Skip to main content

Full text of "Lehrbuch der Diathermie fuer Aerzte und Studierende"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



liehrbuch der Diathermie 



für Ärzte und Studierende 



Dr. Franz Nagelschmidt 



Zweite, durchgesehene Auflage 



Mit 155 Textabbildungen 



Berlin 

Verlag von Julius Springer 



Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in 

fremde Sprachen, vorbehalten. 

Copjfight 1921 by Julius Springer in Berlin. 






Vorwort zur ersten Auflage. 

Die vielseitige Entwicklung, welche die Technik auf allen Gebieten 
des öffentHchen und privaten Lebens in den letzten Jahrzehnten ge- 
funden hat, bringt es mit sich, daß sich allmählich das Interesse und 
das Verständnis für technische Fortschritte popularisiert. Die Er- 
fahrung lehrt, daß nach und nach auch für die Medizin diese Fort- 
schritte nutzbar gemacht werden. Ganz besonders befruchtend hat in 
dieser Beziehung in den letzten Jahren die beispiellose Entwicklung der 
drahtlosen Telegraphie gewirkt, insofern, als das seit langer Zeit sta- 
gnierende Gebiet der Elektrotherapie einer eingehenden Umarbeitung 
unterzogen wurde. So können wir Lewis Jones^) beistimmen, der 
geradezu von einer neuen Ära in der Entwicklung der Elektro- 
medizin spricht. Wir sehen neue Bahnen der Entwicklung vor uns, 
und es eröffnet sich ein Ausblick in neue Gebiete. Aber unsere ärzt- 
Kche Vorbildung ermöghcht uns nicht ohne weiteres das Verständnis 
und die Mitarbeit. Wir müssen umlernen. Was wir noch vor 10 Jahren 
in der Schule in der Physik von der Elektrizitätslehre lernten, muß 
modifiziert werden, und wir müssen uns in neue Vorstellungsreihen 
einleben. Der wesentliche Fortschritt, der uns in dem vorhegenden 
Buch interessieren soll, geht von der Anwendung der Hochfrequenz- 
ströme in der Medizin aus, und er bedeutet nicht mehr und nicht weniger 
als die Möglichkeit, Wärme in jeden beliebigen Teil des 
Körpers hineinzubringen. Dieses Verfahren der Diathermie 
existiert praktisch erst seit ca. 5 Jahren. Indessen können wir 
sagen, daß wir auf kaum einem Gebiet der Elektromedizin über so 
exakte und experimentell wohlbegründete Kenntnisse verfügen wie 
auf diesem Grenzgebiet der Elektro- und Thermotherapie. Die Lite- 
ratur, welche die drahtlose Telegraphie und' die Anwendung der Hoch- 
frequenzströme in der Heilkunde betrifft, ist bereits so bedeutend 
angewachsen, daß es ein dringendes Bedürfnis geworden ist, sie zu 
einem Lehrbuch zusammenzufassen. 

Lehrbücher der drahtlosen Telegraphie und Telephonie gibt es 
bereits, aber sie sind für Nichtphysiker kaum verständlich. Wenn wir 
es im folgenden unternehmen, die medizinischen Anwendungen 
der.Hochfrequenzströme den Ärzten und Studierenden zugänglich 
zu machen, so müssen wir von vornherein davon Abstand nehmen, die 
rein physikalischen Grundlagen mathematisch zu entwickeln und aus- 
führhch darzulegen. Wir beschränken uns vielmehr darauf, möghchst 
allgemeinverständlich darzustellen, welche Energieart uns in den 
elektrischen Wellen zur Verfügung steht, und was der Arzt zur sach- 
verständigen Anwendung im physiologischen Versuch und in der prak- 
tischen Medizin zu wissen benötigt. Wir haben daher die physi- 
kalische Schilderung auf das unbedingt nötige Maß be- 

1) Berl. Klin. Wochenschrift, Nr. 3, 1913. Jubiläumsartikel. 



7Nnf)5 



IV Vorwort. 

schränkt und einen um so größeren Raum der Physiologie 
sowie besonders der klinischen Anwendung und speziellen 
Technik gewidmet. Es soll imsere Aufgabe sein, im folgenden eine 
für Ärzte und Studierende verständliche Übersicht über den heutigen 
Stand der täghch an Umfang imd Bedeutung wachsenden Materie zu 
geben. Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Hoch- 
frequenzströme als ein Heilfaktor von universeller Bedeutung für alle 
Zweige der Medizin und als ein un^ntbehrüches Gemeingut der gesamten 
Ärztewelt sich erweisen werden, so wie sie für denjenigen, der sich mit 
ihnen eingehender beschäftigt hat, es heute schon sind. 

Es ist nicht verwunderlich, daß auf einem Gebiet, in dem wir es mit 
einer prinzipiell neuartigen Energieform und Methodik zu tim haben, 
noch vieles ungeklärt, ja gänzHch imbearbeitet ist. Indessen ist gerade 
dieses Gebiet wie kaum ein anderes der experimentellen Prüfung zu- 
gänghch, so daß wir bereits über eine nicht unbedeutende Anzahl 
exakter Tatsachen und Beobachtungen verfügen. Zu weiterem Aus- 
bau dieses Wissenszweiges und zu seinem Studium anzuregen ist mein 
Wunsch. 

Berlin, August 1913. 

Nagelsehmidt 



Vorwort zur zweiten Auflage. 

In den sieben Jahren, die seit dem Erscheinen der schon lange 
vergriffenen 1. Auflage dieses Lehrbuches verflossen sind, ist die Dia- 
thermie Gegenstand zahlreicher Forschungen und praktischer Erpro- 
bimgen gewesen. Eine sehr ausgedehnte Literatur ist inzwischen er- 
schienen und beweist das große Interesse, das die verschiedensten 
Zweige der Medizin dieser relativ jungen Methode entgegenbringen. 
Dieses Interesse und die große Verbreitung, die die Diathermie in den 
letzten Jahren gefunden hat, bestätigt meine im Vorwort zur 1. Auflage 
ausgesprochenen Worte, ,,daß die Hochfrequenzströme als ein Heil- 
faktor von universeller Bedeutung für alle Zweige der Medizin und als 
ein unentbehrliches Gemeingut der gesamten Ärztewelt sich erweisen 
werden". 

Es haben sich keine wesentHchen Änderungen in der Darstellung 
der Materie im Vergleich zxu: 1. Auflage notwendig gemacht. Die 
Durchsicht der Literatur hat in allen Fragen, soweit sie bisher nach- 
geprüft sind, meine Angaben in der 1. Auflage bestätigt oder erweitert, 
so daß ich bisher nichts von dem dort Gesagten zurückzunehmen brauche. 
Erhebüch ausführhcher ist das Gebiet der Augendiathermie und neu 
hinzugekommen das Kapitel über Kriegsdiathermie. 

Möge die 2. Auflage dieses Lehrbuches vielen ein nützlicher Weg- 
weiser sein und der Methode der Diathermiebehandlung zum Wohle 
der Kranken neue Freunde werben. 

Charlottenburg, 1. Oktob3r 1920. 

Nagels ehmidt. 



Inhaltsyerzeichnis. 

, Seite 

Vorwort III 

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen VII 

Einleitung: Geschichte der Diathermie 1 

Erste Abteilung: 
Physik und Physiologie der Diathermie. 

1. Kapitel: Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie . . 7 

A. Einige Grundbegriffe aus der Elektrizitätslehre 8 

a) Die verschiedenen Stromarten IQ 

b) Hertzscher Erreger 12 

c) Bestandteile und Begriff eines Schwingungskreises 15 

d) Dämpfung 15 

e) Speisestrom für Schwingungskreise 18 

f) Resonanz und Koppelung 18 

B. Apparate 19 

a) Hochfrequenzapparate nach Tesla-d*Arsonval (Sanitas) 19 

b) Diathermieapparat von Siemens & Halske 24 

c) Polyfrequenzapparat 31 

d) Röntgenzusatzinstrumentarium 33 

e) Apparat von Lorenz 34 

f ) Apparat von Reiniger, Gebbert &: Schall 35 

g) Andere Typen .36 

C. Anwendungsmethoden der Hochfrequenzströme 38 

a) Solenoid 38 

1. Für Allgemeinbehandlung 39 

2. Für Lokalbehandlung ; . . . 40 

b) Kondensatorbett 40 

1. Apostoli i ^ 40 

2. Nagelschmidt 41 

3. Schittenhelm 43 

c) Kondensatorelektroden 43 

d) Douche 43 

e) Funken 43 

1. Strebel, Keating-Heart 43 

2. Diathermiefunken 43 

f) Kontaktapphkation 44 

1. Handelektroden 44 

2. Plattenelektroden 44 

3. Wasserelektroden 48 

4. Spezialelektroden 50 

2. Kapitel: Experimentelle imd physiologische Wirkimgen der Diathermie . 50 

A. Reizlosigkeit imd spezifische Warmewirkung 50 

a) Theorien 50 

b) Wärmewirkung mit Bezug auf die lonentheorie 52 

c) Fehlen chemischer Veränderungen 52 

B. läntritt in den Körper und Verteilung in ihm 53 

a) Fehlender Übergangswiderstand 54 

b) Verteilung im Gewebe 54 

c) Widerstand der Gewebe 54 

C. Spezielle Wärmewirkimg 56 

a) Li Lösungen 56 

b) Li Körpersäften 57 

c) Auf kleinere Tiere 57 



YI Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

d) Lokalisierbarkeit der Wärmewirkung in Fleischstücken und Eiweiß- 
lösungen 58 

e) Steigerung der Erwärmung zur Koagulation imd Karbonisierung . 59 
3. Kapitel: Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen 

der Hochfrequenzströme 65 

A. Solenoid 65 

B. Kondensatorbett 68 

C. Kondensatorelektroden - . 71 

D. Douche 72 

E. Funkenentladimgen 73 

a) Direkt 73 

b) Indirekt 74 

c) Kaltkaustik 75 

F. KontaktappUkationen , 76 

a) Bipolare und monopolare Applikationen 76 

b) Diathermische Wärme als Primärwirkung 77 

1. Art der Erwärmung 77 

2. Funktion der Wärmeregulationsvorrichtungen 77 

3. Lokale und allgemeine Temperatursteigerung 78 

4. Koagulation verschiedener Gewebe 80 

c) Sekundäre Wirkungen der Diathermie 80 

1. Wirkung auf die normale Zirkulation im ganzen 80 

2. Lokale hyperämisierende Wirkung 92 

d) Wirkung der Diathermie auf das Nervensystem 93 

1. Lokalisation der Wärmeempfindung 93 

2. Analgesierende Wirkung 94 

3. Zentrale Wärmereizung 94 

e) Wirkung der Diathermie auf Drüsen 96 

f) Wirkung der Diathermie auf Bakterien und Toxine in vitro und 

in vivo 96 

Zweite Abteilung: 
Klinische Anwendung der Diathermie. 

Einleitung: Stellung der Diathermie zur Thermotherapie 98 

A. Medizinische Diathermie 99 

1. Kapitel: Dosierung der einzelnen AppUkationsarten und all- 
gemeine Technik 99 

2. Kapitel: Anwendung bei Zirkulationserkrankungen 115 

3. Kapitel: Bei Erkrankungen der Lunge imd Pleura 146 

4. Kapitel: Bei Erkrankungen anderer innerer Organe 153 

5. Kapitel: Bei Gelenk- und Muskelerkrankungen 176 

6. Kapitel: Bei Neuralgien, motorischen und trophischen Störungen 186 

7. Kapitel: Bei zentralen nervösen Erkrankimgen 200 

8. Kapitel: In der Haut-, Ohren-, Augenheilkunde und Kosmetik . 229 

B. Chirur^sche Diathermie ^.244 

1. Kapitel: Allgemeine Technik ". 244 

2. Kapitel: Nachbehandlung von diathermischen Wunden 249 

3. Kapitel: Stellung der Diathermie in der Chirurgie (Kranken- 
geschichten) 253 

4. Kapitel: Vergleich mit Kaustik 274 

5. Kapitel: Anwendung bei Lupus, chirurgischer Tuberkulose und 
Tumoren 277 

C. Anwendung der Diathermie im Kriege 290 

Dritte Abteilung: 

1. Kapitel: Kontraindikationen 303 

2. Kapitel: Kombinationen von Diathermie mit anderen Methoden .... 305 

3. Kapitel: Stellung der Diathermie zur Hochfrequenztherapie 308 

Grundregeln 310 

Literaturverzeichnis 314 

Sachregister 323 



Verzeichnis der Abbildnngen. 



Seite 

1. Influenzmaschine 2 

lA. Mortonsche Ströme .... 2 

IB. Wave Current 2 

2. Induktorstromkurve .... 11 

3. Sinusoidale Stromkurve . . 11 

4. Wechsektromkurve .... 11 

5. Hertzscher Erreger .... 13 

6. Kondensatorwirkung .... 13 

7. Schema der Kondensatorwir- 

kung 13 

8. Leydener Flasche und Kon- 

densator 14 

9 a. Stimmgabelkurve 16 

9 b. Gredämpfte Kurve 16 

10. Entladungskurve der Leyde- 

ner Flasche 16 

11. Hoch- und Flachspule ... 19 

12. Sanit€is d'Arsonvalapparat . 20 

13 a. Tesla-Anordnung 20 

13 b. D'Arsonval- Anordnung ... 20 

14. Oäzillatorische Entladung . 21 

15. Dekrement einer Kurve . . 22 

16. Sanit€is Hochfrequenzapparat 23 

17. Diathermieapparatschaltimg 24 

18. Spannungskurve 26 

19. Funkenstrecke (System Tele- 

funken) 27 

20. Spannungsverlauf 27 

21. Desgl 28 

22. 1 u. 2. Diathermieapparat Sie- 

mens 29 

a. Fußschalter Siemens .... 30 

b. Faßschalter Sanitas .... 30 

23. Polyfrequenzapparat .... 31 

24. Oszillationskurve und Stoß- 

erregimg 32 

25. Schaltung für Röntgenbetrieb 33 

26. Anschlußapparat (Siemens) . 34 
27 a. Diathermieapparat von Rei- 
niger, Gebbert & Schall ^ 36 

27 b. Mikrotherm von Reiniger, 

Gebbert & Schall .... 37 

27 c. Diathermieapparat der Medi- 
zinisch-Technischen Com- 
pany (Berlin) 37 

28. Diathermieapparat der Veifa- 

Werke 38 



29. 
30. 
31. 

32. 
33. 
34. 
35. 

36a-g. 
h— o. 



37. 

37 a. 

38. 

39. 

39 a. 

40. 

41. 

42. 
43. 

44. 

45. 
46. 

47. 
48. 
49. 
50. 
51. 
52. 
53. 
54. 
55. 

56. 
57. 
58. 
59. 
60. 

61. 
62. 



S^te 
39 
40 



41 
42 
43 
44 
44 
45 
46 



47 
48 
49 
49 
55 
59 

60 



Großes Solenoid . . . 

Kopfsolenoid 

Kondensatorbett (Nagel 
Schmidt) 

Kondensatorelektroden 

Douchenelektrode . . . 

Forestsche Nadel . . . 

Handelektrode .... 

Diverse Elektroden . . 
Desgl 

Vaginalelektroden von Rei- 
niger, Gebbert & Schall 47 

Randwirkungsschema . 

Stanniolelektrode . . . 

Wasserelektroden . . . 

Suspensorinmselektrode 

Widerstandsschema . . 

Schema der Streuung . 

Schema der Stromvertei- 
lung im Gewebe . . . 

KreuzweiseDurchstrahlung 61 

Schema der Eiweißkoagu- 
lation 62 

Schema der Querschnitt- 
wirkung 63 

Desgl 63 

Pulskurven (Tierexperi- 
ment) . . . 
Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl. Wirkung der Kon- 
densatorelektroden 
Desgl. Desgl. 

Desgl. Desgl. 

Desgl 

Desgl 

Desgl. bei Herzdia- 
thermie . . . 
Desgl 

Temperaturregistrierappa- 
rat ' 113 



82 
83 
83 
83 
84 
85 
85 
86 
87 

89 
89 
89 
90 
90 

91 
91 



vin 



Verseiolmis der Tabellen. 



63. 
64. 
65. 
66. 



67. 
68. 

69—72. 
73—77. 

78. 

79—82. 
83—84. 
85—87. 

88—89. 

90. 

91a,b. 

92. 

93, 94. 

95. 

96. 

97—98. 

99. 

100. 

101. 



Seite 
Hautthermometer . . . 113 
Magenthermometer . . . 114 
Elektrodenthermometer . 1 14 
Qesamtansicht des Tempe- 
raturmeß- und -regi- 
strier-Instrumentarioms 114 
Pulskurve vor Behandlung 122 
Pulskurve nach Behand- 
lung 122 

Pulskurven 127 

Desgl 128 

Sphygmotonograph ... 134 

Pulskurven 136 

DesgL 140 

Schema der Elektroden- 

applikation 178 

Desgl 179 

Desgl 181 

Augenelektrodtn .... 236 
Schema des Kreuzfeuers . 246 
Kavemom der Nase . . . 254 

Deggl 255 

Pharynxtuberkulose . . . 256 
Oberkieferkarzinom . . . 259 
Halsdrüsentuberkulose . . 261 

Lupus 263 

Fibrom 263 



102—103. 

104, 105. 

106, 107. 

108, 109. 

110—111. 

112—113. 

114. 

115—116. 

117—118. 

119—120. 

121—122. 

123—124. 

125—126. 

127—128. 

129—130. 

131—132. 

133—134. 

135—136. 

137—138. 

139—142. 

143—144. 

145—146. 

147—148. 

149—150. 

151—153. 

154—155. 



Seit« 

Kankroid 264 

Kavemom 265 

Uppenkarzinoiu . . . . 266 

Kankroid 266 

Kankroid 267 

Rhinophym 267 

Tubeikulöser AbszeU . 268 

Ohikarzinom 268 

Zungenkarzinom ... 268 

Nasenkankroid .... 269 

Kankroid 269 

Desgl 270 

Sarkom 270 

Kankroid 271 

DesgL 271 

Malignes Papillom . . 272 

Angiom 272 

Sarkom 273 

Darmkarzinom .... 274 

Lupus 280, 281 

Deggl 282 

Detgl 282 

Desgl 283 

Deggl 283 

Desgl 285 

Knochen- und Haut- 
tuberkulose 286 



Verzeichnis der Tabellen. 

Tabelle der Gewebswiderstände 56 

Dosierungstabelle 104 

Blutdrucktabelle 127 

Eiweißausscheidungstabelle 155 

Deggl. 155 

Deggl. 156 

Desgl. 158 



Geschichte der Diathermie. 

Die Hochfrequenzströme sind ein klassisches Beispiel für die 
wechselseitige Befruchtung von Wissenschaft und Technik. Die Ar- 
beiten des genialen, leider zu früh verstorbenen deutschen Physikers 
Hertz^) über Erzeugung elektrischer Wellen haben die Grundlagen 
für die wichtigsten modernen Errungenschaften der Elektrizität ge- 
schaffen. Auf seinen Arbeiten basiert die gesamte drahtlose Telegraphie, 
das TeslaHcht, die Röntgenstrahlen. Er hat die theoretischen Berech- 
nungen Maxwells experimentell bewiesen. Es gelang Hertz, elek- 
trische Wellen von nur wenigen Metern Länge zu erzielen und damit 
die Richtigkeit der elektromagnetischen Theorie von Faradav- Max- 
well zu beweisen. J 

Ungefähr um dieselbe Zeit erregten die Versuche Teslas, eines zur 
Zeit in Amerika lebenden tschechischen Ingenieurs, großes Aufsehen, 
welcher mit hochgespannten Wechselströmen hoher Frequenz ver- 
blüffende Lichteffekte hervorbrachte imd Klraftübertragungsversuche 
anstellte. Er empfahl auch ihre Anwendimg in der Heilkunde, indem 
er, richtig vorausahnend, gerade die Wärmewirkung der Hoch- 
frequenzströme hierfür berücksichtigte. 

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Arbeiten dieser beiden 
Physiker bemächtigte sich d'Arsonval, der bekannte Pariser Physio- 
loge, dieser neuen Errungenschaften. Er ist somit der eigentliche Be- 
gründer der bewußten medizinischen Anwendung der Hochfrequenz- 
ströme, indem er sie systematisch auf ihre physiologischen imd thera- 
peutischen Wirkungen untersuchte und in den wesentlichen Applika- 
tionsmethoden der sog. d'Arsonvalisation in die Therapie einführte. 
Die weiteren Modifikationen für therapeutische Anwendimgen führten 
zur Konstruktion des sog. Oudin sehen Resonators, welcher nichts 
als eine Anwendung des damals schon bekannten Teslatransforma- 
tors ist, und dieser ist wiederum die Vorstufe für Schwingungskreise 
mit Antenne geworden, welche die drahtlose Telegraphie noch heute 
als unentbehrliches Hilfsmittel in die Technik übemomnlen hat. An- 
dererseits hat nun wieder die drahtlose Telegraphie in der Er- 
zeugung elektrischer Wellen grundlegende Fortschritte gemacht, in- 
dem sie die stark gedämpften, wenig ausgiebigen oszillatorischen Ent- 
ladungen der Hertzschen Funkenstrecke durch intensive Schwin- 

^) Geboren 22. 11. 1857; gestorben, 37 Jahre alt, am 1. Januar 1894 in Ham- 
burg als Professor der Physik. 

Nagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. 1 



2 Geaoliioht« der Diathermie. 

gungeii besonderer Generatoren ersetzte. Hieraus zog wieder die 
Medizin den Nutzen, indem nunmehr die Konstruktion spezieller 
Diathermieapparate ermöglicht wurde, mit deren Hilfe gewisse Phäno- 
mene und Fr^en der Hochfrequenztherapie erklärt und diese auf 
eine exaktest«n Studien zugängliche experimentelle Basis gestellt ward. 



Abb. 1. InfluenzmascluDe. 




Abb. I A. Mortonsche Ströme. Abb. 1 B. Wave Currente. 

Die vorBt«bend dargestellte Influenzmaschine wird unter BiuBcbaltung beider 
Kondenaatoreu nach dem Schema A resp. B angewandt. Je nach der Entfernung 
der beiden Kugeln (Konduktoren genannt) wecheelt Spannung und Intensität. 

Wir dürfen bei diesem allgemeinen llberbhek nicht vergessen, daß 
bereits im Jahre 1881, also vor den Arbeiten Hertz' und Teslas und 
d'Arsonvals, HochfrequenzstrÖme therapeutisch angewandt wurden, 
allerdings ohne daß ihre Natur erkannt war. Morton verwandte die 
Holtzsche Elektrisiermaschine zu dem nach ihm als Mortonisa.tion 
benannten Verfahren. Er brachte den Patienten (siehe Abb. 1 A) beider- 
seits in Kontakt mit den äußeren Belägen der I«idener Flaschen, näherte 
die Kugeln der statischen Maschine ao weit, daß beim Betriebe dauernd 



Geschichte der Diathermie. 3 

Funkenübergang stattfand, und erzeugte so, ohne es zu wissen, richtige 
Hochfrequenzströme vermittels der oszillatorischen Entladungen der 
Funkenstrecke. Es ist in der Tat diese Anordnung ungefähr einem 
Hertz sehen Erreger entsprechend. 

Noch heute wird diese Art der Anwendung der statischen Ma- 
schinen in Amerika vielfach geübt. Es sind dort riesenhafte Influenz- 
maschinen mit 10 — 18 Plattenpaaren, die durch einen starken Elektro- 
motor in außerordentHch schnelle Umdrehung versetzt werden (bis 3000 
Touren pro Minute), in Gebrauch, die nach der Schaltung Abb. 1 B 
angewandt werden. Diese Ströme werden wave-currents genannt. 
Indessen handelt es sich hierbei nicht um reine Hochfrequenzströme, 
da gleichzeitig immer noch statische Aufladimgen infolge der Polarität 
der Maschinenkonstruktion mit eine Rolle spielen. 

Die medizinische Bedeutung der Hochfrequenzströme knüpft 
sich in erster Linie an den Namen des Franzosen d'Arsonval, der 
die Anregtmgen T es las aufnahm und durch seine experimentellen 
Arbeiten auf dem Gebiete der Elektro-Physiologie bahnbrechend wurde. 
Er begann im Jahre 1878 seine Studien über den Einfluß der Form der 
elektrischen Welle auf die Muskelerregbarkeit imd wurde so auch zu 
Untersuchungen über die Wirksamkeit verschiedener Frequenzen 
elektrischer Stromreize geführt. Er fand bei zunehmender Wechsel- 
zahl zimächst eine Erhöhung der Erregbarkeit und von ca. 2500 — 3000 
Wechseln pro Sekunde an eine Abnahme. — ÄhnHche Beobachtungen 
machte Ward im Jahre 1879, und in den Jahren 1889 — 1890 entwickelte 
Nernst mathematisch das Erregungsgesetz und stellte fest, daß 
die physiologische Reizschwelle für Wechselströme im Quadrat der 
Zunahme der Frequenz abnimmt. Dieses Gesetz ist jedoch nur für 
relativ geringe Stromstärken maßgebend. Sobald nämhch die Milli- 
amperezahl eine gewisse Höhe erreicht oder bei genügender Strom- 
stärke die Einwirkung der Ströme prolongiert wird, so treten an Stelle 
der bekannten elektrolytischen Muskelreizungen gewisse physiologische 
Wärmereaktionen auf, die je nach dem erzielten Grade der Temperatur- 
erhöhung verschiedene Erscheinungen hervorrufen. Sie verdanken ihre 
Entstehung der eigentümhchen Durchwärmungsfähigkeit der Hoch- 
frequenzströme, die wir in dem vorliegenden Buch als Methode der 
Diathermie näher betrachten werden. Bei ganz hohen Frequenzen 
scheint übrigens die Nernst sehe Formel noch einiger Modifikationen 
zu bedürfen. 

Die charakteristischen Eigenschaften der Hochfrequenz- 
ströme, scheinbar reizlos durch den Körper hindurchzugehen, waren 
bei den ersten Versuchen bereits aufgefallen. Tesla und d'Arsonval 
demonstrierten diese Erscheinungen, indem sie in dem Hochfrequenz- 
kreis zwei Menschen, die eine Reihe von Glühlampen mit der einen 
Hand zwischen sich schalteten, mit der anderen Hand je einen Pol 
ergreifen ließen. Hierbei durchfloß der Strom den einen Experimentator, 
sodann die Glühlampen und den anderen Experimentator. Bei genügen- 
der Intensität kamen die Glühlampen zum weißen Aufleuchten, ohne 
daß die Versuchsindividuen eine elektrische Reizung verspürten. 

1* 



4 Gesohiofate der Diathermie. 

Während von Frankreich atiB die von d'Arsonval angegebene 
Anwendung der Hochfrequenzströme in Verbindung mit dem Oudi ti- 
schen Resonator in der Therapie hauptsächlich in Form der Auto- 
konduktion, der Autokondensation, der Effiuvien, der Kon- 
densatorwirkungen usw. schnell weltbekannt wurde, allerdings 
auch vielfach mit Skeptizismus betrachtet und besonders in Deutoch- 
land ihre Wirkungen gern auf Suggestion zurückgeführt wurden, wurde 
das Studium der Wärme Wirkungen der Hochfrequenzströme in 
Frankreich vollständig vernachlässigt und blieb im Ausland so gut wie 
ganz unbekannt. 

Es ist dies um so erstaunlicher, als Tesla schon am 23. Dezember 
1891 im „Electrical Engineer'' über therapeutische Aussichten der 
Anwendung von Hochfrequenzströmen sich verbreitete. Er geht von 
einem Versuch aus, in dem er zeigte, daß „ein in der Luft voll- 
kommen isolierter Körper durch einfache Verbindung des- 
selben mit einer Elektrizitätsquelle von rasch wechseln- 
der hoher Spannung erhitzt wurde''. Er hofft, mit Hilfe eines 
solchen passend konstruierten Apparates verschiedene Arten von 
Krankheiten erfolgreich zu behandeln, und zwar erwartet er den Ein- 
tritt der Erwärmung, „mag nun die Person, an der die Operation vor- 
genommen wird, im Bett liegen oder im Zimmer Spazierengehen, oder 
mag sie in dicken Kleidern stecken oder nackt sein'', und er fahrt fort: 
„Ohne für alle Resultate einstehen zu wollen, die natürlich durch Er- 
fahrung und Beobachtung festgestellt werden müssen, kann ich doch 
mindestens die Tatsache verbürgen, daß durch Anwendung dieses Ver- 
fahrens, nämlich daß man den menschlichen Körper dem Bom- 
bardement von Wechselströmen von hoher Spannung und 
Frequenz, mit denen ich mich lange beschäftigt habe, aus- 
setzt, eine Erwärmung stattfindet. Man darf mit Recht er- 
warten, daß einige von den neuen Wirkungen völlig verschieden 
sein werden von denen, welche man mit den altbekannten und allgemein 
angewendeten therapeutischen Methoden erhalten konnte. Ob sie alle 
nützlich sein würden oder nicht, bliebe zu zeigen." 

Es ist nicht klar ersichtlich, ob Tesla in seinen Mitteilungen den 
Gedanken einer vollkommenen Erwärmung des Organismus ausdrücken 
wollte, da er unter anderem auch von einer Erwärmung der Haut 
spricht. 

Im Jahre 1892 imd später erwähnt d'Arsonval wiederholt die 
Wärmewirkungen der Hochfrequenzströme. Er berichtet, daß beim 
Durchleiten größerer Hochfrequenzstärken keinerlei Nerven- oder 
Muskelreizimg auftritt, außer einem unangenehmen Wärmegefühl in 
den Armen. Er beobachtet femer bei Experimenten am Kaninchen, 
bei denen größere Stromstärken durch die Beine in den Körper hinein- 
geleitet wurden, daß diese gangränös wurden imd-sich demarkierten. 
Während also aus der Publikation von Tesla nicht ganz klar ersichtlich 
ist, ob er eine vollständige Durchwärmtmg des Körpers mit Hoch- 
frequenzströmen für möglich hält, ist es zweifellos, daß d'Arsonval 
den Begriff der Tiefendurchwärmung nicht erfaßt hatte. 



Gescliiohte der Diathermie. 5 

Erst im Jahre 1899 erwähnt sodann v. Zeyneck in einer längeren 
Arbeit in den „Göttinger Annalen"^) über die Erregbarkeit sensibler 
Nervenendigungen durch Wechselströme in wenigen Zeilen am Schluß 
dieser Arbeit als Nebenbefimd die Durchwärmung der Fingerspitzen 
und deutet theoretisch diese Erscheinung richtig als Jo ul eschen Wärme- 
effekt und Tiefendurchwärmung. 

Seitdem ist 8 Jahre lang von Wärmewirkung der Hochfrequenz- 
ströme nicht mehr die Rede gewesen. Ohne die erwähnten, zum Teil 
der Ärzteschaft kaum zugänglichen (Göttinger Annalen, mathema- 
tisch-physikalische Abteilung z.B.) Literaturstellen zu kennen, 
fielen mir schon bei meinen ersten Versuchen, die ich 1905 mit Hoch- 
frequenzströmen an Fröschen anstellte, die intensiven Durchwärmungen 
der stromdurchflossenen Teile auf (siehe S. 58), und ich konnte sie auch 
bei der Applikation am Menschen unter Verwendung des primären 
Solenoids (siehe S. 58), d. h. unter Weglassung des Oudinschen Reso- 
nators, beobachten \uid therapeutisch verwerten. Ich habe im Jahre 
1907 im September in Dresden auf dem Naturforscherkongreß 
Durchwärmungen der Arme und der Brust am Menschen praktisch 
demonstriert und zu therapeutischen Zwecken bei Gelenk- imd Zirku- 
lationserkrankungen empfohlen*). Wie mir später brieflich von Seiten 
Dr. V. Berndts aus Wien mitgeteilt wurde, hat er im Februar des Jahres 
1907, also einige Monate vor meinem Dresdner Vortrag, ein versiegeltes 
Kuvert bei der Akademie in Wien deponiert, in welchem er die Priorität 
der Anwendung der Hochfrequenzströme für sich und seine Mitarbeiter 
in Anspruch nimmt. 

Chronologisch stellt sich somit die Geschichte der Wärmewirkung 
der Hochfrequenzströme folgendermaßen dar: 

1891 wird sie von Tesla nach Beobachtungen am Menschen beschrieben 
und therapeutisch empfohlen. 

1892 und später wird sie mehrfach von d'Arsonval als störender 
Nebenbefund erwähnt. 

Der besondere Charakter der Diathermie, Tiefendurchwärmimg, wird 
vielleicht von Tesla 1891 vermutet, jedenfalls aber von v. Zey- 
neck im Jahre 1899 als kurze Nebenbemerkung klar erwähnt. 

Im Februar 1907 deponiert Dr. v. Berndt bei der Akademie ein ver- 
siegeltes Kuvert, in dem er die Priorität der Entdeckung der 
Thermopenetration für sich in Anspruch nimmt. 

Ohne Kenntnis der Bemerkungen Zeynecks in den Göttinger An- 
nalen und der versiegelten Erklärung v. Berndts bespricht und 
demonstriert Nagelschmidt die klinische Anwendung der Hoch- 
frequenzwärme am Menschen im September 1907 nach mehr- 
jährigen Beobachtungen. 

^) Nachrichten v. d. kgl. Gesellsch. d. Wissenschaften zu Göttingen (Mathem.- 
physikal. Abteiig.) 1899. 

*) Leider hat der Vortrag durch ein Versehen nicht Aufnahme in die Kongreß- 
verhandlungen gefunden. 



g Gesobiohfe der Diathermie. 

Im Februar 1908 publizieren Dr. v. Berndt und Dr. v. Preiß gemein- 
schaftlich und im ZuBammenhang mit v. Zeyneck die Methode 
der Thermopenetration im wesentlichen aa Erkrankungen der 
Gelenke. 

In der Zeitschrift für physikalische imd diätetische Therapie im Jahre 
1909 erkennen sowohl Dr. v, Berndt wie Dr. Kagelschmidt 
in ihren Arbeiten an, daß unabhängig voneinander in 
Wien und in Berlin gleichzeitig das Verfahren der Tiefen- 
durchwärmung ausgebildet wurde. 

Im Gegensatz hierzu bestreitet ein Jahr später v. Zeyneck die Un- 
abhängigkeit der Arbeiten Nagelschmidta über die Hoch- 
frequenzwärrae sowie dessen praktische Priorität. 

Aus alledem ergibt sich, daß Wärmewirkungen der Hochfrequenz- 
ströme Teslas schon vor ihrer medizinischen Anwendung und Emp- 
fehlung durch d'Arsonval bekannt waren, sowie von diesem und 
anderen beobachtet worden sind. Zeyneck gebührt das Verdienst, 
die Tiefendurchwärmimgsmöglichkeit mit Hochfrequenzströmen im 
Jahre 1899 zuerst theoretisch ausgesprochen zu haben. Xagelschmidt 
hat, ohne diese Arbeit zu kennen, klinisch die Diathermie erprobt und 
ihre praktische Anwendung als erster auf dem Naturforscherkongreß 
in Dresden demonstriert. 6 Monate später erscheint die erste klinische 
Arbeit der Mitarbeiter Zeynecka. 

Seitdem hat sich das Gebiet der Hochfrequenzströme rtnd speziell 
der Diathermie einer schnell zunehmenden erneuten Beachtung er- 
freut, nachdem man fast allseitig den Stab über die d'Arsonvalisation 
gebrochen hatte. Der Aufschwung datiert seit dem Jahre 1907. 



Erste Abteilung. 

Physik und Physiologie der Diathermie. 

1. Kapitel. 
Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 

Die Hochfrequenzströme stellen eine elektrische Energieform 
dar, die gewisse Sonderheiten gegenüber den älteren bekannten elek- 
trischen Zuständen bietet, aber doch in jeder Hinsicht den Gesetzen 
der Elektrizitätslehre unterUegt. Wir sind zwar ebensowenig im- 
stande, uns ein deuthches Bild von dem eigentlichen Wesen der Hoch- 
frequenzströme zu machen, wie wir überhaupt nicht wissen, was Elek- 
trizität ist. Indessen erzeugen wir sie, dosieren sie, transportieren und 
übertragen sie und wenden sie nach Willkür an, gerade wie die älteren 
Formen der Elektrizität. Wir rufen mit den Hochfrequenzströmen 
scheinbar wunderbare Wirkungen hervor, Energieübertragungen über 
Tausende von Kilometern, Lichterscheinungen ohne direkte Berührung 
usw. Wir können aber zur Definition dieser Energieform uns der gleichen 
Grundbegriffe der Elektrizität bedienen wie für jeden anderen elek- 
trischen Strom. 

Lassen wir einen elektrischen Strom durch eine Flüssigkeit (etwa eine Salz- 
lösung) fließen, so bewegen sich die in dieser Flüssigkeit bereits darin vorhandenen 
Ionen resp. die beim Stromdurchgang aus den sich spaltenden Molekülen ent- 
stehenden positiven und negativen Ionen nach den beiden Polen zu. Die posi- 
tiven streben nach der Kathode, die negativen nach der Anode zu und trans- 
portieren so die Elektrizität. Jedes Atom vermag je nach seiner Wertigkeit eine 
ganz bestimmte Elektrizitätsmenge zu transportieren. Und zwar ist die Ladung 
eines zweiwertigen Atoms (Kupfer, Sauerstoff usw.) doppelt so groß, eines drei- 
wertigen dreimal so groß usw. wie die eines einwertigen Atoms (z. B. Wasserstoff, 
Silber usw.). Es ist demnach auch die Elektrizität ebenso wie die Materie ato- 
mistisch angeordnet. Diese elektrischen kleinsten Teile nennt man Elektronen. 
Alle elektrischen Vorgänge, die sich innerhalb der Materie, also irgendwelcher 
Stoffe, abspielen, volkiehen sich mit Hilfe der Elektronen, aUe Femwirkungen 
der Elektrizität entstehen durch die Einwirkungen, die die Elektronen in ruhendem 
oder bewegtem Zustand in dem Äther hervorrufen, und die sich mit Lichtgeschwin- 
digkeit fortpflanzen. Negativ geladene Elektronen können frei vorkommen, wie 
wir sie z. B. in den Kathodenstrahlen zur Verfügung haben. Die positive Elektrizität 
kenr/5n wir nur an Atome gebunden, und zwar in Form von Ionen (z. B. die a-Strahlen 
des Radiums). Wir stellen uns ein Atom z. Z. als ein kompliziertes Gebilde vor, 
das aus einem oder mehreren Kernen mit positiver Ladung besteht, und das von 
einem oder vielen negativen Elektronen, die mit Lichtgeschwindigkeit in plane- 
tarisohen Bahnen um den Kern herumwirbeln, umgeben ist. Um uns eine Vor- 
stellung von den Größenverhältnissen zu machen, die hierbei in Betracht kommen. 



g Physik und Physiologie der Diathermie. 

stellen wir uns ein Wasserstoff atom so groß vor wie die Erde: Dann hat ein Glektron 
vergleichsweise einen Durchmesser von ca. 350 Metern. Der Kern dagegen li&t im 
gleichen Verhältnis nur die Größe eines Apfels (9 cm). Bei der elektrischen XMb- 
soziation werden Elektronen unter dem Einfluß der elektromotorischen Kräfte 
aus dem Atom- resp. Molekularverband gelöst und wandern zum positiven Pol, 
während der nunmehr positive Ladung im Überschuß enthaltende Kest mit dem 
Kern zum negativen Pol zieht. 

Für die gewöhnliche Anschauung können wir jedoch hier von diesen kom- 
plizierten Vorstellungen absehen und die Elektrizität so betrachten, als ob sie 
ein Fluidum wäre, welches den Baum erfüllt und die Körper gleichförmig durch- 
dringt. Im normalen Sättigtmgszustand mit diesem Fluidum erscheint die Materie 
unelektrisch. Kiu* wenn durch irgendwelche mechanischen» chemischen oder 
sonstigen Hilfsmittel eine vermehrte Ansammlung oder teilweise Entleerung eine« 
Körpers von diesem Fluidum stattgefunden hat, äußert sich dieser Zustand de- 
Füllungsdifferenz in dem Bestreben, sich wieder zur Gleichgewichtslage auszu- 
gleichen, und wir sprechen dann von im elektrischen Zustand bäindlichen Körpern. 
Ist die elektrische Energiemenge in einem Körper verdichtet, gewissermaßen 
unter Druck, so sprechen wir von einem positiv geladenen, ist sie verdünnt und 
gewissermaßen im saugenden Zustand, von der negativen Ladung. Diese Vor- 
stellungsart ist jedoch eine rein vergleichsweise und braucht durchaus nicht den 
Tatsachen zu entsprechen. Indessen genügt sie für eine gewisse Anschauungs- 
möglichkeit zu unseren Zwecken. Man köimte auch den elektrischen Zustand mit 
der sehr verwandten Energieform von Wärme und Kälte vergleichen. Wärme und 
Kälte sind nicht zwei verschiedene Begriffe, sondern niu* quantitative Unterschiede 
einer einzigen Energieform, nämlich der Wärmeschwingung der Moleküle. Wir 
nennen einen Körper kalt, wenn er der ihn umgebenden Materie Wärme entzieht, 
und warm, wenn er Wärme an sie durch Ausstrahlung oder Leitung abgibt. Wir 
könnten daher ebensogut von positiver und negativer Wärme sprechen und sagen, 
daß je ein positiv und negativ mit Wärme geladener Körper durch Berührung 
diesen differenten Zustand auszugleichen sucht, indem er durch Leitung Wärme 
abgibt oder aufnimmt. Wir können den Vergleich weiterspinnen, indem wir zwei 
Körper, welche sich nicht direkt berühren, durch einen guten Isolator, z. B. einen 
luftleeren Kaum, in ihrer bzw. Wärmeladung beharren lassen oder auch durch 
Verbindung mit einem guten Leiter, z. B. Wasser, zum relativ schnellen Ausgleich 
der positiven imd negativen Wärmeladung veranlassen können. Auch die draht- 
lose Telegraphie, d. h. die elektrischen Wellen, haben ihr Analogen in den Wärme- 
strahlen. 

Bevor wir nun auf die Physik und die Erzeugung der Hochfrequenz - 
ströme näher eingehen, erscheint es nötig, einige Grundbegriffe der 
Eiektrizifätsiehre uns kurz ins Gedächtnis zurückzurufen. 

Wenn zwei Körper eine verschiedene elektrische Ladung besitzen, imd wir 
sie in eine elektrische Beziehung zueinander bringen, so geben wir ihnen die Mög- 
lichkeit, diese Ladung auszugleichen. Die Energie und die Art, mit der dieser 
Ausgleich stattfindet, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Zunächst spielt die 
sog. Potentialdifferenz eine Rolle. Man spricht von elektro-motorischer Kraft, 
Potentialdifferenz, Potentialgefälle, elektrischer Spannung, auch schlechtweg von 
Potential und mißt diese synonymen Bezeichnungen nach der Volteinheit. Ein Volt 
entspricht der elektromotorischen Kraft eines Daniellelementes. Weim man also 
z. B. sagt, daß das Berliner Stromnetz 220 Volt Spannung hat, so bedeutet das, 
daß die Potentialdifferenz zwischen den beiden Polen an einer beliebigen Stelle 
im Stromgebiet Berlins ungefähr der Summe der Spannungsdifferenzen von 
220 Daniellelementen entspricht. 

Die Elektrizitätsmenge, welche beim Ausgleich von Potentialdifferenzen 
zwischen zwei verschieden geladenen Körpern in einer gewissen Zeiteinheit einen 
Leiter, z. B. einen die Körper verbindenden Kupferdraht von gegebenem Quer- 
schnitt, durchfließt, nennt man ein Coulomb. Man mißt diese Größe, indem man 
sie mit der Arbeit vergleicht, die diese Elektrizitätsmenge in gewisser Weise zu 
verrichten vermag, z. B. an ihrer elektrolytischen Wirkimg. Die Einheit der 
Elektrizitätsmenge, die in einer bestimmten Zeit einen Leiter durchfließt, d. h. ein 



Ph3^sik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 9 

Coulomb, definiert man als diejenige Elektrizitätsmenge, welche in einem elektro- 
lytischen Voltameter 1,1 IS mg Silber frei macht bzw. ausscheidet. Hierbei ist es 
gleichgültig, ob diese Elektrizitätsmenge die gesamte Arbeit in 24 Stunden oder in 
10 Minuten verrichtet. Es muß dann in der kürzeren Zeit ein relativ stärkerer 
Strom den Leiter durchfließen, um dieselbe Strommenge zu repräsentieren. 

Wir müssen daher auch die Stromstärke, d. h. die Fließgesohwindigkeit, 
definieren. Wir nennen diese Stromstärke Ampere und bezeichnen mit ihr die 
Elektrizitätsmenge, welche in der Zeiteinheit den Leiter durchfließt. Man definiert 
also ein Ampere (= einem Sekundenooulomb) als die Stromstärke, welche 
pro Sekunde 1,118 mg Silber elektrolytisch niederzuschlagen vermag. 

Wenn wir ein hochstehendes und ein tiefstehendes Gefäß durch ein Bohr 
verbinden, das obere Gefäß mit Wasser füllen und den Verschlußhahn öffnen, so 
wird ein Ausgleich der Niveaudifferenz stattfinden. Wählen wir z. B. das Ver- 
bindungsrohr sehr kurz und messen die Zeit, in der das Wasser in das tiefere Gefäß 
hinüberläuft, so werdeii wir beobachten, daß, wenn wir jetzt an Stelle des sehr 
kiu'zen Rohres ein 100 mal so langes, aber von gleicher Weite, wählen, der Auslauf 
derselben Flüssigkeitsmenge etwas länger dauern wird. Dies kommt von dem 
vergrößerten Leitungswiderstand an der längeren Schlauchwand während des 
längeren Weges. Elektrisch bedeutet das: Ein I&aht von bestimmter Länge setzt 
der Elektrizität einen gewissen Widerstand entgegen, und dieser Widerstand 
wächst proportional der Länge. 

Verbinden wir nunmehr beide Gefäße nacheinander mit Schläuchen derselben 
Länge, aber verschiedener Dicke, so werden wir auch hier Unterschiede in der 
Entleerungsgeschwindigkeit sehen. Der dünnere Schlauch bietet dem Wasser 
mehr Leitungswiderstand als der dicke. Das Extrem sehen wir an Kapillarröhren, 
deren Widerstand die Elüssigkeitsverschiebung völlig aufhebt. Elektrisch bedeutet 
das, daß ein dünnerer Draht einen größeren Widerstand besitzt als ein dickerer. 
Elektrischer Widerstand eines Leiters ist also proportional seiner Länge und um- 
gekehrt proportional seinem Querschnitt. 

Dazu kommt noch ein weiterer Punkt. Nehmen wir gleich lange Wasser- 
rohre gleichen Querschnitts, von denen das eine inwendig aus poliertem Metall 
besteht und das andere aus rauhem Ton, so werden wir auch hier Leitungsdiffe- 
renzen beobachten. Ins Elektrische übersetzt, bedeutet das: Leiter aus verschie- 
denen Substanzen haben einen spezifischen Widerstand. 

Die elektrische Widerstandseinheit nennt man Ohm. Ein Ohm ent- 
spricht dem Widerstand einer Quecksilbersäule von 106 cm Länge und 1 qmm 
Querschnitt bei 0°. 

Praktisch jedoch bedient man sich meistens eines anderen Maßes und nennt 
ein Ohm den Widerstand eines geglühten Kupferdrahtes von 50 m Länge und 
1 mm Durchmesser. 

Eines der wichtigsten Gesetze der Elektrizitätslehre ist das Ohm sehe Gesetz. 
Es bringt nämlich die drei definierten Einheiten Ampere, Volt und Ohm in eine 
Beziehung zueinander. Die Formel des Ohmschen Gesetzes lautet, wenn wir die 
Stromstärke in Ampere mit J, die Potentialdifferenz in Volt mit E und den Wider- 
stand in Ohm mit R bezeichnen: 

r -^ T^ V, • * 1 A 1 Volt 

«/ = -^ . Danach ist 1 Ampere = 

IC 1 1/ . 

, . TI--.1,. 1 Volt 

oder ein Milliampere = 



1000 Ü 

In der elektrischen Therapie spielt außerdem noch die Stromdichte eine 
große Bolle, und wir müssen sie deshalb hier kurz definieren. Legt man eine 
Elektrode auf die Haut auf, so kann man verschiedene Stromstärken durch dieselbe 
hindurchschicken imd damit eine bestimmte Strommenge pro Quadratzentimeter 
Haut applizieren. Man nennt Stromdichte die Zahl der JMülüampere, welche pro 
Quadratzentimeter Elektrodenfläche hindurchgehen. 

Durchfließt ein elektrischer Strom einen Leiter, so findet er in ihm einen 
gewissen Widerstand. Die durch dies^i Widerstand aufgezehrte elektrische Energie 
erwärmt den Leiter. Diese Wärme wird Joule sehe Wärme genannt. 



10 Physik und Physiologie der Diathermie. 

Das Joulescbe Gesetz sagt: 

1. Die prodozierte Wärmemenge ist dem Quadrat der Stromstärke propor- 
tional (d. b. die doppelte Strommenge erzeugt die vierfache Erwärmung). 

2. Die Wärme ist dem Widerstand des Leiters proportional (d. h. der doppelte 
Widerstand bedingt die doppelte Erwärmung). 

3. Die produzierte Wärmemenge ist der Dauer des Stromflusses proportion&L 

4. Der doppelte Weg verdoppelt den Widerstand. 

5. Der doppelte Querschnitt bedingt den halben Widerstand. 

Wir können nunmehr zur Definition der verschiedenen Stromarten über« 
gehen. Der elektrische Strom, der von Elementen oder Gleichstrom maschineo 
geliefert wird, fließt stets in der gleichen Richtung und kann graphisch in den 
meisten Fällen durch eine Horizontale parallel zur Abszisse dargestellt werden. 
Da er stets in der gleichen Richtung fließt, macht er auch elektrolytische Ver- 
änderungen gleicher Art, d. h., je stärker und je länger er fließt, desto intensiver 
werden diese Veränderungen sein. Auch die Influenzmaschine kann zur Pro- 
duktion von Gleichstrom verwandt werden. Wenn man die Kugeln der Funken- 
strecke weit auseinander zieht und durch einen Leiter oder den Patienten verbindet, 
so fließt während des Betriebes der Lifluenzmaschine der Strom stets in gleicher 
Richtung durch den Leiter hindurch. 

Der Induktionsapparat oder seine mächtigere Fortbildung, der Ruhm- 
korffsche Induktor oder kurzweg Induktor liefern den sogenannten Induk- 
tionsstrom, einen Wechselstrom, dessen Entstehung auf folgendem Prinzip 
beruht: Befestigt man die beiden Enden eines durchschnittenen Drahtringes an 
den beiden Polen einer Gleichstromquelle, und bringt man parallel zu cdesem 
Drahtring A einen zweiten geschlossenen Drahtring B in die Nähe des ersten, ohne 
daß die beiden Ringe sich berühren, so kann man die Phänomene der Induktion 
beobachten. Läßt man aus der Stromquelle Elektrizität durch den ersten Draht- 
ring fließen, so entsteht im Moment des Stromeintritts in den ersten Ring, in dem 
zweiten Ring ein entgegengesetzt gerichteter Stromstoß. Je näher der zweite Ring 
dem ersten ist, relativ um so stärker ist dieser induzierte Stromstoß. Bringen wir 
den zweiten Ring nicht parallel, sondern geneigt zum ersten an, so ist die Indiätions - 
Wirkung eine schwächere und wird, wenn die Ebenen der beiden Ringe senkrecht 
aufeinanderstehen, gleich 0. Dieser Induktionsstrom entsteht jedoch nur in dem 
Moment, in dem das Potential in dem ersten Drahtring sich ändert. So lange der 
Strom in diesem Ring gleichmäßig weiter fließt, bleibt der zweite Ring stromlos, 
unterbricht man nun den Speisestrom des ersten Ringes, so entsteht nunmehr in 
dem zweiten wiederum ein Stromstoß, und zwar entgegengesetzt dem ersten. Je 
plötzlicher die elektrische Zustandsänderung in dem primären Ring stattfindet, 
desto intensiver ist auch der Stromstoß im sekundären Ring. Da nun bei den 
gewöhnlichen Induktionsunterbrechem der Schließungsfunke eine weniger schnell 
von zum Maximum ablaufende Zustandsänderung hervorruft als der Öffnungs- 
funke, so ist der Schließungsinduktionsstromstoß von dem Öffnungsstromstoß ver- 
schieden. Ersetzt man den primären Ring durch eine größere Anzahl derartiger 
zusammenhängender Ringe, d. h. durch eine Spule, und ebenfalls den sekundären 
Ring durch eine solche und nähert man diese Spule unter Zwischenschaltung einer 
gut isolierenden Schicht so weit wie möglich, indem man die beiden Spulen z. R 
dicht übereinander schiebt, so addiert sich die Induktionswirkung einer jeden 
Windung des primären Ringes mit der zunächst folgenden und erzeugt ebenfalls 
eine imi so viel stärkere Induktionswirkung in der sekundären Spule. ]£erbei kann 
man noch verschiedene Übersetzungsverhältnisse wählen, indem man die Windungs- 
zahl der primären und sekundären Spulen sowie die Drahtstärke variiert und z. B. 
durch eine relativ geringe Zahl dicker Primärwindungen und eine relativ große Zahl 
dünner Sekundärwindungen aus einem niedrig gespannten unterbrochenen Gleich- 
strom, der die Primärwindung speist, einen hochgespannten Sekundärinduktions- 
Strom erzeugt, welcher ein Wechselstrom ist. Durch geeignete Wickelungsverhält- 
nisse (Selbstinduktion) und Einschaltung von Kondensatoren kann man eine 
Stromphase, z. B. den Schließungsstrom (für Röntgenzwecke) praktisch fast ganz 
unterdrücken, so daß fast reine unterbrochene Stromstöße in einer einzigen 
Richtung von größerer Intensität erfolgen. (Siehe nebenstehend die Stromkurve 
eines Induktionsapparates (Abb. 2). 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 



11 



Wechselströme können nun auch noch in anderer Weise erzeugt werden, 
z. B. durch Dynamomaschinen. Solche Wechselströme haben meistens eine 
Binusoidale Form und entsprechen der Kurve (Abb. 3). Ihre positive und negative 
Phase ist symmetrisch und verläuft nach einer Sinuskurve. 

Primär^strom 




^SchLißSSungS' 
ffpannung. 

Abb. 2. Stromkurve eines Siemensschen Induktors. 

Durch gewisse Anordnungen kann man die eine Phase der Sinuskurve unter- 
drücken oder umkehren und erhält hierdiu-ch den sog. Gleichrichterstrom- 
oder pulsierenden Gleichstrom. 

Diese Vorbemerkungen mögen zum Verständnis der verschiedenen üblichen 
Stromesarten genügen, und wir gehen nunmehr zur Betrachtung der Wechsel- 
ströme über. 

Die in der Industrie üblichen Wechselströme, so wie sie im Stromnetz mancher 
Städte zur Verfügung stehen, haben meist eine relativ niedrige Periodenzahl. Man 
nennt Periode eines Wechselstromes den Teil seines Verlaufes, welcher aus je 
einer aufeinanderfolgenden positiven und negativen Phase besteht vom Moment 
des Beginns des positiven Teils der 
Kurve auf der Abszisse bis zum 



i<- — Periode h 




Abb. 3. Sinusoidale Stromkurve. 




Wiedereintritt der Kiu-ve in den 
entsprechenden Punkt von der ne- 
gativen Phase aus (siehe Abb. 4). 
Die übliche Wechselzahl von 
Straßenstromnetzen beträgt 50 Pe- 
rioden oder 100 Wechsel. Dieser 
Strom wird durch Wechselstrom- 
dynamomaschinen erzeugt. Einen 
solchen Strom nennt man einen 
niederfrequenten Wechsel- 
strom. Im Prinzip unterscheidet 
sich ein solcher Strom von den sog. 
Hochf re quenz strömen, bei denen 
wir eine Million und mehr Wech- 
sel pro Sekunde haben, in nichts 
anderem als Inder Zahl der Wechsel, 
und doch sind die spezifischen Wir- 
kungen der Hochfrequenzströme 
mit niedriger Wechselzahl nicht zu 
erreichen. Geradeso wie in der Op- 
tik mit Ätherwellen von 760 Millionstel Millimeter Wellenlänge immer nur 
der Effekt Rot und niemals Blau erzielt wird, werden wir es begreiflich finden, 
daß auch bei den elektrischen Wellen, die sich von den Lichtwellen niu* durch 
ihre Frequenz bzw. Wellenlänge unterscheiden, den einzelnen Frequenzen ge- 
wisse spezifische Wirkungen innewohnen. Wir können uns diese Unterschiede 
vielleicht auch durch einen Vergleich aus der Mechanik näherbringen. Be- 
trachten wir eine Milchzentrifuge z. B. und beschicken wir sie mit IkOlch, so 
werden wir bei langsamer Drehung der Zentrifuge die Milch zwar in Rotation ver- 
setzen, aber keine Trennung der leichteren von den schwereren Stoffen erzielen. 
Erst wenn die Tourenzahl der Zentrifuge eine bestimmte Höhe erreicht oder über- 



Abb. 4. Wechselstromkurve. 
A — B negative Phase. B — G positive Phase. 
A — G eine ganze Periode. A — B, B — G je 

ein Wechsel. 



12 Physik und Physiologie der Diathermie. 

schritten hat, treten die Wirkungen der Zentrifugalkraft in die Erscheinung, tmd 
wir bekommen eine Separation der 8ahne von der Milch. Ebenso sind elekSrische 
wellenförmige Zustandsänderungen, wenn sie zu langsam erfolgen, nicht imstande, 
so intensive Äthererschütterungen hervorzurufen, daß z. K eine wellentelegraplusche 
Übertragung möglich wäre, sondern es ist eine gewisse Minimalfrequenz von min- 
destens einigen Hunderttausend Wechseln pro Sekunde nötig, um drahtlose 
Telegraphie zu machen. Man hat versucht, Hochfrequenzschwingungen oder Hoch* 
frequenzströme, was identisch ist, dadurch zu erzeugen, daß man Dynamomaschinen 
von sehr großer Tourenzahl und mit sehr viel Polwechseln baute. Jahrelang war 
es nicht möglich, hierbei zu größeren Wechselzahlen als 20 000 bis 30 000 pro Sekunde 
mit genügender Leistung zu gelangen. Erst in den allerletzten Jahren hat Dr. Gold- 
Schmidt eine Wechselstrommaschine konstruiert, welche bei 300000 Wechseln 
pro Sekunde eine erhebliche Stromstärke produzierte. Ob ein solches Verfahren 
noch verbesserungsfähig ist, und ob derartige Maschinen jemals eine größere Ver- 
breitung in der Praxis der elektrischen WeUen erlangen werden, lassen wir dahin- 
gestellt. Für die Produktion von Hochfrequenzströmen zu medizinischen Zwecken 
haben solche Maschinen bisher keine Rolle gespielt, sie werden vermutlich auch 
späterhin wegen ihres hohen Preises außer Frage bleiben. Dies ist um so wahrschein- 
licher, als wir imstande sind, durch die allereinfachsten Hilfsmittel 
wirkliche Hochfrequenz zu erzeugen. 

Lassen wir nämlich zwischen zwei Drahtspitzen irgendeinen elek- 
trischen Funken übergehen, so stellt dieser elektrische Ausgleichs- 
oder Entladungsvorgang keineswegs einen einmahgen Übergang von 
Elektrizität dar, sondern wir haben es stets bei Funkenentladungen 
jeder Art mit einer sog* oszillatorischen Entladung zu tun. Be- 
trachtet man das Bild eines Funkens in einem schnell rotierenden Spiegel 
auseinandergezogen, so erkennt man, daß er der Ausgangspunkt eines 
mehrmaügen Hin- und Herschwingens elektrischer Energie ist. Um 
uns dies klar zu machen, müssen wir wieder auf unser Beispiel aus 
der Hydrodynamik zurückgehen. Nehmen wir an Stelle der beiden 
verschieden hoch stehenden Wassergefäße zwei kommunizierende Röh- 
ren, welche z. B. durch einen Gummischlauch verbunden sind; bringen 
wir die Röhren in gleiche Höhe imd füllen wir sie bis zum gleichen 
Niveau mit Wasser. Ifeben wir jetzt die eine Röhre hoch imd senken 
sie gleich darauf wieder auf ihre ursprüngüche Stellung schnell zurück, 
so haben wir durch die Niveauverschiebung die Wassersäule aus dem 
Gleichgewicht gebracht, und trotz der sofort eintretenden Ruhelage 
der Röhre schwankt der Wasserspiegel in beiden eine Weile hin und her, 
bis er seine Ruhelage in beiden in gleicher Höhe wieder einnimmt. 
Ebenso fließt in zwei isoüert ausgespannten Drähten, denen wir eine 
elektrische Ladung gegeben haben, \uid von denen wir zwei Punkte 
einander genügend nähern, beim Übergang des Funkens zwischen diesen 
beiden Punkten die zur Zsit in dem Draht befindliche Elektrizitäts- 
menge über die Brücke des Funkens mehrmals hin und her, bis ihr 
Ausgleich erfolgt ist. Die Kapazität solcher Drähte, d. h. ihr Fassungs- 
vermögen für elektrische Energie, ist natürlich ein außerordentlich 
geringes, und die elektrischen Schwingungen, die wir in einem solchen 
feinen Fünkchen erzeugen, sind minimale und für praktische Zwecke 
unverwertbar. 

Wir müssen daher diesen einfachsten Hertzschen Erreger (Abb. 5) 
verbessern. An jedem Draht bringen wir eine größere Metallkugel an. 
Vermöge ihrer Größe und Oberfläche Hind diese Kugeln imstande, eine 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 



13 



TJümJ 




Jndukfor 



Abb. 5. Hertzscher Erreger. 



bzMfiJ 



JneAjMor 



O 




fwikvistrtcht 



o 



gei^sse Elektrizitätsmenge auf sich aufzuspeichern: Ihr Fassungsver- 
naögen (ihre Kapazität) hat eine gewisse Größe. Wir können jetzt 
unseren Erreger ein wenig stärker aufladen und erhalten nun ein inten- 
siveres Fünkchen (Abb. 6). 

Schalten wir nun noch einen oder mehrere Kondensatoren ein, 
d. h, vergrößern wir die Aufnahmefähigkeit des Systems erheblich, 
so können wir die Leistungen unse- 
res Erregers noch mehr steigern. 

Wir müssen an dieser Stelle kurz 
definieren, was ein Kondensator ist. 
Einer der am längsten bekannten 
Kondensatoren ist die sog. Lei- 
dener Flasche, welche in der Mitte des 18. Jahrhunderts erfunden 
wurde. Ein rundes, oben offenes Glas ist außen und innen etwa in 
gleicher Höhe mit Stanniol belegt. Durch einen isoHerenden Deckel 
reicht ein mit einem Knopf versehener Metallstab bis auf den Boden 
und ist mit dem inneren Metallbelag leitend verbunden. Bringen wir 
die innere oder die äußere Belegung 
einer Leidener Flasche mit einem Pol 
einer Elektrizitätsquelle in Verbin- 
dung, so nimmt jede der Belegun- 
gen eine ihrer Oberfläche entspre- 
chende imd für beide gleiche Strom- 
menge unter einem bestimmten ai-u/»t%xii jtt ^i> 
T»x-fi ^ T ..i> j'-nii i_ Abb. 6. Darstellung der Vergrößerung 
Potential auf. Je großer die Flasche ^er Aufnahmefähigkeit eines schwin- 

und mithin je größer die Oberflächen genden Systems durch Kondensatoren. 

der Metallbeläge sind, um so mehr 

Elektrizität können wir in einer solchen Flasche aufspeichern. 

Wir können uns die Wirkung eines Kondensators wiederum aus 
einem Vergleich der Hydrodjmamik klar machen. Nehmen wir eine 
ü-förmige Glasröhre, überall von gleicher Weite (siehe Abb. 7 a), imd 
füllen wir sie mit Wasser, so werden wir ein relativ geringes Quantum 
Wasser in diesem Rohr unterbringen 
können, ehe das Wasser an den Rän- 
dern überläuft. Verbinden wir nun 
aber beide Schenkel unseres Glas- 
rohres mit je einer großen Glasflasche 
(Abb. 7 b), so können wir nunmehr 
in unser Gefäßsystem ein Vielfaches 
des vorigen Wasserquantums hinein- 
gießen, ehe es gefüllt ist und überläuft. — Wollen wir noch größere 
Elektrizitätsmengen aufspeichern, so können wir mehrere derartige 
Flaschen zu einer Batterie vereinigen, indem wir die inneren Beläge 
und die äußeren, jede für sich, miteinander leitend verbinden. Die 
Form der Leidener Flaschen ist wegen ihrer räumlichen Ausdehnimg 
praktisch für viele Zwecke eine ungünstige, und man hat daher Konden- 
satoren in anderer Form imd aus anderen Materialien gebaut. Denkt 
man sich eine Leidener Flasche ohne Boden, d. h. ein oben und unten 



Ob 



\^ 




"^^^ 




Abb. 7. Schema der Kondensator- 
Wirkung. 



H Phydk und Physiologie der Diathermie. 

offenes Glaerobr, innen und außen bis etwa 5 cm von jedem Rande mit 
Stanniol belegt und in der Längsrichtung aufgcgchnitten und aufgerollt, 
so hat man den Typus eines Plattenkondensators. Solche Platten 
kann man in geringem Abstände voneinander in größerer Anzahl mit- 
einander vereinigen und auf relativ kleinem Raum einen bedeutenden 
Kondensator herstellen. 

Da die Wirkung eines Kondensators auch von 
der Natur und der Dicke der isolierenden Schicht, 
in dem von uns betrachteten Fall des Glases, ab- 
hängig ist und um so wirksamer ist, je dünner diese 
Schicht ist, hat man das Glas durch gefirnißtes Pa- 
pier oder am besten durch dünne Glimmerplättchen 
ersetzt und dadurch in kleinem Baum sehr wirk- 
same Kondensatoren erzeugt. (Siehe Abb. 8, Ver- 
gleich eines Glimmerkondensators (b) mit eäner Lei- 
dener Flasche (a) von gleicher Kapazität.) 

Haben wir auf diese Weise die Kapazität unseres 
Erregers wesentlich vergrößert, so verfügen wir schon 
über Entladungsf unken erheblicher Intensität. Da 
wir es bei der Elektrizität nicht mit einem so trägen 
Fluidum wie dem Wasser zu tun haben, und die 
Entladung eines Kondensators in einem minimalen 
Bruchteil einer Sekunde stattfindet, so müssen wir 
unserem System dauernd frische Elektrizitätsenergie 
zuführen, um einen dauernden Funken überlang, mit- 
hin eine dauernde Erzeugung oszillatorischer Entla- 
dungen zu erzielen. Um die Konstruktion von Hoch- 
frequenzapparaten jedoch zu verstehen, müssen wir 
noch einen neuen Begriff in unsere Betrachtungs- 
a reihe einführen. 

Wir haben vorhin gesehen, daß, wenn man einen 
^^^ unterbrochenen Wechselstrom durch eine Spule hin- 

durchschickt, Stromstöße in einer anderen, in der 
b Nähe befindlichen Spule erzeugt werden. Nun tritt 

Abb. 8. Vergleich aber die merkwürdige Erscheinung auf, daß ein 
einer Leidener Wechselstrom bereits in der primären Spule einen 
Ölimmerkonden- ^^^ oder weniger erhebhchen Widerstand findet, 
sator gleicher und zwar kann dieser Widerstand so hoch werden, 
Kapazität. zumal bei steigender Wechaelzahl oder bei Vorhan- 
densein eines Eisenkerns in einer Spule, daß über- 
haupt kein Strom durch die Spule hindurchgeht, während ein Gleich- 
strom unverändert hindurch verlaufen würde. Dieses Phänomen hat 
seine Ursache in der sog. Selbstinduktion. Geradeso wie die 
primäre Spule in einer sekundären Induktion hervorruft, und zwar 
den primären Bichtungen entgegengesetzte Ströme, geradeso können 
wir auch eine einzelne Spule mit einer größeren Zahl von Win- 
düngen als eine Reihe von verschiedenen Spulen von je einer Win- 
dung betrachten. Wenn wir diese Betrachtungsweise anwenden, so 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 15 

verstehen wir, daß jede Windung in dem Moment, wo sie vom Strom 
in einer bestimmten Riehtmig durchflössen wird, in den nächstfolgenden 
und vorhergehenden Windungen entgegengesetzt gerichtete Ströme 
produziert imd so den sie speisenden Strom abschwächt. Diese, Selbst- 
induktion genannte Wirkung spielt eine um so größere Rolle, je höher 
die Frequenz des primären Wechselstroms ist, imd je zahlreicher und 
dünner die Windungen der Spirale sind. Die Selbstinduktion ist um so 
geringer, je weniger Windungen eine Spule aufweist, imd ist bei einer 
einzigen Drahtwindung sehr klein. Man mißt sie nach der Einheit 
Henry. Eine solche Spule, d. h. eine Anzahl weniger, meistens relativ 
dicker Windimgen, ist in unserem System oszillierender Entladungen 
notwendig, um das Abklingen der oszillatorischen Entladungen durch 
den Funken hindurch in bestimmter Weise zu regulieren. Man be- 
zeichnet eine solche Spule kurzweg als Selbstinduktion. 

Der in der eben beschriebenen Weise vervollkommnete Hertzsche 
Erreger, der aus ganz einfachen elektrischen Vorrichtungen besteht, 
nämlich aus einer Funkenstrecke, einem Kondensator imd 
einigen Drahtwindungen, schließt nun das ganze Geheinmis der 
Erfolge der • drahtlosen Telegraphie, der d'Arsonvalschen Ströme imd 
der Diathermie in sich. Diese drei höchst einfachen Vorrich- 
tungen stellen nämlich, in bestimmter Weise zueinander 
in Beziehung gebracht, einen sog. elektrischen Schwing ungs- 
kreis dar. Es ist nun keineswegs gleichgültig, wie die Größenverhält- 
nisse sowie die Form und Anordnung dieser drei Faktoren gewählt 
werden. Vielmehr ist von der Berücksichtigung dieser Umstände die 
verschiedenartigste Funktions- imd Leistungsmögüchkeit abhängig. Be- 
zeichnen wir die Wechselzahl mit n, die Kapazität mit C, die Selbst- 
induktion mit L, so besagt uns eine einfache Formel, unter welchen 
Umständen wir die beste und geeignetste Leistung für die verschiedenen 
Größen der sie zusammensetzenden Faktoren erhalten werden. Wir 
wollen an dieser Stelle auf die weitere Entwicklung der oszillatorischen 
Entladungsgesetze imd die Berechnung der Größenverhältnisse der 
einzelnen Bestandteile des Schwingungskreises nicht näher eingehen, 
sondern werden an Hand der einzelnen Apparate über die Schwingungs- 
formen und ihr Ablaufen das nötige anführen. 

Nur einen außerordentüch wichtigen Begriff müssen wir an dieser 
Stelle besprechen. Es ist der Begriff der Dämpf ung. Wie wir gesehen 
haben, besteht ein elektrischer Fimke aus einer Anzahl hin- imd her- 
gehender Oszillationen, welche im Moment des Einsetzens des Fimkens 
die größte Intensität haben imd mehr oder weniger schnell abnehmen. 
Diese Abnahme ist abhängig von dem Grade der Dämpfung. Wir 
werden ims auch hier durch einen Vergleich aus der Mechanik am ehe- 
sten ein klares Bild machen können. Betrachten wir die Schwingungs- 
kurve einer guten Stimmgabel, die wir auf einem Kymographion von 
der Stimmgabel schreiben lassen, nachdem wir sie mit einem Hammer 
angeschlagen haben. Die Figur (Abb. 9a) zeigt ein Stück einer solchen 
Kurve. Vergleichen wir die Anfangs- imd die Endschwingungen dieses 
Stücks, so erkennen wir keinerlei Unterschied zwischen den einzelnen 



16 



Physik and Physiologie der Diathermie. 



Schwingungen. Der Abstand der Wellen, die Höhe ihrer Amplitude 
und die Form bleiben stets gleich, und nur, wenn wir nach einigen Se- 
kunden die Kurve wieder nachmessen, sehen wir, daß die Amplitude 
an Höhe nach und nach abnimmt, während die Wellenlänge, d. h. die 
Schwingimgszahl, unverändert bleibt. Erregen wir nunmehr die Stinmi- 
gabel dauernd gleichmäßig, elektromagnetisch z. B., so bewirken wir 
damit, daß die schwingende Energie, die sich infolge der nicht ganz 

idealen Elastizität des 
Stahls allmählich auf- 
zehrt, dauernd wieder 
ergänzt wird durch die 
Zufuhr der neuen elek- 
trischen Energie, und 
wir bekommen ein'un-, 
verändertes Fortschwin- 



a. 




b. 



ungedämupe Schwingung 
stoHt gtdäm/fiB Schmnngunj 



Abb. 9a. Stimmgabelkurve (fast ungedämpft). 
Abb. 9 b. Starkgedämpfte Kurve. 



gen der Stimmgabel mit stets gleicher Amplitude. Wir sagen, daß 
die stählerne Stimmgabel an sich bereits sehr elastisch ist und eine 
geringe Dämpfung hat, und daß wir durch Erregung dieser Stimm- 
gabel mittels eines Elektromagneten gleichmäßige, dauernd unge- 
dämpfte Schwingimgen erzeugen. Nehmen wir nunmehr an Stelle 
der Stimmgabel aus Stahl eine solche aus Blei, so können wir auch 
diese durch einen Schlag zum Schwingen bringen. Zeichnen wir aber 
die Kurve auf ein Kymographion auf, so sehen wir, daß nach ganz 
wenigen Schwingungen infolge der sehr geringen Elastizität des Bleies 
die schwingende Energie aui^ezehrt wird, und werden ungefähr folgen- 
des Bild erhalten (Abb. 9b). 

Hierbei nehmen die Schwingungen außerordentUch schnell an 
Ampütude ab imd erreichen nach wenigen Oszillationen den Wert 0. 
Die vorhandenen Oszillationen aber haben gleiche Form und gleiche 

Schnelligkeit. Was in der Me- 
chanik die Aufzehrung der 
schwingenden Energie in obi- 
gem Beispiel verursacht, ist 
die innere Reibung, der innere 
Widerstand der Materie und 
der Luftwiderstand. In der 
Elektrizitätslehre haben wir 

Abb. 10. Entladungskurve einer Leidener ^s nicht mit materiellen, son- 

Fl^che. dem mit energetischen Qua- 

litäten zu tun. Hierbei fällt 
die mechanische Reibung fort. Aber die Aufzehrung der schwingen- 
den Energie findet auch hier statt. Das Analagon der inneren Rei- 
bung ist in diesem Falle innerer Widerstand, Selbstinduktion, Verlust 
an elektrischer Energie durch Transformation in Fmikenwärme, 
Sprühverluste der Kondensatoren usw., und so sehen wir den Ent- 
ladungsfunken einer Leidener Flasche, oszillographisch dargestellt, 
etwa in folgender Kurve repräsentiert (Abb. 10), deren Ähnlichkeit 
mit der oben stehenden Kurve offensichtlich ist, nur daß die Maß- 




Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 17 

einheiten, welche der Eintragung der Zeitgrößen auf derj Abszisse 
zugrunde gelegt werden, für die Periode der mechanischen Schwingungen 
unendlich groß (hundertstel Sekunden), für die elektrischen Schwin- 
gungen im Vergleich hierzu unendlich klein (10* Schwingungen in der 
Sekunde) sind. Noch viel kleiner würden bei Lichtschwingungen, 
welche 400 — 700 BiUionen mal in der Sekimde stattfinden, die Ent- 
fernungen bei der Abszisse eingezeichnet werden müssen. 

Nachdem wir so die einzekien Komponenten eines Schwingungs- 
kreises beschrieben haben, wollen wir noch kurz auf den Begriff 
der Schwingungsdauer eingehen. Geradeso, wie für die Stimm- 
gabel die Länge der Zinken maßgebend für die Tonhöhe, d. h. für die 
Wellenlänge, d. h. für die Schwingungsdauer ist, oder wie in der Optik 
ein monochromes Licht von bestimmter Farbe stets eine bestimmte 
Wellenlänge, d. h. feststehende Schwingimgszahlen hat, und eine andere 
Wellenlänge oder Schwingimgszahl einer anderen Farbe entspricht, 
so sind auch die elektrischen Schwingungen bezüglich der Wellen- 
länge und Schwingungszahl, je nach dem sie produzierenden Appa- 
rat (vorausgesetzt, daß er gleichmäßige Schwingungen erzeugt) charak- 
terisierbar, imd zwar berechnet sich die Schwingungsdauer eines Schwin- 
gungskreises im wesentlichen aus der Kapazität und der Selbstinduktion. 
Verändern wir daher entweder die Kapazität (d. h. die Fläche des Kon- 
densators oder das Material und die Dicke seines Dielektrikums), oder 
die Selbstinduktion (d. h. die Zahl der Drahtwindungen, ihre Dicke 
oder ihr Material oder die Art ihrer Isolierung), so verändern wir damit 
auch die Wellenlänge, die der Schwingungskreis produziert. Die Be- 
rechnung setzt sehr komplizierte mathematische Formeln voraus, kann 
aber praktisch durch im Interesse der drahtlosen Telegraphie intensiv 
durchgebildete Apparate (Wellenmesser) einfach bestimmt werden. Es 
genügt, an dieser Stelle zu erwähnen, daß die 3 Grö>ßen, Kapazität C, 
Selbstinduktion L und Periode T sich in folgende Beziehung bringen 
lassen : 

Diese Formel enthält allerdings noch nicht den inneren Wider- 
stand des Schwingungskreises. Wie berechnen hiemach die Frequenz 
pro Sekunde, indem wir 1 durch T dividieren. Im feststehenden Ver- 
hältnis zur Schwingungszahl steht nun auch die Wellenlänge, die in 
der drahtlosen Telegraphie und Telephonie praktisch meistens als 
Maß an Stelle der Schwingungsdauer benutzt wird. Da die Geschwindig- 
keit des Lichts und des elektrischen Stromes die gleiche ist, so läßt 
sich die Wellenlänge ganz einfach dadurch berechnen, daß man 300 000 km 
(Portpflanzungsgeschwindigkeit des Lichts in einer Sekunde) durch die 
Zahl der Wellen in einer Sekunde dividiert. Es ergibt sich daraus die 
Wellenlänge in Metern. In der medizinischen Diathermie verwenden 
wir Wellen von ca. 300 bis 1000 Meter Länge. 

Wir haben im vorstehenden die Grundbestandteile kennen 
gelernt, aus welchen sich ein Schwingungskreis zusammensetzt, 
und gesehen, wie die Beziehimgen dieser einzelnen Grundbestandteile 

Na gel Schmidt, Diathennie. 2. Aufl. ^ 



Ig Physik und Physiologie der Diathennie. 

zueinander sein müssen, um elektrische Wellen bestimmter Art zu 
erzeugen; wir haben dabei vorausgesetzt, daß irgendwie elektrische 
Energie in den Schwingungskreis hineingebracht wird. Wir müssen uns 
nun auch noch kurz mit den elektrischen Stromquellen be- 
schäftigen, welche sich für die Ladung von in Schwingungskreisen be- 
findlichen Kondensatoren, d. h. für die Speisung von Schwingung- 
kreisen als geeignet erwiesen haben. Das Nähere hierüber werden inrir 
bei der Besprechung der einzelnen Apparaturen ausführen. An dieser 
Stelle wollen wir nur bemerken, daß Influenzmaschinenströme, Induk- 
tions- und Hochspannimgstransformatoren bzw. Wechselströme zur 
Speisung von Funkenstreckenapparaten verwandt werden, während 
Hochfrequenzapparate, welche an Stelle der Funkenstrecke eine Bogen- 
lampe besitzen, mit Gleichstrom gespeist werden. 

Bevor wir mm zur Schilderung der einzelnen Apparate über- 
gehen, müssen wir noch zwei weitere Begriffe aus der elektrischen 
Wellentheorie kurz definieren. Das ist der Begriff der Resonanz 
xmd der der Koppelung. Wenn wir zwei gleichgestimmte Stimm- 
gabeln dicht nebeneinander aufstellen und die eine Stinmigabel an- 
schlagen, so kommt die andere Stimmgabel durch Luftübertragung 
der Schwingungen ebenfaUs zum Tönen. Unterbrechen wir nun die 
Schwingungen der ersten Stimmgabel unmittelbar nach dem An- 
schlagen, z. B. durch Berührung mit der Hand, so tönt trotzdem die 
andere Stimmgabel weiter. Ebenso können wir bei dem Klavier durch 
Aufheben der Dämpfung und Hineinsingen eines Tones die gleichge- 
stimmten Saiten zum Mitschwingen bringen. Ein analoges Phänomen 
haben wir in der Wellenelektrizität. Erzeugen wir nämlich in einem 
Schwingungskreis elektrische Schwingimgen, so gerät ein in der Nähe 
befindlicher Schwingungskreis, der nur aus Selbstinduktion und Kon- 
densator besteht, unter gewissen Umständen ebenfalls in Schwingungen. 
Der zweite Schwingungskreis darf keine Funkenstrecke enthalten, 
denn die Funkenstrecke wirkt als ein sehr intensives Hindernis wegen 
des in ihr enthaltenen Luftwiderstandes und gestattet kein Weiter- 
schwingen der übertragenen Energie. Es wird aber auch nicht jedes 
elektrische Schwingimgssystem auf Resonanz ansprechen, sondern 
nur ein resonanzfähiges, d. h. ein solches, dessen Wellenlänge der des 
ersten Schwingungskreises imgefähr entspricht. Ist dies der Fall, so 
können wir den sekundären Schwingimgskreis dadurch erregen, 
daß wir z. B. den ersten in dauernde Schwingung versetzen oder 
in dem ersten eine Reihe kurz dauernder Schwingungsgruppen erzeugen, 
die durch sog. Stoßwirkung den sekundären Schwingungskreis zum 
dauernden Weiterscbwingen bringen. Es ist auch nicht imbedingt not- 
wendig, daß der sekundäre Kreis genau abgestimmt ist. Vielmehr 
können auch bei mangelnder Abstimmung Schwebungen im sekundären 
Kreis entstehen, welche auf der Zusammensetzung der Eigenschwingung 
des sekundären Kreise^ und der vom primären Kreis aufgedrückten 
Schwingungen beruhen. In d^n meisten Fällen jedoch kommt es auf 
eine möglichst gute Übereinstimmimg der Eigenschwingimgen der 
beiden Kreise an. • • - 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 



19 





Abb. 11. Ansicht einer 

Hoch- und einer Flaoh- 

spule. 



Die Übertragung der schwingenden Energie vom primären auf den 
sekundären Kreis braucht mm keineswegs durch die Luft zu erfolgen, 
d. h. durch den Äther, sondern kann auch durch metallische Verbindung 
stattfinden. Im ersten Falle sprechen wir von induktiver Koppe- 
lung, im zweiten Falle von galvanischer Koppelung. In der 
Praxis hat sich ein Verfahren ausgebildet, die Selbstinduktionsdrähte 
in dem primären und sekundären Schwin- 
gungskreis als sog. Flachspule auszubilden 
(siehe Abb. 11) und die Selbstinduktion des 
sekundären Schwingungskreises (es kann auch 
der Kondensator vollständig fehlen und die 
Schwingimgen lediglich in den Drahtwindun- 
gen stattfinden) beweglich zur primären anzu- 
ordnen, so daß sie entweder parallel neben ihr 
zu liegen kommt, oder bis zur völligen Deckung 
über sie geschoben werden kann (minimaler Effekt — maximaler 
Effekt), oder daß ihre Ebene senkrecht zu der der ersten (minimaler 
Effekt) oder parallel zu ihr (maximaler Effekt) gedreht werden kann. 
Man spricht dann je nach der Stellung von loser oder fester Koppelung. 

Mit den im vorstehenden erwähnten Vorstellungen und Begriffen 
ausgerüstet, können wir nunmehr zu einer Besprechung der verschiede- 
nen Typen der in der Medizin üblichen Hochfrequenzapparate über- 
gehen. 

Apparate. 

1. Die sog. D*Arsonvalapparate., Als Speisestrom wird fast stets ein 
Ruhmkorff , d. h. ein großer, am besten mit Quecksilbeninterbrecher betriebener 
Induktionsapparat verwandt, dessen sekundäre Polströme durch gut isolierte 
Drähte zumeist an die Funkenstrecke angelegt werden. Der Apparat selbst (siehe 
Abb. 12) besteht im wesentlichen aus einem Schwingungskreis nach dem typischen 
beistehenden Schema. (Abb. 13.) Die D'Arsonvalapparate besitzen als Charak- 
teristika lange Funkenstrecke, kugel- oder pilzförmige Metallstücke, zwischen 
denen der Funkenübergang stattfindet, und Glaskondensatoren, Leidener Flaschen 
oder in öl eingebettete Glasplattenkondensatoren. Wegen des erheblichen Ge- 
räusches der Funkenstrecke ist dieselbe in einen Holzkasten oder Glasbehälter ein- 
geschlossen. Trotzdem ist der Lärm, den derartige Apparate beim Betriebe voll- 
führen, außerordentlich laut und störend. 

Parallel zur Selbstinduktion und zumeist durch einen Draht mit ihr ver- 
bunden ist eine sekundäre Spule mit vielen Windungen angeordnet, der sog. 
Oudinsche Resonator (Tesla). Die Schwingungen des primären Schwingungs- 
kreises werden durch Übertragung von den wenigen dicken Kupferwindungen der 
primären Selbstinduktion auf die zahlreichen dünnen Windungen der sekundären 
zu einer wesentlich höheren Spannung transformiert. So kommt es, daß diese 
Apparate zur Produktion nicht nur hochfrequenter, sondern auch sehr hoch- 
gespannter Ströme dienen. Die Spannung des speisenden Induktionsstromes 
beträgt im allgemeinen 10 000 — ^20 000 Volt, und diese Spannung steigt bis zu den 
Abnahmestellen des sekimdären Hochfrequenzstromes auf 100 000 — 120 000 Volt. 
Diese kolossalen Spannungen bedingen gewisse Sprüheffekte, die vni weiterhin 
näher betrachten werden. 

Wir wollen nunmehr auf die Funktion eines derartigen Apparates 
als Erreger von Schwingungen ein wenig näher eingehen. Wir wissen, 
daß ein Funkenübergang das auslösende Moment einer Serie von oszilla- 

2* 



20 Fhyiik und Flijaktlogie der Diatbeimie. 

torischen EntUdungen ist. 
Bei BO großen Funkenstrek- 
ken, wie sie in dem D'Ar- 
Bonvalapparst zur Verwen- 
dung gelangen, d. h. Fun- 
kenstrecben von mehreren 
MiUimet^ni bis zu 5 cm 
Länge, entspricht die Zahl 
der Funken Qbei^änge in 
der Funkenstrecke der Zahl 
der Offnungen und Schlie- 
ßungen in dem den Induk- 
tor betreibenden Qneck- 
silberanterbrecher, Weh- 
neltunt^rbrecher eignen 
sich wenig zum Hochfre- 
quenzbetrieb. 

Eine solche in einem 
geschlossenen Behälter an- 
geordnete längere Funken- 
strecke hat nun gewisse 
Nachteile. Infolge des Fun- 
kenüberganges tritt eine 
sehr intensive Ozonbil- 
d u ng und Entstehung von 
salpetriger Säure nebst 
Wasser aus der Atmo- 
sphäre ein. Die Fo^ ist 
zunächst, daß der starke 
Ozongeruch in wenigen 
Sekunden sich im Zimmer 
bemerkbar macht und unter 
Umständen lästig wird, 
auch zu Katarrhen der 
Abb. 12. Sanitaa D'Arsonvalapparat. Schleimhaut führen kann. 

Die Bildung von salpetriger 
Säure greift die Elektroden an. Es treten Oxydationen und Zersetzungen 
ein, die Elektrodenoberflache wird höckerig, steigert allmählich den 
Widerstand, dazu kommt, daß auf den Wänden des Behälters sich. 




Abb. 13 a. ^ 

' UrsptÜDgliche Anordnung Teelas. Abb. 13b. Anordnung D'Arsonvols. 

Schema eines S'ArsoDvalapparatafi. 



'^ 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 21 

Wasser und salpetrige Säure als feuchter, ja nasser Überzug nieder- 
schlägt, und nach einiger Zeit versagt die Funkenstrecke, denn es wird 
der Elektrizität bequemer, sich den feuchten Wänden entlang auszu- 
gleichen, als die schlechter und schlechter funktionierende Funken- 
strecke zu benutzen. Es muß daher ziemlich häufig eine Reinigung des 
Gefäßes und ein Abschmirgeln der Elektrodenflächen stattfinden. Es 
ist empfehlenswert, Wasser und salpetrige Säure absorbierende Sub- 
stanzen in einem Schälchen im Inneren der Funkenstrecke zu längerer 
Funktionserhaltung derselben auf- . ^ 
zustellen. ^ r ] 

Wird statt des Induktors ein 
Hochspannungstransforma- 
tor benutzt, der ohne Unterbre- 
cher an die Wechselstromleitung 
einer Zentrale angeschlossen wird, 
so wird die Zahl der Funken- 
übergänge der doppelten Perioden- 
zahl entsprechend, d. h. 100 pro 
Sekunde. Auch die Quecksilber- 
unterbrecher pflegen eine ähnliche 
Funkenzahl zu produzieren. Da 
nun in den D'Arsonvalapparaten 
des in Rede stehenden Typus die 

Dämpfung eine sehr erhebUche ( ~ 

ist, so entspricht jedem Funken- 
übergang nur eine Zahl von 10 Abb. 14. Diagramm des oszillatorischen 
bis 30 Oszillationen, deren AmpH- Strom Verlaufs eines D*Arsonvalapparates. 
tude von dem Maximum der er- **— ^- Oszillator|che Entladungsperiode 

sten bis zum Werte der zehnten 5.^. StromCesLitervail = ca. ViooSek. 

bis dreißigsten abfällt. Da diese os- c—d. Dem nächsten Funkenübergang in 

zillatorischen Entladungen hoch- <ler Funkenstrecke entsprechende 

frequenteWeUen darsteUen, so , Schwingungsgruppe v. ca. VsooooSk. 

,^ -^ , ^ 1 1 X • 1 d — 6. Stromloses Intervall usw. 

verlauft der gesamte elektnsche 

Vorgang, d. h. die gesamte oszillatorische Funkenentladung, in einem 
minimalen Bruchteil einer Sekunde. Bei derartigen Apparaten 
pflegt die Wellenlänge 300 — 500 m zu betragen, d. h. die Dauer der 
einzelnen Wellen entspricht der Zeit einer Millionstel Sekunde, und 20 
solche Wellen dauern 1 fünfzigtausendstel Sekunde. Da wir 100 Funken- 
übergänge, mithin 100 Wellenzüge oszülatorischer Entladung pro Sekunde 
haben, so schwingt elektrische Energie in derartigen Apparaten etwa 

499 
während des fünfhundertsten Teiles einer Sekunde; hingegen sind -— r 

500 

stromlos. Das beistehende Diagramm zeigt die relativ außerordentlich 

kurze Schwingimgsperiode und die lange Zeit der Ruhepause bis zur 

nächsten Schwingimgsgruppe (Abb. 14). Diese Pause ist so lang, daß 

wir sie graphisch in einer Wellenlinie darstellen mußten, um sie in ihrer 

wirklichen Länge auszeichnen zu können. Während die Ausbeute an 

elektrischer Energie in diesen Apparaten wie ersichtlich eine sehr 



D 




22 Physik und Physiologie der Diathermie. 

geringe ist, ist jedoch, wie erwähnt, die Spannung eine sehr hohe, in- 
folge der Transformation im Oudin sehen Resonator, mid wir müssen 
die ersten Amplituden uns wesentlich höher gezeichnet denken, als sie 
der Raumersparnis halber gezeichnet sind. Da aber schon nach relativ 
wenigen Schwingimgen diese Amplituden zum Werte absinken, ist der 
Abfall von einer Amplitude bis zur nächsten (das sog. Dekrement, 
Abb. 15) ein sehr erheblicher, imd die hohe Spannung kommt daher 

nur in den ersten 2 — 3 Ampli- 
tuden wirküch zur Geltimg, 
während trotz des Resonators 
die weiteren Schwingungen 
schon relativ niedrige Ampli- 
tuden aufweisen. 

Messen wir die effe ktive 
Leistung einesD'Arsonval- 
ap parates mittels eines sog. 
Abb. 15. Das Dekrement einer stark ge- Hitzdrahtamperemeters, 
dämpften Kurve- 5^-^^//^^ so ergibt sich z. B. bei der 

Höhe // Hohe /// Einschaltung des menschUchen 

Widerstandes eine Strom- 
stärke von meist nicht mehr als 20, 30, 80, selten 100 Milliampere, 
während die Spannung, zu deren Messimg wir zwar keine praktisch ver- 
wendbaren Instrumente besitzen, bei dem unbelastet arbeitenden 
Apparat 100 000 — 120 000 Volt beträgt, jedoch bei Zwischenschaltung 
des großen Widerstandes des Menschen auf 10 000 — 20 000 Volt herab- 
sinkt. Das Herabgehen der Spannung bedeutet aber nicht etwa eine 
Transformierung des hochgespannten Wechselstromes in einen 
niedriger gespannten mit entsprechend zunehmender Milliampere- 
zahl, sondern stellt reine Verluste dar, da es bei Wechselströmen, 
besonders bei Hoehfrequenzströmen, die Phasenverschiebung mit 
sich bringt, daß Hochspannung und niedrige Amperezahl durchaus 
nicht niedriger Spannung und hoher Amperezahl zu entsprechen brauchen, 
wie das bei niederfrequenten Transformationen der Fall zu sein pflegt. 
Ein D'Arsonvalapparat arbeitet also zweckmäßig, im Falle wir hoch- 
gespannte Wechselströme hoher Frequenz (eigentliche Tesla- 
ströme) erzeugen und verwenden wollen, d.h. im wesentlichen da, 
wo es auf Sprüh- und Strahlwirkungen ankommt. In allen an- 
deren Fällen, in denen es auf Leistimg von elektrischer Energie 
hinausläuft, arbeitet ein solcher Apparat unökonomisch, da ein großer 
Teil der primär aufgewandten Energie für die nutzlose Produktion 
hoher Spannung aufgezehrt wird. Daß somit relativ wenig für Strom- 
stärkeproduktion übrig bleibt, das geht auch schon aus der Betrachtung 
des Stromdiagramms hervor, welches, wie gesagt, minimale Zeiten 
elektrischer Arbeitsleistung neben riesigen Intervallen zeigt. 

Als es noch keine speziellen Diathermieapparate gab, war es mir 
aufgefallen, daß die Wärmewirkungen der Hochfrequenzströme 
im Tierexperiment bei Abnahme des Stromes an der sekundären Re- 
sonatorspirale viel schwächer ausfielen, als wenn die Stromabnahme 



PhjiEdk, Erzeugung nnd ÄnwendungaweiBcn der Diathermie. 23 

an der primären Spirale stattfand, daß sie also bei geringerer VoltzaU 
größer -waren als bei der Übersetzung auf die hohe Voltzahl der sekun- 
dären ^ule. Ich ließ daher von der Firma Sanitas einen D'Arsonval- 
apparat konstruieren, der so bemessen war, daß er an den Polklemmen 
der primären Spirale bei 
günstigster Einstellung die 
Abnahme von 800—1000 
Milliampere gestattete, eine 
Stromstärke, wie sie außer 
bei einem Versuehsapparat 
D'Ärsonvals in Paris von 
mit an keinem Hochfre- 
quenzapparat geaehep wur- 
de. {Die Abbildung des Ap- 
parates, der im übrigen 
genau dem Schema des 
vorigen entspricht, siehe 
beistehend Abb. 16.) Die 
größere Eneigie dieses Ap- 
parates beruht lediglich 
auf der zweckmäßigen Ab- 
messung der Größen Ver- 
hältnisse der Komponenten 
des Schwingungskreises. 

Zur Zeit, als ich diesen 
Apparat bauen ließ, war in 
der drahtlosen Telegraphie 
ebenfalls noch das gleiche 
S^tem von Apparaten üb- 
lich. Es setzte jedoch gerade 
in diesem Jahre die Ausbil- 
dung neuer Apparattypen 
ein, welche heute eine mehr 
und mehr führende Rolle 
in der drahtlosen Telegra- 
phie und Telephonie spie- 
len, nämhch infolge der 
Einführung der weiter un- 
ten zu besprechenden Poul- j^bb. 16. 
sonlampe und der Wien- SonitAsHocbfrequenzapparat für bipolare Äpplika- 
schen Funkenstrecke als tion mit zweiPaaren von Kondenaatoteij(FIasolien). 
Hochfrequenzgeneratoren . 

Während, wie gesagt, für Zwecke von sprühenden Entladungen 
D'Arsonvalapparate wegen ihrer hohen Spannung mit dem Oudinschen 
Resonator gute Itesultate ergaben, war ihre Anwendung für die Zwecke 
der Diathermie mit Schwierigkeiten verbunden. Infolge der hohen 
Spannung kamen nicht nur Funkenentladungen bei Berührung oder 
Annäherung metallischer Körper leicht unfreiwiUig vor, sondern es 



24 Physik und Physiologie der Diktheniiie. 

bildeten eich auch sehr erhebliche statische Aufladungen der Patienten, 
während andererseits die Enet^e ausbeute, au^edrQckt in der Zahl der 
Milliampere, eine zu geringe war. Ich habe mich daher bemüht, gemein- 
schaftlich mit der Firma Siemens spezielle Diathermieapparate 
zu bauen. Das Resultat mehrjähriger Arbeit konnte ich in Gestalt 
des ersten im Handel befindlichen Diathermieapparates 
auf dem Kongreß in Budapest im September 1908 demon- 
strieren. Dieses Modell war jedoch noch verbesserungsfähig und 
wurde im nächsten Jahre durch das zur Zeit noch fast unverändert 
hergestellte Modell, welches im folgenden näher beschrieben werden 
soll, ersetzt. 

Das Schema des Apparates zeigt die beistehende Abb. 17. 
Wir wollen voraussetzen, daß ein Wechselstrom von 40~-50 Perioden 



Abb. 17. Siemensacher Siatheimieapparat nach Nagelaohmidt. 
SchaltungBf che ma . 

mit einer Spannung von ca. 120 Volt zur Verfügung steht. Dieser 
Strom geht zunächst durch einen richtig bemessenen Rheostaten und 
durchläuft die primäre Spule eines Hochspannungstransformators, der 
diesen niedrig gespannten Wechselstrom auf 2000 Volt transformiert. 
Dieser sekundäre Strom muß eine so hohe Spannung aufweisen, um 
den Luftwiderstand der Funkenstrecke, welche allerdings nur wenige 
Zehntel Millimeter lang ist, zu überwinden. Er tritt sodann in den 
Schwingungskreis ein und lädt den Kondensator K auf, welcher sich 
über die Selbstinduktion W^ oszillatorisch entlädt, sobald in der Funken- 
strecke F die zum Fun kenübe rgang nötige Spannung bei jeder Periode 
des Wechselstromes erreicht ist. Die oszillatorischen Entladungen, 
durch welche der Kondensatorkreis sich entlädt, sind sehr schnell 
und folgen dicht aufeinander. Man kann unter Vernachlässigung der 
Dämpfung die Thompsonsche Formel anwenden (1855): 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 25 

In dieser Formel bezeichnet n die Zahl der Wechsel pro Sekunde, v die 
Läclitgeschwindigkeit, c die Kapazität, l die Selbstinduktion und n 
die liudolfsche Zahl. Der aus Selbstinduktion, Kondensator und 
Funkenstrecke bestehende Schwingungskreis hat- eine durch die folgende 
IFormel bestimmte Schwingimgsf orm : 

i = ^"'''»niaxSinTrni . 

Hierbei bezeichnet t die Zeit, n die Schwingrmgszahl, welche nach der 
Formel 1 berechnet wird, c ist die Basis des natürlichen Logarithmen- 
systems, d ist der Dämpfungskoeffizient, und i ist die MaximalampHtude 
des Stromes. 

Die Schwingungskreise odey der Teslatransformator (ein Transfor- 
mator ohne Eisen) sind so eingerichtet, daß die Selbstinduktion W l 
gleichzeitig als Primärwickelung funktioniert. Infolge der hohen Wechsel- 
zahl (von 10^ bis 10*) ist ein Eisenkern überflüssig imd würde sogar 
scliädlich sein. Er würde nämlich die Zahl der Wechsel herunterdrücken 
und den Wert von W^ auf 10^ erhöhen. Mit dem ersten oben stehenden 
Schwingungskreis ist ein zweiter gekoppelt, welcher aus einer Selbst- 
induktion W^ nnd einem Kondensator besteht. Der hierin schwingende 
Strom fließt durch ein Amperemeter und wird mittels der Anschluß- 
klemmen dem Patienten zugeführt. Das Amperemeter ist ein Hitz- 
drahtinstrument. Für die sekjmdäre Abnahme des Nutzstromes ist 
eine Unterteilung der Windungen der Spirale W^ vorgesehen, um ent- 
weder alle Windungen oder die Hafte zu gebrauchen. Man sieht, daß 
das Schema dieses Apparates in seinen Hauptbestandteilen auf das ur- 
sprüngliche Schema der Hochfrequenzströme (siehe S. 20) sich zurück- 
iühren läßt. Das Besondere daran ist zunächst die Art der Funken- 
strecke. Die oben erwähnte Wiensche Lösch- oder Stoßfunkenstrecke 
erzeugt, wie gesagt, eine große Zahl von Funken und bedingt eine er- 
hebliche Produktion schwingender Energie. Wir können an den Klem- 
men bei metallischem Kurzschluß mehr als 5 Ampere schwingender 
Energie abnehmen. 

Wir haben davon abgesehen, noch leistungsfähigere Apparate zu 
konstruieren, was technisch ja nicht di6 geringsten Schwierigkeiten 
bieten würde. Wir brauchen nur statt der zwei in den vorstehenden 
Apparaten verwandten Funkenstrecken drei oder vier Plattenpaare 
oder noch mehr anzuwenden unter entsprechender Veränderung der 
Leistung des Hochspannungstransformators (2000 Volt), um das Doppelte 
und mehr an Stromausbeute zu gewinnen. Indessen ist für medizi- 
nische Zwecke selbst für die größten chirurgischen Operationen die 
Stromstärke vollkommen ausreichend. Andererseits ist die Möglich- 
keit der Entnahme so exzessiver Strommassen (mehr als 5 Ampere) 
seitens des praktischen Arztes nicht ungefährlich, imd man könnte 
durch ein geringes Versehen die Patienten leicht erheblich verletzen. 

Wir wollen nunmehr die Diathermieströme, die dieser Apparat 
liefert, ein wenig analysieren. Tragen wir die Zeit als Abszisse und die 
Spannung als Ordinate ein! Die Kurve Abb. 18 zeigt die Schwan- 
kungen und Spannungsänderungen an der Funkenstrecke: Der nieder- 



26 Physik und Physiologie der Diathermie. 

frequente Wechselstrom des Transformators (2000 Volt) lädt den Kon- 
densator. Aber bevor diese relativ langsame Welle das durch eine pmik- 
tierte Linie angedeutete AnschweUen bis zu ihrem Maximum durch- 
laufen hat, durchbricht der Funke die Funkenstrecke. Während des 
Funkenüberganges wird jedoch die Luftstrecke in der Funkenstrecke 
ionisiert und leitend, gerade wie ein metallischer Kurzschluß, und so- 
fort sinkt die Spannimg auf ab. Wie oben geschildert, reißt jedoch 
der Funken nach wenigen Oszillationen ab, und sobald er erloschen ist, 
ist der Widerstand der Funkenstrecke wieder da. Die Spannung steigt, 
bis derselbe Vorgang sich wiederholt. 



•^_ 



^"^^^^^^^^ 



Abb. 18. Spannungskurve an der Funkenstrecke. 

Die punktierte Linie zeigt die Kurve des niederfrequenten Stroms, der vom Trans- 
formator kommt und den Hochfrequenzkreis speist. Lange bevor diese Kurve 
ihr Maximum eireicht, bricht der Funke durch. Infolgedessen sinkt die Spannung 
auf und steigt immer wieder bis zu ungefähr dem gleichen Wert an; dieser Vor- 
gang findet wiederholt (in der Figur 14 mal) während eines einzigen niederfrequenten 

Wechsels statt. 

Die große Schwierigkeit Hegt darin, dafür zu sorgen, daß der Funke, 
der an sich die Neigung zur Bildung eines Lichtbogens hat, wirküch 
prompt erlischt. Denn solange er bestehen bleibt, bleibt die Funken- 
strecke leitend, so daß der Strom sich in ihr ausgleicht und den Kon- 
densator nicht auflädt. Professor Max Wien hat gezeigt, daß Funken 
von wenigen Zehntel Millimetern Länge besonders schnell erlöschen. 
Man kann diese Neigimg noch verstärken dadurch, daß man für eine 
prompte Kühlung der Funkenstrecke sorgt. Dies geschieht erstens 
dadurch, daß man die Funkenstrecke in Form einer größeren Fläche 
anordnet. Lifolgedessen treten Funkenübergänge an den verschiedenen 
Stellen dieser Fläche auf, so daß bei genügendem Vorhandensein von 
Metallmassen in der Funkenstrecke die einzelnen Stellen durch Leitung 
sich schnell wieder abkühlen, bis wieder einmal auf ihr ein Funke 
entsteht^). Infolge der minimalen, in der Funkenstrecke eingeschlossenen 
Luftmenge ist auch der Oxydationsvorgang durch die Funkenbildung 
auf den hierfür vorgesehenen versilberten Teilen der Platten ein mini- 
maler. Die Platten sind so konstruiert, daß, wenn man sie direkt auf- 
einander legen würde, die zur Bildung von Funken vorgesehenen Flächen 
sich berühren würden. Durch Einlegen von Glimmerringen von 0,1 
bis 0,3 mm Dicke wird die Entfernung der Funkenstrecke festgelegt 
und durch Einpressen des oder der Plattenpaare in eine geeignete Fest- 

^) Neuerdings erhält die Siemenssche Funkenstrecke eine Vorrichtung zur 
Wasserkü hlung. 



Physik, Erzeugung und AnweaduDgBwejsen der Diatbermie. 



27 



Stellvorrichtung unveränderlich fixiert (siehe Abb. 19). Mit derartigen 
Funkenstrecken kann man Stromspannungen zur Speisung benutzen, 
deren Amplitude viel größer ist als die zum Durchbruch des Funkens 
nötige Spannung, und trotzdem braucht man nicht Lichtbogenbildung 
zu befürchten. Das Funktionieren der beiden Funkenstreoken mittels 



Abb. 19. SiemenBsche Funkenetrecke (Syetem Telefunkcn). 

eines relativ kleinen Transformators (2000 Volt) wird durch Parallel- 
schaltung einer Widerstandsspule noch besser enni^licht. Während 
also mit den D 'Arsen valapparaten bei jeder Phase des speisenden 
Wechselstromes nur ein einziger Funke mit einigen daran anschließen- 
den Wellenzügen erzeugt werden konnte, weil sich nämlich sonst ein 
Lichtbogen gebildet hätte und weitere Funken nicht hätten übergehen 
können, kann man jetzt jeden Wechsel von Niederfrequena mit einer 
ganzen Reihe von Funkenentladungen überdecken, deren Zahl ledig- 
lich von der Ladezahl des Kondensators und der Dämpfungagröße der 
Wellenzüge abhängig ist. In den Figuren 20 und 21 habe ich den Span- 




Abb. 20. Spannunpverlaui am Kondensator während einer positiven Fhaiee des 
primärew Weehselstromea. A Ladeperiode. B Schwingungsperiode. 

nungsverlauf am Kondensator dargestellt, d. h. den Veriauf der Hoch- 
frequenz wellen. Die Kurve Abb. 20 bezieht sich auf die positive 
Phase, die Kurve Abb. 21 auf die negative Phase je eines Wechsels des 
Niederfreqnenzstromes. Der erste Teil der Kurve zeigt den Anstieg 
von bis zur maximalen Spannung, d. h. bis zur Spannung des Funken- 
durchbruchfi an der Funkenstrecke, und entspricht der Ladeperiode 



28 



Physik und Physiologie der Diathermie. 



des Kondensators. Am höchsten Punkt dieser Kurve entsteht der Fun- 
ken und ist der Ausgangspunkt von Hochfrequenzschwingungen, welche 
sehr stark gedämpft sind. Mit diesen Hochfrequenzwellen hat sich 
der Kondensator entladen. Der Funke reißt ab, und es beginnt eine 
neue Ladeperiode A, wobei wiederum die Oszillationsperiode B folgt, 
und so wiederholt sich das Spiel weiter, so lange, wie die niederfrequenten 
WeUen noch genügend Spannung besitzen, um den Funkenübergang zu 
erzwingen. Dann tritt eine Pause ein, bis nunmehr die niederfrequente 
WeUe nach der negativen Seite genügend Spannung erreicht hat, um 
das gleiche, jedoch umgekehrte Spiel (siehe Abb. 21) von Ladeperiode, 
Funkenbildung, Funkenabriß, neuer Ladeperiode usw. zu ermöglichen. 
Die negative Kurve ist natürlich vollkommen analog der positiven imd 
ohne weiteres aus der Figur verständlich. Die Zahl der Funkenüber- 
gänge kann mittels des Rheostaten, der sich vor dem Transformator 




Abb. 21. Spannungsverlauf am Kondensator während einer negativen 

Phase des primären Wechselstromes. 

befindet, innerhalb gewisser Grenzen geregelt werden. Wenn man durch 
Einschaltung von viel Widerstand den Ladestrom schwächt, so ver- 
größert sich die Ladezeit des Kondensators. Wenn man ihn verstärkt, 
so verkürat sich diese Zeit, und die Funkenzahl wird eine größere. Die 
Übertragung von Hochfrequenzschwingungen vom primären Schwin- 
gungskreis auf die sekundäre Spirale, d. h. die Arbeit des Teslatrans- 
formators, ändert nichts an. der Form der Schwingungen. Die sekun- 
däre Spule liefert dieselben sinusoidalen Wellen von gleicher Frequenz, 
die wir aus der Formel (S. 17) für den primären Hochfrequenzstrom 
berechnen können. Nur tritt eine gewisse Beeinflussung dann ein, 
wenn wir den Grad der Koppelung zwischen primärer und sekundärer 
Spule verändern; nämlich wenn wir fester koppeln, so bedeutet dies 
eine größere Energieentziehung aus dem Funkenstreckenkreis. Es 
ändert sich die Funkenzahl, und wir müssen zum Ausgleich Wider- 
stand im primären Netzstromkreis ausschalten. 

Abb. 22 zeigt die äußere Gestalt des Apparates, welcher aus einem 
kleinen, auf Rollen befindlichen Tischgestell besteht, welches den eigent- 
lichen Apparat trägt. In dem Kasten befinden sich die verschiedenen 
Spulen, der Hochspannungstransformator und der Kondensator, den 
Deckel bildet eine Marmortafel, auf der sich die Funkenstrecken E be- 
finden, welche durch eine Haube vor Berührung geschützt sind. Die 



1. Älteres Modell. 



Fhydk, Erzeugung und Anwendnngsweisen der Diathermie. 



primäre Zuleitung zum Konden- 
sator resp. zur Funkenstrecke ist 
derartig geführt, daß sie durch 
diese Haube erat geachJoBBen wird. 
Nimmt man die Haube ab, um 
die Funkenstrecke zugänglich zu 
machen, so ist der Strom unter- 
brochen, und man kann die strom- 
lose Funkenstrecke ohne Gefahr 
berühren. Wäre diese Vorsichts- 
maßregel nicht getroffen, und 
könnteman die Haube abnehmen, 
ohne den Strom zu unterbrechen, 
so würde die Gefahr bestehen, 
daß man gel^entlich einmal sich 
einem elektrischen Schlag von 
2000 Volt Spannung aussetzte. 
Die Zuleitung P führt den primä- 
ren Strom, d. h. den oben ge- 
schilderten Wechselstrom, in den 
Apparat hinein. Dieser Strom 
kann entweder durch den Schal- 
ter D, welcher sich auf der Mar- 
morplatte befindet, geöffnet und 
geschlossen werden, oder bei 
offenstehendem Sc halter D durch 
einen Fußschalter (Abb. 22a, b). 
An der Vorderseite des Kastens 
befindet eich der ßheostat, durch 
welchen der prin^re Speiseatrom 
r^uhert werden kann. Die Pole 
0, 1, 2 dienen zur Stromabnahme 
für den_ Patienten. steht mit 
dem einen Ende der sekundären 
Flachapule in Verbindung, 2 mit 
dem anderen Ende, während 
durch Anschluß an und 1 etwa 
die Hälfte der Windungen der 
Spule benutzt wird. Verwendet 
man diese letztere Schaltung, so 
erhält man einen Strom von rela- 
tiv niedriger Spannung, nämlich 
ungefähr 200 Volt, während wir 
zwischen A und C 800 Volt zur 
Verfügung haben. Umgekehrt ist 
natürUch die Strommenge in 
Ampere bei der niedrigen Span- 
nung wesentlich höher als bei der 



2. Neues Modell. 
Abb. 22. Die äußere Ansicht des SiemenB- 
Bchen DiathermJeapparates nach Nagel- 



30 Pbyäk und Fhynotogie dei Diftthennie. 

hohen. In der Mitte der Mannortafel befindet sich noch ein H»Dd- 
grifi L, welcher um sein eines Ende drehbar ist, und der durch diese 
Drehung gestattet, die Koppelung zwiBchen primärer und sekundärer 
Spule zu variieren. Die Variationsmöglichkeit ist eine aehr große und 
gestattet eine Variationsbreite 
von wenigen Milliampere bis 
zum Maximum der Leistung. 
Das Amperemeter ist im 
sekundären Stromkreis einge- 
schaltet und zeigt die dem 
Patienten zufließende Strom- 
stärke an. Zum Betrieb des 
Apparates werden bei 120 Volt 
Wechselstrom ca. 2 — 9 Am- 
pere benötigt. Die Haupt - 
eigenschalten, aul welche ich 
bei der Konstruktion des Sie • 
mensBchen Apparates Wert 
a) von Siemens \^^^ sparen nächst der Er- 

zeugung eines möglichst nied- 
rig gespannten, faradisations- 
freien Hochfrequenzatromes : 

1. Ausreichende Maximal- 
leistung. 

2. Möglichst einfache imd 
vollkommene Reguher- 
fähigkeit durch Betäti- 
gung eines einzigen He- 
fa) von Sanitaa ^^' ^^' primäre Eheo- 

Abb. 22a u. b. FußBohalt^r. ««** t^l^i^t meistauf einer 

mittleren Stellung. 

3. Begulierfähigkeit ohne sprunghafte Veränderung der Strom- 
stärke. 

4. Dauerndes, störungsfreies Funktionieren auch bei intensiver 
Inanspruchnahme. 

5. Konstante, nicht regulierbare Funkenatrecke ohne Spiritus- 
versorgung. 

6. Kleinheit, leichte Bewegunga- und Transportmöglichkeit des 
Apparates. 

7. Geringer primärer Stromverbrauch. 

Hat man keinen Wechsebtrom zur Verfügung, so kaiui man auch 
Gleichstrom verwenden, muß jedoch diesen Gleichstrom erst durch einen 
sog. Einankerumformer in Wechselstrom verwandeln. Lange bevor 
der Siemenssche, in Gemeinschaft mit mir konstruierte Diathermie- 
apparat fabrikationsmäßig fertig gestellt war, war aus verschiedenen 
Gründen eine St^nation in den diesbezüglichen Arbeiten eingetreten. 
Ich ging deshalb, da mir daran lag, mißlichst schnell therapeutisch 
brauchbare Apparate zur Verfügung zu haben, auf das Ansinnen der 



Physik, Eizeugung und AnwendungeweiBen der Diathermie. 



31 



Polyfrequenzelektrizitätogesellachaft zu Hambui^ ein^), unter meiner 
Anleitung einen Diathermie apparat zu konstruieren. Das Besultat 
dieser Arbeit ist der kombinierte Polyfrequena ■ Diathermie- 
und Röntgenapparat, welcher kurz beBchrieben werden soll (siehe 
Abb. 23): 



Abb. 23. Äußere Ansicht des Folyfrequenz -Diathermie- und 

' Böntgenapparat«s. 




Abb. 23 a. Schema des Fol3rfrequenz-I>iathermieapparatea 
nach NageUchmidL 



') Die PolyfrequenzgeaellBchaft ist nach kurzem Bestände in Liquidation 



32 



Physik und Physiologie der Diatbennie. 



Das Schema des Apparates ist aus der Abb. 23 a ersichtlich. Der Apparat 
ist für Spannungen Ton 110» 220 oder 440 Volt Gleichstrom konstruiert. Nach 
dem Passieren von Sicherungen 8% wird durch eine Steckdose D ein Strom ent- 
nommen, der mittels eines Anlassers dem rotierenden Motoranker Ma zugefCihrt 
wird. Aus der Ankerwicklung kann über zwei Schleifringe Wechselstrom ent- 
nommen Werden, dessen Wechselzahl in der Sekunde etwa 100 ist. Der Wechsel- 
strom wird nun über einen Regulierwiderstand B an einen Strommesser / d»* 
primären Wickelung P eines ruhenden Transformators T zugeführt uikI durch 
die sekundäre Wickelung S höherer Windungszahlen auf die hohe Spannung vcm 
2000 Volt gebracht. Diese Wechselstromspannung wird zur Erzeugung von Hoch- 
frequenzschwingungen benutzt. War bereits Wechselstrom im Stra&nnetz vor- 
handen, so fällt die rotierende Maschine fort, und der Apparat beginnt bei der 
punktierten Linie. Die Wechselstromhochspannung von 2000 Volt dient nun dazu, 
einen Kondensator C 1 aufzuladen, dessen Ladung sich alsbald über eine*Spule X 1 
und eine eigenartige Punkenstrecke F von 0,2 — 0,3 mm Länge ausgleicht. Es wird 




Abb. 24. Stark gedämpfte Oszillationen (a) des Polyfrequenzapparates 
mit Darstellung der Stoßerregung im sekundären Kreis (b). 

also auch hier ein' Hochfrequenzstrom erzeugt. Nach Angabe der Polyfrequenz- 
gesellschaft ist der Wirkungsgrad 75 % der aufgewandten Niederfrequenzenergie 
in Form schwingender Energie. Auch in diesem Apparat ist jeder Funkenübergang 
der Ausgangspunkt einiger weniger, sehr stark gedämpfter Oszillationen (Abb. 24). 
Die Zahl der Funkenentladungen kann durch Regelung der Distanz der Funken- 
strecke, d. h. durch Regelung der Funkenlänge und Variation des primären Stromes 
zwischen wenigen Hundert bis ca. 50 000 in der Sekunde variiert werden. Da aber 
immerhin die Pausen zwischen den einzelnen Oszillationsgruppen ziemlich groß 
sind, jedenfalls größer als die Oszillationsperioden selbst, ist an Stelle der einfachen 
sekundären Spirale des gewöhnlichen Teslatransformators ein sekundärer aus 
Selbstinduktion und Kapazität bestehender Schwingungskreis eingeschaltet 
worden. T 1 ist die mehrfach unterteilte Selbstinduktion, C 2 der Kondensator, 
/ das Meßinstrument. Dieser Kreis ist so bemessen, daß er mit dem ersten resonanz- 
fähig ist. Wenn wir mm in der Abb. 24 die oszillatorischen Wellengruppen a, 
die sich an die Funkenübergänge in der Funkenstrecke des Schwingungsfareises / 
anschließen, darstellen, so sehen wir den durch die Stoßerregung der Funken- 
oszillationen zur Resonanz und zum längeren Weiterschwingen gebrachten sekun- 
dären Resonanzschwingungskreis 6, so daß wir es fast mit einem kontinuierlichen 
Wellenstrom zu tun haben. Die Unterteilung der sekundären Spirale (Selbst- 
induktion) ermöglicht, zwischen den der sekundären Unterteilung entsprechenden 
Polklemmen und 1 eine sehr kleine Spannung mit hoher Amperezahl, zwischen 
und 2 eine etwas höhere, zwischen und 3 eine noch höhere, zwischen und 4 



I 




Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 



33 





die h.öobste Spannung, welche den größten Widerstand zu überwinden vermag, 
aber eine relativ geringere Ausbeute an Milliampere liefert, einzuschalten. 

Der Polyfrequenzapparat bietet jedoch den weiteren Vorteil, daß 
mau durch einfaches Umschalten, d. h. Drehen einer Kontaktscheibe, 
d.eii Apparat sowohl für D'Arsonyalisation (Solenoid, Douche, Funken- 
entladungen, Kondensatorbett) wie auch zum Betriebe von Röntgen- 
röhren benutzen kann. Die theoretische Begründimg der Möglich- 
keit eines Röntgenbetriebes mittels Hochfrequenzströmen war die 
folgende : 

Jede Vakuumröhre bildet einen Kondensator, dessen Belegungen durch die 
Anode und die Kathode sowie die aus freier Elektrizität sich aufl^enden Glas* 
wände dargestellt werden. Während die Kathode sich negativ auflädt, wird die 
Anode positiv. Um schließungslichtfreies Köntgenlicht zu erhalten, genügt es« 
die Kathode der Bohre mit dem Endpunkt der sekundären Spirale in Verbindung 
zu bringen. Diese eine Zuleitung genügt, um die Röhre zu betreiben. Infolge* 
dessen wird die Röhre im wesentUchen nur von den Kathodenstrahlen durchflössen 
und leuchtet wie mit Gleichstrom 
betrieben auf. Um eine gute 
Röntgenausbeute zu erzielen, ist 
in dem Polyfrequenzapparat noch 
ein zweites Paar Schwingungs- 
kreise eingebaut, die aus Abb. 25 
ersichtlich sind. Durch Betäti* 
gung des Umschalters wird die 
Fuiäenstrecke auf den .neuen 
Schwingungskreis umgeleitet. 
Diese zur D'Arsonvalisation und 
zu Böntgenzwecken dienenden 
Schwingungskreise bestehen auch 
wieder aus einem primären Kreis, 
der aus der gemeinschaftlichen 
Funkenstrecke, einem Konden* 
sator cm, einer Selbstinduk* 
tion I^ besteht. Die sekundäre Abb. 25. Schema der Röntgenstrahlenschaltung 
Spulebestehtjedoohhierauseiner des Polyfrequenzdiathennieapparates nach 
großen Anzahl Windungen dün* Nagelschmidt, 

nen Kupferdrahtes imd ist ca. 

75 cm hoch. Die primäre Spule L, ist in Form einiger dicker Drahtwindungen 
um das imtere Enae der Spule L^ umgelegt. Dieser zweite Schwingungskreis ist 
ein sogenannter offener. Das untere Ihade der Spule L^ wird geerdet, und Anode 
der Bohre, Luftschicht und Erde bilden den Kondensator dieses zweiten Sohwin- 
ffungskreises. Durch Veränderung der Funkenlänge, d. h. durch Drehen der einen 
Platte der Funkenstrecke, läßt sich auch die Hochfrequenzspannung dem Härtegrad 
der Röntgenröhre nicht nur in geeigneter jWeise anpassen, sondern dieser Härtegrad 
ist sogar in gewissen Grenzen modifizierbar, d. h. ohne das Vakuum der Röhre 
zu ändern, ist eine gewisse Regulierungsbreite des Härtegrades möglich. 

Vor einigen Jahren hat die Firma Siemens auf meine Veranlassung auch 
ein Zusatzinstrumentarium für den Röntgenbetrieb zu dem Siemenssohen 
Apparat konstruiert. Die gedrungene imd raumökonomische Konstruktion des 
Siemensschen Apparates gestattet nicht mehr die Anbringung einer größeren 
Spule sowie des zweiten Schwingungskreispaares auf dem gleichen Tisch. Es 
mtrde daJier ein zweiter fahrbarer Tisch klemerer Dimension hergestellt, der das 
Böntgeninstrumentarium trägt. Dieses wird mittels zweier Stöpsel in Kontakte 
neben der Funkenstrecke des Diathermieapparates auf der Marmortafel gestöpselt 
(Abb. 26). Ist dies geschehen, so sind die diathermischen Schwingungskreise 
stromlos, imd bei Einschaltung der Funkenstrecke, d. h. des Diathermie-Apparates, 
arbeitet nur das Zusatzröntgeninstrumentarium. 

Nag eUchmi dt, Diathermie. 2. Aufl. ^ 



34 niyaik ood Physiologie der Diathermi«. 

Die soeben beschriebenen Diathermieapparate sind seit 1908 
resp. 1909 im Handel erhältlich. Etwas später erschienen die von der 
Firma Lorenz nach Angabe von Dr. v. Berndt konstruierten Hoch- 
frequensapparate. Diese benutzen nicht Funkenstrecken mit gerin^m 
Abstand, sondern bedienen sich als Erregers der Hochfrequenzschwin- 
gungen der Poulsenlampe. Das Phänomen, ungedämpfte elektrische 
Schwingungen durch Üchtbogen -Entladung zn erzielen, war schon 



Abb. 26. AuachluB des Instrumentariuius für D'ÄreonTalieation und 
Böntgenzwecke an den Siemeneechen Diathermieappamt. 

Elihu Thompson 1893 bekannt und von Duddell 1901 (singende 
Bogenlampe) weiterentwickelt. Poulsen verbesserte die Methode, 
indem er die Kühlung des Lichtbogens durch eine Wasserstoffatmo- 
sphäre verstärkte, den Lichtlx^en durch Blasen mittels eines Magneten 
auseinanderdrängte und daher seine Oberfläche vergrößerte, was eben- 
falls erhöhte Kühlung verursachte, und indem er die Elektrode rotierend 
konstruierte, so daß Schlackenbildung infolge dauernden Haftens des 
Lichtbogens an einer einzigen Stelle vermieden wurde. Wenn man nim 



Physik, Erzeugung und Anwendungsweisen der Diathermie. 35 

an Stelle der Funkenstrecke eine Bogenlampe in den Schwingungskreis 
einschaltet, so erhält man sehr gleichmäßige sinusoidale Schwingungen. 

Aber Lichtbogenapparate besitzen große JN^achteile. Zunächst 
ist die Energieleistung eine relativ geringe. Soll eine große, schwin- 
gende sekundäre Energieabnahme möglich sein, so muß das Lampen- 
modell entsprechend umfangreich, schwer und kostspielig werden. Die 
Bogenlampenapparate, die mir bekannt sind, zeigen femer sämtlich 
die unangenehme Eigenschaft, daß jede plötzliche größere Energie- 
entziehung aus dem sekundären Hochfrequenzkreis das Funktionieren 
,der Bogenlampe erheblich beeinflußt, ja sie zum plötzlichen Erlöschen 
bringen kann. Sobald aber der Lichtbogen erheblich schwankt oder gar 
abreißt, setzt plötzlich die Hochfrequenzschwingung aus, und die 
Patienten. erleiden nicht unerhebliche, mitunter auch gefährliche Stoße 
und Schläge. Da eine Bogenlampe stets ein recht empfindlicher Me- 
chanismus ist, der zumal bei Belastungsschwankungen dauernde Nach- 
regulierung erfordert, ist es für den nicht elektrotechnisch geschulten 
Arzt schwierig, die Einregulierung schnell vorzunehmen, und ich habe 
auch Ligenieure minutenlang an der Lampe manipulieren sehen, ehe 
sie sie zum gleichmäßigen Funktionieren brachten. Daß derartige Vor- 
kommnisse z. B. bei einer Diathermieoperation verhängnisvoll werden 
können, auch z. B. bei Nervösen und schwer Herzkranken aufregend 
imd schädigend wirken, liegt auf der Hand. Aus diesen Gründen haben 
sich die Bogenlampengeneratorapparate, welche ursprünglich, und soviel 
ich weiß, auch jetzt noch von Zeyneck und seinen Mitarbeitern be- 
nutzt werden, keiner größeren Verbreitung in der Ärztewelt erfreuen 
können. Es kommt eben für die praktische Verwendung am Kranken- 
bett und in der Sprechstunde ganz wesentlich darauf an, einen stets 
funktionsfähigen und bei wechselnder Belastung störungs- 
frei arbeitenden Diathermieapparat zur Verfügung zu haben. 
Jede Regulierung am primären Schwiilgungskreis bedeutet daher 
für die Praxis eine Erschwerung und für den Arzt eine Komplikation.. 

Die äußere Gestalt des Diathermieapparates der FirmaReinigeTj, 
Gebbert & Schall zeigt die umstehende Abb. 27. 

Der wesentliche Teil des Apparates ist auch hier die Funkenstrecke, welche, 
wie bei dem Siemensschen, aus Kupferplatten besteht. Indessen ist eine Regu- 
lierung der Platten zueinander durch eine Regulierechraube vorgesehen. Zur 
Erzielung einer relativ hohen Funkenzahl ist bei diesem Apparat von der gleichen 
Methode Gebrauch gemacht worden, welche zur Kühlung des Lichtbogens der 
Poulsenlampe verwandt wird. Diese Kühlung bezweckt auch hier, die Zahl der 
Funken wesentlich zu erhöhen, und zwar angeblich auf 20 000 — 25 000. Dies wird 
erreicht dadurch, daß man vor Inbetriebsetzung des Apparates Spiritus in die 
Funkenstrecke hineingießt. Es wird hierbei durch die ersten Funkenübergänge und 
die damit verbundene Verbrennung des Spiritus eine Wasserstoffatmosphäre er- 
zeugt, welche durch ihr gutes Wärmeleitungsvermöjren wesentlich besser kühlt 
als Luft. Die Reg'^lurg des Patientfnstromes erfolgt durch Verechieburg der 
Stoßkreisspule gegenüber der feststehenden Patientenspule. Zur Aufnahme der 
überschießenden Energie bei ger'nger Stromentziehung dient ein Ballastkreis^ 
der aus einer festeingebauten Spule und zwei Kohlenfadenglühlampen von* 
110 Volt 50 NK. besteht. Zwischen den beiden feste' ngebauten Spulen (Patien- 
tenkreis und Ballastkre's) bewegt sich die Stoßkre'sspule so, daß in allen Stel- 
lungen eine ungefähr gleiche Belastung der Funkenstrecke usw. erfolgt. Eini 

3* 



36 Physik und PhyBiologie der Diathermie. 

Amperemeter gMMttet, den Patienteoatrom «bzuleaeQ. Dieaer vrird «bgenonunen 
an are[ »uf der HonuorpUtte angebrachten Klemmen A, B, C, wovon A und ß 
für normale Diathermie, A und C für BehanJIung großer Widers t&nde dient. 
Koagulation un-l Kaltkauitik sind ebenfalli anter AnachiaB an dieselben Klem- 



PacaUel sn dienn Klem- 
men li^ea zwei Yerteilerwider- 
sUnde, die im Unterteil des 
Apparates fest «ngebaat txa-i 
mit Zugstangen mr Regelung 
ausgerüstet >ind. Unter den 
Zugstangen li^n die für jeden 
Vertoiler in Frage kommenden 
Ansidi InSklemmen. 

Der Apparat ist komplett 
zum AnsohluB an Weoliael- 
gtrom. Bei AnaohloB an Gleidl- 
atrom mnB ein Gleiohatrom- 
Wechaelstr.'m -Umformer vor- 
geschaltet werden. 

Dieser neue Apparat ( Abb. 
27 b) dient znr Änafähranij; 
kleiner Oigandiathenoie. B? 
ist apez. gebaut zur Verwen- 
dnng dnräi Angen-, Ohien-, 
Hals- und Naeen-, sowie Bla- 
MDspedaliaten, da er mit ge- 
ringen Strömen fein doaier^r 
zu arbeiten gestattet. DieAr- 
beita#eise des Apparates ent- 
epricht derjenigen des lltenno- 
flnz. Der Apparat beeitrt edne 
genügende jCeistungBfihigkeit 
und zeichnet aioh dadureh ate, 
daß er infolge dergioBen Vari- 
abilität der Spannung des Hoob- 
freqaenznutEStromes sowohl f&r 
Diathermie als auoli fOr D'Ar> 
sonvalisatdon ge^gnet er- 
scheint. & hat nurdengroBen 
Nachtöl der Begulio'barkeit 
der SHmkenatrecke und der 
notwendigen Beschickung die- 
ser mit i^ohoL Die Regiiliet- 
barkeit dxr IHmkenstceoke et- 
fonl«t nämlich eine nicht 
uneiiieblicbe Obong, um den 
Appuat stets auf mSgUchst 
gro&tt' Lristunsfihigkeit ■□ er- 
halten, und das DOtWEodige 
Aufgießen von Spiritas, otäae 
Abb, 2Ta. K«t)Mnni«*ppM«t mn den das Funktionieftti dw 

RMnig<iT.'.ii''bb«rt & Schall. FuiAeDSti«oke an sehr vU 

ungünstige?«« ist, wird kidit 
Tvt^P^snu «xmaoh dann meist ein Au«>einaudenteluiwu d» Funkenstrecke und 
AttM^mii^oln (Wc tn(cil]»> IiohlbofN>nbilduag entstandenen Schlacken notwendig 
wird. iW .^itnafatr. »fk-be mit waaswtstoflfreiw »md lücht reguliwbarer Fnnken- 
Miwkc art<e»pn. sind dah*r für JiJrTtli<'he Zwwkr VFvsMitlich beqwnwr and vid 
l«*chter ») brdiicnoit. (.Abb. He.) 



^yeik, Erzeugung und Anwendungaveisen der Diathnmie. 37 

Es werden auch von anderen Finnen, so von Sanitas in Berlin 
(Abb. 28), Koch & Sterzel in Dresden und von der Medizinisch- 
TechniBchen Company in Berlin kräftige Diathermieapparate gebaut, 
während einige sonstige mir bekannte Apparate keine ausreichende 
Enei^eentfaltung gestatten. 



Abb. 27 b. Mikrotherm von Reiniger, Oebbert & ScbalL 

Schwache Diathermieapparate, welche maximal weniger als 
1 Amp. bei ca. 200 Volt Klemmenspannung liefern, sind höchstens 
für kosmetische Zwecke verwendbar. Wirklich universell brauchbare 
Apparate müssen bei Verwendung von Handelektroden am Erwach- 
senen 60O—700 

Milliampere 
durch die Arme 
hindurch und bei 
Verwendung von 
großen Flächen- 
elektroden durch 
die Brust hin- 
durch 2000-3000 
Uilliampere an 
Hochfrequenz- 
enei^e liefern. 
Da die verschie- 
denen Apparat- 
typen im übrigen 
auf denselben be- 
reits geschilder- 
ten Grundprinzi- 
pien beruhen, erscheint eine Einzelbesprechimg an dieser Stelle über- 
flüssig, und ich verweise bezüglich näherer Einzelheiten auf die Kata- 
loge der betreffenden Firmen. 

Eine neue Methode zur Eraeugimg von Hochfrequenzströmen wird 
neuerdings aus der Röntgentechnik übernommen, nämlich mittels Glüh- 



3g Phj'sik uod RijBiologie der Diathermie. 

kathodenerregung : Als Funkenstrecken in diesen Apparaten dienen Elek- 
tronenröhren {nach demPrinzipderCoolidgeröntgenröhren).S'efunktioni©- 
ren absolut konstant bei glei chbleibende rNetzepannung und liefern bei rela- 
tiv geringen Spannungen eehr große, vielleicht gefährlich groBe Enei^en . 
Nach den Toistehenden Angaben wird es dem aufmerksamen Leaer 
nicht schwer fallen , sich ein Urteil über die Leistungsfähigkeit und Qualität 
der zurErzeugung vonHoch- 
frequenzströmen konstru- 
ierten Apparate zn bilden. 
Bei der großen Un- 
gleichmäßigkeit der L?i- 
stung^röBe und der Funk- 
tionsart der verschiedenen 
Hochfrequenzapparate it<t 
es wichtig, stets wieder zu 
betonen, daß zur Erzeugung 
sicherer Resultate, soweit 
die Apparatur in Frage 
kommt, das Vorhanden- 
sein einer genügenden 
Strommenge geeigne- 
terForm gewährleistet 
seinmuß. Ichhabeschon 
1907 (Vortrag im Verein für 
innere Medizin) die Ver- 
schiedenheit der Resultate 
der einzelnen mit Hochfre- 
quenz arbeitenden Forscher 
zum Teil auf die Verschie- 
denheit und die verschie- 
dene Leistungsfähigkeit der 
Apparaturen, mit denen sie ■ 
arbeiteten, zurückgeführt, 

Abb. 28. M.th™«pj«.t d» Veü.werk.. ™<'^ ■"<•'? ?'f?°''°°L'* 
•^ auch wiederholt später, 

z. B. von Braun war th, Bergoniö und anderen akzeptiert worden. Ich 
mnß daherdringendmeine wiederholt auf gestellte Forderung 
betonen, bei der Mitteilung von Resultaten oder Mißerfolgen 
der Hochfrequenzbehandlung Art der Apparate, Spannung, 
Stromstärke und Applikationsart zu beschreiben, da ohne 
diese Daten eine kritische Beurteilung unmöglich ist. 
A DwendnufMiten. 
Wir wollen nunmehr die physikalischen Grundlagen der 
einzelnen Applikationsarten, wie sie in der Medizin üblich sind, 
einer kurzen Betrachtung unterwerfen. 

Die älteste, aus den Arbeiten Teslas hergeleitete, von D'Arsonval 
in die Therapie eingeführte AppUkationsart war die Behandlung im 
Solenoid. Der für diese Zwecke konstruierte Apparat besteht aus einer 



IPhysik, Erzeugung und Änwendnnga weisen der Diathermie. 39 

X)ralLtspirale von ca. 16 — 20 Windui^n eines mehrere Millimeter dicken, 
niclit isolierten blanken Kupferdrahtea oder Kupferstreifena, Der Durch- 
mesBer cLer Spirale Ut derü^ig bemessen, daß ein erwachsener Mensch 
bequeiuL darin stehen, sitzen oder Uegen kann. Für die beiden ereteren 
Stellungen des Patienten wird die Achse der Spirale senkrecht ange- 
ordnet. Die Spirale wird entweder in einem geeigneten Holzgestell 
hochziehbar aufgehängt (Abb. 29) oder der Raumergpamis wegen an 
der Decke investiert und zum Herunterlassen eingerichtet. Es gibt 
auch Spiralen in Form eines Käfigs, d. h. eines polygonalen Holzralimens, 
der mit einem 2 cm breiten Band aus flachem Kupferblech spiralförmig 
umwickelt ist. Der Käfig enthält eine 
Tür, die in der Länie der Angel sowohl 
■wie des Türanschlf^ auf der anderen 
Seite ein Durchtrennen der Kupferband- 
^ndungen nötig macht. Hier liegt eine 
konstruktive Schwierigkeit ; denn bei wie- 
derholtem öffnen und Schließen, 'd. h. 
nach einigem Gebrauch des Apparates er- 
weisen sich die Kontakte, die meistens 
federnd hej^estellt werden, als unexakt, 
und ein einziger schlecht funktionierender 
Kontakt genügt, um die Leistung des Ap- 
parates auf ein Minimum herabzusetzen 
und die schwingende Energie in niederfre- 
quente Entladungen überzuführen, i Man 
hat auch ein Bett konstruiert, welches von 
einem solchen Solenoid mit horizontaler 
Achse umgeben ist und die Behandlung 
des Patienten in liegender Stellung ermög- 
licht. Auch hier ist die Schwierigkeit der 
Konstruktion sicherer Kontakte erhebUch. 
Wegen dieser konstruktiven Erschwerung Abb. M. Solenoid in Höh estell. 

:_j 11 _ ■ j II j- u zum Hochziehen angeordnet, für 

Wird allgemem das aUeidings unbequeme Autokonduktion. (SiemenB k 
Herablassen der ziemlich gewichtigen an Halske). 

der Decke oder einem Ciestell suspendier- 
ten Spirale im Interesse einer besseren Funktion bevorzugt. Man 
wendet die Spirale an, indem man ihre beiden Enden an Stelle der 
primären Selbstinduktion in den primären Schndngungskreis ein- 
schaltet. Dies setzt voraus, daß die Bemessung der Sph^le eine 
richtige ist, um eine genügende Ausbeute an schwingender Energie 
zii hefem. Da aber meistens der Unterschied in der Dimensionierung 
der primären Spule des Schwingungskreises und der Solenoidspirale ein 
sehr erheblicher ist, empfiehlt es sich bei der Wahl eines D'Arsonval- 
apparates, darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Umschaltung auf einen 
größeren Kondensator oder auf eine Vei^rößerung des vorhandenen 
Kondensators mögUch ist, um genügend reichliche schwingende Energie 
zu produzieren. Bei den Diathermieapparaten, bei denen eine relativ 
sehr große Ausbeute schwingender Energie eo ipso zur Verfügung steht. 



40 Füysik und Phyaiologie der DwUiennie. 

genOgt es zumeist, das Solenoid an die zur Stromabnahme für die Pa- 
tienten Toi^esehenen Klemmen zu achalten mid einen geeigneten Kon- 
densator an ihm anzubringen. 

An Stelle des großen Solenoids habe ich von der Firma Foly- 
{requenz ein kleines, an einem speziellen Stuhl befestigtes 
Solenoid konstruieren lassen, welches die Abb. 30 zeigt. Es dient 
dazu, die schwingende Energie, die sich in dem groikn Solenoid auf 
einen relativ sehr großen Kubikinhalt 
verteilt, auf einen kleinen Raum zu kon- 
zentrieren, der die Aufnahme des 
Kopfes eines Patienten gestattet. 
Man kann auf diese Weise den Kopf der 
Behandlung in einem intensiv elektro- 
magnetisch oszillierenden Hochfre- 
quenzfeld unterwerfen. Ein Solenoid 
von noch kleinerem Durchmesser 
und etwas länghcher Anordnung dient 
zur Aufnahme der Hand und des Armes 
oder des Fußes und eines Teils des Beins 
und zur Behandlung dieser Körperteile. 
Eine zweite, schon seit Beginn 
der Hocbfrequenzbehandlung übliche 
Applikationamethode ist die auf dem 
Kondensatorbett. Das von Apo- 
Btoli konstruierte Kondensator- 
bett besteht aus einer isolierenden 
Matratze, welche auf einem HoIzgeateU 
angeordnet ist'). Zwischen ihr und dem 
Holzgestell befindet sich eine Metall- 
belegung, welche an den einen Pol des 
D'Arsonvalapparates angeschlossen 
wird. Legt sich der Patient auf diese 
Matratze und nimmt eine mit dem an- 
Abb. 30. Kopfsoienoid mit Stuhl deren Pol des D'Arsonvalapparates ver- 
nach NagelBchmidt (Pol7A«quenz). bundene Metalle lektrode in eine oder 
beide Hände, so bildet er gewisser- 
maßen mit der Matratze zusammen das Dielektrikum eines Konden- 
sators, also gewissermaßen die Glasscheibe einer Leidener Flasche. 
Man kann ihn auch, da er als geladener halbwegs guter Leiter zu be- 
trachten ist, als eine Belegung eines Kondensators betrachten, von 
deren anderer Belegung er dur<3i die isolierende Matratze getrennt ist. 
Im Juli 1911 habe ich eine auf einem ganz anderen Prinzip be- 
ruhende Modifikation des Kondensatorbettes auf dem Kongreß der 
British Medical Society, Birmingham, demonstriert. Das Konden- 
satorbett in der oben geschilderten Form (Apostoli) genügte voll- 
kommen für den Bedarf, solange nur D'Arsonvalapparate zur Ver- 
fflgung stan den. Die Apphkation der einen Elektrode an einer oder 
*) Auch in Form eines Sofaankelstuhlee ansgefithrt. 



I%ysik, Erzeugung and AnwendungBVfisen der Diathnmie. 41 

iDeiden Händen war für diese 8troniart ausreichend; denn die MiUi- 
B-mperezalil der üblichen D'Arsonvalapparate war weit unterhalb der 
Grenze, welche als die Toleraazgrenze der Hiuidgelenke ' für Hooh- 
frequenzströme (siehe unten) anzusehen ist. Durch die Einführung 
cler großen Hqchfrequenzenei^fn, welche von guten Diathennie- 
a.pparaten geliefert werden, stehen jedoch nunmehr Strommen gen zur 
Verfügung, welche die Toleranz der Handgelenke bei weitem über- 
schreiten. Während wir ca. 300 — 400 Milliampere für jedes Handgelenk 
alB das Maximum längerer Stromzufuhr betrachten, wären wir in der 
X<age, mittels des Kondensatorbettes dem Körper viel höhere Strom- 
mengen zuzuführen. 300 — 400 Milliampere, auf die ganze TJnterfläohe 
des Körpers verteilt, stellen eine minimale Stromdicht« dar. Ich habe 



daher das Kondensatorbett dahin modifiziert, daß ich da« Holz- 
gestell mit einer Metallunterlage und einer isoherenden Hartgummi- 
platte darüber beibehalten habe, dagegen an Stelle der Applikation 
mittels metallener Handelektroden gewissermaßen ein zweites um- 
gekehrtes Kondensatorbett in Form einer biegsamen Decke 
zugefügt habe. Diese Decke besteht aus einer Weichgummiplatte, 
weiche von den Füßen bis an den Hals des Patienten reicht und so breit 
ist, daß sie ihn vollkommen bedeckt. Abgesehen von einem Rande 
von ca. 6 cm ringsherum, ist die dem Patienten al^ewandte Seite der 
Hartgummidecke mit einem feinmaschigen Metallnetz aus Messing- 
drahtgeflecht überzogen oder mit einem dünnen Aluminiumblech be- 
legt, welches an den anderen Pol des D'Areonvalapparates angeschlossen 
wird. Wir können nunmehr einem solchen Kondensatorbett beliebig 
große Strommengen zuführen und enorme Intensitäten schwingender 
Ehiei^e im Vergleich zu früher applizieren (Abb. 31). 



42 PhjHk ood Physiologie der Dikthcniue. 

Physikaliscli ist hierbei noch zu bemerken, daB die Applikation 
einer kleinen Kondenaatorelektrode einen minimalen Übei^ang schwin- 
gender Energie in den Patienten gestattet. Wendet man dagegen 





u 



Abb. 32» — ^g. KondenBfttorelektroden verschiedener Form. 



Kondenaatorelektroden von sehr großer Oberfläche an, so 
wirken sie geradezu wieKontaktelektroden, und zwar nicht, indem 
sie durch Leitung Hochfrequenzenei^e in den Körper hinüberführen; 
es handelt sich vielmehr um kapazitive Aufladungen, die der Lade- 
Intensität der Kondensatorflächen entsprechen. 



iniytäk, Bneagang nnd AnwendnngBweiEen d«r Diatheimie, 43 

Baue andere Art des Kondeusatorbettes wurde von Scbitten- 
helm, Juni 1911, beschrieben. Er modifizierte es dahin, daß die 
untere Belegung mehrfach unterteilt wird, so daß sie nicht im ganzen an 
den einen Fol des D'ArsonvalapparateB angeschlossen zu werden braucht, 
sondern daß beide Pole an ihren einzehien Teilen in verschiedener Weise 
appliziert werden können. £b kann auch dadurch, daß der Patient 
die mit dem einen Pol verbundene Elektrode in die Hand nimmt und 
die eine oder andere Unterteilung der Hetallunterlage mit dem anderen 
Pol verbunden werden kann, eine Konzentration des Kondensator- 
stromes auf einzelne Körperteile erzielt werden. Die Wirkung des 
Schlttenheimschen Kondensatorbettee wird noch dadurch erhöbt, 
daß er an Stelle der dicken Matratze eine relativ dünne Hartgummi- 
platte verwenden Ueß. Die Wirkung eines Kondensators ist, wie oben 
erwähnt, umso stärker, je dünner das Dielektrikum ist. 

Die üblichen kleinen Kondensatorelektroden, welche in der 
Medizin verwandt werden, bestehen zumeist aus evakuierten oder mit 
Graphit gefüllten Glasröhren sowie aus Hartgummielektroden, welche 
im Innern der Hart^mmischalung eine metallische Belegung enthalten. 
Solche Elektroden sind in den Abb. 32a. — g z. T. abgebildet. 



Abb. 3S. Douchenelektrode mit Spitzen. 

Eine weitere wichtige Applikationsart von HocbfrequenzBtrömen 
ist die elektriscbe Hochfrequenzdouche. Sie benutzt hochgespannte 
Strahl- oder Sprühentladungen, wie sie vom Oudinachen Resonator 
oder von den Resonanzspulen der Diathennieapparate gehefert weiden. 
Man verwendet entweder auf metallische Körper aufgesetzte Metall- 
spitzen (siehe Abb. 33) oder eine aus feinen Drahtfäden bestehende 
Pilzelektrode, welche man in die Nähe der Haut der zu bestrahlenden 
Körperstelle bringt. Gibt man dem Patienten eine mit dem anderen 
Pol verbundene Metallelektrode in die Hand, so wird die Wirkimg 
wesentlich verstärkt. 

Nähert man die Elektrode dem Körper weiter, so geht an Stelle 
der buscheiförmigen Funkenentladungen ein dicker Fur^e über. Es 
wird also gewissermaßen noch eine zweite Funkenstrecke eingeschaltet. 
Solche Funken wurden zuerst von Strebel angewandt, konnten je- 
doch wegen ihrer unbedeutenden Wirksamkeit keine Einführung in die 
Praxis finden. Keating - Heart verwandte sie mit einer sehr inten- 
siven Fropf^anda zur sog. Fulguration. 

Anch mittels der Diathermieapparate lassen sich Funken- 
entladungen erzielen. Sie unterscheiden sich von den Funken der 
D'Aisonvalapparate dadurch, daß sie zwar viel kürzer sind, da die 



44 Physik und Physiologie der Diathermie. 

Spannung dieser Apparate eine viel geringere ist, jedoch wesentlich 
heißer und mithin wirksamer sind. Indessen ist ihre Anwendungsmög- 
lichkeit, wie wir späterhin sehen werden, eine relativ wenig verbreitete. 
Die Diathermiefunken wurden unter dem Namen „Kaltkaustik" 
mittels der Forestschen Nadel ebenfalls stark proklamiert. Sie stellen 

^ nichts weiter als eine der unwichtig- 

^^^^ sten Applikationsformen der Hoch- 

^^^^ß^^ frequenzströme der Diathermieappa- 

^^^^B^^ ra^ ^öx und können keine selb- 

^^^S^^ ständige Bedeutung beanspruchen. 

^ß^ (Abb. 34). 

^^^ Die wichtigste Applika- 

g tionsmethode der Hochfrequenz- 

M oder der Diathermieströme ist die 

j . mittels gut leitender Kontakte. 

f ä Es sind hierfür eine Anzahl ver- 

4 schiedener Elektroden und Elektro- 

A1.1. o^ -El X 1- XT j 1 /o- X denarten konstruiert worden. Die 

Abb. 34. Forest sehe Nadeln (Siemens). ..,. . . i j« tt j i t_x j 

ältesten smd die Handelektroden 

(Abb. 35), d. h. zylindrische, meist hohle MetaUstäbe, die mit einer 
Zuleitungsklemme versehen sind, so wie sie für faradische und galva- 
nische Ströme verwandt werden. Zweckmäßigerweise werden sie nur 
etwas größer konstruiert, damit sie eine größere Kontaktfläche be- 
sitzen und auch evtl. eine einzige Elek- 
trode Platz für beide Hände bietet. 

Die meisten Applikationen werden 
jedoch vermittels Plattenelektroden 

Abb. 35. Handelektroden vorgenommen. Es gibt solche verschiede- 
(Siemens). ^^^ y^^^ ^^ Qj.^ß^ ^^^^ 3g^j j^^ 

Material kann aus sehr dünnen Bleilamellen, 
die sich der Körperform gut anpassen, bestehen; indessen sind solche 
Lamellen sehr wenig haltbar und deshalb unpraktisch. Ich habe daher 
die Elektroden, welche die Firma Siemens herstellt, aus dickeren bieg- 
samen Bleiplatten fertigen lassen, welche auf ihrer Oberfläche eine 
dünne Vulkanitplatte tragen. Der Kontakt wird mittels eines ange- 
löteten Stückes für kleine Elektroden in der Mitte der Fläche, für die 
größeren Flächenelektroden zweckmäßig am Rande, damit der Patient 
darauf liegen kann, angeordnet. Für manche Zwecke, wenn man z. B. 
mit größerer Kraft Elektroden in weiche Muskelmassen hineindrücken 
will, eignen sich die biegsamen Bleielektroden weniger, und man ver- 
wendet hierfür besser nicht oder wenig elastische Elektroden aus ver- 
nickeltem Messingblech (Abb. 36d), welche entweder direkt oder ver- 
mittels eines zwischengeschalteten Holzgriffes 36b, welcher den Druck 
mit größerer Kraft ermöglicht, mit der Kontaktschraube des Kabel» 
verb^^lden werden. Solche Plattenelektroden können entweder direkt 
auf die Körperoberfläche aufgelegt werden oder, was zweckmäßiger 
ist, unter Zwischenschaltung einer gut durchfeuchteten mehrfachen 
Gaze- oder Watteschicht. Ich benutze ausschließlich in entsprechender 




Physik, Eneagtuig nud Aairaiidni^nreiBBii der Diatlieniiie. 4^ 



o 



Abb. 36a— g. 

a FUttenelektroden von SiemeuB & HaUke. b Handgriff aus Holz, o Bügel zum 
«ttomatüchen Andrücken gröBerer Platten, d Dnelastisohe PUttenel^troden 
Teraohiedener Form nnd Größe, e Huidelektrode. f Vaginale oder rectale Elektrode. 
gElektrode mit besonderer KonatmktioD des Handgriffs zum funkenlosen Abdehen 
während des Stromdurohganges bei unruhigen Patienten. 
<ElektToden &—i von Siemens k Haieke nach Nagelsohmidt.) 



Pbjnik und Phjäologi« der Diatbwmie. 



^r 



AbK 36h— o. 
h Chimi^^he Elektrode 
für hochdtzende Schei- 
den- oder Rektnm-TD- 
Di(H«n. i Hondgrifi mit 
aufgeschraubt« kleioef 
Piattenelektrode, kdii- 
nirgiBchee Beateck. l 
Elektroden f&r Bachen, 
Kehlkopf. Käse (Ueg- 
aamV m Elektrode für 
' den Epiglottkrand. n 
Chinii^iBche Bktatil. 
lungselektrode für Bprit- 
zeade GefäBe mit Eom- 
[»«säunBeinrichtiiiig. o 
Platlenelektroden von 
o Reuiger, Gebb«tt t 

SchaU (9 X 9, 9 X 14, 
20x 30). 

Größe zurechtgenchnittene Gazestücke in ca. 2 bis öfacher Lage, welche 
nach dem Gebrauch fortgeworfen werden, una ziehe sie den Schwamm- 
elektroden vor, wie sie von manchen Finnen hergestellt werden, welche 
zwar eine sehr angenehme und gute Adaptation enn^Hchen, aber 
wegen ihrer Kostspieligkeit nicht fortgeworfen werden, sondern von 
einem Patienten auf den anderen übertragen werden. Solche Elektroden 
sind nicht zu desinfizieren, während die Metallplattenelektroden durch 
einfaches Auskochen mit den auszuwechselnden GazezwJschenlagen 
absolut aseptisch sein können. Die Verwendung von kleinen Schröt- 
säcken in Lederbeuteln ist ebenfalls nicht sehr empfehlenswert, denn 



Phynk, Eiseugutig und Anwendung Bweis^n der Diathermie. 



47 



das Leder ist nicht zu desinfizieren, es schrumpft nach mehrfachem 
Durchweichen sehr erheblich eiij und wird sehr schnell miansehnlich. 
Außerdem bilden sich gelegenthch, 
wenn die Schrotkugeln fettig geworden 
oder oxydiert sind, zwischen ihnen kleine 
partielle Entladungen, welche Kribbeln 
verursachen. Auch die Elektroden, wel- 
che aus MesBingdrahtgeflecht besteben 
und in Leder- oder Leinwandsäcke ein- 
genäht sind, haben sieh auf die Dauer 
nicht belehrt. Denn bei längerem Ge- 
brauch bricht der Draht an vielen Stel- 
len, und auch hier ist das Auftreten 
von Fünkohen die Ursache von Störun- 
gen und unangenehmen Empfindungen. 
Man kann sich auch einfacher dünner 
(0,5 — 1 mm) Bleiblechplatten bedienen, 
die man sich in gewünschter Größe und 
Form zurechtachneidet und mittels einer 
metaUischen Klammer oder eines ge- 
wöhnlichen Schraubkontaks mit dem 
Kabel verbindet. Dies jedoch wie Stan- 
niolstreifen sind nur aU behelfsmäßige 
Vorrichtungen zu bewerten. 

Es ist nicht für alle Applikationen ganz gleichgültig, ob wir nac kte 
Metallelektroden verwenden oder feuchte Gaze oder Watte- 
zwischenlagen benutzen. Metall ist ein sehr guter Elektrizitäts- 
leiter. Am Übergang zur im Vergleich hierzu 
schlecht leitenden Haut findet der Strom den 
Haut widerstand. Legen wir daher die Metall- 
elektrode direkt auf die Haut, so findet der 
Stromübergang im wesentlichen da statt, wo 
der relativ geringste Widerstand ist. Legen 
wir dagegen eine feuchte Gaze- oder Watte- 
zwischenlage auf die Haut, so wird die 
. Stromleitung dadurch erschwert und 
findet ein gleichmäßigerer Stromeintritt auf J 
der ganzen Elektrodenfläche statt. Hierdurch 
erklären sich auch z. T. die weiter unten zu 
schildernden Randwirkungen. Denken 



Abb. 36p.' Voginalelektroden vc 
Beiniger, Qebbert &, Sohall. 




Abb. 37. 



wir uns 2 Elektroden in geringer EntfTnung ^*' 

voneinander auf den Rücken Abb. 37 z. B. appliziert, und überlegen 
wir uns die Widerstands Verhältnisse, die der Strom an verschiedenen 
Stellen der Auflagffläche zu überwinden hat; offenbar ist der Weg 
1 — 1 a der kürzeste und bietet sehr viel weniger Widerstand als die 
Strecke 2 — 2 a und noch viel weniger als 3 — 3 a. Der Strom hat also 
von den zugekehrten Rändern der Elektroden aus günstigere Fließ- 
bedingungen als von den entfernten Rändern. Da der elektrische 



48 Physik und Physiologie der Diathennie. 

Strom nun stets den bequemsten, den geringsten Widerstand bietenden 
Weg einschlägt, so wird er, da ihm die Leitung innerhalb der Metall- 
platte so gut wie gar keinen Widerstand bietet, am zugekehrten Band 
(entsprechend den Stellen 1, 1 a) sich zusammendrängen und von da 
ins Gewebe treten, während an den entfernteren Stellen der relativ 
größere (etwa 3 mal so lange) Hautweg ihm zu viel Widerstand bietet. 
Wählen wir den Elektrodenabstand größer, so werden die Widerstands- 
unterschiede relativ kleiner, aber stets sind bei größeren Flächenelektroden 
die Differenzen der Randwirkungen erkennbar. Anders hegen die Verhält- 
nisse bei Applikationen an gegenüberhegenden Seiten eines Ghedes oder 
des Rumpfes. Bei paralleler Lage beider Elektrodenflächen sind Diffe- 
renzen an den verschiedenen Elektrodenabschnitten bezügUch des Wider- 
standes nicht zu berücksichtigen. Bei Neigimg der Elektrodenflächen 
zueinander tritt aber die Randwirkimg schon wieder in die Erscheinung. 
Das gleiche gilt für die vielfach angewandten, von den Franzosen 
eingeführten Stanniolelektroden. Ein breiter Streifen dicker Zinnfolie 
wird um die zu behandelnde Extremität herumgelegt und das zu- 
führende Kabel evtl. mittels einer flachen Platte, durch ein breites 

Gunmiiband oder eine Binde 
(aus Mull oder Kambrik) fest- 
gewickelt (Abb. 37a). Die 
Idee dieser Anwendung ist, 
daß hierdurch eine gleich- 
mäßige Erwärmung (im 
nebenstehend skizziertenFall 
L -- — • • j^ -ß des Kniegelenks) erzielt 

Abb. 37a. Skizze einer Stanmolelektrode. werden kann. Nach dem Vor- 

stehenden aber ist es klar, daß 
eine solche Anordnung wegen der Randwirkimg nur zu einer Erwärmung 
der Haut ringsherum zwischen den Elektroden führen kann, während 
der Strom nur zu einem geringen Teil veranlaßt wird, die tieferen 
Schichten zu durchfließen. Die Randwirkung kann auch in die Erscheinung 
treten, wenn man zwei biegsame Elektroden z. B. um den Oberarm 
(etwa eine vom, die andere hinten) soweit umlegt, daß ihre schmalen 
einander zugekehrten Ränder sich stark nähern; dann erhalten wir 
auch keine Tiefenwirkung, vielmehr wird sich die Erwärmung haupt- 
sächlich in den von den Elektroden freigelassenen Hautbrücken zeigen 
und kann dort zu Verbrennungen führen, mithin an einer Stelle, ^,uf 
der gar keine Elektrode gelegen hat. 

Für manche Zwecke, z. B. wo wegen großer Schmerzhaftigkeit 
der Druck einer Metallelektrode nicht vertragen wird, hat sich das 
Bedürfnis nach Verwendung von Wasserelektroden heraus- 
gestellt. Es ist natürhch, daß bei der vielfachen Verbreitung des Vier- 
zellenbades dieses zur Verwendung herausgefordert hat. Es eignet 
sich jedoch aus theoretisch leicht darzulegenden Gründen sehr wenig 
für die AppUkation von Hochfrequenzströmen. Denn erstens bildet 
die große Wassermenge in dem Vierzellenbadbecken einen erhebUchen 
Widerstand für den Strom. Zweitens nimmt sie eine erhebüche Energie- 



Physik, Erzeugung and Anwendiu^isweisen der Diatbeimie. 49 

menge auf, was eich in der Erwärmung dokumentiert. Sodann wirkt 
wegen der weiter unten zu schildernden Verteilungsart der Hoch- 
frequenzströme die Diathermie im wesentlichen nur von da ab, wo 
die Wasserschicht zu Ende ist, während der ganze im Wasser befind- 
liche Körperteil von dem Strom so gut wie nicht beeinflußt wird. Ich 
habe daher bereits 1908 von der Polyfrequenzgeaellschaft kleine 
Becken konstruieren lassen, wie sie aus der Abb. 38 ersichtlich sind. 



Abb. 38. Kleine Polyfrcquenz-Waaeerelektroden nach Nagelechmidt. 

Sie bestehen aus einem runden Porzellan behälter von 5 cm Tiefe, der, 
am Boden wasserdicht eingelassen, einen Metallring nm eine zentrale 
Porzellanscheibe . herum enthalt. Die Stromzuleitung geschieht von 
außen mittels der Stromklemmen. Es wird so wenig wie möglich 
Wasser in das Becken eingefüllt, und zwar so viel, daß die untere 
Fläehe des zu behandelnden Gliedes sich gerade genügend im Wasser 



Abb. 39. Suapensoriumselektrode (Siemens) na^fa Nagelschmidt. 

befindet, wobei ein direktes Aufsetzen auf den Metallring vermieden 
wird. Man kann die Fingerspitzen, die geballten Hände, die Fuß- 
spitzen oder die Hacken nach Beheben in die Schale hineinsetzen. Man 
kann jede an einen Pol des Diathemüeapparates anschhelten oder, 
wenn man 4 Schalen zur Verfügung hat, paarweise in jeder gewünschten 
Weise die Schaltung vornehmen. 

Eine spezielle Form der Wasserelektrode habe ich zur Apphkation 
der Diathermie am Penis konstruiert. Sie beruht auf dem gleichen 
Prinzip der möglichst geringen Flüssigkeitsmenge bei schonender 
Applikationsweise (Abb. 39). 



50 Physik und Physiologie der Diathermie. 

Die schnellere Erwäxmung der Haut (siehe unten) bei vielen Dia- 
thermieapplikationen hat es wünschenswert gemacht, um eine größere 
Tiefenwirkung zu erzielen, eine Kühlung der Haut vorzunehmen. Man 
kann durch Eintauchen der Watte- oder Gazezwischenlage in kaltes 
Wasser diese Kühlung beüebig oft bewerkstelligen. Dies ist jedoch 
mit Unbequemlichkeiten verknüpft, und ich habe daher ebenfalls 1907 
Kühlelektroden mit Ventilator- oder Wasserstromkühlung konstruiert. 
Indessen sind diese komplizierten Einrichtungen entbehrüch. 

Es sind femer für eine große Anzahl von Spezialzwecken (Ohren-, 
Augenheilkunde, Gynäkologie, Chirurgie, Kosmetik) eine Anzahl 
Spezialelektroden konstruiert worden, die wir weiter unten an der 
Stelle ihrer klinischen Anwendung näher beschreiben werden. Sie sind 
z. T. aus der Abb. 36 ersichtlich. 

2. Kapitel. 
Experimentelle und physiologische Wirkungen. 

Wir gehen nunmehr zur Besprechung der physiologischen 
Wirkungen der Hochfrequenzströme über. Es war bereits den ersten 
Untersuchem aufgefallen, daß Hochfrequenzströme, am Menschen 
angewandt, keinerlei besondere Empfindung hervorriefen. Bei den 
bis vor wenigen Jahren in Anwendimg stehenden Hochfrequenzapparaten 
sowohl der französischen wie der deutschen Fabriken konnte auch in 
der Tat wegen der mangelnden Intensität der Ströme und bei den üb- 
lichen Anwendungsmethoden (siehe weiter luiten) von keinem fühl- 
baren Efiekt dieser Ströme gesprochen werden. Nur im Tierexperiment 
an kleinen Tieren sowie bei physiologischen Experimenten, die d'Ar- 
sonval mit besonders kräftigen Laboratoriumsapparaten vornahm, 
traten Wärmewirkungen in die Erscheinung, die jedoch als Neben- 
befund registriert und als lästige Erscheinung erwähnt wurden. Davon 
aber, daß die Hochfrequenzströme im Tier- oder Menschen- 
körper notwendig Wärmewirkungen erzeugen müssen, und 
daß das wahrscheinlich die wesentliche und einzige Quelle 
ihrer Wirksamkeit ist, wußte man bis zur Einführung der 
Diathermie nichts. 

Es war eine schon lange bekannte Tatsache, daß die Keizwirkung von Wechsel- 
strömen auf motorische und sensible Nerven bei Steigerung der Wechselzahlen 
abnimmt, und daß sich hierfür eine gewisse Gresetzmäßigkeit herausstellte. Diese 
Gesetzmäßigkeit wurde von Nernst mathematisch berechnet und hat bezüglich 
d^ Hochfrequenzströme, bei denen ein vollkommenes Verschwinden der Reiz- 
wirkung beobachtet wurde, zur Aufstellung von verschiedenen Theorien geführt. 
In der Tat ist es ja höchst auffallend, daß, wenn man in irgendeiner Weise, z. B. 
durch Ergreifen zweier Handelelektroden, Hochfrequenzströme durch den 
menschlichen Körper hindurchschickt, selbst bei erheblicher Stromstärke, keine 
Spur eines faradischen oder sonst bei elektrischen Applikationen 
auftretenden Gefühls empfunden wird. Anfänglich glaubte man, daß die 
Hochfrequenzströme sich nur auf der Oberfläche der Haut ausbreiteten und so 
wenig in die Tiefe drängen, daß eine Reizung sensibler oder motorischer Nerven 
ausgeschlossen wäre. Diese Ansicht blieb zwar nicht unwidersprochen, und ins- 
besondere verteidigte d'Arsonval stets die Durchdringungsfähigkeit der Hoch- 






Experimentelle und physiologische Wirkungen. 51 

frequenzströme, und er vermutete ganz richtig die Ursache, daß die Schwingungen 
zu schnell verliefen, um für imsere nervösen ärgane empfindbar zu sein, gerade so, 
wie das Auge auch nur Schwingungen einer gewissen Frequenz zu apperzipieren 
vermag. Wir wollen an dieser Stelle auf die Entwicklung der Nern st sehen Formeln 
und die quantitativen Verhältnisse bei der Untersuchung der Nervenerregbarkeit 
nicht eingehen. Es genügt, zu erwähnen, daß die Keizwirkung eines Wechsel- 
stroms bei Zunahme der Frequenz ungefähr proportional der Quadratwurzel aus 
der Wechselzahl abnimmt, und zwar ist die Abnahme der Beizfähigkeit bei Zu- 
nahme der Frequenz schon bis 30 — 40 000 Wechseln etwa zum Grade der praktischen 
Beizlosigkeit gediehen. Ströme von 1 Million Wechseln, wie sie in Hochfrequenz- 
apparaten zur Verfügung stehen, sind absolut reizlos. Hierbei ist jedoch 
vorausgesetzt, daß die Apparate regelmäßig funktionieren. Bei den 
zurzeit in Gebrauch stehenden guten Hochfrequenz- imd Diathermieapparaten 
ist mit einem Versagen der Hochfrequenz nur bei groben Defekten zu rechnen. 
Anfänglich kam es gelegentlich einmal vor, daß an irgendeiner Stelle des Apparates 
ein schlechter Kontakt war, und dieser genügte, um niederfrequente Entladungen 
und damit sehr unangenehme Beizerscheinungen auszulösen. Bei älteren Apparaten 
mit schlechter Funkenstrecke und sehr starker Dämpfung, bei denen relativ seltene 
Funkenübergänge stattfanden, kam es indessen leicht vor, daß trotz der in den 
Apparaten tatsächlich produzierten Hochfrequenzströme, nämlich der Wellenzüge, 
die sich an die Funkenentladungen anschließen, doch durch unregelmäßiges Funk- 
tionieren der Funkenstrecke so unregelmäßige Funkenentladungen stattfanden, 
daß die Stromstöße, welche den einzelnen Schwingungsgruppen entsprachen, als 
unangenehmes faradisches Gefühl perzipiert wurden. In der vollkommenen Beiz- 
losigkeit bei genügender Zahl von Funkenübergängen liegt einer der großen Vorzüge 
der Löschfunkenstreckenapparate, da selbst bei sehr schwankender Energieent- 
ziehung aus dem sekundären Hochfrequenzkreis die Bückwirkung auf den primären 
Schwingimgskreis eine so geringe ist, daß dieser trotzdem die Hochfrequenz- 
schwingimgen weiter erzeugt. Im Gegensatz hierzu sind Apparate, welche die 
Poulseidampe als Erreger benutzen, wesentlich ungünstiger, weil die Bogenlampe 
außerordentlich empfindlich gegen Stromschwankungen und gegen Schwankungen 
der Energieabnähme ist und bei derartigen plötzlichen Schwankungen häufig 
Niederfrequenzentladungen oder gar Gleichstromwirkungen auftreten, welche 
gelegentlich zu gefährlichen Verletzungen führen können. Dies ist der Grund, 
weshalb die Poulsenlampe sich auch auf dem Gebiet der drahtlosen Telegraphie 
nicht zu behaupten vermochte. Daß die scheinbare Beizlosigkeit der Hoch- 
frequenzströme nicht auf ihrer Unfähigkeit beruht, in tiefere Begionen des Körpers, 
einzudringen, ist, wie erwähnt, theoretisch und mathematisch begründet und von 
d'Arsonval vermutet worden. Der wirkliche praktische Beweishierfür wiu*de 
jedoch erst durch die Diathermie ermöglicht, wie wir weiter unten bei der 
Frage der Verteilung der Ströme im tierischen Gewebe sehen werden. 

Wenn somit die gewöhnliehen Reizwirkungen elektrischer Ströme 
auf motorische oder sensible Nerven oder Sinnesorgane bei direkter 
Applikation reiner Hochfrequenzströme vermißt werden, so haben wir 
andererseits doch eine wesenthche physiologische oder, wenn man will, 
physikalische Wirkung dieser Ströme zu verzeichnen, nämlich die 
eigentümüche Tiefendurchwärmung, welche die Hochfrequenzströme 
hervorbringen, die von mir als Transthermie, von Zeyneck als 
Thermopenetration bezeichnet wurde. Später schlug ich aus 
ethjrmologischen Gründen den Namen ^,Diathermie^^ vor, welcher von 
Zeyneck und den meisten Nacharbeitern der Methode akzep- 
tiert wurde. Nur eine Anzahl Fabriken, welche Diathermieapparate 
fabrizieren, ziehen es vor, um ihre Apparate von Konkurrenzapparaten 
bereits durch den Namen zu unterscheiden, die Bildung „Thermo- 
penetration" beizubehalten. Daß derartige Apparate irgend etwas 
anderes leisten als Diathermie, soll man nicht annehmen. 



52 Physik und Physiologie der Diathermie. 

Legen wir uns nun die Frage vor, warum Hoohfrequenzströme so gänzlich 
anders wirken als irgendwelche andere bisher bekannte Ströme, so müssen wir, 
wenn die mathematischen Deduktionen Nernsts den Nichtmathematiker nicht 
genügend befriedigen, einen kleinen Exkurs in die Elektrophysiologie machen. 
Nach den neueren Theorien können wir uns einen elektrischen Strom nicht anders 
vorstellen als in Gestalt eines sog. Konvektionsstromes. Man unterscheidet in der 
Physik Leiter erster und zweiter Klasse. Die ersteren sind Metalle, die zweiten 
Lösungen. Der menschliche K(^^r rangiert als ein Konglomerat von äußerst 
kleinen, durch semipermeable Membranen voneinander getrennten Mengen von 
Salzlösungen (Zellen mit Zellmembranen). Der Durchgang eines elektrischen 
Stromes durch eine solche Salzlösung setzt nun die Entstehung wanderungsfähiger 
Ionen voraus. Gewisse Atome oder Atomgruppen lösen sich unter dem Einfluß 
etwa eines Gleichstromes z. R aus dem Molekülverband aus und wandern, je nach 
ihrer positiven oder negativen Ladung, zu dem entgegengesetzten Pol hin. Geht 
der Strom mit genügender Litensität und lange genug durch das Körpergewebe 
hindurch, so treten diese elektrolytischen Dissoziationen mehr oder weniger sichtbar 
in die Erscheinung, und wir nehmen an, daß (auch ohne sichtbare Dissoziationen) 
die sensible und motorische Nervenreizung auf Grund von lonenverschiebungen 
(resp. Konzentrationsänderungen) erfolgt. Mit zunehmender Frequenz wird diese 
lonenverschiebung und lonenwanderung immer geringer. Denn wenn der Strom 
in der einen Richtung in das Körpergewebe eingetreten ist und die Ionisierung und 
lonenwanderung eingeleitet hat, so wird der entgegengesetzte Impuls beim Wechsel 
der Stromesrichtung die entgegengesetzten Bestrebungen haben. Ist die Frequenz 
eine geringe, so w^xlen trotzdem polare Verschiedeiüieiten selbst bei ganz sym- 
metrischen Stromquellen sich ausbilden, weil vermöge der chemischen ^schaffen- 
heit der Ionen imd ihrer sofort einsetzenden Reaktion mit dem Gewebe oder den 
chemischen Reaktionsprodukten derselben eine vollkommene oder auch nur teil- 
weise Reversibilität dieser Vorgänge nicht notwendig vorhanden ist. Da die 
lonenwanderung im Gewebe im Vergleich zur Fortpflanzungsgeschwindigkeit des 
elektrischen Stromes eine äußerst langsame ist, so kann man es erklärlich finden, 
daß bei zunehmender Schnelligkeit der Wechsel zwar eine Ionisierung, d. h. ein 
beginnender Bewegungsimpuls der Ionen stattfinden kann, daß aber, bevor eine 
Lösung des Molekularverbandes eingetreten ist, schon der entgegengesetzte elek- 
trische Impuls einsetzt und nun die Ionen den entgegengesetzten Weg zu treiben 
sucht. Aber bevor sie auch diesem Impuls nachgehen können, ist schon wieder 
der Richtungswechsel da, und so kommt es, daß bei einer gewissen Frequenz 
elektrol3rtische Zersetzungen und somit Reizwirkungen ausgeschlossen erscheinen, 
und daß sich vielmehr die elektrische Energie entsprechend der Frequenz in mole- 
kulare Vibrationen umsetzt. Sowohl die Bewegung der Ionen bei stattgefundener 
Elektrolyse als auch die Schwingung der Moleküle bei infolge von Hochfrequenz 
unterdrückter Elektrolyse setzt sich in Wärme um und findet ihren mathematischen 
Ausdruck in der sog. elektrischen Widerstands wärme, welche von Joule berechnet 
wurde. Die Widerstandswärme unterliegt für Hochfrequenzströme genau den- 
selben Gesetzen wie für niederfrequente oder Gleichströme. Die produzierte Wärme 
ist proportional dem Quadrat der Stromstärke und dem Widerstand des Leiters 
sowie der Stromdauer. 

Es soll damit keineswegs gesagt sein, daß elektrochemische Um- 
setzimgen infolge von Hochfrequenzwirkung immöglich sind. Die 
banalen elektrolytischen Zersetzungen (Schwarzfärbung von Jodkali- 
stärkekleister usw.) sind zwar nicht zu erwarten, aber es ist nicht im- 
wahrscheinlich, daß hochmolekulare chemische Umlagerungen unter 
dem Einfluß des oszillierenden elektromagnetischen Feldes Zustande- 
kommen, in ähnlicher Weise, wie etwa die katalytischen Wirkungen 
der noch schneller schwingenden Lichtoszillationen chemische Wir- 
kungen produzieren. So werden Hochfrequenzströme schon seit Jahren 
(wie ich dies in Paris 1910 bereits schilderte) zum künstlichen Altem 
von Wein und Kognak benutzt. Eine zweistündige Behandlung mit 



Experimentelle und physiologische Wirkungen. 53 

speziell hierfür konstruierten Apparaten soll nach Angabe der betreffen- 
den Firma ein Altem um 3 — 4 Jahre in der Qualität bewirken. Vermut- 
lieh handelt es sich hierbei um Oxydationsprozesse und Bildung von 
Estern. licht wirft auf diese Erscheinungen ein Bericht von Rosen- 
thal, der in einem von einer Drahtspirale umgebenen Gefäß bestimmte 
Wirkungen chemischer Art bei bestimmten, den Draht durchfließenden 
Frequenzen nachwies. 

Wenn wir uns nun fragen, warum von Widerstandswärme bei den 
älteren elektrischen Applikationen keine Rede ist, so liegt die Er- 
klänmg nach dem eben Gesagten darin, daß wir nicht genügende In- 
tensitäten von Gleichstrom oder faradischem Strom applizieren können, 
um eine merkliche Erwärmimg der bei der Applikation dieser Ströme 
üblichen Querschnitte herbeizuführen. Denn lange, bevor eine Strom- 
intensität erreicht wird, welche z. B. das Handgelenk zu erwärmen 
vermag, sind die elektrolytischen imd Reizwirkungen so stark, daß 
eine Steigenmg der Stromintensität ausgeschlossen ist. Erst wenn die 
Reizwirkung bei steigender Frequenz so weit abnimmt, daß wir eine 
wesentliche Steigenmg der ertragbaren Stromintensität bei der Applika- 
tion erzielen können, erst dann können die Erscheinungen der Wider- 
standswärme beobachtet werden. Dies ist der Fall bei den Hochfre- 
quenzströmen, imd so können wir sie als eine elektrische Energie- 
form definieren, bei der elektrolytische Dissoziationen im üb- 
lichen Sinne vollkommen fehlen, und deren Toleranz für 
den menschlichen Körper lediglich durch die Toleranz für 
Joulesche Wärme begrenzt wird. Wir sprechen bei Hochfrequenz- 
strömen zwar von elektrischen Wellen, indessen könnten wir ebensogut 
sie auch als hochfrequente Wechselströme bezeichnen. Denn von welcher 
Wellenlänge an wir von Wechselströmen \md von welcher Frequenz 
an wir von elektrischen Wellen sprechen wollen, ist der Willkür des 
einzelnen überlassen. Während es uns vollständig geläufig ist, bei 
Frequenzen von einer Million pro Sekunde, d.h. bei Wellenlängen 
von 300 m, von elektrischen Wellen zu sprechen, sind wir gewöhnt, 
bei einer niederen Frequenz uns nicht mehr zu erinnern, daß sie auch 
noch als eine Welle bezeichnet werden könnte. 

Wir haben es also bei der diathermischen Wärme mit einer reinen 
Jouleschen Widerstandswärme zu tun, wie dies zuerst 1899 von 
Zeyneck theoretisch erkannt wurde. Das zunächst Überraschende 
an dieser Hochfrequenzwärme liegt darin, daß sie eine Tiefendurch- 
wärmung des Körpers gestattet, \md daß sie nicht etwa, wie man nach 
Analogie der chemischen Wirkung von Gleichströmen vermuten könnte, 
nur an der Eingangspforte, nämlich der Applikationsstelle der Elek- 
troden auf der Haut, in die Erscheinimg tritt. Da der elektrische Strom, 
wenn er einen größeren Widerstand zu überwinden hat, mehr Wärme 
erzeugt als in einem Leiter geringeren Widerstands, imd bekanntlich 
die Haut für galvanischen imd faradischen Strom einen enorm hohen 
Widerstand besitzt, so müßte auch für Hochfrequenzströme die Haupt- 
erwärmung in der Haut stattfinden imd die Erwärmung der tieferen 
Gewebe verschwindend dagegen sein. Hier liegt nun ein wesentlicher 



54 Physik und Phypiologie der Diathermie. 

Unterschied zwischen Hochfrequenz- und galvanischen oder nieder- 
frequenten Strömen, insofern es für die ersteren einen sog. Übergangs- 
widerstand der Haut gar nicht oder nur in sehr geringem Maße gibt. 
Die physikahsche Erklärung hierfür ist etwas kompliziert und beruht 
im wesenthchen darauf, daß wir bei der Apphkation von Hochfrequenz- 
strömen den Körper als eine Art Kondensator betrachten können, bei 
dem gewissermaßen durch Induktion die Einführung elektrischer 
Energie stattfindet. 

Die elektrischen Wellen, w^elche in die Haut und die tiefer gelegenen 
Gewebe eindringen, finden nun im Körper nicht die günstigen Leitungs- 
bedingungen, die sie innerhalb des Hochfrequenzapparates an den 
metallischen Leitern haben, und die ihnen eine Resonanz und ein \m- 
gehindertes Weiterschwingen ermöghchen. Vielmehr bietet die Masse 
des Körpers (nicht die Grenzlinien der Haut gegen die Elektrode) einen 
so großen Widerstand, daß die Elektrizitätsschwingungen in der Körper- 
masse gewissermaßen ersticken; Die außerordentlich schnell hin imd 
her pendelnde Bewegung wird total gedämpft. Diese Dämpfimg ist 
eine so plötzliche imd die Zerstörung der lebendigen Energie eine so 
komplette, daß sie auch nicht im geringsten zur Ionisierung der Körper- 
moleküle ausreicht. Energie kann aber nirgends verschwinden, ohne in 
eine andere Energieform überzugehen. Wenn somit die Hochfrequenz- 
energie im Körper momentan absorbiert und keinerlei chemische Energie 
frei gemacht wird, so ist die einzige Möglichkeit die der Umwandlung 
in Wärme, abgesehen von dem geringen Energieverlust, der als statische 
Aufladung in die Erscheinung tritt. 

Das Fehlen des Übergangswiderstandes an der Haut bedingt auch 
für die Art der Stromverteilimg im Körper gewisse Differenzen bezüglich 
der Hochfrequenzströme gegenüber den gleich- und niederfrequenten 
Strömen. Während diese sich gewissermaßen an der Haut wie an einem 
Wehr unterhalb der Elektrode anstauen und nunmehr, wenn die nötige 
Spannung erreicht ist, das Wehr durchbrechen und m das weite Tal des 
geringen Widerstand bietenden inneren Körpergewebes hineinfluten, 
wobei sie, vom Druck befreit, nach allen Rjchtungen auseinanderströmen, 
laden die Hochfrequenzschwingungen die zwischen den Elektroden be- 
findhchen Gewebe annähernd gleichmäßig und gleichzeitig auf und be- 
finden sich daher im Innern des Körpers ungefähr unter den gleichen 
Spannungsverhältnissen wie auf der Haut. Dieser Vergleich soll an- 
schaulich zu machen suchen, warum wir bei der Apphkation von gal- 
vanischen Strömen, selbst wenn wir die Elektroden relativ nahe bei- 
einander anbringen, Stromschleifen weit durch den Körper hin auf- 
treten sehen, während für Hochfrequenzströme der richtende Einfluß 
der Elektroden, den wir weiter unten kennenlernen werden, die elek- 
trischen Kraftlinien zusammenhält und nur minimale Divergenzen 
gestattet. 

Diese Divergenzen sind im wesenthchen dadurch bedingt, daß auch 
für die Hochfrequenzströme die verschiedene Struktur der Gewebe in 
geringen Grenzen verschiedene Widerstand Verhältnisse verursacht. Im 
allgemeinen verhalten sich die Hochfrequenzströme verschiedenen 



Experimentelle und physiologische Wirkungen. 



55 



Widerständen gegenüber gerade so wie die niederfrequenten. Verbinden 
wir z. B. die beiden Pole irgendeiner Stromquelle mit einem sehr feinen 
und einem sehr dicken Draht nebeneinander, so geht der größte Teil des 
Stromes durch den dicken, wenig Widerstand bietenden Draht, und in- 
folgedessen wird sich der dicke Draht Relativ mehr erwärmen als der 
dünne. Schalten wir aber den dünnen imd den dickeji Draht hinterein- 
ander, so daß der gesamte Strom gezwungen ist, sowohl den einen wie 
den anderen zu durchlaufen, so wird der dünne, großen Widerstand 
bietende sich sehr stark erwärmen, während der dicke wegen seines 
geringeren Widerstandes relativ kühl bleibt. Dieses Verhältnis trifft 
selbstverständlich auch für Hochfrequenzströme zu, aber ein anderer 
Faktor spielt hierbei keine Rolle, der bei niederfrequenten Strömen 
wichtig ist, nämlich die innere Struktur. Schneidet man aus der Glutaeal- 
muskulatur ein größeres, gleichmäßig zusammengesetztes würfelförmiges 
Stück heraus imd läßt einen Gleichstrom parallel oder quer zumVerlauf 
der Muskelfasern hindurchgehen, so zeigt es sich, daß er bei parallelem 
Durchtritt einen geringeren Widerstand findet, als wenn er die Muskel- 
fasern quer durchsetzen muß. Für Hochfrequenzströme ist das nicht so. 
Wenn die Masse, d. h. die Weglänge, in beiden Richtungen die gleiche 
ist, so geht bei derselben Spannung dieselbe Stromstärke hindurch. 
Folglich ist auch die Erwärmung in beiden Richtungen die gleiche. 
Dies ist ein wesentlicher Unterschied imd bedeutet, daß für Hoch- 
frequenzströme nicht die innere Struktur des Gewebes, sondern ledig- 
lich Querschnitt imd Weglänge für den Widerstand maßgebend sind, so 
weit es sich um ein annähernd homogenes Gewebe handelt. 

f€cMs 





Fig. 39 a. 

Stellt in obiger Figur: I ein Organ vom Widerstände a, 11 ein Organ vom doppelten 
Widerstände 2a vor, so wird bei der Schaltimg links durch I doppelt so viel Strom 
hindurchgehen als durch 11,. mithin I viel stärker durchwärmt werden, trotz seines 
nur halb so großen Widerstandes. Dagegen bei der rechts dargestellten Schaltung, 
wo I und n nacheinander von dem ganzen Strom durchflössen werden muß, wird 
sich II entsprechend seinem größeren Widerstand am stärksten erwärmen, und zwar 

um das Doppelte. 

Haben wir jedoch Schichten verschiedener Gewebe (Muskeln, Fett, 
Knochen), z. B. in einer Extremität vor ims, so ist es keineswegs 
gleichgültig, ob wir den Strom in der Quer- oder der Längsrichtung hin- 
durchschicken. Hierbei kann es vorkommen, daß das Gewebe, das bei 
der Längsdurchstrahlung am stärksten erwärmt wird, bei der Quer- 
durchstrahlung am schwächsten erwärmt wird und umgekehrt, wie bei- 
stehende Abb. 39 a anschauhch macht. In der Längsrichtung haben 



56 Physik und Physiologie der Diathermie. 

wir den ersten Fall der beiden Drähte, nämlich die ParaUelschaltiixi^ 
(notabene nach Durchtritt durch die Haut an der Elektrodenstelle). 
Hier sucht sich der Hochfrequenzstrom den bequemsten Weg aus, be- 
nutzt also vorwiegend die Blutbahn und das Muskelgewebe imd wird 
Haut und Fettgewebe relativ wenig erwärmen. In der Querrichtung 
dagegen, wo er sämtliche Gewebe durchqueren muß, mithin die gleicbe 
Stromstärke durch alle hindurchgeht, wird sich jedes dieser Gewebe 
entsprechend seinem spezifischen Widerstand erwärmen, und die Haut 
wird am heißesten werden. Die Untersuchung des spezifischen Wider- 
standes der Gewebe hat Differenzen erkennen lassen, und zwar kann 
man die verschiedenen den Körper zusammensetzenden Gewebe in 
folgende Tabelle einordnen: 

Haut stärkste ] 

Erwärmung bei Querdurch- 
strahlung, d. h. bei Hintereinander- 
schaltung. 



Klnochen 

Muskeln 

Fett 

Nerven schwächste . 



Nerven \ j stärkste 

^®*^ \ I Erwärmung bei Längs durch- 
Knochen 1 f s^-rahlung, d.h. bei Parallelschaltung. 
Haut 1 schwächste j 



Wenngleich diese Differenzen theoretisch berücksichtigt werden 
müssen, spielen sie doch praktisch keine sehr erhebliche Rolle; denn 
es ist ein sehr großer Unterschied, ob wir die Widerstandsuntersuchungen, 
wie sie in vorstehender Tabelle ausgeführt worden sind, an ausgeschnitte- 
nen Leichenteilen vornehmen, oder ob wir sie an im Körper befindlichen 
Geweben bei voller Zirkulation anstellen. Da nämlich die im Serum 
suspendierten roten Blutkörperchen bei weitem die beste 
Leitfähigkeit haben, spielt die Durchblutung der Gewebe eine die 
spezifischen Widerstände zum großen Teil ausgleichende Rolle, so daß 
für die praktische Anwendung am lebenden Organismus wir von den 
spezifischen Widerstandsunterschieden der Gewebe abstrahieren können. 
Nur die Haut spielt hierbei eine besondere Rolle, einerseits wegen ihres 
höchsten Widerstandes, und weil wir sie stets passieren müssen, anderer- 
seits ist der Einfluß der sie bedeckenden Elektroden (siehe oben Kühl- 
elektrode usw.) von Bedeutung; denn gerade die Haut ist dasjenige 
Organ, welches wir am leichtesten durch Kontaktkühlimg vor allzu 
großer Wärme Wirkung zu schützen vermögen. 

Versuchen wir, ims über die Wirkung imd Verteilung der Diather- 
miewärme im Körper Klarheit zu verschaffen, so müssen wir diese Wir- 
kung zunächst aneinfacherenMedien studieren . Stellen wir unseren 
Hochfrequenz- oder Diathermieapparat auf eine bestimmte Leistung, 
z. B. 1,5 Amp. für Kontakt Oimd 1 bei metallischem Kurzschluß ein, 
und lassen wir den Strom durch eine bestimmte Schicht destillierten 
Wassers hindurchgehen; das destillierte Wasser bietet dem Strom 
einen sehr hohen Widerstand, mithin ist eine relativ hohe Spannung not- 



Experimentelle und physiologische Wirkungen. 57 

wendig, um diesen Widerstand zu überwinden, und der Diathermie - 
apparat wird bei der obigen Einstellung nur eine geringe Zahl von Milli- 
ampere durch das Wasser hindurchdrücken können. Infolgedessen er- 
wärmt sich das Wasser sehr wenig, und wir müssen den Strom lange 
hindurchgehen lassen, ehe eine erhebHche Erwärmung eingetreten ist. 

Fügen wir nunmehr Kochsalz zum Wasser, ohne den Strom zu 
unterbrechen, so sehen wir, daß das Amperemeter schnell in die Höhe 
geht ; das Thermometer lehrt uns gleichzeitig, daß das Wasser sehr viel 
schneller sich erwärmt. Mit steigender Salzkonzentration nimmt der 
Widerstand der Lösung ab, und wir bekommen, trotz unveränderter 
Einstellung des Apparates, vermehrte Stromzufuhr. 

Nehmen wir statt physiologischer Kochsalzlösimg Blutserum, so 
ist die Leitfähigkeit eine noch bessere imd die Erwärmung eine noch 
schnellere. Noch günstiger für die Stromleitung ist gewaschener Blut- 
körperchenbrei nach Abzentrifugieren des Serums. 

Es liegt nun der Gedanke nahe, daß, wenn man eine wässerige Auf- 
schwemmung von Zellen herstellt, bei Durchleitung des Stromes diese 
letzteren infolge ihrer besseren J>itfähigkeit sich stärker erwärmen als 
die ximgebende Flüssigkeit. Ich habe daher eine Aufschwemmung von 
Wasser flöhen in einem Glasgefäß dem Diathermiestrome ausgesetzt 
und unter Kontrolle der Temperatur beobachtet, bei welcher Temperatur 
des Wassers ein Aufhören ihrer Bewegungen stattfindet. Dabei hat sich 
ergeben, daß es ganz gleichgültig ist, ob man diese Aufschwemmung 
im Wasserbade in üblicher Weise erhitzt, oder ob man die Erwärmung 
mittels Diathermie vornimmt. Bei dem gleichen Temperaturgrad 
(39 ° C) stellen plötzhch fast sämthche Wasserflöhe ihre hin- und her- 
schießenden und -strudelnden Bewegungen ein, und nur wenige Exem- 
plare überleben die Mehrzahl ihrer Genossen um einige Sekunden. Viel- 
leicht findet dieses Experiment seine Erklärung darin, daß die Orga- 
nismen an Masse so gering sind, daß selbst eine in ihnen eintretende 
Temperaturerhöhung gegenüber dem sie umgebenden schlechter leiten- 
den Medium durch die gute Wärmeleitung stets wieder ausgeghchen 
wird, so daß erst bei der Erwärmutig des Mediums auf die kritische 
Temperatur der Tod erfolgt. Ich habe den gleichen Versuch daher mit 
kleinen Fischen wiederholt, bin aber ebenfalls zu negativem Resultat 
gelangt. Das Absterben trat jedesmal bei 32 — 35 ° C ein, gleichgültig, 
ob die Erwärmung durch die Flamme oder diwch Diathermie vorge- 
nommen wurde. 

Appliziert man die Hochfrequenzströme direkt an kleineren 
Tieren, so kann man bereits ganz lehrreiche Studien über die physiolo- 
gische Wirkung machen. Im Jahre 1905 und 1906, bevor ich über die 
ersten Diathermieversuchsapparate verfügte, stellte ich meine dies- 
bezüglichen Versuche mit einem D'Arsonvalapparat an ; ich entnahm die 
Hochfreqiienzströme den beiden Enden des primären Solenoids, ver- 
wandte also kleinere Spannungen und relativ größere Stromstärken. 
Wenn ich am Frosch die eine Elektrode an ein Fußgelenk, die andere 
an dem gleichseitigen Handge}enk applizierte, so zeigte bei geriilgen 
Stromstärken der Frosch außer einer kleinen Zuckung beim Einschalten 



58 Physik und Ph3rsiologie der Diathermie. 

keinerlei Reaktion. Bei längerem Fortsetzen des Experimentes fiel mir 
jedoch auf, daß die Haut der den Elektroden entsprechenden Seite an 
den Extremitäten trocken wurde, während die übrige Haut glänzend 
blieb. Nach kurzer Zeit fing die elektrisierte Seite an, zu dampfen, und 
wenn man den Versuch fortsetzte, dörrte die Extremität, besonders an 
den dünnsten Stellen, nämlich den Gelenken, aus. Diese Austrocknung 
ging immer weiter, so daß schließlich die Gewebe ihre Leitfähigkeit ver- 
loren und sich unterhalb der Haut ein Eunkenspiel einstellte. Wenn 
das Zimmer, in dem die Versuche vorgenommen wurden, relativ dunkel 
war, so leuchtete die Haut in großer Ausdehnung unter den im Inneren 
stattfindenden Funkenentladungen auf. Wenn man den Versuch unter- 
brach, so fühlten sich die Extremitäten heiß an, waren vollkommen fest 
gedörrt, merkwürdigerweise aber war der Frosch sonst gänzHch un- 
versehrt. Er bewegte die anderen Extremitäten und bewegte sich auch 
fort, so weit die gedörrte Extremität dies gestattete. Diese Versuche 
waren es, die mich seinerzeit zum Verständnis der Diathermie führten. 
Der zu meiner Verfügung stehende Hochfrequenzapparat war kräftig 
genug, um bei maximaler Belastimg am primären Solenoid, wenn man 
die beiden Pole mit zwei Metallelektroden verband und sie in die Hand 
nahm, eine merkbare Erwärmung der Handgelenke zu erzeugen sowie 
bei Applikation kleinerer nmder Metallelektroden am Thorax deutüche 
Durchwärmung zu produzieren. Der Unterschied der Wirkung des 
kleinen primären Solenoids gegenüber der des Oudinschen Resonators 
klärte mich auch darüber auf, daß die unnötig hohe Spannimg der 
Resonatorentladungen das Erkennen der Diathermiewirkung wegen der 
geringen Energieausbeute verhinderte, während das kleine Solenoid 
bei geringerer Spannung genügend große Stromstärken lieferte. 

Eine diesem Versuch analoge Wirkung schilderte d'Arsonval bei 
meiner Anwesenheit in Paris im Jahre 1910. Er hatte Hochfrequenz- 
ströme durch Kaninchen hindurchgehen lassen, indem er ihre Pfoten 
in Wasserbehälter, welche als Elektroden dienten, eintauchte. Es ent- 
stand später, ohne daß die Tiere während der Apphkation erhebliche 
Veränderungen aufwiesen, Gangrän der den Strom zuleitenden Glied- 
maßen, und die Tiere starben. 

Diese Beobachtungen stimmen überein mit den späteren Unter- 
suchungen, welche die Stromverteilung der Hochfrequenzströme im 
Grewebe klarstellen sollten. Während wir für galvanische und nieder- 
frequente Wechselströme nur schwer ein Kriterium dafür finden können, 
welchen Verlauf die Stromlinien im lebenden Organismus nehmen, 
weil wir ihren Verlauf nicht sichtbar machen können, bietet die Koagu- 
lationsmöghchkeit des Körpergewebes durch die Hochfrequenzströme, 
welche eine reine Lokalwirkung darstellt und bei geeigneter Auswahl 
der Stelle das Versuchstier im ganzen nicht zu töten braucht, eine ge- 
naue Kontrolle der Art des Stromverlaufes. Die Beeinflussung dieses 
Stromverlaufs durch die Blutzirkulation werden wir weiter unten be- 
sprechen. Unter Ausschluß der Zirkulation läßt sich indessen der Strom- 
verlauf nach dem umstehenden Schema, welches ich 1910 in Paris de- 
monstriert habe, erkennen (Abb. 41). Wir sehen auf der Abb. A (Seite 60) 



60 



Physik und Physiologie der Diathermie. 



barer Nähe derselben und nur bei sehr langer Applikation vereinigen 
sich die beiden Koagulationsflecke ; hierbei dürfen die Ströme nicht zu 
stark werden, weil sonst eine Verkohliuig der Elektrodenumgebung statt- 
findet, bevor genügende Erwärmung des zwischenliegenden Gewebes 
erfolgte. 

Kehren wir zu unserem ersten Würfel zurück, legen wir aber die 
Elektroden nicht auf dieselbe Fläche und auch nicht auf die entgegen- 
gesetzte, sondern auf zwei aneinanderstoßende Flächen, so sehen wir 
die Koagulationszone (Abb. 41, C und C^) keilförmig unter den zuge- 
wandten Rändern der beiden Elektroden auftreten. 

B 









D 







Abb. 41. Schema der Strom verteilimg im Gewebe, durch Koagulationszonen 

(schraffiert) gekennzeichnet. 

Die bisher erwähnten Koagulationsschemata entsprechen der 
Applikation zweier gleich großer Elektroden. Wenden wir verschieden 
großa Elektroden an, so können wir, analog den galvanischen Applika- 
tionen, von einer differenten und einer indifferenten Elektrode sprechen, 
wobei wir jedoch ledighch die Stromdichte vergleichen und die elektro- 
lytischen Veränderungen natürlich ausschalten müssen. Die Koagu- 
lationswirkung tritt bei ungleich großen Elektroden zunächst an den 
Stellen der größten Stromdichte, d. h. an der kleineren differenten 
Elektrode auf; ist die indifferente Elektrode sehr groß, so wird auch 
bei seh^ großer Stromstärke an dieser überhaupt keine Koagulations- 
wirkung erzielt. Indessen hat diese indifferente Elektrode einen sehr 
deutlich richtenden Einfluß auf das Auftreten der Koagulation. 
Das Schema zeigt bei Applikation der beiden Elektroden auf den ent- 
gegengesetzten Flächen, daß die Koagulationswirkung gewissermaßen 



Experimentelle und physiol<^ache Wirkungen. 61 

senkrecht in die Tiefe gezogen wird (siehe Abb. 41 D). Bei Applikation 
auf der gleichen Seite wird die Koagulation in die Pläche gezogen (siehe 
Abb. 41 E und E,). Bei Applikation bei knieförmig zusammenstoßenden 
Flächen wird die Koagulation tcüa nach der Fläche, teils in die Tiefe 
geleitet (siehe Abb. 41 F und Fj). 

Es ist auch eine isolierte Tiefenwirkung nach Analogie der Röntgen- 
tiefenbestrahlung erzielbar. Jch habe das 1910 ebenfalls schematisch 
gezeigt. Legt man an einem Körperteil mit rundem Querschnitt 
(Abb. 42 A), z. B. einem Oberschenkel, zwei gleich große Elektroden an 
diametral entgegengesetzten Stellen auf (/, /) und diathermiert eine ge- 
wisse Zeit mit einer der Toleranz der Haut entsprechenden Stromstärke, 
so erhält man in der Mitte, d. h. ungefähr im Knochen, einen gewissen 
Erwärmung^ad. Appliziert man nunmehr an den Stellen //, // die 
gleichen Elektroden und dieselbe Strommenge, sodann an den Stellen 
II III, 7/f^odernoch an weiteren, 

so erhält man bei richtiger An- n 

ordnimg eine f aktischeSummation 
der einzelnen Tiefe ndurchwär- 
mungen an derKreuzungestelle der 
den einzelnen Applikationen ent- 
sprechenden Durchwärmungs- 
zylinder. Hierdurch -kann man 
eine Tiefenkoagulation bei in- Abb. 42. 

takter Haut erreichen, falls die Ä: Kreuzweise Durchstrahlung nacb- 
Zirknlation nicht inzwischen zu ^der zi^ Mung mtensiver Tirfen- 
. , „ i_i -, j ■ 1 . T L Wirkung. B; Wirkung der gleichzeitigen 

stark warmeableitend wirkt. Ich DurohSrahlui^ von zwei Elektroden - 
habe für derartige Zwecke von paaren aus (keine Tiefenwirkung), 
der Firma Polyfrequenz 1908 

zwei Polklemmpaare an dem Diathermieapparat anbringen lassen, 
um gleichzeitig zwei Elektrodenpaare für stärkere Tiefendurch- 
wärmung verwenden zu können. Aber in der Praxis hat sich dieses 
Verfahren als unzweckmäßig erwiesen; denn der Stromverlauf wird 
durch die gleichzeitige Applikation zweier positiver und negativer 
Elektroden wie nebenstehend (Abb. 42 B) beeinflußt, so daß eine Tiefen- 
wirkung überhaupt nicht eintritt. 

Nur wenn man die Apphkation, wie erst beschrieben , n a c h e i n an d e r 
auf diametral gegenüberliegenden Stellen vornimmt, erhält man sum- 
mierte Tiefenwirkungen. Kne solche Methodik ist aber nur mit Vor- 
sicht zu gebrauchen, da wir den Grad der Summation schwer taxieren 
können und keine ganz genaue Lokahsierungsmöghchkeit haben, somit 
also Schädigungen oder Wirkungen an ungewünschter Stelle nicht ver- 
meidbar sind. 

Zum Zwecke der alternierenden Behandlung an verschiedenen 
Elektrodenpaaren hat Bucky einen Apparat, Altemator, angegeben, 
der jedoch entbehrlich ist. 

Wir können uns auch noch an einem anderen Objekt über die 
Stromverteilung klar werden, welches uns zeigt, daß nicht nur in festen 
Geweben, sondern sogar in freien Flüssigkeiten eine vollkommene 



62 



Physik und Physiologie der Diathermie. 




Lokalisierbarkeit der Diathermiewärme möglich ist. Nehmen wir ein 
Schälchen, in weiches wir ein Hühnereiweiß gießen, und setzen wir zwei 
kleine Elektroden (Ä, B) hinein (siehe Abb. 43). Leiten wir einen relativ 
kräftigen Strom hindurch, so sehen wir in wenigen Sekunden einen 
Koagulationsstreifen von den einander zugewandten Rändern der Elek- 
troden schnell nach dem Zentrum zuschießen und sich dort zu einem 
breiten Bande vereinigen, welches dem Durchmesser der Elektrode ent- 
spricht (siehe Abb. 45 K). Wiederholen wir denselben Versuch, indem 
wir die Elektrode Ä an ihrem Platz belassen, die Elektrode B aber auf 
die andere Seite legen (Abb. Bj) ; so tritt nimmehr dieselbe Koagulation 
nach der Seite der anderen Elektrode zu ein (Kj). Entfernen wir nunmehr 
die Elektroden aus der Flüssigkeit, so sehen wir, daß das koagulierte 
Eiweiß keineswegs an den Elektroden haftet, was ein Beweis dafür 

ist, daß die Koagulation nicht etwa infolge 
einer Erwärmung der Elektroden eingetreten 
ist ; sondern die Elektroden bleiben kalt und 
erwärmen sich höchstens durch Kontakt 
mit der warmen Flüssigkeit, während die 
diathermische Wärme eben auf der Strom- 
bahn zwischen den beiden Elektroden auf- 
tritt. Wenn wir den Versuch dahin modi- 
fizieren, daß wir die Elektroden in ein 
gleiches Schälchen setzen, aber eine relativ 
schwache Stromstärke hindurchleiten, so 
sehen wir die merkwürdige Erscheinung 
trodenstellung, ABKi: Koagu- auftreten, daß die Koagulation des Eiweißes 
lationszone ^ach Versetzung nicht etwa an den Elektroden beginnt, son- 
dern daß nach einiger Zeit des Durchleitens 
in der Mitte zwischen beiden Elektroden ein 
Koagulationshof einsetzt, und daß bei weiterem Hindurchleiten von der 
Mitte nach den Elektroden zu das Koagulationsbajud sich vollendet. 
Diese scheinbar paradoxe Wirkung, welche eine besondere Tiefen- 
wirkung der Diathermiewärme vortäuschen könnte, findet ihre Er- 
klärung darin, daß die Erwärmung auf der ganzen Strombahn zwar 
ziemlich gleichmäßig stattfindet, daß aber in der Nähe der Elektroden 
infolge ihres Metallgehaltes eine Kühlung der Eiweißlösung durch 
Konduktion stattfindet, während die Wärmeanhäufung im Zentrum 
zwischen den beiden Elektroden in der stark viskosen Flüssigkeit stärker 
wird, so daß dort die Koagulation ihren Anfang nimmt und erst nach 
und nach zu den Elektroden zu fortschreitet. Nehmen wir in imserer 
Eiweißlösung zwei verschieden große Elektroden, so sehen wir auch hier 
den Eintritt der Koagulationswirkung in der Richtung zur indifferenten 
zu, an der differenten beginnen, außer wenn die difierente Elektrode 
sehr klein gewählt wird, z. B. als eine Nadel; dann tritt nämlich die Koa- 
gulationswirkung momentan ein und erscheint gleichmäßig um die Spitze 
der Nadel herum angeordnet. 

Ein weiterer für die Beurteilung der Diathermiewirkung im Ge- 
webe wichtiger Versuch ist der folgende: 



Abb. 43. 
Schema der Eiweißkoagulation. 
K: Koagulationszone bei Elek- 



der einen Elektrode 
nach B^. 



von B 



Experimentelle und phjBiologiscbe Wirkungen. g3 

Nimmt man ein U-fÖrmig gebogenes GlaBrohr von etwa 1 Zoll. 
Weite, welches an irgendeiner Stelle, t. B. in dem VerLindungsatück der 
beiden Schenkel, eine Verjüngung auf */jZoll Durchmesser besitzt, 
füllt dieses Glasrohr mit flüssigem Eiweiß und führt mittels zweier 
runder Flächenelektroden, welche in die Schenkel hineinpassen, die 
Diathermieströme zu (siehe Abb. 44), so sieht man schon bei einer Strom- 
stärke, welche am Niveau der Elektroden kaum eine nennenswerte Er- 
wärmung hervorruft, an der verjüngten Stelle bereits Koagulation ein- 
treten. Diese Erscheinung beruht darauf, daß an der Verjüngung die 
Stromdichte ein Vielfaches derjenigen an den dickeren Schichten be- 
trägt, mitbin die Erwännung eine ebenso vielfach stärkere ist. Das 
gleiche Phänomen können wir auch an einem Fleischstück zeigen, welches 
nach der nebenstehenden Figur ausgeschnitten ist (Abb. 45). Legen wir 
Fläcbenelektroden an den breiten Enden des Fleischstückes an, so tritt 
auch hier an den Elektroden noch lange keine Koagulation ein, während 
die dünne Fleischbrücke in der Mitte zwischen beiden Elektroden längst 




Abb. 44. Abb. 45. 

Mit Eiweißlöaung gefüll- Qnerschnittawirkung an einem Fleisohstück. Elek- 
tes Glasrohr. Darstellung trodenflöche gröBec als der dünnst« Querschnitt, 
der Wifaing der Quer- 
sohnitteverj üngung. 

koaguliert ist. Diese Versuche sind bei Applikationen im Tierversuch 
und auch am Menschen sehr instruktiv, da sie die stärkere Erwärmung 
z. B. der Handgelenke bei Apphkationen von Handelektroden demon- 
strativ erklären. 

Man muß sich die vorstehend geschilderten Koagulationsversuche 
stets klar vor Augen halten; denn sie geben ims einen Anhalt für die 
Stromverteilung im tierischen Gewebe. Selbstverständhch ist 
das Prinzip der Verteilung der Diathermie im Gewebe das gleiche, 
wir zur Koagulation führende Stromstärken verwenden oder gering» 
Es ist lediglich noch die Blutzirkulation in Rechnung zu setzen, wel 
eine Abschwächung der Koagulationswirkung wie überaupt einer '. 
wärmung in der 'Hefe bedingt. 

Bei diathermischer AppUkation setzt sofort ein doppelter Pr« 
ein: erstens eine lokale Temperaturerhöhung der Gewebe auf dem strc 
durchflossenen Gebiet und zweitens die Beaktionserscheinungen 
Organismus dag^en. 

Die erste Wirkung ist eine vorwiegend physikalische und von ■ 
Stromdichte einerseits, den Gewebswiderständen und ihrer Anordni 



64 Physik und Physiologie der Diathermie. 

andererseits abhängig. Kompliziert werden die Erscheinungen aber 
wesentlich durch die Abwehraktionen. Es tritt zunächst eine lokale 
arterielle Hyperämie ein, die durch Aufnahme eines Teiles der ein- 
dringenden Wärme diesen Teil wegführt, im Körper verteilt und im- 
schädlich macht. Femer wirkt die Blut- imd Lymphzirkulation durch 
Kontakt wie eine Wasserkühlimg und entführt einen weiteren Teil der 
applizierten Wärme. Es bildet sich weiterhin eine regionäre Gefäß- 
aktion aus, die im wesentlichen auf dem Antagonismus zwischen Haut- 
gefäßgebiet und Splanchnikusgebiet, resp. anderen inneren Kreislauf- 
gebieten beruht. Hierdurch erklären sich die scheinbar paradoxen 
Resultate, daß Erwärmungen in der Tiefe mit geringeren Stromstärken 
eher zu erzielen sind als mit stärkeren; weil eben die Wärmeschutz- 
und Regulienmgsvorgänge im Körper bei starkem Hitzegefühl in der 
Haut intensiver ausgelöst werden als bei schwachen Strömen (vgl. im 
übrigen das auf S. 62 Gesagte). 

Hierdurch erklärt sich auch ungezwimgen der häufig zu beobach- 
tende Unterschied in der Wirkung der Diathermie gegenüber anderen 
Wärmeapplikationen. Bei der Diathermie tritt die Wärme in allen 
stromdurchflossenen Molekülen an der Oberfläche sowohl wie in der 
Tiefe gleichzeitig auf. Es kann also bei mäßiger Stromstärke eine aus- 
gesprochene Tiefenerwärmimg erzielt werden. Bei allen anderen Wärine- 
applikationen dagegen wird zunächst die Haut erwärmt, und nur sehr 
langsam und wenige Millimeter tief können danmter gelegene Organe 
etwas mit erwärmt werden. In größerer Tiefe dagegen tritt die erwähnte 
reflektorische Anämie auf und führt dort eher zu einer Herabsetzung 
der Temperatur. Wir machen ja von dieser derivierenden Wirkimg von 
äußeren Wärmeapplikationen bewußt in der Therapie Gebrauch. Nur 
müssen wir uns klar sein, daß wir bei diathermischer Applikation diese 
deri vierende Wirkung vermeiden können, und dies auch zumeist wollen. 
Daraus geht hervor, daß die Indikationen der Diathermie keineswegs 
mit denen der alten Wärmeapplikationen zusammenfallen und ihre 
Wirkungen mitunter ganz entgegengesetzte sein können. 

Die klinische Wirkung der Diathermie ist häufig abhängig von 
individuellen Dispositionen. So spielt die größere oder geringere 
Erregbarkeit des vasomotorischen Systems oft eine große Rolle (siehe 
S. 63). 

Im übrigen sind individuelle Eigenschaften von geringerer Be- 
deutung. Die Toleranz ist bei den einzelnen Menschen, besonders 
wenn man sie an die Diathermie gewöhnt hat, nicht sehr verschieden. 
Nur ganz ausnahmsweise beobachtet man mal einen Fall, der wegen 
zu großer Hautsensibilität keine stärkeren Ströme verträgt. 

In allen Versuchen diathermischer Applikation wird man das 
Auftreten jeder elektrolytischen Wirkimg vollkommen vermissen. 
Etwaige Blasenbildung ist nicht etwa auf Dissoziationen und Ent- 
stehung von Wasserstoff oder Sauerstoff zurückzuführen, sondern ledig- 
lich auf Dampfbildung. . 

Treibt man die Diathermieapplikation trotz eingetretener Koagu- 
lation weiter, so bildet sich an Stelle des weichen, in der Eiweißlösung 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. g5 

^^eißen, im Fleischgewebe je nach seiner Art grauen oder braunen 
ICoagulationsschorfes ein mehr und mehr austrocknender Schorf, welcher 
schließlich aufhört, leitfähig für den Strom zu bleiben. Ist dieser Grad 
der Trockenheit erreicht, so hören die Hochfrequenzströme auf, hin- 
durchzugehen, und es bilden sich Funkei^entladungen. In diesem Augen- 
blick haben wir es nicht mehr mit reiner Diathermie zu tun, sondern 
dann treten mechanisch destruierende und elektrolytische Effekte auf. 
Am Lebenden beobachten wir heftige Muskelkontraktionen und sen- 
sible Reizungen elektrischer Art. 

Wir gehen an dieser Stelle nicht auf die Dosierungsangaben für 
die vorstehenden Experimente ein, da die Frische des Fleischstückes 
(Feuchtigkeit), Temperatur desselben vor Beginn, Wahl der Fleisch- 
sorte, Fettgehalt, Dimensionen, mehr oder weniger starker Druck bei 
Applikation der Elektroden und dadurch bedingte Volumveränderung 
und manches andere eine Rolle spielt, so daß exakte Angaben, die für 
• jeden Fall richtig sind, sich hierbei nicht geben lassen. Es ist dringend 
zu empfehlen, daß ein jeder, der Diathermie therapeutisch zu appli- 
zieren wünscht, eingehend und wiederholt diese Versuche reproduziert, 
um sich in der Technik und Dosierung zimächst an Fleischstücken, 
Flüssigkeiten, dann am Tierexperiment zu üben. Vorstehende Angaben 
mögen genügen, die Natur imd Art der Wärmewirkung der Hochfre- 
quenzströme zu kennzeichnen. 

3. Kapitel. 

Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 

Wir gehen nunmehr dazu über, die physiologischen Wirkungen der 
verschiedenen Applikationsarten der Hochfrequenzströme und der Dia- 
thermie zu besprechen. ^^ 

Das große Solenoid, welches zur Aufnahme eines ganzen Menschen 
bestinmit ist, ist eine Applikationsmethode, bei welcher die Hoch- 
frequenzströme nicht in bestimmter Richtung oder an bestimmten 
Stellen in den Körper hineingeleitet werden, vielmehr wird der ganze 
Innenraum des Solenoids von magnetischen und elektrischen Oszilla- 
tionen erfüllt, welche auch den Gesamtorganismus durchdringen. Es 
kommt infolgedessen zu einer Unzahl elektrischer Wirbelströme im 
Innern des Körpsrs, und wir können vielleicht sagen, daß das Solenoid 
diejenige Applikationsart ist, bei der sämtliche Körperzellen der Hoch- 
frequenzwirkung imterworfen werden. Es darf aber hieraus nicht etwa 
geschlossen werden, daß nun eine gleichmäßige Wirkung auf alle 
Körperzellen stattfindet. Vielmehr bedingt es die Neigung der Hoch- 
frequenzströme wie überhaupt der Elektrizität, an Orten geringeren 
Widerstandes sich anzusammeln bzw. die Bahnen geringeren Wider- 
standes zu benutzen, daß trotz der gleichmäßigen Exposition ungleich- 
mäßige Wirkungen erzielt werden. Die verschiedenen Füllungszustände 
mit Blut (z. B. Kongestionen, Ischämie) bedingen verschieden günstige 
Existenzbedingimgen für die Hochfrequenzoszillationen, und so kommt 
es, daß klinisch ungleiche Resultate produziert werden (siehe später). 

Nagelsohmidt, Diathermie. 2. Aufl. ^ 



6g Physik und Physiologie der Diathermie. 

Die wesentliche Wirkung des Solenoids ist eine sedative und blutdruck- 
herabsetzende. Als psychischer Effekt wird häufig eine Tonisierung des 
Nervensystems von den Patienten angegeben. Die Solenoidapplikation 
ist eine wenig ökonomische Methode insofern, als ein relativ großer 
Kubikinhalt mit elektrischen Schwingungen erfüllt wird und nur ein 
Teil dieses Inhalts, z. B. ein Viertel, von der Körpermasse des Patienten 
beansprucht wird. So kommt es, daß die primäre Wirkimg des Sole- 
noids, welche die eben genannten sekimdären erst produziert, gar nicht 
nachweisbar ist oder nur durch die kompliziertesten Methoden auf- 
gedeckt werden kann. So vermutete d'Arsonval bereits, daß eine 
Erhöhung der Verbrennungen bzw. der Körpertemperatur durch die 
Behandlung in demselben erzielt wird. Jedoch dachte er nicht an eine 
diathermische Erwärmung, sondern an eine Erhöhimg der Körper- 
temperatur durch Erhöhung der Oxydation. Er konstruierte ein äußerst 
empfindliches Anemometer und wies durch Zählung der Tourenzahl 
eine Erhöhung der Wärmeproduktion des in dem eingeschlossenen 
Solenoid befindlichen Versuchsindividuums nach Stromdurchgang nach. 
Zur Erzielimg therapeutischer Effekte ist es notwendig, daß das 
Solenoid gut funktioniert, d. h. daß es in Beziehung zu dem erregen- 
den d'Arsonvalapparat oder Diathermieapparat resonanzfähig ist. 
Man kann in ihm erzeugte Hochfrequenzströme messen, indem man 
zwischen einem Pol des Hochfrequenzapparates und dem Solenoid ein 
Hitzdrahtamperemeter anbringt. Ein solches Instrument besteht im 
wesentlichen aus einem sehr feinen Draht, der sich beim Hindurch- 
fließen eines Gleichstromes, Wechselstromes oder Hochfrequenzstromes, 
je nach der Intensität dieser Ströme erhitzt und dadurch ein Maß für 
die hindurchgeleitete elektrische Energie abgibt. Man mißt die Hoch- 
frequenzströme, indem man an derartigen Meßinstrumenten den Aus- 
schlag bestimmt, den sie hervorbringen, imd ihn mit dem Ausschlag 
vergleicht, den ein Gleichstrom in bestimmter Milliamperezahl hervor- 
bringen würde. Man mißt also eigentlich nicht direkt die hochfrequente 
Schwingende Energie, sondern drückt sie nur durch die Milliamperezahl 
aus, welche der gleichen Wärmeentwicklung eines Gleichstromes ent- 
sprechen würde. Selbstversjbändlich kann ein derartiges Instrument 
den hochfrequenten Schwingungen in seinen Ausschlägen nicht folgen, 
und schon beim niederfrequenten Wechselstrom sehen wir ebenfalls 
eine konstante Zeigerstellung eintreten, weil die Erwärmimg und Ab- 
kühlung des Drahtes auch langsamen Wechseln nicht folgen kann. Für 
die praktischen Zwecke genügt diese Angabe des Instrumentes voll- 
kommen. Denn gerade die diathermischen Wirkungen sind von der 
Intensität des applizierten Stromes direkt abhängig, und auf ihre 
spezielle Messung und Wirkung, nämlich in Form Joule scher Wärme, 
kommt es uns ja speziell an. Diese Messung ist von besonderer Wichtig- 
keit, weil das Berichten von irgendwelchen Wirkungen der Hoch- 
frequenzströme im Solenoid ohne Angabe der Größe des Innenraumes, 
der Belastung des D'Arsonvalapparates und der Leistung desselben, 
d. h. ohne genaue Dosierung, keine Beurteilung der Resultate ermög- 
licht. Es ist gerade so, als ob in den Publikationen übej die Wirksam- 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 67 

keit oder Wirkungslosigkeit des Morphiums gestritten würde, ohne daß 
Angaben über die verwandte Dosis gemacht werden. Die ganze Dosie- 
rungsfrage ist nicht bloß für die hier in Rede stehende Applikations- 
iveise, sondern überhaupt für die Anwendimg von Hochfrequenzströmen 
von allergrößter Wichtigkeit, und ich habe schon betont, daß die wider- 
sprechenden Resultate der verschiedenen Autoren sicherüch zum 
großen Teil auf die fehlende Dosierungsmöglichkeit imd die ungleiche 
Leistungsfähigkeit der verschiedenen Apparaturen ziulickzuführen ist. 
Als später die Diathermie eingeführt wurde und die Intensitäten der 
Hochfrequenzströme wesentüch größer wxirden, ergab sich die Not- 
li^endigkeit der Dosierung von selbst, und ich mußte bereits 1907 hervor- 
heben, daß die Resultate, die d'Arsonval mit seinen sehr kräftigen 
Laboratoriumsapparaten erzielte, mit denen, die z. B. deutsche Autoren 
(Toby Cohn u. a.) mit Apparaten, die noch nicht den 20. Teil dieser 
Leistimgsfähigkeit aufwiesen, beschrieben, gar nicht vergleichbar wären. 
Heute, wo wir wissen, daß die Effekte der D'Arsonvalisation im wesent- 
lichen, soweit kein Hautreiz in Frage kommt, rein diathermische sind, 
ist die Frage einer exakten Dosierung durchaus gelöst, und die ganzen 
physiologischen Versuche d'Arsonvals müssen unter diesem Gesichts- 
punkt einer neuen Revision unterzogen werden. Wir lassen daher die 
Resultate, die er in seinen verschiedenen Publikationen (Comptes rendus 
usw.) veröffentlicht hat und die auf Grund ganz unvergleichbarer Resul- 
tate anderer Autoren bestritten wurden, als nicht genügend nachgeprüft 
der weiteren Untersuchimg offen. Die klinischen Resultate werden 
wir in der zweiten Abteilung dieses Lehrbuches einer Besprechimg 
unterziehen. 

Bringt man einen Menschen in das große Solenoid hinein, so wird er 
von elektrischen Oszillationen des Kupferdrahtes umflossen, ohne mit 
diesem irgendwie in Kontakt zu sein. Es entsteht im Innern des Sole- 
noids ein stark oszillierendes elektromagnetisches Feld, welches einen 
im Innern befindlichen Leiter durchdringt und in diesem, wenn es Draht- 
windungen sind, hochfrequente Wechselströme induziert oder, wenn 
es Elektrolyte sind, z. B. Menschen, unberechenbare Wirbelströme er- 
zeugt. Wenn man z. B. einen Kupferring, dessen beide Enden mit einer 
kleinen Glühlampe armiert sind, parallel zu den Drahtwindungen im 
Innern des Solenoids hält, so leuchtet die Lampe auf. Dreht man ihn 
senkrecht zur Windungsebene des Solenoids, so erlischt die Lampe. Daß 
das betreffende Individuum im Innern des Solenoids tatsächlich elek- 
trisch geladen ist, geht daraus hervor, daß ein Außenstehender, wenn er 
die Hand durch die Drahtzwischenräume hindurchsteckt und die Ver- 
suchsperson berührt, kleine Funken aus ihr herausziehen kann. Der 
unberührte Patient merkt jedoch im Solenoid nicht das geringste von 
den elektrischen Vorgängen, da, wie gesagt, die Ausbeute, d. h. die 
in ihm zur Wirkung gelangende Stromintensität, so gering ist, daß eine 
merkbare Gesamterwärmung nicht auftritt. Polare Aufladungen finden 
ebenfalls wegen der Hochfrequenz Wechsel nicht statt, wie das- z. B. 
der Fall wäre, wenn man das Solenoid an die Pole einer Influenzmaschine 
anschlösse, wobei die aus den Haaren und aus der Hautoberfläche 

5* 



gg Physik und Physiologie der Diathermie« 

herausströmende Elektrizität die Empfindung des elektrischen Windes 
produzieren würde. Die Hochfrequenzelektrizität ist wegen ihrer 
dauernden schnellen Wechsel eben vollkommen unfühlbar. 

Wenn es somit nicht gelingt, in dem großen Solenoid, selbst bei 
Verwendung sehr intensiver Stromstärken, nennenswerte Temperatur- 
steigerungen oder Erwärmung irgendwelcher Art zu erzeugen, so ist das 
bei Verwendung kleiner Solenoide wesentlich anders. Ich habe in Paris 
auf dem Kongreß (1910) ein solches kleineres Armsolenoid demonstriert, 
welches mit etwa 10 — 12 Ampere im Hitzdrahtinstrument gemessener 
schwingender Energie betrieben wurde. Nimmt man eine Kugel aus 
locker zusammengedrücktem Stanniol in die Hand und hält sie in 
dieses Solenoid hinein, so muß man sie schleimigst wieder herausziehen, 
denn es tritt momentan eine so intensive Erwärmimg des Stanniols 
durch die Wirbelströme ein, daß es in der es umschließenden Faust 
momentan sehr heiß wird imd in wenigen Sekunden schmelzen würde. 
Ebenso muß man sich hüten, den Arm mit einem metallischen Armband 
oder mit Ringen am Finger hineinzustecken, denn auch hier würde die 
Erhitzung in kürzester Zeit unerträglich werden. Daß sich Elektro- 
lyte hierbei anders verhalten als metallische Ringe, unterliegt keinem 
Zweifel. Indessen wird auch hier eine geringe Erwärmimg bei genügen- 
der Intensität und dichter Umschließung durch die Spirale stets nach- 
weisbar sein. Ein etwas größeres Solenoid ist in der'^vorstehenden Ab- 
bildung 30, S. 40 reproduziert, welches ich seit 1908 zur Behandlung 
des Kopfes benutze. Die Wirkungen sind im Anschluß an den Dia- 
thermieapparat hierbei wesentlich intensiver, als wenn man den ganzen 
Menschen in das große Solenoid hineinsetzt. Es erfüllt eine Reihe weiter 
unten zu erwähnender klinischer Indikationen. Nach neueren Unter- 
suchungen von Bergonie^) ist bei Anwendung eines großen, mit riesiger 
Stromstärke betriebenen Solenoids eine Beeinflussung des Blutdruckes 
nicht mit Sicherheit nachzuweisen. 21 Blutdruckmessungen zeigten 
keine Veränderung, 10 ergaben eine Blutdrucksteigerung, 4 eine Herab- 
setzung. Definitive Schlüsse lassen sich jedoch auch hieraus nicht 
ziehen, da, wie wir späterhin sehen werden, der normale Blutdruck 
überhaupt wenig beeinflußt wird, während pathologische Schwankungen 
desselben viel eher eine Einwirkung zeigen. Die einzige tatsächliche 
Wirkung, die mit Sicherheit festgestellt werden kann, ist bei genügen- 
der Intensität und günstiger Applikation eine mehr oder weniger deut- 
liche Erwärmung. Wir können somit bei dieser Applikations- 
art einen zwar geringen, aber unzweifelhaft diathermischen 
Effektais einzige nachweisbare primäre Wirkung bezeichnen. 

Die zweite künische Anwendungsweise von Hochfrequenzströmen 
geschieht auf dem Kondensatorbett, welches von Apostoli bekannt 
gemacht wurde. Die Anwendung geschah Bis in die neueste Zeit stets, 
indem der Patient einen Stab in eine oder in beide Hände nahm, während 
der andere Pol an die unter der Matratze befindliche Platte angelegt 
wurde. Hätte man den Laboratoriumsapparat von D'Arsonval für 

^) Handbuch der gesamten medizinischen Anwendung der Elektrizität, 
V. Boruttau, 1912, S. 885. 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 69 

klinische Versuche zur Verfügung gehabt, so würde zweifellos schon in 
der ersten Zeit der Anwendung die Diathermie entdeckt worden sein. 
Denn bei dem mit diesem Apparat verfügbaren Energieaufwand von 
Hochfrequenzelektrizität müßte schon nach wenigen Sekunden eine so 
intensive Durchwärmung der Handgelenke, also derjenigen Stellen, 
Vielehe als dünnster Querschnitt für die Hochfrequenzpassagen aufzu- 
fassen sind, aufgetreten sein, daß die Stromwirkung nur wenige Se- 
kunden erträghch gewesen wäre. Die Apparate jedoch, die zur Ver- 
fügimg standen und heute noch vielfach zur Verfügung stehen, sind 
so schwach, daß selbst bei halb8t;ündiger Anwendung nur ganz ge- 
legentHch als Nebenbefund eine leichte Erwärmung der Handgelenke 
registriert wurde. Allerdings wird hervorgehoben, daß in den Fällen, 
in denen diese Erscheinung bemerkt wurde, die klinischen 
Resultate besonders günstig gewesen wären. Es geht daraus 
klar hervor, daß die Unsicherheit der klinischen Resultate bei der 
Anwendimg des Kondensatorbettes in vielen Fällen auf der zu geringen 
Leistung der Hochfrequenzapparate beruht. 

Die Verwendung der Diathermie zu Hochfrequenzzwecken hat auch 
hier Wandel geschaffen ; denn schon bei mäßiger Belastung überschreitet 
die Stromstärke, die der Patient auf dem Kondensatorbett erfährt, 
die Toleranzgrenze der Handgelenke, wie ich das 1910 in Paris bereits 
vorgeführt habe. Ich habe deshalb damals bereits vorgeschlagen, an 
Stelle der üblichen Handelektroden große Flächenelektroden zu ver- 
wenden und dieselben da zu applizieren, wo man die Stromwirkungen im 
wesentlichen zu haben wünscht, d. h. zum Beispiel auf der Brust. Es 
tritt hierbei auch bei Verwendung relativ großer Elektroden deutUches 
Gefühl der Erwärmimg auf. Es ist dies ein anderer historisch älterer 
Weg, die Wirkung des Kondensatorbettes auf gewisse Körperteile zu 
konzentrieren, als die von Schittenhelm später angewandte MÄhode 
der Unterteilung der unteren Platte. Während die Behandlung im Sole- 
noid die gesamte Körpermasse allerdings einer unberechenbaren und 
unlenkbaren Hochfrequenzdurchströmung aussetzte, gewissermaßen also 
den ganzen Zellkomplex des menschlichen Körpers betrifft, war die 
Kondensatorbettmethode ursprünglich auch als eine solche Allgemein- 
behandlungsmethode gedacht. Man wußte aber nicht, daß durch Appli- 
kation von Handelektroden die Stromverteilung zwar auf der Unter- 
seite des Körpers eine einigermaßen gleichmäßige war, während eine 
Verdichtung dieser gesamten Strommasse am Schultergürtel, bzw. 
weiterhin in den Handgelenken auftrat und so mit diesen Allgemein- 
methoden eine fast rein lokale Wirkung erzielt wurde. Auch das Schit- 
tenhelmsche Kondensatorbett mit der Unterteilung des unteren Be- 
lages ist als eine lokale Applikationsmethode zu betrachten, weil ohne 
Applikation des einen Poles an den Händen im wesentlichen die dem 
Kondensatorbett aufliegenden Teile, also bei Rückenlage die Rückenhaut 
und die ihr anliegenden Organe, der wesentlichen Wirkung unterliegen. 
Werden jedoch Handelektroden verwandt, so haben wir trotz der Unter- 
teilung auch hier vorzugsweise die Lokalbehandlung des Schulter- 
gürtels. Das ist an sich kein Fehler, denn gerade diese Applikations- 



70 Physik und Physiologie der Diathermie. 

stelle ist für Beeinflussung von Zirkulationsanomalien wichtig. Nur 
wenn man allgemeine Beeinflussung der Zirkulation beabsichtigt, wie 
das bei den in der Literatur angegebenen Fällen wohl stets gewünscht 
war, muß man sich dieser Fehlerquelle bewußt sein. 

Wenn aljso das große Solenoid eine schwache Allgemeinapplikation 
darstellt, und das Kondensatorbett vermöge seiner dichteren Annähe- 
rung an den Patienten als eine wirksamere Allgemeinbehandlungs- 
methode gedacht war, so lag der Gedanke nahe, durch Applikation 
einer großen, den ganzen Körper überdeckenden Elektrode ^i^se All- 
gemeinwirkung tatsächUch herzustellen. Zuerst dachte ich zur Lösung 
dieser Frage daran, den entkleideten Menschen in eine große flache 
Schale zu legen, welche mit wenig Wasser versehen ist, und vermittels 
dieser Wasserelektrode oder dieses flachen Wasserbades die Stromzu- 
führung von dem einen Pol zu vermitteln und sodann das Kondensator- 
bett gewissenriaßen umgekehrt auf der Oberfläche des Patienten in 
Verbindimg mit dem anderen Pol anzuordnen. Die XJnbequemUchkeit 
des Entkleidens und die kostspielige Anordnung des Bades indessen 
ließen diese Methode als wenig praktisch erscheinen, und so nutzte ich, 
wie oben geschildert, die vorzügliche Konduktionswirkung von 
Kondensatorelektroden sehr großer Fläche aus und habe in 
dieser Versuchsanordnimg bei Anwendimg von genügend gespannten 
Diathermieströmen sehr große Strommengen durch den Körper auf 
dem Wege der Kondensation hindurchleiten können. Hierbei treten 
besonders infolge der ziemhch kompletten Bedeckung des Körpers mit 
warmen undurchlässigen Stoffen durch den diathermischen Effekt der 
Hochfrequenzströme erhebliche Wärmestauimgen auf, welche die 
leichte und schnelle Produktion von elektrischem Fieber ermöglichen. 
Betrachten wir die historische Entwicklung des Kondensatorbettes 
hiemUch, so können wir in seinen ersten Formen (Apostoli) die Be- 
obachtung rudimentärer diathermischer Effekte finden, bei seiner 
verstärkten Applikation (Diathermie als Stromquelle, große Platten- 
elektroden, Elektrode gegen Platte) bewußte und deutliche Diathermie- 
wirkung, bei der Schittenhelm sehen Konstruktion ebenfalls dia- 
thermische und bei allen drei bisher genannten Arten relativ lokale 
Wirkungen erkennen, unbeschadet der beabsichtigten Allgemein- 
applikation. Erst die letzte Anwendung des gewissermaßen doppelten 
Kondensatorbettes erfüllt den Zweck der allgemeinen Applika- 
tion und verbindet ihn gleichzeitig mit genügender Stromstärke. Es 
ist wahrscheinlich, daß die neuen sehr leistungsfähigen Glühkathoden- 
diathermieapparate wegen ihrer großen Stromabgabe zum Betriebe 
des von mir angegebenen Kondensatorbettes besonders geeignet sind; 
während ihre große Stromstärke für die gewöhnlichen Diathermie- 
applikationen unnötig und sogar gefährlich ist. Wir ersehen aus 
alledem als Quintessenz und primäre Wirkung des Kon- 
densatorbettes den diathermischen Effekt. 

Wir kommen nunmehr zu eihigen anderen Applikationsarten, die, 
wie wir bereits betont haben, eine erhebliche khm'sche Bedeutung be- 
sitzen, aber nicht mehr als reine Hochfrequenzwirkungen bezeichnet 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Api^ationen. 71 



t 

; 
i 



i 



werden dürfen. Während das Kondensatorbett infolge des Fehlens von 
Sprüheffekten und durch die reinen kapazitiven Aufladungen des 
Körpers doch eine reine Hochfrequenzapplikation darstellt, können wir 
dieses bei der Verwendung kleiner sog. Kondensat orelekt roden 
nicht mehr annehmen. Diese Kondensatorelektroden, gleichgültig, 
' welcher Konstruktion, wurden bis vor kurzem stets so angewandt 

i — wenigstens habe ich mich durch den Augenschein von dieser fast 

i ausschließlichen Anwendungsweise überzeugt — , daß sie zur unipo- 

* laren Bestreichung von Körperoberflächen oder zur unipolaren 

* Einführung in Anus und Vagina benutzt wurden. Bei allen diesen uni- 
I polaren Applikationen kann die Wirkung nur eine rein oberfläch - 
' liehe sein. Der Effekt derartiger Applikationen ist nichts als eine Haut- 
reizung, bedingt durch die minimalen Sprühentladungen zwischen 
Glas- oder Kautschukwand und dem als geerdet anzusehenden Körper. 
Vom Übergang einer nennenswerten Hochfrequenzenergie durch Strah- 
lung oder kapazitive Aufladung kann hierbei keine Rede sein. Selbst 
sehr empfindliche Milliamperemeter zeigen keine nennenswerte Energie- 
entziehung des Hochfrequenzapparates an. 

Ich habe schon 1907 darauf hingewiesen, daß ziu» Erzielimg kräftiger 
Wirkungen und vor allem von Tiefenwirkungen stets die bipolare Appli- 
kation notwendig ist, welche nicht nur vermöge des richtenden Ein- 
flusises der zweiten Elektrode auf die Stromverteilung bzw. auf die Ein- 
dringungsfähigkeit nach der Tiefe zu von Einfluß ist, sondern vor allem 
zu einer wesentlich verstärkten Wirkung der Applikation führt. Man 
kann sich leicht davon überzeugen, daß bei unipolarer Applikation selbst 
maximale Einstellung der Apparatleistung durchaus erträglich ist, 
während der Kontakt mit dem zweiten Pol bei leistungsfähigen Appa- 
raten sofort Funkenschmerz und das Gefühl unerträglichen Brennens 
bei genügender Stromstärke verursacht. Die Natur der Kondensator- 
entladung mittels derartiger Elektroden bedingt es, daß im Körper eine 
minimale diathermische Wirkung, allerdings nur in den obersten Schich- 
ten der Haut, zustande kommt, daß aber daneben das ultraviolette licht, 
soweit überhaupt der Lichteffekt dieser Strahlung von Wirkung ist, 
femer die reichliche Bildung von Ozon und salpetriger Säure eine 
Komponente in die Wirkung hineinbringt, die mit der reinen Hoch- 
frequenzapplikation nichts mehr ^u tun hat. Wir haben eben funken- 
elektrische, mechanische, thermische, chemische und diathermische 
Wirkungen gleichzeitig, von denen die letzteren, wenigstens bei d'Arson- 
valapparaten vernachlässigt werden können. Bei diesen spielt nämlich 
die hohe Spannung eine Rolle imd bewirkt als Haupteffekt bei großer 
Intensität nennenswerte Funken Wirkungen. Bei Applikation mit Dia- 
thermieapparaten ist jedoch die Stromstärke bei relativ geringerer 
Spannung so groß, daß die wesentlich kürzeren Funkenentladungen 
sehr viel heißer sind, so daß die thermische Komponente mehr in den 
Vordergrund tritt. Bei einer größeren Belastung des Diathermieappara- 
tes und bipolarer AppUkation sehen wir auch den Übergang bis zu 300 
und 400 Milliampere und mehr an reiner Diathermieenergie. Wir haben 
es also, je nach der Apparatur und je nach der Einstellung der Intensität 



72 Physik und Physiologie der Diathermie. 

sowie je nach der Methode der Applikation, nni- oder bipolar, mit in- 
kommensiu'ablen Wirkungen zu tun. Die Effekte dieser Applikations- 
methode sind demnach verschiedenartige, am mildesten bei unipolarer 
Applikation, gleichgültig welcher Apparatur. Bei bipolarer Applikation 
können die Fimkenreizungen in den Vordergrund treten, tmd wir sehen 
daher Auftreten einer Hypästhesie und reflektorischer Wirkimgen in- 
folge des Hautreizes. Bei intensiver diathermischer Applikation tritt 
deutliche arterielle Hyperämie der Haut, Schweißabsonderung, Hitze- 
gefühl vorwiegend in die Erscheinung, und wir beobachten die sedative 
Wirkimg bei Juckreiz, Schmerzstillung, sowie derivierenden Effekt. 
Stets müssen wir jedoch bedenken, daß bei diesen Applikationen, selbst 
wenn sie bipolar sind, eine größere Tiefenwirkimg nicht wahrscheinlich 
ist. Indessen kann der Hautreiz zu vorübergehender Blutdrucksteige- 
nmg führen. 

Eine weitere Steigerung dieser Effekte haben wir bei der Douchen- 
entladung. Wie oben auseinandergesetzt, werden die Effluvien durch 
Verwendimg sog. Resonatoren erzeugt, und wir müssen auch hier, das 
gute Funktionieren vorausgesetzt, die imi- und die bipolare Anwendung 
imterscheiden. Was zunächst die Art der vom Hochfrequenzapparat 
gelieferten Effluvien betrifft, so müssen wir verlangen, daß sie eine 
Entfemimg der Spitzenelektrode von der Körperoberfläche von ca, 
10 — 25 cm ermöglichen, und daß sie bei größerer Annäherung nicht 
leicht in dickere Funkenentladimg übergehen. Die Bestrahlung muß 
als feiner, kühler, von manchen Patienten auch als lauwarm bezeichneter 
Hauch empfunden werden, und er darf erst bei Annäherung die Emp- 
findung des Prickeins und noch größerer Annäherung des Stechens hervor- 
rufen. Um dieses Desiderat zu erfüllen, ist es nötig, daß man mit der 
Resonanzpraxis einigermaßen vertraut ist und Funkenstrecken sowie 
Belastung durch den Speisestrom und Zahl der Windungen der Selbst- 
induktion so zu regulieren versteht, daß eben diese gewünschte Wirkung 
herauskommt. Apparate, die schon bei 10 cm Annäherung schmerz- 
hafte Funkenentladungen geben, sind für diese Zwecke unbrauchbar.- 
Wenden wir die früher allein übliche monopolare Applikation an, so 
haben wir auch hier entsprechend der Kondensatorelektrodenwirkung 
relativ schwache Effekte. Die Patienten spüren einen leichten Reiz, 
und die physiologischen Wirkungen sind mim* male, leicht sedative. 
Die Notwendigkeit der bipolaren AppUkation wxirde auch von dieser 
Applikationsart von mir 1907 bereits ausdrückhch betont. Dieses war 
um so notwendiger, als die, wenigstens in Deutschland, im Handel be- 
findlichen Apparate sehr häufig gar keine Anschlußklemmen für eine 
bipolare Resonatorapplikation besaßen. Die durch bipolare Applikation 
verstärkte Wirkung hat bei größerer Entfernung der Elektrode von 
der Haut deuthch analgesierende, sedative Wirkungen. Bei allmäh- 
licher Annäherung tritt ein mehr prickelndes Gefühl in den Vordergrund, 
und wir sehen nach anfänglicher Kontraktion der Hautmuskulatur 
(Arrectores pilorum) eine deutliche Rötung und arterielle Hyperämie 
eintreten. Kräftige Entladungen und noch größere Annäherung be- 
wirken kräftige Muskelkontraktionen, und zwar nicht nur in den unter 



Physiologische Wirktmgen der therapeutischen Applikationen. 73 

der strahlenden Elektrode befindlichen Körperpartien, sondern im 
^wresentlich.eii auch an den Applikationsstellen der anderen indifferenten 
Elektrode. Läßt man diese in einer Hand halten, so sind die Muskel- 
kontraktionen in dieser imd im Arm bei größerer Stromstärke fast un- 
erträglich., und auch mit beiden Händen gehalten, erweist sich der 
eine Pol als lästig. Es ist deshalb zweckmäßiger, die Handelektroden 
durch üächenelektroden zu ersetzen, welche genau wie die späterhin 
zu beschreibenden Kontaktapplikationen der reinen Diathermie eine 
' Verteilung der Stromwirkung auf größere Hautpartien ermöglichen 
und dadurch eine relative Reizlosigkeit dieses Pols bewirken. Wir 
haben bei dieser Applikation die Möglichkeit, den Hauteffekt der 
feinen und gröberen Büschelentladung mit der reizenden Wirkung 
leichter ultravioletter und violetter Strahlung (die meist allerdings nur 
im Dunkeln deutlich zu erkennen ist) und der deutlicheren Reizwirkung 
feinster Eunkenentladimgen zu kombinieren. Hierzu treten bei größerer 
Annäherung noch Muskelkontraktionen, welche durch die Kondensator- 
entladungen dieser Applikationsmethode gegeben werden. Die dia- 
thermischen Effekte dieser Methode sind wegen der großen Dicke des 
Dielektrikums (Luft) und der Verwendung der hohen Resonatorspannung 
auf Kosten der MUliamperezahl gleich Null. 

Die weitere Annäherung der Douchenelektrode führt auch bei gut 
sprühenden' Apparaten schließlich zum Übergang von dickeren 
Funken. Läßt man einen solchen Funken bei genügender Intensität 
auf irgendeine Hautstelle auffallen, so sieht man zunächst einen runden 
oder ovalen anämischen Fleck auftreten, der eine deutliche Cutis anserina 
zeigt. Die Funkenentladung führt somit zu einer sofortigen Reizung der 
glatten Hautmuskulatur, auch einer lokalen Reizimg der Vasokonstrik- 
toren. Dieser Zustand bleibt einige Sekunden, bei manchen Individuen 
^/g bis 1 Minute bestehen und macht dann einer lokalen Erschlaffung 
der Gefäße und Lösung des Muskelspasmus Platz. An Stelle der blassen 
Farbe tritt ein mehr oder weniger intensives Erythem. Wiederholt man 
die Funkenentladung mit genügender Intensität mehrmals an derselben 
Stelle, oder hat man ein Individuum mit besonders lebhaft reagierendem 
vasomotorischen System, so kann es auch schon gelegentlich nach einem 
einzigen Funken zu weiteren Erscheinungen kommen. Die Vasodilata- 
tion kann ein ödem, Blasenbildung, ja sogar die Diapedese von Blut- 
körperchen zur Folge haben. Hochgespannte Hochfrequenzfunken der 
D'Arsonvalapparate pflegen außerdem noch besonders bei bipolarer 
Applikation auch eine Reizung tiefer gelegener Muskelgruppen zu ver- 
ursachen, und so sehen wir selbst mächtige Muskeln, wie z. B. die 
Glutäalmuskulatur unter dem Einfluß der Funkenschläge Kontrak- 
tionen kräftigster Art ausführen, die als durch Kondensatorentladimgen 
hervorgerufen anzusehen sind. Diese Funkenentladungen wurden 
vielfach bereits von Strebel ziu» Zerstörung oberflächlicher Haut- 
gebilde verwandt, z. B. zur Behandlmig von Kankroiden, Lupus usw. 
Diese längst bekannte Methode wurde von Keating Heart, mit 
dem neuen Namen Fulguration versehen, als Elrebsheilmittel mit 
großer Emphase angepriesen und kann nach reichlicher Nachprüfung 



74 Physik und Physiologie der Diathermie. 

« 

im In- und Auslände als solches ohne Einschränkung zurückgewiesen 
werden. 

Die Wirkung derartiger Funken auf normales oder pathologisches 
Gewebe ist eine komplexe. Neben der Reizwirkung der Kondensator- 
entladimg auf die Muskulatur ist eine leichte thermische Wirkung, so 
wie sie der Hitze des Funkens entspricht, außer der gewissermaßen 
explosionsartig zerschmetternden des beim Fimkenübergang statt- 
findenden momentanen elektrolytischen Vorgangs zu nennen. Während 
reine Hochfrequenzströme beim Durchgang z. B. dmrch eine Jodkali- 
stärkelösung keinerlei elektrolytische Wirkimg erkennen lassen, treten 
beim Auftreten von Hochfrequenz- oder Fulgurationsfunken minimale 
stecknadelspitzengroße Blaufärbungen an der äußersten Oberfläche 
auf. Erst eine sehr große Funkenzahl ermöglicht die Entstehimg deut- 
licher sichtbarer chemischer Veränderungen. Diese Beobachtung an 
einem flüssigen Reagens läßt eine irgendwie nennenswerte Tiefenwirkung 
der Fulgurationsfunken im Gewebe unwahrscheinlich erscheinen. Da 
nach reichlicher Prüfung im Inlande wie im Auslande die Fulguration 
vollkommen verlassen worden ist, erübrigt es sich, an dieser Stelle 
näher auf sie einzugehen. 

Die Applikation längerer Funkenentladungen, sei es, daß dieselben 
im Hochfrequenzinstrumentarium oder in der Influenzmaschine erzeugt 
werden, wird nur noch wenig angewandt. Ihre einzige physiologische 
Wirksamkeit ist ein intensiver Hautreiz, mit Schmerzgefühl und elek- 
trischer Erschütterung verbunden, die zu lebhaften Muskelkontrak- 
tionen führt und eine mehr oder weniger lange Zeit anhaltende Hyper- 
ämie auf den betroffenen Hautgebieten hinterläßt. Als primäre Wirkung 
sieht inan, wenn man z. B. die Funkenentladung auf die sichtbaren 
Ohrgefäße eines Kaninchens wirken läßt, eine erhebhche Vasokontrak- 
tion eintreten, welche selbst thermischen und medikamentösen Dila- 
tationseinwirkungen eine Zeitlang Widerstand leistet. 

Es ist eigentümlich, daß die Hochfrequenzfunken relativ weniger 
Schmerzgefühl hervorrufen, als die Funken einer Influenzmaschine. 
Während man bei der letzteren infolge der polaren Aufladung schon bei 
geringer Funkenlänge unangenehme spezifisch elektrische Schläge in 
den Armen und im Körper verspürt, tritt bei der Hochfrequenzfunken- 
entladung nur in der direkt betroffenen Hautstelle eine relativ geringe 
Schmerzempfindung ein. Je nach der Art der betroffenen Partie treten, 
wie erwähnt, Muskelkontraktionen auf. Aber die unangenehme Emp- 
findung des elektrischen Schlages in den Gelenken fehlt vollständig. 
Ich habe bereits im Jahre 1907 in meinem Vortrag (loco citato) auf eine 
Methode der Verwendung derartiger Funken hingewiesen, die wir weiter 
unten in ihren klinischen Wirkungen betrachten werden. An dieser 
Stelle will ich nur die Technik und physiologische Wirkung dieser 
Applikation kurz erwähnen. Läßt man die Funken nicht direkt auf die 
Haut auffallen, nachdem man den Patienten die andere Elektrode in 
die Hand gegeben oder sie sonst mit ihm in Kontakt gebracht hat, 
sondern auf ein mit der Haut bereits in Berührung befindliches Metall- 
stück, z. B. eine freie Metallelektrode, so fällt der Hautreiz bei gutem 



Ph3^iologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 75 

Kontakt zwischen dem Metallstück und der Haut vollständig aus, und 
man beobachtet nichts als die der Funkenintensität entsprechende 
Muskelkontraktion. Derartige*Applikationen stellen nun nichts anderes 
als Kondensatorentladungen dar, welche neuerdings diu'ch die Arbeiten 
Zanietowskis und anderer zu großer Bedeutung zu gelangen scheinen. 

Zur destruktiven Wirkung auf kleine Tumoren usw. bedient man 
sich mit größerem Vorteil der sehr viel heißeren Punkenentladungen, 
wie sie alle Diathermieapparate zu leisten vermögen, falls man nicht 
die wesentlich günstigere reine Diathermie verwendet. 

Diese längst bekannten, heißen, sehr intensiven gewebezertrüm- 
memden diathermischen Funkenentladungen wurden in der ersten Zeit 
des Bekanntwerdens der Diathermie unter der Bezeichnung „Kalt- 
Kaustik" mittels der sog. Forestschen Nadel vielfach zu kleineren 
chirurgischen Eingriffen empfohlen. Die Kalt-Kaustik oder die Forest- 
sche Nadel bedeutet nichts als ein kleines, spezielles Diathermieinstru- 
mentarium, welches für diathermische Zwecke wenig geeignet ist, da- 
gegen mit einer relativ hohen Spannung arbeitet und speziell ziu» Pro- 
duktion von Funkenentladungen dient. Es ist keine Frage, daß der 
Funken der Kaltkaustik sich zum Fulgurationsfunken in bezug auf seine 
Intensität verhält wie die eigentliche Diathermie zur d'Arsonvalisation. 
Dagegen muß entschieden Widerspruch erhoben werden, die Kalt- 
kaustik bzw. Forest sehe Nadel als eine besondere Energieform der 
Hochfrequenzströme darzustellen. Vielmehr ist diese Applikationsart 
nichts weiter als eine mit jedem Diathermieapparat herstellbare, längst 
bekannte und vielleicht die unwichtigste AppUkationsart dieser Ver- 
fahren. Sie wird zweifellos das Schicksal der Fulguration teilen, denn 
wo es sich um die Zerstörung sowohl großer wie kleiner Tumoren handelt, 
leistet, wie wir späterhin sehen werden, die Diathermie ohne Funken- 
bildimg viel Besseres, und vor allen Dingen ist die Kontaktkoagulation 
mittels der Diathermie viel besser lokalisierbar als jede Funkenent- 
ladung, die sich, aus einer gewissen Entfernung (Fulguration mehrere 
Zentimeter, Kalt-Kaustik mehrere Millimeter) auf die Haut über- 
springend, nicht ohne weiteres den Platz vorschreiben läßt, auf welchen 
der Funken niederfällt. Vielmehr ändert sich mit der Austrocknung 
der Gewebe, mit der Existenz kleiner, kaum erkennbarer Vorsprünge 
mit den Verschiedenheiten der zufälligen Leitungsbedingungen der 
Oberfläche die Art des Auftreffens des Funkens regellos, so daß bei 
Operationen, die mittels dieser von Anfang an wenig aussieht voll er- 
scheinenden Behandlungsmethode vorgenommen werden, der Fimke 
um 1 cm neben der gewollten Stelle aufschlug imd weit im gesunden 
Gewebe Zerstörungen machte, die nicht beabsichtigt, aber wegen der 
Natur des Funkens eben nicht vermeidbar waren. Wir glauben daher 
auch, mit diesem Hinweis auf die physiologische Wirkung, nämlich die 
Zerstörung von Geweben, uns hier begnügen zu können, und werden 
gelegentlich der therapeutischen Anwendung in der Chirurgie noch kurz 
darauf zurückkommen. 

Wir wenden uns nunmehr der physiologischen Wirkung der wich- 
tigsten Applikation der Hochfrequenzströme zu, nämlich 



76 Physik nnd Physiologie der Diathermie. 

der Kontaktapplikation. Gleichgültig, ob wir diesen Kontakt 
durch Metallflächen, wasserdurchtränkte Gewebe, Wasser- oder Bäder- 
elektroden oder sonst irgendwie durch einen guten oder schlechteren 
Leiter herstellen, stets erreichen und wünschen wir hierbei einen direkten 
Übergang der elektrischen schwingenden Energie in den Körper ohne 
jede Büschel- oder Funkenentladung. Es kommt also darauf an, das 
Auftreten einer Funkenstrecke zwischen Elektrode und Körperober- 
fläche zu vermeiden. Jedes Verfahren, welches eine derartige Applika- 
tion von Hochfrequenzströmen irgendwelcher Art bewirkt, erzeugt rein 
diathermische Wirkungen. Derartige Applikationen müssen, um wirk- 
sam zu sein, stets bipolar stattfinden. 

Es laßt sich nur ein einziger Fall denken, bei welchem die mono polare 
Anwendung zu kräftiger Diathermiewirkung führen kann, und zwar dann, wenn 
zufällig bestimmte Bedingungen physikalischer Art in dem sekundären Schwin- 
gungslo'eis erfüllt sind. Nämlich nur dann, wenn an der Kontaktstelle der Elektrode 
gerade ein Schwingungsbauch der Hochfrequenzwellen vorhanden ist, geht das 
jeweilige Maximum der schwingenden Energie in den Körper über, und wir können 
eine direkte Umsetzung der schwingenden Energie in diathermische Wärme beob- 
achten. Dieser Fall ist aber nicht stets mit'^Sicherheit herbeizuführen, weil durch 
die Berührung mit dem Patienten, d.. h. durch die^ Veränderung der Kapazität 
des sekundären Schwingungskreises auch die Bildung anderer Formen bzw. Längen 
elektrischer Wellen bedingt ist und selbst eine vorhergehende Einstellung eines 
solchen Schwingungsbauches amEnde der unbelasteten Spirale das Weiterbestehen 
dieser Verhältnisse bei der Belastung durchaus nicht notwendig macht. Nehmen 
wir aber einmal an, bei der Belastung mit einer bestimmten Kapazität, nämlich 
einem bestimmten Individuum, würde ein Schwingungsbauch am Elektrodenende 
sich befinden, und die diathermische Energie würde in den Körper übergehen, so 
haben wir es doch hier nicht in der Hand, bei unipolarer Applikation dem Strom 
eine bestimmte Richtung zuzuweisen. Vielmehr würde sich die Energie wahr- 
scheinlich nach allen Seiten in den Körper hinein erstrecken. Unter der Elektrode 
würden die Kraftlinien am konzentriertesten sein, und wir würden somit eine rein 
lokale Hautwirkung erhalten. Der Vorteil der bipolaren Diathermie liegt aber 
gerade darin, daß wir die Hochfrequenzströme zwingen, im Körper einen bestimmten 
Verlauf zu nehmen, und daß wir die Tiefenwirkungen dadurch, daß wir sie auf 
eine bestimmte Gewebepartie lokalisieren, herbeiführen. 

Betrachten wir nun die physiologischen Wirkimgen, welche die 
reine, lokale Diathermie auf den Körper ausübt. Sorgen wir dafür, daß 
jeder Funkenübergang, d. h. jede Unterbrechimg der guten Zuleitung 
der Hochfrequenzströme zur Haut vermieden wird, so werden bei dia- 
thermischen Applikationen keinerlei sensible oder motorische 
Reizungen der üblichen bei Elektrisierung auftretenden Art be- 
obachtet. Selbst wenn man die großen Strommengen eines Diathermie- 
apparates — guten Kontakt natürlich vorausgesetzt^) — oder die hohen 
Spannungen eines D'Arsonvalapparates mit 100000 Volt einschaltet, 
tritt nicht die geringste Muskelkontraktion, kein Faradisieren, keine 
irgendwie geartete Nervenreizung auf, außer dem je nach der Strom- 
stärke und der Elektrodengröße einsetzenden Wärmegefühl. Wir können 
gleich an dieser Stelle betonen, wie ich das bereits 1910 auf dem Kongreß 

^) Die Kontaktschrauben an den Elektroden müssen stets gut angezogen 
sein; die Drähte müssen intakt und nicht etwa abgeknickt sein. Jeder Defekt 
in der Zuleitung zum Patienten erzeugt Störungen der schwingenden Energie 
und macht faradisches Gefühl. 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 77 

für iPliysiotherapie in Paris getwi habe, daß die einzige nachweis- 
bare und primäre Wirkung der Hochfrequenzströme der 
d.iath.ermische Effekt ist. Bei den D'Arsonvalströmen kann infolge 
des Iiolien Potentials durch Entladungen von der Haut aus die hoch- 
potentiale, kapazitive Aufladung des Körpers unter Umständen mini- 
male Ausstrahlimgen bedingen, welche jedoch subjektiv nicht wahr- 
genommen werden, wenn nicht zufällig die Annäherung eines metalli- 
sclien_ Gtegenstandes oder die Berührung durch den Arzt oder eine andere 
Person eine richtige Funkenentladung an irgendeiner Stelle produziert. 
Bei Diathermieapparaten mit ihrer minimalen Spannimg kommen solche 
Möglichkeiten kaum in Frage, außer wenn sehr lange Körperstrecken 
vom Hochfrequenzstrom durchflössen werden, z. B. bei der Applikation 
von einer Hand zur andern durch die Arme sowie den Thorax hindurch. 
Hierbei benötigen wir Spannimgen, welche bei Berühnmg der Haut 
in der Nähe der Elektrode, z. B. an den Handgelenken minimale, kaum 
hörbar summende Fünkchenentladungen verursachen. Aber diese Er- 
scheinungen spielen für das Wesen der Diathermie imd für die physiolo- 
gische Wirkung derartiger Applikationen im Vergleich zum diather- 
mischen Effekt gar keine Rolle, und können vollkommen vernachlässigt 
werden, da ja die Berührungen vermeidbar sind. Berührt man das 
Handgelenk des Patienten mit schnell zufassendem Griff, so wird jedes 
Funkengefühl unterdrückt, während" bei langsamer Annäherung oder 
leisem* Überstreichen Summen und fühlbares Brennen infolge der 
Fünkchen auftritt. 

Haben wir also die bipolare Applikation in irgendeiner Weise am 
Körper vorgenommen, so können wir die elektrische Energie zwischen 
den Polen in dem Körper verlaufen lassen. Für die Art der' physiolo- 
gischen Wirkungen ist es nun ziemlich indifferent, ob wir Hochfrequenz- 
ströme eines D'Arsonvalapparates mit wenig schwingender Energie, 
aber großer Amplitude und großen stromlosen Pausen, oder die stark 
gedämpften Schwingimgen einer Löschfunkenstrecke oder die ganz im- 
gedämpften Schwingungen einer Poulsenlampe verwenden. Es. ist des- 
halb gleichgültig, ob wir gedämpfte oder ungedämpfte Schwingungen 
an den Körper heranbringen, weil in dem Moment des Eintritts in den 
Körper vermöge der intensiven Dämpfung, die er besitzt, auch noch so 
ungedämpfte Schwingungen sofort erlöschen imd jegliche schwingende 
Energie sich in Widerstandswärme transformiert. Der Körper besitzt 
keine Eigenschwingung, noch ist er schwingungsfähig. Da der elek- 
trische Strom sich mit der Geschwindigkeit von 300 000 km pro Sekunde 
verbreitet, so ist im Moment der Einschaltung sofort der Zwischenraum 
der Elektroden im Körper elektrisch erfüllt, und wir haben eine momen- 
tane Produktion von Diathermie gleichzeitig in sämtlichen Molekülen 
des zwischen den Elektroden befindlichen Körpergewebes. Diese Er- 
wärmung braucht nun nicht in allen Punkten eine vollkommen gleich- 
mäßige zu sein, da sie ja nach den oben angeführten Darlegungen sich 
nicht ganz gleichmäßig im Gewebe verteilt, so daß von den spezifischen 
Leitfähigkeits- und Erwärmungsbedingung^n die tatsächlich stattfin- 
dende Erwärmung der einzelnen Gewebe abhängig ist. Vergleichen wir 



78 Physik und Phjrsiologie der Diathermie. 

die einzelnen, die Körpermajsse zusammensetzenden Gewebearten mit- 
einander, so finden wir ziemlich konstante Unterschiede, die aus der 
auf S. 56 erwähnten Skala zu ersehen sind. Diese Unterschiede sind je- 
doch nur theoretisch von so großer Bedeutung. Denn in der Praxis, im 
Tierversuch sowohl wie in der Therapie, spielt die Blutdurchströmung 
und Plasmadurchströmung eine sehr erhebliche, nivellierende Rolle, 
Wir können uns daher für die praktische Applikation merken, daß die 
Neigung, sich am meisten zu erwärmen. Haut und Blut hat, und daß 
die anderen Gewebe sich etwas weniger leicht diathermieren lassen. 
Aber auch der lebende Knochen besitzt noch eine recht gute Leit- 
fähigkeit. 

Der erste physiologische und primäre Effekt der Diathermie ist, 
wie gesagt, die Erwärmung. So können wir lokale Erwärmungen 
einzelner Körperabschnitte bewirken. Wir konstatieren, daß 
subjektiv diese Erwärmimg nach einiger Zeit wieder verschwindet, je- 
doch bei weitem langsamer als eine z. B. durch bloße Wärmekonduktion 
stattgefundene Temperaturerhöhimg. Die letztere dringt nur in die 
Oberfläche ein und geht ebenso durch Konduktion wieder aus dem 
oberflächlich durchwärmten Gewebe heraus, wobei ihre Elimination 
durch die Blutzirkulation unterstützt wird. Die diathermische Wärme 
erreicht jedoch sämtliche Moleküle des stromdurchflossenen Gewebes. 
Sie erwärmt gleichzeitig die Zellmembran, die Protoplasmakömchen, 
die Kemsubstanz, die verschiedenen Gewebsschichten ; sie gelangt 
überall hin, wo der elektrische Strom hingelangt. Die Abkühlung eines 
solchen molekular diathermierten Gewebes geschieht erstens diu'ch die 
Blutzirkulation und die Säftezirkulation, welche im Vergleich zur 
stattgehabten Erwärmung wie eine kühle Wasserleitung wirkt. Aber 
diese Kühlung kann nur da stattfinden, wo der Blutstrom direkt hin- 
gelangt. Mithin werden zahlreiche Wärmedepotzentren der Gewebe 
durch die Zirkulation entweder gar nicht oder nur wenig gekühlt wer- 
den, und die übrigbleibende Wärme muß sich durch Konduktion aus- 
gleichen. Da aber die Wärme nicht durch Konduktion hineingebracht 
wurde, mithin wesentlich intensiver die Gewebe durchdrang als die 
Konduktionswärme, die mittels der üblichen thermischen Applikationen 
produziert werden kann, so ist es erklärlich, daß auch zu ihrem Aus- 
gleich dTU*ch Konduktion eine wesentlich größere Zeit verstreichen muß, 
als wir sonst anzunehmen gewohnt sind. Dazu kommt die weiter unten 
zu schildernde arterielle Hyperämie, welche lokal längere Zeit bestehen 
bleibt und eine Erhöhung der lokalen Gewebstemperatur, allerdings 
höchstens nur bis zur Bluttemperatur, bewirkt. Diese Erwägungen 
lassen es verständlich erscheinen, daß, wie wir imten sehen werden, die 
Patienten noch viele Stunden nach der Applikation das subjektive er- 
höhte Wärmegefühl, z. B. in einem diathermierten Kniegelenk, angeben. 

Der Wärmeregulierungsapparat des Körpers ist mm ein 
außerordentlich fein reagierender Mechanismus. Das Bestreben der 
Warmblüter, ihre Temperatur auf einem bestimmten Grade innerhalb 
einer sehr geringen physiologischen Breite zu erhalten, macht sich auch 
gegenüber der künstlichen Diathermieerwärmung in hohem Maße gel- 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 79 

tend. Applizieren wir ohne besondere Kautelen einem Tier oder einem 
Menscilen größere Diathermiemengen, führen wir ihm also eine erheb* 
liclie Kalorienanzahl in Form reiner, bereits vorgebildeter Energie zu, 
so treten sofort die Regnlationsvorrichtimgen in Aktion. Man bemerkt, 
iw^enii man z. B. Handelektroden in beide Hände nimmt und den Strom 
hindurclileitet, schon nach wenigen Sekunden deutlichen Schweißaus- 
bruch. in der Hohlhand. Bei Menschen mit empfindlichem Vasomotoren- 
system sieht man nicht selten hierbei sowie auch bei anderen Applika- 
tionen der Diathermie, Rötung des Gtesichts mit allgemeinem Schweiß- 
ausbruch auftreten. Die Atmung vertieft sich, die Pulszahl steigt, die 
arterielle Hyperämie sorgt für eine schnellere Durchströmung und Weg- 
führung des für die Blutzirkulation erreichbaren Wärmezuschusses, 
kurzum, alle lokalen und zentralen Wärmeregulationsmechanismen 
treten mehr oder minder prompt in Aktion, um sich des künstlichen Ein- 
griffes zu erwehren. Diese Regulationsvorrichtungen sind mächtig 
genug, um meist die therapeutischen Diathermiemengen in ihrer Wir- 
kung auf die Gesamttemperatur des Körpers zu paralysieren. Trotz- 
dem aber können wir nicht nur lokale Temperatursteigerung von längerer 
Dauer, sondern richtiges künstliches Fieber machen (ohne Intoxikation 
und ohne Verbrennung von Körperreservesubstanz). Wir müssen uns 
aber zur Erreichung dieses^ Zweckes gewisser Vorsichtsmaßregeln be- 
dienen. WoUen wir nur lokale Temperatursteigerungen von einiger 
Dauer erzielen, so genügt es, die Diathermierung des betreffenden 
Körperteils in so intensiver Weise vorzimehmen, daß eine nennens- 
werte Temperaturerhöhung (40 — 45 ° C) entsteht. Bedecken wir so- 
dann den Körperteil mit einer wärmeundurchlässigen Schicht, so er- 
reichen wir hiermit unseren Zweck. Wollen wir die Temperatur- 
steigerung des Gesamtorganismus erreichen, so müssen wir auch 
die Gesamtwärmeabgabe vermeiden und den ganzen Körper sorgfältig 
einhüllen und bedecken. Es ist gar nicht schwierig, hierdurch die 
Körpertemperatur um mehrere Grad zu erhöhen, wie ich das in Paris 
1910 dargelegt habe. Später hat Schittenhelm an Hunden mittels 
der Kondensatorbettmethode ebenfalls Gesamttemperatursteigenmg 
erzeugt, und es ist ihm gelimgen, Tiere durch Wärmestauung zu töten. 
Aber selbst kleinere lokale Diathermieapplikationen, z. B. die Durch- 
wärmung eines Kniegelenks, können allgemeine Temperatursteige- 
rungen auslösen. So sehen wir häufig geringe Steigenmg (0,1 — 0,3°) in 
der Achselhöhle nach therapeutischen Applikationen an fem gelegenen 
Stellen auftreten. Wenden wir relativ kleine Elektroden bei großer 
Stromstärke an, d. h. sorgen wir für eine erhebliche Verdichtung der 
Stromlinien bei relativ kleinem Querschnitt, so können wir die Er- 
wärmung an der Stelle der Elektrode so weit steigern, daß Schädigungen 
der Gewebe eintreten (siehe später die chirurgischen Applikationen). 
Diese Schädigungen brauchen nun keineswegs die komplette Eiweiß- 
koagulation zur Folge zu haben, sondern schon bei relativ niedrigen 
Temperaturen, 45 — 52°, treten gewisse biologische Veränderungen 
auf, die wir von der Immunitätslehre her kennen imd als Ausfällung 
von Globulinen bezeichnen. 



gO Physik und Physiologie der Diathermie. 

Die weitere Steigerung der Temperatur führt zur weiteren Zer- 
störung des Eiweißmoleküls, imd wir haben bei ca, 80° schon eine 
Koagulation der meisten Gewebe zu gewärtigen. Die koagulierte Haut 
erscheint in zwei Schichten zerlegt. Zunächst tritt fast regelmäßig 
eine Ablösung der obersten Epidermisschichten infolge einer sofort 
einsetzenden Irritation durch Blasenbildung auf. Nur bei Koagulation 
mit sehr großen Stromstärken sieht man ein gleichmäßiges Durch- 
koagulieren ohne Blasenbildung der gesamt<3n Hautschichten. Die 
Haut nimmt infolge der Koagulation eine sehr zähe, lederartige Be- 
schaffenheit an, sie kann meistens nicht mit dem scharfen Löffel oder 
gar mit einem stumpfen Instrument entfernt werden, sondern muß 
scharf durchtrennt werden, falls man ihre Entfernung wünscht. Auch 
das Knochengewebe behält unter dem Einfluß der Diathermie seine 
Konsistenz. Die anderen Gewebe dagegen außer Faszien bilden alle 
bei diesen Temperaturen weiche Koagulationsmassen, welche mit einem 
Tupfer schon entfernt, stets aber leicht mit dem scharfen Löffel ehmi- 
niert werden können. Treibt man die Koagulation weiter bis zur gänz- 
Hchen Austrocknimg oder zu noch höherer Temperatur, so tritt imter 
Dampfbildung imd Kjiistem infolge der freiwerdenden Gasblasen 
schließüch eine Karbonisierung der Gtewebe ein, sowohl der Weichteile 
wie der Knochen, welche zu einer Braun- und weiterhin zu einer Schwarz- 
färbung führt. Solche karbonisierten Gewebe sind nicht mehr leit- 
fähig für Hochfrequenzströme. Es bilden sich bei weiterer Applikation 
in ihnen partielle Funkenentladungen, und das Aufhören der reinen 
Hochfrequenzschwingungsenergie dokumentiert sich in Muskelkontrak- 
tionen, d. h. motorischen Reizungen. Hiervon zu unterscheiden sind 
bei reiner Diathermie auftretende Muskelkontraktionen, welche durch 
Wärmereizung der Muskulatur selbst wie auch durch Wärmereizung 
des die Muskeln versorgenden motorischen Nerven oder einzelner seiner 
Fasern verursacht werden. Diese primäre Wärmewirkung der Dia- 
thermie betrachten wir als den wesentlichen Effekt einer 
jeden Hochfrequenztherapie, aus dem heraus sich erst die 
anderen sekundären physiologischen Effekte erklären las- 
sen, die wir somit als sekundäre Effekte bezeichnen wollen. 

Da alle Gewebsmoleküle des Körpers, soweit sie der Diathermie- 
wirkung unterworfen werden, sich erwärmen, so beobachten wir se- 
kundäre Wirkungen der Diathermie verschiedener Art, je nach dem 
vorliegenden Gewebs- oder Zellcharakter. Wir haben oben gesehen, 
daß nach Durchquenmg der Haut die Hochfrequenzströme ihre gün- 
stigsten Leitimgsbedingungen im Blutgewebe finden, mithin die Blut- 
gefäßbahnen zu ihrer Leitung bevorzugen. Wir beginnen daher unsere 
Betrachtungen mit dem Einfluß auf die Zirkulation. Die Zirkulations- 
funktionen des Organismus setzen bereits rein physiologisch einen außer - 
ordentHch komplizierten Mechanismus voraus. Das Zentralorgan, das 
Herz, ist in seiner Funktion von einer Anzahl in ihm und außerhalb 
seiner belegenen Bedingungen bezüglich seiner Funktionen abhängig. 
Nicht alle diese Bedingungen sind einer klaren experimentellen Prüfung 
zugänghch, und so können wir auch an dieser Stelle nicht erschöpfend 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 81 

den physiologischen und experimentellen Ablauf der Diathermie- 
wirkimgen darstellen. Wir wollen nur einige wesentliche Momente betrach- 
ten, soweit die bisher vorliegenden Beobachtmigen mid Experimente einen 
Hinweis auf die Wirksamkeit der Ströme geben. Die Herzmuskulatur 
selbst ist nicht mit einem gewöhnlichen Muskel vergleichbar, denn sie 
enthält eine Zahl selbständiger nervöser JRegulationsorgane, so daiß 
die Diathermierung des Herzens bereits komplexe Wirkungen auf 
Muskelfasern und Nervengewebe bedingt. Legt man das Herz eines 
Kaninchens oder einer Katze frei und imterwirft es der direkten Dia- 
thermierung, so ist die Wirkungslosigkeit selbst relativ starker Strom- 
applikationen sehr auffallend. Ich habe 1906 — 1908 diesbezügliche 
Versuche angestellt, über die ich zum Teil in der Medizinischen Gesell- 
schaft 1910 referiert habe. 

Versuch I. 

Bringt man das freigelegte Kaninchenherz durch Faradisieren zum Flimmern, 
so ist es so weit geschädigt, daß durch irgendeine bisher bekannte Methode seine 
normale Funktion nicht mehr hergestellt werden kann, und in kurzer Zeit der 
Herztod eintritt. Es gelingt nun nicht bei jedem Tier, das flimmernde Kaninchen- 
herz durch die Diathermie wieder zum normalen Schlagen zu bringen. Aber in 
einzelnen Fällen, vielleicht dann, wenn die Schädigung keine allzu hochgradige 
gewesen ist, habe ich durch direkte Applikation der einen Diathermieelektrode 
auf die Vorderfläche des Herzens unter sorgfältiger Vermeidung schädigender 
Erwärmung und starken Druckes die normale Kurve in der Carotis wieder er- 
zeugen können. 

Versuch IL 

Appliziert man die Ströme direkt auf ein gesundes Kaninchenherz, so be- 
obachtet man,- daß mit dem Moment des EinSchaltens der Hochfrequenzströme 
die Pulszahl eine kolossale Beschleunigung erfährt, und zwar bis zum Doppelten 
der Norm. Es ist dies um so bemerkenswerter, als selbst intensive toxische Be- 
einflussungen eine so kolossale Beschleunigung nicht herbeizuführen pflegen. 
Von der größten Wichtigkeit jedoch ist die Beobachtung, daß bei diesem Ver- 
fahren nur die Schnelligkeit des Pulses wesentlich beschleunigt wird, ohne 
daß die Pulskurve selbst eine bedeutende Veränderung ihres Charakters 
eriährt (siehe Abb. 46 a und b). Unterbricht man nun die Diathermiebehandlung, 
so kommt das Herz in sehr kurzer Zeit (in wenigen Minuten) zu seinem ursprüng- 
lichen Rhythmus zurück, ja sogar eine Verlangsamung gegen den Teil der Kurve 
vor der Diathermierung kann man beobachten (Abb. 46c). Es geht hieraus hervor, 
daß die kolossale Beschleunigung der Herzaktion infolge der Diathermie nicht 
nur nicht zu einer Ermüdung oder gar Erschöpfung des Herzmuskels geführt hat, 
wie das bei toxischen (medikamentösen) oder mechanischen Eingriffen die Kegel 
ist, sondern daß das Herz kräftiger als vorher arbeitet mit relativ weniger Puls- 
schlägen und vergrößerter Amplitude, d. h. also, mit besserem Schlagvolumen 
funktioniert. Aus den Kurven der Abb. 46 ist diese Wirkung ersichtlich. Es geht 
hieraus wiederum hervor, daß die Diathermie ein Verfahren darstellt, fremde 
Energie in Form von Wärme und zum sofortigen Gebrauch disponibel in die Organe 
einzuführen und nicht nur dadurch die in den Organen deponierten Reservestoffe 
vor Verbrauch oder Erschöpfung zu schützen, sondern absolut in Lebens- oder 
Funktionsenergie überzugehen. Die diathermische Energie ersetzt somit die zur 
Funktionserhaltung aus der Nahrungsverbrennung zu gewinnenden Kalorien 
und somit diese selbst zu einem gewissen Grade. 

Es geht femer aus dem Vergleich der drei Kurven hervor, daß die Diather- 
mierung den Pulsdruck sofort steigert. Diese Steigerung (Erhebung der Kurve 
über die Nullinie) hält während des Stromdurchganges — eine genügende Strom- 
stärke vorausgesetzt — an und hört mit der Strompassage wieder auf. Die Ver- 
suche sind vielfach wiederholt und unter allen notwendigen Kautelen ausge- 

Xagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. 6 



82 



Physik und Physiologie der Diathermie. 



führt; z. B. waren die Elektroden dauernd in gleichmäßigem Kontakt mit dem 
Tier, auch während des Teiles a) des Versuchs; die Versuche wurden in Narkose 
vorgenommen. 




a: vor 




b: während 




c: nach der Diathermierung. Bei „b" ist die Steigerung des Blutdruckes 

(Erhebung über die Nullinie) zu beachten. 

Abb. 46. Carotispuls des Kaninchens nach Ereilegung der Herzoberfläche 

und Diathermierung. 

Um den Einfluß der Diathermie auf Puls, Blutdruck, Atmung 
näher zu studieren, habe ich gemeinschaftlich mit Dr. T. A. Maaß 
eine Reihe von Versuchen an tief narkotisierten Hunden und Katzen 
ausgeführt. Die in den folgenden Abbildungen dargestellten Kurven- 
abschnitte zeigen einige typische Wirkungen bei verschiedenen Appli- 
kationsmethoden. 

Versuch I. 

MittelgroÜDr Terrierhund, Urethannarkose. Applikation der Diathermie 
mittels einer Bückenelektrode und einer aktiven Elektrode auf dem Stemum über 
dem Herzen. Anwendung der Diathermie in therapeutischer, nicht schädigender 
Dosis (500 Milliampere bei -f )• I^e Kurve 47 zeigt den Carotispuls und gibt auch 
deutlich die Atemwellen zu erkennen. Unter leichter Erwärmung der Haut tritt 
(nach etwa 20 Sekunden) eine deutliche, wenn auch geringe Blutdrucksteigerung 
ein, welchev während der Applikation konstant bleibt und unmittelbar nach Aus- 
setzen des Stromes ( — ) wieder zu sinken beginnt und zur Norm zurückkehrt. Die 
Diathermierung des Schädels von Schläfe zu Schläfe bei 600 Milliampere (Kurve 48 
bei +) ergibt eine minimale Blutdrucksteigerung in der Carotis, dagegen die 
Steigerung bis 900 Milliampere am Schädel (++) einen deutlichen Anstieg des 
Blutdruckes, welcher nach Aussetzen ( — ) wieder fällt, jedoch während der nächsten 
halben Minute noch etwas höher bleibt als zu Beginn des Versuchs. Die einzelnen 
Pulsamplituden sind geringer geworden, die Pulsfrequenz ist ungefähr die gleiche 
geblieben. 

Aus diesen Versuchen ersieht man, daß relativ kleine (therapeu- 
tische) Dosen einen leichten Anstieg des Blutdruckes während der 
Dauer der Applikation mit nachträglichem Abfall ungefähr zur Norm 
bedingen, daß die einzelnen Pulse sehr gut und normal ausgebildet 
sind und eine deutliche Veränderung der Atemwellen nicht eintritt. 



I 

I 



§4 Pfaysih nnd PhjBiologie der Diathermie. 

Versuch n 
leigt bei Beitlioher ThoraxduTohwärmnng io tberapeutiaoher Dosis, 500 Milli- 
ampere (+), bei 6 cm ElektTodeDdoTohmesser eine deutliche Atemvertiefnng. 
Kurve 49. 

Über den Einfluß großer StrotnBtörken ohne Koagulation der Haut 
orientiert der folgende Versuch, 

Versuch III. 

Mittelgroße Katze, TJrethannarkoHe. Applikation zweier Plattenelektroden 
seitUoh am Thorax zwecks Durchwönniuig des Herzens. Hierbei witd auch die 
Lunge mit durchwärmt. Von der eröffneten Bauchhöhle aus wird ein Thermometer 
in das Mediastinum geschoben. Es wird die relativ groÜe Strom menge tdh 
1700 Milliampere (Kurve 50) angewandt, und man sieht deutlich mit dem Ein- 
setzen der Diathermiemng (bei -f) eine wesentliche Vertiefung und geringe 



Verlangsamung der Atmung. Der Puls wird wenig beschleunigt, und unmittel- 
bar nach dem Aussetzen (bei — ) kehrt der Atemtjpus wieder zur Norm zurück. 
Dabei ist die Temperatur innerhalb des Mediastinums um 2° gestiegen. Eine 
Koagulation der lioraxwand hat nicht stattgefunden. 

Man ersieht hieraus, daß die schwächere Applikation des ersten 
Versuchs, auf daa Herz lokahsiert (Elektrode auf das Stemum), den 
Puls und Blutdruck deutlich beeinflußt, den Ätemtypus jedoch nicht 
berührt, während die Querdurch^rännung des Thorax sowohl mit ge- 
ringer wie mit großer Stromstärke die Atmung erhebUch verändert, 
den Puls jedoch nur der Temperatursteigerung um 2° entsprechend 
beschleunigt und den Blutdruck ganz wenig steigert. 
Versuch IV. 

In der Fortfährung des Versuches III wurden weiterhin exzessive Strom- 
stwken bei eeitlioher Durchstrahlung des Thorax angewandt, wobei partielle 



f 



n)]ni<dogiBcIie Wirkoiigen der UierapeiitiBcheB Ä|qalik&ti<Nten. 87 

Kompilation der 'nar^xmad änlrkt. Die Stromatärke betrug 1000 UüHAmpa«. 
Kurve 53. Man sieht deutlich eine mehr und mehr xanehiDeiide Atemverluig- 
Bamong mit ab und za Tertieft«n Atemzügen [ + ), die schlieBlich zn einer Perioden- 
läldnng dee Ätemtvpns, jedoch nicht ED einem eigentlichen Cheyne-Stokes führt. 
Diese eigentümliche At«mver]angsamimg, welche mit einem insfärstoriBchen 
seafsemrtigcn Geräusch verbunden war, wnrdc mit Eunebmender Starre dee 
Thorax (Koagolation der Wand) so »beblich, daß infolge Anssetzena der Bespra- 
tion fcönstliche AtmoDg nötig wnnle (äehe Knrve 51). Die TemperBtnTHteigemng 
im Mediastinum, welche in 3 Hinuten hierbei erdelt wurde, betrug + 4 Grad. 
Versuch V. 

Bei weiUier Steigerung der Koagulation wurde der Thorax immer starr», 
so daB hierdurch die Atmung allmählich immer mehr und mehr esschwol wurde, 
Hicrbä änkt der BIntdmck allmählich herab und schlieBUch bei AtemstQbtand 
in demlich erhcbUch» Weise. Nach Einleitung der künstlichen Resjöration, 
steigt der Blutdruck wicd», und es erfolgen einige spontAne Atemifige in groBen 
Intervallen. Nach wenigen Müinten tritt unter eibeblicbem Ahsiiiken des Bhit- 
druckea der Exitus letalis, vermutlich infolge der Wärmestauung, ein. Kurve 52. 
Versuch VI. 

Läßt man den Strom von den Hinterestrcmitftten ans eintreten, so el«igt 
bei 450 Milliampere (Kurve 53 +) der Blutdruck eotort und fällt kun nach Ads- 
wlii II der Diathermiernng ( — ) zur Norm herab. Bei 500 Milliampere tritt keine 
deutliche BlutdmcfcHtägerang mehr ein, hingegen bei Applikatdon von 800 Milli- 
ampere (bei +]. Nach Stromzufuhr während 2Vi Mmuten steigt der Blut- 
drack im Idiufe der nächsten Dreiviertelstunden dauernd weit^ an und beginnt 
dann »st allmählich wieder zu «nken. Hierbei war eine ErtiÖhnng dfx Tempe- 
ratur in der Bauchhöhle bis zu 1,5 Grad eingetreten. 
Versuch VIL 

In dem folgenden Tersach wurden die Hinterbdne, welche wiederum die • 
Stromzufuhr mittels Wasserelektroden vermittelten, durch Anwendung hoher 



StroniiBtärken zur vollkommenen Koagulation gebracht. Ke Ei n s c h aHung des 
intennven Diathermiestiomes tJeibt mit einem Ruck den Blutdruck erheUich in 
die Höbe. Kurve 54 bei +. Die einzelnen Am^toden werden vwabesgebend 



8S Physik und Physiologie der Diathermie. 

größer. Der Blutdruck sinkt alhnählich etwas herunter, bleibt aber, nachdem die 
Hinterextremitäten vollkommen verkocht waren, höher als normal, mit einigen 
Schwankungen in Form von Zacken (zweiter Teil der Kurve 54). Dieser Versuch 
zeigt, daß die Ausschaltung zweier ganzer Extremitäten durch diathermische 
Koagulation keinerlei wesentliche momentane Schädigung des Gesamtorganismus^ 
bedeutet. 

Versuch Vm. 

Die Untersuchung der Wirkung der Kondensatorelektrode auf die äußere 
Haut in Narkose zeigt selbst bei Applikation kräftiger Kondeneatorentladungen, 
welche zu einer leichten Versengung der Körperhaare führten, weder auf dem 
Bauche noch auf der Brust noch am Kopfe eine nennenswerte Beeinflussung des 
Blutdruckes. Nur die Applikation des Kondensatorelektrodenreizes auf das frei- 
gelegte Herz macht zunächst eine Blutdrucksenkung infolge von Vagusreizung 
und Rückkehr des Blutdruckes zur Norm mit geringer nachfolgender Senkung. 
Bei der Wiederholung der Applikation jedoch tritt eine stärkere Vagusreizung 
und nachfolgend ein leichter Anstieg des Blutdruckes ein, welcher nach einigen 
Sekunden zur Norm. herabsinkt. Kurve 55. 

Es geht hieraus hervor, daß die beimMenschen eintretendeBlutdrucksteigerung 
nach Kondensatorelektrodenapplikationen auf der sensiblen Reizung beruht und 
reflektorisch ausgelöst wird, während das tief narkotisierte Tier auf diesen Haut- 
reiz nicht reagiert. 

Funkenentladungen rufen dagegen auch in Narkose heftige Muskel- 
kontraktionen hervor. 

Der 

Versuch IX 

zeigt den Elarotispuls und die diurch Funkenapplikation an der Thoraxwand hervor- 
gerufene Blutdrmcksteigerung. Jede Zacke entspricht dem Überschlag eines kleinen 
Funkens. Kurve 56. 

Versuch X. 

In dem folgenden Versuch wurde das Verhalten des Blutdrucks gleichzeitig 
mit dem der Blutfüllung der Darmgefäße registriert. Der Strom wurde mittels 
Wasserelektroden von den Hinterbeinen aus, welche fast der ganzen Länge nach 
in flache Becken eintauchten, zugeführt. Die Pulskurve 57 zeigt deutlich die Atem- 
schwankungen, welche von einer größeren Zahl von Pulswellen überdeckt sind. 
Nach Einschaltung von 800 Milliampere steigt das Darmplethysmogramm kolossal 
an, so daß die Schreibfeder am Buchstaben X heruntergesetzt werden muß (X Y). 
Der weitere Anstieg bis Z ist deutlich zu erkennen. Die enorme Volumenzunahme 
des Darms, welche im Anschluß an eine, 35 Sekunden dauernde Diathermierung 
auftritt, steigert sich nach Unterbrechung des Stromes noch wjLhrend der nächsten 
Minute bis Z. Am Schluß der Kurve sind besonders gut ausgebildete Pulse des 
Darmplethysmogramms zu erkennen. Der Blutdruck, welcher bei Einschaltung 
des Stromes (+) zuerst in zwei Erhebungen in die Höhe schnellt, fällt sofort nach 
Ausschaltung { — ) zur Norm herab. Das Darmplethysmogramm zeigt allerdings 
diese kolossale Steigerung nicht oder nicht allein infolge der Volumenzunahme des 
Darmes, sondern auch infolge der Lufterwärmung in der Kapsel; denn es ist eine 
Temperatursteigerung von 0,2 Grad innerhalb der Darmkapsel eingetreten. Immer- 
hin ist von einer Verengimg des Splanchnicusgebietes und Verdrängung der Blut- 
masse nach der Peripherie nichts zu bemerken, wie solche bei gewöhnlichen Wärme- 
applikationen von außen beobachtet werden. 

Irf 

Versuch XI 

wurde der Einfluß der Koagulation der Leber auf den Blutdruck studiert. Es zeigt 
sich, daß der Blutdruck nicht im geringsten beeinflußt wird, ebensowenig die 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 



P 
I 






90 Physik uod Physiologie der Diathermie. 

Atmung. Kni^e 58. Am Schluß des Versuches war ein ganzer Leberlappen 
koaguliert, ohne daß irgendeine Wirkung auf Atmung und Zirkulation zu sehen 
war. Knrve 59. 



Sehr interessant ist die Wirkung der direkten koagulierenden 
Diathermie -Applikation auf den Herzmuskel selbst. 
Versuch Xn. 
Künstliche Atmung. Urethaimarkose. It^;istrierung des Kuotiepulses. 

Eröffnung des Thorax und Freilegung des Herzens. Leichte Diathermiening mittels 
der bereits mehrere Minuten stromlos aufliegenden Elek^ode ergibt jedesmal eine 
plötzliche Senkung des Blutdrucks durch Vagusreizung mit nachfolgendem An- 
stieg zur Norm nach Aussetzen des Stromes. Kurve 60. Die Koagulation eines 
kleinen Stückes der Wand des linken Ventrikels führt zu einer eehr erheblichen 
Senkung des Blutdrucks, jedoch wieder zu vollkommen normalem Anstieg, wobei 
bemerkenswert ist, daß sowohl der Rhythmus wie die Form der einzelnen Pulsation 
unverändert bleibt, und auch die Atemfrequenz nicht beeinflußt wird. Eb wird 
nunmehr ein größeres Stück des linken Ventrikels koaguliert, wobei sich derselbe 
Vorgang wiederholt. Auch die Kofkgulation des rechten Ventrikels zeigt dasselbe, 
nur Bt«igt danach der Blutdruck sehr schnell wieder zur Norm und darüber hinaus 
an und bleibt erhöht. Es wird nunmehr die Vorho^egend koaguliert, wobei 
ehenfaUs eine erhebliche Senkung nach unten eintritt. Nach Aussetzen des Stromes 
steigt aber auch hier, nachdem etwa ein Drittel der gesamten Herzoberfläche 
koaguliert ist, die Kurve wieder deutbch an und zeigt gute und regelmäßige Pul- 
sation. Die Registrierung wird noch etwa 15 Minuten weiter fortgesetzt, ohne daß 
eine wesentliche Schädigung der Herzaktion zu konstatieren ist. Kurve 61. Nach 
Tötung des Hundes zeigt sich, daß die Koagulation die ganze Rerzwand bis zum 
Endokard durchsetzt hat, und es ist gewiß bemerkenswert, wie gering der durch 
diesen enormen Eingriff hervorgerufene Einfluß auf Blutdruck und Herzrhythmus 
gewesen ist. 

Die vorstehenden Tierversuche, welche in tiefer Narkose aus- 
geführt wurden, stehen im Widerspruch mit plethyamographischeii 
Untersuchungen anderer Autoren. So hat Schittenhelm am Arm 
des Menschen bei der Diathermierung eine plethysmographische Steige- 
rung gefunden und schließt auf eine Kontraktion des Splanchnikus- 
gebietes mit Verschiebung der von dort verdrängten Blutmasse bach 
der Peripherie. Er sieht darin eine reflektorische Abwehraktioa des 
Organismus gegen die Wärmestauung. Eine derartige Differenz ist 
zwar auffallend, läßt sich aber ausreichend erklären. Zunächst sind 
plethysmographische Versuche am nicht narkotisierten Menschen in 
keiner Weise beweisend. Zumindest wäre eine sorgfältige Dressur zu- 
vor notwendig gewesen, da die leichteste psychische Beeinflussung, der 
geringste thermische Eeiz, eine unwillkürliche Muskelbewegung oder 
irgendwie bedingte vasomotorischo Beeinflussung schon erhebliche Aus- 
schläge bewirken können. So ist ja der Versuch z. B. bekannt, hei dem 
durch Aufspritzen eines feinen kalten Waeserstrahles auf den rechten 



u 

:2£ 






il 

8 






tu 



92 Physik und Physiologie der Diathermie. 

Arm das Plethysmogramm des linken Armes einen intensiven Ausschlag 
gibt. Derartige Versuche sind also nur mit Anwendung der allergrößten 
Kautelen beweisend, und ich glaube, daß die in tiefer Narkose vorge- 
nommenen Tierversuche von Maaß und mir in dieser Beziehimg ein- 
deutig sind. Sie haben regelmäßig ergeben, daß die Diathermierung, 
gleichgültig, ob sie von den TJnterextremitäten aus oder am Thorax statt- 
fand, stets eine sofortige Reaktion des Splanchnikusgebietes im Sinne 
einer Vasodilatation oder Zirkulationsbeschleimigung daselbst hervorrief. 

Die in den vorstehenden Versuchen beobachteten Wirkimgen der 
Diathermie sind, soweit es sich nicht um Kondensator- oder Fünken- 
reizungen handelt, Experimente, welche die Wirkung der reinen Tiefen- 
erwärmimg zeigen. Sie sind natürlich nicht ohne weiteres auf die An- 
wendimg in der Klinik oder auch am gesunden Menschen übertragbar. 
Denn die sensiblen Nebenwirkungen imd die mannigfaltigen psychischen 
Einflüsse spielen hierbei komplizierend eine große Rolle. Immerhin aber 
geben sie einen Anhalt für die Bewertung der reinen Wärmekomponente. 

Ich möchte mm noch einige B^obachtimgen anschließen, welche 
ich bezüglich der Wirkimgen der Diathermie auf die lokale Zirkulation 
gemacht habe. 

Durchschneidet man die Haut z. B. bei Gelegenheit irgendeiner 
Operation und stillt die Blutimg durch Kompression, so sieht man, 
wenn man nimmehr die Applikation von diathermischer Elektrizität 
zu beiden Seiten des Hautschnittes in einiger Entfernung von dem- 
selben vornimmt, eine reichliche Blutung sowohl aus den Gefäßen 
wie parenchymatös auftreten. Macht man denselben Versuch an der 
Leber eines Kaninchens, stillt ebenfalls durch Kompression die Blutung, 
nachdem man die Leber geritzt hat, so tritt bei leichter Durch- 
wärmung Auch hier eine kräftige parenchymatöse Blutung ein. Legt 
man auf eine normale Hautstelle eine diathermische Elektrode und 
diathermiert während einiger Sekunden mit genügender Stromstärke, 
so sieht man schon während dieser Zeit an den Elektrodenrändem eine 
hellrote intensive Hyperämie auftreten, die sich nach Abnahme der 
Elektrode nach einer Minute etwa über die ganze diathermierte Fläche 
erstreckt. Drückt man die gleiche Elektrode ohne Diathermierung an, 
so erhält man auch infolge des Druckes eine leichte Hyperämie, die 
aber nach wenigen Sekunden abklingt, während die diathermische 
Hyperämie eine Reihe von Minuten bestehen bleibt. Ist die 
Hyperämie abgeklungen, und unterscheidet sich die Hautstelle in keiner 
Weise von der umgebenden Haut, so kann man sehr oft durch Über- 
streichen mit dem Nagel (wie es zur Untersuchung des Dermographis- 
mus üblich ist) eine erheblich stärkere Reaktionsfähigkeit der diather- 
mierten Stelle gegenüber der umgebenden Haut feststellen, also ein 
ähnlicher Effekt wie nach Rnsenbestrahlung. Auch hier hat man nach 
Ablauf der Reaktion eine scheinbar normale Hautstelle vor sich, die 
aber eine stärkere vasodilatatorische Fähigkeit besitzt als die nicht be- 
handelte umgebende Haut. 

Von sehr großer Bedeutung für die Beurteilung der diathermischen 
Wirkung im Gewebe ist auch der folgende Versuch: 



Physiologische Wirkungen der therapeutischen Applikationen. 93 

Legt man z. B. am Oberarm eine elastische Binde so fest an, daß 
zunächst Biersche Stauimg mit Cyanose entsteht, imd zieht dann die 
Binde noch fester an, so daß jede weitere Zirkulation ausgeschlossen ist, 
so kann man nüt Regelmäßigkeit folgendes Experiment vornehmen: 
Legt man eine Elektrode von 4 cm auf den blau gefärbten Handrücken 
und gibt dem Patienteij in die andere Hand etwa 1 Handelektrode, so 
sieht man nach einem Stromdurchgang von 300 Milliampere während 
etwa V2 Minute, daß die unmittelbar unter der Elektrode belegene 
Hautstelle hellrot geworden ist. Nach einer Minute nach Abnahme der 
Elektrode ist der Unterschied wieder ausgeglichen und <iie Stelle blau. 
Legt man die Elektrode nun wiederum auf und diathermiert wieder, 
so tritt wiederum die hellrote Färbung auf, um nach kiu^zer Zeit zu ver- 
schwinden. Löst man sodann die Binde imd wartet, bis die Zirkulation 
ausgeglichen ist, so sieht man keinerlei Nachwirkung oder Farbendiöerenz . 

Dieser Versuch beweist wiederum, daß die Diathermierung die Ein- 
führung fremder Energie in das Gewebe imd einen Ersatz der natür- 
lichen Gewebsemährung bildet. Die lokale Arterialisierung, welche in 
der hellroten Färbung sich dokumentiert, zeugt von einer von der Zir- 
kulation unabhängigen Steigerung der Oxydationsfähigkeit des Gewebes. 

Die Hauthyperämie tritt bei Menschen mit trägem Vasomotoren- 
system nicht immer auf oder nur in geringem Grade; trotzdem kann 
eine Tiefenhyperämie eintreten. So beobachtet man häufig im Tier- 
experiment bei großen Stromstärken in tief gelegenen Muskelpartien, 
Faszien, serösen Häuten das Auftreten von Petechien und Suggilla- 
tionen, während die Haut selbst anscheinend intakt ist. Tiefenhyperämie 
läßt sich auch anderweitig leicht beobachten. Bei Durchwärmung des 
Uterus vom Rektum zur Bauchdecke sieht man arterielle Rotfärbung 
des Zervix auftreten; ebenso Erweiterung der Blasengefäße bei Durch- 
wärmung der Blase; Rötung der Kehlkopf Schleimhaut bei äußerer 
Diathermierung des Kehlkopfs. 

Betrachten wir nunmehr die Wirkungen der Diathermie auf das 
Nervensystem! Wir haben wiederholt erwähnt, daß sensible und 
motorische Reizungen infolge von Hochfrequenzströmen nicht auf- 
treten. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn die Stromdichte eine so ge- 
ringe bleibt, daß eine erhebliche Erwärmimg der Nervensubstanz nicht 
stattfindet. Denn gerade wie wir durch thermische Wirkungen der 
altbekannten Art die sog. Wärmereize auf den Nerven ausüben können, 
so kann auch die diathermische Wärme, wenn sie einen bestimmten 
Grad erreicht, den Nerven reizen. 

Bezüglich der Empfindung der diathermischen Wärme sind nur 
wenige Punkte hervorzuheben. Zunächst entsteht die Frage: Wo 
fühlen wir diese Tiefenwärme? Da die Möglichkeit der Tiefendurch- 
wärmung für uns ein Novum ist imd unsere gesamte phylogenetische 
und individuelle Erfahrung uns gelehrt hat, Wärmeempfindungen 
peripher zu lokalisieren, so ist es erklärlich, daß wir auch die diather- 
mische Wärme meist in den obersten Hautschichten empfinden. Be- 
nutzt man die Handelektroden, so geben manche Patienten an, daß 
sie die Empfindung hätten, als ob aus dem Ende der Elektrode heraus 



94 Physik und Physiologie der Diathermie. 

die Wärme nach dem Arm zu ausströmte. Andere haben das Gefühl, 
als ob aus dem Arm heraus nach allen Seiten die Wärme strahlte. 
Wieder andere behaupten, daß sie den Puls warm durch den Arm 
schlagen fühlten. Setzt man Flächenelektroden zu beiden Seiten des 
Knies z. B. auf, so geben die Patienten häufig an, daß sie die Emp- 
findung hätten, als wenn die Wärme durch igid durch gehe. Das ist 
aber nur dadurch bedingt, daß sie auf diametral entgegengesetzten 
Flächen der Extremität in der Haut empfunden wird. Bei Durchwär- 
mimgen des Thorax wird auch die Erwärmung der Haut von den Pa- 
tienten hervorgehoben. Indessen ist dann meist auch das Gefühl einer 
wohltuenden Wärme, die den ganzen Körper durchstrahlt, vorhanden. 
Manche Patienten geben nach lokaler Diathermierung an, daß sie 
während des ganzen Tages das Gefühl einer wohltuenden Wärme bei- 
behalten hätten. Wieder andere beschreiben nur während der Appli- 
kation oder unmittelbar danach ein leichtes Wärmegefühl, das aber 
nach einigen Minuten abklingt. Danach verspüren sie nichts. Es 
scheint nach allem, daß wir nur in der Haut Wärmeempfindung haben 
und sie nur dort zu lokalisieren vermögen (siehe Syringomyelie S. 199). 
Eine mit dem Wärmegefühl gleichzeitig einsetzende Wirkung auf die 
Nervenleitung beobachten wir in Krankheitsfällen. Es ist bekannt, 
daß die Wärme in ihren übüchen Anwendungen eine schmerzstiUende 
Wirkung ausübt, und so ist es nicht verwunderlich, daß die diather- 
mische Wärme, welche eine noch viel wesentlichere Tiefenwirkung 
und mithin größere Intensität, zumal in der Tiefe, aufweist, eine aus- 
gesprochen schmerzstillende Wirkung entfaltet. Wir können vielleicht 
annehmen, daß diese Wirkung auf einer Art inhibitorischer Funktion 
beruht. Vielleicht wird der Eigentonus der Nervenfibrillen so erhöht, 
daß die Schmerzleitung einen größeren Widerstand findet, vielleicht 
spielt auch die elektrische Molekularerschütterung der den Nerven zu- 
sammensetzenden Moleküle eine Rolle jfür die Erschwerung der zentri- 
petalen Beizleitung. Als weitere Erklärung für die schmerzstillende 
Wirkung kann die Hyx)erämie, die wie jede Stauung schmerzlindernd 
wirkt, herangezogen werden. Dagegen spricht aber die meist prompte 
Wirkung, die in den ersten Sekunden des Stromdurchgangs eintritt, also 
bevor eine Hyperämie eingetreten sein kann. Ferner tritt sie oft bei 
ganz schwachen Strömen auf, die überhaupt zu keiner erkennbaren 
Hyperämie führen, und endlich ist die Schmerzstillung häufig eine defi- 
nitive, während die diathermische Hyperämie ja nur eine vorübergehende 
sein kann. Indessen wird man in manchen Fällen mit einer kombinierten 
Wirkung rechnen müssen. 

Lassen wir die Diathermie auf die Nervenzentren und das Zentral- 
organ einwirken, so beobachten wir hier die typische Wärmewirkung 
auf die Zellen. Es läßt sich im Experiment an einzelligen Wesen so- 
wie an anderen Materien (z. B. Hefezellen) nachweisen, daß der Chemis- 
mus der Zelle durch Wärme erhöht wird, und zwar sind Erhöhungen 
um 25% der normalen Funktionsleistung beobachtet worden. Da man 
bisher nicht imstande war, das Gehirn z. B. auf eine höhere Temperatur 
als die Blutwärme zu bringen, stehen wir bezügUch der Diathermie und 



Physiologische Wirkungen der therapeutisohen Applikationen. 95 

der Applikation der diathermischen Wärme am Gehirn vor einem No- 
vum. Die Ergebnisse der Gehimdurchwärmung sind deshalb nicht ein- 
deutige, weil wir ja nicht nur den direkten diathermischen Effekt auf 
die Zelle, sondern auch die diathermische Beeinflussung der kraniellen 
und zerebralen Zirkulation in Betracht zu ziehen haben. Ich habe zu- 
erst Versuche am verlängerten Mark vorgenommen. Legt man einem 
Hund eine Speichelfistel an und durchwärmt das verlängerte Mark 
diathermisch, wobei es notwendig ist, mit relativ kleinen Stromstärken 
relativ lange Durchwärmungen vorzunehmen (10 Minuten), so be- 
obachtet man, wenn eine genügende Temperatursteigerung eingetreten 
ist, eine plötzlich einsetzende intensive Sekretion des in dicken schnell 
aufeinander folgenden Tropfen aus der Fistel erscheinenden Sekretes 
der Parotisdrüse. Man muß natürlich dafür Sorge tragen, daß die 
Stromrichtung eine solche ist, daß sie einerseits das Mark durchdringt, 
andererseits aber die Parotis nicht direkt miterwärmt. Hierbei be- 
obachtet man gleichzeitig die Wirkung der Wärmereizung des Atem- 
zentrums. Das Tier fängt an, tief und schnell hachelnde Atemzüge zu 
machen, wie sie für die Eeizung dieses Zentrums charakteristisch sind. 
Die Möglichkeit einer erheblichen Tiefendurchwärmung des Gehirns 
von der Haut aus geht aus folgendem Versuch hervor. Ich habe am 
abgeschnittenen Kopf einer Leiche ein Thermometer durch das Foramen 
occipitale so eingeführt, daß die Kugel sich im temporalen Durchmesser 
etwa in der Schädelmitte befand. Diathermierung mit großen Strom- 
stärken von den Schläfen aus bewirkte in 5 Minuten einen Temperatur- 
anstieg von 5° im Schädelinnem. 

Die Reiz- und Ausschaltungsversuche am bloßgelegten Gehirn sind 
noch nicht so weit abgeschlossen, daß an dieser Stelle über sie referiert 
werden kann. 

Leicht zu kontrollieren ist die Wirkung der Diathermie auf die 
Funktion von Drüsenzellen. Allerdings ist auch hierbei die kompli- 
zierende Wirkung der Hyperämisierung bei direkter Erwärmung des 
Parenchyms mit zu berücksichtigen. Wir haben oben schon erwähnt, 
daß die Schweißsekretion lokal und auch reflektorisch allgemein eine 
Reizung durch die Diathermie erfährt. Ebenso wie die Schweißdrüsen 
reagieren auch andere Drüsen, und so beobachten tdr eine Vermehrung 
der Gallensekretion bei Diathermierimg der Leber, die zu einer Ver- 
doppelung der normalen Sekretmenge im Tierexperiment führen kann. 
Wir sehen bei der Diathermierung der Nieren die Hammenge erheblich 
steigen, beobachten aber bei allen diesen Drüsensekretionen, daß es 
sich nicht allein um eine Steigerung der Flüssigkeitsmenge handelt, 
sondern daß die spezifischen Sekretionsbestandteile ebenfalls in ver- 
mehrter Menge ausgeschieden werden. Dies geht aus dem gleich- 
bleibenden oder sogar steigenden spezifischen Gewicht trotz vermehrter 
Gesamtproduktion hervor. Ebenso können wir die Magendrüsen, die 
Pankreasdrüse, die Schilddrüse, die Brustdrüse, Ovarien usw. der Dia- 
thermierung unterziehen. Wir können somit von einer direkt stoff- 
wechselanregenden Wirkung der Diathermie sprechen. Diese Wirkimg 
kommt durch 3 Paktoren zur Geltung. Erstens verlaufen chemische 



96 Physik und Physiologie der Bialiiermie. 

Reaktionen (besonders Ctacydatipnen) schneller bei höherer Temperatur 
als bei niedriger. Wir dürfen auf eine direkte Wirkung auf die chemischen 
Funktionen der Zelle, sowie manche chemischen Vorgänge in den Saften 
rechnen. Zweitens bedingt die arterielle Hyperämie einen beschleunigten 
Stoffwechsel an der Stelle ihres Bestehens, mithin bei allgemeiner 
Diathermie eine Steigerung des Gesamtstoffwechsels, und endlich dürfen 
wir eine direkte chemische Wirkung im Sinne hochmolekularer Um- 
wandlungen (im Sinne J. Bosenthals) nicht von der Hand weisen. 
Es ist nicht ausgeschlossen, wenn auch noch nicht bewiesen, daß die 
schwingende Energie in Form elektrischer Wellen, etwa nach Analogie 
der licht- und Röntgenstrahlen, im Gewebe sich nicht ausschließ- 
lich in Wärme, sondern vielleicht auch z. T. in chemische Wirkung 
umsetzt. 

Es erübiigt noch, auf die Wirkungen der Diathermie auf Bakterien 
und Toxine einzugehen. 

Schon in den 90er Jahren hat d'Arsonval mit seinen Mitarbeitern 
Versuche angestellt, nach denen durch Einwirkung von Hochfrequenz- 
strömen auf Bakterienaufschwemmungen gewisse Wirkungen erzielt 
sein sollen. So behauptete er, antibakterielle Wirkungen und Abschwä- 
chungen von Toxinen gesehen zu haben. Auch im Tierversuch an 
Kaninchenohren berichtet er über ähnliche Resultate. Da diese Ver- 
suche noch ohne Kenntnis der Diathermiewirkimgen der Hochfrequenz- 
ströme ausgeführt wurden, ist auch auf die diathermische Wärme- 
produktion hierbei nur insofern Rücksicht genommen worden, als die 
offensichtlich eintretende zu starke Erwärmung durch Eintauchen in 
ein Wasserbad zum Teil paralysiert wurde. Daß aber diese äußerliche 
Kühlung die Tiefenwirkung in Ba^terienkulturen nicht mit Sicherheit 
zu beseitigen vermochte, wurde nicht genügend berücksichtigt. Wir 
können daher nach unseren heutigen Kenntnissen, was übrigens auch 
von französischer Seite zugegeben wird, diese Versuche nicht mehr 
als irgendwie beweisend ansehen. Nach unseren eigenen neueren Ver- 
suchen mit den Diathermieströmen großer Energie ist es ohne weiteres 
verständlich, daß wir vollkommene Sterilisation von Kulturen in vitro 
erzielt haben und dieses durch reine Wärmewirkung befriedigend zu 
erklären vermögen. In vivo liegen die Verhältnisse wesentlich kompli- 
zierter. Indessen sigd auch hier Abschwächungen von Gonokokken 
und anderen Kulturen in Gelenken ohne Zerstörung dieser in einer 
Reihe von Fällen gelungen (Laqueur). 

Zu trennen von diesen direkten Schädigungen der Bakterien durch 
die Diathermiewärme sind die sekundären Wirkungen, welche die Dia- 
thermie auf infizierte Gewebe auszuüben vermag. Denn hierbei handelt 
es sich um eine Stimulierung der antitoxischen bzw. antibakteriellen 
Schutzkräfte des Organismus und folglich um höchst komplizierte Wir- 
kungen. Ich habe im Jahre 1904 die Wirkung von Kältereizen, d.h. 
von Wärmeentziehungen, in Hinsicht auf Erkältungskrankheiten da- 
durch erklärt, daß durch plötzliche und intensive Wärmeentziehung 
ein erhöhter Verbrauch von Reservematerial zur Deckung des Defizits 
vom Körper herangezogen wird, und daß hierzu die im Blute befind- 



Physiologische Wirkungen der therapeutisohen Applikationen. 97 

liehen Alexine zunächst verwandt werden^). So konnte ich eine Ab- 
nahme der hämolytischen Fähigkeit des Blutes sowie auch der anti- 
bakteriellen Fähigkeiten des Serums nach Kälteprozeduren nachweisen. 
Diese Versuche wurden später von Litthauer bestätigt und durch 
Wärmezufuhr Vermehnmgen der Abwehrkräfte des Organismus kon- 
statiert (von Laqueur bestätigt). Wenn somit schon durch die ge- 
wöhnlichen Wärmeprozeduren Erhöhimg der Widerstandsfähigkeit des 
Körpers gegenüber Infektionen experimentell sichergestellt ist, was 
auch schon empirisch aus der Bewertung des Fiebers als einer Abwehr- 
reaktion nahe lag, so wai;es von vornherein nicht unwahrscheinlich, daß 
auch die Diathermie vermöge ihrer besonderen Tiefenwirkung und ihrer 
Fähigkeit, intensive Temperatursteigerungen einzelner Körperabschnitte 
und des ganzen Körpers zu verursachen, sowie infolge der diathermißchen 
Hyperämie und Hyperlymphie sich hierfür wirksam erweisen würde. 
Die diesbezüglich von verschiedenen Seiten angestellten Versuche 
verliefen auch zum großen Teil in diesem Sinne bejahend, wenngleich 
die ungeheure Kompliziertheit dieser vitalen Reaktionen eine ein- 
deutige Beurteilung derartiger Versuche sehr erschwert. Immerhin 
aber spricht die klinische Erfahrung, wie wir weiter unten sehen werden, 
für die Möglichkeit oder besser Wahrscheinlichkeit günstiger Ein- 
wirkungen auf Infektionen, wenngleich, wie gesagt, der exakte Beweis 
im Experiment schwer zu erbringen ist. 

Es ist nach unseren heutigen Erfahrungen bezüglich der Diathermie 
der Gedanke nicht von der Hand zu weisen, daß, ebenso wie eine Akti- 
vierung des Zellchemismus, auch eine Aktivierung der Toxine und Anti- 
toxine in ihrer Avidität, wie auch eine vermehrte Produktion von Anti- 
körpern aus dem stimulierten Blute erwartet werden kann. Auch die 
Bakterien werden sich ähnlich wie die Zellen verhalten, d.h. sie werden 
in ihrer Wachstums- und Teilungsenergie, in ihrem Chemismus akti- 
viert werden, falls sie nicht geradezu thermolabil sind. In dieser Be- 
ziehung nehmen die Gonokokken eine Sonderstellung ein und rechtfertigen 
die spezielle Indikation der Diathermie zur Behandlung gonorrhoischer 
Erkrankungen, wie im klinischen Teil mitgeteilt. 

Wenngleich wir mit der physiologischen Erforschung der Wir- 
kungen der Hochfrequenzströme durch die Einführung der Diathermie 
mit einem Schlage auf eine exakte experimentelle Basis gestellt worden 
sind, ist es mir bisher noch nicht möglich gewesen, Physiologen für die 
Bearbeitung spezieller Fragen zu gewinnen. Wir sind daher auf wenige 
exakte Resultate angewiesen, die von den meist klinischen Bearbeitern 
der Diathermie in den letzten Jahren zutage gefördert worden sind. Es 
ist noch eine große Anzahl wichtiger fundamentaler Fragen zu lösen. 
Immerhin aber sehen wir aus dem Vorstehenden, daß die Einführung 
der Wärme in jede beliebige Tiefe des Organismus ein physiologisches 
Novum schafft, welches eine Reihe vielversprechender Untersuchungen 
ermöglicht und bereits jetzt Hinweise für die praktische Anwendung 
in der Medi zin gibt. 

1) Beiträge z. klin. Medizin. Festschrift für Senator 1904. 



Nagelschmi^t, Diathermie. 2. Aufl. 



Zweite Abteilung. 

Klinische Anwendung der Diathermie. 

überblicken wir noch einmal die bisher besprochenen Applikations- 
methoden der Hochfrequenzströme in ihrer alten und neuen Form, 
so finden wir, daß viele der mit der D'Arsonvalisation nur gelegent- 
lich zu beobachtenden Erscheinungen und manches unerklärlich Schei- 
nende durch die Diathermie einer sicheren experimentellen Prüfung 
zugänglich geworden ist. Wir finden aber gleichzeitig als das Ge- 
meinsame in allen Hochfrequenz -Applikationen den dia- 
thermischen Wärmeeffekt als einzige primäre und nachweis- 
bare Wirkung. Wir finden ihn im großen Solenoid, bei dem Konden- 
satorbett, bei den Effluvien, bei der reinen Kontaktapplikation ; kurzum 
überall, wo hochfrequente elektrische Energie in den Körper über- 
geht, entsteht ein Wärmeeffekt, und zwar der neue, von allen anderen 
Wärmeapplikationen sich unterscheidende, diathermische. 

Die Verwendung der Wärme in der Medizin ist eine der ältesten 
Errungenschaften auf vielen ihrer Gebiete. Warme Bäderapplikationen, 
Sonnenbestrahlimgen, waren schon im Altertum beliebte Behandlungs- 
methoden. Leider müssen wir eingestehen, daß seit Äskulaps Zeiten 
bis in die neueste Zeit ein wesentlicher Fortschritt diesbezüglich nicht 
gemacht wurde. Man hat zwar Heißwasserduschen, Dampf duschen, 
Römisch-Russische Bäder, elektrische Kompressen, Glühlicht- und 
Bogenlichtbäder, lokale Heißluftbestrahlungen in einfacher und ele- 
ganter Form erfunden und konstruiert. Aber über die Zuführung von 
Wärme durch Applikation fester, flüssiger oder gasförmiger Medien 
auf Hallt und Schleimhaut kam man nicht Hinaus. Die einzige Art 
innerer Temperaturerhöhung, die wir bisher kannten, war das Fieber. 
Aber auch hier ist die Grenze mit der Bluttemperatur gegeben und 
stets der Nachteil vorhanden, daß die Temperatursteigerung auf Er- 
höhimgen der zellularen Verbrennungen, d.h. auf Forcierung des 
Stoffwechsels und auf Verbrauch der Reservekräfte des Organismus 
beruht. Daher die schwächende, zehrende, den Organismus schädigende 
Wirkung des Fiebers. Auch durch die Methode der Wärmestauung ist 
eine Steigerung der Körpertemperatur erzielt worden. Aber auch 
hiermit ist fast stets eine erhebUche Schädigimg des Organismus ver- 
bunden, da wegen der guten Zirkulations- und Regulationsvorrichtungen 
lokale Wärmestauungen nur in geringem Maße erzielbar sind, während 
eben die allgemeinen Stauungen stets große Gefahren mit sich bringen. 



Dosierung und allgemeine Technik. 99 

Erst durch die Einführung der Diathermie ist ein wirklicher Fort- 
schritt auf dem uralten Gebiet der Wärmetherapie gezeitigt worden. 
Er wurde vorbereitet durch die physiologische und klinische Erforschung 
von d' Ar so nvaischen Strömen. Leider aber ist den Untersuchem 
die Quintessenz dieser Methode, nämhch der diathermische Effekt, 
nur gelegenthch als Nebenbefund aufgestoßen und der Kern dieser 
Frage der Aufmerksamkeit bis vor kurzem entgangen. 

Es ist erstaunlich, wie schwierig es sich nun in der Praxis heraus- 
stellt, eine derartige neue Methode, deren Wirksamkeit und deren 
Effekte mit Leichtigkeit ad oculos demonstriert werden können, ein- 
zuführen. Wer mit der Diathermie — Verständnis und Interesse vor- 
ausgesetzt — arbeitet, kann sich den zum Teil außerordentlich günstigen 
Resultaten, die die klinische Beobachtung ergibt, nicht verschließen, 
und doch ist die Schwierigkeit ungeheuer, die Mehrzahl der Ärzte 
auch nur zu einem Versuch ihrer Beobachtung anzuregen. Es muß 
dies wohl damit zusammenhängen, daß der physikalische Effekt der 
Tiefendurchwärmung und das Verständnis des komplizierten Hoch- 
frequenzinstrumentariums eine physiotherapeutische Vorbildung voraus- 
setzt, die wir uns leider in Deutschland an keiner offiziellen Lehrstätte 
anzueignen imstande sind. Im Auslande hat die Verbreitung der Dia- 
thermie entsprechend den größeren dort herrschenden Interessen für 
physikalische Behandlungsmethoden bereits bedeutende Fortschritte 
gemacht. 

A. Medizinische Diathermie. 

1. Kapitel. 

Dosierung und allgemeine Technik. 

Die Verwendungen der Diathermie in der Heilkunde können wir 
nach 2 Hauptgruppen unterscheiden, denen sich einige weniger be- 
deutsame Verwendungskreise anschließen. Die erste Hauptgruppe 
beschäftigt sich mit der leichten Durchwärmung der Gewebe bis zur 
Toleranzgrenze, welche ohne dauernde Schädigung der Funktion er- 
tragen wird. Es kommen hierfür die S. 38 ff. beschriebenen Methoden 
zur Anwendimg. Wir haben das Instrumentarium für die Autokonduk- 
tion, die Autokondensation, die Behandlung mit Kondensatorelektroden, 
mit der Dusche, mit Funkenapplikation bereits besprochen, und es 
erübrigt, an dieser Stelle auf die Dosierungsfrage einzugehen. Wir 
wollen nur allgemein die Dosierungsmöglichkeit der einzelnen Methoden 
besprechen, während wir bei den einzelnen Kapiteln der klinischen 
Anwendung die spezielle Dosierung berücksichtigen werden. 

Die Behandlung im großen Solenoid erfordert keine spezielle 
Dosierung bezüglich der Amperezahl; denn die unökonomische An- 
ordnung desselben läßt eine möglichst intensive Belastung wünschens- 
wert erscheinen. Bei der Anwendung ist noch niemals durch Über- 
dosierung eine Schädigung aufgetreten. Ich habe im Gegenteil stets den 
Eindruck gehabt, daß diese allgemeine Applikationsmethode die 

7* 



100 Klinisohe Anwendung der Diathermie. 

schwächste in therapeutischer Hinsicht ist, wenngleich sie ein ge- 
wisses Indikationsgebiet besitzt. Die Hauptindikationen sind Insomnie, 
psychische und nervöse Erregungszusttode, sowie hoher Blutdruck 
bei empfindlichen Patienten. Die Dosierung erfolgt vielmehr nach 
den Gesichtspunkten der Zeit und Aufeinanderfolge sowie Dauer der 
einzelnen Sitzungen. Sie wird von 10—30 Minuten Dauer pro Sitzung 
und täglichen oder mit 1 oder 2 Tagen Intervallen stattfindenden 
Sitzungen bemessen. Wie erwähnt, ist bei diesen Applikationen eine 
Intoleranz bisher nicht beobachtet worden. Auch bezüglich der kleinen 
Solenoide für Kopf und Extremitäten gilt das eben Gesagte. Nur muß 
man die Vorsichtsmaßregel beobachten, daß Ringe, Metallgürtel und 
Armbänder wegen der in ihnen eintretenden starken Erhitzung ent- 
fernt werden. 

Bezüglich des Kondensatorbettes haben wir es seit Einführung 
der Diathermie mit einer wesentlich intensiveren Applikationsmethode 
zu tun, und hier sind Schädigimgen möglich. Einerseits müssen wir uns 
überlegen, ob bei der allgemeinen Beeinflussung des Körpers durch das 
kräftig wirksame Kondensatorbett eine Wärmestauung zu befürchten 
ist. So ist es wichtig, die Patienten daraufhin zu untersuchen, ob sie 
transpirationsfähig sind ; denn bei Patienten, die schlecht transpirieren, 
wird das Kondensatorbett häufig schlecht vertragen. Dagegen ist es 
allgemein indiziert, wo es sich um spastische Zustände des peri- 
pheren Gefäßsystems'handelt. Aus diesem Grunde ist es zweckmäßig, 
zwischen der einen Belegung und dem Apparat ein Hitzdrahtinstrument 
einzuschalten und seine Angaben zu berücksichtigen. Applizieren wir 
das Kondensatorbett für den ganzen Körper, so kommt es darauf an, 
welchen Effekt wir erzielen wollen. Handelt es sich nur um Zirkulations- 
beeinflussung, so kommen wir mit relativ kleinen Dosen aus, imd 
5— 6 Ampere 10— 20 Minuten lang werden durchweg gut vertragen, 
falls der Blutdruck nicht zu niedrig ist. Beabsichtigen wir dagegen, 
z. B. bei einer allgemeinen Infektion, künstliches aseptisches Fieber 
zu machen, so bezwecken wir eine Wärmestauung und werden die 
Dosis und die Dauer der Sitzung imter soi^ältiger Kontrolle des All- 
gemeinbefindens, speziell von Bewußtsein und Herz, höher wählen, 
10—12 Ampere, die Dauer ^/g Stunde und länger. Hierbei ist es natür- 
lich wichtig, die Temperatur genau zu kontrollieren, und es empfiehlt 
sich, den Femregistrierapparat anzuwenden (siehe die Abb. 62—66 auf 
S. 113, 114). 

Es empfiehlt sich, um auch Unregelmäßigkeiten in der Blutver- 
teilung infolge des Wärmeeffektes zu entdecken, sowohl die Haut- 
temperatur in der Achselhöhle wie die Analtemperatur gleichzeitig 
zu registrieren und zu beobachten. Hat man die gewünschte Tempera- 
tursteigerung des gesamten Organismus erzielt, sp wird die Sitzung 
unterbrochen, während die Temperaturkontrolle weiter geführt werden 
kann. 

Wird das Kondensatorbett zu lokalen Applikationen ange- 
wandt, so ist die Gefahr der Hyperpjn'ese gering, und man kann sich 
mit der Dosierung nach dem subjektiven Gefühl des Patienten richten, 



J 



DosiemDg und allgemeine Technik. 101 

falls keine Thermoanästhesie besteht. In solchem Fall muß man durch 
zeitweises Ausschalten imd Kontrollieren mit der Hand den Orad der 
eingetretenen Erwärmimg feststellen oder auch hier das Femthermo- 
meter benutzen. 

Bezüglich der Kondensatorelektroden ist eine Dosierung ledig- 
lich durch das Gefühl des Patienten zu geben. Da das Milliamperemeter 
in den meisten Fällen keinen oder nur einen geringen Ausschlag gibt, 
richtet man sich hierbei im allgemeinen nach der Helligkeit der Kon- 
densatorentladung und nach dem Geräusch der Fünkchen. Stirn und 
Gesicht sind wesentlich empfindlicher als Kopf imd Nacken, die übrigen 
Körperteile stehen bezüglich der Empfindlichkeit in der Mitte. Festes 
Andrücken und schnelles Hin- und Herbewegen der Elektrode macht 
die Applikation angenehmer und erträglicher, während bei Verweilen 
sehen nach kurzer Zeit (dner Sekunde z. B.) bei der gleichen Strom- 
stärke unerträgliches Brennen auftreten kann. Lockeres Gegenhalten 
der Elektrode oder gar leichtes Abziehen von der Haut führt zu inten- 
siveren Funkenentladungen, welche wesentlich schmerzhafter sind. 
Da die Elektroden selbst, besonders an den Stellen, welche mit dem 
Patienten in Kontakt sind, während der Applikation sich stark er- 
wärmen, so empfiehlt es sich, daß der Arzt, ohne den Strom zu unter- 
brechen, die Elektrode von Zeit zu Zeit in die Hand nimmt und kon- 
statiert, ob sie noch nicht zu heiß geworden ist. Ist das der Fall, so 
unterbricht man für eine kurze Zeit die Sitzung, kühlt die Elektrode 
mit einem bereit gehaltenen feuchten Tuch oder mit dem kalten Luft- 
strom eines Fönapparates oder in irgendeiner anderen Weise imd setzt 
dann, wenn nötig, die Behandlung fort. Bei thermoanästhetischen 
Personen muß diese Prüfimg natürlich häufiger stattfinden. Ebenso tut 
man gut, bei Rektal- und Vaginalelektroden, wo die Elektrode nicht hin 
und her bewegt wird, sondern auf ihrer Stelle liegen bleibt und höchstens 
zur MJEtssage benutzt wird, dabei jedoch in dauerndem Kontakt mit 
der Schleimhaut bleibt, die Stromstärke so zu wählen, daß man nur ein 
leichtes summendes Geräusch und keine sichtbare Funkenentladung 
erkennt. Hierbei kann maii dann die Applikation auf mehrere Minuten 
ausdehnen (3—5 oder auch mehr). Im allgemeinen geben die Patienten 
es an, wenn die Erwärmung zu stark wird. Zwecks Wahrung der Asepsis 
empfiehlt es sich, bei Anwendung in der Vagina oder im Rektum die 
stabförmige Glas- oder Hartgummielektrode mit einem der üblichen 
Kondomfingerlinge zu überziehen. Im allgemeinen hat man an dem 
Auftreten einer Hautrötung bereits wälirend der Applikation einen 
Maßstab dafür, daß die genügende Intensität angewandt worden ist. 
Bei manchen Patienten tritt aber keine Vasodilatation ein, selbst bei 
längerer Applikation, und man beschränkt sich bei diesen auf eine 
3— 10 Minuten lange Sitzung, je nach der Toleranz für das Gefühl. 

Die zweito Elektrode gibt man zweckmäßig dem Patienten in 
die Hand, wobei keine weiteren Vorsichtsmaßregeln wegen der geringen 
Stromstärke zu beachten sind. Da eine wesentliche Tiefenwirkung der 
Kondensatorelektroden nicht zu erwarten ist, spielt der richtende Ein» 
fluß der zweiten Elektrode hierbei keine bedeutende Rolle. 



102 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Auch bei der Duschenapplikation kann man die zweite Elek- 
trode in Form eines Stabes mit beiden Händen fassen lassen, allerdings 
klagen die Patienten bei starker Applikation, d.h. bei großer An- 
näherung der Duschenelektrode, über den gelegentlichen Übergang 
dickerer Funkenentladimgen und infolgedessen über heftige Zuckungen 
in der Armmuskulatiu*. Es ist deshalb bei empfindlichen Patienten 
oder solchen, die eine nur schwache Armmuskulatur haben, empfehlens- 
wert, als zweite Elektrode eine größere Plattenelektrode zu verwenden, 
auf welche man sich entweder setzen kann, oder die vom Patienten 
selbst auf Brust oder Bauch angedrückt wird. Man kann dann selbst 
kräftige Büschelentladungen auf dem Rücken stattfinden lassen, ohne 
daß unangenehme Muskelkontraktionen unter der zweiten Elektrode 
auftreten. Will man die Brust behandeln, so muß man für Applikation 
der zweiten Elektrode auf dem Rücken während dieser Zeit Sorge tragen. 
Sie wird entweder von einem Assistenten gehalten oder mittels eines 
Bandes fixiert, oder der Patient legt sich darauf oder lehnt sich in einem 
Lehnstuhl gegen sie an. Nur wenn die Konzentration der Hochfrequenz- 
elektrizität in einem einzelnen Körperteil gewünscht wird, stellt man 
z. B. den Fuß auf eine Metallplatte oder nimmt einen Handgriff in 
die Hand. 

Eine Dosierung der Duschenentladung findet lediglich durch Ent- 
fernung und Annäherung statt, während es zwecks Erzielung einer 
weichen Duschenentladung zweckmäßig ist, den Apparat auf möglichst 
hohe Spannung einzustellen. Muß man zu diesem Zweck die Funken- 
strecke regulieren, so empfiehlt es sich, die primäre Wicklung des Tesla- 
Transformators der jeweiligen Funkenstreckenlänge anzupassen. Denn 
sowohl bei kleiner wie bei zu großer Belastung arbeitet die Funken- 
strecke schlecht, und nur bei der richtigen findet ein gleichmäßiger 
und leistungsfähiger Funkenübergang statt. 

Nähert man die Elektrpde dem Körper allmählich, so empfindet 
der Patient zunächst den früher erwähnten feinen Hauch, der dann in 
ein deutliches Prickeln oder stechendes Gefühl übergeht und zuletzt bei 
weiterer Annäherung beim Funkenübergang" Muskelkontraktionen und 
einen lebhaften Hautreiz verursacht. Die Patienten erschrecken meist, 
wenn man sie nicht vorher auf den möglichen Funkenübergang auf- 
merksam macht, geben aber dann auch, wenn sie an den Funkenüber- 
gang gewöhnt sind, an, daß ein eigentlicher Schmerz bei seinem Auf- 
treten kaum besteht, sondern daß niu* die plötzliche muskuläre Er- 
schütterung etwas unangenehm ist. Es gibt aber auch Patienten, die 
sich an diese Erschütterung nicht gewöhnen, und die sich dauernd vor 
ihr fürchten. Man muß hier von einer Forcienmg absehen und auf diese 
Applikation verzichten, die ja überhaupt niu* eine untergeordnete Be- 
deutung besitzt. 

Viel wichtiger ist die indirekte Funkenapplikation, welche 
ich seit langer Zeit übe, und die ich 1907 a. a. 0. beschrieben habe. 
Nimmt man irgendein Metallstück in die Hand und nähert es der strah- 
lenden Endspitze eines Resonators oder auch einem Diathermiepol, so 
sprühen je nach der vorhandenen Spannung mehr oder weniger lange 



Doderung und allgemeine Technik. X03 

und je nach der vorhandenen Belastung mehr oder weniger dicke 
Funkenentladungen auf das Metallstück über. Man kann auf diese 

. Weise Spannungen von weit über 100 000 Volt und Stromstärken von 
einem Ampere oder mehr plötzlich auf das Metallstück imd von diesem 
weiter in den Körper hineinleiten, ohne einen Ruck oder eine Sensation 
zu spüren. Nur findet bei großen Stromstärken eine Erwärmung des 
Handgelenks statt, oder bei D'Arsonvalapparatcn spürt man bei großer 
Stromstärke ein faradisches Gefühl. Verbindet man nun den Patienten 
mit einem Pol des Hochfrequenz- oder Diathermieapparates, bringt 
eine nicht an einem Draht befindliche, freie Metallelektrode in irgend- 
einer Form, Platte, Spitze, Kugel an der gewünschten Körperstelle, 
an welcher man Muskelkontraktionen auslösen will, an und läßt nun 

'mittels eines am anderen Pol befindlichen Drahtes, der mcht not- 
wendig mit einer Metallelektrode in Verbindung stehen muß, Funken 
von einigen tausend Volt Spannung auf die freie Metallelektrode auf- 
fallen, so treten unter ihr Muskelkontraktionen auf, die man durch 
Variation der Spannung und der Stromstärke in ihrer Intensität regu- 
lieren kann. Da der Funkenübergang nicht auf die Haut, sondern auf 
eine Metallplatte stattfindet, und die übergehende Hochfrequenz- 
elektrizität sich durch Kontakt von der Metallplatte in den Körper 
ohne nochmalige Unterbrechung als Hochfrequenzelektrizität fortsetzt, 
so spürt der Patient nichts vom Funkenschmerz; sondern lediglich die 
plötzKche kapazitive Aufladung erzeugt die lokale Muskelkontraktion 
der unter der Elektrode befindlichen Muskulatur. Ist die Elektrode 
klein, spitzen- oder kugelförmig und die Stromstärke oder vielmehr die 
Funkenlänge nicht zu groß, so treten ganz lokale, evtl. fibrilläre Muskel- 
kontraktionen auf. Ist die Elektrode von größerer Fläche, so werden 
auch größere Muskelpartien bei starker Dosierung zur Kontraktion 
gebracht. Bringt man die Elektrode über einem motorischen Nerven 
an, so wird das ganze Innervationsgebiet dieses Nerven motorisch 
gereizt. Wir haben es bei dieser Applikationsart mit Kondensator- 
entladungen zu tun, welche ja jetzt in der Elektromedizin die bereits 
1907 von mir vermutete wichtige Rolle zu spielen beginnen. Die Dosie- 
rung der Fulguration übergehen wir hier als überlebte Methode, 
desgleichen die Kalt-Kaustik als eine ebenfalls nebensächliche 
Methode der Hochfrequenzapplikation . 

Wir kommen nunmehr zur Dosierung der wichtigsten, nämlich 
der eigentlichen Kontaktapplikation. Wenden wir Handelektroden 
an, so ist die Toleranz des jeweils dünnsten vom Strom zu durchfließen- 
den Körperquerschnittes für die Dosis maßgebend. Im allgemeinen 
vertragen Erwachsene, je nach der Dicke ihres Handgelenks, 300 bis 
500 Milliampere auf die Dauer von mehreren Minuten. Kräftige und 
besonders dicke Handgelenke ertragen auch 600 und 700. Wenn keine 
Thermoanästhesie besteht, kann man sich jedoch auf die Angaben der 
Patienten verlassen, die bei zu starker Erwärmung sich darüber be- 
klagen. Ist einmal die Erwärmimg eine zu starke geworden, so tritt 
meistens ein intensiver Schmerz auf. Dieser Schmerz ist der Vorläufer 
der partiellen Koagulation und erfordert sofortiges Abstellen des Stro- 



104 Klinisohe Anwendung der Diathennie. 

mes. Geben die Patienten dagegen nur starke Erwärmung an, so ge- 
nügt eine Abschwächung während ^/2Wmite, worauf wieder der nor- 
male Strom eine Zeitlang hindurchgeleitet werden kann. Der Arzt 
kann außerdem sowohl während des Stromdurchganges als auch bei 
Unterbrechung zu diesem Zweck, durch Berührung des Handgelenks 
den Grad der Erwärmung kontrollieren und taxieren. Wendet man 
eine Durchströmung der unteren Extremitäten an, so ist das Fuß- 
gelenk maßgebend. Es erträgt normalerweise 700— 900 Milliampere 
und erfordert dieselben Vorsichtsmaßregeln wie das Handgelenk. Bei 
Kindern und jugendHchen, zarten Individuen sowie bei Erwachsenen 
mit starker Atrophie und entsprechend geringerem Querschnitt müssen 
diese Dosen verringert werden. Dem Ellbogengelenk kann man 1 Am- 
pere zumuten, dem Ejiiegelenk 2—3. Einzelne Finger und Zehen ver- 
tragen 200— 400 Milliampere. Bei allen übrigen Körperteilen kommt 
die Querschnittstoleranz wegen der großen Dicke derselben nicht in Be- 
tracht; vielmehr haben wir es hier lediglich mit der Toleranz der Haut, 
d. h. mit der Strolndichte unter der Elektrodenfläche zu tun. Die von 
der Firma Siemens hergestellten Blei- und Blechelektroden, welche 
ich fast ausschheßlich verwende, haben folgende Flächen, und diesen 
Flächen entspricht die aus der Tabelle ersichtUche Toleranz. 





Tabelle. 




Elektroden 


Stromstärke (Amp.) 


Klemmen 


Hand— ^and 


0,35—0,50 


0—2 


Fuß— Fuß 


0,6 —0,7 


0—2 


2 cm Durchm. 


0,15—0,2 


0—1 


4 cm Durchm. 


0,3 —0,4 


0—1 


9 cm Durchm. 


0,9 —1,0 


0—1 


4 X 6,5 cm* 


0,5 —0,6 


0—1 


4,5 X 10 cm* 


0,6 —0,7 


0—1 


5 X 12 cm« 


0,9 —1,0 


0—1 


10 X 20 cm* 


ca. 2 


1 


Im allfljemeinen 


ist Anschluß der Elektroden an Polklemme 0—1 



für niedrige Spannungen, d. h. kurze Weglängen (durch den Thorax, 
quer durch Extremitäten, am Kopf), dagegen für große Weglängen 
(von Hand zu Hand oder Fuß zu Fuß, oder von Extremitätenende zum 
Thorax), Anschluß an Klemme 0—2 geboten. 

Bei größeren Körpergewebsquerschnitten, welche der Bestrahlung 
imterworfen werden, bei denen also der richtende Einfluß der beiden 
Elektroden aufeinander wegen der Entfernung der Elektroden kein so 
ganz deutlicher mehr ist, rechnen wir mit einer Divergenz der Kraft- 
linien imterhalb der Haut, haben es also, abgesehen von der leichteren 
Erwärmbarkeit der Haut gegenüber den anderen Geweben auch noch 
mit einer besonderen Belastimg der Haut im Vergleich zu dem Unter- 
hautzellgewebe und den tieferen Schichten zu tun. Wünscht man 
eine protrahierte Applikation mit möglichst großen Stromstärken, die 
relativ schnell die Toleranz der Haut erschöpfen würden, so kann man 
sich damit helfen, daß man bei eingetretener unangenehmer Erwärmung 
der Haut diese mit einer in kaltes Wasser getauchten Kompresse kühlt. 



Dosierung und allgemeine Technik. 105 

die Applikation wiederholt, wieder kühlt und so fort. Auf diese Weise 
kann man recht lange und recht intensive Applikationen ermöglichen. 
Auch Kühlelektroden habe ich S. 50 erwähnt. Indessen sind diese 
komplizierten Vorrichtungen überflüssig, da man sich mit dem ein- 
fachen Mittel des Auftupfens vollständig begnügen kann. Wollen wir 
an einer bestimmten, etwa zentral gelegenen Stelle eine besonders 
intensive Tiefenwirkung erzielen, so können wir uns der von der Rönt- 
gentiefenbestrahlung her bekannten Methode bedienen, indem wir von 
2 diametral entgegengesetzten Stellen aus eine Diathermierung bis zur 
Toleranzgrenze der Haut vornehmen, sodann von 2 diametral gegen- 
über liegenden, daneben befindlichen Stellen aus und so fort im Bereise 
herum, wie es auf S. 61 beschrieben wurde. 

Die Größe der Elektrodenfläche ist nun keineswegs allein für die 
anzuwendende Stromstärke maßgebend, vielmehr muß man stets auch 
der S. 47 beschriebenen Kandwirkung eingedenk sein. Wenn wir z. B. 
oberhalb imd imterhalb des Ejiiegelenks eine große Flächenelektrode 
um die Extremität herumlegen, wird sich die Hauptwirkung des Stromes 
an den einander zugewandten Kanten der Elektroden zeigen, weil in- 
folge des richtenden Einflusses der Elektroden aufeinander und der 
guten Leitung innerhalb der Elektrode die meisten Stromlinien sich dort 
zusammendrängen. Folglich wird man nicht die volle, der Elektroden- 
fläche nach der Tabelle zukommende Stromstärcke verwenden dürfen. 
Auch wenn wir sonst 2 Plattenelektroden irgendwo so in der Nähe von- 
einander anbringen, daß eine Ecke oder eine Kante der anderen wesent- 
lich näher gelegen ist als der übrige Teil der Platte, so werden wir stets 
an diesen Stellen intensivere Wirkung haben und mit schnellerer Er- 
hitzung rechnen müssen als imter den anderen Teilen der Platte. Das 
kommt aber nur in Frage, falls die Platten auf wenige Zentimeter 
genähert werden. Bei Distanz über 10 cm treten diese Erscheinungen 
nicht wesentlich störend auf. 

Wie oben erwähnt, gebrauchen wir zur Überwindimg des bei 
Längsdurchstrahlung von Extremitäten relativ langen Weges eine 
relativ hohe Spannung, imd so verwenden wir, um möglichst große 
Stromstärken zu erzielen, hierfür die größte Zahl der einschaltbaren 
Windungen der sekundären Spirale, d.h. also, wir benutzen bei dem 
Siemensschen Apparat den Kontakt -f 2 . Hierbei steht eine 
Klemmenspannung von etwa 800 Volt zur Verfügung, und wir können 
bei den meisten Menschen etwa 700 Milliampere durch die Arme hin- 
durchschicken. Indessen ist diese Stromstärke nur für kurze Zeit er- 
träglich. Vielmehr wird die Handgelenkserwärmung schnell so stark, 
daß wir mit der Stromstärke herabgehen müssen. Wenden wir dagegen 
Querdurchstrahlung von Extremitäten, sei es der Arme oder der Beine, 
an, so genügt die Elektrodenspannung -f 1 , und wir können bei dieser 
je nach der Fläche der Elektrode und der Masse des zu durchstrahlenden 
Körperteiles relativ große Stromstärken bis zu 2 oder 3 Ampere ver- 
wenden. Indessen ist hierfür die Masse deshalb maßgebend, weil bei 
kleinen Dimensionen, selbst des Oberschenkels, nicht genügend Fläche 
zur Verfügung steht, um sehr große Elektroden ohne zu erhebliche 



106 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Annäherung der Bänder zu applizieren. Es kommt nun, z. B. zur 
Behandlung von Ejiiegelenken, nicht selten vor, daß man zunächst 
zwei große Flächenelektroden zu beiden Seiten des Kniegelenks anlegt 
und dann auch eine Durchstrahlung in der Längsrichtung vornimmt. 
Hierbei pflegt es dem Anfänger aufzufallen, daß z. B. bei einem ge- 
schwollenen Ejiiegelenk mit relativ großem Durchmesser die seitliche 
Durchstrahlung mittels der Pole und 1 mit Leichtigkeit die Strom- 
stärke von 1^2 bis 2 Ampere, die für eine längere Applikation die richtige 
ist, erzielen läßt. Legt man aber nunmehr die eine Elektrode z. B. 
oberhalb des Eiiiegelenks und die andere unterhalb des Kniegelenks 
auf die Vorderfläche auf, und zwar so, daß die Distanz der Elektroden 
nicht wesentlich größer ist als bei der Querapplikation, so fällt es auf, 
daß bei der gleichen Einstellung des Apparates nunmehr sehr viel 
weniger Strom hindurchgeht, trotzdem die Weglängen ungefähr die 
gleichen sind. Dies kommt nicht etwa daher, daß die innere Struktur 
des Ghedes in der Längsrichtung so verschieden von der Querrichtung 
wäre, daß die Widerstandsverhältnisse sich wesentUch änderten und 
mithin die Stromstärke ebenfalls, sondern diese unterschiede beruhen 
im wesentlichen auf dem Widerstände der Haut. Bei der Querdurch- 
strahlung sind nur wenige Millimeter, nämHch die Dicke der Haut, 
zu überwinden, während bei der Längsdurchstrahlung und der ober- 
flächlicheren Verteilung der Hochfrequenzströme (siehe Schema S. 178) 
die Haut in ihrer ganzen Fläche als Widerstand auftritt und dadurch 
Einstellung des Apparates auf hohe Stromstärke oder sogar die Be- 
nutzung der Polklemmen und 2 nötig macht. 

Im allgemeinen ist bezügUch der Stromstärke und Dauer der 
Sitzungen zu unterscheiden, ob wir eine mehr oberflächliche, lokale 
Wirkung oder eine gleichmäßigere Tiefenwirkung beabsichtigen. Er- 
innern wir uns des Ei weiß Versuches, so beobachten wir, daß bei An- 
wendung relativ großer Stromstärken die Koagulation in unmittelbarer 
Nähe der Elektroden begann und sich erst danach nach der Mitte fort- 
setzte, wobei beide Koagulationsstreifen zusammenstießen, unter- 
sucht man diesen Koagulationsstreifen genauer, so sieht man, daß er 
in der Mitte relativ dünn, in der Nähe der Elektroden wesentlich dicker 
ist. Läßt man dagegen die Koagulation mit geringer Stromstärke, also 
im Laufe längerer Zeit, entstehen, so bekommt man einen ungefähr 
gleichzeitigen Eintritt auf der ganzen Verbindungslinie zwischen beiden 
Elektroden. Wie an anderer Stelle erwähnt, können wir nun aus der 
Art des Koagulationseintrittes Rückschlüsse auf die Diathermiewirkung 
überhaupt machen, und so zeigt ims der Versuch, daß wir zur Erzielung 
von Oberflächenwirkungen von vornherein relativ starke Ströme 
anwenden müssen, wobei unter Umständen Tiefenwirkung vollständig 
ausbleibt. Wollen wir dagegen gleichmäßige Tiefenwirkung 
haben, so müssen wir relativ schwache Ströme verwenden, aber wesent- 
lich längere Durchstrahlungszeiten wählen. Wir werden späterhin bei 
den chirurgischen Applikationen die gleiche Beobachtimg verwerten 
können. Es wird nun von manchen Autoren empfohlen, von vornherein 
bei medizinischen Applikationen mögüchst große Stromstärken anzu- 



X08 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Druck adaptieren läßt. Behandelt man etwa an der Vorderfläche der 
Brust, so wird über dem gut ausgebildeten Pectoralis jeder Druck gut 
vertragen. Dagegen der obere Band der Elektrode, der häufig auf die 
Clavicula zu liegen kommt, die oft von dünner Fettschicht ohne nennens- 
werte Muskelzwischenlage bedeckt ist, darf nicht so kräftig angedrückt 
werden, weil erstens der Druck schmerzhaft ist und zweitens das Ein- 
drücken des Bandes in die Haut zu einem besonders innigen Kontakt 
und mithin zu großer Stromdichte daselbst führt, besonders, wenn 
sich die Unterlage (Gaze, Watte) vielleicht verschoben hat. So kommt 
es, daß die Patienten dort schon über Brennen klagen, während der 
größte übrige Teil der Elektrodepfläche noch kaum eine geringe Tem-, 
peratursteigerung der Auflagefläche bewirkt hat. Man muß die Elektrode 
dann entweder biegen, so daß sie sich der Clavicula anpaßt, oder am 
besten so weit nach imten schieben, daß sie diese Gegend nicht bedeckt. Das 
gleiche kann bei mageren Individuen auch auf dem Bücken vorkommen. 

Am Leib muß man darauf achten, daß sich keine Hautfalten unter 
der Elektrode bilden, und besonders erfordert die Nabelgegend gute 
Polsterung. Zu dicke Polsterung ist aber auch wieder gefährlich, weil 
sich die Gazeschicht selbst durch den Joule sehen Widerstand stark 
erwärmen und dann gewöhnliche Verbrennung durch Dampfbildung 
erzeugen kann. 

Femer ist es wichtig, daß man als Zwischenlage nicht etwa appre- 
tierte Gaze, sondern am besten hydrophilen Verbandsmull, nimmt. Es 
ist mir z. B. ein Fall bekannt, in dem aus besonderer Vorsicht ein gut 
aufsaugender präparierter Papierstoff zur Verwendimg kam. Er schien 
vollkommen feucht, war aber offenbar im Inneren noch trocken. Denn 
während der Applikation bildete sich im Inneren Wasserdampf , vermut- 
lich infolge von feinen Funkenentladimgen, die den Patienten ver- 
brühten. Es ist deshalb zweckmäßig, die Zwischenlagen längere Zeit 
einzuweichen und appretierte Stoffe erst in warmem Wasser mehrere 
Male auszuwaschen. 

Besondere Vorsicht muß man auch da anwenden, wo Blutgefäße 
dicht unter der Haut liegen, so z. B. in der Inguinalgegend und in der 
Ellenbeuge. Die feste Applikation der Elektroden kann die Zirkulation, 
zumal in der Vene, unterdrücken, und da Blutkörperchen sich ganz 
besonders stark erwärmen, wäre theoretisch eine Koagulation im Ge- 
fäß nicht ganz ausgeschlossen. Praktisch ist mir ein solcher Fall zwar 
noch nie vorgekommen, aber immerhin bin ich an derartig exponierten 
Stellen ganz besonders vorsichtig, z. B. auch bei mageren Individuen 
mit dicken oberflächlichen Venen am Arm. 

Bei Durchstrahlungen des Bauches hat man zu besonderer Vorsicht 
gemahnt, weil nach theoretischen Erwägungen die Wand eines mit Gas 
gefüllten Darmabschnittes wegen der Undurchgängigkeit der Gas- 
schichten für den Strom durch eine Verdichtung der StromUnien in der 
Darmwand gefährdet sein sollte. Mir scheint nun hier die Vorsicht 
gänzUch unangebracht; denn bei Verwendung kleiner Elektroden- 
flächen ist die der Toleranz der Haut entsprechende Stromstärke so 
gering, daß die Dispersion in wenigen Zentimetern Entfernung von der 



Dosierung und allgemeine Technik. ^09 

Elektrode auf dem relativ großen Weg von einer Bauchwand zur anderen 
eine Schädigung der Darmwand unmöglich macht, während bei der 
Applikation großer Elektroden eo ipso die Verteilung der Stromlinien 
eine bedeutende ist. Aber selbst, wenn das nicht der Fall wäre, würde 
mir auch die Darmwand nicht gefährdet erscheinen, weil der Wider- 
stand des Gasinhalts eine Ablenkung der Ströme durch benachbarte 
DarmschHngen oder durch die Fäkalmassen hindurch bewirken würde. 
In der Tat habe ich bei zahlreichen Bauchapphkationen, die ich ohne 
Bücksicht auf eine derartige Gefahr vornahm, niemals die geringste 
Störung beobachtet. Dazu kommt, daß es bei Bauchapphkationen 
zum Zwecke einer intensiveren Tiefenwirkung praktisch ist, die Appli- 
kation mit recht großem Druck vorzunehmen, um dadurch den Weg 
zwischen beiden Elektroden zu verkürzen und eine größere Konzen- 
trierung der ILraftlinien zu ermöglichen. Sobald man aber auf die 
zwischen den Elektroden befindlichen Darmabschnitte drückt, entfernt 
man ja schon mechanisch die unter der Elektrode liegenden Gasmengen, 
so daß auch hierbei keine Gefährdung wahrscheinlich ist. 

Ist die Behaanmg der Haut eine sehr starke oder wünscht man an 
normalerweise stark behaarten Körperteilen die Elektroden zu appli- 
zieren, z. B. am Kopfe, so muß man für eine recht lange dauernde sorg- 
fältige Durchfeuchtung der vorher mit Benzin entfetteten Haare sorgen, 
ist aber hierbei trotz dieser Vorsichtsmaßregel meist an geringere Strom- 
stärken gebunden, weil infolge der isolierenden Wirkung der Haare bei 
großer Stromstärke Kribbeln, Stechen und Bronnen auftritt. In wich- 
tigen Fällen (z. B. Epilepsie) wird man daher zum Rasieren der Kopfhaut 
oder sonstiger behaarter Partien schreiten müssen. 

Wendet man Wasserelektroden an, z. B. das Vierzellenbad, so 
darf man selbst bei tiefem Eintauchen der Extremitäten nicht auf gleich- 
mäßige Stromwirkungen rechnen. Zunächst sind die Querschnittsunter- 
schiede der Arme und Beine durch verschiedene Eintauchtiefe nicht 
ausgleichbar, und so pflege ich, falls die Zuleitung durch die Extremi- 
täten wünschenswert erscheint, den einen Pol mit der Fußwanne für 
einen Fuß, den anderen Pol mit einer Handwanne für beide Hände zu 
verbinden. Dann kann man 700—800 Milliampere längere Zeit hindurch- 
schicken. Genügt diese Stromstärke nicht, so muß man sich helfen, 
indem man alle vier Extremitäten in einer oder mehreren Wannen mit 
einem Pol verbindet und den anderen Pol in Form einer größeren 
Rücken-, Brust- oder Bauchelektrode als Plattenelektrode anlegt. 
Dann kann man die Stromstärke erheblich über 1 Ampere 
steigern. 

Ich erinnere bezüglich des Vierzellenbades an das oben Gesagte, 
daß es nämlich unzweckmäßig ist, die üblichen großen Vierzellenbade- 
wannen zu verwenden, sondern daß man sich möglichst kleiner, mit 
wenig Wasser genügend zu versorgender Gefäße bedienen soll, um keine 
unnützen Energieentziehungen zu erleiden. Meistens wird man jedoch 
mit mehreren großen Platten, die man entsprechend auf zwei Pole 
verteilt, auch von den Extremitäten aus genügende Stromstärken in 
den Körper einführen können. 



XIO Klinisohe Anwendung der Diathermie. 

Ich muß noch kurz über die Verwendung mobiler und stabiler 
Elektroden sprechen. Wir sind vom galvanischen und faradischen 
Strom her gewöhnt, gelegentlich Elektromassage, Pinselbewegungen, 
kurzum bewegliche Elektroden zu verwenden. Derartige Applikationen 
haben sich mir für die Diathermie als nicht ungefährlich, bis zu einem 
gewissen Grade vermeidbar und daher im allgemeinen als nicht ratsam 
erwiesen; da, wie wiederholt betont, möglichst guter Kontakt not- 
wendig ist und bei den geringsten Kontaktdefekten infolge der hohen 
verwandten Stromstärke leicht Verbrennungen eintreten können, er- 
scheint das Verschieben von Elektroden während des Stromdurch- 
ganges gänzlich unstatthaft. Nur bei Kondensatorelektroden ist es 
ungefährlich, ja sogar notwendig, damit nicht durch das Verweilen an 
derselben Stelle die Erwärmung eine zu starke wird, und so verwende 
ich die Kondensatorelektroden auch gern zur Massage. Kontaktelek- 
troden dagegen verwende ich nach Möglichkeit stabil imd bewege sie 
während des Stromdurchganges nur da, wo sich die imter ihr befindUche 
Haut mit verschieben läßt, also z. B. am Abdomen oder zur Massage 
über Muskelpartien, soweit die Hautverschiebimg es gestattet. Die Be- 
wegung ist auch deshalb nicht sehr zweckmäßig, weil sie einer inten- 
siven Tiefendurchwärmung infolge der Verschiebung entgegenarbeitet 
und stets neue Schichten in der Tiefe den Hochfrequenzströmen aus- 
setzt, während die Haut, die sich an sich schon stärker erwärmt, unter 
ihr dauernd der Stromwirkung ausgesetzt bleibt. Nur eine manuell oder 
mechanisch an der festliegenden Elektrode ausgeübte Vibrationsmassage 
hat sich mir zur Behandlung gewisser Affektionen gut bewährt. Auch 
die Verwendung kugelförmiger, drehbarer Eollenelektroden und des 
Elasto (Sanitas) ist nicht für labile Applikation geeignet, da nur feste 
Schraubenkontakte faradisches Gefühl oder feine Fünkchenentladungen 
ausschUeßen lassen. Ich vermeide es also im allgemeinen, wenn die 
Elektrode einmal gut angelegt ist, sie zu bewegen, solange der Strom 
eingeschaltet ist, und sorge dafür, daß sie auch mit gleichmäßigem Druck 
festgehalten wird. Wenn sich nämlich die Elektrode durch Verbiegen 
oder durch Nachlassen des Druckes oder durch eine Veränderung der 
Stellung des Patienten an irgendeiner Stelle lockert, so tritt leicht 
Funkenbildung auf, welche zu Schmerzempfindung oder, falls der 
Patient anästhetisch ist oder Schmerz nicht beachtet, zur Verbrennung 
führt. Derartige oberflächHche Verbrennungen brauchen meist einige 
Wochen zur Heilung und hinterlassen eine Narbe. Je größer die Span- 
nung ist, mit der der Strom appliziert wird, desto leichter kann solche 
Funkenbildung eintreten. Die Patienten haben dafür den charakte- 
ristischen Ausdruck, daß es an irgend einer Stelle plötzlich „sticht". 
Dieses muß sofort beachtet werden; man muß entweder den Strom 
schnell wesentlich abschwächen, am besten ganz abstellen, die stechende 
Stelle besser adaptieren und kann dann wieder mit der Diathermierung 
beginnen. Da es bei einem größeren Betriebe nicht gut durchführbar 
ist, daß der Arzt dauernd jede Sitzung selbst ausführt, hat man Be- 
festigungsvorrichtungen verschiedener Art konstruiert, um die Elek- 
troden in ihrer Lage zu erhalten .Es ist für eine große Reihe von Applika- 



Dosierung und allgemeine Technik. XU 

tionen sicherlich möglich, durch Fixieren mittels eines Gurtes oder eines 
elastischen Bandes oder durch Auflegen eines Sandsackes die eine oder 
beide Elektroden genügend zu fixieren. Da wir aber in der Diathermie 
ein außerordentlich aktives Verfahren haben, welches bei geringfügiger 
Lockerung oder Verschiebung einer Elektrode zu sehr schnell auftreten- 
den Verbrennungen führen kann, so bin ich fast ganz von der Verwen- 
dung derartiger Befestigungsvorrichtungen zurückgekommen und appli- 
ziere die Elektrode entweder selbst oder lasse sie während der ganzen 
Dauer der Applikation durch geschulte Hilfskräfte festhalten oder zu- 
mindest in bezug auf ihre Lage dauernd kontrollieren. Ich verwende 
nach Möglichkeit gar keine Befestigungsvorrichtungen, da wegen der 
zahlreichen geschilderten Schwierigkeiten eine dauernde persönliche 
Kontrolle durch den Arzt oder das Personal unumgänglich notwendig 
erscheint. Dies ist um so mehr der Fall, wenn sehr kräftige Apparate, 
wie etwa die neuen Glühkathodendiathermieapparate, verwandt werden, 
mittels welcher mehrere Patienten gleichzeitig behandelt werden sollen. 
Ich halte ein solches Verfahren geradezu für unzulässig und habe auch 
bei Massenbetrieben (Militär) stets für eine genügende Anzahl von Appa- 
raten imd Hilfskräften gesorgt, damit nicht zwei oder mehr Patienten 
gleichzeitig am selben- Apparat behandelt zu werden brauchten. In 
vielen Fällen wird man eine größere indifferente Flächenelektrode ver- 
wenden und kann sich damit helfen, daß man den Patienten sich auf 
diese setzen oder legen, gelegentlich auch, wenn die Patienten intelligent 
genug oder kräftig genug dazu sind, z. B. auf der Brust oder dem Ober- 
schenkel sie halten läßt. Wenn man nun dafür sorgt, daß man die pri- 
märe Ein- und Ausschaltimg des Stromes mittels eines Fußkontaktes 
ausführt, wie solche von der Firma Siemens oder Sanitas geliefert 
werden (siehe Abb. 22a, b), so behält man eine Hand für die Regulie- 
rung der Stromstärke frei, während man mit der arideren Hand die eine 
Elektrode dirigieren kann. Hat man kein Personal zur Hilfe, so muß 
man sich damit begnügen, den Apparat von vornherein auf die voraus- 
sichtlich richtige Stromstärke einzustellen, mit dem Fußkontakt die 
Ein- imd Ausschaltung zu besorgen, während man mit beiden Händen 
je eine Elektrode appliziert. Hierbei muß man Bücksicht darauf nehmen, 
daß man zumindest an der einen Elektrode die Berühnmg stromführen- 
der Metallteile vermeidet, weil sonst, wenn man beide Elektroden leitend 
berühren würde, der Körper des Arztes als Nebenschluß Abzweigungen 
der Hochfrequenzströme in sich aufnimmt, sich also der Hochfrequenz- 
wirkung aussetzt, andererseits dem Patienten Stromenergie entzieht. 
Ebenso muß man vermeiden, wenn man auch nur eine Elektrode leitend 
berührt, mit der anderen Hand unbedeckte Körperteile des Patienten 
zu halten, weil auch dabei Stromentziehung stattfindet. Macht man es 
sich jedoch zur Regel, eine Elektrode, möglichst die indifferente, vom 
Patienten oder Gehilfen halten zu lassen oder mechanisch zu fixieren 
und die differente selbst zu dirigieren, so ist es zweckmäßig, mittels 
der Finger die Erwärmung dieser differenten Elektrode dauernd zu 
kontrollieren. Man muß dabei bedenken, daß der Arzt, da er ja nur die 
eine Elektrode berührt, nicht die eigentliche Tiefendurchwärmung der 



112 KKnudie Anweodiiiig der DUtbermie. 

Diadieniiie zu spüren bekommt oder nur in gmngem Maße, jed^ifalls 
viel schwäche als der Patient, und durch Befühlen d^ Elektrode im 
wesentlicjien die rückwärtige Erwärmung der Elektrode von d^ Haut 
des Patienten aus kontrolliert. Wenn also die Elektrode anfangt rtn- 
angenehm heiß zu werden, so ist die Haut des Patienten schon um eirwas 
stärker erwärmt und Unterbrechung der Applikation oder erhebliche 
Abschwächung dringend notwendig zur Vermeidung von Verbrennmig. 
Gktnz besonders ist eine solche Vorsicht in den Fällen angebracht, in 
denen die Patienten an den zu behandelnden Stellen Thermoanästhesie 
aufweisen und man sich doch nicht ganz hierbei auf die Angaben des 
Amperemeters unter Zugrundelegung der Dosierungstabelle verlassen 
kann. Indessen ist doch die Kenntnis der Dosierungstabelle eine wesent- 
liche Unterstützung, weil sie uns bezügUch der jeweiligen Elektroden- 
große die zulässige Stromdichte für eine Applikation von einigen l^finuten 
ungefähr angibt. Bleiben wir erheblich unter dieser Dosis, so ist eine 
Kontrolle, besondere Zufälle abgesehen, nicht nötig, und man kann 
selbst längere Applikation von 20—30 Minuten auch bei thermoanästhe- 
tischen Patienten vornehmen. Immerhin aber empfiehlt es sich auch 
hier, gerade bei längeren Sitzungen von Zeit zu Zeit durch Unterbrechung 
des Stromes und Abnehmen der Elektrode sich von dem Grad der statt- 
gehabten Erwärmung der Haut zu überzeugen, da ja immerhin durch 
die impermeable Bedeckung und den Druck lokale Wärmestauung mög- 
lich ist. Dies bietet auch noch den weiteren Vorteil, daß man die Unter- 
brechung zur Abkühlung der Haut benutzen kann; erstens wird auto- 
matisch Wärme von der Haut ausgestrahlt und durch Konduktion der 
Gewebe fortgeleitet, und zweitens können wir durch Betupfen mit 
kaltem Wasser und Auflegen einer frisch gekühlten, nassen Kompresse 
die Haut abkühlen, während diese Prozeduren auf die Tiefe nicht 
wirken. So können wir die stärkere Erwärmung der Haut verhindern 
zugunsten einer größeren Tiefenwirkung. Eine derartige intermittie- 
rende Behandlung gewährleistet eine größere Tiefenerwärmung. Stets 
muß man aber der oben beschriebenen Randwirkung der Elektrode ein- 
gedenk sein, um vor unliebsamen Zufällen geschützt zu sein. 

Wertvolle Dienste leistet für genaue Messungen der Temperatur- 
steigerung im Gewebe insbesondere für wissenschaftliche Untersuchungen 
und Dauerregistrierungen der Siemenssche Temperaturmeß- und 
Begistrierapparat. 

Er besteht aus den aus den Abb. 62—66 ersichtlichen Teilen und 
gestattet die momentane Ablesung oder dauernde Registrierung der 
Temperatur, auf welche sich das in loco befindliche Widerstands- 
thermometer erwärmt. Man mißt allerdings damit nicht die Gewebs- 
temperatur in größerer Entfernung von dem eingeführten Instnmient, 
sondern nur diejenige des unmittelbar ihm anliegenden Gewebes. 
Führt man z. B. das Widerstandsthermometer in den Magen ein, so 
kann ein Irrtum dadmrch entstehen, daß die Temperatinr des Magen- 
inhaltes und nicht die des Gewebes registriert wird. Indessen gleichen 
sich derartige Differenzen bei längerer Applikation aus, so daß man 
unter gewissen Kautelen in der Tat auf die Gewebstemperatur mit 



Doeiening und allgemeioe Technik. 1X3 

großer Walußcheinlichkeit BchlieBen kann. Es werden spezielle Wider- 
Btandstbermometer für die Achselhöhle, für das B«ktum, für den Magen, 
zum lEünstecheti in Gewebe, z. B. Tumoren, und zum Messen der Haut- 
temperatur fabriziert . 
Bezüglich weiterer 
Details über die Kon- 
struktion verweise ich 
auf die Kataloge von 
Siemens & Halske. 

Bei der Steige- 
rung der Stiometärke 
^ipährend der Sitzung 
muß mändesphydka- 
lischen Gesetzes ein- 
gedenk sein, daß die 
produzierte Wärme 
nicht proportional 
der Stromstärke zu- 
nimmt, sondern we- 
sentlich schneller. So 
kommt es, daß z. B. 
bei irgendeiner Appli- 
kation 1000 Milli- 
ampere gut vertragen 
werden, aber bei der 

Steigerung auf etwa 1100 plötzlich starkes Hitzegefühl auftritt, eine 
^Erscheinung, die Anfängern meist unerklärlich erscheint. 

Die Gefahr der Wärmestauung ist bei den üblichen therapeutischen 
Applikationen kaum vorliegend. Indessen werden wir häufig, auch bei 
lokaler Diathermie, nicht nur Zeichen allgemeiner Temperaturre^^e- 
mngsreaktionen, sondern auch gelegentlich wirkhche allgemenie Tem* 



lerdings geringer Art, 
beobachten können. Die 
Dauer der Sitzung 
richtet sich im allgemei- 
nen nach dem gewünsch- 
ten Effekt. Wollen wir 
kräftige Tiefenwirkung 
haben, so müssen wir in- 
folge der Divergenz der 
Kraftlinien in größerer 
Entfernung der Elektro- 
den (schon von 10 cm ab^ 
protrahiert« Sitzungen, möglichst von verschiedenen Hautst«llen aus. 



Diese Divergenz in der Tiefe, oder, physikalisch ausgedrückt, 
Streuung der Kraftlinien, spielt aber für die Therapie keine allzu be- 



NagelschTnldt, ItUthermle. 2. Aufl. 



1 1 4 Kliniacbe ADwendung der Di&thennie. 

deutende EoUe. Denn nicht nur die schon früher mit der d'Äreon- 
valisation vielfaeh erreichten günstigen therapeutischen Resultat«, 
sondern auch die Erfahrungen bei der Diathermie sprechen daftir, 
daß zur Erreichung gut«r Er- 
folge keineswegs eine ex- 
zessive oder überhaupt 
nur meßbare Tempera- 
tursteigerung in der Tiefe 
in einer großen Reihe von 
Fällen notwendig ist. Viel- 
mehr genügen schon minimale 
diathermische Elf f ek te , d ie «ich 
eben, wie gesagt, nicht durch 
Abb. 64. M.g.Mb.,„„„ete zun, TemperMursteigerung ™ do- 

kumentieren brauchen, um 
subjektive und objektive Besserungen und funktionelle Veränderungen 
der behandelten Gewebe herbeizuführen. Immerhin werden wir danach 
trachten, schon im Interesse der Verkürzung der Sitzung, für die Tiefen- 
therapie möghchst 
bald auf die ge- 
wünscht« Strom - 
starke zu kommen. 
Was nun den Grad 
der therapeutisch 
zulässigen Durch- 
^ -— ~ - • wärmung betrifft, 

Abb. 65. Chirurgische Metalleiektrode, als Thermometer i^o haben genaue 
»uBgebildet. zur Messung derTemperaturimkoaguherten TemperaturmeBSun- 

gen ergeben, daß 
bei Gewöhnung und langsamem Einschleichen die Haut selbst 44 und 
45° verträgt, ehe eine Verbrennung zweit«n Grades auftritt. Aber viele 
Patienten sind wesentlich empfindhcher, so daß man bei ihnen über 
42 " nicht hinauskommen 
kann. Die Schleimhaut 
dagegen, die ja an. sich 
etwas höhere Tempera- 
tur als die äußere Haut 
gewöhnt ist, verträgt 45 " 
ganz gut . DieseTempera- 
tur dürfte allerdings der 
Gren zwertdesZulässigen 
Abb. 66. Gesamtansicht des Instruiaeätariums. sein.Immerhinmußman 
damit rechnen, daßschon 
hierbei auch eine wirkliche, allerdings vorübergehende Zell Schädigung 
durch Ausfall thermolabiler Globuhne eintreten kann. 

Wir können nunmehr nach dem bisher Gesagten die allgemeine 
Technik und Dosierung als bekannt voraussetzen und zur Durch- 
sprechung der klinischen Indikationen übergehen. 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 115 

2. Kapitel. 

Anwendung bei Zirknlationserkrankungen. 

Entsprechend der universellen Bedeutung der Wärme für die 
Therapie müßte ich eigentlich die gesamte Pathologie unseren Be- 
trachtungen zugrunde legen. Da aber das vorliegende Buch im wesent- 
lichen die zurzeit vorhandenen Erfahrungen festzulegen bestimmt 
ist, werde ich mich nur auf diejenigen Kapitel beschränken, bei denen 
bereits Beobachtungen vorliegen. 

Ich beginne mit den Zirkulationserkrankungen. Um eine 
wirksame Therapie ausüben zu können, müssen wir vor allem die ver- 
schiedenen Erkrankungen des Ziikulationssystems möglichst exakt zu 
diagnostizieren suchen und feststellen, an welchem Orte die causa peccans 
liegt. Es kann nicht streng genug vor einer schablonenhaften Behandlung 
derartiger Erkrankungen gewarnt werden, wie sie auch heute noch viel- 
fach von physikalischen Therapeuten ohne Berücksichtigung der spezi- 
fischen Wiikungen der Hochfrequenzströme geübt wird. 

Aus der Beobachtung der Symptome und der Beurteilung des 
gesamten Krankheitsbildes heraus müssen wir unseren Behandlungs- 
plan in jedem einzelnen Fall individuell festlegen. Es ist daher nicht 
angängig, an dieser Stelle so detaillierte Angaben zu machen, daß 
die Behandlung für jeden möglichen Krankheitsfall gegeben werden 
kann. Wir müssen uns darauf beschränken, die wesentHchen Gruppen 
von Ej*ankheit8bildem zu besprechen und aus den Symptomen die 
therapeutischen Indikationen abzuleiten. Hieraus und aus der persön- 
lichen Erfahrung, die gerade bei der Diathermiebehandlung unent- 
behrUch ist und durch keine noch so detaillierte Beschreibung er- 
setzt werden kann, muß der Arzt für jeden einzelnen Fall sich das für 
ihn Passende heraussuchen. 

Wir werden uns im folgenden mit den zentralen und peripheren 
Zirkidationserkrankungen beschäftigen . 

Hierzu kommen sekundäre Erscheinungen, Ödeme, Palpi- 
tationen, Herzschmerzen, Funktionsstörungen der Körpermuskulatur, 
des Gebims und andere. Wie wir oben auseinandergesetzt haben, sind 
die Behandlimgsmethoden vermittels Hochfrequenzströmen je nach der 
Applikationsweise unterschieden. So können wir allgemeine Be- 
handlungsmethoden (Solenoid, Kondensatorbett nach Nagel- 
schmidt) solche, welche größere Körperabschnitte betreffen 
(Konden satorbett nach Apostoli undSchittenhelm, Vierzellenbad , 
Zweizellenbad) und solche, welche lokal wirken (Kontaktelektroden), 
unterscheiden. Andererseits trennen wir die reinen Diathermie- 
applikationen, bei denen die diathermische Wärme als einziger 
primärer therapeutischer Effekt in Frage kommt, von den kombi- 
nierten Methoden, bei denen neben der reinen Diathermie Haut- 
reize, Muskelkontraktionen, mechanische und chemische Wirkungen 
eine Rolle spielen (Duschenentladungen, Kondensatorelektroden, Fun- 
kenentladung). 

Ich habe schon 1907 auf die Differenz der verschiedenen Applikations- 
niethoden der Hochfrequenzströme, ganz besonders auch auf die Unterschiede- 

8* 



11g Klinische Anwendung der Diathermie. 

der'Apparatur und der Dosierung hingewiesen und muß auch an dieser Stelle 
hervonieben, daß für eine sachgemäße Therapie der Zirkulationserkrankungen 
ganz besonders eine scharfe Indikationsstellung beztkglich des Charakters der 
Erkrankung, wie auch der Form, Dosis, Wiederholung, Dauer der Therapie not- 
wendig ist. Daß wir hierbei oft auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, 
z. B. (Ee Unterscheidung rein funktioneller Störungen von beginnenden anatomisch 
verursachten, darf uns nicht verhindern, in jedem Falle und besonders in unklaren 
Fällen, alle Hilfsmittel der Diagnostik heranzuziehen. So ist vor allem wiederholte 
Untersuchung zu verschiedenen Tageszeiten, in verschiedenen Lagen, nach ge- 
nügender Riüie, nach Anstrengungen, femer Heranziehung der Böntgendurch- 
leuchtung zur Bestimmung der Herzgröße und Funktion, des Elektrokardiogramms 
sowie besonders der Sphygmomanometrie und Sph jgmographie sowie des Plethys- 
mographs gänzlich unerläßlich. Gelingt es auch nicht in jedem Falle, hierdurch 
zu einer völligen Klarheit in der Beurteilung desselben zu gelangen, so schützt 
uns doch das Besultat dieser Untersuchungen vor der Begehung grober Fehler. 
Die Kompliziertheit des Zusammenwirkens der verschiedenen funktionellen 
und mechanischen Faktoren des in innigster Verbindung mit dem Qesamtorganis- 
mus stehenden Zirkulationsapparates erschwert schon ungeheuer die Beurteilung 
der physiologischen Wirkungen der Hochfrequenztherapie. Hierzu kommt beim 
Menschen noch die Bewertung des psychischen Faktors. So wird es erklärlich 
erscheinen, daß wir zurzeit noch nicht in der Lage sind, allgemein über eine abge- 
schlossene imd für die Mehrzahl der Fälle ausgearbeitete Ladikationsstellung und 
Technik der Therapie zu verfügen, und vielleicht werden wir niemals dazu gelangen. 

Aber wir sind doch bezüglich der Hochfrequenzströme jetzt schon 
viel besser daran als mit den alten physikalischen Methoden. Viel \m- 
klarer als in der Hochfrequenztherapie sind die Erfolge imd Mißerfolge 
der galvanischen, faradischen Ströme und der Vierzellenbäder, der 
Influenzelektrizität. Bei der Hochfrequenztherapie haben wir wenig- 
stens die Möglichkeit, im Experiment die Wirkung der reinen Wärme 
gewissermaßen losgelöst von allen elektrischen Vorgängen 
zu prüfen, während bei allen anderen Formen der Elektrizität thermische, 
chemische, mechanische und sensible Momente eine komplizierende 
Bolle spielen. Auch bezüglich der Leitungswiderstände und der Ver- 
teilungsverhältnisse dieser Energieform liegen recht konkrete Resultate 
vor. Wir können somit imseren folgenden klinischen Betrachtungen 
eine Reihe experimentell begründeter Faktoren zugrunde legen, die 
wir als gesichert betrachten dürfen, \md haben eine Basis, auf der wir 
eine nicht unbedeutende Anzahl klinischer Beobachtungen und Resul- 
tate genügend fimdamentiert aufbauen können. 

Wir werden diese klinischen Studien nicht streng nach anatomisch getrennten 
Lokalisaüonen beleuchten, da der funktionelle Zusammenhang, z. B. zwischen 
Herzarbeit und Grefäßtonus oder zwischen Gefäßtonus imd Nierenerkrankung, ein 
so intimer ist, daß wir bei der Behandlung Yon 2iirkulationskrankheiten stets auch 
den Gesamtzustand des Körpers im Auge behalten müssen. 

Beginnen wir mit den muskulären Erkrankungen des 
Herzens. Die Zufuhr der diathermischen Wärme führt zu einer Sti- 
mulation der Zellfunktion und zu einer Erhöhung nicht nur des Chemis- 
mus, sondern auch der Wachstumsvorgänge in diesen. Diese erhöhte 
Lebensfunktion, die auf erhöhtem Stoffwechsel, d. h. Verbrauch von 
Energie beruht, deckt diesen Bedarf nicht in der sonst üblichen Weise 
damit, daß zimächst die Verbrennungen von Nahrungs- und Reserve- 
materialien erhöht werden und dadurch erst die vermehrte Produktion 
von Wärme erzielt wird, sondern die fremde, von außen als elek- 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 117 

trisohe Energie zugeführte, in jedem Molekül des Zellproto- 
plasmas entstehende, folglich überall verwendungsbereit 
vorhandene Wärmeenergie wird hierfür benutzt. Als zweite 
na<}h demselben Ziel strebende Fimktion der Diathermieapplikation 
tritt die arterielle lokale Hyperämie in ILraft, welche ebenfalls 
die Herzmuskölfasem besser versorgt und zu erhöhter Leistungsfähig- 
keit bringt. Hand in Hand mit dieser erhöhten arteriellen Zirkulation 
geht die dekongestionierende, durch die Beschleunigung der Zir- 
kulation bedingte Wirkung der Hochfrequenzströme, welche die die 
Zellen schädigenden Stoffwechselprodukte schneller eliminiert. Alle diese 
Faktoren zusammen bewirken das, was als Tonisierung des Herzmuskels, 
Beseitigung von Kongestions- und sonstigen Zirkulationsstörungen in 
ihm, also klinisch als Beseitigung subjektiver Beschwerden, ILräftigung 
der Herzaktion, kurzum Regulierung der Funktion in die Erscheinung 
tritt. Dazu kommt noch der ebenfalls tonisierende Effekt der diather- 
misch in Nervenzellen und -fasern des Herzmuskels aus Elektrizität 
in Wärme umgesetzten Energie. Wir sehen nach Diathermie des Herzens 
in Fällen einer beginnenden oder nicht allzuweit fortgeschrittenen 
Myodegeneratio Verschwinden von Arhythmien; die einzelnen Ampli- 
tuden werden gleichmäßiger, mancherlei irreguläre Zacken des Sphyg- 
mogramms verschwinden, und die subjektiven Beschwerden der Pa- 
tienten bessern sich. Schwächezustände, Schlaflosigkeit, Gefühl des 
Aussetzens des Pulses hören auf. In schwereren Fällen, in denen die 
Degeneration des Herzmuskels einen höheren Grad erreicht hat, sehen 
wir nicht selten in den ersten Wochen das Ausbleiben eines therapeu- 
tischen Erfolges, und erst nach mehrfachem Aussetzen der Behandlung 
während einer protrahierten Reihe von Sitzungen tritt ganz allmählich 
Besserung ein. Bei schweren Reizleitungsstörungen empfiehlt sich 
die direkte Behandlung der Herzbasis; die Anwendung von den Extre- 
mitäten aus kann dagegen gelegentlich zu Verschlimmerungen führen. 
Sind die Schädigungen der sekundären Insuffizienzerschei- 
nungen infolge des pathologischen Prozesses sehr erheblicher Natur, 
besteht Düatation nebst Insuffizienz, so haben wir hier wieder ein dank- 
bareres Feld für die Behandlung, insofern diese funktionellen Stö- 
rungen einer schnelleren Besserung fähig sind als die häufig definitiven 
degenerativen Veränderungen der Herzmuskelfasem selbst. 

Relative Mitralinsuffizienz. Ein junges Mädchen von 20 Jahren, von 
grazilem Körperbau, blasser Gesichtsfarbe, trat mit folgender Anamnese in meine 
Behandlung: Ohne vorhergehende schwere Erkrankung oder Erkältung traten 
infolge anstrengender Berästätigkeit seit einigen Monaten Beschwerden auf, 
welche sich in der letzten Zeit so weit steigerten, daß Patientin ihre Tätigkeit auf- 
geben mußte. Sie bekam Schwächeanfälle bei der geringsten Anstrengung und 
auch ohne eine solche, heftiges Herzklopfen, welches stundenlang anhielt und sie 
fast jede Nacht am Schlafen hinderte. Damit waren Angstgefühle verbunden, 
und sie fühlte selbst ein Schwirren in der Herzgegend. Ödeme beider Beine traten 
zeitweise auf, schwanden aber nach einigen Stunden horizontaler Lage. Eiweiß 
und Zylinder waren nicht vorhanden. Die objektive Untersuchung e rgab in Ge- 
meinschaft mit dem Röntgenbefund eine Dilatation des linken Ventrikels. 

Die Auskultation ließ ein lautes, schwirrendes Geräusch an Stelle des ersten 
Tones hören, welches über der Spitze, dem ganzen Stemum und an der Aorta, 
dort jedoch schwächer, zu hören war. Diesem Geräusch entsprach ein palpatorisch 



WS Klinische Anwendung der Diathermie. 

deutlich fühlbares systolisches Schwirren. Die Pulszahl betrug zu Beginn 6er 
Behandlung zwischen 120 und 140. Unmittelbar nach .der ersten Sitzung lokaler 
Diathermie, während welcher Patientin ein deutliches, angenehmes Wärmegefühl 
in der Brust verspürte, ging die Pulszahl auf 90 Schläge herunter. Die fast dauernd 
vorhanden gewesenen drückenden und stechenden Schmerzen in der Gegend der 
Herzspitze verschwanden, und im Laufe von 10 Sitzungen besserte sich der Zustand 
so weit, daß von einer Dilatation nichts mehr zu bemerken war, das Geräusch in 
der Ruhe vollkommen verschwand und nur nach Kniebeugen mit großer Auf- 
merksamkeit noch entdeckt werden konnte. Die Patientin setzte die Behandlung 
aus, wonach es ihr 14 Tage lang gut ging. Dann traten im Anschluß an psychische, 
häusliche Erregungen die Beschwerden erneut auf, die Patientin kam mit den 
alten Beschwerden wieder zur Behandlung, nur war die Dilatation auch nach rechts 
erheblicher geworden, und das Herz überragte das Stemum nach rechts um 1 Va Quer- 
finger. Auf wenige Diathermiesitzungen verschwanden sämtliche Erscheinungen 
wiederum, und bei völligem subjektivem und objektivem Wohlbefinden ist bei 
einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Behandlung der Zustand zwei Monate lang 
unverändert gut geblieben. Dann reiste die Patientin ab und ist laut Bericht 
beschwerdefrei. 

Herzinsuffizienz. Patient St., 28. IL Landarzt, der im letzten Jahre seine 
Praxis niederlegen mußte wegen Herzinsuffizienz. Es bestehen deutliche Koiiipen- 
eationsstörungen, Ascites, Ödeme, Herzhypertrophie, Lungenödem, Zyanose. 
Puls arhythmisch, klein, Herz stark dilatiert, hochgradige Schwäche, Druckschmerz 
auf der Brust, Atemnot, Schlaflosigkeit. 1. Sitzung am 28. IL : Sofortige Besserung 
des Allgemeinbefindens. 16. IIL: Nach 9 Sitzimgen Behandlung abgebrochen, 
da Patient sich wesentlich gebessert und erfrischt fühlt. Lungenödem geschwunden, 
Zyanose gleichfalls, Herrfiypertrophie unverändert, an den Beinen Spur von 
Ödemen abends. Patient hat keine Atemnot, läuft zwei Stunden ohne Anstrengung 
und nimmt seine Tätigkeit wieder auf. Bericht im Juni : Unverändert Wohlbefinden. 

Adipositas und Vitium cordis. Patient Seh., 45 Jahre. Sehr großer, sehr 
fettleibiger Mann mit erheblicher Arhythmie und dauernden stenokardischen Be- 
schwerden, bei Bewegungen sowohl wie in der Ruhe. Naghts heftige Anfälle von 
Angina pectoris, am Tage mehrmals Schwindelanfälle bis an die Grenzen von 
Ohnmacht. Trotz der Kenntnis seines Zustandes ist Patient ein sehr starker 
Esser und treibt Alkohol- und Nikotinmißbrauch. 

Die Diathermiebehandlung des Herzens führt sofort nach der 1. Sitzung 
eine wesentliche Besserung der subjektiven Beschwerden herbei. Die Behandlung 
mußte wegen Abreise des Patienten nach 5 Sitzungen aufgegeben werden. Patient 
war während der Behandlung absolut beschwerdefrei und berichtet nach einem 

Jahre, daß die Besserung 3 Monate angehalten hat. 

• 

Auch die Herzklappenfehler geben eine durchaus verschieden- 
artige Prognose. Ich kenne Fälle mittlerer Schwere, die bei guter Kom- 
pensation in die Behandlung kamen und trotz langer Behandlung keiner- 
lei Veränderungen des Untersuchungsbefundes beobachten ließen. Ge- 
räusche bheben bestehen, das Pulsbild blieb unverändert, und trotzdem 
traten wesentliche klinische Bessenmgen ein : Die Patienten waren eher 
Anstrengungen gewachsen, ermüdeten nicht so schnell, Herzklopfen und 
unangenehme Sensationen in der Herzgegend schwanden. 

Ich hatte Gelegenheit, einige frische Fälle zu behandeln, welche 
teils nach Polyarthritis rheumatica, teils ohne eruierbare .Ursache auf- 
traten und zu einer vollständigen Restitutio ad integrum kamen. 

Bei älteren Klappenfehlern ist ein so völliger Rückgang der 
klinisch nachweisbaren Erscheinungen nicht beobachtet worden; aber 
selbst in schwersten Fällen mit hochgradigen Kompensationsstörungen 
treten so erhebliche subjektive und objektive Besserungen ein, daß der 
Diathermie in allererster Reihe unter den Herzmitteln ein Platz gebührt. 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 1 1 9 

Bei der Behandlung von Klappenfehlem kommt nicht nur die 
Tonisierung des Herzmuskels und die hiermit in Zusammenhang stes 
hende Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit als therapeutisches Momen- 
in Frage, sondern es ist auch eine direkte Besserungsmöglichkeit det 
Klappenfehlers selbst nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Da 
es sich in den meisten Fällen um die Residuen entzündhcher Prozesse, 
welche zu Narbenbildung geführt haben, handelt, so ist die hyperämi- 
sierende, ödematisierende, mithin auflösende und erweichende Wirkung 
der Diathermie therapeutisch jedenfalls zu versuchen unter der Voraus- 
setzimg, daß auch die primären und Nebenwirkungen eines derartigen 
therapeutischen Eingriffs berücksichtigt werden. 

Eine besonders günstige Indikation für die Diathermie- 
behandlung stellen die Koro narbe seh werden dar. Sind dieselben 
jüngeren Datums und nicht allzu erheblich, so dürfte man es in einer 
Anzahl von Fällen mit rein fimktionellen Störungen zu tun haben, die, 
wie wir später unten bei der Claudicatio intermittens sehen werden, in 
geradezu frappanter Weise durch die Diathermie beeinflußt werden. 
Die nachstehenden ILrankengeschichten erläutern diese Resultate. 

Angina pectoris. Patient K., 65 Jahre. Klagt über heftige Beschwerden in 
der Brust, nach beiden Armen ausstrahlend, psychisch stark deprimiert, unfähig, 
mehr als wenige Minuten langsam zu gehen, muß nachts aufsitzen wegen Atenmot, 
schläft schlecht. Appetit mäßig, Stiüilgang angehalten, kann seit längerer Zeit 
seinen Greschäften nicht mehr nachgehen. Beschwerden haben sich im Laufe 
der letzten 6 Monate stark vermehrt. Mäßige Fettleibigkeit, blasses pastöses Aus- 
sehen, sichtbare und fühlbare periphere Sklerose, Herz leicht nach rechts dilatiert. 
Töne rein, deutliche Arhythmie, Blutdruck wenig erhöht. 

Im Laufe des Januar 1908 8 Sitzungen, im Februar 7, März 8, April 6, Mai 2 
und Juni 1 Sitzung. 

Patient wurde 1 — 2 mal wöchentlich einer leichten Hochfrequenzbehandlung 
unterworfen, worauf sich die Beschwerden vom zweiten Monat ab wesentlich 
besserten. Schlaf war gut, Schmerzen in der Brust traten nur noch zeitweise auf 
und sehr gering, insbesondere waren die Nächte schmerzfrei. Im Laufe der nächsten 
drei Monate wurden noch alle 8 — 14 Tage 1 — 2 Sitzungen verabreicht. Patient 
wurde im Juni beschwerdefrei aus der Behandlung entlassen. Er hat im ganzen 
32 Sitzungen erhalten. Die psychische Depression ist vollkommen geschwunden, 
Patient arbeitsfähig, die Arhythmie meistens reguliert, nur zeitweise und nach 
körperlichen Anstrengungen noch andeutungsweise nachweisbar. 

Angina pectoris. Patient Seh., 42 Jahre, 18. I. 11. Großer, schlank ge- 
bauter Mann, der seit Jahren an chronischer Cystitis unbekannten Ursprungs 
leidet. Seit 1 Jahr sind leichte Anfälle von Angina pectoris aufgetreten, die in den 
letzten Monaten an Häufigkeit so zugenommen haben, daß. er kaum 2 Tage frei 
von Anfällen ist, und nur, wenn er sich sehr ruhig verhält; bei körperlichen An- 
strengungen sowie bei psychischen Aufregungen treten stärkere und häufigere 
Anfälle auf. Die Anfälle bestehen in Druckschmerz auf der Brust, Beklemmungen, 
Todesangst, keine eigentliche Atemnot. 

Beginn der Behandlung am 18. I. Seit der ersten Sitzung vollkommen be- 
schwerdefrei. 5 Sitzungen im ganzen. 

Am 25. I. Behandlung abgeschlossen. 

Am 10. Juni kommt Patient wieder zur Behandlung, ohne daß weitere 
Beschwerden aufgetreten wären als ein leichtes Mattigkeitsgefühl. 3 Sitzungen 
Hochfrequenz, die sofortige Besserung der minimalen Beschwerden herbeiführten. 
Beklemmung ist nicht wieder aufgetreten. 

Anginapectoris. Patient H. Sitzungen : 30. Januar 1911; Februar : 1 . , 3. , 
5., 7., 10., 11., 14., 16. Gesunder, kräftig gebauter, wohlgenährter Landwirt, 
der seit einigen Monaten leichte Angina-pectoris -Anfälle hat. Druck auf der Brust, 



120 Klinische Anwendung der Diathermie. 

kann nur langsam gehen, muß nach Vi Stunde höchstens stehen bleiben und 
längere Zeit ruhen, nachts wiederholte Anfälle, die ihn zum Aufsitzen zwingen 
und ihn sehlaflos machen. 

Erste Sitzung am 30. I. Danach sofort vollständiges subjektives Wohl- 
befinden. Im ganzen 9 Sitzungen, nach denen Patient beschwerdefrei am 16. IL 
entlassen wird. 

Bericht im Juni 1912. Frei von jeglichen Beschwerden, hält sich für definitiv 
geheilt. 

Angina pectoris Patient B., 65 Jahre, 30. I. 11. Herzleidend seit 1 Jahr. 
SUagt über Druck und Schmerzen auf der Brust, Atembeschwerden. Anfälle treten 
besonders nachts auf, so daß er aufsitzen muß, weder Eiweiß noch Zucker; Kohlen* 
Säurebäder waren ohne Erfolg, Digalen hilft vorübergehend in geringem Maße. 

1. Behandlung am 30. 1. 11. Seitdem vollkommen beschwerdefrei bis zum 15.11. 

Im ganzen 9 Sitzungen: Januar 30., 31.; Februar 2., 4., 7., 10., 13., 14., 15., 
wonach Patient beschwerdefrei entlassen wird. Er stellt sich am 23. in. noch 
einmal als anscheinend völlig gesund vor. 

Angina pectoris. Patient W., 55 Jahre alt. Im allgemeinen gesund, leidet 
seit etlichen Monaten an leichter Angina pectoris, kann wenig, laufen, muß wegen 
Druck auf der Brust stehen bleiben, leichtes Angstgefühl, etwas Dyspnoe. 

1. Sitzung am 12. IV. 11. 

20. IV. Seit der ersten Sitzung vollkommen beschwerdefrei, entlassen. Im 
ganzen 4 Sitzungen. 

Arteriosklerose. Myokarditis, Koronarsklerose. Patientin B., 
52 Jahre, 13. 1. 11. Früher stets außerordentlich gesund und kräftig gewesen, er- 
krankte indessen in den letzten zwei Jahren an Arterienverkalkung. Der Zustand 
verschlinmierte sich vor 1 Jahr derartig, daß sie infolge schwerer Angina-pectoris- 
Anfälle in unmittelbarer Lebensgefahr schwebte, ohne daß eine Behandlung im 
Sanatorium mit den üblichen Herzmitteln eine nennenswerte Besserung herbei- 
zuführen vermochte. Vor Beginn der Hochfrequenzbehandlung zeigte sich eine 
erhebliche Herzerweiterung mit niedrigem Blutdruck (100), leichte Arythmie. Kom- 
pensationsstörungen, leichte Ödeme der Beine, Albumen in Spuren, leichtes Lungen- 
ödem; sie litt unter dauernder Atemnot und schweren asthmatischen Anfällen 
des Nachts sowie heftigem Druck auf der Brust, der sie verhinderte, mehr als 
wenige Schritte zu gehen, Treppensteigen war ihr vollständig unmöglich. Gesichts- 
farbe leicht zyanotisch, Tremor der Extremitäten, Kopfdruck. 

Beginn der Diathermiebehandlung am 13. 1. 11. Schon nach wenigen Sitzungen 
trat eine eklatante Besserung sämtlicher subjektiven Beschwerden ein. Der 
drückende Schmerz hörte vollständig auf, die Atemnot schwand während der ersten 
Sitzung. Am 28. 1. wurde die Behandlung unterbrochen, da die Dilationta normalen 
Herzgrenzen Platz gemacht hatte, das Lungenödem verschwunden war, desgleichen 
der Eiweißgehalt des Urins und die Beinödeme. Weder asthmatische Anfälle noch 
Schwächezustände sind wieder aufgetreten. Patientin fühlt sich wie neugeboren 
und geht zwei Stunden ohne Unterbrechung spazieren. 

Am 17. und 20. II. wurden zur Sicherheit zwei Sitzungen, im März zwei 
Sitzungen und im April vier Sitzungen verabreicht, wonach Patientin vollständig 
gekräftigt und wiederhergestellt wie in früheren Jahren ihre Sommerreise antritt, 
„fühlt sich wie vor 10 Jahren". Ein Bericht Anfang Juni teilt mit, daß sie sich weiter 
wohl befindet, daß sie im zweiten Stockwerk ohne Fahrstuhl wohnt und mühelos 
mehrmals täglich die Treppen steigt und stundenlange Spaziergänge unternimmt. 

Letzter Bericht im Februar 1913: gleiches Wohlbefinden. 

Angina pectoris. Patient K. Im Juli 1909 trat plötzlich auf der Straße der 
erste Anfall von Angina pectoris auf, mit nachfolgendem Blutspucken (Embolie). 
Die Anfälle wiederholten sich, allmählich an Intensität zunehmend. Die letzten 
Anfälle, das Leben bedrohend, traten allnächtlich auf, dauerten 1 V« Stunden und 
machten zahlreiche Kampferinjektionen notwendig. Trotz Digalendarreichung 
Wiederkehr der Anfälle, die durch Nitroglyzerin anscheinend gebessert wurden. In 
der Nacht vom 20. — 21. L 10 war ein besonders schwerer Anfall aufgetreten, von 
dem sich Patient so langsam erholte, daß er am 21. nachmittags nur mit Mühe zur 
ersten Diathermie-Behandlung transportiert werden konnte. Auf dem Transport 



Anwendung bei Zirkulationsa-krankungen. 121 

traten Beklemmungen auf» und Patient hatte, als er auf das Behandlungssofa gelegt 
wurde, starke Druckschmerzen über dem Stemum, nach dem linken Arm aus- 
strahlend, Angstgefühl und Atemnot. Aussehen sehr bleich, Puls klein, irregulär, 
Extremitäten kalt. 

Einleitung der Diathermiebehandlung am Herzen bewirkt sofortiges Auf- 
hören der subjektiven Beschwerden. Nach 10 — 15 Sekunden begann Patient tief 
zu atmen, das Angstgefühl machte einer äußerst wohltuenden Empfindung von 
Wärme und Erleichterung in der Brust Platz. Der Puls, der vorher kaum zu fühlen 
war, wurde voll und kräftig. Die Irregularität schwand, und Patient konnte nach 
dieser ersten Sitzung zum erstenmal seit 3 Wochen nicht nur die Nacht liegen 
bleiben, sondern schlief auch die ganze Nacht hindurch ohne Morphium. 

Die Sitzung wurde am nächsten Tage wiederholt und am 26. I. noch einmal. 
Am 2. imd 5. 11. weitere zwei Sitzungen; seitdem bis zum April 1911, wo ich die 
letzte Nachricht von dem Patienten erhielt, außer' leichten Beschwerden kein 
schwererer Anfall mehr aufgetreten. Patient konnte seiner Tätigkeit nachgehen 
und hat auch bis dahin die Behandlung nicht wieder aufzusuchen brauchen. 

Patient H., 13. III. 1911. 54 Jahre, leichte Erweiterung der Aorta, 
Koronarerscheinungen. Leichte Anfälle wechseln mit heftigen, Stemaldruck, 
Dispnoe. Linker Ventrikel vergrößert. Druck 120 — 130. Keine Ämschmerzen. Im 
Aniall einmal Aortengeräusch. Während des Anfalles Ameisenlaufen in den Extre- 
mitäten; Patient weint, klagt über furchtbare Scl^merzen in der Brust. Morphium 
hilft im AnfalL Seit fünf Monaten kann er nur sehr wenig gehen, muß alle Augen- 
blicke stehen bleiben wegen heftig auftretenden Drucktes in der Brust. Die Anfälle 
treten täglich in leichterer Form, alle 2 — 3 Tage in schwerer Form auf, so daß 
Morphium und Kampfer notwendig wird. 

Beginn der Behandlung am 13. IIL Am 15.: Seit der ersten Behandlung 
vollkommen beschwerdefrei. 

23.: Bisher vier Sitzungen. Befinden dauernd gut, bis heute nachmittag 
eine psychische Aufregimg einen leichten Anfall auslöste, der jedoch an Intensität 
weit hinter den anderen zurücksteht. Das Befinden war seitdem dauernd gut, 
bis auf einen leichten Anfall im Anschluß an psvchische Erregung. Am 1. V. Be- 
handlung abgebrochen, da Patient beschwerde&ei. Kann beliebig lange gehen. 
Im ganzen 19 Sitzungen. 

Anginapectoris. Frau K. 52 Jahre alt, seit 35 Jahren verheiratet, 3 lebende 
Kinder, 1 Abort, 1 Kind später gestorben. Patientin klagt seit mehreren Jahren 
über Schmerzen in der Brust, Druckgefühl und AngstgefühL Die Beschwerden 
treten anfallsweise auch nachtis auf, besonders aber, sobald sie sich körperlich an- 
strengt. Die Anfälle dauern Ya Stunde, danach besteht noch längere Zeit Schmerz 
in der Herzgegend. Beim Liegen auf der Seite schlafen die Arme leicht ein. Herz- 
töne rein und leise, leichte Verbreiterung nach rechts. Puls regelmäßig, klein; 
Druck niedrig, erhebliche Adipositas. 

Nach drei Sitzungen beaeutende Erleichterung. Nach 10 Sitzungen be- 
schwerdefrei entlassen. 

Bericht drei Monate später: Beschwerdefrei geblieben. Arbeitet wie früher. 
Fühlt sich gesund. 

Insufficientiacordis. Dr. P., 3. I. 11. Landarzt, gewohnt, große Touren 
auf dem Bad zu machen. In den letzten Monaten infolge anstrengender Praxis plötz- 
liches Auftreten von Insufficientia oordis, so daß er seinen Beruf unterbrechen 
mußte. Puls voll, manchmal gespannt, zeitweise fadenförmig. Druckgefühl auf 
der Brust, nach dem linken Arm ausstrahlend. Zeitweise das Oäühl des Aussetzens 
der Herztätigkeit. Allgemeines SchwächegefühL Häufige Angstempfiutidungen. 

Sitzungen am 3., 5., 9., 10., 17. Januar 1911. Nach den ersten zwei Sitzungen 
Druckbeschwerden behoben. Nach 5 Sitzungen Behandlung unterbrochen, da 
Patient vollkommen beschwerdefrei und frisch. 

10. VI. 11. Kommt ohne Beschwerden, um sich vor der Sommerreise noch 
einmal behandeln zu lassen. 15. Juli Bericht aus dem Gebirge: Vollkommenes 
Wohlbefinden, macht Touren von 4 — 6 Stunden ohne Beschwerden. 

Bericht Februar 1913: Dauernd frei von Beschwerden geblieben trotz an- 
strengender Landpraxis. 




]2'i K1ini*cbr Anwendung drr TUMtbaaäc. 

Kfironnrfiklnrove. Patient R.. 38 Jahre, 21. XU 08. Keine Lom. Inaomnie 
•Ht I9lf3. Hcleroaia coranMia incipen«. äfMcdkcbet AortengeiiHiBch. Lachte 
iTilntati'm nach recht«. Kein Albanien und SÖccbamai. BeklemmimgeD, Atemnot, 
HchlafInniKheit. 

Vinr Hitzar^ten »m 21-, 23v, 20. und 28. VolUconiinen beechwerdefra ent- 
lowien. Dilatation zurückgegangen, AoTtengeränscb vorbanden. Kein Druck 
auf i\pT Bruxt, kein« Atemnot, acbläft nachte gat. 

A ngi na pectorin. Hetr H., 65 Jahr, wit 37 Jobreo Terheiratet. Zwei er- 
WHi:hN'ric KiiKlcr, Frau Htarb an Lenkimie. L«bt viel im Freien, ist immer gesnod 

«IWCJiPtl. 

Vor (Irri Jährten wurde Herzerweiterung konstatiert nnd eine Knr in Nauheim 
gebraucht. Kcitdem war er gesund gewcHcn, bis vor 6 Monaten in den Füfien (in 
<len H(ibl«n, Hocken und in den Knien) Schmerzen auftraten. Sie wurden zunächst 
alu PlattfuDbcwch werden gedeutet. Einlagen halfen nichts, vielmehr wurden die 
ßerehwerden immer heftiger. Beim Gehen steigen die Schmerzen aufwarte, angeblich 
bin in die Magnngegcnd; nach und nach noch weiter steigend, werden sie jetzt 
bin in die Mitt^^ der foust, «eltcncr nach dem linken Arm zu geklagt, etr^ilen 
jedoch auch in den Arm hinein 
bis in die Handgelenksgegeod. 
Nach Anstrengung tritt Herz- 
klopfen auf, und die Schmerzen 
in den Handgelenken werden 
stärker. Der Patient lokalisiert 
sie in der Radialarterie, Wenn 
das Herzklopfen stärker wini, 
treten auch leicht« Schwindel- 
anfälle auf. Der Zustand dep 
Patienten gestattet ihm nur, 
etwa 10 Minuten sehr langsam 
auf ebenem Wege zu gehen. 
Dann tritt aber schon Schmerz 
auf. und er muQ stehen bleiben. 
Nach 2 Minuten kann ei mit 
sehr großer Vorsicht tangsam 
weitergehen. Es treten beim 
Gehen häufig Schmerzen in den 
bei Anstrengungen leicht Kute- 
ird sehr unangenehm empfunden. 
l'/i Flasche leichten Moselweins), 
mdem Milch. 

I von Arterienverkalkung, der sich 
entwickelte zu voriibergehender 
^en, leichter Angina pectcris und 

l>ir Hnchfroquenzapplikation wurde zunächst wegen der unangenehmen 
Bi-schwprdon in der Brust auf das Her« hin gerichtet Später wurde die periphere 
Zirkulation und auch dor Kopf in Behandlung genommen. Koch der ersten Sitzung 
trat Ix^t« «rbeblichc suhjektii-e Besserung ein. Patient war zwei Tage ohne 
IV'>chwi>rdiii. 

Nai'h dor vierten Sitzung bt er 1 '/■ Stunde, allerdings langsam, gegangen. 

Nach der nounten Sitzung beatoht nur noch frequenter Puls. 

Wh 13 Sitzungen entlassen. (& Abb. 67. 6a) 

Kr geh« zwei Stunden ohne Beschwerden und fühlt sich vollkommen geBnod. 
Zvvi MiHiate spül^r Berieht gleichen WohlbefiiMteus. 

Ist in Verfolg der Zirknlationsetöfungen eine Schädigung der 
HorKninsknlKtur einpelreteii, so kann trott günstiger Be^nfluseim^ 
der /irkiilHtionsv-^rhültiiisäe in» Koronargebiet das Weiterbestehen der 
<>lijekii\Tn tntd subjefctixien Beaeh«^rden beobaehtet werden. Inwie- 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 123 

-weit eine lange protrahierte oder in Intervallen öfter wiederholte Dia- 
thermiebehandhing allmählich zur Regeneration defekter Gewebs- 
abschnitte führen kann, hängt von den Besonderheiten des einzelnen 
Falles ab. 

Sehr schwer von den geschilderten Koronarbeschwerden zu trennen, 
auch mittels des Elektrokardiogramms, sind gewisse nervöse funktio- 
nelle Herzstörungen, die klinisch unter dem gleichen Bilde der 
anatomischen Läsionen auftreten. Bei der nervösen Angina pec- 
toris (vaso motoria) klagen die Patienten über Angst-und Ö^pressions- 
zustände, müssen stehen bleiben wenn sie wenige Schritte gegangen 
sind, und besonders spielt der Füllungszustand des Magens imd Dick- 
darms eine Rolle. Auch von der Zeit der Nahrungsaufnahme ßind sie 
abhängig, z. B. ist es ihnen des Morgens selbst nach einem leichten Früh- 
stück unmöglich, ohne erhebliche Beschwerden kleine Anstrengungen 
•zu ertragen, während sie wesentlich größere Leistungen nach einer viel 
reichlicheren Mittagsmahlzeit vollbringen und, ohne ein erstes Früh- 
stück einzunehmen, ebenfalls beschwerdefrei gehen. Solche Fälle geben 
^ine schlechte Prognose für die diathermische Behandlung. Es ist frag- 
lich, von wo aus dieser Symptomenkomplex ausgelöst wird. Es ist 
möglich, daß der Vagus dabei eine wesentliche Rolle spielt. Auch die 
sympathischen Bauchganglien und Spasmen des Zwerchfells können 
hierbei mitwirken. Ebenso lassen sich zerebrale Funktionsstörungen, 
Neurasthenie und Hypochondrie inkulpieren. Kurzum, es ist mir bisher 
nicht gelungen, für derartige Fälle den Angriffspunkt einer wirksamen 
Therapie zu finden. Demgegenüber ist hervorzuheben, daß die wirklich 
-auf Zirkulationsstönmgen beruhenden Erkrankungen des Herzmuskels 
■eine fast durchweg gute Prognose ergeben. So habe ich auch in schweren 
Fällen von Angina pectoris vera von lebenbedrohendem Charakter 
sehr deutliche Erfolge gesehen (z. B. Krankengeschichte S. 120, Pa- 
tient K.). 

Gerade aus der Erfolglosigkeit bei manchen nervösen Herzleiden 
nnd der deutlichen Wirkimg bei den funktionellen imd anatomischen 
Störungen kann man ersehen, daß die Diathermie keine Suggestions- 
therapie ist. 

Ich komme nunmehr zu dem Gebiet der Aortenaneurysmen. 
In einer Anzahl von Fällen von Koronarsklerose, in denen trotz un- 
zweifelhaft anatomisch bedingter Störungen keine Besserung gesehen 
werden konnte, stellte sich nach längerer Beobachtung heraus, daß ein 
Aneurysma in der Bildung begriffen war. Wenngleich ich in allen Fällen 
von Aneurysma die auf diesem beruhenden Beschwerden, Schmerz 

Anmerkung: 

Ich verzichte in den bisher beschriebenen Kategorien von Krankheiten 
«owie bei allen anderen Zirkulationsstörungen auf eine statistische Bewertung 
4er Zahl nach. Denn gerade auf diesen höchst komplizierten Grebieten besagt die 
Angabe, daß in soundso vielen Fällen Besserung eingetreten sei oder nicht, der 
Blutdruck gestiegen oder gefallen sei, gar nichts, da die einzelnen Fälle inkommen- 
surabel sind. Es scheint viel richtiger^ die einzelnen Kategorien diurch einige 
Krankheitsgeschichten zu belegen, aus deren Lektüre die Beiuteilung des einzelnen 
Falles und der Wirksamkeit der Methode wesentlich maßgeblicher hervorgeht. 



124 Kliniflche Anwendung da- Diathermie. 

in der Stemalgegend, Druckempfindlichkeit, AngBtgefühl während der 
Dauer der Behandlung in leichteren Fällen vollständig, in ganz schweren 
Fällen bis auf geringe Beste verschwinden sah, trat nach Aussetzen 
der Behandlung schon nach relativ kurzer Zeit (1—4 Wochen) das 
Wiedereinsetzen der alten Beschwerden auf. 

Aneurysma Aortae. Herr B., 56 Jahre. 9. 11. 09 bis 23. Ü. 09. Hoch- 
ffradiffes Aneurysma mit vollkommener Usur des oberen Teils des Stemums tmd 
bl&uliohroter, pulsierender Verwölbung dicht unter der Naut, unterhalb des rechten 
Stemoklavikulargelenks. Das Aneurysma nimmt nach dem Böntgenbild die 
QröOe eines Kinderkopfes ein. Die Beschwerden des Patienten sind aufierordent- 
lich quälend. Er hat dauernd heftige Schmerzen im ganzen Oberteil der Brust» 
häufig Schwindel, Ohnmachtsanfälle, Beklemmungen tmd Angstzustände, so daß 
er dauernd Morphium nimmt und keinen Tag ohne Morphium und andere Anal- 
getika auskommt. Die Behandlung mittels Diathermie ergab schon nach der 
ersten Sitzung eine so wesentliche Besserung der subjektiven Beschwerden, daß 
Patient während der ganzen Dauer der Behandlung (drei Wochen) ohne jedes 
Narkotikum oder Analgetikum mtUielos auskam. I^r objektive Befund bleibt, 
was Ausdehnung des Aneurysmas, Pulsation, Herzgröße usw. anging, vollständig 
unverändert, und 8 Tage nach Unterbrechung der Kur und der Abreise des Patienten 
stellen sich allmählich die früheren Beschwerden wieder ein. 

• 

Ich kann mein Urteil bezüglich der Aneurysmen dahin zusammen- 
fassen, daß die Diathermie sich durchaus wirksam bezüglich der sub- 
jektiven Beschwerden hierbei erweist, selbst in ganz schweren Fällen, 
daß aber eine dauernde Wirkung hierbei nicht erzielt werden konnte. 
Insbesondere sind diejenigen Fälle von Koronarbeschwerden, die er- 
weislich organischer Natur sind, sich aber auf Diathermiebehandlung 
wenig oder nur vorübergehend bessern, stets auf beginnendes Aneurysma 
verdächtig. 

Wenden wir uns nunmehr zur Besprechung der Wirkimg der Dia- 
thermie auf das periphere Gefäßsystem. Hierbei spielt die Frage 
der Erhöhung oder Erniedrigung des Blutdrucks eine sehr erhebliche 
Bolle. Ich muß daher, um dieses viel umstrittene Thema diskutabel 
zu machen, zunächst festlegen, nach welchen Kriterien im folgenden 
die Blutdruckverhältnisse beurteilt werden sollen. 

Hengröße, Herztonus, peripherer Qefäßtonus sind relative Begriffe. Es kann 
bei einem ganz Gesunden infolge einer hochgradigen Anstrengung oder eines 
peyohiBchen Insultes eine Herzdilatation mit Erschlaffung des peripheren Gefäß- 
systems zu einer erheblichen Blutdrucksenkung führen, die mehr oder weniger 
vorübergehender Natur, aber doch während einer gewissen Zeit nachweisbar sein 
wird. Andererseits können infolge der gleichen oder irgendwelcher anderen ür« 
Sachen Schwaokungen nach der entgegengesetzten Richtung auftreten. Auch 
toxische Einwirkungen können einmalig oder wiederholt Beeinflussungen des Blut- 
druckes erzeugen. Mn großes Kontingent zu diesen Fällen stellen Neurastheniker 
mit labilem Yasomotorensvstem. In allen diesen Fällen handelt es sich aber um 
vorübergehende funktionelle Störungen, und b&i wiederholten Untersuchungen 
EU verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Lagen, unter verschiedenen Bedingungen 
werden wir das unregelmäßige und funktionelle Wesen erkennen. Solche FäUe 
scheiden aus unserer Betrachtungsweise wegen zu großer Kompliziertheit in der 
Beurteilung an dieser Stelle aus. Andererseits können aba: auch anatomisch be- 
gründete Anomalien des Gefößsystems an irgendeine Stelle oder in seiner Gesamt- 
heit oder in größeren Abschnitten Veränderungen der Pressi(m veursachen, die 
eb^ifalls nicht konstant zu sein brauchen, und deren Beurteilung ebenso erschwert 
ist» Wenn von manchen Autoren verlangt wird, man solle jeden Freuten, über 
dessen Zustand man sich ein Urteil verschaffen will, erst mindestens eine halbe 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 125 

Stunde ruhen lassen, ehe man den Blutdruck als konstant annimmt, so ist das ein 
Desiderat, welches bei wissenschaftlichen Untersuchungen zu erfüllen zweckmäßig 
ist; es kann gelegentlich einige Male durchgeführt werden, ist in der Praxis jedoch 
undurchführbar. Es gibt jedoch auch gar keine Gewähr dafür, daß nun wirklich 
ein Gleiohgewichtsstatus erreicht worden ist. Vielmehr kam! gerade in der nächsten 
Minute eine tmerwartete Schwankung auftreten. Die psychische Beeinflussung 
des Patienten durch die bevorstehende Therapie oder durch die Einleitung derselben 
kann eine Bolle spielen, kurzum, die sorgfältigsten Vorsichtsmaßregeln können 
illusorisch werden. Aus diesen Gründen kann mitunter eine Krankengeschichte 
trotz kurzer Beobachtung des Blutdrucks für den Erfolg oder Nichterfolg einer 
Therapie beweisend sein, während andere trotz der sorgfältigsten Kautelen keine 
Küokschlüsse gestatten. Unter diesen Voraussetzungen muß ich es dem Leser 
überlassen, ob er die im folgenden angeführten Krankengeschichten im einzelnen 
Fall als genügend beweisend betrachten will oder nicht. Ich habe mich bemüht, 
nur solche auszuwählen, bei denen der objektive Befund, das Alter des Patienten 
und sonstige Momente den Wert der Messungen als maßgebend erscheinen lassen 
dürfte. 

Man sieht aus diesen Fällen, daß wir in der Diathermie in geeigneter An- 
wendungsweise ein Mittel besitzen, um den Blutdruck in gewünschter Weise zu 
beeinflussen. 

Es ergibt sich nun die Frage, ob wir überhaupt den Blutdruck herabzusetzen 
oder zu steigern uns bemühen sollen. In der Tat können wir den Blutdruck nicht 
als ein losgelöstes Symptom für sich betrachten, sondern er stellt in vieler Beziehung 
das Resultat der funktionellen Anpassung motorischer Triebkräfte imd peripherer 
Widerstände vor.- Wenn wir auch anerkennen, daß die Erhöhung des Druckes 
z. B. zur Überwindung vergrößerter peripherer Widerstände notwendig und somit 
als eine Begulations- oder Abwehrvorrichtung zu betrachten ist, so ist es doch 
hinfällig, daraus herleiten zu wollen, daß wir nun dieses Symptom nicht bekämpfen 
dürfen. Erstens habe ich oben betont, daß die Aufgabe jeder zielbewußten Therapie, 
ganz besonders bei der energisch lokal wirkenden Diathermiemethode, sein muß, die 
Krankheiten ätiologisch anzugreifen, den Sitz des primären Übels festzustellen 
imd auf dieses den Angriffspucükt der Therapie zu verlegen. Gelingt es uns im einen 
Fall, durch Diathermie der Kiere die Zirkulationsbedingungen in ihr zu bessern 
und dadurch den Widerstand, den sie der Blutpassage direkt oder durch Retention 
toxischer Stoffe bietet, zu heben, somit die Ursache des Hohen Blutdrucks zu 
beseitigen, so haben wir dieser Forderung genügt. Auf die Möglichkeit derartiger 
Beeinflussung werde ich weiter unten bei der Besprechimg der einzelnen Er- 
krankungen eingehen. Ich erinnere an dieser Stelle nur noch an das vorstehend 
über die Myokarditis Gesagte, wo ebenfalls eine lokale Beeinflussung des Herz- 
muskels im Sinne einer Tonisierung den Blutdruck im Aortensystem steigern, 
gleichzeitig ihn durch Verminderung der Stauung im PulmonaLsystem dort ver- 
ringern kann. Wir können also durch dieselbe lokale Beeinflussung des Herzmuskels 
eine Steigerung und Herabsetzimg des Blutdrucks gleichzeitig oder nebenein- 
ander bewirken. 

Femer zugegeben, daß die Regulations- imd Abwehrvorrichtung, die sich 
z. B. in der Erhöhung des Blutdrucks zeigt, eine zweckmäßige ist, so ist damit 
noch nicht gesagt, daß ihr Grad das Optimum für das Individuum stets darstellt. 
So sehen wir in der Physiologie und in der Pathologie nicht selten, daß die Aus- 
lösung eines reflektorischen Vorganges durchaus nicht stets zum Besten des be- 
treffenden Individuums ausschlägt, weil gewissermaßen die Natur über das Ziel 
hinausschießt. So sind z. B. Krampfwehen bei mechanischer Geburtsbehinderung 
(Querlage) als ein durchaus zweckmäßiges Mittel zu betrachten, mit Gewalt das 
Hindernis zu beseitigen. Andererseits sind sie vollkommen fruchtlos und bergen 
die schwerste Gefahr für die Kreißende in sich, nämlich Steigerung des intrauterinen 
Druckes bis zur Ruptur. So kann z. B. auch bei einer Schrumpf niere ein gesteigerter 
Blutdruck reflektorisch ausgelöst sein, ohne daß dieser imstande ist, die gestörte 
Funktion wiederherzustell^i. Andererseits aber bedeutet der stark erhöhte Blut- 
druck wiederum für den Gesamtorganismus eine große Gefahr und kann an sich 
zu viel schwereren momentanen Schädigungen führen, als sie die Schrumpfniere 
vielleicht erst späterhin im Gefolge haben würde. Wir sind also selbst bei Aner- 



126 Klinische Anwendung der Diathearmie. 

kennung der Zweckmäßigkeit der Blutdrucksteigerung in gewissen Fällen docfis 
berechtigt, diese Steigerung im Sinne einer Begrenzung gegenüber einem Übermaße 
sowohl wie auch im Sinne eines Schutzes des Organismus vor unnötiger Gefahr- 
weiterer Schädigung zu bekämpfen, besonders wenn wir gleichzeitig in der Lage 
sind, mit derselben Therapie auch das auslösende ätiologische Moment zu beein- 
flussen. Wenn wir etwa <fie drohende Gefahr der Apoplexie bei einem Patientem 
mit Schrumpfniere imd einem Maximaldruck von 250 mm imminent sehen, so sind' 
wir durchaiis berechtigt, zimächst eine Herabsetzung des Blutdruckes und unmittel- 
bar danach eine Beeinflussimg der Schrumpfniere zu versuchen. 

Bezüglich der Art der stattfindenden Blutdruckemiedrigung ergibt 
sich übereinstimmend nach den Beobachtungen der meisten Autoren^ 
daß die Senkung des maximalen Blutdruckes bei geeigi^eter Applika- 
tionsweise mittels der Diathermie wohl stets gelingt. Ob diese Wirkung 
eine vorübergehende oder dauernde ist, hängt von den einzelnen Um-^ 
ständen des Falles ab. Besäßen wir in der Diathermie nur ein Mittel,, 
das reine Symptom der Blutdrucksteigerung zu beeinflussen, so würden 
wir in den wenigsten Fällen mit einer dauernden Wirkung zu rechnen 
haben, da ja der hohe Blutdruck irgendwo im Körper seine Ursache 
hat. Ist die Ursache aber eine solche, daß wir sie therapeutisch in irgend- 
einer Weise, sei es medikamentös oder physikalisch, beseitigen können,, 
so werden wir durch Erreichung dieses ursächlichen Kurerfolges auch 
einen Dauererfolg der druckherabsetzenden Therapie erzielen können. 
Gelingt dies nicht, so ist es einleuchtend, daß einerseits die therapeutische 
Blutdrucksenkung nur eine vorübergehende sein wird, andererseits die 
subjektive und objektive Besserung des durch die ursprüngliche Er- 
krankung bedingten Symptomkomplexes ausbleiben wird. Hiemach 
erklären sich die ungünstigen Resultate der Beeinflussung der Symptome 
des Aortenaneurysmas. Das Aneurysma als solches kann nicht ver- 
mittels der inneren leichten Durchwärmung durch Diathermie zurück -^ 
gebildet werden. Es werden nur infolge der Tonisierung des Herz- 
muskels, auch der Tonisierung der geschädigten Aortenwand, momentan 
einige subjektive Beschwerden, Schmerz, Oppressionen, Schlaflosig^ 
keit, Zirkulationsbehinderung, beseitigt, kehren aber nach Aussetzen 
der Behandlung in kürzester Zeit wieder zurück. Bei der Koronar- 
Sklerose dagegen, wo wir durch die Diathermie eine ätiologische Thera- 
pie treiben, indem wir die Zirkulation innerhalb des geschädigten Herz- 
muskels regulieren, ja, vielleicht durch Eröffnung von Kollateral- 
bahnen (Kapillarsystem) heilen, haben wir nicht nur vorzügliche mo- 
mentane therapeutische Erfolge, sondern auch ebenso gute Dauer- 
resultate. 

In vielen der zur Beobachtung kommenden Fällen hohen Blut- 
drucks bezieht sich diese Steigerung im wesentlichen auf den Maximal- 
blutdruck, während der minimale nur wenig erhöht oder normal ist. 
Die tonische Gefäßstarre ist ganz besonders dem Einfluß der Diathermie 
zugänglich. Wir sehen nicht selten nach einzelnen oder einer Reihe von 
Sitzungen den Maximalblutdruck gewissermaßen lytisch mit mehr oder 
weniger großen Sprüngen fallen, während der minimale Druck keine 
oder nur geringe Schwankungen nach unten aufweist. Ja, in einzelnen 
Fällen zeigt sich auch ein Sinken des maximalen und Steigen des mini- 



Anwendung bei ZirkulationSOTkrankungen 



127 



malen Dnickee. Wir sehen aber noch mehr aus diesen Kurven. Es 
zeigt sich nicht nur, daß die (fäleohlich) sog. „Amplitude" des maximalEn 
oder minimalen Druckes oder Druckechwankungsbreite relativ ver- 
kleinert wird, d. h. daß ihie Werte sich nahem, sondern wir sehen 
auch gleichzeitig die Amplitude der einzelnen Puls wellen steigen 
(Abb. 69-77). 



Abb. 69. Vor ft'handlung. 



Abb. 71. Vor Behandlung. 



Abb. 70. Nach Behandlung. 

Tabelle 



Abb. 72. Nach Behandlung. 



V. 






202 



94 



So zeigen in der vorstehenden Tabelle, in der einige Fälle von 
exzessiv hohem Blutdruck zusammengestellt sind, die Differenzen der 
Druckschivankungsbreit«n zwischen maximalem und minimalem Druck 
erhebUche Verringerungen. Interessant ist, daß in Fall 2 z. B. un- 
mittelbar nach der ersten Sitzung der Blutdruck um 28 mm herab- 
gegangen war, und daß trotz weiteren Sinkens während der nächsten 
Behandlungen doch die Differenz zwischen maximalem und minimalem 
Blutdruck konstant blieb. 

Mit großer Regelmäßigkeit sieht man nach der Diathermiebehand- 
tung die Amplituden des Radialpulsee wesentlich sich verbessern. So 
war z. B. in dem Fall der nachstehend abgebildeten Kurven {Abb. 79 
bis 82) vor Beginn der Behandlung bei keinem Druck in der Manschette 



128 



Kliniache Anwendung der Diathermie. 



ein gutes Pulsbild erhältlich. Während bei 80 mm die Diastole vor der 
Behandlung größtenteils aU ein horizontaler Strich erscheint, ist bei 
. 100 TtiTn Manachettendruek die Andeutung eines dinstoliscben I>nickes 
vorbanden. Nach der Bebandlmig sieht man bei 80 mm einen voll- 
kommen normal ausgeprägten Badialpuls, imd auch bei 100 mm ist 
noch eine gute Amplitude und deutUche Zeichnung in der Diastole 
erkennbar. 

Das gleiche gilt für die Pulskurven beim äußeren Druck von 90 mm 
<Abb. 71, 72). 



Abb. 73. Vor Behandlnng. 

Maximaler Druck 250 mm Hg. 

Auch im Falle D. ist der niedrige gystoUsche Druck luid die nur an- 
gedeutete iEUastizitäteelevation vor der Behandlung gegenüber dem 
entsprechenden Kurventeil nach der Behandlung außer der wesent- 
lichen Veigrößerung der Amplitude bei 80 und bei 100 mm deutUch 
erkennbar (Abb. 79—82). 

Ganz besonders deutlich geht der Einfluß der Therapie aus den 
Kurven 75—77 hervor. Die entsprechenden untereinander angeord- 



Abb. 75. 
Vor Behandlnng. 



Abb. 76. 
Während Behandlung. 



Abb. 77. 
Na«h Behandlung. 



neten Kurvenabschnitte lassen die allmähhcbe Verbesserung der Radikal- 
kurve im Laufe der Behandlung deutlich erkennen. Diese objektiven 
Veränderungen der Pulsturve, die sich mit subjektiven kUnischen Ver- 
besserungen decken, beweisen eine Verbesserung der Elastizi täte Ver- 
hältnisse des Arterienr obres. Da wir es in den ausgewählten Fällen 
auBBchheßlich mit so hochgradiger Arterienverkalkung zu tun haben, 
daß man klinisch von vollkommen starrem Arterienrohre sprechen muß, 
so werfen diese Beobachtungen einer Elastizitätszunahme noch ein 
neues Licht nicht nur auf die Beurteilung der Wirkung von Gefäß- 
einlagenmgen in der Gefäßwand, sondern auch auf die Kurabilität 
■der Arterio^erose. Die klinischen Erfolge der Hochfrequenzbehand- 
lung, ganz besonders der aktiven Form der Diathermie, lassen, das 
wird auch vielfach in der literatur bestätigt, die Erscheinungen be- 
ginnender Arterienverkalkung auf Jahre hinaus unterdrücken, und es 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 129 

ist nicht von der Hand zu weisen, daß auch vorgeschrittene Arterio- 
sklerotiker, wie ich z. B. seit 1907 unter Hochfrequenzbehandlung be- 
obachte, nicht nur keinen Fortschritt objektiv kontrollierbarer arterio- 
sklerotischer Veränderungen zeigen, sondern eine unverkennbare Besse- 
rung ihres Zustandes aufweisen, und das verdanken wir ausschließhch 
den Effekten der Piathermie, die wir in ihrer Wirkung auf das periphere 
Gefäßsystem ein wenig näher betrachten wollen. Wir müssen ims 
allerdings hierbei auf das Gebiet der Hypothese begeben. Aber bei 
der Durchsicht der Literatur finden wir auch in fast allen anderen dies- 
bezüglichen Betrachtungen schließlich nur Hypothetisches. 

Wir haben im physiologischen Versuch und in der kUnischen Beobachtung 
die dekongestionierende Wirkung als Faktum kennen gelernt. Die Hypothese 
Huchards, daß ein Etat presclereux existiert, der dadurch charakterisiert ist, 
daß ohne anatomische Läsionen irgendwelcher Art ein Zustand der Hypertension 
sich in gewissem Alter, bzw. unter dem Einfluß von Noxen oder Giften verschiedener 
Art ausbildet und als Vorstufe der Arteriosklerose anzusehen ist, hat sich zwar 
in Deutschland nicht allgemeine Anerkennung verschaffen können. Indessen 
hat diese Hypothese doch sehr vieles für sich. Denn ein jeder kennt die Be- 
schwerden vorübergehender Natm-, die als gelegentlicher Kopfdruck, Wallung und 
ähnliches geklagt werden, ohne daß die genaueste klinische und funktionelle Unter- 
suchung irgendeine andere Anomahe aufdeckt als einen dauernd erhöhten Blutdruck. 
Diese Erhöhung braucht gar nicht hochgradig zu sein. Schon der dauernde Befund 
eines maximalen Druckes von 160 — 180 mm ist die einzige objektive Basis dieser 
Beschwerden, die wir finden können. Vielfach werden solche Patienten mit der 
Diagnose „Neiu'asthenie" zugeschickt. Indessen scheint es diirchaus berechtigt, 
sie vielmehr in die Kategorie des „Etat presclereux" von Huchard zu rangieren, 
wenigstens soweit es Menschen in der Mitte des 4. Lebensdezenniums und darüber 
betriöt. Entsprechen wir unserer stets betonten Aufgabe, vor Applikation von 
Hochfrequenzströmen den Ort der ursächhchen Erkrankung festzustellen, so 
stoßen wir hierbei auf die größte Schwierigkeit. Denn weder zerebral noch in der 
Zirkulation noch in der Niere können wir einen Angriffspunkt für unsere Therapie 
entdecken. 

Wenn wir aber imstande sind, durch imsere therapeutischen Ein- 
griffe die Zirkulationsbedingungen in der Gefäßwand selbst zu ver- 
bessern, dadurch, daß wir zunächst, wenigstens vorübergehend, den 
inneren Gefäßdruck bezüglich der Arterienwand herabsetzen, wenn wir 
femer die tonisierende Wirkung der Hochfrequenzströme auf die Zell- 
funktion gleichzeitig zu Hilfe nehmen, so werden uns die vielleicht sonst 
rätselhaften und unerklärhchen subjektiven und objektiven Besse- 
rungen der Arteriosklerose und sklerotischen Störungen plausibel er- 
scheinen. Die verschiedenen Resultate der Diathermieeinwirkung lassen 
sich hiermit recht gut in Einklang bringen. Daß wir bei gewisser Tech- 
nik der Applikation gerade eine fast isoliert erscheinende Wirkung auf 
die Blutzirkulation sehen, findet seine Erklärung zum Teil in den eigen^ 
tümlichen, oben beschriebenen Leitungsbedingungen der Hochfrequenz- 
ströme im Körper. Die Bevorzugung der Blutbahn für die Leitung der 
Hochfrequenzströme bedeutet zunächst eine direkte Kontaktwirkimg 
aus dem strömenden Blut auf die Gefäßwand selbst. Von der Wirkung 
auf die diese zusammensetzenden Zellen läßt sich nicht diejenige auf 
die in ihnen reichlich verzweigten Fasern sjmipathischer Nerven trennen. 
Es ist nicht imwahrsoheinlich, daß die diesen Fasern fehlenden Mark- 
.«cheiden sie für den leichteren Übergang der Hochfrequenzströme 

X a g e 1 8 c h m i d t , Diathermie. 2. Aufl. 9 



130 Kliniache Anwendung der Diathermie. 

gegenüber den anderen Kervenfasem zugänglicher machen. Jede nf alle 
scheint es außer Zweifel, daß eine Beeinflussung gerade des 
aympathisohen Nervensystems eine regelmäßige Erschei- 
nung der Hoohfrequenzapplikationen ist. Die anatomische 
Struktur und die günstige I^ge desselben in den Gefäfiwänden be- 
günstigen dieses. Wir werden später bei der Besprechung der Tabes 
noch einmal auf diesen Punkt einzugehen haben. 

Sehen wir nach lokaler Anwendung der Hochfrequenzapplikation, 
ebenso wie nach allgemeiner, plötzUclien Schweißausbnich lokal oder 
allgemein auftreten, so reiht sich auch dieser Vorgang in unsere Be- 
trachtungsweise ein. Die Stimulierung der Zirkulation, die eiiiöbte 
Wärmezufuhr zum Organismus lösen teils direkt, teils reflektorisch die- 
jenige Funktion des sympathischen Nervensystems aus, welche zu- 
nächst als periphere lokale Vasodilatation die erhöhte SchweiQdrüsen- 
funktion ermöglicht. 

Als weitere häufige Folge *der Hochfrequenzapplikation finden 
wir, besonders bei großen Dosen, die Beschleunigung der Herztätigkeit, 
die auch wiederum als kompensatorischer Vorgang, als Abwehrmaßregel 
gegen die Wärmestauung aufzufassen ist und eine erhöhte Wärme- 
ausstrahlung an der Peripherie des Körpers sowie ^^rmebindung 
durch Verdunstung von der Lunge aus bewirkt. Hierbei tritt die ver- 
tiefende Wirkung auf die Atmung, bei hoher Dosierung auch die Be- 
schleunigung der Atmung mitwirkend in Aktion. Für die zum Teil 
nervöse Natur der Auslös ungs Vorgänge dieser Art spricht auch die 
g, daß eine Gewöhnung an die Diathermieeinwir* 
tt. Ich habe wiederholt eine lokale Gewöhnung gesehen, 
ektiver wie objektiver Art. Patienten, die anfänglich nur 
a vertrugen und schon frühzeitig über die große Wärme 
vöhnten sich in wenigen Sitzungen daran, mit denselben 
wesentlich intensivere Wärmeapplikationen auf der Haut 
Auch die lokale Reaktionshyperämie wurde bei man- 
iuen von Mal zu Mal schwächer und blieb schließlich bei 
Wohnung aus. Nur durch hermetischen Abschluß, d.h. 
igerung der normalen automatischen Wärmeverluste des 
r durch exzessive Stromsufuhr gelingt es, doch wieder jene 



iTMiicud wir bezüglich der galvanischen und faradischen, sinu- 
soidalen usw. Ströme noch heut« vollkommen im unklaren über ihre 
physiologische und ' therapeutische Wirkung bei Erkrankungen des 
Zirkulationsapparates sind, stehen wir nach dem bisher Gesagten be- 
zl^hoh der Hochfrequenzstrome wesentlich günstiger da. Die direkt^i 
Wirkungen sind, da wir es ja mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem 
einzigen und reinen Faktor der Wärme zu tun haben, experimentell 
und klinisch einfacher und der Beobachtung zugitoglich. Die durch- 
aus willküriiche Lokalisationsmöglichkeit dieser Stromart erleichtert 
das Experiment und die klinische Anwendung. 

Wir können aber nicht nnr den Blutdruck senken, sondern, wie 
oben besprochen, auch erhöhen; und zwar geschieht dies durch AppU- 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 131 

kation der Ströme nach zweierlei Prinzipien. Das eine Prinzip ist das 
der reinen Diathermie des Herzens, wobei wir im Falle eines niedrigen 
Blutdruckes infolge von Herabsetzimg des Herztonus durch direkte 
Tonisierung des Herzens eine kräftigere Eontraktion desselben mit nach- 
folgender Blutdrucksteigerung erzielen. Betrachtet man die Kurven 
imserer Kaninchen-, Hunde- und Katzenversuche, so sieht man daraus, 
daß nach Einschalten der Diathermie ziemlich prompt eine Steigerung 
des Karotisdruckes eintritt. Diese Steigenmg sehen wir auch beim 
Menschen und beobachten kräftigere Pulsschläge nach lokaler Dia- 
thermie des Herzens. Viel intensivere und nachhaltigere Drucksteige- 
rung erzielen wir aber, wenn wir Hautreize applizieren. Es ist bekannt, 
daß jeder Hautreiz den Blutdruck steigert. Nun besitzen wir in der 
Duschenentladung, die allerdings nur mittels Resonators oder hoher 
Diathermiespannungen möglich ist, in der Applikation von Funken sowie 
bei der gewöhnlichen Diathermie in der Verwendung von Kondensator- 
elektroden aus Glas die Möglichkeit, Hautreize vom leichtesten Wärme- 
gefühl bis zum intensivsten Stechen und Brennen zu erzeugen. Die 
faradischen Beizungen, die wir bei den Rumpf sehen Oszillations- 
entladungen^) vorwiegend appUzieren, erklären damit zur Gentige die 
drucksteigemde Wijrkung dieser Methode. Der von Bu mpf beobachtete 
Bückgang der Dilatation wurde von anderer Seite nicht bestätigt. 
Auch der Wärmereiz der reinen Diathermie kann, sobald er die 
Grenze des Schmerzhaften erreicht, zu einer deutlichen Druck- 
steigerung führen. Wir haben hiermit ein^ Richtschnur für die Be- 
stimmung der anzuwendenden Technik. Wenden wir bei einem Patienten 
mit hohem Blutdruck die sensibel reizenden Kondensator-, Duschen- 
oder Funkenentladimgen an, so liegt darin eine große Gefahr für den 
Patienten, imd wir können damit rechnen, daß unter Umständen in 
wenigen Tagen eine Apoplexie auftritt. Ganz besonders wirksam sind 
für die Drucksteigerung diese Applikationen am Abdomen und in der 
Nackengegend. Es ist zweckmäßig bei Applikationen dieser Art, für 
gute Lüftung Sorge zu tragen, da der bei der Kondensator- oder Duschen- 
applikation auftretende Ozongeruch die Patienten erheblich belästigen 
und gelegentlich zu Übelkeit, ja sogar trotz der Drucksteigerung zur 
Ohnmacht führen kann. In hypotonischen Fällen jedoch dürfen wir 
diese Applikationen ausgiebig vornehmen. Es tritt nicht selten nach 
kräftiger Anwendung, besonders bei empfindlicher Haut, d. h. bei 
labilem Vasomotorensystem, eine intensive Rötung der gesamten be- 
handelten Hautfläche auf, welche auch gelegentlich zu Quaddelbildimg 
führen kann. Es empfiehlt sich, im Falle einer derartig starken Reizimg, 
die mitunter stundenlang nach der Sitzung noch geklagt wird, Ein- 

^) Die Rumpf sehen oszillatorischen Ströme beruhen auf minimalen Hoch- 
frequenzentladungen eines Kondensators von ganz unregelmäßiger Kurve und 
verschwindender Energie. Diese Hoohfrequenzsohwingungen sind aber von nieder- 
frequenten Kondensatorentladungen eines Induktionsapparates überlagert. Ihre 
physiologische Wirkung ist entsprechend dem schmerznaften Charakter dieser 
Applikation eine blutdrucksteigemde, während der diathermische Effekt als 
sehr geringfügig in den Hintergrund tritt. Btimpf verwendet also ebenso, wie 
Morton dies tat, unabsichtlich auch Hochfrequenzschwingungen. 

9* 



132 Klinische Anwendung der Diathermie. - 

puderung mit Zinkpuder oder Amylum vornehmen zu lassen. Nur in 
sehr seltenen Ausnahmefällen ist die Beizung eine derartige gewesen, 
daß sie die Nachtruhe gestört hat imd Narkotika nötig machte. Dies 
tritt jedoch nur bei pathologischer Hyperästhesie auf. Die Fälle von 
pathologischer Blutdrucksenkung, die sich für die spezifische druck - 
steigernde Wirkung der Hochfrequenzströme eignen, sind im wesent- 
lichen diejenigen von hypotonischer Neurasthenie. Auch manche 
psychischen Depressionszustände und Herzneurosen eignen sich hierfür. 
Blutdruckherabsetzungen und Herzinsuffizienz durch Klappenfehler 
erfordern jedoch lokale Behandlung des Herzmuskels mit reiner Dia- 
thermie. 

Nach der Diathermie des Herzmuskels sowohl wie ganz besonders 
nach Applikation mittels der Handelektroden oder durch Wasser- 
elektroden sehen wir nicht selten einige Stunden nach der Sitzung ein 
Gefühl erheblicher Mattigkeit oder Ermüdung auftreten, während bei 
oder unmittelbar nach der Sitzung zunächst ein Gefühl der Erleichte- 
rung und des Wohlbehagens besteht. Deshalb empfehle ich stets den 
Patienten, unmittelbar nach der Sitzung 20 Minuten zu ruhen und sich 
im Anschluß daran zu Haus weiter 1—2 Stunden möglichst ruhig und 
in halb liegender Stellung zu verhalten. Ich habe den Eindruck, daß 
durch diese Vorschriften nicht nur dem Auftreten derartiger Ermüdung 
vorgebeugt wird, sondern daß auch die Nachhaltigkeit der Diathermie- 
wirkung erhöht wird, weil die dem Körper zugeführte fremde. Energie 
nicht sofort in Bewegungsenergie umgesetzt und verbraucht wird, 
sondern Zeit hat, sich in den Zellen und Säften des Körpers zu fixieren 
und in latente, chemisch disponible Energie überzugehen. Ganz be- 
sonders häufig tritt dieses Ermüdungsgefühl bei sehr alten Leuten mit 
hochgradiger Arteriosklerose auf und erfordert große Vorsicht seitens 
des Arztes. In manchen Fällen ist es wohl ohne Zweifel auf die intensive 
und plötzliche Druckemiedrigung im ganzen Gefäßsystem infolge 
der Diathermie zurückzuführen. Diese Druckemiedrigimg, die in 
einzelnen Fällen meiner Beobachtung nach einer Sitzung bis zu 80 mm 
betragen hat, kann bei unvorsichtiger und forcierter Anwendung auch 
einmal gelegentlich zu Kollaps führen. Ein solches Vorkommnis ist bei 
richtiger Dosienmg und vorsichtiger Auswahl der Fälle eine große 
Seltenheit und kann vermieden werden, wenn man es sich zur Regel 
macht, möglichst bei allen Patienten, sicherhch aber bei denen, die 
hochgradige Arteriosklerose haben, den Puls während der Applikation 
recht häufig zu prüfen. Im aUgemeinen wird ja, wie auch aus den Tier- 
versuchen hervorgeht, bei mäßigen Applikationen, so wie sie den üb- 
lichen therapeutischen Dosen entsprechen, keine nennenswerte Verände- 
nmg des Pulses beobachtet, nur wenn man die Sitzimg protrahiert 
oder die Stromstärke sehr intensiv macht, oder aber, wenn ein schneller 
Abfall des Blutdruckes eintritt, sieht man plötzlich während der Be- 
handlung die Pulszahl sich deutlich vermehren. Dies ist bei der thera- 
peutischen Anwendimg ein Zeichen, daß ein genügender Effekt erzielt 
ist, imd daß der sinkende Blutdruck und die Zufuhr von Wärme sich 
in einer reflektorischen Erhöhung der Schlagzahl des Herzens äußert. 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 133 

Tritt diese Pulsvermehrung auf, so muß man sofort die Sitzung sistieren, 
da sonst leicht Kollaps eintreten kann. Bei Anwendung dieser Vor- 
sichtsmaßregel habe ich seit dem Jahre 1907, wo ich das Auftreten eines 
Kollapses bei der Anwendung der Diathermie vom kleinen Solenoid 
eines D'Ajsonvalapparates aus beobachtete, keinen weiteren derartigen 
Fall gesehen. Überhaupt ist während der Applikation dauernde Kon- 
trolle von Seiten des Arztes durchaus wünschenswert, da die Diathermie 
zwar ein in den meisten Fällen unschädliches, aber wegen ihrer großen 
Wirksamkeit doch nicht indifferentes Verfahren darstellt. Die intensive 
und zum Teil entgegengesetzte Wirkung der Hochfrequenzströme, ins- 
besondere der Diathermie, auf den Blutdruck je nach der Applikations- 
art macht es notwendig, bevor man einen Patienten in Behandlung 
nimmt, sich über seinen diesbezüglichen Zustand zu informieren. Ich 
habe es mir daher von Anfang an zur Regel gemacht, stets eine genaue 
Kontrolle des Blutdruckes vor Beginn der Behandlung und während 
der Behandlungszeit in häufigeren Intervallen vorzunehmen. Ab- 
gesehen von den vorübergehenden und individuellen Schwankungen 
hat sich hierbei auch gezeigt, daß bei jedweden organischen oder hoch- 
gradigeren funktionellen Störungen ein ziemlich konstantes Verhalten 
des Blutdruckes besteht, während die ganz unregelmäßigen Befunde 
meist bei nervösen Individuen vorkommen. 

Nach einer Reihe von Sitzungen klagen besonders ältere Patienten 
über erhebliche Mattigkeit, großes Schlafbedürfnis, und daß die Ki^r 
sie anstrenge. Derartige Erscheinungen sind bei häufigeren Applika- 
tionen keine Seltenheit, aber ganz unbedenklich. Allerdings muß man 
sich mit der Dauer, Zahl der Sitzungen und den Pausen (behandlungs- 
freie Tage) danach richten. Junge, kräftigere Individuen können 3 bis 
6 mal wöchentlich behandelt werden, alte Leute nur 1—2 mal. Unter 
Berücksichtigung des sonstigen klinischen Zustandes sowie besonders 
des Blutdruckes, der nicht zu niedrig oder nicht zu schnell niedrig 
werden darf, wird man Schädigungen der Patienten vermeiden. 

Die Methodik der Blutdruckbestimmung ist infolge der größeren Ansprüche 
an Genauigkeit, Handlichkeit, Objektivität und Konservierungemöglichkeit der 
Resultate in den letzten Jahren wesenthch modifiziert worden. Während man 
sich früher damit begnügte, mittels des Riva Rocoi und einer schmalen Arm- 
manschette eine obedlächliche Feststellung des maximalen Blutdrucks vorzu- 
nehmen, wurde diese Methode durch Verwendung der breiten Recklinghaus en- 
schen Manschette und Ausübung der Auskultation wesenthch verfeinert, so daß 
nimmehr auch minimaler Blutdruck festzustellen war. Aber diese Methode erfordert 
viel Übimg und schheßt Fehlerquellen von annähernd 20 % in sich. Ein wesentlich 
besseres Resultat ergab das Recklinghausensche Instrument. Bei weitem am 
zuverlässigsten jedoch und seit neun Jahren ausschließlich von mir angewandt 
ist der üskoffsche Apparat, der den großen Vorzug hat, daß er zunächst auto- 
matisch registriert und damit die subjektiven Beobachtungsfehler ausschheßt. 
(Siehe Abb. 78.) Diese Registrierung ermöghcht eine genaue Betrachtung und 
Ausmessung des fixierten Kurvenbildes in aller Ruhe und die Aufbewahrung des 
Resultates für spätere Vergleiche oder Pubhkationen. Ein. weiterer großer Vorteil 
ist die Möghchkeit, das Pulsbild bei den verschiedensten Druckverhältnissen 
in der Manschette zu untersuchen und femer bei bestimmtem, gleichbleibendem 
Druck längere Sphygmogramme aufzunehmen. Der Apparat gestattet ohne 
weiteres auch die gleichzeitige Registrierung des Venenpulses, der Atmung oder 
des Herzstoßes und bietet somit diejenigen üntersuchungsmöglichkeiten, die wir 



j;^4 KlitÜM-he Anweitdiuig der Dikthennie. 

auch für komiiÜEii.Ttfre VirbältiuKBc, z. B. die Beurteilm)^ Ton £xtias;Bt(4en, 
bmötigcn. Auch Daucrkurreo von mehrerpD Metern Länge sind damit heiBtellbu. 
Die in dicM-in Bncb mitgeteilten Kurven von Patienten snd sämtlich mit diesem 
Apparat Bufgenomnu-n. 

Zahlreiche Vntereuchungen der Blutdruck verhältnißBe Itaben, wie 
ich schon 1907 betont habe, ergeben, daß der normale Blutdruck duich 
therapeutJHche Diathermierungen und HochfrequenzappUkatiouen, venu 
bie nicht in exzessiven Dosen verabreicht weiden, keine BeeinfliiBBUDg 
erfährt. Man sieht mitunter während der Applikationen minimale 



ADD. 10. apnjgmotonograpn von ubkoh. ^^immermaim, Lieipzig.j 

Steigerungen, die jedoch nach Abschluß eich schnell wieder ausgleichen, 
ohne irgendeine weit«re Reaktion auszulösen. Hing^en werden patho- 
logische Veränderungen der einen oder anderen Richtung, wie erwähnt, 
stark beeinflußt. 

Die lytische Herabsetzung des Blutdruckes, wie wir sie im Laufe 
einer Behandlungsserie nicht selten beobachten, ist nicht die einzige 
Reaktionsart derartiger pathologischer Zustände. Man sieht auch in 
einzelnen Fällen, besonders solchea mit sehr hobem Blutdruck und hoch- 
gradiger Verkalkung, auch bei myokarditi sehen Komplikationen und 
Klappenveränderungen gelegentlich einenJiri tischen Abfall. Ich habe 
auch bei Schrumpfniere bei gleichzeitiger Behandlung des Herzens 
und der Nieren in einer Sitzung gelegentlich kritische Abfälle gesehen, 
d. h. solche, bei denen nach einer einzigen Applikation Blutdrucksenkung 
um 50—80 mm auftrat. Die mehrjährige Beobachtung hat nun ergeben, 
daß in manchen Fallen die Datier der therapeutischen Normalisienmg 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 135 

des Blutdrucks von relativ kurzer Dauer ist, jedoch stets wieder auf 
neue Applikationen reagiert, und daß in anderen Fällen eine monate- 
und jahrelange Nachwirkung bei relativ seltenen und kurzen Behand- 
lungsserien vorhanden ist. 

In den Fällen, in denen die Blutdrucksteigerung das einzige prä- 
monitorische Sjmiptom der Arteriosklerose ist, besteht für mich kein 
Zweifel, daß wir mittels der Diathermie imstande sind, die Entstehung 
arteriosklerotischer anatomischer Veränderungen auf Jahre hinaus- 
zuschieben. Das Dogma von der Unheilbarkeit der Arteriosklerose be- 
darf einer unbedingten Revision. Es ist klar, daß niemand erwarten 
wird, daß hochgradige Kalkablagerungen in den Gefäßen der Rück- 
bildung fähig wären. Wenn^ wir aber imstande sind, durch Diathermie 
den Blutdruck der Norm zu nähern und die die Hypertension bedingen- 
den Paktoren (siehe Erkrankungen der Niere) in einer Reihe von Fällen 
zu bessern oder zu beseitigen, so darf man doch aus den mitgeteilten 
Krankengeschichten zum mindesten den klinischen Stillstand und die 
klinische Besserung anerkennen. Bezüglich der beginnenden Arterio- 
sklerose ist in einer Reihe von Fällen eine Verhinderung des Ausbruches 
schwerer Erscheinungen sowie vor allem auch ein Verschwinden der 
Initialsymptome klinisch nachweisbar. 

Arteriosklerose, 6tat pr6scl6reux. Patientin L., 20. VI. 10. Be- 
ginnende Arteriosklerose, 6tat pr6scl6reux. Einziges Symptom: hoher Blutdruck. 
Vom 20. VI. bis 30. VI. 9 Hochfrequenzsitzungen, während welcher der Blutdruck 
von 220 auf 140 heruntergegangen ist. Keine quälenden Erscheinungen oder son- 
stigen Beschwerden während der Kur. Die Behandlung wurde als äußerst wohl- 
tuend empfunden. 

Im Juli weitere vier Sitzungen. Seitdem, laut Bericht Ende 1912, voll- 
kommenes Wohlbefinden. 

Patient L., 15. XI. 10. Hoher Blutdruck, vier Sitzungen, Blutdruck 
von 210 auf 170 herabgegangen. 

Etat pr 6scl 6reu3c Patient E., Blutdruck 235, im JuH 1910 18 Sitzungen. 
Blutdruck auf 160 mm hinuntergesunken. 

Arteriosklerose. Patient N., 59 Jahre, 30. IX. 09. Beginnende Arterio- 
sklerose, leichte Leberschwellung, Gicht, kein IMabetes. Klagt über Kongestionen 
nach dem Kopfe, zyanotisches Aussehen, leichte Schwindelanfälle und Unfähig- 
keit zu gehen, wegen außerordentlich schneller Ermüdung. Blutdruck 210. 

Am 30. IX. und am 2. X. je eine Sitzung wegen eines leichten allgemeinen 
Pruritus. -— Danach Verschwinden der Beschwerden. 

3. Vn, 11. Stellt sich beschwerdefrei wieder vor: Blutdruck 165, keine 
Beklemmimgen, keine Atembeschwerden, kein Schwindel mehr seit Jahren. 
Zurzeit beschwerdefrei, kann gut laufen, drei Stunden und mehr. 

Zerebrale Arteriosklerose. Herr D., 60 Jahre. In der Jugend anä- 
misch, sonst stets gesund gewesen« Patient leidet seit einigen Jahren viel an 
Schwindel, Kopfdruck, Kongestionen, kann wenig gehen, taumelt im Zimmer, 
fühlt sich schwäch. Bei jeder Betätigung tritt sehr schnelle Ermüdung auf, be- 
sonders auch beim Lesen, so daß er seine Augen nur wenig gebrauchen kann. 

Das vor der Behandlung aufgenommene Sphygmogramm ergab einen 
Maximaldruck von 244 mm und einen Minimaldruck von 118, während nach der 
Behandlung der maximale zwischen 190 und 200 war und der minimale bei 108 
lag. Der Maximaldruck ist also erheblich heruntergegangen. Vergleicht man die 
Amplitude des Sphygmogramms bei 80 und 100 mm vor der Behandlung sowie bei 
80 und 100 mm nach der Behandlung, so sieht man, daß die Amplitude der ein- 
zelnen Pulskurven ganz wesentlich sich gebessert hat. Die Elastizitätselevation 
ist viel deutlicher ausgeprägt, und die Höhe der einzelnen Zacken läßt auf eine 



136 KliniBchp Anwendung der Diathermk-. 

w«Bentlich kräftigere Herzaktion, bxw. geringere periphere Hindemissr Bchließen. 
Dse SchUgvolumen ist verbessert. 

Eine dreiwöchentliche Disthermiebehandlung hat die Bescliwerden des 
Patienten ganz wesentlich gelindert. Schwindel, Kopfdmck sind geschwunden, 
der Gong ist sicher geworden, die Kraft« haben eich gehoben, er geht mehrere 
Stunden spazieren und erinijdet nicht mehr so leicht. Kongestionen und Ermüd- 
barkeit der Augen beim licsen sind noch, wenn auch in geringerem MaBe, vor- 
handen. Im ganzen int der Zustand subjektiv und objektiv wesentlich gebessert. 

Über die Arteriosklerose des GehimB werden wir bei der Behand- 
lung der Erkrankungen des Nervensystems sprechen. 

Nur auf ein Symptom, welches mitunter als nervös gedeutet, aber 
sehr häufig und konstant bei Arteriosklerotikem vorkommt, möcht« 
ich noch hinweisen; das ist die so bekannte Klage über kalte Hände 
und kalte Füße. Diese auf periphere Zirkulationssch wache zurückzu- 




Abb. 79. Vor Behandlung. Abb. 80. Vor Behandlung. 



Abb. 81. Nach Behandlung. Abb. 82. Nach Behandlung. 

führende Äffektion, die die Patienten erheblich belästigt, ihr Wohl- 
befinden beinträchtigt und nicht selten zu hypochondrischer Selbstbe- 
obachtung führt, wird in geradezu eklatanter Weise durch die Diather- 
miebehandlung beeinflußt. Es ist gar nichts Seltenes, daß von den 
ersten Sitzungen an das Gefühl der Wärme dauernd in den Estremitäten 
bestehen bleibt oder zum mindesten eine Reihe von Stunden anhält, 
um nach einigen Sitzungen zu einem dauernd angenehmen Wärme- 
gefühl zu führen. Daß die Beseitigung dieses Symptoms vom Patienten 
im allgemeinen nur als eine angenehme Lokalbesserung empfunden 
wird, ist jedoch nicht das einzige Besultat, sondern wir müssen viel- 
mehr annehmen, daß auch die allgemeine Zirkulation eine dahingehende 
Besserung erfährt, daß sie weit in die peripheren schwerer zu durch- 
strömenden Gebiete hinein ausreichend funktioniert. 

Die weitere Steigerung der Erschwerung der peripheren 
Zirkulation äußert sich in den bekannten Symptomen des Versagens 
der Bewegungsfunktionen in den Extremitäten. In leichten Fällen wird, 
besonders beim Übergang von Ruhe zur Bewegung, ein leichtes Span- 
nung«- oder Krampfgefühl in der Waden muskulatur geklagt. Unter- 
sucht man derartige scheinbar äußerst geringe Symptome darbietende 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 137 

Patienten, welche sich sonst körperlich völlig wohl befinden, sphygmo- 
graphisch, auf die Funktion der peripheren Körperarterien hin, so ent- 
deckt man nicht selten eine Differenz zwischen rechter und linker Extre- 
mität oder bei der Untersuchung höherer und tieferer Abschnitte an 
irgendeiner Stelle einen plötzlichen Übergang von normaler Pulskurve 
zu ungenügender Amplitude. 

Ein älterer Herr von 53 Jahren klagt darüber, daß er im Zimmer ganz gut 
gehen kann, nur wenn er auf der Straße schnell geht oder einen elektrischen Wagen 
erreichen will oder sonstwie sich ein wenig anstrengt, bekommt er ein krampf- 
haftes Spannungsgefühl und leichten Schmerz in der rechten Wade. Bleibt er 
kurze Zeit stehen, V2 ^^^ 1 Minute, so geht diese Störung vorüber, und er kann 
nun weiterhin ohne Beschwerden laufen. Hat er es einmal überwunden, so tritt 
auch bei längerer Bewegung wohl schUeßlich Ermüdung, aber keinerlei besondere 
Störung auf. Sonst fühlt sich Patient vollständig wohl. Die sphygmographische 
Untersuchung ergibt aber eine deuthche Verkleinerung der Amplitude der Puls- 
kurve, je nachdem man unter dem Knie oder oberhalb des Knöchels untersucht, 
während die linke Extremität normal ist. Die Untersuchung der Kadiahskurve 
des linken Armes ergibt eine Blutdrucksteigerung des maximalen Druckes auf 
190 mm. Derartige Fälle reagieren meist günstig auf wenige Diathermiesitzunger. 

Ein schwerer Fall z. B. ist der folgende: 

Arteriosklerose. Patient B., 23. XL 09, 65 Jahre. Verheiratet, erwachsene, 
gesunde Kinder. Seit 1898 Gehbeschwerden, „Als ob unter der Fußsohle ein 
Nagel säße'', dann allmählich Schmerzanfälle bis zu den Knöcheln und zu den 
Knien. In den Knien später Schwäche beim Grehen. Plötzhch muß er anfangen zu 
hinken. Die Anfälle treten nur beim Gehen auf, halten ca. V2 Stunde an; dabei 
besteht Kribbelgefühl, Eingeschlafensein des Fußes. Auch in den Händen und 
Armen mitunter leichte .^oifälle von Taubsein und juckerden, schmerzhaften 
Parästhesien, keine sonstigen Beschwerden. Appetit gut, Stuhlgang do. Zyanose 
der Extremitäten und des Gesichts. Puls hart, Aiterie läßt sich rollen. Puls läßt 
sich nicht leicht unterdrücken. 

Nach drei Sitzungen vollkommen beschwerdefrei. 

Patient kommt am 1. XII. 09 wieder zur Behandlung und erhält sechs 
Sitzungen, ohne daß inzwischen Beschwerden wieder aufgetreten sind. Er ist 
seitdem imstande gewesen, ein Rittergut zu verwalten und täghch 3 — 4 Stunden 
Märsche durch den Wald ohne Beschwerden zu machen. 

März 1910: 9 Sitzimgen ohne Beschwerden vor- und nachher. 

April: 10 Sitzungen. 

Februar 1911: 16 Sitzungen. 

März: 1 Sitzung. Seit Beginn der Behandlung November 1909 vollständig 
frei von Beschwerden geblieben, insbesondere von Wadenkrämpfen und taubem 
Gefühl in den Händen und Füßen. Februar 1912: Beschwerdefrei, geht 4 Stunden. 

Januar 1913: Der jetzt 68 V4 Jahr alte Patient ist vollkommen frei von 
irgendwelchen Beschwerden. 

Dieser Patient, der seit dem Jahre 1909 von mir beobachtet wird ,. 
zeigte im Laufe der Behandlung ein Herabgehen des maximalen Blut- 
drucks von mehr als 270 mm auf ca. 220 mm bei einem konstanten 
minimalen Druck um 110 mm herum. 

Die relativ seltene und sporadische Behandlung mittels Diathermie 
hat es zuwege gebracht, daß der Patient zunächst von den ersten Be- 
handlungen an niemals wieder Erscheinungen von Claudicatio inter- 
mittens gehabt hat; aber auch die übrigen Symptome der in hohem 
Maße vorhandenen und objektiv nachweisbaren arteriosklerotischen 
Veränderungen sind unter dem Einfluß der Therapie derartig in den 
Hintergrund getreten, daß von einer Arbeitsbehinderung gar keine 



138 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Bede mehr ist. Der Patient erklärt, daß er sich so arbeitsfähig fühle wie 
vor 10 Jahren. Der Kopfdruck, die Ermüdbarkeit, die leichten Schwin- 
delerscheinimgen, die anfänglich auftraten, sind nicht wiedergekehrt, 
Gedächtnis und Stimmung sind vorzüglich, so daß sich der Patient in 
dem denkbar besten Zustande befindet. Die Weiterbehandlung 1 bis 
2 mal pro Jahr geschieht lediglich aus prophylaktischen Gründen, Weil 
er, während er in Berlin Verwandte besucht, sich bequem der Kur 
unterziehen kann und es nicht darauf ankommen lassen will, aus seiner 
Heimat evtl. eigens herkommen zu müssen. 

Noch wesentlich schwerer sind diejenigen Fälle, bei denen die 
Zirkulationsstörung zu den Erscheinungen der lokalen Asphyxie 
mit drohender Gangrän geführt hat. Ein Beispiel hierfür ist der 
folgende Fall: 

Arteriosclerosis obliterans, Claudioatio. Patient U., 64 Jahre, Juni 
1911. Patient war stets gesund, bis vor 2 Jahren Anfälle von Claudicatio inter- 
mittens, besonders im rechten Fuß, auftraten. Seitdem hat sich die Permeabilität 
der Femoralarterien so weit verringert, daß allmählich Ödeme beider Beine mit 
Zyanose auftraten. In den letzten 6 Monaten haben sich hierzu heftige spontane 
Schmerzen in der großen Zehe und in der 2. Zehe des rechten Fußes gesellt» sowie 
ein dauerndes Kälte- und Taubheitsgefühl und dumpfer Schmerz im Oberschenkel. 
Die Schmerzen steigern sich, besonders nachts, so heftig, daß Patient keine Nacht 
ohne große Morphiumdosen schlafen kann. Auch am Tage ist er fast vollständig 
wegen der Schmerzen im Fuß am Grehen behindert und muß dauernd einen Filz- 
schuh tragen. Die schmerzhafte Gegend des Fußes ist hochgradig zyanotisch, voll- 
kommen kalt, die Haut stark atrophiert. Die Fußsohle ist besonders am Hacken 
stark hyperkeratotisch, im hinteren Teil von tiefen, äußerst schmerzhaften Rhagaden 
durchzogen. Die Nägel sind seit einem Jahr nicht mehr erkennbar gewa/chsen. 
Pulsation ist weder zu fühlen, noch mittels des Sphygmogramms in der Wade nach- 
zuweisen (s. Kurve Abb. 85.). Wegen der hochgradigen Schmerzen ist die Ampu- 
tation in Erwägung gezogen, und die Diathermie sollte nur als letztes Mittel mit 
wenig HoHnung versucht werden. In der ersten Sitzung wurde die schmerzhafte 
Stelle an der großen Zehe behandelt. Unmittelbar nach der Sitzung trat an Stelle der 
Stase und Zyanose eine hochrote arterielle kapillare Zirkulation, sowie ein wohl- 
tuendes Wärmegefühl und sofortiges Aufhören der Schmerzen. Indessen hinderten 
die anderen schmerzhaften Stellen den Schlaf. In weiteren drei Sitzimgen wurden 
die übrigen Stellen der Therapie unterworfen, wonach Patient zum ersten Male 
eine Nacht 8 Stunden ohne Narkotika schmerzlos durchschlief. Das ödem des 
ganzen Fußes ist wesentlich geringer geworden und die Färbung eine normalere. 

Nach acht Sitzungen, in denen jede Stelle je zweimal behandelt wurde, 
ist Patient vollständig schmerzfrei und wird nach weiteren zwei Sitzungen aus 
der Behandlung entlassen. 

Befund am 24. VIII. 1911: gut geblieben, Fuß vollständig abgeschwollen, 
keine Narkotika mehr gebraucht, schläft gut, keine Schmerzen in den Ober- 
schenkeln mehr aufgetreten, ermüdet jedoch noch leicht im ganzen und kann 
deshalb nicht lange gehen. Hyperkeratose und Khagaden verschwimden. In der 
linken Sohle Plattfußbeschwerden; vier Sitzungen; beschwerdefrei. 

1. X. 11. Gut, trägt Lederstiefel, geht zu Fuß. Schläft vorzüglich. Auch 
der Schmerz in der linken Fußwölbung ist gut. Fünf Sitzimgen, Abgereist. 

8. Xn. 11. Seit einigen Tagen in der rechten Wade leichtes Krampfgefühl 
beim Gehen. Der Fuß sieht normal aus, keine Schwellimg, keine Ver&rbung. 
Nach zwei Sitzungen beschwerdefrei. Im ganzen 10 Sitzungen. 

12. IV. 12. Seit heute leichte Schmerzen unter dem rechten Calcaneus, nach 
fünf Sitzungen beschwerdefrei. 

10. n. 13. In den letzten Tagen wieder leichte Beschwerden (keine eigent- 
lichen Schmerzen) am inneren Rand der rechten großen Zehe. Aussehen des !^ßes 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 139 

vollkommen normaL Nach wenigen Sitzungen beschwerdefrei entlassen. Patient 
kann stundenlang gehen. Zeitweise PlattfuBbeschwerden in der linken Sohle. 

Eine entsprechende arteriosklerotische Erkrankung an der oberen 
Extremität zeigte Patientin U., 65 Jahre, Juni 1911. 

Schmerzen im rechten Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, der so heftig 
ist, daß Patientin nicht schlafen kann und Morphium nehmen muß. Eintauchen 
in heißes Wasser hilft nur auf Sekunden. Hochgradige Arteriosklerose der Radialis, 
Hand und Pinger blaß und kalt. Die schmerzhaften Stellen, besonders die Seiten 
der Endphalangen, äußerst berührungsempfindlich, so daß Patientin beim Gruß 
die linke Hand gibt. 

Erste Sitzung am 28. VI. Danach sofort schmerzfrei, Nacht ohne Mittel 
durchgeschlafen. 

lätzungen am 29. VI. und 1. VII. 

Am 1. VII. sc hmer zfrei entlassen. 

Kommt am 4. Vll. wieder wegen leichter Taubheit im Zeigefinger und wird 
am 6. schmerzfrei und beschwerdefrei entlassen. 

Zweimal, nach Sturz traten im Jahre 1912 leichte Schmerzen auf, die auf 
wenige Sitzungen hin prompt verschwanden. Sonst beschwerdefrei. Patientin 
erscheint auf Anraten alle 3--4 Monate, um einige Behandlungen zur Vorbeugimg 
von Bezidiven zu erhalten. 

Diabetische Gangrän. Herr R., 42 Jahre, 3. m. 09. Am rechten großen 
Zehenballen auf der Sohle typische, kreisrunde Nekrose. Fuß zyanotisch, ge- 
schwollen, Pulsation nicht fühlbar. Heftige Schmerzen, so daß der Patient seit 
Wochen an das Bett gefesselt ist. Das Ulcus ist schmierig belegt, sezemiert wenig, 
spontan wie auf Druck hochgradig schmerzhaft und ist in den letzten drei Monaten 
allmählich' größer geworden. 

Nach den ersten zwei Bestrahlungen sind die spontanen Schmerzen voll- 
kommen verschwunden. Patient konnte nach der fünften Sitzung ohne Schmerzen 
auftreten. Im Laufe von drei Wochen reinigte sich das Geschwür. 

30. in. Breiter weißer Epithelsaum zu sehen, niu: noch ein kleiner ober- 
flächlicher Defekt. 

Am 14. n. stellt sich Patient als geheilt und beschwerdefrei vor, erhält noch 
eine Schlußsitzung. Der Fuß ist vollkommen abgeschwollen, die Zyanose hat einer 
normalen Färbimg Platz gemacht. Patient ist bis heute ohne Rezidiv geblieben. 

Sklerose. Patientin H, 27. IX 09, 62 Jahre. Sehr kleine, sehr starke iYau. 
Seit einigen Jahren ziehende Schmerzen in den Waden und Oberschenkeln, die sich 
in den letzten Monaten zu großer Heftigkeit gesteigert haben, so daß sie immer nur 
wenige Schritte gehen kann und dann wegen Versagens der Beine ruhen muß; 
in den letzten sechs Wochen haben sich hierzu Beklemmungen auf der Brust gesellt, 
welche sich nach Anstrengungen imd nachts zu einem dumpfen Schmerz steigern. 
Es besteht eine erhebliche Verbreiterung des Herzens nach rechts, Zyanose des 
Gesichts und leichte periphere Arteriosklerose der Badialis. Der Blutdruck ist 
niedrig, mäßige Varizenbildung, leiphte Stauimgsbronchitis mit mäßigem Auswurf. 

Hochfrequenzbehandlung vom 27. — 30. IX. 09 mit erheblicher Besserung 
des subjektiven Befindens. Patientin ist abgereist und kommt am 1. November 
wieder. 17 Sitzungen im November und 8 im Dezember. 

Am 10. Xn. 12 vollkommen frei von sämtliclien Beschwerden aus der Be- 
handlung entlassen. 

Claudicatio inter mitte ns seit sechs Monaten. Fräulein B., 53 Jahre. 
Kann nur wenige Schritte gehen. Zwei Sitzungen Diathermie am 30. und 31. UL 12. 

15. IV. Geht große Wege frei von B^hwerden. 

25. X. 12. Seit 14 Tagen wieder leichte Beschwerden im rechten Hacken 
und in der Wade. Aber keine Gehstömng. Unterschenkel etwas geschwollen. 

Zwei Sitzungen, ödem verschwunden. BeschwerdefreL 

Claudicatio inter mitte ns. Patient C, 69 Jahre. In beiden Beinen, 
hauptsächlich rechts Müdigkeit und Schmerz; kann nur wenige Minuten gehen, 
links Schmerzen unter der Sohle beim Gehen, die fälschlich als Plattfußbe- 
schwerden gedeutet wurden. 

Vom 22. V. bis 23. VI. 1911: 15 Sitzungen. 



140 



Klinische Anwendung der Diathermie. 



Seit dem 26. V., d. h. nach der dritten Sitzung, kann Patient bef-chwerdefrei 
gehen, bis auf den Schmerz unter der linken Fußsohle und ein leichtes Müdigkeits- 
gefühl im rechten ObergchenkcL 

23. VI. Sämtliche Beschwerden seit acht Tagen verschwunden. Patient 
reist ins GJebirge. 

Der erste Fall Patient U., S. 138, bietet insofern ein besonderes 
Interesse, als das Sphygmogramm, durch Umlegen an der Wade ge- 
messen, zur Zeit der hochgradigen Begehwerden vor Beginn der Behand- 
lung so gut wie gar keine Pulsation ergab. Die geringe Schwär kung, die 
man sieht (Abb. 83), kann als fort geleitete Pulsation von der Poplitea 
hier, welche gegen die sphygmographische Manschette prallt, gedeutet 
werden. Die Diathermiebehandlung, die ihm in wenigen Tagen die 
subjektiven Beschwerden nahm und die Gehfähigkeit wiedergab, die 
auch die drohende Gangrän beseitigte, und die trophischen Störungen 
der Haut, welche sich in Hyperkeratose mit Rhagadenbildung und. 




Abb. 83. Vor Behandlung. 




Abb. 84. Nach Behandlung. 

Aufhören des Nagel Wachstums äußerten, aufhob, kann wohl nur so 
erklärt werden, daß infolge der diathermischen kapillaren Hyperämie 
eine schnelle Besserung der lokalen Ziikulationsbedingungen geschaffen 
wurde, während es gar nicht zu verstehen wäre, wie das offenbar sehr 
stark verengte Lumen der TibiaHs durch die Hochfrequenzströme hätte 
für größere Blutmengen passierbar gemacht werden können; und so 
blieb auch nach der Behandlung das Sphygmogramm «ine Horizontale. 
Dagegen hatte ich im Januar 1913, als Patient sich zu einer nochmaligen 
präventiven Behandlung wieder einfand, Gelegenheit, ein Sphygmo- 
gramm von ihm aufzunehmen, und meikwürdigerweise zeigte dieses 
Sphygmogramm nunmehr ganz deutliche Pulsation, zwar keine nor- 
male, aber doch sicher abgrenzbar und regelmäßig (Abb. 84). Ein solcher 
Befund ist nur zu erklären, wenn man annimmt, daß infolge der wieder- 
holt in großen Intervallen und auch nur mit relativ wenigen Sitzurgen 
stattfindenden Diatbermierungen nicht nur die von den Gefäßen ver- 
sorgten Gebiete, Haut, Muskulatur usw., besser ernährt wurden und 
klinisch eine Restitutio ad integrum aufwiesen, sondern daß auch der 
bereits hochgradig vorgeschrittene Prozeß der Verkalki.rg und der 
ondarteriitischen Obliteration hierdurch eine gewisse Rückbildung er- 
fahren hat. Die Pulsation ist ja ncch bei weitem keine normale, daa 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 141 

Gefäßrohr offenbar hochgradig starr. * Aber es müssen zum mindesten 
die endarteriellen Prozesse einen Rückgang erfahren haben, um das 
Lumen wieder so weit zu vergrößern, daß eine dauernde Ernährung auch 
bei mehrstündigem Marsch mögUch wurde, und auch die Starre des Ge- 
fäßrohres muß so weit zurückgegangen sein, daß die Aufdeckung von 
Pulsationen im Ausschlag des Sphygmographen möglich wurde. Dieser 
Fall reiht sich ebenfalls den geschilderten Beobachtungen 
ein, aus denen objektiv hervorgeht, daß die Arteriosklerose 
sowohl initial als auch im vorgeschrittenen Stadium einer 
direkten therapeutischen Beeinflussung und Besserung zu- 
gänglich ist, entgegen dem herrschenden Dogma. Das gleiche werden 
wir späterhin bei den arteriosklerotischen Gehirnstörungen wieder- 
finden. 

Rekapitulieren wir nun das soeben besprochene Gebiet unter Be- 
rücksichtigung der speziellen Technik. Die direkte Durchwärmung deß 
Herzmuskels kann in verschiedener Weise vorgenommen werden. Zu- 
nächst können wir auf dem Rücken eine indifferente Elektrode an- 
bringen, etwa die Bleielektrode von 10 x 20 cm Größe. Je nachdem, 
ob wir ein mageres oder fettes Individuum vor uns haben, müssen wir 
hierbei, besonders, wenn der Patient sich mit seinem ganzen Oberkörper- 
gewicht auf dem Behandlungssofa auf die Elektrode legt, berücksich- 
tigen, ob vorstehende Knochenpartien, Kyphose, Narbeneinziehungen, 
kleine Hauttumoren und anderes hierbei eine genügende Adaption 
ermöglichen oder stellenweise eine zu starke Kompression der Haut 
zwischen Elektrode und Knochen mit Druckschmerz und Verbrennimgs- 
gefahr befürchten lassen. Im allgemeinen wird es ohne weiteres möglich 
sein, die gesamte Elektrode in der Querrichtung von Schulterblatt zu 
Schulterblatt imter der durch Untersuchung festgestellten Herzgegend 
zu appKzieren. Hat man sich von der guten Adaptation der Elektrode 
überzeugt, so geht man nunmehr zur Anlegung der vorderen Herzelek- 
trode über. Je nach dem beabsichtigten Zweck wird man hier eine ebenso 
große Elektrode zur Behandlung der ganzen Herzgegend oder kleinere 
zur Lokalbehandlimg gewisser Abschnitte, z. B. des Koronargebietes, 
anwenden. Für die Allgemeinbehandlung des Herzens ist es zweck- 
mäßig, diese zweite Elektrode zunächst auf der Hnken, dann auf der 
rechten Stemalseite und evtl. in der Querrichtung intramammillär und 
darüber zu appHzieren. Wir können dabei die hintere Elektrode dauernd 
in ihrer Position belassen und die soeben genannten verschiedenen 
Positionen der vorderen Elektrode nacheinander anwenden, falls die 
Stromstärke keine zu große ist. Verwenden wir aber für alle diese 
Applikationen z. B. 2—3 Ampere, so wird sich unter der hinteren Elek- 
trode eine starke Erwärmimg ausbilden, weil hier durch die gute Be- 
deckung von der Unterlage her Wärmeverluste mehr oder weniger voll- 
ständig verhindert werden, während an der oberen Fläche des Thorax 
eher eine Abkühlung möglich ist und durch die Diathermienmg ver- 
schiedener Hautstellen die Toleranz einer jeden nicht so beansprucht 
wird wie auf der Rückseite bei der mehrfach längeren Applikationsdauer 
daselbst. Wir werden daher von Zeit zu Zeit den Patienten sich auf- 



142 Klinische Anwendung der Diathermie. 

richten lassen und die Erwärmung unter der Rückenelektrode prüfen. 
Sind wir infolgedessen zu einer Lageveränderung der Elektrode ge- 
zwungen, so müssen wir nunmehr auch die Applikationsstelle der vor- 
deren Elektrode entsprechend variieren, um auf dem Verbindungs- 
priöma der beiden die gewünschte Herzpartie zu bestreichen. Legen 
wir aber z. B. die Rückenelektrode parallel zum Rückgrat, etwa auf 
der rechten Seite des Rückens, an und die vordere Elektrode auch auf 
der rechten Seite des Stemums in der Längsrichtung, so werden wir nur 
mit einem geringen Teil der Hochfrequenzenergie den rechten Herzrand 
treffen, während der größte Teil der diathermischen Energie am Herzen 
vorbei durch die Limge hindurch geht. 

Es ist also notwendig für eine erfolgreiche Diathermierung, daß 
wir uns über die Lage des Herzens informieren und die Applikation der 
Elektrode so wählen, daß das Herz in der Richtung der Kraftlinien 
sich befindet. Dies ist noch viel mehr notwendig, wenn wir z. B. auf 
der Vorderseite eine kleinere differente Elektrode benutzen, weil hierbei 
die Möglichkeit, an dem Herzen gewissermaßen vorbei zu strahlen, 
noch viel leichter eintritt als bei großen Elektrodenflächen. Die Strom- 
stärke muß hierbei stets geringer sein, weil ja die zulässige Stromdichte 
der für diese Therapie geeigneten Elektrode von 6 X 12 cm nur 9000 
bis 1100 Milliampere beträgt, und mithin auch die Tiefenwirkung eine 
entsprechend schwächere ist. Es kommt gelegentlich auch eine Quer- 
oder schräge Durchstrahlung des Thorax in Frage. Zu diesem Zwecke 
läßt man in sitzender Stellung die Vorderarme über den Spheitel des 
Patienten kreuzen und appliziert an den Seitenflächen des Thorax 
Flächenelektroden, so weit wie möglich nach oben in die Axilla hinein. 
Hierbei tritt natürlich auch eine intensive Lungendurchwärmung auf. 

Wenn die Patienten das Liegen nicht vertragen, so nimmt man in 
sitzender Stellung die Behandlung vor. Hat man keine Assistenz zum 
Halten der Rückenelektrode, so kann man sie durch Anlehnen des 
Patienten zwischen dem Rücken und der Stuhllehne (Kissen oder 
Polster) fixieren. 

Die Kontrolle der Pulsfrequenz und die Taxierung der peripheren 
Gefäßspannung gibt uns bezüglich der Dauer der Sitzung ein Kri- 
terium. Tritt erhebliche Pulsbeschleunigung ein, oder sinkt der Blut- 
druck deutlich erkennbar, so muß die Sitzung unterbrochen werden. 
Besteht etwa gar Neigung zu Kollaps, so muß sofort eine kräftige 
Kondensatorelektrodenbehandlung der Vorder-, Rück- und Seiten- 
flächen des Thorax, evtl. auch des Nackens angeschlossen werden. Dies 
ist aber ein äußerst seltenes Vorkommnis. Im allgemeinen kommt man 
mit Sitzungen von 10—15 Minuten Dauer für die Herzbehandlung voll- 
kommen aus, nur empfiehlt es sich, die ersten Male kürzere Dauer und 
schwächere Stromstärke zu verwenden. Diese Technik ist für die Be- 
handlung der Myokarditis, der Koronarsklerose, der Debilitas und 
Dilatatio cordis sowie der Aneurysmen ausreichend. 

Die indirekte Behandlung des Herzmuskels durch Applikation 

' der Hochfrequenzströme von den Extremitäten aus beeinflußt auch stets 

die Zirkulation in den großen Gefäßen. Lassen wir die Ströme in irgend- 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 143 

einer Weise in die Arme eintreten, so ist gewissermaßen die Ansatz- 
stelle der Arme am Thorax die eigentliche Angriffsfläche der Diathermie 
bezüglich der Herzbasis. Wir werden infolge der Streuung eine Anzahl 
Stromfäden auch durch das Herz hindurchsenden, im allgemeinen aber 
doch nur die großen Gefäße und allenfalls die Herzbasis in das Bereich 
einer nennenswerten Diathermiewirkung bringen. Lassen wir hierbei 
die Ströme durch Metallhandgriffe oder durch Eintauchen der Hände 
in Wasserbecken in den Patienten eintreten, so unterwerfen wir infolge 
der Längendurchstrahlung der Extremitäten auch einen großen Teil 
der peripheren Zirkulation der Hochfrequenzwirkung. Bezüglich der 
Dosis sind wir an die Toleranz der Handgelenke als den kleinsten Quer- 
schnitt gebunden, d. h. an 300—400 Milliampere, falls wir es nicht vor- 
ziehen, z. B. durch tieferes Eintauchen den kleinen Querschnitt der 
Handgelenke zu vermeiden und gleich dickere Partien des Unterarmes 
oder durch Eintauchen weit über den Ellbogen den Oberarm als für 
die Dosienmg maßgebend zu benutzen. Das Gleiche erreicht man 
durch Anlegen von Flächenelektroden um den Ann herum, wobei man 
vermeiden muß, daß die Außenfläche der Armelektrode den Thorax 
berührt. Wir können dann 1 Ampere und mehr verwenden. Lassen 
wir die Diathermieströme von den unteren oder von allen 4 Extremi- 
täten aus in den Körper eintreten, so können wir je nach Schaltung, 
z. B. linke und rechte Seite für sich oder obere Extremitäten und untere 
Extremitäten für sich, eine verschiedene Verteilung der schwingenden 
Energie im Rumpf erzielen. In allen diesen Fällen haben wir es mit 
komplizierten Wirkungen zu tun, die sich aus der Wirkung auf da» 
periphere Zirkulationssystem, aus derjenigen auf das Herz und aus den 
gegenseitigen reflektorischen Rückwirkungen dieser aufeinander zu- 
sammensetzen. Hierzu kommt noch die reflektorische Wirkung vom 
Nervensystem aus, so daß wir hierbei nicht mehr mit einheitlichen Effek- 
ten rechnen können. Dem entspricht auch die Verschiedenheit der 
klinischen Resultate. Die periphere Gefäßerschlaffung, die hierbei mit- 
unter auftritt, wird von manchen Patienten, insbesondere solchen mit 
an sich niedrigem Blutdruck, schlecht vertragen. Man hört Klagen 
über hochgradige Mattigkeit und kollapsartige Zustände. Anderer- 
seits kann bei Patienten mit sehr hohem Blutdruck dieser Applikations- 
art nicht selten eine besondere Wirksamkeit zugeschrieben werden. 
Sie fühlen sich wesentlich erleichtert, der Kopf druck, die Benommen- 
heit können schwinden. Fast stets aber bessert sich der Schlaf. Die 
erwünschte Dilatation großer peripherer Gefäßgebiete, welche die Haupt- 
wirkung dieser Applikationstechnik ist, ergibt hierfür die Indikation. 

Haben wir jedoch hochgradigere periphere Zirkulationsbehinderung, 
so würden wir mit dieser Applikation relativ großer Stromstärken in 
den meisten Fällen den Patienten schädigen, falls die Zirkulationser- 
schwenmg auf Ischämie beruht, während venöse Stauungen 
wiederum günstig beeinflußt werden. 

Die peripheren arteriosklerotischen Zirkulationsstörungen pflegen 
sich in zweierlei Weise zu äußern. In einem Teil der Fälle, in denen die 
Erkrankung wesentlich die großen zuführenden Gefäße betrifft,. 



144 Klinische Anwendung der Diathermie. 

treten die Funktion der ganzen befallenen Extremität hindernde Stö- 
rungen auf. Je nach dem Grad dieser Störungen lauten die Klagen der 
Patienten verschieden. Da es sich zumeist um Stönmgen der Zirkulation 
in den unteren Extremitäten handelt, klagen die Patienten über Ver- 
sagen des Geh Vermögens bei jeder Anstrengung sowie mitunter schon bei 
langsamem Gehen auf ebener Erde nach wenigen Minuten. Sie bezeich- 
nen dies als einen Krampfzustand oder ein Spannungsgefühl in 
der Wade , welches sich bei Forcierung zu heftige m Schmerz steigert. 
In anderen Fällen fehlt der Schmerz vollkommen. Nur ist das Bein 
plötzlich wie abgestorben, schwer, luid es ist ihnen unmöglich, zu gehen. 
Nach kurzer Ruhe — meist genügt Stehenbleiben oder Hinsetzen — ver- 
schwindet dieser Zustand und die Patienten können wiederum eine Zeit- 
lang gehen, oder, nachdem in leichten Fällen diese Störung einmal über- 
wunden ist, können sie längere Spaziergänge machen, ohne daß sie noch 
einmal auftritt. In anderen Fällen treten die funktionellen Störungen 
vor den subjektiven Beschwerden ziuück. Die Patienten könnten 
das betreffende Bein zum Gehen weiter benutzen. Aber die Schmer- 
zen, die schon nach geringer Anstrengung auftreten, sind so heftig, 
daß sie sofort ruhen müssen und weitere Gehversuche aufgeben. Diese 
Schmerzen werden nun meistens in den äußersten Endpartien der Ex- 
tremität lokahsiert, und die Untersuchung ergibt arteriosklerotische 
Veränderungen im wesentlichen in den allerkleinsten Arterien der 
Zehen, während die größeren zuführenden Gefäße des Ober- und Unter- 
schenkels noch so weit funktionieren, daß keinerlei Beschwerden von 
ihnen ausgehen. In anderen Fällen wiederum sind sowohl die zuführen- 
den größeren Gefäße wie die kleinsten Arteriolen erkrankt, und beide 
Arten von Beschwerden werden infolgedessen geklagt. Besteht nun im 
wesentlichen nur eine Erkrankung der großen Gefäße, so ist die 
Gefahr der diathermischen Applikation relativ gering; denn die funk- 
tionelle Anpassung des Gebietes der kleinsten Gefäße und der Kapillaren 
sowie des venösen Rückflusses an eine durch die Diathermie hervor- 
gerufene arterielle Hyperämie gestattet die Bewältigung dieser. Sind 
jedoch die kleinsten Gefäße wesentlich mit erkrankt, oder sind die 
Störungen durch sie allein bedingt, so bedeutet die Heranziehung einer 
größeren Blutmenge durch Diathermierung des ganzen GHedes eine für 
die ohnehin gestörte Zirkulation unüberwindliche Belastung, und die 
Beschwerden werden aufs heftigste gesteigert. In solchen Fällen darf 
man also nicht das ganze Glied einer intensiven Diathermierung unter- 
werfen, sondern muß mit allerkleinsten Stromstärken und kleinen Elek- 
troden, von der distalsten Peripherie an beginnend, die Behandlung vor- 
sichtig einleiten, wobei man sich vorteilhaft von der Lokalisation der 
Schmerzen nach den Angaben des Patienten leiten läßt. Die Verbesse- 
rung der periphersten Zirkulation durch diese Applikationen ist zumeist 
eine durchaus prompte und führt zu einer schnellen funktionellen Mehr- 
leistung. Hat man dieses erreicht, so empfiehlt sich das allmähliche 
Aufsteigen nach dem Rumpf zu imter gleichzeitiger Erhöhung der 
Stromstärke und Verwendimg größerer Elektroden. Hierbei muß man 
sich durchaus nach dem Erfolge der Therapie richten, luid sobald man 



Anwendung bei Zirkulationserkrankungen. 145 

bemerkt, daß die Hyperämie eine zu starke Belastung bedeutet, d. h., 
daß der Patient Sehmerzen bekommt, an Stromstärke, Dauer der 
Sitzung und Applikationsart heruntergehen bzw. sonstwie wechseln. 
Ganz anders hegen die Verhältnisse, wenn man es mit rein spastischen 
Zuständen zu tun hat, auf die wir weiter unter zu sprechen kommen. 
Man sieht unter dem Einfluß der verbesserten Zirkulation sehr bald 
auch die objektiven Symptome der Ernährungsstörung, 
herabgesetzte Hauttemperatur, Zyanose oder Anämie, Sistieren des 
Nagelwawjhstums, Gangrän oder Stase, Hyperkeratose, Hautatrophie 
sich relativ schnell zurückbilden während die subjektiven Beschwerden 
(Schmerz und Krampfzustände) sich vielfach schon nach den ersten 
Sitzungen wesentHch bessern. 

In allen Fällen, in denen Parästhesien, Schmerzen, Funktions- 
störungen usw. der in Bede stehenden Art vorUegen, werden wir gute 
Besultate mit den geschilderten Methoden erreichen, wenn der Blut- 
druck hoch ist und die Gefäße starr sind. Dagegen würde die 
Applikation der Dusche oder der Kondensatorelektrode zu sofortigen 
erhebUchen Verschlimmerungen, Auftreten furchtbarer Schmerzen oder 
gefahrdrohenden Erscheinungen führen und ist absolut kontraindiziert. 
Bei peripherer Gefäßerschlaffung dagegen dürfen wir uns mit 
Vorteil dieser reizenden Methoden bedienen. 

Haben wir es andererseits mit Störungen des venösen Ab- 
flusses zu tun, so sind die Wirkungen der Diathermie weniger sicher, 
jedoch ebenfalls in vielen Fällen günstig. Die Funktion der Venen im 
großen ganzen ist als eine mehr passive gegenüber der der Arterien zu 
betrachten. Die einmal stattgefundene Dilatation führt durch In- 
suffizienz der Venenklappen und dadurch erhöhte Funktionsstörung zu 
einer schnellen, mit Verlust des Tonus verbundenen Dilatation, und die 
infolge der diathermischen Applikation einsetzende erhöhte vis a tergo 
führt ihrerseits wieder eher zu einer weiteren Belastung und somit Er- 
höhung der Störung, als der tonisierende Einfluß auf die Venenwand, 
welche ihrer Anpassungsfähigkeit durch Verminderung ihrer Elastizität 
verlustig gegangen ist, sie auszugleichen vermag. Wir werden daher 
venöse Dilatationen und durch sie bedingte Stauungen weniger als ein 
Indikationsgebiet für die reine Diathermie ansehen, als vielmehr direkte 
Applikationen der Kondensatorelektroden oder von Funken, welche 
nach Analogie des Tierexperiments (siehe S. 88) zu kräftiger Kontrak- 
tion der Venenwand entsprechend den getroffenen Stellen führen, mit 
größerem Erfolg anwenden. Gleichzeitig wird durch lokale Diather- 
mierung des Herzens, besonders des rechten Ventrikels und Vorhofes, 
die Erhöhimg der Saugkraft des Herzens und mithin Erleichterung des 
venösen Abflusses erstrebt werden. 

Handelt es sich um allgemeine, das ganze Grefäßsystem betreffende 
Erkrankungen, so können wir ebenfalls allmähhch durch lokale Apph- 
kation eine Besserung nach Analogie des Vorstehenden erzielen. In- 
dessen können wir hier auch mit Vorteil allgemeinere Applikations- 
methoden, Solenoid sowie ganz besonders das Kondensatorbett, an- 
wenden. Diese Applikationsart kommt auch für die mehr funktionellen 

Nagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. lö 



146 Klinische Anwendung der Diathennie. 

Störungen der spastischen Zirkulationsstörungen, der Asphyxie lo- 
cale, der Akromelalgie, der Sklerodermie und der Heynaudschen 
Krankheit sowie auch für die Grenz- und Kombinationsfälle in 
Betracht. 

Bezüglich der komplizierteren Erscheinungen der Blutdruck- 
senkung oder Erhöhung müssen wir auf eine möglichst exakte Dia^osti- 
zierung der auslösenden Momente Wert legen. Denn nur dann sind wir 
imstande, ätiologisch einzugreifen. Jede kritiklose Empirie kann hier- 
bei nicht nur Ausbleiben des Erfolges, sondern Schädigungen des Pa- 
tienten bedingen. Hypotension infolge einer Aortenstenose erfordert 
lokale Herzbehandlung durch Diathermie, während neurasthenische 
periphere Gefäßschwäche tonisierende Behandlung der Peripherie, im 
wesentKchen auf Hautreiz beruhend, benötigt. Noch wichtiger ist für 
Fälle von Hypertension die ätiologische Therapie, da ^weitere Steige- 
rungen des Blutdruckes durch fehlerhafte AppUkation zu nicht wieder 
gut zu machenden Schädigungen (Apoplexie) führen können. 

Für die Mehrzahl der Fälle von Hj^rtension kommt jedoch 
ätiologisch, abgesehen von der Arteriosklerose imd Widerstandser- 
höhimg in der Peripherie, Schrumpfniere in Frage, und eine Therapie, 
die nicht den ätiologischen Faktor zum Zielpunkt hat, kann von keinem 
Dauererfolg begleitet sein. Ich verweise diesbezügHch auf die Be- 
sprechung der Diathermiebehandlung bei Nierenerkrankungen. 

Im Anschluß an das Kapitel der Zirkulationserkrankungen möchte 
ich hier einen Fall von Medinalvergiftung erwähnen, bei dem die j 
Diathermie eine sofortige Besserung der herabgesetzten Zirkulation 
bewirkt hat. 

9. XIL 08. Patientin leidet an Insomnie und hat vorgestern und gestern 
abend je fünf Medinalpulver auf einmal genommen. Danach schlief sie von 
gestern abend bis heute nachmittag um 5 Uur. Patientin ist erheblich benommen 
und zeigt Gehstörung. Sie muß gestützt werden, reagiert aber auf Anruf, si® 
klagt über Schwindelgefühl. Herztöne rein, Aktion sehr langsam (56), Puls mäßig 
gespannt, Pupillen weit, träge reagierend. Extremitäten kalt, leichte Zyanose. 

Applikation der Diathermie am Herzen mit anschließender Hochfrequenz- 
dusche des Kopfes und des Thorax. Danach sofortige Ermunterung. Herzaktion 
zur Norm beschleunigt, 84, Zyanose verschwunden, Patientin geht ohne Unter- 
stützung nach Hause. 

Bericht am nächsten Morgen: Fühlt sich vollkommen wohl, so daß eine 
nochmalige Behandlung unnötig erscheint. 

3. Kapitel. 

Erkrankungen der Lunge und Pleura. 

Während die Hochfrequenz in Form der D'Arsonvalisation schon 
lange, bevor man von Diathennie etwas wußte, bei HerzerkrankungeD 
angewandt wurde, ist die Behandlung von Erkrankungen der 
Lunge und der Pleura eine Errungenschaft der Diathermie. 
In der Tat sind die uns aus dem oben gesagten bekannten physiolo- 
gischen Wirkungen der Diathermie: Durchwärmung tiefer Organe, 
Hyperämisierung, ödematisierung, Ausschwemmung, Beeinflussung der 
antibakteriellen Kräfte, sedative Wirkung, schmerzstillende Wirkung, 



I 



Erkrankungen der Lunge und Pleura. 147 

durchaus geeignet, in einer Reihe von Affektionen des Respirations- 
traktus therapeutisch versucht zu werden. Diese Versuche haben in 
einer Reihe von Fällen derart ermutigende Resultate geliefert, daß 
jetzt schon der diathermischen Behandlung der Lungenerkrankungen 
eine erhebUche Bedeutung zukommt. Es ist zurzeit noch nicht übHch, 
die Diathermie zur Behandlung allgemein hierbei heranzuziehen, und 
so kommt es, daß ich mich bei der Besprechung dieses Teils der Therapie 
nicht auf eine so große Reihe von Fällen stützen kann wie bei den 
Zirkulationserkrankungen, da mir nur einige wenige Fälle von Lungen- 
erkrankungen zugewiesen wurden, und zwar solche, die schon das 
ganze Rüstzeug der Therapie erfolglos durchgekostet hatten, während 
mein eigenes diesbezügUches Material relativ klein ist. Über Erfah- 
rungen an akuten Bronchitiden verfüge ich zurzeit gar nicht. Dagegen 
hat eine Reihe chronischer Bronchitiden leichterer und schwerer 
Art gute Resultate ergeben; besonders Fälle mit schwerer Expek- 
toration imd zähflüssigem Sekret zeigen eine schnelle Beeinflußbar- 
keit. Schon nach der ersten Sitzung tritt die sekretionsanregende Wir- 
kung der Diathermie in die Erscheinung. Die Dyspnoe verschwindet. 
Die Patienten expektorieren reichHcher, das Sekret wird dünnflüssiger, 
und nach einer Reihe von Sitzungen nimmt mit dem Eintritt der Besse- 
rung auch der Hustenreiz ab, und wir sehen monatelang bestehende 
Affekte in 8— 14 Tagen heilen. Selbst ausgebreitete Bronchitiden mit 
Verdichtung eines ganzen Unterlappens zeigten in wenigen Tagen voll- 
kommerien Rückgang der Erscheinungen mit einer plötzlichen Wen- 
dung des Allgemeinbefindens zur Besserung (wohl infolge der Beein- 
flussung der Zirkulation). 

Schwieriger zu behandeln sind die Fälle, in denen Komplikationen 
der einfachen Bronchitis mit putrider Infektion bestehen. Ich 
lasse die Beschreibung eines schweren derartigen Falles folgen. 

Putride Bronchitis. Frau B., 48 Jahre alt, Vater starb an Emphysem, 
Mutter an Ileus. Keine Tuberkulose in der Familie. Mit 18 Jahren erkrankte sie 
an Bronchitis, welche drei Monate dauerte, mit 22 Jahren nach der Verheiratung 
an eitriger Salpingitis mit hohen Temperaturen. Seit der Zeit bestehen dauernd 
Schweiße, besonders abends und nachts. Nachts ist der Kopf meistens ganz naß, 
nicht nur die Stirn, sondern auch die Haare. Im übrigen war Patientin bis zum 
Juni 1901 gesund. Da erkrankte sie plötzHch an akuter Bronchitis mit Schüttel- 
frost und Temperaturen bis 40°, welche morgens zur Norm zurückgingen. Seitdem 
besteht dauernde Produktion von Sputum, welches nach und nach an Menge 
zunahm. Unter hohem intermittierendem Fieber und heftigen Schweißausbrüchen 
entwickelte sich eine Kachexie, welche zu hochgradigem Gewichtsverlust führte. 
Allmählich besserte sich der Zustand. Es traten ab und zu leichte akute Bronchitiden 
auf, und der Auswurf verschwand fast ganz. Im Anschluß an eine derartige Bron- 
chitis, welche einige Wochen dauerte, wurde zum ersten Male im Ja&e 1908 
fötider Geruch beobachtet. Im Jahre 1910 erkrankte Patientin an einer schweren 
fötiden Bronchitis, bei welcher Gelegenheit hochgradige Bronchiektasien und 
Kavemenbildung konstatiert wurden. Sputum wurde von Zeit zu Zeit maulvoll 
entleert. Es traten auch gelegentlich, allerdings sehr selten, geringe Spuren von 
Blut darin auf. Patientin war sehr schwer krank, hochgradig kachektisch, ge- 
brauchte dauernd Herztonika, Expektorantien und entleerte bis zu einem halben 
Liter und mehr eines überaus fötiden, schwärzlich braun und grau aussehenden 
Sputums. Mehrere Wochen betrugen die Temperaturen 39 — 40° abends, die all- 
mählich zurückgingen. Aber bis zum Jahre 1912 waren dauernd subfebrile Tempe- 

€ 10* 



14s Kiouw'br AMW9mämm$ <W DiAtIwrmie. 



1 



ohcT»«a* U**t^« >iit,«T';lMi»l«-u(^ Zviurbm 1910 und 1912 
K\*arfki«iii«wf^ ruR T'.. n.:i ht^m Fvber. neutec» mit sabtfelir-ilexi 1 
turrtu »uf, uini iHi.1 4trr Ivl^ m BrruB drr DUtbrmnebehaocllnxi^ ^rmr dj 
»tjuxi un^rTfttKW^ PktKT *:f. nr anUftf d w itbcfa hinf&Hig. kftelie'Jktirc^, H 
cUomid tiuTi kl Hu*-i<nuk:.iM.i' rr^i rt. B iitwt ii ie traUn heftige i^e-uri^ÄBobe* > 
anfalir Auf. I'^'T k<kW i««7u r. t» ia^iactr dw Umfcbnng aofs int«vi£äx-«t^. 
l^it>rI.1ln »»i kve|it:.i h uikI j^-^ . ^a- h Ktark benmtfrgekomnngn. 

N»t h jmhriATu:' n. K-^iitt-.: >f Afi^-ktwo unter aUm möglicbe-a tl»c«-apei 
YroiK'htti wuT\*f t.» t.t T uT t# iiK- B« ii>^ < ron f «nirti, aoodero anCer dAaera^ 
iMhmr lit-r K». hf \h , n« i*-i r» r.ijr'-m, t<*ihifi9e abfT exaaerbiereod^iii f*el>*^ 
rrh*'Muhrr Il«UMarui*r iv-^ }*fc:!*T.T#-ii ui-d der Umgrbong durcli doa int^ 
li»lKit*n Irt-nn h, trat m »Tt.tC'ti >Ä -»i h*i. n»rb Eink-hang der Diathe^rmiebeiiäi 
rin jJiitihihfT l'n.-^ hwuij: * .:- !>«* te»uii und graa gemachte Spatam« iK-t-h 
QuAntilatf^ T»in * , t»h» • . l^ur tfcvii-h fxptktorieit wuide ncd liöcrliet jj 
iwh, blk'l» in titr rrst<'n Zt ii n k ^ . h, wuidt- Tcaratbcfa dännflösFfii^er, faxht 
vriQ uini vrrKw- m^ihti i«tru. h. A.iv. ^hlich rjahm <« an MtDge ab luul ist b 
pmiipr Rt'Mr, ihr n>'trp*-*i*' in »fT oT'-n Hu'-t*-n>tt>ßeti entleert wer<ien, gesobwu, 
Ihr Kavrnirn mi li »n N hruiri-f^:^ UcT*fft*n, <la«>tif»cbe Fasem ereebeizieD i 
mrhr im N^krt-t, ihr N»i ht^ fwt .tx- h^Nii an^rbcvt, Patientin Pchlmft die Sä 
durch, otxxw ein <ii.ia^<*> Mal ru huM^-n. Da» Fieber hat vollst Andig ao^ej 
Mit ihm ^rr^rh^aniii^n auch tiit N hwtiLuiU'^liriKbe, nfidxomerBtennuüseit 2SJ&\ 
nar l*»tientin vim du**^'m uU-r«u?- UMi^f« S\Tnptom befreit- Auch subfel 
Tem|ieratun'n trcion nii ht n » Kr auf. Ihr fileäntiscbeii Reizungen sind 
Kt'hiruiHien- IVitirntin hai an l*f*ii hi iu^«-nomnaen. Der fötide CSemeh des AU 
hat ebenfalls aufi;t'hiv1, umi nx-rk^uniiiriTirei^e and auch die TronunelfiehJäg 
finger in RiK'kbiklunp U-irriffrn- In dif>t*m Falle, der seit «wei Jaiiren in mein 
Beobachtung steht, hat die HthAntltung ^ Monate erfotdcrt, wonach das RestilU 
stationär peMifln^n ist, E> tratt-n narh 4 Monaten interkurrent «ne akute Influenza 
Bronchitis auf, wt Khe in wenicrn FicU^rtAcen die Patientin erbeblich Eerunter 
brachte, E« wurden wieder l;4>— 2lH»ccm ceU»es, etw«s putride riechendes Sekrtl 
entleert, Patientin schwitzte nachts uiwi am Ta^e, das AUgemeinbefindeo wv 
erheblich gestört. Aber unter Asj^inn- um! lliinintherapie klangen die Erecbei- 
nungen ohne sonstige Maßnahmen. Äl>pt"«ehen von einem Prießnitzumschjag und 
Bettruhe, in 8 — 10 Tagen vollständig al», umi seitdem besteht derselbe günstige 
Zustand wie vorher. 

Die Kräfte haben sich wesentlich gehoben. Durch das Aufh^ören des fötide/: 
Geruches ist die Patientin psvchisch in günstigster Weise beeinflußt. Einmi/ 
blieb der morgendliche Hustenreiz zwei Tage lang aus. Daraufhin trat sofort 
eine Temperatursteigerung auf 39 ' ein, welche nach Darreichimg eines Expektono» 
am nächsten Morgen abgeklungen war. ¥ls hatte sich offenbar um Retention in 
den Kavernen gehandelt. 

Befund. Anfang 1913 immittelbar nach Abklingen der Influenza: lanks 
hinten imten über dem ganzen Hinterlappen abgeschwächter Perkossionsschall 
Daselbst mittelfeine und grobe, zum Teil klingende Rasselgeräusche. Dieselben 
auch in der Axillargegend imd auf der Vorderseite am imteren Rande des Unter- 
lappens. Rechts nur diffuse Bronchitis. Linker Oberlappen nur trockene Bron- 
chitiB. Fremitus beiderseits gleich. 

Die Krankengeschichte beweist zur Genüge den günstigen Einfluß 
der Diathermie auf ein jahrelang bestehendes schweres Leiden, welches 
unter allen denkbaren Behandlungsversuchen sich dauernd verschlim- 
merte und durch die Diathermie in kürzester Zeit einer unverkenn- 
baren erheblichen Besserung zugeführt wurde. 

Ist die Bronchitis mit Asthma kompliziert, so liegt hierin eine 
neue Indikation für die Diathermiebehandlung. Es ist mir schon bei 
den ersten Tierversuchen im Jahre 1907 aufgefallen, daß intensive 
(chirurgische) Diathermierungen am Thorax, sobald die Erwärmung 



T 

•it.-"" ^ 



?r*r-_ 



Erkrankungen der Lunge und Pleura. 149 

- * ^"^^ Pleura deutlich wurde, zu seufzerartigen tiefen Inspirationen und 
.---».--"erlangsamung des Atemrhytbmus führte. Später beobachtete ich 
■*^-- lese Erscheinungen auch am Menschen gelegentlich von Karzinom- 
;---t.perationen an der Thoraxwand. Dieser veränderte Atemtypus trat 
' . "'^ lier so plötzlich und so intensiv ein, daß ich infolge der unerwarteten Wir- 
- .,,r"\ung, deren Tragweite ich nicht zu beurteilen vermochte, die Operation 
- r sofort abbrach. Bei der Wiederholung dieser Beobachturg eikannte ich 
^«i^r jedoch bald das rein Funktionelle dieser Erscheinung und ihre Un- 
' *arrp, gef ährhchkeit und ließ mich später bei Operationen dadurch nicht mehr 
. ■ "^/^ beeinflussen. Aber diese Beobachtung gab mir doch den Anlaß, die 
/ Diathermie in Fällen von Asthma bronchiale zu versuchen, und es 
rr V ^ zeigte sich in der Tat, daß bei genügend intensiver Durchwärmung eine 
::rL. deuthche Vertiefung und Verlangsamung der Inspiration in die Er- 
- ^*:?.- scheinung trat. Der Bronchospasmus löste sich, und die Patienten, die 
zu Beginn der Sitzung auf 1— 2 m hörbares Giemen und Pfeifen produ- 
zierten, krampfhaft inspirierten und hochgradig dyspnoisch waren, 
^.,j.. fingen nach einer Minute der Diathermierurg an tief und gleichmäßig 
zu atmen. Die Geräusche verschwanden, und ein Gefühl außerordent- 
^yz ji liehen subjektiven Wohlbefindens setzte ein. Übereinstimmend lauteten 
• iic:: (jiß Berichte, daß der stundenlang anhaltende Hustenreiz des Morgens, 
. ^^ -r^ der zu mühsamen Expektorationen ganz geringer Mengen zähen, kristall- 
" n. .> reichen Sputums führte, nach wenigen Sitzungen sich besserte ; mit ganz 
•: »Lir: wenigen leichten Hustenstößen wurde reichlich dünnflüssiges Sekret, 
r---a£?. in dem nur noch verschwindend Asthmakristalle aufzuweisen waren, 
f *^-^ entleert, und tagsüber blieben die Patienten beschwerdefrei. Sie schliefen 
'^^^zK ^® Nacht hindurch und zeigten keinerlei Dyspnoe. Nur in sehr schweren 
„ :^vj ^ Fällen, bei älteren Leuten und längerem Bestände der Affektion waren 
-i^i:> die Resultate nicht von Daifer, während bei jüngeren Leuten nach 
^^* einer Behandlung von wenigen Wochen fast durchweg Dauerresultate 
,,^^^ erzielt wurden. Hingegen scheinen die Resultate bei dem rein nervösen 

^ Asthma wesentHch ungünstiger zu sein. Neben einzelnen guten Erfolgen 

irff steht eine Reihe kompletter Mißerfolge. Vermuthch müßte der An- 

f^^ griff spunkt der Therapie in diesen Fällen ganz wo anders zu suchen 

' '"^^ sein (Nase, Genitahen usw.). 

Noch besser ist die Prognose bei Kindern, und ich habe wiederholt 

|: .. gesehen, daß solche Kinder, die jahrelang an schweren asthmatischen 

> Zuständen litten, gedunsenes Gesicht hatten, erfolglos im Nordsee- 

j-[ Sanatorium viele Monate verbracht hatten, und bei denen Asthma und 

Bronchitis sich ablösten oder kombinierten, nach wenigen Sitzungen 

rezidivfrei heilten. Auch die Neigung zu Bronchitiden schwand. 

t- Asthma. Willi P., 10 Jahr alt. Seit drei Jahren Atemnot, beständiger 

:^ Hustenreiz. Asthmatische Anfälle, besonders nachts. Nach der ersten Bestrahlung 

^ vollkommen ruhige Nacht. Nach der zweiten Bestrahlung ein Anfall. Nach der 

dritten Bestrahlung ruhige Nacht. 

Am 9. IX. Seit vier Wochen alle acht Tage eine Bestrahlung. Die letzte am 
1. September. 

Am 7. IX. unbedeutender Anfall, ebenso am 9. IX. Heute die 11. Sitzung. 

Die Anfälle sind kürzer und seltener geworden, falls sie überhaupt auftreten. 
Vom 23. Vin. bis 1. IX. war z. B. kein einziger Anfall. 



150 Klinisch© Anwendung der Diathermie, 

Asthma bronchiale. Frau K., 52 Jahr, 6. XII. 09. Lebt seit acht Monaten 
in Berlin. Seitdem leidet sie an Asthma. Muß jede Nacht stundenlang im Bett 
a]iifsitzen. Anfänglich hatte sie häufige Hustenanfälle, jetzt sind sie etwas seltener 
geworden. Aber morgens tritt täglich ein sehr langer, heftiger Anfall auf, bei dem 
sie sehr geringe Mengen zähen Sputums mit Mühe entleert. Die Anfälle am Tage 
sind seltener geworden. Sie leidet aber öfter an Schwindel und Kopfschmerzen 
und klagt Beüc über knappe Luft. Herzaktion sehr beschleunigt. 

Am 8. XII. dritte Sitzung. Kopfechmenrund Asthma besser, nachts nur noch 
ein leichter Anfall, bei dem sie nicht aufzusitzen braucht. 

18. XII. Noch ab und zu Anfälle. Sie ist nicht mehr so kurzatmig, aber eine 
leichte Dyspnoe und ein beschleunigter Puls bestehen noch. Indessen sind die 
Beschwerden so gering, daß sie aus der Behandlung entlassen wird. 

Asthma bronchiale. Frau St., 38 Jahr, 10. I. 10. Patientin leidet seit 
Kindheit an Asthmaanfällen, welche allmählich schlimmer geworden sind. Muß 
sich nachts oft aufrichten wegen Luftmangels. Sie hat große Schwierigkeit, 
Schleim auszuhusten, nimmt aber von Zeit zu Zeit Jodkali, wonach sich der 
Schleim besser löst. In letzter Zeit hat sie kein Jod genommen. Sie ist etwas 
zyanotisch, man hört reichlich Pfeifen und Giemen auf der linken Lunge, während 
die rechte wesentlich freier ist. Schon nach der ersten Sitzung am 10. I. 10 kann 
sie am nächsten Morgen leicht aushusten. 

19. 1. 10. Seit heute beschwerdefrei. Zyanose geringer. 

26. 1. Besserung hält an. Zyanose geschwunden. Morgens etwas Husten. 
Auswurf wird leicht expektoriert. 

3. II. Hat schon acht Tage lang nachts nicht mehr aufzusitzen brauchen. 
Appetit hat sich gehoben, Allgemeinbefinden wesentlich gebessert, sie steigt die 
Treppen zu ihrer Wohnung ganz leicht. 

10. II. Da keine Beschwerden mehr aufgetreten sind, wird die Behandlung 
acht Tage lang ausgesetzt. 

17. IL Keinerlei Beschwerden, aus der Behandlung entlassen. 

Asthma. Knabe G., 5 Jahr alt, Juli 1909. Zahlreiche pfeifende Geräusche, 
häufig Hustenanfälle die neben einer quälenden, dauernden Dyspnoe auftreten. Die 
Atemnot steigert sich zu asthmatischen Anfällen bei der geringsten Anstrengung. 

Nach dreiwöchentlicher Diathermiebehandlung: Subjektives Wohlbefinden, 
Husten vollständig geschwunden, Atemnot nur noch gering bei Anstrengungen, 
in der Buhe gar nicht mehr. 

Ich hatte auch Gelegenheit, einige Fälle von Pneumonie zu be- 
handeln. So erkrankte in meiner Klinik eine Patientin zum dritten 
Male an Pneumonie, welche, auf gewöhnhche Weise exspektativ be- 
handelt, in 11 Tagen kritisierte und heilte. Nach 14 Tagen trat ein 
Bezidiv auf, welches in derselben Weise verHef. Nach drei Wochen 
rezidivierte sie wiederum und wurde nunmehr mit Diathermie behandelt. 
Das Infiltrat hatte die gleiche Ausdehnung, und die klinischen Sym- 
ptome waren dieselben wie früher, und doch trat, nach der erstmahgen 
Diathermierung am zweiten Krankheitstage, die Krisis am nächsten 
Tage ein. Es wurde ein reichliches, dünnflüssiges, braun gefärbtes 
Sputum entleert. Nach zwei Tagen war physikalisch nichts mehr 
von einer Infiltration nachweisbar. Seitdem bheb die Patientin re- 
zidivfrei. 

In einem Falle akuter Pleuritis, den ich zu behandeln Gelegen- 
heit hatte, trat im unmittelbaren Anschluß an die Diathermierung so- 
fortiges Aufhören des Atem- und Hustenschmerzes ein, und die Pleuritis 
heilte ohne Punktion in wenigen Tagen. Auch chronische trockene 
Pleuritis besserte sich schnell unter dem Einfluß der Diathermie- 
behandlung und kam zur Heilung. 



Erkrankungen der Lunge und Pleura. 151 

Seröse Exsudate, primär oder nach Pneumonie werden schnell 

ctnf gesaugt. Dagegen ist die Prognose bei tuberkulöser Ätiologie zweifel- 

liaf t, da Rezidive auftreten und nach anfängHcher Resorption häufig 

ein Stillstand eintritt. 

Bei eitrigen Exsudaten habe ich die Diathermie bisher vermieden, 

nach Analogie sonstiger eitriger Prozesse, bei denen sie kontraindiziert 

ist. Indessen wäre doch bei größter Vorsicht in chronischen Fällen ein 

Versuch zu machen. 

Dagegen ist die Diathermie bei älteren Prozessen mit Schwarten- 

bildimg durchaus indiziert. Ich habe alte, derbe Schwarten sich schnell 

resorbieren sehen. 

Frau P., 37 Jahre. Seit 1914 Rippenfellreizungen mit Schüttelfrösten. Häufige 
Rezidive. Dazwischen fast dauernd Schmerzen beim Atmen und Husten. Letzte 
Anfälle 26. XII. 19 und Mitte Januar 20. Am 22. Januar Beginn der Behandlung. 
Schmerzen RU vom und hinten; geringe Dämpf img bis zur IX. Rippe hinauf. 
Atemgeräusch abgeschwächt. BeklemmungsgefühL Hat im ganzen 13 Diathermie- 
behandlungen erhalten. Ein Anfall ist bis jetzt nicht mehr aufgetreten. . Seit Mitte 
Februar sind sämtliche subjektiven Beschwerden geschwunden. Am 1. März 
(Schluß der Behandlung) auch objektiv nichts mehr nachweisbar. Gewichts- 
zunahme bis dahin bereits 4 £jlo. 

Ein wichtiges Gebiet der Diathermiebehandlung stellt die Lungen- 
tuberkulose dar. Allerdings erfordert diese besondere Vorsicht. Im 
ersten Stadium bei einfacher Infiltration ohne Komplikation bietet 
die Behandlung keinerlei Gefahr, und die Diathermierung kann mit 
beliebiger, der Elektrodengröße anzupassender Intensität vorgenommen 
werden. Im zweiten imd dritten Stadium aber ist große Vorsicht not- 
wendig. Besteht auch nur die geringste Neigung zu Blutungen, so 
kann durch eine intensive Diathermienmg die danach einsetzende 
arterielle Hyperämie zur Ruptur führen und eine schwere Hämoptoe 
veranlassen. Wir werden daher in allen Fällen, in denen Kavemen- 
bildung vorHegt, oder schon einmal eine Hämoptoe erfolgt ist, besonders 
vorsichtig sein. Dies habe ich aus theoretischen Erwägungen von 
Anfang an berücksichtigt, habe aber trotzdem auch im zweiten und 
dritten Stadium die Diathermie angewandt. Alerdings habe ich die 
Vorsicht gebraucht, 3— 4 Wochen lang minimale Stromstärken 
anzuwenden in der Erwartimg, daß bei diesen geringen und schwachen 
Applikationen auch die konsekutive Hyperämie eine entsprechend 
geringere sein würde, daß aber trotzdem diese unmerkliche Hyperämie 
allmählich zu einer Gewöhnung der Gefäße an größere Füllung und 
höheren Druck führen müßte. Hat man in dieser Weise den Patienten 
an die Schwankungen gewöhnt, so kann man allmählich mit den Dosen 
steigen, und es ist mir bisher kein Auftreten einer Hämoptoe bekannt 
geworden. In einem Falle jedoch traten strichförmige Spuren von 
Blutungen im Sputum auf, die auf Sistieren der Behandlung schwanden 
und nach vorsichtigem Wiederbeginn sich nicht wiederholten. 

Der Einfluß der Diathermie auf die Phthise ist ein unverkenn- 
barer. Die Sputumveränderungen treten regelmäßig in gleicher Weise 
auf. Zunächst wird das Sekret vermehrt, nimmt eine dünnflüssige Kon- 
sistenz an, wird leichter expektoriert, imter Umständen wird auch an 



152 Klinische* Anwendung der Diathennie. 

den ersten Tagen ein erhöhter Hustenreiz geklagt insofern, als öfter 
Hustenanfälle auftreten, aber von wesentlich geringerer Heftigkeit, und 
mit erleichterter Expektoration. Nach einigen Tagen geht dieser Zu- 
stand der Hj^rsekretion, welcher auf der arteriellen Hj^rämie und 
dem erhöhten Ljrmphzustrom infolge der Diathermierung beruht, in 
ein längeres Stadium geringerer Sekretion über, in welchem die I^a- 
tienten bereits subjektive und objektive Besserung erkennen lassen. 
Die Nachtschweiße hören auf, die Temperatur sinkt, eine etw^a be- 
stehende Mischinfektion bessert sich, der Kräftezustand hebt sich, das 
Gewicht der Patienten nimmt zu, Zirkulation und Nahrungsaufnahme 
werden angeregt. Setzt man zwei- bis dreimal wöchentlich die Dia- 
thermierung fort, so kommen allmählich die Patienten, auch in sch\reren 
Fällen, in relativ gute stationäre Verhältnisse. Jedoch sieht man nicht 
selten, zumeist im Anschluß an Erkältungen, aber auch ohne erkenn- 
bare Ursache, plötzlich wieder einige Wochen Verschlimmerungen auf- 
treten. Diese Exazerbationen können, wie gesagt, infolge einer akuten 
sich überlagernden Bronchitis auftreten. In anderen Fällen jedoch, 
wo eine solche nicht zu entdecken ist, muß man mit einem Nachschub 
der Krankheit rechnen, und so ist es vielleicht nicht ausgeschlossen, 
daß, ebenso wie die Zellen des Organismus, auch die Tuberkelbazillen 
gelegentlich eine Vitalisierung erfahren. Überhaupt scheint es weniger 
wahrscheinlich, daß die Diathermie einen direkt schädigenden Einfluß 
auf die Tuberkelbazillen hat oder entgiftend auf die Toxine wirkt, 
vielmehr dürfte arterielle Hyperämie und Steigenmg der natärUchen 
Abwehrkräfte als das therapeutisch wirksame Agens neben der Stimu- 
lierung der Herzaktion anzusehen sein. Besonders wichtig ist für die 
Behandlung der Lungentuberkulose vielleicht die weiter unten zu be- 
schreibende Kombination der Diathermie mit Röntgenstrahlen. Die 
Behandlung muß vorsichtig beginnen, möglichst tägUch durchgeführt 
werden und lange, Wochen und Monate, fortgesetzt werden. Die Er- 
folge sind, besonders in Kombination mit Röntgentief entherapie, der 
mit unendlicher Reklame propagierten Höhensonnenbehandlung bei 
weitem überlegen. Indessen ist eine gelegentliche Kombination auch mit 
allgemeinen Quarzlampenbestrahlungen keineswegs von der Hand zu 
weisen. 

Überhaupt soll der Physikotherapeut sich nicht auf eine Methode 
festlegen, denn häufig sehen wir gerade in der Kombination verschiedener 
Methoden die besten Erfolge. 

Ich habe somit in den der Diathermierung unterworfenen FäUen 
von Lungen- und Pleuraerkrankungen wesentliche subjektive 
und objektive Besserungen konstatieren können und füge noch hinzu, 
daß die Besserung des Allgemeinbefindens sich schon auf sehr 
kleine Dosen hin zeigen kann mid bisher in keinem einzigen Fall aus- 
geblieben ist. Es ist durchaus nicht notwendig, erhebliche Strom- 
mengen durch die Lunge hindurchzuschicken. Vielmehr werden kli- 
nische Resultate schon mit 1 — 1^/4 Ampere bei Elektrodengröße von 
10 X 20 cm erzielt. Bei der Behandlung von Lungenaffektionen muß 
man jedoch bedenken, daß nicht selten auch das Herz sich auf der 



Erkrankungen anderer innerer Organe. 153 

Strombahn befindet, und wir müssen, besonders bei niedrigem Blut- 
druck, auch hier der weiter senkenden Wirkung der Diathermie eingedenk 
sein und mit einem Kollaps gelegentlich rechnen, falls wir nicht unser 
Augenmerk speziell auf die Vermeidung einer solchen KompUkation 
richten. Andererseits wirkt zweifellos gerade die Miteinbeziehung des 
Herzens in die Therapie günstig bei Lungenleiden ein. Eine Besserung 
der Herzaktion muß ja auch stets einen dekongestionierenden Ein- 
fluß auf die Lunge ausüben. Technisch kann man sich verschiedener 
Methoden bedienen, um die einzelnen Lungenabschnitte oder Pleura- 
teile zu durchwärmen. Die Methode der großen Plattenapplikationen 
von vom nach hinten habe ich schon erwähnt. Zur Behandlung der 
Oberlappen, speziell der Spitze, ist es meist zweckmäßiger, eine große 
Elektrode an der unteren Lungengrenze hinten, seitlich und vom zu 
applizieren und die kleine differente Elektrode von 4 cm Durchmesser 
oder 4 x 6 cm Fläche direkt auf den Süpra- oder Infraklavikular- 
raum zu legen. 

Bei Pleuritis wird man zweckmäßigerweise eine Elektrode von 
5 X 12 cm an der Seite der Läsion applizieren und eine große indiffe- 
rente Elektrode diametral gegenüber anlegen. 

Bei Asthma wirkt mitunter das Anlegen kleiner Elektroden auf 
dem oberen Stemalende und unterhalb des Processus xiphoideus unter 
den Zwerchfellrand eingedrückt günstig ein. Auch Kehlkopf- und 
Nasenapphkationen sind in hartnäckigen Fällen zu versuchen. 

Bezüglich des E mphyse ms hegen ebenfalls bereits Beobachtungen 
guter Resultate vor. Die durch die Diathermie erfolgende Vertiefung 
der Respiration im Zusammenhang mit der besseren Durchblutung be- 
wirken eine intensivere Lungengjmanastik, welche die Beteiligung 
emphysematöser Partien hervorruft. Ebenso wie beim Asthma sehen 
wir auch bei chronischer Bronchitis, Bronchopneumonie und Phthise 
Besserung der dyspnoischen Beschwerden. Die Resorption von Pleura- 
exsudaten ist auf die gleiche Stufe mit der später zu besprechenden 
Wirkung auf Gelenkexsudationen zu stellen, die der direkten Beobach- 
tung mehr zugänghch ist. 

4. Kapitel. 

Erkrankungen anderer innerer Organe. 

Die hyperämisierende und sekretionssteigernde Wirkung der Dia- 
thermie tritt besonders bei den Erkrankungen derjenigen Organe her- 
vor, die eine Sekretionsfunktion haben. Experimentell habe 
ich an Gallen-, Magen-, Speicheldrüsen-Fisteln unmittelbar nach der 
Diathermierung einsetzende Sekretionsvermehrung gesehen. Das gleiche 
beobachtet man bei der klinischen Apphkation, und so haben wir ein 
wichtiges Indikationsgebiet in allen Fällen von daniederhegender Se- 
kretion drüsiger Organe. Die Anregung der Sekretion kann eine 
vorübergehende und eine dauernde sein. Haben wir es mit vorgeschrit- 
tenen Stadien cirrhotischer Prozesse zu tun, bei denen das furktionie- 
rende Epithel durch die vermehrte Bindegewebsbildung erhebüch ein- 



i 



154 Klinische Anwendung der Diathermie. 

geschränkt ist, so werden wir mit weniger deutlichen Resultaten zu 
rechnen haben als in Initialfällen. Besonders schnelle Besserungen sieht 
man mitimter bei Stauungslebem. So kam z. B. ein Potator maximus 
mit Herzdilatation, Lebercirrhose, Ascites zur Behandlimg. Nach zwei- 
maliger Diathermierung der Leber war der Ascites nicht mehr nach- 
weisbar, die Diurese war enorm gestiegen, und die Leber, die in der 
Mamillarlinie rechts den Rippenrand um mehr als Handbreite überragte, 
reichte am dritten Tage nur noch einen Querfinger herüber. Diese offen- 
bare Besserung dfer abdominalen Zirkulation wirkte auf das Herz zurück, 
und die nunmehr einsetzende Herzbehandlung bewirkte ein schnelles 
Zurückgehen der Dilatation. Daß die verbesserte Zirkulation in der 
Leber, insbesondere die schnelle Beseitigung der Stauung auf die Gallen- 
sekretion günstig einwirken muß, dürfte nicht zu bezweifeln sein. Das 
eigentümliche der diathermischen Sekretionsanregung beruht nun darauf, 
daß nicht nur die Wassersdiretion, welche ja durch die arterielle Hy- 
perämie genügend erklärt würde, erhöht wird, sondern daß auch die 
Sekretion der spezifischen Drüsenfunktion sich deutlich er- 
höht zeigt. Untersucht man beim Gallenfistelhimd in regelmäßigen 
Intervallen das Sekret, so findet man es nach der Diathermierung auf 
das 2— 3 fache an Menge gesteigert. Diese Sekretionserhöhung kann 
in manchen Fällen nach kurz dauernder Diathermienmg V2 Stunde, in 
anderen, besonders öfter wiederholten Fällen mehrere Stimden an- 
halten. Das entleerte Sekret zeigt trotz der vermehrten Menge pro- 
zentual meist unveränderten Aschengehalt. Das gleiche ist beim Urin 
nachweisbar. Ich habe bei schwer Herzkranken nach Diathermierung 
Steigerung der Diurese um 1—2 Liter gegenüber der Norm gesehen, 
wobei das spezifische Gewicht in manchen Fällen imbedeutend sank, 
in anderen gleich büeb, in einigen sogar stieg. Alle diese Beobachtimgen 
beweisen, daß nicht nur die erhöhte Wassersekretion hierbei eine Rolle 
spielt, sondern daß das spezifische Drüsensekret durch Steigenmg der 
Epithelfünktion in vermehrten Mengen produziert wird. Ich hatte z. B. 
Gelegenheit, einen Patienten mit Pankreasatrophie zu behandeln, bei 
dem unter dem Einfluß der Diathermienmg das Gewicht sich hob imd 
die Ausnutzung der zugeführten Nahrung sich besserte. Ich will an 
einigen Fällen von chronischer Nephritis die näheren Daten der 
Ausscheidungsverhältnisse und des klinischen Verlaufes mitteilen. Ich 
habe in allen derartigen Fällen eine sechs wöchentliche Lokalbehandlung 
der betreffenden Organe mit 10—20 Minuten dauernder Diathermierung 
bis zur Toleranzgrenze der Haut vorgenommen. Der Verlauf war der 
folgende : 

Chron. Nephritis. Herr W., 22 Jahr alt, Dezember 1911. Eltern gesund, 
leben. Vor 10 Jahren Ödeme ohne Schmerzen. Urinuntersuchung ergab 25 pro mille 
Eiweiß. Der Urin gerann im Glas. Blut war nur mikroskopisch nachweisbar. 
Er fühlte sich schwach. Von Zeit zu Zeit bestanden Kopfschmerzen. In den letzten 
Jahren ist der Eiweißgehalt allmählich heruntergegangen und auf drei bis vier pro 
JVfille stationär geblieben. Er fühlt sich, abgesehen von einer allgemeinen Kraft- 
losigkeit, Arbeitsunlust und Kopfschmerzen, wohl. 

Er ist sehr mager, wenig muskulös, sieht blaß aus. Der Eiweißgehalt des Urins 
beträgt bei der Untersuchung am 15. XII. ll:4Voo Eiweiß. Reichlich hyaline, 
granulierte und Epithelzylinder sowie Blutkörperchen. Spez. Gew. 1012. Nach 



Erkrankungen anderer innerer Organe. 



155 



den ersten zwei Diathermiebehandlimgen steigt die Eiweißausscheidimg um Ya Voo» 
um am nächsten Tage auf 2 ^qq herabzugehen. Sechs Tage bleibt alles bei emem 
spez. Gewicht von 1010 konstant, dann geht der Eiweißgehalt auf IV2V00 herab; 
das spez. Grewicht sinkt dabei auf 1008. Zwischen dem 12. und 26. I. 12 erfolgt 
eine Schwankung nach oben; am 

. . . 1008 



10. 


I 


12. 


I 


14. 


I 


15. 


T 


24. T 


26. 


I 


30. 


I 


31. 


I 



1 1% /oo 

2'A •/««•■ 

2 %o • 
27. V«« 

3 /oo • 

2 1% /oo 



1010 
1009 
1011 
1010 
1010 
1009 
1010 



1>^ /oo 

Das Körpergewicht blieb konstant; das Allgemeinbefinden war bis auf eine 
Migräneattacke gut. 

Nephritis chronica. Grazil gebaute, 30 Jahr alte, bleich aussehende Frau. 
Im Jahre 1905 Kopfverletzung durch einen Schlag: Bruch des linken Parietal- 
knochens in der Ausdehnung von 4 cm im Durchmesser. 48 Stunden danach trat 
Meningitis auf. Verlangsamung der Sprache, nicht aber der Ideen. Vier Monate 
später schmerzhafte Kontraktion der Zehenbeuger. Urin Albumen. Ende 1905 
heiratete Patientin. Danach fand ein Abort statt. Später eine Entbindung mit 
Eklampsie. Kind jetzt 2 Jahr alt, normal. Patientin leidet dauernd an Albuminurie 
und Kopfschmerzen. Unter strenger Diät ging der Albumengehalt, der anfänglich 
40 pro mille betragen hatte, herunter. Urämische Erscheinungen wurden nicht 
beobachtet. 

Urinuntersuchung am 1. VI. 09: Spezifisches Gewicht 1020, Albumengehalt 
1,5 pro mille; hyaline und granulierte Zylinder. Rote Blutkörperchen, die früher 
vorhanden gewesen sein sollten, wurden nicht gefunden. Es besteht bleiches Aus- 
sehen, Schwäche. Patientin hat stark an Körpergewicht abgenommen. Leichte 
Ödeme der Augenlider, nervöse Symptome sind nicht mehr vorhanden. Urinmenge 
nicht über 800 — 900 ccm in 24 Stunden. 

3. VI. 09: Einleitung der Diathermiebehandlung beider Nieren. 

Unter mehrfachem Schwanken geht in 10 Wochen der Eiweißgehalt erheblich 
herunter. Vom August bis Anfang Oktober treten noch geringe Schwankungen 
auf: 

14.-18. VIII Vs-Voo 



19. VIII.— 14 
16. IX. . . 
17., 18. IX. 
19.— 24. IX 

1. Jv.. ... 

2. X. . . . 



IX 



/4 /oo 

1% /oo 

3/ 0/ 



00 



12 /oo 
3/ .0/ 
/4 /oo 

1% /oo 



Nach diesen letzten, durch eine Zystoskopie am 15. IX. provozierten etwas 
vermehrten Eiweißausscheidungen sinkt im Laufe der nächsten Wochen der Eiweiß- 
gehalt auf nicht mehr meßbare Spuren herab. Zylinder sind seit Ende Oktober nicht 
mehr auffindbar. Das Allgemeinbefinden ist vorzüglich. Patientin hat über 30 Pfund 
an Gewicht zugenommen. Die Urinmenge beträgt dauernd seit September 1500 
bis 1600 ccm in 24 Stunden. Die Besserung des Zustandes bleibt beständig. (Be- 
richt Januar 1913: Es ist nie wieder eine Spur Eiweiß seit Ende 1909 aufge- 
treten. 

Chron. Nephritis. H. A., 41 Jahr, 30. VIII. 11. Bei der Aufnahme in eine 
Lebensversicherung im Jahre 1909 wurde Albuminurie entdeckt, V? P^^ mille, 
im Laufe der nächsten Zeit stieg sie auf */4 pro mille, Urinmenge war meist reichlich. 
Patient nahm viel Getränke zu sich, meist Mineralwasserkuren. Es bestanden keine 
Ödeme, indessen fühlte er sich matt und kraftlos, in der Arbeit erheblich behindert, 
hatte öfter Kopfschmerzen. Die Untersuchung ergab eine leichte Vergrößerung des 
linken Ventrikels, reine Herztöne, gespannten Puls, bleiches Aussehen. 

Die Diathermiebehandlung wurde am 1. IX. 1911 eingeleitet und 6 Wochen 
lang täglich durchgeführt. Siehe umstehende Tabelle. 



156 



Klinische Anwendung der Diathermie. 

Tabelle. 



Datum 



Menge 



Alb. V^ 



Spei. Gew. 



31. VIII. 11 

1. IX. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 

10. ! 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 

17. : 

18. I 

19. i 
20. 

22. I 

24. 

26. I 

27. 

28. i 

29. ' 

30. I 
1. X. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 

14. XL 
12. I. 12. 
26. III. 



800 

750 

900 

820 

850 

800 

800 

1000 

800 

900 

1400 

800 

1400 

900 

1100 

1400 

1300 

1000 

1100 

1400 

1000 



1200 
1300 
1600 
1300 
1400 
1300 
1200 
1000 
900 
1400 
1250 
1300 
1100 



'U 



Va 



V. 



V4 



1022 



1021 



1022 



1020 
1018 



1200 



unter V4 
kaum ^/4 

V4 

V* 
V« 

V4 

V« 
V« 

V4 

unter 1/4 

unter 1/4 
Spuren 
Spuren 
Spuren 



1015 

1015 
1014 
1015 

1018 

1016 



Epithelien, rote Blutkörperchen, 
mehrere granulierte, zahlreiche 
hyaline Zylinder. 



Vereinzelte hyaline Zylinder, keine 
Blutkörperchen, einige granulierte 
Zylinder. 



1017 

1015 
1016 



1017 
1021 
1021 
1018 



Keine Zylinder, einzelne Leukozyten. 
Keine Zylinder. 

Nur Leukozyten und Epithelien 
des ableitenden Harnweges. 

Man ersieht aus der Tabelle, daß nach wenigen Sitzungen die Urinmenge 
steigt und der Eiweißgehalt auf weniger als ein Drittel der früheren Ausscheidung 
allmählich zurückgeht. 

Auch nach Abschluß der Behandlung geht er noch weiter zurück und beträgt 
nach vier Tagen nicht mehr meßbare Spuren. Die Zylinder sind ganz verschwunden. 
Die Urinmenge der letzten Tage betrug über 1000 ccm bei 1250ccm täglicher Flüssig- 
keitseinnahme. Das Allgemeinbefinden hat sich vollständig zur Norm gebessert. 
Pie Kopfschmerzen sind geschwunden, Patient ist voll arbeitsfähig geworden. 

Nephritis. Fräulein C, 16 Jahr alt, Nephritis chronica. Als kleines Kind 
Pneumonie. Vor 6 Jahren Pleuritis. Pneumonierezidiv vor 5 Jahren. Danach Auf- 
treten von Albuminurie, ödem der Beine und des Gesichts, besonders de^^ Morgens. 
Albumengehalt wechselnd, meist sehr hoch, 30 pro mille. Zeitweise Fieber, keine 
Schmerzen. Zylinderbefund unregelmäßig. Appetit gut. Obstipation, mitunter 



Erkrankungen anderer innerer Organe. 157 

Magenkrämpfe. Innere Organe o. B. Herz leicht hypertrophisch. Nieren palpa- 
torisch o. B. Unterschenkel stark ödematös bis zu den Stiefelrändem. Daselbst 
iKTulstartige Begrenzung des Ödems. Augengegend ödematös. Gesichtsaussehen 
pastös, Urinmenge nicht über 700 ccm. Starke Transpiration mit ammoniaka- 
lischem Geruch nach faulem Urin. Keine Inkontinenz. 

Einleitung der Diathermiebehandlung am 6. I. 10. Im Laufe der Behandlung 
geht unter Schwankungen der Eiweißgehalt auf 4 pro mille zurück. Bei gleich- 
bleibender Flüssigkeitsaufnahme steigt die Urinmenge bis 1300 g pro Tag und war 
in den letzten 14 Tagen nicht unter 1000. Allgemeinbefinden seit den ersten Sitzungen 
vorzüglich. Gesichtsfarbe blühend, Gewichtszunahme 1 kg. Kur beendigt. 

Im Laufe der nächsten acht Monate ging bei vorzüglichem Allgemeinbefinden 
der Eiweißgehalt auf Null herunter. Erst im Sommer 1912 traten Spuren von 
Eiweiß auf, die allmählich zunahmen, jedoch 3 ®/oo nicht überschritten. Das All- 
gemeinbefinden blieb unverändert gut. Ödeme bestanden nicht. 

Im Juni und Juli 1912 wurde eine zweite sechswöchentliche Diathermie- 
behandlung durchgeführt. In den ersten Tagen stieg der Albumengehalt etwas 
an, es fand eine vermehrte Ausschwemmung morphotischer Elemente (zahlreiche 
hyaline Zylinder, 3 — 5 granulierte im Präparat; wenige Nierenepithelien und rote 
Blutköri)erchen) statt; nach vier Wochei^ sank er jedoch wieder, und Patientin 
reiste mit weniger als 2°/oo ^^^ einem spezifischen Gewicht von 1007 ab. Die 
Urinmenge betrug durchschnittlich 1300 — 1600 g. Seitdem fehlt Bericht. 

Herr A., 17 Jahr alt. Mit 6 Jahren Scharlach, seitdem chronische 
Nephritis. Wegen leichter Verschlimmerung hatte er im Jahre 1910 eine neun- 
monatige Be£truhe innegehalten. Danach ist der Albumengehalt auf 0,25 pro mille 
heruntergegangen. In den letzten Monaten hat der Eiweißgehalt jedoch wieder zu- 
genommen. Es bestehen zeitweise Ödeme, mitunter Schmerzen in den Beinen, 
auch Gesichtsödeme. Cor nach rechts verbreitert; zweiter Pulmonalton akzentuiert, 
Spitzenstoß in der Mammillarli^ie. Radialpuls klein, beschleunigt, 96, im allge- 
meinen regidär, aber leicht beeinflußbar. Pat. fühlt sich matt und arbeitsunlustig. 

Diathermiebehandlung vom 16. XI. 10 bis 18. 1. 11. 

Urinbefund während der Behandlung siehe nachstehende Tabelle. 

Im Lauf von 6 Monaten nach Abschluß der Behandlung ist der Eiweißgehalt 
auf Null herabgegangen. Zylinder und Blutkörperchen sind dauernd verschwunden. 
Das Allgemeinbefinden war schon gegen Ende der Kur wesentlich gebessert und 
als normal zu bezeichnen. 

Bericht am 27. XI. 12. Klinische Heilung ist von Dauer geblieben. Des- 
gleichen Bericht Februar 13. 

Frau H., 27 Jahr, chronische Nephritis. Vor 2V2 Jahren Nierenent- 
zündung, welche während einer Schwangerschaft sich erhebfich verschlimmerte. 
Es trat Eklampsie mit 8 pro mille Eiweiß auf. Kind wurde perforiert. Danach 
bestand dauernd eine Eiweißausscheidung mit V4 P^^ mille. 

April 1911 trat eine neue Schwangerschaft ein und wiederum Eklampsie 
mit 6 pro mille. Das Kind starb ab; Entbindung mit Zange. Seitdem dauernd 
Eiweiß, Y2 ^is 1 pro mille. Schmerzen in der rechten Nierengegend. Ödeme. 
Fühlte sich matt und schwach, Kopfschmerzen, geringer Appetit. Sie führt eine 
fleischlose Diät, ißt nur Milch- und Mehlspeisen. Urin 1 — 2 Liter täglich. — Vom 
14. April bis 1. Juni Charit^. Entlassung mit 1 pro mille Albumen. 

Einleitung der Diathermiebehandlung am 26. August 11. 

Am 29. August starke Erkältung, danach stärkere Schmerzen. Die Be- 
handlung wird bis zum 15. November mit großen Unterbrechungen durchgeführt, 
im ganzen 12 mal. Während der ganzen Zeit bestehen heftige Schmerzen in der 
Nierengegend, Ödeme an den Füßen und Abgeschlagenheit. Der Eiweißgehalt 
geht unter Schwankungen von 1 ®/oo *^^ ^/a ^^^ V4 Voo herunter; das spezifische 
Gewicht des Urins steigt von 1014 auf 1017 am Schluß der Kur. Die funktionelle 
Untersuchung am 14. Dezember 11 ergab doppelseitige Nephritis. Im Laufe der 
nächsten 2 Monate bessert sich das Allgemeinbefinden, und seit Februar 12 fühlt 
sie sich vollkommen gesund. 

Im Januar 1912 wurde während eines Influenzaanfalles eine Urinuntersuchung 
vom Hausarzt vorgenommen, welche kein Eiweiß ergab; desgleichen im Ju'* 
von einem anderen Arzt. 



/ 



158 



EJinische Anwendimg der Diathermie. 



Am 17. Allgast 12 von mir nachontersacht : keine Ödeme, vollkonmienes 
W(^befinden, Urin vollkommen frei von pathologischen Bestandteilen- 



Datum 



Menge ' 8pes. Gew. < Alb. */«• 



16./XL 10 

17. 

18. 

19. 

20. 

21. 

22. 

23. 

24. 

25. 

26. I 

27. . 
28. 

29. 
30. 

2./xn. 

4. 

5. 

6. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
21. 
22. 
29. 
30. 

2./L 11 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

9. 
10. 
12. 
14. 
18. 



700 

650 

320 

920 

860 

780 

740 

560 

940 

780 

820 

960 

840 
1100 

820 

940 

860 
1025 

860 

740 

720 

720 

800 

920 

860 
1020 

950 

780 

840 

750 

900 

750 
1100 
1000 

980 

940 ; 

870 I 

910 ' 
1040 I 
1120 I 

1020 ; 

1050 

900 ; 

1140 
1075 ' 



1030 
1030 
1031 
1021 
1019 
1026 
1024 
1025 
1015 
1017 
1020 
1018 
1020 
1019 
1021 
1020 
1022 
1024 
1025 
1023 
1021 
1022 
1023 
1020 
1023 
1022 
1022 
1021 
1021 
1023 
1022 
1024 
1023 
1024 
1023 
1024 
1025 
1024 
1024 
1021 
1022 
1021 
1023 
1022 
1019 



V4 
S' 

/4 
1 

/S 
1 • 

. s 
1 
/t 

/4 
1 

t 
1 ' 

, S 

V, 
V, 

1 ' 

/l 
1 

1 
1 

, 1 

1 

, 2 
1 

, 2 
1 

/2 
3 

, 4 
1 
2 

2 

5 
1 

. 2 
1 

/ 2 
1 

. 2 
1 

/ 2 
1, 

, 2 
1 

/2 
1, 

, 2 
1 

. 2 
1 

.' 2 
1 

/2 
1 

/ 2 
1' 

/2 

V, 
V, 

1/ 

/2 

1 

'U 
Vt 

Vs 

1/ 

/2 
1' 

/2 
1, 

/4 
1 

;4 



sauer 

»» 

»>- 

alk. 

sauer 

sauer 

alk. 

neutr. 



sauer 



neutr. 
sauer 
sauer 



Epithelien» hyaline Zy- 
linder; Epithelz^inder» 
rote Blutkörperchen. 



•» 
»» 

»> 
>» 

»* 
•> 

»» 



Vereinzelt rote Blut- 
körperchen, Epithelien- 
zylmder, Leukozyten. 

» 
Epithelzylinder, Epithelien, 
Leukozyten, rote Blutk. 






GranuL Zylinder, rote 
Blutkörperchen, Wachs- 
zylinder, Leukozyten. 






Granul. Zylinder, vereinzelt 
Leukoz., keine rot. Blutk 



27. XI. 12: gut. 



Es zeigt sich demnach übereinstimmend in allen diesen Fällen, 
daß entsprechend den physiologischen Vorstellungen, die wir ims von 
der Wirkimg der Diathermie zu machen haben, zimächst nur die Wir- 
kungen der arteriellen Hyperämie imd der Dekongestionienmg sowie 
der spezifischen Hypersekretion in die Erscheinung treten. Die Urin- 



Erkrankungen anderer innerer Organe. 159 

menge nimmt zu. Infolgedessen sehwinden die Ödeme, und das All- 
gemeinbefinden hebt sich. Diese Besserimg des Allgemeinbefindens 
l>eruht jedoch nicht allein auf der vermehrten Wasserausscheidimg, 
sondern auch auf der erhöhten Sekretion der anderen Hambestandteile, 
Es geht aus der Tabelle neben der Steigenmg der Urinmenge auch deut- 
lich die Erhöhimg bzw. das Gleichbleiben des spezifischen Gewicht/s her- 
vor. Daß trotz dieser subjektiven und objektiven Bessenmg des All- 
gemeinbefindens die pathologischen und Formbestandteile nicht nur 
nicht verschwinden, sondern sogar in höherer Menge ausgeschieden 
Averden, erklärt sich daraus, daß zunächst das pathologische bzw. ge- 
schädigte Nierenepithel seine pathologischen Funktionen weiter aus- 
übt. Infolge der Verbesserung der Zirkulation in der Niere, vor allem 
durch die reichliche arterielle Hyperämie, wird die Vitalität der normalen 
Zellen so weit gehoben, daß sie allmählich das Übergewicht über die 
kranken Zellen gewinnen. Diese werden allmähUch eÜminiert (erhöhte 
Ausschwemmung von Zellmaterial im Zentrifugalsediment) und durch 
proliferierende normale Zellen ersetzt. Vielleicht erholen sich auch 
minder schwer erkrankte Zellkomplexe unter dem Einfluß der besseren 
Ernährung. Unter mannigfachen Schwankungen zeigt die pathologische 
Urinveränderung allmählich eine Tendenz zur Bessenmg, imd im Laufe 
von Monaten sehen wir dann eine erhebliche Besserung, ja, in manchen 
Fällen khnische Heilung als Endresultat auftreten. Wenn die physiolo- 
gischen Untersuchungen an der normalen Niere kein anderes Resultat 
ergeben als eine leichte Vermehrung der Hammenge, so steht diese Be- 
obachtung in Übereinstimmung auch mit dem übrigen Resultat der Dia- 
thermie, daß nämlich die normale Funktion des Gewebes, z. B. des 
Zirkulationssystems, sich unter dem Einfluß der Hochfrequenzwärme 
quantitativ nur wenig ändert, vielleicht ein wenig gesteigert wird, 
während qualitativ überhaupt keine Änderung eintritt. In pathologisch 
veränderten Geweben dagegen kann unter dem Einfluß der erhöhten 
Zirkulation nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ eine Ver- 
änderung sich nachweisen lassen. Hierzu kommt, daß gerade bei der 
Niere in ihrem Zusammenhang mit der Gesamtzirkulation bei patholo- 
gischen Zuständen ein Circulus vitiosus besteht, so daß infolge der 
Nierenerkrankimg die Zirkulation leidet und infolge der gestörten Zir- 
kulation wiederum das Nierenleiden sich verschlimmert. Man hat mehr- 
fach vorgeschlagen, von der ganz richtigen Erkenntnis ausgehend, daß 
die Nierenkapsel dem kongestionierten Organ infolge ihrer Straffheit 
eine Erschwerung seiner Funktion bereitet, die Dekapsulation der 
Niere therapeutisch auszuführen. Die hiemach einsetzenden vorüber- 
gehenden Besserungen erklären sich zum großen Teil daraus, daß die 
erleichterten Zirkulatibnsbedingungen eine Dekongestionierung und 
bessere Durchblutung des Organs mit nachfolgender Bessenmg seiner 
Funktion ermöglichen. Andererseits ist es jedoch für die spätere 
Funktion, d. h. also für Dauerwirkungen, nicht gleichgültig, ob die Niere 
ihres normalen resistenten Überzuges beraubt wird, der ja zur Ent- 
stehung eines gewissen, für die Filtrationsprozesse notwendigen Gegen- 
druckes vermutlich unentbehrlich ist. Die Diathermie entspricht 



160 Klinische Anwendung der Diathermie. 

den gleichen Indikationen wie die Dekapsulation, indem sie 
dekongestionierend und zirkulationserleichtemd wiikt, während sie 
andererseits keine neuen anatomischen Bedingungen schafft, nebenbei 
auch einen ganz wesentlich harmloseren Eingriff darstellt als die opera- 
tive Dekapsulation, welche wohl nur in seltenen Ausnahmefällen wirk- 
lich indiziert sein dürfte. 

Dazu kommt, daß die Diathermie auch noch anderen Indikationen 
genügt, insofern sie bei infektiösen Erkrankungen der Niere sowie bei 
Pyelitis vermöge ihrer die Abwehrfunktion der Gewebe stimuherenden 
Fähigkeit entzündliche Erkrankungen direkt beeinflußt. Allerdings 
müssen wir hierbei mit der gleichen Vorsicht vorgehen, die wir weiter 
unten bei den Staphylokokken- und Streptökokkeneikrankurgen der 
Haut empfehlen werden, weil überhaupt die akuten eitrigen Affektionen 
durch die Diathermie eine Exazerbation erfahren können. In chroni- 
schen Prozessen dagegen, wouz auch die Tuberkulose des Nierenbeckens 
und der Niere zu rechnen ist, sind Verschlimmerungen nicht zu erwarten. 

Die Beeinflussung der Pyelozystitis ist vollkommen analog der 
der Cholezystitis. Patienten, welche an regelmäßig rezidiviereder 
Cholezystitis leiden, sind nach einmaUger Diathermiebehandlung in 
wenigen Sitzungen rezidivfrei geblieben. Gleiche Beobachtimgen habe 
ich auch bei chronischer Peritonitis, Perimetritis und Peri- 
typhlitis gemacht. Sind jedoch akute eitrige Prozesse vorhanden, was 
evtl. durch genaue Leukozytenzählung wahrscheinlich gemacht werden 
kann, so ist die Diathermiehehandlung nicht unbedenklich. Man wird 
also in zweifelhaften Fällen ganz vorsichtige Dosen in 3— 4 Minuten 
langer Applikation (von 1 Ampere bei Elektrodengröße 10 x 20 cm) 
verwenden. Tritt danach Verschlimmerung ein, was man schon in 
6—8 Stunden konstatieren kann, so ist die Fortsetzung der Behandlung 
erst nach Ablauf des akuten Stadiums erlaubt; wird diese" Dosis gut 
vertragen, so steigt man allmählich mit der Dauer der Applikation und 
der Stromstärke imd behandelt schließlich intensiv. 

Besonders hervorzuheben ist die günstige Einwirkung der Diather- 
mie auf Adhäsionen. Gerade wie bei pleuritischen Verwachsungen, 
bei Hautnarben, bei traumatischen und postinflammatorischen Gelenks- 
ankylosen, sieht man auch bei intraperitonealen Narbensträngen nach 
wenigen Sitzungen erhebliche Besserungen der Schmerzen, ja mitunter 
schon nach der ersten Durchwärmung vollkommenes Sistieren aller 
Beschwerden einsetzen. Das ätiologisch Rationelle dieser Therapie 
erhellt aus den der direkten Beobachtung zugänglichen Erweichungen 
bei Hautnarben (Lupus, Verbrennungen), bei operativen Periost- und 
Sehnennarben usw. Auch bei Lageanomalien des Uterus infolge von 
Narbenzug oder Verwachsungen kann man die direkte erweichende 
Wirkung der Diathermie an der mechanischen MobiHsierung deutlich 
beobachten. Empfehlenswert ist in hartnäckigen Fällen der unmittel- 
bare Anschluß von Massage an die diathermische Applikation, auch 
dann, wenn schon vorher monatelang erfolglos massiert worden war. 

Die erhöhte Lösungsfähigkeit erwärmter Flüssigkeiten gegenüber 
niedriger temperierten macht es wahrscheinlich, daß die Kathermie 



Erkrankiuig anderer innerer Organe. IgX 

sich, zur Behandlung von Steinleiden eignen würde. Die Be* 
urteilung diesbezüglicher therapeutischer Resultate jedoch ist eine so 
scbi^erige, daß die klinische Beobachtung in keinem einzigen Falle 
einer strengen Kritik standhalten kann. £s kommt zur Beurteilung 
dieser Frage ja nicht nur auf die erhöhte Lösungsfähigkeit erwärmter 
Medien an als vielmehr auf die veränderte Qualität pathologischer 
Sekretionen unter dem Einfluß der Diathermie sowie auf chronische 
!Entzündimgszustände z. B. der Gallenblase oder des Nierenbeckens. 
Die StimuHerung der sekretorischen Funktion imter dem Einfluß der 
arteriellen Hyperämie und des durch die Diathermie erhöhten Zell- 
chemismus selbst ist neben der einfachen Temperaturerhöhung der be- 
reits sezemierten Flüssigkeiten mit zu berücksichtigen. Es wird da- 
her langjähriger Beobachtung an einem großen Material bedürfen, um 
diese Frage klar zu stellen, während Lösungsversuche in vitro keine 
"Übertragung auf die klinischen Verhältnisse gestatten. Unter diesen 
Clesichtspunkten kann ich daher nur von Eindrücken sprechen, und 
ich habe an fünf Fällen von Gallensteinen, acht Fällen von Nieren- 
steinen den Eindruck gewonnen, daß, abgesehen von gelegentlichen 
heftigen Kolikanfällen im unmittelbaren Anschluß an die Diathermie- 
rung, eine ganz auffallende Bessenmg des Zustandes der Patienten ein- 
getreten ist. Die Fälle, die zum Teil lange Zeit stationär verliefen, in 
denen z. B. alle 4—6 Wochen heftige Kolikanfälle auftraten, blieben 
eine Reihe von Monaten anfallsfrei, und spätere Anfälle verliefen außer- 
ordentlich leicht. 

Ich beschreibe als Beispiel einen Fall von Gallenkolik. 
FrL W., 30 Jahr. Als 12 jähriges Kind Scharlach und Diphtheriüs. 1905 zum 
ersten Male Leberanschwellung, 14 Tage bettlägerig, heftige Schmerzen an der 
rechten Seite, Behandlung Morphium und Karlsbader Salz. Dann war sie bis zum 
24. Juni 09 gesund. Da plötzlich heftige Schmerzen an der rechten Seite. Drei Tage 
lang Erbrechen (Galle); Schmerzen ununterbrochen trotz heißer Umschläge und 
Morphium. Völlige Appetitlosigkeit. Icterus conjunctivae. Nach drei Wochen 
Rückfall, bis zum 7. August arbeitsunfähig. Nach Karlsbader Salz trat Brechen auf. 
Die Schmerzen waren diesmal mehr nach links lokalisiert und strahlten nach der 
Schulter zu aus. In den ersten Wochen bestand Fieber. Objektiver Befund: 
Grazil gebaute Erau von sehr schlechtem Ernährungszustand, bleicher Gesichts- 
farbe, Backen eingefallen, kein Ikterus, Lunge, Cor o. B. Leber stark vergrößert, 
überragt den Rippenrand rechts um 4 Querfinger, links um ganze Handbreite. 
Leber hart, links starke Druckempfindlichkeit, rechts weniger. 
Am 7. August 09 erste Sitzung. Diathermie. 
Am 8. August. Nach der ersten Sitzung gestern zum ersten Male seit drei 

' Wochen ganz schmerzfrei, heute früh etwas Schmerzen in der linken Seite. Linker 

i Leberlappen beim Aufsetzen der Elektrode schmerzhaft, so daß Patientin zu- 

sammenzuckt. Nach 5 Minuten langer Applikation ist die Leber ohne Schmerzen 
kräftig palpabeL Nach drei Sitzimgen war das Allgemeinbefinden wesentlich ge- 

' bessert. Schmerzen sind nicht mehr aufgetreten. Die Leber ist bis zu einem Quer- 

I ßnger unter den Rippenbogen beiderseits abgeschwollen. 

^ Während ich mich in der I. Auflage dieses Lehrbuches wie vor- 

f^ stellend vorsichtig ausdrücken mußte und die Möglichkeit von Zufällig- 

fl keiten in der Beurteilung stark betonte, kann ich heut nach sieben 

\i weiteren Jahren, gestützt auf ein reichlicheres Material die chronische 

äi Cholezystitis als eine der aussichtsreichsten Indikationen für die Dia- 

\ß thermiebehandlung bezeichnen. Die Resultate sind häufig so eklatant, 

Nagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. H 



f 



162 Klinische Anwendung der Diathermie. 

daß ich es mir nicht versagen kann, den Verlauf eines Falles aus dem 
vorigen Jahr und eines weiteren aus diesem Jahr kurz zu schildern. 

Frau M., 33 Jahr. Paratyphus 1913; Darmbesohwerden 1917. Im Sommer 
1917 Gallenblasenentzündung. Dauernd Beschwerden. Januar 1918 chron. 
Cholez3r8titi8 konstatiert (Magenspezialist); Harn ikteriech, Stuhl nicht Töllig 
acholisch. Seitdem dauernd Beschwerden wechselnder Stärke. Bei dem geringsten 
Diätfehler heftige Schmerzanfälle; desgl. nach Aufregungen imd körperlichen 
Anstrengungen. Vor 4 Wochen Angina; danach heftige Schmerzen, Appetitlosigkeit. 
Zurzeit Leber 2 Querfinger imter dem Rippenbogen, auch linker Lappen ver- 
breitert. Starke Druckempfindlichkeit der Gallenblasengegend. Am 2. Juli 19 
erste Diathermiebehandlung; danach sofort schmerzfrei. Noch 3 Behandlungen 
in den nächsten 3 Wochen. Seitdem völlig beschwerdefrei ohne jede Diätbeschrän- 
kung, auch bei körperlichen Anstrengungen. Letzter Bericht: November 1920. 

Frau G. 47 Jahr. Seit vielen Jahren häufig schwere Gallenkoliken. Am 
6. II. 20 nachts plötzlich neuer AnfalL Heftige Schmerzen, Erbrechen, große 
Schwäche, dauernd Nausea, Speichelfluß. Sofortige DiathermiebehancUung. 
Sofort schmerzfrei; kein Erbrechen mehr; noch etwas Würgen. 9. II. Gallen- 
beschwerden nicht wiedergekehrt, leichter Ikterus; Zunge belegt. Seitdem bis heute 
kein Anfall mehr aufgetreten. 

Es sind noch eine Reihe weiterer innerer Erkrankungen der Dia- 
thermiebehandlung zugänglich. So ist die Achylia gastrica vermöge 
der sekretionssteigemden Wirkung der Diathermie ein dankbares Ge- 
biet. Bei Hyperazidität dagegen muß man stets vorsichtig sein, be- 
sonders wegen der Möglichkeit eines latenten Ulcus, welches, wie wir 
weiter unten sehen werden, eine Kontraindikation ^ür Diathermie in 
den meisten Fällen darstellt. 

Ein bemerkenswertes therapeutisches Resultat habe ich in einem 
Fall von traumatischer Splanchnoptose beobachtet: 

Pat. Seh., 55 Jahr. 6. November 1910. 

Vor 4 Wochen Quetschung des Abdomens, seitdem hat er Schmerzen nach 
dem Essen sowie dauernde Beschwerden im Leib. Er trägt eine Bauchbandage. 
Bei aufrechter Stellung besteht eine erhebliche Ptose. Die Leber reicht alsdann 
bis 2 Querfinger oberhalb des Nabels. 

Hochfrequenzbehandlung. 

12. Dezember: Ptose beseitigt, Patient trägt keine Binde mehr, Beschwerden 
nach dem Essen sind geschwunden, große Kurvatur steht oberhalb des Nabels, 
Leber reicht in aufrechter Stellimg 2 Querfinger unter den Rippenbogen. 

Auch bei nicht traumatischen Fällen sind häufig gute Resultate 
erzielbar. 

FrL W. 17 Jahr. Seit Jahren Magenbeschwerden. Röntgenbild ergibt starke 
Magensenkimg und linksseitige Nierensenkung. Diathermiebehandlung im Laufe 
des März 1920. Baldige Besserung der subjektiven Beschwerden (Magendrücken, 
belegte Zunge, Appetitlosigkeit). Untersuchung am 31. März: Niere an normaler 
Stelle. Keine Magenbeschwerden. Kontrolliert am 17. Mai: Befund der gleiche. 

Frl. H. 27 Jahr. Hochgradige Magensenkung und Erweiterung. Senkung 
der linken Niere. Beginn der Diathermiebehandlung am 9. Februar 1920. Im ganzen 
7 Sitzungen. Am 27. HI. Unterer Magenrand bereits in Nabelhöhe; Niere noch 
gesenkt. 27. IV. Beschwerdefrei: Magen und Niere in richtiger Lage. 

Eine Erklärung der Diathermiewirkung ist in diesen Fällen schwie- 
rig. Zweifellos spielen hier Spannungs- und Tonusverhältnisse eine 
Rolle. Eine Veränderung der Turgeszenz der Bauchorgane durch 
Hyperämisierung des Splanchnikusgebiets in toto oder partiell, resp. 
eine Dekongestionierung kann »bezüglich der relativen Lagerung der 



Erkrankung anderer innerer Organe. 163 

Baucheingeweide von Bedeutung sein. Vielleicht kommt auch die 
bei konsequenter Diathermiebehandlung häufig beobachtete iSewichts- 
zunahme nebst damit zusammenhängendem Fettansatz für das Zu- 
standekommen der Heilung wesentlich mit in Frage. Es ist mit Recht 
versucht worden, die diathermische Energiezufuhr im Sinne einer quasi 
elektrischen Mastkur (Ration d'appoint) bei marastischen Zuständen 
zu verwenden. 

Wenngleich diese Auffassung vielleicht etwas weitgehend erscheinen 
dürfte, können wir doch die Besserung des Allgemeii;ibefindens, die wir 
in zahlreichen Fällen ebenfalls beobachtet haben, ebenso wie die da- 
mit verbundene Gewichtszunahme, auf das Konto der Diathermie 
buchen; nur ist es nicht notwendig, die Umwandlung von elektrischer 
Energie in Fettansatz, wohl aber indirekt, ihre stoffwechselsparende 
und Stoffwechsel- und zirkulationsanregeride Wirkung als maßgebend 
für den therapeutischen Erfolg anzuerkennen. 

Bei nervösen Gastralgien, Dyspepsien und Motilitäts- 
störungen, soweit letztere nicht mechanisch bedingt sind, erreicht 
man mitunter in 8— 10 Sitzungen mehr, als vorher mit Bade- und lang- 
wierigen Sanatoriumskuren erzielt werden konnte. 

In den letzten Jahren habe ich eine größere Anzahl von Fällen 
von Ulcus ventricuü und duodeni kombiniert mit Röntgentiefenbestrah- 
lung und Diathermie behandelt. Die Patienten erhiplten zunächst 
Röntgenbehandlung in mäßigen Tiefendosen imd etwa eine Woche 
später Diathermie. Die Schmerzen und die Obstipation besserten sich 
meist unmittelbar. Die Besserung resp. das Schwinden der Schmerzen 
sind in erster Reihe auf die krampflösende, dekongestionierende Wir- 
kung der Diathermie zurückzuführen (Pylorospasmus, Abklingen der 
entzündUchen Vorgänge in der Umgebimg des Ulcus). Vorbedingung 
ist selbstverständlich, wie mehrfach betont, daß keine Neigung zu 
Blutungen bestehen darf. Es müssen daher erst genaue Untersuchungen 
auf okkulte Blutung vorhergehen, die deren völliges Fehlen feststöllen 
müssen. Andernfalls ist erst mit Röntgentherapie allein vorzugehen. 
In richtig ausgewählten Fällen ist auf das Eintreten der subjektiven 
Besserung mit ziemlicher Sicherheit zu rechnen. 

In gleicher Weise habe ich auch die reine Hyperazidität behandelt, 
ohne bezüglich der Säurewerte deutliche Besserungen gesehen zu haben. 
Das ist auch bei der allgemein sekretionsanregenden Wirkung der Dia- 
thermie nicht ohne weiteres zu erwarten. Die Besserungen sind viel- 
mehr auch hier zunächst auf die spasmolytische Wirkung der Diather- 
mie zurückzuführen. , 

Es mag auch hier noch einmal auf die Behandlung von Verwach- 
sungen, wie sie auch nach Ulcus duodeni auftreten, hingewiesen werden. 
Es gilt auch hier das auf S. 160 über Narbenstränge Gesagte. Bei richtiger 
Lokahsierung der Diathermieapplikation und etwa dreimal wöchentlicher 
Behandlung können in vielen Fällen die günstigsten Resultate erzielt 
werden. Zweckmäßig verbindet man mit der Diathermie die Massage, 
indem man entweder während der DiathermiebehandluDg mit der 
Elöktrode selbst imter mäßigem Druck, und ohne die Elektrode von 

11* 



164 Klinische Anwendung der Diathermie. 

der Haut zu lüften, kreisende resp. verteilende Massagebewegungen 
ausführt, pder indem man die manuelle Massage unmittelbar an die 
Sitzung anschließt, wobei die analgesierende Wirkung der Diathermie 
gut zustatten kommt. 

Auch bei spastischer Colitis habe ich gute Eesultate gesehen. 
Die Wirkung ist zumeist so prompt, daß maximal kontrahierte Darm- 
abschnitte, welche als harte Stränge palpabel waren, unmittelbar nach 
der Sitzimg dem Gefühl völlig verschwanden. Hand in Hand hiermit 
ging ein sofortiges Aufhören der subjektiven Beschwerden imd Regelung 
der Stuhlentleerung. 

Mehrfach versucht imd empfohlen wird auch die Diathermie bei 
den hyposekretorischen Formen der Struma und des Basedow sowie 
des Myxödems, während die hypersekretorischen Formen besser auf 
Röntgenstrahlen reagieren. Im allgemeinen ist beim Vorhandensein 
einer deutlichen Schilddrüsenvergrößerung von der lokalen Diathermie- 
behandlimg der Drüse abzusehen, wegen der wachstumsanregenden 
Wirkimg. Hingegen reagieren die sekundären Herzstörungen günstig 
auf die Diathermiebehandlung. 

Noch eine Reihe von Affektionen der weiblichen Genital- 
s phäre stellen ein wichtiges Indikationsgebiet dar, so die häufigen sog. 
Ovarialneuralgien, die ja allerdings wohl meist auf alten entzünd- 
lichen Affektionen basieren. Man sieht mitunter nach wenigen Sitzungen 
Jahre bestehende Schmerzen in den Adnexen dauernd verschwinden, 
ebenso wie auch peri- und parametritische alte Infiltrate sich 
ganz überraschend schnell erweichen und resorbieren. Selbst massige 
Infiltrate, die ich eigentlich ganz ohne Hoffnung lediglich als Versuch 
diathermierte, waren nach kurzer Zeit restlos verschwunden. Die aktive 
Hyperämie, welche die Diathermie an beliebiger gewünschter Stelle 
sofort hervorruft, ist eben eine wesentlich intensivere, als, wir sie sonst 
durch Hyperämie oder äußerliche Applikation von Wärme, die ja thera- 
peutisch meist hierzu herangezogen werden, zu erzielen vermögen. Das 
gleiche gilt von chronischen Entzündungen des Uterus sowie 
von akuten und älteren gonorrhoischen Entzündungen jeglicher Art; 
allerdings muß man hierbei die Toleranz der Schleimhaut bis zur äußer- 
sten Grenze ausnutzen und möglichst lange und tiefgehende sorgfältige 
direkte Durchwärmungen vornehmen. 

Die gonorrhoischen Entzündungen jeglicher Lokalisation sind die 
einzigen akuten eitrigen Prozesse, bei denen die Diathermie zumeist 
erlaubt ist. Nur wenn Fieber besteht tmd somit mit der Gefahr einer 
gonorrhoischen Sepsis zu rechnen ist, ist große Vorsicht am Platze tmd 
Beginn mit ganz kurzen und schwachen Sitzungen notwendig. 

Hierbei ist' es zweckmäßig, die Elektrode zugleich als Massage- 
instrument zu benutzen, außer in den Fällen, in denen man mit dem 
Vorhandensein frischer Infektionen oder gar Eiterungen zu rechnen hat. 
In den anderen Fällen, also besonders bei Adhäsionen, kann man unter 
der analgesierenden Diathermiebehandlung nach und nach stärker 
werdende Massage ausüben. Es ist auch häufig zweckmäßig, die Massage, 
evtl. bimanuell, an die Diathermiebehandlung unmittelbar anzuschließen. 



Erkrankung anderer innerer Organe. 165 

In den meisten Fällen kommt man mit der äußerlichen Durch- 
wärmung des Beckens von Symphyse zum Kreuzbein auch bei An- 
wendung großer Stromstärken nicht aus. Dies liegt im wesentlichen 
daran, daß hierbei Blase und Rektum in ihren oberen Abschnitten ge- 
troffen werden, das kleine Becken aber tmd mithin die Genitalorgane 
gar nicht oder nur in ihren obersten Abschnitten Strom erhalten. Zweck- 
mäßiger ist die Einfühnmg einer dicken Vaginalelektrode (Abb. 36f.), 
die man mittels bimanueller Palpation an die richtige Stelle führt. 
Durch Anlegen einer größeren Plattenelektrode dorsal, ventral oder 
seitUch dirigiert man sodann den Diathermiestrom nach Belieben und 
erzielt kräftige an der Vaginalelektrodenspitze sich konzentrierende 
Erwärmungen. 

Auch bezügUch des Infantilismus der weiblichen Genitalien 
bzw. der hierdurch bedingten Sterilität kann ich den Eindruck durch 
Diathermie erzielter therapeutischer Erfolge betonen. Die Behandlung 
findet hierfür am besten zweimal wöchetlich in längerer Sitzung mehrere 
Monate statt. 

Schwer erklärHch, aber durch eine Reihe khnischer Beobachtungen 
sichergestellt, sind die Heilungen von Lageanomalien des Uterus 
durch alleinige Diathermietherapie. Neben der Beseitigung parametri- 
tischer Infiltrate und Erweichung von Adhäsionen kommt hier die 
Dekongestionienmg und arterielle Hyperämisierung als Heilfaktor in 
Betracht. Gerade wie bei der Erektion wird auch im Uterus die Er- 
zielimg einer erhöhten Turgeszenz durch diathermische Hyperämie die 
Aufrichtung und normale Lagerung des Organs begünstigen. 

Auch in der Geburtshilfe liegen bereits einige spärliche Er- 
fahrungen vor. So habe ich 1909 in der Charit^ Versuche an dem Ma- 
terial der Bummschen Klinik angestellt zwecks künstücher Einleitung 
der Geburt bei Wehenschwäche, imd am 15. Februar 1912 stellte Henkel 
in Jena einen Fall von Missed-Labour vor, der vergeblich mit Pituitrin 
behandelt worden war. Die Geburt kam durch Behandlung mit Dia- 
thermie in Gang. 

Ein zweiter Fall von Wehenschwäche wurde ebenfalls mit Dia- 
thermie behandelt, wonach gleichfalls der Geburtseintritt erzielt wurde. 

Von besonderem Wert dürfte die Diathermie für die Erhaltung 
von Frühgeburten sein. Die direkte Zuführung reiner Wärmeenergie 
neben den sekundären stimuüerenden Wirkungen läßt derartige Ver- 
suche höchst aussichtsvoll erscheinen (Kondensatorbett). 

Die wesentüchen Bessenmgen, die bei Erkrankungen innerer Or- 
gane durch die Diathermie erzielt worden sind, lassen es nicht unmög- 
lich erscheinen, daß bei weniger ausgeprägten Krankheitserscheinimgen, 
als in den mitgeteilten Fällen vorhanden waren, diejenigen patholo- 
gischen Veränderungen, die wir als beginnende Zirrhose zu be- 
zeichnen pflegen, einer weitgehenden therapeutischen Beeinflussung 
zugänglich sind; welche Perspektiven sich hierdurch eröffnen, bedarf 
keiner Darlegung. Es handelt sich hier keineswegs um vage, nicht ge- 
prüfte Hypothesen. Die guten klinischen Resultate, welche ich bei 
zahlreichen Fällen von Leberanschoppung, dauernder Lebervergröße- 



166 KliniBche Anwendung der Diathermie. 

rung, chronischen Nierenaffektionen, die unter. der Diagnose „Zirrhose" 
in meine Behandlung kamen, erzielte, geben die Grundlage für die ver- 
mutete Beeinflußbaikeit zirrhotischer Prozesse. Freilich stehei^ Sek- 
tionsbefunde aus, und somit fehlt der letzte Beweis, 

Gerade so wie die chronischen Entzündungen des Nierenbeckens, 
der Gallenblase, seröser Häute, von Darmabschnitten sind auch Ent- 
zündungen imd Katarrhe der Blase der Diathermiebehandlung 
zugängliche Nur akute eitrige, nicht auf Gonorrhöe beruhende Ent- 
zündungen reagieren anfänglich mit Exazerbation. Chronische Fälle 
hingegen zeigen so überrascfiend schnelle Besserungen, daß sie ein siche- 
res Indikationsgebiet für Diathermiebehandlung darstellen. Nicht nur 
sind meist von der ersten Sitzung an die Inkontinenzerscheinungen, der 
Tenesmus geringer — ja, sie verschwinden selbst nach kurzer Zeit, 
sondern objektiv sieht man meist nach wenigen Tagen reichliches Auf- 
treten mononukleärer Zellen, Abnahme der polynukleären, Geringer- 
werden des Sediments, Klärung des Urins und Heilung. Es ist fast 
die Regel, daß chronische Fälle, die man regelmäßig spült, mit Argentum 
verschiedener Konzentration behandelt, die weder auf XJrotropin noch 
Bärtraubentee irgendwie mehr reagierten, wenige Wochen nach Ein- 
leitung der Diathermiebehandlung geheilt sind. Allerdings ist zu- 
meist eine intravesikale Behandlung notwendig. Mit der Behandlung 
von den Bauchdecken aus kommt man nur selten zu genügenden Re- 
sultaten. Ich habe eine Anzahl chronischer Fälle von Zystitis zur 
Feststellung der Diathermiewirkung lediglich mit dieser behandelt. 
Nachdem ich mich von der Wirkung jedoch überzeugt hatte, habe ich 
die übliche Behandlung (Spülungen, Instillationen) mit der Diathermie 
kombiniert und glaube, damit zu schnelleren Resultaten gekommen zu 
sein. Ich spüle die Blase mehrmals, bis die Borlösung klar abfließt, und 
fülle die Blase, je nach ihrer Kapazität, niäßig mittels eines Metall- 
katheters an. Dieser wird sodann außen verschlossen, verbleibt in situ 
und dient als zuführende Elektrode. Die andere indifferente Platten- 
elektrode wird während eines Teiles der Sitzung über der Symphyse 
auf die Bauchwand gelegt, während des zweiten Teils der Sitzung liegt 
der Patient auf ihr. Durch wärmnngen mit 800— 1000 Milliampere 
10—20 Minuten lang genügen zumeist. Ich habe Blasen gesehen, die 
anfänglich eine Kapazität von 80— lOOccm hatten und nach 3 bis 
4Sitzimgen 200—300 aufwiesen. Entsprechend dieser Verbesserung 
war Tenesmus und Inkontinenz meist schon nach der ersten Sitzung 
geschwunden. Diese letzteren Wirkungen erzielt man meiner Erfahrung 
nach besser bei der geschilderten intravesikalen Behandlung als bei 
der ebenfalls zulässigen, aber weniger wirksamen Behandlung von 
außen, wobei eine Elektrode über der Symphyse, die andere unter das 
Gesäß (nicht Kreuzbein) oder auf den Damm gelegt wird. Es kommt 
bei der intravesikalen Behandlung auch eine diathermische Wirkung 
auf den Blasenhals sowie den Blasenmund zustande imd wirkt hier 
krampflösend; daher die unmittelbare subjektive Besserung durch 
Diathermiebehandlung. Zystoskopiert man vor und nach der Dia- 
thermierung, so sieht man nachher — auch bei zweiseitiger Platten- 



Erkrankung anderer innerer Organe. Ig7 

durchwännung ohne direkte Elektroden-Einführung in die Blase — eine 
deutliche ödematisierung und helle Hyperämisierung der Blasenschleim- 
haut. Es sind diese Beobachtungen mit die Grundlage für die Auffassung 
der Diathermiewirkung* geworden, dahingehend, daß die Diathermie 
eine tiefgehende arterielle Hyperämie und ödematisierung macht. Bei 
stark überdehnter Blase mit hochgradiger Atonie pflegt die Inkontinenz 
nicht so Schnell zu schwinden. Nach der Sitzung wird die Blase ent- 
leert. Auf die Einbringung von Argentum im Anschluß hieran habe ich 
zumeist verzichtet. Die Behandlung wird als überaus wohltuend emp- 
fimden und soll bei richtiger Applikation vollkommen schmerzlos sein. 
Selbst in Fällen, bei denen die Einbringung des Instrumentes heftigen 
Reiz verursacht, hört dieser mit dem Moment des Stromdurchganges 
vollständig auf, so daß beliebig lange Applikationen möglich sind. 

In gleicher Weise wie die Erkrankungen des weiblichen Genital- 
systems bietet auch die männliche Genitalsphäre eine Reihe be- 
reits feststehender Indikationen. Die Thermolabilität der Gonokokken, 
welche in vitro ja schon bei geringer Temperatürsteigerung über die 
Blutwärme hinaus erheblich geschädigt imd schnell abgetötet werden, 
fordert ja geradezu heraus, Diathermie zur Behandlung derartiger 
Affektionen heranzuziehen. Die therapeutischen Maßnahmen zur Be- 
handlung der Gonorrhöe mittels Wärme fanden eine wesentliche Er- 
schwerung, ja eine Grenze an der mangelhaften Tiefenwirkung der bis- 
lang zur Verfügung stehenden Prozeduren. Auch die in manchen Fällen 
von unzweifelhaft günstigem Erfolg begleiteten heißen Irrigationen be- 
sitzen eben keine genügende Tiefenwirkung. Da es nun für die Diather- 
miemethode gar keine Schwierigkeit darstellt, Tiefendurchwärmuögen 
der Urethra von der Schleimhautoberfläche aus oder durch die ganze 
Gewebsmasse hindurch von außen vorzunehmen^), so könnte es ja 
von vornherein leicht erscheinen, die Gonorrhöe durch einfache Durch- 
wärmung zu heilen. Aber es ergeben sich praktisch hier doch sehr 
erhebliche Schwierigkeiten. Zunächst muß man, um gleichmäßige 
Tiefenwirkungen zu erzielen, wie auf S. 106 u. 107 ausgeführt, mit relativ 
kleinen Stromstärken sehr lange diathermieren. Dann spielt die Streuung 
eine wesentliche Rolle. So ist es technisch durchaus nicht leicht, eine 
gleichmäßige Diathermierung der gesamten Urethra bis in die Blase 
hinein vorzunehmen, ohne die Schleimhaut an irgendeiner Stelle zu 
stark zu erwärmen. Bezüglich der Pars pendula liegen zwar keine be- 
sonderen Schwierigkeiten vor. Sobald man aber an die Wurzel des 
Penis gelangt, ist es ohne spezielle Technik immöglich, eine gleich- 
mäßige Durchwärmung nach allen Seiten hin von der Schleimhaut 
der Urethra aus zu erzielen. 

Dr. Santos hat im Jahre 1912 mit Unterstützung der Firma 
Siemens & Halske Versuche in meinem Institut begonnen und ander- 
weitig fortgeführt, welche zum Ziel hatten, die gesamte Urethra bis 
zur Blase mittels einer eingeführten Urethralsondenelektrode gleich- 
mäßig zu durchwärmen und so die Gonorrhöe gewissermaßen in einer 

^) Es ist z. B. mit relativ geringen Stromstärken möglich, eine vollkommene 
Amputation des Penis durch Koagulation ohne jede Blutung vorzunehmen. 



16g Kliniflohe Anw^idung der Diathennie. 

Sitzung zu kurieren. Da aber zur sicheren Abtötung der Gonok<^keo 
eine Temperatur von 45° C mehr als ^/^ Stunde lang nötig ist und diese 
Temperatur gleichzeitig die Toleranzgrenze der Schleimhaut darstdlt, 
da es aber andererseits technisch sehr schwierig, ja fast immöglich ist, 
eine gleichmäßige Durchwärmung der gesamten Hamröhrenschleim- 
haut nach allen Richtungen hin vorzunehmen, so ist diese Methode 
von vornherein abzulehnen. Die Harnröhre hat in verschiedenen Ab- 
schnitten wechselndes Kaliber, die Schleimhaut liegt also der Elektrode 
einmal glatt, einmal gefältelt an. Sie liegt femer bald dicht unter der 
äußeren Haut, bald von dicken Gewebsschichten bedeckt. An manchen 
Stellen ist eine dünne Membran, an anderen tiefreichende Drüsengänge, 
Lakunen usw. zu behandeln. Endlich ist bei selbst kompliziertester 
Apparatur die Konstanterhaltung der wirksamen hohen Temperatur 
während ca. 40 Minuten fast immöglich. Aus all diesen Gründen hat 
die Behandlung, die in ihren Resultaten also keineswegs sicher ist, 
keine Nachahmer gefunden. 

Gelingt es also auf diesem gewissermaßen direkten Wege nicht, 
eine gonokokkeninfizierte Harnröhre zu sterilisieren, so kann die Dia- 
thermie doch zur Behandlung der Gonorrhöe mit Erfolg herangezogen 
werden neben der gewöhnlichen desinfizierenden Behandlimg. Es 
bedeutet ja schon einen Erfolg, wenn man wenigstens Teile der Urethra 
genügend durchwärmen kann. Und diese Möglichkeit liegt vor. 

Zur Behandlung der Pars pendula bediene ich mich dreier Methoden» 
Die eine besteht darin, den vordersten Abschnitt der Glans penis in 
einer speziell hierfür konstruierten, mit suspensoriumartiger Kxier- 
vorrichtimg versehenen Glaselektrode gerade in den Spiegel einer 
diese Elektrode füllenden Flüssigkeit eintauchen zu lassen, welche die 
Stromzuleitung besorgt. Welche Lösung man hierfür benutzt, ist ziem- 
lich gleichgültig. Ich bediene mich im allgemeinen der ^/4proz. Protar- 
goUösung. Als zweite Elektrode verwende ich entweder die in Abb.36f. 
dargestellte Rektalelektrode, welche bis über die Prostata hinauf ein- 
geführt wird, oder lasse den Patienten rückwärts gelehnt mit der Sakral- 
gegend auf einer Plattenelektrode sitzen oder liegen. 

In der zweiten Methode ersetze ich die Wasserelektrode durch eine 
gut adaptierte becherförmig zurechtgebogene kleine Bleielektrode, 
welche über die Eichel gestülpt imd durch Druck von außen an ihr 
fixiert gehalten wird. Man muß dafür sorgen, daß eine Berührung 
der Oberschenkel und des Skrotums dabei vermieden wird. Die Strom- 
stärke, die hierfür angewandt werden darf, ist relativ klein imd richtet 
sich nach dem Querschnitt des Gliedes. Im allgemeinen können 300 
bis 400 Milliampere nicht überschritten werden. Es empfiehlt sich, 
wegen häufig gerade hier bestehender Thermoanästhesien auch bei 
sonst gesimden Individuen öfter den Grad der stattgefundenen Durch- 
wärmimg durch Palpieren festzustellen. Diese Art der Technik genügt 
jedoch nur für Affektionen der Pars pendula imd zur Behandlung 
nervöser Impotenz. Eine akute Gonorrhöe kann man hierdurch 



Anm. Archives d'61ectrioit6 m^dicale No. 354 (1913). 



Erkrankung anderer innerer Organe. 169 

picht beseitigen. Diese erfordert vielmehr eine Beeinflussung der ge- 
samten Urethra. Behandlung mit einer einfachen Metallsonde ohne 
Temperaturmeßvorrichtung an verschiedenen Abschnitten führte selbst 
bei stundenlanger Applikation nicht zum Ziel. 

Ich wende deshalb bei der akuten Gonorrhöe als dritte und zweck- 
mäßigste Methode die Durchwärmung der ganzen unteren Becken- 
gegend an. Zu diesem Zweck wird, als erste Behandlungsphase, der 
Patient auf eine Elektrode gelegt, welche vom Kreuzbein bis unter 
das Steißbein nach dem Gesäß zu hegt. Das Glied wird nach oben 
auf den Leib umgelegt und nun mit einer talerförmigen Elektrode 
die Unterseite des Penis von der Spitze anfangend kräftig durch- 
wärmt. Stromstärke 300 Milliampere, Dauer 10 Minuten für jede 
einzelne Stellung mit Unterbrechung zur Kühlung. Ist man an 
der Umbiegungsstelle bis zum Damm gelangt, so muß hier die Strom- 
stärke verkleinert und die Durchwärmungsdauer möglichst verlängert 
werden, um eine möglichst große Tiefenwirkung zu erzielen. Femer 
muß man vor dem Umbiegen um die Sjrmphyse die große Elektrode 
weiter nach oben unter das K^euz schieben. Ist man so bis an den 
Anus gelangt, so beginnt die zweite Phase der Behandlimg. Man 
legt jetzt die Sakralelektrode auf den Leib (unter den Penis, welcher 
nunmehr von dieser Elektrode isoliert gelagert wird) und durchwärmt 
vom Anus an aufwärts nochmals mit der Talerelektrode bis an den 
vorderen Symphysenrand. Endlich kann man noch zur Sicherheit die 
Vaginaleldktrode in das Rektum bis an die Prostata vorschieben und 
nochmals gegen die vordere Bauchwand hin langdauemd durchwärmen ; 
hierbei kann man Stromstärken bis nahe an 1 Ampere verwenden. 
Auf diese Weise kann ganz ohne komplizierte Apparatur eine tief gehende 
und komplette diathermische Durchwärmung der ganzen Harnröhren- 
gegend durchgeführt werden. Diese Behandlimg dauert ca. 3 Stunden, 
hat aber in den beiden Fällen, in denen ich sie angewandt habe, in 
einer Sitzung die akute Gonorrhöe vollkommen geheilt. Am nächsten 
Tage war noch eine geringe seröse Sekretion nachweisbar, danach die 
Heilung als komplett zu bezeichnen. Diese Behandlung ist aber so zeit- 
raubend und erfordert so viel Sorgfalt, daß ich sie nur gewissermaßen 
experimenti causa in zwei Fällen durchgeführt habe. 

Eine wesentliche hierbei zu überwinaende Schwierigkeit lag in der 
schon mehrfach berücksichtigten Randwirkung, die sich bei Verwen- 
dung einer sondenförmigen Elektrode geradezu als Spitzenwirkung 
äußert. Nur, wenn man eine Sonde in die Pars pendula einführt und 
äußerHch die Pars pendula mit der anderen zyHnderförmig gestalteten 
Elektrode umgibt, kann man mit einer einigermaßen gleichmäßigen 
Wirkung von der Sonde aus in die Schleimhaut hinein rechnen. Aber 
auch hierbei sind unvermeidliche Differenzen vorhanden, weil z. B. 
die Urethra der unteren Oberfläche des Gliedes ganz dicht anliegt, 
während sie nach den anderen Seiten mehr oder weniger von der Ober- 
fläche entfernt ist. So einfach es also scheinen mag, die Diathermie, 
welche ja Gewebsschichten von vielen Zentimetern Dicke bis zur Koagu- 
lation zu durchwärmen vermag, zur Tiefendurchwärmung der Schleim- 



170 Klinische AnwenduDg der Diathermie. 

haut der Urethra zu verwenden, so sieht man, daß in der Praxis doch 
auch bei dieser scheinbar so einfachen Aufgabe erhebKche Schwierig- 
keiten zu überwinden sind. 

Diese Schwierigkeiten bestehen jedoch im wesentlichen nur für 
die akute Gonorrhöe, wo es eben auf die intensive und gleichmäßige 
Sterilisierung eines großen, mit Nischen, Falten und Krümmungen in 
seinem Verlauf versehenen Schleimhautkanals ankommt. Denn auch 
nur ein einziger Gronokckkus, der der Wirkung entgeht, kann die Heilung 
illusorisch machen. Viel günstiger liegen die Verhältnisse daher für die 
chronische Gonorrhöe, wo wir es zumeist mit bestimmten Lokali- 
sationen zu tun haben, die palpatorisch oder urethroskopisch oder sonst 
klinisch lokaüsiert werden können. So bieten z. B. die ix)stgonorrhoi- 
schen peri- und para urethralen Infiltrationen eine der günstig- 
sten Indikationen für die Diathermie. Ich habe monatelang bestehende, 
harte, therapeutisch bis dahin gänzlich uÄbeeinflußbare Infiltrate, 
die die chronische Gronorrhöe dauernd unterhielten, in 6— 8 Sitzungen 
nach der oben beschriebenen Technik restlos zur Resorption gelangen 
sehen. IsoHerte Infiltrate kann man auch, wenn sie auf der Unterseite 
der Harnröhre Hegen, in der Weise behandeln, daß man eine Metall- 
sonde über das Infiltrat hinaus einführt und nun von außen eine kleine 
Metallelektrode als differente mit geringer Stromstärke längere Zeit ein- 
wirken läßt. Dagegen empfiehlt sich bei bereits zur Einschmelzung ge- 
langten Infiltraten (Bubonuli usw.) Stichinzision und Diathermierung 
am nächsten oder übernächsten Tage. 

Ein ganz besonders günstiges Indikationsgebiet stellen auch Strik- 
turen dar. Es läßt sich nicht für jede einzelne Lokalisation die spezielle 
Technik an dieser Stelle angeben. Im allgemeinen ist es zweckmäßig, 
eine Metallelektrode, welche als Zuleitung für den einen Pol dient, 
einzuführen und die andere Elektrode ringförmig- um die Stelle der 
Striktur außen zu appKzieren. Man improvisiert eine solche Elektrode, 
indem mkn, dem einzelnen Fall angepaßt, ein 5—20 mm breites dünnes 
Bleiblech an der Zuleitungsschnur gut befestigt und mit feuchter Watte- 
zwischenlage um die Stelle herumlegt oder eine Stanniolfolie ohne 
Zwischenlage gebraucht. Entsprechend der Breite des Streifens wählt 
man eine Stromstärke zwischen 50 und 150 Milliampere ca. Man sieht 
hierbei sehr alte starre Narben sich in 2—3 Sitzungen erweichen. Sie 
können danach mit Leichtigkeit gedehnt werden, während man vorher 
monatelang über eine gewisse Sondennummer ohne Inzision nicht 
hinauskam, und bleiben zumeist weich. Handelt es sich um tiefer sitzende 
Strikturen, so wählt man umgekehrt die äußere Elektrode als die in- 
differente und führt eine kleinere knopfförmige Metallelektrode mit iso- 
liertem Hals in die Striktur ein. Nur muß man hier sehr kleine Strom- 
stärken wählen. Auch empfiehlt sich hier die Anwendung einer Tem- 
peraturmeßelektrode; läßt man die Temperatur langsam ansteigen, so 
zeigt das in der Sonde belegene Thermoelement ziemlich genau die 
Gewebstemperatur an, da es Zeit hat, durch Leitung dieser sich anzu- 
passen. Man diathermiert bis 42 ° oder 43 ° und reguliert die Stromstärke 
so, daß diese Temperatur einige Minuten konstant bleibt. Oft genügt 



ErkraDkung anderer innerer Organe. 171 

eine einzige derartige Sitzung, um derbe impermeable Strikturen zu er- 
weichen. In allen Fällen empfiehlt idch j^och eine längere Nachbe- 
handlimg, damit die einmal gewonnenen Resultate nicht wieder verloren 
gehen. Da ich bis vor kurzem über ein reichliches urologisches Material 
verfügte, habe ich gerade auf diesem Gebiet größere Erfahrungen 
sammeln können und bin der Überzeugung, daß die Urologie durch 
Einführung der Diathermie in ein gänzlich neues Stadium einge- 
treten ist. 

Auch die weibüche Gronorrhöe ist der Diathermiebehandlung in 
gewissem Maße zugänglich. Bei der akuten Form ist nicht mit einer 
glatten Steriüsierung zu rechnen. Es ist zwar theoretisch eine komplette 

Beckendurchwärmung ( Bauch-Kreuzbein und Damm/^ , . ) mög- 
lich. Aber die nicht gleichmäßig zu entfaltende Vagina und ihre An- 
fänge sind doch nur sehr schwer gleichmäßig und dabei genügend inten- 
siv zu durchwärmen. — Behandelt man aber die Vagina antiseptisch 
und durchwärmt Cervix und Uterus kräftig diathermisch mittels Va- 
ginalelektrode gegen Bauch- resp. Sakralelektrode, so gehngt es, die 
Cervikalgonorrhöe relativ leicht zu beseitigen. Auch hier muß lang- 
dauernde Durchwärmung (1 Stunde für jede Richtung) . verwandt 
werden. Wir werden somit in der Diathermie für die Behandlimg der 
akuten Form der Gronorrhöe beim Weibe ebenfalls nur eine unter- 
stützende Methode zu sehen haben. Von der Verwendung einer in- 
differenten gürtelförmigen Elektrode habe ich keinen Erfolg gesehen. 
Er ist auch theoretisch nicht zu erwarten, da bei dem verschiedenen 
Abstand des Gürtels von der inneren Elektrode eine gleichmäßige 
Tiefendurchwärmung ganz unmöghch ist, ganz abgesehen von der er- 
wähnten Spitzenwirkung. 

Bei gewissen anderen Affektionen der Genitalsphäre finden wir 
dagegen die Diathermie als durchaus indizierte Behandlungsmethode. 

Zum Beleg hierfür möchte ich zwei hierher gehörende Gebiete kurz 
besprechen, die Behandlung der Inkontinenz und der Impotenz, 
bzw. der Sexualneurasthenie, und verweise femer auf das Kapitel 
„Chirurgie" und die Besprechung der Tabes. 

Die Behandlung der Inkontinenz ist eine der dankbarsten Auf- 
gaben für die Hochfrequenztherapie. Die Ursachen dieses Leidens 
können vielgestaltig sein. Es gibt Fälle, die wir als rein nervöse, funk- 
tionelle zu betrachten haben, ohne daß wir irgendein auslösendes Mo- 
ment feststellen können. Ein großes Kontigent zu dieser Gruppe stellen 
Neurastheniker, speziell der Sexualsphäre. Auch reflektorisch kann 
diese Erscheinung ausgelöst werden, so z. B. bei Kindern oder auch 
jungen Leuten durch Phimose, partielle Verwachsungen des inneren 
Vorhautblattes mit der Glans, urethrale Konkremente und anderes. 
In anderen Fällen kann die Inkontinenz auf einer zentralen oder peri- 
pheren Atonie der Sphinktermuskulatur beruhen, in wieder anderen 
Fällen ist sie mechanisch bedingt durch dauernde Überdehnung der 
Blase, durch Strikturen, Affektionen des Caput gallinaginis, Polypen 
o^er unzählige andere Momente, z. B. Prostataaffektionen. 



]72 Kliniacbe Anwendoiig der Diathermie. 

Handelt es sich um mechaalscii bedingte Inkontinenz, so kann 
keine andere als eine dieses HindePnis beseitigende ]3terapie von daaem- 
dem Erfolg sein. Es ist deshalb vor Inangnffnahme der Behandlong 
eine exakte Diagnose, mÖgUchst unter Zuhilfenahme der Uretiiro- 
und Zystoekopie notwendig, da man sonst gelegentlich Mißerfolge 
erzielen wird. Bei allen anderen Formen jedoch, gleichgültig, ob sie 
psychisch, zentral oder peripher ausgelöst werden, erreichen wir zu- 
meist mit der Hochfrequenztherapie wunderbare Resultate. 

Incontinentia nrinae. Wilhelm S., 18 Jahr. NiemalB geschlecbfskrank 
gewesen. Eltern gesund. Patient ist gut genährt und im übrigen bei Woblbe- 
nnden. Seit frühester Kindheit leidet er an Incontinentia nocturna, muß 
am Tage alle 10 Minuten Urin lassen. Er i^t mit den veracbiedensten Mitteln 
erfolglos behandelt worden. Auch Epiduralinjektionen ohne Erfolg. 
Am 18. September 10 erste Hochfrequenzsitzung. 
Es werden in der Blase lOccm Urin gefunden. 

Am 20., 22., 24. und 26, September behandelt, im ganzen fünf Hochfrequenz- 
sitzungen. 

Am 24. September enthält die Blase 120 ccm. Seit der ersten Sitzung ist 
Patient vollkommen beschwerdefrei gewesen. Es ist keine Inkontinenz mehr auf- 
getreten. Er entleert nur dreimal täglich Urin in normaler Menge. 

Die Inkontinenz ist häuf ig eine Teilerscheinung der 8 e X ua le n Ne ur- 
asthenie, Sie führt, ebenso wie die Impotenz und Spermatorrhöe, 
den Patienten zum Arzt. Jeder Urologe weiß, wie häufig unser therapeu- 
tiiinhi^ Rüstzeug gegen derartige Fälle vollkommen versagt. Es gibt 
izelne Fälle, die auf einige Sondierungen mit Metallsonden oder 
ituminjektion in die Pars posterior günstig reagieren. Aber viel- 
versagt all dieses, die Prostatamassage, kohlensaure Bader, kühle 
r, Irrigationen, Galvanisation, FaradJsierung, und die Patienten, 
le monate- und jahrelang spezialistisch intensivst behandelt worden 
kommen psychisch und somatisch immer mehr herunter, so daß 
selten die sexuelle Neurasthenie ein durchau s schweres Krankheits- 
Harbietet. In solchen schweren Fällen kann die Hochfrequenz- 
pie häufig schnelle und komplette Erfolge erzielen. 
;)ie Technik der Behandlung ist die folgende: Es ist st«ts intra- 
ral zu behandeln. Ist das wegen einer bestehenden Gonorrhöe 
wegen hochgradiger Striktur nicht möglich, so ist die kombinierte 
ndlung von Rektum und Damm aus anzuwenden. In der Regel 
ren nach einer oder wenigen Sitzungen sämtUche Beschwerden 
'atienten; Druckgefühl in der Dammgegend, ziehende Schmerzen 
öden oder Samenstrang, Stechen in der Eichel , Schweregefühl und 
ige Symptome, die geklagt werden, sind wie weggeblasen. Die 
5en Pollutionen und Samenverluste bei der Defäkation hören 
mit einem Schl^e auf, oder es wird in der ersten Zeit nur noch ein ge- 
ringer Samenverlust bei der Defäkation berichtet. Stehen neuralgische 
Symptome im Vordergrund, oder hat man es mit hypotonischen Neur- 
asthenikem zu tun, so ist im Anschluß an die Sondenbehandlung oder 
an den zwischenliegenden Tagen eine kräftige Kondensatorelektroden - 
behandlung der ganzen unteren Becken- und oberen Oberschenkelgegend 
von außen zu emjrfehlen. In schweren Fällen wird man auch die Duschen- 
applikation versuchen. Dies kommt besonders bei Tabes in Frage. Da 



Erkrankung anderer innerer Organe. 173 

die therapeutischen Erfolge in den meisten Fällen — ich habe nur zwei 
Mißerfolge erlebt — in wenigen Sitzungen erreicht werden, appliziere 
ich die Therapie jeden zweiten Tag und mache nach 8 Tagen eine Pause. 
Tritt im Verlauf der nächsten Ta^ kein Rezidiv ein, so gebe ich noch 
eine Schlußsitzung und entlasse die Patienten. Sind hoch Erscheinungen 
vorhanden, so wiederhole ich die gleiche Therapie oder modifiziere sie 
den Klagen entsprechend. Es reagieren nun keineswegs bloß die rein 
funktionellen, nervösen Formen auf diese Therapie. Vielmehr 
erzielen wir, wie zum Teil bereits erwähnt, auch bei organischen 
Veränderungen, soweit sie der Hochfrequenztherapie zugänglich 
sind, gute Resultate, fast stets jedoch" symptomatische Bessenmgen. 
[Besonders auffallend sind die Besserungen des subjektiven Befindens. 
Die häufig hochgradig deprimierten Patienten verlieren ihre Schwäche- 
zustände, haben bessere Stimmung, bekommen Lebensfreude und sind 
hierdurch auch dann im wesentlichen wieder hergestellt, wenn auch 
gelegentlich noch einmal ein Best von Spermatorrhöe sich wieder 
einstellt. 

Spermatorrhöe. Patient E., 19 Jahr, 12. V. 08. Schmerzen in der Blasen- 
gegend. Früherer Tripper restlos geheilt. Jede zweite bis vierte Nacht einmal 
mäßige Onanie konzediert. Beim Stuhlgang kein Samenfluß. Prostata o. B. 
HocMrequenz. 

29. VI. : Greheilt entlassen. Seit dem 20. V. kein Samenfluß. 

Spermatorrhöe. Patient G., 1. IV. 08. Jucken an der Nase, Spermatorrhöe, 
dreimal wöchentlich Hochfrequenz drei Wochen lang. Jucken beseitigt. Sper- 
matorrhöe seit 14 Tagen desgl., fühlt sich kräftig und wohL 

Neurasthenia sexualis. Pat. V., 32 Jahr, 6 .V. 11. Spermatorrhöe, Ba- 
lanitis. Hochfrequenzbehandlung, fünf Sitzimgen geheilt. 

Sexuelle Neurasthenie. Herr R., 38 Jahr, schwitzt seit acht Jahren sehr 
stark am ganzen Körper, besonders bei plötzlichen Überraschungen. Infolgedessen 
erkältet er sich, merkt aber nicht, daß er sich abkühlt. Im übrigen ist er organisch 
gesund. Verheiratet, zwei Kinder, leidet häufig an Schwächeanfällen» Kopf- 
schmerzen, Appetitlosigkeit. Beim Essen fühlt er, wie der Bissen heruntergleitet 
und wieder zurückkommt, aber kein Erbrechen. Seit einem Jahre besteht fast 
täglich Spermatorrhöe. 

Lokalbebandlung am 7. August 09. Einleitung der Hochfrequenzbehandlung 
IntraurethraL Nach der ersten Sitzung keine Spermatorrhöe mehr aufgetreten. 
Nach acht Tagen beschwerdefrei entlassen. 

Wie erwähnt, spielen mitunter Prostataerkrankungen für das 
Zustandekommen der sexuellen Neurasthenie eine große Rolle. Es ist 
in England und Amerika üblich, wenigstens bei manchen Spezialärzten, 
jegliche nervösen Beschwerden der Patienten auf Erkrankungen der 
Prostata zurückzuführen, und sie behandeln ganz schematisch Kranke 
der verschiedensten Kategorien als „Prostatiker". Zweifellos geht das 
zu weit; aber in vielen Fällen, jedenfalls öfter, als Nichturologen im 
allgemeinen anzunehmen pflegen, spielen sexuelle Momente oder alte 
Beste früherer Prostataentzündungen eine Rolle bei dem Zustande- 
kommen der Neurasthenie. Wenn ich auch den oben skizzierten Sche- 
matismus ausländischer Ärzte für angreifbar halte, so muß ich doch 
sagen, daß ich gelegentlich überrascht war, wie sehr in Fällen allgemeiner 
Neurasthenie, bei denen nichts auf eine ursächliche Bedeutung der 
Genitalsphäre hinzuweisen schien, eine versuchsweise Behandlung im 



174 Klinische Anwendung der Diathermie. 

vorstehend angedeuteten Sinne zu einem Erfolge führte, nachdem die 
Behandlung des Herzens sowie des Rumpfes, auch die Solenoidbehand- 
lung in manchen Fällen von Herzneurose vollkommen im Stich gelassen 
hatten. Es ist also immerhin berechtigt, bei Mißerfolgen der gewöhn- 
lichen Therapie sein Augenmerk auf die Sexualspbäre zu richten. . 

Eine häufige Teilerscheinung der sexuellen Neurasthenie bietet 
die Impotenz. Bei Azoospermie und bei Nekrospermie wird man be- 
rechtigt sein, mit der Diathermie einen Versuch zur Anregung und 
Vitalisierung der Testikelfunktion zu machen, besonders in Fällen von 
infantilem Habitus. Diesbezügliche Erfahrimgen aus letzter Zeit 
berichte ich an anderer Stelle^). 

Die Technik ist einfach. Man wird irgendwo eine indifferente 
Elektrode am Körper applizieren und eine kleinere dazu benutzen, 
um die Testikel von verschiedenen Eichtungen aus zu durchwärmen. 
Bestehen Reste von alter Epididymitis, so wird man die Beobach- 
tung machen, daß selbst große und sehr harte Infiltrate in wenigen 
Sitzungen weich werden und für die Palpation nach einigen Wochen 
verschwinden. Daß jedoch hierdurch die Samenkanäle wieder wegsam 
werden, ist bei Berücksichtigung der anatomischen Veränderungen 
nicht recht wahrscheinlich, wenn auch nicht ganz immöglich. 

Bezüglich der Impotentiacoeundi besitze ich eine größere Reihe 
von Beobachtungen und habe, falls es sich nicht um zentrale Affek- 
tionen handelt (Tabes), mit einer oder wem'gen Sitzungen fast durch- 
weg so vorzügliche Resultate bei der psychischen Form erreicht, daß 
ich die Diathermie oder die Hochfrequenzströme als eine Art Spezifi- 
kum zur Behandlung dieser Funktionsstörung bezeichnen möchte. 
Es mag sein, daß in vielen derartigen Fällen die Suggestion eine Rolle 
spielt, insofern die Patienten ja die intensive Durchwärmung des Penis- 
schaftes, des Skrotums sowie der Dammgegend deutlich empfinden, 
aber die Erklärung für die Wirkung ist ja durch die erzielte Hyperämie, 
durch die Tonisierung der Muskulatur, durch die Dekongestionierung 
der Prostata zur Genüge gegeben. In vielen Fällen wifd, ohne daß eine 
Tabes oder nervöse Läsion vorliegt, bei der reinen neurasthenischen 
Form der Imix)tenz eine erhebliche Anästhesie des Membrum, besonders 
an der Spitze, nachweisbar sein. Feine Berührungen werden häufig 
gar nicht empfunden, und auch die einzelnen Empfindungsqualitäten 
werden nicht deutlich auseinandergehalten. In solchen Fällen wird man 
durch die kombinierte diathermische Durchwärmung mit anschließen- 
der Kondensatorelektrodenbestreichung schnelle Erfolge erzielen. Han- 
delt es sich um nicht hypästhetische Formen, die z. B. durch chronische 
Entzündungsprozesse in der Gegend des Caput gallinaginis 

^) Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, daß bei Infan- 
tilismus und hierdurch bedingter Sterihtät der Frau von der gleichen Methode 
Anwendung gemacht werden sollte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß durch die 
tiefgehende Hyperämie, welche die Diathermie in ganz anderer Weise herbeiführt 
als heiße Scheidenirrigation und sonstige Wärmeapplikationen, neben der direkten 
Stimulierung der Zellen selbst eine bessere Ernährung imd ein Wachstums- und 
Funktionsanreiz für die Ovarien sowie für die gesamten Sexualorgane herbeige- 
führt wird. 



Erkrankung anderer innerer Organe. 175 

bedingt sind, so erreicht man durch Diathermierung mittels Sonde 
oder auch vom Damm her oder durch Verwendung der Suspensorium- 
elektrode nebst einer Kreuzbeinelektrode oder auch von der Prostata 
aus genügende therapeutische Erfolge. 

Von den Komplikationen der akuten Gonorrhöe erfordert 
noch die Prostatitis, die Epididymitis und Funikulitis eine 
kurze Besprechung. Die Behandlung der akuten Prostatitis kann 
auf zweierlei Weise stattfinden. Die übKche Methodik, die mit D'Ar- 
sonvalapparaten schon vielfach ausgeführt wurde, ist die Einführung 
der Kondensatorelektrode, unzweckmäßigerweise meist monopolar,, in 
das Rektum. Der Effekt dieser Behandlung kann kein anderer sein als eine 
Hyperämisierung der Schleimhaut. Bei der monoix)laren Behandlung 
ist eine größere Tiefenwirkung auf die Proststa ausgeschlossen. Bei bi- 
polarer Behandlung, welche, wie auch an dieser Stelle hervorgehoben 
werden muß, leider zu selten angewandt wird, kann eine geringe Tiefen- 
wirkung angenommen werden. Immerhin wird auch hier nur eine 
hyperämisierende Wirkung auf die Schleimhaut und eine derivierende 
Wirkung in die Tiefe zu erwarten sein. Falls man es überhaupt für 
indiziert erachtet, die akute Prostatitis der diathermischen Wiikung zu 
unterwerfen, so kommt lediglich ein Verfahren in Betracht, welches 
eine faktische Durchwärmung der Drüse gewährleistet. Dies kann nur 
durch bipolare Applikation vom Bektum und der Bulbusgegend des 
Dammes oder von der suprapubischen Gegend her erwartet werden. 
Führt man die erwähnte- Rektalelektrode bis über die Prostata hinaus 
ein und appliziert eine Plattenelektrode unter Würdigung der anato- 
mischen Lage so, daß die Prostata wesentHch getroffen wird, so kann 
die diathermische Durchwärmung der Drüse zu einem guten therapeu- 
tischen Erfolg führen. Es kann aber auch unter dem Einfluß einer nicht 
genügenden Durchwärmung zu einer stärkeren Kongestionierung und 
beschleunigten Einschmelzung kommen. Es dürfte daher bei bereits 
nachweisbarer Vereiterung die Prognose des diathermischen Eingriffes 
eine zweifelhafte sein. 

Anders hegen die Verhältnisse, falls man, wie das ja meist indiziert 
ist, beim Nachweis des Abszesses die perineale Eröffnung der Drüse 
vornimmt. Unter der üblichen Nachbehandlung mittels der Dränage 
heilen ja diese Fälle stets gut und schnell aus. Trotzdem wird im Inter- 
esse einer späteren Dauerheilung zur Vermeidung von gonorrhoischen 
Residuen in der Prostata unmittelbar an die Operation die Anschüeßung 
der diathermischen Koagulation der Abszeßhöhle mittels der chirur- 
gischen Elektrode empfehlenswert sein. 

Für die chronische Prostatitis dagegen ist die Diathermie- 
b'ehandlung stets indiziert, und ich habe, ebenso wie bei den periure- 
thralen Infiltraten auch chronische Prostatavergrößerungen und be- 
sonders Verhärtungen, die monatelanger Massagebehandlung Wider- 
stand leisteten, in auffallend schneller Weise zurückgehen sehen. 

Bezüglich der Funikulitis Hegen die Verhältnisse wegen der 
leichteren Erreichbarkeit recht günstig. Ich habe in den letzten Jahren 
akute Funikulitis und Epididymitis stets sofort diathermisch 



176 Klinische Anw^xlong der Diathermie. 

behandelt. Anfänglich ist die Ap^ikation der Elektrode w^en der 
hochgradigen Druckempfindlichkeit mitunter sehr schwierig. Wenn 
man aber zunächst von den Seiten her mittels kleiner Elektroden den 
Verlauf des Funikulus, indem man ihn zwischen die Elektroden faßt, 
stückweise diathermiert, so kann man nach wenigen Minuten unter ge- 
lindem Druck die Elektrode direkt auf ihm applizieren. Nach 10 Minuten 
pfl^en Funikulitiden und Epdidymitiden vollkommen schm^zfrei 
zu sein. Die Patienten sind sofort arbeitsfähig und bleiben unter An> 
legung eines gut sitzenden Suspensoriums meist 8—10 Stimden schm^z- 
frei. Ich wiederhole daher die Behandlung bei akuten Fällen zweimal 
täglich und habe sowohl Epididymitis wie auch Funikulitis in einer An- 
zahl von Fällen in 1—2 Tagen vollständig ablaufen sehen. Mitunter je- 
doch sieht man weniger bei Funikulitis als bei Epdidymitis im An- 
schluß an eine Diathermiesitzung eine Erhöhung der Beschwerden und 
stärkere Anschwellung eintreten. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn 
die Dosierung schlecht gewählt ist, nämlich bei zu schwacher oder zu 
kurzer Applikation. Man muß zwar auch bei frischer Epididymitis 
mit dem Vorhandensein einer lokalen Vereiterung rechnen. Aber das 
Organ ist so klein, daß eine komplette und intensive Durchwärmung 
durch Applikation von verschiedenen Seiten stets mögUch ist, imd wenn 
man sich die Mühe nimmt, einen solchen Fall evtl. 20 Minuten und 
länger zu behandeln, so wird man stets einen sofortigen guten Erfolg 
erzielen. 

Die außerordentlich schnelle Wirksamkeit des diathermischen Ein- 
griffes bei akuter Funikulitis und Epididymitis läßt die Behandlung 
dieser Affektionen mit Diathermie als von der größten Wichtigkeit 
für die Erhaltung der Permeabilität der Samenwege und die 
Vermeidung einer späteren Sterilität erscheinen. Man sollte auch eine 
jede akute Prostatitis stets sofort energisch diathermieren. Eine be- 
sonders günstige Indikation für die chirurgische Diathermie bieten 
paraurethrale Gänge, die gonorrhöisch infiziert sind und stets neue 
Beinfektion der Harnröhre herbeiführen können (siehe S. 260). 

5. Kapitel. 

Gelenk- und Moskelerkrankungen. 

Die Gelenkerkrankimgen sind eine der ältest erprobten imd gün- 
stigsten Indikationen für die Wärmebehandlung im allgemeinen sowie 
auch für die Diathermie. Die Trennung rheumatischer, gichtischer, 
gonorrhöischer oder tuberkulöser Gelenkaffektionen ist praktisch von 
keiner großen Bedeutung. Viel wichtiger ist die Frage, ob es sich um 
seröse, eitrige oder deformierende Prozesse handelt und ob Fieber 
besteht. 

Im allgemeinen wird man bei der Polyarthritis rheumatica acuta 
die Diathermie nur bei klinischer Behandlung oder im Hause des Pa- 
tienten anwenden können; da die Patienten bettlägerig sind, fiebern 
und nicht bewegt werden können \md dürfen. Infolgedessen stehen 
hier antipyretische Therapie, Wärmekompressen, ruhigstellende Ver- 



Öetenk- und Muskelcrkrankungen. 1^7 

bäude an erster Stelle. In der Klinik jedoch sieht man auch bei akuten 
Fällen mitunter überraschend gute Erfolge. Sind Gelenk Vereiterungen 
eingetreten, so ist die Diathermie kontraindiziert oder zumindest mit 
größter Vorsicht anzuwenden. 

Sind sekundäre anatomische Veränderungen am Knochen, Knorpel- 
belag, Gelenkkapsel, Bändern eingetreten, so ist die Prognose zweifel- 
haft, quoad restitutionem, besonders in Fällen mit starker Exostosen- 
bildung. 

Die günstigste und schnellste Heilung zeigen die serösen Affektionen, 
insbesondere diejenigen gonorrhöischer Natur. Es gehört zur Regel, 
daß ein akut erkranktes Gelenk in unmittelbarem Anschluß an die 
Sitzung, vorausgesetzt, daß sie mit genügender Intensität und richtig 
lokalisiert durchgeführt wird, schmerzfrei ist und im Verlauf von 
1—2 Tagen abschwillt. So sehen wir insbesondere bei gonorrhöischen 
Arthritiden, bei denen die Erwärmung ja nicht nur symptomatisch, 
sondern wegen der Thermolabilität der Gonokokken auch ätiologisch 
wirkt, nicht selten Heilungen in einer einzigen Sitzung, falls die Affektion 
ganz frisch ist. Leider aber führen die gonorrhöischen Arthritiden 
außerordentlich schnell zu deletären Veränderungen in den Gelenken. 
In wenigen Tagen ist die Knorpelschicht aufgelöst. Es tritt Osteo- 
porose ein, und proliferierende Prozesse mit sekundärer Verkalkung 
führen zu irreparablen Veränderungen. Ein solches hochgradig defor- 
miertes Gelenk kann natürhch durch Diathermie nicht wieder zu einem 
normalen gemacht werden. Es ist deshalb von der größten Bedeutung, 
die Therapie möglichst frühzeitig und möghchst intensiv einsetzen zu 
lassen. Ist der Prozeß erst in das eitrige Stadium übergegangen, so ist 
die Prognose eine wesentlich zweifelhaftere. Es können auch jetzt 
noch klinisch vollkommene Heilungen eintreten. Indessen zeigt das 
Röntgenbild zumeist auch bei guter Beweglichkeit deutliche Verände- 
rungen. Es scheint, daß unter dem Einfluß der Diathermie auch jetzt 
noch Resorptionsvorgänge in schwereren Fällen unter Besserung der 
Funktion einsetzen können. Indessen wird man sich in nicht mehr 
frischen Fällen damit begnügen müssen, die subjektiven Beschwerden 
der Patienten zu beseitigen, während partielle Versteifungen, Krepi- 
tationen bis zu einem gewissen Grade dauernd bestehen bleiben. Die 
Schwellung sieht man fast stets zurückgehen. 

Auch bei den anderen Formen der Gelenkaffektionen läßt sich 
keine allgemeine Prognose stellen. Ich habe sehr ungünstig aussehende 
Fälle sich in unerwarteter Weise bessern und definitiv heilen sehen, 
während scheinbar leichte Erkrankungen sich gegen eine therapeu- 
tische Beeinflussung refraktär erwiesen. Indessen kann ich doch mit 
der Mehrzahl der Autoren übereinstimmend im ganzen die Resultate 
der Diathermiebehandlung als außerordentlich günstig bezeichnen. 

Die Behandlimg der Gelenkerkrankungen mittels Diathermie 
kann in mehrfacher Weise ausgeführt werden. Man kann entweder 
das ganze Gelenk oder größere Partien diathermisch zu durchwärmen 
suchen oder die Diathermiewirkung mehr auf einzelne Abschnitte 
des Gelenks lokalisieren. Will man das Handgelenk diathermieren, 

Nagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. 12 



X 



178 



Kliniscbe Anwpndang der Diathermie. 



fto kann oian dem Patienten in jede Hand eine Metallelektrode geben 
nnd wild bei 300—500 Milliampere Stromstarke imd etwa 800—1000 
Volt Spannung in wenigen Sekimden eine kraftige Dorchwärmung 
des Handgelenks erzielen, die man nach 2—3 Bünnten als ^eichmäßig 
betrachten kann, Bemeikt man bei der Applikation, daß sich die 
Volarseite stärker erwärmt als die Dorsalseite, so hält man den Patienten 
an, die Hand dorsal zu überstrecken, falls dies möglich ist. Alsdann 
erwärmt sich die Dorsalseite stärker. Sind die Gelenke stark deformiert, 
und sind erhebliche Volumenvergrößerungen vorhanden, so kommt 
man hiermit und auch bei Verstärkung der Stromstärke auf 700 Milli- 
ampere pro Gelenk nicht immer mehr aus. Man kann dann zur Quer- 
durchstrahlung übergehen. Dies ist auch meistens am Kniegelenk 
notwendig, weil der Querschnitt des Knies zu einer kräftigen Durch- 
wärmung mehr als die maximale Stärke vieler gebräuchlicher Apparate 






Abb.>85. Falsche An- 

](;gung der Elektroden 

zwecks Kniegelenks- 

durch wärmung. 



Abb. 86. Richtigstellung 

durch Beugung des 

Knies. 



Abb. 87. Anlegung der 
Elektroden zur Durch- 
wärmung der tieferen 
Partie des Kniegelenks. 



verlangt. Die Querappb'kation ist bei größeren Gelenken, Eoiie, Hüfte, 
Schulter, Ellenbogen überhaupt die zweckmäßigere Form der Behand- 
lung. Erstens unterwirft man damit nicht unnötig große Abschnitte 
des Körpers der Diathermiewirkung (durch die Arme und den Thorax 
hindurch), und zweitens erhält man eine kräftigere und Ickalisiertere 
Einwirkung auf den zu behandelnden Teil. Will man Diathermie- 
durchwärmungen eines Gelenkes vornehmen, so muß man des mehrfach 
zitierten Verteilungsschemas eingedenk sein und sich eine genaue 
Vorstellung von der stereometrischen Lage des Gelenkspaltes machen. 
Für die Art der Einstellung ist auch die Stellung, in welcher das Glied 
während der Behandlung gehalten wird, maßgebend. Es würde zu weit 
führen, für jedes einzelne Gelenk hier die genaue Applikationsmethode 
zu beschreiben. Ich will nur einige Beispiele herausgreifen, damit man 
sich an der Hand derselben im speziellen Fall geeignete Applikations- 
weisen konstruieren kann. Nehmen wir z. B. das Eoiiegelenk: Legt 
man bei gestrecktem Gelenk oberhalb und unterhalb der Kniescheibe 
eine größere Flächenelektrode auf, so wird man eine Erwärmung vor- 
wiegend der obersten Schichten, nämlich der Haut, des Fettgewebes, der 



Oclenk- und Muskelerkrankungcii 



179 



Patella, der entsprechenden Sbhleimbeutel und allenfails des obersten 
Äbsclinitts des Kniegelenks selbst erhalten. Läßt man jedoch dieselbe 
Elekttodenlage bei rechtwinkliger Kiümmung des Knies besteben, 
so wird nunmehr eine erhebliche Tiefe des Kniegelenks der Diathermie- 
wirkung ausgesetzt sein. Legt man dagegen bei gestrecktem Knie- 
gelenk die eine Elektrode etwa oberhalb des Kniegelenks auf die Vorder- 
fläehe und die andere unterhalb des Kniegelenks auf die Hinberflächc 
der Extremität, so wird man eine Durchwärmung der tieferen, mittleren 
und vielleicht auch oberen Abschnitte des Gelenks erhalten, wie aus 
der vorstehenden Skizze ersichthch iat. Eine viel gleichmäßigere imd 
sicherere Durchwärmung ergibt jedoch die Applikation von vom nach 
hinten oder von einer Seite zur anderen. (Abb. 88, 89.) Um nun gründ- 
liche Durchwärmungen vorzunehmen, emp- 
fiehlt es sich, von den verschiedenen eben 
geschilderten Applikationsmethoden in sinn- 
gemäßer Weise nacheinander Gebrauch zu 
machen. Hierbei muß man berücksichtigen, 
daß man sowohl bei der Kniebeugenseite mit 
der Stärke des Druckes wegen der Kom- 
pression der GefäBnervenstränge vorsichtig 
sein als auch wiederum bei der Applikation 
aui der Vorderseite wegen der Konfiguration 
des Gelenks, insbesondere wegen der Knie- 
scheibe und der unregelmäßigen Wölbung 
eine sehr exakte Adaptation vornehmen 
muß, weil sonst die nur auf wenigen Stellen an- 
liegende Elektrode zu einer Konzentration der 
Stromfäden daselbst und zum Auftreten von 
Brennen führt , wod ur ch wiederu m die Möglich - 
keit intensiver Stromapplikation benommen 
ist. Man muß eventuell kleinere Elektroden 
anwenden. An den Seitenflächen ist das Anlegen der Platten meist ohne 
Schwierigkeiten möghch. Man hat auch ringförmig um die ganze Extre- 
mität herumgehende Bandelektroden vorgeschlagen. Indessen liegt 
hierin kein besonderer Vorteil, wenn man erwägt, daß hier die auf Seite 47 
geschilderte Itandwirkung eine besonders intensive ist, weil nämlich für 
den Stromeintritt ins Gewebe nicht die ganze Fläche des Elektroden- 
bandes in Frage kommt, sondern beiderseits nur die einander zuge- 
kehrten Bänder. Wir liaben es also mit quasi linearen Elektroden zu 
tun, die nur eine geringe Stromstärke anzuwenden gestatten. Polg- 
lich wird sowohl die Tiefenwirkung als auch die Gesamtstrom menge, 
die appliziert werden kann, hierbei eine relativ geringe sein. Dasselbe 
gilt natürUch auch vom Ellbogen gelenk . Man kann indirekte Gelenk- 
durchwärmungen anwenden, indem man z. B. die Füße oder Hände 
oder sämthche Extremitäten in Wasserbecken eintaucht. Das Vier- 
zellenbad nach Schnöe ist, wie erwähnt, wegen der großen benötigten 
Wassermengen ungeeignet; die kleinen auf Seite 49 beschriebenen 
Wasserbecken sind günstiger. Will man größere Stromstärken an- 



Abb. 88. Abb. 89. 

Richtige Anlegung der Elek- 
troden zur seitlichen oder 
sagittaleo Durch wärmung 
des Kniegeleuka. 



180 Klinifiche Anwendung der Diathermie. 

wenden, als der Hälfte der 4 Extremitätendurchmesser zusammen 
entsprechen würde, so kann man auch alle 4 Extremitäten an einen 
Pol anschließen und den anderen als Bücken- und Brustelektrode 
mittels zweier Platten applizieren. Dieses Verfahren eignet sich besonders 
dann, wenn sehr viele Gelenke ergriffen sind und auf diese Weise ihre 
gleichzeitige Behandlung wünschenswert erscheint. 

Wünscht man dagegen lokale Einwirkungen, z. B. bei Erkran- 
kungen einzelner Gelenkabschnitte (isolierte Schleimbeutelentzündung, 
lokale Gelenk Veränderungen an einer bestimmten Stelle), so kann man 
eine große Elektrode an der entgegengesetzten Seite applizieren und 
mittels kleiner Elektroden, z. B. Plattenelektroden von 4 cm Durch- 
messer eine Konzentrienmg der Diathermiewirkung auf die beab- 
sichtigte Stelle erreichen. Das kommt in Frage bei Erkrankungen der 
Bursa subpatellaris, des Fibulagelenks, bei Narbenadhäsionen nach Ver- 
letzungen oder Operationen, die zu partieller Gelenkfixierung führen, 
usw. Es ist vielleicht nicht überflüssig, an dieser Stelle zu bemerken, 
daß zu einer wirksamen Diathermiebehandlung eine exakte Diagnose 
auch der Gelenkaffektionen gehört, denn es koipmt nicht selten vor, 
daß Patienten über Schmerzen im Kniegelenk klagen, während eine 
genaue Untersuchung vielleicht nur eine Erkrankung des Fibulagelenks 
ergibt. Auch müssen natürlich osteomyeHtische Herde in der Nähe 
des Gelenks durch das Röntgenbild aufgedeckt werden, um eine wirk- 
same Therapie ausüben zu können. 

Beim Hüftgelenk ist die Applikation entsprechend schwieriger 
wegen seiner tiefen Lage. Man muß hier im allgemeinen mit großen 
Elektroden langdauemde Durchwärmimg vornehmen und die Appli- 
kationsstellen wechseln. Hierbei ist darauf zu achten, daß die Ver- 
bindungslinien der Elektroden sich möglichst genau in dem zu behan- 
delnden Gelenk bei den verschiedenen Anlagestellen schneiden, um 
eine konzentrierte Tiefenwirkung zu ermöghchen. Das Auftreten 
einer etwa zu starken Tiefenerwärmung ist praktisch bei normjdeii 
Stromstärken bis zu 2^/2 Ampere nicht zu befürchten. 

Man kann eventuell mit großen Platten beide Hüftgelenke quer 
durch das Becken hindurch diathermieren. 

Am Schultergele nk ist es mitunter zweckmäßig, eine große indiffe- 
rente Elektrode auf die Seitenfläche des Thorax dicht unter der gesunden 
Achsel zu applizieren und die differente Elektrode auf die Außenseite 
der kranken Schulter zu legen, weil dadurch eine direkte Stromrichtung 
nach dem Gelenk zu in die Tiefe hinein gewährleistet wird. Legt man 
dagegen die indifferente Elektrode an der kranken Seite auf die Brust 
oder auf den Rücken, so muß man die differente Elektrode so dirigieren, 
daß der Strom jeweilig durch das Gelenk hindurch nach der anderen 
Elektrode zu strebt. Hierbei ist die Kantenwirkung wesentlich mit 
in Rechnung zu setzen. Ein therapeutischer Effekt muß natürlich 
gänzlich ausbleiben, wenn alle diese Gesichtspunkte nicht berücksichtigt 
werden, weil Diathermiestrahlen, die an dem Gelenk vorbeigehen, 
eben nichts helfen können. Grerade beim Schultergelenk ist es mit- 
unter von großer Wichtigkeit, die Diathermierung bei verschiedensten 



Gelenk- und Muskelerkrankungen. 181 

Stellungen des Oberarms sowohl in bezug auf Rotation wie Abduktion- 
und Flexion vorzunehmen. Man erreicht hiermit, daß man auch die 
versteckteren Teile des Gelenkskopfes der Behandlung zugänglich 
macht, und man verbessert gleichzeitig die Mobilität des Gelenks, weil, 
wie wir weiter unten sehen werden, während des Stromdurchganges 
durch die hierdurch erzeugte Analgesie Bewegungen möglich werden, 
die infolge der Schmerzen oder der Schmerzkontrakturen sonst un- 
möglich sind. Bei älteren Leuten, insbesondere wenn Anzeichen von 
Arteriosklerose vorhanden sind, beobachtet man gelegentlich Er- 
krankungen im Schultergelenk, besonders linksseitig, welche von den 
Patienten subjektiv als typische Gelenkbeschwerden empfimden 
werden. Diathermiert man quer durch das Gtelenk hindurch, so wird 
man mitunter jede Besserung vermissen. Da muß man daran denken, 
daß gelegentlich solche Beschwerden entweder von den Patienten 
falsch lokalisiert oder falsch gedeutet werden, und ich habe einige solche 
Fälle beobachtet, in denen Angina-pectoris-Besch werden, besonders 
bei hochgradig adipösen Patienten, als Gtelenksch merzen geklagt 
wurden. Wie eben erwähnt, versagte hierbei die direkte Diather- 
mienmg des Gelenks, während ich durch Behandlung des Herzens bzw. 
der großen nach dem linken Arm führenden Gefäße sofortigen Erfolg 

erzielte. 

Arteriosklerotische Arthritis. Patient v. Th., IL Schmerzen in der 
Umgebung des linken Schultergelenks, in den Oberarm ausstrahlend. Behandlung 
vom Sternum aus nach dem Schulterblatt zu. Sechs Sitzungen vom 11. — 20. VIII.IO. 
Schmerzen nach der dritten Sitzung beseitigt. 

Am 25. VIII. stellt sich Patient noch einmal vor; schmerzfrei entlassen. 
Laut Bericht seines Bruders im Juni 1911 andauernd schmerzfrei gewesen. 

Sehr schwer zu erreichen aber sind die Intervertebralgelenke 
des Atla« und Epistropheus, und hier versagt häufig jede Therapie. 
Gelegentlich treten auch Besserungen erst nachträglich ein. 

Sehr leicht zugänglich sind dagegen natürhch die Finger- und 
Zehengelenke. Wir können sie entweder lateral oder dorsoventral 
durchstrahlen mit entsprechend geformten 
Elektroden, die wir unter Umständen aus 
Stanniol oder Blech improvisieren. Wir 
können aber auch Längsdurchstrahlung 
vornehmen, indem wir z. B. die äußersten 
Fingerspitzen in ein flaches, wenig gefülltes 

Wa^serbad eintauchen und die indifferente ^^^^ ^ Stromeinleitung durch 
Eilektrode als größere Plattenelektrode am Auflegen der Fingerspitzen auf 
Unterarm oder an der Hand entweder ein- eine Platte, 

seitig oder wie ein Armband applizieren. 

Ich habe auch mit Erfolg, wo jeder Druck auf das Gelenk vermieden 
werden mußte, durch einfaches Auflegen der gekrümmten Fingerspitzen 
auf eine mit nasser Gaze bedeckte Plattenelektrode die Stromeinleitung 
vorgenommen. (Abb. 90.) Hierbei wurde die andere Elektrode in der 
anderen Hand gehalten, oder es wurde eine Plattenelektrode an derselben 
Extremität an geeigneter Stelle appliziert. Ziemlich schwierig gestaltet 
sich auch die Durchwärmung der Mittelfußgelenke, und es empfiehlt 




282 Klinische Ad Wendung der Diathermie. 

sich auch hier, in mehreren Richtungen die I>iathermierung vorzu- 
nehmen. Diese Beispiele mögen genügen, um die Technik der Ge- 
lenkdiathermierung zu erläutern. 

Sind so viele Gelenke erkrankt, daß, besonders in akuten Fällen, eine 
Diathermierung aus Zeitmangel nicht angängig wäre, so ist es doch rat- 
sam, wenigstens die schmerzhaftesten und den Kranken am meisten 
behindernden zu behandeln. Ich habe wiederholt den Eindruck gehabt, 
daß durch die Behandlung einzelner Gelenke gewissermaßen eine Re- 
aktion des Gesamtorganismus ausgelöst wurde, so daß auch die Schübe 
in den anderen Gelenken nach einigen Tagen aufhörten. Das können 
Zufälle sein; aber die heftigen Schweißausbrüche, die mitunter nach 
lokalen Diathermierungen beobachtet werden, lassen doch an eine 
diaphoretische und die Abwehrkräfte des Organismus erhöhende Wirk- 
samkeit auch der lokalen Applikation denken. 

Im Anschluß an die Gelenkerkrankungen interessieren uns hier 
die in ihrem Gefolge bestehenden Muskelaffektionen, nämlich Atrophie 
und sekundäre Kontraktur. Dielnaktivitätsatrophieninfolge 
von Gelenkerkrankimgen sind in den meisten Fällen einer schnellen thera- 
peutischen Beeinflussung zugänglich. Früher wandte man zur Übung 
von Muskeln im wesentlichen faradische Rdzung an. Indessen unter- 
liegt es keinem Zweifel, daß die neueren Methoden der Kondensator- 
reizung oder des neuen dosierbaren Wechselstromes^) wesentlich wirk- 
samer und vorteilhafter sind. Ich habe schon vielfach mit bestem Erfolge 
Kondensatorreizungen in der auf Seite 74, 75 geschilderten Weise appliziert 
imd nicht selten, lange bevor die Gelenkaffektion gebessert oder beseitigt 
war, eine genügende Eeaktivierung der entsprechenden Muskulatur erzielt . 

Polyarthritis rheumatica. Herr B., 56 Jahr alt. Vor Jahren Bleikolik 
Vor kurzer Zeit Angina tonsillaris. Seit drei Tagen Schwellung und Schmerz- 
haftigkeit des rechten Fußes am Ballen und auf der Sohle, ebenso im rechten 
Handgelenk und im linken Ellbogen. Geringes Fieber. 

► Diathermiebehandlung. Nach 10 Sitzungen sind die Schwellungen ver- 
schwunden. Im großen Zehgelenk sind ab und zu noch etwas Beschwerden vor- 
handen. Handgelenk und Ellbogen vollkommen frei. ELann fest zugreifen. Hat 
infolge der durch die Diathermiebehandlung erzielten sofortigen Besserung der 
Schmerzen die ganze Zeit gearbeitet. 

Akute Polyarthritis. Herr M. Seit drei Tagen Gelenkrheumatismus, 
zuerst im linken Handgelenk, dann rechts, sonst frei. Schmerzen heftig. Schwellung 
mäßig. Puls gespannt. Frequenz 120. Fieber. 

Nach drei Sitzungen schmerzfrei geheilt, entlassen. Kein Rezidiv. 

Akuter Gelenkrheumatismus. Herr E., 46 Jahr^ Seit dem 1. Juni 11 
Schwellimg fast aller Fingergelenke an beiden Händen. Aspirin ohne Erfolg. 

Am 9. Juni Diathermiebehandlung. 

Am 15. Juni ist die Schwellung erheblich zurückgegangen. Schmer«en haben 
aufgehört. Patient wird aus der Behandlung entlassen. 

Am 16. November tritt ein neuer Gelenkrheumatismus auf, indessen schwellen 
nur die Finger der rechten Hand an. 

23. November: Schmerzen imd Schwellung fast ganz verschwunden. Aus 
der Behandlung entlassen. Seitdem rezidivfrei. 

Polyarthritis chronica. Frau S., 12. IX. 11. Vor zwei Jahren Kopfrose, 
seitdem Schmerzen erst im linken Arm und rechten Bein, dann im rechten Arm und 

1) Elektrorytmik, Zeitschr. f. ärztL Fortbildung, 1915 Nr. 10 und Berl. Klin. 
Woch. 1912, Nr. 39. 



Gelenk- und Muskelerkrankungen. 183 

linken Bein. Steifheit in den Gelenken, besonders rechte Schulter und linkes Knie. 
Kuren in Wiesbaden mit Elektrizität, Heißluft ohne Erfolg. Muß viel Aspirin 
nehmen, Schlaf schlecht. Besonders imangenehm sind die Schmerzen im linken 
Knie. Daselbst besteht auch erhebliche Steifheit. Sie kann schlecht aufstehen, 
wenn sie sitzt. Beim Liegen im Bett muß das Bein gestreckt gehalten werden. 
Bei der Belastung, sobald sie auftritt, werden die Schmerzen stärker. 

Diathermiebehandlung. Nach der zweiten • Sitzung Besserung des Knies. 

Bis zum 20. IX. sechs Sitzungen, Behandlung unterbrochen. 

Am 24.: Bis heute vollständig gut, heute etwas Beschwerden. 

Bis zum 5. XII. 11 weitere fünf Sitzungen, dann geheilt entlassen. 
"Bericht im Januar 13: Keine Beschwerden mehr aufgetreten. 

Schwere Polyarthritis chronica. Frau H., 46 Jahr. Mit 18 Jahren 
Gelenkrheumatismus. Seit 4^2 Jahren Schmerzen in fast allen Gelenken. Er- 
hebliche Deformienmgen. Patientin ist außerordentlich steif, vermeidet jede 
Bewegung, auch Drehen des Kopfes, und spricht in heiserem Flüsterton. 

Infolge Erkrankung der Zungenbein- und Kehlkopfgelenke ist die Sprache 
sehr erschwert, und sie hat heftige Schmerzen beim Phonieren. Es besteht ab und 
zu leichtes Fieber. Aspirin und Einreibungen nützen gar nichts. 

Am 3. September 11: Einleitung der Diathermiebehandlung, welche in 
mehreren Gelenken in einer Sitzung täglich stattfindet. 

Am 11. September sind die Schmerzen wesentlich gebessert, nur noch nachts 
sind sie stärker. 

Am 29. November bestehen außer Schwellimgen an den Fingergelenken nur 
noch ganz geringe Beschwerden. Sprache ohne Schmerzen und mit normaler 
Phonation. 

Am 6. Februar 12 tritt infolge einer Erkältung wieder eine Verschlimmerung 
auf, die jedoch auf wenigip Sitzungen hin sich wieder bessert. 

Patientin wird Ende Februar, wesentlich gebessert, jedoch mit Residuen 
in den meisten Gelenken, aus der Behandlung entlassen. 

Frau W., 58 Jahr. Seit 10 Jahren zum ersten Male Ischias rechts. Später 
Kieuzschmerzen und lieftige Schmerzen am dritten und vierten rechten Zeh. 
Der Fuß ist oft wochenlang frei. Beide Knie sind schmerzhaft und wenig ge- 
schwollen. Kann schlecht aufstehen, wenn sie sitzt. In den Knien, auch beim 
Liegen, Schmerzen. Vor zwei Jahren im rechten Knie Erguß, der wieder gut 
geworden ist. 

September 11. 11 Sitzungen. Danach schmerzfrei. 

Ende November leichte Beschwerden infolge Witterungswechsels. 

28. und 30. November zwei Sitzungen. 

3. Dezember laichte Beschwerden im KLnie. 

Zwei Sitzimgen am 3. imd 5. Dezember. 

Danach geheilt entlassen. — Bericht Ende 1912: Keine Beschwerden mehr 
aufgetreten. 

Arthritis tuberculosa. Hermann St., 20 Jahr, 23. Xl. 09. Im rechten 
Handgelenk und in der linken Schulter besteht eine überaus heftige Schmerz- 
haftigkeit, welche fast jede Bewegung unmöglich macht. Schwellung ist sehr 
gering. Rötung der Haut nicht vorhanden. Diathermiebehandlung. 

Am 10. Dezember ist eine leichte Beweglichkeit der Schulter und der Hand 
vorhanden, aber die spontanen Schmerzen sind noch erheblich. 

Am 17. Dezember sind die Schmerzen wesentlich geringer. 

Am 13. Januar ist der Patient vollkommen schmerzfrei, die Bewegungen in 
der Schulter sind ausgiebig, aber nicht ganz frei. Das Handgelenk, welches eben- 
falls weder spontan noch auf Bewegungen schmerzt, ist stark ankylotiech. 

Frau S. Schleimbeutelentzündung und Kniegelenkercuß. Seit 
vier Monaten schnaerzhafte Anschwellung des Unken Knies. Am Schienbein einige 
blaue Hämorrhagien durchschimmernd. 

Diathermiebehandlung. 
Nach fünf Sitzungen am 4. Dezember Schwellung und Schmerz geringer. 
Nach 12 Sitzungen schmerzfrei mit völliger Beweglichkeit entlassen. 

Herr B., 2. X. 11: Akute Talo-Achillodynie links- und rechtsseitig. 

2. X.: Behandlung links. 



Xg4 Klinische Anwendung der Diathermie. 

3. X. : Fast schmerzfrei links, rechts unverändert ; Behandlung rechts und links. 

4. X. : Behandlung rechts. 

6. X. : Fast schmerzfrei beiderseits. 
8. X. : Geheilt entlassen. 

Patientin N., 40 Jahr. Seit mehreren Monaten heftige Schmerzen in der 
linken Schulter und im linken Oberarm. Sie kann den Arm nur wenig abduzieren, 
gar nicht nach hinten führen; den Kopf zu frisieren, ist ihr unmöglich. Auch in 
der Ruhe, besonders nachts, Schmerzen. 

Am 2. Vin. 12 nach 3 Diathermiesitzungen mit anschließenden mediko- 
mechanischen Übungen ist eine kleine Besserung erkennbar; Pat. kann die Hand 
bis auf den Kopf bringen. Nach 15 Sitzungen bedeutende Besserung; nur noch 
bei exzessiven Bewegungen etwas Schmerzen. Behandlung abgebrochen. Im 
Laufe der nächsten 6 Wochen schwanden die letzten Beschwerden. Kontrolliert 
Anfang März 1913: Kein Rezidiv. Schultergelenk vollkommen frei, keine Krepi- 
tation. Geheilt. 

Gleich günstige Resultate werden bei gonorrhöischen Tar- 
salgien erzielt. 

Sind die Gelenkaffektionen schmerzhafter Natur, so muß man dafür 
Sorge tragen, daß die Muskelkontraktionen so ausgeführt werden, daß 
keine oder keine nennenswerten schmerzhaften Gelenkbewegungen er- 
zeugt werden. Man erreicht dies sowohl durch Fixierung der Extremität 
in bestimmter Stellung wie durch Dosierung der Intensität der Muskel- 
kontraktionen^) . 

Bestehen Seh merz kontrakturen, so gelingt es mitunter erst 
nach Aufhören der intensiven Schmerzhaftigkeit bei Gelenkbewegungen, 
diese reflektorischen Kontrakturen zu beseitigen. Vielfach beobachtet 
man jedoch bei genauer Untersuchung, daß die Gelenkschmerzhaftigkeit 
geschwunden ist, imd daß trotzdem die Patienten über Schmerzen 
klagen, welche nur auf der restierenden schmerzhaften Muskelkontraktur 
beruhen. Solche sekundären Kontrakturen mit oder ohne Schmerz 
werden in sehr wirksamer Weise dadurch bekämpft, daß wir zunächst 
eine mäßig kräftige Diathermierung der betreffenden Muskelpartien 
vornehmen, und zwar mittels nicht zu kleiner Plattenelektroden. Im un- 
mittelbaren Anschluß an diese Diathermierung verwende ich dann 
eine kräftige Kondensatorelektrode aus dickem Glas, welche in emm 
handlichen kräftigen Griff fixiert ist, und übe mit dieser Elektrode erst 
bei schwächerem, dann bei kräftigerem Stromdurchgang eine allmählich 
an Intensität zunehmende Streich-, Knet- und Stoßmassage über der zu 
behandelnden Muskelpartie aus. Es gelingt hierdurch fast stets, wenn 
man den Patienten so lagert, daß die zu behandelnden Muskelpartien 
genügend entspannt sind, diese so kräftig durchzukneten, daß die Kon- 
trakturen mechanisch gelöst werden. Man sieht nicht selten nach 
Ausübung dieser kombinierten Methode, die allerdings in ihrem letzten 
Teil schmerzhaft ist und erhebliche Hautreizungen machen kann, 
daß unmittelbar nach der Sitzung der Patient schmerzfrei ist und seine 
Muskulatur frei gebrauchen kann. Die Wirkung ist mitunter geradezu 
eine zauberhafte. 



^) Ich erwähne hier, daß zur Behandlung von sekundären Muskelatrophien 
verschiedenster Art sich der Apparat, den ich zur Behandlung der Fettleibigkeit 
beschrieben habe, besonders gut bewährt hat. 



Gelenk- und Muskelerkrankungen. 185 

Bei rheumatischen Myalgien ebenso wie bei sekundären 
Formen, infolge von Ischias z. B., ist das gleiche Verfahren dtcrchaus 
indiziert. Es muß allerdings dafür Sorge getragen werden, daß das aus- 
lösende Moment, z. B. die Gelenkerkrankungen oder das Ischiasleiden, 
ebenfalls möglichst schnell beseitigt wird, da sonst ein Neuauftreten der 
Kontrakturen nebst Schmerzen entsteht. 

Eine sehr korpulente Dame erkrankte im Mai 1909 plötzlich an Lumbago. 
Es bestand eine so exzessive Schmerzhaftigkeit in der Lendengegend, daß die 
Patientin fast vollständig unbeweglich war. Große Dosen Aspirin, Heißluft- 
duschen waren erfolglos. Patientin mußte reichlich Morphium bekommen, um 
nur einigermaßen die Schmerzen ertragen zu können. In diesem seit 5 Tagen 
unverändert bestehenden Zustande wurde sie, auf beiden Seiten gestützt, in die 
Sprechstunde transportiert. Sie war völlig außerstande, bei der Entkleidung 
auch nur im geringsten mitzuhelfen und äußerte Zeichen heftigsten Schmerzes. 
Die Diathermieapplikation mit Plattenelektroden fand während der Dauer von 
ca. 3 Minuten statt. Im Anschluß daran wurde eine Kondensatorapplikation, 
mäßig schmerzhaft empfunden, vorgenommen. Unmittelbar danach war Patientin 
völlig schmerzfrei und ist es seitdem geblieben. 

In einem anderen Falle erkrankte plötzhch ein kräftiger, dem Arbeiterstande 
angehörender Mann an heftigem Muskelreißen in der Gegend dicht unter- 
halb der rechten Skapula. Er war fast bewegungsunfähig und konnte nur unter 
heftigen Schmerzen sich seiner Kleidung entledigen. Auch hier wurde durch eine 
einzige etwa 5 Minuten währende Applikation sofortige definitive Beseitigung des 
Leidens erzielt. 

Bei frischen Affektionen dieser Art reicht meist eine einmalige 
Behandlung aus. Besteht jedoch die Affektion schon länger (1 Woche 
oder mehr), so tritt zwar auch hier in der gleichen Weise die sofortige 
absolute Aufhebung der Schmerzen und der Funktionsstörung auf, 
indessen kehrt in den nächsten 12—15 Stunden eine leichte Schmerz- 
haftigkeit wieder. Wie ich mich wiederholt zu überzeugen Gelegenheit 
hatte, beruht diese anscheinend nur auf dem Auftreten einer leichten 
neuen Muskelkontraktur. Die Muskelpartien fühlen sich bei der XJnter- 
suchimg derber an als die entsprechenden der anderen Seite, während 
die Druckempfindlichkeit kaum mehr nachzuweisen ist. Es genügt 
dann die bloße Applikation der Kondensatorelektrode, um mit dieser 
zweiten Sitzung eine Eeihe derartiger Fälle zu heilen. In manchen 
Fällen jedoch ist die Myalgie eine hartnäckigere, und eine Eeihe von 
Sitzungen ist zu ihrer Beseitigung nötig. Das sind jedoch meist chroni- 
sche Fälle. Li den akuten Fällen kommt man, wie gesagt, in 1—2 
Sitzungen, wenn sie energisch und gut lokalisiert ausgeführt werden, 
meistens aus. Auch bei Grelenk- und Muskelaffektionen wie ohne solche 
auftretende Periostitiden, besonders solche traumatischen Ur- 
sprungs, geben eine ausgezeichnete Prognose. Ebenfalls werden 
schmerzhafte Hämatome nach Kontusionen, auch intramuskuläre, 
sofort schmerzstillend beeinflußt ; sodann wird die Resorption angeregt 
und beschleunigt. Bei Behandlung von Muskelschmerzen kommt es 
natürlich sehr auf genaue Lokalisierung an. Nicht immer sitzt die 
Affektion da, wo der Patient die Schmerzen angibt. Z. B. wird häufig 
Schultergelenkschmerz geklagt, wobei das Gelenk selbst völlig frei ist, 
der Schmerz aber an der Ansatzlinie resp. in der Ansatzlinie des 
Peltoideus am Humerus sitzt und durch Druckempfindlichkeit daselbst 



186 Klinische Anwendung der Diathermie. 

nachgewiesen werden kann. Ich habe solche Fälle, als Mißerfolge der 
Diathermiebehandlung bezeichnet, öfter in ganz wenigen Diathennie- 
sitzungen heilen können. Sehnenscheidenentzündungen, soweit 
sie nicht eitrig sind, geben eine nicht minder gute Prognose. Man 
beobachtet nicht selten gleich nach der Sitzung Verschwinden oder 
Geringerwerden der Krepitation. Allerdings ist dieses Verschwinden 
häufig nur ein vorübergehendes. Vermutlich tritt infolge der diather- 
mischen Hjrperämie und Hyperlymphie eine sofortige Sekretion von 
Sehennscheidenschmiere auf, die die Krepitation verschwinden läßt, 
nachher aber wieder resorbiert wird. So sind meistens eine Anzahl 
Sitzungen notwendig, wenngleich die Schmerzhaftigkeit nicht selten 
schon nach der ersten Sitzung bedeutend gebessert ist. Im ganzen 
kann man bezüglich der Gelenkaffektionen zusammenfassend etwa 
folgende Indikationen aufstellen: 

Bei akuter fieberhafter rheumatischer Arthritis kommt die Dia- 
thermie nur bei Befallensein eines oder weniger Gelenke in Frage. Im 
Beginn ist vorsichtige, schwache Dosierung und kurze Applikation 
angezeigt. Tritt keine lokale oder allgemeine Reaktion ein, so kann 
die Behandlung mit starker Dosierung fortgesetzt werden. Daneben 
medikamentöse oder diaphoretische Behandlung. 

Bei subakuten und chronischen Fällen ist die Diathermie stets 
indiziert. Bei gonorrhöischen Gelenkaffektionen ist die Diathermie die 
Methode der Wahl. 

Bei tuberkulösen Erkrankungen kommt sie nur in den Anfangs- 
stadien und bei Fehlen von Eiterung und Erguß in Frage. Im übrigen 
ist hier vor allem Röntgen lokal und Quarz allgemein indiziert. 

Gichtische Erkrankungen an den Gelenken sowie jeder Tophus 
stellen eine absolute Indikation für die Diathermie dar. Beseitigung 
oft in einer einzigen Sitzung möglich. Empfehlenswert ist gleichzeitige 
Darreichung großer Flüssigkeitsmengen zwecks Durchspülung. 

Bei tabischer Arthropathie sind die Resultate durchaus günstig 
quoad Schmerzbeseitigung, besonders in Kombination mit der Hoch- 
frequenzdusche. Quoad Funktion ist von mechanischen Beihilfen nicht 
abzusehen. 

6. Kapitel. 

Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. 

Neuritische und neuralgische Prozesse bieten der Diathermie- 
behandlung ein wichtiges Feld der Betätigung. Handelt es sich um 
oberflächlich gelegene Nerven, so sind die Resultate meist schnelle und 
günstige. Indessen ist die Prognose niemals vorher mit Sicherheit 
zu stellen. Ich habe relativ akute Fälle gesehen, die eine lange Be- 
handlung nötig machten, und seit Jahren bestehende Okzipital- oder 
Zervikalneuralgien, die in 1—2 Sitzungen definitiv beseitigt wurden. 
Im allgemeinen ist jedoch auch hier die Dauer der Erkrankung für 
die Schnelligkeit des Erfolges maßgebend. Die Behandlungstechnik 
ist genau die gleiche wie die bei den Myalgien geschilderte. Es emp- 



Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. 187 

fiehlt sich, jedoch, bei Neuralgien, falls sie hartnäckig sind, eine Duschen- 
behandlung gelegentlich einzuschieben. 

Handelt es sich um einen so tief gelegenen und lang gestreckten 
Nerven wie den Ischiadikus,so erfordert die Applikation eine gewisse 
Sorgfalt und Ausdauer. Zunächst muß man sich von dem Vorhanden- 
sein von Schmerzpunkten überzeugen. Sind solche nachweisbar, so 
müssen sie sämtlich der Reihe nach in Behandlung genommen werden. 
Außerdem empfiehlt es sich aber, den ganzen Verlauf des Nerven- 
stammes von den Wurzeln an der Diathermiewirkung zu unterwerfen, 
weil man ja nie mit Sicherheit bestimmen kann, wo der entzündliche 
ursächliche Prozeß zu suchen ist. Die Angaben des Patienten über 
den Ort, wo er die Schmerzen empfindet, brauchen für die Lage des oder 
der erkrankten Herde durchaus nicht maßgebend zu sein, da häufig die 
Schmerzen in ihrer peripheren Projektion lokaHsiert werden. Um nun 
den ganzen Ischiadikus der Diathermiewirkung zu unterwerfen, muß 
meist eine größere Anzahl von Applikationen stattfinden, die nach 
und nach jeden Teil seines Verlaufs in die Behandlung einbeziehen. 
So werden wir mit einer großen Elektrode den ganzen Verlauf in Ab- 
schnitten von 5 zu 5 cm behandebi und je nach der Tiefe, in der wir 
den Nerven uns gelegen vorstellen, mehr oder weniger lange Appli- 
kationen vornehmen. Zur Erleichterung der Einwirkung auf den 
Nerven pflege ich die nicht biegsamen, sog. halbelastischen Elektroden 
(siehe Abbildung 36 d) mit kräftigem Holzgriff so weit wie möglich 
in der Richtung auf den Nerven zu einzudrücken, um ihn möglichst 
in die Nähe der Elektroden zu bringen und ihn so den konzentrierten 
Kraftlinien auszusetzen. Die andere indifferente Elektrode muß 
ebenfalls öfter in ihrer Lage gewechselt und in bezug auf den Nerven 
diametral entgegengesetzt angelegt werden. Gänzlich verfehlt wäre 
es z. B., bei stehendem oder liegendem Patienten beide Elektroden auf 
der Hinterfläche des Oberschenkels im Verlauf des Ischiadikus aufzu- 
setzen, wie ich das öfter gesehen habe; man würde nur eine Durch- 
wärmung der Haut und der oberflächlichen Schichten des Schenkels 
erreichen, während der Ischiadikus selbst gar nicht getroffen werden 
würde. Behandelt man die Lumbal- und Sakralgegend, so kann man 
bei rechtwinklig gebeugtem und adduziertem Oberschenkel die andere 
Elektrode auf die Unterseite apphzieren, z. B. den Patienten auf der 
Elektrode sitzen lassen und so die in der Glutäalgegend belegenen 
Partien nebst der Wurzelgegend diathermieren. Im Anschluß an eine 
solche mit Ausdauer und Exaktheit im ganzen Verlauf des Nerven 
ausgeführte Diathermierung führe ich dann, wie oben erwöhnt, eine 
möglichst kräftige und tiefgehende Kondensatormassage aus und habe 
vielfach nach einer einizgen derartigen Sitzung IschiasfäUe geheilt. 
Allerdings dauert eine solche Prozedur ^/a— 'A Stunden. 

Bezüglich der Diagnose Ischias muß man nun sehr vorsichtig 
sein. Es werden vielfach Patienten mit der Diagnose Ischias geschickt 
die zwar Schmerzen in der Gegend des Oberschenkels haben, aber dabei 
an den verschiedenartigsten Affektionen leiden. So wurde mir ein Fall 
zugeschickt, bei dem die Tschiaserkrankung sich als ein periprokti tischer 



138 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Abszeß mit ausstrahlenden Schmerzen erwies. In anderen fällen er> 
zeugen Hämorrhoiden eine hochgradige Ähnlichkeit mit einer Ischias- 
erkrankung. Stets verdächtig sind aber diejem'gen Fälle, die doppd* 
seitig oder wechselnd auftreten, sowie diejenigen, bei denen ScImienEeii 
auf der Vorderseite des Oberschenkels oder in der G^end des ob pub» 
geklagt werden. Auch werden Ischiasbeschwerden gelegentlich mit 
rheumatischen Pisoasschmerzen verwechselt. In einem anderen Falle 
bestand zwar heftiger Schmerz in ganzen Verlauf des Ischiadikas. Er 
war aber ausgelöst diu*ch eine Schleimbeutelentzündung in der Knie- 
kehle und heilte einige Zeit nach Ezstirpation des SchleimbentelB 
spontan. In wieder anderen Fällen lagen tuberkulöse oder osteomyeli- 
tische Knochenherde oder Becken- bzw. Prostatatumoren vor. Auch 
chronische Entzündungen imd Infiltrationen im oder am Uterus, 
Myome, Hämatome können eine Ischiaserkrankung vortäuschen oder 
auslösen. Kurzum, in allen derartigen Fällen kann selbstverständlich 
eine Diathermierung des Ischiadikus höchstens einen vorübergehenden 
palliativen Einfluß ausüben; denn die auslösende Ursache bleiht be- 
stehen oder wird gar nicht der Behandlung unterworfen. Es ist deshalb 
notwendig, jeden Fall von Ischias aufs genaueste zu untersuchen. Nun 
habe ich es unter 54 Fällen von anscheinend reinem Ischias zweimal 
erlebt, daß nach einer erstmaligen leichten Diathermierung nebst 
Kondensatorapplikation eine exzessive Verschlimmerung der Schmerzen 
auftrat. Die Verschlimmerung war eine derartige, daß eine Wiederholung 
der Applikation gar nicht versucht wurde. Aber beides waren Fälle, 
bei denen auch an der Vorderseite des Oberschenkels Schmerzen ge- 
klagt wurden, so daß ich annehme, daß irgendein nicht erkanntes 
oder nicht erkennbares Leiden die Ischiaserkrankung ausgelöst hat, 
welches durch die Diathermierung akut verschlimmert wurde. (Siebe 
weiter unten, Kontraindikationen.) Auch Fälle, bei denen Schmerzen 
auf der Vorderseite des Oberschenkels oder des Knies geklagt werden, 
sind stets verdächtig. In reinen Ischiasfällen, die sich lediglich auf 
den anatomisch bekannten Verlauf an der Hinterseite der Extremitit 
in die Wade nach außen hinunter und vom Fußknöchel bis auf den Puß- 
rücken oder die Sohle erstreckten, habe ich selten eine vorübergehende 
Verschlimmerung gesehen, sondern stets zumeist schnelle, seltener all- 
mähliche Besserung. 

Ischias duplex. Frau K., 51 Jahr alt. Seit zwei Jahren wegen heftiger 
»Schmerzen völlige Bewegungsunfähigkeit. Erste Sitzung am 5. August 1909. 
Seitdem schmerzfrei. Nach fünf weiteren Behandlungen geheilt entlassen. 

Patient A., 54 Jahr. linke einseitige Ischias seit Winter 1909. 
Im März 10 verbrachte er drei Wochen zu Bett und zehn Tage im Sanatorium 
ohne Erfolg. 

Im April 10 fand die erste Diathermiesitzung statt. Danach sofort Erleich- 
terung. Nach drei weiteren Sitzungen schmerzfrei. Die Behandlung wurde ab- 
geschlossen. 

Am 1. Juli 10 trat ein geringes Kezidiv auf. Es bestanden leichte Schmerzen, 
auch ohne daß Patient sich bewegte. 

Am 8. Juli und 12. Juli je eine Sitzung. Danach geheilt entlassen. Patient 
stellt sich nach 14 Tagen geheilt wieder vor, desgleichen nach sechs Monaten. 



Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. Ig9 

Frau A. Seit drei Tagen plötzlich heftige . Schmerzen. Ischias rechts. 
I. Vn. eine Sitzung, sofort schmerz&ei. 

Am 3. vn. etwas Schmerzen gehabt. Geheilt entlassen. 

Ischias. Frau A., 4. XII. 11. Seit sechs Wochen Ischias im rechten Bein, 
kann kaum gehen. Nach der ersten Behandlung fast schmerzfrei. Am nächsten 
Tage geht sie ohne Stock. 

firitte Sitzung am 8.: Schmerzfrei, nur noch etwas Steifheit. 

Vierte Sitzimg. Geheilt entlassen. 

Lumbago und Ischias. Herr K. Am 15., 16., 18. Mai je eine Sitzung. 
Geheilt. 

Ischias. Herr F. 22., 26., 30. Mai 1910 je eine Sitzung. Am 26. bereits 
schmerzfrei gewesen. 

Berichtet am 7. VI., daß er noch ab und zu etwas dumpfes Gefühl in d^ 
Wade hat. Schmerzen sind nicht mehr aufgetreten. Kein Rezidiv bis 1913. 

Herr Z. Seit Anfang Januar 11 plötzlich heftige Schmerzen im Kreuz, 
links nach der Wade ausstrahlend, so daß er gar nicht mehr gehen konnte. All- 
mählich besserten sich die Schmerzen, indessen kann er nur halb gebückt längere 
Zeit stehen. Gehen ist ebenfalls schmerzhaft. Nach 100 Schritten muß er stehen 
bleiben, da er ganz lahm ist. Sonst gesund. 

Ischias. 
' Am 2. VI. 11 erste Sitzung. Sofort voller Erfolg. 

Am 6. zweite Sitzung, berichtet, daß er nach längerem Gehen etwas lahmes 
Gefühl bekommt. 

Am 8. Schlußsitzung. Geheilt entlassen. Kein Rezidiv bis 1913. 

Herr R. Seit einem Jahre Schmerzen, erst im rechten Ischiadicus, dann 
auch links, desgleichen am Trochanter, besonders beim rechten. Au&tehen 
nach dem Sitzen ist nicht erschwert. Schmerzen sind hauptsächlich beim Sitzen 
vorhanden. Im rechten Knie besteht Schwäche infolge einer Kniescheiben- 
verrenkung im Jahre 1879. Patient kann schon seit langer Zeit nicht mehr reiten 
wegen heftig dabei auftretender Schmerzen. 

6.— 10. IX. 12 vier Sitzungen. Geheilt. 

Bericht im Januar 13: Geheilt. 

Frau K., 48 Jahr alt. Seit 10 — 11 Jahren Ischias. Schmerzen gehen vom 
Kreuz an der Hinterseite des linken Beines bis in die Ferse hinunter. Aufenthalt 
in Crastein hat das Leiden verschlimmert. Von März bis Mai 1911 bestand eine 
Venenentzündung im linken Bein. Zurzeit leidet sie an Parästhesien im linken 
Bein, kann nach dem Sitzen schwer auftreten, gelegentlich treten auch Schmerzen 
im rechten Bein auf, häufiger noch im rechten Arm; das linke Bein ist etwas ge- 
schwollen und z^notisch. Zuerst bestand nur Steifigkeit in der Hüfte, allmählich 
traten aber heftige Schmerzen hinzu. Sie geht stark hinkend am Stock. In der 
letzten Zeit hat die Schwere und Schwäche im Bein stark zugenommen. Gelegent- 
lich treten blitzartige Schmerzen auf. Zurzeit sind die Schmerzen wesentlich 
intensiver geworden. 

21. IX. 11.: Diathermie. Nach der ersten Sitzung etwas mehr Beschwerden, 
nach der zweiten Sitzung Besserung. Im ganzen sieben Sitzungen. 

Am 20. Oktober geheilt entlassen. 

Bericht im Dezember 1912: Kein Rezidiv. 

Ischias. Frau H., 37 Jahr, 22. L 08. Seit 15 Jahren leidet Patientin an links- 
seitiger Ischias. Sie ist seitdem niemals ganz schmerzfrei gewesen; wenn die 
Schmerzen zeitweise etwas nachlassen, so tritt heftiges Kribbeln auf. Die Schmerzen 
beginnen links in der Kreuzgegend und strahlen in das linke Bein aus. Typische 
Druckpunkte. Deutliche Muskelatrophie. Einleitung der Hochfrequenzbehandlung 
am 22. Januar. Nach der ersten Sitzung eine Stunde lang schmerzfrei. 

Nach der vierten und fünften Sitzung sind nur an einem Tage einige Sekunden 
leichte Schmerzen aufgetreten, im übrigen war sie zehn Tage schmerzfrei. 

Am 10. Februar 08 nach der siebenten Sitzung geheilt entlsissen. 

Ischias. Herr F., 40 Jahr, Januar 1911. Vor einiger Zeit Kratzen im Halse, 
seit vier Wochen Schmerzen im Hüftgelenk, im Oberschenkel hinten bis nach der 
Wade ausstrahlend. Nach Diplosal vorübergehende Besserung. Beim Gehen 



190 Klinische Anwendung der Diathermie. 

weniger Beschwerden, hauptsächlich teim Liegen. Seit 14 Tagen ist der Schlaf 
durch die Schmerzen gestört. 

Diathermiebehandlung. In sechs Sitzxmgen geheilt. Bericht März 1913: 
Dauernd geheilt. 

Frau A. Seit 15 Jahren Reißen, zuerst in den Schultern, dann in den Armen. 
Überall bestehen kleine zirkumskripte außerordentlich schmerzhafte I>ruck- 
punkte. Oft Wadenkrämpfe. Auch in den Beinen werden schießende Schmerzen 
geklagt. Sie leidet an Schwäche und Müdigkeit in den Beinen. Patientin war 
niemals magenleidend, hat vier gesunde Kinder, keinen Abort, früher viel an 
Kopfschmerzen gelitten; innere Organe und Nervensystem bis auf eine mäßige 
Arteriosklerose gesund. Niemals Gelenkrheumatismus. Ab und zu treten leichte 
Erscheinungen von Angina pectoris auf. Es besteht dann bei Anstrengungen ab 
Und zu Luftmangel, und sie kann dann nachts nicht auf dem Rücken schlafen. 

Puls 100, Blutdruck hoch. Diagnose: Neurolipome und Ischias. 

Am 31. April und am 1., 2., 3., 4., 7. Mai Diathermiebehandlung. 

Seit dem 3. Mai schmerzfrei. 

Am 7. aus der Behandlung entlassen. 

Ischias. Patientin K., 46 Jahr, 3. VI. 11. Seit Anfang Februar Ischias 
rechts. Epikaminjektion erfolglos. 

24. VI. 11: Patientin ist nach sieben Diathermiesitzungen frei von Be- 
schwerden aus der Behandlung entlassen. 

Ischias. Frau K., 46 Jahr, 3. VI. 11. Seit vier Monaten Schmerz im rechten 
Ischiadicus. Vorher hatte sie ein Geschwür im Halse (Tonsillenabszeß). Gehen ist 
stark behindert. Am meisten Schmerzen entstehen jedoch in der Bettlage. Vor 
zwei Monaten trat eine plötzliche Verschlimmenmg auf, so daß Patientin weder 
gehen noch stehen konnte. Sie wurde 4^1^ Wochen im Krankenhaus behandelt. 
Sie erhielt zwei Einspritzungen in den Nerven, wobei das Bein heftig zusammen- 
zuckte. Danach trat heftiges Stechen einen Tag und eine Nacht lang bis in die 
Ferse hinunter auf. Dann besserten sich die Schmerzen etwas, aber die Seite ist 
wie gelähmt. Allmählich besserte sich dieser Zustand, und die Patientin kann jetzt 
wieder etwas gehen. Es bestehen aber dauernd heftige Schmerzen sowohl beim 
Liegen wie beim Gehen. Wenn sie aufsteht, kann sie zuerst gar nicht den Fuß 
aufsetzen, und allmählich ist sie erst imstande, mit Mühe und unter Schmerzen 
einige Schritte zu gehen. 

Beginn der Behandlung am 5. Juni 1911. 

Am 24. Juni, nach sieben Bestrahlungen mit Diathermie, wird sie frei von 
Beschwerden aus der Behandlung entlassen. 

Neuralgien des Supraorbitalnerven bieten fast stets eine sehr 
gute Prognose. Neuralgien der Kopf- und Zervikalgegend, Brachial- 
neuralgien, Interkostalneuralgien, Migräne, Tarsalgie, Coccygodjmie 
reagieren ebenfalls gut. 

Supraorbitalneuralgie, 

wegen Stirnhöhleneiterung März 1906 operiert. Seitdem auf der rechten (operierten) 
Seite dauernd stechende Schmerzen mit Flimmern im rechten Auge. 

Am 13. 8. 06: Erste Hochfrequenzsitzung. Danach sofort beschwerdefrei. 
Jedoch zu Hause angelangt, sind die Schmerzen wieder aufgetreten. 

Am 16. 8. : Zweite Sitzung. Danach Schmerzen geringer. Am 20. 8. : Dritte 
Sitzung. Schmerzen wieder geringer. Bis zum 31. 8. im ganzen 8 Sitzungen. Da- 
nach geheilt entlassen. Schmerzen und Flimmern nicht wieder aufgetreten. 

Herr H, 25 Jahre. Im Frühjahr 10 hat Pat. über dem rechten Auge einen 
Stockschlag erhalten. Es trat eine Hautverletzung ein, die Wunde heilte glatt. 
Am 31. August 10 gibt Pat. an, in letzter Zeit Schmerzen unterhalb dieser Narbe, 
welche selbst nicht druckempfindlich ist, zu haben. Die Eintrittsstelle des S u pra- 
orbitalis ist druckempfindlich. Er klagt über migräneartige Anfälle, welche 
V2 Stunde lang dauern. Er hat dabei Flimmern im Auge, kann gar nichts sehen. 
Wenn die Schmerzen sehr stark sind, besteht auch Übelkeit und Erbrechen. 
II. Aortenton akzentuiert; leichte Irregularität. 



Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. 191 

Am 17. September wird er nach Diathermiebehandlung vollkommen be- 
schwerdefrei entlassen. Auch das Flimmern ist nicht mehr aufgetreten. 

Am 18. September trat er eine Reise an und bekam dabei einen Anfall von 
starkem Herzklopfen, Schwindel und Angstgefühl, der 4 — 5 Stunden lang dauerte, 
ohne daß Flimmern und Schmerz aufgetreten wären. 

Am 21. September trat einmal starkes Flimmern auf beiden Augen auf. 
Seit dem 24. September sind keine Beschwerden mehr beobachtet worden. 

1910. Seit 08 leidet Pat. an Supraorbitalneuralgie, die so heftig ist, 
daß er vom Militär deswegen entlassen werden mußte. Der Nervenaustritt am 
Orbital^and ist druckempfindlich. Die Anfälle treten täglich vormittags immer 
um dieselbe Sfeit auf und dauern 2 — 3 Stunden. Zuerst bemerkt Pat. plötzlich - 
Flimmern im Auge, dann kann er nichts mehr lesen, schreiben, sehen, danach 
setzt heftiger Kopfechmerz mit Erbrechen ein. Dieser Zustand dauert 2 — 3 Stunden. 
Pat. kann nicht die Augen nach oben wenden. Die Schmerzen werden auch im 
Augapfel verspürt. 

September 1910. Erste Sitzung mit Diathermie. 2 Minuten lang. Seitdem 
vollkommen frei. Nach 3 Tagen wurde noch 1 Sitzung zur Sicherheit verabreicht. 
Rezidiv ist nicht aufgetreten. 

Migräne. 

Herr H., 35 Jahr, leidet seit 23 Jahren an Reißen im rechten Auge und 
Kifefer, öfter Flimmern vor dem Auge. Dabei Übelkeit, Aufstoßen und Erbrechen. 
Zeitweise war er einige Monate schmerzfrei. Jetzt wieder seit 8 Wochen fast 
täglich Schmerzen im Auge. Die Cornea- und Gaumenreflexe herabgesetzt. 

Diathermiebehandlung. 

Am 15. September 11: Nach der zweiten Behandlung mehrere Tage schmerz- 
frei. 

Am 31. September: Schmerzfrei entlassen. 

Es besteht nur noch zeitweise ein leichtes Kältegefühl auf der rechten Kopf- 
seite. 

Herr S., 41 Jahr. Seit 10 Jahren Kopfschmerzen, hauptsächlich Stirn, 
Schläfe und Augenhöhlen, besonders beim Blick nach oben. Schlaf gut, sonst stets 
gesund. Ab und zu Druck in der linken Herzgegend, nach dem linken Arm aus- 
strahlend. Pulskurve normal. Kopfschmerz nach einer Sitzung beseitigt. 

4. bis 13. April 10: 6 Sitzungen. Seitdem rezidivfrei. 

Herr M., 45 Jahr, von Kind auf nervös und perioden weise an Kopfweh 
, leidend. 1910 nervöse Magenbeschwerden, März 11 : Schwindelanfälle, beschleunigter 
Puls. Mai 12 traten die Kopfschmerzen besonders heftig auf und bestehen zurzeit, 
noch immer schlimmer werdend. Er nimmt morgens ein Cachet de Faivre, um 
3 Uhr sind aber die Kopfschmerzen wieder heftig. Aspirin, Pyramidon helfen nur 
wenige Stunden, nachts besonders starke Schmerzen, kein Flimmern, keine Übel- 
keit, kein Herzklopfen, keine Beklemmungen. 

3. bis 13. Juli 12: 5 Sitzungen. Danach völlig schmerzfrei. Vorstellung am 
9. 9.: I^eine Kopfschmerzen mehr aufgetreten. 

7. Januar 13: Bis vor 14 Tagen vollkommen frei. Dann dienstlicher Ärger, 
seitdem wieder Kopfschmerzen der linken Kopfhälfte. Mehrfach Aspirin, half 
jedoch nur 5 — 6 Stunden. Reise ins Erzgebirge ohne Erfolg. 

Nach 1 Diathermiesitzung geheilt. Noch 3 weitere Sitzungen zur Sicherheit. 

Cephalalgie. 

Herr F., 9. Januar 09. Rechtsseitiger Kopfschmerz, parietal nach dem 
Nacken ausstrahlend, dauernd bestehend. Pat. erwacht nachts vor Schmerzen. 
Einleitung der Diathermiebehandlung. Stirn- und Nackenelektrodenapplikation 
2 Minuten. 300 — 500 Milliampere. Nach der ersten Sitzung sofortige Besserung. 
Im Laufe von 4 Wochen sind die Schmerzen vollständig geschwunden. Nur ab 
und zu noch leichte Empfindungen. Pat. wird aus der Behandlung entlassen. 

Neuralgie. 

26. Juni 08. Vierzigjährige, sonst anscheinend vollkommen gesunde Frau 
klagt seit 3 — 4 Jahren über Schmerzen in der Endphalanx des rechten Mittel- 



192 Klinißche Anwendung der Diathermie. 

fingers. Jeder Druck wird' äuBerst Bchmerzhaft empfunden. Indessen bestehen 
auch Schmerzen spontan» dauernd. Da keine Therapie bisher Erleichterung 
brachte, wurde vor 1 Jahre der Nagel gespalten. Indessen wurde auch hiermit 
keine Besserung erzielt. Am 26. Juni Diathermie. Danach sofort schmerzfrei. 
Bis zum nächsten Morgen traten bei starkem Druck noch leichte Schmerzemp- 
findungen auf, die auf eine weitere Sitzung am 27. Juni verschwanden. Es wurden 
noch einige Vorsichtsapplikationen gegeben, seitdem rezidivfrei geheilt. 

Herr W. leidet seit ca. 10 Jahren an einer fast dauernd bestehenden Neuralgie 
in der Gegend des linken oberen Skapularrandes, welche bis nach dem Arm 
und in die Hand hinein ausstrahlt. Bei körperlichen Anstrengungen tritt erhebliche 
Verschlimmerung auf, so daß zeitweise kein Hosenträger getragen werden kaim. 
Wenn die Schmerzen nachlassen, treten an ihre Stelle Schweregefühl im Arm und 
Parästhesien sowie Gefühl der Lahmheit. .Die verschiedensten therapeutischen 
Maßnahmen, auch dauerndes Tragen eines Katzenfelles, haben nichts genutzt, 
so daß sich Pat. mit den Schmerzen abgefunden hat. 

Diathermiebehandlung November 11. Nach der ersten Sitzung einige Stunden 
schmerzfrei. Nach der zweiten Sitzung nur noch lahmes Gefühl, kein eigentlicher 
Schmerz mehr. Jedoch tritt 5 Tage später nach einer erheblichen Muskelanstrengung 
des linken Armes der Schmerz wieder auf, aber wesentlich geringer an Intensität. 
Es ist eine fünfwöchige Behandlung mit 11 Diathermiesitzungen notwendig, 
um die Schmerzen zum bis jetzt dauernden Verschwinden zu bringen. Jedoch 
tritt bei großen Anstrengungen immer noch ein leichtes Gefühl an der Stelle tiuf . 
Immerhin ist aber die stark belästigende und 10 Jahre jeder Therapie hartnäckig 
trotzende Affektion bis auf diese geringen Spuren nunmehr seit 4 Monaten beseitigt. 

Frau F., 7. Januar 07, 38 Jahr. Seit 2 Jahren neuralgische Schmerzenim 
linken Plexus-brachialis-Gebiet. Anämie, Herzklopfen, Nervosität, mitunter 
»Schwindel, Parästhesien im Gesicht. Macht ängstlichen, bedrückten Eindruck. 
Cor.: unreiner, schabender erster Ton, Aktion regulär, aber leicht veränderlich. 
Blutdruck niedrig. Romberg angedeutet, Patellarreflexe erhöht. Seit 8 Jahren 
verheirtaet, ein Abort im 2. Monat, sonst keine Gravidität. Stuhl, Urin o. B. 

Am 7., 18., 29. Januar je eine Hochfrequenzsitzung. Danach frei von Be- 
schwerden, fühlt sich wesentlich kräftiger und frischer. 

Tarsalgie. 

Pat. X. leidet seit einem Jahre an heftigen Schmerzen unter dem linken 
Absatz, der ihn am Auftreten fast vollständig hindert. Das Böntgenbild ergibt 
eine deutliche Spombildung an der unteren Seite des Calcaneus. Da dem Pat. 
von chinurgischer Seite Operation angeraten wird, unterzog er sich dieser. Heilung 
glatt per primam. Indessen bestehen die gleichen Schmerzen weiter. Da in den 
4 Wochen nach der Operation keine Besserung eingetreten ist, stellt sich Pat. 
wieder vor. Die Narbe ist nicht druckempfindlich, nur wenn man senkrecht in 
die Tiefe drückt, tritt heftiger anscheinender Periostschmerz auf. Gehen ist sehr 
stark erschwert. Diathermiebehandlung: Pat. ist sofort schmerzfrei. Trotz- 
dem am nächsten und übernächsten Tage keine Schmerzen aufgetreten sind, 
erhält er noch je eine Sitzung. Wird geheilt entlassen. 

Späterer Bericht: Beschwerden sind nicht wieder aufgetreten. 

Coccygodynie. 

Herr N., 1. Febniar 12: Pat. hat 04 Gelenkrheumatismus gehabt, er leidet 
öfter an Kreuzschmerzen, Brustschmerzen und Nesselsucht. Seit dem 8. Januar 
bestehen heftige Schmerzen im untersten Teil des Kreuzes. Er kann sich kaum 
bücken, ist beim Gehen behindert und hat besonders beim Sitzen heftige Schmerzen. 
Im übrigen fühlt er sich vollkommen gesund. 

Beginn der Behandlung am 7. Februar. 2. Sitzung am 9. Februar. 3. Sitzung 
am 12. Februar. Nach der 3. Sitzung schmerzfrei und geheilt entlassen. 

Fräulein B., 39 Jahr. 25. Juni 12. Vor 8 Tagen plötzlich mittags mit hef- 
tigen Schmerzen in der linken Schultergegend erkrankt. Vor 8 Jahren hatte 
Pat. schon einmal an Neuralgie an verschiedenen Körperstellen gelitten. Trotz 
Bettruhe, Aspirin und Pyramiden trat keine Besserung ein. Pat. ist in ihrer Be- 
weglichkeit erheblich gehindert. ^ 



Neuralgien und andere nervöse !ßrkrankungen. 193 

Behandlung mit Diathermie und Kondensatorelektroden. Nach der ersten 
Sitzung 2 Stunden schmerzfrei. Nach 4 Behandlungen beschwerdefrei entlassen. 

Kommt nach 14 Tagen mit einem leichten Rezidiv wieder, welches auf 2 Be* 
Htrahlungen abheilt. Seitdem rezidivfrei. 

Frau P., 23 Jahr. Pat. hat schon früher sehr viel an Kreuzschmerzen ge* 
litten. Seit 3 Monaten bestehen jedoch heftige Schmerzen dauernd beim Stehen, 
Sitzen und Liegen. Im Krankenhaus ungebessert. Elektrisieren, Sitzbäder, Um- 
schläge ohne Erfolg. Besonders beim Aufstehen und beim Gehen schmerzhaft, 
so daß sie nur vollständig gebückt gehen kann. 

Diathermieapplikation, sakro-vaginal am 7. März. 8. März: Schmerzen 
danach etwas gebessert. Diathermie weiter. 

Am 11. März: Wesentlich gebessert, keine eigentlichen Schmerzen mehr, 
nur noch unbestimmt vom Kreuzbein nach oben ausstrahlende Empfindungen. 

Am 14. März: Kreuzschmerzen ganz verschwunden, nur ab und zu leichtes 
Ziehen, welches nur beim Sitzen auftritt, beim Gehen gar nicht. (Gravidität im 
4. Monat.) 

Im ganzen haben 20 Bestrahlungen stattgefunden. Geheilt entlassen. 

Frau L., 66 Jahre. Am 30. April 12: Arthritis chronica et urica. Seit 
16 Jahren Reißen. Voriges Jahr Dampfkastenbehandlung ohne Erfolg, jetzt haupt- 
sächlich in den Ellbogen, Schultern, linker Hüfte, rechtem Knie Schmerzen. Pat. 
hat früher viel an Muskelrheumatismus gelitten. Herz, Stuhlgang o. B. Ab und zu 
Schwindel. Beim Gehen mitunter Atembeschwerden. Seit 2 Monaten kann sie 
sich nicht allein anziehen und kämmen. Bei jeder, auch geringer Bewegung, 
treten heftige Schmerzen auf. Pat. ist seit 4 Nächten vor Schmerzen schlaflos. 

1. Mai 12: Nach der gestrigen ersten Behandlung mit Diathermie ist eine 
erhebliche Besserung eingetreten. Pat. hat zum ersten Male wieder gut geschlafen. 
Im ganzen 2 Sitzungen. 

Stellt sich am 11. März 13 vollkommen geheilt wieder vor. Bis jetzt kein 
Rezidiv. 

Herr P., Neuralgia radialis. Seit mehreren Monaten an Intensität zu- 
nehmende Schmerzen im linken Arm. Pat. muß jeden Abend ein heißes Handbad 
nehmen, um nachts einigermaßen schlafen zu können. Antineuralgika helfen nur 
wenige Stunden. 

Diathermiebehandlung. Nach der ersten Sitzung vollkonmien beschwerdo- 
frei. Ohne Handbad gut geschlafen. 

Nach 3 Sitzungen geheilt entlassen. 

Weniger sichere Resultate habe ich bei Herpes zoster gesehen. 
Offenbar gelang es mit der Diathermie nicht immer, die tief gelegenen 
Spinalganglien, die ja vermutlich der Sitz der Affektion sind, zu er- 
reichen. Vorübergehende Besserungen, stundenlanges absolutes Auf- 
hören des Schmerzes und einige prompte Heilungen habe ich 
'jedoch auch hier beobachtet. 

Sehr schwierig gestaltet sich die Behandlung der Trige minus - 
neuralgie. Die anfängüch von mir versuchte Durchwärmung mittels 
Plattenelektroden hat weder am Ausbreitungsgebiet der Trigeminus- 
äste noch von den Schläfen aus (Ganglium Gasseri) oder durch die 
Wangen hindurch ein therapeutisches Resultat ergeben. Ich wandte 
dann die Kondensatorelektroden auf der betreffenden Gesichtsseile 
an und habe in einer Reihe von Fällen hiermit schnelle Heilungen, 
in einer anderen nicht das geringste Resultat gefunden. Bei einer 
genaueren Prüfung ergab sich nun, daß die nicht reagierenden Fälle stets 
darüber klagten, daß die Schmerzanfälle durch mechanische Reizung 
der Mundschleimhaut ausgelöst wurden. Sprechen, mimische Bewe- 
gungen, Nahrungsaufnahme, Getränkaufnahme, Berührung einer be- 
stimmten Stelle der Backenschleimhaut mit der Zunge wurden als 

Nagelschini dt, Diathermie. 2. Aufl. 13 



X94 Klüiiaohe Anwendung der Biathernüo. 

auslösende Momente heftigster Seh nierzanf alle von den Patienten 
bei näherem Ausfragen geschildert. Infolgedessen applizierte ich nun 
eine dünne, ohne weite Öffnung des Mundes einfiihrbare Kondensator- 
elektrode aus Glas im Innern des Mundes imd bestrich mit ihr, soweit 
ich sie erreichen konnte, die gesamte Schleimhaut der Wange, des 
Zahnfleisches, sowohl am Ober- wie am Unterkiefer, der Zunge, des 
Mundbodens, des Gaumens, nach Möglichkeit auch des Gaumensegels 
und die Tonsillengegend bis auf den Zungengrund. Diese Behandlung 
ist natürlich unangenehm, löst bei manchen Patienten Würgbewegungen, 
manchmal auch, besonders im Anfang, Sehmerzanfälle aus, führt 
aber doch nach der zweiten oder dritten Sitzimg bereits zur Gewöhnung 
des Patienten. Die Stromstärke muß so gewählt werden, daß keine 
heftigen Schmerzanfälle bei der Applikation ausgelöst werden. Per 
Patient gibt an, bis zu welcher Stromstärke kein heftiges Brennen 
durch die Berührung der Elektroden auftritt. Besonders vorsieht^ 
muß man in bezug auf die Erwärmung der Elektroden sein. Die Kon- 
densatorelektroden, besonders wenn sie dünn sind, werden schnell 
heiß und können im Mund, dessen Schleimhaut meist viel Hitze ver- 
trägt, leicht zu Blasenbildung führen, die ja keine bedeutende Schädigung 
des Patienten darstellt, aber doch vermeidbar ist. Man muß, besonders 
bei größerem Geräusch (Summen) der Applikation (stärkere Einstellung 
des Stromes) die Elektrode öfter kontrollieren und mit feuchter Watte 
abkühlen. Die Applikation muß längere Zeit, 10—15 Minuten, statt- 
finden, wobei Unterbrechungen zwecks Abkühlimg der sich erhitzenden 
Glaselektrode wiederholt nötig sind. In einer Reihe von Fällen muß 
die intraorale und äußere Behandlung kombiniert werden. Mitunter 
wurden hiermit in 8— 14 Tagen Resultate erzielt, andere Fälle erforderten 
eine monatelange Behandlung. Stets trat zum mindesten ein Aufhören 
der heftigsten Anfälle, Seltenerwerden auch der leichteren ein. ß^ 
mitunter fast vöUig gehinderte Nahrungsaufnahme wurde ohne erhebliche 
Beschwerden ermöglicht, und nach Aussetzen der Behandlung wurden 
längere rezidivfreie Perioden erzielt. Auch spätere Rezidive waren 
oft leicht. In einzelnen Fällen wurde auch schon nach 2, 3 Sitzungen 
definitive Schmerzfreiheit erzielt. Ein Fall blieb gänzlich imgebessert. 
Die Beeinflussung der Trigeminusneuralgie durch Diathennie 
läßt es nicht unwahrscheinlich erscheinen, daß für die Entstehung 
der Schmerzanfälle weniger eine Beeinflussung des vielleicht in großer 
Tiefe gelegenen Herdes der Erkrankung (Ganglion Gasseri oder intra- 
kranielle Lokalisation) maßgebend ist, sondern daß von der Periphene 
aus sowohl von der äußeren Haut wie von irgendeinem Teil der Mund- 
schleimhaut aus durch mechanische Berührung oder durch Zerrung 
und Dehnung (Sprechen, Saugen, Schlucken) der Schmerzanfall aus- 
gelöst wird. Die Herabsetzung der Hyperästhesie durch die Konden 
satorelektrodenbehandlung, die wir auch als juckstillendes und schmerz* 
stillendes Mittel sonst kennen, bewirkt hier die mitunter definitive, 
mitunter vorübergehende Besserung. Wird diese Hyperästhesie zentral 
ausgelöst, so haben wri mit Rezidiven zu rechnen, die aber infolge 
der Herabsetzung der peripheren Hyperästhesie nach der Behandlung 



Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. 195 

leichter uiid kürzer verlaufen und der gleichen therapeutischen Beein- 
flussung wiederum zugänglich sind. In schweren Fällen ist mitunter 
die Berührung sowohl der Mundschleimhaut wie auch der äußeren Haut 
außerordenthch schmerzhaft und löst gelegenthch einen heftigen 
Anfall aus. Das kann natürlich auch eintreten, wenn man mit der Elek- 
trode diese Berührung vornimmt. Hat man einen derartigen Fall 
vor sich, so ist es zweckmäßig, den Strom erst einzuschalten und die be- 
reits in Funktion befindhche Elektrode in Kontakt mit der Haut oder 
Schleimhaut zu bringen. Immerhin muß man sich stärkeren Druckes 
dabei enthalten und auch die Stromstärke so wählen, daß sie bequem 
ertragen werden kann. Erst nach der Applikation während einer ge- 
wissen Zeit kann man dann die Stromstärke steigern und ungehindert 
die Behandlung zu Ende führen. Es ist im allgemeinen nicht zweck- 
mäßig, zu dünne Elektroden zu verwenden (wegen der schnellen. Er- 
hitzimg). Wenn aber die Patienten, was nicht selten ist, den Mund nicht 
zu öffnen wagen, so kann man auch bei fast ganz geschlossenem Munde 
eine dünne Glaselektrode mit einiger Vorsicht einführen. Meistens 
haben Patienten, die an so schweren Neuralgien leiden, schon eine mehr 
oder weniger große Zahl von Zahnextraktionen durchgemacht, weil die 
Schmerzen anfängüch häufig auf Zahnschmerzen zurückgeführt werden, 
und ich kenne Fälle, denen sämtliche Zähne extrahiert worden sind, 
ohne daß auch nur die geringste Bessenmg dadurch erzielt wurde. 
Durch die eventuellen Zahnlücken hindurch läßt sich daher auch die 

I 

Zunge, der Mundboden und der Gaumen zugänglich machen. Gelegent- 
lich, und zwar nicht selten^ besteht auch eine Hyperalgesie der Nasen- 
schleimhaut, und es können von hier aus neuralgische Anfälle aus- 
gelöst werden (beim Niesen oder Schnauben). Man kann hier auch 
mit geeigneten dünnen knieförmig abgebogenen Röhrchen einen großen 
Teil der Nasenschleimhaut, besonders das Septum und den Nasenboden, 
der Behandlung zugängüch machen. Ein Teil meiner Fälle kam, nach- 
dem Alkoholinjektionen, Röntgenbestrahlungen, Wurzelresektionen, 
Ganglionexstirpation, Kieferoperationen erfolglos ausgeführt worden 
waren, zinr Behandlung. Wirkliche Heilungen habe ich bisher nur in 
leichteren frischen Fällen regelmäßig, in mittelschweren häufig, 
Besserungen jedoch fast stets gesehen. 

Auch in schweren Fällen (Fall 6) habe ich schnelle Heilungen er- 
zielen können, falls sie noch nicht operiert waren. Operationsnarben 
haben den Erfolg stets beeinträchtigt; meist sind diese Narben hyper- 
algetisch und bleiben es lange trotz der Therapie ; von ihnen aus werden 
häufig Anfälle ausgelöst. Durch konsequente Durchführung der Behand- 
lung erzielt man jedoch auch hier schließlich bedeutende Besserungen. 

*) Frau W. 11.1 1. 07. Seit 2 V2 Jahren im Anschluß an Influenza im Wochen- 
bett starke Gesichts- und Kopf neuralgie. Der geringste Luftzug löst heftige 
Schmerzen aus. Die Anfälle sind unregelmäßig, aber häufig. Hochfrequenz- 
behandlung. Nach 2 Sitzungen 14 Tage vollständig frei, dann ab und zu leichte 
Beschwerden. Am 9. 1. 08: Wieder der erste stärkere Anfall. Hochfrequenz- 
therapie, seitdem dauernd geheilt. 

*) Fräulein B., 68 Jahr, seit 25 Jahren fast dauernd anfallsweise Schmerzen 
in der rechten Kopfhälfte. Höhenluft, Aspirin, Opium erfolglos. Pyramidon mit 

13* 



19ß Klinische Anwendung der Diathermie. * 

Morphium helfen stundenweise. Fester Druck lindert die BeFchwerden et-was. 
Heiße Tücher und Kälteapplikation helfen nicht. Vor 4 Jahren hatte de einen 
sehr schweren Anfall, der 10 — 12 Tage dauerte und dauernd mit Aspirin und 
Morphium bekämpft werden mußte. Danach trat eine Periode der Besserung ein. 
Pat. war bis zum 18. Juni 11 schmerzfrei. Seitdem besteht das Reißen dauernd, 
mitunter ist sie Vt Stunde oder 1 Stunde lang schmerzfrei. Wenn sie eine Morphium- 
injektion erhält, bleibt sie Yt ^^ ^^^* PyT&nudon mit Morphium zusammen, 
abends verabreicht, helfen bis zu Mittag des nächsten Tages. 

Zur 2ieit der Untersuchung am 4. JuU 1 1 : Pat. ist augenblicklich schmerzfrei. 
Bis vor 1 Stunde hatte der letzte Anfall bestanden. Die Haut ist sehr empfindlich. 
Bewegung der Haare verursacht Schmerzen. 

Einleitung der Hochfrequenzbehandlung. Nach der 1. Sitzung waren die 
Schmerzen nicht so andauernd, Pat. war stundenlang frei, die Anfälle dauerten 
nur etwa 5 Minuten. Sie nahm nachts aus Vorsicht Pyramidon und Morphium, 
weil sie Ruhe haben wollte. Am nächsten Morgen war sie bis gegen Mittag 'roll- 
kommen frei, dann traten wieder starke Schmerzen auf. 

Am 5. Juli wurde die 2. Sitzung gegeben. Seitdem ist nur noch ab und zu 
leichtes Zucken, kein heftiger Schmerz mehr aufgetreten. In der Nacht nur einnial 
5 Minuten lang leichter Schmerz, sonst hat sie ohne Mittel durchgeschlafen. In 
der nächsten Zeit noch ab und zu ein Muckern oder kurzes Zucken. Im übrigen 
heil geblieben. Die Hochfrequenzbehandlung wurde noch 5 Wochen fortgesetzt, 

^) Herr L., 56 Jahr. Seit 1 Jahre leidet Pat. an allmählich immer heftiger 
werdenden Anfällen neuralgischer Schmerzen im ersten und zweiten linken Trige- 
niinusast. 

Am 29. April wird lonotherapie mit Kokain versucht. Danach war er 1 Tag 
schmerzfrei. Dann treten aber die Schmerzen heftiger auf. 

Unter Hochfrequenzbehandlung tritt allmählich Besserung ein, so daß er 
nach 6 Wochen schmerzfrei aus der Behandlung entlassen werden kann. 

*) Frau B., 29. August 07. Seit Jahren Nervenschmerzen an verschiedenen 
Körperteilen, hauptsächlich im Gesicht, im Gebiet des zweiten Trigeminusastes. 
Fast nie ganz frei davon. Häufig wird sie vor Schmerzen beinahe ohnmächtig. 
Aspirin, Pyramidon und ähnliche Pulver helfen nur kurze Zeit. In den letzten 
5 Tagen trat regelmäßig bei Benutzung des Irrigators ein intensiver Schmerz- 
anfall von 20 Minuten Dauer, der mit geringerer Intensität den ganzen Tag bestehen 
blieb, ein. Beim Liegen wird es etwa« besser. 

Pat. erhielt am 29. August 07, am 31. August sowie am 2. September und 
7. September je eine Sitzung, im ganzen 4. Nach der 3. Sitzung war sie beschwerde- 
frei. 

Letzter Bericht 11: Schmerzen sind nicht wieder aufgetreten. 

^) Fräulein A., 52 Jahr, 31. Dezember 07. Pat. gibt an, daß sie stets nervös 
war und an Neuralgie und Zittern am Körper litt. Auch Weinkrämpfe traten 
gelegentlich auf. Vor 11 Jahren erkrankte sie plötzlich in Meran an Trigeminus- 
iieuralgie. Sie wachte eines Morgens auf und konnte die Zähne nicht mehr ausein- 
ander bekommen. Der Mund war krampfartig geschlossen. Es bestanden furcht- 
bare Schmerzen. Das Gesicht war verzerrt. Danach traten 30 — 40 mal am Tage 
Anfälle auf, die eine Sekunde dauerten. Jede Bewegung löst Anfälle aus. In abso- 
luteV Kühe konnte sie sie eine 2ieitlang unterdrücken. Schlaf war schlecht. Wacht 
mitunter durch die Schmerzen auf. Die erste Anfallsperiode dauerte 4 Monate 
mit geringen Unterbrechungen. Danach 10 Jahre Ruhe. 

Seit Oktober 06 bis Februar 07 wieder ununterbrochene Anfälle. Von Fe- 
bruar biß Oktober 07 wieder Ruhe. Im Oktober traten die Anfälle wiederum 
ununterbrochen auf. Kochsalz-Antipyrin-Einspritzungen, Elektrisieren erfolglos. 
Beim Essen furchtbare Qualen, so daß sie in ihrer Ernährung erheblich herunter- 
gekommen ist. Schmerzen sind so heftig, daß die Pat. laut aufschreit. 

1. Sitzung am 31. Dezember 07. Bis zum Abend keine Besserung, indessen 
war die Nacht gut. Am nächsten Morgen deutliche Erleichterung vorhanden. 
Auch am 2. Januar 08 bestanden nur geringe Schmerzen. Am 3. waren wieder 
mehr Schmerzen vorhanden. Steifheit und Lähmungsgefühl in der Backe soll 
geringer sein. 



Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. I97 

Nach der 4. Sitzung am 7. Januar trat noch ein leichterer Anfall am Abend 
auf, dann war sie bis zum 9. abends vollkommen frei. Die Spannung ist seit dem 
3. Januar vollkommen verschwunden. Am 11. Januar hat sie zum ersten Male 
Mittag ganz ohne Beschwerden gegessen. Pat. gibt an, auf der erkrankten Seite 
viel an Speichelfluß zu leiden und salzigen Greschmack zu haben (auch früher 
bei den Anfällen). Seit der Behandlung sind diese Erscheinungen sehr viel geringer 
geworden und treten nur noch ab und zu auf. 

Am 14. Januar treten wiederum leichte Schmerzen auf, aber ohne Steifheit. Im 
ganzen ist aber eine erhebliche Besserung vorhanden. Die Kur wird fortgesetzt. 
Im Laufe der nächsten Wochen treten noch ab und zu leichte Schmerzanfälle auf, 
die Krampferscheinungen sind nicht mehr beobachtet worden. Speichelfluß, 
salziger Geschmack ebenfalls gebessert. Anfang Mai wird sie vollständig geheilt 
entlassen. 

Bericht Ostern 1912: Dauernd beschwerdefrei gewesen. 

•) Frau X., 44 Jahr alt. Seit dem 15. Lebensjabr die ersten Schmerzanfälle. 
8eit 15 Jahren schwerere Anfälle, so daß 1906 der I. und II. Ast exzidiert wurde. 
1909 Alkoholinjektion. April 1912 nochmalige Alkoholinjektion. Trotzdem seit 
August 1912 besonders schwere Anfälle, die sich bis März 1913^ noch steigern, 
so daß Patientin sich nur flüssig nähren kann. Die 1. Wange ist stark gerötet und 
etwas geschwollen. Jede mimische Bewegung wird vermieden. SämtUche Zähne 
der linken Oberkieferhälfte sind vor Jahren extrahiert; worden. Ab und zu ein bis 
zwei Tage besser: d.h. Schmerzen mäßig, heftige Anfälle nur beim Essen. 

7. III. 13. Heute 8 schwere Anfälle, einige Minuten bis über eine volle 
Stunde dauernd. Leichte Schmerzen ununterbrochen. Morph, ohne Erfolg (regt 
auf und macht Erbrechen). 

8. In. Wegen bevorstehender Menses heut besonders schlecht. So heftige An- 
fälle, daß Patientin schreien muß. 1. Sitzung. Unmittelbar danach fast schmerzfrei. 

9. III. Hat ohne jedes Mittel die ganze Nacht durchgeschlafen, zum 1. Male 
seit vielen Monaten, da sonst Angstgefühle wegen der Schmerzanfälle den Schlaf 
stören. Meist löst das Aneinanderlegen der Lippen nach dem Einschlafen sofort 
einen Anfall aus; im wachen Zustande vermeidet Pat. dies durch willkürliches 
Offenhalten des Mundes. 

Im Lauf der weiteren Behandlung ist kein einziger Schmerzanfall mehr auf- 
getreten, nur leichte nicht schmerzhafte Zuckungen. In den ersten 10 Tagen 
macht sich eine erhöhte psychische Inkontinenz bemerkbar. Pat. weint leicht. 
Sie hat vermutlich ihre Ursache darin, daß die fortwährenden Schmerzen früher eine 
dauernde Spaimung unterhielten. 

20. III. Behandlung ausgesetzt. 

25. m. In den letzten Tagen nur ab und zu Nervenzuckungen neben der 
Nase und leichtes Spaimungsgefühl in der Wange (ödem noch unverändert). 
Patientin ißt sämtliche Gerichte, bedient sich jedoch des Mastikators wegen der 
vielen Zahndefekte. Seit der ersten Sitzung kein Medikament oder Schlafmittel 
genommen. Schlaf dauernd gut. Allgemeinbefinden vorzüglich. 

Die motorischen Störungen der peripheren Nervenfunktion 
sind ebenfalls der Hochfrequenzbehandlung in weitgehendem Maße 
zugänglich. Die sekundären Atrophien bei Gelenkaffektionen habe 
ich schon erwähnt und ihre gute Beeinflußbarkeit durch Hochfrequenz- 
applikation in Gestalt der indirekten Funkenreizung hervorgehoben. 
Die Prognose bezüglich der durch Nervenerkrankung bedingten Atro- 
phien hängt von der Natur dieser Erkrankung ab. Ist z. B., wie bei 
manchen infantilen Peroneallähmungen , vollkommene Atrophie einge- 
treten, so ist von einer Regeneration keine Rede mehr. Auch die 
Fälle mit schwerer Entartungsreaktion scheinen eine ungünstige 
Prognose zu geben, wenngleich mein diesbezügliches Untersuchungs- 
material zur Entscheidung dieser Frage nicht ausreicht. Ich habe 
häufig gefunden, daß Muskeln, welche auf f arabische und galvanische 



198 KliniBche Anwendung der Diathermie. 

Ströme nur noch minimal und bei großen Stromstärken reagieren, 
mittels indirekter Fimkenreizungen (Technik siehe Seite 74) noch zu 
wesentBch energischeren Kontraktionen gebracht werden konnten. 
Diese Hochfrequenzkondensatorentladungen sind offenbar eins der 
kräftigsten Reizmittel, welche wir zur Hervorbringung von Muskel- 
kontraktionen besitzen. Ist die Atrophie noch nicht weit vorgeschritten, 
so erreichen wir zweifellos durch derartige Muskelreizungen mittels 
Hochfrequenz ganz erheblich schnellere Fortschritte als mit faradischen 
oder galvanischen Strömen. Ich habe auch z. B. bei frischen Facialis- 
lähmimgen stets in den ersten Tagen des Bestehens mit den Muskel- 
übungen begonnen imd komplette Wiederherstellung der Funktion 
gefunden. In manchen Fällen tritt diese auffallend rasch ein, in anderen 
Fällen dauert sie ebenso Monate bis zum völligen Ausgleich wie auch 
bei den anderen Stromarten. Die bei zentralen und allgemeinen Er- 
krankungen (Tabes) auftretenden Veränderungen der Muskelerregbax- 
keit und Fimktion werden wir bei diesen besprechen. Ich möchte hier 
nur erwähnen, daß ich auch einige Fälle von progressiver Muskel- 
dystrophie behandelt habe. Entsprechend den Vorstellungen, daß 
das ätiologische Moment dieser Erkrankung entweder im Zentralorgan 
oder in den Muskelzellen selbst zu suchen ist, habe ich sowohl die 
Muskelpartien direkt durchwärmt und durch indirekte tVinken- 
applikation zur Kontraktion gebracht als auch das Bückenmark in 
den entsprechenden Abschnitten diathermiert. Die Bestdtate einer 
derartigen, meist nur wenige Wochen durchgeführten Kur waren 
wenig ermutigend. Allerdings ist im Verlauf von 1^/2 Jahren in dem 
am längsten unter Beobachtung gehaltenen Fall eine Verschlechterung 
des Status gegenüber den nicht behandelten Muskelgruppen nicht ein- 
getreten. Es schien sogar eine Zeitlang eine leichte Besserung zu be- 
stehen. Aber ein sicherer Erfolg ist bisher nicht erzielt worden. Viel- 
leicht ist in solchen Fällen eine sehr protrahierte und möglichst auf 
die Gesamtmuskulatur des Körpers auszudehnende Behandlung not- 
wendig. Bei dem infausten Charakter dieser Erkrankung dürfte eine 
ausgiebige Erprobung der zumindest als unschädlich erwiesenen Dia- 
thermie in größerem Maßstabe anzuraten sein. 

Von den nervösen motorischen Reizerscheinungen habe ich Gelegen- 
heit gehabt, den Tic convulsif des Facialis in zwei Fällen ohne jeden 
Erfolg zu behandeln. Dagegen sind choreatische Erscheinungen der 
Behandlung durchaus zugänglich. 

Myoklonie. 
Pat. S. leidet seit Jahren an fast dauernden Zuckungen des' rechten Arms 
und der rechten Schulter, so daß er in seinem Beruf erheblich gestört ist und psy- 
chisch leidet. Daneben schlechter Schlaf, abends Beängstigungen, Gespenstor- 
sehen, wenig Appetit. Sprache erheblich gestört (Stottern und Stocken), während 
sie früher normal war. *%! 

^ Diathermiebehandlung im März 12 in 10 Sitzimgen. Danach völlige Be- 
seitigung aller Beschwerden. • • 

^ Nachkontrolliert am 11. März 13.. Die Beschwerden waren in der Zwischen 
zeit vollständig geschwunden. Die Beängstigungen sind dauernd fortgeblieben, 
Schlaf gut, Appetit gut, Sprache normaL Jedoch tritt nach Aufregungen noch 
leichte Neigung zu Muskelzuckungen ein, indessen ganz wesentlich geringer als 



Neuralgien und andere nervöse Erkrankungen. 199 

früher. Die Bewegungen sind so gering, daß sie der Umgebung nicht mehr auf- 
fallen und den Pat. nicht mehr stören. Weitere Behandlung erschien unnötig. 
Pat. D., 31 Jahr. Paraljrsis agitans. Dauernd Zuckungen im Gesicht, Nacken 
und Oberkörper, welche bei willkürlichen Bewegungen geringer werden, zeitweise 
ganz aufhören, in der Buhe jedoch sofort wiederkehren. Beginn der Diathermie- 
beliandlung am 9. VUL 12. Am 16. VHI. nach 3 Behandlungen Zuckungen besser 
ge-worden. Kam am 22. X. wieder. Vom 22. X. bis 12. XI. noch 10 Sitzungen. 
X>anach beschwerdefrei entlassen; nur noch geringe Zuckungen im Mundwinkel 
ab und zu. 

Auch die Chorea minor bei Kindern ist ein äußerst dankbares 
Feld der Behandlung. Offenbar kommt hier der sedative Einfluß der 
allgemeinen Hochfrequenzapplikation deutlich zur Erscheinung. 

Ich schließe hier die Besprechung der zentralen Erkrankungen an. 
Ich habe 8 Fälle von Epilepsie mit Diathermie und Solenoidbehandlung 
beobachtet. Die Fälle von Jackson scher Epilepsie haben stets in 
günstigster Weise reagiert. Da mitunter der Haarwuchs ein sehr 
kräftiger ist, bin ich bisher, besonders in schwereren Fällen, auf keinen 
Widerstand gestoßen, an der durch die Untersuchimg als Ort der Aus- 
lösung bestimmten Stelle die Kopfhaut zu rasieren. Dies ist die Vor- 
bedingung für eine wirksame und intensive Diathermierung, die schon 
nach wenigen Applikationen, mitunter sogar schon nach der ersten, 
zu einem Sistieren und wesentlichen Abschwächen der Anfälle führte. 
Bei der spontan zu unregelmäßigem Auftreten neigenden Erkrankimg 
ist natürlich aus diesen wenigen Fällen nichts Definitives zu schließen. 
Aber die durchweg günstigen' Ergebnisse bei diesen sowie den anderen 
Formen der Epilepsie regen doch sehr zu einer weiteren Prüfimg der 
Frage an. Es ist nicht denkbar, daß durch eine oder wenige Diather- 
mierungen des Schädels, wenngleich die Tiefenwirkung der Diathermie 
ja eine erhebliche ist (siehe Seite 95), eine Resorption von Kallus 
oder Narbengewebe stattgefunden hat. Wohl aber kann die hoch- 
gradige Hyperämie und ödematöse Durchtränkung eine Niveaudifferenz 
der inneren Wand der Schädelhöhle schnell herbeiführen und so zu 
einer Verteilung des Druckes auf größere Flächen und mithin zu dessen 
Abschwächimg oder einer polsterartigen Wirkung führen. Vielleicht 
kommt auch die dekongestionierende Wirkung auf die imter dem 
dauernden Druckreiz stehenden Hirnhaut- imd Himpartien direkt in 
Frage. Die spasmolytische Wirkung der Diathermie läßt sich an Gefäß- 
wänden oder im Krampfzustand befindlichen Skelettmuskeln direkt 
verfolgen. 

Zwei Fälle von SyringomyeHe habe ich bisher je 3 Wochen zu 
behandeln Gelegenheit gehabt, kann aber ebenfalls, da keine Nachbeob- 
achtung mögUch war, nicht über einen Erfolg oder Mißerfolg urteilen. 
Während der Behandlung habe ich nur ein Verschwinden der spontanen 
Schmerzen gesehen und die sehr interessante Beobachtung ge- 
macht, daß die für die gewöhnlichen thermosensiblen Unter- 
suchungsmethoden unempfindlichen Hautpartien die Dia- 
thermiewärme deutlich spüren, und zwar schon bei Haut- 
temperaturgraden zwischen 30 und 45®. Die Patienten imter- 
schieden deutlich leichte Erwärmung, stärkeres Brennen und Stechen 



200 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Bei Akroparästhesienund Hyperalgesienkommtesinhoheni 
Maße auf eine exakte Diagnose an. Beruhen diese auf (meist arterio- 
sklerotischen oder toxischen) Zirkulationsstörungen, so erfordern sie 
die Behandlung, die ich oben bei der peripheren Arteriosklerose be- 
sprochen habe. Beruhen sie dagegen auf nervöser Grundlage, so muß 
man eine andere Technik wählen. Die angiospastischen Formen 
reagieren günstig auf die direkte Diathermierung, während die auf 
Herabsetzung oder Lähmung der Nervenleitung beruhenden Störungen 
eine mehr stimulierende Behandlung mittels der Kondensatorelektrode 
benötigen. Die Fälle von Reynaudscher Erkrankung sind bereits 
als für die direkte Diathermierung geeignet besprochen worden und 
reagieren meist wem'ger auf lokale als auf allgemeine Beeinflussung der 
Zirkulation bzw. der Grefäßinnervation. Am zweckmäßigsten ver- 
wendet man hier das Kondensatorbett neben lokaler Diathermie. Die 
Hyperalgesicn, welche z. B. in der bekannten bei Musikern häufigen 
Form des sog. Durchspielens der Fingerspitzen auftreten, beruhen 
wohl auf einer mechanisch erzeugten Entzündung der Nervenend- 
apparate. Sie stellen ein äußerst dankbares Feld für die Behandlung 
dar. Es hat sich mir die kombinierte Behandlung einer lokalen Durch- 
wärmung der Fingerspitzen mit Metallelektroden und minimalen 
diathermischen Stromstärken mit daran anschließender Applikation von 
Kondensatorelektroden bei Stromstärken, welche bis zur Toleranz- 
grenze allmählich gesteigert "i^erden, am besten bewährt. Die Erfolge 
sind nach der ersten Sitzung bereits deutlich und meist nach 2—3 
Sitzungen definitiv. 

7. Kapitel. 

Zentrale neryöto Erkrankungen. 

Wir kommen nunmehr zin* Besprechung der zentralen Zirku- 
lationserkrankungen. Die Arteriosklerose des Gehirns kann imter 
sorgfältiger Würdigung des Gesamtzustandes des Patienten wohl in 
den meisten Fällen mit großer Sicherheit diagnostiziert werden. Der 
bekannte Symptomenkomplex des Kopfdruckes, der Erschwerung 
der Konzentrationsmöglichkeit, Vergeßlichkeit, Schwindel, Benommen- 
heit, Schlaflosigkeit, Stimmungsveränderungen, evtl. Sprachstörung im 
Zusammenhang mit sonstigen zu entdeckenden arteriosklerotischen 
Veränderungen, vorgeschrittenem Alter der Patienten, Lues in der 
Anamnese usw. genügen zumeist zur Stellung der Diagnose. Meist 
zeigt die Untersuchung des Blutdruckes eine dauernde Erhöhung des- 
selben, und wir müssen uns auch hier der früher betonten Regel er- 
innern, die Ursache dieses hohen Blutdruckes zu eruieren. Wir können 
zunächst rein symptomatisch die Arteriosklerose des Gehirns der Hoch- 
frequenzbehandlung unterwerfen, indem wir den Kopf des Patienten 
im Innern des Kopfsolenoids (Abb. 30) einschließen. Sitzungen von 
10—20 Minuten Dauer und 5—10 Ampere Stromstärke jeden 2. Tag 
genügen für leichtere Fälle. Aber damit allein wird zumeist nur ein 
palliativer Erfolg erzielt, und ich habe es mir daher zur Regel gemacht. 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 201 

stets derartige Patienten, die meist gchoti zur Zeit der BeliancUuiig, 
immer aber früher oder später auch Zeichen anders lokalisierter Arterio- 
sklerose aufweisen, in bezug auf ihr gesamtes Zirkulationssystein in 
Behandlung zu nehmen. Ich verweise diesbezüglich auf das im Kapitel 
der Arteriosklerose auf Seite 115ft. bezüglich der Technik Besprochene, 
Hat man den Eindruck, daß eine schnelle Entlastung der zerebralen 
Kongestion notwendig ist, so ist die Diathermierung der unteren 
Extremitäten (Zweizellenbad) oder des Splanchnicusgebiets indiziert. 
Handelt es sich dagegen um ischämische Zustände des Gehirns, so 
würde man hierdurch den Patienten eher schädigen, und es empfiehlt 
sich daher hier, die Diathermierung von Schläfe zu Schläfe oder voji 
Stirn zu Nacken vorzunehmen. Man kann in vielen Fällen sofortige 
Besserung erzielen, die Patienten geben unmittelbar nach der Sitzung 
an, daß sie sich frei im Kopfe fühlen, daß Schwindel und Kopfdruck 
verschwunden sind. Nicht selten ist die Nacht unmittelbar nach einer 
solchen Sitzung die erste seit langer Zeit, in der sie ohne Schlafmittel 
normal durchschlafen. Auch der häufig bestehende senile oder nervöse 
Pruritus schwindet ohne jede Lokal therapie. 

Wendet man Schläfen elektroden an, eo eignen sich die auf Seit« 45 
beschriebenen . runden Plattenelektroden von 4 cm Durchmesser, 
Wenn die Behaarung bis weit auf die Schläfe herunterreicht, so muß 
man für sehr gute Durchfeuchtung Sorge tragen oder rasieren. Eine 
Stromstärke von 200—300 Milliampere ist für diese Apphkation schon 
reichlich stark und wird nur kurze Zeit vertragen. Das hängt aber von 
dem Schläfendurchmesser ab. Jedenfalls muß man die Stromstärke so 
weit steigern, daß zwar die Schläfenhaut nicht übermäßig erwärmt 
wird, andererseits aber der Patient im Kopf ein eigentümliches Druck- 
gefühl bekommt, welches regelmäßig bei einer gewissen Stromstärke 
angegeben wird. Es schadet auch nichts, wenn eich dieses Druck- 
gefühl bis zum Schmerz steigert, und die Patienten sagen, sie hätten 
das Gefühl, als ob ihnen der Kopf platzt. Wendet man geringere 
Stromstärken an, so ist der therapeutische Erfolg nicht ausre 
Indessen werden diese Sensationen ohne wesenthche Beschwer 
tragen, besonders wenn die Patienten an die Behandlung g 
sind und man sie vorher darauf aufmerksam gemacht hat. U 
Moment, wo man den Strom unterbricht, hört der Druckschmt 
und die Patienten haben in wenigen Sekunden das Gefühl der Bei 
Wenn sie vorher einen benommenen Kopf hatten und über Seh 
klagten, geben sie zumeist an, jetzt voUkommen frei zu sein. 

Wenn man die etwas größere Stimelektrode (4 x 6,5 cm) u 
ebenso große Nackenelektrode anwendet, so muß die Stromstäikt 
lieh gesteigert werden. Aber wegen der Wölbung der Stirn ist eir 
taktapplikation selbst mit dickeren Zwischenlagen sehr schwii 
daß hierin eine Beschränkung der erreichbaren Stromintensitä 
Kommt man nicht auf 1000 Milliampere wegen lokalen Steel 
der Stirn, besonders an den Tubera, so muß man mit niedrigeren 
stärken entsprechend länger diathermieren. Am günstigsten 
wenn die Patienten eine Glatze haben, so daß man die Nackeneli 



202 •Klinisohe Anwendung der Diathermie. 

« 

höher oben am Hinterkopf anlegen kann. Dann sind die therapeuti- 
schen Resultate meistens besser. 

In leichteren Fällen von arteriosklerotischerlnsomnie kommt 
man mit der Behandlung des ganzen Körpers im Solenoid aus, und diese 
Behandlungsart ebenso wie das £j)ndensatorbett sind für die ne ur asthe- 
nische n sowie für die nervösen Formen der Insomnie die geeignetsten 
Methoden, soweit es sich um Patienten mit hohem Blutdruck handelt. 
Bei niedrige m Blutdruck leistet oft eine einmalige Duschenbehandlung 
des Kopfes und Rumpfes Vorzügliches, wenn man die andere Elektrode 
an eine Metallelektrode anschließt, auf welcher der Patient mit bloßen 
Füßen steht. Bei Psychose dagegen ist die lokale Kopfbehandlung 
mit Platten- oder Kondensatorelektroden wirksam. 

Insomnie. 

Herr S., 69 Jahre. Polyzythämie, Plethora, Kongestionen im Gesicht, 
starke Acne rosacea und beginnendes Rhinophym. 07 im Anschluß an ein heißes 
Bad in Kissingen vor 5 Jahren Kongestion nach dem Kopfe. Seit derselben Zeit 
schlaflos. Am Tage wenig Schlaf, nachts auch kaum. Eine Tablette Veronal 
versagte häufig. Iq letzter Zeit schlief er trotz Schlafmitteln in vielen Nächten 
gar nicht. Seit derselben Zeit Diabetes; zeitweise frei. 

Am 13. August 1. Sitzung. Danach nachts Schlaf ohne Schlafmittel, aller- 
dings nicht sehr fest. Am Nachmittag auch 1 Stunde. Er hat nachts viel ge- 
träumt und zum ersten Male seit Monaten Erektion beobachtet, fühlt sich elastischer. 

14. August: 2. Sitzung. Danach ohne Schlafmittel fast durchgeschlafen. 

15. August: 3. Sitzung. 

16. August: 4. Sitzung. Danach so gut wie lange nicht geschlafen. Um 
1/2IO zu Bett, bis 72^ durchgeschlafen, dann 1 Stunde wach und bis Vf^ Vbi 
durchgeschlafen. 

17. August: 5. Sitzung. Aus der Behandlung entlassen. Beist auf 5 Wochen ab. 
Bericht am 22. Oktober: Pat. stellt sich als geheilt wieder vor. Schlaflosigkeit 

war nicht mehr aufgetreten. 

Frau G., 4. 11. 07, 48 Jahr. Insomnie seit ca. 2 Jahren. Schläft abends 
leicht ein, erwacht nach 1 Stimde. Das Leiden begann im Anschluß an einen 
Herzschwächeanfall in Franzensbad. Vor Eintritt der Menses häufig starke Auf- 
regung und Schlaf besonders schlecht. Am Tage kann sie gar nicht schlafen. Die 
letzten 3 Nächte waren so gut wie schlaflos. 

Am 4. 11: 1. Sitzung Hochfrequenz. Sie berichtet am nächsten Tage, daß 
sie um 12 Uhr zu Bett gegangen ist und bis Vi^ Uhr mit zwei kurzen Unter- 
brechungen durchgeschlafen hat. -Weitere 3 Sitzungen. Im Laufe von 8 Tagen 
hat sie 2 Nächte voll durchgeschlafen, die übrigen mit kurzen Unterbrechungen. 

Bericht nach 3 Jahren: Heilung war von Dauer. 

Herr P., 6. April 08. Schlaflosigkeit. Zeitweilig Kopfschmerzen. Hoch- 
frequenzbehandlung vom 6. April bis 16. ApriL Fühlt sich im ganzen besser, 
schläft gut. 

Arteriosklerotische Insomnie. Patient E., 47 Jahr, 15. XI. 07- 
Fabrikant. Seit Jahren Beschwerden. Zuerst als nervös gedeutet worden. Viel 
obstipiert. Jetzt Schlaflosigkeit, Depressionen, Benommenheit im Kopfe, leichtes 
Schwindelgefühl, Kopf- und Kreuzschmerzen. Lues negatur, verheiratet, vier ge- 
sunde Kinder. Hauptbeschwerde: Druckgefühl in der Ohrengegend, Dröhnen 
im Ohr, häufig Kopfschmerzen im Hinterkopf. Behandlung lokal im Ohr. Sofort 
danach Aufhören der Beschwerden. 

Am 16. XI. : Ohrdruck nicht wiedergekommen, gestern abend bzw. heute früh 
beginnende Kopfschmerzen im oberen Teü des Kopfes und Übelkeit gegen Mittag. 

Hochfrequenzbehandlung. 

Zweite Sitzung: Behandlung des Kopfes. 

18. XI.: Ohrdruck gering, seit gestern abend ganz fort, Kopfschmerzen 
und Übelkeit seit der Sitzung am 16. verschwunden. 



Zentrale nerröee Erkrankungen. 203 

Dritte Sitzung. 

22. XL: Seit geHtern abend wieder geringer Ohrdruck, Kopfdruck und 
BonommeDheit. 

Viert« Sitzung. 

25. XL : Unverändert, von Zeit zu Zeit leichte Beschwerden. 

Patient ist fortgehlieben. 

Am 10. IL 08: Ohrdruckistseit mehreren Wochen vollständig versohwunden, 
nachdem er vorher nur aehr gering und selten aufgetreten war, ebenso Kopf- 
ijchmerzen. 

Bericht November 1910: Gut. 

Insomnie, Patient St., 69 Jahr, 13. VIIL 07. Früher Restaurateur (Weyi- 
auHSchank). Kongestionen im Gesicht, starke Acne rosacea und hcginnendee 
Rhinophym Polyzythämie. Im Anschluß an ein heiBes Bad in KiBsingen vor 
fünf Jahren heftige Kongestionen nach dem Kopfe, seit derselben Zeit schlaflos. 
Am Tage sehr wenig Schlaf, nachts ebenfalls. Eine Veronaltablette versagt meistens. 
Seit derselben Zeit Diabetes, zeitweise frei. Spuren von Albumen. 

13. Till. Erste Bitzung. Danach nachts geschlafen und am Nachmittag 
eine Stiinde. 

14. Vlll. Zweite Sitzung, wenig Schlaf. 

15. yill . Dritt« Sitzung, wenig Schlaf. 

16. Vlll. Vierte Sitzung, danach so gut geschlafen wie lange nicht; ^/.U su 
Bett, bis '/i' durchgeschlafen, dann eine Stunde wach, dann bis >/a8 gescnlafcii 
(acht Stunden). 

17. Vm. Fünfte Sitzung, gut geschlafen, abgereist. 

Befund am 29. X. Hat wochenlang gut geschlafen, in den letzten Tagen 
jedoch wieder Verschlimmerung infolge körperlicher Anstrengungen, nimmt jetzt 
wieder Veronal. Hochfrequenz weiter mit gutem Erfolg. 

Arteriosklerosis cerebri. Patient W., 02 Jahr, 3. IL II. Hochgradig senil, 
Gedächtnisschwund, Tremor, Ataxie, k^nn nur gestützt gehen, Gesicht dunkelrot 
gefärbt, leicht zyanotisch, Temporalarterien stark geschwollen, geschlän|;elt, 
hart, de^l.RadiaUs. Herzhypertrophic und IHlatation. Geräusch über der Spitze, 
SpraehBtÖrung, beginnende Dementia. Heftige Kopfschmerzen. 

Beginn der Diathermiebehandlung am 3. IL 

Nach vier Sitzungen am 10. 11. Kopfschmerzen vollkommen geschwunden. 
FatJent fühlt sieh freier. 

. 21. IL: Zyanose beseitigt, Tremor wesentlich geringer. 

Am 3. HI. nach 11 Sitzungen Behandlung abgehrochen, da Patient sich 
subjektiv besehwerdefrei fühlt und die Sprache sich wesentlich gebessert hat. 
■Demenz, Herzhypertrophie, Geräusch unverändert, Blutdruck um 60 mm ge- 
Angina peotoris, Cephalea. Patient 8., 45 Jahr, verheiratet. Auffallend 
muskulöser und kräftig gebauter Mann, der st«ts gesund war, klagt seit zehn Jahren 
über Kopfschmerzen, hauptsächlich in der Stirn, Schläfen und Augenhöhlen, 
besonders beim Blicken nach oben. Schlaf gut, Stuhlgang o. B. In letater Zeit ab 
und zu. Druck in der Herzgegend, nach dem linken Arm ausstrahlend. Leichte 
Atemnot. Fulskurve ei^bt keine Abnormitäten, Herzdämpfung nach rechts 
wenig vergrößert. Töne rein, ohne Besonderheilen. Aktion regelmäß^, kehrt nach 
Kniebeuge in 1'/, Minuten zur normalen Zahl zurück. 

Diathermiebehandlung. 

Sofort nach der ersten Sitzung am 28. Hl. 11 Verschwinden der Kopf- 
schmerzen. Bis zum 2. IV. frei von Kopfschmerzen, am 2. IV. leichte Schmerzen, 
wesentlich geringer als sonst. 

Am 26. T War acht Tage frei, hat dann zwei Tage leichte Kopfschm« 

Am 18. V.: Patient stallt sich ohne vorhergehende Beschwerden wiedei 
Die Kurzatmigkeit, Druckschmerzen in der Herzgegend sind seit der ersten Sil 
nicht wieder aufgetreten. 

Sitzui^en März 1911 28., 30., 31. 

Laut Bericht 1912 (Juni) besehwerdefrei gehlieben. 

Arteriosklerose. Patient M., 54 Jahr, 29. IX., 09. Außer Gicht stet 
"und gewesen. Keine Lues. Seit zwei Jahren starke Schmerzen im linken Knii 



204 Klinische Anwendung der Diathermie. 

lahmes Gefühl Bald darauf Schwierigkeiten der Sprache, Vergeßlichkeit. Schwin- 
delanfälle. Fühlt sich dauernd unsicher auf den Beinen. Schwankt beim Gehen 
stark. Puls gespannt, Arterien hart, Sprache ataktisch, Spitzenstoß in der Mmlinie. 
2. Aorten- und Pulmonalton akzentuiert. Herz nach rechts etwas verbreitert, 
Patellarreflexe erhöht. 

Pulsdruck am 4. X. von 200 auf 140 heruntergesunken. 

Nach weiteren Sitzungen im Laufe des Oktober ist die Unsicherheit des 
Patienten wesentlich gebessert, ebenso die Sprache. Die Behandlung wird wegen 
Abreise des Patienten abgeschlossen. 

Patient T., 70 Jahre. Hochgradige zentrale und periphere Arterio- 
sklerose. Schmerzen in den unteren Extremitäten und im Kreuz. Patient ist 
fast unfähig, sich allein zu bewegen, kann nur mit kräftiger Unterstützung vom 
Stuhl aufstehen, wenn er sitzt, und macht einen hochgradig senilen Eindruck, auch 
bezüglich der Sprache (hesitierend, findet Worte nicht). Starker Tremor, geht 
an zwei Stöcken. Hochfrequenzbehandlung. 

Vier Sitzungen im April 1910, im Mai 14 Sitzungen, am 30. Juni eine Sitzurg 
»Schon nach der ersten Sitzung wesentliche Erleichterung. Kann nach 19 Sitzungen 
iriühelos, schnell und ohne Hilfe aufstehen, geht sicher und ohne Stock. Fühlt sich 
wesentlich erfrischt. Sprache langsam, aber nicht mehr stockend. Sucht am 
24. Juni 11 die Behandlung wieder auf. Kann seit der Behandlung gut allein auf- 
stehen, ist aber in der letzten Zeit leicht ermüdet. Wenn er eine Stunde geht, 
fühlt er wie Blei in den Schenkeln. Schwach im Kreuz. Nach drei Sitzungen wesent- 
lich gebessert, nach zwölf Sitzungen beschwerdefrei entlassen. 

Arteriosklerose. Patient T. Mittelgroßer, schmächtiger Mann von 58 Jahren, 
mit zyanotischer Gesichtsfarbe, stark geschlängelten Temporalgefäßen und hartem, 
gespanntem Radialpuls. Er klagt über Druck im Kopf, Schwindelerscheinungen,- 
Herzklopfen und zeitweilige Benommenheit. Cor im ganzen verbreitert, Spitzen- 
stoß außerhalb der Mmlinie. Zweiter Aortenton klappend, Blutdruck über 200. 

Beginn der Behandlung am 3. VT. 09: Im Juni und Juli sieben Sitzungen, 
worauf der Blutdruck auf 160 mm heruntergegangen ist. Die zyanotische Ge- 
sichtsfarbe ist geschwunden, die Arterie fühlt sich nach wie vor rigide an, indessen 
ist der Patient seit 14 Tagen vollkommen beschwerdefrei. 

Arteriosklerose. Patient S., 51 Jahr, 3. VI. 09. Gutsbesitzer. Arteriosklero- 
tische Kopfschmerzen. Seit vielen Jahren sehr heftige Kopfschmerzen. Bei 
maximaler Intensität Übelkeit und Erbrechen. Kopfschmerzen bestehen andauernd 
ohne längere Intervalle. Freie Tage sehr selten, höchstens einmal im Monat 
24 Stunden. Schlaf schlecht. Diuretin ohne Erfolg. Früher starker Alkoholist, 
in letzten Jahren abstinent. 

Am 3. und 4. VT. : Zwei Sitzungen Diathermie. 

Am 12. VTL: Vom 5. — 29. VT. vollkommen schmerzfrei. Schlaf gut, All- 
gemeinbefinden gut, Appetit vorzüglich, keine Übelkeit. Dann allmählich wieder 
Kopfschmerz mäßigen Grades, der nach einer heftigen Aufregung stärker wurde, 
dann Kongestionen nach dem Kopfe, Hitzegefühl und ein sehr schweres Diner. 
Danach trat Erbrechen und leichte Besserung der Kopfschmerzeij ein. Indessen 
bleiben die Kopfschmerzen bis heute ohne Unterbrechung, aber wesentlich schwächer 
als früher. Heute ebenfalls schwache Kopfschmerzen, Allgemeinbefinden gut, 
aber etwas matt. 

Dritte Sitzung. Seitdem dauernd schmerzfrei. 

Vom 12. — 15. Juli noch drei Sitzungen, dann als vollkommen beschwerdefrei 
aus der Behandlung entlassen. 

Am 14. IL 10, drei Monate später, kommt Patient wegen Interkostal- 
neuralgie in Behandlung, wobei gleichzeitig auch das allgemeine Gefäßsystem 
mittels Hochfrequenz in Behandlung genommen wurde, obgleich keine Beschwerden 
von dieser Seite vorlagen. Patient hat im ganzen 10 Sitzungen erhalten xuid war 
schon nach der dritten schmerzfrei. Die Interkostalneuralgie war so heftig, daß 
bis zum Beginn der Hochfrequenzbehandlung mehrere Morphiuminjektionen 
täglich notwendig waren und der Patient fast bewegungsunfähig war. Nach der 
ersten Sitzung war er bis zum nächsten Morgen vollkommen schmerzfrei, dann 
traten leichte Schmerzen wieder auf, die nach der dritten Sitzung definitiv 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 205 

schwanden. Am 13. IV. 11: Leichte Kopfschmerzen; nach einer Sitzung schmerz- 
frei. Seitdem keine Kopfschmerzen mehr aufgetreten. 

Gelegentlich kommen Fälle zur Beobachtung, bei denen die Hoch- 
frequenzströme erregend wirken. Man muß da sehr vorsichtig sein 
und darf die Behandlimg nicht forcieren; man versucht fielmehr die 
Patienten sehr allmählich an sie zu gewöhnen. Man erreicht damit 
trotz der anfänglichen Intoleranz therapeutisch gute Resultate. 

So kam am 15. 11. 07 ein Patient mit schwerer Schlaflosigkeit zur Be- 
handlung. Seit mehreren Jahren leidet er an vorübergehender Schlaflosigkeit, die 
seit 6 Monaten dauernd ist. Meist schläft er bis zum Morgen überhaupt nicht ein. 
Mitunter schläft er aber auch abends ein und wacht nach kurzer Zeit auf, um nicht 
wieder einschlafen zu können. Auf 0,5 Veronal tritt genügender Schlaf, 4 — 5 
Stunden, ein. Während eines Aufenthaltes in Wiesbaden war der Schlaf etwas 
beßser. Am 15. 11. wurde die erste Sitzung verabfolgt. Bericht am 16. 11.: Schlaf 
war gut. Um ^2^1 ^^ ^** gegangen, in V2 Stunde eingeschlafen, bis ^/jd nicht 
aufgewacht, dann wach geblieben. Zweite Sitzimg am 18. 11.: Patient war nach 
der zweiten Sitzung sehr aufgeregt, hat 2 schlechte Nächte verbracht, infolgedessen 
wird die Behandlung zunächst ausgesetzt. Am 3. 1. 08: Die Behandlung wird 
wieder aufgenommen. Patient berichtet, daß er nach der zweiten Sitzung das 
Grefühl der elektrischen Ladung nicht los geworden wäre und 2 Tage weiter in 
dauernder Erregung gewesen wäre. Dann besserte sich der Zustand. Er schlief 
vom 20. 11. bis 18. 12. recht gut. PlötzHch vor Weihnachten trat ein Rückfall 
ein, und eine Reihe von Nächten konnte er nur 2 Stunden schlafen. Unter 
regelmäßiger Veronalverabreichung schlief er einige Nächte gut. Am 3. 1. erhielt 
er eine sehr schwache Hochfrequenzsitzung, nach welcher er über Zittern in der 
Brust- und Lendenmuskulatur klagte. Es hörte jedoch bald auf, und am 6. 1. be- 
richtet er, daß er 6 — 7 Stunden durchgeschlafen hätte. Das Zittern war nicht 
wiedergekehrt. Am 9. 1.: Zwei Nächte waren sehr gut, 7V2 Stunde, letzte Nacht 
weniger gut. 5. Sitzung. 11. 1.: Patient hatte -an einem Abend Geburtstags- 
feier, und am anderen ist er im Theater gewesen. In den betreffenden Nächten 
schlief er nur 3 — 4 Stunden. Bis zum 20. 1. waren 3 Nächte gut (über 7 Stunden 
Schlai), eine Nacht mä^ig (über 5 Stunden), die übrigen Nächte weniger gut. Allge- 
meinbefinden ist wesentlich gebessert. Die nächsten 4 Nächte sind noch wechselnd, 
4 — 6V2 Stunden, dann schläft er dauernd gut. Am 3. II. fand die letzte Behand- 
lung statt. Am 11. 5. berichtet er, daß durchschnittlich zum mindesten 6 Stunden 
Schlaf gewesen wären, und setzt die Kur noch 14 Tage fort. Er verträgt jetzt 
jede Dosis Hochfrequenzströme ohne irgendwelche Erregung. Seitdem dauernd 
geheilt. 

BezügHch der Neurasthenie sind stets Blutdruckuntersuchungen 
von größter Wichtigkeit. Dfe hypertonischen Neurastheniker erfordern 
eine andere Behandlung als die hypotonischen. Bei Hypertonie be- 
dienen wir uns stets der für die Herabsetzung des Blutdruckes mehr- 
fach erwähnten Methoden und erzielen allein dadurch Verschwinden 
der mannigfachsten Beschwerden. Bei den hypotonischen dagegen 
müssen wir versuchen, den Blutdruck zu steigern, was durch Duschen - 
applikation, Kondensatorelektrodenbehandlung oder Funkenreizung 
entlang dem Rückgrat meist leicht erreicht wird. Etwa bestehende 
Vasone\irosen werden durch reine Diathermie beeinflußt, gleichgültig, 
ob es sich um spastische oder paralytische Zustände handelt. Fast stets 
genügt die lokale Behandlung am Ort des Auftretens. (Kranken- 
geschichten siehe weiter unten.) 

Eine Anzahl der im vorstehenden beschriebenen Symptome wird 
gelegentlich bei der Hysterie beobachtet. Da diese Erkrankung zweifel- 
los keine einheitliche ist, da sie femer häufig kombiniert mit anderen 



206 Klinischo Anwendung d^ Diathermie. 

AffeküoDen auftritt und infolgedessen die Bewertung des einen oder des 
anderen Symptome« als Folge einer Nervenerkrankung oder einer sie 
überlagernden Hysterie schwierig ist, so ist es nicht verwxinderlich, 
daß die therapeutischen Resultate eine schwankende Beurteilung er- 
fahren haben. Manche Autoren haben aus ihren Fällen den Schluß 
gezogen, daß die Hysterie sich gar nicht für die Hochfrequenz eigne, und 
daß der Mißerfolg dieser Therapie gewissermaßen die Diagnose Hysterie 
unterstütze. Demgegenüber ist zu betonen, daß.zunächst die Forderung 
der Anpassung der Hochfrequenztherapie in ihrer speziellen Ausföh- 
rungstechnik an die besonderen Eigentümlichkeiten des zu behandelnden 
Patienten möglichst streng durchgeführt werden muß, -was nach den 
Literaturberichten nicht mit Sicherheit erfolgt ist — denn "wir haben 
ja mehrfach gesehen, wie verschiedene Applikationsarten geradezu ent- 
gegengesetzte Wirkungen haben können — , daß in einer Keihe von 
Fällen femer die Methode der Behandlung gar nicht angegeben wurde, 
und endlich, daß ich in einer Reihe von Fällen von reiner Hysterie 
durchaus prompte Erfolge erzielt habe. (Krankengeschichten.) 

Hysterische Parese. 

Pat. E., 28 Jahr, 19. Mai 08. Verheiratet. Vor 9 Wochen Entbindunf 
Am Tage vorher kurze Bewußtlosigkeit. Seitdem Schmerzen rechts im Kopfe, 
Reflexe erhöht, Schmerzen im Knie, Nachmittag Parästhesien der linken Körper- 
hälfte. In den Beinen Sensibilitätsstörungen. Vom 19. Mai bis 5. Oktober: Behiid- 
lung mit sinusoidalen Strömen ohne Eriolg. 

Befund am 20. August: Reflexe beiderseits erhöht. Plantar plus, Babinski 
minus. Keine Sensibilitätsstörungen außer Kältegefühl vor dem linken Ohr und 
taubes Gefühl im kleinen Finger links. Subjektiv keine Schmerzen» nur noch 
etwas Schwäche, Analgesie der linken Körperhälfte: subjektiv Hypästhesie 
links, Dermographismus links, keine Ataxie, Wärmegefühl objektiv normal 

Am 5. Oktober: Einleitimg der Hochfrequenzbehandlimg. 

Nach 10 Sitzungen Geh vermögen normal; Parästhesien geringer, aber DOch 
vorhanden.' Behandlung wegen genügender Besserung und zu großer Entfer- 
nimg abgebrochen. 

Angioneurotisches ödem. 

Pat. B., 28 Jahr, 4. September 08. Hände und Füße schwellen plötzlich, 
besonders in der Wärme, seit mehreren Jahren an; friert oft, kein Appetit, Stuhl 
angehalten. Hämorrhoiden, öfter Blut im StiAil und Stuhldrang ohne "Erfolg, 
stets Kopfschmerzen, Cor sehr wenig nach rechts und links verbreitert, 2. Aorten- 
ton akzentuiert, leichte Irregularität, Radialis auffallend weich, Puls klein. Keine 
Varicen. 

Urin klar, geringes Sediment. 9. September: Hochfrequenztherapie. N»<>h 
lOtägiger Behandlung wesentliche Besserung des Allgemeinbefindens und des Ap- 
petits; Anschwellimgen treten selten und in viel geringerem Maße auf, werden 
aber noch subjektiv empfunden. 

Parästhesien. 

Pat. R., 47 Jahr, 8. Januar 09. Seit 1 Jahre Schmerzen im rechten Unter- 
schenkel, Parästhesien, Kältegefühl, Fuß wird weiß. Hinken. Ebenfalls Parästhe- 
sien in den Händen. Zyanose der beiden ersten Zehen rechts, die drei letzten 
blaß. Babinski negativ; Fußsöhlenreflex erhöht, Fußklonus angedeutet. Patellax* 
reflex erhöht. — Lmks normal, ebenso Fußsohlenreflex; Babinski fehlt. Oppenheini- 
scher Reflex beiderseits vorhanden. Haut des rechten Fußes deutlich anämisch' 
Unterscheidungsvermögen für Kälte und Wärme rechts aufgehoben, links erhalten. 
Rechter Oberschenkel im Verlauf der Vena saphena stark schmerzhaft. Hyp^^* 
ästhesie, rechts Reflex im Abdomen erhöht, starke Hauthyperästhesie. 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 207 

Hochfrequenztherapie im Kondensatorbett mit lokaler Diathermie kombi- 
niert. — Im Laufe von 2 Monaten tritt allmähliches Aufhören der Beschwerden 
ein. Die Färbung des Fußes ist eine vollkommen normale. Kalt imd warm sowie 
feine Pinselstriche werden deutlich empfunden. Reflexe nicht mehr erhöht, im 
übrigen jedoch unverändert. Keine Hyperästhesie der Haut. Pat. geht, ohne zu 
hinken, beliebig lange. 

Pruritus. 

42 Jahr, 21. Dezember 07. Seit IV4 Jahren Gelenkrheumatismus, seit 
15 Jahren Psoriasis, die jedoch nicht juckt. Wird mit Bädern behandelt. Seit 
Ende Oktober 07 starkes Jucken, besonders abends im Bett, am ganzen Körper. 
Keine Urticaria fa>ctitia. Seit September gerät er gar nicht mehr in Schweiß. Am 
21. Dezeinber: 1. Hochfrequenzsitzung. In der auf die Bestrahlung folgenden 
Nacht bestand starkes Jucken, danach Schweißausbruch, und seitdem fast völlig 
frei von Jucken bis zum 24. Dezember. 

2. Sitzung am 24. Dezember. Danach beschwerdefrei. 

3. Sitzung am 30. Dezember. Die letzten 2 Tage wieder etwas Jucken am 
Gesäß. 

Am 5. Februar: Nur noch ab imd zu leichtes Jucken zwischen den Beinen. 
Psoriasis nicht deutlich beeinflußt. Schlaf gut. 

28. Februar: Kein Jucken mehr, Psoriasis wenig gebessert. Geheilt entlassen. 

Angioneurotische Ödeme. 

Pat. L., 10. Januar 08, 17 Jahr. Anschwellungen des Gesichts und der 
Hände bei Einwirkimg von Kälte oder Sonnenlicht, starkes Jucken, Hochfrequenz. 
20. Januar: Geheilt entlassen. 

Schwere Neurasthenie. 

50 Jahr alt, 1897 Uterus entfernt wegen eines Gewächses. Seit Oktober 09 
Klagen über Kopf- und Magenschmerzen, Unbehagen, Druck im Magen, als ob 
eine Bleikugel darin wäre. Aufstoßen, Schwindelgefiüil, Angstgefühl bei Kopf- 
bewegungen imd im Kopf innerliches Knistern, so daß Pat. mit steifem Hals da- 
sitzt, ohne eine Kopfbewegung zu wagen. Leidender Gesichtsausdruck. Dieser 
Zustand besteht seit 5 Monaten unverändert, trotz dauernder Spezialbehandlung 
durch einen Nervenarzt. Pupillen o. B. Reflexe do. Hat infolge einer strengen 
Diätkur stark an Gewicht abgenommen, da ärztlicherseits Fettherz festgestellt 
wurde. Organe o. B. Cor nicht vergrößert. Während der Untersuchung werden 
Kongestionen nach dem Kopf beobachtet. Einleitimg der Hochfrequenzbehandlung 
am 16. Februar 10. 

Am 19. Februar sind die vorher dauernd bestehenden Kopfschmerzen wesent- 
lich gebessert. 

Am 15. März besteht nur noch etwas Druck im Kopf. 

23. April: Allgemeinbefinden gut. Pat. ist frei von Beschwerden. Zyanose, 
die anfänglich vorhanden war, vo&ommen geschwunden. 

Bis zum 15. September war Pat. vollkommen beschwerdefrei. Dann trat 
wieder leises Knistern im Genick ein, und sie klagte über Zusammenzucken im 
Schlaf beim Einschlafen, so daß sie davon jedesmal erwacht und das Gefühl hat, 
aus dem Bett zu fallen. Allgemeinbefinden im übrigen gut. Magenbeschwerden 
sind nicht wieder aufgetreten, auch das Angstgefühl nicht. Hochfrequenz weiter. 
Pat. hat 15 Pfund zugenommen. 

Ende Februar 1913 stellt sie sich wieder vor. Sie fühlt sich vollständig wohl. 
Die alten Beschwerden sind nicht wieder aufgetreten. Pat. macht einen gänzlich 
veränderten frischen Eindruck gegenüber dem früheren Zustand. 

Neurasthenie. 

Pat. H., 23 Jahr, Schmerzen in Brust und Bücken. Unregelmäßig, manch- 
mal besser, manchmal schlimmer, Lunge o. B., Cor do. Jedoch schnelle Aktion 
(100), niedriger Pulsdruck. 

Hochfrequenzbehandlung am 12. September 10. 

Am 15. Oktober: Ohne Veränderung des objektiven Befundes sind sämtliche 
Beschwerden geschwunden. Herzaktion noch etwas beschleunigt (88). Pat. ist 
vollkommen arbeitsfähig. 



208 Klinisoho Anwendung der Diathi-nnic. 

Wesentlich sicherere Erfolge erzielen wir bei einem grcßeii Prczent- 
salz der Fälle von Tabes dorsalis. Ich habe in den Jahren 1906—1912 
133 Tabeafälle mit Hochlreqiicnzströnien behandelt, anfänglich, als mir 
nur D'Areonvalapparate zur Verfügung standen, lediglich znit diesen, 
späterhin teils kombiniert, teils allein mit Diathermie. Wenn wir 
uns ein Urt«il über die Wirksamkeit einer Therapie bei der Tabes machen 
wollen, 80 müaeen wir uns vor allem gegenwärtig halten, daß wir es 
hier mit einem Leiden vielgestaltigsten Charakters zu tun haben. Wir 
kennen Fälle, die in fast akuter Weise mit heftigen Symptomen ein- 
setzen und in wenigen Jahren zum Tode führen. Wir kennen andere 
Fälle, die eich schnell bis zu einem gewissen Stadium entwickeln, dann 
lange stationär bleiben, wiederum andere, die einen äußerst schleichenden 
Verlauf haben, jahrelang etillst«hen oder sich scheinbar bessern, kurzuiD, 
die Prognose des einzelnen Falles ist äußerst zweifelhaft. Sie wird 
femer dadurch erschwert, daß wir in einzelnen Fällen parsiytiscbe 
Gehimsymptome damit verbunden sehen, die die Beurteilung von 
vornherein ungünstiger gestalten. Der unberechenbare Verlauf er- 
schwert die kritische Beurteilung des Erfolges jeder Therapie, und »i 
wird man aus einzelnen Beobachtungen keinen irgendwie bindenden 
Schluß ziehen können. Wenn aber in einer Beihe von 133 Fällen, die zum 
Teil 5 Jahre lang beobachtet sind, in «nem großen Prozentsatz, dieser 
Fälle nicht nur einmal, sondern bei jedesmaligem Wiedereinsetzen 
der Therapie gewisse Besserungen erzielt werden, so darf man füglich 
den Einwand der Zufälligkeit der Resultate zurückweisen. Hierbei ist 
wohl zu verst«hen, daß bei einer Erkrankung, bei der wir im günstig- 
sten Falle einen Stillstand erstreben dürfen, von definitiven und Dauer- 
heilungen keine Rede sein kann. Alles, was wir bei diesem Leiden an 
Besserungen, Stillstand und Verringerung von Beschwerden beschreiben 
wollen, ist lediglich in diesem Sinne zu beurteilen^). 

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle jeden einzelnen Fall 
<lurch zusprechen, und ich ziehe es daher vor, die Beeinflussung der 
einzelnen Symptome durch die Hochfrequenztherapie zu beleuchten, 
und zwar beschränke ich mich auf die Betrachtung der Schmerzsym- 
ptome, der Krisen, der Ataxie, der Reflexe, der Sensibilität sstörungen, 
gewisser Funktionsstörungen, des Gesamtkräftezustandes und allge- 
meinen Befindens. 



') Man hat in den letzten Jahren vielfach von dem Einfluß der 9 pezifisohen 
Therapie auf die Tabes gesprocben. Ich habe mich selbst in einer Reihe ro» 
'on zweifellosen Besserungen durch Salvaraan sowie beHonders durch Silber- 
.n übemeugen können und glaube, daß die von manchen Neureichen nocli 
ielfach gehegte Abneigung gegen die spezifische Therapie dadurch yer- 
wird, daß die Technik dieser Behandlung m ungenügender Weise ausgelährt 
uroeist wird ja die spedfische Behandlung von den Neurologen nicht selbst 
führt, sondern Spezialäraten der Syphilidologie übertragen. So ist (« 
ih, daß, entsprechend der Neigung, der syphilitischen Infektion mit möS' 
tenmven Mitteln zu Leibe zu gehen, auch in Fallen der syphilitechen Nach- 
ungen die gleiche Methodik womöglich noch intensiver dnrchgefübrt wii^- 
Fälle von Tabes vertragen diese Behandlung. Die meisten zeigen danach 
Ute Verschlimmerung, und so habe ich schon 1910 in Königsberg auf der 
rschcrversainmlung darauf hingewiesen, dnö man die spezifische Behand- 



Zentrale nervöse Erkrankungen* 20d 

Die Schmerzsynbptome zerfallen in verschiedene Gruppen, 
die bei den einzelnen Patienten gleichzeitig, nacheinander oder vereinzelt 
auftreten können. Die typischsten -Schmerzen sind die sog. lan- 
zinierenden. Sie werden zwar von den Patienten ziemhch universell 
im ganzen Körper geklagt, treten aber doch vorwiegend an einzelnen 
PrädilektionssteUen auf. Es sind dies das Peroneal- und Ulnarisgebiet. 
Es gibt wohl wenige Tabiker, die von diesen Schmerzlokalisationen ver- 
schont bleiben. Häufig werden Schmerzen in der Gegend der Eoiöchel, 
des Fußrückens, um die Kniescheibe herum, in der Achselhöhle, seltener 
in der Inguinalgegend imd an einem Punkt, der imgefähr dem Tuber 
Ischii in der Hautprojektion entspricht, geklagt. Für diese ganze Gruppe 
von lanzinierenden Schmerzen hat sich mir die Hochfrequenzdusche 
am meisten bewährt. Man sieht nicht selten nach der ersten kräftigen 
Applikation auffallende Bessenmgen. Die Patienten können Narkotika 
entbehren. In den meisten Fällen aber sind wiederholte Bestrahlungen 
nötig, imd das Resultat ist meist das folgende: 

Unmittelbar nach den Sitzimgen treten während der nächsten 
3—4 Stimden zwar noch mehr oder weniger heftige Attacken auf, aber 
die Patienten stehen diesen Attacken objektiver gegenüber. Die Schmer- 
zen sind mitunter ebenso stark wie vorher, werden aber leichter ertragen. 
Nach einigen Stunden klingen sie dann ab, werden wesentKch schwächer 
und seltener imd hören ganz auf. Nicht selten beobachtet man jedoch 
auch ein sofortiges Verschwinden der Schmerzen während der Sitzung 
oder unmittelbar darnach. In der Mehrzahl der Fälle geben die Pa- 
tienten an, daß nach einer Behandlung von mehreren Wochen, die erst 
täglich, dann jeden zweiten oder dritten Tag stattfindet, ein dauerndes 
Sistieren der Schmerzen eintritt. In vielen Fällen blieben sie voll- 
ständig frei von lanzinierenden Symptomen. Manchmal geben sie an, 
daß die Schmerzen „muckem", aber nicht mehr zum Durchbruch 
kommen. Sistiert man die Behandlung, so tritt nach einigen Wochen 
oder Monaten ein allmähliches Zunehmen dieses „Muckems" auf, das 
schließlich wieder zum lanzinierenden Schmerz anwächst. Kehren die 
Patienten zur Behandlung zurück, bevor ausgesprochene Schmerzen 
da sind, so kann man sie mit derartigen intermittierenden Kuren lange 



lung der Tabes gewissermaßen mit einschleichender Methodik durchführen muß, 
und über einige Fälle berichtet, die ich mit kleinsten, aber häufig wiederholten 
Dosen von Salvarsan: 0,1 und 0,15, in chromscher, aber schließlich doch intensiver 
Weise behandelt habe. Man sieht selbst nach kleinen Dosen mitunter akute Ver- 
schlimmerungen auftreten, die aber niemals einen so foudroyanten Charakter 
tragen, wie wir sie nach einer Schmierkur von normaler Dosierung oder, einer 
VoUdosis Salvarsan auftreten sehen. Diese leichten Exazerbationen oder Keizungen 
klingen nach wenigen Tagen oder Wochen ab imd ermöglichen die Erneuerung 
und Fortführung der Behandlung. In dieser Weise kann man den Patienten in 
wenigen Monaten eine Gesamtdosis von 2^2 g beibringen, ohne sie zu schädigen, 
und auch stetige Besserungen des Befindens beobachten. In den letzten 7 Jahren 
habe ich bei all meinen Tabespatienten die spezifische Kur durchgeführt oder 
durchführen lassen und kann daher diese Fälle statistisch für die Bewertung 
der Hochfrequenztherapie nicht benutzen. — Diese von mir 1910 angegebene 
spezifische Behandlung mit kleinsten Dosen ist inzwischen allgemein anerkannt 
worden. 

' NageUohmidt, Diathermie. 2. Aufl. 1^ 



210 KliniBohe Anwendung der Diathermie. 

Zeit schmerzfrei erhalten, iu maiicheu ü'äiieu genügt eine z\iei- bis 
dreimalige Behandlmigsserie im Jahre. Andere vertragen nur wenige 
Wochen Intervalle, mid wiederum andere müssen gewissermaßen 
dauernd alle 8—14 Tage ein oder zwei Male behandelt werden, um 
schmerzfrei zu bleiben. Setzen sie aber die Behandlimg längere Zeit 
aus, und beachten sie die prämonitorischen Symptome des Wieder- 
auölackems nicht, so kann es wieder zu den gleichen heftigen Schmerz- 
attacken kommen. Hierbei ist bemerkenswert, daß diejenigen Fälle, 
die über die heftigsten vSchmerzen klagen, meist am besten reagieren, 
während bei Patienten mit beginnender Tabes, die die Schmerzen 
noch für quasi rheumatische auffassen, die Resultate weniger frappant 
wind. Erschwerend wirkt stets hierbei sowie bei den anderen Symptomen 
der Tabes der Morphinismus. Ich habe mitunter geradezu den Eindruck 
gehabt, daß die großen Morphiumdosen ähnliche Symptome produ- 
zieren wie die Tabes selbst. Jedenfalls aber ist die Aktion der Hoch- 
frequenzströme bei der Komplikation mit dem Morphinismus undeut- 
licher. Gelingt es, das Morphiumbedürfnis herabzusetzen, so werden 
damit auch die Resultate der Hochfrequenzbehandlung besser. 

Eine zweite Gruppe der Schmerzsymptome betrifft den typischen 
Gürtelschmerz, der häufig eines der ersten subjektiven Symptome der 
Tabes darstellt; er belästigt die noch nicht an die heftigen Schmerz- 
attacken gewöhnten Patienten meist sehr erheblich. Die Lokalisierung 
dieses Schmerzes ist eine sehr ungenaue. Die Patienten können keine 
bestimmte Stelle angeben, und die Behandlimg mit der Dusche versagt 
häufiger. Indessen erzielt man durch Anwendung der Kondensator- 
elektrode rings um den Thorax herum öfters gute Resultate. Man muß 
hierbei sehr vorsichtig sein, da durch zu intensive Hautreize nicht selten 
zuerst eine Verschlimmerung der Beschwerden eintritt. Vielleicht liegt 
hierin das Versagen der Hochfrequenzduschenentladungen in manchen 
Fällen begründet. In anderen Fällen hilft wiederum die Dusche aus- 
gezeichnet. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, besonders in Initial- 
fällen, die Kondensatorelektrodenbehandlung möglichst schwach zu 
beginnen und die Patienten gewissermaßen an den Hautreiz zu gewöhnen. 
Erst wenn sie durch eine Reihe von Sitzungen eine Besserung der 
Hauthyperalgesie, die häufig besteht, erfahren haben, vertragen sie auch 
stärkere Applikationen. In manchen Fällen jedoch muß man dauernd 
bei den schwächsten Dosierungen verbleiben. Andere Fälle dagegen 
reagieren schon von vornherein auf die schwachen Dosen weniger gut, 
dagegen günstig auf so intensive Applikation, daß die Thoraxhaut 
vollständig krebsrot wird. Das kann man im voraus nie bestimmen 
und muß im einzelnen Fall probieren. 

Sind mit dem Gürtelgefühl Hyperalgesien der Haut verbunden, 
die wir auch häufig in etwa ovalen Herden an einzelnen Stellen der 
Extremitäten wiederfinden, z. B. an der Vorderfläche der Oberschenkel, 
um das Knie herum, in der Wadengegend, auf dem Fußrücken, an den 
Oberarmen usw., so tritt hier vorwiegend die Diathermie in ihre Rechte. 
Haben wir einen solchen hyperalgetischen Herd vor uns, so müssen wir 
hier eine besondere Technik anwenden. Da die Patienten die leiseste 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 211 

Berührung, z. B. die Bedeckung mit dem Hemd oder einer leicjiten 
Schlafdecke, als heftigen Schmerz empfinden, vertragen sie häufig auch 
nicht die Applikation der Plattenelektrode. Es empfiehlt sich dann, 
den hyperalgetischen Herd zwischen die Elektroden zu fassen, indem 
man die Elektroden auf derselben Fläche der Extremität oder des 
Thorax in größerer Entfemimg voneinander aufsetzt. Hat man die 
Diathermierung in dieser Weise vorgenommen, evtl. von verschiedenen 
Applikationsstellen aus, so ist die Hyperalgesie meist so weit ge- 
schwunden, daß nimmehr der direkte Kontakt der Elektroden ver- 
tragen wird. Ich habe häufig gesehen, daß Patienten, die unter den leb- 
haftesten spontanen Schmerzäußerunegn wegen einer heftigen lokalen 
Hyperalgesie in die Sprechstunde kamen, nach wenigen Minuten der 
Applikation vollkommen schmerzfrei wurden. Die Differenzienmg 
dieser Hyperalgesien von lanzinierenden Schmerzen ist mitunter recht 
schwierig; er gibt Formen, die gewissermaßen rheumatischen Charakter 
haben, d. h. längere Zeit in gleicher Weise bestehen, und andere Formen, 
bei denen die Hyperalgesien lanzinierenden Charakter tragen. Letztere 
reagieren häufig gut auf Duschenbestrahlungen. 

Vielfach treten die lanzinierenden Schmerzen sowohl wie die Hyper- 
algesien und das Gürtelgefühl krisenartig auf. Die Patienten bekommen 
in verschieden langen Intervallen stunden- oder tagelang anhaltende 
Attacken und sind in der Zwischenzeit schmerzfrei. Durch die Hoch- 
frequenzbehandlung in der oben geschilderten Form gelingt es, in einem 
erheblichen Prozentsatz der Fälle die Pausen zwischen den einzelnen 
Krisen zu verlängern, die einzelnen Anfälle kürzer und leichter zu ge- 
stalten und mitunter für eine gewisse Zeit ganz zu verhindern. 

Das gleiche gilt von den eigentlichen Krise n, von denen die Magen- 
krisen an Häufigkeit und Intensität im Vordergnmd des Interesses 
stehen. Es ist ja bekannt, daß es bei dem wechselvollen Verlauf der 
Tabes nicht selten vorkommt, daß Patienten einige Jahre lang Sym- 
ptome eines bestimmten Charakters aufweisen. So sind häufig die lan- 
zinierenden Schmerzen, die anfänglich als Rheumatismus gedeutet 
werden, die einzigen Symptome, und in den folgenden Jahren können sie 
vollkommen in den Hintergrund treten und durch Magenkrisen z. B. ab- 
gelöst werden. In anderen Fällen sind wiederum zunächst leichte, 
mitunter gleich von vornherein schwere Magenkrisen die ersten Sym- 
ptome, welche auf die wahre Natur des Leidens hindeuten, imd können 
im späteren Verlauf wieder vollkommen verschwinden. Es wäre deshalb 
aus dem Aufhören von Magenkrisen in einem oder wenigen Fällen 
kein Rückschluß auf den Erfolg der Therapie möglich. Wenn man aber 
sieht, daß sowohl in demselben wie in zahlreichen verschiedenen Fällen 
Krisen, die einen bestimmten Charakter in bezug auf Häufigkeit des 
Auftretens, Intensität der Erscheinungen und Dauer derselben auf- 
weisen, immittelbar nach dem Einsetzen der Therapie wesentlich milder 
verlaufen, ja, ganz kupiert werden, sehr viel seltener auftreten oder 
ganz ausbleiben, imd daß diese Erscheinungen in einer Reihe von Fällen 
sich stets im Zusammenhang mit der Therapie wiederholen, so wird 
man trotz des Versagens in einzelnen Fällen den therapeutischen Effekt 

14* 



212 Klinische Anwendung der Diathermie. 

der Hochfrequenzströme nicht leugnen dürfen. Das ergibt sich auch aus 
dem subjektiven Empfinden des Patienten. Denn gerade die Tabiker 
mit ihrer meist geringen Energie würden nicht jahrelang stets wieder 
die Behandlung aufsuchen, wenn sie ihnen keine Erleichterung brächte. 
Es ist keineswegs ein seltenes Vorkommnis, wenn ein Tabiker im Beginn 
einer schweren Magenkrise apathisch, mit Übelkeit imd Erbrechen 
dauernd kämpfend, vor Schmerz weinend zur Behandlung gebracht 
oder getragen wird imd nach wenigen Minuten der Applikation eine 
Facies composita annimmt imd beschwerdefrei den Behandlungsraum 
verläßt, allein die Treppe hinimtergeht imd am nächsten Tage in gutem 
Zustande wieder zur Behandlimg kommt. (Siehe Krankengeschichten.) 

In gleicher Weise reagieren Darm-, Pharynx-, Larynx-, 
Vulva-, Vesikalkrisen. Allerdings muß die Technik der Behandlung 
der jeweiligen Lokalisation angepaßt werden. Während bei Magenkrisen 
die Duschenbehandlung in den meisten Fällen zum Ziele führt und nur 
eine relativ kleine Zahl besser auf Diathermieapplikationen im Bereich 
des Abdomens oder auf intrastomachale Metallsondenelektrisierung 
reagiert, erfordern Vesikalkrisen, die wahrscheinlich in den meisten 
Fällen als Urethral- oder Sphinkterkrisen aufzufassen sind, eine intraure- 
thrale Lokalbehandlung. Ich führe diese meist unter Kokainisienmg 
mittels Einführung eines Metallkatheters bei gefüllter Blase aus, während 
der Patient die andere Elektrode als Metallhandgrifi in den Händen hält. 
Die indifferente Elektrode kann auch als Metallplatte auf den Leib oder 
unter das Kreuz gelegt werden. Die erforderüche Stromstärke ist gering, 
und die Verwendung des primären Solenoids eines D'Arsonvalapparates, 
d. h. 50—100 Milliampere, genügt in vielen Fällen. Ich habe Fälle 
gesehen, in denen derartige Krisen, die seit Monaten unverändert täglich 
mehrere Male auftraten, schon nach der ersten Behandlung eine wesent- 
liche Besserung aufwiesen und nach 4—5 Sitzungen bis auf geringe Sensa- 
tionen beseitigt wgren. Insbesondere reagiert das Gefühl des Tenesmus 
zuerst. Allerdings ist es wichtig, dafür zu sorgen, daß der häufig vor- 
handene Blasenkatarrh, eine Folgeerscheinung des von vielen Tabikem 
selbst geübten Klatheterismus, ebenfalls behandelt und beseitigt wird. 
Indessen sind die eigentlichen Vesikalkrisen nicht von einem Blasen- 
katarrh abhängig. Es gibt Tabiker, die dauernd Inkontinenz und Zystitis 
haben, aber niemals Blasenkrisen, und andere, die bei klarem Urin an 
heftigsten Blasenkrisen leiden. 

Nicht alle Krisen der Tabiker brauchen mit heftigen Schmerzan- 
fällen einherzugehen. So treten mitunter Magenkrisen auf, die sich ledig- 
lich in Prostrationen imd Erbrechen äußern, oder Abdominalkrisen, 
bei denen Tage und Wochen anhaltender Singultus besteht, teils mit, 
teüs ohne Erbrechen. Die neuralgische, hypermotorische oder hyper- 
sekretorische Form dieser Krisen ist nicht für den Erfolg oder Mißerfolg 
der Hochfrequenztherapie maßgebend. Die Larynxkrisen können mit 
heftigem Stechen verbunden sein, können sich aber auch in einfachem 
andauernden Hustenreiz äußern, kurzum, es ist in meinen Fällen eine 
Unzahl verschiedener Erscheinungsarten tabischer Beschwerden ver- 
treten. Die Behandlung ist für alle die gleiche sowie überhaupt für die 



Zentrale nervösfe Erkrankungen. 213 

Tabes, nämlich stets bipolare Applikation der Hochfrequenzströme 
imd möglichst lokale Applikation wenigstens von einem Pol aus. Ist die 
Lokalisation unmöglich, wie z. B. beim Singultus, so sind auch die 
therapeutischen Resultate gering. 

Es ist ratsam, bei der Tabes die Behandlung nicht nur lokal vor- 
zunehmen, sondern ich habe es mir schon von Anfang an zur Regel ge- 
macht, im immittelbaren Anschluß an die lokale Therapie die Allge- 
meinbehandlung einer möglichst großen Oberfläche des Körpers, sei 
es mit der Dusche oder mit der Kondensatorelektrode, auszuführen. 
Selbstverständlich müssen wir auch andere äußere Momente, welche 
erfahrungsgemäß von Einfluß auf den Verlauf der Krankheit sind, 
berücksichtigen. So ist es zurzeit nicht zu erklären, aber doch unver- 
kennbar, daß Witterungseinflüsse von großer Bedeutimg sind. Bei 
jedem Wetterumschlag sowie bei feuchtem Wetter, ganz besonders 
aber bei Gewitterneigung erscheinen die tabischen Patienten fast voll- 
zählig wieder zur Behandlimg, und es ist daher zweckmäßig, sobald man 
sie durch die Hochfrequenztherapie in einen erträglichen Zustand 
gebracht hat, sie in ein konstantes, möglichst warmes Klima zu bringen. 
Auch Elälteprozeduren, wie sie vielfach zur sog. Abhärtung empfohlen 
werden, insbesondere Behandlimg mit kaltem Wasser und Duschen, 
sind dringend zu widerraten. Solche Kuren werden zumeist unangenehm 
empfunden und in vielen Fällen außerordentlich schlecht ertragen. Ich 
habe wiederholt beobachtet, daß Patienten sich zur Hochfrequenz- 
behandlung entschlossen, nachdem sie infolge von hydriatischen Proze- 
duren eine akute Verschlimmerung ihres vorher stationären Leidens 
erfuhren. Ebenso kann eine zufällige Durchnässung Krisen und lan- 
zinierende Schmerzen auslösen. Ein weiterer wichtiger Grundsatz 
bei der Tabesbehandlung ist die Vermeidung von körperlichen imd 
geistigen Überanstrengungen. Ich komme darauf bei der Besprechung 
der Übimgstherapie zurück. 

Ein überaus lästiges Symptom, von dem nur wenige Tabiker ver- 
schont bleiben, ist die Inkontinenz der Blase. Infolge der Sensibili- 
tätsstörung empfinden die Tabiker keinen Urindirang, und die Innervation 
der Blasenmuskulatur ist ebenfalls gestört und erschwert daher die 
Entleerung. Infolge des fehlenden Urindranges erklären die Tabiker 
auf Anfrage häufig, sie hätten eine ausgezeichnete Blase und brauchten 
sie nur des Morgens imd des Abends zu entleeren, und so beobachtet 
man nicht selten Überdehnungen bis zum Nabel hinauf und darüber. 
Die Folge dieser Überdehnung ist eine mechanische Insuffizienz des 
Sphinkter, der allmählich seinen Tonus verliert, und es tritt zuerst 
noktume, später diume Inkontinenz auf. Auch die Entleerung der ge- 
füllten Blase macht dem Tabiker Schwierigkeiten. Die atonische Blasen- 
muskulatur genügt nicht, und auch die Zuhilfenahme der Bauchpresse 
ermöglicht dem Tabiker trotz großer Anstrengung oft keine vollkommene 
Entleerung. Am besten gelingt sie noch meist bei Gelegenheit der 
Defäkation. Die intravesikale Hoichfrequenzbehandlung gibt hier mit 
wenigen Ausnahmen ausgezeichnete Resultate. Ich habe zwar in keinem 
Falle bisher eine Wiederkehr der Blasensensibilität bzw. Sphinkter- 



214 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Sensibilität in dem Sinne gesehen, daß die Patienten nun wieder Urin- 
drang verspürten; aber der Tonus der Blasenmuskulatur und der des 
Sphinkter wird so weit erhöht, daß eine komplette oder fast komplette 
Entleerung möglich ifet. Nach wenigen Sitzungen beobachtet man, 
daß die Tabiker bei jeder* Miktion eine ungefähr normale Urinmenge 
entleeren, während sie vorher trotz Fressens nur beim Stuhlgang eine 
genügende Urinentleerung erzielen konnten. Hält man sie dazu an, 
daß sie regelmäßig alle 3 Stimden \md des Nachts, sooft sie wach werden, 
den Versuch der Blasenentleerung machen, so kann man dauerndes 
Verschwinden der Blasenüberdehnung und der Inkontinenz erzielen. 
Ich habe Patienten gesehen, die mit einem Besidualham von 400 com 
bei einer ad maximum überdehnten Blase und dauernder Inkontinenz 
zur Behandlung kamen, deren Besidualharn auf zurückging, und die 
ohne erneute Blasenbehandlung jahrelang in diesem Zustande blieben. 
(Siehe z. B. Krankengeschichte S. 224f.) In manchen Fällen muß man 
die Blasenbehandlung auf 4—6 Wochen ausdehnen oder sie alle paar 
Monate einigemal wiederholen. Stets wird man aber finden, daß die Urin- 
inkontinenz dasjenige Symptom der Tabiker ist, welches durch Hoch- 
frequenzbehandlung mit fast absoluter Sicherheit beseitigt werden 
kann. 

Bei Frauen bessert sich die Inkontinenz weniger gut, weil der an 
sich schlechtere Verschlußapparat der Blase, der schon normalerweise 
bei älteren Frauen häufig versagt, auch bei mäßigem oder geringem 
Residualham keineswegs genügend ist. 

Eine ebenso lästige Erscheinung, die von den Tabikem mit großer 
Regelmäßigkeit geklagt wird, ist die Störung der Stuhlentleerung. 
Es kommt hierbei allerdings nicht häufig zur Inkontinenz oder nur erst 
in sehr vorgeschrittenem Stadium, zumeist bei Taboparalyse. Aber 
die Patienten sind nicht imstande, in normaler Weise, d. h. durch ein- 
malige Aktion, die vierundzwanzigstündige Stuhlentleerung zu erzielen. 
Sobald sie morgens aufwachen, fühlen sie einen lästigen Stuhldrang, 
entleeren ein geringes Quantum mit oder ohne Schmerzen, und dieser 
Vorgang wiederholt sich während einer Eeihe von Stunden mehrere 
Male, so daß sie den ganzen Vormittag mit dieser Beschwerde ver- 
bringen. Nicht selten besteht hierbei ein unangenehmer Tenesmus, 
der zu heftigen Schmerzen während der Defäkation die Veranlassung 
gibt. Auch hier sind die Erfolge der lokalen Hochfrequenztherapie 
ausgezeichnete. Die diathermische Wirkung telativ geringer Hoch- 
frequenzintensitäten mittels einer Metallrektalelektrode (Abb. 36f .) tritt 
oft schon nach der ersten Sitzung ein. Die Tonisierung der Sphinkter- 
muskulatur sowie der austreibenden Darraabschnitte wird am besten 
nicht nur durch die einfache Diathermierung erzeugt, sondern die Er- 
folge werden wesentlich gesichert und imterstützt, wenn man hierbei, 
ebenso wie bei der Behandlung der Blase und des Urethralsphinkters, 
indirekte FunkenappUkation mit heranzieht. Sie wird in der bekannten 
Weise ausgeübt, daß der Patient eine Elektrode entweder in die Hände 
nimmt oder auf ihr liegt oder auf den Leib appliziert erhält, während 
die Urethral- oder Eektalsonde sich ohne Kontakt mit dem Hoch- 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 215 

f requenzapparat in situ befindet und nun von dem anderen Pol Funken 
a,\x£ das herausragende Ende der Sonde geleitet werden. Je nach der 
Xiänge dieser Funken bzw. der Intensität werden mehr oder weniger 
Iträftige Muskelreizungen durch diese Hochfrequenzkondensatorent- 
ladungen produziert. Das eminent tonisierende und anregende Ver- 
mögen dieser Reizungen auch auf die Skelettmuskulatur habe ich bereits 
erwähnt. 

Die sonstigen Parästhesien, Juckkrisen, Kribbeln, taubes Gefühl 
und andere subjektive Erscheinungen bei Tabikem werden alle in der 
gleichen Weise behandelt. 

Bei den Arthropathien der Tabiker müssen wir stets eine kombi- 
nierte Behandlung anwenden. Häufig sind enorme Deformierungen der 
Gelenke ohne jegliche subjektive Beschwerden vorhanden. In diesen 
Fällen wird man von einer Hochfrequenztherapie absehen und sich auf 
die Verordnung von Stützapparaten, Massage, Jothioneinreibungen, 
evtl. Druckverbänden beschränken, um eine weitere Verschlimmerung 
des Leidens zu verhüten. Bestehen jedoch Schmerzen, die ja durchaus 
nicht immer tabisch, sondern gelegentlich auch rheumatisch oder gichtisch 
sein können, so empfiehlt sich eine energische Diathermiebehandlung, 
die zwar ein hochgradig deformiertes Gelenk nicht ad integrum resti- 
tuiert, wohl aber eine gewisse resorbierende Wirkung und vor allem 
Aufhören der Schmerzhaftigkeit bewirkt. Auch hier ist stets eine ortho- 
pädische Behandlung indiziert. 

Eigentümliche Resultate ergibt die Beobachtung der Sensibili- 
tätsstörungen. Es kommen bei den Tabikem die verschiedensten Er- 
scheinungen kompletter oder partieller Störungen der Gefühlsqualitäten 
vor. Abgesehen von den Geschmacks- und Geruchsparästhesien, be- 
züglich deren Behandlung ich keine eigenen Erfahrungen besitze, ist 
das Verhalten der Berührungsempfindung unter dem Einfluß der 
Hochfrequenzströme besonders interessant. Die Sensibilitätsstörungen, 
die besonders an den imteren Extremitäten bei fast allen Tabikem 
schon frühzeitig beobachtet werden, und die von großer Bedeutung 
auch für die Ataxie sind, sind meist komplett. So werden nicht nur leise 
Berührungen oder auch stärkerer Druck nicht oder schwach empfunden, 
sondern auch der Schmerz- und Temperatursinn ist erheblich gestört 
oder aufgehoben. Die Patienten schildern diese Empfindungsausfälle 
dadurch, daß sie sagen, sie gingen ,,wie auf Gummisohlen". Manche 
haben die Gewohnheit, sich des Abends beim Auskleiden am ganzen 
Körper zu kratzen,^ und geben an, daß sie an den Beinen keine Emp- 
findung für diese Berührung hätten, daß es wäre, als ob sie ein Stück 
Holz berührten. Es gehört mm zur Eegel, daß nach der Hochfrequenz- 
behandlung eine Veränderung dieser Erscheinungen in dem Sinne statt- 
findet, daß Nadelstiche, Kalt und Warm weiterhin nicht empfunden 
oder unterschieden werden. Dagegen tritt sehr häufig eine Wiederkehr 
der Empfindung für die feinsten Pinselberührungen ein, und auch das 
Gefühl des „Auf-Gummi-Gehens" und der Taubheit hört auf. Diese 
Beobachtungen werden nicht nur bei der Untersuchung festgestellt, 
sondern von den Patienten häufig spontan mitgeteilt. 



216 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Im Zusammenhang mit dieser Bessenmg der Sensibilität, wenig- 
stens in bezug auf die Berührungsempfindung, steht auch die Besserung 
der Ata xie. Im Vordergrund der Ataxiebehandlung steht noch zumeist 
die Übungstherapie. Bezüglich dieser Behandlungsmethode, die ja 
zweifellos in einer Beihe von Fällen günstige Resultate ergibt, muß 
hervorgehoben werden, daß sie doch keine ganz indifferente ist. Die 
Willens- und Geisteskonzentration, die seitens der Tabiker nötig ist, 
um den Ausfall des Lagegefühls durch Kontrolle vermittels des Gesichts- 
sinnes zu ersetzen imd willkürliche Muskelübungen unter dieser Kontrolle 
auszuführen, ist so enorm, daß eine übermäßige Beanspruchung der Kon- 
zentrationsloräfte hierdurch bedingt wird. Nun ist gerade bei Tabikeni 
die Willensenergie häufig herabgesetzt, und es ist eine viel größere 
Anstrengimg als bei einem Gesunden nötig, um motorische Leistungen 
zu vollbringen. Dies äußert sich in dem überaus schnellen Ermüden der 
Tabiker. Der Nutzen, den die Übungstherapie durch Ermöglichung 
vorher unmöglicher koordinierter Bewegungen bringt, wird nun in den 
meisten Fällen dadurch aufgehoben, daß die intensive Anpassung der 
Willensenergie einen unbedingt schädigenden Einfluß auf den Kräfte- 
zustand des Patienten ausübt, imd es ist meist fraglich, ob das Weiter- 
bestehen der Ataxie, die ja doch nur partiell gebessert wird, diesen 
Energieaufwand und die damit verbundene Schädigung des Gesamt- 
zustandes aufwiegt. Demgegenüber bietet die Hochfrequenztherapie 
den außerordentlichen Vorteil, daß sie unter gänzHcher Ausschaltung 
der Willensenergie des Patienten nicht nur die Sensibilität in gewisser 
Weise bessert imd restituiert, sondern auch durch die Methode der 
indirekten Muskelreizung eine wesentliche Verbesserung des Zustandes 
der Muskulatur herbeiführt. Der tonisierende, durch die Hyperämie 
nutritionsverbessemde Einfluß dieser Therapie überhebt den Patienten 
jeder eigenen Innervationsanstrengung und ersetzt hierdurch in hohem 
Maße^die willkürliche Übungstherapie. Die fast regelmäßige Beobachtung, 
daß durch die Hochfrequenztherapie, besonders wenn sie sich auf lokale 
regelmäßige Muskelübungen in obigem Sinne der für die Fortbewegung 
wichtigen Muskelgruppen unter Kontrolle durch den Gesichtssinn 
richtet, ganz wesentliche Besserungen der Ataxie, deu muskulären 
Leistungsfähigkeit erzielt werden, läßt es wünschenswert erscheinen, 
daß die Methode ihrer Anwendung in der Tabestherapie eine ganz be- 
sondere Berücksichtigung erfährt. Auch die Elektrorytmik^), die eben- 
falls unter Ausschaltung der Willensanstrengung Muskelkontraktionen 
herbeiführt, wird bei Tabes mit gutem Erfolg mit der Hochfrequenz- 
therapie kombiniert. Sie wirkt bahnend und ist vielleicht der Übungs- 
therapie wegen der Ausschaltung der Ermüdung überlegen. 

Dazu kommt der tonisierende Einfluß auf das Nervensystem, 
der sich in einer subjektiven Hebung des Allgemeinbefindens, 
Besserung des Schlafes und erhöhter Leistungsfähigkeit 
äußert. Diese Erscheinungen sind ja zum Teil durch die Beseiti- 
gung oder Erleichterung der Schmerzsymptome und Krisen bedingt. 



1) L c. Aiun. S. 183. 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 217 

Aber auch in den Fällen von Tabes, wo die subjektiven Beschwerden 
gegenüber dem Verfall und der Schwäche erheblich in den Hinter- 
grund treten, oder in leichteren Fällen, wo sie ebenfalls keine be- 
sondere Rolle spielen, werden die gleichen Beobachtungen gemacht. 
So gibt ein Patient an, daß er vor der Hochfrequenzbehandlung nicht 
imstande war, am Familientische eine Mahlzeit einzunehmen, weil 
das Sitzen, selbst angelehnt, ihn hochgradig ermüdete» Nach drei- 
wöchentlicher Behandlung nahm er ohne Beschwerden an Diners und 
Festlichkeiten teil und konnte sich während dieser der Unterhaltung 
widmen, was vorher ganz unmöglich war. Es war dies ein mittel- 
schwerer Fall von Tabes mit vier- bis sechswöchentlich wiederkehrenden 
Magenkrisen, die bis auf Rudimente fortblieben. Der Patient hat 
während der Hochfrequenzbehandlung 18 Pfund zugenommen. Vor 
der Hochfrequenzbehandlung befand er sich während der letzten 3 Jahre 
in dauernd absteigender Linie. 

Bezüglich der Reflexe sind ja Beobachtungen der Wiederkehr bei 
sicherer Tabes in der Literatur in wenigen Fällen beschrieben worden. 
Ich habe unter meinen Fällen zweimal Wiederkehr des auch bei starkem 
lichteinfaU erloschenen Pupillen- und Patellarreflexes gesehen, in allen 
anderen FäDen blieben die Reflexe, welche erloschen oder herabgesetzt 
waren, unverändert. Nachstehend der eine dieser Fälle: 

Pat. F. R., 41 Jahr, Befund am 30. Mai 07: Lanzinierende Schmerzen, 
Romberg stark positiv, reflektorische Pupillenstarre, Fehlen der Patellar- 
reflexe. 

Einleitung der Hochfrequenzbehandlung. 

Am 23. Dezember 07: Lanzinierende Schmerzen geschwunden, Romberg 
in mäßigem Grade vorhanden, Patellarreflexe erloschen, Pupillen reagieren 
prompt. Keine subjektiven Beschwerden außer Andeutung lanzinierender 
Sensationen (keine Schmerzen ) bei WitterungswechseL 

Ich registriere diese Beobachtung, ohne einen Zusammenhang mit 
der Hochfrequenztherapie konstruieren zu wollen. 

Überlegen wir uns, wie bei einem organischen Leiden, bei dem 
destruktive irreparable Veränderungen von Leitungsbahnen vorhanden 
sind, eine wenn auch nur teilweise Restitution bereits ausgefallener 
Funktionen (Sensibilität, motorische Lähmung, Atrophie), die in einer 
Reihe von Fällen in unzweifelhafter Weise beobachtet wurde, denkbar ist, 
und zwar durch äußere Applikation der Hochfrequenzenergie, so ist es 
zurzeit unmöglich, eine begründete Erklärung für diese Erscheinungen 
zu geben. Sind wir ja doch nicht einmal in der Lage, den tabischen 
Symptomenkomplex funktionell zu erklären. Es besteht ein wesentlicher 
Unterschied, wie wir mehrfach gesehen haben, zwischen der Wirkung 
der Hochfrequenzapplikation in Form der Duschen- und Konden- 
satorentladung und der reinen Diathermie. Ich habe oben erwähnt, daß 
die einzelnen Tabesfälle in vorher unberechenbarer Weise besser auf die 
eine oder auf die andere Applikationsart reagierten. Es lag natürlich 
nahe, diese Verschiedenheiten in der Reaktion auf Unterschiede der 
Zirkulationsverhältnisse zurückzuführen. So hat man bei Magen- 
krisen in manchen Fällen eine pralle Ausdehnung und Vorwölbung der 
Aorta abdominalis mit heftiger Pulsation beobachtet. Ich habe diese 



218 KHniiohe Anwendung der Biathemue. 

Erscheinung nur bei wenigen meiner Fälle gesehen. In den meisten Faliec 
war eher ein schlaffer Zustand sowohl der peripheren als der zentralen 
iZirkulation nachweisbar. Die meisten meiner Tabiker hatten niedrigen 
Blutdruck. Es wäre also wahrscheinlich gewesen, daß die Patienten mit 
niedrigem Blutdruck auf die Duschen- und Elondensatorapplikatios 
gut reagieren, und diejenigen, bei denen, lokal wenigstens, erethiscbe 
Gefäßzustände vorhanden waren, auf die reine Diathermierung Besserung 
zeigen würden. Dies war jedoch nicht der Fall. Ich habe ausdrücklicl 
hierauf geachtet und konstatiert, daß auch diejenigen Fälle, die auf 
Duschenapplikation nicht mit Besserung reagierten, niedrigen Hut- 
druck aufwiesen, während die beiden Fälle mit intensiv pulsiereflder 
Bauchaorta gerade auf Duschenapplikation sich besserten. Es müssen 
also die Unterschiede wohl weniger auf den ErscheinnDgen des boben 
imd niedrigen Blutdrucks als auf Verschiedenheiten des Zustandes des 
Zentralnervensystems beruhen. Faßt man die Krisen und Beiz- 
erscheinungen bei Tabikem dahingehend auf, daß sie infolge des Am- 
falls des zerebrospinalen Zentralorgans durch einen vikariiereDden 
Eingriff des noch funktionsfähigen sympathischen Nervensystems, 
welches ohne die normale Kontrolle mm gelegentlich über das Zfei 
hinausschießt, bedingt werden, so würde man hierin vielleicht eine 
Erklärung für die therapeutische Wirksamkeit der Hochfrequeiw- 
ströme sehen können. Wir haben ja wiederholt darauf hingewiesen, 
wie sehr gerade das sympathische Nervensystem durch seine Aus- 
breitung innerhalb der Gefäßwände und seine anatomische Struktur 
für die Aufnahme der Hochfrequenzenergie prädisponiert ist. 

Wir wollen uns indessen nicht an dieser Stelle auf Theorien, die 
unbewiesen und unbeweisbar sind, einlassen, sondern rekapitulieren, 
daß unter 133 Fällen von Tabes manche Fälle sich refraktär gegen diese 
Therapie erwiesen haben, während in der weitaus größeren MehxzaU 
von 117 Fällen teils vorübergehende, teils dauernde Besserungen ß^' 
zelner oder mehrerer Symptome erzielt wurden. Besonders günstig 
reagieren die lanzinierenden Schmerzen, die Hyperalgesien, sowie ^ 
allem die Inkontinenzerscheinungen. Durchweg besserte sich das iÄ' 
gemeinbefinden, die Leistungsfähigkeit und Arbeitskraft, und das KöTpe^' 
gewicht stieg. In einem größeren Prozentsatz der Fälle wurden Mageo- 
und andere Krisen günstig beeinflußt, so daß ich meine 1907 und 1^0 
mitgeteilten Erfahrungen an einer wesentlich größeren Anzahl von Fällen 
bestätigt fand. Die Hochfrequenzströme, sowohl in der Form 
der D'Arsonvalisation wie der Diathermie, sind das wirk- 
samste zurzeit bekannte Mittel zur Behandlung tabischer 
Beschwerden. 

Pat. P, 40 Jahr alt. Tabes dorsalis. 2. XI. 09. Vor 20 Jahren Iflf^- 
Mehrere Kuren. Seit 2 Jahren Schmerzen in den Armen. Hypalgesien in oe^ 
Höhe des 3. bis 6. Brustwirbels. Romberg positiv. Rechte Pupille etwas größer 
als linke. Im letzten Jahre auch lanzinierende Schmerzen in den Beinen, keBe 
Ataxie. Klagt über Mattigkeit und Schwäche in den Beinen neben den Schmerzen. 
Seit 2 Jahren appetitlos. 

Hochfrequenzbehandlung. Am 9. XL fühlt er sich bedeutend wohler. 
kräftiger; lanzinierende Schmerzen voUstÄndig geschwunden, bis auf 2 mal einen 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 219 

leichten Stich in der linken Ferse. Es bestehen mitunter Muskelschmerzen in der 
Scliiiltergegend. Hochfrequenz weiter. 
Am 8. Xn.: Besserung hält an. 

Am 15. XII. hat Patient zum ersten Mal wieder etwas Schmerzen im Ober- 
scKenkel gehabt. 

Am 22. XII. : Keine Schmerzen, nur Ziehen im Kreuz und Müdigkeit. 
Am 5. 1. 10: Patient war 8 Tage ganz frei von Beschwerden. Nur gestern 
Mattigkeit im Rücken. 

Am 19. 1. : Nur gestern in den Füßen etwas Schmerzen, sonst gut. 
Am 16. II. : Beschwerdefrei. Behandlung ausgesetzt. 

Am 31. V. 10: Wegen geringer Beschwerden einige Wochen Hochfrequenz- 
behandlung. 

Desgleichen vom 20. V. 11 ab. 
Am 1. VII. 11: 0,3 g Salvarsan. 

Am 11. IX. 11: Nach der Einspritzung war eine leichte Verschlechterung 
eingetreten. Patient zeigte Ataxie, erhöhte Mattigkeit und mußte die Arbeit 
unterbrechen. Unter Hochfrequenzbehandlung besserten sich die Erscheinungen 
in kurzer Zeit. Er blieb dann beschwerdefrei und kam im März 1913 wieder in 
Behandlung. In der ganzen Zwischenzeit war er arbeitsfähig. Allgemeinbefinden 
ist gut. Schlaf do., Kräftezustand wesentlich gehoben. 
Patient Seh., 42 Jahr. 

Anamnese: Angeblich keine Lues (vielleicht vor 20 Jahren). 
Keine Frühgeburten. Ein Kind von 11 Monaten gestorben. 2 Kinder leben. 
Seit 7 Jahren Magenkrämpfe, sttirkes Erbrechen, zuerst alle 3 Monate, später 
alle 4 — 2 Wochen, 4 — 12 Stunden anhaltend. Seit 2 Jahrep „stechende, blitzartige" 
Schmerzen in beiden Beinen bis in die Zehenspitzen; Schwächegefühl, Mattigkeit, 
Appetitlosigkeit, Erbrechen, Magenkrisen fast täglich; auch Flüssigkeiten, selbst 
Wasser wird ausgebrochen. 

Seit 1 Jahr GürtelgefühL Fast gänzlich schlaflos. 
Seit 6 Monaten Morphium; im ganzen 80 Spritzen. 

Gewichtsabnahme von 132 Pfund (vor einigen Jahren) auf 107 Pfund. — In 
den letzten Tagen fast täglich lanzinierende Schmerzanfälle von 2 — 6 stündiger 
Dauer. Magenkrisen mit Erbrechen fast täglich. Hochgradige Obstipation (alle 
4 — 5 Tage Stuhl). Das Sehen ist in den letzten Jahren schlechter geworden; kann 
abends nicht lesen. Es stören ihn schwarze Flocken, die er wegzublasen sucht. 
Im Dunkeln fühlt er sich unsicher. Seit mehreren Jahren völlig impotent. Urin- 
lassen geht manchmal ganz leicht, manchmal schwer; am besten beim Stuhlgang. 
Ab imd zu Incontinentia alvi. 

Status. Bleich und kachektischer grazil gebauter Mann. 
Patellar-, Achillesreflexe nicht auslösbar. 
Pupillen auf Licht starr, maximal verengt. 
Romberg positiv. 
Ataxie hochgradig. 
Sensibilität: Analgesie beider Beine. 

Hyperästhesie: Der Unterschied zwischen Kopf und Spitze einer Stecknadel 
wird an den Unterschenkeln sehr ungenau angegeben. 
Diagnose: Tabes. 

26. VIII. 08. Beginn der Hochfrequenzbehandlung. Tägliche Bestrahlung. 
31. Vin. 08. Sofort nach der ersten Bestrahlung verschwanden die blitz- 
artigen Schmerzen und sind seit der 3. Bestrahlung nicht wiedergekehrt; seit der 
Bestrahlung keine Magenkrise. Somit ist Patient fast vollkommen beschwerdefrei. 
Allgemeinbefinden gebessert. Hat nicht gebrochen; kann wieder Bier trinken. 
Gürtelgefühl unverändert. Kann besser Treppen steigen. Augenflimmem unver- 
ändert. 

15. IX. 08. In den verflossenen 2 Wochen 2 ganz leichte Anfälle von stechen- 
den Schmerzen in den Beinen, keine Magenkrise. Kein Morphium. Kein Aspirin. 
28. IX. 08. Gewichtszunahme 13 Pfund. 

2. 4 08. Patient kommt täglich zur Bestrahlung, war in den letzten 2 Wochen 
beschwerdefrei, bis auf 2 leichte Anfälle von lanzinierenden Schmerzen, die unter 
Bestrahlung schwanden. Keine Magenkrise. 



220 KUniflohe Anwendung d^ Diathermie. 

18. X. 08. Leichte Venohlimmening. 5 Anfälle. Schmerzen aber sehr gering. 
Kein MorphiunL 

f 18. X. 08. 2 Tage starke Schmerzen in den Beinen. 

24. X. 08. Wieder Besserung. Schmerzen bedeutend schwächer. 

26. X. 08. Seit 3 Tagen vollkommen beschwerdefrei. Allgemeinbefinden, 
Appetit, Stimmung bedeutend gebessert. 

Von nun ab nur jeden 2. Tag Hochfrequenz, bis zum 4. XII. 08. In dieser 
Zeit nur 3 leichte Anfälle von lanzinierenden Schmerzen, keine Magenkrise. 

4. XII. 08 erklärte Patient, sich vollkommen gesund zu fühlen, und ver- 
zichtete auf weitere Behandlung. Die Magenkrisen mit ihren Begleiterscheinungen, 
Erbrechen, Appetitlosigkeit waren nicht wieder aufgetreten, die lanzinierenden 
Schmerzen sofort nach den ersten Bestrahlungen zurückgegangen und nach einigen 
leichten Rezidiven im Laufe der letzten 3 Wochen nicht wieder zutage getreten. 

Erst am 9. L 09 meldet sich Patient wieder mit Klagen über aÜ^emeine 
Schwäche, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit. Vor einigen Tagen waren auch die 
lanzinierenden Schmerzen wieder aufgetreten, seit 2 Tagen hat Patient wieder 
Magenkrämpfe, Erbrechen. Patient kommt mit starken Schmerzen in den Beinen 
zur Bestrahlimg; er gibt an, sich sofort nach der Bestrahlung bedeutend besser zu 
fühlen. Täglich Hochfrequenz. 

Am 12. L 09 weder lanzinierende Schmerzen noch Magenkrise aufgetreten. 
Patient morphiumfrei. 

16. 1. 09. Allgemeinbefinden gut, keine Beschwerden. 

23. n. 09. Patient hat sich im Lauf des letzten Monats durchwegs gut gefühlt. 
Appetit, Kräftezustand, Stimmung gut. Nur sehr selten (3 mal) leichte lanzi- 
nierende Schmerzen. Keine Magenkrise. Kein Morphium. 

15. m. 09. Seit heute früh lanz. Schmerzen. Patient kommt nachmittags 
zur Bestrahlimg. Darauf sofort Besserung. 

1. IV. 09. Bis heute beschwerdefrei. 

6. Vn. 09. Patient erscheint nach langer Pause wieder> Allgemeinzustand 
sehr schlecht. 4 Wochen bettlägerig wegen schwerer Magenkrise, 27 Morphium- 
spritzen. 

17. X 09. Seit 10 Wochen nicht hier gewesen. In dieser Zeit ab und zu Magen- 
krämpfe (etwa 4 mal) imd gleichzeitig lanzinierende Schmerzen. Er nahm Morphium, 
danach sofortige Besserung. Früher Schleim im StuhL Jetzt gut. Er arbeitet 
seit 6 Wochen wieder mit Unterbrechung von wenigen Tagen. Ist im Rücken 
viel kräftiger. Das Sehen ist schlechter geworden, besonders im Dunkeln. — 
Wird weiter elektrisiert. 

6. n. 10. Lange nicht hier gewesen. Wurde im Oktober 5 — 6 mal elektrisiert, 
danach Besserung. Bis Weihnachten keine Beschwerden. Konnte gut essen. 
14 Tage vor Weihnachten wieder Gürtelschmerzen. Anfall dauert ein paar Stunden, 
tritt alle 14 Tage auf. Zuletzt vor 6 Tagen. Erbrechen ist seit Beginn der Behand- 
lung nicht mehr aufgetreten. Auch die lanzinierenden Schmerzen so gut wie 
verschwunden, ab und zu ein leichtes Zucken. Appetit seit 3 Tagen schlecht. 
Erneute Hochfrequenzbehandlung. 

Tabes. 

Patientin N., 30 Jahr. 

Lues vor 10 Jahren. 1 Schmierkur. 

Vor einem Jahre zum ersten Male starke Magenkrämpfe, Erbrechen. Die 
Anfälle wiederholten sich ungefähr alle 8 Tage und dauerten 12 — ^24 Stunden, 
in den letzten 2 Monaten öfter, ca. 2 — 3 mal in der Woche. Zurzeit starke Kopf- 
schmerzen, leichter Schwindel 

Seit Vj Jahre auch „blitzartige" Schmerzen in den Beinen, ca. alle 2 Wochen 
1 — 2 Stunden anhaltend. 

Ataxie +, Patellar-, AchillesrefL — , Romberg +, Pupillen starr, 
Sensibilität o. B. i 

Beginn der Hochfrequenzbehandlung am 30. X. 08. 
• Patientin kam sehr unregelmäßig zur Bestrahlung und hatte bis zum 24. Xn.08 
nur 6 Sitzungen. Die Magenbeschwerden verschwanden vollkommen. Patientin 
konnte alles essen, ohne je zu erbrechen. Die lanzinierenden Schmerzen traten 
nicht mehr in früherer Stärke auf. Das Allgemeinbefinden war gut, 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 221 

IG. I. 09 kommt Patientin wieder zur Bestrahliuig und gibt an, daß sie seit 
io dei 1^ ung d. M. wieder an heftigen Magenkrämpfen, fast täglich von 6 — 7 Stunden 
i»A ^1^ er, mit Erbrechen leidet. Lanzinierende Schmerzen nur selten, alle 2 — 3Wochen. 
1 friun^^^t^mm Hochfrequenzbehandlung. 

25. I. 09. Seit Beginn der Behandlung keine Beschwerden bis 24. 1. 09, wo 
iryn bc "^^^ zuckende Schmerzen im linken Bein auftraten. Heute beschwerdefrei. 
^ ic^^. !. Bis Anfang November beschwerdefrei. 

"^^2»£ Bt^ ^^* ^' * '^ Tagen täglich starke Magenbeschwerden, kein Erbrechen, 

^^^^ ^."ziiiierende Schmerzen besonders im linken Bein fast täglich. 
^^ /**' Patientin kommt in den nächsten Monaten sehr flnregelmäßig zur Behand- 
rfv bdS!.^^' Infolgedessen treten zwar beschwerdefreie Perioden auf, abar es kommt nicht 
iZ*^ längerem ungestörten Wohlbefinden. Erst von Ende Juni 1909 ab ist sie frei 
"^^^Jii Beschwerden. 
^-iKtEU e, VII.09. Beschwerdefrei seit 14 Tagen. Pat. bleibt weg. 

T^-^ Tabes. 

rt rtLte^ Patientin G., 32 Jahr. 

TÄÄiiik Vor 10 Jahren Infektion. 1 Spritzkur. Seit ca. 4 Jahren Unsicherheit beim 
^^^'dhen, B^reuz- und Rückenschmerzen. Lanzinierende Schmerzen seit 3 Jahren in 

iregelmäßigen Intervallen von 3 — 4 Wochen bis 4 — 5 Monaten, tagelang an- 
vn MBÄ^itend. Letzter Anfall vor 14 Tagen; zurzeit Morphium. Keine M^enkrisen. 

Hgemeine Mattigkeit. Seit 3 Jahren Stuhl- und Urinabgang. Parästhesien in 
'^'*J* eiden Beinen. 

knMoaät Gürtelgefühl sehr stark seit 4 Jahren. Schmerzen im Bücken sehr stark. 
^ srfttt '^at. verschluckt sich leicht beim Sprechen und Essen. 

Morjüa. Status. Vor 4 Jahren begann das Leiden mit plötzlichem Versagen des 

u Mtf Silken Fußes; zugleich konnte das rechte Auge nicht ganz geöffnet werden. Nach 
)in paar Monaten besserte sich der Fuß, das Augenleiden blieb. Pat. hat angeblich 
jrebärmutter-Knickung, Senkung und Verwachsungen mit dem Mastdarm. Schlaf 
^fittküiehr schlecht, meist gar nicht; sehr unruhig, starkes Zusammenzucken beim Ein- 
enpr Jüfeiiix^ehlafen und Gefühl des Fallens usw. 

Ataxie der oberen und unteren Extremitäten. 
Id&wZsi Romberg ++. 

^duoenab Pupillenttarre auf licht. 

§tahL Jtttp Beiderseits Ptosis, links stärker als rechts (Augenmuskeln frei). 

lamliß' Gresichts-, Zungenmuskulatur frei. 

I, baook' Reflexe: Patellar, Achilles nicht auslösbar. 

Sc nsibilität: An Armen und Händen, rechts und links Herabsetzung 
Q^Ut ^^^ taktilen Sensibilität, Hypalgesie. 
^1^ y. Hypästhetische Zone an beiden Mammae. 

\iM^s} Geringe Hypästhesie an beiden Beinen bis zu den Knien. 

jk«ÄÄF Hypaigesie im Kreuz. 

1 gjj^ Beginn der Behandlung am 5. V. 

^Htg^i's 10. V. 09. Nach 2 maliger Bestrahlung Auf treten von Parästhesien. Schmerzen 

geringer und seltener. 

2. VL Seit 3 Wochen vollkommen beschwerdefrei. Parästhesien verschwunden. 

Kein Morphium. Sonst o. Ver. 

29. VL Besserung. Ab und zu noch lanzinierende Schmerzen (aber nicht so 

stark wie früher). Blasenbeschwerden unbeeinflußt. 
irafflr J^ 7. Vll. Allgemeinbefinden gut. Keine lanzinierenden Schmerzen. Patientin 

lawitffl't'" bleibt weg. 
iftÄff** * 13. Vin. 09. Keine Schmerzen. Kribbeln im linken Bein seit 14 Tagen 

wieder aufgetreten. Urin, Stuhl unverändert. Fühlt sich kräftig. Konnte vor Beginn 
Bäseo.^" der Behandlung wegen Schwäche nicht ohne Anlehnen sitzen. Auch konnte sie 

keine 5 Minuten gehen und mußte sich das Kreuz mit der Hand stützen. Kann 
^ ^, ^ jetzt normal mit Maß gehen und lange auf dem Stuhl aufrecht sitzen. Fühlt sich 

kräftiger und frischer. Schlaf seit Behandlung mit Hochfrequenz gut, kein 

Zucken mehr beim Einschlafen. Morphium gar nicht mehr. Früher viel Kopf- 
littteÜs^ schmerzen; jetzt seit Behandlung keine Kopfschmerzen. 

foJ&s0 14. X. Kribbeln noch etwas im linken Bein, im rechten Bein gar nicht 

öden ^ Blase, After unverändert. Bücken vollkommen kräftig. Kann gut gehen (10 Min.) 



222 Klinisohe Anwendung der Diathermie. 

Oft {Schwindel in der letzten Zeit. Sieht besser. Macht Handarbeit bei Licht. 
Kein Morphium mehr. Kopfschmerzen nur vorübergehend. 

Herr Seh. 10. V. 11: Seit 1907 leidend. Gedächtnisschwäche, lanzinierende 
Schmerzen, Zittern beim Schreiben, seit 40 Jahren verheiratet, kinderlos. Frau 
herzleidend, früher unterleibsleidend. 5 Aborte. Zeitweise Interkostalneuralgien, 
letzthin, in den letzten Wochen, besonders schlimm. Schlaflos wegen Schmelzen 
lanzinierenden Charakters in den Beinen. Spürt sehr selten Urindrang, am ersten 
noch nachts und nachmittags. Fühlt sich matt. Zuletzt 8 Wochen in Wies- 
baden, seit Monaten kein Tag schmerzfrei. Nimmt dauernd Schlafmittel, Phenazetin, 
Aspirin, Kodein, Morphiiftnpulver. Jetzt dauernder Schmerz seit 14 Tagen in 
beiden Oberschenkeln, bis in die Inguinalgegend. Ischias. 

Nach 5 Sitzungen wesentlich gebessert, Behandlung unterbrochen. 

Kommt am 31. V. wieder, war bis gestern beschwerdefrei, gestern wieder ge- 
ringe Beschwerden. 

Bis Anfang 1913 noch 11 Behandlungen wegen leichter Beschwerden. Heftiger 
Schmerz ist überhaupt nicht wieder aufgetreten. 

Tabes. 

Patient IC, 51 Jahr, 22. Januar 09. Infektion 1881. 8 Kuren. 1894 wurde 
Tabes diagnostiziert und Oeynhausen ohne Erfolg besucht. Dann traten Parästhe- 
sien in den Knien und lanzinierende Schmerlen auf. Seitdem haben die Schmerzen 
in wechselnder Intensität bestanden, es ist allmählich zunehmende Ataxie ein- 
getreten. Gehör und Gesicht hat abgenommen, Urinentleerung ist erschwert, 
Patient muß stark pressen, verspürt keinen Harndrang, mitunter Inkontinenz, 
zeitweise imperativer Harn- und Stuhldrang. Gedächtnis hat nachgelassen 
Schreiben fällt in den letzten Jahren schwer. Patient beantwortet Fragen bezüg- 
lich seines Leidens unbestimmt. Mäßiger Morphinismus, spritzt selbst. Arme 
schlafen leicht ein, sonst keine Pfirästhesien. Im Jahre 1893 häufige Magenkrisen. 
Schmerzanfälle dauern mitunter Y2 Stunde, mitunter auch 24 Stunden ohne 
Pause. Sie treten in Intervallen von 4 — 6 Wochen auf, mitunter auch häufiger. 
In der letzten Zeit sind sie wesentlich häufiger aufgetreten. Patient ist gegen Kälte 
empfindlich. 

Am 22. Januar 09: erste Sitzung. Am selben Abend noch Schmerzen, die 
vor dem Elektrisieren auch vorhanden waren. Daher Veronal. Seit dem nächsten 
Morgen schmerzfrei. 

Zweite Sitzung am 25. Januar. Bericht am 12. Juli 09: Patient hatte 
Ostern einen Tag und vor acht Tagen einen Tag leichte Schmerzen. Sonst voll- 
kommen beschwerdefrei gewesen. 

Patient M., Luesinfektion 1881, 1. Kur sofort nach Auftreten der sekundären 
Erscheinungen, im nächsten Jahre 2 Kuren, seitdem frei von Erscheinungen und 
keine weitere Hg-Behandlung. Heiratete 13 Jahre nach der Infektion, nach zwei 
Jahren Geburt eines Sohnes, der jetzt 9 Jahre alt und gut entwickelt ist. Frau 
gesund, kein Abort. Seit 1896 gastrische Krisen alle 6 Wochen, in den letzten 
Jahren jedesmal 10 — 12 Tage anhaltend, Gewichtsabnahme von 160 Pfimd auf 
103, ein Jahr später lanzinierende Schmerzen und Schmierkur, daneben Jodkali, 
1897 eine weitere Schmierkur. Seitdem besserte sich der Zustand etwas, die 
Nervenschmerzen wurden jedoch schlimmer, die Gehstörungen waren erheblich. 
Seit 1898 nimmt Patient Morphium, zurzeit 10 Spritzen von 2proz. Lösimg 
pro die, während gastrischer Krisen jedoch bis 20 imd 30 Spritzen, schläft zeit- 
weise gut, zeitweise wochenlang schlaflos. Seit 3 Jahren bemerkt Patient keinen 
Urindrang mehr, gelegentlich Inkontinenz des Nachts. Abdomen und Ober- 
schenkel mit Narben, Infiltraten und Abszessen bedeckt. 

Seit Anfang Juni 1907 Hochfrequenzbehandlung. Nach wenigen Sekunden 
sofortiges Aufhören der lanzinierenden Schmerzen, die besonders im Ulnaris- 
gebiet beiderseits und in dem Peroneusgebiet sehr heftig und anhaltend auf- 
treten. Von der 2. Sitzung ab keine Schmerzen mehr in den Extremitäten; am 
10. Juni wird Patient mit einer heftigen gastrischen Krise gebracht, die seit dem 
vorhergehenden Tage besteht. Während der Hochfrequenzsitzung sistieren die 
Schmerzen sowohl wie das Erbrechen, Patient kann ohne Stütze nach Haus gehen, 
Krise bleibt bei täglich fortgesetzter Behandlung mit Hochfrequenz kupiert. Im 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 223 

7^ .- der nächsten Wochen ist Patient fast schmerzfrei. Nur ab und zu tritt ein 

Gefühl auf. Einleitung einer Mergalkur, daneben Jodkali. Wegen Appetit- 

■- • . leit wird die Mergalkur abgebrochen und Enesol weiter verabreicht. Patient 

TiimTnt im Juni und Juli eine längere Beise nach der Nordsee. Hatte während 

- rsten 14 Tage überhaupt keine Beschwerden und während der zweiten 14 Tage 

- 2 Tage lang Schmerzen, ist bis auf 4 Spritzen der Iproz. Lösung ohne Ab- 
! 3iizerscheinungen heruntergekommen. Doch sind an neuen Stellen lanzinie- 

t* ~ Le Schmerzen aufgetreten, am Oberarm, in der Lendengegend und in der Achsel- 

^ . 3xid, die ebenso prompt auf Hochfrequenzbehandlung reagieren. Kur wird fort- 

_ -_ J "" ■ itzt, Inkontinenz tritt nicht mehr auf. Patient kommt während der nächsten 

^^" Conate noch regelmäßig 1 — 2 mal monatlich zur Behandlung mit Hochfrequenz 

'"- i oft leichten Beschwerden, die er kaum als lanzinierende Schmerzen mehr be- 

■ clinet; während er im letzten Jahre regelmäßig alle 4 — 6 Wochen eine schwere 

itrische Krise durchmachte, die 10 — 12 Tage anhielt, ist seit Einleitung der 

~ ■ - >chfrequenzbehandlung keine einzige Krise mehr zur vollen Ausbildung gelangt. 

~ " ^tient kommt, sobald er das Eintreten einer Krise bemerkt, zur Behandlung, 

i^ es gelang bisher stets, die Krise sofort zu kupieren. Nm: einmal vor 6 Monaten 

8LX eine intensive und wiederholte Behandlung 2 Tage lang erforderlich, ehe die 

i~ • ^sonders hartnäckigen Erscheinungen definitiv schwanden. Der Patient berichtet 

-■ - *c. 3lbBt, daß die lanzinierenden Schmerzen, die früher des Nachts am schlimmsten 

^ *j ^ iraren, schon seit der 6. oder 7. Behandlung vollkommen geschwunden sind. 

~ ^,r^r ist überhaupt auch am Tage jetzt schmeradtei, nur ab und zu stellen sich an 

' -. "r- v'ersohiedenen Stellen hin und wieder vorübergehende geringe Schmerzen ein. 

- .' .v^ ^Oie Ataxie ist etwas gebessert. Patient fühlt sich sicherer, das Allgemeinbefinden 

L- -^ -ist ganz wesentlich gehoben. Die Schmerzen beim Stuhlgang, die unerträglich 

->^-r^^^aren, sind vollkommen verschwunden, desgleichen die Nachtschweiße, Flimmern 

,3^ - "vor den Augen und Überempfindlichkeit gegen helles licht wesentlich gebessert. 

^ .. ^ Die Tagesdosis Morphium beträgt jetzt 15 cg gegenüber V2 8 früher. Patient 

- . ^T gibt selbst an, daß gegenüber dem qualvollen Zustand früher er sich jetzt wie im 

^^ .-J Paradiese vorkommt. In den letzten 6 Monaten hatte er die Behandlung fast ga|iz 

/r. }-^^ ausgesetzt und seit 3 Wochen wieder ab und zu starke lanzinierende Schmerzen 

im linken Bein sowie eine 4tägige Magenkrise leichter Art. Wiederaufnahme 

. ; , des Elektrisierens mit vollem Erfolg. Dauer der Beobachtung bis Anfang Oktober 

[\'^'^. 1908: 18 Monate. 

■^ ^ Patient L., 50 Jahr alt, verheiratete sich 1885. War gesund; im Jahre 1886 

.^ und 1887 2 Entbindungen der Frau, 1888 ein Abort. Das erste Kind starb im Alter 

~^ "" von 18 Jahren an Krebs. Der zweite Sohn soll im Alter von 6 — 9 Jahren an Bauch- 

'^*^ tuberkulöse gelitten haben, aber jetzt gesund und kräftig sein. Lues negatur. 

Seit der Verheiratung dauernd neuralgische Schmerzen im Rücken, gegen die er 

S'^' Narkotika, Arsenik usw., jedoch kein Morphium, nahm. Vor 1 Jahre Darm- 

rlf^ Operation (Karzinom). Puls leicht erregbar, klagt über Beklemmungen in der Brust 

J [^ und Gürtelgefühle. Pupillarreaktion negativ, Anästhesien am Rücken und den 

■ ^^^" Extremitäten. Patellarreflexe auf beiden Seiten positiv, in der letzten Zeit erheb- 

rt; liehe Verschlimmerung der Beschwerden, seit 3 Wochen keinen Tag schmerzfrei, 

"^' vorher höchstens einen Tag schmerzfrei, keine sonstigen Sensibilitätsstörungen; 

y^^ Patient^eidet erheblich unter den qualvollen Schmerzen. 

^ ^ Behandlung mit Hochfrequenz mit glänzendem Erfolg. Während der ersten 

' ^ Sitzung sofortiges Aufhören der Schmerzen, die nur noch selten und rudimentär 

* während der nächsten Wochen wiederkehrten. Wegen schwerer Metastasenbildung 

^ wurde Patient bettlägerig, konnte die Kur nicht wieder aufnehmen, starb wenige 

■' Monate später unter anhaltendem Freisein von Schmerzen. 

Frau K., 44 Jahr. Luesinfektion vor 13 Jahren, 11 Jahre nicht spezifisch 
behandelt, seit 1903 lanzinierende Schmerzen im ganzen Körper, seit 1904 Blasen- 
und Mastdarmstörung, beginnende Ataxie 1905. Januar bis März 1. Kur, Inunk- 
tionen 150 g und Jodnatrium. Januar 1906 2. Kur, Inunktionen 100 g und Jod. 
Seitdem nur Jod, seit Ende 1907 ab und zu 2 Kapseln Mergal, aber ganz unregel- 
mäßig. Es besteht Parese der Bla«e, Patientin muß stark pressen, Inkontinenz 
nur bei Überfüllung der Blase, Stuhldrang wird seit Jahren nicht gef iihlt, Patientin 
entleert das Rektum manuell zweimal täglich, Menses seit 1903 unregelmäßig. 
Sensibilität an den unteren Extremitäten und am Thorax stark herabgesetzt. Da- 



Puplhn IhkIi-tkiu •larr, link« «Titrr «l« recht«- I 

Kiolrituiii (Irr UocbfrtijDnttbrlMadlnng nrbt^ ciaer Bf4 
H(*riiigiii4 d« Sehn»««"» tcb da; e"^ 



dam-» hiiiiR : N>fi«twr H(*riligiiiig 

ab, dl' Hur l-ri rrliliThlriii Wi-Ilrf' _ . 

KUl. Allü'-nuiiit» lindrn «mrntlich gpbiMtrt. Lofc&le 

munkulatur mil Konärruatcvatrüinn) brwirkl, daB »cbcxi 

•iHHiUnp IVtaLaticm muidich Ul. die Kitdnn oo nnU« broe hfl pi 

■Irr Ulvnloiii» kr-hrt »iidn-, vil dn 3. Wocbc- fcftn RcBdnklhwii 

><■■. AUsir w-M-ntlich K<-bn<M-n. Brticht nach 3 Sfof»t«fi: B^aät 

nur iM-hr nltMi Rtrinfi'-, wrnigr Srkundni uihmMt^oiie Schmosni- 

J'«tiiiH A. T. T«U» dorwlt*. Lara «cIkt; «eit tnehr«»eo J«* 
tiitiiti. V it»<-ii»- MXM-hlimm, dafl F»timt (ich »ii fine-m l*WTnMii«lu« 
tiiuU. wMxn IT vom Kuhniamm «id d.n Bürgwut^-ig U'etMi wilL Za« 
»vh di<>«T ZiiKUnd •jKinUn. PMimt b>t eine »knt*- gooorrhoiBcbf I 
dir «ufUll-iKl »iiiiB KpiinUn Kowie drackcmpfiDdlich Vit, «och da ■« 
Ü>1 iiirht dnirk.inirfiiidlich. Yjs besteht eino chrooi»cbe Zystlt» U 
Ht>^iifiK. Tri 11 rifTht Btuk BiuinonimkAliiich. Incontüinitia E^^|^ 
iiiK'luriik. Hnufifi Unünii-mide Schinrnrn und g«striscbe KräS 
r.fU-XP ffhirn, rtfU-kUwiwhe PupUU-nsUrre. Rombetg 8t»rk positiv, I 
Ataxie um! UliiN-htr (iang. Patient hat Schwierigkeiten. «" *J 
iwiK-ben bi-iilf-n Riihcn Betten, die über 2 Meter »iiBein»nd« ^leW 

THiiiii-hp BohandlunR mit HochfrequenxBtrömen, Quecksabetk* 
J<«J. In.' ZvKtitia bi-w-rt «ich auf Lokalbebandlung. Unter ^»»«1»^ 
luiiK mit Hoehftrqucnwlröincn wührfiid 4 Monaten beaaert sich ™*3 
liefinden irhi-hlich. Die Incontioonlia urinae diurna beseitigt, die '*'^^^ 
aiifanx« roch hüufjg nuf, iiKli-«»cn kann Patient nach 4-wöohentlicbet B«l^ 
nachlJi Bpontan den Urin eiilleeren. Wenn er abenda nicht trinkt, ''^\ 
t'rin na<-hl« hallen, trinkt er aber, so tritt noch manchmal IncontineoM'J 
aul. Der Urin bleibt bt«t»ndig klar. Der ataklische Gang ist w^**^"*"^^ 
abiT noch vorhanden. Schmeraen mnd schon nach wenigen Sitzungen™™^ 
HUitiert, Bind vorübergehend wiedergekommen und schlieBlich '^^T! 
Patient will seinen Birul (Transport von Ziegelsteinen im ScbubtarrenJ **^ 
nehmen. Gartpnwbeit hat er gut verrichten können. 

Patient W. L., Lues negslur, seit 5—6 Jahren häufig Lcibschn««^ 
Heit 3 Jahren ^hmerron in den unteren Extremitäten. iSagfiTtknaea ^^ 
regelmaBigcn Intervallen auf. Starker Romberg, Patellarreflexe fehlen, <' 
Fußsohlenrcflexe, PupUlenstarre, stumpf und spitz wird richtig unt^o«'''! 
indessen bestehen Störungen des La^egefUhb. Wärme und Kälte viid " 
«mpfunden, leicht« Berührungen an den Zehen werden nicht gefühlt, bU 
dagegen richtig lokalisiert. Die Beobachtung einer Krise ergab, daß (^ '^^ 
Magen- und Darmkriecn handelt. 

Hocbfrcquenzbehandlung 14 Tage lat^, seitdem schmerz&ei. Bencht 
1 Jahre und nach 18 Alonutcn, daß Schmerxen nicht wieder aufgetreten 
und daD das Allgemeinbefinden sich wesentlich gebessert hat. 

Patient F. K., Luca vor 18 Jahren, 3 Kuren, vor 10 Jahren die erste g»atr 
Krise, vor 7 Jahren vorübergehend Doppelsehen, seit 6 Jahren beginnende M" 
Störungen, seit 2 Jahren völlige Unfähigkeit zu gehen wegen hochgradiger Scb« 
und starker Ataxie der Beine. Patient ist sehr gut ernährt, kräftig gebaa'r 
blasser Gesichtafarbc. Innere Organe ohne Befund. Pupillen eng, refiekto 
starr, Oesichtsfeld frei. Bewegungsfähigkeit der oberen Extremitäten und j 
Kraft gut erhalten. Knie- und Achllleaeehnenrefleze völlig erloschen. Pis i 
Kraft der Beine atark herabgesetzt. Es besteht hochgradige motorische At 
Patient kann, von 2 Wärtern gestützt, nicht Btehen, da ihm infolge der A 
und der tabischen Oelenkveränderungen die Beine bald nach hinten, bsid 
vorn weggleiten. Sensibilität ist stark gestört bis in die Schnlterblattge 
hinauf. Feine Berührungen werden gar nicht, derbere sowie schmerzhafte N 
Stiche werden empfunden; Gürt«lgefühl vorhanden, Magen- und Darmfonl 
ohne Befund, Stuhldrang wird empfunden i es besteht dauerndes Hamtrik 



Zentrale nervöse Erkrankungen. 225 

IBlase ist überfüllt, da Patient keinen Harndrang bemerkt und trotz Fressens den 
Urin nicht entleeren kann; Besidualham 400 com. 

Behandlung mit Hochfrequenzströmen, allgemein sowie lokal. Die lan- 
zinierenden Schmerzen bessern sich zunächst vorübergehend nach jeder Sitzung. 
^N^ach 3 Wochen ist die Inkontinenz wesentlich gebessert. Patient kann den 
Urin halten und spontan entleeren. Bei der Entlassung nach 8 Wochen ist die 
Inkontinenz vollkommen beseitigt, Patient muß zwar bei der Urinentleerung 
stark pressen, kann jedoch die Blase bis auf geringe Reste von 90 — 30 ccm 
spontan entleeren. Nach weiteren 14 Tagen ist der Besidualham 0. Die lan- 
zinierenden Schmerzen sind vollkommen verschwunden. Patient, welcher bei 
der Aufnahme seit 1 V2 Jahren ca. nicht aus dem Bett und dem Liegestuhl heraus- 
konnte, konnte na-ch 6 Wochen mit Unterstützung an der Hand stehen und nach 
7 Wochen 2 oder 3 Schritte gehen. Von weiteren Steh- und Gehübungen wurde 
einstweilen Abstand genommen, um die Schlottergelenke durch falsche Belastung 
nicht noch mehr zu schädigen. Es wurde ein Gelenkstützapparat bis zum Ober- 
schenkel angefertigt, mit HiUe dessen Patient sofort imstande war, zu gehen. 
£s ist hervorzuheben, daß keinerlei Übungstherapie stattgefunden hat im 
Sinne von Frenkel- Heiden, wohl aber systematische Behandlung der Bein- 
und Bumpfmuskulatur mit Hochfrequenzströmen, durch welche eine deutliche 
Zunahme der motorischen Kraft der Beine erzeugt wurde, welche dem Patienten 
das Stehen und Gehen ermöglichte. Ich hatte Gelegenheit, nach einem Jahre 
den Patienten wiederzusehen, welchem es seitdem unverändert gut ging, bis auf 
das Auftreten lanzinierender Schmerzen, die auf erneute Hochfrequenzbehandlung 
günstig reagierten. Inkontinenz ist nicht wieder eingetreten. 

Patient H. K. Lues vor 17 Jahren, vor 2 Jahren zuerst lanzinierende Schmer- 
zen im rechten Unterarm, anfänglich 10 — 12 mal täglich, später immer häufiger 
und stärker, seit einem Jahre auch in den Beinen, und Gürtelgefühl. Seitdem treten 
die Schmerzanfälle 3 — 4 wöchentlich auf und sind fast unerträglich. Während 
des Anfalles werden die Schmerzen schon durch die leiseste Berührung zu uner- 
träglicher Heftigkeit gesteigert. Während Patient früher eine sichere Hand beim 
Schreiben hatte, schreibt er jetzt unsicher, rutscht, wenn es lange dauert, förmlich 
aus. Romberg nicht vorhanden. Patellarreflexe fehlen, Pupillen eng, reagieren 
schwach. Druck auf Testes rechts kaum empfunden, links deutlicher. Achilles- 
sehne nur auf starken Druck empfindlich. Hyperästhesie im Bücken und beiden 
[Flanken bis zur Spina scapulae hinauf. Leichte Berühning löst intensives Juck- 
gefühl aus. Berührung mit stumpfem Metallknopf sticht wie Nadeln; wenn An- 
fälle von lanzinierenden Schmerzen bestehen, steigert sich die Hyperästhesie 
ad maximum. Berührung mit einem Stabe macht intensivste Schmerzen, in der 
Gegend der Spinae scapulae besteht Hypästhesie, desgleichen in der Magengegend, 
unter dem Processus xiphoideus. 

Unter Hochfrequenzbehandlung bessern sich die subjektiven Beschwerden 
augenblicklich, nach den ersten Sitzungen auf kurze Zeit, 20 Minuten bis Stunden, 
späterhin auf längere Dauer. Nach 3 Monaten ist Patient so weit gebessert, daß 
er sich für gesund hält und die Behandlung unterbricht. Ca. 4 Monate später stellte 
er sich wieder vor und gibt an, daß er über 3 Monate lang von Schmerzanfällen 
vollkommen befreit war. Er hatte nur zeitweise leichte Kopfschmerzen, seit 
14 Tagen wieder zunehmende Beschwerden unbestimmter Art, bis vor 8 Tagen 
nachts wieder Schmerzen im Knie auftraten. Die Ataxie, die am Schluß der Be- 
handlung wesentlich gebessert war, ist wieder hochgradig geworden. Pollu- 
tionen in letzter SJeit häufig. Pupillen etwa doppelt so weit wie früher, reagieren 
deutlich, wenn auch schwach, reflektorisch. Etwa 14tägige Behandlung mit Hoch- 
frequenzströmen beseitigt die Beschwerden wiederum, so daß sich Patient weitere 
5 Monate nicht hat sehen lassen. Seit ca. 14 Tagen wieder mäßige Schmerzen, die 
auf Hochfrequenzbehandlung prompt schwinden. Es wird d^m Patienten geraten, 
die Hochfrequenzbehandlung fortzusetzen, trotz schneller Besserung. 

Patient L. S. Lues 1882. 10 Jahre später rheumatische Schmerzen, die sich 
allmählich verschlimmerten. Seit 10 Jahren Magenkrisen und allmählich zu- 
nehmende Ataxie. Im letzten halben Jahr deutliche Verschlimmerung. Besonders 
Empfindlichkeit gegen kühles Wasser (26 — 21 °G äußerste Toleranzgrenze nach 
unten). Druckanästhesie der Testes und der Achillessehnen, Hyp- und Anästhesien 

NagelBchmidt, Diathermie. 2. Aufl. 15 



22 f) Klinische Anwendung der Diathermie. 

vom Kücken abwärtt», lanziniexeiido fc)chmem*n zmxeit besonders im Untentf^ 
und dem Oberschenkel, beiderseits sjrmmetrisoh. Blase dt gestört^ Wecis«: 
zwischen Inkontinenz und Unmöglichkeit, trotz stärksten Drangen« <iie Bkc 

zu entleeren. Incontinentia nocturna dauernd. Reddualham 75 löO cen 

Pupillen starr, eng, Patellarreflexe fehlen, Romberg positiv. 

Auf Hochfrequenzbehandlung schwinden die lanzinierenden Sclimet» 
augenblicklich. Sie kehren nach den ersten Sitzungen wieder, jedoch TUtf^tirr je: 
mehr schwächer und kürzer anhaltend, und bleiben nach 6 Wochen £^&iiz fcr. 
Patient kann die Blase spontan entleeren, kein Reddualham ; bleibt ai2S cier B^ 
handlung fort. 

Patient W. S. Lucs zugegeben. 1898 zuerst unverhältnisniäßi^ »efan«'ll 
Ermüdbarkeit und „BeiBen** in den Beinen. Daim vorübergehende, spätcx* oft«' 
wieder auftretende Augenmuskellähmung. 1899 die erste Magenkrise, in dexi ^rst«ij 
Jahren 1 — 2 mal, seit 3 Jahren alle 6--8 Wochen. Leichte Urinbescliiircxdeii. 
keine Inkontinenz. Starke Hyperästhesie am Rumpf und lanzinierende Solxm^rzer. 
in Armen und Beinen. Stumpfes Gefühl in dem recbtexr Unterarm und den Fing&i 
der rechten Hand. Patient ist außerordentlich leicht ermüdbar. Starke ^Arterio- 
sklerose der peripheren Arterien. Wassermannsche Luesreaktion stark: poeitiT. 
Pupillen maximal verengt (Patient ist McH^hinist), Romberg sehr stark Bowit 
allgemeine Ataxie. Patellarreflexe fehlen, Dermographismus sehr aasgeprägt. 
Vasomotorische Überregbarkeit, Ernährungszustand elend, starke Anämie ; fort l 
geschrittene Sehnervenatrophie. i 

April 1908: 14tägige Behandlung mit Hochfrequenz beseitigt die lanzi I 
liierenden Schmerzen vollkommen. Patient unterbricht die Behandlung^ um hm 
Bad zu reisen. Bei der Rückkehr erheblich angegriffen. (14 Bäder in Oeynliaiisen. 1 
Gang deutlich verschlechtert, Taubheitsgefühl in Beinen und Händen. Zlmck- 1 
gefühl im Leib. Es tritt allmählich zunehmende Sehnervenatrophie ein, die dec I 
Gang erschwert. Schmerzen sind seit der Hochfrequenzbehandlung dauernd fort- 1 
geblieben; nur in Oeynhausen traten sie zeitweise auf. Beginn der Behandlung 
am 11. Jnui. Schmerzfrei laut letzter Nachricht noch am 1. Oktob^> 1908w 

Frau St., 48 Jahr alt. Tabes dorsalis. Pupillenstarre beiderseits, Tiomberg 
deutlich. Arthropathie des rechten Kniegelenks; das Gelenk knickt bei Belastung 
nach außen um, so daß Patientin stark hinkt und nur wenig am. Stock geheu 
kann. Luetische Narben am linken Knie. Magen empfindlich, jedoch keine 
eigentlichen Krisen. Starke lanzinierende Schmerzen in beiden Beinen und ArmeiL 

Beginn der Hochfrequenzbehandlung am 2. X 06 mit sofortigem Erfolg. 
Anbringung einer Kniestütze. Behandlung der Muskulatur mit Hochfrequ^ox; 
danach erhebliche Kräftigung: Patient geht (mit Apparat), ohne sichtbar zu 
hinken. Nach 6 Wochen bleibt Patient aus der Behandlung fort. 

14. VI. 07. Bis jetzt frei von Schmerzen. Kniegelenk fast normal, geht ohae 
Schiene fast ohne Hinken. Seit 3 Tagen leichte stechende Schmerzen in da 
linken Hand, die prompt auf Hochfrequenz reagieren und nach wenigen Sitzung^ 
dauernd fortbleiben. Nach dem letzten Bericht (Januar 1908) frei von Beschwerden, 
Allgemeinbefinden wesentlich gebessert. 

Tabes. 

Patient O., 12. VIL 09. Lues 1891, drei Kuren. Heirat 1895. Fünf ge- 
sunde Kinder, 2 — 12 Jahre alt, kein Abort. Frau gesund. 1903 Beginn mit 
Schmerzen in den kleinen Zehen, Ziehen im Bücken, vorübergehend lanzinierende 
Schmerzen, seit Februar 1907 Magenkrisen und Darmkrisen, damals unregel- 
mäßig und selten, später häufiger. Jetzt im letzten Jahre alle 4 — 6 Wochen. 
Die letzte Kjise vor 5 Tagen beendet. Dauer der Krisen im letzten Jahre je 
5 Tage mit Erbrechen und Schmerzen. Der Verlauf der letzten Krise war folgender: 
Während eines Aufenthaltes von 9 Wochen in Meran trat gar keine Krise auf, 
nach der Rückkehr jedoch Mitte April, die nächste Mitte Mai, dann Anfang Juni. 
Dauer 5 — 6 Tage, Erbrechen. 3 Tage waren zur Erholung außerdem nötig. Dann 
Pause von 6 Wochen. Dann Krise mit Erbrechen und Schmerzen, welche 5 Tage 
dauerte. Während es in Meran nicht zu einer Krise kam, traten trotzdem Bücken- 
reizungen auf. Patient hatte eine hochgradige Überempfindlichkeit in der ganzen 
Rückenhaut, jedes Hemd oder Kleidungsstück belästigt ihn erheblich, damit ist 



Zentrale nervöse ^Erkrankungen. 227 

5liivä/ch.e verbunden, so daß er unfähig ist, bei Tische eine Mahlzeit einzunehmen. 
tcbxie ist gering, indessen hat er ein großes Bedürfnis nach Buhe und ist arbeits- 
of cbhig. X>armkrisen sind in den letzten 6 Monaten nicht aufgetreten. Innere 
►rgane o. B. Kein Gürtelgefühl. Lanzinierende Schmerzen unregelmäßig. Am 
^-eisten belästigt den Patienten die Überempfindlichkeit der Haut, jede Berührung, 
^tzel i^ird als heftiger Schmerz empfunden. Da er seine Bxu'eautätigkeit nicht 
nelir ausführen kann, werden ihm nur Schriftstücke zur Unterschrift vorgelegt, 
üe er iedoch nur im Liegen leisten kann. Schlaf ist wegen der Hauth3rperalgesie 
3rlieblich gestört, Appetit schlecht, Urindrang wird nicht empfunden und nur 
z^weinaal gewohnheitsmäßig die Blase entleert. 
^Ehrste Sitzung am 12. Juli 09. 

Am 14. berichtet Patient, daß er nach der Sitzung keinerlei unangenehme 
Hautenapfindung mehr gehabt hätte. Abends trat wieder eine leichte Empfind- 
lichkeit des Rückens ein. Jedoch wurde leichte Berührung und Kitzel nicht mehr 
schmerzhaft empfunden. Der Schlaf war mäßig, indessen fühlte er sich frisch 
wie seit 6 Monaten nicht. Er nahm an den Unterhaltungen bei Tische teil, inter- 
essierte sich lebhaft, nahm häusliche schriftliche Arbeiten wieder auf, die er im 
Sitzen erledigen konnte. Appetit hob sich plötzlich, und der Urin geht nicht 
mehr wie bisher zweimal am Tage ab, sondern wird in häufigen Quantitäten ent- 
leert. Bis zum 8. September fühlte er sich dauernd wohl. Am 8. trat ein leichter 
Anfall von Übelkeit auf. Es wurden beim Essen einige Bissen wieder herausge- 
bracht ohne Würgen, jedoch kam der Anfall nicht zur völligen Ausbildung unter 
24 Stimden durchgeführter Müchdiät. Schmerzen traten nicht auf. Am 13. stellt 
sich Patient wieder vor bei vollkommen gutem Allgemeinbefinden. Zunge nicht 
belegt. Gewichtszunahme 4 Pfund. Patient hatte den Tag vorher viel gearbeitet, 
war etwa 1^2 Stunde Wagen gefahren und hatte weiße Bohnen und Speck gegessen, 
ohne die geringsten Beschwerden darnach zu haben. Außerdem hat er sich einen 
Schnupfen geholt. Er hat keine lanzinierenden Schmerzen gehabt, trotzdem er 
sonst bei Erkältungen besonders darunter zu leiden hatte. Die Behandlung wurde 
intermittierend bis Anfang 1912 durchgeführt. In mehrmonatlichen Pausen 
traten rudimentäre Anfälle auf, die in wenigen Stunden unter leichter Übelkeit 
ohne Erbrechen abüefen. Die lanzinierenden Schmerzen sind verschwunden. 
Gewichtszunahme 18 Pfund. Allgemeinbefinden vorzüglich. Patient ist voll 
arbeitsfähig. Dieser Zustand ist ohne weitere Behandlung bis Februar 1913 (letzter 
Bericht) anhaltend gewesen. 

In Tabesfällen, in denen die Hochfrequenzströme sich als wirk- 
sam erweisen, geschieht dies meistens wie mit einem Schlage von der 
ersten Sitzung an. Daß es dabei aber auch auf die Methodik im wesent- 
lichen ankommt, geht z.B. aus folgendem Fall hervor: 

H. W., 9. August 09. Infektion vor 25 Jahren, Rückenschmerzen seit zehn 
Jahren, keine Magenkrisen. Lanzinierende Schmerzen nur in der linken Skapular- 
gegend. Gürtelgefühl angedeutet. Urin oft schwer zu entleeren. Keine Inkon- 
tinenz, Augen gut, starke Miosis, Gehen im Dunklen etwas unsicher. Seit den 
letzten 4 Jahren niemals schmerzfrei. Schlaf schlecht. 

Am 9. Vin. Behandlung mit der D'Arsonvalschen Dusche. 

Bericht am 10.: keine Veränderung, Schmerzen im Rücken neben der 
Skapula genau wie früher und ebenso andauernd. Daher Diathermieapplikation 
lokal 

Am 11. Vin.: Nach der Diathermiesitzung deutlich weniger Schmerzen. 
Den ganzen gestrigen Tag und <3ie Nacht vollständig schmerzfrei. Am Morgen, 
wo die Schmerzen sonst am stärksten sind, nur sehr geringe Schmerzen. 

Im weiteren Verlauf besserte sich das Leiden wesenthch. 

In anderen Fällen ist erst eine gewisse Quantität von Hoch- 
frequenzströmen notwendig, um deutliche therapeutische Wirkungen 
zu erzielen. In wochenlanger regelmäßiger Behandlung bessern sich 
ganz allmählich die Beschwerden, eine nach der anderen, und erst in 
Monaten erzielt man lange Besserungsperioden. Vielfach tritt auch eine 

15* 



228 Klinisohe Anwendung der Diathermie. 

recht ausgesprochene Wirkung erst nact Abschluß der Behandlung, 
wenn der Beiz der Applikationen selbst fortfällt, ein. Stets muß man 
sich aber gegenwärtig halten, daß die Hochfrequenztherapie keine 
ätiologische ist, und ich habe den Eindruck in den letzten Jahren 
gewonnen, daß die Kombination von Hochfrequenztherapie mit Neosal- 
varsan oder besser Silbersalvarsan in einschleichender Methode die besten 
Endresultate ergibt, soweit man bei einem so schleichenden Leiden in 
wemgen Jahren von definitiven ßesultaten sprechen kann. 

Die günstige Beeinflussimg tabischer Magenkrisen durch Hoch- 
frequenzströme veranlaßte mich, einige Versuche bei Hyperemesis 
gravidarum anzustellen. Ich habe in einem derartigen Falle, bei dem 
dauerndes Erbrechen mit erheblicher Prostration im dritten Monat 
bestand, unmittelbar nach der ersten Sitzung Sistieren dieses quälenden 
Zustandes gesehen. Die Behandlung wurde in 9 Wochen 4 mal durch- 
geführt. 

Frau W., 24 Jahre. Im 3. Monat gravide. Seit 4 Wochen heftiges Erbrechen 
jeden Tag, so daß sie fast unfähig ist, irgendwelche Nahrung bei sich zu behalten. 
Auch nüchtern hat sie Brechanfälle von ca. einer Viertelstunde Dauer, sobald sie 
sich aufrichtet; bringt jedoch nur Schleim heraus. 

Am 6. Oktober 09: Einmalige Hochfrequenzbestrahlung. 

Danach Besserung, die bis zum 20. November anhält. 

Am 25. November: 2. Sitzung. 

Bis zum 28. November kein Erbrechen gehabt. 

Am 1. Dezember: 3. Sitzung. 

Am 12. Dezember: 4. Sitzimg. 

Im ganzen 4 Sitzungen, kein ä-brechen mehr, nur noch ab und zu ein leichtes 
Gefühl, daß ihr das Wasser im Munde zusammenläuft, sonst vollkommen be- 
schwerdefrei. Appetit gut, verträgt alles, nur nichts Saures. Danach angeblich 
Kopfschmerzen. 

Stellt sich am 19. Januar wieder vor, kein Erbrechen mehr gehabt. 

Am 2. Mai wurde sie von einem gesunden Knaben entbunden, den sie selbst 
nährte. 

In einem anderen Falle ist nach zweimaliger Behandlung eine 
Besserung nicht eingetreten. Ich erwähne diese beiden Fälle, da ich 
kein genügendes klinisches Material habe, um die Frage weiter zu 
prüfen, imd vielleicht dadurch zu diesbezüglichen Untersuchungen 
anregen kann. 

Es liegt natürlich nahe, das Verfahren auch bei der Seekrankheit 
zu prüfen. Indessen sind Hochfrequenzapparate auf transatlantischen 
Dampfern bisher nicht üblich gewesen. Ich hatte vor dem Weltkriege 
Gelegenheit, einen Kollegen, der diesen Versuch als Schiffsarzt vorzu- 
nehmen bereit war, in die Methodik einzuarbeiten, habe aber über die 
Resultate bisher nichts erfahren können. 

Ich habe auf Seite 95 beschrieben, daß es möglich ist, erhebliche 
Tiefendurchwärmimgen des Gehirns zu erzielen. Die physiologischen 
Wirkungen der Temperaturerhöhung des Gehirns sind ja vom Fieber her 
zur Genüge bekannt. Daß so hohe Temperatursteigerungen, wie sie in 
dem Leichenversuch erzielt wurden, einen enorm gefährlichen Eingriff 
darstellen würden, ist ja unzweifelhaft. Ich habe auch wiederholt darauf 
hingewiesen, daß bei verschiedenen Erkrankungen schon minimale 
kaum nachweisbare Temperatursteigerungen zur Erzielung therapeu- 



Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik. 229 

Bch.er Sffekte deutlicher Art ausreichend sein können. Es ist also 
einesive^ notwendig, zur Behandlung des nervösen Zentralorgans 
> starke Ströme anzuwenden, daß Zerstörungen der Eintrittsstelle 
es Stromes in der Haut und meßbare Temperaturerhöhungen im 
Seliim auftreten. Der Vergleich mit dem Fieber liegt zwar nahe; 
ndessen decken sich ja überhaupt beide Arten der Temperatiir- 
^rhöh-ungen keineswegs. Denn beim Fieber haben wir Steigerung 
etuf toxischem Wege oder durch Beschleunigung und Erhöhung des 
Zerfalls und somit außer der Wärmewirkung noch andere Komponenten, 
welche die Erscheinungen und die Gefahren des Fiebers bedingen. Bei 
der diathermischen Darchwärmung des Gehirns unterliegt dieses jedoch 
der Einwirkung der reinen von außen eingeführten, gänzüch indifferenten 
und lediglich als Wärme in die Erscheinung tretenden elektrischen 
Energie. Hierbei brauchen wir keineswegs sämtliche Erscheinungen 
zu erwarten, welche wir vom Fieber her kennen. So werden die toxischen 
Symptome, die Sympto.me des übermäßigen Eiweißzerfalls und des 
inneren gesteigerten Energieverbrauchs, fortfallen. Wir werden somit 
zunächst die Wirkungen der reinen Temperaturerhöhung der Gehim- 
substanz, sodann die sekundären Wirkungen der arteriellen Hyperämie, 
der vermehrten Lymphzirkulation, der Stimulierung des Zellchemismus, 
der Tonisierung, mithin der erhöhten Vitalität und Funktionsfähigkeit, 
gänzlich losgelöst vom primären, erhöhten Stoffverbrauch, also ohne 
Erschöpfung der normalen Zellenenergie, sehen. Es wäre dringend 
wünschenswert, daß die Psychiatrie, die zurzeit immer noch eine fast 
rein expektative Tendenz in bezug auf die Therapie befolgt, sich dieser 
Methode, welche zum ersten Male eine direkte Einwirkung eines nicht 
toxischen physikalischen Agens ermöglicht, in ausgedehntem Maße 
bediente. Es würde zweifellos die Lösung einer Reihe physiologischer 
Fragen, auch unter Zuhilfenahme der koagulierenden Wirkung der 
Diathermie im Tierexperiment zwecks Ausschaltung von Gehim- 
partien, vielleicht auch die Erzielung therapeutischer Resultate möglich 
sein. Ich habe kein eigentlich psychiatrisches Material bisher zur Ver- 
fügung gehabt, indessen habe ich doch eine Reihe von Fällen leichter 
Psychosen, Melancholie, Neurasthenie behandelt und dabei recht 
bemerkenswerte therapeutische Resultate erzielt. 

8. Kapitel. 

Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik. 

Bei der Besprechung der nervösen Leiden will ich gleich die pruri- 
ginösen Affektionen der Haut erwähnen. Der Prurigo Hebrae, 
d. h. diejenige schwere Affektion, welche, in den ersten Jahren der Kind- 
heit be^nnend, die von ihr befallenen Individuen häufig bis über die 
Pubertät hinaus, mitunter ihr ganzes Leben lang, aufs intensivste 
peinigt, ist in ihrer Ätiologie nicht aufgeklärt. Manche therapeutischen 
Methoden, z. B. Licht-, Röntgenbestrahlung, Salbenbehandlung, Pin- 
selungen, Dampfapphkationen usw., helfen vorübergehend, verwtgen 
aber nach einigen Malen, so daß die Patienten schheßlich jede neue 



230 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Methode versuchen. Die diathermische Behandlung des intensiven 
Juckreizes, der zumeist am ganzen Körper besteht, hat sich mir in Form 
der Kondensatorapplikation in manchen Fällen vorzügh'ch bewährt. 
Es ist m'cht selten, daß Patienten nach der ersten Sitzung argeben, 
daß sie seit Monaten zum erstenmal eine Nacht durchgeschlafen hätten. 
Mitimter erzielt man auf einige Wochen hinaus gute Resultate nach 
einigen Sitzungen, in anderen Fällen aber ist die Besserung kurzdauernd. 
Sie hält nur wenige Stunden an, imd bald nach Aufhören der Behand- 
lung kehren die Juckanfällß in alter Weise wieder. Nur die sekun- 
dären Erscheinungen des Ekzems pflegen sich längere Zeit zu bessern. 
Manche Patienten, denen die Methode hilft, lernen sie sehr bald selbst 
ausführen und behandeln sich selbst damit. Es ist also geraten, in jedem 
Falle einen Versuch hiermit zu machen. In einem Teile der Fälle wird 
man den Patienten wenigstens vorübergehend zu helfen in der Lage sein. 

Wesentlich günstiger steht es in den Fällen von Pruritus der 
Anal- und Genitalsphäre. Es genügt zumeist nicht, die äußere Haut 
dieser Grebiete der Behandlung- zu unterwerfen, wenngleich auch hier- 
mit (Methode der Kondensatorelektroden) vorübergehende Erfolge 
erzielt werden. Schnelle Dauererfolge erreicht man oft durch Appli- 
kation sowohl auf der äußeren Haut wie durch Einführung in den Anus 
und die Vagina. SelbstverständL'ch sind Ekzeme, Hämorrhoiden, 
Diabetes, Zervikalkatarrh und sonstige ursächliche xmd auslösende 
Momente einer Spezialbehandlung zu unterwerfen. In schweren Fällen, 
wo die Kondensatorbehandlung mitunter versagt, leistet die Duschen- 
behandlung Gutes, und in den Fällen, in denen Neigimg zu Rezidiven 
besteht, wird man mit der Methodik wechseln und vor allem Röntgen- 
bestrahlung anwenden. 

Im übrigen bietet die Dermatologie wem'g Indikationen für die 
Diathermiebehandlung. Hautneuralgien, Parästhesien erfordern eben- 
falls die Kondensatorbehandlung, und die kosmetischen Applikationen 
finden weiter unten ihre Besprechung. Lupus und tuberkulöse Er- 
krankungen der Haut werden im 5. Kapitel zusammenfassend ab- 
gehandelt. 

In der Ohrenheilkunde scheint die Diathermie in den Kreisen der 
Spezialärzte noch keinen festen Fuß gefaßt zu haben; wenigstens sind 
mir keine größeren oder zusammenfassenden Arbeiten darüber bisher 
bekannt geworden. 

Technisch ist sowohl das äußere, wie mittlere und innere Ohr 
der diathermischen Behandlung in mannigfacher Weise zugänglich. 
Die Ohrmuschel kann in einfacher Weise dm-ch Auflegen einer flachen 
passenden Elektrode mit feuchter Zwischenlage gegen eine größere in- 
differente Elektrode auf dem anderen Ohr resp. der anderen Wange unter 
leichtem Andrücken an die Schädel wand genügend durchwärmt werden. 

Der Gehörgang ist mittels einer passenden stabförmigen Metall- 
elektrode der Behandlung zugängUch; es ist dabei zweckmäßig, die 
Gehörgang wände durch vorheriges Einlegen eines mit Glyzerin-Wasser 
durchtränkten Tampons zu benetzen und die Elektrode selbst vor der 
Einführung ins Ohr in die gleiche Lösung zu tauchen, resp. nach dem 



Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik." 231 

oxrgctnge von Ger lach mit verschieden dicken Wildlederumwickltingen, 
L^ mit konzentrierter Kochsalzlösung gründlich durchfeuchtet sind, 
IX ^versehen. Allerdings ist bei dieser Methode ein gleichmäßiges An- 
^^gen des Stabes an alle Teile des äußeren Gehörganges nicht angängig 
v^eigen der verschiedenen Lichtung und Krümmimg des Kanals. Ein 
iolclies AnUegen ist auch nicht erforderhch, da diese AppUkation nur 
\cLZTi dient, um das Mittelohr der diathermischen Behandlung zu unter- 
worfen. Ger lach hat zur Fixierung des Elektrodenstäbchens eine 
tHaltevorrichtung angegeben (vgl. Münch. med. Wochenschr. 1913, 
T^r. 45). Die von Mendel (Dtsche. med. Wochenschr. 1914, Nr. 1) 
>>efürchtete Funken- oder Büschelentladung bei nicht komplettem 
Anliegen der Elektrode tritt bei genügender Durchfeuchtung des Ge- 
liLÖrgangs imd nicht übermäßig großer Stromstärke (bis 300 MA) nicht 
a»\if. Die weitere von Mendel vorgeschlagene Methode, den Gehör- 
gang bis an das Trommelfell mit nasser Watte zu tamponieren, er- 
«clieint nach dem auf Seite 108 Gesagten nicht unbedenklich wegen der 
Erhitzung der Watte. 

Mit irgendeiner der genannten Methoden ist es möglich, die Tempe 
ratur der Paukenhöhle diathermisch zu erhöhen. Therapeutische Er- 
wärmungen um 1°C wurden von Gerlach am Lebenden gemessen. 
Ich ziehe zur Erwärmung der Paukenhöhle, die von mir schon 
in der 1. Auflage dieses Lehrbuches (1913) beschriebene Anlegung 
einer etwa halbmond- oder bohnenförmigen kleinen Blechelektrode 
dicht hinter dem Ohr auf den Warzenfortsatz gegen eine größere in- 
differente Elektrode auf der entgegengesetzten Wange vor, welche 
letztere der Patient selbst hält. Mäßige Stromstärke (200—300 MA), 
5 — ^15 Minuten lang, führt zu kräftiger Erwärmung der Paukenhöhle. 
Ich iiabe an der Leiche Versuche angestellt, indem ich ein Thermo- 
meter durch den Gehörgang in die Paukenhöhle einführte. Diathermie- 
rung in der eben beschriebenen Form, allerdings mit stärkerer Dosip, 
ließ das Thermometer in 1 Minute um 5° steigen. 

Mit der gleichen Methode läßt sich auch das innere Ohr diathermisch 
erwärmen. Man muß daher bei der Behandlung der Paukenhöhle 
stets auf Nystagmus, Schwindel usw. achten; denn bei der Kleinheit 
des ganzen Gehörapparates ist ein Weitergreifen der Erwärmung auf 
das Labyrinth beim diathermischen Eingriff sclu^er zu vermeiden. 
Allerdings gehören zur Hervorrufung von Labyrintherscheinungen 
lange, kräftige Durchwärmungen, wie sie zur Therapie der Pauken- 
höhle nicht benötigt werden. 

Für besonders intensive Erwärmungen käme noch die Applikation 
einer etwa talergroßen Flächenelektrode oder der in Abb. 38h gezeigten 
Elektrode hinter dem Gaumensegel auf die seitliche Rachenwand 
(Tubengegend) in Frage an Stelle der indifferenten Wangenelektrode. 
Die therapeutischen Resultate waren bei chronischen Mittelohr- 
katarfhen seröser Natur recht günstige. Das scheint auch aus den 
Arbeiten von Mendel (1. c.) und Gerlach hervorzugehen. Auch bei 
Mittelohrexsudaten habe ich recht günstige Residtate gesehen. Die 
Fälle, die ich in Behandlung nahm, waren stets solche, die schon zum 



232 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Teil monatelang ohrenärztliche Behandlung erfahren hatten und ohne 
jede Besserung stationär blieben. Es trat fast stets nach der ersten Sitzung 
eine leichte Vergrößerung des Exsudats ein, das aber mitunter schon 
nach 3, im längsten Fall nach 10 Sitzungen resorbiert war. In einem 
Fall war ein sehr zähes Exsudat nach 4 Sitzungen verflüssigt imd resor- 
biert worden. 

Auch die Wirkung auf Narben bedarf noch einer ohrspezialistischen 
Bearbeitung. Ich habe in einem Fall von vollkommener Adhäsion 
des Tronmielf ells an die Paukenhöhlenwand, welches mit der Luftpumpe 
sich als völlig unbeweglich erwies, durch Diathermiebehandlung Los- 
lösung und deutliche Beweglichkeit erzielt, allerdings ohne Besserung 
des Hörvermögens. 

Bei der Behandlung der Otosklerose habe ich von der Durchwär- 
mung des Ohres keine Erfolge gesehen. Jedoch hat sich mir hier eine 
andere AppL'kationsart in vielen Fällen nützUch erwiesen. Wenn man 
die in Abb. 34c als erste abgebildete Kondensatoretektrode in den Ge- 
hörgang einführt imd die Stromstärke so wählt, daß ein leichtes Auf- 
leuchten der Elektrode ^und deutliches Summen entsteht, so kann man 
mehrere Minuten die Wände des Gehörganges und das Trommelfell 
der Wirkung der Kondensatorentladungen aussetzen, ohne daß ein zu 
starkes Hitzegefühl entsteht. Ich habe nun in einigen Fällen von 
Ohrsklerose zweifellose Besserungen der Hörfähigkeit, in einer größeren 
Zahl von Fällen teils vorübergehende, teils definitive Beseitigung der 
subjektiven Ohrgeräusche beobachtet. Inwieweit es sich in all diesen 
Fällen um Beeinflussung einer nervösen Komponente des Grundleidens 
oder um eine wirkliche Beeinflussung der Otosklerose handelt, muß 
erst durch zahlreiche spezialistische Beobachtungen geklärt werden. 
Unter meinen Fällen waren mehrere mir von Spezialisten zugewiesene 
Fälle sicher arteriosklerotischer Natur, bei denen einwandfreie Besse- 
rungen auftraten, während manche Fälle rein nervöser Geräusche nicht 
gebessert wurden. Im allgemeinen habe ich den Eindruck, daß die 
Fälle, die sich bessern, sowohl was Hörfähigkeit als auch Schwinden 
subjektiver Geräusche anbelangt, in 6 — 10 Sitzungen längstens den 
Beginn eines Erfolges zeigen; ist nach 10 Sitzimgen keine Besserung 
eingetreten, so pflege ich die Behandlung als aussichtslos abzubrechen. 
Außer der Konde^satorbehandlimg des Gehörganges dehne ich die 
gleiche Applikation auf die Ohrmuschel und besonders den Warzenfort- 
satz aus, woselbst die Stromstärke erheblich gesteigert werden kann 
(bis zur Grenze der Schmerzhaftigkeit), weil manche Patienten angeben, 
daß ihnen gerade die Behandlung am Warzenfortsatz besondere Erleich- 
terung verursache. 

Auch der Juckreiz im Gehörgang und im Innern der Ohrmuschel 
reagiert besonders günstig auf diese Kondensatorbehandlung, und zwar 
hierbei mit schwacher Dosierung. Komplizierendes Ekzem imd Gehör- 
gangsfurunkulose erfordert jedoch Röntgenbehandlung. 

Bei Erfrierungen der Ohrmuschel hat sich die Plattendurchwärmung 
von außen, kombiniert mit Quarzlampenbestrahlung, als eine ausge- 
zeichnet wirksame Behandlungsmethode erwiesen. 



Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik. 233 

Bei eitrigen Affektionen ist die Diathermiebehandlung wie stets 

:orLt>iraindiziert, außer bei chronisch eitrigen Brozessen, bei denen Ab- 

lixßmöglichkeit vorhanden ist. 

Xiupus resp. Tuberkulose des äußeren Ohres und des Gehörganges 

is-b ©ine strikte Indikation der chirurgischen Diathermie. Ich verweise 

cüesl^eztiglich auf das in dem betreffenden Kapitel (S, 277ff.) Gesagte, 

Es wäre dringend erwünscht, wenn die Diathermie in der Ohren- 

lieilkiinde endlich Gegenstand einer eingehenden spezialistischen khni- 

Bclieii Bearbeitung würde. 

Bezüglich der Anwendimg der Diathermie auf dem Gebiete der 

O ph-thalmologie liegen bereits eine Reihe von Erfahrungen vor. So 

hsLbe ich im Jahre 1908 ein Sarkom, welches die Sklera an der temporalen 

Seite vorwölbte, diathermisch zerstört unter Erhaltung des Augapfels. 

Tonometrische Versuche am Kaninchenauge gaben wechselnde 

IResxdtate. Im allgemeinen konnte ich eine Erhöhimg des intraokularen 

Druckes konstatieren. 

Tele mann (Deutsche Medizinische Wochenschrift 1911) konnte fast alle 
Organe, auch die Augen, von Versuchstieren bei intakter Haut ohne Schaden 
weit über 40° erwärmen. 

Krückmann (37. Versammlung der ophthalmologischen Gesellschaft zu 
Heidelberg, 1911) wandte die Diathermie bei rheumatischen Erkrankungen des 
Auges an und erzielte gute Resultate. 

Lahn (Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 1912, S. 371) konnte 
am enukleierten Schweinsauge den Glaskörper bei 39 — 40** ohne Schädigung der 
Kornea erwärmen. Er konstatierte am lebenden Kaninchenauge beliebige Regulier- 
barkeit des zu erreichenden Temperaturgrades. Wiederholte Erwärmung des Kon- 
junktivalsackes auf 42° Wärme wurde ohne jede Schädigung des Auges vertragen. 
Erwärmung auf 45° machte entzündliche Schwellung der lider, diffuse 
Trübung der Kornea. (Kleinzellige Infiltrationen.) Die tieferen Teile des Auges 
blieben unverändert. 

Bei gleicher Erwärmungstemperatur des Konjunktivalsackes war die Glas- 
körpererwärmung bei Diathermie größer als bei Umschlägen. Es erwärmte sich 
auch die Orbita. 

Während es beim Menschen mit Umschlägen nur gelingt, den Konjunk- 
tivalsack um 1,6° gegenüber der Norm zu erwärmen, gelingt es leicht, mittels 
der Diathermie eine Erwärmung auf 40 — 42° zu erzielen. 

Sattler (Ophthalmologische Versammlung 1912, Heidelberg) gelang es, 
schmerzlos mit Diathermie eine starke Hyperämie der Ziliai^efäße sowie Eiweiß- 
und Antikörpervermehrung des Kammerwassers zu erzielen. 

Claussnitzer (Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde, Juni 1912) 
fand einen auöallenden Einfluß der Diathermierung auf den intraokularen Druck. 
Die vorübergehende Erhöhung durch Diathermie bei entzündlichen Prozessen 
fehlt häufig bei entzündungsfreien Zuständen. Bei solchen beobachtete er eher 
eine Verminderung des Drucke«, ebenso wie in allen normalen Fällen. Er be- 
handelte chronische Iridozyklitiden und Iritiden sowie tiefe Keratitiden im 
entziindlichen Stadium. Mit einer Ausnahme fand er Steigerung bis zum doppel- 
ten Druck gegenüber vorher, z. B. bei einer tuberkulösen Erkrankung des Uveal- 
trakts. Ich zitiere eine seiner Beobachtungen: Vor der Behandlung fand er an 4 
Tagen einen Druck von 13 Va bis 18 mm. Bei der diathermischen Erwärmung des 
Konjunktivalsackes um 4,9° stieg der Druck ohne unangenehme Sensationen von 

18 bis 33 
18 „ 28 
16,5 „ 26 

Bei derselben Patientin ergab die Diathermie am gesunden Auge keine Druck- 

steigenmg. 



234 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Bezüglich des Glaukoms yerfügt er noch nicht über genügende Beob- 
achtungen. Als Nebenerscheinung beobachtet er nach Diathermierung Erweite- 
rung und Entrundung der Pupille mit trägerer Reaktion als vorher, gelegentlich 
geringe Pupillendifferenz, femer vermehrte Injektion des Bulbus auf einige Zeit, 
Hyperämie der Iris, deren Farbe mehr grün und gelblich wird. 

Bei Diathermierung eines mit Steigerung intraokularen Druckes reagierenden 
Auges ergab die Beobachtung unmittelbar danach 18 — ^28 mm Druck, eine Stunde 
später 25—27, 2 Stunden sjÄter 22, 3 Stunden später 17,5, nach 4 Stunden 16,5, 
nach weiteren drei Stunden (also nach 7 Stunden) 19,5, am nächsten Morgen 
15 mm. 

Ich selbst habe nicht viel Gelegenheit gehabt, die Diathermie am 
Auge zu verwenden. Abgesehen von Teleangiektasien an den lidem, 
Xanthelasma (S. 243f.), Epitheliomen, Lupus der Lider und der Kon- 
junktiva, wobei die chirurgische Diathermie zur Anwendung kam, habe 
ich mit der medizinischen (also nicht koaguUerenden) Diathermie vor-, 
wiegend Orbital, Ciliarneuralgieen, Ticconvulsiv und douloureux mit 
gutem Erfolg behandelt. Überraschend waren die Resultate, die ich 
in sechs Fällen von Ulcus serpens corneae erzielte. Ich führe zwei Fälle 

kurz an: 

Pat. J. Leidet seit ca. 6 Monaten an Hornhautentzündung. Am 10. 1. 18 
Rezidiv: Lidränder und Bindehaut gerötet, starke Lichtscheu. Reichliche Ab- 
sonderung. Hornhaut beiderseits entzündet: Rechts mehrere kleine, links ein 
stecknadelkopfgroßer Entzündungsherd. Ins beiderseits reizlos. 

19. 1. Geringe Besserung objektiv und subjektiv. Einleitung der Diathermie- 
behandlung am 22. 1. 

24. 1. Nur noch geringes Brennen und Tränen der Augen; Lichtscheu ge- 
bessert. 26. 1. lider und Bindehaut ein wenig gerötet; geringe Absonderung. 
Entzündungsherde der Hornhaut beiderseits gereinigt. 30. 1. weiter gebessert. 
5. IL lidränder und Bindehaut noch inamer etwas gerötet. 6. TL. gebessert ; morgens 
noch etwas Tränen. 11. ü. Tränen fast geschwunden, keine Beschwerden mehr. 
15. n. Augen reizlos. Bis 23. ü. beobachtet. Geheilt entlassen. 

Pat. B. Seit 4. VIII. 17 Keratitis links (bereits 1913 vier Monate lang Horn- 
hautgeschwüre gehabt). links mäßige pericomeale Injektion, zahlreiche JEpithel- 
defekte in der Mitte der Kornea. Iris reizlos. Nach vorübergehender geringer 
Besserung treten dauernd neue Reizperioden auf, so daß am 15. IX. Diathermie- 
behandlung nach ermeuter Reizung am 14. IX. eingeleitet wurde. Zwei Sitzungen 
am 15. IX. und 19. IX. Seitdem beschwerdefrei. Beobachtet bis 25. IX. Geheilt 
entlassen. 

In gleich schneller und günstiger Weise verliefen die anderen Fälle, 
so daß ich die Diathermiebehandlung des Ulcus serpens als Methode 
der Wahl bezeichnen muß. Denn sie beseitigt schnell uad sicher die 
subjektiven Erscheinungen und bringt das Ulcus in kürzester Zeit 
definitiv zur Abheilung. Die Behandlung findet durch das geschlossene 
Lid hindurch mit einer konkav gebogenen kleinen Elektrode und feuchter 
Gazezwischenlage gegen eine indifferente Nackenelektrode statt. Dauer 
3—5 Minuten, Dosis 200—300 MA. Wiederholung tägUch. 

Eine in bezug auf Genauigkeit und Universalität ausgezeichnete 
Broschüre über die Diathermie des Auges ist 1919 vonLeonhard Koe p pe^) 
erschienen, welche die gesamte bis dahin erschienene Literatur berück- 
sichtigt imd durch eine große Anzahl eigener exakt durchgeführter 
Versuche am Tier und Menschen reiches Material liefert. Die Schrift 



^) Koeppe, Die Diathermie- und Lichtbehandlung des Auges, Verlag 
F. C.[W. Vogel, Leipzig 1919. 



j 



Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik. 235 

für jeden, der sich mit Augentherapie beschäftigt, unentbehrlich, 
ich verweise bezüglich näherer Details auf sie. Nach Koeppe 
3x^iien wir den augenblicklichen Stand der Augendiathermie etwa in 
►Inendem kurz zusammenfassend präzisieren: 

X>ie kritische Homhauttemperatur, welche nicht überschritten werden 
beträgt 44—45® C (Anm.). Kontraindiziert ist die Diathermie für 
septischen Formen der Homhautgeschwüre und des Hypopions, 
Iritis, Iridocyclitis, der Hintergrunds- und Glaskörpererkrankungen 
[^^v^or allem nach perforierenden Verletzungen). — Femer die purulent- 
Lx^fektiösen Entzündungsformen des Orbitalgewebes außerhalb des 
]B-ulbiis sowie die Panophthalmie. — Bei Glaukom, außer bei ange- 
deuteter Drucksteigerung, bei plastischer Iritis. — Bei Basedow. — 
^Bei septischen und furunkulösen Entzündungen der Augenumgebung. — 
'Rei Sensibilitätsstörungen an Lidern und Hornhaut. 

Diesen Kontraindikationen von Koeppe möchten wir noch die 
t/iiberkulösen AHektionen sämtlicher Augenabschnitte zufügen, soweit 
sie nicht durch diathermische Koagulation radikal zu beseitigen sind und 
in demselben Sinne alle Tumoren. 

Demgegenüber steht eine große Eeihe von Affektionen, bei denen 
die Diathermiebehandlung indiziert ist. Zuvor einige Worte über die 
Technik der Anwendung, die Strom verlauf slinien und die physiologischen 
Wirkimgen der Diathermie. 

Die für die Augenbehandlung nötigen Diathermieapparate müssen 
nicht sehr große Energiemengen liefern: 200—300 MA sind für die 
meisten Zwecke ausreichend. Sie müssen aber andererseits für sehr 
geringe Leistungen einstellbar sein. Es können demnach auch kräftige 
Diathermieapparate verwandt werden, wofern sie nur dieser letzteren 
Bedingung genügen. 

Als Elektroden kommen zunächst einfache Plattenelektroden in 
Frage, die für die vorderen Augenpartien als leichtkonkav gebogene, 
markstückgroße biegsame Platte mit dünner Gazezwischenlage gegen 
eine größere, indifferente Nackenelektrode angewandt wird. Mit dieser 
Elekä*ode kommt man für alle Zwecke aus; nur muß man gelegentlich 
den Strom unterbrechen, die Zwischenlage verschiedentlich mit kaltem 
Wasser oder Kochsalzlösung durchfeuchten imd so die Lidhaut imd 
Kornea kühlen, um eine stärkere Tiefenwirkung nach Augapfel und 
Kornea hin zu erzielen. Für tiefere Bulbusabschnitte und retrobulbäre 
Behandlung ersetzt man zweckmäßig die sagittale Behandlung durch 
transversale von den Schläfen aus. Will man auf beide Augen gleich- 
zeitig wirken, so wählt man beide Schläfenelektroden gleich groß, 
etwa von Talergröße (4 cm Durchmesser), sonst setzt man an der einen 
Schläfe einer talergroßen eine größere an der anderen Schläfe resp. 



Anmerkung. Es ist hierbei zu bemerken, daß Temperaturmessungen 
mittels Quecksilberthermometers an stromdurchflossenen Gewebsteilen ungenau 
sind, da das Thermometer als Kondensatorelektrode wirkt und sich stärker 
erhitzt als der Gewebstemperatur entspricht, mithin falsche Werte gibt. Maß- 
gebend sind vielmehr nur Messungen mit der thermoelektrisohen Nadel, solange 
Diathermie das Gewebe durchfließt. 



236 KlinjAihe Anwendung der Diathermie. 

Wange gegenüber. Es ist zweckmäßig, die indifferente Elektrode auf 
dem Nacken oder der Schläfe durch eine Binde zu fixieren, damit man 
nur die differente auf dem Auge zu halten braucht. Bei nicht erwünschter' 
tieferer Wirkung kann man auch die indifferente Elektrode als Hand- 
elektrode oder Bückenelektrode, auf welcher der Patient hegt, appli- 
zieren. Zu beachten iet, daß die different« Elektrode durch' ihre Biegung 
der Bulbusform angepaßt sein muß, damit nicht durch eine dicke, 
elastische Zwischenlage die Adaptation ermöglicht werden muß. Denn 
dicke Zwischenlagen sind durchaus bei allen Diathermieapplikationeii 
zu vermeiden, dasie großen Widerstand besitzen, sich stark erhitzen und zu 



Abb. 9U. Abb. 91b. 

Verbrennungen Anlaß geben können. Gegen Verwendung gar keiner 
Zwischenlage ist die schwierige Anpassung und das leicht auftretende 
Kribbeln einzuwenden, da man die Elektrode meist nicht sehr stark 
andrücken darf. Es hat sich am besten bei geeigneter Biegung die Ver- 
wendung dünner gut nasser Gazezwischenlagen bewährt. 

Eine ganz gute Konstruktion stellt die Quirl nscbe Augenelektrode 
dar, welche aus der Abb.Sla, b verständlich ist; nur hat sie den Fehler, 
daß die Wattekissen, wie vorstehend geschildert, leicht wärmespeichernd 
wirken. 

Eine weitere Augenelektrode ist von Bucky angegeben worden. 
Es ist die gewöhnhche für Galvanisation, Faradisation bekannte Becher- 
elektrode aus Glas für Füllung mit Flüssigkeit als Kontaktmaterial; 
nur ist ein Thermometer eingefügt, um die Temperatur der Flüssigkeit 
zu kontroUieren. Der freie Glasrand der Becherelektrode wird mit 



Haut-, Ohren-, Aogenleideii; Koemetik. 237 

>»^lixie eingefettet und das Gefäß nach Aufsetzen auf das Auge, 
•s^llsst es vom Patienten selbst in Lage erbalten wird, ndt Kocbaalz- 
^^vxii^S gefüllt. Diese Elektrode ermogUcbt die Diatbermieanwendung 
1 geöffneten Udem direkt auf die Kornea, wofür Krückmann 
cve TCocbsalzkonzentration von 12,5 % als gleichen elektrischen Wider- 
ebi3.<l wie die Kornea bietend empfiehlt. 

31>ie Applikation von Kondensatorelektroden am Auge ist ebenfalls 

^a.t.'t.liaft. Man verwendet entweder die üblichen Formen, wie sie Abb. 32c 

a.rstellt, oder eine spezielle Kondensatoraugenelektrode (Abb. 32f, g). 

Für chirurgische Zwecke eignet sich vollkommen ausreichend das 

n Abb. 36k gezeigte Besteck. 

Die ErwärmungsmögUchkeit des Bulbus resp. seiner Abschnitte 
st noch nicht völlig geklart. Der hohe Widerstand der Sklera, die ver- 
^ohiedene Vaskularisation und Gewebsait der einzelnen Teile des Auges, 
aeiner Hüllen, seiner Einbettung und der Knochenwand haben Anlaß 
ÄU zahlreichen Kontroversen und Experimenten gegeben, um diese 
Frage aufzuhellen, ohne daß eine Einigung erzielt worden wäre. — Ich 
glaube, daß jede physikalisch exakte Lösung hier, wie so oft, an der 
iCompÜziertheit des physiologischen Objekts scheitert. Praktisch liegen 
tlie Verhältnisse ja viel einfacher. Eine Vermeidung der Lidhaut er- 
scheint mir unnötig; durch sie hindurch und unter Auswechselung und 
Kühlung der Zwischenlage gelingt eine ausreichende Durchwärmung 
des Bulbus. Man erinnere sich nur der allgemeinen Begel: Für groQe 
Xiefenwirkung — langsame allmähliche Diathermierung ; für ober- 
flächliche Durchwärmung größere Stromstärke, kurze AppUkation. 
Nur in den Fällen, in denen gar kein Druck auf den Bulbus vertragen 
wird oder zulässig ist, empfiehlt sich die Anwendung der Buckyschen 
Elektrode; indessen war ich bisher nie in dieser Notlage. Eventuell 
hilft man sich mit etwas Kokain. 

Wenn auch durch die schlecht leitende Sklera der Eintritt der 
Diathermie in den Bulbus wirkhch erheblich erschwert sein sollte, so 
kann man auch diese Schwierigkeit in einfacher Weise beheben, indem 
man als differente Elektrode eine möghchst kleine Form wählt, die 
unterhalb des Durchmessers des Augenäquators liegt. Aber es unterUegt 
ear kdnem Zweifel, daß auch bei größerer Elektrode, welche die vordere 
Öffnung der Orbita annähernd ausfüllt, eine genügende Durchwärmung 
des Bulbus erzielbar ist. Für therapeutische Zwecke kommt es ja, wie 
wiederholt betont, gar nicht auf die Erzielung absolut hoher Qewebs- 
temperaturen an. Für weitaus die meisten Zwecke genügen ganz geringe 
Teraperaturerhöhimgen*) Auch bezüghch des Austritts der Dia- 
themiieströme aus der Orbita nach dem Schädel hin, hegen die Ver- 
hältnisse keineswegs so, daß die Ströme gerade durch die Fissuren reep. 
Foramlna hindurchgehen ; sondern sie durchdringen zweifellos auch den 
Knochen. Dies ist deshalb wichtig, weil man aus dem Zusammen- 
di^gen der Stromlinien an diesen Stellen auf die Wirkung resp. Unwirk- 

') Waa die Erwärmiu^mögliohkeit des Bulbus durch die Sklera hinduroh 
ia Gestalt einer Kondensatorwirkung anbetrifft, so ist daran zu erinnern, daß 
die gwrae phyäolc^ische Wirkung ja in dieeer Weise aufzufassen ist (S. 51). 



238 KliniBche Anwendung der Diathermie. 

samkeit der Diathermie auf die einzelnen Abschnitte der Augenhöhien- 
inhaltsschichten geschlossen hat. Es liegen vielmehr die Verhältnisse so, 
daß bei sagittaler Bichtmig der Diathermieapplikation eine theoretisch 
zwar ungleichmäßige, praktisch aber genügende Durchwäxmung des 
Bulbus und der gesamten Augenhöhle erzielt werden kann, und zwar 
ohne komplizierte Elektroden^). Bei temporaler Durchwärmung liegen 
die Verhältnisse ungünstiger, weil die Entfernung des Bulbus von der 
Haut hierbei wesentlich größer ist als bei der Durchstrahlung vom lad 
aus, wobei die Elektrode gewissermaßen direkt dem Bulbus aufliegt. 
Indessen können wir von beiden Methoden unmittelbar hintereinander 
oder mehrmals abwechselnd Gebrauch machen, um so eine erhöhteTiefen- 
wirkimg nach Art des Kreuzfeuers (S. 61, 246) zu erzielen. Bei der 
abwechselnden Applikation haben wir den Vorteil, daß die oberfläch- 
lichen Gewebsschichten sich in den Zwischenpausen immer wieder ab- 
kühlen, während die tiefen Abschnitte die Wärme länger festhalten. — 

Was die klinischen Resultate und Indikationen betrifft, so ist zu- 
nächst die Beobachtung des intraokularen Druckes von großer Be- 
deutung. Versuche am Menschen- sowie am Kaninchenauge ergaben 
mir wechselnde Resultate, im allgemeinen jedoch eine leichte Erhöhung 
des tonometrischen Wertes (Sjötzsches Tonometer). Hiermit stimmen 
die Beobachtimgen von Qurin, z. T. auch die von Clausnitzer überein. 
Damit ist aber keineswegs entschieden, daß die Anwendung der Diather- 
mie bei bestehender Druckerhöhung durchaus kontraindiziert ist. Viel- 
mehr kann auch hier der dekongestionierende Einfluß der Diathermie 
in die Erscheinung treten. Nur fehlt diesbezüghch noch die genaue 
Indikationsstellung von augenspezialistischer Seite. 

Bezüglich der einzelnen Indikationen und Resultate verweise ich 
auf die erwähnte Koeppesche Monographie. Ich möchte nur die 
wichtigeren augentherapeutischen Indikationen hervorheben. Für Neur- 
algien verweise ich auf das über Neuralgien im allgemeinen (S. 186ff.) 
Gesagte. Lidödem bessert sich schnell infolge besserer Durchströmung 
und Zirkulation. Für Warzen, Naevi, kleine Tumoren, Epilation 
schlechtstehender ZiHen, Teleangiektasien, Xanthelasma, Epitheliome, 
Lupus kommt die Diathermie hier genau wie an anderen Körperstellen 
(s. d.) in Betracht. Von Konjimktivitiden eignen sich besonders die 
gichtischen, rheumatischen und gonorrhöischen Formen. Bei letzterer 
Affektion verschwindet die Chemose schon wenige Stunden nach der 
Behandlung imd ebenso schnell die Gonokokken. Voraussetzung für 
den Erfolg ist Erreichung hoher Temperatur, 42° C. Gute Erfolge 
werden auch bei Frühjahrskatarrh und Trachom berichtet sowie bei 
Episkleritis ; desgleichen bei Keratitis und Skleritis. Die Keratitis paren- 
chymatosa eignet sich besser für Röntgentherapie. Blutungen in die 
verschiedenen Augengewebe werden unter Diathermiebehandlung weit- 
aus schneller resorbiert als sonst; nur darf man nicht unmittelbar nach 
dem Auftreten diathermieren, sondern muß 3—4 Tage abwarten, wegen 
der Gefahr der Nachblutung. 

^) Nur empfiehlt es sich »die differente Elektrode möglichst hoch an den 
Supraorbitalrand zu drängen, weil die Nackenelektrode den Strom nach unten zieht. 



Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik. 239 

Ebenso günstig sind die Resultate bei Iritis, Iridocyclitis und ent- 
i-XicUicher KÄmmerwassertrübung. Nicht geeignet sind auch hier die 
lu^i^ischen und tuberkulösen Formen, für welche die Röntgentherapie 
:x^l3eii der spezifischen) in Frage kommt. — Gute Erfolge werden bei 
risclieren und älteren Glaskörpertrübungen sowie bei über 8 Tage zurück- 
L^genden Glaskörperblutungen berichtet. Besonders geeignet sind die 
r*älle mit noch feinen Fibrinausscheidungen. Die fortgeschrittenen 
Braille mit massiven Ausschwitzungen sind bedeutend refraktärer gegen 
^ie Diathermie. 

Kontraindiziert hierbei wie bei allen Augendiatherniien sind die 
^äile, die zu Hintergrundsblutungen neigen, besonders also Fälle mit 
^periphlebitischen Prozessen. Dagegen sind Kontusionsblutungen (z B. 
Kriegsverletzung) eine besondere Domäne der Diathermiebehandlung, 
allerdings nicht die ganz frischen Fälle. Dies gilt auch für retrobulbäre 
(und überhaupt) Orbitalblutungen, die imter Diathermiebehandlung 
sich rasch resorbieren. (Mindestens 4 Tage warten wegen Nachblutungs- 
gefahr!) Aber auch hier geben nur die Fälle ohne stärkere Glaskörper- 
destruktion wirklich gute Resultate. Bei der Retinitis albuminurica bietet 
die Behandlung der Nieren die besten Aussichten. — Bd Neuritis optica, 
Stauungspapille und EmboKe der Zentralarteiie erscheint ein Versuch 
mit der Augendiathermie gelegentlich Erfolg versprechend. Bei Atrophie 
des Nervus opticus sind Besserungen der Sehschärfe und Erweiterung 
des Gesichtsfeldes berichtet worden. Bezüghch der Augenmuskel- 
lahmungen sind keine großen Hoffnungen auf die Diathermie zu 
setzen. 

Die kos metische n Applikationen der Diathermie lassen sich unter 
zwei Gesichtspunkte gruppieren: Ein Teil der Anwendung basiert auf 
der stimulierenden, nutritiven und erweichenden Wirkung der Dia- 
thermie, der andere auf der koagulierenden. Alles, was die kosmetische 
Massage bezweckt, ;ist eine Hyperämisienmg und infolgedessen bessere 
Ernährung der Gewebe sowie mechanische Fortschaffung von Sekreten 
und Stoffwechselprodukten. In viel höherem Maße genügt die Dia- 
thermie dieser Fordenmg, indem sie den Hautgebilden fremde Energie 
von außen als vitale Energie zuführt, indem sie eine bessere Vasku- 
larisierung imd eine Erhöhung des Stoffwechsels herbeiführt. So sehen 
wir die Turgeszenz der Haut sich bessern und hierdurch Runzeln ver- 
schwinden, atrophische, hyperkeratotische Gebiete sich normaHsieren. 
Die Hyperkeratose ist durchaus nicht stets ein Ausdruck der Hyper- 
funktion des Hautorgans; vielmehr sehen wir gerade bei Ernährungs- 
störungen infolge mangelhafter Zirkulation kolossale Homhautmassen 
mit Rhagadenbildung auftreten. Blasse Haut mit schlechter Kapillar- 
zirkulation vaskularisiert sich ^»esser, ebenso wie man zyanotische 
Partien sich dekongestionieren und normale Färbung annehmen sieht. 
Selbst Ödematose Schwellungen der Gesichtshaut (z. B. Säcke unter den 
Augenlidern) sieht man durch lokale Behandlung verschwinden. 

Die tiefgehende Durchwärmung führt zu einer Verflüssigung 
stagnierender Sekrete der Talgdrüsen, so daß eine Entleerung der Aus- 
fühningsgänge unter ihrer Einwirkung erfolgt. • 



240 Klinische Anwendung der Diathermie. 

. Diese Wirkungen sind relativ geringfügig und unwichtig. Aber die 
Verwendbarkeit der Diathermie in der Kosmetik eröffnet ihr doch 
ein großes Gebiet und erhöht ihren Wert. Man kann im allgemeinen 
sagen, daß überall, wo die Elektrolyse imd die Galvanokaustik ein 
Anwendungsgebiet finden, die Diathermie schneller, sicherer, schmerz- 
loser und besser dosierbar wirkt. Wenn man mittels der Elektrolyse 
imd einer Stromstärke von 1—2 Milliampere, die meist äußerst schmerz- 
haft empfunden wird, eine Minute gebraucht, um ein Haar zu epilieren, 
so erreicht man mittels der Diathermie in der Stromstärke von wenigen 
Milliampere in einer Sekunde dasselbe Resultat. Man kann bequem in 
einer Sitzung 200 Haare epilieren. Die Schmerzen sind hierbei wesent- 
lich geringer als bei der Elektrolyse. Allerdings besteht hierbei dieselbe 
Schwierigkeit bezüglich des Erreichens des Haarbulbus. Denn je nach 
seiner anatomischen Verlaufsart wird es nicht immer gelingen, den Bulbus 
mit der Nadelspitze zu erreichen, zumal wenn er stark gewunden ist 
oder in der Tiefe in anderer Richtung verläuft als auf der Oberfläche. 
Man muß also auch bei der diathermischen Epilation mit ca. 10 % 
Rezidiven rechnen. Nur ist die Behandlungsdauer für jedes einzelne 
Haar so viel kürzer als mittels der Elektrolyse, daß der Endeffekt sich 
doch wesentlich günstiger gestaltet. 

Ich bediene mich zur Epilation in üblicher Weise eines feinen, nicht 
zugespitzten, 1 cm von seinem Ende stumpfwinklig nach imten umge- 
bogenen Platiniridiumdrahtes, der möglichst in der Richtung des Wurzel- 
kanals in den Haarbalg eingeführt wird. Der Diathermieapparat wird 
auf schwächste Leistimg eingestellt. Der ganze primäre Widerstand 
bleibt eingeschaltet. Der zur Koppelung der sekundären mit der pri- 
mären Spule dienende Hebel wird auf gestellt. Eine Handelektrode 
wird an der Polklemme befestigt, die Epilationsnadel an der Pol- 
klemme 1 imd, zur Epilation im Gesicht, die Handelektrode vom 
Patienten in eine Hand genommen. Ist die Epilationsnadel eingeführt, 
so genügt das SchKeßen des Stromes für die Dauer einer Sekunde mittels 
des Fußschalters nebst sofortigem Wiederausschalten, um bei richtiger 
Einführung der Nadel den Haarbalg zu zerstören. Mit einer bereit- 
gehaltenen Pinzette entfernt man das nunmehr lose dem leichten 
Zug folgende Haar. Hat man die Richtung nicht gut getroffen, ist der 
Haarbalg gekrümmt, oder hat man die Nadel zu tief oder nicht tief 
genug eingestochen, so wird das Haar nicht gelockert, und man muß die 
Prozedur später wiederholen. Manche Diathermieapparate können nicht 
ohne weiteres auf so schwache Ströme eingestellt werden, daß die Epila- 
tion in kosmetisch einwandfreier Weise gelingt, vielmehr tritt selbst 
bei kürzest möghcher Einschaltimg nicht nur eine Spitzenwirkung am 
Ende der Epilationsnadel, sondern auch eine Wirkung um den ganzen 
in der Haut befindhchen Schaft herum ein, und man sieht sofort Koa- 
gulationsbildung, eventuell mit leichter Funkenbildung, auftreten. In 
diesem Falle muß man sich damit helfen, daß man z. B. einen Wasser- 
widerstand noch einschaltet und so den Gesamtwiderstand vergrößert, 
bzw. die Stromstärke verringert. Indessen ist die diathermische Epi- 
lation durch die heutzutage sichere und ungefährhche Anwendung der 



Haut-» Ohrmi-, Augeol^en; Kosmetik., 241 

stark gefilterten Röntgentiefentherapie völlig in den Hintergrund 
gedrängt« 

Dieselbe Nadel läßt sich auch zur Beseitigung von Akne ver- 
wenden, indem man sie in das Zentrum der Pustel oder des Knötchens 
einsenkt und nun eine etwas kräftigere Diathermierung vornimmt. Dieses 
Verfahren kommt jedoch nur für chronische imd häufig an derselben 
Stelle rezidivierende Ejiötchen und Pusteln in Frage, da ja die Akne im 
allgenieinen durch Röntgenbestrahlung (und Salbenbehandlung) in 
genügender Weise zur Heilung geführt werden kann. Das Sieme nssche 
Elektrodenetui enthält auch eine von mir angegebene Nadel, welche 
für die gleichen Zwecke Verwendung finden kann. Diese Nadel ist bis 
dicht an die Spitze durch Emaillelack isoliert, so daß nur am äußersten 
Ende eine Diathermiewirkung aiif tritt. Allerdings schützt der Lack 
nur bei sehr geringen Stromstärken und Spannungen. Bei größerer 
Belastung wirkt auch der isolierte Schaft der Nadel aktiv. Die Nadel 
ist für Epilation in den meisten Fällen zu dick, eignet sich jedoch gut 
für die Aknebehandlung sowie besonders zur Beseitigung von Warzen 
und Teleangiektasien; sie gestattet, in die Haut eingeführt, gewisser- 
maßen eine subkutane Koagulierung. 

Die Beseitigung von Warzen geschieht stets ohne Lokalanästhesie, 
da die Koagulation der Epithelwucherung vollkommen schmerzlos ist, 
und nur, wenn die Erwärmimg so weit geht, daß die Warze selbst von den 
unterliegenden Schichten durch eine seröse Exsudation abgehoben wird, 
tritt ein leichtes Brennen auf, welches jedoch selbst Eander ohne weiteres 
ertragen. Ich habe wiederholt bis 30 Warzen und mehr in einer Sitzimg 
beseitigt. Bei der Behandlung der Warzen treten meist minimale Fünk- 
chenentladungen auf, welche unbeabsichtigt sind, aber die Diather- 
miewirkung nur wenig beeinträchtigen. Man kann sie vermeiden, 
indem man die Elektrode so weit in die Warze hineinsteckt, daß sie 
die sukkulenteren Grundschichten erreicht. Allerdings ist die Appli- 
kation dann schmerzhafter. Unter der Diathermieeinwirkung werden 
die meist bräunlich aussehenden Warzen gelblich oder weißlich wie 
Kreide oder Mörtel. Hat man sie in ihrer ganzen Ausdehnung koaguliert, 
was man daran erkennt, daß sie beim Einstechen der Nadel und im Ver- 
such, die Warze mit der Nadel zu verschieben, auf ihrer ganzen Grund- 
fläche beweglich geworden ist, so kann man nunmehr mit einer spitzen 
Schere die Grenzlinien rings herum inzidieren und die koagulierten ge- 
wucherten Epithelschichten, welche infolge der Verbrennung zweiten 
Grades durch die erwähnte seröse Exsudation von der Unterlage ab- 
gehoben sind, ohne Blutimg abtragen. Treten punktförmige Blutungen 
an einigen Stellen auf, oder haften die Warzen dort tiefer, so muß man 
diese Stellen noch einmal koagulieren, was ebenfalls meist etwas schmerz- 
haft ist, weil sonst Rezidive auftreten können. Bei den kleinen multiplen 
weichen Warzen ist die Abtragung nicht nötig. Man erlangt sehr bald 
die nötige Übung, um die gewünschte Tiefenwirkung und die genügende 
Koagulation zu taxieren, und überläßt die Warzen bzw. die Schorfe 
der spontanen Abstoßung. 

Li gleicher Weise werden kleine Papillome, Fibrome, Athe- 

Nagel Schmidt, Diathermie. 2. Aufl. i6 



242 Klinische Anwendung der Diathermia 

ro me , Z ysten exstirpiert, wobei man darauf zu achten hat, daß man die 
Tiefenwirkimg so bemißt, daß die nach Abstoßung der Nekrose ent- 
stehende Narbe möglichst in das Hautniveau zu liegen kommt. Keines- 
faUs darf es vorkommen, wie mir das berichtet worden ist, daß die 
diathermische Entfernung einer Warze zur Entstehimg eines Ulcus ge- 
führt hat, welches mehrere Wochen zur Heilung brauchte und mit ein- 
gezogener tiefer Narbe abheilte. Es gehört eben hierzu eine gewisse 
Erfahrung, und etwas mehr Vorsicht ist angebracht, selbst auf die 
Gefahr hin, den Eingriff nach 14 Tagen wegen nicht genügender Beseitigung 
des Hautgebildes wiederholen zu müssen. 

Für die Beseitigimg von Teleangiektasien, kleinen sternförmigen 
Nävi, auch von kleineren flächenförmigen Nävi leistet die IHathennie 
Vorzügliches. Bei ebenfalls schwächster Einstellung des Apparates 
setzt man die stumpfe emailüerte Nadelelektrode auf das zu koagulie- 
rende kleine erweiterte Gefäß auf, ohne sie einzustechen, jedoch mit 
einem gewissen Druck. Kürzeste, momentane Einschaltung genügt, 
um die bekannten oberflächHchen Teleangiektasien bei chronischer 
Akne auf der Nase (Residuen einer Röntgendermatitis usw.) zu beseitigen. 
Man wiederholt den Eingriff, indem man Koagulationspunkt neben 
Koagulationspunkt im Verlauf der zu zerstörenden Gefäße anbringt, 
jedoch Yä ^^^ Zwischenraum jedesmal läßt, damit die Schorfe nicht 
konfluieren und zu stark werden. Bei sternförmigen Nävi, wie sie unter- 
halb des Auges auf dem Jochbein häufig sind, kann man den zentralen 
Teleangiektasieknopf durch eine Applikation von etwa einer Sekimde 
Dauer zumeist momentan durch einen einzigen Eingriff beseitigen. 
Indessen ist es doch oft notwendig, auch die kleinen, von ihnen ausstrah- 
lenden Gefäße wenigstens je durch einen einzigen Koagulationspunkt 
zum Verschluß zu bringen, da sie später doch diese Behandlung er- 
fordern, wenn sie auch meist im Moment der Diathermierung des 
zentralen Punktes sofort unsichtbar geworden sind. Für diffuse Nävi 
ist die Radiumbehandlung von kosmetisch besserem Erfolg, schmerz- 
los, indessen erfordert sie sehr lange Zeit, imd so kommt auch gelegent- 
lich, besonders für sehr große Fälle, die .kosmetische Diathermie- 
behandlung in Frage. Man koaguliert auch hier Punkt für Punkt neben- 
einander, ähnlich wie bei der Elektrolyse, nur daß man die Nadel nicht 
einsticht, daß die einzelne Applikation nur eine Sekunde dauert, und daß 
sie viel weniger schmerzhaft ist als bei der Galvanolyse. Gelegentlich 
kann es auch zweckmäßig sein, die Nadel mehr oder weniger tief ein- 
zustechen, je nach der Tiefenlage des Nävus. Es ist jedoch hierbei 
Vorsicht am Platze, weil bei der Koagulation tieferer Hautschichten 
Keloidbildung auftreten kann; indessen ist man, um gründliche Zer- 
störung der Nävi zu erzielen, gelegentlich gezwimgen, tiefe Gewebs- 
schichten mit zu koagulieren. Es ist dann häufig zweckmäßig, nicht 
die ganze Fläche gleichmäßig zu zerstören, sondern Zwischenräume 
zwischen den einzelnen kleinen Koagulationszyhndem zu lassen. Man 
vermeidet hierdurch Narbenverziehungen. Im übrigen ist hierbei das 
auf S. 284 f. Gesagte beztigüch der Nachbehandlung zu beachten, da 
hierdurch die Bildung weicher Narben gewährleistet T^ird. — Man kann 



Haut-, Ohren-, Augenleiden; Kosmetik. 243 

Lcli auch der bekannten mit zahlreichen Nadeln besetzten elektrolytischen 
Hektrode bedienen. Für pigmentierte Nävi kommt die diather- 
oisclie Koagulation viel eher in Frage als das Radium, weil hierbei die 
Vixkimg des letzteren unsicher ist imd meist lange Applikationen 
!>rf ordert. Kleine Nävi überläßt man ohne jegliche Nachbehandliüig 
1er spofitanen Abstoßimg und gibt den Patienten nur auf, daß sie den 
üxiix bildenden Schorf nicht abkratzen und beim Waschen vorsichtig 
sind. Größere Nävi (Angiome) müssen ähnlich wie die Lupusnach- 
behandlving mit Salbenverbänden versorgt werden (siehe Abb. 104, 105). 
Die Radiumbehandlung bietet für die Nävusbehandlung gewisse Nach- 
teile. Sie ist langwierig, die aneinandergrenzenden Reaktionsfelder 
sind schwer exakt anzupassen, und die Tiefenwirkung ist schwierig zu 
taxieren, besonders bei größeren Nävi die verschiedene Färbung auf- 
'weisen und verschieden tief greifen. Infolgedessen treten mitunter als 
ISndresultat der Badiumbehandlung zu weiße Stellen (Narben) auf, die 
ebenso kosmetisch stören wie der Nävus selbst. Ich beschränke daher 
in den letzten Jahren die Radiumbehandlung nur auf diejenigen Stellen, 
die für die Diathermie besonders schmerzhaft sind (Rändet der Augen- 
lider, Nasenspitze usw.) und behandle die Nävi im übrigen vorwiegend 
mit der Diathermienadel in Kombination mit Doramad^) und Quarz- 
lampenbehandlimg. Die diathermische Behandlung ist zwar bei großen 
Flächennävi ziemlich schmerzhaft und langwierig, gestattet aber eine 
allmählich in die Tiefe fortschreitende vorsichtige Koagulation, welche 
bei genügender Sorgfalt kosmetisch vorzüghche Narben liefert und 
bei allmählichem Fortschreiten der Behandlung in die Tiefe (mehrere 
Sitzimgen mit 3— 8 wöchentlichen Pausen) jede gewünschte Tiefen- 
wirkung und mithin auch Farbennuance zu erzielen gestattet. Be- 
sonders vorteilhaft ist die leichte Anpassimgsmöglichkeit an jede noch 
so bizarre Grenzlinie (einzelne Spritzer). 

Ich verfahre im allgemeinen so, daß ich kleine und mittlere Nävi 
mit der diathermischen Nadel in einer Sitzung koaguHere und eventuell 
nach 2—4 Wochen noch einmal nachputze; größere Nävi werden mit 
Quarzbestrahlung und Doramad vorbehandelt und dann in gleicher 
Weise diathermiert. Angiome werden sofort diathermisch koaguliert. 
Hierbei spielt die Lokalisation und das Alter des Patienten keine Rolle. 
Auch bei kleinen Eondem habe ich ohne nachteihge Folgen selbst 
über den Fontanellen große Kavemome in Narkose in einer Sitzung 
rezidivfrei beseitigt. 

Eine sehr wichtige Indikation in der Kosmetik bildet das Xanthe- 
lasma. Diese äußerst entstellende, fast nur an den Augenüdem vor- 
kommende Affektion war bisher zumeist das Gebiet chirurgischer Exzi- 
sion. Ich habe mit der Diathermie eine Reihe von Xanthelasma- 
f allen in gleicher Weise wie die Warzen durch einmaliges oberflächHches 
Koagulieren mittels der Nadelelektrode mit kosmetisch ausgezeich- 
neter, nur bei allernächster Betrachtimg erkennbarer Narbe abheilen 
sehen. Man muß nur die Patienten darauf aufmerksam machen, daß 



1) Nagelfiohmidt, Deutsche Med. Woch. 1916, Nr. 7. 

16* 



244 Klinische Anwendung der Diathennie. 

naoh dem Eingriff sich meist ein Odem des Augenlides einstellt. Nach- 
schmerz tritt nicht auf. Die minimalen Xanthelasmaschorfe stoßen 
sich in 10 bis 14 Tagen ab, und die zimächst etwas rosig gefärbte Basis 
macht bald einer normalen Hautfärbimg Platz, so daß man eigentlich 
von einer Narbenbildung kaum sprechen kann. Es ist jedoch nötig, das 
Xanthelasma gründlich zu beseitigen, d. h. ein klein wenig tiber den 
erkennbaren Rand hinaus, weil sonst Rezidive auftreten. "Es ist genügend 
zerstört, wenn die gelbe Farbe verschwunden ist und einer weißgrauen 
Platz gemacht hat. Die notwendige Stromstärke ist minimal. 

Die Behandlung der Furunkulose mittels Diathennie ist außer- 
ordentlich schwierig. Im allgemeinen habe ich mit kombinierter Be- 
handlimg durch Röntgenstrahlen \md Aphlogol stets genügende Re- 
sultate erzielt. Mitunter jedoch ist diese stets einige Wochen dauernde 
Behiemdlung nicht durchführbar, und sehr häufig an bestimmten Stellen 
rezidivierende Furunkel lassen mitimter eine schneller wirkende Be- 
handlung wünschenswert erscheinen. Wenn man bei einem hochgradig 
entzündeten, sehr schmerzhaften Furunkel, der bereits einen nekrotischen 
Schorf zeigt, die diathermierende Nadel in die Nekrose hineinsenkt, 
nachdem man durch Aufpinseln von Aphlogol eine leichte Anästhesie 
erzeugt hat, und nun die Nekrose koaguhert, so kann man, bei richtiger 
Bemessimg der Stromstärke \md der Dauer der Applikation, auch 
der Tiefe des Nadeleinstiches, den Furunkel im Moment zum Ablauf 
bringen; trifft man nämHch die AppUkationsdosis so, daß das ganze 
nekrotische Gebiet koaguliert wird, so ist damit der Furunkel sterilisiert, 
die entzündlichen Erscheinimgen schwinden im Laufe von wenigen 
Stunden, Patient ist meist sofort schmerzfrei, und die zentrale Nekrose 
resorbiert sich. Trifft man aber die Dosis nicht richtig, d. h. tritt keine 
komplette Koagulation imd Sterilisierung ein, so tritt exzes£ßive Schmerz- 
haftigkeit im Laufe der nächsten Stunden auf, die Entzündung nimmt 
zu, und der Ablauf des Furunkels wird nicht verkürzt. Da es nun reiner 
Zufall ist, ob man die richtige Dosis trifft oder nicht, habe ich von dieser 
Applikation Abstand genommen. Immerhin ist sie noch erhebHch besser 
als die Inzisionsmethode, die ja bekanntlich den Ablauf der Furunkulose 
verlängert und in den entstehenden Narben häufig zu Rezidiven führt. 

B. Chirurgische Diathermie. 

1. Kapitel. 

Allgemeine Technik. 

Die chirurgische Anwe ndu ng der Diathermie beruht auf der 
Steigerung der lokalen Gewebstemperatur zum Grade der Zerstörung des 
Gewebes. Die Temperatur, bis zu welcher wir ein Gewebe erwärmen 
können, hängt einerseits von der zugeführten elektrischen Energie imd 
seinem spezifischen Widerstände, andererseits von der dauernd statt- 
findenden Abkühlung durch Leitung und Zirkulation ab. Bei den inten- 
siveren Applikationsweisen spielt die Abkühlimg durch Leitimg oder 
durch Strahlung eine relativ geringe Rolle. Wohl aber ist die Wirkung 



Allgemeine Technik. 245 

IBl\atzirkulation hierbei zu berücksichtigen. Da die Gewebe zumeist 

<5lem Einfluß dieser Zirkulation stehen (abgesehen von einigen 

5li.t> ^vaskularisierten Geweben) und durch den Reiz der Diathermie 

\e sofortige Hyperämie einsetzt, bildet im lebenden Gewebe die Blut- 

''l^xilation einen in der Tat in Rechnung zu setzenden Faktor. Wir 

^niieii daher nicht ohne weiteres die Resultate von Versuchen an aus- 

^sotinittenem Fleisch oder an Leichnamen auf die Anwendung in der 

iiiiruirgie übertragen. Zur Erzielung chirurgischer Effekte, d. h. zur 

'ierö'fccirung von Geweben müssen wir also so intensive Ströme ver- 

venclen, daß die Stromdichte pro qcm oder pro qmm Elektrode eine so 

\olie "wird, daß die Zirkulation, welche wie eine kühlende Wasserleitimg 

wirk:!/ , nicht schnell genug die gebildete Wärme wegführen kann und 

^omit> sich das Gewebe bis zum Grade der Eiweißgerinnung und darüber 

tainsLus erhitzt. 

Aus diesem Grunde sind kräftige, leistuBgsfähige Diathermieappa- 

rebte für die Chirurgie unentbehrlich. 3 —-4 Ampere bei einer Spannung 

von 200 Volt an den Klemmen müssen zur Verfügung stehen. Diese 

Stromstärken reichen für alle Applikationen aus und werden zumeist 

nicht einmal ausgenutzt. Größere Stromstärken sind überflüssig und 

gefahrlich. 

Wir können zwecks diathermischer Gewebszerstörung zwei Methoden 
anwenden. Die eine beruht darauf, daß wir das zu zerstörende Gewebe 
zischen zwei gleich große Elektroden fassen und nun die Stromzu- 
führung so regulieren, daß sich ein Koagulationszylinder zwischen den 
"beiden Elektroden bildet. Rufen wir uns das Schema, welches auf S. 60 
abgebildet ist, ins Gedächtnis zurück, so erinnern- wir ims, daß eine 
solche Koagulatiönsmöglicbkeit von Elektrode zu Elektrode schon im 
nicht in der Zirkulation befindlichen Fleischstück praktisch nur bei 
relativ wenigen Zentimetern Dicke möglich ist. Ich habe auf Seite 59 
ausgeführt, daß trotz des eminent richtenden Einflusses der einen Elek- 
trode auf die andere bezüglich des Stromverlaufs doch eine gewisse 
Streuung oder Divergenz der Stromlinien bei einiger Entfernung von 
der Elektrode im Gewebe stattfindet. An gewöhnlichen Fleischstücken 
ißt diese Streuung eine so erhebliche, daß sie sich schon bei einer Ge- 
websdicke von 5 cm deutlich erkennbar macht. Nämlich in 2—3 cm 
Entfernung von jeder Elektrode verjüngt sich das Koagulationsprisma 
ein wenig. Wir erinnern uns aber auch, daß die Stromstärke hierbei von 
Einfluß ist. Wählen wir nämlich die Stromdichte, d. h. also die Strom- 
stärke pro qcm Elektrode, sehr stark, so tritt eine so schnelle Gerinnung 
an den Elektroden bzw. unter den Elektroden, ein, daß das in der Nähe 
der Elektroden befindliche Gewebe außerordentlich intensiv koaguliert 
und sehr schnell verkohlt. Wenn es verkohlt ist, ist es für die Hoch- 
frequenzströme nicht mehr leitend, und es treten die oben beschriebenen 
Fimkenentladungen, welche die diathermische Erwärmung erheblich ab- 
schwächen, ja sie sogar ganz aufheben können, ein. Wir müssen dann 
wegen der oberflächlichen Verbrennung die Applikation unterbrechen. 
So kann es kommen, daß wir oberflächlich das Fleischstück koaguliert 
haben und in der Tiefe eine kaum merkbare Erwärmung finden. Wenn 



246 Klinische Anwendung det DiAthemijp, 

wir d^egen ein gleiches Fleischatück mittels derselben Elektroden, 
z. B. von 2 cm Durchmesser, mit einer wesentlich geringeren Strom- 
stärke, etwa von einem Ampere, diathennieren, so findet die Erwärmung 
in viel gleichmäßigerer Weise durch die ganze die Hektroden trennende 
Schicht hindurch statt, und es kommt zur Ausbildung eines ann&bemd 
gleichmäßigen Koagulationszjlinders. Aber auch hier tritt die Kopu- 
lation in der Tiefe erst erheblich später ein als an der Oberfläche. Wir 
sind nur in der Lage, die Diathermie wesentlich länger fortzusetzen, 
weil die direkt unter der Elektrode befindliche früher zur Koagulation 
kommende Schicht sich nicht so schnell karbonisiert, daß eine Tiefen- 
Jeitung der elektrischen Wellen unmi^ch wird, mithin tatsächlich die 
Diathermie so lange stattfinden kann, daß auch die tieferen Schichten 
genügend erwärmt werden, um zur Koagulation gebracht zu werden. 
Wenn also theoretisch die Tiefendurchwännung mittels der Diathermie 
eine überall gleichmäßige und gleichzeitige 
sein soll, abgesehen von den Unterschieden, 
die auf den verschiedenen Widerständen 
verschiedener Gewebe beruhen (sieheS.SÖ), 
so ist doch praktisch die Erwärmung unter- 
halb der Elektroden stets eine intensivere 
als in weiterer Entfernung von diesen, d, h, 
praktisch müssen wir doch mit der Streuung 
rechnen. Wenden wir aber den Kunst- 
griff an, daß wir die Stromdichte so weit 
abschwächen, daß sie gerade noch ge- 
nügend koaguliert, d. h. die Abkühlung 
Abb. 92. Kreuzweise Durch- durch Leitung, Strahlung und durch die 
Btoahlung ein» ^öfleren Tn- Zirkulation übertrifft, so bekommen wir 
mors zweokfl Koagulation in 8 , . , „, „-■ ■ t,~ , •„•■•■•■, n 

verechiedenen Riebtungen gleichmäßige Wu-kungen. FftrdenFaU, daß 
nacheinander. wir größere Tumoren durch und durch 

koE^^eren wollen, kommen wir nun im 
allgemeinen mit Stromstärken bzw. Stromdichten, wie sie für die chi- 
rurgische Applikation üblich sind, mit einem einmaUgen Eingriff nicht 
aus. Vielmehr müssen wir daim die auf dem Schema Seite 61 beschriebene 
kreuzweise Durchatrahlung von verschiedenen Hautstellen aus vor- 
nehmen oder eine Anzahl von koagulierten Zylindern nebeneinander 
durch den Tumor l^en imd diese dann von der anderen Seite aus kreuzen. 
(Siehe Schema 92.) Erst durch diese Kreuzung erreichen wir eine so 
intensive Durchwärmung auch der tieferen Teile, daß eine gleichmäßige 
Koagulation zustande kommt. Allerdinga beobachten wir auch hier 
meist, sobald der Tumor eine relativ größere Masse repräsentiert, 
daß die Koagulation In der Tiefe zwar eintritt, aber keinen so hohen 
Orad erreicht wie in der meist sich starker erwärmenden Haut. 

Praktisch spielt diese Differenz keine Rolle, da wir ja eine solche 
' Masse nkoagulation nur da vornehmen, wo auch die Haut mitzerstört 
werden soll oder bereits ulcerierte Haut vorliegt. 

Abgesehen von dieser technischen Schwierigkeit, größere Massen 
gleichmäßig chirurgisch zu koaguUeren, tauchen jedoch auch aus 



Allgemeine Technik. 247 

anderen Gründen Bedenken auf, eine solche Massenkoagulation klinisch 
anzuwenden. Ich will an dieser Stelle bemerken, daß Doyen in Paris, 
dem ich 1908 in Budapest die Diathermie demonstrierte, und der sie 
daraufhin einige Monate später in Paris unter dem Namen Elektro- 
koagulation einführte, unter Mißverstehen der eben geschilderten 
Verhältnisse einen chirurgischen Diathermieapparat von der Firma 
Gaif f e konstruieren ließ, der sehr große Stromstärken, 7—8 Amp., zu 
verwenden gestattete. Ich habe den Apparat in Paris gesehen und 
auch einige Experimente mit ihm angestellt. Abgesehen davon, daß 
er einen sehr erheblichen Umfang hat imd mit sehr lautem Geräusch 
arbeitet, halte ich die Verwendung von mehr als 2V2— 4 Ampere für 
chirurgische Zwecke für geradezu gefährlich: bei kleineren Aktions- 
gebieten tritt die Wirkimg bei diesen Intensitäten mit so großer Vehe- 
mei^z imd Schnelligkeit ein, daß ein sicherer Schutz nicht zu koagu- 
lierender Teile gegenüber denjenigen, welche zerstört werden sollen, 
schwer möglich ist. Ein solcher Apparat hat eigentlich nur Bedeutung 
für die Zerstörung riesenhafter Sarkome, während man auch mit wesent- 
lich schwächeren Apparaten sehr große Tumoren, allerdings in etwas 
längerer Zeit, aber in viel exakterer und subtilerer Weise, zu zerstören 
vermag. Es scheint mir, daß ein so mächtiger Apparat wohl eher in der 
Veterinärpraxis Verwendung finden sollte, wo es in vielen Fällen mehr 
auf Massenwirkung und weniger auf subtiles Arbeiten ankommt. Ich 
halte Stromstärken von 2—3 Ampere für vollkommen ausreichend und 
habe in einer großen Zahl von Operationen selbst bei sehr massigen 
Tumoren niemals das Bedürfnis nach einer größeren Stromstärke 
gehabt. Das Hauptbedenkei^, das ich jedoch gegen Verwendimg sehr 
intensiver Stronmiengen sowohl als auch überhaupt gegen die Methode 
der Massenkoagulation durch das Gewebe hindurch habe. Hegt darin, 
daß man nur in einer relativ kleinen Anzahl von Fällen ganz sicher sein 
kann, daß in der Masse, die man durch und durch koagulieren will, 
wirkHch nur zerstörenswertes Gewebe hegt. In vielen Fällen, ja in den 
meisten, wird man damit rechnen müssen, daß irgendein normal ver- 
laufendes oder verlagertes Organ (ein Nerv, ein Blutgefäß, ein Ureter, 
eine Darmschlinge), kurzum, ein zu schonender Teil eingelagert oder 
hineinverlagert sein könnte. Aus diesem Grunde wesentHch kommt die 
chirurgische Massendurchstrahlung mittels Diathermie nur für ver- 
einzelte Fälle in Betracht. 

Eine weitere Schwierigkeit bei der Verwendung der Massenkoagula- 
tion liegt darin, daß es schwer mit Sicherheit zu taxieren ist, wann in der 
Tat eine gleichmäßige Tiefenkoagulation eingetreten ist. Nim kann man 
ja von Zeit zu Zeit Inzisionen machen imd sich durch den Augenschein 
von der Tiefenwirkung überzeugen. Aber, wenn man die Inzision zu 
früh macht, bevor die Koagulation vollendet ist, so gibt man gerade den 
wesentlichen Vorteil der Koagulationsoperation auf, der, wie wir weiter 
unten sehen werden, darin liegt, daß keinerlei wegsame Blut- oder 
L3nnphbahnen eröffnet werden. Man kann sich nun hier mit den oben 
(Abb. 65) beschriebenen Thermonadeln helfen, indem man sie an ver- 
schiedenen Stellen der Strombahn in das zu koagulierende Gewebe ein- 



248 Klinische Anwendung der Diathermie. 

sticht und nun am Instrument abliest, ob der Koagulationstemperatur- 
grad bereits erreicht ist. Aber dies Verfahren ist umständlich und -wird 
kaum in der Praxis Verwendung finden, sondern wohl im wesentlichen 
für wissenschaftHche Zwecke. Es hat eigentlich praktisch nur dann 
Wert, wenn man es bei größeren, länger dauernden Operationen, bei 
denen große Strommengen zur Anwendung gelangen, in die Gewebs- 
grenze einsticht, die man schonen will, und auf diese Weise kontrolliert, 
ob die Erwärmung in die Umgebung nicht zu weit ausstrahlt und keinen 
zu hohen Grad an imerwünschter Stelle erreicht. Das kann man aber 
meist durch Abtaßten mit dem Finger genügend kontrollieren ; z. B. bei 
Vaginaloperation durch Kontrolle vom Rektum aus usw. 

Dagegen ist es oft zweckmäßig, mit größeren Stromstärken ajwei 
dicht nebeneinander befindliche kleir e, gleiche Elektroden (z. B. 3— 5 cm 
Distanz) zu verwenden und damit einen breiten Koagulationsstrich 
von etwa 1—2 cm Tiefe zu erzielen. Größere Tiefenwirkungen durch 
geschlossene Gewebe hindurch, also nicht unter Leitung des Auges, 
habe ich bisher fast stets anzuwenden vermieden. 

Dadurch, daß man relativ oberflächliche Schichten mittels relativ 
kleinerer Stromstärken, 1—3 Ampere, und zwei differenter, d. h. 
koagulierend wirkender Elektroden zerstört und diese nach erfolgter 
Koagulation entfernt, nunmehr von der neuen Oberfläche aus wieder 
in dünner Schicht weiter koaguliert und so weiter schichtweise vorgeht, 
stets unter Leitung des Auges oder auch mit dem Finger den jeweiligen 
Operationsgrund untersuchend, vermeidet man zunächst, besonders 
wenn man in der Nähe lebenswichtiger Organe arbeitet, eine unge- 
wünschte, allzu große Tiefenwirkung und ist eher in der Lage, zu er- 
kennen, ob man eine genügend tiefgehende Zerstörung vorgenommen 
hat, d. h. ob man sich an der Grenze des gesunden bzw. zu erhaltenden 
Gewebes befindet. Für weniger große Tumoren, besonders wenn sie in 
schwierigen operativen Gegenden liegen (Halsdrüsen, Nachbarschaft des 
Facialis, Darmtumoren, Blasentumoren usw.), empfiehlt es sich daher 
mehr, an einer etwas entfernteren Stelle eine indifferente Elektrode zu 
applizieren — welche selbst bei maximaler Stromstärke, die man zu ver- 
wenden beabsichtigt, höchstens eine geringgradige Erwärmung pro- 
duziert — und den Tumor oder das zu zerstörende Gewebe selbst mit 
einer kleinen, stark differenten Elektrode in Angriff zu nehmen. Bei 
diesem Verfahren hat man außerdem noch den Vorteil, daß man, je nach 
Wahl der Stromstärke, auch bei der differenten Elektrode verschiedene 
Tiefenwirkungen erzielen kann. Ein relativ stärkerer Strom wird hier 
zu einer schnellen oberflächlichen Koagulation führen und ein relativ 
schwacher Strom zu einer tiefergehenden gleichmäßigen Koagulation. 
Natürhch würde auch der stärkere Strom bei längerer Applikation 
eine tiefergehende Koagulation machen, indessen dürfte sehr bald 
die Oberfläche ihre Leitfähigkeit verlieren, und die Folge wäre Fimken- 
bildung und heftige Muskelkontraktion infolge dieser letzteren. Be- 
findet man sich in der Nähe besonders zu schonender Organe, so ver- 
wendet Inan noch kleinere Elektroden, z. B. die kugelförmige Lupus- 
elektrode oder die Nadelelektrode, und kann nun bei weitgehender 



Nachbehandlung. 249 

Beduktion der Stromstärke kleine und kleinste Koagulationsbildung 
erzeugen. Für solche subtilen Wirkungen kann man nun auch noch 
vorteilhaft die richtende Wirkung der zweiten Elektrode verwerten, 
indem man etwa bei Verwendung geringerer Stromstärke die indifferente 
Elektrode auch relativ klein wählt, z. B. 4 cm Durchmesser, und sie nun 
so aufsetzt, daß sie die Stromwirkung der differenten von dem gefährdeten 
Organ oder Organteil hinweg zu sich hinzidit. Von dieser Applikations- 
methode habe ich z. B. bei Gelegenheit einer Sarkomoperation des 
Auges Gebrauch gemacht. Es gelang, die Sklera im Gebiet der sarkoma- 
tösen Erkrankung vollständig zu koagulieren, ohne die 2 mm weiter ge- 
legene Kornea zu schädigen. Dadurch, daß die differente Elektrode auf 
die gleichseitige Schläfe aufgesetzt wurde und sich somit das Sarkom 
zwischen Kornea und Elektrode befand, wurde die wesentliche Wirkung 
der differenten Elektrode von der Kornea abgeleitet imd nach der Schläfe 
hingezogen. Hierbei ist jedoch auch die Wirkung der Wärmeleitung 
im Gewebe zu berücksichtigen, da der Kontakt des zur Koagulation 
erhitzten Gewebes die Nachbarschaft stets mit erwärmt, allerdings nur 
auf wenige Millimeter hin. 

Bei der chirurgischen Applikation ist noch weniger als bei der 
inneren Diathermie eine exakte Dosierungsregel für jeden einzelnen 
Fall zu geben. Es kommt hierbei sehr viel auf den Zustand des Gewebes 
an, z. B. koaguHert ein blutreiches, etwa tuberkulöses Gewebe anders als 
ßin Chondrom und ein sarkomatöser Knochen anders als ein Karzinom. 
Da man indessen die Koagulationswirkung, falls man nicht massenweise 
koaguliert, stets vor Augen hat und den Übergang in die Koagulation 
durch die Veränderung der Farbe erkennt, ist es verhältnismäßig leicht, 
wenn man oft mit denselben Elektroden arbeitet und stets auf die Strom- 
stärke achtet, sich über die SchneUigkeit, mit der eine Tiefenwirkung be- 
stimmten Grades erzielt wird, eine genügende Erfahrung anzuzeigen. 

2. Kapitel. 
Nachbehandlung. 

Hat man ein pathologisches Gewebe koaguHert, so kann man die 
Abstoßung des Schorfes den eliminatorischen Kräften des Organismus 
überlassen oder den Schorf entfernen und die Wundfläche nach allgemein 
chirurgischen Prinzipien versorgen. 

Ich muß nun an dieser Stelle einen Punkt hervorheben, der der 
Diathermieoperation eine gewisse Besonderheit vor der chirurgischen 
verleiht. Erzeugt man in irgendeinem Gewebe eine Koagulation, so 
tritt zwischen der Grenze des vollkommen koaguherten Gewebes und dem 
vollkommen kalt gebhebenen Gewebe eine Schicht mehr oder weniger 
intensiv diathermierten Gewebes auf, welche alle die Wirkungen, die 
der nicht koagulierenden Diathermie physiologisch zu eigen sind, 
aufweisen wird. Diese Grenzschicht ist arteriell hyperämisch imd wird 
von einem intensiven Lymphstrom durchflössen. Die Zellen sind wesent- 
Hch vitaHsiert und zur ProHferation geneigt. Belassen wir den Koagu- 
lationsschorf im Operationsgebiet, so sorgt diese Schicht für eine schnelle 



250 Klinisohe Anwendung der Diathennie. 

Demarkation des artifiziell nekrotisierten Gewebes. Klinisch beob- 
achteten wir eine relativ schnelle Abstoßung der nekrotischen Masse 
im Verlauf weniger Tage. Diese Schicht mit« ihrer eminent eliminato- 
rischen Tendenz verhindert femer die Resorption von der Ober- 
fläche her imd führt zur Bildung kräftiger gesunder Granulationen. Die 
starke Lymphausschwemmung entfernt zudem auch unterhalb 
des tatsächlich nekrotisierten Gewebes eventuell zurückgebliebene 
Bakterien, Zellen, Toxine \md vervollständigt in gewisser Weise die 
Wirkimg der diathermischen Operation. So kommt es, daß wir bei 
jauchenden, hochgradig infizierten Gewebsmassen, die durch Resorption 
von Zersetzimgsprodukten imd Toxinen zu kachektischen Zuständen 
führten, mit dem Moment der Operation infolge des plötzlichen Auf- 
hörens der Resorption und der Ausschwemmimg bereits im Zerfall 
begriffener Substanzen ein Aufhören der Kachexie und eine schnelle 
Besserung des Allgemeinbefindens sehen. Diese Vorgänge sind jedoch 
nur möglich, weil ein intensiver Lymphstrom im Anschluß an die ar- 
terielle Hyperämie des die Koagulation begrenzenden Gewebes na^^h 
der Außenfläche zu stattfindet. Die • hiermit verbundenen starken 
Lymphverluste führen nicht selten zu einer hochgradigen Wasser- 
und Salzentziehung des Organismus. So kommt es, daß nach großen 
Operationen, wo aus einer großen Wundfläche heraus riesige Lymph- 
massen den Verband schon wenige Stunden nach der Operation durch- 
tränken, infolgedessen mehrmals täglich "Verbandwechsel stattfinden 
müssen, die Patienten unter diesem Verlust erheblich leiden können. 
Dauert die Nachwirkung der Narkose lange, so kann dieser Wasser- 
verlust zu Herzschwäche imd Kollaps führen. Es empfiehlt sich daher, 
schon wenige Stunden nach der Operation, den Patienten, welche, 
wenn sie bei Bewußtsein sind, über heftigen Durst klagen, rektale 
Kochsalzeingießungen in großen Mengen zu verabreichen ; je nach der 
Durchtränkung der Verbände oder nach den Klagen der Patienten 
über Durst muß man diese Eingießungen mehrmals wiederholen, 
bis die Darreichung per os statthaft ist. Gebraucht man diese Vor- 
sichtsmaßregel, so kann man den Zustand der Patienten wesentlich ver- 
bessern und gefahrdrohende Schwächezustände vollkommen vermeiden. 
Diese Grenzreaktion mit ihrer eliminatorischen und entgif- 
te ndeai Tendenz biete t einen der größte nVorteile der Diather- 
mieoperation, der sie vor der Messeroperation auszeichnet. 
En weiterer in vielen Fällen bedeutsamer Vorteil liegt darin, 
daß wir Gewebsabschnitte beüebiger Ausddinung diathermisch zer- 
stören können, ohne irgendeine Blut- oder Lymphgefäßbahn zu 
eröf f ne n. So können wir bei Verletzungen irgendwelcher Art zu schwer 
stillbaren Blutungen neigende Gewebe diathermieren, ohne daß der 
Patient auch nur den geringsten Blutverlust erleidet. Dies spielt eine 
Rolle z. B. bei Patienten mit leicht blutenden Karzinomen (Vulva- 
karzinom), die bereits erheblich ausgeblutet sind, und die man den Ge- - 
fahren einer Messeroperation mit den hierbei unvermeidlichen Blut«- 
Verlusten nicht mehr aussetzen kann. Ich habe solche Vulvatimior- 
operationen bei erheblich ausgebluteten kachektischen Greisinnen 



Naohbehandlung. 251 

ausgeführt. Ein derartiger Tumor z. B., der bei jedem Verbandwechsel 
intensiv blutete, imd der etwa drei Mannerfäuste groß war, wurde mittels 
Diathermie in einer einzigen Sitzung in Narkose etwa in ^a Stunde 
ohne jeden Blutverlust koaguliert und entfernt. Eine Badikaloperation 
war unmöglich, da der Tumor das Beckenbindegewebe \md das Rektum 
bereits ergriffen hatte. Indessen hörten nach der Operation infolge der 
JBntfemung der leicht blutenden Massen die Blutverluste vollständig 
-auf. Die Resorption putrider Substanzen fiel fort, die Kachexie der 
Patientin besserte sich, und sie kam auf Monate hinaus in relativ gute 
JBxistenzverhältnisse. 

Die größte Bedeutung unter dem Gesichtspunkte der Hämostase 
l>esitzt jedoch die unblutige Diathermie-Chirurgie bei Hämophilie. 
Die mangelnde spontane Gerinnungsfähigkeit ist gänzlich ohne Einfluß 
auf die Hitzekoagulation des Blutes. Nur läßt die Gefahr der Nach- 
blutung später bei Abstoßung der Nekrosen es ratsam erscheinen, 
<iiathermische Operationsdefekte bei Blutern stets durch die Naht zu 
schließen. Indessen habe ich auch bei Blutern gesehen, daß Wimd- 
granulationen keine größere Neigung als bei Normalen zum Bluten 
zeigten. 

Da die Zellstimuli^rung des diathermischen Grenzgebietes eine 
erhebliche \md nachhaltige ist, so ist es nicht verwimderlich, daß nach 
Elimination der koagulierten Teile nicht nur die Neigung zur Granu- 
lationsbildung eine erhebliche ist, sondern daß die Epithelzellen 
des Wimdrandesunddes Operationsgrundes eine gesteigerteProlifera- 
tionsneigung zeigen. So kommt es, daß im weiteren Verlauf der Wund- 
heilimg, falls wir diese durch Granulation stattfinden lassen, sich schnell 
ein weißer Epithelsaum von den Rändern her vorschiebt und auf dem 
Operationsgebiet allenthalben Epithelinseln emporschießen. Überläßt 
man eine solche Wunde der Spontanheilung, indem man sie steril oder 
mit Salben, z. B. Borvasehn oder Argentum-Perusalbe, verbindet, 
so sieht man nicht selten Neigung zur Keloidbildung. Diese entspricht 
, der bekannten Keloidbildung nach gewcämlichen thermischen Ver- 
brennimgen. Die schnelle Epithelisierungsneigung ist ja nun einerseits 
ein Vorteil, andererseits aber ist, besonders an kosmetisch wichtigen 
Stellen, die Neigung zu Keloidbildung ein Nachteil. Lange, bevor es 
Diathermieapparate gab, pfegte ich schon mit D'Arsonval-Apparaten 
unter Verwendung des primären Solenoids (siehe S. 22, 23) Diathermie- 
operationen vorzimehmen und beobachtete, da ich anfangs ein vor- 
wiegend dermatologisches Operationsmaterisd (Lupus, Kankroid) hatte, 
diese störende Keloidneigung. Um nun die intensive Epithelproliferation 
in Schranken zu halten, kam ich auf den Gedanken, Pyrogallussalbe 
verschiedener Konzentration zu verwenden. Es stellte sich im Laufe 
der Zeit heraus, daß diejenigen Narben nach Diathermieoperationen 
am schönsten und weichsten wurden, bei denen die vollständige Epithe- 
lisation möglichst lange hinausgeschoben wurde. Es bildete sich auf 
diese Weise für diathermische Heilung per secundam das Verfahren 
heraus, die granulierenden Wimdflächen 8, 10, ja 12 Wochen vor dem 
vollständigen Epithelisierungsverschluß zu bewahren. Es genügte für 



252 Klinische Anwendung der Diathermie. 

diese Zwecke, die Wunde jeden zweiten Tag mit einer ^/jjproz. Pyro- 
gallusvaseline zu verbinden. Zeigten sich an irgendeiner Stelle dickere 
Epithelherde, so wurde auf einige Tage die Pyrogalluskonzentration auf 
2 % bis 5 % erhöht. Schmerzhaftigkeit dieser Salbe wurde, wenn sie ge- 
klagt wurde, durch Aufstreuen von Anästhesin, Propäsin oder irgend- 
einem anderen anästhesierenden Pulver vor Auflegen der Pjrrogallussalbe 
wirksam bekämpft. Indessen vertrugen die meisten Patienten auch 
gelegentlich eine 5 proz. Salbe, falls sich einmal infolge des Nichtein- 
haltens der Verbandwechsel eine dickere Epithelinsel gebildet hatte. 
Regelmäßige Urinuntersuchung schützt vor dem Übersehen einer Pyro- 
gallusreizung der Nieren. Eine Intoleranz oder Idiosynkrasie gegen 
Pyrogallus, auch in schwächster Konzentration, kommt gelegentlich 
vor, ist aber sehr selten. Indessen zeigen nicht alle Diathermiewunden 
die Neigung zur Bildung von Keloiden. Vielmehr ist diese von der 
Lokaüsation und von der Technik der Operation abhängig. Wimden 
am Rumpf und an den Extremitäten zeigen weniger Neigung zu Keloid- 
bildimg als Gesiohtswunden, femer tritt besonders starke Keloidneigung 
auf, wenn z. B. bei Lupusoperationen infolge oberflächlichen Sitzes des 
Knötchens keine vollkommene Zerstörung der Haut in ihrer ganzen 
Dicke vorgenommen wird. Koaguliert man die Haut bis in die tiefsten 
Schichten der Kutis hinein, so ist die Keloidbildung eine geringe. Zer- 
stört man aber nur die oberflächlichen Schichten, so ist sie wesentlich 
stärker. In jedem Falle kann sie aber durch systematische Nach- 
behandlung mit Pyrogallussalbe vollkommen in Schranken gehalten 
werden, so daß kosmetisch durchaus einwandfreie Narben entfitehen. 
Ich habe auf der Lupuskonferenz in Berlin 1910 einige Fälle vorgestellt, 
welche trotz sehr ausgedehnter Fläche des Lupus kosmetisch aus- 
gezeichnete Resultate zeigten, welche denen der Fiusenbehandlung voll- 
kommen gleichwertig sind. Ein Teil von ihnen ist in den Abb. 139 — 16Ö 
reproduziert. 

Die andere Methode der Wund Versorgung besteht darin, daß man 
den koagulierten Schorf entfernt. Hat man nur die Haut koaguliert, so 
zeigt diese, wie schon erwähnt, eine sehr zähe, lederartige Beschaffenheit, 
imd man muß sie scharf mit Messer oder Schere umschneiden und ab- 
präparieren. Andere Gewebe pflegen einen sehr weichen Schorf zu 
bilden, den man leicht mit einem Tupfer, in jedem Fall aber mit dem 
scharfen Löffel entfernen kann. Nur Faszien und Sehnen sowie natürlich 
Knochen machen hiervon eine Ausnahme. Der koagulierte Knochen 
ist leicht von der nicht koagulierten Umgebung zu unterscheiden. Hat 
man ihn koaguliert und meißelt nun vorsichtig Schicht für Schicht 
ab, so sieht man, sobald man in das nicht koagulierte Gewebe hinein- 
kommt, Substanz von graurötlicher Beschaffenheit und rote Punkte 
auftreten, während der koagulierte Knochen mehr graugelblich aus- 
sieht, auch mitunter eine weißliche Verfärbung annehmen kann; falls 
er verkohlt wird, was gerade beim Knochen leicht vorkommen kann, 
sieht er schwarz oder braun aus. Hat man die* koagulierte Masse mecha- 
nisch entfernt, so steht einer Wundrandvereinigung durch Naht oder 
einer sofortigen Plastik nichts im Wege. Die Plastik haftet auf dem 






Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 253 

^olg© cler Diathennierung stark vitalisierten Operationsboden sehr 

IcTcLt/, "imcl l>ei der Naht schadet das Stehenbleiben kleiner Koagulations- 

*«i>e nLiokitÄ. Da nicht nur das Gewebe vollständig koaguliert wird, 

'inclem aucli alle in ihm enthalten gewesenen Bakterien und Toxine 

nscliä/dAicli gemacht werden, haben wir es in ihm mit einem vollständig 

septischen Schorf zu tim, der vollkommen resorbiert wird, faUs er nicht 

iir AY>Btoßiing gelangt. Wenn er also in dünner Schicht mit in die 

^"ahL'blixiie tiineingenommen wird, so verklebt er mit ihr vollständig, 

-3Jh.Tie die Narbenbildung zu beeinträchtigen. 

Ich. "werde bei der Besprechimg einzelner Krankengeschichten 

^-Sbul ge^wiase Punkte der speziellen Technik, insbesondere die Blut- 

rätillung, eiilgehen, und hier zunächst die Stellung der Diathermie 

..jz.\ix chirurgischen Operation und Thermokaustik berück- 

i jsichtigen. 

3. Kapitel. 

Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 

^ Es wird von chirurgischer Seite der Diathermieoperation ein er- 

- . heblicher Widerstand entgegengebracht. Einer der Haupteinwände ist, 

... <laß die Entfernung pathologischer Gewebe ja auch mit dem Messer 

möglich wäre, und daß für Zerstörung durch Hitze der viel einfachere 

Thermokauter da wäre. 

Was den ersten Einwand angeht, so ist schon aus dem Vorstehenden 
■^ ersichtlich, daß die diathermische Eliminination pathologischer Ge- 
i^' 'webe ganz wesentliche Unterschiede gegenüber der Messeroperation 
- . darbietet. Zunächst iließt kein Blut. In vielen Fällen ist ja auch 
: ^. die Blutstillimg bei Messeroperationen eine so exakte imd prompte, daß 
"Blutverluste erheblicher Art vermieden werden. Aber es gibt doch eine 
große Anzahl von Operationen, bei denen größere Blutverluste imver- 
meidlich oder schwer vermeidlich sind, und wo die Versorgung der 
Blutgefäße eine erhebliche Verlängerung der Operationsdauer bedingt, 
1^ sei es, daß länger dauernde Kompression oder zahlreiche Unterbindimgen 
' !^ nötig werden. Hier bietet die Diathermieoperation den Vorteil, daß die 
[ beabsichtigte Schnittlinie koaguliert werden kann, daß sodann in dem 

^'^. koagulierten Strich die Durchtrennimg des Gewebes, soweit es sich um 
^^/ Haut handelt, scharf staj^tfinden kann, während andere Gewebe sich 
^^'- ohne weiteres stumpf im Schorf trennen lassen. Kombiniert man 
^^l ehirurgische imd diathermische Operation, so läßt sich, wenn das Dia- 
^'* thermieinstrumentarium gebrauchsfertig zur Hand ist, nach Anlegung 
^'f des Hautschnittes sofort jede Blutung in einer oder wenigen Sekimden 
^•^ «tillen und macht Unterbindimgen überflüssig. Es hängt nicht eine 
i^ größere Anzahl von E^lemmen in das Operationsgebiet hinein, und das 
^^^ spätere eventuelle Herauseitem von Unterbindungsfäden fällt fort. 
"^ Wichtiger sind aber diejenigen Fälle, in de^en wegen der Blutungs- 
e^ gefahr Operationen unmöglich oder sehr gefährlich sind, 
'^ 80 z: B. der nachstehend geschilderte Fall von Zungenangiom oder 
W- von Pharynxtuberkulose oder der oben beschriebene Fall von Vulva- 
karzinom. Dieses Moment spielt femer bei parenchymatös blutenden 






254 



Klinische Anwendung der DiAtheimie. 



Organen eine wichtige Rolle. So ist es z. B. leicht m<^clt, Leber-, 
LungenexziBionen , OperatioDeii an der KopfBchwarte ohoe Blutung 
vorzunehmen oder schwer atillbare Knocheublutungen im Moment zu 
beherrschen. Auch größere Gefäße (siehe unten Zungenoperation) 
können leicht diathermiech vor oder nach ihrer Durchtrennung koaguliert 
werden. Nur bei sehr großen Qefäßen, Karotis, Femoralis usw., verdient 
die Unterbindung den Vorzug. Haben wir es ntm zudem mit einem 
infizierten Gewebe zu tun, in welchem bei scharfer Durchtiennnng 
nicht nur die Gefahr, sondern sogar die Wahreoheinlicbkeit der V^v 




rezidivierteH Kavernom der Nase. 



'J^*li 



/ 



Abb. 94. Vollendete Epitheliflierung 
nach erfolgter Diatbamieoperation. 



Sprengung von Keimen besteht, so liegt der Vorteil der Diathermie- 
operation auf der Hand. 

Ich hatte Gelegenheit, einen Fall von ausgedebnt«in Zungenkavemom zu 
behandeln, bei dem chirurgiBcberseits wegen der Blutungsgefabr die Operation 
abgelehnt vurde, wahrend andererseits eine Operation dringend notwendig 
war, da das KaTemom deutlich wuchs. Die Zunge eines 21jährigen jungen 
Mannes zeigte sowohl auf der Oberfläche, am Zungengrund, wie aiä der Seite 
und unterhalb der Spitze unr^elmäßige Vorwölbungen, welche sich blauBchware 
von der normalen Zungenfarbe abhoben. Die Palpation zeigte deutliche Fluk- 
tuation, und ee wäre zur ohiruigisoben Beseitigung des Leidens die Radikal- 
amputation der Znnge notwendig gewesen. Die Veranlassung zum Aufsuchen 
der Klinik war eine heftige Blutung, die sich der Patient beim Essen durch einen 
Biß auf die Zunge zngezc^en batt«. Die Zunge wurde durch LokalanSstheeie 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 



255 



l^>v-,'^'' 



rr. 



C '' 



[AncLoliniiijektion) anästhesiert und im Verlauf von etwa 3 Minuten sämtliche an 
der Ol^erfläche erkennbaren Kavemomteile durch Auflegen der kleinen Metall- 
elelLtrcMle (siehe Abb. 36 i) bei einer Stromstärke von 800 Milliampere langsam 
koaguliert. Ich führte die Koagulation so weit durch, bis an den betreffenden 
Stellen ein harter Schorf entstand, der der Konsistenz eines hartgekochten Hühner- 
ei'weißes entsprach, und keine Fluktuation mehr erkennbar war. Eine Entfernung 
d.er Scborfe wurde nicht vorgenommen. Unter regelmäßigen Wasserstoffsuper- 
oxydspülungen stießen sich innerhalb 14 Tagen sämtliche Schorfe ab, ohne daß 
-w^er bei der Operation noch während der Nachbehandlung der Patient auch nur 
einen Trox»f en Blut verlor. Es bildeten sich retrahierte Narben, die jedoch keinerlei 
^Beeinträchtigung der Sprache verursachten. Ein Rezidiv trat nicht auf. Nur 
-war die rechte Hälfte der Zunge nach 6 Monaten gegenüber der linken durch 
l^arbenzug etwas geschrumpft. 

Progredientes Kavernom 
der Nase. Ein 11 Jahre alter Ejiabe 
evkrankte an einem Kavernom der 
Nase, welche allmählich an Aus- 
dehnung zunahm und zu erheblicher 
Entstellung führte. Das Kavernom 
wurde ina Februar 1910 in einer 
chirurgischen Universitätsklinik vom 
Chefarzt operiert. Esrezidiviertenach 
wenigen Monaten und zeigte im Sep. 
tember 1911 das beistehende viel 
schlimmere Aussehen als vor der 
Operation. Abb. 93. Der Patient 
wünschte nunmehr durch eine Nasen- 
plastik von seinem Leiden befreit zu 
werden, indessen wurde die Operation 
wegen der Blutungsgefahr und wegen 
der Unmöglichkeit radikaler Opera- 
tion mit dem Messer von selten des 
Chirurgen abgelehnt. Der Befund 
vor der Diathermieoperation war 
folgender: Die vordere Hälfte der 
Nase zeigte eine kavemomatöse Ent- 
I artung, welche zu erheblicher Volu- 
V menzunahme führte. Eine scharfe 
Abgrenzung des Ka vemoms nach der 
Nasenwurzel zu ist unmöglich. Es 
^ geht vielmehr undeutlich in anschei- 
nend normales Gebiet über. Die Haut 
zeigt stellenweise dicke Gefäße, an 
^ anderen Stellen bläulich durchschim- 
merndes Kavemomgewebe. Die Oberfläche ist mäßig zerklüftet. Nach innen zu 
erstreckt sich das Kavernom an den Nasenwänden bis auf die Muscheln, an 
der Scheidewand beiderseits bis über die Krista hinaul Es geht nach unten in 
die Oberlippe über, welche es in ihrer ganzen Dicke durchsetzt. 

Wegen der offenbaren Neigung zum Rezidiv wird die Diathermieoperation 
in ausgiebiger Weise im September 1911 durchgeführt. In Narkose wird der 
vordere Teü der Nase diathermisch koaguliert, soweit er kavemomatös erkrankt 
ist, desgleichen auf der Innenseite, soweit die Schleimhaut affiziert erscheint. Die 
Schonung des knöchernen Teils des vorderen Septums wird versucht. Eine gleich- 
zeitige Diathermieoperation der Oberlippe wurde einstweilen abgelehnt. 

In der üblichen Weise stoßen sich unter Salbenbehandlung die nekrotischen 
Partien ab, und ohne jede Nachblutung epithelisiert sich der Defekt. (Abb. 94.) 
Danach wird die Nasenplastik vorgenommen, deren augenblickliches Besultat 

'"^1^ die Abb. 95 zeigt. Ein Rezidiv des Kavemoms ist bis jetzt nicht aufgetreten 

^L und wohl nun auch nicht mehr zu erwarten. 




Abb. 95. Augenblickliches Aussehen des 
[Patienten nach erfolgter Nasenplastik. 



f 



)ije 



ijtf 



it 



\^ 



KJiniach« Anw«adnng d«r IK>lberniie. 



hiMt«t, leidet Mit Kindheit fftrt alle Monat« mn HalamtEflndiuig. Seit Jaui 19li 
iat ne heiter und Bteht leitdem in apeEiaÜntlieher Behsndlnng. I>a knne Benr- 
rang eintritt, wird üe Ende November 1910 eut Diathramiebebandliu^ üba | 
wieaen. Ei bcateht räne auigedehntc Pharynitubrrkuloee. Der gan*e «ocir 
Oaamen sowie die Sohleimhaat über der hinteren Partie des harten GaomnF 
bis etwft ruf Hitte der Wölbung nach vom ca ist gleichmiBig mit teils UaBgribn. 
teils rfitlichi-n Granulationen brdeckt Die UtuU ist hocbrot, stark Tcrdict: 
Die tuborkulöKe ÜranuUtion erstreckt sich Ensammenhingend weiter ad dn 
Torderen und hinteren Oaamenbogen bis an die Zungenwurvel hinantcr. bti 
die Hintereeite de« Velums leigt neben der Uvula beideraeits einige Knöldn 
Auf der hinteren Pharynxwand sind ebenfalls lahlreiche KnOtohen (siebe fiüi. S^> 
Ulierationen be«t«hen nirgends. Patientin klagt Ober Schmerzen und Setiati 
beschwerden. Es besteht ein skrotuläiee Ekzem des Naseneiiigange«. Die Nu 
ist gedunsen, Sohleinihaut jedoch frei. Sonstige Anzeichen von ll^bo-knlow br 
stehen nicht. Zeitweise sind tubfebrile Temperaturen rorhanden, die jedocli m 

^ einer gonorrhöischen Ad De zerkr&nkuDgv)- 

^'■'^ "■-■ gehen. Patientin schwitzt viel, hai il« 

y^ keine ausgeeprochenea NschUclirnJ' 

Langen sind freL Eine fünfmonatige tpr 
dalistische Behandlung mit den äbücbn 
Ui Ichsäure -Ätzungen hat keinerlei &(^ 
gezeitigt, vielmehr schreitet die Affektiv: 
fort. Unter Lok&Unä«thesie mit S0% £ 
. kainlöeung wird mittel» der auf Abb. 3 
, dargesteUten Elektrode Aa lins»ign)ft 
Koagnlationsschorf neben dem anderen tc 
der erkennbar erkranktenSchleimhautpin^ 
hervM^erufen. Zur Erhaltang de« VeJmf 
findet die Koagulation reUtJT oberflachütt 
statt, und auch die Uvula wild luDäcte 
nur auf der Torderseite koagu^erC .VkI 
3 Wochen sind alle Schorfe abeMtoBen. >^ 
es zeigt sich, dafi die Uvula noch krank ''A 
und einige Knötohen an den Oanmenbög" 
noch erkennbar sind. Eis wird wiederum nur das deutlich als tuberkulös «tfatii' 
bore Gebiet ebenfalls unter Lokalanästhesie beseitigt und die komplette Ampotsliii 
der Uvula vorgenommen. Im späteren Verlauf traten noch dreimal vereinKll 
EnCtohen auf, und seitdem ist die Patientin vollkonunen rezidivfrei gebbri« 
Die Uvula ging verloren, aber das Velum und die Gaumenbogea komit«a ^ 
kommen erhalten werden. Man erkennt bei Öffnung des Hundee die erknafc 
gewesenen Partien an der glatten, rötlich -weißen Narbe im Bereich des Vd» 
und des harten Gaumens, während an den Gaumenbügen Nuben nicht erkead' 
sind. Die Funktion der Rachenorgane ist eine vollkommen nonnale. W^ 
bezüglich der Sprache noch des ScUuckaktes ist auch nur die gangste iStön'4 
bemerkb». 

Eb wäre mittek der Diathermie ein leichtes gewesen, gleicb '*' 
der eraten Sitzung eine Yollkommene Zerstörung der eibankten Geweto- 
teile vorzunehmen, während bei der Meaeeroperation eine radJtw* 
Zeretörung weit im Gesunden indiziert gewesen wäre und hieiduidi 
sicherlich erhebliche funktionelle Störungen herbeigeführt worden wStWp 
falls die Heilung gelmigen wäre. Die Diathenniemethode bietet den 
großen Vorteil, nicht gleich von vornherein radikal operieren zu mflsWD. 
Die einfache und beUebig tiefe Wirkung des Eingriffs erlaubt ea, nntei 
möghchster Schonung der Gewebe bewußt nicht radikal zu operiei^i 
um bei einem späteren Eingriff die danp eventuell noch krank encbä' 
nenden Gebiebe in der gleichen Weise eu zerstSrrat. Während ich biW^ 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 257 

eirsuclite, die Uvula zu erhalten, zeigte sich jedoch, daß die tuberkulöse 
jrkrankuDg an ihr zu sehr in die Tiefe vorgeschritten war, so daß die 
aimination derselben durch Koagulation nötig wurde. Im übrigen ist 
lies, Tvas nicht zur Zeit der Behandlung tuberkulös erkrankt war, 
rlialten worden und das Resultat in jeder Beziehung zufriedenstellend 
md. z-weifellos den ursprünglichen natürlichen Verhältnissen mehr 
entsprechend, als es bei der geschicktesten Messeroperation selbst bei 
T'erTvendung von Plastik möglich gewesen wäre. Es ist in diesem 
j'alle noch besonders interessant, daß nach dem ersten Eingriff auch ein 
Weiterschreiten der Erkrankimg auf die Tonsille beobachtet wurde. 
Oie drei dort erkennbaren Herde wurden, da die Patientin regelmäßig 
in Beobachtung stand, frühzeitig entdeckt und heilten auf einen ein- 
maligen diathermischen Eingriff aus. Wie erwähnt, ist auf keinem Teil 
des Rachengebiets mehr bis jetzt ein Rezidiv eingetreten. Gerade dieser 
Fall zeigt deutlich die Überlegenheit der diathermischen Operation vor 
der Messeroperation im speziellen Fall. 

Patient erkrankte 1911 an einer schweren Streptokokkenangina, 
w^elehe zu kolossaler Schwellung der linken Tonsille führte. Es bestand eine enorme 
Schmerzhaftigkeit. Die Tonsille war mit schmierigen grauen Belägen bedeckt. 
Aus den Lakunen entleerte sich dicker Eiter und nekrotische Massen. Die Schwel- 
lung war außen am Halse sichtbar, die bimanuelle Palpation erwies die Tonsille 
als reichlich pflaumengroß. Unter Lokalanästhesie mittels Injektion wurde im 
Verlauf von etwa 3 Minuten die Tonsille durch und durch koaguliert. Die ganze 
putride Masse wurde hierdurch mit einem Schlage unschädlich gemacht und der 
größt« Teil der koagulierten Tonsille durch Abstreifen mit der Elektrode während 
der Operation entfernt. Eine Blutung fand nicht statt. Es blieb vielmehr während 
der ganzen Dauer der Operation das Operationsfeld vollkommen übersichtlich, 
so daß die Operation unter Leitung des Auges vollkommen willkürlich begrenzbar 
war. Ein Teil des Tonsillengewebes wurde in der Tiefe belassen. Die Nachbehand- 
lung verlief glatt. Patient klagte allerdings während der nächsten 2 Tage über 
heftigeV^Schmerzen, was im allgemeinen nach Diathermieoperationen eine Selten- 
heit ist^ Indessen stießen sich die Schorfe glatt ab, und der Verlauf war bis zur 
vollkommenen Heilung fieberfrei. 

Wer jemals eine Tonsillenoperation mit Diathermie mit angesehen 
hat, wird es unbegreiflich finden, daß überhaupt noch die blutige 
Operation vorgenommen wird. Der Umstand, daß bei ersterer kein 
Tropfen Blut fließt, daß man vollkommen die Übersicht über das Opera- 
tionsgebiet behält, daß man jederzeit während der Operation durch 
Palpation kontrollieren kann, wie weit man exstirpiert hat, und wieviel 
noch zu exstirpieren übrig ist, daß man nicht nur normales hypertro- 
phisches Tonsillengewebe zerstören kann, sondern auch gleichzeitig alle 
in den Lakunen, Krypten und im Gewebe selbst befindlichen Bakterien, 
Toxine, Nekrosen im selben Moment mit koaguliert, zerstört und un- 
schädlich macht, das alles sind so eminente Vorteile, daß es fast imbe- 
greiflich erscheint, daß von spezialistischer Seite die Methode nicht 
geradezu mit Enthusiasmus begrüßt wird. Dazu kommt der in den 
meisten Fällen vollkommen glatte Verlauf der Nachbehandlung. Der 
Diathermieschorf, der an sich, auf der äußeren Haut z. B., sehr wenig 
Neigung zeigt, sich sekundär zu infizieren, verhält sich auf der Mund- 
und Rachenscbleimhaut in gleicher Weise. (Man denke an die häufigen 
Rachenanginen nach Tonsillenexstirpation mit dem Messer.) Selbst 

Nagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. 1*7 



258 Klinische Anwendung der Diathermie. 

bei jauchigen Kieferkarzinomoperationen infiziert er sich nicht, und 
die Reinigung der Schleimhautwunde vollzieht sich in 10—12 Tagen. 
Die aufschießenden Granulationen sind gesund imd rot, und die Epithe- 
lisienmg geht schnell vonstatten. Die einzige Nachbehandlung, die 
ich im Mund anwende, ist Spülung mit Wasserstoffsuperoxyd oder 
übermangansaurem Kah und gelegentliche Pinselung mit Aphlogol. 
letzteres, sobald die Patienten über Schmerzhaftigkeit klagen oder die 
Ränder entzündet sind. Für die Beseitigung einzelner Lakunar- 
pf röpf e ist die diathermische Koagulation eine ausgezeichnete Methode. 
Ebenso wie die Tonsillen läßt sich auch die Nasenmandel sowie der ganze 
pharyngeale Drüsenring, Schleimhautpolypen des Rachens und der 
Nase durch Diathermierung in beHebiger Ausdehnimg ohne jede Blutung 
zerstören. So habe ich z. B. einen kirschgroßen mit einem 4 mm im 
Durchmesser haltenden Stiel der hinteren Velumwand aufsitzenden Po- 
lypen von himbeerartigem Aussehen mit Diathermie entfernt. Am 
hängenden Kopf Avurde das Velum mit einem Spatel nach oben gezogen, 
der Polyp mit einer Pinzette gefaßt und der Stiel mittels der Elektrode 
unter Kokainanästhesie in wenigen Sekunden koaguhert, sodann mit 
der Schere die Koagulationszone durchschnitten. Der Polyp selbst blieb 
(bis auf den Stiel) unkoaguhert. Es floß weder bei der Operation noch 
während der Nachbehandlung auch nur ein Tropfen Blut. 

' Die diathermische Schleimhautoperation zeigt die Neigimg 
zu einer schnellen Epithelisierung und weichen Narbenbildung. Ich habe 
bisher in keinem Falle auf der Schleimhaut weder bei oberflächlichen 
noch bei tiefgehenden Eingriffen, z. B. Wangenkankroid oder Zungen- 
amputation, auch nur die geringste Neigung zur Keloidbildung gesehen. 

Daß auch größere Mundoperationen mit Diathermie unter Lokal- 
anästhesie ausgeführt werden können, zeigen die Abb. 97, 98, wonach 
ein Oberkieferkarzinom eine Perforation der Wange und erhebliche 
Ulzeration in der Mundhöhle verursacht hatte. Die diathermische 
Zerstörung der ganzen Tumormasse verlief ebenso wie die Nachbehand- 
lung ohne jede Blutung. Die Epithelisierung des ganzen, erheblichen 
Defektes erfolgte in drei Wochen. 

In einem anderen Karzinomfall, bei dem Zunge, Mundboden imd 
Wangenschleimhaut ergriffen waren, exstirpierte ich den Tumor vom 
Mundboden her. Während des Weitergehens von Schicht zu Schicht 
geriet ich in eine Zerfallshöhle, und plötzlich lag eine ca. 2 mm dicke, 
etwa 2 cm lange Strecke der Art. subungualis frei pulsierend zutage. 
Es gelang durch Diathermie die Arterie in einer Sekunde vollkommen 
zu koagulieren, ohne jeden Blutverlust, ohne Unterbindung und ohne 
spätere Nachblutung. 

Ein weiteres Moment betrifft die EröffnungvonLymphbahnen, 
Auch hier spielt die Keimverschleppung sowie die Versprengimg z. B. 
von Karzinomzellen eine Rolle, und es ist keineswegs für den Verlauf 
der Heihmg gleichgültig, ob wir eine mit dem Messer geschaffene Wund- 
fläche mit unzähligen feineren und gröberen Eingangspforten haben 
oder im Gegensatz hierzu bei der Diathermieoperation gewissermaßen 
eine durch Koagulation ausgebackene Höhle, welche nicht nur keine 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 259 

Kesorptionsneigung, sondern vielmehr eine eliminatorische Tendenz 
"besitzt. Hierzu kommt die äußerst geringe Fähigkeit des Diathermie- 
schorfea, sich sekundär zu infizieren. Bei den sehr zahlreichen Lupus- 
operationen z. B., die ich vorgenommen habe, und bei denen zum Teil 
außerordentlich ausgedehnte Wundflächen eine wochen- und monate- 
lange Nachbehandlung erfuhren, ist bisher nicht ein einziges Mal eine 
sekundäre Infektion der Wunde bei regelmäßigem Verbandwechsel 
eingetreten. Die Wichtigkeit dieser Gewebeatfirihsation durch die Dia- 
thermie erhellt aus den teils beschriebenen, teils nachstehenden Kran- 
kengeschichten (Lupus, Tuberkulose, Portiokarzinom, Streptokokken- 
angina, Ovarialabszeß, Drüsentuberkuloae). 



Abb. 97. Abb. 98. 

Oberkieferkarzinom, durch Diathermie operiert, Epithelisientng fast volleodet. 

Die Behandlung von Fisteln ist in vielen Fällen ein äußerst dank- 
bares Gebiet der Diathermie. Das Endresultat der rezidivfreien Heilung 
hängt im wesentlichen davon ab, ob die Fistel als einfaeher Kanal bei 
der Einführung der Sonde bis zu ihrem Ende erreicht werden kann, 
oder ob sie stark gewunden oder gar verzweigt ist, so daß die Sonde nicht 
bis zu ihrem Ende, sondern nur bis zur Verzweigungastelle gelangen 
kann. Hat man im ersten Fall die Sonde bis zum Fistelgrund einge- 
führt, so kommt es auch noch darauf an, ob der Kanal eng ist oder buch- 
tJge Ausweisungen besitzt. Wenn alle Verhältnisse günstig liegen, 
9o kann man nach der Einfühnmg der Elektrode den Strom mit einer 
nicht KU kleinen Stromstärke (je naeh der lAnge des eingeführten 
Stückes der Sonde) einige Sekunden einschalten, und zwar so lange, 
bis koaguliert«r Fistelinhalt aus der Fistelöffnung berauskocht und man 

17* 



\ 



260 Klinische Anwendung der Diathennie. 

an der Fistelöffnung selbst koagulierende Wirkung auftreten sieht. 
Hat man in dieser Weise den Fistelinhalt sowie die Fistel\«^ände bis 
zum Grunde koaguliert, so ist die ganze Therapie damit erledigt ; denn 
der Kanal ist nunmehr aseptisch, verklebt und wird resorbiert, ohne 
daß irgendeine Sekretion noch zu erfolgen braucht. Lieider aber 
bieten nur wenige Fisteln so günstige Bedingungen. Sind zunächst 
buchtige Erweiterungen vorhanden, so wird an diesen die Diathermie- 
wirkung keine genügende sein, und es kann aus der Fistelöffnung nach 
einigen Tagen oder schon am nächsten wieder Eiter herauskonmien, 
oder aber der Inhalt der Buchten sucht sich einen neuen Weg. Hat 
man es in einem anderen Falle mit einem verzweigten Gange zu tun, 
so wird nur der bis zum Ende sondierte Kanal durch die Diathermie 
geheilt. Vom anderen Zweige aus kann in gleicher Weise Bezidi^ 
oder neue Fistel auftreten. Geht eine Fistel von Drüsen oder Knochen- 
herden oder sonst einem tief gelegenen Krankheitsprozeß aus, so wird 
natürlich auch hier die Heilung keine radikale sein, wenn nicht der Herd 
mit beseitigt werden kann. Anders liegen die Verhältnisse, vrenn ms^ 
es mit einer nicht sehr tief gelegenen Höhle und einem kurzen Fistel- 
gang zu tun hat. So habe ich z. B. einen Fall von Coccygealfis tei h 
handelt. Ein junges Mädchen leidet seit Jahren an einer stark seze 
nierenden Fistel über dem Steißbeinende. Mehrmonatliche BehandZu/^ 
mit Auskratzung, desinfizierenden Einspritzungen, Salben hat keine 
Heilung herbeigeführt. Die die Patientin erheblich belästigende starke 
Sekretion veranlaßt sie nunmehr, sich dem Diathermieeingriff zu unter- 
ziehen. Unter Lokalanästhesie (Injektion) wurde die Knopf elektrode 
(Abb. 36 e) in die ca. 5 mm tiefe und etwa 1 cm im Diu^chmesser haltende 
flache Höhle eingeführt. An einer Stelle in der Tiefe fühlte man rauhen 
Knochen. Bei einer Stromstärke von 250 Milliampere wurde in wenigen 
Sekunden die Höhle vollkommen koaguliert, was man an jeder einzelnen 
Stelle an dem Auftreten des zischenden und knisternden Geräusches 
erkannte. Auch der Durchtritt der Fistel durch die Haut wurde koa- 
guliert. Am nächsten Tage war die Fistel verklebt. Eine Sekretion 
erfolgte nicht mehr, und noch Monate später war die Heilung rezidivfrei. 
Das gleiche gilt für paraurethrale Gänge bei Gonorrhöe. Es gelingt 
in wenigen Sekunden, unter Lokalanästhesie diese Gänge mit einei 
feinen Nadel, die bis auf den Grund resp. bis auf die Einmündung in die 
Harnröhre eingeführt wird (Sondenelektrode des chirurgischen Bestecks 
S. 46 oder bei sehr feinen Gängen ein dünner Kanülenmandrin, dei 
direkt mit dem Zuleitungskabel verbunden wird) zu koagulieren und 
damit mit einem Schlage diese lästige Komplikation der Gonorrhoe 
definitiv zu beseitigen. In den seltenen Fällen, wo ein solcher Gang ui 
der Tiefe gegabelt ist, was mir bei etwa 30 diathermierten Gängen nicht 
einmal vorgekommen ist, müßte man eventuell mit einem Rezidiv 
oder Durchbruch rechnen, der einen erneuten Eingriff bedingen würde. 
Diese Gabelung scheint aber bei paraurethralen Gängen gar nicht vor- 
zukommen. Unmittelbar nach dem Eingriff ist der ganze Kanal ver- 
lötet und sterilisiert. Nachschmerzen treten nicht auf, imd damit iß* 
diese Komplikation in kürzester und sicherster Weise erledigt. 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 261 

Tuberkulöse Bonst so schwer zu behandelnde Diüaenfisteln 
sind ein dankbares Feld der Diathermiebehandlung. Zumeist sind die 
Fistelränder lupös oder tuberkulös infiltriert, und es ist daher ratsam, 
eine nicht zu beschränkte diathermische Zerstörung vorzunehmen. Hat 
man eine Zerstörung der Haut im Durchmesser von etwa 5 mm vor- 
genommen, HO kann man meist von dieser aus zunächst den Fistelkanal, 
soweit man mit der Sonde in schwammiges Gewebe hineinkommt, 
nach allen Richtungen koagulieren und das gleiche mit der subkutan 
gelegenen Drüse vornehmen. Liegt die Drüse jedoch tief, so empfiehlt 
aich die chirurgiBche Freilegung, allerdings möghchst nach Diath^- 
mierung des Hautherdes und des äußeren 
Fistelteila. Man vermeidet durch Sterili- 
Hierung dieser Partien die Keim Verschlep- 
pung bei der chirui^ischen Freilegung, 
wenigstenB wenn man im koagulierten Ge- 
biet schneidet. Wenn man den Eingriff 
ausgiebig genug ausführt, d.h. die Drüsen 
genügend koaguliert, bo erhält man rezidiv- 
freie Hellung. (Siehe Abb. 99.) Verkäste 
Drüsen bei intakter Haut werden chirur- 
gisch freigelegt, dann koaguhert uaid als 
aseptischer Körper eliminiert. 

Handelt es sich um tuberkulöse, Sta- 
phylokokken-, Streptokokken-, Tumor- 
drilsen usw., so haben wir hier ein spezi- 
elles Gebiet für die Diathermiebehandlung. 
Sind die Drüsen chirurgisch leicht isolier- 
bar und ihre Kapseln intakt, so bietet 

die scharfe oder stumpfe Loslösung meist ,. , „„ ^^ ■ i .■- t. . 
, . I, ,--,-. n- • ■ 1 Abb., 99. Tuberkulose Hals- 

keine Schwierigkeit. Sind sie aber mit draem (Abszesse und Pistehi), 
der Umgebung stark verwachsen, so be- durch einmaligen diather- 
Steht, besonders wenn der Inhalt erheb- mischen Eingriff definitiv ge- 
Uch vereitert oder die Kapsel verletzt ist, ''^''* <* ^^^^ "'^^ <^P«''**'' 
die Gefahr bei mechanischer Loslösung, 
den Zusammenhang der Drüsen zu zerstören und Infektionsmaterial 
zu versprengen. Hier tritt der Vorteil der Diathermieoperation hervor, 
indem man die Drüsen, bevor man ihre Entfernung in Angriff nimmt, 
zunächst durch und durch koaguliert. Ist dies geschehen, so hat man 
einen aseptischen Körper vor sich, und es ist gleichgültig, ob man ihn 
in toto oder zerstückelt exstirpiert. Dies ist von besonderer Wichtigkeit 
K. B, in der Peritonealhöhle. 

Die Vorteile der Diathermieoperation erhellen z. B. aus dem Ver- 
laufe einer Totalexstirpation, welche ich auf der Naturforscherversamm- 
lung in Königsberg 1910 beschrieben habe. Nach Ausführung der 
Laparotomie und Vollendung des intraabdominalen Teils der Operation 
bis zur Eröffnung des Scheidengewölbes umfaßt ein Assistent in der 
Bauchhöhle den Uteruskörper mit der Hand. Die Patientin liegt auf 
der indifferenten Platteneiektrode, und unter Leitung des Auges wird 



262 Klinische Anwendung der Diathermie. 

ein Portiokarzinom (Blumenkohlgewächs, vollkommen zerklüftet, mit 
putriden Massen durchsetzt, leicht blutend und in keiner Weise des- 
infizierbar) im Verlaufe von etwa 2 Minuten von der Vagina aus voll- 
kommen koaguliert ohne jede Blutimg. Die Koagulationsmassen wer- 
den mit der Elektrode selbst ohne Anwendung von Gewalt stumpf ent- 
fernt, und die Koagulation schreitet bis zum Ansatz des Scheiden- 
gewölbes fort. Die Hand des Assistenten hat die Erwärmung des 
Uterus kontrolliert, welche indessen keinen so hohen Grad erreichte, 
daß die Koagulation des Cervix vorzeitig hätte unterbrochen werden 
nuissen. Nach stattgefimdener Koagulation wird die Scheide gründ- 
lich gespült und ausgetupft. Nun erst erfolgt die Eröffnung des Scheiden- 
gewölbes, und der Uterus mit dem koagulierten Cervixrest konnte als 
steriler Körper durch die Bauchhöhle entfernt werden. Naht; Heilung 
per primam. 

Die außerordentlichen Vorteile, welche ein solches Verfahren bietet, 
liegen vor allem in der absoluten Asepsis, denn es gibt kein anderes 
Verfahren, welches so schnell und gründlich nicht nur die Karzinom- 
massen am Cervix zerstört, sondern auch die in ihr enthaltenen Staphylo- 
und Streptokokken und sonstigen Bakterien und die putriden Zerfalls- 
massen unschädlich macht. Dazu kommt, daß der Patientin jeder 
Blutverlust erspart bleibt, und vor allen Dingen, daß die Gefahr der 
Infektion der Bauchhöhle praktisch auf ein Minimum reduziert ist, 
von der Gefahr der Keimversprengimg, deren Bedeutung ja nicht 
absolut feststeht, ganz abgesehen. 

Wir können somit als wesentliche Vorteile der Diathermie* 
Operation vor der üblichen blutigen Operation die Ver- 
meidung von Blutverlusten und somit die Ermöglichung ge- 
wisser sonst schwer oder gar nicht ausführbarer Operationen 
(Nasenkavernom) sowie Sterilisation des zu operierenden 
Gewebes und Vermeidung von Verschleppung durch eröffnete 
Lymph- oder Blutbahnen bezeichnen. 

Karzinom des Oberkiefers. 

Pat. B., 70 Jahr. Verheiratet, 3 erwachsene Kinder. Vor 30 Jahren kleines 
Geschwür auf der Haut des rechten Jochbeins, allmählich gewachsen, wiederholt 
operiert. Letzte Operation vor 3 Jahren, mit Entfernung eines Teils des rechten 
Jochbeins. Man sieht (Abb. 97, 98) eine große Hautnarbe an der Schläfe, deren 
unterer Teil von einer pfenniggroßen Ulzeration eingenommen ist, welche trichter- 
förmig in die Tiefe führt, nach der Mundhöhle durchbricht und dort in einen wal- 
nußgroßen Defekt mit harten, wenig geröteten Bändern mündet. Der Defekt um- 
faßt den Alveolarteil des Oberkiefers in der Gegend des ersten Prämolars bis zur 
vorderen Rachenwand, greift auf die Übergangsfalt« nach der Wangenschleimhaut 
über (siehe Photographie). Der rechte Fazialis ist im oberen Teil gelähmt, das Ulcus 
sowohl der äußeren Haut wie der Mundhöhle zeigt zum Teil schmierige Beläge, 
mäßigen Fötor; es soll seit 2 Jahren in diesem jauchenden Zustand bestehen. 

Koagulation der den Trichter ausfüllenden Tumormassen, der Trichterwände, 
der Umgebung des Tumors bis weit ins Gesunde hinein; auch die Reste des Joch- 
beins und der Oberkieferfortsatz (rauher Knochen) werden diät her miert. Die 
Abbildungen zeigen die gereinigte Operationswunde nach der Abstoßung der 
Nekrosen, 14 Tage nach der Operation. Eine Blutung fand weder bei der Operation 
noch nachher statt. Nachschmerzen waren nicht vorhanden. Bericht nach 1 Jahr: 
Die Wunde ist glatt verheilt. In den letzten Wochen hat sich in der Mundhöhle 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 263 

■vor dem früheren Sitz der Geschwulst am Zahnficisohrand eine neue kleine Ge- 
sohwulst gebildet. Die früher erkrankt gewesenen Stellen sind rezidivfrei ge- 
blieben. Allgemeinbefinden gut. Diathermiening der kleinen neuen Stelle angeraten, 
Fat. V., ausgedehnter Lupus dea rechteo Ohres und der rechten Gesichts- 
und Halsseite bia unter das Kinn. Einmaliger Diathermieeingriff 1910. Heilung 
Rezidivfrei am 2. März 13. Abb. 100. 

Fat. G., 37 Jahr. Seit 7 Jahren kleine Fistel auf der Brust, die vorüber- 
gehend geschlossen war. Ursprünglich soll dort ein Blutgeachwür gewesen sein. 
IMe Fistel führt in ein leicht sezernierendes Dermoid, etwa l'/i cni tief, hinein. 
Mit Diathermie wird die Dermoidwand 
ohne Erweiterung der FiBt«löffnung 
mit der Sondenelektrode unter Lokal- 
anästhesie koaguliert. Es entleert sich 
12 Tage lang spärlichea Selcret in ab- 



Abb. 100. Ausgedehnter Lupus der Wange, Abb. 101. Fibroma pendulum recti , durch 

des Ohres und des Kinnes, mit guter weicher Diathermie mit Lokalanästhesie ohne 

Narbe geheilt (3 Jahre nach Operation). Unterbindung und Naht entfernt. 

nehmender Menge. Seitdem ist die Fistel geschlossen. Eine Einziehung der Haut 
ist nicht erkennbar. Mau sieht lediglich eine stecknadelkopfgroße Narbe, welche 
der Fistelöffnung entspricht. 

Fibroma pendulum recti. 
Fat. H-, 35 Jahr, 12. März 12. Vor 5 Jahren war er in der Finsenklinik wegen 
einer aus einer Striktur entstandenen Harnröhrenfistel von mir plastisch operiert 
worden. Heilung, Seit kurzer Zeit besteht Jucken am Darm, aus dem sich etwas 
Eiter, manchmal auch Blut entleert. Beim Stuhlgang und auch spontan stülpt 
sich mitunter ein daumendicker Tumor von 6 cm Länge hervor. Es ist ein walzen- 
förmiger, knolliger, harter Körper, der an der Basis mit einem weichen, leicht 
blutenden breiten Stil auf der Schleimhaut aufsitzt. Abb. 10L Am 13. März 12: 
Eistirpation mit Lokalanästhesie. Die Koagulation dea Stieles am Ansatz auf der 
Rektalwand gestattet die blutlose Durchtrennung mit der Schere im Koagu- 
lationsschorf. Heilung erfolgt glatt ohne Blutung und Schmerzen. Die Inspek- 
tion im Spekulum am 25. März zeigt vollkommene Epithelisation des kleinen 
Defektes. 



264 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Diüaenkarzinom an der linken Halsseite und am Kiefer. 

Fat. M. Seit 9 Jahren leidet sie an DrüscnanBchwellung am Halse. Wieder- 
holt operiert und mit Röntgenstrahlen behandelt, ohne Erfolg. Zurzeit bestehen 
große Drüsenpakete unter dem linken Ohr, bis auf die Schulter berabreichend. 
Diatbermieoperation am 22. September 11, Dauer dreiviertel Stunden. Anl^ung 
eines Hautschnitt^«, Freilegung der Drüsen und Koagulation des Tumors bis an 
die großen HalBgefäße. Steriler Verband. Glatter Verlauf der Wundheilung. 
■ We Oi>eration war inkomplett, Pat. ist am Tumor später zugrunde g^angen. 

Schl&fenkankroid, inteni^iv und lange mit Röntgenstrahlen erfolglm 
bebandelt. In einer Sitzung mit Diathermie geheilt. 31. Dräember 09. 

Kleines Rezidiv am oberen Rande außerhalb der vorher diathermierten Stelle. 

An) 16. September 10 mit Diathermie operiert. Seitdem rezidivfrei. Abb. 
102, 103. 



Abb. 102. Sohläfenkankroid, trotz Abb. 103. Derselbe Patient, 2Va Jahre 

Rön^enbeetrahlung weiter wachsend. nach der Diathermieoperation. 



Pat. K., 4 Monate. 14. November 10. 

Am linken Oberschenkel auf der Mitte befindet sieb ein Angiom von 4 cm 
Länge und 3 cm Breite. Es ist scharf umgrenzt, blaurot, zeigt eine leichte Lappen- 
bildung und steigt fast senkrecht aus der Fläche der Haut in die Höhe, ca. 1'/, cm 
hoch. Man fühlt keine Pulsation. Es scheint Adhärenz an der Fascie zu bestehen. 
Auf Druck blaßt der Tumor nicht ab. Abb. 104. 

Diathermie am 18. November 10. Kontrolliert Februar 13: Rezidivfrei, 
farblose Narbe (siehe Abb. 105). 

Pat. M-, Lippenkarzinom, seit 2 Jahren Geschwür an der Unterlippe links, 
allmählich gewachsen. Amputation der Unterlippe chirui^scherseits angeraten. 

Am 18. Mai 09 Diathermieoperation mit Lokalanästhesie in 2 Minuten ohne 
jede Blutung und ohne Naht. 

21. Juli 09: Vernarbt, Narbe noch etwas eingezogen. 

22. April lOr Weiche, kaum erkennbare Nabe. 

Kontrolliert Februar 13, kein Rezidiv, Stelle in natura kaum erkennbar 
(siehe Abb. 106, 107). 

Pat. L, 50 Jahr alt, Lippenkankroid. Operation mit Diathermie am 
11. Januar 11, Lokalanästhesie. 

22. September 11; Vollkommen geheilt, Narbe nur mit Mühe erkennbar, 
wfich. 

I. März 13: Rezidivfrei. Kosmetisch vorzüglicher Effekt. Abb. 108, 109: 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 



265 



Herr S., Kankroid, 31. Oktober 12: Diathermieoperation mit Lokal- 
anästhesie. Bis zum 2. März 13 kein Rezidiv. 

Fat. M. Naaenkankroid. 15. Juli 08: Diathermieoperation. 

13. März 10: Bezidivfrei mit glatter weicher Narbe geheilt. Abb. 110, 111. 

Fat. A-, Rhi no ph y m. Un- 
t«r LiokalanästheBie wird auf 
Wunsch des Fat. nur die Ge- 
Bchwulst auf der rechten Naaen- 
aeite mit Diathermie entfernt. 

Am 10. Oktober 11: Glatte 
Vemarbung erfolgt. Abb. 1 1 2, 1 1 3- 

Kind H., tuberkulöse 
DrUsenabszeBse am Halse. 
Durch einmaligen Diathermie- 
eingriff in Narkose definitiv be- 
seitigt Die Operation fand am 
11. April 1910 statt. Die vor- 
stehende Photographie Abb. 99 
am 11. März 13 aufgenommen. 

Tuberkulöse Knochen- 
abszesse mit Ferforation der 
Haut, Fistelbildung, ausgedehn- 
tes Skrofuloderm a, Bildui^ eines 
enormen Abszesses in der Wade, 
der bei der Operation etwa ein 
Viertel littr Eiter entleert und 
von der Kniekehle bis 10 cm 
Über dem Haekcn sich nach un- 
ten erstreckt. Einmal^e Dia- 
thermieoperation unter Koagu- 
lierung des in der Fistel zutage 
liegenden rauben Knochens. Hei- 
lung ohne Sequesterabetoßung. 
Besteht jetzt 2 Jahre 11 Monate 
reridivfrei. Abb. 114. 

Fat. K., 57 Jahr alt. Haut- 
karzinom vor dem linken Ohr, 
am Tragus nach dem Jochbein 
au 2 cm im DurchmesBer, mit 
Granulationen bedeckt. Bänder 
hart, Zentrum blutet leicht. Ea 
erstreckt sich nach außen etwa 
Vb cm in die Vorderfläche des 
Gehöiganges hinein. 

IMathermieoperation am 
9. September 10. 

Am 11. September leichtes 
Odem. Kaum Schmerzen gehabt, 
seit gestern früh ganz schmerz- 

Am 17. September traten 
plötzlich stärkere Schmerzen auf, 
Ea kam zu einer geringen Blutung. 
Danach warFatientin schmerzfrei. 

Am 26. Oktober vollständig 
epithelisiert. 

Am 3. September 12: Nach- 
kontrolliert, rezidivfrei. 

Abb. 115, 116. 
(Fortsetzung Seitei.269.) 



Abb. 104. Großes Kavernom am Oberschenkel 

eines 4 Monate alten Kindes. Mit Diathermie 

vollkommen blutlos koaguliert. 



Abb. 105. Dasselbe Kind, 2V( Jahre später. 



Klinische Anwendung der Diatbeimie. 



Abb. 106. Lippenkar 

mit Diathermie unter Lokalan- 
ästhesie in der Sprechstunde 
koaguliert. Patient kachektiacb. 



Abb. 107. Derselbe, mit kaum erkennbarer 
Narbe, 4 Jahre spater rendivfrei, die ge- 
schwollenen Submentaldrüsen haben sich 
spontan zuriickgebildet. 



Abb. 108, Lipponkankroid, mit 
Diathorniic operiert. 



Abb. 109. 
Derselbe, 2'/2 Jahr später. 



Stellung der Diathermie in der Chirurgie. 



Abb. 110. NEtsenkankroid, Abb. 111. 2 Jahre epäter, resddiv- 

Diathermie, in wenigen Sekunden frei. Weiche, glatl« Narbe. 

unter Lokalanästhesie koaguliert. 



Abb.'112. Rhinophym. Auf Wunsch Abb. 113. Glatte Verheilung. 

des Patienten wird nur die Geschwulst 

des rechten Nasenflügela mit Diather- 
mie unter Lokalanästhesie zerstört. 



Künvvhc .AnwvDdnng drr Diathermie. 



Abb. 115. Ohrkarziuom, durch 
IHathermie operiert. 



Abb.114. Tuberkulöse Knochenabszesae mit Skrofu- 
loderma der Haut, Fietelbildung und enormem 
Wadenabazeß, durch einmaligen Diattaermieeii^Tiff 
geheilt. Bis jetzt (Februar 1913), nach 2 Jabren 
1 1 Monaten, rezidivfrei. 

Abb.116. Dieselbe, 2 Jahre rezidivfM. 



Abb. 117. Zungenkarzinom, ulcerierter Abb. 118. Derselbe, 13 Monate 

harter Tumor der vorderen Zungen- Hpäter, rezidivfrei mit erheblicher 

h&lfte, mit t>iathennie unter Lokalan- Gewichtszunahme, 

ästhcsie in der Sprechstunde in wenigen 
Minuten koaguliert ohne Unterbindung 
oder Naht. Glatte Verheilung. 



S«*öi=Ä ifc* DuitermK in -ier Chimraie- jy^lt 

BT lOti:*- ■ V- Zcsp». & bwweä" -«c hiin^. mal T-^nJaHTTiT:-^ Tiiiir. t'iu.-QiTaiit;- 

paUMl *-'l.rt f 1^12 XIL'-fr 1 .- Jt- 1 bnok-g - 1-.^^ n ff-i^ JH^ PJT- Tjff ff- W-f«iEF XutE 



AUl I;». SkcilUü;.^^ =il 



270 Klinische Anwendung der DUthermie. 

Am 10. Hm 12: Die Zunge gebeilt, Narbe weich, PaL BjBicht so wie früher, 
Allgemeinbefinden wesentlich gebeeeeit, Gewichtszunahme: Gewicht vor der 
Operation 120 Pfund. Am 10. Juni 12; 136 Pfund 200 g. 

Allgemeinbefinden vorzüglich. Die gesamte Behandlung hat ambulant statt- 
gefunden. 

Zurzeit reradivfrei (siehe Abb. 117, 118). 



Abb. 123. Nasenkankroid, gegen Abb. 124. Naeb Diathermie- 

RöntgeuEtrahlen refraktär. Operation reädivfrei geheilt. 



Abb. 126. KosmetiBch gute Heilung 
naeh Diathermieoperation. 



Stellung der Diathermie in der Cliirurgie. 271 

FiBtel. 

Fat. L., 33 Jahr. 6. April li. 

Seit 3—4 Wi>Ghen kleiner Abszeß am Halse links mit prominenter, knopf- 
förniig verdickter Fistelöffnung von linsengröQe. Diathermieoperation unter 
LokaJaotUtheeie durch die Fistelnffnung hindurch ohne Erweiterung derselben. 
Unter sofortiger Verklebung heilt die Fistel, ohne daß Sekretion zutage tritt, und 
ohne Abszeßbildung. 



Klinische Anwendung der Diathermie. 



Abb. 131. Malignes Ohrpapillom, Abb. 132. Derselbe, durch Diathermie- 

gegen Rontgenatrahlen refraktär. Operation geheilt. Ohrplastik abge- 



Abb. 133. Kleines Angiorn auf der Abb. 134. Dieselbe, 1 Jahr spater. 

Nasenspitze, mit Diathermienadel ohne Keine erkennbare Narbe {das An^om 

Lokalanästhesie in einer Sekunde ent- saß unterhalb des in der Abbildung er- 

frant. kennbaren lichtes »n der Nasenspitze. 



274 KfiniBche Anwendmig der I>Utb«im& 

Taman, der mehre«« DsnoBcblii^en amwachsen hAtte, ohne Schädigong defl Pa- 
tienten und ohne nachträgliche Temperatnrsleigenuig ansgeführt wnden iconnte. 
Eine Nacbblntang hat nicht stattgefunden. 



4. Kapitel. 

Vergleich der Diathermie mit Kaustik. 

Nicht nur vor dem ciürurgischen Eingriff, sondern auch vor dem 

Thermokauter bietet die Diathermie ganz bedeutsame Vorteile. 

Zunächst besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Schorf 



Vergleich der Diathermie mit Kaustik. 275 

der beiden Methoden. Der Thermokauter mit seiner Temperatur von 
ca. 1500 Grad karbonisiert die Grewebe. Der Diathermieschorf entsteht 
bei 70—80° und ist weich. Verkohltes Gewebe ist ein sehr schlechter 
Wärmeleiter, und so verwehrt der karbonisierte Gewebsschorf der 
Paquelinwirkung das Vordringen in die Tiefe. Da der Paquelin lediglich 
durch Konduktions wärnie, die an sich im normalen Gewebe schon 
kaum fortschreitet, wirkt (Leydenfrostsches Phänomen), so ist die 
ohnehin sehr begrenzte Tiefenwirkung durch die Bildung des Ober- 
flächenschorfs bereits weiter wesentlich gehemmt. Die Folge ist, daß 
wir, wenn wir größere Gewebsmengen mit dem Paquelin zerstören 
wollen, zunächst dazu eine lange Zeit benötigen, und daß wir bei der 
Untersuchung derartiger Schorfe stets in dem zum Teil hochgradig 
verkohlten Gewebe noch feuchte unkoaguÜerte Gewebsreste finden. 
Die weitere Folge hiervon ist, daß der Schorf des Paquelin infolge 
dieser unvollkommenen Koagulationswirkung die Neigung zu pu- 
tridem Zerfall und somit zur sekundären Infektion zeigt. Der 
Dia ther miese ho rf dagegen, der, falls er in richtiger Weise erzeugt 
wird, weich und leitend ist, gestattet eine unvergleichlich größere 
Tiefenwirkung, so daß es ein leichtes ist, in wenigen Sekunden eine 
Tiefenwirkung von 1—2 cm zu erzielen. Die Wirkung ist zudem, schicht- 
weise betrachtet, eine vollkommen gleichmäßige, und es ist bei richtiger 
Technik gar keine Schwierigkeit, das in die diathermische Operation 
bezogene Gebiet in sehr kurzer Zeit vollständig durchzukoagulieren 
oder durchzusterilisieren. Die geringe Tiefenwirkung des Paquelin — 
und das ist ein sehr wesentlicher Unterschied — hört fast linear auf 
und erzeugt nur in allergeringstem Maße eine stimulierende Unter- 
schicht, während wir bei Diathermieoperationen stets die wesentlichen 
eliminatorischen Zwischenschichten zwischen Koagulations- 
gewebe und normalem Gewebe gewinnen. 

Ein weiterer bedeutsamer Vorteil liegt in der Apparatur. Der 
Paquelin ist ein recht unbequemes Instrument. Er muß minutenlang 
vorbereitet werden, und beim Zureichen des glühende Hitze ausstrahlen- 
den Platinkörpers ist große Vorsicht vonnöten, damit nicht durch eine 
ungeschickte Bewegung unbeabsichtigte Verbrennung des Patienten, 
der Assistenten oder des Operateurs selbst stattfindet. Im Gegensatz 
hierzu ist die an das Zuleitungskabel angeschlossene Diathermie - 
elektrode bis zum Moment der Einschaltung durch den Fußkontakt 
des Operateurs ein vollkommen kaltes und indifferentes 
Instrument, dessen Berührung vollkommen bedeutungslos ist. 
Der Paquelin muß in glühendem Zustand dem Operationsgebiet 
genähert und auf die zu operierende Stelle aufgesetzt werden. Infolge 
der starken Hitzeausstrahlung ist ein langer Handgriff notwendig, und 
das Zielen und schnelle Auf setzen ist manchmal nicht so ganz einfach. 
Die Diathermieelektroden dagegen können uneingeschaltet mit einem 
langen oder mit einem kurzen Griff mit aller Ruhe auf die zu behandelnde 
Körperstelle aufgesetzt werden und beginnen ihre Wirkung erst im Mo- 
ment des Einschaltens. Der Paquelin erfordert wegen der dauernden 
intensiven Hitzeausstrahlung eine sehr sorgfältige Abdeckung der vor 

18* 



276 Klinische Anwendung der Diathermie. 

der Koagulation zu schützenden Umgebung des Operationsgebiets mit 
nasser Watte oder Gaze, und es müssen besondere Instrumente zu Hilfe 
genommen werden, um eine genügende Wirkung zu erzielen und Nach- 
blutungen zu vermeiden (z. B. Hämorrhoidenklemme). Die Dia- 
thermieelektrode dagegen ist kalt, und nur, wo sie mit dem 
Gewebe in Kontakt ist, tritt die Erwärmung erst im Ge- 
webe auf, während die Elektrode selbst kalt bleibt und 
nur nach und nach sich etwas durch den Kontakt mit dem heißen Ge- 
webe anwärmt. 

In Körperhöhlen, Rektum, Vagina, Mund, Nase, Ohr ist die Ein- 
führung des glühenden Paquelin-Instrumentes teils äußerst schwierig, 
teils ganz unmöglich. Die kalte Einführung der Diathermieelektrode 
ist vollkommen ungefährlich und einfach. Der Paquelin in glühendem 
Zustande wirkt nach allen Seiten. In einer engen Höhle ist es immög- 
lich, die dem Operationsfeld gegenüberliegende Wand vor der Hitze- 
wirkung zu schützen. Die für Operationen in engen Höhlen konstru- 
ierten Diathermieelektroden sind auf einer Seite isoliert, auf der anderen 
aktiv. Nur auf der aktiven Seite tritt im engsten Gang die Wirkimg ein. 
Sie tritt aber erst ein, nachdem in aller Ruhe das Instrument auf seinen 
Platz gebracht ist, in dem Moment, in dem der Operateur den Fuß- 
kontakt einschaltet. Unter Belassung des Instrumentes kann in jedem 
Moment die Stromzufuhr unterbrochen imd die Wirkimg inhibiert 
werden, was beim Paquelin nicht möglich ist. Kurzum, das Diathermie- 
verfahren bietet so zahlreiche und wichtige Vorteile vor dem Paquelin, 
daß dieser vollkommen als veraltet und obsolet angesehen werden kann. 
Wesentliche Punkte sind: Die Diathermieelektroden sind kalt, so groß 
oder so klein wie man will, ihre Tiefenwirkung ist eine beliebig große. 
Ihre aktive Fläche kann beliebig durch Isolation gerichtet oder ver- 
kleinert werden. Ihre Tiefenwirkung ist durch Regulierung der Strom- 
stärke sowie durch die richtende Wirkung der indifferenten Elektrode 
beliebig zu variieren. 

Die galvanokaustische Schlinge oder der Galvanokauter, der ja 
auch den Vorteil der Einführung in kaltem Zustande vor dem Paquelin 
hat, hat eine viel zu geringe Tiefenwirkung imd ist besonders deshalb 
in seiner Wirksamkeit begrenzt, weil er sich im Gewebe sofort abkühlt 
und weil die Leitungswärme sich durch die ersten Koagulationen selbst 
den Weg versperrt. 

Ich muß an dieser Stelle noch auf die Bewertung der Kaltkaustik 
gegenüber der Diathermie kurz eingehen. Wie oben erwähnt, benutzt 
die Kaltkaustik Hochfrequenzfunken einer gewissen Spannung zur 
Durchtrennung von Geweben. Diese Durchtrennung soll theoretisch 
eine blutlose sein, und in der Tat findet auch eine Blutung während des 
Kaltkaustikeingriffs nur dann statt, wenn keine Kapillaren, sondern 
kleinere Gefäße durchtrennt werden. Größere Gefäße spritzen indessen, 
wenn sie von den F^ö^ken durchtrennt werden, erheblich. Aber auch 
die relative Blutlosigkeit der Kaltkaustikoperation ist nur eine schein- 
bare. Denn der minimale durch dieses Verfahren entstehende Ver- 
brennungsschorf an den Trennungsflächen, der nur den Bruchteil eines 



Anwendung der Diathermie bei Lupus, chirurg. Tuberkulose und Tumoren. 277 

Millimeters dick ist, hält der Reaktionshyperämie nicht stand, und die 
Kaltkaustik ist deswegen fast überall wieder verlassen worden, weil 
sie fast stets zu Nachblutungen führte. Sie entbehrt zudem die Vor- 
teile der Diathermie, nämlich: der Fimken ist nicht genau lokalisierbar; 
der Verschluß der Blut- und Lymphgefäße an der erfolgten Trennungs- 
fläche ist ein höchst oberf lächücher ; die Gewebesterilisation findet 
nur in einer feinen Schicht an der Oberfläche statt. Die Kaltkaustik 
findet ihre Grenze am Knochengewebe imd ist in Körperhöhlen schwer 
oder gar nicht anwendbar. Sie bietet allerdings gegenüber dem Paquelin 
gewisse Vorteile und stellt sozusagen einen Übergang zur Diathermie 
dar. Sie ist als eine ihrer unwichtigsten Applikationsmethoden zu 
bezeichnen. 

5. Kapitel. 

Anwendung der Diathermie bei Lupus, chirurgischer Tuberkulose 

und Tumoren. 

Die vorstehenden Krankengeschichten beleuchten einige Indika- 
tionsgebiete der chirurgischen Applikation der Diathermie. 

Es erübrigt, noch auf einige spezielle Gebiete etwas näher einzu- 
gehen. Es sind dies zunächst die tuberkulösen Erkrankungen. 
Beginnen wir mit dem Lupus der Haut. 

Das Dogma von der Unheilbarkeit des Lupus ist seit den Arbeiten 
Finsens und dem Aufschwung der physikalischen Heilmethoden, 
der sich im letzten Jahrzehnt vollzogen hat, zwar als überwunden zu 
betrachten, indessen ist eine genügende Klärung der Ansichten über den 
Wert der einzelnen Methoden und der speziellen Lidikationsstellimg 
noch keineswegs erzielt. Dies zeigte sich außerordentlich deutlich auf 
der Lupuskonferenz^) in Berlin, auf welcher zwar die hauptsächlichsten 
Lupusheilmittel zur Besprechung durch ihre berufenen Vertreter ge- 
langten, jedoch eine Einigung über die im Einzelfalle einzuschlagende 
Behandlungsmethode nicht erzielt werden konnte. Vielmehr klang aus 
der sich entwickelnden Diskussion die Tendenz heraus, daß zwar mehrere 
Methoden Gutes leisteten, aber z. Z. wohl die Kombination dieser 
Verfahren am ehesten Erfolg verspreche. 

Betrachten wir zunächst kurz, was die bisherigen Methoden an sich 
leisten, wo sie versagen und was eine ideale Methode leisten müßte. 

Der Exzisionsmethode, die früher wegen ihrer Unzulänglichkeit 
wesentlich dazu beigetragen hat, andere, bessere Methoden zu erstreben, 
wird durch Lang (Wien), der sie gewissermaßen spezialistisch betrieb, 
eine, augenblicklich im wesentlichen durch die Autorität Ijangs be- 
dingte, allgemeine Anerkennung gezollt. Er hat ein relativ großes 
und zweifellos günstiges (wenig Schleimhautkomplikationen!) Lupus- 
material operiert und seine Statistik ist relativ günstig. Die Vorteile 
des chirurgischen Eingriffes (mit eventuell nachfolgender Plastik) liegen 
ledigHch in der relativen Kürze und möglichen Vollständigkeit des ein- 

1) Sachverständigensitzung zur Beratung des Lupus im Herrenhaus, Berlin, 
12. Mai 1910. 



278 Klinische Anwendung der Diathermie. 

maligen Eingriffs. Dem stehen jedoch eine große Reihe von Nach- 
teilen gegenüber. Zunächst sind die Resultate Längs von anderen 
Chirurgen nicht annähernd erreicht worden, so daß man eine besondere 
Kimstfertigkeit Längs neben einem günstigen Material annehmen muß. 
Sodann eignet sich ein nur relativ kleiner Prozentsatz der Fälle für die 
operativ -plastische Methode. Lang selbst gibt zu, daß für diese Me- 
thode geeignete Fälle noch weniger zahlreich sind als die für die Finsen- 
behandlung, daß sich der Größe nach kleinste, kleine und größere Fälle 
(bis ca. 11,4 qcm im Gesicht) eignen, und daß bei Schleimhautbeteiligung 
seine Anwendbarkeit eine äußerst beschränkte ist. Die Kontraindi- 
kationen des chirurgischen Eingriffs sind im wesentHchen folgende: 
Die Exzision ist an vielen Prädilektionsstellen des Lupus technisch 
unmöghch (Naseneingang, Augenlider, Glans penis, Schleimhaut) oder 
kosmetisch unzulässig. Sie bietet stets Ungewißheit, ob man nach 
der Fläche und der Tiefe hin im Gesunden operiert hat. Der Dauer- 
erfolg der Exzision ist aus diesem Grunde bei dem geschicktesten Opera- 
teur nur ein glücklicher Zufall, da wir bei der Neigung des Lupus, 
Keime in die Umgebung und Tiefe auszusenden, über die wahren 
Grenzen niemals in Gewißheit sein können. Es besteht stets die Grefahr, 
daß wir, scheinbar im Gesunden operierend, mikroskopische tuber- 
kulöse Herde durchschneiden und Kxankheitsmaterial in frisch eröffnete 
Lymph- und Blutwege implantieren, so zu Metastasen Veranlassimg 
gebend. Es sind jedem Dermatologen die Fälle bekannt, in denen nach 
einer Nasenplastik die neue Nase ebenfalls lupös erkrankte. Kosme- 
tisch kann die Exzision in keinem Falle mit der Finsenbehandlung kon- 
kurrieren. Als inoperabel sind alle diejenigen Fälle anzusehen, bei 
denen neben dem Hautlupus auch ein Schleimhautlupus besteht sowie 
die ganz großen Fälle. Wenig Aussicht wird der operative Eingriff auch 
in den Fällen bieten, bei denen der Lupus endogen entstanden ist und 
somit die Reinfektionsgefahr dauernd bestehen bleibt. Ein weiterer 
Nachteil ist der, daß zur Erzielung glatter und abgerundeter Schnitt- 
flächen bei disseminierten Lupusknötchen große Hautpartien, die an 
sich gesund sind, entfernt werden müssen, so daß in manchen Fällen ein 
Vielfaches derjenigen Fläche, die lupös erkrankt ist, verloren geht. 

Vollkommen abzuraten ist von den übrigen chirurgischen Maß- 
nahmen, insbesondere Exkochleation, Auskratzung mit oder ohne 
Verbindung von nachträglichen Ätzungen, Desinfektionen usw. Die 
Rezidive pflegen sehr bald aufzutreten, und tuberkulöse Metastasen, 
ja Todesfälle infolge von Meningitis sind danach beobachtet worden. 
Denn man hat es in der Tat gar nicht in der Hand, bei der Eröffnung 
von Blut- und Lymphbahnen im Lupusgewebe Tuberkelbazillen nicht 
zu verschleppen, gleichgültig, ob man oberflächlich oder tief exko- 
chleiert. 

Die Anwendung des Paquelin, des Galvanokauter, der Elek- 
trolyse, der Heißluftmethode von Holländer hat bei weitem nicht 
die genügende Tiefenwirkung, und selbst bei langdauemder und zahl- 
reicher Wiederholung, der schmerzhaften Eingriffe gelingt es nur in den 
seltensten Fällen, die Erkrankung zum Stehen zu bringen, und noch 



Anwendung der Diathermie bei Lupus, chirurg. Tuberkulose und Tumoren. 279 

seltener, sie zu heilen. Bei der Behandlung des Schleimhautlupus bedient 
man sich in Ermangelimg besserer noch heute vielfach dieser Methoden, 
rechnet aber auch hier nur mit außerordentlich langsamer und im- 
sicherer Heilimg. 

Die Finsenbehandlung bietet den Vorteil kosmetisch idealer 
Resultate. Indessen ist sie so langwierig, daß in Lupusfällen, die pro- 
gredient sind, die Behandlimg nicht schnell genug einwirken kann, 
um auf den der Behandlung noch harrenden Stellen ein Weiterschreiten 
nach der Fläche und nach der Tiefe zu verhindern. Dazu kommt der 
außerordentlich kostspielige imd umständliche Apparat, insbesondere 
der imumgängliche Aufwand an gut ausgebildetem Pflegepersonal. 
Die Lidikationsstellung für die Finsenbehandlung ist daher im wesent- 
lichen von äußeren Bedingimgen abhängig, insofern größere Herde eine 
monate- oder jahrelange Behandlung notwendig machen, ohne mit 
Sicherheit Rezidive auszuschließen. 

Die Radiumbehandlung ist eine Modesache und wird vermut- 
lich nach Abklingen der psychischen Lifektion, die augenblicklich Ärzte 
und Patienten gefangen hält, von selbst aus der ernsthaften Diskussion 
verschwinden, wenn man sich allgemein von der minimalen Wirksam- 
keit und räumhchen Aktionsfähigkeit im Zusammenhang mit der außer- 
ordentlich langen Bestrahlimgsdauer bei vollkommen imzureichendem 
Erfolge überzeugt haben wird. 

Die Behandlung mit der Quarzlampe ist nur als ein Vorbereitungs- 
mittel für die radikale Beseitigrmg anzusehen. Definitive Heilungen mit 
der Quarzlampe allein sind ebensowenig möglich wie mit der Röntgen- 
behandlung. 

Die Röntgenbehandlung bietet zwar den Vorteil der Beein- 
flussung großer Flächen in relativ kurzer Zeit, demgegenüber steht aber 
der Nachteil, nur Besserungen, keine definitiven Heilungen zu erzielen, 
und der weitere Nachteil, daß die Röntgentherapeuten sich mitunter 
verleiten lassen, den Lupus mittels Röntgenstrahlen wirklich zerstören 
zu wollen, wobei es stets zu dauernden Schädigungen der Haut kommt, 
so daß in diesem labilen Gewebe mit Regelmäßigkeit auftretende Rezi- 
dive stets der Behandlung mit anderen Methoden die größten Schwierig- 
keiten bereiten. 

Die Salbe nmethoden, Pyrogallus, Resorcin, führen zu recht er- 
freidichen Besserungen, in den seltensten Fällen zu Heilungen, ge- 
statten auch, die Schleimhaut einigermaßen in den Bereich der Be- 
handlung zu ziehen, sind aber stets außerordentlich langwierig und 
unsicher im Erfolg. 

Wir sehen also, daß eine Methode schnell wirkend und in zwar 
relativ seltenen Fällen radikal ist, daß die andere Methode kosmetisch 
gute Resultate gibt, und daß wieder eine andere zwar langwierig, 
aber sowohl kosmetisch gut wirkend als auch mit einer gewissen Wahr- 
scheinlichkeit Heilresultate ergebend ist, und daß alle Methoden beim 
Schleimhautlupus versagen. Wenn wir denmach das Ideal einer 
Lupusheilmethode aufstellen wollten, so müßten wir folgendes von ihr 
verlangen : 



Klinische Anwendung der IKathermie. 



ia 
il 

^ 9 



i 



r 



Anwendung der Diathermie bei Lupus, Chirurg. Tuberkulose und Tumoren. 281 



äi 

u 



282 KiuüBohe Änwendnng der IHathermie. 

Sie muß möglichst elektiv wirken, d, h. nur das tuberkulöse Gewebe, 
soweit man es als solches erkennen kann, zerstören, sie muß eine große 
Tiefenwirkung besitzen. Sie muß schnell, möglidist mit einem ein- 
maligen Eingriff, das erkrankte Gewebe beseitigen, sie muß nicht nur 



Abb. 144. KoemetiBch ausge- 

zeichnetea Beaultat. Kontrol- 

Uert im Mira 1920. 



Abb. 145. Tuberkuloee der Abb. 146. Nach einmaligem 

Mittelhand- und H&ndwurzel- Diathermieeingriff 4 Jahre re- 

knochen mit Skrofuloderma. zidivfrei, mit kosmetisch Tor> 

züglicher Narbe geheilt. 

die Hauttuberkulose, sondern auch die Schleimhauttuberkulose beherr- 
schen und schließlich gute kosmetische Resultate geben oder solche 
durch Nachbehandlung ermi^lichen. Sie darf nicht an der Größe des 
Falles scheitern und muß Metastasenbildung infolge des Eingriffs aus- 
schließen. 



AnwenduDg der Diathermie bei Lupus, chirurg, THiberkuloBe und Tum 



Abb. 147. LupuB der Hand Abb. H8. Durch Diatbennie koametiHoh ein- 

mit ausgedehnter Narben- wandfrei gebeilt, 

bildui^, von früherer Be- 
handlung herrUbrend. 



Abb. 149. Lupus der Wange vor Abb. 150. Beginn der EpitheliEierung 

Zerstörung mit Diathermie. vom Rande her mit Ausbildung ge- 

sunder, kräftiger Granulationen. 



284 Klinische Anwendung der Diathennie. 

Daß keine der bisher üblichen Methoden auch nur annähernd 
diese Postulate erfüllt, ist bekannt. Indessen besitzen wir in der 
Diathermie dasjenige Verfahren, welches diesem Ideal nicht 
nur nahekommt, sondern es vielleicht erreicht. Da die 
diathermische Koagulation fast momentan bzw. in wenigen Sekunden 
eintritt, gleichgültig, ob es sich um Haut, Schleimhaut, Bindegewebe, 
Fett, Knochen, Muskel usw. handelt, so können wir jede Lokalisation der 
chirurgischen Tuberkulose in das Bereich der Wirkungen ziehen. Die 
Schnelligkeit, die in den meisten Fällen wohl die des chirurgischen Ein- 
griffs übertrifft, macht auch große und größte Fälle der Behandlung zu- 
gänglich. E^mplikationen von Skrofoluderma, tuberkulösen Fisteln, ver- 
eiterten Drüsen, erkrankten Knochen, z. B. der Mittelhand, des Nasen- 
gerüstes, der Stirn usw., werden ebenso schnell und in gleicher Weise 
durch Koagulation sterilisiert. Auch die Erkrankung des Ohrknorpels, 
die den sonstigen Methoden so außerordentlichen Widerstand entgegen- 
setzt, ist leicht beherrschbar. Da wir uns zur Behandlung des Lupus 
zumeist kleiner, knopfförmiger Elektroden bedienen, welche den ein- 
zelnen Lupusknoten unter Schonimg des umgebenden, eventuell ge- 
sunden Gewebes zerstören, und da diese Elektroden vollkommen kalt 
bleiben, vielmehr die Wärme lediglich im Gewebe erzeugt wird, so sind 
auch die verstecktesten Herde im engen Naseninnem, im Gehörgang, 
im Rachen, im Kehlkopf usw., soweit wir sie überhaupt dem Auge direkt 
oder mittels Spiegels sichtbar machen können, der gewissermaßen 
elektiven Koagulation erreichbar. 

Zur Zerstörung eines fünfmarkgroßen Lupus benötigt man etwa 
30 Sekunden, während einzelne disseminierte Knötchen in je 1 Sekunde 
genügend koaguliert werden. Kleinere disseminierte oder größere zu- 
sammenhängende Herde diathermieren wir unter Lokalanästhesie, 
soweit solche ausführbar ist. Bei multiplen und sehr ausgebreiteten 
Fällen sowie bei Kindern ist mitunter eine kurzdauernde Narkose 
erforderlich. Sehr ausgedehnte Fälle werden zweckmäßig in mehreren 
(2—3) Sitzungen diathermiert. Nach vollzogener Koagulation kann 
man entweder die entstandenen Nekrosen mittels scharfen Löffels 
oder der Exzision entfernen und die Wundflächen durch Naht schließen 
oder verkleinem oder die Abstoßung des Schorfes der eliminierenden 
Tätigkeit des Organismus überlassen. In diesem Falle hängt das kos- 
metische Endresultat lediglich von der Technik der Nachbehand- 
lung a b. Wurde das Hautgewebe bis in die subkutanen Schichten hinein 
vollkommen zerstört, so entstehen, wie erwähnt, glatte, weiche, an- 
fänglich pigmentierte, schnell epithelisierende Narben, die nicht einge- 
zogen zu sein pflegen und sich im Laufe von mehreren Monaten all- 
mählich depigmentieren. Sind jedoch nur die oberen Schichten bis 
in die Cutis hinein zerstört, so tritt leicht Keloidbildung auf. Diese 
können wir verhindern, indem wir die Nachbehandlung in Form der 
erwähnten Pyrogallussalben verbände durchführen, und auf diese Weise 
eine zarte, schöne, farblose Narbe erzielen. Hierbei ist es ein Vorteil, 
die Epithelisierung möglichst langsam entstehen zu lassen, weil dadurch 
die Zartheit der Narbe erhöht wird. Allerdings erstreckt sich dann die 



Anwenduiig der Diathermie bei Lapus, cUrurg. Tuberkulose und Tumoren. 285 

Nachbehandlung auf 6— 10 Wochen. Man kann aber auch die Heilungs- 
dauer wesentlich abkürzen, wenn man nach Abatoßung der Nekrose, 
d. h. nach etwa 10—1+ Tagen, Thierachsche I^äppchen transplantiert. 

Einer der wesentlichsten Vorteile der Methode besteht darin, 
daß durch die Diathermierung das 
ganze tuberkulöse Gewebe koaguliert 
und damit sterilisiert wird, so daß 
es gegen das gesunde Gewebe durch 
eine vollkommen sterile Wand ge- 
wissermaßen abg^renzt wird. Da 
somit weder Lymph- noch Blut- 
bahnen eröffnet und diese im ganzen 1 
Operationsgebiet bis nach seinen I 
Grenzen hin vollkommen obliteriert 
werden, ist jede Gefahr einer Ver- 
schleppung von Keimen während 
oder nach der Operation ausge- 
schlossen. Bei lupösen oder tuber- 
kulösen Affektionen der Schleimhaut 

ist der Verlauf noch wesentUch ein- Abb.151. Schwerer Lupus der inneren 
facher, da wir jede Nachbehandlung und äuSeren Nase, Skrofuloderm a der 
außerMundspülungen,Nasendiischen Wange, Fisteln, Abszesse am Kiefer- 



Abb. 153. 
Dieselbe Patientin, 4 Jahre später. 



286 Klinische Anwendung der Diathermie. 

oder ähnlichem entbehren können und innerhalb von 2—3 Wochen 
nicht nur die Abatoßung der Nekrose, sondern auch vollständige 
Epithelisiening der Defekte, wenn diene nicht sehr ausgedehnt sind, 
erzielt ist. 

I>ie Schlei mhautkomplikationen lassen sich unter Anwendung 
einer 20proz. Kokainlösung vollkommen schmerzlos behandeln. Wäh- 
rend auf der äußeren Haut, besonders im Gesicht, 2—3 Tage naeh der 
Behandlung manchmal erhebliche Ödeme auftreten, werden diese auf 
Schleimhäut«n fast vollständig vermißt. Zuerst habe ich Kehlkopf - 
tuberkulose nur klinisch diathermiert und alles zur Tracheotomie 
in Bereitschaft gehalten. Da sich aber herau^est«llt hat, daß weder 
Glottisödem noch tiefere Ödeme auftreten, habe ich in den letzten 



Abb. 154. Knochen- und Haut- Abb. 155. Derselbe Fall, 

tuberkulosedesDaumeos. Trotz i Jahre später, rezidivfrei ge- 

erfolgter Amputation waren blieben. 

Rezidive am Stumpf und an 
der Hand aufgetreten. Ein- 
mal^e Diatbermieox)eratJon, 
reiidivfreie Heilung. 

S Jahren die Larynxtuberkulose ohne weitere Vorsichtsmaßregeln in 
der Sprechstunde mit Lokalanästhesie operiert und habe die Patienten 
nach einer Viertelstunde Ruhens entlassen, ohne daß jemals eine Störung 
vorgekommen wäre. Es tritt weder Atemnot noch Nachblutung auf. 
Nicht einmal Schmerzen sind bis jetzt geklagt worden. Im Gegenteil 
ist die sofortige Beseitigung der Schmerzen, besonders der Dysphi^ie 
und des Hustenreizes im unmittelbaren Anschluß an die diathermische 
Operation ein unschätzbarer Vorzug der Methode. 

Ebenso einfach gestaltet sich die Behandlung bei der Rachen-, 
Tonsillen- und Nasentuberkulose. Auch hier genügt stets die 
Kokainanästhesie. Nur an den Übergangsstellen zur äußeren Haut muß 
Infiltrationsanästhesie angewandt werden. Besonders in der Nase, 
wo es auf kosmetische und funktionelle Bücksichten weniger ankommt, 
empfiehlt es sich, recht gründlich vorzugehen und immer einige Milli- 
meter im scheinbar Gesunden noch mit zu diathermieren. Siieziell 



Anwendung der Diathermie bei Lupus, chirurg. Tuberkulose und Tumoren. 287 

bei Septumerkrankungen habe ich es in der letzten Zeit stets zur Per- 
foration gebracht, weil es sich herausgestellt hat, daß bei oberflächlichen 
Diathermierungen vom Periost her Rezidive auftraten. In der Nase 
ist es mitunter notwendig, nach einigen Tagen die Abstoßung der ne- 
krotisierten Partien mechanisch zu unterstützen, da die stagnierenden 
Nekrosen in Verbindung mit den Nasensekreten zu üblen Grerüchen 
Veranlassung geben. Bei Diathermieoperationen im vorderen oberen 
Naseneingang muß man dafür Sorge tragen, daß Gazestreifchen mit 
Salbe sorgfältig eingelegt werden, um Verklebung der Nasenscheidewand 
mit den Nasenflügeln zu vermeiden. Eine Infektion des Schorfes auf 
der Haut kommt nur bei grober Vernachlässigung vor, da der Diathermie- 
schorf der Natur der Sache nach vollkommen steril und trocken ist und 
sehr wenig Neigung zu sekundärer Infektion zeigt. Auch der Umstand, 
daß weder bei der Operation selbst noch bei der Nachbehandlung — 
falls man nicht die Schorfe unvorsichtig abreißt — Blutungen eintreten, 
ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Methode. Nur ein einziges 
Mal habe ich eine venöse Nachblutung am Ende der 2. Woche auftreten 
sehen, als in einem Falle von Lupusrezidiven in der Nähe des Ellbogens 
bei einer durch die frühere Behandlung stark narbig atrophischen, sehr 
dünnen Haut ein Lupusknötchen, das über einer Hautvene lag, dia- 
thermiert wurde. Offenbar war trotz der kurzen Einwirkimg die Wand 
der Vene mit diathermiert worden und bei der Abstoßung der Nekrose 
vielleicht durch eine mechanische Verletzung perforiert. Es wäre 
natürlich ein leichtes gewesen, bei Gelegenheit des Eingriffs die Vene 
durch Koagulation mit zu thrombosieren, da wir ja auch erhebliche 
arterielle Blutungen (z. B. bei Karzinomoperationen) mit Leichtig- 
keit durch Diathermie momentan zum Stehen bringen können, ohne 
daß spätere Nachblutungen auftreten. 

Me vorstehenden Abbildimgen zeigen einige mit Diathermie be- 
handelte Lupusfälle. 

Die Abbildungen 149, 150 zeigen den Verlauf der Heilimg. 

Zusammenfassend kann ich über den Wert der Diathermie zur 
Behandlung des Lupus bzw. der Haut- und Schleimhauttuberkulose 
folgendes sagen: 

Sowohl der disseminierte Lupus wie sämtliche anderen Formen 
der Hauttuberkulose einschließlich der Gommes scrophuleux, Skrofu- 
loderma sowie der tieferen Komplikationen bzw. primären Herde 
(Knochen, Knorpel, Muskelgewebe), femer insbesondere sämtliche 
erreichbaren Schleimhautkomplikationen sind in gleicher 
Weise der Diathermie zugänghch. Die Operation erfordert weder Asep- 
sis noch sonstige Vorbereitungen. Selbst ein Jodanstrich ist über- 
flüssig. Kleine und mittelgroße Herde sowie sämtliche Schleimhaut- 
komplikationen lassen sich in einer bzw. mehreren Sitzungen, in der 
Sprechstunde und ambulant diathermieren. 

Der Vorteil der Schnelligkeit der chirurgischen Exzision 
wird in mindestens derselben Weise bei der Diathermie erreicht, wobei 
noch die Sicherheit der Asepsis, die Unmöglichkeit der Keimverschlep- 
pung, die Vermeidung auch der kleinsten Blutimg zugunsten der Dia- 



288 Klinische Anwendung der Diathermie. 

thermie spricht. Das Verfahren erfordert eine gewisse Übung und Er- 
fahrung, um die Tiefenwirkung richtig abschätzen zu können. Indessen 
ist selbst eine unvollkommene Operation nicht von den mitunter deletären 
Folgen begleitet, die der unvollkommene chirurgische Eingriff bedingt, 
da ich Exazerbation stehen gebliebener Herde niemals beobachtet 
habe, und die Reste jederzeit der gleichen einfachen Behandlung zu- 
gänglich bleiben. 

Die kosmetischen Resultate entsprechen, wie die Abbildungen 
zeigen, durchaus denjenigen, wie sie durch irgendeine andere Methode 
erzielt werden können, und werden höchstens bei ganz kleinen frischen 
Fällen durch die Finsenbehandlung übertroffen. 

Das Verfahren bietet den Vorteil außerordentlicher Billigkeit 
wegen der Kürze und Einfachheit des meist einmaUgen Eingriffs. Es 
bietet den weiteren Vorteil der ambulanten Durchführbarkeit sowie 
den wichtigsten Vorzug, die Schleimhautkomplikationen in 
definitiver Weise mit zu beherrschen und in diesem Punkte 
bei weitem alle bisher bekannten Verfahren zu übertreffen. Da auch 
die Größe der Herde für die Anwendbarkeit der Diathermie kein 
Hindernis abgibt, so kann ich wohl behaupten, daß es keine aus- 
sichtslosen Fälle von Lupus mehr gibt. Ich betrachte daher 
das Verfahren der Diathermie als einen wesentlichen Fortschritt in 
der Bekämpfung des Lupus sowie der Haut- und Schleimhauttuber- 
kulose überhaupt, das vermöge seiner Einfachheit, Schnelligkeit und 
Gründlichkeit die Möglichkeit der Ausrottung desLupus nahelegt. 

Sowohl bezüglich der Beurteilung des Wertes der Diathermiebehand- 
lung des Lupus, als auch bezüglich der Technik imd der Nachbehand- 
limg befinde ich mich in fast völliger Übereinstimmung mit dem leider 
verstorbenen Prof. Jacobi (Halle), der seine diesbezüglichen Erfahrungen 
in seiner ausführlichen Arbeit in der „Strahlentherapie 1914, Bd. IV, 
Heft 1, Seite 244flf." niedergelegt hat. 

Ebenso ist die Tuberkulose des Rachens, des Kehlkopfes, der 
Blase, der Knochen den Diathermieoperationen zugänglich. Zumeist 
können tuberkulöse Herde, wenn sie abgrenzbar sind, durch einen ein- 
maligen Eingriff definitiv sterilisiert werden. Selbst bei großen Abszessen 
gelingt es, indem man die Höhlen mittels der Diathermie gewissermaßen 
oberflächlich ausbäckt, den größten Teil der Abszeßwand zu sterilisieren. 
Sorgt man für genügenden Abfluß nach allen Seiten, so wird in einer An* 
zahl von Fällen die Elimination eventuell übriggebHebener Reste 
durch die ausgelöste Hyperämie vollendet. Bleiben irgendwo Residuen, 
so kann man diese späterhin durch einen nochmaHgen Eingriff, der nun- 
mehr bei den lokaHsierten Restpartien energisch und ausgiebig erfolgen 
kann, beseitigen. Hier tritt besonders die Kombination der Diathermie 
mit Röntgenstrahlen (siehe weiter unten) in ihre Rechte. Wir verwenden 
für chirurgische Zwecke spezielle Elektroden, deren Besonderheit darin 
liegt, daß sie eine relativ kleine Aktionsfläche hab^h. Mithin ist die 
Stromdichte an ihnen eine sehr große, und dieselbe Strommenge, die bei 
großen Diathermieelektroden (10 X 20 cm) nur zu einer leichten, kaum 
merkhchen Erwärmung der darunter liegenden Flächen führt, erhitzt, auf 



Anwendung der Diathermie bei Lupus, ohirurg. Tuberkulose und Tumoren. 289 

der kleinen Elektrodenfläche zusammengedrängt, das imter dieser be- 
findliche Gewebe bis zur Koagulationstemperatur. 

Bei der Behandlung des Zahnfleischlupus, die in derselben 
Weise erfolgt wie die des Schleimhautlupus überhaupt, ist noch eine 
Schwierigkeit zu überwinden. Man muß bei der Koagulation der an 
die Zahnsubstanz stoßenden Randpartien größte Vorsicht walten 
lassen, um den Zahn selbst nicht erheblich mit zu erwärmen. Denn 
wie jeder Knochen läßt sich auch die Zahnsubstanz leicht diathermieren. 
Jedoch erhält der Schmelz sehr schnell Sprünge, und diese Sprünge 
können später zur Karies imd zum Verlust des Zahnes führen. Maii 
muß deshalb die Randpartien des Zahnfleisches sowie die zwischen 
den Zähnen belegenen Stellen mit relativ kleinen Stromstärken unter 
Verwendimg von Nadelelektroden möglichst schnell koagulieren. Aus 
denselben Gründen dürfte die Desinfektion der Pulpahöhle mittels Dia- 
thermie nur mit größter Vorsicht ausführbar sein. Dagegen erweist 
sich die medizinische nicht chirurgische Diathermierung der Muod- 
partien zur Beseitigung von Zahnneuralgien xmd Periostitiden 
als ein hervorragendes Mittel; auch Kondensatorapplikationen wirken 
vermöge ihrer derivierenden Wirkung häufig sofort schmerzstillend. 

Aus dem Vorstehenden sehen wir, daß die Diathermie für die 
Chirurgie eine große Errungenschaft bedeutet. Sie ersetzt 
nicht den chirurgischen Eingriff, sondern sie stellt.ein neues 
chirurgisches Instrument dar. Aber dieses Instrument bietet 
Möglichkeiten der Anwendimg, die die Chirurgie vorher nicht besaß. 
Wenn von manchen Seiten die Diathermie als ein spezifisches Krebs - 
heilmittel empfohlen wird, so muß dem energisch widersprochen werden. 
Die Diathermie besitzt absolut keine anderen spezifischen Vermögen 
als das einer reinen Wärmewirkung. Nur hat diese Wärmewirkung 
eine besonders tiefe Ausdehnung. Es mag sein, daß Karzinomgewebe, 
wenn es reichhch vaskularisiert ist, ein etwas besseres Leitungsver- 
mögen für den elektrischen Strom besitzt als umgebendes Bindegewebe 
oder anderes Gewebe. Aber daraus eine spezifische Beeinflußbarkeit 
für die Diathermie gegenüber den gewöhnlichen Gewebszellen kon- 
struieren zu wollen, ist nicht genügend begründet. Nur wäre es denk- 
bar, daß die arterielle Hyperämisierung vielleicht das normale Gewebe 
im Kampf mit dem malignen stärkt und begünstigt und somit die 
Diathermie zur Nachbehandlung von Karzinomnarben wertvoll ist. 
Wenn aber die Diathermie auch kein spezifisches Krebsheilmittel ist, 
so macht sie doch manche Krebs- oder Sarkomfälle operabel, die für 
Messeroperationen aus technischen Gründen unzugänglich sind, z. B. 
wegen der Blutungsgefahr bei bestehender Kachexie und Anämie oder 
wegen der mangelnden Abgrenzbarkeit. Im allgemeinen aber bleiben 
inoperable Tumoren auch für die Diathermie im Sinne einer Dauerheilung 
inoperabel. So wird ein Karzinom, welches die Axillärgefäße umwuchert 
hat, ebensowenig der Diathermie wie einer Messeroperation zugänglich 
sein. Dagegen werden wir einen cancer en cuirasse, der 100—200 auf 
die Brustwand zerstreute Knötchen hat, ohne jede Schwierigkeit mit 
Diathermie zerstören können, während die Messeroperation in diesem 

Nagelschmidt, Diathermie. 2. Aufl. 1^ 



290 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Falle vollkommen versagt. Sind jedoch bereits Metastasen vorhanden, 
so wird der Dauererfolg ebenso gering sein wie bei jeder anderen chirur- 
gischen Methode. 

Auch für eine ganze Anzahl anderer Operationsgebiete eröffnet 
jdie Diathermie neue Perspektiven. Insbesondere gibt die chirurgische 
Tuberkulose eine ausgedehnte Anwendungsmöglichkeit. Durch den 
Umstand, daß die Diathermierung das tuberkulöse Gewebe, gleichgültig 
wo es sich befindet, falls es nur dem Auge oder dem tastenden Finger 
irgendwie zugänglich gemacht werden kann, zerstört, sterilisiert und 
die Weiterverschleppung unmöglich macht, sind wir mit einem Schlage 
in die Lage versetzt, unter Erhaltung des anscheinend Gesunden sehr 
große, ja fast beliebig große Teile der Haut, der Schleimhaut, der 
Drüsen, der Knochen, des subkutanen Gewebes, der Leber, 
der Nieren, der Hoden usw. zu eliminieren. Auch die chirurgisch- 
diathermische Liangriffnahme lokalisierter Lungentuberkulose, so 
wie sie Lenhartz mit der gewöhnlichen chirurgischen Methode durch- 
geführt hat, ist zumindest des Versuchs wert. Wenn die diather- 
mische Chirurgie nichts weiter leisten würde, als daß sie 
die Schleimhauttuberkulose und die Hauttuberkulose, wie 
aus den obigen Krankengeschichten hervorgeht, einer 
schnellen und relativ sicheren Heilung zugänglich macht, 
so würde schon damit ihr dauernder Wert in der Chirurgie 
gesichert sein. 

6. Kapitel. 

Die Diathermie im Kriege. 

Die Diathermie hat neben der gesamten übrigen physikalischen 
Therapie eine sehr ausgedehnte Verwendimg bei Kriegserkrankungen 
und Kriegsverletzungen gefunden. So kommt ihre Anwendung zunächst 
bei allen Indikationen in Frage, wie sie überhaupt allgemein medi- 
zinisch Gegenstand der Besprechung dieses Lehrbuches sind. Wir 
beschränken ims daher in diesem Abschm'tt auf eine Reihe von Kriegs - 
erkrankungen imd -verletzimgen, bei denen sie besonders gute Resul- 
tate aufzuweisen hatte, teils für sich, teils in Kombination mit anderen 
physikalischen Methoden. 

Es bedarf keiner Betonimg, daß die Diathermie bei frischen Kriegs- 
verletzungen keine Anwendimg finden konnte; denn erstens war sie 
in Frontlazaretten nicht vorhanden, imd zweitens ist sie fast ausschließ- 
lich zur Nachbehandlung nach Ablauf der entzündlichen oder Wund- 
stadien geeignet. 

Bei der Behandlung der Kriegsverletzten und Kriegserkrankten 
kommt im wesentlichen 

. L die resorbierende imd erweichende Wirkung (Narben, 
Callus, Neurome, Infiltrate, Hämatome, Versteifungen, innere 
Verwachsungen), 

2. die dekongestionierende (Ödeme, außer akut entzündlichen, 
Stauungen — Schwellungen — , in inneren Organen), 



Die Diathermie im Kriege. 291 

3. die stimulierende, Wachstums- und regenerations- 
anregende (lokale Gangrän, Erfrierungen, Stasen, trophische 
Störungen, Regeneration von Muskel- und Nervengewebe nach 
mechanischen Durchtrennxmgen, epithelisierende), 

4. die schmerzstillende und empfindungsregulierende 
Wirkung (Narben-, ELallusschmerz, Neuralgien, Hypästhesien, 
Hyper-, Parästhesien, Schmerzkontrakturen, rheumatische 
Schmerzen, Schmerzen innerer Organe), 

5. die Wirkxmg auf allgemeine Störungen (Neurosen, Dyskra- 
sien usw.) 

in Frage. 

Zur Illustrierung der genannten Diathermiewirkungen lasse ich aus 
dem Material mehrerer Tausende von Krankengeschichten eine kleine 
Anzahl stark gekürzt folgen: 

^) 29. 1. 15. Rechte Brustseite Streif -Steckschuß. 21. VIII. 15. Spamiung 
der Narbe bei Armbewegmigen. Schmerzen beim tiefen Einatmen. Bisher mediko- 
mechanisch ohne Erfolg behandelt. Am 21. VIII. 15. Beginn der physikalischen 
Behandlmig. 7. X. 15. Mit frei beweglichem Arm schmerzfrei fd. entlassen. 

*) 11. Vni. 15. Hechte Wade Krampf aderoperation. Zurzeit 24 cm lange 
Narbe, von der Wade bis auf den Oberschenke] reichend. Narbe spannt sich bei 
Bewegungen, und das behindert die Kniebeugung. Beginn der physikalischen 
Behandlung am 20. XI. 15. 29. XI. Narbe erweicht, Kniebeugimg vöUig freL 

*) 29. V. 15. Gangrän des rechten Handrückens. Operation. 11. I.>16. Harte 
Narbe mit der Unterlage verwachsen, schmerzhaft. Handgelenk versteift. Beginn 
der physikalischen Behandlung. 21. 1. Narbe Schmerzen gebessert. 3. II. Narbe 
erweicht, auf der Unterlage verschieblich. 23. II. Handgelenk beweglich, nur 
geringe Empfindungen in der Narbe. 

*) 6. XI, 15. Varizen an beiden Beinen operiert. 6. HI. 16. Spannung und 
Schmerzen in den Narben. Muskelatrophie. Beginn der physikalischen Behand- 
lung. 16. III. Fast schmerzfrei. 21. III. Schmerzen und Spanmmg geschwunden, 
Kraft gut. 

*) Schnittverletzung des linken Daumenballens. 19. VIII. 15. Daumen 
fast unbeweglich infolge starrer Narbe. Beginn der physikalischen Behandlung. 
25. VIII. Daumen vöUig beweglich. . 

*) 28. IV. 15. Rechter Oberschenkel Granatsplitter. 19. XI. Es besteht ein 
Narbenkeloid auf dem Quadriceps, welches hjrperalgetisch ist und stark juckt. 
Beginn der physikalischen Behandlung. 11. XII. 15. Narbe am Oberschenkel 
weich, unempfindlich, Jucken geschwunden. 

') 19. V. 15. Rechter Unterkiefer Sagittaldurchschuß mit Eaeferfraktur. 
12. XI. Es besteht noch eine Anschwellung der Backe und Eaefersperre. Schmerzen 
beim Kauen. Abstand der Zahnreihe 2^« cm. Beginn der physikalischen Behand- 
lung. 11. XII. Patient kann beschwerdefrei kauen. 20. XII. Zahnreihe kann 
3,2 cm entfernt werden. Patient wird beschwerdefrei entlassen. 

®) 13. VI. 15. Kopfschuß Unks, Kiefergelenk durchschossen. 26. X. 15. Be- 
ginn der physikalischen Behandlung, Schmerzen beim ELauen, Zahnreihen können 
nur 0,7 cm voneinander entfernt werden. 22. XII. Patient wird beschwerdefrei 
entlassen. Kann ohne Schmerzen essen. Entfernung der Zahnreihen 2,2 cm. 

*) 18. VII. 15. Querdurchschuß durch die untere Gesichtshälfte. Rechter 
Masseter und Kiefergelenk durchschossen. 25. VIU. 15. Eliefergelenk versteift. 
Zahnreihen können nur bis fast 1 cm geödet werden. Schmerzen beim Kauen. 
Beginn der phjrsikalischen Behandlung. 4. XI. 15. Zahnreihen bis 3,5 cm geöffnet. 
Keine Beschwerden beim Essen. 

^^) 2. Xn. 15. Schulterdistorsion, Fraktur des linken Akromion und der 
Klavikula. 7. III. 16. Arm kaim seitlich nur 31 ° abduziert werden. Schmerzen 
bei Bewegungsversuchen, Kailus durckempfindlich. Großer Muskeldefekt auf der 
Höhe der Schulter. Parästhesien im linken Arm. Beginn der physikaUschen Be- 

19* 



292 Klinisohe Anwendung der Diathermie. 

handlang. 17. III. Arm seitlich 71 °. 28. III. Arm seitlich 81 °, Schmerzen ge- 
bessert. 10. IV. Arm seitlich 142°, Schmerzen nur noch bei Druck auf die Narbe. 
14. IV. Schultet vollkommen frei beweglich, sämtliche Beschwerden geschwunden. 
Kraft gebessert, dynamometrisch 62 1^. 

11) 6. X. 15. liiiker Oberarm Schrapnelldurchschuß, Fraktur. 26. 1. 16. 
Schulter steif, Schmerzen bei Bewegungen, grobe Kraft herabgesetzt, Arm kann 
seitlich 86° abduziert werden. Beginn der physikalischen Behandlung. 7. II. Arm 
seitlich 89°. 26. II. Arm seitlich 120°, Schmerzen gebessert. Kallus noch emp- 
findUch. 6. IH. Arm seitlich 133°. 10. HL Arm seitlich 145°. 15. HI. Arm- 
bewegung in der Schulter frei, Muskelatrophie geschwunden, Schmerzen gleich- 
falls, grobe Kraft gut, fd. entlassen. 

1») 24. XI. 14. Rückenschuß, Schulterblattfraktur. 21. VIII. 15. Großer 
Muskeldefekt. Narbe 18 mal 24 cm. Arm kann seitlich nur um wenige Grade, 
nicht meßbar, abduziert werden. Beginn der physikalischen Behandlimg. 3. IX. 
Arm seitUch 60°. 25. IX. Arm seitUch 104°. 

1') 6. X. 14. Splitterfraktur des rechten Oberarmkopfes und der Skapula. 
18. X. 15. Schulterankylose, Beweglichkeit 20°. Beginn der physikalischen Be- 
handlung. 8. XI. Arm kann seitlich 64° abdu^ert werden. 3. XII. Abduktion 
98°. 

1*) 19. V. 15. Granatsplitter rechte Schulter. 20. 1.16. Schulter versteift. 
Arm kann seitlich 97 ° abduziert werden. Beginn der physikalischen Behandlung. 
3. n. Abduktion 112°. 14. II. Armbewegung in der Schulter völlig frei. 

1^) 15. Vn. 15. Schuß durch die linke Schulter. 5. X. 15. Linker Arm kann 
seitlich 95° abduziert werden. Beginn der ph3rsikalischen Behandlung. 15. X. Ab- 
duktion 125°. 9. XI. 163°. 1. XII. Armbewegung normal 

1*) 20. vn. 15. Steckschuß rechtes Knie. 30. XII. ICniebeugimg nur bis 
122° unter Schmerzen möglich. Beginn der physikalischen Behandlung. 10. 1. 16. 
Kniebeugung 52°. Schmerzen geschwunden. 13. 1. Beugung 39°. Völlig be- 
schwerdefrei, fd. 

1') 23. VIII. 15. Huf schlag gegen die linke Kniescheibe. 12. XI. Knie- 
beugung nur bis 126° möglich, Schmerzen, Erguß im ICnie. Beginn der physika- 
lischen Behandlung. 23. XL Beugung 105°. 4. XIL Beugung 61°. 16. XII. 
Beugung normal, 40°. Erguß geschwunden. 

1^) 27. V. 15. Granatsplitter, Femurfraktur. 2. XI. 15. Kniebeugung bis 
148° möglich. Beginn der physikalischen Behandlimg. 22. XI. ICniebeugung 
55°. 

1^) Seit 6 Jahren Gelenkrheumatismus. 8. X. 15. Heftige Schmerzen im 
Knie, Kniebeugung 75°. Beginn der physjkaHscljen Behandlung. 19. X. Knie- 
beugung 51°. 2. XI. Schmerzen völlig geschwunden, Kniebeugung 39°. 

20) 2. V. 15. Granatsplitterschuß rechter Oberschenkel. 24. VIII. 15. Knie- 
beugung 120°. Streckung 162°. Schmerzen, hinkender Gang. Beginn der physi- 
kalischen Behandlung. 11. IX. Beugung 63°. Streckung 183°. Geht ohne Hinken 
schmerzfrei. 

21) 24. V. 15. Rechtes Knie durchschossen. 19. VIII. Knie stark versteift, 
kann unter Tremor bis 145° gebeugt werden. Beginn der physikalischen Behand- 
lung. 14. IX. Kniebeugung 75°. 7. X. 63°. 

22) 25. X. 14. linüksseitiger Beckenschuß. 22. XL 15. Tiefe, eingezogene 
Narbe. Hüfte nur andeutungsweise beweglich, beim Versuch der Bewegung 
Schmerzen. Beginn der physikalischen Behandlung. 13. XII. Rumpfkreisen 
möglich, aber noch Schmerzen. 27. XII. Bewegimg im Kreuz ausgiebig und 
schmerzfrei. 

23) 3, VI. 15. Linke Wade SchrapneUverletzung. 29. 1. 16. Fuß völlig 
versteift, Exkursion 0, Zehen fast unbeweglich. Narbe mit den Extensoren ver- 
wachsen. Beginn der physikalischen Behandlung. 16. 11. Fußbewegimg angedeu* 
tet, Zehen noch versteift, 28. III. Fußgelenk gebessert, große Zehe etwas beweg- 
lich. 3. IV. Fußgelenkexkursion 40°. Geht beschwerdefrei. 

2*) 27. VIIL 15. Tibiafraktur links, SchrapneUschuß. 9. H. 16. Hinkender 
Gang, linker Fuß fast völlig steif, Exkursion dorsal 2°, plantar 16°. Beginn der 
physildalischen Behandlung. 19.11. Exkursion dorsal 21°, plantar 20°. Geht 
fest ohne Hinken. 28. IL Gang weiter gebessert, Fuß dorsal 40°, plantar 20®. 



Die Diathermie im Kriege. 293 

**) 13. VI. 15. Oberflächlicher Knochenstreifschuß am linken Unterschenkel. 
7. IX. 15. Schmerzen, Hinken, Fußbewegmig stark eingeschränkt. Beginn der 
physikalischen Behandlmig. 13. IX. Vollkommen beschwerdefrei, mit normaler 
Beweglichkeit entlassen. 

2«) 7. VIII. 15. Lmker Ellbogen Gelenkdurchschuß. 23. IX. 15. EUbogen 
ankylotisch, Beugung 50°. Streckung 92°. Beginn der physikalischen Behandlung. 
12. XI. Ellbogenbeugung 29°. Streckung 122°. 

2') 11. VI. 15. Rechter Arm, Ellbogen, Weichteilschuß. 31. VIII. 15. Narbe 
mit dem Knochen stark verwachsen. Ellbogenbeugung 97°. Streckung 150°. 
Beginn der physikalischen Behandlung. 16. IX. Ellbogenbeugung 49°. Streckung 
177°. 

*^) 21.-V. 15. Linker Unterarm, Explosivgeschoßverletzung. 5.1.16. Linkes 
Handgelenk völlig unbeweghch. Stark verwachsene Weichteilnarbe. Beginn der 
physikalischen Behandlung. 15. 1. 16. Handgelenk kann mit großer Anstrengung 
etwas gehoben werden. 26. 1. Handgelenk kann fast bis zur Senkrechten gehoben 
werden. 23. II. Hand kann nach oben mühelos bis zu 93° gehoben werden. 

2ö) 28. VI. 15. Fraktur der Grundphalanx des linken Zeige- und Mittel- 
fingers. 12. VIII. 15. Bei Faustschluß Fingerabstand 4 cm. Beginn der physi- 
kaSschen Behandlung. 18. VIII. Nach 5 Behandlungen Faustschluß voll. Kraft 
gut, beschwerdefrei. 

^°) 6. n. 15. Rechtes Handgelenk durchschossen, Radiusfraktur. 6. IX. 15. 
Faustschluß unvollkommen. Fingerabstand: II: 8 cm, III: 6 cm, IV: 4 cm, V: 5 cm. 
Beginn der physikalischen Behandlung. 29. IX. Faustschluß voll. 

'^) 11. X. 14. Rechter Unterarm zerschmettert. 8. IX. 15. Narbenver- 
wachsung. Faustschluß behindert. Fingerabstand: II: 4 cm, III: 6 cm, IV: 6^/2 cm, 
V: 7 cm. Beginn der physikalischen Behandlung. 5. X. Faustschluß Finger- 
abstand: 11: V4 cm, III: 1 V2 cm, IV: 2V2 cm, V: 2 cm. 8. X. Faustschluß voll. 

^2) 21. V. 15. Rechtes Handgelenk durchschossen. * 13. IX. Faustschluß 
Fingerabstand: II : 6 cm, III : 6 cm, IV : 5 cm, V : 5 cm. Beginn der physikali- 
schen Behandlung. 5. X. Faustschluß voll. 

^^) 6. III. 15. Linker Unterarm Granatsplitterschuß. 7. X. 15. Faustschluß 
behindert: II: IOV2 cm, III: 10 cm, IV: 9 V2 cm, V: IOV2 cm. Beginn der physi- 
kalischen Behandlung. 14. X. Faustschluß voll. 

3*) 2. V. 15. Phlegmone der linken Hand. 23. IX. 15. Operationsnarbe. 
Faustschluß behindert. Fingerabstand: II: 6V4 cm, III: 5 V2 cm, IV: 6 cm, V: 7 Va cm 
Beginn der physikalischen Behandlung. 2. X. Faustschluß: 11: cm, III: cm, 
IV: 1 cm, V: 1 cm. 9. X. Faustschluß voll. 

35) 10. VII. 15. Linke Schulter Steckschuß. 7. IX. 15. Sehr große Narbe 
auf der Spina scapulae. Schmerzen im Nacken, Schiefhals nach links. Schulter 
versteift. Arm kann seitlich nur bis 85° gehoben werden. 20. IX. Arm seitlich 
100°. Schief hals noch vorhanden. 1. X. Ann seitlich 126°. 11. X. linke Schulter 
vollkommen frei, Halsbewegung normal. 

'*) 13. Vn. 15. Schrapnellsteckschuß im rechten Unterschenkel über den 
Knöcheln. Fibulafraktur. 24. IX. Schmerzen beim Laufen und Gehen in der 
Kallusgegend. Schwäche im Bein. Auswärtsrollen des Fußes behindert. • 4. X. 
Beschwerdefrei, fd. entlassen. 

3') 23. VII. 15. Rechtsseitiger Brustdurchschuß. 2 Tage Hämoptoe. 21. IX. 
Schmerzen bei Armbewegungen in der Schulter. Schulter versteift. Arm seitlich 
110° unter intensiven Schmerzen, Schwäche im Arm. 29. IX. Arm seithch 152°, 
weniger Schmerzen. 8. X. Arm kann in der Schulter völlig frei gestreckt werden. 

3^) 7. VI. 15. Rechts Tibiafraktur durch Sturz. 24. IX. Schmerzen im Bein 
imd Fußgelenk. Hinkt. Frischer Kallus an der Tibia. 1. X. Kallus geschwunden. 
28. X. Am Schienbein noch zeitweise Schmerzen. 23. XI. Beschwerdefrei ent- 
lassen, gd. 

3*) 6. VIII. 15. Beim Sprung Bruch des rechten Knöchels. 12. X. 15. Ver- 
dickung des Malleolus internus. Schmerzen beim Gehen, Schwäche im Bein. 
22. X. Verdickung geschwunden, Schmerzen beim Gehen auf ebener Erde gleich- 
falls; gd. entlassen. 

*®) 4. V. 15. Linker Unterarm Gewehrlängsdurchschuß. Ulna gesplittert. 
17.1. 16. Handgelenk versteift, Supination fast aufgehoben, Schwäche, in der 



294 Klinische Anwendung der Diathermie. 

Hand, Faustechloß ohne Kraft. 7. IL Supination deutlich gebessert, desgleichen 
Kraft. 17. II. Supination weiter gebessert, Faustschluß kräftig. 23. U. Bis auf 
geringe Beschwerden auf Druck am distalen Ende der Ulna beschwerdefrei, f d. 

*^) 1. IV. 15. Stichwunde am linken Knie. Phlegmone. 9. X. Große Ope- 
rationsnarben, welche die Kniebewegung berhindem. Schmerzen beim Gehen, 
Muskelschwäche. Kniebeugung 132°. 13. XI. Kniebeugimg 96° beschwerdefrei, gd. 

**) 18. V. 15. Steckschuß linke Schulter. 7. IX. Schmerzen bei Bewegungs- 
versuchen, Abduktion des linken Armes 25°. 21. IX Abduktion 45°. 6. XL Ab- 
duktion 69°. 30. XI. Abduktion 90°. Bewegungen nach vom und hinten freL 

*') Wurde am 10. V. mit dem Wagen mitgeschleift. Bluterguß ins rechte 
Knie. Schmerzen, Bewegungsbehinderung. Am 30. VIII. 15 Beginn der Behand- 
lung. 7. IX. Nach Diathermiebehandlung geheilt entlassen, fd. 

**) 8. VI. 15. Luxation des rechten Knies beim Fechten. Schmerzen an der 
ICniescheibe. Beginn der Behandlung am 1. IX. 15. 3. IX Nach 2 Behandlungen 
fd. entlassen. 

**) 1. V. 15. Linksseitige Pneumonie, darnach Empyem. 26. X Große 
Operationsnarbe, von Empyem herrührend. Stechen beim Atemholen. Kurz- 
atmig. Behandlung mit Diathermie und Quarzbestrahlung. 5. XI. Stechen beim 
Atmen geschwimden. 15. XI. Keine Beschwerden mehr, Narbe hindert etwas. 

*®) 4. VIII. 15. Linker Lungenschuß. Keine Fraktur. 1. X. Schmerzen 
H. U. L., besonders beim Laufen und Bücken, Atemnot. 14. X. Atemnot besser. 
27. X Atembeschwerden geschwunden, Schmerzen beim Bücken noch in geringem 
Grade vorhanden. 

*') 23. VIII. 14. Steckschuß im rechten Knie. Geschoß am 28. IX. 14 ent- 
fernt. Versteiftes Kniegelenk am 5. XL 14 in Narkose gebeugt. Am 21. VIU. 15 
wegen Kniegelenkerguß in Behandlung genommen, starke elephantiastische Ver- 
dickung des Beines. Umfang des linken (normalen) Knies 39 cm, Umfang des 
rechten Knies 49 cm. 'Am 13. IX. Umfang rechts 47 cm. Am 4. X. 42 cm. Am 
13. X. 41,5 cm. Am 26. XL 41 cm. 

**) 30. VI. 15. Linker Fuß Durchschuß. Grundgelenk verletzt, keine Frak- 
tur. 14. X. Schwellung, Schmerzen im Fußrücken, do. auf der Sohle, hinkt. Elek- 
trisches Gefühl in den Zehen beim Auftreten. 15. XL Geschwulst zurückgegangen. 
Beschwerden geschwunden. 

*') 3. IX. 15. Quetschung der linken Knöchelgegend. 16. X. Fußbewegung 
nur unter Schmerzen möglich. Kann nur auf der Spitze auftreten. Im Gehen 
schwillt das Gelenk an. 25. X. Nach 1 Stunde Gehens keine Anschwellung auf- 
getreten. 29. X. Beschwerdefrei, fd. entlassen. 

*°) 14. VI. 15. Einschuß im Rücken in der Höhe des 11. Brustwirbels. Aus- 
schuß rechtes Schulterblatt Spitze. Fraktur der I. Rippe, Lungenverletzimg, hat 
2 — 3 Stimden Blut gehustet. 4. X. Schmerzen am rechten Schulterblatt beim 
Atemholen und Bewegen, große Narben, die sehr h3rperalgetisch sind, zum Teil 
noch mit Schorf bedeckt. 28. X. Noch leichte Schmerzen in der Schultergegend, 
sämtliche übrigen Beschwerden geschwunden. 10. XI. Mit minimalen Beschwerden 
entlassen. 

^^) 20. XI. 15. Linker Vorderarm Durchschuß. Ulnafraktur. Radialis 
partiell verletzt. 9. IL 16. Pro- und Supination aufgehoben. Faustschluß ohne 
Kraft, bei der Streckung bleibt der III. und IV. Finger zurück. 11. IL EaR ist 
nur noch im Extensor pollicis nachweisbar, so daß die Bewegungsstörungen im 
wesentlichen funktionell sein müssen. Auffallender Tremor im Daumen. 19. 11. 
Supination wesentlich besser, Faust kräftiger, kann im herabhängenden Arm bis 
2 kg halten. 10. III. Kraft weiter gebessert, Tremor im Daumen geschwunden, 
Elektrisch hat auch die Zuckung des Extensor pollicis einen schnellen Charakter 
angenommen, so daß man die Nervenläsion als restituiert und die noch bestehenden, 
übrigens auch gebesserten Bewegimgsstörungen als rein funktionell ansehen kann. 
Der Tremor im Daumen ist fast ganz geschwunden. 17. III. Faustschluß kräftig, 
hält 5 kg. Beschwerdefrei, gd. 8. V. Fat. ist 2 Tage nach der Entlassung von der 
Sammelstelle vom Truppenteil als fd. erklärt worden. Bei der heutigen Nachunter- , 
suchung bestehen keinerlei Beschwerden, nur können die beiden Mittelfinger 
nicht ganz voll gestreckt werden. Eine weitere Behandlung erscheint unnötig. 



Die Diathermie im Kriege. 295 

^*) 21. X. 14. Rechter Oberarmdurchschuß-Schulter-Thorax. Kugel steckt 
in der Brust. Rechter Radialis verletzt. 9. IX. 15. Schmerzen in der Schulter 
und unter dem rechten Schulterblatt. Ejibbeln im rechten Unterarm. Kältegefühl 
in der Hand. Heben der Hand eben bis zur Horizontale möglich. 16. IX. Hand 
kann 20° über die Horizontale gehoben werden. 30. IX. 30°. Finger noch wenig 
beweglich. 15. XI. Hand kann 49° gehoben werden. Mehr Kraft in den Fingern, 
kann bereits Klavier spielen. 

**) 4. X. 15. Linker Oberarmdurchschuß. Medianusverletzung. 3. 1. 16. 
Medianusläsion, Schwäche im linken Arm, Ellbogengelenk kann nur bis 150° ge- 
streckt werden. Faustschluß behindert. Zeigefinger 11 cm, HE. Finger: Vs c^^* 
12. I. Nervenstatus Charit^: Läsion des Nervus medianus, totale EaR im ganzen 
Gebiet, außerdem des Nervus musculocutaneus unterhalb des Abganges für 
den Bizeps. Faustschluß: Zeigefinger unverändert*, III. Finger schließt voll, 
Ellbogenstreckung 158°. 15. n. Nervenstatus Charit^: Leichte Besserung im 
Brachialis internus und im langen Daumenbeuger, elektrisch unverändert. 29. U. 
Ellbogenstreckung 170°. 16. III. Faustschluß: Zeigefinger 9 cm. Ellbogen- 
streckung normal. Daumenbeweglichkeit gebessert. 20. III. Nervenstatus Charit^: 
Beginnende Restitution. Der Flexor carpi radialis und der Pronator teres fimktio- 
nieren wieder. Elektrisch besteht noch komplette EaR. 25. III. Zeigefinger 
5V2 cm. 4. IV. Ellbogenstreckung 172°. Faust: 11: 4V2- Daumenbewegung 
weiter gebessert. 14. IV. Ellbogenstreckung 180°. Faust II: 4 cm. Daumen 
beweglich, nur Opposition noch nicht. 13. IV. Nervenstatus: Die Restitution 
hat weiter wesentliche Fortschritte gemacht, die ganze Medianusmuskulatur 
mit Ausnahme des Flexor indicis longus ist faradisch erregbar. Gralvanisch besteht 
noch etwas verlangsamte Zuckung, jedoch überall mit normaler ZuckungsformeL 
Funktionell wesentliche Besserung, Sensibilitätsstörung besteht nur noch im 
Zeigefinger. Djniamometrisch 70 kg. 26. IV. 14: Ellbogenbeugung voll, Streckung 
176°. Keine Schmerzen, im Zeige^ngeri besteht noch ÜberempfindHchkeit. Sonst 
ist die Sensibilität gebessert, noch leichte Parästhesien im I. — ^III. Finger. Faust- 
schluß voll bis auf Zeigefinger, der noch 3 cm von der Vola absteht. Charit^ 
2. V. 16. Fortschreitende Besserung, Sensibilitätsstörung eingeschränkt; funk- 
tionell gebessert; der Musculus pronator teres, Flexor carpi radialis, Pronator teres 
schnelle galvanische Zuckungen. Alles unterhalb davon noch totale EaR. Brachia- 
lis noch totale EaR. 2. VI. 16: Fortschreitende ^Restitution im Medianusgebiet; 
im Flexor carpi radialis und Pronator teres besteht jetzt keine EaR mehr, nur noch 
Herabsetzung der Erregbarkeit. Im Flexor digiti comm. und im Flexor poUicis 
longus ist die Funktion teilweise wiedergekehrt, doch besteht hier noch wie im 
übrigen Medianusgebiet totale EaR. 20. VI. 16: Faustschluß voll bis auf U = 1 cm. 
Elektrisch überall wesentliche Fortschritte, Opponens und ein Teil der langen 
Flexoren sind bereits schneller geworden. Sensibilitätsstörung gebessert. 

^) 3. in. 15. Schuß durch das linke Schultergelenk und den Oberarm. 
Fraktur. 3. I. 16. Versteifung im Schulter- und Handgelenk. Atrophie der Finger. 
Bewegung der Finger nur in geringem Umfange möglich. Armheben seitlich 40°, 
vorn 30°, hinten 35°. Nervensta-tus: Radialislähmung mit EaR. Im ülnaris- und 
Medianusgebiet keine Nervenschädigung, nur mechanische Behinderung durch 
Gelenkveränderungen, Folgen des Verbanddruckes und funktionelle Störungen 
infolge von Nichtgebrauch. Heben der Hand bis zur Horizontale. Finger können 
gestreckt werden. 13. I. Geringe Besserung des Kraftgefühls. 24. I. Bedeutende 
Besserung, mehr Kraft im Arm, kann beim Spielen bereits die Karten halten. 
29. I. Die linke Hand kann annähernd so weit über die Horizontale gehoben werden 
wie die rechte. Nervenstatus Charit^: Reste einer Radialisschädigung in Resti- 
tution, daneben funktionelle Parese. 10. IL Faustschluß: II: 9V2» HI: 9^/2, 
rV: 9V2» V: 9Va- 22. IL Arm seitlich 68°. 2. III. Radialis funktionell gut, 
nur Faustbeugung noch behindert. 7. III. Nervenstatus Charit^: Besserung 
der funktionellen Parese im Radialisgebiet. Am Vorderarm besteht noch leichte 
elektrische Herabsetzung. 11. III. Arm seitlich 100°. 21. III. Faust: II: 2, 
ni: 21/2, IV: 3, V: 3. Dynamometer links: 10 kg. 28. III. Faustschluß besser, 
Übungstherapie wegen falscher Innervation eingeleitet. 14. IV. Leichte Besse- 
rung der Armhebung und im Handschluß. Restitution hat weitere Fortschritte 
gemacht. 29. IV. Status idem. 6. V. Fa^tbehinderung noch vorhanden, des- 



296 Klinische Anwendung der Diathermie. 

gleichen leichte Nervenschmerzen, Muskulatur erhebUch regeneriert. Nervensta'fciis: 
Auch im Badialisgebiet sind alle Muskeln wiedergekehrt. Geringfügige Stömngen 
befinden sich noch im Extensor carpi radialis, Sensibilität normal. Parästhesien 
an der Hand noch vorhanden. Dynamometrisch links 11 kg. Seitliche Arm- 
abduktion 93°. Faustschluß: 5, III : 4Vi, IV: 4V2, V: 5 cm Abstand. Hand- 
gelenkbewegung miihsam, jedoch vollkommen möglich. 

^^) 10. IX. 15. Rechter Ellbogen Durchschuß, KadiaUsverletzung. 16. XJ. 
Radialisparese, Hand kann 9° über Horizontale gehoben werden. Finger können 
nicht gestreckt werden. Grobe Kraft herabgesetzt, Ellbogenstreckung 140^. 
12. I. 16. Nervenstatus Charit^: Es besteht noch Läsion des Radialis (Ramiis 
profundus) mit.EaR in den vom Radialis versorgten Vorderarmmuskeln, aus- 
schließlich Brachii radialis und Extensor carpr radialis. Anscheinend Restitution 
des Nerven. 29. I. Es bestehen noch neuralgische Schmerzen im Ulnarisgebiet 
dorsal. 7. II. Ellbogenstreckung 163°, Hand kann 35° über Horizontale exten- 
diert werden. Status der Charit^: Funktionell und elektrisch fortschreitende Bes- 
serung. Elektrisch zeigen die Daumenstrecker noch totale EaR.. 10. III. Status 
Sammelstelle: Die Funktion der Daumenstrecker hat sich gebessert, auch ist 
namentlich die quantitative Herabsetzung wesentlich geringer geworden. 18. Hl. 
Ellbogenstreckung 167 °. 28. III. Dynamometrisch 72 kg Arm- und Handbewegun^ 
völlig frei, ohne Mitbewegungen, keine Schmerzen mehr. 8. IV. Armstrecken 
168°. Dynamometrisch 90 kg, keine Schmerzen. 27. IV. Armstreckung fast voll, 
dynamometrisch über 100 kg. Keine Beschwerden, Nervenläsion ist funktionell 
und elektrisch vollkommen beseitigt. Es besteht nur noch eine geringe Behinde- 
rung beim Heben der Hand über die Horizontale und gleichzeitiger Streckung 
der Finger. Sensibilität ist normal, dynamometrisch 70 kg. 

5«) 14. VIII. 15. linkes Handgelenk Durchschuß, Uhiafraktur. 4. 11. 16. 
Parästhesien im Ulnarisgebiet. 5. Finger kann nicht gestreckt werden. Hand- 
gelenk fast völlig steif, Supination stark behindert. Alte Epilepsie seit dem vierten 
Lebensjahre. Beginn der Behandlung 10. III. Handgelenk Exkursion dorsai 
23°, volar 31°. 20. III. Finger können sämtlich gestreckt werden. Faust dynamo- 
metrisch 100 kg. Supination 45°, Pronation 69°. Handgelenkexkursion doiBal 
27°, volar 43°. Beschwerdefrei, fd. 

^') 9. VI. 15. 5 Wochen nach Infektion mit Diphtheritis Auftreten von 
Lähmung, Akkomodationsstörungen, Sprachlähmung, Herzkrampf, Kniegelenk- 
erguß, hochgradige Schwäche. 4. X. Es bestehen noch Herzkrämpfe, leichter 
Kniegelenkerguß, hochgradige Schwäche in Armen und Beinen und Inkontinenz. 
Er muß während der Untersuchung sitzen, kann Messer und Gabel beim Essen 
nicht benutzen. Tachykardie 150. Hochgradige Anämie. Oberkörper gebeugt. 
Beginn der Behandlung 24. XI. Bis auf taubes Gefühl im linken Unterschenkel 
gebessert. Mehr Kraft, Gefühl sonst wieder normal, kann Messer und Gabel hal- 
ten usw. Herzkrämpfe sind nicht wieder aufgetreten. Nur noch Schlaflosigkeit 
nachts, Herzklopfen, sowie Inkontinenz am Tage. Seit 14 Tagen empfindet er 
Urindrang, am Tage ca. 10 Miktionen, nachts 3— 4 mal. 4. I. 16: Alle Lähmungs- 
erscheinungen geschwunden. 

^®) 7. VIII. 15. Linker Oberschenkel- uAd Unterschenkeldurchschuß. Pero- 
neusnerv verletzt. 29. IX. Sensibilitätsstörungen. Schmerzen beim Auftreten, 
Schwäche im Bein. Geht am Stock, Fußgelenk versteift. Beginn der Behandlung 
10 X. Gebessert, kann ohne Stock auftreten. Etwas Schmerzen in der Knie- 
gegend. Sensibilität im Fuß gebessert. 19. X. Sensibilität auf der Sohle noch 
etwas herabgesetzt. Fuß voll beweglich. Beschwerdefrei gd. entlassen. 

^^) 28. IV. 15. Explosionsgeschoß rechter Unterarm. 8. X. 15. Weichteü- 
narbe, Ulnarisparese. Nervennaht ohne Erfolg ausgeführt. Narbe stark hyper- 
algetisch. Parästhesien. Faustschluß unter Tremor eben möglich. Beginn der 
Behandlung 28. X. Tremor beim Faustschluß geschwunden. Hyi)eralge8ie noch 
vorhanden. 26. XI. Hyperalgesie gebessert, gd. 

*°) 18. VI. 15. Linker Unterarm Schrapnellschuß. Fraktur des Radius. 

20. I. 16. 3. und 4. Finger können vom Mittelgelenk aus nicht gestreckt werden. 
Faustschluß 2 cm Abstand. Beginn der Behancfiung 22. I. Nervenstatus: Ulnaris- 
läsion mit partieller EaR in den vom Ulnaris versorgten Kleinfingerballenmuskeln. 

21. II. Faustschluß bis auf 4. und 5. Finger V4 cm voll. 23. fl. Nervenstatus: 



Die Diathermie im Kriege. 297 

Besserung in der elektrischen Erregbarkeit der Interossei. Partielle EaB ist jetzt 
nur noch im I. Interosseus und im Abduktor digiti ^uinti, sonst nur noch un- 
bedeutende Herabsetzung. 3. III. Faustschluß voll. 10. III. Nervenstatus: 
Geringe Herabsetzimg der Sensibilität an der Innenfläche des Handgelenkes. 
Interosseus I noch stark atrophisch, jedoch zeigt dieser, besonders auch Abduk- 
tor V, bereits eine wesentlich schnellere Zuckung. 23. III. Grobe Kraft hat zu- 
genommen, djniamometrisch links 12 kg. 27. III. Nervenstatus: Fortschreitende 
Besserung. Die Interossei sind jetzt faradisch sämtlich zu bekommen. Galvanisch 
besteht kurze Zuckung nur noch im I. Interosseus. 3. IV. Dynamometrisch 15 kg. 
11. IVl Dynamometrisch 25 kg. Fingerstrecken voll. Noch geringe Schmerzen 
im Unterarm. Es bestehen keine Atrophien mehr, auch keine nennenswerten 
elektrischen Schädigungen. Der Schlußkanal ist mit der Beugesehne von HI 
verwachsen. Faustschluß voll. Parästhesien und Handschweiß an der Ulnarseite 
der Hohlhand noch vorhanden; gd. 

*^) 3. V. 15. Rechter Oberarm Schrapnellsteckschuß, Weichteil; rechter 
Unterarm: Explosivgeschoßverletzung. 25. I. 16. Starke Hautmuskelnarbe. 
Finger zum Teil versteift. Medianus und Ulnaris verletzt. Nervenstatus: Medianus- 
und Ulnarisparese in Restitution. Beginn der Behandlung 29. I. Herabgesetzte 
Sensibilität im Ulnaris- und Medianusgebiet. Vasomotorische Überempfindüch- 
keit gegen Temperaturreize. Elektrische Untersuchung durch enorme Überemp- 
findlichkeit gegen elektrischen Strom erschwert. Es besteht partielle EaR. im 
Interosseus 3, 4, 5, in den Flexores profundi und im Opponens pollicis. 15. 11. 
Fingerstreckung wenig gebessert, Hyperästhesie unverändert. -2. III. Nerven- 
status: Besserung des Befundes insofern, als im Daumenballen und im I. Inter- 
osseus eine vormals träge Zuckung jetzt schnell geworden ist. 30. III. Finger- 
streckung gebessert. 10. IV. Faustschluß voll \m auf Zeigefinger V2 cm« Dynamo - 
metrisch 25 kg. ÜberempfindHchkeit geschwunden, kann schreiben. 10. IV. 
Nervenstatus: Fast die ganze Medianusmuskulatur ist mit schneller Zuckung 
wiedergekehrt, besonders auffallend ist die Besserung in den tiefen Flexoren. 
Auch in der ülnarismuskulatur ist Restitution vorhanden, jedoch nicht so weit- 
gehend wie im Medianusgebiet. Die Sensibilitätsstörung ist fast ganz verschwun- 
den, ebenso die Überempfindlichkeit gegen elektrischen Strom. Die vasomoto- 
rische Überempfindüchkeit hat wesentlich nachgelassen; gd. 

«2) 29. VIII. 15. Linke Handwurzel Durchschuß. 7. III. 16: Ulnaris- 
parese, Handschweiß, Schmerzen im Handgelenk beim Zufassen. Atrophie 
der Handmuskeln, leichte Parästhesien. Nervenstatus: Es besteht Kälte- 
gefühl, Zyanose in der Hand, grobe Kraft beim Handschluß wesentlich 
herabgesetzt, hierbei Schmerzen im Handgelenk. Sensibilität gut erhalten, nur 
Wärme und Kälte wird in der ganzen Hand unsicher unterschieden. 
Elektrisch qualitativ o. B. Quantitativ besteht in einzelnen Muskeln des Ulnaris- 
gebiets der Hand eine geringfügige Herabsetzung; in anderen, besonders im Ab- 
duktor V. eine Erhöhung der Erregbarkeit. Es besteht also eine Läsion des un- 
teren Ulnarisastes in Restitution. 18. III. Dynamometrische Kraft ge- 
bessert, 18 kg. 29.111. Mehr Kraft, noch Schmerzen im Handgelenk. Dynamo- 
metrisch 23%. 3. rV. Kältegefühl, Parästhesien geschwunden. Sen- 
sibilität für Wärme und Kälte wiedergekehrt. Elektrisch o. B. fd. 
entlassen. 

*3) 28. X. 15. Linker Unterarm Radiusfraktur. Am 3. II. 16 Medianus- 
parese. Supination sehr stark behindert, sehr schmerzhaft. Faustschluß träge. 
IL: 10, 111:9, IV : 8V2» V : 9 cm. Taubes Gefühl im Medianusgebiet. Hand- 
schweißzyanose. Beginn der Behandlung am 7. IL Nervenstatus: Medianus- 
parese in voller Restitution. Es besteht nur noch totale EaR im Flexor pollicis. 
Am 14. IL Faustschluß 11 : iVa» III : 1, IV : 1, V : 1 cm. Supination gebessert. 
Schmerzen noch am distalen Radiusende. Am 15. IL Beschwerdefrei; fd. 

«*) 21. III. 16. Ischias im rechten Bein. 23. V. 16. Schmerzen im Fuß 
bis zur Hüfte hinauf, beim Stehen schläft das Bein leicht ein. Bewegen der Gelenke 
frei, aber Schmerzen. War bereits im Dezember 1915 wegen Rheumatismus der 
ganzen rechten Seite erkrankt. Beginn der Behandlung 13. VI. Schmerzen fast 
ganz geschwunden. 20. VI. Beschwerdefrei entlassen. 



298 Klinische Anwendung der Diathermie. 

**) 21. Vn. 15. Durchschuß rechter Oberarm — linke Schulter. 5 Tage 
Hämoptoe. 22. X 15. StiShe in der rechten Brusteeite. Ausschußnarbe schmerz- 
haft. Atembeschwerden. Beginn der Behandlung. 8. XII. Beschwerdefrei» gd. 

••) 20. vn. 15. Säbelhieb am rechten und linken Vorderarm, sowie an der 
hinteren Kopfseite. 22. X 15. Starke Kallusbildungen, die sehr druckempfindlich 
sind. Beginn der Behandlung. 8. XL Beschwerden geschwunden, fd. 

*^) Durchschuß linker Oberarm und Unterarm am 13. VII. 15. Keine Frak- 
tur, Medianusverletzung, Schmerzen im Mittelfinger, Daumen fast unbeweglich, 
Ellbogenbeugung unvollkommen. Faustschluß: Daumen 5Vtt Zeigefinger 11, 
Mittelfinger 7 cm. 10. IX. 15. Beginn der Behandlung. 13. IX. Beschwerdefrei» 
geheilt entlassen. EUbogenbewegung gut, Faustschluß voll; gd. 

*^) Am 24. XI. 14 erhielt Fat. je einen Bajonettstich durch die linke und 
rechte Brust, vom Bücken nach vom durchgehend. Er hat Blut gehustet und hatte 
rechts Empyem der Pleura. 18. IX. 15. Schmerzen in der Brust beim Gehen 
und Atmen. Allgemeine Schwäche. Beginn der Behandlung. 6. X. Beschwerdefrei; 
gd. entlassen. 

*^) 26. vn. 15. Linke Brust Steckschuß, Azillargegend. Keine Lungen- 
verletzung. Linker Arm anfangs gelähmt. 14. X. 15. Schmerzen in der Btand 
im 2. — 5. Finger. Einseitiger Handschweiß, Kältegefühl, Parästhesien, Faust- 
Bchluß träge, kraftlos. Beim Atmen Stiche in der Brust und Schmerzen bis in die 
Fingerspitzen. Röntgenbefund: Kugel in der Höhe des Manubrium stemi in der 
linken Mamillarlinie. Beginn der Behandlung. 22. X. Kraft gebessert, Faust- 
schluß intensiv. Parästhesien vorhanden. 1. XI. Stützen auf die Hand macht 
noch Schmerzen im Unterarm. 17. XI. Beim Aufstützen auf die Hand keine 
Schmerzen mehr, nur noch Kribbeln. 1. XII. Bis auf Atembeschwerden geheilt; gd. 

'®) 13 VII. 15. Halsquerdurchschuß. Nervus suprascapularis verletzt. 
Arm war anfänglich gelähmt. 15. X. Krampfhaftes Ziehen und Reißen in den 
Händen beim Gehen und Liegen. Zuckungen durch den ganzen Körper, Schwäche 
in den Armen. Beginn der Behandlung. 2. XII. Grobe Kraft im rechten Arm 
fast normal. 16. XII. Grobe Kraft in beiden Armen gleich, Bewegimg in den 
Schultergelenken frei. Drehen und Beugen des Kopfes in ausgiebigem Umfange 
ohne Schmerzen möglich. 

'^) 11. Vin. 15. Schrapnelldurchschuß linker Oberarm und linker Unter- 
arm. 7. in. 16. Atrophie der Armmuskulatur, Supination eingeschränkt. Hyper- 
ästhesie des linken Zeigefingers, Kältegefühl und Zyanose in l — III. Faustschluß 
imvoUkommen: 11: 9, HE: 4, IV: 0, V: cm. Zeitweise neuralgische Schmerzen 
im Medianusgebiet des Unterarms. Trophische Störungen der Fmger, Versteifung 
im Ellbogengelenk. Elektrisch sind alle Muskeln direkt und indirekt erregbar. 
Nur die Beugemuskeln des Zeigefingers zeigen herabgesetzte Reaktion. Beginn 
der Behandlung. 10. IV. Faustschluß voll, bis auf Zeigefinger, der noch 1 cm 
absteht. Grobe Kraft gebessert, dynamometrisch 62 kg. 26. IV. Dynamometrisch 
63 kg. Kältegefühl geschwunden, Zvanose noch angedeutet, Supination gebessert, 
keine Schmerzen. Der sensible Befund ist vollkommen normal, die trophischen 
Störungen an den Nägeln sind wesentlich geringer. Die Behinderung des IZeige- 
fingers ist wesentlich mechanischer Natur. 

'*) 16. VII. 15. linke Hand Weichteildurchschuß und Fraktur der Grund- 
phalanx des Mittelfingers. 31. VIII. Faustschluß II: 7, HI: 13, IV: 8,2, V: 6,5 cm. 
Schmerzen bei Fingerbewegung, kann ganz leichte Gegenstände halten. 13. IX. 
Faustschluß II, IV, V voll, Mittelfinger 9 cm. 23. IX. Faustschluß komplett, 
kräftig; fd. 

'^) 3. Vni. 15. Rheumatismus im linken Bein von Hüfte abwärts. 30. Vm. 
15. Kann sich im Kreuz kaum bewegen. Beginn der Behandlung. 15. IX. Ge- 
bessert. 17. IX. Kann sich bis zur Erde bücken. 

'*) Ischias rechts seit 14 Tagen. Las^gue positiv. Auch nachts Schmerzen. 
Behandlungsbeginn am 15. 1. Am 17. 1 gebessert. Am 23. 1. Bückversuch frei. 
28. I. Nach 5 Behandlungen geheilt entlassen. 

'^) 1. rV. 15. Linker Fuß Schußfraktur. Amputation der 2., 3. und 4. Zehe. 
18. X. 15. Schmerzen im Fußrücken und Achillessehne, tritt nur auf dem Hacken 
auf. Der Vorderteil des Fußes berührt nicht beim Gehen. Narbe und Stumpf 
empfindlich. 15. XL Tritt mit dem Fuß voll auf, Empfindlichkeit geschwunden. 



Die Diathermie im Kriege. 299 

'•) 18. VII. 15. Linker Oberschenkel Granatsplitter-Streifschuß. 9. X. Die 
Narbe ist mit dem Quadrizeps quer verwachsen. Schmerzen beim Bewegen des 
Beines und Laufen. Kniebeugimg 71°, Streckung 91°. Haperalgesie der Narbe. 

8. XL Kniebeugung 63°, Streckung 178°. Laufen beschwerdefrei. 13. XIL Knie- 
beugung 61 °, Streckung normal, Schmerzen weiter gebessert. 24. XIL Beschwerde- 
frei enüassen. 

") 17. IX. 15. Linker Oberschenkel, Weichteilschuß. 6. XI. -Ziehende 
Schmerzen in der Narbengegend. 15. XI. Schmerzen bedeutend besser. 26. XL 
Schmerzfrei. 30. XL Beschwerdefrei; 1 

78) 28. VIL 15. Steckschuß rechte Hüfte, Lendengegend. 11. X. 15. Schmer- 
zen beim Laufen, geht sehr unbeholfen wegen Bheumatismus in beiden Beinen. 
19. X. Wenig gebessert. 28. X. Bei Wetterwechsel verstärkte Schmerzen. 5. XI. 
Sämtliche Erscheinungen zurückgegangen. Kheumatismus geschwunden. Geht 
ohne Hinken. 

7®) 12. X. 15. Seit 1 Jahr Rheumatismus im rechten Knie, Schmerzen im 
Ober- und Unterschenkel. Hinkt, geht mit steifem Knie, halb gebeugt. 22. X. 
Knie kann etwas mehr durchgedrückt werden. 29. X. Noch Schmerzen in der 
Hüfte. 10. XI. Hüfte schmerzfrei. Schmerzen nur noch im rechten Oberarm. 
23. XI. Rheumatismus im Bein vollkommen geschwunden. 25. XL Geheilt; gd. 

Seit dem 16. XU. 17 Anschwellung des rechten Kniegelenks nach Marsch. 
Bei Beginn der Behandlung am 15. 1. 18 Erguß ins GelenJc. Umfangsdifferenz 
oberhalb der Patella 1 cm, an der Spitze der Patella 1,5 cm. Vorwölbung in der 
Kniekehle. ICniebeuge nur bis 60° möglfch. Schmerzen. Muskelatrophie am 
Oberschenkel. 30. 1. Kniebeuge frei, Schmerzen geschwunden. 4. IL Noch im 
ganzen 8 Behandlungen. Umfangsdifferenz ausgeglichen, Kniöbeugen frei, Atrophie 
beseitigt; kv. entlassen. 

*^) 29. VII. 15. Gewehrschuß rechter Fuß, Durchschuß durch die große 
Zehe. 12. X. 15. Geht stark hinkend mit steifem Fußgelenk, kann mit der Spitze 
des Fußes nicht auftreten. Schmerzen beim Auftreten. 25. XL Bein voll aufgesetzt, 
noch Schmerzen in der Zehengegend. 4. XIL Große Zehe im Grundgelenk gut 
bewegKch, beschwerdefrei. 

^2) 30. Vn. 15. Linker Oberschenkel Weichteilschuß. 12. X. 15. Schmerzen 
beim Sitzen und Stehen in der Narbe. 1. XL Schmerzen nur noch in der Nähe 
der Narbe. 8. XI. Noch elektrisches Gefühl in der Kniekehle. 18. XI. Narbe 
nur noch beim Sitzen auf der Stuhlkante empfindlich; fd. 

83) 22. VIIL 15. Rechter Fuß Gewehrdurchschuß. 29. IX. Schmerzen 
beim Auftreten im vorderen Fußabschnitt, tritt mit steifem Fußgelenk nur auf 
dem äußeren Fußrand auf. Wenn er 2 Minuten geht, treten Schmerzen im ICnie 
auf. Hinkt sehr stark, am Stock gestützt. 8. X. Gang gebessert, hinkt wenig, 
geht ohne Stock. 19. X. Gang weiter gebessert. Schmerzfrei. 2. XI. Geheilt 
entlassen. 

8*) 13. VII. 15. Linker Unterschenkel Durchschuß, Fibulafraktur. 30. IX. 
Narbe verwachsen, spannt bei Bewegungen. Hinkt, geht am Stock. 19. X. Hinkt 
weniger, Spannung der Narbe schwächer, geht Vs Stunde ohne Stock, 28. X. 
Noch Schwäche im Fuß, geht seit 2 Tagen dauernd ohne Stock. 1. XII. Mit ge- 
ringen Beschwerden an der Bruchstelle fd. entlassen. 

8^) 14. VI. 15. Durchschuß durch den rechten Unterschenkel, Fraktur. 
2. X. Es bestehen noch Schmerzen im Unterschenkel, do. im Fußgelenk beim 
Laufen. 13. X. Gebessert, Schmerzen beim Laufen noch im Fußgelenk. 25. X. 
Läuft vöUig beschwerdefrei. 

**) 12. n. 15. Linker Unterschenkel Querschläger. 8. X. 15: Hautnarbe 
mit Sehnen verwachsen, tritt nur auf dem äußeren Fußrand auf, hinkt stark, 
Schmerzen um die Narbe. 6. XI. BLann etwas mit dem inneren Fußrand auf- 
treten. 12. XI. Geht wenig hinkend, mit voll aufgesetztem Fuß. 

®') 30. 1. 15. Linker Unterschenkel durchschossen, Fibulafraktur. 23. X. 15. 
Innenseite der Fußsohle hyperästhetisch, daher einwärtige Stellung des Fußes 
beim Gehen. Geht ohne Stock, aber hinkend. 29. X. Schmerzfrei, fd. 

^^) 29. Vni. 15. Gelenkrheumatismus. 29. IL 16. Rheumatismus in den 
Gelenken der unteren Extremitäten. Geht stark hinkend mit steifem Gelenk. 

9. in. Gang gebessert, nach längerem Gehen noch Schmerzen. Kniebeuge gut. 



300 Klinisohe Anwendang der Diathermie. 

28. ni. Beim Kniebengen wieder geringe Beschwerden. 26. IV. ELeine Beschwer- 
den, Kniebeuge frei, Gang völlig frei; fd. 

«^) 13. VIL15. linke Hüfte Steckschuß. Knochen verletzt. 12. X Schmer- 
zen im Fußrücken bei geringer Anstrengung» geht stark gestützt hinkend am Stock. 
Röntgenbefund: Kugel nicht entfernt. Absplitterung des äußeren Teils des oberen 
Randes der Hüftgelenkpfanne. Metallsplitter 4,4 cm tief von vom. 20. X. Zur Zeit 
schmerzfrei 29. X. Geht ohne Stock und ohne Hinken. Noch taubes Gefühl in 
der Hüftgegend. 23. XI. Status idem; gd. 

^®) Stauchung der Halswirbelsäule durch Sturz aus dem Wagen auf den Kopf 
am 12. Xn. 17. Schluckbeschwerden, Druckempfindlichkeit des 2. und 3. Hals- 
wirbels. Kopf fast vöUig versteift. Stauchung schmerzhaft an den Halswirbeln. 
Am 11. 1. 18 Beginn der Behandlung. 23. 1. Seitliche Drehung freier. 11. ü. 
Weiter ffebessert. 16.11. Wieder mehr Schmerzen. 22.11. Gebessert. 2. HL Keine 
Schluckbeschwerden, Drehung des Kopfes vollkommen frei, keine Druckempfind- 
lichkeit* kv entlassen 

"/ 13. VI. 15. Bruch der rechten Tibia und Fibula durch Sturz. 12. X. 
Schmerzen und Schwäche im Bein. Geht mit steifem Kniegelenk in Plattfuß- 
stellung, fest auf den Stock gestützt. 20. X. Kann bereits 10 Minuten ohne Stock 
laufen. 5. XL Geht dauernd ohne Stock. 15. XI. Gehen gut, noch Stechen in 
der Narbe. 11. XII. Kallus nicht mehr empfindlich, freie Beweglichkeit im Knie- 
gelenk. Keine Schmerzen beim Gehen, nur bei längerem Laufen; gd. 

^^) 10. XL 15. Neurasthenie. 21. III. 16. Fazialistik. Zuckungen im rechten 
Musculus pyramidalis nasi. Beginn der Behandlung. 7. IV. Keine Zuckungen 
mehr. 

®^) 10. IL 16. Neurasthenie. 6. III. 16. Allgemeine Körperschwäche, Schlaf- 
losigkeit, Zittern, Herzklopfen, kaltes Überlaufen, Kopfschmerzen, Blutdruck 
normal. Beginn der Behandlung. 22. IQ. Schlaf etwas gebessert. 5. IV. Schlaf 
weiter gebessert, Kopfschmerzen erheblich gebessert, Herzklopfen unverändert. 
Reißen in beiden Unterschenkeln. 11. IV. Schlaf, Kopfschmerzen gut, Tremor 
geschwunden, beschwerdefrei. Puls 76 stehend; gd. 

**) 10. X.15. Nach Artilleriefeuer an Neurasthenie erkrankt. 4. lH. 16. 
Stechen in Brust und Rücken, Kribbeln in den Gliedern, wird leicht ohnmächtig. 
Bei geringster Anstrengung starker Schweißausbruch, Puls 120, Schlaf schlecht, 
hoher- Blutdruck, Akne auf Brust, Rücken und Armen. Pat. ist am 3. III. ge- 
stürzt und hat am linken Fuß einen Bluterguß am äußeren Knöchel. Beginn der 
Behandlung. 15. III. Schlaf gebessert, Beschwerden im Fuß. 27. III. Akne durch 
Röntgenbehandlung geheilt. Puls 90, Geschwulst am Knöchel geschwunden. 7. IV. 
Herzbeschwerden unverändert. 18. IV. Puls 88. 27. IV. Brustbeschwerden völlig 
geschwunden. Schlaf gebessert, seit dem 2. Tage nach der Aufnahme keine Ohn- 
macht mehr aufgetreten; gd. entlassen. 

®^) 21. X. 15. Neurasthenie. 29. IL 16. Hypotonischer Neurastheniker. Ner- 
venstatus: Häufig krampfhafte Versteifung der Wadenmuskulatur, welche gut 
entwickelt ist. Elektrisch und sensibel keine Störung. Krepitation in den Knochen. 
Patellarrefelx rechts stark abgeschwächt, links normal. Plantarreflex beiderseits 
aufgehoben. Kremasterreflex links 0, rechts schwach. Bauchdeckenreflex fehlt 
beiderseits. Fußklonus, kein Patellarklonus. Achillessehnenreflexe beiderseits 
normal, desgleichen Armsehnenreflexe, links stärker als recht^. Komealreflex 
hnks sehr lebhaft, rechts 0. Gaumenreflexe beiderseits sehr schwach. Es bestehen 
tikartige Zuckungen der Augenlider. Auch stellt sich während der Untersuchung 
heftiges Zittern der Wadenmuskulatur (grobschlägiger Tremor) ein. Beim Rom- 
berg tritt ganz leichtes Schwanken, krampfhaftes Ballen der Fäuste und Zittern 
in den Armen ein. Zeigefinger-Nasenversuch sehr unsicher. Hackeh-ICnieversuch 
gelingt fast immer, ebenso Zeigeversuch. Hat Angstträume. Beginn der Behand- 
lung am 1. III. 16. 10. IIL 16. Patellarreflexe beiderseitig normal, Kremaster- 
reflex do., Bauchdeckenreflex fehlt, starkes Nachröten. Komealreflexe beider- 
seits vorhanden, rechts etwas schwächer als links. Zeigefinger-Nasenversuch 
gelingt bei Aufforderung zu angespannter Aufmerksamkeit jedesmal. Der Tremor 
und die tikartigen Zuckimgen haben ganz wesentlich nachgelassen. Pat. gibt 
an, sich besser zu fühlen. Gesamteindruck ein regerer und gebesserter. Bei Rom- 
berg tritt wiederum Schwanken ein, das jedoch wesentlich durch die Schwäche 



Die Diathermie im Kriege. 301 

im linken Bein bedingt ist. Die krankhaften Bewegungen in den Armen fehlen 
diesmal. Die schweren Erschöpfungserscheinungen des psychopathischen Fat. 
sind in deutlichem Abklingen begriffen. 27. III. Weitere bedeutende Besserung. 
Schlaf gut, Tremor gering, minimales Gesichtszucken, Gang weniger hinkend. 
Bauchdeckenreflex kehrt wieder, Plantarreflex do. Komealreflex noch abgeschwächt 
Romberg negativ. Zeigefinger-Nasenversuch und Hacken-Knieversuch gelingen 
mühelos. 15. IV. Gesichtszucken in geringem Grade nur noch bei Au&egung. 
Schlaf im allgemeinen gebessert, jedoch von der Witterung abhängig. Beim 
Durchdrücken des linken Knies Krepitation. ICniebeschwerden wesentlich ge- 
bessert. Seit 14 Tagen ist kein Wadenkrampf mehr aufgetreten. Turnerische 
Kniebeuge ohne Beschwerden. 26. IV. Tremor noch vorhanden, Allgemein- 
befinden weiter gebessert. Schlaf ebenfalls. Beflexe gleichfalls außer dem Plantar- 
reflex. Komealreflexe fast symmetrisch, Zeigefinger*, Nasen- und ICnieversuch 
gut. Leichter Tremor, Krepitation im Kniegelenk, durch Spasmen bedingt. 6. V. 
Schlaf noch schlecht, sonst Allgemeinbefinden gebessert. 26. V. 16. Tremor fast 
völlig geschwunden. Schlaf imd AUgemeinbefmden wesentlich gebessert. Kor- 
nealreflex: Status idem. Plantarreflex gebessert. 

•®) 21. Vn. 15. Neurasthenie nach Gefecht. 1. III. 16. Kopfschmerzen, 
Schwindel, kleinschlägiger Tremor, Hinken, geht am Stock. Die anfangs verlorene 
Hörfähigkeit hat sich vollkommen wieder hergestellt. Pat. zeigt eine hochgradige 
Oberempfindlichkeit, Eeflexe stark erhöht. Beim Versuch, den Plantarreflex 
auszulösen, entstehen heftige Abwehrbewegungen durch den ganzen Körper. Bei 
Berührung des Daumens Einsetzen heftiger Würgebewegungen. Zeigeversuch 
ergibt regelmäßig Abweichungen. Nachahmen passiver Bewegungen in den Beinen 
sehr unvollkommen. Leichter Fuß- und Patellarklonus. Ganz enorm gesteigerte 
Empfindlichkeit gegen leichte Nadelstiche. Kopfschmerzen im Hinterkopf und 
Orbitalgegend steigern sich beim Auslösen von Reflexen zu großer Heftigkeit. 
Klagt über erhebliche Schwere in den Beinen, Gang unbeholfen, hinkend. Beginn 
der Behandlung. 17. IIL Zustand bessert sich stetig nach Angaben des Patienten. 
Geht ohne Stock. Kopfschmerzen seit Beginn der Behandlung geschwunden. 
Tremor nur noch andeutungsweise. Langes Stehen strengt an. 5. IV. Bei län- 
gerem Stehen Wadenkrampf. Alle Erscheinungen, die auf Störungen des Zentral- 
nervensystems schließen lassen, sind geschwunden. Tremor hat vollkommen 
aufgehört, Pat. fühlt sich gänzlich beschwerdefrei. Objektiv nur noch eine leichte 
Überempfindlichkeit vorhanden; gd. 

^^) 1. XL 15. Neurasthenie nach Granatexplosion. 29.11.16. Kopfschmerzen, 
Schwindel, niedriger Blutdruck. Beginn der Behandlung. 2. III. Beschwerdefrei. 

^^) 6. XII. 15. Herzneurose. 12. IV. 16. Pat. leidet an Herzschwäche, 
allgemeiner Körperschwäche, nach Anstrengungen Stiche in der Herzgegend. 
Plus in Ruhe 84, nach ICniebeuge 116. Nach Anstrengungen kann Pat. schlecht 
einschlafen, sonst Schlaf gut. Blutdruck herabgesetzt. Pat. ist in der letzten 
Zeit mit kohlensauren Bädern, Rumpfpackungen mit Herzkühlung und Bürsten- 
bad behandelt worden; dabei sind die Beschwerden stärker geworden, er hat 
2rO Pfund abgenommen. Beginn der Diathermiebehandlung. 15. IV. Pat. fühlt 
sich vollständig kräftig, keine Beschwerden; fd. 

»») 22. IX. 15. Kopfschuß linkes Scheitelbein. 18. IL 16. Rechtsseitige 
Hemiparese, Schwindelerscheinungen. Kopfschmerz. Nervenstatus: Sensibilität 
und Reflexe am ganzen Körper normal, nur der Zehenreflex ist recht herabgesetzt. 
30. in. Kein Schwindel mehr, Kopfschmerz gebessert. Plantarreflex ist beider- 
seits gleich leicht auszulösen, besonders bei Jendrassik Beschwerdefrei; fd. 

"ö) 30. VIIL 15. Linker. Gesichtsschuß. 10. IL 16. Taubes Gefühl m der 
Schläfe. Tic convulsif im unteren Augenlid. 24. IIL Tic geschwunden. Taubes 
Gefühl in der Schläfe gebessert. 

^®^) 17. VI. 15. An Herzneurose erkrankt. 22. IX. 15. Neurasthenie, Puls 
kräftig, unruhiger Schlaf, Angstbeschwerden, leicht erregbar, neigt zum Weinen. 
Schmerzen im linken Fuß, hinkt. Beginn der Behandlung. 5. X. Noch Schmerzen 
im Fuß, C^ng gebessert. 15. X. Morgens noch geringe Schmerzen im Fuß, Schlaf 
gut, keine Herzbeschwerden mehr. 20. X. Beschwerdefrei; gd. 

^®*) 9. VI. 15. Verschüttung, darnach Lähmung des linken Armes. 29. 1. 16. 
Traumatische Neurose. Der linke Arm kann seitlich in gestreckter Haltung 



302 KJiniflche Anwendung der Diathermie. 

nur 20^ gehoben werden, bei EUbogenbeugong nur 35^ Ellbogenbeng^nxi^ 
bis 00'' mögUch. Fanstsehlaß: U: 11, UI: 10, IV: 9, V: 8 cnu Kältegefühl in der 
Hand, Zyanose. Beginn der Behandlung. 28. IL Faustschluß: U: 4, HI: 4, IV: 3, 
V: 2 cm. 6. UL Faustschluß voll, grobe Kraft deutlich gebessert; noch fehlerhafte j> 
willkürliche Innervation. 9. UL Bedeutend gebessert. Arm kann senkrecht über 
den Kopf (mit Mühe) gestreckt werden. Faustschluß voll, Ellbogenbeugung 45 ^, 
Kältegefühl gebessert, grobe Kraft do. 11. HL Beschwerdefrei, fd. entlassen. 

108 j 2. V. 15. Verschüttung, Unfallneurose. 30. IX. Neurasthenie, Atem- 
not bei der geringsten Anstrengung, Angstgefühl, schlechter Schlaf. Starker Tremor. 
Beginn der Be^ndlung. 22. X. Kein Zittern und Atemnot mehr. Schlaf gut, 
Angstgefühl geschwunden; fd. 

^^^) 18. XIL 15. An Herzneurose erkrankt. 16. V. 16. Dauernd Stiche in 
der linken Brust. Beim Treppensteigen und längerem Laufen starkes Herzklopfen 
und Atembeklemmungen. Allgemeine Müdigkeit in den Gliedern. Magenleiden. 
Magenschmerzen, besonders nach dem Essen. Stuhlgang zeitweise unregelmäßig. 
Heraaktion beschleunigt. 1. Ton klappend, Aktion verstärkt. Herzform kugelig; 
es Uegt eine Störung der Herzinnervation vor. Beginn der Behandlung. 20. VL 
Fühlt sich frischer, Magenbeschwerden gebessert, beschwerdefrei; gd. entlassen. 

106^ 22. IX. 15. Neurasthenie. 25. X. Fat. klagt über neurasthenische 
Beschwerden, neuralgische Magenschmerzen nach dem Essen, Erinnerungs- und 
Gedächtnisschwäche, mehrere Stunden anhaltende, plötzlich einsetzende Kopf- 
schmerzen an den Augen und an den Schläfen, leichte Erregbarkeit, beim Reiten 
leichte Scliwindelanfälle. Beginn der Behandlung. 14. XIL Sämtliche Beschwer- 
den geschwunden; gd. 

^®*) 10. X. 15. Rechter Kniesteckschuß 7. 1. 16. Traumatische Neurose, 
Tachykardie, Schwindelanfälle, Nystagmus, Tremor. Beginn der Behandlung. 
12. 1. Tremor geschwunden, Tachykardie gebessert, Nystagmus geschwunden, 
Schwindelanfälle selten; gd. 

^®') 24. Vn. 15. Appendicitisoperation. November Typhus. 19. 11. 16. 
Schwäche, Tachykardie, Puls 96. 6. ITE. Kräftiger Puls, 78. Beschwerdefrei, gd. 

1Ö8) 27. 1. 16. Fieberhafte Erkrankimg, Herzschwäche. 12. II. 16. Tempe- 
ratur, die bis 39° gestiegen war, ist lytisch abgefallen. Blutdruck sehr niedng. 
Systolisches Geräusch an der Spitze, psychische Depression, Körperschwäche. 
Puls im Liegen 72, im Stehen 100. Beginn der Behandlung. 24. 11. Puls im Liegen 
72, nach dem Aufrichten 84, eine Mmute später 76. Geräusch an der Spitze im 
Stehen sehr deutlich, im Liegen angedeutet. 2. Aorten- und Pulmonalton akzen- 
tuiert. 10. III. Die Röntgenuntersuchung des Herzens ergibt zu geringe Maße: 
Herzbreite 12,3 cm. Rechts von der Medianlinie 3,7 cm. Pat. ist groß und kräf- 
tig. 15. IV. 16. Allgemeinbefinden gut, körperliche Schwäche geschwunden, 
Herztöne vollständig rein, auch nach Kniebeuge, Aktion langsam, regulär. Nur 
der Blutdruck ist noch erniedrigt. Temperaturen sind nicht mehr aufgetreten. 

1Ö9) 4. V. 15. Linker Unterschenkel Fraktur, schief geheilt. 19. VI. 15. In 
Narkose noch einmal gebrochen. 7, IX. 15. Patient geht mühsam an zwei Stöcken, 
voll aufgestützt, stechende Schmerzen beim Versuch der Belastung des Beines. 
Bein 2V2 cm verkürzt, Pseudarthrose. Beginn der physikalischen Behandlung. 
19. X 15. Patient kann an einem Stock ohne Schmerzen gehen. 4. XL Pseud- 
arthrose fest, geht mit erhöhtem Stiefel, hinkend, aber kräftig. 



Dritte Abteilung. 

1. Kapitel. 
Kontraindikationen. 

Aus dem vorstehend beschriebenen klinischen Material ergeben 
sich bereits eine Anzahl von Kontraindikationen für die Diathermie- 
behandlung. Indessen dürfte es wichtig sein, diese noch einmal im 
Zusammenhang zu besprechen. Da mit der diathermischen Applikation 
stets eine arterielle Hyperämie verbunden zu sein pflegt, ist eine der 
wichtigsten Kontraindikationen, die Neig u ng z u Hä morrhagie n. So 
werden wir zunächst bei Hämophilen die nicht koagulierende Dia- 
thermie mit großer Vorsicht anwenden. Nicht nur, daß Petechien, sub- 
kutane Hämatome, Gelenkblutungen auftreten können, muß man damit 
rechnen, daß bei Hämophilen die Ruptur eines erkrankten intraabdomi- 
nalen oder Lungengefäßes zu tödlicher Blutung führen kann. Dieselbe 
Gefahr liegt vor, wenn bei normalen Individuen in einer Lungenkaveme, 
in einem Magen- oder Darmulcus, in einem ulzerierten Tumor ein arro- 
di(Brtes Gefäß größeren Kalibers vorhanden ist und unter dem erhöhten 
lokalen arteriellen Druck die MögHchkeit einer Blutung vorliegt. Aus 
demselben Grund muß man bei Arteriosklerose des Gehirns, der Lungen- 
oder Herzarterien mit der geringen Widerstandsfähigkeit der Wand 
rechnen und auch hier nicht nur mit den rein diathermischen, sondern 
auch mit den gesamten blutdrucksteigemden Applikationen (Konden- 
sator, Douche, Entladungen) äußerst vorsichtig sein. Es kann auch 
z. B. vorkommen, daß man bei einem Patienten mit chronischer Prosta- 
titis einen Teil der Blasenwand erheblich mit diathermiert imd ein 
zufällig dort vorhandenes weiches blutendes Papillom eine erhebliche 
Blasenblutung herbeiführt. 

Bei Frauen muß man während der Menses oder bei Metrorrhagien 
Diathermierungen des Beckens vermeiden. Es empfiehlt sich femer, 
bei Frauen während der Menses Diathermiebehandlung des Herzens, 
der Lunge imd der Bauchorgane auszusetzen, da verstärkte Blutung 
und längere Dauer der Periode dabei eintreten kann. Desgleichen ist 
bei Gravidität Vorsicht angebracht. 

Auch die Gefahr der allgemeinen Blutdruckherabsetzung bei schon 
an sich niedrigem Blutdruck habe ich bei Gelegenheit der Zirkulations- 
erkrankungen bezüglich des Auftretens eines Kollapses erwähnt. 

Die sekretionssteigemde Wirkung auf Drüsenzellen läßt die Dia- 
thermie überall da kontraindiziert erscheinen, wo eine solche Sekretions- 
steigerung nicht erwünscht ist. So werden wir die hypersekretorisohe 



304 Kontraindikationen. 

Form der Schilddrüsenerkrankung durch die Diathermie verschlimmern, 
desgleichen eine Hyperidrosis der Hände durch häufige Anwendung der 
Handelektroden. Auch die Gefahr der Erzeugung heftiger Koliken 
infolge bereits inkarzerierter oder durch den erhöhten Sekretionsdruck 
, mobilisierter und zur Inkarzeration gebrachter Konkremente habe ich 
bereits angeführt. Es liegt hierin keine absolute Kontraindikation, 
denn gerade der erhöhte Sekretionsdruck kann ja gelegentlich das Über- 
winden des Hindernisses herbeiführen, und ein vorsichtiger diesbezüg- 
licher Versuch wird in manchen Fällen gestattet sein. Wo aber die 
Überwindung des Hindernisses nicht möglich ist, kann unter Umständen, 
besonders bei durch chronische Entzündung in ihrer Widerstands- 
kraft geschwächter Wand die Ruptur einer Gallenblase, eines ürethers 
möglich werden. 

Ich habe mehrfach betont, daß akute Eiterungen, soweit sie nicht 
gonorrhöisch sind, im allgemeinen durch Diathermie verschlimmert- 
werden. Es ist somit die interne Diathermie bei eitrigen Gelenkaffek- 
tionen, Drüsen, Abszessen, Höhleneiterungen kontraindiziert. Besonders 
bei letzteren (Highmorshöhle, Mittelohreiterung, Stirnhöhle), bei denen 
ein enger Ausführungskanal infolge entzündlicher Schwellung der aus- 
kleidenden Schleimhaut vollkommen impermeabel werden kann, kann 
die Verstärkimg der Eiterung, ja auch der serösen Sekretion, zu unan- 
genehmen und heftigen Symptomen führen. So sieht man bei akuter 
Stirnhöhlenentzündung unmittelbar nach der Diathennierung zwar 
Aufhören der Kopfschmerzen; aber nach wenigen Minuten treten sie 
in verstärktem Maße auf. Es ist daher die Diathermierung auch der 
chronischen Highjnorshöhlen- und Stimhöhlenkatarrhe im allgemeinen 
nur erlaubt, wenn die Abflußmöglichkeit der Sekrete gesichert ist. 

Nicht wegen des Einschlusses in starre Höhlungen, sondern von 
einem anderen Gesichtspunkt aus ist die Behandlung der Blinddarm- 
entzündung trotz der mitunter günstig erscheinenden Resultate luiter 
Umständen nicht ungefährhch. Gerade wie^ die Furunkel der Haut 
unter dem Einfluß der leichten diathermischen Durchwärmung akut 
aufflackern oder exazerbieren können, so kann auch die eitrige Ein- 
schmelzung und der Entzündungsprozeß, dessen Charakter und Grad 
wir bei der Perityphlitis imd Appendizitis ja niemals mit Sicherheit 
taxieren können, exazerbieren und zur akuten Pdrforation führen; 
wenigstens muß man theoretisch mit dieser Möglichkeit rechnen. Man 
wird daher bei diesem Leiden mit großer Vorsicht die Einleitung der 
Diathermiebehandlung indizieren und sie jedenfalls zunächst in schwäch- 
ster Dosierung, allmählich steigernd, versuchen. In sicher chronischen 
oder rein serösen Fällen sind dagegen die Resultate außerordentlich be- 
friedigend. 

Auch beim Lupus der Haut kommt nur die chirurgische Diather- 
mie in Frage. Die anfänghch von mir versuchte leichte Durchwärmung 
hat mir den Eindruck gegeben, daß nach ihr der Prozeß erhöhte Neigung 
zum Fortschreiten am Rande zeigt. 

BezügHch der Tumoren verweise ich auf das nachstehend über 
Kombination der Röntgenbehandlung mit der Diathermie Gesagte. 



Kombination der Diathermie mit anderen Methoden. 305 

2. Kapitel. 

Kombination der Diathermie mit anderen Methoden. 

Die hyperämisierende und infolgedessen für Röntgenstrahlen sen- 
sibilisierende Wirkung der Diathermie hat dazu geführt, daß dieses 
kombinierte Verfahren mehrfach dazu vorgeschlagen wurde, 
tief liegende Tumoren oder die tieferen Schichten äußerer Tumoren der 
Röntgenwirkung zugängHch zu machen. Die experimentellen Ver- 
suche, welche dargetan haben, daß Gewebe, welche zum Teil im nor- 
malen Zustand, zum Teil unmittelbar nach diathermischer Durch- 
Tvärmung den Röntgenstrahlen exponiert wurden, im letzteren Falle 
so wesentHch radiosensibler wurden, daß sie auf einen Teil der Erythem- 
dosis bereits mit Erythem reagierten, lassen sich meines Erachtens 
nicht ohne weiteres für die Tumorentherapie verwerten. Maßgebend 
hierfür sind mir Beobachtungen, die ich anfänglich gemacht habe, 
daß unter dem Einfluß der Diathermie in medizinischer, d. h. nicht 
koagulierender Dosis ein Proliferatio nsanreiz auf Tumorengewebe 
gegeben wird. Infolgedessen habe ich die leichte Diathermierung von 
Tumoren späterhin stets als nicht statthaft betrachtet. Dies bestätigte 
sich, als ich einen Mediastinaltumor (Lymphosarkom), der bereits 
zu hochgradiger Dyspnoe und starken Schmerzen bei einem jungen 
Mädchen geführt hatte, entgegen meiner Ansicht auf Wunsch des be- 
handelnden Arztes einmal nur vorsichtig diathermierte. Es trat wenige 
Stunden danach, wie ich es vorausgesagt hatte, eine heftige Ver- 
schlimmerung des Zustandes ein, so daß sich die Fortfühnmg dieser 
Therapie verbot. Desgleichen trat kürzUch ein junges Mädchen mit 
Sarkom des Oberarmes in meine Behandlung, bei der die anderweitig 
vorgenommene diathermische Durchwärmiuig des Tumors (ringförmige 
Elektrode am Unterarm und oberhalb des Tumors am Oljerarm) ein 
exzessives Wachstum des Tumors mit Neigung zu heftigen Blutungen 
herbeigeführt hatte. Die sofort eingeleitete harte Röntgentief entherapie 
sistierte die Blutung in 2 Tagen, imd zurzeit ist der Tumor bis auf geringe 
Reste geschwunden. Die ausgezeichnete Radiosensibiütät ist mit einer 
gewissen WahrscheinHchkeit auf die diathermische Hyperämie zurück- 
zuführen; indessen ist wohl aber auch das Auftreten zweier Metastasen 
{rechte Mamma, linke Axillargegend) der Diathermie zur Last zu legen. 
Diese Beobachtungen entsprechen ganz der Vorstellung, die wir uns von 
der Diathermiewirkung machen müssen, daß sie nänüich hyperämisiert, 
ödematisiert und auf das Zellwachstum anregend wirkt, mithin zu einer 
schnellen Volumenzunahme eines Tumors führen muß. Bedingt eine 
solche Volumenzunahme, wie gerade in dem Mediastinalraum, lebens- 
gefährliche Symptome, so ist aus diesen Erwägungen heraus die Kontra- 
indikation ihrer Anwendung gegeben. Wenn nun andererseits ein solcher 
diathermierter Tumor radiosensibler wird, woran wieder in der Tat 
nicht zu zweifeln ist, so muß man doch vor Anwendung dieser Methode 
sich darüber klar sein, daß man es keineswegs in der Hand hat, die 
Ausdehnung der diathermischen Wirkimg in der Tiefe im Bereich eines 
Tumors genau zu bestimmen und nun die anschließende Röntgen- 

Nagelschmidt, Diathennie. 2. Aufl. 20 



306 Kombination der Diathermie mit anderen Methoden. 

Wirkung so exakt zu lokalisieren, daß auch wirklich alles diathermierte 
Gewebe nunmehr nicht nur der Röntgenwirkung überhaupt, sondern 
auch an allen Stellen einer genügenden Röntgenwirkung unter- 
worfen wird. Die Gefahr, daß irgendeine diathermierte Tumorstelle 
nicht genügend röntgenisiert wird, ist um so größer, als man fol- 
gende Technik vorgeschlagen hat: 

Von der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß die Durchwärmung 
eines z. B. in der Bauchhöhle zwischen Nabel und Schwertfortsatz be- 
findlichen Tumors von der darüber gelegenen Bauchhaut aus mit nach- 
folgender Röntgenbestrahlung von vom auch die diathermierte Haut 
sensibilisiert sowie die unter ihr gelegenen Schichten und mithin 
bei der Röntgenbestrahlung gefährdet, sollte die Diathermierung von 
seitUchen Partien aus, die bei der späteren Röntgenbestrahlung vor 
dieser durch Bedeckung zu schützen sind, stattfinden. Bei dieser 
Methodik ist es zweifellos noch viel schwieriger, eine Lokalisierung der 
Diathermiewirkung auf die anschheßende Röntgenwirkungszone zu 
bewerkstelligen. Die sich nach dem Gesagten hieraus ergebende Gefahr 
scheint doch so erheblich, daß die therapeutischen Resultate dieser 
kombinierten Methode schon sehr in die Augen springend sein müßten, 
um sie zu rechtfertigen. Meines Wissens ist aber auch hiermit noch 
kein tiefliegender mahgner Tumor geheilt worden, der nicht der Röntgen - 
therapiie allein auch zugänglich gewesen wäre. 

Größere Bedeutimg dürfte die Diathermie zur Behandlung von 
Röntgen- und Radiumschädigungen besitzen. Sowohl Darmgeschwüre 
als auch narbige Strikturen bieten eine gute Indikation für die vitali- 
sierende und erweichende Wirkung der Diathermie. 

Anders liegen die Verhältnisse, wenn die Gefahr des Wachstums- 
anreizes nicht vorliegt. In diesem Falle dürfte gegen die Kombination 
der beiden Methoden nichts einzuwenden sein. Vielleicht gibt die Sterili- 
sienuig der Ovarien hierfür eine besondere Indikation ab, weil gerade die 
Ovarialdurchwärmung durch kombinierte Diathermienmg vom Scheiden- 
gewölbe aus nach der Bauchhaut zu leicht und intensiv zu erreichen ist. 
Das gleiche gilt für Rektumkarzinome. 

Viel wichtiger ist die Verbindung diathermischer Applikationen 
mit orthopädischen Maßnahmen. Wir nutzen die hyperämisierende, 
ödematisierende, erweichende und auflockernde Wirkung der Diathermie 
dazu aus, um durch anschließende Massage, mediko-mechanische 
Übungen, mechanische Streckungen, Beugungen usw. resistente Narben, 
Adhäsionen, Kontrakturen, Ankylosen zu mobilisieren, wobei die 
eminent schmerzstillende Wirkung der Diathermie unterstützend mit- 
wirkt. Dies tritt besonders bei frischen Verletzungen deutlich in die 
Erscheinung. Unter dem Einfluß der diathermischen Analgesie kann 
eine viel früzeitigere und energischere Massage- und Bewegungstherapie 
einsetzen. Ganz besonders wirkungsvoll sind diese kombinierten Maß- 
nahmen,- wenn die mechanische Therapie während der Diathermienuig 
stattfindet. Nicht nur, daß die Zunahme der BewegungsmögHchkeit 
während der diathermischen Analgesie erheblich sein kann, wird der 
weitere Vorteil gewonnen, daß wegen ihrer versteckten Lage der Diather- 



Kombination der Diathermie mit anderen Methoden. 307 

miewirkung weniger zugängliche Grebiete durch die erzielte Bewegung 
ihr teilweise oder ganz zugänglich gemacht werden können. Selbst- 
verständlich ist mit größter Sorgfalt darauf zu achten, daß bei den 
Bewegungen die Grundregeln der Diathermieapplikation nicht außer 
acht gelassen werden. Ich verweise im übrigen z. B. auf die bei Gelenk - 
erkrankungen erwähnten Beobachtungen. 

Die erhebliche hyperämisierende Wirkimg der Diathermie sowohl 
in medizinischer wie in chirurgischer Dosierung legt es nahe, sie mit der 
Bierschen Stauung zu vergleichen. Der Unterschied zwischen beiden 
Methoden, die an sich sehr ähnlich scheinen, ist jedoch ein bedeutender 
und prinzipieller. Die Bier sehe Stauung zwingt die in einem Gliede 
vorhandene Blutmasse, sich in loco zu stauen. Sie hindert jedoch nicht 
nur den Abfluß des venösen (teilweise verbrauchten) Blutes, sondern 
sie Verlangsamt auch infolge dieser Stauung den arteriellen Zufluß. 
Die günstigen Wirkungen, welche hiermit in vielen Fällen erzielt werden, 
beruhen im wesentlichen auf der infolge der vermehrten Blutanwesenheit 
bestehenden lokalen Temperatursteigerung und auf dem längeren 
Kontakt des Gewebes mit der stagnierenden Blutm&sse. Dazu kommen 
sekundäre Wirkungen wie die analgesierende und die ödematisierende 
Wirkung. Ein Nachteil der Methode ist die subjektiv mit ihr verbundene 
Unannehmlichkeit sowie die Behinderung des arteriellen Zuflusses. 
Auch ist sie relativ bequem nur an Exl^remitäten anwendbar. Ihre 
Applikation am Kopf z. B. ist mit außerordentlichen subjektiven Be- 
schwerden verbunden und an einzelnen inneren Organen gänzlich un- 
möghch. Im Gregensatz hierzu bewirkt die Diathermie einen sehr 
stark erhöhten Äff lux frischen arteriellen Blutes. Auch ihr ist in gewisser 
Dosis eine ödematisierende Wirkung eigen. Dazu kommt aber die 
erheblich über die Bluttemperatur hinaus steigerungsfähige Erwärmung 
des Gewebes, die direkte Stimuüerung der Zellfunktion und die deutb'ch 
analgesierende Wirkung auf die Schmerzempfindung. Femer ist sie an 
jedem beliebigen Körperabschnitt anwendbar, und, was sehr wichtig 
ist, ohne jede subjektive Unannehmlichkeit. Im Gegenteil wird die 
diathermische Wärme meistens als äußerst wohltuend und, angenehm 
empfunden. 

Auch die Kombination der Diathermie mit Bier scher Stauimg wird 
angewandt. Der Einfluß der Kühlung durch die Blutzirkulation wird 
hierbei vermieden; die Wärme hält sich länger im Gtewebe, und die 
Wirkimgen beider Methoden können sich summieren, vielleicht aber 
z. T. aufheben. Gterade die arterielle Hyperämie, die resorptions- 
anregende Wirkung der Diathermie wird behindert. Man muß die Binde 
unmittelbar nach der Diathermieapplikation anlegen. 

Ich habe in einigen Fällen von chronischer Obstipation sowie 
bei Ischias und Neuralgien die Kombination von Diathermie und 
Vibrationsmassage versucht. Wenn man die Elektrode mittels des 
Vibrationsmassageansatzes (Gummikugel) kräftig andrückt, so kann 
man die Wirkung der beiden Methoden kombinieren, imd ich habe 
den Eindruck, daß diese Kombination in manchen Fällen von 
Nutzen ist. 

20* 



308 Stellung der Diathermie zur Hochfrequenztherapie. 

In Fällen, in denen man nicht die reine Wirkung der Diathermie 
aus wissenschaftlichen Gründen zu studieren wünscht, steht der gleich- 
zeitigen Anwendung anderer Methoden nichts im Wege. So wird man 
bei Herzkranken Digitalis, Strophantus, Koffein, kohlensaure Bäder 
usw. bei sinngemäßer Anwendung mit gutem Erfolg imterstützend 
heranziehen können. Ebenso wird in den seltenen Fällen, in denen die 
Hochfrequenzströme erregend wirken, die Verordnung von Sedativa 
zweckmäßig erscheinen. Im übrigen muß man nur darauf achten, 
daß die angewandte Medikation im gleichen Sinne wie die Diathermie 
wirkt und eine antagonistische Medikation vermeiden. 

3. Kapitel. 
Stellung der Diathermie zur Hochfrequenztherapie. 

ÜberbHcken wir noch einmal den Entwicklungsgang der Hoch- 
frequenztherapie, so sehen wir, welche außerordentliche Bedeutung die Ver- 
tief ung der Erkenntnis für die Verwertung einer empirisch in die Therapie 
eingeführten Methode gewinnen kann. Mit wahrem Enthusiasmus 
wurde in den 90 er Jahren des vorigen Jahrhunderts die physiologische 
und klinische Anwendung der Hochfrequenzströme aufgenommen. 
Es ist verständlich, daß infolge der glänzenden Experimentalvor- 
führungen Teslas die Effekte' der hochfrequenten und gleichzeitig hoch- 
gespannten elektrischen Ströme besonders die Aufmerksamkeit auf sich 
lenkten. Der Widerspruch, der zwischen den glänzenden Funkenent- 
ladungen, dem lebhaften, weithin hörbaren Geknatter der Apparate 
und der scheinbaren Wirkungslosigkeit der Ströme bestand, Heß imge- 
wöhnliche Wirkungen ahnen. Aber gerade die Verwendung dieser hoch- 
gespannten Hochfrequenzströme hinderte das Eindringen in das Wesen 
ihrer physiologischen Wirkung, und so kam es, daß die Methode trotz 
ihrer, wie gesagt, enthusiastischen Aufnahme nicht nur in Frankreich, 
sondern auch in anderen Ländern nach und nach enttäuschen mußte. 
Man hatte nicht begriffen, worauf es ankam, und die reine Empirie hatte 
in diesem Falle versagt. So kam es, daß manche Forscher mit ihren 
Apparaten und an ihrem Krankenmaterial vorzügUche Resultate 
beobachteten, die heute im Lichte der Diathermie vollständig ver- 
ständlich sind, daß aber andere mit anderen Apparaten, anderer Methodik 
und anderem Krankenmaterial nur Mißerfolge erlitten. Die Folge dieser 
ungleichen, widerspruchsvollen Bewertung mußte notwendig dazu 
führen, daß die Mißerfolge der Methode zur Last gelegt und die Erfolge 
auf Suggestion zurückgeführt wurden. So verstehen wir, daß auch die 
Nachprüfung in Deutschland (Bädecker, Eulenburg, Toby Cohn 
u. a.) die Methode als eine im wesentlichen suggestiv wirkende stark 
ablehnte. Infolgedessen, da weitere Nachprüfungen zu fehlen schienen, 
war sie nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslande, ausge- 
nommen Frankreich, so gut wie erledigt. Dies wurde mit einem Schlage 
anders, als die mehrfach in der Literatur erwähnten, praktisch unfrucht- 
bar gebliebenen Beobachtungen von Wärmeeffekten systematisch und 
praktisch zur Lehre der Diathermie ausgebildet wurden und nunmehr 



Stellung der Diathermie zur Hochfrequenztherapie. 309 

der experimentell und klinisch jeder Untersuchung relativ leicht zu- 
gängliche Wärmeeffekt als die Quintessenz einer jeden reinen 
Hochfrequenzapplikation erkannt wurde. 

Es wird nach der Lektüre der vorstehenden Kapitel nicht schwer 
sein, nunmehr die Stellung der DiathermiezurD'Arsonvalisation 
zu erkennen. Dem Kern der Sache nach besteht gar kein Unterschied. 
Ob wir Funkenstrecken mit großem Luftzwischenraum, stärkster Dämp- 
fung und relativ seltenen Entladungen oder ganz ungedämpfte Schwin- 
gungen (Poulsenlampe) oder Stoßerregung (Wiensche Funkenstrecke, Tele- 
f unken) verwenden, ob wir niedrig gespannte oder sehr hochgespannte 
Hochfrequenzströme mit diesen Apparaten erzeugen, der diathermische 
Effekt ist mit all diesen in gleicher Qualität verbimden imd hängt 
lediglich von der quantitativen Leistung der Apparate in seiner Er- 
scheinungs- und Wirkungsart ab. So habe ich lange, ehe es eigentliche 
Diathermieapparate gab, diathermische Verbrennungen kleinerer Tiere 
im Experiment und therapeutische Applikationen der reinen Diathermie 
mit ganz gewöhnlichen D'Arsonvalapparaten vornehmen können. 
Ja sogar Knochenkarzinome und kleinere Weichteiloperationen nebst 
Grelenk- und Herzbehandlungen habe ich schon 1906 und 1907 aus- 
geführt.. Daß hierbei die Hochspannung insofern störte, als Funken- 
entladungen an ungewünschten Stellen oder zufällig mit in die Erscheinung 
traten, und daß vielleicht die Streuimg der Kraftlinien für den thera- 
peutischen Effekt ein wenig imgünstiger war, beeinteächtigte im Prinzip 
keineswegs die Art der Wirkung. Ich habe 1911 in Birmingham die Ent- 
ladungen des D'Arsonvalapparates und der Diathermieapparate mit 
Stoßfunkenerregung mit einem Beispiel aus der Akustik verglichen. 
Feuert man alle Stunden eine moderne Riesenkanone ab, so erzeugt 
man Schallwellen einer enormen Amplitude, die mit sehr starker Dämp- 
fung abklingen, wonach bis zum nächsten Schuß eine sehr lange Pause 
eintritt (D'Arsonvalsche Funkenentladungen, 100 000 Volt). Die Ana- 
logie zur Diathermie (200 Volt) bietet ein kleinkalibriges Gewehr- 
feuer, wobei alle Sekunden ein Schuß fällt, dessen allerdings niedrigere 
Schallamplituden zwar auch sehr gedämpft sind, aber bis zum nächsten 
Schuß weiter klingen, so daß keine Schwingungspausen entstehen. Ver- 
gleichen wir die gesamte Ausbeute an Schwingungsenergie, so ergibt 
trotz der großen Amplitude der Kanonenschuß wegen der unverhältnis- 
mäßig langen Pausen eine geringe Ausbeute, während das ununter- 
brochene Gewehrfeuer dauernd schwingende Energie erzeugt. So sind 
die Milliampere, welche ein D'Arsonvalapparat liefert, gering an Zahl, 
20—100, nur in besonders kräftig konstruierten Apparaten (Sanitas) 
bis zu einem Ampere. Die Diathermieapparate dagegen, wenigstens die- 
jenigen, die praktisch für die Medizin Bedeutung haben, liefern 2000 
bis 3000 Milliampere. Die Spannung jedoch, die zwar als Sprüheffekt 
(Duschenentladung, Fulguration, Funkenkaustik) von Bedeutung ist, 
spielt für die diathermische Wirkung gar keine Rolle, da sie bei Einschal- 
tung des menschlichen Körpers vermöge seiner enormen Dämpfung 
auf ein Minimum reduziert wird imd für die diathermische Leistung 
ungenutzt verloren geht. Wenn wir also im Prinzip keinen qualitativen 



310 Grundregeln. 

Unterschied zwischen den Hochfrequenzströmen der einzelnen Apparat - 
typen aufstellen, so haben wir doch die Erkenntnis gewonnen, daß die 
quantitativen Leistungen der Apparatur für das klare Experiment 
und für den klinischen Erfolg von der größten Bedeutung sind. Wir 
werden Mißerfolge, wie ich das schon 1907 betonte, nicht ohne weiteres 
der Methode zur Last legen dürfen, sondern stets verlangen, daß zur 
kritischen Würdigung Art der Apparatur, Applikationsmethode imd 
Dosis neben der Charakteristik des einzelnen Falles klar angegeben sein 
müssen. 

Ich habe mich vielfach davon überzeugen können, daß durch 
einen kleinen unscheinbaren technischen Fehler, sei es in der Wahl der 
Stromstärke, sei es in der Applikationsart oder im Angriffspunkt der 
Therapie Mißerfolge herbeigeführt wurden, die heute vermieden werden 
können. Ich habe deshalb für den Siemensschen Diathermieapparat, 
der unter meiner Leitung konstruiert wurde, die auf Seite 104 mitgeteilte 
Dosierungstabelle aufgestellt, welche für die einzelnen Elektrodengrößen 
und für die wichtigsten Applikationsarten die ungefähre Stromstärke 
angibt. Selbstverständlich kann eine solche schematische Tabelle nur 
einen ganz geringen Wert haben, da man eben die Diathermie nicht 
theoretisch erlernen kann. Sie soll nur ein Anhalt für den Anfänger sein, 
damit er ganz grobe Fehler vermeidet und überhaupt eine Anwei- 
simg dafür hat, welche Stromstärken im allgemeinen zulässig sind. 
Jetzt, wo ein Lehrbuch über Diathermie vorliegt, ist das Bedürfnis nach 
solchem technischen Hilfsmittel nicht mehr vorhanden, und ich hoffe; daß 
das Studium des vorliegenden Buches die Anwendung der Diathermie 
erleichtert. Es wäre aber grundfalsch, anzunehmen, daß durch noch so 
aufmerksame Lektüre die Diathermie erlernt werden könnte. Der 
menschliche Körper in seinem Normalzustande ist ein so variabler 
Organismus und ein so kompliziertes Konglomerat von verschiedenen 
Widerständen für den elektrischen Strom, daß noch so ausgiebige 
experimentelle Untersuchungen am Tier oder an der Leiche die klinische 
Erfahrung höchstens vorbereiten, keinesfalls zu ersetzen imstande sind. 
Noch wesentlich schwieriger und komplizierter werden die Verhältnisse, 
sobald man pathologische Zustände vor sich hat, deren wahre Natur ja 
trotz der eminenten Fortschritte der Diagnestik vielfach noch nicht 
genügend gedeutet werden kann, um im Einzelfalle die spezielle An- 
wendungstechnik der Diathermie und Indikationsstellung zu ermög- 
lichen. 

Grundregeln. 

Die wesentlichen Erfordernisse, welche erfüllt sein müssen, um eine 
aussichts volle diathermische Therapie auszuüben, will ich noch einmal 
kurz rekapitulieren: 

1 . Ein gewisser Grad von Vorbildung in bezug auf Elektrizitätslehre 
ist für den Arzt unerläßlich. 

2. Es muß eine möglichst universelle diagnostisch-klinische Vor- 
bildung vorhanden sein. 

3. Der Diathermieapparat muß möglichst einfach zu bedienen sein. 



Grundregeln. 311 

4. Die Leistung des Apparates muß eine ausreichende sein (wenigstens 
100 Watt schwingender Energie). 

5. Die Technik der Applikation muß eine durchaus skrupulöse sein. 
Von der größten Wichtigkeit sind: 

tadelloses Zuleitungs- und Elektrodenmaterial; 

sorgfältige, verständnisvolle, dauernd kontroUierte Elektroden- 
applikation ; 

Einschaltung auch schwacher Ströme stets nach Anlegung der 
Elektroden ; 

Ausschaltung des Stromes stets vor Abnahme der Elektrode; 

Beginn, trotz der Ungefährlichkeit plötzHcher Einschaltung 
größerer Stromstärken auch für den Geübten, mit vorsichtiger 
Dosierung ; 

Berücksichtigimg des jeweils kleinsten stromdurchflossenen Kör- 
perquerschnittes (besonders der Handgelenke und Knöchel); 

richtige Wahl der Stromstärke (wenig kann wirkimgslos sein, 
zuviel kann schaden, mehr oder weniger kann entgegen- 
gesetzte Wirkimg hervorrufen); 

richtige Bemessung der Applikationsdauer und der während 
dieser eventuell zu wechselnden Stromstärken; 

richtige Wahl des Angriffspunktes der diathermischen Be- 
handlung ; 

sinngemäße Wahl der Applikationsmethode (reine Diathermie, 
Kondensatorduschenmethode) ; 

Grundregel: Stets bipolare Applikation. 

Allgemeine Regel: Die medizinische (nicht chirurgische) Dia- 
thermie darf niemals schmerzhaft sein. Druckschmerai durch 
Anlegen der Elektroden ist nach Möglichkeit zu vermeiden. 
Niemals darf ein schmerzhaftes Hitzegefühl auftreten. 

Alle diese Punkte und manche in den vorstehenden Kapiteln 
erwähnten Details soll man stets gegenwärtig haben, will man Erfolge 
erzielen und Schädigungen vermeiden. Befleißigt man sich einer ge- 
nügenden Kontrolle imd begnügt sich nicht allein mit der Angabe des 
Patienten, ob die Erwärmung eine zu starke ist, so können Verbrennungen 
mit Sicherheit vermieden werden. Ich habe auch niemals Thermo- 
anästhesie (Syringomyelie und Tabes) als eine strikte Kontraindikation 
betrachtet, sondern nur als eine Veranlassung zu besonders scharfer 
sorgfältiger Kontrolle der stattgefundenen Erwärmung. 

Die vielfach in ärztlichen Kreisen herrschende Furcht vor der 
Applikation der Diathermie und der Hochfrequenzströme war vor der 
Ausbildung der Diathermielehre zum Teil gewiß begründet. Man wandte 
Hochfrequenzströme an, ohne zu wissen, wie und warum sie wirkten. 
Heute, wo wir über ein großes Maß klinischer Erfahrung und über die 
Kenntnis wichtiger Kontrainidikationen verfügen, ist die Diathermie, 
verständnisvoll angewandt, trotz ihrer eminenten Wirksamkeit relativ 
ungefährlich. Da wir es bei ihr mit der vielleicht einzigen Wirkung der 
reinen Wärme zu tun haben und ihre Dosienmgs- und Lokalisierungs- 
möglichkeit im allgemeinen wesentlich über das Maß hinausgeht, welches 






312 Grundregeln. 

uns sonst in der Therapie zur Verfügung steht, haben wir eine viel 
größere Sicherheit in der Applikation, als z. B. die Röntgenstrahlen, 
Lichtbäder, die Hydrotherapie und die Mehrzahl der internen Medi- 
kationen sie uns bieten. 

Es kann erstaunüch erscheinen, wie groß die Zahl der Indikationen^ 
jetzt schon bei der Jugend der Methode ist. Ich könnte leichtlich in den 
Verdacht geraten, in den vorstehenden Kapiteln die Diathermie als 
eine Panazee anzupreisen. Wenn man aber bedenkt, daß die Diathermie- 
applikation mit großer Wahrscheinlichkeit nichts anderes ist als die 
Erzeugung reiner Wärme in jeder beliebigen Tiefe des Organismus, in 
jeder beliebigen Quantität, in jeder gewünschten Lokalisierung, mid 
andererseits, daß ja alle vitalen Vorgänge in letzter Linie Oxydation, 
d. h. Verbrennung, d. h. Wärmeproduktion bedeuten, und daß unsere 
therapeutischen Bestrebungen letzten Endes auf die Regulierung oder 
Stimulierung dieses Verbrennimgs-, d. h. Lebensprozesses abzielen, so 
wird man die Universalität der Diathermie für die gesamte Medizin be- 
greifen. Nicht in allen Fällen wird die Erhöhung der Lebensprozesse 
das gewünschte therapeutische Resultat sein. Auch die Produktion 
der physiologischen Wirkungen der Diathermie, welche wir kennen ge- 
lernt haben, wird nicht stets erstrebenswert sein, und so haben wir 
neben Erfolgen auch Mißerfolge gesehen und nach Möglichkeit hervor- 
gehoben. Wenn man aber andererseits fast täglich die Erfahrung macht, 
wie dieses oder jenes Leiden nach langem Bestände unter allen erdenk- 
lichen therapeutischen Versuchen (Tabes, Ischias, Asthma, Angina 
pectoris, Gicht u. a.) im unmittelbaren Anschluß an eine oder wenige the- 
rapeutische Applikationen der Diathermie plötzHch sich wesentlich 
bessert oder definitiv heilt, so wird man sich der Auffassung nicht ver- 
schließen können, daß die Diathermie eine Methode darstellt, welche der 
Therapie gänzUch neue Wege weist und vielfach geradezu als glänzend zu 
bezeichnende unmittelbare Erfolge erzielen läßt. Die fast spezifisch zu 
nennende schmerzstillende Wirkung der Hochfrequenzströme, be- 
sonders in ihrer vervielfachten diathermischen Form, ist ja vielleicht 
zur Genüge durch die bekannte analgetische Wirkung der Wärme er- 
klärt. Immerhin ist es aber auch möglich, daß, wie ich 1907 bei der 
D'Arsonvalisation bereits hervorhob, die molekulare Erschütterung 
der die Nervenfasern und Zellen zusammensetzenden Atomgruppen die 
zentripetale Schmerzleitung gewissermaßen inhibiert, und daß somit für 
diese wie für manche andere Wirkung der Hochfrequenzströme die 
elektrische Energieform als solche, vielleicht auch ihre Spannung von 
Einfluß ist. Die bisherigen Erfahrungen scheinen jedoch für eine reine 
Wärmewirkung zu sprechen. 

Ich habe das vorliegende Werk im wesentlichen auf meinen eigenen 
experimentellen und klinischen Beobachtungen aufgebaut. Dies geschah 
nicht, um sie in den Vordergrund des Interesses zu rücken oder mir 
Prioritäten zu wahren, sondern lediglich, weil auf diesem trotz der 
viel jährigen D'Arsonvalschen Erfahrungen vollkommen neuen Gebiet 
die Apparatur, die Technik und die Dosierung von so weittragender 
Bedeutung sind, daß die in der Literatur niedergelegten Beobachtungen 



Grundregeln. 313 

znr klinischen Verwertung in einem Lehrbuch nicht eindeutig genug 
erscheinen. In dem nachstehenden Literaturverzeichnis habe ich eine 
möglichst vollständige Zusammenstellung aller bisher erschienenen ein- 
schlägigen Arbeiten zu geben versucht. Wenngleich manche dieser 
Arbeiten grobe hrrtümer und unverwertbare Beobachtungen enthalten, 
l>esitzen viele andere produktiven und kritischen Wert. Im ganzen 
ist vieles, was in den vorstehenden Kapiteln an künischer Beobach- 
tung niedergelegt ist, in der bereits vorhegenden Literatur von anderer 

Seite bestätigt imd hat sich für die verschiedenen Spezialzweige der 

Medizin als fruchtbar erwiesen. 



Literatur. (Nr. 1—255.) 

Abel, Berl. Med. GJesellsch. 29. 1. 1913. Die Elektrokoagulation bei der operativen 
Behandlung des Krebses, speziell des Gebärmutterkrebses. 

Adam, H., Diathermie im Pendelapparat zur Mobilisation versteifter Gelenke 
und Weichteile, Diathermie und Überdruckatmung in der pneumatischen 
Kammer zur Mobilisierung pleuritischer Verklebungen und Verwachsungen. 
Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 8, 225. 1917. 

Albert -Weil und G6rard, Journal de Physiotherapie 1910, No. 46. Les effets 
thermiques des courants de haute fr^quence. 

Albert-Weil, Journal de Physiotherapie 1911, No. 102. Les 61ectrodes pour la 
diathermie. 

Amtschislawsky, Berl. klin. Wochenschr. 1914, Nr. 15. Neue Elektroden für 
die gefahrlose Anwendung starker, bes. diathermischer Ströme in der Gynä- 
kologie. 

Antoni, Ein Beitrag zur Diathermiebehandlung der Gonorrhoe. Dermatol. 
Wochenschr. 66, 393. 1918. 

Arcelin et Giuliani, Lyon m6d. 1914, No. 21. Utilisation des courants de 
haute fr6quence en urologie. 

d'Arsonval, III. intern. Kongr. f. Physiotherapie. (Diskussion.) Paris 1910. 
Das Verhältnis von Diathermie und d'ArsonvaHsation. 

d'Arsonval, Arch. d'61ectr. m6d. März 1914. Nouvel appareil de diathermie 
intensive. , 

Ashcraft, L. T., Surg. gynecol. and obst. II, No. 5, p. 636. Arsonval in tumors 
of the bladder through the operating cystoscope. 

Baisch, Dtsch. med. Wochenschr. 1912, Nr. 50 (Referat). Diathermie und ihre 
Anwendung in der Orthopädie. 

Balneologen-Kongreß, Hamburg, März 1914. 

Barne y, J. D., Boston med. a. surg. joum. 169, No. 1. Efficiency of the high 
frequenz current on tumors of the bladder. 

Batzdorff, Bresl. chir. Ges. 13. VII. 1914. Die Diathermie in der Chirurgie. 

Bauer, H., Zeitschr. f. ärztl. Fortbild. 1910, Nr. 8. Aus der Physik und physikal. 
Technik. 

Bauer, H., Zeitschr. f. med. Elektrol. 13, Heft 6. Bemerkungen zu dem Auf- 
satz von Simon „Physik und Technik der Thermopenetration". 

Becker, F., Münch. med. Wochenschr. 1915, Nr. 31, S. 1044. Hochfrequenz- 
ströme als Narben erweichendes Mittel. 

Beer, Zentralbl. f. Chir. 1910, Nr. 34. Die Behandlung der gutartigen Geschwülste 
der Harnblase mittels Oudinstrahlen. 

Belot, J., Arch. d'electr. m6d. Nr. 316. A propos des dispositifs de diathermie. 

Bergoni6, Arch. d'electr. m6d. No. 339 (Referat). Action de la diathermie sur 
les radiodermites chroniques. 

Bergoni 6, Compt. rend. de TAcad. des Sc. (2. XII. 1912), 155. Des applications 
de diathermie comme ration 6nergetique d'appoint. 

Bergoni 6, Paris m6d. 1913, No. 5. La thiadermie ration d'appoint. 

Bergon i 6, Arch. d'electr. m6d. No. 349 (Referat). La diathermie ration d'appoint. 

Bergoni 6, Arch. d'electr. m6d. No. 353. La diathermie ration d'appoint. 

Bergoni 6, Arch. d'electr. m6d. No. 357. Les applications m^dicales de la dia- 
thermie. (IV. intern. Kongr. f. Physiotherapie, Berlin 1913.) 



Literatur. 315 

Bergoni6, Arch. f. physikal. Med. u. med. Technik 1, Heft 4. Die Anwendung 

der Diathermie als energetisches Ergänzungsmittel. 
Bergoni6 und R^chon, Arch. d'61ectr. m6d. No. 314. La diathermie. Ap- 
plications m^dicales et chinirgicales. 
Bergoni6, Berl. klin. Wochenschr. 1913, Nr. 39. Die medizinischen Anwen- 
dungen der Diathermie. 
Bergoni6, III. intern. Kongr. f. Physiotherapie, Paris 1910. Diathermieversuche 

mit großen Elektroden. 
Bering und Meyer, Münch. med. Wochenschr. 1911, Nr. 19. Experimentelle 
Untersuchungen über die Sensibilisierung d. Röntgenstrahlen mittels Wärme- 
durchstrahlung. 
"Bernd, Gesellsch. d. Ärzte Wiens. 26. II. 1909. Über Thermopenetration. 
V. Bernd; Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 1909, Heft 3. Über Thermopenetration. 
V. Bernd und Preyss, Wien. klin. Wochenschr. 1909, Nr. 44 und 1910, Nr. 9. 

Zur Thermopenetration. 
Best, Münch. med. Wochenschr. 1914, Nr. 31. Die Diathermie in der Augen- 
heilkunde. 
Bles, Nederl. Tijdschr. v. Geneesk. 1911, IL Über Thermopenetration. 
Blumreich, Diathermie- und Hochfrequenzbehandlung bei gynäkologisch- 
geburtshilflichen Leiden. Arch. f. .Gynäkol. 109, 204. 
Bömer und San tos, Zeitschr. f. urol. Chir. 1915, Heft 1. Über eine neue Art 

Elektroden zur Behandlung der Gonorrhoe mittels Diathermie. 
Bonnefoy, Joum. de Physiol. et de Pathol. g6n6r. 1910, No. 94. AppUcations 
au moyen du lit condensatcur sur la Circulation et la Temp^rature du Corps. 
Branth, J. H., New York med. joum. 91, No. 19, p. 961. Hightension, high- 

frequenz currents. 
Braun, H., Die Diathermie im Kriege. Therap. d. Gegenw. 4, 136. 1917. 
Braun warth und Fischer, 25eitschr. f. phys. u. diät. Ther. 16, Heft 11. Über 
. den Einfluß der verschiedenen Arten der Hochfrequenzbehandlung auf das 
cordiovasculäre System. 
Brühl, Russki Wratsch, 1910, Nr. 52. Die Thermopenetration in der Gynäkologie. 
Bucky, Münch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 4. Kombinierte Augenelektrode 

und Augenirrigationsgefäß. 
Bucky, Klin. Monatsbl. f. Augenheilk. Januar 1914, S. 155 und Zeitschr. f. 
Augenheilk. März 1914. Diskussionsbemerkungen und Vortrag von Krück- 
mann. 
Bucky, Berl. khn. Wochenschr. 1914, Nr. 2. Zur Applikationstechnik der Dia- 
thermieströme. 
Bucky, Dtsch. med. Wochenschr. 1915, Nr. 16. Die Diathermie in d. Lazaretten. 
Bucky, Münch. med. Wochenschr. 1915, Nr. 29. Diathermieschädigungen und 
ihre Vermeidung durch den Pulsator unter gleichzeitiger Erhöhung der 
therapeut. Wirkung. 
Bucky und Frank, E., Münch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 7. Über Operationen 

im Blaseninnem mit Hilfe von Hochfrequenzströmen. 
Bühler, Med. KHn. 1914, Nr. 2, S. 55 — 57. Erfolge der Hochfrequenzströme 

bei Arteriosklerose. 

Bugbee, New York med. Record. 85, No. 7, p. 293. Further observations on 

the usc. of the high frequenz spark for the reUef of prostatic obstruction 

in selected cases. 

Burmester, Beitrag zur Handhabung des Diathermieapparates bei gleichzeitigem 

Anschluß mehrerer Kranker. Münch. med. Wochenschr. 1917, Nr. 13, S. 436. 

Chlumsky, Wienr. klin. Rundschau 1910, Nr. 45. Über elektrische Durch- 

wärmunsj (Diathermie). 
Christen, Th., H. Hertenstein und Bergter, Neue Fortschritte der Dia- 
thermie. Münch. med. Wochenschr. 1918, Nr. 50, S. 1395. 
Christen und v. Beeren, Berl. klin. Wochenschr. 1919, Nr. 3. 
Clans uirer, CUnique ophthalmique 1912, 10. X. Rev. de Th6rapeutique 1913, 

N). 7. Influence de la diathermie sur la pression intraoculaire. 
Claussnitzer, Klin. Monatsbl. f. Augenheilk. 1912, Juni. Diathermie und intra- 
ocularer Druck. 



316 Literatur. 

Czerny, v., Dtsch. med. Wochenschr. 1910, Nr. 11. Über Operationen mit dem 
elektrischen Lichtbogen und Diathermie. 

Czerny, v., Münch. m&A., Wochenschr. 1912, Nr. 41. Über die nichtoperative 
Behandlung der Geschwülste. 

Dalmady, Z. v.. Die Nachbehandlung rheumatischer und ähnHcher Kriegs- 
erkrankunfzren in Bädern und Heilanstalten. Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 
Ät, 46. 1918. 

Damoglon, S. C, IV. Litern. Kongr. f. med. Elektrologie, Prag 1912. Mit Hoch- 
frequenzapparat ausgeübte Thermopenetration. 

Damoglon, .Aim. d'electrobiol. et de radiol. 1913, Septbr. Deux cas d'h^mi- 
pl6gie c6r6brale f rüste cons^cutiva une embolie trait^s avec succ6s pour la 
diathermie etc. 

Delhermet Laquerriere, Gaz. des hop. 1910, No. 84. Action endöthermique 
des courants de haute fr^quence. 

Des sauer, Münch. med. Wochenschr. 1910, Nr. 25. Über einen neuen Apparat 
zur Durchdringung des Körpers mit Stromwärme (Diathermie). 

Disqu6, Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 1916, Heft 1. Elektrische Behandlung 
und lokale Diathermie bei Schußverletzungen und in der ärztUchen Praxis. 

Dreesen, Dtsch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 37. Experimentelle und thera- 
peutische Erfahrungen mit Diathermie. 

Durey, Joum. de Physiotherapie 8, 54. La thermoth^rapie dans les affections 
articulaires. 

Durig und Grau, Biochem. Zeitschr. 48, 1913. Der Eiiergieumsatz bei der 
Diathermie. 

Ehrlich, Dtsch. militärärztl. Zeitschr. 1911, 5. VIII. Der gegenwärtige Stand 
der Thermopenetration. 

Eitner, Wien. klin. Wochenschr. 1910, Nr. 5. Über eine neue Art von Kaustik. 

Eitner, Wien. klin. Wochenschr. 1910, Nr. 35. Weitere Äiitteilungen über Thermo- 
penetration. 

Eitner, Ärztl. Reformzeitung 1910, Nr. 22 und 23. Thermopenetration, eine neue 
Wärmetherapie. 

Eitner, Wien. Idin. Wochenschr. 1909, Nr. 34. Über Verwendung der Thermo- 
penetration in der Gonorrhoetherapie. 

Eitner und v. Bernd, Wien. klin. Wochenschr. 1909, Nr. 44. Über Thermo- 
penetration. 

Fesuglio, H Morgagni 1913, T, No. 24. Über Diathermie. 

Fournier, M^nard et Gu6not, Arch d'electr. m6d. No. 305. Applications de 
la diathermie. 

>Foveau de Courmelles, Gaz. des h6p. 1911, Nr. 50. L'61ectrocoagulation. 

Frankenhäuser, Jahreskurse f. ärztl. Fortbild. 1913, Heft 8. Hochfrequenz- 
therapie. 

Fürst, Umschau 15, 1911. Wärmepenetration. 

Fürstenberg, Dtsch. med. Wochenschr. 1912, S. 70. Fortschritte auf dem 
Gebiet der Hydro-, Thermo- und Emanationstherapie. 

Fürstenberg und Schemel, Dtsch. med. Wochenschr. 1912, S. 1780. Das 
Verhalten der Körper- und Gewebetemperatur d. Menschen. 

Fürstenberg, Med. Klin. 1913, Nr. 19. Der Einfluß der Diathermie auf die 
Körper- und Gewebetemperatur des Menschen. 

Funck, Dtsch. med. Wochenschr. 1910, Nr. 22. Über Transthermie und die 
Therapie mit Ätherwellen. 

Gara, Arch. f. physikal. Med. 5, 1911. Über Diathermie. 

Gerlach, Münch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 45. Eine sither fixierbare Oto- 
diathermieelektrode und Messungen über den Grad der Durchwässerung 
des Ohres liei Otodiathermie. 

Ghilarducci, VI. intern. Kongr. f. med. Elektrologie, Prag 1912. Einfluß der 
Diathermie auf den experimentellen menschlichen Diabetes. 

Giesecke, A., Die Anwendung der Diathermie bei gynäkologischen Erkran- 
kungen. Centralbl. f. Gynäkol. «1, 496. 1918. 

Gilden meister, Arch. f. d. ges. Phjrsiol. 149, Heft 6 — 8. Über die im tierischen 
Körper bei elektrischer Durchströmung entstehenden Gegenkräfte. 



Literatur. 317 

Oörl, Berl. Jdin. Wochenschr. 1909, Nr. 52 (Referat). Über Wärmepenetrations- 

und Forest-Apparat. 
Orü.nbaum,R., Über Diathermie. Wien. med. Wochenschr. 1919, Nr. 42, S. 2046; 

Nr. 43, S. 2106. 
Griinbaum, R., Behandlung der Perniones mit Diathermie. W. kl. W. 1920. 
Orünspan, Ref.: Arch. d'electr. m6d. No. 371. La chaleur des tissus dans les 

applications d'air chaud et de thermop^n^tration. 
Orünspan, Rev. de chir. 1913, Oktobre. Essais de mensuration des tem- 
p6ratures reelles des tissus au cours des traitements par Tair chaud, la dia- 
thermie et T^lectrocoagulation. 
Gunzbourg, Ann. de m6d. physique 1911. Action physiologique de la thermo- 

p^n^tration. 
Hall, Edwards, Arch. of the Röntgen-Ray 1913. Über einen durch die Diathermie 

veranlaßten Unfall. 
Hamm, Dtsch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 28. Die Behandlung der Schwer- 
hörigkeit nach Mittelohrerkrankungen mittels Diathermie. 
Heindl, Berl. kHn. Wochenschr. 1916, Nr. 34. ösophagusstriktur mittels Dia- 
thermie behandelt. 
Henkel, Ref.: Münch. med. Wochenschr. 1912, S. 839. Thermopenetration bei 

Missed labour und bei Wehenschwäche. 
Herzer, Korrespondenzbl. f. Schweiz. Ärzte 1912, Nr. 27. Therapeutische Ver- 
wendung von Hochfrequenzströmen in Form der Diathermie. 
Hirschberg, Beitr. z. klin. Chir. T5, Heft 3. Operationen mit dem elektrischen 

Lichtbogen und Elektrokaustik bei malignen Geschwülsten. 
Hiss, C, Zeitschr..f. phys. u. diät. Ther. 11, Nr. 5, S. 277. Hypertensionen und 

ihre Behandlung mit Ho?hfrequenz8trömen. 
Hohlweg, H., Technische Erfahrungen über Anwendung der Diathermie bei 

Kriegserkrankungen. Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. tl, Nr. 9, S. 269. 
Hof mann, Beitr. z. klin. Chir. TÄ, Heft 1. Blutstillung durch Hochfrequenz- 
ströme. 
Hufnagel, Dtsch. med. Wochenschr. 1915, Nr. 29. Die kombinierte Behandlung 
langdauemder Wundeiterungen mit ultraviolettem licht und allgemeiner 
Diathermie. 
Humphris, Arch. of the Röntgen-Ray, Juni 1910. Elektrothermie-Penetration. 
Humphris, Berl. klin. Wochenschr. 1913, Nr. 41. Behandlung des pathologischen 

Blutdrucks mit modernen elektrotherapeutischen Maßnahmen. 
Jakobi, Strahlentherapie 4, Heft 1. 1914. Die Behandlung des Lupus mittels 
Diathermie. (Lupus-Ausschuß-Sitzung des Deutschen Zentralkomitees zur 
Bekämpfung der Tuberkulose (Oktober 1913). 
Jaksch, V., Wien. med. Wochenschr. 1910, Nr. 44. Erfahrungen über die thera- 
peutische Wirkung der Hochfrequenzströme. 
Jones, Berl. klin. Wochenschr. 1913, S. 97. Fortschritte der Elektrotherapie. 
Jones, The Lancet, 7. H. 1914. Diathermy. 

Kahane, Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 15, ^9; 519; 600. 1911. Über Hoch- 
frequenzströme und ihre Indikationen. 
Kakowski, Praktizcesky Wratsch 1913. Die therapeutische Verwendung von 

Hochfrequenzströmen in Form der Diathermie. 
Kalker, Berl. klin. Wochenschr. 1912, Nr. 36. Diathermiebehandlung bei Herz-, 

Lungen- und Nierenkrankheiten. 
King, Med. Rec., Januar 1911. Über die Behandlung der chron. Appendicitis 

mit Hochfrequenzströmen. 
Klingmüller und Bering, Berl. klin. Wochenschr. 1909, Nr. 39. Zur Ver- 
wendung der Wärmedurchstrahlung. 
Koeppe, Die Diathermie und Lichtbehandlung des Auges. 1919. Verlag F. C. W. 

Vogel, Leipzig. 
Kowarschik, Zeitschr. f. phyB. u. diät. Ther. 1911, Heft 11. Methoden und 

Technik der Diathermie. 
Kowarschik, Lehrbuch der Diathermie. Verlag Julius Springer, H. Aufl. 1914. 
Kowarschik und Keitler, Wien. klin. Wochenschr. 1914, Nr. 41. Die Dia- 
thermie bei gynäkologischen Erkrankungen. 



318 Literatur. 

Kowarschik, J., Eine neue einfache Methode der allgemeinen Diathermie. 
Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 1920. 4. 

Kraus, F., Med. Klin. 19L5, Nr. 20. Zur Anwendung der Diathermie. 

Krückmann, 37. Vers. d. Ophthalm. Ges. zu Heidelberg 1911. Die rheuma- 
tischen Erkrankungen des Auges. 

Krückmann und Te 1er mann, Arch. f. Ophthalmol. 86, Heft 3. Untersuchun- 
gen über die natürlichen und künstlichen Temperaturverhältnisse am Auge 
mit Hilfe der Thermopenetration. 

Kyan, Med. Klin. 1912, Nr. 45. Neue Behandlungsweise der akuten und chron. 
Gonorrhoe, Prostatitis und Urethritis mit Thermopenetration. 

Labb6 et Blanche, La presse m6dic. 1911, Nr. 33. La Diathermie. 

La quer, A. W., Berl.' kHn. Wochenschr. 1913, Nr. 35. Zur Behandlung mit 
Hochfrequenzströmen. 

Laquerriere, Bull. m6d. 1910, 27. VIIL La Thermopenetration. 

Laqueur, A., Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 1909, Heft 5. Beiträge zur Wir- 
kung der Thermopenetration. 

Laqueur, A., Zeitschr. f. ärztl. Fortbild. 1910, Heft 1. Technik und Anwendung 
der Thermopenetration. 

Laqueur, A., Ref.: Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 14, Heft 6. Über Thermo- 
penetration. 

Laqueur, A., Areh. d'61ectr. m6d. Nr. 293. L'application de la thermopenetration. 

Laqueur, A., Therap. d. Gegenw. 1911, Heft 2. Über die therapeutische Ver- 
wendung von Hochfrequenzströmen. 

Laqueur, A., Med. Klin. 1911, Nr. 49. Die Behandlung mit Hochfrequenzströmen. 

Laqueur, A., Veröffentl. d. Baineolog. Gesellsch. 33, 268. 1912. Über Thermo- 
penetration. 

Laqueur, A., Med. Klin. 1914, Heft 9, S. 372. Über Thermopenetration. 

Laqueur, A., Praktische Bemerkungen zur Diathermiebehandlung. Zeitschr. f. 
phys. u. diät. Ther. ÄÄ, Heft 8 und 9, S. 242. 

Legueu, Journal des practicus 1913, Nr. 48. Traitement des tumeurs de la 
vessie par les courants de haute frequence. 

Lenz, Fortschr. a. d. Geb. d. Röntgenstr. IT. 1911. Experimentelle Studien über 
die Kombination von Hochfrequenzströmen und Röntgenstrahlen. 

Lichtenstein, Wien. klin. Wochenschr. 1914, Nr. 17. Die Diathermiebehand- 
lung des Rheumatismus. 

Lindemann, Münch. med. Wochenschr. 1916, Heft 2, S. 54. Über Diathermie- 
behandlung gynäkologischer Erkrankungen. 

Lindemann, W., Weitere Erfahrungen mit der Diathermie gynäkologischer 
Erkrankungen (Beckenperitonitis, Cervicitis, Neuralgien). Münch. med. 
Wochenschr. Äl. 678. 1917. 

Lüthje, Jahreskurse f. ärztl. Fortbild. 1912, Heft 3, S. 63. Die Entwicklung 
der Lehre von der Gicht. 

Machado, Zeitschr. f. med. Elektrol. 13, Heft 3, 1911. Die direkte und indirekte 
AppHkation der Elektrizität in der Medizin. 

Maldutis, A., Petersb. ophthalmol. Ges. 14. III. 1913. Über Diathermie des Auges. 

Mann, Berl. klin. Wochenschr. 1914, Nr. 17. Dtsch. med. Wochenschr. 1914, 
Nr. 28. Über Diathermie. 

Mendel, Therap. d. Gegenw. 1915, Nr. 2. Über Diathermie und ihre Kombination 
mit Ultraviolettbestrahlung und anderen Heilmitteln. 

Mendel, Dtsch. med. Wochenschr. 1914, Nr. 1. Die Diathermie und ihre An- 
wendung in der Ohrenheilkunde. 

Moeris, Ann. de la med. physique 1911. Resultats directs et comparatifs de 
la diathermie et des courants de haute frequence. 

Mohr, Dtsch. Kongr. f. innere Medizin zu Wiesbaden. April 1913. Über die 
Beeinflussung des Blutgefäßapparates durch Diathermie; 

Mo nasch, Zeitschr. f. med. Elektrol. 1910, Heft 3. Über Thermopenetration. 

Mo riet, Ann. de la soc. med.-chir. d'Auvers 1910, April-Mai -Juni. La Diathermie. 

Morlet, Ann. de med. physique 1911, März-April. Technique de la Diathermie. 

Müller, W., Dermatol. Wochenschr. 65, Nr. 28, 1917. Die Diathermiebehandlung 
der männlichen Gonorrhoe und ihrer Folgezustände. 



Literatur: 319 

Müiller, W., Die Diathermiebehandlung der männlichen Gronorrhoe. Dermatol. 

Wochenschr. S. 818. 
Müller, Münch. med. Wochenschr. 1912, Nr. 28. Kombination von Röntgen 

und Diathermie. 
Müller, Fortschr. a. d. Geb. d. Röntgenstr. 18, Heft 3. Kombination von Hoch- 
frequenz und Röntgen. 
Muskat, Zeitschr. f. orthop. Chir. ÄÄ. Die Anwendung der Diathermie zur Be- 
handlung des fixierten Plattfußes, 
^agelschmidt, Dtsch. Naturf.-Vers. Dresden 1907. Demonstration (Durch- 

virärmungen mittels Hochfrequenzströmen im Menschen). 
Nagels eh midt, Ebenda. 1910. 
Nagel Schmidt, Münch. med. Wochenschr. 1908, Nr. 49. Tabes und Hoch- 

f re quenzbehandlung. 
Na gel Schmidt, Münch. med. Wochenschr. 1909, S. 2575. Über Diathermie 

Transthermie, Thermopenetration). 
Nagelschmidt, Zeitschr. f. ärztl. Fortbild. 1910, Nr. 28. Behandlung des 

Lupus. 
Nagelschmidt, Congr. internat. de Physioth. Paris 1910. Effets thermiques 

produits par les courants de haute fr^quence sur Torganisme. 
Nagel Schmidt, Wien. klin. Wochenschr. 1910, Nr. 7. Ergänzung „Zur Ge- 
schichte der Diathermie". 
Nagelschmidt, Münch. med. Wochenschr. 1910, Nr. 6. Über Diathermie 

(Transthermie, Thermopenetration). 
Nagelschmidt, Wissenschaft!. Vereinigung am Stadt. Krankenhaus zu Frank- 
furt a. M. 6. IX. 1910. Über Hochfrequenzströme und Chirurgie. 
Nagel Schmidt, Arch. of the Röntgen-Ray 1910, Nr. 122 und Brit. Medic. 

Association 1910. The method of Diathermy in Surgery. 
Nagelschmidt, Dtsch. med. Wochenschr. 1911, Nr. 1 und 2. Über die klinische 

Bedeutung der Diathermie. 
Nagelschmidt, Jahrb. f. physik. Med. Ä, 54. 1912. Über Diathermie. 
Nagelschmidt, Arch. d'^fectr. m6d. Nr. 305. L'apparail de Diathermie. 
Nagelschmidt, Brit. Med. Association, Birmingham, July 1911. The diathermic 

treatement of circulatory disorders. 
Nagelschmidt, Berliner Med. Ges. 24. IL 1909. Ref.: Berl. klin. Wochenschr. 

1909, Nr. 10. Über Hochfrequenzströme. 
Nagelschmidt, Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 1909, Heft 3. .Über Hoch- 
frequenzströme, Fulguration und Transthermie. 
Nagelschmidt, 82. Vers. Dtsch. Naturf. u. Ärzte in Königsberg 1910. Über 

Diathermie und Hochfrequenzströme. 
Nagelschmidt, Lehrbuch der Diathermie. Verlag Springer. 1. Aufl. 1913. 
Nagelschmidt, Zeitschr. f. ärztl. Fortbild. 1915, Nr. 10. Licht. Radium, 
Elektrorythmik, Diathermie zur Nachbehandlung von Kriegsverletzungen 
und Krankheiten des Bewegungsapparates. 
Nagelschmidt, Strahlentherapie T. 1916. Physikotherapie für Kriegsverletzte. 
Nesper, E., Physik. Zeitschr. 11. Leipzig 1910. Wärmeeinwirkung durch Hoch- 
frequenzströme in organischen CJeweben. 
Nesper, E., Elektrotechn. Zeitschr. 31. Thermopenetration. 
Nonnenbruch und Szyska, Beschleunigung der Blutgewinnung durch 

Milz-Diathermie 
Oudin, Ann. d'electrobiol. et de radiol. vSept. 1910. Action de l'^tincelle de 

haute fr^quence sur les tissus. 
Passow, Med. Klin. 1915, S. 753. Neue Mittel gegen Hörstörungen und Ohr- 
geräusche. 
Patte rson, N., Diathermy. Lancet 1919. Nr. 5023. 
Petit, Arch. d'^lectr. m6d. Februar 1914, Nr. 376. Ad^nopathie cervicale chez 

une morastique. Traitement par la diathermie et la radioth^rapie. 
Pribram, Zeitschr. f. phys. u. diät .Ther. 15, 464. 1911. Diathermie bei Ge- 
lenkserkrankungen. 
Porten, E. v. d.. Die Anwendung der d'Arsonvalisation bei Spondylitis de- 
formans. Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. «», Heft 10, S. 403. 



320 Literatur. 

Quirin, Münch. med. Wochenschr. 1914, Nr. 20 und 27. Universalaugen- und 
Kopfelektrode für Diathermie. 

Quirin, Zeitschr. f. Augenheilk. 31, 1914. Über Diathermie am Auge. 

Bautenberg, Kongr. f. innere Med. in Wiesbaden 1911. Verhandlungen S. 463. 
Die künstliche Durchwärmung innerer Organe. 

Becasens, Monatsschr. f. Geb. u. Gynäkol. 41, Heft 2, Februar 1915. Die Dia- 
thermie als Behandlungsmittel bei annexialen Entzündungen. 

B6chou, Bef.: Arch. d'61ectr. m6d. Nr. 339, S. 126. Action de la diathermie 
sur les Behanges respiratoires. 

B6chou, Arch. d'electr. m6d. Nr. 354. Un ^clateur simple pour diathermie. 

Beichert, Zeitschr. f. phys. u. diät. Ther. 11, Heft 10, S. 607. Die Behandlung 
von Fersenschmensen mit d*Arsonvalisation. 

Benner, Berl. klin. Wochenschr. 1914, Nr. 37. Behandlung der Blasentumoren 
mit Hochfrequenzströmen. 

Boman, A., Annali di electricita medica a terapia fisica 1913, Februar. Valore 
terapeutico della diatermia elettrica endogena ed esogena ed importanza 
e significato della ergotermia organica. 

Bosenthal, O., Die Diathermiebehandlung der männlichen Gonorrhoe. Dermatol. 
Wochenschr. 1917, S. 817. 

Bubens, Med. Klin. 1915, Nr. 43. Die Behandlung des Ulcus duodeni mit Dia- 
thermie. 

Salomon, Beichs-Med.-Anz. 1914, S. 200. Die Behandlung des Lupus vulg. 
mit Diathermie. 

San tos, Arch. d*61ectr. m6d. Nr. 354 (März 1913). Sur le traitement de la blennor- 
rhagie par la diathermie. 

Sattler, Ophthalmol. Versammlung 1912, Heidelberg. Experimentelles zur 
Diathermie am Auge. 

Schittenhelm, Therap. Monatshefte 1911, S. 341. Experimentelle und kli- 
nische Untersuchungen über die Wirkung der Hochfrequenzströme. 

Schmincke, Med. Klin., Berlin 1910. Die Thermopenetrationsbehandlung. 

Schmidt, H. E., Über Dialhermiebehandlung der Gonorrhoe und anderer Er- 
krankungen. Berl. klin. Wochenschr. 1918, S. 184. 

Sehn 6 e, Münch. med. Wochenschr. 1910, Nr. 45. Hochfrequenz und Thermo- 
penetration im Vierzellenbad. 

Schur ig, Dtsch. med. Wochenschr. 1913, S. 271. Zur therapeutischen Ver- 
wendung der Hochfrequenzströme. 

Schwalbach und Busky, Über die Ergebnisse der Behandlung von Schuß- 
musitiden mittels Diathermie. 

Sellheim, Monatsschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol. 1910, Nr. 5. Die elektrische 
Durchwärmung des Beckens als Heilmittel. 

Sengbusch, B. v., Gleichzeitige Diathermiebehandlung in mehreren Strom- 
kreisen. Dtsch. med. Wochenschr. 1917, 31, S. 975. 

Simmonds, Med. Klin. 1912, Nr. 45. Thermopenetration bei Prostatitis go- 
norrhoica chronica. 

Somerville, Brit. med. joum. 21. XII. 1912. Hochfrequenzströme bei Trige- 
minusneuralgie. 

Stein, A., Verhandl. d. Dtsch. Kongr. f. innere Med. 1911, S. 471. Mitteilungen 
zur Diathermiebehandlung. 

Stein, A., Berl. klin. Wochenschr. 1911, S. 1034. Die Diathermie bei der Be- 
handlung der Knochen- und Gelenkkrankheiten. 

Stein, A., Münch. med. Wochenschr. 1911, S. 1302. Zur Diathermiebehandlung. 

Stein, A., Dtsch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 27. Zur Technik der Diathermie- 
behandlung der Gelenkkrankheiten. 

Stein, A., Zeitschr. f. ärztl. FortbUd. 10. Jahrg., Nr. 16. Die Verwendung der 
Diathermie bei chirurgischen Erkrankungen. 

Stein, A., Zentralbl. f. Böntgenstrahlen 5, Heft 9 und 10. 1914. Kreuzfeuer- 
diathermie. 

Stein, A., Berl. klin. Wochenschr. 1915, Nr. 16, S. 408 — 412. Die Anwendung 
der Diathermie bei der Behandlung der Kriegsverletzungen und der Kriegs- 
krankheiten. 



Literatur. 321 

-SSteiner, Zeitschr. f. med. Elektrol. 11. Leipzig 1909. Neue Gesichtspunkte 

in der Strahlentherapie. 
Ste plia n , Bruns Beitr. z. klin. Chir. 11, 382. 1912. Histologische Untersuchungen 
"über die Wirkung der Thermopenetration auf normale Gewebe u. Carcinom. 
Stevens, New York med. joum. 98, Nr. 4, S. 170. On the value of cauterization 

by the hi?h frequency current in certain cases of prostatic obstruction. 
TTelemann, Dtsch. med. Wochenschr. 1911, S. 829. Hochfrequenzströme in 

der Medizin. 
Th.eilhaber,6. intern. Kongr. f. Geburtsh. u. GynäkoL Berlin 1912. Behandlung 

der Carcinomkranken nach der Operation, 
^heilhaber, BerL klin. Wochenschr. 1913, Nr. 8. Operationslose Behandlung 

des Carcinoma. 
Theilhaber, Diathermierung des weiblichen Unterleibes. Ärztl. Verein Mün- 
chen, 15. Mai 1918. Dtsch. med. Wochenschr. 1918, 36, S. 1008. 
Theilhaber, A., Der Einfluß der Diathermiebehandlung auf das Carcinom- 

gewebe. Mimch. med. Wochenschr. 1919, 44, S. 1260. 
Ullmann, Zeitschr. f. med. Elektrol. lÄ. Leipzig 1910. Experimentelle Beiträge 

zur Lehre von der Thermopenetration. 
TJnna, jun., Berl. klin. Wocheiv3chr. 1913, Nr. 46. Über Diathermiebehandlung 

hei Lepra. 
Vinay, Ann. d'61ectrobiol. et de radiol. Sulla Thermopenetrazione Osservazioni 

ed esperience. 
Voltz und Mann, Schles. Ges. f. vaterländische Kultur Breslau. Berl. klin. 

Wochenschr. 1914, Nr. 15. Über Diathermie. 
Wald mann, 85. Vers. Dtsch. Naturf. u. Ärzte, Wien, September 1913. Über 

Diathermie des Auges. 
Walter, Münch. med. Wochenschr. 1910, S. 240. Über die physikalischen Grund- 
lagen der Diathermie. 
Walzer, 35. Baineolog. Kongr., Hamburg. Die Erfolge der T^besbehandlung 

mit hochgespannten Wechselströmen. 
Warne kros, K, Carcinom behandlung mit höchstgespannten Strömen. Münch. 

med. Wochenschr. 1919, S. 891. 
Weber, Ernst, Die Wirkung natürlicher und künstlicher Kohlensäurebäder 
sowie der Hochfrequenzbehandlung bei Herzkranken, kontrolliert durch 
die plethj^mographische Arbeitskurve. Dtsch. med. Wochenschr. 1918, 45, 
S. 1233—1237. 
Weil, Joum. d. Physioth. 1911, Nr. 102. Les 61ectrodes pour la diathermie. 
Weil, Joum. d. Physioth. 1912. L'61ectrocoagulation m6dicale. 
Weil und G6rard, Joum. d. Physioth. 1'910, Nr. 96. Les effets thermiques des 

courants de haute fr^quence. 
Weiser, Münch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 45. Ein neuer Apparat zur Dia- 
thermiebehandlung von Ohrenkrankheiten. 
Weiser, Ref.: Münch. med. Wochenschr. 1913, Nr. 22. Die Diathermie. 
Werner und Caan, Münch. med. Wochenschr. 1911, S. 1900. Über den Wert 
der Kombination von Röntgenstrahlen und Hochfrequenzbehandlung bei 
malignen Tumoren. 
Werner, Strahlentherapie 1, Heft 1 und 2. Die Rolle der Strahlentherapie bei 

der Behandlung d. malignen Tumoren. 
Wich mann, Lupus- Ausschuß 1911. Ref.: Dtsch. med. Wochenschr. 1911, Nr. 19. 

Über die Behandlung des Schleimhautlupus. 
Wildermuth, Mitt. a. d. Grenz^eb. d. Med. u. Chir. tZ, Heft 4. 1911. Experi- 
mentelle Untersuchungen über den spozifischen Leitunsswiderstand und 
über die spezifische Wärme *der Gewebe des menschlichen Körpers als Gmnd- 
lagefürdie Beurteilung des Weges von wärn^eerregenden Hochfrequenzströmen. 
Wolf, H. F., Diathermia in the treatment of trifaoial neuralgia. New York. med. 

Record 1916, 27, S. 1152. 
Wolf, H., Diathermia. Its technic and its indications. New York med. journ. 

IH No. 27, S. 1276. 1916. 
Wolf, Inaug.-Diss. Berlin 1912. Zur therapeutischen Wirkung der Hochfrequenz- 
ströme. 

Xagelschmidt , Diathermie. 2. Aufl. 21 



322 



Literatur. 



Wossidlo, Med. Klin. 1914. Diathermie und Elektrokoagulation in der Urologie. 
Zahn, Klin. Monatsbl. f. Augenheilk. N. F. 13, 371. 1912. Über die Anwendung 

der Diathermie am Auge. 
Zanietowski, Zeitschr. f. med. Elektro!. 1910, Heft 6. Aus den Grenzgebieten 

der Elektrologie und der Bahieologie. 
Zeynek, v., Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften 

zu Göttingen. (Mathematisch-physikalische Abteilung.) 1899, S. 101. Über 

die Erregbarkeit sensibler Nervenendigungen durch Wechselströme. 
Zeynek, v., Münch. med. Wochenschr. 1910, Nr. 4. Über Diathermie (Trans- 

thermie, Thermopenetration). 
Zeynek, v., Strahlentherapie 3, 1913. Die wissenschaftlichen Grundlagen der 

Thermopenetration. 
Zeynek, v., Bernd, Preyss, Radonicic, Wien. klin. Wochenschr. 1908^ 

Nr. 15. Über Thermopenetration. 
Zimmern, Presse m6d. 1913. La diathermie. 

Zimmern und Turchini, Presse m6d. 1910, Nr. 38. La Diathermie. 
Zimmern und Turchini, Arch. d'Öectr. ni6d. 1909. Thermische Wirkungen 

der Hochfrequenzströme. 



Sachregister. 



Abkiitilizng durch Blut Zirkulation 56, 
63, 64. 

der Haut 112 

Acliylia gastrica 162. 
Adhäsionen 160, 163, 164. 
Akne 241. 
Akroparästhesien 200. 
Akute Eiterungen 304. 

— !Ekitzündung 160. 
AUgemeinbehandlung, Kondensatorbett 

69. 
AUgemeine Zirkulationsstörungen 145. 

— Diathermie 180. 

— Temperatursteigerung 79, 113. 
Altem von Wein 52. 
Amputation durch Diathermie 167. 
Analgesierung durch Effluvien 72. 
Aneurysma 123. 

Angina pectoris 203. 

— Plauthü 257. 

Angioneurose 206. 

Anschlußklemmen 104. 

Antagonismus, Haut-Splanchnikus 64. 

D'Arsonvalapparat 19f., 23, 31—33. 

D'Arsonvalisation 308, 309. 

Arterielle Hyperämie 64, 72, 78, 1 1 7, 307. 

Arteriolen, Erkrankung der 144. 

Arteriosklerose 135ff., 181, 200—204. 

Arthritis, arteriosklerotische 181. 

— tuberkulöse 183, 186. 

Arthropathie 186, 215. 

Arythmie 117. 

Asepsis 262. 

Asphyxie, lokale 138. 

Asthma 148—150. 

Ataxie 216. 

Atemverlangsamung 87. 

Aterome 241. 

Atmung, Vertiefung der 79, 84. 

Atombau 7. 

Atrophien, sekundäre 197. 

Augendurchwärmung 233, 237. 

Augenelektroden 235 — ^237. 

Ausrottung des Lupus 288. 

Ausschwemmung 250. 

Basedow 164. 

Bauchdurchstrahlung 108. 
Beckendurchwärmung 165, 169. 
Behaarte Hautstellen 109. 
Behandlung im Solenoid 67. 
Bipolare Applikation 72, 76. 
Blasenbildung 73. 
Blasßükapazität 166. 
Blasenkatarrh, chronischer 166. 
Blinddarmentzündung 304. 
Blutdrack 125ff., 131, 202, 203. 



Blutdruckbestimmung 133, 184. 

— Senkung 88, 132, 134, 135. 

— Steigerung 72, 88, 131. 
Blutgefäße, Wirkung auf 80. 
Blutlose Operation 250, 253, 257. 
Blutstillung 253, 254, 258. 
Blutströmung 78. 

Blutung 151. 

— Neigung zu 163. 

— parenchymatöse 253. 
Blutzirkulation, Abkühlung durch 56, 

63, 64. 
Bronchitis, chronische 147, 

— putride 147, 148. 
Bubonuli 170. 
Bursitis 183. 

Cancer en cuirasse 289, 290. 

Cancroid 73,.264ff. 

Carcinom 258, 262, 264, 273. 

Cervicalgonorrhöe 171. 

Cervixcarcinom 262. 

Chemische Wirkung 9. 

Chirurgische Tuberkulose 290. 

Cholecystitis 160, 161. 

Chorea 198, 199. 

Claudicatio intermittens 138ff. 

Contraindikationen 177, 235. 

Contraktion der Hautmuskulatur 72, 73. 

Controlle der Erwärmung 111. 

Coulomb 8. 

Cutis anserina 22, 73. 

Cyanose 145. ^ 

Dämpfung 15, 77. 
Dauer der Sitzung 113. 

— des Wärmegefühls 78. 
Decongestionierende Wirkung 117. 
Dekapsulation der Niere 160. 
Dekrement 22. 
Depressionszustand 132. 
Destruierende Wirkung 75. 
Derivierende Wirkung 64, 72. 
Diapedese 73. 
Diathermieapparate mit Glühkathoden- 

erregimg 37. 

— Polyfrequenz 31 f. 

— Poulsonlampe 34. 

— Reiniger, Gebbert & Schall 35. 

— Siemens 24f. 

Diathermie, Dosienmg 62, 64, 66, 67, 
99ff., 310. 

— Dosierungstabelle 104. 

— Effekt 77. 

— Koagulation 75. 

— Operation 287, 288. 

— Schmerz 103. 

— Schorf 275. 

21* 



324 



Sachregister. 



Diathermie, Wirkung'auf Tiere 4, 57, 58. 
Douchenentladung 72, 102. 
Druck, intraokulärer 233. 
Drüsenabszeß, tuberkulös 265. 
Drü^enfistel, tuberkulös 261, 271. 
Dyspnoe 147. 

Effluvien 72. 
Eigenschwingungen 77. 
Einfluß auf Sympathikus 130. 

— auf Tuberkelbazillen 152. 
Einschleichen 107. 
Eiterungen, akute 304. 
Eiweißversuch 62. 

Elektrische Dämpfungen 15, 16, 21, 54. 
Elektrischer Wind 68. 
Elektrisches Fieber 70, 79. 
Elektroden, Anlegen der 110. 

— Augen 235, 236, 237. 

— große 104, 105. 

— Kondensator 43. 

— Kontakt 44, 45, 46. 

— rektal 168. 

— Staniol 48. 

— Suspensorium 168. 

— Wasser 48, 49. 

— wirkur\gen 52. 
Elektrolyse 8, 9, 278. 
Elektrolytische Wirkungen 74. 
Elektronen 7; 

Eliminatorische Zwischenschicht 275. 

EmpfindungslosigkeitderHochfrequenz- 
ströme 50. 

Emphysem 153. 

Energie, diathermische als Ersatz vita- 
ler 116, 117. - 

Entladung, oszillatorische 12, 21. 

Entzündung, akute 160. 

Epididymitis 174, 175, 176. 

Ep lition 240. 

Epilepaie, Jacksonsche 199. 

Epithelisierung 251. 

Erfrierung 232. 

Erk-ankung dar Kapillaren 144. 

Erregende Wirkung 205. 

Erschlaffimg der Hautgefäße 73. 

Erwärmung der Elektroden 101. 

— und Stromstärke 113. 

— zulässige 114. 
Erweichung 306. 

Erweiterung des Splanchnikusgebiets 

88, 92. 
Erythembildung 73. 
Exzisionsmethode 277. 
Exkochleation 278. 

Faradisches Gefühl 76. 

Fehlen elektrolytischer Wirkungen 53. 

— des Übergangswiderstandes der Haut 
53. 

Fettansatz 163. 



Fibrome 241. 

Fibroma pendulum recti 263. 

Fieber, elektrisches 70, 79, 100, 229. 

Finsenbehandlung 277, 279. 

Fistehi 259, 260, 261, 271. 

Fixierung der Elektroden 111. 

Forestsche Nadel 75. 

Fortpflanzung«^geschwindigkeit 17. 

Frühgeburt 165. 

Fulguration 43, 73. 

FunicuUtis 175, 176. 

Funkenapphkation,indirekte74, 102, 103. 

Funken der Influenzmaschine 74. 

— elektrische Wirkung 71, 73. 

— endladungen 43, 44. 

— Hautreiz 74. 

— Schmerz 74. 

— strecke, Regulierung 102. 

— Wirkung 74. 

Funktionelle Zirkulationsstörung 146. 
Furunkulose 244. 
Fuß-chalter 111. 

Gallenfistel 254. 

GaUenkolik 161. 

Galvanokauter 276, 278. 

Gefährdung der Därrhe, angebliche 109. 

Gefäßerregbai keit 92. 

Gefäßerschlaffung 145. 

Gefäßspasmen 100. 

Grefäßverengerung durch Funken 74. 

Gehimbehandlung 200. 

Gehimdurchwärmung 228, 229. 

Gelenkentzündung, seröse 177, 186. 

Gelenkerguß 183. 

Geschichte der Diathermie Iff. 

Gewebssterilisation 257, 259, 260, 261. 

Gewebsstruktur 55. 

Gewebsunterschiede 78. 

Grewebswiderstand 54, 55, 56. 

Gewichtszunahme 163. 

Gewöhnung 64, 107, 130^ 

Gicht 186, 193. 

Glaukom 234. 

Gleichstrom 10. 

Gleichzeitige Behandlung 61, 306, 307. 

Globulinausfällung 79. 

Gonorrhöe 167 ff. 

— akute 164ff., 177, 186. 

— zervikale 171. 

— chronische 170. 
Granulationsbildung 251. 
Grenzschicht 249. 

Größere Tiefenwirkimg schwächerer 

Ströme 64. 
Grundregehi 310, 311. 
Gürtelschmerz 210. 
Gynäkologische Totalexstirpation 261. 

Hämatome 185. 
Hämophihe 251, 303. 



Sachregist^. 



325 



Uautkühlung 104, 105. 
Hautreiz durch Funken 74. 
Sautrötung 101. 
Sautwiderstand 106. 
Heißluftmetbode 278. 
Henry 15. 
Herpes zoster 193. 
' Hertzscher Erreger 12. 
Herzdiathermie 90. 
Herzflimmem 81. 
Herz, funktionelle Störungen 117. 
Heizkontraktionen, Vermehrung der 81. 
Her zmuskelei krankungen llÖff. 
Herzstörungen, nervöse 123. 
Herz, Wirkungslosigkeit auf das nor- 
male 81. 
Hitzdrahtamperemeter 66. 
Hitze der Funken 71. 
Hochfrequenzströme 7, 11, 12. 

— Wärmewirkung 98. 
Hochgespannte Ströme 19, 22. 
Hoher Blutdruck 146. 
Hörfähigkeit 23^. 
Homhautgeschwür 234. 
Hornhaut, kritische Temperatiu: 235. 
Hypästhesie 72, 107. 
Hyperazidität 162, 163. 
Hyperämie 94, 130, 131, 250, 306. 

— arterielle 64, 72, 78, 117. 

— der Blase 167. 

— lokale 64. 
Hyperalgesie 200, 210. 
Hyperemesis gravidarum 228. 
Hyperkeratose 140. 
Hypotonische Neurasthenie 172. 
Hysterie 205ff. 

Impotenz 168, 174. 

IndirekteFunkenapplikation74, 102, 103. 

Induktionsströme 10. 

Infantilismus 165, 174. 

Infiltrate (Urethia) 170. 

Influenzmasclüne 3, 74. 

Inhibition 94. 

Inkontinenz 166, 171, 172, 213, 214. 

Insomnie 202, 205, 216. 

Intoleranz 102. 

Intraokularer Druck 233. 

Ionen 7. 

Ischias 183, 187—190. 

Isolierte Muskelkontraktionen 103. 

IsoHerte Tiefenwirkung 61. 

Jacksonsche Epilepsie 199. 
Joulesche Wärme 5, 9, 10, 52. 
Jucklinderung 72. 
Juckreiz 232. 

Kalorienzufuhr durch Diathermie 79. 
Kalte Elektroden 275. 
Kaltkaustik 44, 75, 276, 277. 
Kapazität 13, 14. 



Karbonisierung der Gewebe 80. 
Katheter, Diathermie 166. 
Kavercom der Nase 255. 
Kehlkopftubeikulose 286. 
KeimverFchleppung 258, 262. 
Keloidbildung 251. 
Keratitis 234. 
Klappenfehler 118. 
Knochentubeikulose 265. 
Koagulation 75, 80, 106, 175, 244. 

— experimentelle 65. 
Koagulationsschöif 252. 
Koagulationswiikung 58, 59, 60, 62. 
KoHtis, spastische 164. 

KoUaps 132, 133. 

Kombination mit Massage 160, 163. 

Orthopädie 306. 

Röntgenbestrahlung 305, 306. 

Röntgen und Quaiz 152. 

'nefenbestrahlung 163. 

Kondensator 13, 14. 
Kondensatorbett 100, 101, 145, 165. 

— nach Apostoh 40, 68. 
Nagelschmidt 41, 70. 

— mit großen Elektroden nach Nagel - 
Schmidt 69. 

— nach Schittenhelm 43, 69. 

— Allgemeinbehandlung 69. 

— Diathermischer Effekt 70, 

— Erwärmung