 1^000 
(spec. Gewicht der Luft) zu der Zahl^ welche gesucht wird* 
Aber die geringste Ungleichheit in der Temperatur oder Atm 
Druck verursacht 9 dass das^ was man das eine oder andere 
Mal gewogen hat^ nicht dasselbe Volum besitzt, tind dieses 
Bnm durch Redmung berichtigt werdoi. Gewölmlich fAtgjt 
tian dann sowohl das Volum der Luft wie das des gewogen 
nen Gases auf 0^ Temperatur und (y"y76 Druck zu redu-* 
ciren. Die Anleitung für eine solche Rechnui^ soll weiter 
unten gegeben werden. 

B. Unbeständige Gase. Das specifische Gewicht der 
beständigen Gase ist im Allgismeinen so genau bestimmt, 
dass es selten vorkommen kann, einen solchen Versüß wie- 
derholen zu müssen. Dagegen fallt es oft vor, unbeständige 
Gase von zusammengesetzten Körpern wiegen zu müssen, 
deren speciflsches Gewicht uns wichtige Aufkläruogen über 
die ' Zusammensetzungsart und über das Atomgewicht der<- 
selben gibt, wenn sie auf andere Weise nicht erhalten werv«> 
den können. Ich verweise in dieser Beziehung auf die vielen 
wichtigen Resultate, die im Th. VIIL aus der Wägung von 
zusammengesetzten flüchtigen Körpern in Gasfbrm abgeleitet 
worden sind« Diese Untersuchungsmethode wurde vor noch 
nicht langer Zeit von Dumas erfunden. Das Prmdp davon 
ist, dkss man in einer gewogenen Glaskugel mit langem und 
Hchmalen Halse, der am, Ende in eine feine Spitze ausge* 
liegen ist, einen flüchtigen Körper in einem Bad bis zu ein«r 
bestimmten Temperatur über seinen Siedepunkt hinaus erhitzt, 
wobei die Luft durch den Dampf ausgetrieben wird und 
letzterer fortfährt herauszudringen, bis die Kugel bei der 
Temperatur, die das Bad hat, und bei beobachtetem Luft- 
druck völlig mit dem unbeständigen Gas gefüllt »st, woravf 
man die Spitze, durdi die nun nichts mehr ausgeblasen wird^ 
mit einem Löthrohr sifeichmilzt. Ich selbst habe keine Ver-^ 

iSttche 



Crennchiy spedfisches. 

suche in dieser Besiefaung angestellt^ ich . nrass also die 
Einxeliiheiteii ganz nach Anderen beschrdben^ und «rtdäro, 
dass die Angaben ans H. Rose 's vortrefflichem Handbndi 
der analytisdien Chemie , Th. II. S. 732—748 enUehnt sümI. 
Dieses Verfahren besteht darin^ dass man ein passendes 
Gkfftss^ am besten eine Glaskugel mit einem engen Halse^ 
wiegt ^ darauf in dieses Gefiss von dem flüchtigen Körper 
hineinthut; von dessen Dampf das specifische Gewicht be- 
stimmt werden soll, dann das Geföss einige Zeit hindurch, 
ungefihr 30^, über den Siedpunkt des flüchtigen Körpers 
erintat, worauf man die Spitze des Halses mit d^r Löthrohr- 
flamme zuschmilzt, während man genau die erhöhte Tempe- 
ratur beobachtet, welche das Gefass beim . Erhitzen ange- 
nommen hat. Man wiegt darauf das Gefass wiederum, und 
bestimmt endlich den Rauminhalt des Gefässes, wenn dies 
.nicht schon gleich im Anfange des Versuches geschehen ist. 
Man nimmt hierzu eine auf der Glashütte geblasene Glas- 
kugel von ungefähr 3 bis 400 Cubikcentiraeter Rauminhalt, 
und löthet an diese eine enge, 8 bis 10 Zoll lange Glasröhre 
€7 an, welche ungefähr einen Durchmesser von 1 bis V/x 

Linien hat, biegt dieselbe bei d, 
nachdem man vorher das Ende der- 
selben in eine feine Spitze ausge- 
zogen hat. Die Kugel muss in- 
wendig vollkommen trocken und 
rein sein; sie wird darauf sorgfäl- 
tig gewogen; man bemerkt dabei den 
Barometer- und Thermometerstand der atmosphärischen Luft. 
Man muss nun die organische flüchtige Substanz in die 
Kugel bringen. Dies ist sehr leicht, wenn diese eine Flüs- 
sigkeit ist. Man erwärmt die Kugel sehr gelinde und bringt 
die offene Spitze in die Flüssigkeit, wodurch beim Erkal- 
ten der Kugel eine gewisse Menge derselben in diese hinein- 
ftritt Es ist nicht nöthig, diese Menge genau zu bestimmen; 
man muss nur überzeugt sein, dass weit mehr davon vor- 
handen ist, als nöthig wäre, damit der Dampf der Flüssigkeit 
den Raum der Kugel ganz erfülle. Ungefähr 5 bis 6 Gram- 
men der Substanz sind in den meisten Fällen hinreichend, 
wenu nicht der Dampf derselben ein zu grosses specifisches 
C^ewiiAt hat. 

X 19 




S9D Oetvickt, specifisehes. 

ist die organische Sobstanz fest, so louss sie bei gelin- 
der Ritze gescbm Olsen werden, während man die Spitze der 
erwirmten Glaskugel in dieselbe taudit. Audi mos« wäh- 
rend dessen derüats wann erhalten werden, damit die Sub- 
stanz bis in die Kugel gelangen kann. 

lut die Substanz weit flüch- 
tiger als Wasser, so erwärmt 
man die Glaskugel durch ein 
Wasserbad. Man befestigt sie 
zu dem Ende in demselben auf 
die Weise, wie es beistehender 
Holzschnitt zeigt. Man setzt 
ein genaues Thermometer in 
das Wasserbad. 
Wenn die Temperatur des die Kugel umgebenden Was- 
sers den Siedpunkt der organischen Substanz erreicht hat, 
so entwickelt sich aas der offenen Spitze ein Strom von 
Dampf desselben. ' Man lässt die Temperatur des Wassers 
ungefähr SO** höher steigen, als der Siedponkt der Substanz 
ist. Bemerkt man in der Spitze und dem kleinen Theile der 
Glasröhre, welche aus dem Wasser hervorragt, Tropfen der 
Substanz, welche sich aus dem Dampfe derselben verdichtet 
haben, so müssen diese durch glühende Kohlen, die man 
ausserhalb dieses Tfaeils der Röhre hält, entfernt werden. 
Bemerkt man keinen Dampf mehr, der aus der Spitze ent- 
weicht, was man unter andern auch daran sehen kann, daju 
eine Flamme, in die Nähe der Spitze gebracht, sich nicht 
bewegt, sb schmilzt man schnell die Spitze der Glasröhre 
durch eine Löthrohrflamme zu, während man zugleich genau 
den Stand des Thermometers beobachtet, das im Wasserbade 
steht. Man nimmt darauf sogleich die Kugel aus dem Bade, 
trocknet sie von aussen sehr gut, imd wiegt sie nach dem 
vollständigen Erkalten sehr genau, wobei man sieht, ob der 
Barometer- und Thermometerstaud der Luft derselbe ist, wie 
beim Abwägen der leeren Kugel. 

Durch den entwichenen Dampf A«t überschüssig ange- 
wandten flüchtigen Sobstanz ist die atmosphärische Luft «ns 
der Glaskugel ausgetrieben worden, doch in den meisten 
Fällen nicht ganz vollständig. Um nun zn wissen, wie vidi 
davon an. Volum noch vorhanden war, und wie viel das 



Gewicht^ ^pedfiscbes. f91 

Volmii des Dampfes der Sujwtanz betrag^ tra<At nrnn die 
Röhre der Glaskugel unter Quecksilber^ macht einen Feil?- 
strich an der Spitze, und bricht dieselbe unter Quecksilb^ 
ab. Der leere Raum in der Kugel ^ durch die Verdichtung 
des Daippfes entstanden^ füllt sich mit Quecksilber« Man 
benetzt von aussen die Glaskugel an der Stelle^ wo sich 
noch Luftblasen innerhalb derselben zeigen^ mit Aether^ da- 
mit sich möglichst aller Dampf der Substanz verdichte. Den 
nicht durch 1}uecksilber erfuUten Raum der Kugel füllt man 
genau mit Wasser^ dessen Volum man in einer kleinen gra- 
duirten Röhre genau gemessen hat. Man erfahrt dadurch das 
Volum der atmosphärischen Luft^ welche durch den Dampf 
der Substanz nicht ausgetrieben worden ist. Man giesst dar- 
* > auf das Quecksilber der Kugel in eine grössere graduirte 
Röhre aus, und bestimmt durch das Volum desselben das 
Volum des Dampfes der Substanz. 

Das Volum der rückständigen atmosphärischen Luft be- 
trägt gewöhnlich 1 bis 3 Cubikcentimeter. Manchmal ist so- 
gar nichts davon vorhanden^ und der Raum der Glaskugel 
wird ganz von dem Quecksilber ausgefällt. Bisweilen in- 
dessen kann das Volum an rückständiger atmosphärischer 
Luft ziemlich beträchtlich sein^ besonders wenn die Erhitzung 
des Kolbens zu lange gewährt^ und dieselbe nicht immer 
gleichmässig gewesen ist. 

Ist die organische Substanz schwerer Qüchtig als Was- 
ser^ so nimmt man statt des Wasserbades das Bad einer 
Flüssigkeit^ welche einen höheren Siedpunkt hat. Für Sub- 
stanzen^ deren Siedpunkt zwischen 100 und 200^ C. liegt^ 
passt am besten ein Bad von Chlorzink ^ das So It mann 
vorgeschlagen hat. Dies hat näjnlich die Eigenschaft^ beim 
starken und lange dauernden Erhitzen nichts Festes abzu- 
setzen^ denn nachdem die concentrirte Chlorzinkauflösung 
ihr Wasser durch's Erhitzen verloren hat^ fängt sie bei stär- 
kerer Hitze nach und nach an sich zu verflüchtigen^ ohne 
zu erstarren. *) 



*) Dumas wendet oft concentrirte Schwefelsäure an. Mittclierlich 
hat diese Methode in Betreff der Bestimmung der Temperatur des 
Gases in dem Augenblick, wo die Spitze zugesehmolsen wird,*^ da« 
durch uoch genauer zu machen gesucht , das^s er, sifiptatt tuigelfor- 

19* 



f^ Geweht j ^edfischu. 

> fi« lätet sich aas den gefondenen Resoltaten das qpeei^ 
fische Gewicht des Dampfes beredmen^ am einfadisten ver« 
mittelst Logarithmen, und zwar oach einer Regel^ die in den 
folgenden Formeln - ausgesprochen ist, bei wel<^r aof alle 
Umstände Rucksicht genommen ist. 

Log.V — Log.(V— v)— Log.(l>J(t'— t))+Log.(l+AtO 

— Log. (1 + ^ t) = Log. A 
Log. A + Log. P — Log. V — Log. s = Log. B 
Specifisches Gewicht = A-(-B. 

Die Buchstaben in diesen Formeln haben folgende Be- 
deutung : 

t'sBsdie hohe Temperatur, bei der das Gefass 
zugeschmolzen worden ist. 



miger Gehisse ^ cylindrische anwendet^ da es binsichtUch der ersteren 
sweifelhaft werden kann^ ob die Temperatur des Gases in der Mitte 
des Gefasses jemals die Temperatur des Bades erreicht^ wobei leicht 
eine Verrechnung von 8 bis* 10 Graden gemacht werden kann. Mit- 
^cherlich erhitzt in einem csrlindrischen Gefisse, das ebenfalls mit 
einer haarfein ausgezogenen Oeffnung verseben ist^ und^ von Luft 
umgeben^ in einem kupfernen Cylinder liegt^ und von Aussen gleich- 
förmig von einem Luftstrom erhitzt wird, so dass die Wärmequelle 
so gleichförmig wie möglich wird. Die Temperatur, welche das mit 
Dampf gefüllte Gefass im Augenblick des Zuschmelzens hatte ^ wird 
durch Anwendung eines ganz gleich grossen und gleich beschaffenen 
Gefisses von Glas bestimmt, welches im Cjlinder neben dem ersten 
liegt und absolut wasserfreie Luft enthält. Dieses Gefass wird zu 
gleicher Zeit mit dem, weiches den zum Wagen bestimmten Dampf 
enthält, zugeschmolzen. Wird dann das mit Luft gefällte Rohr unter 
Quecksilber geöffnet und das alsdann darin enthaltene Luftvolnm be- 
stunmt und mit dem verglichen, welches das Rohr arsprüngfUcfa bei 
einem gewissen Wärmegrade und demselben atmosphärischen Druck 
enthielt, so erhält man durch eine leichte Rechnung aus dem bekann- 
teii Ausdehnungsverhältniss der Luft die Temperatur derselben. In 
anderen Fi^IIen wandte Mitscherlich theils das leicht schmelzbare 
Metall, theils ein Bad von Chlorzink an, welches anfangendes Gldhen 
verträgt, ehe es sich zu verllüchtigen anfängt. Das Metallbad dr&dLt 
l^ei höherer Temperatur das Glasgefäss leicht zusammen. Wird die- 
ses oder das Chlorzinkbad angewendet^ so muss das Liquidum^ zur 
gleichförmigen Vertheilung der Temperatur darin, oft und sorgfältig 
umgerührt werden. So lange keine höhere Temperatur als +270* 
erft)rderli€h war, wurden zur Bestimmung der Temperatur QueA- 
silber-Thermometer angewendet. Bz. 



Gemchty speeifische^. 993 

t srs die gewöhnliche Temperatur, her der die Wä-* 
gungen vorgenomnen worden; beide Tem-< 
peraturen in Centesimalgraden ausgedrfickt 
V = Volum des Gefässes bei der Temperatur t, 
in Cubikcentimetem ausgedruckt. 
V *^ V =s Volum des iuftfreien Dampfs bei der Tem- 
peratur t, ebenfalls in Cubikcentimetem (v 
ist das Volum der dem Dampfe beigemengten 
atmosphärischen Luft). 
d = der Ausdehnungscoefficient des Glases, oder 
die Grösse, um welche eine Glasmasse, die 
bei 0^ das Volumen Eins (z. B. 1 Cipbikcen"* 
timeter) einnimmt, für jeden Centesimalgrad 
im Volumen zunimmt. 
X=: dieselbe Grösse für die Luft, und überhaupt 
fär:alle Ga^te; na^ch Rudberg's neuer Be- 
stimmung (PoggendiDrff'e Annalen, Bd* 
XLI. S. 271.> = O,e0365. 
1 -^A t' = also das Volum einer Luftmasse bei der Tem- 

* peratur t', deren VoJum bei '(>>•= 1. 
1-|-At= eben so das Volum einer Luftmasse bei der 
Temperatur t, deren Volttm bei 0<> = 1. 
l+^(t' — t>?=ps^as Volum einer Glasmasse bei der Tempe- 

rfktur t', deren Volum bei t<^=:= 1, oder was 
ziemlich dasselbe ist, bei 0^==:1 wäre. 
P = der GewlchtsnbersChuss des dampfvöllen- über 

den luftvollen Ballon, in''Grammen. 
s= Gewicht eines Cubikcentiineters atmos|»häri-^ 
scher Luft bei der gewöhnlichen Temperatur 
t, und bei dem während des Versuches* statt- 
findenden Barometerstand b , ebenfalls in 
Grammen. 
Die Herleitung der obigen Formeln findet man iuPog- 
gendorff's Annälen, Bd. XLL S. 449, näher auseinander 
gesetzt, weshalb hier nur darauf hingewies^en wird; die prac- 
tische Anwendcmg derselben wird folgendes Beispiel erläu- 
(era, bei welchem die rückständige atmospliäris<^ Luft be- 
trachtlich ist. ^ 

Giesetzt es seien, die Resultate ei«s Versuches fol-^ 



294 Gemeht, tpedfitehet. 

V== 272,00 CoKl«j. r= 198»,7C. 
v = 20,85 t = 21 ,2 

V-v = 251,15 t'—t = 177,5 

p = 0,541 Grm. b = 756 ,8 MilÜmeter bei 0>. 
Dann ist die Rechnung: 

Log. V = 2,43457 

— Log. (V—v) = 2,39993 

0,03464 

— Log. (l+<J(t'—t)) = 0,00208 



0,03256 
+ Log. (1 + A t') = 0,23685 



0,2694t 
Log. (1 + A == 0,03236 



0,23705 .... Zahl 1,726 
+ Log. P = 0,73320 — 1 

0,97025 — 1 

— Log. V= 2,43457 

0,53568 — 3 

— Log. s = 0,07934 — 3 

0,45634. . . Zahl 2,860 



Specifisches Gewicht =: 4,586 
Um das Gewicht eines Cuhikcentimeters von dem Dampfe 
bei 0* und bei dem Barometerstand 760ii>m,00 leicht zu er- 
balten, addirt man zum Logarithmen des oben gefundenen 
specifischen Gewichts den Logarithmen vom Gewicht eines 
Cnbikcentimeters trockener Luft bei 0" und 760mni,00, und 
sucht zu der Summe der Logarithmen die Zahl in einer Lo- 
garithmentafel auf. Bezeichnet man dieses letztere Gewicht 
mit 8^, 80 wäre für das gewählte Beispiel: 
Log. 4,586=0,66143 
+ Log. s»=0,11363— 3 

0,77506—3.. Zahl 0,005957 Grm. 

Also wiegt ein Cubikcentimeter des untersuchten Dampft 
0,005957 Grm. b« 0» und 760i»a,00. 

In obigem BIkpiele ist die dem Dampfe beigemengte 
fttmosphärische Luft, da ihr Volum ziemlich beträchtlich iab 



und swischen 7 und 8 Proccnt von deiv.ßasgenieqge be^ 
trägt^ berücksichtigt worden. Beträgt diese nur Vs oder V2 
Procent^ so kann man sie vernachlässigen. Dann ist es auch 
nicht nothwendig; ja sogar genauer^ auch die Ausdehnung des 
Glasgefasses unberücksichtigt zu lassen. 

Es soll zum Beispiel die Berechnung des specifischen 
Dampfes derselben Flüssigkeit dienen^ welche beim vorher- 
gehenden Beispiele gewählt worden ist. Es soll nur ange«- 
nommen werden^ dass das Volum der rückständigen atmo- 
sphärischen Luft nur 1^2 Cubikcentimer gegen 314 Cubik- 
centimeter vom Dampfe der Flüssigkeit beträgt: Es sei 9\uo: 
V = 315,2 Cubikc. t'= 197^5 a 

Ps= 0,7105 Grm. t= 22,1 

b =758,1 Min. bei 0<>. t'-.t=175,4. 
Die Rechnung ist dann folgende: 
Log. (l+;itO = 0,23575 

— Log. (l+;tt) = 0,03369 

' 0,20206 . .... Zahl 1,592 
+ Log. P = 0,85156 — 1 

0,06362 — 1 

— Log. Vä 2,49859 

0,^503 — 3 

— Log. 8 = 0,07886 — 3 

0,17617 . . . . Zahl 2^993 



Spccifiscbes Gewicht = 4,585 
Das Gewicht eines Cubikcentimeters Dampf wird in die- 
sem Falle wieder, wie in dem Vorhergehenden, berechnet. 

Ungemein erleichtert werden die obigen Rechnungen 
durch Tafeln, welche die Wefthe von Log. (1 + At), Log. 
(l-(-d(t'— t)) und Log. s fü| verschiedene Werthe von t, 
d. h. für verschiedene Temperaturen schon berechnet enthal- 
ten. Man braudit dann aus dcb gewöhnlichen Logaritbmen- 
tafelp nur die Werthe von Lo^. V, Log (V — v) und ^Log. 
P zu entnehmen. 

Solche Tafeln hat Poggc^dorff berechnet, und sie in ^ 
Bd. XLI. S 460 u. f. seiner Aimalen bekannt gemacht; ihres 
grosaen Nutzens wegen sind sie hier abgedruckt worden. 



•Alt 



Ctemehi, $pecifisehes. 



Taf. I. Ansdebming der Gase für hundert- 

tbeilige Grade. 

A = 0,00365. 



t. 


Log. (t + Xo 


Unfersch. 


t. 


Log. (1+Xt) 


Unterscb. 





0,00000 


\ 


30 


0,04513 


143 


1 


0,00158 


158 


31 


0,04655 


142 


2 


0,00316 


158 


32 


0,04798 


143 


3 


0,00473 


157 


33 


0,04939 


141 


4 


0,00629 


156 


34 


0,05080 


141 


5 


0,00785 


156 


35 


0,05222 


142 


6 


0,00941 


156 


36 


0,05362 


140 


7 


0,01096 


155 


37 


0,05502 


140 


8 


0,01250 


154 


38 


0,05641 


139 


9 


0,0^404 


154 


39 


0,05780 


139 


10 


0,01557 


153 


40 


0,05918 


138 


11 


0,01710 


153 


41 


0,06056 


138 


12 


0,01862 


152 


42 


0,06194 


138 


13 


0,02013 


151 


43 


0,06331 


137 


14 


0,02164 


151 


44 


0,06468 


137 


15 


0,02315 


151 


45 


0,06605 


137 


16 


0,02465 


150 


46 


0,06741 


136 


17 


0,02615 


150 


47 


0,06876 


135 


18 


0,02764 


149 


48 


0,07011 


135 


19 


0,02912 


148 


49 


0,07146 . 


135 


20 


0,03060 


148 


50 


0,07280 


134 


21 


0,03207 


147 


51 


0,07414 


134 


22 


0,03354 


147 


52 


0,07547 - 


133 ' 


23 


0,03501 


147 


53 


0j07680 


133- 


24 


0,03647 


146 


54 


0,07813 


133 


25 


0,03792 


145 


55 


0,07945 . 


132 


26 


0,03937 


145 


56 


0,08077 


132 


27 


0,04082 


145 


57 


0,08209 


132 


28 


0,04226 


144 


58 


0,08340 


131 


29 


0,04370 


144 


59 


0,08470 


130 



Oemehi, ipeeifisehei. 



nr 



Ausdebnung der G^se. 



t 


Log. (I+Xt) 


trmendi. 


.t. 


Vog. ci + At) 

r 


VotMMh. 


60 


0,08600 


130 


90 


0,12336 


( 

119 


61 


0,08730 


130 


• 91 


0,12455 


119 . 


62 


i90886O 


130 


92 


0,12574 


119 


68 


'0,08989 


129 


93 


0,12693 


119 


64 


0,09117 


128 


94 


0,12811 


118 


65 


0,09246 


129 


95 


0,12929 


118 


66 


0,09374 


128 


% 


0,13046 


117 


67 


0,09501 


127 


97 


0,13163 


117 


68 


0,09628 


127 


98 


0,13280 


117 


69 


0,09755 


127 


99 


0,13397 


117 


70 


0,09882' 


127 


100 


0,13513 


116 


71 


0,10008 


126 


101 


0,13629 


116 


72 


0,10133 


125 


, 102 


0,13745 


116 


73 


0,10259 


126 


108 


0,13860 


116 


74 


0,10384 


l25 


. 104 


0,13975 


, 115 


75 


0,10508 


124 


■ 105 


0,14090 


116 


76 


0,10633 


125 


j 106 


0,14205 


116 


77 


0,10757 


124 


107 


0,14319 


114 


78' 


0,10880 


123 


108 


0,14483 


114 


79 


0,11003 


123 


109 

r 


0,14546 


118 


80 


0,11126 


12S 


; HO 


0,14659 


118 


81 


0,11249 


123 


1 111 


, 0,14772 


il3 


82 


0,11371 


124 


. 112 


0,14886 • 


118 


83 


0,11493 


122 


: 113 


0,14997 


, 112 


•84 


0,11614 


!2i 


; 114 


0,16109 


112 


85 


0,11735 


15*1 


i 115 


0,15221 ' 


'■ llfe 


86 


0,11856 


121 


. 116 


0,15338 


il2 


87 


0,11977 


121 


; 117 


0,15444 


Ut 


88 


0,12097 


120 


118 


0,15555 • 


, 111 


89 


0,12217 


120 


119 


0,15666 


; 1« 



Gttvieht, spedfisehu. 



Ausdehnung der Gase» 



*. 


Log. (I+At) 


Vnterscb. 


4 

t. 


• 

Log. O + M) 


Ui 


120 


0,15776 


110 


150 


0,18963 




m 


0,15886 


110 




4),19065 




122 


Ü^I!/^90 


HO 


152 


6'0m^ 




123 


0,16106 


109 


153 


0,19269 " 


•i:. 


124 


0,16215 


110 


154 


0,19371 




125 


0,16324 


109 


155 


0,19472 




126 


0,16432 


108 


156 


0,19573 




127 


0,16541 


109 


157 


0,19674 




128 


0,16649 


108 


158 


0,19775 




129 


0,16757 


108 


159 


0,19875 




130 


0,16864 


107 


160 


0,19975 




131 


0,16972 


108 


161 


0,20075 




132 


0,17079 


107 


162 


0,20175 




133 


0,17186 


107 


163 


0,20275 




134 


0,17292 


106 


164 


0,20374 




135 


0,17399 


107 


: 165 


0,20473 




136 


0,17505 


106 


166 


0,20672 




137 


0,17611 


106 


■ 167 


0,20670 




138 


0,17716 


105 


168 


0,20769 


\ 


139 


0,17821 


105 


169 


0,20667 




140 


0,17926 


105 


170 

1 


0,20965 




141 


0,18031 


105 


171 


0,21063 




142 


0,1^36 


105 


472 


0,21160 




143 


0,18240 


104 


173 


0,21257 




444 


0,18344 


114 


17t 


0,21354 




145 


0,16448 


104 


: 175 


0,21451 




146 


0,118551 


103 


i 176 

t 


0,21548 




147 ■ 


048ß56 


104 


177 


0,21644 




148 


048758 


103 


; 178 


0,21740 




m 


0,18861 


103 


• 179 


0,21636 





Untencb. 



102 
102 
102 
4.02 
102 
101 
101 
101 
101 
100 

100 

100 

100 

100 

99 

99 

99 

98 

99 

98 

98 
98 
97 
97 
97 
97 
97 
96 
96 
96 



Gemddf $pee^ß8fihe$* 



AttsdehnuDg der Gase. 



%. 


Log. ci+^) 


Untersch. 


.*. . 


Log. (1 + 3U) 


VDtWMb. 


180 


0,21^2 


96 


210 


0,24711 


89 


181 


0,22028 


96 


211 


0,24801 


90 


182 


0,22123 


95 


212 


0,24890 


89 


183 


0,22218 


95 


213 


0,24980 


90 


184 


0,22313 


95 


214 


0,25069 


89 


185 


0,22408 


95 


215 


0,25158 


89 


186 


0,22502 


94 


216 


0,25246 


88 


187 


0,22597 


95 


217 


0,25335 


, 89 


188 


0,22691 


94 


218 


0,25423 


88 


189 


0,22785 


94 


219 


0,25512 


89 


190 


0,22879 


94 


220 


01,25600 


88 


191 


0^22972 


93 


221 


0,25687 


«7 


192 


0,23065 


93 


222 


0,25775 


88 


193 


0,23158 


93 


223 


0,25863 


88 


194 


0,?B?51 


93 


224 


0,25950 


'87 


195 


0,23344 


.93 


2^ 


0,26037 


87 


196 


0,23437 


93 


226 


0,26124 


87 


197 


0,23529 


92 


227 


0,26211 


..87 


198 


(^23621 


92 


228 


0,26297 


-,^ 


199 


0,23713 


92 


229 


0,26384 


87 


200 


0,23805 


92 


230 


0,26470 


86 


201 


0,23896 


91 


231 


0^26556 


86 


202 


0,23987 


91 


232 


0^26642' 


86 


203 


0,24079 


92 


233 


0,26727 


■ 85 


204 


0,24170 


91 


234 


0,26813 


66 


205 


0,24260 


90 


235 


0^26899 


.,86 


206 


0,24351 


91 


236 


0,26984, 


85 


207 


0^24441 


90 


237 


0^27069 


85 


208 


0^24532' 


91 


238 


01,27154 


85 


209 


0,24622 


90 


239 


0^27239 


85 



Omidiiy wpedftsches. 



AnsdeliBaiig der Gase. 



■ «. 


Log. a +^) 


Untwick. 


». 


Lo». (I + Xt) 


UntecMb. 


240 


0^27323 


84 


270 


0,29787 


80 


241 


0,27408 


85 


271 


0,29867 


80 


242 


0,27492 


84 


272 


0,29946 


79 


243 


0,27576 


84 


273 


0,30026 


80 


244 


0,27660 


84 


274 


0,30105 


79 


245 


0?i7744 


84 


275 


0,30184 


79 


246 


0,27827 


83 


276 


0,30263 


79 


TIA! 


0,27911 


84 


277 


0,30342 


79 


248 


0,27994 


83 


278 


0J30421 


79 


249 


0,28077 


83 


279 


0,30500 


79 


250 


0,28160 


83 


280 


0,30578 


78 


251 


0,28243 


83 


281 


0,30656 


78 


252 


0,28326 


83 


282 


0,30735 


79 


253 


0,28408 


82 


283 


0,30813 


78 


254 


• 0,28490 


82 


284 


0,30891 


78 


•255 


: 0,28573' 


83 


285 


0,30968 


77 


256 


0,28655 


■82 


286 


0,31046 


78 


257 


! 0,28737 


82 


'287 


0,31123 


:77 


•258 


0,28818' 


81 


288 


0,31201 


78 " 


"259 


0^28900 


82 


289 


0,31278 


77 


260 


0,28981 


81 


290 


0,31355 


77 


261 


0,29062 


81 


291 


0,31432 


77 


262 


01,29144 


82 


292 


(^31590 


77 


263 


0,29225 


81 


293 


0,31586 


>n 


264 


0,29305 


^80 


.294 


0,31662 


76 


265 


0,29386 


'81 


295 


0,31738 


7« 


^6 


0^29466 


^80 


296 


0)31815 


77 


267 


0,29547 


81 


297 


0,31891 


76 


268 


0,29627 


80 


298 


0^81967' 


76 


269 


0,29707 


'80 


399 


0,33043 


76 



Gemein j 8peeiß9eke$* 



391 



Taf« II* Attsdelinttng des Glases. 

9 zu VsTOOO. 



t'— t 


Log. (l+»(t'-.t)) 


ün- 
terscb. 


t'— t 


* 

Log,(l + »(f-t)) 


Vn- 
tendi. 


100» 


0,00117 




200» 


0,00234 


12 


110 


0,00129 . 


12 


210 


0,00246 


12 


120 


0,00140 


11 


220 


0,00257 


11 


130 


0/)0152 


12 


230 


0,00269 


12 


140 


0,00164 


12 


240 


0,00281 


12 


150 


0,00176 


12 


250 


0,00293 


12 


160 


0,00187 


li 


260 


0,00304 


11 


170 


0,00199 


12 


270 


0,00316 


12 


180 


0,00211 


12 


280 


0,00328 


12 


190 


P/X)222 


11 


290 


0,00339 


11 



Taf. IIL Gewicht eines Cttbikcentimeters 

Lttft in Grammen=s/ 



% 


liOjr. s 


ün- 


t 


Log. s 


Un- 


t 


Log. 8 


Un- 


ۥ. 


b =: 760«»»,0 


tersch. 


C*. 


b ZZ 760»">,0 


tersch. 


ۥ. 


b =: 760»«>«,0 


tend 





0,11363—3 




10 


0,09807—3 


153 


20 


0,08303-3 


148 


1 


0,11205—3 


158 


11 


0,09654—3 


153 


21 


0,08156—3 


147 


2 


0,11048—3 


157 


12 


0,09502-3 


1,52 


22 


0,08009-3 


147 


3 


0,10890—3 


158 


13 


0,09350-3 


152 


23 


0,07863—3 


146 


4 


0,10734-3 


156 


14 


0,00199—3 


151 


24 


0,07717-8 


146 


5 


0,10578—3 


156 


15 


0,09048-3 


151 


25 


0,07571—8 


146 


6 


0,10423—3 


155 


16 


0,08898—3 


150 


26 


0,07426—3 


145 


7 


0,10268-3 


155 


17 


0,08749—3 


149 


27 


0,07281—3 


145 


8 


0,10113—3 


155 


18 


0,08600-3 


149 


28 


0,07137—3 


144 


9 


0,09960—3 


153 


19 


0,08451—3 


149 


29 


0^06994-3 


143 



802 



Gewicht, specifisches. 



Taf. IV. Berichtigung zu den Logarithmen in 
Taf« IIL, wenn b, d. h. der Barometerstand, bei 
der Wägung über oder anter 760 Millimeter ist 



Milli- 
meter. 



über 760»»«,0 

Additiv 

unter 760»««,0 

siib(ractiv 



MflU- 
meter. 



über 760»»,0 

additiv 

unter 760»"»,0 

subtraetiv 



MiHi- 
meter. 



über 760««,0 

additiv 
unter 760««,0 
subtractiv 



1 

2 
3 



0,00057 
0,00114 
0,00171 



4 
5 
6 



0,00228 
0,00285 
0,00342 



7 
8 
9 



0,00399 
0,00456 
0,00513 



Fär die Zehntel und Hundertel vom Millimeter räckt 
man diese Zahlen respective um eiue und um zwei Decimal- 
stellen, rechts. 

Vorhin wurde gesagt, dass die Wägung des Dampfes 
einer Substanz eiue Prüfung der Richtigkeit einer Analyse 
dieser Substanz abgebe* Wie das möglich sei, mag aus 
Folgendem erhellen: 

Bekanntlich sind die Atomgewichte der Körper entweder 
geradezu die specifischen Gewichte des Dampfes derselben 
gegen das zur Einheit angenoWmeue specifische Gewicht des 
Sauerst%ffgases oder einfache Multipla oder Submultipla von 
ihnen. Wenn man also 'die Atomgewichte mit 1,1026, dem 
speciflbsehen Gewicht des SauerstofFgase» gegen das zur Ein- 
heit angenommene der Luft, multiplicirt, so hat man die spe- 
cifischen Gewichte des Dampfes der Körper gegen dieselbe 
Einheit entweder geradezu oder einfache Multipla oder Sub- 
multipla von ihnen. Dies gilt von allen Körpern, von ein- 
fachen wie von zusammengesetzten. So ist das Atomgewicht 
des Jods, wenn man das des SauerstofRs zur Einheit annimmt, 
gleich 7,89 9 und das specifische Gewicht seines Dampfes = 
7,89 X 1,1026 = 8,70 übereinstimmend mit der Erfahrung, 
dÜe 8,72 gab. Das Atomgewicht des Wassers (Sauerstoff 
gleich Eins gesetzt) ist 1,1248, und das specifische Gewicht 
seines Dampfes wäre hiernach 1,1248 X 1,1026 = 1,240, nahe 
doppelt so gross, als das durch Versuche gefundene 0,623. 

Ob die so berechneten specifischen Gewichte mit den 
wirklich beobachteten geradezu zusammenfallen, wie beim 
Joddampf, oder erst nach Multiplication oder Division durch 



Gewichte — Glasblasen. 303 

eine einfadie Zahl; wie beim Wasserdunpf^ l&nst sich nur 
durch Versuche entscheiden. Indess wissen wir aus den bis- 
berigen Erfahrungen^ dass die Zahl^ mit welcher das berech^ 
nete specifische Gewicht multiplicirt oder dividirt werden 
musS; um es dem beobachteten gleich zu machen ^ immer 
eine sehr einfache ganze oder gebrochene Zahl ist. Wenn 
wir also das specifische Gewicht « eines Dampfes geradezu 
aus dem Atomgewicht ableiten ^-d. h.^ wenn die Substanjc 
eine einfache ist^ ihr Atomgewicht mit 1^1026 multipiiciren, 
oder; wenn die Substanz eine zusammeiligesetzte ist; die 
Atomgewichte der Bestandtheile respective mit der Anzahl 
der Atome und mit 1;1026 multipliciren und die Produkte ad- 
direu; so muss das so berechnete specifische Gewicht; ver^ 
glicjben mit dem beobachteten; entweder mit diesem einerlei 
seiu; oder in einem einfachen Verhältnisse zu diesem stehen. 
Thut es dieseS; so können wir die Analyse oder die Wägung 
für richtig ansehen. 

Das VerhältnisS; in welchem das berechnete zu dem be- 
obachteten speciflschen Gewichte steht; lehrt; ob das Gas 
eine Verdichtung oder eine Verdünnung erfahren habe. Es 
ist eine Verdichtung eingetreten; wenn das beobachtete spe- 
cifische Gewicht grösser ist; als das berechnete; dagegen hat 
eine Verdünnung ^tatt gefunden; wenn das Umgekehrte der 
Fall ist. 

Die Auffindung des Verdichtungs - oder Verdünnungs- 
Verhältnisses kann als der eigentliche Zweck der Wägung 
von Dämpfen betrachtet werden ; denn wenn man dieses Ver- 
hältniss gefunden hat; kann man umgekehrt aus dem Atonr- 
gewichte der Substanz; oder; wenn es eine zusammenge- 
setzte ist; aus der Ansdahl imd dem Gewichte der Atomen 
ihrer Bestandtheile das specifische Gewicht des Dampfes mit 
ungleich grösserer Genauigkeit berechnen; als es durch ^ie 
Wägung zu bestimmen möglich ist. 

Gewichte^ — siehe Waage. 

Glasblasen. — Für den; welcher sich mit Chemischen 
Untersuchungen beschäftigt) ist es unentbehrliches Erforder- 
niss; 61a» vor der Lampe behandeln zu können; Glasröhrm 
m mancherlei Formen zu biegen; Kugeln davon zu blasen 
o. s. w. Wiewohl diese Kunst eigentlich in Handgeschick- 
lidikoU besteht; die sich erst durch Uebung erwerbfiin 



^304 Glasblasen. 

«0 weide kh doch ränge Worte ubeat die aUgemeiiien Hand- 
griffe dabei angeben. Es kommen vorzugKoh drei G^^n* 
st&nde dabei in Betracht: die Lampe ^ das Gebläse und das 
Glas. 

* Die Lampe wird von versinntem Eisenblech und von der 
Form wie Fig. 6. Taf. III. gemadit^ vorne schmal und hintea 
breiter^ um mehr Oel fassen zu können. Der Docht wird 
von Baumwollengam und sehr dick gemacht; die Hülse, in 
die er gesetzt wird, ist inwendig der Länge nach durch ein 
dännes Blech gedietlt, wie a zeigt, auf dessen beiden Seites 
der Docht gleich dick gemacht wird. Diese Hülse sitzt auf 
einem am Boden der Lampe befestigten Blechstreifen, wie 
ab in By wo man die Lampe im Profil sieht. Die Lampe 
muss in einem flachen Gefäss von Eisenblech cd stehen. Id 
dem Dedcel hat man^ gern eine Oeffnung e zum Eingiessen 
des Oels. Die vordere Hälfte des Deckels muss vermittehit 
eines in der Mitte befindlichen Scharniers aufhebbar sein. 
Als Brennmaterial kann man Talg oder Baumöl nehmen; 
andere Oele geben weniger gute Hitze. Talg kostet am 
wenigsten und erfordert eine Lampe, die auch hinten offen 
ist, damit man stets nach Bedarf Talgstücke einlegen kann; 
so lange man sich nur im Glasblasen übt, mag man dah« 
lieber nur Talg brauchen. Aber sonst nimmt man für die im 
Laboratorium bereitstehende Lampe am besten Baumöl ; denn 
es würde sehr beschwerlich und aufhaltend sein, jedesmal 
wenn man eine Glasröhre biegen oder am Ende zusdimelzen 
wollte, erst den erstarrten Talg in der Lampe zu schmelzen, 
wobei es wohl auch in der Eile geschehen könnte, dass man 
zugleich die Löthungen der Lampe aufschmelzte. 

ßas Gebläse hat man von zweierlei Art: entweder wird 
mit dem Mund, oder mit einem unter dem Tisch befindlichen 
doppelten Blasebalg geblasen. Beim Blasen mit dem Hund 
bat man ein Blaserobr von Glas, Eisenblech oder sonst einem 
Metall, von der Gestalt, wie Figi 7. zeigt. %s wird von 
raier Klammer ab gehalten, die man hier halb von vorne 
sieht, und zur besseren Befestigung der Röhre wird auf die 
Klammer ein passender Ring c aufgedrückt. Beim Blasen 
mit dam Balg hat man einen Tisch, wie Fig. 8. ^ 
ist der doppelte Balg, C der Tritt. Wenn der Balg bis 

M seiner höchsten Höhe aufgetrieben wird, so könnte 

er 



Glasblasen. 305 

er durch unvorsichtig starkes Treten gesprengt werden. Dies 
zu verhüten^ hat er oben eine Klappe efy die so schwer 
aufliegt^ dass sie von der Luft nicht gehoben wird; kommt 
sie aber bis an den^ unter dem Tisch befindlichen Stift d 
hinauf^ so drückt dieser die dünne Scheibe e nieder^ und die 
Klappe öffnet sich nach e z.U. Damit sie wieder richtig zu- 
falle^ hat sie bei e ein Oehr von Stahldratb^ durch welches 
ein hervorstehender kleiner Stift geht^ der das Oeffneu und 
Zufallen der Klappe lenkt. Auf den Balg legt man^ je nach- 
dem man stärkeres oder schwächeres Feuer bedarf^ bleierne 
Gewichte, gg ^ wovon man mehrere kleinere haben muss. 
Vom Balge wird die Luft durch das hölzerne Rohr hc ab- 
geleitet und gelangt in die metallene Röhre Kj die aus 
mehreren beweglichen Theilen besteht^ so dass die Richtung 
des Geblases nach Bequemlichkeit verändert werden kann; 
man hat mehrere Endstücke mit verschieden grossen Löchern 
zum Aufsetzen ; je ;iach Bedarf von verschieden grossem 
Feuer. Grobe Röhren geb^en stärkere Hitze und erfordern 
geringere Belastung auf dem Balg , erfordern aber auch ein 
grösseres Feuer ^ Wenn sie es nicht ganz ausblasen sollen. 
Man braucht sie beim Ausblasen\ von grösseren Kugeln. — 
Die grösste Kunst beim Glasblasen besteht in der richtigen 
Wartung des Feuers^ in der Bildung einer richtigen Flamme^ 
und dafür können keine Vorschriften gegeben werden. Die 
Gute der Flamme, beruht dabei auf einen(i Haarbreit mehr 
pder weniger, und hat man sie einmal gut erhalten^ so hüte 
man sich^ die relative Stellung der Lampe und des Blajs* 
rohrs ^u verrücken. Die Flamme ist gut; wenn sie wenig 
leuchtet; am\£nde abgerundet ist uqd beim Blasen mit einem 
eignen tönenden Geräusch brennt; so dass man also sehen 
und hören kann; wann die Flamme gut ist. Eine leuchten4e^ 
klare; stille oder zischende Flamme ist nicht heiss und be* 
riist das Glas ; ohne es heiss zu machen. Für Anfänger im 
Glasblasen ist zu erinnern; dass es sich nicht der Mühe 
lohnt; irgen4 etwas zu versuchen; so lange nicht die Flamme*^ 
gut ii^t; und dass auch ein geübter Glasbläser mit einer 
schlecht beschaffenen Flamme nichts ausrichten kann. Man 
muss sich von Anfang an an den Gebrauch des mit dem Munde 
geblasenen Blasrohrs gewöhnen; theils weil man zuweilen 
diese Kunst besitzen musS; wenn kein Blasebalg zu Gebote 
X. 20 



306 Glasblasen. 

nXehiy und theils^ weil man durch die Moderation von Ritze^ 
die man durch stärkeres oder schwächeres Blasen hervorbrin- 
gen kann^ mehr Herr seiner Arbeit ist. 

Peel et hat eine Glasbläserlampe eingerichtet^ die zum 
Glasblasen für chemische Zwecke sehr bequem ist; eiSi 
würde zu weitläufig werden^ sie im Einzelnen zu be- 
schreiben^ es ist auch nicht nöthig^ da sie ohnedieiä im- 
mer ganz eingerichtet von Fabrikanten angeschafft "^werden 
muss. Das Princip daVon besteht darin ^ dass sie eiuca 
cylindrischen Docht hat^ in dessen Centrum das Blasrohr 
sitzt. Der Docht ist sehr dick und besteht aus einem losen 
BaumwoIIengewebe^ so \vie es zu Dochten gebraucht wird^ 
8 Mftl über einander gewickelt und das Ende darauf fest- 
geheftet. Sie gibt ein gutes Feuer ^ dessen Richtung auf- 
wärts geht und ein Saugen zum Centrum bewirkt^ wodurch 
alle Theile der Flamme si^h in der Mitte vereinigen^ und 
kein Theil desOels verbrennt« ohne dass er nicht zur Blas- 
rohrflamme beiträgt. Der Rauch steigt gerade auf in den 
Rauchfang und wird mit Leichtigkeit Weggeführt. Ich habe 
tiiich ihrer in den letzteren Jahren, vorzugsweise bedient 
und sie darf meiner Meinung nach in keinem Laboratorium 
fehlen. ^ Für Künstler itä Glasblasen^ Welche oft mehr Hitze 
lind veränderte Formen der Flamme bedürfen^ ist die vorhin 
beschriebene Lampe vielleicht zweckmäsiäiger. 

Das Glas zu diesen Arbeiten muss stets in Form von 
Röhren sein; allein die Beschaffenheit dieser Glasröhren ist 
"keineswegs gleichgültig. Inwendig müssen sie vollkommen 
rein^ frei von Staub und Feuchtigkeit sein. NiemaTs darf 
taian daher in Glasräbren mit dem Munde blasen^ da sie da- 
durch inwendig feucht werden, und alsdann nur nach völ- 
ligem Aui^trocknen wieder brauchbar sind; denn die geringste 
Fleucht igkeit in einer Röhre, die man vor der Glasbläser- 
liädipe behandelt,, kann Ursache läein, dass sie zersprengt 
ivird. Die Beschaffenheit des Glases hat auf die Leichtig- 
keit seiner Bearbeitung vor der Lampe einen wesentlichen 
lEitifluss. Manches tSIas ist schwerflüssig, ungleichfarmig, 
80 dasi^ sich gewisse TheÜ6 leichter als andere ausdehnen, 
ü. s. w.; solches taugt durchaus nichts. Das in Frankreich 
^u Glasröhren angewandte Glas ist sehr leicht schinelzbior 
und enthält kein Blei. Es eignet sich Vörti'efflich zu Appä- 



Glasblasen. ^fff 

raten ^ die nicht der OlShbitse ausgesetzt werden^ und wi«* 
dersteht den Säuren sehr gut. Indessen muss man auch mit 
Röhren von sehr schwer schmelzbarem Glase versehen neiü, 
zur Verfertigung solcher Apparate^ worin Substanzen in der 
Glfihhitze einem Strom von irgend einem Gas ausgesetzt 
werden soDen^ wobei es nothwendig ist^ dass sidl das CHäs 
weder ausblase ^ noch durch die Schwere der einßegenden 
Substanz seine Form verändere. Mai| muss zu chemisdieilk 
Behuf eine bedeutende Menge von Glasröhren vorräthig 
haben ^ sowohl von verschiedenem inneren Durchmesser^ all 
Verschiedener Dicke des Glases» Oft braucht man Röh^n 
von dünnem Glas^ und in anderen Fällen wieder^ besondera 
wenn man Glasröhren biegen will^ Röhren von dickem Glaft; 
denn die dünnen bilden gewöhnlich eine Falte in der Biegung 
und halten dann nicht. — Bleihaltige Glasröhren muss man 
ganz zu vermeiden suchen. 

Die Arbeiten^ die im Allgemeinen zu chemischen End- 
zwecken als Gegenstände vor der Glasbläser-Lampe vor-^ 
kommen^ sind: Glasröhren ausziehen^ dieselben biegen^ sie 
zusatninenlöthen^ Kugeki ausblasen^ entweder an einem Ende 
oder in der Mitte^ trichterförmige OeflTnungen auf ihnen 
machen^ und endlich sowohl Glasröhren als kleinere Kolben 
an der Mündung erweitem und ihnen einen ausgebogeneu 
Rand geben. Ueber jede dieser Arbeiten werde ich einige 
Worte sagen. 

Will man eine Glasröhre^ besonders eine von dickem 
Qlas^ in das Feuer bringen , so muss sie zuvor eine Zeit 
lahg in die Flamme gehalten werden^ ohne darauf Zu blasen^ 
imd en^ wc^n sie gut durchgewärmt ist^ was um so lang«^ 
samer geht^ je ilicker die Glasmasse ist; bläst man mit der 
Flamme und liält den bemlsten Theil der Röhre hinein ^ erst 
ih die Spitzb und nachher da^ wo die Flamme am heissesten 
ist. RÖbren von dünnem Glas und geringeni Durchme^selr 
können indtöi^ oft ohne Gefahr sogleich in die geblasienö 
Flamme geführt t<retden. Während dels Erhitzens muss dT6 
Röhre in der Flamme beständig mngedrebt werden ^ datnit 
Sie von allen Seiten gleichförmig erhitäit wird. Man inusds 
dabei die Fertigkeit besitzen^ mit beiden Händel gleich drelfl^h 
d^ könt^en^ weil sotist die weichgewordene Röhre ^ indem 
mOalr^ mit der einen Hand schneller als mit der anderen umdreht^ 

' 20* 



|yQ^ Gloriosen, 

8jcbra^enfö^;img gewunden wird. — Soll die Röhre ausge- 
jsogea werden^ so nimmt mau sie, nachjdeim sie hinläDglich 
erweicht ist« aus dem Feuer, und zieht sie mit fester Hand 
aus. Man darf sie nicht ausziehen^ während sie noch im 
]Feuer ist^ denn dann schmilzt sie quer ab. Braucht man 
ein läugeres ausgezogenes StücK^ so drückt man erst wäh* 
jcend de$ Blasens das erweichte Glas In sich zusammen^ so 
j^s man einen grösseren erweichten Glasklumpen bekommt^ 
den man alsdann auszieht. Zuweilen muss liian ihn zuvor 
Jptwas durch Ausblasen erweitern« Eine Glasröhre von gros- 
/^erem Caliber zu einem geringeren gleichförmig ausziehen; 
^^lört zu den schwersten Sachen in dieser Kunst. Man muss 
4ana die, Röhre beständig in's Feuer halten und sie regel- 
mässig' nur eben so viel w^eiter rücken; dass die Flamme 
auf das noch nicht erweichte Glas spielt^ und dass es aus- 
gezogen wird , so wie es aus der Flamme gerückt wird. 
_Glasi'9hi*en zu bieg^n^ ist dagegen sehr leicht^ zumal wenn 
die. Röhren dick an Glas und von geringem Caliber sind. 
^Weitere Glasröhren oder Röhren von dünnem Glas biegt 
jpeian nicht gern vor dei^ Lampe; sondern zu diesem Endzweck 
^tellt man zwei Ziegelsteine, in einem Abstand von 3 bis 4 
^oU; neben einander, und verschlißsst den dadurch gebil- 
deten laugen schmalen Raum durch zwei andere^ an die 
^nden gestellten Steine, Man legt nun Kohlen dazwischen 
zündet sie an, ui^d wenn sie brennen, legt man die zu bie- 
gende l^feye der Glasröhre zwischen die Kohlen, so dass 
j^ie, von; ^allen Seiten von denselben umgeben ist, am besten 
aber. «)){)a berührt zu werden; man dreht sie um,. und nimmt 
5fe^ rw^^(ii^,sie|iinläugli<^h erweicht ist, aus dem Feuer^ um 
f Jfj §og^fßl?i zu biegen. ' 

^^i^ i/^ill man Glasröhren zusammenlöthen^ se müssen er^ 
i^ie^En^ep 4^"^®^ gemacht werdep, indem man sip zuschfuilzf 
und das zugeschm^lzQue Ende dann schnell und stark au^' 
j^läst; wodurch das Glas zu einem * ganz dünnen Häutcben 
^ausgetrieben wird, welches man. wegnimmt und dadurch an 
der Röhre einen dünnen umgebogenen Rand , erhält. Dio ^ 
vorbereiteten Enden werden zu gleicher Zeit erhitzt, un^ 
j^erden^ wenn sfe im Feuer binlängUch erweicht sind; ß<> 
jg^enau und gleichförmig als möglich zusammengedrückt. Hat 
man an der Seite einer Kugel oder einer ^öhre eine andere 



Glasblasen. 30^ 

anzulötheo; so f&ngt man damit an^ vermittelst einer i^ttzen 
und also mehr begrenzten Flamme^ die Stelle zu erhitzen^ 
wo die Löthung angebracht werden soll, und ist sie Völlij^ 
erweicht^ so berührt man sie mitten auf mit einer am Ende 
zugeschmolzenen und zuvor etwas erhitzten Glasröhre^ did 
sogleich anhaftet; und darauf zieht man nun an dieser Stelle 
eine Röhre aus. Diese Stelle wird dann von Neuem erweicht 
und^ wie vorher gezeigt wurde, ausgeblasen^ wodurch man 
ein rundes Loch mit ausgebogenem Rand bekommt^ an wel- 
chen alsdann das auf gleiche Weise behandelte Ende der 
Rohre angeschmolzen wird. Nimmt man nach einer, so ge-« 
machten Löthung das Glas aus dem Feuer^ so springt ef 
unvermeidlich an der gelötheten Stelle, und oft noch ein^ 
lange Strecke daneben. Dero zuvorzukommen, erfordert ^\^^ 
neue Arbeit, darin bestehend, dass man in einer, am bestea 
spitzen und begrenzten Flamme einen Punkt der Löthung 
nach dem anderen zum Schmollen erhitzt. Sie s^hmil^ 
dadurch zusammen und wird platt, dem aber durch gQliiidei 
Einblasen abgeholfen werden kann; man schmilzt es 4^^ 
wieder ein und bläst zu wiederholten Malten hinter einand^c 
wieder aus, bis das Glas der Enden ganz mit ßinandei^ 
verschmolzen ist, wo man nun beim letzten Ausblasen genau 
Acht gibt, dass es nicht stärker sei, als es die gewünschte 
Form verlangt. Alsdann geht man zum nächsten Stück über, 
wiederholt mit dem dieselbe Operation, und verfahrt auf diese 
Weise rundum mit der ganzen Löthung. Versucht man dies 
auf einmal zu machen durch Drehen des Glases, so miäs- 
glückt dies, indem die Form des Glases ganz verändert wird^' 
die sonst der nicht geschmolzene Theil beibehält. Eine auf 
die angegebene Art behandelte Löthung hält eben so gut wie 
das übrige Glas. 

Will man eine Kugel ausblasen, so schmilzt man die 
Röhre an diesem Ende zu, und eijiitzt darauf ein erforder- 
lich grossem Stück davon, unter beständigem Umdrehen der 
Röhre; nach hinlänglicher Erweichung bläst man die Kugel 
aus. Es gelingt besser eine regelmässige Kugel zu erhalten, 
wenn das offene Ende der Röhre zu einer feinen Spitze 
ausgezogen ist. Eine Kugel mitten auf einer Röhre auszu-' 
blasen, ist sehr schwer, weil es lange Uebung erfordert,' 
cBe beiden Endstuche der Röhre, in deren Mitte die Kugel 



910 ' Glasblasen. 

geblas^a werden soU^ gerade gegen einander über zu halten^ 
ohne sie beim Blasen weder aua einander w sieben^ noch 
«ie in einander zu drücken. Wenn man eine längliche Kugel 
haben will, muss man beim Blasen etwas ziehen. Da die 
Glasmasse der Rohre öfters nicht dick genug ist, um das 
zur Kugel erforderliche Glas zu liefern^ drückt man das 
Glas unter bestandigem Umdrehen im Feuer zusammen^ bis 
man einen Wulst von hinreichender Glasmasse für die zu. 
bildende Kqgel hat« 

« 

Um das Ende einer Röhre trichterförmig auszublasen^ 
bIKst man zuerst eine Kugel aus^ erhitzt dann ihre obere 
HUfte oder Drittheil, und blast dies nun mit aller Kraft aus, 
wodurch man eine Blase von so dünnem Glas erhält, dass 
^ bei der leisesten Berührung zerbricht und mit Hinterlas- 
sung eines ausgebogenen Randes hinweggenommen werden 
kann, dessen Unebenheiten in der Flamme geebnet werden« 
Für die nähere Ausführung von allem diesen gebe ich keine 
ausführlicheren Vorschriften, weil sich so etwas nicht in ei- 
nem Buche, sondern nur durch Uebung lernen lässt, nach- 
dem man vorher einem geübten Bläser bei diesen Arbeiten 
zugesehen hat. 

Um Kolbenhälse oder dickere Röhren auszuweiten und 
ihnen einen umgebogenen Rand zu geben, erweicht man 
diesen^ nach vorsichtiger Erwärmung, in der Flamme^ und 
schweift ihn alsdann, vermittelst einer runden und nach 
Behuf mehr oder weniger stumpf zugespitzten Kohle, Fig. 9^ 
ans. .Hierzu eignen sich ganz vorzüglich solche Kohlen, 
die unyerbrannt durch den Hohofen in das Gestelle hinunter 
gefallen sind. Sie sind gewöhnlich hart, dicht, etwas wärme- 
leitend und brennen schwer, so dass sie sich weder an dem 
, halbgeschmolzenen Glase entzünden, noch an demselben 
anhaften, wie es mit gewöhnlichen Kohlen oft der Fall ist, 
besonders wenn man die Ausschweifung machen muss, wäh- . 
rend sich das Glas noch im Feuer befindet. Hat man dies 
bei kleinen, vor der Lampe geblasenen Flaschen und Kölb- 
chen zu machen, so bedürfen diese gewöhnlich einer so 
lange vorhergehenden, vorsichtigen Erhitzung, dass man sie 
an der Kugel nicht mehr halten kann; alsdann bedient man 
sich hierzu eines eignen, Fig 10 , abgebildeten Instromenti^ 



x 



GlasbohrcfL. 31 1 

welches aus einem dicken Sta|ildrath besteht^ an dessen 
einem Ende eine kleine Schaale von dünnem Eisenblech 
befestigt ist. Um ein Stück des Draths sind ein Paar andere 
feinere Stahldräthe gewunden^ deren fr^ie Enden vor der 
kleinen Schaale umgebogen und mit Oehren versehen sind. 
Durch letztere wird der Hals des Rölbchens geführt^ wäh- 
rend die Kugel gegen die Schaale gestüzt ist. Die um den 
dickeren Drath gewundenen Präthe müssen beweglich sein^ 
so dass sie so weit heruntergeschoben werden höunen^ dass 
durch den Druck dieser Arme die ip^ugel in der Schaa.Ie 
festgehalten wird. 

f ' ' 

Glashohren. — Für chemische Zwecke ist e$ ^ehr eft 
erforderlich^ Löcher in Glas zu bohren, pies geschah frü- 
herhin mit einem Drillbohrer von Dian^ant^ der^ wenn da« 
Loch nicht gar zu fein zu sein brauchte^ sehr kostbar wurde. 
Für grössere Löcher gebrauchte man einen Cylinder von 
Kupfer^ der mit einem Drillschaft ip rotirende Bewegung 
gesetzt wurde ^ auf der Glasoberflächo umgeben mit einem 
Brei von Schmirgelpulver und Oel. Auf diese Weise schneidet 
man ein ringförmiges Loch in das Glas; wenn nur noch 
wenig von dem Glase undurchsehnitten ist^ wird der Ring 
vollständig von der entgegengesetzten Seite ausgebohrt^ 
wobei ein qirkelrunder Glaskern in dem kupfernen Cylinder 
zurückbleibt. Seitdem hat man gelernt^ mit der grössten 
Leichtigkeit und sehr schnell Löch<^ durch Glas zu bohren^ 
indem man einen gewöhnlichen Drillbohrer von hartem Stahl 
anwendet^ oder auch einen Grabstichel^ den man mit dem 
Drillbagen oder auf einer Drechselbank umdreht. Pie Stelle^ 
an welcher das Bohren geschieht^ wird beständig feucht 
erhalten ; entweder mit zäh gewordenem Terpenthinöl^ oder^ 
in Ermangelung desselben^ mit einer gesättigten Lösung von 
Campher in Terpenthinöl. Von dem Ai^enblick an^ wo 
diese Flüssigkeit die Glasoberfläche befeuchtet^ schneidet 
der Bohrer sogleich ^ und es geht viel schneller^ Locher 
durch Glas zu bohren^ als durch gleich dicke Scheiben von 
Messing. Man kann darauf das Loch mit immer grösseren 
Bohrern erweitern, Terpenthinöl^ welches nicht durch langte 
Aufbewahrung verharzt worden ist, hat keine Wirkung, 
wenn nicht Campher zugesetzt wird. Es ist keiue andere 



312 Olasschlüfen. 

Flüssigkeit bekannt^ welche eben so wirkt. Auch ist es 
unbekannt; wovon diese sonderbare Wirkung abhängt. Man 
kann mit in Terpenthinöl und Campher getauchten Schraa- 
benpatricen Schraubengänge in das Loch bohren ^ wenn man 
mit einer kleineren Patrice anfangt und dann immer grössere 
nimmt. Schon nach dem dritten in &/dt Reihe pflegt der 
Schraubengang fertig zu sein. 

Glasschleifen — gehört ebenfalls zu den Gegenstän- 
den y di0 in einem Laboratorium müssen vorgenommen werden 
können. Man hat Propfen auf Flaschen einzuschleifen (siehe 
Propfen)y die Ränder von Glocken oder Trichtern, so wie 
ganze Glasscheiben ^ eben zu schleifen, und Retorten und 
Vorlagen durch Schleifen in einander zu passen, statt zu 
lutiren. Zu diesem Endzweck hat man sich mit drei etwas 
runden und ebenen Platten von Blei oder Kupfer, von 8 bis 
10 Zoll Durchmesser, zu versehen, auf denen das Glas mit 
Sand oder Schmirgel und Wasser geschliffen wird, zuerst 
mit gröberem , und darauf mit feinerem von zwei Sorten. 
Man schleift stets mit derselben Schmirgelsorte auf der- 
selben Scheibe, und wäscht das Glas gut ab, wenn mau 
es von der gröberen auf die feinere bringt, denn sonst ist 
man nie vor Ritzen sicher. Eben geschliffene Glasscheiben 
braucht man, um sie auf eben geschliffene Trichter zu legen^ 
und diese dadurch luftdicht zu verschliessen, so dass die in 
dem Filtrum befindliche Substanz mit einer Flüssigkeit Über- 
gossen werden kann, die längere Zeit auf sie wirken soll, ohne 
dabei abzufliessen, da es durch die aufgelegte Glasscheibe ver- 
hindert ist. So wie man sie abnimmt, fängt das Filtriren an. 
Die Flasche, worin man eine Lösung von Kalihydrat zum 
täglichen Gebrauch in Laboratorien aufbewahrt, wird an der 
Mündung eben geschliffen und mit einer kleinen, eben ge- 
schliffenen, runden Scheibe von dickim Glas, die an dem 
Rande herum mit Talg bestrichen ist, bedenkt. Wird diese 
gelinde aufgedrückt, so hält $ie vollkommen dicht. Hat man 
Lauge aus der Flasche herauszunehmen, so wird die Scheibe 
abgenommen und die Oeffuung der Flasche von Talg gerei-* 
uigt, bevor man die Lauge ausgiesst. Die Mündung der 
Flasche wird' dann mit ein wenig Löschpapier abgetrocknet, 
ehe man die Scheibe wieder aufdrückt. Dies ist eben so 



Glassprengen. 3l3 

sicber^ aber viel |ieqaemer^ als die Anwendung eines getalgten 
Stöpsels und die Herausnahme der Lauge mit einer Pipettöf 
wie dies * gewöhnlich geschieht« Bekanntlich ist es schon 
nach einer Woche unmöglich^ den Stöpsel herauszudehmto^ 
wenn zwischen ihn und den Hals der Flasche Kalihydrai 
kömmt. 

Glassprengen* — Oft ist es noth wendig ^ den.Hi^ls 
eines Glaskoljbens zu verkürzen^ und recht nützlich ist ^s 
aus zerbrochenen Kolben- und Retortenkugeln noch Abdampf«' 
schaalen aussprengen zu können; alles dies erfordert seine 
kleinen Handgriffe. — Zur Absprengung von sehr dicl^en^ 
Glas^.z. B. dicken Kolbeuhälsen , wendet man Sprengejseii 
an« wie Fig. 11. Taf« HI.^ von denen man mehrere mit ver*^ 
schieden grossen Ringen haben muss. Man wählt nun d^un«- 
ter den Ring aus^ welcher für die abzusprengende Stelle, 4^ 
Kolbenhalses pässt^ bringt ihn zwischen feohlen zum vöIUgei) 
Glühen^ und steckt ihn nun auf den Kolbenhals ^ auf den^ 
man ihn Vz bis eine Minute lang lässt» S^o wie, man ihn 
abnimmt^ berührt ,mau die heisse Stelle mit einem nassei| 
Stückchen Holz^ oder lässt. einen Tropfen Wasser darauf 
fallen^ wo dann das Glas mit Heftigkeit abspringt. — Eine 
andere Art besteht darin ^ dass man einen in Terpenthinöl ' 
getauchten baumwollenen Faden um den Koibeuhals bindet 
und anzündet; sobald er zu brennen aufgehört hat^ berührt 
man die heisse Stelle mit kaltem Wasser. Oder man bindet 
fest um das Glas auf beiden Seiten der abzusprengenden 
Stelle Bindfaden; und schlingt dann um das zwisdien dieser 
Umbindung noch entblösste Glas eine dünne Schnur einmal 
lierum. Zwei Personen fassen die Snden dieser Schnur^ ^ 
und indem die eine zugleich die Kug^l^ die andere den Hals 
des Kolbens hält^ ziehen sie die Schnur so schnell wie mög-r 
lieh hin und her. Nach einigen Augenblichen springt de^ 
Kolbenhals ab^ in Folge (der heftigen Hitze ^ die durch die 
Reibung der Schnur auf dem Glas erregt wird. Das Glas 
springt hierbei so regelmässig und schfirf ab^ dass es fast 
wie abgeschliffen aussieht. 

Die beste Art indessen ^ tim ein nicht allzudiekes Glas 
abzusprengen ^ besteht in der Anwendung* von Sprengkohlen 
(s» diesen Artikel); es sind dies lange Cytinder von' der 



314 Gradiren. 

Hidse, eines SchwaaenkSels^ welche^ an einem Eßie ang^e- 
jBÜndet^ mit einer feinen glühenden Spitze von selbst za 
|;limmen fortfahren^ vermittelst deren man einen Sprung^ in 
einem Glase mit derselben Sicherheit weiter leiten kann^ 
mit der mau vermittelst einer Feder einen Strich darauf 
zeichnet Wenn das zu sprengende Glas keinen Sprung 
hat, so macht man in seinen Rand einen Feilstrich; der sich^ 
^dem man die Kohle daran hält^ zu einem Sprung öShet^ 
den man dann beliebig weiter fuhrt. Will man den Hals 
«ines Kolbens absprengen und das abgesprengte Stück ganz 
behalten ; oder will man eine Flasche mitten durchsprengen^ 
ohne erst vom Rande an 'einen verticalen Sprung herunter 
2U leiten ; so macht man den Feilstrich an der Stelle und iu 
der Richtung; in welcher der Sprung geschehen soll; durdi 
Anhalten der Kohle an das Ende des Feilstrichs entsteht ein 
Sprung; den man wiederum beliebig weiter führen kann. Es 
ist dabei gut; durch einen gezeichneten Strich oder einen 
mngebundenen Faden sich den Weg des Sprungs vorzu- 
iseichneu; um ihn in gerader Linie zu erhalten. Mit einiger 
Uebung bringt man es leicht dahin; die Absprengung so gerade 
und scharf; wie mit einem Diamant und Lineal zu machen. 
Ein gewöhliliches Kunststück; an dem sich Anfanger übeU; 
ist; an einem Trinkglas von seinem oberen Rand an bis zu 
dem Boden einen spiralförmigen Sprung zu ziehen. Beim 
Anfang der Spirale macht man in den Rand des Glases einen 
Feilstrich; von wo aus man mit der Sprengkohle die Spirale 
weiter sprengt. Ein so gesprengtes Glas lässt sich mit 
Wasser fallen; allein so wie man es aufzuhebeif versudit; 
öffnet sich die Spirale; ohne zu zerbrechen; und das 
Wasser lauft aus. — Beim Gebrauch der Sprengkohle ist 
zu beobachten; dass manf sie nicht eher anwendet; als bis 
sie zur Spitze gebrannt ist; und dass man sie nach dem 
Gebrauch in trocknem Sand auslöscht. 

Gradireny GradirwerJc. — Wenn man eine Flüs- 
sigkeit; die zur Krystallisation abgedampft werden soll; zu- 
vor durch eine; aus Reiserbündeln geflochtene Wand her- 
* untcrfliessen lässt; bis sie durch die Verdunstung in der Luft 
so weit concefttrirt woi^den ist; d^9 sich die Abdampfung 
^i^r^ftlben lohnt; so s^t mm^ dass sie gradirt wird; und 
nennt d^o biqf^i; diej;iende ]^eif>erwand Gradhiverk. Dieses 



Gramm — HcAn. 3|& 

Ver^diTfa wird beisondefs bei den Sakuriedireieii imd auf deo 
Vitiiolwerkeii angewendet. ü 

Gramm, — ein Gewicht^ die SHnheit in dem franzo-» 
siaehen Decimal-Gewiditsayatem« 

Granuliren y — oder leicht schmelzbare Metalle in, 
grobes Pulver verwandeln^ besteht darin ^ dass man ge- 
schmolzenes Zink^ Zinn n. dergl. in eine hölzerne^ inwendig 
mit Kreide bestrichene Buchse schüttet^ und nach Aufsetzung 
des ebenfalls bekreideten Deckels sehr heftig uroschfittelt| 
bis das Metall erstarrt ist^ worauf man es in kleine Kömer 
verwandelt findet. Auch kann man zu diesem Endzweck 
das geschmolzene Metall über einen in Wasser befindlichen 
Besen giessen, den man dabei beständig gelinde schfittelt« 

Jffahny — ist eine bei Gasversuchen unentbehrliche 
Geräthschaft« Man muss sicl^ mit mehreren Hähnen von 
Messing versehen^ deren Schraubenstäcke alle in dieselben 
Gange passen. Ein Hahn besteht aus einer metallenen Röhre| 
in der Mitte mit einer Erweiterung und einem konischen 
Loche ^ in welchem ein quer durchbohrter Zapfen sitzt; Wf 
beiden Enden ist die Röhre mit Schraubenstucken versehet^ 
Taf. m. Fig. 12 JB zeigt die Metailröhre^ und D den ko^ 
nischen Zapfen. Pie punktirten Linien zeigen die Oefinung 
an« Der Zapfen hat an seinem schmaleren Ende eine l^leine 
vierseitige Erhöhung^ worin sich ein Loch *mit nach obeq 
gehenden Schraubengängen befindet. Nach Einsetzung des 
Zapfens wird die Hülse tt aber das Ende des Zapfens ge- 
steckt^ so dass der hervorstehende vierseitige Theil in dM 
vierseitige Loch der Hülse passt^ aus der er jedoch nid^ 
hervorragen darf. Darauf wird die kleine Schraube / ia 
das kleine Loch eingeschraubt Hiermit bezweckt man so*-* 
wohl die Festhaltung des Zapfens ^ als auch seine stärkere 
Schliessung durch tiefere Einschraubung der kleinen Schraub^?, 
im Fall er nicht dicht halten sollte« Der Zapfen mus^ v^H 
der grössten Genamgkeit in das konische Loch einge^cbijw^ 
gelt sein. Es ist übrigens recht, gewöhnlich^ dass selbst ga^ 
schickte Instrumentenmacher sich nicht die uötbigf^ M^]MI 
damit geben ^ und da^S van sich seine Zapfen selbst dicht 
machen muss; man muss sie dapn lange ^ d. h. stiindenlaflgy 
bin und her dreheui zu#r«t ml Rauniö) und fei^gescblamint^^ill 



316 Beim. 

Schmirgel > darauf mit Banmöl nnd Trippel^ und zuletzt mit 
blossem Oel. Der Zapfen scliliesst dicht ^ wenn der Hahn^ 
auf die Luftpumpe geschraubt^ auf deren Scbraubengänge 
seine Schraubenstücke stets passen müssen 9 nach Auspum-. 
pung der Luft innerhalb 2 Stunden keine Erhöhung des 
Quecksilbers in der Barometerprobe zulässt (^in guter Zapfen 
muss dicht halten^ wenn er nur mit Baumöl geschmiert ist; 
indessen hält er durch Einschmierung mit l'alg oder noch 
besser mit einem zusammengeschmolzenen Gemische von 2 
Th« Wachs und 1 Th. Baumöl^ immer am sichersten. Soll 
ein Hahn luftdicht in eine Mutter eingeschraubt werden , so 
legt man eine mit Talg^ oder in einigen Fällen mit Wachs^ 
durchtränkte und zum Durchgange der Schraube rund abge- 
schnittene Scheibe von sämischem Leder zwischen .beide; 
indem man sie beim Zuschrauben zusaromenpresst ^ wird die 
Verbindung luftdicht. Zu noch grösserer Sicherheit pflegt 
man stets auf der^ sowohl die Schraube als die Mutter be- 
grenzenden, ebenen Fläche einige kleine zirkelrunde Vertie- 
fungen einzuschneiden. — Dünne Caoutschoucscheiben halten 
vollkommen luftdicht^ und bei Anwendung solcher braucht 
man die Schraube nicht so fest zuzuziehen. Zuweilen kommt 
man in den Fatl^ bei Ueberfüllung von Gasen aus einem Ge- 
f&sse in ein anderes^ zwei Hähne mit einander verbinden zu 
müssen. Am leichtesten wäre dies ausfuhrbar, wenn jeder 
Hahn an dem einen Ende eine Schraube, und an dem anderen 
^ine Mutter hätte. Allein in gewissen Fällen würde dies 
Auch upbequem sein, und darum hat man zu diesem End- 
iEweck ein kleines Zwischenstück, Fig. 13, au beiden Enden 
mit einer Mutter versehen, die durch ein Loch inwendig mit ^ 
Ainand^r in Gemeinschaft stehen. Die Mutter muss so ab- 
gemessen sein, dass sie von dem Schraubenstück gerade 
ausgefüllt wird, ohne einen leeren Raum zu lassen, aus dem 
sich beim Durchströmen der Gase diesen Luft beimengen 
würde. Die auswendige Seite der Mutter darf nicht cylin- 
drisch, sondern muss vierseitig sein, damit man sie mit einem 
dazu bestimmten Schlüssel fassen und hinreichend stark an-" 
ziehen kann. 

Helniy — ' ein Theil vom Destillationsapparat, wovon 
schon b^im DestilRren die Rede war. Auch von Zinn wer- 
den die Helme ' verfertigt , namentlich zur Destillation von 



Heber ^ ffepatisch. 317 

f 

fissig xind «öderen pfaaniiaceuti$chen Gegenständan. Ehe*- 
mals wurden auch häufig gläserne Helme gebraucht, die auf 
den Hals von.GliMskolbciu dicht aufgesetzt wurden, wodurch 
eine Art von. Alembik oder gläserner, mit Helm yer^fehenef 
JDestillirblase entstand. ^ . ^ - 

HebeTy Siphon^ — eine gebogene Rohre, Taf. HI. Pig^. 
14, deren einer Schenkel länger ist als der ändere, und ver- 
mittelst deren man aus einem Oefässe,' ehne e» 2n neiget^, 
^ine geklärte Flusisigkeit von dem Bodensatz äbläsidt.' Mail 
fällt den Heber mit Wasser, verschliesst den längeren Schenk 
frei mit dem Finger und taucht den kürzeren iu'die'Flüssi^-^ 
keit. Sobald man den Fittgär von der OefTuung wegzieli^, 
fliesst die Ftössigkeit aus, weil die Wassersäule in dem läü-^ 
geren Schenkel schwier' ist als in dem kurzen, und* da keiiie 
jbuft eindritiig^ und den Raum des Ausgdflosiseneht, einnehmen 
kann, so saugt die fallende Flüssigkeit durch ihre Schwere 
unaufhörlich Flüssigkeit in ^den kurzen Schenkel hinauf, in 
Folge dessen dann i beständig Flüssigkeit durch den Heber 
ausfliesst, so lange der kürzere Schenkel nnter Qirer Ober- 
fiftche^ stehen bleibt. Um zu verhindern, dass^ nicht der Heber 
etwas voii dem Bo(feusatz aufsauge, pflegt man den kürzeren 
Schenkel am Ende zuzublasen , und darür eine Oefliiung an 
der Seite anzubringen, wie Fig. 15' a. hierdurch wird ver- 
hindert, dass nicht .der Heber von tinteii aufsauge, wodurch 
er also die Hüssigkeit v^eniger leicht t^übt. • Ferner pflegt 
man an den iängerenf Schenkel eilie S^igröhre anzuspitzen, 
wie b€y wodurch ijiah nicht | nöthig haf, den Heber vbrher 
mit Wasser 2^ füllen ; sohdeirn man se^zt ihn nun direct in 
die Flüssigkeit und ; saugt «dielse in die äöh^^-,' während' man 
mit äem* Finder ddn längeren Schenk^ Verschlössen'' hält. 
I^iinche Chemiker pflegen häufig, selbst bei feineiren Versu- 
chen,- zur Vermeidung des langsamen Filtrjrens, das ^lare 
mit Äem HebeV abzuziehen. Ich ziehe das li'iltriren vor,' denn 
die Reinigung des Hebers vo|i darin zurf ckgebliebenen ^^ei- 
len der abgezogen^ Flüssigkeit ist ei^e Möglichkeit^ mehr 
zu V^lust. '- ' - ' I > 

Hepatisch ^-^, sagt ma^ von Körpern, ^Iche S<^we- 
felw^serstoff oder eine .alkaliscl^ Scbwefelbäsis enthalten 
and nach faulen Eie^n riechea. S. Th. it p^ 214. 



/ 



318 



Hjidrometer — Hygrometer. 



\ 



Hydrometer^ — bei englischen Schriffastelteni synonym 
teit Aräometer. ^ n 

Hygrometer, — ein Instrument^ welches znr Messung^ 
des Wassergas -Gehdtes der Luft dient. Die in Th. 1 p. 
385 erwähnte, hier folgende Tabelle zur Vergleichung der 
Resultate das Haarhygroaieters mit denen ^ welche den Hy- 
grometerstand in Höhen der Quecksilbersaule, welche von 
dem Wassergas der Luft getragen werden, apgebeip, gründet 
sidi auf Versuche mit jSalzen^ die bis su einem gewissen 
gegebenen Grad die Luft bei einer gegebenen Temperatur 
austroduien, welche letztere für Gay-Lussac^s Versuche 
-f- 10^ war^ und für die diesß Tabelle eigentlich gilt. Be« 
rechnet man sie für andere Temperaturen, so gibt sie ubepr 
+ 10^ einen etwas zu grossen, und unter lO^^einen etwas 
zu geringen Wassergehalt; allein dies ist ganz zu vemaeh- 
lassigen« 



Gra4e des 


Spanming 


Grude des 


Spannung 


Gnde de« 


Spamiiing^ 


Haarfaygro- 


des 


tia&rhygrö- 


de« 


Haarhygro- 


dee 


met^rs. 


Dunst««. 


Meters. 


Ddnsfes. 


neters. 


Dunstes. 





0,00 


20, 


9,45 


40 


20,78 


1 


0,45 


21 


9,97 


41 


21,45 


2 


0,90 


22 


10,49 


42 


22,12 


3 


1,35 


23 


11,01 


43 


22,79 


4 


• 1,80 


24 


11,53 


44^ 


23,46 


5 


2,25 


25 


12,05 


45 


24,13 


6 


2,71 


26 


12,59 


46 


24,86 


7 


3,18 


27 


13,14 


47 


25,59 


8 


3,64 


28 


13,69 


48 


26,32 


9 


4,10 i 


29 


14,23 


49 


2fr,06 


10 


4,57 


30 


14,78 


ÖQ 


27,7» 


11 


5,05 


31 


15,36 


51 , 


28,58 


12 


5>5« 


32 


15,94 


52 


29^38 


id 


6,00 


33 


16^ 


63 


30,17 


14 


6,«, 


34 .. 


17,t0 .. 


, 54 . , 


30,97. 


15 


6,96 


35 


17,68 


55 


31,76 


16 


7,46 


36 


18,30 


56 


32,66 


IT 


7,95 


37 ■ ' 


• 18;92 


' 57 


33,57 


.r .jQ, 


- «,« ■•' 


' ^ 


19,54' 


58'- ■ 


' 34,47 


19 


■Ö,95 • 


i gg. 


'20,i[&' 


•'■• 59'-'' 


33,3?- 



Imprägnirm. 



31» 



Grade des 


Spannung 


Grade des 


Spannung 


Grade des 


Spannung 


Haarhygro- 


des 


Haarhygro- 


des 


Haarbygro- 


des 


meters. 


Dunstes. 


meters. X 


Dunstes. 


meters. 


Dunstes« 


60 


36,28 


74 


52,45 


88 


75,29 


61 


37,31 


75' 


53,76 


89 


77,19 


62 


38,34 


76 


55,25 


90 


79,09 


63 


olf^ob 


77 


56)74 


9t 


81,09 


64 


40,39 


78 


68,24 


92 


83/» 


65 


41,42 


79 


59,73 


93 


85,08 


«6 


42,58 


80 


61,22 


94 


87,07 


67 


43,73 


8t 


62,89 


95 


89,06 


68 


44)89 


82 


64,57 


96 


91>25 


m 


46,04 


88 


66,24 


97 


93,44 


70 


47,19 


«4 


67,92 


98 


95,63 


71 


48,51 


85 


69,59 


99 


97,81 


72 • 


49,82 


86 


71,49 


100 


100,00 


73 


51,14 


87 


73,39 







August hat gezrigt^ d«ss Leslie's Vorschlags zwri 
gieiofa gehmde Thermometer anKuw^nden^ von denen die 
Kugel des einen mit iiasser Leinwand übersogen ist^ sehr 
sichere Resultate gibt. Naich wiederholten Untersöehungeii 
von August, Bohnenberger xu a. zeigt das Thermome^ 
(er^ dessen Kugel feucht eriiaKen wird^ gerade den halben 
Unterschied zwischen der Temperatur, welchen die Luft hat^ 
luid der, wobei sie im JUbuümum von Feuchtigkeit mit dem 
itt ihr enthaltenen Wasseigas Ware ^ au. Aug«st nennt 
dieses Hygrosikeler. Psychromeier. 

Die Anisahl der vorgeilichlagenen und versuchten Hygro** 
fcneter ist sehr gross; eine nähere Beschreibung von einzelnen 
%t daher hier um so überflössiger, da man sie'in den pfaysi- 
kalisdien Lehrbüdiiern findet. 

Imprägnireriy Aertren^ Anschrcängem^ — heisst: ein 
Gas in einer Flüssigkeit auflösen, oder diese dainit sättigen. 
Das Theoretische davon ist schon im Th. \, p. 428 erörtert, 
und äin technisches Verfahren. Wasser mit Kohlensäure zu 
i'mprägnii^li, ISchon iTh. lt. p. 96 beschrieben worden. Zur Ifte- 
l'eitung der käustliChen, kohleusänrehaltigen Mineralwasser im 
Crröä;^en h'a't iman ausi^erdem grosse complicirte Apparate, me 



^jM • Infimdirm --* Kausticiren. 

ich, als rein technische Gegenstände, hier übergehe. Nur 
noch eines Apparats will ich hier erwähnen, dessen man sich 
mit Bequemlichkeit zur Sättigung von Alkali mit Kohlensäure^ 
d. h. zur BereituDfi: von zweifach-kohlensaurem Alkali fBi- 
carboaat) bedienen kiMni« Dieser von Gädda erfundene Ap- 
pai:at, Taf. IIL Fig. 16, besteht aus einem Cylinder von ver- 
zinntem Eisenblech, ^, der mit einem Bodep und einem ab- 
nehmbaren Df okel C versehen ist. Nahe am Boden befindet 
sidiv ein(e ki)rze Röhre B^ durch welche ein Kork geht« 
Auch der Dackel ^t mit einer solchen Oefhung versehen, 
und um diese wird eine ausgedrückte Blase 2> festgehuaden« 
Zur Aufnahme. des Alkali's dienen Teller oder Siebe« die 
aus £isenringeii[ bestehen, über welche Leinwand ausgespannt 
ist^ und . die über einander auf ein Gestelle gesetzt werden^ 
welches man in dei| Cylinder stellt y dessen Deckel alsdann 
aufgesetzt und mit Mehlkleister luftdicht verklebt wird. Durch 
den Kork in B wird von einer Gasentwickelungsflasche eine 
Röhre eingesetzt und dadprch Kohlensäuregaiä eingeleitet, bis 
die Blase ausgespannt ist. Sobald diese, durch die vom Salze 
erfolgende Aufsaugung des Gases, wieder zusammen gefallen 
ist, wird 'Von Neuem {Kohlensäure s&ugelassen, u&d damit so 
lange fortgefahren, bis das Salz kein Gas mehr aufeaugt. 
Das gesattigte Salz wird alsdann herausgenommen und da- 
dufohi gereinigt, dass man es, bis zur vöHigen Sättigimg in 
4*>4dP iv^mem Wasser auflöst, die. Auflösung filtrirt und 
snun iotystaliistren hinstellt — Im Grossen stellt man übri- 
gens )dies^ Bicarbonate vortfaeilfaafter -dar, wenn tnan Gele- 
gBiriieit! halt ^ i hierzu dio'Kohlensiure zu benutiien, die sidi 
bei kohleusäurehaltigen Mineralquellen in den 'Branntwein-* 
b^^^on^efi^fl bpi dei^ G|Uba*ung au9 den Gäbrb^Uicbm^entwiekelt. 
,j Jnfunßireny •— ein j^armaceutischer Ausdruck, heisat: 
kocbendheisses. Wasser /auf eine Pflan^an/substanz giessen 
und von dem warmen Wasser so viel^ als es vermag, auf- 
lösen lassen. Diese Lösung nennt man Infusion y Aufguss; 
die Bereitung des gewöhnlichen Tbee's gibt dafür ein be«* 
kanntes Beispiel., 

Inspissiren^ — pharmaceutischer Ausdruck^ bedeutet 
eine Flüssigkeit bis zu einer gewissen Consistenz abdampfen. 

Kausticireriy — einem Alkali oder einer alkalischen 
Srde die Säure entziehen^ womit es zu einem (am gewöhn- 

liGhsten 



Eitt. 321 

Kchsten bu einem kohlensauren) Salz verbunden ist^ und es 
in ungebundener Gestalt darstellen^ in welchem Zustand das- 
selbe^ wegen seiner sierstöreuden Wirkung auf Thiersteffe^ 
kaustisches Alkali (oder kaustische Erde) genannt wird. 

Kittf Verkitten. — Wenn eine Retorte mit einer Vor* 
läge so verbundeli werden soll^ dass Nichts durch die Fuge 
verloren geht^ so wird diese gewöhnlich mit einem Kitt über- 
strichen ^ den man auch Jjuiuniy und das Verfahren Lutircn 
ssu nennen pflegt. Ist der Retortenhals zu schmal^ um in die 
Oeiihung des Kolbens gerade zu passen^ so umwindet man 
ihn mit Werg oder Papier^ welches man etwas aufeuchtet 
und sehr dicht anlegt. Die zu Vorlagen dienenden Kolben 
mässen an ihrer Mündung etwas ausgeweitet und die scharfe 
Kante des Glases mit einer Feile abgerundet sein. Die am 
Halse nach Innen sich erweiternden Kolben sind sehr schwer 
so anzulutiren^ dass die Vereinigung dicht hält. Die Art des 
Kitts ^ womit die Fuge verklebt wird^ richtet sich nach der 
Natur des Destillats. Bei der Destillation von Wasser^ Essig 
oder Spiritus braucht man bei Glasgefässen die Stelle der 
Zusammenfügung nur mit einer feuchten Blase zu umbinden^ 
und bei kupfernen Gefassen nur mit Mehlkleister zu verkle* 
ben. Die Kitt-Arten^ unter denen man für die verschiedenen 
Falle zu wählen hat^ sind folgende: 

d) Von LeinsaamemnehL Man vermischt das Mehl mit 
Wasser zu einem dicken Teig^ den mau gut durcharbeitet, 
damit er gleichförmig und zusammenhängend werde, uud 
streicht ihn dann einigerml^sen dick auf. Dieses Lutum 
macht sogleich dicht, erliärtet bald, und widersteht Säuren, 
Ammoniak u. a., verträgt aber natürlicherweise keine so 
starke Hitze, wobei es sich verkohlt. Es wird noch fester, 
WMin man, statt reinen Wassers, Milch, Kalkwasser oder 
schwaches Leimwasser nimmt. 

h) Von dickem Gummiwasser , Than v/nd Eisenfeilspäh* 
nen^ mit einander zu eitler Masse verarbeitet. Wird beson- 
ders in solchen Fällen angewendet, wo die Lutirung sehr 
lange sitzen soll. Sie wird so hart und fest, dass sie kaum 
wieder abzunehmen ist. 

cj Cre^t^burg empflehlt folgenden einfachen Kitt: 
Man weiche einen Bogen graues Löschpapier in Wasser 
auf, zerrühre es und knete es alsdann mit ein^r Handvoll 

X 21 



322 KÜt 

Roggenmehl uhd darauf mit einer Handvoll Töpferthon bis 
cur gehörigen Consistenz zusammen. Dieser Kitt springt 
nicht beim Trocknen und hält vortre|Bich dicht. 

d) Starkes Leimwasser und frisch gelöschter zerfallener 
Kalk werden zu einer steifen Masse zusammengearbeitet. 
Auch schreibt man hierzu Eiweiss vor^ welches aber theurer 
ist^ ohne besser zu sein. Ein Gemenge von starkem Leim- 
wasser ^ Eiweiss und frisch gelöschtem Kalk bildet den so- 
genannten Inä d'aney der so zusammenhängend ist^ dass 
man damit zerbrochene Porcellan- und Steingefasse zusam- 
menkitten kann. 

e) Magerer Käse, zuvor mit Wasser ausgekocht^ wird 
mit Wasser und frisch gelöschtem Kalk gerieben^ bis das 
Ganze eine dicke ^ zähe Paste laldct} hält ebenfalls sehr 
dicht und erhärtet bald. 

f) Gebrannter GypSj mit Milch^ Leimwasser oder Stärke- 
wasser angemacht^ ist in gewissen ' Fällen ein vortreffliches 
Lutum» 

g) Leinöl 'Inäunty welches man aus Leinöl^ worin im 
Kochen geschmolzenes Caoutschouc aufgelöst ist, und Pfei- 
fenthon macht, indem man beide zusammen stösst, bis die 
Masse gleichförmig, zusammenhängend und zwischen den 
Fingern formbar wird^ ohne zu kleben. Es erfordert viel 
Arbeit^ wenn es recht gut werden soll; indessen kann man 
sich grosse Mengen auf einmal machen lassen und es in 
einem bedeckten Gefasse im Keller aufbewahren; auch er^ 
härtet es nicht ^ wenn es hinreichend geschmolzenes Caout- 
schouc enthält. Findet man einen Theil davon zu hart, so 
lässt er sich durch abermaliges Stossen^ besonders durch 
Zusatz von etwas Terpenthinöl^ weich erhalten. Dieser Kitt 
eignet sich vorzüglich gut für die Destillation von Säuren. 
Er hält vollkommen dicht, ohne zu erhärten. Man kann die 
Lutirung .damit während der Destillation wegnehmen und 
auflegen, und damit eingekittete Glasröhren erhöhen und 
drehen^ ohne dass die Verkittung undicht, wird ^ und wenn 
es geschieht^ so ist ihm durch Aufdrucken mit dem Finger 
sogleich abgeholfen. Will man sehr sparsam seiu^ so kann 
man denselben Kitt mehrere Male von Neuem brauchen^ 
wenn man die vota der Säure etwa angegriffenen Theile 
wegnimmt und das Uebrige wied^ umarbeitet. 



Kitt. 323 

A) CaoutschotWf in einem Giesslöffel geschmolzen, ist 
oft ttkii Vortheil zum Dichtmachen undichter Verbindungen 
anwendbar^ wo anderer Kitt durch Hitze oder saure Dämpfe 
Eerstört wird. Es verträgt ohne Nachtheil die Temperatur, 
wobei Schwefelsäure kocht 

i) Kitt Zimt Verkleben über einander gesetzter Hegel 
wird am besten aus gebranntem und ungebranntem feuer- 
festen Thon gemacht, die man zusammenarbeitet, wie schon 
beioii Beschlagen der Tiegel erwähnt wurde. Mit diesem 
Kitt wird die Fuge bedeckt und wohl verstrichen ; man lässt 
ihn trocknen, ehe der Tiegel in's Feuer gesetzt wird. Soll 
der Kitt halb verglasen, so mengt man etwas Sand hinzu, 
oder nimmt einen weniger feuerfesten Thon. Sollen Tiegel, 
sowohl während des Versuchs als auch beim Erkalten, so 
dicht halten, dass keine Luft durch ihre Poren dringen kann, 
Ao überstreicht man sie mit einem Kitt aus feinem Ziegel« 
mehl, feuerfestem TJion und Vio vom Gewicht dieser letz- 
teren Borax, angemacht mit Wasser; diese Masse bildet in 
der. Glühhitze ein schwer schmelzbares, die Poren des Tie- 
gels verschliessendes Glas. Durch ein Gemenge von Thon 
und Mennige erlangt man dasselbe. 

k) Kitt zur Befestigung von Messingfassungen auf Glas- 
glocken u, dgl. Am besten würde man sich wohl hierzu 
des gewöhnlichen, guten Lacks bedienen können; allein der- 
selbe hat den grossen Uebelstand, sich beim Erkalten stark 
zusammen zu ziehen, dadurch zu springen und die Verkit- 
tung undicht zu machen. Man kann ihn daher ifiicht brauchen, 
wenn nicht die Fassung sehr genau passt, so daSs die Lack- 
schicht nur äusserst dünn wird. Den zu diesem Undzweck 
am besten sich eignenden Kitt erhält man durch Zusammen- 
schmelzen von 4 Th. Harz und 1 Tb. Wachs, die man als- 
dann innig mit 1 Th. geschlämmtem Ziegelmeht vej|*mischt. 
Dieser Kitt, der auch zur Befestigung anderer Gegenstände 
dient, wird heiss aufgesetzt, und hält sfethr dicht. Üinen 
ähnlichen, weniger festen Kitt erhält man durch Zusammen- 
schmelzen von Wachs mit V» seines Gewichts venetianischen 
Terpenthins, welche Masse in Stangen geformt wird. Bei 
Aofeetzung auf eine undichte Fuge wird sie mittelst einest 
warmen Eisens ausgebreitet 

21* 



324 Kohlemcheere — Kolben. 

l) Kitt zur BefesHgtmg von Glas auf Glas oder Stahl 
axf Glas. Fünf oder sechs erbsengrosse Stficke Mastix 
werden iu der möglichst geringsten Menge Alkohols anfge- 
Itet, und diese Auflösung mit 2 Unzen einer starken Hausen- 
blase- Lösung (erweichte Hausenblase bis zur Sättigung in 
kochendem 6 gradigen Branntwein oder Rum aufgelöst) .ver- 
mischt, in die man zuvor zwei oder drei kleine Stücke 
Gummi Galbanum oder Ammoniacum durch Reiben incorpo- 
rirt hat« Das Gemische wird in einer gut verkorkten Flasche 
aufbewahrt und beim Gebrauche gelinde erwärmt« 

m) Kitt für eiserne Gefässe und Dampfkessel. Dreh- 
spähne von Gusseisen werden gestossen und durch ein grobes 
Sieb gesiebt; ferner hat man ein Gemenge von 2 Th. ge- 
pulvertem Salmiak und 1 Th. Schwefelblumen. Soll gekittet 
werden^ so mischt man 20 Th. Eisenspähne mit 1 Th. von 
dem letzteren Gemenge mit Wasser zu einem Brei^ den 
man sogleich aufträgt. Nach einigen Augenblicken erhitzt 
er sich unter Entwickelung von Schwefelwasserstoffgas und 
erhärtet. 

Kohlenscheere. — Zu Sl^hmelzversuchen vor dem 
Gebläse oder in Windöfen ^ wo eine sehr hohe Temperatur 
erhalten werden soll^ ist es nothwendig^ die Kohlen in kleine 
feste Stficke von der Grösse einer Wallnuss zu zerschlagen^ 
weil sehr ungleich grosse Kohlenstücke niemals gleichförmig 
niedersinken^ sondern grosse Zwischenräume lassen und 
nachher auf einfhal zusammen niederfallen. Man kann zwar 
die Kohlen gegen Holz mittelst eines Hackmessers zer- 
kleinern^ allein dadurch wird die untere Seite zerrieben und 
es entsteht viel Gestiebe und Staub. Dies zu vermeiden^ 
wendet man eine Kohleoscheere an^ wie Fig. 17 Taf. UI. 
acdb ist ein hölzerner Kasten zur Aufnahme der zerklei- 
nerten Kohlen. Der eine Arm der Scheere eif ist an der 
einen Seite desselben festgeschraubt« Der andere ^A ist 
zum Schneiden beweglich. Bei i ist ein horizontal vorste- 
hendes Eisen ; welches verhindert, dass nicht gh beim 
Schneiden zu tief herabgedrückt werde. 

Kolben — nennt man chemische Glasgefässe von der 
Form wie J^ B, C und D in Fig. 18. Taf. HI. Kolben wer- 
den sowohl als Vorlägen bei Destillationen^ als voj 



Kork — Itornfmu 3S5 

auch bei aUen Versuchen gebraucht, wobei das Kochen von 
Flüssigkeiten erforderlich ist. Von der Glashütte erhält man 
sie gewöhnlich mit langem Hals, in welcher Form sie sich 
am besten zu Vorlagen eignen. Zum Kochen dagegen ist 
der lange Hals in der Regel unzwecl^mässig, weshalb man 
ihn in kleiner Entfernung von der Kugel absprengt (s. Glas- 
sprengen) y wie io C. Häufig ist der Bauch der Kolben 
kugelförmig, wie in B^ so dass er sich nicht allmäblig in 
den Hals fortsetzt, sondern damit einen Absatz bildet. Für 
Kolben, die zu Auflösungen dienen sollen, ist dies eine sehr 
schlechle Form, weil, wenn man die Masse herausnehmen 
will, ein Theil des Ungelösten auf dem Absatz*llegen bleibt 
und nur schwierig herauszubringen ist, was besonders bei 
Analysen zu vermeiden ist. I^ie Kolben dürfen daher nicht 
diese, sondern müssen die Form von A und C7 haben. Die 
beste Form für Kolben, die zu | Auflösungen bei analytischen 
Versuchep gebraucht werden sollen, ist die wie />. Sie 
müssen von sehr dünnem und gleichförmigem Glas, und der 
Hals Jiurz abgesprengt sein. Wenn sie auf die Sandcapelle 
gestellt werden ; bedeckt man sie mit einem passenden Uhr- 
glase, und wenn sie im Bauche etwas weiter sind, als in 
der Oefinung, so pflegen sie recht gut zu stehen, selbst 
wenn ein stossendes Kochen in ihnen entstehen sollte. Bei 
Auflösungen kann das ungelöst Gebliebene mit der grössten 
Leichtigkeit herausgespült und auf das Filtrum gebracht 
werden. — Statt der Kolben gebraucht man oft mit grossem 
Vortheil Oelflaschen oder die gewöhnlich sogenannten flören- 
tiner Flaschen. ^ ^ 

Kork, — siehe Pfropf. 

Kühlapparat, — siehe Destilliren. 

Lackmuspapier , — siehe Reactionspapier, 

Lampen, chemische. «^ Es ist höchst bequem und vor- 
theilhaft, Abdampfungen, Kochungen, Glühungen etc. auf 
dem Tische in seinem Zimmer vornehmen zu können. Es 
geschieht dies über Lampenfeuer, indem der Kolben, der 
Tiegel oder die Abdampfschaale von einem eignen Gestelle 
^tragen wird, wodurch 'zugleich der Abstand vom Feuer 
beliebig verändert werden kann. Man gebraucht Oellampen 
und Spirituslampen ; über beide Arten werde ich hier Einiges 
anführen. 



3S6 Lampen^ chemische. 

1. Oellampen^ ihre so verschiedenen Formen können 
für den chemisehen Behuf ^ wo nur ihre Wärme benutzt 
werden soll^ gleichgültig sein. Man wendet sie nur in den 
Fällen an^ wo eine schwache, lang anhaltende Erhitzung 
bezweckt wird. Man nimmt hierzu einfache Lampen, ohne 
Glas und Zugröhre. Zwar hat man dazu die sogenannten 
Argand'scheu empfohlen, ich habe sie indessen niemals 
recht anwendbar finden können, denn zu Abdampfungen und 
Digestionen geben sie gewöhnlich zu starke, und zum Glühen 
durchaus zu schwache Hitze. In solchen Lampen kann man 
nicht wohl ein anderes Oel als Baumöl oder rafBnirtes Rüböl 
brennen. Sobald die Flamme das darüberstehende Gefass 
berust, gibt sie wenig oder keine Hitze» Es ist daher der 
Doc|it gerade nur so weit herauszuziehen, dass die Flamme 
ohne jRauch brennt; und hat man ein gutes Oel, so kann 
die Lampe mehrere Stunden lang brennen, ohne des Schä- 
rens zu bedürfen« Oellampen werden ausserdem zu den 
Löthrohrversuchen angewendet (s. Löthrohr). Eine zu Ab- 
dampfungen ut)d zum Kochen anwendbare Lampe, an einem 
Stativ befestigt und stellbar, (sieht man Taf. L Fig. 6. Um 
das Ueberfliessen dei^ Oels zu verhindern, wird das Ende 
des Dochtrohrs mit einer kleinen Rinne yon Blech versehen^ 
jRus welcher das Oel durch Löcher am Boden wieder in den Docht 
zurückfliessen kann. Fig. 6 B zeigt den Durchschnitt eines 
solchen mit Rinne versehenen Rohris. — Diejenige Form von 
Oellampen, die ich für ein Laboratorium am bequemsten 
gefunden habe, sieht man in Fig. 19. j4. Taf. IH., und wie- 
wohl sie öfters im Handel vorkommen , will ich doch einige 
Worte darübel* sagen. Sie sind platt und niedrig und bren- 
nen deshalb bis zu Ende, ohne dass die Hitze, in Folge des 
erschwerten Auflsaugens des Oels, abnimmt. Der Docht ab 
ist platt und breit, und dadurch leuchtet die Lampe gut. Er 
sitzt in einer Hülse, die in einer runden Blechscheibe be- 
festigt ist, welche genau in die niedrige und im oberen Theil 
der Lampe in der Mitte festgelöthete und inwendig mit 
Schraubengängen versehene Hülse cd fallt Vermittelst eines 
oben ausgeschweiften und mit einem gezähnten Rand ver- 
sehenen Ringes ef^ der als Schraube in die Schraubengänge 
von cd passt, wird der Docht festgehalten. Wenn man 
Abepdii bei Licht arbeitet, so ist es nicht wohl möglich, 



Lampen^ ehemische. 387 

das Zimmer so erleuchtet zu haben ^ dass man nteht dabei 
im Schatten befindliche Stellen^ wie z* B. beim Aufgiessen 
auf ein Filtrum^ mit einem kleineren Licht erlepchten müsste. 
Hierzu eignen sich nun diese Lampen ganz vortrefFlich. Man 
kann sie^ um die Flamme der zu beleuchtenden Stelle zu 
nähern, wenden wie man will^ ohne Oel zu vergiessen^ das 
nicht einmal ausfliesst^ wenn man sie auf den Boden fallen 
lässt Hat man an dem Fig. 6 Taf. I. dargestellten Stativ, 
statt' der darauf gesetzten Lampe ^ einen Arm, der sich mit 
einem flachen Teller endigt, auf den man die in Rede ste- 
hende Lampe setzt, so ersetzt sie ganz vollständig die 
Stelle der unbequemeren, festsitzenden Lampe. — Beim Ge- 
brauch von Oellampen wird die Flamme häufig durch Luft- 
zug stät und gleichförmig zu brennen verhindert. Dem hilft 
man durch Aufsetzung eines kleinen, gläsernen Schornsteins 
ab. Zu diesem Endzweck dient der Ring B. Fig. 19, wel- 
cher rund herum mit Löchern versehen, oben mit einem 
aufgelötheten Blech bedeckt, und in der Mitte mit einer 
Oeffnung gh versehen ist, die etwas grösser ist, als der 
Umkreis des Ringes ef, und unten drei angelöthete Stifte 
hat, wodurch er auf der Lampe festgehalten wird. Wenn 
dieser Ring auf der Lampe sit^t, geht die Luft durch die 
Löcher in seinem Umkreis, und dringt zu dem Docht zwi- 
schen gh und e/ein; auf denselben stellt man nun einen 
oben und unten offenen Olascylinder, wie man sie von ab- 
gesprengten Kolbenhälsen, kleinen im Boden gesprungenen 
und alsdann abgesprengten Gläsern u. dgl. im Laboratorium 
im Ueberfluss zu haben pflegt, und die man von der Höhe 
qnd Weite, wie sie der Versuch erfordert, auswählt. 

2. Spirituslampen; diese können, in Betreff der Anwen- 
dung zum Erhitzen, alle übrigen ersetzen. Fig. 20 zeigt 
eine solche einfache Lampe von Glas, versehen mit einem 
aufgeschliffeuen gläsernen Deckel, dessen Aufsetzuug, wäh- 
rend die Lainpe nicht gebraucht wird, die Verdunstung des 
Spiritus verhindert. Ohne diese Vorsicht dunstet der Spiritus 
vom Docht ab und lässt ihn von Wasser feucht, so dass 
ein solcher unbedeckt gewesener Docht nicht unmittelbar 
wieder anzuzünden ist. Der Docht sitzt in einer Röhre, die 
mit einer feinen Hälse über dem obersten eingeschliffenen 
Rand des Lampenhalses befestigt ist. Die Hülse und dia 



328 Lampen^ ehenmeke. 

Rdbre werden beide am besten von -feinem Selber gonaoht, 
ans den bei dem Art Tiegel anzuführenden Granden. I»* 
zwischen han» man sie auch von Zinn oder verzinntem 
Eisenblech machen« Wenn die Metalihülse nicht über den 
Hals der Lampe übergreift^ sondern inwendig befestigt wird^ 
so kann es leicht geschehen^ dass das Glas, da die Hülse 
dicht und fest aufsitzen muss, springt, indem das Metall 
von der Hitze ausgedehnt wird. — Zuweilen bekommt man 
Flaschen mit über den Pfropfen aufgeschliffenem Deckel; 
diese kann man leicht in Spirituslampen verwandeln, indem 
man den Pfropf wegnimmt und statt dessen eine Hülse für 
einen Doclit einsetzt. Diese Benutzimg solcher Flaschen 
ist um so rathsamer, da sie zu keinem anderen Behuf brauch- 
bar sind; denn man kann nicht ohne Verlust aus ihnen giessen 
(s. Flasche), — Der zum Gebrauch dieser Lampen dienende 
Spiritus darf nicht unter 0,865 und nicht über 0,84 4sein ; im 
erstereu Falle gibt er nicht Hitze genug, und im letzteren 
rust er leicht etwas, was den Platintiegeln schadet und 
andere Gefasse fleckig macht 

Das Gefass, welches der Hitze einer Lampe ausgesetzt 
werden soll, muss von einem eigenen Gestelle getragen 
werden. Eines der Art sieht man in Fig. 6 Taf. L Statt 
dass hier die Lampe am Gestelle befestigt ist , muss man 
auch eines mit zwei Armen haben, wovon der eine, wie 
schon vorher bemerkt wurde, die Lampe, uud der audere 
das zu erhitjsende Gefass trägt* Dieser endigt sich , wie 
Figur zeigt, mit einem grossen Ring, in den der Kolben 
oder Tiegel eingesetzt wird; hat man kleinere Gefasse dar- 
auf zu erhitzen, so macht man sich lose Triangel von dickem 
Stahldrath und von verschiedener Grösse, wie Fig. 21 Taf. 
HL , die man auf den Ring legt, und worauf alsdann die 
kleineren Gefasse gesetzt werden. 

Das Instrument, welches nun von allen in einem Labo- 
ratorium am unentbehrlichsten geworden^ ist eine Spiritus- 
lampe mit zirkeiförmigem Dochte, Schornstein und einem 
Mechanismus zur Erhöhung und Erniedrigung des Dochtes. 
Die Bequemlichkeiten und Vortheile, welche eine solche 
Lampe dem practischen Chemiker darbietet, sind ganz un- 
(U)h&tzbar. Sie ist schon längst in Frankreic^i zum Kaffee^ 



Lampen, chenmAe. 3S9 

kociien gebrtuoht worden; dufcb einen glücklichen ZufaU 
bekam ich daselbst eine solche Koch -Einrichtung zu sehend 
und ich liess dann sogleich die LiMnpe zu einem Gestell^ 
wie es 2u chemischen Endzwecken am dienlichsten wary 
einrichten und so übertraf sie alle meine Erwartungen* 
Fig. 24 zeigt dieselbe von eben^ Fig. 25 und 22 yon 
verschiedenen Seiten. Sie kann von verzinntem Eisen- 
blech , oder auch von Messingblech gemacht werden^ und 
ist eigentlich ganz ähidich einer Quioquet-Lampe mit zir* 
kelförmigem Reservoir, ab cd ist der ringförmige Behälter. 
Bei a ist eine Oeffnung zum Einfüllen des Spiritus. Bei e 
ist dieser Behälter durch einen parallelepipedischen Raum cu 
unterbrochen^ welcher den Mechanismus zur Erhöhung des 
Dochtes enthält^ Fig. 25 «/* und Fig. 26^ und mit dem cy^ 
lindrischen Raum für den Docht u in Gemeinschaft steht. 
Mit dem Bebälter bad hat dieser parallelepipedische Raum 
keine andere Gemeinschaft, als durch die Röhre hg, Fig. 
25 9 welche den Spiritus aus dem Behälter zum Docht fliesten 
lässt. Bei m Fig. 24 ist eine kleine Hülse angelöthet, in 
welche der Schornstein Im^ Fig. 25 und 22 ? eingesetzt 
wird. Die Art, wie der Docht befestigt und vermittelst 
eines gezahnten Rades, Fig. 25 e, und einer gezahnten 
Stange erhöht und gesenkt wird, ist so ganz dieselbe, wie 
man es bei anderen Lampen hat, dass die Ansicht der 
Figur zur Erklärung schon hinreichen wird. Der einzige 
XFnterschied 'besteht darin, dass, zur Verminderung des J^in- 
flusses der beim Brennen statt findenden grosilbn Hitze, das 
Rad e viel weiter zur Seite gerückt sein muss, als es bei 
Oellampen gewöhnlich der Fall ist. Aus diesem Grunde 
muss auch der Docht und der Ring, der ersteren mittelst 
kleiner Federn festhält, völlig freien Raum in dem cylindri"- 
scbcn Kanal haben ^ weO, wenn sie an einer Stelle festsitzen, 
die Schraube sie nicht mehr heraufzuziehen vermag, aus 
dem Grunde, weil sich die ganze Leitung schief stellt. 

Die Art, wie die Lampe bei Versuchen aufgestellt ist, 
meht man aus Fig. 22. uv ist ein viereckiges Brett eben, in 
welches ein dünner, ab^r doch hinreichend starker, runder, 
messingener Staab p q vermittels! einer Schraubenmutter be- 
fest^tist, die auf der unteren Seite des Brettchens, iti einer 
eignen Vertiefung, auf das untere Ende des Messingstabes 



830 L€mpen, chemische. 

aufgeschraubt wird. Art ist ein vierseitiger Ann, der durdi 
die vierseitigen Hülsen it geht^ durch welche die Lampe 
beliebig nach Ar hin genähert^ oder davon entfernt werden 
kann« axt ist eine gebogene Glasröhre^ die mit dem einen 
Schenkel durch einen Kork in a bis auf den Boden des Be- 
hälters bdy mit dem anderen Schenkel bis x etwas üefer, 
als der Boden des Behälters , geht^ und mit dem dritten, 
aufwärts gehenden Schenkel xi sich in einen darauf ausge- 
blasenen kleinen Trichter endigt« Durch diese Röhre wird 
der Alkohol eingegossen^ dessen Stand im Schenkel xt seine 
Höhe in der Lampe anzeigt, und also zu erkennen gibt, 
wann von Neuem aufgegossen werden muss. Unter der 
Lampe ist auf dem Brettchen uv ein ^Einschnitt zur Aufnahme 
eines kleinen, runden Porzellalinapfs no. Mit dieser Ein- 
richtung soll Reinlichkeit bezweckt werden; denn es lässt 
sich das Verschütten, Uebergiessen, Ueberkochen u. dgl« 
von Spiritus nicht stets mit völliger Sicherheit vermeiden, 
und es wird dadurch das darunter befindliche Brettchen so 
verdorben, dass man es niemals rein halten kann, während 
auf der anderen Seite kein Anstrich oder Firniss den Rea«*- 
gentien widersteht, denen es möglicherweise ausgesetzt 
wird. Der Napf dagegen, der dergleichen aufnimmt, ist 
leicht heraus zu nehmen und zu reinigen, und zuweilen ist 
man froh, das Verschüttete ohne gar zu grossen Verlust oder 
VerunreiniguDg wieder aufsammeln zu können. — lieber der 
Lampe sitzt der Arm rySy wovon der Theil ry vorne der 
Länge nach Eingeschnitten ist, und in diesem EiuschnitI 
vermittelst einer kleinen Schraube den aus einem dicken 
Stahldrath gebogeneu und mit abgeplatteten Enden versehenen 
Ring ys hält, wie Fig. 23 zeigt. Dieser ganze Arm kann 
auch mit dem Ring aus einem Stück gemacht werden^ was 
aber weniger zu empfehlen ist, da durch diesen Arm, weil 
er alsdann dicker sein muss, bei Glühversuchen auf der 
Lampe viel mehr Wärme an das Stativ abgeleitet, die Wir- 
kung deriLampe also vermindert wird. Zuweilen bringt man 
über diesem Arm noch einen zweiten mit kleinerem Ring 
an, zum Festhalten von Kolben bei Kochungen. 

Mit dieser Lampe, wenn die relativen Maasse ihrer 
Theile, so wie in der Abbildung, richtig beobachtet sind, 
lassen sich alle Temperaturgrade erhalten, zwischen *dem. 



Lampen, chemische. 331 

wodurch eine Flüssigkeit^ ohne zu kochen^ nur in gelinder 
Digestion gehalten wird^ und wobei der Docht so tief herun- 
tergeschraubt ist^ dass die Flamme nur einen schmalen 
blauen Ring bildet, bis zu dem^ wobei ein kleiner Silbertiegel 
schmilzt. Die Anwendung dieser Lampe macht es fadt ganz 
entbehrlich^ bei Untersuchungen mittelgrosse Platintiegel in 
Kohlenfeuer bringen zu mässen. Ueber derselben zersetzt 
man z« B. Mineralien durch Glühen mit kohlensaurem Alkali, 
und ihre Hitze reicht zur Ausführung mancher ähnlicher 
Operationen hin, zu denen früherhin Kohlenfeuer unentbehrlidi 
war* Nur hat man zu bedenken^ dass der Tiegel nicht 
grösser genommen werde ^ als es die Masse erfordert; denn 
ein grosser Tiegel wird weniger heiss als ein kleiner. — 
Hat man etwas in einem Tiegel bei Zutritt der Luft zu 
glühen, so hat man eine besondere kleine Maassregel zu 
beachten^ weil der Tiegel von allen Seiten von einem auf- 
steigenden Strom von heisser^ ihres Sauerstoffs beraubter 
Luft umgeben ist^ und dadurch der Zutritt von kalter fast 
vollständig verhindert wird. Man legt nämlich den Tiegel 
noch etwas geneigter^ als es Fig. 23 zeigt, auf den Trian- 
gel, und legt auf den untern Rand einen kleinen Streifen 
von dünnem Eisenblech, -so dass er mit seinem einen ^ etwas 
umgebogenen Ende auf dem Rande des Tiegels, und mit 
dem anderen auf dem Ring ruht. Diese kleine Brücke unter- 
bricht den heisfiren Luftstrom und lässt frische Luft über sich 
hinweg in ^ den Tiegel fliessen; so ^dass^ nachdem man z. B. 
ein Stück Papier in dem «Tiegel hat verkohlen lassen^ die 
Papierkohle sich sogleich entzündet, sobald Inan die kleine 
Brücke auflegt, gleich wie wenn in Feuer geblasen würde. 
— * Wenn in einer Lampe, wie die eben beschriebene, ^er 
Spiritus direct aus dem Behälter in den Dochtraum fliesst^ 
wo also die Röhre hg, Fig. 25, nicht uöthig ist, so führt 
dies den Uebelstand mit sich, dass der Raum im Behälter, 
wenn er nur noch wenig Alkohol enthält und die Lampe 
lange gebrannt hat, mit Alkoholdämpfen erfüllt ist, welche, 
wenn die Lampe nach dem Auslöschen kurz darauif wieder 
angezündet werden muss, bei diesem Anzünden eine, in 
mehrfacher Hinsicht unangenehme Explosion verursachen. 
Die Zufügung der Röhre gh und die Unterbrechung der un- 
mittelbaren Gemeinschaft zwischen dem Dochtraum ue und 



332 Lampen^ chemUehe» 

dem Brii&lter verbindert dies imd ist eine wesentUdie Vmr- 
besseroiig^ die aa diesen Lampen von Lahme in Berlin 
angebracht worden ist. 

Eine Lampe, ganz wie die eben beschriebene, benntae 
ich für chemische Zwecke als Oellampe. Sie ist sdir gut, 
wenn man eine lange anhaltende Kochhitze zu unterhalten 
bat^ z* B. für den Trockeuapparat^ wozu die Anwendung 
von Spiritus jn der Lampe sehr theuer werden würde. 

Davy's Sicherheiislan^e (Safety-Lamp). In Bezug auf 
^ im Th. L pag. 290 gemadite Hinweisung auf diesen Ar- 
tikel ^ werde ich hier noch einige Worte über diese ^ für die 
Menschheit eben so wohlthätige^ als in Betreff der ihr zu 
Grunde liegenden y wissenschaftlichen Prineipien merkwürdige 
{Erfindung anführen. — In Steinkohlengruben ereignet es sich 
häufige dass bei neuen Anbrüchen eine Spalte geöffnet wird^ 
aus der Luft mit Heftigkeit ausströmt und damit sehr lange 
fortfahrt« Diese Luft ist brennbar und besteht hauptsächlich 
ans Kohlen wasserstoffgas im Minimum^ Cfi^. Gewöhnlicli 
verräth es sich nicht durch den Geruch^ und sammelt sich 
in kurzer Zeit in so grosser Menge an^ dass sie sich durch 
die Lampen der Arbeiter entzündet^ mit ausserordentlicher 
Heftigkeit explodirt^ und dadurch die Arbeiter tödtet. Auf 
diese Weise kamen in den englischen Steinkohlengruben 
jährlich Hunderte von Menschen oft in einem Augenblicke 
9m« Man versuchte diesem Uebel zu steuern, und bewirkte 
starke Luftzüge^ allein ohn,e/ hinreichenden Erfolg; man ver- 
sah die Arbeiter mit Licht mitteilt einer Maschine^ welche 
dur4^ Reibung von Feuerstein 'oder Schwefelkies gegen 
Slabl leuchtende Funkern hervorbrachte^ die das Gas nicht 
anzündeten^ u. dgl.^ allein stets wurden diese VorsicbtsmaAss- 
regeln vion den Arbeiterin wieder aufgegeb^. HäuQge und 
betriibte UnglüdisfäUe ereigneten sich besonders in den flah- 
1S13^ 14 uiid 15; da richtete der berühmte Davy seine 
Aufmerksamkeit auf die Erfindung eines Schotzmittels gegen 
diese Unfälle* Er ging dabei von einer^ von dem englischen 
C^bemiker Tennant beobachteten Thatsache aus, dass sich 
ntoUeh Explosionen durch sehr feine Stetallröhren nicht fort- 
pflamsen.. Davy fand dieselbe durch seine Versudie gegründet^ 
zeigte aber zugleich ^ dass sie für weniger explosive Gas- 
gemenge , so wie die in den Gruben befindlichen^ in einem 



Lampen y chemische. 333 

Grade statt babe^ wovon man fräber keine Vorstelinng hatte. 
Er erkannte, dass die Ursache dieser Erscheinung die Ab- 
kählung sei^ welche die explodirende Masse durch das mä 
ihr in Berührung stehende Metall erleidet, und dass dadurch 
die Explosion unterbrochen werde ; dass ^ je weniger Wärme 
bei der Explosion entwickelt werde ^ und je höher die Tem- 
peratur sei^ die zur Anzfiudung des Gases erfordert wird^ um 
so weiter die Rohren sein können^ durch welche die Ex- 
plosion unterbrochen wird^ und umgekehrt ^ so dass die 
Entzöndung der explosiven Grubenluft durch Oeffnungen in 
Metall gehemmt werde ^ durch welche sich noch die Explo^^ 
sion von Sauerstoff- und Wasserstoffgas fortpflanzt; dass 
aber auch diese durch hinlänglich feine und lange Metall- 
röl^ren unterbrochen werden könne^ wie wir schon bei New-» 
maft's Gebläse, Art. Gebläse^ gesehen haben. Indem er 
hierdurch auf die Anwendung eines Gewebes von Metalldrath, 
so wie man es zu Sieben und Papierformen gebraucht, ge- 
leitet wurde, fand er, däss wenn der Drath V40 bis Veo Zoll 
dick, und das Gewebe so fein ist, ^dass es auf einen Qua-* 
dratzoU 400 LBcher oder Maschen enthält, die Explosion 
der Grubenluft nicht hindurchgeht. Er construirte nun eine 
Art Leuchte aus solchem Gewebe, innerhalb welchem eine 
OeUampe brennt. Die einströmende Luft sowohl, als die 
ausgehende müssen durch dieses Gewebe gehen, und ist die 
Luft entzündlich, so explodirt sie zwar innerhalb des Ge- 
webes, pflanzt sich aber nicht nach Aussen fort. Ehe die 
Explosion eintritt, wird die Flamme grösser und breiter, aber 
auch matter, als vorher. Nach der Explosion ist die Lampe 
verlöscht, und die Leute müssen nun aus der Grube herauf- 
gehen, um darin frischen Luftwechsel bewirken zu lassen. 
Bei dieser, mit so glücklichem Erfolg gekrönten Anwendung 
dieser Lampe in den Gruben , zeigte sich übrigens die ganz 
unerwartete Erscheinung, dass a^u weilen das Metallgewebe 
der Lampe, nach geschehener Explosion, %\x glühen und 
geichsam zu brennen anfing, ohne dass jedoch eine Verbren- 
iiung statt hatte, und ohne dass sich dadurch die Gruben- 
luft entzündete. Nach erneuerten Untersuchungen fand nun 
Davy, dass wenn man in ein explosives Gasgemenge einen 
glühenden Metalldrath einführt, der nicht heiss genug ist, 
mn dasselbe zu entzünden, er darin zu glühen fortfährt^ 



834 Lampe, elektrische» 

und zwar dadurch^ dass sich auf seiner Oberfläche beständig; 
Wasserstoffgas oxydirt und Wärme absetzt^ die aber zur 
Entzfindung der verdünnten Knallluft-Masse nicht hinreichte 
Lässt man z. B. in einen Glaskolben einige Tropfen Aether 
fallen und erwärmt ihn mit der Hand^ so dass sich das 
, AeUiergas mit der Luft vermischt^ so esqilodirt diese alsdann^ 
wenn man sie mit einer Lichtflamme anzündet* Führt man 
aber statt dessen einen spiralförmig gewundenen und glühend 
gemachten Platindrath von Vioo Zoll Durehmesser in den 
Kolben ein^ so fahrt dieser Drath so lange zu Glühen fort^ 
als noch explosives Gasgemeuge ' vorhanden ist^ und dieses 
Glühen beruht dann auf der Verbrennung des Aethergases 
auf der Oberfläche des Drathes. — Mit Kupfer- und Silber- 
dräthen gelingt der Versuch uicht^ weil diese Metalle so 
wärmeleitend sind^ dass nicht hinreichend Wärme in ihnen 
zurückbleibt. Davy benutzte diese Entdeckung zur ferneren 
Vervollkommnung seiner Lampe. - Er entfernte das Gewebe 
00 weit von dem Feuer ^ dass es nicht glühend werden 
konnte^ setzte aber statt dessen einen spiralförmig gewun- 
denen Platindrath über und um die Flamme. Wenn bei 
Explosionen die Lampe verlischt, so erhält sich der Platin- 
drath^ durch die langsame Verbrennung der explosiven Luft^ 
glühend und verbreitet dabei hinreichendes Licht ^ um dem 
Arbeiter bei dem Verlassen der Grube den Weg zu zeigen. 

Lampe f elektrische, — Diieses ingeniöse Instrument 
ist vom Dr. Ingenhouss erfunden worden^ und hat später 
mehrere wichtige Verbesserungen erlitten. Es dient als 
Feuerzeug^ und das Feuer wird damit auf die Weise her- 
vorgebracht, dass ein^ aus einer feinen Röhre ausströmender 
feiner Strahl von Wasserstoffgas durch einen elektrischen 
Funken entzündet wird. 

Das Instrument, Taf. III. Fig. 27 abgebildet^ ist gegen* 
wärtig so allgemeim im Gebrauche^ und findet sich^ in den 
verschiedensten Formen^ so allgemein im Handel, dass schon 
die blosse Anschauung der Figur hinreichen wird^ auch die 
innere Construction kennen zu lernen. j4 ist der gläserne 
Behälter für das Wasserstoffgas. B ein zweiter zur Auf*' 
nähme des Wassers^ welches das Gas herausdrückt OIH 
ist die mit einem Hahn versehene messingene Röhre zum 
Ausströmen des Gases. Diesen Theil sieht man in Fig. 28 



Lampe j elektrische. 335 

von oben^ nebst der Leitung c^ed zum Ueb^springen des 
elektrischen Funkens^ welcher an dem Drath XTY von dem 
in einem hölzernen Kasten befindlichen kleinen Elektrophor 
MN, beim Aufheben seines Deckels OPQR, heraufgeleitet 
wird. Beim Umdrehen des Hahns / /springt er zwischen 
den Drathen c und d in dem Moment uber^ wo zugleich 
aus der feinen Oeifnung b das Gas ausströmt^ und entflanunt 
dasselbe. 

Die Lampe wird auf die Weise mit Wasserstoffgas 
gefallt^ dass man den^ mit der Schraube /festgeschraubten 
Theii caedy Fig. 28^ abnimmt^ die vorderste Spitze der 
Röhre GH, Fig. 27 (nämlich bg in Fig. 28)^ abschraubt 
und dafür eine andere ^ abwärts gebogene^ unten mit einem 
Kork versehene messingene Röhre anschraubt^ die auf eine 
mit verdünnter Schwefelsäure und Zink gefüllte Flasche 
gepasst wird. Die Flasche J[ ist zuvor mit Wasser gefüllt 
worden; das sich entwickelnde Gas dringt^ nach Oefibung 
des Hahns ; in die Flasche^ und treibt das Wasser durch 
die bis nahe an den Boden reichende Glasröhre aus ^ nach 
JS hinauf ^\ aus welchem letzteren das überschüssige Wasser 
durch einen Heber abgenommen wird. NachdeQi J[ mit Gas 
gefüllt ist^ wird der Hahn geschlossen und die Theile wie- 
der angesetzt. 

An der kleinen Wasserstoffgasflamme zündet man be- 
liebig Papier, ein Licht^ namentlich einen Wachsstock, und 
am besten eine Spirituslampe an, welche beide letztere man 
auch vor der Gasmündung feststehend anbringen kannJ Ist 
diese sehr fein, so hat man an dem eingefüllten Gase sehr 
lange, weil alsdann jedesmal nur wenig verbraucht wird. 
Die meinige brauche ich selten mehr als 2 mal jährlich mit 
Cras zu füllen. Wer es schwierig finden sollte, eine solche 
Lampe auf diese Weise mit Gas zu füllen, für den kann 
Gay-Lussac'S Einrichtung und Verfahren bequem sein. 
Nach diesem wird die Lampe mit verdünnter Schwefelsäure 
gefüllt und ein Cylinder vofk Zink hineingehängt. Das sich 
entwickelnde Wasserstoffgas ist frei von atmosphärischer 
Luft, und die Entwickelung fährt so lange fort, bis die Flüs- 
sigkeit von dem Gase so weit ausgetrieben ist, dass sie 
nicht mehr das Zink berühren kann. Man hat also auf diese 
Weise keine weitere Unbequemlichkeit mit dem Einfüllen, 



336 Lampe j elektrische. 

des Gases, das von selbst vor sidi gebt. Auch kam em 
solcher Apparat als ein beständig gefüllte Wasserstoffgas- 
Beh&lter für Versuche mit diesem Gase dienen^ zu welchem 
Behuf man alsdann nur eine Gasleitungsröhre anzupassen 
braucht« Inzwischen haben diese letzteren Lampen den 
Uebelstand^ dass nach und nach Salz zwischen den Fugen- 
nnd Metall - Fassungen auszuwittern anflogt ^ wodurch m» 
verderben und undicht werden und öfterer Ausbesserungoi 
bedürfen. — Eine Lampe ^ wie die zuerst beschriebene und 
abgebildete^ dient mir schon seit 30 Jahren täglich in mei- 
nem Laboratorium zur Anzündung anderer Lampen^ ohne 
dass sie während dieser ganz^ai Zeit ein einziges Mal einer 
Ausbesserung bedurft hätte. 

Eine analoge Lampe^ aber ohne Elektricität, hat neuerlich 
Döbereiner eingerichtet^ die ebenfalls schon in allgemeinen 
Gebrauch gekommen ist. Das Wi^iserstoffgas wird durch Pia- 
tinsdiwamm entzündet^ welches der Mündung der Gasröhre 
gegenüber in einer kleinen Metallkapsel befestigt ist. Die 
beste Methode^ das Platin zur Entzünduog von Wasserstoft- 
gas anzuwenden^ ist folgende: In einer Entfernung von 
V« Zoll von der Oeffnung^ aus welcher das Gas ausströmt, 
befestigt man einen Cylinder von Messing, der IV2 Centi- 
meter weit und 2 C. laug ist Derselbe ist an einem £nd# 
offen und an dem anderen mit einem Boden versehen, in 
dessen Centrum sich ein Loch von 0,5 Centimeter Durch- 
messer befindet. In der Mitte des Cylinders befindet sich 
ein Oehr. Die freie Oeffnung des Cyliuders wird dem Was- 
serstoffgas - Hahn zugekehrt. In diesem Oehr befestigt man 
einen Pinsel von Asbest, der hinten mit einem feinen Platin- 
drath zusammengebunden ist. Dieser Pinsel wird in eine 
concentrirte Lösung von Platiuchlorid und, nachdem er wieder 
ausgetrocknet worden ist, in kaustisches Ammoniak getaucht, 
wieder getrocknet und nun in gelinder Hitze ausgeglüht. Man 
kann ihn auch in ein Gemisch von Platinsalmiak mit wenigem 
Chlornatrium und Wasser taucheou so dass seine feinen Fäden 
mit Platinsalmiak überzogen werden. Er wird darauf getrocknet 
und bei einer gelinden Hitze ausgeglüht, wobei die kleine Spur 
von Chlornatrium zur Befestigung des Platinstaubes dient. 
Dieser Pinsel wird dann so in den Ring des Cylinders ge- 
schoben; dass der Büschel von feinen Fäden die Oefffaung 

der 



Litre — Löthrohr. 337 

• des Cylinders füllt, die Fäden aber alle in dieselbe kommen^ 
um gegen Staub bedeckt zu sein. Der Asbest ist so wenig 
wärmeleitend^ dass der kleinste Punkt ^ welcher zu glühen 
anfängt^ sich sogleich hinreichend erhitzt^ um das Gas an- 
zuzünden. Diese Einrichtung ist ganz vortrefiBich und ist 
ein sicheres Feuerzeug^ wenn man sie täglich. braucht; bleibt 
aie aber einmal längere Zeit ungebraucht^ d. h. der Platin- 
schwamm ungeglühlt^ so verliert er sein Anzündungs ver- 
mögen^ welches ihm jedoch durch gelindes Glühen in der 
Ldthrohrflamme leicht wieder gegeben werden kann. In- 
xTiOschen ist es auch nicht selten der Fall^ dass der Platin- 
schwamm, selbst wenn man ihn Monate lang nicht gebraucht 
hat; sein Zündvermögen behält. 

Litrcy — die Einheit im französischen Cubikmaas, siehe 
MI aas» 

Löthrohry — wird ein Instrument genannt , womit die 
Metallarbeiter kleinere Löthungen machen, und welches bei 
Untersuchungen unorganischer Stoffe gegenwärtig eines der 
unentbehrlichsten Instrumente im Laboratorium des Chemi- 
kers geworden ist. 

Beschreibung des Löthrohrs. — Das Löthrohr der Metall- 
arbeiter ist gewöhnlieh von Messing, mit einer an dem einen 
Ende schmaler werdenden Röhre, sie ist ein Paar Zoll von 
dem schmalem Ende unter einem rechten Winkel gebogen, 
Taf. III. Fig. 29. Die Oeffnung an diesem Ende ist so fein, 
als wäre sie mit einer Nähnadel gemacht. Diese Oeffnung hält 
man gegen die Flamme einer Lampe, während man durch 
das grössere Ende bläst. Hierbei bläst man selten länger 
ab eine Minute, daher hat der Arbeiter keinen Nachtheil 
von dem Wässer, das die ausgeathmete Luft in der Röhre 
absetzt; aber bei chemischen Löthrohrversuchen, wo man 
mit dem Blasen weit länger fortfahren muss, sammelt sich 
in der Röhre so viel Wasser, dass es Unbequemlichkeit 
verursachen kann. Um dies zu verhüten, brachte Cron- 
stedt in der Mitte der Röhre, etwas näher dem gebogenen 
Ende, eine Kugel an, um die Feuchtigkeit aufzunehmen. 
Sein Löthrohr hat die Form von Fig. 30. Der gerade Theil 
konnte bei a von der Kugel abgeschraubt werden, bei b 
sass ein knöcherner Ring, der mit einem kleinen Loche ver- 
sehe war, in welches eine Nadel oder ein feiner Eisendrath 

X 22 



338 Löthrohr. 

eingesetzt werden konnte ^ durch welchen die OeSnong des . 
Löthrohrs gereinigt wurde^ wenn es während des Versuches 
mit Rus verstopft war. Dieses Löthrohr hat indessen die 
Unbequemlichkeit^ dass wenn man eine Zeit lang bläst und 
die Röhre einen Augenblick gerade hält^ das Wasser aus 
der Kugel in die feinere Röhre riont^ .aus der es mit vieler 
Beschwerde fortgebracht werden muss, ehe das Blasen fort- 
gesetzt werden kann. 

Um diese Unbequemlichkeit zu verhindern^ brachte Berg-? 
man am Ende des Löthrohres einen zirkeiförmigen Raum 
an 9 von einem Zolle im Durchmesser und von der Breite 
eines Vs Zolls ^ aus dessen oberen Theil die Löthrohrspitze 
ausginge wie Fig. 31 zeigt. Dies besteht also aus drei ein- 
zelnen Theilen a, b und Cy die mit Leichtigkeit zusammen- 
gefügt werden können. Diese Form entspricht sehr ihrem 
Zwecke^ und hat zugleich den Vortheil^ dass sie weniger 
Raum einnimmt und in einen platten^ dünnen Kasten gelegt 
werden kann^ in welchem man zu jener Zeit die Löthrohr- 
Instrumente verwahrte^ um mit Leichtigkeit die ganze Samm-< 
lung von einer Stelle zur anderen transportiren zu können. 

Gähn h^t etwas in der Gestalt des Theiles verändert, 
der zur Auffangung des Wassers bestimmt ist, und hat ihm 
die Gestalt eines Cylinders gegeben von der Länge eines 
Zolles und von dem Durchmesser eines halben Zolles, wie 
Taf. IV. Fig. 1. b zeigt. Sein Löthrohr besteht im Uebrigen, 
wie das von Bergman, aus vier einzelnen Theilen, Fig. 1. 
ay by c und d. Am Ende der schmalen Röhre c setzt man 
beim Blasen einen kleinen Kopf d auf, deren man mehrere 
mit Löchern von ungleicher Feinheit haben muss, um sie 
nach Erforderniss während des Blasens wechsehi zu können. 
Der Vortheil, den Gahn's Löthrohr vor dem Bergman- 
schen hat^ ist der, dass die cyliudrische Form noch weniger 
Kaum einnimmt, als der platte Behälter, und dass sie zu- 
lässt, dass die feinere Röhre c durch einen längeren koni- 
schen Zapfen in die dazu bestimmte Oeffnung e des cylin- 
drischen Behältnisses eingezwängt werden kann, wodurch bei 
einem anhaltenden Gebrauch sie noch weiter geht, ohne 
lose zu werden, so dass sie beim Blasen nicht herausfällt, 
wie dies oft |)ei dem Berg manischen geschieht. Icdi gbudiei, 
dass man ohne alles Bedenken dem Gabn' schon Lötlurohr 



LSthrohr, 839. 

• 

vor alten aDderen Vertrauen sehenken kann. ^ .Wenn ^dad 
Löthrohr zum Glasblasen gebraucht werden soll, bediene ich 
mich einer in einem rechten Wiakel gebogenen .Rohre f, 
die in die Oeffaung e angesetzt wird^ und die uuter allen 
Graden gegen die grosse Rohre geneigt werden kann, wie 
es der Gebrauch erfordert. Fig. 2 zeigt Gähn 's Loihrdhr 
zusammengesetzt« 

Voigt hat ein anderes Löthrohr vorgeschlagen^ das 
auch sehr oft gebraucht wird und recht bequem ist. Es hat 
am Ende einen zirkelförmigen Raum von dem Durehmesser 
eines Zolls und der Tiefe eines Vs Zolles^ von dessen Mittel'^ 
punkt eine feinere Röhre ausgeht, die nach allen Richtunfgett 
gedreht werden kann. Fig. 3 zeigt dieses Löthrohr. Dt«^ 
Unbequemlichkeiten^ die aus dieser Form eüts^ngen^ sind^ 
dass die Breite des Behälters das Instrument minder bequem 
macht ^ um es auf Reisen mit sich zu fuhren^ und dass die 
'bewegliche Röhre beim langen Gebrauche endlieh lose wird, 
Luft durchlässt und ihre Stellung nicht behält.- Diesem wäre 
leicht durch eine unter einem Winkel gebogene Röhre ab-« 
zuhelfen ^ welche in eine konische Oeffnung in dem Hittel- 
punkte des Behälters eingeschmirgelt wird; indesseh behält 
di^se Röhre in allen Fällen eine minder bequeme Form des 
Wasserbehältnisses. 

Da. man bisweilen ungleich^ grosse Löcher in der Löth- 
rohrspitze gebraucht^ so hat Varley ein Löthrohr, mit zwei 
Spitzen vorgeschlagen^ die nach entgegengesetzten Seiten 
gewendet sind^ so dass man bald die eine^ bald die andere 
Seite nach der Flamme wenden kann. Diese Bequemlich- 
keit ist indessen von keiner Bedeutung gegen die Mühe^ 
die man beim Blasen hat^ indem das ^ne Loch der Spitze 
unnöthigerAveise Luft durchlässt. Das Umtauschen des Kno- 
pfes auf der Löthrohrspitze geht übrigens schnell und ist 
selten nöthig. 

Weil der Umstand^ dass das Löthrohr^ ohne etwas von 
«einen wesentlichen Eigenschaften zu verlieren^ wenig Raum 
einnimmt und bequem mit sich geführt werden kann^ von 
grossem Gewichte ist^ vQrzüglich für den^ der sich der 
Mineralogie gewidmet hat^ so haben mehrere Chemiker es 
versucht^ diese Fagenschaft des Löthrohrs bis zum höchsten 

22* 



340 Leihrohr. 

Grade zo briDfen. Unter diesen zeichnet sich besonders 
Tennant's und Wollaston's Löthrohr aus. 

Tennant's Löthrohr besteht aus einer geraden^ cylin- 
drischen^ oder doch höchst unbedeutend leonischen Röhre, 
Fig. 4t. aby welche an dem einen Ende zu ist^ aber einen 
halben Zoll davon eine Hülse hat, worin eine schmalere, in 
einem Winkel gebogene Röhre d eingeschmirgelt ist, so 
dass man sie, wohin man will, richten kann. Wenn das 
Löthrohr gebraucht werden soll, so macht die kleine Röhre 
einen rechten Winkel mit der grösseren, oder beim Glas- 
blasen einen mehr oder weniger stumpfen, und wenn man 
es verwahren will, dreht man die kleine Röhre parallel mit 
der grossen, wie dies die Figur zeigt. Das Instrument ver- 
einigt mit einem grossen Grade von Einfachheit alle An- 
wendbarkeit. Das Wasser, das sich durch das Athemholen 
sammelt, fliesst in das zugeschlossene Ende herunter, und 
kommt nicht in die kleinere Röhre. Bei einer Verglei- 
chung zwischen Gahn's und Tennant's Löthrohr habe 
ich indessen zu finden geglaubt^ dass die Muskeln der 
Wangen früher mit dem letzteren ermüden, weil es bei dem 
Blasen einen grösseren Widerstand leistet , als ein Löthrohr 
mit einem Luftbehälter. Ich möchte dies beipahe mit dem 
Stoss gegen eine härtere oder losere Feder vergleichen. 
Dieser Umstand ist nicht ohne Gewicht, vorzuglich bei mi- 
neralogischen Lötbrohrversuohen, bei denen man sich viele 
Stunden mit dem Löthro{ir beschäftigt. 

Wollaston's Löthrohr nimmt noch weniger Raum ein, 
als das von Tennant. Es besteht aus drei einzelnen Thei- 
len, Fig. b Uy b und c, welche in einander gesetzt werden 
können, so dass sie so nur die halbe Länge und den Durch- 
messer eines gewöbftlichen Löthrohrs haben. Das schmälere 
Ende des Stückes a ist in das weitere Ende des Stückes 
b eiugeschmirgelt, das am andern Ende geschlossen ist, aber 
nicht weit von dem Ende ein Loch hat. Das Stück c hat 
in dem weitern Ende einen platten Boden, ist konisch un^d 
endigt mit einer Spitze, die mit einem feinen Loche verse*- 
hen ist. An zwei Seiten, näher dem weitern Ende, ist das 
Stück c durchbrochen, so dass das schmälere Ende von h 
quer durchgeführt werden kann, indessen nicht rechtwinklig, 
sondern so, dass das längere und schmälere Ende von c mit 



Löthrohr. 341 

b eiuen stampfen Winkel macht. De? Zweck sdieint der 
zu sein^ dass, wenn das Loch bei c mit der Zeit sich er- 
weitert^ so'dass die kleine Oeffnung bei b nicht mehr passt^ 
um nach hinten gegen das platte Ende gewendet zu werden^ 
wo die Wasserdünste sich am besten condensiren^ sie doch 
passt^ wenn das Loch bei b vorwärts gewendet wird. 
Wenn das Löthrohr gut gemacht ist; so» füllt ^ wenn 6 in a 
eingesetzt wird, das schmale und zugeschlossene Stuck von 
b das entsprechende von a; und wenn c eingesetzt wird, so 
schliesst die Oeffnung von b, so dass das Ganze gut gegen 
Staub verwahrt ist^ und mit Leichtigkeit^ wie ein Bleistift^ 
in die Tasche gesteckt werden kann. Es hat die Gestalt 
und Grösse von d. Dieses Löthrohr ist gerade nicht geeig-* 
net^ wenn man die Körper ausführlich durch das Löthrohr 
Studiren will; weil es gewöhnlich nicht luftdicht gemacht 
werden kaun^ keinen Luflbehälter hat^ und der stumpfe Win- 
kel macht; dass der Feuerstrom den Körper , worauf maa 
bläst; nur in einer solchen Richtung treffen wird; dass man 
die Probe nicht gehörig sehen kann« Indessen zu manchem 
Gebrauche; wo ein leichter Transport nöthig ist; kann es. 
durch kein anderes ersetzt werden. Man trägt es in der 
TaschC; ohne dass es unbequem ist; und führt man zugleicb 
ein Platinblech und ein Stückchen Borax mit sidi; so kann 
man viel ausrichten; da man Licht und Kohle überall erhal- 
ten kann. Ich habe mich eft des Wollaston'schen Löth**. 
rohrS; z. B. bei Apothekenvisitationen; bedient; oder beim 
Besehen von Mineralienkabinetten; wo es mir manchmal ge-v 
gluckt ist; mit Hülfe dieses LöthrohrS; falschbenannten Fos- 
silien einen richtigen Platz anzuweisen. 

Die Länge des LöthrehrS; welche Form es auch haben 
mag; richtet sich nach den Augen^ so dass der Körper; wor- 
auf man bläst; in dem Abstände gehalten wird; wo man ihn 
am besten sehen kann. Deshalb bedient sich ein Kurzsich- 
tiger lieber eines kurzem; ein Weitsichtiger eines längern 
Rohres. Das Löthrohr; mit dem ich am besten sehe; hat 
8V4 Zoll Länge und 7V4 Zoll von der Oeffnung des Mund- 
stücks bis dahin; wo die Löthrohrspitze in den Luftbehälter 
eingesetzt wird. 

Das Löthrohr muss entweder aus reinem; kupferfreiem 
Silber gemacht sein ; oder aus verzinntem Eisenbleche mit 



^48 Löthrohr, 

einer Spitse von Messing. Ist die ganze Rdbre von Mes- 
sing gemacht^ so bekommt es^ wenn man es einige Zeit ge- 
braucht hat^ einen unangenehmen Geruch und Geschmack 
aaeh Kupfer. Man hat dies dadurch zu verbessern gesucht^ 
dass man ein knöchernes Mundstück .vorgesetzt hat^ aber 
dadurch vermeidet man nur den unangenehmen Geschmack^ 
nicht den Geruch ^ und hat man schwitzende Hände ^ so be- 
kommen die Finger^ womit das Löthrohr gehalten wird^ einen 
Kapfergeruch^ wenn man ein Rohr braucht^ das einige Zeit 
verwährt gelegen ^ und nicht nach dem Gebrauche rein ge- 
scheuert ist^ was oft sehr bescfau^erlich ist. Dies ist bei 
einer Röhre von Eisenblech nicht der Fall, und für den^ der 
Silber zu theuer findet^ hat die Eisenblechröhre noch den 
Vortheil^ dass sie noch weniger als eine von Messing kostet. 
Man macht dann die Röhre und den cylindrischen Luftbehäl- 
ter zusammenhängend^ und um die Messingspitze legt man 
ein wenig Papier^ wenn sie eingesteckt wird^ wodurch die 
Fugen ausgefüllt werden. 

Obgleich das Silber wärmeleitender^ als jedes andere 
Metall ist, so ist es mir doch niemals begegnet, dass die 
Röhre bei länger fortgesetztem Blasen so warm geworden 
wäre^ dass es mir Unbequemlichkeit verursacht hätte. Die 
kleinen Köpfchen^ die auf die Löthrohrspitze gesetzt werden, 
sind eine wesentliche Verbesserung des Löthrohrs. Sie über- 
zieheil sich mit Rus; die Oeifnung wird dadurch verstopft 
oder verliert die Rundung; sie muss dann gereinigt und das 
Loch mk einer Nadel geöffnet werden^ die man oft nicht zur 
Hand hat Diese Reinigung ist sehr beschwerlidi; aber un- 
umgänglich nothwendig^ weil die Köpfchen alles beschmutzen^ 
worauf sie zu liegen kommen. Ich habe mir daher kleine 
Köpfchen von Platin machen lassen, die aus einem einzigen 
Stücke geschnitten sind; wenn sie zu unrein geworden sind, 
lege ich sie auf eine Löthrohrkohle und glühe sie mit Hülfe 
des Löthrohrs, worauf sie sogleich wieder rein werden^ und 
das Loch ohne die äussere Hülfe sich öffnet. Sind sie ans 
Silber, so halten sie dies nicht aus, denn wenn man sie so 
sehr erhitzt, dass sie anfangen zu schmelzen, so krystalli- 
sirt das glühende Silber beim Erkalten, und sie werden so 
spröde, als wären sie aas einem ungeschmeidigeu Metalle 
gemacht. Um ein gutes Feuer hervorzubringen, ist es noih« 



Löthrohr. 343 

wendige d«8S diese Köpfe nicht mit eiaeiii dfinoen Bleche 
endigen, in welchem ein Loch gebohrt ist^ weil diis Ge- 
ringste^ das sich an's Loch setzt^ sogleich die Flamme ver- 
dirbt ^ und weir das Loch durch häufige Reinigungen bald 
erweitert wird« Sie werden am besten y wenn sie inwendig 
bis V4 ihrer Länge ausgebohrt werden und das Loch dann 
dnrch das übrige Viertel gebohrt wird. 

Ein gläsernes Löthrohr zu gebrauchen^ ist wohl reinlich 
und wenig kostbar^ aber die Zerbrechlichkeit und Leicht- 
schmelzbarkeit der Spitze sind doch so bedeutende Unbe- 
quemlichkeiten ^ dass man sich dessen nur im Nothfall be- 
dient. 

Das BrennmaieriaL — Jede Flamme kann man zu Löth- 
rohrversuchen benutzen^ wenn sie nur nicht zu klein ist^ sie 
mag übrigens die von einem Lichte oder die einer Lampe 
sein. Engeström und Bergman bedienten sich des ge- 
wöhnlichen Lichtes von Talg oder am liebsten von Wf^chs 
mit einem guten Dodite von Baumwolle, und Bergman 
schrieb vor^ dass der Docht nach dem Putzen am Ende nach 
der Richtung sollte gebogen werden^ wohin man die Flamme 
leiten wollte. Die gewöhnlichen Lichter haben den Nach- 
theil, dass die strahlende Wärme von der erhitzten Probe 
das Talg oder Wachs auf der Seite schmilzt, und dass das 
Licht dadurch sehr schnell verzehrt vntA. Uebrigens giebt 
eine gewöhnUche Lichtfiamme nicht immer so starkes Feuer 
als man braucht. Dies veranlasste Gähn, anstatt eines 
Lichtes drei schmalere zu gebrauchen, die aber dicke Dochte 
hatten, welche er in einem dazu eingerichteten Leuchter 
zusammenstellte und sie^ mit einem Male brennen Hess. Das 
gab ein recht gutes Feuer. Indessen wurde er dessen end- 
lich überdrüssig wegen der Beschwerlichkeiten, sich immer 
zu seinen Löthrohrversuchen eine eigene Art Lichter machen 
cu lassen ; er ersetzte sie daher durch eine Lampe , in wel-* 
eher Baumöl mit einem dicken Dochte brannte. Aber da er 
diese nicht auf Reisen anwenden konnte, so führte er immer 
schmale Wachslichte (Wachsstock) mit sich, von welchen 
er nach den Umständen 3 oder 4 zusammenfügte. 

Die Lampen haben ohne Widerrede einen grossen Vor- 
theil vor den Lichtern, aber es ist schwer sie auf Reisen 
mitoBuführen , wegen der Leichtigkeit, mit welcher sie da« 



344 Löthrohr. 

Oel hermoftlaABen. Man bedient sieh am betten des Banmölfl^ 
obgleich reines Rüböl auch angeht; aber dies raucht mehr 
und giebt nicht denselben Grad von Hitze, wie das BaumöL 

Ich bediene mich einer Lampe, welche ^eu Vortheil hat, 
dass man sie leicht mit sich führen und so verwahren kann^ 
dass das Oel nicht herausfliesst. Da diese von allen Ar- 
ten, die ich versucht, gewiss die passendste ist, eine gute 
Flamme zu Löthrohrversuchen zu bekommen, und auch mit 
grösserer Bequemlichkeit als jedes andere Brennmaterial auf 
Reisen mit sich geführt werden kann, so will ich eine Be- 
schreibung davon geben. 

Taf. IV. Fig. 6 zeigt diese Lampe von oben. Sie ist 
von verzinntem Eisenbleche, welches der Reinlichkeit wegen 
lackirt ist, und hat eine etwas konische Form. Sie ist 4 Vi 
Zoll lang. In dem breitern hintern Ende a hat sie einen 
Zoll im Durchmesser, und i&it hier mit einer Hülse versehen, 
vermittelst welcher sie auf ein Messingstift gestellt werden 
kann. Diese Hülse sieht man von der Seite in Fig. 7, In 
dem schmälern Ende b ist sie Vi Zoll und hat auf der obem 
Seite nahe am Ende eine runde Oeffuung c von Vi Zoll im 
Durchmesser. Diese Oeffnung wird von einer aufgelötheten 
Kante von Messing umgeben, die Vi Zoll hoch und inwendig 
mit einer Schraubenmutter versehen ist. Man sieht sie an 
dem Ende der Lampe in Fig. 8* Durch diese Oeffnung giesst 
man das Oel und setzt den Docht in eine kleine längliche 
Hülse von Eisenblech ein, welche auf einer runden Scheibe 
von demselben Stoffe fest sitzt und in die Oeffnung einpasst. 
Die Hülse sieht man in Fig. 9, a von vorn, und b von der 
Seite. Der Messingriog ist ein wenig weiter, als die Oeff- 
nung auf der Lampe, so dass die Scheibe, worauf der Docht 
mit seiner Hülse sitzt, lose auf der hervorspringenden Kante 
auf dem Boden des Messingringes ruht. Wenn die Lampe 
nicht gebraucht wird, so wird sie mit einem Deckel ver- 
schlossen, Fig. 6 ef, welcher sich in den Messingring ein- 
schrauben lässt und durch ein Leder schliesst, das, ehe es 
aufgesetzt worden ist, gut mit geschmolzenem Wachs ge- 
tränkt werden muss. Wenn der Deckel fest geschraubt wird^ 
so drückt die obere Kante des Messingringes gegen das ge- 
wachste Leder und hält vollkommen dicht, so dass, wenn 
das Oel abgetrocknet worden ist, die Lampe ohne die min- 



Löäirohr. Z4& 

4ette Chfiibr verwahrt werden kaan^ und ohne die Sachen, 
auf welchen sie liegt, eu beflecken. Hierbei ist zu merken, 
dafis man nur Wachs gebrauchen muss, um das Leder zu 
tranken, und dass die Schraubengänge innerhalb des Ringes 
sein müssen und nicht ausserhalb, weil im letzten Falle das 
Leder ausserhalb des Ringes auf der Lampe sitzen wird, wo 
es durch die Hitze während des Blasens zerstört würde. 

Wenn die Lampe gebraucht werden soll, so wird sie 
auf ein Messingstativ gesteckt, welches ans einem dicken, 
feststehenden Messingdrath besteht. Fig. 10 zeigt die Lampe 
auf ihrem Stativ. Der stehende Messingdrath ist 12 Zoll 
lang, kann aberdn der Mitte abgeschraubt werden, so dass 
jedes Stück nur 6 Zoll lang ist. Er wird unten mit einer 
Schraube auf einem Kreuze befestigt, das aus zwei 6V2 Zoll 
langen und IV2 Zoll breiten Messingstäben besteht; in 
Fig. 10. de sieht man sie von der Seite, und in Fig. 11 von 
oben. Um zu verhindern, dass die Lampe sich nicht zu tief 
auf dem Messingstift senke, setzt man einen durchbohrten 
Kork f auf, der so enge passt, dass man mittelst desselben 
die Lampe höher oder niedriger nach Bequemlichkeit stellen 
kann. Statt dessen kann man sich auch einer Spirale aus 
feinem Messingdrath bedienen, die man um den Messingstift 
windet. Ich habe diese Einrichtung, die Lampe in einer 
l^wissen Höhe zu halten, bequemer gefunden, als sie mit 
Schrauben und Federn in der Hülse zu befestigen; besonders 
da, bei einer Befestigung mit Federn, diese so leicht abge- 
nutzt werden, und durch eine Schraube die Bewegung um - 
die Achse verloren geht. Harkort bringt mitten auf der 
obem Seite der Lampe eine besondere Oeffnung an, die auf 
gleiche Weise mit einer Schraube geschlossen, und durch 
welche das Oel bequemer eingefüllt werden kann, als wenn 
mau den Docht in die Höhe hebt und das Oel dann ein- 
giesst. Anstatt dass, wie in Fig. 10, die Vorderseite der 
Lampe einen rechten Winkel mit dem Boden bildet, macht 
Hark ort den Boden kürzer, als die obere Seite, wodurch 
dieser Winkel ein stumpfer wird, so wie es die in der Figur 
punktirten Linien zeigen. Das hat die Bequemlichkeit^ dass 
wenn man mit der Probe der Flamme sehr nahe kommeil 
muss, man nicht an die Lampe stösst. Es versteht sich, 
dass man dann den Docht nach der Lange der Lampe zu 



346 Lmrohr. 

stellt; und die Löllirolurflaiiime nicht mudi der fieite riehtet^ 
sondera nach dem Ende der Lampe. 

Wird die Lampe nicht mehr gebraucht ^ so werden die 
Theile von dem Gestelle abgenommen ^ sie können nun weg- 
gelegt werden; nehmen wenig Raum ein und sind leicht za 
transportiren. 

Man braucht auch manchmal zu diesen Versuchen eine 
Spirituslampe; vorzüglich wenn man in Röhren oder Kolben 
von Glas Körper erhitzen will; die auf fluchtige Bestand- 
theile gepröft werden sollen; denn bedient man sich dazu 
einer Oellampo; so beräuchert deren Flamme das GlaS; ohne 
eine hinlängliche Hitze zu geben. Dagegen aber gibt die 
Flamme einer Weingeistlampe lange nicht bo viel Hitze heim 
Blasen; als die einer Oellampe. 

Das Blasen und die Flamme. — Bei dem Gebrauehe 
des Löthrohrs geschieht das Blasen nicht mit den Athmungs- 
organeu; weil man es in diesem Falle nicht lange aushalten 
kann; und weil alles Bemühen; das Athmen länger anzuhal- 
ten; schädlich ist Es geschieht dafür mit den musculis btic- 
cinatoribtts y woraus die Wangen bestehen; man füllt den 
Mund mit Luft; und drückt diese hernach mit den Wangen- 
muskeln durch das Lothrohr. So einfach »dies ist; so hat 
es doch im Anfange einige Schwierigkeiten; welche von 
dem Gladben herrühren; dass man zum Blasen alle Muskeln 
mitwirken lassen müsse; worauf das Ausathmen beruht. Es 
ist eine ähnliche Schwierigkeit; wie z. B. einen Fuss in 
einer entgegengesetzten Richtung von einem Arme auf der- 
selben Seite des Körpers zu bewegen. Es erfordert im An- 
fange einige Uebung; ehe man sich gewöhnt; die Muskeln 
des Mundes nteht gemeinschaftlich mit denen der Brust wir- 
ken zu lassen. Das erste; was man versuchen musS; ist; 
den Mund aufgeblasen zu erhalten bei einem fortwährenden 
Aus- und Einathmen. Man stelle sich vor; dass zwischen 
den Lippen eine kleine Oeffhung sei; wodurch etwas Lufl 
herausströmen kanu; so dass die Wangen nach und nach 
ein wenig zusammensinken; während dessen man fortfUnrt; 
die Gemeinschaft zwischen der 'Mundhöhle und der Brust- 
höhle zu verschliessen; man braucht; um den Mund wieder 
m füllen; nichts anderS; als beim nächsten Ausatbmen wie- 
der dmrch «te» Schlund Luft einzulassen ; so dass die Wan- 



Laihrohr. 347 

gen von Neuem gespannt werden. Die hvitf die auf dieig^ 
Art innerhalb des Mundes leicht zusammengedrückt wird^ 
fahrt fort^ ununterbrochen durch die feine Oeffnung zu gehen» 
Das ist es gerade^ was beim Gebrauche des Löthrohrs ge« 
schehen soll ; und die Luflt^ welche durch die feine Oeffnung 
des Löthrohrs fortgeht^ ist gewöhnlich an Quantität so ge* 
ringe^ dass man nicht nöthig hat^ die Mundhöhle bei jedem 
Ausathmen anzufüllen. Im Anfange^ wenn man sich daran ge-* 
wohnen muss^ geschieht es oft mit Schwierigkeit^ aber nach 
eines oder einiger Tage Uebung hat man die Fertigkeit inne, 
und nach einiger Zeit^ nach dem Gebrauche des Löthrohrs^ 
geht alles von sich selbst^ ohne dass man darauf die min<^ 
desto Aufmerksamkeit zu verwenden' braucht^ und ohne dass 
das Athmen auf irgend eine Weise erschwert wird. Di« 
einzige Unbequemlichkeit dabei ist die Müdigkeit der Mus- 
keln des Mundes^ welche ausser der Ungewohnheit auch 
davon herrührt; dass die Anfanger gewöhnlich härter als es 
nöthig ist; das Mundstück des Löthrohrs mit den Lippen 
einschliessen und heftiger blasen^ als es die Probe erfordert« 
Uebrigens ist das Blasen so leicht und erfordert so wenig 
Bemühung; dass jeder; der nicht einen Fehler im Gewölb* 
des Gaumens hat; es erlernen kann. 

Wenn man einen beständigen Luftstrom unterhalten 
kann; so muss man sich üben; ein rei^t gutes Feuer zu 
geben; wenn man auf die Flamme der Lampe bläst. Hierzu 
wird eine Kenntniss der Flamme und deren einzelnen Theile 
erfordert. Betrachtet man die Flamme auf einem brennenden 
Lichte; so sieht maU; dass sie aus vielen einzelnen Theilen 
besteht; von den^i man bestimmt vier unterscheiden kann. 

' Taf. IV. Fig. 12 stellt eine Lichtfiamme vor; wenn nicht 
darauf geblasen wird. Bei der Basis ders^ben erscheint ein 
kleiner dunkelblauer Theil ac, welcher immer schmaler wird; 
je mehr er sich vom Dodite entfernt; und welcher ganz 
verschwindet; da wo die Seiten der Flamme gerade auf- 
steigen. Mitten in der Flamme ist ein dunkler Theil ad, 
welcher durch den leuditenden Theil erscheint Dieser Theil 

* enthält die vom Dodite aufisiteigenden Stoflfo; die noch nicht 
mit der Luft in Berührung gekommen sind; und daher noeh 
nicht brennen. Um diesen ist der eigentlich leuchtende Theil 



348 Lathrohr 

der Flamme^ uud an den äussersten Kanten sieht man mit 
einiger Aufmerksamkeit eine wenig leuchtende dünne Um- 
gebung cCy weiche gegen die Spitze der Flamme breiter 
wird. Dies, ist die Stelle^ wo die Verbrennung der brenn- 
baren Ga^arten geschieht^ und der heisseste Theil der Flamme. 
Führt man einen feinen Drath von Eisen oder Platin hinein^ 
80 sieht man^ dass der Drath am stärksten in der Spitze der 
Flamme glüht^ senkt man aber den Drath tiefer in die Flamme^ 
80 findet man^ dass die Stelle, wo der Drath am stärksten 
glüht, die Punkte sind, wo er in die Flamme und aus der- 
selben geht, das heisst, da, wo er sich in der dünnen^ 
wenig leuchtenden Umgebung der Flamme befindet. Hat 
man einen sehr feinen Drath, so sieht dieser aus, als wäre 
er aufgeschwollen um die Dicke mehrerer Durchmesser, und 
diese scheinbare Aufschwellung, welche eine Erscheinung 
ist von gleicher Art mit der, als wenn z. B. die Fixsterne 
einen bestimmten Durchmesser zu haben scheinen, nimmt in 
dem Grade zu, je mehr man der Stelle näher kommt, wo 
die untere blaue Kante der Flamme aufhört, so dass der 
Punkt, wo die Luft mit ihrem ganzen Sauerstofigehalt die 
Flamme trifft, die heisseste Stelle ist. Wenn wir nun mit 
der Spitze eines Löthrohrs Luft mitten in die Flamme hin- 
einblasen, wie es Fig. 13 vorgestellt wird, so erscheint vor 
der Oeflnung des Löthrohrs eine lange und schmale blaue 
Flamme ac, welche dieselbe ist, wie ac in Fig. 12, aber 
nur ihre Form geändert hat, so dass sie nun mitten in einen 
kleineren Raum concentrirt ist und einen schmalen Cylinder 
bildet, anstatt dass sie vorher eine Hülse um die Flamme 
war. Vor der Spitze dieser blauen Flamme ist der heisseste 
Punkt, gleichwie in der freien Flamme, aber in dieser bildet 
er einen ringförmigen Gürtel um die Flamme herum, in jeuer 
hingegen ist er in einem Punkte zusammengedrängt; er wird 
daher weit heisser, schmilzt und verflüchtigt Stofie, auf 
welche die freie Flamme wenig oder gar nicht wirkt« Hier^ 
auf gründet sich nun die hohe Temperatur, welche man 
durch das Löthrohr bewirken kann; man lässt hier auf einem 
kleinen Fleck innerhalb der Flamme das geschehen, was 
sonst ausgebreitet auf der ganzen äussern Seite derselben 
vor sich geht, gerade als wenn man das Aeussere der Flamme 
nach innen wendete« Uebrigens trägt der umgebende Theil 



Löthrohr. 349 

der lauchtenden Flamme noch dazu bei^ die Ableitung der 
erregten Hitze zu verhindern. 

Es erfordert eine lange Uebung^ ehe man mit Sicherheit 
meht, wo 'die stärkste Hitze ist^ denn ungleiche Körper 
geben beim Glühen ungleiche Scheine von sich^ und man 
muss sich nicht vom Lichte täuschen lassen. Es ist nämlich 
Böthig^ weder zu stark ^ noch zu schwach zu blasen^ weil 
im ersteren Falle die Hitze durch den überflussigen Luft- 
strom verringert^ und im letzteren keine gehörige Hitze 
durch ein zu schwaches Feuer bewirkt wird. Eine sehr hohe 
Temperatur wird erfordert^ theils wenn man die Schmelz- 
barkeit der Körper untersuchen^ theils wenn mau verschie- 
dene Metalloxyde reduciren will^ die den Sauerstoff sehr fest 
halten^ wie z. B. Eisen- und Zinnoxyde. Aber es ist nicht 
nur die hohe Temperatur^ welche man mit dem Gebrauche 
des Löthrohrs beabsichtigt; es gibt noch andere Erscheinun- 
gen^ die eine minder starke Hitze erfordern^ nämlich die 
Oxydation und Reduction^ welche sich leicht bewerkstelligen 
lassen^ obgleich beide einander entgegengesetzt sind. 

Die Oxydation geschieht^ wenn man die Probe vor der 
äussersten Spitze der Löthrohrflamme erhitzt^ wo alle brenn- 
baren Theile oxydirt werden. Je weiter von der Flamme^ 
desto besser geschieht die Oxydirung^ wenn die Temperatur 
dabei hinlänglich hoch erhalten werden kann^ wobei man 
sich vorsehen muss^ dass eine zu starke Hitze oft der Oxy- 
dirung entgegenwirkt, vorzüglich wenn die Probe auf Kohle 
liegt. Am schnellsten geschieht dies bei anfangender Glü- 
hung. Die Löthrohrspitze muss dabei ein grösseres Loch 
haben. 

Die Reduction geschieht am besten mit einer feinen 
Oeffnung^ welche man auch nicht tief in die Flamme der 
Lampe einsenken muss, wodurch eine mehr leuchtende Flamme 
gebildet wird^ deren Theile nicht richtig verbrannt werden^ 
und dadurch den Sauerstoff von der Probe aufnehmen^ wel- 
che wie in einer brennbaren Gasart/ erhitzt betrachtet wer- 
den kann. Wenn sich Rus auf die Probe absetzt; so ist 
dies ein Beweis, dass das Feuer zu rauchig ist, wodurch 
die Wirkung beim Blasen bedeutend vermindert wird. Man 
sah sonst die blaue Flamme für die eigentlich reducirende 
an, aber das ist falsch. Es ist eigentlich der leuchtende 



350 Lithrohr. 

Tfaeil der Flamme^ welcher reducirt; man mvurn ihn so auf 
die Probe lenken^ das« die Flamme von allen Seiten gleich 
umspielt and dass dabei nidit Luft zak<Hnmen kann. Ich 
erinnere nar noch einmal^ dass es die brennbare Atmosphäre 
iaiy in welcher die Probe erhitzt wird^ und nicht die Kohle^ 
worauf sie liegt ^ welche hauptsachlich die Reduction bewirk^ 
denn die Reduction ^ welche durch die Kohle in dem Beruh« 
vongspunkte mit der Probe geschieht, geht eben so gut k 
der äussern wie in der inneren Flamme vor sich. 

Das Wesentlichste bei diesen Reactionsproben ist; so- 
wohl Oxydation; als auch Reduction gehörig anstellen sn 
können; was bei einiger Uebnng bald gdemt wird. Die 
Oxydirung ist so leicht; ^bss man dazu nur die Vorsdirift 
gebraucht; aber die Reduction erfordert mehr Gewohidieit 
und KenntnisS; die Flamme zu beurtheiten. Es ist etne sehr 
gute Art; wenn man sich üben will; ein gutes Reductions- 
feuer zu geben; ein kleines Zinnkom zu nehmen; und dies 
bei Weissglühhitze auf der Kdile so zu schmelzen; dass 
die Oberfläche sich beständig metallisch erhält. Das Ziaa 
hat ein solches Streben; sich zu oxydireO; dasS; so wie die 
Flamme nur ein wenig zu Oxydationsfeuer verändert wird; 
sich Zinnoxyd bildet; welches das Metall mit einer nicht 
schmelzbaren Rinde bedeckt. Man filngt mit einem kleinen 
Zinnkorne an; und nimmt dann immer ein grösseres; und 
je mehr Zinn man auf diese Art in der Glühhitze metallisch 
erhalten kanu; desto mehr ist man Meister in der Kunst *)* 

Die Unterlage. Kohle. Die Probe; welche der Loth- 
rohrflamme ausgesetzt werden soll; muss auf etwas liegen^ 
oder auf irgend eine Art festgehalten werden. Dazu posst 
am besteq gut ausgebraunte Holzkohle. Die von reifem 
Fichtenholze oder von leichtem Laubholze passt diau am 
besten. Die Kohle von der Tanne prasselt, und schleudect 
oft die Probe fort; und die Kohle von hartem und schwerem 
Laubholze gibt so viel; und nicht selten so eisenhaltigo 
Asche; dass man sich nur im Nothfalle ihrer bedienen müss. 



0} Wenn man ein solches weissglühend schmelzendes Zinnkom vA 
einen Bogen Papier wirft, dessen Kanten ein wenig aufgebogen sind^ 
•0 sertheilt sich das Korn in viele kleinere, welche auf dem Papiere 
berumhüpfen imd mit vielem Glaaxe brennen.. 



Lathrohr. 351 

Bacben- und Biohtoholz sind dieser Ursache wegen niehl 
tangtich. Ich habe nicht Gelegenheit gehabt^ Buchsbaum 
zu versuchen. Gähn vermuthete immer ^ dass diese Art 
II0I22 die beste Lothrohrkehle geben sollte; aber er hatte 
beinahe nur Erfahrung von Kohle vom Nadelholze. Von 
den vielen Arten Kohle ^ die ich Gelegenheit gehabt habe 
in Ländern zo versuchen, wo die letzgenannte nicht erhalten 
werden konnte, habe ich gefunden, dass Kohlen von SaHx 
albtty oder von Salices im Allgemeinen die besten sind» 
Gleichwohl gebe ich den Vorzug einer Kohle von reifem 
und geradegespaltenem Fichtenholze, welche man mit einer 
Säge in lange parallelepipedische Stücke schneidet, die^ 
wenn läie gut abgeblasen sind , die Hände nicht beschmutzen. 
Man gebraucht nur die Seiten, wo die Jahresringe auf der 
Kante stehen, weil die Flüsse auf der andern sich auf der 
Oberfläche der Kohle ausbreiten. Da der Zwischenraum 
zwischen den Jahresringen eher verbrennt, als die Jahres-« 
ringe selbst, so gewinnt man dadurch den Vortheil, dass 
die Probe nicht auf ihnen liegt, und daher nur ein Paar 
Berührungspunkte mit der Kohle hat. 

I>ass die Kohle, von welchem Holze man sie auch nimmt^ 
gut ausgebrannt sein muss, versteht sich von selbst, weil 
die, welche prasseln, rauchen und brennen, nicht angewendet 
werden können. 

Gähn vermuthete, dass Kohle, welche manchmal ia 
onsem Hohofen unverbrannt bis zur Form herunterkommt^ 
besonders gut zu einer Löthrohrkohle passen würde, weil 
sie einen Theil von ihrer Brennbarkeit verloren hat^ und 
daher nicht so leicht verzehrt wird. Ich sammelte daher 
einmal solche Kohlen von einem Hohofen. Ich fand sie weit 
schwerer und fester als gewöhnliche Kohle, und dabei weit 
schwerer verbrenubar. Aber ich erstaunte sehr, als ich fand, 
dass ich auf dieser Kohle nicht dieselbe hohe Temperatur 
erhalten konnte, wie auf der gewöhnlichen. Ich schrieb 
dies im Anfange dem Umstände zu, dass die strahlende 
Wärme, welche auf unsem gewöhnlichen Kohlen von den, 
die Probe nah umgebenden in Brand gesetzten Theilen der 
Kohle ausströmt, einen wesentlichen Einfluss zur Tempe-* 
ratur-oErhöhung haben könnte f aber ich iand sogleich meinen 
Irrthum^ als ich bemerkte, dass die Kohle weit von der un- 



35S UUhrohr. 

adttelbar eAitzteii Stelle so heLss worde^ dass ich sie fallen 
lassen musste. Diese Kohle ist um so wärmeleitender^ je 
dichter sie ist^ und es wäre möglieh; dass dies die Ursache 
ist; warum sie so langsam brennt Sie kann also nicht 
wohl zur Ldthrohrkphle angewendet werden. 

Platin. Bei gewissen Fällen ^ wo die redudrende Kraft 
der Kehle die Reaction vernichten kann, die man hervor- 
bringen will; bedient man sich des Platins^ das theils in 
Form eines kleinen Löffels gebraucht wird; theils in Form 
eines dünnen Bleches ; oder als Drath von einer gewissen 
Feinheit 

d) Platinlöffel. Mau gebrauchte lange; vorzüglich bei 
Behandlung der Mineralien mit Soda; Löffel von Gold oder 
"von Silber; aber diese schmelzen leicht; oder werden we- 
nigstens durch eine zu starke Hitze beschädigt Nachher 
bat man die von Platin gebraucht Diese Löffel werden in 
4er Rundung V4 Zoll im Durchmesser; und 1 Linie tief 
j;emacht; und sitzen auf einem schmalen; kurzen und spitci- 
gen Schaft Wenn sie gebraucht werden sollen; wird dieser 
4Bpitzi|ge Schaft in die Löthrohrkohle eingeschoben; welche 
alsdann als Handgriff dient Je dünner das Metall in diesen 
Löffeln ist; desto besser kann es erhitzt werden. In Eng- 
land habe ich sie von dünnem Platinblech geschlagen ge- 
sehen; welches auf beiden Seiten des Schaftes doppelt um- 
gebogen war; um mehr Festigkeit zu geben, ungefähr sO; 
wie man es mit kleinen Löffeln von Eisenblech macht. Der 
Platinlöffel ist für Löthrohrversuche ein ziemlich entbehr- 
liches Instrument; nachdem man gefunden; dass die Mine- 
ralien mit Soda am besten auf Kohle behandelt werden; und 
die Grösse des Löffels macht ausserdem; dass man dar- 
auf nicht den Grad der Hitze geben kann; den man oft 
nöthig hat 

bj Platinblech. Wollastou hat; anstatt des LöffelS; 
Blech von sehr dünnem ausgewalzten Platin eingeführt; das 
in Stücke; von einigen Zoll Länge und V2 Zoll Breite; ge- 
schnitten wird. Dieses Blech kann sehr stark erhitzt wer- 
den; weil das dünne Metall wenig Wärme aufnimmt oder 
fortführt; und wenn man mit einem Male erhitzen und 0x7- 
direii will; so lenkt* man die Flanmie auf die untere Seite 
des Bleches. Das Platin ist so wenig wärmeleitend; dass 

wenn 



Löthr^br. %^ 

wenn ^e Probe luif d^m ^en Ende Kegt^ und num das 
andere mit den Fingern hUty dies nicht zu beiss wird. 
Man muss nipht auf Platinblech metallische Stoffe im regu- 
linischen Zustande behandeln^ oder auch nicht solche^ d|c{ 
während des Blaseus reducirt werden können^ weil das Pla- 
tin sich damit verbindet ^ schmilzt und ein Loch bekommt. 
Mit einiger Achtsamkeit kann man sieh ^idlkx lange desselben 
Bleches bedienen; sollte es beschädigt werden^ so kann 
man den bes<Aädigten Theil abs^^hneiden^ und wenn durch 
ZM viele Abschneidungen das Blech so kurz wird^ dass man 
es nicht mehr mit den Fingern haUen kann^ so befestigl 
man es mit einer Zange. 

c) Ploiiniraih. Gabn^ der den geringen Nutzen eiur 
gesehen hatt^^ den man von dem Gebrauche des Platinlöffelff 
hat 9 und nicht den Gebrauch des Platinbleches kannte^ er- 
fand e^ne andere Art^ Platin zpr Unterlage z.u gebraucbepi 
welche die vorhergehenden übertrüQTt^ und sie in den meisten 
Fällen entbehrlich nukcht. ' . 

£in Platiodrath von 2V2 Zoll Zwänge wird an einem Elnde 
zu einem Oehr gebogen^ wie Fig. 14 zeigt. Dies Oehr wird 
nun als Unterlage auf folgende Art gehraucht. Das Oehr 
wird mit dei^ Munde angefeuchtet und in die Flüsse ge- 
taucht j welche sich daran befestigen , worauf sie in der 
Löthrohrflamme zu einem Tropfen geschmolzen werden^) 
W^her an der Biegung aufgehängt b]eibt. Darauf befeuch- 
tet man die Probe ^ die sich nun an die. erstarrten FJüssf 
befestigt und mit ihnen gemeinscbLaftlich erhitzt wird, l^an 
hat nun die zusammengeschmolzene Masse in einem sglcbeiit 
Zustande; dass sie ^lit^ aller Bequemlichkeit betrachtet. wer- 
den kann^ frei von dem falschen Farbenspiele^ das sich 
m^cbmal auf der Koiile ;seigt^ durch die Befestigung dei: 
Kugel auf einem schwarzen Boden« 

Diese Methode ist jso vollkommen i^rem Zwecket .t^Vt-? 
$|»'ecbend> dass sie in den meisten Fällen den Cjfeb^f^Qli 
der Holzkohle übertrifft^ und bei allen, Gelegenheft^n^ be^ 
denen ein ^taU nfcht watff^"^ |de3 JBlase^ reducirt vi^ird^ 
mit grösserem VprtheM angewandt werden kann^ als die 
KioUe. Im Allgemeine;! mü/ssen alle Oxydatiensversuche und 
solche Re Aietionen > die ^blos» Farbemreranderungen in den 
Flüssen beabMchtigen^ auf Platin^ratb gei^fi^^^ben. Hier^i^^ 

X. ' 23 



354 Laikrohr. 

Intiss ich anmerken^ dass das Platin durchaus nicht beschä- 
digt wird^ oder während der Schmelzung mit Phosphorsalz 
sich mit Phosphor verbindet; ich habe vergebens versucht^ 
es mit Phosphor zA verbinden, selbst wenn ich das Phos- 
phorsalz mit Boraxsäure gemengt, und darin Platin auf Kohle 
erhitzt habe. 

Wenn man einen Fluss bis zu dem Grade von Reaction 
reducirt hat, den man als hinlänglich ansieht, und will durch 
eine schneDe Abkühlung einer abermaligen Oxydimng der 
Probe ssuvorkommen, so kann mau durch einen gelinden 
Stoss am Drathie die geschmolzene Perle auf einen kalten 
Körper werfen, z. B. auf eine Theetasse oder einen kleinen 
Amboss, wo sie sogleich erstarrt, was oft recht nützlich ist 
Man muss mehrere Dräthe^ zur Hand haben, um nicht das 
darauf sitzende Glas mit Gewalt abzunehmen ; man kann es in 
Wasser auflisen, ohne dass man darauf zu warten braucht. 

Smithson wendet den Platindrath selbst zum Fest- 
balten von kleinen Splitterchen, die der Flamme ausgesetzt 
werden sollen, auf die Art an, dass er an das Ende des 
Drathes etwas feuchten, feuerfesten Thon befestigt, und da- 
mit das Splitterdien berührt, worauf geblasen werden soll, 
welches nun daran festsitzt. Der Thon wird zuerst in der 
Flamme getrocknet, und hält dann das Splitterchen fest, so 
dass es während des Blasens nicht abfallt. 

Auf Reisen, wo es manchmal schwer ist, recht gote 
' Löthrohrkohlen zu erhalten, weil man deren nicht viel mit 
sich führen kann, ist der Platkidrath eine' unentbehrliche 
Sache, durch die man die Kohle bloss zu solchen Versuchen 
aufspart, wo ein Metall zur metallischen Form zurückge- 
führt wird, oder wo ein schwefel- oder arsenikhaltiges Fos- 
sil geröstet werden soll. Was die Dicke des Platindrathes 
betrifft, so ist diese gleichgültig; aber je feiner er ist, desto 
besser ist er, wenn er nur' nicht so fein ist, dass er sich bei ei- 
nem starken Blasen biegt. Ist er zu grob, so nimmt er zu vid 
Wäitne fort. 

Disthen, De Saussare bediente sich, ehß der Ge- 
brauch des Platinbleches bekannt war, feiner Fid^n eines 
unschmelzbaren Fossils, das DisUiih,. Cyanit«oder Sappare 
genannt wird. Dieses Fossil lässt.sich in feine Fäden thei- 
leii^ welche an dnanEnde an' eine Gla«r0hre feetgesdanotami 



Lothrohr. 355 

werden^ die zum Handgriff dient ^ wahrend man an dem an- 
dern Ende die Probe entweder mit etwas Wasser oder mit 
Gummiwasser befestigt, und darauf bläst» Dieses Fossil ist 
indessen nicht so allgemein^ dass man es sich immer ver- 
schaffen kann, und der Gebrauch desselben ist durch das 
Platinblech überflüssig geworden. Der Disthen hat dabei 
noch den Nacbtheil , von den Flüssen angegriffen zu werden» 

Ein GUmmerhlait kann manchmal zur Rostung metalli- 
scher Fossilien angewandt werden, wenn man Nacbtheil 
von der reducirenden Wirkung der Kohle befürchtet, die in 
den Berührungspunkten mit der Probe vor sich gebt 

Feuerfester Thon kann auch, nach Smithson's An- 
gabe, angewandt werden, wenn man zwischen zwei Papier- 
blättern mit einem glatten und breiten Hammer den Thon 
bis zur zweckmässigen Dünne ausklopft. Man schneidet ihn 
dann in schmale, spitzwinklige Dreiecke, in breitere Streifen 
u. s. w. Am besten indessen erhält man diese auf die Weise, 
dass man gleiche Theile von gebranntem und ungebranntem 
Thon mit Wasser zu einer steifen Paste bearbeitet, die auf 
einem dünnen Papiere ausgebreitet wird, worauf ein weiches 
Papier darauf gelegt und die Masse mit einer kleinen Rolle 
geebnet wird, wozu man eine cylindrische Flasche gebrau- 
chen kann. Darauf wird die Masse noch feucht zerschnitten, 
erst etwas in der Luft, und dann unter einer Presse voll- 
kommen getrocknet, weil sie sich sonst wirft und faltig wird. 
Man kann ihr dann die Form von kleinen Schälchen (Ka- 
pellen} geben, weÜi man runde Scheiben ausschneidet, die 
darauf in einer passenden Vertiefung mit einem entsprechen^ 
den Stempel, beide aus hartem Holze gedrechselt, gepresst 
werden. — Diese Thonscheiben halten die Wirkung des 
Borax aus^ und werden nicht vom Bleioxyd aufgelöst. Sie 
müssen vor dem Blasen in der Flamme einer Spirituälampe 
erhitzt werden, um die hygroskopische Feuchtigkeit zu ver- 
jagen. Sie werden am besten mit der Hand gehalten; kleine 
Stückchen, so wie die Kapellen, werden auf Kohle gelegt. 

Glasrohren. In Solchen Fällen, wo die Probe geröstet 
wird^ um die Stoffe kennen zu lernen, die dabei entwickelt 
werden, bediene ich mich einer Glasröhre von wenigstens 
3 Zoll Länge tmd einer Linie im Durchmesser, die an beiden 

23* 



356 Löthrohr. 

Seiten offen ist Die Probe wird hineingelegt nahe dem ei« 
nen Ende^ worauf die Röhre mit diesem Ende niedrig ge- 
balten wird. Je nachdem man mehr oder weniger Wärme 
gebraucht^ wird die Stelle, wo die Probe liegt, entweder 
mit einer Spirituslampe erhitzt, oder durch Blasen mit der 
LöthrohrflUtmme ; und je nachdem der Luftzug sein soll, 
neigt man die Röhre mehr oder weniger. Biß Körper, welche 
durch die Verbrennung gebildet werden, und flüchtig, aber 
keine Gase sind, sublimiren sich in dem obern Theil der 
Röhre, und können dafin erkannt werden.. Diesen kleinen 
Apparat sieht man Fig. 15. 

, GlccsJcolben. Wenn man den Gehalt der Körper an 
Wasser oder an andern flüchtigen Stoffen untersuchen will, 
oder die Probe stark decrepitirt, so muss sie in einer Glas- 
röhre erhitzt werden, welche an einem Ende zugeUasen, 
hier ein wenig erweitert ist, und die Form eines kleinen 
Kolbens hat, Fig. 16, weil die flüchtigen Stoffe sich leichte 
ausjagen lassen, wenn die Luft im Apparate circuliren kann« 
Wenn man hingegen brennbare Körper von der Probe zu 
sublimiren hat, wie z. B. Schwefel, Arsenik etc., so muss 
die Röhre am zugeblasenen Ende nicht erweitert sein, um 
die Verbrennung zu verhüten, die der Luftzug verursachen 
kann* 

Von Engeström schrieb vor, die decrepitirenden 
Stoffe in einer kleinen Vertiefung in der KoUe zu eriiitzen, 
diese mit einer andern Kohle zu 1)edecken, und eine kleine 
Oeffiiung zu lassen , damit die Flamme des Löthrohrs hinein- 
kommen könne. Bergman gebraucht^ theils zugeblasene 
Glasröhren, theils einen Löffel mit einem Deckel und einem 
Chamiere, und dies ist auch recht bequem. W oll asten 
legt die decrepitirenden Stoffe in die Falte ^nes Platinblechea 
Gähn zog die kleinen Glaskolben allen andern Dingen vor, 
aber er gebrauchte sie nur für Decrepitationen, und schenkte 
den Reactionen, die man durch die Sublimationen erb&ll^ 
wenig Aufmerksamkeit. 

Zur Untersuchung der metallischen Stoffe gebraoclil 
man sehr oft Glasröhren und Glaskolben, die h&uflg durch 
den. Versuch zerstört werden. Man muss deshalb im Voraus 
mit einer hinlänglicdien Anzahl derselben versehen sein« Bs 
ist beschwerlich, sie mit sic{i auf Reisen zu führen^ und es 



Loihrokr. 957 

UC oft «äiwer ) nea^ zu erh«Iteii, wenn die verdorben sind. 
Ich pflege dfinne Glasröhren in 6 bis 6 Zoll lange Stücke 
sn zerschneiden, nnd sie in einem Futteral von Holz oder 
läflieuMlecii zn verwahren. Die Stelle^ wo die Ptobe in der 
offenen Röhre erhitzt wird, kann nicht zum zweken Male 
erhitzt werden^ obae zn springen^ wäil das Glas gewöhnlich 
seine runde Form verliert. Man schneidet es deshalb mit 
^ner Felle ab^ mid macht die Glasröhre inVrendig mit cHinem 
Bisendrathe und e4ii wenig Papier rein^ worauf sie wie^mm 
gebrandit werden kann, und so kann man 7 bis 8 Ph>ben 
«listellen^ ehe sie zu kurz wird, weil A^ für jedelPröbe ntik 
Vs ZoU kürzer wird. Auf gleiehe Welse kann mah es mit 
den :&ugeblasenen Röhren mächen ^ bei denen nadi ange«* 
steUter Ptobe der gebrauchte Theil abgeschnitten und die 
Röhre rein gemacht wird. i 

Die Glaskolben werden selten einem solchen Feuer aus«* 
gesetzt,, dass sie davon zerstört werden; man kann sie Aes^ 
halb lange gebrauchen. Man nm^ indessen ein PlEiar fertig 
geblasene in Bereiti^chaft haben; diejenigeul indessen, die 
ohne Erweiterung an einem Eifde bles zugebläsen sind^ mächt 
man am besten jedesma^5 wänti man s!e gebraucht, indem 
man sie mit dem LÖthrohr und der Spirituslampe zuschmilzt^* 
um dieselbe Röhre bald off^'und ib'äld zugeschlossen ge- 
bf andren zn* können. Wenn- eite -Röhre zu kurz wird, um 
sie offen zu gebrauchen^ kann man sie zugebla<ien benutzen. 

Instrumente y die mä den vorhergehenden zu jLöthrohr- 
tersitchen gebraucht ivtrdeni t. Zangeti. Man gebraucht 
Zangen von verschiedener Art und zn verschiedenen End- 
zwecken. 

a) JSfow Zange y um it)dhrend des Blasens die Probe da- 
mit zu hatten. Es kommt oft vor^ dass kleine Stückchen^ 
deren 8chmelzbarkeit man untersuchen will^ Von dem Luft- 
Strome fortgeführt werden, welchen die Flamme gegen dief 
Kohle treibt. Man hält sie daher mit einer Zange, welche 
Entweder gaaü und gai' von Platin gemächt ist, oder deren 
Spitzen von diesem Metalle sind. Diese wird dm besten 
von Stahl gemacht, wie Fig. 17 von zwei Seiten zeigt; ab 
sind zwei schmale Blätter von Stahl, von der Form, wfe 
«le die Figur zeigt, welche beide am Ende &• einen schmalen 
Ansatz von Platte bc haben, der durch ein Paar Niete an 



358 LSthrohr. 

dem Stahl befestigt ist* Diese Bl&iter itod in der Mitte 
durch Niete mit einem dünnen Eisenstück zusammengefugt, 
i^elches zwischen ee liegt ^ wodurch sie eine doppelte Zange 
bilden^ die am Ende a abstehende breitere Schenkel von 
Stahl ^ und am Ende c zusammenliegende dünne ^ schmale 
pnd lange Schenkel von Platin hat^ welche durch die Feder« 
kraft des Stahles im Stücke bc zusammengehalten werden. 
Um sie zu öffiien^ hat jedes Stück von b c seinen Knopf dd^ 
welcher durch das eine geht^ und an dem andern befestigt 
ist^ auf die Art^ dass wenn die Knöpfe dd mit dem Daumen 
und mit dem Zeigefinger gedrückt werden^ d^e Platinspitzen 
sich trennen^ und die Probe umfassen können^ die nw^^ wenn 
das Drücken aufhört, von der eignen Federkaft der Zange 
festgehalten wird. Die Platinspitzen müssen bei b einiger- 
maassen stark sein^ um nicht der Federkraft des Stahles 
nachzugehen; aber sie mi^ssen in allen Dimensionen gegen 
c abnehmen^ um nicht durch ihre Masse zu ziel Wärme von 
der Probe abzuleiten. Die Stahlschenkel müssen bei a ge- 
härtet seiu^ um nicht geritzt oder stumpf zu werden ^ wenn 
man sie gebraucht^ um kleine Stückx^hen aufzunehmen oder 
von den Mineralien abzubrechen^ die man prüfen will. Diese 
Zange ii^t bei. uns aus Frankreich eingeführt^ und sie ent« 
spricht ihrem Endzwecke vollkommen. 

Man gebraucht in England eine andere von eioer miiider 
bequemen Form. Man sieht sie Fig. 18 im Profil. Die 
Si^nkel ab sind von Messing und hängen in a zusammen. 
Bei b sind, wie bei der vorhergehenden, 2 Platinspitzen bc 
festgenietet. Die Zange wird durch ihre Federkraft offen 
gehalten, und geschlossen durch einen doppelten Knopf »? 
welcher in einem länglichen Loche in den Schenkeln auf 
und nieder geschoben werden kann. Wenn die Knöpfe von 
ag^en c geführt werden, so schliessen die Schenkel dich- 
ter gegen einarider, so dass die Zange bei c geschlos^^ 
ist. ee sind zwei Holzstückchen, die an den Schenkeln 
befestigt sind. Man hält die Zange mit diesen, weil das 
Messing so wärmeleitend ist, dass man sich leicht an der 
Zange brennen könnte, wenn man auf eine durch die Platin* 
flqpitzen festgehaltene Probe einige Zeit bläst. 

bj Wenn man etwas mit grösserer Kraft fest halten 
muss, Bo bedient man sich einer Eisenzange, die ebeni^ 



J 



L&hrohr. 359 

wie die voriiergeliende gemadit ist^ wad die. man Big, 19 
abgebildet findet. Der Knopf dd, durch welchen die Zange 
geschlossen \^ecdeu kann, hat auf der hintern Seite Staht* 
federn de^ die yerfaindera, dass wenn die Zange einen 
grösseren Gegenstand fasst^ der Knopf nicht zurück gleitet^ 
ynd die Zange sich dadurch öffnet. 

cj Um Ton den Mineralien ohne Schaden Inr die Stufen 
kleine Proben abzubrechen^ ohue säe zn zerschlagen^ oder 
um kleine Stückchen theilen zu können^ bedient man sidi 
einer Kneifzange, die wie eineN'agelzange, Fig. 20, gemacht 
ist^ mit dem Unterschiede, daas die abkneifende Schärfe 
mehr breit und stark als scharf sein musr, weil sonst die 
Stückchen leicht aus der Schaffe springet. 

d) Eine besondere Zange zur Ausbesserung des'Lam^ 
pendochtes. Hierzu gebrauche ich eine Zange von Eisen, 
deren zusammenhängendes Ende mit einer langen Spkz^ 
versehen ist. 

A * ' 

2. Hämmer. Fig 21. Man muss zwei Hämmer habend 
beide von gutem und gehärtetem» Stahl j der eine am jSnde 
rund und polirt, um die reducirten Mi&tallköruer auszi^^hinier 
d^n, und auf der andern Seite mit einer stumpfen Spitze 
endigend, um die Probestücke abzuschlagen, wenn dief 
einen Sqhlag auf eii^er kleinen Oberfläche erfordert. Per 
andere Hammer muss vierkantig sein^ mit scharfen Kanten 
und Ecken versehen , und am andern Ende eine breite Schärfe 
haben, um bei Geleg^tnheit als Meissel ;2U dienen. Dieser 
wird blos gebraucht,, um Probestucke abzuschlagen, und 
dies thut er desto sicherer, und mit minderer Cfefahr und 
Schaden für die Stufen, wenn Kanten und Ecken scharf 
sind. Sobald diese abgerundet werden, muss der Hammer 
am Ende abgeschliffen werden, damit er wieder von Neueni 
«charf wird. 

3. Jimboss. Man gebraucht einen Amboss, um die Stek-^ 
Stückchen zu zerschlagen, und apeh um die reduc^tei) Metidi«^ 
kugeln auszuplätten. Von Engei^tröm und Qejrgman ge«;- 
brauchten polirte Stahlscheiben von. einigen Zollen Flache und 
von der Dicke eines V4 Zolles. Damit beimSehnuedeBcimdZer-^ 
sehlagen die Proben nicht fortgeschleudert Werden, wecdea 
sie in die Mitte der Scheibe in einen Bing von StaM gelegt^ 



36Ö Löihrohr. 

kr wdicheiti'' du« Hüitaiiiem geschieht. Pig. 22 zeigt eiiie 
sefefae Scheibe mit ihrem Ringe. Oahn veränderte die 
Ferrn des Ambosses in ein Pamllelepip^ von uogeKhr 
9 Zoll L&nge, 1 Zoll Tiefe und Vs Zoll Breite^ Fig. 23. 
Diesem hat den Vorthiil^ dass der Amboss mehrere Ober- 
flächen hat^ welche alle angewendet werden können^ und er 
ist hinlänglich stark^ um jeden Schlag auszuhaken^ auch 
kaiM er mit mehr Leichtigkeit mit den andern Instrumenten 
trwsportirt: werden, auf die Art, wie ich es unten beschrei-^ 
Wb werde. Der Hing ist ein durchaus überflässiges Instru- 
ment, üudetttspridit nidit einmal seinem fiadewecke. Wen 
man ein^i Steff aerstoss^n wiU, so wickelt nkan ihn in Pa- 
pier ein und schlägt darauf starte mit dem Hammer auf den 
Ambtss.. Das Papier verhindert das Fortschleudern, und ob- 
gleich es entzwei gebt, sf^. kann man doch ohne Verlust das 
Gepulverte herausnehmen. .Um die reducirt^n Körner aus- 
zuschmieden, ist es, wie ich gefunden habe, am besten, 
das Metallkorn auf dem Amboss mit einem dünnen Papier 
2^ ' bededcen , und dlEtrauf mit den Fingern zu drücken. Da 
Wo i^k timn lie^t. Wird eihe Erhöhung im Papier gebildet, 
worauf mkn mit den Fingern das Papier festhält, während 
man das tCom ausschmiedet. Ist das Metall spröde, so bleibt 
däi^* Pulver auf der Stelle liegen; ist es geschmeidig, so 
flirret es ein Blättchen, welches mit den Kanten sich in dem 
t^äpier befestigt, so dass es auf diese Art festgehalten und 
geprüft werden' kann« ' 

4. Mn Mess&r. Man gebraucht zu vielen Zilrecken 
^ih Meflßser von gutem iStahle, das so gesii^hliffen ist, dass 
die Schneide sehr stumpf, die Spitze auf gleiche Art stark 
abgestumpft, aber scharf ist. Dieses Messer kann man mag^- 
ii^etisch mächen, so dasis es auch als Magnet gebraucht wer- 
den kann. Ich bediene mich eines Federmessers mit einer 
Klinge , Ae dngeschlageii werden kann. Mit diesem Messer 
untersucht mnn den Grad der Härte bei den Köi^pern, ob 
aiemehi' oder weniger vom Stähle geritzt, oder nicht davon 
ailge^iflfen Werden. Hit der Spitze diesl^s Messers, das ein 
wenig 'mit' dem Munde angefeuchtet wird, nimmt man die 
FIQsse, und wenn es ndthig ist, mengt man sie mit dem 
Pidver der Probe auf der innern Seite der linken Hand u* s. w. ; 



1 



Ldihrohr. 86t 

Imtt dieses M enser fstr eiM 4er ttturnttwlirUdiseea fnstrameaie 
des Löthrohrapparats. 

5. Eine oder meJifefe Feilen^ dreikantig;^ platt, halbitmd 
und rund ^ werden bei mehreren Gelegenheiten gebraucht^ 
welche anzugeben überflüssig ist. 

6. Ein kleiner Mörser mit seinem Pistille von Achat 
oder Calcedon^ je kleiner desto besser.. Der^ welchen ich 
gebrauche ; hat nicht vollkommen 2 Zoll Weite ^ Vx- Zoll 
Höhe; und die darin eingeschliffene Schaale ist Vi«^ Zoll 
kleiner in der Breite und Tiefe*). Es ist gut, wenn der 
Boden des Mörsers etwas durchscheinend ist; auch mvisi^ 

.er keine Gruben oder Sprünge haben^ in welche, das Ge^ 
riebene sich ^ einsetzen kann. Um den Mörser zu reinigen, 
muss man dazu immer ein kleines Stückchen Bimsteia haben, 
weil man sonst nicht die Metallstriche fortnehmen kani^ 
welche oft beim Reiben, von metallhaltigen Stoffen entstehen. 

7» Eine kmische Röhre vofi verzkmiem Eisenbleche^ 
Fig., 24; An deren beidea • £^dea da«L Blech so abgefeilt is^ 
dass^ es eine seharfe Kau^e hildet. Dieser Konus wird ge^ 
brftocht; um Gruben auf der Kohle eiasuscha^ideiw Da« klei«- 
nere Ende maeht eine klein^e, das andene eine grössere Gruben 
die im Boden sehr glatt und in der Form sehr regelmässig 
sind. Die Figur zeigt' noch, eiqp bii^eingjdsetzte Flasche-^ .so 
welelier die k wische • Bohre auf Reisen als, Futteral dient. 

8. Etn Mhreskop. Figur 25 »igt iU i&r diesen Zweck 
am bei9leti pasdetide Fetrih^ um ein Mikroskoip hineinzusetzen^ 
wei^ ste^beinl Tiransf^t weniger Raum einsimmt^ und dessen 
vtigea^btet seht be^piem zu ' g«bf auchen ist. Es hlit zwei 
Gläser Iren ungleioher Vergrösserungskraft^ die auf die Art, 
wie Weil as ton gezeigt hat^ attf der eioen Seite pHm sein 
mäsfiett; um das richtige Sehfeld se grösser z« macbeot D«t 
Mikroskop ist bei diesen Versudien, um^ das ' HeSiiltat zu 



"•'■ • L <• ■ 



' *> Als Gähn einiiiKl aeitt^iaifil tn «biem solchen IllSrser Terlören bafte^ 
nahm' et ein<ii Cdeedonknopf^ deri die Eondaiiir des.Mdrsers IwlU^ 
ufA befestigte Um mit Lade an einem PistiU von Kork; nachher ge-^ 
hrauchte er nie ein anderes. Jch war gezwungen es auf gleiche Art 
zu machen,' und führe diei nur an^ weil^ wenn Andere sich in einef 
gleichen Verlegenheit befinden, sie Nutzen davon sieben können. 



369 LHhrokr. 

beurtheilei^ oft duitdumfli imeiilbebrlich; und ouui muss keine 
Farbe bestimmen^ ohne sie vorher durcji das Mikroskop j^ 
sehen zu haben^ weil in kleinen Glaskugeln die Keflection 
von der Kohle oft eine Modificatiou in der Farbe hervorbringt, 
die unter dem Mikroskope verscliwindet. 

9. Ein Kasten y um die Reagentien zu verwahren. Bei 
diesen Versuchen kommt es sehr auf die Bequemlichkeit an, 
mit der die Flüsse und die andern Reagentien sich herausneh- 
men lassen, wenn man gewisse Versuche anstellen oder unter- 
lassen will, von denen man sich nicht mit Sicherheit ein 
Resultat versprechen kann, die aber manchmal auf eine uner- 
wartete Weise entscheidend sein können. Dieser Umstand 
veranlasste Gahu, eine Verwahrungsanstalt auszudenken, 
wo alle Reagentien auf einem Male ztfr Hand seih könnten, 
und wo die einzelnen Verwahrunfifsräume mit der rechten 
Hand geöffnet und geschlossen, und die Flüsse herausge- 
nommen werden können, ohne die Probe und deren Unter- 
lage, die man mit der linken Hand hält, wegzulegen, ' Die 
Form, bei welcher G^hn stehen blieb, stecht man in Fig 26. 
Sie besteht aus einem länglichen Kasten, der 8V2 Zell lang, 
IV16 Zoll breit und, wenn er zusammengeschlagen, 1 Zoll 
hoch ist. Er ist in 9 einzelne viereckige Riüme ahgetheilt, 
von denen jeder mit seinem wohlpassenden Deckel versehen 
ist, und hat einen gemeinschaftlichen Deckel für den ganzen 
Kasten, der durch ein Paar Haken gescMosseH werdefi kann. 
Vm den gemeinschaftlichen Deckel feister «u machen, ist er 
mit zwei Querhölzern versehen, welche zwischen der zwei- 
en und dritten Lade vom Ende an einpassen, weshalb auch 
dft die Scheidewände zwischen den Räumen ^o breit sind, 
dass die kleinen Deckel nicht dicht bei einander zu 'liegen 
brauchen. Der gemeinschaftliche Deckel ist mit einem Char- 
nier von Metall an dem Kasten befestigt, aber die kleinen 
Deckel haben Gelenke von Holz und drehen sich um einen 
gemeinschaftlichen Stift, der durch alle geht. Diese Gelenke 

w 

erfordern viel Geschicklichkeit vom Arbeiter, und machen den 
Kasten weit theqrer, als er sonst zu i^in braucht. .Man kann 
diesem zuvorkommen, wenn die hintere Kante, in welche 
das Gelenk eingeschnitten ist, und die hintere Seite des Deckels 
ganz eben gemacht wird, worauf man über beide Schei- 
ben von Maroquin leimt, so dass der Deckel und die hin- 



t«re KftBte gaiis davoii fc^dedit wird. Dm Leder ^ dts b« 
dw OeffnuDg des Deckeis sicli biegt ^ dieot als Gelenk yoU«« 
kommen mit denselben^ wenn nicht mit grösseren Vorthealen^ 
wie das in das Holz eingepasste Crelenk. Jedes von den 
Reagentien ^ die am meisten gebraucht- werden ^ hat seinen 
eigenen Kasten^ und die, die nur selten und in eiuelnen 
'Fällen angewandt werden^ wickelt man in Papier ein^ und 
verwahrt viele zusammen in deriselben Abtheilung. Anf 
Reisen bedient man sich mit grösserer Sicherheit y wegen 
vollkommner Dichtigkeit, kleiner Glaser mit einer weifefi 
Oeffuung, die man mit einem Koike verschliessen kaaa^ 
Man hat eben so viele Glaser als Abtheilungen in dem höl- 
zernen Kasten, und stellt sie in ein Kästchen von laekirtem 
Eisenbleche, das die Form und Grösse des hölEeruen'Kftstens 
hat, und tMi gemacht worden ist, dass die Gläser darin pas^ 
seu und einen kleinen Druck erfordern, tim eingesetzt wer«* 
den zu können. Das Kästchen hat Vs der Höhe der Gläser^ 
das Uebrige wird vom Deekel bedeckt, der kein Gelenk hat, 
sondern über eine dännere .Kante des Kästchens geschoben 
werden kann, wie bei einer gewöhnlichen Tabacksdose« — 
Diese Verwahrungsart für die Flusse ist von Sef ström in 
der Bergschule von Fahlun eingeführt worden, iiod wird bei 
den Reisen der Zöglinge nach den Bergwerken benutzt. 

10. Eine viereckige Schüssel von unverzinntem Bisen-* 
bleehe, 12 bis 14 Zoll im Viereck mit Vi Zoll hohen umge- 
legten Kanten. Diese Schüssel dient, um die Lanqie wäb-* 
rend des Blasens darin aufzustellen, und damit, wenn di# 
Stückdien zuweilen herunterfallen, sie in diese Schüssel 
kommen, wo sie leicht wiedergefunden werden können. Zn 
diesem Zwecke wird der Beden der Schüssel mit reinem 
Papier bedeckt. 

11. Em Korky mit einer durchgesteckten Glasröhre ntÜ 
feiner Oeffnungy Fig. 27, dient zur Spritz0asohe (s. d. Arti-<- 
kel), deren man sich bei den Reductionsversuchen bedient, 
um das Kohleupulver von dem reducirten Metalle abzu- 
schlämmen. Da man überaM Flaschen und Wasser findet, 
so braudit man auf Reisen nur die Spritzröbre mit sich z» 
fUuren, und sie in einen stark konischen Kork einzsusetzen, 
der in Flaschen von ungleich weiter Oeffoang passt. / 

12. Zum Gebrauch auf Reisen braudit man eine cjfKn- 



Ukhrohr. 

drisiAe Ehuehe vm^ EkaAlMt^ du nrit einer Sdn^mAe ge- 
Mhlossen. werden ^ ktan^ ganz auf gleiche Art wie bei der 
Lelhrohriampe; Sie iai bestimmt ^ um Oel in Vorratk zu 
enthaken^ i% es. oft kemmen' taniii^ dass man sich einige 
Zeit .an emem Orte aufiiidten muss^ wo man kein passendes 
Oel findet. . 

13. Em vktseäiges FtMeral von Eisenhleeh f&r eine oder 
nHel grosse liddirohrkoUen^ die in Papiw gewickelt werdei^ 
ebe man sie einlegt^ weil^ Wenn eie lose liegen^ sie sick 
scduieH auf Reisen dnrcb's Stössen zerpuhrera^ der Koblen* 
staub ausdringt und aMes übrige besdimutaet. 

14. Mne kkine längliek^ Dose ton iackirttm Eisenblech, 
die sowohl im De^ei^ als a«eh auf dem Boden ein seidenes 
Kissen hat^' wovon die ganze Dose ausgefuHt wird. Zwischea 
diese beMßn Kissen legt mltn auf der Aeise alle kteinen 
ksien Theile des Apparirtes^ z* B. die lidthrohrspitzen 
und die kleiden Pkttink^chen^ Piatinblech^ Platindrath^ 
eine feine Nadely um das Loch zu reimgen^ wenn es 
nöthig ist^ einen kleinen polirt^n Blutstein^ um durch das 
Reiben damit zu erkennen^ ob die reducirtea^ aber nicht 
geschmolzeneii metafliseben Stoffe Metallglanz amiehmea 
öder nieht u. s. w. • 

15. Mn Futteral vm ffc^z oder EisevMeeh für dk 
Giasnrohren. 

\^. Ein Fener zeug y wozu ich gewohnlich Phosphor in 
einer Flasche gebrauche^ die einen guten mit Talg bestriche« 
Ben Pfropfen von Olas oder Zinn hat. 

^ \T. Einiffe tylindrische Büchsen, welche den ^Vorrath 
der Fkisse, die am meisten gebraucht werden ; enthalten^ 
srie PfaoHpholrsaiZ; Borax und Soda. 

18, Einige kleine Porcellanschälchen von Vi Zoll im 
Durchmesser und % Zoll Höhe^ um während des Blasens 
die abgeschlagenen Probestückchen darauf zu legeu^ und auch 
die sidion darauf versuchten Probc«^ die angezeichnet wer- 
den sollen; 

Alle diese einzelnen Instrumente muss man verwahren^ 
«0 dass sie lelcbt zur Himd siad^ sich leicht aufbeben las- 
sen und leidH wiedei^ftinden werden können^ ohne i^l 
unter ihnen zu sudien; diese Verwahrongsmethode ist un- 
gleich zu ÜAuse und auf Reisen. Ich will beide Arten be- 



Lathrohr. 

schreiben^ wie sie von Gähn gel^rau^ vfwAm^ Püd vm 
deren Anwendbarkeit und Bequemlichkeit; jieb «tue iMg^ 
Erfahrung habe. 

Um die Löthrohrinstrumente zu Hauso «u verwahi«% 
hat man einen besondem Tisch* Die Form kann gleichgültig 
seiu^ aber Fig. 28 stellt die vor^ wie sie Gähn gebrauchte. 
An den schmälern Seiten des Tisches sind 2^wei Scbi^^laden, 
die in der Figur ausgezogen vorgestellt sind, uns dabei eiao 
angebrachte Einrichtung von einer wesentlich nützlichen Be* 
schaffenheit zu zeigen. Jede Lade sitzt auf %wei schmalen 
Ilölzern, die unter dem Boden der Lade befestigt und weil 
länger als diese sind. P^ese Hölzer laufen in Riimen aus, welw 
che in zwei unter den Laden befestigten Ribben au«gesdmitteii 
sind, deren innere Seite das Holz der einen Lade aufnimml;^ 
während die Aussenseite das andere aufnimmt« Wemi dio 
Lade so weit herausgezogen wird, dass d^ren hintere Wand 
vollkommen herauskommt, so konnte sie oft beim weitem 
Herausziehen herunter fallen, wenn nicht die Rihben sie in 
ihrer Stellung festhalten würden, und es zulaiSS^n, dass. sie se 
weit herausgezogen werden könne, als es dia Bequendidi-* 
keit erfordert. 

Es sind vorzüglich diese beiden Laden ^ die aar Auf- 
nahme der Löthrohrinstrumente dienen. la der rechte liegen 
die wichtigsten und am meisten gebrauch.ten Theile. Die^ 
welche nicht so oft gebrancht werden, verwahrt man in der 
linken. Um die Unordnung unter den Instrumenten au ver« 
hindem, sind die Laden inwendig in mehrere längliche Räume 
getheilt, und diese AbUieilungen bestehen aus losen Kasten 
von verzinntem Eisenbleche, die eine grossere ReinlicMneit 
bezwecken, weil diese Kasten von EisenUevßh herausgenomr* 
men und gescheuert werden kennen; was nicht statt finden 
kann, wenn die Lade unbewegliche Abtheilungen von Heia 
bat. In den andern 4 Laden an der Vorderseil^ des Tisches^ 
die zum Gebrauch audb in kleine Kasten )T«in Blecb oder 
Pappe getheilt werden können^ wird die Lamp(D 'und die 
Schüssel von Eisenblech gelegt, in welcher jene F^brend 
des Blasens steht; ferner mehrere geschnittene LötbrolMr-* 
kohle% der Vorrath von Flüssen, I^mpendee)it^ V^d Stof- 
fen, die man bei Gelegenheit unterj^uchenwiU, u. s, w,, wid 
hinten am riochtep Fu^se de|3 Tisc^eisf actf ^pt Untef4epte 



SM ISthrohr. 

desselbeli ist efai kleiner Haken ^ damit an diesem während 
des Biasens ein Handtuch hängt^ das der Arbeiter immer zur 
Hand hat^ und es^ wenn er es gebraucht hat^ nur fallen lässt^ 
ohne besondere Sorge zu tragen^ dass es auf seinen Platz 
komme. 

Auf Reisen werden die Instrumente in ein Futteral von 
Leder gesteckt^ eben so gemacht^ wie ein chirurgisches Bind- 
>s^fi»* Pif* ^^ zeigt ein solches. Es besteht aus einem gros- 
sen Leder von 40 bis 42 Zoll Lange und 18 Zoll Breite^ 
das der Länge nach in der Mitte 10 Zoll breit verdoppelt 
ist. Auf dieser Verdoppelung sind^ vermittelst eines darauf 
genähten Leders von 6V2 Zoll Breite^ 25 bis 30 breitere 
oder schmälere^ quergehende Räume angebracht^ in welche 
die Instrumente gelegt werden; die nicht verdoppelten Sei- 
tenstücke werden nachher darüber gelegt und mit in den 
Seiten sitzenden Bändern zusammengebunden^ worauf das 
Ganze aufgerollt und mit länem am Ende sitzenden Leder- 
riemen umwickelt wird. Die Räume werden am besten nach 
den Instrumenten gemacht^ das grösste ist an dem Ende^ 
das zuerst aufgerollt .wird; schmalere Räume sind zwischen 
den grössern. Man macht sich aufs (Serathewohl verschie- 
dene Räume im Ueberfluss für Sachen^ die man oft nöthig 
findet zuzulegen. Dieses» Bindzeug hat die Bequemlichkeit^ 
dass^ wenn es voll erscheint^ man oft durch kleine Verände- 
rungen noch halb so viel Sachen mehr hineinlegen kann^ 
wenn es nöthig ist. Die Instrumente liegen^ ohne gestosseu^ 
giBrüttelt und an einander gerieben zu werden; das Futteral 
nimmt den möglichst kleinsten Raum ein^ und kann unter 
andere Sachen gelegt werden^ ohne^ sie zu beschädigen. 
Ich schliesse es auf Reisen in einen Sack von Leinwand ein 
nnd stelle es in eine Ecke des Wagens^ wo es keinen 
Raum wegnhnmt und immer zur Hand ist^ wenn etwas gleich 
eine Untersuchung erfordern sollte. Wenn man einige Tage 
an derselben Stelle bleibt^ so wird das Bindzeug aufgerollt^ 
an einem Ende mit einem Knopfloch an einen Nagel in der 
Wand gehängt^ so dass die Instrumente auf diese Art gleich 
zur Hand sind. 

Nachdem ich nun das Löthrohr und die dabei gebräuch- 
liehen Hülfsinstromente ausführlich abgehandelt habe^ komme 
UAk 22ur Behandlung der Körper vor deiA Löthrohr^ worüber 



Lathrohr. 3ff7 

das Haupts&dilicbste zwar in dem Buche bereits angefahrt 
worden ist^ aber an zerstreuten Stellen. Die Zusammen- 
stellung der Reactionen des Löthrohrs an einem gemein- 
schaftlichen Ort wird ohne Zweifel dem^ welcher sidi des 
Löthrohrs zu seinen Versuchen bedient^ zur grossen Bequem- 
lichkeit gereiche^* 

!♦ Alkalien. 

Die Alkalien können nicht mit völliger Gewissheit durch 
das Löthrohr entdeckt werden. In ihrem reinen oder koh- 
lensauren Zustande ist der Geschmack und ein geröthetes- 
Lackrouspapier die beste Probe. Als Salze entdeckt man 
sie^ wenn das Salz^ das geprüft werden soll^ mit Soda auf 
Plafinblech geschmolzen wird; wird keine Fällung in der 
geschmolzenen Masse verursacht; so ist die Basis des Salze» 
ein Alkali. Dabei muss jedoch bemerkt werden ^ dass die 
Salze der Baryterde und Strontiauerde sich mit kohlen- 
saurem Natron zusammenschmelzen lassen zu einer klaren 
Perle^ die beim Erkalten milchweiss wird. Wenn eine Ver- 
bindung beide enthält ^ Erde und Alkali ^ so weiss ich keine 
Art; durch das Löthrohr den Alkaligehalt zu entdecken. 
Eben so hat man keine überzeugende Art mit dem Löthrohr 
zu bestimmen; ob das gefundene Alkali; Kali oder Natron 
ist; ausser dem Verhalten zum Kobaltoxyd. Man sehe wei- 
ter unten heim Kobaltoxyde. 

Harkort hat zur Entdeckung von Kali die Beobachtung 
von Lampadius benutzt; dass das Nickeloxyd mit Kali- 
glas blau; unähnlich dem Blau von Kobaltoxyd; das Natron- 
glas hingegen braun wird. Dies ist wirklich bis. zu einem 
bewunderungswürdigen Grade der Fall. Man braucht blos 
Nickeloxyd in Borax aufzulösen, und zu dem braunen Glase 
etwas Salpeter; Feldspath oder einen andern kalihaltigen 
Stoff zu setzen; um ein bläuliches Glas zu erhalten; und 
zwar ven sehr geringen Mengen. Die Gegenwart von Natron 
verhindert diese Beaction nicht. Damit diese Reaction hin^ 
reichend deutlich werde; ist es erforderlich; dass man nidit 
mehr Nickeloxyd anwendet^ als die geringste Quantität; 



368 Ldtkrohr. 

welehe zur Herrorrofliiig riner dentliiDlMa FiarbeQ* Nuance 
Böthig wird, weil AtMy was davon mekr hinzukommt^ die 
gewöhnlicken Farben des Nickeloxyds mit Fluss hervorbringt. 

Im Salpeter soll man ein einziges Procent von einem 
eingemischten Natronsalze durch die Farbe entdecken kön<* 
nen^ welche die Flamme bekommt^ wenn das Salz in dem 
Oehr eines Platindraths geschmolzen wird. Dabei ist es 
gewöhnlich der Fall, dass sich auf der von der Löthrohr- 
flamme abgekehrten Seite der Kugel eine schwache Feuer- 
flamme zeigt. Ist der Salpeter rein, oder enthält er nicht 
über Va Procent von einem Natronsalze, so ist die Farbe 
dieser kleinen Flamme ins Violette ziehend, aber bei einem 
grösseren Gehalt wird sie gelb, gleich als wäre das Salz 
nur ein Natronsalz. 

Das Litbion unterscheidet sich von den vorhergehen- 
den dadurch, dass, wenn es auf Platinblech geschmoizen 
wird, das Platin dunkelgelb anläuft, rund um die Stelle, die 
das Alkali bedeckt; diese Reaction wird nicht durch Li- 
thlonsalze hervorgebracht, wenn man nicht Soda zusetzt, wo- 
durch das Litbion ausgeschieden wird und auf Platin wirkt. 
Aber diese Reaction ist sehr unsicher, denn ungeachtet sie 
sich auf eine ausgezeichnete Art zeigt, wenn Lithion zuge- 
gen ist, so kann sie doch von Körpern hervorgebracht wer- 
den, die kein Lithion enthalten, wenn sie mit Soda erhitzt 
werden, und selbst die Soda allein bringt zuweilen rund um 
sich herinn ein Anlaufen auf dem Platin hervor. Dies ge- 
schieht nicht mit Kali, das dagegen den Nachtheil hat, dass 
wenn es im Ueberschuss zugesetzt wird, es diese Reaction 
i^erstört, wenn auch Lithion gegenwärtig ist Diese auf dem 
Platin hervorgebrachte Reaction verschwindet, wenn die 
Stelle mit Wasser gewaschen und das Metall geglüht wird, 
aber es hat seine Politur verloren und glänzt matt, was be- 
sopders beim Glühen zu erkennen ist. 

Chr. G. Gmelin hat bemerkt, dass Lithion und des- 
sen Vefbinduugen eine rothe Kante der Löthrohrflamme, voa 
der Berührungsstelle der Probe an und gegen die Spitse, 
gieben, wenn darauf geblasen wird. Turner hat gezeigt, 
dass bei den Lithionsilicaten diese Reaction hervorgebraebt 
werden kann, wenn ein Theil fein geriebener Flusespafh 
mit 1 Vi Tbeilep schwefelsaurem Ammoniak oder isaurem 

Schwefel- 



Lothrohr. 369 

schwefelsauren Kali gemengt und die Probe damit geschmol-* 
zen wird. Wenn das Ammoniaksalz angewandt wird; so 
ist die Flamme im Anfange grünlich und nachher roth. 
Wenn das Kalisalz angewandt wird^ und die Probe nicht 
Lithion enthält ^ so wird die Flamme schwach violett; ent- 
halt dieselbe ab^ Lithion ^ so ist die Flamme roth. 

Es ist selten ; dass Ammoniak durch das Lothrohr ge- 
präft wird. Man braucht gewöhnlich nur den Stoff, der ge-* 
prüft wefden soU^ mit Soda zu mischen^ wo dann der Geruch 
das Ammoniak zu ericennen gibt^ oder man kann die Mi-* 
sehuag in einen kleinen Glaskolben legen und sie gelinde 
erwärmen ; so sublimirt sich kohlensaures Ammoniak. Eben 
so kann man die Probe in einer an einem Ende zugeblase- 
nen Glasröhre erhitzen ^ in^ welche man ein befeuchtetes^ 
schwach gerothetes Lackmuspapier gesteckt hat. 

2* Baryterde^ 

Für sich schmilzt sie nicht^ wenn sie nicht etwas Was- 
ser aufgenommen hat^ das durch die Flamme gebildet wor- 
den ist. Das Hydrat schmilzt ^ kocht und schwellt an^ ge- 
steht endlich auf der Oberfläche und zieht sich dann mit 
einem heftigen Kochen in die Kohle ^ wo es sogleich was- 
serfrei wird und eine erhärtete Masse bildet. Kohlensaurer 
Baryt schmilzt ganz leicht zu einem klaren Glase ^ das 
unter der Abkühlung cmailweiss wird. Auf Kohle kommt er 
endlich in ein heftiges Kochen^ spritzt um sich, wird kaus- 
ticirt und von der Kohle eingesogen^ mit derselben Erschei- 
nung wie das Hydrat. Mit den folgenden Flüssen verhalten 
sich beide gerade wie die reine Erde. 

Von Borax wird sie unter heftigem Brausen zu einem 
klaren Glase aufgelöst. Ein grösserer Zusatz gibt ein klares 
Glasy das unter der Abkühlung am Boden einen warzenför- 
migen Auswuchs von einem milcbweissen Stoffe bekommt. 
Ein noch grösserer Zusatz gibt ein klares Glas^ das vom 
Boden an milchicht und endlich ganz emailweiss wird. Das 
Glas^ das nicht unklar bei der Abkühlung wird^ kann unklar 
geflattert werden. 

Vom Phosphorsalze wird sie leicht und mit heftigem 
Brausen aufgelöst^ wobei die Kugel schäumt und anschwellt^ 
oad endlich zu einem klaren Glase zusammenfallt. Von 

X 24 



370 Lathrohr. 

grösserem Zusätze bekommt man ein klares Glas^ das doreli 
die Abkählung fleckenweis milchweiss wird^ and mit einem 
nodi grösseren ein Glas^ das unter der Abkühlung email- 
weiss wird. Blit Soda schmilzt sie zusammen und wird von 
der Kohle eingesogen. 

Blit salpetersaurem Kobalt schmilzt sie zu ein^r Kugel 
zusammen, die^ so lange sie noch heiss ist^ nach der an- 
gleichen Menge von Kobaltoxyd braunroth, ziegelroth oder 
rostgelb ist^ und die nach der Abkühlung ihre Farbe ver- 
liert. Durch eine neue Aufwärmung kommt die Farbe nidit 
wieder^ ehe sie nicht umgeschmolzen wird. Sie fallt in der 
Luft schnell zu einem lichtgrauen Pulver zusammen. 

3. Strontianerde. 

Für sich. Das Hydrat gleicht dem der Baiyterde. Die 
kohlensaure Strontianerde schmilzt bei einer gewissen nicbt 
zu hohen Temperatur^ aber blos an den äussersten Kanten, 
und beginnt schnell in blumenkohlartige Verzweigungen auf- 
zuschwellen^ die ein glänzendes Licht geben ^ und die^ wenn 
sie stark im Reductionsfeuer angeblasen werden^ der Flamme 
einen^ schwach röthlichen Schein geben ^ der aber beim Ta- 
geslichte schwer zu bemerken ist. Die Verzweigungefi 
schmecken und reagiren alkalii|ch. 

Mit Borate und Phosphorsalz verhält sie sich wie Ba- 
ryterde. 

Von Soda wird die kaustische Strontianerde nicht auf- 
gelöst. Kohlensaure Strontianerde^ gemengt mit einem gl^ 
chen Volumen Soda^ schmilzt zu einem klaren Glase ^ das 
bei der Abkühlung milchweis wird. Im stärkeren Feuer 
kommt die Masse zum Köchen^ wird kausticirt und geht in 
die Kohle. Ein grösserer Zusatz von kohlensaurer Stron- 
tianerde wird nicht gelöst^ wird aber bei stärkerem Feu^ 
kausticirt .und geht in die Kohle. 

Mit KohaÜsoltäUm gibt sie eine schwarze oder schwarz* 
graue Farbe^ und schmilzt nicht wie die Baryterde. 

4. ELalkerde. 

Für sich. Kaustische Kalkerde schmilzt und verändert 
sich nicht. Kohlensaure Kalkerde wird leicht kaustisch^ mkü 



lAfhrokr. 371 

dann weisser aus and leuchtet stärker im Fener^ reagirt und 
schmeckt dann alkalisch^ und zerfallt zu einem Pulver^ wenn 
sie befeuchtet wird. 

Vom Borax wird sie leicht zu einem klaren Glase auf- 
gelöst^ das geflattert unklar wir4. Die kohlensaure Kalk- 
erde löst sich mit Brausen» Ein grösserer Zusatz ron Kalk 
giebt ein klares Glas ^ das bei der Abkühlung krystallisirt 
und kantig wird, obgleich es nicht so bestimmte Facettea 
giebt^ wie z. B. das phosphorsaure Bleioxyd. Das Glas wird 
aber niemals so milchweiss^ wie von Baryt oder Strontian- 
erde. 

Vom Pfiosphorsalze wird sie, in grosser Menge aufge^ 
löst^ die kohlensaure mit Brausen^ zu einem klaren Glase^ 
das beim Abkühlen klar bleibt. Setzt man mehr kohlen- 
sauren Kalk in Stücken zu^ so wird deren Kohlensäure 
ausgejagt und die Stückchen Verwandeln sich mit Beibe- 
haltung ihrer Form in phosphorsauren Kalk. Nach langem 
Blasen fangt dieser auch an^ sidi aufzulösen^ und bei der 
Abkühlung schiessen innerhalb des Glases feine nadeiför- 
mige Krystalle auf dem Unaufge^östen an. Ist das Glas 
vollkommen gesättigt^ so wird es während der Abkühlung 
ganz milchweiss. 

Von Soda wird der Kalk nicht besonders aufgelöst^ 
weder der kaustische noch der kohlensaure. Die Soda geht 
in die Kohle und lässt eine halbrunde Kalkmasse zurück. 
Dadurch kann auch ein Gehalt an Kalkerde in der kohlen- 
sauren Baryt- oder Strontianerde entdeckt werden^ Wenn 
man die Probe mit einer hinreichenden Menge von kohlen- 
saurem Natron schmilzt. Auf Platiublech oder in dem Oehr 
eines Platindrathes bleibt die Kalkerde ungeschmolzeu; schwim- 
mend in dem Geschmolzenen^ und auf Kohle saugt sich das 
Geschmolzene in dieselbe mit Zurücklassung der Kalkerde. 

Mit Kobaltsolution giebt die Kalkerde eine schwarze 
oder dunkelgrane ungeschmolzene Masse. 

5. Talkerde. 

Für sich verändert sie sich nicht. 
Mit Borax verhält sie sich wie Kalkerde ^ wird aber 
nicht so stark krystallinisch. 

Vom PhosphorsaJze wird sie leicht zu einem klaren 

24* 



$fi Lothrehr. 

CHase aufgelöst^ das^ wenn es mit Talkerde gesättigt iaty 
milchweiss während der Abkühlung wird. Das unvollkommen 
gesättigte Glas wi^d durch Flattern milchweiss.* 

Von Soda wird sie nicht angegriffen. 

Mit KobaUsohäian giebt sie nach langem Blasen eine 
schöne fleisehrothe Farbe , die keine starke Intensität hat 
und nicht eher richtig gesehen werden kann^ als bis die 
Probe volHiommen kalt geworden ist. 

6« Thonerde. 

Für sich unvei^derlich. 

Vom Borax wird sie langsam zu einem klaren Glase 
aufgelöst^ das weder durch die Abkühlung^ noch durch 
Flattern in der äussern Flamme unklar wird. Wenn viel 
und in feinem Pulver zugesetzt wird; so bekommt man ein 
unklarei^ Glas^ dessen Oberfläche bei der Abkühlung kry- 
stallinisch wird^ und das kaum mehr schmilzt. Dies Glas 
ist sowohl kalt als heiss unklar ^ und wenn das Glas im 
Flusse klar ist^ so bleibt es auch in der Abkühlung klan 

Vom Phosphorsalze wird sie eben so zu einem klaren 
Glase aufgelöst; das bei keinem Sättigungsgrade undurch- 
sichtig wird. Setzt man zu viel hinzu ^ so wird das Unge- 
löste halbdurchsichtig. Das gesättigte Phosphorsalz mit dem 
gesättigten Boraxglase vermischt; bleibt klar ^). 

Mit Soda schwellt sie ein wenig; gibt eine ungeschmol- 
zene Verbindung; und der Ueberschuss der Soda geht in 
die Kohle. 

Mit Kobaltsolution gibt sie nach starkem Blasen eine 
schöne blaue Farbe; die von einem grösseren Zusatz Ko- 
baltsolution tiefer wird; aber gleich schön blau ist. Sie 
erscheint nur beim Tageslicht und wenn die Probe kalt ge- 
worden ist; richtig blau. 

7. Berjllerde. 

Für sich unveränderlich; 

Vom Borax und vom Phosphorsalze wird sie in grosser 



*') Das Glas^ das durch Flattern milcbweisa wird^ wird aach unklar^ 
wenn das Phosphorsalzglas mit dem Boraiglase Busammengeschmol* 
Ben wird. 



L6ihrohr^ Sf g 

Menge zu einem klaren Glase aufgeld$t; das durch: FJattern 
milchweiss wird. Von einem noch grösseren Zusatz wird 
es während der Abkühlung von selbst milchweiss« 

Von Soda wird sie nicht angegriffen. 

Mit Kohaltsolution gibt sie eine dunkelgraue oder 
schwarze Masse. 

8. Yttwarde. 

Verhält sich wie Beryllerde. 

9. ZlrkoEerde« 

Für sich, wie sie durch^s Glühen von schtrefetsaurer 
Zirkonerde bereitet worden ^ leuchtet sie stärker als ifgend 
ein anderer Körper; das ganze Zimmer wird erleuchtet^ und 
der Schein ist selbst beim Tageslicht so blendend^ ddsi^ ihn 
die Augen kaum aushalten können, Sie ist übrigens ganz 
onschmelzbar. Klaproth gibt an^ dass die Zirkonerde 
vor dem Löthrohr zusammensintert^ aber in >diesem Falle 
war sie nicht rein. ' ^ * 

Zu Borax y Phosphorsalz und iSoda vtthl\t\W «ttfc 
wie Beryllerde 7 aber mit dem Unterschiede^ dass sie sich 
träger im Phosphorsalze löst und schneller eiii' unklares Glas 
damit gibt. 

10. Thorerde. 

Für sich auf Kohle ist diese Erde unacAmelzbiir mid 
Terindert ihr Ansehen nicht 

Von Borax wird sie sehr träge aiifJB^eldst^ du Glas nft. 
klar^ farblos und wird durch Flattern nicht imklar« DnndE 
Sättigung kommt es aber auf einen Punkt^ wo es während 
des Erkaltens von selbst milchig wird. 

Von PhosphorsaJz wird sie auch sehr träge aufge- 
nommen. 

Von Soda wird sie gar nicht angegriffen. 

11. Kieselsäure. 

Für sich unveränderlich ^). 



*> H. de Sftussure gibt an^ dass er mit der Flamme eines dicken 
Wachslichts I woranf mit einem Doppelbalge von $2 QuadratsoU 



374 Loihrohr. 

Vom BiirdX wird sie sehr träge aufgelöst und gibt 
eia klares schwer schmelzbares Glas^ das geflattert nicht 
UüUar wird. 

Vom Phosphorsalz wird sie in ganz geringer Menge, 
airfgeldst. Das Glas bleibt bei der Abkühlong klar. Das 
Ui^elöste wird halbdurchsichtig* 

Von Soda wird sie unter starkem Brausen zu einem 
klaren Glase aufgelöst 

Mit Kobaltsolution gibt sie bei einem gewissen Zusätze 
eine schwadi bläuliche Farbe ^ die durch einen grösseren 
Zusatz von Kobalt schwarz oder dunkelgrau wird^ wodurch 
sie sich von thonerdehaltigen Stoffen bestimmt unterscheidet 
Gibt man ein heftiges Feuer auf eine dünne Kante von der 
Probe ^ so schmilzt diese mit dem Kobaltoxyde zu einem 
blauen Glase^ und der Rand zunächst um das geschmolzene 
bleibt auch blau^ aber dies Blau zieht sich in's Rothe und 
ist nicht. schön. 

Ich verweise übrigens hinsichtlich der Kieselerde auf 
den Artikel Silicate im Folgenden. 

12. Die Sfturen des Arseniks. 

Jrsemksäurey auf Kohle erhitzt^ gibt einen Arsenik- 
gemch^ Im Kolben sehr stark geglüht^ gibt sie sublimirte 
«Tfi^nige Säure ^ und Sauerstoffgas entweicht* 

Arsenige Säure sublimirt sich im Kolben oder in einer 
Röhre sehr leicht Die Krystalle^ mit einem Mikroskop be- 
sehen^ sind gewöhnlich reguläre Octaedel*. 

Wenn eine Glasröhre ausgezogen wird^ so dass ihr 
Durchmesser nicht grösser ist als eine Stricknadel^ und die 



OberflSche gtblasen wurde, Kieselerde (Beiig:k|7stoU) «of einem 
Dr«the von Disthene zu einer Kugel von 0^014 Linie im Durefa- 
messer geschmolzen habe« Ich konnte «uf Kohle oder in der Zange 
nicht die dünnste Kante von Kieselerde zu irgend einem Zeichen von 
Schmelzung bringen, und f&rchte, dass in Saussure's Yersuchen 
theils die Unterlage auf die Probe gewirkt habe, theils much die 
I^uR von einem Balge, die reiner als die der Lungen ist, bei|(eirageB 
habe, ein Resultat zu geben, [^ man auf gewShnliche Art mit dem 
Lothrohr nicfat erhalten kann. 



lathrohr. 375 

feine Röhre am Ende zngesehmolzen und etwas arsenige 
Säure hier hinein gethan wird^ so kann daraus das Arsenik 
reducirt erhalten werden^ wenn man von der Löthrohrkohle 
einen feinen Splitter ablöst^ der in die Röhre bis nahe auf 
den Boden hineingeschoben wird. Man erhitzt die Stelle 
der Röhre ^ wo die Kohle liegt ^ bis dieselbe glüht ^ was am 
besten durch die Flamme einer Spirituslampe geschieht^ und 
führt dann auch das Ende der Röhre ^ wo die arsenige Säure 
liegt ^ in die Flamme^ wobei die Säure gasförmig bei der 
glühenden Kohle vorbei kommt ^ reducirt wird, und vom in 
der kalten Röhre condensirtes metallisches Arsenik gibt. Es 
ist besser^ sich eines zusammenhängenden langen Splitters 
von Kohle zu bedienen^ als Kohlenpulver zu gebrauchen^ 
weil dies sich immer in der Röhre aufschiebt. Wenn die 
Menge des Arseniks geringe ist, so wird die Röhre in ei- 
niger Entfernung von der Stelle^ wo die Flamme gewirkt 
hat, nur schwarz. Man fuhrt dann vorsichtig die Röhre 
nahe der schwarzen Stelle in die Flanmie, und treibt das 
Sublimirte zu einem schmalen Ringe zusammen ^ der nun 
metallisch glänzend wird. Man schneidet dann die Röhre 
an beiden Seiten vom Ringe ab, fasst dieses Stück mit 
einer Zange, und erhitzt es in der Flamme der Lampe, 
während man die Nase in einiger Entfernung darüber hält 
Man erkennt dann das Arsenik am Geruch, und vermeidet 
dadurch eine Verwechselung mit Tellur, Antimon, Queck- 
silber und Cadmium. Nur wenige Proben können bei so 
kleinen Quantitäten so entscheidend sein, wie diese. Jedes 
Kernchen arseniger Säure, dessen Vohim' nur so gross zu 
sein braucht, um von der Stelle, wo es liegt, an den Böden 
der Röhre gebracht werden zu können, ist hinreichend, um 
ein Resultat zu geben. Es versteht sich, dass je kleiner 
das Arsenikkömehen ist, desto feiner auch die Röhre aus- 
gezogen werden muss. 

Will man sich von dem Arsenikgeruch der arsenigen 
Säure auf der Kohle überzeugen, so muss diese zuerst mit 
etwas Soda gemengt, und dann darauf geblasen werden, 
weil die arsenige Säure allein oft sich verflüchtigt, ehe et- 
was davon reducirt wird, und der Dampf der arsenigen 
Säure keinen Arsenikg^rueh hat« Man sehe weiter unten 
bei den Arsenikmetallen und Sehwefelarsenik. 



376 LSArohr. 

13. Yaiuidiasiare. 

Für sich auf der Kohle schmilzt sie^ wird beim Glühen 
zu Suboxyd reducirt^ indem ein Theil von der Säure in die 
Kohle eindringt und das Reducirte auf der Oberfläche zurück- 
gehalten wird. Dieses ähnelt im Ansehen dem Graphit. 

Auf Platinblech schmilzt sie zu einem tief gelbrothen 
Liquidum und wird beim Erstarren krystallinisch« 

Von Borax und Phosphorsalz wird sie auf Piatina leicht 
aufgelöst. Das Glas ist gelb in der Oxydationsflamme ^ in 
der Reductionsflamme aber^ besonders auf Kohle^ schön grün 
wie von Chromoxyd. ^VTenn die Perle stark gefärbt ist^ so 
bat sie noch warm eine braune Farbe ^ und das Grün wird 
nur nach dem völligen Erkalten recht schön. Von Chrom- 
oxyd unterscheidet sich die Vanadinsäure hauptsächlich da- 
durch^ dass das Glas auf Piatina in der Oxydatiousflamme 
gelb wird^ was bei jenem nie der Fall ist. 

Von Soda wird sie aufgelöst^ und zieht sich in die 
Kohle. 

Man bekommt durch Pulverisiren und Schlämmen nichts 
Metallisches. 

14. MolyM&nsäore. 

Filr sich. In einer geneigten Röhre schmilzt sie und 
raucht. Der Rauch condensirt sich theils am Glase als 
weisses Pulver^ theils als glänzende ;, schwach gelbliche 
Krystalle unmittelbar über ^r schmelzenden Masse« Auf 
Platinblech schmilzt sie und raucht. Das Geschmolzene hat 
eine braune Farbe^ wird aber bei der Abkühlung blass gelb- 
lich und krystallinisch. Im Reductionsfeuer wird sie hUm 
und im stärkeren Feuer braun. Auf Kohle- schmilzt sie^ wird 
von der Kohle eingesogen; ein Theil des Metalles wird re<- 
ducirt^ wenn das Feuer gut ist^ und kann hernach durch 
Pulverisirung der Kohle und Abschlämmmtg in Form eines 
grauen metallisphen Pulvers erhalten werden. Gibt «mui 
ein rasches und starkes Reductionsfeuer^ bevor sich die 
Säure in die Kohle ziehen konnte^ so erhält man einen 
kupferrothen Fleck auf der Stelle ^ wo sie eingesogen wird) 
der aus Molybdänoxyd besteht und oft Metallglauz besitzt* 

Von Borax wird sie auf Platindrath und in der äussern 



JJUkrohr. 377 

Fhnittie wol «moi kburta CurbUtseii GImo «ufgelait Auf 
Kdble und im RednctioDsfeuer wird das Glas schmutzig- 
iNrauo^ durchsichtig^ nicht imälmlich dem, das durch eine 
Hisohong von Eisenexyd nnd Eisenosydul erhalten wird. 
Set2t man mehr Molybdans&ure hinzu, so verliert das Glas 
im Redttctionsfeuer ganz seine DnrdistcAtigkeit, und man sieht 
darin eine Menge brauner S^lodcen von Molybdanoxyd, dem 
Ansehn nach umgeben von mnem klaren, etwas br&unliehen 
Glase. 

Vom Phospharsalze wird sie auf Platindrath in der äus- 
seren Flanune ma einmn klaren Glase aufgelöst, jdas, so 
lange es Imiss ist, in's Grüne sich zieht,* aber bei der Ab- 
kühlung farblos wird. Im Reductionsfeuer wird das Glas 
dunkel und undurchsichtig, sieht schwarz oder dunkelblau 
aus, aber wird bei der Abkühlung klar und schön grün, bei- 
nate wie Chremoxyd. Auf Kohle zeigt steh diese Farben- 
nüance vorzüglich bei einem grösseren Zusatz von Molyb^ 
dänsaure, sowohl in der äieseren als inneren Flamme. Auf 
Platindrath kann das grüne Glas in der äusseren Flamme 
exydirt werden, und wird dann wieder durdisichtig in der 
Schmelzungshitze. Aus Phosphorsalz kann kein braunes 
Molybdänoxyd durch Reductioosfeuer ausgeßUlt werden« 
Selbst durch Zinn wird die Farbe des grünen reducirten 
(Slases nicht verändert, aber man sieht, dass das Zinn in-^ 
nerhalb des Glases anschwellt und bis zu einem gewiss^i 
Grade naolybdänhaltig wird. 

Mit Soda auf Platindrath schmilzt die Molybdänsäure 
mit Brausen zu einem klaren Glase, das bei der Abkühlung 
»ildiweiss wird. Wenn das Glas wenig Molybdänsäure 
endiält und im Reductionsfeuer ertiitzt wird, so bekommt es 
ungefähr dieselbe Farbe, wie das Boraxglas unter denselben 
Umständen, aber wird bei der Abkühlung unklar. Ist es 
hingegen mit Molybdänsäure übersättigt, und wird gutes 
Beductionsfeuer gegeben, so wird das Molybdän theils zu 
Oxyd, theils zu MetalLreducirt, und wenn die Salzmasse in 
Wasser aufgelöst wird, so bleibt ein graubrauner, schwerer 
Stoff zurück, der unter dem Polirstahl Metallglanz und eine 
eisengrane Farbe annimmt. 

Mit Soda auf Kohle wird die zusammengeschmolzene 
Masse eingesogen^ und wenn nachher die Masse im Mörser 



378 Lethrohr. 

IBit Wasser bdiaaddt wird^ so bekmniiit nmi sdir viel re- 
ducirtes Molybdän als ein stahlgraues Metallpidyer« Wenn 
man aof die Stelle ^ wo die Masse in die Kohle gegangen 
ist^ eine nene Portion Molybdansaure mit einer sehr geringrai 
Menge Soda legt^ und ein gutes Reductionsfeuer gibt^ so 
geht das nuletzt zugesetzte nicht mehr in die KoUe^ und 
man bekommt ein Kom^ das aus reducirtem Molybdän^ ge- 
mengt mit molybdänsaurem Natron^ besteht^ von dem man 
bloss das Salz abzuscheiden braucht^ um das Molybdänme- 
tall allein zu bekommen. Das Molybdän gehört daher^ ga^z 
gegen die bisher angenommene Meinung^ zu den Jeicht re- 
ducirfoaren Metallen^ obgleich es sich nicht zusammensclmMl- 
aen lässt 

15* Wolframsäura 

jplir sich wird sie im Reductionsfeuer schwarz^ aber 
schmilzt nicht. 

Vom Borax wird sie auf PlatindraÜi leicht in der äussern 
Flamme zu einem klaren^ farblosen Glase aufgelöst^ das 
geflattert nicht unklar wird. Im Reductionsfeuer wird das 
Glas von einem geringen Zusätze gelblich^ und diese Farbe 
nimmt bei der Abkühlung zu^ so dass es^ wenn es kalt ge- 
worden^ gelb ist. Setzt man mehr hinzu^ so wird das Glas 
dunkelgelb und bei der Abkühlung klar blutroth. Auf Kohle 
wird diese Reaction auch mit einer geringen Menge WolfiraoH- 
säure hervorgebracht Wird Zinn hinzugesetzt^ so wird das 
Glas während der Abkühlung wilchweiss. 

Vom Phosphorsalze wird die Wolframsäure in der 
äussern Flamme zu einem farblosen oder gelblidien Glase 
aufgelöst. Im Reductionsfeuer wird das Glas schön und rein 
blau^ schöner als das von Kobalt. Enthält die Säure Eisen^ 
so bekommt das Glas eine ganz andere Farbe im Redu- 
ctionsfeuer; es wird blutroth^ sehr ähnlich dem reducirten Bo- 
raxglase. Ein Zusatz von Zinn sdiafft die Reaction des 
Eisens fort^ und das Glas bekommt eine grüne oder manch- 
mal eine blaue Farbe; es muss dann aber nicht sehr eoncen- 
trirt sein« Durch einen grossem Zusatz vom Flusse kann 
diesem abgeholfen werden. 

Von Soda wird die Wolfranusäure auf Platindrath 2U 
einem klaren^ dunkelgelben Glase aufgelöst^ das unter der 



Lothrohr. ^ 3T9 

Abkühlung krystallisirt uüd nndurdisichtig weiss oder gelblich 
wird. Dieses Glas bleibt auch auf der Kohle ziemlich gut 
eine Perle« Im Reductionsfeuer bekommt es eine dunklere 
Farbe^ so lange es noch heiss ist; aber das gestandene Glas 
wird wiederum weiss. 

Wenn Wolframsäure auf Kohle mit einer ganz geringen 
Menge Soda im Reductionsfeuer behandelt wird^ so bekc^mmt 
man eine stahlgraue metallische Schlacke. Wird diese im 
Mörser auf die gewöhnliche Art behandelt^ so bekommt man 
eine grosse Menge metallischen Wolframs^ in Form eines 
stahlgrauen Pulvers^ das vollkommenen Metallglanz an den 
Stellen^ wo es von dem Pistill gedrückt worden ist^ hat. 
Wird Wolframsäure mit so vielem Natron zusammenge- 
schmolzen^ dass sie in die Kohle eingesogen wird^ und auf 
die Masse mit gutem Feuer geblasen, so bekommt man eine 
kleine Menge metallischer Flitterchen^ die bald goldgelb^ bald 
Combackbraun sind. Diese sind die von Wohl er entdeckte 
Verbindung von wolframsaurem Wolframoxyd-Natron. 

16* Chromoxyd. 

Fitr sich ui#eränderlich. \ 

In Borax wird es träge aufgelost; und färbt ihn^ auch 
in geringer Quantität^ mit einer schönen smaragdgrünen Farbe^ 
die sich besonders zeigt^ wenn das Glas kalt geworden ist. 
Auf Platindrath kann die grüne Farbe ziim-grössten Theil in 
der äussern Flamme fortgeblasen werden. Das Glas wird dann 
gelbbraun^ so lange es heiss ist^ und bekommt unter der Ab- 
kühlung bloss eine Neigung in's Grüne. 

Vom Phosphorsalze wird es sowohl in der äussern 
als innem Flamme mit einer grünen Farbe aufgelöst^ die tief 
ist, wenn des Aufgelösten viel ist. Wenn das Glas mit 
mehr Chromoxyd gemengt wird, als es auflösen kann, und 
wird stark erwärmt^ so bekommt es die sonderbare Eigen- 
schaft; im Gerinnungsaugenblicke mehr oder minder sich auf- 
zublähen und sich in eine schaumige Masse ^ durch irgend 
eine Gasentwickelung^ die dann statt findet^ zu verwandeln. 
Wenn das Glas von neuem geschmolzen wird^ so fallt der 
Schaum zusammen, aber kommt wieder beim Erstarren. 
Dies geschieht sowohl bei dem Daraufblasen in der Innern 
als äussern Flamme, auf Kohle und auf Platindrath. Ich kann 



380 LSthfohr. 

keine Ursaehe daron flnden. Es gesdiieht iii<At^ wenn das 
Glas klar ist. 

Von Soda wird das Chromoxyd auf Pladindrath in der 
ftussern Fhunme zu einem dunkel braungelben Glase aufge- 
löst^ das bei der Abkühlung undurchsichtig und gelb wird. 
Im Reductionsfeuer wird das Glas undurchsichtig und nach 
der Abkühlung grün. Von Kotde wird es absin^irt, aber ich 
habe keine Spur von redocirtem Metalle entdecken können« 

17. Antimon und seine Oxyde. 

Das Antmamnetall schmilzt leicht auf Kohle. Bis zum 
Glühen erhitzt^ fahrt es lange fort^ ohne dass man darauf 
blast^ zu glühen und entwickelt einen aufsteigenden dicken 
weissen Rauch. Nach und nach krystallisirt der Rauch und 
bildet um die brennende Metallkugel ein Netzwerk von Idei'» 
nen perlmutterglänzenden Krystallen^ die endlich in raiem 
kleinen Abstände sie ganz bedecken; beim Feuerlicht sieht 
man das Metall noch einige Augenblicke darinnen glühen^ 
nachdem es ganz davon umschlossen worden ist. Dieses 
Netzwerk besteht aus krystallisirtem Antimoni^yd und schmilzt 
wenn die Flamme darauf gerichtet wird. Das Antimonmetall 
für sich selbst im Glaskolben erhitzt^ verfliegt nicht bei der 
Temperatur^ die Glas schmilzt. In ein^r offenen Glasröhre 
bis zum Glühen erhitzt^ brennt es langsam mit einem weis- 
sen Rauche^ der sich an das Glas legt und einige Spuren 
von Krystallisation zeigt. Dieser Rauch ist blos Oxyd und 
kann durch die Hitze von einer Stelle des Glases zur an- 
dern gejagt werden^ ohne das Mindeste zurückzulassen« 
Bios wenn das Antimon mit Schwefel verbunden ist^ bildet 
sich ausser dem Antimonoxyd eine Portion antimoniger 
Säure, die daran erkannt werden kann^ dass wenn das Oxyd 
durch die Hitze fortgejagt worden ist^ die antimonige Säure 
als ein weisser Ueberzug übrig bleibt. 

Aniimonoxyd schmilzt leicht und wird als ein weisser 
Rauch sublimirt. Wird das Antimonoxyd durch Fälluii^^ 
Waschen und Trocknen erhalten^ so trifft es sich oft leicht, 
dass^ ehe es anfängt zu schmelzen^ es sich entzündet^ wie 
Zunder fortglimmt, unschmelzbar wird und sich in antimo- 
nige Säure verwandelt. Auf Kohle wird es zu Antimon- 



Lothrohr. 381 

metall reducirt und gibt der Flamme dabei eine grünliche 
Farbe. 

Die antknonige Säure schmilzt nicht ^ leuchtet stark^ 
vermindert sich in der innern Flamme, wobei die Kohle rund 
umher mit einem weissen Hauche beschlagen wird, aber sie 
reducirt sich auf diese Art nicht wie das Oxyd. 

Die Antimofisäure wird nach der ersten Wirkung der 
Hitae weiss und verwandelt sich in antinonige Säure. 
Wasseriialtige Antimonsäure hingegen wird von weiss an*n 
fangs gelb, wobei sie Wasser abgibt, und nachher beim 
Glühen wieder weiss , wobei sie Sauerstoff abgibt. 

Alle diese Oxydationsgrade verhalten sieh zu den Flüs- 
sen gleich. 

Borax löst die antimonige Säure in grosser Menge 
auf,' ohne dabei unklar zu werden. Das Glas leuchtet gelb- 
lich, wenn es warm ist,; aber sehr wenig nach der Abküh- 
lung. Wenn es gesättigt ist, so fängt ein Theil des Anti- 
mons in Metallform zu verfliegen an und beschlägt die Kohle 
rund umher; und wenn das Glas im Heductionsfeuer stark 
OThitzt wird, so wird es unklar und graulich von reducirten 
Metallpartikeln. 

Phosfphorsalx löst sie su einem klaren farblosen Glase 
' auf. Auf Platindraht kann das Glas im Oxydationsfeuer 
schwach gelblich werden, aber die Farbe schwindet bei der 
Abkühlung. Wenn das Glas zugleich Bisen enthält, so bringt 
es im Heductionsfeuer dieselbe rothe Farbe hervor, wie ei- 
senhaltige Wolframsäure und eisenhaltige Titansäure. Durch 
gutes Blasen wird das Antimon reducirt und verfliegt, und 
die Farbe verschwindet. Dieses geschieht auch durch einen 
Zusatz von Zinn. 

Von Soda wird sie auf Platindrath zu einem klaren 
farblosen Glase aufgelöst, das bei der Abkühlung weiss wird. 
Auf Kohle wird das Antimon reducirt. 

Für medicinische und pharmaceutische Zwecke ist es 
oft nöthig, das Antimonoxyd auf arsenige Säure zu prüfen. 
Bei Behandlung des Antimonof^ds auf der Kohle mit Soda 
zeigt sich dann der Arsenikgeruch, wenn das Oxyd nur V2 
Procent arseniger Säure enthält. Das Antimon gibt wohl 
auch einen Geruch, aber dieser ist schwach und hat mit 
dem des Arseniks nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Wenn 



388 Löihrohr. 

der Arsenikgehalt in dem Antimonoxyd sehr gering ist ^ so 
lässt er sich nicht mit Sicherheit durch den Geruch ent- 
decken^ man findet ihn aber dann leicht, nach Göbels Ver« 
suchen, vermittelst des ameisensauren Natrons. Man mengt 
das Oxyd mit dem Salze und erhitzt das Gemenge in einer 
unten zugeblasenen Röhre ^ bis alles klar fliesst« Es bildet 
sich Antimonoxydnatron , welches fliesst, das Arsenik aber 
mit einer geringen Menge Antimon wird reducirt und subli- 
jnirt sich. Man schneidet dann die Röhre dicht über dem 
Sublimat ab, so dass dieses noch in dem unten zugeschmol- 
zenen Theil sitzen bleibt, erhitzt das Sublimat über der 
Lampe, indem man daran riecht u^d bemerkt sehr deutlich 
den Arsenikgeruch, im Fall Arsenik darin enthalten war. 
Schneidet man die Röhre so ab, dass das Sublimat in der 
an beiden Enden offnen Röhre sitzt, so verbrennt es leicht 
beim Erhitzen so schnell^ dass kein Geruch mehr wahrge- 
nommen wird. 

18. Tellursäure und tellurige Säure. 

Die Tellursäure, in einer unten zugeschmolzenen Rohre 
gelinde erhitzt, verliert Wasser und wird dunkelgclb. Stär-^ 
ker erhitzt, wird sie milchweiss und in tellurige Säure ver- 
wandelt. Ein glimmender Spahn in die Röhre hineingehalten^ 
zeigt Sauerstoffentbindung an. Wird die Röhre bis zum 
anfangenden Glühen erhitzt, so schmilzt die tellurige Säure 
zu ^iuem gelben Liquidum, welches beim Erstarren farblos|, 
krystallinisch und undurchsichtig wird. Kleine Tröpfchen 
davon bleiben ''gewöhnlich durchsichtig wie Glas. 

Für sich : auf Platindrath schmilzt .die tellurige Saure 
und raucht; auch auf Kohle findet ein Schmelzen statt, und 
die Reduction geschieht unter Brausen. Das reducirte Me- 
tall kann leicht mit Wismuth und Antimon verwechselt wer- 
den. Ich werde beim Wismuth davon reden, wie es sich 
davon unterscheiden lässt. 

Mit Borax und Phosphorglas gibt sie auf Platindrath 
ein klares farbloses Glas, da§ auf der Kohle grau und m^ 
klar wird von reducirtem, fein zertheiltem Metalle. 

Mit Soda gibt die tellurige Säure auf Platindrath ein 
klares farbloses Glas, das bei der Abkühlung ^weiss wird. 
Auf Kohle wird sie reducirt und bildet Tellurnatrium, welches 



Latkrokt. 3SI 

sich in die Kohle hineinzidit. Mengt man tellurige Säore^ 
Soda und fein geschabte Kohle und erhitzt das Gemenge in 
einer unten verschlossenen Röhre zum starken Glühen ^ am 
liebsten bis zum Schmelzen und lässt dann einige T/bpfen^ 
so eben aufg^ochten Wassers^ in die Röhre fallen^ so färbt 
sich dieses nach einer Weile schön porpurrotb^ indem es 
Tellurnatrium anzeigt. 

19. Tantalsäore. 

Für sich wird sie blassgelb ^ ohne zu schmelzen^ beim 
Erkalten wieder weiss. 

Vom Borax wird sie zu einem klaren farblosen Glase 
aufgelöst^ das geflattert unklar werden kann^ und das bei 
eQiem grössern Zusätze während der Abkühlung emailweiss 
wird. ^ 

Y&mPhosphorsahe wird sie leicht und in grosser Menge 
zu einem farblosen Glase aufgelöst"^ das bei der Abkühlung 
nicht unklar wird. 

Mit Soda verbindet sie sich mit Brausen, aber schmilzt 
nicht und reducirt sich nicht. 

Da die Tantalsäure in ihrem Verhalten sehr den eigent- 
lichen Erdarten gleicht^ so kann sie bei Löthrohrversuchen 
leicht mit ihne^ verwechselt werden. Die Tantalsäure wird 
indessen doch dadurch erkannt, dass ihre Verbindung mit 
Phosphorsalz [nicht unklar bei der Abkühlung wird, auch 
wenn man Tantalsäure im Ueberschuss hinzusetzt^ was hin- 
gegen bei der Beryllerde^ Yttererde und Zirkonerde eintrifft. 
Wenn ein grosser Ueberschuss von Tantalsäure dem Phos- 
phorsalze zugesetzt wird; so vertheilt sie sich unter die 
Masse des Glases; dieses wird dann beim Schmelzen un- 
durchsichtig, aber das Ungelöste wird nicht milchweiss^ son- 
dern halbdorchsichtig wie Kieselerde, von welcher es sich 
gleichwohl durch sein Verhalten zu Soda unterscheidet« 
Von der Thonerde unterscheidet sie sich durch ihr Verhal- 
ten zum Borax und zur Kobaltauflösung; die mit Tantalsäure 
nicht blau wird. 

20. Titansäure. 

ff 

Für sich wie Tantalsäure. 

Vom Borax wird sie auf Platindrath leicht zu einem 
faihlosen Glase aufgelöst ^ das geflattert milchweiss wird. 



384 Loihrokt. 

Durch eisen grossem ZttMtz ward sie von selbst weiss b^ 
der Abkählang. Wird das Glas im Rednetionsfeuer behan- 
delt, so wird es von einem geringen Znsatze erst gelb^ «mI 
nacbhe{| wenn die Reduotien vollständig ist, bekommt da« 
Glas eine dunkle Amethystfkrbe, die besonders bei der Ab- 
kühlung zum Vorschein kommt. Das Glas ist dttrcbüchtig 
und nicht unähnlich dem, das durch Manganoxyd im (hcyda- 
tionsfeuer hervorgebracht wird, aber, geht etwas mehr in's 
Blaue* Setzt man noch mehr Titansäure hinzu, und wird 
das Glas auf Kohle mit gutem Heductionsfeuer behandelt, 
so wird es dunkelgelb, und beim Kaltwerden nimmt es eine 
so dunkelblaue Farbe an, dass es schwarz und undurchsich- 
tig aussieht. Wird es nachher mit Flattern erhitzt^ so wird 
es lichtblau, aber undurchsichtig und emailähulich. Die Farbe 
ist mehr oder minder schön blau und in verschiedenen Ver- 
suchen von ungleicher Nuance. Die Ursache davon ist, dass 
das Glas sowohl Titansäure als Titauoxyd enthält; das letz- 
tere macht das Glas dunkelblau, und die erste, die nicht zu 
dieser Farbe beiträgt, macht es durch Flattern eikiailweiss, 
und wenn das Weisse mit dem Dunkelblauen gemengt wird^ 
1^0 erhält man ein Hellblau, dessen Grad von Hellblau ganz 
und gar auf den relativen Quantitäten von Oxyd und Säure 
im Glase beruht, so dass, wenn sehr wenig Säure darin ist, 
es schwarz^ und wenn sich sehr wenig Oxyd darin findet, 
es weiss von der flatternden Flamme wird. 

Vom PhosphorsaJze wird sie in der äussern Flamme zu 
einem klaren farblosen Glase aufgelöst. Im Heductionsfeuer 
gibt sie ein Glas, das gelblich aussieht, so lange es heiss 
ist, aber das bei der Abkühlung sich röthet.und eine schöne 
blauviolette Farbe bekommt. Durch zu viel Titansäure wird 
die Farbe so tief, dass das Glas undurchsichtig wird, aber 
es wird dabei nicht emailähulich. Die Farbe kann in der 
äussern Flamme fortgeblasen werden. Die Reduction ge- 
schieht besser auf Kohle, als auf Platindrath, aber erfordert 
auch auf der Kohle ein anhaltendes Feuer, besonders wenn 
man titanhaltige Fossilien, wie z. B. Sphen, prüft* Ein Zu- 
satz von Zinn erleichtert und beschleuniget die Reduction 
sehr bedeutend. 

Wenn die Titans&ure Eis^n enthält, oder wenn Eisen 
zu dem durch Titansäure gefärbten Glase gesetzt wird^ so 

ver- 



veradiwindet die violette Farbe des Titaaoxyds^ vmd das 
Glas bdcomait im Reductionsfeuer dieselbe rothe Farbe wie 
von der eisenhaltigen Wolframsäure. Wenn die Quantitäten 
von diesen Steffen geringe sind, so wird die Farbe gelblich- 
roth, erscheint nicht so lange das Glas warm ist, sondern 
kommt erst in dem Augenblicke zum Vorschein, wenn das 
Glas kalt wird, und es' hat im Allgemeinen nie seine volle 
Intensität, ehe das Glas nicht ganz kalt ist. Diese Reac- 
tion ist so empfindlich, ,dass wenn das Glas so wenig reine 
Titansäure enthält, dass man durch seine Farbe nicht 
ganz sicher von seiner Gegenwart ist, man die 'Reaction 
sehr stark bekommt, wenn man etwas Eisen ^ am besten in 
Metallfötm, hinzusetzt* Diese Farbennfiance wird beim Glase 
durch Reductionsfeuer hervorgebracht durch eisenhaltige 
Wolframsäure, eisenhaltige antimonige Säure und vom Nickel^ 
bxyd. Es ist indessen leicht zu entdecken, welcher von 
diesen Stoffen mit dem Eisen vereinigt ist. Die antimonige 
Säure lässt sich forttreiben, wenn man einige Zeit gut dar-* 
auf geblasen hat, und die Eisenfarbe bleibt nun übrig.' Ich 
habe schon vorhin erwähnt, dass die eisenhaltige Wolfräm- 
säure durch einen Zuisatz von Zinn ein grünes, oder manch- 
mal ein blaues Glas gibt; wenn das eisenhaltige Tltaiiglas 
auf gleiche Art behandelt wird, so verschwindet die Eisen- 
farbe , und die violette Farbe dei^ Titanoxyds kommt Wieder 
zum Vorschein. Hierzu wird indessen erfordert^ dass' die 
Intensität der Farbe im Flusse nicht zu gross sei. Ist'ifies 
der F^IK so muss man mehr Fluss hinzusetzen. Aber da' 'e;^ 
sich oft ereignet, dass eine so kleine Menge *«lsenhaTti^i^n 
Titanoxyds die angeführte Farbe beim Glase hervorbringt, 
dass die darin befindfiehe. Ti^ui^äure allein keine bedeutende 
Reaqtion gibt, so. nimmt das Zipün. in diesjßm FaUe alte Farbe 
fort und die Reactioa verschwindet gäna^lich. Man versuche 
dann mit dem zu mitersuehenden Stoff ein vollkommieAige^ 
sättigtes Phosphorscdzglas zu bereiten, ,und bebandle dieses 
mit Zinn, wodurch es. nicht seltm glückt,, die dem Titaob- 
oxyde eigenthümliche Farbe erkeuid^ar zu .n)aehen,.besondeir$: 
wenn das Glas gansgflbgekühlt ist. Die Reactiop, die: Nickejr 
oxyd gibt, unterscheidet sich von den vorhergffcenden da- 
durch, dass sie i^m stärksten Ist, wenu das Glas heiss ist 
und beinahe ganz bei der Abkühlung verschwi^ot, sioi.wie 
X 25 



386 Lothrohr. 

auch^ daas sie soweU in der äosseree als ionerea Flamme 
dieselbe ist; da sie hingegen mit den anderen im guten 
Oxydationsfeuer versehwindet. — Die hier besehriebene *Wlr« 
kvng des Eisens auf die Farbe der Titansäure oder IVolf- 
ramsäure findet nicht mit Berax statt. 

Von Soda wird die Titansäure mit Braus^i und Spritzen 
BO einem klaren duukelgelben Glase aufgelöst, das nicht 
von der Kohle eingesogen wird, und das bei der Abkühlung 
weissgrau oder weiss wird. Dieses Glas hat die Eigenschafi, 
gerade in dem Augenblicke zu krystallisiren, wenn es auf- 
hört zu glühen, und dabei entwickelt sich so viel Vt^ärme; 
dass die Kugel wieder von selbst weissglühend wird. Diese 
Eigenschaft tritt mit allen krystallisirenden Körpern ein^ 
wenn sie bei einer gewissen hohen Temperatur anschiesse% 
wie z. B> beim phosq^horsaureu Bleioxyde; doch i<^ habe 
bei keiner Gelegenheit gesehen, dass die durch die Kry- 
stallisation erweckte Hitze so stark ist und so lauge dauer^ 
wie hier. Richtige Proportionen tragen viel dazu bei^ diese 
Erscheinung recht merkbar zu machen. Nimmt man mehr 
Titansäure, als die Soda aufzulösen -vermag, so dass die 
unaufgelösten Theile im Glase schwimmen, so trifft es nie- 
mals ein, aber setzt man dann nach und nach etwas Sodi 
hinzu, dass gerade die Quantität hinzukommt, die erfordert 
wird, um die Titansäure aufzulösen, so stellt sich das Phä- 
nomen aufs Schönste wieder ein. Bei jeder Portion Soda, 
die darüber hinzugesetzt wird, nimmt das Phänomen ab, 
and endlich geht Alles in die Kohle. 

Die Titansäure kann in der Kohle mit Soda nidit redu- 
cirt werden. Zu den Versuchen, die ich anstellte, bediente 
ich midi einer Titansäure, die aus französischem Rntfl auf 
Laugier* s Art bereitet worden war, und bekam bei jed^ 
Rednctionsprobe einige platte Körner von einem geschm«- 
digen, vireissen, nicht magnetischen MetaUe, das das An- 
sehen von Zinn hatte., leh fand hernach, dass wenn die 
aus dem französichep Rutile gdSllte Titansäure mit Hydro- 
thionammoniidc digerirt wurde, sich ^rin eine Spar von 
Zinn auflöste, das nach der Abdunstung der Flüssigkeit und 
Glühen der getrockneten Masse zuruckblieb und mit Leidi- 
tigkeit zu ^em Zinnkom reducui; werden konnte. 



i 



Lmntkr. 387 

Von KobaUsohäUm wird die. Iltaiu&ur« cMdtwiirz oder 
dttokelgraa. 

21. tJranoxyde. 

Für sich Wird das Uranoxyd zum Oxydul redacirt^ wird 
schwarssj abi^r schmilst nicht 

Vom Borax wird das Oxyd za eineoei diwkelgelben 
Glase aufgelöst^ das im Redoction^feuer sdunu^g-gräo 
wird. Im Oxydatioosfeuer kami die g^lbe Faril>e auf Plutin- 
drath wieder hergestellt werden. Auf Kohl^ ist dies sehr 
schwer. Das grüne^ bis zu einem gewissen Grade gesättigte 
Glas kann schwarz geflattert werden ^ aber wird dann ^eder 
emailähnlich noch krystallinisch. 

Mit Phosphorsalz auf Platindrath gibt es im Oxydations- 
feuer ein klares gelbes Glas^ dessen Farbe bei der Abküh- 
lung abnimmt und endlich strohgelb^ ins Grüne sich ziehend 
wird. Im Reductionsfeuer gibt es ein schönes grünes Glas, 
dessen Farbe unter der Abkühlung npch schöner wird. Auf 
Kohle kann man schwer eine andere ^Is grüne Farbe be- 
kommen , obgleich die grüne Farbe vom Oxydationsfeuer 
vermindert wird. 

Von Soda wird es nicht aufgelost. Ein -sehr geringer 
Zusatz von Soda gibt Zeichen von Schmelzung. Von mehr 
Soda wird die Masse auch im Reductionsfeuer gelbbraun^ 
weil Oxyd gebildet wird, das wie eine ;SIure das Alkali 
sättigt. Durch einen grösseren Zusatz von Soda kann man 
es dahin bringen, dass es in die Kohle geht, aber es wird 
nickt reducirt. Gewöhnlich bekommt man einige Spuren 
von Zinn, wenn dies nicht vorher mit Schwefelwasserstoff 
oder Hydrothionammoniak a^^s dem Oxyde gezogen wor- 
den ist. 

22. Ceroxyde. 

Für sich ändert sich das Oxydul in Oxyd um. Dies 
bleibt im Reductionsfeuer unverändert 

Vom JBorax wird das Oxyd in der äusseren Itunme zu 
^nem schönen rothen^ oder dunkelgelben Glase aufgelöst, 
dessen Farbe bei der Abkühlung abnimmt, so dass sie end- 
lich Mos gelb ist. Das Glas kann geflattert emailweiss 
werden. Im Reductionsfeuer verliert sidi die Farbe. Setzt 

25» 



388 Ldfhrohr, 

man nlehir Oxyd hinzu ^ so bekommt das Glas nach der Re-* 
duction die Eigenschaft^ von selbst emailweiss und krystal- 
linisch bei der Abkühlung zu werden. 

Vom Phesphorsalze wird das Oxyd zu einem schonen 
rothen Glase aufgelöst , das hei der Abkühlung seine Farbe 
verliert und wasserklar wird. Im Reductiokisfeuer wird das 
Glas fkrbtos^ aber es löst sich niemals so viel auf^ dass es 
bei der Abkühlung unklar wird. 

Von Soda wird es nicht aufgelöst. Die Soda geht in 
die Kohle und das Ceroxydul bleibt mit einer weissen oder 
fichtgrauen Farbe zurück. 

Die Reactionen der Ceroxyde gleichen sehr denen des 
Eisenoxyds ; vorzüglich^ wenn das Ceroxyd mit Kieselerde 
verbunden ist^ die hindert^ dass das Glas mit Borax unklar 
wird. Sie unterscheiden sich durch das ungleiche Verhalten 
der Oxydule zu den Flüssen^ aber wenn beide zusammen 
mit Kieselerde vorkommen^ wie das sehr oft geschieht^ so 
kann man durch das Löthrohr nicht die Gegenwart des Cer- 
oxyds erkennen. 

33. Manganoxyd» 

Für sich schmilzt es nicht ^ aber wird bei einem stren- 
gen Feuer braun. 

Vom So/'ax' wird es leicht zu einem klaren^ amethyst- 
farbenen Glase aufgelöst , das im Reductionsfeuer ungefärbt 
wird. Ist der Mangangehak gross, so muss das reduoirte 
Glas in dem Augenblick^ wo das Blasen aufhört, abgestosaen 
werden, so dass es auf einen kalten Körper ..fällt, sonst 
färbt es sich unter der langsamen Abkühlung wieder. In der 
äusseren Flamme wird durch einen reichlichen Gehält von 
Oxyd das Glas endlich so tief gefärbt, dass es schwarz 
aussieht, aber in dünnen Fäden ist es durchsichtig. 

Vom Phosphorsalze wird* es leicht zu einem klaren 
Glase aufgelöst^ das im Reductionsfeuer farblos, und im 
Oxydationsfeuer amethystfarben ist; aber die Farbe wird 
niemals so tief, dass das Glas nicht, seine Durchsichtigkeit 
behält. So lange das Glas in der äusseren Flamme ge«- 
sdimolzen wird, sowohl auf Platindrath, so wie auch aitf 
Kohle, kocht es beständig und gibt Gas ab« Dieses Kochen 



Uthrohr. 3^ 

hört im Redbctioasfeuer auf ^ aber kommt so^eidi im Oxy- 
dationsfeuer wieder. Es scheint davon herziorähven^ dass 
die Glasperle sich auf der Oberfläche oxydirt^ und^ da das 
Oxydirte durch die Umschwingung des Glases wieder in die 
Masse geführt wird^ so wird Sauerstoff durch die Phosphor- 
fiäure ausgejagt ^ und das Öxydsalz verwandelt siddinein 
Oxydulsalz. Daher kommt es auch, dass das Phost>horsalz 
die Amethystfarbe nur bis zu einem gewissen Grade annimmt, 
weil blos eine ge%visse Menge Oxydsalz sich im Glase^ er- 
halten kann. Im Allgemeinen kann das Boraxglas leider 
oxydirt als reducirt, und das Phosphorsalzglas im Gegen- 
theile besser vollkommen reducirt und unmöglich vollkommen 
oxydirt erhalten werden« Wenn das Phosffhorsalzglas so 
wenig Manganoxyd enthält, dass die Farbe nicht mehV sicht-^ 
bar wird, so kann man sie erhalten, wenn die gescshskolzene 
Perle mit einem Salpeterkrystall berührt wird, auf die Atty 
wie ich es schon bei den Reagentien beschrieben habe, wo- 
bei sie schäumt, und der Schaum während der Abkählung 
eine Amethyst- oder eine schwache Rosenfarbe annimmt, 
nach dem grösseren oder geringeren Mangangehalt. 

Von Soda wird das Manganoxyd auf Platinblech oder 
Platindrath in einer ganz geringen Menge zu einer klaren 
durchsichtigen grünen Masse aufgelöst, die bei der Abküh- 
lung gesteht und blaugrün wird. Die Prbbe geschieht am 
besten auf Platinblech* Die Auflösung von Manganoxyd in 
Soda fliesst um das Unäufgelöste, so 'dass die Farbe der 
Salzmasse nach der Abkühlung deutlich sichtbar wird. Ein 
Tausendtheil Manganoxydul in' einer zu untersuchendem Probe 
farb(f die Soda deutlich grün, uud man kann auf diese Art 
die mindeste Spur von Mangan entdecken. 

Das Mangan kann in der Kohle nicht mit Soda reducirt 
werden, aber wenn es nur' eine höchst unbedeutende Spur 
von fiisen enthält^, so wird dieses reducirt, und kaoB auf 
gewöhnliche Art abgeschieden werden. , 

24. Zinkoxyd. . 

Für sich wird es gelb, wenn es erhitzt wird, was man 
wohl beim Tageslicht, aber nicht beim Feuerlicht sehen kann. 
Die weisse Farbe kommt bei der Abkühlung wieder. Es 
schmilzt nicht, aber leuchtet stark beim Glühen qnd ver- 



^90 iMifxAr. 

schwindet nadi nnd iii^h im Redactionsfeiier^ tvähre&d bUAl 
ein weiisser Rauch rund umher auf die Kohle legt. 

Von Borax wird es leicht zu einem Maren Glase auf- 
gdost^ das durch Flattern milch weiss ^ und von einem nodh 
grösseren Zusatz bei der Abkühlung emmiweiss wird. Im 
Redueti<msfeuer verflfichtigt sich das Metall und die Kohle 
wird eihe Linie v<m der Probe entfernt mit einem weissen 
Zinkraueh beschlagen« 

Mit Phosphorsalz verhält es sich gleich wie mit Borax^ 
aber reducirt sich und verfliegt wieder leicKt. Bis gleich 
in seinem Verhalten sehr den eigentlichen Erdarten. 

Von Sofia wird es nicht gelost; aber auf Kohle mit 
Soda behandelt wird es reducirt und beschlägt die Kohle 
rund umher mit Zinkrauch ^ und bei einem guten Feuer 
kann selbst eine Zinkflamme hervorgebradit werden. Diese 
Reactien ist das vorzuglichste Kennzeichen des Zinkoxydfl^ 
und man erkannt bei zinkhaltigen Fossilien ^ wie z. B. beim 
Gahnit dte Gegenwairt des Zinks^ durch den Zinkrauch, 
der sich auf £e Kohle lägt, wenn das Fossil mit Soda be- 
handelt wird. 

Mit Kobaltsolution gibt es eine schöne grüne Farbe, 

25. Cadmiumoxyd* 

Für sich auf Platin in der äussern Flamme unverändert. 
Auf Kohle verschwindet es in kurzer Zeit, und die Kohle 
wird rund umher mit einem rothen oder dunkelgelben Pulver 
beschlagen. Dieses Verhalten des Cadmiumoxydes ist so aus- 
gezeichnet, dass Mineralien, z. B. kohlensaures Zinkoxyd, 
die ein oder einige Procent kohlensaures Cadiniumoxyct ent- 
halten und die einige Augenblicke dem Reductionsfeuer aus- 
gesetzt werden, in einem kleinen Abstancto von der Probe 
einen gelben oder dunkelgelben Ring von Cadteiumoxyd ab- 
setzen, der vorzäglich dann gut geliehen W^den kann, wenn 
die Kohle ganz erkaltet ist. Er wird gebildet, lange ehe 
das Zink reducirt wird, und wenn Zinkrauch sich zu gleicher 
Zioit zeigt, so ist dies ein Beweis, dass man das Blasen 
zu lange fortgesetzt hat. Wenn der gelbe ^ Beschlag sich 
nicht zeigt, ehe der Zinkrauch auf die Kohle sich zu legen 
anfangt, so ist dies ein Zeichen, dass die Probe kein Cad« 
mium enthält. 



LSthrohr. 391 

Von Borax auf Platindrath wird ea in sehr grosser 
Menge zu einem klaren gelblichen Glase aufgelöst^ dessen 
Farbe grösstentfaeils bei der Abkühlung verschwindet. Wenn 
das Glas beinahe gesattigt ist^ so wird es durch Flattern 
milchweiss; und wenn es vollkommen gesattigt ist^ so wird 
eS; wenn es gesteht^ von selbst emailweiss. Auf Kohle 
kocht das cadmiumhaltige Boraxglas beständig^ Cadmium 
wird reducirt und verfliegt^ und die Kohle beschlägt rund 
umher mit dunkelgelbem Cadmiumoxyd. 

Vom Phosphorsalze wird es in grosser Menge zu einem 
klaren Glase aufgelöst^ das^ wenn es gesättigt ist^ mildi- 
weiss während der Abkühlung wird. 

I Von Soda auf Platindrath wird es nicht aufgelöst. Auf 

I Kohle wird es reducirt^ verfliegt und legt einen dunkelgelben 
I Cadmiumbeschlag rund umher. 



f 



26. Eifi^enoxyd. 

« 

Für sich verändert es sich nicht in der äusseren Flamme^ 
aber in der inneren wird es schwarz und magnetisch. 

Vom Borax wird es im Oxydationsfeuer zu einem dun-* 
kelrothen Glase aufgelöst^ das bei der Abkühlung heller^ 
und endlich blos gelblich^ selbst farblos wird. Von einem 
grossen Zusatz wird es in der Schmelzung undurchsichtig 
und bekommt nach der Abkühlung eine unreine dunkelgelbe 
Farbe. Im Reductionsfeuer wird es bouteillengrün; und wenn 
die Reduction so vollkommen geschieht^ wie sie mur ge* 
scheheu kann^ so bekommt es eine klare blaugrüne Farbe^ 
ganz gleich der des Eisenvitriols ^ den man erhält , wenn 
Bisen in verdünnter Schwefelsäure aufgelöst wird. Ein Zu- 
satz von Zinn beschleunigt diese vollständige Reduction za 
Oxydul. Die bouteiUengrüqe Farbe gehört d^m Oxydum 
fevroso'ferricum an; sie wird manchmal so dunkel ^ das« 
sie schwarz aussieht. So lange das Glas blos Eisenoxyd 
eilth^lt^ ifit es bei der Schmelzung Uar, ab^r sobald ea dem 
Reductionsfeuer unterworfen und Oxydum ferroso 'ferricum 
gebildet wird^ wird es uiidurchsichtig und fahrt fort es zu 
sein^ bis dis Reduction so lange gewährt^ dass blos Oxydul 
übrig ist; wodurch es wieder klar wird. Die grüne Farbe 
des Oxyduls ist recht schön^ so lange das Glas warm ist. 



392 Ldthrohr. 

aber sie niiniiit bei der Abkühlung ab^ und wird^ wenn der 
Eisengehalt geringe ist^ endlich unmerklich. 

Vom Phosphorsahe wird es mit denselben Farben- 
erscheinungen aufgelöst^ wie vom Borax^ aber die Farbe 
nimmt stärker bei der Abkühlung ab. Durch einen Zusatz 
von Zinn kann man es dahin bringen^ dass sie beinahe ganz 
verschwindet. Ein sehr eisenhaltiges Glas bekommt nach 
der Behandlung mit Zinn eine schwache bläulichgrüne Farbe; 
und bisweilen läuft die Kugel im Abkühiungsmomente mit 
einer grauen und glänzenden Perlfarbe an^ die indessen bei 
einem neuen Zublasen viArschwindet. 

Von Soda wird es nicht aufgelöst^ aber es geht mit ihr 
in die Kohle, wird leicht reducirt und gibt nach der Ab- 
fichlämmung ein graues , magnetisches MetallpulVer. 

27. Kobaltoxyd. 

Für sich wird es nicht verändert. 

Vom Borax wird es leicht zu einem klaren blauen 
Glase aufgelöst; das geflattert nicht unklar wird. Eine ge- 
ringe Menge Oxyd färbt das Glas stark, und durch eine 
grossere wird das Qlas so tief dunkelblau ^ dass es schwarz 
i^isnieht. 

Vom Phosphorsalze wird es mit derselben Leichtigkeit 
und mit gleicher Farbe aufgelöst. Die Kobaltfarbe zieht 
sich beim Feuerlicht in's Violette, aber ist beim Tageslicht 
rein blau. Wenn das Phosphorsalzglas eine sehr schwache 
bkue Farbe beim Tage^^icht hat, so sieht es beim Feuer- 
schein rosenroth aus. 

' Von Soda wird es auf Platmdrath in • ganz geringer 
Menge aufgelöst; die geschmolzene Masse ist beim Durch- 
sehen schwach roth und wird bei der Abkühlung grün. Es 
schmilzt mit Soda auf Platinblech, das Aufgelöste rinnt von 
den Seiten ab, und das Platin bekommt rund 41m das Unauf- 
gelöste umher' einen dünnen, dunkelrothen Ueberzug. . 

Vom neutralen kohlensauren KaM wird das Kobaltoxyd 
in i^eit grösserer Menge aufgelcHst, das Salz fliesst nicht so 
stark umher, und die gestandene Masse ist schwarz, ohne 
dass etwas roth sich zeigt. Dies könnte eine Art sein, vor 
dem Löthrohr die beiden Alkalien zu unterscheiden, wenn 



Lathrohr. 393 

es nicht leichter und weit sicherer wäre, das Alkali der 
Luft auszusetzen, um zu sehen^ ob es feucht wird oder nicht. 
Auf Kohle reducirt sich das Kobaltoxyd mit dem Alk^i 
in der innern Flamme ganz leicht^ wenn man auch so wenig 
Alkali nimmt^ dass die Masse nicht in die Kohle geht^ aber 
es lässt sich nicht schmelzen. Nach der Fortwaschung der 
Soda und der Kohle bleibt ein graues^ magnetisches Metall- 
pulver zuräck^ das unter dem Polirstahl Metallglanz annimmt* 

28. Nickeloxyd. 

Für sich wird es nicht verändert. 

Vom Borax wird es leicht zu einem dunkelgelben oder 
rothlichen Glase aufgelöst, das nach der Abkühlung gelb 
oder beinahe farblos wird. Ein grösserer Zusatz von O^d 
bringt ein Glas hervor, das beim Schmelzen undurchsichtig 
dunkelbraun ist^ aber nach der Abkühlung klar dunkelroth 
wird, wie das von der eisenhaltigen Wolframsäure in Phos- 
phorsalz. Ein Zusatz von Salpeter oder kohlepsaurem Kali 
verändert die Farbe in's Blau- oder dunkel Pttrpurfarbene, 
wodurch es sich vom Eisenoxyd unterscheidet, dessen Farbe 
mit Borax der des Nickeloxydes gleicht. Im Reductionsfeuer 
wird diese Farbe zerstört und das Glas wird graulich von 
fein zertheiltem metallischen Nickel, das bei länger fortge- 
setztem Blasen sich zu einer Masse sammelt, ohne zu 
schmelzen. Enthält das Nickeloxyd Kobalt, wie dies oft 
der Fall ist, so kommt nun dessen Farbe hervor, und hält 
das Nickel zu gleicher Zeit Arsenik, so schmilzt es zu einer 
Kugel. 

Vom Phosphorsalze wird es mit denselben Farbener- 
scheinung^i aufgelöst , .wie vom Borax, aber die Farbe ver- 
schwindet beinahe bei der Abkühlung und verhält sich übri- 
gens sowohl im BTeductionsfeuer, als auch im Oxydations- 
feuer gleich, wodurch es sich vom Eisenoxyd unterscheidet, 
dem es übrigens sehr in den Reactionen gleicht.' Ein Zu- 
satz von Zinn bringt im Anfange keine Veränderung hervor, 
aber nachher wird das Nickel ausgefällt und die Farbe ver- 
schwindet. Ein Gehalt von Kobalt wird nun wahrnehmbar, 
aber dieses blaue Glas ist unklar und im Allgemeinen lässt 
sieh das Kobaltoxyd minder leicht auf diese Art wie im 
Boraxglase entdecken. : «^ 



994 Laihrohr. , 

Von Soda wird das Nickeloxyd nicht aufgelöst. Hit 
viel Soda geht es in die Kohle ^ wird leicht reducirt und 
gibt uach der Abschlammung kleine^ weisse^ glän^ende^ 
metallische Theile^ die dem Magnete mit beinahe noch grös^ 
serer Begierde als das Eisen folgen. Mit einer geringeren 
Menge Soda bleibt die Masse auf der Kohle^ aber das Nickel 
wird anch dann reducirt und durch Abscbeidung der Soda 
durch Wasser erhalten« Dieses reine Nickel kann nicht vor 
dem Lothrohre geschmolzen werden. Das Nickel, das noch 
eine Spur von Arsenik enthält^ schmilzt wohl nicht mit 
Soda, aber wenn Borax zugesetzt wird^ schmilzt es zu einer 
Kugel, die geschmeidig ist und sich ausplatten lässt, aber 
gewöhnlich ein wenig an den Kanten springt und dem IMbg- 
nete in hohem Grade folgt. Wenn die Oxyde von Nickel 
und Kobalt zusammen vorkommen^ so werden die Reactionen 
des Kobaltoxyds so überwiegend; dass der Nickelgehalt nicht 
erkannt wird, wie bedeutend er auch sein kann. Er kann 
jedoch nach JPlattner auf folgende Weise entdeckt werdrai: 
Die Probe wird im Boraxglas bis nahe zur Sättigung und 
völligen Undurchsichtigkeit aufgelöst Man vereinigt mehrere 
von solchen Glasproben und schmilzt sie im Reductionsfeuer 
mit ungefähr 5 Ceutigrammen reinen Goldes. Das Nickel 
wird reducirt und von dem €rolde aufgenommen, wodurdi 
dessen Farbe heller wird. Das Goldkorn wird von der 
Schlacke befreit, durch schwaches Ausplatzen ;anter dem 
Hammer gereinigt und im Reductionsfeuer zuerst mit Borax- 
glas behandelt. Dieses wird durch ein wenig Kobalt, wel- 
ches von dem Golde aufgenommen worden ist, blau und, 
wenn das Nickel anfangt aufgenommen zu werden, nach 
d^m Erkalten grünlich. Das Boraxglas wird dann rein abge<- 
schlagen, und das Goldkorn mit Phosphorsalz im Reductions- 
feuer behandelt, wobei die Reaction deS Nickeloxyds her- 
vori&omlnt. Das Goldkorn kann darauf durch Zusanunen- 
schmelzen mit tlei und Abtreiben auf Knochenasche von 
Nickel befreit werden. 

29. Wismuth und dessen Oxyd. 

Für sich schmilzt das Wismutboxyd leicht auf Platin- 
bleoh zu einer dunkelbraonen Masse^ die nach der Abküh- 
lung blassgelb ist. Es wird durch zu starkes Feuer rftociii 



Lothröhr. 395 

nnd durchbohrt das Platin. Auf Kohle wird tB •chiiell zu 
einem oder mehreren Metallkörnern reducirt* ' 

Vom Borax wird es ohne Farbe in der äusseren Flamme 
aufgelöst. In der inneren wird es reducirt und gibt vom 
fein zertheilten Wismuth ein graues trübes Glas. 

Vom Phospharaalze wüi es aufgelöst^ das Glas ist 
gelbbraun, wenn es heiss ist^ und wird farblos, aber nicht 
gänzlich hbur hei der Abkählung. Im Reductionsfeuer, vor^ 
züglich wenn Zinn hinzugesetzt wird, bekommt man ein 
Glas, das klar und farblos ist, wenn es heiss ist, aber 
schwarzgrau und undurchsichtig wird, wenn es erstarrt^ un- 
gefähr so wie es mit Kupferoxydul eintrifft, mit Ausnahme 
der Farbe hingegen, die beim letzgenannten roth ist Dieser 
Umstand scheint zu beweisen, dass das Wismuth noch einen 
niedrigem, salzßihigen Oxydationsgrad hat, der auf nassem 
Wege nicht bekannt ist. 

Die Leichtigkeit, mit der Wismuth sich reduciren lässt, 
macht, dass es bei Löthrohrversuchen meistentheils in me- 
tallischer Form der Prüfung unterworfen wird. Dann ist es 
wichtig, es vom Tellur und Antimon unterscheiden zu kön- 
nen, mit denen es leicht verwechselt werden kann. 

a) Im Kolben wird weder Wismuth noch Antimon sub- 
limirt bei der Hitze, welche das Glas zulässt. Tellur hin- 
gegen gibt dabei zuerst eine kleine Quantität Rauch (durch 
den Sauerstoff, dec in der atmosphärischen Luft gegenwärtig 
ist), und nachher bekommt man ein graues Sublimat von 
metallischem Tellur. 

i) In einer offnen Röhre» Antimon gibt einen weissen 
Rauch, der inwendig das Glas beschlägt, und der durdi die 
Ifitze von einer Stelle zur anderen verflüchtigt werden kantti 
und dann nichts auf dem Glase zurücklässt. Die Metall-*» 
kugel wird von einer bedeutenden Menge geschmohsenen 
Oxydes umgeben. 

Tellur raudit stark, und der Rauch beschlägt das Glas 
mit einem weissen Führer, das zu klaren farblosen Tropfen 
^dhmilzt, wenn es erhitzt wird ; ein kleiner Theil raucht fort, 
aber das meiste verändert seine Stelle Mos auf die Art, dass 
die Tropfen, wenn sie etwas gross raid, medianisch über 



396 ISffirohn 

die Oberflädie des Glases gejagt werden* Wenn der An- 
flug dünn ist^ so sieht es aus, als wenn er von der Ilitze 
fortgejagt wäre^ aber das Mikroskop zeigt, dass das Pul- 
verformige sich in kleine Tropfen verwandelt hat. Die 
Metallkugel umgibt sich mit einem geschmolzenen, klaren^ 
beinahe farblosen Oxyde, das bei der Abkühlung, wenn es 
eHD^e dickere Schicht bildet, weiss ^^ undurchsichtig und blät- 
trig wird. Bei einer starken Hitze und schwachem Zatritte 
der Luft sublimirt sich ein Theil Tellut metallisch in Form 
eines grauen Pulvers. 

Wismuth gibt beinahe keinen Rauch, wenn es nicht mit 
Schwefel verbunden ist, und das Metall umgibt sich, mit 
einem geschmolzenen Oxyd von dunkelbrauner Farbe ^ das 
bei der Abkühlung blassgelblich wird. Es greift Glas stark 
an^ und löst dessen Masse auf. 

c) Auf Kohle. Alle drei Metalle rauchen fort bei 
langsamem Daraufblasen/ und legen einen Ring von Rauch 
rund um die Kohle umher. Vom Antimon ist dieser ganz 
weiss, vom Wismuth und Tellur hat er eine rothe oder 
dunkelgelbe Kante. Wenn man die Reductionsflamme auf 
diesen Beschlag leitet, so verschwindet er, wobei die Flamme 
vom Tellurbeschlag schön und stark grün gefärbt wird, vom 
Antimon schwach grünlich blau, und von Wismuth gar keine 
Farbe bekommt. 

Ich muss hier hinzusetzen, dass der Geruch von ver- 
faultem Rettige, den man dem Tellur zuschreibt, nicht dieses 
Metall zu erkennen gibt, wenn es rein ist, sonderm dem 
Sejenium aügehört. das mehrere Tellurerze begleitet. 

Ein Kupfergehalt in Wismuth oder in dessen Oxyd gibt 
sich nach Plattner auf die Weise zu erkennen, dass mtta 
^ zuerst das Oxyd zu einem Metallkorn reducirt und dies auf 
folgende Weise behandelt: Ungefähr doppelt so viel Bor- 
säure dem Gewichte nach wird in eiä^ Grube auf der Kohle 
zu Glas geschmolzen und das Korn so darauf gelegt, dass 
es halb die Säure und halb die Kohle berührt. Nun wird 
behutsam darauf geblasen. Das Wismuth oxydirt sich allein 
und löst sich in der Säure auf, die dasselbe nicht leicht im 
Reductionsfeuer fahren lässt. Auf diese Weise lässt sich 
das Wismuth so oxydiren, dass das zurückbleibwde Ueine 



Lotkrohn 397 

Kom hinreidiend stark kupferhalti^ wird^ tim bei der Probe 
mit Phosphorsalz und Zinn die eigenthümliche Kupferreaetion 
ssa geben* 

30. Ziimoxyd. 

Fitt sieh. Das Oxydid^ sowohl- rdin^ so wie auch als 
Hydrat^ brennt angezündet wie Zunder^ und verwandelt sich 
in Oxyd. Das Oxyd verändert sich und schmilzt nicht^ aber 
bei einem starken und abhaltenden Redtictibnsfener kann 
reines Zinnoxyd ganz und gar ohne Zusatz zu Zinn redm^irt 
werden. Dies erfordert indessen einige Uebung daS Löthrohr 
zu gebrauchen. 

Vom Borax wird das Zinnoiyd sehr trage und in ge- 
rkiger Menge isu einem klaren Glase aufgelöst^ das bei der 
Abkühlung klar bleibt. Es kann nicht durch Flattern email- 
weiss w^den^ aber wenn das gesättigte Glas^ nachdem es 
ganz kalt geworden ist^ von Neuem eine Zeit lang' in der 
äusseren Flamme bis zum schwachen Glühen erhitzt wird^ 
so wird es unklar ^ verliert seine runde Form und gibt eine 
undeutliche Krystallisation. Vom Reductionsfeuer wird die 
Farbe des Glases nicht vi^rähdert. . / 

Vom Phösphorsahe wird das Zinnöxyd träge* und in 
geringer Menage zu ein^m klaren farblosen Glase aufgelöst: 
Wird Eisenoxyd hinzugesetzt^ so verliert das Eisenoxyd 
seine Eigenschaft^ das Glas zu -färben. Es versteht sich^ 
dass eine gewisse Menge Zitooxyd nur die Farbe von einer 
gewissen Menge Eisenoxyd wegnimmt^ und dass das^ was 
darüber ist^ das Glas färbt; akr wenn kein Zinnoxyd zu- 
gegen wäre. Gegenwart von Arsenik madit das Glas unklar. 

.Mit Soda auf Platindrath verbindet es sich unter J^rausen 
zu einer aufgeschwollenen ungesdunolzenen Masse ^ die sich 
in mehr Soda nicht mehr löst» Auf Kohle wird es leicht zu 
einem Zinnkorae reducirt. Gewisj^e^ besonders tantalhaltige 
Zinnoxyde werden mit Schwierigkeit von^oda reducirt^ so 
dass man es leicht übersehen kann^ dass sie Zinn enthalten, 
aber durch Zusatz einer geringän Menge Borax geschieht 
die Reduction augenblicklich. ~ 

Das Zinn kommt in der Natur sehr oft als ein zufälliger 
Bestandtheil/ und als ein in sehr geringer Menge einge- 
mischter Bestandtheil voil tantal-^ titan^ und uranhaltigen 



998 J^Ohtvhr. ' 

Fosailieii; Vüi ^IlM^ht auch noch aidirereB aiidereo vor, 
wo man es bei einer Probe auf pa^is^m Wege selten idmei, 
aber wenn man sie mit Soda im Reductionsfeuer behandelt, 
besonders wenn der Eisengehalt abgeschieden worden ist, 
so bekommt man immer metallisches Zinn^ und wenn es 
auch nur Vi Procent von dem Gewichte des zu untersuehen- 
den Stoffes ausmacht Wenn der Gehalt des Eisens niehl 
sehr bedeutend ist, kann man durch einen Zusatz von Borax 
zu der Reductionsprobe mit Soda die Reduction dewellHHi 
verhindern« 

81, Bleioxyd. 

Für sich. Die Mennige sieht^ wenn sie heiss ist^ sebwacz 
aus und verwandelt sich bei aufiMigender Glühung zu gelbem 
Oxyde. Das gelbe Oxyd schmilzt zu einem schönen danfcel- 
gelben Glase^ das auf Kohle mit Brausen zu einem BleiketB 
reducirt wird. v 

Mit Borax auf Platindrath wird es mit Leichtigkeit sm 
einem klaren Glase aufgelöst^ das^ gesättigt^ gelb ist ^ so 
lange es noch heiss ist, aber klar und farblos bei d«r Ab-* 
kühlung wird. Auf Kohle kann man die Perle nicht dsliia 
bringen, dass sie als Kugel bleibt ^ sondern sie breitet sich 
über die Kohle aus; das Blei wird mit Kocbep reducirt und 
fliesst nach den Kanten. 

Vom Phosphorsalze wird es leicht zu einem klarcii 
farblosen Glase aufgelöst. Gesättigt sieht es gelUich bei 
der Schmelzung aus ; es wird emailweiss bei der Abkühlung« 
Durch die innere Flamme wird es nicht reducirt^ wenn nicht 
ein Ueberschuss von Bleioxyd hinzukommt. , 

Von S^da auf Platindrath wird das Bleioxyd leiöht zu 
eineih fiaren Glase aufgelöst; das bei der Abkühlung ^Ib-* 
lieh und undurchsichtig ist. Auf Kohle reducirt sich das 
Blei im Augenblicke. Ein KupfergdiaU im Bleioxyd wird 
auf dieselbe Weise entdeckt^ wie bereits S« 396 für die 
Entdeckung desselotn in Wismuthoxyd angeführt worden ist. 

32. Kupferoxyd. 

Für sich im Oxydationsfeuer behandelt ^ schmilzt das 
Kupferoxyd zu einer schwarzen Kugel^ die sich bald auf die 
Kohle ausbreitet, und auf der Unterseite reducirt wird. Im 



» 

Reduetidnufeuer^ ia einer Temperatur, wobei dM Kupfer nedi 
nicht schmilzt^ wird das Oxyd redücirt und leuchtet mit dem 
metallischen GHanze des Kupfers, aber «obald das Biasen 
aufhört, so oxydirt sich die Oberfläche des Metalls wieder 
augenblicklich , und wird schwarz oder braun ^). Bei star-^ 
kerer Hitze schmilzt es zu einem Kupferkome. 

Vom Borax wird das Kupferoxyd im Oxydationsfeuer 
leicht zu einem schönen grünen Glase aufgelöst, das im 
Reductiousfeuer farblos wird, aber in dem Augenblicke, in 
welchem das Glas gesteht, eine zinnoberrothe Farbe annimmt 
und undurchsichtig wird. Ist das Kupferoxyd unrein, so 
wird dies Glas oft dunkelbraun und bekommt nicht das email- 
ühnliche Ansehen, wie in der flatternden Flamme. Bei einem 
grossen Kupfergehalte wird ein Theil vom Metall zu einem 
geschmolzenen Korne redücirt, das man bekommt, wenn das 
Glas entzwei geschlagen wird. 

Vom Phosphorsalze wird es mit derselben Farbe ^wie 
vom Borax aufgelöst Bei einem schwachen Kupfergehalte 
wird das beim Reductionsfeuer t)ebandelte Glas manchmal 
n^inroth, und das kommt in einem Augenblick, gewöhnlich 
w«nn das Glas gesteht. Fast immer wird es rotb, undurch- 
sichtig und emailähnlich. Bei einem so geringen %]pfer- 
gefaalt, dass das Reductionsfeuer nicht vermag, die Reaction 



*) Gfthn, 4er bei Fahlati eine bcdeoteBile KupfeifRbrftaliM killte^ dertti 
Besorgaog er 4Mit »Her SofgCtlt wirtete» faiNl; dasp die von yrta^ 
■ehiedenen Stellen der Gmbe herrührenden Erze eine iiii||;leidie Be^ 
hftndlung erforderten ^ wenn nicht zu viel von dem Metalle dea 
Schlacken folgen und dadurch verloren gehen sollte. Um ohne lange 
Proben finden zu kSnnen, ob der Kupf^gehalt der Schlacken sich 
verm^rt hatte, unteroncbte er sie vor dem Ii5tbrohre auf die Art^ 
dass dünne und breite BüttelMn der Schlacke , deren (Oberfläche er 
vorher durch Schleifen auf einem grosseren Schleifstein geebnet 
hatte ^ zuerst im Ozy^ationsfener erhitzt wurden, um den darin ent- 
haltenen Schwefel forlznbrefUieB^ und nachher im I^ductiensfeuw^ 
so dass die Flamme sich über die gerostete Oberflache ausbreitete. 
Wenn die Schlacke kufiferhaUig war, so kamen metallisdie, mit 
der Farbe de« Kupfers glänzende Punkte, Streifen und Flechen 
zum Vorsehein, dereri Menge. anch die Menge des Kmifeis-jn der 
Schlacke verrieth« Selten kann eine Schlacke ganz «frei von einer 
Spur von Kupfer getanden werden, aber das Auge gewShnt sich 
bald zn bestimmen, was gewöhnlich und was zu viel ist. 



400 ISthrohr, 

4e8 Kopfiwoxydnls herverzubringen ^ setzt man mn wemg 
Zinn hinzu, sowohl zum Borax, als auch zum Phosphorsalz- 
glaao, und bl&st einen Augenblick darauf; das vorher farb- 
lose Glas wird dann roth und undurchsichtig bei der Ab- 
kühlung. Bläst man zu lange darauf^ so wird das Kupfer 
in Metallform gefällt, vorzuglich aus dem Phosphorsalz^ 
und die Reaction ist vernichtet 

Von Soda wird das Kupferoxyd auf Platindrath zu 
einem klaren grünen Glase aufgelöst, das bei der Abkühlung 
seine Farbe verliert und undurchsichtig wird. Auf Kohle 
wird die Masse eingesogen und das Sietall reducirt. Es 
giebt vielleicht keine Art, eiuen so geringen Gehalt an 
Kupfer zu entdecken, wie durch die Reductionsprobe in den 
Fällen, wenn das Kupfer nicht mit anderen Metallen ver^ 
bunden ist, die zugleich reducirt werden können und seine 
Eigenschaften verdecken. In diesem Falle muss man sich 
des Boraxes mit Zinn bedienen. Wenn Kupfer und Eisen 
zusammen vorkommen, so bekommt man durch die Reduc- 
tionsprobe beide Metalle für sich in besonderen kleinen Theil- 
chen reducirt, die durch die Farbe und den Magnet unter- 
schieden werden. * 

• 

< 33. Quecksilber. 

Die Verbindungen des Quecksilbers sind alle flüchtig, 
so dass man mit Flüssen keine Reaction hervorbringen kann. 
Man untersucht die queck^/silberhakigen Stoffe auf die Art, 
dass sie, mit etwas metallischem Zinn oder mit Eisenfeile 
oder mit Bleioxyd, oder, was freilich das beste ist, mit 
Soda gemengt, in eine an einem Ende zugeblasene Glas- 
röhre eingelegt und bis zum Glühen erhitzt werden. Das 
Quecksilber wird reducirt und sammelt sich in dem kälteren 
Theile der Röhre ahs ein grauer Beschlag, der, wenn er 
berührt wird, zu kleinen Metalltroi/Ten zusammengeht. 

. . 34. SHlberoxyd. 

Für sich wird es im Augeliblioke reducirt. 

Vom Borax wird es zum Theil aufgelöst, zum Theil 
redueirt Das Glas wird im Oxydationsfeuer bei der Ab- 
kühluug, nach der ungleichen Quantität des aufgelösten Sil- 
bers, milchweiss oder opalfarben; eben so wenn Silber in 

MetaU- 



Lathrohr. 401 

Metallform hinzagesetist wird. Im Reduetionsfbaer wird es 
^aulieb ran lingesamm^ltein metallischen Silber. 

Mit Phosphorsalz gibt sowohl das Oxyd als das Metall 
im Oxydationsreuer ein gelbliches Glas^ das von einem 
grosseren Silbergehalte opalfarben wird; gegen den Tag 
gesehen; lencfatet es gelblich ^ g^gen Feuerschein gesehen^ 
röthKeh. Es wird im Reductionsfeuer graulich wie das Bo^ 
raxglas. ^ 

Die übrigen edlen Metalle;^ Oold^ Platin ^ Iridium; Rho<-> 
dinm und Palladium bringen mit den Flüssen keine Reaction 
hervor und werden nicht oxydirt. Hiervon machen jedoch 
Rhodium und Palladium einie Ausnahme; die vom sauren 
schwefelsauren Kali oxydirt und aufgelöst werden ; wenn 
man sie damit schmilzt. Der Versuch muss in einem Glas* 
kolben in der Flamme der Spiiituslampe gemacht werden; 
weil auf Platinblech die Schwefelsäure zu schnell verfliegt. 
Platin und Iridium werden nicht davon angegrififen. Dia'S 
Einzige; was man mit diesen machen kann; ist; sie mit 
Flüssen zu behandeln; um zu finden; ob diese nicht andere 
oxydirte Metalle ausziehen und von ihnen gefärbt werden. 
£ben so lölät man isie duk-ch Schmelzen in reinem Blei auf 
und treibt sie auf Knochenasche ab ; um aus der Farbe der 
bleioxydhaltigen Capelle zu seheto; ob einige fremde Metalle 
darin gefunden Werden. Von den genannten Metallen kann 
blos das Gold in einer zusammenhängenden Kugel erhalten 
Werden. Die anderen bleiben nach der Abtreibung des Bleies 
als eine grauc; ungeschmolzene; etwas poröse Masse zurück; 
die durch den Polirstahl Metallglanz annimmt; und die vom 
Platin und Palladium geschmeidig ist. 

1, Sehwefelmetalle« 

Diese werden durch den Geruch nach schwefliger Säure 
erkannt; den sie beim Rösten auf der Kohle oder in der 
Glasröhre entbinden. Wenn eine metallische Verbindung so 
wenig Schwefel enthält, dass dieser nicht Axxtch. den Geruch 
beim Rösten entdeckt werden kann; so schmilzt man eine 
Oiaslrtf^el von Soda tmdf Kieselerde zusamthen und setzt ein 

X. 26 



402 Löthrohr. 

wenig von dam Körper hinzu ^ der geprüft werden soll^ wo- 
bei das Glas^ im Fall es Schwefel enthält^ die Eigenschafl 
bekommt; gleich oder nach der Abkühlung eine rothe oder 
gelbe Farbe anzunehmen ^ nach der ungleichen Menge des 
Schwefels. Wenn andere Metalle das Glas färben sollteo^ 
80 dass man die Schwefelfarbe nicht sehen kan% so schmilzt 
man die Probe mit Soda im Reductionsfeuer, und legt «de 
dann; mit Wasser befeuchtet^ auf ein Silberblech, das so- 
gleich vom Schwefel anläuft. Man kann auch die Probe in 
einer offnen Röhre rösten^ in deren offnen Ende man ein 
Femambuckpapi'er einlegt ^ dessen Farbe durch einen so ge- 
ringen Schwefelgehalt erbleicht; dass er nicht durch den 
Geruch wahrgenommen werden kann. Dies ist besonders 
bei der Röstung der Antimonerze zu befolgen ; wo der 
Schwefelgehalt schwer durch den Geruch wahrgenommen 
werden kann; weil der Antimonrauch auch einen sauren Ge- 
ruch hat. 

Bei der Prüfung von Schwefelmetallen ist es gewöhn- 
lich ein Hauptendzweck, das Metall zu entdecken; mit wel- 
chem der Schwefel verbunden ist; und deshalb muss man 
den Schwefel so vollständig wie möglich fortbrennen. Dazn 
wählt man dünne Scheiben von der Probe; die die Luft 
besser durchdringt und sucht die runden und dicken zu ver- 
meiden« Aus demselben Grunde muss man im Anfange ein 
so schwaches Feuer geben; dass die Masse nicht schmilzt; 
wodurch sie die letztgenannte Form annimmt. Ist sie ge- 
schmolzen; so thut man besser; ein anderes Probestückchen 
zu wählen. Nachdem das Rösten bis zu einem gewissen 
Grade geschehen; schmelzen gewisse Metalle nicht mehr; 
und man kann dann ein stärkeres Feuer geben ; um die 
Röstung zu beschleunigen; und um das schwefelsaure Sali 
zu zerstören, das bei der Röstung sich gewöhnlich, bildet 
Die Röstung geschieht recht gut auf Kohle. Auf Platin 
muss man sie nicht vornehmen; weil das Platin oft von des 
Metalle angegriffen wird; und sowohl Probe als auch Unter- 
lage werden dadurch verdorben. Wenn man dazu keine 
Kohle gebrauchen will; so kann die Röstung auf einem 
Glimmerblatte; oder auf Silber oder auf feuerfestem Thon 
geschehen. 

Erst wenn die Röstung vollendet ist; kann man 



ISthrohr. 4|ß 

mit Vortheil der Reaction der Flässe bedienen. Der Re- 
ductionsversuch mit Natron erfordert besonders eine voll- 
kommne Austreibung des Schwefels^ weil sonst ei^twoder 
Schwefelmetalle gebildet werden^ die man nicht erkennen 
kann^ oder die aufgelöst und mit dem Schwefelnatrium fort- 
geführt werden^ so dass nach dem Waschen im Mörser 
nichts übrig bleibt. 

Die flüchtigen Schwefelmetalle muss man in einer an 
beiden Enden offiien Röhre rösten^ mit der Vorsicht^ dass 
nichts von dem Schwefelmetall dabei sich zugleich verfluch« 
tigt. Man sammelt nachher das sublimirte Oxyd und unter- 
sucht es. 

/ Bei der Behandlung der natürlichen Schwefelmetalle, die 
oft Schwefelblei und Schwefelantimon zusammen enthalten, 
ist es zuweilen schwierig, dei^ Antimongehalt darin zu ent- 
decken. Plattner hat jedoch dafür folgenden Ausweg an- 
gegeben : Reiner Bleiglanz gibt einen äusseren weissen Be- 
schlag von schwefelsaurem Bleioxyd und näher an der Probe 
einen gelben Beschlag von Bleioxyd. Das£;elbe geschieht 
auch mit antimonhaltigem Blei, aber man kann den ßeschlag 
von antimonsaurem Bleioxyd im Ansehen nicht von dem unter- 
scheiden, welcher Schwefelsäure enthält. Man vermischt 
den Bleiglanz, in welchem man einen Antimongehalt ver- 
inuthet, mit einem Ueberschuss von kohlensaurem Natron 
und behandelt das Gemisch vor dem Löthrohr im Reductions- 
feuer. Der Schwefel bleibt dann in dem Natron und der 
Antimongehalt gibt sich durch den äusseren weissen Beschlag 
zu erkennen. Ist dagegen der Antimongehalt sehr gering, 
80 bekommt man keine sichere Reaction. Man legt dann 
ungefähr 5 Centigrammen Bleiglanzpulver in eine in die 
Kohle gemachte Grube, in welche man vorher ein Stück 
Stahldrath eingelegt hat, bedeckt die Masse mit einem Ge- 
misch von 2 Theilen Soda und 1 Theil Borax, und schmilzt 
im Reductionsfeuer mit der Vorsicht, dass, was von dem 
Metall reducirt wird, nicht geröstet werde j das unter der 
Salzmasse abgeschiedene Bleikorn enthält nun den Antimon- 
gehalt. Man scheidet es nach dem Erkalten ab, und schmilzt 
es auf reiner Kohle mit ein wenig Soda im Reductionsfeuer, 
wobei sich auf der Kohle auch ein geringer Gehak an Anr 
timon als Beschlag zeigen kann. . , c w \^ 

26* 



4M LöOfohr. 

2. SdensietaUe. ^ 

Diese werden besser^ als aUe andere^ durch den Geradi 
erkannt^ den sie entmckeln^ wenn sie in der äossem Blamme 
erhitzt werden. Man erkennt sie am besten^ wenn die noch 
heisse Probe unter die Nase geführt wird. Sie riechen dann 
ganz stark und widerlich nach verfaultem Rettige^ und die- 
ser Geruch ist so keiinbar; dass dadurch die kleinste Spur 
von Selenium entdeckt wird. 

Mit einem Glase von Kieselerde und Soda geben sie 
dieselben Reactionen wie Schwefelmetalle ^ aber die Farbe 
wird leichter durch ein langdauerndes Blasen zerstört^ als 
die von Schwefel ^ und wenn sie auf Kohle mit Soda ge- 
schmolzen werden ; so wird das Metall reducirt^ und man 
erhält Selennatrium ^ das^ mit Wasser befeuchtet und auf 
Süber gelegt^ denselben Fleck macht ^ wie Schwefelnatrium 
oder Hepar. 

Durch Rösten in einer offnen Glasröhre ist es oft sehr 
leicht y Selenium in Metallform hervorzubringen. Durch eine 
gewisse Neigung der Röhre kann) man den Luftzug so mo- 
dfflciren^ dass die übrigen Stoffe oxydirt werden^ Während 
dessen sich das Selenium mfit rother Farbe sublimirt. Kommt 
ein Seleniummetalt mit einem Schwefelmetalle vor^ so wird 
das Selenium allein sublimirt^ während der Schwefel als 
schweflige Säure fortgeht. Einige von den schwedischen 
Bleiglanzarten enthalten eine geringe Menge Selenium^ die 
auf diese Weise dargestellt werden kann. Kommt das Se- 
lenium mit Tellur vor^ so wird zuerst Telluroxyd sublimirt^ 
und nachher setzt sich; näher cler erhitzten Stelle^ Selenium 
als ein rother Anflug ab. Schwefelarsenik wird manchmd 
eben so wie Selenium sublimirt^ aber in diesem Falle gibt 
die Probe einen Geruch von Arsenik und nicht von Selenium. 

3. Arsenikmetalle* - 

Das Arsenik wird durch den Geruch entdeckt^ den es 
entwickelt^ wenn auf die Probe geblasen wird^ wobei man 
bedenken muss^ dass es nicht die arsenige Säure ^ sondern 
das in Gasform Verwandelte metallische Arsenik ist^ das 
nadr KnobI)aüch riecht. Wenn der Arsenikgehalt bedeutend 
ist^ so raucht die Probe stark; und der Arsenikgeruch wird 



in einer grossen Entfernung wahrgenommen« Ist er geringer« 
so muss man nach einem jguten lledii^ionsreuer die noch 
glfihende Probe unter die Nase fuhren^ und bei einem. sehr 
geringen Arsenikgefaalt merkt man den Ganjbch Mch Arsenik 
nicht eher^ als bis die Probe im Rednctioi^feiier mit SodA 
behandelt worden ist. Der Arsenikgeruoh ist ein so empfind-« 
liches Reagens^ dass^ wenn man z. B. ein kleines SjLäckdiei^ 
Papier unnmt; das auf gewüfanli^be Art mt Simite gebläut 
worden ist^ es verbrennen lässt^ nachher die kohtig^ Masse 
sammelt und heftig mit Reductionsfeuer dai^auf blast^ man 
den Garuch von der gerin^n Mepge Arsenik «rlce^pt^ da$| 
fttcb in der Smalte findet^ wenn die Probte noter djLo Nase 
geführt wird. 

Wenn man die Arsenikmetalle rostet^ so fangt man am 
besten die Röstung in einer Röhre an^ wobei das meiste Ar- 
senik in -der Röhre, als ein weisses krystalUniJiche^ SuUimat 
von arseniger Säure bleibt und sidi nicht m^ .deif Luft 
des Zimmers vermischt. Dabei kann auch ein Geruch voip 
schwefliger Säure besser erkannt werden ^ da das Gas; sei- 
nen Arsenik an das Glas absetzt« Wenn das meiste Arsenik 
auf diese Art abgeschieden worden ist^ wird die Röstung a.uf 
Kohle vollendet^ aber dazu bald Oxydations-^ bald Re4u- 
ctionsfeuer angewandt, weil ein Theil vom Arsenik von den 
Metalloxyden als Säure gebunden wird; dieser muss dwj^ 
durch Reductionsfeuer zu Arsenikmetall zurückgeführt wer- 
den , das nachher im Oxydationsfeuer von Neuein geröstet 
wird. Es ist beinahe nodi nothwendiger, das Arsenik als 
den Schwefel zu verjagen, vorzüglich zu den Reductions«» 
versuchen, weil die Metalle, die reducirt werden, bei einem 
Arseuikgefaalt weit schwerer Erkannt werden können. 

Bei der Rüstung von arsenikhaltigen Stoffen muss man 
sich nicht mmöthigerweise den Dämpfen von Arsenik aus^* 
setzen, die immer schädlich sind, obgleich ich gestetien 
muss, dass ich manchmal im Zimmer eine Luft voll v^n 
Arsenikgeruch gehabt habe, ohne doch irgend eine Wirkung 
davon zu verspüren, upd ich habe mit Verwunderung die 
Luft um die SUberhütten in der Nähe von Fieiberg ganz 
Stark nach Arsenik riechend gefunden, ohne dass schädliche 
Wirkungen davon bei den Arbeitern verspürt werden, welche 
beinahe alle Tage dieser Atmosphäre ausgesetzt sind» 



40< LSikrokr. 



Diese geben beim Rosten in der offnen Glasröhre einen 
Antimonraneh^ dessen Verhalten indessen ungleich ist nadi 
den verschiedenen MetaUen^ womit das Antimon vereinigt 
ist« Wenn die Metalle sehr oxydirbar sind^ so wird antimo- 
irige S&nre gebildet^ und in diesem Falle ist der Rauch 
unschmelzbar und feuerfest. Vom Kupfer und Silber ver- 
fliegt das Antimon^ bildet Oxyd und bringt auf dem Glase ein 
flüchtiges Sublimat hervor. Der Rauch ^ der aus der Röhre 
aufsteigt^ hat einen deutlichen und reinen sauren G^mch^ 
der dem Oxyde oder der antimonigen S&ure anzugehören 
scheint 

5. TellonnetaUe. 

In einer Glasröhre geröstet^ geben sie im obem Theile 
der Röhre denselben Anflug wie reines Tellur (man sehe bei 
Wismuth). Der Rauch^ der aus dem Glase geht, hat einen 
eignen sauren Geruch, wie der vom Antimonrauch. Riecht 
er nach Rettig, so enthält die Probe Selenium. Der Anflug 
von Telluroxyd unterscheidet sich von dem der arsenigen 
Saure dadurch, dass ersterer nicht krystalliniseh ist und sich 
schmelzen lässt, da hingegen letzterer krystalliniseh ist und 
ohne zu schmelzen verfliegt. 

Tellurmetalle mit Soda und fein geschabter Kohle in 
einer unten zugeschmolzeneü Röhre erhitzt, wie es schon 
bei der Tellursäure angeführt worden ist, geben Tellurnatrium, 
weldies man nach der Abkühlung der Röhre mit ein Paar 
Tropfen gut ausgekochten Wassers auflösen und dann an 
der Purpurfarbe leicht erkennen kann. Da aber Tellurmetalle 
nicht selten auch Schwefel enthalten, so bekommt man ein 
Gemenge von Tellumatrium mit Schwefelnatrium, dessen 
gelbe Farbe mit der schönen rothen des Tellurnatriums ge- 
mengt, diese zuweilen nur orangeroth macht. 

6. KohlenmetallQ« 

Solche Kohlenmetalle, deren Zusammensetzung der der 
Schwefel- und Antimonmetalle entspricht, d. h. von welchen 
kohlensaure Salze gebildet werden können, kommen im Mi- 
neralreiche nicht vor. Sie können durch Kunst hervorge- 



LSiff^rohr, 407 

bracht werden , darch troduie DestiHation gewisser regeta- 
bilischer M etallsalze^ oder durch die Cyanüre einiger Metalle 
in bedeckten OelF&ssen. Diese haben dann die Brennbarkeit 
der Kohle 9 lassbn sich wie Zander anzänden^ und rerbren- 
nen^ indem sie die Metalloxyde zurücklassen; dies beruht 
indessen vorzüglich auf ihrer losen^ Textur. 

Eigentlich hat man für Kohle kein anderes Kennzeicben 
auf dem trocknen Wege^ als dass sie nach und nach ver- 
brennt^ ohne Geruch und Rauch; und dass sie^^ wenn sie mit 
Salpeter gemengt ist und im Piatinlöffel oder auf Platinblecb 
erhitzt wird; detonirt und kohlensaures Alkali gibt. 

, €• HeaeHonen f&r SHure»^ 4m SaMmet». 

IKffch das; was ich im Vorhergehenden angeführt habe; 
das Verhalten der Oxyde für sich selbst betreffend; ist ma* 
im Stande; in den salzartigen Verbinduügen die Beschaffen- 
heit der Basis des Salzes zu entdecket; besonders; wenn 
dies ein Metalloxyd ist; es bleibt nun ndkh übrig; Vor-^ 
Schriften darüber zu geben; wie die Säuren oder der elektro- 
negative Bestandtheil der Verbindung entdeckt Werden soll. 
Um zu finden, ob der Körper^ den man untersuchen will; 
eine mineralische Säure enthält; schmilzt man ihn nach 
Smithson's Angabe auf Platinblecb mit Soda. Man^^öst 
darauf das Geschmolzene in Wasser aof^ tröpfelt einen 
klaren Tropfen davon auf GlaS; sättigt ihn mit Essigsäure 
und setzt eine Auflösung von Bleizucker hinzu. Alle mine* 
ralischen Säuren ; Salpetersäure ausgenommen; geben iuif 
diese Weise Fällungen. \ 

1. Schwefelsäure wird in den schwefelsauren Salzen 
entdeckt; wenn äaan zu einer zusammengeschmolzenen Kugel 
von Soda und Kieselerde eine äusserst geringe Spur vdk 
dem. Salze setzt; das geprüft werden soll, öder wenn eilt 
mit Soda vor der Zusammenschmelzung mit Kie^elärde ge^ 
mengt wird. Das letztere geht leichter; aber das emtere 
gibt ein sichereres Resultat. Die Schwefelsäure wird redn- 
cirt; und es wird Schwefelnatrium gebildet; wodurch dai^ 
Glas durch den ungleichen Zusatz entweder dunkelbraun 
wird oder farblos in der Schmelzung; aber bei der Abküh-^ 
lung eine rothe oder dunkelgelbe Farbe annimmt. Man ent«> 



406 LSthrühr, 

deckt aucb die Schwofels&we mif ^e Wmse, daas man da« 
Salz im Reductionsfeuer ipil Soda s^QSi^miic^diVKulst, es von 
der Kolble aboioimt; und es befeuchtet auf eiu SUberblecb 
legt^ 4as davon schwarz oder dunkelgelb wird. 

9. Salpetersatare Sähe werden durch die Detonation 
erkannt^ die sie mit Kohle rerursachen^ wenn sie schmelz- 
bar sind. Die, welche nicht schmelzen^ werden nacii voü- 
kcMHmner Austroi^nung bis zum Glühen in einer aa efumn 
Ende zugeblaseoen Glasröhre %rbi\jgX^ wodurch die Rdhre 
sidi schnell mit einem dkmkel^ben Gase "^oii salpetriger 
Säure anfiOt. 

3. Chlormetalle. Ich habe viele fruchtlose Versuche 
angestellt^ um ein Reagens für Chlor auf trocknem "Wege 
za finden» £iue Anmerkung von Bergmaii) dass das Chlor- 
kttjptfer die Flamme grün färbt, was kein Kupfersalz von 
oioer Hineralsänre bewirkt^ veranUsste folgenden Versuch^ 
welcher gegen alle V^muthung glückte. Man löst Kupfer- 
oxyd in Phosphbrsalz auf^ so dass man eine tief dunkelgrüne 
Perle bekommt. Darauf setzt man den Stoff hinzu ^ der auf 
Chlor geprüft werden soU^ und bläst darauf. Enthält die 
Probe Chlor^ so umgibt sich die Perle mit einer schönen 
"blauen, in die Purpurfarbe sich ziehenden Flamme, und 
dieii währt so lange^ als aoch irgend etwas Chlor übrig ist 
Keine von den Säuren^ die im Mineralreiehe voi^omBie% 
bringen etiyas Aehnliehes hervor^ und die^ deren Kupfersalze 
für sich sejbst derJLothrohrflämme eine Farbe geben ^ geben 
keine ^ wenn sie zu Phosphorsalz gesetzt werden. So z. B« 
färbt sich die Löthrohrflamme stark grün^ von dem erdför- 
l^igea Fossile^ in welchem das blaue ^ kohlensaure Kupfer 
bei Chelusy in Frankreich vorkommt; aber wenn man Phos- 
^orsalz hinzusetzt; das vorher mit Kupferoxyd gesättigt 
worden ;. so zeigt sich kein Zeichen von Färbung in der 
FJanu^e. Es gibt noch eine andere Art^ um Chlormetall« 
9XL entdecken ; wenn sie im Wasser löslich sind^ die darin 
besteht; dass mau auf ein blankes Silberblech etwas schwe- 
felsaures Eisenoxydul oder Kupferoxyd legt; einen Ti^pfea 
Wasser darauf tröpfelt und das Chlormetall hineinlegt; wor* 
auf das Silber nach einer Weile ^ich mit; der schwarzen 
F^be schwärzt; die m^ auf Bronce-Arbejte^ anw^^idet. 



so wie auch mit Kupfervitriol wf 3ilberMech dieselb^a J\^ 
actjomeo, wie die Cblormetalle; .ab^r die blaue Farbe^ welche 
^e Fla^lllle anoioinfit/ ^eht sich nicbf; xols Purpurfarbenen 
soodern iii's Gräjoe, vormgliph au dßu Kartell. Po^ aät 
Sipherheit Aie Bromsoetalle vpn. den |(^rhergehenden xu min 
tberscbeideu^ schwl^ jnan siie oiit saiu;ewi schwff^ljsmtfm 
Kali (beide im wasserfr^en Zustande} ia ^iAem hltin^ii 
Glaskolben n^ lapfem HaU^. ^ eotwidcelt sich daoi| 
Bro<n und schweflige Saure, und der Kolben füllt sich mit 
einem 'gelben Gase an ^^ , da« deutlich am Geruch erkanii(; 
werden kaun^ ungeachtet ei^ mit schweQigpr Säuine gemengt 
ist. Die F^be des G^ses ersehest nicht- r^t deutlich be^ 
Keprzenlicht^ weshalb diese Probe^hei Tagei|licht vorgenom^ 
mm werden muss. 

5. Jodmetatlt geben ^ auf dieselbe Art wie die Chlor- 
metalle geprüft^ der Flamme eine äusserst schöne und stark 
grüne Farbe. Man muss indessen dabei bedenken, dass 
manchmal das Phosphorsalz im Anfange der Schmelzung 
schwache grünliche Flämmcfaen von verbrennendem Ammo- 
niak ausstösst und im starken Reductionsfeuer einen grfin-^ 
liehen Schein gibt, aber dieser kann nicht verwechselt wer- 
den mit dem Glänze des grünen Feuers, 4as von einem 
Jodmetalle hervorgebracht wird. Jodmetalle, mit saurem 
s6bwefelsiiuren Kali in einem Glaskolben zusammengeschmol- 
zen, geben ^in violettes Gas, und es sublimirt sich Jod, 
während sich schweflige Säure entwickelt. 

tf . FliLormetalle^ Nachdem man angefangen, das Flupr 
in so vielen Mineralien zu finden^ wo mau. voriier seifig 
Gegenwart nicht\geahnet, wie z. B. im WawelUt^ in der 
Hornblende, im Glimmer, so ist es auch von Gewicht, seine 
Gegenwart durch das Löthrohr erforschen zu können. Dies 
ist indessen minder leicht bei solchen Verbindungen, wo es 
einen wesentlichen Bestandtheil ausmacht, wi# z. B; beim 
Flussspath, Topas, Kryolith u. a. w., weil die Fhiorwasser- 
Jtoffsäure hier von der Hitze nicht so auig^agt wird, wie 
da, wo sie blos ein zufälliger Bestandtheil zu sein scheint) 
wie z. B. im Glimmer und in der Hornblende, bei welchen, 
zufolge der veränderten relativen Lage der Bestandtheile, 



410 L&throhr. 

die bei der Glühnng entsteht^ die Flaenvasseritoflb&iira ge- 
wöhnUch mit Kieselerde entweicht. 

Im ersten Falle mengt man die Probe mit vorher ge- 
schmolzenem Phosphorsalze, nnd erhitzt sie am Ende einer 
oftien Glasröhre, so dass ein Theil von dem Luftstrome 
der Flamme in die R6hre getrieben wird. Dadorcdi wird 
wasserhaltige Fhiorwasserstoffsäure gebildet, die innerhalb 
der Röhre streicht, nnd sowohl dorch ihren eignen Gerodi 
erkannt werden kann^ als auch dadurch, dass das Glas in- 
wendig angegriffen, und seiner ganzen Länge nadi matt 
wird, vorzäglieh an solchen Stellen, wo sich Feuchtigkeit 
absetzt. Bringt man mit der ausstreichenden sauren Luft 
ein befeuchtetes Femambuckpapier in Berährung, so wird 
dieses gelb ^). Smiths on macht diese Probe auf die Weise, 
dass er an dem unteren Ende der Glasröhre mit einem Me- 
talldrath ein Platinblech befestigt, so dass es eine halbe 
Röhre ausinacht, oder einen Canal aussen vor der Glas- 
röhre. In diesen offnen Canal wird die Probe hineingelegt, 
und darauf geblasen, so dass das Product des Blasens in 
die Glasröhre hineingetrieben wird. Bei der Hitze, welche 
die Probe erhalten kann, soll nach seiner Angabe die 
FluorwasserstofiEsäure . aus dem Flussspath und Topas ohne 
Mitwirkung de^ Phosphorsalzes ausgetrieben werden. S m i th- 
aon ändert dies auch so ab, dass er mit einem Metalldrathe 
die Röhre in einem Bouteillenkork befestigt, und der untern 
Oeffnung der Röhre gegenüber, die Probe mit etwas Thon 
auf das Ende eines Platindraths ^heftet, der auch in den 
Kork gesteckt wird, welcher in die Hand genommen und 
so gewendet \vird, dass beim Blasen auf die Probe die 
Flamme in die Röhre getrieben wird. 

Wenn die Fluorwasserstoffsäure in geringer Menge in 



*) Nach Bonsdorff*t Versuchen haben mehrere Saaren^ wie s. B. 
FluorwayerstolfsSure^ Phosphorsäuro und Oxalsäure^ die Eigenschaft, 
dem Feraambuckpapier eine strohgelbe Farbe zu geben, was nicht 
geschieht durch -SchwefelsiiNre/ Salpeters&ore, Arsemks&ure mid Bo- 
nunivre. Bf an hnracht oft nur, vm einHo Fhiorverhinduog so erkemM«, 
8«D auf einem Uhiglase mit ChlorwasserstolTsäure su befeuchten, und 
damit nach einer kleinen Weile ein Femambukpapier £u bestreichen, 
wo dann die Keaction der FluorwasaerstolTsaure aum Vortcfaein 
kommt. 



lidihrohK 411 

IfMnS&etk T<Mrkoniiiit, wo sie mit schwftcheren Basen und 
Bi^eich mit einer geringen Portion Wasser verbnnden ist^ 
so branchC man blos die Probe in einer zugeUasenen Glas- 
röhre zu erhitzen^ in deren offnes Ende man ein befeuch- 
tetes Femambudcpapier einschiebt. Es wird gewöhnlich kie^ 
selhaltige Fhiorwasserstofbiure durch die Hitze ausgetrieben)' 
ftuf die Glasröhre setzt sich nicht weit von der Probe ein 
Ring von Kieselerde ab ^ und das Ende "^n einem einge«^ 
gehobenen Femambuckpapier wird gelb; eine Reaction^ die 
anzeigt^ dass die sich verHöchtigende tSäui^ Fluorwasser-» 
stoffsiure ist. Auf diese Art kann man z. B. in einem sol-* 
chen €äimmer IluorwasserstofKsäure entdecken , der nur Va 
Procent seines Gewichtes Fluorwasserstoffsäure enthält 

7. Phosphorsaure Salze. Die unvermuthete Entdeckung 
der Phosphorsäure im Wawellit und Lazulith hat die Noth" 
wendigkeit gezeigt ^ ein Reagens für diese Säure zu finden, 
vorzöglieh weil sie durch ihre Eigenschaft^ mit den Erd- 
arten geflUt zu werden , der Aufmerksamkeit der Chemikei^ 
leicht entgeht. Das bekannte Verhalten in Verbindung mit 
Bleioxyd veranlasste mich^ zu versuchen ^ mit Hülfe von 
Blei oder Bleioxyd' eine Methode zu finden^ um sie zu ent- 
decken^ was jedoch^ ausser bei dem phosphorsauren Kupfer- 
oxyd, ohne alle Wirkung blieb, wenn ich nicAt vorher atif 
nassem Wege die Phosphorsäure mit Bleioxyd zu verbinden 
suchte, was wiederum ganz ausser dem Kreise dieser Reac-^ 
tionisversuche liegt» Nach vieleti misslungenen Versucheil 
fand ich endlich folgenden' Ausweg, der recht gut seinem 
Xittdzwecke entspricht. Man Idst die Probe in Boraxsäure 
auf, und wenn die Masse recht gut zusammengeschmolzen 
ist, schid)t man ein »tück eines feinen Eisendrathes, etwas 
länger als der Durchmesser der Kugel, hinein, und gibt eiil 
gutes Reductionsfeuer. Das Eisen oxydirt sich auf Kosten 
der Phosphorsäure, wodurch boraxsaures- Eisenoxydul und 
I%osphoreisen entstehen. Das letztere schmilzt bei einer 
guten Hitze, und die Probe, die vorher am Eisendrath sich 
herunterzog, bekommt ihre runde Gestalt wieder, so wie das 
Phosphoreiseu schmilzt. Bei der Abkühlung der Kugel sieht 
man gewöhnlich in dem auf der Kohle befestigten Theile 
ein Aufglühen, das von der Krystallisation des Phosphor- 
eisens herrührt. Die Glaskugel wird von der Kohle genom- 



41f U&irolii' 

mea^ «nf deo AmboM W^^vf^y wo jrie,, imt Fafitr bed^ekt, 
4iircli dii»M leiobten HarameinieUtg eiitowei |;es<AfatgeQ wird» 
wobei «»«h da«i Phofsphereisea ftfei ein roiideg nwUUisches 
K^n ftbpoh^dety welches sieh nfm an die I^Uc» des mag« 
netisob^p Messers baogt, uoter dem Hswaier aserspriagt and 
Kisenffirbe im Bruche het. Niicb dem nugletcliea Eisen- 
gebalie ist di#se mehr oder minder ipröde^ imd maaehmiil 
Usst sieb das IS^f^tyt pIsUen und yerträgt eiaen stärkeren Hau»* 
merschlsg^ ehe es sersprijigt. Weoa hingingen die Probe 
keine Phoqpborssnre enthalt ^ so fallt der iäsendrath heraus 
mit Beibebaltung seiner JOrathfi^nn .üind s^er glan«iend«i 
OberOacbe^ und ist nur an den EIndea verbrannt^ die ans 
der Kegel hervorragten, Sin so geringer Gebidt voii Phos- 
pborsaure^ dass diese i^r 4 bis 5 Procent beträgt, kann 
apf diese Art nieht entdeckt werden ^ weil sie ai<^t so viel 
EU«eo schmelzen kann, um ein sicheres Resultat ^u geben* 

£s versteht sich von seihst , dass^ ehe man eiiie Probe 
auf Phosphorsäure macht, man früher untersucht haben muss, 
ob sich nicht irgend ein auderei' Körper findet, der vom 
lUseo reducirt und damit ^u einer Kugel geschmolzen, wer* 
den kanu^ wie z, B. Schwefetsaiire, Arseniksänre oder solche 
MetalloKyde» die vom Eisen reducirt werden, denn, dann 
lädcommt man ihre Badicale^mit Ei^n verbunden. 

8. Für hMemmre . Salze gibt es kein Reagens auf 
troclpem- Wege, das- die gewöhnliche leichte Art,> auf nas* 
pem Wege sie mit einem Tropfen Chlorwasserstoff • oder 
Salpetersäure zu untersuel^n, entbehrlich madien sollte. 

9^ Für Bwrmure in den boi:axsauren Salzen hat Tar^ 
ner fönende Probe angegeben: Man mengt einen Theil 
feifigeriebenea Fhuaspath mit 4V2 Tbeilen saurem schwefel- 
sauren KaU, und von diesem S^uss wird ein Theil mit einem 
Theile der Probe und etwas Wasser zu einer Masse ge- 
mengt, die auf einen Platindrath genommen und nach dem 
Trocknen der Flamme des Löthrohrs, etwas innerhalb vor 
der Spitze der blauen Flamme, das beisst näher.dem Dochte, 
als dieser Spitze, ausgesetzt wird. Nachdem die Masse ge- 
sdimolzen ist, erscheint während eines Augenblicks eme 
veiae grüne Farbe. rund um die Flanune, welche sogleich 
verschwindet, nicht m^ wiederkommt, und daher im Schmel- 
zuagsaugenbUeke beobachtet wwden muss. — Die Theorie 



LSthrohr. 41S 



hfenron isit ^die^ dafis llttorboraiai^ geMMet uod Msgcjagt 
wird^ tmd die Flamme in dem Angenblick^ in welchem sie 
sich veiflfichtigt, färbt. 

10. HydrcOe oder die VerbiiidaDgeii des Wassers mit 
oxydirteB Körpern werden leidit entdeckt^ wenn die Probe 
in einem kleinen Griaskolben erhitzt wird^ wobei die geringste 
Spur von Wasser sich in dem Halse des Kolbens wt etken'« 
nen gibt.' Wenige Stoffe sind so frei Ton bygrometrisdier 
Fencfatigkeit^ dass sie nicht eine Spmr von yfuBi&ei bei die^ 
sen Versuchen geben sollten. ^ 

11. Silicaü werden vom Phosfriiorsalze so Isersetzt^ dass 
die Kieselsaure abgeschieden wird^ und die Basen mit der 
fireien Säure im Phosphorsalze verbunden werden. Wenn 
man eine geringe Menge von Phosphorsalz hinzusetzt^ so 
kommt es- oft^ dass die KieselsäilTe im Aosscheidiingsmomente 
anschwillt und die ffiessende Hasse absorbirt. Wenn mehr 
Fluss hinzugesetzt wird^ so kann man sie zu einer Kugel 
bekommen^ in der eine aufgeschwollene, halbdurchsichtige 
foeselsäure schwimmt. Man sieht dies besser^ wenn das 
Glas glüht^ als wenn es kalt ist. Mit einem grossen Theile 
von Silicaten trifft es oft ein^ dass das Glas^ wenn es in 
der Schmelzung klar ist, bei der Abkühlung opaHsirt. Dies 
findet bei reiner Kieselsäure nicht statt. Wenn die Probe 
nur eine Spur von Kieselsäure enthält, so wird diese ge- 
wöhnlich ganz und gar im Flusse aufgelöst. 

Jeder erd- oder steinartige Stoff, der mit Soda unter 
Brausen zu einem klaren Glase schmilzt, das bei der Ab«* 
kühlung klar bleibt, ist entweder Kieselsäure oder ein Silicat, 
in dem der Sauerstoff der Kieselsäure gewöhnlich wenigstens 
doppelt so gross ist, als der der Base. Das Glas, das mit 
iSoda und Kieselsäure gebildet wird, hat das Vermögen, die 
Basis* auch aufzulösen, die die Soda aus der Verbindung 
mit Kieselsäure abgeschieden hat. Wenn hingegen die Probe 
eine geringere Menge Kieselsäure enthält, so dass z. B. der 
Sauerstoff der Kieselsäure dem der Basis gleich ist, so wird 
das Silicat wohl zersetzt und ein Glas gebildet, aber die 
Menge reicht nicht hin, die abgeschiedene Basis aufzulösen, 
in deren Zwischenräumen das Glas eingesogen Avird. Bier- 
bei tritt oft eine Erscheinung ein, die sehr paradox aussieht: 
dass nämlich ein Fossil mit einer geringen Menge Soda zd 



414 Uthnhr. 

einem kkren Glase echmelsea kMS; dos aber von etwas 
mehr Soda unklar und von noch mehr unsehi^etehar wird. 
Dies tritt gewöhnlich bei schmelzbaren Silicaten ein^ deren 
Basen ^ obgleich' sie fär sidi selbst nicht schmelzbar sind^ 
mit der Kieselsäure ein Glas wie mit Soda geben* EUn klei- 
ner Zusatz von Soda scheidet wohl etwas von den unschmelz- 
« baren Basen ab^ aber sie erhalten sich noch aufgelöst. Je 
ihehr Soda zugesetzt wird^ desto mehr scheidet ;sie von der 
Basis ab, und die Masse gesteht endlich zu einem au^e- 
schwollenen Klumpen. 

Dieses relative Verhalten nach dem ungleichen Kiesel- 
gehalt bei derselben Basis gilt ohne Ausnahme^ aber un- 
gleiche Basen verhalten sich in dieser Hinsicht ungleich« 
Da die Silicate gewöhnlich Doppelsalze, und die Basen oft 
in ungleichen Proportionen vereinigt sind^ so kommt es oft, 
dass zwei Basen, die in einem gewissen gegenseitigen Ver- 
h&ltniss leicht ein Glas mit Soda geben, es oft weit schwerer 
in einem andern thun. Sind z. B. die Basen C4~3A^ so 
bekommt man ein Glas von Silicat eben so wohl, wie von 
einem Bi- oder Trisilicat. Sind sie hingegen C-}~2A^ so 
gibt das Silicat kein Glas mit Soda. Sind die Basen C-^Mj 
so gibt das Silicat sehr schwer ein Glas mit Soda^ und sind 
sie C -|- 2M, so bekommt man kein recht gut fliessendes 
Glas von Bisilicat. Sind sie C -f f oder C-f-mg, so geben 
sie wiederum ein Glas mit Leichtigkeit. Da man bei einem 
grossen Theile der am häufigsten vorkommenden Silicate 
angefangen hat, von den Proportionen der Kieselsäure auf 
die krystallinische Gestalt zu schliessen, so wird die Schmelz- 
barkeit mit Soda eine gute Art, um in einigen Fällen die 
relativen Quantitäten der Basen annähernd zu bestimmen. 

J2. Selensaurcy arseniksaure ^ molybdänsaure y wolframr 
saure j chromsaure, titansaure und tantalsaure Salze werden 
auf die Art, wie es schon im Vorhergehenden gezeigt 
worden, erkannt; nämlich die selensauren und arseniksauren 
am Gerüche im Reductionsfeuer, eben so wie die Selen- 
und Arsenikmetalle, und die übrigen durph die Reactionen, 
die ihre Säuren hervorbringen, auf die Art, wie es bei jeder 
einzeln angeführt worden. ' 

Das Verhalten^ der Harnsteine vor dem Löthrohr habe 
ich bereits im Ou Bande pag. 515 u. folg. beschrieben» 



Luhim — M€uiss» 



41» 



Lutumy häiren, mehe Kitt. 

MaasSf Kubikmaass. <-- Um bei chemischeii Unter- 
sachuDgen die Menge der wirkenden Körper zu bestimmen^ 
gebraucht man entweder das Maass oder das Gewicht. Das 
letztere ist allein ganz sicher ^ das erstere aber ist^ nach 
der Temperatur^ Veränderungen unterworfen. Dessen un- 
geachtet ist es oft von grosser Wichtigkeit^ dass man ein 
Volumen mit Genauigkeit bestimmen ^ oder ein gegebenes 
Maass auf ein anderes Maass oder auf Gewicht reduciren 
könne. 

Das Körpermaass richtet sich in den meisten Ländern 
nach dem Längenmaass^ und ist der Kubus von diesem. Bei 
uns (in Schweden) ist der Fuss die Einheit^ zwei Fuss 
machen eine EUe^ und sechs Fuss einen Faden. Der Fuss 
wird entweder in 12 Werkzoll oder in 10 Decimalzoll ge- 
theilt. Der Decimalzoll wird in 100 Linien^ und der Werk- 
zoll in Achtel getheilt. Beim Kubikmaass braucht man haupt- 
sächlich die Decimaltheilung. 100 DecimalkubikzoU machen 
eine Kanne ^ und 10 Kannen machen einen Kubikfuss. Da- 
gegen gehen 172^8 CubikwerkzoH auf eine Kanne. Die 
Kanne ^ welche im gemeinen Leben als die Maasseinheit 
angesehen werden kann, theilt sich in 2 Stoop, 8 Quartier 
und 32 Jungfern. Diese werden indess nicht als wissen- 
schaftliche Maasse gebraucht, bei wissenschaftlicher Mes- 
sung ist der DecimalcubikzoU die Einheit, nach der Alles 
bestimmt wird. — Die Abtheilungen des schwedischen Kan- 
*nenmaasses ersieht man aus folgender Uebersicht: 






M 



1 



e 

z 



2 
1 



fiu.a 

SS 



4 
2 
1 



0> 



o 
O» 

8, 

4 • 
2 
1 



e 

s 

32 

16 

8 

4 

1 



• 's 
'S S 

•'S -3 

•§a 



100 
50 
25 

12«A 

3'/* 



'S « 

VJ2ß 

86^ 

43,2 

21,6 

5,4 



Bei unserer Art des Messens kommt es natürlicherweise 
auf die Riclitigkeit des Maasses an, und dabei stellt sich 
die grosse Schwierigkeit ein, dass es nur durch Vergleichung 



41ft MacM. 

mit einem andern Maasse jostirt werden kann^ das vielleicht 
auch fehlerhaft ist. Bei mis haben Maasse und Gewichte 
6ich lauge nach dem Normalgewichte und Normalmaasse 
gerichtet,' welches unter dem Namen ReicJisgleicher (JRXks^ 
likare) im Köuigl. Kammer-CoIIegia aufbewahrt wird^ und 
mit welchem alle zum Verkauf angefertigten Maasse und 
Gewichte von einem eigens dazu augestellten Beamten ver- 
glichen werden müssen, findet dieser sie richtig^ so wer- 
den sie gestempelt^ gewöhnlich mit drei Kronen und der 
Jahreszahl. Ein so justirtes Maass nennt man deshalb ein 
gekröntes. Diese gekrönten Maasse haben die Genauigkeit, 
welche erfordert wird^ um im Handel keinen Anlass zu Be- 
trugereien zu geben; aber zu der Genauigkeit, welche bei 
chemischen Versuchen erfordert wird, sind sie meistens un- 
zulänglich. 

Späterhin ist das Maass auf Befehl der Regierung auf 
eine natürliche Einheit zurückgeführt worden, nämlich auf 
die Länge des Pendels, welcher an der Meeresfläche und in 
der Breite der Stockholmer Sternwarte, die 59* 20* 34" 
nördlich ist, zu jeder Schwingung eine Zeitsecuude gebraucht 
Messungen von Svanberg und Cronstrand haben ausge* 
macht, dass ein schwed. Fuss ist 0,3757364 von der Länge 
des angeführten Secundenpendels, d. h., dass die Lauge des 
Secundenpendels 33,505574 l&chwedische Decimalzotle beträgt, 
und dass 100 Cubikzoll, d. h. eine Kanne destillirten Was- 
sers bei + 16*^,66, wiegt 6,151951 schwedische Pfund, wo- 
durch das Gewicht mit dem Längenmasse Znsammenhang* 
bekommen hat. 

In Frankreich hat man, seit dem Jahre 1794, ein neues 
Maass- und Gewichts -System eingeführt, welches zwar 
den grossen Vorzug besitzt, sich auf etwas Unveränder- 
liches zu gründen, welchem aber doch die gute Eigenschaft 
fehlt, dass seine Grösse anders als durch ein geeichtes 
Maass oder Gewicht controlirt werden kann. Die Einheit 
des neu^&n französichen Maasses heisst Metre^ und betragt 
ein Zehnmillionstel des nördlichen Quadranten unserer Erd- 
kugel , d. h. des Bogens ^ welcher vom Aequator zum Nord- 
pol gezogen wird. Die Grösse desselben ist von französi- 
schen Astronomen bestimmt durch Messung von zwei Zehntel 
seiner Länge, von Dünkirchen bis Barcellona. Der Meter 

ist 



MaasM. 



417 



ist 36;941333 püarister ZoU^ 33>681256 schwedische Declmi^ 
zoll^ 39;37079 englisohe Zoll lang. 

Der Meter wird iu Zehntel^ äandertd und Tüuseudiel 
getheilt^ welche DedmeieTy Cettthneter und Mülmeier ge-* 
nannt werden. Sein Multiplum mit 10 heisst D^eamder^ das 
mit 100 Hectimetery das mit 1000 KUameter*, uüd das mi# 
i{XXXi Myriameter. 

Sowohl zum Vergleiche der Maaslse^ weli^he m ver*> 
schiedenen Ländern Fusse genannt werden^ als auch um 
deren Verhältniss zum Meter kennen zu- lehien^ gebe ich 
folgende Tafel^ welche zeigt^ wie iriel in den nachsteiiettden 
Ländern ein Fuss in Mülimetem beträgt ^). 



Ein Fuss betrfi 


gt in 


1 Millimeter. 


Kin FuM iMbAgt in BMIiaieton 


Amsterdam . • 


283,1066 


- Hamburg .. 


•m-- » 


236^4903: 


Augsburg 


• • 


296,1904 


Hannover 


» * 


292,129» 


Bayern • < 


k • 


291,8593 


Leipzig . 


'« • 


262^6S5S' 


BerHn • • . 


t • 


313,7502 


Mähren . 


• • 


295,96481 


Böhmen • 


• • 


296,4160 


NSmberg 




303,8604 


Breslau 


• 
> • 


284,2345 


Portugal , 


• - • 


■ .338,600a 


Brüssel 


* 


291,0020 


RhrnuläBd. 


Fuss 


313,8530. 


Urakau . . 


» • 


356,4211 


Rom . . 


• • 


223;3282 


Dänemark 


» • 


313,8536 


BnBslaud . 


• %<^ • 


588>240&' 


Dresden' . . 


• 


263,1066 


SehWöden 


1 


296,903»- 


England • < 


) • 


804,7625 


l^anien . ^ 


• ' '• 


282,6554' 


Florenz • « 


• 


550,6371 


Tyrol . . 




.3144109 


Frankfurt a. M. 


286,4903 


Venedig . 


• • 


347,7588 


Frankreich (äl- 




Warschau 


• . f 


. 356,4212 


teres Maass) 


324,8394 . 


, Wien . . 


• • 


316,1023 


potha • • • 


• 


287,6183 


Zürich 


• • 


300,9275 



Das französische Flächenmaass wird auch nach Metern 
berechnet; allein dessen Einheit heisst jire und ist gleich-* 
bedeutend mit Quadratdecameter. Hectare bedeutet 100 soK 
eher Quadratdecameter; man hat auch Kilare^ Myriiare, De- 
ciarsy Centiare, Milliare. 

Das französische Cubikmaass wird bestimmt in Cubik- 
metern^ Cubik-Deci-^ Conti- und Millimetern. Ein Cubik- 
meter heist Stere, di^nt aber nur zum Messen trocknet 
Stoffe. F&r Flüssigkeiten ist die Maasseinheit der Cubik- 

*) Efi(Doinineii üus Baron vöii Vega's: natürliches Maass-, Gewichts- 
imd Mänztystem) benniflgegeb«« t#ii A. Kreil. — Wien, 1803*. ..; 

X 27 



X 



418 M^itass^ 

defim^ery w;eMdi^. dea Nameu JAfer eAMij und 38^2089164 
schwedische DecimalcubikzoU^ oder 0^38209 Kanne ^ oder 
0^2:^9667 m^vfche GaUonen betragt. Der Liter wird ge- 
tbeUt in i>6a&er:t;=: 3,821 DecimalcubikzoU, Centüäer :=0^2i 
Pecimalcubikzcai^ und MUääter ?= 0^03821 OecimalcubikzolL 10 
l4|er jmiiclieneiDeii Decaläer «» 3^82089 Kannen, 100 einen Heo- 
toBer = 38,2089 Kannen, 1000 einen Kiloliter = 382,089164 
mmefiy und IQOOO einen Mgrialäer — 3820,89164 Kannen. 
]>l^» alfe französiche Mcmss £ur Flüss^keiten in kleinen 
Quantitäten batte zur Einheit die J^W« =?= 35,5847 schwedi« 
i^q JDecimalcui^ili^QU =s= Q,93132 . Liter = 46,95 französische 
CubikzolL (Es gibt indess auch eine Finte, die von Beaumä 
und vennutblicht.aucb allgemein von den fra|i;s^siscbea Apo- 
thekern gebraucht worden ist, welche, beim Fcoatpunkl^ 32 
Unzeü Wasser enthält 9 Und gleich ist 49,52 franzimsdie 
CubikMU =^ 38,576. schwedische Decimalcubikzoll). Eine 
Knte hielt .2 Chopinem^ deren jede ==17,79 schwed. Dem-* 
malcubikzoll, und, die Chopine wiederum 8 Poisons. Ein 
Poison war folglich =?= 2,224 schwedische DecimalcuhiksolL 
Acht Finten machten einen Septier oder Veite ^ und 36 Vel- 
tes einen Muid de vin^ Das französiche Maass fär troctoa 
WÄärbü, z. B. für Getreide, hiesa Litrda ==r 40,291 franzS- 
liiscfae C^bikzoll =>«= 33,493 schwed. Cubikzoll. Die beifolgeade 
i*äfel gibt einen Ueberbliek der Einthdlung des alten fran- 
ä^dstsdien Maasses : / 

Schwed. 
D6c.-CubnuEoU. 

1 Poison. • * ..•..•....» 2,245 
^ 45=ö 1 Chopine . . .^ . . v . • » = 17,79 

• 8= 2= 1 Pinto .= 35,58 

64== 16= 8c= 1 Septier «= 284,64 

2304=^5?6=«288 = 36=«1 Muid de vin. . =10247,04 
Litrön. 
4«c i Quart 
16= 4= 1 Boisseau 
48 = 12= 3 = 1 Minot 
96 = 24= 6 = 2 = lMuie 
192 = 48 = 12 = 4 = 2 = 1 Setier do Bled. 

Das alte firanzösische L&ngenmaass hat den Fuss (Pied 
de Roi) zur Einheit. Der I^uss hat 12 2oll, und der Zoll 
wiederum 12 Linien. Sechs Fuss machen, eine Time. Die 



Maass. 419 

June hielt 8, Fui». 7 ZoU und lOVa Lioie fnm* Mmw^ war 
abei nach den zu messenden, Stoffen verschieden. 

Ein franz. Fuss f= 10^941 schwed. DecimalzoU »: 42^785 
engl. ZoU. Ein franz« Zoll»:: 0,9 11 75 schwed. DeeimalzolL 
Ein franz. CubikzoU ist folglieh =,0^757927 sdiwed. Cubik«^ 
zolL Ein Qranz. Cubikfuss Wasser wiegt^ nach du Harne I> 
641376 pariser Gran. 

Das euglüche Lm^emMum hat die Tard ms Sinh^ 
Naoh Kater'« M^ssNüg ist sie =» 0^3047944936 Net^ lang, 
Sie \vkd ia 3 Fus» geUieilt, der F(V9s ia, tZJ^ofl,. und d&t 
Zidl in 12 LiBien. Sedis Wwm muchen . eine» Fcghom pißi^ 
B^de». Die Gcöaie dos engU9diea L&ngeiigiMaSiefit ist so 
l^estinimi^ dasfi 4er Seflundenpendel in der Breite von hoj^ 
don^ an der Meeresflache und im htfltte^r^a BaiiiQ» 39^329 
engl. ZoU lang iat. 

Ein englischer Fuss o^ 10^265866 i^tohwod. Deaiinal2i^ 
«f;» 11,2632 friuD^. ZolL Ein engl. ZoH := 0;855484 schwed. 
üecimalzoll, und ein schwed. DecimalzoU »= 1,16843 engl. 
EdiSL EMi engl. CubikzoU = 0,62674 schwed. Decimaicubikr- 
tooB. und ein sid^wed. DecimalcubikaoU te^ 1,0972 engl. Cubik-- 
jBoU. Ein en^. CubifczoU destUlSrten Was$ers wiegt bei 62^ 
Fahr, imd 30 eng^. ZeU Banuneterstand 252,458 engl. Troyr 
€3ttwk {siehe Gewichi). :^ 

Das engl. Mäass für Fiuasigkeittti Clmperial otandacd 
fiieasure) hat zur Einheit die Gallone , welche, bei ^ 62"" 
Kahrenheit und 30 Zoll Barometerstand, 10 Pf. Avoir^u-poidsrf 
i3mioht destillifften Wassers fiusst. Sie enthält 277,2738435 
engl. OubikzoU 3^ 144,766 «chwed. DeoimalcubikzoU odet 
4,54345794 franz. Liter, Eine Piiäe hält 8750. Gran Wasäer^ 
und ahio 0,56793224 liter. Das engl, üohlmaass besitzt 
rolgende EintheUu^gen und folgende Yerhaltuisse : * 



• 

r 
g 


i- 


tag 


• 

■i § 

S« 

^1 


■ 5 


S i H 


t 


8 


128 


10124 


277,274 


... 444,77« 




■ t 


- 1"6 


138- 


■ 34;65923 


■ 18,09!!' 




- - • - 


1 


•-'S ^ 


' 2^1662 


. - 1,181 ^ 


• 


• ■ 


- 


1 


0,2708 


0,^148 



♦) Auch 'Win^l^iillfm^ WtB6*-pliit/^|^aimt. 

27* 



t.- ■'K 



420 M€icerireh — Manometer. 

Ueberdies Bind folgende Maasse gebräudilieh: 

Engl. CtAik£oll. Scbwed. Deo. CubiluirtL 

1 Ale-GaUon .... 282 173^453 

1 Ale-Pint 35,25 21,681 

1 Fliiid-Ottnce Troy . 1,900945 1,191 

1 Fluid-Drachm. Troy . 0,2376 0,149 

In Deutschland sind sehr viele Maasse im Gebrauch, 
die sämnrtlich anzuführen hier zu weitläufig sein würde. 
Das gebräuchlichste Längenmaass ist der rheiniäftdische Fu» 
3^11 ZoU 7 Linien französisches^ Maass = 12,341 eng. Zoll 
= 10,5712 schwed. DeoimahsolL Er hat 12 Zoll, jeden 
t= 0,^1 schwedische Decimalzoll. Sin rheinl. CubiksoU ist 
= 0,6838 schwed. CubikzoU, und fosst 274,648 Gran Troy 
oder 286,31 Gran Nürnberger Gewicht. 

Ein preussischer Fuss ist =0,3137945965 Meter, und 
ein Meter = 3,18679802 preuss. Fuss. Ein preusmcher Ku- 
bikfuss Wasser wiegt bei +18^^ g«»^ 66 Pfund. Ein 
preuss* Kuböczoll Wasser, bei ^ 4^,1 C. und im Vaouo, 
wiegt = 17,8911337109529 Gramm, und bei + 18^,75 
= 17,8639622919 Gramm. Er ist = 0,01789111337109529 
Liter. Ein preuss. -Quart Wasser wiegt, bei -f 16^ und 
27 preuss. Zoll 10 Linien Barometerstand, =78,174801 preuss. 
Loth, Und ein preuss. Scheffel, bei derselben Temperatur 
und Baronletertiohf^, 117 preuss. Pfund und 8,366 Loth. 

Was' die Maasse aller übrigen Orte betrifft, so ver- 
weise ich auf die S. 417 gegebene Vergleicbung mit dem 
Meter, mitteist welcher man sie durch ein» ganz einfadie 
Redinnng auf schwedisches oder sonst irgend ein Maass 
redudmi kann. 

Morceriren^y -* einen festen Körper eine Zeit laog bei 
gewöhnlicher Temperatur der' Einwirkung einbr Flüssigkeit 
ausset^n. 

Manometery — ein Instrument cum Messen. der Dich- 
tigkeit der Luft, welche nicht im Verhältniss zur Barometer- 
höhe steht, die nur das Gewicht der ganzen Atmosphäre 
anzeigt. Es ist klar, dass, da diese, bei gleicher Baro- 
meterhöhe, im Sommer eine höhere Luftsäule bildet, als im 
Winter, die Dichtigkeit der Luft im Winter grösser sein 
wird, als im Sonuner. Auch fand Halley^ das£( sie im 
Winter bei strenger Kälte in England mn Vn dichter^ und 



_ I 

Mafie$iiitd — Memi^gfäser. 421 

im Sommer in der gröbsten Sommerhitze Vis dünner wary 
als bei der mittleren Lufttemperatur. Dieses^ von Otto von 
Guericke erfundene Insitrument besteht aus einer Kugel 
von Glas oder Messing^ je grösser je besser, die luftdicht 
verschliessbar ist und an einem Arm einer empfindlichen 
Waage aufgehängt wird; indem man den andern Arm mit 
einem Gegengewicht beschwert^ beobachtet man alsdann die 
eintretenden Aenderungen im Gleichgewicht. Ist die Kugel 
luftleer gepumpt und kennt man ihr absolutes Gewicht und 
ihren Kubikinhalt ^ so geben diese Wägungen jedesmal das 
specifiscbe Gewicht der Luft. 

Man hat dieses Instrument so einzurichten gesucht^ dass 
man vermittelst eines an einem Gradbogen sich bewegenden 
Indexes^ ohne Umwechselung von Gewichten^ sogleich das 
Gewicht der Luftkugel ablesen kann^ wenn es sich seit der 
letzten Beobachtung verändert hat. Statt des Gegengewichts 
schlug Gähn vor^ an den anderen Arm einen abgewogenen 
polirten "und graduirten Stahldrath zu hängen^ der in Queck- 
silber tauchte. Indem die Kugel schwerer wird^ hebt sie 
ein entsprechendes Stück des Stahldrathes aus dem Queck- 
silber^ und wird, sie leichter^ so sinkt dieser tiefer ein, 

Marienbady — siehe Bad. 

Mensiruumy r— synonym mit AuflömngsmUteL 

Mensurgläser — ; werden in der Pharmacie schmale 
und hohe Gläser genannt^ in denen Flüssigkeiten^ statt des 
langsamem Abwägens^ abgemessen werden. Für jede Flüs- 
sigkeit von verschiedenem spec. Gewicht muss man ein be- 
sonderes Mensurglas haben. Spiritus Z; B. kann man nicht 
mit einem für Wasser bestimmten Mensurglase messen; 
gleichwohl werden diese Maassgefasse auf diese Art ganz 
häufig missbraucht ^ indem man mit ihnen Flüssigkeiten von 
anderem specifischen Gewicht misst, als wonach sie gra- 
duirt sind. 

Fig. 1, 2, 3 und 4 Taf. V. zeigen mehrere Arten Men- 
surgläser. Fig. 1 ist zum Messen von Gasen bestimmt, 
Fig. 2 ist ein für Flüssigkeiten bestimmtes und von oben 
herab graduirtes Maassglas. Mit der an der Seite ange- 
brachten Röhre 9 deren Inhalt mit in die Graduirung einge- 
rechnet ist^ wird bezweckt, dass man ausgiesse^ kann, ohne 
zu verschüttc;n. Man gebraucht dieses Mensurglas, wenn 



428 Stephitüeh — Messen. 

lüaii beistimmen will^ wie Viel 2tt eioer Sättigung, zu eider 
Faltung u. dgT. etforderlicli iflt. Man füllt das Glas bis 0, 
und sieht dann aus däm Uebriggcbliebenen di^ Menge der 
rerbrauehten FIfissigkeit. Fig. 3 und 4 sind gräduirte Pi- 
petten, in die man die beabsichtigten Quantitäten auflsaogen 
kann. Bei Fig. 4 geschieht das Aufsaugen vermittelst aber- 
gebundenen Caoutschoucs, welches zuvor mit dem Finger 
hineingedrückt wird. £s eignet sich gut zur Aufnahme be- 
stimmter Quantitäten von Brom, Schwefelkohlenstoff, starker 
Lauge von Kalihydrat, Ammoniak u« s. w. Durdi Lüftung 
des Fingers^ lässt man die Flfissigkeit bis zu der beabsich- 
tigten Gradzahl sich aufsaugen, und nimmt dann die Pipette 
aus der Flüssigkeit. Ein etwa hineingekommener Ueber- 
schuss lässt sich leicht wieder auspressen. 

Mephitisch — sagt man von Luft, die entweder der 
für die Unteriialtung des Athmens nöthigen Menge von 
Sauerstoffgas beraubt oder mit Erstickenden Gasen, z. B. mit 
Schwefelwasserstoff, Kohlensäure, Kohlenoxyd u. s. w. ver- 
mischt ist. 

Messen. — Ich sagte bei MactsSy dass man bei che- 
mischen Versuchen lieber wiegt als' misst; aber zuweilen 
ist es doch erforderlich zu messen, besonders gasförmige 
Körper, aus deren specifischem Gewichte man dann das 
Gewicht derselben berechnen muss. Man hat in neuerer 
Zeit sehr empfohlen, die Quantitäten durch Messung der 
Gasvolume zu bestimmen, weil man dabei mit kleinen Quan- 
titäten arbeiten kann, die dennoch, da die Gase so leicht 
sind, ein so grosses Resultat im Maasse geben. Es hat 
mir indess immer geschienen, als erhielte man die grosste 
Sicherheit bei quantitativen Untersuchungen dadurch, dass 
man, soweit es möglich ist, den Versuch immer so anstellt, 
dass alle Stoffe gewogen werden können. Man erhält oft mit 
grosser Bequemlichkeit das Gewicht eines Gases dadurch, dass 
man den durch seinen Fortgang veranlassten Gewichtsverlust 
beistimmt. In den Fällen, wo die Gase durch Verschluckung 
von starren oder flüssigen Körpern abgeschieden werden 
sollen, habe ich auch geglaubt, eine grössere Sicherheit zu 
erreichen, wenn ich den Körper, von dem das Gas absor- 
birt wird, vor und nach der Absorption wog. Jedenfalls ist 
es ein grosser Vorzug, wenn man zugleich wiegen und 



Messen. 41^ 

messen kano; tind beide Resultate Öberetestitimi«fn. fitiininea 
beide nicht öberein^ so hängt es vom gnten ürtheil ab^ 
welches Resultat man für das richtigste halten will. Ich 
habe Versuche beschrieben gesehen^ wo man eiifi Gas nicht 
blos durch Hitze austrieb und den Gewichtsverlust bestiinmte^ 
sondern auch sein Volumen durch Messen bestimmte^ und 
danach sein Gewicht berechnete ^ und wo man das Resultat 
der Messung^ ungeachtet es grosser war^ als der GewicAts^ 
Verlust des ertiitzten Körpers^ dennoch für das richtigere 
a(nsah. Splche Bestimmungen sind offenbar fehlerhaft. 

Bei solchen Analysen^ bei denen alle Bestandtheile \n 
Gasform erhalten werden^ kann die Messung oft eben so 
zuverlässig wie die Wägung sein^ besonders da man hierbei 
die Volumen der erhaltenen Gase direct mit einander ver*' 
gleichen kann. Jedenfalls ist es oft nothwendig^ dass man 
die Gase messen und aus der Messung die Gewicfafsmengen 
berechnen könne. Man muss deshalb mit' mehreren Glas-* 
glucken von verschiedenem Rauminhalt und im Durchmesser 
von V4 Zoll bis 3 Zoll versehen sein ; aber miäi geht nicht 
gern darüber hinaus^ weil bei einem grösseren Ihircfamesser 
die Messung unsicher wird. Diese Messgläser muss man 
selbst graduiren^ um nicht nöthig zu haben ^ sich auf die 
Genauigkeit Anderer zu verlassen. Aus einer an einem Ende 
zugeblasenen Glasröhre macht man sich ein Maass^ in wel- 
ches man so viel Quecksilber einwiegt^ als man zur Einheit 
haben will^ z. B. 1^ 2^ 5 oder 10 Cubikcentimeter^ erstere 
Mengen für das kleinste^ letztere für das grösste Messglas. 
Femer muss man das specifische Gewicht des angewandtcfn 
Quecksilbers bestimmen und das Graduiren bei -f 4^ C. 
Temperatur vornehmen ^ weil bei dieser Temperatur 1 Gramm 
Wasser das Volum von 1 Cubikcentimeter einnimmt. Hier- 
auf berechnet man aus dem specifischen Gewicht des Queck- 
silbers^ wie viel von diesem Metalle zur Füllung desselben 
Volumens nöthig ist^ und wiegt diese Menge in die Rohre 
ein. Die Röhre wird dann so nahe wie möglich an der 
Oberfläche des Quecksilbers abgeschnitten^ und der Ueber- 
schuss alsdann auf einer ebenen Kupferscheibe mit Schmirgel 
abgeschliffien ^ so lange ^ bis das Quecksilber^ von dem es 
bei 4" 4^ gefüllt wird , und von dem man das Ueberstehende 
mit einer eben geschliffenen Glasplatte abgestrichen hat^ 



üi Mewn. 

geoaa das erforderlidie Gewicht besitzt. Dies erforde^ vid 
Geduld und Vorsicht. Man darf die Röhre nicht mit den 
Händen anfassen^ weil dadurch schon die Temperatur erhöht 
werden würde. Sobald aber einmal das Maass genau ist^ 
ist seine Anwendung sehr bequem. Will man eine Eprou- 
vette oder eine Gasmessungsröhre graduiren^ so befestigt 
man sie unbeweglich In senkrechter Stellung ^ mit der Oeff- 
nung nach oben, darauf schüttet man ein abgestrichenes 
Haass Quecksilber hinein^ welchies nun jede beliebige Tem- 
peratur haben kaun^ und bemerkt die Stelle^ bis zu welcher 
es aufsteigt. Um dies mit Genauigkeit zu thun^ schiebe 
man auf die Oberfläche des Cylinders einen genau passen- 
den Kupferring ^ Fig. 5 Taf. V.^ den man mit einer Schraube 
befestige^ kann. Diesen Ring sieht man in Jl von oben^ und in 
B von der Seite. Er hat an zwei gerade gegenüberstehen- 
den Stellen einen Ausschnitt CD^ welcher genau zu einem 
kleinen Diamanten passt^ mit dem ein Strich |B;ezogen wird. 
Man schiebt den Ring so weit hinauf^ bis man eben durch 
die beiden gegenüberstehenden Ausschnitte das Licht auf 
der Oberfläche des Quecksilbers sieht^ und schraubt ihn dann 
fest. Man macht nun mit dem Diamanten an beiden Seiten 
einen Strich. Gewöhnlich zieht man zuerst auf jeder Seite 
einen Strich nach der Länge ^ und dann setzt man den Ring 
so auf^ dass jeder Querstrich an diesem Längenstrich auf- 
hört. Jeden fünften Strich pflegt man etwas länger als die 
übrigen zu ziehen, und bei jedem fünften oder zehnten setzt 
man eine Ziffer. Der Zweck des Graduirens auf zwei gegen- 
überstehenden Seiten ist der, dass man gewiss sei, die 
Eprouvette beim Gebrauche genau in verticaler Stellung wie 
beim Graduiren zu haben, was man dadurch erlangt, dass 
mau die Oberfläche des Quecksilbers mit gleichen Abtheilun- 
gen der gegenüberstehenden Scalen in Berührung bringt. 
Einige graduiren zu diesem Ende auf drei Seiten, allein dies 
ist überflüssig; denn man sieht beim Messen sehr wohl, 
w^enn die Eprouvette rechts oder links neigt, und ob die 
Theilungsstriche parallel sind mit der Oberfläche des Queck- 
silbers; man sieht aber nicht, ob die Eprouvette vor- und 
rückwärts neigt, und ^lazu dient eben die doppelte Theilung. 
Bei diesem Graduiren muss man auch darauf sehen ^ dass 
in das Maass oder in das Glas, das graduirt werden soll, 



/ 



Messen. 495 

keine Luftblaseo kommen* Deshdb mnss man einen tebkea 
Stahldrath >2ar Hand haben ^ an &m nnten eine kleine Feder 
befestigt ist. Diesen schiebt man in das Quecksilber und 
fahrt damit überall am Umfang herum ^ wo Luftblasen zu 
sein scheinen^ welche dann sogleich aufsteigen. Unterlasst 
man dies, so kann die Graduirung dadurch beträchtlich 
fehlerhaft werden. — Wenn man feinere Röhren zu gra« 
duiren hat^ steht gewöhnlich das Quecksilber sehr convex; 
um dann keinen zu grossen Fehler zu begehen ^ bediene man 
sich^ nach Faraday, eines Quecksilbers^ worin man in 
4000 bis 5000 Gran ein Gran Blei aufgelöst hat. Dadurch 
erhält es Attraction zu dem Glase und steht mit einer ebe- 
nen Oberfläche 9 wie in einem unreinen Barometer. Man 
kann auch bei der ganzen Graduirung sich nach dem Scheitel 
der sphärischen jOberfläche des Quecksilbers richten. Dies 
bringt nur in der ersten Abthdlung einen Fehler hervor; und 
dieser Fehler ist Vs der Capacität der Röhre auf die Länge^ 
welche die Erhöhung des Quecksilbers einnimmt. Jdisst man 
folglich diese Erhöhung genau, so kann man den Fehler 
auf der Röhre anzeichnen und jedesmal diese kleine Grösse 
abziehen^ die indess^ in den meisten Fällen ganz vernachr 
lassigt werden kann. 

Beim Messen der Gase muss man beobachten: 1) den 
Barometerstand; und 2) die Temperatur^ weil ein und die« 
selbe Gewichtsmenge eines gasförmigen Stoffes durch eine 
Veränderung dieser Elemente eine bedeutende Völumenände- 
rung erleidet. Hierbei muss man sich aber versichern ^ dass 
das Gas keine andere Temperatur als die umgebende Luft 
hat, ,und durch keinen Nebenumstand zusammengedrückt 
oder ausgedehnt worden ist. Man muss folglich das Maass 
nÜDht mit der Hand berühren, nicht einmal mit der Hand zu 
nahe kommen ; und^ wenn das Gas bei dem Versuche eine 
andere Temperatur als die umgebende« Luft bekommt, muss 
man es wenigstens eine Stunde lang und darüber stehen 
lassen^ wenn das ]Gefäss einen grossen Durchmesser hat. 
Am schwersten ist indess der Druck zu bestimmen^ beson- 
ders beim Quecksilber- Apparat; denn wenn die Quecksilber- 
fläche in dem Maasse tiefer steht als ausserhalb, ist das 
Gas zusammengedrückt^ und umgekehrt^ wenn das Maass 
so wenig Gas enthält^ dass das Quecksilber inwendig höher 



4S9 Metre, 

• 

Steht ab Araossen, so ist das Gas ausgedehnt. Das Maass 
nrass dann gesenkt werden, bis die Qnecksilberfliche inwendig 
nnd aoswendig durchaus gleich hoch steht. Man zeichnet dann 
den Barometer- nnd Thermometerstand auf. Zuweilen^ beson- 
ders wenn man Versvche über Quecksilber anstellt^ ist die 
Wanne nicht tief genug;, um das Messglas so weit zu sen- 
ken , dass die Quecksilberfläche innen und aussen gleich 
hodi 2n stehen kommt. Man misst dann^ so genau wie 
möglich, die Höhe der inneren Quecksilberfläche Aber der 
äusseren^ und zieht diese von dem Barometerstand ab. Wenn 
z. B. der Barometerstand 257« Zoll ist^ und das Quecksilber 
steht in dem Messglase 27» Zoll höher ^ als in der Wanne, 
80 zieht man 278 von 2574 ab^ wodurch 2378 übrig bleiben. 
Das Gas hat dann aus leicht begreifficbem Grunde dieselbe 
Dichte^ wie wenn es bei einem Barometerstande von 2378 
Zoll gemessen worden wäre. Steht dagegen einmal das 
Quecksilber inwendig etwas niedriger als aussen, so hilft 
man diesem dadurch ab^ dass man das Messgefä^rs in die 
Höhe zieht, bis das Quecksilber an beiden Orten in eine 
nnd dieselbe Ebene kommt. In allen Fällen, wo die Queck- 
silberfläche zwischen zwei Theilstrichen steht, ist es, nach 
Bischof 'S Vorschlag, am besten, das Messglas so weit zn 
heben oder zu senken, bis das Quecksilber genau gegen 
einen Theilstrich steht, um dann die Höhe des Quecksilber- 
spiegels in dem Glase zu messen. Dadurch vermeidet man 
eine willkuhrliche Bestimmung. Wenn so kleine Gasräck- 
stände in einem grösseren Messgefäss zurückbleiben, dass 
deren Menge nicht mit Sicherheit darin gemessen werden 
kann, so bringe man sie in ein kleineres Glas, worin sie 
sich besser messen lassen. 

Wenn man die Resultate von Versuchen mit Gasen 
vergleicht, so mnss man sie auf gleichen Barometerstand 
nnd gleiche Temperatur bringen. Gewöhnlich reducirt man 
sie auf 25,5 Zoll (oder 0,76 Meter) Barometerstand und 0^ 
oder zuweilen -f 4**,1 Temperatur, Wie. diese Berechnungen 
gemacht werden, ist bereits bei der Bestimmung des speci- 
flschen Gewidits der Gase pag. 292 ausführlich angegeben 
worden. 

MitrCy — die Einheit des französichen Längenmaasses, 
siehe Maass. 



Mörser ~ JUruß^Rcatör. ^f 

Muffel y — wird der i'heH m einem Pfi>biroreti ]^ 
nannt^ in welchen die abzutreibenden Pit)%en^ oder fiberhaopt 
die 9fiu taydirenden Snbstanzen gestallt werden. Sie wird 
theils von Tiegelmasse^ tlieilsr von Gusseiisen gemacht, nnd 
' hat die Form eines kleinen Backofens^ wie Fig. % A vl. B 
Ttt. V. zeigt. Am iBoden hat sie kleine Oeffnnngen^ wo-^ 
durch laich die Hitze besser mittheilt. Herr Schwarta 
mochte die Muffeln dadurch zvl verbessern^ dass er sie nM 
doppeltem Boden und doppeltet hinterer Wand versah^ durch 
Welche letztere eine Oeffnung ging^ welche die^ vorne zWi-* 
ffdien den beiden Böden einströmende hfott in den Muflfbl«* 
räum leitete^ wie Fig. 6 C zeigt. Mit dieser Construction 
wturde bezweckt^ dass die auf diese Weise in die Muffel 
«trdmende Luft vorher erwärmt wurde und die zu rostenden 
oder auf Capellen abzutreibenden Proben nicht abkfihtte. 
Auch ohne Probirofen bedient man sich der Muffeln bei che- 
mischen Untersuchungen zum Rösten oder Glühen in offnen 
Oeflssen/wenn man vor einfkitender Asche gesichert sein wiH; 
indem man sie auf einen Dreifuss zwischen umher gestellten 
Ziegelsteinen setzt^ und sie von allen Seiten mit Feuer umg^t. 
MuUiplica0rj electromagneRschery — ist ein ovaler 
Ring^ der durch 100 bis 200 Umwindnngen von mit Seide 
fibersponnenem Messingdrath gebildet wird. Stellt man die- 
seB Ring in den magnetischen Meridian^ und hängt eine 
Magnetnadel darin auf^ so declinirt diese durch eine so ge- 
ringe hydroelektrische Kraft^ die auf keine andere Weise 
bemerkbar zu machen ist. Siehe Theil I. Seite 149. — 
Nobili hat gezeigt, dass dieses Instrument durch Anwen- 
dung einer doppelten Nadel noch empfindlicher wird^ wie 
Fig. 7 Taf. V. zeigt ^ indem man die beiden Nadeln in eini- 
gem Abstand von einander mit umgekehrten Polen anbringt. 
ab ist die eine Nadel, die in den Ripg gestellt wird^ und 
cd die andere^ ausserhalb befindliche. Vermittelst eines 
Metalldrathes ef der ohne Reibung zwischen den Gewinden 
des Ringes durch seinen oberen Theil geht^ sind sie unbe- 
weglich mit einander verbunden^ und bei e an einem Faden 
von ungesponnener Seide aufgehängt. Durch die gegensei- 
tige Wirkung dieser Nadeln auf einander wird ein grosser 
Theil des Erdeinflusses aufgehoben > und dadurch^ diass die 



4t8 Nkdenehlog — JP/omenelatur. 

AiuMenseite die Nadd cd nach denelben Riditong^ wie die 
InBensdite die Nadel ab^ dreht^ wird die Wirkimg der elek- 
trischen Kraft um so grösser. 

Niederschlag. — Wenn ein. aufgelöster Körper^ dunik 
chemische Wirkung^ auf einmal aus dem Lösungsmittel in 
fester Form abgeschieden wird^ sagt man^ der aufgelöste 
Körper werde niedergeschlagen oder gefallt^ und das Abge- 
setzte nennt man einen Niederschlag oder Pracipitaf. Ver- 
mischt man z. B. eine Alaunlösung mit aufgelöstem kausti- 
schen Kali^ so wird die Thonerde abges€dUetde% gefallt^ und 
sie bildet nun einen Niederschlag. Eine solche Fällung kann 
natürlicherweise in jedem beliebigen Gefasse vorgenommen 
werden^ indessen eignen sich hierzu doch am besten solch^ 
die nach oben etwas schmaler sind^ wie Fig. 8. Taf. V^ 
weil in solchen kein Theil des Niederschlags an den Seit«i 
des Geßüsses haften bleibt^ sondern Alles vollständig Tsa 
Boden sinkt. 

Nomenclatury chemische. — Eine jede Wissenschaft 
bedarf einer systematisdien Nomenclatur; aber für keine ist 
diese ein grösseres Bedürfnisse als für die Chemie. Die 
Verwirrung^ welche herrschte^ bevor Guyton de Morveau 
seine glückliche Idee gefasst hatte ^ isl^der beste Beweis 
dafür. Die Nomenclatur, deren sidi die Chemiker seit den 
Jahre 1780 bedient haben ^ ist die Frucht seiner ^ durch La- 
voisier^ BerthoUet und Foucroy unterstützten und ge- 
leiteten Arbeiten. Der Vortheil^ welchen sie darbietet ^ be- 
steht darin e dass^ wer eine neue Verbindung kennen lernt, 
dieser ihren wahren Namen geben kann^ [ohne ihn im Vor- 
aus zu wissen 9 so dass er nicht nöthig hat^ sein Gedächt- 
niss mit einer grossen Anzahl von verschiedeuartigen Be- 
nennungen zu beladen e indem alle^ die er gebrauchen muss, 
aus einander hervorgehen. Die systematische Nomenclatur 
ist ferner an und für sich der Ausdruck einer ganzen Theorie^ 
so dasS; wenn einerseits die Theorie den Namen gibt^ der 
Name andererseits die Theorie ausweist. Gegen diese Be- 
ziehung zwischen der Theorie und der Nomenclatur hat man 
den Einwurf gemacht ^ dass sie nöthig mache > mit den 
Theorien auch die Namen zu verändern^ was beim Gebraudi 
von rein technischen Benennungen nicht erforderlidi sei^ 
indem diese sich stets unverändert erhalten. Aber da diese 



NiymentMur. 499 

Veränderungen gewöhidteh die Folge eine« Fortsdiritts za 
klareren Begriffen sind^ so ist die Veränderung der Noinen- 
clatur^ weit entfernt^ zu sehaden^ im Gegentheil ein Mittel 
mehr^ den Gang der Ideen zu erleiehtern. Im Allgemeinen 
ist nie das ein Vortheii^ was dazu beiträgt ^ irgend einen 
Theil der Wissenschaft stationär zu machen: Alles mus9 
in dem Maasse fortschreiten ^ wie sich Entdeckungen und 
Kenntnisse vermehren. 

Die Nomendatur von Guyton de Morveau hat von 
Zeit zu Zeit Veränderungen erfahren^ die nicht immer mit 
ihren Principien in Harmonie gebracht wurden^ und zuweilen 
hat man Zusätze dazu gemacht^ die nicht mit dem allge* 
meinen System^ worauf sie beruht^ öfoefeinstimmen. Die 
Autoren haben Namen angenommen^ welche zufälligerweise 
neu entdeckten Substanzen gegeben worden sind; dadurch 
ist die Anwendung der Nomendatur immer schwieriger ge- 
worden^ indem sie sich schlecht eignete^ die Natur einer 
Menge von neuen oder besser gekannten Verbindungen aus- 
zudrücken. Indem ich versuchte^ meine Ideen wiederzugeben^ 
war es erforderlich^ eine Nomendatur aufzufinden^ die nicht 
allein geeignet war^ diesen Zweck zu erfüllen^ sondern die 
audi von den Gelehrten aller 'Nationen verstanden werden 
konnte. Ich machte daher einen Versuch zu einer lateini- 
schen Nomenclfitur^ wie ich sie bereits in den Atomgewichts- 
tabellen im V. Bande angewandt habe^ und deren Principien 
ich nun hier in der Kürze auseinandersetzen will. 

Einfache Körper« 

i) Metallotda, einfache Korper/ die nicht Metalle 

sind^ alle elektronegativ. 

Öai^ffeniumy Sauerstoff. jBromum^ Brom. 

Hydrogemuniy Wasserstoff. Joduniy Jod. 

Nitrogeniim y Stickstoff. Fluorumy Fluor. 

Sulphur, Schwefel. Carbonium, Kohlenstoff. 

Phosphorus, Phosphor. Borum, Bor. 

Chlarum^ Chlor. Siliciumy Kiesel. 

2) Metallm elektronegaiivfu 
Selenrnaty Selen^ jtrsenicumy Arsenik. 

IkUmium, Tellur. Ckromkmy Chrom. 



49t Nommelati0'. 



Vanadimn^ V«aadiih StiiHtm, Aotipuon. 

Müfybdaetmn yMolyhi^ Tat^ahan, TanUl. 

AuTum^ Gold. TerriMy Eisen. 

Piatina j Platin. Manganium^ Mangan. 

Iridium j Iridium. Ceriuni^ Cerium. 

Osmium y Osmium. Lanthanum, Lanthan. 

Palladium y Palladium. Thorium ^ Thorium. 

Rhodium^ Rhodium. ZSrconium^ Zirkonium. 

Argentumy Silber. ^ Yttrium ^ Yttrium. 

Bydrargyrumy Quecksilber. ISeryläum^ Beryllium. 

Cuprumy Kupfer. Aluminium^ Aluminium. 

Vraniumy Uran. Magnesium y Magnesium, 

Bismuthvmy Wismuth. Calcium y Calcium. 

Starmumy Zinn. Strontium ^ iStrontium. 

PlumbuMy Blei. Barium, Barium, 

CadnAumy Cadmium. , lAihiumy Lithium. 

Zincum, Zink. Natrium y Natrium. 
Niccolumy Nickel. . Kalium y Kalium. 
Cohaltvmy Kobalt. 

NOMENCLA'TUR FÜE BIirÄSB VbRMIMDUNGBN. 

Bei Bildung der Namen für binäre Verbindungen wird 
dem Namen des einen der verbutileiien Körper die Ihidi- 
gong idum od^r etimt angehängt und derselbe als Substantiv- 
gebraucht^ z. B. Oxidunty Stdphuretumy und dem Namen 
des anderen Körpers die Endiguug osian oder iamiy z. B. 
mlphurosum y sulphuricum. Immer ist es der elektrouegative 
Körper^ dessen Name Substantiv wird ^ während der Name 
des elektropositiven Körpers adjectiv wird^ eine Regel, die 
genau zu beobachten ist^ um nicht in Willkühr zu verfallen^ 
die alle Vortheile der systematischen Nomenclatur vereiteln 
würde. Wenn der Körper^ welcher in einer binären Ver- 
bindung das elektropositive Element ansmaoht; in die Klasse^ 
der Metalloide oder der elektronegativen MetaBe geköit) so 
wird im Allgemeinen dem Namen des ebktoOueigativsleB 



Peme^WA die JCodiga^jK idnm foigehäogt; iat.aWr diescir 
Korper «ii^ e^ektropositive« Metall^ so gibt mao dio Endih' 
gung etum, wie as. B, Sidphidum arsenicosuMy Suiphureium 
natricum. Die Endigung ostmi zeigt; wenn sie einem elek- 
tropositiven Element angehängt ist^ einen niedrigeren Ver- 
bindungsgrad an^ die Endigung icum einen höheren. Die 
niedrigeren ; intermediären und höheren Verbindnngsgra'de 
werden durch die Hinzufugung von hypo und Äyj^er unter- 
schieden ^ z. B. Acidum svlphuricufn^ Acidum hyposuXphicru 
tufrij Acidum sutphnrosufh ^ Acidum hyposulphurosum ^ Sul- 
phMtem hypermolyidicum, * Zuweilen fügt man dem Namen 
des * elektronegativen Körpers die Partikeln stib und st^er 
hinzU; z. B. Suboxiduni^ Superoxidtim. Man'kaün auch 
sagen z. B. Sulphuretum cupri^ Oxidum fern. Dies ist 
alsdann eine allgemeine Benennung; welche die Art der 
Verbindung anzeigt; ohne irgend einen besonderen CSrad 
SU bestimmen. 

Unter den Verbindungen des SauerstoflPs würden* die- 
jenigeu; welche elektronegativ waren; von Anfang der Guy- 
ton' sehen Nomenclatur an durch Namen unterschieden; die 
von d^nen der elektropositiven yerscM^dea ware% ^ otoe dass 
mm jedoch die Absicht hatte; diese theoretische Unter- 
scheidung zu machfm. Man nannte die erstere» A^da, und 
die letzteren Oxidcu Es liegt in diesen Namen und in ihren 
Endigungen eine kleine Ausnahme von der oben gegebenen 
Regel; die aber der Gebrauch sancäonirt hat. Diese Unter- 
Scheidung in der Noinenclatur der elektronegativen und elek- 
tropositiven Verbindungen ist eine grosse Bequemlichkeit, 
Idi schlage vor; sie auf alle binären Körper auszudehnen. 
Df^nigemäss nenne ich Sulphiday Selenida y Tellurida^ CMo- 
rida, Bromiday Jodida y Fluorida die Vterbindungen des 
SdiWefelS; ISelenS; TellurS; Chlors, Broms ; Jods und Fluors 
mit den Körpern; die weniger elektronegativ als sie selbst 
sind; und in welchen die atomistischen Verhältnisse dieselben 
sind; wie in den Säuren. Ich nenne Sulphureta^ Selenieta^ 
Teläireta^ Cklorefa^ Brometa^ Jodeta ^ FluoretUy die Ver- 
bindungen dieser Körper mit elektropositiven Metallen ^ iM 
welchen die atomistischen Verhältnisse dies^en sind^ wjj« 
in den. Basen. Eben so hat man zu verfahren bei den VeiV 
bindungen yon zwei elektronegativen Körpern;^ die 6^Ie v^t 



439 Nmnenclahir. 

dem (hcyd des weniger elektronegatiTea Blenietite eorrespon- 
dtrende mtemistische Zasammensetzang haben ^ 2. B. Ckh- 
retum phosphoricum y Chlorettmt carbonicum. 

In der in Frankreich gebräuehlichen Nomenclatur bedient 
man sich zur Bezeichnung der verschiedenen Grade der 
yerbindung der griechischen Partikeln protOy deuiOy trito, 
welche dem Namen des elektronegativen Elements vorgesetzt 
werden^ indem man den letzten Grad zuweilen durch die 
lateinische Partikel per angedeutet* Ich hielt es nicht für 
lingemessen^ dieser Methode zu folgen^ weil sie Zahlen an- 
zeigt^ welche nur in Betreff unserer Kenntnisse^ die wir im 
Augenblicke haben ^ genau richtig sind^ und weil die daraus 
entspringenden Namen in der Nomenclatur für zusammen- 
gesetztere Verbindungen schwieriger anzuwenden sind. Daher 
sage ich Oxidum ferrosum und Oxidum ferrictmiy anstatt 
Protoocidum und Deutoxidum ferricum* Man wird weiter 
unten die Vortbeile erkennen^ welche daraus ffir die Nomen- 
clatur der Salze und ihrer verschiedenen Neutralitatszustande 
Jiervorgehen* 

Osmium und Iridium haben mehr als zwei basische oder 
salzflhige Oxyde; ich füge dann dem Namen die Partikd 
BUS hinzu, a. B. Oxidum susmdosum und Oxidtian susiridi- 
cum^ wie man bei Aufzählung der Oxy^e sehen wird. 

Einige Metalle haben zu wenig oxydirte Oxyde^ als dass 
sie sich mit anderen oxydirten Körpern verbinden könnten. 
Ich nenne sie Suboxida, Andere Metalloxyde befinden sich 
im entgegengesetzten Falle; sie sind mit zuviel Sauerstoff 
verbunden, als dass sie sich mit oxydirten Körpern verbinden 
könnten. Ich nenne sie Superoanda oder auch BioxidcL 
Die griechischen Präpositionen hypo und hyper könnten hiw 
geeigneter Schemen, weil das Wort Oxyd griechischen Ur- 
sprungs ist; aber sie sind zu ähnlich und könnten leicht 
Verwechselungen und Irrthümer veranlassen. 

Nachdem einmal die Nomenclatur f&r die oxydirten 
Körper gegeben ist, wird die für die anderen binären Ver- 
bindungen vollkommen danach gtiUIdet. Man sagt abo 
Chl(mdkmt phosphorommy Ghhridum phosphoricum , Chlo- 
rehm ferrosumy Cbhretum femam. 

Adda 



Nömmuiatut. |3t 



Acida et Oxiäa^ Sanörisiöfl^fturen xaA Oxyde. 

* . . 

Oxidum hydricumy Wassen 

Bioxidum hydroffemi^ WaaserstoAmperoxyd, 

jiddum kyposulphurimmi , UDtmMobweflige S&nre. 

Acidum sulphurosunty sebw«iig» Stare. 

Actdum hypo$uIphuric%mk^ Uiitccftchwefelitare. 

Acidum sulphurieam, Solnrefels&iire. 

Oxidttm nitrosum^ S^idkoxjrdiiL 

Oxidum nitricumy Stiekixsjnd* 

Acidum nitrosum, salpetrige Säure. 

Acidum nitricumy Salpeteisftare. 

Subooddum phosphori, Phosphoroxyd. 

Acidum hypophosphorosum , unterpbosphorige Stare. 

Acidum phosphorosumy phoiqrfierige Saure. 

Acidum phosphoricum , Phosphorsaure* 

Acidum hypochlorommy unterdblorige Stare. 

Acidum chlor osum, dilorige Stare. 

Acidum cMoricum, Chlorstare. 

Acidum hyperchloricum^ Ueberddorstare. 

Acidum bromicum^ Bromsäure. 

Acidum Jodicum y Jedsaure. 

Acidum hyperjodicum , Vtberjoäsmie. 

Acidum boricum, BovsWbb. 

OxiAum ca/rbonicum, Kohlenoxyd. 

Acidum carbomcum^ KdUeastare. 

Acidum sHicictan^ Kaesetsäure. 

Oxidum selenicumy Selenoxyd. 

Acidum selenosum^ selen^fe Saure. 

Acidum sdenicum, Selenstare. 

Oxidum ' arseniciy Aivenikoxyd. 

Acidum arsemeosumy Mtsanige Säure. 

Acidum arsenidcum^ Arsenikstare. 

Oxidum chromicum, grooes Cfatomoxyd. 

Oxidum hyperchromieum y braunes ChronBexyd. 

Acidum chromicwn^ Chromsfiure. 

Oxidum molyhdosumy MolybdänoxyduL 

Oxidum molybdicum, Molybdänoxjd.. 

Aciditm molybdicttßi y Molybdtasämre.v ^ - 

X 28 



484 N0mmtiaiut. 

OoAdwm wolframicumy Wolframoxyd« 
Aüdum walframicum^ Wolframs&ure« 
Oxidum vfmadösumy Vanadinsaboiyd. 
Oxidtan vanadicum^ Vanadnoxyd. 
Addttm eanadiewn, Vanadinsäure. 
Addum hyposfibiosum (Oxidum stibicum)^ Antimonoiyi 
Acidum stibiosum^ antbnoiiige S&ure. 
Addum stibicum^ Antimonsaure. 
Addum tellurosum^ tellurige Sftare. ' 
Addum teUuricum, Tellursädre. 
Oxidum tantaiicum, Tantalozyd. 
Addum tantalicum\ TantaLs&iure. 
Oxidum titamcum, Titanoxyd. 
Addum titanicum^ Titansätire. 
Oxidum aurosum^ Goldoxydul. 
Oxidum auricum, Goldoxyd. ^ 
Oxidum jilatinosum^ Platiaoxydid. 
Oxidum plaiinicum^ Platiiioxyd. 
Oxidum iridosum^ Iridiumoxydal. 
Oxidum sesqtd' oder hyperiridosumy IridimnsesquioxydiiL 
Oxidum iridicum^ Iridiumoxyd» 

Oxidum sesqui' oder htfperiridicum^ Irtdiumsesqaiosgrd. 
Oxidum asmiosum, Osmiumoi^dul. 
Oxidum g^qm- od* hyperosmiosum^ OsmiumsesqiiioxydiiL 
Oxidum osmicumy Osmiumoxyd.. 

Oxidum sesqui' oder hyp^omnicumy Oeiniiuiiisesquiaxyd. 
Addum osmicum, Osmiumsäure^ 
Oxidum palladosumy PalladiHmdxydul. 
Oxidum palladicvmy Palladiuinoxyd. 
Oxidum argentosumy Silberoxydul. 
* I Oxidum argenticum^ Siiberoxyd. 

Superoxidum argenti^ Silbersuperoxyd. 
Oxidum hydrargyromm ^ Qaeoksilberoxydul. 
Oxidum hydrargyricum^ Quecksilberoxyd. 
Oxidum ctqn'osumy Kupferoxydul. 
Oxidum cupricumy Kupföroxydr 
Superoxidum cupri, Kupfersuperoxyd. 
Oxidum uranosumy Uranoxydal. 
Oxiduim uranicum^ Uranoxyd. 
Oxidum bismutkicum, Winimthoj^d. 



Nomenclahir. 435 

Oxidum gtofmosum, Zinnoxydol. 
Oandum stanmcum^ Zinnoxyd. 
Suhoxidum plumbi^ Bleisuboxyd. 
Oxidum plumbicum^ Bleioxyd. 
Sesquioxidufn plumbi^ Bleisesquioxyd. 
Bioxidum plumbi^ Bleisuperoxyd« 
Oxidum cadmicum^ Kadmiumosyd. 
Oxidum zincicumy Zinkoxyd J 
Oxidum niccolicum, Nickoloxyd, 
Sesqtdoxidum niccoliy Nickelsesquioxyd. 
Bioxidum niccoliy Nickelsuperoxyd. 
Oxidum cobaliicumy Kobaltoxyd. 
Sesquioxidum cobaltiy Kobaltsesqoioxyd. 
Bioxidum cobaliiy Kobaltsuperoxyd. 
Oxidum ferrosunty Eisenoxydul. 
Oxidam ferricumy Eiseno^d. 
Oxidum manganosuniy Manganoxydul. 
Oxidum manganicum, Manganoxyd. 
Bioxidum mangaTUy Mangansuperoxyd. 
jdcidum manganicmriy Mangansäure. 
Addum hypermanganicum y Uebermangansäure. 
Oxidum cerosumy Ceroxydul. 
Oxidum cericumy Ceroxyd. 
Oxidum lanthanicum y Lanthanoxyd. 
Oxidum ihoricumy Thorei-de. 
Oocidum zirconicumy Zirconerde. 
Oxidum tfttricumy Yttererde. 
Oxidum berylUctmiy Beryllerde. 
Oxidum alurrmdcmriy Thonerde. 
Oxidum magnesicumj Talkerde. 
Oxidum calcicumy Kalkerde. 
Biooddum calciiy Calciumsuperoxyd. 
Oxidum stronticumy Strontianerde. 
Bioxidum strontüy Strontiumsuperox^d. 
Oxidum bariticumy Baryterde. 
Bioxidum bariiy Bariumsjuperoxyd. 
Oxidum lithicumy Lithion. 
Suboxidum natrüy Natriumsuboxyd. 
Oxidum natricwriy Natron« 
Sesquioxidum natricumy Natriumsuperoxyd. 

28» 



436 Nomenclahcr. 

SvbooAdum kaKi^ Kaliumsuboxyd. 

Oxidum kaMcumy Kali» * 

Trioxidum kaBy KalimiMmpeTüxyd. 

Nitreta , Verbindimgen des Stickstoffs. 

^^immonhan = NHrefum ieirahydrieum y Ammoniam 
Jmmoniacum = Nitretum trihydrietan y AmmoBiak. 
Cyanogemvm = Nitretum carbaniemny Cyan. 

Sulphida et Sulphureta, Schwefelyerbindungen. 

Sulphidim phosphorosumy ) G^i.,™ft.i«K^-«k^, 
StUpludum phosphoricum y j r -nr 

Sulphidum boricimiy Scbwefelbor. 
SuJphidum carbomcumy SchwefelkoUenstoff. 
Sulphidtan siKcicumy Schwefelkiesel. 
Stäphidum seleniosumy Schwefelselen. 
Svhsulphuretum arseniciy brauues Schwefelarsenik. 
Sulphidum hyparseniosum y unterarseniges S. Realgar. 
Sulphidum arseniommy arseniges Snlphid^ Anripigment. 
Sulphidum arsenicumy Arseniksulphid. 

SuJphuretum chromicum^ ) o i ^ t ^ 
et fi'j^ T n • J Schwefdchrom. 
Sulphidum hyperchromtctan y) 

Sulphuretum vanadictmiy Schwefelvanadiu. 

Sulphidum vanadosumy vanadiniges Sulphid. 

Sulphidum vanadicumy Yanadinsalphid. 

^Iphur^jmmolybdomm, | geh^rfelmolyhdän. 
Sulphuretum molybdicumy ) "^ 

Sulphidum molybdicumy Molybdänsulpfaid. 
Sulphidum hypermolybdicum y Molybdänsupersnlphid. 
Sulphuretum wolframicum y Schwefel wolfram. 
Sulphidum wolframicumy Wolframsulphid. 
Sulphidum hyposfibiosum y unterantimoniges Sniphid. 
Sulphidum stibiosumy antimoniges Sulphid. 
Sulphidum stibicumy Antimonsulphid. 
Sulphidum tellurosumy tellariges Sulphid. 
Sulphidum tellurictmiy Tellursulphid. 
Sulphidum tantalicumy Tantalsulphid. 
Sulphidum selemcumy Selensulphid. 



NemmcUUwr. 437 

Sulphidam auricumy Qoldaulphid. . 

Sulpktaretim.platmosvmy Sch^felpUtiiL . , 

&f^A«£?i<m,.|?^imctf07i^ Pli^insttlphid. 

(Die Fortsetzung ist ganz dieselbe^ wie die für Säuren und 

Qj^yde*) ; . ■ , 



gieki «s VersdiiedeBfafitei %^m9/AMk der 
Reihe, der SoiMreMTerbindtiiqpett. und der det.Siwen, weil 
vemchiiMene Metalle öälilreicbere Verbiiidun|^ mii Sehwefd 
liiMei% ate ntt Saueiat^. Das Kaümn^ NAIrimai^ Anunotiim^ 
diA Radicale der atkalisehen Erdeii hUdea wetiigsteDs . vier 
Verbiiidimgen ;. veü denen keine einsüge baaiscii ist^ Daf 
Kkoindt bildet drei^ von detten nur eine eiiiaHg;e basiscb i^ 
Das fiiseii bädiet ebenfatts diei> wxrron aber, üwei basisdi 
sind. Da diese Sulphureta nicht basisch sind und sich nicht 
mit anderen Sulphureten verbinden^ so kann man sie ohne 
Nachtheil nach ihrer atomistischen Constitution Sesquisulphti^ 
rehtm, Bisutphuretum , Trisulphureiumy Quadristdphuretum 
und Perstäphuretum ferricumy kaHcum n. s« w. n^nen. 
(Der letzte Grad enthält flinf At<ime Schwefel^ was in dem 
Namen adiwierig aoseodrmken sein würde.) Die Snlphureta 
des Eisens sind: Suiphwtehtm ferrosumy Sulpkuretum fern- 
cum und Bisulphufetum ferrkum; ^e des Kobalts: Sulphu- 
retirni colaltictmiy Sesgiäsulphurekim cobalticum und Bistä- 
phuretum cobalticum; die von /Kalium^ Natrium^ Ammenium 
u. s. w.^ Sfiipkuretum kalicvmy natricum u« & w«, Bisul- 
phurettmif TrisiäpRuretum, Qtcadrisulpki^retimiy Persutphu- 
retum Kaliiy Natrü, Ammmm %. s«. w. Indem aad den 
Namen d6s Metalls in den Genitiv setzt ^ onterseheidet man 
leicht die nicht basischen Sulphureta oder die Hypersulphu- 
reta von den basischen SulphtureietL 

Alles^ was für die Scbwefelverbindungen gilt^ ist auch 
anf die Beneni^ungen der Selen- und Tellurverbindungen 
anwendbar. Diese beiden Körper constituiren mit Schwefel 
und Sauerstoff eine besondere Klasse vpn Verbindungen^ 
indem sie fähig sinid^ elektronegative Verbindungen (Acida^ 
Suiphidaj Selemda, TeUvridaJ ^u bilden, die ^ieb r»^ ^l^*b- 



438 Nomenclatur. 

tropoflitiven Verbindungen (Oxida, Stdphweta^ Setemeta, 
Tellureta) verbinden^ mit denen sie Salze hervorbringea 
Ich habe dieser Classe von Elementen den Namen Corpora 
amphigenia gegeben. Die Basen können Sauersio/fbasen, 
Schw^lbasen, Selenbasen^ Tellurbasen genannt werden. . 

Verbindungen des CMors, Broins, Jods und Fluors. 

Diese vier Körper haben das gemein^ dass ihre Verbin- 
dungen mit elektropositiven Mcitallen neutrale Salze ^ und 
nicht Basen sind^ und dass ihre Verbindungen mit den Me- 
talloiden selten die Eigenschaft besitzen ^ sidi mit diesen 
neutralen Salzen zu verbinden. Ich habe diese Gruppe von 
Körpern Corpora halogenia (oder Salzbilder) genannt. In 
Uebrigen ist ihre Nomenclatur analog der der Verbindungea 
des Schwefels. Das Cyau gehört ebenfalls dieser Klasse an. 

Das Folgende enthält einige Beispiele von der Nomen- 
clatur für die Verbindungen der Salzbiider mit Metalloiden 
und elektronegativen Metallen. 

Chloreium sulphurosum, ) ^-, .1.1 
^^7 ., fr . J Chlorschwefel. 

Chlondum miphuricum^ ) 

Chloridami pho^sphorosmn , flüssiger Chlorphpsphor. 

Chloridum phosphoricum ^ fester Chlorphosphor. 

Chloretum bromäy Chlorbrom. 

CMoretum jodü ^ Chlorjod. 

Chloretum cganü, Chlorcyan« 

Chloreium carbonosimu 

Chloretim carbonicum. 

Chloridum carbonosum. 

Oxgchloridum carbomcunty Chlorkohlenoxyd. 

OxydUoridum carbosulphurosum. , 

Chloridum boricum^ Chlorbor. 

Chloridum silicicumy Chlorkiesel. 

Chloridum arsemcosum, Chlorarsenik. 

Chloretum molybdosumy Molybdänchlorur. 

Chloretum m^lybdicumy Molybdänchlorid. 

Chloridum molybdicum^ Molybdänsuperchlorid. 

Chloretum chromicumy Chromchforür. 

Chloridum chromcumy Chromsuperchlorid. 



Ohloretmm Miam t y AntiiiitaeliloridL 
Cklaridtmi stibiosum, Antimonsuperchlorär. 
Cklorubtm stibknany Antnnönsoperdilarid. 
CMaretum tvolfitmiicumy Wolframdilorfir. 
Chloridum wolftamicwn^ WplframcUorid, 
Chlaridvm teUüricumy CUortellur. 
Chloridum taräaMcumy Chlortantal. 
Chhridvm titanicum, Chlortilan. 
Chloridum mangarücunty Mangaasuperdilorid. 

Indem man Brom, Joiiy Fluor und Cgan für Chlor 
setzt ^ bekommt man die Npoiene^atar für die VerbindongeB 
des Broma^ Jods^ Floora imd Oyans* 

. , ii... ■ ' ' ■ . * 

Verl^dimgen «lei^ WitöKserstoffisr. ^^ 

Der Waaaerstoff bildet mit den- l^üf^iideni iml Bnaen«? 
biidem saare Verbindungen^ die Wasaerstoffsäuren (Hydra- 
dda). Die mit ersteren sind ao ^saijier^, wie die stärksten 
Saaerstoffsäuren; die mit letzteren dagegen bftben diese 
Eigenschaften in weit geringerem ,Oi*ade. Dieser Umstand 
hat mich veranlasst^ die Beneiuaung^ Säure, für die ersteren^ 
d. h. für die Verbindungen der Salzbild^r mit Wasserstoff, 
beizubehalten^ um so mehr, da dieser Name gleich zu An- 
fang,^die Ide^ von einer Snb&i^ii^ ^]u&(|lf;Mpsf^t^ die mit ener- 
gischen sauren £igenscj)aften begabt ist. Indessen kann 
man hier auch die obige BeneiinuhgsWeise anwenden und 
sägen Chloridum hi^dricum für Adduin hyärocMorietm etc. 



1 \ * »^ 



Acutum hydrochloticiMi C&Io^^aiSißdrstöffsaure. ' ' '^ 
Addum hydro6romi€tmy^''Ar6m^iv^8eiätQff8ime^ 
Addum htfdrojodicum] Jodwastserstoifsäure. ' ' . ' 
Addum hydrofluoricum y Fluorwasserstoffsäure. 
Addum hydroflMborictm^ Borfluprwasserstoffisäuie. 
Addum hydroftüosUidcum, Kieselflüorwasserstoffsäure^ 
Addum hydrofiuatita»kwh y VitänflnorwäSMifsteffs&ire. 
Jkidum 1^idrofiüofmd€iiöimy TäntaffliiosmusmrstoAäUirm 
At^Mm hydroeymäkum)^ CjhmfvmnB^^ 



, I , 



Addum hydrosulpkmil^kmnlStt^ 

Addum hy^füMlphoejfmmeti^ Sekwe- 

felcyan ^ SchwefolwiMsamtofftiure; 

JB. Bydracida Ämphi^eniorum, Wasserstoffsäur^a der 

' Baseabilder. 



I ' 



Sulphidum hydricum, ^chyf^e]wA^exBt4}W^me. 
. Suiphi4i0n i^o^rbohjfdricw» y KohlenschwefelwasswBtoff- 
siare. 

SttipiidMi cymikum^ Schw^felcyan. 
f* ,. Süemdum hydrieutn^ ^et^iHtftssenstdffsaare. 

Telluridum kydrictm'y^^\hjtriva.s^efsiott8&vtr^ 

Was die verschiedenen Verbindungen des WasserstoflEs 
mit Stickstoff j),Pii4]|8phor \^4 K^Uoiu^l^Qff 4ilbelnfft^ in wel- 
chen der erstere die Multipla ausmacht^ so kann man sie 
dordi^ ZdhhvMer ausdrücken;» aut" folgende Weise : 

Phosph^retum monohydricum. - 
* ' — dihydricurh. 

— trthydricum. . 

' Varhwretvm tetrahydHcum. ' 
» ' Thosphoretvm pentahydricvm. 

— hexahydricum. 



_ ^ 



i^ftre Verlbindtingen der anderen Metalloide mit 
• elektrönegativen Metallen. 

:y Viun si^.Pkasphoretimi, Cktrbur^tm Boretum^.SiB' 
cietumy Arsenietumy Antimonietvm* Da aber diese verschie- 
denen ZusamaieiisetfluingeD aush selten unter einander ver- 
binden^ so lässt sich ihre Nomenolatur sehr wohl auf eine 
einfache Exposition ibrejjr atomistischen Zusammensetzung 
zurfickfohren. Man kann daher sagen: Carhwretumy Bicar- 
hvretvMy Trkarliiretum fmicum ; Arsefüettmiy Biarsemeium 
mccoliamu 



• • 



Verbindungen der elektropositiven Metalle^ 

Hüa'HMUit diese Vi^tbindongen Legierunffeiu Sie be- 
«eltea «einur s^poo^eii Nemenclatur^ treil «an «renige 
davon kennte 4ie^aek . bestiminteB Pire|KNrtid«m mtwaiemen- 



gwtaAit; ftind« tat diwe« 4n^>BftU^ .^so. gibt Mrad^B. NiüM 
des^ darin eAtludleäm ridktmnt^tivtiteafiJftitidli ^die Ebdi«* 
gung etum^ z. B« .äuretum. mi^mMetm.^- Triauteüm otyai« 
tkmny Falladieiunu hydrattgymmn^^ m. ^* 

NOMENCLATUR DER 8aLZE. 

, } Di^^ Veraiidej^iuigen^ ; wplchyD öuu iu [ der Nom^f^latur 
für Basen im Allgemeinen und besonders für Oxyde geniaf)^ 
worden sind« erleichtern die. Nomenclatur der Salze sehn 
und sie gestatten^ dass man in den Namen nicht nur die 
Elemente^ woraus sie zusammengesetzt sind^ sondern auci 
den Neutralisationszustand ihrer Be$tandtheile ausdrücken 
kann« Ich theile die Salze in zwei Klassen^ nämlich 1) in 
Amphidsalze; sie sind a^usam^engesetzt aus einer Base^ ver« 
banden mit einer Säure ^ einem Sulphid^ einem Selenid oder 
einem Tellurid. Ich nenne diese nach den darin enthalte«* 
nen Basenbildem: Sauerstoffsalzey Schwefehalze, Selensatz^^ 
Tellursalze. Von diesen vier Gruppen sind nur die beiden 
ersteren studirt. 2) In JBaJotdsalze , die zusammengesetzt 
nind aus einem Salzbilder und einem elektropositiveu Metall. 
Es sind die Salze des Chlors^ Broms ^ JodS; Fluors und 
Cyans. 

A. Salia Amphigeniorum^ Amphidsalze. 

In der Nomenclatur dei^ Amphidsalze wird der Name 
der Sauerstoffsäure^ des Sulpbids^ Selenids und Tellurids 
durch die Endigung cLSy wenn der Name der Säure des Sul- 
phids u. s. w. sich in icum endigt^ und durch die Endigung 
iSy wenn sie sich m.osmt end^jL« lü Uä Siäblstäntivum ver- 
wandelt^ z. B. Sulphasy Sulpm; Um jedbeb^ dü^ ver^t^i^ 
denen Gruppen voft ▲mjphidsalMn .sa unteischeidea^ setzt 
man den Namen des BMcsbUdacs vor^ & B* Oxymolybdas, 
StdphomolybdaSy Sdenim^lybAas y Telltarinu^das. Inzwi- 
schen^ da mi der Zeit^ wl» idb Nomaiielatttr ^macbt wurde^ 
nur die Gruppe des Sftutrl4#ffiMdae bekannt .war^ so war 
diese Unterschetdui^ damate nidit .BOthwendig^ und man 
setzte niemals die Partikel Oit?;^ vatf die Nlliaea dieser Salze. 
Man sagt ah» nur S^^kasy MolyMoBy NUras. Es ist 
bequem und dine Naehthsil^ 4kAn. Beneluiwik fär die Sauer« 



u» 



Nvtiiinctütiß' 



•toAudse^' w«Me am saUrtfohniett «Id ^brfkudiliehsleii 
aind^ beisiiMuitteiu b betreff der md^ren Gruppen von 
AmphidMlMn^ so untersdieidet num sie hinreichend sowoU 
unter einander^ irisancdi von SanenftofBudsen^ wenn man 
den Namen der Basenbilder vorsetzt. 



* Oxytmliay Sauerstoffsalie. 

Die verschiedenen Arten von Sauerstoffsalzen sind fol- 
gende: 



Sulphates. 

ByposuJphates^ 

Sulphites» 

Bypomlphites. 

Nitrates. 

Nitriies. 

PhosplKües. 

PhosphUes. 

Bypophosphites^ > 

Byperchtorätes. 

Chlorates. 

Chlorites. 

Bypochlorites. 

Bromates. 

Jodates. 

Byperjodates* 

Carhonates.' 

Borates. 

Silicates. 

Die Torsobiedenen Art 



Seleniates. 
Selenites. 
Jrsermxtes. 
Arsenites. 

* 

Chromates. 

Vanadates. 

Molyhdates. 

Wolframiates. 

Stibiates. 

Sübütes.^ 

Tellur af es. 

Telbirites. ' !' ' 

Taräalaies. 

Utanates. 

Manganaies. 

Bypermanganates* 

Siannates. 

Osmiates. 

Bydraies. 

welche jedeflf . ^^inzelne Genas 



jBirthalten fcapn, sind foIgeflP: 

Sijiphas Jealicus, schwefbLsaures Kiüi. 
-^ natricuSf schwefelsanres Natron. 
-^ lähkniSy schwefelsaures Lithion. 
-^ ammonicusy schwefelsaures Ammoniak. 

— barytietiSf schwefelsaurer Baryt* 

-^ sironticus, sdiwefelsaurer Stroniian. 

— ca/btct<5^ schwefelsaurer Kalk. 

— nuignesieus, schwefelsaure Talkeffde. 

— uiumitäcmf schiibfdsaure Thonetde. - 



I ghidmcuB, schwvfekMiore Berjüerde. 
yttricuSy sehwefeiMure Yttererde. 
zirkonieuSy sehweMsMre Ziriconerde. 
thoricus, sehwefelsaare Tborerde. 
cerosusy s«kwetMlMiiire« Ceraxydul. 
cericuSy schwefelsaures Ceroxyd. 
lanthunicusy schwefeliiiaures Lanthaaoxyd* 
tnanganosm y schwefelsaims Manganoxydnl. 
fnangardcusy schwefelsaures Maoganoxyd. 
ferrosuSy schwefdsaures SisenoxyduL 
ferricuSy schwefelsaures Bisenoxyd. 
cohaliicuSy schwefelsaures Kobakoxyd. 
niccolicus, schwefelsaures Nickeloxyd. 
zincicuSy schwefelsaures Zinkoxyd. 
cadnücuSy schwefelsaures Cadmiumoxyd. 
plumiicttSy schwefelsaures Bleioxyd. 
staimosus y schwefelsaures ZinnoxyduL ' 
sttmuncuSj schwefelsaures Zinnoxyd. 
bismuihicus, schwefelsattres Wisimuthoxyd. 
nranosusy schwefelsaures Uranoxydul, 
oram^t^ ^s<Awefslsaures Uranoxyd. v 

Cttprasusy schwefelsaures KupferoxyduL 
eupricuSy schwefelsauifes Küpferoxyd. ' > 

hydrargyrosus y HiAi^efelBBxueB Quecksilberoxydul. 
hyärargyricüsy > sdhwefelsaures QuecksQberoxyd. 
argenticujSy schwefelsaures Silberosyd. 
palladosuSy schwefelsauries Pälladiumoxydul. 
palladicuSy ischwefelsaures Palladiumaxyd. 
rhodicusy schwefelsaures Rhodiumoxyd. 
osmiosusy schwefelsaures Osniumoxydul^ 
hyperosmioms y nAvrtUAstcates Osnuumswiftii 
ömdcusy sehweMsaupes OsmimnoK^id; /' i 

hyperosnüeusy schwefelsaures OsiidttBMesqutoxyd«< ; 
ikdosuSy schwefebäures Iridiumexyflul. ' ' . . :i 
hgpefiridömB y sdrvrefelsaures IridiiniaesqiiioxydiiL 
MdicuSy schwefelsaures Iridiumoxyd. 
hyperirUßcm y schwefelsaures Iridiumoxyd. 
plaÜHomSy s6hw^<risräres Platinoxydol. 
platimeuSy schwefelsaures Plätinoxyd. 
aurasusy sdiwefetemore» QoUhnTflttL 



1 



Sulphas mtricuB; mi^^Mmmm (Bo M m yA. 

— ianiaiictis,, sehwefbhMuirM Twttlo^yd. . 

— iUamcm^ «dtiMMflüiiM TilMoxyd. . 

— ieüuricus^ Adiw^ltokMWM iVeUiVfixyd. 

— sHbicuSy wäamtSeißBmmi AAtmMoxyd* 

— ht/perwolfrMimkus , s^wef^lfftiu^.W^Cftwsäuce« 

— mäi^dtmtu^ 8chwefel$«arM: WolybdäBAty^. 

— ffio%fMb0ti«> «chwelblMiUD^S' Molybd&QOiLyd^ 

— ^ hypermalybdkus y schweftebaure MoJybdftuaäure. 

— chromkuSj, BehweSeiamumB Cbvomoxydi 

f — vanadicuiy schwof ekNmres Vnai^inoxyd* 

— hyperiHmaäicus* 

BfidratA, Ver^indiinji^eii des Wasser.s. 

Bevor ich die N^Httundiiliur der SftuersiofflliiUflBe verlasse^ 
habe ich noch einige Weiie ffllier die Verbindofigea des 
Wassers anzuführen. MUn hat dtts Wasser in sdnen Ver- 
bindungen nuft Baseal als ein^ Saure betra<)ibtet und diese 
Verbindungen^ nach Art der Sake^ H^aieg genannt^ z. B. 
Hydras halicusy ctUdeus, ftrricus fi« s. w» Aber das 
Wasser verbindet siidi aoeh alt Sauren und es spielt in 
diesen Verbindungen die Rolle einer Base. Diese Verbin- 
dungen nisiste'auin dann SulpiOs bydricus^ Ntir€is hydricus^ 
Phosphca bydritua »» s.w. neHiien. Ittzwiscfaen wörde man sich 
eben so schwierige daran gewdlmen^ die Schwefelsäure in ihrem 
gewöhn^chen Zustande SulfhoB hydricus zu nennen^ wie das 
Wasser mit Oaddum hydricum zu beiseictuieil. Einige Che- 
miker geben den Beinamen Hydrate den Säuren^ welche 
Wasser enthalten. Diese Benennung ist den Principen der 
Nomendalnr zuwider. Ich aage tvusserhak^ Säure, wenn 
ich damit andeutem. wÜl^ dass eine Satti« sich mit Wasser 
aIs<Base TerboMkii hat^ und teti&mte Säure, weap es sich 
um ein blosses CfeMei^ von euM Sailre out Wasser han- 
delt Aber da «be S6uren;sifdi an gewohnUcdisten im was* 
serhaltigen Zustande befinden, ao; ist es zuweilen erforder- 
lidi^ auszudrucken^ dass ein^ Saure frei ist^ dass, sie kein 
Wasser entbilt, daas sie sMbt alse flieht im wasserhaltigen 
Zustande befindet Idi sage dann immerfirei, Wasserfreie 
Schwefelsäure bedewtet sAse^S^RMieMHue ebne Wasser: 



wasserhaUige Schwefebämre bedeutet eine hcnünnoito Verbin- 
dong der^chwefeteinre nrit Waeser^ verdtmnte Schwefel- 
säure bedeutet irgend ein Oemenge der Siore mit Wasser. 

Ich will hier nur die bekannten Genera von Schwefel- 
aateen aufflbren; denn ihre Arten und deren BenemMHigaa 
sind absolut dieselben^ wie für die ReUie der eben angeführ- 
ten schwefelsauren Salze. 

^ulphhydrcUes. Sulphovanadaie^. 

/^i/phoeyanatigs. Sypersulph^wwlgidtries. 

Stslpikocyaniy4rates. Sulpkomolybdatea. 

Stdphocarbonaies. Suiphowo^rumkdes. 

SnlphophospkateB. Siäphantimomaiei. 

Suipkopho9pkite$. Sulphantimoniie». 

Sulpharsemaies. BjgposuiphanfnmmfeSi 

8ulphar$emte$* Sulphogtannai&i^ 
ByposnJpharsemtes. > Svlphotantalutes. 
Sulphochromates. 

B, Salia halo^eniorum, Haloidsalze. 

Ihre Nomendatur ist schon durch die vorhergehende 
gegeben, so dass ich hier nur einige Beispiele davon an- 
fuhren will^ wie man sich der Reihe der schwefelsauren 
Salze bedient^ um den Namen einer jeden Art zu finden. 

Chlordum iaScum, Chlorkalium. 
Chloreium nairictmiy Chlornatrium. 
Chlaretum ammonicum ^ Chlorammonium. 
Chloreium hydrargyrosufn y Quecksilberchlornr. 
Chlor etum hydrargyricum , Quecksilberchlorid. 
Jodetvm nairicum» Jodnatrium. 
Jodetwn ferrosumy Eisenjodür. 
Jodetum ferricumy Eisenjodid« 
Jodetwn TcaHcumy Jodkalium. 
Bijodetnm haßcumy Zweifach Jodkalium. 
Trijodetwn JcaKcymy Dreifach Jodkalinm. 
Fiuarettan calcicumy Fluorcalcium. • 

F$uaretum natricumy FluomatrimL 



< t 



446 Nommekifyr. 

BfotMhtKii üfywtitwHy Bf w n s il b dT« 
Brameium moffnesicum, Bronunagnestami. 
Cganetum kuBcum, Cyankaliuin. 
Cyüneium ammornctmiy Cyanammoniiiiii. 
Cyanehan ftrrosum y Eisenqranär« 



für «Ue baslselieii oder MMwen SabM^ 

A« Amphidsalze. 

Die Salze ^ welche einen Ueberschnss von Sänre ent- 
halten^ werden im Allgemeinen ^at/Tiß Salze genannt* Setzt 
man dem Namen eines Salzes eine Partikel vor, welche die 
Anzahl der Multipla von Sänre ausdrückt (indem man das 
Verhältniss der Säure zu der Base in den neutralen Salzen 
als Einheit anmmmt)^ Bo bezeichnet man^ dass das Salz ein 
saures und zugleich, auf welchem Grade dies ist Zum 
Beispiel : 

Sesqvicarbonas arnmonicm^ 
Bistiiphas natricus. 
Quadroxalas kalicus. 

Die Amphidsalze, welche einen Ueberschuss von Base 
enthalten, werden basische Salze genannt. Subphosphas 
oder StdAsulphas bedeutet also ein phosphorsaures oder schwe- 
felsaures Salz mit IJeberschuss an Base. Um den Grad der 
Basicität auszudrücken, bedient man sich derselben Par- 
tikeln, wie für die sauren Salze. Folgende Beispiele mögen 
hinreichen : 

Subphosphas sesqtdcaldcm» 
Svba^eta^s bicuprictis. 
Subsulphas trialtmünicus. 
Svbmtras quadriplumbicus, 
Stibnäras sexplumbicus* 

Diese Nomenclatur zeigt folglich an, ob die tett einer 
bestimmten Quantität von Säure verbundene Base Vb^ Sty 3, 
4 oder 6 Mal so viel beträgt, als zur Bildung eines neuralen 
Salzes erforderlich wäre. Man sieht leicht ein, dass die- 
selbe Methode auch auf andere Amphidsalze anwendbar ist. 



Nomenckrtur. 44f 

B. Hsloifbalz& 

1. Mit Ueberschuss an Siure. 

Da die «aiiren Haloidialze ihre saure Eigenschaft der 
Wasserstoffsäure desselben SalzbilderS; welqher sich daria 
mit dem elektropositiv^ Metall *varbunden befindet ^ ver-; 
danken, so glaube ich^ dass es hinreicht 2U sagen 2. B.: 

Chlareftan auricim acidtmu 
Flturrehan kaßcum acidum* 
Cyanettan ferrosnm acidunu 
Cyanetum ferricum acidunu 

2. Mit Ueberscbuss an Baseu 

Die Haloidsalze können sich mit Sauerstoffbasen ver- 
binden^ so wie auch^ was jedoch seltener stattfindet^ mit 
Schwefelbasen« Man kann sie dann Oxybdsica, Sulphobcisica 
nennen. Da es aber unnöthig ist, den Sauerstoff zu nennen^ 
so reicht es hin^ die Salze^ welche das Oxyd eines Metalls 
mit dessen Chlorür verbunden enthalten^ basische Haloidsalze 
zu nennen. Bis jetzt kennen wir kein basisches Haloidsalz^ 
in welchem z. B. das Eisenchlorur mit dem Eisenoxyd 
oder in welchem das Eisencblorür mit dem Eisenoxydid 
verbunden ist» Folglich zeigt der Name des Chlorürs stets 
den Oxydationsgrad der Sauerstoffbase an. Aber da sich 
1 Atom des Haloldsalzes mit 1^ 2^ 3 und mehreren Atomen 
von dem Oxyd desselben Radicals verbinden kann^ so druckt 
man dies auf folgende Weise aus: 

Chlorelvm plvambicum boMcum* 

— — bibasicum, 

— . . — tribasiQimi. 

— — qicadribasictim* 

NoMtenelatiir für DoppeUialze» &aHa Ou^Mieia, oder 
Salze mit zurei BiMen oder zwei Sftiireii» 

Je zahlreicher die Elemente in einer Verbinduiig wer- 
den^ desto schwieriger ist es, das systematische Nomen- 
dator^Princip dafür anzuwenden. Diese Schwierigkeit fangt 
sdioa an, bei den Doppelsalzen fühlbar zu werden. Man 
verbindet und reduoirt die Namen der beiden Basen zu einem 
einzigen^ z, B. Sulphas ammonico-ferroius, Cyanetum ffr- 



44i Nmnmdahtr. 

« 

roso- w n moma mu Ab«r da m mmellen vorkommt^ dass diese 
Doppelsabe in der Zosammeiisetziiiii^ viuriireii^ und dass 
mehrere Atome von dem einen Salz sich mit einem einzigen 
Atom des anderen verUhden^ wie dieses unt^ anderen bei 
den beiden anderen angefBhrten Beispielen vorkommt^ so kann 
man die relative Anzahl V6ti Al^omo» in ihrem Namen aas- 
drucken ^ indem man sagtt Sulphas arnmordco-triferriaa^ 
Cyanetum ferroso 'biammotucwn* Hier noch einige andere 
Beispiele : 

Sulphas kalko4rialtafnimcti8 y Alaun. 
Chloretvan anrntomco-biplcitinicum^ Chlorplatinammenium. 
Fluoretum haUco4riboriewn^ Flaorborkalium. 
FTuoretum natrieo^isilieieumy Fluorkieselnatriom. 

In Betreff der doppelten Araphidsalze mit UebersAnss 
an Base bedient man sich derselben Nomenclatur^ und setzt 
das Wort sub vor den Namen der Säure, z. B. Subsulphas 
cupricus biammontcus (das Cuprmn ammoniatum der Pharma- 
ceüten)^ SuhsulphcLS koRcus biahmünicuSy iriizlumimcus ^ sex- 
ahanimcus. Uebrigens wollte man durch die Nomenclatnr 
zu viel anzeigen^ so wfirde man sie leicht verderben^ indem 
man sie entweder zu kompiicirt oder dem Ohr unangenelw 
macht. 

enelMor der AmtvA^nlaluwilse« 



Ehe ich den Artikel Nomenclatur verlasse^ muss ich 
den Leser auf die Verschiedenheit der Bezeichnung auf- 
merksam machen ; welche zwischen der der Ammoniumsalze 
und der Ammoniaksalze stattfindet. Wenn Ammoniak mit 
wasserhaltigen Säuren Salze bildet^ so tritt 1 Atom Wasser 
in die Zusammensetzung des Salzes^ was nicht abzusdieiden 
ist ohne Zerstörung des Salzes. Der Wasserstoff von die- 
sem Wasser beträgt genau so viel^ um mit dem Ammoniak 
Ammonium zu bilden^ und der Sauerstoff ist gleich dem 
Sauerstoff in anderen Basen^ welche dieselbe Quantität Säure 
sättigen wdMen. Das* Ammoniak repräsentirt daher mit 
sem Wasser ein Oxyd des Radikals Ammomma^ ziisami 
gesetzt aus 2 Atomen Radical' und 1 Atom SauemtofK, Ü 
Pblge dieser VorsteHnug treten die Salze ^ welciie das Am^ 
moniäk bildet^ ganz in die Kategorie aUer übrigen iJH^oerw 

Stoff- 



Oefm. 44$ 

steffiNibBe« Ebenso in dcai Sohwefelfiateea^ das Sidf^udom 
Irfdricum verbind^ sich mit dem AmmoBiak und bildet das Sol- 
phuretum ammenicim^ weldies fäbig(isC^ sich mit sioch zwei^ 
drei 9 vier und fonf Atomen Sch^^fel zu verbinden. Diese 
Salze ^ in welehen das Ammoniak eine Sanerstoffhase oder 
Sohwefelbase zu bilden scheint, sind es, die ich jimmomunh 
salze, SeUia ammamca, nenne. 

Wenn sidi dagegen das Ammoniak mit einer Wasser-- 
freien Säure verbindet^ z. B; mit Kohlensäure, schweftiger 
S^ure, oder mit wasserfreien Chloriden, Fluoriden, Bromiden 
u. s. w., so entstehen zwar Verbindungen, die Ammonialc 
enthalten, aber nicht das Oxyd von Ammonium,' und die 
ganz andere Eigenschaften als die Ammoniumsalze hesitaen. 
Man nennt sie z. B. Carbonas ammoniaci, Stdphüs wn*' 
tnomaci u. s. w. Durch Wasser werden! sie in Ammonium- 
salze verwandelt. 

Das Ammoniak verbindet sich oft als solches und nicht 
als das Oxyd von Ammonium mit neutralen Sabseu. Es er- 
zeugt dann die basischen Ammoniaksaize, von denen fol- 
gende Beispiele sind: 

Nitras hydrargyrictts ammonidcalis. 
Sulphas ßrgeniicus ammoniacalk. 
Chloretum caldcum ammomdcale, 
Chloridum phosphorosum ammoniacate. 

Oefe.n. -^ Bei chemischen Versuchen bedarf man so 
unausgesetzt, der Hälfe des Feuers, dass Oefepssp dem ViBn 
entbehrlichsten Geräthschaf^n in eia^n Laboratoriuia gehören^ 
Aus losen Ziegelsteinen kann man sich im Nothfall oder in 
einzelaffli Fällen Oefen aufstellen; Sie bieten aber nicht die 
Bequemlichkeit in der Regierung des Feuers, dar, wie ein, 
eigentlictier Of^n. Die kleinen vierseitigen oder runden Oefen 
aus Gusseisen, mit losem Rost, wie sie im Handel zu ;bab|ea 
sind, und wie Fig. 9. A. Taf. V. vorstellt , sin4 in vielen 
Fällen sehr brauchbar. Man stellt sie., wie Figur zeigt, auf 
zwei Ziegelsteine, und man kann sie, w^nn man eine sehr 
hohe Temperatur bedarf, leidit in Wind- oder Zug-Oefei|. 
verwancteln durch Aufiietsiung eines Schornsteins von Eisefi'* 
blech, Fig. 9. B. Um leicht abhebbar zu seiui wenn er heisa 
ist, hat^^dieaer einen J^andgriff von Holz,. dar vermittelst 

X 29 



450 Oifen. 



sft%9iei#r ISisen äii-dtrSeliornsteiiiröbke befetügt ist. S^raelbe 
Sohornsteia passt aiM^ tttf kletnore Oefen^ als der Uit^ wob« 
er g^mMlft wurde ^ - wenn sie nur rnad oder ▼oHkom—n 
quadratiseh sind. Dieser eiofadie Ofen darf in einem liab»* 
rateriian nicht feUen; er kostet wenig^^ ist sekr' daaeiliaf^ 
und ist in den meisten Bällen anwendbar. Kr hat nur dea 
Uebelstand^ dass er leicht glähend wwd^ und dann- viel 
Warne ableitet. Darum muss man auch n^t Qefeii^ aus 
fiß^uearfestem. Tbon versehen spim 

(. , W^9i,es nicht selten nothwendig ist^ die Hitse durch 
^itar>iiffbfteft %)g verstärken zu können^ so ist es isuf der an- 
diifeiK Seit.e aflck sehr oft nptbwendig, den Zug regiren and. 
yermilMi^n s\| können^ so dass man eine grosse Masse einer 
lange i^nhaltenden , aber weniger starkeii Hitze aussetxen 
kann;. Hierzu ist aber erforderlich ^ dass man es in seiner 
Willkühr habe^ das Zuströmen der Luft in den Ofen beliebig 
!^\i.,yermebren oder zu verringern. Den gewöhnlichsten, sol- 
ch«^, Endzwecke entsprechenden Ofen sieht man im Durch- 
sch^nitt .F.ig- 10. Er besteht aus dreien^ lose auf einander 
gelegten Theilen. ah cd ist das Bodenstück^ ef ein rund 
herum hervorstehender Rand^ auf dem der Rost liegt, g ist 
eine OefiFnung zum Einströmen der Luft, verschliessbar durdi 
einen passenden Einsatz aus demselben Material wie der 
Ofen, h ist eine ähnliche OefFnung zum Einlegen von Koh- 
len^ ebenfalls verschliessbar. adlii ist ein Ring oder Auf- 
Sttlzy d^r auf das Bodenstüdc angelegt wird. In / hat er 
eiMn 'lifldlMrirkelförmigen Aussdmitt' für Retortenhälse n. d|^. 
AH!rf'd»6s^iii Ring liegt der Dom imnk. In l hat er eben«- 
fUlli^ einetl halbzirfeelförmigenAussohttitt, der mit dem des 
Rtäges dne runde Oeffiiung bildet^ die mck Bedarf dttreh 
e$nen entsprechenden Einsatz zu verscfaliessen ist. An der 
Seite b^'O hat der Dddbi ferner eine Oeffnung wie g vaA hy 
titfd^'vWe ^iesemit einem wohlschliesaenden Binsats venwheiL 
Biraxicht ^man starkes Feuer, so wird auf den kleinen Schor»- 
steihtin^eiii Rohr von Eisenblech aufgesetzt; will: man nur 
gtflind^^t^ehaben^ se verschliesst man, nachdem der (Men 
ahgei'euert fst, alle Zuglöcher und mehr oder wei^r aneh 
deh Sühei^hstein, auf welche Weise man die ganze Kohles- 
vaikn^ Ito Ofen mir in^BNrangluth erbalten kann. . Es^ist srtdr 
tequem,' in dem Ring mdki zwei gegen^ einandec uimrstfr- 



Oefen. I5t 

kei^e Iioeber 20 ftaben^. wmk iündurdilegiBn von Pbrcoltaiiis^ 
röhren.^ die |;läh«ftd gemaiflit werdeaf sollen. Bei mdcrai 
Versmdiett werden diese Löcher tAt StSps^ verscUbssed. 
Die iil der Fig. mit p bezeicbnet^n StdQen sind ibuiAiatieil 
«am Ataekn^Di der einzelnen TheUe. *— Solche Otfen moai 
Bum in' vmiehiedener CSrösse haben und dabei s<^fair Ueirn^ 
Sie mfissett alle mil eisernen Bändern umlegt sein^ weil sie 
dadurdi zusammengehalten w^orden^ in dem Fidle ^ dass die 
TlMmmasse qpringt^ wie es aflkrdings^ leicht j^esdiidit 

Zum ErbitMii grosserer Röhren^ wie z. B. bei d^ Be^ 
reitung von SofahvefelkohlenstMr^ Chloraluminium u. d|^.y Hat 
itan eigne paralleleiiipedisehe Oefen^ wie Fig. 11^ am bbsten 
wie £e folgende At^ aus^ starken! Eisenblech^ verfertigt und 
inwendig mit feuerfeisteUi» Thon ausgefittert. 

Die besten und txc dem mannigfiiltigsten Gdbraubhe be*^ 
foemsten Oefen sind^ nach meiner Stfiifamng^^ diejenigen^ 
welche vmi K/uhme in Bbriin Verfertigt wentenc Sie gehS-* 
rte im Ganzen zu derselben Art wie Fig* 10. Sie «werden 
«US starkem Eisenblech' gemluäit, so- dass 'ttedi^nst6bk und 
Aufiwtz^ ^Idie in Fi|^, iO getrl^unl-fited^ in Lebü^e's OfM 
aus einem Stu<^ bestehen, tig* VL* zeigt ekiett'SotdMil üüft^ 
80 wie auch seinen Durchsdmttt. abed ]ai di^ emi Eisend 
blech verfertigte Umgebung j auf die oben ek eksemer Ring 
▼on Eisenblech, von gleicher Breite wie der Durdunesser 
des damnter beindlichen Beschlags y aufgesetzt i/s^t. Dieseil 
Beschlag oder diese AusfM;teru&g besteht aus feuerfestCMl 
Thon. ^ und h sind die Thäran; jr oder die untere für diM 
ABcUenratm, ist M)t efaier Heineren/ ebmfaüs' dicht vei<<^ 
zehlieilsb«reii Thire versekeii. itn6 sind^ zMrei gegenoberete^ 
hMm runde Oeffnungen ztim Hkidürchlegeu von Rdhten^ 
Te^scktiessbar /dnrdi die beidmi, in* der F%ttr o£Gin stehendeki^ 
Ideinen aus^effiiterten TbSren; FigC 13;* zeig« den Oifenv^öii 
ehien' hhieibgeseben. INe an^ dem inn^ten Rander Hervoi«i<M 
befefden eteetoenKnfipfe e^dieneniftStt'Aurfiltellen von Ke»^ 
sMn^r^i^) kleiner smd eLr die' oben^^^taui^ dbsi Ofenv^ «M 
wi^^e^ blattfCtmigen hervonstehended 'Q^heilei c^dfitsor Uum 
üMStuÜMmg oder zom Aofot^leti' voh GeftUieto lMiAitiimt>sittl^ 
^engi^^er eind' sfteder <Mny ohne d^dtei^ in beiden i^FSlle^ 
dniidh diusi«itfgeeeitet€» tS^Kss^'der Zu Ofens iwlüiidert 

wiffdi il^'14. -ist der «u* diesem Ofenf hesüdifte mfcmit 

29* 



45t Offen. 

•eineiii Sdumwteiii veradene Dom^ ebenflilte inwendig m- 
gofvttart and mit einer ansgef&tterten llnre versehen. Fif. 
15 ist em Ringf ^er Aiifisats von Eiaeoblech , der tof a^ 
Fig. 12 pasat und bei Destälutloneo auf dct Sandei^Ue ge 
knucht wird. Fig. 16. ist eine solche^ genau in die8efi% 
passende. 6andca|ieUe; Fig. 17^ seigt dieselbe von obenge 
sehen, t ist der zur ApfiDahme des Retortenhalses bestinale 
Ausschnitt^ und hhkh sind ninde^ zum VerscUissgeD nt 
kleinen Sdnebern venseliene Oeffnungc«i^ wodurch der Zq 
bewirkt wird^ und vermittelst deren die Httse asu v^starkei 
oder EU vermindern ist Retorten ^ wetdie in dieser Sud- 
ereile ediilnt werden^ destiHiren mit grösserer SkherWi; 
weil die Hitze nicht bloss von der Menge des eiAgelegtci 
Brennmaterials^ sondern von dem Oe&en der Zi%löelier ab- 
kingt Lässt man sich bierau eine Ai^ siAüalenförmigen Heins 
von Bisenblech machen^ von gleichem Durchmesser mit des 
Ring Fig. 15. und auf emer Seite för den Retort^ihils ao»- 
gesehnitten^ so verhindert dieser die durch die äussere \A 
bewiriUe Abkähloi^ des Retortengewnlbes^ und die Desül- 
faition gehl um:so niacfcer. Fig«^ 1& endlicli «it der Doiek- 
admltt noch ei»er andere, auf diesen Ofen passenden Sani- 
kapelle mk grosser Ob^äche, die »m Abdampfen; Vtj^ 

len etc. dieat;(si^I^^^^^)^^/^^« 

Wheidofm^ ein Ofen, worin v^ermittelst eines sehr star- 
ken Zugs> ohne C^Nase.; ein sehr heßiges Feuer benrorge- 
bra^t wefd^i kann. Ein .i^osetftlic^ber Theil eines solcka 
Ofbns ist tm geeiauertes, sohnpaieis und sehr h^hes Scbon- 
steinrofar; wekhes sieh nach oben nu etwas verengt Beii 
Baoe eunes aus Steinen aufgefuiiuten; nu eiiM)i Laboftlorii» 
bestimmten Raumes thut mm am besteig in die Wände «ek« 
rere solober Rohre legen zu lasse% um «i^rw. vorkenak^*^ 
FiOen fiffnenu^ zum Anbauor V4n Windalen bennts» ^ 
ktenmt Vomusge^eti^ nnuy ein solches Rohr sei ikt <Hier ai 
im Ilaner y und weiiq;atens. unten von feuerfesten Zi0g^ 
bis ztt einer Höhe vA» .wenigfitens 9 bi4 ^0 £Uen att(|[ei«ki(^ 
so tnanert man> neben, dasselbe, eh^i^Wte aon tw^^^ 
SHeinen (CSiamottesteiiien) , einen yieineitigen Ofen sof ^ ^ 
9^ 12 bis l^aoU lichtem Ourchmeaser^ und mit der Oeft«« 
nack eben. Man macht ihn nur so hoch^ dass man gnt ti>^ 
einsfiksn vmk Tiegel bequem einaetoai und %mm^^ 



Oefen. 453 

kann» FQr letzteren Endzweck; besonders bei Anwendung 
sehr grosser schwerer Tiegel; kann es sogar vortheilbaft 
mein^ den ganzen Ofen in den Boden des Laboratoriums zu 
senken; so dass seine obere Oeifnung mit dem Erdboden in 
gleicher Linie liegt. Ungefähr IV2 Fnss von der oberen 
Oeffnung wird ein Rost eingesetzt; am besten von der Ein- 
richtung; dass die beiden mittleren Stäbe desselben fest- 
sitzen; die äbrigens aber nur lose eingesetzt; also heraus- 
Behmbar sind. Unter dem Roste wird die eine Seite des 
Ofens offen gelassen; oder es bleibt auch der ganze Raum 
unter dem Roste verschlossen^ indem alsdann die Luft durch 
einen unter dem Boden des Labori^toriums gezogenen Kanal; 
der in's Freie oder in einen Keller führt^ herbeigeleitet wird. 
Nahe an der oberen Mundung des Ofens ist in der Wand 
desselben eine Oeffnung gelassen; die vermittelst eines kur- 
zen Kanals mit dem Schornsteinrohr communicirt. Die Mun- 
dung des Ofens wird mit einem genau schliessenden , in einen 
entsprechendeiTFalz eingreifenden Deckel verschlossen. Die- 
ser Deckel besteht aus feuerfestem ThoU; der zur besseren 
Haltbarkeit mit einem Rahmen von Eisenblech umgeben ist« 
Er ist entweder ganz abnehmbar oder ist vermittelst eiserner 
Bänder und AngelU; gleich einer Thürc; beweglich befestigt. 
Fig. 24. zeigt den Durchschnitt eines solchen^ mit seinem 
Deckel bedeckten Windofens ^ worin ein bedeckter Tiegel 
auf seinem Untersatz steht. Nachdem man um den Tiegel 
herum Feuer angemacht hat; gerathen die Kohlen bald in 
lebhaften Brandy und durch den von einem saui^enden Ge- 
töse begleiteten Zug entsteht eine Hitze^ die-, der vermittelst 
eines Gebläses in einem GeMäseofen hervorgebrachten nahe 
kommt. Zur Verminderung oder Abschliessung des Zugs 
muss die Oefibung unter dem Rost oder auch das Schorn- 
steinrohr^ letzteres durch einen Schieber; verschliessbar sein. 
Will man zu feuern aufhören; so bietet die Einrichtung mit 
dem ausziehbaren Rest den grossen Vortheil dar; dass man 
darch das Wegnehmen der Roststäbe auf der Stelle die Koh-* 
len in den Aschenraum fallen lassen kanu; und so der Tiegel 
allein stehen bleibt. 

Gehläseafeny ~ ein Ofeu; worin das Feuer durch einen 
doppelten Blasebidg angefkcht wird. Die einfachste Art ist 
eine sogennairte Esse, ein vierseitiger Feuerraum ^ von Zie- 



4M Oefm. 

gelst^iaea aa einer feuerfesten Wwd M^|;elBhrt^ dwrdi 
welche lei^tere diie Däse eines kraftigen doppelten Bliusiebfilgs 
eingeführt wird, wie Fig. 19. Der Durohmese&er dieser E^ae 
richtet «ich nach der Gresae der einznaeteenden Tiegel^ vmk 
betrügt 8 bis 12 Zell im Lichten. Auf den Boden legt mu 
eine dünne Schicht von feuerfestem Sand^ aitf welche dir 
Untersat« für den Tiegel^ mitten vor die Gebläse -Mändnng 
geatell^ wird, 90 A$m der Tiegel^ mit einer nach dieser ge- 
wandten Ecke, in einen Abstand von etwa 3 ZoU von der 
Gebläsewind su stehen kommt, und die mittaten Geblise- 
atrahlen in der Richtung einef kleinen Zolls ubw seineai 
Boden einwirken« Die Tiegel werden gewAnlich mit Deekeh 
oder umgekehrt aufgesetzten kleineren Tiegeln bedeckt mid 
yerklebt, und wenn man in der Fuhrung des GMbläaes und 
Aufschütten von Kohlen sorgflUtig verfährt, Hsnn man ia 
einer solchen E$se einen sekr hohen Hitzgrad hervoriNrisgen. 
Je freistehender sie ist, um so bequemer lässt sie sich ge- 
brauchen, und am bequemsten ist sie, wenn sie von dra 
Seitto zugäiiglidi ist. 

Später hat man diese Gebläsefeuer zum Gebrauche be- 
quemer und zugleich von grössere Wirkung eingeriditet, 
erstlich dadurch, dass man sie tragbar machte, und zvveit»i% 
dass man den Wind um den Tiegel herum durch mehrere 
Oeffhungen einströmen liess. Unter diesen so eingeri^ditetea 
Gebläseöfeu zeichnet sich besonders vortheilhaft der von 
S.ef Strom aus. £r hat 8 gegenüberstehende Gebläse-0^- 
nungen. Fig. 20. zeigt ihn im verticalen Durchschnitt and 
Fig. 21* im Cimndris^. Er besteht zunächst aus zwri in 
idnander gestellten, mit Bpden versehenen Cylindem von 
IBisenblech, welche oben durch eine ringförmige EisenplatCe 
luftdicht mit einander verbunden sind. Der äussere Cylinder 
AA misst 22, und der innere jBjB 16 ZoU im Durchmesser; 
die Höbe des ersteren beträgt I6V2 Zoll« Der Raum zwi- 
schen diesen beiden Cylindern dient als Behälter für die 
Luft, weldie durch die Rohre C aus dem Gebläse herbei- 
geführt und durch die 8 kleineren Rohren u in den inneren 
Cylinder, den eigentlichen Ofen hineingeleitet wird. Di es er 
^ere Cylinder ist mit einer 2V4 Zoll dicken und nodi fkst 
um eben so viel über ihn hinausgeführten Lage />/> ven 
feuerfesten Ziegelsteinen ausgei^ot^t, so dass der Ofen 



iiittferea Ihircbiiieaser von ' 10 V« SMi teUÜ. Bk 8 RobreB^ 
mrtkcYm die Luft einleileii, steihäi in ^Iei<dieiii Atotand von 
«tnaiiier und liegen in glei^er Höhe, 7 Z#M über dem Bo«* 
den des inneren Cylinders; «ie sind von starkem SisenUed^ 
IV^ ZnU lai^, koniseh geformt^ imd haben «n der Mutidtinf 
Vi 2Mi in Bnrdimesser. — Ais llrenimiaterial in dtesöm 
Ofen braudrt man mir gut verkohlte Bekohlen ^ allein ein 
sehr wesentlicher Umstand für die richtige Wirkung . des 
Ofens ist im Grösse der Kohlen. Sie miissen nämlieb aUe 
in gleich grosse Stucke^ von etwa Wallnussgrösse^ aer* 
sdbimg^n und gestiebefrm sei% damit sie im Ofen von selbst 
gMohförnig Ensammensidken und man das Umrufaeren mit 
einem Stabe vermeiden kann. -*— Als BeWeis für die grosse 
Wirksamkeit c^eses, Ofens kann ich bemerken, dass ich eine 
halbgeJBossene Masse von Platin gesehen habe^ wekhe Sef* 
ström m diesem Ofen durch Zusammenschmelzen von Feil- 
eq»iiuien^ Blech- und Dradistückdien in «inwi bedeckten 
Thontiegel^ ohne Zusatz, erhalten hatte; ^eichwohl waren 
als Brennmaterial mir Holzkohlen gebraucht worden, und 
unstr^ig wurde mk Coaks, wenn sie nicht durch ihre viele 
Schlacke zu sehr den Ofen verderben wurden, eine Hitze in 
demselben hervorgebimdit werden, der keine Art Tiegel mehr 
widerst^en könnte. Auch au» eigener Erfehrung kaan ich 
hinzufugen, dass keine mir bekamite Anstalt zur Hervof- 
bjtingnng einer hohen Temperatur, in etwas ^össerem Maass- 
stali^ diesem Wen an Wirksamkeit gleichkommt, dier ausser-' 
^ttn durch seme Tragbariceit für ein Privat-Laboratorium, 
wo man nicht selten um Raum verlegen ist, grosse Bequem« 
Hchkeit darbiejtet. Den Blaseba% dazu habe ich unter einem 
Tisch angebracht, wie Tat lU. Fig. 8, und die Communi-? 
•ation desselben mit dem Ofen ist durch einige weite Blech- 
fohre bewerkstelligt, die vemiitte\|rt weiter Caoutschoucrehren 
beweglidh mit einander verbunden sind. Statt der Blech-* 
röhre kann man dazu, wiewohl weniger gut, aufgeblasene 
und von Ligamenten befreite Ochsendärme nehmen. 

i^obirofen^ Cupellirofen, — ein kleiner eiserner, inwen^ 
dig mit feuerfestem Thon ausgefutterter Ofen, mit einer ein- 
gesetzten Muffel (s. diesen Artikel), weU^her hauptsächlich 
7Mm Abtreiben von Gold- und Silberproben dient, die auf 
CapeHen in die glühende Muffel eingesetzt werden. Fig. 22 



466 Ptyrin^$ IHgestor* 

ist die vordere Ansidbt von einem 8<4cheii ProbirofiNt. D^ 
innere Ranm desselben enthält nur die Muffel^ die auf sw« 
starken Eisenstiben ruht, Sie reieht nur bis za Vs in das 
Innere des Ofens ^ lisst also zwischen sidi und' der hinteren 
Wand einen Raun, a ist die Mündung der Muffel^ vo^ 
schliessbar durch die neben befindlichen eisernen Schieber. 
Die aber dem Rost befindliche Oefinung by ebenfalls nut 
Schiebern versdben^ dient ^ so^wie die oberen Oefifonngen c, 
zur Regulirung des Zugs; die älteten Oefen hatten gar keinea 
Rost. * 

Flmmhofen, Reverberirofen. — Hierunter werden grosse^ 
nur zu^ technischem Behuf bestimmte Oefen verstanden, worin 
die Substanzen nur durch die Flamme von. flammegebend^n 
Brennmaterial^ namentlich von Holz- und Steinkohlen^ in einem 
von diesem abgesonderten Raum^ erhitzt werden. Fig. 23 gibt 
eine aUgemeihe Vorstellung von einem solchen Ofen. A ist 
der mit einem Rost versehene Raum fär das Brennmaterial, 
B JE F der Raum^ wohin die Flamme wirken soll, JEF das 
Gewölbe^ BC der Herd^ worauf die zu erhitzenden Sub- 
stanzen zu liegen koniunen^ und der, je nach verschiedenem 
Bedarf, horizontal oder geneigt ist, und CF eine vorsprin- 
gende kleine Mauer, die Brücke^ welche zur Leitung der 
Flamme nach dem Gewölbe zu dient, a deutet die gewöhn- 
lich an der Seite des Ofms befindliche, verschliessbare Oeff- 
nung zum Einlegen der zu erhitzenden Substanzen an; oft 
ist noch bei B eine besondere Oeffiiung, die Stichöfihung, 
zum Ablassen von geschmolzenem Metall u« dgl. ff ist der 
sehr hohe Schornstein, Wodurch der Zug bewirkt wird, und 
der durch eine Klappe abzu£q[»^reü ist. — Die Flanunöfen 
dienen zum Schmelzen grosser, zum Giessen bestimmter 
Metallmassen, zu einer Art des Eisenfriscbprocesses (Pudd- 
lingsprocess}, zum Rösten^ und zum Calciniren, und es ist 
einleuchtend , dass sie zu diesem versdnedenen Behuf Mo- 
dificationen in der Form erleiden mössen, deren nUiere Be- 
schreibung aber nicht hiertier gehört. 

Papin's Digestor oder Topfy — eine nach seinon 
Erfinder, Dionysius Papin, genannte Art von luftdicht 
verschliessjbarem Hopf, aus dem die Dämpfe von kochendem 
Wasser nicht entweichen können, und worin also Wasser, 
ohne, gasförmig zu werden, bedeutend aber seinen Kocdi- 



PeBcah — Pfu^fen. 4^ 

puidit eribitflst werden kann. Papi« g0|lNraniAt6 ihn vorng^« 
lidi zur Bereitung ven KnodiengaUerte ; er ge|ri^ indos/sea 
bald in Vergessenheit^ da durch unvorsichtiges Kochen da^i 
Gefass nicht selten exf lodirte und UnglucksfaUe veranlasste. 
Spater verbesserte man ihn dadurch , dass man in seinem 
Deckel einen kleinen konischen^ luftdicht scUiessendea 
Zapfen anbrachte^ der erst bei einer gewissen Elasticitat; 
der Dftmpfe herau$(gewQrfen wird und so 4er Esqpfosion den 
Gefasses vorbeugt« Wird dies^ Ventil mit Gewichtea he« 
Schwert^ so dass es für jeden Quadrat^oU seiner unteren^ 
in dem Gefass befindlichen Oberfläche; 10 , 20 , 30 bis 4Q 
Pfund wi^^; so kann das Wasser in demselben eine Tem<* 
peratur von -f 113^ 123% 133o und 140<> anneluafn, ehe da» 
Sicherheitsventil gehoben wird. — Das Gefass wird gewöhn-; 
lieh von verzinntem Kupfer ^ auiweil^i auch von Gusseiseu 
gemacht; niemals darf es ohne Sicherheitsklappe gebraucht 
werden. Seine Anwendung^ zur Bereitung sowohl von Kno- 
chengallerte als von Auflösungen anderer auimahscher und 
vegetabilischer Stoffe^ wird immer allgemeiner; mit groj^sem 
VcM-theil habe ich es auch zur Auflösung von Harzen in 
Spiritus^ für die Bereitung verschiedener Lackfirnisseu, %\k^ 
wenden gesehen. 

Pelicauy — ein Circulir-Kolben^ s. Circuliren. 

Pfropferiy -^ zum Verschliessen von Flaschen und 
Oberhaupt chemischen Gelassen^ sind für den Chemiker eifi 
nicht unwichtiger Gegenstand. Vor allem wird von ihneii 
verlangt^ dass sie dicht schliessen. Im AUgemdnen bestehen 
sie aus Kork oder Glas. 

Karkpfropfen verschliessen am besten^ weil ihre Elaste* 
cität zulässt^ dass man sie in Oeffiiungen einklemmt^ Zu 
chemischen Endzwecken muss man stets die besten Korke 
nehmen. Man wählt soldie^.die aus einem weichen^ gleich-» 
förmigen Kork gemacht sind^ der frei von harten Theil^a 
oder Höhlungen ist^ die beide dem dichten Scliliessfsn eutr 
gegen sind. Auch muss man Korke schneiden können^ um 
nidit passende gehörig passend fini machen^ so wie man wsh 
mit Korkscheiben versehen sein muss, um daraus Korke zn 
grösseren Oeffnungen schneiden zu können. Zur gehfoigen 
Formung von Korken pflegt man auch Feilen anzuwenden^ 
vernnttelst deren eine ungeübte Hand leichter^ als mit df»m 



45^ PfiHfpfkn. 

Messer) die fdiMge Ferai 20 SiMifc Mhgt. Siwii Kwk- 
sdüieiden wenflet nan eigene Messer ao) Mit dotier imd Inreiter 
Klioge^ ilmflidi einem Sehuknacheraiesser. Man sehif^t sie 
anf einem tree kn e n SeUeifMein ans Sandstein^ wevkir^ die 
Sdineide weniger fein nnd nekr sigeartig wird ; deasco 
mgeaiAtet sehneiden sie sehr gnt^ und ihre Schneide kilt 
besser. Zur Brleiditinrang itts Sdineidens pflegt vamxk 4^ 
ninge dabei zuweilen n Talg za steekon« Um den KmrkMi 
die aram riditigen SehHessen erferderliche WeicMieit 'sa ge- 
ben^ müssen sie von allen Seiten gelinde gepresst werden^ 
wozu die Fig. 1. Taf. VI. vergesteitte, «ganz emflAobe Vor- 
richtung «Kent. Der untere Theil ab wird auf etnem Tisch 
eder Bleck befestigt. Der obere Theil ed ist vermittelst eiiMS 
Chargiert mit ersterem verbunden und bat bei e eine Haad- 
babe. Beide Theile haben entsprechende Ausschüttle eee 
von Tersehiedener Grösse« In diese wwden die Korke ge- 
halten und durch Herabdrucken von cd zusammengepresst; 
Ewisdien jedem einzelnen Dreck wendet man den Kork 
etwas. — Sehr oft hat man ndthig, Glasrdhpen durch KoriLO 
zu fuhren; die Oeffnungen dazu macht num auf zweieriei 
Weise ^ entweder ^rch Einbrennen oder durch Feilen; bei- 
des geht gut^ indessen ziehe ich das -Feilen vor, theils weH 
durch das Einbrennen der Kork erhitzt wird und aufquillt^ 
und theils weil die Korkmasse um die Oeffnung herum so 
zerstört wird, dass wenn man zwei Oeffnungen neben ein- 
ander braucht; die Zwischenwand zwischen beiden gewöhn- 
lich undicht wird. Zum Ausfeilen von Oeffnungen in Korken 
braucht man runde Feilen und Raspeln von venscfaiedeoeai 
Durehmesser, ^on jS^t Dicke eines «torken Stahldraths, bis 
zu Vs ZoU. Die Feilen dürfen nicht zu foin gehauen sein, • 
weil sie sonst den Kork nicht stark genug angreifen^ und 
Raspeln sind daher vorzusnehen. Haben mdi die Feilen bei« 
Gebrauche mit Korkfeile und Schnratz g^üllt und sind »e 
dadurch stumpf geworden, no entjRwnt man diese durch 
■aceration in lauer Lauge von Kalk und Asche. Eine an 
Ende abgebrochene raade Feile oder Raiq^l wird dadurch 
wieder brauchbar, dass man eine Spitze anschleift. 

■ohr hat vor nicht langer Zeit eine Methode, um 
Lftdier durch Korke zu bohren, angegeben, die in Betreff 
dek* Bequemlichkeit Vorzuge vor allen anderen Methode» 



Im^ Man Jäaal aioh daneh Zusammenidlheli «dar Kameaa 
dyliniier voa fiiaanUecih machen^ voiradbiiehnieadeiiiJ^DMcb^ 
ipeli^er, ao -duaa sie in .eiiiander passen^ z. B« etae AnaAU 
sv^on 12 Stack. Dieaa wei^ibii imn in Bohrer för Löeher .imi 
•sr#r{MAiA«de«i«r Gröaae verwamdck^ wai die W^ae, das« aie 
an dem einen Ende mit einer hafeiinden Steile sa mam 
a(igo(l$r»iig «ebarfea Kante B«f^scfaärft werden. An dem 
andren Gnde biegt maa die Kanten um, um »beim Behvea 
wmi der Hand anfdiiickea su können , oder aian befestig! 
daiaa ein randea fadla^rnes Hefit^ oder^ wenn man eiae Dreh- 
bank wx Hand hat^ befeaügt aian sie in iS» Vatrona dar«- 
seihen. Mit HäUe dieser Cylinder bahrt man mit grosser 
iieicfaligfceit ein gans glattes Loeh in einen Kork^ und das aaa^ 
gehöhnte fituck wird mit dem nMis1t£olgenden Rohr herao»^ 
geatosaea imd bildet einen guten sehmideren Koifc. Be» 
darf man dnnner, bohler Kbfkc^inder^ so bohrt aMMi 'erat 
ein Loeh mit einem Aohr von einer gewissea Dicke ^ nad 
hierauf ein anderes^ wiri)(N man den Cylinder in das Rohr 
bekoiamt. Dabei wird man nicht durch Korkspähne bel&stigt. 
Um die Bohrer von recht passender Grosse wäMen zu kia^ 
nen, hat man die Cyiiader nnmerirt^ bohrt daaaC Löcher ia 
eine Korkscheibe und nnmerirt auch diese Löcher^ da maa 
dann nuit dem Glasrobr^ welches Jn einem Kork befestigt 
werden s<dl^ das am besten passendp Loch prüfen kann. 
Wenn ein Glasrohr nicht genau zu einem der Löcher passt^ 
se wiUt man den Bohrer^ welcher am Dächten kommt^ und 
gibt das Loeh dem Glasrohr nioht nach, ao erweftert man 
es mit einer runden Feile oder Raispel. um sehr feinett 
liöchem mässen kleine runde Feilen angewendet werden. 
Die Koricstöcke^ welche in dem Bohrer stecken bleiben^ 
schiebt man mit passenden Holzcylindern heraus, die maa. 
yon dreierlei Durchmessern hat, vm für den ganzen Bohrsata 
angewandt werden zu können. 

Korke, die lange an einer warmen Stelle liegen, oder 
womit Flasdien mit com^ntrirter Schwefelsäure, ungelösch- 
tem Kalk u. dgl. Stoffen, die stark Feueht%kdt anaiäebeD^ 
verschlossen sind, trocknen aus, werden ktemer und schlies^ 
sen nioht mehr dicht. Für solche Fälle müssen die Korke 
vorii» bei einer so hohen Temperatur, als sie fragen kön- 
nen, gateooknet worden sein. In andern Fältoi verhindert 



480 PfiM^ 

flMUi diaMs AnAtrodmen dadurdi; daM mtn die Flasche» 
umlegt, imd «o den Koik in besUiodiger Berahrang mit dw 
Fl&wigkeit- ISaust Aach dureh Veriitrziiiig der Korke pflegt 
man dem Austrocknen vorzabeagen; das Hans daza nrass 
mit ein wenig Talg zusammeBgeschmolzen werden, dunrit es 
nidbt beim Anstossen abspringe. 

Pfropfen vwi Glas werden am allgemeinsten gehrauditf ; 
•10 missein eingesdiUffen sein, damit sie vollkommen dicht 
halten. Fast nur in Frankreich hat man es hierin zur richtigen 
VoUkommenhett gebracht. Die in Paris verfertigten Flascheo 
«ind mit .vortrefflich eingeschliffenen Pfropfen versehen, nnd 
sind dabei woUfeiler, als irgend wo anders, was freilich 
darin seinen Grund hat, dass an anderen Orten der Absatz 
dieser Waare zu gering ist, als dass er die grössere Ge- 
nauigkeit der Arbeit bezahlen könnte. In solchem Falle mnss 
man dann diese Arbeit selbst vornehmen , oder wenigstens 
die P/ropf^i der im Handel vorkommenden Flaschen genan« 
einschleifen f denn auf den Glashütten werden sie gewöhnlich 
nur mit grobem Sand eiogeschliffoD, und sowohl Pfropf ab 
innere Seite des Flaschenhalses bekommen dadurch eine 
rauhe Oberfläche. Dieses letzte Einschleifen macht man mit 
feinem Schmirgel, bis die Oberflächen eben geworden sind 
nnd dicht in einander schliessen* Es geht ganz gut ans frei« 
Haod, wenn der Pfropf nur einigerma^ssen passt; ist dieses 
aber nicht der Fall, oder hat man einen Pfropfen in eine 
Flasche mit noch ungeschiiffene^l Hals einzustreuen, se 
muss di^ in einer Drehbank geschehen, die man, wenn nicht 
für andere, doch wenigstens für diesen Endzweck in der 
Nähe des Labmratoriums haben muss. Zum Schleifen voa 
Flaschen - oder Kolfaenhälsen lässt majn sich kupferne Kegel 
von verschiedenem Durchmesser machen, die in die Dreh- 
bank eingesetzt werden; sie mässen aber nur höchst wenig 
konisch sein. Sie werden mit Schmirgelpulver und Baumä 
bestrichen {auch Wasser kann man nehmen, nur spritzt es 
zu viel}, und der Hais au^gesdüiffen, indem die Flasdie aa 
den in Umdrehung befindlichen kupfernen Kegel gehalten 
wird. In einem Läiboratorium pflegt man bald, dnrch Zer- 
bredieu von Flaschen^ eine Sammlung kleinerer und grös- 
serer Glasstöpsel zu bekommen, und unter diesen wählt man 
sich einen passenden aus, spannt ihn in die Drehbank in eine 



hölzeQie PatrjOBe eta^ und 9phlefflt die Fbusdie flik Mfienr 
Sefamirgel' an den PfropfiNi selto am Hat viaD keiae fe^ 
schliffene Pfropfen, sö miu» man ide eihst iu hohlen ktq^cvt* 
Ben Kegeln,, Wovon man ebeiifalte einen Satz von verscfaie*' 
denen Durchmesaörn haben, hküis^ ^ehteifeil« «^ Die Mufaa 
mit dieBemiBiMsehleiffen ist sehr geragt ^iüleis ist' in 'Weni^eti 
Minuten abgemadit, und .^wird '^deek 'mchlic^ direh den 
grossen Vertheil belolwt, skäi auf* iseine PfiroirfSen vettessett 
stt können. ^ i , • * » 

Zuweilen ist man in dem Fall, Glasgefässe mit weite« 
Oe£Baungen luftdicht verschliesael^ zu oqiiüssem In solchen 
Fallen schleift man di^ Mündung des Gefa^^es eben^ und 
bedeckt dasselbe mit ein;er ebenfalls . eben, geschliffenen 
Scheibe Von dickem Glase, am besj;en Spiegelglas. Wir4, 
der Rand des Gefässes mit Talg bestrichen, so hält die, 
darauf gelegte Scheibe voUkomäien dichf« Uni das Herunter-^ 
fallen derselben 2u verhindern, kann man sie mit der, Fig. 2 
abgebildeten, hölzernen iSchräube befestigen. 

Gut eingeschliffene Pfropfen setzen sich nicht" selten so 
fest, dass sie auf gewöhnliche Weise nicht wieder heraus- 
zunehmen sind. Man hält danii den Hals der Flasche in i^i6 
Flamme einer ^ihfacheh 'Spirituslämpe, indem man ihn be-, 
ständig umdrißht, äo dass der gan:2e, vom Pfropf ausgehllUe 
Cylinder auf einmal schnell erhitzt wird j der Pfropf gellt 
alsdann leicht heraus, weil näiiilich der HaM eher \Varm 
wnd^;att der Pfropf > und sieh dabei ^so viel ausdeämt, vdass 
erstärer losgeht. Ist er durch i^ei» »i^ris^henliegeiidcgs, ei»*f 
gettotiknetes Salz festsita^nd: ge^urden, so: stellt tnaii dia» 
Flasche eine Zeit lang ungekehrtvin ein Glas • äiiti Wäisser^. 
bis das Salz losgelöst bsL Mit kau^Misch«» AlkaUoi ge^. 
schiebt ob züw^Uen^ dass die gesdiUfftoe Gl^sfiädhe ange«- 
griffen wurd, und die PiVopfeA , sich dadurch festeetaen; es. 
bleibt dann nichts Andeces i^rig, ab den Hals ^däsiiiBprenge% 
da es selten die Mühe lohnen: möchte, den Pftopfen vermit^, 
tfiist etiles Kupfereylinders lud Schmirgels aüssinsthMifeft. 
:^ Bei cheiMisehea Versuchen, besonders bei Aestmationimi 
hat man zuweilen für Glas* idnd' Sich0riieHä-&Qhre«i dueebH 
bohrte Pfropf«. nötUg, die nicht von Kork seifi dürfen. In 
sdldien Fällen nimmt man Speckstem, Talk, Agalüatolilh,. 
Mflerscbauiti und selbst Höbe, die; alle ieklit mft:dem Meitaetr 



4l$i Phlegma -- ^eitte. 

mMAMMu kMi die O^htiiqp im Kolhen wU^ft mM wä 
lUn Kx^rwjßimdtr rund^ «ad drtht datiü ettten. das« pi»- 
B^miiiML ¥kofS Tön Hpetiuileiii oder Holz^ der bd eittiger 
Setigfftli Bo J&chb'MJL .madieii ist^ das« er aelhst lAne LvtH* 
mtig UUt* Itt dietal Pfropf mtob maii' ftlsdaim die für die 
Befaon/ erforderliditea Ii&dier^ md mtoht 4io Verkitiiiiig ttü 
lidndihill« In EMioiigpotaig soiohef weioUer Steidarton kdo- 
Mtt a^MiOi P^roplRin' aöoh'Toii diokerte Stncfcett voM aeibnh 
ebenen Graphit -Tiegeln oder von natürlichem Graphit g«- 

Pkhffma, — aKehö B^pKleffmirm. 
' Phtoyisiiciren — bedeutete bei den ältered Chertikcni 
däi^etbe^ was Desoxydiren^ oder in einen Zustand der Breim- 
liatböit zurfickfiiliren^ ist. 

Phlogi&ton, — eine in der Vorstellung existirende 
Materie^ wodurcK 1^ t a h I die Verbrennung erklärte. Die 
Vereinigung des Phlogistons mit einem Körper machte den- 
selben brennbar, sein E^ntweichen verursachte die Verbren- 
nungs- Erscheinung^ und nachdJsm es entwichen war^ blieb 
eine Säure öder eine Erde zurück, welche letztere Metall- 
kaljlc '/genannt wurde. t)er Schwefel bestaad, nach dieser 
Theorie aus Schwefelsäure und Phlogiston^ und Blei lOS 
Bieikalk und^ Phlogiston. 

., .Piede^taL -r t^eke JJnter.sat z. 

PipieH^yf-^ ein iMtniment^ dnu beetttimt^ rüMr 
»u^MM eintai' Gef&sse in ei» andeml zu tnaisponinBi 
dbheittMhigi im kaben> da» Gefassiron det* SteKe M oebmM* 
Figi ä Vkf; VI* aioigt dieses: kleine instruraeilt; es besteÜt &B 
ein^, .«aüealcu eiBer f^eä Spitze ausgezogenen Glasroto«; ^ 
der,ebieidK<igel4ins;geblaisen ist;' in (Hese Kngel wiid dieFlii^ 
sigkeitMdüKit'ct eingösogen^ wifarendi man die Spitoe din^ 
B«öasigk|Mt liilt^< Obeiiiirik der Kugeb ist die Rohre wie abt 
gebogtin^ \l^eil man dadordi , beim Aufsaugen^ b«s^ ^"^ 
wam die Kvgel voA zu werden «nfSoigt; Ivdesien gtbrtii^ 
nnu valKii seUr häufig Pipetien nät geradt» E6inreil. IM^ 
Mtnideesli ist htopktaMU^Itch* besttoimt^i um himoBp^ ^f 
kifastisclieln ütü oder NaCrdn iausr dea KlMchniv ^^"^^ 
adfbevmUrt' 4vercbB> honrtnliimbmc^y tfl; Th4 iL paf* ^0^ 
iMihtt« tint Beiiinl verfertigte au dieifem 'Badswedi 1^^^^ 



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Pneum0ikehef Apffmd — Presse. . 4M 

wi^ Ffg» 4. Taf* V«) btfr 4Mfii v^rmit|6lst des CaontcdioaQi 
das Aufsan^n bewirtet lyird; iadeasen lassen sich mit ^a^i^m 
jedesMal wir kteiile Mengen aofeanseo^ auch küt es sohw^i^ 
sie z>viscliien jedem Gebrauch zu jpeinigßa» — Gradu^rte Pi^ 
peitea betreffend;, iriebe ilf<?7i^r^a«. 

. Pn^nmaiischer App^arat — wiied die Saaindung, von 
InBtnimenten genannt^ die zu Veisadiw vnt Gasen noihig 
mm/k Man baA diese ^paioale von zweierlei Ast, ni^dich 
anm Aoflfängen der Gase aber Qneckailbsr «md ober l^asser« 
ESrsteren belreffond^ siehe Quecksilberapparctt , und . letzteren 
aieiie Gasbehälter und Wis^iMe. 

Pfteumatiscke CheMie — wurde eine Zeit lai^ L#a<* 
voisier's Lehre von der Verbreimung und im Allgemei*^ 
men die neuere Chemie genannt ^ weil sie sich viel mit der 
Untersttcbuni; der, bis dahin so wenig bekannten, j^förmi- 
gen Körper beschäftigte. 

Porphyrisireriy — siehe Pulvern. 

Präeipitmt, präcipitiren^ -^ h. Niederschlag. 

Pressen — Für chMiisehO' Zwecke sind nicht sdten 
Flfissigkeiten durch Pressen auszudrücken. Gewohnlichrbedi^iU 
^an sich dazu^ ainfer Sohraubenpresse, die' sOfMIgan^iO' bekannt 
ist, dass sie hier keindr Beschreibung und Abbiklung bedarf. 
Ab^r diese nimmt in einem Laboratorium oft grösseren Rauni 
ein, als^ das Loeal gestatten will. Man bedient sich danq fijur 
kleinere Versuche einer kleinen gewöhnlichen Buchbinder-* 
pcesse, die ans «wei staiken eichenen Qohlen gemacht ist^ 
W(elche 8 bis 10 Zoll lang, 4 bis 6 Zoll breit, und 1 Zoll 
dick sind, wie Figur 28 Tafel II. zeigt. Das untere Press- 
brett ist in der Mitte mit einer kleinen runden Platte 
von Blei oder SMber belegt, die kleine erhabene JAänder hat, 
und vor dem Pressbrett nut einer Rohre endigt. Sie ist so 
eingesenkt, dass die erhabenen Kanten mit dorn Brett eioe 
Sbene bilden. Das obere Pressbrett hat eine ebene Plaitte^ 
Welche eiheht auf dem Brett liegt und genau in die unter«i 
pesst. Ist, die Qdantit&t von Flüssigkeit, welche ausgodruckt 
werden soll, gering, so legt man vielfach doppeltes F^trirr 
papier über und unter das Auszupressende und wechselt 
dieses Papier mehrere Male mit neuem. Qie Flüssigkeit 
kann daraus mit Wasser ausgezogen werden* 

Eine Bramah^sche oder sogenannte hydraulisdie Presse^i 



464 Probirhde — Pfdeem* 

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wie sie gewöhnlich in ' physikuHM^eii iCaMnetten ate ModeD 
von diesem Insirament angetroffen wird^ ist im Uebrigen for 
Arbeiten im Kleinen die beste Presse , welche m«i anwen- 
den kann^ wiewoM Sie etwas kostbar ist 

R dal 'sehe Presse nennt man ein Instrument^ in wel- 
ijhem man Körper unter dem Druck von einer mehrere, z.Bi 
10 bis 20 FuSs heben Wassersfiale maeeriren und darauf die 
lidsung durch diese Wass^rtteie. ausdrucken lässt, indea 
mau den Hahn im Boden öffnet. Man erwartete Viele Wn* 
ktttig von d^m Druck bei dieser Art von Maceration, aber 
es hat sich gezeigt, dass er* hierbei wenig wirkt Später 
hat man den Apparat so verändert, dass die Macetation 
unter gewöhnlichem lürftdruck geschieht^ und die gebildete 
Lösung durch eine Comprei^sions - Luftpumpe ausgetrietai 
wird. Diese Versuche gaben- den ersten Anlass za dem 
Robiquet'schen Deplacirungs - Apparate. 

Probiroferiy — siehe Oefen. 

Probirtute^ -r" eine gegenwärtig nicht mehr gebrauch- 
liche Art kleiner Schmelztiegel, von der Form kleiner, nüt 
einem Fusse versehener Kolben^ wie Fig. 4 Taf. VL Sie 
b^tanden gewöhnlich aus hessischer Tiegehnasse. 

Produtt — bezeichnet eine Substanz, die durdh eine 
ijhemisbhe Operation aus Materialien hervorgebracht wini) 
i$ denen sie vorher nicht eiithidten war, zum Unterschied 
von Educt y was eine durch die Operation nur abgeschie- 
dene, vorher schon fertig vorhanden gewesene Substaia 
{bedeutet 

Pulverfi, ' — eine mechanisch - chemfeche (^raü«') 
die häufig vorkommt. Unte