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* 



'7 d 

im 







jrtnlngual Irjjnnl 



IN CAMBRIDGE. 



The Gift of 

COL, BENJAMIN LORING. 








Lehrbuch 

> 
der 

griechischen 

Antiquitäten 



von 



D. Mari Friedrich Hermann, 

Professor in Göttingen. ' 



Zweiter The il, 
die gottesdienstlichen Alterthümer enthaltend. 



Heidelberg? 

in der akademischen Buchhandlung von J. C. B. Mohr. 
18 4 6. 



Lehrbuch 



der 



gottesdienstlichen 

Alterthttmer 



der Griechen 



von 



H» Mari Friedrich Hermann, 



Professor in Göttingen. 




, Heidelberg, 

in der akademischen Buchhandlung von J. C. B. Mohr. 

18 4 6. 



Epicharmus, 



Vorrede. 



Ein Lehrbuch der gottesdienstlichen Alterthümer 
Griechenlands, dergleichen das philologische Publicum 
im Grunde seit 1734 kein eigenes mehr erhalten bat, 
wird wohl schon durch die Thatsache seiner Erschei- 
nung als gerechtfertigt gelten, und in dieser Hoffnung 
habe ich nicht länger anstehen wollen, mein vor. fünf 
Jahren öffentlich gegebenes Wort einzulösen, obgleich 
ich weit entfernt bin mir zu schmeicheln, dass die Er- 
wartungen, welche jenes Versprechen vielleicht erregt 
hat, auch nur in dem Maasse erfüllt wären, wie es dem 
Vorgänge der Staatsalterthümer entspräche. Wohl glaube 
ich in den fünfzehn Jahren, die seit der ersten Erschei- 
nung dieser verflossen sind, nicht stille gestanden zu 
seyn ; gerade diese Verschiedenheit meines damaligen 
und jetzigen Maassstabes aber dürfte auf Haltung und 
Fassung eines Buchs, das sich doch nicht allein äusser- 
lich, sondern der ganzen Behandlungs- und Einklei- 
dungsweise seines Gegenstandes nach dem früheren eng 
anschliessen sollte, eher hemmend als fordernd einge- 
wirkt haben; und jedenfalls waren der Schwierigkeiten 
des gegenwärtigen Stoffs um so viel mehr, dass es noch 
eines ungleich grösseren Fortschritts in der Zwischen- 
zeit bedurft hätte, um den Boden auch nur zu gleicher 
Ergiebigkeit mit dem der Staatsalterthümer Vorzubereiten. 
Dort genügte es die reichen Strahlen des Lichtes, das 
namentlich durch Boeckh und seine würdigen Jünger 



Ti Vorrede. 

über die wesentlichsten Theile des griechischen Staats- 
lebens ausgegossen war, unter einem Brennpuncte zu 
sammeln; hier leuchteten kaum einzelne Sterne in das 
Dunkel der Ueberlieferung herein; und selbst wenn ich 
es hätte wagen dürfen, meiner Arbeit die stolze Bestim- 
mung einer Sonne in dieser Nacht beizulegen , so hätte 
dieses eine andere Form als die vorausbestimmte eines 
Hohlspiegels erfodert, die, um den Inhalt ganzer Bü- 
cher mitunter in eine Zeile zusammenzudrängen, schon 
ganz, ändere Resultate vorfinden muss, als sie bis jezt in 
diesfem Gebiete vorliegen oder mit Leichtigkeit und ohne 
vorsichtigste Prüfung erworben werden können. Denn 
das darf ich, uuheschadet der Dankbarkeit, die ich mei- 
nen, Yargängern vielfach schuldig bin, hier aussprechen, 
d&ss das epieharmisehe Wort, welches ich diesem Bande 
vorgesezt habe, vielleicht auf keinen Zweig des classi- 
sehepAUerlhams solche Anwendung wie auf diesen findet, 
wo nicht nur erklärte Gompilatoren wie Meursius und 
P*WeV oder die ihr ganzes Wissen nur aus diesen ge- 
schöpft haben, sondern selbst die namhaftesten und ge- 
lehrtesten Forscher neuerer Zeit keine Gewähr darbieten, 
dass Alles, was sie aus den Nachrichten der Alten her- 
leiten, wirklich bei diesen stehe oder darin liege $ ja 
ich stehe nicht an zu behaupten, dass in vielen der 
wichtigsten Puncte die Forschung erst wieder von vorn 
anheben muss, um frei von überlieferten Vorurtheilen 
und schiefen Auffassungen einen unbefangenen Stand* 
punct zu gewinnen^ und selbst wenn ich damit weiter 
gekommen wäre ala es mir bis jezt neben so mancherlei 
anderen Beschäftigungen möglieh gewesen ist, würde 
ich es eher in jedem andern Gewände als in dem eines 
Lehrbuchs haben niederlegen müssen. Nur zweierlei 
konnte daher aueh unter diesen Umständen der Versuch 
eines Lehrbuchs sich zu leisten unterfangen : einmal seine 



Forrede. vu 

Leser auf den wenn auch unzulänglichen Standpunct der 
Gegenwart zu versetzen und ihnen dadurch zugleich die 
älteren Bücher wenigstens' in so weit entbehrlich zu ma- 
chen, als dieselben nicht für einzelne Fragen und Un- 
tersuchungen fortwährend einen selbständigen Werth be- 
haupten; sodann aber dem künftigen Forscher Gesichts- 
pnncte zu eröffnen und Winke zu geben, die ihm als 
Faden in dem Labyrinthe seines Stoffs dienen mögen 5 
und diese beiden Zwecke habe ich denn auch in der 
vorliegenden Arbeit dergestalt zu vereinigen gesucht, 
dass ich den wesentlichsten Inhalt der bisherigen Samm- 
lungen und eigenen oder fremden Forschungen, so weit 
ich ihn nach meiner Quellenkenntniss vertreten zu kön- 
nen glaubte, in gedrängter Uebersicht zusammengestellt 
und dabei das Ganze durch das wenn auch unsichtbare 
Band einer leitenden Gesammtansicht verknüpft habe, 
die meinen Wünschen zufolge eben so wohl den psycho- 
logischen Foderungen und Voraussetzungen dieses Ge- 
bietes als der historischen Treue und Wahrheit ent- 
sprechen soll. Faeilich ist dieses gerade eine Seite, die, 
um auf allgemeine Anerkennung zu rechnen, einer tie- 
feren Begründung bedürfte, als sie der Natur des Buches 
nach erhalten konnte, und in so fern muss ich es aller- 
dings darauf, ankommen lassen , wie weit meine Leser 
auch davon Gebrauch machen wollen; doch wird man 
mir hoffentlich wenigstens in formeller Beziehung die 
Gerechtigkeit angedeihen lassen, dass ich nicht nur 
überall inmitten der streitenden Extreme meinen eigenen 
Weg gegangen, sondern namentlich auch nach Kräften 
bemüht gewesen bin , möglichst scharfe und einfache 
Begriffe zu gewinnen, und durch sorgfältige Scheidung 
der Zeiten , Institute und Motive den Verwechselungen 
zu entgehen , die bis auf unsere Tage bald zu viel und 
bald zu wenig in den Ritus des alten Götterdienstes 



viii Forrede, 

gelegt haben« Ausserdem wird man dabei nicht über- 
sehn, dass meine Aufgabe es zunächst nur mit der got- 
tesdienstlichen Sitte der Griechen, nicht mit den reli- 
gionsgeschichtlichen Unterlagen dieser zu thun hatte, und 
folglich alle mythologische Erörterung von vorn herein 
ausschloss $ so gewiss es ist , dass ein allseitiges Ver- 
ständniss vieler dieser Gebräuche nur von dem Begriffe 
der Gottheiten aus, welchen sie gewidmet waren, mög- 
lich ist, und so wenig ich selbst in vorkommenden 
Fällen davon Gebrauch zu machen und meine dessfallsige 
Ueberzeugung kund zu geben gescheut habe, so scharf 
habe ich doch auch hier die Gränzlinie beider Gebiete 
festzuhalten und das gottesdienstliche Leben des Volkes 
zunächst nur in der Gliederung und Verzweigung seiner 
Erscheinungen darzustellen gesucht, ohne diese bis in das 
Gewirre ihrer urweltlichen Wurzeln zu verfolgen. Eher 
werde ich mir den Vorwurf gefallen lassen müssen, 
hinsichtlich dieser Erscheinungen selbst nicht so weit in 
das Einzelne gegangen zu seyn, als der Wunsch und 
das Bedürfniss mancher Leser verlangen könnte, zumal 
in der heutigen Richtung unserer Wissenschaft, die gar 
manchmal über dem Einzelnen das. Ganze zu verlieren 
droht ; und wenn ich auch hier nach dem polybianischen 
Motto der Staatsalterthüiner vielmehr aus dem was ich 
gesagt als aus dem was ich nicht gesagt habe beurtheilt 
zu werden verlangen darf, so kann ich doch nicht ver- 
bergen, dass die Anlage des Buchs selbst unter der 
Arbeit eine solche Aenderung erlitten hat, dass ich ihm 
nach seinem eigenen Maassstabe jezt etwas mehr Detail 
wünschen möchte. Ursprünglich nämlich war es mein 
Plan, in einem Bande von ähnlicher Stärke wie die 
Staatsalterthümer die gottesdienstlichen und Privatalter- 
thümer zu vereinigen, wobei aber hinsichtlich jener nur 
auf die beiden ersten der nunmehrigen drei Theile ge- 



forrede. ix 

rechnet war, wie denn noch jezt Verweisungen, welche 
nach Thi. III gehören, auf Cap. IV (des zweiten Theils) 
lauten, wo nur einige der wichtigsten Feste zum Schlüsse 
kurz behandelt werden sollten 5 erst im Laufe des Win- 
ters entschlo88 ich mich um der grösseren Nutzbarkeit 
willen zu der unerquicklichen Arbeit, die ganze Graecia 
feriata aufzunehmen, und nach dem Maassstabe dieses 
dritten Theiles, der nicht nur der ursprünglichen An- 
kündigung zuwider die Ausgabe des Buches als eines 
selbständigen Bandes veranlasst, sondern auch seiner Natur 
nach eine grössere Vollständigkeit von Nachweisungen 
mit sich gebracht hat, thut es mir jezt allerdings leid, 
die bewährte Liberalität des Verlegers nicht schon früher 
zu einer Ausdehnung des ganzen Planes in Anspruch 
genommen zu haben. Wer inzwischen ein Lehrbuch 
nicht sofort als ein Repertorium betrachtet, und die Be- 
lege, wie billig, nur als Beispiele zur Erläuterung und 
Bestätigung allgemeiner Beobachtungen nimmt, wird 
sich auch an dem anfänglichen Maasse genügen lassen, 
zumal da ich von vorn herein noch consequenter als in 
den Staatsalterthümern beflissen gewesen bin, jeden ir- 
gend bedeutenden Beleg in extenso zu geben und da- 
durch zugleich eine Chrestomathie von Beweisstellen zu 
liefern, welche wie ich hoffe der Mehrzahl meiner Leser 
erwünschter seyn soll, als der reichste Apparat von 
Citaten, die, wie ich mich leider bei dieser Gelegenheit 
oft genug überzeugt habe, mitunter das wofür sie ange- 
führt werden gar nicht enthalten. Ueberhaupt ist quellen- 
mässige Prüfung bei diesem ganzen Werke mein Haupt- 
augenmerk gewesen, das ich sowohl mir selbst zum 
Gesetze gemacht als auch seine Beförderung bei meinen 
Lesern vor Allem beabsichtigt habe, und geht diese 
Absicht in Erfüllung, so wird es schon in seiner gegen- 
wärtigen Gestalt der Wissenschaft erspriessücher seyn, 



x Vorrede. 

als wenn ich persönlich noch eine Reibe von Jahren 
mehr darauf verwendet hätte \. mit diesem Tröste möge 
es also seine Wanderang antreten und alteren Freunden 
zu gewohnter wohlwollend nachsichtiger. Aufnahme', dem 
jüngeren Geschlechte, zu dessen Nutzen und Frommen 
es eigentlich geschrieben ist, zu vorurteilslosem Und 
anerkennendem Gebrauche empfohlen seyn. 

Göttingen im Juni 1846. 



Gottesdienstliche Alterthümer. 



ERSTER HAÜPTTHEIL. 

Allgemeine Geschichte der Gottesverehrung im griechi- 
schen Volks - und Staatsleben. 



P. ran Limburg - Browrer Histoire de U crrilisation morale et 
religieuse des Grecs. Groningue 1833 — 42. VIII Vol«. 8. 

W. Wachsniuth Hellenische Alterthumskunde aas dem Gesichts 
puncte des Staats, B. II. Zweite Aufl. Halle 1845. 8, S. 457 fgg. 

M. W. Hefter die Geschichte der Religion der Griechen. Bran- 
denburg 1845. 8. 

K. Kckermann Handbuch der Religionsgeschichte und Mytho- 
logie, nach der Anordnung K.O.Müllers, Halle 1845. 8, S. 205 fgg. 



. §. 1. 
Dass die Verehrung der Gottheit mit den ältesten 
Zuständen des griechischen Volks auf das Engste ver- 
bunden war, geht sowohl aus der Natur der Sache als 
aus bestimmten Nachrichten hervor^ welche sie bereits 
von den Pelasgern herleiten *), und auch ohne den Ei- 
gennamen, welchen spätere Sagen einen besonder» An» 
theü hieran beimessen, irgend ein Gewicht beizulegen 2 ), 
finden jene Nachrichten eine allgemeine Bestätigung darin, 
dass noch bis tief in die geschichtliche Zeit hinein der 
Cultus vorzugsweise mit solchen Erscheinungen des bür- 
gerlichen Lebens zusammenhängt, die deutlich den pa- 
triarchalischen Charakter jener ältesten Periode tragen s ). 
Hat es auch die politische Entwickelung Griechenlands 
nie zu einer eigentlichen Priesterkaste kommen lassen, 
deren Mitglieder unter sich eine engere Gemeinschaft 

A 



2 Th. I. allgemeine Geschichte des Cultus. 

gebildet oder aufgehört hätten, integrirende Theile ihrer 
einzelnen Stämme und Gemeinden zu seyn 4 ), so dauert 
doch das erbliche Yerhältniss einzelner angesehener Ge- 
schlechter zu bestimmten Gülten, welche sie im Na- 
men ihrer Gemeinde versehen, in vielen Gegenden fort 
(St. A. §. 6, n. 5)} Gemeinden, deren politischer Zu- 
sammenhang schon in vorgeschichtlicher Zeit aufgelöst 
seyn soll, finden sich noch nach Jahrhunderten als reli- 
giöse Verbände wieder 5 ) ; und wenn wir sehen , wie 
auch nach dem Untergange jeder politischen Bedeutung 
des Königs - oder Häuptlingstitels in den griechischen 
Republiken diesem gleichwohl fortwährend gottesdienst- 
liche Verrichtungen anhaften (St. A. §. 5, n. 10), so 
können wir nicht zweifeln, dass die Verknüpfung des 
religiösen und bürgerlichen Elements im früheren Volks- 
leben dieselbe gewesen seyn müsse, wie sie später noch 
die häuslichen und geschlechtlichen Kreise durchdringt 6 ). 
In welchem innigen Verkehr man sich überhaupt die 
ältesten Menschen mit der Gottheit dachte, zeigt die alte 
Sage von dem goldenen Weltalter, der wir unbedenklich 
den Sinn beilegen dürfen, dass die unmittelbare Vereh- 
rung der umgebenden Natur und ihrer Kräfte, die auch 
anderweit als früheste Gestalt der griechischen Religion 
bezeugt ist, alle Aeusserungen des täglichen und gesel- 
ligen Lebens mit dem Bewüsstseyn göttlicher Nähe er- 
füllte 7 ) ; und je wesentlicher dieses ganze älteste Volks- 
leben auf dem Boden der Sitte wurzelte, in desto en- 
gere Wechselwirkung musste auch der Cultus mit dieser 
treten, und, während er ihr ihre Heiligkeit und die Vor- 
aussetzung ihres höheren Ursprungs* mittheilte, von ihr 
selbst die Stätigkeit und Selbstverstandenheit seiner For- 
men empfangen, die ihm auch unter ganz veränderten 
Umständen stets eigen blieb 8 ). Denn für den Stand- 
punet der Sitte ist alles verboten , was sie nicht aus- 
drücklich erlaubt ; und so nothwendig also auch ihre 
Herrschaft aus dem Selbsterhaltungstriebe des Ganzen 
hervorging, ehe der Einzelne so weit herangebildet war, 
um ohne Nachtheil für das Ganze sich selbst bestimmen 



§. i. Patriarchalischer Charakter des Cultus. 3 

zu können, so konnte sie doch eben desshalb dem Ein- 
zelnen nur unter der Gestalt eines übermenschlichen Ge- 
botes entgegentreten 9 ); andererseits aber war auch der 
Glaube an das Uebcrnatürliche selbst noch zu sehr an 
die Scholle gebunden , um sich anders als innerhalb der 
Gränzen jenes Triebes äussern zu können 10 ); und so 
behielt der griechische Gottesdienst, auch nachdem die 
Freiheit des bürgerlichen und geselligen Lebens die Bande 
der Sitte gelockert hatte, am längsten diesen Charakter 
eines lebendigen Herkommens bei, das sich ohne ge- 
schriebene Satzungen n ) in der Ueberlieferung seiner 
Verwalter und der fortwährend aus den edelsten Ge- 
schlechtern hervorgehenden Ausleger des göttlichen Rech- 
tes 12 ) vererbte. 

1) Herod. II. 50 — 53; vgl. Wachsmuth H. Alt. I, S. 53 und 
Creuzer Symb. I, S. o fgg. IV, S. 479 fgg. 

2) Clem. Alex. Protrept. p. 28: «IV* <boQ<avtvq iuttroq rp> tXii 
MtQoy tfat ulXoq rtg , ot vttaq xal ßufiovq dvlovqoav avrotq. Lactant. 
I. 22. 19: Didymus in libris IIivdaQixfjq * ilrjyrjotwq ait Melissea Crc- 
tensium regem primum diis sacrifieasse ae ritus novo* sacrerumque 
pompas introduxisse ; vgl. Hoeck Kreta I, S. 186. 

3) Staatsalt. v §. 5 und 65 ygl. C. M. Fleischer de raythi imprimis 
Graeci natura, Hai. 1838. 4, p. 12 fgg.; H. Köchly in Zettschr. 
f. d. Alterth. 1843, S. 3; C. F. Dorfmüller de Graeciae primordiis, 
Stuttg. 1844. 8. 

4) Böckh C. Inscr. II, p. 930 : nimirum in eo cernilur prae- 
stantissima Graecorum indoles, quod quum ab initio eorum insti- 
tuta non magnopere diversa a barbaris essent , non constiterunt 
Graeci in primitivis cultus civilis rudimentis, sed excusso eascae 
disciplinae jugo ad perfectiorem properarunt rerum statum , quan- 
quam ne ab initio quidem' tarn certis finibus disjuneta apud Grae- 
cos quam apud AegypHot aut Indos vitae gener a friste eonsenta- 
neum est, sed eatenus, quatenus ipsa natura, soli ingenium, varia 
gentium origo ferebat ad diversa negötia traetanda ; . . . Omnibus- 
que vitae generibus comtnunia apud Graecos sacerdotia fuisse multa 
doeent indicia: ygl. Heeren Ideen III, S. 61; Muller Sacr. Min. 
Poliad. p. 9 fgg und Prolegg. z. wissen seh. Mythol. S. 249; Meier 
de gCntil. Attica , Hai. 1835. 4, p. 5; Limburg- Brouwer T. I, 
p. 268 fgg.; HefFter S. 35. 

5) "EnaxQiZq in Altika, C. I. n. 82, vgl. Staatsalt. §.91, n.ll. 
Eben so MiooyauVq, Bull, dell' Inst, archeol. 1840, p. 68 ; Curtius 
Inser. Ätt. duodeeim , Berl. 1843. 8, p. 2. 

6) Vgl. Hullmann Anfänge d. griech. Geschichte, Königsb. 1814». 
8, S. 125 fgg. und Staatsrecht d. Alterthums, Cöln 1820. 8, auch 
Haupt de necessitudine, quac apud Graecos inter res sacras et Chi- 
les intercessit , in s. Quaestt. Aeschyl. spec. II, p. 100 fgg. 

AJ4 



4 77t. /. ^allgemeine Geschichte des Cultus. 

7) Hesiodus bei Orig. adv. Cels. IV, p. 216 und Schol. Arat. 
Pkaen. 91 : 

£vvul ydg rore daZxeq laav , £i/»ö* de &6ojxoi 
d&avurotov &(otoi xaxa&vTjTotq r' dvO-Qü)7ioiq : 
vgl. Plat. Politic. p. 271 und Legg. IV, p. 713 mit Stallbaums 
Osterprogramm ; Lpz. 1845 und Bernhardy gr. Liter. S. 162, auch 
Bergk com. Att. reliqu. p. 188 fgg. und Huschke Anal. litt. p. 
328*— 334, namentlich zu Plat. Pkileb. p. 16 C: ol fiev naXaiol 
xgeirxoveq qftwv xul iyyvxigw &ewv olxovvxtq x. r. X. Dahin auch die 
Bezeichnung so vieler Dinge als legd noch bei Homer; vgl. Nitzsch 
z. Odyss. I, S. 195, Jacob Qu. epic. p. 10, und im Allg. Jacobs 
verm. Sehr. III, S. 49. 

8) Isoer. Areop. §.30: txtfoo n'ovov extjgow, onaiq fiqdev /iqxe xcSv 
naTQlmv xaxaXvoovöi htjt V£m x(av vofufrfiiv&v ngoq&qoovon vgl. dens. 
ad Nicbcl. §. 20 und Hesiod bei Porphyr, de abstin. II. 18: tog 
xe TioXig gfcrjai vo/ioq d^uQ/utoq ugioxoq: auch das drakonische Gesetz 
bei dems. IV. 22 : &toi>$ rifiuv xul tjgwaq iyxugiovq iv xo*>w tTioptvovq 
vopoiq naxgiotq: und Plat. Legg. V, p. 738: negl &eiay xe xul legüv, 
uxxa re iv xjj noXei exdaxotq ldgt'a&ai> Set xul u>v xtvwv (Tzovopu&o&at, 
&etZv ij daifiovtav, oiidelq enixeiQijaet, xivelv vovv *x uv *• T * ^* 

9) Dio Chrysost. Orat. LXVII, p. 648: Vor* de to l'&oq yvwfiij 
p\v t<üv XQiüfüvwv xoivtjt vofioq de dygapoq t'&vovg ij noXewq , , . evgij/tu 
de dv&gtbnwv ovdevoq dXXd ßtov xal xQovov; vgl. Strabo XVI, p. 1105: 
to de Ttgoqxaypa dtrxov, rj ydg nag* dvd-Qmrctv y nagu &(<jüv • xal ol ye 
dgxatoi tu nagd &euv eaefwvvov ftüXXov xal engeaßtvov, und mehr St. 
A. §. 5, n. 12. 

10) Artemid. Oneirocr. IV. 2 : rw* de vtvoptOfievwv u /*ev avy&i- 
ttevo* dXXqXoiq ol urO-gtaxo* avxol Utvxolq nquxxovot, , xal xaXeitai xo 
xolovxov l'&ag , I'oti de 9 toq y vy/MJ. Xeyet , vo/ioq aygayoq ' «_ de <p6ßco 
xov nagaßaivto&ui yguiftdfievoi vo/novq xuXovai . . . xowjj filv ovv tuvxolq 
MfioXoyjjxao* fivax^gia xal reXixaq xal navijyvgetq xal dyüvaq xal oxqo.- 
xflav xal yeotgyiav xal noXewv ovvoixtjoeiq xal yu/Aovq xal naidatv dva- 
rgo<puq f xal oou uXXu xovxotq Öjtocu . . . uXXa de uXXoiq vopipa' aqtiregu 
didetxrat ixuaroiq 9 qyrjalv o ffivdagoq: oder vielmehr ayerigav d* alve e * 
dlxav exaoToq, vgl. Schneidewin in Ritschis Rh. Mus. II, S. 298. 

11) Des Kirchenvaters Theodoretus priesterliches Alphabet (Genes, 
ouaestt. 16: fo roVq 'EXXqvtxotq vuoVq Vdioi nveq yoav x a Q UXT VQ^ 
ygafi/Aaxpiv , ovq iegarixovq ngoqyyogevov) wird eine besonnene For- 
schung eben so wenig für das Gegentheil anführen, als die Satzun- 
gen des Buzyges , Triptolemus u. s. w< , worüber Schneidewin de 
Pittheo Troezenio im Ind. leett. Gott. 1842» p. 3 fgg. gehandelt 
hat, oder die in ßreusers Vorfragen über Homeros S. 127 fgg, ge- 
sammelten Beispiele Ältester Schrift, die ohnehin im gunstigsten 
Falle doch nur für Weihgeschenke entscheiden würden; aber auch 
wenn Nitzsch Melett. de bist. Horaeri T. I, p. 15 fgg. 29 fgg. das 
unbestreitbare Alter gottesdienstlicher Gebräuche in Griechenland 
so auffasst: ut sacrorum poitarumque utibus multo ante Uterus /5c- 
quentarint quam vel publica monumenta uberiora conderent vel 
muneribus civilibu* reiiquisque vitae utilitatibus literaturac multum 
adhiberent t so vermissen wir dazu eben so wohl die Thatsachen, 
wie wenn Heffiter Gesch. d. Relig. S. 57 auch nur die Möglichkeit 
" blosser Ritualbücher , die das Aeussere eines Cultus festsezten," 
efnr&umt. Lysias adv. Nieom. §.17: <og XQ*j &vw T «? &voiaq rdq 
ex twv xvgßfwv xal tw* onjXuv nura xdq tn>yyga^dq y hat offenbar nur 



§. i. Patriarchalischer Charakter des Cultus* 5 

die solonische Gesetzgebung und etwaige Orakel im Auge; vergl. 
Preller ad Polemon. p. 90; was aber Lobeck Aglaopb. p. 194 ge« 
sammelt bat, gebort abergläubischen Privatculten oder späterer Fäl- 
schung au, und dabin rechne ich auch die Zinntafeln bei Paus. IV. 26 
und die kretischen dviiyqaqta Koqvßavrtxuiv Uq&v bei Porphyr, abstin. 
II. 21, die Creuzer Syinb. B. I, S. 36 fgg. nicht mit der mosaiscben 
Gesetzgebung in Parallele stellen durfte. 

12) Plut. V. Thes. c. 25: tvnuTQidui<; fidv ywwoxnv xa &iXa xal 
nuyt/fiv uqxovrae unodovq, xal vofuov ÖMfaoxuXovq flvat xal oofav xul 
iiQuv Ittjyquüq: vergl. Lysias adv. Andoc. §. 10: i*rj fiovov xQ*j°& u * 
Totq ytyQaftfihotq Jiagl uvr&v vopoiq, dXXu xul toVq dygayoiq, xa&* ovq 
Ejfiokniiai ffyyovvxcu, und über die ityyjjxai überhaupt Rubnken. 
ad Tim. lex. p. 109—113 und Bergk com. Att. reliqu. p. 49. Später 
freilich scheint, wie dieser richtig bemerkt, ihre Wissenschaft auch 
schriftlich niedergelegt worden zu seyn; Tgl. Athen. IX. 78: naQ*- 
Otxo tuvtu xal J(ogo&ioq tpüoxwv xal iv roVq rwv &vyargido)v (Müller 
zu Aesch. Eumen. S. 163 ixmaTQidmv) narQioiq rudt yfyguv&cu mql 
rtjq tüv Ixtrwv xu&uQGtwq : den erblichen Charakter aber bezeichnen 
fortwährend ityytjTal ;£ EvpoXm&w (C. I. n. 392) und tg (vtiutqiÖmv 
(das. u. 765). 

§2. 
Damit war jedoch eine allmälige Entwickelung des 
Cultus und seiner Formen eben sowenig ausgeschlossen, 
als die Sitte selbst des organischen Lebens entbehrte, 
dessen Gesetz es ist, wenigstens innerhalb seines be- 
stimmten Kreises sich immer reicher und mannichfacher 
zu entfalten, und nicht eher stille zu stehen, als bis die- 
ser völlig ausgefüllt und vollendet sey l ). Anfänglich 
können wir ihn freilich sowohl der Natur der Sache als 
den Angaben des Alterthums nach nur als eine rohe An- 
betung der unmittelbaren Kräfte denken, deren Gewalt 
der Mensch in seiner physischen Umgebung empfand, 
ohne in seinem eigenen Bereiche etwas Analoges zu ken- 
nen 2 ) ; in demselben Maasse aber , wie er sich jene 
durch symbolischen Ausdruck vergegenständlichte und 
zulezt geradezu unter menschliche Gesichtspuncte brachte, 
musste sein Cultus die Gestalt der nämlichen Pflege oder 
pflichtmässigen Aufmerksamkeit annehmen, wie sie ihm 
der moralische Instinct gegen die Höheren unter seines 
Gleichen eingab, und kein Mittel unbenuzt lassen, wel- 
ches die technische oder gesellige Bildungstufe seiner 
Gemeinde dazu darbot 3 ). Dazu kam die physische Be- 
schaffenheit des griechischen Landes und Bodens selbst, 



6 Th. L Allgemeine Geschichte des Cultus. . 

welche in derselben Art, wie sie dessen Bewohner an- 
fanglich aus einander hielt und auf einem verhältniss- 
mässig geringen Flächenraume die grösste Mannichfaltig- 
keit von Beschäftigungen und Interessen herbeiführte, 
auch den symbolischen und gottesdienstlichen Ausdruck 
dieser unter den einzelnen Stämmen verschieden und bei 
jedem scharf und eng begränzen musste 4 ) ; und so ein- 
seitig dieses auch von einigen alten Philosophen dahin 
beschränkt wird, dass der Ackerbau den Grund zu aller 
Götterverehrung gelegt habe 5 ), so liegt doch das Wahre 
darin, dass die bestimmte Lebensart eines Volkes die 
wesentlichste Quelle für seinen Cultus und durch diesen 
auch für seinen Mythus selbst war, der gewiss schon 
frühe von jenem eben so viele Wirkungen empfangen 
als auf ihn ausgeübt hat 6 ). Wohl konnte Gegenstand 
des ältesten Cultus nichts seyn , was ausserhalb des phy- 
sischen oder moralischen Gesichtskreises seiner Gemeinde 
lag, und insofern hat man mit Recht diesem für den An- 
fang wenn auch keinen monotheistischen in unserm Sinne, 
doch einen einzelgöttischen Charakter beigelegt 7 ) ; dabei 
konnte jedoch die innere Entwickelung des Cultus eben 
so weit fortschreiten, als es der zeitweilige Standpunct 
der bürgerlichen und technischen Cultur möglich mach- 
te 8 ) $ und je grössere Mannichfaltigkeit aus dieser Ver- 
einzelung für das Ganze hervorging, desto reicher musste, 
sobald jene Schranke fiel, der griechische Cultus schon 
an der Schwelle der geschichtlichen Zeit anlangen 9 ). 
Niemand wird die lange Entwickelungsreihe verkennen, 
welche jene einfache Anbetung der Gestirne und umge- 
benden Natur mit der bunten Fülle anthropomorphischer 
Wesen und diesen zugehöriger Sagen verbindet, deren 
Elemente die homerische Götterwelt jedenfalls der vor- 
hergehenden Periode verdankt 10 ) ; dasselbe Verhältnis» 
wiederholt sich aber auch zwischen dem anfänglichen 
Naturdienste und den mannichfachen Gebräuchen, mit 
welchen die homerische Menschheit ihre Götter verehrt 
und die im Grund schon dieselben sind, welche die 
ganze geschichtliche Zeit hindurch von der Sitte gehei- 



§. 2. Früheste Enlwickelung des Cultus. 7 

ligt fortdauern n ); und je weniger diese Zeit dazu an- 
gethan erscheint, dergleichen für das eigene Bedürfniss 
aus sich zu erschaffen, desto mehr innere Wahrschein- 
lichkeit haben die wenn auch mythisch verbrämten und 
mit späteren Zusätzen verfälschten Nachrichten, welche 
jener frühen Periode bereits den ganzen Apparat eines sinn- 
lichen Gottesdienstes, als Lobgesänge, Tänze, Opfer, ja 
selbst rohe Götterbilder und Tempel mit ihrem Zubehör 
einräumen 12 ). 

1) G.F.PuchU Gewohnheitsrecht (Erlangen 1828. 8) I, S. 229: 
"aber zwischen dem Herkommen, dessen Inhalt gesetzliches Recht 
ist, und zwischen der Sitte ist ein sehr bedeutender Unterschied, 
welcher nur zum Vorlheile der lezteren sprechen kann: dieser Un- 
terschied besteht darin, dass in dem zweiten Falle das Herkommen 
eine sich fortbildende, selbstthätige , lebendige Grundlage hat, so 
dass hier Herkommen und Gewöhnung ohne den Nachtheil der Sta- 
bilität vorhanden ist, und Rechts&nderung ohne Unterbrechung der 
Gewohnheit geschieht." 

2) Plat. Crat. p. 397 C : gtuhovrai /Av ol ngtatoi, twp uv&qvtiüjv 
Tfi3f Titgi rtjv 'EXXädu rovzovq povovq rovq &tovq yyito&ai 9 ovqntQ ivv 
noXXol tu? ßagßugwv, rjXtov xal atXrjvrjy xal yijv xal aarga xal ovgavov: 
▼gl. Aristot. Metaph. XI. 8: nagudf&orai öi naqu rar uQxaiw *«* 
naftnuXaiwv h /iv&ov oxqpuri xuTaXeXtiftfiivu rotq vaxtgov, ot* &ioi t* 
tlalv ovtoi xal ftto»//?* T ° O-tVov rrjv oXtjv yvotv* tcc <ffc Xouid pvd-ixüiq 
tjÖTj TiQoqjjxxcu nqoq rrjv nfi&ia xwv noXXüv xal ngoq ttjv ilq rovq toftovq 
xal 10 ovfitpfgov XQtjotV dvO-gatnoiidfiq rt yug rovrovq xal rwv uXXojv 
twiov opoiovq TMfl Xiyovot, xal rovroiq JxoXov&a k'xtQu xal naoanXrjoia 
tolq HQTjtihoiq' wv tV riq xtoQiauq uvto Xäßot fiovov to nqönov or» B-tovq 
üJovto vaq ngriraq ovaiaq t£vai 9 &tiwq uv tlQJja&ai vopiotttv: und dazu 
G. J. Vossius de theol. gentili II. 38 fgg. und Limburg - Brouwer 
II, p. 43 fgg. Ob es die Natur und ihre Kräfte selbst oder nur 
menschlich gedachte Götter derselben gewesen seien , die den Ge- 
genstand der ältesten Verehrung bildeten (Heffter S. 28) , ist ein 
sehr müssiger Streit , da das Wesen dieser Stufe gerade in der 
unrefiectirten Vermischung beider Sphären besteht, welche die ein- 
zelnen Wirkungen immerhin iu Attributen personificiren kann, ohne 
desshalb die Substanz menschlich zu denken; vgl. Müllers Prolegg. 
S. 324 u. 378; wenn aber Andere, wie Zoega (Abhh. herausg. ▼. 
Welcher, Gott. 1818. 8, S. 268 fgg.) solchem Naturdienste noch eine 
Periode des Fetischismus vorausgeh n lassen, oder überhaupt, wie 
Böttiger (Ideen zur Kunstmythologie, Dresden 1826. 8, I, S. 14 fgg.) 
und Benj. Gonstant (de la religion consideree dans ses sources, ses 
formes et ses dereloppemcns, Paris 1825.. 8; II, p. 3?4 fgg.) dem 
ältesten griechischen Cultus diese Stufe Torausschicken , ohne« ihren 
Begriff wie Meiners (Comm. Soc. Gott. T. VII, p. 71 ; Gesch. d. Relig. 
I, S. 142) auch über jenes Gebiet zu erstrecken, so wird dieser Irrthum 
unten Th. II, C. 1 bei den Götterbildern seine Erledigung finden. 

3) etgamiu, vgl. Plat. Eutkyphr. p. 13, Rep. II, p. 362, und die 
Zusammenstellung mit tvigytniv rovq tpiXovq und wyiXttv rtjv noXw 



8 Th.>I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

bei Xenophon M. S. IL 1. 28* auch Dio Chr. XII, p. 212, und 
Athen. VIII. 05: ol d' aQ^aVot xal rovq &iovq dv&QamottdtVq vtioottj- 
auf*(vot (Herod. 1, 131) xal t« ntql r«f togräq düratav x. t. A. Eben 
dahin ytgaq: vgl. Nägelsbach homer. Theol. S. 173. 

4) Vgl. Müller Prolegg. S. 226 u. 331 , Bernhardy griecb. Lit. 
S. 160, und die reiche Zusammenstellung bei Wachsmuth S. 475 — 538, 
der diese Idee ganz vorzüglich aufgefasst und durchgeführt hat; Ein- 
zelnes aucb, obgleich nacb Inhalt und Darstellung verworren, in 
Haupts allg. wiss. Alterthumskunde, Altona 1839. 8; II, S. 11 fgg* 
Dass dagegen alle Götter dieser örtlichen Culte nur verschiedene 
Prädicate einiger weniger Lichtwesen seyen, wie Uschold (Vorhalle 
zur griechischen Geschichte und Mythologie, Stuttgart 1838. 8; I, 
S. 21) behauptet, wird sich in dieser Allgemeinheit eben so wenig 
wie Forchhammers entgegengesezte Ableitung aller griechischen 
Mythen aus wässerigen Naturerscheinungen (Hellenika; Griechen- 
land im Neuen das Alte, Berlin 1837. 8) billigen lassen, so richtig 
aucb namentlicb bei lezterem die örtlichen Grundlagen mancher 
Sage nachgewiesen sind. 

5) Vgl. Prodikus bei Themist. Orat. XXIX, p. 349 B, Sc. Uqovq- 
yiav nuaav dvO-Qfantav xal tivorjJQiu xal navTjyvQtiq xal ifktxuq rwv 
yfWQylaq x aktiv tganr«*: und mehr bei Lobeck Agl. p. 136 und 
Welcher Rh. Mus. 1, S. 607. Aucb Neuere, wie Völcker Mythol. 
des Iapet. Geschlechts, Giessen 1824. 8, S.369: "der Grundcharakter 
aller pelasgischen und somit griechischen Mythologie ist agrarisch." 

6) Gultusmythen ; vgl. Müller Prolegg. S. 108 fgg. und Nitzsch, 
die Heldensage der Griecben in ihrer nationalen Geltung ,- in Kieler 
philol. Studien S. 407 fgg. 

7) Vielleicht etwas zu schroff, aber richtig verstanden wabr 
sagt Eckermann (Mclampus und sein Geschlecht, Gott. 1840. 8, 
S. 25): "man tbut den Griechen Unrecht, wenn man ihnen von 
Anfang an Polytheismus aufbürden will; jeder Stamm hatte seine 
eigene Gottheit, und diese eine Gottheit war ihm Repräsentant alles 
Göttlichen in der Natur" u. s. w. Vgl. E. R. Lange Einleitung in 
das Studium d. griech. Mythologie, 1825. 8, S. 30 fgg. Paulus auf- 
klärende Beiträge zur Dogmen-, Kirchen- und Religionsgeschichte, 
Bremen 1830. 8, S. 50 fgg. Heffter S. 27 fgg. 

8) Gerhard Grundzüge d. Archäologie, in s. hyperboreiscb - römi- 
schen Studien, Berlin 1833. 8, S. 23 : «'alle alten Religionen hul- 
digten als Naturreligionen Bildern der augenfälligen Natur, und alle 
Kunst der alten Welt ging von dem Ausdruck göttlicber Naturkräfte 
aus ... so folgte es aus dem unaufhaltsamen Gange verschwisterter 
Religion und Kunst im Altertbume, dass beide ein Naturabbild der 
Gottheit begehrten" u. s. w. ; vgl. dessen Prodromus mythologischer 
Kunsterklärung, München 1828. 4. 

9) Vgl. Müller in Wiener Jabrbb. d. Lit. XXXVI, S. 179 und 
Thierscb Epochen d. bildenden Kunst unter den Griechen, München 
1829. 8, S. 5 fgg., welche bei aller Verschiedenheit der Herleitung 
doch in der ^tatsächlichen Anerkennung übereinstimmen, dass schon 
die homerische Zeit eine reiche Tecbnik, aucb für Verherrlichung 
des Cultus zeige. 

10) Nitzsch erkl. Anmerk. z. Odyssee II, S. 96; ««bei Homer 
erscheint der Götterstaat so fertig und ausgebildet, dass man auch 



§. 2. Früheste Entwickelung des Cultus. 9 

daraus schliessen muss, nicht bloss die Götter schaffende Zeit, son- 
dern auch die der Mittheilung derselben von einem Stamme zum 
andern liege weit hinter ihm;*' vgl. Heyne de origine et cansis fabu- 
larum Homericarum in Comm. nov. Soc. Gott. V11I, p. 65 fgg. ; 
Heeren Ideen III, S. 67 fgg.; Crenzer Symbol. 111, S. 64; IV, 
S. 659 fgg.; Müller Prolegg. S. 347 fgg.; Bernhardy Grundriss d. 
griech. Lit. S. 221 ; Ulrici Gesch. d. hellen. Dichtkunst B. I, S.70; 
Heibig sittl. Zust. d. homer. Heldenalters S. xxvm; Nägelsback 
homer. Theol. S. 4 fgg. ; Baumlein pelasgischer Glaube und Homers 
Verhältnis« zu demselben, in Zeitschr. f. d. Alt. 1839, S. 1182 fgg.; 
Scholl zu Soph. Ajas S. 37; Seebeck in Ritschis Rh. Mus. III, 
S. 506; Eckermann Religionsgeschichte I, S. 269 u. s. w. 

11) Vgl. Eberh. Feithii Antiquitates Homericae, Argent. 1743. 8, 
deren Brauchbarkeit durch die neue Bearbeitung von Terpstra, 
Antiquität Homerica, Lugd. 1831. 8, um so weniger aufgehoben 
ist, als dieser die äusserst fruchtbaren Parallelen mit späteren Ge- 
bräuchen weglässt. In kurzer Ueb ersieht auch Hase, class. Alter- 
thumskunde, Dresden 1828. 8, I, S. 87 fgg.; Cammann Vorschule 
zum Homer, Leipz. 1829, 8, S.262 fgg.; Helbig sittl. Zust. d. Hel- 
den allers S. 46 — 52. 

12) Ueber Tempel (Trophonius und Agamedes, Paus. IX. 37. 3) 
und Bilder (Dädalus, Id. IX. 40. 2) vgl. Thiersch Epochen S. 16 fgg. 
und Boss iyx*ty äQx<*u>Xoyktq , Athen 1841. 8, S. 86 fgg.; über 
Poesie des ältesten Cultus Müller Gesch. d. griech. Liter. I, S. 18 fgg. 9 
auch Ulrici hell. Dichtk. II, S. 45 fgg. und Einzelnes mehr bei Bode, 
namentlich auch de Orpheo poeta, Gott. 1824. 4, und Lobeck, 
Aglaoph. p. 234 fgg. ; wenn aber dieser selbst sich (s. insb. p. 312) 
mit Voss u. A. zu der Ansicht bekennt , die am dürrsten von Schu- 
barth Ideen über Homer u. s. Zeitalter, Breslau 1821, 8, S. 39 
ausgesprochen ist, dass alle "Einführung, Sonderung und Enthül- 
lung der religiösen Dinge," nicht allein Orakel und Mysterien, 
sondern auch "Culte mit besonderen Priestern und Ceremonien" erst 
aus den Anregungen und Veränderungen der dorischen Wanderung 
ihre Entwickelung und Begründung gewonnen hätten, so kann man 
darauf nur mit Müller Prolegg. S. 354 antworten: "es ist aber 
überhaupt sonderbar, wie sehr sich viele Gelehrte bemühen, aus 
dem Homer den Cultus herauszubringen, als wenn Homer nicht den 
Götterdienst im vollständigsten Sinne des Wortes kennte;" vergl. 
Nitzsch Melett. I, p. 29 : ae rette mihi contendere videor Graecos 
prius saera sacrorumque apparatum quam rerum publiearum ae eivi- 
lium rationes aecuratius distinxisse uberiusque instruxisse ; auch 
Limburg -Brouwer I, p. 335 und Eckermann I, S. 228 fgg. 

§• 3. 
Wenn nun aber auf solche Art die Entwickelung 
des griechischen Cultus in der vorhomerischen Zeit aus 
ihrem eigenen inneren Gesetze hervorgeht , so bedarf sie 
nichts weniger als der Annahme ausländischer Einflüsse, 
welche sie erst zur Reife ihrer geschichtlichen Erschei- 
nung hätten bringen müssen 3 und wenn gleich auch da- 



10 Th. L Allgemeine Geschichte des Cultus. 

für einzelne Stimmen aus dem Alterthume selbst spre- 
chen *), so dürfen wir diese doch um so mehr zurück- 
weisen, als die etwaige Uebereinstimmung mit frem- 
den Gebräuchen in den gemeinschaftlichen Grundzügen 
jedes ältesten Völkerlebens ihre hinlängliche Erklärung 
findet 2 ), daneben aber zwischen den griechischen und 
orientalischen Culte n wieder so wesentliche Abweichun- 
gen obwalten, dass selbst da, wo geschichtliche Spuren 
auf eine Verpflanzung lezterer nach Griechenland führen, 
an eine Verschmelzung und Verbreitung derselben über 
andere selten und kaum zu denken ist. Wie verschie- 
den insbesondere die ägyptischen Opfer und ähnliche Ge- 
bräuche von denjenigen sind, in welchen wenigstens die 
meisten und bedeutendsten griechischen Culte überein- 
stimmen, ist bei näherer Betrachtung eben so klar 3 ), als 
die Unähnlichkeit der griechischen Götternamen, welche 
Herodot ausdrücklich aus Aegypten herleitet, mit den 
ägyptischen, welchen sie entsprechen sollen, in's Auge 
springt 4 ) ; gesezt also auch , wir wären besser berech- 
tigt, als wir es wirklich sind, bestimmte griechische 
Festgebräuche aus jenem Lande herstammen zu lassen 5 ), 
so würde sich fliese Ableitung doch nur gerade auf das 
beschränken müssen, was dieselben vor andern Aus- 
zeichnendes und Eigenthümliches hatten, und an Einfluss 
derselben auf den herrschenden Götterdienst in grösse- 
rem Kreise nicht zu denken seyn. So unterliegt es al- 
lerdings keinem Zweifel, dass der Verehrung einzelner 
griechischer Gottheiten, wie namentlich der Aphrodite 6 ), 
phönicische oder sonstige asiatische Elemente beigesellt 
sind 7 ); Aehnliches gilt von den orgiastischen Bestand- 
theilen des Bacchuscultus , die mit ihrer Flöten- und 
Cymbelmusik auf dieselben phrygischen Gebräuche zu- 
rückweisen, welchen auch die Korybanten der grossen 
Göttermutter angehörten 8 )$ aber gerade hier bleibt der 
Contrast mit den übrigen eigentlich hellenischen Religio- 
nen fortwährend so sichtbar, dass kein Grund vorhanden 
ist, zwischen solcher Einbürgerung auswärtiger Culte und 
derjenigen , welche auch die geschichtliche Zeit mehrfach 



§. 3. Fremde Elemente im griechischen Cultus. II 

kennt, einen grösseren Unterschied anzunehmen , als dass 
höchstens ein einzelner Stamm oder Zweig des Ganzen 
sich durch den Schimmer des fremden Glanzes zum Tau- 
sche verleiten Hess, ohne dass darum der Fremde als 
solcher ein wesentlicher Antheil an der Gestaltung des 
griechischen Götterdienstes überhaupt gebührte. Auch 
was der jedenfalls nur halbgr^echische Stamm der Le- 
leger von Mythen und Gebräuchen zu der Gesammtmasse 
des griechischen Cultus beigesteuert hat, wird sich durch 
sorgfaltige Behandlung dergestalt aus dem übrigen pelas- 
gisch - hellenischen herausschälen lassen , dass dieser, 
wenn auch vielfach damit untermengt , doch in seiner 
eigentlichen Substanz ganz unabhängig davon erscheinen 
muss 9 ); und Aehnliches gilt von den Einflüssen aus 
dem Norden, wo wir, wenn auch nicht den hyperborei- 
schen Apollocultus 10 ) , doch die Thracier und ihren my- 
thischen Repräsentanten Orpheus immerhin als Träger 
einer eigenthümlichen Culturreligion betrachten dürfen, 
ohne desshalb ihrer Thätigkeit eine solche Ausdehnung 
zu geben , wie es in alter und neuer Zeit von Manchen 
geschehen ist n ). Ja näher betrachtet werden wenig- 
stens diese lezteren überhaupt nicht sowohl als Fremde, 
sondern als einer der zahlreichen Stämme des griechischen 
Urvolkes selbst erscheinen 12 ), deren jeder, wie bemerkt, 
sein Gottesbewusstscyn nach Maassgabe seiner besonderen 
Umgebung und Geistesrichtung verschieden ausgeprägt 
hatte, und wo es dann lediglich von den späteren poli- 
tischen Schicksalen des einzelnen abhing, ob sein Cul- 
tus bei den übrigen zu allgemeiner öffentlicher Anerken- 
nung gelangen, oder in seiner örtlichen Abgeschieden- 
heit fortdauern, oder, wie dieses bei den Resten jener 
Thracier der Fall gewesen zu seyn scheint, in der Zer- 
streuung umhergetragen und bald hier bald da angesie- 
delt werden sollte. 

1) Vor Allem Herodot, der zu allermeist aas Aegypteu , dann 
aber auch aus Libyen und Phönieien den griechischen Gottheiten 
ihre Namen und Culte zukommen lässt (vgl. insbes. auch II. 58 : 
nuvyyvQiq öi aga xul nt/tTtug ttal ngoquywyuq 7I(>wto« dv&ftwntav Ai- 



12 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

yvnttot, eiotv ol noHjodftivot, , xal nagu tovtwv "EXXyvfq fitfiu&rjxaot.' 
Ttx/iJJQiov dfc (tot, vovtov rode* al f*\v yuQ qxtlvovvat ix noXXov xtv xqovov 
noui'ntvat,, ul öl 'EXXqvixul vuuorl inoiy&yoav), und nach dessen Vor- 
gange dann, um allerer unkritischer Compüatoren zu geschweigen, 
Greuzer, Thierscb, Walz (Verhandl. d. Philologen Versammlung zu Ulm 

1842, S. 144 fgg.) u. A. noch bis heute den ausländischen Ursprung 
des griechischen Cnltus und seiner Kunst behaupten, obgleich da» 
gegen schon im Alterthume Einsprache erhoben war; Tgl. Plutarch 
de malign. Herodoti c. 13 und Diodor I. 69 : oau p\* ovv 'Hqqöotoq 
xal %ivtq tuv rag AlyvnTimv nguteiq owralafikvwv iox*#iaxaotv , txov- 
ai<oq nqoxQwavxtq vrjq uXij&tiaq to naQadotoXoyiZv nal fiv&ovq nXu.%- 
rfiv ytvxttywyiaq JWxcc, naQijoo/itv. Was allerdings Thiersch Epochen 
S. 22 fg. sagt: "dass Griechenland in seiner frühesten Entwickelung 
dem mannichfaltigen Einflüsse aller Völker, die es und seine Meere 
umwohnten, als das jüngste von allen offen lag, dass Thracier, 
Karier, Lycicr, Phönicier, Aegyptier, und libysche Völker dem 
bildsamen Stoffe ein Gepräge gaben, dessen Spuren noch spät be- 
merkt wurden , dass endlich in der Vielseitigkeit der Eindrücke, 
die Griechenland in Sitten, Religion, Wissenschaft, und Kunst er- 
hielt, eben so sehr wie in der Vielgestaltigkeit seiner Stämme, der 
Grund seiner vielseitigen Eni Wickelung zu sucheu ist," können wir 
uns wenigstens in sofern aneignen, als wir es theils nicht auf die 
vorhomerische Zeit allein beschränken, theils nur als ein accessori- 
sches Moment zu den Wirkungen jener inneren Vielgestaltigkeit 
selbst betrachten; wenn derselbe aber dann fast alle Götter der ein- 
zelnen Stämme aus Aegypten herleitet und S. 35 schliesst: "die 
Verehrung so verschiedener Götter schlug in den genannten griechi- 
schen Staaten zuerst Wurzel, und breitete sich, aus ihnen erwachsen, 
in zahllosen Abschösslingen und Zweigen umher, die am Ende alle 
Stämme des griechischen Volkes umfassten, und den Saamen der 
Gesittung und Kunst zu vielfaltiger Frucht ausstreuten ," so sehen 
Andere gerade in den Geheimculten den Sitz auswärtiger Religio- 
nen: vgl. Constant T. 1, p. vm: les mys Ihres furent le depöt des 
doctrines, des traditions, et des eeremonies etrangeres , preeisement 
pareequil y avait repugnance entre ces ehoses et la religion publi- 
que, und mehr T. V, p. 10 fgg. 

2) Auch hier gilt H. Ritters Urtheil Gesch. d. Philos. B. I, 
S. 60: "wenn sich ähnliche Ansichten, ja ähnliche Irrthümer fin- 
den, so ist dieses kein Beweis, dass ein Volk sie von dem andern 
überliefert erhalten habe; eben so wenig wie ähnliche Tugenden 
und ähnliche Laster bei verschiedenen Völkern Beweis eines ge- 
schichtlichen Zusammenhangs zwischen ihnen werden können; die 
Elemente der menschlichen Denkweise sind überall dieselben, und 
die innere Einheit der menschlichen Art verbindet die Völker ge- 
nauer, als ihre äusserlichen Berührungen und Verhältnisse zu ein- 
ander;" vgl. Scholl Mittheilungen aus Griechenland, Frankf. a. M. 

1843. 4, S. 31—35 und Thirlwalls gr. Geschichte I, S. 65; auch 
G. L. König, num theologiae graecac origines ex Aegypto sint repe- 
tendae? Utini 1830. 4. 

3) S. Herod. II. 38 fgg., wo sich gleichfalls bestätigt, was 
Preller Demeter u. Persephone, Hamburg 1837. 8, S. 39 von Hero- 
dots Aegyptomanie überhaupt sagt: "aber so gross ist seine historio- 
graphische Ehrlichkeit, dass er seine Hypothese auch nicht im Ge- 
ringsten auf die Uebcrlieferuvg wirklicher Facta influiren lässt;" 



§. 3. Fremde Elemente im griechischen Cultus. 13 

«ach Plutarch de Iside et Osiride c. 31 und mehr im Allg. bei 
K.Chr. W.F. Bahr Symbolik des mosaischen Cultus, Heidelb. 1839. 8; 
II, S. 228 — 237; Prichard Darstellung der ägyptischen Mythologie, 
übers, von J. Haymann, Bonn 1837. 8, S. 299 — 307; Wilkinson 
the manners and customs of the ancient Egyptiens, London 1841. 8; 

II. 2, p. 316 fgg. Wo findet sich z. B. in dem gemeinen griechi- 
schen Cultus das Verbot des Kuhopfers? wo die Bedingung der 
rothen Farbe für den Opferstier? das Wehklagen beim Fallen des 
Opfers oder das Abschneiden des fluchbelasteten Kopfes, für welchen 
die Aegypter gewiss nicht würden an den griechischen Kaufleuten 
Abnehmer gefunden haben , wenn diese nicht ganz verschiedene 
Gultusbegriffe gehabt hätten? Und doch ist es ein bekanntes Gesetz 
im Alterthume, dass erborgte Culte dem ursprünglichen Ritus noch 
treuer als einheimische bleiben ! 

4) Vergl. schon Heeren Ideen III. 1. S. 62. Creuzer Symb. 

III, S. 7 fg. und nach ihm Bahr ad Herod. II. 50 wollen diese 
Schwierigkeit dadurch heben , dass sie Herodots Nachricht von 
übersatten Namen verstehen; aber die von jenem angezogene 
Stelle des platonischen Critias p. 113 A sagt im Gegentheil nur, 
dass die Aegypter fremde Namen in ihre Sprache übersezten; und 
so gering man auch unsere Kenntniss der altägyptischen Sprache 
anschlage, so ist doch ihre Verwandtschaft mit der heutigen kopti- 
schen zu wahrscheinlich , um nicht gegen solche Deutungen , wie 
sie Herodot II. 42. 59. 144 gibt, gerechte Zweifel zu erregen. 
Dass derselbe II. 143 nigta/itg , Mensch, fälschlich durch xaXo<; 
xuya&og gegeben habe, bemerkt neuerdings Wilkinson II. 1, S. 170; 
und von den fünf Etymologien, welche Prichard S. 81 für Otiris 
aus dem Koptischen aufführt, entspricht keine dem griechischen 
dtovvooq> wie denn auch andere Griechen jenen Namen vielmehr 
durch noXv6q>&aXfiog übersetzen; vgl. Wytt. ad Plut. Morr. II, p. 182. 

5) Wie die Eleusinien nach ägyptischer Angabe bei Diodor I. 29, 
der jedoch selbst hinzufügt:. noXXd 4£i xaJ uXXu naQanXyaw, rot/ro»? 
XfyovrtQ tpiloTiftöxfQov TJntq uXq&iviüTfQor, aig yifioi pcttoTCU, ryg unoi- 
niuq Tavttje un<f>Hjßr]TQVOt d*a rtjv do£«v tijs naXt(oq> und ebenso I. 
96 ff. den ägyptischen Ursprung der Orphika u. s. w. nur als dor- 
tigen Anspruch erwähnt; ferner die Thesmophorien, die nach Herodot 
II. 171 die Töchter des Danaus zu den Pelasgern gebracht hätten, 
wogegen Preller a. a. O. S. 302 und Ecker mann I, S. 220 fgg. ; der 
Athenedienst zu Lindus, den ders. II. 182 von denselben herleitet, 
vgl. Heffler Götterdienste auf Rhodus, Zerbst 1829. 8; II. S. 43 fgg. 
und dessen eigene Retractation III, S. vi. ; das dodonäische Orakel 
und die Haruspicin nach dems. II. 57; endlich die Linusklage, 
bei der jedoch Herodot II. 79 mit seiner eigenen Theorie ins Ge- 
dränge kommt, vgl. auch Paus. IX. 29. 3 und mehr bei Welcker 
kl. Schriften I, S. 9 und von Lassaulx vor dem Würzburger Lections- 
kataloge 1842 — 43. 

6) Manso Versuche aus d. Mythol. S. 246; Böckh expl. Pind. 
p. 611 und metrol. Unters. S. 44; Böttiger Kunstmythol. 1, S. 410; 
H. Barth Corinth. comm. et mercat. hist. Berl. 1844. 8, p. 7; auch 
Völcker über Spuren ausländischer Götterculte bei Homer, in Wel- 
ckers Rh. Mus. I, S. 213 fgg., wogegen Engels einseitiger Wider, 
sprach (Kypros B. II, Berlin 1841. 8) nicht in Betracht kommen kann. 

7) Ueber sonstige phönicische« Einflüsse auf griechischen Cultus 



14 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

(Herakles — Melicertes — Kabiren — Kronos) vgl. H. J. Meyer- 
hoff de Phoenicum in antiquissima Graecia vestigiis, Gott. 1794. 4; 
Creuzer Symb. II, S. 612%. ; Hüllmann Anfange d. griech. Ge- 
schichte S. 9 fgg.; Iloeck Kreta I, S. 68 fgg.; Kreuser Vorfragen 
über Homer S. 76 fgg.; und namentlich Böttiger Vasengemilde 1. 2, 
S.97, Amalthea II, S. 307 fgg., Kunstmythol. I, S. xxxvm — xlmi 
und S. 205 fgg. 307 fgg., obgleich dessen Ausdehnung über Poseidon 
und Hermes jedenfalls zu weit geht. 

8) Heyne de religionibus et sacris cum furore peractis , in 
Gomm. Soc. Gott. T. VIII, p. 4 fgg.; Bode de Orphco p. 176; 
Böttiger kl. Schriften 1, S. 7 fgg.; Lobeck Agl. p. 639 fgg.; Voss 
Antisymbolik I, S. 47 fgg. und mythol. Forschungen herausgeg. von 
Brzosca, Lpz. 1834; 11, S. 1 fgg. mit den Rec. von Heflflter in 
Zeitschr. f. d. Alt. 1834, S. 899 fgg. und Bode G. G. A. 1836, 
N. 17— 20; auch Völcker a.a.O. S. 191—213, der nur das Phry- 
gische selbst wieder als thracisch auffasst. 

9) Helena, Dioskuren , Iphigenia, und Artemis Tanropolos mit 
ihrem ganzen Cultuskreise, wozu wahrscheinlich auch der ephesische 
Tempeldienst gehört , vgl. Nagel Gesch. der Amazonen , Stuttg. 
1838. 8, S. 111 fgg. Weiteren Stoff für den noch lange nicht hin- 
länglich durchforschten Gegenstand bieten einzelne der St. A. §. 7, 
n. 9 citirten Schriften, namentlich Uschold Gesch. d. troj an. Kriegs 
S. 116 fgg. und dess. Abh. über die historische Bedeutung der Pe- 
loptden in Zeitschr. f. d. Alt. 1836, N. 45; auch Schneidewin Diana 
Phacelitis et Orestes apud Rheginos et Siculos, Gott. 1832. 8, und 
Meyen de Diana Taurica et Anaitide, Berl. 1835, 8. Ebendahin viel- 
leicht die Spuren der Hierodulie der Lokrer, die nach Aristoteles 
lelegischen Ursprungs waren (St. A. §. 12, n. 16), bei Plutarck de sera 
num. vind. c. 12 mit der Note von Wytt. p. 66 und Justin. XXI. 3. 

10) Insofern dieser allerdings mehr symbolisch als, wie z. B. 
von Schubart de Hypcrboreis, Marb. 1825. 8, historisch aufgefasst 
werden muss; vgl. Müller Dörfer I, S. 267 fgg. und Prolegg. S. 227; 
Uschold Vorhalle II, S. 27? -^-295; F. G. Schwärt« de antiquissima 
Apollinis natura, Berl. 1843. 8, p. 54 fgg. ; und über den Mythus 
selbst mehr bei Spanheim ad Callim. H. in Del. v. 281 und Bergk 
com* Att. reliqu. p. 39 — 45. 

1 1) S. Suidas T. II, p. 205 : Xtyirai yug wc 'Oopci'? Oqu$ tiqojtoc; 
iTfXvoloyqoe rd 'EXXijvtov nvavTjQia, xal to ti/iuv &tov &Q?]Oxtvuv *x«- 
Xtouv % <aq Ogrcxiaq ovorjq rijq nigiofox;, und mehr bei Lobeck Agl. 
p. 240 , so dunkel auch die sonstige Etymologie dieses Wortes ist; 
vgl. Lennep. Etym. 1. gr. p. 258 und Döderlein Reden und Auf- 
sätze S. 379; über die vermeinte Herleitung alles griechischen Cul- 
tus aus dem Norden aber Levesque sur l'origine septentrionale des 
Grecs prouvee par quelques unes de leurs opinions et de leurs 
pratiques religieuses, in s. Uebers. d. Thucydides T. III, p. 278 fgg. 
und mehr in St. A. §.4, n. 10. 

12) Str. X, p. 722: tov dfc 'EXtxwva xa&i(QO)<jav Movaaiq Bqtjxtq 
ol rijv B oi (DT luv xaroixyouvttq, ol d* tnt/itXij&ivr^q tijq «£/tu«<? povaixijq 
0Qaxtg Xtyovrai, wogegen Lobecks Machtsprach Agl. p. 294 billig 
befremdet; vgl. St. A. §.7, n. 12 und mehr bei Ulrici Gesch. d. 
hell. Dichtkunst I, S. 124 fgg,; Bode Gesch. d. epischen Dichtkunst 
S. 92 fgg.; Müller Gesch. d. griech. Lit. I, S. 43 fgg.; Eckermann 
Melampus S. 25 fgg. 



§. 4. Auflösung des patriarchalischen Zustandes. 15 

§.4. 
Hiermit stehen wir übrigens bereits an der Gränze 
der Periode, welche jener patriarchalischen Einheit des 
bürgerlichen Lebens mit dem Cultus in der Sitte ein 
Ende gemacht und die freiere Entwickelung des ersteren 
zum Selbstbewusstseyn begründet haben muss, mit wel- 
chem dann der Cultus in seinem fortwährenden Festhal- 
ten an dem Principe der Sitte in den bereits oben an- 
gedeuteten Gegensatz tritt, und dessen Verselbständigung 
diesem gegenüber schon die homerische Zeit nicht ver- 
leugnen kann *), obgleich die einzelnen Thatsaehen die- 
ses Uebergangs eben desshalb vor alle Geschichte fallen. 
Nur in vereinzelten Spurön der Sage klingt die Erinne- 
rung gewaltiger Kampfe zu ums herüber, welche die 
Religion und ihre Vertreter mit dem jugendliehen Ueber- 
muthe eines kriegerischen Theils der Nation, bestanden 
haben müssen 2 ), als dieser der Kindheit jenes patriarcha- 
lischen Zustandes entwachsen* zugleich mit der Fessel 
der Gewohnheit auch die Scheu vor dem Heiligen selbst 
abwarf: doch werden jene Entweihungen des delphischen 
und anderer Tempel, die sich an Tityus, Phlegyas, 
Erysichthon, und ähnliche' Namen knüpfen 5 ), und jene 
tollkühnen Frevel, mit . welehen Sisyphus, Salmoneus, 
Tantalus die Götter selbst heransfodern 4 ) , um so mehr 
hierher gezogen werden dürfen,, als dieselben Namen, 
welche die Sage in dieser Hinsicht brandmarkt, auf der 
andern Seite zu den Ahnen und Sippen der berühmtesten 
Stämme und Königsgeschlechter der Heroenzeh gehö- 
ren 5 ); und je wesentlicher wir Religion imd Cultus als 
Grundlagen der geselligen Ordnung des ältesten Griechen- 
lands betrachten , desto leichter lassen uns die' Zeichen 
gräulicher Unordnung und Verwilderung des Lande» und 
Bodens selbst, .wie sie uns in den Mythen < von Herakles 
und Theseus' Thaten begegnen, namentlich auch das 
Walten solcher Unholde, wie Sinis, Sciron, Prokrustes 
u. s. w. *), auf eine Erschütterung beider schliessen, 
deren allgemeine Umrisse auch in dem zweiten und drit- 
ten der hesiodischen Weltalter nicht zu verkennen sind 7 ). 



16 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

Insbesondere aber scheint das Geheimniss, in welches 
wir später , dem eigentlichen Charakter des griechischen 
Volkes ganz zuwider, so manche seiner örtlichen und 
geschlechtlichen Culte gehüllt sehn, weit entfernt, eine 
ursprüngliche oder gar bewusste und beabsichtigte Ge- 
heimlehre im Gegensatze des öffentlichen Gottesdienstes 
zu enthalten, nur eine Folge dieser Bewegungen zu seyn, 
wenn einzelne Gegenden oder Geschlechter sieh und ihre 
angeerbten Gebräuche vor den Stürmen der Zeit ver- 
schlossen oder auch von denselben entwurzelt und ver- 
schlagen wurden 8 ) ; so das» sie , wenigstens nach Ab- 
rechnung der Wirkungen , welche theils die gewaltsame 
Unterbrechung ihres organischen Lebens auf der einen, 
theils der Mangel öffentlicher Aufsieht und Controle auf 
der andern Seite- hervorbrachte, in ihren Grundzügen 
oft gerade noch als die treüesten* Bewahrer und Zeugen 
der alten Sitte dastehen 9 ). Erst der Heraklidenzug 
machte diesen Bewegungen in sofern ein Ende, als er 
das erschütterte Gleichgewicht des gottesdienstlichen und 
bürgerlichen Elementes wieder herstellte 5 selbst die Hc- 
roenzeif; wie sie uns das griechische Epo» schildert, 
läset trotz /der 'zurückgekehrten Sättigung, die eben in 
Namen wie Tkeseus und. Herakles personificirt ist 10 )> 
den Cultus nur als ein vereinzeltes Moment -des grossen 
und reich«A Volks- und Staatslebens t erscheinen; und 
diese Veraelbständigung des i festeren bleibt dann auch 
fortwährend) der Grund und Boden für die ganze gesel- 
lige und» geistige Entfaltung^ der hellenischen Nation, an 
welche*, deu .« Cultus trotz > der wesentlichen > $tefle , die er 
in denn JLebcn des Ganzen behauptet , immer ifcnr einen 
verlmUnissinässig geringen * Aittheil nimmt. 

s t) Vgl. Ldbeck Agl. p. 256 /gg und die einzelnen freilich mit 
Fremdartigem * vermischten Beispiele . : bei' T^i ttmöti n <grieeh . Staalsv. 
S.81 feg., Constant de la religiou II, p. 289 fgg., Limburg- Bro^wer 
I, p. 318 Jgg.; auch Humpert de civitate Homerica, Bonn 1839. 8, 
•p« 13 und Schänwälder Darstellung de» > religiösen und politischen 
Bildung«^ us tand es der Hellenen im heroischen Zeitalter, Brieg 

"1&43. i. 

2) Vgl. Constant H, ». 311 fgg. und Köchly in Zehschr. f. d. 
Alt. 1843, S. 6 : "aus dem Schoosse des Pelasgerthum« selbst gehen 



§. 4. Auflösung des patriarchalischen Zustandes. 17 

jene streitbaren, kühnen, geharnischten, wagenkämpfenden Heroen, 
jene Ritter hervor, welche in einer langen Reihe von Kämpfen die 
alten einfachen Verhältnisse nmstossen, in den einzelnen griechi- 
schen Landschaften die Bewohner unterjochen-, zugleich aber zum 
Stamme vereinigen, sich zu regierenden Herren machen, und an 
die Stelle der patriarchalischen Familie und Gemeinde den in zwei 
Stande schroff gesonderten Staat treten lassen"; anch Grenzet* 
Briefe über Homer S. 46 fgs^ nnd A. W. Schlegel in Heidelb. Jahrbb. 
1816, S. 856 fgg. 

3) Ueber Tityus vgl. Ephorus bei Strabo IX, p. 647; über 
PLlcgyas und sein Volk Paus. IX. 36 und mehr bei Müller Orehom. 
S. 188 fgg. und Tittmann Amphikt. S. 100; insbes. auch H. in Apoll. 
279 : oi Jioq ovx dXiyorttq Inl x^ovl veutrdaoxov, mit Schol. Iliad. 
XIII. 302 und'Eustath. p. 904; über Erysichthon Callim. H. in 
Cerer. v. 33 fgg. mit d. Abb. von Schwenck in Zeitsehr. f. d. 
Alterth. 1841, S. 649 fgg. und Preller Demet. u. Perseph. S. 329 fg. 
Aehnlich auch Paus. X. 6« 3: Xfytrcu dl xal wq Kqiov öwaortvorros 
ardqoq niQi Evßoutv naVg ybowo vßQHjrrjq xal lovXqot pbf rov &tov vo 
tfooV, lovXqoc dfc xal olxovq «»dfAy euöeupovwr. 

4) Vgl. Nitzsch erkl. Anmerk. z. Odyssee 111, S. 319 fgg. und 
über Salmoneus Heyne ad Aeneid. VI. 585. Auch Caneus bei Schol. 
Iliad. I. 264: yervaioraioq r&p *«#•' avrov v:ta^aq xal &t/ nett nytaq 
axoprto» h tw ptoatraTM rijq dyogaq &foTq rovro ngoqha£e> lv*Qi&t**TV 
di rp altiav dyaiaxTiljoaq o Ztvq n/M>gktv rijq datßtiaq nttQ* «i^rov 
tlqtnQatoTo, und der vßgtar^q Echetns bei Apoll. Rhod. IV. 1093, 
wo der Schol« AvaLmttv *HnnQtoxov äaeß&v xaidXoyov citirt. 

5) Salmoneus und Sisyphus Söhne des Aeolus; Tantalus Stamm- 
vater der Pelopiden; vgl. Beck Welt- u. Völkergeschichte S. 865 fgg. 
und über das Verhältniss dieser Stämme zu der geschilderten Um- 
wälzung mehr bei Völcker lapet. Geschl. S. 343 fgg. Wie vieles 
hier freilich geschichtlichen Kern , wie vieles* nur symbolische Be- 
deutung habe , ob namentlich auch die Titanomachie und die Pro- 
metheussage (vgl. Welcker äschyl. Trilogie, «Darmstadt 1824. 8; 
B. G. Weiske Prometheus und sein Mythenkreis , herausgeg. von 
H. Leyser, Lpz. 1842. 8; E. v. Lasaulx vor dem Würzburger Lee- 
tionskataloge 1843 — 44 ; SchÖmann zu Aeschjrlus gefess. Prometheus, 
Greifsw. 1844. 8, S. 35 fgg.) zu den mythischen Spuren dieser Cul- 
tnirentwickelung zu rechnen üeyen , bedarf weiterer Untersuchung; 
im Ganzen liegt jedoch viel Wahres bei Ulrici hell. Dichtk. I. S. 60: 
« 'liegt hierin einerseits unzweifelhaft die feindliche Begegnung zweier 
sich widerstreitender Religionsystem er mythisch' angedeutet, so ist 
es andererseits charakteristisch , das'feT gerade das Urgeschlecht des 
hellenischen Stammes sieh in stolzer Kühnheit und riesiger Kraft 
gegen die herrsehenden Götter, seyies dass in ihnen bloss die Ge- 
walt der Natur oder bereits zugleich das ordnende Gesetz apotheo- 
sirt war, empörte; es ist darin das* erhebende Gefühl der mensch- 
lichen Freiheit und Selbständigkeit gegenüber der Notwendigkeit 
und Herrschaft der Natur ausgesprochen , jenes Gefühl ,- welches 
zuerst im griechischen Geiste zur Erkenutftfcs und zum Bewusstseyn 
gelangte" u. s.w. *' ;-^'--.:.y» •• . • 

6) Vgl. Diodor. IV. 17 fgg. und 59 fgg. und mehr in St. A. 
§. 9, n. 9 ; über die agrarische Bedeutung der Arbeiten des Herakles 
aber Buttmann Mythologus II, S. 97 und Uschold Gesch. d. trojan. 

B 



18 Th. I. Allgemeint Geschichte des Cultus. 

Kriegs S. 222 fgg., so verkehrt dieser auch den Helden als Pelasger 
auffasst. 

7) Hierüber habe ich in der Philologen Versammlung zu Gotha 
1840, S. 70 gesprochen und kann- mich über den "Widerspruch von 
Bamberger i» Ritschis Rh. Mus. I, S. 524 fgg. und Schömann 
im Greifswalder Lectionskataloge für 1842 durch Köchlys Beistim- 
mung trösten, Zeitschr. f. d. Alt. 1843, S. 108: "das eherne Zeit- 
alter bezeichnet den . gewaltsamen Untergang des Pelasgerthums 
durch das Erstehen der Heroen, die natürlich roh, wild, und ge- 
waltthätig, von ungeheuerer Kraft, ganz von Erz erscheinen und 
in ruhelosem Kampf sich aufreibend namenlos untergehen." Dass 
einzelne Namen aus dieser Zeit erhalten sind, durfte ein Philologe 
dem vtiwftvot dös Dichters nicht entgegenhalten; vgl. Eustath. ad 
lliad. XII, 70 1 vwvvfivoi. di iXjt vtuvvfiQt. ol toif^ahqp tov ovoftufco&cu 
rj vpptTo&ai , o fariv ol ävdnrvftoi rj dnXffVg ! 

8) Müller Aeginet, p. 172: quid enim mysteria sunt, nisi sacra- 
rum , quae olim per totam Graeciam evulgata fuerant, irrumpente 
e septentrione feriori populo (nur dieses dürfte eine Modifikation 
erleiden) disjeetorum fragmenta quae dam, quae apud quasdam gen- 
tes delituerunt? Vgl. Bode de Orpheo p. 129 4 quutn autem tertum 
sit a Pelasgis imprimis Graeeorum mysteria originem dueere;deinde 
quum aeque certum sit mysteria tum demum oriri solere , quum 
sacra 9 qua? aliquando per Graeciam publice colebantur (nam quis 
crediderit mysteria cum Graecorum origine eonjuneta esse?) poten- 
tiorum populorum ünperio supprCssa in templorum claustra se reee- 
perint, ibique in saneto reeessu postea commissa sint — quodnam 
temporis momentum huie rei aecommodatius esse po tes t t quam ipsum 
illud efflorescente heroica äetate suppressum Petasgorum Imperium? 
und mehr unten Th. II, C. 2 extr. 

9) In so fern sprechen wir unbedenklich mit Creuzer Symb. 
IV, S. 298: "je älter ein griechischer Localdienst war, desto mehr 
glieh er in Symbolen, und Mythen dem barbarischen," ohne desshalb 
die äussere Ableitung aus der Fremde mit ihm zu theilen, oder in 
dieser die Einheit für die Manniohfaltigkeit der griechischen Local- 
culte zu finden; vgl. B. II| 9 S. 65 und Preller Demeter und Per- 
sephone S. 18 fgg.; wenn aber Lobeck nach Andern dem symboli- 
schen Inhalte der Mysterien denselben jungen Ursprung beimisst, 
wie wir ihn für die .Form des Geheimnisses gern einräumen , so 
ist dieses eben so verfehlt wie wenn Dorfmüller S. 66 fgg. 83 fgg. 
den Uebergang des pelasgjscjben Lebens in das hellenische durch 
die Mysterien selbst vermittelt glaubt ! Sehr richtig heisst es auch 
im Cambridger PhiloK Museuni II, p. 356: / cannot believe tkat 
such a change as the introduetion of this remarkable class pf 
rites. eould huve taken place after the Homer ic age, and that every 
kind of histßric evidence respecting it should have disappeared, 
and their, whole ; institutipn have been referred to the times before 
Homer and generally to the very earliest times . . <. . it is probable 
too % that the growing prevalence of tht> Hellenic mythology gave 
in great measure to these rites of an earlier and rüder religion 
their mystical Charakter; the orgies with which some of them 
were aecompanied led the .worshippers to withdraw themselves of 
the Observation of the mngistrates etc. 

.10) Herakles bei {sock. Philipp. §. 111: htfrog yuo ogöv *rp 



§. 5. Einflüsse der dorischen fVanderung. 19 

'EXXddu iwXtpm* xal araotfav mal noXX&v aXXo» xaxüv fuorijv qvqclv 
navaaq vavxa xal öiaXXäEaq to? noXtiq ngoq äkXyXaq vntöfi£e roVq 
fTtWvofUvotg , /it& wv XQV *°* n Q°$ °v* ^ lt T0 *'S noUfiovg ixyiQuvx 
▼gl. Ael. Aristides I f p. 53 Bind, mit Schomann zu Aesch. Prom. 
S. 56 und Buttmann Mytjjol. I , S. 246 fgg. Wie mannichfaltige 
Spuren frühester Sittigung rieh an seinen Namen knüpften, s. St. 
A. §. 10, n. 5 und 11; riete derselben aber theilt er geradezu mit 
Theseus , in desseu Namen manche sogar den Ordner (&io&ai, , Tgl. 
Creuzer Symb. IV, S. 269) erkennen -wollten ; und wie dieser eben 
so wohl seine aS-Xovq oder Arbeiten hat (Nfike Opuscc. U, p. 165), 
so stellt ihn auch sonst das Sprichwort aXXoq ovroq 'HqaxXrjq jenem 
völlig gleich; vgl. Phot. Bibl. c. 190 und Paroemiogr. Gotting. p. 190. 

§5. 
Ganz blieb inzwischen auch diese dem neuen Auf- 
schwünge nicht fremd, welchen der Heraklidenzug und 
seine Folgen, insbesondere die durch denselben begrün- 
dete Uebermacht des dorischen Stammes dem gesammten 
griechischen Volksleben mittheilte $ und so berechtigt wir 
sind, in den Gultusformen , welche die homerischen Ge- 
dichte schildern, die wesentlichen Umrisse der griechi- 
schen Götterrerehrung für die ganze Folgezeit zu er- 
blicken, so bietet doch diese leztere noch eine Menge 
einzelner Züge dar, von welchen Homer nichts weiss, 
und die auch nicht immer erst nach ihm entstanden oder 
eingeführt zu seyn brauchten, um gleichwohl erst später 
zu der allgemeinen Anerkennung zu gelangen, deren sie 
in der geschichtlichen Zeit genossen 1 ). Dahin gehört 
vor Allem der Einfluss, welchen die eigentümliche Re- 
ligion des dorischen Stammes selbst, der Apollocult mit 
seinen grossartigen Institutionen, die in den homerischen 
Gedichten kaum angedeutet sind 2 ), auf die übrigen 
Stamme des Mutterlandes, und namentlich auf Athen ge- 
wann, wo selbst einheimische Gebräuche ihm und seinen 
Begleitern, der Verehrung der Artemis und des Herakles, 
wichen 3 ) $ die ethische Richtung , zu welcher er jeden- 
falls schon, frühe die natursymbolische Bedeutung seines 
Gegenstandes als Lichtwesen gesteigert hatte 4 ), trat unter 
der Form mannichfaeher Reinigungs- und Sühngebräuche 
zugleich mildernd und adelnd neben die mechanische 
Strenge des alten Cultus 5 ) , und die begeisterte Weissa- 

B2 



90 Th. L Allgemeine Geschichte des Cultus. 

gung, die er auf ähnliche Art der technischen Mantik 
des homerischen Glaubens an die Seite sezte 6 ) , ver- 
schaffte dem hellenischen Gottesbewusstseyn eine Ge- 
währ, welche die sinnlichen Begriffe, woraus jener her- 
vorgegangen war, lange überdauerte« Welche Gewalt 
die Orakelstätte des dorischen Stammheiligthums zu Delphi 
auf alle griechischen' Angelegenheiten ausübte , wie kein 
wichtiger Beschluss ohne seinen Rath gefasst, keine Co- 
lonie ohne seine Genehmigung gegründet, Krieg und 
Friede durch seine Auctorität bestimmt wurde, ist be- 
kannt 7 ) ; ganz besonders aber ward es zu einem Mittel- 
puncte des griechischen Cultus, den es in seiner vollen 
örtlichen Mannichfaltigkeit schüzte 8 ) , und dabei gleich- 
wohl als eine höhere Einheit dergestalt über dem Ganzen 
schwebte 9 ) , dass eine jede Veränderung desselben von 
seinem Gutachten abhängig gemacht, und jede Streit- 
frage auf diesem Gebiete seiner Entscheidung unterzögen 
ward 10 ). Selbst die übrigen Orakel, welche das ge- 
schichtliche Griechenland besass, mögen erst diesem Bei- 
spiele die Erweiterung ihrer Wirkungskreise verdankt 
haben; und gewiss ist dieses von den grossen National- 
spielen, welche, auch ohne ursprünglich dorisch zu seyn, 
doch die allgemeine Bedeutung, welche sie später vor 
Hunderten ähnlicher Feste auszeichnet, erst von der Herr- 
schaft oder wenigstens dem Schutze derDorier erhielten n ), 
die nicht allein den ganzen Peloponnes mit dem -Glänze 
ihres Namens erfüllten, sondern auch durch die delphi- 
sche Amphiktyonie keine geringe Stimme unter den Völ- 
Jkern des nördlichen Griechenlands besassen. Auch ausser- 
dem lag es übrigens in der Natur der Sache, dass schon 
die vielfachen Berührungen und Durchkreuzungen des 
Völkerverkehrs, welche der dorischen Wanderung theils 
vorausgegangen, theils auf sie gefolgt waren, die engen 
Bande örtlicher Beschränkung lockern und einen Aus- 
tausch der Gottheiten und ihrer Verehrung herbeifuhren 
mussten 12 ): die Eroberer oder Colonisten brachten ihre 
Stammculte in die neuen Sitze mit, und verbanden sie 
dort mit den örtlichen des Landes, das sie einnahmen; 



§. 5. Einflüsse der dorischen Wanderung. 21 

politische, ja mercantilische Rücksichten prägten sich in 
der Form religiöser Modificationen aus; und die ästheti- 
schen Anregungen, welche in Musik, Poesie, und bil- 
dender Kunst zuerst von den Colonien, dann von den 
Hauptorten des Mutterlandes selbst ausgingen, konnten 
aucb auf die. Gestalten und Gebräuche des Cultus nicht 
ohne Rückwirkung bleiben. 

f) Was hier Voss und Lobeck durch chronologische Sichtung 
aufgeräumt haben, ist dankbar zu erkennen, ohne desshalb dem 
Mechanismus zu huldigen, der das Daseyn eines Cultus von der 
ersten zufälligen Spur seiner Erwähnung datirt. Lobecks Trug- 
schluss : num, quin non demonstrari potest Homerum haec ignorasse, 
eredendum est, tum non ignorasse? ist gut widerlegt von Limburg- 
Brouwer I, p. 335; man kann aber auch unbedenklich einräumen, 
dass Homer wirklich manches gleichzeitig Existirende gleichwohl 
nicht gekannt habe; oder sollen wir mit dem Rhapsodenschüler bei 
Xenophon Symp. IV. 6 sprechen : fort ydo Srptov , ot* o "OfHjooq o 
aoqxörarog ncioiqxt oxtdov mgl nuvrwv %&v dv&gamtpwt Tgl. viel- 
mehr Plat. Legg. III, p. 680 D: ov pirvot Aaxwvixov yi dlXd wa 
'iomxov ßiov dttglpjftTet* IxäoToTf, und demgemäss Heibig griech. 
Heldenalter S.xxtiii: "dieses schliefst das Vorhandensein anderer, 
vielleicht sogar mystischer Elemente in den dem ionischen Dichter 
fremden Kreisen, z.B. bei Delphi und auf Kreta, nicht aus"; auch 
Müller Prolegg. S. 127 u. 394. Eher geht Prellers Mittelweg a. a. O. 
S. 21 : "Demeter mag gleichzeitig, ja älter als Homer seyn, aber 
sie hat in seinen Gedichten noch nicht jene Vermittelung gefunden 
und ist also für uns jünger als Homer, vielleicht aus dem Grunde, 
weil die Hellenen Homers noch nicht in dem Umfange Hellenen 
waren wie später"; obgleich leztere Aeusserung richtiger auf den 
Apollo cult passt. 

2) Päane Iliad. I. 473; Orakel IX. 405 und Ödyss. VIII. 79; 
Mordsühne Iliad. XXIV. 482 nach der Lesart dyvlxm für dyvHov, welche 
Müller zu Aeschyl. Eum. S. 134 und Schümann zu dens. S. 67 in 
Schutz nehmen, obgleich Schol. Venet. zu II. XI. 680 ausdrücklich 
sagt: nao* 'OpTjQto ovk oXdafav povia xa&aiQOfifvov , dkku dvrixLvona 
%al vvyadtvo/Atvov, und das älteste Papyrusfragment im Gambr. Philol. 

. Mus. I, p. 177 «V"v schreibt; vgl. Lobeck Agl. S. 300; Hoeck 
Kreta III, S.275; Terpstra antiqu. Homer. S.89; Nägelsbach homer. 
Theol. S. 250; Nitzsch z. Odyss. II, S.xxn und im Kieler Lect 
Rat. 1835—36. Richtig im Allg. auch Geppert über den Ursprung d. 
homer. Gesänge, Lpz. 1840. 8; I, S. 113: «doch jene Andeutung . . . 
steht in der Iliade vereinzelt da, Und es findet sich weder sonst in 
Griechenland ein Ort, 'Wo ein Tempel des Gottes genannt wird, 
noch sieht man Helden seines Stammes unter den griechischen Für- 
sten"; was Nägelsbach S. 104 und Schwarte de Apoll, natura p. 6 fgg. 
nicht genug von seiner allgemeinen mythologischen Erscheinung bei 
Homer geschieden haben. 

3) Vgl. Haupt de Apolliais; eultu post Trcjana tempora pro- 
pagato et amplificato in Allg. Schulz. 1830, S. 59* fgg. und Sinhr 
die Religionsysteme der Hellenen in ihrer geschichtl. Entwicklung, 



92 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

Berlin 1838. 8, S. 187 fgg., obgleich die Einzelheiten hier noch 
mancher Läuterung bedürfen. "Wie im attischen Cultus der ionisch- 
delische Gott mit dem pythischen verschmolz , ist bereits St. A. 
§. 96, n. 12 angedeutet; eben dahin gehört die Verdrängung ioni- 
scher Monatsnamen in Attika durch apollinische; s, m. Abh, über 
griechische Monatskunde , Gott. 1844. 4, S. 23. 

4) Ob Apoll ursprünglich Sonnengott, ist ein alter Streit (vgl. 
Nähe Opuscc II, p. 45 fgg.), dem man jedenfalls so viel einräu- 
men muss, dass vor den Tragikern (Aeschyl. Sept. c. Tliel*. 843) 
in den erhaltenen Denkmälern keine Spur davon vorkommt; vgl. 
Voss mythol. Br. II, S. 184 u. 378 fgg., Müller Dor. I, S. 280 fgg., 
Matlhiä in Illgens Zeitschr. f. histor. Theol, 1832. II, S. 19 fgg., 
Schwenck mythol. Skizzen, Fft. 1836. 8, S. 98 fgg., und» wenn 
gleich im Uebrigen abweichend, Schwartz 1. c. p. 19 fgg. und Gott- 
schieck Apollinis cultus unde ducendus sit, Berl. 1$39. 4; dass 
jedoch sowohl seine einzelnen Mythen und Attribute als auch seine 
mehrfache Verschmelzung mit offenbaren Sonnengottheiten kaum 
anders als aus einer ursprünglich natursymbolischen Be4eutung zu 
erklären möglich sey, scheint von Creuzer, Welcker, Baur u. A. 
fortwährend mit Reeht behauptet zu werden; vgl. Buttmann Mythol. 

II, S. 1 fgg., Hermanni Opuscc. VII, p. 289 fgg., Gerhard Vasenb. 
I, S. 94 und Lichtgottheiten in Abhh. d. Berl. Akad. 1840 ; auch die 
Erklärer des Dreifussraubes auf Kunstdenkmälern , Panofka in Ann. 
delT Inst. arch. II , p. 203 und Roulez melanges de philologie, 
Brux. 1843. 8, IV. p. 1 fgg.» und die freilich minder bedeutenden 
Abhh. von Chr. Fresenius de Apollinis numine solari, Marb.1840.8 
und Ilaym de Apollinis origine, Lauhan 1841. 4. 

5) Müller Bor. I, S. 324 fgg. und zu Aeschyl. Eum. S. 140 fgg., 
Preller Demeter $.249, Ulrichs Reisen und Forschungen S. 78 fgg.; 
auch Limburg -Brouwer VII, p. 262 fgg., obgleich hier das dorische 
Gepräge dieses Gultua mit geflissentlichem Leichtsinne verkannt ist. 

6) Paus. I. 34. 3 : £a)£*? dt nXrjv oaovq t£ IdnoXXwoq fxuvrjval 
q>acfi to aQ/aTov ftuvr((ov y ovdiiq xQ^OftoXoyog //>, uya&ol d« ovHQwca 
ifyytVo&cu xui diayvwvat, nryotiq ogvl&av xal onXdyxva liQotv: vgl. 
Lobeck Agl. S. 260 fgg. 

7) Ephorus bei Str. IX, p. 647» ort, tlq g/cegoT^T« jcgovxaXttTo 
xul fa<aq>Qovfe rotq ,/ikv xQVWifäiu&v , *«J. T« /*** »ooCT«TTa|ir. f tu de 
äjiayoQivtov , rovq d' ovd* oXaq nQnqUfMvaqx vgl. Jacobs verm. Sehr. 

III, S. 356 und mehr im Allg. bei Hommel de Apolline juris perito 
in s. Opuscc« juris universi ed. Rössfg,, Baruth, 1785. 8 f p. 1— 62; 
Merxlo 4c vi et efficacia oraeuji Delpbici in Graecorum res, Traj. 
ad Rh. 1822. 8; Wüster de religione et oraculo Apollinis Delphici, 
Havn.1827. 8$ Heinsberg deconsilin Amphictyonum. *d oraculum 
Delphicum relato, Leobschütz 1828. 4.; Piotrowski de gravitafe 
oraculi Delphici,, Lips. 1829. 8; Hüllmann de Apolline eivitatuua 
auetore, Regiom. 1811. 4 und Würdigung des delphischen Orakels» 
Bonn 1837. 8^ Gölte das delphische Orakel in seinem politischen, 
religiösen und sittlichen Einfluss auf die alte Welt, Lpz. 1839. 8. 

8) Xenoph. M. S. IV. 3. 16: ogrjq yaq ort o h JtXg>o?q &foq, 
frtuy rtq avrov int^ata, n&q uv rotq &Mtq #ap#otTo, anonaivtraf 
vipla TtoXtwq: vgl. I. 3. 1, Demos th. Mid. §.51, Anaxim. Rhetor. 
H.^v'Cic- Legg. IL 16, Porphyr, abstin. II. 59 u. s. w. 



§. 6. Ferhdltniss des Cultus zu Poesie und Kunst. SB 

: 9> Bernhardy giU Lit. I, £« DJfc : "die Hoheit und Unschuld dieses 
Apollocultus , der. von aller phantastischen Mythologie entkleidet 
sich einem monotheistischen Glauben nähert, ist ein ehrenvolles 
Eigenfhum de* Dotier; hierdurch wurden die übrigen religiösen 
Formen nebst den Spielarten von Dämonen und Heroen sichtbar 
zurückgedrängt"; vgl. Göttling im Hermes XXIX, S. 255 und ad 
Hesiod. edit. II, p.xtviij postem tribus hü primariis metatibus ad- 
jteta u Grateis ^ju^trta ist; cujus, prineeps dicepdus Apollo, rex 
vere ethieus et ut ita Mcam t aesymnetes. 

10) Plat. Legg. VI, p f to9 G : Ix JeXyiov 61 xgy vopovq ntqi tu 
&iZa nuvra xofjHoaphovk *<& xaraOT^auvraq kn'avroVq ilTjyrjTaq (§.1, 
n. 12) tovtok w%o&w\ ?$h VUi, p.828A undRepnbl. IV, p. 427 B 
mit Gernhard Quaestt. Plat. spec. 1, Weimar 1839. 4. Einzelne 
Beispiele geben Ulrichs Reisen und Forschungen S. 91 und Lim- 
burg -B*ou wer VI, p. 131 fgg.; in wie fern kann man jedoch mit 
Eckermann Relig.Gesc.li. I,: S. 235 sagen, dass der griechische 
Götterstaat namentlich von den delphischen Amphiktyonen ausge- 
gangen sey? 

11) Ueher Lykurgs Tfceitaahme an der Herstellung der olympi- 
schen Spiele s. St. A. §.23, n. 9j wie aber auch die allgemeinere 
Anerkennung der nemeischen und isthmischen Spiele wesentlich 
mit der durch spartanischen Einfluss bewirkten Vertreibung der 
Tyrannen Ton Sicyon und Korinth zusammenhängt, habe ich .das,. 
§. 65, n. 3 angedeutet. 

12) Buttmann Mythol. I, S. 23 » «'denn dieses war die Sitte der 
alten Völker, und besonders der Griechen, dass sie keine Religion, 
weder ihrer Vorfahren , noch fev einzelnen, Stamme ihres Volkes, 
auch nicht einmal der fremden Völker ... für gänzlich nichtig 
hielten, sondern vielmehr sie ihrem' Glauben und ihren Sagen ein- 
webten"; vgl. Eckermann I, S.232, auch für geschlechtliche Culte, 
obgleich diese nach Wachsmüths schöner Bemerkung H. A. II, , 
S. 461 nicht so leicht wie örtliche von anderen Stämmen angenom- 
men wurden. 

Nur muss man sich hüten, zumal was den zulezt be- 
rührten Punct betrifft, nicht alle Fälle, wo die Poesie 
oder Kunst des Alterthums sieb mit Gegenständen be- 
schäftigt, die in das Gebiet des Cultus zu geboren schei- 
nen, sofort mit lezterem in unmittelbare Berührung zu 
setzen, oder; gar den Umfang und Charakter desselben 
nach demjenigen zu bemessen, welchen die griechische 
Götter- und Heldensage in den Händen der Dichter und 
Künstler erhalten bat, wodurch man eben so wohl die 
schöpferische Freiheit der einen , als die Gebundenheit 
des andern yerkennen würde, die durch die Fortochritte 
des Lebens höchstens gelockert, nie ganz aufgehoben 



24 Th. L Allgemeine Geschieht* des Cuiius. 

werden konnte 1 ). Wohl fehlte es nicht an C ölten, die 
zur Ausschmückung ihrer Tempel und zur Verherrlichung 
ihrer Götter die gesteigerten Mittel der Architektur und 
Plastik in Anspruch nahmen , und in ihren Hymnen und 
musikalischen Weisen wie in der ganzen sonstigen Aus- 
stattung ihres Gottesdienstes mit der Entwicklung des 
Kunstgeschmackes gleichen Schritt zu halten suchten, der 
ja lange Zeit selbst an dieser Arbeit für das religiöse 
Bedürfniss seine wesentlichste Nahrungsquelle fand 2 ); 
bis zur höchsten Vollendung aber scheinen immerhin nur 
wenige dieser Entwicklung gefolgt zu .Seyn; und wie 
es später Hunderte Ton Götterbildern gab, die nur zum 
Schmucke der Tempelhallen und öffentlichen Plätze dien- 
ten, ohne jemals Gegenstand eines eigentlichen Cultus zu 
werden 3 ), so blieben hinwieder nicht wenige Tempel 
übrig, die ihre Götte* geflissentlich auf der rohesten 
Stufe der Bildschnitzerei zurückhielten und dieser Hart- 
näckigkeit selbst einen grösseren Geruch der Heiligkeit 
verdankten 4 ). Eben so lässt es sich allerdings nicht 
läugnen, dass das künstlich gegliederte Göttersystem der 
homerischen und hesiodischen Gedichte auch in der ge- 
schichtlichen Zeit noch hier und da auf den Cultus ge- 
wirkt und theils die Menge der verehrten Wesen , theils 
die Art ihrer Verehrung bestimmt haben mag 5 )$ gleich- 
wohl aber würde man sehr irren , wenn man die Mytho- 
logie des Cultus und der Dichtersage vermengen, und 
von dieser auf jene zsrücksehliessen wollte: so wenig 
die überlieferte Dichter - und Künstlermythologie die un- 
endliche Menge symbolischer Gestalten und Sagen er- 
schöpft, welche dem Cultus in der Mannichf altigkeit seiner 
örtlichen Erscheinung zu Grunde liegen 6 ), eben so wenig 
hat dieser sich -allen den Modificationen angeschmiegt, 
welche jene Gestalten durch die Phantasie der Dichter 
oder die äusseren Rücksichten, welchen diese huldigten 
angenommen haben, und selten sind auch nur alle die 
Gottheiten, welche jene in gleichem oder ähnlichem Range 
verbindet, gleichzeitig am nämlichen Orte Gegenstand 
ausdrücklicher und besonderer Verehrung geworden 7 ). 



§. 6. Ferkaliniäs des Cullus tu Poesie uni Kunst. 85 

Im Gegenthfeil wird in dem nämlichen Maasse ,' wie die 
epische Poesie ihr anthropomorphisches System abschUesst, 
eine Reaction der alten Localculte hemerklich, di* theils 
durch ahnungweichcre Mythen die Gebildeten, theils durch 
das bedeutsame Gepräge ihrer Festgebräuche die Menge 
anziehen, und bisweilen im directen Gegensatze mit dun 
Epos an der lyrischen oder dramatischen Poesie ihre 
Träger finden 8 ) $ selbst die in's Dunkel des Geheimnisses 
zurückgezogenen lüften dem steigenden religiösen Be- 
dürfnisse ihren Schleier;. und, ganz besonders macht, sich 
in dieser Hinsieht neben den heiteren Gestalten de$ ho>- 
merischen Olympus und der Erhabenheit des apollinischen 
Cuhns als dritte Hauptmacht der griechischen Götterwelt 
ein Kreis chthonischer Gottheiten geltend 9 ) , die trotz 
mannichfacher Örtlicher Verschiedenheit ihrer Aeusserun- 
gen in der Hinweisung auf ein jenseitiges Leben überein- 
stimmen^ und dadurch eine Aufmerksamkeit erregen, die 
z. B. in den eleusinischen Mysterien dem delphischen 
Orakel und den grossen Nationalspielen an allgemeiner 
Bedeutung nichts nachgibt 10 ). 



1) Müller Archäol. S. 4S9 : "das mystische, der Religion so 
wesentliche Element , in welchem wir das göttliche Daseyn als ein 
Unendliches, vom Menschlichen absolut Verschiedenes ahnen und 
fühlen, war, wenn auch nie völlig zurückgedrängt, doch besonders 
durch die Poesie in den . Hintergrund geschoben worden; die Sagen, 
welche das geheime Walten von universellen Naturmächten in oft 
absichtlich seltsamen und formlosen Bildern mahlen , waren dem 
Griechen schon in homerischer Zeit zum grössten Theile bedeu- 
tungslos geworden; die Festgebräuche, welche auf diesem Grunde 
wurzelten, wurden als alte' Cerimonien nach väterlicher Weise fort- 
geübt, die Poesie aber verfolgte den ihr notwendigen Weg" u. s. w. 

2) Ramshorn . de statuarum ' in Graecia multitudine , Altenb. 
1814. 4,' p. 14: adkue sola pacne religio , artis finyendi quasi 
maier et altrix, «am sustentaverat ; inter illas ipsas ptoetllas ... . . 
deseria profeüio et otiosa jacuistet , nisi deorum simulaera facienda 
fuisstnt, tum praeter haee nulla artißcum illius temporü opera 
reperimus} vgl. Plin. H. N. XXXIV. 9 t trantüt deinde an ubiaut 
vulgo ad cffigies deorum, und mehr bei Winkelmann Gesch. d. Kunst 
I, S. 317 und Jacobs über den Reichthum der Griechen an plasti- 
schen Kunstwerken, München 1810. 4 und verm. Sehr, III, S,442fgg. 

3) Als ava&qfiara, nicht als ßqirrj ; vgl. die Zeusbilder in 
Olympia bei Paus. V. 23 fgg. und die Kolosse zu Tarent, Liv. 
XXV1T, 16 u. s.w. Mit welchem Rechte sagt aber Tholuck in 



26 * TJL L Allgemeine Geschickte desCuHusi 

Neanders Denkwürdigkeiten I, S. 74 %g., d*ss dafclfejderben der 
griechischen Religion darin au suchen sey, dass «ie der Kunst hin- 
gegeben wurde? ' - »> - •;. ;> <. •• 

4*) Porphyr, abstrn. fl. i'8: 'tw 'gWw .<4%vAt*r ^är2 i$ft Jihp&¥ 
utyvvvaw lüg toy- #*o* ; #&«$«* ' fc«wwfc . «Ja*** qrf< ßUpu>T(t T#wl$$ jüs- 
noirjxak* TUfgafiodXo/Aivov dk jw avxov ngoq tov txflvov iuvtov ntioto&a* 
töVq JyuXjuabi. 'röfq xao'otfc jjgoc xu ugxaTa' tätxä yuQ 'malntq unXüq 
nt*i*)ß#tox falte >t»p£t(f&a* i.^T* dl xcutä nigafy&l tlfycBO/ihu^ #av/««- 
C«or#cu ph, iteiov dh dölav tjttov fcw; Tgl. Paus. II. 4, 5: JaidaXoq 
dV onoiM ttgya(fafo\ utotkotsqu pb ioTiv iq rqv oyw % iTunqkiitt, d\ 
%puq luvaLcv&ior voxrtoiq, und einzelne Beispiele bei* derns. IX. 40. 2 
und Plut. de, mus. c.14, mit Thierscji Epochen S, 59 fgg.; Creuzer 
Symbol. IV, S. 639 fgg.; Bottiger KunstmvthoT. 11^ S. 136 fgg. 
Freilich Verkannte man aueii ihre 5 LacherlicMeit tfenf ^ wotoh eii 
jnff TMBjtn^it Fall >ci £tken. • XI V* 2 : ; *«**£•: } <?<* ; .käpi** ,t^ ; ^q«V 
^utifiaQcüVyvX&e xal tiq aro At]xwo¥ y vo/Ufav yijq 'A7folX<ü*oq pnxgoq 
%yttitlti l Ti' mv^ijduv dboXoyov, Sd«V o*''avro'tiuXivbii i äfl0Q0o&'rtaQäoH&q 
iytimüti d&thnhmtQ man selbst zerstörte in&unter i gebaut in de* s<e> 
ben Formen nach, Paus. Vllly 42. 4. ■ .,,... , ,. 

5) Dahin die berühmte Stelle Her. II. .53 ; ovvot ,<Se tlotv ol 
nöiTjOttvTtq ! &toyovit]y "EXAq6i>' 'xal' roVai d-iotöt, räq &tuftvjikli i tidrtcq' xtH 
«i/td? tc xal aixvitq ^teAayycG -ml : jstyeeV. caifo&v ■ oqpqycfYTtq : , vgl . Jfi aller 
Lil. Gesch. I, S. 15$ und die Nach Weisungen l?ei Creuzer homer* 
Bri S.27 und Ülrici hell. Dichtk. I, S . lOS! üeber Hömdrs Ein^ 
fluss auf Phidias Str. VIII-, p. 543 und Dia Cliryseafei XI*i p;212. 

6) Müller Prolegg. .S.242: «5,au£ keinen: «all aber darf man 
sich denken , dass dieser homerische Götterkreis; eine -vollständige 
Vereinigung aller geglaubten Gottheiten enthalten habe; denn er 
ging doch ohne Zweifel von einem bestimmten Flecke Griechenlands 
aus , und vereinigte , was vou diesem . aus gesehen bedeutend und 
wichtig erschien" $ vgl. Schömann im Greifsw. Lcct. Kätal. 1&43 — 
44, p. 4: qutim multa tarnen etiam post excultam vutyoque reeeptam 
hone poeticäm mythologiam apttd singulos Graecide populos per- 
tnanserint opiniones et fabulae prorsus diversät, 'ei.quae conciliari 
tum illa nullo modo possint, neminem latet ptiülo petitiotem. 

7) Was Müller Prolegg. S, 238 sagt : "es , gab wohl keinen be- 
deutenden Staat, der nicht ajle ttauptgif tter , wenn auch' manche 
nur auf eine wenig feierliche Weise verehrt hätte", dürfte nur mit 
Vorsicht anzunehmen seyn : höchstens vereinigte man sie in einem 
ß&ftoq xowoq tiuvtw &(&?, wie in £}is bei Paus, V. 1 5 , oder doch 
Tüiv döidtx«, vgl. Herod. ll.'7; VI.' 108;Thucyd; VI. 54; Paus. 
I. 40; VIII. 25; Scholi Pind. Olymp. V. 5; und mehr bei Lake- 
macher Obss.. philol. VIII, p. 145 fgg. , Bdttiger Kunstmythol. II, 
S. 53, und Gerhard über die ZwölfgStter Griechenlands in Abhh. 
d. Berl. Akad. 1840, womit übrigens auch SchwenCk in Hall. A. 
L. Z. 1844, N. 140 zu verbinden ist. Auch gemeinschaftliehe An- 
rufung war üblich , wie Demosth. Mld. §. 52 1 &uXq 9 0kvfinlovq nuv- 
Ttwi, xal Ttuoatqx vgl. Menand. bei Ath. XIV. 78 und C* Inscr. II, 
p. 880 u« 1060, nebst dem itgtvq rwy Ttavvav &t&v zu Ilium das. 
n. 3590; ein gemeinschaftlicher Cultus der Einzelnen gehört aber 
gewiss erst später Zeit an , wie das Uqo&vocov zu Messene , wovon 
Paus. IV. ,32: tztt jikv &€U)v ayalpara anooovq voni^ova^'MkX^vtq, 

,ft) Nitzsek in Kieler phüol. Stttd. S. 401 : «nirgends* so schroff 



§. 7. Fortwährende Mannichfaltigkeit des Cultus. 27 

*fe in solchen Fallen stehen sieb die epische und die Loealsage 
entgegen; die lyrischen oder tragischen Dichter stehen dabei gar 
oft auf der Seite der Loealsage," Vgl. die Palinodie des Stesichorus 
her Ptansan. III. 19. 11 , und was ders. VIII. 37. 3 nach Her. II. 
15fc vouAetchylus erzählt: Jy/iyraos 6l^AqT§fuv &vyariqa tlvat xpl 
01/ AijTovq Aioxykoq £d/<Mf* rovq EXXqva^ 

"Ö) Demeter, Persephone (Kora — Despona), und Hades (Kly- 
tttetttfa),' welcher festere dann wieder mehrfach mit dem thraciseb«* 
Pionysus (Iacchus — Zagreus) verschmolzen oder vertauscht wird; 
vgl. adssejr den später anzuführenden Schriften über die Mysterien 
«elfefl* tEfcert J de Cerere Chthonia, Regiom. 1825;' Haupt kurze Ge- 
sphji^hte des Cultus der mystischen Gottheiten bei den Griechen, in 
Alle. Schulz. 1828, S. 932— 956 und dens. de reügione Cabiriaca 
iu'Zgfäfchr. f. d. Alt. 1834, S. 1162 — 1175; Creme* Symb. IV, 
S* 239 v Prelle* Demeter und Perseph. S. 183 %g.; Eckermann M>- 
lampus S. )09 und Reüg. Gesch. I, S. 317; Müller griech. Lit. I, 
Ö! 4 f6; l und insbes. Gerhard hyperb. röm. Studien S. 34 fgg. 

T CF) S. Limburg- Brouwer VI, S. 338 und die Parallele, welche 
dieser ganze Band zwischen den Orakeln und Mysterien zieht, ob* 
gleich „die Auffassung derselben etwas niedrig ist; vgl. S. 3 : au 
contraire les Oracles et les mysteres, bien que devant leur origene 
ä ees tpotions populaires , peuvent itre eonsiaMs eomme des moyens 
employes par un petit nombre d'individus pour modifier les idees 
dejä existantes ou mime pour obtenir quelque influence tant sur \a 
mmrehe generale des evenemens que sur le sort des individusl Wür- 
diger Stuhr Reüg. Syst. d. Hell. S. 440 fgg. und Preller S. 273 fgg. 



Uoherhaupt kann es nicht genug hervorgehoben wer- 
den, dass der griechisch* Cultns als solcher seinen ur- 
sprünglichen Particularismus örtlicher oder sonstiger Be- 
schränkung nie ganz aufgab, welcher nur durch positive 
äussere Umstände in der Art ausgedehnt ward , dass ent- 
weder Auswanderer die heimischen Götter auch in die 
Fremde mitnahmen *}, oder ein einzelner Tempel im 
weiteren «JRreise dieselbe. Anerkennung fand, die ihm 
eigentlich und zunächst nur von seiner Ortsgemeinde ge- 
bührte 2 ), Selbst die nämliche Gottheit ward nicht leicht 
an, .Verschiedenen Orten auf dieselbe Art verehrt, wofern 
diese, nicht durch ursprüngliche Stamm Verwandtschaft oder 
Yertragsverhältniss positiv verbünden waren 3 ) ; und eben 
so wenig genossen die verschiedenen Götter »desselben 
Landes alle der nämlichen Verehrung, sondern zerfielen 
selbst wieder in sehr, verschiedene Kategorien, deren 
Scheidung eine der wichtigsten Aufgaben mythologischer 



28 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cutius. . 

Forschung ist 4 ). Namentlich waren es immer nur sehr 
wenige, deren Gemeinde ein ganzes Volk mit derselben 
Notwendigkeit bildete, wie es die Mitglieder . einer! Fa- 
milie für die Götter des Hauses waren: die eigentlichen 
Stamm- oder Staatsgötter 5 ), in welchen sich die sittliche 
Idee der Staatsgemeinschaft selbst ausprägte, und deren 
Existenz mit dieser dergestalt verwachsen schien, daSs 
ihre Verehrung zur Lebensbedingung des Gemeinwesens 
ward 5 die meisten übrigen dagegen hatten entweder klei- 
nere Gemeinden, wo sich das ähnliche Verhältijugs . auf 
engere Kreise beschränkte 6 ), oder waren auf • die frei- 
willige Verehrung der Gläubigen angewiesen, die nur in- 
sofern sie zugleich Tempel hatten, durch deren Priester 
geregelt, geleitet, oder vertreten ward 7 ). Was jene enge- 
ren Gemeinden betraf , so war ihre Zahl und Beschaffen- 
heit, eben so mannichfach als die Kreise des bürgerlichen 
und geselligen Lebens selbst, die auch in der geschicht- 
lichen Zeit nicht aufhörten,, ihr sittliches Band durch 
irgend einen gemeinschaftlichen Cultus zu heiligen ; und 
wenn es auch in den meisten Fällen Wesen der herr- 
schenden Mythologie sind , deren sie sich dazu bedienen, 
so begegnen uns doch auch in dieser Hinsicht mitunter 
selbständige Abweichungen 8 ), und jedenfalls hängen jene 
Wesen stets so enge als möglich mit dem Begriffe der 
betreffenden Gemeinschaft zusammen* War diese ? ÖrtK- 
eher Art, so verstand es sich von selbst, dass das Hei- 
ligthum in ihrer Mitte liegen musste, wo sich dann die 
nähere Beschaffenheit des Cultus ans dem Charakter der 
Oertlichkeit von selbst ergab 5 aber auch wo Geschlechts- 
genossenschaft oder gleiche Berufsart das Band derselben 
ausmachte, lag ihr gottesdienstlicher Vereinigungspunct 
in der Regel symbolisch oder mythisch in der Beschaffen- 
heit dieses Bandes begründet 9 ), und erst spät scheint 
der umgekehrte Gebrauch willkürlicher Sodalitäten oder 
Brüderschaften Eingang gefunden zu haben , wo die ge- 
meinschaftliche Verehrung irgend eines beliebig gewähl- 
ten Gottes den einzigen Grund des Vereines bildete 10 ). 
Solche Vereine schlössen sich dann auch wohl einfach 



§. 7. Fortwährende Manniehfaltigkeü des Cultus. 99 

an einen bereits bestehenden Tempelcultus an 3 im Uebri- 
gen aber war jeder Cultus einer grössern oder kleinem 
Gemeinde zunächst deren ausschliessliches Eigenthum, 
für dessen Bestehen sie zu sorgen , die Kosten des Grot- 
tesdienstes durch Abgaben oder Stiftungen zu bestreiten, 
die Gebäude zu erhalten , und die zu aUen diesen Ge- 
schäften nöthigen Personen aus ihrer Mitte zn bestellen 
hatte n ); und auch wo dieses nicht der Fall war, bildete 
jeder Tempel mit seiner Priesterschaft zunächst ein ge- 
schlossenes Ganzes, das sich aus seinen Einkünften er- 
hielt und nach deren Maassgabe für die Verehrung seines 
Gottes in den hergebrachten Formen sorgte 12 ). 

1) Vgl. Müller Prolegg. S. 156 fgg. und als einzelnes Beispiel 
aus~ vielen was Str. IV, p. 271 von den Culten in Massalia sagt: 
h 6% xfj uxg<$ xo 'Evioiov Yögvxai xal xo xov 4*Xq>wlov 'AnoXXwvoq 
Uqov* xovxo xotvoy *Iinvtav dndvxav, to 6\ 'Epioiov xijq *Agxlpidoq vtwq 
iaxi xijq ^Egtialaq* ditaigovai ydg xoVq 0o)xa(vaiv ix xijq oixtlaq Xoyiov 
ixmatVv qxiOiv yytpovi xQV aaa & a * r °v nXov nagd xrjq E<p*oiaq 'Agxt/Air- 

joq Xaßovoi . ... h di xoXq dnoUotq noXtoi nawu^ov xifinv iv xolq 
xguxoiq ravTTjv xtjv &tdv xal xov £odvov xijv ' did&ioiv xq* avxijv xal 
xd uXXa roftifta tpvXdxxnv xd avxd anig h rfj pqxgoTtoXti hipo/ttaroi 
auch G. 1. n. 2655: xovq ytytvq/tivovq dno xijq xxiotwq UgtVq xov 
ÜoaftdSvoq xov xa&idgv&ivxoq vno rS* xrjp dnoixiav ix Tgot&jvoq dya- 
yoyrwv, und Jamblich« V. Pythag. 11. 4 s rov 6h rag dnoixiaq ix xwv 
totew xüv ngodgijphwv owtX&eVv oyptitöv ioxiv ov fiovov al x&v ■&*&* 
vipal xaX {htotoi, d*or* (HTijypba* xvyxdvovaiv ix xmr totküv x. t. i. 

2) Dahin tot Allem die Amphihtyonien und sonstigen Festvereine, 
wovon St. A. §.10 fgg. , mit ihren dem Cultus mutterstädtischer 
Gottheiten nachgebildeten Festgesandtschuften, &totglaiq dixaxrjvogoiq 
(Spanheim ad Callim. H. in Del. v. 278 fgg ), oder was sonst durch 
Orakel (Eleusis bei Isoer. Paneg. §. 31) oder Vereinbarung in dieser 
Hinsicht festgesezt war, vgl. G. I. n. 1193: dilti dftodl/ercc« d noXiq 
9iXoq>gova)q xdv &voiav 9 av fiiXXii uyuv d noXiq rar 'Aoivaiotr vif Ad- 
liaxgi tu x&ovla; und mehr in Meiers Gratulationsprogramm zum 
Gott. Jubiläum, Halle 1837. 4, p.28 fgg.; woraus dann aber selbst 
Kriege zur Aufirechthaltung solcher Theilnahme entstehen konnten; 
z. B. Thuc* V. 53: rov d' avxov &igovq *Em#avgioiq xul 'Agytiou; 
noXepoq . iyivtxo ntgl xov &vpaxoq rov lAhoXXtovoq xov IIv&uiüH;, o diav 
dnuyayiZv ovx dnintpnov 'Emäavgioi x. x. X. 

3) *Aq>idgvotq und ein auf solchem Wege erhaltenes Cultusbild 
dipidgvfiu : vgl. Str. VIII, p. 590 : rovq ydg ix xijq 'EXixyq txneoovxaq 
Javaq alviZv nifitpavxaq nagd xätv 'EXixitov pdXtoxa plv xo ßgtias xov 
HoattdSfooq , tl di fiy, xov yt Uqov xrjv dyidgvow : vgl. dens« VI, 
p. 418; IX, p. 618; und mehr bei Alberti ad Hesych. 1, p. 643, 
Wessel. ad Diodor. XV. 49, Lobeck Agl. p. 274, Müller Archäol. 
S. 62. Erst später scheint jener Ausdruck schlechthin jedes Cultus- 
bild zu bedeuten, vgl. Plut. de Mnsica c. 14, Gic. Att. XIII. 29 
u. s. w. 



30 Th. /. Allgemeine Geschichte des Cultys. 

4)' Wachsmuths Eintheilung (II, S. 458) in ursprüngliche und 
nachgebildete Culte reicht nicht aus; jedenfalls muss man noch an- 
geeignete dazwischen schieben, Und diese seihst wieder in vorge- 
fundene und entlehnte, so wie die ursprünglichen in autoehthonische 
und mitgebrachte, die nachgebildeten in Vergötterungen von* Natur- 
wesen und von Menschen scheiden. 

5) Btol naTQ(pot., nicht zu verwechseln mit den nuxglotq, wie 
Lobeck AgL p. 277 thut; Tgl. Meier de gentil. Art. p. 28 und 
Schöinann im Greifsw. Lect. Katal. 1829 und ad Isaeum p. 218, ob- 
gleich ich diesem nicht beipflichten kann , wenn er sagt : nam 
nuTQüJog semper dieendus est is, qui non publice ab universa civi- 
tate, sed a singulis gentibus vel famiUis privatis cerimoniis colitur, 
quamvis ad omnes eives haec religio pertineat 9 unde nuxg&oq est rfj 
nöXn. Allerdings unterscheiden die Grammatiher (Ammon. diffc 
vocab. p. 111 und Thom. Magtst. p. 295) richtig: nuxq^u xu tx 
nuT6Q(t)v tlq vlovq x t0 Q°^ v ' ia • • • nuxfjiu fö xu xqq nöXtwq l'&t} 9 vgl. 
Hemsterh. Anecdd. ed. Geel p. 100 und Hermann. Opuscc. III, 
p. 195; daraus folgt jedoch nur, dass in der Verehrung dieser 
Götter der Staat wie eine grosse Familie erscheint, daher sie dann 
auch yivf&Xtoi, (Aesch. Sept. 641), uqxqyhai (Paus. I. 42. 5), nuxqo- 
yheiot. (Plut. Symp. VIII. 8. 4), naxQwxui, (C. Inscr. I, p. 683) 
heissen und als die Penaten der Stadt betrachtet werden können, 
während tzutqioi, alle gesetzlich reeipirte Götter sind; vgl. Lobeck 
Agl. p. 1238 und Einzelnes mehr bei Bahr de Apolline Patricio et 
Minerva Primigenia Atheniensium , Heid. 1820. 4, ohne desshalb- 
dessen Gesammtansicht zu theilen. 

6) ^Oqytwviq oder öiuoiaTui , vgl- St. A. §.99, n. 10 ,., insbes. 
van Dale diss. antiqu. et mann, illustr. IX, p. 728 — 804; auch 
$quvioxu1 9 insofern sie zugleich durch den Zweck wechselseitiger 
Unterstützung verbunden sind, wie C. I. n. 2525 b und Athen. V1I1. 

64: tovq f£v ovv &iuoovq uno xov &tov KQogqyoQtvoV xul yuq uvxovq 
vovg &eovq ol Adxwviq oiovq g>aac .... xaXitTcu 6\ 6 uvxoq xul l'guvoq 
xal &Luooq xal ol aw$ovxtq tQuvMJxul xul ovv&iucfwxut, mit St. A. §. 146, 
n. 9 ; im Allg. aber Athen. V. 2 : ol dfe vopo&ixut xu u\v qyvlixi,xu 
ötliiva xal tu drjiMHtxu ngoqhulay , *t* d\ xovq &iaoovq xal tu qqu- 
TQtxd xal nah* oQytuvixu xuXovutvu, und Aristot. £th. Nie« VIII. 
9. 5 : al u\v ovv uXXai xowmviuh xuxu ftifjy T °v ovug>iQovxoq iqtifvxut, 
. . . ofiolwq 61 xul (pvXfrai, xul ötjpoxu* ' hna\ dh twv xowwvtwv dt? TjdovTJv 
doxovot, yiy»iO&a> &tuowT<ov xul Iguviaxtov . , . {hjaiaq dh noiovvxiq xal 
ntql xuvxuq awödovq xi/iuq xt unovljAOVTtq xolq &toiq xal iaVTotq uvu- 
nuvoiiQ noQi^ovrtq ut&* yÖovijq x. t. X. 

7) 'Ieguxixul -Ovalu*, im Gegensätze derjenigen, welche uno xijq 
xoivfjq toxiuq fyowr* ttjv riftqv, Aristot. Politic. III. 9. 7; VI. 5. 11; 
vgl. Nägelsbach homer. Theol. S. 174: ««der priesterliche Gottes- 
dienst ist zuvörderst an heilige Stätten geknüpft, die regelmässig 
dem Cultus einer einzelnen Gottheit geweiht sind*', und mehr unten 
Th. II. C. 3. ' 

8) Selbst in Attika waren nach Paus. I. 14. 6 in den einzelnen 
Demen andere Sagen als in der Hauptstadt; vgl. dens. I. 26. 7: 
xul yuQ oaotq &tovq xuß-iaxrjxtv aXXovq h xotq ärjpoiq oißuv, ovdh t* 
rjoaov T7Jv*A(hjvuv t?x ov * v xi/tfi, und einzelne Beispiele I. 31. 3: 
to 6h h Mv^iyoxvTt, $6avov fax* KoXaividog , *A&-uovrjq ä\ ripwotv 
AuuQovoiuv "ÄQxtuivi auch Schol. Aristoph. Av. 873: ol yuq Mvq- 



§.8. Erweiterte Wirkungen des Cultus. 31 

ghvavaiM KoAawida «io*o/*ä?oi/ö* rip "^Tt/M*» uqnig UttgauXq *ip 
MovwxiaV) ffrtXutöcu dfc ttjv JBgavgtoviat, und den &toq nvgg>6goq. TIqo- 
firj&eiig bei Soph. Oed. Col. 55. Eben so Geschlechter , wie das 
des Isagoras bei Her. V. 66: &vovai <F* ol avyyevttq avrov Ad Kagim. 
9) Mythisch, insofern die Personifikation des Geschlechts oder 
Ortsnamens als Stammvater vergöttert ward, vgl. Muller Prolegg. 
S. 178 und Thirlwall gr. Gesch. I, S. 83; symbolisch, insofern die 
verehrte Gottheit zu dem Begriffe, des Vereins in anthropomorphi- 
scher Beziehung stand, wie Plat. Legg. XI, p. 920 D : 'HtpuCorov xai 
*ji&rjvaq Ugov ro Tur^&yfiHwgywv yhoq y oV rov ßiov T/pTv xaTtaxevdxaot 
t^>«*C, y Agwq d' uv xai 'A&ipuq ol va rwv 6tjmo\*gywp om^omq . . . 
olq dy mgi rä roiuvru ov nglnov uv tXtj ytvöto&at &tovq ngoyovovq 
avrwv aldovfihovq. Aehnlich ist auch der &taooq rdv ntnaidfitpbiüv, 
welchen Sophokles nach dem alten Biographen p. 128 ed. West, 
den Musen errichtete , und die amtliche Bezeichnung der Schau- 
spieler als ol ntgl rov Jtowoov Tt/vrrcc*, Tgl. Str. XIV, p. 952 und 
C. Inscr. II, p. 657- fgg. , oder die avvodoq twv TvgUttv 'HqaxUvoxüv 
\nnbgwv xai navxXyQwv das. p. 229, welche den Gott des Landes, 
auf das sich ihr Geschäft insbesondere bezieht, verehren. 

10) So namentlich in Rhodus 'AXtaazal und Jiovimuarul C. I. 
n. 2525 b, Jtoqlnvuioxui^ Ilava&avatöral , SotnjgMOTttl, Jioqaraßv- 
Qiaorai, 'Aya&odatfiovLaozal Boss Inscr. in ed. III, n.282; aber auch 
anderwärts, wie Hagumaoxal in Athen C. I. n. 120, Ilavu&rjvutoxul 
und Atowoiuaral in Teos n. 3073, &ktoeq /iqxg&axxoq in Gins n. 3727, 
und die zahlreichen oupßitaofiq das. n. 3304. 3438. 3540 u. s.w. 

11) Vgl. €• I. n. 82: «710 dfc rov xoxov xai r£v firt&toOtwr • • • &v(iv 
tu Ugd t« T£ iq nXw&laq xowd xai tu Iq 'A&yvaiovq rmig TIXü)&{<ov 
%ov xovitov xai tu Iq tdq ntrttxygldaq xai rd uXXa Ugd x,r.X, und 
die Titel ihrer Vorsteher &idoaQX9S n. 2099, dgx^taalx^q n. 2271, 
dgxugavioryq n. 2525 b und Boss II, n. 107, xogvqtatoq rov &iuoov 
Lfban. I, p. 426; dann yga/^fiartlq , ra/ilai, ngotgavtargiai u. s. w.', 
vgl. C. J. n. 120 uad mehr unten §. 11 , n. 13. 

12) Harpocr. p. 39 : fxdorai ydg &*£ nki&gu yijq dnhffiov, ££ 
wv fuo&ovfthwv al (Iq rdq &volaq iyivovro dandvun vgl. Plat. Legg. 
VI, p. 759; auch C. Inscr. III, p. 222 t orteaq y dno xavxrjq ngoqodoq 
uwMoxyxai elq xdq xaxu pjjvaq QiivxfXov^haq frvoLaq xai xaXXa rv 
ngoq avtyow rov itgov ovvxdvovxa vno rov xu&ioxafihov vno rov &eov 
Ugkiq^ wq tX&iotat, x. r. X. und mehr bei Kreuser Hell. Priesterst. 
S. 22 fgg. and Wacbjmulh II« S. 68. 

§• ...8. 
Hierin ist jedoch keineswegs enthalten, dass die grie- 
dhtsehen Götter keiner weiteren Berücksichtigung als von 
denjenigen genossen hätte» , welche auf die angegebene 
Art dazu berufen und verpflichtet waren: je mehr die 
Trennung, welche dem Cultus fortwährend zu Grunde 
lag, in der freien und bunten Bewegung des Lebens ihr 
Gegenbild zu finden aufhörte, desto natürlicher war es, 
dass das nämliche Motiv, aus welchem jener ursprünglich 



38 2%. /• Allgemeine Geschichte des Cultus. 

in Beinern Kreise hervorgegangen war, seine ^tatsächlichen 
Wirkungen jezt auch über diesen hinaus erstreckte; und 
es kam nur auf den einzelnen Cultus selbst an , ob er 
von dieser psychologischen Notwendigkeit zu seinem 
Nutzen Gebrauch machen wollte. Manche derselben ver- 
schlossen sich allerdings fortwährend gegen jeden Ver- 
ehrer , der nicht zu ihrer eigenen Gemeinde gehörte oder 
von dieser eine besondere Vergünstigung erhalten hatte 1 ) ; 
und wie es Hausväter gab, die nicht einmal ihren Sclaven 
die Theilnahme an dem Dienste des FamiUengottes ge- 
statteten 2 ), so waren nicht nur Geschlechter und Brüder- 
schaften, sondern auch grössere Staatsgemeinden eifer- 
süchtig darauf bedacht, ihre Schutz- und Stammgötter 
jeder Berührung mit Fremden zu entziehen, die ihnen 
jene abspänstig machen zu können . schien 9 ) $ der Mehr- 
zahl hingegen , und namentlich den priesterlichen Gülten 
konnte eine weitere Anerkennung, welche den Ruhm 
ihres Gottes und dessen Einkünfte vermehrte, nur er- 
wünscht seyn 4 ), und die, Empfänglichkeit des griechi- 
schen Gemüths für jedes Zeichen göttlicher Nähe kam 
diesem Wunsche auf halben Wege entgegen. Anfang: 
und Grund aller Gottesverehrung im Alterthume ist die 
Furcht 5 ), die erst später und mit Rücksicht auf etatartete 
Religionsbegriffe und Gebräuche als krankhafte Aeusse- 
rung des Aberglaubens dargestellt wird 6 ); freilich keine 
knechtische Furcht allein, sondern zugleich die moralische 
Scheu, welche das Gefühl der Erhabenheit einflösst ; aber 
gerade diese weiss die ältere Zeit am Wenigsten von dem 
Begriffe zwingender und drohender Uebermacht zu tren- 
nen 7 ) ; und selbst wenn die Götter aufhören lediglich 
als überlegene Naturkräfte betrachtet zu» werden, so fuhrt 
doch auch ihre Vermenschliehimg die Idee eines quanti- 
tativen Unterschieds von dem irdischen Menschen mit 
sich 8 ), der diesem seine Schwäche und Beschränktheit 
nur noch mehr vor die Seele führt und dadurch sein Be- 
dürfniss rege macht; wo er sieh in ihrem Bereiche weiss^ 
ihren Zorn zu vermeiden und ihre Gnade zu erwerben. 
Auch ohne dazu verpflichtet zu seyn, konnten Menschen, 



§. 8. Erweiterte Wirkungen des Cultus. 33 

die sich täglich in der Nähe eines Heiligthumes befanden, 
gegen dessen Gottheit unmöglich gleichgültig bleiben 9 ) ; 
' selbst Wanderer brauchten nur zu wissen, dass sie an 
einem heiligen Orte vorbeikamen, um diesem ihre Ver- 
ehrung zu bezeigen 10 ); Aehnliches gilt von festlichen 
Tagen und Zeiten, in welchen man der Gottheit gleich- 
falls näher als sonst zu seyn schien u ) 5 und wie neben 
die örtlichen Cultusgemeinden die durch Beruf verknüpf- 
ten traten, so drang sich auch abgcsehn von solchen 
einem jeden, dessen Lage oder Bestrebniss bleibend oder 
vorübergehend an irgend einer Gottheit den symboli- 
schen Ausdruck ihres Begriffs besass, die Notwendigkeit 
auf, sich durch Gebet und Opfer oder Gelübde deren 
Schutzes zu versichern 12 ). Ganz besonders aber traf 
alles dieses auch den Staat selbst hinsichtlich aller Gott- 
heiten, welche innerhalb seiner Gränzen irgendwie Platz 
gefunden hatten, und deren richtige Verehrung ihn schon 
aus dem Grunde anging, weil ihr Zorn nach den An- 
sichten des Alterthums auch die ganze Gemeinschaß des 
Schuldigen umfassen konnte 15 ) ; waren es also auch nicht 
seine eigentlichen Schutzgötter, so nahm er gleichwohl 
nicht nur jeden rechtmässigen Cultus seiner Bürger unter 
seinen Schutz, sondern betheiligte sich auch häufig dabei 
selbst entweder durch stehende Beiträge zu den Kosten 
der Tempel und ihrer Feste 14 ) oder durch ausserordent- 
liche Gaben und Opfer 15 ); und so wenig darum die 
einzelnen Culte als solche ihre Besonderheit einbüssten, 
so verbanden sie sich doch je länger je mehr unter der 
öffentlichen Obhut zu einem ähnlichen grösseren Ganzen, 
wie es die Göttergestalten selbst in den Händen der 
epischen Dichter geworden waren 16 ). 

1) Vgl. die Beispiele bei Lobeck Agl. p. 272 und namentlich 
auch C. I. n. 101 1 xul oruv &v<oöi. Ilii^autq IV rofq xoivotq Ugots, 
riptiv xul KuXitdufiuvTi ntqida xu&untQ xul rotg uXXoiq Üttgauvoi, xul 
ovvfOTtuo&at KulXtdtifiavTu fttru JltiQuiiwit iv unao* roVg IfQoIg, nXrjv 
tt nov uvtoIs lltt^attva* vo/iipov iartv tiqihu* % uXXfp S\ firj. 

2) Vgl. Isäus de Ciron. §.16: tw Ad &vf»tv zoi xttjoIü), thqI ijv 
fiuliora ixtfvoQ Ovaiuv ionovdu^t xul ovrt SoiXovq ngoqrjyrv oih iXtv- 
&iQovq o&ytiovq, und Paroem. Göttin g. p. 97: dt i'&ovg yug rjv roVq 
nuXuiolq oxoTt t'&vov 'EmUf pyöivl (ttra&tionu t»Jc. &vciaq, 

c 



34 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cullus. 

3) Panionium zu Mykale, Her. I. 143; Athene Polias in Athen 
V. 72; Heräon zu Argos VI. 81 u. s. w. 

4) Vgl. die Rede des Delphiers bei Lucian Pkalar. II. 8: 
to d' Uqor xal 6 Hvd-ioq xal to xgtjOzijQiov xal oi {rvovtfq xal ol tvot- 
ßovvr«;, ravra AtXy&v xä ntdia, iav&* y ngoqodoq, lmv&*v y fwzogt«, 
IvTtv&tv al %go<pul X. T. X, 

5) Primus in orbe deos feeit timor, Stat. Theb. III. 661; Tgl. 
Herder Ideen z. Gesch. d. Menschh. I, S. 275; G. Hermann über 
Wesen u. B eh an dl. d. Mythol. S. 30; Chr. G. König Opuscc. lat. 
ed. Oertel, Mis. 1834. 8, p. 175 u. s. w. 

6) Wachsmuth II, S. 540 nnterscheidet ivaißna^ wenn es be- 
kannten und namhaften, detatSa^ovCu, wenn es der Macht und dem 
Einflüsse unbekannter höherer Wesen überhaupt galt; so richtig es 
aber auch ist,' das 8 die Begriffe &*6q und dai/iwv, die bei Homer 
noch ziemlich identisch sind, frühzeitig in getrennten Sphären aus 
einander gehen (Nitzsch z. Odyss. I, S. 89; Schreiter in lügen s 
Zeitscbr. f. histor. Theol. 1836, VI. 1, S. 40 fgg.; Nägelsbach 
homer. Theol. S. 67; Krische Forschungen z. alten Philo«. I, S. 322; 
Eckermann Heiig. Gesch. I, S. 352), so bemerkt doch schon Böttiger 
Kunstmythol. I, S. 100, -wie dttatdaipwv noch bei Xenophon (Cyrop. 
III. 3. 58; Agesil. XI. 8) und Aristoteles (Politic. V. 9. 15) in 
der guten Bedeutung von &(ootßtjq gebraucht ist. Erst bei Theo- 
phrast (Char. XVI) und den Stoikern (Antipater von Tarsus, Athen. 
VIII, p. 346) gelangt dnoirdatfiovla allmälig zu dem schlechten Sinne, 
in welchem es bei Plutarch u. A. als das andere Extrem der d&toxijq 
gebrandmarkt ist; ja noch im G. I. n. 2737 entspricht es wörtlich 
dem lateinischen religio ; und wenn Porphyrius bei Euseb. praep. 
evang. X. 2 Recht hat: Kcuxtitoq 61 oXov dqüpa *£ «V>W "? riXoq 
*Avriq>uvovq rov Oloivtarijv /ifraygatftui> q>rjai Mhavdgov flq rov duoi- 
cT«t>ov«, woran wir keinen Grund haben mit Cobet ad Plat. com. 
reliqu. p. 78 zu zweifeln, so dürfte auch darin ein Beweis liegen, 
dass der Begriff des späteren diiaidai^cav früher andere Ausdrücke 
hatte. 

7) Vergl. die von mir in Aclt. soc. graecae Lips. I, p. 6 fgg. 
gesammelten Stellen, vor allen Stasi aus in Plat. Euthyphr, p. 12 B: 
ha yd(j dhq, IvOu xal aldwq. Unterscheidungen, wie Varro bei 
Augustin. civ. det VI. 9 religio sunt a superstitioso ea distinetione 
diseernit, ut a superstitioso dieat timeri deos, a religioso autem 
tantum vereri ut parentes, sind der älteren Gräcität eben so fremd 
wie der Latinität die des Nigidius Figulns bei Gell. IV. 9 : reli- 
g entern esse oportet, religio sum nefas. 

8) Vgl. Voss mythol. Br. I, S. 144 fgg. ; Nägelsbach homer. Theol. 
S. 16 fgg.; Constant III, p. 326 fgg.; Eckermann I, S. 357 fgg. 

9) So Pindar nach seinem Biographen : xartoxet, rdq Qrjßaq nXij- 
oio* rov Uqov rr^q fiyrgtq rwv &wv 'Pia? rqv olxiav *£&)*, irlpa dh 
rrjv &tov opodpee, und andere Beispiele bei Lobeck Agl. p. 1333 fgg.; 
auch Plaut. Bacch. II. 1. 3: saluto te vicine Apollo, qui aedibus 
propinquus nostris aeeolis, vener orque te u. s. w. 

10) S. Lucian. Alex. c. 30 ; rd 6\ ntgl rovq &ioi>q ndvv voo(Zv 9 
xal tl novo* dXrjXwfUvov nov Xi&ov i) iorftpavwf*ivov &tuoa*ro f regoq- 
nlm<ov iv&i>q xal ngoqxnviav xorl InmoXv nag tax wq xal «'/o/iero? xal 
Tuyu&u tiuq avrov alrwy, mit der Note von Jacob p, 60; auch 
Arnob. I. 39 u. s. w. 



§. 8. Erweiterte Wirkungen des Cultus. 35 

11) Athen« VIII. 65 t XQ°*°* dtpoglaafxtq xal rolq &toTq nqo&v- 
aavrtq ovxa /uO-ijxav avxotq *iq oV«ff*y, W i'xaoxoq yyovptvoq tjxhv 
rovq &tovq Inl rdq dnaQxdq xal rag onov&dq /«t* aldovq rijv ovtovotav 
motrjtan vgl. Theopomp bei Porphyr, de abstin. II. 16: to* dl 
KXiagxov (pavat, inixtXfTv xal anovdaiwq &vnv Iv %oVq nqoqrjnovai ZQ°~ 
voiq , . . xav lyiavxov d\ &vaiaq SrjiAoriXtXq 7io*tto&ai 9 naqaXflnwra 

OVÖtfilUtV (OQTtjV x. t. X, 

12) Wie wenn der Kranke den Asklepiui, der Liebende die 
Aphrodite, der Kaufmann den Hermes, der Seefahrer den Poseidon 
anruft, und was die sonstigen bekannten Aemter oder rifial (Her. 
II. 53) der einzelnen Götter mehr sind, ygl. Oppian. Halieut. II. 17: 

aXXoq d' dXXotoiOw intovvfioq l'nXtxo dai/u.ü)v 
Vgyoiq^ otoiv ixaaroq iniaxonov rjQaro xifiyv: 

und mehr bei Valcken. ad Eurip. Hippol. p. 178 und Seidlei* ad 

Electr. 988. 

13) Aeschyl. Sept. 587; Eurip. Electr. 1353; Antipho de caede 
Herod. §.82; Xenoph. Cyrop. VIII. 1. 25; Hor.Od. III. 2. 26 u. s.w. 

14) J^fioriXf/ IfQrl, (lq u &i> fiara didwoiv y noXiq, dqfiorixa d>, elq 
« ot drjpoi, Hesych. I, p. 933, ygl. Herod. VI. 57 (&voku), Thuc. 
II. 15 (ioQTal), Athen. XIII. 12 (onovdai), und mehr bei Böckh 
Staat sh. I, S. 228 und Buttmann ad Dem. Mid. c. 15. Zunächst 
passt dieser Ausdruck allerdings anf die ältesten nnd einfachsten 
eigentlichen Stammculte , wesshalb z.B. Porphyr, de abstin. II. 18: 
d»a rovro xal roVq xtgaploiq dyytioiq xal roVq IvUvoiq xal rolq nXtxrotq 
ffowiro, xal fiüXXov ngoq rdq drjportXtVq Ugonottaq, xotovroiq x a h >llv 
mntwpÄvoi to &(tov: sein wahrer Gegensatz aber ist gegen die idtot- 
Ttx«, wie C. I. n. 2656 , und dass ihm Pracht keineswegs fremd 
war, zeigt das. n. 3493: xal rdq SrjfAorfXttq &vataq xal ioQxdq d<p&6- 
*w? xal dvvTi*i)ßXjp;(aq imnXiaavra Iv rij nawqyvQt* x. t. X. 

15) Hekatomben und sonstige Opfer, insbes. auch xvttjdv dyvtdq 
(vgl. d. Erkl. zu Aristoph. Equ. 1317 n. Av. 1213), Zehnten von 
Kriegsbeuten nnd Confiscationen (vgl. Böckh Staatsh. I, S. 352 nnd 
Meier bon. dam na t. p.215), Strafgelder (Krenser Priesterst. S. 202), 
'Weihgeschenke u. s. w. , s. im Altg. Pla.t. Alcib. II, p. 148 E: oX 
nXiioruq fi\v &vaiaq xal xaXXlaraq r&v 'EXXtjvmv uyofifv, äva&jjpaol re 
xtxoofutjxaßur rd Ugd avx&v <oq ovdheq uXXot, no/ntuq re noXvreXeardraq 
xal Oipvoxdxaq itiwQovfitd-a rolq &*olq uv fxaaxov l'xoq, nal ixtXovfuv 
XQypaxa oaa oi'd* ol uXXot Zvunayxiq "EXXrjviq. 

16) Vgl. Tittmann griech. Staatsv. S. 162 nnd ein merkwürdiges 
Beispiel von Verfügung des Staats über Tempelgut G. Inscr. II, 
p. 1091: tdolt tu ßovXa xal xui ddfiu . . . vntQ rdq Iqtödov aq Inoiijaaxo 
Ttßio&toq . . . a£*<uv «i'tw doß-tjfitv h> tw Uqüj rov *AnbXXtovoq xonov (oqxe 
*aov ^AyqodLxaq olxoöofiijaai, . . . dtdoo&at wurdt xa&dntQ alrtZxat, x. r. X. 

§• 9- 
Ausserdem war und blieb der sittliche Charakter der 
Religion fortwährend für den Staat nnd seine Bürger ein 
erwünschtes Mittel, nm durch sie und die Furcht, aus 
welcher sie hervorgegangen war, den bürgerlichen Satzun- 
gen und Vereinbarungen einen grösseren Gehorsam zu 

C2 



36 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

sichern, und vieles, was zum Bestehen der Gesellschaft 
nöthig oder dienlich schien, gewisser und nachhaltiger 
zu erreichen, als solches den rechtlichen Formen allein 
in jener Zeit noch möglich gewesen seyn würde 1 ). Denn 
so deutlich sich auch schon mit dem Eintritte Griechen- 
lands in die geschichtliche Zeit die Rechtsidee und der 
damit verknüpfte Begriff der Freiheit zu entwickeln an- 
fängt, so ward dieselbe doch erst spät und in mancher 
Hinsicht nie so stark, dass sie der Mitwirkung der Sitte 
zu ihrer Gewähr entbehren konnte} und wie noch Jahr- 
hunderte lang auch in bürgerlicher Hinsicht das unge- 
schriebene Herkommen als höchstes Recht galt, so er- 
sezten oft noch länger die gottesdienstlichen Gebräuche, 
in welchen der kindliche Sinn der ältesten Menschheit den 
Ausdruck seines weltlichen und geselligen Bedürfnisses 
niedergelegt hatte, den Mangel juristischer, polizeilicher, 
ja finanzieller und staatswirthschaftücher Veranstaltungen 
für gemeinnützige Zwecke, oder erlaubten selbst später 
noch die Einkleidung und Anknüpfung solcher Maass- 
regeln an ihre Formen, um in Ermangelung sonstiger 
Zwangsmittel der Selbstauflösung der Freiheit einen Damm 
entgegenzusetzen. Wie das Recht und dessen Hand- 
habung selbst als ein Ausfluss göttlicher Weltregierung 
aufgefasst, wie die ersten Regungen völkerrechtlicher 
Begriffe unter den Schutz der Religion gestellt und von 
dieser mit der Heiligkeit ihrer Formen umkleidet wur- 
den, ist bereits in den Staatsalterthümern weiter ausge- 
führt 2 ) ; derselbe Schutz erstreckt sich aber auch bis in 
die geringfügigsten Einzelheiten des inneren Volkslebens 
herab, und verbürgt auch hier Handlungen und Pflichten, 
deren Noth wendigkeit der Mensch fühlt, ohne sich ihrer 
noch unter angemessener Form bewusst zu werden. 
Nicht bloss Nachbarstaaten und verwandte Stämme zu 
Eintracht und wechselseitigem Verkehre zu verbinden, 
sondern auch die Bürger desselben Staats im Andenken 
an den gemeinschaftlichen Ursprung zu erhalten und per- 
sönliche Bande der Freundschaft oder Verschwägerung 
unter ihnen zu knüpfen, ward als Hauptzweck der got- 



§. 9. Der Cultus als Stütze des bürgert. Rechts. 37 

tesdienstlichen Feste betrachtet 3 ) ; nicht nur Frieden- 
schlüsse und Verträge ganzer Völker, sondern auch pri- 
yatrechtliche Acte jeder Art wurden vor dem Angesichte 
der Gottheit vollzogen und bekräftigt 4 ) , Urkunden und 
Gelder im Tempel niedergelegt 5 ), und die rechtliche 
Gewähr durch Opfer und Eid verstärkt 6 ) ; und wie sich 
schon in dem uralten Gebrauche des Hundetodtschlags in 
Argos zur heissen Sommerzeit neben der natursymboli- 
schen Bedeutung des Mythus die gesundheitspolizeiliche 
der Sitte nicht verkennen lässt 7 ) , so räth noch Aristo- 
teles die Sanitätsmaassregel der täglichen Bewegung für 
Schwangere durch eine gottesdienstliche Einladung zu 
heiligen 8 ). Auch Frevel zu verhüten begnügte sich der 
griechische Staat nicht mit der Furcht vor menschlicher 
Strafe allein, sondern nahm auch den göttlichen Arm 
dafür durch Verwünschungen in Anspruch 9 ) : selbst Aus- 
fuhrverbote u.dgl. schützen sich durch Androhung gött- 
licher Rache 10 ) ; und wie noch das kaiserliche Rom die 
Verunreinigung öffentlicher Plätze durch dieses Mittel zu 
verhüten nicht verschmähete * l ) , so gehen in zahlreichen 
Inschriften späterer Zeit Geldbussen und Flüche für den 
Verletzer von Gräbern und heiligen Orten neben einan- 
der 12 ). Anderes wird bei den einzelnen Gebräuchen 
seinen Platz finden $ besondere- Erwähnung verdient aber 
liier noch die Anwendung, welche der griechische Staat 
von der Heiligkeit der Tempel zum Schutze seiner eige- 
nen Ersparnisse machte, indem er sie der Gottheit weihte, 
um sie für den Fall des Bedürfnisses wieder von ihr zu 
entlehnen 13 ) , was er freilich um so mehr konnte , als 
bei dem Bestehen des Gemeinwesens, das ihren Gultus 
erhielt, die Gottheit eben so sehr als dieses selbst be- 
theiligt erschien 14 ). 

1) R. O. Müller in G. G. A. 1823, S. 466 : "das bloss prak- 
tische und auf den Nutzen gerichtete . Thun wird hier dergestalt 
von Gefühlen durchdrungen und erfüllt, dass es selbst eiü ideelles 
Leben wird"; vgl. Jacobs verm. Sehr. III, S. 352; C. H. Parry de 
Graeearum atque Romannruin religionum ad mores formandos vi, 
Gott. 1799. 4; Zell über das Sittliche in der griechischen Volks- 
religion, in s. Ferienschriften I, S. 177—206; C. v.d. Plög de vete- 



38 27*./. Allgemeine Geschichte des Cullus. 

rum Graecorum prudeatia in definienda neeettsitndin«. civitntem inter 
et cultum divinum, Groningae 1844. 8. 

2) St. A. §. 10 und 55; vgl. auch §. 100 wegen des Einflusses 
gottesdienstlicher Gebräuche auf die statistische Gliederung des 
Staats und die Controle der bürgerlichen Berechtigung; und dass 
dieses nicht bloss für Attika gilt, Cramers Anecdd. Oxon. T. IV, 
p. 320 : Toi,yu(joxtv ol Sixvwvioi xaxd q>i)Xdg tavzovg %d£avrtg xul 
uQi&fiijoavTtq Jioq 2froj£adfo? Uqov Iöqvouvto. 

3) Plat. Legg. V, p. 738 I): onwg «v tvXXoyot Sxdatwp tuv fitQÜJv 
xard xQavovq y*yv6/*tvot~ tovg JiQoqxux&hxaq (ig re vag ££ttag ixuoxag 
tvjudgftav 7i ctycua um d^axji xul qnXoq>Qovwvxai rt dXXrjXovg fiixd &V(Jtwv 
xal oixfMvrai xal yvtoql^tajiv , ov /**t£ov ovälv noXn dya&ov rj yvkiqißovq 
uvxovq avxolq tlvan vgl. Isoer. Paneg. §.43 und Str. IX, p. 642; 
auch Aristot. eth. Nie. VIII. 9. 6 : ndoat, day q>aivovrat, ul xoivcoviat 
ftoQia rrjq noXtxixtjg f**a»' dxoXov&tjOovoi 6\ ul rotavrau quXia* tolq 
xoiavraiq xoivowtaiq. 

4) Vgl. Demosth. pro Phorm. §.15, Isoer. Trapez. §.19, und 
die merkwürdige Stelle Aristot. Politic. VI. 5. 4 : hiqa d* dqx^ 
ngoq rjv dvaygugxad-at, 6tV va v i'dta ovftßoXaia xal ruq xqiotiq trc ix 
t&v dmaoTTjqiw naqd di totg uvxolq rovxotg xal tag yqaq>dg t£v 
Sixwv ylvto&at, d(V xal vag ilgaywyug' xaXovvxat dfc Uqofivrjfitovtg xal 
imOTUTa* xal fivqftovtg xal xovxotq äXXa ovo/mra avviyyvg, 

5) Beispiele von Urkunden s. C. I. n. 931 und ausser dem atti- 
schen MijTQüiov (St. A. §. 127, n. 8.) Paus. I. 43. 4: Tßtoov w Mtya- 
Qttg 2g yqaftftuxtov yvXuxqv (/qwvto Iti ifiov, Gelder Cic. Legg« 
II. 16 und mehr bei Graev* ad Attic. V. 21; insbesondere im ephe- 
sischen Tempel; s. Dio Chrysost. XXXI, p. 327 und Guhl Ephesiaca, 
Berl. 1843. 8, p. 111 mit der Aeusserung von Buchholtz : "dieser 
Tempel war also, was die Bank zu London in unsern Tagen ist.*' 

6) Ueber die Häufigkeit des Eids im früheren Alter thume 8. 
Plat. Legg. XII , p. 948 von Rhadamanthys : *o»xe öi} dixuoxfi fi\v 
€iv&QOJ7iü)v ovdevl diavooiiptvog ö*eZv (TiixQfTUiv, &(oVq di, o&iv dnXuZ xal 
raxtZat dlxct* iylypovxo ccuW* ö**doi>q ydq ntql ixdora>* vAv dftgtoßy- 
tovfUvav oqxov / roZg äfiq>t,oßyTovoiv dntjXdxxfxo maxv xul doq>uX<ag : 
wesshalb auch Clem. Afex. Stromatt. I, p. 306 von Chiron: tq>* ov 
xal 6 xijv vtTUvofiaxiav yqdrpug yqolv, <og nqwxog iig tc d*x<no<Ji/yjyy 
&YTJT&V yhoq qyayf, dtzfaq oqhov xal &voiaq Uqdg. Doch auch später 
fortwährend; vgl. Theophrast. bei Slob. Senn. XLIV, p. 202: xt- 
Xtvovoi, ydg, luv fi\v rtg olxtav tcqItjtui, &vuy inl rov *AnoXX(avog vov 
"ßmxotfiaiov $ t<* v di^M^*oy, inl vtjq xdifir]q % jj avvog olxrf, xal o/Mtvet» 
ivurrlot rrjq dfjxyq iyyQcupovoqq xal xta^tjx&v TQtiJjv, q firjv (ovtta&at. 
dixaioiq x, t. X. 

7) K*>vo<r>wTiq, Athen. III. 56; vgl. Paus. I. 43. 7, Aeliah U. A. 
XU. 34, und mehr bei Schwenck etym. myth. Andcut. S. 42, Müller 
Dor. I, S. 346, Preller Demeter S. 257, Welcker kl. Sehr. I, S.16; 
v. Lasaulx vor dem Würzburger Lcct. Kat. 1842 — 43. 

8) Politic. VII. 14. 9: xovxo d\ fyqdiov r$ vopo&ixy nontv nqoq- 
t«£«vt* xa&* yptQap vwd notfto&at, noQtlar nQoq &(wy dno&iQantlav 
%&v tlXijxöxwv tijv n*Ql tijg ytviotug Tturjv» Aehnlich fasst Piso bei 
Dionys. Hai. IV. 15 die Absicht des römischen Gesetzgebers bei der 
Abgabe von den Geborenen an die Lucina, von den Gestorbenen 
an die Libitina, und von den mit der Toga virilis bekleideten an 
die Juventus aus einem statistischen Gesichtspuncte auf. 



§. 9. Der Cultus als Stütze des bürgert. Rechts. 38 

9) Vgl. T.Lasauli vor dem Würzb. Lect.Rat. 1843, S. 13fgg.; 
insbes. die teische Inschrift C. I. n. 3044: o?t»s TtjIwv tv&vvu rj 
aiavpvTJry dmi&oitj rj Inavioxaixo aiovfivyry , unoXXvo&ui avzov xai 
yhoq xo xtlvov x. x. X. und dann weiter : o*W«c xipovxlovxtq xtjv Indqij* 
f*r} noujoeiuv inl övvupn, h xjj InuQij t/tod-ou; auch n. 3059 : o di 
nnaq ?} ngytaq t* nuQu rovxov xov vo/aov y /*» noiTjauq xi x&v nQoqn- 
xaypfo&v iv rm vop(o itoiXyq htj xavxoq xai yhoq xo Ixtlrots, und die 
Inschrift von Gambreum n. 3562: xov 61 yvvaixovo/iov xov vno xov 
drjuov vuQovfifvor tritti/foS-a* xolq fftfihovot xai xalq nti&oplvuiq rüde 
tw vbftia iv tlvai xai xäv V7ittQ%6irt(üv dya&wv ovqotv, xoVq d\ py »#*- 
&o (thron; nyfo xaVq ipfttvovovuq xdvavxla «. r. X, 

10) Plut. V. Solon. c. 24 t xaxd x&v Hayovxuv tlqriq xov «g£orr« 
-xokXv nqoqkxa\iv jj ixxiv*t>v avxov ixaxov dqaxpdq tlq xo äq/iootov, 

11) Jahn ad Pers. p. 110. 

12) C. I. n. 2824 s idv dt rtc naqd xd ötaxtxayfifva extqov xtva 
&a*pfl, Vaxta inuyaxoq xai nQoqanoxtfuxv xm itQMxmip xttftitim drpaQM 
nbx'ti vgl. n. 2664. 2826. 3890 fgg. 4000. 4303, und was andere 
heilige Orte betrifft, n. 1926 und 2643. 

13) C. 1. n. 76 t uno&otryai xoiq &ioTq xd xQVf tartt T " oytilofuvai 
Tgl. Thuc. II. 13 t St* d* xai Ix x&v äkXwv Ugmv itQoqtxl&tt XQW axa 
ovx oXiya 9 otq yQ^ata&ai avxovq 9 xai r/v ndrv ^tlQyotvxai ndvxwv, xai 
xfjq &tov xoVq n t q ix ttfthoiq xgvoioiqt und eben so für Lacedämon I. 
121 : vavxtxov xt dno xrjq vnaQXovoyq xt txdaxoiq ovoiaq HaQxvaöfii&a y 
xai dno x&v iv JiXyotq xai *OXvf*nUt xQypdxwv; auch in Ephcsus 
C. I. n. 2953b u. s. w. 

14) Aesch. Sept. v. 77: noXiq ydq tv ngdaaovaa dalfiovaq t/**, wo 
SUnley auch Aristot. Rhetor. II. 17. 6 vergleicht t tv d* dxoXov&ti 
ßtXxioxov jj&oq xfj «/rt//»a, ort tpiXod-toi tlüt, xai t/ovoi nqoq xo &tfov 
**»c mottvovxtq d*a xd yiyvofitva dya&d dno xrjq xvxyq. 



§ *o. 

Endlich aber konnte auch der entwickelte Rechtszn- 
stand des griechischen Volkes nicht umhin, in dem Cul- 
tus und seinen Gegenständen integrirende Theile des Ge- 
meinwesens selbst zu erblicken, deren hergebrachten 
und wohlbegründeten Ansprüchen er jedenfalls dieselbe 
Gewähr wie seinen übrigen sittlichen Grundlagen schuldig 
war *); und wenn also auch in der Sphäre des bürger- 
liehen Lebens die Gewalt des Herkommens und die Scheu 
vor dem Heiligen allmälig hinter der selbstgefälligen Auf- 
klärung der Zeit verschwand, so trat jene rechtliche Rück- 
sicht nur um so mehr in den Vordergrund und hielt da- 
durch wenigstens die Aeusserlichkeiten des Cultus noch 
weit länger aufrecht, als der Geist, welchem derselbe 
seine Entstehung verdankte, fortwährte. Freilich ging 



40 77t. I. Allgemeine Geschickte des Cultus. 

daraus mitunter eine höchst mechanische Auffassung her- 
vor 5 wenn aber die Philosophie selbst Frömmigkeit und 
Gottesfurcht als Gerechtigkeit gegen die Götter definirt 2 ), 
so kann es nicht auffallen, auch im Volke die Opfer 
und sonstigen gottesdienstlichen Gebräuche nur als eine 
schuldige Leistung betrachtet zu sehen , auf welche die 
Gottheit ein Zwangsrecht hat, und die ihr nicht vorent- 
halten werden darf, ohne auch für andere Kreise der 
Gesellschaft das gefährliche Beispiel einer Rechtsverletzung 
zu geben 5 ) ; und so geht dann durch alle Zweige des 
Cultus die Analogie des ooiov oder göttlichen Rechtes 
mit dem Mxcuov oder menschlichen 4 ) und des hgov oder 
göttlichen E igen th ums mit dem Uiov und dfjftoatov durch 5 ), 
' auf deren Achtung zugleich der ganze Begriff der evoi- 
ßeta und ihres Gegen theils beruht 6 ). Die persönliche Ehre 
der Gottheit kommt dabei eben so wenig in Betracht, als 
die der einzelnen Bürger im Staate hochgeschäzt wird, 
und was diese sich gefallen lassen müssen, lässt er un- 
bedenklich auch über jene ergehen $ daher z. B. die un- 
gestrafte Verspottung göttlicher Personen auf der attischen 
Bühne, die das Rechtsprincip um so weniger yerlezte, 
als sie nicht nur der äussern Verehrung derselben keinen 
Abtrag (hat, sondern selbst auf dem Boden eines aner- 
kannten Cultus ruhete 7 ) ; nur wer einen solchen beein- 
trächtigte, war gottlos*, aocßyg, und ward als solcher 
verfolgt 8 ), ja selbst der Gottesläugner, a&sog, nur dess- 
halb, weil seine Grundsätze in. ihrer Consequenz den 
Cultus als unnöthig erscheinen liessen. Auch kam es 
dabei gar nicht darauf an, ob jemand überhaupt keine 
Götter glaubte , sobald er nur denjenigen die Verehrung 
entzog oder bestritt, welche der Staat, gesetzlich aner- 
kannte und stüzte 9 ) ; hus diesem Gesichtspuncte flössen 
daher Unglaube und, Aberglaube oder Ausübung solcher 
Culte, welche nicht öffentlich geduldet waren, in ein- 
ander, und es konnte der Fall vorkommen, dass derselbe 
Cultus als Gottlosigkeit bestraft ward, den wenige Jahre 
nachher der Staat annahm und seinen Bürgern erlaubte 10 ). 
Denn auch hier findet die Analogie mit dem bürgerlichen 



§. 10, Rechtliches Verhältnis* des Cullus selbst. 41 

Rechte Platz: die Verehrung fremder Götter entspricht 
der Einschwärzung eines Fremden in das Bürgerthum, 
und nur in solchen Zeiten , wo auch diese durch Schlaff- 
heit und Nachsicht der Behörden möglich ward, erfuhr 
auch jene stillschweigende Duldung n ); aber erst wo 
der Staat selbst nach dem nämlichen Rechte, mit welchem 
er Ausländern das Bürgerrecht ertheilen oder Beisassen* 
schütz gewähren konnte, einen fremden Gottesdienst auf 
gesetzlichem Wege adoptirte, trat dieser in gleiche Reihe 
mit den heimischen 12 ) ; und auch dafür hat das Alter* 
thum schon die Parallele gezogen, dass dieselben Staa- 
ten, welche in ersterer Hinsicht zu Bewilligungen ge- 
neigt waren, auch von lezterem Rechte den ausgedehn- 
testen Gebrauch gemacht haben 13 ). Was dagegen als 
Gultus irgendwie zugelassen und eingebürgert war,' genoss 
des öffentlichen Schutzes in dem Maasse, dass auch die 
geringste Verletzung mit den härtesten Strafen geahndet 
ward 14 )} und namentlich stand alles bewegliche und 
unbewegliche Eigenthum sammt den Personen des Gultus 
unter der Bürgschaft des Staats $ auch das bekannte Asyl- 
recht der griechischen Tempel ist nur ein kleiner Theil 
der allgemeinen Unverletzlichkeit, die jeden Gegenstand 
begriff, welcher in irgend eine Berührung mit heiligem 
Boden trat 15 ) ; und wenn dieses Recht später bestimmten 
Orten vor anderen beigelegt ward, so beruhete dieses 
nur auf der allgemeineren Anerkennung, welche deren 

Heiligkeit auch in einem weiteren Kreise fand 16 ). 

• 

1) Eurip. Hecub. 800: vof*(o yag vovq &iovg qyovfie&a, d. h, 
voftitofitv, vgl. Hermann ad'Aristoph. Nubb. v. 818; was keineswegs 
so beschrankt aufgefasst werden darf, wie bei Eckermann Relig. 
Gesch. I, S. 54: "vo/iifav &*ovg heisst die Götter nach den heiligen 
durch Gewohnheit und Satzungen festgestellten Gebräuchen vereh- 
ren, aber nicht, wenigstens in der alten guten Zeit, glauben, 
dass Götter «)* sind.'* Allerdings ist voftiZew nicht s. t. a. mo%tvnvi 
wohl aber gehören die Götter selbst eben sowohl wie ihr Cultus 
zu den voft£o/ievoiq oder vofiiofiaoi, , quae eommuni omnium consensu 
reeepta sunt} und dem steht auch der Herodo tische Sprachgebrauch 
voni^Hv y 'yi(j(V 0QTtji> u. dgl. nicht im Wege. 

2) Cic. N. D. I. 42: est enim pietas justitia adver sum de**; 
▼gl. Plat. Protag. p. 331 fgg. und die Zusammenstellung Republ. 
I, p. 331 B: 6q>ittorta rj &t$ &uoktq w«? 7 uv&Qwntü x<iif t,axa ' *uch 



42 Th. I. Allgemeine Geschichte dt & Cultus* 

die Redensart dno&vnv d. h. Ovoiav unodovvai bei Poll. I. 27» 
Athen. VII. 39 a. s. w. 

3) Diodor. Sic. Exe. Vat. VII. 4: or* rovq pr} dtuqtvXuxxovxaq 
vijv Ttgoq to &iZor cvotßtuxv noXv fiaXXov pi} rrmtZv rd nqoq rovq aV- 
&Qwnovg «total«: Tgl. Plutarch adv. Golot. c. 31 : noXiq avpm doxrf 
fiäXXov iöuq>ovq yaglg *y noXirtia rrjq ntql &tüv dotyq vg>u*Qi&tiqyq 
ovoraoiv XaßtPv rj Xaßovaa rrjqrjaat x. t. X. 

4) Plat. Gorg. p. 507 B : xal /*jyr ikiqI fikv rovq difO-qtahovq rat 
nf>oqyxovr äv ngarrnv dixat* uv ngdxxQi , iUqI di rovq -frio*? . oom i 
vgl. Böttiger Kunstray th. *1I, S. 107 und über den von diesem richtig 
erklärten Unterschied von ^ov and ooiov mehr bei Dorv. act Cbar. 
pv267, Valck, ad Ammon. III. 6, p. 184 , Sluiter leett. Andoc. 
p, 272, Bergroan ad Isoer. Areop. p. 170, Wachsmuih H. ^. 11, 
S. 3 u.s.w. "Qoiov ist alles was nach göttlichem Rechte erlaubt 
Ist, folglich in die Sphäre des göttlichen Eigeathums nicht 'über- 
greift, und in sofern kann es als profanum, ßißrjXov (Sc hol. Aristo^h* 
Lysistr. v. 743) selbst dem U^ov entgegengesezt werden ? wie. z. B, " 
Demosth. Timocr. §. 120: rd fikv «p«, rdq dtxaraq rrjq öeov, xäi rdq 
mvrrjxooxdq xibv UXXmv &tuv oeovXijxoxeq xui dvrl rov untodeivvcu änrol 
*/oitk, tö d* off*«, u lylyvtxo vphfQa, xfxXog>6xtq 9 wo es Harpokrat. 
p. 220 richtig durch drjpoota erklärt. 

5) Plat. Republ. I, p. 344 A: xal Uqd xal ooia xal Wm xal 
dypooia) wo die beiden lezten Begriffe als Arten des* oo*w mit die- 
sem dem U(jov entgegen treten; vgl. auch Legg. VII, p. 800 A: 
naqd xd djjnootu iiiXrj xal rd Uqu, und Her od. VIII. 109: t« re 
Ugd xal rd i'duc fr opaia inoUtto. 

6) Plat. Euthyphr. p. 12 E: xövto roiwv fyoiye doxe* to fUffoq 
rov dtxuiov tivat ivöeßiq rt xal ooiot, to ntql rrjv rwv &iojv fagamiav, 
ro d£ ntql ryv rwv uv&Qwntov tlvat to Xoinor rov dixulov fityoq: vgl. 
üiog. L. VII. 119 und Sext. Empir. adv. Mathem. IX. 123: Iöt* 
yaQ ivoißtia fatoxy/ij] &iwv d-eganilag x. x. X. 

7) Vgl. Böttiger Aristephanes impunitus deornm gentilium irri- 
sor, Guben 1790. 8 und in s. Opuscc. lat. ed. Sillig p. 64 fgg'.; 
Constant de la religion IV, p. 460 — 472; Wachsmuth l, S* 615; 
Röscher Küo I, S. 226; und ro. Bemerk, in Allg. Schulz. 1832, 
S. 809 fg. 

8) ^Aotßtlaq yQu<prj, vgl. Heffter athen. Gerichtsverf. S. 147; 
Meier und Schömann att. Process S. 300 fgg. ; Platner Process und 
Klagen II, S. 138 fgg. 

9) Xenoph. M. S. I. 1: ovq fihv 17 noXeq vofil^n ov vofilfav, ertga 
di xaivd öatfiovut (isyiQQrvi vgl. Diog. L. VII. 119: Strrov that rov 
a&iov, xov xt huvrUtq r£ &iitp Xtyöuivov xal rov itovd-tvtjiixvv rov 
&fiov, und mehr bei Sturz in Becks comm. soc. philo!. Lips. II, 
p. 65— 72; Tittmanu griech. Staatsv. S. 27 ; Wachsmuth II, S. 211 
u. 466; Meier in Hall. Encykl. Sect. 1, B. 24, S. 446 fgg.; NiUseh 
in Kieler philol. Stad. S. 449. 

10) Phot. Lex. p. 268 : iXO-wv xiq elq rrjv *Axxixijv i/tvn rdq ya- 
ratxuq xfj prjTQl r&v S-ttöv,' ol di *AB^vaXou dnUxtwav avxov tpßdX- 
iovxfq tlq ßuga&Qov Inl xtq>*Xrjv' Xo^/iov di ytvo/iivov XXaßov XQV a **°* 
IXdaaüd-at rw ne^ovtvfihov x. r. X. , vgl. Bergk com. Att. reliqu. 
p. 109 fgg. und Lobeck Agl. p. 664 , dessen Zweifel , ob in Grie- 
chenland überhaupt fremde Guite verboten gewesen , durch die vom 



§. iOi Rechtliches Verhältnis* des Cultus selbst. 43 

ihm gelbst angeifchrten Stelle» Desnosth. F. L. §. #81 , • «nt. V. 
Demosth. «.14, loseph. c. Apion« II. 37 hinlänglich beseitigt wird. 

11) In der Zeit der athenischen Demokratie, wo die Verdäch- 
tigung der Ztvia *n der Tagesordnung war (Elmsl. ad Aristo ph. 
Acharn. 518; Meier bon. danin. p. 62; Döderlein philol. Beitr. aus 
d. Schweiz S. 39), finden wir auch Adonien (Aristoph. Lysistr. 390), 
Sabazieu (Cicl Le^g. 1 IL 250 , Kotyttien (Juven. II. 01), die Butf- 
mann Mythol. II, S. 159 fgg. wohl zu spitzfindig verwirft; Tgl. 
Lobeck Agl. p. 027 und 1007 fgg. 

12) ^Enid-^xov toQTal, Harpocr. p. 115: rag /u; nargiovq aX£ inirpTj- 
g>iO&tiaag ijfdhiTovQ IxuXowi vgl. Hesych. I, p. 1694: &tol S&ikoI 
xoq \4&qvaloiq .t*^w*t«*, worunter man keineswegs mit Lobeck Agl. 
p. 628 und JKeineke Com. gr. fragm. II, p. 881 die widerrechtlich 
eingedrungenen zu verstehen braucht; vgl. 'Hesych. II, p. 1499 : 
<P(Qed (4>fQaZa) 'A&fjVTjai, tinxq &ioq, deren öffentlicher Cult zu Athen 
durch Paus. II. 23. 5 bezeugt ist. Dass aber darauf das Fest der 
0to£ma sich bezogen habe (Casaub. ad Ath. IX, p. 372; Fabric. 
Bibl. antiqu. p. 358), ist ein alter Irrthum, den Creuzer III, S. 10 
und Wachsmuth II, S. 464 u. 487 um so weniger hätten wiederholen 
sohlen, als. dieses .Fest insbesondere dorischen Staaten eigen , war; 
richtiger Bockt* expl. Pind. p. 194 und Preller ad Polemon. p. 67: 
parabantttr kot feslo epulae t*crmc > quibus petuliaritet uteretUr i$ 
deus, cui tetnplum aliquod et oppidum sßcrum erat; sed atcubabuiU 
etiam alii dei, qui ab ülo tan quam invitabantur ejusque thoi. erant, 
unde Hcsyehitis : &to\huA xowrj toQzr niiöi roV<; JhoVqx vgl.' C' Ins er. 
II, p. 1075 und mehr bei JLobeck Agl. p. Ü69 und Thierich, in AN**- 

d. Münchner Akad. 1834, S. 622. , , 

• « • / . . . • ,■'•.". ' /^ 

13) Str. X, p. 722: Id&yvaVo* ägntQ ngoq tu uXXa qitXplt^ovvTtq 
dtfrMot/r, otrtfo %al hetyl vvvq &tovq *. t. X; • ' ' ! " 

14) 'ItQoüvXlai vgfl. Xeuoph. M. S. I. 2. 62, Hellen. I. 7. 23, und 
ober die Strengt, womit dieses bis ins Kleinste gehandhabt wa*d, 
Isoer. adv. Lochit. §. 6 : oqüa d* v/iuq orav tov xajayvüJTt UgoavXiav 
% xXotitJv 6v ngoq to s ftfyf&oq <oV Sv Xdßwoi, tijv Ti/xTjöiv noiovfUvovq y 
uXX* oftotoq . anttVT(>h> &inrata* KaraywmOKOvvaq 9 mit den Beispielen 
bei Aelian. V. Hist. V. 17: tVrtg jtqwidw i$Uoxp(v # < HQtaov % änfytH- 
vav avrov, uXXd xul Axaqßtjv , ot* 'AoxXtjtiiov tov Ugov otqov&oy 
dntxrttvt aoragac, ;od«r Dio Chrysost. XXXI, p.336: uXX? idv f*\* 
Öoqutiov il*Xy %tq ix wjq *f*£o? V xguvovq dno$qrj£y tov Xog>oy t jf 
dqpooia) tovtov tv&vq nagadwatre xal ttjv olvttJv VTtofitviV, rtpotoiav 
loiq UgoovXoiqi auch Paus. IL 28. 3 und C. Ihaer. II, p. 1103: 
vopou; ydg UqoZq xal dgaVq xal iTtirijiotq <xvto&*v d**x<x<eütfTo, Iv^^irf^flq 
h tw Ugd> fLfjTt Ivykfirj .prjTe ivavXoaxaTjj iatjts otiuqtj ftrjTi ivX*vfl x..t. X, 

15) *AovXLu, vgl. St. A. §. 10, n. 6 mit d. Nachträgen; auch 
Böttiger Kunstmythof.'II, S. llV; A. *Bach über die Beschaffenheit 
und den verschied eaartigen Zweck der von den ältesten Völkern bis 
in die Zeiten des Christenthums bestandenen Asyle, Breslau 1826. 4; 
Tophoff de tutela, quam Graecorum loca sacra et hominibus et rebus 
praestiterunt, Päd erb. 1839. 4; Limburg- Broti wer VIII, p. 319 fgg.; 
Wachsmuth H. A« II, S. 143; und wegen des ahnlichen Rechts der <£ 
Altäre Vissering quaestt. Plaut, jurid. Amsterd. 1842. 8, p. 50. 

16) So ist zu bestimmen, was Kreuser hell. Priesterstaat S. 147 
«agt: ^«obgleich gewöhnlich angenommen wird, dass jeder Tempel 



44 Th. L Allgemeine Geschickte des Cultus. 

und Altar schützen können, so scheinen mir doeh nur die ältesten 
Heiligthümer dieses Schutzrecht gehabt zu haben"; Tgl. Polyb. IV. 

74: 01'* «t* ntql rov ndXw dvuxTTjoaod-tn nagu tmv 'EXXrjvatv Typ 
naXatdv xal ndxqiov dovXiav im/iiXiiuv lor/ovs Paus» HI. 5. 6; Ttyfära» 
S\ avrov ttjq *A{hjvaq Ixkrijv idi£avro rrjq *AXiaq 9 , jy? dl äya %6 Uqov 
rovro tx naXaiov IJtXojiovvyaloiq naaw aldiaifiof xul toZq avro&i Ixt- 
Ttvovow doyaXtiav ftaXiaru nuyeixnoi C. I. n. 3137: d&iiaoaq dno- 
dtlaod-at, to t* IfQov rijq SrQarovMidoq 'jivQodiryq . äovXov tivat xal 
vrjv noXiv y/uär Uquv xal uovXov. Insbesondere handelte es sich in 
späterer Zeit um die Anerkennung durch die Römer (Tac. Ann. III. 
60, IV. 14, und mehr bei Krause Civit. neocorae* Hai. 1844. 8, 
p. 87 fgg.) und um die Ausdehnung des heiligen Raumes selbst, 
IfQovq oQovq, iq? otJov rotq Ixrraiq dagxxXua, Poll. I. 10; Tgl. Str. 
XIV, p.950 und C. I ( n. 2737 u. 2919: %biQoq UgSt; davXoq Jiorvoov 
Bdx/ov* rov Ixkrijv fitj dStxflv /*i]d\ ddtxovptvov n((Jto(Juv' il di f*?j 7 
itaXtj tlvUt xal avrov xal %o yevoq avrov. 



Wie übrigens auch neben diesem Richtschütze die 
griechischen Staaten es fortwährend nicht an Maassregeln 
fehlen Hessen, um die Verehrung der Götter und deren 
Erfodernjsse direct zu überwachen und zu ordnen, zeigt 
insbesondere die zahlreiche Menge gottesdienstlicher Aem- 
ter und Titel, die mit der wachsenden Pracht und Man- 
nich faltigkeit des Cultus in beständigem Zunehmen be- 
griffen und nur zu verschieden nach Ort und Zeit ist, 
am eine vollständige Aufzählung möglich zu machen. 
Ursprünglich freilich scheint es neben den Priestern, 
welche den Cultus ihrer einzelnen Tempel leiteten, 
nur der oben bereits erwähnten Erben des alten Königs- 
titels bedurft zu . haben , um solchen »Opfern und Ge- 
bräuchen vorzustehen, welche aus dem Staatsvermögen 
selbst bestritten wurden, und hin und wieder begegnet 
uns diese Würde auch noch in späterer Zeit l ) ; in dem- 
selben Maasse aber, wie der Staat auch den Tempelcultus 
in den Bereich seiner Aufsicht und Theilnahme zu zie- 
hen anfing, reichte sie in der hergebrachten Begrenzung 
ihrer Thätigkeit dafür nicht aus, und wenn auch kleinere 
Städte, wo der Tempel wenige und die Gebräuche ein- 
* fach waren, sich mit den Priestern selbst begnügten, 
die, indem sie die Interessen ihrer Götter wahrnahmen, 
damit zugleich auch für den Staat zu sorgen schienen, 



§. 11. Staatsbeamte für den Cultus. 45 

so theilten sich doch in der grösseren Mehrzahl diese Ge- 
schäfte unter vielerlei eigene Beamte, die trotz ihrer 
Beziehung auf den Cultus doch eigentlich nicht zu den 
durch die unmittelbare Berührung mit der Gottheit und 
ihren Wohnungen geheiligten Personen gehörten , und 
desshalb besser hier als unten bei diesen ihre Stelle fin- 
den 2 ). Dahin gehört Tor Allem der IsQojiwrjfivw, der 
sich schon durch seinen Namen als gottesdienstlicher 
Beamter ankündigt 5 ), und so verschieden sich auch sein 
Amtskreis an den einzelnen Orten gestaltet haben mag 4 j, 
doch wo er vorkommt , als einer der wichtigsten Posten 
betrachtet werden darf, dem die allgemeine Sorge für die 
äusserlichen Voraussetzungen des Cultus oblag; ferner 
ImjueXijTai oder Curatoren für einzelne Culten, an wel- 
chen der Staat insbesondere betheiligt war 5 ) ; Tempel- 
baumeister 6 ) und Tempelwächter 7 ) für die Erhaltung 
der Gebäude und namentlich auch der Weihgeschenke, 
deren Controle einen wesentlichen Theil der Staatsauf- 
sicht ausmachte 8 ); zu ähnlichen Zwecken die Schatz- 
meister für die Einkünfte und Gelder der Tempel 9 ), und 
insbesondere die zahlreichen Isgonoioi 10 ) oder hgano- 
Aot ll ) , die trotz ihrer grossen Aehnlichkeit mit den 
Priestern doch vielmehr die Gemeinde, welche das Opfer 
brachte und das Fest bestritt , als wie jene den* Gott ver- 
treten zu haben scheinen 12 ). So begegnen sie uns we- 
nigstens auch in engeren Kreisen, wo mitunter nicht 
einmal an einen Tempel zu denken ist 15 ) , als eine Auf- 
sichtsbehörde über die gemeinschaftlichen Opfer u.s.w., 
die mitunter auch um ihres monatlichen Wechsels willen 
den Namen ini/uyvioi führt 14 ) ; und eben darauf deutet 
zugleich die Polizeigewalt , mit der sie hin und wieder 
für die Zwecke des öffentlichen Cultus bekleidet sind 15 ), 
so wie die Verwaltung der Tempeleinkünfte 16 ), bei deren 
angemessener Verwendung der Staat sowohl wie der Cultus 
betheiligt war. Insofern endlich das gottesdienstliche 
Bedürfniss auch durch unmittelbare Leistungen des Staats 
und seiner Bürger befriedigt ward , gehören auch die 
zahlreichen Liturgien hierher, in welchen Einzelne in 



46 Th. I. Allgemeine Geschickte des Cultus. 

gesetzlicher Reihefolge «der freiwillig die Bestreitung der 
Chöre festlicher Spiele und Gesandtschaften auf ihre 
Kosten übernahmen ; oder wo dieses . von Staatswegen 
selbst geschah , bedurfte es auch dazu mitunter eigener 
Beamten, worunter namentlich die athenischen ßowvai 
oder Käufer des Opferriehs als ein ansehnlicher Posten 
bekannt sind (St. A. §. 150, n. 2 fgg.). 

1) Aristot. Politic. VI. 5. 11 : *x°P* vr l 61 TaiWqq y ngoq Tuq 
Svolaq ä(p(0QiOfihy Tuq xowuq nuoaq, oquq f*q *otq Ugevatv unodidmotv 
o vof*oq 9 dXXd dno rijq xotvfjq taTlaq tyovoi Ttfv Tintjv" xaXovot dh ol 
fttv ugxovTaq rovrovq, ol dl ßaoiXttq, ol dl ngvrdvuq; Tgl. Xenoph. 
Rep, Lac. XV. 2: &vnv filv ßaatXfa ngo Ttjq noXtotq tu drjßooia 
unavra: und ausser den bereits St. A. §. 56, n. 9 erwähnten Fällen 
die Beispiele aus Samothrace (Liv. XLV. 5; G. Inscr. II, p. 180), 
Pergamum (Tay in<ovvfiov dito ßaoiXitav ngvravrfiuv av ix ykvioq dta~ 
d(£df*tv6q roZq Tuq a&Laq ßac/ioVq dvtXoyqot , G. I. n, 2189), AsSUS 
{■nurgtoq ßaOiXfvq xul icgtvq tov Jioq, C. I. n. 3569), Gyzikus (C. 1. 
n. 3663), Cbalcedon (C. I. n. 3794) u. s. w. 

2) Aristoteles: uXXo d' itdoq Int/uXtlaq tj ntgl rovq &iov$, otov 
UgtTq t« xul tntfifXyTui twv ntgl tu Ugd, tov owfco&u* t& vnugxovru 
xul dvog&ovod-a* t« ninrovra twv QlxodopypdTwv xal t&v aXX(ov 9 oau 
Ttraxra* ngoq Tovq 0-fovq' ovpßaivn dl tt}v inipiXttav tuvtijv Ivtaxov 
ftiv tlvai piav, olov Iv TütZq fiixguVq noXtaiv, ivtuxov dl noXXaq xal 
xfxoQKJfihaq rijq Ugo>ovvyq 9 olov Itgoxotovq xal vaoq>vXaxag xal ta/tiaq 
tov Uq&v xQypÜTwv. Wie allerdings auch in grösseren Städten die 
Priester in administrativer Hinsicht den Beamten gleichgestellt wer- 
den konnten, zeigt ihre Rechen schaftspflichtiglseit in Athen nach 
Aeschin. adv. Gtesiph. §.18, dass sie jedoch nicht als Beamte zu 
betrachten seyen, bemerkt ausdrücklich Aristot. Politic. IV. 12. 2: 
tovto ydg eteqov rt, nugd rdq noXirixuq dgxdq &criov, 

3) Plut. Symp. init.: o* ydg h StxtXla JügttTq tov Imara&ftov 
pvdpova ngoqtiyogtvov \ vgl. Schneider ad Aristot. Politic. p. 386. 

4) Vgl. Tittmann über d. Bund d. Amphiktyonen S. 84 und Le* 
tronne eclaircisseuiens sur les fonctions des magistrats appeles Mne- 
mons, Hieromnemons , Promnemons , in Mem. de TA. d. I. 1822, 
p. 221 fgg. Ausser den früher bekannten Beispielen von Athen 
(Aristopk. Nubb. 620; Demosth. Timocr. §. 150), Byzanz (Polyb. 
IV. 52; Demosth. Gor. §.30), Gyzikns (C. I. n. 3664), Ghalcedon 
(G.l. n. 3794) und den delphisehen Amphiktyonen finden wir ihn jezt 
auch in Lacedämon (G. I. n. 1242. 1290), Thessalien (G. I. n. 1766), 
Ulyricum (C. I. n. 1830b), Segeste (Rhein. Mus. IV, S. 95), und 
Thasiis (G. I. n. 2161), wo ich nicht verstehe, wesshalb Böckk II, 
p. 184 sich wundert, dass er dem öffentlichen Schatze vorsteht; 
vgl. oben §.9, n. 13 und Diog. L. VI. 45: &taodfttvoq nört rovq 
Ugo/MHJfiopaq t&v Tajtitov rurd yiuXrjv V(f>rjQT])ihoy ayovraq *<pij' ol pt- 
ydXot, xXima* tov pixgov ayovot. Auffallender ist, dass bei Plut. 
Symp. VIII. 8. 4 Priester selbst Ugo/tv^fiovtq heissen , was jeden- 
falls Müller Dor. II, S. 169 nicht benatzen durfte, um auch den 
byzantischeu Hieromnemon zu einem Poseidonspriester zu machen; 



§. 11. Staatsbeamte fiir den Cultus. 47 

elier kann man «ich die Vergleichung mit den ägyptischen Ugoygaf*- 
fturelq gefallen lassen , s. Kreuser Hell. Priesterst. S. 127 fg. 

5) Vgl. St. A. §. 150, n. 1 und C. I. n. 1341 n. 2508. 

6) Naonoiol ( Aristo t. Rhetor. I. 14: ort, nagtXoyiaaro rgta ypiaj- 
ßiXia Ugd tot)? raonoiovg) oder vanooly wie in Faros C. 1. n.^396, 
gewöhnlich vwnoioi oder vtatnoTai (Ross. inscr. II, p. 76), vgl. das. 
n. 2396. 2656. 71. 73. 76. 78. 2749. 68. 85. 2800. 12. 26. 37. 2930, 
82. 85. 86. 94; auch dgxntamotol n. 2795. 2811 und Iniordrat. tov 
vkm am Tempel der Athene Polias n. 160. 

7) 'ifQovvJlaxtq in Rhodus (Ross III, p. 27), Segeste (Rh. Mus. 
IV, S. 95) u. s. w. 

8) Vgl« in ab es. G. Inscr. I, p. 747: Inndij ovpßaive* wd tw* 
inl xrj<i TQcmityq rov 'Afitpiagdov dgyvg&fiUTtov dxgtVa yeyovhai,, rtvd 
6\ tmoxtvyq xgday fyf*?, «**«* dl xal rwv ngog rorc to«/o*c dtaxti- 
fihotv mnrwxora t**?, ä iv nagadoolpoiq t^ovaiv ol Ugugx** • •• *Xio&a* 
rgfVq dvdgaq ix navrwr rmv noXträv . . . o* ö\ nagaXaßovrtq oaa fi\v 
uv doxfj Imoxtvrjq ngoqdtlo&a* imaxfvaadrwaay, ix di räir XomSh hoty- 
ouTWOav dgyvgto^ara t« &(£ ßovXtvofifvot, ntgl rtjg xaraoxtvijq fitrd 
nolffu*QX m * * a * Ugagxw* *«J ovvrjyoQwr rijg noXftaq rag txdootig notov- 
fitvot rijg re igyaaiag xal rrjq Imaxtvrjg nagd xaronrug x. t. X. 

9) Vgl. St. A. §. 151, n. 6fgg. und G. I. n. 2852, 59. 79 u.s.w. 

10) St. A. §. 150, n. 1; Tgl. Ross III, n. 276: G. I. n. 2157. 
2221^. 2266 u.s.w. In Cyzikus auch weibliche; Tgl. das. n. 3657: 
xal rag Ugonoiovg rag ngoguyogwofthag &aXairoiag xal rag ovvovoag 
per* avrCJv legtiaq x. t. X. Eben dahin vielleicht die Ugovofiot in 
Ilium, C. I. n. 3595. 97, sowie die Ugdgxai, oben n. 8. 

11) In Epidaurus (C. I. n. 1169. 1173), in Telus (Ross II, n. 169), 
in Gela (üorv. Sicc. p. 501 u. 513) sogar Eponymus, wo ihn Raoul- 
Rochette in Welclsers Rhein. Mus. IV, S. 95 mit dem Hieromnemon 
vergleicht. In Akarnanien freilich erscheint er als Priester des 
*Aii6XXwf "Axrtoq, vgl. G. Inscr. II, p.2; in Telus dagegen bemerkt 
Keil in N. Jbb. 1844, XL, p. 287 sehr richtig die Verschiedenheit 
Ton dem Itgtvg, 

12) *Agxrj, vgl. Demosth. adv. Theoer. §. 29 und über ihren Ge- 
schäftskreis in Athen Aristot. bei Etymol. M. p. 469: xXygwrol ag- 
Xovrig not dixu tqv dgt&fiov oV Tte re pavTfVfAara Ugo&vxovat, xav r$ 
xaXXugfjaai difl, xaXXitgovot, find rutv fiuvriMv, xal &vaiag rdq vofttfa- 
phaq tTZiTfXovoi, xal rag nfvrtrTjgidag dndaag 6io*xo\hh nXr t v nava&tj- 
yultov , ja auch mit den Panathenäen sezt sie G. 1. n. 157 in ähn- 
liche Verknüpfung , wie mit andern Festen die Strategen ; Tgl. auch 
Röckh Staatsh. II, S. 167. Andere erklären freilich anders, wie 
Schol. Demosth. Mid. §. 115; Ugonoiov #i xuXovoi tov inonrtvama 
rovg ftdvTftg ort &vovai 9 firj nov ri xaxovgyiöoiv h raXg &voiaig, und 
§. 171: tov Imoxonovvra rd &vfiura py ddoxi/uu xal nrjgd: doch lässt 
sich alles dieses auf den gemeinschaftlichen Begriff eines öffent- 
lichen Organs für Gultusangclegenheiten zurückfuhren, der höch- 
stens anderswo zugleich auch das Amt des vHortoioq umfasste ; wie 
z. B. in Odessus (G. I. n. 2056), in Delus (n. 2667), in Gius (n. 
3723), wo sie beauftragt werden, Decrete im Tempel aufzustellen; 
vgl. Poll. Onom. I. 12. 

13) Bei dein Jugendfeste der Hermäen in der Palästra, Plat. 
Lys. p. 207 D; ebenso bei d. Pry tonen im Rathhause, vgl. Antipho 



48 27t. /• Allgemeine Geschichte des Cultus. 

der Choreuta §. 45 : xal ngoq toi'to«? ngvranffvaaq trjy ngtüxyv tiqvtu- 
vfiav vatuaav itXrp dvotv ypigatv, xal Ugonouäv xal &\mv vnkq vijq 
SijfAOxqaxiaq xul ln^Tjq>i^ü)v xal Xeytav yv&naq ntgl rüv fuyiardtv x.t.X, 
Auch UQonoioi tüjv £aganutarwv , C. I. n. 120. 

J4) 'Ertinipioi ol Ugonoutl, Hesych. I, p. 13G8; vgl. Ross II, p. 60 
und G. Inscr. II, p. 1133; offenbar dasselbe was Paus. V. 15. 6 

fiiXn d> tu lq &vataq &tqx6X(p, oq inl fiyvl ixuana tijv iiyktp ?/«, 
xal parteo* xal onov$o<f>öqotq x, r. X. 

15) Atben. IV. 14: rov $i\v ilq rrjv *Axadt}i*iav flqtvtyxavroq oyo- 
noiov Xondda KQoq higav rivd XQ*to* rov xiQtt/nov xaväSai navxaq tovq 
Uqotioloik; oU fiaxQo&fr ovx dareiaq nagnq^vaeaq ytvofUvqqs Tgl. Schu- 
bert de Aedil. p. 45. 

16) Ross inser. II, n. 94 und 169 nach der Ergänzung von Keil: 
algeO-tlq dfc UganbXoq Inl Ugtoq Attaxgixov iSilaro rdq no&o&ovq xal t« 
itXfOpaxa og&aiq xal äixaioq axovopyon selbst in Athen, C. I. n. 71 
u. 76, obgleich hier genauer n. 115: xa* raftiaq algtO-tlq vno rijq 
ßovXrjq tlq rag 6-vaiptq • . . tupigtxtv roVq Ugonototq. Weihgeschenke 
u. 2953b : Xoyoq Ugonomv x*t.Ä. 



§• 12. 
Mit allen diesen Maassregeln liess es sich jedoch auf 
die Länge nicht vermeiden ? dass nicht nur das religiöse 
Bedürfnisse aus welchem der griechische Götterdienst 
entsprungen war, für seine wachsenden Anfoderungen 
immer geringere Befriedigung in demselben fand, son- 
dern auch die Bedeutung desselben und seiner Gegen- 
stände in immer grössere Vergessenheit gerieth, und das 
Ganze daraus hinauslief, entweder in hergebrachter Weise 
seine Schuldigkeit zu thun *), oder unter schicklichen Vor- 
wänden der Sinnlichkeit und Genusssucht neue Nahrung 
zu verschaffen. Seinem äusserlichen Umfange nach wuchs' 
allerdings der Cultus immer mehr, so dass z. B. in Athen 
zulezt wohl der sechste Theil des Jahres aus Festtagen 
bestand 2 ) ; in welchem Geiste dieses aber geschalt, zeigt 
schon die Angabe, dass man die Besorgung der ältesten 
und heiligsten Gebräuche den Wenigstfodernden über- 
liess, während neue und von Aussen angenommene Culte 
mit einem Gepränge begangen wurden, ttas die Mittel 
des Staats zu erschöpfen drohte 3 ) ; und je tiefer in Folge 
dieser Verweltlichung des Cultus die Sittlichkeit des Vol- 
kes sank, desto häufiger ward auch er zum blossen Mittel 
lächerlichen Ehrgeizes oder niederträchtiger Schmeichelei 



§. 12. Entartung und Untergang des Cultus. 49 

gemissbraucht. Schon in den Zeiten der sinkenden Frei- 
heit Griechenlands fing die göttliche Verehrung an sich 
selbst auf lebende Menschen zu erstrecken 4 ) , und die 
orientalischen Einflüsse, welchen namentlich die Colonien 
des Osten ausgesezt 'waren , steigerten dieses Unwesen 
zu einer solchen Höhe, dass bereits Feldherren oder 
Statthaltern der römischen Republik öffentliche Feste ge- 
weiht wurden 5 ) und die bedeutendsten Städte Kleinasiens 
ihre höchste Ehre darein sezten, Tempelwärterinnen irgend 
eines römischen Kaisers zu heissen 6 ); aber auch wo 
neben den zahlreichen Gülten dieser Art die alte Gottes- 
verehrung ihre Stelle behauptete, bestand die Hauptsache 
derselben in reichen Spenden und Schenkungen, wodurch 
spiessbürgerliche Eitelkeit den Dank eines rerwöhnten 
Pöbels erstrebte 7 ) , und in Kampfspielen , deren Verviel- 
fältigung und die überschwängliche Wichtigkeit, die man 
ihnen beilegte, ein ohnmächtiges Zerrbild an die Stelle 
der althellenischen Kunstübung sezte 8 ). Für das innere 
Bedürfniss blieb dagegen nur die Wahl, in der Philo- 
sophie Ersatz zu suchen, deren verschiedene Secten in 
dieser Zeit förmlich den Charakter confessioneller Par- 
teien annahmen 9 ) , oder sich dem Aberglauben in die 
Arme zu werfen, dessen krankhafte Auswüchse auf die- 
sem entarteten Boden zu Hunderten wucherten 10 ) : wie 
sehr das sittliche Vertrauen auf die herrschende Götter- 
welt gewichen war, zeigt das Verstummen der Orakel, 
das zwar nicht so plözlich, wie es kirchliche Schrift- 
steller schildern, aber doch sichtlich bald nach Christi 
Geburt eintrat n )$ und selbst wo noch ein religiöser 
Sinn übrig war, wandte er sich sogar im öffentlichen 
Leben lieber den ägyptischen oder morgenländischen Gül- 
ten zu , die auch in ihren gröbste» Verirrungen die 
Tiefe irgend eines Gedankens wenigstens im Hinter- 
grunde ahnen Hessen 12 ). Wohl scheinen auch einzelne 
Träger des griechischen Cultus , und namentlich der 
Mysterien, deren natursymbolischer Inhalt ohnehin dem 
orientalischen näher, stand, schon frühe den Versuch ge- 
macht zu haben, ihre Götter und Gebräuche durch ra- 

D 



50 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus. 

tionelle Behandlung und Auslegung mit dem Fortschritte 
der Zeit zu versöhnen 15 ) ; und wenn auch die Mehrzahl 
der philosophischen Secten dagegen fortwährend gleich- 
gültig , ja feindselig blieb u ) , so kam ihnen doch zu- 
lezt noch die neupythagorische und neuplatonische Rich- 
tung auf halbem Wege entgegen, um sich in ihrem 
Kampfe gegen die siegende Macht des Christenthums mit 
der Auctorität der alten Religion zu verbünden 15 ) ; gerade 
dadurch aber ward diese der Wurzel ihrer ehemahligen 
Kraft, ihren nationalen und örtlichen Grundlagen, vol- 
lends entfremdet, und sobald sie daher mit Constantin 
dem Grossen der Staatschutz verliess, der sie noch bis 
dahin aufrecht gehalten hatte 16 ), fiel sie als ein abge- 
storbener Körper der unausbleiblichen Verwesung anheim. 

1) *A(poaiovod-(u ro ftrj lwiXü>q r* noitlv, dXV wgntQ oaiag IVpxfv, 
Harp. p. 59; vgl. Isaeus Apollod. §. 38, Plat. Legg. VI, p. 752 D, 
Julian. Misopög. p. 361 , und mehr bei Valck. ad Herod. IV. 154, 
Wyttenb. ad Plat. Phaed. p. 127, Wernsd. ad Hirn er. p. 149$ über 
oaiag mxa Alben. VII. 87; VIII. 58 u. s. w. 

2) Scbol. Aristoph. Vesp. v. 661 : dg dtxa fiijvag Xoyi&rat ruv 
tviavrov, w? rwv dvo dg to^rdg nQO'/o)Qovvrü)v: Tgl. Xenoph. Rep. Ath. 
III. 2 und die nocb stärkere Angabe von den Taren tinern bei Strabo 
VI, p. 429 : itioxvoe dk vartQov TQvyr/ d*d xijv wdutpoviuv, ciort rüg 
nuröijfiovg togrdg nXeiovg ayto&ai xar trog tiuq avxolg jjj rüg yfiiQag* 

3) Isoer. Areop. §. 29 : onorc fdv du$ajv avrotg TQiaxoolovg ßovg 
l'ntftnovi onore di tv/om, rag narqiovq &vaiag }£iXmov: und: rüg 
ftlv ini&hovg toQzuq alg tarlaais ng nyogtii}, ntyaXonQiTi&q tjyov, iv 
dl roVg dyitaruroig r&v Uqwv dno fuo&u>iiux<av t&vovi Tgl. Athen. VIII. 
67 und Plutarch chpid. divit. c. 8. *Ano ttto&tojuuTuy erklärt rvrar 
Didymus bei Harpokr. p. 38: dvrl rov ix riav rtpwtxw* ngogodotv: 
ich nehme es aber wie duofita&ovv rovg ortipuvovq C. I. n. 2144. 

4) Den Anfang macht die Schmeichelei gegen Lysander bei 
Plut. V. Lysand. c. 18; dann folgt Alexander (Aelian. V. H. II. 19), 
Ptolem&us (Diod. XX. 100), Demetrius (St. A. §. 175, n. 12), Anti- 
gonus (Plut. V. Cleom. c. 16) u. s. w. ; vgl. Nitzsch de apotheosig 
apud Graecos vulgatae causis, Kil. 1840. 4, p. 12 fgg. und Lim- 
burg -Brouwer VII, p. 471 fgg. 

5) Marcellea in Syrakus , Cic. Verrin. II. 21, Flaminin in 
Chalcis, Plut. V. Flam. c. 16; Mucia in Kleinasien, Cic. Verrin. 
II, 21, Luculiea, Plut. V. Luculi. c. 23; vgl. Cicero ad Qu. Fr. 
I. 1. 31; ad Att. V. 21.7, und Mongault sur les konneurs divins, 
qui ont ete rendus aux gouverneurs des provinces pendant que la 
republique Romaine subsistoit, in Mem. de 1*A. d. Inscr. I, p. 353. 

6) Hierüber ausser den älteren Citaten bei Fabric. bibl. antiqu. 
p. 408 und van Dale diss. novem p. 299 insbes. J. H. Krause de 



§. 12. Entartung und Untergang des Cultus. 51 

civit. neocoris, Halle 1844. 8; über das Verhaltniss dieser Culte 
zu den alten aber Philostr. V. Apollon. I. 15: nQoqxtlptvoy rotq 
ßaotXtioiq uydQuxöw, oX xui Awq tqv iv 'OAvpnla voßfQWTfoo* tot* xai 
uovXwjfQot, qouv. 

7) Vgl. C. Inscr. II, p. 531 s dXtiyaoav dfe didxroiq in foiT^a* 
ImQVTQiq daytXiaxaxa ro nXttoror /«tyoc xai rijq vvxTog, laridaaaav 
top dfjpov nXtovdxiq xai 7t avdf/fiotq xuTaXvoionr, bt roVq &it/*tJUxoTq xai 
oxtjvtxofq dy&atv t« ngaTtvoyra h *jj *Aala dxQoufiaxa uvrqv nqurwq 
dvayayovaav xai dti£aaay rfj nargidit p. 562: notqodvTwv &iwgtuq inl 
ytikqaq dkxa xai^ povo/taxtaq dnoropovq litt ytugaq 6ha ©Vo . . noirjouy- 
twv d\ xai foridottq xai drjuo&otviuq xui yvfwut&p dymvuv Intdoonq xai 
l7iitod$ofAuävi p. 1075: ßovXoptyoq oimnavbiv roVq &ioTq xrjv nanjyvqty 
xai unavraq ptTfXfiv rotv Uyuty InayylXXwai öq/to&owqotw *V votq 
Giobviotqi p. 1079: ißov&vxrjoh rt xai oivopfrQtjOty nuon und über 
die Gymnasiarchie insbes. Krause Gymnastik und Agonistik S. 186 fgg. 

8) Vgl. Meiners de graecorura gymnasiorum utilitate et damnis 
in Comm. Soc. Gott. T. XI, p. 269 fgg. nnd Philostr. de gymnast. 
c. 3 ; über die Mannichfaltigkeit der Lebungen und Kampffeste aber 
ausser dem bei Krause zerstreuten Stoffe C. Inscr. II, p. 504. 738. 
805. 936 u. s. w. 

9) Vgl. Becker Charikles II, S. 130: ««die Philosophen des 
Alterthums erscheinen in der That gewissermassen als Seelsorger, 
namentlich tröstend und beruhigend in Leiden und Trübsalen"; 
und von ihrer corporativen Abgeschlossenheit Zumpt über den Be- 
stand der philosophischen Schulen in Athen und die Succession der 
Scholarchen in Abhh. d. Berl. Akad. 1842. Selbst ihre Tischge- 
nos8ensch*ften (vgl. Athen. V. 1 und mehr bei Eschenbaeh diss. 
acad. p. 279 fgg.) erinnern an priesterliche Syssitien , und die stoi- 
schen JioyivtOTul, lAvTinuTQKfTai, JlavatTtaarai 9 noch mehr die epi- 
kureischen dxaÖKJTul (Athen. VII. 53) entsprechen ganz den gottes- 
dienstlichen &idaoig, wovon oben §. 7, not. 6. 

10) Vgl. Gonstant de la religion I, p. 50 fgg., Limburg-Brouwer 
V, p. 252 fgg., nnd zerstreuten Stoff bei Lobeck Agl. nnd Kopp 
Palaeogr. critica T. III und IV, Mannh. 1829. 4. 

11) Str. XV H, p. 1168: voaovrov tlntTv ßovX6fu&a y ot* roZq uq- 
Xttiotq fiäXXov tjv iv rififj xai y payrixrj xa&oXov xai tu XQy° T1 7V ia i 
vwi S\ oXiyojQia mcet//«» noXXrj : vgl. Plutarchs Schrift ntql tu* IxXt- 
Xotnorcov xM aT yQ' 0iv i un ^ mehr bei Dan. Clasenius de oraeulis gen- 
tilium, Heimst. 1673. 4, p. 196— 236; Steph. Morinus diss. octo, 
in quibus multa sacrae et profanae antiquitatis monumenla expli- 
cantur, Gen. 1683. 8, p. 336 — 438; Ant. van Dale de oraeulis vett. 
ethnicorum, Amst. 1700. 4, p. 425— 525, auch Böttiger Kunst- 
mythol. I, S. 86. 

12) Vgl. Tzschirner der Fall des Heidenthums, Lpz. 1829. 8, 
S. 113 fgg. und über den Cultus ägyptischer Gottheiten insbes. 
Sauppe ad Hymnum in lsim , Turici 1842. 4, p. 8, auch C. I. 
n. 2302 fgg. und Hall. Arch. In teil. Bl. 1835, S. 24; über die Tau. 
robolien der Cybele van Dale diss. IX, p. 7 fgg.» de Boze in M. 
de l'A. d. J. II, p. 475 fgg., Zoega Bassirilievi I, p. 45 fgg., Creuzer 
Symb. II , S. 386 fgg. ; über den freilich in Griechenland minder 
keimischen Mithrascnlt Jos. von Hammer Mithriaques, publies par J. 
Spencer Smith, Caen et Paris 1833. 8, und was Creuzer Symb. 
I, S. 226 fgg. 328 fgg. weiter citirt. 



52 Th. I. Allgemeine Geschichte des Cultus 

13) Vgl. Plat. Mcno p.81A: ol fx\v Xiyorrig der* rwv Itgioiv xal 
ra*y Ugnöjv oaotg /u/iiXtjxe jwoJ tov fttraxetglt^ovrat Xoyov <notq V tiveu 
öovva*, mit d. Bemerk, von Röckk in Berl. Lect. Kat. 1830, p. 4, 
und ans späterer Zeit Paus. 1. 22. 3 t t« d* ig rüg InwrunLag larl 
#i,dax&7p>ai xoXq Ugtvaiv iX&orva dg X6yovg 9 und Plotin. Ennead. III. 
5. 8 : f*agrvQovvT(ov Tai Xoyia Ugkmv re xal &eoX6ywv o* tig iav%ov 
"Hgav xal 'AcpgodlTyv ayovoi. Auch der Wahrsager Lampon, den 
Aristoph. Nubb. v. 330 als Qovgtofiavrtg unter die Sophisten rechnet, 
scheint seine Kunst principiell betrieben zu haben, Tgl. Gesch. d. 
plat. Philos. I, S. 314. 

14) Jacobs verm. Sehr. HI, S. 349; Bernhardy gr. Lit. I, S> 405; 
* Tzschirner a. a. O. S. 144 fyg*i auch Jacob Charakteristik Lucians 

von Samosata, Hamb. 1832. 8, S. 141 — 154. 

15) Vgl. insbes. Marini Tita Prodi, c> 15: jta de nrjdt %5>v IxtX 
IV* (IgxaioTigwv *t* Oia^ofjthwv O-iOfiwv ufivijtog y, ngopaoiv avrüj ro 
duiftoviov trjg dnodi]fxLaq vavxrjy (fiyxavyo uto* avjog t« ydg tcc nag* 
Ixclvoig GcHpiöq Intyiyvwoxf , xäxsXvoi tV t* vno tov fiaxgov xgovov nagfco- 
gwv r&v dg(t)fth(üv, idtdüoxorto vyyyovftivov tov qnXoaoyov tu täv 
&(Siv ivTtXtoTtgov , mit Nitzsch im Prooem. leett. Kilon. 1838 — 39, 
p. tu, auch M aerob. -S. Scip. I. 2: JSunienio inter philosophos oc- 
cultorum euriosiori offensam numinum, quod Eleusinia Sacra inter- 
pretanda vulgaverity somnia prodiderunt, und mehr bei Böttiger 
Kunstmythol. I, S. 179 und II, S. 538; Keil de cäusis alieni recen- 
tiorum Platonicorum a religione Christiana animi, in s. Opuscc. 
ed. Goldhorn p. 500, Henke Opuscc. acad. p. 372 fgg., und Tzschir- 
ner a. a. O. S. 437 fgg. 

16) Vgl. Jo. Gull. Hoffmann ruina superstitionis paganae, Wit- 
tenb. 1738. 4, und mehr bei Fabric. Bibl. antiqu. p. 417 und Reiske 
ad Liban. pro templis T. II, p. 148; von Neueren insbes. Sam. 
Theoph. Rüdiger de statu et conditione paganorum sub imperatori- 
bus Christianis post Constantinum , Vratisl. 1825. 8. 



ZWEITER HAUPTTHEIL. 

Uebersicht des griechischen Cultus in den Einzelheiten 
seiner Aeusserung.. 



Jo. Ph. Pfeifferi antiqnitatum graecarnm gcntilium libri IV, 
Regiom. 1689. 4, p. 1 — 175. 

J. G. Lakemacher antiquitates Graecorum sacrae, Heimst. 1734. 8. 

J. A. Steinhofer Graecia sacra, Tubing. 1734. 8. 

Chr. Brunings compendium antiqnitatum graecarum ex profanis 
sacrarum, Francof. 1734. 8. 

Job. Potters griechische Archäologie, überseht und vermehrt 
von Job. Jac. Rambach, Halle 1775. 8; I, S. 449 fgg. 

Fr. Creuzer Symbolik und Mythologie der alten Völker, dritte 
Auflage, Darmstadt 1843. 8; IV, S. 61 5 fgg. 



CAP. I. 



Die Oertlichkaten des Cultus in ihrer Bedeutung und Anwendung 
für denselben* 



§. 13. 
Wenn wir die Gegenstände des griechischen Cultus 
zunächst und ursprünglich als die übermächtigen Kräfte 
der umgebenden Natur oder deren symbolischen Ausdruck 
betrachten, so erklärt sich daraus von selbst dessen schon 
oben berührter örtlicher Charakter, der auch dann, als 
jene mehr eine mythische und ethische Richtung ange- 
nommen und sich mit anderen Vorstellungen leztercr Art 
verbunden hatten, um so weniger ganz aufhörte, als er 
in der politischen Trennung des Landes stets neue Nah- 
rung fand 5 und so wenig auch die besonderen Culte und 
Gebräuche einzelner Orte im Ganzen eines gemeinschaft- 



54 Th. IL C. L Die OerMchkeiten des Cultus. 

liehen Typus entbehrten, so gehört doeh gerade zu die- 
sem wesentlich auch das Gewicht, welches fortwährend 
auf das Verhalten des Cultus zu seiner Oertlichkeit und 
dieser zu ihm gelegt ward 2 ). In welchem Maasse dieses 
bis auf die Einzelheiten äusserlicher Umstände herunter 
wirkte, lehrt vielfach schon der Einfluss der verehrten 
Gottheiten auf die Ortsnamen 2 ) ; und wie die Colonien, 
welche die Culte und Sagen ihrer Mutterländer in die 
neuen Sitze mitbrachten, diese dort mit möglichster Nach- 
bildung der örtlichen Züge anpflanzten 3 ), so strebien 
hinwieder angeeignete Culte vor Allem dahin, durch 
mythische oder symbolische Anknüpfung an irgend eine 
Oertlichkeit ihrer neuen Heimath den autochthonischen 
analog zu werden 4 ) ; aber auch ohne solche positive Be- 
sonderheiten nehmen wir vielfach bald zwischen der Art 
des Cultus und dem örtlichen Charakter seines Gegen- 
stands, bald zwischen der Oertlichkeit und dem Gegen- 
stande ihres Cultus selbst einen Zusammenhang wahr, 
der auch durch Beziehung auf allgemeinere Kategorien 
für den einzelnen Fall ungeschmälert bleibt. Selbst 
nachdem der homerische Olymp die Mehrzahl der herr- 
schenden Götter zu einem grossen Systeme vereinigt 
hatte, blieb die örtliche Scheidung in himmlische, irdi- 
sche und unterirdische übrig 5 ), die sich zumal bei den 
leztgenannten in scharfen Gegensätzen des Cultus äusser- 
te 6 ) ; ja auch die olympischen schienen fortwährend mit 
besonderer Vorliebe in bestimmten Gegenden zu verwei- 
len , wo sie namentlicher Verehrung genossen 7 ) , und 
wenn dieses auch einerseits kein Hinderniss für ihre 
Allwissenheit und Allmacht seyn sollte , ohne welche 
sich eine allgemeinere Anbetung derselben nicht denken 
liess 8 ) , so fehlt es doch auch nicht an Beispielen , wo 
diese durch vorübergehende Abwesenheit gestört ward 9 ) 
oder das persönliche^ Erscheinen des Bittenden bei der 
eigenen Wohnung des Gottes verlangte 10 ). Dass ausser- 
dem die Verehrung, welche der eine oder andere Gott 
an einem bestimmten Orte erhielt, in vielen Fällen ge- 
radezu durch die eigenthümliche Beschaffenheit des lez- 



§. 13. Oertlicher Charakter des griech. Cultus. 65 

teren veranlasst war, unterliegt keinem Zweifel 11 ) 3 da- 
neben aber ging niebt selten aueb die Cultusstätte aas 
örtlichen Motiven hervor, die auch abgesehen von der 
mythischen Form, in welche sich eine solche Bestim- 
mung bisweilen einkleidete, mit der Bedeutung ihrer 
Gottheit eng zusammen hingen 12 ) $ und wenn auch dieses 
nicht immer mehr nachgewiesen werden kann, so wird 
man doch die Oertlichkcit eines Cultus im Ganzen eben 
so wenig wie irgend ein sonstiges Element alter Sitte 
als Erzeugniss reiner Willkür voraussetzen dürfen. Ur- 
sprünglich wenigstens war es gewiss die natürliche Be- 
schaffenheit eines Ortes, die ihn ausschliesslich oder vor- 
zugsweise zur Verehrung dieser oder jener Gottheit ge- 
eignet erseheinen Hess 5 daran schlössen sich dann Rück- 
sichten des geselligen und sittlichen Lebens, zu welchen 
eine Oertlichkeit in nähere Beziehung trat 3 und endlich 
konnte ein Ort auch auf historischem Wege so geheiligt 
werden, dass darin ein Beruf zur Stätte irgend eines 
Cultus lag. 

1) Dionys. Hai. I. 38: d$iovrraq &tlo> xal dvrjxui yivt* ro ngoq- 
yoQov ttvat ndmov £0>ptW aQftod mototov , oQtj /i\v xal vunaq ITayl, Xi$~ 
fiätraq öi xal Tt&ijXöxa £a>plct Nvfi<patq^ dxxdq di xal vrjöovq ntXayiotq 
duiftoo*, tüp d' aXXwv mq fxuox<o t* &*$ xal daipott, olxttov: vgl. 
Strabo VIII, p. 528 and Max. Tyr. dies. VIII. 1. 

2) Panofka ton dem Einfluss der Gottheiten auf die Ortsnamen, 
in Abhh. d. Berl. Akad. 1840, S. 333 — 382. 

3) S. Maller Prolegg. S. 132—164, und Einzelnes mehr bei 
Schneidewin Diana Phacelitis p. 8 fgg. , Rückert der Dienst' der 
Athena nach seinen örtlichen Verhältnissen S. 70 fgg. , Marquardt 
Cyzicns S. 120 u. s. w. 

4) Preller Demeter S. 144: "die eleusinische Mythe verbreitete 
sich mit dem eleusinischen Cultus nach vielen Gegenden, und ac- 
commodirte sich den Localbeziehungen , wiewohl sie in den Grund- 
z&gen überall dieselbe geblieben ist*'; Tgl. z. B. Paus. I. 38. 5*. 
xal naq avraj xuXovoiv 'ifymo?, Xiyovrtq rov IIXovtmu, ot« ijgnane 
iTjr KoQipß % xai aß rjvui xavxy, mit II. 36. 7: nXrjaiov at/roi; nfglßoXog 
tax* Xi&anr xal xav ÜXovxuva agnaoarra Kogyv rrjv Jrj^rjxQoq xaxaßrjvat, 
TuuTff <paoiv iq ttjv vnoytuv vo/u£oftiin]9 dg/?}v t and der sicilischen 
Sage bei Diodor V. 3. Aehnlieh Amphiaraus Paus. IX. 19. 4: nul 
xfj ftkv ro ovofia iyimo dq>avi.a&ivxoq > <aq ol TavuyqaVoi g>aatv, irzuv&a 
AftvwQaip tov aQftuxoq, xal ov% onov Xiyovoiv ol Oqßatoiy Tgl. I. 
34. 2 und IX. 8. 3; Linus bei dems. I. 43.7 und II. 19. 7; Askle- 
pins II. 26. 4 und VIII. 25. 6; Athene VIII. 26. 4 und IX. 33. 5 
und wo sie sonst noch als Tritonis vorkommt, Tgl. Müller in Hall. 



56 Th. IL C. L Die Oertlichkeiten des Cultus. 

Encykl. Sect. HI, B. X, S. 98; Dionysus und die mit ihm wau- 
dernden Namen Nysa und Ikaria , vgl. Voss zum H. an Demeter 
S. 12, Bode de Orpheo p. 174, Osann in Cass. Piniol. Veih. 1843, 
S. 24; Demeter Erinnys und das Ross Arion, vgl. m. Quaestt. 
Oedipod. p. 86 ; noch später der Apollotempel zu Daphne mit der ** 
kastaliscken Quelle, Amuiiaa. Marc. XXII. 12 u. s.w. 

5) Porphyr, antr. Nymph. c. 6 : wq yuQ xotq ft\y 'OXv/imioiq &totq 
vaovq re xal tdtj xal ßwjuovq ldqvoavxo y £0-oWch? dl xal tjqwülv iaxd- 
qaq r vnox&ovlovq dl ßö&qovq xal ftfyaqu: vgl. Greuzer Symb. III, 
S. 763 und Nitzsch z. Odyss. 111, S. 161. Andere theilen noch 
genauer: Artemid. Oneirocr. II. 34: (pafilv dl xwv &twv rovq fiiv 
oXvßltiovq tivai % ovq xal ai&tgiovq xaXovfitv 9 rovq dl ovgaviovq, xovq 
61 imytlovq, rovq dl O-aXaooiovq, xovq dl noxa/iiovq , xovq dl jf&oWov?, 
wo dann das Lezte 8. v. a. sonst xaxax&oviovq oder vnox&oyiovq be- 
deutet, weil x&wv auch loea in fern, Tgl. Hermann ad Eurip. 
Hecub. 70. 

6) Vgl. Plat. Lcgg. IV, p. 707 A : roXq x&°**w «* T '? #*° r « 
uQtut xal dtvxtga xal dyioxtga y(fi0)4 oQ&oxaxa xov xijq tvotßtiuq oxonov 
rvyxdvoi 9 rotq dl xovxmv avw&tv t« ntqirxd xal dvxiytova xotq l'fi- 
7iQoo&tv 9 und mehr bei Lakemacher Obss. phil. VIII, p. 170 fgg. 
und Bahr Symb. d. mosaischen Cultus II, S. 249 fgg., worüber unten 
C. II an den geeigneten Orten das Nähere. 

7) Hera in Argos , Sparta und M ycene Iliad. IV. 51 , Apoll 
I. 38, Poseidon XIII. 21, Aphrodite Odyss. VIII. 363 u. s. w. Eben 
dahin die ijudrjßiui, und dnodyfiiai der Götter, vgl. Virgil. Aen. IV. 
143 mit Heynes Excurs und Spanheim ad Callim. H« Apoll. 13 u. 
Dian. 226. 

8) Vgl. Odyss. IV. 379 und insbes. Iliad. XVI. 514: xXvfo 
uval 9 oq iiov Avxiijq tv niovi dqi*<a tiq y ivl Tgolrf dvvaaai dl ov 
ndvxoo dxovtiv uviqt, xrjdophtoi im Allg. aber Xenoph. Symp. IV. 47: 
ovxovv toq filv xal EXXtjvtq xal ßugßuQoi xovq &tovq yyovvxat ndvxu 
tldfouv xa rt ovxa xal xd piXXovxa tvdrjXov* nuaat yovv ul noXtiq xal 
ndvxa rd t&vrj diu pa*T ixrjq iTiegonwoi rovq &tovq 9 ri xi XQJl *"* T * ov * 
XQTj noitVv* xal f*yv ort, vofii&fiiv ye dvvao&a* avxovq xal tv xal xaxaiq 
noitlv 9 xal xovxo oayiq* ndvxtq yovv alxovvxat xovq &tovq xd /*lv 
tpavXa dizoTgineiv, dya&d dl dtdovan auch Gyrop. V. 4. 31 und V1I1. 
7. £2 u. s. w. . 

9) Nitzsch z. Odyss. I, S. 175; Nägelsbach homer. Theol. 
S. 18 fgg. 

10) So die Seegötter; vgl. Iliad. I. 350 mit Virgil. Georg. IV. 
319, und Pindar Ol. I. 71 und VI. 58: *AXq>tai piooia xaxaßdq 
ixdXtaot Jloattd&v tvQvßlav x.t.A. Auch ihre Opfer wurden ins Meer 
geworfen, Virgil. Aen. V. 235, Arrian. Exp. Alex. I. 11. 10, Athen. 

XI. 6, p. 462 C u.s.w. 

11) Demeter auf Sicilien, Preller S. 177, Dionysos auf Lesbos, 
Wachsmnth II, S. 506, Hephästus auf Lemnos, Buttmann Mus. d. 
Alterth. Wiss. I, S. 296 u. s. w. Charakteristisch ist auch Strabo 

XII, p. 868: 'AndfKia plv xul ngo xijq Mi&Qiddrov oxyaxtiaq loHo&q 
noXXdxiq • . . dioTKQ^ ilxoq toxi xul %ov Uootidäva xtfiaa&ai nag aifoolq 
xalntQ ptooyatoiq ovaiz und was derselbe mehrfach (V, p. 374; XIII, 
p. 933) von den nXovxmvioiq berichtet, wo sich an vermeinte Ein- 
flüsse der Unterwelt ein Cultus der Todtengötter anknüpfte; vgl. 



§. 14. Ortsbestimmung durch physische Rücksichten. 57 

insbes. XIV, p. 960 und mehr bei Galen, de usu part. VII. 8 and 
den Erkl. zu Cicero Div. 1. 36« 

12) Zsvq y.aruißuT7]q nur wo ein Blitz in die Erde geschlagen 
hatte, vgl. Poll. Onom. IX. 41 und die Lexihogr. s. v. IvrjXvüta mit 
Burniann Jupiter Fulgerator hinter Vectig. pop. rom. L. B. 1734. 4, 
p. 276, wcsshalb auch Böttiger Kunstmythol. II, S. 93 richtig be- 
merkt, dass sonstige bildliche Vorstellungen in Griechenland Zeus 
nicht als Blitzenden auffassen. Aehnlich das ripftoq yrjq 'OXvfinius 
Paus. I. 18. 7: hrav&a ooov (lq nrjxvr io t#aq>oq dUoxtjM ... iqßaX- 
Xovot ö\ lq avxo dva nur l'roq aXq>vta nvQwy fifXirt /u£«vt«$, und was 
ich Quaestt. Oedipod. p. 84 über Quellen in der Nähe poseidoni» 
scher Tempel, p. 102 über Erdspalten u. dgl. bei Heiligthümern' 
chthonischer Gottheiten gesagt habe; auch Plut. Qu. Rom. 94: 
rat ya(3 EXXyixq h xonotq xa&UQOtq xal vipqXoVq i7t$HU&q l&QVpha tu 
'AoKXrjnitta tzovto u. s. w. . 

§. 14. 

Was die natürliche Beschaffenheit einer Cultusstätte 
betrifft, so werden ans insbesondere Haine 1 ), Berge 2 ) 
und Höhlen 3 ) als solche Orte genannt, welche sich schon 
im frühesten Alterthume die Verehrung der Götter gern 
und vorzugsweise erkoren habe; und wie es sich von 
selbst versteht, dass auch hier die Eigentümlichkeit der 
▼erehrten Wesen auf die Wahl der einen oder andern 
dieser OerÜichkeiten einwirkte, so suchten andere die 
Nähe von Quellen oder sonstigem fiiessendem Wasser, 
dessen reinigende und stärkende Kraft mit manchem Cul- 
tus noch in besonderem Bezüge stand 4 ). Je inniger sich 
freilich der Cultus mit den Wohnsitzen der Menschen 
zu verbinden und aus der freien Natur in die geschlosse- 
nen Tempelräume zu ziehen anfing, desto häufiger musste 
er auf diese äussere Unterstützung der Lage verzichten; 
weit entfernt jedoch gegen das gottesdienstliche Motiv 
solcher örtlicher Rücksichten gleichgültig zu werden, 
legten auch die Tempel der späteren Zeit auf augenfällige 
Plätze 5 ) und die Anmuth umgebender Planzungen. 6 ) kei- 
nen geringen Werth; und daneben blieben fortwährend 
andere Richtungen der Gottesverehrung übrig, für welche 
dasselbe, was hier nur als erwünschte Begleitung er- 
schien, nothwendige Lebensbedingung war. Es ist eine 
äusserst fruchtbare Bemerkung, dass in demselben Maasse, 
wie der öffentliche Gottesdienst sich dem anthropomor- 



58 Th.IL C. I. Die Oertlichkeiten des Cultus. 

phischen Systeme der herrschenden Mythologie anbe- 
quemte 9 das natürliche Gottesbewusstseyn sich durch 
einen bis ins Einzelne gehenden Pantheismus entschä- 
digte, der das ganze Leben mit gottähnlichen Wesen er- 
füllte , und auch auf den Cultus in soweit zurückwirkte, 
als er diesen Wesen in ihren unmittelbaren Bereichen 
dieselbe Verehrung erwies, deren. die Götter des Poly- 
theismus auch jenseits ihrer eigentlichen Heimath ge- 
nossen 7 ) ; und darauf mussten dann insbesondere auch 
solche örtliche Umstände, wie sie hier nur die Wahl der 
Cultus statte leiteten, dort positiv und nöthigend einwir- 
ken. Jede Naturerscheinung, die durch Lieblichkeit oder 
Erhabenheit einen mehr als gewöhnlichen Eindruck auf 
das menschliche Gemüth machte, ward unter dem Ein- 
flüsse dieses religiösen Gefühles zum Sitze einer gött- 
lichen Kraft gestempelt, die jedem, der in ihre Nähe 
kam, unwillkürliche Verehrung abgewann; dieselbe Em- 
pfindung, die der Lateiner durch sein grossartiges numen 
habet ausdrückt 8 ) , verlieh auch in Griechenland zahl- 
reichen Oertlichkeiten selbst ohne nähere Beziehung auf 
Mythus und Staatsreligion die Weihe einer Cultusstätte, 
deren menschliche Zuthat fortwährend Nebensache blieb 9 ); 
und auch wo ein derartiger Cultus weitere Anerkennung 
gewann oder sein Gegenstand in dem herrschenden Sy- 
steme einen Platz fand, hielt sich die Verehrung in der 
Regel an solche Stellen, deren Naturbeschaffenheit die 
Grundidee dazu gegeben hatte 10 ). Trugen auch die 
Erinnyen im gemeinen Glauben längst die ethische Be- 
deutung rächender Gottheiten, so erinnerten gleichwohl 
auch später noch die Oertlichkeiten ihrer Verehrung an 
ihre früheste Bedeutung als Erdkräfte n ) 5 waren auch 
die Musen von der Dichtung in den olympischen Götter- 
kreis aufgenommen, so haftete doch ihr selbständiger 
Cultus vorzugsweise da, wo sie ihren ursprünglichen 
Naturcharakter als Quellnymphen bewahrten 12 ) ; und noch 
ungleich mehr gilt dieses dann von der zahlreichen Menge 
sonstiger Fluss- Wald- und Berggötter, die theils in- 
männlicher, theils aber noch häufiger in weiblicher Ge- 



§. 14. Ortsbestimmung durch physische Rücksichten. 58 

stalt die Lebenskräfte der reichen griechischen Natur per- 
sonificirten 13 ) ? ohne desshalb von ihrem Cultus unab- 
hängiger aufgefasst zu werden, als es die Commensura- 
bilität der betreffenden Naturerscheinung für die religiöse 
Phantasie erheischte 14 ). 

1) Vgl. hier und zum Folgenden insbesondere Eschenbach de 
consecratis gentilium lucis, in Diss. acad. Norimb. 1705. 8, p. 133 — 
160; dann Blum de divdgootßtia gentilium, Lips. 1711. 4 und 
Dressler de lucis religionibus gentilium destinatis, Lips. 1720. 4; 
auch Checozi sopra l'autica Idolatria dei boschi , in Saggi dell' Ac. 
di Cortona IV, p. 149 u. Spencer de legg. Hebr. ritual. 1, p. 364 fgg. 

2) Lucian. sacrif. c. 10 : xal ngwxov fitv vXaq dnextporxo xal 
ogtj ävk&touvi Tgl. Paus. I. 32. 2 u. Str. X, p. 726: tu? ognßaolaq 
to)v ntgl ro &rtov onovda£,uvTü)v xal aihwv r&v &(&*: auch Hektors 
Beispiel Iliad. XXII. 170 und G. A. Zachariae de more Teterum in 
locis editis colendi deum, Hai. 1754. 4; jedoch nicht zu verwechseln 
mit der barbarischen Verehrung der Berge selbst als Götter, wie 
Dio Chr. XII, p. 212; Tgl. Reiske ad Max. Tyr. VIII. 8 und Journal 
des Savants 1842, p. 217. 

v 3) Cramer Anecdd. Oxon. I, p. 83 : iv urxgoiq ydg xovq &foi>q 

Ufrtvov, Ugd xd onrjXaua Tjyov/tfvoii Tgl. Etym. M. p. 115 und Strabo 
IX, p. 638: Ugonqtnrjq d' lorl näq o Tlagvuaoq^ l'/wv uvxga xt xal uXXa 
X^gla Ti/ifafuvu rt xal dyiarevo/iiva : auch Paus. X. 32. 4 und Porphyr, 
de antro Nymph« c. 6 mit Engel quaestt. Nax. p. 33. 

4) VitruT. I. 2: naturalis autem deeor sie erit , si primum 
Omnibus templis saluberrimae regioncs , aauarumaue fontes in his 
locis idonei eligantur, in quibus fana constituantur ; deinde maxime 
Aesculapio , Saluti, et eorum deorum, quorum plurimi medieinis 
acgri enrari videntur; Tgl. Boss Reisen auf d. griech. Inseln des 
argäischen Meeres, Stuttgart 1840. 8, I, S. 47. Von andern Culten 
Strabo VIII, p. 528: ntmrj d* taxw rj yij nuaa 'ufgTffuaitov xal *Aq>go- 
d*a*W xal Nvfi<pa£<ai> h aXotow uv&twv «ff «ro noXti dtd xijv tvvägiav: 
auch bei dem apollinischen in Delphi (Ulrichs Reisen S. 112) und 
andern Orakelstalten (Soldan in Zeitschr. f. d. Alterth. 1841, S. 578), 
ebenso Daphne bei Antiochia, diajjgiofitvov nyyaioiq vdaot, Str. XVI, 
p. 750 und Müller antiqu. Antioch. p. 45 u. s. w. 

5) Xenoph. M. S. III. 8. 10: vaoVq yt ftjjv xal ßtüfiotq X^Q av 
Xq>rj ttvcu n()(7iü)dfOTaT?]v, iqxiq }fiq>avtoxdxtj ovou uoxißfoxuxij tStj* tjöv 
plv ydg idovxaq ngoq*v£aoO-ai 9 rjdv d\ dyv&q i'xovxaq ngoqthatx Tgl. 
Artstot. Pol. VII. 11.1: xdq d\ rotq &tiotq dnodidofihuq olxrjotiq 
ugfioxrtt totiov iniTTjdtiov Tf tyfiv xal xov ecirroV, öaa py twr UgüJv 6 
vbpoq dq>ogi£n x u Q^ " yro* pamTo* aXXo noO-vxg^oxov' (Xij d' üv xotovroq 
o xbnoq % oqxiq intydvfKxv v i'x*i> ngoq xrjv xijq dgtxijq &idtv ixav&q xal 
ngbq xd ytiTvmvxa f^tgij xijq nbXttaq lgv/*vox{gtoq, 

6) So Paus. 1. 21. 9: i'v&a 'AnbXXavoq xdXXiCfxov uXaoq öhdgwv 
xal TjfifQo>v xal oaet xiäv axagntav oö/uj)v na^r«/ xwa rj &iaq rjdbvrjV) 
wodurch zugleich auch des Kirchenvaters Cyrillus Angabe modificirt 
wird in Jerem. Homil. IV, p.41: uXXo ro dXoiädtq ZvXov, uXXo xo 
xugnoipogov* ilq uXatj oxav a-VTivwot £tU«, yvTtvovoiv ov xd xagnotpoga, 
ov auxyv ovd' upntXov dXXd ßovov xigytuq X"Q tv uxagxa £tUa: Tgl. 



60 Th. IL C. I. Die Oertlichkeilen des Culius. 

auch Paus. IX. 24. 4 und Soph. Oed. Col. 16. Dagegen ist zu 
bemerken, dass die Dichtersprache jedes Heiligthum aXooq nannte, 
huv jj rpcka, sagt Strabo IX, p. 412; Tgl. Scliol. Find. Olymp. III. 31. 

7) S. Nitzsch z. Odyss. I, S. xm fgg. mit den Ausführungen 
von Bissen kl. Sehr. S. 349 nnd Nägelsbach homer. Theol. S. 90, 
der insbesondere auch diese pantheistische oder, wie er sie lieber 
nennt, pandämonis tische Seite der griechischen Weltanschauung, 
welche jene beiden zunächst nur von allegorischen Wesen verstehen, 
mit Recht auch auf die Naturgottheiten ausdehnt. Man kann un- 
bedenklich einräumen, dass der Dichter "wenig geneigt, leztere 
mit den Naturgegenständen , denen sie angehören , zu identificiren, 
vielmehr strebt auch die gebundenen Götterwesen aus ihrer Be- 
schlossenheit in der Natur zu befreien und ihnen zu einem selbstän- 
digen Leben zu verhelfen "; eben darum aber wird man dasjenige, 
woraus er sie zu befreien sucht, nicht als **die spätere Vorstel- 
lung" ansehen dürfen! Dass übrigens auch jene allegorischen 
Wesen dem Gultus nicht ganz fremd waren, zeigen die Altäre 
iXfov, aldovq, <f>tjf*7]<; 9 oQprjq (Paus. 1. 17. 1) und a\äq (Hesych. I, 
p. 512) in Athen, g>oßov, &avuxov, yiXtoxoq (Plut. V. Oleom, c. 9) 
und aWovq (Paus. III. 20. 10) in Sparta, nu&ovq in Sicyon (Paus. 
II. 7. 7) und Athen (1. 22. 3), und was freilich mit fremdartiger 
Beimischung Limburg -Brouwer VII, p. 67 fgg. gesammelt hat. 

8) Ovid. fast. HI. 295; vgl. Seneca epist. 41: si tibi oecurrit 
vetustis arboribus et solitam altitudinem egressis frequens lucus • . . 
illa proceritas silvae et secretum loci et admiratio umbrae . . . fidem 
tibi numinis facit; et si quis specus saxis penitus exesis montem 
susp ender it . . . animum tuum quadam religionis suspicione percutiet ; 
magnorum fluminum capita veneramur, subita et ex ab dito vasti 
amnis eruptio aras habet; coluntur aquarum calentium fontes, et 
stagna quaedam vel opacitas vel immensa altitudo sacravit; auch 
Plin. Hist. N. XII. 1, und mehr bei Gronov. Observ. 1. 13, p. HO fgg. 
und Klausen de carm. fratr. arv. p. 9. 

9) Odyss. XVII. 208: d/iq>l d' uq > alyilQMv vdaxoTQ&piwv qv aXaoq 
TiuvToae xvxXoxtQtq, xcct« di yvxQov £«» vdiao vyo&tv ix nixqTjq, ßmpoq 
d' tq>V7Z(Q&e xixvxxo JVvf*q>äo)v i q&i, navxtq ineoi&oxov oötran vgl. 
Paus. IX. 24. 4: ioxl ö\ aiho&t xal vdiaQ ipvxQov ix nixqaq uvtQXo- 
fttvov, Nvww t« Uqov inl xij ntjyy xal aXooq ov piyu ioxivi auch 
VI. 22. 4 und das Nymphäuin 'bei Apollonia Str. VII, p. 487 und Plut. 
V. Süll. c. 27 : Itgoq tötioq ix xXoegaq vuiiqq xal Xtlpiavwr ävadiäovq 
nvgoq nrjyuq onooddaq lydcÄt/a«? ycovxoq: die Stalaktitengrotte Odyss. 
XIII. 104, vgl. Paus. I. 32. 6 (/7a*oV ainoXiov) und X. 32. 5; Ztvq 
axoxixaq Paus. III. 10. 7 u, s. w. 

10) Serv. ad Aeneid. VII« 47: dii topici id est locales ad alias 
regiones nunquam transeunt; vgl. Plut. Qu. Symp. I. 10. 3: dio 
xul ruiq 2<pQayixta* JVvnyuiq ttjv imvixtov xal nv&oxQTjaiov O-vaiav 
(V. Aristid. c. 11) unrjyov Aiavxldai, ilq Kt&u^wva y ifjq % noXtwq %o 
Uyifov xal ict aXXa na^f^ouoT/c avxoXq u. s. w. 

11) S. m. Quaestt. Oedipod. p. 90 fgg. . Als chthonisehe Nymphen 
bezeichnet sie sehr richtig Preller Demeter S. 204. 

12) Serv. u. Voss zu Virgil. Rcl. VII. 21 ; Creuzer Symb. II, 
S. 195; |III, S.60; IV, S. 72; Buttmann Mythol. I, S.273; Her- 
mann Opuscc. II, p. 291. Daher Movoat, EXXiaoiadtq Paus. 1. 19. 6, 
A^ßrj^iut IX. 34. 3; vgl. Plat. Phaedr. p. 278 B: tig xo Nvfig>w* 



§. 14. Ortsbestimmung durch physische Rücksichten* 61 

»<xp« rt xtti povoito+i und von den Masengrotten überhaupt Garlitt 
über die Mosaik, in arcbäol. Sehr. S. 163. 

13) Vgl. Creuzer Symb. III, S. 727, Limburg-Brouwer II, p. 67 
and VII, p. 11 fgg.» insbes. auch Lobeck de Nympharum sacris, 
P. I — III, Regiom. 1830. 4, und über die mannliche Seite dieses' 
Kreises Welcker Nachtrag z. Trilogie S. 214 fgg. — Die sicilischen 
Paliken, Tgl. Klausen Aeneas I, S. 473 fgg. und Preller ad Polemon. 
p. 127 fgg. 

14) Plin. Hist. N. XII. 1: nee magis auro fulgentia atque ebore 
simulacra quam lucos et in iis silentia ipsa adoramus . . . quin et 
Silvanos Faunosque et dearum gener a silvis ae sua numina tanquam 
et eaelo attributa eredimus ; Tgl. schon Odyss. X. 350: yfyvovTtu 
d' uqu raiy ix t« MQqviojv utiq t aXotojv in &" Ityüv noTUfi&v^ und die 
im Principe gewiss richtige Bemerkung von Pellegrino über den 
urspr. Relig. Unterschied d. Patricier u. Plebejer, Lpz. 1842. 8, 
S. 69 : "dass der Flussdienst symbolisch war, wird zwar nicht aus- 
drücklich gemeldet , allein das vollkommene Schweigen der Alten 
über Standbilder der Flussgottheiten, so wie die Sitte ihr Fest an 
den Quellen selbst zu feyern, wobei man Kränze in die Gewässer 
warf und die Brunnen bekränzte , scheint dafür zu sprechen , dass 
sie als wahre Naturgötter noch keine in den Tempeln aufgestellte 
Standbilder hatten"; was durch einzelne Beispiele künstlerischer 
Darstellung bei Aelian V. Hist. II. 33, der ohnehin Gultusbilder 
und Weihgeschenke durch einander wirft, noch keineswegs wider- 
legt wird. — Hamadryaden, Homer. H. in Vener.. 272, Apoll. Rhod. 
II. 477, Unger in Zeitschr. f. d. Alterth. 1843, S. 577. 



§• 15. 
Gleichwie sich aj>er in diesen Fällen das ästhetische 
Gefähl der unverdorbenen Menschenbrust von selbst in 
religiösen Formen Luft machte, eben so gilt es auch von 
den sittlichen Stimmungen und Bedürfnissen , die auf 
ähnliche Art ihre früheste Gestalt für das Bewusstseyn 
in gottesdienstlichen Personificationen erhalten; und je 
mehr es in der Natur des alten Lebens begründet lag, 
dass die ersten sittlichen Stimmungen selbst wieder mit 
dem Zusammenleben der Menschen in Haus und Staat 
zusammenhingen, desto natürlicher war es, dass auch 
jener' Gottesdienst sich zunächst an dieselben Oertlich 
heilen anschloss, welche die Grundlagen oder den Mittel 
punet des häuslichen und geselligen Verkehres bildeten 
In ersterer Hinsicht gehört dahin vor Allem die Vereh- 
rung des häuslichen Heerdes und seines Feuers selbst 
die begreiflicherweise an keinem andern Orte geschehen 
konnte 1 ); hieran aber reiheten sich die übrigen Gott- 



62 2%. IL C. I. Die Oertliekkeiten des Cullus. 

heiten, die als Repräsentanten nnd Beschützer der Familie 
und ihres Eigenthums die wichtigsten Plätze des häus- 
lichen Bezirks einnahmen 2 ) ; und ähnlich verhielt es sich 
dann auch mit den Schutz- und Stammgöttern grösserer 
Gemeinden und des Staats überhaupt, deren Verehrung 
durch die sittliche Idee, welche sie ausdrückten, schon 
Ton selbst an mehr oder minder bestimmte Oertlichkeiten 
gebunden war. Nur einzelne ältere Götterdienste , die 
sich frühzeitig in abgesonderten Tempelgemeinden ver- 
selbständigt hatten, finden sich ausserhalb der Orte, 
welchen sie als religiöser Vereinigungspunct dienten 3 ) $ 
sonst umfasste in der Regel die Burg die ältesten und 
heiligsten Gülte der Gottheiten eines Volkes 4 ), und wenn 
sich dann am Fusse dieser Burg für die* Versammlungen 
und den Verkehr der Bürger ein Markt bildete, so prägte 
sich auch diese Bestimmung wieder in Gottheiten aus, 
deren Heiligthümer um den Markt herum lagen, und sich 
von jenen nur dadurch unterschieden, dass sie die jün- 
geren und in sofern allerdings mehrfach den angeeigne- 
ten Culten gewidmet waren 5 ). Auch der Idee des Rath- 
hauses entsprachen besondere Götter 6 ) , worunter wie- 
derum Hestia als Personification des heiligen Staateheer- 
des und seines ewigen Feuers keine der geringsten ist 7 )$ 
und auf demselben Wege musste sich die Vergötterung 
und Verehrung über solche örtliche Erscheinungen er* 
strecken, deren Unverletzlichkeit zu den Voraussetzungen 
jedes geordneten Bürger- und Staatslebens gehört, und 
unter diesem Gesichtspuncte für den einfachen Menschen 
die Gestalt eines ähnliehen numen annahm, wie es im 
Vorhergehenden die Naturkräfte waren. Namentlich war 
es die Heiligkeit der Gränzsteine, die sich wie bei dem 
römischen Terminus selbst in der Verehrung roher Stein- 
blöcke äusserte 8 ), und wenn auch die Marken einzelner 
Grundstücke mehr unter dem bürgerlichen Rechtschatze 
gestanden zu haben scheinen, so dürfen wir doch jeden- 
falls die Verehrung der Hermen 9 ) und sonstigen Strassen- 
götter 10 ) des griechischen Alterthums zunächst von den 
Gränzscheiden zwischen dem öffentlichen und ' Privat- 



§. 15. Ortsbestimmung durch ethische Rücksichten. 63 

eigenthume oder auch zwischen zwei Nachbarorten ab- 
leiten n ) , deren Verschmelzung mit allgemeinen Gegen- 
ständen des Cultus die besondere Art ihrer Darstellung 
und Verehrung wenig modificirte 12 ). Ausserdem aber 
ist allerdings auch der andere Gesichtspunct nicht zu 
übersehn > der die Sicherheit der Strassen und ihrer 
Wanderer hei dem Mangel polizeilicher Anstalten unter 
göttlichen Schutz stellte l5 )y und dahin gehört dann ins- 
besondere die Wegegöttinn Hekate **) , die zwar ihrer 
ursprünglichen Bedeutung nach Mondgöttinn, doch dieser 
örtlichen Bestimmung einen grossen Theil ihrer beson- 
deren Cultusformen, namentlich ihre bekannte Dreigestalt 
als symbolischen Ausdruck ihrer Aufsicht über die Kreuz- 
wege 15 ) und das eigentümliche Opfer verdankt zu haben 
scheint, das unter ihrem Namen wohl eigentlich für die 
Reisenden an. den Landstrassen niedergelegt ward 16 ). 

1) Aesch. Agara. 1056: vd ft\v ydg 'F.ariag fttaofi^aXov tovqxtv 
tjStj fxrjXa nqoq oq>aydq nvQoqz vgl. Spanheim de Vcsta in Graevii 
Thes. antiqu. Rom. T. V, p. 659 fgg. und Grenzer Symb. III, 
S. 293 — 307. 

2) Qeol i<j>{(jTi,oi , /it/^a», fQxfiot, xryoiot, Lobeck Agl. p. 1239; 
insbesondere Zeus, vgl. Eustath. ad Odyss. XXII. 335: ßmpoq di 
fQHtlov dtoq V£(o nov ntql rqv avXrjv aX&Qioq ttvaj doxfT, onoloi noXXol 
qtaivortaiy iv (ü t&vov JilJ<f>6(j(p tov f'gxovq (Plat. Republ. I, p. 328 C; 
Athen. V. 15) üquiQ av ndXiv h tij xax* olxov iaxia AiX iyhovxo 
&vol(u, ov ol fikv uXXot, lytOTiov, *Hqb6oToq fö (I. 44) Xiyu IniaTiov^ 
rov avroy ovra tw ianov/co: und über den egxuoq mehr bei Platncr 
Beitr. z. att. Rechte S. 92 fgg. , über den xirjoioq (dorisch ndoioq, 
Ross Inscr. HI, p. 52) Harpocr. p. 179: xryaiov Ala iv tolq ra/inoiq 
«J^wto, mit Gasaub. ad Athen. XI, p. 473, Maittaire ad Marm. 
Oxon. app. II, p. 9 , Schömann ad Isaeum p. 307. Mitunter auch 
mehre Altäre, Eur. AIcest. 168, auch blosse Heroen, Babr. fab. 63. 

3) Kreuser Hell. Priesterstaat S. 145. 

4) VitruT I. 7 s aedibus veno sacris, quorutn deorum maxime in 
tutela eivitas videtur esse , in excelsissimo loco , unde moenium 
maxima pars conspiciatur , areae distribuantur. TloXtq die Burg-, 
Tgl. Thucyd. IL 15 mit Göller p. 283 und Osann syll. Inscr. p. 9; 
daher noXiovxoi ol irp noXtv oobfrmq xal ol uq/ow«; avrtjq^ Hesych. 
II, p. 973 mit Stanley ad Aesch. Sept. 69 und Spanheim ad Callim. 
lar. Pall. 53. 

5) *AyoQa1vb [ütoi) namentlich Hermes (Osann ad Cornnt. ;N* D. 
p. 73; obgleich nicht immer auf der uyoQa, Forchhammer in Zeitschr. 
f. d. Alterth. 1844, n. 1065), dann aber auch Zeus (Eastath. ad 
lliad. I. 54: m 6h 7 ßovXfVTix?j dydgd rijksov t» xal fatov ngay/sa, 
dqXoi xal to A*q\ dyogaiov flupov tdgitQ&ut dXiuxov xal xaxd 'Hgodorov 



64 JA. //. C. I. Die Oerttichkeiten des Cultus. 

Tttgl 2**tXivv: vgl. Herod. V. 46 und Bergler od Aristoph. Equ. 498), 
Athene (Paus. III. 11. 8), Artemis (Soph. Oed. Tyr. 161; Paus. V. 
15. 3) u.s.w. 

6) BovXaTot, Tgl. Paus. I. 3. 4 und St. A. §. 127, not. 2. 

7) 'Earia ßovlata, auch ngwar da, wie €. Inser. II, p. 1060, 
ygl. das. p. 1063: xXrj&ijvai, dl avxovq xal inl tivujfiov ilq to noxrua- 
vtlov Inl ttjv ßovXalav foriav, und was St. Ä. §.5 not. 9 und §.74 
not. 1 citirt ist. Richtig sagt Westermann in Actt. soc. graee. I, 
p. 147: fuit igitur ara sive focus Senator iu$ y uti focus domeslieus, 
ita in republica quoque locus sacratissimus ; mithin kein Bild, son- 
dern die heilige Flamme selbst, Tgl. Poll. Ohom. I. 7: oi/toj d' av 
xvQiVTaTU xaXoiyq tijv h nqyxavtUa^ fo* rjq ro- nvg ro aqßiovov dvanTt- 
>icu, auch Paus. V. 15. 5 und Ovid. Fast. VI. 291: nee tu aliud 
Fes tarn quam vivam intellige flammam ; vielleicht selbst das Xvxviov 
iv ngvravfio) Theoer. Idyll. XXI..' 36. Bttss es ayuXfiara 'Eoriaq 
gab (Paus. I. 18. 3) , beweist > noch nichts für den Gebrauch des 
Cultus, wo ders. II. 35. 2 ausdrücklich ein solches vermisst; und 
in sofern hätte Böttigers Läugnung der -Existenz solcher Bilder (kl. 
Sehr. 1, S. 399) ganz Recht, wenn er dieselbe nur nicht auch auf 
die Kunst ausgedehnt hätte, welcher sie nicht abzusprechen sind, 
s. Müller Archäol. S. 565 und Jahn archäol. Aufs. S. 109. 

, 8) Plat. Legg. VIII, p. 842 E: Jiog oqlov pk* nq&xoq vo/ioq odt 
iIqtj<J&(0* firj xivfiro) yrjq oqia firjdtiq prjxt olxtlov noXixov ytixovoq 
pjjxe aftoTtyftovoq kn ia/artaq xtxxy/ifooq äXXat $b(p ytiTovütv . . • ßov- 
Xko&ü) dl näq nhgov (Tii/fiQijoai, xivitv tov pfyioxov uXXov juuXXov tj 
Ofuxgov Xi&ov oofcovxa pt,Xiav re aal l'x&Qav l'vogxov nagd &t6Jv: vgl. 
Zoega de Obeliscis, Rom. 1797 fol. , p. 197 und Abhh. herausg. 
von Welcker S. 290, auch Böttiger Runstmythol. II, S. 135 fgg. 

9) Vgl. G. C. Harles de Mercurii statuis ante aedes januasque 
apud Graecos positis, Erlang. 1763. 4 und E. Gerhard de religione 
Hermarum, Berl. 1844. 4, dessen Grundansicht freilich von der 
Obigen bedeutend abweicht. Insbes. in Athen , Paus. I. 24. 3 
(uxcaXot) und IV. 33. 4: tv xatq nvXatq 'Egpijq zt/v^g' xijq *Axxi,xijq % 
*Ad-t]vai(üv ydg to a/^fia to tixgdytayov toxiv Inl •xoXq 'EoftaTq xal dno 
xovxüiv ßtffiafrqxatHv ol aXXon vgl. Thucyd. VI. 27 mit Göller p. 149 
und Müller in Hall. Encycl. VI, S. 236 fgg. Auch als Wegweiser, 
wie namentlich die HippaTchischen : Xkytav o 'Egiijjq ort, lv f*ho> roxi 
aaxtoq xal xov dijpov «cft^x«: vgl! Plat. Hipparch. p. 228 C und C. I. 
n. 12 mit Fröhlich in Jahns Archiv 1838, V, p. 336 und Sauppe 
im Züricher Plato XI, p. vm; ursprünglich sogar, wie es scheint, 
nur rohe Steinhaufen, vgl. Schol. Odyss. XVI* 471: o&tv xal toi'? 
äv&gdnovq axü* T °v **>* **S ?H**j* 'Equov xatd . vdq odovq did to to* 
&iov tlvai XQinov xa&rjytpwa xal ,{tntyxgon.ov xitv ixdixovvruy owgoiq 
7io$tVv Xi&wv xal diuyovxaq 7IQ oßaXXav Xi&avq xal xovxovq xaXtlv fQ- 
fiaiovq Xag>ovq> wozu Eustath. p» 1809. 31 noch ausdrücklich hinzu- 
fügt :/ uXXof di voovot, QijßiXa oti&v. xard noarjv nva didavaow piXiaotiov 
t\>xov 7) aradi,aonov i auch Schol. Nicand. Ther. 149 und Müller 
Archäol. S. 44. 

10) Insbesondere der *Ayvmu;, welchen Gerhard p.. 8 mit. Recht 
Deriensium ut ita dicam M er cur tum nennt, und den man auch nur 
von uyvtd, die Strasse, abzuleiten; nicht mit Pauofka in Abhh. d. 
Berl. Akad. 1840, S. 361 als den beinlosen zu deuten braucht, um 
seine fortwährende Darstellung als Spitzsaule zu erklären; vergl. 



§.,15. Ortsbestimmung durch ethische Rücksichten. 65 

Harpocr. p. 5» uyvxvq öi lax* xiw fic oqv Xyyw, ov Urrao* ngo xwr 
{h*Qßv 9 Idiovq d« yaoiv rlvcu avrovg 'AnoXXwvoq , ol di Jtorvaov, ol de 
anyoTvi und mehr bei Sluiter lectt. Andocid. p. 48 , Becker Cho- 
rikles I, S. 189, Müller Dor. I, S. 299, Berl. Arch&ol. Zeit. 1843, 
S. 50 u. a. w. 

11) Paus. VIII. 34. 3 t xal dm avxrjq oruäut tixooi law bil io 
EQfiatov, iq o Mtooyvioiq xal MtyaXonoXiraiq tlalr opot,* nmoiyrra* Sl 
avro&i, xal 'EqfArJY inl arrjX^x 4gl. Polyaen. Strateg. VI. 24 zwischen 
Lampsakus und Pari um. 

12) Wie werin der Agyieus durch seine Subsumtion unter den 
Gesammtbegriff des dorischen Hauptgotts einen apollinischen Kopf 
erhalt (Panoflsa Musee Blacas Tab. VII; rgl. Welcher Syll. Epigr. 
S. 170: ov ntql xqut$ ödtpvaq (vadftovq xXwvaq dvaor4q>tTai) 9 oder die 
Heiligkeit der Strassenherme durch den phallischen Schmuck des 
pelasgisch-tyrrhenischen Hermes (Herod. II. 51) erhöht wird, ohne 
dass man desshalb mit Gerhard und Göttling in Ritschis Rh. Mus. 

I, S. 169 jeden einfachen rohen Stein, rov £' avdqtq nQortgoi &ioav 
HfilMtu ovqov dqovqrjq (Iliad. XXI. 405) bereits für einen Phallus 
nehmen dürfte; Tgl. auch Ann. dell* Inst. 1832, p. 340. 

13) Plat. Legg. XI, p. 914 B: oV t*c iü>v avzov i* xarvaXint] nov 
fxwv ifö uxo)v, o ngoqrvyxdv(ov *«*» xiTo&cu voßii£<ov g>vXarrtiY ivodiav 
Suipova t« rotuvra vno tov vo/tov %jj &t$ »a&ugwftha, wozu der 
Scholiasts ti/V "AqTtpw tjxo* rrjv StXrjVTjv <pqoiv 9 intl xal o AnoXhat 
*Ayvuvq' xal yug ufiqxa rdq odovq nXngovat gxuvoq . ., dXXu xal top 

i'Eq/ijtv Ivodiov xal rjyipova XfyovOii>, a>q Mov avrat nQoq rdq ngd^ttq 
TJytpow /o^fo/tat: xal roxnov fö inl im* odvh d*ee tovto dviOTijXow. 
Auch Herakles, Tgl. Anthol. Pal. IX. 316, und im Allg. Bayer de 
diis vialibus Graecorum , Regiom. 1718. 4; Weiss de numinibus 
vialibus, Lips. 1726* 4; Otto de tutela viarum publiearam, Traj. 
ad Rh. 1734. 8, p. 167 fgg. 

14) 'i<Vod/a ti 'Exurrj, Intl xvrqyog, Etymol. M. p. 344. 42; vgl« 
Schol. Apoll. Rhod. II. 1213 und die Er kl. zu Soph. Antig. 1199, 
obgleich dort wie häufig (Kur. Hei. 570, Anthol. Pal. VI. 199, 
Lucian. Na?. 15, Paus. III. 14. 9) das Epitheton allein steht, so 
dass man auch hier deutlich sieht, wie eine ursprünglich rein ört- 
liche Gottheit mit einer allgemeinen verschmolzen worden ist, die, 
sey es als Mondgöttinn (Sehwenck Andent. S. 219; Creuzer Symb. 

II, S. 525) oder als Fernwirkung (Klausen in Wclckers Rh. Mus. 

III, S. 457, Petersen in Hall. A. L. Z. 1838 , E. Bl. S. 305) zu 
diesem Wegeschutze vorzugsweise geeignet schien. 

15) Tgiodtotq, vgl. Theoer. II. 36, Plut. Apophth. p. 193 F, und 
mehr bei Voss Idolol. II. 29, Casaub. ad Ath. VII, p. 325, Osann 
ad Cornut. p. 380, Ste Croix recherches sur les mysteres p. 552, 
Voss mythol. Br. HI, S, 198, Kopp palaeogr. crit. IV, p.39, Böttiger 
Kunstmyth. I, S. 273, Gerhard Prodromus S. 90 u. s.w., ohne jedoch 
die mystischen Deutungen zu billigen, welche sich hier an die Beinamen 
TQlfioyqtöq , tgiykrjvoq u. s. w. anschlicssen ; die. einfachste gibt schon 
Ovid Fast. I. 141» ora vides Mfecates in tres vergentia partes, servet 
ut in ternas compita seeta vias, insbes. verglichen mit dem dreiköpfi- 
gen Hermes bei Harpocr. p. 286: wqnrg driuaxwiß tdq oSovq uul 
*xwv vitoyguvrjv, nov p\v av%y <f>lgtt rj odo?, nov di IxUvij, Daneben 
bleibt sie inzwischen wie Hermes auch einfache Strassengöttinn vor 
den Häusern; Tgl. Hesych. I, p. 1125: ixaiata tu nqo tw &vgw 



66 Th. IL C. I. Die Oerilichkeiten des Cukus. 

'Enaxvjq dydXjiaTa' rtvh <ft tu h ratq tqiqö<u$ 9 und mehr bei d. 
£rkl. xu Aristo pli. Ran. 379, Vesp. 804, Lysistr. 64, und Lobeck 
Agl. p. 1336; daher nqo&vQuiu oder nyo&vQidia, was dann auch auf 
Artemis übergeht , Spanheini ad Call im. Dian. 38; aber auch ä(>o- 
nvlula (Paus. I. 38) oder n^oöxuxTjqla (Aeschyl. Sept. 455)? 

16) Schol. Aristopb. Plut. 596 t t&og t/v ugrovq aal (iXXa %t,vu 
*atd firjvu Tt&iyut rf] 'Exüry tovc nXpvblovg % lafißdvtw <T t£ uvtcjp rovg 
nhijraq' «7io nc&v Uqüv yaQ ol nrtoxol ^iäaivi vgl. das. Spanbeim und 
die Erkl. zu Lucian. D. M. 1 nebst der äthiopischen rgdne^a roti 
?}tiov Herod. III. 18. Freilich mochte die Gabe oft gering ausfal- 
len, woher 'Externe ßgtafjtara tiid ttjv ßQaxvjijxa Ath. VII. 92; doch 
ist sie desshalb nicht mit den xa&uQQlotg zu t er wechseln , welche 
später wohl auch 'Exwi-qq dtfnvov hiessen, Plut. Qu. Rom. 111 u. s. w. 



§. 46. 
Ausser diesen beiden Rücksichten konnte übrigens 
auch ein besonders gegebener Umstand oder eine histo- 
rische Thatsache Anlass werden , eine Verehrung vor- 
zugsweise oder ausschliesslich an eine bestimmte Stelle 
zu knüpfen ; und je geneigter wir die Griechen finden, 
auch jenen beiden durch mythische Einkleidung den 
Schein einer geschichtliehen Motivirung zu verleihen, 
desto weniger dürfen wir zweifeln, dass eine solche unter 
Umständen wirklich auf die Bestimmung einer Cultus- 
stätte eingewirkt ' habe. Selbst im eigentlichen Götter- 
kreise begegnen uns Beispiele, dass ein einzelnes Er« 
cigniss wie die Einführung eines Cultus, so die Wahl 
seines Orts bestimmte l ) 5 insbesondere aber gilt dieser 
Gesichtspunct für die Verehrung der Heroen, die ihrer 
ganzen Natur nach Todtehcultus war 2 ) und folglich mit 
Notwendigkeit an dem Grabe dessen hing, welchem 
diese Verehrung in engerem oder weiterem Kreise gezollt 
ward 3 ). Damit soll freilich nicht gesagt seyn, dass alle 
die Wesen, welche später heroische Ehren genossen, 
irgend einmal auf Erden gelebt hätten und wirklich ir- 
gendwo begraben worden seyen, da man von vielen der- 
selben mit Sicherheit annehmen kann, dass sie theils 
Personifikationen geschichtlicher oder ethnographischer 
Thatsachen oder sonstige Phantasiegebilde 4 ) , theils ur- 
sprüngliche Götternamen gewesen seyen, die erst in der 
herrschenden Mythologie diese Bedeutung verloren hat- 



§. 16. Ortsbestimmung aus historischen Rücksichten. 07 

ten 5 ) ; dem allgemeinen Grundsatze geschieht jedoch da- 
durch eben so wenig Abtrag, wie wenn anderswo ein 
Mensch oder Heros der gewöhnlichen Sage zu göttlicher 
Ehre gelangt 6 ), indem gerade die Behandlung einer 
fremdartigen Erscheinung nach der Analogie einer andern 
die Existenz der lezteren bereits voraussezt. Dass der 
Name ygag, man möge ihn ableiten wie man wolle 7 ), 
in der ältesten Quelle bei Homer die Mitglieder der herr- 
schenden Heldengeschlechter selbst bedeutet, ist ausge- 
macht 8 ), und wenn derselbe bald nachher Gegenstand 
religiöser Verehrung wird, so beweist dieses nur, dass 
die nämliche Pietät, welche jene als Sohne oder nahe 
Verwandte der Landesgötter ansah 9 ) , hieraus eine auch 
über den Tod hinaus wirkende Macht derselben herlei- 
tete, die ihre Gunst als eben so wiinschenswerth wie die 
der Naturkräfte erscheinen liess 10 ) ; der Cult galt we- 
sentlich den Todten, und selbst wo er in andere Gegen- 
den verpflanzt ward, mnsste er sich auPs Neue an sym- 
bolisch fingirte Grabstätten anknüpfen, welche dann ge- 
wöhnlich ein passender. Mythus motivirte u ). Auch der 
ganze sonstige Sprachgebrauch dieses Gultus verräth einen 
speeifischen Unterschied von dem der Götter: der heilige 
Raum, der dort is/uwog oder isqop heisst, wird hier 
ovjxoe oder tjqüov genannt 12 ); die Altäre sind niedrige 
Feuerstätten, loi&gcu 13 ) ? die Opfer selbst nicht <dvolai, 
Standern ivctylopaia 14 ), und wenn diese Gegensätze auch 
hin und wieder nicht so scharf beobachtet werden 15 ), 
so zeigen doch andere Stellen wieder aufs Deutlichste, 
wie scharf man sich die Gränze zwischen Heroen und 
Göttern dachte 16 ). Nur dass sie auch von den unter- 
irdischen Göttern verschieden sind , begründete wieder 
zwischen ihrer Verehrung und dem allgemeinen Todten- 
cultus den Unterschied, dass lezterer nicht sowohl den 
Todten selbst, als vielmehr den Beherrschern des Todten- 
reichs galt, um diese mit jenen zu versöhnen und zu 
ihrem Empfange willig zu machen- 17 );' allmälig ver- 
schwand jedoch auch dieser dergestalt, dass man den 
Namen ijgwg auf jeden Verstorbenen, auszudehnen an- 

E2 



68 Th. IL C. I. Die Oertlichkeiten des Cultus. 

fing 18 ) ; und obgleich es fortwährend eines Orakelspruchs 
und Gemeindebeschlusses bedurfte, tun einem solchen die 
öffentliche Anerkennung zu verschaffen 19 ) , so stand es 
doch' jeder Familie zu, ihre Todten heroisch zu ver- 
ehren, wozu die natürliche Heiligkeit der Grabstätten 
von selbst mitwirkte 20 ). 

1) Vgl. z. B. Paus. I. 13. 7 t tuvtu tlq ryv JIv^ov xfXtvrrp 
uvxol Xeyovaiv *AyytT<H xal o röJv ta*/a>(na>y l^rjyrjrijq Atvxiaq fo tTitoiv 
tfynxt • xal aipiotv toxi toTi &iov xQV aavT0 ^ tv&a lIv$$oq iTtXtvrrjaeir 
IfQor Jjj/*ijrgoq 9 h di aurfi xal 6 JJv^Qoq xi&anrai,. 

2) Creuzer Symb. III, S. 763 fgg. Limburg *Brouwer VII, p. 
448 fgg. Preller Demeter S. 227. Dass sie wirklich ah Unterirdi- 
sche galten, zeigt Diog. L. VIII. 33: fJQwai &i>tiv coro fiiaijq yufQaq 
und Schol. Pind. Isthm. III. 110 1 l'&oq nQoq dvojidq UqovqytVv xoZq 
TJQuxjt, verglichen mit Etym. M. p. 468: dno 6\ pioi]tiß{iiaq *&vov rolq 
xara/O-ovtoiq , und Eustath. ad Iliäd. VII l. 65: ro yuQ niaij/ißqivo* 
ToVq xarot^ofthoiq dnhtfbov ilq %oäq* 

3) Herod. V. 47: Inl yug tov ictyov avxov qgmo* l^QVüafuvot 
üvolrjaw avxov IXuqxowuh vgl. Paus. .1. 41. 6 und mehr bei Sallier 
in Hist. de l'A. d. 1. VII, p. 189 u. Raoul-Rochette im Journal des 
Savants 1833, p. 437 und Monum. d'antiqu. fig. II, p. 153. 'i/ptw* 
dno^rot &rjxai y Plut. Pyth. orac. c. 27, yel. Lobeck Agl. p. 281. 
Auch Frauen : Andromache Paus. I. 11. 2 ; Ino 1. 42. 8 u. s. w. 

.4) Wegen des allegorischen Charakters vieler Namen der Sagen- 
geftehicbte, die Heroeitehre genossen {r/Qmq aQxyyhai, Plut. V. Aristid. 
c. 11, Paus. X. 4. 7) genügt es aui die St. A. §. 4. n. 6 fgg. citir- 
ten Bücher und Nitasch in Kieler philol. Stud. S. 389 fgg. zu ver- 
weisen; wegen sonstiger Allegorien auf den jjQtnq largo q Demos th. 
F. L. §.249, r/txXäioq Paus. I. 32. 4, xvapixyq I. 37. 3, xaqd^mioq 
VI. 20. 8, /iviuyQoq VIII. 26. 4, die übrigens wohl erst der allmä- 
ligeh Verwechselung von j^ws und 6alfio>v ihren Ursprung verdank- 
ten, vgl. Phtt. Qu. Rom. 25 und Plac, phil» I. 8, Diog. L. VIII. 
32 ;u. s.w. 

5) Schwenck in Welckers Rhein. Mus. VI, S. 287 : "dass be- 
rühmte Heroen und Heroinen , alte Könige und Königinnen , und 
überhaupt ein grosser Theil der Fabeln nur aus Beiwörtern der 
Götter und Göttinnen und aus angenommenen Verhältnissen der- 
selben entsprungen, dann aber im Mährchen behandelt worden 
seyen, als sey von Menseben und ihrem Thun allein die Rede« 
geht aus so vielen sicheren Beispielen hervor, dass man bei jedem 
berühmten Namen einer alten griechischen Fabel sich versucht fühlt 
nach einer derartigen Spur zu suchen"; vgl. Paus. I. 38: ol ydq 
oo£a?o* tu? Xoytav 9 ute.ov TVQoqovrtov Ofplai yivwv y aXXu re nXuoua&tu 
dido')xu(H xal ftuXiora tlq zu yfoq tojv ygojcüv: auch Buttmann Mythol. 
I, S.248, Müller Prolegg. S.271 fgg., und insbes. Uschold Vorhalle 
I, S. 153 %g., wenn auch dieser den angedeuteten Qesichtspunct zu 
einseitig verfolgt hat. 

6) Ueber die göttliche Verehrung vieler Gestalten , welche die 
Dichtermythologie nur als Heroen kennt (Herakles, Diomedes, Am- 



§. 16. Ortsbestimmung aus historischen Bücksichten. 69 

phiarane, Hippolyt) vgl. Paus. I. 34. 2 und mehr bei Limburg- 
Brouwer VII, p. 444 und Klausen Aeneas S. 1129 fgg. ; dass aber 
auch abgesehen von der oben §.12, n. 4 berührten Schmeichelei 
historische Personen nach ihrem Tode nicht allein Heroenehre, son- 
dern wirkliche Vergötterung erfahren konnten, aeigen Lykurg und 
Philopömen bei Keil Anal, epigraph. Lips. 1842. 8, der nur, was 
den ersteren betrifft, nicht hätte p. 45 zweifeln sollen, dass Hero- 
dots Worte I. 66 : TtXtvv^aavri Iqov tlodfitvot Ofßorra* fifydXojq, oder 
Epliorus bei Str. VIII, p. 562* bereils dasselbe was Plutarch c. 31 
und Paus. III. 16. 5 bezeugen. 

7) Plat. Crat. p. 398D von ??<»?, andere von tga (Etymol. M. 
p. 438. 15) oder "if<pct, vgl, Martian. CapeU. II, §.160: qui ex eo 
quod Heran* terram veieres dixerunt ff er o es nuneupati, mit Kopp 
p. 215; am Besten wohl mit Schwenck Andeut. S. 62 und Creuzer 
III, S. 722 die Herren, zu welcher Bedeutung auch Pott etymol. 
Forsch. I, S. 221 u. II, S. 443 stimmen würde. 

8) Hesiod. $. x. jy. 159; vgl. Apoll, lex. Homer, p. 84: ndrrtq 
ol xax ixtlvov rov xQovov jjgw^q ixaXovvra, obgleich sich hinsichtlich 
der Ausdehnung eine aristokratische und eine demokratische Ansicht 
gegenüber standen ; vgl. Aristot. Problem. XIX. 48 1 o* dl yytfioveq 
twv dgxuioiv > fiovot, rjouv ygweq, ol dt Xaol uv&Qomot 9 und dagegen 
Schol. Venet. lliad. XIX. 34: jj dmXrj, ort narre? ygme. tXlyovro, 
ovx ol ßaotXitq <oq "lorgog, mit Lehrs Arist. stnd. p. 108; doch bleibt 
es jedenfalls, wie Wolf Vorles. über die Uias herausg. v. Usteri, 
Bern 1830. 8, S. 33 sagt: ein Ehrentitel, ungefähr wie das engli- 
sche gentleman; vgl. Cambr. Philol. Museum II, p. 72 fgg. und 
Nitzsch Studien S. 378. 

9) Plat. Republ. III, p. 391 Et &twv dyxtonogo* Ztjroc iyyvc . . nal 
oviita o<pkv QItijXov at/*a daipovuv: vgl. Apoll. Rhod. II. 1223 s ftaxd- 
(jwv oxiäov alpdroc ixyiyatortq, und Eustath. p. 18. 42: oXa>g dl thtet¥ 
TtgaTudioTigov ph diu oifivoTTjra ol naXatol rovq ßaotXtlc In &tiov 
yhovq tytrtaXoyovv nal yfii&tovq IndXovv, mit Nitzsch z. Odyss. II, 
S. 8. 

10) Ueber den Einfiuss der Heroen auf menschliche Angelegen- 
heiten s. die Beispiele bei Limburg- Brouwer VlI, p. 477 fgg. Bei 
Homer ist freilich eben desshalb noch kein Heroencultus, weil seine 
Todten dfxtvrjvd xdqr/va sind, vgl. Nitzsch z. Odyss. HI, S. 340 fgg. 
Nägelsbach homer. Theol. S. 342; später aber 'werden sie nicht nur 
als wohlthätige, sondern insbesondere auch als bösartige Geister 
Gegenstand der deiOidai/nvla : vgl. Meineke ad Afenandr. p. 158 und 
die Erkl. zu Zenob. V. 60: ol yug ijgmq cToj/tot xuxovv päXXap 7} 
(VfQyttttVy auch Babr. Fab. LXUI. 7; xctxwy de ndvrmv vi yt avvtartv 
U*&gOMOiq dorijgeq Tjfietql 

11) Vgl. Nitzsch Afelett. Hom. I, p. 127, Welcher kl. Sehr. 
S. 154, und Paus. VI. 23. 2: 'AxdUi de ov ßbififc, xevor de iort» 
avTüi lAvrjua ix ftavrelaq* ryq navijyvqewq dt UQ%ofiivi]q h yptytf £7*7/ 
ntql unoxXivona elg dvopdq toxi qXiov tov dgo/xov al yvvaixeq al *HXetat 
aXXa T£ rov ^x^XXmq dguiatr elq xt,prjv nal nonteafra* *oi*£ovaw at/roV. 

12) Poll. Onom. I. 6: ol per ydg dxgtßhTtgot tnjnov vor xoiv TJgwwr 
liyovoii vgl. Eustath. ad Odyss. IX. 219; ol dl ßt&* "Opygoi nal enl 
vaov Tf)v Xi&r e&ewo* atjnoq yovv yacfiv TjQtpov: freilich eben nur als 
ummauerter oder eingehegter Hof, in dessen Mitte das Grabmonu- 
ment, vgl. Ulrichs Reisen S. 46. 



70 27*. IL C. L Die Oerllichkeilen des Cultus. 

13) Poll. I. 8: ioyuQa d* ISixwq doxft (üvo/iuaO-at, fg>' ijq roVq tjQiüttnr 
dno&vofttvi und über die Form Apoll, lex. Homer, p* 78: ßtofios 
ioontdoq ovd* In Xi&(ov vtyovptvoqi Tgl. Ross Inscr. III, p. 52: ioyuqaw 
T*TQanidov % und mehr bei Nitzsch z» Odyss. II, S. 15 u. III, S. 161, 
auch Ulrichs S. 21. 

14) Herod. II. 44: tw filv cJ? d&avaxto *OXv finita <ft inoiwuirp 
&vovoi 9 täJ di hlqco toq rjgtoü hayii^ovoti rgl. Paus. II. 11. 7: rw fiiv 
<uq ijQiay i firta qXtov dvvovxa lvayi£ovow , Eva/itQiwvi dl toq &t£i &vovon 
and IV. 3. 6 , aas welcher Stelle zugleich selbst der Gegensatz mit 
niederen Göttern scharf hervorgeht . 'EyayiaxrjQiov des Palaemon, G. 1. 
n. 1104. 

15) So spricht Strabo IX, p. 619 von einer loyuQu tov *Aarqti- 
naiov dioq, Tgl. Eustath. Odyss. VI. 305, und umgekehrt gewährt 
selbst ein Orakel Paus. VI. 9, 3 und eine Urkunde G. I. n. 2448 
einem Heros &volaq, wozu mehr bei Limburg-Brouwer VII, p. 453 fgg. 
Dass Heroen auch Tc/*bq haben, versteht sich bei der unten §.19 
zu betrachtenden Bedeutung dieses Wortes ohnehin von selbst. 

16) Gonon Narr. 45 von Orpheus i Xaßövreq ovv vno oqpar* ^*- 
ydXco &umovo* rifitvoq avxto mQttiglavrfq' o riatq fitv tjq£ov ?/v, vot*qov 
dfc HtvUrjatv Uqq* «ivat* övoiatq rt yug nal ooo*q uXXok; &tol rt/iüvTa* 
ftQuigeicui vgl. Plut. Virt. muH. c. 18 und Athen. XV« 52. 

17) In sofern hat allerdings Nitzsch a. Odyss. III, S. 165 Recht: 
"heroische Ehre ist ein manniehfache Abstufungen von Gultushand- 
lungen umfassender Ausdruck« immer aber bezeichnet er ein Höheres 
als mit dem allgemeinen Todtencult. gegeben ist*'; daraus folgt 
jedoch nicht, dass sie sofort "Theil am Loose der Olympier" er- 
langen, was im Gegentheil scharf geschieden wird, vgl. Diodor. 
Sic. IV. 1: fieyiOTat. yaQ nul nXtlorai, ovviTeXio&qoav ngütiiq vno r&v 
ifttouv re nul ypt&mv nal noXXH» uXXtav äv&QÜv dyaß-toVy (ov d«d idq 
ttoivuq evfQytoiaq ol fitTaytvkoTiQOh rovq /üv loo&iotgy rovq dh ^qtal'nuVq 
&vo£(uq irifiqoav, und mehr bei Keil a. a. O. p. 16 fgg. 

18) Welcher Syll. epigr. p. 32: yqwq enim Ulis temporibus fere 
idetn est atque 6 peexaotaye , ita ut promiseue utraque voee de marito 
utatur mulier apud Mciphr. III. 37; vgl. Ulrichs Reisen S. 52 

, und über bildliche Darstellungen in diesem Sinne Müller Archäol. 
S. 678. Daher auch namov und jjqiov oft verwechselt, ohne dass 
man desshalb immer das leztere herzustellen brauchte ; vgl. Schäfer 
ad Plutarch. IV, p. 344. 

19) S. Keil p. 39 fgg. und Limburg-Brouwer VII, p. 458— 469, 
woraus zugleich hervorgeht, dass der Ausspruch des delphischen 
Orakels bei Paus. VI. 9. 3, der Ol. LXXI den Athleten Kleomedes 
aus Astypaläa für den varaxoq tjqojwv erklärte, auf die Zukunft ohne 
Einfluss blieb; vgl. Brasidas Thuc. V. 11, Gyniska Paus. III. 15. 1, 
Aratus Polyb. VIII. 14. 8 u. s. w. 

20) 'AmqwZhv: vgl. C. I. n. 2471 fgg., Ross Inscr. II, p. 203 fgg. 
und dess. Reisen auf d. griech. Inseln , Stuttg. 1840. 8; II, S. 18: 
"der Brauch, dass namentlich auf einigen dorischen, aristokratisch 
regierten Inseln, wie Thera und Anaphe, die Sprösslinge der regle- 
renden Geschlechter nach ihrem Tode als Heroen geweiht wurden, 
ist bereits aus Inschriften sattsam bekannt; und Aehnliches stellt 
sich jezt für einige der attisch - ionischen Inseln, namentlich für 
Amorgos heraus ; auch auf böotischen Grabsteinen steht gewöhnlich 



§. 17. Menschliche Bezeichnung d. Cultusortei Altäre. 71 

der Verstorbene neben seinem Pferde mit dem Zusatz: rjgwq x aZ Q** 
nur in attischen Inschriften ist mir noch kein Beispiel davon vor- 
gekommen." Auch in Macedonicn, C. I. n. 1956; in Larissa sogar 
ein Staatsclave , dupooioq, das. n. 1792. 

§. 17. 

Zu diesem örtlichen Charakter des griechischen Cul- 
tus gesellte sich nun aber schon frühe als zweites Ele- 
ment der Anthropomorphismus , und erweiterte nicht 
hur die unmittelbare Anbetung der Gottheit in der Na- 
tur u. s. w. zu einer Menge von Gebräuchen, deren diese 
ihrem Wesen nach nicht bedurfte, sondern wirkte durch 
die örtlichen Veranstaltungen , welche zu diesem Ende 
nöthig wurden, auch auf jene dergestalt zurück, dass 
wohl nur sehr wenige Cultusstatten ohne menschliche 
Zuthat blieben *), und namentlich ohne Altäre selbst den 
Begriff einer Gottesverehrung zu fassen fast unmöglich 
schien 2 ). Nur darf man diesen religiösen Anthropo- 
morphismus nicht ohne Weiteres mit dem künstlerischen 
verwechseln, welcher die Gottheit wesentlich als Bild 
auffasste, während jener zunächst nur menschliche Nei- 
gungen und Leidenschaften bei ihr voranssezte, ohne 
darum ihre Substanz aus der Sphäre der Naturwirkung 
in die der Menschengestalt hereinzuziehen; ja selbst wo 
er sich an ein sinnliches Vehikel anknüpfte, brauchte 
dieses nicht sofort der Gegenstand der Verehrung selbst 
zu seyn; und auch nachdem durch die Vermittelung der 
Poesie, wie es scheint, der Bilderdienst in dieses Sta- 
dium getreten war, gelangte er nie zu der allgemeinen 
Notwendigkeit, welche der Altar seit frühester Zeit 
durch die Beschaffenheit des Cultus erhielt. Opfer und 
Gaben sind die einfachsten Wege, durch welche der 
Mensch, der die Gottheit nach sich beurtheilt, ihre Gunst 
zu gewinnen oder ihren Zorn abzuwenden sucht, und 
auch da, wo nur die Oertlichkeit als solche zur Vereh- 
rung einlädt, sein Gebet unterstüzt; dazu aber bedurfte 
er äusserlicher Mittel, deren Zeichen und Ueberbleibscl 
schon ohne alle Absicht eben so gut wie die Naturbe- 
schaffenheit selbst den Ort als einen heiligen erkennen 



72 TL IL C. L Die Oertlichkeiten des Cullus. 

Hessen 3 ) j und je häufiger sich nun schon von alter Zeit 
dieser Cnltus gerade als Brandopfer gestaltete, desto cha- 
rakteristischer musste die Feuerstätte, auf welcher dieses 
dargebracht wurde 4 ) , zum Merkzeichen eines Cultusorts 
werden. Wie sich noch der spätere Cnltus hin und 
wieder dieses thatsächlichen Ursprungs seiner Altäre erin- 
nerte 9 zeigen die Beispiele, wo diese aus Asche oder 
Ueberbleibseln von Opferthieren gebildet gleichsam das 
Ergebniss ihres eigenen Gebrauchs sind 5 ); aber auch 
wo sie geflissentlich aus Stein oder sonstigen Stoffen 
aufgeführt waren 6 ) , blieben sie durch den Gebrauch 
selbst geheiligt stehn 7 ) $ und so sehr man sich hüten 
inuss, sie in einem engeren Sinne als ihre ganze Stelle 
für einen Sitz der Gottheit zu halten oder ihre Heilig- 
keit anders als die jedes sonstigen Opfergeräths zu fas- 
sen 8 ) , so unterscheiden sie sich doch auch von diesem 
durch ihre örtliche Fixirung, die nur in seltenen Fällen 
durch Beweglichkeit aufgehoben ward 9 ). Damit ist übri- 
gens auch ihre wesentliche Bestimmung erschöpft , und 
was sie in späterer Zeit als Zusatz erhielten, z. B. Stu- 
fen, Kränze und sonstige Verzierungen, sowie die man- 
nichfaltige Gestalt selbst 10 ) , ging lediglich aus techni- 
schen und decorativen Rücksichten hervor, ohne dass 
man darin eine gottesdienstliche Symbolik zu suchen be- 
rechtigt wäre n ) : die Hauptsache war ihr Standpunct 
unter freiem Himmel, um den Dampf des Opfers in die 
Höhe wirbeln zu lassen 12 ) , und auch als sich allmälig 
der Cultus vorzugsweise an Tempel zu schliesscn an- 
fing, blieb ihr Verhältniss zu diesen das nämliche, wie 
es zu jedem sonstigen Cultusorte bestand. Allerdings 
konnte nicht leicht ein Tempel ohne Altar, wohl abci* 
fortwährend ein Altar ohne Tempel seyn , sobald nur die 
Stätte anderweit geheiligt war 15 ) , und so behauptete er 
auch gegen jenen fortwährend seinen unmittelbaren Zu- 
sammenhang mit der umgebenden Natur 5 nur Räucher- 
heerde 14< ) oder Tische , worauf Weihegaben gelegt wur- 
den 15 ), fanden auch im Innern der Tempel Platz, «wäh- 
rend der Altar vor dieselben zu stehen kam, und selbst 



§.17. Menschliche Bezeichnung d.Cultusorte: Altäre. 73 

wo er bei späterer architektonischer Erweiterung von 
dem Tempelgebäude umschlossen ward, blieb über ihm 
ein Raum frei, der ihn seiner Bestimmung fortwährend 
genügen Hess 16 ). 

1) Eustath. ad Odyss. XII. 252: dnoßoipid rtva Uqu, wv ov* tnl 
ßmpov o xa&ayio/toq dXX' inl iöuyovq: vgl. ad Uiad. VIII. 518 uud 
Hesych. I , p. 457, sonst unbekannt. Selbst der Plassgott JSbfp- 
£<*o?, welchem iq nq/dq geopfert wird, hat rififvoq ßtftov xt Uiad. 
XXUI. 148. 

2) Vgl. den chrysippischen Schluss bei Lucian Jap. tragoed. 
C. 51: tl (xkv tioi ßmf*,ol % dal xal &tol, dXXd fitjv tio* ßo/fiol, (iölv uqa 
xal &fol 9 and Aehnliches bei Theon. Progymn. XII. 32; im Allg. 
aber den charakteristischen Gegensatz mit den Persern bei Her. I. 

131 : dvdXfiaru fikv xal vaovq xal ßtßfiovq ovx iv *upuo nouvfifpovq 
lÖQvto&at, . . wg fikv iftol doxitiv ozi ovx dv&Qumoipviuq ivofuoav %ovq 
ötoiiq xavujttQ ol "EXXijvtq tlrai. 

3) Wie Antigone bei Sopb. Oed. Col. 16 den heiligen Hain 
erkennt; £ai£og d* od* IfQoq, mq adtp <tx«0a«, ßyvatv ddfpnjq x. t. X., 
so der platonische Sokrates Phaedr. p. 230 B: Nvfiyiöv %t t&Sw xal 
*Ax*X<aov Uqov dno iwv xogm> ii xal dyaXpuTtav toixiv ilvat,; vgl. 
Becker Charikles I. 31 und Berl. Archäol. Zeit. 1844, N. 18 t auch 
Bekk. Anecdd. p. 102 1 xoQoxoo/uia xvgiotq fih terSru Hl torr TQtodion 
nqoooma buXtva, u drj ol 'AttixoI xoquq xaXovot, was Lobeck Agh 
p. 1336 missverstanden hat. Anderes ähnliche oben §.8, n. 10; 
auch Blumcnstreuen, Nicander bei Athen. XV, p. 684D, und Kranze 
Tibull. I. 1. 15: nam veneror seu slipes habet desertus in agrü seu 
vetus in trivio florea serta lapis. 

4) Biojtoq, eigentlich jede Erhöhung, Tgl. Eustalh. ad Uiad. 
VIII. 441 : ota ßwfiol ov n'ovov l<p uv *&vov, dXXd xal xrioftu t* dnXoiq 
xal dvdaxrjfAa , iq>* ov fori ßrjval t* xal tt&ijva* : daher auch bei 
älteren Dichtern Uqol ßti/iol nqoq dtaaxoXrjv hkqwv fiy tqiqvtmv, ders. 
ad Odyss. 11.273* ob aber wirklich in Delos an dem uralten (Clem. 
Alex. Stromatt. VII, p. 717) ßwfioq 'ArtoXXon'oq ytviproQoq, wie Diog. 
L. VIII. 13 will, ävev nvQoq geopfert wurde? Die übrigen Zeugen 
(Cic. N. D. III. 36, Gensor. D. N. c. 2, M aerob. Sat. III. 6, Jambl. 
V. Pythag. V. 25 u. VII. 35 , Porphyr, abstin. II. 28) sprechen nur 
von unblutigen Opfern; und so erklärt auch Etym. M. p. 217? 
rtfifvoq Uqov onov frvovot, tolq fcotq, d. h. verbrennen y vgl. Hoioer. 
H. Apoll. 491 und Eustath. ad Odyss. XIV. 446, wie Varro L. L. 

V, 38 ara ab ardore. 

5) Altare aus Asche Paus. V. 13. 5; 14. 6 u. 8; 15. 5; IX. 
11. 5; aus Opferblut, V. 13. 6; aus Ziegenhörnern (xtgaTivog, auf 
Delos), Ovid. Heroid. XXI. 99, Martial. Spectac. I. 4, Plut. sol. 
anim. c. 35, und mehr bei Spanheim ad Callini. H. Apoll. 60. 

6) Beispiele improvisirter Altäre (avrooxtdtoq oixoöopovptvot Paus. 

VI. 24. 2) aus X tqfidav gibt Apoll. Rhod. 1. 1123 und II. 695; aus 
ungebrannten Ziegeln Paus. VI. 20. 7 , aus Laub Theoer. Idyll. 
XXVI. 3, um des Horazischen vivus eespes (Spencer de legg. Hebr. 
I, p. 249 fgg.) nicht zu gedenken , für den sich vielleicht nur zu- 
fällig keine griechische Parallele findet. Die stückweise zusammen- 



74 TU 11. C.L Die OertUchkeiten des Cultus. 

gesezten Altäre bei Gerhard Vasenb. etrusk. Fundorts T. II , Jahu 
Telephos und Troilos T. II , de Witte cab. Etr. n. 143 u.s.w. sind 
wohl alle aus Steinen. 

7) Wie dergleichen sich auch nach gemachtem Gebrauche er- 
hielt, zeigt Iliad. XXIII. 327 fgg. Eine Ausnahme bildet der aus 
Holz und Reisig erbaute Altar Paus. IX. 3. 4, der mit dem Opfer 
selbst verbrannt wird; doch bleibt auch da wenigstens die Feuer- 
stätte. 

8) Wnchsmuth II, S. 543 t "von Menschenhand gefertigt wurden 
wohl zuerst Altare, zwar nicht Weihstatten, die auch ohne dass sie 
zur Darbringung von Opfern dienten ihre Heiligung hatten, son- 
dern immer zum Opfergeräth gehörig" u. s. w. 

9) Transportable Altäre in der Procession des Ptolemäus Phila- 
delphia bei Athen. V. 34, vielleicht nicht einmal griechischer Brauch. 

10) Eustath. ad Odyss. XVH. 209 hebt die runde Form hervor, 
onox; Tifjuov tdoxf* XQrjpa TQVq nuXaioVq o xvxXoq duz ro xard *6o/*ov 
oq>ruQOH#£<; t doch finden wir eben so wohl rergaywvovq (Paus. V. 
14. 5) und In^rjxHq (Paus. V. 15. 4). Ueber die Kränze, die ur- 
sprünglich von lebendigen Laubgewiaden , später durch die Kunst 
auf dem Steine selbst angebracht wurden, vgl. Spanheim ad Call. 
"H. Apoll. 81; über die Stufen Hesych. II, p. 345: x^rj-nlömy xcc* 
ßuO-Qtav ßojfiuivj und Paus. V. 13.3; im Allg. Berthaldus de ara (in 
Graev. Thes. T. VI), Mizler de antiquis aris, Witt. 1696. 4, Majus 
de aris et altaribus veterum, Giss. 1732. 4, Mesny degli altari e 
delle are degli antichi, Fir. 1763. 4, und die Abbildungen bei Moses 
Collect, of ant. vases, altars etc. Lond. 1814. 4; Clarac Musee de 
sculpt. pl. 249 fgg., Canina architect. III, tav. 82, Maiini ad Vitruv. 
IV, tab. 72. 

11) Wie Spencer legg. Hebr. II, p. 46 fgg. und Bahr Symb. d. 
mos. Cultus 1, S. 471 fgg., insbes. hinsichtlich der Hörner des 
Altars, die die griechische Kunst allerdings auch kennt (vgl. Panofka 
Argos Panoptes Taf. (V. 1 , Musee Blacas T. XIII , Stachelberg 
Graber T. XVII, Gerhard Vasenb. T. XXV III), die Sprache aber 
bis auf Nonnus ft/x/pao? ßfajioq (Dionys. XLIV. 96) kaum hervorhebt, 
geschweige denn dass man darin mit Potter I, S. 469 das "Sinn- 
bild einer vorzüglichen Macht und Würde'* finden dürfte! 

12) Stallbaum ad Plat. Republ. I , p. 328 C und Duncan lex. 
Hom. ed. Rost p. 223, wo namentlich auch darauf aufmerksam ge- 
macht ist, wie oft neben Altären Bäume wachsen, vgl. Iliad. n. 307, 
Odyss. VI. 162, und die merkwürdige Ausnahme des Oelbauiusr 
{nuyxixposl Hesych. II, p.836) neben dem Altar des Ztvq tyxitog im 
Pandroseum nach Philochorus bei Dionys. Hai. de Dinarcho p.637; 
oder stand auch dieser im Freien? Stuart und Revett Alterth. v. 
Athen I, S. 499. 

13) TV/mmc ßupoq t« &vfaq, Iliad. VIII. 48, XXIII. 148, Odyss. 
V1IL 363, XVII. 208 u.s.w. Daher auch für Götter, die ihrem 
Wesen nach gar keine Tempel haben können, wie die Winde, Paus. 
II. 12. 1 , nnd die berühmten ßwfiol &tüv uyycaaTktv 1. 1. 4 und V. 
14. 6, vgl. d. Erkl. zu Actt. Apost. XVII. 23. 

14) SvnKtTTjQiov oder ea/agiov Hesych. "I, p. 1474, transportabel, 
vgl. Poll. Onom. X. 65; ob einerlei mit &vioQoq TQUTufa, wovon 
Spanheim ad Callim. H. Dian. 134? Dunkel ist auch der ßwpoq 



§. 18. Tempel und Bilder. 75 

toü &vjjx<n', den Müller Min. Pol. 51 als ara suffimcutorum nimmt; 
anders Böckh G. Inscr. I, p.281. Dagegen können aneli die Altäre 
mit ewigem Feuer hierher gezogen werden , wie in Delphi , Plut. 
V. Nun. c. 9, in Mantinea Pans. VIII. 9. 1 , in Akacesium VIII. 
37. 8, und wohl auch der Cultus der Hestia in Hermione II. 35. 2. 

15) Pans. IX. 40. 6: xal TQuittfa naqaxnruk nuvroäanibv xqiwß 
nal ntfipuTM nXf/Qjjq: vgl. V. 20. 1 und VIII. 30. 2, auch Demos Üi. 
F. L. §.293 und Mid. §.53, Polyb. XXIII. 3. 7,^ Athen. XV. 48, 
und mehr bei Osann syll. Inscr. p. 217. Daher opxö? fttrulv vov 
i'dovq xal vfjs TQanifys Dinaren, adr. Philocl. §. 2. 

16) BwfMol ngorao* Aesch. Suppl. 495, vgl. Apoll. Rhod. II. 1171: 
t}T ixroq uvrjQvphq niXe vrjov^ und m. Abh. über die Hypathraltempel 
des Alterthums, Gott. 1844. 4, S. 14 fgg. Wegen des athenischen 
Erechtheum , in dessen Innern Paus. I. 26. 6 drei Altare erwähnt, 
schwankt Müller Ath. Pol. p. 24: quae utmm hypostylum an hy~ 
paethrum effeeerint, dijudicare nondum audeo ; ich stehe nicht an 
mich für das Leztere zu entscheiden. 



§. 18. 
Was dagegen den Tempel betrifft, so war er im griechi- 
schen Cultus zunächst nur Obdach des Bildes, an welches 
sich dieser anknüpfte *) , und konnte dcsshalb auch nur 
in dem Maasse zu allgemeinerer Verbreitung gelangen, 
als jene Anknüpfung selbst herrschend ward ; wie wenig 
dieses aber ursprünglich der Fall war, zeigen die home- 
rischen Gedichte, die bei allem Reichthumc an gottes- 
dienstlichen Handlungen doch eines einzigen Cultusbildes 
ausdrücklich gedenken 2 ) , und wenn auch die öftere Er- 
wähnung Ton Tempeln 3 ) und Priestern , die selbst wie- 
der mit diesen auPs Innigste zusammen hängen (s. unt. 
C III), eine grössere Anzahl solcher voraussezt, so 
kann doch ihr Gebrauch und damit die Tempel selbst 
erst allmälig die wesentliche Bedeutung erhalten haben, 
die ihnen im späteren Götterdienste anklebt +). Ja auch 
hier sind wir keineswegs berechtigt, bei den zahlreichen 
Altären, die uns ohne Verbindung mit einem Tempel 
bisweilen selbst mehren Gottheiten zugleich geweiht 5 ) 
begegnen , den Gegenstand der Verehrung als bildlich 
anwesend zu denken 6 ) , und dürfen vielmehr alj Regel 
annehmen, da$s, gleichwie kein Tempel ohne Bild 7 ), so 
auch kein eigentliches Cultusbild leicht ohne Tempel B ) 
oder sonstiges Obdach 9) gewesen sey$ ursprünglich aber 



76 Th. IL C. 1. Die Oertlichkeiten des Cultus. 

scheint es geradezu dass man sich der Bilder nur da 
bediente, wo der Cultus in seiner sinnlichen Richtung 
eines körperlichen Vehikels bedurfte, ohne desshalb in 
ihnen mehr als Vertreter der Gottheit für die bestimmten 
Acte zu erblicken , wo diese nicht bloss mit Opfern und 
Gaben genährt oder erfreut, sondern auch nach mensch- 
licher Weise geschmückt und gepflegt oder zum Mittel- 
puncte einer bedeutsamen Schaustellung gemacht werden 
sollte 10 ). Denn eine leibhaftige Gottheit konnte der Sinn 
für Naturleben, aus welchem die griechische Götterver- 
chrung entsprang, wohl nur in seltenen Fällen in Werken 
menschlicher Hand erkennen n ) : selbst jene rohen Steine 
und Klötze, deren Anbetung dem' Bilderdienste voraus- 
gegangen seyn soll 12 ) , werden mit Ausnahme etwaiger 
Aerolithen l $) nur als Unterstützuhgspuncte der religiö- 
sen Phantasie zu betrachten seyn, deren Gestalten in 
Griechenland trotz aller sinnlichen Roheit von vorn herein 
zu scharf und klar ausgeprägt erscheinen, um ihr blossen 
Fetischismus zutrauen zu dürfen 14 ) ; und noch weit mehr 
gilt dieses von den anthropomorphischen Symbolen 15 ), 
die auch wo sie sich zu förmlicher Menschenbildung er- 
heben 16 ), zunächst nur als Heiligthümer gelten 17 ), die 
den Zwecken des Cultus dienen und von welchen man 
hofft, dass sie der Gottheit gefallen, um ihren Sitz darin 
zu nehmen und durch sie an den Ort der Verehrung ge- 
fesselt zu werden 18 ). Erst nachdem einerseits die ent- 
wickelte Dichtermythologie das Wesen der. Gottheit in 
menschliche Form zu bannen gelehrt, und andererseits 
der Fortschritt des sinnlichen Cultus jene Vertretung 
zu einer ständigen gemacht hatte, konnte man der Weihe, 
durch welche ein -Bild der Gottheit zum Eigenthume ge- 
heiligt ward, die Kraft beilegen, es selbst zur Gottheit 
und demzufolge seine Verfertiger zu Götterbildnern zu 
machen 19 ) ; und damit hing dann allerdings folgerecht 
die Erweiterung und Vermehrung der Tempel zusammen, 
die auch ohne die unmittelbaren Aeusserungen lebendiger 
Gottesverehrung auszuschliessen , doch eine vorzügliche 
Anwesenheit der Gottheit in ihren Mauern voraussehen 



§. 18. Tempel und Bilder. 77 

und dadurch für die ßcliöne Architectur dasselbe was 
die Götterbildungen für die Plastik geworden sind 20 ). 

1) Nur so erklären sich Mythen wie die von dem. ältesten 
Tempel der ephesischen Artemis ngt/ixo hl nxtXkijq Dionys. Per. 829 
oder (priyov vno nqkßv^ Call. H. Dian. 239 , und von den frühesten 
delphischen Tempeln aus Lorbeerzweigen, Wachs, Erz bei Paus. 
X. 5. 5, die auch als Sage nicht hätten entstehen können, wenn 
der Grieche nicht mit seinem vaoq ursprünglich bloss den Begriff 
einer xuXvßt] verbunden hätte; ja noch spät erwähnt Paus. VIII. 
13. 2 die ^QTffitq xid^füng zu Orchomenus, deren louvov Styi/ra* h 
xi&Q(a /uyaXtj i Tgl. Müller Archäol. S. 34. Eben desshalb aber kann 
ich den länglichen Steinbau auf. dem Berge Ocha in Euböa (Walpole 
Travels 1820) unmöglich mit Welcker Rh. Mus. 11 , S. 481 und 
Ulrichs Ann. delF Inst. arch. 1842 für einen Heratempjel halten, 
wozu der grössere Tb eil des Raums überflüssig wäre. 

2) Iliad. VI. 303. 

3) S. Lobeck Agl. p.256, Nitzsch s. Odyss. III, S. 403, Nä- 
gelsbach homer. Theol. S. 174, und namentlich auch Völcker in 
N. Jbb. 1832, V, S. 38, der nur in seinem Bestreben, Lobecks 
Verzeichnis zn vermehren, zu voreilig von Altären auf Tempel 
zurückschlieast. , 

4) Böttiger Kunstmythol. I, S. 144 1 "Feste sind früher als 
Tempel, aber später als Opfer, Opfertänze und Gebete") vgl. 
.Nitzsch z. Odyss. II, S. 91 : "die Tempelhäuser sind gewiss ein 
Ferneres und Mehrere« nach früherer Weihung von blossen Altären, 
Hainen oder anderen Stätten in ihrer natürlichen Beschaffenheit, 
besonders Grotten , wo besondere Erfahrungen den Glauben an 
öftere Gegenwart eines Gottes erzengt hatten ,*' und die treffliche 
Bntwiekelung bei Serradifalco antichitä di Sicilia II, p. 79. 

5) Kowoßatftiu, Spanh. ad Callim. H. Del. 266$ Kühn ad Poll. 
I, p. 656. Miw, Paus. I. 34. 2. 

6) Einzelne Ausnahmen wird man wohl anerkennen müssen, 
wie Paus. IX. 2. 4: ov nö^ot dfc dno vov xoivov r&v 'EXXntHov Jioq 
lortv iXev&tQiov ßfOftoq* Toviovg fiky djj £«Axou, rov dtoq öl rov rt 
ßtofiov xal to uyaXjiu inoiijaav Xtvxov Xl&ovz wo jedoch auf Vasenbildern 
der Altar unmittelbar vor dem Bilde zn stehn scheint, dürfte wohl 
nur die Tempelarchitectur als überflüssig weggelassen seyn , vgl. 
z. B. die Artemis Lusia in Müllers Denkmälern Taf. II mit Paus. 
VIII. 18. 3. 

7) Fälle wie im Tempel der Ganymeda zu Phlius Paus. IL 13 
werden ausdrücklich als Ausnahmen heryorgehoben : äyaXpa, dl ovr* 
h uno^ip:fa (pvXuoomvow ovfcv % ovre iazlv h fpeepfgos dtixvv^ivov iq? 
ort» di 9in:(o vQitä&Kto» % Ugöq low uvtoVq Ao/qc, vgl. Panofka in 
Abhh. d. Berl, Akad. 183&, S. 158; anderwärts zerfällt der Tempel, 
sobald sein Bald verschwunden ist, Paus. IX. 33. 4: to di Uqov h 
taXq 'AXaXxoßtvute yptXji&t] %o äno Tqvöe uti yfj^fiw^ivov %jjq 0-fou, 
vgl. II. 7. 6; 12. 1 ; 15. 2 n. s. w. ^ 

8) Nämlich hn Gegensatze der zahlreichen uyuXptrra, die na- 
mentlich später die öffentlichen Plätze, Strassen und Haine schmück- 
ten, ohne dass sich ein Cultus derselben ' nachweisen Hesse, vgl. 
oben §. 6, n. 3 und m. HypätbraHempel S. 12. Auch die Ausnahme 



78 Th. IL C. I. Die OertUchkeiten des Cultus. 

der Hermen und siyvtxTq ist nur scheinbar, insofern bei diesen der 
bildliche Charakter völlig accessoriseh ist» Tgl. §. 15, n. 12; eher 
kann der 'AtioXXojv Avxnoq in den Gymnasien (Luc i an. Anach. c. 7) 
dafür gelten; im Ganzen jedoch zeigt das Ungewöhnliche schon 
das Sprichwort >w£>oTf£o? Mogi'xov bei Zenob. V. 13 und Phot. p.284 ; 
oq tuvöov dfptlq ?Sw rfjg olxiaq xd&tprai : oder sollen Unterscheidungen 
wie Paus. III 2. 7: tw dfc frtQüt xal vaoq ntnoltjTat, , nur auf ein 
zufalliges Obdach gehn? 

9) Wie die Hausgötter, in soweit diese überhaupt Bilder hatten, 
▼gl. Bahn fab. CXIX; eben so die ßovXalot^ Paus. V. 24. 2 u. 8. w. 
Bisweilen stand das Bild auch im Hause des Priesters; vgl. Paus. 
IV. 33. 3 und IX. 40. 6« vaoq d\ ovx *ot*v «i/Vw dTjpooia ntnotri- 
fUvoq, dXXu xax txoq ixaarov o ltgoj/u,(voq iv oixquart. l'/ti. 

\6).JSrfg>uvovv xal yatdqvvuv, Porphyr, abstin. II. 16; Tgl. Müller 
Archäol. §..69: "die Hauptsaclie aber war bei diesen Bildern, dass 
sie Gelegenheit gaben , die Gottheit nach menschlicher Weise viel- 
fach zu bedienen und zu besorgen : sie werden gewaschen, gehöhnt, 
angestrichen, gekleidet, frisirt; mit Kränzen und Diademen, Hals- 
ketten und Ohrgehängen ausgeschmückt; sie haben ihre Garderobe 
und Toilette , und in ihren ganzen Wesen entschieden mehr Aehn- 
lichkeit mit Puppen, als mit den Werken der autgebildeten plasti- 
schen Kunst"; und mehr . bei Spanheim ad Callim. lavacr. Pall. 
p. 597 fgg. und Feuerbach vatic. Apoll. S. 25, der nur mit ganz* 
lieber Verwechselang der .Zeiten: den falschen Schlugt daraus zieht, 
dass diese Bilder "der sichtbare Olympier selbst, seine körperliehe 
Hülle*' gewesen sejen I Richtiger unstreitig P lato Legg, XI, p. 931 A: 
rwv d' tlxovaq dyaX/iara Ifyi'OUfttPOk, ovq ytrtv dyuXXovat xalntg ctyiM 
%ovq Qvraq ixtivovq yyovpt&a zovq ipytvxovq &eovq ; noXXfjv Sta twv 
tvvoiuv xal xuqnr t/cr, auch Dio Chr. XII, p, 211: duk d\ irjv nQoq 
To dutftoviQv .yv&jirjv ioxvgoq Vqck nucrir dfO-gdmoiq lyyv&ev ti*/*av xal 
{htQantvHV vi ß-tVov 7iQoqiö*raq xal a7i%Q^havq >*#TC4 jm&ovq &vqyto$ 
xal ort fpuvovvnuq , und Julian, p. 293 ed. Spanh. Dagegen ist es 
eine willkommene Bemerkung Von Gerhard de relig. Herrn, p. 5, 
dass solche \oava insbesondere weiblichen Gottheiten geweiht ge- 
wesen se^eri, welchen dergleichen Putz zu gefallen scheinen musste, 
vgl. noch C. I. 11.2603; doch finden sich auch männliche in solcher 
Kleidung, Asklepiur Paus. II. li. 6", Dionysüs IL 30. 1, Apollo 
III. 16. 2 u.s.w. 

11) Ausser den oben berührten Gränzsteinen dürften dahin hoch* 
slens solche Falle gehören, wie Paus. II. 2. 6, wo das Gultusbild 
bereits aus dem Holze eines helligen Baunies geschnizt ist; oder 
soll man dieses auf alle Bäume ausdehnen, welche nach dems. 
VI It.' 17 zur Verfertigung solcher Bilder dienten? vgl. auch V. 13. 4 
und Müller Archäol. S. 411. 

12) Pausv VlI, 22. 3 s ret di i'u naXatorega xal rotq nuoiv "ElXyo* 
rtfidq &((Hv drei dyaXpaTtov elxov dqyol Xi&on vgl. Clem. Alex. Pro- 
trept. p.'^fts- ol tri naXawTtQö* • £i5Aa I&qvqvto m(H(f>uvij xal xiovaq 
Yötwv ix Xi&tov, mit den Beispielen: dpiXn iv 3 IxuQtp rijq 'AQrif*tdoq 
To HyaXfAU £i)Xov rjv ov* t iQyuOfii vov , xal. rqq K,i>&ätQtdviaq Hgaq I» 
Qtonia uqtfivov ixxtxofifiivov, xal-ro %ijq Sapiaq *Mqoq nQartqov pt* yr 
founq , vavfffov dh dvdyiavvoafäq iyhero , und mehr bei Zoega de 
Obel. p. 22$ fgg. und Müller Archäol. §.66; ja noch für späteren 
einfachen Cultus Max. Tyr. VIII« li xul ywQyol Jtotvoov r*/*wa*, 
BJj&urrtq h qqxÄtu*. avToyvlq ngififoy, dy^otxixov ayaXfia. 



§.18. Tempel und Bilder. 79 

Iß) In sofern man die s. g. Bätylien als solche betrachten darf, 
Tgl. Phot. Bibl. p. 342 u. 348 und im Allg. Falconnet in M. de 
1*A. d. Inscr. VI, p. 513, Fr. von Dalberg über Meteore ultus der 
Alten, Heidelberg 1811. 8, Munter antiqu. Abhh. S. 257 fgg. 9 auch 
Böttiger Kunstniylh. II, S. 17; obgleich gerade der Abadir , an 
welchem jener Name zunächst haftet (o uvii Jioq vno 'Piaq onaq- 
yuvw&tls xai vno Koovov xavano&iiq , Tzetz. ad JLycophr. 400) auch 
ron jenen alten Cultussurrogaten abgeleitet werden könnte. Noch 
weniger übrigens dürfen die angeblich vom Himmel gefallenen Holz- 
bilder (iouva duneTTJi wie die taurische Artemis Eurip. Iph. Taur. 
951, die ephesische Act. Apost. XIX. 75, die athenische Polias 
Paus. I. 26. 7, das troische Palladium Apollod. III. 12. 3) wie 
2. B. tc% Creuzer Symb. IV, S. 639 mit jener Classe verschmolzen 
werden, da diese jedenfalls offenbar von der Gottheit als ihre Ver- 
treter gesandt zu'.seyn schienen. 

14) Wie mann'fchfach freilich dieser Begriff ist, sieht man, wenn 
x. B. . Zoega Abhh. S. 271 fgg. darunter "die Verehrung kleiner 
körperlicher Wesen" versteht, die "ursprünglich auf individuelle 
Dankbarkeit oder individuelles Interesse gegründet gewesen," wäh- 
rend Ulrichs Reisen S. 105 "Natur- und Fetischdienst" coordinirt, 
und Gotte delph. Orakel S. 17 den Fetischismus in die Verehrung 
der Naturkräfte in ihren rohesten Gestaltungen "nicht Wesen, son- 
dern Symbole von solchen" sezt, wogegen Limburg- Brouwer II, 
j>. 40 alles was möglieherweise nur Symbol seyn könnte, dergestalt 
ausscheidet, dass er zulezt als einziges Beispiel nationaler Fetische 
in Griechenland les dieux anonymes des Pelasges dont parle Hero- 
dote übrig behält; — fas§t man ihn. jedoch scharf und klar dahin, 
das*: ihm ein an sieh zufälliger körperlich anwesender Gegenstand -~ 
dass es ein auffallender sey, ist mit Eckermann I, & 38 anzuneh- 
men nicht nöthig — die Gottheit selbst sey, so wird man kaum 
Einzelnes finden, wovon man nicht mit Stuhr Relig. Syst. II, S. 19 
sagen könnte: "der alte Baum- Felsen« und Steindienst der pelas- 
gischen Vorzeit muss nach Allem , was eine gründliche Geschicht- 
forschung lehrt, ganz anders und weit tiefer und geistiger gedeutet 
werden, als auf Fetisch- und Amuletendienst." 

15) Creuzer Symb. I, S. 63 i "also die ältesten Götterbilder 
waren noch blosse symbolische. Zeichen und blosse Nothbehelfe, 
um den Ahnungen, Gefühlen und Vorstellungen, die sich jene 
Stämme von der Gottheit in ihren verschiedenen Beziehungen ge- 
bildet hatten-, als sinnliche Anhaltspuncte zu dienen**' So das 
ayalfia tov 'Eqpqü in Cyllene , oq&ov aldolov Ini ßu&qov % Paus. VI« 
26. 3, undj der phallische Cultus des Dionysus, Plut. cupid. div< 
c. 8, Athen. XIV. 16, und mehr bei Hildebrand ad Appul. XI. 11* 
auch wohl das däyv zu Chäronea Paus. IX. 40. 6, und die olax»? 
Inl aulvorov niroas Max. Tyr. VIII , 1 , die als charakteristische 
Attribute die Gottheit selbst vertreten , ohne dass man diese darum 
mit Bottiger Amalthea II, S. 302 nur als anthropomorphistischen 
Znsatz zu dem ursprünglich verehrten und göttlich gehaltenen In- 
strumente betrachten dürfte. 

16) ©aber ßqfraq xtya ro ßoor$ hixivat, aj*«x<W/*a, Hesych. 
I, p. 764, obgleich schon zu Aristophanes Zeit veraltet, vgl. Equ. 
3t und im Allg. Poll. I. 7i avra di a &fgcen(Vo^y äyaXpaTa, £6<tva 9 
«ty, &tiüh> tlxdofiura . . . ßgfouq di fj ötixqXav l'ywy« ov Ttgoqittiat. 
Doch scheint auch goavor, ursprünglich Schnitzbild (Quatremere de 



80 Th. IL C. L Die Oertlichkeiten des Cultus. 

Quincy Jupit. Olymp, p. 324) sich später auf die Bilder filieren 
Styl s beschränkt zu haben (pvv r^fi ovdf^iiu tue. l'rvxt ntnoiTjpfva, 
Paus. I. 36. 2, Tgl. Siebclis 1, p. xlii), und so bleibt als gewöhn- 
lichster Ausdruck ayakpa, was dann aber um so charakteristischer 
ist , als es das Bild nur als Weihgeschenk und Ergötzlichkeit für 
die Gottheit bezeichnet, Tgl. Ruhnk. ad Tim. lex. Plat. p. 5 — 8, 
ohne dass man dieses auch nur mit Müller Archäol. S. 44 auf "zier* 
Hebere Bilder zu beschränken brauchte* 

17) Daher die Bilder selbst «*oa wie ihre Tempel, Tgl. Lobeck 
Agl. p. 51 und U()ti>v Vdgua«? Plat. Republ. IV, p. 427, was sonst 
ilyaXpdroyy i insbesondere aber der Kunstausdruck ,fäöq Sitz, der 
"nicht bloss« wie Manche erklären, sitzenden, sondern auch stehen- 
den Götterbildern jedes Materials, aber immer nur geweiteten, 
zum Cultus bestimmten gegeben wird" (Scholl Soph. Leben S. 192), 
dagegen eben sowohl Tempel bedeutet, Tgl. Phot. Bibl. p. 3 50/ und 
mehr bei Ruhnk. ad Tim. p. 93 und Welcker Syll. Epigr. p, 3 — 5; 
also habitacula terrena, wie Arnobius VI. 17, ' ohne dass jedoch 
darum sofort "Götter und Statuen unzertrennliche Begriffe' wur- 
den; Tiel sichtiger Nägelsbach homer. Theol. S. 175. 

18) So erklärt sich auch der Gebrauch mancher Orte, die Bilder 
ihrer Schutzgötter förmlich anzuketten, vgl. Lobeck Agl. p. 275, 
Creuzer Symb. II, S. 615, Feuerbach S. 26, nicht, wie namentlich 
lezterer es nimmt, weil jene diese selbst wären, sondern um sich 
dieser durch ihre dyaXftara zu versichern, Ton welchen sie gleich- 
wohl so Terschieden gedacht wurden, dass sie bei Sophokles selbst 
als JtoavyvoQot erschienen waren: «Je, ol &tol dno tijq IXlov q>t()6votv 
enl rwf wfitav tö tum 6h toava, fldorig ©t* dXloxirtu, Schol. Aesck. 
Sept. 289 mit Welcker gr. Trag. S. 66. 

,". 19) *Io*gvoiq n dedieatio, vgl. Wessel. ad Diodor. XI. 49, Wyttenb. 
ad Julian, p. 193, und mehr unten C. II-, §.24; hier nur die cha- 
rakteristische Stelle Minuc. Octav. XXIII. 10: quando igitur hie 
nascitur? eeee funditur fabricatur sculpitur, nondum deus est; 
eeee plumbatur eonstruitur erigitur, nee adhue deus est; eeee orna- 
tur consecratur oratur, tune postremo deus est, quum Konto illum 
eoluit et dedieavit , und über den Volksglauben an die Göttlichkeit 
des Bildes selbst die lucianischen Stellen Piscat. c. 11; Jup. Confut. 
c. 8, Jup. Tragoed. c. 7, Sacrif. c. 11, und Seneca epist. 41: nee 
exorandus aedituus, ut nos ad aures simulacri, quasi melius exau- 
diri possimus, admittat; über die &tonotoq iix v V (Anthol. Pal. IX. 
774) aber Aristopb. bei Poll. I. 12, Martial VIII'. 24, Lucian. 
Somn. c. 3, Babr. fab. XXX. 10, Manetho Apotelesm. IV. 343. 569» 
Prudent. Peristepb. X. 293 u. s. w. ' v 

20) Vgl. Stieglitz Archäol. d. Baukunst, Weimar 1801. 3; II, 
S. 3 fgg. und insbes. K. Bottich er Tektonik der Hellenen, Potsdam 
1844. 4, S, xix: "was aber den besonderen Begriff der dekorativen 
Charakteristik der Hellenischen Baue angeht, so ist sie ursprüng- 
lich nur eine hieratische — eben so wie alle Kunst und Poesie 4er 
älteren Hellenen überhaupt — die nicht durch privaten Gebrauch 
profan gemacht werden durfte, sondern nur diente, am glänzenden 
Hause des väterlichen Gottes die Freude 4es Geschlechts au seyn" 



§. 19. Anlage und Theile der Tempel. ■■ 81 

%> »- 
An sich versteht es sich freilich von selbst, dass die 

Heiligkeit eines Ortes nicht von dem darauf errichteten 
Tempel, sondern vielmehr die Errichtung eines Tempels 
davon anhing, dass der Ort heilig, d. h. Eigenthum eines 
Gottes war *), und wie in dieser Hinsicht fortwahrend 
das Tempelhaus von seinem heiligen Bezirke geschieden 
ward ?) , so fehlte es auch später nicht an Cultusränmen, 
die ohne Gebäude nur durch eine Mauer oder dgl. gegen 
das Profane 1 abgegränzt 3 ) dieselbe Reihigheit und Heilig« 
keit in Anspruch nahmen, wie sie die Gefässe mit Spreng- 
wasger 4 ) oder warnende Anschläge am Eingange des 
Tetopels 5 ) verlangten $ für den Bilderdienst blieb jedoch 
stets das Tempelhaus die Hauptsache,' wogegen selbst 
der Altar in untergeordnete Stellung tritt ^). Nur die 
Opfer wurden, wie bemerkt, grossentheils ausserhalb des- 
selben verrichtet 3 die Anbetung dagegen richtete sich 
direct an das '.Bild, das im Hintergrunde des Hauses 
stand; und wenn dieses folglich auch, mit alleiniger 
Ausnahme der Hypäthraltempel, keine grössere Menschen- 
menge fasste, so war doch seine ganze Anlage mit tiefer 
Symbolik auf den Vorzug berechnet, den es Vor allen 
Wohnungen der Menschen einnehmen sollte. Dahin ge- 
hört vor Allem der geschmückte Giebel im Gegensatze 
de* flachen und einfachen Dächer der Privathäuser 7 ) • 
ferner die Säulen des Vorhauses, das auch in den klein- 
sten Tempeln den Uebergang zu dem eigentlichen Stand- 
orte des Bildes machte 8 ); das Ganze erhob sich auf 
einem Untersatze, dessen Stufen in ungerader Anzahl 
waren, damit der Besuchende sowohl die unterste als die 
oberste mit dem rechten Fusse betreten konnte 9 ) 5 und 
bei aller Verschiedenheit, welche in den Nachrichten über 
die Orientirung der griechischen Tempel herrscht, erhellt 
doch jedenfalls das Gewicht, das auf die Wef%egend, 
nach welcher Bild und Altar stand, gelegt ward 10 ). 
Auch das Halbdunkel, in welches die Abwesenheit aller 
Fenster das Bild versezte n ), erhöhete den religiösen 
Eindruck^ im Uebrigen aber stand dasselbe in seiner 

F 



82 Th. IL C. I. Die Oertlichkeiien des Cultus. 

Zelle den Blicken seiner Verehrer völlig zugänglich; 
und wenn es auch an andern als festlichen Tagen mit 
einem Vorhange bedeckt zu t sfeyn pflegte ia ) , so gehörte 
es doch zu den Ausnahmen , wenn der Tempel ver- 
schlossen 13 ) oder mit demselben ein nur den Priestern 
zugängliches Allerheiligstes verbunden war, das dann ge- 
wöhnlich Erinnerungen älterer und roherer Cultusformen 
einschloss 14> ). Reichere Tempel hatten ausserdem auch 
Hinterzellen ,• in welchen die Weihgeschenke , so viele 
deren nicht zum Schmucke des Inneren selbst dienten, 
nebst den sonstigen Geräthen und Schätzen des Tempels 
aufbewahrt wurden 15 )$ ja hin und wieder finden sich 
zu demselben Zwecke auch besondere Schatzhäuser 16 ) ; 
und wie einerseits das Tempelhaus selbst durch einfache 
oder doppelte Säulenhallen zu einem ansehnlichen Um* 
fange heranwuchs 17 ) , so ward auch der heilige Bezirk, 
der es umgab, bald zu Hainen und Parkanlagen, bald 
zu sonstigen Gebäuden für die Zwecke des Cultus und 
seiner Diener verwendet 18 ). Dass endlich wie Altäre 
so auch Tempel mehren Gottheiten gemeinschaftlich ge- 
weiht seyn konnten, ging aus der Natur manches Cultus 
von selbst hervor ld ) ; nur müssen hier förmliche Doppel- 
tempel 20 ) von solchen, die in dem nämlichen Räume 
mehre Bilder zugleich umschlossen, und auch unter die- 
sen wieder die eigentlichen Tempelgenossen 21 ) von den 
Göttern des Vorhauses und sonstigen Bildern unterschie- 
den werden , die oft in grosser Anzahl nicht als Gegen- 
stand der Verehrung, sondern nur zur Zierde das Heilig- 
thum umgaben 22 ). 

1) Paus, VI. 6. 3 t rifKvoq dnoiffto/uhoiiq olxo$o/tij(jao&at vttov: 
vgl. Etym. M. p. 7 51. 43: vifttvoq o dnoxex^Tjfihoq xal d7ioxfxo)Qtafiivoq 
ronoq t« &w, und mehr bei Degen über die Genealogie der Be- 
deutungen tveu rWo<?, in s. auserl. Bibl. f. kleine Schriften B. I. 
1795; inabes. auch PolL Onom. 1. 6: xal ro /Av xoqIov h> £ &(Qa- 
mvoftfv Tovq &fovq Uqov xal vwq t l'v&a d\ xu&tdqvofifv y orjxoq xal 
Ttptvoq, was nicht so zu fassen ist, dass es bloss den Sitz des 
Bildes bezeichnete, Tgl. Paus. VIII. 30. 2: %o d\ jwß/o», tv&u ro 
ayaXfta 'Idqvro i£ «(>£?? v*o 'PiyuXitav, ovofiu&rat Bäaaan doch hat 
dort schon Kuhn den ganzen Begriff sehr richtig aufgefasst: ergo 
rtfiMfoq, otjxoq, fanum loci definiti nomina ntQuxTatu sunt, in quo 



§. 19. Anlage und Theile der Tempel. 83 

templüm vel ara sine templo vel simulaerum sine utroque vel ager 
sine idolo aut sacer lucus nut sepulerum esse poterant u. g. w. 

2) Datier selbst Uoov von vttig verschieden; vgl. Ammon. diff. 
vocabb. p. 73 : Ugu rovg ntqtßoXovq riäv vawv, und mehr bei Wegsei* 
ad Diodor. I. 14, Ducker ad Tbucyd. IV. 90, und Gail in Hist. de 
Tlnst. A. d. I. V, p. 43 — 47; so dass man zwar jeden vrtoq als ein 
Xrpov, aber nickt umgekehrt nehmen darf. Wohl kann Uqov aueh 
als Tempel dem Umkreise entgegenstehn , wie Paus. VIII. 30. 2: 
TttgißoXog d' i<niv h avifj Xi&mv xal Uqov ■ Avxalov Jtog s eben so 
häufig aber ist es auch mit ulaoq und riptvoq selbst synonym, x. B. 
Herod« VI. 75 — 80; und andererseits unterscheidet Paus. V. 6, 4 
iffKfog xal Uqw xal vaov alle drei. 

3) Wie der mgißoXoq Paus. II. 3. 3 und das üiXontop rtpevoq 
V. 13. 1, auch die homerischen aXoy oben §. 17, not. 13, woraus 
Nitzseh z. Odyss. II, S. 219 nicht hätte Tempelhäuser machen sollen; 
doch mögen die meisten Plätze dieser Art später allerdings Gebäude 
enthalten haben, wie das attische Arpmov mit zwei Tempeln hroq 
rov ntotßoXov Paus. I. 20. 2, Tgl. Böckh in Abhh. d. Berl. Akad. 
1816, S. 70. 

4) ITfQiQQavr^Qia , Tgl. Hippocrates morb. sacr. c. 2: ogovg roX<si 
öeoto* t&v ieg&v xal twv rtft&iw anoöi$xvvfttvo* 9 <aq uv py&ilq vitfQ- 
ßalvot tl ftf) äyvfvot, tlqiovttq di neQtQQaivofu&a , ov% <aq puuropepo*, 
uXX* tX ta xal ngoTtqov tyefity pvooq, rovro ua-ayvnvßtvon und Poll. 
Onom. 1. 8: tl'?/ ö*' av o pi» hcho r&v ntQtQQamfäfav tokos tv&toq, 
ItQoq, xaa-KQwtävoq, dßißqXoq (Wytt. ad Plut. p. 1012), o cft $o> 
ßißqfaqi ganz eben so aber auch an den Zugängen dea Marktes, 
Aeschin. Tim. §. 21 u. s. w. 

5) Lucian. Sacrif. c. 13: xal ro /*\v ngoy^aß/ia 970* f*q tlqUvat 
ticra luv mQtQQamjQlwr , oq%»q /ut) xa&agoq ior* rag xtfQaq: Tgl. Lo- 
meier de vett. gent. lustrat. p. 335 , und dieselbe Sorgfalt in an- 
derer Hinsicht Paus. II. 27. 1 : to d* lepov ulaoq rov 'A<sxXijnu>v 
Tttqtkxovühy oqoi ifavraxt>&(T, ovfä cbiodvrjoxovotv ovöt rtxrovüiv al 
ywaVxiq oo-mm hrog rov ntgißelov, xa&u xal litl JyXto rfj yyoat rov 

UVTOV VQfAOV. 

6) JVaoq rrjv olxiav Pv&a &fol &t Qantvovral , Steph. Byz. s. t. 
ßtqanvan Tgl. schon Uiad. VI. 89 und H. Merc. 251 : &ewv tiaxugwv 
UqoI do/ctot, und über die Stellung des Altars Vitruv. IV. 8: arae 
semper inferiores sint coUocatae, quam simulacra quae fuerint in 
aede , uti suspieientes divinitatem qui supplicant et sacrtficant 
disparibus alUtudinibus ad sui cujus que dei deeorem eomponantur; 
aueh Lucian. sacrif. c. 12. 

7) Böttiger kl. Sehr. I, S. 285: c( unläugbar ist es, dass diese 
erhöhten Giebeldächer mit der immer künstlicher ausgeschmückten 
Giebelfläche oder dem Tympamnn nicht wie es Cicero Orat. HI. 46 
in einer mehr rednerischen als wahren Ausschmückung behauptet, 
bloss dazu erfanden und gebraucht wurden , der Feuchtigkeit und 
dem Einflüsse der nassen Jahreszeit zu widerstehen, sondern um 
den Wohnungen der Götter durch diesen der Zierde so empfäng- 
lichen Aufsatz ein erhabenes Ansehn zu geben, und sie Vor den 
abgeplatteten Häusern gemeiner Bürger auszuzeichnen"; vgl. Ari- 
•toph. Av. 110»i 

iha nQoq TovTOiöw wqjttQ h ItQoVq olHtjofTf, 
rüg ydg v/*£v oixlaq igiywfitw ngoq eteror, 

F2 



84 Th. IL C. L Die Oertlichkeiten des Cultus. 

* und über «<roc and ährnpa mehr bei Böttiger Amalthea T, S. 71 tgg» 
und Künstmythol. II, S. 43, Bröndsted Reisen- II, S. 154, Welcker 
Rh. Mus. II, S. 482, Bötticher Tektonik S. 190 fgg. und Exe. 5; 
auch Letronne lettre d'un antiquaire ä un artiste, Paris. 1836. 8, 
p. 335 — 338, wo gelbst für den Fall, dass Privathauser auch ein 
Giebeldach hatten, der Vorzug der Tempel in dessen Schmucke 
nachgewiesen ist; gerade wie Bröndsted und Weleker in Bitschis 
Rh. Mus. I, S. 16. die korinthische Erfindung des di&Vfiog «*toc bei t; 
Pindar Ol. XIII. 21 mit Recht nur von den Verzierungen beider 
Giebel verstehen. 

8) JlqodofAoq oder TtQo+aoq, auch tiqovtjVoy, vgl. m. Hypätkral- 
tempcl S. 29, und über die einfachste Tempelform in antis, quod 
Graece vauq Iv nagaotup* dicitur (Vitruv. 111. 1), die jedoch auch 
schon zwei Säulen zwischen den Eckpfeilern hat, Stieglitz 11, S; 25 
und Bötticher S. 122 und 148; über den hieratischen Gebrauch der 
Säulen aber Plitt. Bist. N«. XXXVI. 6 i . c«l%*mnis demum utebantur 
in templis, wenn auch, der Zusatz: nee lautitiae causa — nondum 
enim isla intelligebantur — sed quin ; firmiQres aliter statui non 
poterant, nach demselben Nützlichkeitsprincipe schmeckt, das, Bot? 
tiger oben an Cicero Oral;. III. 46. gerügt hat. . 

9) Vgl. Vitruv.. Ul. 3 und über xptjnlq oder x^rt/^a im Allg. 
Böttiger kl. Sehr. I, S. 283 und Bötticher Tektonik S. 125 fgg. 

10) Hygin. de agror. limtt. p. 153 j nam atitiqui architeeti in 
oeeidentem templa speetare rette scripserunfr; pvstea plaeuit emnem 
religionem eo converteYe, ex qua parte coeli terra illuminatur, und 
mehr bei Spencer legg. Hebr. II, p. 310.' Für Westen zeugen auch 
Vitruv IV. 5 und Giern. Alex. Stromatt. VII, p. 724 : "Iva ol anav- 
TiTiQ oo<oTiQ y twy äyaApaTW iQxäfitvot 1*$$ dvato&yp t genta &at didu- 
o*o)vTuti für den Osten dagegen Lucian de. domo c. 10, Dio Gass. 
LIV. 7, Porphyr, de antra nymph. c. i, Ja: Vitruv selbst IV. 8» 
arae speetent ad orientem, und damit stimmt auch Ross überein 
Inselreise I., S. 151 t «'alle erhaltenen griechischen Tempel, nicht 
bloss im eigentlichen Griechenland, sondern auch in Kleinasien 
und Sicilien, haben den Eingang von der Ostseite," wodurch Mül- 
lers Annahme sacr. Min. Pol,, p. 27, dass die .Richtung nach Westen 
dorischer Brauch sey, wegfällt; doch liegt nach dem Kunstblatt 
1840, S. 71 ein korinthischer Tempel von Südost nach Nordwest. 

11) Schnaase Gesch. d. bild. Künste II, S. 14: "Fensler kannte 
die griechische Baukunst, wenigstens an Tempeln, überall nicht; 
es bedurfte keines- starken Lichtes, da im Innern des Tempels keine 
wesentlichen und gemeinsamen Verrichtungen vorgenommen, na- 
mentlich die feierlichen Opfer, gewöhnlich vor den Gebäuden darge- 
bracht wurden" u. s. w. Gegen Quatremere -de-Quiocy sur la ma- 
niere dont etaient eclaires les temples. des Grecs et des Romains, in 
M. de l'Inst. cl, d'hist. HI, p. 166 fgg, s. m. Hypälhraltempel S. 20; 
auch Lampen möchte ich Hirt Gesch. d. Bauk. 1(1, S. 41 kaum ein* 
räumen; die ewige Lampe im Tempel, der. .Athene Polias bei Paus. 

I. 26. 7 ist etwas, ganz Anderes. '■:>■■■. 

12) Ilaganijua nava y vgl. Quatremjere~de-Qoincy p.216, Stieglitz 

II, S. 64, Völkel archäol. »achlas« S« 15, Böttiger kl. Sehr. III, 
S. 455, Rathgeber in Hall. Encykl. Sect. III, B. 3, S, 238, Bötticher 
Tektonik S. 81 u. s. w. 

13) Vgl. Thucyd. IL 17: aixyoav aal vu Ugu xul vd tjq$ u nuvxu 



§. 19. Anlage und Theile der Tempel 85 

. . . nXijv *? t* ßtßalaq nXnotov yr. So jlas 0ß0jioq)OQttop zu Alexaadria 
Polyb. XV. 29: avctoyftfvov rov vito dux r*>a {hxjla* intwov, und 
die Beispiele bei Loteck Agl. S^ .279/» .Eigentümlich ist Paus. 
VIII. 30. 2: Uqov Avxaiov Jioq* tqodoq.jSi* *lq avxo ovx *öt*, tu ya£ 
frroVtOT* dij avvonral t 

14) "Advrov, quo praeter saeerdotes adire fas non est, Caesar 
B. G. III. 105, vgl. Poll. Onom. I. 9: ei tävroi xal rt, x^Qlor ußa-iov 
iXt] toxi Ugov, rovro xal udvrov tTnotq av xal arpavaxov xal uvuxxoqqv 
x.x.X, und mehr bei Boisson. ad Philostr. Heroica p. 415 und Ulrichs 
Reisen S. 97; auch die dyaXftaxa ov yaviQa Paus. II. 4. 7 oder tr 
dx6QQi}rk> If. 7. 6 u. s. w. Aehntieh n*y*Qoy y Tgl. Herod. VIII. 37 
und Suidas I, p. 899; II. p. 102 u. 516: *&tV favro* tlq to fifyuqov, 
tv&a tu* UQoq>tivTT] fiovot nagtX&ftv &f/u.Tov nv, 

15) 'Omad-odopoc Uquv to omo&t* rov avihoif^T* w xal ta dqnoaun, 
«js&wto xQjjfiaTUy Scbol. Luc. Timon, c 53* vgl* St. A. §. 151, n. 8 
und Hypäthraltempel S. 25. 

,16) QqoavQoi, vor Allem zu Delphi, Qvq xal dij not xal dvvuaxd» 
xatMfXfvaaay , tiq ovq xal XQqftara dntTl&tpro xd&itQtoftha xal ?(>ya 
xS>v d^i<ST(ov dqmovgymu, Strabo IX, p.£ 41, ^gl. Pfeiler ad. Pblemon. 
p. 55 und Ste-Croix sur leg richesscs de Delphes in s. Gouvern. 
ftdlrat: p. 274; aber auch in Olympia (Paus. Vi/ 19) und anderswo, 
vgl. C* 1. n. 1570: o di avAXoytvq ce?t *£«c> rov .&tywVQoy wc«4A"t*Tja» 
ti;flh(o xo ytvofifvov uvdXwfia, und mehr, bei Y»lck. ad Herod. IV. 162» 
Wytt. ad Plut. p. 990, Kruse Hellas II. 2', S. 85, Ulrichs Reisen 
S. 60 u.s.w. . ,.• •> r-r>- 

.17) Prvstgli, amphiprostyli, peripteri, dipteri, Vitruv JIL2 u. s.w. 

18) Vgl. das Heiligthum des Zeus Laphystius bei Herod. VII. 
197: Si^Tjq d\ TttTjTU axövouq, tSq xdxu to'h'£oo$ lyhixo ,,.'tw> tc 
'Abuftavroq dnoyoSw? t^ ohlq* of*oi(aq.>xal. r.o xtwyoq iotßfio, und 
von den milesiseheu Branchiden Strabo Xiy, P.-941 : xwpyq yovv 
KUToixiav o rov ötjxov ntQlßoXoq didtxxa* xäl'aXoo'g tvroq xe xal Ixroq 
noXvrtXiq, üXXqi, dl mjxoi to U<jov xal to fMÜtiier nkvi^oitni euch das 
itXtOTiJQiov zu Eleusis, Valck. ad Herq4 r IX tf ,65..nnd Silv. de. ,?>acj 
zu Ste-Croix Mysteres I, p. 129, und das dionysische Theater zu 
Athen, das ja selbst als Tb eil des Heiligtbüms betrachtet ward, 
Dcmosth. Mid. §. 8 u. s. w. n 

19) Demeter und Kora, Zeus und Hera oder Athena , Dionysus 
und Apoll oder Hermes, Hermes und Aphrodite ü. s. w.y vgt/Geprgii 
d'Arnaud de diis na%id$otq sive adsessorUius et -con|anictis con^men- 
torius, Hag. Com. 1732. 8, wo freilich, sehr verschiedenartiges ge- 
mischt ist. ' ' , . 

20) Vgl. Paus. II. 25. 1 : Ugov ötnlöv* ntrtoLTjrttt xal ri\)£q tjXiov 
dimortoq ttqodov xal xar4 uvuroXug hiQav'faovj ß\ic}i hinter ,eiö»nder, 
wie das Krechtheum und die Athene Polias, oder 'Eileithyia und 
Sosipolis bei Paus. VI. 20; ja einnraF sogar in zwei 'Stockwerken, 
HL 15. 8 : nQoti&ovoi di ov notiu U<?of. ioxhv ou^t&ynq,, iiü^avx^ 
vaoq UQxatoq xal *Aq>Qodlxi]q toavov dtnXta/Ahf^q' vaoh dl (ov oida povqt 
xovxip xal vjmqwov aXXö iJKpxodqfiqxcu MoQ<povq Uqov x. t.' X. 

21) Zvnaoi, oder ovvotxot, böotisch oVo^ra*, *Thni?. lf IV. «7 mit 
d. Erkl. und im Allg.. Plut. qu. symp. VII. 6. 3: piy&tf^vwxts 
ufia GVftßatfioiq xal avvvuo^ xotvuiq ovtwttvxövxai : auch .ptyxad-idQy- 
&i*Ttq oder ovyxa&uQto/ibo* , C. I.*n. 1444 und mehr»' bd' Lobeck 
Agl. p. 150. Z^vonoandmvoq vefiq, AÜien, 1 VIIU 18, A .•••.;.' 



86 Th.IL C. L Die Oertlichkeiten des Cultus. 

22) &roi TtQovaoi Paus. IX. 10. 2, vgl. den 'AnoXXuv äktlhta*oq 
Tor dem Tempel des naTQ&öq I. 3. 3 und zahlreiche andere Beispiele 
hei demselben , die den Unterschied der eigentlichen Cültusbilder 
Ton blossen dyulpao* oder äva&rjuaai, deutlich darthun, obgleich er 
selbst darüber sehr unklar gewesen zu seyn scheiul. 

§. 20. 
In demselben Maässe endlich, wie sich die Vereh- 
rung der griechischen Götter an bestimmte Tempel an- 
schloss, gränzte sich auch ihr Eigenthumsrecht schärfer 
gegen das Profane .ab, und während der natürliche Cul- 
tus das ganze Land oder die Gegend, wo sie verehrt 
wurden, als ihr Eigenthum betrachtete *), sezte der 
positive sich und sein Zubehör den Gegenständen des 
menschlichen Besitzes und Verkehres als das Heilige 
entgegen, für welches dann insbesondere auch der oben 
geschilderte Rechtschutz in Anspruch genommen ward*). 
Wie den Königen der homerischen Zeit, so theilte der 
Anthropomorphismus den Göttern abgesonderte Ländereien 
zur Nutzung 3 ) und auserlesene Theile der Kriegsbeute 
oder sonstigen Gewinns als Ehrengaben zu 4 ); der wach: 
sende Reichthum und die Industrie wirkte auch auf die 
Ausstattung des "Cultus ( zurück $ und wie schon oben 
bemerkt ist, dass die Tempel nicht selten die Sehätze 
ihrer Staaten unter' ihre Obhut nahmen, so wurden sie 
auch in sonstiger Hinsicht die Sammelplätze des Aus- 
gezeichnetsten und Merkwürdigsten, was die künstleri- 
sche Thätigkeit der Nation hervorbrachte oder das alle 
übrigen Rücksichten vereinigende patriotische Interesse 
der Aufbewahrung werth hielt 5 ). Zunächst war es frei- 
lich der k Bedarf des Tempeldienstes selbst, dem sowohl 
das Grundeigenthum Als die fahrende Habe der Tempel 
gewidmetöWaren, insofern aus dem ersteren mittelst Ver* 
pachtung die Kosten des Cultus und seiner Diener be- 
stritten wurden 6 ), die leztere vor Allem die heiligen 
Geräthe und Geschirre zum Gebrauche des Opfers in 
sich begriff} und gleichem Zwecke dienten die Zehnten 
und sonstigen Abgaben, welche der Tempel von. seinen 
Verehrern zu bestimmten Zeiten oder ausserordentlicher- 



§.20. Vom, Eigenthume der Götler. 87 

weise bezog 7 ) $ daneben aber fehlte es auch nicht an 
sonstigen Weihgeschenken, die nur den Reichthum des 
Tempels vermehrten oder zur Ausschmückung seiner 
Räume terwendet wurden 8 ) , und wieder andere beur- 
kundeten in Zeichen und Schrift den Dank für erhörte 
Gelübde und Heilung oder Rettung aus Gefahr 9 ). Auch 
die tändereien , welche der Gottheit zum Eigenthume 
geweiht .waren, hatten oft keine andere Bestimmung, als 
brach oder wenigstens unbenuzt zu liegen 10 ), womit 
sich höchstens hier und da, wie es scheint, die Absicht 
einer scharfen Gränzmarke zwischen zwei Nachbarstaaten 
verband n ) 5 Aehnlicheä gilt Von den Thieren , welche 
neben wirklicher Anwendung für den Tempeldienst nicht 
selten auch bloss als lebendige Zeugen der Heiligkeit des 
Orts in völliger Freiheit . gehalten wurden 12 ) ; und eben 
so müssen auch unter den Menschen, welche zum heili- 
gen Eigen thume gehörten, sehr verschiedene Classen ge- 
macht werden. Dass ein Tempel, in so weit seine Mittel 
es erlaubten, für die niederen Dienste des täglichen Be- 
dürfnisses eben so wohl wie ein Privatmann Sclaven 
hielt, versteht sich von selbst 13 ) $ ausser diesen aber 
begegnen uns mehrfach auch in griechischen Gülten Freie 
beiderlei Geschlechts, die bald aus eigenem Entschlüsse, 
bald aus fremder Stiftung Hierodulen des 'Gottes gewor- 
den sind 1+ ) , und andererseits finden wir ? die Analogie 
dieses Verhältnisses benuzt,' um wirklichen Sclaven unter 
der Form einer Schenkung oder eines Verkaufs an den 
Tempel eine tatsächliche Freiheit zu verschaffen 15 ). 
Was allerdings die freiwillige Hierodulie im engeren 
Sinne des Worts betrifft, so dürfte diese an den meisten 
Orten, wo sie\ vorkommt, unter dem Einflüsse orienta- 
lischer Sitte entstanden seyn 16 ) ; Menschenzehnten da- 
gegen x 7)- oder Weihung ganzer Völkcrsehaairen., an eine 
Gottheit **) kennt auch griechische, namentlich apollini- 
sche Religion, obgleich solche dann in <|er; Regel mit 
dem eigentlichen Tempeldienste nichts zu thun hatten, 
sondern ihre Abhängigkeit hur durch Zinspflicht zu er- 
kennen gaben. . . 



88 T/t. //. C. I. Die Oevtlichkeiten des Cultus. 

1) Daher das bekannte */«* v0n Gottheiten eines Landes, Valek. 
ad Herod. VII. 53, Wessel. ad Diodor. XX. 7, Spanheim ad Callimv 
lav. Pallad. 53 u. s. w. ; eben so Attica /£wv IlaXXudoq Ar i 8 top h. 
Nubb. 299 n. dgl. ; was jedoch nur verh&ltnissmässig selten die 
Bedeutung annimmt, dass das ganze Land sammt seinen Bewohnern 
in die Kategorie des Heiligen tritt, wie die Eleer, ort Xaßovrtq 
nagd rSv 'EXXrpHov avyx^grjfia '*" Toy dy&va riov *OXvpntiwr Ugdv xal 
dnog&yrov aixovv, amtgot navroq ovrtq öhvqv xal Tiuoijq noXtftmyq 
ntgtatdatmgi Polyb. IV. 73, Tgl. Strabo VIII, p. 514 n. 549 ; dann 
namentlich die Delier, Sv$g*q Ugol, Herod. VI. 97, vgl. Thuc. III. 
104 und V. 1, und die Delphier, Xaoq oixyrmQ &tov, Kur. Andrem. 
1058. 

2) Vgl. §. 10, not. 14. Daher auch die sorgfaltige Bezeichnung 
heiligen Landes durch Granzsteine, ogovq, mit Inschrift, wie C.I. 
n. 1870 und vielfach in alten und neuen Sammlungen f dessgl eichen 
heiliger Geräthe, norrjgia xqvöu xal dgyvga tlq dvü&toty votq &totq 
btiygag>dq S^oira, C. I. n. 2852, vgl. auch 2855: vögla iy yq *»*- 
ygatprj 'AnoXXwvoq Jt&v/*iaq 9 und Plaut. Rud. II. 5. 21 : haee bitemta 
est, ab se cantat euja sit ; selbst' Gewänder, Arg. Demosth. Aristog. 
I, p. 767 1 fWomq 'ItgoxXia i/figimrä Ugd Ifidruz, lq? otq xal XQ V0 " 
ygdftfitava tjv ÖTjXovrra rovq dvä&'irrnq, äxdyow* itgoq rovq ngvrdvtiq 
wq UqoovXqy, und im Allg. Franz elem. epigr. p. 332 fgg, , 

3) Tipevoq naq o f*(fit(QKff*fooq ronoq rivl tlq rtfii}v t rj Ugov xal 
ßoftoq rj dnovipy&'kv &t(o rj ßaoiXft, Hesych. II, p. 1363; vgl. oben 
§.19, not. 1 und mehr bei Nagelsbach homer. Theol. S. 175 und 
Kreuser Priesterstaat S. 140 fgg. 

4) 'ESalQtra, IttXtT* tw &t£ Xenoph. Anab. V. 3. 4, Plat. Legg. 
V, p. 738 u.s.w. Waffenstucke schon lliad. VII. 83; dann der 
tyvrhentsche Helm aus Olympia C. Insor. n. 16, onXd das. n. 1837c ; 
namentlich zahlreiche Beispiele von Schildern, Paus. X. 19. 3 und 
im AUg. J. F. Rezrath de clypeis in loco sacro suspensis , Lips. 
1737. 4. Oder Zehnten: dtxuTyv rw> Ixirrjq Xiiuq r$ &*<p dno&voa* t 
Xenoph. Hell. IV. 3. 21; auch von Handelsgewinn, Her. IV. 152; 
von Bergwerken, Paus. X. 12. 2; von Confiscationen : to inidcxaxoir 
xrjq &*ov dviu, Hell. I. 7*10, vgl. C. 1. n. 2008 und im Allg. Har- 
poer. p. 76:. dtxuxfvoai fitvrot, iXeytro xvgtuq to xu&uqovv, iritidrjnig 
l'&QQ rjv 'EXXtpnxov Tuq dixuraq riöv ntgiyivopivwv rotq faoVq xa&ugovv. 

5) Daher die griechischen Tempel die ältesteu Kunstkammern, 
Jacobs 'verm. Sehr. III, S. 469 fgg.; zugleich aber die frühesten 
Sammlungen .von Naturalien und sonstigen Curiositäten , die na- 
mentlich als Reliquien in allerlei mythische Beziehung gesezt wur- 
den; vgl. Beckmann Beitr. z. Gesch. d. Erfind. II, S. 366 fgg., 
Facius Collectaneen z. Alterthumskunde S. 184 fgg., Lobeck Agl. 
p. 52, Schneidewin disp. de Horat. Serm. II. 3. 18, Gott. 1845. 4, 
p. 3. 

6) Vgl. oben §. 7 , not. 12 und mehr bei Böckh Staatsh. I, 
S. 325 fgg. ; insbes. auch die Inschrift bei Xenophon Anab. V. 3. 13 s 
Ugoq 6 x<*>goq rijq 'Agrifutioq* rov l'xovra xal xagnovfitvov Ttjv /ei* 
dfx«T7?v xaraß-miv Ixdarov l'rovq, ix d* rov ntgirvoi) tov vaov) imoxtv- 
dfav. . In einzelnen Fällen ward jedoch der Ertrag direct für den 
Bedarf des Cultus verwendet , wie das; Oel aus den pogiaiq oder 
heiligen Bäumen der Athene zum Preise der panathenaischen Sieger; 
vgl. Lucian. Anach. c. 9 und Müller Min. Pol. p. 30. 



*9 
§. 20. Farn Eigenthume der Götter. 89 

7) 'Apy>uttTq dtxaTijtpoQot. ee**r «»ap^ol, Callim. H. in Del. 278 
mit Spauhehn p. 552 und Wachsmath H. A. II, S. 68. Bisweilen 
sammelten auch die Priester Beiträge ein, vgl. C. I. n. 2656: 
ntHtto&w 61 ?} liqfia %a& hxuoxjjv vovfirpfiav biucovQia* wüq noXtwq, 
Xctfißdvovott dqaxfiijv xagd rijq noXiwq* h ta di tmpl y övola ovvrt- 
XiPta* y «fy/KOTtifc, dya^4ru -xqq nyaov raq ij^gaq rgflq, in olniav 
pr) noqtvofiivifj 6 <? dytQpoq ftyrw ttjq iepe&sc* xuTaaxtvaowr» $1 xal 
&UJUVQQV tfj #*w, ipßaXXHuaa* di ol &vovriq inl fthß t&J tfXtUa oßo- 
Xovq di'o, inl dl tw yaXa&(sva> oßoXov* afftvywxw 6% ol ittraoral nax 
huwrov tov {hjaavQw xal diöortbiv ijj Ugtlff itq rt vyv iwtxovQlav 
xal tov IpariOfiov x.-t. JL Grossere Capitalieu wurden bei Trapezileu 
niedergelegt, C. I. n. 3599. 

8) ^Ava&TjuaTa, Tgl. J. P. Thomasinas de votis, donariis, et 
tahellis- TOticis, Patav. 1654. 4 und was Fabricius Bibl. aatiqu. 
p. 410 weiter anführt; auch P. Kuntz, sacra et profana avu&qndioiv 
historia, sigillatim vestiuin in templis suspensarum, Jenae 1729. 4, 
und Panofka von einer Anzahl antiker Weihgeschenke und den Be- 
ziehungen ihrer Geber zn den Orten ihrer Bestimmung, in Abhh. 
d. Berl. Akad. 1839. Die Gattungen, welche Pollux I. 28 auf- 
zählt, erschöpfen das Gebiet bei Weitem nichl; kaum dass die 
anathematischen Epigramme der Anthol. Pal. B. VI und die Ver • 
zeichnisse im C. I. n. 137—147, 1570, 2852 — 60, 3071 zur all- 
gemeinen Uebersicht über seinen Umfang genügen. 

9) XaQtOTijQia xax wxqv, Franz el. ep. p. 335; namentlich Dar- 
stellung geheilter Glieder, wie im Tempel des Amphiaraus zu 
Oropus C. Inscr. I, p.750; vgl. C. F. Pezold de inembris humanis 
diis gentium consecratis, Lips. 1710. 4 und J. J. Frey de more diis 
simulacra membrorum consecrandi, Altorf 1746. 4. Auch die Votiv- 
gemälde der Schiffbrüchigen, Horat. Od. I. 5. 13, Tibull. I. 3. 27, 
Juven. XIV. 302 mit d. Ausl. 

10) *Avei/iha oder uvera, Tgl. Spanheim ad Callim. H. in Cer. 
47, Valck. ad Herod. II. 65, Heyne ad Iliad. VII, p. 210 u. s. w. 
Merkwürdig ist namentlich das cirrhäische Feld bei Delphi und 
sein Hafen, o vvv (£dyioToq xcu tTzuQaroq xaXovptvoq, Aeschin. Ctesiph. 
§. 107 fgg. ; aber auch anderwärts zeigt sich ähnliche Unbenuztheit, 
z. B. bei dem äzofioq Xtiptav des Zeus am Oeta Soph. Trachin. 400, 
und auf Kreta C. Inscr. II, p. 1103: vopoiq ydy ItQotq xal dgaVq xal 
ijurifioiq ävw&iv 6kxix(oXvto 9 tVa pydilg Iv tw Uqq* rov Aioq roxi 
AixtuIov pijjt hvifiy firjTt havXoorary nf/rt OTuiQfl firjTt ivXivt] % wor- 
aus sich zugleich der Ungrund von Gottes Vermuthung ergibt, der 
Delph. Orak. S. 60 solches Land zu Weideplätzen benuzt glaubt. 

11) *Oqydq y§ y rat* &ioVv dyn^mj rijq 'AvTixijq fiera^v nal rfjq 
JdtyuQldoq, Helladias bei Phot. Bibl. p. 534; Tgl. PoU. I. 10 and 
mehr bei Ruhnkcn. ad Tim. lex. p. 175 und Böhnecke Forschun- 
gen über die attischen Redner S. 287 ; auch Bekk. Anecdd. p. 309 : 
xkvayoq xrp Uqdv ogydSa rov &tov. 

12) Hunde znr Bewachung der Tempelschätze finden wir bei 
Philostr. V.. Apollon. VIII. 30; dieselben jedoch auch als heilige 
Thiere bei Aristot. mir. ausc. 118 und Aelian. bist, anim. XI. 20, 
Tgl. Ebert diss. Sicc. p. 182 und Weichert de Afedea oestro percita, 
Grimma 1824. 4, p. 8; und eben so Pferde, Wessel. ad Diodor. 
IV. 15, Stiere, Hesych. I, p. 640, Hähne, Athen. IX. 46, Gänse, 
Petron. Sat. c. 136 und Artemid. Oneirocr. IV. 83, Pfauen und 



90 Th. IL C. I. Die OertlichkeUen des Cultus. 

Perlhühner* Athen. XIV, p. 655, Schlangen, Böttiger Kuustmyth. 

I, S. 56, welche alle frei («V«ro*, Wytt. ad Plut. p. 135, Böttiger 

II, S. 94) in den Tempelräumen umherschweiften ; auch Fische in 
Teichen, Athen. VII, p. 984 C, und mehr im Allg. bei Kreuser Prie- 
sterstaat S. 901 , der nur nicht sofort Thierdienst daraus hätte 
machen sollen. Dean desselben Schutzes genoss auch jedes Thier, 
das zufällig in den heiligen Bezirk kam, wie die Vögel bei Herod. 
I. 159, die Hirsche bei Aelian H. A. XI. 7, auch wohl die Schlau-, 
gen bei Polystratus in Voll. Herc. IV. 1 , col. 3. 

13) Tov &*ov dovXo^ Paus. X. 32. 8; vgl. V. 13. 9: toxi &> o 
£vAev$ l* t&v oixfTwy tov, dtog, tQyoy dh avrß figoxtira» rd iq rdq 
&voiaq £vAa iiraypivov Xy/i/tavoq xal noXto* naqexHv xal dvdgl Iöhött/: 
und dass es wirklich Kriegsgefangene oder sonstige Kaufsciaren 
waren, dens. III. 18. 3 und Herod. VI. 134, wo eine alx/*dX»roq 
ywrj sogar vno^dxoQoq xStv yßwiiav &i£>v heisst. Daneben sezt frei- 
lich Euripides Ion 310 noch eine zweite Kategorie i dvu&qjia noXftoq, 
wohin s. B. die lokrischen Mädchen im Tempel zu Ilium geboren, 
Plut. S. N. V. c. 19: 

at xal atapnixovot, yvpvotq noalv yvrt dovXai 

tjoVav oaiQtoxo* *Adyvalqq thqI ßwfiov 

vooipi xQyöi/tvoio , xal tl ßaqv yijqaq lxovto : 
vgl. Böttiger Raub der Kassandra S. 37; doch dürfen damit blosse 
Ehrendienste, wie sie z. B. die attische Athene von erwählten Jung- 
frauen aus vornehmen Geschlechtern, als uQQqgtoQOk, toyaorZvo*, 
dti7ivog>6goi t Xovrgideg oder nXwrqidiq erhielt (Müller in Hall. Encykl. 
S. III, B. X, S. 84), eben so wenig verwechselt werden, als die 
eigentlichen Priester und ihre freien Untergebenen mit den obigen 
Sclaven zusammenfallen. 

14) Vgl. A. Hirt, die Hierodulen, mit Beilagen von Böckh und 
Buttmann, Berlin 1818. 8, und J. Kreuser, der Hellenen Priester- 
staat, mit vorzüglicher Rücksicht auf die Hierodulen, Mainz 1824. 8, 
S. 50 fgg. , obgleich hier gerade dieser Begriff etwas zu weit ge- 
fasst ist. 

15) Vgl. C. I. n. 1607—1609 und 1699—1710, Boss inscr. ined. 
I, p. 30, und insbesondere E. Curtius de manumissione saera Giae- 
corum, in seinen Anecdotis Delphicis, Berlin 1843. 4, p. 10 — 47, 
mit den feinen Ausführungen Meiers im December der Hall. A. L. Z. 
1843. Diese sind es dann auch wohl namentlich, aufweiche Plu- 
tarchs Wort geht Amator. c. 91 : rwv uXXxav dtOTioxuiv xal dgxowoiiv 
iXtv&fQo* xal üyiiot, xu&utmq UybdovXoi diUTfXovOtv. 

16) Dahin vor Allen die ItQodovXot, iraVgat der Aphrodite zu 
Korinth und Eryx auf Sicilien bei Strabo VI, p. 418 und VIII, 
p. 581 , vgl. Athen. XIII. 32 und über das orientalische Princip 
dieser ganzen Erscheinung Jacobs venu. Sehr. VI, S.93— 53, wie 
dieselbe denn auch unzweifelhaft in den bereits §. 3 not. 6 berühr- 
ten phönicischen Einflüssen begründet liegt; doch findet sie sich 
eben sowohl auch in dem daselbst not. 8 erwähnten lelegischen 
Elemente , obgleich sie hier wenigstens in dem Artemiadienste' die 
entgegengesezte Richtung der Jungfräulichkeit nimmt , vgl. Gnhl 
Ephesiaca p. 105 f^g. und für das Mutterland den brauronischen 
Cultus in Attika bei Schol. Aristoph. Lysistr. 645: ty^pfoceirro f*tj 
nQÖrtQov owotxittc&at, dvdql nafj&tvoy, tl /**} dqxnvaMv %fj &t£ 9 mit 
Müller Orchom. S. 309, Osann syll. inscr. p. 80, Meyen de Diana 
Taurica p. 94 , Curtius de portubus Ath. p. 25. 



§. 20. Vom Eigenthume der Götter.. M 

17) 14»«?*«** «rfrawW, Plut. V, Thes. c.15, Qu. gr. c. 35, 
Pyth. orac. c. 16; Tgl. Eurip. Phoen. 209: dxQo&foia Ao$ia 9 und 
die Chalcidenser in Rhegium, ovq xarä %Qijo/iov dtxarev&ivrag tw 
^AnoXXwvi, d*' ayoglav vörtQov ix Aikpitv wtoutq&mHU dtVQo 9010*, St. 
A. §. 82, not. 9; auch die Mycenäer Diodor. XI. 65, die Magneten 
Conon. narr. 29, und was Her od. VII. 132 und Diodor XI. 3 von 
den Absichten der gegen die Perser verbündeten Griechen berich- 
ten: ol d' h 'lo&ßto avri#Qcvort*g %üv 'EXXtjvtav i%p7}q>iaar*o toi;? pht 
i&iXoni iXofUvovg tu Ilegamv dtxctTivoat, xolq &tofq. 

18) Die Kraugalliden oder Kragalliden (Sauppe epist. crit. p. 54) 
und gchon früher die Dryoper, Tgl. Kremser S. 199 und Müller 
Dor. I, S. 42 and 255 fgg. 



CAP. II. 

Die Gebräuche des Cultus. 



§.21. 

Die einfachste und unmittelbarste Weise, wie sich 
der Mensch in Beziehung zur Gottheit sezt, ist das 
Gebet 1 ), und in diesem haben wir daher auch die ur- 
sprünglichste Form und den Kern der griechischen Got- 
tesverehrung zu erblicken, wofür alle andern Gebräuche 
zunächst nur als Träger und Vermittler dienen, und auch 
wo sie später zu Hauptsachen werden und den Charakter 
einer rechtlichen Leistung an die Gottheit annehmen, 
das Gebet als Gewohnheit und gute Sitte neben sich 
behalten 2 ). Nicht leicht unternahm der Grieche der 
guten Zeit etwas Wichtiges ohne Gebet 3 ) , Anfang und 
Ende des Tags 4 ) wie der Schluss der Mahlzeit 5 ) waren 
von gottesdienstlichen Formen begleitet, und dasselbe 
gilt Ton grösseren Zusammenkünften des Volkes zu Be- 
rathungen, Kriegszügen u.dgl., welchen ein Herold die 
Worte des Gebets vorzusprechen pflegte 6 ). Welche 
Gottheit freilich in den einzelnen Fällen angerufen ward, 
hing sowohl von der Natur des Gegenstands als von der 
örtlichen Richtung des Cultus und der Lage oder den 
Umständen des Betenden selbst ab 5 jedenfalls aber ward 



92 77*. IL C. IL Die Gebräuehe des Cultus. 

sie mit ihrem Namen, und da dieser doch eigentlich nur 
als menschliches Appellativum betrachtet werden konnte, 
am Liebsten mit vielen zugleich genannt 7 ) oder wenig- 
stens ausdrücklich hinzugefügt: wie sie etwa sonst 
heissen wolle oder möge 8 ) $ und bei solchen Gebeten, 
die nicht gerade einem bestimmten Cultus angehörten, 
scheint die Sitte gern drei Götter verbunden zu haben 9 ). 
Die feierliehe Stellung- des Betenden war, die Hände 
nach der Gegend auszustrecken, wo man die Anwesen- 
heit und den Sitz der Gottheit annahm, also in der 
Regel gen Himmel 10 ) ; nur gegen Gottheiten des Meeres 
streckte man sie vorwärts n ) , und wer Unterirdische 
anrief, schlug an die Erde oder stampfte auch wohl mit 
den Füssen um ihre Aufmerksamkeit zu erregen 12 ). Ab- 
gesehn von diesem Falle aber betete der Grieche ste- 
hend 13 ) 5 knieende oder niedergeworfene Stellung , in- 
sofern sie mehr als der anthropomorphische Ausdruck 
flehender Zuflucht zu dem Bilde der Gottheit war 14 ), ist 
auch wo sie vorkommt als ausländischer Brauch zu be- 
trachten und wird fortwährend als abergläubisch und un- 
schicklich getadelt 15 ), obgleich die Anbetung durch Kuss- 
bände, deren sprachlicher Ausdruck in seiner Anwen- 
dung auf orientalische Hofsitte auch jene Demüthigung 
in sich begreift, in dem griechischen Cultus Verhältnisse 
massig früh eingebürgert worden zu seyn scheint V), 
Auch das leise Gebet erscheint ab eine Ausnahme, wie 
denn schon die vorausgesezte Entfernung der göttlichen 
Wohnsitze das GegentheiL verlangte l7 )$ aber auch eine 
reinere Ansicht von der Gottheit verwarf es, gerade weil 
es dieser oft Unwürdiges zuzumutheu oder das Ohr des 
Bildes mit dem Gotte selbst zu verwechseln schien 18 ). 
Ob das römische Gebot, nach dem Gebete nieder zu sitzen, 
auch auf Griechenland Anwendung findet, ist sehr zwek 
feHiaft 19 )$ sitzende Stellung wird sonst vielmehr oft aU 
Trauerzeichen betrachtet 20 ). 

1) Vgl. Siebeiis de hoinhiura heroieae et horaericae .aetatis 
preeibus, Budissae 1806. 4; Nägelsbacb bemer. Tbftol. S. 185; 
Creuzer Synib. IV, S. 623 — 632 ; und hübe». B. *ob LatfauU übet- 



§. M. Fom Gebeie. 03 

die Gebete der Griechen und Römer, Tor dem Würzburger Sommert 
kataloge 1842. < 

2) Höchst seltsam lässt Böttiger Knnstmythol. I, S. 40 die älte- 
sten Opfer nur mit Musik and Pantomimen begleitet seyn : "erst 
Pythagoras und Sofcrates lehrten im besseren Sinne beten ; andere 
Gebete galten den Griechen nur als Beschwörungsformeln nnd erin- 
nerten an die Goetie," wobei weder an die homerischen Helden 
noch an die L&cedamonier in Plat. Alcib. II, p. 148 G gedacht ist; 
aber auch solehe Zusammenstellungen, wie bei Scholl in Studien 
d. würtemb. Geistlichkeit I. % y S. 155 nnd Bahr Symb. d. mos. 
Gultus I, S. 462*. die. das Gebet selbst als Opfer auffassen (als 
Verbalsymbol, w^ diteses /aefurcAe?), finden auf die einfache Aeusse- 
rung des. religiösen Triebes keine Anwendung. 

3) Platö Tim. p.27 C: tovto ye drj ndvraq ooot xal xatd ßqa%v 
ooHpQoovvijq fifri/ovaiv, inl narroq oqfijj xal afiixgov xal piyuXov 
nqüyfMJtro^ &iov. uttkov xuXqv<h. 

4) He^siod. ?.' it. f J39: yß\v oV twdtynal or\at yuoq U Q or 
"X&yi v&l/PIfct. Leggfi X, p. 887 Ei toq -oi* fiuXtara ovat &totq «#arc 
nQoq#iaXeyofiha>+ xal ixhtiaiq,- drarlXXbvfoq rt yXtov xal otXtjvrjq xal 
naoq dvaßdq " lövrwü ÜQöxvXtattq afia xal nQoqxvvqotiq y und Sokrates 
bei dems. Symp. p. 220 D. 

5) Xenoph. Symp. II. 1 : wq d* dyflQiS-jjoav ul rqan^at xal 
lQituGu.no xal (Ticuuvioav: Tgl. Plaf. Symp. p. 176 A und Athen. V, 
p. 214. . • 

6) Die 'athenische Volksversammlung Aeschin. Timarch. §.23, 
der Rath Thuc. VIII. 70, die Expedition nach Sicilien das. VI. 32: 
rvxdq dl vdf vöfii^öfihaq Tigo t^C dvaymy/jq ov xard"lnivv ituoryv, 
tvfinaviiq di $ko xfavxoq «wwi/rro x. t. X. 

7) iioXuwvv/ioi, Tgl. Spanheim ad Callim. H. Dian. 7 und Ulrici 
hell. Dichtkunst I, S. 136, namentlich auch die orphischen Hymnen, 
obgleich es verkehrt ist, hierin gerade die älteste Form griechi- 
scher Gebete erkennen zu wollen. 

8) Plat. Cratyl. p. 400 C : cjqTttg lv raVq *?//ar? v6f*6q fair föxnr 
u'xio&cu *{ riveq re xal oiio&tv /uIqovoiv ovofiuZo/ufvot, tavxa xal ijpuq 
avrovq xaXftv , <nq uXXo fitjdlv iWonaq : Tgl. f Stanley ad Aesch. Agam. 
168 und Stallbaum ad Plat. Phileh. p. 9. 

9) Namentlich bei Eidschwüren, vgl. Spanheim ad Aristöph. 
Nubb. 12ß.4, Buttmann Mythol, J, $. 29 , Nitzsch z.Odyss. II, 
S. 30; aber auch sonst schon bei Homer: a? yuQ, Ztv rt tiutiq xal 
Ufojvüiii xal UnoXXov , Iliad. XVl. 9/, Ödyss. IV. 341 u. s. w. ' 

10) Pseudajristot. de Mundo et 6:.!ifarr«? ol uv&fHttnoi, dvmtivafuv 
rdq jffZga? dg rov öi'payoV tvxdq- nouiirf*tvoi ; vgl. Dem. Mid. §. 52, 
G. I. n. 1464, und mehr bei A. Rechenberg de /<t(>«^o*«.oraiUittm 
ins.. Exercitt, Lipsu 1707. 8, p., 145 -. 163, Böttiger Kunstmythol. 
I, S. 51 fgg. und kl.' Sehr. II, S. 354; Leyezow de juvenis . adorantis 
sigvo, Berl. 1808. 4; Hepp zu Pin dar. Nem. V, Hamb. 1820. 4, 
S. 28; Osann Beitr. z. Liter.gesch. I, S. 232 fgg. 

11) Iliad. I. 351; Virgil. Aen. V. 233 » palmas ponio tendens 

12) Iliad. IX. '568: noXXd di xal yaXav noXvyoQßtjv %(Q<flv dXoia 
XiXkfoxQVo 3 lA^^V 'xdl^hiulvTjY fftQatyovHKv; Tgl. Hymn. Apoll. 333 



94 Th. IL C. IL Bie Gebräuehe des Cultus. 

nnd Stat. Theb. I. 55 mit dem Göttinger Sommerfcataloge 1841, 
p. 6; auch Stackeiberg Gräber der Griechen Taf. 64, wa Welcker 
griech. Trag. S. 295 diese Stellung abgebildet findet. Das Fuss- 
»tampfen erkennt Lakemacher p, 424 bei Cicero Tusc. II. 25» tum 
Cleanthem, quum pede tcrram percussisset , versum de Epigonis 
ferunt dixisse: audisne haee Amphiarae , . sub terram abdile? 

13) Iliad. XXIV. 306 : $vx&, Infira ardq /*top. fyxil', und nocb 
Philostr« V. Apollon. VI. 4: xa&dnfQ ol vo xqiZttq* og&ol #t0« r 
ntvovvtq. 

14) Denn in diesem Sinne kennt allerdings, wie Homer das 
yoWoüa&at oder yowa&o&ai selbst vor Menschen , aucb Aeschylus 
Sept. 92 nowieottv ßgiri] datfiövwvz vgl. Aristopb. £qu. 31 und Polyb. 

XV. 29: iXuuxQii yovvTierovoa xal ftayyavtvovoa ngoq t«c #*«?, so wie 
zahlreiche Werke alter Kunst, wo ein. Flehender das Götterbild 
umschlungen hält. 

15) Vgl. den Charakter des Abergläubischen bei Theophrast 

XVI. 1 : xal rat* Unaqwv Xi&ay tüv h Tttfg TQkodotq itaqiwt ix TJjq 
XyxvO-ov l'Xaiov xajaxilv *<** titi, yovara matto xal ngoqxvrijaaq anal* 
Xurrtad-aii und Plutarcji de .Superst, c. 3: o> ßajißaq hltvg6ntq"EX- 
Xtjvtq xaxd rjj önotdui/iovia , nyXciotig, xaraßQQßogwotiq , oaßßariOfiovq, 
(jixpaq inl ngoaumov uloxgdq, ngoxa&Lottq uXXox6rovq r ngoqxvrqotiq, 
mit der charakteristischen Anekdote Diog. L. Vi. 37. 

i$) flgoqxiwfr, adorarc, nämlich admaventes oribus suis dexte- 
ram 9 primore digito in erectum pollicem residente, Appul. Metam. 
IV. 28 mit Hildebrand p. 284 j vgl. Bergler ad Aristopb. Equ. 156 
und Jacob ad Lucian. Alex, p. 79. 

17) Besonders, niotivirt ist Ajax Auffodernng Iliad, VII. 194: 
otyjj ip vfiiiüjv, Xva /irj Tgdeq yt nv&ojvrtui doch sezt er selbst sofort 
hinzu: rfi xal dfKpudiqv, inel ovtivu dfidi/utv l'fintjq^ und im Ganzen 
ist gewiss richtig, was Lasaulx S. 5 Sagt, das« der Grundbegriff 
von tvxeo&tu lautes feierliches Sprechen sey. 

lSyMiru <f>(üv?]q tvxeo&ai, Pylbagoras bei Clera. Alex. Stromatt. 
IV, p. 543 : ifiol doxcr, ov% ort xo &ilov ojovvo firj dvvao&ui twv 
V av XV 9^fyyofihü)y InuUtv , dXX 1 ort, öixaiaq ißovkovro tlvai taq *i/^dc, 
viq övx av Tiq aldto&iii] noitXo&ai, noXXwv avvH$oi;oivi Vgl« Persius 
Sat.H. 5 und oben §.18, not. 19. 

19) Als Vorschrift Numas kennt Plutarch c. 14 xo ngoqnwttv 
nigka-vgtipofjihovq xal to xa&rju&a* nQoqxvvrjüavraq , gleichwie aber 
ersteres schwerlich auf Griechenland Anwendung finden möchte, 
so reichen auch für das' zweite die beiden von Lob eck Agl. p. 249 
angeführten Beispiele Polyb. XV: 29 und Anthol. Planüd. IV. 249 
nicht aus, > indem im erstem- das Niedersitzen, gegen, das Gebet 
gleichgültig, im andern, wofern nicht d&ixtvoq für .i&piiwq zu lesen, 
mit diesem, selbst verbunden ist. 

iOyfranwat xa&idQai, Dio Chrysost. XVI, p. 244 r ▼£!. Böttiger 
Kunstmythol. I, S. 141. — ' ; ' 

: «.,' ••■• <,■■•-., . :■; .§. .«22. :•;.;/ ,uy. :• .us.u <r. 

Eine besondere Art von Gebeten sind auch die Flu- 
che *) r < die zwar nicht als solche . zur- Gottesvwehirung 



§.22. Von Flüchen und Eidschwuren* 95 

gekörten, gleichwohl aber nicht nur auf demselben Glau- 
ben an die Macht der Götter beruheten, sondern auch 
in vielen Fällen mit gottesdienstlichen Gebräuchen ver- 
bunden waren 2 ). Directe Flüche, welche als Rache 
oder Strafe ausgesprochen wurden, scheinen gewöhnlich 
an die unterirdischen Gottheiten gerichtet worden zu 
seyn 5 ), bei welchen man sich die Erinyen als Voll- 
streckerinnen des erbetenen Uebels wohnend dachte 4 ) ; 
bei Weitem häufiger inzwischen kommen sie in bedingter 
Weise vor, wo sie nicht selten auch öffentlichen Ver- 
kündigungen und Geboten zur Abschreckung -des Ueber- 
treters beigefügt wurden 5 ) ; und eben dahin gehören 
dann auch die zahlreichen Eidschwüre, deren wesent- 
licher Sinn eben darin besteht, dass der Schwörende für 
den Fall, dass er unwahr rede oder sein Versprechen 
breche, den Zorn und die Strafe der Gottheit über sich 
herein wünscht 6 ). Im gewöhnlichen Leben beschränkte 
sich freilieh die Bedeutung des Schwurs oft darauf, den 
Mangel menschlicher Zeugen für eine Aussage zu er- 
setzen, oder die Wahrheit dieser einer andern über allen 
Zweifel erhabenen Gewissheit gleichzustellen, und dazu 
konnten vielfach auch sonstige selbst leblose Gegenstände 
dienen 7 )y oder wenn auch die gemeine Sitte fortwäh- 
rend die Namen der Götter in fast unwillkürlichem Ge- 
brauche vorzog, so wählte doch der Gewissenhafte gerade 
um diese nicht zu entweihen, zu blossen Betheuerungen 
nicht selten die gleichgültigsten Dinge 8 ) ; um so wesent- 
licher aber war es, eigentlich bindende Eide unter den 
förmlichen Schutz der Gottheit zu stellen , zu welchem 
Ende sie auch in der Regel bei Tempeln oder Altären 
geleistet wurden 9 ). Desshalb waren auch die Gebräuche 
zunächst dieselben wie bei dem Gebete, namentlich die 
aufrechte Stellung, das Aufheben der Augen und Hände 
u. s.w. l0 )$ nur insofern auch ein Opfer damit ver- 
bunden zu werden pflegte, war es üblich auch das ge- 
schlachtete Thier zu berühren X1 ) oder die Hand in dessen 
Blut zu tauchen 12 ), worin die symbolische Andeutung 
eines ähnlichen Schicksals für den Fall des Eidbruches 



86 Tk* II* C. II. Die Gehrauche des Callus. 

enthalte* war 13 ) ; osd wie jedem Fluche der gfoicbifoi- 
ftige Untergang des ganzen Geschlechtes als schärfender 
Znsatz galt 14 ), so stellte der Schwörende auch wohl 
seine Kinder neben sich 15 ), um auch sie unter den er* 
hetenen Folgen des Eides au begreifen 16 ). Die Mafa- 
nkhfahjgkeit der Gottheiten 9 bei welchen geschworen 
ward, und die Dreizalil derselben, die in Athen sogar 
gesetzlich gewesen seyn soll 1? ), hatte der Eid gleichfalls 
mit anderen Gebeten gemein ; über' allen Schwüren aber 
wachte als personificirter Ausdruck ihrer Heiligkeit? die 
Vorstellung des Zavq oqmoq als Eidrachers 18 ), und wie 
in dem Worte oqkoq ursprünglich nur die Bedeutung 
einer Schranke oder Fessel lag 19 ), so ward auch die 
bindende Kraft des Eides selbst bisweilen unter dem 
Bilde eines persönlichen "Oqhoq aufgefasst 2 P). ' 

• • : » / .'.. •- \ 

1) DaLcr dgu ursprünglich Gebet, dann insbesondere Fluch 
und sogar Uebet (Hein rieb ad Scut. Hcrc. p. 118), insofern dieses, 
wenn unverschuldet, als Folfte fremder Wunsche betrachtet ward» 
eben so uquo&ui s. v. a. xarivxto&ul, Böses wünschen, vgl. Aescj*. 
Sept. 633, PLat. Legg. XI, p. 934 E ü.s.w. 

%) Vgl. F, A. Mär eher das Prinzip de» Bösen 5 nach' deti' Be- 
griffen der Griechen, Berlin 1842.8, S. 115 fgg. und E; vpn' iMsaufr 
über den Fluch bei Griechen und Römern, vor dem Würzburger 
Sommerhataloge 1843. 

3) Vgl. Iliad. IX. 456 und die Verfluchung des Ale ibia des nach 
Lysias adv. Andoc. 5.51: xal inl xovrotq Uotuu xal Ugtiq arümq 
%axT]quaavro ngoq (Otkquv xce* q>onrixioaq avtottoav xuru ro ■yo/uijuov ro 
naXaiov xal dq/aiov, wo die Richtung gegen Abend eben 'die unter- 
irdischen bezeichnet, vgl. Oed. Tyr. 178; uxtuy TiQoq i<fz*$cv&*Qv t 
und Ath. IX. 78. Uebrigens zeigt dieses Beispiel , dass solche 
Verwünschung auch zurückgenommen werden konnte , dqtotfHo&ijvai; 
Plut. V. Alcib. c. 33 , vgl. Poll. V. 130» to fängt inaqaao^Utöi^ 
uvuXvtiv rijv aQuy ävaQuouo&cu Xiyova*. 

4) Aesch. Eumen. 411: uquI d' tv oXxoiq yrjq vnai xs*Xrjpit&-ui 
Vgl. Lasaulx S. 8 und mehr in Böttiger kl. Sehr. I, SV 25*2; G. 
Kampe Er in y es, Berl. 1831. 8; Müller Eum. S. 168 fgg., Nitesch 
z. Odyss. III, S. 183 fgg., Nägelsbach homer. Theol. S. 226 fgg., 
Limburg- Brouwer VIII, p. 105 fgg., Geppert Urspr. d. homer. Ge* 
sänge I, $.371 fgg.» und ra. Qunestt. Oedipod. p. 70 fgg. 

5) Plat. Grit. p. 119 £: iv $\ %jj orylfl ngoq ToVq vo/xoiq oqxoq 
yv f*tyuluq dodq inevxoptvoQ rotq UTifi&ovai : vgl. Dinaren, adv. Aristog. 
§. 16 : wqniQ ol tiqwtoi. vofioQ-frat, Tifql twv iv tw Si)fxot Xtyovroiv *o7q 
n^yov^q y/wv. hofM^ir^aav ... tiqütov p\v xvd? txäörrjv ixxXfj<riav 
drjpoQlrt dquq notpvpivoi xazd roiv tiovtjqoJv, tu riq dioQa Xapßavatv fttTfl 
raVTtx, Xtytt, xal yivwaxn ntqi rwv ngay/xuTOiv, ($o)Xt} rovrov f»V<ü, anch 
Dcmosth. F, L. §.70, Aristocr. §.97, und mehr oben §,9, n. 9—12. 



§. 22. Von Flüchen und Eidschwüren. 97 

6) Auwei den älteren Schriften von. Puteauus and Hansen in 
Graevii Thes. antiqu. Rom. T. V und Regner de .Rassen* de jure- 
jurando veterum, Traj. ad Rh. 1728. 8 vgl. Meier im hall. Wiater- 
kataloge 1830—31, Heumann de dignitate jurisjurändi apud veteret 
praesertun apud Graecos, Recklingkausen 1832. 4, und insbes. C. 
Putschii comm. Homer, spec. I de vi et natura juramenti Stygii, 
Lips. 1832. 4, dem auch Nägelsbach homer. Theol. S. 103 fgg. 
meistens folgt , und £. v. Lasaulx vor dem Würzburger Sommer- 
kataloge 1844. 

7) Vgl. Eurip. Helena 835 j dXX* uyvov oqxov oor xdga xaTcipocru, 
Phoen. 1677: »uiw otöijqoq ogxiop t tpol £**«?, und mehr bei Lasaulx 
S. 7; auch die bekannte Platane bei Plat. Phnedr. p. 236 £ u. s. w. 
Nur im Genitiv mit xard können auch solche Gegenstände unter 
die Kategorie des Fluchs fallen , indem sie • die nähere Beziehung 
desselben andeuten, z. B. opxoc xcrret tä* oy&aXfiüv Aesehin. F. L. 
§.153, vgl. Schol. Anoll. Rhod. II. 259: Ixtlvovq yuq yr fit} (voq- 
xitfttV) fijv djitiXtiay o OQxoq i/upaivt* tüv o^B-aX/iav. Eben so x«t' 
ifakiiitq o/ixvnu, Dem. Mid. §.119 u. s.w. 

8) Schol. Aristoph. Av. 520 : 'Paddfiav&vq öoxtV d*adf£it/tf yoc rtjv 
ßaaiXiktv dixatoxaroq yiywifod-tu ndvxmv dv&ymxw Xfyttcu di avrov 
ngtörov ovdha luv oqxovq nouVaO-at xaid t*v &tüv 9 dXX* o/tvvvtu xi- 
Atvocu xv va * a * *0 y <* * a * *Q*°* *<*l tcc ofMiax vgl. v. Leutsch ad Zenob. 
V. 81 und Becker Charikles I, S. 389 , auch Näke Opusec. II, 
p. 152, und über xQafißy (Athen. IX. 9) .Lübeck Agl. p. 979. 

9) Cicero pro Balbo c. 5: quum quidem apud eos testimonium 
dixisset et ut mos Graeeorum est, jurandi causa ad aras aeeederet; 
▼gl. Demosth* adv. Conon. §. 26 und mehr bei Rupert! ad Juvenal.. 
XIV. 219 und Lasaulx S. 25. Der Schwörende fasste den Altar 
(Andoc. de myst. §. 126$ Plaut. Rud. V. 3. 46) oder auch das Göt- 
terbild (Justin. XXIV. 2) an; auch der Stein auf dem Markte au 
Athen (Plut. V. Solon. c. 25 und mehr bei Neumann ad Aristot. 
rerump. fgm. p, ( 90) wird als ein Hetligthum zu betrachten seyn, 
wi* der Jupiter lapis bei Cicero Farn. VII. 12. Uebrigen» gab es 
allerdings, wie bei den Orakeln und Asylen, manche Tempel, die 
vorzugsweise Sicherheit des Schwurs zu gewähren schienen , wie 
beim Grabe des Palämon in Korinth nach Paus. II. 2. 1 : oq d' «* 
hrqiv&a jj Kogiy&iwv rj liyoq tnloQxa opoofl , ovdtpUt lativ o* pqxavt/ 
dutyvyi Xv toi» öqxov: bei dem Sosipolis in Clin da». VI. 20.2; bei den 
Praxidiken in Haliartus das. IX. 33. 3^ bei. den Paliken in Sicilien 
nach Macrob. Saturn. V. 19 mit Prcller ad Polemon. p. 129 u. s. w. 

10) Vgl. Valckenaer de rstibus in jurando a veteribus Hebraeis 
maxime et Graecis. observatis, in Opusec. I, p. 1 — 102; und Putsehe 
1. c. p. 15 %g, Das Aufheben des Stabes (lliad. VII. 412 ; X. 321) 
scheint Aristoteles Pol. III. 9. 7 als Antiquität zu bezeichnen. 

11) Kft&'ltQwv itXtitd* oftooai, Andoc. de Myst. §.98; Demosth. 
ädv. Neaerara §. 60; d. h. Xaßovra to bo«, wie bei Lykurg adv. 
Leoer. §.20; vgl. Schol. Aristoph. Lysistr. 202 und Schömann ad 
Isaeum p. 364. Auch hil ro/iituv rttvQov, xuhgov, xqtov, fanov, 
Demosth. Aristocr. §.68; Aesehin. F. L. §.87; Paus. III. 20. 9; 
IV. 15. 4; vgl. Hesych. II, p. 1399: voput t« **£«> ä otpdtomq 
ofiri/ovot, weshalb auch geradezu ogxta riftven für «cftttiören, Schol. 
Iliad. XIX. 197 u.a. w. 



96 Th. IL C. IL Die Gebrauche des Ctdltis. 

■ 12) Insbesondere bei Bündnissen, wie Aeschyl. Sept. 44; vgl. 
Aristoph. Lvsist*. 188* und Xenoph. Anab. II. 2. 9. 

13) Eustath. ad Üiäd. III. 273: öt'fißoXov <T ?v rovro xov ilq 
xfyaXyv rgannoeöB-ai tcc xaxa roVg ImoQxyoovoi: vgl. den Codex Coisl. 
bei ▼. Leütsch ad Diogen. III. 60 : ol yug MoXottoI, inüduy ogxia 
notwvrut, ßovq nagaOrtjaufifvot xal nw&iovaq oXvov nXrjgng^ tov /a\v ßoiiv 
xaraxoTtrovriq tlq fiixgd Iftagtovrat, rotq nagußrjaofihöig ovrotq xara- 
xonrjvtUy rovq d\ xw&wvaq tx/torTf^, oirvoyq Ixxv&ijvai ro% alpa riäv 
nagaßqoopfowv , auch Sopb. Ajax 1177 und die italische Formel Liv. 

I. 24. Ob jedoch, wie Nägelsbach mit Putsche p. IG annimmt, 
auch das Werfen eines solchen Opfers ins Meer (Iliad. XIX. 268) 
symbolhAUi zu nennten* steht dahin; einfacher Caromanv Vorschule 
S. 270 und Lasaulx S.IOj denn essen durfte dav*n> weil es ein 
Fluehopfer war,, niemand; nach Paus. V. 24t iistl votq yt dgxaioxi- 
Qotg ig t« Ugtta rjv xa&iQTijxZq, iy p ng ogxov inoirpwtOy fAtjdl «tai- 
iiftop tlvav TOVVO tTt 0»^)W.TW, 

14) Demosth* F. L. §. 71 j l^wXrj noulv mhov xal yhoq xal olxiuv: 
C. I. n. 3044 : dnöXXva&ai xal fai/Vo* nul yhoq ro xiirov u.s. w. 

15) Demosth. adv» Gonon. §.38.: q>aol ydQ nagatfrijoufttnov rovg 
nalduq avvov xaid tovvwv oniio&ai xal ugag rivaq Snväq xal xaXfxug 
inagaoeo&a* : vgl., pro Phano §. 33 und mehr bei Platner Process 
und Klagen I, S. 223 und Wurm ad Dinaren, p. 129, wo Schümanns 
Ansicht (att. Process S.689),dass der ogxag xard twv nu*$wi> für 
den, welcher, Kinder hatte, ehen nur der ogxog xa(F Ugüv rtXuoiv 
gewesen sey, gebührend widerlegt ist. 

.16) Antiph. Herod. §. 11: diofiooaa&at oqxq* to* fuytcrto* xal 
IdjWOOTfgTov, ZZtoXfiav tevrüi xal y hu xal oixia %fj ajj Inagüfiievovi vgl. 
Lysias adv. Eratosth. • .§. 10, Andoc. de myster. §. 126 und die 
officielle Formel das. §.98: ruiiru ^ ühoouvtwv Id&tpwtoi numv .'. 
*tfl inwxftJ&at tvo^xovvri f*h t»y«* .noXXu xal dya&ä, imogxovvr* d f 2$wXif 
uvroy **nc* xal yhoq, auch Aeschin. JP. L. tj. 87 nnd andere Ähnliche 
bei Spanheim ad Aristoph« Hau. 594 und Böckh C. Inscrw I, p. 8Ö&.. 

17) Schdl.'Vcnet. llidd.' XV. 36: dt« rgiüv d* y* Xfrog otAvvvui* 
<og Jguxuv h;ä£t , •"• Äiu IToandtavu- *A&ip>a* , ol ti\ Aia TTootidüvu drj- 
fiTjTQav, (og /ItjfAoa&hTjt; h rS inl Tiifioxfjdrovqs vgl. PolL VIII. i42: 
"tiQtvq &toit'q ofivvvat xiXtvn JfoAwv, Hiotov Xfi&figcfiov i^uxtar^giov, und 
mehr §. 21 , not. ^9. UebrigenS bedarf es kaum der Bemerkung, 
dass sowohl in anderen als auch selbst in athenischen Eidesformeln 
deren noch viel nrebrfe' vorkommen. 

18) Mälzner de Jove Homeri, Berl. 1834. 8, p. 50 — 57; vgl. 
Böttiger Knnstmythologie II, S. 126. und Lasaulx S. 8. Allgemeiner 
freilich auch ogxioi, &to$ Aeschin. Timarch. .§. 114. 

19) Von l'Qyro, : n^yftj, verwandt mit fpjtoc, vgl. Buttmann Lexil. 

II, S. 52 — 60* und nach ; ihm Putsche und Lasatrlx S. 5, der nur 
den Ztvq fgxtVoq (s. oben §«15, not. 2) nicht hätte dazu herbei- 
ziehen sollen. Irrig läugnet auch ersterer p. 6 — 8, was Buttmann 
mit Recht annimmt, dass opxo? ursprünglich mehr der Gegenstand, 
bei welchem geschworen wird, als der Act des Scbwörens selbst 
sey; für diesen stimmt auch Müller Eumen. S. 159« 

20) Hesiod. Theog. 231: oqxov og 6y nXiVorov Imx&ovlovq dv&gd- 
novq nqfiafofi, ors xiv r*q txuv itiLoqxov oftoootji vgl. das delphische 
Orakel bei Herodot VI. 86 und Reisig ad Oe'd. Col. 1758. 



§. 23. Von Reimgnngeu und Sühnungen. 90 

§, 23. 
Cm nun aber beten und der Gottheit überhaupt nahen 
zu dürfen, war die erste und noth wendigste Bedingung 
Reinheit *) , und wie es sich von selbst verstand , dass 
die heiligen Orte mit allem ihrem Zubehör vor jeder Ver- 
unreinigung bewahrt blieben 2 ) f so gingen auch möglichst 
jedem Gebete oder Opfer Waschungen und Reinigungen 
voraus, die sich nicht nur über die Person des Beten- 
den 3 ), sondern namentlich auch über seine Kleider und 
die Geschirre, deren er sich bedienen wollte, erstreck? 
ten 4 ). Von den Gefässen mit Sprengwasser, welche 
zu diesem Ende am Eingange jedes heiligen . Bezirkeis 
standen, war schon oben die 5 Rede 5 ); aber auch, ini 
Hause und sonst beobachtete man dieselbe Vorsieht $ 
und wie es zu jener Besprengung selbst nieht gleich* 
gültig war, was für einer Art von Zweigen man sich 
bediente 6 ) , so blieb man auch nickt bei dem ersten 
besten Wasser stehen, sondern gab wo möglich dem 
fliessenden 7 ), noch lieber dein Meerwasser den Vorzug *), 
welchem lezteren man ' selbst das süsse durch hereingfc» 
wordenes Salz anzunähern suchte 9 ) ,> odefc verband, mit 
jenem noch eine zweile Reinigung durch Feuer und.Räife 
cherung 10 ), wozu schon von ältester Zeit insbesondere 
der Schwefel ll ) „ • Später auch wohl die Meerzwiebel I2 ) 
gebraucht ward. Nach mehr trat übrigens diese Noth4 
wendigkeit in den Fällen ein, wo die voransgesezte Un- 
reinigkeit nicht bloss auf dem allgemeinen Gegensätze! 
des profanen 1 Lebens mit dem heiligen, sondern auf be- 
stimmten Veranlassungen beruhete, die den BctheiUgten 
geradezu vom Verkehre mit der Gottheit ausschlössen* 
Blutvergiesscn, Beischlaf, Wochenbett, Berührung mit 
Todten und Begräbnissen 15 ) , wie denn namentlich* b4i 
Sterbefallen sofort ein Gefäss mit Wasser vor die Thürä 
des Sterbehauses gesezt ward, damit jeder Ausgehende 
sich auf der Stelle reinigen konnte 14 ), und nach dem 
Leichenbegängnisse für alle Angehörige noch eine beson- 
dere Reinigung stattzuhaben pflegte 15 ) $ und eben dahin 
gehören dann auch die Lustratipnen ganzer Städte oder 

62 



100 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

Länder und sonstiger Menschenmassen nach verheeren- 
den Seuchen, Bürgerfehden u. dgl. , wovon nicht nur 
die geschichtliche Zeit 16 ), sondern auch bereits die ho- 
merischen Gedichte Beispiele darbieten 17 ), obgleich hier 
von der Blutsühne des späteren Cultus, die zugleich den 
Begriff der Entmündigung enthielt, noch keine Rede ist 1S ). 
Freilich müssen anch später noch die kathartischen oder 
Rcinigungsgebränche von den hilästischen oder Sühnun- 
gen dem Begriffe nach geschieden werden 19 ), insofern 
die lezteren vielmehr den Zorn der Gottheit von dem 
Sünder abzuwenden bezweckten, den die ersteren nur 
den gewohntem Verkehre wiedergeben wollten; in der 
Anwendung aber Bossen beide um so mehr in einander, 
je grösseres Gewicht auch der äussere Gottesdienst auf 
sittliche Reinheit zu . legen anfing 20 ) 5 und : so verschieden 
anch der Ursprung und die Beziehung so wie. die Ein-' 
Zeiheken der vielfachen Gebräuche seyn mochten, welche 
theils der Cultus, theils der Aberglaube des späteren 
Griechenlands zu ' diesem Zwecke - anwandte, so lag doch 
alten mehr oder minder der gemeinschaftliche Gedanke 
tu Grunde, dass die sittliche Befleckung zuerst »durch 
eine äussere Verunreinigung ausgedrückt ward, um dann 
mit- lezterer zugleich auch die erstere symbolisch hinweg 
zu nehmen 21 ). Nur insofern das Opfer, mit dessen, 
Blüte dieses in den meisten Fällen 7 geschah, zugleich 
als stellvertretende Genugthuung statt des. Sünders selbst 
betrachtet ward 22 ), trat ein speeifischer Unterschied der 
hilästischen Gebräuche hervor} im Uebrigen aber theil- 
ten diese die Sorgfalt, mit welcher alles was zur Rei- 
nigung gedient hatte, aus dem menschlichen Bereiche 
entfernt ward , eben so sehr mit den kathartischen 23 ), 
als* diese andererseits durch die Demüthigungen, welche 
sie dem zu Reinigenden auferlegten, sich den hilästischen 
näherten 24 ). < 

-ii:}."t) Vgl. Poll. Onom.. I. 25: %6 6h ItgoqUvttt Tjgo? rovs &iov$ 
xafhjfrtxnivov , xa&a(iivaa*%a } q>uidQvvü/u*vov, n*QiQQUvd/Atvov , anoggvipa- 
fifvov, dnovirpüfiivo'v t ayviotifutov , uyvwoavta, yyvHjpfvov , wotm/uthor, 
ka&ctQto v£, vno vtovqyai vroXjj, vn.6 vtonlvnt to&jju x. r. A. und im 



§. 23. Von Reinigungen und Sühnungen. 101 

Allg. Jo. Lomeier de veterum gentilium luslrationibus ,: FJltraj. 
1681. 4, insbes. p. 152 fgg. und was Fabr. bibl. antiqu. p. 494 
weiter anfuhrt; auch Böttiger Kunstmyth. l % S. 118—128 und Lim- 
burg -Brouwer VIII, p. 213 fgg. 

2) Chrysippus bei Plutarch Stoic. repttgn. 22 : lv 6\ tS nfftTmu 
naiv* nigl <f>vatmq Xiyit, xaXäq pl* dnayoatvuv tw 'Haiodov ^?. x. jy. 
755) ilq nora/tovq xul xqrjvaq QVQttp, tri dl puXXov d^exrioy tlwn tov 
nQoq ßatyov ovqtVv tf u<pi$QVfta &tov: Tgl. Per».. Sat. 1.' Itft. 'und 
Diogenian. proverb. VIII. 4. Selbst auszuspucken oder die Nase an 
reinigen war verboten , Arrian. diss. Epictet. IV. 11. 32. 

3) Iliad. VI. 266 und mehr bei Terpstra antiqu. Hom.'p. 18 fgg. 

4) Odyss. IV. 750 s vdqrjva^vij xa&uqa xgot Hf*a&* tkovou ev/ero: 
vgl. Porphyr, abstin. II. 46: $v filv Ugofq vn uvd-Qo'mwv &toVq a<pu~ 
QiOfithotq xal ru iv noal xa&ctQu <M tlväi xal thttjXtätoTa <nwddXia, 
und was Opfergeschirr betrifft, Iliad. XVI. 228, wo Achill selbst 
den Beeher, aus welchem er. nicht einmal einem anderen Gölte als 
Zeus allein libirt , zuerst mit Schwefel , dann mit Wasser reinigt. 

5) IlfQivQavtiJQidj tgl. oben §. 19, not. 4 und Lomeier p. 334 fgg. 

6) Hämo felicis olivae , Äen. VI. 230; noch häufiger jedoch 
mit 'dem apollinischen Lorbeer, dem überhaupt eine unheilabwen- 
dende und heiligende Kraft beigelegt ward, Vgl. Sturz ad Emped. 
p. 1T)2, von Leutsch ad Zenob. III. 12, Böttiger hl. Sehr. 1, S. 396. 
Wachsmulhs (H. A. II, S. 570) tialoq als Sprengwedel aus Eurip. 
Herc. für. 930 beruht auf Verwechselung mit der Sitte einen Feuer- 
brand vom Altare in das Wasser zu tauchen, um es zu heiligen, 
vgl. Aristoph. Pac. 957 und Athen. IX. 76. 

7) Aovtqokj* xu&aqoTq Tiorcfftitov ntl&Qäv «tto, Eurip. Electr. 799; 
vgl. Virgil. Aen. IL 719; IV. 635; Pers. II. 16; Juvea. VI. 523; 
SU. IUI, VIII. 124 »,i.w. 

8) Eurip. Iphig. Taur. 1161: &dXaaaa xXv&o ndvxa rdvO-Qmnaiv 
xaxu: vgl. EusUth. ad -Iliad. I. 313 und mehr bei Hertzberg in 
Jahns Arehiv V, S. 415; im Allg. auch Philo de sacrif. p. 848 C« 
ol phr uXXo* o/edov «bzeur«? dpiytV vdaxt nfQtQgatvovTfit* O-uXuttj/ ph 
ol noiXolf Ttvlq dl nora/to??, ol öl xüXmoiv ix mjywv uqvq/aivoi. 

9) Theocrit. XXIV. 94 : xa&ttQto 61 nv(jtooatt dwpa &ctl<o 

n{)WTov y l'ntira d* dXinav fit+iiynhov, wq vevofuorcu , 
&uXXa> (TiiQQcttvHv toztfifihov dßlaßlq vd(og : 
vgl. Menonder bei Clem. Alex. Stromatt. VII, p. 714 und Tzctzes 
ad Lycophr. 135. Ob auch Asche? Bahr Symb. II, S. 495. 

10) Vgl. Hildebrand ad Apul. p* 104? und Eckermann Mejampus 
S. 15» wo jedoch sehr Verschiedenartiges verbunden ist. Am we- 
nigsten gehört die Feuerprobe aus Soph. Antig. 264 hierher, ob- 
gleich auch Lomeier p. 259 eine ähnliche Vermischung begeht. 

11) Selbst seinem Namen nach, &tfov, EusUth. ad Odyss. XXII» 
481, vgl. Plin. H. N. XXXV. 50 und mehr bei Casaub. ad Theophr. 
p. 187, Broukjji. ad Tibull. I. 5. 11, Burmann ad Propert. IV. 8. 84. 

12) Aadl xal axiXXrj niQiuyv£nv , Lucian Necyom. c. 7, vgl. dess. 
Alex. c. 47 mit Jacob p. 89 und Dipbilns bei Clem. Alex. Stromatt. 
VH, p. 713. Wie wurden aber die Eier gebraucht, die Apulejus 
Met. XL 26 zwischen taeda lueida und sulfur nennt, und die auch 
sonst (Lucian. D. M. I. 1; CäUpl. 7) als xa&dqota vorkommen? -• 



102 TA. IL C. IL Die Gebräuche des Cultm. 

13) Eurip. Iphig. Taut* 38t : rjttq ßoorwif fi\v yv nq diprjra* <poyav 9 
y xul Xoxiiaq jj vf xqqv . &vyjj X*Q otv i ß(t)^u)v uriÜQyf*, nv<J(tj)vv w? rjyov- 
ftUy: vgl. Tbeophr. Char. 16, Diog. L. VIII. 33, und mehr bei 
Meiners allg. Gesch. d. Religionen II, S. 103 fgg. und Bahr Symb. 
1,1, S. 469, über den Todtschläger aber das drakonische Gesetz bei 
l>einosth. Lept. §. 158: xtgvißatv HQyfo&u* xov dv6()og>6vov % OTzoräßv, 
xQarjJQiüv, Uqwv, äyoouq, und Liban. Progymn. T. IV, p. 893. 

14)'Poll. VIII. 65: ol inl rqv olxlav rov ntv&ovvToq uq>txvovfttvoi, 
Vit ort tq (xa&aiyovTO vSart iz*Q*yQaiv6/*tvof ?o dfc noovxuro iv uyytlco 
xfQa/utaj i£ uXXyq oixtaq xtxofuoftivapz Tgl. Eurip. Alcest. 97 und Küster 
ad Aristoph. Eccl. 1025. 

15) Vgl. Sc hol. Aristoph, Nubb. 838 1 l'&oq tjv ficxu ro ixxofiio&qvui, 
to aaifia xu&agtiov x**Q' v dnoXovtaB-ai rovq olxeiovq rov Tt&vtutToq, und 
die lyxvTQioxQlui, Plat. Minos p. 315 D; s. unten n. 21. Aehnlich 
auch, nach einer Entbindung; vgl. Suidas l, p« 150: dfi<pt6qofjna irjv 
niftTttip uyovotv ini ToTq ß{j4<fifOi,v, h ff UTioxa&oU^ovra* rdq jfffyac °* 
oyvutyanivQ* %rjq nuiwotwq x.t.X. 

16) So die Argiver Paus. II. 20 und Epimenidcs nach dem ayoq 
xvXvraoY in Athen (Plut. V. Solon. c. 12) IXaopotq nat xal xa&uy- 
juolq xul IdovotOi, xajoQytuoaq xal xa&ooitooaq tt/v noXtv: wobei übri- 
gens freilich auch spätere Sühngebräuche eine wesentliche Stelle 
einnahmen , vgl. Diög. L. I. 110 und Chr. God. Grabener de Epi- 
menidc Athenarum lustratore, Misn. 1742. 4; insbesondere auch 
die Reinigung von Dolus Ol. LXXXVIH. 3 bei Thucyd. III. 104 und 
Dipdor. XII. 58: dvaoxdxfjavrfq ovv dnuaaq rdq Iv rß Jr}Xoj &rjxftq 
fuiijvfyxav tiq rijv K Prp/Hav xaXovphyv vqoov, f i'raluv dt xul vofxov fiqTS 
vixTitv tv rij JyXqi prjTt &-u7itnv t 

17) lliad. I. 313 fgg.; Odyss. XXII. 480 fgg* 

18) S. oben §. 5, not. 2 und insbesondere Lobeck Agl. p. 301 : 
heroico enim aevo quieunque tale faeinus in se admiserant, aut 
exiUum dira poenam pro caede luebant aut eulpam pretio redime- 
bant; cujus gener is ille multos inducit et dornt cum eivibus et föris 
tum hospitibus impune innoxieque conversantes, quod fieri nullo modo 
potuisset, si jam tum viguisset opinio homieidarum interventu deo- 
rum reUgiones et hominum eoetus eontaminari omniumque rerum 
exitus viliari (Antipho Tctral. I. 1, §.10; vgl. Spanheim ad Callim. 
H. Cerer. 118; Valckcn. ad Eur. Hippol. 946). und p. 303: ad 
extremum, ne ullus ad tergiversandum locus relinquatur, abest ab 
Homeri earminibus Jovis Purifici et Prodigialis sive Graecis nomini- 
bus phXix&ov, naXajivalov, xa&tiQolov, yvl-Cov, abest Averruncorum 
et ultörum Manium religio, quibus propitiandis saera lustralia et 
resolutoria institui solent , woraus zwar keineswegs folgt, dass 
diese lezteren Religionen und Gebräuche alle jüngeren Ursprungs 
gewesen seyen, wohl aber auf die Verschiedenheit geschlossen wer- 
den kann» die zwischen ihnen und der bei Homer bereits so we- 
sentlichen Sorge für äussere Reinheit obwaltet. 

19) Müller Dorier I, S. 327 fgg. und Eumen. S. 138— ,148, 5 wo 
nur die Frage übrig bleibt , ob , wie in ersterer Stelle , Apoll als 
Gegenstand beider Gattungen, oder wie in der anderen nur als 
Reiniger betrachtet werden soll, während alle Sühngehräuche ur- 
sprünglich den Gottheiten der Erde und Unterwelt galten, zu wel- 
chen dann auch Zeus / als fiuXlxtoq^ Xupvotioq, tn/£*6f, und Dionysos- 



§.23. Von Beifügungen und Sühnungen. 408 

gehört Latten? Wie »ick selbst die ff über erwähnten Reiniguags- 
gebräuche allmalig um den Begriff des Apoll ' coucentrirten , zeigt 
Plati^Crat. p, 405 Ax nqGrco* t*Xv ydq rj xa&aqoiq xal ol xu&vtQjtol 
xal xaru rtjv littQixrjv xai xai« rijv ftavrj*yv xa^ al toi? laVQtxoSq 
yaQfiuxQtQ xal ul rotq fiavxtxoVq ntQv&eitoatiq ?< xnl tu Xovtqu %u iv 
roTq Toioi'Toa; mal al nt (jiQquvof iq , ntivra i'v xi xavra dvvair av 9 
xafrayov na^h/iiy rov uy&qüjtiov xal xaia to aw/xu xal xara rrjv tpvxqv: 
inzwischen erscheint auch Zeus als xa&uyoiog, vgl. Preller in Paulys 
Realencyklopädie IV, S. 605, und andererseits kennt auch die apol- 
linische Religion offenbare -Sühngebrauche, die nur gezwungen auf 
chthoniseke Wesen übergetragen werden können ; s. unten Cap. IV 
Jtlyivia und QapytjXia. ••,.-.• 

20) Von der homerischen Zeit gilt gewiss was Nitzsch z. Ödyss. 
I, S. 310 sagt: *• die Sauberkeit', die zum feierlichen Gebete ge- 
schickt macht, ist nickt Bild innerer Reinheit, denn so lange 
überhaupt die Gunst der Gottheil keine sittliche Bedingung hat, 
konnte eine sittlich«! Deutung solchem Gebrauche nicht unterlie- 
gen"; ganz anders aber ; Hat.' Legg. IV, p.716 D: o)q r$ iäv d^a&ü 
&VHV xul TTQoqofiilftv xotq &$ot$xrü- tvyalq xal tlra&tj/xaCfi xal ov/inatfft 
{hgmttitf xaXXioro* . . tw *ö\ xuxß tovtgjv rdvavxid rtfyvxev' dxdÖ-aqroq 
ydq rrj¥ yvxiffi o xaxvg, xü&uqox; dfc o y*' huvrioq, und demgemäss 
auch die Inschrift zu Kpidaurus. bei Porphyr, ahstin. II. 19;'" 

uyvov XQ$ raoto &lM(öq ivroq lorta 
IfHpaiuv , dyvtltj <f lait q>Qov(l* oaiu: 
vgl. Clem. Alex. Stroniatt. IV, pf. 531 > TfciTri^ ,d$ XfXovfthovq yuai 
6iZv inl xuq Uqonouaq xül zdq tvxdq lha\ x#äa(jai>q ,xal Xa/tjtQoyz, 
xal rovro fttv ovpftoXov x?Q iV yivea^at t tp t$a>&fM xexpofiyo&aL je xal 
tjyvio&ai 9 dyvtia di *or* yqoviiv ooiu. \ .y x 

21) Die gewöbnltcbstei Form «ind die ^o^oxtoi'o* xaS-aqnol y twi« 
sie Aeschylus Emu. 27£ nennt und /Apollo nius Argon. IV. 700 
näher beschreibt , wo die Hand mit Blute eines Opferschweins be* 
nezt und dieses dann uXXo^g xvtXoioiv abgewaschen ward; vgl«, auch 
Ath. IX. 78 aus dqn naigioa; xdiv &vyuJqi$o)\> (s. oben §. }, . ni. 12)» 
tuHT* u7tovitffUf*tvoq avroq xal ol uXXot, ol qmXuyxvtvovitq vdotq, Xaßwv 
Xix&utQfj dnovfo to fictfia tov xa&uiQophov xal find to dnovt/*/*a rlvuxi- 
vtjüuq flq tuvto l'yxti: eine kürzere Art Schildert jedoch' derselbe 
Apollonius IV. 478 : ."'•;/'.;/' v 

TQtq d* dnfXti£t g>6vöv i vglq d' fe "y°$ x .^ T ."^* ^°*TftWf»,.- . ... . t \ 
ji &i{uq avd-iircflGi doXoxxaoluq HdtaOui , • ' ... . 

und daneben steht insbesondere 4«j. Reinigung durch- das 4wq ¥w'^f, 
das Fell eines dem Zejis. geopferten Widder* .(JLobeck Agl. p. 183 fgg,» 
Preller ad Polenion., p< -13^)» fVi ov ol\ MtiQfttylfave* fOjyxtiMxv t$ 
u(*MJTtQ$ nodl (Hesych. I, p. 1005; ßekh. Anecdd. p. 7) und die 
(yxvrgiai, ooui rovq huytfq xa&aiyovoiv ufou tntxfovoai Ugiiov (Schol. 
Aristoph. Vesp. 289; Etymol. M. p. 313). Der orientalische Ritus der 
Taurobolien und Kriobolicn (vgl. §.12, not. 12), obgleich mit dem 
leztgenannten nahe verwandt, scheint erjjt spät in Griechenland 
Eingang gefunden zu. halben; dagegen finden; wir schon yerhältniss- 
mässig frühe den abergläubischen Gebrauch des nfgi/iarmv und 
dnopuTTUv (Demosth. Cor. .§. 259) oder ^Bescnmierens mit Erde, 
nyXoq, auch wohl mit; döm' Hundeopfer (Tbeophr,: €har. 16) dejj 
Hekate verbunden , vgl. Piut. Qu. Rom. 68: tw di xwl naiixtq w'c 
i'aoq ilxtiv "EXXyvtq lxQ^ iVT0 xa * XQ^vwl yt H*XQ t ' v *' v * yi0 * 9<payiat 



40t 7%. //. C. II. Die Gebräuche de» Cultus. 

izqcs rovq xa&aqfiovq* xul rfj 'Exarty oxvXuxia ftttd tSv aXltav xa&ug- 
aifoy ixyigovoty xul ntgifturrovot oxvXaxtoiq %ovg uyvtüfiov dto/t&cwc, 
nfQrtxvXaxiotiov to rotoinov yhoq rov na&ag/iov xaXovrrtq f und mehr 
bei Wyttenbach p. 1006. 

22) Festus p. 347 Müll. : AtKeniensium exemplo, mpud quos ex- 
piandi qratia aries inigitur ab eo qui invitus seelus admisit poenae 
pendenaae loco ; vgl. Müller Eum. S. 144 und E. v. Lasaulx die 
Sühnopfer der Griechen und Römer, Würzburg 1841. 4, wo nur 
freilich dieser Begriff viel zu weit ausgedehnt ist. 

23) Schon Homer Uiad. I. 314; ol d 1 dntXvfialvovro xul *lq uXa 
li'itUT* l'ßaXXov, wie Melampus die purgamina mentis (Ovid. Metam. 
XV« 325) der Prötiden in die klitorische Quelle giesst: navra xa- 
&UQHOV l'ßaytv unoxQvyov , Vitruv*. VIII. 3 $ und eben so fassen 
Müller, und Klausen Aeneas S. 3?8 gewiss, mit ßecht die unodio- 
Ttipnyais (Ruhnk. ad Tim. Lex. p. 40) des oben erwähnten J*6q xoj- 
diov 9 wenn sie auch, wie Pr.eller.a. a. O. erinnert, durch Uebertra- 
gu,ngen von dem Schweineopfer Verschiedenartiges vermengt haben. 
Am häufigsten wurden übrigens die xuQuqoio, vergraben, vgl. Paus. 
IL 31. 11 und die bereits not. 21 citirfe Stelle Ath. IX. 78, woraus 
zugleich hervorgeht, wie ähnlich diese Gebräuche den Todtenopfern 
waren: idtoc di xaX(Zz,ui natf 'si&qvalou; u7iovt,j*/*a hui tu>v ilq rifirjv 
%oZq vi*Qotq ytvo/tivwv xul ijil joiv xovq huytlq xu&aiQÖvro>v : nur in- 
sofern auch Hekate dabei ins Spiel kam, warf man sie auch wohl 
auf die Kreuzwege, indem man sic^i ohne umzublicken (u/ueru- 
otqititI, Schol. Aesch. Choeph. 95, vgl.' Theoer. XXIV. 92 und 
Virgil. Ecl. VIII. 101) entfernte; s. Eustath. ad Odyss. XXII. 481 
und Harpoer. p. 217 « Jidv^ioq 6\ *A*TtxXttöov Xt£iv naqayguxpaq (x 
rwy ityyqrixtov q>i]Oiv o$v0r/u« to xa&uq/Xuru Xfyto&ai xal dnoXv- 
fiara* tuvtu yup unoip&QtG&at* imi >ruq T(ba£ovq t orav rdq olxiaq 
Ma&aigk&ot' h di v& vjt»f}pyt&mu tlq zov kaxd Ayuddov ' rd £*' xafq 
T(*io#oiq yyoiv 'Exuratay onov vd xa&agdia Vqxqov isxq x. r. Aj 

,24) Sündenbekehhtniss und sonstige 'Erniedrigung gehört, aller- 
dings erst späterer dtiötbat/iovia .an ,, vgl. Diog. L. IV. 56 und Plu- 
tarch de superst. c. 6 : *£w xdd-Tjxat aäxxiov. tywv ij ntQit^oiO^hoq gdxtat 
l)V7iaqoXq^ noXXuxiq 6% yvfivoq iv 7i^X^ xaXi,väoyfMvoq' ituyoQtvfi, ztvuq 
ufiaqxiuq üvxov xal nXrjfjifAtXtiaq . . . uv d* uqioxo, nQaxxij xal avvjj 
7iQao) fotaiöcuftovfy , nfQi&vofiivoq ovxqi xu&qxui xal kfQi/uaxxofiivoqy al 
di yvvaZxtq xa&uTZfQ ndxxdXq* o Xt. uv xv/Woiv avxto nfQiunxoim ylgovout, 
xal ntQiuQTwan inzwischen verlangt doch auch die alte Blutsühne 
stets einen Ixhrjq, der sich in d^müfbiger Gebärde auf den Heerd 
eines angesehenen Mannes sezte,' wie'iAdrostus bei Herod. I. 36 
oder lason und Medea bei Apoll. Khod. Argon: IV. 693 t 

tw d' aviia xal avav&ot, $q> 9 laxirj uitävTtg 

%£avov % » w d*'xjy XvyQoVq Ixfrrjot xhvxrai, 

y ß\v In dftgforiQatq &*/jUvij x f lQ fa(n htiwnu , 
' '. ' ' ; avrag o xwtitjiv piytt ydayavov h %&övl nijluq, 
'" öi nty t' \Ä\fjTao nuVv xrävev , ovti'npx* oaef* 

t&vq hl ßXttpäQowiv dvioxf&ov* 'axkUa d' l'yvta 
" xlqxj] q>v£iov olrov uXiTQoovvuq te <povoio: 

um der anderen Beispiele aus mythischer Zeit, nicht näher zu ge- 
denken, deren Lobeck Agl. p. 968 . eine reiche Sammlung gibt. 



§. 81. Von fVeiken nnd Opftrn überhaupt. M5 

; •§. «*. • • 

Abgesehn *ott dieser symbolischen Anwendung fallt 
übrigens das Sühnopfer >wic jedes andere nur unter den 
allgemeinen Begriff der Gaben, mit welchen die an- 
thromorpbisehe Vorstellung der älteren Menschheit ihre 
Wünsche und Bitten an die Gottheit unterstützen zu 
müssen glaubte, und die in sfrftynnals ein zweites kaum 
minder i»th wendiges Erfodertii»» des Gebetes und jeg- 
liches Gottesdienstes' zu 'betrachten sind *). Geschenke 
bestimmen das Walten der Götter wie der Könige , war 
ein alter Spruch 2 ), dessen Bedeutung auch die stei- 
gende Cuitur trotz alles Widerspruchs der Philosophen 3 ) 
höchstens dahin änderte^ das» die Gottheit gerade auf 
diese Art dter Verehrung ein förmliches Zwangsrecht 
erhielt 3 selbst Dankopfer Waren in der Regel die Folge 
vorausgegangener Gelübdey die wenigstens als gedingte 
Geschenke gelten können *)y und eben daher kommt es, 
dass mehr oder minder 1 jedes Opfer mit • desselben Ge- 
bräuchen begleitet ist, wie sie die Weihe als Erhebung 
eines Gegenstands zu göttlichem, Eigenthume fodert 5 ). 
Nur versteht es sich von selbst,' dass dieser Begriff eine 
noch viel grössere Ausdehnung hatte, und nicht allein 
jede sonstige Gabe an die Gottheit, sondern auch alle 
Personen umfasste, die irgendwie dauernd oder vorüber- 
gehend zu deren Dienste geschäftig seyn oder an dem 
Schutze Theil haben sollten , der mit dem Charakter 
eines göttlichen Eigenthums wesentlich verbunden war; 
und wenn gleich der Natur der Sache nach nicht jede 
Weihe mit augenfälligen Zeichen verbunden werden 
konnte, so begegnen uns doch* auch diese in keinem ge- 
ringeren Umfange, als er dem Worte hgog selbst bei- 
wohnt 6 ). Vor Allem gehört dahin die Bekränzung 7 ) 
oder was auch im Sprachgebrauche dergestalt Eins ist, 
dass es in vielen Fällen gar nicht davon geschieden wer- 
den kann, die Uniwindung mit Wollenbinden, die irgend- 
wie an dem zu weihenden Gegenstande angebracht wur- 
den 8 ) ; unter denselben Gesichtspunct aber fallen die 
Kränze der Priester und sonstigen opfernden oder orakel- 



106 TL IL C. Ä Die Gebräuche des Cultus. 

suchenden Personen 9 ) , die von lefcteren erst nach der 
Rückkehr in die Heimath jvicder abgelegt wurden 10 )* 
eben ,sp diejenige!*, Welche die Unverletzlichkeit der 
Beamten und Redner während ihjfer Berufstätigkeit be- 
zeichneten ll )§ die Belohnungen der Sieger in gottes- 
dicQstlichcn Festspielen öder anderer verdienter Bürger 12 )} 
selbst das Diadem der späteren König®- 13 ); und anderer- 
seits die mit Binden umwundenen Zweige, welche die 
Flehenden in den Händen" trugen und sich dadurch ausser- 
halb des Bereichs menschlicher Gewalt unter die Obhut 
der Gottheit stellten u ). Dazu kommt ferner bei förm- 
lichen Weihen der Gebrauch! des Oels und der Salben 15 ) ? 
der wenn auch bei Homer noch nicht erwähnt, doch 
schon um der Anwendung willen, die er namentlich 
auch auf solche Steine fand, die aus irgend eitoem Grunde 
das Gepräge der Heiligkeit tragen sollten 16 )> nicht zu 
den jüngsten gerechnet werden kann; und wenn es auch 
hier in einzelnen Fällen schwer zu entscheiden ist, ob 
damit mehr eine Weihe öder eine Opferspende beab- 
sichtigt war 17 ) , so lag doch selbst ür dem Opfer , das 
einem Cidtusgcgen stände dargebracht ward, nur die An- 
erkennung, seiner Heiligkeit, wie dieses namentlich bei 
den Einweihungsgebräuchen der Cultusbilder sichtbar 
ward 18 ). Endlich diente^ allerdings auch sehr häufig 
ausdrückliche Aufschriften, zur Bezeichnung heiligen Ei- 
gentums an* beweglichen wie unbeweglichen Dingen; 
nicht nur ganze Tempel, Grnjodstücke u..s. w., sondern 
auch einzelne Altäre, Bäume u.dgl. wurden auf solche 
Art geweiht 19 ), und bei Weihgeschenken im engeren 
Sinne . des Worts zugleich die Person des Gebers und 
die Gelegenheit, der Gabe verewigt 20 ). . 

1) Vgl. Spencer de legg." ritual. Hebr. IT, p. 141 fgg.; Meiners 
Gesch. d. Relig. II, S. 1 fgg.; Limburg - Brouwer II > p. 524 fgg., 
VIII, p. 197 fgg.; Völcker und. Flügel in Hall. EncyM. Scct. III, 
B. IV, S. 76 fgg. 124 fgg.; JNägelsbach bomer. Theol. S.304; an 
welcher anthropopathisehen Ansicht friich Bährs (mos. Symbol. II, 
S. 370 fgg.) und LasauUs Widerspruch, dessen Voraussetzungen 
und Motive 'wenigstens auf das classischc Alterthnm keine, Anwen- 
dung leiden, nicht irre macht. Welche Modifikationen ich für 
einzelne Erscheinungen und Richtungen einräume f wird das Fol- 



§• 21. *Vifc Weihen und Opfern überhaupt. tö7 

gende lehren; h* Allgemeinen aber muss man «ich eben so sebr 
hüten orientalische Mystik, als Philosöpheme einer reinen Religion»- 
ansiebt $n das einfache Naturkben der griechischen Urzeit herein- 
zutragen.^ .<: 

2) ^(Sgoe ' '^tovfs äti&n y #«£' äSeJöJovc ßaotXrjas, Hesiodus (nach 
Suidas I,'f :633) bei Plato Repübl. III, p. 39a E; Tgl. Eurip. Medea 
954: "ntlO-H* Ö&ga xttt &tbvq Ao'yogJ und schon Homer lliad. IX. 493: 

*— — ergatroi r* ' dÜ *a* #*©J atrroJ 
xat a<^ toi/? &vhoa* nul fV'/taXjjq dyavjja* 
• t hitßi} » x**(T# rc Ttagonr^ütnwa 3 av&Q*nzo*. 
Daher denn auch die Berufung der Betenden auf ihre Gaben, Nagels- 
fafaeh kömer. TheoL S. 188;. vgl. im Allg. Constant de la veligion 
III, P . 330 fg#;: ... ;.,...,• >' .-...>: : 

3) Plut. legg. IH , ]fr. 716 iE s kttQ« d* fiiaqov d5>Qa oiit* avÖQa 
uya&ov ovri &iov fori noxt ro ye oyd-ov öi/tod-an vgl. Plant. Rud. 
Prol. 23 und Cicerd Legg. IIV;46 aiit Davisias p. 283 Creuz. und 
Casaub, ad JPers. II. 75; auc^, Lmc^an de, sacrifieiis T. I, p. 525 ed. 
Hemst. unfLnxehr; bei Scholl, über. 4'te . Qpferideen der Alten, in 
Stud. d. >vürt. Geistlichkeit 18^8, I. 2, S. 190 fgg. -Erst ganz 
spät wird auch der Volksbegriff selbst : in philosophischen Schutz 
genommen j vgl. ^amblich. de myster. V. 21 und Sallust. de mundo 
C. 16 s a* $*{ £&)()*& &voi,u)v tvxal Äoyot novo* tlaiv^ tu di /«t« &vamv 
V/tytv%oi> Xtyo* x.ffX. 

4) Scholl a.a.O. S. 163 fgg. pass auch das griechische Gebet 
sehr selten . I)ankgebct ist , bemerkt richtig Nägelsbach . S. 1 86 , und 
selbst wo e#<. diesen,. Charahter zu tragen scheint, wie namentlich 
auch in den von Eustath. ad lliad. I. 449 berücksichtigten Fällen, 
bezweckt es mehr <tie Fortdauer des göttlichen Wohlwollens für 
die Zukunft; desto häufiger aber ist es mit dem Versprechen einer 
Gabe auf den Fall der Erhörung begleitet, weiches desshalb auch 
tvfri} beissf und 'ein förmliches Rechtsverhältnis* zwischen der Gott- 
heit ündf dem Menschen begründet , dessen Verletzung schwere 
Strafen nach sich zieht; vgl. lliad, I. 65 und mehr bei Rutgers, 
var. leett. V. 5: 

5) Daher auch das Opfer so gut wie der Tempel selbst Unqv, 
das Opfer thier,tf()f fty, opfern selbst bei Homer nur erst noch kqu 
(tt&iv, wofür erst später Ovhv und 0-vaia % s. Eustath. ad Odyss. 
XIV. 446 und mehr unten §.25, not. 8. 

6) Vgl. Ant. van Dale de consecrationibus ethnicis, hinter de 
oracnlis, Amst. 1683. 8, p. 377— -510 und vermehrt das. 1700. 4, 
p. 624—694, wo freilich auch manches Ungehörige beigemischt ist; 
einzelnes auch bei Eschenbach -de consecratis gentilium lncis in 
Diss. acad. p. 160 fgg. und Müller Archäol. §. 422. 

7) Vgl. Car. Paschalius de coronis, L. B. 1681. 8, p. 200 fgg. 
Bei Homer freilich noch sehr selten , vgl. Nitzsch z. Odyss. II, . 
S. 149; dem späteren Cultus jedoch so wesentlich , dass sie den 
älteren Christen geradezu als heidnisch verboten ward; vgl. Ter- 
tullian. de Corona tnilttis und Gothofrcd. ad Cod. Theodos. X. 16. 12. 
Der Stoff des Kranzes richtete sich begreiflicherweise nach der Gott- 
heit, welcher die Weihe galt, insofern andern andere Gewächse 
heilig, wären; vgl. Phaedr. fab. III. 17; Plin. H. N. XII. 1, und 
Meursii arboretum sacrum hinter Rapini hortorum libri IV, IJltraj. 
1662. 8. 



106 Th> IL C. II. Die Gebräuche des Cultus. 

8) TatWcct, vittae öder infutat, dflers mit den oropäW? rer- 
banden, vgl. Plat. Symp* p. 212 E, Plut. Philop. c.21, »io Chr. 
LXV, p. 604, und mehr bei Wessel. ad Dioder. XVII. 101, ftuhnke*. 
ad Tim. lex. p. 246 , Ann. de l'Inst. arcbeol. IV, p. 381 ; aber 
eben so häufig selbst ore/*/**™, vgl. Schol. Qed. Tyr. 3 t oriß/ia 
Ji iaxt to nQo&drjukvov fy*w t£ &aXX(o 9 Hesych. II, p. 1340, Schol. 
ArUtopb. Vesp. 475 , Eustath. ad Iliad. p. 603 ; wie iaLu arifnv 
Plat. Republ. III, p. 398 und bei Artemidor Qneirqcr. I. 77 sogar 
oxiyavot, tüv Iglmy uenoiquivo*. 

9) Athen. XV. 16: atg tvav&loxtQov ydq xal utxaqujfjthov puXXov 
roß; &toZq naqayykXXit üxtq>ayov<j&a» > tovq &vorräq 9 vgl. < Plat. Republ . 
I. 2, Dem. Mid. §. 53 , G. I. n. 2144. 3595, uW mehr hei Pasehal. 
p. 244 fgg. und Jacobs ad Philostr. Imagg. p. 36$. ! Namentlich 
auch die Mysten , Welcher «yll. epigr. p. 13, Jahn in Ann. de 
l'Inst. archeol. XIII, p. 28$., , ,. 

10) Soph. Oed. Tyr. 83; Aristbph. Plut. 21^ ..' 
llj St.A v §. 124, not; 5 und m, ; not. 12; Im spateren Griechen- 
land isfe ' üTtgiav^tpogoq hin und' wieder geradezu Am tstiteT eines Ma- 
gistrats; yW. Athen. V/54* Plat. qu.Symp. pr. und 'C; I. ! n. 2Ö71 fgg. 
2827 fgg. 2905. 2927. 3524 ><*. s. w; * ; ' ( 

12) Westermänn de jjmbl. Athen! Konoribus et praemiis, Lips. 
1830.8, p. 48 fgg. und Franz elem. epigr. p. 328 fgg. ßaher dvafoiv 
und dvd#7]t*a s. v. a. arififia (p xovg Uqovixaq dvafoöjitoyoi , Hesych. 
I. p. 319, aber eben so wohl auch mit raiviaig, vgh'Xfcnoph. Symp. 
V. 9 mit Muret. ?ar. lectt. XV. 7 und neben unzähligen- andern 
Runstdenknialern insbes. Panoffca' Bilder antiken; Lenens II. 9. 

13) Hesych.. I, p. 940: dtuöqfita orfftftä ßaaiXitaq^' xtipaXSv xoa/^oq 
yyovy oxeyavoq: vgl. Pasehal. p. 566 fgg. . V , ' . 

14) Schon Iliad. I. 14: prkupuT *£W* & Z f Q a ** yijioXXontoq^ d. ji. 
igioorwxov xkadov (Aesch. Suppl. 22) ramtun vitta comtum (Aeneid. 
VIII. 128) oder mit einem Worte Ixfrqgiay, einen Ö,el; : ©4er ^or* 
beerzweig (Schol. Eurip. Orest. 383) mit Wollenbinden umwunden ; 
vgl. Sluiteri lectt. Andoc. p. 150, Ugen. Öpusc. I, p. 142, Sturz 
Emped. p. 103, Böttiger Kunstmyth. II, S. 116. Dajber die Fle- 
henden selbst lUortpuhot,, Öed. Tyr. 3, wie Aeneid. VII. 1 54 ramis 
Palladis velati, weil diese IxxyQioi, xXddoi, auch vtfamenta, Ovid. 
Met. XI. 279, Lir. XXIV. 30, Tac. Hist. I, 66l \ 

15) . Eschenbach de unetionibus sacris gentiüum in Diss. acad. 
p. 378 fgg. 

16) Clem. Alex. Stromatt. VII, p. 713: ol d' avxol -ovxot nur IvXov 
xal nuvxa Xlß-oy ro dt} Xtyofttvov ; Xtnaqov TtQoqxvioVvxiq f tgut nvqqa 
xal dXüv x' ov d{)ov<; xal idöaq oxiXXq* it xal &ttov <$tdiaott vgl. Luciau. 
Charon. c. 22, Alex. c. 30, deor. conc. c. 12, merc. cond. c.28 u.s.w. 
Gewöhnlich wird Oel genannt; nur bei Grabsäulen /ivqov xal xaivlat 
oder OTitpavoij s. Meinecke fgm. Com. II, p. 1033, Welcher syll. 
epigr. p. 89 u. s.w. 

17) Bahr mos. Symb. II, S. 176; vgl, Aesch. Pers. 616, Theophr. 
char. 16, Plut. V. Aristid. c. 21 , Babr. fab. XLVI1I u.s.w. 

18) "/de wc, vgl. oben §.18, not. 19 und insbes. die Vorschrift 
aus dem Htfyijvixqv des Antiklides bei Athen. XI. 46 x Jtoq xryoiov 
ayjtfUt Idgyfod-at- XQ 1 } w<fc* xadioxov xatvov ditavov in&TjuaxovvTa, 
oxiyravra vha tyiat Xtvxut, xal ix xov ütftov xov dttioü xal ix %ov fit" 



§. 25. Von den verschiedenen Arten der Opfer. 109 

T«HYoi; rov *q*j*Lov iq&tZva* o ts-a? tVQflq xal *l$xtai uftßQoolav* rj 6% 
flpßQooia vJuty «xpceipyi?, *Xutov % nayxagjiiv üntq t/*ßaXt: denn das« 
dieses als Weiheopfer betrachtet werden niuss, geht auch aus der 
Art hervor, wie Seh ©1. Aristoph. Plut. 1191 von dem *i'T^cu$ Iöqvio&ui 
spricht: t&oq #aQ qv iv rar? lÖQvoiOt rwv dyaXftinwv oanqloyy ixpypi- 
viüv x i ' r Q a S ntQtitofiHitvtod-eu vno yvvaixwv notxiXux; yf*g>uOf*iiKav , xal 
Toihiüv aniJQxorro xaQiorrjQiu toZq &to7q anovlflovrtq x.r.X. 

19) Vgl. oben §. 20, not. 2 und über Weihung einzelner Bäume 
Theoer. Idyll. XVIII. 43: ygufi/tuva d'ir?lo«w ytyQuytrai, wq nuQiiav 
Tiq uvvtipj] dwQtöri • olfitv /* 'EXivag yvrov ififil. 

20) Vgl. oben §.20, not. 9 und Raoul-Rocbette lettre» archeol. 
p, 252 %g. 

§• «5. 
Der wesentliche Unterschied zwischen eigentlichem 
Opfer und Weihgeschenke bestellt daher nur darin, dass 
lezteres mehr die Bestimmung eines bleibenden Besitzes, 
sey es zum wirklichen Gebrauche oder zur sonstigen 
Verherrlichung, oder Ergötzlichkeit der Gottheit hatte, 
während jenes nur den augenblicklichen Genuss dersel- 
ben bezweckte und desshalb auch in der Regel sofort 
zerstört werden musste 2 ). Nur wenige unter den Ge- 
genständen, die gemeiniglich unter die Opfer gerechnet 
werden, machen von dieser lezteren Notwendigkeit eine 
Ausnahme und bilden insofern eine Art von Mittelclasse 
zwischen den Opfern und Weihgeschenken, deren Gränze 
in dieser Hinsicht höchstens so bestimmt werden kann, 
dass man den ersteren dasjenige beizählt, was schon 
seiner eigenen Natur nach schneller vergänglich war und 
desshalb auch wohl in öfterer Wiederkehr geleistet ward 2 ), 
während nicht nur Münzen 3 ),, Bildchen 4 ), und ähnliche 
Kleinigkeiten , womit man der Gottheit ein Vergnügen 
zu machen glaubte, sondern auch selbst das Haar, wel- 
ches der griechische Jüngling . einem Flusrse^ Mädchen 
sonstigen Göttern zu geloben pflegten 5 ), in die andere 
Classe fallen. Mag man jedoch auch in diesem Sinne 
allerdings mit den Schriftstellern des Alterthums von 
feuerlosen Opfern sprechen 6 ), so bildet doch fortwäh- 
rend das Verbrennen eines der hauptsächlichsten Mittel, 
durch welche man der Gottheit den Genuss, welchen 
ihr das Opfer bereiten sollte, zukommen Hess 7 ), und 



110 TA; //. C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

selbst von den unblutigen Opfern, welche sonst ans dem 
Gesicbtspuncte ihrer Reinlichkeit nnd Unschuld mit den 
feuerlosen verbunden werden 8 ) , seheint die Mehrzahl 
ganz in diesem Sinne behandelt worden zu scyn. Dahin 
gehören namentlich die Erstling« des Feldes, die uns 
geradezu als die ältesten Opfer überhaupt genannt' wer- 
den 9 ), und die jedenfalls auf das Innigste mit der kind- 
lichen Einfachheit zusammenhängen, welche nichts zu 
geniessen wagte, ohne durch gebührende Abgaben dem 
Neide der Gottheit zuvorgekommen zu seyn 10 ) ; hieran 
schlicssen sich die Rauchopfer, die anfänglich aus inlän- 
dischen Specereien , später aus Weihrauch u. dgl. be- 
stehend n ) oft mit den Thieropfern verbunden, eben so 
wohl aber auch allein vorkommen 12 ) 5 und Aehnliches 
gilt auch von den zahlreichen Esswaaren, namentlich 
Backwerken 13 ), die theils nach selbständiger Sitte, theils 
nach einer beliebten Fiction 14 ) statt wirklicher Thiere 
geopfert zu werden pflegten, und schon um desswillen 
nicht anders als diese selbst behandelt werden konnten« 
Dass endlich auch die Libationen in ihrer Art der Zer- 
nichtung geweiht waren, leuchtet auch abgeschn von 
ihrer gewöhnliehen Verbindung mit den Brandopfern eben 
so sehr ein, als ihre Absicht klar ist, der Gottheit neben 
dem Genuss der Speise auch den des Trankes zu bereiten 
oder den eigenen Trank durch die erwähnte Abgabe zji 
heiligen 15 ); nnd der einzige Unterschied, der auch hier 
eintritt, ist ein ganz ähnlicher, wie er dort die; unschul- 
digen Brandopfer von den. blutigen trennt, insofern näm- 
lich gewissen Gottheiten kein Wein, sondern nur soge- 
nannte nüchterne Libationen dargebracht werden durften, 
welche dem Ernste nnd der Strenge oder dem sonstigen 
Charakter des verehrten Wesens mehr entsprachen 16 ). 
Manche nahmen sogar überall keine Trankopfer an 17 ) 5 
andere Hessen nur Wassier oder Milch mit Honig ver- 
bunden zu i8 ), und wenn gleich die Todtenopfer schon 
bei Homer neben diesen Flüssigkeiten noch des Weines 
bedurften 19 ) , so werden uns doch ausdrücklich die 
Erinyen und sonstige chthonische Gottheiten, so wie 



§. 25. Von dm verschiedene* Arten der Opfer. 111 

ans anderen Gründen die Nymphen' und Musen mit ihrer 
Mutter Mnemosyne, die Lichtgötter, selbst Dionysus und 
die uranische Aphrodite als solche genannt, welche das 
leztere Getränke mehr oder minder verschmäheten 20 ). 

1) Vgl. F. A. Wolf über den Ursprung den Opfer, in §. verm. 
Schritten, Hall. 1802, 8, S. 243 fgg. und über jenes Verhältnis* 
insbes. Wachsmuth U.A. II, S. 558: '* Weihgeschenke waren ron 
den bisher genannten Arten von Opfern, wenn auch nicht in Sinn 
und Absicht verschieden» doch darin beschränkteren Umfangs, dass 
sie fast insgesammft nur zum Danke für eine erlangte Gunst des 
Geschicks, selten als Bittgeschenk, wiederum aber auch zur Strafe 
. . . zugleich auch ftusserlich durch ihre Bestimmung insofern von 
Opfern verschieden, dass sie den Göttern durch, die blosse Auf- 
stellung an heiligen Orten geweiht wurden, und die Opferung also 
sich vielmehr in Aufbewahrung, als in dem Dufte eines Brandopfers 
erfüllte"; wobei nur das nicht zu übersehn ist, dass auch wirkliche 
Opfer sowohl zum Danke für erhörte Gelübde (xtcra ßooq fv%io&tu 9 
Küster ad Aristoph. Egu. 657) als auch zur Strafe (Detnosth. Mid. 
§. 53) dargebracht wurden. 

2) So namentlich Erstlinge und sonstige Früchte, insofern sie 
nicht verbrannt, sondern nur- hingelegt .(als #«£«« ftf/ut/pha* piXir* 
Paus. VI. 20) oder aufgehängt wurden,, w» s die. tigtaimv (Hgeu 
Opuscc. I»* p* 148 fgg.) und was man sonst an, den Oschophorien 
und ähnlichen Festen in Processionen trug; ferner die Töpfe mit 
gekochten Hülsenfrüchten , wovon §.24, not. 18 und die Lexiko- 
graphen s.v. &agytjXta und nvaviywi; die lanx satura, xlgro?, aus 
Sophokles Polyidus bei Clem. Alex. Stromatt. IV, p. 476 oder Athen. 
XI. 52 und 56: iyyiunr xfoaptovv *x* v h *vi$ noXXovq xorvXlaxovq 
xfxoXAytd+QVfy h oh <lo> ptjnwts ltvxol f TtVQol, xgi&al, 7HOoi 9 Xü&v- 
Q ot > ^C°*> gxixol, ximttot, frtal, ßQo/*<>c.i naXd&*ov 9 /*&*, i'Xtuov, 
ohoq, yüla> olov l'niov uxXvtov: auch Blumen, Nicander bei dems. 
XV. 31 u.s.w. 

3) Paus. I. 34. 3: fori dl 'JlQamioig nyyn nXqolov rov taov f JV 
^AhviuqÜqv xuXovow, ovtt O-vovTtq ovdh ilg avrijv ovt inl xa&aqaioi^ 
tj X*Qvtfii> /?V Ö #«*. vOfii£ ovTff , voaov dl uxio&iloijq uvdyl pavrtvjiatoq 
yfvouhov xu&tOTTjxtv uQyi'Qov uyilvab xai XQvaov inior/pov ig vi t v Tirjyrjv, ' 
Lucian. Philops. c. 20 1 noXXol Vxhvto oßoXol nqo\ toVv nodotv uihov 
xal uXXu vo/tiapura *V*ee uqyvQu nQoq tov fiqqov xiyfly x*xoXXqfihä xal 
ntraXu #£ aqyvQov tv^ui rwoq q ttio&ot; inl ry laau onooo* d* avtov 
ixuvauno nvjit'Htt txoptvoi, x. t. A. . 

4) Kopat, oder xogoxoafna {Bekk. Anecdd. p. 102: tu inl rwv 
T£todiw nqovuTia iirXiva , « dr { ©* 'AttixoI xoqcls xaXovot : missver- 
standen bei Lobeck AgL p. 1336) Feuert donatae a virginc pupae, 
Pers. Sat. II. 70; vgl. Plat. Phaedr. p. 239 B und das Vasenbild 
in Gerhards arebäo). Zeit. 1844, N. 18. Nicht von Wachs, wie 
Huhnk. ad Tim. lex. p. 166 und Böttiger kl. Sehr. II, S. 98, son- 
dern von Thon und bemalt, vgl. Becker Charikles I, S. 31 fgg. 
Auch Musehein als nalyvm, Anthol. Pal. VI. 224 u.s.w. 

5) Sehon lliad. XXIII. 146, wozu fiustathiust St* i&oq yv % rpi- 
1>uv %0/iip Tovq Wov? t**X1>* **?? «*^*7?> «**« uti^iv uvrtjv intxuQiotS 



119 Th. IL C. IL Die GefoäucJie d&> Cultus. 

noruuotq; vgl. Paus. I. 37. 2 und mehr bei Jacobs ad. Philostr. 
Imagg. p. 248 und Thiersch in Abhh. d. Münchner Akad. 1834, 
S. 634; über' Mädchen Paus. I. 43. 4 und Valcken. ad Bor. Hip- 
poL 1422. 

6) "Anvqu, wie namentlich bei der Athene zu Lindas, Tgl. 
Heffter Götterdienste auf Rkodus, Heft II, Zerbst 1829. 8, S. 10 fgg. 
81 fgg. und Böckh expl. Pindar. p. 171 , die übrigens Wernsdorf 
ad Plut. qu. Gr. comm. I, Heimst. 1785. 4, p. 46 geradezu für die 
einzigen dieser Art erklärt; und wenn man auch nach not. 2 noch 
manches Andere im weiteren Sinne des Worts dahin deuten kann^ 
so wird sich doch vieles, was alte und neue Schriftsteller hierher 
gezogen haben , bei näherer Betrachtung nur als unblutiges Opfer 
ergeben, vielleicht selbst was Biog. L. VIII. 13 Ton dem Altare 
des Apoll auf Delus erzählt; 's. oben §.17, not. 4. 

7) So .schon Gull. Stuckius descr. sacrorum sacrificiorumque 
gentilium, Tiguri 1598 und in 8. Opp. L. B. 1695 fol. mit Lil. 
Gyraldus hist. deor. synt. XVII und du Choul. la religion des Ro- 
mains p. 309: eär sans feu it n estoit pas lieite de faire aueun 
sacrifice , wogegen Saubert de sacrif. p. 320 nicht hätte ohne Wei- 
teres ankämpfen sollen: für die oberen Götter wenigstens gilt es 
grundsätzlich, dass ihnen die Substanz des Opfers im Rauche zu- 
gesandt wird, wie Iliad. I. 301 : xvlarj d' ovQavov Xxtv (Xiooo/ifaq ntql 
xanvüjy VIII. 649 und oft; vgl. Lueian. sacrif. 9, Prora. 19, Icaronu 
25, aueh Athen. VIII. 65 und Voss Antisymb. II, S. 456: ««gleich 
den Fleischopfern ward ein Gebet, wobei man, empfangener Noth- 
durften eingedenk , etwas Wein oder Gerste darbrachte , unter 
Jammergeschrei dütch Thyondämpfe den Himmlischen zugefördert." 
Nur Flussgöttern stürzte man Pferde oder Rinder ganz in die Wel- 
len, Iliad. XXI. 132, vgl; Rustath. zu XXIII. 148; und den Unter- 
irdischen wurden Opfer vergraben (s. Paus. III. 20. 9 und oben 
§.23, not. 23; wenn auch nicht lebendig, wie bei den Sühnopfern 
in Rom, Li v. XXII. 57)» obgleich auch hier das Verbrennen vor- 
herrscht, vgl. Herod. V. 92, Luoian. Charon 22 u.a. w. 

8) 'Ayvu &vfiara t Plat. Legg. \t , p. 782 C , worin aj>er doch 
schon von selbst der Begriff des Verbrennens liegt, vgl. Ath. XIV. 
79; ja bei Homer hat &vttv überhaupt noch keine andere Bedeu- 
tung und geht erst später dadurch, dass alle Opfer verbrannt wur- 
den (d*a ttjv uvu&vfiiM/utvyv xvlaav % Uustath. ad Iliad. VI. 270), in 
die Bedeutung des Schlachtens über , ohne desshalb seine Anwen- 
dung auf unblutige Opfer zu verlieren. So Soph. EL 634 ndyxaQna 
ö-vnara, wie Thucyd. I. 126: fori yug xul A&yvuiotq Jutöia, 8 

HuXtlTlU , Jiuq tOQTTJ MflXtxioV fAtyltSTTJ , lv* fj TtUvä^fltl &VOVOI 7toXXu 

o\'X Uqita dXXu &v{iura t7iix(OQia, auch Eurip. Ion. 707txaXXtq>Xoya 
niXavov ini tzvqI xa&ayviaaq t und' Paus. VIII. 2. 1 von Cekrops: 
oTioaa */** WX^f tovvuv /*iy -q&utofv vvföv. &voai> nififiara di £»*- 
XOjQtu'ijil tqv ߻f*ov xa&yytoev, a ntXdvovc xaXovoiv . *t* xul tlg ypfc 
*A&rp>alöi. 

9) Ausser Plato 1. c. vgl. insbes. Övid. Fast. I. 337, Plut. qu. 
symp. VIII. 8. 3, und Theophrast bei Porphyr, abstin. II. 5 fgg. 
Bahr mos. Symb. II, S. 330 und Lasaul* Sühnopfer S. 18, deren 
Bluttheorie diese Angabe unbequem durchkreuzt, wollen sie zwar 
mit dem oberflächlichen Meiners Gesch. d. Relig. II, S. 4 als ein 
blosses Philosophem verwerfen; aber jedenfalls steht dabei nur ein 



g. 25. Von den verschiedenen Arten der Opfer. 113 

Philosophen* gegen das andere, und selbst wenn die orientalischen 
Opferideen von vorn herein mystischer seyn sollten, werden wir 
den griechischen jedenfalls mit Euseb. demonstr. evang. I. 10 die 
kindlichere Basis vindiciren dürfen , die sich auch in den sicher 
frühen Satzungen bei Porphyr, abst. IV. 22 ausspricht. 

10) *AnaQxai dgay/Aarav xal dxQoÖQVtav 9 Porphyr. II. 34, Tgl. 
Odyss. XIV. 446: rj (m xal uqypava Q-vat &toTq ädyiviryoi, und mehr 
bei Voss, theol. gent. V. 49 und Jo. Rud. Grüner de primitiarum 
oblatione et consecratione , L. B. 1839. 8 und in Ugolini the$. 
antiqu. sacr. Venet. 1755,' Tom. XVII, p. mlx fgg* Übrigens ver- 
steht es sich von selbst, dass auch Thiere als Erstlinge geopfert, 
ja selbst Weihgeschenke unter diesem Gesichtspuncte dargebracht 
werden konnten , s. Isaeus Dicaeog. §. 42 und die Inschrift in 
Schölls Mittheil. S. 124. 

11) Qvov, eine Cederart mit duftenden Früchten und wohlrie- 
chendem Holze (Nitzsch z. Odyss. II, S. 15), scheint das früheste 
Rauchwerk gewesen zu seyn , mit dem man namentlich auch den 
Brandgeruch des fettigen Fleisches und Gebeins süsste (Voss Anti- 
symb. II, S. 456); wogegen Ofivgva, xuoiu, Xtßavwroq erst viel spater, 
noXXalq ytviaVq vortQov nach Porphyr. II. 5, nach Voss in den zwan- 
ziger Olympiaden üblich wurden; vgl. Plin. H. N. XIII. 1, Arnob. 
VII. 26, und mehr bei Saubert p. 562. Auch Lorbeerblatter, Phi- 
lostr. V. Sophist. II. 5, und was die orphischen Hymnen als 
&vf4iu{taia nennen, namentlich otvqu£, <o nXtloxtp yQwvrat &vfitdfiaTi 
ol tittoiöaipovtq, Strabo XII, p. 856« 

12) Vgl., Hesiod. f. x. tj. 338 , wo nach dyXad firjqla xakiv als 
besondere Arten folgen : uXXore drj onovdfjq &vhoai tc IXdaxfO&ai, 
also wie Iliad. VI. 270 und alle drei Arten zusammen IX. 495; 
nur begreift in solchen Fällen neben Xoißrj und xvVaa das Rauchopfer 
auch die unblutigen Speisopfer mit; vgl. Paus. V. 15. 6: &vovat 6\ 
uQxaXov tkvu TQonov* Xißavtarov yuq opov nvqoZq ptpay/Abotq -piXtr* 
öv/iiwow Inl tüv ßtofiojv' rt&iao* dfc xftl xXwvaq IXaiaq in avrojv, xal 
oXvta xQwvxai OTtovöy: Eurip. Troad. 1070, Antiphanes bei Ath. VII. 
83', Aelian. V. H.' XI. 5, Porphyr, abst. II. 16, Marini V. Prodi 
c. 1 u. s. w. 

13) Paus. I. 26. 6: Moq lor* ßatpoq vjiutov, tv&a *py/vxov &vovaiv 
otuftv, nip/iara di &hrtq ovd\v tTiohto XQV oaa ^ a * w/w'jbw*: vgl. 
c. 38. 6 und oben not. 8 eitr. Die Namen sind mannichfach, aber 
durchgehends synonym, niXavot, 7iojiavu y y/aiord: vgl. die Erkl. zu 
Aristoph. Plut. 138 und 659, Toup. Opuscc crit. I, p. 36, Ruhnk. 
ad Tim. lex. p. 220 und Lobeck de Graecorum placentis fiacris, 
Regiom. 1828. 4 oder Aglaoph. p. 1060 fgg. — Käse Ath. XIV. 76. 

14) Serv. ad Aeneid. II. 116: et seiendum in saeris simulata pro 
veris aceipi; unde quum de anitnalibus quae diffxcile inveniuntur 
est sacrifieandum y de pane vel eera fiunt. So z. B. die Lokrer 
bei Zenob. V. 5: dnoqovvrkq nozt ßooq ngoq dy/torrfy tfvolav, oixvotq 
VJiod-fvrtq &Xa fuxgd xal üXfil*o>rlaavTtq ßovv, o?tw to &rtov i&fQri- 
ntvoav, oder in Böotien Aepfel statt Schaafe, fi^Xa, Poll. I. 30; ge- 
wöhnlich aber wurden sie aus Teig nachgeahmt, oratrivat, vgl. 
Herod. IL 47, Plut. V. Luculi. c. 10, Suid. I, p. 448; und so 
wird wohl aueh fab. Aes. 36 für ortarhovq ßoaq zu lesen seyn, 
obgleich an sieh auch Talg ganz angemessen wäre. 

H 



114 TA. IL C. II. Die Gebräuche des Cultus. 

15) Iliftd. VII. 480: otvov d* ix dtnatav ^a^o<f^ >«w, ovdi viq 
txXrj nqlv nUuv nyiv Xtlxput vntQft* vh' Kqoviwvi. , also Ton dem eigenen 
Trinken, wie dnoonfvdnv Plat. Phaedo p. 117 B; andererseits aber 
auch Xoißrj wie anovdfj selbständige Trankopfer, &vaia olVoi;, Hesych. 
II, p. 495, obgleich ebendessbalb in der Regel mit den Speise« 
opfern verbanden , vgl. Aescb. Sappl. 959 1 &vnv t* Xtißnv rs 
onovduq, auch Aristoph. Pac. 1103, Menander bei Ath. XIV. 78, 
G. 1. n 3538 u.s.w. Dagegen x°V vorzugsweise bei Todtenopfern ; 
Eustath. ad Odyss. X. 518 u. s. w. 

16) PolK VI. 26 » tu yrtQ vqvaXifVtiv to vrjtpuXia &vtiv l'Xtyov t 
orwg toxi to xQV°^ a1, &vo*Mi doivotq, tov vdq havriaq &voiaq oivoonov- 
dovq i'Xtyovz vgl. Aeschyl. Eum. 107» #0«$ t' doivovq, vyq>uXta fift- 
Xiyfiara, uud mehr bei Preller ad Polemon. p. 74. Dagegen sollte 
auch den Weinspenden kein Wasser beigemischt werden; vgl. Schol. 
Aristoph. Plut. 1132: (jpTffrcu d*a ri rolq tuv ttXXoiq <&toiq JuFora* 
axgaxoq oxovtiij, tw dfc EQPf} XfxQOjtivi} — ott xul rwv £<ovt(ov aal 

v TÄV TtTfXtVTljXOTW «?£<« * a * 7ta ^ «WorfycW' Ttfiuq d^fTff* ? 

17) Elol di Tt.vtq tonaQUTtuv aarioväoi Ovolai xarrl rt'/yv tlq t&oq 
TtQotX&ovoai, Schol. Oed. Col. 100$ vgl. Paus. I. 26. 6 (oben uot. 13) 
und VI. 20. 2. 

18) Theophrast bei Porphyr, abstin, II. 20 x rd n\v uQxaTa rwr 
Uqwv vt]<pulia tiuqu noXXoXq tjv* vqq>aXnt d' fori r« ?/d^oajioi»da, xd d> 

/««TM TUV TU flltioTlOVÖu TOVVOV yuQ CTOtflOV Tiaqd JUfXlZTÜJV TlQWTOr 

iXuflo/itv rov )<yqov xaqnov — tot* iXuioOTtovdu , TfXoq d* *7il nuöt, tcc 
vorfQov ytyovoxa olvyonovdu. Wasser selbst Odyss. XII. 363, worin 
jedoch Nitzsch III, S. 404 mit Recht nur eine ausserordentliche 
Maassregel der Noth erblickt; im wirklichen Cultus war es wohl 
gewöhnlich mit Honig verbuuden , wie Oed. Col. 407 und Plut. 
qu. symp. IV» 6. 2 : EXXqvtq d* v7jq>f/.Xia tu avrd xul ' fitXianovda 
&vovon daher /utXlxQuzov , obgleich auch dieses anderswo wieder 
eine Mischung aus Milch und Honig bezeichnen soll,' vgl. Eustath. 
ad Odyss. X. 519: pfXixQUxov ol naXatol fttyfia q>aol peXuoq xal 
ydXaxroq ivrav&a* ol fihxoi ptQ* "Ofiygov /tf/g« Ktt ^ Iouqti xgafta fif- 
Xiroq xal vduroq xo fiiXlxQuxov oldaa*. Milchspende allein s. Soph. 
Electr. 895 und Schol. Aeschin. Timarch. §. 188; Oelspendq oben 
§.24, not. 17. 

19) Odyss. XI. 27» nQona ^tXtxQrjTM , juiTtnnTa d^ >?d*V oTv'tp, to 
tqItov av&-* vöurt,: vgl. Eurip. Orest. 115: fitXUQUT dytq yuXaxroq 
oivtoTiov r üxvrjV) und mehr bei Nitzsch z. Odyss. III, S. 162. 

20) Zwar sagt auch hier das Orakel bei Easeb. praep. evang. 
IV. 9:. jjfft~£ piXi Nv/AQuiq Jitavvooio rt 6ü>qa\ gerade das Gegentheil 
aber lehrt Paus. V. 15: povaiq d* talq JVv/uqiuiq ov *ofil£ovoiv olvov 
ovd\ r!j deonolvq 07iMhv % ot'df int t«5 ßwfMp tw xotvoj jiuvtwv &«Zv; 
vgl. die Hemithea nach Diodor. V. 62: h d< ratq övoiaiq uvrijq dtu 
to avftßdv iifQl to» olvov nud-oq rotq ojiovddq fAtXtxQUTtp notovoi, den 
Helios nach Phylarch bei Ath. XV. 48, die Eumeniden nach Aeschyl. 
Eum. 107, Oed. Col. 100 und 481, und Anderes daselbst bei dem 

. Scholiasten : lloXffiav de h x<Z nqoq Tinaiov xal uXXotq not &to£q 
vtjqiaXlovq oyyoi &voiuq yiyvto&tu 9 yquepow ovrtoq* 'A&qvafoi ydg Iv %olq 
Toiovroiq inwtXttq ovrtq xal tu ngoq rovq &eovq ooiot,, vytpdXia /i\* 
Uqd &vovat MvrjfjLoovvrj, Movoatq, *Hot 9 'HXla), StXyvij, Nv/ttpatq^ *A<pqo- 
divv Ovqavia , <PtX6xogoq d« xal dioruow (vgl. Pinta rch. sanit. praec. 
c. i9, p. 132 F) xa* raZq 'Eqtx&ivq &i*yuT(jdot, xal ov povov Ovoiaq 



§.26. Von den Thieropfern insbesondere* 115 

vyyaXiovs t dXXd xal IvXa vivu iy o>v l'xaiov. Kqutij$h&/ ovv • *A{h}- 
vutoq tu ptj dymkXiva %wv }*vX(üv nutva vijcpuXiu q>r]9i nqoqayoQtvto&ai* 
o #1 &tXoxoQoq dxQtßtOTtQov q>7]0i tu ftTjri dfinkXiva fiijrt ovxiva, dXld 
ra dno tgjv &vßwv v^tpdXia xaXtfo&cu, xal nqdiTij vyofo vXtj nqoq rdq 
fßTiVQovq ß-vaiaq Tavrij xf/pr/a&ct*, nag o xal Tovvofia Xaßtlv top 
&Vf*ov f (oq naqd tt}* &v/*iaOiv xal Ttjv ß-vijv nmoirjßlvTjs rijq <p<üvrjg t 

§.26. 
Die hauptsächlichsten Opfer 6ind übrigens, so weit 
unser Blick hinaufreicht, allerdings die Thieropfer, so 
mannichlach auch hier wieder im Einzelnen die Gesichts* 

v puncte und Anfoderungen der verschiedenen Culte von 
einander abwichen. Am häufigsten nahm man Rinder, 
Schaafe, Ziegen oder Schweine *), oder vereinigte auch 
wohl mehre, namentlich drei dieser Gattungen zu einem 

^gemeinschaftlichen Opfer 2 )$ gleichwie aber selbst von 
diesen manche gewissen Gottheiten nicht dargebracht 
werden durften 3 ) , so verlangten wieder andere Götter 
bestimmte Thiere, deren Tod ihnen irgendwie angenehm 
zu seyn schien $ und so sehr man sich eben desshalb 
hüten muss, die etwaigen Lieblingsthiere einzelner Gott- 
heiten mit ihren Opfern zu verwechseln ♦) , so konnte 
doch das Vergnügen, welches ihnen der Tod dieser 
Iezteren gewährte, aus verschiedenen Quellen entsprin- 
gen. Wenigstens lassen es manche Culte sehr zweifel- 
haft, ob die Wahl des Opfers für ihre Gottheit durch 
das Wohlgefallen an dieser Speise oder vielmehr durch 
den Widerwillen bedingt sey, welchen ihr das frag- 
liche Thier einflösste: dass der Demeter vorzugsweise 
Schweine, dem Dionysus Böcke dargebracht wurden, 
erklärte schon das Alterthum aus den Beschädigungen, 
welche die Gaben beider durch diese Thierc erlitten 5 ) $ 
und wenn auch hier noch andere Beziehungen denkbar 
sind 6 ) , so liegt doch jedenfalls bei solchen liieren, 
deren Genuss nicht üblich war, diese Erklärung weit 
näher als die, welche in dem Opfer ein Symbol der 
Gottheit selbst erblickt, was z. B. auf die Esel, die dem 
Apoll 7 ), oder die Hunde, die der Hekatc geopfert zu 
werden pflegten 8 ), keine Anwendung leidet. Doch sind 

HS 



\ 



116 Th. IL C. IL Die Gebräuehe des Cultus. 

solche Opfer überall selten und vereinzelt 9 ) ; wo dage- 
gen wirklich eine nähere Verwandtschaft zwischen dem 
Begriffe der Gottheit und ihres Opfers obwaltet, dient 
lezteres in der Regel auch als Speise, welcher jene Ver- 
wandtschaft nur den Vorzug vor anderen Speisen gibt} 
und dieses ist dann allerdings der Gesichtspunct für die 
Mehrzahl der Thieropfer, der sich zugleich, wenn auch 
nicht in der Angabe, dass das Schwein das älteste der- 
selben gewesen sey 10 ) , doch jedenfalls darin bestätigt 
findet, dass Wildpret n ) und Fische 12 ) unter den Opfer- 
thieren eben so selten vorkommen, als sie der Zeit, in 
welcher diese Gebräuche ihre Form erhielten, zur Speise 
dienten 13 ) 5 eher finden sich noch Vögel als Opfer 14 ). 
Zahl und Maass der Opfer richtete sich begreiflicher- 
weise nach den Mitteln des Opfernden 15 ), obgleich ebeiw 
desshalb reiche Städte und selbst Privaten nicht selten 
bis in die Hunderte gingen 16 )$ wichtiger war es jedoch, 
dass die Thiere den Anfoderungen entsprachen, welche 
theils allgemein, theils für bestimmte Culte an ihre kör- 
perliche Beschaffenheit gemacht wurden. Namentlich 
mussten sie gesund und unversehrt seyn 17 ) , von wel- 
cher Bestimmung nur selten Abgewichen ward 18 ) ; und 
dazu gehörte in den meisten Fällen auch, dass das Thier 
weder zum Dienste des Menschen noch zur Zucht, ge- 
braucht worden war 19 ), wie denn insbesondere der 
Ackerstier fast durchgehende vor Opferung geschüzt er- 
scheint ao ). Grössere Verschiedenheit herrscht in den 
Angaben des Alters, dessen ein Thier bedurfte, um für 
voll zu gelten 21 ) 5 für das Geschlecht aber galt die 
Regel , dass das Opferthier der Gottheit möglichst ent- 
sprechen müsse 22 ), und eben so gab man hinsichtlich 
der Farbe für obere Gottheiten weissen, für deren Ge- 
gensätze schwarzen Opfern den Vorzug 23 ). Thieren, 
welche diesen Foderungen entsprachen, wurden auch 
wohl durch ein aufgedrücktes Siegel im Voraus ihrer 
heiligen Bestimmung vorbehalten 24 ) $ doch gehört dieses 
mehr späterer Tempelsitte als den Opfergebräuchen als 
solchen an. 



§. 26. Von den Thieropfern insbesondere. 117 

1) Suidas I, p. 448 und II, p. 215: ?£ fr/otct» *{j iutpvxwf i&vovro, 
nyoßurov, voq, ßooq. alyoq, oQvt&oq, *?*<>?: ▼gl« p Hn« H. N. VIII. 70 
von den Rindern: hinc victimae opimae et lautissima deorutn pla- 
catio, und von den Schaafen c» 72 : magna et peeoris gratia vel in 
placamentis deorum; im Allg. aber Jö. Saubert de saerificiU ▼ete- 
rum, Jenae 1659 und ed. Th. Crenius, L. B. 1699. 8, Qap. 22 fgg. 

2) Tqittik; oder t^«ttv«, vgl. Schol. Aristoph. Plut. 820 und 
Eustath. ad Odyss. XI. 130: ?} in tqiwv £<owv #t/a«a, otov ovo /iijXa* 
xctft ßooq, m 'EnlxotQftoq, y ßooq xal alyoq xal nQoßarov, tj xunqov 
xal xqiov xal raitgov . . q>QÖ£a, 6k Tita TQtTtvav %al o xtofttxoq h tw 
ßov&vxtV vif xal TQayov xal xqiov, mit Nitzsch erkl. Anmerk. III, 
S. 207 fgg. 

3) Der Aphrodite kein Schwein, Aristopb. Achavn. 793, Paus. 
II. 10. 4, Aesop. fab. 230, mit seltener Ausnahme bei Ath. III. 49 
und Strabo IX, p. 669, vgl. Hecker comm. Gallim. p. 39; der 
Athene keine Ziegen, Athen. XIII. 51, ebenso dem Asklepios, Paus. 
X. 32. 8, und der Hera nur iu Lacedämon III.' 15. 7, während 
Zeus wohl Ziegen, aber keine Schaafe erhielt, Aristot. eth. Nie. 
V. 7. 1 und IX. 2. 6. 

4) Wachsmuth H. A. II, S. 554: "bei diesem Allem springt in 
die Augen, dass zu unterscheiden ist zwischen Thieren , die man 
der Gottheit geweiht dachte, und solchen, die ihr für lieb als 
Opfer galten; dem Zeus wurden nicht Adler geopfert u. 8. w." 
Ueber die Lieblingsthiere der Götter s. die Nachweisungen bei 
Fabr. bibl. antiqu. p. 498 und minder gangbare Einzelheiten bei 
Ath. VII. 126 und Porphyr, absün. III. 17. ♦ 

5) Serv. ad Georg. II. 380: victimae numinibus aut per con- 
trarietatem immolabantur . . . ut pqrea quae obest frugibus Cereri, 
et caper qui obest vitibus Libero; vgl. Ovid. Metam. XV. 111, 
Fast. I. 349 fgg. und Schol. Aristoph. Ran. 338; nugoefor £o?po* rij 
dfjuijTQi. xal tw Jiovvöo) i&vovro wq Xvfiavrixol tw* &iolv dtoQqfiaTitiV, 
mit Lobeck Agl. p. 828, wegen des Bocks auch Varro R. R. 1.2. 19 
nebst dem bekannten Epigramme des Evenus Anthol. Pal. IX. 75. 

6) Welcker Nachtrag z. Trilogie S. 195; Fritz« che de Aristoph« 
carm. myst. p. 36; Bahr mos« Symbol. II, S. 251 u. s. w. 

7) Eustath. ad Iliad. I. 41: ovx unoari^yn 6\ ovö\ ovovq' 'Ytiiq- 
ßoQtou oi/y, wq o Hivöaftoq loTogtV, toiuvtu ixiivw xvädaXa t&vov: vgl* 
Böckk ad Pind. Pyth. X. 36 und G. Inscr. I, p. 809: de asinis non 
est quod dubites; non fecissent Graeei Hyperboreos Apollini asino- 
rum heeatomben offerentes t nisi in Graeeia quoque asini maetati 
Apollini essent; auch Müller J)or. I, S.279: "es ist wahrschein- 
lich, dass hierbei die öfters vorkommende Ansicht des Opfers zu 
Grunde liegt, wonach feindliche, den Göttern verhasste Thiere an 
ihren Altären bluten müssen,** dem Klausen Aeneas I, S. 113 ver- 
geblich die Vermuthung einer «'dionysischen Ergänzung des; Apollo- 
dienstes" entgegensezt. 

8) Kvvooyayyq #*a, Lycophr. Alex. 77, vgl. §. 23, not, 21 und 
Julian, orat. V, p. 176, auch Plut. qu. Rom. 111, wo nur in der 
Bezeichnung dieses Opfers als 6tVnvov 'Exuvqq eine Verwechselung 
mit einem anderen Gebrauche des Hekatedienstes enthalten ist, s. 
oben §. 15, not 16. Mit welchem Rechte sagt aber Paus. III. 14.9: 
xvvoq 6h axvXaxaq ovdhuq uXXovq olda 'EXXrjycov vofd^ovraq &wtv ort 
ftTJ KoXoqxoviovq • &ifovOt yuQ KoXo(paJvioi fiiXcuvav .nfj 'Exuttj axvXaxa ? 



118 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

9) Von Sauberts Verzeichniss c. 23 kommt wenigstens für Grie- 
chenland Vieles in Abzug , so dass ausser dem Hundeopfer des 
Enyalios in Lakonika (Paus. III. 14. 9; Plut. qu. Rom. 111) und 
einigen Pferdeopfern (dem Helios Paus. III. * 20. 4; sonst meist 
Göttern des Wassers oder Unterirdischen, Iliad. XXI. 132; Paus. 
III. 20. 9; VIII. 7. 2; Plut. Pelop. c. 22) höchstens die jungen 
Wölfe und Bären der Artemis Laphria (Paus. VII. 18. 8) und die 
Ameisen des Poseidon auf dem Isthmus (Aeneas Gaz. extr.) übrig 
bleiben. Ein anderes Wolfsopfer bei Xenophon An ab. II. 2. 9 muss, 
wenn auch nicht mit Bothe in Ritschis Rhein. Mus. III, S. 633 
durch Coujectur beseitigt, doch jedenfalls als barbarischer Gebrauch 
betrachtet werden ; und selbst von dem Obigen erinnert «Manches 
an asiatische Sitte (Hundeopfer in Karien , lntpp. Arnob. IV. 25; 
Pferde bei Persern und Scythen , Herod. I. 216; IV. 61) oder ge-> 
hört wenigstens ganz singulären und mystischen Cnlten an; Tgl. 
Julian. Orat. V, p. 176; xal &vo/t$v yt i'v t«j* TtXtOTixaTq &voiatq 9 
toq iTiTtov 'PtofiuVoi, <uq noXXd xal uXXa &T]Qia xul £wa, xvvuq %o<aq 
"EXXrjvtq 'Exarn, xal xoXXd nag* äXXoiq iarl tu* rtXfattx&v xal d^fioaiu 
rulq noXtow anal *ov l'rovq y dlq tu toiuvtu &v/iara 9 äXX' ovx iv 
jaZq TtpyryQlaiq 9 19 (ov (aqvqv xotvwvftv u&tov xal tqutm&vv &tolq. 

1.0) Vgl. Jo. Phil. Gasselius de sacrifieiis porcinis in eultu deo- 
rum Teterum, Bremae 1769. 4; insbes. Varro R. R. II. 4. 9: sus 
grttece dicitur vq olim O-vq dictus ab Mo verbo auod dieunt #tW, 
quod est immolare; ab suillo enim genere immolandi initium pri- 
mum sumptum videtur; und dann §.10: suillum pecus donatum ab 
natura dieunt ad eputandum, wie Jut. I. 141: animal ad convivia 
natum; auch Porphyr, abst. I. 14 und III. 20 nach Chrysippusi 
1} dfc vq ov d*' aXXo t* nXtjv &viO&a* iytyovn. 

11) Nur Hirsche der Artemis als Jägerinn, wie in dem Mythus 
der Iphigenia und bei den Elaphebolien ; Tgl. Bekk. Aüecdd. p.249: 
ixXrj&i] äh dno täv iXu<f>(ov f airivtq tw (atjvI tovko £$-i/oi>to rij iXuyr)- 
ßoXüt *A(jTtf4idi: ja auch hier vielleicht nicht sowohl zur Speise als 
um der Lust der Zerstörung willen, wie bei dem vielfach gemisch- 
ten Opfer der Laphria Paus. VII. 18. 8. 

12) Die wenigen Beispiele bei Ath. VII, p. 297 erscheinen die- 
sem selbst als Ausnahmen: q>rjoi yovy ^Aya&agx^Tjq h i'xTff Evqü)- 
maxüv xuq vntQyvfTq r&v Kwnatdwv lyxiXetov ItQtltov tqojcov OTt<f>avovv 
vag xal xaTtv/ophovq ovXuq r knißäXXovraq &v(w tolq &tolq rovq 
BotWTovq, xal ngoq rov thov %ov 6 tanoqo t^xa ro tov l'&ovq naQudolov 
yuoxsw, ort dit njgtiv rce nqoyovtxd vopifxa xal fii} xa&tjxu roVq aXXoiq 
vtÜq uvtwv djtoXoyl&o&at * ov XQ>) dt &avfid^nv il Uqtltav tqotiov 
(yXfXeiq &vovva* t onore xal 'Apriyovoq o^Kaqvortoq rovq dXUaq Xfyh 
&voUtv iiZLTiXoiwTaq tw Jloaudoivi vno rrj* twv &vvv(ov wgstv, orav 
tvayQT/otooi) &vuv r$ &t(p %ov tiqiütov uXövxa <&vvvoy, xal raQ*x°* & 
nafjd QiaoyXLxaiq uno&vovran sonst gilt im Allgemeinen nach Plu- 
tarch qu. symp. VIII. 8. 3: lx&vo>v öh &voi/btoq tvdflq ovd\ ItQfvotfioq 
ion: Tgl. Julian. 1. c. und Lobeck Agl. p.249. Oder sollen wir 
auf einer Lekythos des Berliner Museums n. 1794 ein Fischopfer 
erkennen ? 

13) Dass die homerischen Helden keine Fische essen, bemerkte 
schon Plato Rep. III, p. 404 C; Tgl. Eustath. ad Odyss. XII. 329 c 
drjXov d\ (oq il f*y uvdyxq 7* tqiuvtt] f ovze IxO-voqtdyovv ol naXcuol, 
ovrt oQvi&wv fr(x*<örro IHJQav, und mehr bei Terpstra antiqu. Hom. 



§. 26: Von den Thieropfem insbesondere. 119 

p. 136. 236 und Nitzsch erkl. Anmcrk. I, S. 269. Aber auch Jagd 
kennt Homer nur in IS otb fallen , wie Odyss. X. 177. 

14) Hühner und Gänse nennt Suidas oben not. 1 und der Habn 
des Asklepios ist aus. Piatos Phädon p. 118 A, bekannt; vgl; Artemi d. 
Oneirocr. V. 9 und Scböll Mittbeil. S. 109; andere Opfer dieser 
Art scbeinen jedocb aucb mehr fremdländischem Brauche anheim- 
zufallen, wie die Wachteln des Herakles Ath. IX. 47, die Tauben 
der Aphrodite u. s. w. Jiine eigen thümliche Mischung bietet das 
Isisopfer bei Paus. X. 32. 9: &vovat dt xal ßovq xal iXdyovq ol 
e vdak/iovtoTf got , o'ffo* di düiv dnodiovieq nXovrtp, xal xy va Si *«* °Q- 
v*&aq t«? fitXtaygidaq. 

15) Hesiod. e*. x. tj. 336: x«d dvvafiiv d' l'odttv Uq* dü-avuroiat 
&eotoi: Tgl. Xen. M. S. I. 3, Epictet. enchir. 31. 5, Paus. IX. 3. 4, 
und über die Surrogate oben §.25, not. 14; im Allg. aber Lucian. 
sacrif. c. 12: nfjoqdyovat, rdq &voiaq, ßovv fiiv ttQoriJQa o yftooyoq, 
ugvu de o notjuTjv xal alya o utTtöXoq, o di rtq Xißaviaxow jj nonavov, 
o de nhijq IXdouro rov &tov (fiXrjaaq fi'ovov rqv avrov dttidv. 

16) 'ExuToftßy r) &vola ov% dnXwq dXX' ij noXvrtXijq^ y *| fxarov 
dijXovoxi, xvqiioq ßowv . . . xaB-d xal xiXwßßrj y dno x*Xi(av * xaxaxQy- 
OTixojq phrot xal y *| fxarov &iav ... o>q xfj txaxlfißi] nurra? xal 
uqvtav avvnqayo/ihutv xal ulytov: vgl. Soph. Trach. 759, wo eine 
dtodtxijtq (Porphyr, abst. I. 32; Eustath. ad Odyss. XI. 130) von 
Rindern mit andern Gattungen verbunden rd navO? ojuov txarov 
avufitytj ßooxrjfiaTU ausmacht; aXXot de, fahrt Eustathius fort, et? 
dogioriav tov Xoyov Hayayovrtq xal to txaxov dvrl rov noXXd voijaavrtq 
ixaropßtjv qxiol Ttjv ex noXXtav dnXoiq Cwwv, und darauf bezieht sich 
der Gegensatz bei Ath. I. 5 : txarofißqv r£ ovvi &voaq xal ov yjtvdio- 
vvfiioq, obgleich eben so wohl auch mehr wie weniger als hundert 
darunter begriffen wurden , z. B. 450 Stiere dem Zeus bei Diodor 
XI. 72, 500 Ziegen der Artemis Agrotera bei Plutarch raalign. Her. 
c. 26 ü. s. w. 

17) Poll. I. 26: tk de TtQoqaxxla &v/Aara IfQfla uQTia avo/ia oXo- 
xXtjqu vytrj utitjqu na/ifttXrj ftQTifitXij /*;/ xoXoßd /ttqdl tfinrjqa /irjd\ 
ijm)ü)TT}Qi,ao[i(vu firjd'k diuoTQog>u: vgl. Ath. XV. 16 und mehr bei 
Saubert c. 18 und Bahr mos. Symbol. II, S. 335, namentlich Plut. 
def. orac. c. 49: dfV yug to &vaiftov xal "tw oia/ian xal xfj xpvxjjq 
xa&agov ilvai xal dai>v\q xul ddiüq,&oQov . . . rt)v dt yi'xijv doxifiu^oyai, 
xotq fi\v Tavgoiq uXqiiTu, rotq dl xuxQotq tQtßivOovq nuQari&tvrtq • to 
yuQ fiij yhtan/uerov vyiaivtiv ovx öXovxai. x. r. X» 

18) Plat. Alcib. II, p. 149 A: Aaxfdamovioiq di ovdtnomor ipi- 
Xrjaiv ovd\v ioiJtoiv, dXX' ovrojq oXiyoioojq dtdxnvra* nQoq rovq &*ovq 9 
wqjf xal dvdnrjqa &vovoiv . fxuaron : Aelian. H. A. XU. 34: 'EQiTyutq 
rij h 'AfiagwO-a» ^Agrifiidt xoXoßd &vovai u. s. w. 

19) ™A*v$ oder ddftqTTj, rjv o?'T(ü vrto ft»yoV rjyaytv dvqq, Iliad. X. 
293, vgl. Babr. fab. 37 Und Macrob. Sat. IIL 5; in demselben 
Worte liegt aber zugleich der Begriff der Jungfräulichkeit, obgleich 
davon allerdings sogar positive Ausnahmen vorkommen , wie bei 
den Eumeniden in Sicyon Paus. II. 11. 4» xdtd de troq i'xaarov 
(ogrt/v qftfQff t*i<f opiow äyoyot O-vovteq ngoßara ^yxvptova i und noch 
allgemeiner Ath. IX. 17: ijv dt xal nuXatoq vofioq , w? vqai,* *Avdqo- 
Tto)»', ry? $TH>yovrjq i'vtxa xCtv d-QffipidxMv^ iitj Ofpdxrnv nqofaxov äntxrov 
5 «toxov? Dagegen gxtVqav ßovv, Odyss." XI. 30 «» s. w. 



120 i Th. //. C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

20) Aehan. V. Hist. V. 14: ßoxh aqorrjv xal vno £vyov novrjaavra 
oi>v..aQOTQ(p 7} xal ufiu^rj firjdl- roviov &V(tv. Einzelne Ausnahmen 

, bringt allerdings auch hier Perizonius bei, z. B. den Apollo IloXtoq 
(Snoöioq? Boeckh C. Inscr. I, p. 785) bei Paus. IX. 12, welchem 
tQydraq ßovq &vuv vopi£ov<H f den Herakles in Lindas bei Philostr. 
Imagg. IL 24, selbst die attischen Bovg>ovia 9 worüber nnten Cap. IV; 
aber alle diese Beispiele sind besonders motivirt und bestätigen bei 
näherer Betrachtung vielmehr die Regel, indem sie ihre Uebertre- 
tung im einzelnen Falle entschuldigen oder sogar bestrafen : vgl, 
Meurs. lectt. Att. VI. 22, Böttiger Kunstmyth. II, S. 267, Bossler 
fam. sacerd. p. 10, Heffter Götterdienst auf Rhodus I, S. 24, Lobeck 
Agl. p. 677, Engel Kypros I, S. 487 u. s. w. Anders erst die Rö- 
merzeit; s. Juv. X. 268 und Lucian. sacrif. c. 12. 

21) Stellen wie Iliad. II. 403 und Odyss. XIV. 419 nennen 
sowohl ßovv als vv ntv%ahi]Qoy i so auch Aristoph. Ach. 783; da- 
gegen steht aber wieder ßovq r]viq Iliad. X. 292, und wie man nach 
Paus. IX. 8 bei Theben den chthonischen Gottheiten vq rwr vtoyvwv 
tlq t« filyaqa xaXov/itva uyijxf, so ward in Tencdos nach Aelian 
H. A. XII. 34 sogar ein neugeborenes Kalb dem Dionysos geopfert. 
Doch zeigen hier selbst die näheren Gebräuche, dass es als etwas 
Anstö'ssiges betrachtet ward; und eine gewisse Reife, reXuör^q, war 
gewiss Regel, wofür sich eine interessante, leider nicht ganz sicher 
erhaltene Bestimmung im C. I. n. 2360 findet: &vnv cft rov fAv ßovv 
ßfßXyxora, vrjv 6\ oiv ßtßXijxvXav rovq odovraq, xal va &vav pr} ngfoßv- 
Ttgov hiavoiov xal rgifiijvov: vgl. auch n.3538: IIa X Xu dt, p,\v fioo%ov 
öiiTjJQovoq a&yoq dyvov daiovrtq, tqUvov d* ßouq Ad x.r.X, 

22) Euseb. praep. eyang. IV. 9: iw ofioito /cel£t* to o/xocov: vgl. 
Porphyr, antr. Nymph. c. 6 und in dieser Beziehung inlbes. Arnob. 
VII. 19: nam diis feminis feminas, mores tnaribus hostias immolare, 
abstrusa et inferior ratio est etc. 

23) Schon Iliad. III. 103: oVatrt cf uqv* tztgov Xmxov htQijv ö*k 
jiiXuivuv, rjj Ti xal 'HtXlwi auch Meeresgottheiten ravgovq napttr- 

Xavaq Odyss. III. 6, wie den Unterirdischen o'Cv naf*/*iXuva XL 33; 
vgl. Euseb. praep. evang. IV. 9 und mehr bei Müller zu Aeschyl. 
Eum. S. 144, Bahr Symb. S. 248, Bothe in Ritschis Rh. Mus. III, 
S. 633 u. ». w. 

24) Porphyr, abst. I. 25 : tu &\ Ugal aytXcu Ivlfiovro rijq noXttoq 
avrtxgvq, i£ wv t'dtt ro UqiZov yfvio&ai, tjdq d\ tjv xal to OTipftov 
irttxfiptvov : vgl. IL 55, auch Lucian. sacrif. c. 12: nqXv yt ngoregov 
iltrdaavxtq , il ivnXlq tXij f und Macrob. Sat. III. 5: hostiae eximiae. 

§. 27. 
Dass endlich der älteste griechische Cultus, wie der 
der meisten übrigen Völker 1 ) , auch Menschenopfer ge- 
kannt habe, lässt sich um so weniger bezweifeln, als 
uns deren noch bis in die geschichtliche Zeit herein be- 
gegnen 2 ) ; und zwar wiederholten sich auch hier im 
Ganzen dieselben Gesichtspuncte, worunter bei den Thier- 
opfern die Absicht der Gottheit wohlgefällig zu seyn er- 



§. 27. Von Menschenopfern und ihren Surrogaten. 181 

scheint. Denn so wenig auch bei der griechischen Be- 
völkerung jemals an den Genuss menschlichen Fleisches 
zu denken ist 3 ) , so wurden doch einzelne Götter in 
manchen Gülten so thierisch aufgefasst, dass ihnen das 
Menschenopfer als wirkliche Speise dargeboten werden 
konnte 4 ), wie sich dieses namentlich bei dem lycäischen 
Zeus in Arkadien, dem noch in der macedonischen Zeit 
solche Opfer fielen 5 ), selbst in der Sage äussert, dass 
derjenige, welcher von dem für den Gott bestimmten 
Menschenfleische genossen hatte, in einen Wolf ver- 
wandelt worden sey 6 ) ; und wo die Natur einer Gottheit 
diese Ansicht nicht zulässt, da tritt desto stärker die 
andere hervor, dass wirklichem oder befürchtetem Miss- 
fallen derselben gegen ein Geschlecht oder Volk Einzelne 
aus dessen Mitte preisgegeben werden müssen: eine An- 
sicht, die wenigen griechischen Religionen fremd ge- 
wesen zu seyn scheint 7 ), und die selbst in. der Rein- 
heit und Milde des apollinischen Cultus keine weitere 
Aenderung erleidet, als. dass dieser statt blutiger Opfer 
andere Todesarten, namentlich das Herabstürzen von 
Felsen wählt 8 ). Doch lässt es sich auf der andern 
Seite auch nicht verkennen, dass die Humanität des 
griechischen Volkes schon frühzeitig darauf bedacht war, 
diesen barbarischen Anföderungen der gottesdienstlichen 
Sitte zu entgehen und theils ihre Zahl, theils ihre Härte 
auf ein so geringes Maass herunterzusetzen, dass bei 
weitem die meiste Erinnerung an alte Menschenopfer 
.sich mit solchen Gebräuchen verbindet, die bereits als 
Surrogate derselben betrachtet werden müssen. Manche 
dieser Gräuel scheinen ohnehin ursprünglich fremdländi- 
schem Einflüsse ihre Entstehung verdankt zu haben 9 ), 
und fanden insofern schon durch die Erstarkung des 
hellenischen Nationalgefühls ihr Ende 10 ), wovon uns 
selbst in einzelnen Sagen der Heroenzeit Anklänge be- 
gegnen n ) 5 aber auch wo ihnen heimische Sitte zu 
'Grunde lag, die die überlieferte Cultus form nicht ganz 
aufgeben konnte , bot die allgemeine Geneigtheit der 
alten Religionen zu symbolischer Stellvertretung der mil- 



129 2%. IL a IL BU Gebrauehe des Cultus. 

deren Ansicht so viele Auswege dar, dass jedenfalls nur 
yerhältnissmässig wenige Dienste übrig bleiben , wo die 
Strenge der Satzung fortwährend in ihrem Tollen Um- 
fange geübt ward 12 ). Ja selbst wo dieses wirklich noch 
geschah, nahm man wo möglich Verbrecher, die ohne- 
hin den Tod verdient hatten 13 )$ in den meisten Fallen 
aber reichte es hin, dass irgendwie Menschenblut floss, 
ohne dass darum der Tod des Opfers verlangt ward 14 ), 
oder man gab demselben noch vor dem Altare Gelegen- 
heit zur Flucht 15 ), oder begnügte sich auch geradezu 
mii einem stellvertretenden Gegenstande, wozu mitunter 
selbst leblose Dinge 16 ), gewöhnlich aber Thiere dien- 
ten, die dann allerdings den Charakter von Sühnopfern 
annahmen. Welche Beispiele auch dafür schon die My-. 
thenzeit gibt, ist bekannt 17 ), und wenn auch die home- 
rischen Gedichte diese Bedeutung des Thieropferg nicht 
kennen 18 ), so darf sie doch in einzelnen Gülten gewiss 
als uralt betrachtet werden 19 ) 5 nur würde man auf der 
andern Seite auch wieder zu weit gehn, wenn man sie 
für die alleinige oder erste hielte 20 ) und dadurch insbe- 
sondere auch den richtigen Gesichtspunct für die Opfer-» 
gebrauche verlöre, für welche gerade die homerische 
Schilderung so maassgebend ist, dass die ihr zu Grunde 
liegende Vorstellung gewiss auch für die Idee des Opfers 
selbst als die allgemeinste und hauptsächlichste gelten 
muss. * 

1) Ausser zahlreichen älteren Schriften bei Pabricius bibl. antiqu. 
p. 491 vgl. Bryant von den Menschenopfern der Alten, Gott. 1774. 8, 
Meiners in Comm. soc. Gott. VIII, p. 68 — 84, IX, p. 60 — 86, und 
Gesch. d. Relig; II, S. 79 fgg., Constaut de la religion I, p. 346 fgg., 
IV, p. 208 fgg. , Scholl in .Studien d. würtemb. Geistlichkeit I. 2, 
S. 176, Boissonade ad Nicet. Eugen, p. 194, Bahr mos. Symbol. II, 
S. 329 , H. G. Vent de hostiis humanis antiquo maxime tempore 
immolatis, Vimar. 1834.8, und Einzelnes mehr bei v. Bohlen Indien 
I, S. 305, Prichard ägypt. Mythol. S. 301, Grimm deutsche Mytbol. 
S. 38, Thorlacius opusc. III, p. 1 fgg. u. s. vr. 

2) Plat. legg. VI, p. 782 C; Minos p. 315 Ci xal pq m ßd Q - 
ßrtQO* ur&QWTiot, rjfiwv aXXoiq vofioiq XQ<*>V'* a h <*XXä xal o» h %{j Avwltf 
ovtoi xal ol rov *A&dfiavTog i'xyovo* ol«c &vovow "ElXyviq owtq : vgl. 
die Zusammenstellung bei Euseb. praep. evang. IV. 16, namentlich 
Clem. Alex. Protrept. p. 27 und Porphyr, abst. II. 54 — 56, und 
mehr bei Ciavier bist. d. prem. tems de la Grece I, p. 32, Welcker 



§. 27. Von Menschenopfern und ihren Surrogaten. 123 

Rh. Mus. III, S. 609, Wachsmuth H. A. II, S. 550, auch Limhurg- 
Brouwer II, p. 535 und VIII, p. 217, obgleich dieser das Princip 
läugnet und demzufolge auch die einzelnen Thatsachen vielmehr zu. 
beseitigen bemüht ist. 

3) Hierin gehn allerdings Wolf verm. Sehr. S. 970 und Vent 
xu weit , wenn sie die Menschenopfer von ursprünglicher Anthro- 
pophagie ableiten; doch nicht viel besser v« Lasaulx über die Sühn- 

. opfer S. 23 1 "ja es finden sich Spuren» das« man ursprünglich 
auch von dem Fleische und Blute des geopferten Menschen ge- 
nossen habe, worin ich ein furchtbares Mysterium ahne" ! Lykaon, 
der nach dem Opfer seines Kindes in einen Wolf verwandelt wird 
(Paus. VIII. 2), beweist gerade für das Gegentheil; Stellen aber, 
wie die orphi&che bei Sextus Emp. adv. Mathem* IL 31 und IX. 15; 
•tjv X(t*v*G, 7/vlxa (ptiirfq an dXXyXwv ßiov tfy° ¥ 
oagxodaxij, xgrirrtav 6i rov yrrova q>Stra dai£e, 
können nur als hyperbolischer Ausdruck phantastischer Dichter- 
philosophie gelten; vgl. Lobeck Agl. p. 247." 

4) So namentlich der /(lovvooq (AfiTjoirjq, ta tiävraq dv&gwnovq 
l'&vov ol ndXair, Arsen. Violet. p. 487; vgl. Plutarch V. Themist. 
c. 13, Aristid. c. 9, Anton, c. 24, und den von Creuzer Symb. IV, 
S. 94 und 18$ und Voss mythol. Forschungen herausgegeben von 
Brzoska II, S. 15 passend damit zusammengestellten Cult bei Por- 
phyr, abst. II. 55: i&vovxo <ft xal lv Xio) tw atftadito Jtovxoü) av&gw- 
nov diaoTiöJvitq xal iv T(vtö(p: ursprünglich wohl auch der orchome- 
nische fitvq Xaq>vortoq d. i. Xuipagyoq, Suid. II, p. 419, den Müller 
Orchom. S. 164 und Fumen. S. 139 nicht hätte durch eine falsche 
Etymologie mit dem yv^ioq identificiren sollen ; vgl. Hesych. II, 
p. 435: Xuyi'fooft. fitjd axvX/iov io&in, anagdaaei, Xutitii, xarujiivi», 
und mehr bei Schwenck in Allg. Schulz. 1828, S. 762, wenn auch 
sein Dienst schon früher in dem sittlichen Charakter eines Sühn- 
eultus übergegangen seyn mag. 

5) Theophrast bei Porphyr, abst. II. 27: «V ov jtfXQ* rov vvv" 
ovx iv *Aq*u$Ut fiovov rotq Avxaloiq oi'd' iv KagxTjdovt töJ Kg ovo) xoivJJ 
TiuvTtg dv&gutno&vrovokvi ja obgleich Plin, H. N. VIII. 34 in der 
Vergangenheit spricht, deutet doch selbst Paus. VIII. 38. 5 noch 
Aehnliches an : inl rovxov rov ßwpov rai Avxuioj Jd &vovotv iv 
cctioqqtJtü), noXvnguypovTJoai 6\ ov poi, r« iq rrjv &voiuv ydv yv , t/fria 
dl <oq l'/n xal wq tor/*v ilagxfjqi vgl. v. Sta'fckelberg Apollotempel 
zu Bassae S. 102 und Bäumlein in Zeitschr. f. d. Alter th. 1839, 
S. 1193. 

6) Plat. republ. VIII, p. 565 D: wq uga o ytvadfjisvoq rov uv- 
%>Q(t)7iivov anXdy%vov iv dXXoiq aXXtav Ugiiwv kvoq iyxarartrfiijfihov^ dydyxrj 
d?} rovrat Xvxat ytvto&ai: vgl. Plin. 1. C. und mehr bei Tborlacius 
opusec. IV, p! 54 und Böttiger kl. Sehr. I, S. f35 fgg. 

7) Vgl. Paus. VII, 19. 2 und andere Beispiele bei Plutarch V. 
Pelop. c. 21, auch Hüllmann Ursprünge der Besteuerung S. 10 fgg. 
und Würdigung des delph. Orakels S. 92 fgg. 

8) Ausser den attischen Thragelien (s. unt. Cap. IV) gehört dahin 
namentlich der lettkadische Cult, worüber Müller Dor. I, S. 331 
und Schwenck in' Welckers Rh. Mus. VI , S. 553 , obgleich auch 
die delphische Todesstrafe gegen UgoovXoi, (Ulrichs Reisen S. 58) 
auf demselben Gedanken beruht. Me Aschen, die dem Apoll heilig 



124 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

sind , springen nach Paus. X. 32. 2 über die steilsten Felsen ; 
-wem aber der Gott zürnt, findet auf- demselben Wege seinen Tod, 
der also gewiss ermaassen ein Gottesurtbeil ist. 

' 9) Anachronistisch ist freilich Vossens Ansicht Antisymb. II, 
S. 452 : " nachhesiodischer Handelsgeist brachte den einfachen Sit- 
ten der Hellenen von den Ostbarbaren noch eine ansteckende Roheit 
mit, das grässliche Menschenopfer"; dass inzwischen die vorhome* 
risehe Zeit dergleichen von Pböniciern und andern Vorderasiatischen . 
Völkern angenommen habe , erkennen auch Böttiger- Kunstmyth. I, 
S. 355 fgg. und Welcker Rh. Mos. III, S. 255, und selbst der in 
geschichtlicher Zeit noch weitverbreitete Dienst der taurischen Ar- 
temis trägt durchaas fremdartigen Charakter, den Müller Orcbom. 
S. 300 fgg. nicht hätte zn verwischen suchen sollen , vgl. Crenzer 
Symb. IV, S.714, Böttiger Kunstmythol. I, S. 403, und mehr oben 
§. 3, not. 9. 

10) Böttiger Kunstmythol. II, S. 16: " Menschenopfer zu verab- 
scheuen ist das Wesen* des Hellenismus,*' im Ganzen gewiss richtig, 
wie schon die Bezeichnung derselben als Ihrj ß-vaia bei Paus. VII. 
19 zeigt; vgl. auch Plat. Minos p. 315 G, Sextus Emp. Hypot. 
Pyrrh. III. 208, und mehr bei Klausen Aeneas S. 269; auch die 
Pauken bei Servius ad Aeneld. IX. 585 ; hi primum humanis hostiis 
placabantur, postea quibusdam saeris mitigati sunt et eorum t'mmu- 
tata sacrificia. 

11) Theseus, Oedipus, Orestes ; Tgl. m. quaestt. Oedipod. 
p. 118 fgg. und über die Rolle, welche auch hier Herakles als Ab- 
steller roher Sitte spielt, Dionys. Hai. I. 38 und Macrob. Saturn. 
I. 7. Zweideutiger steht das delphische Orakel claneben, das Götte 
S. 189 fgg. nur gezwungen rechtfertigt. 

12) Was ausser den bereits erwähnten Beispielen noch als stän- 
diger Brauch erwähnt zu werden scheint, ist wenigstens für die 
geschichtliche Zeit unsicher , wie z. B. das Kinderopfer für Meli* 
certes in Tenedus bei Tzetzes ad Lycophr. 229, das Opfer der 
Artemis ov fiaxquv rijq MtydXyq noXaoq bei Tatian ad Graecos c. 48, 
das für Ares in Lacedämon bei Porphyr, abst. II. 55 , oder gar - 
was derselbe c. 56 aus Phylarchus erzählt : ndvzaq rovq 'EXXrjvaq 
tiqIv inl . noXtfiiovq ilUva* uv&-(jo)7ioxrovtiv. Nur in ausserordentlichen 
Fällen finden wir sie allerdings selbst noch in Athen , Schol. Ari- 
stoph. Equ. 36 t tTQfyov yüq rivaq 'A&rjvuZob Xiuv äytvvtVq xal «jjfPfl- 
arovq xal h xcctpw 0174900a? rtvoq insX&'ovotjq rtj noXti, Xoifiov Xtyta 
tj rotovTov vtvoq, i'&vov rovrovq tvtxa rov xa&aQ&tjval rov fiidofiaroqi 

1 ja zu Epimenides Zeit boten sich selbst edle Jünglinge dazu dar; 
vgl. Ath. XIII. 78 und Diog. L. I. HO. 

13) Porphyr, abst. II. 54: i&vtTo yuQ xal h c Pod« pijvl Mtra- 
ytiTviüvt, «cny larafiivov avd-Qtanoq T<p Kqoko, o drj im, noXv xQaryaav 
t&oq /itnßXij&q \ eva yuQ twv Inl &avdra> drjpooLa xaraxQiO-ivrwv f**xq> 
fikv twv KqovLüiv ovvtZ/ov, Ivardarjq dfc rrjq koQrijq nqoayayovrtq rov 
av&o (OTiov l?w nvXwv oXvto nortaavrtq l'ag>arrov. Noch milder in Leukas 
nach Strabo X, p. 694a rjv 6\ xal ndryiov roTq uitvxadloiq xar hiav- 
rov iv *rij &vauc rov *AnoXXiovoq dno rrjq axonijq qmrtVaQ-al riva rav 
h alrlcuq ovrmv dnoxqoTirjq xdqiv, t^anro/Uvtav Q avrov navTodaniuv 
nrtgwv xal ogyttov dvaxovyfaiv dvvuptvwv rfj nrrjöti, ro aXpa, vxo- 
dr/ia&ai, 6\ x«to» nixQatg dXidot, xvxXw ntQiiar&raq noXXovq xal jwdi- 
Otofctv elq dvvafitv röjv ogtov «Sa> rov xaTuXqy&krva. 



§. 27. Von Menschenopfern und ihren Surrogaten. 125 

14) So namentlich im Dienste der tatirischen Artemis , nach 
der Verordnung hei Eurip. Iphig. Taur. 1470: 

v6(*ov t« ß\q ro*<f • orav €oqtuZ?j Xtulq 

TJjq gtjs öyayyq anoiv Imo/irü) £('90? 
-JfQfl 7iQoq uvÖQoq aXf*u r Huvihut 

oalaq txccr* &(ug 7 onmq ?*/tac *Xfl l 
vgl. Theophrast hei Porphyr, ab st. II. 27 : ' xaru ntqLodor rijq rov 
voftiftov x^Q lv f* v V/*y$ i/*g>vXiov al/xa yuhovot ngoq rovq ßa>/iovq 9 nnd 
insbesondere die äiaftaoTtywoiq der spartanischen Jugend am Altare 
der Orthia St. A. §. 26, not. 7, die erklärterroaassen (Paus. III. 16.7; 
Sextus Emp. Hypot. Pyrrh. III. 208) die Stelle früherer Menseben, 
opfer vertrat, und in dieser Hinsicht auch in EJis (alpaxovQla, 
Schol. Pind. Olymp. I. 146) nnd Alea in Arkadien (oxxoia, Pans. 
VIII. 23. 1) Analogien hatte. 

15) So bei dem Cnltns des Zeus Laphystius und den Agrionien 
zu Orchomenus; vgl. Müller Orchom. S. 166, Schwenck in Weichers 
Rh. Mus. VI, S. 577, und Welcker das. N.'F. I, S. 414; obgleich 
das Recht zur Tödtung , wenn der Priester den Flüchtigen einholte 
(Plut. qu. Gr. 38) oder dieser später zurückkehrte (Her. VII. 197), 
unverändert blieb. Im weiteren Sinne können ausserdem auch die 
Menschenzehnten (§. 20, not. 17) hierher gerechnet werden , zumal 
da die entsprechende italische Sitte des ver sacrutn unzweifelhaft 
die Stelle von Menschenopfern vertritt, immolationis genus , wie 
Serv. ad Aeneid. VII. 796 sagt; vgl. Dionys. Hai. I. 16 und mehr 
bei Aschenbach de vere sacro vett. Italorum, llfeld 1830. 4 und 
Grotefend zur Geographie und Geschichte von Alt -Italien, Han- 
nover 1841. 4, H. IV, S. 13. 

16) So die ^AqyiXat, in Rom, tTSmXa /*ogg>atq uvd-Qibnm tlxao/tha, 
Dionys. Hai. I. 38, vgl. Plut. an. Rom. 32 und M aerob. Saturn. 
I. 7 ; in Griechenland dürften insbesondere die sogenannten alwQa* 
oder oscüla (Müller ad Festum p. 195) hierher gehören, die nach 
Hygin. fab. 130 und Serv. ad Georg. II. 389 die Stelle aufgeknüpf- 
ter Menschen vertreten zu haben scheinen, vgl. J. F. Wallen de 
oscillis ßaccho suspencli solitis, Aboae 1815. 4; Lobeck Agl. p. 585; 
Most de Hippolyto, Marb. 1840. 8, p. 16; Osann in Verh. d. Casseler 
Philol. 1843, S. 18, Panofka Museo Bartold. p. 122 und Griechinnen 
u. Griechen nach Antiken, Berlin 1844. 4, S. 6. 

17) Ausser Iphigenia (Müller Dor. I, S. 383) und Phrixus (Orchom« 
S. 165) Tgl. den Jiowaoq AlyoßoXoq Paus. IX. 8. 1 : xai apiou? 
uytxiTo afia Ix JfXywv, tw Jcovvoü) ß-vuv naZda (oqaZov, Ireav di ov 
noXXtlq voxfqov rov &(6r qxiow alyu UqcTov VTiaXXatai oyioiv dvrl rov 
naidoq : und ähnliche Beispiele bei Porphyr, abst. IL 55 und Suidas 
I, p.720. 

18) Nägelsbach homer. Theol. S. 303. 

19) Müller Eum. $. 144 fgg. 

20) So namentlich Bahr mos. Symb. II, S. 264 , der geradezu 
den Begriff der Sühne für unzertrennlich von dem des Opfers, im 
Allgemeinen erklärt; und nach ihm E. von Lasaulz die Sühnopfer 
der Griechen und Römer und ihr Verhältniss zu dem Einen auf 
Golgatha, ein Beitrag zur Religionsphilosophie, Würzburg 1841. 4, 
S. 5: "alle Opfer sind daher als eine Folge der Sünde wesentlich 
Sühnopfer, ihrer Form nach aber sind sie stellvertretend, indem 



126 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultüs. 

sie durch Darbringung des äusseren Lebens die mangelhafte Hingabe 
des inneren Willens zu integriren suchen," wogegen ich schon oben 
§. 24 meinen Widerspruch erklärt habe , ohne jedoeh darum das 
sonstige Verdienst jener Abhandlung zu verkennen, deren Stand- 
punct sie gerade zu einer geistreichen und gelehrten 13 eb ersieht des 
gesammten Opferdienstes erweitert hat. 



§•28- 

In so weit nämlich nicht ein besonderer Charakter 
nnd Zweck des Cultus auch dem Opfer eine andere 
Richtung gab, tragen diese Gebräuche, di« \m Ganzen 
nicht nur allen Zeiten, sondern auch allen Stämmen und 
Völkern des classischen Alterthums gemein gewesen zu 
seyn scheinen *) , wesentlich das Gepräge eines Mahles, 
welches der. Mensch zugleich der Gottheit gab und mit 
dieser theiite, ohne desshalb der Heiligkeit des Anlasses 
zu vergessen, die selbst erst seinen aussergewöhnlichen 
Genuss rechtfertigen musste 2 ). Als Heerd diente, wie 
bereits bemerkt, der Altar 5 ), zu welchem das auf die 
oben beschriebene Art mit Kränzen lind Binden oder 
sonst geschmückte 4 ) Opferthier herangeführt ward; es 
galt als ein schlimmes Zeichen, wenn es sich nicht gut- 
willig vorführen liess 5 ) , wie man denn auch mit dem 
Schlachten wartete, bis es selbst durch Kopfnicken seine 
Einwilligung gegeben zu haben schien 6 ). Zuvörderst 
wurden dann sämmtliche Anwesende mit dem durch Ein- 
tauchen eines Feuerbrands vom Altare geweiheten Wasser 
besprengt 7 ) , dessen Mittheilung ab Symbol der Theil- 
nahme an der gottesdienstlichen Gemeinschaft galt 8 ); 
und hierauf nach Ermahnung zu heiliger Stille 9 ) der 
Anfang des Opfers selbst 10 ) mit den gerösteten Gersten- 
körnern gemacht, mit welchen man den Nacken des 
Thiers bestreuete, und die naeh dem einfachen Brauche 
der ältesten Zeit die Stelle des Brodes vertreten soll- 
ten n ). Als besondere Todes weihe schnitt man demsel- 
ben auch wohl erst ein Büschel Haare ab und warf os 
in's Feuer 12 ) $ die Schlachtung selbst aber erfolgte ent- 
weder mittelst einer Keule 13 ) oder mittelst eines Beiles, 
womit man das Thier niederschlug und dann dem Ge- 



§. $8. Fan den Opfer gebrauchen. 127 

fallenen mit dem Opfermesser die Kehle abschnitt *+), 
um das Blut zu gewinnen, mit welchem der Altar benezt 
werden musste ,5 )$ nur bei Opfern für unterirdische 
Gottheiten ward der Kopf nicht zurückgebeugt, sondern 
geflissentlich zur Erde niedergedrückt 16 ). Den Fall des 
Thiers begleiteten die umstehenden Weiber mit lautem 
Aufschrei , der jedoch mit der Klage ägyptischer Opfer- 
sitte nicht verwechselt werden darf 27 ) ; dann ward ihm 
die Haut abgezogen, der Körper zerlegt, und die Theile> 
welche der Gottheit zufielen, unter entsprechenden . Li- 
bationen sammt dem Rauchwerke und den Kuchen, wel- 
che die Sitte mit sich brachte, auf dem Altare ver- 
brannt 18 ). Opfer, die ganz den Flammen übergeben 
wurden, sind selten 19 ); gewöhnlich erhielten die Götter 
das Fett und dazu von jedem Gliede etwas 20 ), oder 
auch einzelne Theile, namentlich die Schenkelknochen 
besonders 21 ) , während das Uebrige zum Schmause der 
Menschen verwendet ward 22 ) , der so nothwendig mit 
jedem Opfer verbunden schien , dass beide Begriffe sieh 
im Sprachgebrauche fortwährend durchkreuzen 23 ) , und 
seine Theilnahme gleichfalls wesentliches Kennzeichea 
einer religiösen Genossenschaft war 24 ). Nur Todten- 
opfer oder solche, auf welchen irgend ein Fluch ruhete, 
machten davon eine Ausnahme, indem ihr Fleisch viel- 
mehr vergraben oder auf sonstige Art beseitigt und zer- 
stört ward 25 ) , und wenn wir hierunter allerdings auch 
die Sühnopfer, zu begreifen berechtigt sind 26 ), so wer- 
den diese schon um desswillen nicht als der gemein- 
schaftliche Typus der Mehrzahl gelten dürfen; hier war 
die Hauptsache jedenfalls das Blut, von dessen Ge- 
brauche zur Reinigung schon oben die Rede war, und 
das für die Unterirdischen sogar zu förmlichem Ge- 
nüsse 27 ) in die Gruben gegossen ward, die bei diesem 
Cultus überhaupt die Stelle der Altäre vertreten haben 
sollen 2 *). 

1) Selbst die römischen Opfergebräuche vergleicht mit den 
griechischen Dionys. Hai. VII. 72; rar die lezteren sind classische 
Stellen lliad. I. 458—466, Odyss. III. 439—463 und XIV. 414-438 



128 Th. IL C. II. DU Gebräuche des Cultus. 

mit Terpstra antiqu. Hom. p. 28; ferner Eurip. Elecfra 792 fgg., 
Aristoph. Pac. 940 fgg., Apoll. Rhod. Argon. I. 425 fgg., Nonnus 
Dionys. V. 9 fgg. u. s. w. 

2) Ath. V11I. 65« oquyvtq ydg ort t^c i&v Inl xdq ditoXavatig 
ogfirjq ov% olov xt rovq dv&qamovq dnoovijoai, XQV ai f* oy & * a * ff^fi^igor 
xolq roiovrotq fvrdxTvq xal xooftiwq i&i£nv xQV°^ ai y XQ*" * dyoQioavziq 
xal ToVq &iotq ngoOvaavrtq ovrta ut&ijxav avxovq tlq avtatv, *lv txaaroq 
jjyovutvaq tjkuv rovq &tovq Inl tcc? dnagxdq xul rag onovddq /uxd 
aldovq ti)v awovalav noitjxan vgl. II. 11 und V. 19: naaa di 
cvfAitoalov ovvuyotyij nugd roTq dgxaioiq rrjr ulrlav tlq &tov «Vgi^f, 
auch Juv. Sat. XI. 85: aceedente nova, si quam dabat hostia car- 
nem, und Sykes Versuch über Natur, Absicht und Ursprung der 
Opfer, mit Vorr. v. Semler, Halle 1778. 8, S. 90 fgg. 

3) S. oben §. 17, not. 4 und die Stellen, wo hxdga für ßütpoq 
Steht, bei Ammon. diff. voce. p. 34 und Eustath. ad Odyss. VI. 305. 

4) S. oben §. 24, not. 8 und die Beispiele bei Her. VH. 197, 
Aristoph. Nubb. 156, Lucian. sacrif. c. 12 u. s.w. Bei Homer sind 
die Opfer freilich noch nicht lorffiufvon dagegen kennt er wenig- 
stens schon das Vergolden der Hörner, das später stets mit der 
Bekräuzung verbunden erscheint, s. Virgil. Aen. V. 366, Ovid. Met. 
XV. 131 u.s.w. 

5) Macrob. Sat. III. 5: observatum est a saerifieantibus, ut si 
hostia, quae ad aras dueeretur, fuisset vehementer reluetata osten- 
dissetque' se invitam altaribus admoveri, amoveretur, quia invito 
deo eam offerri putabant; quae autem stetisset oblata, haue volenti 
numini dari existimabant ; vgl. Serv. ad Aeneid. IX. 627 und 
Jacobs zu dem Epigramme des Aristokles bei Aelian. H. A. XI. 4 
und Anthoh gr. II. 1, p. 185; auch Lakemacher Obss. philol. I, 
p. 85. 

6) Plut. qu. symp. VIII. 8. 3 : axg* dt vvv nUQayvXdiTouot* 
iöxvQwq to firj opajTtiv, nglv inivivoa* xaraantvdofitvov. Noch weiter 
ging man in Delphi nach dems. de defect. orae. c 46 : ov ydg dgxtV 
to dtuoftoa* rijv xta-aXyv, üqntq h TaVq uXXuiq &votatq 9 dXXd nuo* 
dtV ToVq piXta* tov adXov ofiov xal tov nuXuov ryytvia&ai fiird tpoyov 
TQoluodovqi durch was . für Mittel aber dergleichen bewirkt ward, 
offenbart Schol. Apoll. Argon. I. 415: %o vdtoq o tivO-aoiv iußuXXuv 
flq to ovq tov Itqiiov inl vi imvtvtiv ro ItgtVov. 

7) Xigvißa vkanvi vgl. Ath. IX, 76: iarl f d* vöoig, flq o uni- 
ßanxov daXov Ix tov ßtopov Xa/ißdvovrt q , $** ov rqv &vaiav imtiXovv, 
xal tovtoj ntgiQQaivomq rovq nagovraq jjyvßov, und mehr oben §.23, 
not. 6. Sonderbar jedoch Bekl}. Anecdd. p. 316: x*Q yix P uyyoq 
iXaiov, flq o hSßamov rdq dudaq xal ntgtfggatvov tov ßutfiovX 

8) Xtgvißwv xoivo)vol t selbst Sclaven, Aesch. Agam. 1007; und 
dagegen **()W£<m* tXgyfaOtu von dem Geächteten Demosth. Lept. 
§. 158 mit Wolf p. 376, vgl. Soph. Ocd. Tyr. 240 u.s.w. 

9) Evq>y/*ia l'aza oder * v(prjpt trt , favete Unguis, s. Aristoph. 
Ach. 237, Ar. 959, und mehr bei Spanheim ad Callim. H. Apoll. 
17; zunächst übrigens in Beziehung auf das Gebet, 'das, mit jedem 
Opfer verbunden war, lliad. IX. 171» Aristoph. Thesmoph. 295 
u. s. w. 

10) Ilqo&v/AaT a f wozu jedoch begreiflicherweise auch alles son- 
stige gehört, was zum Beginn des Opfers in die Flamme geworfen 



§.28. Von den Opfer gebrauchen. 129 

ward; vgl. Aristoph. Plut. 660 mit dem Scholiasten : rovrioriv y 
rdq oXvgaq nugu to TtQo&vto&a* tSjv Ugel&v rj xgi&dq rj Xkßavtarov x.t. X, 

11) OvXul oder ovXoxvrat in Körben, Tgl. Aristoph. Pac. 946: 
to xavovv ndgtoTiv oXdq tyov, und Panoffca Bilder antiken Lebens 
S. 27, daher x*Q**ß f S un< * * ay " verbunden Ar. 850 und Demoslh. 
Androt. §. 78, so lächerlich aueh manche Grammatiker (seit Apion, 
■wie es scheint, Apoll, lex. Homer, p. 124) diese Körbe selbst unter 
dem Worte ovXoxvrat verstehen. Ueber Bedeutung und Etymologie 
vgl. Theophrast beim Schol. Uiad. I. 449 und Porphyr, abst. II. 6; 
tov dfc 4t]i*T}TQ€iov xagnov fttrd toV x^Q 07ia ngwTov yavhroq XQl&WV, 
tavraiq dii agx^jq pt* ovXoxvrflro xard Taq ngwtaq &vaidq to twv 
uv&qwthov yboq, vortgov dl igda^hwy rt uihdq xal rtjv rgog>r t v yui- 
aa/itvhv . . . dmjg^avro rijq rf/uio&tloyq Tgotprjq tiqütov elq nvg rolq 
&toTq 9 o&iv *t* xal vvv ngoq tö riXet, tZv &vr]Xmv roTq xpaio&iToi. &vXq~ 
/iaai xQUfJiid-Vy und noch deutlicher Suidas II, p. 738: ovXo&vrtVv 
xg*&dq iiitxkltv rolq &vftao*V ovXuq. ydg l'Xiyov rdq xgi&dq xair' «Vr*- 
&iaiv luv ipatOTun>, dntg yv üXyiTU vno nrjq pvXyq xäTtxpqviOfiwa* 
tdq ydg ovXdq ngoo&tv I'xotitov ia&Lovxtq^ ovdixw tijq xartgyaoiaq 
avTÜip tvgrjfUvrjq^ xal tdq pbr xgt&uq fiixg* vvv oXaq x^ 0V(Jlv °* *?*- 
&vovrtq rate, onovdafq, in*l ovpgoXov rrjq naXmuq rgoyjjq, tu dl nonuva 
rijq uqt* Qtgaq, rovrior* rrjq av&iq. Die Ableitung von oXoq bekämpft 
zwar Buttmann Lexil. I, S. 191 fgg. mit gewichtigen Gründen; dass 
es aber darum nicht, wie er will, gesehrotene Gerste, sondern 
ganze Körner (xgV Xivxov Odyss. XII. 358) gewesen, vertheidigt 
wiederum AI. Th. Sverdsiö de verborum ovXul et ovXoxvrai, signi- 
ficatione, Riga 1834. 4 und in Jahns Archiv IV, S. 439 — 452; und 
jedenfalls kann die Vergleichung der römischen mola salsa um so 
weniger entscheiden , als die ovXal ursprünglich nicht einmal mit 
Sah gemischt gewesen zu seyn scheinen. 'Wenigstens sagt der 
Dichter Athenion bei Ath. XIV. 85 ausdrücklich: 

o&tv Iti xal vvv twv ngoxtgov fifftvq/iivo* 

tu onXuyyva rotq &totow otitmoiv yXoyi, 

aXaq ov ngoqayovrfq' ov yag yaav ovotjuo 

flq rijv TotaVrrjv XQV (UV l&VQijftivo* , 
so dass die entgegengesezte Angabe des Schol. IHad. I. 449 und 
Aristoph. Egu. 1167, welcher selbst Jfitzsch erkl. Anmcrk. I, S. 220 
obschon zögernd folgt, unter römischem Einflüsse entstanden seyn 
muss; nur geröstet, mtpgvytihaq , wird man sie nach Hesych. II, 
p. 814 zu denken haben , vgl. Heyne Opuscc. I, p. 370. 

12) KaTuglaod-at, tov Ugtiov tZv rpt^wv dnoondaai , Hesych. II, 
p. 183; ygl. IHad. III. 273, XIX. 254, und mehr bei Küster ad 
Aristoph. Av. 959 und Valck. ad Eurip. Phoen. 576, obgleich dieses 
Wort im weiteren Sinne auch alle sonstigen Vorbereitungen zum 
Opfer umfasst; s. Wytt. ad Plut. Morr. p. 401 und Buttmann Lexil. 
I, S. 102. DaSs aber das Abschneiden einer Locke überhaupt als 
Todesweihe galt, ist aus Aeneid. IV. 698 bekannt; vgl. Schol. Eur. 
Aicest. 74 1 <oq l'&ovq orroq tov Qdvatov tov fiiXXovroq dno&vfoxiiv 
rijv xb/ATjv ripvnv tiqxi x,r.X. 

13) 2x£?i dgvlq Odyss. XIV. 425, vgl. Dionys. Hai. VII. 72, 
p. 1495 : t&v ö\ o* filv ioTWToq *t» to(? O-vparoq axvruXp Tovq xgord- 
yovq l'aaiov, ol di ninrovroq imiTl&wav Tuq aq>aytöaq % d. h. die Opfer- 
messer, mit welchen dann dem Gefallenen die Kehle durchgeschnit- 
ten ward, während oq>aytiov das Gefäss, flq o to alfia xwv ag>asOfihav 
Ugtiw* i6fxovTo f Etym. M. p. 737. 

i 



130 Th. IL C. IL Die Gebräuehe des Cuttus. 

14) Odyss. III. 449: nflfxvq d' unho\pt rhortaq «tT/fWoi/c, Xvatv 
6\ ßooq phoq ... o* fibr Xtihx* dviXomq dno £0-ovo? tVQVodnyq lax**, 
uvaQ oq>uhv üftalorgaroq. Denn das ist eigentlich crpa&tr, eultro 
jugulum aperire, ut effluat sanguis, Duncan. lex. flom. ed. Rost 
p. 1063, was freilich auch 'geschehen konnte, ohne das Thier zuvor 
niederzuschlagen, wie U. I. 459 und Orph. Argon. 311: 

mal tot* dfj xqutiJqu ßoarv, iQtpvnia ravqoy $ 
0<pu£ov dvaxXivaq xnpaXqr tlq ul&lqa dfcev 
^(oora^uJVy ntql d' atfia nvgi x* ov **#« *«* *v&«. 

15) Alftu0<fHv rovq ßwnovq, PolL I. 27, ygl. Eustath. p. 1476. 40 
nnd Lakemacher p. 371 ; dass aber auch die Anwesenden mit dem 
Opferblute besprengt worden , wie Lasaulz p. 22 will , geht für 
die gewöhnlichen Opfer aus seinen Citaten nicht hervor. 

16) Eustath. ad Iliad. p« 134: taq i'&oq 'EXXtjvixw, tl /*i* rotq 
civü) t&vov, dvaxXüv tov rov ItQflov tquxijXqv, wqre uqioQÜv tlq rov 
ovquvov . . . idv fihroi TjQWOiv t} oXwq rolq xaToi/oiihoiq, xdrco ro ItQttov 
uTtoßXinöv lovafaot Tgl. Etym. M. p. 345. 25 und Schol. Apoll. 
Argon. I. 587 : VvrQfia xvqiioq rd roTq rtxQoVq hayt£otitva d*a xo Iv 
rjj ytj avTw* dnoripvto&'at t«? xHpaXuq* ovrot ydg &vovo* votq x&°~ 
viotq* votq dfc ovqavioiq uvu uvaOTQtyovreq rov VQaxqXov apafoucrt. 

17) *OXoXvyt) oder oXoXvyfioq, ululatus saeer, aber nicht Jammer- 
geschrei, wie Voss Antisymb. II, 'S. 456, sondern wxy /*«' evq>ij- 
/*iaq t vgl. Spanheim ad Callim. H. Del. 258, Hemsterh. ad Luc. 
Somn. c. 4, Elmsley ad Eurip. Heracl. 782, Böttiger Kunstmyth. 
I, S. 47 fgg. 

18) 'JlfM&fTftro xee* xu&fjyi&ro , welches leztere Wort jedoch 
erst bei Herodot und Späteren erscheint, Tgl. Wessel. ad Diodor. 
IV. 23 ; bei Homer heisst es nur wie Odyss. III. 459 : xalt d' tni 
oxfiflq o ytQWv^lnl d' aXd-ona ciUov Xttßt, oder Iliad. XI. 774: onh- 
d<uv dtd-oTia otvov in al&ofiho*q legoToi,. Zur anovdrj nimmt Orpheus 
Argon. 317 auch Milch und Oel, Odysseus XII. 362 in Ermange- 
lung, des Weines sogar Wasser; dass sie mit Gebet begleitet ward, 
zeigt Menander bei Ath. XIV. 78 und C I. n. 3538. Ausserdem 
Rauchwerk und nonava, deren erste Spur schon in der uXyhov 
dxrjj 7 die Eumäus Odyss. XIV. 429 dem brennenden Opfer mitgibt; 
Tgl. oben not. 11 und §. 25, not. 13. 

19) 'OAoxavri?*, wie Xenophon Anab^ VII. 8 dem Zevq ftnXlxiog, 
oder dSalirov tofio&irijaai> , wie Jason der Hekate Apoll. Argon. III. 
1033, also Sühnopfer, wesshalb auch Homer noch nichts davon 
weiss , Tgl. Völcker in Hall. Encykl. Sect. III , 6. IV, S. 77. 
Ausserdem nur hin und wieder förmliche Zerstörungsopfer im Gros- 
sen, wie Paus. IV. 31. 7, VII. 18'. 7, IX. 3. 4; werden diese aber 
darum mit Hygin Astron. II. 15 überall als die ersten betrachtet 
werden können? 

20) Vgl. Odyss. XIV. 427 und dazu Dionys. Hai. p. 1496: 
dnagxdq t' a*° TÄr onXuyxvw Xa/tßaevovTaq xal dno ruv uXXa)* fiiXStv 
xal xavraq aXpiroiq dtvovxaq xul xa&ayfiovraq inl xiav ßapaiv x. t. X, 

21) Mygovq v i£frat*oif nurd t« nvian ixdXvxpav, dlnzvx a notijoav- 
rtq, in avTÜv d' wfio&Hf^aav % Iliad. I. 460, IL 423, Odyss. XII. 
360; Tgl. Paus. I. 24. 2: rovq prjQovq ixTt/uav xard vofiov rwv *EX- 
Xr t Miavi noch häufiger aber niora fiyQia oder piJQa xatnv," woraus der 
bekannte Streit entstanden ist, ob nur die Knochen oder auch das 



§. 28. Fan den Opfergebräuchen. 131 

Fleisch der Schenkel mit dem Fette verbrannt worden sey. Ersteres 
behauptet Voss mythol. Br. II, S. 354 — 374 und wiederholt gegen 
Heyne n. A. nach der hesiodischen Sage von der Ueherlistung der 
Götter durch Prometheus Theog. 535 fgg. und den Unterscheidun- 
gen der Grammatiker, von welchen a. B. Hesycbius II, S. 59G ptjgia 
geradezu rd inl röhr pTjQtav PiauQQVfuva oara erklärt; Andere sagen 
jedoch allgemeiner, wie Apollonius lex. Hom. p.U2s roc Ix ruy 
HijQ&p itaigovfteva ual U go&vzovßtva , und wie Sophokles Antig. 
1008 fgg. jedenfalls keinen Unterschied zwischen beiden Ausdrücken 
macht, so neigen sich jezt wieder manche Ansichten dahin, dass 
* t fiTjqLa wohl auch fettere oder fleischigere Theile oder überhaupt 
Partikeln der ntjgol seyn können, welehe aus den ganzen Schenkeln 
ausgeschnitten seyn mögen"; vgl. Nitzsch erkl. Anmerk. I, S. 223 
und B. G. Weiske Prometheus und sein Mythenkreis, Lpz. 1842. 8, 
S. 244 — 251, welchen auch Fr. Wieseler Adversaria in Aeschyli 
Prometheum vinctum, Gott. 1843. 8, p. 19 in Erklärüug der Stelle 
Prom. 494 fgg. beitritt. Nur darf man dabei nicht den Gott als 
den Gast des Mensehen fassen, dem also das beste Stück habe 
vorgesezt werden müssen ; nachdem das ganze Thier der Gottheit 
geheiligt ist, geht der Mensch vielmehr bei dieser zu Gäste, und 
thatsachlich trat gewiss schon frühe die Ironie hervor, wie es 
Ranke hesiod. Studien, Gott. 1840. 4, S. 17 und Nägelsbach homer. 
Theol. S. 183 mit Recht bezeichnen , dass der Opfernde die Götter 
hauptsächlich mit den Theilen abfand, die für ihn keinen Werth 
hatten, wenn auch daraus keine ausschliessliche Regel gefolgert 
werden darf; vgl. Schömann zu Aesch. Prometh. S. 115. Ausser 
dem Fette gehören dahin wohl auch einzelne Eingeweide, nament- 
lich die Galle, die nicht nur Sophokles Ant. 1010, sondern auch 
Menander bei Ath. IV. 27 und der Dichter bei Giern. Alex. Stromatt. 
VII. p. 719 mit den oarotq daugxoiq oder dßgtaroiq verbindet; ferner 
der Schwanz, xegxog, nach Eubulus das. p. 716,. und für Herme« 
die Zunge dtct tijv tqixTjvtlav Ath. I. 28, vgl. Schol. Aristoph. Plut. 
IUI und Apoll. Argon. I. 517. 

22) MLotvXXov v dga TaXXa xal dp* oßtXolaiv langet* , wie noch 
häufig auf Vasenbildern "Knaben welche das an den Bratspiess 
gesteckte Opferfleisch herbeitragen,*' vgl. Jahn archäolog. Aufs. 
S. 137, so dass man also auch hierin der alten Sitte (Plat. Republ. 
III, p. 404 C, Athen. I. 15 und 46, Plutarch. de poesi Homer, 
c. 205) treu blieb ; nur die Athener, sagt Philochorus bei Ath. XIV. 
72, ratQ "Slgaig &vovTtq ovx onroSow dXXd fyovo* rd xgia, nagairov- 
fiivot toc &(dq dmlQyttb t« ntgtaxfXrj xavf*ura. Auch sass man fort- 
während bei Opferschmäussen , Ath. VIII. 65, und vertheilte das 
Fleisch ngog ptglda, diu rrjv d<pkXnav xal xad-agiorrpra ttjs dialTTjq, 
Plut. qu. symp. II. 10. 

23) Eurip. Ion. 1124t nQoq dtZnvp &voiaq £' uq &iotq «JrciUjVro: 
Diphilus bei Ath. VII. 39: riq }o&* o &vav ij nofav awlorazat ro 
dtlnvov u. s. w. Daher &vttv fdpovq, yttl&Xta u. 8. w. für toru}v, 
Welcher kl. Sehr. S. 287; &taowtai (§.7, not ,6) s. v. a. Sv/motu* 
oder opoottot, Poll. VI. 8; Ugtvnv oi* povov to &vtnt dXXd xal ro 
unX&q atpu^Hv , Eustath. ad Odyss. II. 56 , und ItQita jegliches 
Sehlaehtvieh , quia nullum animal in proprio* usus maetabant, 
quin ejus aliquant partem deo eonsecrarent adolendam, Sturz lex. 
Aenoph. II, p. 564. 

24) SnlayxvivHv oder anXayxvoyv nixaXaßiTv, Intpp. Aristoph. Av. 

12 



132 2%. //. C. IL Die Gebräuehe des Cultus. 

796; wie lat. viseeratio; Tgl. Equ. 412 s rj pynoz* dyogatov AUq 
<mXayx*bidi, naguyt vol/iqv , und Dinarck. ad*. Aristog. $.9: fitjxt tivq 
Ivaieiy tovtü) fiqrt ovoannTv pyöba, ßi^rt övoiaiv iwr y^fvofthtov 
Küivwvtty^ insbes. aber Isaens Astyph. §. 33, wo der Ausschluss- eines 
Prätendenten aus einer Familiengemeinde so ausgedruckt wird : 
noXXuxtq ikjjXv frort. a\>Tk> ovdtmonott xtxgiavoj*qxaoi. Daher für grössere 
Th eilnahm e eigene «mccTcJ^ua, atj/itlov rr>v ovvtgxto&a* nXrj&oq Ixayov 
T&v övv&vovtanr Strabo X, p. 747; vgl. Ross Inselreise II, S. 47. 

25) Qvoia aytvaroq, Plut. sanit. praec. p. 124 B, Tgl. oben 
§.22, not. 13 und insbes. Paus. II. 10. 1: xal ' vvv tri Zgva ol 
Zixvwrioi oQui&vTtq xal rovq firjgovq inl rov ßtapov xavaavrtq rce ftlv 
\od-lovotv wq amo Ugtiov , r« dfc toq ijgwV riav xgemv foayi&voi> t woraus 
deutlich hervorgeht, dass von allen hayiapaot (§.16, not. 14) nichts 
yerzehrt ward, oder vielmehr diese selbst so hiessen, weil sie ganz 
verbrannt wurden , xa&rjyla&rj f Lucian. de luctu c. 9 u. s. w. 

26) Porphyr, abst. II. 44: nuwtq yug Iv tovto> wftoXoyqoav' ol 
&toXoyoi 9 wq oprs aritiov iv ratq unoTQonuiovq &voiutq ruv &vpfth(09 
xa&agaipiq t* ggyariov: vgl. oben not. 19 und §.23, not. 13. 

27) Eurip. Hecub. 536: IX&l d' vq niyq fitXav dxgai^vU ulpat *.t. X. 

28) Apoll. Rhod. Argon. III. 1032: ßo&gov ogv£ao&cu vtQiyyta, 
tw d' t'vt &ijXvv uqvhov o<pa&iv ; vgl. Philostr. V. Apollon. VI. 11 
und mehr bei Lakemacher Obss. philol. VIII, p. 171, Boisson. ad 
Philostr. Her. p. 589, Nitzsch erhl. Anmerk. III, S. 201. 



§. 29. 

Zwischen dem Opfer und der Mahlzeit lag übrigens 
noch «in Zeitraum in der Mitte , der in der Regel um 
so länger seyn musste, als wenigstens den oberen Gott- 
heiten früh am Tage, nur den unterirdischen Nachmit- 
tags oder Abends geopfert zu werden pflegte *)$ und 
diesen zu füllen dienten* dann allerlei Belustigungen und 
Wettspiele, die in sofern eben so wesentliche und stehende 
Bestandteile festlicher Tage wurden *). Selbst persön- 
liche Neckereien wurden von einzelnen Culten geheiligt 
und hervorgerufen 3 ) } aber auch der einfache Ausdruck 
religiöser Erhebung im Liede konnte unter solchen Uin- 
1 ständen die Form eines Wettkampfs annehmen 4 ) , und 
noch bestimmter prägte sich dieser vielfach in den bei- 
den andern Elementen des Tanzes und der körperlichen 
Uebungen aus, die neben dem Gesänge als die haupt- 
sächlichsten Aeusserungen festlicher Lust in Griechen- 
land erscheinen 5 ). Was /den Gesang betrifft, so war 
dieser allerdings als Lob und Bitte bereits ein Begleiter 



§. 29. Fan festlichen Gesängen und Tanzen. 433 

der heiligen Handlung selbst 6 ) v und theilte desshaü» mit 
dieser ebensowohl die Mannichfaltigkeit der einzelnen» 
Cultusrichtungen 7 ) als die Stätigkeit der einmal festge- 
sezten Weisen 8 ) sogar bis auf seine Tonarten und mu- 
sikalische Begleitung 9 ); gleichwie er sich jedoeh schon: 
in dieser Form auch über, die beiden andern Theile des. 
Festes erstreckte l0 ) 9 so vereinigte er sich auch nament- 
lich mit dem Reigen, der das brennende Opfer auf» dem 
Altare umkreiste n ), und genoss überhaupt in der chori- 
schen Poesie den vollen Reichthum künstlerischer Ent- 
faltung , in, welchem der griechische Tanz eine Zierde 
des Götterdienstes war 12 ). Denn wenn auch das Ver- 
dienst jener Vereinigung beider Künste zunächst dem 
besonderen Einflüsse des dorischen Stammes zu gebühren 
scheint 15 ) , so war doch der Tanz als solcher in der 
Mehrzahl der griechischen Gülte um so älter, als der 
plastische Trieb des Volkes gerade in ihn den ganzen 
Ausdruck der religiösen Stimmung legte, welche das 
jedesmalige Fest in ihm hervorbrachte 14 ) ; weit entfernt 
nur eine rhythmische Bewegung der Füsse zu seyn, 
nahm er alle Theile des Körpers harmonisch in An- 
spruch 15 ) , und brachte so von selbst der Poesie den 
nachahmenden Charakter entgegen 16 ) , in welchem sich 
die Bedeutung (der Feier zur Anschaulichkeit eines leben- 
digen Bildes ausprägte 17 ). Wohl gingen die wenigsten 
Culte so weit wie der bacchische, der die Wirkungen 
seiner Chöre selbst durch entsprechende Verkleidung er- 
höhete * 8 ) und auch ausser seinem eigentlichen Mythen-' 
kreise mimische Darstellungen aus dem Leben oder son-i 
stigen Muth willen zuliess 19 ) ? woraus sich dann zulezi die 
mancherlei Gattungen des griechischen Dramas entwik- 
kelten 20 ); inzwischen standen doch auch die Waffen- 
tänze des kretischen Zeuscultus und anderer dieser Rich- 
tung ziemlich nahe 21 ), und selbst die apollinische .Reli- 
gion, so sehr ihre musikalischen Aeusserungen im Gan- 
zen auf Strenge der Form und reines Wohlgefallen an 
Ebenmaass und Harmonie der Bewegung berechnet wa- 
ren 22 ), führte nicht nur die bedeutendsten Sceuen ihrer 



IM Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

Mythologie gleichfalls mimisch auf 25 ), sondern liess auch 
neben ihren sonstigen Tänzen den Inhalt untergelegter Texte 
von besonderen Reigen nachahmen 24 ). Nur scheint diese 
den Reiz des Wettstreits nicht sowohl wie die dionysische 
in der gemeinschaftlichen Anstrengung ganzer Chöre 25 ), 
als vielmehr in den kunstgerechteren Leistungen Ein- 
zelner in Poesie und musikalischem Vortrage gesucht zu 
haben 26 ), nach deren Vorbilde sich diese Sitte über «die 
weiteren Arten öffentlichen Vortrags ausdehnte 27 ) 5 und 
so ist dann auch überhaupt die Mehrzahl der musikali- 
schen Weltkämpfe zu verstehen,- die uns tbeils allein? 
theils mit den anderen obengenannten verbunden bei 
Festen griechischer Städte begegnen 28 ). 

1) Schbl. Pind. Isthm. III. 10 t td-oq ngoq övoftdq UqovQytTy rotq 
%Q(ao* t _ xaru b*i vdq dvatoXaq rotq &toIq: vgl. Etym. M. p. 468 t 
lifjoy fjiAaQ otjpaivu rov nqo xfjq fttoyftßQlaq xaigoy' xard tovxov ydg 
l'&vov roZq oXvfinioiq &toTq* dno o*i fnatjußqiaq xoVq xarax&ovtoiq t und 
mehr oben §. 16, not. 2 und Lobeck Agl. p. 412. 

2) Plut. V. Nie. C. 3 t övola, dy<uv 9 fOTtaoiqi Tgl. C. I. n. 2360, 
und ober die Mittelstellung der dy&vtq Müller in Wagners Uebers. 
von Stuart und Revett Alterth. t. Athen. II, S. 684; im Allg. aber 
Strabo X, p.716t xotvov dri tovto xai vwv 'EXXtjvwy xal r&v ßafjßugiüv 
toxi to zuq Uqonoüaq f*tv 9 aviasmq €0Qru0T*x7Jq noitta&tti x. r. X, 

3) Ta>&aotio<?i Tgl. Aristot. Politic. VII. 15. 8 mit Müller gr. 
Liter. geseb. I, S. 234 , namentlich dag lapßifav an Festen der De- 
meter und des Dionysus, Gasaub. de poesi satir. p. 14, Ilgen de 
scol. poesi p. cxtiii, Preller Demeter u. Perseph. S. 100, Welcher 
hl. Sehr. S. 80; auch Paus. VII. 27. 3 und die z°Q ' yvvaixfio* 
x(qrofiok in Aegina 11er. V. 85, in Anaphe Apoll. Argon. IV. 1727 u.s.w. 

4) Paus. X. 7. 2 s d^xavoraxov d\ dytiviofta ytvh&ai fivijfjtovivova^ 
xal i<p* (a TtQiüTov d&Xa l'&njav, qfoa« v/wov tlq row &(6vi Tgl. die 
mythische Entstehung des Hirtenliedes nach Probus ad Virgil. Ecl. 1 : 
ad ejus dedicationem plurimi pastores tonfluxerunt cum utribus vino 
plenis et panibus figuras ferarum vel peeorum referentibus ; iique 
conslituerunt, ut qui eonvenerant landet deae deeantarent, eoronaio 
qui eas rectius prosequeretur etc. 

5) Homer. H. Apoll. 149 : ot dt ot nvynaxlrj xt xal oqxV&PH' xa * 
doidjj ftvqaafuvo* xkqnovaw^ oxav OXTjowrrai dywva. 

6) Hymnen, iv%ai ngoq &tovq Plat. legg. III, p. 700 B, nament- 
lich nagd onovdjjfjiy s. Callim. H. in Jovem 1 mit Spanheim und 
Procl. Ghrest. bei Phot. Bibl. p. 320 : o d% xvQlwq vpvoq nQoq xi&dgav 
jjdtxo torwTw, obgleich manche derselben nach Ath. XII. 30 auch: 
getanzt wurden. 

7) Vgl. Proclus in Phot. Bibl. cod. 239, p. 319 fgg. und Poll. 
Onom. I. 38 t ca dl tlq &eovq tpdal xotv&q /üv nuiüviq, vfivot, Witt d\ 
*Aqttjiidoq vpvoq ovxtyytq, IdnoXXiovoq 6 naiuv 9 dfnpovigMy nqoqtadM 9 



§. 2$. Von festlichen Gesängen und Tanten. 135 

Jtopvoov dt&vgaußoQ, J^ftrjxqoq XovXoq x. t. A. mit Eckermann Heiig. 
gesell. I, S. 308 fgg. 

8) Plat. legg. III, p. 700 B : d^QTjfäyij yuq 6fj tot« (i\v rjv y/rtv 
7 ftovoixq xajd t«fy t« inwijq arra xal aj^pccTcc . . . rovrwy d« dutrt- 
xay/Uvwv ovx Hfjv uXXat «2? aXXo xaraxQijo&a* piXovq tldoq. _ Daher 
90/tot, $Jtfi4r} ovx Hijv nuqaßfjvai. to xa&* i'xaorot vtro/uophov tldoq rijq 
vuocwq, Plnt. de mos« c. 6; und mehr bei Plehn Lesbiaca p. 157 
und Ulrici hell. Dichtk. II, S. 15t fgg. 

9) Aristot« Politic. VIII. 7. 9: näaa ydq ßu*x*ltt nal naaa y 
xoutvTTj Ixlvyaiq ftaXusva r&v oQydvw iorlir h rofq avXoVq, tut* de 
aQftovtmv iv voVq &Qvyimi fttXio* Xafißdvt* ravra to Kg/fto?, olov o 

, di&vqapßoq o/ioXoyovftbwq ilvat, doxtV 0gvytov : vgl. Lütcke de dithyram- 
his, Berl. 1829. 8 und über den Gegensatz dieses bacchisch-phrygi- 
sehen Flötenspiels — um der korybantischen Rasselmusik (Böttiger 
Kunstmytb. I, S. 281 ; tloeck Kreta I, S. 219) nicht zu gedenken — 
mit andern Gülten, namentlich apollinischer Citharödik Böttiger 
kl. Sehr. I, S. 6 fgg. und Bode hell. Dichtk. II. 1, S. 167; im 
Allg. aber über die speeifischen Unterschiede der Tonweisen und 
musikalischen Instrumente Plat. republ. III, p. 399 und Plutarch de 
musica mit Böckh de metr. Pind. p. 238 fgg. und £. L. t. Leutsch 
Grundrls» der Metrik, Gott. 1841. 4, S. 299 fgg. 341 fgg. 

10) Vgl. Nitzsch de bist. Homeri I, p. 136, namentlieh Ath. 
XIV. 24: dXXd ftTJv ol dqx*&o* mgUXaßov xal i'&fOt. xal vopoiq rovq tä» 
&tüv vpvovq aduv anavtaq h ralq ioTtdotOi* 9 onotq xal dtd rovrotv 
Ttföffitu to xaXov xai owvqovixov yftivi auch Euxip. Medea 192 und 
was oben §.21, not. 5 über die Päane gesagt ist, die ohnehin im 
weiteren Sprachgebrauche den Hymnen synonym sind, s. Kreuser 
homer. Knaps. S. 234 und Ulrici II, S. 546. 

11) Etym. M. p. 690: vnoQxijfiaTa d\ ariva -xdXiv l'ltyov oQxovpfpot. 
xal xqIxovt*$ xvxXot rov ßufiov xtuopfyuv twv Ugtiotpi Tgl. Spanheim 
ad Callim. H. Dian. 267, und über jene Vereinigung Ath. XIV. 30 

.und Plut. qu. symp. IX. 15. 2: oQX T i ax ^fi ^ xat ' »•*V***y xotvonia 
näaa xal fti&ttiq dXXtjXotv iarl^ xai fiaXtara /ib/iovntvai, tmqI to vxoq- 
Xypdrtov yhoq bfQyov dpyovfQUi rtjv diu tä* axtf/tam* xa2 rwv oVo/to* 
riov fiifiqoiv dxox*Xovoi>. Darf man aber auf solche Rundreigen auch 
die jfooou? xvxXiovq des bacebischen GultuS beziehen? S. Rom. de 
TimkoTsky de dithyrambis in Becks aett. sem. Lips. I, p. 214 und 
dagegen G. M. Schmidt diatribe de dithyrambo, Berl. 1845. 8, 
p. 224 fgg. 

12) Denn ursprünglich ist x°Q°s nur Tanz, und wird auch später 
schwerlich, wie z.B. Welcker ep. Gykl. S. 372 will, blossen Ge- 
sang bezeichnen oder gar mit Ulrici II, S. 132 auf einen Pöan 
wie Iliad. I. 472 übergetragen werden können; doeh scheint schon 
Iliad. XVI. 182 und XVIII. 572 den Verein beider Künste zu ken- 
nen, wofern man dort nicht mit Müller im Göttinger Sommerkata- 
loge 1836 fUXiua&ak und noXnrj in der weiteren Bedeutung nai£uv 
nehmen will; Tgl. Apoll, lex. Homer, p. HO fgg. 

13) Fr. Schlegel Gesch. d. Poesie I, S. 226^ Müller Dor. II, 
S. 370; Bernhardy griech. Lit. II, S. 406 fgg. 

14) Apul. de deo Socr. c. 14: Aegyptia numina fertne plangori- 
bus, Gracca plerumque choreis gaudent; Tgl. die Zusammenstellung 
Plat. legg. VIII, p. 835 E: &t>oia* xal iogral xal jfopoJ nuo> filXova^ 



136 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

auch Symp. p. 197 D und Plut. V. Alex. c. 29: övoiaq rotq &totq 
xal nofindq innkXn xal x°Q<*> v xvxXiwr xal rgayixwv uywvaq: über die 
griechische Orchestik im Allg. aber Ath. XIV und Poll. IV. 95 mit 
den Sammlungen von Meursiu* Orehestra in Gron. Thes. T. VIII, 
von Leutsch Metrik S. 372 fgg. und J. H. Krause die Gymnastik 
und Agonistik der Hellenen» Lpz. 1841. 8, S. 800 fgg. 

15) Serv. ad Virgil. ecl. V. 73: sane ut in religionibus saltare- 
tur, haec ratio est, quod nullam majores nostri partem corporis 
esse voluerunt, quae non sentiret reUgionem; Tgl. Plat. legg. VII, 
p. 814 E und Ath. 1.37: *tut%ov ydg vo ogxtVa&ai tnl io xwtZo&at, 
xul iQf&fao&at. Insbes. jftigovo/tta == ogxtlo&ai, xaZq XfQoi, -wie An- 
tiphanes bei dems. IV. 12; vgl. XIV. 26 und mehr bei Heinrich 
ad Juren. V. 120 und Jacobs ad Achill. Tat. p. 646, auch Gramer 
Auccdd. Par. I, p. 307 : Uqd oQxyoig, rj xQwrau h roVq &eioi<; raolq 
ol XHQovofnovyrtq. 

16) Plat. legg. VII, p. 795 E: ttjs ogxrjotwq ö*\ uXXrj fikv Movoijq 
XQiv fii/uovjuhuv , ro rc fifyaXo7iQin\g tpvXurrovzaq ufia xal eXtv&igov 
liXXq dt tvt^iaq lXatf>gortjroq t* «Wxa xal xaXXovq rwv rov ownaxoq 
avrov nsXwv xul /itguvi und noch entschiedener p. 816 A: dto fiiftyoic, 
T(Sv Xeyopivwv oxypaOi, ytvo^hrj ttjv ogxq<mxy* QagyuoaTo rix* 7 !? 
ov/tnaoav: Tgl. Krause S. 810 fgg. 

17) So der delische ykouroq dnofu/tyaavT&v ttjf uno vov Xaßvgiv&ov 
Hoöov, Poll. IV. 101, vgl. Plut. V. Thes. c. 21 mit Hoeek Kreta 
II, S. 136 j die nu&ia *Adgy<JTov - welche die Sicyonier nach Her. 
V. 67 rgayixotat, xogoToi lyigatgov, und mehr bei Böttiger Opuscc. 
p. 330 fgg. und G. A. Scholl de origine graeci dramatis, Tubing. 
1828. 8; auch Lobeck Agl. p. 673, obgleich dieser der ganzen Er- 
scheinung ein anderes Princip unterlegt: non est dubium, quin 
prius vitae quotidianae eventa moresque et facta eorum quibuscum 
agerent quam deorum heroumque res gestas imitati fuerint? 

18) Strabo X, p. 717 : Jiovvaov dfe ngoqnoXoi StiXrjvol re xal Sd- 
rvgoi xal 2?cocj?a»y Arjval rt xal Bvlat mal MipuXXoyts xal JVatdtq xul 
Nv/Aipai xal Tixvgoi ngoquyoQtvopttai, , mit einem Worte der ganze 
bacchischc &iaooq (Greuzer Symb. IV, S. 42; Tgl. Müller Archäol. 
§.385 fgg. und Jahn Vasenb. S. 13 — 30) in menschlicher Mummerei 
nachgeahmt; vgl. Gasaub. de poesi satyr. 1. 25, Böttiger Ideen z. Archäol. 
d. Malerei S. 173 fgg. und Welcker Nachtrag zur äsehyl. Trilogie 
S. 211 fgg. Zwar bemerkt dieser sehr wahr, dass einzelne Elemente 
desselben, wie namentlich die Satyrn, selbst nichts anders als ein 
Abbild der wirklichen ländlichen Festtänzer des Dionysus, ein aus 
dem Irdischen unter die Dämonen erhobener Ghor seyenj doch auch 
so müssen diese Festtänzer selbst von Anfang an dem sinnlich 
lascWen Charakter des Festes in allerlei Mummereien gehuldigt 
haben, wohin ausser den Masken namentlich die q>aXXol t die tfßglq, 
und die Verwechselung des Geschlechts in der Kleidung gehören; 
Tgl. Senilis bei Ath. XIV. 16 t ol dl l&vipaXXoi xuXoi>fitvov ngoqmnrtop 
pf&vovT(ov l'xovoi xal iöTfqxxvwvTcu £f«(>tda? dv&wdq i'xovrtq, jjftrajo* dfc 
XQ&vtat ftt ooXevxoiq , xal ntgufovrai zagavrVvov xaXv-xxav avxovq f**XQ* 
twv ovvgujv, mit der Ankleidescene eines Satyrchors in den Mpn. 
delP Inst. arch. III. 31 , und mehr über die Masken bei Böttiger 
Opuscc. p. 220 fgg. und kl. Sehr. III, S. 402 , über die <paXX>xd 
Greuzer Dionys. p. 232 fgg. , Fritzsche de Lenaeis mantissa , Rost. 
1837. 4, p. 26 fgg., Bergk com. Att. reliqu. p. 272; über die vißgk 



§. 29. Von festlichen Gesängen und Tänzen. 137 

Grenzer altatt. Gefass S. 39 fgg. und über die sonstige Jiovvotaxrf 
erroAiy, namentlich das Safrangewand , xooxwto?, ders. zur Gallerie 
der Dramatiker S. 109, auch Ruhnk. ad Vell. Paterc. II. 82 und m. 
Note zu Lucian. hist. conscr. p. 80. 

19) Vgl. Müller Dor. II, S. 343 fgg. und C. J» Grysar de Do- 
riensiüm comoedia, Coi. 1828. 8, mit Welckers Rec. Allg. Schulz. 
1830, N. 53 — 56 oder hl. Sehr. S. 170 fgg. Hauptzeuge ist Sosi- 
bius bei Ath. XIV. 15 t nagd d£ uiaxitiui/ioviotq xcjfitxijq naidtaq tjv 
mq rgonoq naXaioq . . i/upttvo ydg rtq h uhiXit Tfl Xi£t* xXfjiTovraq 
iivaq onwgav y £*y*xov largov , , txaXovvro dl ol fifTwmq ti}v roiavrijp 
naididv nagd votq Auxuoi daxyXioral . . StxvoiVto* /Av ydg yaXXoyoQovq 
avrovq xaXovoiv, uXXo* d£ avroxaßddXovq, ol de <pXi>axaq, wq 'IiuXol, 
OcxpKJrdq dfc ol noXXol x. T. I. 

20) Aristot. Poet. IV. 14: yfvojtfvq ovv dn dgxqq ai/Toö#*d*a- 
CTtxTj xul rj rgayotdia xal jj _xo)/ttpöia , y /ikv dito tw* (^uq/ovtojv T0%y 
di&vqafißov , q dfe dno twv tö yuXXixu, a IV* xal yüv h noXXulq tu* 
noXeojv dbanivit, vofi^ofiiva, xaru fitxgov rjvtfd'i] % nQoayovrojv ooov iyk- 
vito gxtvfQov avrrjq: vgl. die Zusammenstellung der drei bacchischen 
Tanz-weisen iftpiXaa, oixivvlq und xo'gdag (Lucian. saltat. c. 22) mit 
den drei Gattungen des griechischen Dramas Tragödie, Satyrspiel 
und Komödie bei Athen. XIV. 28, Schol. Aristoph. Nubb. 540, 
Ainmon. diff. vocabb. p. 83; im Allg. aber F. G. Dahlmann pri- 
mordia et successus veteris comoediae Athen iensium cum tragoediae 
historia comparati, Hafn. 1811. 4, Guil. Schneider de orightybus 
tragoediae und de orig. comoediae Graecae, Vratisl. 1817. 8, A. L. G. 
Jacob quaestt. Sophocl. Varsav. 1821.8, p. 14 — 158, Gust. Pinzger 
de dramatis Graecorum satyriei origine, Vrat. 1822.8, L. F. A. 
Roeder de trium quae Graeci coluerunt comoediae generum ratione, 
Susati 1831. 4, G. G. W. Schneider das attische Theaterwesen, 
Weimar 1835. 8, Aug. Witschel die attische Tragödie, eine Festfeier 
des Dionysus, Lpz. 1844. 8. 

21) nvQglxy tldoqhonXov oqxfaw, PoU- IV. 96, vgl, Plat. legg. 
VII, p. 796 B: ovä* oaa lv rolq x°Q ^ iotIv av fitftjjpaTa Tigoqijxovza 
fiifuTa&ai, nagtriov, xaru fikv tov vonov rovdt Kovgyvtav honXia naiyvta, 
xurd di Aaxtdaipovu dioqxogwv y und mehr das. p. 814 fgg. und Ath. 
XIV. 26 — 30, wo sie auch mit der oixtwiq verglichen wird, die 
selbst nach Andern ein horybantischer Tanz seyn sollte, s. Eustath. 
ad Iliad. XVI. 616; im Allg. aber Visconti Mus. Pioclem. IV. 9, 
Böttiger Kunstmyth. II, S. 12 und hl. Sehr. III, S. 322, Hoeck 
Kreta I, S. 208 — 217, Müller Dor. II, S. 337, Krause S. 832 fgg. 

22) Muller Dor. II, S. 316 fgg. 

23) Plut. dcf. orac. c. 14 und qu. Gr. 12: ro p\v ovv acnrygiov 
l'otxe fili*T]pa Ttjq ngoq tov Jlv&ojva rov &sov f*«XV^ **Va*, xal rijq fttrd 
vjjv fiu/yy inl tu Tkpnt] yvyrjq *ul ixditoZfwq x. r. X. Dazu der vo/ioq 
Ilv&ixoq, uxogov avXrjfia f Poll. IV. 81, vgl. Strabo IX, p. 645 und 
Böckh de metr. Pind. p. 182. 

24) Lucian. de saltat. c. 16 s tv JtjXüj 6i ys ovdt ul &vola* uvnt 
ogXyowSj dXXd ovv ravTJf xal f*ttd novOMtjq lylvovxo* naidtov X°Q ^ 
avvtX&ovTtq vre UvXoj xal xi&dgn ol julv i/oQfVov, vjmoqxovvto dl ol 
ugtarot ngoxgMvriq Q avTutv: vgl. Ath. I. 27: xal laxv» q roiuvrq 
ogxyotq fiipqoiq twv vtio rijq XQttoq tgfiqvtvo/tiva)* ngaypdTtov , mit 
Jacobs leett. Stob. p. 29, und über den ganzen Charakter dieses 
TQonoq VTzogxywrixoii wie ihn Ath. XIV* 28 der yv^vonatdixi} oQXVW 



138 Th. IL C. It. Die Gebräuche des Cultus. 

entgegen sezt und mit dem bacchischen xogda£ vergleicht, Bäckh de 
metr. Pind. p. 270, Hoeck Kreta III, S. 345, Müller Gesch. d. 
griech. Lit. I, S. 289 und in Welckers Rh. Mus. V, S. 374. 

25) "IaxxoQ (fiXoxoQtVTrjq t Aristoph. Ran. 402 ; Tgl. das Orakel l*ei 
Demos th. Mid. §.53, -wo gerade dem Dionysus Tor andern Göttern 
Chöre zu weihen verordnet wird, und den bezeichnenden Gegensatz 
bei Her. IL 48 t Tjyv dh üXXrpt dvdyovo* ogxrjv tu JtovvcKp nXrjv /ogur 
xuxu ravtd o%td6v narret "EXXyoi. 

26) Proclas bei Photius Bibl. p. 320 t o pirto* vofioq ygdgtexat 
fjbkv tiq 9 AnoXXtava t l'x*> dh trjv intow/tlav dn «t/roi~, ot» twv uQxatt&w 
XOQovq lovdvTwv *ai ngoq avXov rj Xvgav udovxtav rot vopov Xgvaöd-ffjuq 
Kgyq ngtäxoq xQV ^f* (V9 ^ oxokjj txngtntZ xul xi&dqav dvaXaßwv tlq pl- 
pqoiv tov 'AnoXXvvoq (Aovoq rjat vofiov xal tvdoxtfiiqoavxog avxov dia- 
/iivn o rgoxoq xov dyotviöfiaxoqi vgl. Paus. X. 7. 2 und Aristot. 
Problem. XIX. 15: diu ri ol /*iv *6fio* ovx iv dvxMJxgo<poiq ijiou>vno 9 
al <fi uXXui todal ul £0(J«xat; 7 <> T * °* tf* vopo* dymvioxiäv rjaav 9 tov 
ijdij HifAilöd-ai, dvvafitvu* xal diaxtivio&at tj todij iyhixo paxgä xal 
7ioXvndijq x. t. X. 

27) Rhapsoden, Wclcker ep. Cyklus p. 371 fgg.; Instrumental- 
musik ohne Gesang, inl r&y xQovftdxo)* t&p dgxovatv, Strabo IX, 
p. 645, Paus. X. 7. 3; selbst Xoyoygdyob und nonjxal t Plut. qu. 
symp. V. 2, und die sonstigen zahlreichen dxgodfiaxa, die uns in 
Urkunden der späteren Zeit begegnen, s. G. I. n. 1583 — 1587, 
2214, 2758. 59 und 3088: dvayvtaat wq , yaXpov, Qv&poygaqiiag , fttXo- 
yQayktq, xtapatdiag, xgay<odiaq y iyxionioygayiaq , oaxvgoygcupiaq , vtagm- 
öiaq, VTioxQioio>q , Tcokv/ta&iuq , endlich das räthseihafte xmoßoXijq 
uviuxoöooeotq , worüber Böckh im Berl. Sommerkataloge 1834 und 
dagegen Hermann Opuscc. V, p. 300 fgg. VII, .p. 65 fgg., Nitzsch 
bist. Homeri II, p. 136 — 144, Ritschi alex. Bibl. S. 64 u.s.w. 

28) 'Ayomq povaixol oder nach Poll. III. 142 besser povoixfa 
obgleich Beides schon bei Thucyd. III. 104 neben einander vor- 
kommt; vgl. Hemsterh. ad Aristoph. Plut. 1166 und Morus ad 
Isoer. Paneg. §. 1 59. Dass sie nicht bloss apollinisch , zeigen die 
XtiQiTijoia zu Orchomenus, Müller Orch. S. 177, die Spiele des 
Eros zu Thespiä, Paus. IX. 31, und mehr bei Bode hell. Dichtk. 
I, S. 217 fgg. und Sillig in Dresdner Morgenzeitung 1827, N. 167 — 
169; doch mögen sie mit andern Culten grossentheils erst allmälig 
verbunden 'worden seyn, wie selbst mit den Panathenäen erst durch 
Perikles, s. Plut. V. Pericl. c. 13 mit Meier in hall. Encykl. Sect. III. 
B. X, p. 285. 

§. 30. 
Noch allgemeiner freilich finden wir bei den griechi- 
schen Festspielen die körperlichen Uebungcn verbreitet 1 ), 
die theils in der Lenkung der Rosse nnd Wagen, theils 
in mannichfachen Beweisen eigener Stärke und Gewandt- 
heit bestanden 2 ), nnd in beiderlei Hinsicht schon in den 
homerischen Gedichten, wenn auch hier zunächst nur 
noch als Privatsache, namentlich bei Leichenspielen 3 ), 



§. 30. Von den KampfspUUn. 139 

und um Werthpreise vorkommen, während sie spater bei 
gottesdienstlichen Festen mehr um die Ehre des Kranzes 
angestellt wurden 4 ). Nur kennt Homer Ton Rosskämpfen 
begreiflicherweise erst das Wettrennen mit dem Zwiege- 
spann 5 ), wozu die Folgezeit noch Viergespann 6 ) und 
Reitpferde 7 ) , auch Füllen 8 ) und Maulthiere fügte 9 ) 5 
von gymnischen hat er dagegen selbst manche, die spä- 
ter ans der Uebung verschwanden, wie den Waffen- 
kampf 10 ), das Bogenschiessen n ), und den Wurf mit der 
Eisenkugel 12 ), wogegen die «spätere Sitte die seinigen 
nur mit Variationen oder Vermischungen wie Pankratium 
aus Ringen und Faustkampf 15 ) vermehrt hat. Denn dass 
Herakles bereits zu Olympia im Ringen und Pankratium 
zugleich gesiegt habe l4 ), verdient selbst als Sage um so 
weniger Gewicht, als dieser gesteigerte Verein von Ge- 
lenkigkeit und Stärke, auf den allerdings die späteren 
Athleten grosses Gewicht legten, geschichtlich erst in 
der macedonischen Periode auftaucht 15 ) ; jedenfalls aber 
bestanden auch neben jener Mischung Ringen und Faust- 
kampf als selbständige Uebungen fort, und nur die leich- 
teren Kampfarten des Sprunges und Wurfes mit Speer 
und Scheibe verbanden sich später mit dem Ringen und 
Laufen zu einem Fünfkampfe 16 ) , in welchem der den 
Sieg davon trug, der seinen Gegner wenigstens in dreien 
überwunden hatte 17 ). Bei dem Speerwurfe kam es 
darauf an , ein bestimmtes Ziel zu treffen 18 ) , bei dem 
Sprunge dagegen, dessen Elasticität bleierne Schwung- 
kolben zu verstärken dienten 19 ) , entschied die relative 
Weite desselben 20 ), und Aehnliches gilt von dem Diskus 
oder der Wurfscheibe , die mit voller Armeskraft, bis- 
weilen auch durch einen Schwungriemen unterstüzt 21 ), 
in die Ferne geschleudert ward 22 ). Für Ringen und 
Faustkampf kann hier nur so viel bemerkt werden, dass 
die Schwierigkeit des ersteren durch Einreiben mit Oel 
erhöht 25 )j die Grausamkeit des lezteren durch harte 
Stoffe, die um die Hand geschlungen wurden, vermehrt 
ward 24 ) 5 was dagegen den Lauf betrifft, der gleichfalls 
auch ausser dem Fünfkampfe seine Selbständigkeit behielt, 



140 TL IL C. IL Bie Gebräuche des Cultus. 

so sind liier wieder mehre Arten zu unterscheiden, wel- 
che die Kräfte des Kämpfers nach verschiedenen Rich- 
tungen in Anspruch nahmen. Die einfachste und älteste 
derselben war das Stadium, wobei es nur darauf ankam, 
eine verhältnissmässig kurze Strecke möglichst schnell 
zurückzulegen 25 ) ; daneben aber stellte sich später die 
Doppelbahn 26 ) , die zugleich durch schiefe Neigung die 
Anstrengung vergrössert zu haben scheint 27 ), und der 
Dauerlauf, in welchem dieselbe Bahn mehrmals hinter 
einander durchmessen ward 28 ) ; und die Entwickelung 
der kriegerischen Fertigkeiten brachte dazu noch einen 
Lauf in Waffen 29 ) und einen andern, in welchem der 
Kämpfer zu Fusse mit einem Pferde gleichen Schritt 
halten musstc 30 ). Endlich gehört dahin auch der Fadkel- 
lauf, wie er namentlich in Athen bei mehren Festen 
von Gottheiten des Lichtes oder Feuers üblich war 51 ), 
obgleich die Gesetze desselben nach den einzelnen Fällen 
verschieden gewesen zu seyn scheinen 52 ). 

1) Vgl. im Allg. P. Fabri: Agonistica siye de re athletica ludis- 
que veterum gymnicis musicis et circensibus, Lugd. 1592. 4 und 
in Gron. TL es. T. VIII; J. Lydii Agonistica sacra c. addit. Lo- 
meieri, Zatpfa. 1700. 4; und insbes. jezt J. H. Krause 'EXXtjvixä oder 
Institute, Sitten und Brauche des alten Hellas mit besonderer Rück- 
siebt auf Kunstarchäologie, Leipz. 1841. 8, dessen erster Band die 
Gymnastik und Agonistik der Hellenen , der zweite die Beschrei- 
bung der -vier grossen Nationalfeste enthalt, wo diese Spiele na- 
mentlich geübt wurden. Dass jedoch diese bei Weitem nicht die 
einzigen Gelegenheiten für dieselben waren, s. schon St. A. §. 10, 
not. 12; und ganz besonders sind auch die attischen Panathenäen 
dafür um so wichtiger, als ihre Preisgefässe die anschaulichste 
Vorstellung von der Mehrzahl dieser Uebungen darbieten ; vgl. Pa- 
nofka vasi di premio illustrati, Firenze 1826; Bröndsted in Trans- 
actions of the R. soc. of literature II. 1, p. 102 fgg., H.A. Müller 
in ball. Kncykl. Sect. III, B. X, S. 295 fgg., und hierher insbes. 
Ambrosch osservazioni intorno ai giuochi ginniei rappresentati sui 
rovesci delle amfore panatenaiche, in Ann. dell* Inst. arch. 1835, 
p. G4 fgg. 

!2) 'Ay&vn; liMMol uud yvpvixoi, Xenoph. Oec. VII. 9, Hellen. 
III. 2. 16, und im Allg. Krause II, S. 13 fgg. 

3) Vgl. Iliad. XXIII. 258 fggi und Odyss. VIII. 100 fgg. mit 
Terpstra antigu. Hom. p. 257 fgg. und den Nachahmungen bei Virgil 
Aen. V. 104 fgg., Stat. Theb. VI. 296 fgg., Sil. Italic. XVI. 249 fgg., 
Quint. Smyrn. IV. 118 fgg.; von Leichenspielen im Allg. Krause I, S. 9. 

4) ' 2znp<tvirah oder öxnpavijipoqot im Gegensätze der üySrnq in\ 



§. 30. Von den Itemftfspielen. 141 

iL&Xoiq, wie Jn, Delphi! Paus. X. 7,. 3 und noch früber in Olympia, 
obgleich auch hier wohl unter dorischem Einflüsse, vgl. Müller Dor. 
II, S. 3Q6., Doch, bestanden daneben fortwährend auch x9Vf ia ' tVt ^ 
oder &it*Q,TMQl s ja T«^arr*«ro*, die namentlich in der Kaiserzeit öfters 
vorkommen; vgl. C. I* n. 3208 und mehr, bei Krause II, S. 7; 
selbst noch d&Xa, C. I. n. 2360: rolory dvdgl to£o>, gxtgfrgav 
Ttttvj^TtaVf.diyTtQtVoM.TaSop* dxovTiorrj uvdqi Xoyx a $ T £**Sj Ji*£AX#ya- 

XuittV X. T. A. . . . • . ' 

5) Pbilostr« Imagg. I. 27 t ro yaQ (rtl Terrugojy ovno> roVq rjQUGt, 
dwi x* l Q»$ V*\ '** M **Q* "Ektoqi ra* &QaaiV: vgl. Eustath. ad Iliad. 
XI* 699 und .Raoul« Roch, monum.. ined.. I, p* 86, obgleich die 
künstlerische Darstellung dieses nicht immer gewahrt hat, Wieseler 
die Ära Casali, Gott. 1844. 4, S. 17. 

6) Ti&Qnfitpi'i a-uch einfach ugfia oder, i^vyoq nach Poll. X. 53; 
▼gl. Plat. Apol. p. 36 £: *t t*s v/*&r mnip i} tvvwgidi ij &vyih >m- 
xjyxfv, und mehr bei Krause I, S. 564 fgg. 

7) Küqs "itnoqz Tgl. Eustath. ad Iliad. XV. 680 und Nitzsch 
s. Odyss. V. 366. 

8) IJwXoi , auch als Gespann , der owwglg rtXtia oder dem 
uQfia TfXaov - entgegengesezt , Tgl. Paus. V. 8, C. I. n. 1591, und 
Boeckh in Ann. dell' Inst. arch. I, p. 160, wo überhaupt auf Anlass 
einer panathenäischen Inschrift mehr Einzelnes über die Rosshämpfe 
erörtert ist. -• < 

9) 'Hfiidvot öder favyog oqixov, auch dnijvy: Tgl. Simonides bei 
Aristot. Rhet. ITI. ^. 14 (Schncidewin p. 24) und Schol. Pind. Olymp. 
V. 6: anrjVTj di lOrtv ag/ta i£ tjjuiovwv tjtvx&h' sld'iG/ihtov $\ "rnioiq 
dyajtlZtofrai, "Aaavdgoq (vulg. 'Aaav&Qteorbq : Bentley &(göav&g6<; t*?) 
ItitvTjdtwst xceJ ypioVoig dywifc o&at, , mit Bentley Opuscc. p. 238 fgg. 

10) Iliad. XXlil. 811 fgg. Spätere Beispiele bei Plut. qu. symp. 

V. 2 und Ath. IV. 41 fgg. sind apohryphisch oder vereinzelt; erst 
in römischer Zeit nahm auch Griechenland Gladiatoren an , die 
dann bisweilen auch hoplomachi hiessen; Tgl. M. Seneca exe. 
controT. praef. 1. III und mehr im Allg. bei Cic. AU. VI. 3. 9, 
Dio Chrysost. XXXI, p. 347, Apul. Metam. IV. 13, und Welcher 
syll. epigr. p. 60. . . . . 

11) Krause I, S. 599 fgg. Auch hierin finden sich erst sehr 
spät wieder Wettkämpfe, s. C. I. n. 2360. 

12) Iüad. XXIII. 826 — 47; Tgl. Nitzsch z. Odyss. II, S. 192. 

.13) Plut. <[u. iSyrap. II, 4: ort fug <ui/uxT«* to Ttayxgäriov Ix n 
nvy/iijq xal ndXyq, 6rjXovi Tgl. Aristot. Rhet. I. 5. 14 und mehr bei 
Krause I, S. 534 fgg. und hall. Encykl. Sect. III, B. XI. 

14) S. Paus. V. 6. 1, auch Vell. Paterc. I. &, der nur die Be- 
deutung TOn 7iayxgaTt6v misftverstanden hat: quo quidem in ludiero 
luctae emnisque generis eertaminum vielor Hercules exstitit, 

15) Vgl. m. Note zu Lucian. bist, conscr. p. 69 und Krause I, 
S. 550. Der erste «V 'HqttxXiovq war Kaprus Ol. CXLII; Tgl. Paus. 

VI. 15 und Lucian V* H. II. 22; erst in der Kaiserzeit häuft sich 
auch die Zahl dieser nagadolovTxai, wie ihre pomphafte Benennung 
war, s. Plut. comp. Cim. et Luculi. c. 2 und Ignarra de palaestra 
Neapel, p. 34. 



142 Th. II. 0. IL Die Gebräuche des Cullus. 

16) Tlfprad-loy, Tgl. PJat. Anterast. p. 135 E mft dem versut 
memorialis des Schol. p. 384; ndlq olyvvyoq uXfut dhxoq xul ögofioq, 
und mehr bei 6. F. Philipp de pentathlo, Berl. 1828. 8 und Kayser 
In Wiener Jahrbb. 1841, B. XCV, S. 175; das» dasselbe aber jün- 
geren Ursprungs, Schol. Apoll. Argon. IV. 1091 und Boeckh expl. 
Find. p. 486. 

17) Tgtdfav, uTZOTQtdfciv , rgtayf*oq t vgl. Plut. qu. symp. IX. 1 y 
Poll. III. 151, und über die Reihefolge der Uebnngen (Sprung und 
Lauf zuerst, Paus. III. 11. 6; Ringen zulezt nach Her. IX. 33: 
k<x(s' *V ndXuiOfta l'dgape vixav) Böckh und Dissen ad Pindar. Nem. 
VII. 70 , welchen Hermann Opuscc. III , p. 27 fgg, mit Unrecht 
widerspricht. 

18) Pindar. Pyth. I. 44: axovra xaXxoTidgaov pt} ßaXttv *£» dyüvoq 
d. i. nagd oxortov Olyitfp. XIII. 90; Tgl. auch Nem. VII. 70 mit 
dem Schol. p. 482 1 tovto dfc dito rwv ntnd&Xtav ntxtnpox* • r ** v TO * 
uxomov nagd to WQißi*ivQv rigfta ßaXXortttv <J*d twv Qd&Xtuv yyopivtüv, 
Hn4 Krause I, S. 472, der zugleich richtig bemerkt, dass Horazens 
jaculum trans finem expeditum Od. I. 8. 12 nur auf gymnastische 

Vorübungen gehe. 

19) 'AXrijgeq, d. i. fioXvßdtffg £e tp oftA^&t? , Luc. Anach. c. 27; 
Tgl. Paus. V. 26. 3 u. 27. 8, Galen, de sanit. tuend. II. 9, jrach 
Philostr. de gymnast. p. 16, der sie ausdrücklich Turru&Xw ivgqtw 
nennt, mit Kayser p. 87, und mehr bei Welcker Zeitschr. f. Gesch. 
u. Ausl, d. alten Kunst, Gott. 1818. 8, S. 239-269, Ann. deü' Inst, 
arch. IV, p. 75 und V, p. 86, Becker Gallus I, S. 277 u. s. w. 

20) Wohl war auch durch das ündp/ia oder den Tertieften Raum, 
in welchem die Uebungen vor sich gingen (Hesych. I, p. 705; 
Krause I, S. 105), ein durchschnittliches Ziel gegeben; Tgl. Poll. 
III. 151: tcc di fUrga rov nrjöijfiaxoq xav<ov 9 o di ogoq rd ioxanphu' 
o&fv Inl twv rov ogw vntgntjddvxutv ol nagoi/tutio/itvoi Xiyovot, nrjöuv 
vnkg tu laxafifikvu^ mJi Schneider ad VitruT. V. 11.4; dass aber 
dieses zu überspringen nicht den Sieg raubte, zeigt das Beispiel des 
Phayllus bei Zenob. VI. 23 und Eustath. ad Odyss. VIII. 197: o? 
nevrrjxorva noöStv ovrvv itgoxtgov rwv oxaptutTwv aiho<; vntgißaXt ravra 
ntjtirjoaq , cJf to Iniygannu Xeyn rrjq dxovoq avrov : Tgl. Roulez me- 
moire pour servir ä expliquer les peintures d'une coupe de Vulci 
representant des exercices gymnastiques , Brux. 1842. 4, p. 23 und 
G. G. A. 1844, S. 69. 

21) Eustath. ad Odyss. IV. 626: o <ft fooitoq tx Xlfrov q>aoW rp 
Kai nort xal orffjQtoq, 1/tdm ntgl to ploov hng/iivat org(g>6fi(yoq xul 
dgnifAtvoqx doch kann nach Lucian. Anach. c. 27 lezteres nicht all- 
gemein gewesen seyn, und kommen auch zweierlei Gattungen des- 
selben Tor, Tgl. Winkelmann Werke II, S. 88 und 215. 

22) KaTMud^oq Iliad. XXI II. 431; Tgl. Ovid. Met. X. 177, Stat. 
Theb. VI. 671 , und namentlich die plastische Schilderung bei 
Lucian. Philops. c. 18 mit den erhaltenen Nachbildungen der Disko- 
holen tou Myron und Naucydes, worüber Fr. Cancellieri diss. epist. 
sopra la statua di discobolo, Roma 1806. 8 und Visconti Mus. 
Piocl. III. 26. 

23) S. Lucian. Anach. c. 28 und mehr bei Bürette sur la lutte 
des anciens in M. de FA. d. I. IV, p. 327 und Krause I, S. 230 fgg. 

24) Caettuty Ipuvrtq, Tgl. Apoll. Argon. II. 60 und die Be- 



§. 30. Von den Kampfspielen. 143 




ßaXlov xov avqofpCov tooovtov oaov il avpdyoivro nv£ ilvat,' tvvtixono dh 
vno QEtQuq, ijif xu&utkq fgaopa ißkßXtjvro Ix vov ntjxtoq' yvvl dfc av 
jit&foTTjxt * lyivovq yaq t&v moruTiav ßowv h'xfrovTfq Iptxrra igy neonat, 
7ivx%ikov ogi)* xal TtQotftßäXXorvai auch Böttiger kl. Sehr. II, S. 44 fgg. 
und über die otpatQofAuxia als Vorübung dazu Roulez a. a. O. S. 19. 

25) S. Seneca controv. praef. 1. IV : Cursor es, quod intra exiguum 

Siatium de velocitate eorum judicetur , id saepe in. exereitatione 
ecurrunt, quod semel decursuri sunt in eertamine; und über die 
Länge der Laufbahn Gell. N. A. I. 1 i nam quum fere eonstaret 
eurrieulum stadii, quod est Pisae ad Jovis Olympii, Hereulem 
pedibus suis metatum, idque fecisse longum'pedes sexcentos, cetera 
quoque stadia in terra Graeeia ab aliis postea instituta pedum qui- 
dem esse numero sexeentum, sed tarnen aliquantulum breviora, mit 
Uhert über die Art der Römer und Griechen, die Entfernungen zu 
bestimmen, Weimar 1813, und Krause I, S. 131 fgg. Ob aber für 
uytvfiovq und nuidaq (Krause S. 264) die Laufbahn verhältnissmässig 
▼erkürzt ward, wie Plat. legg. VIII, p. 833 G verlangt? Für die 
eleischen Jungfrauen an den Heraen geschah es um ein Sechstheil, 
Paus. V. 16. 2. 

26) JlavXoq o dVrro* %xtt)v top dQQfiov h rfj noQtiq, to nXr t QG>oa> 
ro otuÖioy xal vnooiQtrpa*, Suid. I, p. 569; vgl. Spanheim ad Callim. 
L. Pall. 23 und Kayser in Wiener Jahrbb. XCV, S. 168.. Auch 
diavXot, Xmttohy Eurip. Electr. 824, und onXrrat f Aristoph. Av. 292 
mit d. Erkl. 

27) So schliesse ich wenigstens aus Plat. Republ. X, p. 613 B: 
oijx °* fd* d***oi ic xai udixo* dqdatv ontQ ol dyofiijq, oüot uv &{o)Oir 
tv ano twv xuvto, ttno cfi tuiv avat f*y" tJ fjikv tzqwtöv o£(tüq dnomj- 
dwa», rtXtvrdrttq d\ xarayfXaoTOi yiyvovrat> rd wt« inl tw* toptov 
?/orrf c xal uoretpuKüTot cenorgf^orrf ? » wa » wohl nur auf Diaulodromcn 
gehn kann. 

28) JoXtxos, s. m. Note* zu Lucian. bist, conscr. p. 197 und 
Wiener Jahrbb. XCV, S. 168. Die Zahl der Umlaufe schwankt 
zwischen sieben, zwölf, und vier und zwanzig, welche leztere Boeckh 
C. Inscr. I, p. 703 für den doXtxoq Xnmoq hält. Dass dieser Lauf 
den übrigen vorausging, zeigt C. I. n. 2214; auch ist bemerkens- 
werth, dass auf den panathenäischen Vasen die doX^/o^gofioi, in ent- 
gegengesezter Richtung mit den andern von der Rechten zur Lin- 
ken laufen; vgl. H. A. Müller Panathenaica p. 85. 

29) 'OnXvta* oder on XnoÖQopo* , vgl. Quatremere de Quincy in 
M. de l'Inst. 1819. A. d. I. IV, p. 165 — 221, wenn auch der be- 
sondere Zweck dieser Abhandlung, den borghesischen Fechter hier- 
her zu ziehen , verfehlt' ist. 

30) 'Anoßuxutj vgl. Boeckh in Ann. deirinst. arch. I, p. 169 fgg. 
und Krause I, S. 570; vielleicht auch der räth seihafte IplTtnioq 
d Q ön°$ bei Plat. legg. VIII, p. 833 B, der jedenfalls Fusslauf ist, 
und den Hermann Opuscc. VI, p. 9 mit dem doXtxoq l'nmoq des 
C. I. n. 1515 identificirt, während Böckh p. 703 ihm nur vier 
Städten beimisst; s. auch Ann. cit. p. 165 und Krause I, S. 349. 

31) Aafimuq oder Xapnaö tjÖQofiiu, vgl. St. A. §. 161, tfot. 3 und 



14t Th. IL C. IL Bit Gebräuche des Cultus. 

mehr im Allg. bei Tan Dale diss. antiqu. iUustr. p* 504, Brondsted 
Reisen U.Untersuchungen II, S.289, Weiske Prometheus S. 538 fgg. 
und Krause I, S. 204, wozu noch Chaleis nach' Stephan! Reise » 
durch einige Gegenden des nördlichen Griechenlands, Lpz. 18 £3. 8, 
S. 17. Kunstvorstellungen bei Müller Archäol. S. 682. 

32) Wenigstens müssen zweierlei entgegengesezte Aufgaben ge- 
trennt werden , mit der brennenden Fackel am Ziele anzukommen, 
und sich ihrer noch brennend an den Hintermann zu entledigen, 
s. Krause S.-370. Die erste beschreibt Paus. I. 30. 2: to dl dyw- 
viOfta opov rat ögofMO yvXuZcu rqv duda tri xuio/iivqv toxi : auf die 
andere aber bezieht sich schon Her, VIII. 98, Plat. Republ. I, 
p. 323 A, Rhetor. ad Herenn. IV. 46, und die zahlreichen Schrift- 
steller, die seit Plat. legg. VI, p. 766 B «Jieses Bild auf den Weclisel 
der Menschengeschlechter, Uebertraguug durch Erbschaft u. dgl. 
anwenden; vgl. Jahn ad Pers. p. 225 fg. 



' §• 3i. 

Gleichwie nun abe* diese Wettspiele in ihrer histo- 
rischen Gestaltung als eine bedeutende Erweiterung der 
ursprünglichen Festgebräuche dastehen , wodurch deren 
Dauer nicht selten über mehre Tage erstreckt und diq 
Einladung zur Theilnahme weit über die eigentliche 
Gemeinde ausgedehnt ward l ) , so fehlte es auch sonst 
nicht an mancherlei Erscheinungen, in welchen theils 
die gottesdienstliche Handlung selbst, theils die damit 
verknüpfte Festfreude die Gränzc des blossen Opfers 
und seiner unmittelbaren Folgen weit überschritt und 
die der Gottheit zu erweisende Ehre zugleich als Gele- 
genheit zur Entfaltung des öffentlichen Reich thums oder 
zur Befriedigung verschiedenartigster Lust benuzte 2 ). 
Schon die grossen Staatsopfer als solche gingen in die- 
sen Gesichtspunct über, wenn: sie sich. nicht auf den 
Bereich eines einzelnen Tempels oder Altars beschränk- 
ten, sondern die ganze Stadt mit festlichem Jubel und 
Opferdüften erfüllten 3 ), Chorreigen auf den Strassen auf- 
führen Hessen 4 ), und die Zahl der Thicre nicht nach 
den Anfoderungen des Cultus , sondern der Bürger be- 
massen, welche damit gespeist werden, sollten 5 ) $ noch 
mehr aber gilt dieses von den Nachtfesten 6 ) , welche 
wahrscheinlich an nachmittägige Ojif er geknüpft im Dienste 
gewisser, namentlich chthoni&cher Gottheiten 7 ) . mit der 



§. 31. Von grösseren Festlichkeiten und Aufzügen. 145 

\ 
ganzen Ausgelassenheit begangen wurden, welche der 

Verein festlicher Aufregung mit den Begünstigungen der 
Finsterniss hervorrief 8 ); und weit entfernt dieser hem- 
mend in den Weg zu treten, sahen manche jener Culte, 
wie namentlich der dionysische, in nächtlicher Schwär- 
merei und Trunkenheit nur eine Verherrlichung ihres 
Gottes in seinen Wirkungen 9 ), die sich auf diesem 
Wege bis zu methodischer Raserei steigern konnte 10 ). 
Ausserdem brachte nicht selten der. Gegenstand oder die 
Oertlichkeit eines Cultus von selbst einen grösseren Auf- 
wand von Raum oder Zeit mit sLdifc; /Gaben und. Opfer, 
die einem entlegenen Tempel dargebracht, Symbole gött- 
licher Wirksamkeit, die öffentlich zur Schau gestellt, 
Verbindungen mehrer Heiligthümcr , die in lebendiger 
Erinnerung erhalten werden sollten/, vypren fast keinem 
griechischen Staate fremd ; und je geeigneter alle diese 
Anlässe zu äusserem Festgepränge waren > desto mehr 
nahmen sie die allgemeine Theilnahme unÜ die Pflege 
des Gemeinwesens selbst in Anspruch* Namentlich ,ge«f 
hören dahin die öffentlichen Aufzuge ^^ die zunächst kei- : 
neswegs als ein blosses Prachtwandeini » befrachtet /wer-, 
den dürfen 11 ), so sehr auch allmäUg. der kriegerische 
Pomp* und der Glanz der BevQlkeruAg', f:; der dabei' tnr 
Schau getragen wurde , . in den . Vor/iergruncf trat P) 5 
ursprünglich war es immer ein bestimmter Gegenstand, 
dem auf solche Art unter festlichen^ Gesängen das *Ge- 
lcit<e gegeben ward 13 ), und ijfebci^ 
als" Zweck solcher Proeessionen irgend 1 etwas zu trafen,, 
was mit der Bedeutung des Gottes ödör seines Festes in 
Beziehung stand * 4 ). DocTi' konnte 1 ps^ben so gut auch, 
ein Bittgang sehr, der Opfer nnfl l^öibg-esohente; nach 
einem Heiligthume brachte ^^.un^., unter di^en «Ge- 
sichts jpunet fUIen dann : vorznjgfsirei&e die • ^ abgesahnten^ 
Theorien , oder Festge^andUch^ft^n lt5 ) (5l in l jwel ch.e^ jjft-J 
s^M^htsverwarodte Orte «bis Andenke» jdev^meiiischaft^» 
liehen Ursprungs durch' " Slitfeier '' atfei* ''S^ammfeste 1 "er- ' 
Dauerten ", una\ die In, späterer '^^' ^^^fi^.^^^'^ 
pflicht auch durch manche sonstige patiti&ckef od«» WMHfe-; 

15. 



146 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

cantillsche Zwecke eine grosse Ausdehnung erhielten 17 ). 
Zunächst schickte allerdings nur der Staat eine Abord- 
nung, um in seinem Namen die schuldigen Opfer dar* 
zubringen, Orakel zu befragen, oder ihn sonst bei dem 
Crotte zu vertreten 18 ); dieser schlössen sich aber auch 
andere Bürger an, um unter sicherem Geleite der eigenen 
Neugierde und Schaulust oder sonstigen Privatzwecken 
zu dienen 19 ) , und so ward doch daraus eine förmliche 
Wallfahrt unter Anführung eines öffentlichen Beamten 
oder Obergesandten, der namentlich auch für ihr wür- 
diges Auftreten am - Orte ihrer Bestimmung zu sorgen 
hatte 20 ). 

1) IJapijyvQUq .Jftl &wrltu 9 Her. VI. 111, Diodor. Sic. V» 4; 
navjjyvQn xal navrodaTiotq uv&QWTtotq tlq &£utqu ZvXXtyojiivöiq , Plat. 
Republ. X, p. «Ö4'ß{ und mehr unten Cap. IV. 

2) Plat. Repub'ti l^tX , 'p. 573 D : ro /mtu xoTto togral ylyvovia* 
7iao' uvToVq xal xv/e&t , xal &uXia* xal halQat xal tu toiuvtu, Tidvvui 
Tgl. Menand. ap. Stob. Serm. CXXI. 7 : navr^yvQtv vo/tioov tiv ilvu* 
Tpv xqovov — o%Xoq, ayoQu 9 xXfmal, xvßtVai, diurgißal^ und den 
metaphorischen Gebrauch des Wortes nuvqyvQixaq bei \Vytt. ad Plut. 
p. 103 : quidquid colluvione multarum variarumque partium eon- 
stillt, item Studium plaeendi et inserviendi eoncionibus popularibus 
et pervulgatis saeduli moribus. 

3) KyiOuv dyvtdq, [-hicht ayvtuq, wie Itarpocr. p. 5 verlangt, son- 
dern nach Bekk. Anejcdd* p. 268 xyXouv nifineiv xal Xmagiav dno tSw 
övcfiüv tlq rdq odovq'i vgl. Etemsterb. ad Luc. Prometh. c. 19 und 
die Erkl. zu' Airiftoph. Hau. 1317, Av. 1230 und Dcmosth. Mid. 

'4) Demosih, JVfid. §.. 5,1 •:. , ■jeuqvxoqovq xkt uyvitlq Iotuvcu olguiüiv 
BqofiLo} %uqiv (Ifiipiyt* ndvtaq , vgl. Müller Dor. II, S. 328, der, 
darauf bereits die homerischen Beinamen mancher Städte ivQv%oQoq 
oder xotXXiyogoq htzieXA y obgleich. Andere «darin nur ein verkürzte« 
Xfitgu erblicken, s. Nitzsch !'.». Odyss. -II., S. 79. 

,-... 5) ^ftjiva dquoTiXrj,^ Plut,. prof. virt: c. 5, auch iondonq (St. A. 
§.161, not. 5) oder' <?7]/uQ'&otv£ui\ vgl. Lucian. Phal. I. 3, Aristaenet. 
Epist. I. 5 mit Bttfsaottäde p. 312 und oben §.8, not. 14. 

6) 'fiatrvvxlfoqi 'lr atqnXfZor'ov offw'xpom «hyy^tWow jr©£*iWwe, 
A|b. XV. J; Jat. w^ifu**: (Plaut. Aulul. IV. 10. 65) oder pervigt^a; 
ob auch zu Rom? vgl. Plut. <ju Rom. 55, Zosim. II. 5, und mehr, 
bei Ldbeck Agl. p; 6frl gegen Böttiger Archäol. d. Malerei S. 205, < 
der sich jedoeh Opvscci p. 44p, jrerth eidigt ^ »auch G. H. Heidtmaju» 
de jkervigilio Venefis, Gryphisw. 1842. «8, p. 7. ' 

7>y Ausser Demeter und Dionysus insbes. Cybele, Her, IV. 76, 
Bendis, 1 Plat'Repu))!. I, p. 32$, Nymphen, Ath. VI. 56, auch Po- 
sciUoft htreh Ptat. sept. sapp. oonv. c. 18 : tyq fhtoiuq ip qßi$*G% 



§. 31. Von grosseren Festlichheiten und /tufzügen. 147 

TQtTt; avvriXto&Horjq Vit avrov xul rfj rtXtvraia TtoLvvvxidoq ovarjq xal 
Xoytiuq too; xut 7iutdtuq «ßos tot aiytaiov x. t. A. 

8) Cicero legg. II. 14: fuii au fem mihi displiceat in nocturnis, 
poetae indicant comici; Tgl. Aelian H. A. VII. 19: vnlg %d fingdxta 
tu Mfvuvdgov h raVQ nawvxiatv dxoXaara 9 mi t Boisson. ad Philostr. 
epist. p. 121 ; auch Aristid. Orat. XL, p. 752, Clem. Alex. Paedag. 
II. 4, p. 163, und mehr bei de Pauw recherches sur les Grecs II, 

p. »to tg S . 

9) Küjfitob xal Tcavvv/Ldtq, Plut. prof. virt. C. 5, ßaxxtia xal %oqoI 
xal navn>xtd*g 9 ders. de curios. c. 3 ; Tgl. Eurip. Helen. 1305 f gg. 
und Plat. legg. VII, p. 815 C mit Eustalh. ad Dionys. Pcrieg. 566, 
und der Schilderung bei Synesius enc. calvit. e. 6 : og ryv Jtovvaov 
Ti&iarcu reXtTj}?, ro /ikv ooov larl rov &idaov daav T(u/2, rfj p\v 
oixtltf, rfj dl dXXorqia xurdxopov ßaxx^xlv Y"Q ovdlv ovrotq <ag q 
vtßgiq (Tgl. §.29, not. 18)' öl dh xal nugd rwv mrvmv xoftaq davrf- 
Uovrui* rovrovq fjikv anavrai tidtv dvuOHOfxhovq t« xal ßgvä^ovraq xul 
iv dxoOfio«; oxiQrrjfiaoiv wq av olpou rfj ftifrff xtxyarTjuhovqi im Allg. 
aber Freret sur le culte de Bacchus, in M. de TA. d. I. XXII I, 
p. 250 fgg. und J. F. Gail recherches sur la nature du culte de 
Bacchus en Grece, Paris 1821. 8, p. 167 fgg., und über den xw/toc 
insbes. Spanheim ad Aristo ph. Plut. 1041, Schwarz de eomissatio- 
nibus Teterum, Altorf. 1744. 4, Thiersch z. Pin dar I, S. 114, 
Welcke* ad Philostr. Imagg. p. 202 — 215. 

10) Vgl. Eurip. Bacchen mit F. G. Schöne de personarum in 
Euripidis Bacchabus habitu scenieo, Lips. 1831. 8, und mehr bei 
Jahn Pentheus und die Mänaden, Kiel 1841. 4; insbes. die x i f* ai ~ 
Qofpovoq bei Callistr. Stat. C. 2, und über die upopayla* (Eurip. 
Bacch. 145, Plut. def. orac. c 14, Hesych. s. v. aiyitnv) Lobeck 
Agl. p. 653, Constant de la religion V, p. 37, Hildebrand ad Arnob. 
V. 19, Preller in Paulys Realencykl. II, S. 1067. 

11) Wie es Wachsmuth H.A. II, S. 561 voranstellt, obgleich 
schon der Name no^nrj von ntfineiv nothwendig auf ein Geleite hin* 
weist; Tgl. Aesch. Eumen. 12 und mehr bei Spanheim ad Callim. 
H. Del. "279 und Jacob ad Luc. Alex. p. 102. Daher nf/innv ßovq 
Isoer. Areop. §.29, wie fxr^Xojv xviQÖtaou nopn.d Pind. Olymp. VII, 
80 u. s. w. 

12) S. Plat. Republ. I, p. 328, Lysias c. Agorat. §.80, Xenoph. 
Hipparch. c. 2 fgg., und mehr unten Cap. IV bei den Panathenäen. 

13) Dahin namentlich die TtQoqodia oder nach späterer falscher 
Schreibart (Etym. M. p. 690 und 777) ngogüdia, inetddv jiQoqlaöi, rote 
ßtüfioVq rj vaotq xal Iv r& TtQoqihui fjöero ngoq avX6v 9 Proclns ap. 
Phot. p. 320, womit Ath. XIV. 30 noch dnooroXixd und nag&hta 
verbindet; Tgl. Cramer Aneedd. Oxon. IV, p. 314: noiqput wo 
uQQha>v tj nag&ivtov x°Q°v & *fi nQoqödoj rfj nqoq rov &fov ddofttvov' 
plprree» dl hr rovrw tw ykvti xal to dnojQinnxov y iarl dl noirjua 
danattrixov xard rov dno twv &mv x (t) Q i °t l0V ddo/ttvov: und mehr bei 
Böckh expl. Pind. p. 587, Franke ad Hom. hymnos p. xix, Bode 
hell. Dichtk. II. 1, S. 313. 

14) J(vdQog>o(jidb rt xal x ?* 7 ** für Dionysus, Tgl. Strabo X, 
p. 717, Artemid. Oneirocr. II. 37, und J. Rabanis recherches sur 
les dendrophores , Bordeaux 1841. 8, p. 26; für denselben <puXXo t 
yogta*, mit entsprechenden Liedern, s. Ath. XIV. 16; und oben §.29- 



148 Th. IL C. IL Die Gebräuche des Cuttus. 

not. 18; eben so für Apoll du<pvrj(poQtxu, Proclus a.a.O. vnd Jo. 
Lydus de ostentis p. 118 mit Böckh ad €. Inscr. I, p. 777, «Vj-o- 
yogixu u. s.w., nm der mit orientalischer Pracht vermischten Fest- 
zuge des Ptolemäus bei Ath. V. 27 fgg. (vgl. Mango verm. Sehr. II, 
S. 336 fgg.) und Antiochus bei Polyb. XXXI. 3 nicht zu gedenken. 

15) Plat. legg. VII, p. 796 C: nda* &toVq nopmaq xal ngoqodov/q 
noiovfihovq . . . &arrovq %t xal ßqadvrigaq iv oQxrjoiöt, xal h npgütt 
%dq Ixireiaq Tioiovjuhovq nqoq &tovq rt xal &cötv natdaqi vgl. Schol. 
Pind. Pyth. V. 121 : nofinaVq ydg xal &voiatq IXuoxonai ro dutfioviov, 
und die Beschreibung eines solchen Festzugs bei Xenophon Kphes. 

I. 2 : yytro di rijq *Agrf/ndoq ^Tti/üJQioq ioQTfj dno rrjq noXttaq inl to 
Uq'ov . . . S'tff* d\ nofintvdv ndoaq rdq iTUxiöqiovq nag&ivovq xtdoajAi]- 
phaq noXvxtX&q xal rovq lq>rjßovq x.t, X. 

16) Harpocr. p. 146: &to>gol Xkyovxah ov povov ol &taral t uXXd 
xal ol tiq &tovq nffiTiofiivot ' xal oXwq rovq tu &tjkt g>vXdrrovxaq j/ 
tw> &(i(t)v qtQovTl^ovTuq Qintoq lovoftu&v' wgijv ydg iXfyov ryv ygovridu: 
welche Etymologie jedenfalls besser ist als die bei Pollux Onom, 

II. 55 dno rov TiQoq &tov ogovuv 7} oq/xav y oJtvfw, so sehr sich 
auch der engere Sprachgebrauch auf lezteren Begriff beschrankt.: 
▼gl. Schol. Aristoph. Pac. 342: &caiQovs dh ixdXovv rovq dno twv 
noXeoMf dqpooia ixnfimopUvovq avv&vaovraq xal. pvftaavyyvgioovruq, und 
mehr bei Valck. ad Ammon. p. 92 fgg. 

17) S. van Dale diss. antiqu. ülustr. p. 468, Spanheim adCallim. 
H. Del. 314, Ducker ad Thucyd. V. 15, J. Boysen de veteruni 
legationibus theoricis, Slesvici 1827. 4, und insbes. M. H. E. Meier 
in dem Hallischen Gratulationsprogramme zum Göttinger Jubiläum 
1837. 4, der übrigens- p. vi fgg. das Wort selbst vielmehr von 
&iuo&ui ableitet. 

18) Lcgationes cum victimis, Liv. XLV. 32; vgl. Plut. V. Demetr. 
c. 11« xa&dntg ol TIv&6V xal 'OXv/wiiafc tuq narglovq &volaq vnlg 
vwv noXetav dndyovrtq h rulq 'EXXt/vixaZq hgxaTq, und Hesych. I, 
p. 1708: &£WQixovq di IxaXovv rovq rolq &(olq rdq dnagxdq dndyovxaq, 

19) Max. Tyr. XLI. 2: roüq ß-ttagovq exfhovq rovq xotvovq rovq 
vrikg rov yhovq inl rd pamVa oruXivraq: vgl. Soph. Oed. Tyr. 113, 
Col. 413 u.8. w. 

20) Koivofvovpnq &vatG>it rt xal dyojv&v rotq &iotq, Plat. legg. 
XII, p. 950 E; vgl. Wachsmuth H.A. II, S. 617: «ihr Beruf war 
nicht ein Fest mitzubesorgen , sondern an dem Genüsse desselben 
Theil zu nehmen und im Namen ihres Staats gegenwärtig dasselbe 
zu ehren." 

21) Ammon. diff. voce. p. 69: dio xal rovq rwp &ea/iur(av evtxu 
ittftno/ibovq , avv &voiaiq dh xal tvatßtia., ndmaq ixdXow &i(ogouq: 
▼gl. Xenoph. Hier. I. 11 und Dio Chrysost. XX VH, p. 287: dyixvovvTu* 
dt xal TiQoq rdq navyyvQtiq ol fuv larogiaq mxtr, r&v re aXXtup &ta- 
fidrw xal rüv dyatvatv ... noXXoi dl uvta xo/*i£ovTtq navrodand, dyo^ 
gatoq oxXoq, ol di ruftq eavrSv imdntoptvo*. rix^aq xal dq/uovgyiaq 
*. t. X. mit St. A. §.10, not. 9. Bisweilen sogar navdtjpti jhtu 
yvvaixGtv xal naidav, Thuc. III. 104, Plut. qu. Gr* 55 u. 8. w. 

22) *AqxiS-(»öo\, 8. Dem. Mid. §.115, G. I. n.2270, und mehr bei 
Böckh Staatsh. I, S. 230, auch Valckenaer bei Sluiter leett. Andoc. 
p. 231, namentlich über die nopntta oder.Gelräthschaiten, welche der 
Staat zu diesen und ähnlichen Gelegenheiten. lieferte, und für deren 



§. 32. Von den Mysterien. 149 

Aufbewahrung iu Athen ein eigenes nofintVo* bestand; Tgl. Meurs. 
lectt. Att. IL 15 und über das Gebäude Paus. I. 2. 4 mit Forch- 
Lämmer in Kieler philol. Stud. S. 303. 



§• 32. 
So gross inzwischen auch die OeffenÜichkeit war, 
welche sich der griechische Götterdienst in diesen und 
ähnlichen Veranstaltungen gab, so hielt doch auch die 
geschichtliche Zeit noch in einzelnen Culten das alte 
Princip der Isolirüng und Absehliessung gegen Aussen 
wenigstens so weit fest, dass sie den Zutritt und die 
Theilnahme an manchen der ältesten und heiligsten Fest- 
gebräuche 2 ) zu einer Sache persönlicher Befugniss oder 
Begünstigung machte, deren Missbrauch durch Verrath 
mit schweren Strafen bedroht war 2 ); und insofern sich 
zu diesem Ende solche Culte selbst in das Dunkel des 
Geheimnisses zurückzogen, wurden sie jenen öffentlichen 
Handlungen gegenüber als Mysterien bezeichnet 3 ), ohne 
jedoch darum weder dem Gesammtgepräge der griechi- 
schen Gottes Verehrung untreu zu werden, noch aber im 
Einzelnen, die mit diesem Gepräge eng verbundene Be- 
sonderheit zu verlieren, die uns auch hier warnen muss, 
aus den Zwecken und Einrichtungen des einen oder an- 
dern ein phantastisches Gesammtbild für alle zu ent- 
werfen 4 ). Nicht einmal das Merkmal lässt sich ohne 
Ausnahme aufstellen, dass sie alle dem Kreise chthoni- 
scher Gottheiten angehörten 5 ), indem sich fast keine 
griechische Religion findet, die nicht hin und wieder 
einen Geheimcult gehabt hätte 6 ); aber auch jene, wel- 
chen diese Art von Verehrung vorzugsweise eigen war, 
unterschieden sich wieder, je nachdem ihre Mysterien, 
wie die eleusinischen oder samothracischen , an einen 
bestimmten Ort gebunden oder, wie die bacchisch-orphi- 
sehen, lediglich an die Personen ihrer Theilhaber ge- 
knüpft waren, wobei es sich nicht vermeiden liess, dass 
leztere ihrer ursprünglichen Gestalt und Ueberlieferung 
immer mehr entfremdet und abergläubischen Entstellun- 
gen und Missbräuchen preisgegeben wurden 7 ), während 



150 Th. IL C. IL Die Gebrauche des Cultus. 

erstere dagegen dem frühesten Charakter griechischer 
Religion näher geblieben zu seyn scheinen, als dieses 
selbst dem öffentlichen Cultus unter dem Einflüsse der 
fortschreitenden Bildung möglich war 8 ). Nur so viel 
hatten die chthonischen Mysterien der besonderen Sym- 
bolik ihrer Gottheiten gemäss voraus, dass sie nicht 
bloss , wie andere , die fromme Neugierde befriedigten, 
sondern auch einerseits ihre Theilnahme von einer Rein- 
heit und Entsündigung abhängig machten, die als eine 
Weihe des Lebens zu höherer Sittlichkeit gelten konn- 
te 9 ) , und dafür andererseits ihren Eingcweiheten nam- 
hafte Yortheile, insbesondere für den Zustand nach dem 
Tode versprachen 10 ); weit entfernt jedoch damit ein 
tieferes Yerständniss oder eine reinere Auffassung der 
gottesdienstlichen Mythen oder Gebräuche zu verbin- 
den 11 ), wird auch ihr Geheimniss, wie aller übrigen, 
vielmehr in die eigentümliche örtliche Färbung zu setzen 
seyn , welche jene Gebräuche und Mythen bei ihnen 
bewahrt hatten und dadurch zumal von der dichterischen 
Mythologie des Volksglaubens wesentlich abwichen 12 ). 
An vielen Orten verschwieg man sogar nur den Mythus, 
ohne die darauf bezüglichen Gebräuche oder Bilder der 
Oeffentlichkeit zu entziehen 13 )$ um so weniger werden 
wir daher auch da, wo beides geheim ist, der mysti- 
schen Weihe einen höheren Gegenstand unterlegen dür- 
fen, als worauf der Name ihres obersten Grades von 
selbst deutet 14 ) , das Anschauen der Cerimonien , durch 
welche, wie oben bereits erwähnt, die mythische Bedeu- 
tung des Festes versinnlicht ward 15 ) , die aber gerade 
in den ältesten Cultusformen zu häufig mit den Begriffen 
und Ansprüchen späterer Gesittung in Contrast treten 
mochten , um sie zum Gemeingutc zu machen 16 ) $ und 
nehmen wir dazu, dass die ursprünglichen Träger dieser 
Mysterien bestimmte Familien oder Ortsgemeinden sind, 
die schon als solche gegen Aussen geschlossen dastan- 
den, so fällt diese Erscheinung im Wesentlichen ganz 
mit den Sonderfesten zusammen, welche theils das männ- 
liche, theils noch häufiger das weibliche Geschlecht eines 



§. 38. Von den Mysterien. 151 

Ortes allein beging 17 ) , und wobei es gleichfalls niebt 
an uralten Gebräuchen fehlte, die dem profanen Auge 
anstössig seyn konnten 18 ). Der einzige Unterschied 
besteht darin, dass manche jener Mysterien, namentlich 
die eleusinischen 19 ), gleich den grossen 'Nationalspielen 
durch den Zudrang fremder Bewerber allmälig eine all- 
gemeine Bedeutung für ganz Griechenland gewannen 20 )$ 
inzwischen behielt auch so die Weihe fortwährend Form 
und Gepräge der Aufnahme in eine Geschlechtsgemein- 
de 21 ), die durch einen Einfuhrer symbolisch vermittelt 
ward 22 ) , und der Eingeweihete fühlte sich als Glied 
einer durch positive Kenntniss und Mitwissen des Ge- 
sehenen und Gehörten verbundenen Gemeinschaft 23 ), 
ohne dass jedoch dieses Wissen und der darauf bezüg- 
liche Unterricht über die gottesdienstlichen Formen des 
jedesmaligen Cultus und den Inhalt seiner Mythen hinaus- 
gegangen wäre 24 ). 



1) TlXij (Valck. ad Eurip. Hippol. 25) oder gewöhnlicher TfXfTui, 
wie sie Plutarch V. Thcs. c. 25 der &ia und dem navqyvQ*a/iog ent- 
gegensezt; Tgl. Etym. M. p. 751 : reXirij &vala fivaTTjQimdr^' 6 fö 
Jlgog o Gijßaioq Xiyit, ort ifXtvdg xuXovat rag Inl' fiiifavg mal fitxu 
Tivoq 'pvoxiKtjq naQodoatmq fogrdg, wenn gleich die Erklärung, welche 
auch Ath. II. 12 aus derselben Quelle hat: r&v tlg uvrdg danav7]~ 
fiUTüJ* i'vtxa* xtltlv yug yetjutv to dmtayav > schwerlich die richtige 
seyn dürfte. Dass freilich der Begriff des Geheimnisses nicht we- 
sentlich damit verbunden ist, zeigt Aristoph. Ran. 370, wo selbst 
die dramatischen Auffuhrungen in Athen nargto* reXtrul JtQvvaov 
heissen, und die Unterscheidung bei Diod. Sic. V. 49 1 «r« h\y xaru 
pigog Ttjq TfXtrfjq h dnoQQTjuotq TtXovfitva fiovotq naQadLdoziu, %oYg 
fwq&iZon da man jedoch nicht bloss teXtVv opyia u. dgl. sagt, son- 
dern die Theilhaber selbst rtfav/Atvo* und TitfXtophfo* genannt wer- 
den, so wird man wohl an eine gottesdienstliche Steuer oder Lei- 
stung zu denken haben , wozu sich der Einzuweihende als Diener 
der Gottheit selbst hingeben konnte und dadurch allerdings jene 
höhere Weihe oder Vollendung erhielt, welche die Bedeutung des 
Wortstamms wenigstens der späteren Philosophie gleichfalls darin 
zu finden erlaubte. X^vamnog de 970*, fahrt Et ym. M. fort, rot'? 
nt qI t(Sv &tltav Xoyovg hxqtox; xaXtlo&ai reXfTag * XQijvai ydg tovrovg 
TtXtvraiqvg xul inl tzuol dtdaoxfo&a* f TT/g t yv/ijg ixovarjg h'gfia xal 
xfxQaiqfihtjg xttl TiQog toi'? dfAVTjTovg OMunüv dvvaiAtvrjg* fifya yuQ eSvtu 
to u&Xoy vtiIq &(öjv dxovOui rt oq&u xul fyxQurcVq ytvio&ai uvzmv: 
vgl. schon Plato Phaedr. p. 249 C : ttXiovg dtl riXtxdg rtXov/itvog 
viltoq ovrojg fiovog yiyvfrut, und Plutarch Isid. et Osir. c. 78: olov 
h ttXtTJj riXog l'xtw vdoooyiag vof*t^ovat 9 auch Stoic. repugn. c. 9, 
Stob. Serm, CXX. 28, p. 466 u. s. w. 



152 Th. II. C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

2) Limburg-Brouwer VI, p. 310 fgg. Desshalb auch ägvyrtt 
oder unoQQTjru, Wytt. ad Plat. Phaed. p. 134 fgg. 

3) Suidas II,. p. 592: pvÖTygta TtXiTai* txX^&rj tuzqu to rovq 
dxovovrag pvnv Kai f*ydu>l ruvra ifyytto&af pvuv i\ iati xo xXrtttv 
to oro/tff» woher dann das causative /uvtlv, einweihen. Tgl. Casaub. 
exerc. Baron, p. 390 fgg. und Strabo X, p. 717: y rt xQvyiq ?; 
fivortKTJ tüv Uq&v of/ivonauV to &(Vov , (iipovti&q tj}w yvotv uvtov 
iwpivyovaav ttJv ^uidOirjatv, 

4), Wie dieses namentlich Ton Warburton , the divine legation 
of Moses, in s. Works, London 1788. 4, T. I, p. 2)23, auch wenn 
gleich ift anderem Sinne von Dupuis origine de tous les cultes, 
JParig 1795. 4, T. II, P, 2, p. 122 veranlasst ist und trotz de* ge- 
rechten ' Widerspruchs , den bereits Meiners verm. philos. Sehr. 
III, S. 167 und Co mm. Soc. Gott. XVI, p. 2Ö6 dagegen erhoben 
hat , fortwährend namentlich in Beziehung auf die Eleusinien ge- 
schieht; Tgl. auch A. Starck über die alten und neuen Mysterien, 
Berlin 1782. 8, F. V. L. Plessing Memnonium oder Versuche zur 
Enthüllung der Geheimnisse des Alterthums , Lpz. 1787. 8, B. II, 
S. 91 fgg.., P.E. Müller de hierarchia et studüs vitae asceticae in 
sacris et mysteriis Graecorum Komanorunnjue latentibus, Hafn. 
18*03. 8; B. Cottstant de In religion T. V, p. 1 — 100; S. Ouwaroff 
essai sur les mysteres d'Eleusis, Paris 1816. 8 und in dess. Etudes 
de philologie et de critique, Paris 1845. 8, p. 102 fgg. Am ge- 
diegensten und vielseitigsten, wenn gleich nicht mit übereinstimmen* 
dem Glücke, ist der Gegenstand im vorigen Jahrhundert von Meiners 
a.a.O. und Ste-Croix histoire de la religion secrete des anciens 
euples, Paris 1774. 8 und recherches sur les mysteres du paganisme 
784. 8, auch übers, von Lenz, Gotha 1790. 8 und in zweiter Auf- 
lage herausg. von Silvestre de Sacy, Paris 1817. 8, im gegenwärti- 
gen ton Chr. A. .Lobeck Aglaophamus sive de theologiae • mysticae 
Graecorum causis, Regiom. 1829. 8 und Limburg - Brouwer T. VI, 
p. 180 — 415 behandelt, wozu neuerdings noch eine lesenswerthe 
Abhandlung von W. F. Palmblad in Jahns Archiv 1845, B. XI, 
S. 255 — 316 kommt; dagegen ist vor CG. Eissner, die Pelasger 
Und ihre Mysterien, Lpz. 1825. 8 nur unbedingt zu warnen. 

5)" Wie namentlich O. Müller wiederholt annimmt; vgl. Prolegg. 
S. 253 und griech. Liter. Gesch. I, S. 416: "diese Gottheiten bil* 
den einen besonderen Kreis, getrennt -von dem der olympischen 
. . . und der Dienst dieser Götter ist es, an den die Mysterien der 
Griechen sich allein anschlössen"; auch Echermann Relig. Gesch. 
I, S. 248 und über jene Gottheiten selbst oben §. 6, not. 9. - * 

• 6) So Jioq 'Idaiov ftvozyq bei' Eurip. ap. Porph. abstin.. ^V- 19; 
vgl: Ath. IX. 18 und Böttiger Kunstmythol. II, S. 9* .Mysterien 
#er argivischen Hera Paus. II. 38.2: ovrog fisv . iq oyioiv ix TfJUriJ?, 
jjv uyovQi rn "Hga, Xoyoq twv utioqqtjtcoy iari: der Hekate in Acgina 
bei dems. ll. 30. 1, der Artemis VIII. 23. 3, der Chariten IX. 35. 1 : 
reXerqv tiyovaiv ilq rovq noXXovq utzoqqjjtov: der Aglauros in Attika, 
Athenag. pro Christ, c. 1, und mehr bei Lobeck Agl. p. 90; nur 
nicht des Eros zu Thespiä, wie Böttiger Kunstmyth. II, S. 407 fgg. 
und Creuzer Symb. IV, S. 161 aus Missverständniss metaphorischer 
Ausdrücke lehren; Tgl. Ann. dell' Inst. arch. 1841, p. 207. 

7) Fälschungen auf Orpheus und Musäus Namen durch Ono- 
makritus u. A. nach Herod. VII. 6, Paus. I. 22. 7, VIII. 37. 5, 



X 



§.32. Fon dtti Mysterien. , 153 

Giern. Alex. Stromatt. I, p. 332, «ad mehr bei Eschenbach Epigenes 
». de poesi Qrphica, Norimb. 1702. 4, .fiode de Orpbeo poetarum 
graecornm antiquissimo , Gott« 1824. 4, Lobeck Agl, p^331 fgg., 
Vbki bell. Dichtk. I, S. 480 fgg., C EichboflF de Onemacrito 
Ataeaiensi, Elfeesf* 1840. 4. Daraus Orpheotelesten; vgl. Plat. 
Hepubl. II , p» 364 £ : ßißXav dt opadov nwqkx<x*Tin, , MovoaUtv xul 
*Qfi<pi(aq r StkTjvijq xwd Movoätv > tyytnuov, wg g>aoi>, xafr* aq &vijnoXavai % 
lUb&ovrts cm ftovov "1 Wimraq , vLXJLa xcti 7U>Xuq ta.q uga, Xvoetq « xul 
xa&aQt*oi ddiATfuuxbiv d*« &v<nw* xal nmäiuq ydov&v tlol fiiv m frtior«, 
citri dfc "*ff* TelsvzTJtmetv y uq diy irtJU?«? xaAoi/ö*v, a? twv ixti xaxuiv 
uTtolvQvat». yiwiq, Und aus diesen Privat weihen , verbunden mit der 
oben §.29 und 31 geschilderten Ausgelassenheit des Dionysoscultus 
überhaupt jene bacckischen Orgien, die' im J. 166 a, Chr. das 
römische SC tum de Bacchanalibus veranlassten; s. Endlicher Catal. 
codd. bibl. Palat. 1836 mit I^iv. XXXIX. 9 fgg. nnd mehr bei 
Com. Tan Bynkershoek de cuHu religionis pcregrinae, L. B. 1729. 4, 
Fr er et in M. de l'A. d. I. XXlII, p. 251 , Heyne de sacris cum 
furore peractis in Comm. Soc. Gott. VIII, p. 21 , Ste-Croix und 
Silv. de Sacy II, p. 51—71, Böttiger Arcbäol. d. Malerei S. 206, 
Creuzer Symb. IV, S. 107, Lobeck Agl. p. 311 fgg. 625 fgg. u.s.w. 
• ■' • • »*v 

8) Euseb. praep. evang. III. 1 i ort rj nuXauz q>vatoXoyia xul nag 
"EXXrjat xul naqd ßu^ßagoiq Xoyoq jjv yvotxog iyxtxaXvftpivuq pv&oiq . . . 
drjXor fort* Iv rotq 'OgytxoTq tntai mal roTq AlyvnxMxoXq xul 0ovyloiq 
Xoyotq , pahova de ol nsgl tuq rtketdq oQyutOfiol xal tu dowfttva 
av/ißoXtxoiq h ruVg Ugovgylatq tjjv twv naXcuw inyadvti, diuvotav , was 
richtig verstanden und angewendet keineswegs so verkehrt ist, wie 
es Lobeck und Limburg - Brouwer wollen, sobald man nur nicht 
die natursymbolische Sprache des ältesten Cultus mit ihrer späteren 
allegorischen Auslegung verwechselt und den Mysterien diese statt 
jener zuweist. Denn hierüber schreibt lezterer ganz richtig T. VI, 
p. 225: les Symbole s ne sont donc pas institues pour donner des 
lecons , mais pour satisfaire a un besoin , et justement parcequon 
navoit pas de lecons a donner, on täeha de corriger ce defaut par 
des ceremonies et par des aetions propres a eblouir les yeux; darin 
liegt aber noch gar kein Grund , wie derselbe hier nnd in seiner 
Överzigt van de gescuiedenis der allegorische uitlegging van de 
grieksche mytuologie, Amsterdam 1843. 8 wiederholt gethan hat, 
derjenigen zu spotten, die jene Sprache des frühesten Bedürfnisses 
auf ihren . wahren Inhalt zurückzuführen gesucht haben! Uebrigcns 
nimmt er, selbst p. 184 und 201 wenigstens das höhe Alter der 
mystischen Culte gegen Voss und Lobeck in Schutz : il se peut qua 
Vedifiee nexistoit pas encore; ,le t plan en etoit concu, les fonde- 
mens en ctoient jetes, und nähert sich in sofern doch wieder Heeren 
Ideen III. 1, S. 76, Creuzer Symb. III, S. 65, Constant V, p. 23, 
die mit Recht in den Mysterien Reste der ältesten Ueberlieferungen 
suchen, obgleich sie dabei nicht immer wieder an Einführung der- 
selben aus der Fremde und am Wenigsten ans Aegypten denken 
sollten. 

9) Vgl«, oben §. 23 nnd über die xu&aonol der Mysterien insbes. 
Theon. Smyrn. Arithm. p. 18: ovti yag Tmaai voZq ßovXofiho^q pt- 
rovoUt ftvoTtjoUnf ioviv, cuU' tlalv pvq avzüiv HQyto&at 7iQoayoQti>(Tui t 
cloy rovq x il Q a< i /*7 w&aodq xui vütvqv uivvtxov t^ovraq* xal uvrouq 
de rovq ftr) tigyoftbovq dvuyxrj xa&odjfAOV rwoq. ngottgoy xvx,tfvi auch 



154 Th. //. C. IL Die Gebräuche des Cultus. 

Aman. diu. Bpict. III. 21. 14 und Prodi» ad Plat. Cvatyl. §. 175 
mit Constant V, p. 27 und Cremer IV, S. 156. Selbst Sünden- 
bckenatniss scheint hin und wieder verlangt worden zu seyn, Tgl. 
Plnt. apophth. Laec. p. 217 D und 229 D ; aber auch akgesehn 
davon musste der Wonach, die erworbene Reinheit und Gemein- 
schaft mit der Gottheit nicht wieder zu verscherzen, eine Aufmerk- 
samkeit des Menschen auf sein sittliches Verhalten erzeugen, die 
dem lezteren nur förderlich seyn konnte ; vgl. Diodor. Sic. V. 48 : 
ytvia&aC pat/i xal tvaeßwrigwq xal dixatorigov^ xal xaru nav ßtXviovaq 
tavrmv rot)? twv pvortjQi&v xotrurrjoarTaq , und Juven. XV. 140: 
bonus et free dignus areana , qualem Cereris vult este sacerdos. 

10) Auch leiblichen Schutz und Segen, namentlich in den sa- 
mothracischen Mysterien , vgl. Schol. Aristid. Panath. p. 324 : UgoVq 
yaq Xeyn xolq pvöttjqLok; , otg fivoi'fitvot ovdinort bavdyow, und mehr 
bei Limburg- Brouwer VI, p. 321 fgg. ; während schon die Sym- 
bolik der eleusinischen (Welcher in Zeitschr. f. Ausleg. d. alten 
Kunst S. 19 fgg.) und bacchischen (Hoeck Kreta III, S. 205) Culte sich " 
mehr auf das künftige Leben bezog. Daher die Seligkeit der Gin- 
ge weih eten : Plat. Phaed. p. 69 C : ort og ar dfivrjToq xal «T&fOTo? 
tiq Äidov aplx^rat, iv ßoqßoqat xtiatrai (Wytt. ad Plut. S. N. V. 
p. 137), o dh ntxa&aQphoq xal rertXtafiivog IxitOe d^xofitrog fitrd 
Otwv olxjjoti : Tgl. Sophokles bei Plut. aud. poet. c. 4 mit Spanheim 
ad Aristoph. Ran. 458 und den anderen Stellen bei Schnitze loci 
poetarum graecorum dramaticorum, qui de mysteriis agunt, collect! 
et illustrati, Hai. 1816. 4, auch Isoer. Paneg. §. 28, Diodor. exe. 
Vat. p. 8, G. 1. n. 956, Ath. XIV. 34, Diog. L. VI. 4, und die 
entgegengesezten Strafen bei Plat. legg. IX, p. 870 D, aber freilich 
eben auch nur für die d/ivtyvoi, ol xev t*rj &voltjOt Ttov fthoq IXaoxwy- 
t«*, tvayiox; fQÜorrtg, Homer. H. Gerer. 369 mit den trefflichen 
Erörterungen dieses ganzen Puncts bei Preller Demeter S. 234 fgg, 

11) Namentlich keinen Monotheismus, wie ihn Warburton, 
Meiners, Constant, Ouwaroff wenigstens für die grossen eleusini- 
schen Weihen annehmen, wogegen jedoch schon Ste-Croix, dann 
Wegscheider (de Graecorum mysteriis religioni non obtrudendis, 
Gott. 1805. 8, namentlich gegen Schelling Philosophie und Religion 
Tübingen 1804. 8, S. 75 fgg.), und insbesondere jezt Lobeck und 
Limburg -Brouwer VI, p. 265 fgg. 302 fgg. 364 fgg. das Nöthige 
bemerkt haben. Aber freilich auch wieder keine Trivialitäten, wie 
z.B. Paulus Beitr. z. Kirchen- und Relig. Gesch. Bremen 1830. 8, 
S. 59: "ich gestehe, den anfänglichen Zweck aller solcher mit 
dem Prieslerwesen befreundeten geschlossenen Gesellschaften nur 
darin zu finden, dass Klügere den Getreidebau, die Obst- und 
Weincultur u. s. w. als einen Gottesdienst an Auserwählte lehrten"! 

12) In soweit stimme ich selbst mit Lobeck p. 133 überein i si 
quid igitur certum testatumque diei potest, est profecto hoc, mysti- 
corum sacrorum haud diversum fuisse a publicis argumentum, deo- 
rum ortus, incrementa, amores , iras, et cetera fabularis historiae 
complementa ; nur soll man darum, weil in den mystischen S-toXoyov- 
fiivoiq kein höherer Inhalt lag, nicht -verkennen, dass es immerhin 
ein anderer seyn konnte, der gerade in seiner rohen Natursymbolik 
bedeutungsvollere Sagen darbot und durch seine Abweichungen von 
der Volksmythologie schon von selbst den denkenden Mann, auch 
ohne directe Absicht oder Zuthun des Cultus und seiner Träger, 



§. 32. Von den Mysterien. 155 

über jene hinan« und zu den Theokrasien fuhren musste, welchen 
Lobeck p. 78 fgg. vergebens den Zusammenhang mit den Mysterien 
abspricht. Selbst wenn die Angabe bei Aristot. eth. Wie. III. % 
nnd seinem Erklärer Eastratius , dass Aesehylus in mehren Dramen 
itiQl JypytQoq Xtywv twv f*vor*xw*iqwv ntgugyotiQov unrtTtu, nicht 
mit Grenzer Symb. IV, S. 392 auf die von Her. II. 156 erwähnte 
Umprägung der Artemis zur Tochter der Demeter zu beziehen wäre, 
sehen wir aus Beispielen, wie Pluf. qu. symp. IV. 6 und Paus« 

I. 29. 2 oder VIII. 25. 5, dass Varro bei August, civ. dei IV. 31 
nicht mit Unrecht den Mysterien Lehren zusehreibt, deren Wahr- 
heit Torausgesezt die Volksmythologie nicht gleich wahr seyn konnte; 
und so gern ich einräume, dass dieses nur Schlüsse waren, auos 
sacrorum spectatores ex suo quUque sensu faeiebant — wesshalb 
auch Limburg -Brouwer VI, S. 236 ganz Recht hat, dass die mysti- 
schen Lehren selbst verchiedenen Peutungen unterlagen — so musste 
doch zu solchen Schlüssen , wie sie thatsächlich daraus gezogen 
worden sind, ein Stoff vorhanden seyn, den die blosse Ueberein- 
stimmung mit den Volksglauben nicht darbot; Tgl. Palmblad S. 284. 
Sehr bezeichnend ist für den Inhalt der Mysterien auch was Diodor 
V. 77 von den Kretern, die bekanntlich selbst ein Grab des Zeus 
zeigteu, sagt, dass sie ihre teXttdq öffentlich vornähmen, xal t« 
naQu toVq äXXoiq iv dnoQQjjtw naqudtdoptva iiuq* avtolq firjdiva xQvmtiv 
twv ßovXofiivwv t« Totavra ytyvwoxii*: kamen also ähnliche grobe 
Anthropomorphismen , wie sie selbst die Dichtermythplogie bereits 
abgestreift hatte, noch in den Mysterien vor, so war es kein Wun- 
der, wenn diese im Laufe der. Zeit dieselben Wirkungen übten, 
wie sie die kretischen Sagen bei Euhemerus hervorgebracht hatten. 

13) Td Xtylptva inl toVq dqwfiivoiq, Paus. II. 37. 3 u. III. 22. 2, 
was allerdings auch allbekannt seyn konnte, wie die Erklärung 
der JaldaXa in Platää bei dems. IX. 3, mitunter aber als Uqoq 
Xayoq nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgetheilt ward, 
vgl. Her. II. 81 und mehr bei Limburg- Brou wer VI, p. 193 und 
Lobeck p. 148, der nur nicht auch an reflectirende Deutungen den- 
ken sollte , wo es genügt Mythen zur Erklärung der Gebräuche 
vorauszusetzen, z.B. Plut. qu. Gr. 12: tijq de 'Hqoiidoq tu nXelata 
fivoTixov l'xf* Xoyov, ov Vouotv ol Ovtudeq, ix de twv dQM/tevwv qtavtQwq 
Sffiiktjq av nq ävuywyqv elxdoeie, und ähnlich bei Bildern, Paus. 

II. 3: ^a^xoi/c xuO-ijfAivöq eativ 'EQurjq, nugiotrixe de ol xgioq ... tov 
de h jtXtrjj ftijTQoq inl *Eqhjj Xeyoftevov xal tw xqio* Xoyov (TitOTu- 
fttvoq ov Xeyon II. 13. 3; 17. 4 u. 8. w. 

14) TeXoq teXetijq inonTtUt, Plut. qu. symp. VIII. 2. 1; vgl. Clem. 
Alex. Stromatt. V, p. 582: ovx dnetkotwq itQa xal twv fivotyQimv twv 
naq 'EXXyvwv (ig/o, pev td xa&aQOia f xa&dneq xal totq ßuQßdqotq ro 
XovtgoV fitxu tavta d' fori td fiixgd /tvatyQux 9 dtxaoxaXiaq tt/vd 
VTio&eoiv *xovta xal HQonaQaoxevijq twv peXXovtwV td 6h ptydXa neyl 
twv avfiTiavtwv ov ftav&uveiv l'ti vjioXtinetai 9 inonTevetv dh xal neg*- 
voetv tyv T€ tpvoiv xal td ngay/tatai und mehr bei den Erkl. zu 
Plat. Phaedr. p. 250 und Symp. p. 210. 

15) Plut. pro f. virt. c. 10: aic yuQ ol teXovpevo* xat ug^dq Iv 
&ogvßw xal ßofj nqoq äXXrjXovq wd-ovpevot avvluot, dqwp&wv dt xal 
deixvvpevwv twv Uqüjv nqoqlxovoiv tjdtj fittd qtoßov xal oiwnrjq , vgl. 
dens. de Isid. et Osir. c. 25, Dio Chrysost. XII, p. 202, Galen, de 
usu part. VII. 14, Paus. I. 38. 6, ProcK ad Plat. Alcib. p. 61, und die 



156 Th. IL C. IL DU Gebrauche des Cultiv. 

Beispiele bei Giern. Alex. Prötrept. p. 9 fgg. mit der charakteristi- 
schen Stelle Lucian. de saltat. c. 15, woraus die Gattungsähnlichkeit 
dieser Gebräuche mit den §. 29, not. 16 geschilderten aufs deut- 
lichste hervorgeht: tö Myuv , ot* ztXfTjjy aQ%aiav ovdtfilav iotiv 
euQttv üvev dgxtjatwq . . . ot* d' ovxta *x**t T " /*** ogyia OHvnijiv a&ov 
t&v dfwifcoiv cWkcc, ix*Zvo d\ narrte dxovovotv, or* Tovq Hayoqtvovxvu; 
tu hvottjqkl ftoQztUi&a* Xtyovfov - ol noXXol. Dass ogyia selbst trete 
seiner gewöhnlichen Synonymie mit reXtral oder pvoTqQia an sieb 
nichts weiter als td dgufttvä auch, die gottesdienstlichen Cerimonien 
bedeutet, zeigt schon Beine Verwandtschaft mit tgyoy und *(>yaCfö#«*, 
wogegen Clemens Ableitung dno rijq o(yytjs rijq Jtjovq nicht in Be- 
tracht kommen kann; Tgl. Serr. ad Aeneid. IV. 302 und mehr bei 
Limburg -Brouwer p. 180 und Lobeek p. 305 mit Heffiter in AUg. 
Schulz. 1832, S. 1197; über tfoo*«ra0a* auch Creuzer Symb. IV, 
S. 388. 

16) Heffter a.a.O. S. 1199: "ja wer weiss, ob nicht eben der- 
gleichen Dinge, über welche die dem Menschen natürliche Scham- 
haftigkeit den Schleier des Geheimnisses zu werfen gebietet» die 
Hauptveranlassung zu den geheimen Festlichkeiten gegeben haben'*; 
Tgl. Lobeck p. 200 (xrilq) und über die legol yd/uoi, die in mehren 
Culten auf eine höchst sinnliche Weise dargestellt worden zu seyn 
scheinen, dens. p. 605 fgg. mit Böttiger Opuscc. p. 385 fgg. 443 
und Kunstmythol. II, S. 243, Jacob ad Luc. Alex. p. 74, Creuzer 
Gall. d. Dram. S.63, Roulez im Bull, de l'Acad. de Bruxelles T. VIII, 
n. 6; doch können auch schon die nd&rj der Götter (Her. II. 171) 
nach Diodor V. 77 zu den Dingen gerechnet werden, welche die 
meisten Culte profanen Augen verschlossen, s. not. 12. 

17) Paus. II. 11. 3, III. 20. 4, VIII. 31. 5, Und mehr bei 
D. J. Tan Stegeren de oonditione domestica feminarum Atheniensium, 
Zwoll 1839. 8, p. 68 und Limburg- Brouwer VI, p. 189; insbes. 
die Thesmophorien , die desshalb auch wohl geradezu fivorqQta ge- 
nannt werden, s. Her. II. 171 und unten Gap. IV. 

18) Theodore!, cur. Gr. äff. III, p. 152: tov xxkva rov yvvaixttov 
iv xolq Qtö/iogtoQiotq itagd toj* TtTeXeö/ufvwv yvvaixwv ri/tijq dtiovfttvovi 
Tgl. Ath. XIV. 56, Apollod. Bibl. I. 5. 1, Cleomed. cycl. theor. 

11. 1 U. 8. W. 

19) Eleusis, ubi initiantur gentes orarum ultimae, Cic. N. D. 
I. 42; Tgl. Lysias c. Andoc. §. 5, Demosth. Mid. §. 176, Aristot. 
übet. IL 24, Aristid. or. XIX, p.415, Paus. X. 31. 4, Philostr. V. 
Apollon. I. 18 u. s. w. Barbaren freilieb schloss die oben not. 9 
aus Theon angeführte ngoggt^atq aus, Tgl. Lucian. Demonax c. 34 
und mehr bei Lobeck p. 16 — 20; dass aber jeder Hellene Zutritt 
hatte , zeigt schon Herod. VIII. 65 , und die sie auf athenische 
Bürger beschränken, wie Julian. Or. VII, p. 238 und noch neuer- 
dings Heffter in AHg. Schulz. 1832, S. 1191, denken an Barbaren, 
wie Anacharsis , der nach Lucian Scytha c* 8 erst das attische 
Bürgerrecht erhalten musste , oder an die Sage von Herakles und 
den Dioskuren Plut. Thes. c. 33, deren augebliche Adoption jedoch 
nichts weiter als den Begriff der Mystagogie ausdrücken wird, zu 
welcher lezteren sich allerdings -vorzugsweise Athener eigneten; 
Tgl. Aristid. Panath. p. 296 : vjj fikv yäg twp 'EXtvowiwv liXtxy tolq 
tiquyiHVQVfUvoig ityytftai tmv Ug&v xul pvojayuyoi xixXqe&e x.t. A. 

20) Dass auswärtige Theilnabme einem Gebeimcultus zur Ehre 



§.32, Fan den Mysterien. 157 

geschfizt ward, zeigt Diodors Aeusserung über Dardanus in Same« 
thrace V. 48: doxtV d« ovroq notoToq livovq fivijoat xal rijv rtXiTtjv dm 
rovro *vdo$ov noiTJout; in wie weit kann man jedoch mit Müller 
Prolegg. S. 253 sagen : pvoryoia sind tVeiheanst alten , und die 
Hauptsache dabei ist die Weihe , durch welche auch die an einem 
Gottesdienste Theil nehmen, die ohne solche nichts damit zu thun 
haben würden? Genauer jedenfalls Heyne Comm. Soc. Gott. VIII, 
p. 21 : sunt enim seriora initift diligeuter distinguenda ab anliquio- 
ribus , nee porro omnis religio , arcana statim inter teletas et initia 
est re ferenda; evenisse quoque videmiis , ut sacra quae Arcana fue- 
rant aliquando muiteriorwn : «( intUorum nomen et formam acci 
perent. 

21) So erscheinen die Theilhaber der Weihe als Verwandte der 
Priester bei Paus. IV. 14k tt öl rö» yUovq rwv Uotov xal &tavq ruTq 
ßtyaXutg TtXovvztQ ra ooytai und no>cJ» Eunapius p. 90 drückt die 
Einweihung mit den Worten aus: l hiXa, ya\> xal tov rätst a yoag>ovru 
xal flc EvfioXniddq rjytv. ' 

22) Mvavfiymyoq: nicht fc (in/V , wiir< Suidas Ily p. 592, sondern 
gleichsam der Patlie oder Beistand und Begleiter des .Einzuweihen- 
den, Plut. Amat. e. 19; vgl. dess'. V. Atcib. c. 34, wo ItgfTq xal 
fivoral xal fivardytayol ausdrücklich* geschieden slird, und mehr bei 
Lobeck p. 29 fgg. :, .<;?•!• •., '., 

23) So Her. II. 51: o,ctfc dt ryiiKfißftQcov ojjyiu jupiwjTai, ovroq 
wvrJQ oldi to Xey(a\ Paus. I. 4 37V oqTtq d\ jjdq TtXn^v 'EXtvotvi fldfr, 
und die ovv&rjuuTU oder F*k<f»ftWj^ornidn bei Clem*. Alex. Protrept. 
p. 11 und Arnoh. V* 26: jejvnwt atque ebibj cycevtlem, ex eist* 
sumpsi et in calathum misi % . aeeepi rur'sus et in ciitulam. transtuli; 
Tgl. Constant'V, p. 98: ce quil y aPatt de fixe, ce H*etaient poinf 
les doctrines, ceiaieitt les.signes et ies mots de ralliement cömmw- 
niques aux inities et les ceremonies, qui aecompagnaient les Com- 
munications etc. 

24) Denn darauf allein kann die naQudoaiq gehn, die allerdings 
auch als ein Theil der Weihe, aber nur als ein solcher erwähnt 
wird, der der inonttla vorausging und folglich der diduoxaXiu 
vno&ioiv ?%ovoa xal naoaüxtvijv roh /JitXXiovrmv des Clemens (not. 14) 
entsprach; vgl. Theon. Smyrn. p. 18 und mehr bei Lobeck p. 39 i 
eine Anleitung zum Verständniss und zum richtigen Benehmen bei 
den folgenden Cerimonien, die theilweise schon von dem /ivarayojyoq 
ertheilt werden konnte (daher dt&aoxcdoq Dio Chrysost. XII, p» 201) 
und auch- im Munde des Hierophanten (Galen.de usu part* VII. 14) 
gewiss nur die Xfyo/itva inl rotq dqo)/nivoiq (not. 13) enthielt, die 
mehr oder minder jeder Caltusin seinen Hymnen und Gebetsfor- 
meln besass. Einen Unterricht in unserem Sinne des Worts da- 
gegen, wozu sich selbst noch VÖlcker in N. Jbb. 1832, B. V, S. 31 fgg. 
neigt, läugnet sehon Plut. def» oraec. c. 22 1 ravva testy rovnav 
jjnovov ärtzfotq xad-dntg i» reitrff xal iivtjqu /uqdtfuuv p&öfy&v toi 
Xoyov fiydl nlaxtv innpiQovroq , .und noch deutlicher wird dieses, 
wenn wir erwägen, dass kein Alter und keine Lage des Lebens, die 
Einweihung atusehloes , , namentlich Kinder bisweilen schon frühe 
zu derselben zugelassen wurden, vgl. Plut. V. Alex. c. 2„ Terent. 
Phorm. I. 1. f5, und die naXdaq aip tarlaq pvij&ivvttq C. I. n. 392 
und 443 fgg; :.- -< ? • " :'•'.... 

.-. . -- ... ;, ,. ; t ... . 



138 Tk. II. C. III. Die Personen des Culius. 

CAP. III. 

Die Personen des Cultus. 



§. 33. 
Wenn der griechische Cultus seinem Begriffe nach 
ein Wechsel Verhältnis» zwischen dem Menschen und der 
Gottheit darstellte *), so bedurfte er zu seiner Vermittc- 
lung wesentlich zweier Men&chenclassen 2 ), die zwar im 
weiteren Sinne auch unter gemeinschaftlichen Kategorien 
zusammengefasst werden 3 ) , im eigentlichen Sprachge- 
brauche und der ganzen Sphäre ihrer beiderseitigen Wirk- 
samheit aber viel schärfer getrennt werden müssen, als 
man es in alter und neuer Zeit häufig findet 4 ). Die- 
jenigen, welche den Verkehr der Mensehen mit der 
Gottheit leiten und befördern, die Gebete für sie ver- 
richten und ihre Opfer darbringen, sind die Priester, 
die demzufolge die eigentlichen Organe des religiösen 
Cultus bilden 5 ); insofern sich jedoch auch die Gottheit 
den Mensehen durch allerlei Zeichen in der umgebenden 
Natur zu offenbaren oder auf sonstige Art ihren Willen 
kund zu thun schien, trat neben das Priesterthuin die 
Weissagung, die zunächst mit den gottesdienstlichen 
Gebräuchen nichts zu thun hatte, sondern lediglich zur 
Dollmctscherinn der göttlichen Gebote und Verkündi- 
gungen diente 6 ) 5 und so gering auch das spätere Alter- 
thum vielfach von denjenigen dachte, welche die Aus- 
übung dieser zu ihrem persönlichen Berufe machten, so 
nahm sie doch im früheren Leben fast eine bedeutendere 
Stelle als das Priesterthum selbst ein 7 ). Denn je un- 
mittelbarer der früheste Cultus sich auf die umgebende 
Natur oder Oertlichkeit richtete, desto mehr musste er 
in jeder ausserordentlichen Erscheinung, welche diese 
darbot, die Stimme der Gottheit zu erkennen glauben, 
ohne solche gleichwohl ohne sachkundige Auslegung zu 
verstehen^ für seine eigenen Wünsche und Anliegen 
dagegen stand ihm das Ohr der Gottheit überall und zu 



§. 33. Prictterthum u. Weissagung im Ferhältniss. 150 

jeder Zeit offen, und nicht allein bei Homer, sondern 
auch später fehlt es nicht an Beispielen, dass der Haus- 
Tater für seine Familie, der Beamte für seine Stadt, 
der Vorsteher jeder sonstigen Gemeinschaft für diese, 
ja jeder Einzelne für sich selbst Gebete und Opfer dar- 
brachte, oder sonstige Gebräuche ohne Dazwischenhunft 
eines Priesters verrichtete, dessen Hurtigkeit, weit ent- 
fernt zu Jedem Gottesdienste nöthig zu seyn, auch in 
ihrem späteren Umfange fortwährend auf eine bestimmte 
Anzahl von Opfern u.s. w. beschränkt blieb 8 ). Ja selbst 
wer sieh nicht die nöthige Uebung oder Kenntniss zu- 
trauete, um ein Opfer allein zur Zufriedenheit der Gott* 
heit zu vollziehen, bediente, sich lieber der Wahrsager, 
die ohnehin in der Regel um der Eingeweideschau willen 
zugegen waren 9 ) ; die homerische Zeit aber , welcher 
der leztere Gebrauch noch fremd war, besass für jenen 
Zweck eigene' Privatopferer 10 ) , und wenn auch Homer 
diesen beiden bereits die Priester beigesellt 11 ), so ge- 
schieht es doch mehr, weil auch sie die Gesinnung der 
Gottheit gegen die Menschen vielfach beobachten konn- 
ten 12 ), als dass ihre praktische Notwendigkeit desshaib 
auf gleicher Stufe mit jenen stünde. Ihre Sphäre war 
vielmehr wesentlich nur der Tempelcultus ,' der, wie 
oben bereits bemerkt,, bei Homer noch ohne merklichen 
Einfluss auf das grössere Leben ist 13 ) $ erst in dem 
Maasse und aus denselben Ursachen , welchen dieser 
seine Ausbreitung verdankte*, gewann auch das Pries ter- 
thum an Umfang und Wichtigkeit für das Gemeinwesen 
überhaupt,' und bemächtigte sich sogar seinerseits der 
wichtigsten Aeuss erungen der . Weissagung selbst , in- 
sofern diese gleichfalls stets mehr und mehr an be* 
stimmte Tempel geknüpft zu werden anfing 14 ). 

1) Plat. Eutbyplur. p. 14 Et f/tTtoQPxt} «(>a tiq «ty ^XVJ V ooioryq 
&totg xal uv&Qianoiq nay ulkfjXojvt vgl. >Symp. p. 188 B und oben 
§. 10, »©t.,2; . ; 

2) Plftti PoliÜo. p. 290 Gs tlal 61 «* *c mgi pamxi/* %orr/c 
t*»o? inuniitiyt dittxavov fioQto* ' jQfiufttfVTmi yuq näu YopifrvTcu naget 
&*£* uv&QtaTtoiq . , » xal fiqruai So t<5* Ufiv* av yfoo?» «J? vi vofu- 
po* 9?ff, nagu fttvi ypmr «fafftec &tQt4 #*d 4h/Oiuv InUmf/tw igt» xerra 



160 TA. IL a III. Die Personen äes Culiks. 

vovv txtivotq fogtTÖ&at, nuqu dh htehw jfOit: (v^aü; xrijeiv dyab&v 
tdv^aaa&at. '-,... 

3) Plat» Symp. p. 202 E: diu tovtov xal q /laxrtxtj nuoa X & Q f * 
xal f} tw» Ublwv tk^vq t&v t* ntql Tuq &vViaq xal tuq TeXiraq xal 
t«? bupöus xUl Ttp papTtfar nuaav xal yoTjnW^i ygl. r PoU* Onom. 
I. 14 und mehr bei Barth el, voy. d'Anach. eh. £XI und Creuzer 
Syinb. IV, S. 642 fgg. ' «- ... r . 

4) Vgl. z. B. Burlgny in Ölst, de FA. 4. t.-»XUT,< 1»: 115; auch 
Pfeiffer antiqu. p. 49, urid nQ^fTittnaann gr. S^a^erJT.:^.^^ der 
den Wahrsager Kalchas geradezu einen griechischen Priester nennt; 
während Andere wie Hesychius H, p. 24 und' die Krfel.'zu Iliad. 
I. 62 die Priester selbst zu den Wahrsagern »rlcbnen^ffgl. unten 
not. II. .... , '/" f ,._,;.. .* <r< * t r 

5) Etym, M. p. 468: legtpq p raq.^vqlaq ayaniimw rat #*w, rj 
naqu ro leQfVco to &V<o y -rfuga to ; &£0?: 'el&hJso wohl aber auch 
q %uq jtir/aq vtüq vjiwy »ooe Tovq&eops tVftifitvöQi vgl. ^eaohin. Ctesiph* 
§. 18 , Plutarch. philos. c. prineip. c. 3, Schol. Aristonh. Ran. 297» 
und inji Allg. Stob, cell eth. p:12j&: tov yäg itgiä' ihiu'BhVp Vßnngov 
vorhin twv nigi &iiffia^ tnl[^/nq[xak(fm^a^<lvq\xäl «tfgvafi,* xal nüvra 
%u xofftyxu, ftßfc- d\ rovTotq xal uXXaifr, ?i,u tje^to wosgftiuq dito&u* 
xal f/tXHgiaq Taq'&tjuv ' ötQaatiüq* xäi tyroq tlvat trjq giyafwq Tijq&fiaq, 
Das €rie»terai»t bekleiden tttässti Ipguff&ati l-iiidtfi :*der> J<ri**;i *gl.' 
Ruhnl^tn. ^4. Jim. lex. p. 148 und , enjrt* ad £pficst, p ? .164 ; späte? 
auch IfoctTtzutv .von Ifpaxfiv? bei, Ross' .i,nscr.. gr. X p.,3tf;' seltener 
ist da* Aclivvivi' k irQav< t sacer tötete faecre, wieUJ I» ■M*48o5i >:* - 

6) Sto»'. ecl: eth. p; 122 : ' iltaifä "Typ' l ka^xft''^A'*iHi&ffait* 



evvTHvovuMvx- vgl. Xenoph. tf. S, KV. 7. 10 und Cicqro l'egg. II. 13 
mit Nägeltbh-öuiifioni^ -JLÜ. 1I,> 

S* 142 1 **ketn «cbäfechtbiu unbegreUlÄii|ieaBfra^ert;ittf*aiieer Erfcig?. 
nissp, sondern eiqs tiefsinnige,» Mitwissen der, v<)p der Gottheit aus- 
gehenden grossen" und gerechten Schichsalsoränungeh'."'^ ; • •' 

7) Ueber die spätere Verachtung V» untfen"§; 37;' hierher ab er* 
Strano XV Ij p; 1105: xal 0^.7« a^/aßo^jTo ?t«^« twv diwv inqtoßwQ* 
ftuXlov xul iofy.vvyov . . . xal dtp xovtq xal ol fiurruq irm^vro 9 iaq tu 
naqd TW? k '&iwv' ij'/iVw txqifQorrtq * naQÜyytlfiäTa' xal inavog&wfiaTa^ vgl.' 
Limburg - BrtfuWe* V,; p, %Vb % ,fl est faoile, de 'potoeiitoir, jue* Vau* 
toriU des' devin) devoit itre s^tp >^f^f /jf^f ♦ ^Hf/fe*. P r & re *. , u, . 3i "T* 

8) &voiu* 'UQaxixal . im. 1 fiege^atoe » , ^cir . dj7/t^*i,f rc , ? o^yi u»^ al^ 
iöiUTixal : vgli oben §. 7, . not,' 11; §5*11 i not. 12 ; j. 1 5," not. 2, '. mit 
Sykcs übetf die 0^fe> S. 207; L©1äck< ! Ägl. y.^^/Fer^rrk^ntio^. 
Hom. 9 , ^».Wm^irg-Bcftttv^erjt, (SU ^9(f^;,,jiuch rtfr \5^c>er. 
in Allg. Schulz. 1831, S. }159 sa^t, .dass ?war ificht das Offfern, 
wohl aber das Gebet bei^em'O^rer^Sathtf' Üe^ ttierfter gewesen 
sey, findet sich weder bei Homer (lliad. II. 411; Odyss. III. 446)r 
noch bei späteren Schriftstellern bestätigt ; • vgl. ' ArJstoph. Pac..^73, 
Apoll. Rhod. Argon. I. 410 u,,«. w. . • •. » .. e - ö ^\ '> :..s 

9) Namentlich im Kriege, wo jezt auch Kalchas bei EuMj>. lph. 
Aul. 1576 als Opferer fungirt , wovon Homer noeh ' nidHsi weiss ; 
Vgl. Her. VII. 228, Thueyd. VI T 6^, Xenoph. Hell, Vi l. 1. 21, und 
mehr bei Limburg -Brouwtr V^ p^iSi'g^. >29ä<fgg., um deri albert 
nen und durchaus ungenügenden >Abb^ndlung '; G. ■ JEv ^fcülltro ( > von - 



§. 33. Ptiesterihum u. Weissagung im FerKaltniss. 161 

den Feldpriestern der Völker alter Zeiten, Dresden 1750. 8, nicht 
au gedenken; aber auch sonst bei Privat- und Staatsopfern, wie 
Xenoph. Hell. III. 3. 41 : Ovorroq avxov v&v rtray/thotv Viva &vow* 
vxlo Tijq noXsex;, efoiv o /c«m?, ot* inißovXrp rwa qyafrou* ol &tol: 
Tgl. Plnt. V. Niciae c. 4, Paus. V. 13. 2, und was unten §. 37, not. 16 
über ihre Gontrole gesagt werden wird. Erst spät dagegen auch 
Ugtvg fut*iod-»fUvos f Luciaa. Hermot. c. 57. 

10) 0vo<rxoo* von &vo<; und xaia» oder xfo, brenne, Schol. Ven. 
Iliad. I. 462, nicht wie Etym. AI. p. 457 o dno r&v &vo/*ivwv xowv 

ioT* yoöjirj vgl. Terpstra p. 42 und Nitzsch z. Odyss. I, S. 220, 
der nur in solern ihren Begriff zu eng fasst , als er ihn auf die 
Opfer für eine Gemeinschaft von Mensehen beschränkt, die sieh 
gleich standen und etwa xu einer gemeinsamen Unternehmung ver- 
einigten? Besser jedenfalls Völcker a. a. O. S. 1158, der sie nicht 
nur wie Nitzsch nach Odyss. XXII. 322 als Beter mit den Priestern 
▼ergleicht, sondern auch im Gegensatze mit diesen nach XXI. 145 
den dqfiiotQyoTq beizählt und ihre Bestimmung darein sezt, bei häus- 
lichen Opfern und deren Mahlzeiten und Libationen dasselbe zu 
seyn, was der Priester im Tempel war $ nur wenn er N. Jbb. V, 
S. 42 weiter sagt : " dass die &voox6o* Seher waren , folgt auch 
schon daraus , dass sie zugleich Priester waren , die Priester aber 
Propheten sind," so ist das freilich eben so verkehrt, wie wenn 
Limburg- Brouwer I, p. 279 den Bestimmtesten Zeugnissen zum 
Trotze an Eingeweideschau denkt. Gab es aber auch noch später 
zu Athen &vyx6o*? Böckh G. Inscr. I, p. 281. 

11) Iliad. XXIV. 221 : tj oV purrUq flat, £1/00x00», rj ItQtjtqi vgl. 
I. 62: uXX' uyt dr t viva pdvrtv IqiIo/<uv V **f?V a * V * a * oVmoojwJo»: 
woraus man freilich schon im Alterthume den Schluss gezogen hat, 
dass fitimq der Gattungsbegriff für alle drei sey; vgl. . Eustath. 
p.48: ©jct* yhoq /iiy o fiarrtq, tfdq dfc avrov o hxav&a, pavnq tjyovv 
6 iv&ovotaOTTJq xai 6 Uotvg xai o ovitQonoXoq : aber gewiss mit dem- 
selben Unrechte, wie Eustathius zu der andern Stelle zwischen 
övoöxoos und Uqtvq diesen Unterschied macht:- tlal 6\ frvooxoot jitv 
xarii rovg itaXtuovq (Philochorus ? Cramer Anecdd. Oxon. II, p. 448) 

01 dtä rar im&VfiMjthwy /lanivofiiroi^ ol xai ifinvgoaxonot xai Xtßavo- 
ptartWi UotZq d* ol 6ia OTtkayxvw > was schon um dess willen auf 
Homer keine Anwendung findet, weil dieser noch keine Einge- 
weideschau kennt, vgl. §.38, not. 23. 

12) Nägelsbach homer. Theol. S. 151 : "xu vorläufiger Ueber- 
sicht unterscheide man erstlich die narrt«; von den Uotvot, bei 
welchen lezteren die Gabe 4er interpretatio divinae voluntatis als 
Accidens des Priesteramts lediglich auf ihrem persönlichen vertrau- 
ten Verhältnis« zur Gottheit beruht , aber keineswegs den Beruf 
ihres Lebens ausmacht"; nur hätte er dabei nicht mit Völcker (s. 
oben not. 10) die &voaxoovg unter die parretc rechnen sollen, da der 
Grund, wesshalb diese wahrsagen können, gewiss kein anderer als 
bei den Priestern auch ist, und namentlich, was auch Völcker 
dagegen einwende, darein gesezt werden darf, dass beide schon 
aus dem normalen oder anomalen Verlaufe der Opfer erkennen 
konnten, ob die Gottheit ihren Gebeten Gehör schenken wolle 
oder nicht, vgl. Müller Etr. II, S. 186. 

13) Terpstra p. 16: ouibus vero loeis templa in deorum honorem 
exstrueta vel ükaij et %ff*hy eonseerata fuerunt, iisdem sacerdotes 

L 



162 3%. IL C. III. Die Personen des Cullus. 

aderant, qui res divinas obirent; vgl. Nägelsbach homer. Theol. 
S. 174 nnd über die Beispiele von Tempeln und Priestern bei Homer 
Müller Prolegg. S. 354 nnd Lobeck AgI. p. 256. 

14) Vgl. Pind. Pytb. IV. 6: Igia XM°* V > und Agesias bei Scbol. 
Olymp. VI. 5, auch Paus. X. 33. 5: nQofiuvru; cft o hga'«; fori, %qu 
61 ix rov &(ov xcrro/o?, und Plut. V. Lysand. c. 26: wq iv yQUftfiaoiv 
äTioQQTjToiq vno TÖJv Ugimy qnduTToivro nufinäXatot drj nvfc; XW* 7 / 4,0 '* 
überhaupt ober das ngo^rtvtuf rov &tov Her. VII. 111, Enrip. Ion. 
413, was offenbar die ganze priesterliche Verwaltung einer Orakel- 
statte bezeichnet. > 

§• 34. 
So verschieden inzwischen hiernach der Wirkungs- 
kreis der einzelnen Priester je nach der Bedeutung ihrer 
Tempel war, so haftete doch ihrer Würde jederzeit die 
doppelte Heiligkeit an, die ihr öffentlicher Charakter ,auf 
der einen und ihr gottesdienstlicher Beruf auf der andern 
Seite mit sich brachte, und diese prägte sich dann auch 
namentlich in den persönlichen Erfodernissen derselben 
aus l ). In erstcrer Eigenschaft verstand es sich von 
selbst, dass der Priester eingeborenes und vollberech- 
tigtes Mitglied des Gemeinwesens seyn musste, dem sein 
Cultus eigen war 2 ) ; ausserdem aber sollte er auch von 
Körper makellos und unversehrt seyn 3 ) , und neben der 
sittlichen Unbescholtenheit, die schon in bürgerlicher 
Hinsicht erfodert ward 4 ) , auch sonstigen Aeusserlich- 
keiten nach der Gottheit würdig und angenehm erschei- 
nen. In einem Culte verlor der Priester sein Amt, wenn 
ihm ein Kind starb 5 ) ; andere wählten ihre Diener nach 
jugendlicher Schönheit 6 )} und wenn auch das Priester- 
thum an sieh nichts weniger als einen besonderen Stand 
bildete 7 ), so wurden doch bei seiner Besetzung vor- 
zugsweise die höheren Bürgerclassen berücksichtigt 8 ). 
Ehelosigkeit scheint in späterer Zeit mehr als früher und 
bei dem weiblichen Geschlechte häufiger als bei dem 
männlichen verlangt worden zu seyn 9 ); doch finden sich 
fortwährend auch verheurathete Priesterinnen 10 ) , und 
in vielen Fällen ward jener Foderung schon dadurch 
genügt, dass man bejahrte Personen n ) oder Kinder 
nahm, die das Priesterthum, wenn sie mannbar wurden, 
niederlegten 12 ). Dass dasselbe überhaupt von Personen 



§. 34. Von der Bestellung der Priester. 16} 

beiderlei Geschlechts bekleidet werden konnte , wird im 
Gegensatze ägyptischer Sitte ausdrücklich hervorgeho- 
ben 13 )$ wie sich diese aber zu dem Geschlechte ihrer 
Gottheiten verhielten, hing lediglich von den positiven 
Bestimmungen der einzelnen Culte und örtlichen Ge- 
bräuche ab 14> ) , und Aehnliches gilt für die Dauer ihres 
Amts, wie für das Alter, das zu demselben erfodert 
ward 15 ), und insbesondere auch für die verschiedenen 
Besetzungsarten durch Geburt, Wahl oder Loos 16 ), die 
fortwährend neben einander bestanden und selbst an 
Alter einander wenig nachgegeben haben mögen. Eine 
gewählte Priesterinn kennt bereits Homer 17 ); eben so 
wenig aber lässt sich auch der frühzeitige Ursprung der 
erblichen Rechte bezweifeln, welche viele der ältesten 
Culte bestimmten Familien auf gottesdienstliche Verrich- 
tungen einräumten 18 ) , und die man nur mit den zahl- 
reichen Beispielen erblicher Künste und Fertigkeiten im 
früheren Griechenland zu vergleichen braucht, um einzu- 
sehen, wie auch diejenigen Ueberlieferungcn , welche 
sich auf religiöse Cerimonien oder Bilderpflege bezogen, 
unter erblicher Obhut am Lebendigsten erhalten werden 
konnten, wenn auch spätere Zeiten der Begründung ähn- 
licher Einrichtungen keineswegs fremd waren 19 ). Wer 
übrigens aus einer solchen Familie zur wirkliehen Aus- 
übung des Priesterthums gelangen sollte, entschied ent- 
weder die Erstgeburt 20 ) , oder selbst wieder das Loos, 
das überhaupt als das geeignetste Mittel erschien, um 
der Gottheit selbst die Bestimmung ihrer Diener zu über- 
lassen 21 ), und aus demselben Grunde ward dieses auch 
sonst in Anwendung gebracht, um unter mehren aufge- 
tretenen oder erwählten Bewerbern den Ausschlag zu 
geben 22 ). Für streitige Ansprüche begegnet uns ausser- 
dem auch gerichtliche Entscheidung 23 ) $ Kauf oder Ver- 
steigerung mag jedoch fortwährend unter die Ausnahmen 
gehört haben 24 ). 

1) Plat. legg. VI, p. 759C: donipaZnv <Ji %ov all Aa/o>T«, nQÜzov 
fikv okoxiijQov xal yvjjowv, famee «c ort päUoxa U xad-aQtvovouh 
oinrjotw, 90*01/ 6\ ayvov xal nurrwv vwv ntql tu roiavra tiq tu &tta 



164 Tk.II. C. in. DU Personen des Cmltus. 

Üß*f*T*90ßir*p f minor xi xai juniq* xai fnftfy* xarm t«m* ßfßtmx*- 
r«c: Tgl. BtagaUrille in M. de FA. d. I. XVIII, p. 62, Heere« 
Idee« III, S. 81—88, Limburg- Brauwer V, p.213 fgg. 

2) Deute* Üb. Eukal. §. 48 : ov yaQ «V d^aroir rov r* v»»» *«* 
pihotxow ein ofjftf? «W*** ©w^" U^movngv ulqQovo&a* mump: Tgl. a«hr. 
Neaeraai §. 75 und Ras« inacr. gr. HI, p. 52 : «V Ji tk »»0©c *rv 
fruo&TJ fttrfxHr tu* Uqwp 9 pq &*ar«i avxm /**t//**v tä» «ßtMrorÄr. 

3) Etjs». M. p. 176 s *a» ol ßaoiUlq xai o* If£fZ£ Mouißu£ono 
'sl&yrTjaiv, ti d^tXttq xai oXoxX^o*: Tgl. Atb. VII. 55 und nmebr bei 
Spaabeiai ad Call. L. Pall. 121 , Vit***, ad Petiti L. A. p. 170, 
Bahr »08. Symb. II, S. 59. 

4) Aescbia. Tim. §.21 fgg. 188; Tgl. Demostb. Andrei. §.73: 
To Othfia sTU*Qt/xbtoq ovx iitotv ol vofto* tiq tu U{>d tiquva*. 

5) Paus. IV. 12. 4 i ort t}r h tij Mtooqrfl xa&tonjxoq 9 yr yvtaixoq 
Uqwnbrtjs rf xai uvdQoq nqoa7io&uv7j nq tä* nuidmr t ig üXXor tr t v 
UQwovvyv jitruxuQiTr. 

6) Paus. VII. 21. 2 s t« d> *r* uaXcuorfQu nQotxfxQivo « t«V 
naldtav ItQuo&ai tu du o ri*ww xuXXti* äQxo/tfrmv dl avr£ ymw» «c 
aXXov natda rj \nl %$ xuXXt* ftiriJH vipjji auch IX. 10. 4. 

7) Isoer. ad Nicocl. §. 5 :' ItQtaoxtrrp navroq ctWpoc ifra* vopiZovoti 
▼gl. Bongainvillc a. a. O. p. 65, Meier gentil. Alt. p. 5, Limburg- 
Brouwer V, p. 280 , Nitzsch ad Lobeck Agl. coroll. I de sacerdo- 
tibus Graecorum vor den Kieler Sommerkataloge 1839. 4. 

8) Aristot. Politic. VII. 8. 6 s o\nt yuQ yiugyov ovrt ßdvavoov 
UqIu xaraaturhv* vno yuq tu* noXirwv jiQfnti rißiäa&ai rovq &tovq: 
Tgl. Demosth. Eubul. $.46, Paus. VII. 20. 1 ; 27.2; IX. 10.1 u.s.w. 

9) Was Eustatb. ad Uiad. VI. 300 und Marc eilin. ad Hermog. 
T. IV, p. 169 Wals, lebren s vtjv Uqhuv vofioq nuQ&hov that, oder 
auch nur: ort tiuqu. rolq vartQov et* Ugtuu nug&hoi tjouv , ist aller- 
diugs zu weit gefasst; doeb feblt es dafür wenigstens niebt an 
Beispielen ; vgl. Paus. IX. 27. 5 : xai 'HgaxXiovq Btonitvaiv tortv 
Uqcv, Uqutüu di avT(p nay&hos, *av uv intXdßjj ro /p*wy avrTJv, aaeb 
die liQUTfiuq naQ&ho* C. I. n. 3098 und mehr bei Tertullian ad 
uxor. I. 6, exbort. cast. c. 13, monogam, c. 17, mit H. Coreel de 
HAcerdotibus Teteram virginibus, Aboae 1704. 8, Spante im ad Call. 
L. Pall. 34, Wacbsmutb H. A. II, S.612 n.s.w. Von ehelosen Prie- 
slern s. Galen, ad Epidem. III, coram. I, p. 524: ovx rjv uvayxalov avvw 
cTsri navroq un^xfO&Uk rwv uvgodiolwv , äqjitQ gl ^(jriftidoq r) *A&ijvüq 
yv ItQtvQi namentlieb aber gehört dazu der elensiniscbe Hierophant, 
der selbst auf künstlichem Wege durch Schierlingsaft die Sinnlich- 
keit ersticken mnsste, vgl. Schol. Pers. Satir. V. 145 und Origen. 
c. Celsum VII, p. 365; obgleich wir anderswo denselben Demeter- 
priester aneb Terheurathet finden, Her. VII. 153, Paus. II. 14. 1, 
C. I. n. 405. 1948. Noch weiter freilich ging der Dienst der Ar- 
temis Hymnia in Arkadien nach Paus. VIII. 13. 1 : xai Uqhuv xai 
uvdQU ItQiUi roVTOiq od povov tu iq tdq fiifaq uXXd xai tu iq tu uXXu 
tlyu>t*V€iv xudlaTTjxt rov xQovov zov ßlov nurra, xai ovrt Xovxqu ovrt 
dUuTU Xoinjj xutu tu avru ag>toi xa&u xai votq noXXotq iartv t ot/di 
iq olxlav naQiaaiv av#Qoq IJhvtov ! 

10) Ausser den homerischen Beispielen und dem der argmschen 
Prie8terinn bei Her. I. 31 mit den Erkl. zu Luc. Cbaron c. 10 Tgl. 
G. Inscr. II, p. 531: uyvrjv U^ftat Hqaq 6 tu ßiov 9 yvvatxa yiwofihtjv 



§. 34. Von der Bestellung der Priester. 165 

xui ftftvttoav ^ArrüXov x.r.X. und p. 1061 1 li^tm re xaraaru&ttaa rüv 

OVQUpimV &ttoY JrjfJLtJXQQS Xal KÖQTjq T&V (ffftPOTUTM uyvmg xal ce£uuc 

twv &tüv xui rfjq nbXttag ItQavtvaaoa puyXXatt top ßiov 9 tj xal nuvo- 
TQovqouou : ja eine ItQo^avng als Matter im C. I. n. 434 fgg. und 
Ball, deir Inst. arch, 1835, p. 210. Nur in zweiter Ehe sollte keine 
Priesterinn leben, Serv. ad Aeneid. IV. 19, vgl. Paus. VII. 25; 7 : 
ov fttjv ovdl xu nQortQU ior* nXiov tj ipog dvdgoq ig ntV^av a<ptyt*bn]. 

11) Plut. Numa c. 9 : inü rot zrjq 'EXXadoq onov tivq aoßt&zoy 
*<mr, o)g Ilv&ot xal l4&yvyo*p, ov nciQ&hoq t ywaXxtg d\ ntnuvuhm 
yufiov t/ot/0» ttJv int/iiXttav : vgl* Pyth. orac. c. 20 : fuooyvpov 'Hqu- 
xXhvg Uqov ianv h \fj ätoxt'd*, xui vo/tfarai top U^otfitvjov h roi 
hiuvTa yvvatxl pi) oßttletv , Sto xal TiQraßihuq ijutixmg ItfJfZg äno- 
dtixvvovoi,, und Paus. VI. 20.2, VII. 25. 7, iusbes. aber auch der 
Fall bei dems. VIII. 5. 8: iAtrtßX^&tj dl i$ ixtivov xai o vo/toq * ' dvrl 
yug nag&hov didoao* *y 'Agri/tidt legnrtv ywatxa ofiiXiag dvdQÖiv 
uxoxQtovTtoq t'xovaup. • 

12) Paus. II. 35. 3 : loxl d' ovv Iloattdwvog Uqop hrav&a uytov, 
Itquxcu d\ avtv) nay&ivoq, Vor* up lg WQctv nyoiX&fl yapovi vgl. VII. 
19. 1, 26. 3, und die äbnlicbe Beschränkung bei Knaben VIII. 47. t 
und X. 34. 4: top de Ugia ix nuldutv uloovvrat, nov dvyßo*p 9 tiqö- 
vomv noiovfttvo* TCQorfQov Trjq Uqmavvfjg Htjxhv ol top XQ°* 0V tiqIv // 
tjßrjoa* x, t. 2. 

13) Her. II. 35 mit Bahr T. II, p. 557 und Greuzer Symb. II, 
S. 10 fgg. 

14) Im Ganzen kann man freilich aucb hier wie bei den Opfern 
(8. oben §. 26, not. 22) annehmen, dass männliche Gottheiten männ- 
liche, weibliche weibliche Diener vorzogen, doch ergeben schon die 
vorstehenden Beispiele zahlreiche Ausnahmen; vgl. Rreuser der 
Hellenen Priesterstaat, Mainz 1822. 8, S. 123 fgg. und' Adrian, 
die Priesterinnen der Griechen, Frankfurt a. M. 1822. 8. 

15) Sechzigjähriges Alter und jährlichen Wechsel empfiehlt Plato 
legg. VI, p. 759 ü; doch zeigen schon obige Noten 6 und 12, dass 
erstere Foderung der Sitte wenigstens nicht durchgehends entsprach ; 
vgl. auch G. I. n. 2770 u, s. w. Häufiger findet sich Uqmovvtj Ini- 
THog, wie Ath. XII. 73, Cic. Verrin. II. 51, Paus. II. 10. 4, IV' 
33. 3, VI. 20. 6, IX. 10. 4, G. I. n. 2715. 2720; aber auch längere 
Perioden, Paus. II. 14. 1, X. 34. 4, und die Mehrzahl mag immer- 
hin lebenslänglich gewesen seyn, nicht allein in späterer Zeit, wo 
Ugttq und ugx^^ d*a ßlov auf Inschriften u. s. w. vorkommen (C. I. 
n. 2653. 55. 2784. 89. 281t). 20. 2943. 3508; Vales. ad Euseb. p. 193 
und Spanheim de U. et P. numism. diss. VIII, p. 696), sondern 
auch früher, wie z.B. die delphischen oö*o* (Plut. qn. (Jr. c. Ö) jan*} 
die Priesterinnen der argivischen Hera, s. Preller de iteUanico, 
Dorpat 1840. 4, p. 40 fgg. ' .*■•«' 

16) Vgl. Bockh im Berl. Sommerkataldge 1830. 4. ' 

17) lliad. VI. 300« tj}* yaQ Tgoiiq t&qxuv 'A&tivtUyg lignav^ wozu 
Eustnth. p. 643* ovre xXqgwrijv ovrt ix yhovq ov& t hoq ytjvij) t fiXl* 
W, wg ol jzuXauii g>aOH>, ro nXrj&oq ilXtxo: vgl. Nägclsbach ,h(Mner f 
TheoL.S. 176. / ^ 

18) Marceil. ad Hermog. T. I V, p . 1 8 5 : rüg ltQ*tov*aq ■ rqii<e >tt*td*a; 
xmv narigmv diudix*o&ai: vgl. Tittmann grieeh. Staatsverf.' S; 60»%g;, 
Wachsmuth H.A. II, S. 619 fgg. , Bossler de gentibus et iamiliu 



106 Th. IL C. III. Die Personen des Cullus. 

Atticae sacerdotalibus , Darmst. 1833. 4, und mehr in St. A. §.6, 
not. 6; insbes. auch die priesterliche Stammtafel G. I. n. 2655 und 
andere Uytlq oder U^Laq d«cc yfrovq das. n. 2194. 2462. 3002 u. s.w. 

19) Namentlich wenn ein Privatcultu* vom Staate angenommen 
ward, wie der chthonische des Telines in Gela Her. VII. 153: 
in üi Tf ©* dtioyovoi avrov Ifgoydrrat r&v &ttav hjovtui: vgl. Müller 
Prolegg. S. 161, Eckermann Relig. Gesch. I, S. 232, Wachsmuth 
II, S. 471. Nur darf dieses nicht als die alleinige und ursprüng- 
liche Quelle erblicher Priester thüm er betrachtet werden; deren Be- 
dürfniss vielmehr in manchen Gülten so tief wurzelte, dass auch 
nach dem Erlöschen eines solchen Geschlechts ein anderes an seine 
Stelle gesezt ward , wie die athenischen Lykomiden (oder Lykome- 
den , Tgl. Sintenis ad Plut. V. Them. p. 9 und Keil spec. onomat. 
gr. p. 52 fgg.) als Daduchcn in Eleusis, vgl. Müller de sacr. Min. 
Pol. p. 44 und .Böckh ad G. Inscr. I, p. 441; ja selbst eine blosse 
Freigebigkeit ward später mit erblicher Priesterschaft belohnt, wie 
in der Urkunde von Gytheum bei Lebas in Revue archeol. 1845, 
p. 209 : xui (hat. uvtovq UgiVq rov ^AnoXXnvoq xai lyyovovq uihtöv all 
diu ßlov t xai uvut, avrötq ru zipm xai (piXdv&QWTia nurva oou xul 
roiq aXXotq ItQfvcfi roVq xurd yivoq vtiÜqx*''* xa * *X ftv av*oi)q tj}* ££ot/~ 
oiuv rov rt Itgov xai rov &iov xai r&v ujio rov Ugov ndvrvvi vgl. 
auch Her. III. 142. 

i » 

20) G. Inscr. II, p. 363 : rdv di Ugurtiav räv Movouv ^'tw dti o 
notaßvraroq tx iqi~ yirovq: vgl. Böckh p. 451 und Boss inscr. gr. I, 
p. 2$, III, p.46, 

; 21) Vgl. Vitt. X orott. p. 843 F : Aa/wv ix rov yhovq rrjv Uqm- 
oitvyv xai 7i aQUxwQTjOus r£> ddfXq>$i auch Demosth. Eubul. §.46 und 
im Allg. Plat. legg. VI, p. 759 B: ru /*** ov\ r&v Uq&v t£ &t$ 
ImrQinovra uvtoj ro xexuyMj/ihov ylyvkOQ-ui, xXqQovr rfj &eia ri'xf} 
dxoöldöna, 

. 22) S. Paus. VII. 25. 7 : yv d\ vnl(j rijq UQOHJvvqq dg>U(ovvut 
yvvutxtq tlq dpyiaßqvqoiir nXtoviq % y rw xX^gp la/ovoa nqomifiijrai f 
und den, ähnlichen Fall mit Vorwahl in Syrakus bei Gic. Verrin. 
iL 51 : qiuum suffragiis tres ex tribus generibus (d. h. Phylen ; vgl. 
Gottling inscr. Acrenses, Jena 1834. 4, p. 6) creati sunt, res revo- 
eatur ad sortem; auch C. Inscr. II, p. 225 und 1075: xai ndXtv 
aiQi&tlq i'Tio rov drjßov xai Xuxojv rov JiorvQov, und Eurip. Ion. 416: 
4iXq>£)v dQiarovQ.ovQixXyQWOtv ndXoq. . • , 

' * 23) K hQtoopvijq dfjupt, dßtfryaiq , vgl. Marceil. ad Hermog. I.e. und 
Pöft. V1(I. 9\), 'der sie in Athen zur Competenz des ßacuXtvq rech- 
nett mit Meier att. Process S. 48. 

24) Dionys. arek. Rom. II. 21 sezt zwar diesen Weg dem andern 
durchs Loos völlig an die Seite : rwv uXXav g>uvXwq ntoq xai ojm- 
\iutxinrmq wq ini ftoXiu notovfthatv rdq nlgtotiq rtov iniOTijoofihmv rote 
ItQoZq^ xkti t£p fitr ^Qfvglov ro rifun* dnoxqQvrrfw d&ovvTQtv, %mt ö*i 
xkfä$' [ öiÜtQtovrmv rxrvq ItQiTq, ixttvoq ovrt wnjruq /p^dfw InoirjO* 
rdq IfQwavvaq ovrt xkrjQtp fitQMjrdq: doch macht Böckh 1/cY auf- 
p«rlMam\, wie ihm gerade seine Vaterstadt Halikarnasus dazu den 
Anlnss gegeben haben möge, wo wir im G. I. n. 2656 wirklich eine 
nqiup&r] ■ rt)v UqaxUav finden. 



§. 35. Obliegenheiten und Rechte der Biester. 167 

§. 35. 
Worin die Geschäfte des Priesteramts bestanden, ist 
im Wesentlichen schon in seinem obigen Begriffe ent- 
halten und findet sieh auch in den näheren Bezeichnun- 
gen ausgedrückt, welche namentlich die Dichtersprache 
den Priestern als Betern und Opferern beilegt 2 ) ; wie 
sie jedoch selbst Gebet und Opfer zunächst nur in sofern 
verrichteten, als beides bei dem bestimmten Tempel ihrer 
Gottheit dargebracht ward, so führte ihr besonderes Ver- 
hältniss zu dieser eben so wohl noch weitere Pflichten 
und Verrichtungen mit sich, als auf demselben anderer«» 
seits alle ihre Rechte und Vorzüge beruheten. Auch 
ohne näher auf die Mannichfaltigkeit der örtlichen Oblie- 
genheiten und Gebräuche einzugehen, die manche Gült« 
bereits in den Namen ihrer Priester beurkunden 2 ), kann 
man dieselben in jeder Hinsicht als die Diener des 
Gottes betrachten 3 ), dessen Heiligthum sie mit allem 
daran geknüpften Cultus zu besorgen 4 ) und sich selbst 
so rein zu halten v hatten , wie es die immerwährende 
Berührung mit der Gottheit verlangte 5 ) ; dafür genösse* 
sie jedoch auch ihrerseits nicht nur die Unverletzlichkeit 
göttlichen Eigenthums, wozu ihre Weihe sie erhob 6 ), 
sondern wurden auch als Vertreter der Götter selbst ger 
ehrt 7 ), und theilten mitunter selbst deren Wohnung 8 ), 
jedenfalls aber die Schätze und . Einkünfte , welche zun 
Versehung des Gottesdienstes bestimmt waren 9 ). Unter 
ihren persönlichen Auszeichnungen ist namentlich der 
Ehrenplatz zu erwähnen, der ihnen im Theater und 
sonstigen Volksversammlungen zu Gebote stand 10 )$ was 
aber ihre Einkünfte betrifft 11 )* so gehören dazu ausser 
dem Ertrage der Tempelgüter insbesondere bestimmte« 
Theile der Opferthiere sammt deren Häuten ,2 ), und 
wenn ihnen gleich, wie bemerkt, die unmittelbaren Staatsr 
oder Privatopfer entgingen w), so bpten ihnen doch schon; 
ihre Tempel allein oder sonstige Vergünstigungen ihrer! 
Stellung auch, zu weiterer Einnahme Gelegenheit **).•: 
Dass ihre äussere Erscheinung in Kleidung u. s. w. der' 
Würde ihres Amtes entsprechen musste, ist natürlich *?), 



168 7%. //. C. HL Die Personen des Culius. 

obgleich es eben desskalb schwer hält, dafür andere 
allgemeine Bestimmungen zu geben , als sie in der Hei- 
ligkeit ihrer Personen und Verrichtungen von selbst lie- 
gen: wenigstens ist die Reinheit und Weisse ihrer Ge- 
wander 16 ) oder die Kränze und Binden, die sie schmück- 
ten 17 ) , nur eine Folge dieses ihres Charakters über- 
haupt, und höchstens könnte man daneben das lange 
Haupthaar dahin rechnen 18 ), das jedenfalls um so mehr 
in Betracht kam, als die griechischen Opfer mit ent- 
blösstem Haupte verrichtet wurden 19 ). Manche Priester 
scheinen ausserdem bei festlichen Gelegenheiten in der 
typischen Tracht ihrer Gottheiten erschienen zu seyn 20 ), 
wie es denn ohnehin im Wesen jener oben erwähnten 
mimisch -symbolischen Auffuhrungen lag, dass dabei der 
Priester die eigene Person der Gottheit darstellte 21 )} 
ja selbst der Name der lezteren ging aus diesem Grunde 
mitunter auf den erstem über 22 ). Wie es freilich bei 
dieser innigen Verknüpfung beider möglich war, dass 
das nämliche Individuum gleichzeitig mehre Priester- 
thümer vereinigte 23 ), erklärt nur die Principlosigkeit des 
spätem Cultus, der seine Aemter zur Befriedigung klein- 
lichen Ehrgeizes hergab $ eher konnte , wo ihrer mehre 
waren , einer von diesen als Oberpriester an die Spitze 
gestellt werden, obgleich auch diese Würde erst in den 
Zeiten des Verfalles häufiger vorkommt 24 *). 

1) 'AQtjTiJQtQ Uiad. I. 11, V. 78; weiblich a^r*^«*, Span heim 
ad Call. H. Cer, 43; als Opferer aber Ugo&vrut (Paus. VIII. 42. 5, 
C. Inscr. I, p. 640, und mehr aus Sicilien bei van Dale diss. IX, 
p. 761 und Raoul-Rochette in Welchen Rh. Mus. IV, S. 98) oder 
#i/?7i<Uot, Aristopli. Pac. 1124, C. I. n. 956 u. s.w. Dass der Prie- 
ster selbst das Opfertbier schlachtete, zeigen Homer H. Apoll. 535, 
Luciau de sacrif. c. 12, Plut. Morr. p. 1102C u. s. w. 

. _ 2) So die XovTQoyoQOQ der Aphrodite in Sicyon Paus. II. 10. 4, 
nag&hoq Uqwovvtjv inhuov l'xovoa: die tJQtoiöeq Ugeta» rtjq h *Aqyn 
"Jfguq Etyin. M. pw 436; der dapy^pogo? in Theben Paus. IX. 10. 4, 
liQtvq hutvaioQ 4 es isnenischen Apoll ; die vns**av<riQiu ^A&Tjvüq Uqim 
in Soli, Plut. gu. Gr. c. 3, or* noutval nvaq &voias xa» UgovQylaq 
unoTQonaiovg: auch Gvotuticq al rfj I2iQOtq>ovfl ItQovprva* (Hesych. I, 
p. 1750) und die yf^a^al und. piXtaaat in Athen, obgleich diese bei- 
den Nam " " " 

Anecdd. 




§.35. Obliegenheiten und Rechte der Priester. 188 

fiuliooas, deren Name gewiss von piXco&ai kommt, Spanheim ad 
Callim.H. Apoll. 110, Böckh expl. Find. p. 633, Lobeck Agl. p.817. 
Doch finden sich bisweilen Namen bierhergezogen, die nicht eigentlich 
Priestern angehören , wie die xtqvQtpoqoq Caxopoc ßtafdargta 'Pitys 
Nicand. Alex. 217, der xQt&oXoyoq nnten not. 13 n.s. w. 

3) Serv. ad Aeneid. I. 73 : sacerdos dieatus est numini, hoc est 
ad obiequium datus est; daher vTirjqhai, &tov Poll. I. 14 nnd näher 
dpa-inoXot oder nQonoXoi, auch UganoXot (G. I. n. 1793), nicht bloss 
dichterisch (Loheck Agl. p. 1235), sondern auch in amtlicher Spra- 
che, wie der d/tq>iitoXoq des Apoll in Argos (Plnt. qu. Gr. 24) nnd 
des Zens in Syrakus (Diodor. XVI. 70); Tgl. G. I. n. 1839 nnd die 
gründliche Erörterung hei Ebert Suttl. p. 117 — 129. 

4) Homer. H. Apoll. 539: vqov dl ngoyvXax&t , did§x&t n yvV 
uv&qtanwvi vgl. den Ckryses der lliade I. 39 mit Plat. Repnhl. III, 
p. 394 ; <? T* Tiomort tJ h va&v olxodopytrtoiv rj h U<jtüv övoiaiq xf/a- 
Qiaphov JtOQijocuro , nnd Atb. VI. 27: tlq rrjv imdxivqv loa reo) ... 
didovcu ro dqyvqt^v onoaov av ol tw* Uqioiv imoxivaoral fico&toOtoOi.v. 

5) 'AyvivHVt Demosth. Androt. §.78; Tgl. den Kid der ytQauqal 
adT. Neaer. §. 78 und die Nichttheilnahme an den Begrabnissen bei 
Plat. legg. XII, p. 947 C. 

6) Ueher die Weihe (ooluotg) s. Lucian. Lexiph. c. 10; über 
die Achtung vor ihren Personen aber Plut. V. Alcib. c. 29 und V. 
Alex. c. 1 1 oder Aelian. V. H. XIII. 7 : ort tXXiv tt}v Qtjßaiwv noXiv 
l4Xi£avdQoq t untöoro rovg IXtv&tgovq nuvraq nXrjv IfQbav. Die Miss- 
handlung des argi vischen Priesters durch den wahnsinnigen Kieo- 
menes bei Herod. VI. 81 beweist natürlich nichts dagegen. 

7) Iliad. XVI. 604: og Jto\ lyevq 9 Idaiov htn/xro, &toq d' w? 
xUro dqt*an vgl. Plut. qu. Rom. 113: hta/ov vijq'EXXdöos drtiggonov 
t}v %q Tijq IfQwovyqq dtltofia ngog t© %ijq ßaoiXtlag x. t. X. 

8) Maron wohnt h aXat* Jevägylvri, <Polßov ^AiioXXtayoq % Odyss. 
IX. 200; nnd eben so der Priester der Athene Kranäa an Elatea 
Paus. X. 34. 4: Ttjv rt üXXijv diauxav t%n naqd ry &eui Mal XoxrvQd 
doafiiv&oi xatd rgonov tlolv avra rov aQ/alov, welcher lezterc Fall 
namentlich .auch zeigt, dass Krenser Priesterstaat S. 142 mit Unrecht 

' die Wohnung im- Tempelbezirke auf erbliche Geschlechter beschränkt; 
doch fuhrt derselbe allerdings auch Beispiele des Gegentheils an, 
obgleich das umgekehrte Verhaltniss bei Paus. IV. 33. 3 , wo der 
Priester das Bild in seinem Hause hat, am Ende selbst wieder auf 
die alte Genossenschaft herauskommt. 

9) Artemid. Oneirocr. III. 3: xal ydq rkr? r&v &eS>v dnaQx**$ *o 
l'&og ImTQinti avroTq Xapßuvitv, xal rgonov nvd uno &twv Tqtyovraii 
Tgl. Iliad. V. 9 und Paus. I. 38. 1 : Xfyovrtu di ol 'PhtoI Kofjtjq 
Uqol xal dq/A7]TQoq iU<u f xal tovq Ix&v? $t avvwv tott; Ugtvoiv fort* 
ulqilv pavoiq* 

10) Hesych. II, p. 666: <r«? iv tw &tdrgm xa&idgaq tp^laftan 
rtvffiqfthas n(xxdQia<; ligeva*: Tgl. Schol. Aristoph. Ran. 297 und 
C. I. n. 101 u. 2421 ; aueh Panofka sopra una iscrisione del teatro 
Siracusano, . Fiesole 1825. 8. / 

11) rtfja Acschin. Ctesiph. §• 18 oder Ugwavva Ath. IX. 6, d. h. 
t« Tor? &*oVq l$uiQovt*tva fitf?}, Bekk. Anecdd. p. 44; vgl. Krenser 
S. 143 und Böckh im Berl. Winteiltataloge 1835—36. 



15» Th. //. C. III. DU Personen des Cultus. 

12) Hesych. I, p. 1706: favpoQia dnaoxy ^V9iaq jy o Xapßdvovoiv 
a* liQtfq xoiaq, tnttdäv &vijtoi\ Tgl. Sc hol. Aristoph. Plut. 1181 oder 
Vesp. 695 : voftoq ijv ro vnoXtmofuva rtjg övoiaq tov Uqka Xapßavtiv, 
ä tlaw otov Mo/tata xal xtoXut, und bestimmter C. I. n. 2656 : xal 
krjyixai, t£* &vofiivw äijpooia u<p indavov ugtlov xötXijv xal tu inl 
xioXjj vi/toftfvu xal Ttxaqxntio^lSa onXuyxviov xal tu dtyiccerai auch 
n. 2265 und Ross inscr. III, p. 51, wo freilich nicht fi^l Xapßa- 
vho) zu lesen seyn wird* 

13) Von den {hrokug fq/*ov*iiot scheint wenigstens in Athen viel- 
mehr der Staatsehatz die Haute oder das Geld dafür empfangen zu 
haben , s. Böckh Staatsh. II, S. 249 und C. Inscr. I, p. 251 , und 
auf die ähnliche Einnahmsquelle bezieht sich offenbar auch der 
Name der xtoXaxyixvu f wie sie Schol, Aristoph. Ar. 1541 schildert: 
dXXu_ xal Tee tlq &tovq dvaXtoxo/iua d*a voVTtar dvtjXioxrvQ , . . ra/Uat 
d\ tjouv xal ngotarwreq tyq o*qt*ooiaq oiTrjotwq, wo ich auch die 
lezten Worte nicht wie St. A. §. 151 auf die Speisung in Prytaneum, 
sondern auf die drjuo&oivius (§. 31 , not. 5) deute; ganz eben so 
aber stellt sich in seiner Art der opuo tische xQi&oX6yoq bei Plut. 
qu. Gr. c. 6 dar, der offenbar auch als Staatsbeamter den Priestern 
entgegengesezt wird: tot (tkv ovv inl twv &vatu>v uyxorta xal rauxaq 
xo t ut£6ptvov vdq dnagxdq Xfji&oXoyov (vv6pu£ov. 

14) Dahin namentlich die ftyvq/iol oder Colleeten, wie Plut. 
Republ. II, p. 381 D, C. I. ü. 2656, und mehr im Allg. Tertullian 
Apolog. C. 13: cireuit eauponas religio mendicans, exigitis mereedem 
pro solo templi, pro aditu sacri, non licet deos nosse gratis, venales 
sunt etc. 

15) To UgongmU (Xenoph. Conv. VIII. 40) oder otpvov, wie z.B. 
Aristid. de quatuorr. p. 159 von Perikles sagt: Xfytru* ßtwvcu ovtoi 
oiftvüq, toqre i*r]dbr twv nqotptft&v xal r&v Uqtov vor ixiivov ßiov dW» 
q>iQtwi vgl. Eurip. Ion. 56, Diog. L. VI II. 70, und die interessante 
Stelle über Aeschylus bei Ath. 1. 39: iZtvQt tt}v rJjq QToXrjq tvjiQt- 
miuv xal oepvQvqTa, i}v tyXmoantq ol Ugoydnat, xal tiajoüxoi dp- 
tpUrtvnai. 

16) Vgl. Plat. legg. Xu, p. 956 A: xQ**P axa ** Xfv** ngknwrt uv 
&toZq «*7 xul uXXofrt ual h vq>f/> ßdp/unä di juj BQoqvfy&r; und mehr 
bei Säubert de sacrif. p. 212 und Bahr mos. Symbol. II, S. 88. 
Die vwixoßanra io&ypara bei Aeschyl. Eum. 1010 gehen offenbar 
auf Cultus der Unterirdischen, wie die e>om**tf«? bei der Verfluchung 
Lys. adv. Andoe. §.51; und wenn dem orea-avijvoQoq dos Herakles 
Ath. V. 54 noggtvQovq ftiooXtuxog £<*o»y beigelegt wird, so sagt der 
Schriftsteller dabei ausdrücklich: & l/iaiiou rvgatwoq qvi doch kennt 
Strabo XIV, p. 959 allerdings auch ngog>tfQav iiQiüfihqv vov jjuouiq- 
Xiöoq JiQ<i in Magnesia. 

17) Vgl. Saubert p. 188 fgg. und mehr oben §.24, not. 8; na- 
mentlich auch das OTQoqnov . des athenischen Hierophanten (Arrian. 
fipictet. III. 21. 16) und Daduchen (Plut. V. Aristid. c. 5 mit Olear. 
ad Philo* tr. p» 335) und über den. axtipanj^oqoq als Priestertitel van 
Dale diss. antiqu. illnstr. p. 360 fgg. und Kwald in Mus. Brem. 
II. 2, p. 219. Auch orip/Mila h x*Q<*' Hiad. I. 14, Tgl. Spanheim 
ad Callim. H. Ger. 45 und Sturz Emped. p. 102. 

18) S. Plut. V. Aristid. c. 5, Plaut. Rud. II. 3. 46, Lucian. 
Pseudom. c. 11, und insbes. Artemid. Oneirocr, I. 18: dya&ov dl 



§. 36. Gelaufen und Diener der Priester. 171 

xai 0094» dvdql xai Uq*V xai ßdrrn xal ßaoiXtZ . . . Toi'Tiw fUQ otq 
/ikv *&q<; iail xopäv, olg d\ ro imxTjdtvfia xopnv iniTqini*. Anders 
jedoch das aufgelöste Haar der Frauen bei Küster ad Aristoph. 
Thesmoph. 847. 

19) Macrob. Saturn. I. 8: UUe Gratco ritu eapUe mperto res 
divina fit; vgl. Varro das. III. 6 und die bildlichen Darstellungen 
bei Millin peint. 1.8, Gerhard vases etr. tav. 2 u. s. w. Auf 
Barfnsaigkeit darf dagegen ans dem pytbagoriscben Symbolnm bei 
JambL V. Pytbag. §. 85 um so weniger geschlossen werden , als 
Porphyr, abstin. II. 46 ausdrücklich Reinheit, der nkdtXa rerlangt. 

20) Polyaen. strateg. VIII. 59 t rfjq 'A&yvac. y Ikqna motu ro 
röfiifioy ixtirqq rrjq yfUfaq navostlia* t^ovan xai TQiXotpoir xQupoq i) 
naXlLo-iT] xal /Atylort] rwv naqOhiav x. t. X. Auch die Keulen in dem 
Apparate eines Herakles tempels auf Kos bei Ross inscr. gr. III, 
p. 52 gehören vielleicht solcher Bestimmung an , obgleich gerade 
der dortige Priester des Herakles sonst weibliche Kleidung getragen 
haben soll, Plut. gu. Gr. 58. 

21) Vgl. Pens. VIII. 15. 1 und mehr bei Creuxer Symb. II, 
S. 522, Eckennann Melampus S. 111, Constant V, p. 25; insbes. 
auch Tertullian ad nationes II. 7x cur rapitur sacerdos Cereris, si 
non tale Ceres passa est? und Schol. Aristid. T. III, p. 22t h %alq 
nepTiatq o pkp Jto*vaov 9 o di £a%VQ9V t o de Bdxxov dvtXdßiTo Ojpp/tct, 

22) So Paus. III. 16. 1 : xoga* <fi UgurreU oa-vO* naq&hok xaXov- 
Htvai xutu Tavru raTq O-taVq xal avrai, Atvxmnidiq : und die /?ax£o» 
Plat. Pbaed« p. 69 C, vgl. Schol. Aristoph. Equ. 408: ßdxx** % *} ™ 
tu* diovvoop ixdXovv /toVot, dXXd xul auvretQ xot)c TfXovrraq rd oqyia 
ßdxxovq txdXow x.r. A. 

23) Vgl. C. 1. n. 1446: Uqkav xard yivog Kagttlov Olxha xal 
JTaovt/frv Jqohiu&k xai Homidwoc JtfAartifta mal 'HqoxUovq Tlwd^/a, 
xal KaQuq xai Ttptriov tu» h r<p "EX** xal xmr ovyxac>täQv/*&ip avroZq 
&t£r xal aXXatv fcüivt n. 2720: Uyia rov Ilava/uxQov dto$ xal tjJc 
'Exdrrjq xijq dqöoipoQov . . . Uqkt //*•? XgvoaoQiov x, r. A. Früher nur 
bei Gesammtculten, wie in Opus Plut. qu. Gr. 6: di/o d* yoav UgHq 
nag avTotq, o ptv utql rd &iia Tiraypivoq, 6 dfc izcqI tu öaipovM. 

24) Uqxxqw, «uerst wohl Plat. legg. XII, p. 947 At fVct xcct 
hutVT&r ro? nQÖtow xqMrra vwp ytffiivmv Ixtivto tw Ivutvrä) IfQfwv: 
später aber namentlich in Asien sehr häufig, in Lesbos C. I. n. 2184 
fgg., Cypern, n. 2619 fgg., Stratonicea, n. 2719 fgg., Aphrodisias 
n. 27*6 fgg., 2812 %g., Magnesia n. 2911 fgg., Ephesus n. 2955 fgg., 
Philadelphia n. 3416 fgg., Sardes n. 3459 fgg. , Thyatira n. 3495 fgg. 
u. s. w. j vgl. van Dale diss. antiqu. illnstr. p. 230 Jgg. und über 
den dQX"Qn>s *v* ^^«? insbesondere Meier in Hall. Encykl. Sect. 
III. B. XVI, S.426. 

§• 36. 
Neben den Priestern bedurfte und besass übrigens 
der Tempelcultus noch eine grössere Anzahl Ton Per- 
tonen, die theils bei einzelnen Gelegenheiten bestimmte 
Gebränebe Yenrichteten , theils jene selbst in der Ver- 
waltung des Tempels und der Opfer unterstüzten und 



198 Tk. II. C. III. Die Perfme» des Cmlius. 

In sofern auch jeder im seiner Sphäre an der Heiligkeit 
ihrer Würde Tbeil nalunen 1 ). Die erstere Ciasse ward 
zwar lediglieh ans der Mitte der Gemeinde herausgenom- 
men, ohne mit dem Cnltns in einer näheren Beziehung 
zn stehen , als die in dem Geschäfte, wozu jeder vor- 
übergehend berufen ward, von selbst lag 5 gleichwohl 
nahm man auch hier so viel als möglich dieselben Rück- 
sichten wie bei der Bestellung der Priester, und so wenig 
daher die Trager und Tragerinnen heiliger Gegenstande 
bei Processionen, die Knaben und Madchen, welche zu 
Chorreigen oder sonstigen Dienstleistungen für die Gott- 
heit erkoren wurden, oder gar die öffentlichen Beamten, 
welchen die Sorge für einzelne Cultuszweige oblag, mit 
jenen verwechselt werden dürfen, so finden wir doch 
die Foderungen angesehener Geburt 2 ) , sittlicher Unbe- 
scholtenheit oder Jungfräulichkeit 3 ) , und körperlicher 
Schönheit oder Stattlichkeit der äusseren Erscheinung 4 ) 
vielfach auch auf diese ausgedehnt* Nur die zweite 
Classe oder die ständigen Tempeldiener mögen anfäng- 
lich mehr dem niederen Burgerstande angehört haben, 
der solche Dienste um Lohn versah 5 doch verschaffte 
auch ihnen ihr gottesdienstlicher Charakter und die Haus- 
genossenscbaft des Gottes eine höhere Achtung, die sich 
selbst auf die oben §. 90 erwähnten Sclaven ausdehnte, 
deren der Tempel wie jede andere Haushaltung bedurfte 5 ) $ 
und wie uns schon aus frühester Zeit hin und wieder 
eigene Geschlechter begeguen, welchen auch solche Ver- 
richtungen als erbliches Recht zustanden 6 ) , so wurden 
manche von diesen in der Kaiserzeit geradezu Gegen- 
stand des Ehrgeizes oder der Auszeichnung für hochge- 
stellte Männer, ohne dass übrigens daraus ein Schluss 
auf ihre ursprüngliche Bedeutung erlaubt wäre. Dahin 
gehören vor Allem die Neokoren oder Küster beiderlei 
Geschlechts 7 ), unter deren Aufsicht und Sorge nament- 
lich das Tempelhaus mit' seinen Zubehörungen stand 8 ) ; 
ferner die Herolde 9 ), welche nicht nur die Gebote und 
Verkündigungen des Cultus ausriefen l0 ) , sondern auch 
dieselben Dienste, welche sie in den homerischen Königs- 



§. 36. Gehülfen und Diener der Priester. 173 

hausern leisteten , das Einschenken des Weins und die 
Zerlegung des Schlachtviehes, bei den Opfern und den diese 
begleitenden Mahlzeiten versahen n ) , bis allmälig auch 
dafür eigene Weinschenker 12 ) und Schlachter 13 ) üblich 
wurden; und wenn es auch zu weit fuhren würde, alle 
örtlichen Spielarten des griechischen Tempeldienstes bis 
in diese Sphäre herab zu verfolgen 14 ) , so bilden doch 
noch eine namhafte Gattung im Allgemeinen die Sänger 
und Musiker, welche theils zum Vortrage der Hymnen 15 ), 
theils zur Begleitung des Opfers und der Chöre 16 ), theils 
auch zu den, der versammelten Menge zu gebenden Zei- 
chen nothig waren 17 ), und dazu gewiss auch oft aus- 
drücklich unterrichtet und erhalten wurden. Ueber- 
haupt kann man annehmen, dass der grössere Theil 
dieser Tempeldiener, sey es beständig oder wenigstens 
an den regelmässigen Opfertagen , auf ähnliche Art mit 
den Priestern im Tempelraume zusammen speiste, wie 
andere Diener öffentlicher Culte in Athen ihren Tisch 
am Staatsheerde im Prytaneum hatten 18 ) $ und aus die- 
sem Gcsichtspuncte fällt dann wohl auch das richtigste 
Licht auf die vorzugsweise sogenannten Parasiten 19 ), 
die zwar nicht als Untergebene, wohl aber, wie es 
scheint, als Beamte oder Vertreter einer Gemeinde den 
Priestern beigeordnet waren, und in dieser Eigenschaft, 
woraus ihre einzelnen Geschäfte und Befugnisse sich von 
selbst erklären 20 ), auch die Opfer im Namen der Ge- 
meinde an dem priesterlichen Tische verzehren halfen. 

1) Demosth. Mid. §. 55 : o* vobw x°Q°l KK)Tf? ol yiyvopwo* xal 
ol X°Q t ]y°*' ' äijXov ort, xuq fAv qp*QU$ ixtivag, äg ouwp/d/ffd-a ini xov 
dy&pa, vntQ vpäv OTt<pavoufit&a . . . rov ovv §lg roi'rroyy rwu raiv X Q* V ~ 
r&tf ij r£v XOQTjy&v vß^ovra in **#£« *&U T * nkyv dotßrfv ^ao/ttv; 

2) Knaben bei Polyb. XII. 5. 10, Hesych. II, p. 1599, G. I. 
n. 2715 t t'doU rfj ßovXfj aHotVaO-a* vvv in zur fit ytyovoTwv natöag 
TQuinopTU, ovgv$vug xa&* (xaarrjv qfifQav «£*tgu o natöovo/iof tlg to 
ßovltVTTJoioy XivxH/tovovwaq xal loTtyavufibovg &aXXov y fyorrag di 
fifvu xttQa** o/ioioi/q &aXXovg, otrtvtq ov/tnagovrog xi&ctQKJzou xal xtjqv- 
xog fjfoorTtu vpvov x. r. X. Jungfrauen bei Callim. Li Pall. 34 und 
in der Mehrzahl der folgenden Beispiele. 

3) Schol. Theoer. IV. 25 ; dal di tu &top6<poqia ravra • nag&tvoi 
yvvatxtg xal rov ßiov Offiwal xaxd vy* ypigav vijq rtX&ijq rüg vo/tipovs 



174 Th. IL C. III. Die Personen des Cultus. 

ßißXovs »et* ttf«c viüq v&v noovptV avxüv dwti&toa* nal aiciroi JUra*, 
vevovocu dniJQxorvoi und ähnlich die xavqyoQot, (Schol. Theoer. II. 66; 
Aristoph. Acharn. 242; Hesych. II, p. 136; C. I. n. 2298. 3602. 
4362), aQwvoQoi (Btjm. M. p. 149, Harpocr. p. 48; C. I. n. 431), 
VmXtjvoqq*, (Polyb. XII. 5« 11), vdyovoQoi, (Porphyr, abstin. II, 30, 
G. I. n. 2879 fgg. , Spanheim ad Callim. L. Pall. 45, Panofka Ter. 
rakotten S. 47 ) u. s. w. Auen verheuratbote Frauen wenigstens 
mj^TOJioam:, Ath. VI. 26, vgl. roll. III. 39. 

4) So der xptopo'go? su fanagra nach Paus. IX. 22. 1 : o? d' uv 
tlvai r&v l<prjßb)v jLQoxQtd-fj %o iidoq xuAXioroq, ovroq h 'Eq/iov vjj 
ioQTtf ntQkKJiv h xvxXat tov rtixotx; *x*>* agra inl tAv £fta>v: und 
selbst Greise , wie die &uXXoq)oqoi, an den Panathenäen , Xenoph. 
Symp. IV. 17 u. s. w. 

5) Eurip. Ion. 131 : xXnvoq d' o novo*; po* üioToi dovXav x*Q* 
?/«»* ov dvarorc x. t. A. Dass ausserdem auch tou dieser Classe 
mitunter Ehelosigkeit verlangt wird, zeigt die yvvn vttaxoooq bei 
Paus. II. 10. 4. 

6) Wie die ntjgvxfq bei den IJleusinien, vgl. H. A. Zeibieh de 
cerycibus 'mysticis, Vitemb. 1752. 4, und F. Vater rerum Andoc. 
part. I, Hai. 1840. 8; die Thauloniden oder ßovrvnoi, die xtrrptddo* 
und daixqoi bei den attischen Dipolien, Porphyr, abstin. IL 30, 
und mehr im Allg. bei Bossler de fam. sacerd. p. 14 fgg. 

7) Auch Caxo^o* und twofrixopot, wie jene bei Her. VI. 134, 
ungenau von Suidas u. A. durch Ityna erklärt; richtiger Etym. M. 
p.407 vwxQQoq rjyovv y öiaxvvovou ntyl to Ugov f mit der weiteren 
Bemerkung i %o 4\ t« oir» *<n» itxav&a fomfrtxoV, dXXdrvi xijq dt« 
nQo&iows, Xv # ätdxogosi oder soll es nach Buttmann Lezil. I, 
S. 220 s. v. a. Svuxovoq seyn ? Jedenfalls sind föxoQoq und vtwxoyoq 
Synonyma , und wenn Thomas Mag. p. 404 Bern, ersteres für 
offivoTtqQv t» erklart, so meint er wohl nur die altertümlichere Wort- 
form, die aber eben desshalb in solchen Culten, welche das Feier- 
liche und Mystische suchten, fortwährte; vgl. C. lnscr. I, p. 470. 
913, II, p. 242, und mehr bei Dorv. ad Char. p. 390. 

8) NwxcQoq di ovx © oagwv tov viwv 9 uXX' 6 IntfitXov/uvoq uvtov, 
Suidas II, p. 340, vgl. p. 610: o tov vuov xoofiuv xul tt/TpfSiCw, 
äXX* ovx ° ouywv, wo jedoch Bernhardy mit Photius lex. p. 296 die 
lezten Worte weglasst; und allerdings erklart Etym. M. a.a.O. 
geradezu o tov vuov xooßiviv xcd oaQ&v, wie denn auch das Fegen 
nicht nur in der Abstammung, sondern auch in dem Beispiele des 
euripideischen Ion v. 191 fgg. begründet liegt. Zwar heisst er 
auch l({>fvq und Ion nennt sich selbst v. 414 einen nqofprjTJjq tov 
&*ov, gleichwie Hyperides bei Ath. XIII, 59 ttjv vno^nv xul Zuxoqov 
'AtpgoöiTTjq verbindet, so dass es nicht auffallen kann, wenn Machon 
bei Athenaeus VIII. 18 den vrwxoQoq sogar ein Opfer vollziehen 
lässt; dem eigentlichen Priester blieb er jedoch dabei fortwährend 
untergeordnet, wie Aelian H. A. IX. 33, Aristid. serm. sacr. IV, 
p. 516, Polyaen. strateg. II. 2. 8 zeigen; und erst das Beispiel 
vorderasiatischer Culte, wie das ephesische bei Xenoph. Anab. V. 
3. 8, scheint bewirkt zu haben, dass die spätere Zeit ein wirk- 
liches Ehrenamt daraus machte, vgl. C. I. n. 3190. 93. 3201. 3484. 
97 und mehr bei van Dale diss. antiqu. ill. p. 299 fgg. Vaillant 
in *M. de TA. d. I. II, p. 545, und Krause cm Utes neocorae sive 
aeditnae, Lips. 1844. 8, p. 56 fgg. * 



§. 36. Gehülfen und Diener der Priester. 175 

9) 'Itgoxpgvxtq , wie adv. Neaer. §• 78: ßovXofiai di vfitv xal toV 
IfQour/qvxa xcoUocu, uq imqQtTtl rij %ov ßuotXiwq yvvaixl, Zrav i£oQHoZ 
rdq yfoawuq h xavotq nyoq i<ä ßafftu: vgl. Ross inscr. I, p. 27 und 
C. 1. n. 190. 1969. 2347c. 2525b. 2982. 83. 90. 3641b u. s.w. 

10) Vgl. Ath. IV. 32: rov itgoxijQVxoq rdq nargiovq n'xdq xara- 
Xtyorvoq ovonhd ovrr q , und mehr oben §. 21, not. 6 und 28, not. 9; 
auch Lucian Alex. c. 19: xaXfonv i'futXXt xard ragty rovq dtdtoxoraq 
vno xijyvxi xal &toXoyw, woraus vielleicht zugleich auf die ötoloyovq 
des C. I. n. 3148. 3199. 3348. 3803 ein Lieht fallt. 

1 1) Vgl. im Allg. die Abhh. de praeconibus von Scherer, Argent. 
1745, Harless, Jena 1765, Mosebach, Frankfurt 1767, Ostermann, 
Marburg 1845, und Humpert de civitate Homerica, Bonn 1839. 8, 

4p. 28 fgg. ; hierher aber insbes. Ath. XIV. 79: «fy«y d\ ol xtjqvxtq 
Üxqi noXXov ßovS-nrovvxiq xal oxtvd£orriq xal ptOTvXXovrc q , *t« di 
oivoxoovvTtq x. t. X, 

12) Olvo X 6o$ C. I. n. 1798 und 1849c, selbst d^&tvo X ooq n. 1793b 
und oivo<pvXul 3663 ; anders jedoch wohl der x u ^°9^oq n. 1297; 
vgl. Osann Auctar. lex. p. 167. 

13) Bvrair oder ftdy*n>oi, freilich eben sowohl auch bei Privat- 
opfern, vgl. Menander bei Ath. IX. 31: UQoitqtnijq ntoq iaxtv jjftwv 
V rix**?* und menr D *i dems. XIV. 78, auch G. I. n. 1793b und 
1849c, wo der fidyngoq förmlich unter das gottesdienstliche Personal 
gezählt ist« 

14) Z. B. dmiQoTtjq Poll. I. 35$ ätdxwoq C. 1. n> 1793b; t l Q tq 
das. n. 1798; int&vfiiaTQoq das. n. 2983; hziaQXoq das. n. 2052; 
Ifuovofioq das. n. 3595. 97; UgoipoQoq das. n. 1793b, 2384; xavaxavra$ 
Plut. qu. Gr. 21; xfQvoyöqoq Nicand. Alexiph. 217; xtOTotpoQoq und 
xfiartjQtaxoq C. I. n. 2052; Xtivovgyoq das. n. 200. 2882} Xtxvnq,ögoq 
das. n. 2052, Callim. H. Cer. 123, Ath. XI. 56; XoiT(,idtq Hesych. 
II, p. 498; XvxydnTQta C. I. n. 481 ; ZvXtvq Paus. V. 13. 2; nVQyogoq 
Xenoph. rep. Lac. XIII. 2, Vit. Eurip. p. 134 West., C. I. n. 402. 
1175. 1586; onovdocpogoq Paus. V. 15. 6, Poll. I. 35; TQunftoyogoq 
Bekk. Anecdd. p.ä07; vdguvoq Hesych. II, p. 1444 u. s. w. 

15) 'Ynro>6ol und v^vgau G. I. n. 3148. 60. 70. 3201. 3348 
u. s. w. , vgl. van Dale diss. antiqu. ill. p. 578 fgg. und Welcher 
syll. epigr. p. 183. 

16) Insbesondere Flötenbläser zur Begleitung des Opfers, daher 
UgavXrjq (G. Inscr. I, p. 325) oder onovduvXqq das. n.2983; vgl. 
Ath. VIII. 41 und das Vasenbild bei Miliin I. 8. Doch gab es 
auch d-vaiaq dxogovq xal dvavXovq, Wytt. ad Plitt. p. 184. 

17) 'itQooaXntyxTqq, G. I. n. 1969. 2007h. 2983, nicht Ugoq oaX- 
myxrrjq^ wie Poll. Onom. IV. 87 verlangt, obgleich dieses eben 
so gut wäre. 

18) Vgl. St. A. p. 127, not. 15 und über die priesterlichen Mahl- 
zeiten insbes. Aristot. Politic. VII. 11. 3: intl tö to nXij&oq rijq 
nöXuaq duugttjay liq IfQtuq xal dq a^orra?, ngfritt xal tutv Uqitav 
ovoofrut Tttgi rrjv twy Ugait oixodopyficcvitiv 1'%hv T 7 V ▼*&*• 

19) Vgl. Lebeau in Hist. de l'A. d. I. XXXI, p. 51 — 68; Pa- . 
störet hist. de la legisl. VII, p. 333; Walckenaer vie d'Horace II, 
p. 290; Fritzsche de Aristoph. Daetal. p. 24; Preller ad Polemon. 
p. U5; Meier in hall. Encykl. Sect. III, B. XII, S.4I7. 



176 Th. IL C. III. Die Personen des Cultus. 

20) Wie «. B. die Einnahme des Kornzehnten , die man aber 
desshalb nieht mit Wachsmath H. A. II, S. 617 als ihr einziges' 
Geschäft hinstellen darf; vgl. Poll. Onom. VI. 35: lorl <ft xal nuq* 
roTq naXatoXq rovropct, ov firjv ip' ov »fr*, uXXu fai ifQaq vnqQtoiaq 
vovvoftd f<mv, otov o litt Trjy tov Uqov otrov ixXoyyv alqovfiuvoq , und 
mehr bei Ath. VI. 26 : td liu/*y*M &v1t(o o Uqivi; /irret %$n nuqa- 
airmv . • . IntfitUVa&ai, <ft tov ßaoMa tov uti ßaodevovra xal rovg 
Ttagaahovq ovq av ix t&v drjpwv TiQoatQ^vrat . , . toJV dfc ßooiv rot* 
jjytfUtotr rolv ^atQovfihott xo i*\v tqItov ptgog ?iq top äywva, rd cfi 
ivQ f*(Q7] to i*kv (Ttqov Tai ItQtV, to dh Toff naqaalxot<; x. t. k, Catan- 
bonns vergleicht sie mit den römischen Epulonibus; doch seheinen 
sie immer mit bestimmten Tempelculten des Apoll, Herakles u.s.w. 
vorzukommen, worin dann auch ihr Unterschied von den obigen 
(§. 11, not. 10) IfQonoiotq lüge, mit welchen sie sonst die meiste 
Aehnlichkeit haben. 

§. 37. 
Desto unabhängiger steht dagegen dem Priesterthnme 
ron vorn herein die Weissagung oder Mantik gegenüber, 
welche wir oben bereits als Dollmetscherinn des gött- 
lichen Willens kennen gelernt haben, obgleich allerdings 
auch hier wieder der wesentliche Unterschied eintritt, 
ob der Mensch diesen Willen durch unmittelbare Ein- 
gebung zu erfahren oder erst aus äusseren Zeichen künst- 
lich zu erkennen glaubte *)• Denn wenn auch die Ab- 
stammung des Wortes auf einen Zustand geistiger Auf- 
regung deuten sollte 2 ) y so ist es doch bereits im Alter- 
thume anerkannt s ) , dass erst unter dem Einflüsse apol- 
linischer Religion, welcher nur noch ein oder der andere 
verwandte Cult beigesellt werden kann 4 ) , der Begriff 
einer eigentlichen Verzückung Wurzel fasste, in welcher 
die Gottheit selbst durch den Mund des von ihr Beses- 
senen zu reden schien 5 ), während alle sonstige Weissa- 
gung nur Zeichendeutung war $ und so stellt sich leztere 
namentlich auch bei Homer dar, dem jener Begriff enthu- 
siastischen Seherthums noch ganz fremd ist 6 ). Nur 
im Traume lässt auch er schon die Gottheit sich dem 
Menschen unvermittelt offenbaren 7 ) 5 doch unterwirft' er 
auch diesen mitunter wieder kunstgerechter Auslegung, 
die wenigstens auf keiner übernatürlichen Gabe beruht 8 ), 
und eben so erscheinen auch seine zahlreichen Beispiele 
eigentlicher Seherkunst lediglich als Ausflüsse derselben 



§. 37. Von der Weissagung und ihren Arien. 177 

Zeichendeutung, deren scharf ausgebildetes System auch 
später nicht mit den vereinzelten Fällen seherischer Be- 
geisterung verwechselt werden darf 9 ). Dass auch jene 
unter Apolls gemeinschaftlichem Schutze steht 10 ) , hebt 
diesen Unterschied eben so wenig auf, als wenn auch 
sie wie jede andere menschliche Kunst Und Fertigkeit 
ihren Ursprung von der Gottheit herleitet oder in erb- 
licher Geschlechtsfolge fortgepflanzt wird n ); was die 
Gottheit verleiht, ist doch in der Regel nur eine mehr 
als gewöhnliche Schärfe und Klarheit der Beobachtung 
und ihrer Organe 12 ) als Mittel zum Verständnis der 
göttlichen Zeichen , deren Anwendung in den einzelnen 
Fällen des Sehers eigene Sache bleibt , und von diesem 
nach Belieben vorgenommen oder unterlassen, ja das 
Wahrgenommene wieder vergessen werden kann 15 ) 5 und 
9 schon die Verbindung der Kenntniss von der Zukunft 
und der Vergangenheit, wie sie gerade den homerischen 
Sehern eigen ist 14 ), lässt uns auch in ersterer nur eine 
durch Uebung und Geschicklichkeit erworbene Wissen- 
schaft erkennen. Freilich konnte der einzelne Seher in 
dieser auch irren oder seine Kunst absichtlich zur Täu- 
schung missbrauchen, und desshalb sehen wir ihn auch 
statt des gläubigen Vertrauens, das er in früherer Zeit 
geniesst, allmälig mancher Geringschätzung 15 ) und ei- 
nem Argwohne ausgesezt, der selbst von Staatswegen 
Maassregeln zur Beaufsichtigung und Controle hervor- 
ruft 16 )$ das Ansehen der Kunst selbst aber erhielt sich 
bis an «las Ende der classischen Zeit ungeschwächt 17 ), 
während den Aeusserungen unmittelbarer Weissagung 
fast nur in den Orakeln eine geachtete Stätte blieb 18 ). 
Träume galten zwar fortwährend unter gewissen Um- 
ständen für göttliche Mittheilungen, welchen selbst Phi- 
losophen ihre Aufmerksamkeit nicht versagten 19 ); um 
so niedriger aber standen ihre Ausleger schon darum, 
weil sie nur solchen dienten, die jene Offenbarungen 
nicht selbst zu würdigen verstanden 20 ) $ und was son- 
stige Sehersprüche betraf, so beschränkten sich diese 
mit geringen Ausnahmen auf Ueberlieferungen ' unter 

M 



178 Th. IL C. IIL Die Personen des Cultus. 

mythischen Namen, die im Besitze gewinnsüchtiger 
Sammler 2I ) anf die willkürlichste Art angewendet wur- 
den, nnd um so weniger dauernde Achtung geniessen 
konnten, als ihre groben Verfälschungen schon den Au- 
gen der Zeitgenossen keineswegs entgingen 22 ). 

1) Plutarcb. V. Homeri c. 212: ravrtjq ovv ro /ikv Tf/wxcy yaoiv 
ilvui ol 2%mxol % otov ItQooxonluv xul olojvovq xul ro ntgl qnjfiuq xul 
nltjdoyag xai ovfißoXa , to dl uTtxvov xul udidauxov, rovriortv hvnvt.a 
xul h&ovotuopoi: vgl. Cic. Div. I. 18, Serv. ad Aeneid. III. 359, 
und mehr im Allg. bei Peucer de praecipnis gencribus divinatio- 
nnm, Vitemb. 1572. 8, Baldiger in Graer. Thes. antiqu. V, p. 361 — 
542, Rons archaeologia Attica, Oxf. 1658. 4, p. 334 — 374, Potter 
I, S. 593— -777, Müller Dor. I, S. 340, Böttiger Kunstmythol. I, 
S. 60 — 118, Völcker Wesen und Ursprung der griechischen Mantik 
in Allg. Schnlz. 1831, N. 144 — 146, Wachsmnth H.A. II, S. 584— 
601, Limburg- Brouwcr V, p. 213 — 306, Metzger in Paulis KeaJ- 
encykl. II, S. 1113 — 1185. 

2) Muvrixrj = nuvtxrj, Plat. Phaedr. p. 244; vgl. Tim. p. 71 : 
ot'dfl? yuQ l'rvovc; iyanrtrai f*urrutrjq h&tov xul uXtj&ox«; tlXV f[ xu&* 
vnvov trjv t^c vQovijoioiq mdrj&tlq dvvupiv y diu voaov tj tw« h&ov- 
ohxohov 7iaQuXXä£ug, und mehr bei Eustatk. ad Odyss. I. 203. 

3) Paus. 1. 34. 4 t £wp2? & tiXtjv oaovq }$ 'AnoXXwvoq ftuvtjvui 
qxtoi ro a^«rov (tdvrtwv f ovStlq XQV ü f*°l°y°S *}*% uyu&ol 6Y ovtiQuru 
ittjyiTo&vu xai dtayvwvui nxrjöin; o^vid-tav xul onlay%»a Uq&v. 

4) Wie des Dionysns nach Eurip. Bacch. 296: to yiig ßaxx*v- 
oifiov xul ro ftavta»d(<: navrixrjv noXXrjv l'/ui und der Nymphen oder 
Musen, woher die povooXrjnToi oder vvfupoXijnro^^ wie Bacis bei 
Paus. X. 12. 6 mit Muller Orchonv. S. 145 und mehr bei Spanheim 
ad Gallim. H. Del. 83, Salmas. exerc. Solin. p. 132, Ast ad Plat. 
Phaedr. p. 238 D; im Allg. auch CR. Pabst de diis Graecorum 
fatidicis, Bern 1840. 8 und Wieseler conj. in Aeschyl. Eum. p. xxiii. 
Die Sibylle dagegen " bezieht sich in allen Formen auf Apoll,** 
Klausen Aeneas I, S. 212. 

5) Daher xaTfx°f***°> (xuto%qi) und Q-toXrjntot , Aelian. V. Hist. 
XII. 64; auch &tonuvjn% (Plat. Apol. p. 22 C) oder *V£«oi, Inmot, 
Plat. Phaedr. p. 265, -Meno p. 99, Ion p. 536, und noch häufiger 
bei späteren, z. B. Plut. Amat. c. 16, Origen. c. Gclsum V11I, 
p. 407, Jambl. de myster. III. 9, Arnob. I. 62 u. s. w. 

' 6) Sehr richtig entwickelt Völcker a.a.O. S. 1165: "erst nach- 
dem der Mensch durch die früheren Stufen der Mantik zu, dein 
Glauben an die Möglichkeit von Weissagungen gekommen war, 
konnte er es wagen, aus innerem Geiste durch die fiuvrixy urfxvoq 
in die Zukunft blicken zu wollen, naturlich von geringen Anfängen 
ausgehend , von Combinationen und Schlüssen durch blosse Klug- 
heit und Erfahrung bis zu kühnerer Weissagung und endlich gar 
prophetischer Ekstase fortschreitend"; nur hätte er eben dessbalb 
die leztere nicht schon bei Homer finden sollen. Wohl hat man 
auch hier frühe angefangen , selbst die einfachsten Aeusserungen 
voraussichtigen Scharfsinns, die schon Cicero Div. I. 49 non diirini 



§. 37. Von der Weissagung und ihren Arten. 179 

Impetus , Med rmtionis humanae nennt , auf göttliche Eingebung xa 
beziehen, vgl. Plut. V. Homeri e. 212, Aristid. rhetor. II, p. 27 fgg.; 
und noch zahlreiche Nenere, wie Nagelsbach homer. Theol. S. 164, 
Metzger a.a.O. S. 1121, Heibig in Jahns Archiv IV, S. 290, Pabst 
de diis fatid. c. 4 , haben wenigstens für den Theoklymenus der 
Odyssee XX. 347 fgg. die Gabe der Prophetie in Anspruch genom- 
men; doch vgl. Voss krit. Bl. I, S. 12, Lobeck Agl. p. 260 — 264, 
Nitzsch erkl. Anm. II, S. xxu und III, S. 76 — 79. 

7) Kai ydq r ovag Ix Jioq iorw % Uiad. f. 63, vgl. Apoll, lex. 
Homer, p. 121 : ov**Qoq dno rov to oV tXunvl und mehr bei Nitzsch 
z. Odyss. I, S. 314, Völcker a. a. O. S. 1165, Metzger S. 1122, 
Nägelsbach z. Was S. 93 und homer. Theo!. S. 159 %g. 

8) 'OvtigonoXoq , nicht nur 6 ßX^Tnav aihoq ovtiQovq xai xax avvovq 
TiQoXtytoV) sondern auch o rovq vn äXXtav ßXciofthovq duvxQivwvy was 
der Rec. in Hall. A. L. Z. 1841 E. Bl. S. 568 nicht bestreiten 
durfte; Tgl. Iliad. V. 149 und Eustath. ad Iliad. p. 48. 

9) Galen, ad Hippocr. riet. morb. acut. I. 15, p. 441: toi;? diu 
Tijq tüiv oyvi&wv jirqofUM; pavnvofihovq /uuvrnq UäX(0f t xuirot to tov 
Itdrcttaq ovopa xai » ftavrucn xuxu naatov r<ov ovrta nooXfyovoüv vtvv&v 

f7Zl<ptQtlUl . , • CUA O y£ ln7lOXQUTT]Q Tovq ouovtOTuq fiovot/q ovo/tu£ti 

parretq vqavrtoq tw noiijTfji Tgl. Iliad. XIII. 70: oi/V o yt Kdl%aq 
iorl t &eonf}6noq QimviOTjjq % und über O-toJtQoxoq als Zeichendeuter 
insbes. Buttmaaa Lexil. I, S. 20. 

10) Kalehas Iliad! I. 72} Polyphides Odyss. XV. 252; Tiresias 
Soph. Oed. Tyr. 410 u. s.w.; vgl. Call. H. Apoll. 45 und Schwartz 
de nntiqu. Apoll, natura p« 15 sqq. 

11) Erbliche Sehergeschlechter hat Völcker N. Jbb. V, S. 45 
und Allg. Schulz. 1831, S. 1163 mit vollem Rechte gegen Lobeck 
p. 266 behauptet und namentlich in den Melampodiden nachge- 
wiesen; vgl. K. Eckermann Melampus u. s. Geschlecht, Gott. 1840. 8; 

v aber gerade daraus folgt nur, dass auch deren Weissagung tVrtjfyo? 
war, da die ärtxvoq als rein persönlich nicht übertragen werden konnte. 

12) Wie wenn Melampus, Kassandra, Tiresias dadurch zu Sehern 
wurden , dass Schlaugen ihnen die Ohren reinigten , damit sie die 
Stimmen der Vögel verstanden, vgl. Porphyr, abst. III. 3 und 
mehr bei Böttiger Raub d. Kass. S. 29 und Eckermann Melampus 
S. 5; im Allg. aber Klausen in A. L. Z. 1833, Sept. S. 12 fgg. und 
Nitzsch z. Odyss. III, S. 79: "hierin liegt offenbar die Vorstellung, 
dass den Sehern ein Feinsinn beiwohne.*' Dabei bleibt jedoch 
diese Mantik immer eine t^/vtj OToxaorixr} , wie Eustathius p. 1410 
sagt und Euripides bei Plutarch def. oracc. c. 40 ausdrückt » ftavnq 
d* ugiavoq oqnq ftxdfr* xuküq: vgl. Plat. Phaedr. p. 244 C : rrjv yt 
rwv ipygoxov tyrijon rov fteXXovtoq diu tc oqvl&mv noiovftivrjv xai luv 
uXXiop ctyptiüHr, ut (x dtavoiaq noq^ofihtav uv&qvtiIvt} olrjaH vovv re 
xai loToqiav. 

13) Tiresias bei Soph. Oed. Tyr. 315: ytv atv $ vqovtZv toq foivov 
l'v&a firj TtXri Xvn qiQovovvTi' ravta ydq xnXuq ly<o ilöotq dnüXtc* ov 
ydq a¥ öevq Ixopijv* ' 

14) Iliad. XVIII. 250 : o ydq oloq oqa nqoaoa) xai oniaau : vgl. 
I. 70 und Odyss. XXIV. 451. 

15) So schon Aristoxenus von Seltnus bei Hephaslioa de metris 
VIII. 1: Tiq äXu^ortav nXtiozav naqtx** t«r uv&qvjiotv ; ol pdvxw- 

M2 



180 Th. IL C. HL Die Personen des Cultus* 

vgl. Eorip. Iphig. Aal. 961 , Plat. Republ. II, p. 364 3, Plut. V. 
Lycurg. c. 9, Luclan. Demon. c. 37, Polyaen. strategg. III. 9,. 9, 
Diog. L. VI. 24, Aesop. fab. CXI11 u. s. w. 

16) Sehol. Dem. Mid. §. 115: Itoonotov ö*\ xaXovoi roV Inonrtvovra 
vovq puvrtiq Qit &vovoi, ptjnov t* xuxovQywoiv iv Talq &voicuqi vgl. 
Cyrop. I. 6. 2, wo sogar Xenophon räth, sich selbst mit der Zei- 
chendeutung bekannt zu macbeb, onwq ftq <f*' uXXwv ioftqvi'oiv Tuq 
luv &ttov ovpßovXiaq ovveirjq ... xal pj} inl fidvrtoiv eXqq, ei ßovXotvro 
at itaTlUTfJv ttsQu XiyovTtq jj tu iiugd tw» &twv otjftaivofttva : auch 
Plat. Lach. p. 199 A: xal o vopoq ouro) tuttii, firj xov ixüvriv iov 
OTQuryyov uqxhv, dXXd tqv OTQaryyd* roii /xuvreojq, und Aeneas 
Tact. c. 10. 

17) Artemid. Oneirocr. III. 13: &taq (X rtq vnoXaßoi ytvto&ai, 
IfQtvq uv yivQtro rj fiavrtq* rfjg yuo uvrtjq roVq &totq xal ovroi Tvy/avovoi 
rtnijqi Tgl. Gic. diy. I. 43: quis vero non videt in optima quaque 
re publica plurimum auspieia et reliqua divinandi gener a valuisse? 
nam et Athenienses omnibus semper publieis eonsiliis divinos quos- 
dam sacerdotes, quos ftuvreiq vocant, adhibuerunt etc., and mehr 
oben §. 33, not. 9. 

18) Noch Paus. X. 12. 6, nachdem er die verschiedenen Sibyl- 
len, die mythischen Stifterinnen der Orakel zu Delphi und Dodona, 
und die gleichfalls durch gebends mythischen Euklus, Musäus, Ly- 
kug, and Bacis aufgezählt hat, schliesst mit den Worten : roauvrai 
filv axQtq lf*ov kkypvxav yvvaXxtq xal uvÖQtq ex &eov fiavrevaaödat,* iv 
dh tu XQ° V( !> *<!> noXXat xul av&iq yhotTo uv erega roiavra, so dass 
er also nicht einmal wie Cic. div. I. 18 Epimenides oder den 
Akarnanen Amphilykus bei Herod.I. 62, geschweige Apollonius von 
Tyana und andere Tbehrgen der Kaiserzeit dahin gerechnet zu 
haben scheint; vgl. auch Julian bei Cyrill. VI, p. 198: q>uirexat de 
xal tu aviQ<?vij xQV aT VQ ta Tal S T ^ v XQ° V(0V fXxovra TieQioSoiq' o d/j 
<f>iXuv&go)Tioq ^fAOJv ötonoTyq xal naryf) Zivq hvoqoaq, wq av /uy nav- 
tÜTiaot, Ttjq TtQoq rovq &toi'/q unoOTeg^&öifiev xotv(oviaq 9 didwxev Tj/itir 
J*« twv Uq<üv t*xyw* faioxtipiv , vq>* yq nqoq rdq %qfiaq t$ofitv ti}v 
(Itzoxqwouv ßotj&eiuv. Das Verzeichnis» bei Clcm. Alex. Stromatt. 
I, p. 333 aber wirft vollends alle Gattungen alter Mantik durch 
einander. 

19) Aristoteles bei S. Einp. adv. Math. IX. 21 : orav yuq, yqalv, 
h t$ vnvovv xa&* tavTijq ybtjTai q WX 1 ?* ™ T * Ttjv Idiav dnoXaßovoa 
giiocv ngofiavvtvfTui tc xul TiQoayoQevec vu fiiXXovTa: vgl. dess. parva 
natur. p, 462 Bekk. und mehr über die Frühträume bei Plat. republ. 
IX, p. 573, Moschus Idyll. II. 5, Cic. div. I. 51, Horat. Serm. I. 
10. 33, Plut. qu. symp. VIII. 10, plac. phil. V. 2, mit den Erkl. 
zu Ovid. Heroid. XIX. 195, Wytt. ad Plut. p. 595, Böttiger Kunst, 
myth. I, S. 88, Becker Charikles II, S. 112; im Allg. aber Aesch. 
Prom. 485 : raiv oveiQurwv u 6tV vtmxq yevia&ru (vgl. Dorv. ad Char. 
p. 291, Valck. ad Ammon. p. 217, Wytt. ad Plut. p. 1005, Ast ad 
Plat. legg. p. 356) und die Classification bei Macrob. S. Scip. I. 3 : 
omntum, quae videre sibi dormientes videntur, quinque sunt prin- 
eipalei' et diversitates et nomina : aut enim est ovetQoq seeundum 
Graecos, quod Latini somnium voeant, autestogapu, quod visio 
reete appellatur, aut est xQVf tttria f*°? » quod oraeulum nuneupa- 
tnr, aut est trwmo», quod in somnium dieitur f -aut est yavTctor//«, 



§. 38. Von der Zeichendeutung insbesondere. 181 

quodCictro, quo lies opus hoc nomine fuit, vis um voeavil; woran* 
tcr jedoch nur den drei ersten vorbedeutendc Kraft beigelegt ward. 

20) Aristoph. Vesp. 52: §lv* ovx lyta dovq dv oßoXw ji«j&(öaof*cu 
VTioKQtvoftevov ovto) oa<j>£>q oviigaxu; Tgl. Plut. V. Aristid. c. 27 oder 
Alciphr. epist. III. 59 ; nag' ivu tat tu mvdxia nagd to '/axjffTo* 
ngori&ivrwv xa> rovq ovdgovq imoxgivfo&a* viuaxvovfihoiv ßovXopvu 
iX&aiv rag o*vo tuvtuq dguyjidq xaraßaXtov Ttjv <pavtlöav oynv po* xaree 
roi>g vTivovq diTjyrjouo&ai , and mehr bei Lobeck Agl. p. 253 and 
Meier in hall* Encycl. Sect. III, B. III, S. 452. 

21) Xgyoniöv dia&hai (Her. Vif. 6, d. b. Ordner nnd Verkäufer, 
wie Heinrieb de diasceuastis Horoericis, KU. 1807. 4, p. 18, worin 
jedoch allerdings auch das Geschäft der <?iog&a>oiq begriffen ist, vgl. 
Lobeck Agl. p. 334, Nitzsch bist. Homeri I, p. 163, Eichhoff de 
Onomacrito p. 6) oder ttqyov/ufvot rot)? naXuiovq xg^a^otq (Schol. 
Aristoph. Pac. 1031. 1046), auch schlechthin ^piyoyioildyo* , obgleich 
dieser Ausdruck zugleich auch die wirklich begeisterten Seher oder 
Xgijofioidovq (Plat. Meno p. 99) umfasst nnd von jenen selbst nur in 
sofern gebraucht wird, als sie die in ihrem Besitze befindlichen 
Orakel mittheilen oder anwenden; Tgl. Thucyd. II. 21: xgtjopoXoyo* 
6\ ijdov xgqofiovq jiavrolovq, <ov uxgouo&a* (aq ixaoxoq üiigyjyvo, und 
mehr hei Böttiger Kunstmythol. I, S. 108, Limburg - Brouwer V, 
S. 245, Lobeck Agl. p. 978, Grafenhan Gesch. d. class. Philologie, 
Bonn 1843. 8, I, S. 195 f ss . 

22) Vgl. St. A. §.165, not. 15 und Freret observations sur les 
recueils des predictions ecrites, qui portoient les noms de Musee, 
de Bacis et de Sibylle, in M. de VA. d. Inscr. XXIII, p. 187 — 212; 
im Einzelnen aber mehr über Musäus bei Passow Musäus, Lpz. 
1810. 8, S. 34 fgg. und Lobeck Agl. p. 299, über Bacis bei Nie. 
Loensis epiphyll. IX. 11, Perizon. ad Aelian. V. H. XII. 35, Bern- /j 
hardy griech. Lit. I, S. 175; über die Sibyllen bei Boissardus de 
divinatione p. 196 fgg. , Ciasemus de oraculis p. 493 fgg. , Fabric« 
bibl. Gr. I. 29. 30, ßöttiger Kunstmyth. I, S. 105, Kreuser homer. 
Rhaps. S. 319, Klausen Aeneas u. d. Penaten S. 201—312, G. H. F. 
Heidbreede de Sibyllis, Berl. 1835. 8, und über ihre freilich nicht 
einmal mehr dem classischen Alterthume angehörenden vorgeblichen 
Sprüche Thorlacius Opuscc. IV, p. 213 fgg. V, p. 1 fgg., Bleek in 
Schleiermachers und de Wettes theol. Zeitschr. 1819, B. I, S. 120 fgg. 
II, S. 172 fgg. , Dähne Darstellung der jüdisch -alexandr. Relig. 
Philo«. II, S. 228 fgg., Gfrörer krit. Gesch. d. Urchristenthums 
II, S. 121 — 173 u.s.w. 



§• 38. 
Der Quellen, woraus die griechische Zeichendeutung 
den Stoff ihrer Weissagung schöpfte, werden insbeson- 
dere vier gezählt: Vögel, Vorbedeutungen, Stimmen, 
Opfer l ) ; obgleich auch von diesen wieder bisweilen Ein- 
zelne den Namen der Mantik für sich allein in Anspruch 
nahmen 2 ) , Andere dagegen ihr Gebiet zugleich über 
verwandte Erscheinungen dergestalt ausdehnen, daas z.B. 



182 7%. IL C. III. Die Personen des Cultus. 

die Vogelschau im weiteren Sinne de» Worts den grös- 
seren Theil aller vorbedeutenden Zeichen umfasste 3 ). 
Uebrigens hatte auch die Weissagung aus Vögeln selbst 
eine um so grössere Ausdehnung , als diese nach allen 
Einzelheiten ihrer Lebensart mit methodischer Sorgfalt 
beobachtet wurden 4 ) , um nicht allein in ihrem Fluge, 
sondern auch in ihren Sitzen, Lauten u. s. w. Spuren 
göttlicher Mittheilung zu finden 5 ) $ ja jeder Vogel hatte 
wieder seine eigene Symbolik 6 ) , und wenn auch ein- 
zelne derselben vor anderen als weissagerisch galten 7 )> 
so blieb doch auch deren Bedeutung" fortwährend von so 
vielen äusseren Umständen abhängig, dass es dazu allein 
schon einer besonderen Wissenschaft bedurfte 8 ). Nur 
für die Mehrzahl lässt sich die allgemeine Regel auf- 
stellen, dass, weil die Seite des Aufgangs als die rechte, 
des Untergangs als die linke betrachtet ward 9 ), jene 
Richtung Glück, diese das Gegentheil zu verkündigen 
schien 10 ); und Aehnliches gilt dann auch von Blitzen n ) 
und andern atmosphärischen oder Himmelserscheinungen, 
worin man Vorbedeutungen erblickte 12 ), dessgleichen 
körperlichen Erschütterungen 13 ), wie das Niesen 14 ), und 
idenr mancherlei Begegnungen in und ausser dem Hause, 
die der Aberglaube in jenem Sinne ausbeutete 15 ) , ob- 
gleich auch diese nach Maassgabe des Falles sehr ver- 
schiedene Deutungsweisen z uliessen. s Denn was diese 
ganze Gattung zur Weissagung geeignet machte, war 
doch eigentlich nur die Ungewöhnlichkeit oder Abwei- 
chung vom ordentlichen Laufe der Dinge, die man 
nicht als zufällig denken konnte, und folglich von un- 
mittelbaren göttlichen Einwirkungen ableitete 16 ) ; diese 
konnten aber eben sowohl schon an sich den Charakter 
günstiger oder ungünstiger Zeichen tragen, als diese Be- 
deutung erst durch sonstige Umstände empfangen, und 
damit hatte es dann eben die Auslegung zu thun, indem 
sie zugleich zur Abwendung drohenden Uebels die nötlii- 
gen Mittel angab 17 ). Am wenigsten bedurfte es dieser 
noch bei den Stimmen, welchen man eine vorbedeutende 
Kraft beilegte, weil sie unerwartet oder ohne wahrnehm- 



§. 38. Von der Zeichendeutung insbesondere. 183 

baren Ursprung das Ohr berührten 18 ); desto entwickel- 
ter dagegen erscheint sie hinsichtlich der Opfer, wenn 
auch hier wieder zwei sehr verschiedene Arten von 
Weissagung zu trennen sind. Die eine derselben, die 
unstreitig die ältere und vielleicht selbst die Quelle ist, 
aus welcher die homerischen Priester und Opferer ihr 
Wissen von der Zukunft schöpften 19 ), bezog sich auf 
den Verlauf des Opfers selbst, namentlich auf die Art, 
wie dasselbe verbrannte 2°) , und die Gestalten , welche 
seine Asche zugleich mit dem kunstgerecht gelegten 
Reisig hinterliess 21 ); ungleich vorherrschender ist jedoch 
in nachhomerischer Zeit die Eingeweideschau 22 ), die 
woher immer entlehnt 23 ) bald alle übrigen Gattungen 
in den Hintergrund drängte, und zugleich auf die Opfer 
selbst den Einfluss gewann, dass sie allein über die 
Gültigkeit derselben und die darauf zu gründenden Hoff- 
nungen entschied 24 ). Im Allgemeinen war es freilich 
auch hier die normale Beschaffenheit des Opferthiers in 
seinem ganzen Innern , wovon diese Entscheidung ab- 
hing 25 ); gleichwie jedoch gewisse Thiere vor andern 
zu dieser Art von Weissagung geeignet erschienen 26 ), 
so knüpfte sich dieselbe auch unter den inneren Theilen 
selbst vorzugsweise an die Leber, die ohnehin als ein 
Sitz seherischer Gabe betrachtet zu werden pflegte 27 ), 
und deren Farbe, Integrität u. s. w.' daher auch den 
wesentlichsten Gegenstand und Maassstab mantischer 
Wissenschaft abgab. 28 ). 

1) Hauptstelle ist Aeschyl. Prom. 486 fgg. • kürzer Xenoph. M. 
S. I. 1/3: "oaot fiamxrjv *of*i£ovTtq oiwvotg %t j^cwtcu xul q>ij/uai<; xai 
ovußoXoK; xui &wfiai$: vgl. Symp. IV. 48 u. Hipparch. IX. 9; auch 
Aeliaa. V. Hist IL 31, Flut. V, Homeri c. 212, Jambl. V. Pythag. 
XXVIII. 149 u. s.w. 

2) Schon Homer Ödyss. I. 202 sezt den iiuvrtq, der ihm sonst 
gerade omviOTyq fet (s. §.37, not. 9) , dein olwvwv ouq>u findig ent- 
gegen, vgl.- Nägelsbaeh z. Jlias l. 02; und wenn jener auch dort 
noch immer vielmehr rtgaroaxoTioq (Oed. Tyr. 604) als Opferschauer 
seyn wird, so herrscht doch spater der lestere Begriff anfs Ent- 
schiedenste «darin vor» während Plat. legg. XI, p. 933 C wieder 
n*tv%.«; und TfQuxooxonos scheidet; Tgl. oben §. 33, not. 9 und 
Xenoph. Apol. §.13: ol p\v oUavovq tt xul wqttaqr mal avftßoXovq rt 
xui fturteiq oVo/*a£oi/a» %ovq Ti<ß007] puivov iag efottt, wo offenbar puvrHq 



184 Th. IL C. IIL Die Personen des Cullus. 

die Stelle der *obigen &vola* einnehmen ; auch die Beispiele , wo 
(fijjuat und navj da* neben einander stehen , wie bei Libanius IV, 
p. 120: ityjTovv dt} ntgl rovroiv ov ovußuXoiq, ov gttjfiatg^ ov juavriituq 
dv&Q<anwv, xairo* diu rovttav etjpufoovoi* ol &tol t« doxovvra % wofern 
nicht hier vielmehr Sehersprüche darunter zu verstehen sind, wie 
Plat. Kpin. p.985C, Plut. adv. Colot. c. 31 u. s. w. 

3) Gramer, anecdd. Oxon. IV, p. 240: ryg oiwviOTixtjq ro fi\v 

iOTiV OQVtOO*07ll*OV , TO de olxoOXOTltXQV , TO de fvÖÖlOV , 10 6h /f 1.^00X0- 

jiixov, to de naXpartxovi Tgl. Suidas II, p. 672 und über die allge- 
meine Bedeutung von oUavog Iliad. XII. 243, Herod. IX. 90, Eurip. 
Orest. 776, Xenoph. Anab. III. 2. 5, insbes. aber Aristoph. Av. 719: 
oQ-nt re vofiifare ndv&* oauneg negl /lavreiag duxxgive*, g>t}fiq y v/iVv 
oyviq torlv, nrag/tov d* oqvi&u xaXette, lufißoXov ogviv, gxüvtjv ogviv 
x.t. iL mit Hesych. II, p. 1294 oder Phot. lex. p. 549: avfißoXog 
olwvoq, obgleich darin auch umgekehrt die Erweiterung des ersten 
Begriffs liegen kann , wie Hesych. II, p. 706 : avfißoXovg rovg diu 
%5>v nrag/A&v oiwviOfiovg tXeyov , . . t*i4? d} rag dtd rijq' vqftyg yivo- 
ftivaq pavreiag, oder Gelsus bei Orig. IV, p. 222: el de ogvi&eg uga 
xul oaa Cwa pavrixd £x &eov ngoyivojaxorra diu ovftßoXatv ijt*ug diddaxii, 
und Schol. Pind. Olymp. XII. 10 : fPiXo'/ogoq d} rag ix yr/fiyg ftav- 
veiag, rovrean xXydovug xal nragjiovg tj qxovdq tj (pTjpaq jj dnavTqoeiq, 
oi'ifißoXd (fTjOi Xeyeo&a*. 

4) Aeschylus i yaiixpü>vi>x(ov re nrrjaiv olwvwv axeO-gwg diWQio 
dirlvig re <ft£to* <pvoiv, evoivv/iovg re xal dlairav yvriva l/ova txaorot, 
xal nQog dXXijXovq rlveg I'x&qu* T * xa ^ axegyrjO-fja xal ovvtdQiai : vgl. 
Soph. Antig. 981 fgg., Stat. Theb. III. 503 fgg., und meflir im Allg. 
bei Niphu^ und Bulenger de auguriis et auspiciis in Graev. thes. 
V, p. 326 fgg. , Eschenbach de auguriis veterum in Diss. acad. 
p. 551 fgg.» Murin in M. de TA. d. Inscr. I, p. 330 fgg.» Nessel de 
auguriis Graecorum, Upsala 1719. 4, Spanheim ad Gallim. L. Fall. 
123, Böttiger Kunstmyth. I, S. 93 fgg. 

5) Linguae et praepetis omina pennae, Aeneid. III. 161, oder 
noch genauer Synes. insomn. p. 132: Iv oQvi&wv xXayyaVg xal xa&i- 
dgatg xal nrqoeon über die Laute insbes. auch Celsus a.a.O. 
und Olearius ad Philostr. V. Apoll. I. 20, über die Sitze Eurip. 
Hercul. für. 596: oqviv idwv rw ovx ev alaioiq tdgaiq, mit Schol. 
Aristoph. Av. 275 und Hesych. I, p. 1278: l'&dgov rov ovx aToiov 
dicjvoVf ovx ev&erov ogvw, ovx h diom rijv edgav \'xovra y vgl. Aeliati. 
H. A. XVI. 16 u. s. w. Mit Recht sieht übrigens Schneider ad 
Oppian. Argent. 1776. 8, p. vi und ad reliqu. libr. Frider. II, 
Lips. 1789. 8, p. 144 in diesen Beobachtungen die Incunabeln^ wis- 
senschaftlicher Ornithologie; s. auch Heyne Opuscc. III, p. 271. 

6) Plaut. Asinar. II. 1. 12 t pieus et eornix est ab laeva, eorvus 
porro ab dextra consuadet; vgl. Cic. div. I. 40 und Voss ad Virgil. 
ecl. IX. 15. — Der Reiher (egoidtog) ist heimlichen Unternehmun- 
gen günstig, Schol. Ven. Iliad. X. 274, vgl. Schnöde win zur Kritik 
der Poetae lyrici S. 106. — Nocturnae aves inauspicatae, Bulenger 
p. 412, Näke Opuscc. II, p. 243. 

7) Call. L. Pall. 123: yvwoetTiu d' oQvi&ag oq aXoioq, oX re nk- 
rovrai TjX(,&a xul notov ovx dyad-ul nrkgvyegx Tgl. Odyss. II. 182: 
ovdi ye nuvreg haioipo*, d. h. nengto/iivov r» dyXovvriq, Eüstath. 
p. 1440. 60. Eiil freilich mancher Sichtung bedürftiges Verzeichnis« 
der ogvi&iq pavrtnal oder xQV°*r/Q t( » 6*°* Potter I, S. 722 fgg. ; ins- 



§. 38. Von der Zeichendeutung insbesondere. 185 

besondere sind es Raubvögel (die dessbalb auch vorzugsweise oltavoi 
heissen, Schwarte de antiqu. Apoll, natura p. 16; ob von oloq oder 
otw? Lenncp. etymol. p. 652) und darunter zunächst der Adler» 
fttyaq oluvoq xal ovx ld«ort,xoq xal tvd6£oq, Xenoph. An ab. VI« 1, 23, 
vgl. Iliad. XXIV. 310 fgg., Theocrit. XXVI. 31,' und mehr bei 
Spanheim ad Call. H. Jov. 69; unter den übrigen aber (xifjxoq, 
Odyss. XV. 525, T^o^off, Plut. Pyth. orac. 22, xooajr?, Porphyr, abst. 
III. 4) namentlich der Rabe, Delphicus ales (Petron c. 122) oder 
0oißov Xdrgtq (Anthol. Pal. IX. 272), Tgl. Aelian. H. A. I. 48: ogviv 
avxov qtaoiv Itgov xal *AnoXXo>voq dxoXov&ov^ ravrd rot xal pavr ixoVq 
av/ißoXoiq dya&ov oftoXoyovai rov avrov xal orrtvovral yt ngoq rtjv 
ixthov ßorjv oi avviivrsq ogvtß-tav i'ögaq xal xXayydq xal nrijanq avrojv 
rj xard Xatuv x* r <f a *V * aT " <J*S««*» auch Giern. Alex. Protrept. p. 9 
und mehr bei Böttiger Kunstmyth. I, S. 97, Creuser Symb. I, S. 349, 
II , S. 602 u. 665 , tickermann Melampus S. 22. 

8) Galen, ad Hippocr. acut. morb. vict. I. 15, p. 443: ygofirjv 
ovv avrovq 9 il rov ontoqovv ntrofifvov dgiortgov T] d&iov ogvt&u ravrijv 
*X (l * 9 a( fl tijv dvvapiv, ovdlv Tjyovptvot diayignv il vyyXoraroq iotiv 
ij ngoqytioraroq rj ftirulv . . . toqavrotq <ffc xal ntgl, vov nXrjaiov rt 
xal noggto diiordvai rov oltovov ygofiip fl §irjd\v avrotq diawgtt* o /a\v 
ovv "Aqay Vq>aoxiv ovdlv diuptgeiv, o dfc "EXXyv dtwgt^tro xal ntgl rov 
ovftfthgov dt£tov xal dgtartgov 9 xal ytygdq>&ai ravra roVq olwviaratq 
tXfye, rdq di dpirqovq dnoordctiq ivavriaq thai ratq ififihgmq ffav- 
aatq . .. Vyvmv d&iogtarov (tlv rov "Agaßa y diwgiOftbov dfc xal rf%vtxov 
rov "EXXrjva, rix v VS Y*Q ipncigty vr}v xgiaiv rüv ß-tiaqrjpdrvv ^/ovajy? 
T} dtugxovla xard ro öiatQiopfoov rt xal ddiogiorov yiyvtrai. Ein in- 
teressantes Bruchstück griechischer Augural disciplin gibt die ephe- 
sische Inschrift C. I. n. 2953: tjv t*lv dnoxgvyßjj, d*boq 9 rjv, i* indgy 
rrjv tvüvvfiov nriqvya, xav Indgrj xav ditoxgvy/fl, tvwvvftoq' ix di rfjq 
dgioxtqrjq tlq rrjv d&rjv ntrofitvoq, tjv p%v i&vq dnoxqvxpy , ivdtvvpoq, 
jjv dfc rrjv dttirjv nxiqvya Indgaq x. t. il. 

9) 'iliad. XII. 239: tXr inl Sil? Xuoi ngoq r]ü ijiXvov t«, tXr te* 
uQiOTtQu roi yt norl to<pov yigolvra: vgl. Plut. plac. phil. IL 10: 
Jlvß-ayoQaq^ IlXartov, ^giaroriXt^q d(£id rov xoofxov rd dvaroXtxa ptyq, 
«V* ot* 7 dq^rj rrjq xwrjoHuq, dqujrtqa 6% vd dvTtxd, und mehr bei 
Bulenger p. 401 fgg.» Voss krit. Bl. I, S. 42, und Nitzsch z. Odyss. 
I, S. 91. 

10) Cic. div. II. 39: ita nobis sinistra videntur, Grajis et bar- 
baris dextra meliora, nach Voss u. A. weil der griechische Beschauer 
nach Mitternacht, der römische nach Mittag blickte, nach den 
Alten aber, weil der Grieche nach sich (Aristot. de coelo II, 2), 
der Römer nach den Himmlischen rechnete, für die rechts sey, 
was für die Menschen links, vgl. Plut. qu. Rom. c. 78 und Serv. 
ad Aeneid. II. 54 oder 693, während Artemid. Oneirocr. II. 36 den 
griechischen Standpunct ausdrückt: d&ov <ft xal ivävvfiov ov nqog 
rov ovqavov dtl vottv, dXXd ngoq rov jjXiov. Jedenfalls ist dem lez- 
teren tvwwtiov für uqkjt(qqv nur euphemistisch (Eustath. ad Odyss. 
I. 121), dagegen dt£iov, wenn auch bei Homer nur erst noch in 
eigentlicher Bedeutung (Heyne ad Iliad. VII. 184), doch spater 
s. v. a. atatov im weitesten Sinne, wie cfr£«a Ugd Poll. I. 162 u.s.w. 

11) Bgovral piytorov oluviarygiov , Xenoph. Apol. Socr. §.12; 
vgl. Iliad. II. 353, IX. 236, Odyss. XX. 100, Pind. Pyth. IV. 23, 
auch dthov Jioq regaq Eurip. Phoen. 1189 u. s. w. 



186 Th. IL C. in. Die Personen des Cultus. 

12) Jioorjftiat, oder diorrrjutTai , nicht Stoatjfuta^ Tgl. Grauert über 
Aratos in Niebukrs Rheiu. Muf. I, S. 336 und Hase ad Jo. Lydum 
de oslentis p. 388 Bekk. Aach Erdbeben, Paus. III. 5. 8 und mehr 
hei Bulenger p. 515 fgg. 

13) Für die pavTixt] Ix nalftuv hat der apokryphische Melampus 
bei Franz Script, pkysiognom. Altenb. 1780.8 eine abenteuerliche 
Symbolik aufgestellt, die dem classischen AHerthume gewiss fremd 
ist; doch vgl. das Zucken des Auges bei Thcocr. Idyll. III. 37 mit 
Eustath. ad Iliad. VII. 184 und Muret. V. Lectt. IX. 6. 

14) JTtuq/io$ Ix tw* d^wr, Odyss. XVII. 541; Tgl. Xenoph. 
Anab. III. 2. 5, Theoer. VII. 96, XVIII. 16, Plutarch. V, Themist. 
c. 13, und die physiologischen Bemerkungen von Aristot. problem. 
XXXIII. 7 fgg., auch Menander bei Stob. Serm. XGVIII. 8: Xv- 
nolftfS^ Sv mUQtj rtg t und den Segenswunsch Ztv oShsqv Anthol. Pal. 
XI. 268. 3 mit' den Erkl. zu Cic. div. II. 40 und Petron. c 98, 
dann Bulenger p. 454 fgg. und was Fabricius bibl. antiqu. p. 611 
citirt , insbes. Morin sur les souhaits en faveur de ceux qui eter- 
nuent, in M. de l'A. d. Inscr. V, p. 436, und Einzelnes mehr bei 
Keuchen ad Fro'ntin. stratcg.'I. 12. 11, Boisson. ad Aristaen. II. 5, 
p. 657, Hildebrand ad Appul. IX. 25, p. 815, Becker Charikles II, 
S. 408. ' 

15) 'i?i>od»o* ov/ißoXoi Aeschyl. Prom. 485, Tgl. Gramer Anecdd. 
• IV, p. 241 : hodiov di oTav ItyyijoyTal rig tu h odüt vnurvwvra Xlyw*' 

iuv 00» vnavtTjOT] roiovrog uvd-Qwnoq 37' rod« ßaa tu^cjv y rod«, ovjjßtj- 
airal 00t, rode: eben dahin aber auch dessen oIxooxotuxqv 9 oxuv Iy rfj 
oxkyrj q>avjj yaXrj tj oq>iq rj f*v<; 9 tj ixxevw&ij i'Xaioy if piXt y olvoq tj 
ycQQa, 7} TigtOfios |iUwv ff uXXo %i\ Tgl. Theophr. Char. 16, Plaut. 
Stich. III. 2. 7, und die hvxtjt«; und 7i4ftg>iyiq bei Nake Opuscc. 
II, p. 245 fgg. nebst andern freilich meist römischem Aberglauben 
entlehnten Beispielen bei Bulenger p. 494 -fgg. und Steger die Pro- 
di gien und Wunderzeichen der alten Welt, Braunschweig 1800. 8. 

16) Theophr. de planus V. 3: 610 xcu ot/d' ol ftäweiq tlta&aot, 
vovto xqivttv a>q TtQctq, ro yaq tlotfroq ov rigrt$: vgl. Xenoph. M. S. 
I. 4. 15 und mehr bei Nägelsbach homer. Theol. S. 146 fgg. mit 
Heibig in Zeitschr. f. d. Alterth. 1843, S. 660 und Metzger a. a. O. 
S. 1135. 

17) TfQUTooxonoi , Tgl. Eicbstädt im Jenaischen Prorectoratsprogr. 
1823, p. 6 und Plutarch Gryllus c. 7 : äXtxTQWv d' äXixTQVovoq tm- 
ßaivatVf &qXiiuq ftfj naQovoijq, naru7iif*7i(juTai. fooq, ftuvTiüq rtvog 7 
TfQaroaxonov ntya xal duvov uiioqxiivorvoq tfocu ro ytvoftevovt obgleich 
es bei späteren Schriftstellern allerdings schwer ist, griechische 
und römische prodigiorum proeuratio zu trennen. Doch haben wir 
auch im classischen Griechenland z. B. die »yrakusisQuen yaXMoraq, 
interpretes portentorum, Cic. dir. II. 20, Aelian. V. H. XII. 46. 

18) KXqdovfq oder «jp^a*, auch ottou, und opipul, Tgl. Ruhnk. ad 
Tim. lex. p. 197 und Buttmann Lexil. I, S. 21 , im Allg. aber Bu- 
lenger de ominibus p. 442 fgg. , Tan Dale de idolol. p. 366 fgg., 
und die grundliche Erörterung des Sprachgebrauchs Ton Wytten- 
bach ad Julian, p. 60 — 68, der q>ijii% mehr auf menschliche Aeusse- 
rung, die als omen aufgefasst wird, xA^dw» auf vermeinte Götter- 
stimme bezieht, wenn auch Odyss. II. 35 und XVIII. 117 noch 
keinen solchen Unterschied kennt. Ausserdem zur Vergleichung 



§. 38* Von der Zeichendeutung insbesondere. 187 

J. Fallati über Begriff und Wesen des römisches Omen, Tübingen 

1836. 8. 

19) S. oben §. 33, not. 12. 

20) Mamxq 11 Uqwv oder di iftTivQW. vgl. Aesebyl. Prom. 496: 
xui yXoyama ayfiava ittoftpdxatoa, ngoo&tv ort inaQytfAa, und die 
genaue 'Schilderung einer solchen Beobachtung bei Soph. Antig. 
1005 fgg. mit Valck. ad Eurip. Phoen. 1261; dann Apoll. Argon. 
I. 145, Stat. Tbeb. X. 599, und Cyrill. adv. Julian. VI, p. 198 JE: 
toi»? (x zw Ovaria* tiq aty« dwrrrowac nolvnQwypevovrTM; xaxvovq 9 
mit der interessanten Specialität bei Schol. Aristoph. Pae. 1054 1 
t&oq yuq ffy°* r V y oaq>\ip xal ttjv x*qxov l tut i fr ha* tw tivqI xal i| 
uvt&v oq/ieioif tmjt* xaravottv tl ivn^oqdtxroq tj &valu. Ob aus Ae- 
gypten (Her. II. 57)? Nach Plin. VII. 57 ignispicia adjeeit Jim- 
p hieraus. 

21) Aristoph. Pac. 1026: ovxovv doxw ao» /<cmr*xft>? to vQt/yavov 

22) 'ItQooxoTiia, haruspicinm, vgl. Bulenger p. 384 fgg., van Dale 
idolol. p. 394 fgg. , J. H. Muller de eitispiciis, Norimb. 1711. 4, 
Com. Cuntz de Graecorum extispiciis, Gott. 1826. 4, und die 
Namen berühmter Meister derselben bei Philostr. V. Apoll. VIII. 7.15. 

23) Dass die Opferschau erst nach Homer und Hesiod, vielleicht 
nicht vor Saec. VI a. Chr. in Griechenland Eingang gefunden habe, 
lehren gleichmassig Böttiger Kunstmyth. I, S.76, Lobeck Agl. p. 262, 

, und Völcker in Allg. Schulz. 1831, S. 1159, der nur nicht auch 
die ifmvQopavzüa dahin ziehen sollte, vgl. Müller Etrusker II, S. 187$ 
ihr Ursprung dagegen liegt völlig im Dunkeln. Am wenigsten wird 
mit Böttiger an Delphi zu denken seyn; eher mit Cuntz an die 
Etrusker, bei welchen diese Kunst jedenfalls einheimisch war (vgl. 
Jo. Henr. Chph. Raven haruspices Remae utrum natione Etrusci 
an Romani fuerint? Gott. 1822. 4, und P. Frandsen haruspices, 
Berl. 1823. 8, auch Pellegrino über den Religionsunterschied der 
römischen Patricier und Plebejer, Lpz. 1842. 8, S. 86) und deren 
Name sogar im Alterthume von &vttv abgeleitet ward (Plin. H. N. 
III. 5, Serv. ad Aeneid. II. 781, Festus p.355 Müll.); die Brücke 
jedoch, welche dieser durch den Aufenthalt einzelner Mitglieder des 
olympischen Weissagergeschlechts der lamiden in Sybaris, Kroton, 
Syrakus (ßoeckh ad Pind. Olymp. VI, p. 152) zwischen Griechen- 
land und dem Westen in dieser Hinsicht schlägt, ist um so un- 
sicherer, als ausser der ohnehin ganz singulären Statue des lamiden 
Thrasybul aus Saec. III bei Paus. VI. 2. 2 nicht einmal ein Be- 
weis für Beschäftigung jenes Geschlechts mit Eingeweideschau vor- 
liegt; und eben sowohl kann man also auch nach dem Osten 
blicken , wo Aehnliches jedenfalls fortwahrend geübt ward , vgl. 
Bochart hieroz. I. 2, p. 502 und Bahr mos. Symbol. II, S. 383. 

24) KaUUtptTv, Utare 9 vgl. Valck. ad Herod. VII. 134 und das 
Gegentheil ree Uqä ov yiyttrai oder nQo/oQft, Thuc. V. 54, Herod. 
IX. 38, Xenoph. Hell. III. 1. 17, Arrian. Alex. IV. 4. 3 u.s.w. 

25) S. die freilich überladenen Schilderungen eines anomalen 
Zustandes bei Lucan. I. 631 fgg. und Seneca Oed. 366: mutatus 
ordo est, sede nil propria jacet, sed acta retro euneta u.s.w. 

26) Paus. VI. 2. 2: ^avrtxrj ö\ ij p\v ^igxov xal agvwv re xul 
pwoxwr ix TtaXaiov &rjlq xa&tar&aa iar$v av&Qttnotc,, JKi'ffoto* d* xui 



188 Th. IL C. III. Die Personen des Cultus. 

vaW in&evQovrtq tloi fta9Ttvto&eu> xvai 6\ ovdhtg ini y* ftarvixijq 
voftikovoiv ovd\v xQ*J a & ai " Also wohl nur bei Speiseopfern, nicht 
bei Sühnopfern, wie dieses auch in Trebatius Worten liegt bei 
Macrob. Saturn. III. 5 t hostiarum gener a esse duo, tmum, in quo 
voluntas dei per exta disquiritur, alterum, in quo sola anima deo 
saeratur. 

27) HrtttQ^ h io <pao> xov tt}q avr&v ftuvrixljq ryinoda elvttt, ol 
ravra dnvol, Philostr. V. Apollon. VIII. 7. 15, vgl. Plat. Tim. 
p. 71 D und den Dialog Hermippus de astrologia ed. Bloch, Harn. 
1830. 8, p. 16 s Tj ydo tov ynaroq vvoig, Xhotüttj ovaa xai xa&aqa- 
tutov alfiuvoq ovyxtifiivij, &qntq h iaonrgiu tw tovtov oupari ia(r* 
ort IfiyaLvit, tu fiiXXovra, xa&ooov xa&aQOTijroq avrfj tihiart, woraus 
sich auch das Gewicht erklärt , welches Aesch. Prom. 493 auf ihre' 
Glätte und Helligkeit legt: 07iXayx v(av T * XtioryTa xai XQ *"* *w<* 
*X orr * av *'7 daiftoart nooq ydovr/v x. r. X. 

28) Schol. Aristoph. Vesp. 831: uno tSv &vovtcuv* IxtVvo* ydo 
TigoJTov to ynao enrtxoiiovvTcu, tfaa onXrjva xai tk Xomd: Tgl. Bötti- 
ger Kunstmyth. I, S. 73 und die Kunstvorstellungen bei Roulez in 
Ann. de l'lnst. arch. 1843 , p. 219. Das' unglücklichste Zeichen 
war rjnaQ uXoßov, sine capite, vgl. Plut. V. Ages. c. 9, Pyrrh. c. 30, 
und mehr bei Ellendt ad Arrian. Alex. VII. 18. 5; ausserdem aber 
kommen noch . die Gallenblase und zahlreiche andere Theile und 
Zeichen in Betracht, welche theils Hesychius unter dxlkiv&a, «Vr*- 
OTUTTjq, yXäooou, d*£»?, dtOftov , 6ionTQa y dtooxovoot, dtrpdg, dökov 
rgantfa, .do/#aiv, tyyvy, ini&toq , toviaq xtaooq, &toq t xo)kvxrjQ y nora- 
/eo$, nvXat, rug>oQ f theils Schol. Nicand. Ther. 560 aufzählt: rgä- 
Tiffa xai nvXrj pi(>y vtvd ityiifiha tov ijnuzoq, wqntQ xai o»i/£ xai 
/idxatoa xai xuvtovi vgl. Kur. Electr. 832 und mehr bei Rambach 
zu Potter I, S. 694 fgg. und Ph. Jac. Hartmann de orig. anatom. 
Regiom. 1683. 4, p. 16 fgg* 9 woraus Schneider ad Nicand. p. 250 fgg. 
Auszüge gibt. 



§. 39. 
Alle diese Zeickendeutung konnte übrigens ursprüng- 
lich von jedem Einzelnen geübt werden 2 ), und wenn 
sie gleichwohl im Besitze einer bestimmten Menschen- 
classe erscheint; so sind diese nicht anders als jeder 
sonstige Kunstverständige zu betrachten, der «eine ge- 
meinnützige Beschäftigung zum Lebensberufe und Er- 
werbzweige macht 2 ) 5 nur insofern sich die Weissagung 
an eine besondere Oertlichkeit anknüpfte, und mit dem 
Tempelcultus einer bestimmten Gottheit verbunden den 
Charakter eines Orakels annahm 3 ), ging auch sie in die 
Pflege und Vermittelung einer ansässigen Priester schalt 
über, die dann in der Regel auch die nöthige Auslegung 
übernommen zu haben scheint *). Solcher Orakelstätten 



§. 38. Von den Zeichenorakeln. 189 

aber besass allerdings Griechenland nicht wenige 5 ), nnd 
zwar nicht etwa nur da , wo die Beschaffenheit oder 
Ueberlieferung des Ortes unmittelbare Eingebung oder 
sonstige Wirkungen göttlicher Nähe voraussetzen Hess, 
sondern selbst für die so eben erörterten Arten der Zei- 
chendeutung gab es bestimmte Tempel oder Altäre, wo 
man mit grösserer Sicherheit als anderswo auf vorbe* 
, deutende Wahrnehmungen rechnen zu dürfen glaubte, 
und die desshalb immerhin unter die Orakelstätten ge- 
zählt werden dürfen, wenn man sie au,ch als Zeichen- 
orakel den unmittelbaren Spruch- Traum- oder Todten- 
orakeln entgegensetzen/ mag 6 ). Das blosse Herkommen 
freilich, das den einen oder anderen Platz zur Beobach- 
tung der Vögel oder Blitze bestimmt hatte 7 ) , kann um 
so weniger hierher gezogen werden, als daraus dem 
Orte keine weitere Heiligkeit erwuchs; wohl aber gehört 
dahin der Altar des Hermes zu Pharä in Achaja, wo 
die erste Stimme, welche der Opfernde, nachdem er den 
heiligen Bezirk verlassen hatte, vernahm, als Antwort 
auf die an den Gott gerichtete Frage galt 8 ) , und was 
Aehnliches mehr aus Theben und Smyrna berichtet 
wird 9 ) ; auch der wahrsagenden Asche des ismenischen 
Apoll in Theben 10 ) liegt keine andere Bedeutung unter, 
als dass dort dargebrachte Opfer vor andern zur Erfor- 
schung der Zukunft geeignet erschienen, und dasselbe gilt 
von dem Orakel zu Olympia n ), das unter» erblicher 
Obhut der Iamiden aus dem Verbrennen der Opfer weis- 
sagte 12 ). Ja sogar in Delphi wird neben dem eigent- 
lichen Spruchorakel eine Weissagung dieser Art er- 
wähnt 15 ) , und ebendaselbst finden wir wenigstens als 
Erinnerung die Spur einer Zeichendeutung aus Würfeln 
oder Loosen 14 ), wie sie uns auch sonst noch hier und 
da begegnet 15 ) , wenn gleich diese Art von Mantik im 
Ganzen der späteren griechischen Sitte ziemlich fremd 
steht 16 ). In vieler Hinsicht kann endlich auch das äl- 
teste und heiligste aller griechischen Orakel , Jas Dodo- 
näische in Epirus 17 ), den Zeichenorakeln beigezählt wer- 
den , wenn es auch mehr als die bisher erwähnten in 



190 Th. II. C. III. Die Personen des Cultus. 

den unsichtbaren Kräften , welche die weissagenden Er- 
scheinungen hervorbrachten , die leibhaftige Nähe der 
Gottheit unterstellte 18 )} insofern jedoch jene Erschei- 
nungen derselben leblosen Natur angehörten, aus wel- 
cher die Zeichendeutung ihre Prodigien entlehnte, unter- 
scheidet es sich wesentlich von denjenigen, wo der Gott 
durch eines Menseben eigenen Mund zu reden schien 19 ), 
und diesem entspricht es auch, dass seine Ausspruche 
vielmehr in Prosa als in der gebundenen Form begei- 
sterter Rede erfolgten 20 ). Was die Zeichen selbst be- 
trifft, so sollen sie theils in dem Rauschen der heiligen 
Eiche 21 ) , theils in dem Gemurmel einer Quelle bestan- 
den haben, die an deren Fusse quoll 22 ), und woraus 
dann statt der von Homer erwähnten Seiler später alte 
Frauen den Willen der Gottheit deuteten 2 ')$ welche 
Beziehung dagegen die Klänge des ehernen Beckens, 
gegen das der Wind die Ketten einer von dem Standbilde 
eines Knaben gehaltenen Geisel trieb, auf den Zweck 
des Orakels gehabt habe, ist, wie vieles Andere in der 
näheren Geschichte dieser Anstalt, bei der Unklarheit 
der erhaltenen Nachrichten nicht sicher zu ermitteln 2 *). 

1) Nitzscb z. Odyss. I, S. 92: "Bei alledem finden wir jedoch 
keine geregelte Symbolik der Vogelzeichen , und eben sowenig ge- 
kört diese Weisheit einem besonderen Stande an; Helenas Mutter- 
witz leistet, was auch von Meoelau« wenigstens erwartet wurde, 
und so gibt es bier unter allem Volke Vogelkundige neben den 
Sehern , wie opfernde Könige neben den Priestern.'* 

2) JtjmotQyol, Odyss. XVII. 383; vgl. Völcker in N. Jbb. 1832 
B. V, S. 41 fgg. 

3) Daher /lavrttov % Weissagestätte, /ivxoq fiavrqi'oe (Pind. Pyth. 
V. 69) oder fiav-citav &wxoq (das. XI. 6), vgl. Aeschyl. Cum. 4, Sopb. 
Electr. 33 u. s. w. 

4) S. oben §. 33, not. 14. Waebsmuihs entgegeagesezte Ansiebt 
S. 594 , die auch sonstige Mantik ursprünglich von Orakelstätten 
herleitet, bat selbst in den mythischen Beispielen von Tiresias und 
Manto keine Stütze. 

5) Vgl. Dan. Ciagenius de oracuüs gen tili* in, Heimst. 1673. 4, 
p.237 — 492, jedenfalls das bedeutendste unter den älteren Wer- 
ken, die Fabricius bibl. Gr. I. 17. 4 und bibl. antiqu. p. 605 auf- 
zählt, obgleich der Grundansicht nach noch ganz den Kirchen- 
schriftstellern ergeben , die in den Orakeln dämonische Einflüsse 
voraussetzen, und welchen erst Ant. van Dale 1683 sein Buch de 
oraculis ethnicoruin entgegenstellte; edit. II. Amstel. 1700. 4 und 



§. 3&. Von den Zeichenorakeln. 191 

- französisch im Auszug von Fönten eile .1687 und in 8. Oeuvres, 
Amst. 1743. 4, T. II. Von Neueren Tgl. Christmann allg. Gesch. 
<]. vornehmsten Orakel, Bern 1780. 8, Blühdorn de oraculorum 
Graecorum origine et iudole, Berl. 1791. 8 , Ciavier memoire sur 
les oracles de» anciens, Paris 1818.8 und in dess. hist. des premiers 
tems de la Grece, T. III, p. 1 fgg., H. Wiskemann de varüa ora- 
culorum gencribus apud Graecos, Marb. 1835. 8; Klausen in hall. 
Encykl. Sect. III, B. IV, S. 301 — 326; C. R. Pabst de das Grae- 
corum fatidicis seu de religione, qua Graecorum oracula nituntur, 
Bern. 1840. 8; Limburg - Brouwer T. VI, p. 1-179; Wachsmuth 
H. A. II, S. 585 fgg. 

6) Limburg- Brouwer VI, p. 40: il est evident par ees exemples, 
que plusieurs oracles avoient une gründe ressemblance non seule- 
ment avee les devins , mais meme avec ees diseurs de bonne avan- 
ture, que les Grecs eux-mimes meprisoient ordinairement eomme des 
imposleurs. Ein sprachlicher Unterschied zwischen beiden Classen 
lässt sich zwar eben so wenig durchfuhren, als das Griechische 
anderswo die Begriffe Xi>ga und xi&dga, \pqq>i£nv und xiigoroviZv 
u.s.w. streng scheidet; doch glaube ich nicht zu irren, wenn ich 
nach Odyss. VIII. 79 und X. 492 für die unmittelbaren oder Spruch- 
orakel ursprunglich den besonderen Namen XQ <t0) mi * seinen Sippen 
Xg^ouoq t X{ } V aT1 ?Q t0V u * dgl* in Anspruch nehme. Allerdings wird 
lezteres später ganz gleichbedeutend mit fiarxtXov und seiner Ver- 
wandtschaft gebraucht; aber XQV ^^ ^ una> J^ffjKoÄoyo* (§• 37, not - 
21 ) sind doch wohl immer nur begeisterte Säher oder Sammler 
solcher Spruche; und Schol. Thucyd. II. 8 trennt geradezu: Xoyid hr* 
tm nagd rwv S-fäiv Xtyoßtiva xaxaXoyddtjv , xqijo/ioI 6\ oZxtvtq iftfttxgwq 
Xiyovxat, &ioq>ogovn(vo)v ruh Xiyovrtav, wenn gleich auch hier Xoyta 
mitunter allgemeinere Bedeutung annimmt; vgl. Poppo T. III, 
P.2, P . 37. 

7) Wie der naXaioq &&xoq ogvt&oaxonoq des Tiresias Soph. Antig. 
1001 mit Paus. IX. 16. 1 : Qyßaioiq d* ßAtxd tov "Afitiiavoq to Ugov 
dltovoaxonttov Tetgiaiov xaXovßtrov x. t. i. oder die Blitzschau der athe- 
nischen Pythaicten nach Strabo IX, p. 619: uno xijq iaxdgaq T0 *> 
uoxganaiov Jtoqx vgl. Müller Dor. II, S. 241. 

8) Paus. VII. 22. 2 : dytxofitvoq ovv ntgl tont gar o %ta &ap /pw- 
fitvoq Xißavo)Tov it inl xrjq taxiaq &v/iirj xal IpnXijoaq xovq Xv%vovq 
iXaiov xal llidipuq xC&qotv Inl tov ßatfiov tov uydXfiaxoq Iv d*£«a yo- 
jutOfiu Imytogiov . . . xal tgwra ngoq to ovq to* &tov , onolov %$ xal 
fxdaxoi to fQwrnfit^ *öt* ' xo an ü xovxov d\ antioiv tx xijq . dyoguq 
*7uq>gaZd/itvoq tu <wr«, TtgotX&ojy dfc tlq to txToq xdq jfrfpce? unioxtv 
uno toj> wtwv, xal r t q xivoq av tnaxovoij qxavTjq, fiuvxtiipa jjyiTxai, 

9) Paus. IX. 11. 5: ßatpoq ioxiv *AnoXXwvoq inixXqaiv anqäiov 9 
ntnoiyxai "d* uno xijq Tttpguq xStv Itgtlüjv' /tayxtxr) 6% xud-ioxqxtv #V- 
xav&a^ano xXqö*6v<av 9 rj dij xal Spvgvalovq ftaXioxa 'EXXfjvuiv XQ®***- 
vovq otöa' laxl ydg xal 2/tvgvaiotq vntg xrjv noXiv xaxd to ixxoq xov 
xtixovq xXtjSovtav Ugov. 

10) Soph. Oed. Tyr. 21; vgl. Pind. Pyth. XL 6 und Paus. IX. 10 
mit Unger parad. Theb. p. 141; insbes. aber Her. VIII. 134: xal 
drj xal iq Qrjßuq ngmxa tuq dylxtTo, tovxo /i\v Tai 'loftyvtat *AnoXXmvi 
*Xgijouvo 9 toxi, di xaxdntg h 'OXv/iniff Igotoiv avxod-y xgqotqgi'd&a&ai. 

11) Soph. Oed. Tyr. 900; Xenoph. Hell. IV. 7. 2; Strabo VIII, 
p. 542 u. s. w. 



193 77t. II. C. III. Die Personen des Cultus. 

12) Pind. Olymp. VIII. 3 : »Va ftavrtiq uvdgfq ifinvooiq Tixpatgo- 
ptroi naQaniiQwvrat Jtoq ciQyixtQavvov : vgl. Schol. Olymp. VI. 7: 
d»' lf*nvQ<av iv *Hli&* 'Iapidtu ijiamvorro , mit Philostr. V. Apollon. 
V. 25; und über das Geschlecht der Iamiden selbst Böckh expl. 
Pind. p. 152 fgg. and Eckermann Melampus S. 123—132. 

13) Diodor. Sic. XVI. 26: ov %dQtv eeZ£* /luXiata xQ T ] (jrr ]Q L ^ oyTat 
fifxQ* T °v **'* °* 4eX<f>ol. , Das Opferthier selbst hiess Xi > V aT VQ loy 9 
Valck. ad Ammon. III. 20, p. 235. 

14) S. Lobeck de thriis Delphicis , Regiom. 1820. 4 und Agl. 
p. 814; insbes. die Erzäbluug bei Suidaa III, p. 237 : iv w /avUot~c 
TQinovg idQVxat xai vnfQ&tv q>idXrj\ jj tuq fiavjixdq tl/e yrjyovg, aljtvsq 
(QOfxho)* t&v fiavrevofihojv yXXovro xai 7 Ilv&iu. liAyoqovnirq tXtyiv u 
ititptQtv o 'AnoXXwv. 

15) KXtjqoßuvTtta oder rpTjyonavztlai Tgl. Schol. Pind. Pyth. IV. 
337 : tlto&uoi dt d*a xXjjgotv ftavrtViO&tu olov iuv ßdXXovroq pov Tod* 
dvaßjjy UTioTfXeo&yotTcu rode . . . xai h roZq liQoVq uoTQuyaXot, xftvrai, 
olq 6 lapuvx (Vorrat. ßuXXorriq: auch Eastath. ad Ulad. VII. 191 und 
mehr bei Spanheim ad Call. H. Apoll. 45 and Welcker Rh. Mus. 
III, S. 602. 

16) In der historischen Zeit gehört dahin die numia vno nlvaxi 
xai uaTQayuXoiq vor dem Altare des Herakles bei Bora Paus. VII. 
25. 6, un^ vielleicht der attische Tempel der Athene Sciras nach 
Gerhard etrnsk. und kampan. Vasenb. S. 29, obgleich Pollux IX. 96 
nur sagt: fidXtora *Ad-rjvtj<Ji,v ixvßevov inl Sxiqto h tu rijq Sxiqudoq 
'A&qvuq Uqq>: vgl. J. Christie inquiry into the ancient greek game, 
London« 1801. 4; oder auch Dodona nach Cic. div. I. 34? Jeden- 
falls bemerkt Lobeck p. 814 richtig: antiquissimum esse sortium di~ 
vinarum usum et ratio dictitat et verbum dvatQttw docet, sortes tol- 
lere significans, non ut lexieographi vocem. 

17) Vgl. Jac. Gronoy. ad Steph. Byz. fragm. de Dodone, L. B. 
1681. 4 und mit Triglandii conjectaneis in dess. Thes. antiqu. Gr. 
VII, p. 274— 324; Sibranda de oraculo Dodonaeo, Franequ. 1695.4; 
de Brosses in M. de l'A. d. I. XXXV, p. 89 — 132; Fred. Cordes 
de oraculo Dodonaeo, Groning. 1826.8; Ciavier p. 9 — 36; Zander 
in hall. Encykl. Sect. I. B, XXVI, S. 257— 263; Preller ad Polenion. 
p. 58 fgg. und in Paulys Realcncykl. II, S. 1190—1195, Limburg- 
Brouwer VI, p. 17—20, Oorfmüller de Graeciae primord. p. 60 — 63, 
v. Lasaulx das pelasgische Orakel des Zeus zu Dodona, Würzburg 
1840. 4, Jos. Arne tu über das Taubenorakel von Dodona, Wien 
1840. 4 mit Creuzer in Münchner gel. Anz. 1840, N. 131 und dess. 
Symbolik III, S. 175 — 191; über die Oertlichkeit insbes. Leake 
travels in northern Greece, London 1835.8, T. IV, p. 168 — 201, 
wo namentlich auch die ungenauere Bestimmung von Hawkins on 
the site of Dodona in Walpole travels in the east, Lond. 1820. 4, 
p. 481 fgg. berichtigt ist. 

18) Daher schon Iliad. XVI. 235 StXXol vnog>^ra$ t wozu Eusta- 
tnius p. 1057: wq vnotprjrevovTtq nQoyijrtvortb hrav&a JU' %af*ai yuQ 
q>ao* dogaVq lyxoifHO/ttvoi dt ovelq<av rolq /(W/t/yo*? XQV/ uur ^ 0V0,v ** 
Jtoq t xa&u xai AvxotpQuv larogei, oq xai ropovQov tov unXStq fiatxiv 
Xlyu o/Awvvpwq rolq Iv dwdtavjjx vgl. Lycophr, Alex. 223 und mehr 
bei Spanheim ad Callim. H. Del. 94 und Valck. diatr. Eurip. 
p. 171. Ob Beschnittene, wie Ciavier p. 18 und Crenz. Symb. IV, 
S. 284? oder Eunuchen, das. S. 654?? 



§.36. Fon den ZeichenoraMn. 193 

19) Strabo fgm. Vat. VII. I i l X wo/i*>äu *' ou tul liymt, dilti 
d*a rtv&v ovfißilwv, mqiifQ vo h <At.ßvt} l4pfi(oviaxovi vgl. Lobeck Agl. 
p. 264: interpretibus Seflis, gente j'era et silvestri nulloque divino 
instinctu motu, sed diutuma fatidieae arboris Observation*, quid 
euique signifieareiur, sehe edoeta; auch Nitzsch z. Odyss. III, S.78 
und Klausen in hall. Encykl. Sect. III, B. IV, S. 321. 

20) Wenigstens nach der einzigen sicher erhaltenen Urkunde 
dieser Art hei Demosth. Mid. §. 53 : tw ötjum tüv 'j4&y*aia>v o rov 
/tioq otjfwtlvti, ot* rüg ojgaq naqijvfyxari ttjq &voiaq xal vTjq &to)giaq y 
atQirovq nffMHv xtlivet Ötwgovq hvta x, r. I. Anders freilich Plato 
Phaedr. p. 244 B, wo die dodonäiseben und delphischen Priesterinnen 
hinsichtlich der Ekstase geradezu verbunden werden; -vgl. auch 
Aristides rhetor. II, p. 13 t rüg d* h Jadwvy ri g>tjo(iq Uqfiaq, ui 
rooavru Voaoiv oo* uv tüj &(& doxy xal fif/Qi tqoovtov, acI/(>* uv doxy* 
xairot ovTt nqortqov t*k« Toiavryv *l%ov intöTTjprjV) nqiv ilqtlOetv tlq 
r/jv rov &eov ovvovoiav , ov&* iartQov oi/div wv tlnov Vaaaiv , dllu 
navzeq fiallov rj fntlvun ja Paus. X. 12. 5 lagst diese 7ie Xnuduq noch 
früher als die delphische Phemonoe in Versen sprechen; aber auch 
abgesehen von dem apokryphischen Charakter jener Verse kann 
jedenfalls diese Art von Mantik dort nicht die ursprüngliche ge- 
wesen , sondern vielleicht erst spät im Wetteifer mit der delphi- 
schen entstanden seyn. 

21) Odyss. XIV. 328; auch ytfyoc, wie Hesiodus bei Strabo VII, 
p. 504 und Schol. Soph. Trach. 1170: vuiov h nv&fiht g>ijyov, dann 
Herodot II. 56 u. s.w.; doch nicht Buche, sondern quereus esculus, 
Kruse Hellas I, S. 350 und 443, oder nach Linck Urwelt I, S. 361 
aegilops; und gewöhnlich' dp??, wie Aesch. Prom. 832 nqoqyyogoq, 
oder Soph. Trach. 1170 noXvy Iwoooq, quereus fatidica Scnec. flerc. 
Oet. 1473; vgl. Plato Phaedr. p. 275 B und Dionys. Hai. rhetor. 
I. 6 : tt)y fi\v dqvv 2i* Uqd Aioq . . . xal ot* ovx uycüvoq dllu xal 
tyO-iyturo Tcove h 4a>#<avfl, Wie das Rauschen der Bäume auch Sonst 
als Sprache galt, zeigen Theoer. Idyll. I. 1, Catull. IV. 12, Virgil. 
Ecl. VIII. 22 u.s.w. 

22) Scrv. ad Aeneid. III. 466 : circa hoe templum quereus im- 
manis fuisse dicitur, ex cujus radieibus fons manabat, qui suo mur- 
mure instinctu deorum diversis oracida reddebat; quae murmura 
anus Pelias nomine interpretata hominibus disserebat; sed quum 
hie ordo oraeulorum per multa tempora stetisset, ab Aree la trotte 
Mllyrio exeidi quereus praeeepta est, unde factum est ut posiea 
fatidica murmura tessaverini. Diese Stelle hat Prell er übersehn, 
wenn er Wachsmuth tadelt, dass er die dodonäische Eiche von 
einem illyrisehen Räuber fallen lasse; nur darf dieses nicht mit 
Klausen und Wiskemann nach Polyb. IV. 67 schon um 220 a. Chr. 
angesezt werden, da das Orakel noch später in Thätigkeit erscheint. 

23) Vgl. Suidas I, p. 623: iv j] l'axaro dovq, h J] fiavxiXov tjv 
ywaixSiv ngoguyridav • xal tlqtorcw* r&v fiavTivofxhwv ixivtVro dfj&iv 
9 &ltvq tjxovoa, uX dt Iv&tyyovro, ot» ruii liyt* o Z(i>q: und über 
den Wechsel des Priesterthums Strabo VII, p. 506 : votiqpv di um- 
dtiX&Tjoav rg(Vq yyuXa*, Inthdtj xal ovvtaoq tcJ Au noosamdtix&ri V 
Jtmyt obgleich den Böotern nach dem». IX, p. 607 fortwährend 
Manner weissagten; vgl. auch Max. Tyr. XIV. 1. Die Priesterinnen 
hiessen mlnudtq (Paus. X. 12. 5) oder n&ucu, was die Stiftungsage 
bei Herodot II. 54 t^%. von Tauben herleitet , die aus Aegypten 



101 Th. IL C. III. Die Personen fcs Cultus. 

kommend gleichzeitig dieses »nd das hammomsche Orakel in Libyen 
gegründet Latten , Tgh C. J. Schmilthenner de Jere Hammone, 
Weilburg 1840. 4, p. 33; und, um anderer Deutungen za geschwei- 
gen , Lasanlx S. 9 so auffasst , data sie nach den belügen Vögeln 
der Dione benannt worden sejen; wird jedoch diese, wie Butt- 
mann Mythol. I, S. 22 fgg. annimmt, in ursprünglichem Dualismus 
dem dodonäiseben Zeus beigesellt, so reicht ihr Cultus wenigstens 
zur Erklärung jenes Wechsels nieht aus, wie denn überhaupt die 
Beziehung des Namens nikiuti selbst schon im Alterthume sehr 
schwankend war. Selbst was Strabo bei fiustath. ad Odyss. p. 1760 
vermuthet, ort, tu niXtw* *i<; Qitovooxonlav vnoygovvx at , xrt&u xai xoqu- 
KoftuvmQ youv Ttrec, wird durch keine geschichtliche Spur einer 
Vogelschan in Dodona bestätigt; Andere leiteten das Wort, wie 
auch den Namen der Taube selbst (Eustath. ad Iliad. XXII. 139) 
von der greisen Farbe, vgl. Schol, Soph. Traeh. 172: vntguvu) %ov 
lv J(t)d(ävrj ftavuiov dyo yoav niXtia» $ d<? mv t/*avx(V(xo o Z*iiq 9 toq 
*AnoXX<av dno jQtnodoq* ol ftb> ovra» Xtyovat fttonfaiv, ol cfi ov%»' 
xdq Uqhus yqulaq ovoaq, xai yety tovq yiqovruq ol MoXqüooI noX*ovq 
tuvoftuZov, wo ntXtiovq zu lesen, wie Hesych. II, p. 905 und Strabo 
fgm. VII. 2 : oTt xuxu Stongotxovq xai MoXoTxovq xuq ygulaq nfXtluq 
xai toi'? ytyovxaq mXiovq: und wem dieses nicht genügt, kann für 
beide Begriffe zn dem Stamme ntXtiv zurückkehren, der dem be- 
• weglichen Vogel eben so gut wie der geschäftigen Priesterin n ent- 
spricht, ohne darum zwischen beiden mehr als eine zufällige Ho- 
monymie zu begründen. 

24) Strabo i %aXxitov yv h tw **(»», *x op VTttqxtifAtvov dvdotuv ja 
xqdxovvxa /idariya %aXxijv , dvd&ijpa KfQxvyaitar , tj 6\ fiuaxtl yv xq*- 
nlij AXvat>d(t)TTJ y umjgxtjtihovq l'xovaa 2£ uvxrjq udxQayüXovq, oX'nXyr- 
rovxtq xo xaXxtlov ouvixäq, öftere aliogoVvxo vno x£* dviptav, ftaxpov* 
jjx ov< * dnetgydiorro 9 tag o ptxguv xov xqovov ano xrjq d^xys xov rjx ov 
MfXq* xfXovq xai ini xngaxöoia ngoiX&ot: Tgl. Polemo bei Steph. 
Byz. 1. c. und d. Erkl. zu Zenob. Pror. VI. 5 und Snidas I, p. 622, 
wo jedoch nach Prellers richtiger Bemerkung nirgends ein Grund 
liegt, das genannte Becken für ein mantisejies Instrument zn hal- 
ten ; erst Clem. Alex. Protrept. p. 9 und andere Schriftsteller spä- 
terer Zeit setzen Xtßrjxa QtanguxfZov und dwdwvulov x a ^ llov dem 
delphischen Dreifusse zur Seite; vgl. Spanheim ad Callim. H. Del. 
286. 

§. 40. x 
Ungleich bedeutender stehen inzwischen neben diesen 
Zeichenorakeln die Spruchorakel des Apollo, der, wenn 
gleich selbst nur als Organ des gemeinschaftlichen Göt- 
terkönigs *), doch allein die Macht zu haben schien, 
Menschen zn persönlichen Werkzeugen seiner Weissa- 
gung zu begeistern , und desshalb vorzugsweise solchen 
Orakeln vorstand, wo Männer oder Frauen in ekstati- 
schem Zustande Worte hören liessen, die dann von den 
Vorstehern des Heiligthums zn Sprachen verbanden und 



§. 40. Von apollinischen Orakeln. 105 

auf vorgelegte Fragen angewendet wurden*). Woraus 
jene Ekstase hervorging, lässt sich nicht mehr mit voller 
Sicherheit bemessen; das* sie jedoch eben so wenig 
blossem Betrüge als unmittelbaren dämonischen Einwir- 
kungen beigelegt werden darf 5 ) , erhellt schon daraus, 
dass sich an allen jenen Orten Quellen und sonstige 
Naturerscheinungen befanden, welchen man eine begei- 
sternde Kraft beilegte 4 )$ und wenn ja von absichtlichen 
Täuschungen die Rede seyn kann, so trifft dieses jede**- 
falts nur die Mittelspersonen und Priester 5 ), die aber 
auch dafür andererseits durch die grosse Weisheit ent- 
schädigten, mit welcher sie wenigstens in Griechenlands 
classischer Zeit die Auctorität ihres Gottes zu Staat*- 
kluger und consequcnter Leitung der öffentlichen uiid 
gottesdienstlichen Angelegenheiten des ganzen Volhefc 
benuzten 6 ). Namentlich gilt dieses von dem pythiebhcn 
Orakel zu Delphi am Fusse des Parnasos 7 ), wo der hmh 
einer Erdspalte Aufsteigende Dampf der wwkendwi MNfcie 
des Gottes zugeschrieben ward *)$ diesen nahm die 
Pythia 9 ) auf dem Dreifnsse sitzend**)-, nachdem 4* 
Lorbeerblätter gekaut und aus der Äe&igen Queue 1 ge- 
trunken hatte u ), in sich auf **), und ihre Sprüche, von 
dem Propheten und dessen Beiständen 13 ) gedölltaetschtj 
wurden Gesetz und Richtschnur für Tausende aus der 
Nähe und Ferne , deren Boten ursprünglich nur einmal 
im Jahre, später allmonatlich u ) nach Rang oder Loa? **) 
den Gott zu fragen zugelassen wurden, und nach den 
sich ron selbst verstehenden Reinigungen und Opfern 
in einem Vorgemache der im Hintergründe des Tempels 
befindlichen Höhle, wo unter Lorbeerzweigen der Drei- 
fuss stand, dem heiligen Acte beiwohnten 1Ä ). Ausser- 
dem fehlte es jedoch nicht an sonstigen Orakelstätten 
desselben Cultus , zumal in den benachbarten. Ländern 
Phocis 17 ) , Euböa 18 ) , und Böotien 19 ) , wo namentlich 
auch in Hysiä das Trinken der Weissagenden aus einer 
begeisternden Quelle erwähnt wird 20 ) , und Achnliches 
hören wir sowohl aus dem peloponnesisehen Argos, wo 
das Blnt des Opfers die Begeisterung hervorbringen soll- 



186 JA. IL C. UL Die Personen des CuÜus. 

4e 21 ), als yon den beideu , welche unter der grossen 
Anzahl der kleinasiatiachen 22 ) jedenfalls die bedeutendste 
Stelle einnahmen, dem Orakel des Marisehen Apollo bei 
Kolophon 23 ) and dem des didymäischen in der Nähe 
von Milet 24 ). Im klarischen Tempel stieg der Priester 
selbst in die heilige Grotte, und trank hier von dem 
Wasser, dessen Kraft seine Sprüche beigelegt wurden 25 )} 
•bei den Branehiden im Didymäum aber weissagte wie 
40 Delphi ein. Weib, das den Saum seines Kleides und 
^eine Fasse aus den Quelle henezte und den emporstei- 
genden Dampf an sich zog 26 ) ; und an allen drei Orten 
afrucQjen die Orakel in Versen abgefasst, zu deren Re- 
4*et«on sogar i eigene Dichter unter dem priesterlichen 
ftarsonal vorkommen 27 ), bis freilich zulezt selbst in 
fidlplfi die Prosa die Oberhand gewann 28 ). Nur das 
A^räkel! ZU| Paffer* in Lycien unterscheidet sich in seinen 
ßebtt&cben wesentlich von den übrigen, indem sich hier 
die Pries teri an, ober Nacht in den Tempel einschloss, 
§tifc de*i Besuch des Gottes zu erwarten 29 )} dazu mögen 
jtdoch jsehop ,q*ieiM<aUsche Einflüsse mitgewirkt haben, 
&$■. iiutfg sonst Weh gerade Lycien als Winteraüfenfhalt 
de* Gottes init den; übrigen Sitzen des apollinischen Gul- 
|U^ zw8Ämmenhin^,50| te , 

•njb * ,. .' ■•>■-, i.-.'i -,.U • ' ■ ' 

!~"..J) Aefchyl. Eb|m. 49 • Jtoq 7iQoq>qi;rjq d* tori Aoliuq nuiQoq: Tgl. 
Homer. IJ. Apoll. 152 und Schol. Oed. Colon. 793, wo auch noch 
ein anderer Vers aus Aeschylus tv Irgdaiq: ravra ydg narrj\i Ztvq 
*y*äpttZ <4o$«g, mit M aerob, Saturn. V. 22 und mehr bei Pabst de 
diis fatid. Gr. p. 2*0 fgg. . 

2) IjQQtprJTnUi \ } %\ oben §. 33, not. 14, und Plat. Tim. p. 72 B : 
X&fr'djj xce* tv ruh nQwpfjTJav yhbq litl xatq fa&ioig pavrfiaug xfjtruq 
ifyna&iovupai vofto$* qp^.aurfuq ai'iWc biov^fta^ovoL titcs, to nur 
i]j?oyxoTf<i , oxh rijq dt ruivtyfiükv oi/to* yrjfiTjq xui g>avruaitaq xmoxyiTui 
xälovri flävTttg 7tQö<pfjtai dl (iuv%fV0fiiva>* dtxuioTUTa ovo/iufcoiri av, 
mi£ E» G. Bardili ; aignilv primit. voc; nQovjjrijq ex Piatone erutui, 
Qott* 1786. 8; auch Cic. div. I. 18 und Poll. I. 19: ngof^q o 
XQtoftivog irj xQqdfiioXoyixfj : im Allg. aber über die apollinischen 
Orakelstatten Klausen in hall. Encykl. See*. MI, B. IV, S. 302—320 
^nd Hüllmann Anf. d. grieeb. Gesch. S. 54 — 81, so verkehrt sie 
auch dieser als Priester Staaten , gestiftet von Abkömmlingen der 
ägyptischen Priesterkaste, auf gefasst hat. 

" ' 3) Van Dale's Kampf gegen die Annahme dämonischer Einflüsse, 
die von den Piatonikern (Tgl. schon Plat. Symp. p. 202 E , dann 



§. 40. Von apollinischen Orakeln. 197 

Epin. p. 984 E, Hierokles bei Phot. Mbl. p. 172 und 461, Jambli- 
chus de mysteriis 1. III und die Abhli. von Plutarch, Appulejus, 
Maximas Tyrius über das Dämonium des Solsrates mit Tan Dale de 
idolol. p. 35 und H. N. Clausen apologetae Piatonis arbitri , Bafn. 
. 1817. 8, tp. 81) auf die christlichen Schriftsteller übergegangen war, 
ist durch Fr. Baltus (Argentor. 1709, 2 Bde 8) und Anderer Wider- 
spruch (Tgl. Reimann Catal. theo!, crit. p. 993 fgg.) begreiflicher- 
weise nicht erschüttert; dagegen ist auch sein Extrem, überall nur 
Pfaffentrug und berechnete Gaukelspiele zu wittern, von der neuern 
Kritik mit Recht in seine Schranken zurückgewiesen; vgl. Hardion 
in M. de l'A. d. I. III, p. 142 u. 181, J. B. Koppe vindiciae ora* 
culorum a daemonum aeque imperio ac sacerdotum fraudibus, Gott. 
1774. 8; Limburg- Brouwer VI, p. 10 fgg. 

~ 4) Vgl. Gonstant de la religion III , p. 369 fgg. , Wiskemann 
de oracc. gener. p. 27 fgg. , Götte delph. Orakel S. 43 und 109, 
Limburg - Brouwer VI, p. 21 u. s.w. Dass nur solche Weissagung 
von Apoll abgeleitet worden , die aus einer Seelenerhebung und 
Seelenerleuehtung hervorging , welche das im hohen Sinne gedachte 
aueh äusserlieh postulirte (Müller. Dor. II, .S. 340), dagegen der 
schwärmerische Zustand, in den kühle Grotten mit ihren rinnenden 
Wüstem, tonendem fViederhaiX, rauschendem Luftzuge, das em- 
pfindsame Gemüth der Vorwelt versezten , den Nymphen beigelegt 
worden sey, wird sich mit solcher Schärfe kaum durchführen lassen. 

5) Wie jedenfalls spätere Betrüger in dieser Hinsicht verfuhren, 
zeigt Lueians Pseudomaritis c. 20 fgg. und Euseb. praep. evang. 
IV. 2: akku xal tvay/oq xafr* tjhuq mhovq tnl tij &ioooq>ia tuvxij 
ßoTj&hrtq <fui ßaouvtav alxiaq inl r&v 'Pw/uatxwv äutaanjoiiuv rrjr nuoav 
itttpwvtjoap nXavfjv ävfoäv dntxxuiq yhto&cu, kuI yoyviiav Trctxvaotibr t v 
to itav tlvat OfiokoyTjaav%fq y ol yt xal vov ncvra TQoitov rijg xaTaoxivrjq 
xal rat; fif&oäovq %tjq xaxorrxriaq vafq ngoq avrStv iv vxoftvqfutoiv 
ayiO-fioaiq vairaVq hrygayarto : aber selbst die frühere Manlik hält 
Götte S. 111 solcher Kunstgriffe nicht für unfähig; auch Ciavier 
p. 65 und 126, obgleich er meint x eeux qui dirigeoient les oracles, 
principalement celui de Delphes, navoietit aueun b esoin de recourir . 
a des presttges et autres moyens fraudulcux, räumt doch ein, dass 
die Vorsteher der Orakel mit den Fragenden irgendwie im Eiuver- 
ständniss gewesen; und ähnlich Limburg- Brouwer VI, p. 47 : en 
effet, je ne puis me defendre d'avouer, qu*il me sentble, que notre 
hon van Dale a. assez bien prouve que mime, dans Voracle de 
Delphes on ne jouait pas toujours les cartes sur table etc. 

6) Scbömann zu Aeschyl. Eum. S. 75 : "den eigentlichen Beruf 
der Orakel spricht am Treffendsten das Wort .&tf4*OTtvHv aus; 
nicht zur Befriedigung vorwitziger Zukunftforseber waren sie ge- 
stiftet , sondern um die göttlichen Satzungen zu verkündigen und 
demjenigen der sich wegen eines Vorhabens an sie wandte, Beleh- 
rung nj»»ertheilen" ; vgl. Müller Dor. I, S. 33$ und über das« delphi- 
sche Orakel insbes. oben §. 5, not. 7 mit Klausen a. a. O. S. 307 fgg. 
und den von Limburg- Brouwer VI, p. 10 chärafcterisirten itali&ni- 
scbeu Streitschriften vöu Mengotti, Torriceni und Ambrosoli, Mi- 
lano 1820 und 1821, die freilich eben so wie Hüllmann Würdigung 
des delph. Orakels, Bonn 1837. 8, S. 56 fgg. auf die Ampbiktyonen 
ein unverbältnissmässig grösseres Gewicht gelegt haben, als diesen 
nach der Natur ihres Instituts zukommt; s. St. A. §. 13. 



196 Th. II. C III. Die Personen des Cultus. 

7) Vgl. Paus. X. 5 — 32, auch Justin XXIV. und Heüod. 
Aethiop. II. 26 fgg. mitHardion sur l'oracle de Delphes ia M. de 
l'A. d. Inscr. III, p. 137 — 190, Bartheieroy voyage d'Anach. eh. 22, 
Claviar p. 36 — 129, Wüster de religione et oraculo Apollinis Del- 
phici, Harn. 1827. 8, Zander in ball. Encykl. Sect. I, B. XXIII, 
S. 403 fgg. , Götte das delphische Orakel in s. Einflüsse auf die 
alte Welt, Lpz. 1839. 8, Preller in Panlys Realencykl. II, S.900 — 
919, insbes. aber Ulrichs Reisen und Forschungen S. 35 — 103 und 
Thiersch Topographie von Delphi in Abhh. d. philol. Gl. d. Münchner 
Akad. 1841, B. III, Abth. 1, S. I — 72; über Einzelnes auch Wie- 
seler conjeet. in Aesch. Eumen. p. xvn fgg. und die delphische 
Athena, Gott. 1845. 8, und über das VerkältuUs des dortigen Apollo- 
cultus zu früheren der Gäa und Themis Bottiger Kunstmythol. I, 
S. 109 und Forchhammer Apollos Ankunft zu Delphi, Kiel 1841. 4, 
S. 16 fgg. 

8) Strabo IX, p. 641 : qxwl d' #?*«* to ftavrttov avTQo* xotXov 
x«t« ßu&wq ov f*aXu * VQvaropoir , «»«ptyfo&a* d* l£ avrov nvfv/ta 
h&evomoTinovi vgl. Aristot. de mundo c. 4, p. 395, Diodor. XVI. 26, 
Plot. def. oracc. c. 42, Jambl. de myst. p. 73 n. s. w. Nach Cic. 
div. I. 19 könnte er allerdings schon damals scheinen exaruissc 
vetustate; doch sezt ihn noch die Erzählung in Lncians (Philostra- 
tus) Nero c. 10 voraus; erst gegen Julian bekannte das Orakel 'sich 
selbst als versiegt; vgl. Georg. Cedren. T. I, p. 304 ed. Par. 

9) Tlttoiäv JfX<pL6(av iS«t£fToc, Eur. Ion 1357, wogegen es wenig- 
stens nicht als Regel betrachtet werden kann, wenn die, welche 
Plutarch Pyth. orac. C. 22 erwähnt, h olxia ytt»Qy&r ntvrjriav erzo- 
gen war, wenn auch Max. Tyr. XIV. 1 und Orig. c. Cels, VII, 
p. 335 sie als idiüztg und to vv%qv yvvaiov bezeichnen. Auch Dio- 
dors Angabe XVI. 26, dass es ursprünglich ein junges Madehen, 
später erst eine Frau über 50 Jahre gewesen sey, findet sieh wenig- 
stens in sofern nicht bestätigt, als die ältesten Zeugen, Aeschylus 
und Euripides, sie bereits als youv? kennen; wohl aber können es 
zur Zeit der höchsten Blüthe nach Plut. def. oracc. c 9 gleichzeitig 
zwei und eine Stellvertreterinn gewesen seyn; und eben so ent- 
spricht die Kleidung, die ders. Pyth. orac. c. 24 alf abgeschafft 
Bebildert : KQmßvXovg te xqvoovq dyifet* xal lvorida<; /iqXaxdq dnijfitpLa^t, 
M4ti 7i9V nal xo/iigif ooßaQwripav unixti^* mal vniXvae xo&oqvor , dem 
Bilde, das wir aus früheren Naebrichten und Denkmälern gewinnen; 
vgl. Wieseler conj. p. xxi und Jahn Vasenbilder, Hamb. 1839. <4, 
P- * %&• 

IQ) Vgl.Speahe>uvadCalIim.H.Del. 90, Caylus reeueil d'antiqu. 
II, p. 161 — 167, Müller de tripode Delphico, Gott. 1820. 4 und 
in Böttigers Amalthea I, S. 119 — 135 n. III, S. 19 — 34, auch 
Böttiger Opusce. p. 424 , Passow in dess. Archäologie und Kunst 
I, S. 153 fgg. und Bröndstcd Reisen und Untersuchungen in Grie- 
chenland 1, S. 117 fgg. Dass es von den beiden Gattungen ipnvQi- 
ßijr«i und xQttTTJqH;, die Ath. IL 6 trennt, die erstere ist, hat 
Müller richtig bemerkt; eben ao die drei Tbeile, den <Upo? oder 
Deckel , auf welchem die Pythia sass (Poll. X. 81 ; Schol. Aristoph« 
Plut. 9) , den Kessel (Ußqq) und dessen Einsatz (?£«&»', cor an« 
nach Serv. ad Aeneid. VI. 347: aut fjuod cor teneat, aut auod tripus 
septus trat corio serpentis —- vgl. dens. III. 92 — aut certe seeun- 
dum Graecam elywologiau* or* %t]v xö^> «m», quod txtendit puel- 



§. 40. Von apollinischen Orakeln. 196 

Im») geschieden ; nur darf auch die eortina wieder nicht mit dem * 
opupaUs oder Nabelstein ▼erwechselt werden, welchen Passow in 
sahireichen Dantellungen der delphischen Oertlichkeit erkannt hat; 
▼gl. Möller zu Aesch. Enm. S. 101, Raonl - Rochette mon. ined. I, 
p. 188, und über das mantische N ttm, \ty gyn ov f womit er bisweHen 
bedeckt erscheint, Schöne de person. in Eur. Baeeh. habitn p. 54, 
Ritschi Rh. Mos. I, S. 435, Zeitschr. f. d. Alt. 1845, S. 105 n. s. w. 

12) Lucian bis acc. c.2: movou rov Uqov rüftaroq xul f fiaorjaa~ 
fthij rqq duyvrjq: vgl. Hermot. c. 60: wqntQ <paoiv Iv JfXyoIq irjv 
nQofiavTtv t tmtduv nitj rov Uqov wipeeroe, tv&ior ti>&i>q yivtofran nur 
nicht ans der Kastaiia, wie ders; Jnp. trag. c. 30 und andere 
Schriftsteller späterer Zeit (Schol. Eur. Phoen. 230, Giern. Alex, 
protrept. p. 9, Orig. c. Gels. VII, p. 333, Themist. orat. XIII, 
p. 292) verwechseln, sondern aus dem Zweige der Kassotis, der 
sieh in das Adyton selbst ergoss, während die tiefer liegende Ka- 
staiia vielmehr zur Reinigung der Besucher diente ; s. Ulrichs S. 49 
u. 82. Was dagegen die Zweifel betrifft, welche Tzetzes ad Ly- 
cophr. 6 gegen das Lorbeerkauen erhebt, so nimmt Li er schon 
Hardion p. 179 mit Recht die Ueberlicferung in Schutz; vgl. über 
die Kraft des Lorbeers ausser Jo. Gerh. Wagner lanrus ex omni 
antiquitate er ata , Heimst. 1732. 8 , Funccius de lauru Apollint 
saera, Mark. 1752. 4, die Erkl. zu Tibull. II. 5. 63 und Juy. VII, 
19, und mehr bei Spanheim ad Callim. H. Del. 94, Reimar. ad 
Dien. Cass. LXXII. 21, Sturz. Emped. p. 102, Greuz. Symb. II, 
S. 561, Müller Dor. I, S. 336, Böttiger kl. Sehr. I, S. 107. 

12) Orig. c. Cels. IFI, p. 125: dtee rov flv&iov aro/ilov ntgixa- 
&t£o/iivi} xjj xuXovphn nyoyijrid* nviv/iu dt« r&v yvvaixrlotir i'7i«*?l(>j£rra* 
xo fiuvTutov: vgl. Jon. Chrysost. hom. XXIX ad I Cor. 22 und mehr 
bei Davis, zu Max. Tyr. XIV. 1 und Cic. div. I. 36, auch Götte 
S. 3 und Limburg -Broirwer VI, p. 8, deren Spott aber eben so 
unrecht angebracht ist, als Claviers seltsamer Ausweg p. 91 — 107, 
dass das Orakel eigentlich in den Tonen bestanden habe, welche 
die in der eortina eingeschlossene Luft durch den Druck der darauf 
sitzenden Pythia hervorbrachte! Dichterstellen wie Aeneid. III. 92: 
mugire adytis eortina reclusis, Ovid. Med. XV. 635, Nonn. Dionys. 
IV. 291, selbst Eurip. Orest. 324 und Aristoph. Eou. 1015 können 
solche Auslegung gegen Strabo IX, p. 641, Diod. XVI. 27 u. s. w. 
nicht begründen. , 

13) Ob ein oder mehre apopjyra*, streiten Ciavier auf der einen, 
van Dale und Götte auf der andern Seite; doch seheint Uerod. 
VIU. 36 und Plut. def. oracc. c. 51 stärker für den Singular als 
Eurip. Ion. 416 und Aelian. H. A. X. 26 für .den Plural zu spre- 
chen. Daneben die fünf ooioi, Plut. qu. Gr. 9: nlrve 6* tlolv ooiot 
Ski ßlov xal tu noXXu fttru %wv TtQoyrjTwv dqüotv ovroi xul ovvifQovi)- 
yovotv, ure ytyovivcu JoxovvTtq (ktor JtvxaXitavoqi die jedoch selbst 
wieder mit den eigentlichen Priestern um so weniger zu verwech- 
seln sind, als diese urkundlich nur in Zweizahl erscheinen, s. Cur- 
tius aneedota Delpkica, Berl. 1843. 4 mit d. Rec. v. Ahrens in 
G. G. A. 1844, S. 127 fgg. Aneb dass die delphischen ttQtortVq oder 
Primaten als solche mit dem Orakel nichts zu schaffen hatten > bat 
Limburg- Brouwer VI, p. 50 gegen HilUnana 'Würdigung S« 19 fgg. 
richtig bemerkt. 

14) Plut« qü. Gr. 9: oy\ yuQ ituOtjouv al xaru fttjva (nuvnTu* 



MO TA. II. C. III. Ai< Personen des Cultus. 

xoVq ötopivoKf TiQoxtqot dl axa& l&tftioxivotv 7 Tlv&ia xov matro« 
xaxd xavxijv xrjv tytclpa?, nämlich am siebenten des Frühlingmoaats 
BvoioQ, d. i. Ilv&toq, wenn auch die Etymologie zwischen nwB-a- 
vto&tu und nv&a sehwankt; s. SchwarU de Apoll, natura p. 25 
und m. Ahh. de anno Delphico, Gott. 1844. 4, p. 26. Ob ausser- 
dem, wie Ciavier p. 120 will, für angesehene Fremde mit Aus- 
nahme weniger ypigai dno^gddtq stets geweissagt ward, steht dahin; 
ans Plat. V. Alex. c. 14 geht es nicht mit Sicherheit hervor, und 
ders. Pyth. orac. c. 8 sagt bestimmt das Gegentheili dgntt xov &tov 
tlq owfiu xa&ftQyvvvat &vqxov ana$ xov pqvoq. 

. , 15) Aescbyl. Eum. 35: xtl nuq 'E^Xyvtov xiviq, Xx&v ndXu Xaxovrtq 
wq von&iun doch ertheilten die Delphi er (ob auch die Amphiktyo- 
nen? Tittmann S. 179) zahlreiche nqofiuvxtiuq ^ vgl. Ste-Croix gouv. 
feder. p. 277 und Gurtius aneedd. Delph. p. 79, selbst an Barbaren, 
wie Krösus (Her. I. 54) und Philippas von Macedonien, vgl. De- 
mosth. Phil. III, §.32: l'/fi dt xul xrjv nQOfiuvxsiav xov &tov, nuQtüoaq 
ijfiäq xul BtTxaXovq xul dtoqUuq xai xovq aXXovq Aptpixxvovaq , rjq 
ovd'k xolq 'fTXXijow unaoi fdttoxiv, 

16) OhoqoI (s. oben §.31, not. 16) oder ötonyonoi, vgl. Herod. 
I. 67, und Weiteres das. VII. 140: nifty>a*xfq ydg o* 'AO-ipHiVo* tlq 
JtXyovq &to7i(t6novg zfjyöTyQui&o&cu tjöuv hoTpoi, xai oq>* nottjaao* 
sirgl xo Iqov xd yo/u£o/<tya, toq iq xo fiiyagov iq*X&6vxtq i^oyto, XQrJ y 
TlvOia rufe: woraus zugleich hervorgeht, dass das udvxov (Kur. 
Iph. Taur. 1254, auch noXvaxnptjq ß*v%oq, Aeschyl. Eum. 39 u. s. w.) 
im Tempel selbst war und die Lorbeerumbullung (da<pv(aÖT] yvaXa 
Eurip. Ion. 76) nicht mit Bröndsted auf einen freien Raum oder 
Hof zu ziehen ist; vgl. Ulrichs S. 79 — 94 und Gölte S. 106; wenn 
es auch tiefer als der übrige Tempel gelegen' zu haben scheint, 
daher xaxaßaivttv tlq xo puvxttov: Plut. V. Timol. c. 8 u. s. w. 

17) Abä, Her. I. 46, VIII. 33, Paus. X. 35 u. s. w. Auch das 
dionysische Orakel in Amphiklea Paus. X* 33. 

18) Aedepsus, vgl. Strabo X, p.683: iv w fiuvxiiov tjv dxfxvdioxa- 
xov xov StXivovvxiov *An6XXtavoq, 

19) Plut. def. oracc. c. 5: onov xt}v Boitaxiav tvtxa XQtjoxijQiwv 
noXvqxavov oi'aav iv xoVq ngottgov /gövoiq vvv itfXiXomt xopriffji vgl. 
Müller Orchom. S. 145. Dahin Ptoon Her. VIII. 135, Plut. def. 
oracc. c. 8, Paus. IX. 23. 5; Tegyra, Plut. das. c. 5 und V. Pelop. 
c. 16, Eutresis, Steph. Byz. s.v.; auch die sphragidisenen Nymphen 
am Cithäron, Paus. IX. 3. 

20) Paus. IX. 2: nuXai dfc Ix xov vgiaxoq natu xov Bokütwv Xoyov 
ipavxtvovxo nivovxtq. 

21) Paus. II. 24: dvtovxtov di iq xqv dxQonoXiv toxi vaoq AnlX- 
Xtovoq, ov Ilv&afvq nQtaxoq nuQuytvoptvoq ix AtXfpmv Xtytvcu notijaai, ... 
öuQuÖMaxqq 'AnoXXoiv xuXot'/itvoq . . . y dt ol (tuvuxq (jiavxtvtxa* ycc\> 
*i* xul tlq ijfiuq) xa&toxyxt xfjonov xovxov' %vvq f*\v nQoyqxtvovou 
ioxiu uiÖQoq tvvijq tlQyo/tivy t (hiofjihtjq dt iv vvxxl dgvoq xaxd ftijvß 
ixaOTQv ytvoafAivt] dt} xov tufiuxoq r) yvvij xdxoxoq ix xov &tov yivtxut. 

22) Apollo Aktius zu Adrastea Strabo XIII, p. 879, Thyrxeus auf 
den cyaneischen Inseln, Paus. VII. 21. 6; Orakel zu Thymbra, 
Strabo XIII, p. 893, Schol. Iiiad. X. 430, Serv. ad Aeneid. III. 85 
mit Klausen Aeneas S. 185; Seleucia in Cilicien Zosim. I. 57; Zelea 
Str. XIII, p. 879; Gryneum Str. XIII, p. 923, Paus. I. 21> Philostr. 



§.40. Fan apollinischen Orakeln. 901 

V, Apollon. IV. 14, Serf. ad Ed. VI. 72 mit Mcineke anal. Alex. 
p. 79, und mehr bei Müller Dor. I, S. 218; auch auf Delus, Span- 
heim ad H. Del. 90 u. s. w. 

23) S. Strabo XIV, p. 951, Paus. VII. 3. 2, Scbol. Apoll. Argon. 
I. 308, Nicand. Ther. 958, Alexiph. 9 , wo auch Mythisches über 
den Namen t KXaqoq yag tlgjp^tu nttQa vo nt*XyowoO-a* top ronov 
*AnoXXwva, y St* ixtt ixXrjQtooavro Ztvq Hoqhöw* xal IIXovTajy, y St* 
i*tt txXavot* y Mdrtio avv rw ur&oi Baxx*adi] d*a ryv tov rortoy 
iQTjftiavi und mehr bei Hoeck Kreta II, S. 323 und Streber inAbhh. 
d. Münchner Akad. 1835 philol. Cl. I, S. 214. Die Unterscheidung 
eines klarischen und kolophonischen Orakels, die Meineke ad Euphor. 
p. 102 nach Solan, ad Luc. bis acc. c. 1 gemacht hatte, scheint 
er selbst aufgegeben zu haben. 

24) S. Strabo 1 IX, p. 645; XIV, p. 941 ; XVII, p. 1168; und 
mehr bei Fülleborn Beitr. z. Gesch. d. Philos. IX, S. 128, Clarier 
p. 130 — 137, und namentlich Soldan rer. Milei. comm. I, Darmst. 
1829. 4, p. 32 und in Zeitschr. f. d. Alterth. 1841, N. .66 — 70, 
der gegen Hoeck Kreta II, S. 321 den Gründer Branchos in histo- 
rische Zeit zwischen 652 und 631 a. Chr. sezt; auch über Kanachus, 
der das Bild des Apollo Philesius für den Tempel gemacht hatte, 
Müller im Runstbl. 1821, N. 16 mit Thiersch Epochen S. 144 fgg. 
und Sillig catal. artif. p. 136; und über die Lage und heutigen 
Ruinen des, wie es scheint (Paus. VII. 5. 2) , nie beendigten Hei- 
ligthumes lonian antiquities, London 1769. fol. I, p. 27 — 53. Ein- 
zelnes bleibt freilich /ortwährend unklar, namentlich das Schicksal 
des älteren Tempels, der nach Her. VI. 19 von Darius, nach Strabo 
und Curtius VII. 23 zu Xerxes Zeit verbrannt seyn sollte; jeden- 
falls aber war er in macedonischer Zeit wieder hergestellt und 
gen 088 des besonderen Schutzes der Seleuciden, vgl. G. I. n. 2852 
%&•; wie denn auch didymeische Spiele wiederholt vorkommen, 
s. Böckh II, p. 566 und Klemmer de Hadriani itin. Hafn. 1836. 8, 

r. 73 ; nur der Name der Branchiden verschwindet nach Pomp. Mela 
. 17 und Plin. H. N. V. 29, so dasS die Sage von ihrem Verrathe 
und dessen Strafe doeh nicht ganz erfunden seyn mag; vgl. Wyt» 
tenb. ad Plut. S. N. V, p. 64 und Westermann de Callisthene II. 2, 
Lips. 1842. 4, p, 17. 

26) Tac. Ann. II. 54: non femina illie ut apud Delphos sed 
certis e familiis et ferme Mileto aeeitus saeerdos numerum modo 
eonsultantium et nomina audit, tum in specum degressus, hausta 
fontis arcani aqua, ignarus plerumque literarum et carminum edit 
responsa versibus eompositis super rebus, quas quis meuie eoneepit; 
vgl. Anacr. XIII. 5, Plin. H. N, II. 106, PhUostr. V. Apoll. IV. 1, 
Max. Tyr. XIV. 1, Jambl. myster. III. 11, p. 72, und Macrob. 
Sat. I. 18, nach welchem Cornelius Labeo ein eigenes Buch über 
dieses Orakel verfasst hatte. 

27) Jambl. p. 74 : xal /irjv rj yt h Ifyaj'f Afat? yvvrj x^Ofitadoq^ fVvt 
gußdov *x ovoa TT ) V 7iQwra)g xmo &*ov t«?o( nagado&tVaav ^ nXrjQoviut 
Tijfs &tlaq avyrjq, «Ire inl ulovoq xa&Tjfihrj ngoXfyti ro piXXor , ifoe 
rovg nodaq 7} ugaantdov r* rfyyovoa 1$ vöaxt jj in %ov vdaroq drp*- 
tophij antrat, roV &tw: vgl. Paus. V. 7. 3. 

28) Strabo IX, p. 642 : hrtivtiv 6\ ravra dg fttTQov nonjraq xivtiq 
vnovgyovvrag tot Uqwi vgl. Plut. Pyth. orac. c. 25 : noXXtiv d* rjv 
dxovtw , &t» nonjxutoi xmq «Vcfyec fcdqroiterot tag 9 wa? xui vnoXapßu- 



202 Th. IL C. HL Die Personen des Culius. 

vome *t« xathprvm* ntql %o xQfjOvyqKnr f tnij mal fiirqa tat $v9-f*ov<; 
olov yyytta votq ZQyopoSq 1% tov n$osrvx6vroq ftt£«jsJUxov*f c : vielleicht 
auch die lesbische Inschrift C. Inscr. II, p. 1027: ntX&v mt^ryv 
xcci 3tQoq>rp.r}v IdxoXXuvoc. 2>w#^*jc, obgleich im der milesUcbeu 
n. 2855 die Worte %axu noirjoiv d\ MtvavÖQov tob Soldan a. a. O. 
S. 578 fälschlich .hierher gezogen sind. Die Sage liess sogar den 
Heiameter zu Delphi erfinden , wie Plin. II. N. VII. 57: versum 
heroicum Pythio oraeulo debemus, entweder von Themis selbst, wie 
£lem. Alex, stromatt. I, p. 309 , oder von der ersten Pythia Phc- 
monoe, Tgl. Paus. X. 5 und mehr bei Bode de Orpheo p. 08 und 
Lobeck Agl. p. 233 ; und geh« es auch zu weit, wenn Thiersch in 
Abhht d. Münchner Akad. 1813 philol. Cl. S. 33 in den beiden 
Orakelversen bei Pausanias vielleicht die ältesten erhaltenen des 
griechischen Epos erbliekt, so gestatten uns doch die erhaltenen 
Proben schwerlich, mit Lobeck p. 853 und Nitzsch im Kieler Som- 
merkataloge 1834 (vgl. Jahns Archiv IV, S. 48) die Entstehung der 
metrischen Orakel, ja der weihlichen Prophetinnen überhaupt bis 
Ol. XL herunterzurücken. Freilich ist hier die Prüfung der Aecht- 
heit im Einzelnen schwer, und eben so misslich mit Kreuser homer. 
Rhaps. S. 175 an die schriftliche Fortpflanzung aller zu glauben, 
als mit Hüllmann Würdigung S. 76 fgg. alle als Fälschungen zu 
verwerfen; dass jedoch in den griechischen Archiven uralte Auf- 
zeichnungen lagen, zeigt Plut. adv. Colot. c. 17: Aaxidainovioi toV 
TifQi AwLovqyov XQijöfiov iv to*s «p^cuoTUTcet? dvuyQUfpaZs f/oirfc, wo- 
durch zugleich WachsmutKs Annahme H. A. II, Beil. IV, S. 798, 
dass die Sprüche nur mündlich mitgetheilt worden, widerlegt wird; 
und eben so klar spricht die Uebereinstimmung ihrer Sprache mit 
der hesiodischen Poesie für ihr Alter , vgl. Göttling ad Hesiod. 
edit. II, p. xxix, und mehr im Allg. bei Groddeck de oraculorum, 
quae Herodoti historia continentur, natura et indole, Gott. 1787. 8, 
Böttiger Opuscc. p. 191 , Gölte S. 24 u. 193, ^Limburg -Brouwer 
VI, p. 55, fgg. 

28) Cic. div. II. 56 : Pyrrki temporibus jam ApoVU versus fa- 
eere desierat, und mehr bei Aristid. I, p. 84 und Plntarch de Pjthiae 
oraculis c. 17 fgg. , der jedoch zu weit geht, wenn er schon die 
irjTQnq des Lykurg als Beispiele prosaischer Orakel aufzählt, so sehr 
auch diese selbst viele Neuere irre gemacht haben, vgl. van Dale de 
idolol. p. 309 fgg. und dagegen St. A. $.23, not. 16. 

29) Her. I. 182; vgl. Müller Dor. I, S. 217. 

30) Serv. ad Aeneid. IV. 143 t nam eonstmt ApMinem sex men- 
sibus hiemalibns mp*d Pataram Lgeiae eivitmtem dare responsu, et 
sex ueslwvi* apud Dehsm; vgl. Hör. Caim. III. 4» 64 und Plut. de 
Ei ap. Delphos e. 9« 

§ 4i. 

Keine geringe Stelle nahmen endlich auch die Traum- 

/ und Todtenorakei ein, die, wenn sie auch nicht die 

öffentliche Bedeutung der Spruchorakel genossen, doch 

von dem Aberglauben des gemeinen Lebens um so mehr 

gesucht wurden, als sie dem Fragenden ihre Offenbarun- 



§.41. Von Traum- und TodtenoraUln. 963 

gen noch unmittelbarer als jene mitzotheilen schienen *)• 
Auch das Orakel des Trophonius hei Lebadea in Böo- 
tien können wir unbedenklich dahin rechnen 2 ), Trenn 
auch die Eindrücke, welche die Fragenden hier ab Ant- 
worten ans der Höhle zurückbrachten, eben so eigen- 
thimlich und gebeimnissroll waren, als der Zustand 
seihst, in welchem diese während ihres unterirdischen 
Aufenthalts zwischen Schlafen und Wachen schwebten *) ; 
jedenfalls galten sie als Stimmen aus der Unterwelt selbst, 
welcher Trophonius sey es als Heros oder Erdsymbol 
wesentlich angehört 4 ) ; und dieselbe ist ja die Heimath 
nicht nur der Todten, sondern auch der Träume *), 
deren Orakel eben desshalb grossentheils mit der Ver- 
ehrung ron Heroen oder sonstigen chthonischen Wesen 
verknüpft sind 6 ). Selbtt Ino oder Pasiphae macht da- 
tou keine Ausnahme 7 )} noch weniger, die todten Seher 
Amphiaraus in Oropus 8 ) , dessen Sohn Amphilochus 9 ) 
und Mopsus in Gilicien 10 ) , Kalchas und Podalirius an» 
Vorgebirge Garganus in Apulien 11 ) , und andere ähn- 
liche, in deren Tempeln man auf dem Felle des Opfer- 
thiers schlief, um die göttlichen Offenbarungen zu erhal- 
ten 12 ) ; und wenn wir sehn , wie das Plutonium bei 
Nysa 15 ) und spater die Serapistempel in ähnlicher Art 
namentlich zur Heilung von Krankheiten gebraucht wur- 
den 14 ), so werden wir kein Bedenken tragen, auch die 
Heiligthümer des Aeseulap bei Epidaurus 15 ) und ander- 
wärts 16 ), wo dieser Tempelschlaf 17 ) methodisch ange- 
wendet ward, in gleiche Kategorie zu setzen 18 ). Frei- 
lich ist dabei nicht ausser Acht zu lassen, dass diese 
Heiligthümer vorzugsweise an solchen Orten angelegt 
waren, wo sich in Wirklichkeit irgend eine stärkende 
oder belebende Naturkraft äusserte 19 ) , und nimmt man 
dazu ferner, dass unter den Priestern dieses Gottes fort- 
während eine Art von medieiniseher Disciplin fortge- 
pflanzt ward, so wird man in den Erfolgen jener Incu- 
bation nicht bloss Wirkungen erhizter Phantasie, son- 
dern wahrhaft physiologische und pathologische Erschei- 
nungen zu erblicken berechtigt seyn, denen es auch in der 



904 Th. IL C. III. Die Personen des Culius. 

heutigen Heilkunde nicht an Analogien fehlt 20 ) ; aber 
dieselben örtlichen Rücksichten bestimmten nicht selten 
auch die Anlage pintonischer Tempel oder Heroengräber, 
und in sofern braucht auch deren Ansehn nicht sofort 
blossem Betrüge zugeschrieben zu werden. Nur bei 
den eigentlichen Todtenorakeln liegt es allerdings nahe, 
irgendwie an Phantasmagorie zu denken, insofern man 
dort Schatten aus dem Todtenreiche heraufbeschwor, 
um auf vorgelegte Fragen zu antworten 21 ) ; doch lagen 
auch ihnen örtliche Motive unter, wie sie sich z. B. in 
der vulcanischen Umgebung des avernischen Sees in 
Campanien noch jezt erkennen lassen 22 ); und ähnliche 
Umstände, die ein phantasiereiches Volk an Verbindun- 
gen mit der Unterwelt glauben Hessen, werden auch 
nicht bloss an dem ältesten Sitze plutonischen Cultus 
am Acheron in Thesprotien 23 ) , sondern auch zu Hera- 
klea, Tänarum u. s. f. ähnliche Anstalten hervorgerufen 
haben *4). 

1) Böttiger Kunstmyth. I, S. 88 fgg. 113 fgg. Limburg- Brouwer 
VI, p. 30; Tgl. Orig. c. Cels. VII, p. 355t aitov ypuq nifinu 6 
KiXooq ... IrB-a vtjalv uv&qitmoadtZq {rtwotto&ai, &eovq 9 xul od yttvdo- 
/tivovq dXXu xal hagyitq, 

2) S. Philostr. V. Apoll. VIH, T9t novo* ydg hiXro oY avrov 
XQ<i rov xQ*>f*t*° v i un ^ mehr hei Paus. IX. 39 und Schol. Aristoph. 
Nubb. 504 mit Hemsterh. ad Luc. O. M. III. 2, Ciavier p. 140 fgg. 
und Müller Orchom. S. 150 — 160, auch Bergk com. Att. reliqu. 
p.214fg&. Die Schriften des Dicäarchus {Fuhr Die. fgm. p. 130 
fgg.) und Plntarchus über dieses Orakel sind leider verloren; eini- 
gen Ersatz bieten nur die Beobachtungen neuerer Reisenden über 
die Oertlichkeit; vgl. Leake travels in north. Greece II, p. 122 fgg., 
Ulrichs Reisen und Forschungen S. 171 fgg*» Stephan! Reise durch 
einige Gegenden des nördlichen Griechenlands, Lpz. 1843. 8, 
S. 67 fgg.» Göttling narratio de oraculo Trophonii, Jenae 1843, 4. 

3) Plut. daem. Socr. c. 22 » ov paXtt or>{tq>govaji> ivaqyStq fiV 
tyQyyoQtv «*V wvfigonoXn x. t. X, Die wesentlichsten Gebräuche schil- , 
dert Max. Tyr. XIV. 2 : h TgtHpwvlov yt ftyv o dtofiivoq avyyr>io&a$ 

* tw dai/uovioj, Ivüxtvaadfitvoq od-ovfj itodrjqn xal q>oivi>xidi fiäfaq rt 
h x*Q°t v t'xo>v tiqdvtrcu ynricq naxä arofiLov arttov , mal rot ft\v Idtav 
rd di dxovoaq uvtioiv uv&iq V7io$i}rtjq avTuyytXoqi vgl. Hesych. II, 
p. 520: ftuyidtq atq utiojuuttouoi. xal xa&aigovoi, xal /tufru, ac xara- 
ytQovotv ol tlq Tgoq><ovlov xaxiortfq r auch Strabo IX, p. 634 und Liv. 
XLV. 27 x quum vidisset os speeus, per quod oraculo utentes scisci- 
tatum deos descendunt, sacrificio Jovi Hercynaeque faeto, quorum 
ibi templum est, mit Creuzer Symb. IV, S. 420 fgg., und über die 



§. 41. Von Traum- und Ttdtenoräkeln. 905 

auch bei Pausanias erwähnten Quellen^ woraus man den Fragenden 
trinken lies*, Plin. H. N. XXXI* 11: in BatfHa ad Trophonium 
deum juxt* ßumen Orchomenum (cod. Eryenum, leg. J£r*eyit«m) <f*o 
sunt fomtes, quorum älter memoria*»» alUr oblivianem ufert, inde 
nominibus inventis ; über die Wirkungen des Besuch» auf den Geist 
aber Athen. XIV. 2 und Zenob. III. 61: <paal yag toi/« tlq Tgomm- 
viov xaraßaivorraq dg>cuQtto&ai top yiXwva. 

4) Tropbonins als unterweltlieben Gott (Eguyq #£w«oc) kennt 
scbon Cicero N. D. III. 22; Tgl. Greuzer Symb. III, S. 385. 581, 
Maller Orchom. S. 155, Panofka in Gerhards arebttol. Zeit. 1843, 
N. 1. Tropboniaden Plut. de facie in orbe lunae c. 30. 

5) Eustath. ad Odyss. XXIV. 12: larhv d\ xal or* m&avtviTa» 
o f*v&oq ovtigoiq ronov (tvut ittgi nov t« xard rov adt]V^ ov ol xt(h>t£>- 
%iq f (Jitl xal döeXfpoi &uvaroq xal vxvoq (bat XiyovTun vgl. Orpb. 
Argon. 1140 und mehr bei Hermann ad Eurip. Hecub. 70, Spohn 
de extr. parte Odyss. p. 70, Bötttger Konstmythol. II, S. 525, und 
Cbr. C. Fr. Jeep de somno eiaue cognatis numinibus, Wolfenb. 

«1831« 4, p. 36 fgg. — Hermes jjyiJT&Q qvuqo», Homer. H. Merc. 
14 u.s.w. 

6) Wiskemann p. 46 — 54; Metzger in Paulys Realencykl. II, 
S. 1124. — JET^sCai 37 fr vnvy tiuvTitf Atb. VIII. 12. 

7) Cie. div. I. 43: atque etiam qui praeerant Laecdmemomis, 
non eontenti vigilantibus euris, in Pasiphaae fane, qued est in agro 
propter urbem, tomniandi ettusa ineubabant; Tgl. Plut. V. Gleom. 
C. 7 und Agid. C. 9 1 Uqov dl llaOKpdaq xal pavittov rjv h SaXd/iaiq 
riftwfityov , woraus zngleieb hervorgeht, dass es dasselbe ist, wel- 
ches' Paus. III. 26 als *I*ovq pamtov zwischen GuXapat und OXwXoq 
erwähnt. Wachsmuth H. A. II, S. 591 bat Alles verkehrt; über 
die mythologische Identität beider Gottheiten aber unter sich und 
mit Pcrsephone s. Creozer Symb. IV, S. 259 und Hoeck Kreta II, 
S. 62. 

8) Vgl. Herod. I. 46 u. V11I. 134, Cic. div. I. 40, Plut. V. 
Aristid. c. 19 u. def. oracc. «. 5, Philostr. V. Apoll. IL 37, und 
mehr bei Ciavier p. 160, Fuhr ad Dicaearch. p. 223, Finlay in 
transactions of the R. soc. of liter. 1839, T. III, p. 406 — 421, 
Limburg -Brouwer VI, p. 38, Stacke de Oropo Bocotiae urbe, Marb. 
1842. 8, p. 36 — 43; insbes. aber Paus. I. 34, wo auch die Ge- 
brauche kurz so besehrieben sind: *al ng&rov pbt xu&jJQaoO-a* *opi~ 
tovoiv, oartq rjX&tv 'AtiyuiQUüt xQV ü °t i * f0(: * * aT * & xa&ugoior ra ##« 
&vn>* &UOVO* di xal avtä) xal näo&v Zoo«; toxi* Inl ravro %d ovofAara' 
nQotk'tiQyaopfam* dl rovratp xgiov Qvaamq 01/1-4» xal ro Mopa vno- 
OTQOxjaMtrot xa&tvJovow uva/tbovreq dqXwotv ovfigaroq, Ucbrigens 
wiederholt sieb dieser Gült an mehren Orten ßöotiens, Muller 
Orchom. S. 486, Boeckb ezpl. Pind. p. 314. 

9) Selbst in Oropus nach Liv. XLV. 27, wenn hier nicht mit 
Meineke ad Eupbor. p. 139 und Finlay p. 418 Amphiaraut zu lesen 
ist; dann in Aetelien, Aristid. II, p. 78; ganz besonders aber zu 
Malius in Cilicieii, ftatttto* uytvdioTaTov r&w In ipov> Paus. 1.34. 2, 
vgl. Lueian. Alex. c. 19. 29, Philops. c. 38, deor. conc. c. 12: 
ftioiuvört ytvvaüoe h KiXutia ytvdofmoq td noXXd xal foijvtva* xolv 
dvoiv oßoXoir <Wx«: und die bestimmteste Erwähnung: /Q$ *•' •***- 
(hctw, bei Dio Gast. LXXII. 7., 



906 Th. IL C. III. Die Personen des Cultus. 

10) ftfopsvt, Soli« der Mauto, der Tochter des Tiresias, Ath. 
VII. 51, ursprünglich in Kolophon , Conon narr. 6 9 Strabo XIV, 
p. 951, dann mit Amphilochus zusammen in Mallug, g. Str. p. 993 
und mehr bei Tzetzes ad Lyeophr. 440 mit Welcher syll. epigr. 
p. 140 «od Meinefce anal. Alex. p. 90; auch Plut. def. oracc. c. 45 
und Fachs de fabb. Troic. variet. p. 186. 

11) Strabo VI, p. 435: dr/xyt/Tcu dl vij$ Javtlae ntql Xoq>ot ai 
ovofia Jgiov 7?**<*» TO ' hh> KuXxuvtoq \% axga %fj xoqwjj* hayßovo* 
cft aihai piXavu xqwv ol fiamvapt *o» , fyxotfioifitvo$ h •*« dlp/um, to 
ti\ rioiult&giov xutoj nqaq %fj §£$'. vgl. Lykophr. Alex. 978 und 
über Podalirius v. 1050: Soq'aZq d* prjXmv xvfißor iyxo*f**t*hoK XQtjot* 

XU& V71VOV 7KUO* *T]HfQTr t fUTW X. T. X. 

12) Vgl. das Orakel des Faunus im Haine der Albunea Aeneid. 
VII. 83: nemorum quae maxuma sacro 

Fönte sonat saevamque exhalat opaca mephitimf 
Hine Italae gentes omnitque Oenolria tellus 
In dubiis response, petunt; kue dona sacerilos 
Quum tulit et eaesarum ovium sub noete silenti 
Pellibus incubuit stratis somnosque petivit, 
Multa modis simulacra videt volitantia miris 
Et varias audit voeet fruiturque deorütn 
Conloquio atqut imis Acheronta adfatur Avernis ; 
und mehr bei Hieron. ad Je*, c 65 nnd Tertullian de anima c. 46, 
der ausser den bereits erwähnten, noch ein Orakel des Sarpedon in 
Troas und der Hermonia in Maeodonion nennt» auch wohl Tiresias 
Plut. def. oracc. c. 44, Meueatheus Str. III, p. 206, Philostr. V. 
Apoll. V. 4, Autolykus Str. \U, p. 822, und jedenfalls die Telmesscr 
in Karlen , wenn gleich diese auch sonstige Zeichendeutung' mit 
ihrer Oneirokritik verbunden zu haben scheinen; ygl. Her. 1. 78, 
Arrian. exp. Alex. II. 3, nnd -was Davis, .ad Cie. div. I. 41 und 
Muller Oor. I, S. 217 sonst anfuhren. 

13) Strabo XIV, p. 960 : xcani) zw* Nvauetav hrlr ovx uiuü&*9 rifi 
noXtws 'Azaqana, h Jj vo THoinutv^v , %x°* *<** aXoof nolvriAb; xal 
*t&p xal %o Xugtinftoy uvtqov \mtqx%ifit»o¥ rov «Aooi'C &avpaa%ot ijj 
vvoit' Xiyovo* ydg dq uul vovg voväfuq ntä ff^o^ayrac raXq r£tr 
O-t&v tovTbiv &tQanfUuq tponuv eniZoy xcu dmn;uQ&a+ h vif xtipif 
nXyolov rov uvxqov nagt* rolq ifimlqoAq t&v Ugm*' oi tyxa*fiürrai n 
vnty aviatv xal dutTarrova^p . ix t£* ovfiQmp.tut Gruntin?' ovto> d' 
tlal xal ol iyxuXovntq itjv rSt» &tü>v larfriav* äyovot dfc noXXuxig *ic 
to olvtqov xal Idqvovoi ptfvorras XH&* fjovxiav **(*, . xufrumg h qxuXw 
ataiwß #«?*< * n * nXtiovf i^ty«c" $<t*i d* ort xal idio+s hvxyioi* ol 
*ooqXtvdnwo$ 7iQOQ*x oViU f twatayotfots d' opm<; xal QvfkßwXo* ixelvoiq 
XQÜrva* a»c uv Itqtvo* 

14) S. Strabo XVII, p. 1152, Sneton. Vespas. e. 7, Arrian. exp. 
Alex. VII. 6, nnd mehr bei Davis, ad Cie. div. II. 59 und Thorlacius 
somnia Serapiea, in Opnsce. III, p. 125 — 156. Auch Isis, ygl. 
Diod. I. 25 und Paus. X. 32. 13 mit Creuzer Symb. III, S. 401 fgg. 

15) Solin. Polyh. VII. 10: Epidmure deeus est AeseuUpü sa- 
eellum, tut ineubantes aegritudinum remedfa capessunt de me-nitü 
somnierum; ygl. Strabo VIII, p. 575 nnd Paus* II. 27 mit Villoison 
pro 11. nd Iliad. p. n fgg. ; über die heutigen Reste Stuart u. Reyett 
Alterth. von Athen übers, y. Wagner III , S. 217 fgg. nnd Blouet 
exped. de Moree II extr. 



§•41» Von Traum- und Todtenorakeln. 207 

16) Vgl. Artstid. h p. 63^fgg. wd dessen je?«»; Xiyo* p. 445 fgg. 
mit Jatnhl. myster. 111. 3: oi/rttc h 'jioxXqiuov fAv va »oo^/urr« toiq 
{fcioK; o*ti(fo«; natura* ' 6td di xyv ?«$»? rmv vvxtvq liwpavtt&v jf 
laTQixy tix vT l omiartf ano tä» Uyutr om^teraw. Ausser Kos und 
Trikka in Thessalien (Str. IX, p. 668; XIV, p. 957) gehört dahin 
insbes. der Tempel zu Pergamum (Philostr. V. Apoll. IV. 11; V. 
Sophist. L 25. 4; II. 25. 5, Herodian IV. 8, und mehr bei Wegener 
de, aula AtUlica, Hafn. 1836. 8, p. 283 fgg.), ferner Aegae in Cili- 
cien (Philostr. V. Apoll. I. 7; V. Soph. II. 4. 1 ; Euseb. V. Const. 
III. 56), die Tiberinsel bei Rom (Gmter thes. inscr. I, p. 71; Böt- 
tiger kl. Sehr. I, S. llifgg.) und mehr in Atli dell*Acad. Rom* 
d'ArcheoI. 1829, T. III, p. 434 fgg. 

17) 'EyxoluyW oder iyxuTaxXtotq % lat. tnenfafio, Tgl. Aristoph. 
Hut. 622 fgg. und ausser den bereits erwähnten Beispielen Strabo 
XI, p. 775 und XVI, p. 1104, dann Plaut. Gurcul. I. 1, und mehr 
bei Voss de idolol. III. 35, Henr. Meibom de ineubatione in fanis 
deorum medicinne causa. Heimst. 1659. 4, nnd den ßrkl. zu Arnob. 
I. 48, Porphyr, abstin. I. 25, Artemid. Oneirocr. IV. 22; auch 
die heutige Fortdauer gleicher Sitte in Revue archeol. 1844, T. I, 
p. 283 fg. 

18) Ueber Asklepios Verwandtschaft mit chthonischen Gottheiten 
vgl. Muller Orchom. S. 1 53 fgg. und Grenzer Symb. III, S. 45 fgg. 

19) S. oben §. 14, not. 4 nnd Plut. oh. Rom. c. 94 t xal y«p 
"liXXtjvfQ h tokmc xceltaoo?? xul vyqXoVq inum&q ldqvt*ba t« 'AgxXtj- 

nitut *£ot/0* t snit Sprengel Gesch. d. Arzneikunde I, S. 110. Die in 
Zeitscbr. f. d. Alt. 1845, S. 668 erwähnte Vorlesung von Cnrtins 
aber Asklepioeheiligthümer und die damit verbunden«! Kurörter 
des alten Griechenlands scheint noch nicht gedruckt zu seyn. 

20) Vgl. Ackermann! Opuscc. p. 24 fgg. 49 fgg. 179 fgg., insbes. 
C. P. Hundertmark~de artis medicae per aegrotorum in vias publicas 
et templa expositionem incrementis, Lips. 1739. 4; ferner Hinder- 
ung der Somnambulismus unserer Zeit, in Vergleichung gestellt mit 
der fneubation oder dem Tempelschlafe und den Weissogungs träu- 
men der alten Heiden, Dresden 1788. 8; Wolf Beitrag zur Ge- 
schichte des Somnambulismus aus dem Alterthum, in s. verm. 
Schriften, Halle 1802, 8, S. 382 fgg.; Ennemoser über den Magne- 
tismus, Lpz. 1819. 8, S. 268 fgg. 488 fgg.; Gauthier histoire du 
somnambul isme chez tous les peuples, sous les noms divers d'extases, 
songes, oracles et visioas, Paris 1842. 8; nnd, über die besonder« 
Krankheitsgeschichte des Rhetors Aristides Sprengel Gesch. d. Me- 
dicin I, S. 224 fgg., Thorlac. Opuscc. III, p. 125 fgg., Vinc. Ma- 
lacarne in Memorie della soc. Italiana, Milano 1799. 4, T. VlII, 
P. 1, p. 273 fgg.,, G. A. König de Ariatidts ineuhatioue, Jena* 1818 
u. s. w. 

21) NtxQofiavrtta (Gic. Tuscul. I. 16) oder yvxo7ioj*7i(T*, auch 
yvxoftBVTtla, wie Cic. div. I. 58; vgl. Glasen, de orac. p. 456 — 492, 
van Dale de Idolol. p. 637, und was Fabricius hihi, antiqn. p. 603 
citirt; dann Freret aur les oracles rendns par les ames des morts, 
in s. Oeuvres I, p. 518 fgg. und J. G. Köhler de origine et pro- 
gressn necyemantiae sive maainm evecetionis apnd yttere» tum 
Graecos tum Romanos, Liegnitz 1829. 4; für Griechenlands älter« 
Zeit aber Müller Prolegg. S. 363 und Nitssch x. Odyss. III, S. 152, 
auch Völeker in Allg. Schulz. 1831, S. 1166, insbes. gegen Lobeek 



208 Th. IL C. III. Die Ptrsonen des Cultus. 

Agl. p. 316, der sie weit unter Honer herunterdrücken will, ob- 
gleich das eilfte Buch der Odyssee ihre Existenz wenigstens in ein-» 
zelnen Gegenden schon voraussezt, s. Lauer quaestt. Homericae, 
Berl. 1843. 8, p. 74 fgg. und Gerhards archftol. Zeitung 1844, S.293. 
Das« das Orakel des Tiresias nach not. 12 ein Traumorakel war, 
wurde dieser Beziehung nicht entgegentreten, da auch Todtenorakel 
hisweilen mit Ineubation verbunden waren, wie Plut. cons. Apoll, 
c. 14 t äq>ixio&tu inl t* ipi 'xoparcilov , nQo&vodfuvo* fä toq *4/<oc 
tyxbtfiao&a* xai iditt oytv totavdi x,r.X, 

72) Max. Tyr. XIV. 2\ yv äk nov t^c 'IiäXlaq xcttu tijp pryaXij? 
'EXXdda ntQl Xipvip *Aoqvov ovtu uaXov/tirtjv ftartttov ' äv'rgöv , x«* 
&tQantin;rJQi<; t$ uvtq(ü y>vx<*ytayol . . . ivvav'&u, 6 dio/jiivoq äq>*x6f*tvoq 
tvtapnoq im/tu* oq>ayuz x*<*t***oq £o«c uvtxaXfVto yv/yv ovovötj t&v 
nartgwp rj g>ikuv, xul mhto anyjvra rid&Xov, äfivdQov fikv xal \4tZ* 
äwioßrjTTjOifiov f v&tyxrtxov dt nal jiavrixor, mal ovyyfpofitvor vtiIq uiß 
IdtVto dnrjXXaxTtroi vgl. Strabo I, p. 46, V, p. 374, Diodor. IV. 22, 
auch Lucret. VI. 740 fgg. und insbes. VirgiL Aen. VI. 237 fgg. 
mit Critical observations on the sixth book of the Enejd , London 
1770. 8 und A. de Iorio viaggio di Enea all'inferno, Nap. 1825.8. 

23) Her. V. 92. 7, Paus. IX. 30. 3; vgl. Creuzer Synb. III, 
S. 194. 

24) Heraklea Pontika Plut* V. Cim. c. 6 x xartpvyt ngog tu vtxvo- 
ßtarritor dg 'HyuxXfiav xul ttJv yvxyv u*axa%ovfuvo<; naqjpetlTo -itJv 
oQyrp, vgl. Xenoph. Anab. VI. 2. 2 und Schol. Apoll. Arg. II. 255; 
Tftnarum Str. VIII, p. 558, Plut. S. N. V. c. 17, Paus. III. 25. 4; 
Phigalea Paus. III. 17. 8 u. s. w. Freilich bemerkt Nitt seh, dass 
"nicht jedes Psychopomprion , wo man Geister citirte, auch ein 
Psychomanteion gewesen zu, sein scheine"; der. Analogie und Mög- 
lichkeit nach wird man jedoch selbst alle die Orte hierher ziehen 
dürfen, wo durch die Sage von Herakles und Cerbcrus u. dgl. ein 
Eingang zur Unterwelt angezeigt war 5 s. dens. III, S. 356 und 
m. Quaestt. Oedipod. p. 102» 

§. 42. 
Wenn nun aber schon mit dem öffentlichen und an 
bestimmte Oerter gebundenen Götterdienste so manche 
Täuschung verbunden war, welche priesterlicher Eigen- 
nutz der abergläubischen Phantasie bereitete , so konnte 
dieser Missbrauch göttlicher Auctorität nur in demselben 
Maasse wachsen, als das Vertrauen der Menge sich neben 
und ausser jenem Cultus Einzelnen zuwandte, die dem 
individuellen Bedurfnisse noch weit concretere Befriedi- 
gung versprachen; und wenn auch einzelne Aeusse- 
rungen solchen Privataberglaubens im Keime uralt seyn 
mögen, so ist doch sein Gedeihen im Ganzen nur der 
Begleiter und das Symptom des sinkenden Heidenthums, 
dessen Unzulänglichkeit sich in solchen Yerirrungen des 



§. 42. Von Privatwerkzeugen des Aberglaubens. 209 

religiösen Triebes immer starker offenbarte 1 ). Wohl 
lag schon dem §. 13 geschilderten Pantheismus der älte- 
sten Zeit die Furcht vor den Wirkungen geheimer Kräfte 
eben so nahe als die Verwechselung tieferer Naturkennt- 
nisse mit Wunderwerk und Hexerei 2 ), und wenn selbst 
die früheste Heilkunde Besprechungen und andere sym- 
pathetische Mittel nicht verschmähete 3 ), so kann es nicht 
auffallen, auch im sonstigen Leben mancherlei Unfug 
mit Zauber und Gegenzauber gejtrieben zu sehn 4 ); weit 
entfernt jedoch mit der steigenden Klarheit der Wissen- 
schaft abzunehmen, fing dieser jezt erst selbständig zu 
werden an 5 ), und je weniger er dabei vom Staate und 
der herrschenden Religion geschüzt ward 6 ), desto enger 
schloss er sich an particuläre oder ausländische Culte, 
d|e ohnehin schon nach griechischen Begriffen (§. 10) 
unter die Kategorie des Aberglaubens fallend ganz der 
raffinirenden Willkür preisgegeben waren. Selbst Or- 
pheus Name musste solchen Täuschungen zur Heiligung 
dienen 7 ) , so sehr auch die ächten Qrphiker wenigstens 
durch Strenge äusserlicher Sitte 8 ) den Ausschweifungen 
fremd blieben, welche den späteren Aberglauben mei- 
stens begleiteten; insbesondere aber war es der Cultus 
der in Hekate personificirten Fern Wirkung des Mondes 9 ), 
der zunächst wie es scheint von Thessalien ausgehend 10 ) 
schlimme Künste in seinem Gefolge verbreitete; und 
dazu gesellten sich dann zahlreiche Einflüsse orientali- 
scher Religionen, die theils in allerlei Privatweihen die 
methodisch gesteigerten Reinigungs- und Sühngebräuche 
des Cultus zu fanatischer Berauschung der Phantasie 
und sonstigen Zwecken des Augenblicks missbrauchten, 
worunter Heilungen leiblicher Uebel noch die unschul- 
digsten waren u ) , theils durch ihre Dämonologie den 
alten Zauberspuk in ein förmliches System umschufen, 
dessen Verwandtschaft mit dem Osten schon der Name 
der Magie beurkundet 12 ). Dass die Träger dieser Cultc 
eben dadurch der ganzen persönlichen Geringschätzung 
anheimfielen, welche die Organe des Privataberglaubens 
schon um der handwerksmässigen Gewinnsucht, ja Bet- 



210 Th. IL C. ///. Die Personen des Cultus. 

telhaftigkeit ihres Auftretens willen traf 13 ) , rermin- 
derte den Aberglauben selbst nicht, der im Gegentheil 
durch die Bereicherung seiner gottesdienstlichen: Formen 
nur gewinnen konnte; und während er daher die Thä- 
tigkeit des weiblichen Geschlechts fortwährend in ge- 
wohnter Weise in Anspruch nahm 14 ), fehlte es ihm auch 
an männlichen Vertretern in keiner der Richtungen, in 
welchen er mit dem öffentlichen Cultus parallel lief und 
dessen Aeusserungen in mannichfachen Verzerrungen 
nachahmte. Nicht zufrieden mit den Gegenständen der, 
öffentlichen Mantik Hess die Zeichendeutung kein Gebiet 
zur Erforschung der Zukunft unbenuzt 15 ) ; den gott- 
; erfüllten Sehern entsprach bauchrednerischer Trug 16 ) 5 
und wie die Magie einerseits den schädlichen Einflüssen 
unsichtbarer Mächte mit Anmieten und Talismanen ent- 
gegentrat lT ) , so verkehrte si4 andererseits, das fromme 
Vertrauen auf die Kraft des Gebetß in den Rechtsan- 
spruch, durch Bannformeln die Götter nach menschli- 
chem Willen nöthigen 18 ) und mittelst symbolischer Hand- 
lungen selbst in weite Ferne auf Personen 19 ) wie auf 
die leblose Natur 20 ) nach Gefallen einwirken zu können. 

1) S. oben §. 12, not. 10 und im Allg. Job. Jac. Boissardus 
de divinatione et magicis praestigiis, Oppenh. 16. .? fol., Ant. Tan 
Dale de origine et progressu idololatriae et superstitionum, Amstel. 
1696. 4, und was Fabricius bibl. antiqu. p. 591 fgg. und Hauber 
bibl. magica, Lemgo 1738. 8 weiter citiren; von Neueren ausser 
den unten not. 12 anzuführenden Werken insbes. Wacbsmutb ron 
der Zauberkunst bei den Griechen und Römern , in s. Athenäum 
B. II, H.2, S. 209 — 258 und dess. H. A. II, S. 452 — 456, auch 
Böttiger Kunstmyth. I, S. 60 — 74 und Limburg -Brouwer V, p. 
252 — 276. . 

2) Appul. de magia c. 27 1 verum Kaec ferme eommuni auodam 
errore imperitorum phüosophis objeetantur, ut . . . qui providentiam 
mundi curiosius vestigant et impensius deoi celebrant, eos vero vulgo 
manos nominent f quasi faeere etiam seiant quae sei ant fieri etc. 
Daher yaQfiuxxfiv , vüqhukov Zauber- und Heilmittel, Gift oder 
Arznei in einem Worte; Tgl. Eustath. ad Iliad. IV. 191: xo <puq- 
/iuhqv ök ufotj Ubs % ini t«, /*t} uya&ov Xaftßavoftbjj naQu xo <f(Q*iv 
"X ?* *«* * Ä * VW dyu&ov Tiagu xo ytQtiv äxoqt und über die ursprüng- 
liche Verwandtschaft der Heilkunde und Magie Plin. H. N. XXX. li 
na tarn primum e medieina nemo dubitat ae speeie salutari irrepsisse 
velut altiorem sanetioremque medicinam, mit Welcher Medea oder 
die Kräuterkunde bei den Frauen in Allg. Schulz. 1831, b. 127» 



§. 42. Von Privatwerkzeugen des Aberglaubens. 211 

und was den. griech. Trag. S. 340 fgg. zu den 'P^orofiotq des So- 
phokles benierkt. 

3) '£Wai, vgl. Odyss. XIX. 457 oder Pirid. Pyth. III. 51s 
toj*c f*iv puXuxalq inaoidatq uwfxiov , toi'? d\ ngoqavfa nivoyraq rj 
yviotq ntyMMTü)* navxo&tv q,uQ/uaxu, wo Böckh p. 260 namentlich 
auch ,an Piatos Charmides p. 155 £ erinnert: inudy di i*e inl tw 
paQftuxq) tllq, rjv d ph nq for/do« uf*a xal XQ$ ro ttt/TG?, navttinaoiv 
vyiä noiot ro yuQfiunov: und mehr im Allg. bei Wessel*. ad Diodor. 
II. .29, Ast. ad Plat. legg. p. 110,. Obbarius ad Horat. epist. I; 1. 
34, Eckcrmann Melampus S. 19 u. s. w. 

4) Dabin namentlich .die ßaoxavia, fascinatio, mit ihren -Gegen- 
mitteln^ vgl. M. Arditi il fascino presio gli anlichi, Napoli 1825. 4, 
Lobeck Agl. p. 971, Obbar. ad Horat. epist. I. 14, p. 227 j insbes. 
das Spucken in den Busen, worüber Theophr. char. 16, Theoer. 
VI. 39, Lucian. pro merc. cond. c. 6, und mehr bei Becker Cha- 
rikles II, S. 108; aber auch sonstige obseaena, wie Bekk. aneedd. 
p. 30: ßaoxuviov, v ol dfiuOtlq TtQoßuaxuviov \ iozl di t* dv&Q(oriofid\q 
xavuoxf iiaoftu , ßqaxv naQtjXXayfihov rqv dv0-gw7tnaw q>t>Oiv t o ngo r&v 
(QyaaT7](ji<ov ol jft^ojyaxrt? xQffiavtvovat rov pr} ßaoxaivto&a* oJtwv 
tt}v> (gyaoiuv: vgl. Poll. onom. VII. 108. 

5) Als yojjTtia, wie sie jezt der q>aQ/*axila selbst im schlimmen 
Sinne entgegengesezt 'wird, vgl. Amnion, diff. vocabb. p. 142: 
<puQfiuxfia fitv ydg xygliaq n ßXdßq tj diu dqlynjQiov vtvoq ytvofihrj 
Vuq/auxov, yoTjtiia 6h q dito l7ii.xb]Ottüq xul inuQidrjq, und mehr bei 
Sturz in nov. Act. soc. lat. Jen. I, p. 75 fgg. und Empcd. p. 35 — 49, 
insbes. auch Eustath. ad Iliad. VI. 373 oder XVIII. 352: ort d\ Ix 
rov yoo> .xal o yoyq «Je h noXXoVq (Tiüdcov /nttu xal yoov xult l'&oq Tdiov f 
nagndr/XoV xal SotyoxXrjq h tw' ov riQoq largov aotpov &gqv*Vv inaddq i 
ngoq TOftwvTi. nrjfiaT^ obgleich das Wort bald zur Bezeichnung jeder 
Art abergläubischen Betrugs überging, s. Suidas I, p. 490 * xoAa£ 
mgitgyoq nXuvoq unarta)*, und was Euseb. praep. evang. V. 21, 
Theodoret. cur. äff. p. 849 und andere Spätere aus der gxoQa yojjrwv 
des Oenomaus von Gadara berichten , mit Vales. ad Socr. II. eccl. 
III. 24 und Tzschirner Fall d. Heidenthums S. 152 fgg. Zur Sache 
vgl. ausserdem Plin. H. N. XXX. 2: plenumque miraeuli et hoc, 
pariter utrasque artet effloruisse, medicinam dico magicamque, eadetn 
aetate illani Hippberate, haue Demoerito illustranlibus, wenn auch 
Mullach ad Demoer. fgm. p. 42 und 72 fgg. die persönliche Bethei- 
ligung des lezteren für fabelhaft hält. 

6) S. Philostr. V. Apoll. VUI. 7. 2: yorjrtov dl $vvovolaiß vfVyovfft, 
fi\v Ugd &•{&*, ty&Q a% ydg roVq nagd rrjy T^vt}*, und hinsichtlich 
bürgerlicher Strafe Pikt. Meno p. 80 B : tux «V »c yorjq ujiux&eiqq, 
und bemosth. Aristog. I, §.79 mit Meier att. Proc. S. 233 und 
Lobeck Agl. p. 666 ; auch fab. Aes. XLV und Rein röm. Criminal- 
rechf S". 901 fsS' 

7) Lobeck Agl. p. 235 fgg. 

8) 'Ogquxoq ßloq f dyv/otv fAv f/ofifvoq nuvitov , ifAipi'x&v dt toi/- 
^vuvrlov nuvroiv «tm/öT*«™? , Plat. legg. VI, p. 782 D; vgl. Her. 11.81 

und mehr b«i Fraguier in M. de 1*A. d. Inscr. V, p. 117 fgg., 
Lobeck Agl. p. 244 fgg. , Krische de societ. Pjthag. p. 34 u. s. w. 

9) S. oben §. 15, not. 14 u. 15, insbes. Voss in nov. Act. soc. 
. lat. Jen. I, p. 363 — 385 oder mythol. Br. III, S. 190 — 214, dann 



212 77t. 17. CHI. Die Personen des Cultus. 

Lakemacher Obss. phil. IV, p. 18 fgg. , Lobeck Agl. p. 224 %g M 
Greuzer Symb. II, S. 525 fgg., und über das Verbältniss dieses 
Cultus zur griechischen Sittengeschichte F. A. Werner de aetate 
sacri Hecates cultus apud Graecos, Straubing 1836. 4 und Haupt 
Hecate et Hecatos seu rerum divinarum humanarumque principia 
inter Graecos, Regiom» 1840. 4. 

10) Hekate in Tbessalien geboren, Tgl. Hesych. I, p. 97, Schol. 
Tbeocr. II. 36, Tzetz. ad Lycopbr. 1180, und über dieses Zauber- 
land mebr bei Lucan. Paars. VI. 638 und Appul. Metam. IL. 1 : 
Thessaliae loca, quo artis magieae nativa eantamina totius orbis 
consono ort celebrantur. Nacb Plin. XXX. 2, dem Böttiger Vasen- 
'gern. II, S/184 und Wacbsmuth H.A. II, S. 454 folgen, wären 
diese Künste freilich überhaupt erst durch Ostanes in Xerxes Ge- 
folge (Hildebr. ad Appul. II, p. 616) nach Griechenland gebracht; 
doch hängen sie in Thessalien theilweise schon mit der Naturbe- 
schaffenheit zusammen, deren Reichthum an wundertätigen Kräu- 
tern die. Sage bereits von Medea ableitete, vgl. Aristid. I, p. 76:. 
xa&dnsg vvjv Mrjdtiäv q>aoi> did tov QtrraXwv mäiov ytvyovoav i*X v ~ 
&kv%oiv iwy yctQftaxü)* noirjoui, Q trra Xiav anaoav noXvydgfiaxov ; und 
jedenfalls sind die Zauberkünste thessalischer Frauen., namentlich 
ihre Einwirkungen auf den Mond (xa&aiQtfv rtjv otXijvqv) schon im 
peloponnesischen Kriege fast sprichwörtlich, 8. Aristoph. Nubb. 748, 
Plat. Gorg. p. 513 A, und mehr im Allg. bei den Er kl. zu Prop. 
I. 1. 19, Tibull. I. 8. 21, Virgil. ecl. VIII. 69, auch Wytt. ad Plut. 
p. 901 und Gerhard über die Lichtgottheiten in Abhh. d. Berl. Akad. 
1838, Taf. IV mit dem interessanten Zusätze Zenob. prov. IV. 1 : 
«* ifp otlqvqv xa&cugovoai GiTTaXideq Uyovrau tü»v ogi&aXpwv xal tü)v 
naidav OTtgioxto&a*, 

11) 'Jett«» nXirai, Plat. legg. X, p.908D; ygl. oben §. 32, not. 7 
und mehr bei Lobeck Agl. p. 639 fgg. Besonders charakteristisch 
ist Hippocr. morb. sacr. p. 325 : ipoi d\ öoxhvo* ol ng&tot tovto to 
vovorjfia dmtQtooavrtq roiovTot (Iva* ay&Qmnoi, olo* xal vvv «ff*, /udyot 
vt^xal xa&äqrai xal dyvgxai> xal dXa&veq, oxoooi, 6r) nqoqnoihvrai 
oqtodga &foo(ßiiq ilvtu xal nXto* t* tidhai, . . . xal Xoyovq imXitarrtq 
inirqdtiovq ilq tjjOw , xaTiOTyoavxo h to doqxtXeq oyioi bavxoZa* na&ag- 
povq nQoqyigovnq xal inaotddq x. t. X, und die ausführliche Schilde- 
rung einer solchen Weihe bei Demosth. de cor. §.259, wobei nach 
Strabo X, p. 723 zunächst an 2aßu£ta und Myrgioa zu denken ist, 
obschon Lobeck p. 652 zugleich orphischen Anstrich erkennt; auch 
Diog. L. IV. 56 u. X. 4, und für den Fanatismus solcher Gebräuche 
die korybautische riXtr^ mit ihrer &QÖv(ooiq xal xogtUt (Plat. Eutkyd. 
p. 277 D; Lobeck Agl. p. 116) und ihren gewalttätigen Heilmitteln 
(Plat. legg. VII, p. 790 Et xa&umg al tu» lxq>QÖv<ov ßauxti&v'ldoiu; 
ravTt/ xfj xfjq xwqoteaq ufia x°Q f "f *al hovötj xgciptvai), deren psychi- 
sche Wirkungen \n dem Ausdrucke xogvßawiuv selbst sprichwörtlich 
geworden sind, vgl. Plat. Symp. p. 2,15 und mehr bei A. Jahn in 
Jahns Archiv X, S. 220— -239 und Lobeck p. 1139 fgg. 

12) Plut. def. oracc. c. 10: ifxol & doxovot nXttovaq Xvoai, xal 
f*ti^ovaq dnoglaq ol to t&v duipovwv yevoq h /tioto &t<av xal dvö-giuniay 
xal tqotiov xtvd rijv xotvtoviav rjniov a.vvdyov ilq ravro xal awdnrov 
ftevQQvnq, nre ftdywv ruJv'Titgi Zoqouotqijv o Xoyoq ovroq tartv «Ire 
Bgaxtoq dn *OQg>ia>q t tfr" AiyvjiTioq thi <Pgvyi,oq, tiq TtxpatQopi&a 
TuZq (xartgcad-f nXtTuVq dvaptfity/ihtt noXXd {hyrd xal nh&ipa vwp 



§. 42. Von Privatwerkzeugen des Aberglaubens. 213 

ogyiatopivtav xal dg«a/**vav Ugi>v og&vTtqi Tg), oben §. 40, not. £ 
und Arn oli. IV. 12: magi haruspieum fratres suis in aetionibus 
memorant antitheos saepius mbrepere pro veris , esse «ufern hos 
quosdmm materiis ex erassioribus spiritus qui deos se fingant, und 
mehr im Allg. bei Piccart oratt. acad. Lips. 1614. 8, p. 213 fgg., 
Bonamy *ur le rapport de la magie arec la theologie payenne, in 
Hist. de TA. d. Inscr. VII, p. 23 fgg., Eberhard venu. Sehr. S. 279, 
Tiedemann quae fuerit arüum magicarum origo, quomodo illae ab 
Asiae populis ad Graecos sint propagatae, Marb. 1787. 4 mit Her- 
ders Brief an dens. in s. Werken z. Gesch. und Philo s. I, $.240 — 
253, Eusebe Salverte histoire des sciences oecultes, Paris 1820. 8, 
Ennemoser Geschichte der Magie, Leipz. 1844. 8 u. s.w. Die ersten 
Spuren griechischer Dämonologie steigen allerdings bis zu Hesiodus 
*. x. 7. 122 fgg. hinauf; den Dualismus aber, der wesentlich der 
Magie zu Grunde liegt (Wachsmuth Ath. S. 231 fgg., Greuzer Symb. 
I, S. 195 fgg.), scheint erst Empedohles in jene eingeführt zu haben 
(Plut. def. oracc. c. 17), und bald erscheint dann auch fidyoq im 
griechischen Sprachgebrauche synonym mit yoijq (Soph. Oed. Tyr. 
387; Aeschin. c. Gtesiph. §. 137) und mit der ganzen Schmach dieses 
Wortes behaftet, so sehr auch die Anhänger der Magie beide Be- 
griffe zu trennen suchten , vgl. Suidas 1, p. 490 1 juayna ftiv ov* 
ioxlv inixXyoiq daifiovw* dya&onoutiv ngoq dya&ov xwoq ovotuoiy, wqneg 
tu rov 'AnoXXtoviov vov Tvavimq &tOTtiot*axa , yorjxüa dl fiti ?w dvuyu* 
vtxgo* di inixXqaiwq x. t. L mit Philostr. V. Apollon. V. 12 und 
Wachsmuth Athen. S. 236. 

13) 'Ayvgra* xal fiuvrnq Plat. republ. II, p. 364 B, dyvgxat, xal 
yojjTiq, Plutarch. superst. c. 3, ftdyot, xal dyvgxat Zosim. I. 11; Tgl. 
Max. Tyr. XIX. 3: twv h xoVq xvxXotq dyiigovrar, oX dvoTv oßoXotv 
tw TtQoq'tvzovTt dno&font&voi , mit Lobeck Agl. p. 253 und mehr bei 
Ruhnken. ad Tim. lex. p. 10; auch Artemid. Oneirocr. III. 4: 
ytvdto&at ovx inixrjdfioy nXrjv tu* iitl &VfiiXj]v dvtgxofUvvv xal dyvg- 
twp xal olq t&og toxi yivdfO&ai, und über die vorderasiatischen 
prjxgayvgxat, oder firpayvgxai, insbes. Athen. VI. 9 : noXv ydg av yhoq 
Hiugüxaxov tovt 9 ftm, mit Meineke ad Menandr. p. 111, Böttiger 
Kunstmyth. I, S. 138, und den Erkl. zu Lucian. Asin. c. 35 und 
Appul. Metam. VIII. 24; im Allg. aber Orig. c. Gels. I, p. 8: xal 
itofMHoZ Tovg dXoycaq marevorraq fiqxgayvQxuiq xal xegaxooxönoiq , fii- 
&gaiq rf xal aaßßadioiq xal or<p nq ngoqhvxiv > oder Philo legg. 
spec. II, p. 792: xaxorfxviar, rjv fijjxgayvgxa* xal /ffayioAo/o* pexiaa* 
xal yvvaixwv xal dvdgaTiodwv %d yavXöxaxa, nigtpäxxH,* xal xa&aLgtw 
(§.23, not. 21) xuTtjiayytXXofiuva, xal avigyovraq f*tv tlq dvrjxtaxov 
xtjv l'xd-gav, fnaovvraq dl tlq tvvoiav a£«y viuoxvovptva yiXxgotq xal 
twadalq x. t. X, 

14) Vgl. Plutarch. superst. c. 6 : al dl ygutq wqneg naxxaXta t* 
uv xvxaioiv avxaj negtanrovai qiigovoai xal TMQiaQXwoi , mit Wyttenbach 
p. 1006 und Meineke ad Menandr. p. 42; auch Lucian Philops. 
c. 9 : xÜiv ix ittQtodov nvgfxwv rdq xaia&iX£tiq xal ßovßtoviav laouq 
xal xdXXä onoaa xal al ygaeq rjSrj noiovo*, Galen, de simpl. VI prooem. : 
dXX' ixtlvoq fÄlv tXq rt fiv&ovq yga&v xivaq llixgdntxo y xal xivaq yorj- 
xnaq upa rialv intodatq, aq dvaigovpiva* rdq ßoxdvuq im.Xtyova* y und 
mehr bei Wachsmuth Ath. S. 257. 

. 15) Jambl. de myst. III. 17 s tl dl xal uxg* xüv dtpi'x^v^ olov 
yrividitüv tj gaßdotv q IvXtuv xivwv y Xt&wv ynvgdJv rj dXyixwv diijxu 



214 Th. TL C. HL Die Personen des Cultus. 

*jj nQodrjXbMJfh, «i'to loinro xal to &ai'ßtnat6narov fqr» t£c #««c ptay- 
rntrjs nQooijftaoiaq: Tgl. Aetian. H. A. VIII. 5 und das Verzeichnis* 
bei Poll. onom. VII. 188 mit Fahr «d Seit. Emp. adv. Math. IX. 
132, Lobeck Agl. p. 815, und Limburg - Brouwer V,p. 255; insbes. 
aber Artemid. Oneirocr. II. 69 : oaa yuy uv XfywfJt. pv&ayogtxoi,, ?n~ 
Oioyvat/tovtxol , doTQayaXofiuvrnq , rvqoftuvrHq, yvQopdvTFtq f xooxivo/uüv- 
rnq, uoQ<poOxonoi, xa,ooor.6nof> Xfxuyo^avirtq, vexvofAavrnq^ yxvörj nuvta 
xal dtomooraru vofii&iv XQ*}' xal ytiq al ttyrat, aintöv ilot Toutfrta*, 
xal nvrol fi\y fjiavxtxijq oi'rfi £(>«/»' *oao* f yoTjr*vorttq d* xal t£«B«~ 
raivrtq dnoSiövaxovoi rovq Ivrvyxdvovtaq' VTioXfimrai drj flava uXrj&tj 
ilvut, tu VTio &invv Xfyofiiva xai olo)vimwv xal dartgoaxontov xal 'ovhqo- 
xQiruiy xal 7/-i«Toaxo.Te^y, ntgl dl uu&Tjfiarixojv xal y*vt(r*olcyt»v imoxt~ 
yvo>ft(&ui und mehr im Allg. bei Maraviglia pseudomantia Telt. et 
reccnt. explosa, Venet. 1662. fol. und Fabric. bibl. antiqu. p. 593 — 
613. Einzelne dieser Künste, 'wie namentlich die Weissagung aus 
uXyiroiq oder JXfVQoiq, -werden allerdings auch an Apolls Namen 
geknüpft und scheinen in sofern nationaler zu seyn , Tgl. Hesych. 
I, p. 226 und Clem. Alex. Protrept. p. 9; zum grössern Tlieile wer- 
den wir jedoch aneh sie aus dem Oriente herleiten dürfen , wo 
Strabo XVI, p. 1106 Xfxuvo^iuvmq nnd vdyon dvrnq , Scbol. Nicand. 
Ther. 613 ^aßöofidrxnq unter den Magiern ausdrücklich erwähnt; 
und wie die spate Bekanntschaft der Griechen mit chaldäiscber 
Astrologie oder Apotelesmatik sicher ist (Lobeck Agl. p. 426) , so 
scheint auch die Physiognomik oder Metoposkopie und ihre Sipp- 
schaft erst um Sokrates Zeit durch Zopyrus (Cie. de fato c. 9; Tose. 
IV. 37» Max. Tyr. XXXI. 3) dorthin verpflanzt zu seyn, wenn auch 
' Suidas I, p. 712 schon dem mythischen Helenus ein ^Hooaxontxov 
sUüvKjfiu beilegt; Tgl. Fülleborn Ueitr. z. Gesch. d. P Li los. VIII, 
S. 30 fgg. und Bötliger Kuqatmythol. I, S. 65 fgg. 

16) Plut. dcf. oracc. c. 9: tvy&tq yuQ lax* xal naiStxov xopcdTj 
to oh(0&€ti rov &*ov avrov o'jqTifg rovq tyyuOTQiftv&ovq EvyvxXiaq nüXut 
vvv de Hv&(avaq nQoquyoyevoftevovq (Act. Apost. XVI. 16) Mvo/tevor 
elq t« oo')juutu roiv nooyrjTÖiv V7ioq>&iyye<i&ui\ Tgl. Hesych. s. t. iy- 
yaarqifAV&oq ; to?"toV rwtq fyyaoTQijLiavriv t ol de OTfQvopamv Xeyovat, 
auch Poll. II. 162 u. 168, Cyrill. c. Julian, p. 198, Kuseb. ad 
Jesaj. c. 45, und über Eurykles insbes. Aristoph. Vcsp. 1074, Plat. 
Soph. p. 252, Aristid. I, p. 51 , Phot. bibl. c. 94, p. 75 mit Paro- 
raiogr. Gott. p. 340; im Allg. aber van Dale de idoloj. p. 635 u. 650, 
Foes. oecon. Hipp. p. 174, Lobeck Agl. p. 300 u. s. w. 

17) flfQianroit vno roiv yvvaixwv tw TQU/yXctf neQirjQTtjpevov , Plut. 
V* Pericl. c. 38, Tgl. Th€fophr. His't. plant. IX. 21, Plutarch. de 
facie v in orbe lunae c. 1, auch Diog. L. IV. 56: xal axvrioiv ßqu- 
ylovaq ncxeiofiivoq y l'dqoe y und mehr bei Tan Dale de idolol. p. 519, 
Böttiger kl. Sehr. III, p. 411, Kopp palacogr. crit. III, p. 61—80; 
ferner die magischen Kräfte der Steine in den orphischen AtO-ixoZq 
und Psellus de lapidum Tirlütibus c. n. Maussaci et Bernardi, L. B. 
1765. 8;* insbes. aber über die ephesische Geheimschrift, welche 
zu Amuleten und Talismanen diente (Plut. qu. symp. VII. 5; Ath. 
XII. 70: Iv axvTagiotq (tanxolai, yoQwv f E(ffor/ia ygdß*ftara) Hesych. 
I, p. 1544 und Eustath. ad Odyss. XIX. 247 mit Lobeck Agl. 
p. 1163. 1192. 1330, Kopp p. 596, Creuz. Symb. II, S. 597, Guhl 
Ephesiaca, Berl. 1843. 8, p. 94 u. s. w. Selbst gefeite Statuen, 
Tgl. Olympiod. in Phot. bibl. c. 80, p. 60 mit Wilken ad Nicet. 



§. 42. Von Privatwerkzeugen des Aberglaubens. 215 

Choniat. p. 11 und mehr bei F. G. Frey tag de statuis rtxtXtap.ivatq 
▼eterum, Lips. 1715. 4. 

18) Appul. de magia c. 26 : eum isti proprio mayum existimant, 
qui cotnmunionc loquendi eum diis immortalibus ad omnia quae 
velit ineredibili quadam vi eantaminum polhat; vgl. Plat. republ. 
II,* p. 364 : t7iay<ayaiq xtol xal xaxadiofioiq rovq &tovq, wq yaoi, ntl- 
&ovr*g aytötv vnrjQiTrtv , mit Kuhnk. ad Tim. lex. p. 114, Mitscherl. 
ad Horat. earm. 1. 27. 21, Lobeck Agl. p. 221, und die erhaltenen 
Bleitafeln dieser Art im C. I. n. 538. 539; auch Arnob. II. 62: 
neque quod magi spondent commendaticias se habere preces, quibus 
emoUitae neseio quae polestates vias faciles praebeant ad coelum 
conantibus subvolare ; im AUg. aber Euseb. praep. evang. VI. 4: 
dt u)v xal oayöiq d# dyXtaxui , ort, rj fiaytia iv xm Xvnv vd xijq ilfiag- 
nhijq naqd Otiöv iöo&q dg to onwqovv tavxrjv nuQftt (jfntiv , und mehr 
bei Wacksmuth Atb. II, S. 212 fgg. und Hopp pal. III, p. 80 fgg. 

19) Plat. legg. XI, p. 933 A: aXXij ät r) fiayyavtiatq ri x tot xal 
*ii(pdatq xal xaxudtotot nti&ti rovq f*\v joXftüHrzuq ßlumtiv uvxovq tuq 
övvuvxat %o xoiovxor, toi'? d' i»q navroq päXXov vno xovtotv dvvunhü)* 
yoyxtvttv ßXuTtxovxat . . . Tai? 6t yvyatc; xutw dv&Qo'mojv dvqmnovftivovq 
nqog dXXqXovq Ttfgl tu toiuvxu ovx u£tov tnixttQfVv Titi&tiv 9 uv noxe 
uqa Xdtooi nov x?}qivu /4tf*i}f*ara ntnXaofxha tti' *rr* O-VQutq ht* inl 
XQtödotg ti-r' inl fivTjpaot yovitav avxwv rtvtq , oXtyojgitv ndvxiov rw> 
totovxav: vgl« Lucian. Alex, c. 5: yoqq rä/v fiayiiuq xal iizwöug &tont- 
aiovq vntox*ovfAhaiv iq ydgnaq inl roVq igtorixotq xal inayotydq volq 
ix&yoVq xal O-qoavqwv dvano/indq \al xXtJqojv dtado/uq, und über den 
Liebeszauber (<plXxga xal iTiatdui xal tvyytq^ Xenoph. M. S. III. 11. 
17) insbes. die Erkl. zu fheoer. Idyll. II oder Virgil. ecl. VIII 
mit Böttiger kl. Sehr. I, S. 184, II, S. 248, Limburg -Brouwer V, 
p. 265 und Weichert poet. lat. reliqu. p. 92; von schädlichem 
Zauber aber das interessante Beispiel Apoll. Argon. IV. 1654 fgg. 
und andere Einzelheiten bei Horat. Epod. V und Sat. I. 8, Plin. 
H. N. XXVIII. 2 — 4, Lucian Philopseudes und Asinus, Appulejus 
Metamorphosen und Apologie, Philostratus Leben des Apollonius 
von Tyana u. s. w. s 

20) Hippocr. tnorb. sacr. p. 327: tl yuQ aiXqrrjv rt xuxaigtuv xul 
tjXtov uyuvfatv yfiftwvd vt xal tvöiuv notiuv xal oußgovq xal av%/tovq 
xäi &dXaooav uyogov xal yijv xal xuXXa %d xotovxöigoxa ndvru «rctd/- 
yovxut inloxua&at y nv* xal ix xfiixtwv (txe xal t£ aXXtjq rtvoq yvwfxrjq 
y fitXhqq q>uol oloi t# ttvat öl ravra tmxqdivovrfq , dvaotßhtv i'jtoiye 
daxiovol xal &tovq oitd'e tivut vopi&tv: vgl. die uvffioxotxui bei Hesych. 
I, p. 362, die wir nach Herod. VII. 191 auch mit den Magiern in 
Verbindung setzen dürfen, die Hagelbeschwörer bei Clem. Stromatt. 
VI, p. 631 und Pbot. bibl. p. 75, und im AUg. Appul. Metam. I. 3: 
magi co susurramine omnes agiles reverti y mare pigrum colli gari t 
ventos iuanimes exspirare, solem inhiberi, lunam despumari, Stellas 
evelli, diem lolliy noctem fetten', mit Hildebrand p. 20 fgg. 



216 Th. II. C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

CAP. IV. 

Die Zeäen des Cuüus. 



§.43. 
So innig übrigens auch der Cultus alle Seiten und 
Aeusserungen des griechischen Lebens durchdrang , so 
lag es doch in der Natur der Sache , dass derselbe an 
bestimmte Zeiten und Gelegenheiten mit grösserer Not- 
wendigkeit als sonst gebunden war , und dadurch selbst 
nur ein weiteres Bedürfniss des Einzelnen wie der bür- 
gerlichen Gesellschaft befriedigte. Das tägliche Leben 
als solches bot dem einfachen noch ganz unter der Ge- 
walt der Sitte stehenden Menschen weder Anlass noch 
Berechtigung zu der Erholung und den geselligen Ge- 
nüssen , ohne welche auch der niedrigste Culturgrad 
kaum denkbar ist; und je wesentlicher der griechische 
Staat auf der Verschmelzung aller seiner Glieder zu ei- 
nem grossen Organismus beruhte, desto mehr musste er 
die selbstsüchtige "Vereinzelung furchten, wo jeder nur 
an sich und seinen Vortheil dachte; in beiderlei Hin- 
sicht war es nun der Cultus, der durch seine Feste häufi- 
ger und stärker als jede politische Veranstaltung die Bürger 
an das Band ihrer sittlichen Gemeinschaft erinnerte, und 
ihnen selbst mit der Nöthigung entgegenkam, zeitweilig 
ihre Arbeiten ruhen zu lassen, und in solcher Stimmung 
sich über die enge Alltäglichkeit zu rein menschlichen 
Gefühlen zu erheben *). Selbst gegen Aussen fielen in 
solchen Zeiten mitunter die Schranken, welche die Härte 
des politischen Rechtes zwischen dem Bürger und dem 
Ausländer zog, und der wirthliche Empfang des zur 
Verehrung derselben Gottheit herbeigekommenen Fremd- 
lings knüpfte Gastfreundschaften und sonstige Verbin- 
dungen, ohne welche die griechischen Stämme vielleicht 
nie aufgehört hätten einander fremd und feindselig ge- 
genüber zu stehen 2 ) ; was aber hier Freiwilligkeit war, 
galt für Mitglieder der nämlichen Gemeinde als Zwangs- 



§. 43. Von Festen und festliehen Zeiten überhaupt. 217 

pflicht, und wie keine Genossenschaft eines Schutzgot- 
tes, entbehren konnte , so hatte jede auch ihre Festtage, 
wo sie sich zuerst in Opfern und sonstigen Gebräuchen 
ihrer Schuldigkeit gegen die Gottheit entledigte, dann aber 
in den bereits geschilderten 1 Belustigungen und zu deren 
Schlüsse im gemeinschaftlichen Opfermahle den Freuden 
der Geselligkeit huldigte. Wohl gab es auch Trauer- 
tage, die nur mit gänzlichem Stillstand aller Geschäfte s ) 
oder selbst, mit Fasten und sonstigen Enthaltungen be- 
gangen wurden 4 ) ; als Regel kann jedoch nur das Ge- 
gentheil gelten 5 ) , und wie wir einerseits wissen , dass 
die Strenge alter Sitte sich ohne gottesdienstlichen An- 
lass keinerlei Abweichung von der Einfachheit und Nüch- 
ternheit des Alltaglebens erlaubte 6 ), so heiligte anderer- 
seits der Götterdienst jede Ausnahme oder Milderung, 
welche ein häusliches oder Bürgerfest zu Gunsten mensch- 
licher Triebe in jener Strenge eintreten liess. Insbeson- 
dere kam diese Milde dem weiblichen Geschlechte zu 
Gute, das bei solchen Gelegenheiten seiner sonstigen 
Zurückgezogenheit entbunden theils in besonderen Gül- 
ten eigene Gottheiten Verehrte 7 ), theils in Chören und 
Aufzügen mit dem männlichen in wetteifernde Berüh- 
rung trat 8 ) , und auch ausser diesen wenigstens häufig 
zu den Schauspielen und Ergötzlichkeiten solcher Tage 
Zutritt erhielt 9 ) 5 selbst Sclaven genossen hin und wie- 
der an gewissen Festen nicht nur Erleichterung ihrer 
Lage, sondern sogar Gleichstellung mit ihren Herren 10 )£ 
und wie Brudervölker im Kriege für Tage gemeinschaft- 
licher 4»qttesverehrung die Waffen rasten Hessen n ), so 
waren auch nach bürgerlichen Gesetzen in solchen Zei- 
ten Gefangehe ihrer Fesseln, Schuldner gerichtlicher 
Verfolgung oder Pfändung ledig, um keinem Berechtig- 
ten die Theilnahme an der allgemeinen Freude zu ver- 
kümmern 12 ). 

1) S. oben §.9, not. 3 und mehr bei Jacobs verm. Sehr; III, 
S. 343 fgg. und Lobeck Agl. p. 684; insbes. Plat. legg. II, p. 653 D : 
&tol d\ olxTtiQaVTtq ro t&p uv&qmtmov inlnovov nupvxoq yhoq dvanav- 
Xaq ve avrotq tw> novav ho&urro ro? twv ioQTWv äf*oi.ßä$ *ofq &ioZg 



216 Th. IL C. IV. DU Zeiten des Cuh, 



GAP. IV. 

Die Zeiten des Cuttus. 



§• 43. 



- tdoouv, 

• rat luv 

t ■( i ?nf} ut, 

• i, (liois 

•u <i;i/u , >vie 
.uiiitniacliung 
<!ie tjHtuut uqfioi, 
Inscr. 11, p. 1131: 
ji ,• dt oi/.iiaq uno 



,., Dionys. Hai. rhet. 

Kuntlmytii. II, S. 120 

Auch als Messen und 

7ii; vgl. C. 1. n. 4474: 

*;;„• l7j TMVTlXUldtXUTT] XCU 

: i« <£ma efta twi» *rraf#a 

r'x«rox^v Ufiofiqviav TiQoq to 

-^xer^raZc, und mehr bei 

th Corinthioram commercii 

• f - p , 9 \ . - 

e. 12 j Vgl. Plut. V. Alcib. c. 34 
>. 337 und Boisson. ad Marin. V. 



So iunig übrigens auch der Cir 

Aeusscrungcn des griecliisehen Lei»* 

lag ea doch in der Natur der S«< 

bestimmte Zeilen und Gelegenheit 

wendigkeit als sonst gebunden v 

nur ein weiteres Bedürfnis* <!< 

gerlichen Gesellschaft befriedig . ^« 

als solche* bot dein einfache» 

wall der Sitte stehenden *I i 

Borahtqrung au der Erlnd— 

ntiaaen« ohne welche ar • 

kaum denkbar ist; und ,o 

Staat auf der Verseilung 'u 

äw« großen OrgauiMr r4 f IV ' 

** iL », . . s H.iel A. d. I. IV, p. 30 fgg. und 

dl* »*lb»t*uclttlge >i ... > ^. Jedenfalls nur in einseinen 

.*. obgleich es zu weit gegangen ist, 
>. 132 'es darum als fremdartigen 
..^«i s. AeUan. V. Hut. V. 20. 

-.*♦» wi sec. Epicur. c. 21: all* onov 
... i«b^/«£»«* roy #toy, ixü fiukurta kvnaq 

, .«u <4» s *• oben §. 29 Jgg. Athenäus 

c* $*Uc$die»stliche Charakter die Ausge- 

v ^m**t$ y«p *»c t^c /•*» inl raq anolavottq 

.. w^aiH^ «taMrri'/acu , 2f9««0Mr di »oi trifft**- 

,> w* x«mm»c * &£*•* XQ^tfdvu , ZiJ° r09 ««*<>£*- 

.^^H(j<iWK •??•» nt&ijxttv oirrovc.-**» artotv: 

,;v ^ne^aUcae Wit* selbst jk**!«*» ▼on /«tu to 

.;.«**. 11. tt t Z*An*xoc. di f>^0* to sssuUuov Ot'X 

*„ 1.^9» o*c* «Ulf» ydt'.aa#t*ar TiQosfipfo&cu py 

.,>;*£* d*> *«♦ $**»** **♦ $«l*«c x«** /•*#«? «*Vo- 

. .^ «?*»*«? W*wve*9*u d*i* wsciaVt^«»oir t tcic d' ort 

. .• A4« Q**%*9m* www. L und mehr im Allg. bei 

„• vca^ianiaa$ g^ulium eiren fesla. Cell. 1663. 12; 

^ väür. p. ^, Spaabtun ad CnUim. H. Del. 324; 

i. tWU^« IL S.307; tUlft^ KunsUnTtb. I, S. 152; 

t. ttab« naas> S\mhal. U, S. 560 u.s.^r. 

t9; a«ft« «^ n ^ n »w » w «wt«y«]rf ***** ***^ Jgzaioi* 

m i t t e l » »«* w«*««94C ♦jrf«*r»«> vol^ w«»'«« T«fy 



an aieh und seinen v^ 

ukht ^ar es nun de 

gvr und stärker i\\ 

an d^H Hand ilue 

ihnou j*oUksI mit 

Ihr* Arbeiten n ^ 

aloh Über die e» 

tienililen zu . 

nulehen Zeilo - 

de* notitiftd'" 

.Vunlüader , 

V ereli nnij; 

Umj;h liii-' 

düngen, • 

nie .hm* 



p* 



§. 43. Von Festen und festliehen Zeiten überhaupt. 219 

&töüv mal vfivots mal mdatq; Tgl. JttT. XI. 85: aceedente nova, si 
quam dahat hostia, tarne , und mehr oben §. 28, not. 23. 

7) Insbes. die zahlreichen Thesmophorien, Tgl. du Theil in M. ^ 
de l'A. d. I. XXXIX, p. 210 fgg. , Ebert 2Vx«t. p. 19 fgg., Preller 
Demeter u. Perseph. S. 343 fgg. , freilich mit der ganzen Zügel- 
losigkeit verbunden, wie sie Aristophanes ckarakterisirt ; 8. auch 
Cleomed. cycl. theor. II. 1 , p. 112: cw ra fiev in £a/ia*Tt;;u*a)v äv nq 
*lva$ a>qottß 9 ' Tß de ofioia zolq Xtyoftivoiq h roVq J^fiijTQtoiq vno rwy 
S(afto<f>oQia^ovawv yvvouxotv: über andere Aristoph. Thesmoph. 841 
und Wachsmuth H. A. II, S. 569. 

8) Plat. lcgg. VI, p. 771 E: rtjq qvv Toinxrvijq onbvdrjq evtxu %(>y 
xal %aq nuiSiuq nouio&at, £0£«t'ovrtt? re xal x°Q fV °v a( *q xoQovq %t xal 
xÖQtiq, xul ufia drj &eof()ovvraq xal &KüQovfievovq ßtru Xoyov t« xa» 
tjXtxiuq vivoq l/ovoqq elxviuq^ngo^äanq x. r. X, Daher dann auch die 
Liebeleien beider Geschlechter an solche Gelegenheiten geknüpft; 
vgl. Theoer. Idyll. II. 65, Ovid. Heroid. IV. 67, Xenoph. Eph. 1.3, 
tiongus pastor. II. 2 u. 8. w. 

9) TJuvvvxldtq 9 s. oben $.31, not. 6 — 8; */*vovyQia 9 Aristoph. 
Plnt. 1013, Demosth. Aflid. §. 158; bei den olympischen Spielen nach 
Paus. VI. 20. 6 wenigstens Jungfrauen, woran Krause Hellen. 'II. 1, 
S. 56 nicht mähein sollte, Tgl. Becher Cbarikles I, S. 318, Wester- 
mann' in N. Jbb. XXXVI, S. 86, Limburg -Brouwer IV, p. 133, 
wenn auch für Frauen selbst Todesstrafe darauf stand, Periz. ad 
Aelian. V. Hist. X. 1 ; Valchen. ad Theoer. Adoniaz. p. 197. Schwie- 
riger ist die Frage hinsichtlich der dionysischen Schauspiele zu 
Athen, deren Besuch Böttiger hl. Sehr. 1, S. 295 — 320 und Wachs- 
muth II. A. II, S. 391 dem weiblichen Geschlechte ganz absprechen, 
während schon Casaub. ad Theophr. char. 5 ihn als unzweifelhaft 
annahm; die Mehrzahl 4er Stimmen (Boeckh teag. gr. princ. p.38; 
Schlegel dramat. Kunst I, S.287; Jacobs verm. Sehr. IV, S. 272 fgg.; 
Meineke ad Menandr. p. 345; W. A. Pnssow in Zeitschr. f. d. Alterth. 
)837, N. 29; Letronne appendice aux lettre 8 d'un antiquaire, Paris 
1837. 8, p. 33; D. J. Tan Stegeren de condit. dornest, fem, Athe- 
liicnsiiim, Zwollac 1839. 8, p. 53 fgg.; Becker Cbarikles II, S. 249 — 
268; Limburg- Brouwer IV, p. 135) nimmt ihn jedenfalls nach Plat. 
Gorg. p. 502 D und legg. II, p. 658 D mit Hecht für die Tragödie 
in Anspruch ; und neuerdings haben ihn Jul. Richter Aristophani- 
sches, Berlin 1845.4, S. 22 f£g. und dessen Beurtheiler Sommer-' 
brodt in Berl. Jahrbb. 1845, Aug. N. 37 sogar über die Komödien 
ausgedehnt;- Tgl. auch Schol. Aristoph. Eccles. 22 : o de 2(pvQopaxoq 
ri»ij(f.i0fta riqqyyoaro , wqre ruq yvvuXxuq xul %oi>q avdgaq £0)^2? xa&(- 
C*o#cc* xal vuq haigaq x o) Q'S x &* IXtv&tyuv. 

10) Was Wachsmuth II, S. 569 sagt: "SclaTen hatten an kei- 
nem Bürger feste thätigen Antbeil", ist nur von directer persönlicher 
Tbätigkcit wahr; dass sie unter der allgemeinen Ruhe mitbegriffen 
waren, zeigt C. Inscr. II, p. 1131; und von Festen, bei welchen 
• «den Sclaven Freiheit und Wohlleben gestattet und Ton den Herren 
die Bedienung besorgt wurde", erwähnt er selbst S. 426 die Her- 
maen in Kreta und die trözenische Sitte im Monate Gerästius nach 
Ath. XIV. 44 s nuvTjyvqtq de tot* yfoera* TioXvfjßMQoq , yq h /Lr* o» 
dovXoi, fiexu tStv noXirwv xoivjj re uOTQuyaXi£oi>cn xal ol xvqioi tovq 
dovXovq (oriwoi, auch die thessalischen Pelorien und S. 465 einen 
"Ton den athenischen Sclaven begangenen Gull des Herakles", 



220 Th. 17. €. IV. Die Zeiten des Cultus. 

worunter jedoch wahrscheinlich nur das St. A. §.114, not« 8 er- 
wähnte Asylrecht des Thesenstempels zu verstehen ist; dagegen ge- 
hören in ohige Kategorie noch die spartanischen Hyacinthien nach 
Ath. IV. 7 und die attischen Anthesterien , Tgl. Etym. M. p. 109: 
&VQU& KaQtg' ovxfr* 'AvfcoTiJQu*, und mehr bei Welcher Nachtrag 
zur Trilogie S. 196. 

11) *Ext X uQta und lnw£iu, St. A. §. 10, not. 11; auch G. I. 
n. 1688 und 2954: tlq olov tqm kmbvvfiov tijq &eov jitjva, vgl. unten 
§. 44, not. 12< 

12) Demosth. Mid. §.10: f*jj QiZvai, /tyze fotxvgaotu pyre Xap- 
ßavHv i'rfQ&v frigov, prjfo tw* vncQTjutgow , h rairtaiq ratq ypiQaiqi 
rgl. C. Inscr. II, p. 1131 und noch mehr bei Schol. Dem. Androt. 
§. 68 : t&oq Tjv naqd %oTq 'A&qvuioiq h rotq diovvoloiq xal rotq Tlava- 
&i/vtzioig, Tövq deofAwraq ä<pUo&at vov diofiov nagaa/ovraq tyyvyraq 
TtQoq to lAtj yvyitv, IVa xal ro tvaeßlq yhrjrtu ngoq ra &iTov xal 
aoydXfta vnaqxjl ?<>?? xQtüaTov/tfooiq , wozu Schol. Hermog. T. IV, 
p. 460 Walz, noch die Thesmophorien fügt, so dass es vollkommen 
begründet scheint, wenn H.A. Müller Panathen. p. 19 gegen Böchh 
und Welcker diese Sitte für alle höheren Feste in Anspruch nimmt. 
In Samos erzählt sogar Plut. qu. Gr. 55 : orav t« 'Eq/iij t« #«#*- 
öottj &vtoot 9 xXcmtiv eyttTcu töJ ßovXopivm xal XümodvTtZv: doch mag 
das allerdings mit dem besonderen Gegenstande jenes Festes zu- 
sammenhängen. 

§. 44. 
Weit entfernt jedoch auf solche Weise der Willkür 
menschlicher Anordnung anheim zu fallen , trugen die 
Feste des griechischen Cultus, in so weit sie nicht durch 
ausserordentliche oder zufällige Umstände veranlasst wur- 
den, ihre Zeitbestimmung mit um so grösserer Notwen- 
digkeit in sieh, je inniger der Zusammenhang war, in 
welchem wenigstens die ursprünglichen Gegenstände der 
alten Religion mit den wiederkehrenden Erscheinungen 
der äusseren Natur standen $ und wirkten dadurch minde- 
stens eben so sehr auch auf die bürgerliche Zeitrechnung 
zurück, als sie ihrerseits von dieser bestimmt und gere- 
gelt wurden 1 ). Gleichwie überhaupt auch solche Ver- 
richtungen, die zunächst nur die physische Existenz des 
Volkes bedingten, durch Anknüpfung an gottesdienstli- 
che Gebräuche eine Sicherung erhielten, welche ihnen 
die mangelhaften Formen des bürgerlichen Lebens noch 
nicht geben konnten, so gestalteten sich auch die Rück- 
sichten, welche der Ackerbau und sonstige Beschäftigun- 
gen auf den Wechsel der Jahreszeiten und Gestirne, na- 



§. 44. Gottesdienstl. Wichtigkeit der Zeitrechnung. 921 

mentllch des Mondes zu nehmen hatten, durch einen re- 
ligiösen Festcyklus weit früher zu einem geordneten Sy- 
steme, als dieses der blossen Astronomie möglieh gewe- 
sen seyn würde 3 ); und andererseits ward leztere selbst 
wieder durch die gottesfärchtige Genauigkeit gefördert, 
mit welcher man die schuldigen Opfer und Leistungen 
stets auf den Tag, wo sie von der Gottheit erwartet zu 
werden schienen, darzubringen bedacht war 3 ). Sogar 
der Aberglaube , den das hesiodische Gedicht in der 
Scheidung, von guten und bösen Tagen für allerlei Ge- 
schäfte des- Lebens zur Schau trägt, beurkundet das Al- 
ter des Gewichtes, welches man diesem Puncte beilegte ; 
um so weniger kann es befremden, wenn bestimmte Mo- 
natstage bestimmten Gottheiten vor andern heilig sind 5 ) ; 
und wenn auch die grösseren Feste der Natur der Sache 
nach sich nur in längeren Zwischenräumen wiederhol- 
ten 6 ), so musste dann doch nur um so strenger auf die 
chronologischen Kennzeichen geachtet Werden, von wel- 
chen eine solche Wiederholung abhing. Namentlich wa- 
ren es die Orakel, die darüber wachten, dass die Opfer 
nach Monaten, Tagen und Jahren dargebracht würden 7 ) 
und auf Vernachlässigungen dieser Art selbst Bussen 
verhängten ?) 5 und so scherzhaft es lautet, wenn Ari- 
stophanes die Götter klagen lässt, dass die irdischen 
Feier- oder Werktage dem himmlischen Kalender nicht 
entsprächen 9 ), so liegt doch auch diesem Scherze nur 
die tiefbegründete Vorstellung unter, dass jene Verthei- 
lung nicht von menschlichem Gutdünken, sondern von 
höheren kosmischen Gesetzen abhängen solle. « Ausser- 
dem verläugnet sich der Zusammenhang der bürgerlichen 
Zeitrechnung mit gottesdienstlichen Einrichtungen auch 
darin nicht, dass zu der sogenannten Eponymie oder 
Bezeichnung des laufenden Jahres mit seinem Namen in 
vielen Staaten ein Priester oder sonstiger Beamter des 
Cultus diente 10 ); und jedenfalls gehören dahin die 
Benennungen der griechischen Monate, die, so sehr sie 
auch nach den einzelnen Stämmen und Städten abwi- 
chen n ), doch in überwiegender Mehrzahl von solchen 



222 Th. IL C IV. Die Zeiten des Cullus. 

gottesdienstlichen Festen entlehnt waren, die gerade in. 
den einzelnen Monat fielen und wenigstens theilweise 
und ursprünglich an diesem Monate selbst die Grunze 
ihrer Vor- und Nachfeier nebst den daran geknüpften 
Rechten und Rücksichten gehabt zu haben scheinen 12 ). 

1) Isoer. Areop. §.29» xal notäxav u\v xd ntql toi) 5 &eovq ovx 
dvatfiaXtaq ovo* uxdxxatq ovx i&i(ju7itvov ovx* &Qyia£ov; vgl. M. G. Herr- 
mann die Feste von Hellas, Berlin 1803, 2 Bde 8 und Ullmann in 
Creuzers 7 Symb. IV,* S. 767 fgg. mit Creuzer selbst S. 599 : "die 
ältesten Feste , -was waren sie anders als die in Handlung verwan- 
delten .Jahresepochen, nebst dem Angedenken an die grossen Wohl* 
thaten des Ackerbaues' und der Cnltur? es war ein heiliges Jahr, 
verkörpert ' durch einen Kreis allegorischer Handlungen"; auch 
Forehhammer xApollons Ankunft in Delphi S. 9: "dass jedem Gott 
im Jahrescyklus sein Fest, sein cyklisches Fest zu der Zeit gefeiert 
wurde , wenn er durch seih Erscheinen in *• der materiellen Natur 
sich gegenwärtig zeigte " u. &. w. 

2) Cic. legg. II. 12: feriarum festorumque dierum ratio in 
liberis requietem habet lilium et jurgiorum, in servis operum et 
laborutri; quas eompositio anni conferre dtbet ad perfeeiionem ope- 
rum rusticorum; quod tempus ut sacrificiorum libamenta servenlur 
fetusque peeorum, quae dieta in lege sunt, dilig enter habenda ratio 
intercalaudi est; vgl. Wachsmuth H. A. II, S. 782 fgg. 

3) Plat. legg. VII, p. 809 D: xal Tiooq tu avxd ravra ?** td 
Xyqoina twk iv xatq TuqioSotq xZv #f/wv, uotqojv re niot, xal f t Xiov 
xal otXqvyq, oaa öioixftv uvayxulov tax* ntql xavxa ndajj noXti* xivtov 
drj Tityfr Xiyoutv; jjfifguiy i«5fa>? tlq lAijviav ntQtoöovq xul /iqvStr tiq 
fxaoxov tw* IviuVTuiv, iva «(ja* xal &voim xal eogxal xa nyoqqxovxa 
dnoXa/tßdvovoa* tavxatq exaaxai tw xaxd tpitatv uyto&ai fyäöav xrjv noXtv 
xal (yQTjyoQVlav naQfxoftevru &fotq (Av xdq xiuuq anodVdarot , toi'? d) 
äv&Q(Ö7iovq ntql avxd fiuXXov l'fiyQovaq unf(>yu£wvxai. Nur darf man 
eben desshalb den directen Einfluss der Astronomie auf griechische 
Mythologie und Gultus nicht so hoch anschlagen, als es namentlich 
von Dupuis origine de tous les eultes und vielfach auch ton Herr- 
mann a.a.O. geschehen ist; vgl. Letroone in Journal des Savants 
1839, p. 538: les relations de la mythologie des Grees avec leur 
uranographie sont aVautant moins nombreuses , qu*on remonte plus 
haut aans Vantiquite, ee qui est justement Vinverse de ee que Dupuis 
a tru pouvoir etablir; auch Böttiger Kunstmythol. I, S. 171 und 
Müller Prolegg. -S. 191 fgg. 

4) '£. x. 7. 763 fgg. mit dem Scholion des Proklus : xal naQ* 
*0(iq>iV xw*q avxiov öiaxqioHq , xal iv xoXq 'Ad-yvqiwv naxqiotq d«tt^*'a#jy- 
oav al /*i» dya&ät xtvtq, al öi yavXat, pioat, dh xtvtq ftvai: vgl. 
Lobeck Agl. p. 411 fgg. 

5) Suidaft III, p. 76: imdq t&y *oqx5>v *$•» Uqal xtvtq TJ^Qat. 
hofti£ovxo 'A&Tjvrjoi OtoXq xioiv* otov vovftqvia xal tßdofijj *AnoXXo*t^ 
xtxaQxt] 'Egujiy oydoy QqatVi vgl. Schol. Aristoph. Plnt. 1127 mit 

N Hemsterh. p! 425 und mehr bei Siebeiis ad Philoch. p. 92 und Lobeck 
p. 430 fgg. Was Apoll betrifft, so galten die Neumonde dem Licht- 
gotte, der siebente dem fßdouaytwjq , Plut. ou. symp. VIII. 1. 2, vgl. 



§. 44. Gottesdiensll Wichtigkeit der Zeitrechnung. 223 

Spanheim ad Callim. H. Del. 251 und Müller Dor, I, S. 329, wie der 
seeliste der Artemis, Diog. L. II. 44, der dritte der Athene als 
T(HTOffveia, s. Harpocr. p. 287, Tietzes ad Lycophr. 519, und mehr 
bei Müller im Cambr. Philol. Mus. II, p. 230 und Brzoska de geogr. 
ntythica, Lips. 1.831. 8, p. 41; auch rpirj; q>fHvovTo$, Schol. lliad. 
VIII. 39. Der vierte Schwankt zwischen Hermes (Homer. H. Merc. 
19) und Herakles (Zenob. VI. 7), *. Procl. ad Hesiod. }. *. f 770; 
der achte gehört eigentlich dem Poseidon, Plnt. V. Thes. c. 35;, 
ausserdem scheint Schol. Nicand. Alexiph. 218 den neunten derRhea, 
Athen. VII. 126 den dreissigsten der Hekate beizulegen , wie denn 
überhaupt das Monatsende den Unterirdischen gehörte, s. Plut. qu. 
Rom. 34 und Schümann ad Isaeum p. 219. 

6) 'Evtavroq jeder cyklisch abgeschlossene Zeitraum, Fritzsche 
de Aristoph. carm. myst. p. 46. 

7) Geminus elem. astron. c. 6, p. 32: t© yaQ vno twv to/tur xal 
twv xQ T i a f x ^ v naQayyiXX6f*evov ro &v(iv xaxa %qia ijyovv tu nutQui, 
f*t}va$ 9 ijfit((ja<; t htavrovq x.r.L 

8) Dcmosth. Mid. §.53 nach Böckh G. Inscr. II, p. 579* or» 
t«? wqch; naQTjvlyxart tijq fruaiaq xal trjq d-iWQk&, alyerovs niftituv 
xiXtvtt &(0)qov<; f'vtxa tövtov 6m ra^io)*, xui tw AtX rot Nui'ut tqiTs 
ßov? xal tiqoi; (xuotco ovo olq x. t. X. 

9) Aristoph. Nubb.,612 fgg. mit dem Schlüsse i xard atkijvrjv o's 
uyu* XQV *°*> ß iov Tcc '$ yf*i{>asz Tgl. Ideler Handb« d. Chronol. I, 
S.322 und Böckh C. Inscr. I, p. 812. 

10) Die Priesterinn der Hera zu Argos, Thuc. II. 2; der Priester 
des karneiseken Apoll zu Sicyon, Syncell. p. 78 A; der Athene Alea 
zu Tegea, Ross inscr. gr. I, p. 1 ; des Poseidon zu Mantinea, das« 
p. 4; dös Dionysos zu Naxus, G. I. n. 2265; ähnliche zu lliuni, 
n. 3597, zu Rhodos, n. 2525. 2905. 3656, zu Smyrna, n. 3137. 3150, 
zu Kos, n. 2501 , zu Eretria, n. 2144; ferner ^der IfQo/ivdfMov zu 
Byzanz, Polyb. IV. 52, ein &wQot; zu Naupaktus, C. I. n. 2350, 
ein IfQo&i'rrug zu Agrigent, der unq>inoXoq des olympischen Zeus zu 
Syrakus, und Andere mehr bei Ebert HixtX. p. 130, Preller de Hel- 
lanico p. 36, Franz elem. epigr. p. 324; auch die ßuntkrtq zn Me- 
gara , Chalcedon , Samothrace , die zahlreichen ort par^popot , van 
Dale diss. IX, p. 360 u. s. w. Nur darf man damit nicht solche 
Fälle verwechseln , wo der Tempelbeamte nur desshalb voransteht, 
weil sich die Inschrift auf den Tempel und dessen Cnltus bezieht, 
wie die Itqtuib bei Keil vindic. onomat. p. 8 und die vteanoioi zu 
Parus G. I. n. 2396 und Halikarnasus n. 2656. 

11) Vgl. Fabricü Menologinm, Hamb. 1713. 8, Corsin'i fast. Att. 
II, p. 285 fgg., und m. Abb. über griechische Monatskunde und die 
Ergebnisse ihrer neuesten Bereicherungen, Gott. 1844. 4 mit Bcrgk 
Beiträge z. griech. Monatskunde, Giessen 1845. 8. 

12) Thncyd. V. 54: Kagvttog ItQQ/iqvia nagu 4<oquvöh vgl. C. 
Inscr. II, p. 601 und 1131 und mehr bei Ebert 2wX. p. 23 und in 
m. Monatskunde S. 17 fgg., obgleieh allerdings später UgofAtjvia im 
weitesten Sinne jede festliche Zeit (topra/dne yniqai,, Harpocr. p. 151) 
bezeichnete, die sieb nach Umständen ebensowohl auf einzelne 
Monatstage beschränken (Schol. Pindar. Nem. III. 2; Etym. M. 
p. 469) als über die Gränze eines Monats ausdehnen konnte, s. 
C. I. n,71. 



SB* Th.II. C.W. Die Zeiten des Cultus. 

§ * **\ 
Freilich aber hatte man dabei mit mancherlei Schwie- 
rigkeiten zu kämpfen , die erst allinälig durch die Fort- 
schritte mathematischer Wissenschaft und Technik be- 
seitigt werden konnten 2 ). War auch der Tag durch die 
Axendrehung der Erde, der Monat durch die Umlaufs- 
zeit des Mondes natürlich abgegränzt, so entsprach doch 
weder der synodische Monat auch in seiner ungefähren 
Bestimmung auf neun und zwanzig und eine halbe Axen- 
drehung 2 ) , einer vollen Zahl vom Tagen , noch die an- 
nähernde Zusammensetzung des Jahres aus zwölf solcher 
Monate dem durch den Sonnenlauf bestimmten Wechsel 
der Jahreszeiten dergestalt, dass nicht leicht und bald 
merkbare Abweichungen der wirklichen Naturerscheinun- 
gen von den auf sie berechneten Kalendertagen hätten 
eintreten müssen 3 ) $ und selbst für den Tag bot die Un- 
gleichheit des Zwischenraumes zwischen den Auf- und 
Niedergängen der Sonne kein gleichförmiges Einthei- 
lungsprincip dar +). Auf den leztgenannten Mangel kam 
allerdings in gottesdienstlicher Hinsicht wenig oder nichts 
an, da der einzige Unterschied, der in jdieser zwischen 
den Tageszeiten herrschte, dass man den oberen Gotthei- 
ten am Morgen, den unterirdischen nach Mittag opferte 5 ), 
schon bei der natürlichen Eintheilung hinlänglich gewährt 
werden konnte $ desto wichtiger waren dagegen die bei- 
den andern , insofern theils das natürliche Kennzeichen 
des Monatsanfangs, das erste Sichtbarwerden der jungen 
Mondsichel nach Sonnenuntergang 6 ) , nicht immer mit 
dem astronomischen Anfangspuncte zusammenfiel, theils 
auch ein richtig .gezähltes Mondjahr zu 354 Tagen von 
dem Sonnenjahre so bedeutend abwich, dass die ent- 
sprechenden Monate mit ihren Festen schon nach kurzer 
Frist hinter ihren ' ursprünglichen Jahreszeiten zurück- 
bleiben mussten; und während es also dem Privatleben 
überlassen blieb, sich die Fortschritte der Gnomonik und 
sonstigen Tageseintheüungskunst anzueignen 7 ), yrar ge- 
wiss die Regulirung und Eintheilung des Jahres überall 
Gegenstand öffentlicher Sorgfalt, , wenn uns auch erst 



§. 45. Mängel der griechischen Zeitrechnung. 225 

seit Solons Gesetzgebung in Athen Sicheres darüber be- 
richtet wird 8 ). Dieser, heisst es, habe eingesehn, dass 
der dreissigste Tag eines jeden Monats eigentlich halb 
zum folgenden gehöre 9 ) , und darauf die Abwechselung 
der sogenannten hohlen und vollen Monate von je neun 
und zwanzig oder dreissig Tagen begründet 10 ) $ ausser- 
dem liess er die Tage des lezten Drittheils rückwärts 
zählen, so dass vom Neumonde bis zum zwanzigsten 
die Ordinalzahlen mit dem Zusätze lara/uivov ftfjvog, 
von da an dieselben in* umgekehrter Ordnung mit dem 
Zusätze tp&ivovvog gebraucht wurden n )$ und endlich 
wird ihm nicht ohne Wahrscheinlichkeit auch der trie- 
terische Schaltcyklus beigelegt, der ein Jahr um das 
andere durch Zusatz eines dreissigtägigen Monats die 
Uebereinstimmung zwischen dem Monde und der Sonne 
herzustellen suchte 12 ). Doch reichten auch diese Ein- 
richtungen nicht aus : hinsichtlich der ersten blieb das 
gemeine Leben über die Geltung des lezten Monatstags 
und den Eintritt des Neumonds fortwährend in Unge- 
wissheit 13 )$ und was das Schaltsystem betrifft, so führte 
die fortwährende Ungleichheit immer grössere und ver- 
wickeitere Perioden Von acht, neunzehn, und zulezt sechs 
und siebenzig Jahren herbei u ), deren lezte auf den 
Grund des im J. 433} durch Meton eingeführten neun- 
zehnjährigen Cyklus 15 ) um's J. 330 a. Chr. durch Kal- 
lippus aufgestellt und allmälig von den meisten griechi- 
schen Staaten angenommen worden zu seyn scheint, bis 
theils das Vorbild der Römer oder Aegypter, theils we- 
nigstens der Einfluss des Christenthums das Mondjahr 
durch ein Sonnenjahr ersezte 16 ). Ja zwischen ver- 
schiedenen Staaten konnte selbst die Annahme des glei- 
chen Schaltsystems bei der Verschiedenheit der Jahres- 
anfänge 17 ) und den ungleichen Zwischenräumen der 
Schaltjahre 18 ) die Abweichungen des Kalenders nicht 
immer ausgleichen ; und bei verschiedenen Schaltsysfemen 
wichen dieselben oft nicht nur in den entsprechenden 
Monaten l9 ) r sondern sogar in den Monatstagen vielfactk 
von einander ab 20 ). 

P 



226 TA. IL C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

1) Vgl. J. J. Scaliger de emendatione temporum, Paris. 1583 
oder Col. Allobr. 1629. fol., D. Petavii doctrina temporum, Lut. 
1627 und ed. Harduinus, Ver. 1734. fol., S. Petiti eclogae Chronolo- 
gie oe, Paris. 1632. 4, H. Dodwell de veteribus Graecorum Romaho* 
rumque cyclis, Oxon. 1701. 4, welche Bücher jedoch theils wegen 
unhaltbarer Theorien , theils wegen unkritischer Quellenbenutzung 
eben so wie der daraus gemachte Auszug in Rambachs Uebers. ton 
Potters Archäol. III, S. 1 — 66 nur mit Vorsieht zu gebrauchen sind; 
die beste Uebersicht gibt L. Ideler Handbuch der mathematischen 
und technischen Chronologie, Berlin 1825. 8, B. I, S. 226 — 476. 

2) Geminus elem. astron. c. 6, p. 31: firjv iart xH° v °S «"*• ovvo- 
dov Inl ovvodov . . . iaxl d\ avvoSoq p\v otuv iv ifj avxij ftoigtf yforjtat 
o ijkiroq xal rj atX^vrjy rovriart ntgl Tr)v TQiaxilJu otXqvyq . . . iarl di o 
fi\v axgißijq firjviaVoq XQ° V0< i JjptQ&v tXxoaiv hvla xal qfitotlaq xal Xy*, ol 
d\ ngoq T)]v TioXrtixrjv dytoyijv oXoox*q{ot*Qov Xafißavo^fvot ftyvtatoi £0.oyo» 
tlalv jjptQ&v ritooiv ivvitt xal jjftioiiaq, wqrt tov difxrjvov xqovoy yivto&cu 
yfttgwv ntvxrjxovTu brviai also eigentlich 24 Tage, 12 Stunden und 
43% Minuten oder noch richtiger 44' 3", vgl. tdeler I, S. 43. 

3) Galen, ad Hippocr. epidem. I, p. 231: dio/ifg (oq i'gtyv «i* ruv' 
ovTwq agtd-fjtovrvtav roiiq ftijvaq oi'x i'ortv ogiöcu ruq y^tfgaq iv ulq al 
lorjfitqiat, re xal XQonui xal t&v intipavojv uatgwv al liuroXal yivovTai' 
xard di roi/c nooe yXiov uyovraq ogiaai 6v*aTov\ Tgl. Geminus p. 32fgg. 
und was Soliuus Polyh. I. 44 über ähnliche Verwirrungen des römi- 
schen Jahres sagt: nonnunquam aeeidebat, ut menses, qui fuerant 
transaeti Kieme, modo aestivum modo autumnnlc tempus titct- 
derenU 

4) Ueber die Tageseinteilung Tgl. Dissen de partibus noctis 
et diei ex divisione veterum, Gott. 1836. fol. und in s. kl. Sehr. 
S. 129 — 150; auch Ukert Geogr. d. Gr. u. R. I. 2, S/156, Nitzsch 
z. Odyss. III, S. 15 und F. M. Oertel de chrono logia Homerica 
Co mm. I u. II, Meissen 1838 u. 1845. 4. 

5) S. oben §. 16, not. 2 und §.29, not. 1 mit Procl. ad Hesiod. 
?.x.r/. 763 und Bahr mos. Symbol. II, S. 249. 

6) Ideler I, S. 280: "man sieht also, dass Neumond bei den 
Griechen etwas, Anderes war, als bei una; wir verstehen darunter 
die Conjunction , die Griechen hingegen das erneuerte Licht nach 
der Conjunction oder auch unabhängig von demselben den ersten 
Tag des Monats'*; ub4 wenn nun, wie schon Geminus c. 7, p. 40 
bemerkt, dieses neue Licht mitunter erst am zweiten oder dritten 
Tage nach dem Neumonde sichtbar ward , so konnten ohne festen 
Kalender selb»* solche Verwirrungen entstehen« wie sie wenn auch 

, hyperbolisch Ufachon bei Ath. VIII. 41 aus Abdera schildert; vgl. 
Theophr. char. IV. 4 und Hesych. I, p. 1247 mit Paroem. Gott, 
p. 465: ovdtiq yug olStv h Kiq> riq qßttga' oV* ovx hrdatv al yptgat, 
ritä «Je «Vaoro» &1X0VO1V ayovow* ofrtv Xfyixai' oavriZ yovftqviar 
xifgvoaitq» 

7) Her. IJ. 109: noXov fiYv yaQ xal yvtopovn xal t« dvioätxa 
ftrgta rij'q yt**gr}q itaqd BaßvXiavlwir l'na&ov ol "EXX-qvtq: vgl. Vitruv. 
IX. 5 ffeg. und. mehr bei G. H. Martini Abb... von den Sonnenuhren 
der. Alten, Lpz. 1777. 8; van Beeck Calkoen de horologiis veterum 
sciöthericis, Amst. 1797. 8; Montucla bist, des matbematiques, Paris 
an VII, T.I, p.715fgg., Mongez in M. de linst, nat. V, p. 517— 



§. 45. Mängel der griechischen Zeitrechnung. 227 

555, Peter in Atti dell*Acad. Romana d'archeol. T. I, P. 2, p. 21 fgg.; 
in Allg. aber auch über xXtytvdgaq u. dgl. Becker Gallo« I, S. 183 — 
189 und Charikles II, S. 490 — 497. 

8) Plut. V. Solon. c. 25 : ovvidwv di xov ftTjvoq xyv dvtaßiaXlav 
xal xrjv xivrjow xrjq otXrjvijq ovxt dvoßifvw reu ijXiat ndvxtoq ovx' uvioxom 
avfMptgouivrjv , uXXu noXXdxtq xrjq avxrjq ypiqaq xal xaxuXafißävovoav 
xal nagtgxofih^v T0%v yXiov, avxyv p\v l'xa^t xavxrjv tvrjv xal viav 
xuXtln&ai, io p\v ngo awodov fioQtov uvxijq tw navopbtp f*iy*l, xo dl 
Xotnov tjdrj xqZ UQXOfiivto ngoqyxttv tjyov/Atvoq . . . xrjv d' i?t£//? rjpigav 
vovprjviav txdXtati vgl. Diog. L. I. 57 und ldeler I. S. 266 fgg. 

9) Daher i'vr) xui via, statt dass er vorher nur i'vjj geheissen 
hatte, d.h. pridie, wie Demosth. Aristog. I, §.20: xdq i'vaq ugxdq 
rat? viaiq txovaaq vntbhan Tgl. Varro R. R. I. 37: intermenstruum, 
quo die dieitur luna esse extrema et prima, und mehr bei Buttmann 
ad Demost. Mid. Exe. VI und Hermann ad Aristoph. Nubb. 1137. 

10) Geminus c. 6, p. 31 : d&er diu xavxrjv xrjv alxiav ol xaxd 
noXiv ftijvtq tvaXXa^ ayovxa* nXijgttq xal xolXo* diu xo xrjv atXrjvyv 
dipyvov tfvai yjitg&v ntvxyxovxa ivvia; vgl. Censor. die nat. XXII. 7: 
ut in Graeeia plerique % apud quos alterni mciises ad trieenos dies 
sunt facti. Dabei hiess jedoch der lezte Monatstag auch in den 
hohlen fortwährend xgtaxdq, vgl. Procl. ad Hesiod. 763 a ugxtxa* 
ovv o 'Hoiodoq ix rrjq xgiaxudoq, xa&' rjv rj dXtjörjq iaxt, ovvodoq, oxt 
t*\v ovaav xgtaxdda ävtv ^aigiotatq, oxt d\ x$- f oxt xal vnttaigttxai rj 
ngo aixrjs vn *A&rjvaloiv i wie auch eine monatliche Frist lieber 
durch xguixovxa yuigaq ausgedrückt ward, Elmsl. ad Aristoph. 
Acharn. 858, B&ckh Staatsh. II, S. 201 ; so dass mancher wie He- 
rodot. I. 32 u. III. 90 das Jahr durchschnittlich zu 360 Tagen rech- 
nen konnte, ohne dass man darum mit Scaliger n. A. den ältesten 
Griechen einen förmlichen Kalender Ton zwölf gleichen Monaten 
beimessen dürfte; s. schon Petav. doctr. tempp. III, p. 178 fgg. 

11) Plut. V. Solon. c. 25: xdq d' an tlxddoq ov ngoqxi&tlq , dXX* 
Jg>uigu>v xai uvaXvojv, otqntg xd (pwra xrjq otXyvjjq (ojga, ßtX{ H Tß«a- 
xddoq rjgL&tirjon Tgl. Schol. Aristoph. Nubb. 1129, Schol. Aug. De- 
mosth. p. 359 Rsk. und Bekk. aneedd. p. 280 : k«t« d\ xrjq dno xrjq 
vovftyviaq rjpigaq loxafttvq^q otXrjvq avlqotv Xapßdvt*, xal ngoqexi&toav 
laxa/iivov ptyQ 1 bdxrjq* tlxa dtxdxrj % tlxa tvdtxdxq, tlxa dotdtxdxtj xal 
xglxrj tnl dtxa 9 ovxto ptxQ 1 T #S ivdxtjq* tlxa tlxdq 9 tlxa fiia xal tlxdq 
vaxtga dtxdxrj (Diog. L. VII. 10; Curtius port. Athen, p. 48) xai 
xrjv dtvxigav xal tlxdda ivaxrjv g>&ivovxoq xaxd vyaigtoiv an 6 dtxdxrjq 
<p&ivovxoq ixdXow x. x. X. Den Unterschied zwischen loxaßkvov nrjvoq 
und <p&ivovToq kennt schon Homer Odyss. XIV. 162; für die Drei- 
theilnng dagegen, die Poll. Onom. 1.63 aufstellt : /tigy dt firjvoq 
loxufthov, fitaovvxoq, xal Xrjyovxoq, o)q xal xdq TgtVq dtxddaq ovxw naq 
dtatgtfy, fehlt jede Spur wirkliehen Gebrauchs. Schwieriger ist die 
Frage zu entscheiden, ob auch in hohlen Monaten von der dtxuxq 
v&ivovxoq ausgegangen und dafür die dtvxiga weggelassen, oder der 
2lste sofort als ivuxtj v&ivovxoq gezählt worden sey; ersteres Ter- 
theidigt nach Proklns (s. not. 10) Schömann com. Ath. p. 37 und 
neuerdings Vömel im Frankf. Osterprogr. 1843, S. 10, lezteres nach 
Poll. VIII. 117 Ideler I, S. 284 und Böekh C. Inscr. I, p. 226; 
doch scheint dieses beiläufige Zeugniss der Ausdrücklichkeit des 
ersteren um so mehr weichen zu müssen , als Polluz selbst I. 63 
nach richtiger Lesart für Beibehaltung der ätxdxrf spricht. 

P2 



228 TA. //. C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

12) Censorin. XVIII. 2: veteres in Graetia civitates quum animad 
verterenty dum sol annuo eursu orbem suum circuit, lunam inter- 
dum terdeeies exoriri 9 idque saepe alternis fieri, arbilrati sunt 
lunares duodeeim menses et dimidiatum ad annum naturalem eon 
venire; itaque annos eiviles sie statuerunt, ut interealando faeerent 
alternos XII mensium, altemos XIII, utrumque annum separatim 
verteniem, junetos annum magnum vocantes, idque tempus TQUTt]oi#a 
appellabant, quod tertio quoque anno inter calabatur, quamvis biennii 
eireuitus et re vera duxqylq esset; vgl. Ideler S. 269. Der Schalt- 
monat, ipßokifitoq oder t/ißoXi/iuToq pyv, lag in Athen in der Mitte 
der übrigen nach dem sechsten (St. A. §. 127, not. 6), doch gestattet 
diese Stellung keinen Schlug» anf andere Zeitrechnungen , wo wir 
z. Brden *AntXXaVoq dtvtfQoq in Tauromenium nach dem dritten, den 
ndvapoq dtvrfQoq in Syrakus nach dem. zwölften Monate setzen müs- 
sen, vgl. Monatsk. S. 110. 114 und Macrob. Sat. I. 13: nam et Uli 
ultimo anni sui mensi superfluos interserebant dies, ut refert Glau~ 
eippus t qui de saeris Atheniensium scripsit? 

13) Demosth. Mid. §. 86: ßovXo/iivoq di ro piXXov Xa&tiv, yvXulaq 
xrjv liiXtvxaiav Tjiiiyav xw» ÖMirijxtäv trjv toxi QaoyqXiiovoq rj toxi 2*i- 
(jotpoQiwvog yiyvofxivrjv , tlq r/v o fx\v yXde vfitv öiuiTqT&Vy o 6\ ovx 
fjX&a x. t. X. 

14) Vgl. über die Okteteris (des Kleostratus von Tenedus?) mit 
den Schaltmonaten im 3ten, 5ten und 8ten Jahre Macrob. Sat. I. 13, 
und mehr im Allg. bei Censorin . XVIII. 3 fgg. und Geminus p. 33 fgg. 
mit Ideler S. 294 fgg. 

15) Diodor. XII. 36 zu Ol. LXXXVI. 4: fr M %aüq 'A&tjvuiq 
Mirwv o Jlavouviov fitlv vloq, dtöotao/tivoq 6k h davQoXoyia f iti&Tjxc 
rrjv ovoftafr/uhqv ivvtaxaidtxtTTjQida, rrjv afjX*}* noiTjodfuvoq dno nrjvoq 
fr *A&rjvanq SxiooqtoqiiävQq TQiqxadexaTijq* fr dk roVq tloyfitfrQiq Ireat tu 
äorfja rtjv uTioxaTuoraöiv noitVrai, xa&dntQ (vtavxov Ttvoq ptyuXov tov 
uvaxvxXiOfiov Xa/ißuvovtoq . . . äoxiV ök 6 uvtjq ovroq fr tfj tiqoqqtJoc 
xal nQoyqavjj ravrrj &avpuOT5Jq iitMTtvxfrau* 6io ftixQt f&y xa&* tjfiuq 
XQovtov ol nXiZoroi twv 'EXXrjviöv xqu/awo* rjj IntaxarftxtTTjQib** ov 
ipivJovrcu rfjq uXrj&ilaqi Tgl. Theophr. sign. pluT. p. HO, Aelian. V. 
Hist. X. 7, und die Erkl. zu Aristoph. At. 995. mit Krüger Untersuch, 
über Thucyd. S. 88 und Forchhammer in Kieler philol. Stud. S. 339 fgg. 
Das Jahr 330 als Epochenjahr der kallippischen Periode gibt Ideler 
S. 345; ihre Aufnahme in Athen wagt jedoch ders. S. 351 wenig- 
stens nicht Tor Ol. CXVIII. 3 = 306 a. Chr. zu setzen. 

16) Vgl. Freret in M. de TA. d. Inscr. XVIII, p. 140 und Ideler 
I , S. 359 , welcher leztere die Griechen geradezu erst mit dem 
Uebergange zur christlichen Religion das julianische Jahr anneh- 
men lässt , und allerdings zeigt Galen, ad Hippocr. epid. I, p. 24, 
dass noch Saec. II p. Chr. ausser den asianischen und macedoni- 
sehen Städten das Sonnenjahr bei den eigentlichen Griechen nicht 
im Gebrauche war; so wenig man jedoch darum mit Jac. Usserius 
de Macedonum et Asianorum anno solari, Lond. 1648. 8 (auch hin- 
ter Seldenus de anno cWili Judaeorum, L. B. 1683. 8 und in Gronov. 
Thes. T. IX) das macedonische Jahr schon zwischen Olymp. CVIIl 
und CXI in ein Sonnenjahr übergehn zu lassei} braucht, so sehr 
steht dem angenommenen Einflüsse des Christentums auf jene 
Aenderung der Umstand entgegen, dass auch die Sonnenmonate 
noch die Namen des alten Cultus trugen, wie z.B. in Marini V. 



§. 46. Ferhältniss der Feste zur Zeitrechnung. 229 

Prodi c. 36 dem 17ten April in Athen der 17te Munychton ent- 
spricht; vgl. auch Monatsk. S. 36. 

17) Das attische und olympische Jahr fing mit der Sommerson- 
nenwende, das böotische, lamische, vielleicht auch phocische mit 
der Brnma, das dorische, delphische, aetolische, roacedonische mit 

k der Herbstnachtgleiche , das tauromenitanische und korcyräische, 
-wie es scheint, mit der Frühlingsnachtgleiche an, wohei ausserdem 
noch die Alternative eintritt, dass der erste Neumond des Jahres 
sowohl vor als nach jenem Wendepunct fallen kann; ja in Achaja 
soll ursprünglich der Anfang der Plejaden im Vorsommer den Jah- 
resanfang bezeichnet- haben , vgl. Polyb. IV. 37 und mehr im Allg. 
bei Böckh C. lnscr. I, p. 754, dessen Bestimmungen jedoch durch 
meine Monatskunde wesentliche Modificationen erleiden dürften. 

18) Im metonischen Cyklus fällt nach Scaliger auf di4 Jahre 
2. 5. 8. 10. 13. 16. 18, nach Petavius auf 3. 6. 8. 11. 14. 17. 19, nach 
Dodwell und Ideler S. 331 richtiger wohl auf 3. 5. 8. 11. 13. 16. 19 
je ein Schaltmonat, und ausserdem noch auf vier gemeine Jahre je 
ein Schalttag; der kallippische hat sogar zwei Jahre zu 383 Tagen; 
und wenn folglich ein Staat bei der Annahme eines solchen Systems 
nicht sogleich in das laufende Jahr desselben eintrat , sondern die 
Periode von vorn anfing, so konnten seine Schaltjahre selbst mit 
einem Kalender desselben Systems nur durch Zufall übereinstimmen; 
vgl. auch Zeitschr. f. d. Alterth. 1845, S. 589. 

19) Wie wenn bei Thuc. IV. 118 dem attischen Elaphebolion 
der Gerastius, und demselben zwei Jahre später das. V. 19 der 
Artemisius der Spartaner entspricht, oder mit dem attischen Game- 
lion in Böotien bald der fiukatins bald der Hermäus verglichen 
wird, Tgl. Procl. ad Hesiod. 502 mit Böckh in Abhh. d. Berl. Akad. 
1816, S. 54, und im Allg. m. Monatsk. S. 25 fgg. 

20) Vgl. Aristo*. Harmon. II, p. 37: otov ovav Kogiv&iot /tkv dixujrjv 
ayatotv, *A&t]valot 6\ nf/Anrrjv, ctf^o* 6k iivtq oydor]v\ und insbes. 
Plnt. V. Aristid. c. 19: xairvtjv rijv f*axv v ^/***X^ aavT0 x f} Trrodd* toi7 
BoqÖQOfiiüvoq larafiivov holt 'A&yvaiovq , xaru dt Bouüiovq %t%qud* 
%ov lluvrjuov (p&lvovToq ... Trjv 6\ itbv ypfQwv avatpakiav ov &uv/*u- 
orlov, onov xal vvv di^xQiß(Oftho)v twv iv uargoXoyta /inXXov uXXtjv 
ülloi fiyvoq dqxv v xul ftXiVTyv uyovo*, mit m. Abh. de anno J)ei- 
phico p. 19. 

§. 46. 
Diese Erscheinung ist inzwischen auch nur eins der 
vielen Beispiele örtlicher Verschiedenheit , die sich in 
der ganzen Einrichtung des griechischen Staatslebens 
kund gibt und auch auf den Cultus dergestalt einwirkte, 
das nicht allein jeder Stamm und jeder Ort seine eige- 
nen Festzeiten und Festgebräuehe hatte , sondern sogar 
das nämliche Fest an verschiedenen Orten auf verschie- 
dene Zeiten fallen konnte 1 )} für den einzelnen Ort ge- 
nügte es jedenfalls, wenn jedes seiner. Feste sein be- 
stimmtes Yerhältniss zu den übrigen und dem Jahre 



230 Th. II. C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

überhaupt hatte, und dafür reichte selbst eine- mangel- 
hafte Zeittheilung aus, sobald ihr nur ein statines Gesetz 
zu Grunde lag. Selbst bewegliche Feste konnten auf 
solche Art vorkommen , wie namentlich die olympischen 
Spiele immer auf den ersten Vollmond nach der Som- 
mersonnenwende fielen, welchem von zwei aufeinander- 
folgenden Monaten derselbe auch in jedem Jahre ange- 
hören mochte 2 )} in der Regel knüpfte sich jedoch die 
Feier an einen bestimmten Kalendertag, sey es jedes 
Monats oder des ganzen Jahres, wofern ihre Wieder- 
holung nicht durch noch grössere Zwischenräume ge- 
trennt war. Was freilich den priesterlichen Cultus der 
Götter in ihren Tempeln betrifft, so mochte dieser häu- 
figere Opfer verlangen, die aus den Einkünften des Hei- 
ligthums bestritten mittelbar den Unterhalt seiner Vor- 
steher selbst ausmachten 3 )^ dergleichen Gelegenheiten 
aber kann man wenigstens keine Feste nennen, an wel- 
chen auch nur die ganze Gemeinde des Heiligthums be- 
theiligt gewesen wäre} und wie es selbst Tempel gab, 
die nur an einem oder wenigen Tagen des Jahres ge- 
öffnet wurden 4 ), so beschränkte sich jedenfalls die all- 
gemeinere Begehung eines Cultus anf die Zeiten, wel- 
chen überhaupt der oben bereits geschilderte festliche 
Charakter zukam. Höchstens finden wir, zumal in den 
späteren Zeiten, dass gottesdienstliche Genossenschaften 
sich zur allmonatlichen Feier eines bestimmten Tags ver- 
einigen 5 ), oder ein solcher wie namentlich der Neu- 
mond zum Gegenstande eines allgemeinen Privatgottes- 
dienstes wird 6 ) $ für die eigentlichen Volksfeste dagegen 
kana die jährliche Wiederkehr als Regel gelten, obgleich 
dtesd andererseits wieder nicht nur durch die Mannich- 
faltigfeeit! der verehrten Gottheiten, > sondern insbesondere 
auch, durch den grösseren Umfang ihrer Dauer einen be- 
trichtliehen Theil des Jahres in Anspruch nahmen. Von 
der 'Vermehrung der Festtage durch die Aufnahme frem- 
der Culte, und der darauf beruhenden Unterscheidung 
angestammter und angeeigneter Feste war schon oben 
die Rede ?) ; ganz in demselben Maasse aber wuchsen 



§. 46. Ferhältniss der Feste zur Zeitrechnung. 231 

aoch die einzelnen Feste durch die Zusatztage 8 ) , welche 
die erweiterte Zabl der Theilnehmer und die vermehrte 
Schaulust und Vergnügungsucht hervorrief 9 ); man im- 
terschied Vorbereitungs - 10 ), unU rolle Festtage n ), und 
manches kleinere Fest scheint auf diesem Wege sogar 
auf Kosten seiner Selbständigkeit in den Bereich eines 
grösseren hereingezogen worden zu seyn 12 ). Nur wo die 
Aufzüge und Schauspiele, welche einem solchen Feste 
seinen grossartigen Charakter verliehen, sich nicht all- 
jährlich, sondern in grösseren Zwischenräumen wieder- 
holten, konnte sich das entsprechende Jahresfest auf ei- 
nen kürzeren Zeitraum beschränken 13 ) $ so wenig es je- 
doch einerseits auch zum panegyrischen Charakter eines 
Festes nothwendig war, dass seine Feier nur in grösse- 
ren Zeiträumen geschah, so wenig sezt ein wirklicher 
Zwischenraum von mehren Jahren eine jährliche Wie- 
derkehr desselben Festes in kleinerem Maassstabe voraus ; 
sondern die Mehrzahl solcher grösseren Festcyklen scheint 
vielmehr mit alten Schaltsystemen zusammenzuhängen, 
die selbst wieder mehre Jahre zu grösseren chronologi- 
schen Ganzen vereinigten 14 ). 

1) So fielen die attischen Thesmophorien in den Herbst» die 
thebanischen nach Xenoph.- Hell. V. 2. 29 in den hohen Sommer; 
die Kronien in Attika in den Hekatombäon, in Rhodus noch Porphyr, 
abst. II. 54 in den Metageitnion, in Klis dagegen na eh Pau0. VI. 
20. 1 um die Frühlingsnachtgleiche; ahnlich die Todten feste? der 
verschiedenen Staaten, vgl. Bergk Beitr. z. Monatsk. S. 52; iMfcd 
selbst bei Stammverwandten wie Athener und lonier begegnen uus 
Bupbonien und Apaturien in verschiedenen Monaten. 

2) Schol. Pind. Olymp. III. 35 mit Böckh expl. Pind. p/446 
und in Abkh. d. Berl. Akad. 1818, S. 97; auch Krause Hellen. II. I, 
S. 67. Soll man das aber auch, wie Preller. Demeter S. 122 zu 
wollen scheint, auf Naturfeste in der Art ausdehnen, dass sie. de» 
römischen feriis centeptivis entsprächen ? 

' 3) Plato legg. VIII, p. 828 will, dass taglich wenigstens einer 
Gottheit geopfert werde, oiuaq av jula yi t*? uQxq &*fl &(*>* h <*<"- 
fioyfav xivl a*i vji\q TtöXto'x; tc mal aviiöv xal ^xrjmhoiv : aber. selbst 
für einzelne Tempel begegnet Aehnliches, wie bei Suidas III, p„2t>2 
und Porphyr, abstin. 1. 25: fori dl *o/toc ropq, Uqwoiv ootjju,(qui tov 
ßw/Mv ttlfidaanv :, . oder doch monatliche Opfer, lu^vm ^ vgl. Ath. 
VI. 27 und C. loser. III, p. 222 mit den Lexikogr. und was oben 
§. 33, not. 8 nach Aristo^. Pol. über die &wia* Uqvuxul und §. 3$, 
nol. 19 über, die Tiagäairot gesagt ist. • . r. ,.. 



232 Th. IL C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

4) Vgl. adv. Neaer. §. 76% Paus. IL 11. 4 und 12. 1, VIII. 41. 4 
und mehr bei Lobeck Agl. p. 279. 

5) NovfiTjvi-aoxal Ath. XII. 76; TtTQaötfjTul rijq navärjftov *A<pqq- 
6lxtjq das. VII. 28 und XIV. 78; insbes. dxadtlq oder ilxadiorui, 
nicht nor die Epikureer (Ath. VII. 53, Tgl. Plutarch. non posse 
suav. vivi c. 4 nnd Menage zu Diog. L. X. 18), bei welchen es 
höchstens als Parodie gottesdienstlicher Gebräuche gelten kann (s. 
oben § . 12, not. 9), sondern auch wirkliche O-nto&tai, vielleicht des 
Apollo, dem nach Etym. M. p. 298 auch dieser Tag heilig war; vgl. 
Franz in Bull., dell' Inst. arch. 1835, p. 209 oder Wordsworth Athens 
*nd Attica p. 226 und Müller in nonv. Ann. de la sect. francaise' 
de l'lnst. arch. I, p. 335 — 351. Eben dahin die int/i^vioi als 
dyqf/Aovtq (Hesych. 1, p. 65) oder hyonotoi, s. oben §.11, not. 14. 

6) Demosth. Aristog. I , §. 99 : nwq dt raZq YovfiTjvicuq ilq xrp 
axQOTioXiv uvaßawovitq zdya&u xfj noXti, öidovcu xal i'xaotoq favräj 
%oZq &forq tvtnau; vgl. Porphyr, abstin. IL 16: &vhv h roZq TtQoqij- 
xovoi xqovok;, xard pipa exaoiov xaVq vovurjvluiq artgtavovvTa xul q>tu- 
äqvvovta *ov 'Egptjv xal irjv 'Exüvqv xal t« Xoma %&v lfQ(vv, « dr} 
rovq ngoyovovq xataXimft . • . xar ivtavrov d* &volaq örjuoTtXttq notft- 
ofrai, naqaltlnovTU ovdt/ilav iogrrjvi auch dess. V. Plotini c. 10, 
Marini V. Prodi c. 19, und Liban. I, p. 256 Rsk. 

7) 'Ent&tTot foQrai, vgl. §.11, not. 12 und §.12, not. 3 mit 
Wachsmuth H. A. II, S. 82. 

8) 'Enlßdat al f/ofitvai. twv iogrcSv jpictyat, al fitfriograt (Phot. 
lex. p. 252; Po 11. L 34) tTiißüdiq nvlq ovaai, wq Inayöptvou xfj (ogxjj^ 
Schol. Pind. Pytb. IV. 249; vgl. die Ausdehnung der attischen Apaturien 
auf vier Tage bei Simpl. ad Aristot. Phys. f. 167 a und mehr bei 
d. firkl. zu Hesych. I, p. 1341. 

9) Vgl. Plut. qu. svmp. V. 2: h Tlv&lovq lylvorco Xoyoi nigl rmv 
Im&fowv dy(tivt,<jf*uT(ov toq uvatgtrla . . . vg>* wv noixiXiav p\v taxtv ovx 
tATjdrj xal nxtvqyVQMJfiov o dy<av f %o d' avarrjQov xul /tovotxov ov dityv- 
ÄuU* **t, L und über ähnliche Erweiterungen der olympischen Spiele 
Dissen in Gomm. soc. Gott. VIII, p. 89 fgg. oder kl. Sehr. S. 187 fgg., 
der attischen Dionysien Böckh im Berl. Winterkatal. 1841 — 42 u.s.w. 
••< 10) IlQoaycov, wie Aeschin. Ctesiph. §.67 mit Bergk ad Aristoph. 
fgm. p. 1137, oder ngovtXtjq 0-voLa Ath. IX. 18 u.s.w. - 

11) I2etvTiXHa t z.B. Ath. XIV. 56 iw» Qco/ioq>oQ£<öv , vgl. Preller 
Demeter S. 349: "die Hauptfesttage zum Unterschiede von ngoriXna 
tirid inittXetifiaTa 7 den einleitenden und besfihliessenden Cerimonien 
des Festes." 

12) So die attischen Epidaurien des Asklepios im Bereiche der 
fCIeüftinien, vgl. Paus. IL 26. 7 und Philostr. V. Apollon. IV. 18; 
die Iloaaäävoq no/int} an den Haloen fiekk, aneedd. p. 385; die 
4j>hrodisien nach den Poseidonien in Aegina Plut. qu. Gr. c. 44 u. s. w. 

13) Vgl. insbes. die kleinen Panathenaen nach Müller in Cambr. 
pfcilol. Mus. II, p. 227 fgg. und Hoffmann Panathenaikos p. 38 fgg.; 
ferner die Olympien nach Schol. Plat. Bekk. p. 313: yyeto 6k xal 
xar htavrovf anig iXurrät häXovv, und so lehrt C. Inscr. I, p. 807 
auch zu Delphi eine Ivmvrta Ugo/iyvia kennen, für welche gleich- 
falls kein Grund vorhanden ist, mit Kiene in Zeitsehr. f. d. Alt. 1842, 

-Sl 1134' eine andere Jahreszeit als die der grossen Pythion anzu- 
nehmen. Anomaler sind die platäischen JnidaXa Paus. IX. 3. 



§. 47. JNäturgemässe Fertheilung der Festzeiten. 233 

14) Vgl. Böckh in Berl. Abb*. 1818, S. 92 fgg. , insbes. die 
bakchischen TQitTrjQixa > tertia quae xolilo tempore bruma refert> 
Ovid. Fast. I. 394 mit Eurip. Bacch. 138, Virgil. Aeu. III. 302, 
und mehr bei Schneider att. Tneaterw. S. 38 und Preller in Paulys 
Realencybl. II, S. 1068 fgg.; die ntvTir^ldfq Polt VIII. 107, Plut. 
amat.j c. 1, Paus. II. 14. 1: <?*' htayrov riTaqvov ryv TfXtTrjv xcu ov 
xard l'roq uyovot u. s. w. ; namentlich auch die hvetfrygid«; Plut. qu. 
Gr. c. 12, Phot. bibl. p. 321, und im Allg. Censorin die nat. XVIII. 1: 
ob hoc multae in Graecia religionis hoc intervallo temporis summa 
caerimonia c&luntur, mit Hoeck Kreta I. S. 248 und Muller Dor. 
I, S. 252, -.«.•,. 

':• /■"',': :,,: ,". ■. ■'$. 47. 

Wenn es endlich nicht zu bezweifeln ist , dass der 
grösste und wichtigst« Theil der -griechischen Feste mit 
der Natur und ihren jährliehen Erscheinungen in inniger 
Beziehung Stands, so wird sich auch die gottesdienstliche 
Bedeutung der Zeitrechnung nicht bloss in der Gewähr 
regelmässiger und geordneter Wiederkehr der festlichen 
Zeiten , sondern insbesondere auch in der naturgemässen 
Vertheilung dieser erkennen lassen , und wie den Ocrt- 
lichkeiten des Cultus, so auch den Jahreszeiten seiner 
öffentlichen und gemeinschaftlichen Ausübung mancher 
Zusammenhang mit der Bedeutung seiner Gottheiten ab- 
zugewinnen seyn, der das Fest selbst erst zu einer reli- 
giösen Notwendigkeit stempelt. Im Ganzen betrachtet 
zerfallen freilich auch die Gelegenheiten des Cultus in 
dieselben drei Gattungen, wie wir oben die Oertlichkei- 
ten nach physischen, ethischen, und historischen Rück- 
sichten eingetheilt haben l ) $ und wie die beiden lezteren 
von vorn herein nichts mit der Natur gemein haben, so 
können selbst Naturfeste durch örtliche oder sonstige 
positive Grunde von ihrem wahren und ursprünglichen 
Platze verdrängt oder verschoben worden seyn 2 ) ; daneben 
fehlt es jedoch, auch nicht an solchen, deren Gegenstände 
zu nahe mit bestimmten Aeusserungen des Naturlebens 
verwandt sind, um überhaupt zu einer anderen Zeit be- 
gangen werden zu können $ und wenn dieses sich hin- 
sichtlich mancher Gottheiten selbst in den weitesten Um- 
fange nachweisen lässt, so wird man um so weniger 
darauf verzichten dürfen, es auch in einzelnen örtlichen 



234 Th. IL C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

Gebräuchen wieder zu finden. Folgen wir der* Dreithei- 
lung des Jahres, wie sie die griechische Natur ursprüng- 
lich empfohlen zu haben scheint 3 ), so herrscht im Früh- 
ling begreiflicherweise der Dienst solcher Gottheiten vor, 
die, wie vor Allen Apoll und seine Schwesjtex Artemis, im 
Gegensatze der finsteren Mächte der Winterzeit das ver- 
jüngte Licht und Leben . der Natur vertraten 4 ), und dess- 
halb namentlich auch mit Reinigungs- und Sühnfesten 
verehrt wurden 5 ), wenn gleich auch hier schon Rück- 
sichten des agrarischen und sonstigen materiellen Cultus 
vorkommen 6 ) $ ungleich grössere Ansprüche macht jedoch 
dieses Element in der folgenden Jahreszeit , wo theils 
die Hitze zu gottesdienstlichen Veranstaltungen drängte, 
um Thiere und Menschen wie die Feldfrüchte vor ihren 
verheerenden Wirkungen zu schützen 7 ), theilis die Aerndte 
und neue Aussaat im Demetercultus 8 ) die WoUthaten 
des Ackerbaues und der mit diesem verknüpften Civili- 
sation in's Gedächtniss rief 5 und wie sich dann hieran 
die Weinlese mit ihren Freuden anreihte 9 ), so gehörte 
dem Spätherbste und Winter vorzugsweise die Verehrung 
des Dionysus mit der ganzen Lustbarkeit und Ausgelas- 
senheit an, worin der Mensch die Unannehmlichkeiten 
dieser Jahreszeit zu vergessen und die Früchte seiner 
Arbeit zu geniessen bemüht war 10 ). Dass ausserdem jede 
einzelne Verrichtung des ländlichen oder Hirten- und 
Schifferlebens mit gottesdienstlichen Gebräuchen begleitet 
zu seyn pflegte, folgt aus dem, was oben von, der reli- 
giösen Richtung der griechischen Sitte gesagt ist, von 
selbst 3 insofern also dergleichen Verrichtungen an be- 
stimmte Zeitpuncte gebunden und einer geschlossenen 
Anzahl von Menschen gemeinschaftlich waren , konnte 
auch daraus ein stehendes Fest mit chronologischer Be- 
stimmung werden n ) 5 und nehmen wir dazu die zahl- 
reichen Mythen und Beinamen der Gottheiten , ' die sich 
auf Naturereignisse bezogen, so wird man selbst bei 
solchen, die ihrem Begriffe nach zu jeder Zeit verehrt 
werden konnten, voraussetzen dürfen, dass diejenigen 
ihrer Feste, welche mit dergleichen Mythen oder Beina- 



§. 47. Naturgemäsßc Feriheilung der Festzeiten. 235 

men zusammenhingen , in eine Zeit fielen, wo jene Er- 
eignisse unter griechischem Himmel vorzugsweise vor- 
kamen * 2 ). 

1) Böttiger Ktmstmytbol. I, S. 145: "man unterscheide Kaien« 
derfeste, Bundesfeste, mnemonische Feste"; doch fügt derselbe so- 
gleich hinzu: "die ältesten Feste sind s Naturfeste , Neumondfeste, 
Neujahrsfeste, Aerndte- und Weinlesefetete"; Tgl. auch Ebert 2Vx*A. 
P* 3 *&£• ' nu ^ die Parallelen bei Ewald de festis Ebraeorum in 
Co mm. soc. Gott. VIII, p. 175 fgg. ' 

2) Z. B. die grossen Dionysien in Athen, vgl. Böckh in Ahhh. 
d. Berl. Akad. 1816, S. 1 1 1 fgg.; vielleicht auch die Kronieu (Monatsk. 
S.67) und die Haloen, in welchen das Aerndtefest mit der Zeit der 
Weinlese verbunden zu seyn scheint, vgl. Himer. Orat. VIII. 3, 
p. 344 und Preller Demeter S. 328 

3) Frühling (lag), Sommer (&igoq und ontoga, Vor- und Nach- 
sommer, Odyss. XI. 191) und Winter (/^wv); vgl. Ideler I, S. 250, 
auch Becker Augusteum I, S. 63 fg. und die herrschende Dreizahl der 
Hören, s. Manso über die Hören und Grazien, Jena 1787. 8, Heim- 
bach comm. mytb. de Horis, Lips. 1789. 4, Ileffter Relig. d. Gr. 
S. 160 fgg., insbes. aber Müller in hall, Encykl. Sect. I, B.£XXIII, 
S. 289. Anders freilich Preller Demeter S. 117, der ursprünglich 
nur zwei, dann mit Alkman bei Ath. X. 10, p. 416 und Euripides 
bei Plut. proer. anim. c 31 sofort vier rechnet; aber unser Herbst 
ist nicht sowohl oruoga als q>&ivQM)go* (Hesych. II, p* 1504) oder fiero- 
noioov (Thuc. VII. 79, Aristot. Meteor. I. 12), und dieser Name tritt 
erst bei Hippokrates selbständig in die Reihe der Jahreszeiten ein. 

4) Vgl. Preller Demeter S.251 und Forchhammer Hellen. S.256 
oder Apollons Ankunft in Delphi, Kiel 1841. 4, S. 15 fgg. mit 
Plut. qu. Gr. c. 9 , nach welchem der siebente des delphischen 
Frühlingsmonats Bvoioq als Apolls Geburtstag galt; auch dessen 
dreimonatliche Abwesenheit von Delphi während des Winters bei 
dems. de Ei ap. Delph. c. 9 und die Feste der Delphinien, Thar- 
gelien , Munychien , Artemisien , Delien , die alle in die Monate 
März, April, oder Mai fallen, unten Tb, III. 

5) Vgl. Müller zu Aesch. Eumen. S. 141 , insbes. über die 
Delphinien, die wir nach Plut. solert. anim. c. 36 über einen grossen 
Theil von Griechenland verbreitet denken müssen ; wie aber auch 
Artemis Diktynna, welche Plutarcb dort mit Apollo Delpbinius 
verbindet, mit kathar tischen Gebräuchen zusammenhängt, bemerkt 
Hoeck Kreta II, S. 163 fgg. , und eben dahin gehören die Feste, 
von welchen der dem Februar oder März entsprechende delphische 
noiTQomoq (IlQoqTQOTuoq, Bittmonat, Monatsk. S. 75) und der mace- 
donische Suv&moq (das. S. 71) benannt ist, so wie die *Ydgoq>ogia 
im attischen Anthesterion , worüber Müller a. a. O. leider nur an- 
deutet, "dass diese Hydrophonen in Griechenland überall Früh- 
liugsfeste waren , bei denen man in Abgründe , besonders solche, 
aus welchen nach alten Sagen die erdgeborene Brut der Drachen 
hervorgegangen seyn sollte, Wasser schüttete, als ein, Leichen- und 
Versöhnungsopfer für die von der Gewalt des Frühlings bezwunge- 
nen Todesgötter"; vgl. Preller Demeter S. 229 und Fritzsche de 
Lenaeis mantissa p. 49 fgg. 



236 Th. II. C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

6) Alle Feste ursprünglich zu Frühlingsfesten zu machen,, wie 
Dupuis orig. de tous les cnlte* I, p. 150 — 164, ist eben so ein- 
seitig als alle mit der Aerndte u. s. w. in Verbindung zu setzen; 
doch gibt es derselben auch ausser den apollinischen nicht wenige, 
wie z. B. die sicilischen 'Av&eoq>oQut (Preller S. 120), die *Hgoav&ia 
(Phot. lex* p. 95) oder iJQaodv&tut, (ogrtj ywaixtia Xa^nqd, dyo/ifrq 
h fltXojiovvTjOto xard xo lag, Hesych. I, p. 1656;. auch die attischen 
IIqox<x(}$otiJqui Suid. III, p. 215, die XXotta am 6ten Thargelion 
(Schol. Oed. Colon. 1592) und die den Thargelien selbst entspre- 
chenden (Ath. III. SO) Qabliout, worin bereits der Uebergang zu den 
sommerlichen Demeterfesten enthalten ist; vgl. Etym. M. p.442: 
rdq V7if q tv&aXiaq xai tvyoqlaq twv xagncjv öidopfoaq &voiaq fitrd 
rtjv ovyxofiiöqv twv xagnoüv xolq jt uXXotq &tolq xai xfj Jijfirjxqai oder 
sollen diese wegen ihrer Vergleichung mit den Maloen (Eustath. ad 
Iliad. IX. 530) überall später fallen? 

7) Wie die spartanischen Hyacinthien (Ath. IV. 17), die argmsche 
xvvoyovziq (§. 9, not. 7), das Opfer des Aristaeus in Ceos (Nonnus 
Dionys. V. 270 fgg.), und was sonst Welcher in Heckers med. An- 
nalen 1832 Mai S. 25 fgg. uud über den Linos in Allg. Schulz. 1830, 
S. 21 fgg. oder kl. Sehr. I, S. 10 fgg. berührt; vgl. auch Preller 
Demeter S. 253 fgg. und die attischen SxiootpoüM nach Müller in 
hall. Encykl. Sect. III, B. X, S. 88. 

8) Diodor V. 68 : Xiyovat, di xtvtq , ort xai vo/*ovq ilqqyrjottTo, 
xa& ovq dXXqXotq xo tiixaiov didovui ovvti&io&qoav uv&Qianot^ xai Tr)v 
naqaöuvaav avxoiq &tdv dno Tovrotv &tOf*oq>oQov nQoqrjyoQtvoav • ntyi- 
orctiv ydq dv&Q(onoiq dya&üiv alxiav ytvopivijv tmg>aviaxdx(av rv^Vv 
Tijuwv xul vH>otwv, tri ö' toQzwv xai navtjyvQtuw /ifyaXonQfntaxdxutv ov' 
nag "EXXijo* /iovov, dXXd xai. nagd näo* oxidov xolq ßagßdgoiq, Zoo* 
xijq xgoyijq xavxrjq ixotviüvrjaav : vgl. Creuzer Symbol. ,1, S. 143 fgg., 
Preller S. 282 fgg. , Heffter S. 380 fgg. 

9) Aristot. eth. Nie. VIII. 9. 5: al ydg dgxala* &vola* xul avvodo* 
qtairovxa* yiyvto&a* fttxd rdq tcuv xuqtiöjt ovyxofuddq dtov dnugxul, 
ItäXiOxa ydg Iv xovroiq ioxoXa^ov rolq xatgotqi vgl. Horat. epist. II. 1. 
139 mit Casaub. de poesi satir. I. 1 und Voss zu Virgil. Georg. 
II. 380 fgg.; einzelnes mehr auch bei Preller S. 327. 

» 10) Libanius epist. 1133: xul ftyr yv dvqxtgaivjjq nag* Ipol vov 
l'rovq wgav % naQiXyXv&e, xai vvv ol ßorgvtq oUvog, xai o diowooq nuv- 
ca/ov twv dygwv qdtrai, ü)q%t dvaninytvxa TQvyTjrov yavfaxoq : Tgl. 
Ovid. Fast. I. 394 und mehr bei Heyne ad Tibull. II. 1. 55 und 
Preller in Paulys Realencykl. II, S. 1070. Allerdings reicht sein 
Dienst auch noch in den Frühling hinein, wie bei Gytheum nach 
Paus. III. 22. 2: xai ygoq dgx<>ftivov Jiovvaov ryv togxijv uyovoiv, 
liXXa vt iq va . dgutfiuya Xkyovrtq xal^cüq ßorgvv ivruv&a dvtvgiaxovoi» 
togaZov, und selbst im attischen Cultus die 'Av&toxrjgia y um der 
Jtovvoia lv äort* zu geschweigen; im Wesentlichen aber gehören 
ihm die drei Wintermonate, wo ihm • ja selbst Apoll in Delphi 
Platz macht; Tgl. de anno Delph. p, 24 und Monatsk. S. 55. 

II) Vgl. §. 21, not. 3 und Arrian. diss. Epictet. III. 21. 12: dXXd 
dno Xiptvoq fjikv ovdilq dvdytra* ftrj &voaq rolq &eoZq xai nagaxaXioaq 
uvrovq ßofj&ovq, ov6\ ontiqovow aXXwq ol dv&q(t)7ioi y d prj ttjv Arji*r]TQav 
fittnaXtedfifvon auch Schol. Aristoph. Vesp. 862 und von besonderen 
hierher gehörigen Gebräuchen die ngoyQÖoia Hesych. II, p. 1029 mit 
Siebeiis 'Ar&id. p. 45, ngoXoyia &vala ngo rwv xaqnuv TiXoVfibq vno 



§. 48. Feste sittlicher oder geschichtl. Bedeutung. 237 

Aaxavuv, das. II, p. 1034; nQOTQvyaua ioqtrj sdiovvoov xeu UoanSiövoq 
II, p. 1060; ßoQtuOfiol I, p. 742; iruoxuyia I, p. 1384; xXuöcvTijQia 
I, p.729; ojpcua II, p. 1592; ovyxoftiatyQta inl xuqtiwv ovyxofudjj II, 
p. 1288 and Eustath. ad Uiad. IX. 530; ähnlich auch das &vvvaXov 
Ath. VII. 50, und die vmXxiat, nuvdrjfjto* bei Aeneas Tact. c. 17, ja 
vielleicht seihst ein Fest der Schafschur noxui, wovon der amphis- 
säische Monat Ilbxioq % wie der ionische Arjvauav von dem Kelter- 
feste, s. Monatsk. S. 75. 

12) Das nächste Beispiel davon geben die attischen Maemahterien, 
deren etymologische Beziehung auf Zivq /tawdxTjjg als den Tobenden 
oder Stürmenden mit der Jahreszeit des Festes in November vortreff- 
lich übereinstimmt; vgl. Müller zu Aesch. Eumcn. S. 140 und Preller 
Demeter S. 248; wie sich Aehnliches aber auch in anderen Erschei- 
nungen des Zeus- und Hera-Cultes findet, hat lezterer S. 243 fgg. 
scharfsinnig nachgewiesen; und gleich wie sich die chronologische 
Bedeutung der Jqpqryii 2lx<o oder 'IßiaUq (Ath. III. 73; X. 9; XIV, 10) 
und des 'Eq/Arjq 4>kvqou)q (Hesycb. II, p. 1514) selbst in entsprechenden 
Monatsnamen aussprach, so wird ein Forscher, welcher den von Forch- 
hammer angedeuteten Weg ohne die Uebereilungen seines Urhebers 
verfolgt, neben der allgemeinen Beziehung der griechischen Cultus- 
mythologie auf den Himmelstrich und Boden des Landes noch manche 
nähere Begründung ihrer einzelnen Festzeiten finden. 

§. 48. 
Auf solche Art werden jedenfalls verhältnissmässig 
wenige Feste übrig bleiben , deren Zeitbestimmung ge- 
radezu als zufällig oder willkürlich betrachtet werden 
dürfte ; und wenn es auch in der Natur der Sache liegt, 
dass solche, deren Bedeutung sich vielmehr an Zustände 
des geselligen Lebens oder das Gedächtniss historischer 
Thatsachen knüpft, der innern Notwendigkeit eigentlicher 
Naturfeste entbehren'^ so leistet doch selbst diesen dafür 
mitunter schon die äussere Bestimmtheit Ersatz, welche 
z.B. ein nationales Erinnerungsfest durch den Zeitpunct 
der Thatsache, der es gilt, erhält 1 ). Nur in ausseror- 
dentlichen Fällen, die keine Wiederholung begründen, 
fällt diese weg, wie z. B. bei solchen Opfern und Fest- 
lichkeiten, in welchen sich die unmittelbare Freude und 
der Dank für den Empfang einer angenehmen Botschaft 2 ), 
für eine Waffenthat 3 ) oder einen Sieg 4 ) aussprach, 
und Aehnliches gilt begreiflicherweise von den zahlrei- 
chen Familienfesten des Privatlebens , wie sie der Ein- 
tritt in die Ehe 5 ) , die Geburt eines Kindes 6 ) , der Be- 
ginn der Mündigkeit oder Ephebie 7 ) , die glückliche 



Th. IL C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

Rückkehr von einer Reise oder sonstige Rettung ans Ge- 
fahr 8 ) hervorrief} stehende Feste dagegen entbehrten selbst 
in dieser Sphäre selten einer bestimmten Gottheit, deren 
Begriff dann doch auch wieder auf ihre Zeitbestimmung 
zurückwirken konnte, und um so mehr wird diese dann 
auch in den weiteren Kreisen vorauszusetzen seyn, wo 
das oben geschilderte sittliche Bedürfniss von Zeit zu 
Zeit die Erneuerung des geselligen Bandes unter göttli- 
chen Auspicien verlangte. So finden wir Feste, deren 
Namen von bürgerlichen Beschäftigungen entlehnt auf 
geregelte Wiederkehr gemeinschaftlichen Gottesdienstes 
von Seiten dieser Menschenclasse deuten 9 ) ; andere ver- 
einigten die Jugend und ihre Freunde in ihren Schulen 
und Ucbungsplätzen zur Verehrung ihrer Schutzgötter 10 ) 5 
und wie uns allgemeine Todtenfeste begegnen, an wel- 
chen jede Familie das Andenken ihrer Verstorbenen ge- 
feiert zu haben scheint 11 ), so lassen sich wohl auch 
über die Gränze des ionischen Stammes hinaus ähnliche 
Tage annehmen, wie dieser seine Apaturien zur Auf- 
nahme neugeborener Kinder in die väterliche Gemeinde 
und Befestigung des Geschlechtsverbandes überhaupt be- 
stimmt hatte 12 ) ; ganz in derselben Weise begingen end- 
lich auch ganze Stämme in grösseren oder geringeren 
Zeiträumen ihre Gesammtfeste , sey es um keiner Tren- 
nung anheim zu fallen, oder um auch in der politischen 
Trennung moralisch verbunden zu bleiben 13 ) ; und als 
sich zulezt sämmtliche Griechen in dem Bewusstseyen 
einer gemeinschaftlichen Nationalität durchdrangen, konnte 
dieses keinen geeigneteren Ausdruck als die regelmässige 
Wiederkehr gemeinschaftlicher Festspiele finden 14 ). Erst 
wenn wir nach den einzelnen Gottheiten fragen, in wel- 
chen jeder Stamm oder Staat den persönlichen Ausdruck 
seiner moralischen Idee und die Gewähr seiner geselli- 
gen Existenz verehrte, tritt' die oft erwähnte Spaltung 
der Sitte wieder in vollem Maasse ein, und wirkt in so- 
fern auch auf die festlichen Zeiten jeder einzelnen Ge- 
meinde zurück; sey es auch noch so gewiss, das jedes 
Fest an sich betrachtet nach Zeitlage und Bedeutung in 



§. 48. Feste sittlicher oder geschieht!. Bedeutung. 239 

dem religiösen Charakter des griechischen Volkes wurzelte, 
so kann doch der Grund warum und die Art wie ein 
jedes gefeiert wurde, zunächst nur in der besonderen 
Richtung gesucht werden , welche dieser allgemeine Cha- 
rakter an dem bestimmten Orte seiner Feier nahm; und 
hierzu bedarf es dann allerdings neben der bisherigen 
chronologischen noch einer näheren ethnographischen 
Betrachtung, die zugleich auch dasjenige , was die vor- 
hergehenden Abschnitte in ihre allgemeine Darstellung 
nicht aufnehmen konnten, zu ergänzen geeignet seyn wird. 

1) So die athenischen Siegesfeste bei Plut. V. Camill. c. 19 
und glor. Ath. c. 7 ; ferner die syrakusische 'Aowugla V. Nie. e. 28, 
die JSoDTjjQM in Sicyon V. Arat. c. 53, die *EXtv& igtet in Platää V. 
Aristid. c. 19, die Ntjartia in Taren t Aelian. V. hist. V. 20 u. s. w. ; 
auch die Gedächtnissfeste berühmter Todten an ihrem Geburtstage, wie 
Piatos nach dems. Qu. symp. VIII. 1.1: xjj mg rov QagytjXt&voq 
laxafxhov trjv SfuxQutovq dyayovrtq yfvi&Xtov, rfj tßdofAg rijv flXarcovog 
jjyopfv, vgl. Porphyr. V. Plotini c. 2 und Lobeck ad Phrynieh. p. 104. 

2) EJayyiXia &vuv, Aristoph. Equ. 661, Xenoph. Hell. I. 6. 37 
und IV. 3. 14, Isoer. Areop. §. 10, Aesch. Ctesiph. §. 160 u. s. w. 
Mitunter freilich ward auch daraus ein stehendes Fest, wie in dem 
bei Vitruv X. 7 erzählten Falle; und auf Aebnliches scheint auch 
der Monat EvayyiXtoq im späteren asianischen Kalender zu deuten, i 

3) So die txceTopgxma der Messenier bei Plut. V. Romul. c. 25 
und Paus. IV. 19. 2: t&vot d« xal tw JiX iw 'JO-fa/idra tjJv &volav, 
rjv (xaToftyövta ovo/*a£ova* . . . &vhv d« avxtjv Mtoatjvlwv ivo/iifaro, 
onoao$ noXtfilovq dvögaq xattQydoaivro fxarov. 

4) 'EtuvIxm, Deroosth. F. L. §. 128, Polyaen. strateg. V. 3. 2, 
insbes. auch nach Wettkämpfen , Demosth. Mid. §. 55 , Plut. qu. 
symp. IV. 2, und mehr bei Sluiter Jectt. Andoc. p. 233, Krause 
Hellen. II. 1, S. 194, Rauchenstein Einl. zu Pindar S. 30 fgg. 

5) ngoydftfia (Poll. HI. 38) oder ngorfXua ydfiaiv (Plut. adv. 
Colot. c. 22) der Hera, der Artemis, und den Mören oder auch den 
Nymphen, Tgl. Plut. narr, amat c. 1 und mehr bei Rubnk. ad Tim. 
lex. p. 224. Ueberhaupt ydpov O-vtiv, Musgr. ad Eurip. Electr. 1127, 
woher yanodalota Aelian. bist. anim. XII. 34, und hiernächst dnavXta, 
vgl. Etym. M. p. 119 1 fogrrj nao* 'A&yvaioiq 9 ort tot* antrat y xogtj 
Xotoiq tov nargoq avXl&o&ai , jtj tot« tnavXifcro tw dvdgl 37 yvvij % was 
daher anderswo auch inavXta heisst; s. Eustath. ad Iliad. XXIV. 29 
und mehr bei Becker Charikles II , S. 472. Am liebsten schloss 
man übrigens Ehen um Vollmondzeit, Lobeck Agl. p. 433. 

6) rtvf&Xia &vtiv, Eurip. Ion. 652. 807; insbes. am siebenten 
oder nach Andern (Schol. Aristoph. Av. 494, Lysistr. 757) am zehnten 
Tage zur Reinigung und Beilegung des Namens; vgl. die Lexikogr. 
s. t. dfiQidQotiia und fßäo/ievofitva mit Heindorf ad Plat. Theactet. 
p. 346 und Becker Char. I, S. 20; dann am Vierzigsten zum Aus- 
gange der Mutter, nach Censorin die nat. XI. 7: ob quam causam, 
quum is dies practerit, % diem festum solent agitare, quod tempus ap~ 



240 Th. IL C. IV. Die Zeiten des Cultus. 

pellant Ttaaagaxoaroy. Dass dagegen die jährlich wiederkehrende 
Geburtstagsfeier in griechischer Sitte schwach begründet ist , habe 
ich Allg. Schulz. 1833, S. 1009 fgg. gegen F. 6. Schöne de veter um 
solennibus natalitiis, Halberst. 1832« 4 ausgeführt; erst in macedo« 
nischer Zeit begegnen uns Geschenke und Mahlzeiten (Vq xivoq qpiqav, 
▼gl. Diog. L. IV. 41 mit Hesych. I, p. 1631': jj/ttga rd ywl&Xia. 

7) Hesych. II, p.730: 'A&rjvyaiv ol pfMorng lyyßfvnv, nqlv 
unoxtlQuod-a* tov paXXov, tiqtqxgov 'HgaxXit /»hgov ol'vov xtti antiaavTtg 
xolq ovvfX&ovoiv intdiSovv nivtiv 9 r) d£ onovdr} ixuXilro olviOTTjQia: vgl. 
Ath. XI. 88, Poll. III. 52, und mehr bei Meurs. lectt. AU. III. 1 und 
St. A. §. 100, not. 14. Kleinliche Eitelkeit (fAix^ognXoTtßia) pflegte 
die Haarschur nach alter Sitte (Plut. V. Thes. c. 5) in Delphi selbst 
vorzunehmen, wie Tbeophr. charact. XXI. 1 : xul tov vlov änoxtZQtu 
uvayuymy tiq J(X<povq: im Ganzen aber begnügte man sich wohl ihr 
durch den ausgesteckten Lorbeerzweig (xogv&uXXtj) die apollinische 
Weihe zu geben; vgl. Etym. M. p. 532: ot* yßqoutruif %Ö>* vitav 
xal &vyari(J(»v duyvaq ngotri&ow lyyßiotq xal yufMiq. 

8) Ueberhanpt omtijqiu &vnv t Plut. adv. Colot. c.22, Luc. Jup. 
Trag. c. 15 u.s. w.; dann namentlich InidrjUKi, ▼gl. Himer. bei Phot. 
bibl. p. 376: ngiv iTudrjpia d-Zaui, &totq hoöioiq tvxopt&a x.t.'X^ ' 

9) Hesych. II, p. 1547: xttQonovta Ioqttj lv rj rt/vlrat &vovan 
insbesondere die attischen £aAxerct, Meurs. lectt. Att. IV. 24. 

10) Movonu und "Egfitua, ▼gl. Plat. Lys. p. 206 D, Aeschin. 
Timarch. §.10, und die Pythagoreer bei Jamblich. V. Pythag. §.261. 

11) Nrxi'ata, vgl. Artemid. IV. 81, Poll. III. 102, auch den 
kretischen Monat Ntxvotog und Eustath. ad Odyss. X. 65. Dass 
dieselben in Athen Nt^tana h Jessen, macht Schömann ad Isaeum 
p. 223 sehr wahrscheinlich; schwieriger ist ihr Verhältniss zu den 
ytvtoioiq, welche Hesych. I, p. 815 und Bekk. Anecdd. p. 231 damit 
gleich setzen, während Andere, wie Schol. Plat. Alcib. p. 388 Bekk. 
und Etym. M. p. 225 sie als Privaten nn er ungs fest an den ein- 
zelnen Todten betrachten : r\ d* Ivmvtov imtpoirwcfu tov Tt&vtSjtoq 
fivqfiiji doch nennt sie auch der Antiatticista Bekk. p. 86 geradezu 
eine 6rj/*ortX^q Zoqttj, die am 5ten Boedromion gefeiert worden sey. 

12) Ueber die Apaturien vgl. St. A. §. 100, not. 10 und hinsicht- 
lich ihrer allgemeinen Bedeutung für den ionischen Stamm Her. 
I. 147: «er* ö'k navTfq "JW*$, mos, un ^Adr^dtv ytyovuai, xal *Aho,tovqm 
uyovot, ogrr/vi ein ähnliches Fest aber lässt der Monat 0guTQtoq auch 
im aeolischen Cyme voraussetzen ; s» Monatsk. S. 80 und im Allg. 
Wachsmuth H. A. I, S. 372. 

13) Ersterer Art sind z. B. die Panathenäen und bis zu einem 
gewissen Grade auch die Pamböotien (St. A. §. 180, not. 1) und die 
Pauätolika (Boeckh C. Inscr. II, p. 632) nebst allen ähnlichen Festen 
griech. Stammbünde; lezterer die Panionien bei Mykale (St. A. §.37, 
not. 25) und die späteren Panhellenien (C. I. n. 1625. 2910. 3832) etc. 

14) Pind. Isthm. III. 46: navayvQttq 1-vvalt vgl. Demosth. Aristocr. 
§.40: ort xotvoi naoiv flow ol xard tjJv *EXXuda dywrfqi mit Wachs- 
muth H. A. I, S. 149 fgg., und über ihre Zeitlage (nach der Aerndte) 
Preller Demeter S. 357, obgleich dieser Gesichtspunct nicht für 
alle ausreicht. 



DRITTER HAUPTTHEIL. 

Die hauptsächlichsten Feste und Festgebräuche dös freien 
Griechenlands und seiner Colonien. 



Petri Castellani hqxoXoyiov sive de festig Graecerum ovvTaypa, 
Antwerp. 1617. 8. 

Jo. Meursii Graecia feriata sive de festis Graecorum libri VI, 
Lugd. B. 1619. 4. 

Jo. Jonstoni de festis Graecorum scaediasma, Vratisl. 1660. 12. 

Jo. Fasoldi Graecwum veterum ttqokoyla, Jenae 1672. 12, amen 
mit den drei vorhergehenden in Gronov. Thes. T. VII, p. 521 fgg. 

Larcher Memoire sur quelques fetes des Grees omises par 
Castellanus et Meursius, in Mem. de l'Acad. d. Inser. T. XLVHI, 
P . 252 — 322. 

Martin Gottfried Hermann die Feste von Hellas, historisch- 
philosophisch bearbeitet und zum erstenmal nach ihrem Sinn und 
Zweck erläutert, 2 Bde. Berlin 1801. 8. 



§. 49. 
Die Festgebräuche bestimmter Orte werden billig mit 
den vier Nationalfesten eröffnet, welche Griechenland in 
der geschichtlichen Zeit zu Olympia, Delphi, Nemea, 
und auf dem korinthischen Isthmus beging *) , obgleich 
auch diese gewiss ursprünglich auf die Umwohner ihrer 
Orte beschränkt erst allmälig durch die Fügung beson- 
derer Umstände jene allgemeinere Anerkennung und Be- 
deutung erhielten. Höchstens könnte man sie von vorn 
herein unter die vier griechischen Hauptstämme vertei- 
len , indem die pythischen Spiele wie das delphische 
Heiligthum jedenfalls mit den Doriern in früherer und 
engerer Beziehung standen, während die olympischen in 
der Sage an Pelops den mythischen Stammvater des 
achäischen Königshauses 2 ), die isthmischen an den 
ionischen Stammheros Theseus 3 ) angeknüpft werden, 



212 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

und die mythische Stiftung der nemeischen mit Adrastus 
und dem Zuge der Sieben gegen Theben zusammenhängt, 
dessen Theilhaber vorzugsweise äolischen Geschlechtes 
sind 4 ) $ ihre Erhebung zu nationaler Bedeutung aber ver- 
danken wohl alle vier gleichmässig erst dem überwie- 
genden Einflüsse der Dorier und insbesondere der Spar- 
taner, deren Gesetzgeber Lykurgus gemeinschaftlich mit 
Iphitus von Elis die geschichtliche Einrichtung der Olym- 
pien begründet hatte 5 ), und von welchen auch der Sturz 
der Tyrannen von Korinth und Sicyon ausgegangen war, 
mit welchem die Erneuerung der Isthmien und Nemeen 
im nächsten Zusammenhange stand 6 ). Ja selbst die 
Pythien begannen die Zeitrechnung ihrer Spiele erst mit 
Ol. XL VIII. 3 = 586 a. Chr. 7 ) , so dass eine geraume 
Zeit hindurch die Olympien die einzigen gewesen zu 
seyn scheinen, wo der Sieg, wenigstens seit Koroebus 
im J. 776 a. Chr., neben dem augenblicklichen Ruhme 
oder Vortheile ausgedehnteren Ruf und dauerndes Ge« 
dächtniss gewährte 8 ) ; nachdem aber dazu Ol. XLIX. 3 
= 582 a. Chr. weiter die Isthmien und Ol. LI. 4 — 573 
a. Chr. die Nemeen gekommen waren, konnte es auf 
der andern Seite selbst den mächtigsten anderen Staaten 
Griechenlands kaum vorübergehend einfallen, ihren hei- 
mischen Festen gleichen Rang und ähnliche Ausdehnung 
mit dieser Vierzahl zu geben und namentlich auch für 
sie das Vorrecht allgemeiner Befriedung in Anspruch zu 
nehmen 9 ) , wie jene es nicht nur für die Zeit der Feier 
selbst, sondern auch für die zu denselben hinziehenden 
und davon zurückkehrenden Wallfahrer genossen 10 ). 
Was diese Zeit selbst betrifft, so wiederholte sich be- 
kanntlich das olympische Fest nach je vier Jahren am 
ersten Vollmonde nach der Sommersonnenwende 11 ), und 
in gleichem Zwischenräume das pythische, nur mit dem 
Unterschiede, dass es immer in den Nachsommer des 
dritten Jahres einer Olympiade traf 12 ) ; schwieriger ist 
der trieterische Cyklus der beiden andern 13 ) zu bestim- 
men, wo nur so viel gewiss ist, dass die Isthmien auf 
die Gränzscheide des zweiten und dritten wie des vier- 



§. 48. Die vier grossen Nationalfiste. 243 

ten und ersten Jahres jeder Olympiade 14 J in die Mitte 
des Sommers 15 ) ? die Nemeen dagegen abwechselnd in 
den Winter und Sommer fielen 16 ) $ nnd wenn auch für 
die Sommer - Nemeen der Monat Panemus im vierten 
Jahre jeder Olympiade ziemlich feststeht l7 ), so ist doch 
für die winterlichen der Ansatz auf das Frühjahr des 
ersten Olympiadenjahres fortwährend bestritten 18 ). Den 
Vorsitz hatten in der geschichtlichen Zeit zu Olympia 
die Eleer, die in dieser Eigenschaft überhaupt als ein 
heiliges nnd neutrales Volk gelten sollten ld ) , obgleich 
sie ihnen zeitweilig durch die Pisaten streitig gemacht 
ward 20 ) ; den Pythien standen die delphischen Aniphi- 
htyonen 21 ) 9 den Istlimien die Korinthier 22 ) vor 5 die Ne- 
meen, welche ursprünglich von den Rleonäern geleitet 
worden waren 23 ) , gingen später mit dem Besitze von 
Kleonae selbst an Argos, eine Zeit lang vielleicht auch 
an Korinth über 24 ). 

1) Thvagiq tlaw dytavig «V 'EXXada x.t.A., Anthol. Pal. IX. 357; 
Tgl. Dem. Cor. $.91 und im Allg. P. Fabri Agonisticon s. de re athletica 
ludisque vett. 1. III, Lugd. 1592. 4 und in Gronov. TL es. T. VIII, 
Paschalius de coronis p. 336—455, Dodwell de cyclis p. 202— 314, 
Ed. Gorsini dissertationes agonisticae, Flor. 1747. 4 oder Lips. 1752. 8, 
und die reiche Sammlung gelehrten Stoffs bei J. H. Krause 'EXAtpnnu 
oder Institute, Sitten und Bräuche des alten Hellas, B. II, Abtb. 1 , 
Wien 1838, und Abth. 2, Lpz. 1841. 8. Andere zählen zwar zehn 
solcher Feste, worüber eine merkwürdige Notiz aus Aristoteles bei 
Schol. Aristid. p. 323 Dind. und Creuz. Melett. I, p. 5; doch wird 
man kaum die attischen Panathenäen und Eleusimen, geschweige 
die arkadischen Lycaen oder gar die Leichenspiele des Patroklus 
und Pelias den obigen gleichsetzen. 

2) Vell. Paterc. I. 8 : hoc sacrum eodem loco instiluisse fertur 
abhinc annos ferme mille ducentos quinquäginta Atreus, quum Pelopi 
patri funebres ludos faceret; Tgl. Apollod. II. 7. 2, Dionys. Hai. 
V. 17, Stat. Theb. VI. 6, obgleich diese allerdings nicht Atreus, 
sondern Herakles zum Stifter machen, was auch sonst die herr- 
schende Ansicht ist, s. Pi'nd. Ol. XI. 25, Polyb. XII. 26, Diod. IV. 
14, und mehr bei Creuzer Symb. III, S. 131 und Meier in hall. 
Encykl. Sect. III, B. 3, S. 295; doch geht auch diesem anderswo 
Pelops selbst voraus, wie in dem Bruchstücke des Phlegon von 
Tralles (Opuscc. ed. Franz, Hai. 1822. 8, p. 132) und bei dem 
pindarischen Biographen p. 100 Westerm. : nv\g pt\v ovv ravra *l$ 
ret ntQl Oivofiuov xal üiXonog dvapfgovoi, ; und wenn auch Paus. V. 8 
u. A. die erste Stiftung selbst noch vor Pelops setzen, so galt jeden- 
falls dieser fortwährend als tJQtowv twv h 'OXv/inirt roaovrov nQort- 
rtfiqfihoq tw* itXXtov , oaov Zivi; &t&v (Paus. V. 13. 1 ; Tgl. Hall. 
Encykl. Sect. III, B. 15, S. 284 f gg.), und auch abgesehn ron der 



244 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

Gründungsege die Achäer als die frühesten Besitzer (Strabo VIII, 

p. 548 : xul xaraöxfiv rovq AixfoXovq tt}v yijy ixßaXovraq rot'? 'Enttovq, 
nagaXaßtlv &\ xal rrjv InwUfiay rov Ugov rov *OXvfinlaatv % tjv rfyov 
ol l4xatol) 9 während Herakles vielleicht erst durch Lykurg herein- 
kam, vgl. Paus. V« 4. 4: tnnot <ft *HXtiovq "lyiroq xal 'HgaxXtV &vitv t 
to ngo tovtov noXepwv o<f>iOiv *•*«* vo/tfiovraq. 

3) Der sie wenigstens statt des früheren (pbönici sehen?) Meli- 
certes (Melk-kartha? Creuzer Symb. II, S. 658) dem ionischen 
Stammgotte Poseidon weiht und die ersten Spiele damit verbindet; 
▼gl. Plut. V. Thes. c. 25 : o ydg inl MfXixfgrij Tf&tig avro&$ wxroq 
idguro, rtXtrijq t/otv p&XXov jj &ktq xal nayrjyvQtöpov Ta£«y, und mehr 
bei Massieu in Hist. de l'A. d. Inscr. V, p. 214 fgg. Andere kehren 
freilich das Verhältniss um, wie Schol. Apoll. Argon. III. 1140: 

*IoB-i*ia TtQoTtQov t*\v tw IJoaf idüivi , vaxtgov 61 MtXmigrij irtXfVro, 
oder lassen doch Sisyphus das Andenken des als Palaemon vergötter- 
ten Meliccrtes als eines jüngeren Poseidon (Müller Orchom. S. 176) 
mit dem älteren Poseidondienste verbinden, vgl. Meineke ad Euphor. 
p. 107 und Böttiger Kunstmytbol. II, S. 332, der ohnebin seiner 
ganzen Theorie nach (Amalthea II, S. 302 fgg.) gerade in lezterem 
die phönicische Stiftung erblickt; dem historischen Sachverhältnisse 
aber kommt jedenfalls die Theseussage näher, obgleich sie auch 
Palaemoos fortdauernde Verehrung nicht ausschliesst ; so schon der 
obige Scholiast: Movaaloq 6\ h reo ntgl *Io&fitiatv ovo yjjol yivfO&a* 
äyäivuq h tc5 "Ia&fia» , xal top fi\v TIoaHd&voq *t?at f rar d\ MfXixtgrov, 
vgl. Schol. Aristoph. Egu. 609 und Panofka in Ann. dell'Inst. archeol. 
V, p. 360. 

4) Opheltas = Arehemorus; vgl. Apollod. III. 6. 4, Stat. Theb. 
IV. 644 fgg. , und mehr bei Villoison in Hist. de l'Acad. d. Inscr. 
XXXVIII, p. 29, Welcker in Allg. Schulz. 1832, S. 139, und Ger. 
hard in Abhh. d. Berl. Akad. 1836, S. 256 fgg. Erst mit der Er- 
neuerung Ol. LI. 4 dürften sie dem Zeus geheiligt worden seyn; 
8« Schol. Pind. p. 425 : tftJitfovvnq dh uvvov tw Nif*tui(a dvi&yxav Ja» 

5) Vgl. Phlegon 1. c. p. 136 oder in We Sterin an ns ZZapadogo- 
yguyoiq (Brunsv. 1839. 8) p. 205 fgg. und mehr St. A. §. 23, not. 9. 

6) St. A. §.32, not. 7 und §.65, not. 3. Für die Isthmien 
zeugt direct Solin Polyh. VII. 14c hoc speetaculum per Cypselum 
tyrannum iniermissum Corinthii Olympiade quadragesima nona 
solemnitati pristinae reddiderunt; für die Nemeen jedenfalls chrono- 
logisch der armenische Eusebius, dessen Angabe Ol. LI* 4 statt der 
Vulgatlesart L1II. 1 auch Schümann ad Plut. Agid. p. xli billigt; 
und dass wenigstens nichts im Wege steht damit das Aufhören der 
Orthagoridenberrschaft zusammenzubringen, hat Weissenborn Hellen 
S. 26 dargeHhau • so wie der Sieg des Sogen es , den Schol. Pind. 
Nem. VII nach Hermanns Emendation der 54sten Nemeade zutueilt, 
unbedenklich Ol* LXXVIU. 1 gesezt werden kann. 

7) Vgl. Paus. X. 7. 3 mit Boekh ezpl. Pind. p. 206 fgg. und 
C. Inscr. II, p. 307 und 336, dem im Wesentlichen auch Clinton 
F. Hell. III, p. 614 gegen Scaliger emend. tempp. I, p. 52, Uodwell 
de iCyclis p. 236 und Corsini beistimmt, welche in Folge der unten 
§. 50, not. 29 zu berührenden Aenderungen nach JjDusebivts die Py- 
thiaden erst von Ol. XLIX. 3 zählen; wenn dagegen die pari sehe 
Chronik ep# 37 schon Ol. XL VII. 3 den ersten Agon sezt, so geht 
das nur auf die Eroberung von Cirrha, wodurch allerdings jene 



§. 49. Die mer grossen Nationalfeste. 215 

Feier erst in ihrem späteren Umfange möglich . ward ; Tgl. Hellad. 
in Phot. bibl. c. 279, p. 533 und im Allg. Aeschin. Gtesiph. §.107 
mit St. A. §. 13, not. 6 und Ulrichs in Abhh. d. Bayr. Akad. 1840, 
B. III, S. 79 fgg. 

8) Dass in Olympia selbst ton Iphitus bii zur ersten Aufzeich- 
nung des Siegers Koroebus im J. 776 eine namhafte Zeit verstrich, 
ist bereits St. A. §.23, not. 9 bemerkt; wie tiel jedoch, schwankt 
schon Syneellus p. 196 C: oydvtj d\ xal ilxoöTJjf oXvpntäJt, Kogotßoq 
'HXttos dvtygwprj (Jrddiov yixyaaq Xal y Xax* avtov oXvptTtwq riQorvrj 
ixäxfrri, aV #S "EXXtpng ^ttgi&ßtlv rt doxovotv dxgißax; xQovixov (St. A. 
§.4, not. 1 und hall. Encykl. Sect; III, B, 3, S. 166 fgg.)- ravra 
'AQiOToäqpioq larogiV xal ovvtpdd rovrta HoXvßtoq' KaXXipiax * &i <pr/oiv 
oXvfjtmüdaq TQitq xal titxa nuqtlo&at fty dvaygätptiaaq , uiaxt xal ix 
ndvxuv r^ftXv dtix*vo&ai roy ntgl ritr oXvunuxdwv Xoyov ov nagd näotv 
tha* Toy avTovi oder soll man mit Müller Dor. 11, S. 503 die drei- 
zehn Olympiaden des Kallimächtis als okteterische nehmen? Anders 
Fischer und Soetbeer Zeittafeln S.40 und Weitsenborn Hellen S. 58. 

9) Wie die Athener für Ihre Eleusinien ßvorrjqmrLdaq onov&ds 
bei Aeschin. F. L. §. 133 und C. I. n. 71; Tgl. St. A. §. 10, not. 10 
und Nitzsch de Eleusiniorum ratione publica, Kil. 1842. 4, p. 14: 
ncscio an jiristides magnificentius quam verius glorietur, unis 
Eleusiniorum ihdueiis nonten conttitUse integrum. Noch ungleich 
ephemerer freilich war der Versuch der Syhäriten, durch eine 
eigene Paoegyris die olympische! zu paralysiren, Ath. XII. 21; 

10) *H titdouhi] rotq dytoviorate äavlLu xal daipaXfta, Plut. V. 
Arat. c. 28; Tgl. oben §.43, not. 11 und Meier a. a. Ö. S. 299. 
Für Olympia insbes. PindL Isthm. II. 23 : xaQvxtq tagav önovdofpoQojb 
KQovtöa Zayoq 'AXtZo$ 9 mit Thucyd. V. 49 und Paus. V. 4. 4, der 
auch noch die Urkunde auf dem Diskus des Iphitüs (V. 20. 1) und 
eine Statue der personificirten 'Exf/eigta sah (V. 10. 3); aber auch 
für die Isthmien Thuc. VIII. 10, Strabo II, p. 155, für die Nemeen 
Xenoph. Hell. IV. 7. 2 , Plut. V. Phitop. c. 11 u. s. w. 

11) Schol. Pind. Olymp. III. 35: ort navofXijvu aytrai, o *0).vß- 
maxog uywv ... yvttTVit, 6\ o dywv not\ fitv dtu Tiaoaguxovra hvia 
pyvtüv, norh (fi d*a TMvryxovTa, o&tv xal norl pfcv tc? *AnoXXwiip t*H*h 
tiqt\ dt rai llaq&eviüi *7u,TthlTat % Tgl. Monatsk. S. 94 und insbes. 
Böckh in ABhh. d. Berl. Akad. 1818, S. 97, wo auf den Ursprung 
dieser Rechnung aus der alten Okteteris (§.45, not. 14) aufmerksam 
gemacht ist; im Allg. aber Krause II. 1, S. 62 — 68, und über die 
Jahreszeit (Sommerhitze, Her od. VIII. 12, Tgl. mit VII. 206 und 
VIII. 26, auch Arrian. diss. Epict. I. 6. 26 oder 18. 21 und Periz. 
ad Aelian. V. Hist. XlV. 18) dens. S. 190. 

12) Vgl. Krause II. 2, S. 29 fgg., wo sie jedenfalls richtig gegen 
Petavius, Dodwell, und Petitus nicht dem Schlüsse des zweiten, 
sondern mit Scaliger, Corsini, Böckh, und allen übrigen Neuere» 
dem dritten Olympiadenjahre zugetheilt sind; nur haben auch jene 
wenigstens nicht so sehr geirrt, als ihre genannten Gegner wollen, 
welche die Feier in den Frühling Terlegen und selbst nachdem 
statt des früher angenommenen Monats Bvoioq (Plut. qu. Gr. c 9) 
der Bovxutioq dafür entdeckt worden ist (G. I. n. 1688), diesen zu- 
nächst naeh jenem in den attischen MunycMon setzen, während es 
jezt sicher seyn dürfte, dass die Feter und ihr Monat Tielmehr der 
ersten Jahreshälfte, und wenn auch nicht nach Clinton (Fast. Hell. 



216 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

II, p. 195 fgg., III, p. 296 fgg.), Ciarisse (ad Thucyd. belli Pelop. 
epocham, L. B. 1838. 4, p. 53 fgg.), und Kiene (Zeitschr. f. d. Alter th. 
1842, S. 1130) dem Pyanepsion, noch nach Böhnecke (Forschungen 
auf dem Gebiete d. att. Redner, Berlin 1843. 8, S. 307 fgg.) dem 
Metagitnion , oder gar nach Arnold (zu Thucyd. V. 1 ; Tgl. Poppo 

III. 3, p. 420) dem Hekatombäon, doch dem Boedromion des atti- 
schen Jahres angehört; vgl. de anno Delphico p. 16 fgg. Nur dass 
die Feier nach apollinischem Brauche (§.44, not. 5) auf den sie- 
benten Monatstag gefallen, bleibt nach Böckh G. Inscr, I, p. 813 
gewiss, gleichwie der frühere okteterische Gyklus hier wenigstens 
durch Gensorin die nat. XVIII« 6 und die Analogie sonstigen Apollo- 
dienstes gesichert ist; Tgl. Müller Orchom. S.219 und Prolegg. z. 
Mythol. S. 423 , auch zu Aesch. Eum. S. 143. 

13) Denn dass derselbe trieterisch war, geht sowohl aus Schol. 
Pind. p. 426 und 516, als für die Isthmien aus Pindar selbst Nem. 
VI. 40 hervor, und wenn Plin. H. N. IV. 9 und Solin. VII. 14 
auch diese, wie Ausonius eclog. p. 236 Bip. die Nemeen quinquen- 
iialisch macht, so ist dieses wohl nur Verwechselung, und um so 
weniger mit Forchhammer Hellen. S. 278 auf einen doppelten 
Gyklus zu beziehen, als wenigstens für die Isthmien die Annahme 
einer doppelten Jahreszeit grundlos ist (not. 15). 

14) Genauer lässt sich freilieh die Sache bei der wahrschein- 
liehen Verschiedenheit des elischen und korinthischen Schaltcyklus 
nicht bestimmen, und so möglich es ist, dass mitunter selbst 
Isthmien und Olympien zusammentrafen (Schol. Pind. Olymp. IX. 
83)» so ist doch auch darauf kein allgemeiner Schluss zu gründen. 
Die alten Chronologen» wie Scaliger emend. tempp. I, p. 39, Petav. 
doctr. tempp. I. 33, Dodwell de cyclis p. 304, und nach ihnen 
Ciarisse 1. c. p. 119 und Krause II. 2, S. 188 und in Paulys Real- 
encykl. IV, S. 314 nehmen zwar durchgehends geradezu das erste und 
dritte Olympiadenjahr, und für lezteres gar erst die zweite Jahres- 
hälfte an; aber selbst für das erste hat es Krüger ad Dionys, Hai. 
historiogr. p. 316 sehr ungewiss gemacht, ob die Isthmien von 412 
bei Thucyd. VIII. 10 nicht noch vor die Sonnenwende fielen, und 
was das dritte betrifft, so zeugt die Hauptstelle bei Xenoph. Hell. 
IV. 5 bei näherer Betrachtung vielmehr für den Sommer von 392 
oder Ende Ol. XGVI. 4 (Sievers Gesch. Griech. S. 122; Lachmann 
Gesch. Griech. I, S. 179), während für die Spiele des dritten Jahres, 
wenn sie nach Schol. Pind. Nem. III. 135 neun Tage vor den epidauri- 
schen Asklepieen, diese selbst aber nach Plat. Ion p. 530 B vor 
den Panathenäen hergingen, kaum in den ersten Tagen des Heka- 
tombäon Platz bleibt, und dieselben gewiss oft noch an den Schluss 
des vorhergehenden olympischen Jahres fallen mochten. 

15) Dieses geht ausser den obigen Stellen auch aus Liv. XXXIII. 32 
und Gurt. IV. 22 hervor , und wird mit Recht auch so Hesychius 
II, p. 73 ^erklärt:, 'la&jitaa* naQoifila infr xaxov ßtov Inlvoaoq yuQ o 
naigog h io tu "lod-pia aytrai: um so weniger aber sind wir berech- 
tigt neben diesen sommerlichen noch mit Corsini und Krause S. 186 
andere im Frühjahr oder gar mit Dodwell VII. 7, p. 307 im Winter 
anzunehmen, wofür ausser der falschen Anwendung von Xenoph. 
Hell. IV. 5 keinerlei Grund vorliegt ; s. auch Monatsk. S. 80. 

16) Nipta oder Ne/tna xtifitg^a (Paus. II. 15. 2; VI. 16. 4) und 
&*Qeva, obgleich leztere gewöhnlich ohne Zusatz, was auch Böckhs 



§. 49. Die vier grossen Nationalfeste. 247 

(Berl. Abhb. 1818, S. 98) Auslebt bestätigt, data diese die ältere« 
gewesen seyen — vielleicht in ähnlicher mythischer Beziehung des 
Arehemorus, wie sie Welcker kl. Sehr. I, S. 10 fgg. für Linus u.s. w." 
nachgewiesen bat, während die winterlieben mehr dem Zeus heilig? 

17) Den Monat gibt Scbol. Pind. p. 425 : xal iori, TQwvTJq rtXov- 
fitvoq fiyvl Jlavtftat dwcffxdT?, und wenn auch dessen Lage selbst . 
noch bestritten ist, so glaube icb doch Monatsk. S. 73 dargethan 
au haben, dass derselbe weder mit Corsini und Böhnecke S. 46 dem 
Hekatombäon, noeb aneb mit Böckb in Berl. Abbh. 1818, S. 95 
und Francke zu Richters Inschriften (Berlin 1830. 4) S. 180 dem 
Metageitnion , sondern durchschnittlich nur dem Boedromion ver- 
glichen werden kann, worauf richtig verstanden aueb die andere 
Angabe des Scbol. Olymp. VII. 147 führt; hinsichtlich des Olym- 
piadenjahres aber bat Scbömann ad Plut. Agid. p. xzxtiii fgg. das 
bereits von Corsini gegen Scaliger ad Euseb. p. 92, Petit legg. Att. 
p. 63, und Dodwell de cyclis p. 305 aufgestellte vierte neuerdings 
gegen Manso Sparta III. 2, S. 279 fgg., Bayer in comm. Petrop. 
V, p. 406 fgg. , und Merleker Achaica, Darmstadt 1837. 8, p. 143, 
die das dritte annehmen, schlagend verlheidigt; vgl. auch Fr. van 
Gappelle de Cleomcne III, Hag. Com. 1844. 8, p. 111. 

18) Während nämlich ausser Petitus alle Früheren, wie Scaliger, 
Dodwell, und noeb Manso das erste annehmen, entscheiden sich 
Corsini und Böckb für das zweite, und Scbömann selbst sagt 
p. xjlii : hiberna autem primis an seeundü annis agi solita sint am- 
bigitur; doch zieht er mit Beseitigung der entgegenstehenden Fälle 
bei Diodor. XIX. 64 (vgl. Droysen Gesch. d. Hellenismus I, S. 347) 
und Livius XXXIV. 41 zulezt das erste vor, und wenn Droysen 
a.a.O. II, S. 443 und in Ritschis Rhein. Mus. IV, S. 431 daneben 
bei aller Anerkennung seiner Gründe für andere Zeiten die Mög- 
lichkeit des zweiten festhält, so steht diesem schon das entgegen, 
dass er dabei immer die Jahreszeit des Decembers voraussetzt, wäh- 
rend schon Böckb ad Pind. fragm. p. 578 richtig bemerkt bat, dass 
des Dichters Worte bei Dionys. compos. voce. p. 152: h 'AQytit? 
Mtpta fidmv ov Xav&dvn yoivixoq l'Qvog 9 oriöv' olx&ivToq < ftquv &akü- 
t*ov tvodf*ov unatovotv I'uq ojvrd yfXTcfgca, vielmehr auf die Nähe des 
Frühlings deuten; vgl. auch Franz C. Inscr. III, p. 221. Noeb 
weiter geht freilich Schorn Gesch. Griech. S. 118, der die Zeit der 
Feier ganz von politischen Rücksichten abhängig zu machen scheint; 
aber auch in dieser Hinsicht kann man höchstens wie bei Xenopb. 
Hell. IV. 7. 2 eine ausserordentliche Verschiebung annehmen, ohne 
dass dadurch der Cyklus selbst schwankend würde. 

19) Strabo VIII, p. 514 u. 548: ovvoftoXoyv&tjvat, <ft yaJiug U 
nuvTOiv /!«#-' qqxov ti}v 'HXeiav 'hquv tha* tov Jioq, toV <f intovva IJli 
itjv %u)Qav /ttd"' onXojv ivayrj ctVcu, (oq 6* avzäjq huyij tov fit] tna- 
ftvvotTa xcctcc dvvaixiv' ix 6\ rovrov xal tov? nriaarrag ryv 'HXtiav 
noXtv voxeqov aT(lx«JTor lwsat % xal xovq d*' avxrjq ifjQ £wpa? lovzaq 
OTQUTonida) Ttt oiiXa nagadoviag unoXafißuviw fuxu rrjv ix %5*v ogotv 
liTiößaoiv: vgl. Polyb. IV. 73, aueb das Lob ihrer ivvoftLu bei Paus. 
IV. 28, und mehr bei Krause II. 2, S. 719. 

20) Strabo VIII, p. 545« ot ovv Hioaxa» rrjv oixtiar djioXaßorrtq 
avtoi awixeXovv tov dy&va ogwmiq ivdoxiiAovvxa , XQ° VOl $ $' votiqov 
finamaovarjg nuXtv %jjq Uiadxidoq ilq toi'? 'HXtlovq pixintat naXw äq 
avrovg nal tj äyvvo&ioiu; vgl. Paus. VI. 22. 2 und über die drei 



248 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

v#n diesem gezählten aVoivpfftcHfec (Ol. VIII. XXXIV. GIV) Weissen- 
born Hellen S. 12 fgg., wo insbesondere für die erste derselben 
Ol. XXVIII eonrigirt nnd darnach die ganze Geschichte des Pheidon 
von Argos (St.A. §.33) medificirt ist; auch das Urtheil der Spar- 
taner über die pisatischen Ansprüche Xenoph. Hell. III. 2. 31, und 
mehr bei Krause IL 1, S. 125. 

21) *Ai*<pi%Tvov(av d&Xoi, Paus. X. 7. 3; Tgl. dens, VI. 4. 2 nnd 
mehr bei Tittmann über den Bund der Amphiktyonen S. 109 und 
Krause II. 2, S. 17; auch Schoi. Aristid. p. 323 : dinaroq o JIi/*«eo; ; 
op ol 'AfAQiuTvoviq Ini Tfi üvB-tavoq 9 6v(p X&Tjxav U. 8. w. 

22) Krause II. 2, S. XU fgg. Selbst als die Argiver sieh 392 
n. Chr. die Agonothesie anmassen , thun sie es nur mq "Agyovq rtjq 
KoqCv&ov moq (Xenoph. Hell. IV. 5. 1), und noch später erzählt 
Paus. IL 2 : o 6\ "Iofrpioq dytov ovdl uvuotuvtuv viti Mo/u/*hv Koqiv- 
&iw *£lJl«7Z#y, üXXu ooov ptkv %qovov i^iXtattv jj noX*q t 2ixv<ovloiq uynv 
ijurirgunTOf olmus&thijq 6% av&iq t\$ iovq vvv olxijTo^aq ntqirjX&tv 

v **/•?• 

23) KXroivatoq d.ywv 9 Pind. Nem. IV. 17, wozu Dissen bei Böckh 
expl. p. 382: non eonvenit igitur mihi cum Corsino , qui indc ab 
Ol. LI II Argivos sempcr praesides fuisse eenset; vgl. auch X. 43; 
doch kam allerdings Kleonae sammt Nemea schon vor dem pelopon- 
nesischen Kriege unter Argos (Thuc. V. 67) und verlor allmälig alle 
städtische Bedeutung, Lucian. Charon c. 23. 

24) Sc hol. Pind. p. 425 : ngotortjoav dh rov uy&roq xai *Af>yeTo* 
x«< KoqivS-iot, xai KXfMvaToi, vgl. Krause IL 2, S. 140; in späterer 
Zeit sind es jedoch die Argiver offenbar allein (G. I. n. 1121 fgg.) 
und wahren dieses Reefat selbst gegen die Kleonäer, als diese es 
unter aehäischem Schutze aufs Neue in Anspruch nehmen, Plut. V. 
Arat. c. 28. 

§. 50. 
Dass den Mittelpunct aller dieser Feste die Verehrung 
des Gottes, dein die Oertlichkeit geweiht war, mit Opfern 
n. s. w. bildete, versteht sich von selbst *), nnd eben so 
ist oben bereits von den Festgesandten die Rede gewe- 
sen, durch welche die meisten griechischen Staaten an 
denselben Antheil nahmen, und an die sich dann die 
übrige Menge anschloss, welche aus Neugierde oder In- 
dustrie diese Gelegenheit zum Besuche fremder Gegen- 
den ergriff} neben den gottesdienstlichen Gebräuchen auf 
der einen, dem Marktverkehre auf der andern Seite aber 
erlangten schon frühe die Rampfspiele eine solche Be- 
deutung, dass sie bald als der wesentlichste Theil der 
ganzen Feier galten und derselben allmälig auch eine 
ungleich grössere Ausdehnung gaben, als sie ursprüng- 
lich besessen haben mochte °\ Dass freilich in Olympia 



§. 50. Gebrauche der grinsen Kamp/spiele. 849 

anfänglich nur der Lauf geübt worden sey, ist ein Irr- 
thum 3 ), der lediglich der Bezeichnung der Olympiaden 
mit den Namen der Sieger im Stadium seine Entstehung 
verdankt 4 ) ; dass aber gleichwohl auch hier die Dauer 
des Festes erst nach und nach auf die fünf Tage aus- 
gedehnt worden war, die sie in der späteren Zeit be- 
trug 5 ) y ist eben so gewiss als der reiche Zuwachs an 
Kampfarten, den dasselbe theils durch die Zulassung der 
Knaben zu besonderen Kämpfen unter sich 6 ), theils durch 
die Aufnahme mannichfacher Modifikationen und Com- 
binationen erhielt 7 ) ; und Aehnliches werden wir auch 
bei den übrigen Spielen voraussetzen dürfen, wenn diese 
gleich in einzelnen Stücken ihre eigene Entwickelung 
verfolgten 8 ). Namentlich waren bei diesen lezteren neben 
den gymnischen und hippischen Kämpfen auch musische 
gebräuchlich 9 ), die zumal in Delphi eigentlich die frühe- 
sten gewesen seyn sollen 10 ) , und sowohl hier als auf 
dem Isthmus nachmals zu einem solchen Umfange ge- 
diehen, dass sie sogar Malerei n ) und schöne Redekunst 
in Poesie und Prosa umfassten 12 ), dergleichen in Olympia 
nur ausserordentlicher Weise und als Privatsache vor- 
kam 13 ) ; im Uebrigen kann man jedoch hier wie anderswo 
dieselben wesentlichen Einrichtungen annehmen, wie wir 
sie mit Genauigkeit nur in Olympia näher kennen u ). 
Insbesondere gehört dahin die Strenge der Zucht und 
die Controle, welcher die Athleten nicht nur hinsichtlich 
der formellen Voraussetzungen ihres Auftretens 15 ), son- 
dern auch hinsichtlich ihrer Kunstübung selbst unter- 
zogen wurden : keiner ward zugelassen, der nicht schwur, 
sich durch vorgeschriebene Diät, die neben mannich- 
fachen Enthaltungen besonders in reichlicher Fleischkost 
bestand 16 ), zehn Monate lang dazu gerüstet zu haben 17 ) ; 
und eine gleiche Vorbereitungszeit bestand für die Kampf- 
richter oder Hellanodiken 18 ) , um die zahlreichen und 
genauen Festordnungen zu lernen 19 ) , welche sie mit 
Hülfe ihrer Stabträger 20 ), Signalisten 21 ) und Herolde 22 ) 
zu handhaben und nur nach sorgfältiger Beobachtung 
aller vorgeschriebenen Fön^tichkeiten die endlichen Sie- 



950 ■ JA. III. Feste bestimmter ^ orte. 

gerprehe zu vertheilen hatten. Zunächst waren dieses 
allerdings nur Palmzweige 23 ) und Kränze 2 *) , die zu 
Olympia vom wilden Oelbaume 25 ) , zn Delphi von Lor- 
beer 26 ), zu Nemea und auf dem Isthmus von Epheu 27 ) 
oder an lezterem Orte auch von Fichtenaftreigen 28 ) ge- 
nommen wurden 3 und nur vorübergehend werden ans 
der früheren Zeit der pythischen Spiele auch Werthpreise 
erwähnt 29 ) $ dagegen wartete des Siegers in seiner Hei- 
math nicht nur trinmphirender Empfang 30 ) , sondern 
auch hin und wieder wirklicher Lohn 31 ) und jedenfalls 
eine Stellung, die ihn für den Rest seines Lebens jeder 
Sorge und Arbeit überhob 32 ). 

1) Manche Schriftsteller des späteren Alterthums wie Schol. 
Aristid. p. 323 und Auson. eclog. extr. gefallen sich zwar darin, sie 
alle zunächst als Leichenspiele darzustellen, wo dann neben Pelops, 
Archemorus und Melicertes sogar der Drache Python figurirt; für 
die geschichtliche Zeit aber lässt sich solche Auffassung höchstens 
in den yaiuZq axoXaVq der nemeischen Kampfrichter (Schol. Pind. 
p. 425) nachweisen; und für die mythische dürften selbst die 
Heroen dieser Spiele vielmehr mit Uschold (Vorhalle II, S. 85 fgg.), 
auch ohne dessen Deutungen im Einzelnen zu billigen, doch im 
Ganzen selbst als örtliche Gottheiten aufzufassen seyn, die nur all- 
mälig hinter den grösseren Landesculten zurücktraten. 

2) Vgl. oben §.31 und St. A. §.10, not. 9; auch Böttiger 
Kunstmythol. II, S. 146 und Wachsmuth H. A. I, S. 153 fgg. 

3) Paus. V. 8. 3 : dqopov ß\v ä&Xa ixiO-y ngwrov xal *HXtXoq 
KoQotßoq ivixa: vgl. VIII. 26. 3 und Plut. ou. symp. V. 2: xotq 
d' 'OXv/tnloiq ndvxa ngoq&rjxrj nXrjv xov öqo/uov yiyovex dagegen aber 
Pind. Olymp. XI. 64, dem Dissen p. 265 und Hermann opuscc. VI, 
p. 5 folgen und Krause II. 1, S. 70 nicht widersprechen sollte. 

4) S. Krause II. 1, S. 60. Nur Thucyd. III. 8 und V. 49 nennt 
dafür den Sieger im Pankration , schon Xenophon aber Hell. I. 2 
und II. 3 die Stadiodromen, und auf diesen beruht dann insbes. auch 
das Olympiadenverzeichniss des Julius Africanus bei Eusebius bis 
Ol. CCXLIX; vgl. Scalig. thes. tempp. p. 39 — 45. 

5) *Akd-Xwv nf/tTiajutQovq ajxLXlaq nennt Pindar Olymp« V. 6, 
wozu dann noch die ßov&valat oder die gottesdienstliche Feier ka- 
men , so dass man immerhin um Ol. LXXXII mit dem Scholiasten 
sechs Tage, vom Uten bis 16ten des Monats annehmen kann; dass 
diese Ordnung aber nicht ursprünglich , erhellt aus Paus. V. 9. 3 : 

dfc xoöftoq o negl xov dywva i<p* yfiwv, wq &vto&a* ra> &tä) xd UqiVU 
ntvxdd-Xov f*kv xal ÖQofiov t&v "jinarv voriga (xwv de Xoin&v TtQoxtQa 
supplirt Bekker; vgl. Xenoph. Hell. VII. 4. 29, Schol. Pind. Olymp. 
III. 33) dyanHO/idruv 9 ovxoq xaxkaxij oqtioiv o xoo/Aoq oXvpnidöt tßdofiy 
ngoq %aVq (ßdofiTJxovra* xd nqo xovxuv 61 int yptQaq tjyov xrjq avxrjq 
opoltaq xal uv&Qwnwv xal Xiuifov dywva* xoxe 6% nQorjx&i}0<w *'S vvxxa 

01 nayxgaxidiovxeq an ov xaxd xatqov ilgxXy&ivxtq , aXxwk dl lyivovxo 



§. 50. Gebrauchender grossen Kampfspiele* 2M 

ol xi *ääo# xal iq nXtov *ri «V« xCr ntnv&Xw* ZfuXXat und auch wer 
»it Hermann opuscc. VI, p. 6 fgg., Meier a.a.O. S. 320 fgg., 
Krause II. 1, S. 80 fgg., Kindscher in Jahn« Archiv XI, S. 392 fgg. 
die jedenfalls scharfsinnige *Vertheilung Dissens hinter s. Pindar 
I, S. 263—272 und in Gomin. Soe. Gott. VIII, p. 89 — 124 und 
hl. Sehr. S. 185 — 194 nicht billigt, wird den Einfluss anerkennen, 
welchen jenes an sich zufällige Breigniss, das aber in ahnlicher 
Art wie Ol. XV die Kntblössung des Orsippns von Megara (Paus. 
I. 44 — oder Akanthus von Lacedämon? Dionys. Hai. VII. 72; doch 
vgl. Schol. Iliad. XXIII. 683 und mehr bei Bandelot in Hist. de 
FA. d. Inser. I, p. 192, Boeckh C. Inscr. I, p. 554, Krause II. 1, 
S. 339 — 343) als ein göttlicher Wink erschien, auch auf die Folge* 
zeit üben musste. 

6) Seit Ol. XXXVII, vgl. Paus. V. 8. 3: xd dl inl xotq neuolr 
tq /ikv twv nalatoxigatv ovdtpiav jjxtt fiiyyjfiTjv, avxol dl dgtaav oyiötv 
xaxeoxiyoatxo 'HXtVot, x. r. X. Zuerst Lauf und Ringen , dann Ol. 
XXXVIII Trhra&Xov, watf aber sofort wieder abgeschafft ward (Paus. 
V. 9. 1), spater Ol. XLI Faustkampf, Ol. CXLV nayxgdxtov, und 
in ungewisser Zeit Wettrennen zu Pferde, xiXyxl, vgl. Krause 1.2, 
S. 930 und II. 1, S. 75. Die Zulassung bedingte eine doxijiaola, 
Gell. XV. 20, Schol. Pind. Kern. VI. 104, Paus. V. 24. 2, deren 
der Knabe, der mit Männern kämpfen wollte, nicht bedurfte, vgl. 
Paus. VI. 14. 1 und Diog. L. VIII. 47. 

7) Hierüber gestatten Paus. V. 8 und Julius Africanus folgende 
Uebersicht, wobei jedoch die einfacheren Kampfarten nur auf die 
erste Auszeichnung der Sieger gehn dürften: Ol. XIV dlavXoq, XV 
dwLjfo?, XVIII nkwa&Xov xal 7t(ütj> XXIII nvy/*^ XXV ugpa, XXXIII 
nayxguxtov xal Xnnoq xtlqg, LXV onXix&v dgb/ioq^ LXX dnrpftj y/novovq 
dvxl Ititküv l'xovoa, LXXI xuXnrjq dgofioq, die beiden lezten jedoch 
Ol. LXXXIV wieder abgeschafft (Paus. V. 9. 1, vgl. Bentleji opuscc. 
p. 238 und Schneidewin ad Simon, p. 27); dagegen Ol. XGIII innwp 
TfXdoiv ovvwglq, XCIX tiqjXwv agpa, GXXVIII awwglq ntaXwv, CXXXI 
nüXoq xlXijq. In Allem rechnet Schol. Pind. Olymp. III. 60 sieben* 
sehn, anderswo freilich V. 14 acht und zwanzig Kränze; nach 
Meiers Rechnung S. 306 kommen zwanzig heraus, die er auch in 
dem Kataloge des Phlegon aus Ol. GLXXVH bei Phot. bibl. p. 83 
Bekk. wiederfindet. "Was ist aber yon dem dytav povo/taxlaq bei 
Plut. qu. symp. IL 4 zu halten? 

8) So für Delphi Plut.. qu. symp. II. 5 s brxav&a nag* tjfilv xa&* 
txaoxov a&Xqfiu xovq uy ojv jiophovq tlquyovow inl natol iiuXataxatq 
uvdgaq naXaioxuq f xal nvxxaq inl nvxxa*q 9 o/iolotq dl nayxgaxtaaxdq* 
ixtZ dl oxav ol natdtq diaytovioavxa* , tot« xovq avdgaq xaXovon Tgl. 
Meier a. a. O. S. 324 und mehr bei Dissen in Comm. Gott. p. 107 fgg., 
insbes. nach Soph. Elektra 684 f$g. und Heliodor Aethiop. IV. 1. 
Ausserdem finden wir anderswo ganze Kampfarten, die in Olympia 
nicht vorkommen , wie das nhra&Xov naidotv (Schol. Pindar. Nem. 
VII) und den dgbpoq innioq zu Nemea und Korinth (Paus. VI. 16.4), 
den dlavXoq und doXr/oq naldwv zu Delphi (Paus. X. 7. 3) u. s. w. 

9) Krause II. 2, S. 11 fgg. 133 fgg. 188 fgg. 

10) Strabo IX, p. 646: dywv dl o pl* dgxatoq h JeX<potq xiO-aga- 
d&v iytvyOij itaiava rldovxwv tlq xov &fov* Xd-rjxav dl AtXq>ol /itxd xov 
KgtaaVoy noXtpoV ol d' 'Ajavixtvov«; Inmxov xal yvpytxov in *EvgvX6xov 
dUxa£uv oxtyavixyv xal IJv&ta ixdXtouv ' ngoqHhjxuv xt xotq x*&ugtpdoTq 



£58 TA. III. Feste bestimmter Orte. 

«lU^ruf te xal xi&ayiOTdq x^qW ^äij4 \dk0Swsorrd9 %* piXoq * xakeSva* 
pofioq Ilvd-ioq, nhrt d' nvxov fik^tj iaxif'. dydxQovoiq, «proi^a, xara- 
tultvo/toq, Zapußo* Mal daxTi/vUu, ov^ey^tq: *gL Paus. X. 7* 2 und über 
den pofnoq Ilv&toq oben §.29, not. .23 und Thiersch Einlest; z. Pind. 
S. 60. Auch fortwährend vor dem gymnischen, wie dieser vor dem 
erst in der 2ten Pythiade eingeführten hippischen Agon hergehend; 
▼gl. Plat. qu. symp. II. 4 and Pbilostr. V. Apollon. VI. 10. 

11) Plia_. H. N. XXXV. 9. 35. 

12) Plnt. qu. symp. V. 2: itaQadttafitvoi. yuq inl tqioI rotq xa- 
O-eaxwOiv &xp/^f, avXrjrjj nv&ixQ xul xifrayiarr] xal xt&aqtodüi, xov 
%{>ay(pdov> uqniQ nvXyq dvo*x&itoi]Q ovx dmioxov d&gooiq ovvemri&t- 
füpoiq xal ovvtiqiovo* navTodaTzoZq dxQodpaa* x. r. X. Aach die schon 
in der 2ten Pythiade aufgehobene avX(aßia (Paus. X. 7. 3; nicht mit 
dem avXyrijq — - tibicen Hör. A. P. 415 -— zn verwechseln) begegnet 
uns bei dems. VII. 5 wieder, und daneben Tragöden (Philostr. V. 
Soph. II. 26) und andere Dichter (qu. symp. II. 4),. ja Xoyoy^dtpo^ 
die er V. 2 schier selbst zu viel findet, obgleich er auch aus den 
Isthmien eine Dichterinn Aristomacbe aus Erythrae und eben daher 
VIII. 4 einen Sieger im iyxatfxtov anführt. 

13) 'Entdt&tq , nicht dytoviopaia, wie Herodot, Gorgias» Hippias; 
vgl. Meier a. a. O. S. 308 und Krause II. 1, S. 183 fgg. 

14) Z. B. das Loosen der Athleten mit dem l'ytdQoq bei unge- 
rader Anzahl, wie es Lucian Hermot. c. 40 beschreibt; vgl. ßöckh 
expl. Pind. p. 318, Welcker syll. epigr. p. 65, Krause II. 1, S. 111 — 
124; der Sieg dxovtrl (yittoria impulverea Gell. V. 6), wenn kein 
Mitbewerber aufstand, vgl. Seneca provid. c. 4 und mehr bei Dorv. 
ad Charit, p. 218 und Krause IL 1, S. 153 oder II. 2, S. 47; viel- 
leicht selbst die Einrichtung der Rennbahn, wie sie Kleoetas zu 
Olympia hergestellt hatte ; Paus. VI. 20 , vgl. Visconti oeuvres V, 
p. 258, Choiseul-Goumer in M, de l'A. d. Inscr. XL1X, p.222 — 
238, Hermann opusec. VII, p. 390 — 402, und über alle Einzel- 
heiten der olympischen Topographie, die auch auf die Oertlich- 
keiteu der anderen Spiele manches Licht werfen , Rathgeber in 
hall. Encykl. III. 3, S. 114 fgg. 

15) Dahin vor Allem die freie und hellenische Abkunft, vgl. Dionys. 
Hal.rhetor. VII. 6 und mehr bei Baehr ad Herod. V. 22; dann sittliche 
Unbescholtenheit, Krause IL 1, S. 134 — 138, auch wohl politische 
Rücksichten, wie gegen Hieron (Plut. V. Them. c. 25) oder Dionys 
von Syrakus (Diodor. XIV. 109); insbesondere aber auch Beobach- 
tung der ngo&tofiia oder des Termins , nach welchem weder zu 
Olympia noch anderswo mehr ein Kämpfer zugelassen ward, Plut. 
qu. symp. VII. 5, Paus. V. 21. 5 u. s. w. 

16) \Avayxoq>uyla , Aristo t. Pol. VIII. 4; vgl. Galen, prolr. ,c. 11 
und mehr bei Bürette in M. de TA. d. Inscr. I, p. 219 fgg. und 
Krause L 2, S. 642 — 658; über sonstige Anstrengungen und Ent- 
haltungen aber Xenoph. Symp. VIII. 37 und Hör. A. P. 414: multa 
tulit feeitque puer , sudavit et alsit, abstinuit Venere et vino, wo 
Orelli auf Tertullian ad martyres c. 3 verweist; auch Dio Ghrysost. 
XXVIII, p.291 und S. Paul, ad Gorinth. I. 9. 25: naq eft o «>«"- 
typtvog ndvra tyxQajf virat , mit den Homilien des Johannes Chry« 
sostomus, die Krause IL 1, S. 144 citirt. 

17) S. überhaupt Paus. V. 24. 2 t naQa xovto> (Ja 'OqxIü*) 



§. 50. Gebräuehe der grossen Kampfspiele. 253 

xct&fotTfxt roVq dd-XrjTatq xal narquoiv ävr&» *al ddtXyoZq , Vr$ d\ 
yvfitaaraVq ini xdnqov xaroprvo&cu rofdwv, prjdlv iq rov 'OXvftTiiwr 
dy&pa i'oio&at, naq* aihwv xaKovqyrjßirf ol dl updqtq ol dd-Xrjral xal 
xödt 2t* nqoqxaTofirvyxat , dixa iqx&jq fiqvüy dntjxqi-ßiäo&uL o<p«ft tu 
ndrra tlq aoxijo**. 

18) Bekk. anecdd. p. 248: 'EXXavodlxai rjaav aqxovrfq rtvtq r$p 
*HXh<öy ol diinovTtq vd xazd tuv dywva twv 'OXvftniW fxXrj&Tjaav dl 
oxnio naqd ro roXq "EXXyoi d**afr*» * idlxä^ov dl rolq rt d&XytaTq xtxl 
ToVq aXXoiq dyotvtaraTq t xal TiQOfxa&r/vro h tw dy&vi h noqtpvqiatvi 
Tgl. Schol. Pind. Olymp. III. 19 und Harpokr. p. 101 mit Tan Dale 
diss. antiqu. illustr. p. 508 fgg«, O. Miller in Welckers Rhein. Mus; 
II» S. 167 fgg. und Meier a.a.O. S. 310, namentlich auch über 
ihre Anzahl, worin die leider . Terdorbeue Stella Paus. V. 9.4 mit 
den Grammatikern nicht ganz überein stimmt nnd nur so Tiel sieher 
scheint, dass sie mit den Phylen der Eleer ab und zu nahm und 
erst seit Ol. CV11I auf die zehn fixirt blieb, die auch noch Philostr. 
V. Apollon. III. 30 kennt. Ein anderer Name in Elia war Aiaqx ^ 
Hesych. I, p. 965; für die übrigen Spiele aber lassen sich nur in 
Aemea 'EXXupodlxai nachweisen (G. I. n. 1126; Tgl. Lebas inscr. gr. 
I, p.»179), man müsste denn Tzetz. Chiliad. XII. 368 zugleich für 
die Pythien geltend machen. 

19) Paus. VI. 24. 3: h rovtco iw 'EXXarodixaiuvi olxovat dixa 
ftyllrfc lAtjvaq ol alqifrhTtq xal vmq rwv po/*og)v Xduup ooa ilq top «ywv« 
otpdq dtV noitVp diddoxortan Tgl. Krause S. 126 fgg. und die Ord- 
nungen selbst S. 144 — 153. 

20) 'PaßSotxot oder qaßdo<poqoi, Thuc. V. 50, Paus. VI. 2, Poll. 

III. 145 und 153, auch f*aOTtyo<poqot, t Lucian. adv. indoct. c. 9, und 
in Olympia speeiell dXvrat unter einem dXvraQxqs, Lucian. Hermot. 
c. 40 , Etym. M. p. 72 u. s. w. 

21) SaXmyxvul, Soph. Electra 711; Tgl. Poll. IV. 87: nutfX&t 
/tlv tlq rovq dy&paq y odXmy£ ix rrjq IfivioXtfxiov ptXfryq, iq>* fxdorfl 
dl trj xXijoti, r&v dya>v«rpaTioy img>&iyytTa$ 9 und über ihre Wett- 
kämpfe (seit Ol.XCVI) Paus. V. 22 und Ath. X. 7. 

22) Theils um die Kämpfer aufzurufen (hayuvioq novq 9 Lucian. 
Demon. c. 65 und die Tollständige Formel Julian. Caesar, p. 318), 
theils um die Sieger zu Terkünden, Krause II. 1, S. 138 und Oster- 
mann de praeconibus p. 66 — 72; über ihre Wettkämpfe aber Poll. 

IV. 92: 71QOTEQOV (T 'OXvfA7liaOlV TWy «7ft/6J£tW xqqvTTovrwp f oi Tulq 
Uqovqyiaiq vjiodiTjxovovyjo , noäroq twv Ihtav ijyojylaazo tö *OXvfim,a 
% Aqx^q 'YßXaToq xal^ rqrtq oXvf*mddaq iaftijt HCxa xal Ilv&ia dl 
hUa xal fixcöv rtq r/v uvrw Ilv&txi}: auch Cic. Farn. V« 12 und 
Boeckh C. Inscr. I, p. 763. 

23) Plut. qn. symp. VIII. 4: dtd %l iwv Uqwv dywvto? aXXoq ulXow 
Vxn orivavov, tov dl tpoiinxa ndvjig; Tgl. Paus. VIJI. 48 uud mehr 
bei d. Erkl. zu Virgil. Georg. III. 49 und Horat, carm. I. 1. 4, 
auch Boeckh ad Pindar. fgm. p. 578 und Krause II. 1, S. 108. 

24) Clem. Alex. Paedag. II. 8, p. 181 : h votq dyüo* nqürop rj 
twv a&XoMf dooiq r/v, dtvttqov dl o InaytQftiq (Casaub. ad Sueton. 
Wer. e. 25, Ruhnken. ad Tim. lex. p. 216), iqItov j vvXXoßoXia 
(Schol. Eurip. Heeub. 574, Jaeobs ad Aathol. I. 1, p. 396), rfXtv- 
raVow o oripavog, freilich mit der unrichtigen Zeitbestimmung t ini- 
doQw Xaßowrqq tlq rqvg>ijv rijq 'EXXddoq ftird tu Mtfdutd, deren Mo- 



254 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

tivirung zugleich mit dem Hasse der christlichen Schriftsteller gegen 
die Kränze (§. 24, Hot. 7) zusammenhängt, während das Alterthum 
in der Unfruchtbarkeit dieser Belohnung gerade ein Zeichen der 
Enthaltsamkeit sah, vgl. Jacobs verm. Sehr. III, S. 261 und über 
ihre Stoffe im Allg. Paus. VIII. 48 mit Paschalins de coronis 
p. 340 fgg. Vertheilt wurden sie von den Agonotheten als ßqaßtva^ 
(Soph. Electra 686; Plat. legg. XII, p. 949 A) oder ßgaßntratq (Poll. 
III. 145), gepflückt aber von vuunb cc'w&aiUa», Schol. Pind. p. 102 
und 298. 

25) 'EXata oder genauer xorwo?, oleaster, wenigstens seit Ol. VII 
nach Phlegon, obgleich Andere ihn schon von Herakles herleiten, 
der ihn von den Hyperboreern mitgebracht haben sollte, vgl. Pind. 
Olymp. III mit d. Erkl. und Paus. V. 7. 4, auch Plin. H. N. XVI. 44 
und mehr bei d. Erkl. zu Aristoph. Plut. 586 und Krause II. 1, 
S. 158. 

26) Paus. X. 7. 4 : ddq>vrjq dt ari^avoq Inl twv Tlvd-ltav rfj vlxrj 
holt aXXo /*tv tfiol doxttv iariv ovdtv, ort dt rijq Addtavoq ^vyatqoq 
*AnokXwva iQno&ijvvu xariax^xsif y <ptji*i]i vgl* oben §«40, not. 12. 

27) Schol. Pind. p. 5: olXtvov tygöv re xal /Xogov, ersteres nach 
dems. p. 426 bei den Isthmien, lezteres bei den Nemeen, wenigstens 
seit dem Perserkriege nach p. 425 : iortgtovro dt to nuXutov iXala, 
vartQov di priu tt/v ovf*g>bodv tojv Mtjdntöv tnl rifirj twv xaroixoßhiüv 
atXiyio: doch ist leztere Zeitbestimmung jedenfalls schief, und hätte 
nicht von Corsini diss. agon. p. 52 zu unhaltbaren Folgerungen über 
den Einfluss jener Kriege auf die Nemeen gebraucht werden sollen, 
zumal da die Auflassang des Epheus als • Trauerpflanze schon zu 
dem Cultus des Archemorus stimmt , vgl. Böttiger kl. Sehr. III, 
S. 183, Meineke ad Euphor. p. 108 oder Anal. Alex. p. 82, Krause 
II. 2, S. 118 u. 142; eher könnte man>, wie lezterer richtig be- 
merkt, aus C. I. n. 234 schliessen, dass der Epheu irgend einmal 
mit einem Eichenkranze vertauscht worden sey. 

28) Plut. qu. symp. V. 3: xlq ulzia, dt rjv rj Ttlxvq Uqu /Zoa**- 
dwvoq hn>/*io&q xal Jvoyvoov, xal, qt* ro nqü-tov ioTupdvovv %fj nixv'i 
vovq "Io&fiia vixwvTttQ, tTieira OfXlvtp, vvvl dt ndXtv vfj nixv'Cx vgl. 
Schol. Nicaitd. alexiph. 601: üyixai, dt rat MeXixioTK o 'Io&/uxoq 
ay(ov 9 tv to o oxttpavoq tjy tiqotzqov roi,q vmujoiv utio atAivov, vorfQoy 
61 cc7zo nirvoq, und über Bänder, womit er geschmückt war, Böckh 
expl. Pind. p. 193: mitris significantur Jsthmiae coronae, quae Ulis 
imponi solebant u. s. w. 

29) Paus. X. 7. 3: dfvxiQtf dt nv&tudt ovx I71I a&Xoiq hdXtoav 
SV* aywvifco&ai, , cr&yavUyy dt rov dyüiva dno tovtov xatfar^aavro 
x. t. X. Nur Aepfel (ftyXa) erscheinen hier fortwährend neben den 
Kränzen, vgl. Lucian. Anach. c. 9 fgg., Max. Tyr. V. 8 u. VII. 4, 
und mehr bei Jacobs ad Anthol. III. 2» p. 129 und Krause II. 1, 
S. 167 oder II. 2, S. 50. 

30) Vitruv. praef. 1. IX : nobilibus athletis, qui Olympia Pythia 
Nemea Jsthmia vieissent, Graecorum majores ita magnos honores 
eonstituerunt, ut non modo in conventu stantes cum palma et eorona 
ferant laudes , sed etiam quum revertantur in suas civitates cum 
victoria, triumphantes quadrigis in moenia et in patrias invehanlur, 
e reque publica perpetua vita eonstitutis veetigalibus fruantur. 
Daher ludi iselastici, Plin. epist. X. 119, vgl. Ignarra de palaestra 
Neapol. p. 72, und über die Einzelheiten ( Prachtge waud , Svorlg, 



§.51. Elis, Arkadien, Achaja. 855 

Aristoph. Nubb. 71 mit Ruhnk. ad Tim. lex. p. 1SS und Becker 
Chariklea II, p. 357; Einreissen der Mauer, Plut. qu. symp. II. 5, 
Plin. H. N. XVI. 5, Sueton. Ner. c. 25) Thorlac. opusec. V, p. 373 
fgg., Thiersch Einl. z. Pind. S. 90 fgg., Meier a. a. O. S. 318 fgg., 
Krause II. 1, S. 195 fgg;., wo übrigens wohl auf den Unterschied 
zwischen diesem Einzüge und der no^nrj mit xwftoq und hrluaiq 
aufmerksam gemacht ist, welche sofort am Siegestage selbst an 
Ort und Stelle folgte, vgl. Krause II. 1, S. 181 fgg. 

31) So in Athen nach Solons Bestimmung bei Plut. V. Sol. c. 23 
und Diog. L. I. 55: 'OIv/atiiovUt] /i\v ru%aq ntvraxoalag dgu/fias, 
'lö&fjuovixjj de txarov f xal dv&Xoyov bsl xwv aXkmvz dazu Speisung im 
Prytaneum, Plat. Apol. p. 36 E, Plut. V. Aristid. c. 27, Proedrie, 
Ath. X. 6 u. s. w. 

32) 'Aozotia navTM (Plat. legg. VII, p. 807 C), ßtoq ftaxagiorot; 
(Plat. republ. V, p. 465 D) oder lodtf*o$ (Lucian. Anach. c. 10), 
wohin auch die Ehre der Statue, Tgl. Plin. H. N. XXXIV. 9: 
primo sacrorum certaminum vietoria maximeque Olympiae , ubi 
omnium, qui vieissent\ statuas dieati mos erat, eorum vero 9 qui ter 
ibi superassent , ex membris ipsorum similitndine expressa, quas 
ieonicas voeant, mit Quatremcre de Quincy Jup. Olymp, p. 172 
und Rathgeber a. a. Ö. S. 151 fgg., im Allg. aber Paschal. de co- 
ronis p. 358, Davis, ad Cic. Tuscul. I. 46, Jacobs verm. Sehr. III, 
S. 261, Böttiger Kunstmyth. II, S. 147, Kauchenstein Einl. in Pin- 
dars Siegeslieder, Aarau 1843. 8, S. 28 fgg. Dass übrigens jene 
uo%oXia nicht von Allen benuzt wurde, zeigen die Beispiele von 
Hieroniken in öffentlichen Aemtern (Lebas inscr. I, p. 223) und 
insbes. die wiederholten Siege, wobei namentlich später besonderes 
Gewicht auf den ntgiotSovixTjq gelegt ward, der in allen vier Spielen 
gesiegt hatte, Krause II. 1, S. 402 fgg. und II. 2, S. xv. 



§• si. 

Von sonstigen örtlichen Festen kennen wir in Elia 
ausser den bacchischen Gebräuchen der Qvla l ) und dem 
der Athene gewidmeten Wettstreite der Schönheit 2 ) ins- 
besondere die "Hgatcty wo alle fünf Jahre der Hera von 
sechzehn auserlesenen Frauen ein Gewand gewebt und 
ein Wettlauf leichtbekleideter Jungfrauen von verschie- 
denen Alterstufen angestellt ward, dessen Siegspreis ein 
Oelzweig war 5 ).; dann die Artelnisfeste in der Niede- 
rung des Alpheus 4 ), das dem Kronos um die Frühlings- 
nachtgleiche von den BaoiXcug gebrachte Opfer 5 ) ? . und 
im benachbarten Triphylien die von den Macistierä ver- 
waltete Feier des samischen Poseidon 6 ) $ ungleich reicher 
jedoch erscheint Arkadien an . solchen Festen , obgleich 
dieselbe Zersplitterung des Landes, die diesen Reich- 
tum» herbeiführte, andererseits die wenigsten derselben 



256 Z%. ///. Fette bestimmter Orte. 

zu allgemeinerer Bedeutung gelangen liess. Selbst der 
Gebrauch, ein Pansbild mit Meerzwiebeln zu peitschen, 
der schlechthin unter dem Namen eines arkadischen Fe- 
stes erwähnt wird 7 ) , dürfte eben so wohl nur ortlich 
gewesen seyn als das Kriegspiel der MmXeia 8 ) und die 
Kogeia der Persephone, die vielleicht nach Klitor ge- 
hören 9 ) $ von sicheren Localfesten aber sind die nam- 
haftesten die schon früher berührten Avxaia des Zeus 
zu Lykosura mit ihren Menschenopfern und der Wehr- 
wolfsage 10 ), und die J Akiata der Athene Alea zu Tegea, 
beide mit Kampfspielen verbunden, und leztere sogar 
doppelt, insofern daneben noch besondere 'AXmta an- 
geblich zum Andenken eines Siegs über die Lacedämo- 
nier bestanden n ). Ausserdem finden wir zu Tegea 
noch ein jährliches Fest des Zevß KXuqioq 12 ) und ein 
anderes des 'Ayvuvgy wo ein mythischer Knabe Scephrus 
beweint und sein symbolischer Mörder von der Priesterinn 
der Artemis verfolgt ward 15 ) 5 eben so zu Lykosura einen 
Tempel des *Anoi.lm üag^doioQ, wohin man alljährlich 
einen auf dem Markte geschlachteten Eber unter Flöten- 
spiel und Procession brachte und daselbst verzehrte 14 ) ; 
und gleichwie überhaupt Artemis eine der ältesten und 
verbreitetsten arkadischen Gottheiten war 15 ), so begeg- 
ne» uns auch ausdrückliche Feste derselben zu Stym- 
phalus 16 ), Orchomenus 17 ), und auf dem Berge Knakalus 
bei Kaphyae 18 ), auch unter dem Namen Eurynome zu 
Phigalea 19 ) $ von andern Gottheiten aber hatte Demeter 
sowohl Thesmophorien als Eleusinien 2 o), namentlich zu 
Pheneus 21 ), wo ausserdem auch "EQfmia mit Kampf- 
spielen vorkommen 22 ) , ferner Dionysus zu Alea die 
Hxiigict , wo Frauen blutig gegeiselt wurden 23 ) , und 
Athene oder wer sonst eine Panegyris zu Aliphera, wo 
ein yorhergehendes Opfer für einen Heros Mviaygoß die 
Belästigung der Mücken zu beseitigen bestimmt war 24 ). 
Für Achaja ist zunächst das Gesammtfest des Zevg 
'OjiictyuQtoG zu Aegium wichtig 25 ) 5 durch Einzelfeste 
zeichnet sich insbesondere Pellene aus, wo nicht nur zu 
Ehren des z/iovvaoe Acc/an^Q eine nächtliche Fackel- 



§.51. Elis, Arkadien, Achaja. , 257 

ßrocession angestellt und auf den Strassen gezecht 26 ), son- 
dern auch der AtjtifjvrjQ Mvaia ein siebentägiges Fest mit 
Weibermysterien und Neckereien der beiden Geschlechter 
begangen 27 ) und mehren Gottheiten Wettkämpfe gefeiert 
wurden 28 ), in welchen, wie namentlich in den Theoxe- 
nien des Apoll 29 ), neben anderen Preisen ein wollener 
Mantel einheimischer Fabrik den Sieger belohnte 30 ). 
Auch Tritaea hatte ein jährliches Fest der grössten Götter 
mit bakchischen Cerimonien 31 ); Yon den übrigen Städten 
dagegen ist nur noch Patrae durch die Verehrung der 
Artemis bemerklich, welcher theils als AijLivdtig ein der 
Sage nach aus Lakonika stammendes Schnitzbild aus einem 
Tempel, in den andern getragen 32 ), theils als Aatpgla ein 
grossartiges Brandopfer dargebracht. ward 53 ), wozu sich 
dann noch ein dritter Cultus der TqihXccqicc mit nächt- 
lichen Sühngebräuchen und Erinnerungen ehemaliger 
durch Eurypylus abgestellter Menschenopfer gesellte 3 *)« 

1) Paus. VI. 26. 1 $ vgl. Ath. I. 61 t o't* rijq llXfiaq rwtoq forlv 
un$x<** oxtgJ dradia 9 h (o ol lyx<oq*o* xaraxXtiovrtq xotq Jiovvoloiq 
XaXxovq Xißtiraq rQtVq xtrovq naqovrwr dnoovgayi&vrai xal vortgov 
dvotyomq tvgioxovoiv oXvov nctXygiofihovq , und Plut. qu. Gr. 36 : 
d*ce rl rov dkovvoor al rujy 'HXtiw yvvuVxiq vfivovoat, nagaxaXova* 
ßota) Tio 61 nagayhea&at . . . ifra dlq InddovcHv «£** ravgt x, r. X. mit 
Welcker Nachtrag z. Trilogie S. 190 und Crenzer Symb. IV, S. 7 fgg. 

2) Ath. XIII. 90 1 QtoygaOToq d> dyiöva xdXXovq q>ijol ylyvto&a* 
nugd 'HXtioiq, Xaftßuvtiv re rovq vixijouvraq d&Xa <mXu 7 üjieg dvuri- 
&tO&ui q>t]0* Jiovvoioq o Atvxrgtxoq rjj *A{hpft£ x. t. X, 

3) Paus. V. 16. 2; vgl. Visconti Mus. Piocl. T. III, tav. 27 
und Rathgeber in hall. Encykl. Sect. III, B. 3, S. 152. 

4) Strabo VIII, p. 528: ngoq di rjj ixßoXfj ro rijq lAXynovtaq 
lAqri^doq q *AXq^iovaijq aXaoq iori . . . ravrr/ dh rjj &tui xal tv 
*OXvf*nia xar Vroq a vvrtXitr at, xavqyvgiq, na&dntg xal rfj 'EXayia xal 
rfj Jayriq: worunter wir um des entsprechenden Monats willen (s. 
folg. Note) wenigstens das Fest der 'EXayia in den Frühling zu 
setzen berechtigt sind. 

5) Paus. VI. 20. 1 : inl di rov ogovq rfj xoqvyjj ß-vovatv o» 
BaaiXai xaXoii/tivoi rm Kg ovo) xard loyfttQiav rijv h tw rjgi 'EXaipiu 
Wvl nagd 'HXtiotq: vgl. Heffter in AUg. Schulz. 1833, S. 228. 

6) Strabo VIII, p. 529 ; onov ro fiaXiora riftwptvov rov Sapiov 
Hooud&voq Ugov iarl d\ dXaoq dyguXalatv nXrjqiq* intfitXovpro d' avrov 
Maxiortot, olto* di xal rijv lxtx*iQto* tnrjyyiXXov r}v xaXovo* Supta, 
wie wohl mit Casaubonus für JSdfttot zu lesen ist; oder mit Muller 
Orchom. S. 361 Sapiovl Auf keinen Fall aber, wie Krause II. 1. 
S. 40 gethan hat, mit der olympischen {xr/upto zu Tcrmengen! 

R 



858 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

7) Schol. Theoer. VII. 106. 

8) Schol. Apoll. Argon. I. 164 t xal uyria* MwXna iogxrj nuQ* 
'Aqxuoiv, inHÖrj AvxovQyoq Xoxqoaq xaxu xijv tidxqv flXtv 'EQtv&aXitovu: 
Tgl. Iliad. VII. 136 und Lobeck Agl. p. 680. 

9) Schol. Pind. Olymp. VII. 153; Tgl. Bissen expl. p. 470 and 
im Allg. Hesych. II, p. 317 mit Preller Demeter S. 115 and Ebert 
SutiX. p. 38; übrigens vielleicht auch der Athene Koria, Tgl. Müller 
in hall. Encykl. III. 1 10, S. 94. 

10) S. Paus. VIII. 38. 5 mit Larcher p. 280 — 283 und mehr 
oben §. 27, not. 5; auch Creuzer Symb. III, S. 74 fgg. und über die 
dortigen Spiele mit Wertiipreisen (Schol. Pind. Olymp. VII. 153: 
ol avro&i vtx&vxfq oxtvtat Tif*üvrou: Tgl. Xenoph« Anab. I. 2. 10) 
Böckh expl. Pind. p. 175 und Krause 1. 2, S. 734. Den Hippodrom 
beschreibt Ross Reisen und Reiserouten I, S. 91. 

11) Paus. VIII. 47. 3: xal uyovoiv dy&vaq hrav&a y xov /4* 
*AXiata otofAuton«; dno xyq 'A&qvuq, rov d* < AX<axut 9 ort, Aaxidui- 
fioviwv to noXv h rfj iidxfl £***Tag tlXov, Leztere Deutung bezieht 
sich offenbar auf Her. I. 66; doch ist es ungleich wahrscheinlicher 
dasselbe Wort mit den korinthischen 'EXXwtIok;, deren Gegenstand 
auch sonst mit der tegeatischen Athene Alea zusammentritt; Tgl. 
<Welcker kret. Colonie in Theben S. 11, Creuzer Symb. III, S. 435 fgg., 

Schwenck in Welckers Rhein. Mus. VI, S. 279— 288, und über 
Alea im Allg. Gerhard Prodr, mythol. Kunsterkl. S. 139 und Koner 
de rebus Tegeatarum, Berl. 1843.8, p. 28 fgg. ; über ihr Fest aber 
C. I. n. 1515 und Krause I. 2, S. 735 oder II. 1, S. 229. 

12) Paus. VIII. 53. 4: to d> /a»f*oy to i'yqXov, V ov xal ol 
ß(üf*oi Teyturatq tiolv ol noXXol 9 xaXtixai plv Atoq xXaqiou... äyovo* di 
ioQ-irjv uvTo&t, ol Ttytuxa* xaxd Vxoq : Tgl. Larcher p. 276 und ßöckh 
C. lnscr. I, p. 700, der es übrigens unbestimmt lässt, ob die dort 
n. 1513 erwähnten dy&viq 'OXvpmaxol tw /teyioxp xal xiqawoßoXip 
Ai\ dvari&tifiihoi diesem Cultus angehörten. 

13) Paus. VIII. 53. 1 : xal aXXa xi h rov 'AyvUwq xfj fOQxfj 
Öqwoiv iq rifirjv rov SxfqyQov, xal jj xijq *A()xifiio*oq lt(j(ia dtatxfi xivd 
an «irr 77 xov Attf*wva y "AQxtfuq: Tgl. Schwenck mythol. Skizzen* 
S. 112 und Welcker in Heckers med. Ann. 1832 Mai S. 28 oder 
kl. Sehr. I, S. 18. 

14) Paus. VIII. 38. 6. 

15) Müller Dor. I, S. 372 fgg.; Tgl. Streber in Abhh. d. phil. 
Cl. d. Bayer. Akad. 1834, S. 139 fgg. 

16) Paus. VIII. 22 extr. 

17) Paus. VIII. 13. 1 : rfj di ^Agxifirfi xfj 'Ypvia xal ioQxijv ixyov- 
cttv Inixuov. Tgl. E. Braun Artemis Hymnia, Rom 1842. fol. und 
G. G. A. 1843, S. 1154 fgg. 

18) Paus. VIII. 23. 3: Kayvuxaiq di Uya &iwv Ilootidtovoq ioxi 
xal inixXqotv KvaxaXqolaq 'AQxiptdoq* toxi dh avxolq xal oqoq Kvd- 
xuXoq t tv&u inixtiov xfXexjjv uyovat. xfj 'Agxifiio**. 

19) Paus. VIII. 41. 4: qpiga d> xfj avxfj xaxd Vxoq txaaxov xo 
Uqqv dvoiyvvovoi xfjq EvQVvo/iqq . . . r^vtxavru dfc xal &valaq drjuoaia 
rt xal idiwxui, &vovon Tgl. Creuzer Symb. II, S. 583 und Lobeck 
Agl. p. 398. 

20) Ausser Pheneus (s. folg. Note) zu Thelpusa (Paus. VIII. 25. 2), 



§.51. Elis, Arkuditn, Ach a ja. 25® 

zu Basilis (VIII. 29.3; vielleicht auch der dytav xdXXovq Ath.XIII. 
90), zu Megalopoiis (VIII. 31. 4) u.s.w.; vgl. du Theil in M. de 
1A. de Inscr. XXXIX, p. 240 und Preller Demeter S. 147 und 347, 
der auch manchen der Eleusinien ursprünglich thesmophorischen 
Charakter beilegt; über diesen aber insbes. Herod. II. 171. 

21) Paus. VIII. 14. 8: 0tttaTatg d> xal JjjfiqrQoq lativ -Iiqov 
InixXrjow ^EUvowiaq, xal ayovoi rfj #*«? riXerijv, rd h *EXivalvi «fyw- 
fitva xal nugu 0(pioi> to avxd qxioxorreq xa&toiyxivat: vgl. Conon 
narr. 15 bei Phot. bibl. p. 133 Bekk. 

22) Das. §. 7 : &tüjv <ft rif*a>aiv 'Eqiatjv totviura* puXtora xal dyStva 
ayovot x.r,X. Dazu hayiofiura für Myrtilus, s. Sturz Pherec. p. 95. 

23) Paus. VIII. 23. 1 : xard pdvttvpa ix J*Xq>wv fiaanyovvvai 
ywalxtq % xa&d xal ol JSnaQTiaTiov ta-qßot tihqu tjj *Og&iffl vgl. Ger- 
hard Vasenbilder I, S. 137 und Gail recherches sur le Culte de 
Bacchus p. 191 — 194. 

24) Paus. VIII. 26. 4; vgl. Plin. H. N. X. 28? 

25) Paus. VII. 24. 3; vgl. St. A. §. 186, not. 1 und Merleker 
Achaica p. 4. 

26) Paus. VII. 27. 2 : toi/t© xce* AajumrJQia fogrr/v uyovoi xal 
dftdäq rt iq to Ugop xopfiovo* rfj vvxrl xal oltov xqutj' (jag laiäotv 
dvd xrp noXiv nüouvi vgl. Creuzer Symb. IV, S. 10. 

27) Das. §. 4; vgl. II. 18. 3 und mehr bei Preller Demeter 
S. 284 und 348; auch Osann ad Cornut. c. 28, p. 170. 

28)"/fyata, "Egfiam, Jlta: vgl. die Scholiasten zu Aristoph. Av. 
1421, Pind. Ol. VII. 156 und Nem. X. 82 »it Böckh expl. p. 194 
und Krause I. 2, S. 715. 

29) Paus. VII. ^27. 2s xal dyüva IntrtXovoi 0ioq~iv*a tw 'dnoXXwi, 
ri&hxtq dqyvQtov d&Xa xrjq tixqq, xal dvdgiq dywvßovxcu r&v tot^u- 
Qiw. vgl. Schol. Pind. Olymp. IX. 146 und Hesych. I, p. 1706, 
dessen andere Glosse p. 1695: xowrj iogry nuo* tolq &toVq 9 auch 
nicht auf gleichen Antheil aller Götter an dem Cultus, sondern nur 
auf Bewirthung derselben durch Apoll zu ziehen ist; vgl. Preller 
ad Polemon. p. 67 und Thiersch in Abhb. d. Bayer. Akad.,1834, 
philol. Cl. I, S. 622 — 630. Die von Böttiger Kunstmyth. II, S. 121 
erwähnte Abb. von Martini kenne ieh nicht näher; dass aber das 
Fest mit den &*olq U>ixolq nichts zu thun hat, ist schon §. 10, 
not. 12 bemerkt. 

30) Poll. VII. 67: al dl IliXXrjvixal x^"?™* V oav wtoxtpot, wq 
xal %olq vix&ow d&Xrjratq didoa&un vgl. Sträbo VIII, p. 593 und 
mehr bei Larcher p 310 — 313, der sie als Preis aller in Pellen e 
gefeierten Spiele betrachtet. Freilich scheint dem gerade für die 
Theoxenien Pausanias entgegenzustehn ; doch eben diesen weist sie 
Philemon lex. p. 73 Osann. zu; und auch ohne mit Villoison ad 
Apoll, lex. Homer, p. 856 den Periegeten eines Irrthums zu zeihen, 
lässt sich beides wohl vereinigen. 

31) Paus. VII. 22. 6 t iv TQtraitf di lot* fAv Uqqv xaXou/upov 
fuyiorwv &fü>v f dyülfxaxu di og>i,oi nqXov ntnoiqftfou' rovroiq xard 
+roq toQTrj'v ayovoiv ovdh t* dXXoiuq ij xal tw Aiovvato dgüoiv EXXrjvtq, 
Ob Demeter und Persepbone? S. Fe* zu Winkelmanns Werken 
III, S. 281 und Preller Demeter S. 171. ' 

32) Paus. VII. 20. 4; vgl. Schneidewin Diana Phacelitis p. 14 
und mehr unten §. 53, not. 4. 

R2 



960 TA. III. Feste bestimmter Orte. 

33) Paus. VII. 18. 7; Tgl. §.28, not. 19 und Monats*. S. 67. 

34) Paus. VIT. 19; vgl. oben §.27, not. 7 und über Enrypylus 
Atti delFAccad. Rom. d'archeol. 1829, P. 111/ p. 185 fgg. 

§. 52. 
- Im dorischen Peloponnes zeichnet sich yor Allem das 
Fest der argiyischen Hera, "Hgata oder auch € JExa%6/u- 
ßata, aus 2 ), namentlich auch durch die Wettkämpfe um 
den Schild, welcher dem Sieger zugleich mit einem Myr- 
tenkranze zufiel 2 ) ; ausserdem werden dort Jtovvota 5 ), 
ferner S&ina zum Andenken des Danaus 4 ), das Sühn- 
und Todtenfest 'Aygdvia 5 ), der oben bereits erwähnte 
Hundetodtschlag in den sogenannten Lämmertagen 6 ), die 
* Totti Qia der Aphrodite, wo dieser ausnahmsweise ein 
Schwein geopfert wurde 7 ), die Volksfeste der BaXXaygd- 
fieg 8 ) und *EvdvfA&%ia 9 ), die 'TßQtotixä im Monate Her- 
maeus mit Kleiderwechsel beider Geschlechter 10 ), und in 
der Nähe der Stadt die bakchische Tvgßy n ) und die 
lernäischen Mysterien der Demeter Prosymna genannt, 
deren ursprünglich mit arkadischen Gülten verknüpfter 
Ritus später nach eleusischem Vorbilde gestaltet worden 
war 12 ). Nicht minder bedeutend sind jedoch die *Aq%X^ 
nieia zu Epidaurus mit penteterischen Wettkämpfen 13 ), 
und die jährlichen X&ovia der Demeter zu Hermione mit 
Processionen und Kuhopfern, welche ohne männliche 
Hülfe von den Priesterinnen allein yollbracht wurden 14 ) $ 
auch eines Wettkampfs im Rudern und Tauchen gedenkt 
in lezterer Stadt Pausanias am Feste des Jtovvoog Mi- 
X(xvaiyig ls )y und im benachbarten Troezen der 2<xQ<o$r$a 
der Artemis 16 ) und der Ai&oßoXia zu Ehren der sym- 
bolischen Jungfrauen Damia und Auxesia 17 ), deren Ver- 
ehrung sich auch, wenn gleich unter andern mehr an 
die Neckereien der Demeterfeste erinnernden Formen in 
Epidaurus und Aegina wiederholt 18 ). Eben so hat Aegina 
mit Argos die "HQaia oder 'Exaro/ußata 19 ) , mit Athen 
das Frühlingsühnfest der /JeXyina gemein 20 ), auf dessen 
Hydrophone auch mit Wahrscheinlichkeit der anderwärts 
erwähnte d/utpogh^g aywv bezogen wird 21 )$ Näheres ist 



§. 52. Der dorische Peloponnes. 961 

jedoch davon eben so wenig als von den Alaxeloig 22 ) 
und von den jährlichen Mysterien der Hekate überliefert, 
obgleich diese dort einer vorzüglichen Verehrung genos- 
sen haben soll 23 ) $ nnd nur von der sechzehntägigen 
Feier des Poseidon gewinnen wir das genauere Bild, dass 
sie mit schweigsamer Abgeschlossenheit begonnen in aphro- 
disischer Ausgelassenheit endigte, die wahrscheinlich von 
dem nahen Korinth herüberverpflanzt und mit einem ihr 
ursprünglich fremden Feste verschmolzen worden war 24 ). 
Was Korinth selbst betrifft, so sind sein Haupt fest nächst 
den Isthmien die 'JEXXwTia der Athene mit Fackelläufen 25 ), 
wozu wir noch die EvnXeia der Artemis 26 ) nnd das Sühn- 
fest der "Hga J j4ngala mit Ziegenopfern und Hierodulie 27 ) 
gesellen können; dann folgen in Sicyon Feste der Eu- 
meniden 28 ), des Herakles, der hier nicht bloss als Heros, 
sondern auch als wirklicher Gott verehrt ward 29 ), und 
des Apoll mit der sinnigen Procession in den Tempel 
der Peitho 30 ) , ausserdem für lezteren auch pythische 
Spiele mit Werthpreisen S1 ), die der Sage nach bereits 
von Adrastus gegründet 32 ), wahrscheinlich aber erst bei 
der Ausmerzung der diesem Heros gewidmeten Ehren 
durch den Tyrannen Klisthenes in ihre geschichtliche 
Form gebracht worden waren 55 ) 5 weiter Phlius mit dem 
Feste der Ganymeda oder Hebe 34 ) und penteterischen 
Eleusinien in dem benachbarten Celeae, die sich selbst 
als eine Nachahmung der attischen ankündigten 35 ); und 
andererseits Megara mit Spielen des * AnoXkwv üväaevQ 36 ) 
und der Heroen Alkathous 37 ) und Diokles 38 ) , einem 
Feste der Ino, die hier zuerst ihren göttlichen Namen 
Leukothea empfangen haben sollte 39 ), und einem andern 
des Melampus in der Nachbarschaft, der gleichfalls hier 
mehr als Gott denn als heroischer Seher aufgefasst wor- 
den zu seyn scheint 40 ). 

1) Schol. Find. Olymp. VII. 152 t Tf/LtVta* ya<) xaru to "^Qyoq 
tu "Hfjata, u xus 'Exwropßata xaXttTui, naqa xo fxaxov ßovq &vio&at 
%jj &§£• to dl tna&Xov danlq x a ^*~h ° ^ öriyuveq Ix ftvgoitqq: Tgl. 
Schol. Nem. X. 1 und Paus. IL 24. 2 mit Böckh expl. Pind. p. 174 
and C. Inscr. I, p. 580 und 703, wo namentlich auch die Identität 
dieser Spiele gegen Corsini diss. agon. p. 105 und de notis Gr. 



262 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

p. ltxti Tertheidigt ist; auch Kranse Hellen. 1. 2, S. 701 und Wieseler 
in Paulys Realencykl. IV, S. 562. Derselben gedenkt die Münze 
in Gerhards archäol. Zeit. 1843, S. 15t und die Inschrift das. 1844, 
S. 347 ; auch bezieht sieh darauf unstreitig die Geschichte von 
Kleobis und Biton bei Herod. I. 31, so wie die (o^tt) xal &vola nu$ 
'Agyiloiq TtXovphq , iv jj drjfxooia navnq fva)xovvrat t Parthen. narr, 
e. 13, und die iogrij itavdypoq *|» rijq noXiwg mit der nofxnrj avv onXovq 
twv h yfoniff ovxvmv Aen. Tactic. c. 17, womit zugleich die von Paus. 
II. 17 beschriebene und von Mure in Ann. dell'lnst. 1838, p. 308 fgg. 
wieder entdeckte Lage des Tempels übereinstimmt; ob aber auch die 
rdtTjf bei Paus. II. 38. 2, wage ieb eben so wenig zu entscheiden 
als die Zeitbestimmung des Festes, an der auch Droysen Gesch. d. 
Hellenismus I, S. 505 verzweifelt, obgleich die nächste Wahl nur 
zwischen dem Juli als dem spartanischen 'Exarofißtvq und dem October 
als dem delphischen und bilhynischen "Hgatog schwankt, s. Moaafsk. 
S. 60. Ueber den argivischen Heracult im Ganzen vgl. Dionys. Hai. 
I. 21 und Welcker zu Schwenck etym. myth. Andeut. S. 267 fgg. 
'Itpog ydftoq, s. oben §.32, not. 16; auch *Av&iag>oQt.a t i Poll. IV. 78. 

2) *Aa*k $ v Aqyovq % C. I. n. 234. 1068. 2810. 3208; vgl. Hesych. 
I, p. 80: dywv xaXxttoq zu ev * Aqyu 'Exaroftßaia, und mehr bei Periz. 
ad Aelian.V. H. 111.24, Spanheim ad Call. lav. Pall. 35, Ignarra pal. 
Neapol. p. 80, Böttiger Kunstmythol. II, S. 280; nur fragt es sich, 
in wie weit man auch die auf den argolischen Schild bezüglichen 
Sprüchwörter (Zenob. prov. II. 3 und VI. 52) oder gar die 'jionlq 
genannte O ertlich keit in Argos (Plut. V. Cleom. c. 17 : toV ntql ryv 
*Aonida ronov xaraXußoiy vnlq rov &tarQov ^ccAenw ovra xal dvqnooq- 
otiovi' vgl. c. 21 und V. Pyrrh. c. 32) mit jenen Spielen verbinden 
dürfe? Vgl. Schümann ad Plut. 1. c. p.228: nomen ei inditum esse 
dieitur a elypeo, ludis Heraeis ibi proposito, quem qui primus per 
ardua enitens abstulisset, et ipsum et tnyrteam coronam pro praemio 
«etipiebni; und andererseits Böckh a.a.O. und Creuzer Abbild, 
s. Symb, 2te Ausg. S. 41 fgg. , «|er dagegen S. 37 auch die nvqauip 
ioQTt} Paus. II. 25. 4 damit in Beziehung bringt? 

3) Plut. Is. et Os. c. 35: ^Aqyüniq dfc ßovytvrjq Aiovvooq inixXtjv 
lorfo* uvaxaXovtvai 4* avro* vno oaXniyyw 1$ vdaroq tfißuXXovr«; tlq rnv 
äßvooov u(jva tw llvXaoxqu Tgl. au. symp. IV. 6 und Hesych. II, 
p. 1441 : 'Yagytdfq al tvrtdtVq Bdxxab al *Aqy(lai. 

4) Hesych. II, p. 1177; vgl. Plut. de musica c. 26 : 'Agyttoi, d> 
nQoq %rjv Tftjy 2&tv*tov tw* xaXovfihmv nag avrotq naXyv ^(wwrro rw 
uvtu' tov d* dytatu xovxov inl Aavatu fikv tr t v ttyxyv Tfö-fjvai gtaoiv, 
voTtgov Ö* uvaxt&ijvai Ad o&(via> , und Müller Dor. II, S. 338. 

5) Oder 'AygtuvM , vtxvota naQ* 'AQytioiq, Hesyeh. I, p.67, über- 
haupt dorisch, s. Monatsk. S. 43 und mehr bei Bergk Beitr. S. 49 fgg. 
'Eni ju$ tö* Ügoirov {kvyariqwv, sagt Hesych. I, p. 64; hängt es 
vielleicht auch mit der ÄavXiq ioQrrj h "Aqyn, pipypa xijq IJqoivov 
ngoq 'Axgioiov fidxyq f das. I, p. 895 zusammen? 

6) Kvvqqovtk;, vgl. Conon. narr. 19: fifjva t* wofiaoav *AqviXov 
oti (IqvuOi Alvoq OwavtTQtkqit] , xal &vaiav ayovüi xal eo^rrjv y AqvÜu^ 
xTfivovTfs h ixifojj xfj fjfieqa xal xvvüv ooovq uv (vqmoi: vgl. Larcher 
p. 292 und oben §.9, not. 7 und §.47, not. 7; auch §. 53, not. 31. 

7) Alb. III. 49; vgl. §.26, not. 3 und Larcher p. 259. 

8) Birnwerfer, Plut. qu. Gr. c 51. 



§. 5$. Der dorische Pdoponnes. 963 

9) Plvt. de musica c. 9; f. aalen §. 53, not. 42. 

10) Plut. virt. mnü. c. 4; Polyaen. strateg. VIII. 33. Im vierten 
Monate des Jahres, also Januar; Tgl. de anno Delph. pag. 22 und 
über ihre Symbolik Muller Dor. I, S.173. 

llj Paus. II. 24. 2; Tgl. Jahn Vasenbilder S. 28. 

12) Paus. IL 37. 3; Tgl. VIII. 15. 4 und mehr bei Buttmann 
Mythol. II, S.101, Preller Demeter S. 210, Creuzer Symb. IV, S. 35. 

13) Schol. Pind. Nem. III. 145: tI&itcu <ft h *EiufiavQy dymv 
*j4öxXr]m,<ti twv t jia*Xt]mad5i'v nq&xov &irv<üv, /tträ ravra 6\ 'Agyfiwv 
dtd mrttrijQidof ri&trou dl h Tp aXati %ov 'AoxXqntov, uytrai öi 
find hvia jjpiqaq rwv 'Io&fiiatv: Tgl. Paus. II. 26. 7 und mehr bei 
Sprengel Gesch. d. Medicin I, S. 180 fgg. und Larcher p. 271; über 
die sowohl musischeu als gymnischen Spiele aber insbes. Plat. Ion 
init. und C. I. n. 1068. 1124. 1515. 3208 mit Krause 1. 2, S. 702. 

14) Aelian. H. Anim. XI. 4« pfyLaraq ovv dxovm ßovq vno rrjq 
Itgtiaq rijq jdt}f*yrgoq ayto&ai t« ini ro* ßwfto* Ix rfjq dyiXijq xal &vfiv 
iuvzuq nagtx fiVi ▼£*• Paus« H. 35. 3: *«t' l'roq, ügq &tgovq, und C. I. 
n. 1193 mit Bbert de Cerere Chthonia, Regiom. 1825, Preller De- 
meter S. 122, Creuzer Symb. IV, S. 240 fgg. 

15) Paus. II. 35. 1. 

16) Paus. II. 32. 9; Tgl. Spanheim ad Callim. H. Del. 42. 

17) Das. §• 2 1 $q dfc itjv Japiav xai Avttjoiav — mal ydg Tqq£ij- 
tioiq fihtattv avv&v — ov vov avrov Xlyovow ov 'Enidavqiot xai Alyt- 
vijrai Xöyov, dXX' a<pixio&cu nag&hovq ix Kgrjrrjq f oraoiaodvTwv di 
o/ioiojq %wv h TJj noXt* dndrtwv xul xavxaq <puolv vno t(üv avTioraoiU)- 
twv xaraXtva&^vai 9 xal ioQTtjv äyovoi oqwjtv Atd-oßöXia ovoßtdtovre q : 
Tgl. Lobeck Agl. p. 680, der übrigens p. 842 bemerkt, dass man 
sich nicht verleiten lassen dürfe, auch bei Zenob. prov. IV. 20 
jeue Namen statt 'Apuia und 'AKrjoia herzustellen, unter welchen 
in Trözen Demeter und Persephone verehrt wurden; ja Schwenck 
in Zeitseh. f. d. Alterth. 1841, S. 664 spricht jenen geradezu die 
cerealische Natur ab, die für die epidaurisch - äginetischen feststeht; 
s. Hüllmann de origine Damii , Bonn 1828. 4 oder M. Motty de 
Fauno et Fauna s. bona dea, Bert. 1840. 8, p. 45, Creuzer Symb. 
IV, S. 325 u. 380, Lenormant in Ann. deirinst. areheol. IV, p. 65. 

18) Herod. V. 83: %o 6\ dno rovdt dnkatijoav dno twv 'EmSavQitüv 
xul 6tj xai tu dydXfiara ravra r/jq t« dufiiqq xal xijq Av^rjaltjq t/Ticn- 
glovrui uvttov xai aqua (xofuodv t« xai ISgvoamo xijq oytxigr/q X^QV^ 
iq rrjv fieooyaiijv . . . lögvoüfifvoi 6\ tv tovtüj tc«J /«£« &voiyoL tl oqxa^ 
xai xogotoi yvvaixqtoio* xtgvofioto* IXdoxovro . . . xaxuq dfc jjyogfvov ol 
yogoi unfgäv i&v ovdha, rdq d\ toi^wptovc ywaVxaq* l'oav di xai Toto t, 
'EntdavQioioi al roiavrat, Ugovgyiat, dal d« agn xal uggtjron Tgl. Paus. 
II. 30. 5: xai XO-vnd oeuo« xard rd avrd xa&d j/jörj xai 'EXivgVih. &vtn 
vofii&voy, auch Schol. Aristid. p. 216, und mehr bei Larcher p. 308 
und Müller Aeginet. p. 170 fgg. 

19) Schol. Pind. Pyth. VIII. 113: m xal *V Ayhtj jHgaktP 
dyo/*iv»p xuia pipHjow xov h "jJQyti dyvroq* asomo* ydg Aqyiitov 
Alytvijrcu* Aifivp.*% dk q>i]0$ rd 'Exaroßßam uvvor vvp X4y**p Ihix<uqmh' 
uyojva Aiytvtftwv did v?jv avyyhnav: vgl. Müller Aeg. p. 140. 148. 

20) Schol. Pind. Pyth. VIII. 88. Zyfra* dl h Aiyby JtXvlvta 
'AtioXXmh Tgl. dens. Nem. V. 81: »«(>' Jlyivqratq JeX^ivtoq ptiq 
aytrat, JtXquviov 'AneXXwtoq ItQoq . . . xn&* ov rtXtHai 'AnoXXvvoq dyuv 



964 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

'YÖQoyoQM xaXov/ttvoq 9 mit Malier Aeg. p. 150 — 152 und über die 
wahrscheinliche Zeitbestimmung (April) Diesen expl. Pind. p.401. 

21) Vgl. Schol. Pind. Olymp. VII. 156 mit Schol. Apoll. Argon. 
IV. 1766 and mehr bei Müller Aeg. p. 24. 

22) Vgl. Müller Aeg. p. 18 fgg. 155 fgg. und über die Spiele 
insbes. Schol. Pind. Olymp. VII. 156 und Wem. V. 78. 

23) Paus. II. 30. 2 1 &tß* Aiywyxa* ri/two** 'Exarrp ßdXtaxa xai 
xfXtTTJv dyovon dvd näv *roq 'Exdryq, 'Ogyla otplai, tov Ggaxa xavacmj- 
aao&ai rjjv TtXfTTJ* Xiyovreqi Tgl. Lucian. Navig. c. 15, Orig. c. Ccls. 
VI, p. 290, und mehr bei Lobeck Agl. p. 242. 

24) Plut. qu. Gr. 44: riviq h JXylti] ol ftovotpdyot, ; tw» ini vi}* 
Tqolav OT(jurevodrT(ov jflynrqrwv noXXoi p\v iv vaVq pdxahq utuoXqvto, 
nXiioviq 6h xaxd nXovv dno tov ^nfiwvoQ . . . tuvt* ovv djiofuftovfiivo* 
TW JJoaii4Sti> &valav ayovo* rovq xaXovfUvovq fodoovq, h tj xa&* avrovq 
}q>* ^/tigaq fxxaldtxa fttvd owmijq ioxtwvrat, dovXoq d' ov ndgtaxiv* 
tlxa notrjaavrtq 'sfyQodlota diaXvovot rjjv kogxTjvz vgl. Müller Aeg« 
p. 148 , der auch das .Auftreten der Lais h xfj t£v IIooiijwvIojp 
navyyvQH bei Ath. XIII. 59 hierher zieht; und jedenfalls lesen wir 
bei dem s. c. 55 : *jigtoxmnoq 6\ xar* tjoq ovvdnjfiigtvtv avxfj h Avyurfl 
ToVq TJoanömvloiq , woraus sich auch unter der Voraussetzung, dass 
Plato Phaed. p. 59 C hierauf anspiele (Müller p. 186), die Zeit des 
Festes auf den Vorsommer bestimmen Hesse. 

25) SchoL Pind. Olymp. XIII. 56 : 'EXXwtiu ioQry 'J&tpaq fr 
Koglv&-o> f h tf xai o dyoav TcXtVrat o xaXovfttvoq XafAnadgofttxoq x.r.X.: 
▼gl. Ath. XV. 22 und Etymol. M. p. 332, die übrigens denselben 
Namen auch als Fest der Europa in Kreta kennen , so dass auch 
hier der Gedanke an phönicischen Einfluss nahe liegt. Heber die 
Göttinn selbst als Mondsymbol s. Creuzer zur Gemmenkunde, Darmst. 
1834. 8, S. 58 fgg. 169 fgg. 

26) Xenoph. HeH. IV. 4. 2, vgl. Larcher p. 266 und den korcy- 
raischen Monat EvxXfioq bei Osann auctar. lex. Gr. p. 72. 

27) Zenob. prov. I. 27: Kooiv&tot &valav nXovvrtq °Hgtf, Ivtavttiov- 
xfj vno Mrjötiaq lÖQint&iiofl xai Axgaty xaXovfUvn atya xfj &td> i'&vov: 
ygl. Schol. Eur. Med. 273 : pavrivopfroiq di avTolq XQyop&dijoat roV 
&tov iXdoxtoO-u* to xrjq Mfjdtiaq rixvtav ayoq , o&tv Koon&lovq H*XQ* 
Twv xalgwv TWY xa&* qftuq xa&* txaoTov ivtavxov fitxa xovgovq xai 
(71 vd xovgaq tmy InWTjiAQrdxtov dvdgolv ljiant*tavxi£ttv tw xijq &tov 
ripUvH xai fierd &vo*£v IXdoxeo&a* xtjv ixtivuv pijvwi auch d. Erkl. 
zu v. 1384 und Larcher p. 252 fgg. 

28) Paus. II. 11. 4: oraöiovq dh ngosX&ovot» tl'xootv laxiv aXaoq 
ttqIvojv xai vaoq &ewv f aq 'A&qvaZo* 2t/*vdq f Stxvuvio* di Ev/Aeviduq 
ovopd&vcft,' xaxd d& *xoq k'xaarov foQrrjv tjpiga p*a 09I0W ayovoi &vov- 
nq ngoßara iyxvfioifa^ fttXixQdrw dh onovdij xai av&tow dvxi OTKpdvutv 
y Qij a&a* vofii£ovow* lotxora 6\ xai ini twv ßwpitiv tüjv Moiqwv öqvoh' wäti 
vgl. quaestt. Oedipod. p. 123 fgg. 

29) Paus. 11.10$ Tgl. oben §.28, not. 25 mit dem Schlüsse: xijq 
foQxrjq 61 vtjv nQoxiQuv rwv y/itQiiv *OvifMtxa ovoftd&rxtq 'HqdxX&a 
xuXovot, Ttjv vorigav. 

30) Paus. II. T. 7 : xai yaQ vno vov Sv&av Xaoi,v ol natdtq (inxd 
xai Voa* naQ&hoi) xai dyayovxtq di xovq &eovq ilq to xijq iltt&ovq 
ItQov av&iq U7iuy(t>v tiq xov va'ov t>«a» tov 'jfn&XXwvoq. 



§. 52. Der dorische Peloponnes. 265 

31) Pindar. Ncm. IX. 51 : dgyvgiaiüi dh vtaparw ytaXaio* ßutrdv 
ripniXov nald* äq no&* innot xTtjodfAtvo* Xgofttta nipfyav &tputXixroiq 
ufia Aaxotda OT*q>dvo*q ix täq Ugdq Svxvmvoqi vgl. Olymp. XIII. 105 
und Nem. X. 43 mit d. Schol. und Krause Hellen. II. 2, S. 76, 
der auch auf die Spuren musischer Wettkämpfe aufmerksam 
macht. 

32) Vgl. Böckh ad Schol. Pind. p.391 und Dissen expl. p.454. 

39) Herod. V. 67 : tu t« drj aXXa ol Sixvvvtoh Ht/tm* vov *Adgtj- 
arov 9 xal drj ngoq rd nd&ta avrov rgaytxoVo* xoQoto* iyigaugov , toV 
fit* JtrOVVOOV ov Tlfl&VTtq, TOV dl "AdgiJOXOV ' KXiio&hqq dl x°Q°v$ f*l* 
r$ Jtövvoü) dntdwxt, ryv dl uXXrjv &voLtjy rat MtXavlnnto i Tgl. Thierse h 
Einl. zu Pindar I, S. 151 fgg. , Jacob quaest. Soph. p. 44 fgg. 
Pinzger dram. satjr. orig. p. 1 fgg. , und über sicyonischeu Bac- 
chusdienst insbes. Grysar com. Dor. p. 31. 

34) Paus. II. 13. 3: nagd dl OXiaoiotq tjj &t<p raxnrj xal aXXa» 
rifital xal fiiyiarov rd ig rovq Ixhaq iari' dtdtoxaoi ydg dq adttav h- 
Tat70tx Ixenvoixjt , Xv&ivriq dl ol dtOfiwrai, vdq nidaq ngoq rd h %£ 
aXoft dhdga uvaTi&iaot' uytxat, dl xal fogry og>iow Infrttoq jjv xaXovo* 
xioaofofiovq: Tgl. Panofka in Ann. de l'Inst. arch. II, p. 148 und 
Berl. Abhh. 1835, S. 157$ auch de Witte catal. Durand n. 316. 324. 

35) Paus. IL 14. 1 ; vgl. Preller Demeter S. 148. 

36) nv&arja, G. I. n. 1058. 1429; bei spateren Schriftstellern 
allerdings auch TIv&m (/nxgd y Philostr. V. Sophist. I. 24. 3), Tgl. 
Schol. Pind. Olymp. XIII. 155, Nem. V. 81, und mehr bei Krause 
I. 2, S. 741 oder II. 2, S. 66. 

37) 'Mxd&oia, Pind. Isthm. VII. 67, vgl. Schol. Nem. V. 84 
und über die mythische Beziehung Villoison in M. de l'A. d. Inscr. 
XXVII, p. 337, Böckh expl. Pind. p. 176, Welckerad Theogn. p. 117, 
Eckermann Melampus S. 161 fgg. 

38) JioxXtia, vgl. die Schol. zu Pind. Ol. XIII. 155, Aristoph. 
Acharn. 774, und Theoer. XII. 30: 

aUl ol ntgl TUfißov doXXuq tüagt ngwTtp 
xovgot, igidpaivovoi ytXrjfAUToq uxga q>lgio$-a* 9 
wonach dieselben vielleicht auch bei Schol. Pind. Nem. III. 145 
und C. I. n. 1091 zu verstehen sind; im Allg, aber Larcher p. 256 
und Welcker ad Theogn. p. lxxviii. 

39) Paus. I. 42. 8. 

40) Paus. I. 44, 8 : h Alyoo&hoiq dl MtXdpnodoq tov 'Afiv&dovoq 
lamvUgov xal dvrjg ov piyaq Inagyaofihoq tjj Ot^Xij^ xal &vovot iw 
MeXufiTiodi xal dvd näv troq hgrfjv ayovo*' pavrtvtod-a* dl ovrt dt 
otttQaTw ovre aXXwq Xiyovoi: vgl. Welcker Nachtrag z. Tril. S. 193. 

§. 53. 

Ton messenischen Festen lässt sich nicht viel sagen, 
zumal da man nicht weiss, wie manches erst nach der 
späteren Wiederherstellung des Staats in die frühere Zeit , 
hereingedichtet seyn möge, wie dieses z.B. hinsichtlich 
der Mysterien der grossen Göttinnen zu Andania sehr 
wahrscheinlich ist 2 ) ; als Hauptfest können die 'IfhbfMiu 



266 Th. 111. Feste bestimmter Orte. 

des Zeus gelten, womit ursprünglich auch ein musischer 
Wettkampf verbunden war 2 ) 5 und dazu kommt noch die 
Feier des Apoll in Asine 5 ) und der "jfgre/ntg Ai/uväug 
auf dem dentlielitischen Gränzgebiete , deren hohes Alter 
gewiss ist, wenn auch ihr ausschliesslicher Besitz erst 
durch macedonische und römische Entscheidungen den 
Messeniern gesichert blieb 4 ). Ungleich reicher erscheint 
dagegen Lacedämon nicht nur an dorischen, sondern ins- 
besondere auch an solchen Festen , welche die Spartiaten 
selbst von der früheren Einwohnerschaft überkommen hat- 
ten, obgleich es eben desshalb mitunter ungewiss bleibt, 
ob ein Fest der Hauptstadt oder wie die Taivdgia des 
Poseidon 5 ), der Cult der Helena mit Menelaus und den 
Dioskuren in Therapnae 6 ), des Ares in Geronthrae 7 ), 
der Ino bei Epidaurus Limera 8 ), des /jibvvoog Aagvoiog 
bei Gytheum 9 ), das Achillesfest in Brasiae 10 ), und die 
Feste der Artemis /jiwvvva n ), 'Iaaiagia 12 ), KctQväviQ* 5 ) 9 
zunächst der Landschaft angehöre; und wo selbst die 
beiden apollinischen Hauptfeste der Hyacinthien und Kar- 
neen auf ältere Natursymbolik zurückweisen , die auch 
durch die Verschmelzung des amykläischen Apoll mit 
dem dorischen Stammgotte nicht ganz verwischt werden 
konnte 14 ), werden kleinere, wie die Svg/uaia mit Spie- 
len, welchen ein Honigbackwerk als Preis diente 15 ), die 
'Enioxyvta 16 ) , 'Hlanäiia l7 ) , ngo/uaftia 18 ) , die \EA«v- 
aivia ld ) und Osojaoyogta der Demeter 20 ), die KaXaoi- 
dia der Artemis 21 ), die 'JEgydtia des Herakles 22 ), die 
Procession der 'J&yvä XaXntotKog 23 ) , die Ti&yvidia 
oder das Ammenfest mit der Knabenlustration am Tempel 
der "jfgve/utg Kogv&aXXia 2 *), ja selbst die wenn auch 
erst später in Kampfspielen hervortretende Verehrung des 
Zeig Ovgdvtog 25 ), auch in den Händen der dorischen 
Eroberer grossentheils als Reste alter Landesreligion zu 
betrachten seyn. Wohl konnten diese, wie z. B. die 
Geiselung der Epheben am Altare-der Artemis Orthia 26 ), 
in spartiatischem Geiste behandelt auch eine höhere sitt- • 
liehe Bedeutung annehmen, und so begegnen uns nament- 
lich auch die Kameen später als ein dorisches Stamm- 



§.53. Messehien und Lacedämon. 867 

fest, das mehr als irgend ein anderes zugleich über die 
Colonien verbreitet 27 ) in seinen kriegerischen Gebräuchen « 
die Erinnerung des alten Lagerlebens aufrecht hielt 28 ), 
und vor Allem in Sparta selbst durch seine musischen 
Wettkämpfe eine Pflanzschule der ererbten Strenge in hei- 
ligen Liedern und Ton weisen ward 29 ) 5 ganz verschwin- 
det jedoch auch bei diesem Feste die Beziehung auf die 
Jahreszeit des Nachsommers, welcher der von ihm be- 
nannte Monat 30 ) angehört, nicht 31 ); und in den Hyacin- 
thien des vorhergehenden Monats Hekatombeus 52 ) ist es 
fortwährend die Rücksicht auf die verheerenden Wirkungen 
der Sonnenhitze, welche nicht nur dem Mythus des Festes 
zu Grunde liegt 33 ), sondern auch wenigstens dem ersten 
seiner drei Tage das Gepräge der Trauer mittheilte 34 ), bis 
sich dann freilich die neubelebte Hoffnung ' wieder in 
allerlei Schauspielen und Aufzügen beider Geschlechter 
mit festlichen Schmausen, die selbst die Sclaven nicht 
vergassen, aussprach 35 ). Ausserdem lassen die erhaltenen 
Monatsnamen auf frühzeitige Annahme mancher Feste aus 
Argolis schliessen 36 ), so dass als rein spartiatisch viel- 
leicht nur noch die Gymnopaedien übrig bleiben 57 ), wel- 
ches nach Müllers schöner Bemerkung schon darum ein 
merkwürdiges Fest ist, weil es fast ganz ohne religiöse 
Beziehung die reine Freude an der Schönheit des eige- 
nen Daseyns, namentlich an der Jugend der Stadt, aus- 
spricht 38 ) ; jedenfalls diente hier die sommerliche Jahres- 
zeit 59 ) nur zur Erhöhung der Festfreude , die in der 
mannichfachsten Mischung von Chörreigen und gymna- 
stisch - orchestischen Uebungen bestand f°); und wie sich 
für diese Tage selbst Spartas sonstige Abgeschlossenheit 
zu gastlicher Aufnahme fremder Besucher milderte 41 ), 
so liessen dieselben neben der Strenge apollinischer 
Musik auch die heiteren Rhythmen und Weisen des bak- 
chischen Cultus zu, die wenigstens seit Thaletas von 
Kreta auch hier Eingang gefunden und eine neue Periode 
des musikalischen Geschmacks begründet hatten 42 ). 

1) Paus. IV. 53. 5: t« dh h r«c ß-taq tuq ptyuXaq ~ ty&at 



988 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

ydg xal xaoxatq h Kagvaoty r?jv xfXtxjjv — - dnoggyxa form not' dtv- 
xtga ydg oqtiot vljio) oiftvoxqxoq fierd yt 'EXtvoivta: Tgl. IV. 1. 5. und 
? mehr bei Preller Demeter S. 148. 

2) Paus. IV. 33. 3: Ugevq dfc algtxoq xaxd txoq exaoxov, t%n d« 
%o ayaXfta tnl xqq olxiaq' ayovot di xal logxrjv intxtiov 'I&*f*ata 9 xo 
äh dgxaVov xal dy&va ixi&taav povotxjjqi Tgl. Steph. Bvz. s. t. 

3) Paus. IV. 34. 6 : ayovat xal nagd txoq av%(j> xtkxjjv, naftfa 
Agvona 'AnoXXwvoq ilvat Myoms, 

4) Vgl. Tac. Ann. IV. 43 und im Allg. Paus. IV. 4. 2 oder 
Strabo VIII» p. 556: to d* h Aipvatq xijq 'Agxtftttioq Ugov, 2g»' to 
Mtooiynoi ntgl xdq nag&kvovq doxovoiv vßgiaai xdq dtptxo/Uvuq inl xrp 
&vo£av 9 h fit&oglotq toxi rijq Aaxtdvtxijq xal xijq Mtooyvlaq t onov xot- 
*jr ovvexfXovv navyyvgtv xal &voiav df*q>6x(goti mit Creuzer Symb. 
II, S. 583 und Ross Reisen und Reiserouten durch Griechenland, 
Berlin 1841. 8, S. 10 — 26; auch Lebas in Gaükabauds Revue ar- 
cheologique 1844, p. 429. 

5) Hesych. II, p. 1339: Tatvagta nagd Aaxeöatfioviotq togxq IIo- 
oudwvoq xal h avxrj Tatvagioxai: Tgl. Plut. sept. sapp. conv. c. 17 
mit Meurs. misc. Lacon. p. 289 und Müller Dor. I. S. 403. 

6) Isoer. enc. Hei. §. 63: «V* ydg xal m iv Stgdnvatq rijq 
Aaxfovtxijq &votaq avxoVq dylaq xal naxQiaq dnoxtlovotv ov% toq ijgtoatv 
dXX* wq &toVq: vgl. Boissonade ad Aen. Gaz. Theophr. p. 244 und 
Hesych. s. t. 'EXhta und QtganvaTldta, auch T. II, p. 138: xdwa&gu 
daxgdßy rj u/cct£a nXfyfiaxa *x ova<x "> ^9* wv no/intvovotv ai nag&hot, 
otuv tlq xo xrjq K EXhtjq dnlwotv, mit Sturz lex. Xenoph. II, p. 651, 
und über diesen Cult im Allg. Meurs. misc. Lacon. p. 296 fgg., 
Uschold Gesch. d. trojan. Kriegs S. 116 fgg. , Creuzer zur Gallerie 
alter Dramatiker, Darmst. 1839. 8 , S. 16 fgg. 

7) Paus. III. 22. 5: iogxrjr 6\ ayovat tw &t<u xaxd l'voq, h ij 
yvvaitiv ioxtv dnTjyogtvnbov iq to uXaoq tiqthat,: vielleicht auch Por- 
phyr, abstin. II. 55: xal Auxtdatpoviovq jpyolv o 'AnoXXodtagoq tw 
*Agti &vuv äv&gtonov. 

8) Paus. III. 23. 4. ' 

9) Paus. III. 22. 2, vgl. oben §. 47, not. 10. 

10) Paus. III. 24. 4: Itgd di avro&t xo fih loxw ^AoxXijntov^ to 
d« *Axt>XXlü)q y xal iofrq* xaxd trog ayovtstv 3 Ax<>XXti: womit jedoch ein 
anderes Heiligthum desselben aof dem Taygetus (Paus. III. 20. 8), 
wo die Epheben ror dem Wettkampfe am nXaxavtardq (III. 11. 2 
und 14. 8) opferten, nicht zu verwechseln ist. 

11) Paus. III. 24. 6: ngoq &aXdooff dl inl axgaq vaoq toxi 4 t- 
xxvvvqq 'Agxifiidoq xal ol xaxd txoq ixaoxov iogx-ij* uyovoti Tgl. Span- 
heim ad Call. H. Dian. 197 fgg., Müller Aeg. p. 163 fgg., Hoeck 
Kreta II, S. 158 fgg. 

12) Hesych. II, p. 77: 'lootogta tj "Aqxtfuq xal togxtj xal xonoq 
, iv JSndgxg: Tgl. Paus. III. 14. 2 : Inovofidtovatv di avxrjv xal Atpvaiav, 

ovoav ovx"Agxtf*H' , Bgtxo/iagxtv dl xrjv Kgtjxiöv , auch III. 25. 3 und 
Steph. Byz. s. t. mit Müller Dor. I, S. 374 und II, S. 50, wonach 
übrigens dieses Fest auch mit dem von Hesychius II, p. 966 er- 
wähnten dywy yvftvtxoq iv Iltxävfl dyöpfvoq verbunden seyn könnte. 

13) Paus. III. 10. 8: x Q°vt ^1 hxav&a al Aaxtdat novit»? nag- 
&hot xaxd txoq loxuot xal entx^ioq avxalq xa&faxqxrr oQXVW' T ß'' 



§. 53. Messenien und Lacedämon. 969 

IV. 16. 9 und Hesych. U, p. 156, auch Diomedes III, p. 483 Putsch, 
und Lutat. ad Stat. Theb. IV. 225 mit Meurs. misc. Lacon. II. 12, 
p.156 fgg., Meineke anal. Alex. p. 360, und über die Karyatiden ' 
der griechischen Architektur (VitruT. I. 1) Lessing verm. Sehr. X, 
S. 366, Hirt in Wolfs Mus. d. Alterth. I, S. 273, Böttiger Amal- 
thea III, S. 137, Stuart u. Revett Alterth. v. Athen übers. ▼. Wag- 
ner I, S. 494, Dor. I, S. 374, Ross Reisen und Reiserouten S. 170. 
Preller in Ann. dell'inst. arcbeol. 1843, p. 396 fgg. 

14) Paus. III. 13. 2: 6 6h Kagrnoq ov Olxhap l%ovof*d£ova* (C. I. 
n.1446; Larcher p. 314) xipdq ttytv h 2ndgxrj xal nglv 'HgaxXfidaq 
xaxtX&rtr: ygl. die besondere Betheiligung der Amy klier bei den 
Hyacinthien Xcnoph. Hell. IV. 5. 11 und Strabo VI, p. 426, im 
Allg. aber Müller Orchomr. S. 307 fgg. und Dor. I, S. 353 fgd. 

15) Hesych. II. p. 137: Hvgpala dytov rtq h Aaxfdaifiovi, tna&Xov 
Vxtov avQfiaiav* lorl di ßgo)/uuxiov diu artaroq xal fteXixoq. 

16) Hesych. I, p. 1384 t inioxrjval 

17) Hesych. I, p. 1618: in 'HXaxdrqj, oq rj* igiofiitoq 'HgaxXlovq, 
£q QTjoi 2a>oißi,oqi vgl. Müller Dor. I, S. 451. 

18) Ath. XV. 15: xal ydg xal Aaxtdaiftovio* xaXdfi(p crtiparovvra^ 
h rfj Twv TlQofA,axio)v togrfj , wq q>qoi Staaißkoq Iv roVq mgl ruv tv 
Aaxtdaifiovi &vota>v ygdqxüv ovx(oq ' h xavxj] övpßabf* rovq pl* dno 
%ijq xtoQ a< Z xaXupotq ort<pavovo&a* rj oxX(yyio*i, rovq 6' fx xrjq dy&ytjq 
nalduq doxHpavuixovq dxoXov&tlv. 

19) Hesych. I, p. 1173: dytuv &VfAiXixo$ dyoßttvoq Jtjtirfxg*, nagd 
Adxwoi: Tgl. Paus. III. 20. 9 und Preller Demeter S. 72. 

20) Tgtijptgoq, Hesych. II, p. 1415; auch InutQyvart I, p. 1361. 

21) Hesych. II, p. 119: dyotv imrtXov/ttvoq 'Agxipidi: Tgl. Meurs. 
misc. Lacon. p. 160. 

22) Hesych. I, p. 1418. 

23) Polyb. IV. 35. 

24) Ath. IV. 16: h d> rfj noXn xonlöaq uyovo* xal rotq Ttxjjvidloiq 
xaXovfifootq vtiIq rwv naidtov ' xo/ifiovo* ydg dl xtx&al xd dggha ntutiia 
xaxd xov xaigov rovrov ilg dygov xal ngoq xijv KoQv&aXia* xaXov/thi]* 
'jJQxtfuv . . • &vovai ö\ xal rovq yaXa&jjvovq og&ayogioxovq xal naga- 
n&iaow h rfj &oivy rovq InvLxaq ägxovq: ygl. Hesych. II, p. 323: 
xogv&aXXioxgiat, al xogtvovaat xfj Kogv&uXXia &tiji f und p. 323 xxvgtxxol 
©* uyorxtq rd tvXwa ngoouma xal iogxd^ovxtq rfj Kogv&aXXia ytXotaarai, 
mit Creuzer Symb. II, S. 561 , wo insbes. auch die Sage bei Plut. 
ou. symp. III. 9, welche Korythalia (Kovgo&dXtial) zur Amme Apolls 
macht, und die Bedeutung desselben Wortes als ddq>vrj iottfxfxhrj 
oder eigfotwv?] berührt ist; s. Etym. M. p. 276. 28; 303.32; 531.53, 
und Müller Dor. I, S. 330. 

25) Vgl Herod. VI. 56 und über Ovguvut als Kampfspiele G. I. 
n. 1241. 58. 76. 1420. 21. 24; auch musisch, n. 1719 u. s. w. 

26) Vgl. oben §. 27, not. 14 und St. A. §.26, not. 7; auch Span- 
heim ad Callim. H. Del. 321?, Fabric. ad S. Empir. p. 279, Bdttiger 
Kunstmythol. I, S. 403, und über die ßta/iovixaq (C. l.n. 1364) insbes. 
Serrius ad Aeneid. II. 116 nebst der Auslegung der bekannten Ber- 
liner Bronze bei thiersch Epochen d. bild. Kunst S. 172. 

27) Paus. III. 13. 3: Kagvtior d\ *An6XXtava Aotguva* roTq nunt 
elßto&a* xa&ioxyxt: Tgl. Schol. Theoer. V« 8ä und mehr bei Spau- 



270 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

keim ad Call« H. Apoll. 71 , du Theil in M. de l'A. 4. I. XXXI X, 
p. 185, Böckh nott. crit. ad Pindar. p. 477 and expi. p. 289. 

28) Ath. IV. 19: JfjfirjTQto^ dl o Sxqyioq iv rat ngwTW tov Tgmxov 
dtaxoOftov xi)V t&v Kagviiojv a-qolv togryv nugu Aaxtdaipovioiq fiifxrjfjia 
tlvai OTQaTMOTixfjs dyojyijg' ronovq plv ydq tlvtu hvia tw dgi&fiaj, 
axtddtq dl ovrot xaXovvrat oxqvatq V^orrtq naganXrjoiov t* (also eine 
Art von Laubhütten fest) xal fovia xu&* kxaarov dvdqtq dfinvovot, -nav-dz 
rt dno nqoq%dyf*aroq xTjQvoofTou' l'x (l dl Ixdoxrj axidq qtgargiaq Tqttq 
xal yimat y t&v KaqvtUor koqrtj inl ypiqaq twiai Tgl. Hesych. II, 
151: KaQV(üra$ ol ayafiQ*, xexXqqoifihot, dl Ini tt}v xov Kaqvtiov JU*- 
TQVQylaV ntrre dl «V cxccot^c ((pvXijql) Inl TfrqatxLav IXtvtovqyow! 
insbes. aber auch I, p. 47 : dyijrrjq h totq Kaqvtioiq o Uqtapivoq xtjq 
&tov, xal tj togvrj 'AyfjTogia, mit Theöpomp bei Schol. Theoer. V. 83: 
ort xov avrov xal Aia xal 'HyrJToqa xaXovoiv ^AgytXoi, diu to Kdqvo» 
yyyoao&a* rot orguroi , und mehr über diesen akarnanischen Seher 
und Wegweiser der Herakliden bei Schol. Pind. Pyth. V. 106 mit 
Eckermann Mclampus S. 134 — 136. 

29) Seit Ol. XXVI nach Sosibius bei Ath. XIV. 37 und Euseb. 
Chron. I, p. 135 Armen., vielleicht aber auch schon etwas früher, 
insofern T erpander den ersten Sieg darin erlaugt haben sollte, des- 
sen Blüthe nach Hellanikus bei Clem. Alex, stromatt. I, p. 333 und 
Plut. de musica c. 4 eher vor Ol. XX fallt, vgl. antiqu. Lacc. p.71 fgg.; 
und jedenfalls ist hier Hellanikus der beste Zeuge, dessen Verzeich- 
niss der Karneoniken schon frühe urkundlichen Werth erlangt hatte; 
Tgl. Meurs. misc. Lacon. II. 10, Müller Dorier II, S. 317, Sturz 
ad Hellan. fgm. p. 86 , Plehn Lesbiaca p. 141 fgg. 

30) Kagvrtoq UgofirjvLa Awquvoi, Thuc. V. 54; Tgl. Herod. VII, 
206 mitBoeckh im Berl. Sommerkataloge 1816, und noch bestimmter 
Plut. V. Nie. c. 28, wonach er jedenfalls in Sjrakus ganz dem 
attischen MerayurtKov t folglich unserm August entsprach: s. . Mo« 
natsk. S. 65. Das Fest fiel nach Plut. qu. symp. VIII. 1 auf den 
siebenten des Monats , erstreckt sieh aber mindestens bis zur Mitte 
desselben, wohin namentlich auch Eur. Alcest. 455 den musischen 
Agon setzt. Auf ländliche Gebräuche , die der beginnenden Wein- 
lese entsprechen, deuten die oru<pvXodqofAot, bei Hesyeh. II, p. 1260: 
wlq t&v Kaqttar&v naqogft&intq rovq tnl Tjprfyjp? 

31) Welcker in Heckers medic. Ann. 1832, Mai S. 28 erklärt 
Kagviloq geradezu als den Vernichtenden, Ton xfiguv, woher auch 
Krjqt oder darf man ihn als Widdergott (Schwenck Mythol. S. 117) 
mit dem argivischen *AgvtXoq (§. 52, not. 6) vergleichen? s. Abhh. d. 
Gott. Gesellsch. d. Wiss. II, S. 213 fg. 

32) Hesyeh. I, p. 1126: 'Exaropßfrq pjjv nagd AaxfdaipovtotQ h 
(ü tu 'Yaxiy&ia: Tgl. Dodwell de cyclis p. 338 oder Manso Sparta 
III. 2, S. 201, und über die jährliche Wiederkehr des Festes thucyd. 
V. 25 und OTid. met. X. 218. 

33) Vgl. Apollod. I. 3. 3 und mehr bei Heyne antiqu. Aufs. I; 
S. 77 fgg., Manso Sparta I. 2, S. 203 fgg., Welcker kl. Sehr. I, 
S. 24 fgg., Schwenck in Weichers Rh. Mus. VI, S. 539 fgg., Prell er 
Demeter S. 253 fgg., Forchhammer Hellenika S. 144 u. s. w. 

34) Didymus bei Ath. IV. 17 : TJoXvxqwvtjq iv tolq Aaxomxotq 
IcfrogiVy ort, ttjv ftlv r<ov 'Yaxiv&l(ov &valav ol Adxwvtq inl xqrtq jjpiqaq 
ovrrelovaif xal d*a to niv&oq tq ynofttvav ntgl %ov 'YdxwB-ov ovxt 
oxt<pavovinat Inl xoVq diintoiq * ovxt agxov tlqyfqovoiv, dXXd nf/tpaxa 



§. 53. Messenien und Laeedämon. 271 

xal tu xovrotq dxoXov&a dtdoaöi xal tov ilq rov &tov naiuva ovx 
adovoiv ovd* aXXo xi xoiovxov tlqdyovaiif ovdlv, xa&untg h> xaVq aXXaiq 
Övokuq noiovow, dXXd fitx* tixa&aq noXXrjq dttnvTjaaniq dnigxovxa*: 
Tgl. Paus. III. 19. 3: xal *Yaxi.v&io*q ngo rqq xov 'AnoXXwvoq &vaiaq 
iq xovxov 'Yuxiv&y xov ßw/tov dtd &vgaq X a ^ K V^ ^ayi^ovat. 

35) Didymus fährt fort: xjj dl plot] x&v yfteg&v yivtxai &ia no$- 
xiXrj xal navtjyvgtq dboXoyoq xal fifydXq 9 naVdiq re ydg xt&agi^ovatv 
Iv x*™ow dvifaopho* xal ngoq avXov udovxtq ndaaq a/tu tw nXrjxxgw 
xdq xogddq InvtQtyovTtq Iv gv&t*tp ff.lv dvanalaxoj ptx* o£ioq dl xövov 
xov 0-tov qdovoiV ciXXoi d' ly "nntov xtxoo/tyfthtn xo Marmor dutig- 
Xovxat x°Q°* T€ vtavUsxtav na/inXrj&ttq tlqigxovxai *«* **>* in*xoigia>v 
xivd noiq/idxojv (idovatv, ogxqoxat Te ** rovroiq uva/ittuyfiivo* xijv xivrjoiv 
dgxoÄxrjv vno rov uv kor xal xrjv (adrjv noiovvxai ' x&v dl nag&ivmv al filv 
inl xavd&gmv xupagoixüv SvXivatv dgpuxo>v (s. not. 6) yfqovxai, noXvxtX&q 
xaxaoxtvoftivav , al d' $9 d/itXXatq dgpdxav Ifcvyfihwv nofinevovoiv, 
unaaa d* iv xwrjon xal x a V f J ?4? d-twglaq 7} noXiq xa&ioxrjxe» • Ugtia dl 
napnXijd-TJ &vovoi xijv ypigav xavxrjp, xal dimvi^ovatv ol noXtxat ndv- 
xaq xovq yv<ogtf*ovq xdl xovq dovXovq xovq ldiovq> ovd ilq d* dnoXtinc* xrjv 
&voiav y dXXd xtvovo&ui ovpßaivH xijv noXw ngoq xijv &ia>: vgl. Eurip. 
Helen. 1469 und Theodoret. cur. Gr. äff. VIII, p. 908: 'Yaxivfya dl 
ol 2nagxiu.xuh loqxrjv fxtyioxrjv xal drjuoö-oiviav hoft^ovi auch Aristo- 
teles bei Macrob. Saturn, f. 18: apud Lacedaemoaios etiam in sacris, 
quae Apollini eelebrant, Hyacinthia vocantes, hedera coronantur, 
und wahrscheinlich Plnt. amat. narr. c. 5 : xtvd ndvdrjpov togxjjv, h 
r ( yvvalxiq apa nag&botq xal olxeioiq xal vynioiq twQxatov , al dl tüv 
h rfXfi xa& y iavvdqlv dvdg&vi fxtyäXa) d i*navvvx£ov : ja vielleicht selbst 
das Gewandi, welches nach Paus. III. 16 die spartanischen Frauen 
jährlich dem amykläischen Apoll webten , 8. §. 18 not. 10. 

36) So die Hekatombäen Strabo VIII, p. 552 und Lebas inscr. 
Gr. I, p. 161, wobei übrigens den Heräen neben dem Monate 'JZxuro/t- 
ßtvq noch ein besonderer 'Hguoioq (Hesych. I, p. 1650) entspricht; fer- 
ner das Fest, dem der rigdavioq bei Thucyd. IV. 119 seinen Namen 
dankt, und das nach Ath. XIV. 44 aus Trözen stammen könnte; 
vgl. Monatsk. S. 51. Auch OXiaoioq (Steph. Byz. s. v. toXiovqi h 
u> xovq xijq yijq xagitovq dx/AO^M ovfjtßißrjxt) könnte auf Phlius deu- 
ten, wo jedenfalls Hipponax bei Tzetzes in Iliad. 83. 28. den Her- 
mes kennt, von 1 dessen Beinamen Hesych. II, p. 1514 auch jenen 
Monat abzuleiten scheint; und Artemisien im Frühjahr (dem Ela- 
phebolion entsprechend, Thuc. V. 19) waren gewiss ein allgemei- 
nes griechisches Fest, vgl. Monatsk. S. 47. 

37) Paus. III. 11. 7 : iogrt} dl tt t*? aXXrj xal al yvnvonatdlai diu, 
anovdijq Aaxidai/iovioiq tloi: nicht mit der yv/tvonaidtia oder Nackt- 
heit der Uebungen zu Terwechseln, die alteren Ursprungs war (St. A. 
§. 22, not. 3) , wahrend das Fest der Gymnopaedien nach Eusebius 

'erst um Ol. XXV III eingeführt ward, vgl. antiqu. Lace. p. 84 fgg. 

38) Dor. II, S. 338. 

39) Die Zeitbestimmung folgt schon aus Plat. legg. I, p. 633 C : 
*'t* dl xav raVq yvfivonaidiaiq diwal xagxtgijouq nag* 37/1*1» yiyvovru* 
rfj xov nviyovq gvufl dia/iaxoßivotv , und noch deutlicher aus dem 
Verhältnisse zur Schlacht bei Leuktra nach Xenoph. Hell. VI. 4. 16 
und Plut. V. Ages. c. 29» ohne dass man jedoch darum mit dem 
Grammatiker in Bekk. anecdd. p. 234 die Kameen hereinmengen 
dürfte; vgl. Göller ad Thncyd. V. 82. 



272 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

40) Lueian. galt« e. 12: xal al yvpponmdUu avrolq o/tofac oQxyois 
lern: Tgl. Meursii Orchestra in Gronor. Thes. T. VIII, p. 1246 und 
Einzelnes mehr bei Rufank. ad Tim. lex. p. 73 und Crcuser comm. 
Herod. p. 230; inshes. Hesych. I, p. 866 t Stoo* /ti* togrip q>ao» 
2naQTtaThX7Jv f Iv rj rovq l<f>rjßovq xvxXta iitQ*&(Vif tov Iv A/tvxXato 
ßtofiov rvnrovraq äXXrjXav vd vmru, vavra di iort> y*vdij * Iv yug äyoQtji 
«opTafrt/a*, nkqyal dfc ov yivovra* f uXXd nQoqo&ot x o Q® v yfyvpva>f4,ivMv 9 
und was Ath. XIV. 30 über die oqx^ok; yvpvonaiötxy und XV. 22 
über die dabei üblicben orttpavoi, &vq((it*xqI sagt, obgleich diese Be- 
ziehung, welche auch die Festlieder auf den Sieg bei Thyrea 
(Her. I. 82) genommen haben sollen (Suidas I, p. 502), nicht be- 
rechtigt mit Ulrici hell. Dichtk. II, S. 214 und Bode II. 1, S. 57 
die ganze Einrichtung erst nach 546 a. Chr. entstehen zu lassen; 
feierten dieselben doch nach Etym. M. p. 243 auch die Helden der 
Thermopylen! Besser Krause Hellen. I. 2, S. 828 fgg. 

41) Xenoph. M. S. I. 2.61: AfaftQ /*** y<*£ Tatq yvfitonairdla«; toi/? 
imätjuovvxaq br Aaxtfaiftov* thovg idil7nn£t, 

42) Plut. de musica c. 9: q ftkv ovv nqtaxti xardazaatq rajv ntQl 
%rjv fAOVOyxijv tv rjj Sjiuqtj] TtQnaväqov xaTaOTjjoavroq ytyhqrai. 9 rrjq 
dtvx^uq S\ QuXrjTaq o JToQTVVkoq xal &ivo6afioq o Kv&T]Qi,oq xal &tvo- 
xQtxoq o Aoxqoq xal FLoXv nvyoroq o KoXotptoytoq xalSaxddaq o 'AgyfVoq 
ftaXtata airiuy l'/ovotv tjytpovig ytvio&a*' tovtcüp ydg tlqyyyoapivo)* 
xu ntql res yvpifonadiaq züv h Aaxeöaipov* Xtytra* xaraarrjvau, t« ntgl 
rdq dnodtittig rdq h 'Aqxadiq rwv re *v "Agyt* tcc hSv/xarta xaXovptvu : 
Tgl. Ath. 1. c. und Schol. Pind. Pyth. IL 127 mit Müller Gesch. 
d. griech. Lit. I, S. 285 und Grysar com. Dor. p. 28. 

§. 54. 
Apch In Attika lassen sich unter der grossen Anzahl 
yon Festen, deren dieses Land in seiner Blüthezeit mehr 
als irgend ein anderer griechischer Staat besass 1 ), ver- 
schiedene Bestandteile verfolgen, je nachdem dieselben 
der ganzen Bevölkerung ursprünglich eigen , oder aus 
dem Cultus einzelner Orte auf die Gesammtheit über- 
gegangen , oder nach dem Beispiele anderer Völker von 
Aussen angenommen waren 5 und namentlich sind auch 
abgesehn von späterer Einbürgerung ungriechischer Re- 
ligionen 2 ) schon in den Abweichungen der attischen 
Monate von dem gemeinschaftlichen ionischen Kalender 
fremde, zumal dorische Einflüsse sichtbar 5 ) 5 doch folgt 
daraus allerdings noch kein solches Uebergewicht der 
lezteren, wodurch die angestammten Cultusgebräuche in 
den Hintergrund gedrängt worden wären, in deren fort- 
währender Heiligkeit sich vielmehr eben so sehr der 
autochthonische Charakter als die Pietät des attischen 



§.54. Ailika. Hekatombäon. 273 

Volkes beurkundet *). So hat gleich der erste Monat 
nach der Sommersonnenwende, welche den Gränzpunct 
des attischen Jahres bildet 5 ) , seinen Namen zwar von 
den apollinischen Hekatombäen 6 ), die sowohl dem Worte 
als der Gottheit 1 nach an gleichzeitigen spartanischen 
Cultus erinnern; daneben aber bestanden nicht nnr die 
Kqovivj nach welchen derselbe ursprünglich Kronion 
geheissen haben soll 7 ), fort 8 ), sondern was dem Monate 
eigentlich seine gottesdienstliche Bedeutung für Athen, 
gab, war die Erinnerung an die politische Verschmel- 
zung des ganzen Landes durch Theseus, welcher zuerst 
am 16ten die Svvoixsota 9 ), dann aber hauptsächlich die 
Panathenäen 10 ) schon in ihrer jährlichen Wiederholung u ) 
und mehr noch in der grossartigen Feier gewidmet wa- 
ren, die alle vier Jahre die ganze Bevölkerung im Dienste 
der Schutzgöttinn Athene vereinigte 12 ). Insbesondere 
knüpfte sich dieser an das reiche Safrangewand, das 
attische Frauen zur Bekleidung des alterthümlichen Bil- 
des der Göttinn gewebt hatten 13 ) , und das am 28sten 
Tage dieses Monats u ) in Form eines Segels an einem 
Rollschiffe aufgehängt in festlichem Aufzuge nach dem 
Tempel auf der Burg gebracht wurde 15 )$ dem ganzen 
Feste aber weisen die Nachrichten des Alterthums vier 
Tage an 16 ) , die folglich mit dem 25sten begonnen und 
namentlich auch die Wettkämpfe umfasst haben müssen, 
deren Preise, in Thongefässen mit heiligem Oele beste- 
hend 17 ), uns noch in mannichfachen Exemplaren erhal- 
ten sind 18 ). Dass auch dramatische Werke an den 
Panathenäen zur Schau gestellt worden seyen, ist zwar 
ein Irrthum 19 ), den vielleicht das gleichmässige Vorkom- 
men der Choregie für cyklische Chöre, Pyrrhlchisten 
und ähnliche Aufführungen bei dieser Gelegenheit ver- 
anlasst hat 20 ) 5 wohl aber vereinigen sie nicht nur die 
wesentlichsten Gattungen gymnischer und hippischer 
Spiele, welche Griechenland überhaupt kannte 21 ), son- 
dern bieten auch schon seit Pisistratus rhapsodischen 
Vortrag der homerischen Gedichte 22 ) und seit Perikles 
musische Wettkämpfe dar, für welche dieser das Odeum 

S 



274 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

erbaut haben soll 23 )} endlich wurden auch dem natur- 
syrobolisehen Charakter der Göttinn entsprechende Fackel- 
läufe gehalten 24 ). Die Krone des Ganzen blieb inzwi- 
schen der erwähnte Aufzug 25 )^ an welchem auch Frei- 
gelassene und SchutzYerwandte init> ihreÄ Frauen und 
Töchtern insofern Theil nahmen, als jene. den Markt mit 
Eichenlaub schmücken 26 ), diese theils Näpfe und Krüge 
zum Gebrauche des Opfers, theils den bürgerlichen Frauen 
und Jungfrauen Schirme und Sessel nachtragen muss- 
ten 27 ) $ dagegen war es für edle Bürgertöchter selbst 
eine Auszeichnung, Körbe mit Opfergeräthe auf den 
Köpfen zu tragen 28 ), und in ähnlicher Art folgten die 
schönsten Greise der Procession mit Oelzweigen in den 
Händen 29 ), während die übrige Bürgerschaft unter ihren 
Vorstehern 30 ) und die Jugend im Waffenschmucke 31 ) 
zu Boss und zu Fuös die ganze Macht und Herrlichkeit 
des Staate an den Tag legte 32 ). 

1) Xenoph. rep. Ath. III. 8 t äyovot, /*i* toQruq timXaaiovq y vi 
aXXon vgl. die Schriftsteller ntgl töw ^A&tjvyoiv ioqtwv bei Bergk 
com. Att. reliqu. p. 90 und die Zusammenstellungen von Corsini 
fest Att. II, p. 285 — 386 und Clinton fast. Hell. II, p.«324 fgg. 

2) Vgl. oben §. 10, na*. 10 — 12 und die Bendidien unten §.61, 
not. 1; auch Ammon C. I. n. 157, Isis nach Böckh n. 481, Nephthys 
und Osiris n. 523 u. s. w. 

3) Der ionische Kalender lfisst sich namentlich aus den erhal- 
tenen Resten des cyziceniseben (C.Inscr. II, p. 914 — 924) mit 
Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit so gestalten: TavQrwv, BovtfovH/jr, 
BoTjd()ofii,(iJ> t Kvavttpitov, ^Anurovyicov , floofiö(0)v y A7j*aiw>, *Av&toxi]- 
Qtto* f 'AgTtfuouüVy KaXa/uaiolv, GagytjXtmf, 'InTiuÄv, womit zum grösse- 
ren. Theile auch Bergk Beitr. z. Monatsk. S. 29 — 48 übereinstimmt, 
nur dass dieser TavQtwv und 'Innwit gleichsezt, dafür aber nach 
Bovq>ov«tiv aus dem attischen Kalender MrtayHxvuov einschiebt und 
aus demselben Movimx«ov für KaXa^aitov substituirt, wozu ich bis 
jezt keinen Grund sehe; Tgl. Monatsk. S* 23 und 32. 

^) Vgl. Isoer. Paneg. §. 33 : rovq vno nuvcwv oftoXoyovphwq xai 
iiQanovq ytvopfoovq xai ngoq rdq tk%vwi t i*q>VfOTarovq , xai nyoq t« twp 
Otüv tvatßearara dtux^^vovq: und mehr St. A. §. 113, not. 6. 

5) Vgl. St. A. §. 127, npt. 6 und J. B. Weigl de anno Attico, 
Regensb. 1825. 4. Erst um Saec. II p.Chr. (Ideler I, S. 361; 
Monatsk. S. 33) macht auch Athen den Anfang mit der Herbstnacht- 
gleiche, und demzufolge den Boedromion zum ersten Monate, wofür 
jezt bei Ross Demen von Attika S. 31 ein Beispiel vorliegt; vorher 
könnte man höchstens in sehr früher Zeit die Wintersonnenwende 
voranstellen , vgl. Böckh iC. Inscr. II, p. 309. 



§.54. AtÜka. Hekatotnläon. 275 

6) Bekk. An e edd. p. 247;t 'ExuTopßcuwv pyv t&v 'A&qvaim* >o 
aowTo?* tovofido&ij dfc oStws, intidrj Ugoq ior* tov ' 'AnoXXtovoq' o. dV 
Ati6XXo)v tjXioq tiva* doxft, o d* y>Uoc. tovw t$ pqvi piyav noul tqv 
d(J9/*ov: Tgl. Aristot. bist, an im. V. 11. 

7) Vgl. Plut. V. Tbes. c. 12 oder Rtym. M. p. 321 : 'EnaTOfißatw 
py* }ot* tcuq'. 'A&qvctloK; Kqomm n^üre* xaXoU^a/o^ uno injq ytvoiAhr}*. 
%$ Kqovio &voiuq> 'JKüaTOfAßmim di favapaHTau d*a rag rov 'AneXXmpaq 
övoiaq *. T. X, !•;..- •' ■>'■■■ -i - ' > 

8) Am 12ten des Monats , Tgl. Demosth-J Timöfcr. §. 26 und 
mehr bei Spalding in Abhfa. d. BerL A4; Ad. 1804— U, SV78 ffcg.y 
Büttman* Mythol. II , S. 52 fgg. , H elfter - in Allg. Schulz. 1 833, 
S.227, Bcrgk com. Att retiqu, p. 195. Bei Späteren SchrifWtellemV 
wie Plutarch (ad*. Epicnr. c. 16) und Lucian, ist ' es allerdings 
schwer die Verwechselung mit den römischen' Saturnalien zu ter- 
meiden; doch muss es auch in Athens - früherer Zeit ein Fest der 
Lust gewesen seyn; Tgl. Machen hei Äth. XlII. 44 und Accius bei 
Macrob. Saturn. I. 7. 

9) Oder owoUm, Tgl. Thuc. III. 15, und' Larcher p.f86, der 
nur Plutarchs (V. TheS. c. 24) nvvoLxtä mit Recht Terwirft; auch 
J. D. H. Meyer de Theseo Athenarum conditore, Oshabr. ,1845. 4. 
Mit den Panathenäen , wie Hüllmann Anf. d. griech. Gesch. S. 144', 
und Ilgen de trihub. Att. p. 65 gethan, darf dieses Fest nicht Ter- 
wechselt werden; wohl aber gehört dazu' die auch' C. I. n. 157 er- 
wähnte &vala vfj EiQTJvtjy Tgl. SchoK Arjstopfc. Pac. 1010: h ydg 
rfj Twv Svvotxtoimv. (oqttj ol fxh q>uOiv Elqijvjf. &voiuv TiXtiO&ui f i ijq o 
ßiajioq ov% uliAUT<iVT<u, • , . •= - 

10) Paus. VIII. 2 : rovrq) ydg x& dyü)i* 'AB-yvtiia ovo/iu ijy % Ilava- 
&7p>tud ■ Sh xXy&TJval ipaow inl Oqotojq , o-rt vno *A&yvai<ov ivi&if 
owfdfyiiivwv (lg plav dnävTwv noXiv: Tgl. HarpOcr.' jfc. 228 und St.A. 
§.93, not. 10. Wenn Chron. Par. ep. 10 und Apöllod. III. 14. 6 
schon Erichtfaonius als Stifter nennen, so kann dieses nur auf das 
£inzelfest der Phyle Athenais g*hn, wie andererseits in der Kaiser- 
zeit gelehrte Affeetation auch für das Gesammtfest den Namen 
'A&yvaiu herstellt, Ath. XIII. 12 u. s. w. 

11) Kleine Panathenäen, s. oben §. 46, not. 11 und Harpocr. 
p. 228: d*TT« TIara&rjvata fjytro 'A&qvflOi, tu p,lv xeed-' ixaavov iviuv- 
rov, tu S\ d*a nsYtiTijqidoq y untQ xal fitydXu ixdXovv. Sonderbar 
ist die trieterische Wiederkehr im Arg. Dem. Mid. p. 510 und bei 
Lntat. ad Stat. Theb. X. 56; doch verdient sie wohl eben so wenige 
Beachtung als Proclus ad Plat. Tim. p. 9, der das kleinere Fest in 
den Thargelion verlegt, obgleich diesem nicht nur Meursius, sondern 
noch, Clinton F. Hell. II, ^p. 333 und Vater in Jahns Archiv IX, 
S. 221 beistimmen ; dass beiden Festen wenigstens der gleiche Monat 
gebühre, haben schon Petit legg. Att. p. 18 und Boekh Staatsh. 
II, S. 166 angedeutet und O. Müller im Cambr. philol. Mus. II, 
p. 227 fgg. aus Eurip. Heracl. 777, Demosth. Timocr. §. 26, G. I. 
n. 157 bündig nachgewiesen. Erst in der Kaiserzeit erscheint das 
Ganze als ein Frühlingsfest, Tgl. Hinter. Orat. III, p. 426; auch 
Virgil. Ciris 21? 

12) Schol. Aristoph. Nnbb. 385 : %a 6\ Ilava&fjvaui Ioqtijv it«Q* 
'A&qvaioiq tvvui ptyloTijv nagd nartiov yd erat: Tgl. Meursii Panathe- 
naea L. B. 1619. 4 oder in Gronov. Thes. T. VII, p. 83 — 108, 
C. Hoffmann Panathenaikos, Cassel 1835. 8» H. A. Müller Panathe- 



276 Th. HI. Feste bestimmter Orte. 

naica, Bonn 1837. 8, Meier in ball. Encykl. Sect. III, B. 10, 
S.277 fgg. 

13) Schol. Aristoph. Av. 827 t rfj ^A&tjvu noXtudi, 01*07 nhnXoq 
fyiviTo na/inotxtXoq t ov dvfq>t^ov h rfj nofinfj r&r riava&rjvedwv. Also 
kein naQanhaOfia , wie Leake Topogr. v. Athen übers. v. Sauppe 
S. 420 fgg. will, vgl. Böttiger kl. Sehr, III, S. 455, und über da« 
Bild der Polias Gerhard in Abhh. d. Berl. Akad. 1842, S. 413; 
über die Verfertigung des Peplus aber and das Verhältnis* der 
4pf9'*?°* (Etym. M. p. 149 and unten §i 61) and tyyuoTfvu» (Hesych. 

I, p* 1418) Schol. Kar. Hecab. 463: ov potov d* ul naQ&hw v<put>ov 
dX.Xd xai yvtaZxeq riXnot, mit Maller in hall. Encykl. III. 10, S. 84 
%ff-t und über die von Helikon . and Akesas erfundene (Zenob. 
prov. I. 56 ; rgl. Völkel archäol. Nachlass S. 1 1$) Gigantomachien 
(Procl. ad Plat. Tim. p. 26) and andere Götterkämpfe (Plat. Eutbypbr. 
p. 6 B; Plat. V. Demetr. c. 31) vorstellende Stickerei Greazer Symb. 
111, S. 471 fgg. and Böckh trag. Gr. princ. p. 193 fgg. Ob nach 
an den kleinen Panathenäen ein Peplus dargebracht ward, was 
Müller and Hoffmann laugnen , Böckh und Meier nach Diodor. 
XX. 46 und Schol. Aristoph. Equ. 563 behaupten, mag dahinstehn; 
dass derselbe aber auf keinen Fall, wie Schol. Plat. republ. p. 395 
aus Proclus ad Tim. p. 26 missverständlich geschlossen hat, den 
Kampf der Athener und Atlantiner darstellte, habe ich bereits 
Gesch. d. piaton. Philos. I, S. 704 bemerkt 

14) Proclus ad Tim. p. 9: 'Exaroßtßatwvoq rgirfl dniuvroq, was 
auch in den Jahren, wo dieser Monat hohl war, wenigstens nach 
Proclus Theorie (§.45, not. 11) keinen andern Tag bezeichnen 
kann. Dodwells Rechnung (Ann. Thucyd. p. 681), welcher nach 
Tbuc. V. 47 den 20sten Scirophorion als den Tag des Festes be- 
zeichnet hatte, ist schon von Corsini II, p. 360 beseitigt; schwie- 
riger ist die Entscheidung über den Tag der kleinen Panathenäen, 
die Corsini auf den 14ten , Hoffmann und H. A. Müller auf den 
17ten Hekatombäon ansetzen, die jedoch auch wohl mit Meier auf 
den 28sten als die heilige rqiry der Athene zu legen sind, vgl. 
oben §. 44, not. 5. 

15) Schol. Aristoph. Equ. 566: ISUt naqd rolq *A(hpmioiq ntnXoq 
ro äfjfttvov rijq navadyvuZxTJq v((oq, rj¥ ol 'A&qvatot xaraaxtvd^ovat rfj 
St<ä dtu TtTQatTjfoidoq 9 i/q xai tj}v nofnirjv dno tw" Ktgafitixov (vom 
Ahüxoqiqv > Tbuc. I. 20) noiovot, /it^t rov 'EXtvowlov: vgl. Paus. 1.29 
and Kayser ad Philostr. V. Soph. II. 1. 5; über den Weg der 
Procession aber O. Maller in hall. Encykl. I. 6, S. 235 and hinter 
Stuart u. Revett übers, v. Wagner II, S. 695. 

16) Schol. Aristid. p. 98 und 196, wonach Meier S. 179 auch 
Scbol. Eur. Hecub. 465 • berichtigt und H.A.- Müller widerlegt, der 
zwölf Tage vom 17ten bis 28sten annimmt. 

17) Schol. Aristoph. Nubb. 1005: tu UqkI IXaTou rrjq *Afyvaq h 
rfj (IxQonoXfi (richtiger in der Akademie; Meurs. leett. Att. IV. 6; 
Burmann «lup. fulgur. p. 180) fioylu* IxuXovvto, t£ ojv to l'Xtuov iu>v 
Tlavad-rjvulW niQrifiov yuQ IXaiov i'Xaßov ol vix&vrtq: vgl. Lucian. 
Anacb. c. 9 iind über die Frage , ob das Oel oder das Gefnss die 
Hauptsache, Thiersch in Abhh. d. Bayer. Akad. 1844, philol. Cl. 
B. IV, S. 66 gegen Bröndsted in Transactions of the R. soc. of liter. 

II. 1, p. 112 und Kramer über den Styl und die Herkunft der be- 
malten Thongefösse, Berlin 1837. 8, S. 88. 



§.54. Atiika. Hckatombäon. 277 

18) TS>v 'A&qvy&ev a&Xvv: vgl. Böckh G. Inscr. I, p. 49 und im 
Berl. Winterkatalog« 1831—32, Gerhard in Ann. dell'Inst. archeoL 
1830, T. II, p. 215 und etrusk. kanpan. Vasenb. Berlin 1843. fol. 
S. 3 fgg., H. A. Maller in hall. Encykl. III. 10* S.294— 302, und 
was sonst oben §. 30, not. 1 citirt ist. 

19) Vgl. Oiog. L. III. 56; otov Ixilvoi, tItqoö* dQupuon tjya)vl£ovto 
/ttovvoiotq, Atpuiots, Ilava&yyaiotq , XvrQOtq, (ov to tHoqtov ijv oaTV- 
l»**oV, und dagegen Bartbeiemy in M. de TA. d. Inscr. XXXIX, 
p. 172, Böckh trag. Gr. princ. p.201 und Berl. Abhh. 1816, S. 99, 
und was Fritzsche de i»enneis S. 56 weiter anfuhrt, wonach Zastra 
de Äristoph. Eccles. tempore et consilio, Vratisl. 1836. 8, p. 19 %g. 
das Missvexstandniss nicht wieder empfehlen durfte. 

20) Vgl. Xenoph. rep. Ath. III. 4. und Lysias de man. acc. 
§. 1 — 5, wo dieselbe namentlich aueh für das kleinere Fest erwähnt 
ist; im Allg. aber St. A» §. 161, not. 2 Und Bode hellen. Dichtk. 
111. 1, S. 119 fgg., 

21) Die gymnischen freilich nach Eusebius erst seit Ol. LIII. 3 ; 
doch gingen sie nachmals den hippischen voraus, vgl. Xenoph. 
Symp. I. 2 und im Allg. die theils im €. I. n. 1590. 91, theils in 
Ann. dell'Inst. archeol; 1829, T. I, p. 155 fgg. und im archäol. 
lntell.Bl. 1835, S. 19 u. 27 edirlen Inschriften* welche von H. A. 
Müller pi77 fgg. und Meier S. 282 mit höchster 'Wahrscheinlichkeit 
hierher gezogen worden sind; über die gymnischen insbes. aber 
Ambrosch in Ann. dell'Inst. archeol. 1833, T. V, p. 64 — 89. 

22) Lycurg. c. Leoer. §.102: ovro) ydq imiXaßov Vfxwv ol naxigtq 
QTiwdulov theu H9*tp;rjvf w?t« voftop i'&tvTo xuÖ* ixaOTTpr nernnjQida 
tw> nuva&7]vaioiv fi'ovov ruv ciXXoiv noit/T&v §axp<ü($€lo&at> tu tnyt Tgl. 
Plat. Hipparch« p. 228 B, Aelian. V. H. VIII. 2 mit Wolf prolegg. 
Hom. p. cxliii fgg. , Nitzseh ,indag. per Odyss. Interpol, p. 23 fgg. 
und de Pisistrato Homerieorum carminum instauratore, Kil. 1839. 4, 
Kreuser homer. Rhapsoden S. 13 fgg. , Duntzer in Zeitschr. f. d. 
Alt. 1837, S. 268 fgg., Vater in ball. Encykl. III. 15, S. 63 fgg., 
und was oben §. 29 , not. 27 citirt ist. Ueber sonstige Vorträge 
(Herodot? Baehr II, p.659; Isokrates Panegyrikus? Preller Demeter 
S. 71) vgl. Meier S. 287. 

23) Wut. V. Periel. c. 13: q>iXoTt,povftevoq d* oIItQiMXyq tot« ngw- 
vov tympiouTo fXQVOixtjq dyiövcL tolq üavic&^vaiotq ayto&tu xal dt£r«£<v 
uvzoq a&Xo&tTyq (St. A. $. 150, not. 3; Krause Hellen. II. I, S. 128) 
uiyt&rfq, xa&or* xQV vov$ dywi&fihovq avXtVv jj aduv r[ xt,&aQl£tw \ 
vgl. Plüt. de musica e. 8 und über die Zeitbestimmung Schol. 
Äristoph. Nubb. 971 , wo jedoch Meier S. 285 statt inl KaXXiov 
vielmehr KaXXifidxov ag/ovroq (Ol. LXXXIII. 3) vorschlägt. 

24) Schol. Äristoph. Aai*. 1087 ; vgl. Haase in hall. Encykl. 
III. 9, S. 402 fgg. und mehr oben §. 30, not. 31. 

25) /7o/*ay navuByvaixq, vgl. Meier S. 288 fgg. und H.A. Müller 
p. 99 fgg. , insbes. nach Anleitung des Frieses vom Parthenon, 
worüber im Allg. O.Müller in Ann. dell'Inst. archeol. 1829, T. I, 
p. 221 fgg. und hinter Stuart und Revett II, S. 667 fgg. mit Nach- 
trägen im Kunstblatt 1835 N. 76, 1836 N. 60, 1840 N. 49. 

26) Bekk. aneedd. p. 242 ; to toi;? djitXtv&tQfad-ivraq dovXovq xal 
uXXovq ßuQßugovq xXadovq S{tvuq tKUOTov di« %ijq dyofjuq iv rjj top 
flavud-Tjvaimv loqtjj q>k(>ui/. 



HS Th.HL Feste bestimmter Orte. 

27) Aeliait. V. Hist. VI. 1 : rdq yoiiv naq&bovq tw* fitrölxwv 
(THMäijtyoQtVv h ratq nofAnaXq rjvuyxusov ratq euvräv xoyutq, t«? di 
yvwatxaq ratq ywaßi, rvvq 4h uvd^aq öxuyqipoQtTv : vgl. Poll. III. 55 
out St. A. §.115, not. 10 und über die dort übergangenen ökpqo- 
q>oQoi, ai ratq xavqyÖQotq (Itiqvto dUfyqovq iitiipc qo ptvo*, Hesych. I, 
p. 1011 oder Etym. M. j, 279. 

28) Harpoer. p. 161, Bekk. Anecdd. p. 270, Hesych. II, p 136» 
i* T«f? nofAiialq al Iv c&w/tar* nug&hot hxav7]<pOQovv , ojqntg xal h 
rotq. riavu&qvaiots • ov naaaiq dfe itptlTö xhvtjvoqiZv. vgl. Thuc. VI. 56 
«lud mehr bei Visconti Mem. sur les sculptures du Parthenon p, 48 
fgg. und Böttiger kl. Sehr. III, S. 282 fgg. 

29) Xenopb. Symp. IV. 17: &aXXog>6govq yuQ rfj *AQ-rfva rot»? xa- 
Xovs ylgovraq IxXiyovrcui vgl. Scbol. Aristopk. Vesp. 544, namentlich 
buch, dessen- Bemerkung! o pbro* Jixaiapx^q h tu Ilava&TfvaiKv 
o&x vlda }£otov norl xal xdq yqavq h rotq TIava&-rjvaioiq vntiXr/yt 
&aXXog>oQftp y noXXtav äXXijXoiq ofioXoyovvrav 7hqI tov jiovovq rovg nQf- 
aßihaq &aXXoq>oQ(Vv x. t. X. Eber könnte man mit Schneider ad 
Xenopb. M. Socr. III. 3. 12 und Siebeiis ad Pbiloch, p. 25 : den 
ivavdglaq uytov hierher ziehen, welchen Harpoer. p. 130 und Bekk. 
anecdd, p. 257 den Panathenäen zutheilen, lezterer mit dem Zusätze : 
ov xotvmvtZv ovx t£rjv roXq $hoiq\ doch . auch dieser Annahme, bat 
Meier de Audoc* ady. Alcib. V. 12, p. 117 gewichtige Grunde ent- 
gegengesezt und jenen' als eine besondere Liturgie aufgefasst. 

30) Den Demarchen nach Schal. Aristoph. Nubb, 32: ov%oc dl 
vyv no/unrjv tw> Jluva&qYaiwv ixoa/tow. 

31) Thucyd. VI. 58 s fttrd yaq danidoq xal dogaroq flwfrtöav Tue 
nqonopndq noielv. 

32) Vgl. §.31, not. 12 und über die Thätigkeit der Strategen 
und Hipparchen bei dieser Gelegenheit Dem. Mid. §.171 und Phil. 
I, §. 26: rdq nofinnq nifiltovoiv v/xtv pvrd tafy Ugonoiorv, auch Ath. 
IV. 64 und m. Abb. de equitt. Att. p. 19. 



Auch das Fest des 9 j4n6Xktov Mwayafovtos , von 
welchem der zweite attische Monat benannt ist 2 ), dürfte 
statt des örtlichen Ursprungs , den ihm die Alten bei- 
legen 2 ), einen fremden gehabt haben, wie sich denn 
derselbe Name in dorischer Form auch auf der Insel Kos 
findet 3 ) $ Näheres wissen, wir jedoch darüber . eben so 
wenig, als über die Boytigo/iita des folgenden Monats, 
obgleich auch diese sich weit über die Grunze, welche 
ihnen, die gemeine Sage steckt f) , hinaus verfolgen las- 
sen 5 ), während das Hauptfest des Boedromion vielmehr 
die bei aller auswärtigen Anerkennung doch acht und 
rein attischen 'EXevoivia der Demeter sind 6 ). Freilich 
schwebt auch über diesen noch manches Dunkel, selbst 



§. 55. AUika. Metayeitnum. Böedromion. 878 

hinsichtlich der Aeusserlichkeiten ihrer Gebräuche und 
deren Vertheilung *uf die einzelnen Tage 7 ) 5 für das 
Gähn« können wir inzwischen mindestens einen zwölf* 
tägigen Zeitraum annehmen 8 ) 9 der spätestens am i6ten 
beginnend 9 ) in der grossen Proeession , welche am 
20stent 10 ) den Jakchus als Festgenossen der grossen 
Gattinnen n ) auf. der heiligen. Strasse von Athen nach 
Eleusis fahrte 12 ), seinen Höhepunct erreichte 5 and auch 
im Einzelnen bieten sich immerhin übersichtliche Ab- 
schnitte dar, sobald man nur die Vorgänge vor und nach 
der Ankunft in Eleusis, und hier wieder die geheimen 
and öffentlichen oder panegyrischen Gebräuche richtig 
scheidet. Der erste Thefi der heiligen Handlung begann 
offenbar in Athen mit der Verkündigung, welche Un- 
reine und Barbaren von der Thgünahme ausschloss 15 )$ 
auch die Reinigung der Einzuweihenden mit Meerwasser, 
die man auf den IQten zu setzen pflegt, scheint noch 
in die Umgehung der Hauptstadt zu fallen 14 ), und noch 
unbedenklicher wird map dem Eleusinium dieser 15 ) die 
Opfer des 17ten und löten 16 ) mit allen den sonstigen 
Vorbereitungen zuweisen, deren es bedurfte, um bereits 
als Mitglied der Festgemeinde den Jakchus zu beglei- 
ten l7 ) 5 das Fest der 'EmdavQta , wo etwa Verspätete 
nachträglich geweiht wurden, kann ohnehin nur hier ge- 
feiert seyn 18 ); und hierauf erst folgten in Eleusis selbst 
die eigentlichen Mysterien in de? oben §. 32 angedeute- 
ten Weise, wozu daselbst ein besonderes geräumiges 
Gebäude errichtet war 19 ), obgleich/ auch sie wenigstens 
später, als der wachsende Zudrang nicht Alle gleichzeitig 
zuzulassen erlaubte, gewiss wieder mehre Tage in An- 
spruch nahmen 20 ). ;Die hauptsächlichsten Leiter den 
selben waren vier Beamte, der Hieropjiant 21 ), der Daduch 
oder Fackelträger 2 *) r der Hero|d ?^), Und der Altarist *% 
welche als Mitglieder der beiden, altpriesteriichen Ge- 
schlechter der Eumolpiden und Keryken, die unter der 
Aufsicht des Archen Königs diesem. Cultus vorstanden 25 ), 
zugleich mit der PriesteriuH der großen Göttinnen 26 ) 
und zahlreicher Dienerschaft 27 ) «1 nicht. PP> die einzelnen 



Th. HL Fesie bestimmter Orte. 

Besucher weiheten* sondern namentlich auch zu der 
mimisch - orchestischen Darstellung der Schicksale der 
Demeter und ihrer Tochter mitwirkten, die zweifelsohne 
ein Hauptgegenstand der mystischen Feier war 28 )$ doch 
sind auch die Eingeweiheten dabei nicht als müssige 
Zuschauer zu denken, sondern nahmen gleichfalls an den 
Irren und Schrecknissen der Sage persönlichen Antheil, 
bis ihnen endlich nach langer Finsterniss das leuchtende 
Bild überirdischer Herrlichkeit mit heiligen Gesängen 
und Erscheinungen aufging 29 ) ; und auch abgesehen 
von diesem Schauspiele, das als höchster Grad der Weihe 
erst bei wiederholtem Besuche erlangt ward 30 ) , beging 
die ganze Festgemeinde das Andenken der suchenden 
Göttinn mit Fackelläufen 31 ) und sonstiger Nachtfeier, 
deren Schauer nur durch ihre bakchisch - orgiastische Bei- 
mischung auf der andern Seite auch einen Vorgeschmack 
der den Geweiheten yerbeissenen Seligkeit erhielten 3 *). 
Jedenfalls .aber gehört auch diese noch ganz der synibo* 
tischen Richtung des Festes an , dessen Theilhaber sich 
selbst gleichsam an die Stelle der Göttinn versetzen soll- 
ten , die in der Trauer um die geraubte Tochter neun 
Tage lang gefastet hatte 53 ) , bis es der Personifikation 
des festlichen Muthwillens, Iambe oder Baubo 34 ), gelang, 
sie zum Genüsse des Mischtrankes zu bewegen, der 
desshalb fortwährend als heiliges Getränk der Mysten 
diente 35 ); und wenn diese auch durch Demeters eigenes 
Beispiel berechtigt schienen mit dem Einbrüche der Nacht 
Speise zu nehmen 56 ), ja sich bis zu trunkener Lust für 
die Entbehrungen des Tages zu entschädigen, so blieb 
doch Auch dabei jene Naehtfefer an sich ein wesentliches 
Moment für den geheiniriiss vollen Zauber, den die Eleu- 
sinien vor jedem andern attischen Cultus ausübten 37 ) ; 
erst wenn sie vorbei war, begann das gewöhnliche Volks- 
fest 38 ) mit seinen Opferschmäussen und Wettkämpfen, 
deren Sieger ein Gefäss mit heiliger Gerste lohnte 39 ), 
und nur am Schlüsse des Ganzen klingt in den Ple- 
mochoen oder Sühfiungslibationen für die Götter beider 
Welten noch einmal der mystische Grundton nach 40 ). 



§. 55. AUika. Metageitnion. Boedromion. 881 

1) Harpocr. p.197: Mnwyummv dtintQoq ftq* nap' A&qraloiq, 
h dt roiTp 'AnoXXttv* McrayuTyiut O-vovot. . Auch Mtrayuroyitav, 
Ross Demen S. 31. 

2). Vgl. Schol. Thucyd. II. 15 und namentlich Plut. de exil. c. 6: 
uqu ovp &vok xal dnoXtdtq iloiv 'A&qvafo* ol pfTUOTarvtq ix MtXiryq 
*iq Jtofildu, auov xal, fiijva Mtxayitrpi&pa xal &vaiap intavvfiop äyovot 
iov fxiTotxiofiov tu MaTuyilrvia ; vgl. Meurs. lectt. AU. I. 10. 

3) IJiTaydtvvoq 9 Ross inscr. Gr. III, p. 52. 

4) Etym. M. p. 202: oti noXipov ovorupröq *A&qvaioiq xal 'EXtv- 
oufioiq* ov/tfiaxqaavTos "itapoq xaxa ovyyhtiap, hixrjaap ol *A&-qvaVoi 4 
dito ovv Ti t q tov atQaTfVftaToq ßorjq tijq Ini tqj aam ÖQapovoyq o t* 
AnoXXorv Borjd^öfuoq IxXtj&t] xal rj &vaia xai o pjjv, xal tu BoydQofua 
tTfXitro eoQ*yi vgl. Spanheim ad Call im. H. Apoll. 69 und Müller 
Dor. I, S. 245. r • 

5) 'AüoXXxa* Bo^Qo/iioq sogar in Theben, Paus. IX. 17.2; der 
Monat selbst aber einerseits in* Priene, Lampsakus, Olbia, anderer- 
seits als ifadgd/tfo? in Sicilien, und als BoaS-ooq sogar in Delphi, 
wenn er anch hier einer andern Jahreszeit entspricht; vgl. de 
anno Delphico p. 15fgg. 

6) Daher auch der Monat selbst bisweilen lAvaxriqia, wie Galen, 
valet. tuenda IV. 8; Tgl. Monatsk. S. 19 und über ihr Verhältnis* 
zu der Hauptstadt Taus. I. 38. 3 : xaraXvovTut dh inl rolqds top 
noXffiÖP, wq *EXtvot>vlovq h totq aXXotq *A&i]vaUiP xattjxoovq ovraq Idla 
liXtiv t?}v rtXiT tjv , tcc d\ Itgu toIv &tolv EvfioXnoq xal al OvyuTk^tq 
6\>ö)Otv al KiXtqv; über ihre Heiligkeit aber dens. X. 31: ol ydq 
dyxaiottQot tüp 'EXXjjvwv rtXtrijv tr t v 'EXtvotvlav ndnwv onooa iq tvoi- 
ßtiup TjKti.) xooovtü) yyop ivTtpoTfQap, oato xal O-iovq IninQooO-ip TjQiömv^ 
und mehr bei Bach de mysteriis Ifleusiniis , Lips. 1735. 8 und 
Nitzsch de Eleusiniorum raüone publica, Kil. 1842. 4. 

7) Vgl. Jo. Meursii Eleusinia, LB. 1619. 4 und in Gronov. 
Thes. T. VII, p. 153 fgg., Ste-Croix sur les mysteres du paganisme, 
2ieme edit. I, p. 292 fgg., Haupt In Seebodes Archiv 1825, B. II, 
S. 250 fgg., Creuzer Symb. IV, S. 33 fgg. 382 fgg. 436 fgg., und was 
oben §. 32, not. 4 weiter citirt ist; iasbes« aber die freilich aueh 
in vielen Einzelheiten abweichenden Darstellungen von Müller in 
hall. Encyhl. Sect. I, B. 33, S. 268 — 293 und Preller in Zeitschr. 
f. d. Alterth. 1835, S. 1001 — 1009 und in Paulys Realencykl. III, 
S. 83—109.' 

8) Allerdings nehmen Meursius und Müller nur neun, Fritzsche 
de Arittoph. carm. myst. p. 8 nach Analogie des sicilischen Festes 
bei Diodor Vi 4 höchstens zehn Tage an; inzwischen ist Prellers 
Rechnung vom lösten bis 26sten durch Meier zu Ross Demen von 
Attica S. x nach- einer neuentdeckten Urkunde selbst noch dabin 
erweitert worden , das* das Ende jedenfalls e*st am 27sten fiel, 
während der Anfang schon am 14ten seyn konnte. 

9) Plut. V. Alex» c. 31 : y t&v ovp atXrjvrj BoyÖQopuHpoq f^Xim 
ntgl rijp für* jivovyQiw t&p AB-^pfiaup dgxdfri v gl» dess. V. Phoc. 
e. 6 und Polyaen. Strateg. III. 11. 2. 

10) Plut. V. Camill. c. 19: ntol avvijv %ijy dxdfa rov BotjÖQo- 
ßit&voq , rj top pvoTixov "Iaxxov Qayovei : vgl. V. Phoc. c. 28 und 
mehr bei Bahr ad V. Alcib. c. 34 und Herod. VIII. 65, wo zugleich 
die jährliche Wiederholung dieser Feier bezeugt ist; auch Aristid. 



TA. ///. Feste bestimmter Orte. 

Kleusin. I, p. 420 mit Tan Dnle cürfs. antiqu. ill. pj 601 %g. und 
Bougainville ia M. de TA. d. Inscr. XXI, p. 100. 

11) Strabo X, p. 717: "Jax^ov t* xal rov JUyvaov xalovoi xal rov 
ity/qyfrqv tw> ftvoT^glojy rrjq Aypyrgoq datftova,* dtvÖQoyoyiac dl xal 
%Q{itVai xal rtXttal xoivai flöt rat* &iaJv rovttovi' t£1; Schol. Aristoph. 
Ran. 326 mit Fritzsche I. c. p. 19 fgg. und mehr -bei Lab eck Agl. 
p. 821, Preller Demeter S. 389 fgg., Crenzer Symb. IV, S. 95, 
Stuhr Relig. syst. S. 424 fgg., Jahn nrchäol. Aufs. >S. %h Braun in 
Ann. deü'Inst. archeol. 1842, T. XIV, p. 21 fgg. y insbes. auch 
Hesych, II, p. 5 : "Iax/w *°v 4iovvoov' y ptav y/uQav r&ir pvoTT]Qimv t 
fr i] rov "Iax%ov tiiuyQVOi' xal jj ft?<fop, tjv ol pt/tvq/tho* udovat x, t. A. 

12) Vgl t Schol. Aristoph» Ran. 399 t odn'ovoiv diso rov Kiga- 
fitixov tlq 'EXtvolva ngonif*na9Ttq rov Amvqov^ iind;übcr die Myrten- 
kränze der Mysten dens. 330; über die heilige Strasse aber Leake 
U Transact, of tbe R. soc. of liter. 1829, T. I, P. 2, p. 207 fgg. 
und Preller de via Sacra ßleusinia <tisp. I und II, Dorpat 1841. 4 
mit Westermann in Zeitschr, f. d, Altertb. 1843, S. 665 %g., auch 
die Reisen yon Fiedler I, S. 70 fgg. und Steptani S. 78 fgg. Be- 
merkenswert]» sind dabei namentlich die Fl uasub erginge , wo sich 
an. die !P«*to* (Hesych. II, p.MQ7) neue Abwaschungen der Mysten, 
an die Brücke über den Cepliisus die ytcpiiQ^o/nol oder! Neckereien 
und Verhöbnungen knüpften, die Ste-Cröix I, p. 333 und Andere 
ohne Grund erst mit der Rüekkehr von EIeüsis Verbinden, Tgl. 
Strabo IX, p. 613 und Hesych. I, p. 824 mit Fritzsche "1. c.' p. 87. 
Dass auch Frauen zu Wagen mitfuhren, zeigt Aristoph. Plut. 1015 
uud Demosth. Mid. §.158; später soll jedoch nach Vitt. X. orat. 
p. 842 der Redner Lykurg ein Verbot dagegen bewirkt haben , ob- 
gleich die Theilnahme der Frauen an den Mysterien selbst fort- 
während dieselbe blieb, Tgl. JUobeck Agl. p. 18 und 28. . 

1 3), . llQoQQjtfjtq rov IfQa&dvTov xul dadoi^y fr TjjnoinUtj aron 
Schol. Aristoph. Ran. 359 , v#l.. Isoer. Paneg. §; 157 t . EvpaljUfai 
dh xal Kqqvxtq fr rjj iiAerß vü* fivariftiwv rjolq §a{xßuQotq rijjyfo&a* 
rwr ftvüry(tiwv wqnty rofc avd^o<jp6votq nQaaye(j(vonQ^ Xi jj^}t Lobeck Agl. 
p. 15 fgg« nnd mehr oben §. 32» not. 9 und 19; insbes. aber auch 
Liban. decl. Corintk. T. IV, p.$56: ovxot, ydq ra t uilu xa&a(Jo}q 
ilvai roTq ftvoratq fr xotwp itQoay9Q*vovoi,y 3t olov rriq xi*Q a S , tyv V"#5*S 
T7J* qxavrjv "EXXqvaq ehpt it x$f± iditf ndXif rj airm xal *o Jiy afrov 
di iytvoü); ov xa&uQoq ndgei' xal noXXy toi'tü» Totq f^vaxuytayoiq 

14) "AXudt ftvara», Hesych. I, p. 216 nach der Emeiidation von 
Menrsius c. 23; Tgl. Schol. Aesehinv Gtesiph. §* 130t und wiegen der 
Oertliehkeit (Piräeus) Plut. Phoo. c. 28, woraus: auch Wettermann 
a. a.O. S. 667 richtig gegen .Pfeiler sohliesst, dass die Mysten sich 
nicht schon damals nach fileusis begeben hätten. 

15) Lysias adv. Andoc. §.4: vnly jjjiioiv xal &votuöt* xal iv^aq 
rifavai, xard rä ndzQut tu ^v & tw hÖ-ddi ' 'Eitvcttviw , • Vd dliv tw 
'EXivoVvt, Uqwi vgl. C. I. n. 71 und mehr bei Valck. ad Herod. IX. 27 
und Müller in hall. Encykl. 1. o, S. 235 , insbes: aber jezt aueh 
Leake in Transaet. of the «oc. of liter. III. 1, p.193— 201 oder 
Westermann in Zeitsehr. f. d. Alt. 1841, S. 1157,- wonach auch die 
Topogr. Athens S. £14 jezt eine andere Lage als die erste Ausgabe 
S. 187 annimmt. ^ ' < . r» . />' 



§. 55, Attika. MetagcUnion. Boedromion. 983 

IG) C. I. n. 523 : Boqdqopiwvoq & JqpiptQk K°Qtf dllepmta mnmtQ- 
&iz(oq, tjL TQvyTjxov diovvota xal Tolq uXXoiq &tolq, vgl. Malier S. 279 
und 291 und über das Schweinopfer im Allg. §. 26, not. 5$ was ist 
aber: von der Seebarbe (TQiyXq, mullus) zu halten, die «ach Plut. 
solert. anim. c. 35 und Aelian. H. anim. IX. 51 ix t&v h *EX*vafr* 
ftvovftivuiv r»/id? tl/tf un ^ »ach Ath. VII. 126 wirklieh geopfert 
worden wäre? 

17) Dahin wohl namentlich die xa&uQOttq aitoqqjjroTtQat , wie 
sie Olympiodor bei Fischer ad Plat. Phaed* p* 289 der eigentlichen 
Weihe vorausgehn lässt, und worauf aucn Suidas s. v. dioq xcidtov 
sich bezieht; ferner die ovoTaddq, worunter ieh die Anmeldung und 
Empfehlung des Einzuweihenden durch ihre pvoraywyovg (§. 32, 
not. 22) bei den heiligen Beamten verstehe, und die bei Theon 
Smyrn. arithmct. p. 18 sofort auf den xafraQfioq folgende naqudoöyq 
xijg Tiitrijq (das. not. 24), also mit einem Worte alles was Hermias 
ad Plat. Phaedrum p. 158 als itXtxrj oder ngonaqaoxtv^ der /Avrjotq 
und ■ inoiiTfia als ersten Grad vorausschickt, was aber selbst wohl 
mitunter schon /«t^otc im weiteren Sinne genannt worden seyn mag, 
vgl. Lobeck Agl. p. 35 fgg. und Preller S. 105. Maller S. 280 
Usst zwar die neuen Mysten bereits vor dem 20stcn nach Eleusis 
gehn und nur die alten mit dem Iakchus nachfolgen; dafür spricht 
aber nichts, und eher möchten für jene Vorbereitungszeit die nöthi- 
gen Heiligthümer von Eleusis nach der Stadt gebracht worden seyn, 
um dann mit dein Iakchus zurückzukehren; vgl. Philostr. V. Sophist. 
II. 20: ovofiu i*\v Tai ngoaojflüJ Itgä ovxt}, tu di 'EXtvowo&tv Ugd 9 
fTifiödv iq uotv uyaxjiv, Ix«? avuxuvovoiv. 

18) Vgl. oben §.46, not. 10 und die freilich dunkle Hauptstelle 
Philostr. V. Apollon. IV. 18: tjv ftlv drj 'EnidavQlwv tj yfiiga, ra di 
'EmdavQia fUTu ngogQyaiv t* xal ItQtVa devQo (xvitv *A&rjvaioi<; ndrgiov 
tni &vaia dtirrlgce • tovxI d\ hopiouv *AoxXijmov i'vixa , ort diy fftvqoav 
uvroif Yjxovtu ^EntdavQo&tv oipt ftvorygitov, aus deren Verfolge jedoch 
wenigstens soviel hervorgeht, dass die Hauptweihe noch nicht 
vorüber' war und der Hierophant sich noch in Athen aufhielt, so 
dass dasselbe jedenfalls besser mit Preller auf den 19ten als mit 
Meursius und Müller auf die. Zeit nach dem 20sten gesezt Wird, 
wo überall keine Feier mehr in der Hauptstadt statt gehabt au 
haben scheint« — Kanephoren? Scholl Mittheil. S. 89. 

19) '0 /tvOTixoq 027x05, ov xaxsaxtvaatv *IxrVvof f o%Xov &eargov 
dV£uo&ai dwuftivoV) Strabo IX, p. 605; auch TtXfaryJQiov oder «Vu- 
XTogov, wofern diese Namen nicht vielmehr zwei verschiedene Theile 
des Gebäudes, jener das Schiff, dieser das Allerheiligste bezeichnen, 
vgl. Valck. ad Herod. IX. 65, Silv. de Sacy zu Ste-Croix I, p. 129, 
Lobeck Agl. S. 59, über den Bau selbst aber Plut. V. Pericl. c. 13 
und die aus den heutigen Besten gewonnenen Ergebnisse in Unedited 
antiqu. of Attica eh. 1 — V und Transactions of the soc. of lit. 1.2, 
p. 223 fgg. oder Westermann die Demen von Attika, Braunschw. 
1840. 8, S. 154 fgg. 

20) Lihan. apol. Demosth. ,T. IV, p. 292: *aXlv ö" aqntg xal 
fiVOT7]Qi*jy fitvao%on;a ämX&tVv, xal TtXio&ivTu tu tov drjfAQV ttvoTqQut 
nuqixw 4*tT\apTM uXXo+g vioiv flq Tqv rtXtryv Ttageivan vgl. Preller 
S. 100, der, darauf auch den Plural per initiorum dies bei Liv. 
XXXI« 14 bezieht, und nur darin irrt, dass er diese Zeit bis zum 
Schlüsse des ganz** Festes ausdehnt, s. unten not. 38. 



284 Th.IIL Feste bestimmter Orte. 

21) Diog. L. VII. 186: o Ugog>a*XT}q rolq dfivr/xoiq Xfym vgl. C. I. 
ii. 401 : oq xtXixdq dvtyijvs xai ogyta nurwxa fivazutq EvpbXziov ngo/ffav 
IfitQocooav off«, und über seine oxoAq, oluv thq V/tov dnxvvH rä 
Ugä, Plut. V. Alcib. c. 22 mit Aman diss. Epict. III. 21. 16: ovx 
lo&rjxa *£<*?, tjv 6d xot Uqoquvtjjv y ov xo/tyv, ov argognov olov d(Z, 
ov <pis>vrp>, ovx yXixia*, ovx Tjyvtvxaq^ wq ixrivoq, worin zugleich die 
Bezugnahme auf sein Alter, seine Stimme (Philostr. V. Soph^ II. 20 : 
intTQUTiT] xul xdq *£ dvaxxoQfav qxavuq ijÖT] yyguoxwv), und auf dl« mit 
seiner Würde verbundene Enthaltsamlseit liegt; Tgl. oben §. H, 
not. 9, und mehr bei Taylor leett. Lysiac. p. 277 und Ste-Croix 
I, p. 220. Bemerkenswerth ist endlich auch für ihn wie für die 
übrigen Beamten die Verschweigung ihrer profanen Namen selbst 
in amtlichen Urkunden, vgl. Lucian. Lexipb. c. 10: or* ££ ovntg 
oauo&qouv, uvdtvvfioi %i tial xai ovxixi ovo/uaoxoi, <oq av ItQtLvvpoi 
ijäq yiyivqjihot. 9 auch Eunap. p. 90 Comm. und Meier zu Boss 
Demen S. 46. 

22) Eustath. ad Iliad. I. 275: diatpkgti 6 dridaq *x*n anlag xul 6 
h rolq xar *EXivatvü fivaxrjgiotq dadovxoqz Tgl. Suidas 8. v. Jcoq 
xwduivi xg^rat d* avxolq xul o 6ado?>xoq h 'EXtvottt xai aXXoi xtvh' 
ngoq xovq xafrctQpoiiq vnoaxogvvvxtq uvxd xotq nooi %wv ivayätr, und 
seine axoXtj Plut. V. Aristid. c. 5 mit Olearitts ad Philostr. p. 335. 

23) 'ItQoxqgvl (Adv. Neaer. §. 78) oder o xwv pvoxwv xtjgv^^ vgl. 
Xenoph, Hell. II. 4. 20 und Poll. VIII. 103, auch Ath. XIV. 79: 
ol'df yuQ fiayflgtov xai ßovTviuav (tkl/ov xu£iv, und mehr bei Zeibich 
de cerycibus mysticis, Vitemb* 1752. 4 und Ostermann de prae- 
conibus p. 57 fgg. 

24) r O Inl ßufiai, Euseb. praep. evang. III. 12, €. I. n. 71. 184. 
192 — 94, Boss Demen S. 39; doch wird dieser im Ganzen seltener 
als die drei andern erwähnt, die z.B. Plut. V. Alcib. c. 22 und 
Arrian. 1. c. §• 13 allein vorkommen; vgl. Bougainville a. a. O. 
p. 94 fgg. Mit welchem Rechte sagt aber Pritzsche 1. c. p. 40: 
ut daduchus Iacchi, sie hierophanta Cereris, eeryx dutem Proser- 
pinae sacerdotes? 

25) Aristid. Eleusin. I, p. 417 t Evfiohüdat, 6h xai KyQvxtq tiq 
IIoOHÖä xai 'Egfiijv dvaqitgovxtq o* phr Uqotpuvxaq o* 61 öaöovxovq 
naQiVxov: vgl. Aristo t. bei Harpocr. p. £18: o 61 ßaavXtvq ngwxoy 
fikv xdäv fivaxijQiwif ImufXtVxu* fitxd xwv in^iXfjxSiv , ovq o drjpoq ^t- 
goxovtt* xtoaagcq 6 TjOav y ovo p\v *£ ^Ä&rjvaiw» andvxwvy ilq 61 *£ 
EvfioXncööjv xai tlq ix Kqgvxojv, und mehr bei Ste-Croix I, p. 213 — 
226 mit Meier de gentil. Att. p. 40 fgg. und Bossler de gentibus 
et familiis sacerdotalibus p. 19 — 44, auch über die Ev6dv(/*o^ 
deren diadixaoia ngoq Krjgvxuq vnkg rov xavoüq Oionys. Hai. de 
Dinarcho p. 658 erwähnt, und Kgoxcovldai, , die nach Paus. I. 38. 1 
und Bekk. Anecdd. p. 273 gleichfalls in Beziehung auf Eleusis ge- 
standen haben müssen, ohne dass jedoch Näheres darüber vorläge. 
Ueber die Eumolpiden s, insbes. Lobeck Agl. p. 205 — 214; ob auch 
die Krjgvxtq dazu gehörten, war schon im Alterthume streitig, vgl. 
Paus. I. 38. 3 t TtXfVxtjaavxoq d£ EvfAoXnov Kygv& vtwxtgoq Xiintxiu 
xwp naidtov y ov avxol Kqgvxtq &vyaxgoq Kixgonoq 'AyXaiigov xai 
'Egpov navda ilnu Uyovant dXX* ovx Ev/ioXnov , und dafür Arnob. 
V. 25 s Eumolpus, a quo gens fluit Eumolpidarum et qui postea 
floruerunt eaduceatores hierophantae atque praecones, dagegen aber 
Poll. VIII. 103 {dno Ktjgvxoq xov 'Eg/iov xul llavdgöaov vijq Kixgonog, 



§. 55. Attlka. Metageitnion. Boedromion. 285 

rgl. Sehol. Itiad. I. 334) and die meisten elastischen Zeugen, wie 
Thucyd. VUI. 53, Aeschin. Ctesiph. §. 18, Isoer. Paneg. §.157, 
die jene beiden Geschlechter stets coordiniren, während die dudovxot, 
unter die Krjqvxtq subsumirt werden, z. B. Andoe. de myst. §. 127, 
wo der erbliche Inhaber jener Wurde, Kallias des Hipponikus Sohn 
(Böekh Staatsh. II, S. 14 f gg. ; datier in M. de Tlnst. 1821, T. III, 
p. 129 — 165* Herbst ad Xenoph. Symp. p. xvn fgg.) seinen Sohn in 
dieses Geschlecht einfuhrt; doch leitet derselbe bei Xenoph. Hell. 
VI. 3.-6 'sich auch wieder direct von Triptolemus ab, und jeden- 
falls war sein Zweig nicht nur der Berechtigung (Andoe. §. 116 » 
m KaXAia itu*TO)v ävß-Qtontov dvoatenarf , og ttyytV Ktjqvxwv, ojv ovx 
%<n,6y oot, ityym&at), sondern auch dem Stamme nach so getrennt, 
dass, als er erlosch, aus einem ganz andern Oemetercultus das Ge- 
schlecht der Lykomiden an seine Stelle trat, vgl. Muller S. 276 
und oben §.34, not. 19. Für den Inl ßwpiö erscheint erst in der 
Römerzeit eine Familie Memmius, die übrigens, wie Böckh €. 
Inscr» I, p. 447 vermutbet , auch zu den Krjgvxiq gehörte. 

26) Aus dein Geschlechte der &cXX(tfay. vgl. Phot. lex. p. 648: 
ix di Tovrtav q UQua rijq JrjfirjTgoq xal Koqtjq y fivovaa vovq ftvoraq 
ir 'EXtvotvt,- und mehr bei Bossler p. 26; ob auch die Ugoydniq 
Plut. V. Süll. c. 13? vgl. Creuzer Symb. IV, S. 384. 

27) Poll. I. 35: iux/ay(oyoq yag xai xovqorqoqioq t*c xal Satiqlrrjq 
xal oou touxvtu Xdta tü)v *At Tut öjv : dazu der vdquvoq als dyvtaxijq rojy 
*EXfvaivl(ov Hesych. II, p. 1444, und was Ste-Croix I, p. 237 fgg. 
weiter auffuhrt, obgleich dieser auch hier wie durebgehends die 
Eleusinien von andern Geheimculten nicht sorgfältig geschieden hat. 

28) Clem; Alex, protrept. p. 9 : Jq<o dh xal Kogy öqu^a qdrj 
iytvh&tn pvoTixov, xal xrjv nXdvrjv xal xrp dgTiayrJv xal vo nh&oq 
aiualv EXtvqlq dftdovx(7i vgl. Procl. ad Plat. remp. p. 384: intl xal 
KoQijq xal : AJjnyxQoq xal avrrjq irjq fifyiozyq &täq leqoi'q Ttv aq h 
dnöQfjqioiq &qyvovq ul jiXiral nagadidouoi , und Gregor. Naz. XXXIX, 
p. 626 I) : ov Koqy Tiq nag 1 ynVv uq:ux&Tou rj ArjprJTijQ nXavuTUt . . . 
oldtv 'EXtvolq ravza xal oi ruv anomaiMvmv I'tiotitui, über die Bethei- 
ligung der Priester an diesen Scenen aber Tertullian ad nation. 
IL 7 1 cur rapitur sacerdos Cereris, si non tale Ceres passa est? 
und die jedenfalls charakteristische, wenn auch einer andern Sym- 
bolik Angehörige Stelle Euseb. praep. evang. III. 12: Iv dh rolq 
xux ^EXtvolva pvöTTjqioiq o plv Uqo<puvxT]q tlq flxova xov dqtuovqyov 
hoxtvdinat, daöovxoq ö( ilq xrjv 'HXiov, xal o f*\t Inl ßwftip tlq rrjv 
SiXrjvTpr, o 61 l(Qoq>uvT7]q 'Equov. Ob und welche Uqol ydfioi und 
sonstige Scenen der oben §.32, not. 16 angedeuteten grobsinnlichen 
Natur dabei vorkamen, können wir nach Lobecks richtiger Bemer- 
kung bei der Parteilichkeit der Zeugen und der mannichfachen 
Confusion mit Thesmophorien und andern Gülten nicht mehr sicher 
entscheiden; bei den Kirchenvätern galt es inzwischen auch für 
Eleusis als ausgemacht; so z.B. Asterius enc. martyr. p. 193 B: 
ovx IxiZ to xaraßdatov %o oxoravov xal al otpval rov Uqoyuvrov ngoq 
rrjv tiqtiav ovrrvxiat ftovov nqoq hovtjv; ovx a * Xapmuäiq oßfwvvrat 
xal o noXvq xal dvuqi&nTjroq dijtioq %-tjv o&Tijqlav airrwr vo/tfortai vd 
h t$ oxoxo} itaQa tüv ovo nyazTopiva; und mehr bei Ste-Croix I, 
p. 363 fgg. 

29) Synesius orat. p. 48 : '/igiOTorttyq d£tot rovq rfrtXta/thovq 
ov pa&thr t* diVv dXXd na&tVv xal dtart(tfj\un vgl. Plutarch bei 



286 27t. III. Feste bestimmter Orte. 

Stobäns Senn. C&X. 28, p. 466 : itXava* r« rcoßrft xal ttt^\joßtti 
xontaduq xal ö%d oxotovq rtvoq vnonreot aoQtta* xai ar&zoYo«, ihtt 
7i()o tov rilovq avzov T« dftvd narva, <tqUr) xai Tgip&q xal Idqwq 
xal &a/*ßoq m ix dh toi/toi; q><oq t* &ccvpdot,ov dnip/TTjOt xal ronot 
xa&agol xal Xtt/ivvtq idi^avro paiydc mal £0££fcc xai a^ivot^zaq 
dxovOfiuTtoy UqGiy xal yanaopdiuv dyiwt S/orr«c , fr olq © navt*X$q 
ydrj xal fUfWTffihoq IXiv&tQoq ytyovwq xal aptroq ntqumv eOT&puvw/thq^ 
ogyictfa xal ownavtv oaiotq xal xa&aqotq dvdgao* : auch . dens. de 
facie lunae c. 28, Dio Chrysost. XII, p. 202, Themi*t. orat, XX; 
p. 235, und mehr bei Ste-Croix I, p. 342 fgg. und Lobeefc Aglv 
p. 58 fgg., dem jedoch wohl Niemand beipflichten wird, wenn er 
p. 119 sagt: uulia causa esse potest. cur illa fivavixd &iq/taza noft 
animi potius quam corporis oculis psrupta dicamus ! $. dagegen 
Proclus Plat. theol. III. 18 oder in Alcib. I» p. 61 1 iq&ig qvv h 
vatq dyuordiatq %&v TtXtrGnr ngotjyovrrcu r&v doojju&uw xwankrfifiq 
Tivtq, al fikv did %&v XtyoiUvw al d} <f** T< ^ dtw*vtrf?0v.yuima%a~> 
xXivovoa* t<S &tliü tm> yvxtiv «. r. 4*. und über to h 'MXtvafin tivq 
Preller S. 107. 

30) Vgl. §. 32, not 14 und näher Harpocr. p. 124; ol pvri&ivTtq 
lv 'EXtvoTvi h tjj dtvriga fivyon knonrivw Uy orten, « . au,ch Seneca 
quaest. nat. VII. 31 servat Eleusit fuod ostendat revisentibuß, was 
mit den kleineren Mysterien von Agrä (§. 58, not. 25) nichts, gemein 
hat und nach Heffters richtiger Bemerkung AHg. Schulz. ' 1832, 
S. 1193 von Löbeck p. 31 fgg. nicht hätte übersehn werden sollen; 
so wenig man auch mit fertullian adv. Valent. c. 1 einen fünf- 
jährigen Zeitraum statt des einjährigen anzunehmen braucht« den 
Plutarch V. Demetr. c. 26 und Schol. Aristoph. Ran. '745 zwischen 
pvyoiq und Inomna setzen; vgl. Harduin. ad Themist. ji. 41 9 fgg. 
und Petit legg. AU. p. 30. v , 

31) Stat. Silv. IV. 8. 50: tuque Actuea Ceres, cursu tui semper 
anhelo votivam taeiti quassamus lampada mystae t Vgl. Lactant. 
institt. I. 21. 24 nnd mehr bei Meursius c. M , der dieselben aber 
ganz willkürlich auf den 19ten ansezt. 

32) ITawvxk, s* oben §. 31, not. 6 — 8 und hierher insbes. Ari- 
stoph. Ran. 326 — 462 mit Fritzsche de carmine Aristophanis my- 
stico, Rostock. 1840. 8; über den gemischten Charakter des Festes 
aber Aristid. Eleusin. p. 415: ravro q>Qw<ad tetatov tt xai gxucfyo- 
ratovy wenn auch Plutarch adv. Epicur. c. 21 die Lichtseite her* 
vorhebt : ovre ydg diaTQißal rwv h Ugotq oi't« xaigol rüv togtaa^ßv 
ovxe nQuinq ovvs otpiiq tvg>Qahovonr erfQcu fiuXXov wf oqCfitv y dQmfiep 
uvtoI negl &(ü)v , ogyioforrtq rf x°Q ( ^ ovre( i ? Övoiatq naqovttq q.rtXs* 
xaVqi vgl. Nitzsch 1. c. p. 22 und die mit den Mysterien überhaupt 
verknüpften Hoffnungen §.32, not. 10. 

33) Hom. H. Cer. 47 fgg.; Tgl. Spanheim ad Call. B. Cer. 6 fgg. 

34) Vgl. das. y. 202 fgg. und Schol, Nicand. Alexipb* 130 mit 
§. 29, not. 3; über Baubo aber insbes. Clem. Alex, protrept. p. 13 
mit Lobeck Agl. p. 818 — 827 und Millingea in Ann. ' delT Inst, 
archeol. J843, T. XV, p. 72 — 97. 

35) Kvxtdv, Polei mit Mehl und Wasser, s. Voss ad H. Cer. 206 
und mehr bei Hildebr* ad Arnob. V. 25; übrigens nicht mit andern 
gleichnamigen Getränken zu verwechseln, die auch den hier ver- 
bannten Wein nicht ausschlössen ; Tgl. Preller Demeter S. 98, 
Nitzsch z. Odyss. III, S. 14, Naeke opusec. II, p. 144. 



§. 56. . Allika. Mctageitnion. Boedromion. WJ 

36) Vgl. CaUim. H. Cer. 8 und namentlich Owd. Fast* IV. 535 t 
quae quia prineipio posuit jejunia noctis, tempus habent mystae 
sidera visa cibi,' was gewiss nicht allein, wie Preller S. 100 will, 
auf den lesten» sondern .räe lwi<4ftt:tiirö#ficben Ramadan auf jeden 
der nenn Tage geht, über welche wir jedenfalls nur se mit jenem 
das Fasten ausdehnen können. • * * 

37) Cic. legg. II. 14: quid ergo aget iaeehus Eümolpidneqne 
nostri et augusta iila myeieria, &iqw<letn tacra nQcfrrna tollimu,* 4 ! 
▼gl. Eurip. Ion 1077 und den Missbrauch bei Clem. Alex, protrept. 
p. 14: xotq lAVWfihotq irj Ugd rrjq dxQaoiaq *i/£ hri Xukovfihy, Hai to 
nvq IXkyxt* T « ia*<hf dydovjfo*/««?©». ; . r ; • • 

38) Plnt. gu. *]rmp. II. 1i h 'EXivqPh petd %d ßvanJQia xijq 
navijyvqaaq uxfia^ovarjq tloTMüfti&a x. t. X. ' 

39) Dahin vielleicht schon die ßaXXrjrvq, navqyvQiq (Äfh. IX. 71) 
oder «ogry (Hesych. I, p. 686) i»i Jqftov&rrt %& KtXiov dyopivy, 
▼gl. Preller Demeter S. 109 und Stnhr a.a.O. S. 410; ausserdem 
aber erwähnt Artemidor Oneirocrit. I. 8 jährliche Stierkämpfe ev 
jimnfi nagu ratq &tuTq h 'EXtvotvi, und auch sonstige Wettspiele 
kommen unter dem Namen 'EXtvolvta. vor, welche kein Grund ist 
mit Müller S.282 einige Monate früher auf ein besonderes Aerndle- 
fest zn verlegen; vgl. Aristid. I, p. 417: dy&va S\ yvpvixor y$vlo&a* 
hqütov kv . EXtvolvh tijq 'Amxijq nal to dO-Xov tUa* rou xctQnov tov 
yav&hroq, mit Schol. Pind. Olymp. IX. 150, auch C I. n. 271 und 
1068, Gell. N. A. XV. 20, und die Preis vasen bei Panofka im 
archäol. Intell. Bl. 1833, S. 110 und Rathgeber in hall. Bncykl. 
III. 3, S. 124. 

40) Athen. XI« 93: nXrjßoxorj oxtvoq xtgotfitovv ßepßixäfoq idgaVov 
V üv XVy • xotvXiaxov *Wo* ngoqayogtvovat . . xgcürrut öl ttvzm h cjUv- 
ol*y vfi TtXtvxuiq, Tut fVöTTjQtwv ypiQtf^ ipf nal aV avrov ngoqayoQivovo* 
nXrjuoxoaq* h y dvo nXy/AOxoaq nXtjQiaouvrtq itjv t*lv ngoq dvaroXdq 
ijjr S\ nqoq dvoiv dvund/Atvoi uvarQknovoiv ImXkyorttq yrjöiv ftvöttxtjv : 
▼gl. Hesych. II, p, 979t und mehr bei Fritzsche qnaestt. Aristoph. 
p. 149, über die mystische Formel aber vielleicht Proclus ad Piat. 
Timaenm p. 293: tiq d% rovrovq ßXtnövnq xal h roTq *EX*votviotq 
UqoVq tiq fthr toV avQatov ävaßXinovriq ißow v& (Lobeck v<), %aiaßXi- 
yarvtq 6i tiq xrjv yijv voxvU (Lobeck xyt) % wenn man nicht zu dem 
berüchtigten intqxavrjua r(T(X(Of*hoiq xoy^ ofinat aus Hesych. II, p. 290 
greifen will, dem freilieh Lobeck p. 775 fgg. jede Beziehung auf 
die Mysterien abspricht; ▼gl. Ste-Croix 1, p. 386 und Crenzer 
Symb. IV, S. 399. Wichtiger ist übrigens die Frag«», ob die Ple- 
mochoen wirklich den Schlnss des ganzen Festes oder nur der 
mystistkem Feier gemacht haben; wenn jedoch die RathsiUung im 
Eleusinium , nach welcher Meier (s, not. 8) den Schlnss des Ganzen 
bestimmt hat, nach Andoc. myster. §. 111 rfj vartQala twv fAVonjqiotv 
statt hatte, so wird man auch Athenäus Worte bis auf Weiteres anf 
diesen deuten können. 



§.56. 
Ausser . den Eleusimen fielen in den Boedromion 
auch das allgemeine Todtgnfest oder die Teviota am 
5ten 1 ) und die beiden Dankfeste für den Sieg bei Ma- 



288 • Th. III. Feste bestimmter Orte. 

rathon am 6ten 2 ) und für die Wiederherstellung der 
Demokratie durch Thrasybul am 12ten des Monats 3 ), 
deren ersteres sieh namentlich durch das Opfer von fünf- 
hundert Ziegen für Artemis Agrotera ' auszeichnet 4 ) $ 
ungleich bedeutender sind jedoch schon die beiden ersteh 
Feste des folgenden Monats Pyanepsion, von welchen 
das eine, dem dieser Monat selbst seinen Namen dankte, 
am 7ten dem Apoll 5 ), das andere, die Oschophorien, 
dem Dionysus geheiligt 6 ), beide aber wesentlich Aerndte- 
feste und zur Darbringung der Erstlinge des Feldes be- 
stimmt waren. Selbst der Name der Pyanepsien erinnert 
an die gekochten Hülsenfrüchte, wie sie auch sonst der 
Gottheit als Erstlingsopfer geweiht wurden 7 ) ; insbeson- 
dere aber ward an diesem Feste die €iQEOiwv7] y ein mit 
allerlei Erträgnissen des Herbstes begangener Oelzweig 
unter Begleitung volksmässiger Lieder umhergetragen und 
sowohl vor dem Tempel des Festgottes als vor den eige- 
nen Häusern aufgehängt 8 ) ; und in ähnlicher Art hatte 
man auch an den Oschophorien Weinranken mit Trau- 
ben, die theils von zwei weiblich gekleideten Knaben 
einer Procession vorausgetragen 9 ), thtils von auserlese- 
nen Epheben aller Stämme im Wettlaufe aus dem Tempel 
des Dionysus in den der Athene SciraQ in Phalerum 
gebracht wurden, wofür der Sieger ein aus den fünf 
hauptsächlichsten Jahresproducten gemischtes Getränk er- 
hielt 10 ). Gleichzeitig scheinen übrigens auch Mütter 
und Kinder in demselben Athenetempel eingeschlossen 
besondere Gebräuche vorgenommen zu haben , die vor- 
zugsweise JSuiQa Messen n ) und sich auf ihre eigene 
Fruchtbarkeit bezogen haben mögen; und daran schlössen 
sich dann vom 9ten bis töten Pyanepsion 12 ) die ähn- 
lichen Weiberfeste der thesmophorischen Demeter, zuerst 
die Silvia mit den gewöhnlichen Neckereien dieses 
Cultus 13 ) , dann die Qeo/no<poQia zu Halimus am Vor- 
gebirge Kolias, wohin sich die Frauen zu diesem Ende 
in -Procession begaben 14 ), und hierauf das dreitägige 
Hauptfest in Athen selbst 15 ), dessen erster Tag der ge- 
meinschaftlichen Rückkehr 16 ), der zweite dem strengen 



§. 56. jittika* Boedromwn. Pyariepsion. 289 

Fasten gewidmet war, das auch hier den Geist zum 
Danke für dieWohlthaten derGöttinn vorbereiten sollte 17 ), 
nm derentwillen sie am dritten mit Opfern nnd Tänzen 
als KaXXiyiveta oder Mutter schöner Kinder und damit 
zugleich als Beschiitzerinn des Ackerbaues und des Ehe- 
standes gefeiert ward 18 )« Denn hierin lag wesentlich 
der Begriff dieses Cultus und trotz mancherlei späterer 
Vermischung 19 ) sein Gegensatz zu dem eleusinischen 20 ), 
dessen Symbolik die wechselnden Gestalten des mensch- 
lichen Lebens mit den Schicksalen der Saat verglich, 
während die Thesmophorien den Ackerbau als Bild der 
ehelichen Fortpflanzung 21 ) und mit dieser gemeinschaft- 
lich als Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft auffass- 
ten 22 ) ; Und wenn daher auch diese Feier bisweilen zu 
den Mysterien gerechnet wird, so gilt dieses doch viel- 
mehr der ausschliesslichen Theilnahme des weiblichen 
Geschlechtes 25 ) , das sich namentlich auch zur Vereh- 
rung der weiblichen Natur selbst 2 *) in einem besonders 
dazu bestimmten Gebäude versammelte 25 ), und aus dessen 
Mitte dann auch die Vorsteherinnen dieses Dienstes durch 
Wahl oder Reihewechsel hervorgingen 26 ), Schwieriger 
ist die Frage, wie sieh die drei heiligen Pflugfeste, 
welche die Athener jährlich gefeiert haben sollen, zu 
den geschilderten Gülten und ihrem Monate verhielten 27 )^ 
dagegen gehört diesem, wenn auch in ungewisser Zeit- 
lage 28 ), das ursprünglich drei- später viertägige 29 ) Ge- 
schlechterfest der 'AnaiovQta an, an welchem nach Opfern 
und Belustigungen der Familienglieder insbesondere auch 
die neuen Aufnahmen in die Phratrien stattfanden so ) ; und 
am lezten Monatstage begegnet uns endlich noch das 
Schmiedefest XaXxela, das ursprünglich sogar ein allge- 
meines Volksfest gewesen seyn soll 31 ) und jedenfalls 
auch später in seiner Beziehung auf ^.tUene Ergane 
wesentlich in den Cultus der Schutz- und Burggöttinn 
eingriff * 2 ). 

1) Bekk. anecdd. p. 86 t ovot}% « Uqx^q dtjpoxilovs lA&t}v(uq 
2oXwf h TotC «Soor*: Tgl. da», p. 231; ioqtij aceptt 'A&qwxioti; mv&y- 

T 



290 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

fittqoq (nh&tftoql Lobeck ad Pbrynich. p. 104), ol di t« Nfxvoia, 
und mehr oben §.48, not. 9; über die dort damit zusammengestell- 
ten NffxtöHa aber insbes. Uarpocr. p. 206 mit Creuzer Symb. II, 
S. 463 und III, S.513. 

2) Plut. glor. Ajtb. c.7 : txrij fikv loraphtv BoydQof»t&voq loht vvv 
rtjv iv Magu&wvi vixrjv tj nöXiq togrufci: Tgl. V. Camill. C. 19 und 
mebr bei Freret in M. de TA. d. Inscr. XVIII, p. 134 fgg. und Böckh 
im Berl. Sommerkatalog« 1816, die freilich die Zeitbestimmung für 
den Schlachttag selbst nicht zugeben; doch s. Monatsk. S. 27. 

3) Xaoioiygia iXiv&fQtaq' iv kxtlvj] ydj) ol uno 4>vXrjq xuttjX&ov, 
Plut. ibid. 

4) Plut. malign. Her. c. 26 : ovdt xrjv n^oq "Ayqaq no^nijy *oto~ 
gtjxuq, rjv ntpjiovom *i> vvv %$ «mp xagiorfigia xtjq vixqq (ogrd^oyvtq 
. . . tvtufihovq ydq <pao* roiiq *A&qvaiovq ttj Aygorlga &vouy x^dgovq 
oöövq uv twv ßagßdgtov xaraßdXmotv t hlxrt firtd rtjv fiuyrjv dvagi&ftov 
TiXrj&ovq twp riHQÜv uvag>avivToq , nagaiTilo&at, %ptj<piopaTi yrjv &tov f 
onoiq xoö-' ixaarov hianzov uvq&vmoi ntvraxoolaq täv x i t*dgo)v: v ßl* 
Xenoph. Anab. III. 2. 12, Aelian. V. bist. II. 25, Schol. Aristoph. 
Equ. 660. 

5) Plut. V. Thes. c. 22: &dipaq dt xov natfga r$ 'AnoXXuvt xtjv 
tvytjy untdidov r» tßdo/Ajj xov Uvavftpt&voq ptjvoq loxaphov, xavrrj 
yan dvlßrjoav tlq Sorv oot&tvxtq: Tgl. die Lexikogr. und C. I. n. 523': 
Hvaviy/Mvoq AnoXXmvi .xal Agripidt C nonavov x oi9 ** M i°* oy&ovfaX&ir 
xal xa&yfttvov dvdtxovyaXovl 

6) Plut. ibid. c.23: uyovcn dh xal xqv tw» 'floxocpogicav togxrjv 
&t]oi(oq xaraaxtjaavroq' ov yeep ttndoaq ftt/roy Qayaytlv %dq Xaxovoaq 
tot« nag&nropq, dXXd xSh owq&tov vtavioxwv ddo ... ifißaXilv tlq xov 
Twv nagO-hcov uqi&jaov xal . diaXa&ttv unavxaq • intl dt inavijX&tv^ 
avxov xt no/xjtivoai xal xovq viaviaxovq oirro>q refintx&fifrovq , taq vvv 
dfuiixovra* rovq oJcr/ovc <pigovrtq' plfovb* dt Jiorvoa> xal AQtddvjj 
Xaq^ofjitvQb diu xov iavQ-ov, tj puXXov oxt evyxopiZaphqq ontugaq ina- 
vrjX&ovz Tgl. Meursii Theseus p. 61 fgg., Ho eck Kreta II, S. 109 fgg. 9 
Gail eulte de Bacchus p. 235 fgg., Kugel quaest. Waxiae p. 44 fgg., 
und über die Wortform Pott etvmol. Forsch. I , S. 223 , wonach 
vielleicht die Schreibart oox°9°Q ta besser ist; über den bacchischen 
Charakter des Festes aber insbes. Ath. XIV. 30 und die Zusammen- 
stellung mit den Lenäen Alciphr. I. 4. Die Zeit hat Corsini F. 
Att. II, p. 354 freilich nur annäherungsweise den Pyanepsien gleich- 
gesezt; inzwischen geht sie mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht 
nur aas der Traubenrtife, sondern ajuch; aus der mythischen. Ver- 
knüpfung mit Aegeus Tode bei Plut. c. 22 hervor: ol dh avv xXav&no> 
xal &oQvßqj ojitvdovrtq avkßaivov tiq tjJV noXiv, o&fv xal <vi!v h roiq 
'JLoXoyogioiq OT€<pavov4f&di pkv ov xov xtjgvxa Uyovaw dX%d t jo xygv- 
x«ov, ljii96t*(& dt rat? pnovdaXq tXttfv iov lov; und ihre Identität mit 
den SxtQotq s'ezt sie jedenfalls auch mit den' nähen TbesmophdrieA 
in Zusammenhang»,' vgl. Gerhard Vasen b. I, S. 137 und unten not. 
U und 13. j;' 

7) Vgl. oben §. 24, not. 18 und die mythische Beziehung bei 
Plut. c. 22 : tJ fikv ovv i'xprjotq tojv oongicav Xfytrai yaio&cu diu ro 
oa&ivraq avvovq tlq tuvto ov/i/iita* rd ntQiovra roiv oirlwv xal fjtiav 
Xvrguv xoivtjv fyijoavTaq ovvfOrut&yvat : über die Etymologie aber 
(nvavoq = xva/ioq) Poll. Vf. 61 und Eustath. ad Iliad. II. 552. 
Uebrigens auch nicht bloss athenisch; Tgl. den cyzicenischen Kvart- 



§.56. Attika. Boedromion. Pyanepsion. 291 

y«ov €. I. n. 3662 und Lykurgus bei Phot. lex. p. 471 : xul rjptXq 
Ilvarotplav Tavrrjy ryy toqvijv xuXovptv, ol dh aXXot "EXXtpn q Ilawtyiar, 
ort ndrttq tldov rovq xagnoi/q rij oV«, wonach Bergk Beitr« z- Mo? 
natsk. S. 65 fgg. selbst den dorisch -äoli sehen IJdvafioq anf diesen 
Namen zurückfuhrt. 

8) Plut. V. Thes. e. 22: rrjv d\ ägtoiilryv IxfiQovo* . tdafov Uuiaq 
*gi(p uvtortßiftivov iöqntQ vott Ttjy Ixtrygiav^ Ttavxodan&v de (hdnXtwv 
xuvaQYHaTtßv diu %o Xifiat. xrp dfpogiuv, tnufomq* 

tlgtoiwvq avxu g>tgt$ xal nlovaq agtovq 
xal piXi fv xotvXij xal tXatöv drurprjoaa&nt, 
xal xvXix* tv£(oqov\ üjq uv fit&vovoa xa&tvdfj : 
▼gt. Eustath. ad Iliad. XXII. 495: tovtov ixpfgtt. nulq afiipi&aXijt 
xul rtd-qoi ngo &vg£v l47t6XXa>voq h Tofq IIvuYtyioiq 1 auch Suidas 
s. v. dtaxoviov und über die Privathäuser Schol. Aristoph. Bqu. 729; 
im AHg. aber CD. Ilgen Elgtotiovy Homeri et alia poesis mendi- 
corum Graecorum speeimina, Lips. 1792. 4 oder Opusce» I, p. 129 — 
184 und das Progr. von C. Th. Anton: comparatur mos recens 
hieme expulsa aestatem cantu salutandi cum similihus veterum mo- 
ribus, P. II, Gorlic. 1840. 4, p. 11 fgg. 

9) Prodi Chrestom. bei Phot. bibl. c. 239, p. 322 : <üöxog>ogtxu 
piXrj nug* 'AS-yvuiotq tjäiroy tov x°Q *' 6\ dvo vtttviat, xatd yvvaVxaq 
ioToXiopfvo* xXrj/xa dpciJXov xoftfiovriq fittrtov tv&aXtov ßorgvtav %rjq 
toQTtjq xa&tjyovvro . . . rjv fo fj naganofinrj ix tov Aiovwfiaxou Ugw tlq 
to Tijq *A&rjvuq rrjq Sxtgudoq ripirdq , iTitiro d\> ToVq riuviaiq o £oooc 
xul j]df tu ftkXrji vgl. Alciphr. III. 1 und Hesych. II, p. 1599: 
woxo<poQiov ronoq 'A&tjvflöt <t>aXygoT, i'v&et ro vtjq *A(hpuq Itgovi oder 
1^tW°<?? Etym. M. p. 824; Bekk. aneedd. p. 318. 

10) Proclus: 11 fxdatrjq di yvXfjq l'qrrjßoi (tvyevttq Seztjf esychius 
hinzu ; Schol. Nicand. Alex. 109 dixyi&uXtlq) äuj/itXXßvTo nqroq dXXfj~ 
Xovc, ög6/*<p f xal tovtüjv o ngortgoq iytvsro ix tijq ittvtanXtjq Xfyofihrjq 
(piuXtjq, 7} ovvtxiQvÜTo IXctiü) xal otva) xal fiiktri xal tvqio xal aXpiroiq: 
Tgl. Ath. XI. 62, der das Fest geradezu SxLga nennt, ohne das« 
man es darum, wie zu Polyan. III. 10. 4 von Sievers Gesch. Griech, 
S. 226 und Rehdan tz Iphicr. Chabr. Timoth. p. 68 geschehen isti 
mit den Scirophorien des Juni verwechseln dürfte, s. Müller in 
hall. Encykl. III. 10, S. 88 und Gerhard in Abhh. d. Berl. Akad. 
1842, S. 424. . 

11) Vgl. Aristoph. thesmoph. 834, Eecles. 18, und die dnnvo- 
fpogla bei Hesyeh. I, p. 907 und Harpocr. p.74: ort al t&v xara- 
XfxXnpivtov naldwv HTjTtgiq tlql:ttp,nov xad-** ijfifgav aiholq TQotyrjv fiq 
to xijq 'A&rjvaq Ugov iv o> dijjT&rro , xal avral on*fy}nv tkonatoptva* 
Tovq (ctwüiYy was Müller a.a.O. S. 84 um so wefirger • auf die 
Arrhephoren an den Scirophorien beziehen durftß, aU. es sowohl 
Philoehorus in Bekk. aneedd. p. 239 als Plnt. V. Thes. e. 23 aus- 
drücklich mit der Fahrt nach Kreta in Verbindung setzen ; die 
Cekropstöchter, welchen diese Speisen xatd T*ra pwjrixov Xoyov dar- 
gebracht wurden, konnten auch mit «fem Culte .fol £xlgp verknüpft 
seyn. Eben dahin gehört, was Pbitoehtrus bei Phot. a. v« TqonijXlq 
lehrt: h> d\ To%q 2*lgoiq rij togr^ jjofoov ayoaocta *V«a toi" pt,Mt^€0&iU 
dipqoiuriwv , <aq av pq ftvQav ditonvhitv, und aller Wahrsoheinlichkeit 
nach auch das Würfelspiel, das Etym^ M. p. 717 und Eustath. ad 
Odyss. I, 107 im Tempel der üxtgdq kennen, vgl. J.Chris üe in^uirjr 
into the antient greek game, London 1801. 4, p. 111 fgg. ,• und 

T2 



292 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

Becker Charikles I, S. 488, obgleich ich dieses weder mit Creme* 
Symb. III, S. 395 auf plane tarische Symbolik, noch mit Gerhard 
etrusk. Vasen S. 23 auf ein Loosorakel , sondern einfach auf die 
fv&vpia und nagtjyogia beziehe, derenthalbtn nach Plutarch den 
Kindern dort auch Mährehen erzählt wurden. 

12) S. Preller in Zeitschr. f. d. Alterth. 1835, N. 98, wo diese 
ganze Chronologie zuerst urkundlich und übersichtlich regulirt ist, 
insbes. nach Phot. lex. p. 87 und Schol. Aristoph. Thesnioph. 80 c 
dfxdxt} fr 'AXiftovrx* BianoyoQM ayexaiy Sqxt xqIxtjv j*\v dno dtxdxrjq 
d(od(xux^r <**«*, iiiotp d\ ptj ovvaguO-ftovftfr^q ttjs ätxuxrjq . . . hdtxdxi] 
Ilvavfrpttovoq avodoc, datdtxuxy rrjOTfla^ fr r/ a%oXqv uyovoat vnoxHrra* 
u\yxn>alxiq lxxX7}Ot*£ovöau ntgl EvgmLdov* xgtqxuidixdrrj KaXXtyfriut x. r, X. 

13) Schol. Thesm. 834 : dwoxtgai logxai yvraixwv > tu pfr Sryviu 
ngo dviiv xifr SiOfto9ogiatv TIvay(\ptoJvoq frury 9 tu dl Sxiga Xtyea&ul 
g>aal xirtq tu ywoftoa Itgu fr xfj (ogrjj xavxrj JqfttjTg* xal K6gtj 9 ol 
di St* ini JZxLgat S-vixat, rfj 'AO-qu}: vgl. Phot. lex. p. 538 : eogxjj 
'AOyvflan', fr fl idoun y uvodoq yfvfoO-at, vijq JrjuTjxgoq • iXoidoQoivro 
d* fr avvjj vvxroq ul ywulxiq dXXrjXuu;, und mehr bei Crenzer IV, 
S. 379 und Preller Demeter S. 339, der es bereits mit dem Zuge 
nach Halimus in Verbindung sezt. 

14) Alimontia mytteria, quibus in Liberi honorem patris p hallo* 
subrigit Graecia et simulaeris virilium faseinorum territoria cuncta 
floreseunt, Arnob. V. 28 nach Clem. Alex, protrept. p. 21, unstreitig 
dasselbe Fest , zu welchem Solon nach Plutarch c. 8 nuaaq rüg 
yvvalnuq ttj Jfjfirjxgi> xrjv ndxgtov Ovaiuv IniTtXovaaq am Vorgebirge 
Kolias versammelt fand; vgl. Paus. I. 81 : 'AXipovaioiQ pfr &tot*o- 
g>ogov Jrjßtjxgoq xal Kogqq iorfr Ugov, und über die Oertlichkeit 
Westermann Demen von Attika S. 46 und Ulrichs ol Xifiheq twv 
*A&qr&v 9 Athen 1843. 8, p. 27. 

15) Hierüber Tgl. im AJlg. Meursii lectt. Att. IV. 21, Ste-Croix 
sur les mysteres II, p. 3 — 19, du Theil in M. de l'A. d. Inscr. 
XXXIX , p. 203 fgg. oder in Dindorfs Comm. in Aristoph. VI, 
p. 513—553, A. Wellauer de Thesmophoriis , Vratisl. 1820. 8, 
F. V. Fritzsche de Aristophanis Thesmophoriazusis secundis, Rostoch. 
1831. 8 und hinter s. Ausgabe Lips. 1838. 8, S. 578 fgg., Creuzer 
Symb. IV, S. 371 — 380, Preller Demeter S. 342 fgg. 

16) Hesych» I, p. 386: urodoq y hdtxurrj xov nvavty/iwvoq. 9 ort 
al yvvalxtq dvigx orra * ***> Sta/io^qgiai also nicht nach Kleusis, wie 
man früher allgemein annahm, was aber vielmehr xd&odoq seyn 
wurde; und wenn auch Photius wirklich diesen Tag so nennt, so 
wird die andere Angabe auch bei Alciphr. III. 39 bestätigt; vgl. 
Preller Zeitschr. f. Alt. 1835 S. 789 fgg, 

17) Cornnt. N. D. c. 20, p. 165: vqoxivovöi di «Ic T»/»yr rijq Jtj- 
ftrjrgoq, ijrok ytgaigovTtq avxijv ldi(o t^ojiai ***J dnagxyq, tj diu to 
ngoq fitav rj^gav dntx*o&<** **>* dtdo/tfrmv avxötq vn avxijq y rj *av 
tvXdßiiav hbiktq nagd vijq &tov nozt yfvophqq: vgl. oben §. 43, not. 4, 
und hierher insbes. Plut. Isid. et Osir. c. 69 .:. xal ydg A&fjvpo* 
vTfOTfvovotv al yvvaVxtq fr 0*vpo<pogi<nq /a/ua* xa&Tjfitvai,, auch V. 
Demosth. c. 30, wenn gleich mit der falschen Zeitbestimmung i 
xarforgtipt d* my enl dixa xov JIvav^f.uutoq f fr rj Ttjv oxv&QwnoxuTyv 
xwr Qiaftotpogl** yprfgav ayovoi nagd Ttj &f$ p^axevovaat, cd yvtatxtq^ 
woraus zugleich das hervorgeht , dass wenigstens für diesen Tag 
an die Procession - mit dem *uXa&oq t wie sie da Theil u. A. aus 



§. 56. Attika* Boedromion. Pyanepsion. 393 

Callim. H. Cer. auch nach Athen übergetragen haben, nicht zu 
denken ist. Aach der ululatus per compita, den Ste-Croix aas 
Serv, ad Aeneid. IV. 109 hierherzieht, ist diesem Feste fremd; da- 
gegen gehört zu demselben wesentlich die dyvtia an aydoo?, die 
schon mehre Tage vorher (per novem noctes , Ovid. mei, X. 434; 
vgl. Clem. Alex. Stromatt. IV, p. 522) begonnen zu haben scheint 
und selbst durch künstliche Mittel unterstützt ward, Tgl. Schol. 
Nicand. Ther. 70: xovvfa etdo? ßoTuvyq, yjvxitxq d* avrrj ngoq ovvov- 
aiavj 6to xal lv rotq Beo^totpogiotq (Otqwwvto , nnd ähnlich über ayvoq 
Plin. H. N. XXIV. 9, Aelian. H. anim. IX. 26, Eustath. ad Odyss. 
IX. 453, über xv(u>q*v Hesych. II, p. 984 u. s. w. 

18) Dass Aristoph. Thesmoph. 302 KaXXiyivtut ah eine besondere 
Gottheit neben Demeter nnd Kora aufführt, ja nach dem Scholiasten 
derselben als Saifiiay thqI rrjv JrjurjTqav den Prolog seines zweiten 
Stücks in den Mund gelegt hatte, kann nicht hindern, diesen Namen 
des dritten Festtags zunächst als Epithelon der Göttin n selbst zu 
fassen, das nur eine einzelne Aeusserung ihres Gesammtbegriffs per- 
sonificirt, ohne dass sie darum Fritzsche p. 583 mit der Iambe 
der Eleusinien in eine Classe werfen durfte; dagegen bemerkt der- 
selbe p. 592 sehr richtig, dass auch dieser Tag von den versam- 
melten Frauen im Thesmopborium (s. not. 25) begangen worden sey, 
das Hesych. II, p. 1066 nicht hätte zu den avaatrioiq der Athener 
rechnen können, wenn es nicht anch zu den Opferschmäusen ge- 
braucht worden wäre, welche Alciphr. III. 39 durch &vit,r tu KaX- 
Xtyivua andeutet. Nur Blumenkränze waren nach Schol. Oed. CoK 
681 wohl anch hier noch verboten; dagegen zeugt für den heiteren 
Charakter des Festes an diesem Tage der lascive Tanz xviopoq oder 
oxXaOfiu bei Poll. IV. ^ 100: ovtüj ydg h @tOf*o<poQta£ovoatq ovo/tafrra* 
to ogxVf* a T0 * H*Q<H*°* x<*2 ovrcovov, Ttjv d' aviqv xal vyqdv wvofAO^ovi 
und das freilich räthselhafte aber doch wohl auch nur mit Lobeck 
Agl. p. 680 zu den Zeitvertreiben der Festgemeinde zu rechnende 
Xulxidixov öitoypu bei Suidas III, p. 651 und Hesych. I, p. 1013 : &voia 
ti<; *AO-fjvrjaiv h dnogQ?]T<p rtXov/Uvij vno twv yvvaixwv Iv 0tOf*og>oQiotqi 
bis, wie es scheint, zum Schlüsse (vtiIq t&v ytvophow, Hesych. I, 
p. 1584; als iniTiXiapa 9 Harpocr. p. 122), wie die Plemochoen in 
Eleusis, ein Sühnopfer, faftict, dargebracht ward, vgl. Wellauer p. 40. 

19) Dahin vor Allem Schol. Theoer. IV. 25, dessen Angabe von 
den nuQ&ho^g ywai£l t welche xard Ttjv rj/xiqav rijq TtXtTJjq rag vopi- 
fiovg ßißXovg xal Uguq vjiiq twv xogvywv avTüJv dveriO-ioav xal (oqavel 
XiTavtvovocu dnrjgxovTo *k 'EXivolva, theils früher mehrfach (z. B. 
Pitture di Ercolano V, p. 288), theils namentlich noch von Bröndsted 
Reisen und Unters, in Griechenland II, S. 240 — 249 missbrancht 
worden ist, um nicht nnr Kunstwerke in diesem Sinne zu erklären, 
sondern auch das attische Thesmophorinm selbst mit dem Eleusinium 
zu verwechseln; gleichwie aber bei Aeneas Tact. poliorcet. c. 5 
nnd Justin. II. 8 offenbar die nämliche Geschichte, die nach Plnt. 
V. Solon. c. 8 nnd Polyaen. I. 20 nach Halimns gehört, irrig nach 
Eleusis verlegt ist, so werden wir auch dort eine ähnliche Verwech- 
selung annehmen und, wenn auch nicht mit Preller Demeter S. 340 
und 352 jenem Scholiasten allen Glauben absprechen , doch mit 
Fritzsche p. 580 seine Nachrieht vielmehr auf eine Procession nach 
Kolias beziehen dürfen, obgleich auch so die Annahme von Büchern, 
die anf den Köpfen getragen worden, viel Missliche« hat, vgl. oben 
§. 1, not. 11. 



aal TL III. Feste bestimmter Orte. 

20) Richtig scheidet schon Isoer. paneg. §. 28 1 xa* dovoyq Sojgeuq 
cf*rra?, aC itiyiorat Tvyx<ivovoiv ovoat, rovq xt xagnovq, oX xov pr} 
&qgiwdwq tjjv rjpüs oXtkh yeyovaoi, »al Ttjv rtXtxtjv, rjq ol fMxaaxomq 
ntgi vt rtjs tov ßiov xfXeuTfjq xal xov ovpnavToq alwvoq TJöiovq raff 
IXntöaq l'xovotv: von Neuern bereits Salmas. exerc. ad Solin. p. 752, 
Harduin ad Themist. p. 416, und selbst da Theil p. 207, wenn 
auch mit seltsamer Verwechselung: il paroit que ees mysthres re- 
traf oient la moniere dont Ceres avoit regle les moeurs des komme* 

jusqu alors dures et feroces, tandis que toutes les partieularites 
que nous savons sur les Thesmop hör ies, semblent ne faire Musion 
quaux aventures de Ceres et de Proserpine, et representer allegori- 
• quement Vinvention de la semence et du labourage ; ungleich besser 
Böttiger Kunstmythol. II, S. 264 fgg. und insbes. Preller Zeitschr. 
S. 790 und Müller in hall. Encykl. I. 33, S. 290 fgg. 

21) *Agovgu &i]XtXa, naidw yvrjal<av ugoToq t Tgl. Hemsterh. ad 
Luc. Tim. c. 17, Dorv. ad Charit, p. 345, Ast. ad Pia t. legg. p. 410, 
Welcher ad Theogn. p. 97, Preller Demeter S. 355, Jahn in Ritschis 
Rh. Mus. III. S. 480 u. s. w. 

22) Vgl. Stfrous ad Aen. IV. 58, insbes. die Stelle aus Calvus: 

et ieges sanetas doeuit et eara jugavit 
corpora eonnubiis et maghas eondidit urbes, 

mit Lobeck Agl. p. 650, und mehr bei Wytt. ad Plut. p. 873, Wel- 

laner p. 19 fgg., Preller Demeter S. 351 fgg. 

23) S. oben §. 32, not. 17 oder §. 43, not. 7 nnd hierher insbes. 
Aristoph. Thesmoph. 472 und Eccles. 443 mit Wellauer p. 14 fgg. 
Dass nur diejenigen Zutritt gehabt hätten, die vorher in Elensis 
geweiht gewesen, ist ein altes hoffentlich jezt beseitigtes Vorurtheil; 
eher scheint es dass nur Verhenrathete Theil nahmen, Tgl. Wellauer 
p. 28, Fritzsche p. 580, und jedenfalls sezte die Theilnahme nach 
Aristoph. Thesmoph. 330 (vytvilq yvvaVxaq^ d. h. zwar nicht eine 
besondere Bürgerclasse, wohl aber athenische Vollgeburt voraus. 

24) Theodoret. cur. Gr. äff. III, p. 784: xal tov xri>a roy yvvui- 
ntXov — oiJtöi d\ to yvvaixrfov ovopu&vot, pogtov — iv roVq Qeofiio<po- 
gloiq nagu twv TCTtXtopivwv yvvaixwv &tiaq n/irjq dUovfAtvovi Tgl. 
Ath. XIV. 56 mit Lobeck p. 167, und über den sonstigen Muth- 
willen dieses Festes Apollod. I. 5 und Cleomed. cycl. theor. II. 1, 
worauf sich wahrscheinlich auch das nfyagifciv bei Clem. Alex, 
protrept. p. 11 bezieht, s. Müller Dor. II, S. 349 fgg. 

25) Vgl. Schol. Aristoph. Thesm. 585 mit Preller Demeter S. 342 
nnd Raoul-Rochette lettres archeol. p. 174 fgg. 

26) Vgl. Isaeus Ciron. hcred. §. 19: a* rt yvvatxtg al r&v dqfto- 
räv pnxd ravra ngovxgivav avrrjv pträ rijq JioxXhvg yvvaixoq tov 
Ili&hiq ugx*** «*? tu GBöftopogia xal noutv vd vou&ptva fiter ixtlvjjq i 
und bei dem*. Pyrrh. her ed. §. 80 Btopoyogia hrinv %dq yvvaTxaq 
als Liturgie; vielleicht auch die ßiXtooat, welche Porphyr, antro 
Nymph. p. 261 Itgtiaq } richtiger vielleicht Schol. Theoer. XV. 94 
hulgag oder Hesych. II, p. 566 pvaxtdaq rijq drjprjTgoq nennt, und 
die nach Schol. Pind. Pyth. IV. 104 jedenfalls zu der GfOftotpogoq; 
in nächster Besiehung stehn, obgleich der Name an sich jede Ver-» 
walterinn eines Gnltus bezeichnen kann, ohne dass man dabei mit 
Ste-€roix I, p. 243 an ihre Reinheit oder mit Schwenck mythol. 
Skizzen S. 5 an die Süssigkeit der Nahrung, geschweige denn mit 
Menzel mythol. Forsch. S. 193 an die gebärende Naturkraft ztt 



§. 56. Attika. ßoedromion. Pyanepsion. 295 

denken brauchte, Tgl. oben §.35, not. 2 und Meineke anal. Alex, 
p. 361 ; nur ist mit diesen Vorsteherinnen der Festgemeinde, die 
jedenfalls verheil ratbete Frauen waren, die jungfräuliche Tempel« 
priesterinn, Itgeux, hfjq Qtöfiio<pdgov , bei Lucian. Timon. c. 17 und 
dial. meretr. VII. 4 nicht zu verwechseln, s. Spanheim ad Call. H. 
Cer. 43. 

27) Plut. conjug. praec. c. 42 s 'A&qvufot. rgtVq dgoxovq ItQovq 
uyovai, nguixov ini Sxlgia rov nuXutoxdxov tw> anogtov vnönvqfia, 
d*\>T(Qop iv xfj *PuQitf, tqIxo* vno JlUtv top xaXov/utrov Bon&yior: 
vgl. Creuzer IV, S. 431 oder Ann. deU*lnst. arch. 1835, p. 102 
und Preller Demeter S. 292. Bossler gent. sacerd. p. 11 sezt sie 
geradezu in den Pyanepsion ; wogegen Müller in hall, fincykl. I. 33, 
S. 291 das rarische schon mit den Eleusinien verbindet. 

2.8) Schol. Aristoph. Ach. 146: Xiyet dfc vvr negl 'Anaxovgiav, 
ioQTrjq inioijfiov dqftoxtXovq, dyofAinjq nugd roTq 'A&qvaioiq xaxd toV 
IJvavexpiwva ftijva (Theophr. char. 3) lul xgtZq tjfifguq • xaXovoi öl xrjv 
fjt\v tcqwtijv dogntiavj inttdq QQUTOQtq oxplaq aifvtX&ovriq txmxovvxo 
(Poll. VI. 102), rijv dfc divrtguv dvüggvoiy, dno rov dyaggvttv roxi 
&vttv, l'&vor di AiX <pQaxgiaj xul *A&qv<f' ?rjv dh rqirijv xovgtajxiv dno 
roxi toi»? xovQovq mal xdq »ögaq iyygdgxtv ilq rdq yguxgiaq : vgl. 
Xenoph. Hell. I. 7. 8 und mehr bei Muller Prolegg. S. 401 und 
Meier de gentil. Att. p. 11 — 14, namentlich auch über die Etymo- 
logie von jiuttJq oder narga =; o/ionavovQM statt der überlieferten 
von ujiuTT], die Creuz. Symb. IV, S. 152 und Gail eulte de Bacchus 
p. 220 nicht hätten beibehalten sollen. 

29) Hesych. I, p. 429: hgrrj 'A&rjvrjaw Inl jjftfgaq riaaaqaq ... 7 
di titÜqttj l'nifida: vgl. oben §. 46, not. 8; ja mit den Vorbereitun- 
gen mockte es noch länger dauern; vgl. das yyq>tOf*a ini KrjvKJodwgov 
ugxovroq Ath. IV. 71 s ontoq uv y ßovXrj ayrj t« IdnaxovQia ptvd xwv 
uXXwv 'A&yvafov xaxd rd naxgta, dqxVcr&a* rovq ßovXtvxdq dno rfjq 
yptqaq yq ol ngoxfo&ai, äyovot nhxi quigctq, mit Aristoph. Nubb. 1199. 

30) S. St. A. §. 100, not. 10—12 und über das damit verknüpfte 
Opfer ntZov Zeitschr. f. d. Alterth. 1835, S. 1142; hinsichtlich der 
Belustigungen aber namentlich den Fackellauf mit Hymnen auf 
Hephästus Harpocr. p. 184, das Wettrennen Schol. Aristoph. Pac. 
901, den Rhapsodenkampf Plat. Tim. p. 21 u. s. w. 

31) Eustath. ad Iliad. II. 552: Ixt ttt ngwro* 'A&yvaZoi «/«A- 
Kox'wqoav, SrjXoZ o elnotv oxi XdXxeia togxij dgxuia drjuoxtXrjq, varrgov 
di tmo fiovwv fjytro tü>v XfxvtxuJv wfl nal v4a IJvuv€\pt&voq : vgl. Poll. 
VII. 105: XuXxna ioQxrj h xfj 'Axxixq 'Hq,aioxaj Ugä und mehr bei 
Meurs. leett. Att. IV. 24 und Welcher Trilogie S. 290. 

32) Dass es zwischen Hephästus und Athene streitig oder viel- 
mehr beiden gemein war, zeigt Harpocr. p. 296 : ^uvodrjfioq d* ov* 
*A&rjvq q>T]oiv uyto&ai xrjv fogxrjv dXX' *Hqyai(Jxo) , und nach Suidas 
III, p. 650 hätte es sogar geradezu 'A&rjvuia. geheissen , wesshalb 
auch Müller in hall. Encykl. III. 10, S. 86 die sophokleische Stelle 
bei Plut. de fort. p. 99 und Panofka in Bull. dell'Inst. archeol. 
1832, T. IV, p. 68 eine Anzahl nolanischer Vasen mit der Eule 
hierher zieht, ja Böckh C. Inscr. I, p. 359 zwischen ihm und den 
Panathenäen schwankt; jedenfalls aber ist es bedeutsam, dass gerade 
an ihm die Arbeit für den panathenäischen Peplus begonnen ward, 
s. Etym. M. p. 805: iaxl di l'vrj xul via rov tlvavt^imroq , h tj xal 



296 Th. III. Faste Itstimmier Orte. 

Uqtiat fttrd rwr Jq(j7jv6qü)v ioy ntitlov <J*a£ovreu, wie «lMtreit|g mit 
Sauppe zu Leafces Topogr. S. 421 für dUtyovxaa, hergestellt wer- 
den mu88. 



§• 57. 
Der fünfte Monat des attischen Jahres, Maemakte- 
rion, hat seinen Namen von dem Feste des Zsvg /uai- 
/udwrjG als des stürmenden oder winterlichen Gottes *), 
das aller Wahrscheinlichkeit nach auf den 20sten des 
Monats fiel 2 ), und demzufolge auch wohl mit den Sühn- 
opfern zusammenhing , durch welche man den Schreck- 
nissen dieser Jahreszeit zu begegnen suchte 3 ) ; im Gan- 
zen herrschte inzwischen auch in dieser die Festfreude 
vor, die sich an den Genuss des Aerndtesegens anknüpfte, 
und namentlich gleich in dem folgenden Monate Posei- 
deon 4 ) reiche Gelegenheit fand. Dahin gehört einmal, 
das Tennenfest *j4Xä>a 5 ) , zunächst der Demeter heilig 
und desshalb auch namentlich mit einer Nachtfeier ver- 
bunden, die um so mehr Ausgelassenheit begünstigt zu 
haben scheint, je weniger sie das Gegengewicht eines my- 
stischen Charakters enthielt 6 ) ; gleichwie sich aber schon 
damit zugleich ein bakchisches Element verschmolz, das 
namentlich auf das Kosten des jungen Weines gerichtet 
war 7 ), so äussert sich jene Winterfreude überhaupt vor 
Allem in dem dionysischen Cultus 8 ), und zwar für diesen 
Monat insbesondere in den ländlichen Dionysien 9 ), in 
welchen aller Wahrscheinlichkeit nach auch die beson- 
deren Gebräuche begriffen sind, die uns unter den Namen 
Qeoivia und 'AoiuuUa begegnen 10 ). Denn dass ihre 
Feier mehre Tage hindurch dauerte, ist eben so wahr- 
scheinlich, als die bäuerische Lustbarkeit, die sich zumal 
in dem Wettstreite der 'AghwXux oder des Schlauchfestes 
ausspricht 11 ) , mit den improvisirten Spielen und Lie- 
dern harmonirt, die dort in den einzelnen Gauen der 
Landschaft die Weinlese begleitet haben mögen 12 ) ; und 
wenn auch einer oder der andere von diesen wohlhabend 
genug war, um sich nach dem Muster der Hauptstadt 
ein Theater zu errichten 15 ), oder sonst wandernde Ban- 



§. 57. Anika. Maemahterion. Poseideon. 207 

den die Stucke der classischen Dichter auch hier zur 
Aufführung brachten 14 ) , so lag es doch in der Natur 
der Sache, dass die Mehrzahl derselben sich fortwährend 
auf die einfachste Gestalt der Belustigungen beschränkte, 
die sich in dem Mittelpuncte der Landescultur zum höch- 
sten Kunstwerke veredelten 15 ). Nur die Keime der dra- 
matischen Poesie , die uns dort begegnet, dürfen wir 
auch hier um so sicherer erwarten, als diese ganze Dich- 
tungsart für das classische Griechenland wesentlich und 
allein dem bakchischen Cultus angehört 16 ) : aus dem 
Dithyrambus, sagt Aristoteles, ging die Tragödie, aus 
den phallophorischen Gesängen die Komödie hervor 17 ) 5 
und so werden wir auch für die ländlichen Dionysien 
theils die charakteristische Mimik dieses Cultus in Chor- 
reigen und burlesken Tänzen 18 ), theils namentlich auch 
die Processionen mit dem Symbole der männlichen Natur- 
kraft 19 ) voraussetzen müssen , an deren muthwillige 
Stimmung sich dann von selbst die neckischen Zwi- 
schenscenen und Verhöhnungen anreiheten, wovon noch 
in der entwickelten attischen Komödie die Parabasen 
des Chores zeugen 20 ). Uebrigens wurde dieses Fest 
nicht bloss in der weiteren Umgegend, sondern allerdings 
auch in solchen Demen gefeiert, die integrirende Be- 
standtheile der Hauptstadt selbst bildeten 21 ) ; und hie- 
raus ergibt sich dann zugleich die Bedenklichkeit der 
Annahme, welche das rein städtische Fest der Af t vaia 
mit den ländlichen Dionysien zusammenwirft 22 ), oder 
höchstens jenes für die Stadt dasselbe watf diese für 
die Landschaft seyn lässt 23 ): wäre es auch an sich 
denkbar, dass die Lenäen wie die Apaturien im ioni- 
schen Kalender einem andern Monate den Namen gege- 
ben hätten , als dem sie in Attika angehörten 24 ), so ist 
doch sowohl ihre Oertlichkeit 25 ) als die Symbolik ihres 
Cultus selbst 26 ) von dem ländlichen Feste zu verschieden, 
um eine nähere Verknüpfung beider zu verstatten 5 und 
da sie ohnehin anderswo zweierlei Monaten zugetheilt 
werden 27 ) , so nimmt die sonstige Uebereinstimmung 
des ionischen Lenäon mit dem attischen Gamelion auch 



298 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

das entsprechende Fest vielmehr für lezteren, den sie- 
benten des attischen Jahres, in Anspruch 28 ). 

1) Harpocr. p. 191: patpuxTTjq d* roxi* o h&ovOHüdijq xai xaga- 
xv*xo?, toq fprjai Avotßiaxtöqq h xw jkqI xutv 'A&qi'Tjai pqrww* «*QXyr 
<ft Xupßuvorroq xov xftßt&voq iv xovxat x£ prjvi o dtjg xaguxxetu* xai 
/AfTaßolqv *oz* 1 : T $' Greller Demeter S. 248. 

2) Nach Boeckh ad C. Inscr. n. 523, obgleich das dort er- 
wähnte Opfer zunächst dem Ztvq rwgyoq gilt 

3) Eustath. ad Odyss. XXII. 481 t xai ol xo ötono/AirtTv <ft tgpij- 
wtvovxiq e>aor»r ort Slov ixdXovv xfodior ItQtiov (§. 23, not. 21) xt&irxoq 
AiX fuiiixty ** roi< ! xa&a(j/*oVq q*&ivo*xoq MuufiaxT^güävoq firjvoq ort 
ijyorro xd nopnala t Tgl. Plut. cohib. ira C. 9 1 d*o xul xwv &u»v xov 
ßaoiXta /inki/iov 9 'A&rjyuto* d\ ßvupuutqy o2/mu xaXovoi, mit Maller 
za Aeschyl. Ems. S. 140. 

4) Seinem Namen nach bezieht sich dieser Monat freilich auch 
vielmehr auf die Stürme der Jahreszeit, die auch Eustath. ad Uiad. 
XV. 192 als charakteristisch für ihn hervorhebt; doch tritt diese 
Beziehung dergestalt in den Hintergrund, dass sich wenigstens für 
Athen nicht einmal das entsprechende Fest nachweisen lässt und 
nur noch das nönavov j^ornjuato* vrjtpuXiov, das im C I. n. 523 am 
8ten Tage desselben dem Poseidon, am 19ten den Winden verordnet 
ist, einen derartigen Cultus Terra th. 

5) Harpocr. p. 17: togrjj toxi* 'Axxixij xd 'AXwa 9 yy a-tja* &iXo- 
XOQoq ovofiaa&ijvat dito xov roxi xovg dv&gtanovq xdq diuxgtßdq noala&tu 
ntgl xuq aXwq m üyio&at, ö\ avxrjv yyatr iv to7 ntgl fogxwv Ilooiidwvoq 
fiyvdq: Tgl. Bekk. aneedd. p. 385: jjytxo d« Inl avyxofihdjj xwv xaQnwv 
fQQxrj 'Aiwa, f* tf xai Iloaudfovoq nofnntj 9 und mehr bei Taylor in 
Scbaef. app. Demosth. V, p. 594 und Preller Demeter S. 318, der 
namentlich auch die Willkür rügt, mit welcher Corsini F. Att. II, 
p. 304 dasselbe dem Hekatombäon zuschreiben will. 

6) Nur der Scholiast des Lucian p. 245 ed. Jacobitz. nennt es 
iogrij nvoxTjQta nfQtixovoa JrjfirjxQoq xai Kogrjq xai Jtorvoov, vielleicht 
weil es namentlich auch zu Eleusis begangen ward,^ vgl. Bekk. 
aneedd. p. 384 oder Eustath. ad Uiad. IX. 530 1 d«a ro xalq coia^- 
XaTq xa%q uno xijq aXm tot« xaxaxQyoao&a* q>lgoirtaq sie 'EXfvaVva 
und adv. Neaer. §. lH>t xai uXXa xt xaxyyoqtj&Tj avxov xai ox* 
Si-Htnrj xfj (Taiga 'AXuoiq inl xijq ioxaQaq xijq h xfj avXß *EXtvoVv* 
ngoqay oi)07] Ugtiov &votitv 9 ov vopiftov ovxoq iv xavxfl xfj rjpiga ItgeVa 
&vnv 9 ovi* tetivov ovoyq xijq &vaiaq dXXd xijq Uqtiaqi dass es aber 
aueh in der Stadt geschah, zeigt, selbst wenn Alciphr. I. 39 ver- 
dorben seyn sollte (Creuzer z. Galt. d. Dramat. S. 116), ders. II. 3« 
ool h uOTtt, nfvovotj d»ee xd 'AXüa xijq &ioin und eben so wenig 
macht die navm>xk I. 33 ein Mysterium aus, sondern erklärt nur 
die vorzügliche Theilnabme der Hetären, die auch aus Lucian. dial. 
meretr. I. 1 und VII. 4 hervorgeht. 

7) *Enl xfj xofijj xijq dfAxiXov xai xfj ytvot* xov oXvov xai xwv uXXotv 
xagnSv, Schol. Lucian. cit., vgl. Preller in Paulys Realencykl. II, 
S. 1060, der es geradezu für das ursprüngliche Weinlesefest des 
Eleusinier hält? 

8) Vgl. oben §. 47, not. 10 mit Preller a. a. O. S. 1057 — 1071, 
und* mehr über die attischen Dionysien im Allg. bei Barthelemy in 



§. 57. Attika. Jttaemakterion. Poseideon. 980 

M. de TA. d. loser. XXXIX, p. 172 fgg., Spalding in Abbh. d. 
Berl. Akad. 1804 — 11, S. 70 fgg., Böckh das. 1816 — 17, S. 47 Jgg., 
J. F. Kannegiesser die komische Bühne zu Athen, Breslau 1817. 8, 
S. 207 fgg., Gail sur la eulte de Bacchus p. 135 fgg., G. C. W. 
Schneider das attische Theaterwesen, Weimar 1835.8, S. 32 fgg., 
Tkirlwall im Cambr. philol. Mus. II, p. 273 fgg., F. V. Fritzsche de 
Lenaeis Ath. festo coram. I und II mit Mantissa, Rostoch. 1837. 4. 

9) Theophr. cbar. 3: IJooftdewvoq dh rd na% dyQjvq duovvoia: 
vgl. Hesych. I, p. 1000. 

10) Vgl. über erstere Harpocr. p. 143: t« xavd Srfiovq Jiovvoia 
Qtoiviu fXiytro, h olq ol ytvvrjTai_$ni&vov 9 über leztere Schol. Aristoph. 
Plut. 1129: fOQTtjv 'A&qvaZo* rjyov rd 'AoxuXia, tv y ivfjXXovro rotq 
daxotq tiq Tifirjv rov Aiovvoov^ mit Cornut. N. D. c. 30: tlq rov doxov 
hdXXovrat xard ruq 'Arnxdq x(6/*aq ol yfajgyol vfuvloxoi, und mehr 
bei Fritzsche mantissa p. 3 — 13, der namentlich auch die Ansicht 
bekämpft, dass eins derselben oder beide nach Schol. Aristoph. Ach. 
1002 und adv. Neaer. §. 78 vielmehr zu den Aolhesterien gerechnet 
werden könnte, und desshalb in lezterer Stelle die handschriftliche 
Lesart Qioyvta gegen Meursius und Gail p. 175 in Schutz nimmt. 

11) Poll. IX. 121 : o d\ doxwXiaopoq rov htQov nodoq alwgovfihov 
xard fiovov rov hfQov nrjdav inoiii, . . . daxwXidbtv äi IxaXtVxo xal to 
in>7i7}dav doxa xtvoi xal vnonXto) tivtvparoq dXyXiftfihip , IV wqniq 
oXio&dvoitv ntgl rrjv dXouprjvx vgl. Ruhnk. ad Tim. lex. p. 51, und 
mehr bei Venuti in diss. dell'Acad. di Gortona I, p. 87 fgg. und 
Köhler descripüoa d'un camee anti^ue du cabinet Farnese, Petersb. 
1810. 8. 

12) Ueber den späten Eintritt dieser s. PHn. H. N. XVIII. 31 
nnd mehr bei Kanngiesser S. 225 fgg. Preller S. 1059 sezt sie 
sogar noch zwischen die Dionysien und Haloen, doch s. Philarg. 
ad Virgil. Georg. II. 381 : Dionysia antiquissimi rustici confeeta 
vindemia faciebant. Von der dionysischen Feier selbst gibt das an- 
schaulichste Bild Aristoph. Ach. 241 fgg. mit Plutarch cup. dir. c. 8: 
tj nargioq rwv dtovvoiiov tog-ir) io naXatov inipntro dqftorixiug xal 
IXfXQMq, dptpoQfvq oSvov xal xXtjpariq, thu rgdyov rt,q tlXxtr, uXXoq 
»0/ccdair ufjgixov ijxoXovd-ti xofii£(üv t inl nuoi dl o tpaXXoqi dass auch 
die Sclaven sie theilten, zeigt ders. adv. Epicur. c. 16« 

13) So namentlich der Piräeus, der in dieser Hinsicht nach 
Demosth. Mid. §. 10 und Aelian. V. bist. II. 13 der Hauptstadt ganz 
gleich stand; vgl. Xenoph. Hell. II. 4. 32 und das diovvotaxov 
ötargov nqoq tfj Movwxty, Thuc. VIII. 93, dessen Identität mit 
dem piräischen Curtius de portub. Ath. p. 50 nicht verkennen durfte, 
s. Müller de munim. Athen. I, p. 7, Fritzsche ad Aristoph. Thesm. 
p. 144, Westermann in N. Jbb. 1844, B. XLI, S. 148, Weissenborn 
Hellen S. 204. Schwieriger ist die Frage, ob dort auch neue 
Dramen aufgeführt wurden, was Böckh über Soph. Antigone S. 200 
und Vater Unters, über dram. Poesie I, S. 10 gegen Seidler bei 
Hennann ad Antig. p. exm und Scholl Beirr, z. trag. Poesie I, 
S. 70 läugnen; doch lässt es sich immer denken, dass ein so reicher 
Demos die Kosten der Choregie auch aus seinen Mitteln bestreiten 
konnte. 

14) Vit. Aeschin. p. 269 West.: ßtrd xaxtov vtioxqitwv dXuo&tu 
xaz dyQovq: vgl. Böckh in Berl. Abhh. S. 75. Darauf auch wohl 



300 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

Isaeus de Cir. her, §.15: dXXd xai itq Jtorvöm «Ic dygov ijytv J}f*us 
xai per fofivov i&tatgovfitv xa&ijfitvoi nag ai/ror. 

15) Max. Tyr. diss. XXXVII. 4: ^AB-qvaloiq 6\ rj p\y nalouu fnovoa 
XoqoI naidtav tjaav xai uvÖqwv, yrjq igydxai xaxd dtj/iovq lard/Mvok, 
ufjrt, d/AfjTov xai dqoxov xtHovifiho* , qa/iaxa adorxtq avxooxidia • fiera- 
ntoovoa d% q Wxij $»J rix**]* axogiorov xdgtxoq h axrjvij xai &turQoiq 
(iqxrj nXrjutuXdaq iyhtxoz vgl. Horat. epist. II. 1. 13§ und Diosko- 
rides in Authol. Pal. VII. 41: Qiomdoq tvQtfia tovxo' xd d* dyQouaxtv 
«V vXav naiyvut xai xojpovq xovqd* «t* uuoxigovq AlaxvXoq itvyxaoi 
x. t. X. 

16) Servius ad Georg. II. 381: primi ludi theatrales ex Libera- 
libus nati sunt; Tgl. Cornut. N. D. c. 30: zu dt &vfitXtxd dxgod/iaxa 
i6v diovvoov &fgantvtk diu xrjv nqoq xdq &aXiaq olxfiortjxa x. r. X. 
Daher die Schauspieler ol ntgi Jtovvaop rt/vfr«*: s. oben §.7, not. 9 
und mehr bei Böttiger Opuscc. p. 338 und Morisaui de ludig Dio- 
nysiacis eorumqiie technitis in Inscr. Regia, diss. II. 

17) Poet. IV. 14; vgl. Ath. II. 11: dno /iithjq xui y xijq xgayco- 
diaq ivg«Jiq iv 'Ixagitp xijq 'Axxtxqq tvgi&rj xai xar avxov xo\ xijq- 
xgvytjq xatqov, dq>' ov drj xai rgvyadia xo ngüxov IxXtj&tj jj xco/Mrt- 
dia % und mehr oben §.29, not. 20 mit Bernhardy griech. Lit. II, 
S. 559 fgg. 

18) Dithyramb und Satyrchöre; Casaub. de poesi satyr. p. 5 fgg., 
Welcker Nachtrag z. Trilogie S. 220 fgg.; xogda^, Schneider Theaterw. 
S. 229 fgg., Böttiger hl. Sehr. II, S. 279 fgg., v. Leutsch Metrik 
S. 390 fgg. ; xgvyu»doi % Bentl. opuscc. p. 317, Intpp. Aristoph. Nubb. 
296, Böttiger kl. Sehr. I, S.262; ob auch für Tragödien ? s, Riedel 
in Jahns Archiv III, S. 258 und dagegen Müller in Welckers Rhein. 
Mus. V, S. 335, Fritzsche de Lenaeis I, p. 13, Bode hellen. Dichtk. 
III. 2, S. 21 fgg. 

19) Schol. Aristoph. Ach. 243 t yaXXoq IvXov iTiipTjxtq *x w ** T P 
axgoj cxvxivov aldolov ilyQTTjfihoV taxaxo de o yaXXoq tö> JiovvOto 
xaxd t* fiivorygiov: vgl. Theodoret. cur. Gr. äff* I 9 p. 722: yaXXa- 
ywyia tj xov (puXXov (oqti), xai ngoqixvvovv fAv tovxov xai xaxttfiXovv 
ol ogyidKovxtq «tzuvt«?, und über yuXXixor noiqtta cct'ro0£<d*oy Phot. 
lex. p. 637 mit Bergk com. Att. reliqu. p. 270 — 275. 

20) Ath. XIV. 16: t-lra ngoqxgixovrtq ir<a&a£ov ovq av Ttgottoivro: 
vgl. Eichstadt dram. com. sat. p. 75, Thiersch £inl. zu Pindar 
S. 107, und die Abhh. de parabasi veteris comoediae parte anti- 
«juissima von Kolster, Altana 1829. 8, und Köster, Sund. 1835. 4, 
mit Müller in Welckers Rhein. Mus. V, S. 341 — 347; dessgleichen 
die Spöttereien h xatq Jtowataxatq nofinatq inl xwv d/ialiüiv, woraus 
Horaz A. P. 276 freilich missverständlich Thespidis plaustra ge- 
macht hat, bei Harpocr. p. 247 mit d. Erkl. zu Demosth. Cor. 
§. 122 und Paroemiogr. Gott. p. 453. 

2t) A eschin. Tim. §.157: nqdrjv iv xotq xax* dygovq diowaloiq 
xwftwdtav ovxu)v h KoXXvtü) : vgl. Demosth. F. leg. §. 180 und über 
die Lage dieses Demos in der Stadt Leakes Topogr. v. Sauppe 
S. 316 und Forchhammer in Kieler philo!. Stud. S. 350 fgg. 

22) So Scaliger emend. tempp. I, p. 29, Palmer .exerec. p. 617 — 
619, Petit leggK Att. p. 112—117, Spanheim arg. Aristoph. Ran. in 
Becks Comm. III, p. 12 fgg., Oderici de didascalia marmorea, Rom. 
1777. 8 und bei Marini Iscriz. Albane, Rom. 1785, p. 161 — 170, 



§. 57. dttika. Maemakterion. Poseideon. 301 

endlieh Kanngiesser 'S. 245 fgg. und s. Recena. Hermann ia Leipz. 
Lit. Zeit. 1817, N. 59 oder in Becks Aristoph. V, p. 11 — 28, insbes. 
nach Scbol. Ach. 504: o iwy Jtovvoiwv dywv friXtfro dlq tov ?toi/c, 
to plv TiQWTOv l'agoq h aortt, ... to di devregov h dygoTq o inl Arjvait» 
dyoptvoq, ort thoi, ov naqrjoav, #«/i<oV ydg Xovnov rjvi auch zu v. 202 
und Apollodor bei Steph. Byz. s. t. Arjvuioqi ayvv Aiovvaov h dyqoZq 
dno ttjs Xqvov , woraus jedoch noch keineswegs hervorgeht, was 
Kanngiesser S. 294 daraus schliesst, dass auch das Ayvcuov nicht 
in der Stadt gewesen sey, Tgl. Fritzsche p. 86 und unten not. 25. 

23) Fritzsche p. 37 fgg., insbes. wegen Demosth. Mid. §. 10 und 
C. I. n. 157, wo er allerdings wahrscheinlicher p. 80 ix Atorvoltav 
t&v h IlitQaxt als Böckh p. 250 twv xar dyQovq ergänzt, um sie 
roXq Inl Aqvaitp entgegenzusetzen; doch beweist auch so die Ur- 
kunde mehr gegen als für die Gleichzeitigkeit beider. 

24) Vgl. Monatsk. S. 45 und 68. 

25) Das Arjvatov h Alpvfug in der athenischen Unterstadt, mgl- 
ßoXoq Tic ptyaq 'A&tjvtjow , h w Uqop Jiovvoov ArjvaLov , xai tov; 
dywvuq jjyov rovq oxqvixovq, Etym. M. p. 361$ Tgl. Hesych. I, p. 1364 
und II, p. 461 : Ai/ivab xonoq h *A&iJvcuq ävujtivoq AwrucHp onov tu 
Ajjvaia ijytxo, und mehr §. 58, not. 4. 

26) Böckh in Berl. Abhh. 1816, S. 117: «so erscheinen die 
ländlichen Dionysien als das mit der Weinlese entstandene natur- 
liche Fest, die städtischen als ein davon abgeleitetes — die Lenaen 
und Anthesterien als besondere Feste der Weinbereitung"; Tgl. 
Preller Demeter S. 389 fgg. und über den doppelten (ikarischen und 
el etherischen) Dionysuscult in Attika insbes. auch Osann in Verh. 
d. Casseler Philol. Vers. 1843, S. 25 fgg. Anders freilich Kann- 
giesser S. 207 fgg. und Fritzsche mantissa p. 28 , die ihren drei 
Festen eben so viele besondere Culte entsprechen lassen; doch 
zeugt dagegen schon der Conaparativ bei Thue. II. 1 5 : to iv Alpvaiq 
AtovvooVj (ü rce uQxai'oTtQa jiovvota ftottfra«, und der phallische 
Charakter der ländlichen Dionysien, der auch diese über Eleutherae 
aus Böotien abzuleiten zwingt, Tgl. Lobeck Agl. p. 661. 

27) Bekk. aneedd. p. 235 : yyiro dfc Tee fi\v mar uyqovq fltjvoq 
Jloattdmvoq , tcc d\ Ayvata raurjXiibvoq , tu fo iv aarei 'EXayqßoXiüivoq : 
Tgl. die Scholiasten zu Aeschines p. 729 Rsk. und Plato p.409 Bekk., 
wenn gleich jener nur den Aqvcudhr, dieser gar den MaipaxrqQuoir 
als Monat der Lenften angibt. 

28) Proclus ad Hesiod. i. x. ^i 502: tü> .Ta/^Aum, *a&* ov xul 
tu Arjvata nuq *A&rj*uloiq , "Iwvtq di tovtov ot/d' uXXtoq dXXd Ayvai&va 
xaXovon Tgl. Aristid. I, p. 452 und mehr bei Böckh in Berl. Abhh. 
S. 50 fgg. — Ueber den attischen Namen selbst lässt sich nichts 
weiter sagen, als mit Hesychius I, p.798: rapyXto)* o twv fttjvwv 
Trjq u Hqaq ItQoq, nämlich als Ehegöttinn , Plut. praec. conj. c. 27; 
oder gehört hierher Etym. M . p. 221 : yapyXta &voiu Totq h dytup 



§. 58. 
Eben so unzulässig ist jedoch ans demselben Grunde 
die Verwechselung der Lenäen des Gamelion mit den 



30Ö JA. III. Feste bestimmter Orte. 

Antfaesterien l ) , die erat dem achten Monate seinen Na- 
men geben 2 ) und jenen nur in sofern näher stehen , als 
sie mit ihnen die Aufsicht des Archon Königs 3 ) und 
die städtische Oertlichkeit lv jil/uvaig gemein hatten, 
deren Heiligthum nur einmal jährlich am 12ten Anthe- 
sterion geöffnet ward 4 ) $ dagegen Zeichneten sich die 
Lenäen neben den sonstigen Bestandtheilen einer bakchi- 
schen Feier durch dramatische Spiele aus 5 ), dergleichen 
bei den Anthesterien ursprünglich gar nicht und auch 
später nur als Vorbereitungen und Proben der komischen 
Schauspieler für die grossen Dionysien vorkommen 6 ). 
Ueberhaupt trugen erstere mehr den heiteren Charakter, 
wie er dem Namen eines Kelterfestes entspricht 7 ) 5 wäh- 
rend sich in den Anthesterien die Verehrung der in dem 
Gährungsprocesse des Weines geheimnissvoll wirkenden 
Naturkraft mit der Scheu vor den finsteren Mächten, die 
der nahende Frühling ohnehin zu sühnen drängte 8 ), zu 
einer mystischen Feier verschmolz , in welcher die bak- 
chische Lustigkeit zwar nicht unterdrückt 9 ) , wohl aber 
durch ernstere Festgebräuche wesentlich modificirt ward 10 ). 
Eine Hauptrolle dabei hatte die Gemahlihn des Archon 
Königs 1V ) , die an dem erwähnten Tage mit vierzehn 
von dem Könige gewählten und von ihr beeidigten 
Frauen 12 ) ein geheimes Opfer darbrachte und bei dieser 
Gelegenheit selbst mit dem Gotte des Festes vermählt 
ward 15 ) 5 auch andere symbolische Mummerei scheint 
nicht gefehlt zu haben 14 )$ und die festlichen Mahlzei- 
ten, welche die Bürger mit ihren Freunden und Sclaven 
im Dienste des, göttlichen Weinspenders zu Wettkämpfen 
des Trinkens vereinigten 15 ), hinderten nicht, dass die- 
selbe Festzeit als eine finstere betrachtet ward, in wel- 
cher alle übrigen Tempel geschlossen waren und die 
Geister der Verstorbenen, umgehen sollten I6 ). Im Gan- 
zen dauerte sie drei Tage, vom Uten bis 13ten des Mo- 
nats 17 ), deren erster Ui&oiyla oder Fassöffnung 18 ), der 
mittlere und hauptsächlichste Xoeg oder Kannenfest 19 ) 
hiess; den lezten bezeichnete vorzugsweise ein Opfer 
von allerlei Früchten in Töpfen, das dem chthonischen 



§. 58. jjttika. Gamelion. Anthesterion. 303 

Hermes und andern Unterirdischen dargebracht wurde, 
und Ton welchem der Tag selbst den Namen Xitgot 
führte 20 ). Doch war auch damit das gottesdienstliche 
Bedürfniss dieses Monats keineswegs befriedigt, und 
wenn es auch schwer nachzuweisen ist, worin die Schau- 
spiele bestanden haben, an welchen derselbe reicher als 
jeder andere gewesen sein soll 21 ) , so fehlt es ihm je- 
denfalls nicht an Festen, die mehr oder minder der ge- 
schilderten Richtung angehörten : schon zu Anfang feierte 
man die 'T&Qoyogia oder Wasserspendc zum Andenken 
der, mythischen Flut, die auch in die Symbolik der An- 
thesterien hereinspielt 22 )} auf den lösten fielen die 'dt&h 
ata zu Ehren des Zevs MetXi^ios 25 ), der den Beinamen 
de» > milden Gottes wohl auch nur prolep tisch oder eu- 
phemistisch führte und in demselben Sinne keine blu- 
tigen Opfer sondern nur. Feldfrüchte erhielt 24 )} und 
endlich gehören auch demselben Monate die kleinen My- 
sterien der eleusischen Gottheiten 25 ) , die in der Nähe 
der Hauptstadt zu Agra 26 ) gefeiert und als eine Yorweihe 
zu den grösseren betrachtet wurden 27 ). Insbesondere 
bestand diese aus Reinigungen in dem Flusse Ilissus, 
an dessen Ufern jener Ort lag 28 ) 5 die Feier selbst galt 
übrigens weniger der Demeter, als ihrer Tochter und 
demBionysus' 29 ), und wurde vielleicht mehr von Frem- 
den als von Einheimischen benuzt, da sie der Sage nach 
für Herakles eingerichtet sein sollte, der als Ausländer 
nicht sofort zu den grossen Mysterien gelangen konnte 30 ). 

1) So Seiden, ad marm. Oxon. p. 75—79 ed. Prideaux, Corsini 
last. Alt. IJL, p. 325 — 229, Ruhnken. opusec. p. 206—315, Wytten- 
bach bibl. crit. II. 3, p. 41 fgg #> Barth elemy in M. de TA. d. Iuscr, 
XXX1&, p. 172 fgg„ Spalding in Abbh. d. Berl. Akad. 1804 — 11, 
S.ZO fgg., deren Grunde jedoch bereits ro» Qdcriei, Kanngiesser 
und Fritsche beseitigt sind mnd schon dagegen rerfefbwinden müs- 
sen, dass die beiden Haupttage der An thesterien, die x°*$ D « Al " 
cipbr. II, 3, die ^t/rpot bei Ath. IV, 5 und Aeliari bist. anim. IV, 
43 ausdcüeJtlich von den Len&en unterschieden werden; Tgl. Böckh 
in BerK Abhh. 1816, S. 64 fg£. 

. 2) l Etym. M. p. .109': 'Av&tOryQla vd Miovvom' ovxm yag 'A&qvatbi 
xyp' $6Qtij* ktyoifffi, xai ^Av&sQTijQiwva rov firjvtt J 1 xa&' oy iavra imn- 
ifVvo, Inetör) ij yij Tor« «p/tTcu roxi dv&tZv y nugd to ra uv&q inl rfj 
foq-tij ln*>t$tiv: vgk Macrob. Saturn. I. 12 und im Allg. Gail cuite 



301 Th. III. Feste bestimmter Qrte. 

de Baechns p. 65 fgg« and Preller in Paulys RealencykL II, S- 
1061 fgg. 

3) Vgl. für die Lenäen Poll. VIII. 90 , für die Antbesterien 
Schol. Aristoph. Ach. 1924. Die lindlichen Dionysien dagegen 
wurden von den Demarchen, die städtischen von dem ersten Archon 
geleitet; s. Pollux VIII. 89 nnd Schol. Demosth. Mid. §. 17. 

4) S. adv. Neaer. §. 76 nnd üfrer ro iv Alpva«; Jiovvotov (Isäus 
Cfron. hered. §..15) überhaupt Thuc. II. 15 mit Böckh a. a. O. und 
Müller in hall. Encykl. I. 6, S.278; auch Geppert altgriech. Bühne 
S. 35 fg. 

5) Dem. Mid. §. 10 : 7 Inl Arjvalü) noßnrj xal ol xqaywdol ual 
ol xufiadoi; Ygi_Bockh S. 104 fgg. und Schol. Aristoph. £<ru. 547: 
toQtjj naq 'A&qvaioig tu Aqvaia, h y ft*XQ* vvv uyo)vi£ovra> nottpai 
ovyyga^ovriq Ttva aopara rov yiXao&fjvui, £«£•?, ontg o Arjiioo&htjq 
ilntv i$ «/*«£*/?? Der Tag l&sst eich nicht näher bestimmen, et 
müssten denn etwa die x*tt*W? Jwvvoov, welche C. I. n. 523 auf 
den 19ten Gamelion sezt, mit diesem Feste zusammenhängen. 

6) Nur die apokryphische Nachricht Diog. L. III. 56 schreibt 
wie den Panathenien (§; 54, not. 19) so auch den Cbytren drama- 
tische Aufführungen zu, wodurch sich Geppert a. a. O. S. £88 nicht 
hätte bestimmen lassen sollen, die von Böckh S. 95 fgg. schlagend 
beseitigte Ansieht von Meursius u. A. wieder zu vertreten, zumal 
da dort yon Komödien, auf welche Geppert selbst sie beschränkt, 
gar keine Rede ist; was aber die Einrichtung des Redners Lykurg 
betrifft , der nach Vitt. X. orat. p. 841 vopov tlqqinyxc riv ittql rwv 
xai/cpoW äy&va xolfc Xvrgotq imrtXtVv ifpa^Mov iv %ß &fVTQQ> *ai 
%6v vtxqoavta ic aaxv uuraXfyiO&at t nqoTtqoy ovx i£ot», uvaXaf*ßdv(ür 
tov uywva ixXtXoinoxa y so geht diese wohl nur eben auf die Schau- 
Spieler, deren Prüfung nnd Auswahl für die AtovvoM h «Vre» jenes 
öffentlich machte; und damit finden sowohl die /urgwo* dyüjvn; des 
Philochorus bei Schol. Aristoph. Ran. 220 als das Arjvaia xal xvtqovs 
&ttoQ(Vv Ath. IV. 5 und Menanders Interesse für dieses Fest bei 
Alciphr. II. 3 völlige Erklärung x ohne dass man mit Schneider 
Theaterw. S. 57 und Hanow exerc. ciit. ad com*. Gr. p. 72 fgg. 
an Dichter zu denken brauchte ; vgl. Fritz sehe de Lenaeis p. 54 fgg. 
nnd Meier in A< L. Z. 1836 Febr. S. 321; auch Ath. IV. 3. Bodes 
Hypothese endlich, der hell. Dichtk. III. 1, S. 92 die einzelnen 
Stücke der Tetralogie auf die vier dionysischen Feste verth/eilt, be- 
durfte kaum der Widerlegung von Witzschel in N. Jbb. 1843, B. 
XXXVII, S. 128, : f 

7) Mosch op. ad Hesiod. h *♦ rj, 504: Iniidrj rß Atovvwp ■ t*£ *«3» 
Xyväv fauorary ivtXovv iqqxtJv h töJ fiyvl roVTp, rp 'AftßooaUtvvua- 
Xovon * 'wahrscheinlich vom Genüsse des ersten beim Keltern ab- 
fliessenden Mostes", vgl. Böckh a. a. O. S. 111, Schneider* Thea- 
terw. S. 43 und 48, Preller in Realencykl. II, S. 1060. ■ : 

8) Vgl. oben '§.47, not. 5 und Fritzsche mantissa y. 4^ f£g- 

9) Schwärme nnd Neckereien wie $• 57. not. 20 kennen auch hier 
Suidas III, p. 700 nnd Phot. p. 565 1 'A&yvtfOk yuq iv %fi tu* Xoür 
toQTJJ ol ntOftdiovTtg inl twv dfnaim rovq dnaviwviuq toxwTfrov *al iXot- 
doQowi auch «axcwA*«? Schol. Aristoph. Ach. 1002, Tzetz. ad He- 
siod. t. x. r t , 366. 

10) Vgl. Ath* XI» 13 $ &avQ#yi*Q* eft n^oc tw UpS 9179« rot» iv 



§. 58. Anika. Gamclion. Anthesterion. 305 

AlfHKuq Jtorvaov xo yXevxoq p/goi'Toc toi>c 'A&qvaiovg ex xwv ni&wv 
tw &($ XiQvuvut, ,**#•' avTotg ngoqqtfgeo&ai.' ö&tv xui AifivuXov xXq&qva* 
to» Jtb*voov 9 oxi f*tX&* v xo yXevxoq tw vdaxt tot* ngaiTov eno&i] xtxga- 
*tvov, und insbes. den Zusammenhang der Xoeq in der Sage mit 
der Erscheinung des ungesühn^en Orestes in Attika bei dem,s, X. 49: 
tnv de räiv Xo&v eogxyv Q*uvodr]tioq (prjOb AqiHfyoipxa xov finGiAiu fiov~ 
Xofievov VTtodQaa&ai, jiagayevofitvov xov *Ogioxqv *A&tjva£e* ngqq de to 
leget ov &eXatv avxov ngoqievai, o?*d* ofioonovdov yevh&ai /ttJ7ta) dixao&evxa, 
exiXevoe oyyxXtia&rjvut, xu je legd xal x'ou oXvov ixdoxat nagaje&ijvat, 
xal ngaixta ixntovxt elnatv ä&Xov do&yoeo&ai nXaxovvxa ' nagyyyetXe de 
xal xov noxov navoa/jifaovq xovq ftev öxetpdvovq otq laxetpdva}vxo ngoq 
t« itga (*rj xi&iva* dtu xo opogo<povq ytvio&at x&- 'Ogioity , negl de 
xov %oa xov (ttvrov txaezov ntgi&ttva* xal xjj UgtUt dnotpigew xovq 
OTKpuvovq ngoq to Iv Aipvaiq t^wo?, Vvteixa &v&iv Iv xal Uqoj tu 
IniXomai auch Tzetzes »4 Lycop^r* 1374 uqd mebr bei Eritzicbe 
mautissa p. 41 fgg,. 

11) Bctottivva, Tgl. adv. Neaer. §. 75: t^* dl yvvaVxa avxov vofiov 
k&evvo doxijv elva/> xai pj) impf puypiiqv eiigut dvdgl, dXXd Ttag&kvov 
yapetv, Ivu xaxd xd ndxgtu &vyxai xd uggtjxnfL Ugd vxeg xyq noXeaiq 
... xal toüxov xov vopov yguxpavxeg \v QxijXfl Xi&Lvjj torijoav Iv xal 
legal toxi Jiovvaov nagu xov ßo)fiov h Aifivaiq x. x. X, 

12) rtgaVgat oder nach Diadorf adSieph.Thes. II, p. 582 richtiger 
yegagul, ul xal Aton'iaat xal i* Aipvaiq %ä legd intxtXovoat x» ugi&f*al 
dixax&fougtq , Hesych. I i p.: 879$ vgl. Etymol. M. p. 22-7 : nag 
'A&qtalotq ywalxiq Ttpcc legal ^ äc 6 ßaapievq xa&laxrjGiv ioagl&povq 
ToVq ßaifiotq xov Aiovvoov, Jtd to ytguigtw x*v &eo», und ihren Eid 
adv. Neaer. §.78. \ > .• ' .♦ ',: ! ,. ' 

13) Hesych. s. v. A*ovvoöv yd/ioq, vgl.- adv. Neaer. §.'7^ B11 ^ 
Preller Demeter* S. 390: •* die BMilidsa nchmlich sollte wohl bei 
jener Feierlichkeit Stadt ' und Land repräsentiren , welenes* dureU 
die Vermählung seiner obersten Magistratur mit dem Gotte sich 
dessen Gunst gleichsam' cöntractmässig • ffir das neue Jahr siehern 
wollte"; oder ist es mit Müller in hall.'Encjkl. I. 33, S. 290 auf 
die aus der Unterwelt emporkommende Kor* als Braut des Dionysos 
zu bezieben? # , _, , N . ,_ i . , ... 

14) Philostr. V. Apollon. IV. 21 : ot* uuXov vjioflrj^vavTaq Xvyia^ovq 
oügoivrai xal fiexa^v xijq , Ogg>ia)q inanouuq ' xe xal d-eoXoyiaq xu fiev 
wq ftgat x xd de, wq Nvf*q>at^ xd de wq J?ax/a* ,ngdxxovai , worauf 
Preller auch das xaradfl^at xrjv Xoalv eogxrjv Ath. XII. 45' bezieht. 
Auch eine Xaßndq\' Ro'ss Dem en p. 55. 

, 15), Aelian. V. his.^ X\. ,41 : xal iv Aiovimoü.d} Ttj twv £q.&*. hg*?} 
%govxftro d&Xqv, yaj n^vxf. TtXeav % vgl. Ath. X. 49 j v^q odXuiyyQS, 
Aristoph, Ach. 4014 r ,Ueber die Theilnajbme der Sc^aven ,s. oben 
§.43, .aot. 10 und Zcnob v . prov. IV. 33; über wechselseitige. Ein- 
laduugen und Festgejscbenke Athen. 1. c, und Schol. Arjstopb. Ach. 
961; nur trank man nichf aus gemeinschaftlichen Mischkrügen, son- 
dern jedem Gaste ward sein x »? besonders vorgesezt , was die 
Sage auch von Orestes herleitete, vgl. Plut. <ju. synip. II. IQ und 
Schol. Aristoph. Equ. 95: «Je av fAtj dno xov avxov xgaxrjgoq nivoiev, 
exuaxoj xwv xexXqfievatv nage&rjxe xovVf aueb Atb. VII. 2 und Lobeck 
Agl. p. 684 fg. 

16) Hesych. II, p. 600 : /nagal jjfiigai xov *Avd-eoxijgwvoq vqvoq* 
h atq xds ¥*'£<*? % ® v %axQ*xoi»lvtav dvUv'ai idoxovvi vgl. Suidaa II, 

u 



SM ILIO. Feste hnl! m llrÄ 

Je ■ r I I p. «3 %f. und Fi - 1 ' «■**.«■ Haft. DfV 



^»4 X»qn*t_ p.?69: 

3) V^- fmr die Leni, i> * _ ^^^ «■?*«»* ?7f"** = 
' Antopk. Ach. l.'.i w */■■* in Alle, fic 

«n den DcmlTrcli' 
; s. Pollnx VIII. 

4) S. adT. Neaer. $. * ^ .^ jf/ <■■■?■.!, "jftVfen^ 



§..35) ül» ^ J&Sm-num «k» aHÜLESfflm ttJ» 

im kalt. EncjW. ^ * fi**^»*» JEi^s JÜromt?: 

S- 35 %. VrümdLt ■»I...., n-37 fe. 

5) Dem. Mid. r " »-.>■ , ^ , . 

■miMten denn'c* . AeJ ^_ | «rf«- •«*» * jp^jÄ 

de» 19ten (in • «"■* "* *■** 




6) Nur i 1 

wie den P- " ^^ 

tische Au 0- .--^ ?•»■■- ■■»»- «*- f*- 1 ^ **• 

beseiti i; ir ^«-»^m»? j 

da dmi 
gar l,n 

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. ua<> FferJL V. SadL c 14= ftfa St ras 'l^wo; cvV«; 

- lüHtHitiarm Mnyn^iirr JCaÄcoMfauc, f^r^c ^p/« ^k^Lutv« 

»w«.-.«^»ub tot- lr»4>inr^fui»<B5 jitr»«*^, *• « i i mT tv^t^v 

ia M vu2 Mrrn «W ttV nra^i^uBr ««^Jhpav wi T^ f P^wlc 

.. : i« A%. aJfccr HUler n kesdkrL Em. S. 141 mmä 

.^ter S^ «*, *«r errät -ü Kerkl «dk «i h» 1. 1«. I 

yitifC^« OilW» tU» JL7JT9W *9uj*BE SsSPVT^f^ WKU J^OTQk |R1 

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3(^ 1C> * 



§. 58. Attika. Gamelion. Anthesterion. 307 

J;to tov dutq>vytlv avvovq tvxaVq rdq aoaq, ist eben so verkehrt als 
die darauf folgende Verwechselung mit den Dipolien des Sciropho- 
rion , die uns auch in Bekk. anecdd. p. 91 begegnet; doch drückt 
es wenigstens den apotropischen Charakter des Festes gleichfalls aus. 

24) Thncyd. I. 126: iorl yaQ xul *A 0-r/vaioiq Aidota, a xaXtXtat 
Aioq (oqti} MtiXtfiov fttyiarq, *£« tfjq noleatq, h J] navStj/Ati &vova$ 
noXXol oi>x liQita uXXd &Vf*ara Ituxwq iai vgl. Wolf anecdd. II, p. 336 
und mehr bei Grenzer Symb. III, S. 113, Müller zu Aeschyl. Eum. 
S. 139, Preller Demeter S. 247 , Panofka in Berl. Abhh. 1839, 
S. 146. 

25) Plut. V. Demetr. c. 26 : tu fiixQu tov 'Av&tOTTfQuavoq irtXiTro, 
xd di ptydXa tov BotjÖ qofxiGvoq , inamTWov di rotikuxiorov dno tth 
ptydXmv hiavrov dtaXinovriq 9 woraus zugleich hervorgeht, dass diese 
nicht mit dem ersten Grade der grossen (§. 55, not. 30) zu verwech- 
seln sind; vgl. überhaupt Ste-Croix p. 297 fgg., Creuzer Symb. IV, 
S. 386 fgg., Müller in hall. Encykl. I. 33, S. 278, Preller in Paulys 
Realencykl. III, S. 94 fgg. Ihre Zeit glaubte Böckh Staatsh. II, 
S. 252 noch vor, Preller Demeter S. 390 sogar gleichzeitig mit den 
Anthesterien setzen zu können ; . doch verzichtet lezterer darauf jezt 
selbst, und das Gegentheil dürfte schon aus Nonnus Dionys. XXVII. 
307 hervorgehn : ^fivaXov fitru Bdx%ov 'EXtvoivi<o Aiovvook 

26) Oder Agrae, Eustath. ad Iliad. II. 852; vgl. Bekk. anecdd. 
p.326: "Ayqat, xwQtor tlw rijq noXitaq 'A&qvaiv, ov rce ftixQu Ttjq Aq- 
}i7]TQoq aytrtu pvoryQia, u Xeyenu tu h "Aygaq wq h 'AoxXqniov: 
und mehr bei Harduin. ad Themist. p.415 und Ruhnk. ad Tim. lex. 
p.223; über die Oertlichkeit Leakes Topographie von Sauppe S. 182. 

27) Schol. Aristoph. Plut. 845 : xul tax* tu. /tixQu SqntQ itQoxd- 
&a{j oiq xul nQodyvtvoiq t<üv firydXar, 

28) Polyaen. strateg. V. 17 : nuqd xlv *IXkjoov 9 ov toV xa$-agfiov 
vtXovo* ToXq iXäiioOi, /ivOT^giocq. 

29) MLfiTjua twv nfQl xov Aiowaov, Steph. Byz. p. 10; vgl. Schol. 
Aristoph. Plut. 845 1 tjauv 6% t« p\v pfydXu trjq Atjf*fjrgoq , r« 6\ 
fiiKQa HtQatvovTjq Ttjq avrijq ä-vyaTQoq, mit Preller Demeter S. 120 
und Müller in hall. Encykl. I. 33, S. 290. 

30) Schol. Aristoph. Pin t. 1013: *HqaxXrjq yuQ Imordq ifeiov 
fiyflo&at,, i'&oq d* rjv ToVq y A&q*aloiq Ihov fiy fmtiv pi} ßovXofuvo* 
ovv Xvaut to i'&oq fiqdh unajocu tov tviftyiT^v intvorjgay inxqd fivorijqia 
tvfitTadoTu: vgl. dens. zu Plut. 845 und Ran. '501: h yug MtXlrrj 
drjiun irjq 'AxTixijq invij&y 'HguxXqq tu ftixQu fivarrjqiu : auch Tzetzes 
ad Lycophr. 1327. 



§. 59. 
Der nennte Monat Elaphebolion ist auch in Attika, 
wie in den meisten übrigen griechischen Staaten die 
Zeit der Frühlingsnachtgleicbe, der Artemis heilig *), zu 
deren Ehre wir dort ähnliche ' EkatptjßoXia vorauszusetzen 
berechtigt sind, wie sie uns anderswo wirklich begeg- 
nen 2 ) $ urkundlich kennen wir jedoch in demselben nur 



308 77t. ///. Feste bestimmter Orte. 

die grossen oder städtischen Dionysien 3 ) mit ihrer Vor- 
und Nachfeier oder dem Asklepiosopfer am Öten +) und 
dem Feste der fläväict 5 ), zwischen welchen beiden die 
Dauer jener wenigstens für die classische Zeit vom 9ten 
bis gegen den 15ten des Monats berechnet werden kann 6 ). 
Ursprünglich mochten freilich auch sie wie die länd- 
lichen sich auf die festlichen Züge oder die nofinrj und 
den KiZ/uog beschränken, deren ersterer, wie es scheint, 
das Cultusbild des Gottes aus dem Tempel am Lenaeum 7 ) 
in sein ursprüngliches Hciligthum am Ceramikus gelei- 
tete 8 ), der andere sich wie dort an den Phallus an- 
knüpfen mochte^ und so verherrlichen beide auch noch 
später 9 ) das Fest mit dein ganzen Glänze, den ihm der 
Reichthum der Stadt und die Begünstigung der Jahres- 
zeit verlieh 10 ); in demselben Maasse. aber, wie die bei- 
den Gattungen von Gesängen, mit welchen diese Ge- 
bräuche begleitet wurden, sich auf die obenerwähnte 
Art zu dramatischer Poesie verselbständigten, niusste 
auch der Umfang der Feier um so mehr zunehmen , je 
weniger darum die dithyrambischen oder cyklischen 
Chöre 1J ) wegfielen oder mit geringerer Ausstattung und 
Mannichfaltigkeit behandelt wurden 12 ). Schon die Wett- 
streite mehrer Chöre, die von den einzelnen Phylen aus- 
gerüstet wurden 13 ), nahmen eine grössere Zeit in An- 
spruch; als man aber einmal anfing, diese mit dramati- 
schen Zwischenacten zu verbinden 14 ) , und Theapis gar 
dem Chorführer einen besonderen Schauspieler gegen- 
überstellte, mit welchem jener bereits eine kleine Hand- 
lung durchführen konnte 1S ) , so war damit von selbst 
das Zeichen zu einer der grossartigsten Entwickelüngen 
gegeben, welche die Geschichte des menschlichen Geistes 
kennt 16 ). Während das gottesdienstliche Element für die 
Entfernung der Handlung aus dem bakchischen Mythen- 
kreise durch das Satyrspiel entschädigt ward 17 ), stellte 
Aeschylus neben seinen andern dramaturgischen Ver- 
diensten 18 ) nicht nur die Handlung in den Vorder- 
grund 19 ) , sondern gestaltete auch die erwähnte Reihe 
dramatischer Zwischenacte zu einer Anzahl gerundeter 



§. 59. Attika. Elaphebolion. 309 

Ganzen Um 20 ) ; und nachdem auf solche Art je drei 
Tragödien mit einem Satyrdrama zur stehenden Leistung 
der wetteifernden Dichter geworden waren 21 ), konnte 
es der dichterischen Freiheit wie dem ästhetischen Ge- 
nüsse nur zuträglich seyn, dass derselbe Sophokles, der 
durch Einführung des dritten Schauspielers die äusseren 
Hülfsmittel der Tragödie vollendete 22 ), diese vier Stücke 
vereinzelt auf die Mehrzahl von Tagen vertheilte 23 ), die 
jene Aufführungen ohnehin verlangten 24 ).- Gleichzeitig 
gewann auch die Komödie durch die Verknüpfung der 
megarischen Volksposse mit den phallischen Chören und 
Neckereien des attischen Cultus ihre dramatische Form 25 ) ; 
und wenn auch hier der Gang in sofern umgekehrt war, 
als die gänzliche Ungebundenheit , in der sie sich an- 
fangs als reine Privatsache bewegt 26 ) und den Freimuth 
der Demokratie mit der Masken freiheit des Festes ver- 
bunden hatte 27 ) , allmälig sowohl künstlerischen 28 ) als 
politischen und finanziellen Beschränkungen 29 ) wich, so 
erhielt sie sich dafür auch desto länger in lebendiger 
Ausübung und trug eine reiche Saat von Dichtern zu 
einer Zeit, wo die Tragödie sich fast nur in Wieder- 
holungen der grossen Classiker auf der Bühne erhielt 30 ). 
Was das sonstige Verhältniss beider Schauspiele betrifft, 
so nimmt man gewöhnlich an, dass an den grossen 
Dionysien die ersten Tagesstunden für komische, die 
späteren für tragische Aufführungen bestimmt waren, an 
den Lenäen dagegen die umgekehrte Ordnung herrschte 31 ); 
gewisser ist, dass der komische Chor aus vier und zwanzig, 
der tragische wenigstens seit Sophokles aus fünfzehn 
Personen bestand 32 ) ; doch werden wir auch bei diesem 
ursprünglich dieselben fünfzig annehmen dürfen, die bei 
dem dithyrambischen fortwährend üblich blieben 33 ) und 
nur in Folge der erwähnten Trennung in vier Stücke 
dergestalt vertheilt worden zu seyn scheinen , dass der 
Rest für Nebenchöre oder stumme Rollen verfügbar 
blieb 3 *). 

1) Vgl. die ephesiBche Inschrift C. I. d. 2954: xal tovto dt 
ptytöTov tov ntQ* athyv otßuoftov ioit zex/xtjtHov ro inwvvpov avrtjq 



310 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

ilvah ftrjva xaXovfMvov s nag yptv p%v *Agrf/MOtma 9 nagd <ft Maxtdooir 
xal Tolq XomoVq t&vtour 'Agifpioiov x. t. X. und die Vergleichung des 
spartanischen 'Agrtploioq mit dem attischen *EXaq>ijßoXnav Thuc. V. 19 
mit MonaUk. S. 47. 

2) Namentlich in Phocis, vgl. Plut. qu. symp. IV, 1. 1 und 
mnli. virt. c. 2; für Attika spricht nur Bekk. Anecdd. p. 249: *Ela- 
q>r]ßoXto)v txXy&q dno twv iXuq>o)v , (urtvtq tw firjvl toi/tw I&vovto rjj 
iXu(f>7jßoX<i> 'Agzi/tri*, und vielleicht Atk. XIV. 55: l'Xayoq nXaxovq 
o %olq 'EXuyyßoXioiq dvanXaaoöfiivoq dux orairoq xal fiiXiroq xal oqodpov. 

3) diovu'oia vu iv aoret = ßtydXai oder soll man mit Schneider 
jTheaterw. S. 37 nach dem Scholiasten zu Demosth. Mid. arg. p. 510 

beide Benennungen scheiden und die ptydXa für trieterisch halten? 
s. dagegen Meier in A. L. Z. 1836 Juli S. 319. 

4) Aeschin. Ctesiph. §. 67 i rjj oydorj loxuphov tov ^EXaqttjßoXtwvoq 
fiyvoq, ot tjv tw 'AohXtjtiiü) y 6-voia xal o ngoaywv h rij Ugä yfiega: 
Tgl. C. I. n. 157. 

5) Demosth. Mid. §. 9 : nouZv ttjv IxxXrjaiav h Aiovvoov ptrd rd 
Tluvdutx vgl. Theodoret. cur. Gr. äff. VIII, p. 906 und die Lexiko- 
graphen, namentlich Phot. p. 376 s IJdväsu togrtj t*c 'Ad-fjvflGt fttrd 
tu Atovvota dyofxhi] , dno üavdiaq rijq S(Xt'p>rjq^ rj dno üavdiovoq, 
ov lori xal q>vXrj inwwfnoq' äytrat dl airrrj tw AiX % Inovofiaad-iXaa 
lotoq ovvojq dno xov ndvra dilr &v(tv tw AUt Freilich deuten es 
auch Müller griech. Lit.gesch. I, S. 129 und Wachsmuth H. A. II, 
S. 485 auf die Mondgöttinn des 32sten homerischen Hymnus, worüber 
mehr bei Meineke ad Euphor. p. 112; doch kann ich darum die 
Beziehung auf Zeus und die Phyle Akdq (St. A. §. 93, not. 10) noch 
nicht aufgeben. 

6) Wenn der 8te nach not. 4 als ngoaytov galt , so kann der 
dytav kaum später als am 9ten begonnen haben; über seine Dauer 
aber entscheidet Aeschin. F. L. §. 61 : rovq 3rgvTd*tiq]f*tTu %d Atovvaia 
tcc h uorti xal trjv Iv Atovvaov ixxXrjoiav ngoygdyai ovo IxxXtjaiaq^ 
trjv ptv tfj oydorj inl dixa, tt}v 61 rjj hurt] Inl äixa 9 wonach die 
TIdvdta , auf welche nach not. 5 die IxxXrjai* iv Atovvaov folgte, am 
löten und folglich der Schluss der eigentlichen Dionysien am 15ten 
eingetreten seyn muss. 

7) Nämlich des *EXtv&igtvq (s. oben $.57, not. 26), der nach 
Paus. I. 20. 2 innerhalb des Arjvawv seinen besonderen Tempel hatte; 
vgl. Böckh in Berl. Abhh. 1816, S. 70. 

8) Paus. I. 29. 2: xal vaoq ov pfyaq lorlv, Iq oV rov Atovvaov 
xov *EXtvS-tgio»q to uyaX/ia dvd nur troq xopßovoiv l'v Ttvayfihaiq ypi- 
gatq: vgl. Philostr. V. Sophist. II. 1. 3: ontnt <ft tjxoi Atowoux xal 
xarloi iq 'Axadq/ulav to roxi Aiovvaov t'doq, mit Schneider S. 41 und 
Müller im Göttinger Sommerkataloge 1840 S. 6. 

9) Demosth. Mid. §. 10. 

10) Aristoph. Nubb. 310: ygl t in(QXopfoo) Bgofiia X"Q**t *vx*Xd- 
dtav t* x°Q^ v lg*&*<ff*ttTa t xal Movou ßagvßgopoq ui'XÖJv ; vgl. Schol. 
Acharn. 378: rjj twv Autvvoito* *oQTfl 9 r/rtq h %qj tagt, iTtiTtXftrai , h 
oi ifptgov tovq ipogovq ol ov/ipaxo* 9 und mehr bei Böckh a. a. O. 
S. 8Y fgg. 

11) Ath. V. 10: twv fi\v % A&tjvaiwv tovq Aiovvoiaxovq X°Q°vq xal 
xvxXlovq 7igorif*{ovT(ov : vgl. Schol. Aeschin. p. 722 Rsk. und mehr bei 
Periz. ad Ael. V. bist. X. 6 , Spanheim ad Call. EL Dian. 267, 



§. 59. Atiika. Efophebölion. 311 

Sturz ad Hellan. p. 90, Lütcke de dithyrambis p. 15, Bergk com. 
Att.reliqu. p. 83, und inshes. G. M. Schmidt diatribe in ditbyrambum 
poetarumque dithyrambicorum reliquias, BerJ. 1845. 8, p. 223 fgg. 

12) Dem. Mid. §. 156: xQaywdoVq xfxogyyyxf **&* oitxoq, ly<o di 
avXtjxuTq dvdfiaainr* xal ort xovxo xo dvaXoapa $xti*yq xijq danävyq nXhv 
toxi noXXä ovdrlq dyvoeV drjnovx Tgl. Lysias man. acc. §. 2 mit Bentl; 
opuscc. p. 353 und Böckh Slaatsh. I, S. 490. Eben dahin die 
natdrq bei Lysias und Dem. Mid. §.10; s. Preller Bealencykl. II, 
S. 1063. 

13) Seit Ol. XLVII oderXLVIII nach Eusebius Arm. p.111: his 
temporibus certantibus in agone dabatur tragus id est hircus, unde 
ajunt tragoedos nuncupari, Tgl. Jacob, quaestt. Soph. p. 104 fgg.,, 
Schneider de orig. tragoed. p. 27 fgg., Bode hell. Dichtk. III. 1, 
S. 28 fgg., und über den Bock als Kampfpreis Chron. Par. ep. 43 
mit den Erkl. zu Hör. A. P. 220 und Bentl. opuscc. p. 315, wo- 
gegen jedoch Welcker Nachtrag z. Trilogie S. 240 Bedenken er- 
hebt und den Namen vQayydia gelbst vielmehr mit Etym. M. p. 764 
daher erklärt, or* xd noXXd ol xoqol Ix Saxvqotv ovviovavxo, ovq 
ixuXovv TQayovqt 

14) Diog. L. III. 56: ngoxtgov ftlv porös o x°Q°$ dttdQaftaTi&v, 
▼gl. Welcker Nachtrag S. 228 und Gruppe Ariadne S. 124 fgg. 

15) Vgl. Welcker S. 246 fgg., Möller gr. Lit.gesch. II, S. 36, 
und m. Abb. de distributione personarum inter histriones* Marb. 
1840. 8, p. 57, wo insbesondere auch vor dem Irrthume gewarnt 
ist, der den vnoxgtTTJq des Thespis fortwährend monologisch agiren 
lässt; 8. dagegen schon Welcker S. 268 und neuerdings Droysen 
in Kieler philol. Stud. S. 48. 

16) Aristot. poet. c. 4: xal noXXdq fitxaßoXaq ftixaßaXovoa y 
xqayttidiu inavoaxo 9 tntl la/t xqv tavxijq </>voiv' xal xo xc xwv vno- 
xqrtuty nkij&oq l£ hoq tlq dvo TiQWXoq AloxvXoq jjyayt xal xd xov 
£oqov ijluvTüioe xal xov Xoyov jtQOtxaywvioxyv nagioxtvaoi , xQttq dh 
xal axTjvoyQayiav 2o<poxXrjq' Vxt d\ xo ftiyt&oq ix fuxqwv pv&(ov xal 
Xiteojq ytXoLaq did xo h oaxvgixov pcxaßaXitv oxpl dntaifivta&q , xo xe 
fttxgov in xtxQaplxqov lafißtVov lyhtxo : vgl. Diog. L t III. 56 mit 
Böttiger opuscc. p. 326 fgg. und Hauss dramaticae poeseos origines 
apud Graecos als App. II seiner Ausgabe der Poetik, Panormt 1815. 8, 

• *5 fgg.; auch C. E. Geppert die altgriechische Bühne, Lpz. 
843. 8, S.31 fgg. und Bernhardy griech. Liter. II, S. 576 fgg. 

17) Zenob. proverb. V. 40 : innöi) xSv x°Qw* l\ dgx^q tl&io/*ivuv 
di&vqapßov qduv tlq xov Aiovvoov ol uotyxal voxtQpv hßdvxtq Xtjv 
ovvy&ttav xavxTjv Aiarvaq xal KevxuvQovq yQoupav infxÜQoir» y o&iy ol 
&it6f*tvoi oxdmxovxiq l'Xtyov' ovdiv ngoq Awvvaov* diu yovv xovxo xovq 
Saxvqovq vaxegov tdolev avxoVq ngouqdyHv^ Xya f*rj doxwotv eniXav- 
&dvio&ai> xov &tovt vgl. Plut. qu. symp. I. 1.5 und mehr bei 
C. Friebel Graecorum satyrographorum fragmenta, Berl. 1837. 8, 
auch über die Reihefolge, wonach ursprünglich das Satyrdrama 
vorausgegangen seyn muss, wenn man nicht bei Zenobius nyoquq- 
dyuv lesen will. 

18) Philostr. V. Sophist. I. 9: noXXa xjj xQaytadUt IvvtßuXtxo, 
lo&ijxl T€ avTtjv xaxaoxtvuouq xal oxQißavx* i>\pTj\u> xal ijqqhüv fi'dioiv, 
dyyiXoiq xi nul QayylXoiq xal otq tnl oxyvijq xe xal vno axtjvijq, dit 
ngdxxeivi vgl. dens. V. Apollon. VI. 11 und Alex. Blomquist, quac 



l 



UH Th. III. Feste bestimmter Orte. 

ab Aeschylo accesserint momenta tragoediae GraeCae, Aboae 1823. 8; 
auch Heeren über die dramatische Kunst des Aeschylus in Bibl. d. a. 
Lit. u. Kunst, Gatt. 1791. 8, B. VIII, S. 1 fgg. 

19) Philostr. V. Apollon. VI. 11 : IvviotitXt rovq x°Q°*'S dnotddrjr 
orrac y rdq iwr VTioxyscüv uwtXiZu<; *v(j* na(tcurqoäittvoq to tmv 
/tov&Suöv titjxos, also im Gegensalze der früheren Einrichtung , von 
der Aristöt. Problem. XIX. 31 : xolXanXdota tot* vd ßiXrj t&v ph^ta* 
h %dlq TQuyüi$ia«i: vgl. dens. oben not. 16 mit Böttiger opuscc. 
p. 318, Welcher griech.Trag S. 70, Alberti de Aeschyli choro Sup- 
plicum, Berl. 1841. 4, p. 47, obgleich es nicht nöthig ist, mit 
diesen den Xoyoq nQfuzuyotviartjq bildlich zu nehmen, 8. de distrib, 
bist. p. 58 und Richter die Vertheilung der Rollen n. s. w. Berl. 
1842. 8, S. 4 fgg. 

20) Vgl. Welcher die äsckylische Trilogie, D ärmst. 1824. 8, 
Gruppe Ariadne, die tragische Kunst der Griechen in ihrer Ent- 
wicklung; Berl. 1834. 8, S. 40 fgg.. Scholl Beiträge zur Kenntniss 
der .tragischen Poesie der Griechen, Berl. 1839. 8, Vater Unters, 
über dramat. Poesie, Berl. 1843. 8, S. 68 fgg.* und hierher insbes. 
Droysen in Kieler philol. Studien S. 53 fgg. und Zeitscbr. f. d. 
Alterth.. 1844, S. 105 fgg., wenigstens in so weit ich mich damit in 
Jahrbb. f. <wiss. Kritik* 1843, S. 837 einverstanden erklärt habe« 

21) Gewöhnlich TiTQuXoyia y richtiger diduoxuXia genannt, in- 
sofern ersterer Ausdruck einen engern Zusammenhang der vier Stücke 
involvirt, als man im Principe annehmen kann, wenn derselbe auch 
anfanglich vorgeherrscht haben mag; vgl. Vater S. 67, Droysen 
Studien S. 55, Planck de Euripidis Troica didascalia, Gott* 1840. 8. 

22) Vgl. Aristot. poet. c. 4, Diog. L. III. 56, und im Allg. s. 
Biographie p. 127 Westerm.x nag Ala/yXo) dl Ttjv rgayüjdiav l'ftafrt 
xul noXXd txtuvovQyqotv h roVq uyü/Ot,, ng&Tov /jl\v xaraXyaaq ttJv 
ynoxyioiv iov nouytov . . . avrovg de rovq yogevraq noujoaq dvrl dwdfxa 
ntvTtxctldtxa xai rov tqItov VTtoxQirrjv i$tvgi , mit F. Schultz de vita 
Sophoclis, Berl. 1836. 8, p. 70 fgg. und F. V. Fritzsche: können 
die Philologen bis drei zählen ? Rostock 1843. 8. 

23) Suidas III, p. 349 : rgU rov dqu/ia nqoq d Qu pia uywvi&o&at., 
dXXd pr) TtTQaXoyiav , d. h. er führte ein, dass die einzelnen Dramen 
der kämpfenden Dichter, abwechselnd auf die Bühne kamen , nicht 
wie früher die vier Stücke eines jeden hintereinander abgespielt 
wurden , wie ich diese vielbesprochene Stelle in Jahrbb. f. wiss. 
Kritik 1843, B. II, S. 834 fgg. sowohl sprachlich als sachlich genü- 
gend erklärt zu haben glaube, ohne dass man darin mit Welcher 
Trll. S. 509 uud griech. Trag. S. 83, Scholl Beitr. S. 33 und i— iv, 
Müller gr. Lit. gesch. II, S. 81 n. A. nur die Auflösung des trilogi- 
schen Zusammenhangs zu finden oder mit Böckh trag. Gr. princ. 
p. 106, Hermann opuscc. II; p. 307, Süveru in Berl. Abhh. 1825, 
S. 44 ein einziges Drama an die Stelle der früheren Vierzahl zu 
/setzen brauchte; obgleich es daneben immerhin möglich bleibt, 
was Böckh im Berl. Winterkataloge 1841 — 42 p. 9 fgg. nach Plat. 
Symp. p. 173 A vermutbet hat, dass an den Lenäen nur einzelne 
Dramen gegeben worden seyen. 

24) Geppert a. a. O. S. 199 nimmt vier bis sechs Tage für die 
dramatischen Aufführungen der grossen Dionysien an und kommt 
damit , wenn auch aus unsichern Prämissen , gewiss der Wahrheit 
näher als Barth elemy in M. de l'A. d. Inscr. XXXIX, p. 172 and 



§. 59. Attika. Elaphebolion. 313 

Andere, welche für sfimmtliche Tetralogien nur einen, oder wie 
Schneider S. 35 zwei Tage annehmen t was diese und namentlich 
auch Fritzgehe de Lenaeis p. 43 aus Plut. de «xil. e. 10 folgern, 
liegt in den Worten c nXrjv /tiav ypigav, iv rj Atvoxqdxtjq xaö*' txaarov 
troq tlq aoxv xaxtjt* Jtovvaiw xatvoVq rqaytadoXq^ keineswegs, wahrend 
dieser de republ. seni ger. c. 3 ausdrücklich Ton ticer Spieltagen 
spricht : JIcoXqv dh xov xgaymdov loxoqovow tßdoprjxorxa txrj ytyfvrj/ihov 
oxxto xgay&Siaq h xixxagotv ypegaiq dtaywfiüacf&at: und gesezt auch 
dieses Beispiel sey mit Meier in A. L. Z. 1836 Juli S. 331 und 
Bernhardy griech. Lit. II, S. 670 nicht für Athens classische Zeit 
anzuwenden, so deutet doch auch hier das Verhältniss des &ta>gixov 
von einer Drachme (in* dioyuvTovt Zenob. prov. III, 27) zu dem 
Eintrittspreise von zwei Obolen (Dem. Cor. §. 28 und mehr aber 
verworren bei Schneider Theaterw. S. 235* f gg.) offenbar auf minde- 
stens drei Tage; vgl. Fritzsche de mercede judicum apud Athe- 
nienses, Rostock. 1339. 4, p*. 20 fgg. 

25) Vgt. Vatry sur Torigine et les progres de la comedie Grecque 
in M. de l'A. d. Iascr. XVI, p. 3&9 fgg., und die oben §. 29, not. 10 
citirten Schriften von Dahlmann, Schneider, Roeder, auch Gundolf 
de comoediae apud Graecos origine, Paderb. 1833. 4, und insbes. 
Meineke bist crit. comic. Graec. Berl. 1839. 8, p. 18 fgg., Bode 
hell« Dicktk. III. 2, S. 17 fgQ. % Geppert altgriech. Bükne S. 43 fgg. 

26) Aristot. poet. c. 5 : rj d\ xa/itodia diu xo py (movdd&o&ai t% 
dg%ijq l'Xu&e ' xal ydq x°Q° v *&p*>d£>y oyi noxi o ugx<0* tdu)xev y uXi' 
i&tXovxal yoav. 

27) Platonius bei Meineke 1. C. p. 531 : xfjq Icryyogtaq ovv namv 
vnaqxovorjq adttav ol xdq xtüptodLaq ovyyQayovxtq tl%ov xov oxwiixtw 
xal oxgaxtjyovq xul dixuoraq xovq xaxwq dixd^ovxaq xal töjv noXtzoif 
rivuq q q>iXugyt'govq q av^wvTctq äotXytlni vgl. Isoer. de pace §. 14, 
Lucian. Anach. c. 22, Xenoph. rep. Ath. II. 18, und mehr bei Kann- 
giesser kom. Bühne S. 99 fgg. 461 fgg.. Rötscher Aristophanes u. s. 
Zeitalter, Berl. 1827. 8, S. 43 fgg., Limburg- Brouwer VI, p.81 fgg., 
Röscher Klio I, S. 295 fgg., Wachstnuth H.A. I, S. 598 fgg., Beru- 
hardy grieeb. Lit. II, S. 943. 

28) Anon. de comoedia das. p. 540: xal ydg ol h> *Axxtxjj ng&xov 
ovoxriaäßtvoi xo Itibvjjdtvfia xfjq xtuftipdlaq xal xd ngöawita tlqijyov 
äxdxxwq xal povoq rjv ytXwq xo xaxaoxeva&fuvov * Imyivofitvoq dl 6 
KgaxVvoq xaxitixijot fAv ng&xov xd h xfj xwfxtodiq ngbowna ptyQ* f^HÄr, 
ovcfxyaaq xrjv dxa^iav, xal xta %aQitvxi xijq xw/imäiaq xo wg>*Xiftov 
nQoqi&qxe: vgl. C. Beer über die Zahl der Schauspieler bei Aristo- 
phanes, Lpz. 1844. 8, S. 18 fgg. 

29) Vgl. St. A. §.171, not. 8 und mehr bei Meineke 1. c. p. 39 fgg., 
G.G. Brill de comoedia Aristophanea , L. B. 1837.8, p. 31 fgg., 
G. G. Cobet obss. crit. in Piatonis com. reliqu. Amst. 1840. 8, 
P- 7 fgg., Wachsmuth H.A. I, S. 830 fgg., und insbes. Bergk über 
die Beschränkungen der Freiheit der altern Komödie zu Athen in 
Schmidts Zeitschr. f. Gesch. wiss. 1844, B. II, S. 191— 219; dann 
über die Entstehung der s. g. mittlem und neuern Komödie Grauert 
in Niebuhrs Rh. Mus. II, S. 50 fgg. 493 fgg. und Roeder de trib. 
com. gener. p. 116 fgg. 

30) Vgl. Grysar de Graecorum tragoedia qualis fuerit temporibus 
Demosthenis, Gol. 1830. 4, Gravenhorst de causis corruptae post 



314 JA. III. Feste bestimmter Orte. 

bellum Pelopooncsiacum apud Graecos artis tragicae , Lunaeb. 
1838. 4, Kayser bist. crit. tragicorum Graecorum, Gott. 1845. 8, 
und insbes. Welcker die griech. Tragödien, Bona 1841.8, S. 899 fgg. 
Data die tragische Poesie nicht ganz aufborte, zeigt ausser zahl- 
reichen Dichternamen allerdings schon die Formel JiovvoLok; tqci- 
ywdolq xaivotq, ygl. Dem. Gor. §. 54 und mehr bei Hemsterh. ad 
Luc. Tim. c. 51 und Fritzscbe de Lenaeis p. 40 fgg. ; welches Ge- 
wicht jedoch daneben fortwährend auf die alten Dichter gelegt 
ward, lehrt Lykurgs Gesetz Vitt. X oratt. p. 841 : ras rgaymöLaq 
avröjv iv xoiväj yqayapbovg q>vXüxxHv xal rov rfjq noXuaq ygaft/taTfa 
naQuvuyivojoxtiv votq vnoxQn>of*&>oig t wie denn aucb Welcker S. 909 
fein bemerkt, dass die grössten Schauspieler immer nur in Rollen 
der alten Tragödie genannt werden; s. auch Lobeck Agl/^pT975 
und über die Schauspieler selbst Böttiger opuscc. p. 338, Geppert 
S. 248, Kreuser homer. Rhaps. S. 261. 

31) Vgl. Böckh in Berl. Abbh. 1816—17 S. 79 oder C. Inscr. 

I, p. 394 und nacb ihm Meier in A. L. Z. 1836 Juli S. 327, Muller 
griech. Lit. Geseh. II, S. 33, Droysen in Zeitschr. f. d. Alt. 1844, 
S. 122, insbes. wegen der Reihefolge bei Demosth. Mid. §• 10, wozu 
jedoch Bergk in Jen. L. Z. 1844, S. 1152 noch andere Grunde ge- 
rügt hat; aucb Firnhaber de tempore Heraclid. Euripidis, Wiesbad. 
1846. 4, p. 25 und über Aristoph. Av. 785, woraus Becker Charikl. 

II , S. 286 das Gegentheil ableitet , Wieseler advers. in Acschyl. 
Prometh. etc. Gott. 1843. 8, p. 102. 

32) S. Poll. IV. 108 und mehr bei Schneider Tbeaterw. S. 117 fgg. 

33) S. Schol. Aeschin. Timarch. p. 721 Rsk. und mehr bei Schmidt 
diatr. in dithyr. p. 230, zur Fortdauer dieser Zahl in der Tragödie 
aber Poll. IV. 110: ro di naXatov o rgaytxoq %0Qoq ntvrqxorru ijoav 
uxq* twv Evpevtdwv Aioxvlov, und die verschiedenen Urtheile hierüber, 
insbes. über ihr Verhältniss zu den zwölfen des Biographen oben 
not. 22 bei Böckh trag. Gr. princ. p. 57 fgg., Hermanu Opuscc. II, 
p. 129 fgg., Lindner in Jahns Jahrbb. 1827, B. III, H. 1, S. 97 fgg., 
Bamberger de canticis Aeschyli, Marb. 1832. 8, p. 40, Alberti de 
choro Supplicum p. 29, Müller griech* Lit. II, S, 47, Geppert 
S. 60 u.s.w. 

34) S. Müller zu Aesch. Eumen. S. 74 fgg. mit Scholl. Beitr. I, 
S. 364 und Vater ad Eurip. Rhesum, Berl. 1837. 8, p. liv, nacb 
dessen Vorgange ich de distrib. bistr. p. 65 kein Bedenken getragen 
habe, auch die doQVtpoQijfiara oder xoxpd nQoautna (vgl. ad Luc. bist, 
scr. p.23, auch Böttiger kl. Sehr. I, S.264 und Schneider Tbeaterw. 
S. 139) aus den überzähligen Ghoreuten abzuleiten, vgl. Plut. V. 
Phoc. c. 19. 



§•60. 
Eine ganz andere Stelle behauptet dagegen der Cultus 
der Artemis und ihres Bruders Apoll in den beiden fol- 
genden Monaten des attischen Jahres, yon welchen der 
zehnte, Munychion, nicht allein gleich dem vorherge- 
henden nach einem Beinamen der Göttinn benannt ist *), 



§. 60. Attika. Munychion. Thargelion. 315 

sondern auch am ißten ein Fest derselben darbietet, wo 
ihre symbolische Bedeutung als Mondgöttinn durch Opfer- 
kuchen ausgedrückt ward, die mit Lichtern besteckt Na- 
men und Gestalt des Vollmondes hatten 2 ); und in dem- 
selben Monate begegnen uns noch yorher am 6ten die 
deXtpivia, wo Mädchen mit einem Zweige des heiligen 
Oelbaums als Bittende in das Heiligthum des delphini- 
schen Apoll gesandt wurden 3 ) und damit gleichsam das 
grosse Sühnfest der &agytjXta Torbereiteten , das dem 
eilften Monate seinen Namen gab und in jeder, Hinsicht 
als Hauptfeier des apollinischen Cultus in Athen be- 
trachtet werden muss 4 ). Seiner etymologischen Bedeu- 
tung nach bezog es sich allerdings zunächst auf die 
Feldfrüchte und deren Zeitigung 5 ) , für welche gleich- 
zeitig am 6ten Thargelion der Demeter Chloe ein Opfer 
gebracht ward 6 ) , und scheint in dieser Hinsicht auch 
der Sonne und den Hören gemeinschaftlich gewesen zu 
seyn 7 ) 3 gleichwie aber Apolls Verehrung als Sonnen- 
gott seiner höheren Auffassung als Lichtwesen Platz 
machte, so knüpfte sich hieran nicht nur in Athen, son- 
dern auch in seinen ionischen Colonien 8 ) frühzeitig das 
sittliche Bedürfniss einer Reinigung und Entmündigung 
der Stadt und ihrer Bewohner, wie sie uns gleichfalls 
für den 6ten des Monats ausdrücklich erwähnt wird 9 ) 
und auch der Feier des 7ten als des eigentlichen Ge- 
burtstags des Gottes 10 ) fortwährend zu Grunde lag. 
Namentlich gehört dahin zugleich die mythische Bezie- 
hung, in welche dieser ganze Cultus mit dem Tribute 
der Athener an Minos und Theseus Rettungszuge ge- 
sezt ward, worin sich die Abstellung alter Menschen- 
opfer nicht verkennen lässt n ) $ der Tag der JsXtplvia 
war derselbe, an welchem Theseus die Fahrt nach Kreta 
angetreten haben sollte 12 )$ dasselbe Schiff, das ihm 
dazu gedient hatte 13 ), führte noch alljährlich die heilige 
Gesandtschaft der Athener nach Delus, um dem Gotte 
an seiner Geburtstätte die gebührenden Opfer darzu- 
bringen 14 ) $ und je wahrscheinlicher es ist, dass dieses 
gleichzeitig mit den Thargelien geschah 15 ), desto sicherer 



316 Th.HL Feste bestimmter Orte. 

dürfen wir auch die heilige Zeit, welche durch die Weihe 
dieses Schiffs und seine Rückkehr aus Delus begränzt 
war 16 ), in diesen und den vorhergehenden Monat ver- 
legen. Ganz konnte sich freilich auch dieser Cultus des 
alten und tiefbegründeten Sühnmittels nicht entschlagen, 
das der Mensch nur in seines Gleichen zu finden glaubte, 
und obgleich er desshalb kein Menschenblut vergoss, so 
verlangte er doch alljährlich zwei Opfer für beide Ge- 
schlechter, welche an den Thargelien mit Feigenschnüren 
behangen 17 ) unter Flötenschall 18 ) hinausgeführt, und 
entweder verbrannt, oder, wenn, man nach andern ähn- 
lichen Gülten schliessen darf, vom Felsen gestürzt wur- 
den 19 ); im Uebrigen scheint jedoch die Festfreude über- 
wogen zu haben, die sich dann insbesondere auch dem 
apollinischen Charakter gemäss in musikalischen Wett- 
kämpfen äusserte 20 ). 

1) "Agviftig Movw%ia = fiijvovvxlal vgl. Bröndsted Reisen und 
Unters. II, S. 250 fgg. und Curthis de p ort üb. Ath. p. 26. 

2) Suidas I, p. 182; ol d\ dßtg>npwvrfq ylvovxut, MovvvxtStvoq fiTjvoq 
txTtf inl dexa, o* xal iiq to Movvv%buq «p riy? 'Ayzinidoq xo/uCorra«: 
vgl. Plut. glor. Ath. c. 7 und über jene Kuchen mehr bei Lobeck 
Agl. p. 1062, jnsbes. Ath. XIV. 53 oder Etyro. M. p. 94: tfdoq 
nXuxovrroq TtXovfievoq rfj 'Aq^f/iid* . . . dtd to xvxXoj g>wTt£i0&ai. vno 
t&v dadtov tj dtd to navöfXrjvov ovorjq nipnto&a* ry 'Exärfl : ob aus 
Käse? Eustath. ad Hiad. XVIII. 575. 

3) S. unten not. 12 und Muller Dor. I, S. 328 oder zu Aescbyl. 
Eum. S. 141. 

4) Müller Dor. I, S. 286 und 326, Preller Demeter S. 251, 
Seh war tz de Apolllnis natura p. 59. 

5) Etym. M. p. 443: SagyyXtä eopry *Ad"rjvt]aw oro/ta&Tcc* dno 
r&r &agyt/Xioßv f &aqyr)Xt,a dk tlo* namg ol dno yijq xapaot, äyerai dh 
firjvl QaQyTjXiwvi 'AQTi/*idoq xal ^AnoXXiavoq' GayyqXuav dl o ivölxaroq 
fiqv 6vofid£tTcu , inel tot« o tjXioq nvqiädtjq larl xal h tovtoj tw /atjvI 
rd rjjq yijq <xv9ij dvtSqgalvtTo * dno voV &iQew ov* Ttjv yijv to &*Qfidv 
&aQyt]Xov (Jpopaotai : vgl. Bekk. ancedd. p. 263 und Ath. III. 80: 
KQuxTjq d* lv devriga ^AxTtxijq diaXexTov &aQyyXov xaXtVo&at, tov Ix tyq 
ovyxopudf/q tiqwtov yivopcvov aQ%or 9 mit Welcker zuSchwencks etymol. 
roythol. Andeut. S. 341. 

6) Schol. Oed. Colon. 1592: tpOtt dyXovort xal xgioq &r}Xeia rfj 
&ioj taviri &VfTcu y ovtü) dl Ti/iarai }x TJjq ribv xijntov (xagTuwv?) /Ao^v» 
&vovoi tt QaqyrjXiüvoq *xt# : vgl. Schol. Aristoph. Lysistr. 835 und 
Coraut. N. D. c. 28 mit Osanns Note p. 167 und Preller Demeter S. 323. 

7) Vgl. Schol. Aristoph. Equ. 729 oder Plut. 1054< ILvuvixploiq 
xal SaQyyXlotq 'HXita xal m Jlgaiq &uovow ^A&rjpuiot, , worauf Meursius 
auch die von Porphyr, abstin. II. 7 erwähnte 7tofA.ni/ 'HXiov t* xal 



§. 60. Anika. Munychion. Thargelion. 317 

'Rqmv *A6*prt]Qiv tri xal vvv dgtophty bezieht: nofintv^ yug tlXvq noa 
liyg war ig inl nvgrjviotv yyiftoQiaq, oongta, dgvq, mpaixvXu, xgt&al, 
nvgol^ nnh'tfhj yyqrygia (§. Gl» not. 7) uXtvQiav nvgfo<av xal xgt&bwv, 
q>&fai •d(j&eözdt?]Qi jftrcpo?: Tgl. Hesych. I, p. 1679: h dl roVq 
&agy*]XLoi.q ( rdq änagxdg v&v qtatmofUviav notovvra* xul 7tfQixofii£ovo* . . . 
xul o &dgyijXoq x ln Q°S loviv uvunXetaq anfg/idrwv, 

8) Vgl. Partium, narr. amat. c. 9 und C. I. n. 158 und 3562, 
insbes. aber auch die Bruchstücke des Hipponax bei Tzetaes Chiliad. 
V. 743 mit Schneidewin Beitr. z. Kritik d. Poetae lyrici p. 104 fgg. 

9) Diog. L. II. 44 : OagyyXtwvog txrjj t ort xa&aigovo* ryv noXw 
*A(hp>aToi xal ryv "Agrtfitv yfvio&a* AyXioi <pa<H. 

10) Plut. qu. symp. VIII. 1. 2; vgl. Spanheim ad Call. H. 
Del. 251. 

,11) Creuzer Symb. 2te Aufl. B. IV, S. 346 ; Uschold Gesch. d. 
trojan, Kriegs S. 229; Gerhard Vasenbilder II, S. 113, 

12) Plut. V. Thes. c. 18c xal nagtX&mv tU 4tXq>lviov l'&Tjxtv vtiIq 
atfa&v T(ji y AnoXXo)*i. tt}v Ixtrijqlav* rjv dl xXddog pao rijq Uguq iXuiug 
igiof , Xevxat xaTtortpßtboq * , ivtüjifvog dl xartßawiv exrfl pyvoq inl 
&aXa<fpuv lovapivov Movvvxiwvoq , tj xul vvv tri rag xogaq nffinovo** 
Ikuoojttvuq tlq 4tXq>ivtov. 

13) Plut. ibid. c. 23: to dl nXotov, h <o fterd rwv ijSStiav l'nXfvat 
xal iiuXtv $O(ü0-q, rtfv rgtaxovxogov , u/g> twv dyfirjrgiov %ov &uXygt'a)g 
Xgovwv duqivXarTov ol ^A&ijvaVot^ Tel plv naXaid rwv £i>X(ov vtpaigovvTtg, 
itiXa dl 1/nßdXXovTtg ta/i/p« * a * cvfmijyvvvrtqi vgl. Plat. Phaedo p. 58 A 
und,Böckh Urkunden des att. Seewesens, Berl. 1840. 8, S. 77, wo 
insbes. auch diese JqXiaq von der gemeinhin damit verwechselten 
JSaXaptufia (St. A. §. 140, not. 4) unterschieden ist, 

14) Plat. Phaedo p. 58 B; Plut. V. Nie. c 3; nicht zu verwech- 
seln* mit der delischen Penteteris, wovon unten §. 66. 

15) S. Larcher in M. de TA. d. Inscr. XLVIII, p. 305, Böckh 
Staatsh.'fl, S. 218, Müller Dor. I, S. 243, insbes. auch nach Theo- 
phrasf bei Ath. X. 24; wgvovvro d' ovro* nfgl rov rov 'AnoXXtavoq 
vetüv rou Jqliov, rwv ngtortnv omg 'A&qvaiatv, xal xurtdvovro Ifiurtu 
rwv QijgaVxwv* o dl 'AtioXXojv ovrog toriv (O tu ÖugyTJXia ityovoi, xul 
dtuoiü&icu OXvfjatv h t^J 'da^vr^agflta ygaq>rj ntgl toÜtwv. 

16) Plat. Phaedo p» 58 B : tnitöuv ovv aglwna* rrjs &u»gittq\ 
vopoq ioitiv ttvrtfg h t$ ygw(p XQVTta xa&agfvttv rijf nofav xal dyfiooitf, 
fAijdivtz djipxTwvvvai, ngiv u* dg JtjXov rt ätpixtjTui, ro nXoiov xal 
nuXiv öivgo ... dgx*} &* ^ T * r ys &i(ogiag 9 tnttddv d Itgevg tov % AnoX- 
Xwtoq • okfyj] vrjv ngvt**av röv nXoiov x.t.X. 

\T) HelUd. b«i Pbot. Bibl. * 279, p. 534: cnti&ogjyi WA»*- 
*cug <f>aa^ux^g üyav >dvo r rov /nlr vnlg uvdgöv 9 rov dl vritg yttvaixw» 
ngoq rov xa&agfiov' xal o f*lv rwv a'vdgaiv ptXaivag laxndag negl rov 
rgaynXov *'«^*'i Xtvx^ag d' artgoq, Qpßaxxot, de <f>Tjaiv (ovopato+tc • . ro dl 
xa&UQOKiv roirfo XotfiixtyP vöobiv unoTQWuto/uog yv, Xußwv rrjv txQxyv 
a,no 'Avdgoytw rov Kgqrog , ov Tt&vtjxoTog iv ruXg A&tjvaig nagavopajg 
rrjv Xotfuxyv hoarjaav ol 'A&tjvatoi vooov, xal ixgdm to l'&oq del xa*> 
&ätgttv rrjv noltv rotg q)OQf*axotgi Y$l. Harpocr. p. 2^1, der sie direct 
den Thargelien zuweist, und Suidas III, p. 581 : qxtgpuxovg rovg 
drjftoaia rgttpo/Ahovg , oX fxu&aiQov rtjv noXiv xtp kavxGtv a>ovto, mit 
Böttiger Kunstmyth. I, S. 389. 



318 Th. HL Feste bestimmter 0**U. 

18) KgaSlaq vo'/to?, von deji «päd«*? oder Feigenruthen, womit 
sie nach Hipponax (not. 8) gepeitscht wurden; vgl. Hesych. II, 
p. 337 t vo/aov rt>d inuvXovot roVq ■ exntpnotihoiq qtttQpaxotq xQudaiq 
xal ö-gioiq $it*QaßdfiotUvo$q , und mehr bei Marx de Mimnetmo poeta, 
Coesfeld 1831. 4, p.30, Bodo hell. Diehtk. II, S. 173, Welcher 
kl. Sehr. I, S. 217. 

19) Dass q>aqna*oi verbrannt wurden, sagt Tzetzes Chüiad. V. 
736 mit deutlichen Worten : 

tlq totiov dfc rov ngoqtpoqw ar^aavrtq %rp &valav : 
tvqov ts dovttq tij x^qI xal /id^av xal ioxttdag, 
tnraxiq yag QanLaamq ixtlvov tlq to nkoq 
axiXXaiq ovxatq dyglatq t* xui aXXoiq rdv dygLow, 
viXoq nvgl xarlxaiov Iv tvXoiq roZq dygiotq, 
xai tov OTtodov tlq &aXaooav tggatvov tlq dvf/iovqi 
doch zwingt nichts dieses auch für Athen anzunehmen; so dass 
man allerdings mit Müller S. 326 und Welcher die Analogie von 
Leukas (§. 27, not. 13) Torziehen kann. 

20) Dem. Mid. §.10: QagyyXiwv rf} nofinfi xai xQ dySvn Tgl. 
Antiph. de saltat. §.11 und C. I. n. 213; auch PoU. onom. VIII. 
89 : o dl aqxw dutil&yo* /Av Aumvdia xal Bagy^Xut furd vöv im- 
HtXyc&iu 

§• «*• 

Erst mit dem Ende des Thargelion trat wieder ein 
neuer Abschnitt des attischen Fes teyklus ein, der vor- 
zugsweise dem Dienste der alten Borggöttinn Athene 
geheiligt, schon in den lezten Tagen jenes Monats x ) die 
Vorbereitungen zu den grösseren Festen traf, welche 
dieser im folgenden Scirophorion , dem lezten des atti- 
schen Jahres, . begangen wurden und im Grunde erst 
durch die Panathenäen des nächsten Jahres ihren völli- 
gen Abschluss fanden 2 )* Wie namentlich die Darbrin- 
gung des Peplus an lezterem Feste wenigstens ihrem 
Ursprünge nach dem Cultus angehörte, welcher die Bil- 
der der Gottheit nach der Analogie eines menschlichen 
Körpers behandelte, so begegnen uns auch hier am 19ten 
und den folgenden Tagen des Thargelion die Ifeste der 
KaXXvv%r t Qia und IHvvTtjQia a ) , an welchen das alte 
Holzbild und seine Kleidung gereinigt und demzufolge 
die Göttinn selbst, wie es schien, für diese Zeit verhüllt 
und dem profanen Anblicke entzogen ward 4 )} ein be- 
sonderes Geschlecht der Praxiergiden verwaltete diese 
Gebräuche 5 ), während die übrige Stadt, gleichsam ihrer 
Beschützerinn beraubt, alle Geschäfte ruhen Hess und 



§.61. AUika. ThargeUon. Scirophovion. 319 

wenigstens einen dieser Tage, den 25sten, mit öffent- 
licher Traner beging 6 ). Inzwischen verband sieh auch 
damit bereits eine Erinnerung an die Segnungen der 
Göttinn in der festliehen Datbringung einer Feigenmasse, 
die als Erstling zahmer Baumfrüchte galt 7 ), und in 
demselben Sinne folgte nun im Scirbphorion eine Reihe 
anderer Gebräuche, die sich alle auf den Schutz des 
Ackerbaues und der jungen Saat bezogen, welche in den 
Mythen dieses Cültus unter dem Bilde des Erichthonius 
und seiner Pflege durch die Cekropstöchter Pandrosos, 
Herse und Aglauros personificirt ward 8 ). Vier Mädchen 
zwi&chen siebe» und eilf Jahren, Arrhephoren genannt. 9 ), 
die der Archon König aus den vornehmsten Geschlech- 
tern der Stadt auswählte und von welchen zwei auch 
bei der Verfertigung des Peplus ' betheiligt erscheinen 10 ), 
versahen dabei den symbolischen Tempeldienst 5 das 
Ganze aber' stand unter der Aufsicht des uralten Ge- 
schlechts der Eteobutaden, aus welchem die Priesteriim 
der Athene Polias selbst hervorging n ), und dessen my- 
thischer Stammvater gleichfalls mit dem Ackerbau in 
etymologischer Beziehung stand. 12 ). Welches • freilich 
der Sinn und 2wec^ der .geheijnnissvollen Sendung war, 
mit welcher jene Mädchen alljährlich in der Nacht vor 
dem feste der Göttinn ihfeü Aufenthalt im Heiligthume 
beschlossen * 3 ), läset sich mehr errathen als mit Sicher- 
heit nachweisen 5 desto kUifer; lie^gt' dagegen die Bedeu- 
tung der Procession vor, von .welcher der Monat selbst 
seinen Namen trug und die am 12ten desselben diePriet 
sterinn der Athene Hebst den j Priestern des Poseidon 
oder Erechtheus und des Helios unter einem Sonnen- 
schirme als Symbol des erfleheten Schutzes gegen die 
Hitze der Jahreszeit nach dem Orte Scirus geleitete, wo 
das ers^e Saatfeld in Attüsa gewesen seyn sollte 14 )j und 
hieran reiheten sich dann sowohl der Zeit als dem Be- 
griffe nach aafs Engste .die dmokia oder J2ov<pwi<x am 
14ten des Monats , : welche dem obersten Gotte als Mit- 
gehätzer der Burg geweiht 15 ), insbesondere aber die 
Heiligkeit des Ackerstieres als des wesentlichsten Ge- 



320 TA. 117. Fette bestimmter Orte. 

hälfen znm Landbane symbolisch zu veranschaulichen 
bestimmt waren. Während nämlich die Sitte sonst das 
Schlachten eines solchen auls Strengste verbot 16 ), ward 
er hier wirklieh als Opfer da^gebn^cht^ ahglqich dieses 
aber selbst wieder dadurch gerechtfertigt ward, da&s der 
Stier von dem heiligen, Opferk#rne auf dem Altäre, ge- 
nössen hatte, so musste doch der Priester, der den 
Streich geführt hatte, die Flucht ergreifen, worauf statt 
seiner das Beil als Werkzeug des Mordes förmlich vor 
Gericht gezogen und dem Fluche .geweiht, w**4 l7 )h nnd 
wenn auch das Vorkommen ähnlicher Gebräuche ip an- 
dern Gegenden zu verschiedener Zeit zeigt j dass sie an 
sich nicht nothwendig mit der Verehrung 4er attischen 
Burggötter verwachsen waren x8 ), so standet sie doch 
in Athen gleichfalls u*ter der Obhut der ßutaden 19 ), 
zu: welchen demnach auch, die sonstige efhKcjieii Diener 
dieses: Cultus in dasselbe YerhäUnj^s iwie di^ Keryken 
z* den eleusinisehen Eumojpiden treten 20 ). 

1) Procl. ad Plat. Tim. p, 27: ^AQiatoriXtjq o 'Podioq laroQtV tu 
lÄ'v h UhquUI Bivdldna rfj tlnadi (rorher' i p.$'T0-hdvft htl dlxaf 
fgl. C. I. n. 157) tov @*^7«Uwr9« infT*l*to.Jhn 9 i'mpßi**» dh ^c<c *tp» 
Id&ytüv io^Tccc, woraus dann freilich' verkehrt schon, im Alterthume 
auf kleine Panathenaen im Thargeliori gescLlcfsseSi Ist, vgL oben 
§.54,' not.lt und über die Bendidie* die Erjriwfu Rlftt« Republ, 
I. 1 und Bergk com. Att. reliqu, p,. 90, dem ich /aber nieht bei- 
pflichten kann , wenn er die fhracische * Mondgötfinn' (Creuzer 
Symbol, fr, S. 530) scto» Ot LX/XXlll 4M« den( attischen : Cultns 
aufne^en \äsU^ wesshelb ;jch. , Ql. L*XXVJI % 3 vorziehe, , .ist e^e 
reipubl. v Platon. tempp. Mirn. 1839. 4, p. 12 fgg. weiter 'erörtert. 

2) Vgl. Hoffmann Panathenaikös J>'/13 fgg. nnd Müller ?n .hall! 
Ettcykl. llK 10, S. tl %£.', auok Bücker*,' der Di*»** der .Athen« 
nach seinen örtlichen Yexha|tn^s t <m dar^teljt, Hildburg. \829. 8, 

s- ? fgg.; ' '* ^ . ' ' \ ;; ^ . \ "*\,'. " '. 

'3) Phoi. lex. p. 12t : * KaXXv»t%Qta' xttl TlXifvxTjqia ioqräy cvofioriu * 
fheväu #**.; avnu Bd^Ximaq i*yro<;\ iwritf *fe &s>< Vf xct ffa^reggia, 
dfvpi()<(.d'k 9&iyorroq' rd TIXinjT^m^ tu ji\? IlXyvimpd.vuob diu rov 
{tävatov rrjq ^ÄyQavXov' hroq tiriuviov fit? ntvv&ifvuitlb&rJT'aq) tl& 
oinai nivvQMo*? Tq* oroptttlu* AdßtVyt*avrfoi'*(Jo>ililiukXvrryQt*, ort 
tiq&iti dtftiq ^jiyQüvXQü f yf yo^vy Ifqfia tovc $*<>£$ noo^oatx vgl. 
Bekk. anjecdd. p. 270 nnd Jiodwell de cycTis p.*349, der die ab- 
weichende Bestimmung der Plynterien bei : Plntarcfc*: (sC not. 6) mit 
Recht *us -einer Ausdehnung des Festes über mehre Tage erklärt; 
oder soll man mit Müller im Gambr. philol. Mus. II, p. 234 einen 
dritten Weg einschlagen : polest in dissensu Plutarchi et Photii 
utriustfue auctoritati tantuni detrahi, ut id solenne vigepimo primp 



§•61. ditika. ThorgeUotu Scirophorion. 321 

vel secnwdo Thargelionis die penatur, id est tertio pott Bendideu 
undevitjesimo vel vigesimo die- acta ? ? 

4) Müller in hall. Encykl.III. 10, S.88: « «beide Feste bestehen 
sich auf die Wartung des dgxuVov ßgiraq in dem Tempel der Polias : 
an dem einen wurde wahrscheinlich das Bild selbst gewasehen und 
heu angestrichen oder gehöhnt, an' dem andern die Garderobe der 
Göttinn gewaschen . . : dass das Fest der Plynterien der Aglauros 
gefeiert wurde, hat wohl nur darin seinen Grund, dass man diese 
Kekropstochter als die erste Plyntride der Athene ansah*', Tgl. unten 
not. 8 und Scholl Mittheil. S. 103. 

5) Hesyeh. II, p. 1015: JTfjttluQyidat ol to dgxatov i'doq t/]? 
'A&tjvuq (tfig^fvvvvrtq 9 Tgl. Bossler de gent. sacerd. p. 8 fgg. und 
Meier gentil. Att. p. 50. Demselben Cultus gehören die nXvrzqldtq 
oder Xo\nQidt$y dvo xopeu ntql to i'doq ttjq 'A&rjvuq, Phot. p. 23 t, 
und der xaruvinTTjq Etym. M. p. 494: lt$<oovv7] "A&TjvjjoitV, o tu xdr» 
tov' nenXov rfjq 'A&tjvüq yvncuvoptva dnoTtkvvwn doch lässt sich über 
ihr Verhältniss zu jeneni Geschleehte nichts bestimmen* 

6) Plut. V. Alcib. c. 34: d(JW0(> di tu oqyva IlQatiiQyLda* 0ag^ 
yt]Xt,5>voq k'xTff (p&ivovioq anoo^Ta, tov %t xoofxov Ha&tXöurtq aul to 
i'äoq xaTUxukvxpuvTt q , o&tv fr Tutq fidhora twv dnoyQuäwv Ttjv t/hIquv 
%Hvrrp> unguxrov lA&rjv*?o* vopi&voi: vgl. Xenoph. Hell. I. 4. 12 und 
Roll. VI II. 141 : 7r«£*0/o*W0tf» di t« Itgd t'Xiyov Iv raVq djioq>QUOi xui 
%o nuQuyQdtut t olov IlXvtT^gUtq mal rutq Totetvratq yntgaiq. 

1)'HyqTtwla, Tgl. Hesyeh. I, p. 1600 oder Etym. M. p. 418: 
nyyTOQia naku.d-7} at'xwv, yv ini tjj noftnij t&v nXyvrrfölwv qttyovow, 
ort, jjpigov TavTjjq ngwrrjq TQoytjq ldi$avToi auch Ath. III« 6 oder 
Eustath. ad Odygs. XXIV. 341. 

8) Vgl. Apollod. III. H. 0, Paus. I. 18. 2, und mehr bei Creuzer 
Symb. III, S. 388 fgg. , Müller Minervae Poliadis sacra in arqe 
Atbenarum, Gott. 1820. 4, p. 3 fgg., Bröndsted Reisen und Uuters. 
H, S. 229 fgg., Hück*rt a.a.O. S. 13 fgg., Forchhammer Hellenika 
S. 68 fgg., Panofka in ; Ann. delTInst. arqh. 1, p. 290 fgg, mit der 
Gratulationschrift der Schulpforte an llgen 183-1. 8.. Der Aglaurn* 
galten sogar schon die Plynterien besonders nach Hesyeh. II, p. 983; 
wie die Ersepborien der Herse (s. not. 9) und andere Cerimonien 
d«r. Pendrosu», vgl. ,Atbenag. leg» pro Christ, c 1: nal 'AyQavXy 
'si&qvaiot fivorr/Qta ual* TtXrrdq, iyoyot nul IJctfÖQ99tp f öS hofiiiod-youv 
uptß(t% dvoi\aoak ttjv Xdqvß*a,, ja leztere galt nach Scfcol. Aristoph. 
Lysjstr, 439 als Epitheton, der Athene selbst; soll man aber darum 
bei Harpocr.,p. lt£: ifa 44 Tiq %fj 'A&ijvtf &vfl ßovy 9 dvuyxu\oY favp 
xql tfj JlavdwQff &vuy o'Cv jAtTu 'ßooq, xal ixaXtlTO to &vftu Inißw», 
mit Meursius leett. Att. III. 22 flavÖQoota lesen? und wie steht es 
mit dem besonderen Feste der Aglaurns, das Hoffmann Panath. 
p. Q5 u»'A. wegen Porphyr. ajbst»*. II. 54 in den ßoedromion setzen? 

' 9) Oder l^TjfOQOt'i wie C. I. n. 431 und Rosa Demcn p. 60; 
tgl. Hesyeh* I, p. 1444^ al rfj 'Eqoif intmXovprtq vu von&fifva, dder 
Moerk Att. p.i^i:*nl^r7/yd^oaov^goitaat Tfl a Egoff, r/us yr plu 
twv Kfxponido)*, l und unten not. 1 3t Doch überwiegt die Schreibart 
uQ{)7]<f>6pot. , die man als Synkope für dgQ^r^nföQot erkl&rt; .«der solle« 
wir sie, mit Scholl Mittheil. S. 88 als P fand trag fr innen, fat&eul 

10) Vgl. Etym. M. p. 149 oder Harpoer. p. 48: riacaQtq ph> 
nat^tq }xfig6Tovovyt^ xar ayfonav dpQf]<?oQoi dno 4tS»v iitrd> ptyQtq 

x 



323 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

fbdtxa , toi/t«* dh ovo ditxqivorro, aX diu (1. idia) %ijq vqtnq vov ninXov 
jjqxorto (*• §• M» Bot * ^) Ma * T *» b^w T^y n^i avroV Xtvxrp 6* 
io&rjxa l<poQQm> y xcu tl xgvout ntqUO-tvxo Uqd ravxa lyivorxo: und 
über ihre Bestellung Suidas I, p. 823: 6 ßaoiXtvq biaatparo dqqijyoqovq 
olov naxiXtk'tv ? Dass aber zwei von ihnen auch xoo/mo , und tosu;» £a» 
oder xqanit^ofpoqoq geheissen hätten, wie Müller Min. Pol. p. 15 und 
hall. Encykl. III. 10, S. 84 lehrte kann ich bei den Lexikographen, 
die nur von Priesterinnen sprechen (Meurs. leett. AU. IV. 11; Siebe!, 
ad Istrum p. 59), nicht finden; und eben so wenig durfte derselbe 
die dunvogtoqia aus dem Pyanepsion (§.57, not. 11) hierher ziehen. 

11) Etym. M. p. 386: yhoq t* inioq/iov mal mqupavtq xoVq *A&y- 
vuioiq ol dXq&<Zq dno xov Bovrov ytyovoxiq (St. A. §.111, not. 13)* Ix 
dl tqvtov xa&ioTavTU* Uqucu Ttjq JloXiddoqi vgl. Müller Min. Pol. 
p. 8fgg. 43 fgg», Böckh 0. Inscr. I, p. 442 fgg., Bossler gent. sacerd. 
p. 1 fgg. 9 auch Nissen de Lycurgi vita, KU. 1833. 8, p. 2. 

12) Bovvrjq = ßovxoXoq oder ßowonog, s. Etym. M. p. 209, Suid. 
I, p. 449, und über den mythischen Sohn des Pandion (oder Posei- 
don? Schneidewin Conj. crit. p. 71) und der Zenxippe Apoll od. III. 
14. 8. C. Ritters Ableitung von dem indischen Buddha (Vorhalle 
S.408) billigt wohl nur Creuzer (Symb. I, S. 499; III, S. 315). 

13) Paus. I. 27. 4s naq&ha dvo rov vuov rijq üoXujidoq oIxovoav 
ov noQQw, xaXovo* dl 'A&qvaVo* oq>uq dqoijqtbqovq' cet/ra» XQ°*°* ' &&* 
rivu diatrav l'/ovot naqd t[j &i$ (Lenke Topogr. v. Sauppe S. 117), 
naqaytvofiivtjq dl ttjq toqxrjq dq&ow br yvxtI xotdde* d*a&ttoa& OfptOiv 
inl xuq xtgyaXdq, u 7] xjjq *A&qvüq Uqtta dldtaai g>iqiiv, ovt( ij didovaa 
otioIqv t» dlduotv ildvta ovxi xatq qitqovaatq inmra/nhaiq • toxi dl 
ntqißoXoq Iv xrj noXit xrjq xaXovfihrjq tv xqnoiq *A(pqodixtjq ov noqqu 
(Bröndsted Reisen u. Unters. II, S. 231), xal dt avxov xd&odoq 
VTZoyaioq avxoftdrij* xatirt] xartaair al näq&4vot t xdxtu /ilv dij tu 
(ptQOfifya Xfinovaty Xußovöat. dl aXXo t» xoßti£ova*v iyxtxuXvfiphov , xal 
xdq p\v avtäaiv jjdrj to hxtv&tv, hiqaq'dl elq rijv dxqonoXiv nuq&k- 
vovq dyovaiv dvx' avxßv. Müller u. A. beziehen dieses zwar auf die 
Nacht vor den Panathenäen ; seinem ganzen Charakter nach ent- 
spricht es jedoch ungleich mehr der dq(jqq>oqta\ welche Etym. M. 
p. 149 eine hqr^ InixiXov fthr] rjj *A&qvtf. h r£ Sxiqopoqtwv* fitjvi 
nennt, und dereri engen Zusammenhang mit den Scirophorien Müller 
selbst anerkennt, so dunkel fcueh die Einzelheiten jener Feier sind. 
Dass eine nofimj damit verbunden war, Sagt Hesych. I, p. 551, und 
darauf geht wohl auch die Liturgie', welche Lysia* mun. acc §.5 
unter jenem Namen erwähnt; was aber den Gegenstand der Feier 
betrifft, so nennen ihn Andere Ilerse und demnach das ganze Fest 
hqtJTjtpoqia , vgl. • die Lcxinogr. und Schol. Ar i s top h. Lysistr. 642 t 
ol fjt\v dtd xov « dqqyföqtti, imtdq rd aqqrfra iv xioiaiq tytqov tj} 
•d-töi ul nuq&fvoi, ol di d*d xoV t iqatjcpöqia ^ xfj ydq"Eq0ft ndflnfvoväf 
xy Kixqonoq difyarq^ wq loroqtV *türqoq. •" Auch was die Mildehen 
trogen, tasst sieh nur f ermutliuogsweise ,' t^ey es mit Lobeck Agl. 
p-,872- als inftriae oder mit Müller Min» Pol. p. 1,5 als rezentes 
frvndes et ramusculi, qune rore mmdida antro in vivo saxo txciso 
servaAantur, bestimmen, und eben so unklar ist bei Ath. III. SO 
* «nxoiatoc xaXoifttvoq seil, uqvoq, oq xäVq , dqqyviqotq yivixui. 

14) Harpocr.' p. 270: (paal dl ol yqutpavxtq mqi te foqx&v xul 
iATjvih* *AQrp-now\ mv ior* xul Avowaxidtjq, wq ro oxtqav oxtudftov 
ian ftty<*> V9 f» Qtqoftiva* it dxqanaktmq tXq xtnt ronov xaXovfttroy 



§.61. Attika. Thargelwn. Scirophorion. 323 

JSxlqov nogivovra* t/ re rrjq 'A&yvaq Uqhu xal o tov Ilooitdutvoq ItQtvq 
xal o tov 'HXlov t xopfavo* dh tovtq 'Evioßovrada* , ovftßoXov dh tovto 
yivtTat tov dtVv olxodoutVv xal oxinaq nouTv, wq rovrov tov %qovov 
dqiarov ovroq nQoq olxodofilavi vgl. Schol. Aristopb. Eccl* 18: axiga 
lOQTq Ion rijg Sxtgddoq 'A&yvaq SxiQoipoguavoq dadfxury , ol dl Afjur]- 
TQoq xal KoQTjq (Clem. Alex, protrept. p. 11; vgl. Preller Demeter 
S. 124), lv ji o ItQtvq Toii *EQ*x&i(»<; <p*Qti öxMhov Xtvxov, o Xiyircu 
oxigo*, und über das Ziel der Procession Plut. praec. conj. e. 42 
oder Paus. I. 36. 3; über die Bedeutung des Schirmte aber Bekk. 
äaecdd. p. 304: ng<ovq ydg 'A&r]** oxiadiov ivtvoqdt ngoq dnoargoqifjy 
tov qXutxov xav/iavoq, mit Müller in ball. Encykl. S. 87 and mehr 
im Allg. bei P. M. Paciaudi oxiudioq>o(tytta s. de umbellae gestatione, 
Rom. 1782. 8 undChristie upon the Athenian Sktrophoria, tbe selstitial 
feast of tbe umbrella or {he bough, hinter dess; Inquiry into tbe 
antient game greek, London 1801. 4, p. 98 fgg-, auch Forchhammer 
Hellen. S. 121, Gerhard Vasenbilder I, S. 137 u. s. w. 

15) Scbol. Aristopb. Pac, 419: JinoXtMdt fogry 'A&yvyon, h rj 
JJoXttT AtX &vov(U JSxiQogioQtüjYoq TtTaQTTj int <f^xa: Tgl. Hesych. I, 
p. 993, -wo die Hdschr. Juno Alf tu hat, und mehr bei d. Erkl. zu 
Aristopb. Nubb. 984. Gebort dazu aber auch die &vala tö> An rm 
Sioitj^C. I. n. 157? Tgl. Plut. V. Demosth, c. 27. 

16) Vgl. oben '§.26, uot. 20 und für Attika insbes. die Bov&yuoq 
dgd bei Böttiger aldobr. Hochzeit S. 165 und Creuzer Symb. IV, 
S. 270 und 417 oder in Ann. dell'Inst. arch. 1835, p. 101 fgg. 

17) Paus. I. 24. 4: tov Jtoq tov TloXU&q xgi&uq xara&ivTtq Ini 
tov ßta/iay ut/ttyßtbaq nvQotq ovdt/iiav *£ovcr» yvXuxijv* o ßovq dl 9 or tq 
Tij* &vaiar froifuaoämq vvkaTToyow 9 ctTTOTcu t&v onfgfiurwy yoirwv 
Inl tov ßwfiov' xaXovat di nva idv Uqiwv ßovg>ovor m xal tuvtjj to* 
ntXtnvv Qixpuq, ovreo ydg IotIv ol v6poq, oVxtTttt qttvytov' ol dl txre von 
avdga oq i'dgaot votgyor 1 ovx ddortq Jq dlxifv vnayovcn tov nkXtxvrx 
▼gl. dens. I. 28. 11 und Aelian. V. Hist. VIII. 3, insbes. aber auch 
Porphyr, abst. II. 10 und 30 und die Lexikographen s. ▼. Bovy'ovux, 
von welchen Etym.M.p. 210 auch den Tag gleichfalls auf d«u 
14ten Scirophorion bestimmt. 

18) Vgl. Aelian. hist. anim. XII. 34 und mehr bei Lobeck Agl. 
p. 677 und Creuzer Symb. IV, S. 270; insbes. auch den delischen 
Monat Bovvovhov, de» dem MirayHvviwv entspricht, Monatsk. S. 50. 

, 19) So Müller Min. Pol. p. 16 nach Hesych. I, p. 755: ßovtqq 
xal o Tofq JunoXioiq rce Bovg>6via dgwv y wogegen Bossler gent. sacerd. 
p. 15 nicht bedenklich seyn sollte. 

20) Ueber diese vgl. insbes. Porphyr, abst. IL SO: xal yhtj rßv 
ravra dqdrcmv tax* fvv,ot /äv tlno rov narföavToq 2a)7ioriQov ßovrvnot 
xaXQvptvoi, navTiq, ol, $' uno tov TiegteXaaavrpq xfvrgiadat, Tovqd'äno 
tov fitiaq>d^avToq dangovq ovo^iu^ovai diu Tqv ?x Tijq xQtavottiaq 
ytyvof»hip> daTra, und mehr bei Bossler p* 14 %g. und Meier -gentil» 
Att, p. 46, wo für, die ßovTvnot nach Seh ol. Aristopb. Nubb.. 981 
und Hesych. I, p. 756 noch der besondere Geschlechtsname Bav- 
Xwvldai nachgewiesen isl. Die xtvrqtAdat heissen bei Phot. lex. 
p. 155 norgta xqQVfMv, was jedoch keineswegs berechtigt sie mit 
der eleusischen Familie dieses Namens zu verschmelzen oder mit 
Müller ein zweites Bupbonienfest nach' Eleusis zu verlegen, so 
an Haltend . auch dieser Name selbst auf Mysterien bezogen wird; 

X2 



324 7%. HL Feste bestimmter Orte. 

rgl. Hesyck. II, p. 228, und SchoL Aristoph. ff«M*. 981 •der Suld. 

1, p. 450: (oqxtj naXatd, ip <pmi* uyto&u* /»er« tu /«votj^mc? '«v 



§• Ö2. 
Ausserdem bleibt noch eine Anzahl attischer Feste 
übrig, deren Zeit nur annäherungsweise oder gar nicht 
näher bestimmt werden kann, obgleich manche darunter 
für die Geschichte des griechischen Cültus von keiner 
geringeren Bedeutung als viele der vorhergehenden sind. 
Selbst von solchen Gottheiten, deren Hauptfeste dort 
bereits ihre Stelle gefunden haben, werden noch beson- 
dere zu ungewisser Zeit erwähnt, . z. B. 'Okvfinisicc des 
Zeus 1 ), IJaiwvta des Apoll 2 ), 'EntnUidta der Demeter 5), 
eine Feier des Siegs der Athene über Poseidon 4 ) , und 
flQoyvQtOTrjQict für dieselbe zum Beginn des Frühlings 5 ); 
und dazu kommen dann noch solche, die wie die * Avu- 
xaXvmrJQia der Demeter zu Eleusis 6 ) , die Wettkampfe 
des Poseidon im Piräeus 7 ), und die brauronischen Feste 
de« Dionysus 8 ) und der Artemis 9 ) nebst den Heleno- 
phorien 10 ) zunächst der Landschaft eigen waren, ob- 
gleich wenigstens die Brauronien nicht nur von heiligen 
Beamten der Hauptstadt verwaltet 11 ), sondern auch der 
Tempeldienst der Artemis selbst von athenischen Mädchen 
versehen wurde, die »ich zwischen dem fünften und 
zehnten Jahre unter dem Namen Bärinnen der Göttinn 
zur Hierodulie hinzugeben verpflichtet waren 12 ). In 
dieselbe Kategorie fallen die zahlreichen -'HlganXeta, die 
Attika besass 13 ), und worunter die niarathoniachen sogar 
mit Kampfspielen gefeiert wurden 14 ), wenn auch Diomea 
mit dem Cynosarges, auf dem gleichfalls ein alter Hera- 
kleseult ruhete 15 ), später als Vorstadt von Athen selbst 
galt 16 )} und wie Artemis als 'ApaQvoia und XiTuvt] 
ihre besonderen Feste in bestimmten Demen hatte 17 ), 
so weist das % E%akr i Giov von selbst nach Hekale und 
seiner Umgegend, von dessen mythischer JVamengeberinn 
Theseus als Jüngling bewirthet worden seyn sollte 18 ). 
Doch knüpfen sich auch in der Hauptstadt noch ver- 
schiedene Feste an den Namen oder die Geschichte die- 



§. 62. Allika. Feste ungewisser Zeitlage. 325 

»es Stammheros: zuvörderst die Qqoeta selbst, die nicht 
nur bei Gelegenheit der Pyanepsien, sondern am 8ten 
Tage eines jeden Monats begangen zu seyn scheinen 19 ) $ 
daneben aber ein jährliches Todtenopfer zum Andenken 
seines Lehrers Konnidas 20 ), ferner Kvßegvtjota für die 
Steuermänner seines Schiffs 21 ) ? und andererseits Leichen- 
spiele für Minos Sohn Androgeos, der dabei unter dem 
Namen Enrygyes verehrt ward 2% ) $ und ebendaselbst be- 
gegnen uns noch manche andere Gebräuche, die nicht 
etwa bloss wie die FaXd^ta der grossen Göttermutter 23 ) 
oder Pans Fest ^) späteren Ursprung verrathen, sondern 
mitunter wie die Fachelläufe des Hephästus und Prome- 
theus 25 )j der von dem Geschlechte der Hesychiden be- 
sorgte Gultus der Erinyen oder dipvai &evi 26 ), und na- 
mentlich auch der Gultus der Dioskuren oder ävccneg 27 ) 
mit der gottesdienstlichen Geschichte des Landes enge 
verwachsen sind» Eine bedeutsame Erscheinung in dieser 
ist ausserdem die heilige Hochzeit des Zeus und der 
Hera 28 ), so wie das bakebische Ißest der jUmqu oder 'lAXij- 
Tig 29 ), das mit der ländlichen Belustigung schaukelnder 
Bfädchen oder aufgehängter Puppen die in dem Mythus 
der Erigone angedeuteten Erinnerungen ehemaliger Men- 
schenopfer vereinigte 30 ) $ welche Beziehung dagegen" das 
Freudenfest der Xß^fiQUVva enthielt 31 ), ist in Erman- 
gelung näherer Nachrichten eben so wenig als die Be- 
deutung der J J2/inX6xtcc 52 ) zu ermessen. 

1) Zwischen den grossen Dionyfcieti Hftd' Bendldeen naek €. I. 
n.157 aus Ol. CXI. 3, sonet unbekannt, wenn man nidht Piad. 
Pyth. IX. 101 mit den* Scköliasftea dahin riebt* w* aber- Böckh 
vielmehr, ein cyreaaisekes Fest erblickt, vgl. ästen §.67, not. 41.; 

2) Schol. Aristoph. Ath. 1213: lötl 6\ hqrr, ^Afafäoiv Un6X- 

Xotvi. Xootq uvaxHf*ivy. \ , > , 

3} Hesych, I, p. 1358 1 *Ent,xXtiöia *b$rq Jrjfi^x^oq 'Ad-rptjoiz vgl. 
Preller Demeter S. 326 : «»wenn der Schlüssel vor das gräÜatiuA 
gelegt wurde." Wie Verhalten sich aber Äiese.zu Schot. Pind. Olymp'; 
IX. 150: ayfrai dl h *A&r]Vtu<; fittd i&v /frjfüTjTQvaxüJv xaQit&r ovXXo- 
yrfv rtj JrjprpQ* f t*/«o*cfT7;o*a ? nnd soll« man überhaupt mit Müller 
in ball. Encykl. I. 33, S. 282 nnd Bossler gent. sacerd. p. 19 noch 
besondere JrjfirjTQtu annehmen, wohin Hesych. II, p.622: ftoyortov 
in (pXoiov nXtyfAa t*,- m ttrünror uXXqXovi; roTq Atjßtp:qUtq^ nnd p. 996: 



396 Th. IIL Feste bestimmter Orte. 

4) Procl. ad Pia t. Tim. p. 53: *t» xoiyw vijs 'A&rjvüq tu. wiy- 
TijQia nuQ 3 Irf&qvaiotq dvv/tvqra*, xal togxrjv notovvxat xavryv <aq xov 
üootidtovoq vito xijq *A&t]väq vivixrjphov. 

5) Said. III, p. 215: qftfga h rj ol h tfj dgxfj ndrrtq, dg/ophwy 
xagnw* (pvfO&at, Xijyovxoq ijdt] xov £«»/*f5*oc t&vov tfj *A&trv%i xjj dl 
&voia ovo ^a IlQoxagioxyQta* Avxovgyoq h rat ntgi xijq Uguovvyq* rrjv 
roivvv dgxaioxdxyv öitolav ' dtu rijv dvodov xijq &tov , ovopao&fioav dl 
IlQoxaQiOTqQM , d*d Ttjv ßkdoTTjQiv rwy xagnaj*: oder sollen wir hier 
rLqosxaiQTjTiJQia lesen und das Fest auf Persephone beziehen, -wie 
Harpokr. p. 258 aus Avxovgyoq iv xjj Kgoxtayid&v diadixaala anfuhrt : 
(ogxrj nag* *A&tjvaloiq ygaypphq, ort doxtZ dnihat y Kögrjt vgl. Phot. 
lex. p. 403, Suid. III, p.208, und mehr bei Hemsterh. ad Aristoph. 
Plut. p. 475, Kiessling ad Lycurg. reliqu. 107, Ebert ZtxiX. p. 1)7, 
Preller Demeter S. 124. 

6) Synes. enc. calvit. p. 70 : ini xovxoiq 'Ekvoiq uyn xd Atypy- 
rgoq 'jtvattaAvnriJQiat Tgl. Preller Demeter S. 123? 

7) Vitt. X oratt. p. 842 : *t* dl wq xov Ilooddwyoq dywva nottZv 
Iv JlttgauV xvxXloyy x°Q&* 'ovx ^Xaxxov rgi&v, didoa&tu /ilv rolq vixwow 
ovx VXaxxoy dixa fivdq y xoiq dl dtvxigoiq 6xxw t *S dlroVq xglxoiq xgi&*to*. 

8) Suidas I, p. 454: Bguvgwv xonoq rijq 'Axxixijq, h <p r« Ato- 
vvata rjyovxo xal fii&voyxtq noXXaq nbgvuq tjgna^ov . . . tXgrjxai dl did 
xo dtu ntvxtxrjgovq XQ *™ ayio&at xaq &t(oglaq iStv Aiovvoivv: Tgl. 
Aristoph. Pac. 874 und Demosth. Copoo. §. 25 mit Hemsterh. ad 
Poll. IX. 74 und Böckh in Berl. Abhh. 1816, S.75 und 116; aueh 
den Rhapsodenwettkampf h Bgavgwtt xijq 'Axxixijq bei Hesych. I, 
p. 761; den wenigstens Welcher ep. Cyklus S. 391 wegen Alb. VII. 1 
auf die Dionysien bezieht. 

9) Hesych. I, p. 761: xal Bgavgojvia Zoqti} *Agxf/udt, Bgavgwvia 
äytxa.* xal &vixai, alt: Tgl. Herod. VI. 138 mit Corsini fast. Att. 
II, p. 317, Osann sytl. .inscr. p. 80, Bröndsted Reisen und Unters. 
II, p. 250 fgg. , Meyen de Diana Taurica p. 24 fgg. , und über die 
Oertlichkeit (Fraona) Kruse Hellas IL 1, S. 258 fgg. und Leake 
Demen von Westermann S. 60 und 224, obgleich diesem Meineke 
anal., Alex. p. 1.17 Be4enkliohkeUen. entgegenstellt $ auch dürfte 
Brauron nach Schol. Aristoph. Av. 873 schwerlich eigener Demos 
gewesen seyn , Tgl. Ross Demen S. 8. Dass übrigens die brauro- 
nische Artemis auch auf der Burg der Hauptstadt einen Tempel 
hatte, erhellt aus C. Inscr. I, p. 237. 

10)> lnsorern> die Seen« "der 'EXem^ögovvxtq des Diphilus nach 
Ath. IV. 1 in Bvauron wart sonst freilich nur aus Poll. X. 191 
bekannt: toxi dl xal tXhrj nXixxov uyytlov ondgxivov, xd xeliij olovi- 
yov, iv w tyiQQVOw Uqd dggqxa xoVq 'EXivoyoQloiq. 

11) Poll. VIII. 107* ntql ItQonouav: dfxa ovrtq ot/Tö* l'&vov &voi*tq 
vdq 7ievxa<(X7}Qldaq y xqv dq JdrjXov ^ xt}v h BgavQuvi, x.x.X. H ernster- 
buys und Corsini freilich, welchen. Herrmann Feste t. Hellas II, 
S. Iß4 und die Mehrzahl der Neuern folgt, beziehen diese Stelle 
nur auf die not. 8 erwähnten Dionysien; doch s. Müller Orchom. 
S. 309 und Dor. 1, S. 380, der mit Recht bemerkt, dass die von 
pinareh Aristog. §.12 erwähnte Ugua xtjq 'Agxi/udoq rijq Bgavgoi- 
viaq nicht hindere , dass nicht auch die Ugonotol Antheil an der 
Festanordnnng gehabt hätten, Tgl. §.11, not. 12. 

12) Suidas I, p. 331 : ugnttvo^va* yuvutxfq xfj 'Agxfptdi iogxrjv 



§. 62. Atlika- Feste ungewisser Zeitlage. 387 

ixtXovv hqo xojtov t}ftq>u<jf*ira* f ovxe ngtaßvxtQat dinaixav ovxt tXdxxovq 
nhxt, änopiiXiaoofttiHu xrjv &tov . . . xal iynjiplaavxo ol A&qvaVo* pt} 
nQOTtQov owot*£io&a* aWoi naQ&ivov, tl /*?} aQxxtwitti xjj &iui: Tgl. 
Schol. Aristoph. Lysistr. 645 und Harpocr. p. 47 mit Reitz ad Lu- 
cian. Bip. III, p. 500, Paciaudi interpr. Gr. anaglyphi, Rom. 1751. 8, 
p. xxvii, Müller Prolegg. z. Myth. S. 73, Creuzer Symb. IV, S.712, 
Panofka Griechinnen S. 4; oder sind es initiatae nach Lobeck Agl. p. 74? 

13) Demosth, F. L. §. 125: llininXyx&* *«' naZ$aq xal yvvaVxaq 
ix xwr dyg&v xaxuxopl£uv iip7](f>ifao&€ . . . xal xa 'HgdxXfia h aaxn 
&vuvi Tgl. Harpocr. p. 139: noXX&v ovxoiv x&v xavd xrjv 'Arrmijv 
'HgaxXdwv vvv uV o Jyfioo&irqq pnjßtoiHvo* sjfro* t&v h> MaQa&uvt, y 
xütv lv Kvvoaagyft, , xavxa yug pdXioxa did xipijq tfyov 'A&qvatoi. 
Näheres las st sich freilich nicht angeben, als dass nach derselben 
Rede §. 60 die, welche Demosthen.es meint, in die Mitte des Som- 
mers fielen; oder darf man mit Meursius die mvxixtjqlq xwv 'Hga- 
xXtdStv Poll. VIII. 107 hierher ziehen? 

14) Schol. Pind. Olymp. XIII. 148: 7 nXovala MaQa&<ov, *v&a 
hiXilTO xu 'HgdxXtia' rjv di ri d&Xov uQyvQu piäXq: Tgl. dens. zu 
IX. 134 nnd Gorsini Fast. Att. II, p. 335. 

15) Aristoph. Ran. 651: onod-* 'HquxXuu xdv Aiofttloiq yiyvtxat: 
Tgl. Ath. VI. 76 oder XIV. 3: rotq *A&rpfian tiq xo Aioptoiv 'Hqu- 
xXaov u&Qo^ofthoiq rotq xd ytXoVa Xiyovot, und mehr bei Meineke 
anal. Alex. p. 178. Die Beziehung auf Zeus bei Meursius beruht 
nur auf Eustath. ad Hiad. IV. 46 : ix xov AiojMvq Ztvq Aiopimq xa 
Ji6na,u f wo 2kvq offenbar aus verkehrter Wiederholung der vorher- 
gehenden Silbe entstanden ist; und wenn Diomus bei Porphyr, ab-, 
stin. II. 18 mit den Dipolien in Zusammenhang gesetzt wird, so 
sagt dagegen Steph. Byz. s. t. Kvvooagytq: Aiopoq yd(t 'HgaxXti <oq 
&*$ &vav x. r. i. Sonderbar freilich Gramer, aneedd. Oxon. I, 
p. 83: Alo/ioq o ijqoh; o naxqg 'HquxXiovqy dtp* ov Jiöftfia ioQxrj: Tgl. 
Etym. M. p. 102. 45, wo Meineke nalq Termuthet? 

16) S. Leake Demen von Westermann S.23, der nur Kvvöaagyiq 
sieht als besonderen Demos davon trennen sollte ; vgl. Grotefend 
de demis p. 40 und über Cynosarges näher St. A. §. 118, not. 6. 

17) Entere in *A&novov nach Paus. I. 31, 3: 'A&povtZq dl xtftw- 
oiv 'A/taQvaiav *AQXtf*tv . . . (oqti)v dl xal ^AfhpaXoi, xrjq A/taQVoiaq 
uyovotY oi/V«* r* Evßoiwv bdfioxtQov: vgl. Hesych. 1, p. 264 und un- 
ten §. 65, not. 3 ; leztere leitet Schol. Callim. H. Jov. 77 von ei- 
nem Demos Xixmtj selbst her, den auch Meursius bei Steph. Byz. 
s. t. und Corsini F. Att. I, p.247 im G. I. n. 281 erkennen wollen, 
anders freilich Grotefend de demis p. 37 und Bröndsted Reisen II, 
S. 249 fgg. 

18) Plut. V. Thes. c. 14: ¥&vov ydg 'ExaXijoiov ol »*<>*£ drjpot 
ovviomq ExaX(lü) AU xal xijv 'ExdXijv irtfiav, 'ExaXrjvqv vnoxoQi£6ßtt- 
yot, diu xo xdxtfotjv viov ovxu xofn.dfj xov Qijoia ^fvi^ovaav döndaao&ai : 
Tgl. Naeke opusee II, p. 13 fgg. und über den entsprechenden 
Demos p. 98 mit Ross Demen S. 67. 

19) Plut. V. Thes. c. 36 : &valav dl noiovotv avrto xijv ptyiovqv 
oydotj Ilvavtipwbiroq, h y ptxd x&v tji'&ia» ix Kgjjxtjq InavrjX&tv (§. 56, 
not. 5)* ov fxrjv dXXd xal xatq aXXatq oy&oaiq xipmav» avrov, 77 diu xo 
nqtäxoy ix T(>oi£rjvoq d<pixio&ui xjj oydojj xov 'Exaxopßawvoq, wq loxo- 
Qijxt Ahodtaqoq o nrgHjyfptrjg, rj voftifavxtq htqov fiaXXov txeivta ngofrjxtiv 



328 1%. III. Feste bestimmter Orte. 

top dg*&-p,ov rovrov Ix TloOHSüvoq ytyovbai X*yof*{vt>: vgl. Schol. 
Aristoph. Plut. 628 und oben §. 44, not. 5. Das« freilich das Haupt- 
ftst im Pyanepsion war, gebt auch aus der Zusammenstellung mit 
den Sxigoiq Aristoph. Thesmeph. 841 hervor, und hierher fielen 
wohl auch die Spiele, die Gellius XV. 20 mit den eleusischen ver- 
bindet; gehört aber dahin auch der Cultus der Phytaliden aus Plu- 
tarch c. 23 oder soll man hier mit Malier Dor. I, S. 238 und Wel- 
cker Nachtrag z. Tril. S. 205 AiytT für avxta lesen? vgl. Bossler 
gent. sacerd. p. 52. 

20) Plut. V. Thes. c 4: oj P*XG* ™v 'A&qvaZo* fiia ngoxigov 
jj/ifga riov Qqotiww xgtov lvayi£ovOk. 

2t) Plut. V. Thes. c. 17 : paQTVQft d* xovxotq tjQ&a JVavat&öov 
xal toalaxoq, tlottfdvov €)qo4mq 4HiXrjgol ngoq tw tov SxLqov l&gdi, xal 

TTJV loQTljlf T« KvßtgVfjOld tpaaiV Ixffrof? TfklO&at* 

22) Hesych. I, p. 1332: MiXyattyogaq tov 'Avögoyta* Evgvyvij* 
dgrja&ai q>qoi tov Mivwoq, i<p* <a rot dyöjva xi&fq&cu Inixctyiov 3 A&tj- 

VtfOlV h TW KfQCtßfUHp. 

23) Bekk. aneedd. p. 229 1 raXdlm logxrj 'A&yvyo* pqxgl &ia>v 
dyopivy, h tj iiftahO* xrjv yaXa£iuv * hnl <fi n'oXxoq xgi&woq ix yuXaxxoq : 
vgl. Hcsych. I, p. 794 mit Lobeck Agl. p. 1069. 

24) Her. VI. 105 t xal avxov dno xarxyq %tjq dyyillqq &votyo* 
Udoxovran vgl. Bergk com. Att. reliqu. p. 92. 

25) Harpocr. p. 184$ TQ*Tq ayoimv 'A&rjvatot kogxdq Xaymu&aq % 
TTava&Tjvuloiq x*l H<pawxtioiq xal Ilgofi^&tloiq : vgl. C. 1. n. 213 und 
über die leiten insbes. Paus. I. 30. 2i iv 'AxnörjuLq dt iati TlgofMTj- 
&toq ßojptq (Schol. Oed. Colon. 53) xal &$ovo4v an avrov ngo\ xijv 
noXw ^ovTf? nttofihag Xapndiuq: auch Isaeus Apoll, he red. §. 36 und 
Weiske Prometheus, Lpz. 1842. 8, S. 5*8 fgg. v Oo* lr Vl Xenopb. 
rep. Ath. III. 4. 

26) Schol. Oed. Colon. 489 i ptxd ydg yovxluq xd Ugd ögwot xal 
öm xovxo ol dno 'Hovxov &vovOtv avtatq, xa&dneg HoXfftatv iv rotq 
ntgl 'Egaxoo&byi' qtrjalv ovxm • xo di t&v tvnaxgidwv yfaoq ov /itTf/t» 
xijq övoiaq xavxqq* tlxa itijq ' vyq di nofmyq xavxyq 'üat/ftcfafr, o 4rj 
yhoq toxi nagd xdq otpvdq &fd<; t xqv yyf/iovlav *x** 9 xal ngo&vovxat 
ngo xyq övoiaq xgiov 'Hovxp Ugov ygol' f ov to Uqov Iatt» nagd xo 
KvSojviovi vgl. Bossler de gent. sacerd. p. 18 und Müller zu Aesch. 
Eum. S. 179; auch Philo de praest. libert. p. 886 B: d*o poi doxovoiv 
ol twv 'EXXyvwv otvdtgxfaxa'to* 'A&yvaTöi, tjj* Inl ratq otßtvaTQ &tatq 
nofuiyv Ixav ariXXaai Sovkov pydkm ngoqXu/ißdvHV x. r. 1. 

27) Hesych. I, p. 325: 'A*dxtict Jiooxogwr togxij:v%L PolL I. 37 
und mehr bei Davis, ad Cic. N. D. III. 21, Hemsterh. ad Luciaa. 
Tim. c. 10, Lobeck Agl. p. 674, Creuzer Symb. III, S. 24 u. s.w. 

28) Phot. lex. p. 103 : *A&iyiH*Vo* togxTjv J*og ayovoi xal "Hgag 
Ugov yüfiov xaXovvrtqi vgl. §«32, not. 16 und mehr bei Larcher 
p. 323 fgg. und Welcker zu Schwencks Andeut. S. 272 %g. 

29) Etym. M. p. 42: aluga «WjJ 'A&yvag (Meursius 'Afrjvt/üuß) 
tjv xuXovaiv cvdttnvov' Xfytxai ydq Hgiyovtjv ryv Alyla&ov xal KXv- 
TaipvyoTgaq &vyttxtga ovv Tvvddgtp xtp numuo il&rtv *A&ij*m& xaxij- 
yoQTjaovaav 'Ogtaxov, dnoXv &hxoq 6h dvagxrjoaoav tavx7Jv ngoqrgöjiaiov 
roVq 'A&qvaloi.q ytvkf&4u 9 natu XQVWo* <ft tri av\jj avntktZod-a* r^v 
hgxrpf vgl. Hesych. I, p. 1494 nach Meursius Verbesserung: iv$n- 
nvoq &vaia xiq *A&qvffOtv Inl ^Hgiyövqq, obgleich derselbe s. v. uikiga 



§.63. Boeotien. 329 

I, p. ISO filier die Bestimmung des Festes schwankt: toQrrj % AS-ij- 
*flOiv % ijv ol filv ini TrjpaXhv rvqavvov' &vnv tpaalv , ol dfc inl Kkv- 
TatfAvfjOTQaq xul AXylo&ov , ol d\ inl *HQiyovy 'AkfjTidi, rrj *lxd(jov f 
and jedenfalls die gewöhnliche Form der Sage in Erigone viel- 
mehr die Tochter des Weinerfinders Ikarius erkennt» s. Apoll od. 
III. 14, 7 und Eratosthenes bei Schol. Iliad. XXII. 29 mit Osann 
in Verh. d. Casseler Philologenvereins 1843, S. 17fgg.; über 'Alynt; 
aber Hesych. I , p. 228« dliJTtq hgx7J 'A&yvnoiv ij vvv ivQa k*yo- 
fibq, mit Ath. XIV. 10 nnd Hygin. astron. II. 4t qui quod ea se 
susp enderat, instituerunt, uti tabula interposita pendente funibus se 
jaetmrent , «t qui pendens vento moveiur ; quod sacrifieium solenne 
instituerunt itaque et privatim et publice faciunt, idque Aletidas 
appellanty quod eampatrem persequentem cum cane, ut ignotam et 
solitariam oportebat, wiendic*m appillubant etc. 

30) Osann a.a.O. S. 10: "ob übrigens die Rolle solcher ban- 
genden Figuren lebende Personen selbst übernommen, oder ob de- 
ren Stelle Nachbilder in Art der Mannequins vertreten, ist hier 
ganz gleichgültig, zumal da sich beides als zulässig denken lässt 
und sich vielleicht nur nach Zeit and Ort verschieden gestaltete"; 
vgl. Lutat. ad Stat. Theb. Xt. 644 und mehr oben §. 27, not. 16. 

31) Hesych. II, p. 154S: XaQp&ovva loqral 'AOyvyon vgl. Plut. 
ls. et Os. c. 29 : SoQTrjv ol AlyvxriM rd ja^udovfa oaiot* zakovm : 
etwa s. v. a. XagioKt bei Eustath. ad Odyss. XVIII. 194 : navwxi- 
i*q, lv atq 9trjyQV7tvovv xoQfVovrfqf 

32) Hesych. I, p. 1203: h^r?} nag 9 'A&ytaiott;. 

§. <a. 

Die Feste fioeotiens zeichnen sich insbesondere durch 
die Wettkämpfe ans, mit welchen die Mehrzahl dersel- 
ben und namentlich diejenigen verbunden waren, die 
weniger dem ganzen Lande gteiehmässig als einzelnen 
Orten desselben angehörten, obgleich auch diese durch 
die Fremden Besucher, welche sifc anzogen, mehr oder 
minder allgemeinere Wichtigkeit erhielten x ). So be- 
gegnet uns schon in sehr früher Zeit die Amphiktyonie 
Ton Onchestus mit Wagenrennen im Dienste des Posei- 
don 2 ) 5 später bildete die Feier der itonischen Athene 
bei Koronea für den ganzen Bund einen gemeinschaft- 
lichen Mittelpunct , dessen navyyvQtg 'gewiss auch der 
herkömmlichen Spiele nicht entbehrte 3 ); und wenn auch 
die übrigen keine solche politische Bedeutung in ge- 
schlossenem Kreise tragen, so dehnten sie ihre gottes- 
dienstliehe und agonistisehe Anziehungskraft desto weiter 
auch über die heimathliche Gränze hinaus« Namentlich 
glänzt in dieser Hinsicht Thespiae durch seine 'EQvnidia 



330 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

und Movaeux, deren erstere alle drei Gattungen griechi- 
scher Agonen vereinigten, letztere dem Charakter ihres 
Namens gemäss dem musikalischen Wetteifer noch eine 
zweite Gelegenheit gewährten 4 ); in ähnlicher Art aber 
beging auch Orchomenus neben den Leichenspielen des 
Minyas 5 ) seine Xagnrjoia 6 ) , vielleicht auch Akraephia 
seine Ihfii'a zu Ehren Apolls, die von Zeit zu Zeit mit 
gesteigertem Aufwände erneuert wurden 7 ) 5 und wie in 
Lebadea seit der leuktrischen Schlacht die BaoiXsia oder 
Tgocpaivta 8 ), so eröffneten seit den Perserkriegen, wenn 
auch mit den durch die wechselnden Schicksale ihrer 
Stadt herbeigeführten Unterbrechungen, die penteterischen 
'jEXw&egia in Plataeae dem Wettlaufe und andern gym- 
nischen Uebungen ein reiches Feld 9 ) ; ausserdem sind 
auch hier die 'HgccKfoia nicht zu übersehn , die in dem 
Geburtslande des Heros sowohl von mehren kleineren 
Orten 10 ) als auch von der Hauptstadt Theben und zwar 
hier unter dem besonderen Namen seines Gelahrten als 
'loXaeia 11 ) und mit vorausgehendem Opfer für Galinthias 12 ) 
in festlichen Agonen begangen wurden. Doch finden 
sich allerdings sowohl hier als in den übrigen Städten auch 
andere Culte , die sich mehr, in dem symbolischen Cha- 
rakter der altern Zeit und den Ueberlieferungen örtlicher 
Gebräuche bewegten: in Orchomenus die 'Aygiwvicc, wo 
eine Jungfrau aus Minyas Geschlechte von dem Priester 
des Dionysus mit entblösstem Schwerte verfolgt 13 ), Dio- 
nysus selbst aber von den Frauen gesucht und die ge- 
heimnissvolle Feier zulezt nach der Festmahlzeit mit Auf- 
gaben von Räthseln u. dgl. geschlossen ward 14 ) ; . in 
Tanagra die "Eg/uata, wo der schönste Jüngling der 
Stadt ein Lamm auf den Schultern um die Stadtmauer 
trug 15 ) , in Theben selbst J u4<pgodloia 16 ) und Mysterien 
der kabiräischen Demeter 17 ), und zu Plataeae die grossen 
und kleinen JatäaXa, deren erstere in sechzigjähriger, 
leztere etwa in siebenjähriger Wiederkehr 18 ) eine Scene 
aus der Ehestandsgeschichte des Zeus und der Hera 19 ) 
mittelst einer Procession nach dem Gipfel des Cithaeron 
verbildlichten 20 ) ; insbesondere aber auch diejenigen Feste, 



§.63. Boeotien. 331 

welche gerade weil sie im ganzen Lande zu gleicher 
Zeit gefeiert wurden, der ursprünglichen Beziehung auf 
Jahreszeit and Naturverehrung treuer blieben. Am 
schwersten ist das freilich für die 'O/uohma nachzuwei- 
sen, deren gleichnamiger Afonat nicht einmal chronologisch 
sicher ist 21 ) 5 dagegen lassen schon die übrigen Monats- 
namen , die allen Boeotiern gemeinschaftlich sind 22 ), in 
ihrer gottesdienstlichen Bedeutung manche agrarische Be- 
ziehung erkennen 23 ) ; und auch abgesehn davon werden 
Feste, wie die datpvrjtpoQia des Apoll im Frühjahr 24 ), 
die GsopxxpoQia der Demeter im Sommer 25 ) , und die 
Jiovvoia im Winter 26 ) , die natursymbolischen Gründe 
ihrer Zeitlage auch in den Einzelheiten ihrer Feier nicht 
yerläugnet haben. 

1) Schol. Pind. Olymp. VII. 153« noXXol <f dyovrat dy&viq h 
*Agxadia . . . h dl Qijßmq tu 'HgdxXua, tu dl avtd xai 'JoXdftu xa- 
AfPrcw* iv dl JBotwjla h ftlv QtoniaTq 'i?<3ö/T*x, h dl vaVq IJXaTUutZq 
tu *EX(vO-iqm . . . dl Jidvpoq 970* xai *Afi(f>*aQuVa h 'JlQamai xai 
JyXta \nl JrjXim xai Tgotpcovia Iv Aißadtia: Tgl. Böckh expl. p.176 
und Krause Hellen. I, S. 779 fgg. 

2) Homer. H. Apoll. 230$ Tgl. Strabo IX, p. 632 und Müller 
Orchom. S.,84 u. 238. 

3) Vgl. Paus. IX. 34. 1 mit St. A. §. 180, not. 1 und Rücke rt 
Dienst d. Atfiena S. 73. 

4) Paus. IX. 31. 3: xai ioQryv rt hrav&a ol QtOJMVq xai dy&va 
uyovoi Moppt«*' ciyovo* dl xai %m "ifyair*, d&Xa ov povotxijq povov, 
dXXd xui d&Xqvatq rtfcVrt?. Beide am Helikon und penteterisch nach 
Plutarck amat. c. 1 ; Tgl. Ath. XIII. 12 und XIV. 26 , und mehr 
über die Movohu C, I. n. 1585. 86. 3067, über die 'Egurldw das. 
n. 1429. 30. 1590 und Ritschi Rh. Mus. II, S. 106 mit Böttiger 
Kunstmythol. II, S. 407 und Greuzer Symb. IV. S. 162 fgg. 

5) Mtvvtta, Schol. Pind. Isthm. I, 11. 

6) C. I. n. 1583 und 1584: Tgl. Pind. Olymp. XIV. 3 und 
mehr bei Mango mythol. Vers. S. 425 fgg., Müller Orchom. S. 177 fgg., 
Ulrichs Reisen S. 180 u. s. w. 

7) C. I. n. 1625, I. 36 : ixXtXomirtoq yuQ qdq Tgtuxovru txrj xov 
twv Tlnattav ayZvoq, xaTaaxaO-flq dyuvo&iTqq ngo&iffioruTa (Tifd^aro 
qnXodoür^aaq ro uvuvfwoao&ai tt}v «p^caoTjyTa rov dyuvoq itav fnydXoiv 
ITttoiwv xai Kaioagyctv . . . inioxdvToq dl rov dytovoq tw exxtp hiavxw 
%o inl noXtwq diudopa ilq %rjv ßtiXXovoav {oqttjv tdtaxtv . . . xdq dl 
nargiovq nopndq ßitydXaq xai xrjv tQv ovqtüjv ndxgiov oQxqow &eoO(ß<5<; 
t n tri Xfötv . . . xai xaru ra$<«? dno tixddoq f*f%Q* Tgtaxddoq ngoq Vpnaot 
xotq aglaxotq naldaq rovq twv noXtxkiv xul dovXovq ivTjXixovq, rdq r< 
yvvatxaq T<ä* noXwdiv rj yvvrj uvrov qgloxrttv xai nag&ivovq xai dovXaq 
x. t. X.: Tgl. Ulrichs Reisen S* 243 und Leake traTels in north er n 
Greece TaT. XU, n. 51 mit Keil inscr. Bocot. particula, Naumb. 1845. 



338 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

4, p. 31 : de Ptoiis mgi smne est verisimiU, quanquam Acraephiat 
etiam 2W//p*a acta esse ex titulo n. 1887. 3 cognoscitur ; über den 
dortigen Apollocult aber oben §. 40, not. 19. 

8) Diodor. XV. 53 : dtor« nqoqxhax^ o &toq avroZq, otuv h 
AivxTQotq yiKTjOtöOw, dy&vu ti&ivat, AU ßaoiXtl oitgutrlTr}*' dq? ov $t} 
ßoKUTol Tuvttjv noiovo* rrjv navyyvgw h Atßadda: Tgl. Böckk G. 
Tnscr. I , p. 704 und Larcher p. 273 , dieselben aber als Tqoquvki 
C. I. n. 1068 Mit Panofka in Gerhards archaol. Zeit. 1843, S. 4, 
wo Trophonius selbst als Zeus nachgewiesen ist. 

9) Strabo IX , p. 632 : IdgvoavTo rt 'EXtv&tgtov Aioq itgov xul 
dywva yvfivtxov orupaviTqv diüd*t£av, 'EXfv&tgia itgoqayogtvovTiq : Tgl. 
G. I. n. 1068. 1430. 1431 and ober ihre Fortdauer in späterer Zeit 
Plntarcb V. Aristid. c. 21 und Paus. IX. 2. 4, obgleich der Tag 
der Feier (16 Maemakterion) nicht der ursprüngliche der Schlacht 
(3te Bocdromion, Plut. V. Camill. e. 19) war. Aber feierten die 
Athener an diesem leztern auch nXaxaVxdl Boeckh G. loser. 1, p.904. 

10) Zu Thisbe, Paus. IX. 32. 2; zu Tipha, das. ^3 u. s. w. 
Im Allg. Poll. I. 30 ; xal xaXflrui nagd xoZq Qrjßuioiq ij roZq Boiw- 
xoZq MijXatv 6 'HgaxXfjq, ovopa ix rov rgonov Tjjq &vaiaq Xtcßfal 

11) S. oben not. 1 und Schol. Pind. Olymp. XUI. 148, Pyth. 
IX. 156, Nem. IV. 32, Isthm. I 79; auch G. I. n. 1068 und über 
folaus Verhältnis» zu Herakles Plut. (rat. am. c. 21. Wie verhal- 
ten sich aber dazu die zweitägigen Leichenspiele der Kinder des 
Herakles, xij fi\v ngorfgtf nhra&Xoq xttl luTtixog, rij 6\ dtvrfgq yvpvi- 
xoq, Schol.' Isthm. III. 116? Tgl. Böckh expl. p. 175. 

12) Anton. Lib. metam. c. 29. 

13) Plut. qu. Gr. 38: t£tori d\ rqv xärah^.d-itaav dvfXtZv^ xul 
dvtZXtv fV ypüv ZtaiXoq o Ugevqi Tgl. oben §.27, not. 15; ob auch 
Raoul-Rochette mon. ined. pl. IV. 1, wie Welcker Rh. Mus. N. F. 
I, S. 414 will, Jahn in Zeitschr. f. d. Alt. 1843, S.221 aber bestreitet? 

14) Plut. qu. symp. VIII, p. 717: ot; q>avXmq ovv *ai nag* y/tTv 
iv toVq 'Aygtatvioiq xov Aiowtrov ttl ywatittq mq dnodtdgäxora fyrovotV 
(ha TzavovTou xul Xiyovüiv ot* ngoq t«c Movaaq xaraittiptvyt nal xe- 
xQintrcu nag* Ixtivatq* ßnr oXtyov di rov dtinvov riXoq V^ovtoq alrly/tava 
not ygtyovq dXXrjXaiq ngoßaXXovxji: Tgl. Greuzer Symb. IV, S. 187 
und Lobeck Agl. 678. 

15) Paus. IX. 22. 2; Tgl. Welcker Syll. epigr. p. 215 und Ger- 
hard Vasenb. I, S. 74 oder Phrixos der Herold, Bcrl. 1842. 4, S. 5. 

16) Polyaen, strateg. II. 4. 3. 

17) Paus. IX. 25. 6; Tgl. Creuz. Symb. III , S. 30 fgg. und 
unten not. 25. 

18) Paus, IX. 3. 3 t AatdaXa ovv uyovüiv öl ÜXaxauZq fogrijv d»' 
Vxovq eßdopov piv, toq t<puOxtv o twv w^w^/wy lHqyi]xijq t dXrj&ti ftfrxoi 
Xoyta di iXdaoovoq xal ov xooovxov ygovovl Tgl. Müller Orchoni. S.221 
und Sickler die Hieroglyphen in dem Mythus des Aesculap, Meiningen 
1819. 4, S. 42; über die grossen auch Menand. encom. III. 2, p.212. 

19) Plutarch ntgl xwv h HXwtautZq AaiddXwv bei Euseb. praep. 
eTang. III. 1, p. 85: Xtytra* ydg o Ztvq 9 rijq u Hgaq avrqi dtavtQOfihyc, 
pqxhi <poi%av tiq %o avvo ßovXophyq, dkXd xgvnrovoq? iavxrjv, dfiTjX****** 
nal nXavwfttvoq 'AXaXxopfvt* tw avrox&ovi awru/ftv nal dtäax&iji'n* 
vno Toi/rot/, w? ^anaxtjrhv Tfj* "Hgav oxijyd/ttvor ya/utv ivigu*' 



§. 63. BoeotUn. J33 

<ru**qyovvx4>q dl t+v 'AXaXxopbovq XQtHpa TtfiQvxuq avxovq * vxxiavov xai 
nayxdXrjv dgvv, poooxwaal rt avxrjv xai xataaxttXat vvfiq>txoiq daiddXyv 
ngoiayogtvoarruq . . , ntgaivofihtov dl roivtav ovxtxt vrjv "Hgav xagxt- 
gtVv^ «>U« xavafiaot** Ix rov Ki&atQWvoq tw> IlXaxaud<o*- aihtj yvvai- 
x&v fjiofihwv vn ogyrjq xai tyXoxvitiaq &*ovaav fX&tVv atgoq xov dia 
xai xov nXücrpaxoq g>avigov ytvophov diaXXayttaav fttxd /<»£«$ xai 
ykXwroq avTfjv vvftyayoiytiv, %wrj* dl xt» loavta ngoq&tpyac xai AuidaXa 
ttjv kogxjjv ngoqayogtvout ^ xaraxavam dl ojuuq aiho xaintg ai/mjfov oy 
vno fyXoxvniaqt Tgl. Creuzer Symb. III , S. 245 fgg. , Weleker zu 
Scbwenck S.?80 fgg., Wieserer in Paulys Realencykl. IV, S. 546 fgg. 

20) Vgl. Paus. IX. 3. 4, zunächst tob den gresstn, an welchen 
ganz Boeotien Theil nahm und vierzehn Bilder nach der Zalil der 
Bandesslädte (St. A. §. 179, not. 3) au%eführt und verbrannt wur- 
den; dock muss nach Welcher* richtiger Bemerkung die gleiche 
Cerimonie im Wesentlichen bei den kleinen vorgekommen scyn; s. 
auch F. Münscher de rebus Plataeensium, Hanov. 1841. 4, p. 42 fgg. 

21) Vgl. Manatsk. S. 71 und über das Fest Schol. Theoer. VII. 
103 und C. I. n.l5&4 mit Boeckh expl. Find. p. 604, Müller Or- 
chom. S. 233, Creuz. Symb. III, S. 98, Preller Demeter S. 352. 

22) Boeckh €. Inscr. I, p. 732: 1 Bovxdxioq 2 'EgfiaVoq 3 Ilgo- 
axaxijgtoq 5 QuXov&toq 7 'inriodgofAioq 8 Tluva/ioq 10 Ja/uuTQtoq 11 
'AXaXxofifvtoqi vgl, Mona Uk. 2$. 88. .Der Jahresanfang mit der 
Bruma erhellt aus Plut. V. Pelop. c. 24. 

23) Bovxdnoq diu xo nXtioxovq h uvxai diatp&tLQtö&at, ßoaq, Procl. 
ad Hesiod. h x. 17. "502? oder vielmehr den attischen Buphoniea ent- 
sprechen^, wie der Uuvuftdg den Pyanepeien (§. 56, not. 7.) und der 
QtiXov&toq d. i. QuXvoioq den Thargeüen, vgl. Ath. III. 80 und über 
die OaXvoux. selbst oben §. 47, not. 6. 




xax a<yT*g>ovoi ddq>*cuq Hai notxlXotq efr&in, xai In axgov ftlv %aXxTj 
(yagnQ&Tith ayaiQct, Ik dl xa^xrjq ^txgoxkqaq ilagxwat' xaru dl to 
f*iaov xov ZvXov ntgi&hxtq iXuoaova trjq in axgto ogtaigaq xa&dnxQVOi 
nogg>vgd oxififiüxa, xd dl xtXivrata töv h'>Xov ntgtaxfXXovo* xgoxwxto 
. . . ety/ft dt t£c dupvjfg>ogiaq %aTq aw&aXjjq, xai /twUar« avrf 
olxtVoq ßaoxü&t> xo xattoxtppivov £iU*v, q xtonoi xaXovo**' avxoq dl o 
dayvtjtpoqoq tnoptvoq xijq ddyvrjq iq>unxtxai,, rdq f*lv xopaq xu&apUvoq y 
XQvaovv dl oviqXMvov q>ig*)*, xai Xüfingav bj&ijra nodjjgi} iaroXi&fihog f 
IpixqaTiduq dl vnodtd*iUvoq f ^ ^Q^)? nag&ivatv inaxoXov&iZ , ngoTfhwy 
xXwvaq ngoq IxiTJJQiuv rav vpvW nagint/inov dl ryv da<pvt]q,ogiav t\q 
*AnöXX(ayoq 'Ionyvtov xai XaXu^lov (nadh Bekker; früher yaXatiov): 
vgl. Paus. IX. 10. 4 mit Bdckh ezpl. Pind. p. 590, Müller Orchom. 
S. 220, Creuzer Symb. II, S. 681, Gerhard Vasenb. I, S. 120, und 
den *Ani>XXtAv daq>vag>6gn>q selbst zuChaeronea '€. I: u. 1595. 

25) So wenigstens Xenopk. Htiil: Y. t.i 2>: <f*a io tdq yVvaXxaq 
$*vgKa4fttif&£Of*o<pogtd&*, &(Qoyq dl ovxoq xai ppoqpßgiaq, , yvns 
sich durch den Synchronismus mit den Pythien bei Aristid. Eleusin. 
I, p. 419 auf 'das Eride des August bestimmt; nur muss man dann 
noch eine zweite Feier im Herbste annehmen, Tgl. Plut. Is. et Oft. 
c.69: - ..-■..-••. - - . 

ixthrjv 
ovatjq* 




334 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

llvavtyiüva d* ^A&rjvalot,, BomtoI cft JaparQtoy xalovoi: oder gehört 
diese zu dem oben not. 17 erwähnten kabir&isehen Callas, den 
wenigstens Preller Demeter S. 361 fgg. und Bäumlein in ZeiUchr. 
f. d. Altertn. 1839, S. 1197 «U eine Verschmelzung der durch 
Methapus zu Epaminondas Zeit (Paus. IV. 1. 5) in Theben ein- 
geführten Rübirrnysterien mit dem , der Gephyraer betrachten, 
welches Priestergeschlecht die . Verehrung der JrjftrjrrjQ *Axa*a zu- 
nächst von Tanagra aus auch nach Athen r gebracht haben sollte? 
S. Her. V. 57 fgg. mit Müller Orchom. 8. 118, Welcher Kadmos 
S. 77, Lobeck Agl. p. 1225, Meier gentü. Att. p. 39, und insbcs. 
Preller S- 392 fgg. und de via sapra Elens. I, p. 12 fgg. 

26) Trieterisch, s. Eurip. Bacch. 133 mit Schöne .de person. habitu 
p. 71 und 'mehr bei Preller in Paulys Realencykl. II, S. 1065 fgg. 
Doch mochte daneben der gütige Weingott auch alljährlich gefeiert 
werden, vgl. Plat. qu. Symp. III. 7. 1 und VIII. 10. 3: xa« iat}v 
olvov ye rov vtov ol ngwikihara nivwrtq 'Av&iatit] Quart itivovoi firjrl 

'Ad-ipato* dh m&oiyiav »yeitatoi/?* (§. 58, nof. 16). , 

§• 6*. 
Unter den übrigen Staaten des griechinchen Festlan- 
des zeichnet sich insbesondere Delphi nicht nur durch 
die pythischen Spiele, sondern auch durch andere Feste 
aus, die freilich grossentheils gleichfalls dem Hauptgotte 
Apoll gewidmet waren. Nur in den Wintermonaten trat 
dieser auch hier hinter .Dionysus zurück, auf dessen 
orgastische Nachtfeier durch schwärmende Thyaden mit 
Fackeln in den Schluchten des Parnasus x ) sich wahr- 
scheinlich auch der Monatsname JadtxtpoQtog bezieht 2 )} 
nachdem aber in ähnlicher Art wie bei den attischen 
Anthesterien die winterlichen Gewalten durch das im 
folgenden Monatsnamen Uottgontog angedeutete Bittfest 
gesühnt waren 3 ) , bezeichneten wahrscheinlich die Qeo- 
(pdvia die Rückkehr des heiteren Gottes 4 ), auf welchen 
dann, auch mit Ausnahme des "Hgcuoc lind 'HQaxXeioe 
die übrigen bekannten Monate; hinweisen 5 )$ und dem- 
selben galt endlich auch in, neunjähriger Wiederkehr das 
OBnvtjQiop als Nachahmuag seines Kampfs mit dem pythi- 
schen Drachen, wenn auch die beiden ändern Ennaete- 
riden. 'Jigmg und Xagila; die sich daran schlössen, mehr 
bakehischen Charakter yerräthen 6 ). Aus dem eigent- 
lichen Phocis kennen wir sodann die , *E^a<pqß6ha in 
Hyampoüs?) und die Qeo/itofpoQK* in Qrymaea 8 ); aus 



§.64. Boeotien. 335 

Lokris die AIclvtbw in Opa» 9 ) und die Panegyris bei 
dem Tempel des nemeischenZeus am Vorgebirge Rhium 10 ) 
nebst der mystischen Feier der avaxteg naiSag in Am- 
phissa lx )y aus Dryopis am Oeta einen Agon der Nymphen 
mit Wettlauf 12 ), aus Aetolien das Bundesfest der Ilavai- 
ivbXia beiThermus I3 ), aus Alsarnanien und dem benach- 
barten Leukas die *A*%ia des Apoll, deren Erweiterung 
durch Augiist ihrem früheren Ursprünge nicht im Wege 
steht 14 ); ferner in Ambracia festlichen Cultus des Apoll und 
Herakles 15 ), selbst inEpirus die Ndia des dodonäischen 
Zeus 16 ) ? und namentlich auch in Thessalien bedeutende Ge- 
bräuche, welchen der Reiehthum und Glanz der dortigen 
Aristokratie wesentlich zu Statten gekommen seyn mag. 
Einzelne sind wohl auch hier nur örtlich, zumal wenn wir 
die abhängigen Landschaften dazu rechnen, wo uns z. B. 
im phthiotischen Achaja der finstere Dienst des laphy- 
stischen Zeus 17 ) , bei den Aenianen apollinische Heka- 
tomben 18 ) , in Magnesia die 'EiatQidia 19 ) , in Lamla 
ein ganz eigentümlicher Kalender mit unverkennbarer 
Beziehung auf Localculte begegnet 20 ) 5 der Gesammtheit 
des eigentlichen Thessaliens aber gehören unstreitig nicht 
nur die UekwQta, die mit den römischen Saturnalien 
verglichen werden 21 ), sondern auch die ITQmeoiXds ta 22 ) 
und die JaxpvfjipoQia 23 ) an , obgleich erstere zunächst 
an der Heimath des Heros Phylace, leztere an dem laris- 
säischen Tempe haften mochten 24 ) 5 und wenn es gewiss 
ist, dass kein altgriechisches Volksfest ganz ohne gottes- 
dienstliche Grundlagen, war , so werden wir auch die 
Krön« thessalischer Gymnastik, die Wettkämpfe der 
TavQOHc*&dipta oder Stierbändigung um so weniger aus- 
schliessen dürfen v als diese später sogar an vielen andern 
Orten Nachahmung fanden 25 ). 

t} 1 Paus. X. 4. tt al di BVtaitq yvvaZxtq ph iiov> *AiTi*a) 9 
<pori5njui <9% ■ Aq'-xov- fla(pao6* nägd Vroq txvrai te xul ul ywatx«; 
JtXqtiav SyoVort oQyM Jiovvoto: Tgl. X. 32. 5 und hinsichtlich de* 
Jahreszeit PluUrch. de prim. feig, c.18: h dl Jilyotq avioq ijkoviq 
oz» tu* tlq iqv n«Q*uo6v dvaßavrmif ßorjB-rjvat *aV$ Gi/uxoiv antdiju- 
fuvvut; vrto itvfv/iaxas xakciov nal xtovoq out tos iyivovro diu to* nuyo* 
axkrjqul xcf* ZvXo'tdt*^ et« *JUi/ii'<f*?, «J? x«i &Qav*a&at t mit Ulrichs 
Reisen S. 121 /gg. und oben §.47, not. 10; auch Plut. Ig. et Osir. 



336 Th. HL Feste bestimmter Orte. 

c.'S5t xal &VQVQI* ol f 'öff*w Oralav vaio^^iycon h i$ **(**1 ro v\ VrWöA- 
Xfavoq^ orav al 0vt«dfc lytiQuo* top Amnrt]v y und mehr boi/Lobeok 
Agl. S. 619, Müller Prolegg. S. 393, Gerhard Vasenb; I, S. 110, 
Welcker im Rh. Mus. N. F. 1, S. 9 %g- 

2) Thieisct Abhb. d. bayer, Afcad. 1840 philol. CK S. 63; Tgl. 
Curtius anecdd. Delph. p. 30 and m. Monatsk. S. h% ; 

3) IloiTQoniQS = nQoqTQonwq , Tgl. Monatsk. S. 75 und Bergk 
Beitr. S. 62, dem ich jezt auch die überlieferte Form gertr zugebe. 

4) Herod, L 51 , Tgl. Po LI. I. 34 und Möller itor. II, $. 539* 
unstreitig dasselbe Fest, das Meursius. aus Procop. ep. a/d Zftckar, 
als imdqfiia *AnoXX<avoq aufführt; s. Spanheim ad Call. H. Apoll. 13 
und Forchhammer Apollons Ankunft in Delphi, Kiel 1 1840.. 4. 

6) Nicht nur Üovxdxioq als Monat der. pythischen Spiele selbst 
(§.49, not» 12) und 'Ane XXaZoq , sondern namentlich aucl? I&üiqz z^: 
flv&ioq, der Orakelmonat (Plut. qu. Gr. 9), dann Boa&ooq z=zBoij- 
doo/uoc. (§. 55, not. 5), vielleicht Huck Elia** oder 'Ikaros nach 
Bergk s. Monaisk. S. 63 für 'Jitttog, und jedenfalls. €k*$*Kiq, als 
Monat der JTheoxenien, die wir hier wie in Pellene (§. 51, not. 29) 
vorzugsweise apollinisch denken dürfen, Tgl. Plut. ser.' nuin. vind. 
c. 13, Alb. IX. 13. und mehr de anno Delpbic*, Gott, IS43. 4, 
p. 7 und 25 mit Larcher in M. de l'A. d. Inscr. XLVUI, p. 3f*v 

6) Plut. qu. Gr. 12: rotte, uyovot JtXtpoi Iwutiijoldaq naru to 
##jfe, wv rijt fiiv SmrrjQiov xaXovöi, rqv d' iHgaräfa, %i t v dt XaglXav' 
to f*(Y ovv StnTTjQiov l'otxt ftifitj/ia .Tij$ sope xov Hv&wta yojT £-«•£> 
ptr/rfi «free* (§. 29, not. 23) xal rjjq pixu rrjv puxyv Inl tgc Tifint] 
a-vyijq xal ixöKöttiüq . . . tjj?c &\ 'HQw'tdoq xd nXttctxa pVOTixor fyh 
Xbyov-, ©V Xoaon ul &vsdfcq, ix öh tu* Öoo^hmv yartqwq StfiUXqq.av 
T*c dvayvyrjv tlxdotu 9 mql d^'xijq XuqiXuq xotavxd t*»o fiv&oXoyovat 
. . . nQonu&Tjrat fi\v yao o ßaoiXtvq tw» dXg>ixwv xal xoiiv xtdqonto* 
fatdtdot'C ntkoy xal thotq xal noXixmq r , xoputtxa* d« rfjq XaQiXmq na*- 
dtxo* tltöwXov* oxav ovv nurttq Xdftojot?, o p\v ßaotXtvq yanifa %$ 
vno6rj/iaxt xo tX6wXov t ?j d« iwy Gvtudwv ap/iyooV (Is. et Ör. c. 35) uQU/ihrj 
xo/itfr» npo? xtva tonov 9a^ayywSif t nuxtf ö^om'ov n fQ*aipavr4$ l t"«5 *rpa- 
XijX<o roil «i<fo;^ov «a^oot)rTova»y o^ou zjjv J^ugUa* d^nylu^y^v lOg.\pav^ 

7) Plut. Tirt. muH. C..2: (oqttjv d' ix naoüv ; fityiarjpr rd 'iiAa^y- 
/5o>l*a A*l;?(>* w» t^ lAQTffftfo t^5 »tfxjys ixtivijq h 'YuixhoXit tiXoüoh 
Tgl. quaest. symp. IV; 1. 

8) Paus. X. 33. 6 1 *<*QryJnhttot; vgl. SUph. Byi. a. ^.. ji^v^la. 

9) S. Schol. Find. Olymp. IX., 1|>6; auch C. I. n,J43l^ :< od*r 
gehören diese nach Salamis? vgl. n. 108 und Jflesych. 1, p. 134. 

10) Plut. sept.sapp. cobt. iß. 19: hvyxävi di Uox^oTq y ^wy 'Piu* 
xaOioJ&odthioia Hol «ra»ty?i/*<C , ?* fyut/oW i'ti. yiht «t^tjtarö? fffpl To* 
Tonoy ixfr»o>: ob dem Poseidon, wie Wachsmuth H. A. 11, S. 499, 
oder Tielmehr dem nemeischen Zeus, dessen Heiligtbum jedenfalls 
nahe, war, wenn Hcsiodus , dessen Leicbnam bei plbimn gelandet 
seyn sollte, dort begraben lag, yg(. Thuc, 111. 96; oder, soll man 
nach dem: dyw* 'Hqwdov p. 3!^ V^K<x^>W statt 'Pia*** lesen? , 

11) Paus. X. 38. 3« uyovbu 6± *ai tcXntjit ol W/t«M0#«r? ; 'A*axi»v 
xuAovpivqv nai&tiv' atWfC dV #,f£r ftirf? ol Ava*Ttqiialdtq r ov naqra 
ravrd iortv Hg^fUvöP 9 diXd ol fj\r thai AtoqxovgovQ, ol dt Kovgi/Taqy 
** d> TiXlbv t* Inlazao&ai vo^i^ovrtq KaßflQs>vq> XJyovoi: Tgl. Lobeck 
Agl. p. 1233. 



§. 6*. Wxs%* und Nordgritahenland. 337 

12) Anton. Lib. Metam. c. 32« "Auvwcfoq d* dvxi %tjq ngog xrjv 
pyxega x<*gixoq Itgov Idgvaaxo Nvfiqyiav xai ngwxoq dywvu IntTiXiot 
ögopov, xai Vxi vvv ol inix**>gtoi xov dywva öiuqjvXuooovoi xovxov? 
yvvuixl 6* ovx oOiov' nuQUTVXitv x. t. X. ' 

.13) St. A. §.J84, not. 7. ,, . ,. 

il) Strabo VII, p. 501 : Ijyfxo d* xai ngoxt^ov xd "AxXia x& &h» 
axtyavixyq dytav vno twv rtcüiolxojv, vvv 9* ivxlfxoxtgov inoltJGtv o l KaT^ 
aagz vgl. Kruse Hellas II. 2, S. 352 und über die nuvtjyvgiq in ' 
Leukas Aelian. bist. anim. XI. 8; über Augusts dywv povoixoq xai 
yvfivwoq l7mo6qofAiaq xe nkvxixrjqixpq Uqoq aber Sueton. V. Oct. e. 18 
und Dio Cass. LI. 1 mit d. Er kl. und Ignarrä pal. Neapol. p. 63 fgg. 

15) Anton. Lib. Metam. c. 4: *Anßgaxwnai dl ^AnöXXiovt, fitv ao)- 
rrJQh &vovo*> rtjv dl rtoXtv 'HgaxXiovq xui twv lutivov naidto* tevpU 
VUQi ' KqayuXtZ d\ pttu xrjv ioqxrjv xqy 'tfquxXtovq t'vxofia fryovaiv 
uxqi vvv, . 

IC) C. I. n.29Ö8; Vgl. Buttmann exe. III ad öemostli. Mid. §.53. 

17) Herod. VII. 197; vgl. MüHer ürehem. S. 161 fgg. und 
Sebwenck in AUg. Schulz. 1828, S, 7#* a^er ,Wtlpker» Rh, M#a. 
VI, S. 576. .••■.,'.. ' . ' 

18) Plut. qu. Gr. 13: xov filv Xi&ov ixtXvov olq Uqov oißoyrai» xai 
frÜWff*r avxtji xai xov Uqtlov ito drjfi(ö l Tt(ghiaXxmxov04v % oxav di-TW 
]447lf>XX<p*i, rqv Ixaxöftßrjv cfrodtduff*, »f ^i j?q^ x^f^rtw,. #<?'<?<* 
xotq Tipiavoq dnoyovoiq ilaiqixov vtfiovot 'xai mtoytxov xgiqq Itiqvq- 
ftu^ovoi, '.;'••• . ' . . 

' 19) Atb. XIII. Sit oUa d* Mal hqxtjv tjJv fextt*Qtdtut^dyoiitifipi& 
MayvyoLQy QV diu xdq fruiguq, dXXd d*' ix^qif» i alziqy ^ *l% P*1]HiQViVt* 
'Hyqouvdqoq *v vjiofivijfiuoi, ygaqxov wäi \ xrjv xmv Exaigifilyv' toqxjjv 
ovvxiXovtti, Muyvjjxtq, laxogovat dl ng&vovldöova'xov Atisovot -evvüya- 
yavTU xpvq 'Aqyorai'ftas haigtiü) Au &f>oq* #u}, t?)v hgri]* 'firuigißtM 
BQoqayogtvoa*' &vuva* dl xai ol Maxidavotv ßaaiXtlq xu Exuiqidua, t 

20) Vgl. Monats!?. S. 99 nach Curttus aneedd. Delph. pi 14 und 
Sfcpbani Reise im nördl. Griechenland S. 40 fgg. : Btapwq, "Agi4t\ 
XQyxxptioqi 0qt£aXXtoq, r*pQxoq r Kgoroq, AvxtQf, 'InnpdqQ/*tpq 9 TIjulvum 
poq 9 'AnsXXaVoq , , Bovxdxioq : als zwölften pder vielmehr zehnten er- 
gänzt Bergk Beitr. S. 59 Kdgaioql ,1-:;j °' 

21) Athen. XIV. 45 i Buxtor d 7 o £#fo**VQ f gyrtaQ* vapifc i tupft- 
yiwi* xtjv vwv ISaxovQvaXkov ioqxi]* 'EXXyvtxwx/&Tqv 9f jyuQX(i>v ctthtrf nqgu 
xoVq 'QfoauXotq' IleXwqta xuXfto&ai, ygdqxov ovxojq' fivaiaq xoivyq xoVq 
tliXaayotq yivofibtjq dvayyttXal xiva tGt : ntKd(fyJaxLvdg<ii « ovoptbt .t/v 
fJ4Xugoq y foox* h xjj Alpoviff. QiiOfifav ßlyt&w yivopfvyv qayiirj %£ 
TiiAiirj ogq ow>f*a^6/itvpt . . . d tön ig q>uoiv 9 inti xr\v xdgav xaxf oxov f 
uriofiiiiTjfia xrjq xoxt 'ytvonivqq fogxijq &vovxaq Ad YltXiägip xgani^aq xe 
Xm/tn^&q xooßiovwuq rigoit&hw xai ovroke 9>iX<tv&gvnoy xrjf naftjyvgi^ 
avvxtXftv, wqxt xai xovq £*vovq unavxaq ini xqy &olvqv nagaXapßdviw 
xai xoi'q öfo/uüjzag Ximv xai xovq olxixaq xaxaxXivavxäq ftexd Ttaar/q" 
naggtpriaq «ma*, SmxovotUftmv aihoVg t&v üttntat&v .xai *9 QvroXov 
*xt xai vvv QtooaXovq Htyioxyv iogxqv uyovTaq^jiQoquyogfVfkV JliXiagiav: 
vgl. Panofka in Abbh. d. Berl. Ajsad. 1839, S. 35. 

22) Scbol. Pind. Istbm. I. 11: iv dl GeaouXlff HgoniOiXuHai 
Tgl. Philostr. Heroic. II. 5. 

23) C. I. n. 1766. 



338 Th. III. Feste bestimmter OrU. 

24) Müller Dor. I, S. 202 %g. 

25) Plin. H. N. yill. 70: Thessalorum geniis inventum est equo 
juxt* quadrupedante eornu intorta eerviee tauros neeare ; vgl. Ar- 

temid. oneiroer. I. 8, und mehr bei Prideaux ad marm. Oxon. 
p. 485 %g. , Gronov. thes. autiqu. VII, p. 869, Larcber in M. de 
TA. d. Inscr. XL VIII, p. 279, Coraes ad Heliod. X. 30, Boeck* ad 
Schol. Find. p. 319, Gerhard Vasen!». II, S. 48 %g. 



§. 65. 
Auch auf den Inseln des aegaeischen Meeres finden ,wir 
hin und wieder Feste und Spiele, die auswärtige Theil- 
nahme erregten, wie namentlich auf Euboea die Baoi~ 
Xtia des Zeus 2 ) y die reget igt ta des Poseidon 2 ), und die 
' A/ticiQvv&ia der Artemis, mit welchen auch eine Art 
amphiktyonischeh Völkerrechts verknüpft war 5 ) $ gleich- 
wie jedoch daneben auch hier symbolische Localculfe, 
wie die Oao/uocpopia zu Eretria 4 ), geübt wurden, so 
lag es schon in der geographischen Beschaffenheit der 
Mehrzahl jener Inseln gegeben, dass sie sich auf ört- 
liche Gebräuche beschränkten, die auch wenn sie ur- 
sprünglich von Aussfen angeeignet waren, doeh mehr 
oder minder ihre Localfarbe annahmen. Selbst die Ver- 
ehrung der Kabiren auf Lemnus und Samothrace fallt in 
fliese Kategorie 5 ) , und wenn dieser Cultus auch auf 
lezterer Insel allmälig eine solche Anerkennung gewann, 
dass er den berühmtesten griechischen Mysterien gleich- 
geachtet ward 6 ), so kann dieses nur dem Vertrauen bei- 
gemessen werden, das gerade die eigentümliche Strenge 
dieser Reinigungsgebräuche zunächst dem griechischen 
Schiffer und Kaufmann . einflössen mochte 7 ) ; aber schon 
in Lemnus verschwindet derselbe ia den schwankenden 
Umrissen einer nächtlichen Localfeier 8 ), und unter den 
nämlichen Gesiehtspunct fällt jedenfalls auch das neun- 
tägige Sühnfest, wo alles Feuer auf der Insel ausge- 
löscht und unter Todtenopfern und Enthaltungen neues 
vom heiligen Heerde in Delus geholt ward 9 ). Die wei- 
teste Verbreitung hat auf den Inseln des aegaeischen 
Meeres wohl Dionysus, dessen Feier dann insbesondere 
auch mit den gewöhnlichen Chören und Schauspielen 



§. 65. Inseln des aegaeischen Meeres. 339 

verbunden war 10 ) ; doch bot auch diese an den einzel- , 
nen Orten noch mancherlei Besonderheiten dar, wie in 
Andrns, wo am Tage des Gottes der Wein von selbst 
ans seinem Tempel floss 11 ), und in Naxus, wo die 
Schicksale seiner Gattinn Ariadne zu einem doppelten 
Cultus, der Trauer und der Freude, Anlass gaben 12 ) 5 
und daneben fehlte es keiner Stadt oder Insel noch an 
sonstigen Einzelfesten, wie z.B. Syrus 'HQccxXeta und 
drif.tri'iQia 13 ), Amorgus "Hgctia 14 ) und MvotrjQia 15 ), 
Mykonus 16 ) und Tenus Iloüideia 17 ), leztere Insel auch 
Oeolevux 18 ) und ein Rinderschlachtfest 19 ) feierte, auf 
Delus ein Fest der grossen Brote für Demeter 20 ) , in 
Ceos das mit dem Cult des Aristaeus verknüpfte Sühn- 
fest des Zsvq 'Ix/Lialog in den Hundstagen 21 ), auf dem- 
selben Insel zu Karthaea Ilv&ta 22 ) , zu Koressus krie- 
gerische Spiele mit Fackelläufen vorkommen 23 ), Parus 
nXwtr/gia 24 ) , (deo&via 25 ) , und Orgien der Demeter 
besass, die von dort auch nach seiner Pflanzstadt Thasus 
hinübergingen 26 ) , ohne *dass jedoch irgend eines dieser 
Feste viel mehr als den unmittelbaren Bezirk seiner 
nächsten Umgebung in Anspruch genommen hätte. Nur 
die delische Panegyris des Apoll und seiner Schwester 
machte davon eine glänzende Ausnahme, indem diese 
nicht nur die Einwohner aller umherliegenden Inseln mit 
ihren Familien, zu festlichen Reigen und mancherlei so- 
wohl musischen als gymnischen Wettkämpfen vereinig- 
te 27 ), sondern auch von Athen als der Mutterstadt des 
ionischen Stammes durch Festgesandtschäften verherr- 
licht 28 ) und namentlich nach der berühmten Lustration 
von Delus im J. 426 a. Chr. zu einem stehenden Ge- 
sammtfeste mit penteterischer Wiederkehr erhoben ward, 
das zugleich den Mittelpunct einer volkerrechtlichen Am- 
phiktyonie bilden sollte 29 )j auch Wettrennen fügten die 
Athener damals zu dem ührigen Agon hinzu, und seihst 
das Aufhören ihrer politischen Grösse that dem Feste 
im Ganzen um so weniger Abbruch, als sie nach kurzer 
Unterbrechung wieder in den bleibenden Besitz der Insel 
gelangten 30 ). 

Y2 



340 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

1) Schol. Find. Istkm. I. 11; vgl. Corsini de ndtis Graec. diss. 
IV, p. lxxx and Böckh expl. Pind. p. 176 und 221, namentlich auch 
gegen Meursius und Müller Orchom. S. 151, welche dort Atßadiia 
für EvßoUt corrigiren. 

2) Scfaol. Find. Olymp. XIH. 159 1 h EvßoUf r*QuiQ*ia vno 
nuvrwv rtQcuoTlojv (Boeckh Evßoitavl besser wohl riQtuoiiut) aytvu* 
Uoaetd&vi ötu tov ovfißuvja xn/u(o>a iv rtQaiOTuti vgl. Strabo X, 
p. 685 und Poppo prolegg. Thucyd, I. 2, p. 270. 

3) Schol. Pind. Olymp. XIII. 159; vgl. Liv. XXXV. 38 und Strabo 
X, p. 688 mit Sainie-Croix gouvern. federat. p. 136 fgg. 

4) Plut. qu. Gr. c. 31 : rolq Qiaf*og>3Qioi? tu twv *#o« rgiiatv yv- 
vaTxtq ov nqoq nvg dXXu ngoq qXiov omwai tu xqka xul KaXXiyfveiay 
ov xaXovai, 

5) Vgl. J. A. Astorius de diis Cabiris, Venet. 1703. 8 und 
Tob. Guthberlet de mysteriis dcorum Cabirorum,, Franequ. 1704. 4, 
beides auch in Poleni suppl. tbesanr. antiqu. II, p. 825 fgg. ; ferner 
Hadr. Reland disscrt. miscell. Traj. ad Rh. 1706. 8, p. 191—206, 
J. Foy V-aillant de diis Cabiris, Paris 1715. 8, Hemsterh. ad Luciau. 
D. D. XXVI. 2, Freret in M. de FA. d. Inscr. XXVII, p. 21 fgg., 
Zoega de obeliscis p. 216 fgg., Creuzer Dionys. p. 149 fgg. und 
Symbol. III, S. 14—36, Sturz ad Pherec. p. 141 fgg. , Böttiger 
Kunstmyth. I, S. 394 fgg* 9 Rolle sur le culte de Bacchus p. 184 fgg., 
Müller Orchom. S. 450 fgg. und Prolegg. S. 146— 155, Welcher 
die äschylische Trilogie und die Kahferea weihe zu Lemnos, Darm- 
stadt 1824. 8, S. 160 fgg', Gerhard hyperb. röm. Studien S. 34 fgg., 
R. H. Klausen in A. L. Z. 1833, Sept. St. 156 und Aeneas I, S. 330 
fgg., E. G. Haupt de religio ne Cabtriaca, Regiom. Marcb. 1834. 4 
oder Zeitschr. f. d. Alterth. 1834, S. 1162 fgg. und wissensch. AI- 
terthumskunde , Altona 1829. 8, II, S. 18 fgg., Limburg- Brouwer 
VI, S. 348 fgg., J. Kenrick th« Egypt of flerodotus, Und. 1841.8, 
p. 264 — 287 u.s.w. 

6) Delphi und Samothrace duo sanctissima in terris templa, 
Liv. XLV. 5; Tgl. Diodor V. 47 fgg. und mehr bei J. M. Cnoblacb 
de mysteriis Sauothracura ad Apoll. Rliod. I. 916, Viteb. 1706. 4, 
Sainte-Croi* mysteres edit. II, p. 38 fgg., F. W. J. Schelling die 
Gottheiten Von Samothrace, Stuttg. 1845. 8, Munter Erklärung 
einer griech. Inschrift, welche auf die samothracischen Mysterien 
Bezug hat, in antiquar. Abhh. S. 210 fgg. und B. Bendtsen Samo- 
thracia in dess. Miscell. Hafn. 1818.8, T. I, P. 2 , p. 89 — 138; 
endlich Lübeck Aglaoph. p. 1109 mit Hefftev in AI lg. Schulzeit. 
1833, S. 1193 %g-, wo freilich das meiste der früheren Ansicht vor 
der zerstörenden Schärfe der Kritik verschwunden ist. Selbst ob 
die Götter von Samothrace ursprünglich Kabiren geheissen , war 
schon im Alterthume eben so ungewiss als die Bedeutung des lez- 
teren Namens und sein Verhaltniss zu de« Koryhaivten der grossen 
Göttermutter oder den Geheimnissen der zerynthischen Grotte, wo 
nach Schol. Ariatoph. Pa«. 277 tjp> 'Exarq* ogyidfov iXiytxo xal 
Telex uq jjyov avtjj rivuq xul xvvaq l&vovt vgl. Strabo X, p. 715 und 
723 mit dem bemerkenswerthen Schlüsse: ravva d'oi'x dnodfldpivoq 
* ZxTJxpicH; f oiq fiydivoq h JSafio&Qdxfl pvtiTtxov Xoyov ntQl Kußtigur 
[Xtyofxhov, 7faQaTi&qoiv ofiatoq xal 2tqq/i/*ß()QTov tov Qaaiov do£ccv , <oq 
rd h Safio&qdxrf Uqu rotq Kaßtiqoiq intifXtZTo* xaXeVo&at dt. yijanr 
ttvrovq ixtlvoq uno tov ogovq tov iv tj} BtQtxvvvia Kaßtiqov; auch 



§. 65. Inseln des aegaeischen Meeres. 341 

das Vaticanische Fragment des». VII. 49; ort, rovq h %jj SaptoOgax^ 
vtfi&fiivovq &tovq iigrjxaoi noXXoi rovq uvrovq rotq Kaßtigoiq, ovd' 
avrovq fyoJTfc. Xiyuv rovq Kußtigovq o'lrivtq iloiv, xu&Ütuq rovq Kvq- 
ßavraq xui Kogvßavraq, (oq d* aüratq Kovgijraq xal 'Idaiovq AaxrvXovq, 
und Yarro L. L. V. 58: terra enim et caelum, ut Samothracum 
initia docent, sunt dei magni . . . non quas Samothracia ante portas 
statuit duas viriles speeies aeneas ... sed ii mas et femina; doch 
uenut wenigstens Herodot II. 51 bereits rn rwv Kaßtiqtav ogyia, tu 
Safiod-grJYxfq (7it,TgX4ov(fi> nagaXußovrtq nugu IltXuoyotv , und noch 
deutlicher Schol. Apoll. I. 917: fivovvrut. d' lv rij Safiod-gaxij rotq 
Kaßtiqotq, wv Mvuaiaq q>r^ol xal tcc ovöftaxa, rtaauguq 6* (lol rov 
fxgi&/nov . . . 'Attigoq fxkv ovv foriv fj Aqftjjrqq y IdboxfQOa d' 17 Tltg- 
öfyovrj, 'A&oxfgooq dh o Aidqq y o d* nqoqzi&ififvoq rtragroq KüofiiXoq 

'Ey/uijq ioriv , ujq loiogiT Atowobdwgoqi Tgl. Preller Demeter S. 363. 

7) Schol. Aristoph. Pac 278 : doxovot di o« /MfAVijpkvoi ravra 
dUatot tkvut, xal ix dtwwv aws'^^a* xai (x %e iftowatv : vgl. oben §. 32, 
not. 10 und Jacobs ad Authol. Gr. I. 2, p. 278, über die Gebräuche 
selbst aber am Kurzesten Haupt in Zeitschr. f. d. Alterth. 1834, 
S. 1164, obgleich auch hier noch das Meiste unklar und bestritten 
bleibt. Am sichersten ist Schol. Apoll. I. 917: ntgl yag rrjv xoiXiuv 

01 /Afpvtjfiivoi raiviaq utitovoi 7togg>vgüqi und das Sündenbekenntniss, 
das nach Plutarch apophth. Lacc. p. 229 D verlangt ward, nebst 
dem xoyq oder xoiyq t Ugtvq KaßUgiav o xa&alguv q>ovku Hesych. 
II, p. 293, worauf Keil spec. onomat. p. 108 scharfsinnig auch den 
xwru^; oder xcorugxoq ptydXwv &twv Kußtigiov C. I. n. 2880 fgg. 
zurückführt, so wie der ßaotXtvq als summus magistratus Liv. XLV. 5 
und C. 1. n. 2157 fgg. ; ob aber auch die Korybantenpriester bei 
Clem. Alex, protrept. p. 12, ovq 'Avuxror*Xiöraq olq piXov xaXet* 
xuXuvoirV, hierher gehören, ist eben so zweifelhaft als die ftgovotonq 
Hat. Euthyd. p. 277 ü oder d-govia/iol Dio Chrysost. XII, p. 203 A, 
welche die Erkl. z. Hesych. I, p. 1736 und die meisten Neueren 
nach Samotbrace verlegen, obgleich sie vielmehr auf herumziehende 
Weihepriester deuten ; vgl. Lobeck p. 1 16 und Metzger in Paulys 
liealencykl. II, S. 10, auch die &qoviaj*6l MtjvqiÜoi unter den Or- 
phieis bei Suidas II, p. 719. Ueber Weihescenen auf Vasenge- 
mälden s. Panofka Musee Blacas p. 32 ; doch ist auch hier die von 
Welcher Tril. S. 262 vorausgesezte neuerdings von Feuerbach im 
Kunstblatt 1844 N. 87 ganz anders gedeutet worden. 

8) Cicero N. D. I. 42: quae Lemni nocturna aditu oeeulta 
eoluntur, silvestribns saepibus dcnsa? Oder soll man mit Caslel- 
lanus die *Jvvvut iogrrj h Atjfivu aus Hesych. II, p. 50 hicrherziehen, 
insofern allerdings Ino als rettende Leukothea diesen Mysterien 
nicht fremd seyn könnte? vgl. Creuzer Symb. IV, S. 237. 

9) Vgl. Welcker Tril. S. 247 fgg. und Rhode res Lemnicae, 
Vralisl. 1829. 8, p. 54 fgg. mit der einzigen Beweisstelle Philostr. 
Hcroica XtX. 14, p. 740: inl di rtfr i'gyo) rot ntgl rovq avdguq vno täv 
h A?)fAv(ü yvvutxüv no%\ ngüx&hri xa&aigfvui pikv ij Aijpvoq xa&' 
i'xuaxov Vroq xul oßhvvxut ro h uvtij nvg qßtyftq ivvlu' &Maf)lq di 
fuvq tx Ar/Xov nvQ(f>o(j(V y xuv aq>ixtjrai ngo rwv tvayiOftuTtov , ovdafiov 
Ttjq Atjiavov xad op/tusfTeu , fitzia/Qoq d^ fnioaXtvti roTq dxQwryyioiq, 
l'ov* uv atOiov %o IqjiXevaut yhijTut,* &tovq yuQ x& 0V * 0V( » xa V utioqqi]- 
rovq xaXovvttq toxi xa&ugov olfiut to nvq ro (v rij &uXdiTt/ yvXuT- 
tovaiV Hindi] d\ jy OtwQtq iqnXtioy xal vtifiuavrai vo nvg Vq %t tr/v 



342 Th. III. Feste bestimmter Orte. 

uXXrjv dlairav *c t« t«s }f*7tvQovg i&v Tf?*»*, xawov to bxev&ty 
ßiov qxtolr aQ/fü&u&, 

10) Delus G. I. n. 2270, Tenns n. 2330, Syrus n. 2347c, Ceos 
n. 2354, Amorgus n. 2263c, Parus n. 2374c, Astypalaea n.2483; vgl. 
Ecliliel doctr. numm. II, p. 325 fgg. 

11) Paus. VI. 26: Xeyovot d\ nal "AvdquH nrtQu l'rog oylow h rov 
Jlov'oqv xr t v (ogxtjv $*Vv olvov avxofiaxov in rov IfQov: Tgl. Plin. H. N. 
XXXI. 13: statis diebus septenis, und näher II. 106: nonis Januariis 
. . . dies Theodosia vocatur, mit Welcher ad Philostr. imagg. I. 25, 
p. 356, der Sfodulaia verinuthet; auch Lebas inscr. Gr. 1, p. 53 
und J. £. Rivola de situ et antiquitatibus Andri, Frib. 1844. 8, 
p. 55. Den verborgenen Mechanismus dieser Erscheinung beschreibt 
faero de automatis p. 256, vgl. Zeitschr. f. d. Alterth. 1834, S. 978. 

12) Plut. V. Thes. c. 20; vgl. ßöttiger arebäol. Museum, Heft I, 
Weimar 1801.