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Full text of "Lehrbuch der Mineralogie"

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Savöarti College ILtlirars 

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GEORGE HAYWARD, M.D., 
Ol« BOSTON, 
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LEHRBUCH 



DER 



MINERALOGIE 



BEARBEITET VON 



D« F. KLOCKMANN, 

PROFESSOR DER MIKERALOßlE UND PETROGRAPHIE AN DER KÖNIGL. TECHNISCHEN 

HOCHSCHULE ZU AACHEN. 



Dritte, 
verbesserte und Termehrte Auflage. 



MIT 522 TEXTFIGUREN. 




STUTTGART. 

VERLAG VON FERDINAND ENKE. 

1903. 



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Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



DEM ANDENKEN 

AN 



D»^ W. HAUGHEGORNE 

GEH. OBERBERGRATH, WEILAND DIREKTOR DER KÖNIGL. GEOLOGISCHEN 
LANDESANSTALT UND BERGAKADEMIE IN BERLIN 



GEWIDMET. 



Aus dem Vorwort zur ersten Auflage. 



Unsere deutsche Litteratur ist nicht arm an guten und bewährten 
Lehrbüchern der Mineralogie. Es mag daher als Wagniss erscheinen, 
wenn zu den vorhandenen ein neues hinzutritt, das keine anderen Zwecke 
als jene erfüllen will und sich in . der Behandlung wie Gruppirung des 
Stoffes jenen im Wesentlichen anschliesst. Bei dem vorliegenden Buch, 
das einen Bestandtheil einer zusammenhängenden Reihe naturwissenschaft- 
licher Lehrbücher des ENKs^schen Verlages darstellt und als solcher noth- 
wendig war, war der Grundsatz maassgebend, in möglichst gedrängter 
Form und in bündiger Kürze die Lehren und Thatsachen der Mineralogie 
nach dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft vorzutragen. Für den 
allgemeinen Theil, der neben den üblichen Abschnitten über Erystallo- 
graphie, Physik und Chemie auch noch eine Uebersicht über* Mineral- 
genesis und über Minerallagerstätten bietet, sind nur 192 Seiten verwendet 
und auch für den speciellen, reichhaltigen Theil sind nur 207 Seiten 
nöthig geworden, und bei dieser Kürze, die natürlich nur durch Weg- 
lassung von allerlei dem in die Wissenschaft Einzuführenden zunächst 
unnöthigem Beiwerk, durch schematische, darum aber übersichtliche 
Schilderung der Mineralien, durch häufige Verwendung von Abkürzungen 
und kleinem Druck zu Stande gekommen ist, glaubt der Verfasser doch 
nichts Wichtiges ausgelassen zu haben, im beschreibenden Theil sogar 
recht vollständig gewesen zu sein, sodass dieser zum Nachschlagen und 
auch bei Sammlungsarbeiten zu gebrauchen sein dürfte. Bezüglich der 
Reichhaltigkeit dieses Theiles sei nur auf das Register hingewiesen. 

Um die praktische Brauchbarkeit des Buches zu erhöhen, sind dem- 
selben, was sonst nicht üblich, zwei Abschnitte angehängt, von denen der 
eine die nutzbaren Mineralien aufzählt, der andere Bestimmungstabellen 
für die häufiger vorkommenden Mineralien enthält. Auch der häufige 
Hinweis auf ähnliche, nach dem blossen Aussehen leicht verwechselbare 
Mineralien, der sich der Charakteristik der gewöhnlicheren Mineralien an- 
gefügt findet, dürfte dem Anfänger nicht unwillkommen sein. 

Wie erwähnt, ist eine wesentliche Abweichung von der Behandlung 
und Anordnung des Stoffes gegenüber anderen Lehrbüchern absichtlich 



VI Aus dem Vorwort zur zweiten Auflaufe. 

vermieden worden, weil der übliche Lehrgang an den Universitäten und 
technischen Hochschulen sich diesen Büchern anschliesst und darum jede 
Aenderung methodische Unbequemlichkeiten herbeigeführt hätte. Im 
Uebrigen hätte wohl für den Verfasser, der an einer Bergakademie docirt, 
die Versuchung nahe gelegen, in der Gruppirung der Mineralien eine 
seinen speciellen Zwecken mehr entsprechende Eintheilung eintreten zu 
lassen. Aus gleichem Grunde ist auch im krystallographischen Theil 
verzichtet worden, die Krystallsysteme durch ihre Symmetrieaxen zu defi- 
niren und die übliche Definition durch Symmetrieebenen beibehalten. 
Eine Absicht liegt auch zu Grunde — nämlich die, dem Gedächtniss zur 
Hülfe zu kommen — , wenn vielfach die chemischen Formeln der Mine* 
ralien in alter Weise dualistisch geschrieben sind. 

Bei der Beschreibung der einzelnen Mineralien wird es gewiss Bei- 
fall finden, dass nicht so sehr auf die geographischen Fundorte als auf 
geologische Vorkommen der Mineralien Gewicht gelegt wurde. Die 
kurzen Bemerkungen über das geologische Auftreten des beschriebenen 
Minerals wie auch die Angaben über charakteristische Begleitmineralien 
halte ich für sehr wesentliche Theile einer mineralogischen Charakteristik. 



Aus dem Vorwort zur zweiten Auflage. 



Trotz mancherlei dem Verfasser nicht unbekannt gebliebenen Mängel 
der ersten Auflage und trotz des Vorhandenseins mehrerer, denselben 
Zweck verfolgenden Lehrbücher wurde für die vorliegende Mineralogie 
in weniger als fünf Jahren eine zweite Auflage nöthig, ein Beweis, dass 
das Buch brauchbar war. 

Diese zweite Auflage ist in der Anlage und der allgemeinen An- 
ordnung des Stoffs der ursprünglichen treu geblieben, dagegen haben sich 
im Einzelnen so zahlreiche Aenderungen nothwendig gemacht und es sind 
so manche Ungenauigkeiten verbessert worden, dass sie den Anspruch 
auf die Bezeichnung einer umgearbeiteten und verbesserten Auflage wohl 
erheben darf. 

Die wesentlichen Abänderungen des allgemeinen Theils beziehen sich 
zumeist auf die geometrische Krystallographie. An Stelle der früheren 
und auch sonst in den Lehrbüchern üblichen Darstellung der Krystall- 
systeme hat in vorliegender Auflage die Eintheilung der Erystallformen 
in 32 Symmetrieklassen die gebührende Berücksichtigung erfahren. Aller- 



Vorwort zur dritten Auflage. VII 

dings erschien für deren Ableitung dem Verfasser eine Verzichtleistung 
auf die Begriffe der Hemiedrie und eine Unterdrückung mancher über- 
flüssig gewordenen, aber durch die geschichtliche Entwicklung begrün- 
deten sonstigen Begriffe zur Zeit noch unthunlich. 

Eine wesentliche Aenderung betrifft die krystallographischen Sym- 
bole. Trat in der vorigen Auflage das MiLLER^sche Zeichen hinter das 
Naumann 'sehe zurück, so verhält es sich nunmehr umgekehrt. Immer- 
hin ist aus praktischen Gründen, d. h. wegen der offenbaren Bevorzugung, 
die Naumann's Symbol bei vielen Lehrern und Lernenden stetig noch 
findet, im speciellen Theil bei der Pormbeschreibung der einzelnen Mine- 
ralien dieses Zeichen jedes Mal dem MiLLER'schen hinzugefügt worden. 

Auch bei dieser Auflage war es das Bestreben, die Beschreibung 
der einzelnen Mineralien auf das Wesentlichste und Wissenswertheste zu 
beschränken, vielfach nur diejenigen Merkmale zu erwähnen, die für die 
Erkennung des Minerales in erster Linie in Betracht kommen; das Buch 
ist ja nur auf solche Studirende berechnet, die in der Mineralogie eine 
Hülfswissenschaft für ihre Studien auf dem Gebiet der Chemie, der Berg- 
bau- und Hüttenkunde und sonstigen Technik erblicken. 

Besonderen Werth hat der Verfasser auf die Darlegung des geologischen 
Vorkommens der häufigeren und technisch wichtigen Mineralien gelegt, 
während die Aufzählung der mehr oder minder zufälligen geographischen 
Fundorte nicht gerade eingeschränkt wurde, aber keinen Anspruch auf 
Volbtändigkeit erhebt. In der Hervorhebung der geologischen Seite in 
der Mineralogie glaubt der Verfasser einen Vorzug des Buches zu sehen. 



Vorwort zur dritten Auflage. 



In der vorliegenden dritten Auflage, deren Bearbeitung sich kaum 
3 Jahre nach dem Erscheinen der voraufgehenden nothwendig machte, 
ist die Anlage und Eintheilung des Stoffes dieselbe geblieben wie früher, 
dagegen sind im Einzelnen mancherlei redactionelle Aenderungen, Ver- 
besserungen und Ergänzungen vorgenommen. So haben u. a. im all- 
gemeinen Theil das Theodolitgoniometer und die Messung mit demselben 
eine Besprechung erfahren, die schematischen Projectionsmethoden sind 
vervollständigt, ferner ist der Abschnitt über die Erystalloptik und die 
optischen Untersuchungsmethoden in manchen Punkten umgearbeitet und 
erweitert. An der zuerst wohl in diesem Buche durchgeführten Herleitung 



VIII Vorwort zur dritten Auflage. 

aller 32 Symmetrieklassen aus den Symmetrieelementen der holoedrischen 
Klasse, ausgehend von den Begriffen der Hemiedrie, Tetartoedrie etc., ist 
nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch der leichteren Fasslich- 
keit halber festgehalten; neu hinzugekommen ist aber die nunmehr nöthig 
gewordene Ableitung der Symmetrieelemente dieser holoedrischen Klassen 
selbst und der Nachweis, dass man mit 6 Axenkreuzen bezw. 6 Krystall- 
Systemen auszukommen vermag. 

Im systematischen Theil sind die Angaben über die einzelnen Mine- 
ralien reyidirt, inzwischen neu oder besser bekannt gewordene Mineralien 
nach Möglichkeit berücksichtigt, zahlreiche Namen und Synonyma mehr 
oder minder ausführlich gedeutet, wenn auch Vollständigkeit in dieser 
ELinsicht weder möglich war, noch angestrebt wurde. Wie früher, so 
haben auch dies Mal das geologische Vorkommen, die Paragenesis und 
die Entstehung besondere Beachtung erfahren. 

Die Bestimmungstabellen sind vereinfacht worden und dem Buche 
derart angehängt, dass sie herausgenommen und für sich benutzt werden 
können. 

Von litterarischen Hülfsmitteln waren mir ausser den in früherer 
Auflage genannten von grossem Vortheil die in den letzten Jahren er- 
schienenen Lieferungen des HiNxzE'schen Handbuchs. Dank bin ich 
schuldig mehreren Fachgenossen , besonders Herrn Professor Scheibe in 
Berlin für mancherlei Hinweise auf Fehler und üngenauigkeiten, ebenso 
Herrn Professor Dannenbebg in Aachen, der sich an der mühsamen 
Arbeit des Correcturlesens betheiligt hat, nicht minder aber auch dem 
Herrn Verleger, der auf jeden meiner Wünsche bereitwilligst eingegangen 
ist und dem es zu verdanken ist, wenn das Buch hinsichtlich seiner Aus- 
stattung und seiner Figuren eine immer vollkommenere Gestalt annimmt. 

Aachen, den 29. Juli 1903. 

F. Klockmann. 



Inhalts-Uebersicht. 



Seite 
Einleitung: Definition von Mineral und Mineralogie, Aufgaben der Mineralogie 1 

I. Thell« Allgemeine Mineralogie 3—270 

I. Abschnitt Morphologie oder die Lehre von den Mineralfonnen . . . 4—129 

Allgemeines.. Amorph, krystallisirt. Krystalle und krystalline Agg^^egate. 

Krystallographie 4 

I. Die Erystallformen (Geometrische Krystallographie) 6 

Cap. I. Gesetz der Winkelconstanz. § 1. Begrenznngsstücke der Erystalle. 
§ 2. Das Gesetz und seine Folgerungen. § 8. Messinstrumente und 
Messmethoden 7 

Cap. II. Gesetz der rationalen Verhältnisse oder Azen abschnitte. § 1. Er- 
läuterung des Gesetzes, Parameter. § 2. Axensystem, Einheitsfläche, 
Krystallelemente. § 3. Coefficienten, Indices, Symbolisirung. Die Sym- 
bole von Weiss und Miller. § 4. Isoparametrische Fl&chencompleze. 
Naumanh's Formsymbol. § 5. Flächentypen • . 15 

Cap. III. § 1. Zonen, Deduction. § 2. Zonengesetz 21 

Cap. IV. § 1. Erystallabbildungen. § 2. Linearprojection. § 3. Eugelprojec- 
tion. § 4. Die Aufgaben der Krystallberechnung 24 

Cap. V. Das Symmetriegesetz. § 1. Symmetrie der Erystallpolyeder, Deck- 
operationen und Symmetrieelemente. § 2. Symmetriegesetz. § 8. Defini- 
tionen. Einfache Formen und Combinationen. § 4. Symmetrie der Krystall- 
flächen. § 5. Erystallographische und geometrische Symmetrie ... 86 

Cap. VI. Die Symmetrieklassen und Krystallsysteme. § 1. Symmetrie- 
klassen und Erystallsysteme. Ableitung der Symmetrieklassen. § 2. Ab- 
leitung der einfachen Formen und der Zahl ihrer Flächen 40 

Cap. VII. Zwillinge. § 1. Parallelverwachsungen, Zwillingsverwachsungen. 
§ 2. Zwillinge mit parallelem und geneigtem Axenkreuz. § 8. Mime- 
tische Erystalle, Pseudosymmetrie 48 

Cap. Vni. Einzelbeschreibung der Erystallsysteme 54 

1, Reguläres System 54 

2. Hezagonales System 69 

8. Tetragonales System 92 

4. Rhombisches System 108 

5. Monoklines System 108 

6. Triklines System 113 

Tabellarische Uebersicht Über die Erystallsysteme, Symmetrieklassen und 

einfachen Formen 116 



X Inhalts-Üebersicht. 

Seite 
Cap. IX. § 1. Ausbildungsweise und § 2. Art des Auftretens der Ery- 

Btalle. — Combinationsstreifung, Yicinalflächen, Polyedrie. Eingewachsene 

und aufgewachsene Krystalle. Drusen und Gruppen 122 

IL Die Formen der Aggregate 127 

III. Die Formen der amorphen Mineralien 128 

n. Abschnitt. Physik der Mineralien 130-212 

Aufgabe der Krystallphysik. Beziehungen der Eigenschaften zur Form. 
Zwei Gruppen physikalischer Eigenschaften. Isotrop und anisotrop . . 130 

Cap. I. § 1. Das specifische Gewicht. § 2. Deformation. § 3. Elasticität. 
§ 4. Festigkeit. § 5. Spaltung. § 6. Gleitung. § 7. Bruch. § 8. Lö- 
sungserscheinungen und Aetzfiguren 132 

Cap. IL Die optischen Eigenschaften. § 1. Theoretische Yorerinnerungen. 
§ 2. Strahlenfläche, Frbsnel's EUipsoid ®, Indexfläche E. § 3. Einthei- 
luQg der Krystalle nach ihrer optischen Indexfläche 145 

Cap. III. § 1. Reflexion. § 2. Brechung. § 3. Totalreflexion. § 4. Me- 
thoden zur Bestimmung der Brechungsindices 149 

Cap. IV. § 1. Polarisation und Doppelbrechung. § 2. Princip und Zweck 
der Polarisationsinstrumente. § 3. Farben dünner Blättchen. § 4. Her- 
stellung von Folarisationsapparaten. Instrumente fiir paralleles und con- 
vergentes Licht § 5. Stauroskop und stauroskopische Untersuchungen 161 

Cap. V. § 1. Eintheilung der Krystalle in 7 optische Klassen. § 2. Cha- 
rakteristik der optisch isotropen Medien. § 3. Charakteristik der optisch 
einaxigen Ki76talle. § 4. Charakteristik der optisch zweiaxigen Krystalle. 
§ 5. Die circularpolarisirenden Krystalle. § 6. Die optischen Anomalien 171 

Cap. VI. Anderweitige optische Eigenschaften. § 1. Glanz, Schiller, Farben- 
wandlung, Asterismus, Lichtfigaren. § 2. Durchsichtigkeit. § 3. Farbe. 
§ 4. Pleochroismus. § 5. Fluorescenz. § 6. Phosphorescenz .... 201 

Cap. VII. Thermische, magnetische und elektrische Eigenschaften . . . 207 

III. Abschnitt. Chemie der Mineralien 213--238 

Cap. I. § 1. Allgemeine Constitution. § 2. Chemische Formeln der Mine- 
ralien. § 3. Berechnung der Formeln. § 4. Isomorphie. § 5. Isomorphe 
Mischungen. § 6. Heteromorphie 213 

Cap. IL Die chemischen Kennzeichen der Mineralien. § 1. Allgemeines, 
LGslichkeit, Schmelzbarkeit. § 2. Das Löthrohrverfahren. § 3. Das mikro- 
chemische Verfahren 226 

IV. Abschnitt. Die Lehre von den Lagerstätten der Minerallen . . . 239—249 
Uebersicht. § 1. Mineralgesellschaft, Mineralgemenge, Combination und 

Formation. — Faragenesis, Succession, Generation. § 2. Structur oder 
Textur. § 3. Die Lagerungsformen. § 4. Verbreitung der Mineralien. 
§ 5. Eintheilung der Lagerstätten 239 

V. Abschnitt. Entwicklungslehre der Mineralien 250—267 

Cap. I. Bildung der Mineralien. — § 1. Anhaltspunkte für die Beurthei- 
lung der Bildung der Mineralien. I. Künstliche Nachbildung. IL Jugend- 
liche Mineralbildungen. III. Geologisches Vorkommen. § 2. Die Bildung 
der Mineralien in der Natur. I. Bildung aus dem gasförmigen Zustand, 
IL aus Lösungen, III. aus dem Schmelzflusse 250 



InhaJts-üebersicht. XI 

Seite 
Cap. II. § 1. Umbildung der Mineralien. I. Umwandlung durch hydro- 

chemische Frocesse, II. durch pyrochemische Processe, III. Veränderungen 

durch das Licht, IV. Veränderungen durch Druck. — § 2. Pseudomor- 

phosen. § 3. Contactmineralien ; 258 

VI. Absohnitt. Teehnische Mineralogie 267 

Cfr. Anhang I 568 

Vn. Abschnitt. Systematik nnd Nomenolatnr 268—270 

II. TheiL Specielle Mineralogie 271—562 

Allgemeines 271 

I. Klasse. Elemente 273—288 

1. Abiheilung. Nichtmetalle 273 

2. Abtheilung. Metalloide (Sprödmeta)le) 279 

3. Abtheilung. Metalle . . . . 281 

II. Klasse. Snlftde nnd analoge Verbindungen 289—839 

1. Abtheilung. Sulfide der Metalloide (sogen, säurebildende Sulfide) . 289 

2. Abtheilung. Sulfide der Metalle (sogen, basenbildende Sulfide) . . 294 

3. Abtheilung. Sulfosalze ....'...' 823 

a) Sulfoferrite 823 

b) Sulfarsenite, Sulfantimonite, Sulfbismutite 826 

c) Snlfarseniate und Sulfantimoniate 837 

d) Sulfostannate und Sulfogermanate . 338 

m. Klasse. Oxyde 340-372 

1. Abtheilung. Einfache Oxyde (Anhydrite von Ozysäuren und Basen) 340 

2. Abtheilung. Hydroxyde 865 

IV. Klasse. Haloidsalze 373—382 

1. Abtheüung. Einfache Chloride etc. 378 

2. Abtheilung. Doppel-Chloride und -Fluoride 378 

3. Abtheilung. Chloride etc. in Verbindung mit Oxyden (Oxychloride etc.) 

und Ozysalzen 880 

V. Klasse. Alnminate, Ferrite, Borate 883—391 

A. Aluminate und Ferrite 383 

B. Borate 388 

VL Klasse. Nitrate, Garbonate, Selenlte 392—409 

A. Nitrate 892 

B. Carbonate 393 

1. Abtheilung. Wasserfreie Carbonate 898 

2. Abtheilung. Basische und wasserhaltige Carbonate .... 406 

C. Selenite 409 

YII. Klasse. Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate, Uranate . . 410—432 
A. Sulfate einschl. Selenate und Tellurate 410 

1. Abtheüung. Wasserfreie Sulfate 410 

2. Abtheilung. Wasserhaltige Sulfate 417 



XII Inhalte-Üebersicht. 

Seite 

B. Chromate 427 

C. Wolframate und Molybdate 428 

D. üranate 481 

Vin. Klasse. Niobate, Tantalate, Phosphate, Arseniate, Antimoniate , Ya- 
nadate 433-454 

A. Niobate und Tantalate 433 

B. Phosphate, Arseniate, Antimoniate, Vanadate 435 

1. AbtheDung. Wasserfreie Phosphate etc 435 

2. Abtheüung. Chlor- und fluorhaltige Phosphate etc 438 

3. Abtheilung. Wasserhaltige Phosphate und Arseniate .... 443 

4. Abtheüung. SOg-haltige Phosphate und Arseniate 454 

IX. Klasse. Silicate, Titanate, Zirkoniate, Stannate 455—556 

A. Silicate 455 

B. Titanate, Zirköniate, Stannate 552 

X. Klasse. Organische Verbindungen 557—562 

1. Abtheilung. Salze organischer Säuren 557 

2. Abtheilung. Kohlenwasserstoffe 557 

3. Abtheilung. Harze 559 

4. Abtheilung. Kohlen 560 

Anhang I. Die nutzbaren Mineralien ......' 563—570 

Register 571-588 

Anhang n. Tabellen zum Bestimmen der 250 wichtigsten Mineralien 1—41 



Einleitung- 



Die uns von der Natur dargebotenen Körper werden in solche des 
Thierreiches, des Pflanzenreiches und des Steinreiches unterschieden. Thier- 
und Pflanzenreich umfassen die mit Lebensorganen ausgerüsteten Wesen 
sammt den aus dem Lebensprocess hervorgegangenen Producten; dem 
Steinreich gehören die Naturkörper ohne solche Organe und ohne organische 
Herkunft an; sie sind anorganisch. 

Die Gegenstände des Steinreiches zerfallen nach Ausschluss aller 
sogen. Eunstproducte in Mineralien und Gesteine. Ein charakte- 
ristischer Unterschied beider besteht darin, dass die Mineralien, abgesehen 
von den im elementaren Zustand auftretenden, constante chemische Ver- 
bindungen von Elementen, die Gesteine hingegen wechselnde mechanische 
Gemenge von Mineralien darstellen. 

In der Folge haben wir es nur mit Mineralien zu thun. Damit ein 
Naturkörper die Bezeichnung eines Minerals verdient, muss er zwei Be- 
dingungen genügen: 1. er muss einen unmittelbaren Bestandtheil der 
Erdrinde bilden und muss 2. nach seiner Zusammensetzung sich charakte- 
risiren als eine constante chemische Verbindung oder als chemisches 
Element. Daraus ergiebt sich die Definition des Begriffs Mineral. 

Zu diesen beiden wesentlichen Eigenschaften kommt die aus Gründen 
der Zweckmässigkeit gemachte und daher willkürliche Beschränkung der 
Mineralien auf Körper von festem oder flüssigem Aggregatzustand. Den 
Sauerstoff der Luft, die dem Boden entströmende Kohlensäure etc. lässt 
man heute allgemein nicht mehr als Mineralien gelten. 

1. Durch die Beschitokang der Mineralien auf unmittelbare Bestandtbeile der 
Erdrinde sind nicht nur alle organischen, sondern auch die durch menschliche Ver- 
mittlung entstandenen anorganischen Körper von den Mineralien ausgeschlossen. Daher 
gehören die sogen, künstlichen Substanzen des Laboratoriums, die zuf&llig entstandenen 
krystallisirten Hüttenprodncte, sowie die anorganischen Ausscheidungen des Thier- 
und Pflanzenkörpers etc. nicht zu den Mineralien, wiewohl sie mit diesen, abgesehen 
von ihrem Ursprung, völlig Übereinstimmen können. Mithin sind auch die Ver- 
steinerungen keine Mineralien. Dennoch ist es üblich, Kohle, Asphalt, Bernstein, 
Petroleum, soweit diese Stoffe in ihrer äusseren Erscheinung jede Erinnerung an ihre 
organische Herkunft eingebüsst haben, mit unter die Mineralien zu zählen, voraus- 
gesetzt, dass sie eine gleichartige chemische Beschaffenheit erlangt haben. Herkömm- 
Klockmann, Mineralogie, s. Aafl. 1 



2 Emleitang. 

licherweiae werden die Gemengibeile der Meteoriten, die zumeist mit irdischen 
Mineralien übereinstimmen, als Mineralien betrachtet. 

2. Die constante chemische Verbindnng, die f&r das Mineral charakteristisch 
ist, äussert sich in der Möglichkeit, für dasselbe eine chemische Formel au&nstellen. 
Das wird nur bei homogenen Körpern der FaU sein können, daiher sind auch die 
Mineralien homogene Körper. Die formelmässige chemische Zosammensetzimg 
ist es auch, die den Mineralien den Werth selbstständiger Naturkörper verleiht und, 
wie schon erwähnt, sie scharf yon anderen unmittelbaren Bestandtheilen der Erde, vor 
allen von den Gesteinen scheidet Gesteine — als Aggregate von schwankender Zu- 
sammensetzung, deren Selbstständigkeit als Naturkörper in ihrem geologischen Ver- 
halten liegt — bilden keinen Gegenstand der Mineralogie. 

3. Fast sämmtliche Mineralien sind starr; flüssig sind Quecksilber, Wasser und 
Petroleum. 

Die Wissenschaft der Mineralogie hat zum Zweck: die Erforschung 
und Beschreibung der Mineralien nach ihren gesammten Eigenschaften, 
nach der Art ihres Auftretens in der Natur, nach ihrem Entstehen und 
Vergehen, nach ihrem Nutzen und Schaden, nach ihren verwandtschaft- 
lichen Beziehungen zu einander. 

Die Mineralogie, als eine vielfach beschreibende Naturwissenschaft, 
zerfallt naturgemäss in zwei Theile: einen Allgemeinen Theil, der 
die gemeinsamen und allgemeinen Eigenschaften und Merkmale der 
Mineralien behandelt, daneben die EunstausdrOcke erläutert und die Prin- 
cipien der systematischen Anordnung des Materiales wie auch die Nomen- 
clatur erörtert, und in einen Speciellen Theil, der die Beschreibung 
(Physiographie) der einzelnen Mineralien in systematischer Anordnung 
vorzunehmen hat. 



L Theil. 

Allgemeine Mineralogie. 



Nach der vorstehenden BegriflFserläutening wird sich die allge- 
meine Mineralogie über folgende Gegenstände zu verbreiten haben: 

1. über die äussere Gestalt undForm der Mineralien : Morphologie; 

2. über die physikalischen Eigenschaften: Mineralphysik; 

3. über die chemische Beschaffenheit: Mineralchemie; 

4. über die Art des Vorkommens: Lagerstättenlehre; 

5. über die Bildung und Umwandlung: genetische Mineralogie; 

6. über den Nutzen und Schaden: technische oder ökonomische 
Mineralogie (Lithurgik); 

7. über die Namengebung und Eintheilung: Nomenclatur und 
Systematik. 

Die Abschnitte 1—3, welche die Mineralien unter besonderer Her- 
vorhebung des Gesetzmässigen nach ihrer Gestalt, ihren Eigenschaften und 
ihrer stofflichen Zusammensetzung behandeln, bilden die Mineralogie im 
engern Sinn. Sie betrachten die Mineralien an sich, abgesondert von 
allen Beziehungen zu anderen Naturkörpem und liefern vor allen anderen 
die zur Erkennung und Unterscheidung der Mineralien wichtigsten Merk- 
male; sie sind daher Terminologie und Eennzeichenlehre. 

Die Lehre von den natürlichen Lagerstätten der Mineralien, von 
ihrer Bildung und Umbildung, femer die technische Mineralogie nehipen 
ihrerseits Bezug auf ausserhalb des isolirten Minerals liegende Verhält- 
nisse und auf den Menschen. Auf diesem weiteren Gebiet der Minera- 
logie finden sich auch die Berührungspunkte mit anderen anorganischen 
Wissenschaften, vornehmlich mit der Geologie, sowie mit der Bergbau- 
und Hüttenkunde etc. 

Naturgemäss ist die Mineralogie im engem Sinn im vorliegenden 
Allgemeinen Theil am ausführlichsten behandelt, doch baben auch die 
übrigen Abschnitte, soweit es sich bei ihnen um Dinge von specifisch 
mineralogischer Natur handelt, entsprechende Berücksichtigung erfahren, 
mit Ausnahme der technischen Mineralogie, die erst im beschreibenden 
Theil bei den einzelnen Mineralien und am Schlüsse des Buches in einem 
besonderen Anhang »Uebersicht über die nutzbaren Mineralien 
und deren Lagerstätten* nähere Erwähnung gefunden hat. — Einen 
mehr praktischen Zweck, nämlich den eines übersichtlichen und bequemen 
Hülfsmittels beim Bestimmen der Mineralien, verfolgen endlich die dem 
Buch beigegebenen , Tabellen zum Bestimmen der gewöhnlicheren 
Mineralien''. 



I. Abschnitt. 

Morphologie oder die Lehre von den Mineralformen. 



Allgemeines. — Die Mineralien gelangen in unsere Hände als 
ganz, häufiger als nur theilweise Yon ebenen Flächen umgrenzte Körper, 
die Erystalle genannt werden, oder als unregelmässig gestaltete, ge- 
rundete und eckige Stücke, als derbe Mineralien. 

Damit sind aber nur rein äusserliche Unterschiede der Form aus- 
gedrückt. Zur Aufstellung der wesentlichen und durchgreifenden Unter- 
schiede muss man zurückgehen auf die letzte Ursache der Form, die 
Gruppirung der Moleküle innerhalb der Substanz, die Molekularstruc- 
tur. Da aber diese nicht direct erkannt werden kann, so ist man an- 
gewiesen auf deren Aeusserung in Gestalt des physikalischen Verhaltens 
der Substanzen. Von diesem, das jederzeit auch im kleinsten Bruchstück 
wahrnehmbar ist, sind die nur unter günstigen und zufälligen Umständen 
mehr oder minder vollständig ausgebildeten Formen abhängig. 

* Alle homogenen Medien und somit auch die Mineralsubstanzen zer- 
fallen physikalisch in zwei Gruppen, je nachdem mit einer Richtungs- 
änderung auch eine Veränderung des physikalischen Verhaltens eintritt 
oder nicht. Diejenigen Medien, die in allen Richtungen sich physikalisch 
gleich verhalten, vermögen unter keinen Umständen in ebenfiächig be- 
grenzten Formen aufzutreten; sie heissen amorph. Die zweite Gruppe 
hingegen bildet bei günstigen Wachsthumsumständen stets ebenflächig 
begrenzte Körper, während selbst bei gehindertem Wachsthum die Ten- 
denz zu polyedrischer Gestaltung noch unverkennbar bleibt. Die hierher 
gehörigen Medien heissen krystallisirt, und je nach den Ausbildungs- 
zuständen treten sie als individualisirte Krystalle oder als kry- 
stalline Aggregate auf. 

Die meisten Mineralien sind krystallisirt; nur wenige sind amorph, 
wie Opal, Bernstein, Asphalt. 

1. Die Abhängigkeit des physikalischen Verhaltens krystallisirter Körper von 
der Richtung zeigt sich am auffallendsten in der Eigenschaft, nach ebenen Flächen 
zu spalten, d. h. nach gewissen Richtungen ein Minimum der Cohäsion zu besitzen. 
Bei amorphen Körpern kann sich niemals ebene Spaltbarkeit finden. 



Formale Erscheinungsweisen der Mineralien. 



2. Obige Definition krystallisirter und amorpher Mineralien gründet sich auf 
unmittelbar wahrzunehmende Eigenschaften. Wenn man aber von bestimmten theo- 
retischen Anschauungen über die innere Structur der Substanzen, von dem Aufbau 
aus Molekeln, ausgeht, so kann die Definition noch allgemeiner gefasst werden. 
Alsdann sind krystallisirte Substanzen solche, bei denen die Molekeln eine gesetz- 
massige und regelmässige (in Terschiedenen Richtungen verschiedene, in parallelen 
Richtungen gleiche) Anordnung zeigen, während bei den amorphen die Aneinander- 
reihung der Molekeln eine ganz regellose ist. 

Denkt man sich, um nichts Näheres über die Natur und Gestalt der Molekel 
aussagen zu müssen, den Erystall einfach aus Massenpunkten aufgebaut, so lässt 
sich , wie es Sohkckb in einer grundlegenden Arbeit »Entwicklung einer Theorie der 
Krystallstructur, Leipzig 1879* gethan hat, fast das ganze Gebäude der theoretischen 
Erystallographie aus der einzigen Annahme aufführen, dass um jeden Massen- 
punkt herum die Anordnung der übrigen dieselbe ist, wie um jeden 
anderen Massenpunkt. — Ohne selbst dieses Princip zum Ausgang unserer kry- 
stallographischen Darlegungen zu nehmen, werden wir doch öfters auf den engen 
Zusammenhang zwischen den krystallographischen Gesetzen und dieser Theorie hin- 
zuweisen haben. 

Der obigen Darlegung entsprechend, sind der Form nach drei 
Erscheinungsweisen der Mineralien zu unterscheiden und in diesem Ab- 
schnitt der Reihe nach zu behandeln: 

1. die Formen der Krystalle; 

2. die Formen der krystallinen Aggregate; 

3. die Formen der amorphen Mineralien. 

Die Formen der Krystalle haben für die Mineralien besondere 
Wichtigkeit. Sie sind die Individuen des Mineralreichs, ausgezeichnet 
durch ihre von bestimmten geometrischen Gesetzen beherrschte eben- 
flächige Umgrenzung. In ihren charakteristischen Polyedern sind nicht 
nur vortreffliche mineralogische Kennzeichen gegeben, sondern auch die 
besonderen Beziehungen, in denen die Form zur physikalischen und 
chemischen Beschaffenheit wie zur Molekularstructur steht, verkörpert. 
Daher wird die Lehre von der inneren Structur, der Form, den physi- 
kalischen Eigenschaften und der chemischen Constitution der Krystalle 
wohl als selbständige Wissenschaft, Krystallographie, behandelt. 

Die Gestalten der krystallinen Aggregate und der amorphen Mine- 
ralien sind, weil mehr zufällig, im Allgemeinen wenig charakteristisch 
und bieten daher später nur zu kurzen Besprechungen Anlass. Sie sind 
durchweg gerundet im Gegensatz zu den polyedrischen Krystallen und 
hängen in ihrer Form vielfach ab von der Adhäsion der Umgebung, und 
ihrer Gegenwirkung, der Schwerkraft, femer von der Menge vorhandener 
Substanz, von der Gestalt des Bildungsraumes etc. 

1. Der Sprachgebrauch bezeichnet auch schon Bruchstücke von Krystallen, 
wenn nur ein Theil der Umgrenzung ebenfiächig ausgebildet ist, als Krystalle. 
Gewisse Mineralogen legen bei der Definition von ,Kry stall* allein Gewicht auf die 
physikalische Eigenart, indem sie die Abhängigkeit der ebenen Begrenzung von 



6 Die Formen der Kiystalle. Die 8 Gesetze der geometrischen Erystallographie. 

den physikalischen Eigenschaften, bezw. der Molekularstructar betonen. Nach diesen 
Autoren würde also jedes Bruchstück, jeder Theil eines Erystalles, auch wenn er nichts 
mehr von einer gesetzmässigen Gestalt zeigt, noch als Erystall zu bezeichnen sein. 

2. Ein bemerkenswerther Unterschied zwischen den Erystailen als Individuen 
des Mineralreiches und denen des Pflanzen- oder Thierreiches liegt darin, dass für 
erstere die Dimensionen kein Merkmal sind. Mineralindividuen können in winzigen, 
nur mikroskopisch wahrnehmbaren, dann aber auch in meterlangen, centnerschweren 
Erystallen auftreten, wie es gelegentlich Quarz, Feldspath, Beryll etc. thun. 

8. Nicht nur die Mineralien liefern Erystalle, sondern solche finden sich auch 
an den im Laboratorium und in den Hütten künstlich hergestellten oder zufällig 
entstandenen Substanzen. Die gesetzmässige polygonale Umgrenzung ist eine Eigen- 
schaft, die fast allen Eörpem mit einheitlicher chemischer Zusammensetzung zukommt; 
daher greift die Erystallographie weit über die Mineralogie hinaus und in yiele 
andere Wissenschaften ein. 

I. Die Krystallformen. 

(Geometrische Erystallographie.) 

Literatur. V. v. Lang, Lehrbuch der Erystallographie. Wien 1866. — 
Mall ARD, Trait^ de Cristallographie. Paris 1879 — 1884. — Gboth, Physikalische 
Erystallographie (zweite Abtheil.: Die geometrischen Eigenschaften der Erystalle). 
3. Aufl. Leipzig 1895. — Nies, Allgemeine Erystallbeschreibung. Stuttgart 1895. — 
Liebisch, Geometrische Erystallographie. Leipzig 1881. — Liebisgh, Grundriss der 
physikalischen Erystallographie. Leipzig 1896. — Linck, Grundriss der Erystallo- 
graphie. Jena 1896. — Groth, Uebersichtstabelle der 32 Abtheilungen der Erystall- 
formen. Leipzig 1892. — Wülfing, Tabellarische Uebersicht der einfachen Formen 
der 82 krystallogr. Symmetriegruppen. Stuttgart 1895. 

Für die nachfolgenden Betrachtungen über die Krystallformen sehen 
wir von zufälligen UnvoUkommenheiten der Ausbildung ab : wir deflniren 
die Krystalle als ringum von ebenen Flächen begrenzte, homogene Körper, 
die sich in allen parallelen Richtungen gleich, in verschiedenen Rich- 
tungen im Allgemeinen jedoch physikalisch verschieden verhalten. 

Es ist nun eine auf den ersten Blick auffallende Erscheinung, dass 
ein und dieselbe Mineralspecies bezw. chemische Substanz in Elrystallen 
von verschiedener Form, Flächenzahl und Flächengestalt auftreten kann. 
Innerhalb der Mannigfaltigkeit der Erscheinungsweise hat aber die kry- 
stallographische Forschung im Laufe der Zeit einen geometrischen Zu- 
sammenhang entdeckt, der sich in den drei Gesetzen der Krystallographie 
ausspricht : 

1. Gesetz der Winkelconstanz. Die von entsprechenden Flächen 
gebildeten Winkel an Krystallen der gleichen Substanz bleiben unver- 
ändert, unbekümmert um die Abänderungen, welche diese Flächen in 
ihrer Gestalt und ihren Dimensionen erfahren können. 

2. Gesetz der rationalen Verhältnisse. Die zahlreichen an 
Krystallen derselben Mineralspecies auftretenden oder möglichen Flächen 
stehen in einer durch rationale Zahlen ausdrückbaren geometrischen Ab- 
hängigkeit von einander. 



Das Gesetz der Winkelconstanz. 



3. Gesetz der Symmetrie. Die einmal an einer Erystallform 
zum Ausdruck gelangte Symmetrie wird durch das Hinzutreten neuer 
Flächen nicht abgeändert. 

Die Darlegung und Begründung dieser drei Gesetze, die den unter- 
schiedlichen Erystallen derselben Mineralspecies bestimmte Beschränkungen 
hinsichtlich der Richtung, gegenseitigen Orientirung und Zahl der Flachen 
auferlegen, mit ihren Gonsequenzen für die geometrische Untersuchung 
und Beschreibung wie für die Classification der Erystalle bildet den 
eigentlichen Gegenstand der geometrischen Krystallographie. 



Capitel I. 

Das Gesetz der Winkelconstanz. 

§ 1. Begrenzongsstücke der Erystalle. § 2. Das Gesetz und seine 
Folgerungen. § 3. Messinstrumente und Messmethoden. 

§ 1. Die Erystalle werden von Flächen, Eanten und Ecken be- 
grenzt. Flächen, Eanten und Ecken sind somit die Begrenzungs- 
stücke der Erystallpolyeder, und zwischen ihnen besteht nach einem 
bekannten Satz von Eülbb bezw. Dbscartbs die Beziehung 
F(lächen) + E(cken) = K(anten) + 2. 

An einem Erystall vorhandene Flächen, Eanten und Ecken heissen 
krystallographisch gleichwerthig, wenn sie sich physikalisch gleich 
verhalten. Bei idealer Erystallausbildung sind krystallographisch gleich- 
werthige Begrenzungsstücke auch geometrisch gleich. 

Die Flächen eines Erystalls können Dreiecke (gleichseitige, gleich- 
schenklige, ungleichseitige), Vierecke (Quadrate, Rechtecke, Rhomben, 
Parallelogramme, Deltoide, Trapeze), Pentagone, überhaupt die ver- 
schiedenartigsten Polygone sein. 

Die Eanten bezeichnet man als Polkanten, wenn dieselben sich 
in den oberen und unteren Enden des Erystalls schneiden, als Mittel- 
kanten oder Seiten, wenn sie dies nicht thun und zwischen den Erystall- 
enden liegen. 

Bei den Ecken unterscheidet man 2-f-l-kantige, 3+2-kantige, 4-kan- 
tige u. s. w. Ecken, je nachdem die Ecke von 2 gleichwerthigen und 
1 ungleichen, von 3 gleichwerthigen und 2 davon verschiedenen Eanten, 
von 4 gleichen Eanten etc. gebildet wird. 

Wichtiger als die Begrenzungsstücke werden am Erystall die Winkel, 
die als Flächen- und als Eantenwinkel zu unterscheiden sind, je nachdem 
es sich um Neigung von Flächen oder von Eanten handelt. 

Unter der speciellen Bezeichnung Polkanten- und Seiten- oder Mittel- 



8 1. Bas Gesetz der Winkelconstanz. 

kanienwinkel versteht man jedoch den Flächen winkel, den die in den 
Pol- resp. Mittelkanten zusammenstossenden Flächen bilden und in diesem 
Sinne werden wir davon auch im speciellen Theil Gebrauch machen. 

§ 2. Das Gesetz der Winkelconstanz. Wenn man verschie- 
dene mit einander auftretende &y8talle desselben Minerales, etwa in 
einer Druse, betrachtet, so weichen dieselben gewöhnlich in ihrer Ge- 
sammtform und in dem Ausmaass ihrer Begrenzungsstücke nicht unwesent- 
lich von einander ab. Alle weiteren Untersuchungen bestätigen diese 
Wahrnehmung und führen zu dem Erfahrungssatz, dass die Gestalt und 
die Dimensionen der Flächen, Kanten und Ecken für die geometrische 
Charakteristik der Krystalle einer Mineralspecies bedeutungslos sind. 
Misst man nun aber auch die Winkel, in denen zwei einander ent- 
sprechende Kanten oder Flächen verschiedener Krystalle desselben Mine- 
rales sich schneiden, so ergeben sich immer die gleichen Winkelgrössen. 

Demnach ist die geometrische Beschaffenheit der Begrenzungsstücke 
für den Krystall unwesentlich, wohl aber sind es seine Winkel, die für 
dieselbe Mineralspecies constant sind. Dieser Erfahrungssatz wird das 
Gesetz der Winkelconstanz genannt und ist deswegen von grosser 
Wichtigkeit, weil er das sicherste Mittel zur Identificirung und Unter- 
scheidung krystallisirter Substanzen gewährt. 

1. In Folge des Gesetzes der Winkelconstanz ist es für die geometrische Be- 
trachtung der Krystalle gleichgültig, in welchem Abstand die Flächen vom Mittel- 
punkt liegen. Die Flächen können parallel mit sich selbst verschoben werden; es 
kommt nur auf ihre Richtung an, während die Dimensionen der Flächen und Kanten» 
wie der Inhalt des Krystalls unwesentlich sind. Daraus geht hervor, dass die geo- 
metrische Betrachtung der Krystallformen nicht im Sinne der Stereometrie und nach 
den Methoden der analytischen Raumgeometrie zu erfolgen hat; rein geometrisch 
handelt es sich gar nicht um Körper, sondern um Flächenbündel und Büschel und 
deren gegenseitige Neigung. 

2. Das Gesetz der Winkelconstanz wurde von dem Dänen Nicolaus Steno bei 
der Untersuchung Ton Quarzkrystallen aufgefunden (De solido intra solidum natnra- 
liter contento dissertationis prodromns. Florentiae 1669. ,In piano axis laterum et 
numerum et longitudinem varie mutari, non mutatis angulis") und durch die zahl- 
reichen, etwa 100 Jahre später fallenden Messungen von 'Roui de l'Isle (Essai de 
CristaUographie, 1772; Cristallographie, ou description des formes propres ä tous les 
Corps du rägne mineral, 1783) bestätigt. 

3. Das Gesetz gilt im Allgemeinen jedoch nur für bestimmte Temperaturen, 
welche Einschränkung zuerst von Mitsgherlich 1823 gefunden wurde. Da bei kry- 
stallisirten Substanzen beim Erwärmen eine ungleiche Ausdehnung nach verschiedenen 
Richtungen stattfindet, so zeigen sich bei entsprechenden Winkeln kleine Differenzen» 
wenn sie bei verschiedenen Temperaturen gemessen sind. Meist sind diese Differenzen 
jedoch von solcher Kleinheit, dass sie praktisch vernachlässigt werden können. 

Aus der Beständigkeit der Erystallwinkel folgt, dass man für die 
rein geometrische Betrachtung der Krystalle an Stelle der zufälligen«^ 
vom Wachsthum abhängigen Formen solche regelmässigen Polyeder sub- 



1. Das Gesetz der Winkelconstanz. Winkelmessung und Instrumente. 9 



Fig. 1. 





stituiren kann, bei denen alle gleichwerthigen Flächen gleich weit von 
einem gemeinsamen Mittelpunkt liegen. Alsdann erlangen alle gleich- 
werthigen Flächen, Kanten und Ecken gleiche Grösse. Solchen Ideal- 
gestalten entsprechen die Krystallmodelle undKrystallabbildungen, 
die zum Studium und zur Darstellung der geometrischen Verhältnisse an 
den Erjstallen dienen. Die natürlichen Erystalle zeigen nur ausnahms- 
weise die ideale Ausbildung, zumeist sind gleichwerthige Begrenzungs- 
stücke ganz oder theilweise ungleich, und man bezeichnet derartige Kry- 
stalle wohl als verzerrt. 

1. Die Fig. 1 u. 2 stellen zwei Quarzkiystalle , beide von denselben Fl&chen 
begrenzt dar. Fig. 1 giebt die ideale, Fig. 2 die verzerrte, aber gewöhnlichere Aus- 
bildung. — Während nun die Dimensionen ent- 
sprechender Flächen an beiden Erystallen ver- 
schieden sind, sind die Winkel derselben, z. B. 
p'r, p^z, r^r etc. die gleichen geblieben. 

2. Da für die Erystalle nicht die Zahl und 
Form ihrer Flächen und Kanten sowie deren Maasse, 
sondern allein deren Richtungen wesentlich sind, 
so werden die Aufgaben der geometrischen Ery- 
stallographie naturgemäss nicht nach den Regeln 
der Stereometrie oder der analytischen Geometrie 
des Raumes, sondern nach denen der sphärischen 
Trigonometrie gelöst. Die Geometrie der Erystalle ist eine solche der Eugeloberfläche, 
auf der die allein wesentlichen Richtungen der Flächen und Elanten als Seiten und 
Winkel sphärischer Dreiecke zum Ausdruck kommen. 

§ 3. Die Winkelmessnng und Messinstmmente. Die Richtung der Flächen 
und Eanten bezw. ihre gegenseitigen Winkel sind die einzigen constanten und 
wesentlichen Daten fQr die Erystallbeschreibung; auf Grund der Winkelmessungen 
ist die Identification jeder Erystallspecies zu ermöglichen. Daher gehört die Winkel- 
messung zu den wichtigsten Aufgaben des Mineralogen. 

Da die Messung der Flächenwinkel mit Hülfe der gegenwärtig in Anwendung 
stehenden krystaUographischen Messinstrumente weit genauer durchzuführen ist als 
die der Eantenwinkel, so haben die Flächenwinkel für die Erystallographie die 
grössere Wichtigkeit. Es ist klar, dass sich auf dem Wege der Rechnung aus den 
gemessenen Flächenwinkeln die Eantenwinkel herleiten lassen müssen, wie denn auch 
weiterhin die Flächen winkel zur Ableitung aller Übrigen, für die geometrische 
Charakteristik eines Erystalls erforderlichen Daten dienen müssen. 

Die auftretenden Flächenwinkel lassen sich entweder direct messen oder man 
kann sie durch einfache Auflösung eines sphärischen Dreieckes aus gemessenen 
Winkelcoordinaten berechnen. Danach sind zwei Methoden zu unterscheiden. 

Ä. Directe Methode. Messung der Flächenwinkel. Die hierfür in 
Betracht kommenden Instrumente sind zweierlei, je nachdem sie auf dem Contact 
oder auf der Reflexion beruhen. 

1. Das Anlege- oder Contactgoniometer. Dasselbe wurde 1783 von 
CARAKeEOT, welcher für Roii£ de l*Isle Thonmodelle anzufertigen hatte, construirt, 
und mit ihm wurden die grundlegenden Messungen Haut*s ausgeführt. Das In- 
strument (Fig. 8) besteht aus zwei scheerenartig beweglichen und gegen einander 



10 Das Reflexionsgoniometer. 



Terscbiebbaren Stahlschenkeln, die mit einem Transporteur verbanden sind. (Bei der 
BRONGNiART'schen Abänderung können die Stahlschenkel Tom Transporteur losgelöst 
werden.) Die Schenkel sind verschiebbar, damit Krystalle verschiedener Grösse be- 
quem zu messen sind; sie sind an ihren Enden zugespitzt, damit man auch an in 
Drusen sitzende Krystalle herankommen kann. — Durch einfaches Anlegen der Stahl- 
fichenkel an die den gesuchten Winkel einschliessenden Flächen erlangt man den 
am Transporteur abzulesenden Winkel. Das Instrument ist nur zu annähernden 





{cB..y%^) und Orientirungsmessungen verwendbar, giebt aber in geschickter Hand ganz 
gute Resultate. 

Neuerdings kommen von Penfield aus Garton bezw. Celluloid construirte, sehr 
praktische Contactgoniometer in den Handel, die wegen ihrer Billigkeit leicht von 
jedermann angeschafft werden können. 

2. Das Reflexionsgoniometer (Messung der Normalen winkel). Dasselbe 
wurde 1809 von Wollaston erfunden. Das Princip geht aus Fig. 4 hervor. Ein 
Krystall 3f ist auf einem getheilten Kreis (Limbus) derart befestigt, dass die Kante, 
in welcher die den zu messenden Winkel a bildenden Flächen zusammenstossen, genau 
im Mittelpunkt des Theilkreises (Centrirung) und parallel dessen Umdrehungsaxe 
{Justirung) steht. Fällt durch das Rohr C ein Bündel paralleler Lichtstrahlen auf 
eine der Krjstallflächen und wird dasselbe nach dem Beobachtungsrohr F reflectirt, 
so bedarf es, wie aus der Fig. 4 ersichtlich, nur einer Drehung des Theilkreises 
mit dem darauf befestigten Krystall um den Winkel ß, damit auch die andere Fläche 
das Licht nach derselben Richtung reflectirt. Der Winkel ß ergiebt sich aus der 
Differenz der beiden Ablesungen am Nonius P vor und nach der Drehung. Er ist 
gleich 180— a, also der Normalenwinkel der gesuchten Neigung. Die wesent- 
lichsten Bedingungen, die bei einer solchen Winkelmessung mit dem Reflexions- 
goniometer zu erfüllen sind, sind demnach : Genaue Centrirung und Justirung, sowie 
Parallelität der auffallenden Lichtstrahlen. Auf diese Punkte sind daher auch alle 
Verbesserungsbestrebungen der neueren Goniometer gerichtet. 

Zur bequemen Centrirung und Justirung wird der Krystall nicht unmittelbar 
auf dem Theilkreis, sondern auf einer Schlittenvorrichtung befestigt, die auf einer 
durch den Mittelpunkt des Theilkreises hindurchgehenden beweglichen, aber jederzeit 
festzustellenden Axe sitzt. Die Schlittenvorrichtung rührt in ihrer einfachsten Gestalt 
von MiTSCHERLicH her. Zwei rechtwinklig über einander gleitende Schlitten gestatten 
-ein Verschieben der Krystallkante von rechts nach links und von vom nach hinten. 
Auf diesen Schlitten, die die Centrirung bewirken, befinden sich zwei weitere halb- 
kreisförmig ausgekehlte Schlitten, die unter Anwendung von Schrauben ein Auf- 
richten und Neigen des auf ihnen befestigten Krystalles gestatten, wodurch die 
Justirung ermöglicht wird. 



Das Reflexionsgoniometer. 



11 



Fig. 5. 



Die richtige Centrirung und Jastirang läset sich durch das Beobachtungsfemrohr 
mit Fadenkreuz, das durch die vorzuschlagende Lupe in ein schwach vergrössemdes 
Mikroskop abgeändert wird, controliren. 

Zur Erlangung parallel auffallender Lichtstrahlen musste bei der älteren Con- 
struction eine weit entfernte Marke, gewöhnlich ein Fensterkreuz, gewählt werden. 
Babinet fahrte statt dessen ein Collimatorrohr ein, bei dem ein 
durch eine Lampe beleuchteter Spalt sich im Brennpunkt einer 
Linse befindet, wodurch die austretenden Lichtstrahlen parallel 
gemacht werden. Der jetzt zumeist gebrauchte WEBSKY'sche 
Spalt (Fig. 5) vereinigt in sich den Vorzug eines engen und 
weiten Spaltes. Zur Vermeidung des parallaktischen Sehens, 
wodurch ein wesentlicher Fehler in die Ablesungsresultate ge- 
langen kann, wurde von Neumann und Kupffer ein Spiegel, 
DE6EN*scher Spiegel, dem WoLLASTON*schen Goniometer angefügt, 
bei den heutigen Constjiictionen bedient man sich eines von Malus zuerst eingeführten 
Beobachtungsfemrohrs mit Fadenkreuz« das auf unendliche Entfernung eingestellt 
ist. Von Babinet wurde dann noch statt des ursprünglich verticalen Theilkreises 
ein horizontaler gewählt (System Babinet im Gegensatz zum System Wollaston), 
wodurch die Stabilität erhöht wird und das Instrument auch bequem Verwendung 
zur Bestimmung von Brechungsindices finden kann. 

Fig. 6 stellt ein jüngst von der Firma R. Fuess in Steglitz construirtes ein- 
faches Goniometer (Modell 4 a) dar, das für die meisten Zwecke vollständig ausreicht. 
Der Theil kreis ist in halbe Grade getheilt; die Nonien gestatten die Ablesung von 




Fig. 6. 




Minuten. Die Schraube e dient zur Auf- und Abwärtsbewegung des Krystallträgers, 
der in gewünschter Höhe mittelst der Schraube h mit dem Theilkreis fest verbunden 
werden kann. Der Theilkreis kann durch die Speichen f in seiner Ebene gedreht 



12 Das Reflexionegoniometer und das Theodolitgoniometer. 

werden, a und F dienen zur Klemmung bezw. Feinbewegung des Theilkreises. J ist 
eine Irisblende, die durch j eingestellt wird ; C ist der Träger des CoUimators. 

Die Messung erfolgt im Dunkelzimmer, wodurch es möglich wird, auch Reflexe 
von schlecht spiegelnden und sehr kleinen Flächen zu erhalten. Zur Ausführung der 
Messungen klebt man mittelst Wachs den Krystall auf das obere Ende der die 
Schlitten tragenden Axe und bringt ihn in die Höhe des mit vorgeschlagener Lupe 
versehenen Beobachtungsfemrohrs; alsdann centrirt und justirt man die betreffende 
Erystallkante mittelst der durch Schrauben verstellbaren Schlitten. Dass genügend 
centrirt und justirt ist, erkennt man daran, dass bei einer Umdrehung der den Kry- 
stall tragenden Axe um einen Theil von 860® die Krjstallkante sich fortwährend 
mit dem verticalen Faden des Fadenkreuzes deckt; die geringste Abweichung vom 
richtigen Justiren wird in der Folge an dem schiefen Vorbeigleiten des Reflexes vor 
dem Gesichtsfelde des Beobachtungsfernrohrs wahrgenommen. Nach genügender 
Centrirung und Justirung stellt man mittelst Schraube b die bisher benutzte Axe 
fest, so dass eine Drehbewegung des Krystalls nur noch bei gleichzeitiger Fort- 
bewegung des Theilkreises möglich ist. Die bisherigen Operationen können im 
Tageslicht ausgeführt werden. Nunmehr wird im Dunkelraum der Spalt durch eine 
Lampe beleuchtet und durch Umdrehung des Theilkreises mit dem festgestellten 
Krystall um 360® jeder einzelne Lichtreflex im Fadenkreuz unter Anwendung von 
Feinstellsch rauben festgehalten und jede Einstellung am Nonius abgelesen. 

Anm. 1. Bei einer vollen Umdrehung um 360® müssen die Reflexe aller 
Flächen, deren Durchschnittskanten parallel mit der centrirten Kante sind, also alle 
tautozonalen Flächen durch das Gesichtsfeld gehen und man kann somit durch eine 
einzige Centrirung und Justirung sämmtliche Winkel einer Zone messen. Der Fehler, 
dass alsdann nur eine bestimmte Kante centrirt, die Durchschnittskanten der Übrigen 
Flächen aber um ein Gei-inges ausserhalb des Centrums stehen, kommt bei der 
Parallelität der durch den ColTimator auffallenden Lichtstrahlen gar nicht in Betracht. 

Die Beobachtung am Goniometer ist, wie leicht einzusehen, ein ausgezeichnetes 
Mittel, um die Tautozonalität (s. S. 21) mehrerer Flächen zu prüfen. 

Anm. 2. Nur selten erscheint der reflectirte Spalt einfach und scharf, meist 
hat man es mit mehreren und verschwommenen Reflexen zu thun. Das liegt an der 
Beschaffenheit der Krystallfläche, ob sie völlig eben, oder gestreift, geknickt etc. ist, 
sowie an der Breite der Flächen. Flächen, deren spiegelnde Breite 0,1 mm und 
darunter ist, geben lichtschwache und doppelte Reflexe. 

Das Reflexionsgoniometer giebt im Gegensatz zum Anlegegoniometer bis auf 
die Minute genaue Resultate, vorausgesetzt, dass die spiegelnde Beschaffenheit der 
Flächen eine gute ist. Das wird im Allgemeinen eher bei kleinen als bei gössen 
Kiystallcn der Fall sein. Krystalle von wenigen Millimetern, ja von 1 mm Durch- 
messer gestatten noch gut die Messung. — Will man Winkel ebener, aber matter 
Flächen genauer messen, als es durch das Anlegegoniometer geschehen kann, so lässt 
sich dies erreichen durch Bekleben der Flächen mit Glasplättchen oder mittelst des 
FuEss'schen Fühlhebelgoniometers. 

Anni. 3. Wie erwähnt, erhält man mit dem Reflexionsgoniometer nicht den 
im gewöhnlichen Sinn verstandenen, sogen. Euklidischen Winkel, sondern den von 
den Normalen der betreffenden Flächen eingeschlossenen Winkel, also das Supple- 
ment des gewöhnlichen, und da dieser sogen. NormaJenwinkel für die Rechnung 
und die graphische Darstellung sich praktischer erweist, so findet man bei ein- 
zelnen Autoren für die auftretenden Flächenneigungen nur die Normalenwinkel 
angegeben. In diesem Buch sind bei allen Winkelangaben stets die gewöhnlichen, 
inneren, zu verstehen. 

Ausführlicheres Über Goniometer und Methode des Messens siehe: Kupffer, 
Handbuch der rechnenden Krystallonomie. 1831. — Websky, Zeitschrift für Kryst. 
lY, 545 ff. — Liebisch, Bericht über die wissenschaftlichen Instrumente der Berliner 
Gewerbeausstellung 1880. — Groth, Physikalische Krystallographie. 1895. III. Abtb. 

B. Indirecte Methode. Messung der Winkelcoordinaten (Fositions- 
winkel). Das hierzu dienende Instrument heisst Theodolitgoniometer oder zwei« 



Theodolit- oder zweikreiaiges Goniometer. 



13 



Fig. 7. 




kreisiges Goniometer. Das Verfahren beruht darauf, dass man an Stelle der Kry- 
stallflächen diejenigen Punkte substituirt, in denen die Fläcbennormalen eine um den 
Erystall gelegte Kugel durchstossen und diese, die Richtung der Krystallflächen unzwei- 
deutig beatimmended Punkte mittelst der Theodolitmethode und unter Bezugnahme 
auf zwei feste Kreise (Aequator und Nullmeridian) 
nach Länge und Höhe einmisst; es ist also die 
üebertragung der Ortsbestimmung auf der Erd- 
oder Himmelskugel auf die Krystallmessung. Man 
erhält so für jeden Punkt zwei Winkel, entspre- 
chend der geographischen Länge und Breite» und 
kann durch Auflösung eines sphärischen Dreiecks 
jedesmal die Normalenwinkel zweier Kiystallwinkel 
berechnen. 

Für die durch P dargestellte Fläche (Fig. 7) 
erhält man durch Messung die beiden Winkel- 
coordinaten P ^ = 9 und 9 = P » för Pj die 
Winkel coordinaten P\Q\ = ^1 und OQi = pj, als- 
dann sind in dem sphärischen Dreieck PC Pi zwei 
Seiten, nämlich CP = 90 — «p und CP^ = 90 — «pi, 
sowie der eingeschlossene Winkel C = p — p] , bekannt und daraus berechnet sich 
die Seite PPi, d. i. der Normalenwinkel dieser beiden Flächen. 

Das Instrument besteht aus einem Reflexionsgoniometer in fester Verbindung 
mit einem senkrecht dazu gestellten Theilkreis. In der CzAPSKi'schen Anordnung 
(Fig. 8) ist der durch Femrohr F und Signalrohr C charakterisirte Goniometerkreis V 
vertical ; er entspricht dem Meridiankreis ; der horizontale Aequatorialkreis H um- 
schliesst dagegen den zum Justiren mit Schlittenapparat versehenen Erystallträger. 

Bei der Messung wird eine Fläche des Krystalls, möglichst eine herrschende 
Symmetriefläche dem Horizontalkreis parallel justirt und ihr Reflex mit dem um die 
Axe des Verticalkreises drehbaren Femrohr aufgesucht und eingestellt. Die Ab- 
lesungen an beiden Theilkreisen geben die Nullpositionen. Durch Drehung des Kry- 
stallträgers gelingt es nun, alle übrigen Flächen senkrecht zum Verticalkreis zu 
bringen und deren Reflexe durch Auf- und Niederbewegung des Fernrohrs aufzufangen 
and im Fadenkreuz einzustellen; es wird also im Gegensatz zu dem gewöhnlichen 
einkreisigen Goniometer nicht der Reflex dem fixen Femrohr zugeführt, sondem das 
Femrohr und der mit ihm verbundene CoUimator zum Aufsuchen des Reflexes um 
die Fläche gedreht. Die auf dem Horizontalkreis erforderliche Drehung giebt die 
Ablesung p (Länge), die Ablesung auf dem Verticalkreis den Winkel <p (Breite) für 
eine jede Fläche. 

Die Vorth eile dieser Messungsmethode bestehen darin, dass 1. für das ganze 
Durchmessen eines Krystalls nur eine einmalige Justirung erforderlich ist, dass 2. 
jede Fläche nur einmal zur Einstellung gelangt und dass 3. die Genauigkeit der 
gemessenen Winkel nur von der Ausbildung der betreffenden Flächen, nicht auch 
von der der Nachbarn abhängt. Dazu kommt noch die Unzweideutigkeit der Flächen- 
position und eine Vereinfachung in der Zählung und schliesslichen Rechnung. 

Ausnutzung der Messungen. Die gemessenen Flächenpositionen (Längen 
und Breiten) werden in ein stereographisches Netz eingetragen, entweder nach Art 
von Fig. 9 oder Fig. 10. In Fig. 9 fällt der Nullmeridian nach Belieben mit dem 
Ginndkreis des Bildes oder dessen verticalen Durchmesser zusammen, der Aequator 
entspricht dem horizontalen Durchmesser, die Zählung beginnt bei 0. In Fig. 10 wird 
der Aequator durch den Grundkreis dargestellt und der Nullmeridian, von dem und 



14 



Theodolit- oder zweikreisiges Goniometer. 



dem Mittelponkt ans die Zählung beginnt, durch den horizontalen Durchmesser 
0— 180^ Ans den sphärischen Coordinaten ergeben sich die Dreiecke, aus [denen 

Fig. 8. 




Pig. 9. 



Fig. 10. 




die Normalenwinkel zwischen den einzelnen Flächen berechnet werden können, und 
diese dienen dann als Grundlage für die einzelnen Aufgaben der Erystallrechnung, 



Gesetz der rationalen Verhältnisse oder Axenabschnitte. 15 

wie das in Cap. lY, § 4 näher ausgeführt ist. Man kann auch einen Theil der 
numerischen Rechnungen durch graphische Construction, durch eine der in Cap. IV, 
§ 3 erläuterten Projectionen ersetzen, am einfachsten durch die gnomonische Pro- 
jection. — Im Anschluss an diese Messnngsmethode ist irersucht worden, an Stelle 
der gewöhnlichen Winkeltabellen yon Eiystallen, die sphärischen Coordinaten der 
Flächenpositionen selbst in die Literatur einzuführen. 

Literatur. Y. Goldschmidt, Goniometer mit zwei Kreisen. Groth's Zeitschr. 
f. Kiyst. XXL 1893. S. 210. — E. v. Fiderow, Universal- (Theodolit- )Methode in der 
Mineralogie und Petrographie. Ibid. S. 574. — C. Lsiss, Die optischen Instrumente 
der Firma Fusss. Berlin 1899. 

Capitel IL 

Gesetz der rationalen TerhUtnisse oder Axenabschnitte. 

§ 1. Erlftntenmg des Gesetzes, Parameter. § 2. Azensystem, Einheits- 

fl&che, Erystallelemente. § 8. Coefficienten» Indices« Symbolisining. Die 

Symbole von Weiss und Muleb. § 4. Isoparametrische Fl&chencompleze. 

NAWAiar's Formsymbol. § 5. Flachentypen. 

§ 1« Die in der mannigfaltigen Lage von Flächen und Kanten zu 
Tage tretende Verschiedenheit yon Erystallen der gleichen Mineralsubstanz 
erleidet eine wesentliche Einschränkung für die Flächen durch das Gesetz 
der rationalen Verhältnisse, für die Kanten durch das Zonengesetz. Beide 
Gesetze stehen indessen in engster gegenseitiger Abhängigkeit, so dass 
sie nur als yerschiedener Ausdruck desselben Gesetzes anzusehen sind. 

Nach dem Gesetz der rationalen Verhältnisse oder der rationalen 
Axenabschnitte können an den Krystallen nur solche Flächen auftreten^ 
deren Axenabschnitte auf einem bestimmten, zu Grunde gelegten Coordi- 
natensystem mit den Abschnitten aller übrigen Flächen derselben Kry- 
stallart in rationalem und zumeist sehr einfachem Verhaltniss stehen. 

Bezieht man nämlich, analog dem Verfahren der analytischen Geo- 
metrie, die an einem Krystall vorhandenen Flächen auf ein Coordinaten* 
System, welches jedoch nicht beliebig gewählt ist, sondern aus drei durch 
einen gemeinsamen Punkt gelegten, nicht parallelen Ery stallkanten 
gebildet wird, so ist erfahrungsgemäss das Verhaltniss der Abschnitte 
aller am selben Krystall auftretenden Flächen auf der gleichen Coordinaten- 
axe stet« ein rationales. 

Es ist üblich, die drei Goordinatenaxen in der Erystallographie a^ 
b und c zu nennen, wobei der Brauch geübt wird, dass die auf den Be- 
schauer zulaufende Axe (die Längsaxe) mit a, die quer verlaufende 
(Queraxe) mit b und die Verticalaxe mit c bezeichnet wird. Die 
Axenabschnitte selbst führen auch den Namen Parameter. 

Seien die Goordinatenaxen a^ b, c drei beliebige Kry stallkanten, 
hervorgegangen aus dem Durchschnitte dreier nicht paralleler Flächen, 



lg Gesetz der rationaleD Verhältnisse oder Axenabschnitte. 

seien femer H^ Kj L , . , . X Flächen desselben Erystalls und m^ n^ p\ 

^1, nj, i>i, . . . . w«^, w,, p^ (in beliebigem Maass ausgedrückt) der Reihe 

nach die Abschnitte dieser Fläche auf den drei Axen, so yerhalten sich 

nach obigem Oesetz: 

m : mj : w^j . . . . : m^ \ wie rationale Zahlen, z. B. wie 

n : Wj : Wg . . . . : w^ l 1 : 2 : 5 : . . . oder 

p: Pi'. Vi '- Px \ V« • V» : V^ etc. 

A n m. Also nur die Abschnitte auf denselben Axen yerhalten sich wie rationale 
Zahlen ; das Verhältniss der Axenabschnitte auf verschiedenen Axen , also m \n i p, 
ist im Allgemeinen irrational. 

Die rationalen Zahlen als solche lassen allerdings noch einen sehr 
weiten Spielraum zu, wie denn durch sie mehr die überhaupt möglichen 
Flächen getro£fen werden ; eine weitgehende Einschränkung erleiden aber die 
wirklich auftretenden Flächen durch den allgemeinen Erfahrungssatz, 
dass diese rationalen Verhältnisse durchweg durch die einfachsten ganzen 
Zahlen, zumeist in der Zahlenreihe 1 — 10 liegend, ausgedrückt werden. 
Durch diese Beschränkung, wonach die Abschnitte sich wie ganze ein- 
fache Zahlen yerhalten, liegt der besondere Werth fiir die praktische 
Erystallographie ; es wird dadurch ermöglicht, die bei der Messung und 
durch schlechte Flächenausbildung entstandenen Fehler zu eliminiren. 

1. Nach dem Gesetz der rationalen Axenabschnitte erscheinen die Krystalle 
als Polyeder ganz besonderer Art, die sich unter allen denkbaren Körpern durch diese 
besondere Eigenschaft herausheben. Nur polyedrische Formen, denen diese Eigenschaft 
anhaftet, können an Erystallen auftreten, daher finden sich beispielsweise yon den 
fünf regelmässigen Körpern Plato's Tetraeder, Oktaeder und Hexaeder unter den 
Krystallformen wieder, nicht aber das Dodekaeder und Ikosaeder. 

2. Die Axen sind zum ersten Male im Jahre 1804 in die Krystallographie ein. 
geführt worden durch Christian Samuel Weiss bei Gelegenheit seiner gemeinsam mit 
Karsten vorgenommenen üebersetzung des HAUY'schen Lehrbuches der Mineralogie. — 
Weil die alten Mineralogen keine Fachmathematiker waren, so decken sich die 
von ihnen in die Geometrie der Krystalle eingeführten Ausdrücke nicht immer mit 
entsprechenden, in der Mathematik üblichen Bezeichnungen. 

3. Das Grundgesetz der rationalen Verhältnisse oder der rationalen Axen- 
abschnitte oder der rationalen Kantenschnitte oder kurz das Parametergesetz, welches 

die Krystalle als ganz besondere Polyeder erscheinen lässt, 
^*fi>- 11- ist zunächst ein reines Erfahrungsgesetz und zuerst von 

Rena Just Haüy in den achtziger Jahren des 18. Jahr- 
hunderts als eine Consequenz seiner theoretischen Vorstellung 
über den Aufbau der Krystalle ausgesprochen worden. Da- 
her auch Haut's Gesetz genannt. Nach dieser auf die Beob- 
achtung der Spaltbarkeit gegründeten Vorstellung bestehen 
die Krystalle aus überaus kleinen congruenten Molekeln von 
für jede krystallisirte Substanz bestimmter Form, die zu- 
nächst die gleichgestaltete Primitiv form aufbauen. Aus 
dieser gehen alle übrigen (secundären) Krystallformen durch eine an den Kanten 
oder Ecken eintretende Abnahme (Decrescenz) ganzer Molekelreihen und Schichten 




AxensjBtem. Symbolisirung. EinheiUfläche. Erystallelemente. 17 

hervor (Fig. 11); daher muss auch das Yerhältniss der Kanten der abgeleiteten Form 
zu denen der urBprtInglichen ein rationales bleiben. — Rovi db l'Islb hatte noch an- 
genommen, dass die Modification der Primitivform in willkürlicher, wenn auch an der- 
selben Mineralsnbstanz in constant wiederkehrender Weise erfolge. Die ZurQckfÜhmng 
der Flächen auf Axen und der dem entsprechende Ausdruck des Gesetzes als das 
der rationalen Axenabschnitte rührt von Chr. S. Weiss her. 

Der Beweis, dass dieses Gesetz für jedes regelmässig parallelepipedisch ange- 
ordnete Punktsystem Gültigkeit hat, ist von Sohhcke (Wiedbm ann's Annalen der Physik 
Bd. 16, S. 489) geführt worden. 

§ 2. Zu Axen eines Erystalls kann man jede beliebigen 3, unter 
sich nicht parallelen Erjstallkanten , welche man durch einen gemein- 
samen, im Innern des Erystalls angenommenen Punkt legt, nehmen ; man 
wird aber aus praktischen Gründen stets ein solches Axensystem wählen, 
welches bezüglicb der Rechnung und der Symbolisirung (s. § 3) be- 
stimmte Vortheile bietet und auch der Forderung des Symmetriegesetzes 
(Cap. Y, § 3), dass gleich werthige Flächen gleiche Axenabschnitte er- 
zeugen, genügt. 

Zur unzweideutigen Festlegung aller an einem Erystall auftretenden 
oder möglichen Flächen mit Bezug auf ein so ausgewähltes Axensystem 
genügt es offenbar, wenn man die Parameter einer einzigen (Ausgangs-) 
Fläche und ausserdem das Yerhältniss kennt, in welchem die Parameter 
aller übrigen Flächen zu den Abschnitten der Ausgangsfläche stehen. 
Auf diesem Umstand beruht die Symbolisirung der Erystallflächen. 

Nennt man beispielsweise die Axenabschnitte einer Fläche ABC 
auf den 3 Axen der Reihe nach a, b und c (Fig. 12), so lassen sich die 
jeder anderen Fläche HKL in der Form 
»«.«, n.6, p.c darstellen, wobei die Coeffi- 
cienten m, n imd p nach dem Parameterge- 
setz einfache rationale Zahlen (seien es nun 
ganze Zahlen oder Brüche) sein müssen. In 
der Fig. 12 sind es Brüche, da die Fläche 
HKL kleinere Abschnitte hat. 

Die Ausgangsfläche, welche die Parameter 
<<, b und c geliefert hat, heisst die Einheits- 
fläche, weil ihre Coefficienten gleich 1 sind. 

Das Parameterverhältniss der Einheits- 
fläche und die von den Axen eingeschlossenen Winkel, also a : b : c und 
7/r = a, a> rr= ß , ab = 7 bilden die sogen. Erystallelemente oder 
geometrischen Constanten der Mineralspecies. 

Zur Einheitsfläche kann jede beliebige Erystallfläche, wenn sie nur 
alle 3 Axen schneidet, gewählt werden, man wird aber aus Zweck- 
mässigkeitsgründen sie stets so wählen, dass die Coefficienten m, n und p 
aller übrigen Flächen möglichst einfach, d. h. klein werden. 

Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 2 




lg Wsiss'Bcbes und MiLLER'scbes Symbol. 

§ 3. ^ Damit sind wir zur krystallographischen Bezeichnungs- 
weise der Flächen, zur Symbolisirung gelangt, deren Grundlage das 
Parametergesetz und die Bezugnahme auf eine Einheitsfläche bilden. 

Oiebt man das Zeichen einer gewöhnlichen Fläche derart an, dass 
man deren Axenabschnitte als Multipla der Axenabschnitte der Ein- 
heitsfläche darstellt, gewöhnlich in Form ganzer Zahlen, was durch 
Multipliciren des Doppelverhältnisses immer zu erreichen ist, so ist das 
die sogen. WKiss'sche Schreibweise oder die' Coefficientenbezeich- 
nung, die ganz allgemein die Form mainaipc besitzt, wobei w, n 
und p alle möglichen einfachen ganzen Zahlen, oo eingerechnet, be- 
deuten. Da es sich nur um das Verhältniss handelt, so stellt auch die 
kürzere Form a : mb : nc das allgemeine Zeichen einer Fläche dar. 

Durch Division des Doppelverhältnisses ma : nb : pc^ was geome- 
trisch einer Parallelverschiebung der Krystallfläche entspricht, lässt sich 

dasselbe stets auf die Form -j- ai-j- bi-j- c bringen, d. h. auf eine Form,. 

bei der die Coefficienten als Brüche mit dem Zähler 1 erscheinen. 

Die solcherart modificirte WBiss'sche Schreibweise bietet für die 
Rechnung Vortheile, steht deshalb viel im Gebrauch, wird aber für diesen 
Zweck noch in charakteristischer Weise abgekürzt. Man schreibt als das 
Zeichen einer Fläche nur die von einer Klammer umschlossenen sogen. 
Indices (hkl), was zu keinen Missverständnissen Anlass geben kann^ 
wenn man die Indices stets in derselben Reihenfolge aufführt, d. h. den 
ersten Index stets auf die Axe a, den zweiten Index stets auf b und den 
dritten Index auf c bezieht und sich dabei erinnert, dass es sich bei 
diesen Indices um Brüche mit dem Zähler 1 handelt. Die Schreibweise 
selbst heisst die Indicesbezeichnung oder, weil zuerst Mit.lkr aus- 
giebigen Gebrauch davon gemacht hat, auch die MiLLKR^sche Schreib- 
weise. 

1. Die Indices h, k, l müssen ebenso wie die Coefficienten ni, ti, p einfache 
rationale Zahlen sein; daher auch Gesetz der rationalen Coefficienten oder der ratio- 
nalen Indices. 

2. Coefficienten und Indices verhalten sich umgekehrt proportional, gestatten 
also leicht eine wechselseitige Herleitung, z. B. das WEiss'sche Symbol 2a : 36 : 4c 
wird nach den Uebergängen 

2 3,4 11,1 

TXT^^"273:r^ = TXT' = T2"^^8-^^6"' 

zu dem MiLLER'schen Zeichen (6 4 8); umgekehrt wird aus den Indices (1 2 8) die 
Coefficientenbezeichnung 

J-fl-Y^iy r = Qa:Sb:2c, 
Für den Coefficienten oo bei Weiss steht natürlich bei Miller der Index 0» 
dennoo = —; z. B. 2a : ft : oo c = (1 2 0). 



Flächen- und Form Symbole. Naumann^s Symbol. 19 

3. Durch das Hinzufügen der Richtungsvorzeichen zu den einzelnen Indices 
und Coefficienten wird die Lage der Flächen in den einzelnen 'Oktanten bestimmt. 
Dabei ist zu bemerken, dass das Vorzeichen -\- nicht geschrieben wird und das Vor- 
zeichen — bei Weiss durch einen der betreffenden Axe angehängten Accent aus- 
gedrückt wird. So liegt die Fache 2a' : 86 : c" = (3 2 6) im rechten hinteren Oktanten 
unten, die Fläche a : ih* : 2c = (il 2) im linken, vorderen Oktanten oben etc. 

4. Weiss hat seine Art der Flächenbezeichnung zuerst in einer Abhandlung 
über die krystallographische Fundamental bestimm ung des Feldspaths (Abhandl. d. 
Berliner Akademie d. Wissensch. 1816—1817) vorgeschlagen; die Bezeichnung der 
Flächen durch Indices wurde von Whewell 1825, unabhängig davon 1829 von Grass- 
mann und ebenso von Frankenheim angewendet, fand aber erst durch die krystallo- 
graphischen Schriften W. H. Miller*s (A treatise on crystallography. Cambridge 1839) 
allgemeineren £ingang. 

Das WEiss'sche und das MiLLER'sche Symbol sind im Grunde ge- 
nommen nur durch ihr äusseres Ansehen verschieden. Das WEiss'sche 
Zeichen ist anschaulicher, direct verständlich; das MiLLER'sche Zeichen 
bedarf erst einer Abstraction, ist aber kürzer und unmittelbar für die 
Rechnung zu verwenden. Letzteres hat sich seiner Vorzüge wegen all- 
mählich Bahn gebrochen, scheint jetzt aber in allen Literaturen mit 
Recht das herrschende äu werden. 

Beide Schreibweisen sind FTächensymbole, d.h. sie liefern einen 
geometrischen Ausdruck für die einzelne Fläche. Nun treten aber an 
den Krystallen Complexe von Flächen auf und bilden die Kry st all- 
formen, und es hat seine besonderen Vorzüge, gleich eine ganze Kry- 
stallform durch ein einziges Zeichen auszudrücken. Ein solches Form- 
symbol ist das NAUMANN'sche Zeichen, das in der deutschen Literatur 
Jahrzehnte lang mit Vorliebe benutzt ist und auch jetzt noch viel ge- 
braucht wird. Im Folgenden soll soweit darauf eingegangen werden, 
als zum allgemeinen Verständniss nöthig ist. 

§ 4. Naumann's Bezeichnungsweise. Alle diejenigen Flächen eines Kry* 
Stalles', die bei gleichen Parametern sich nur durch das Richtungsvorzeichen 
dieser Parameter unterscheiden, bilden einen isoparametrischen Flächen- 
comp lex. Das fahrt uns zu der NAüMANN'schen Schreibweise. Bei dieser Sym- 
bolisirung wird jeder isoparametrische Flächencomplex — von Naumann selbst »ein- 
fache Erystallform" genannt^) — durch ein einziges Zeichen ausgedrückt, und 
zwar werden alle übrigen Formen von jenem isoparametrischen Flächencomplex 
(der , Grundform* Naumann's) hergeleitet, dessen Parameter die Axenlängen a, b und c 
selbst sind. Indem Naumann die Grundform mit P (im regulären System mit 0) be- 
zeichnet, werden die Symbole der übrigen Formen desselben Erystalls dadurch er- 
halten, dass er dem Buchstaben P (oder 0) die sogen. Ableitungszahlen in 
bestimmter Weise hinzufügt. Die Ableitungszahlen entsprechen den Coefficienten 
▼on Weiss, wenn dessen Zeichen derart umgewandelt wird, dass der Coefficient einer 
der beiden Axen a oder 6=1 wird. Der Coefficient der c- Achse wird alsdann stets 



*) Wir werden weiter unten S. 38 eine andere, auf die Symmetrieverhältnisse 
gegründete Definition einer .einfachen Krystallform" zu geben haben. 



20 Naumann's Symbol. Fl&chentjpen. 

vor P, der andere hinter P gesetzt und je nachdem er sich auf die Aze a oder b 
bezieht, dem P noch ein Zeichen v-^ oder — zugefügt. Im regulären System, wo 
a = 2) = c ist, steht stets der grössere Coefficient vor, der kleinere hinter O. 
Beispiel. Der isoparametrische Flächencomplez 

o :& :c = (l J_ 1) a :6 :c' = (l l^J) 

rt : fc' : /! = U J 1) a : fc' : c' = (1 J. j_) 

a' : 6' : c = U 1 1) a' : 6' : c' = (1 1 ^) 

a' :b :c = (l 1 1) a' : 6 : c' = (1 1 1) 

wird Yon Naumann unter das eine Zeichen P zusammengefasst. 

Der isometrische Flächen complex , der sich von 2a:32):4<? = (6 4 3) ableitet, 
erhält nach Naumann das Zeichen 

2 P -j- oder -y JP -y » denn es ist 

2a:3b:U = a:^b:2e = -^a.b: ~c. 

Das NAUMANN*8che Symbol (zuerst von Naumann in seinem „Qrundriss der Kry- 
stallographie , Leipzig 1826' gebraucht) hat den Vortheil grosser Anschaulichkeit 
und Kürze, und ist deshalb viel angewendet worden und wird es auch noch. Seine 
Nachtheile bestehen darin: 1. es vereinigt unter ein Zeichen Flächen, die morpho- 
logisch völlig verschieden sind (cf. monoklines und triklines System); 2. es ist nicht 
immer consequent gebildet (skalenoedr. Bezeichnung) und fast jedes System hat seine, 
das Gedächtniss beschwerenden Besonderheiten ; 3. es hat typographische Nachtheile. 
Letztere Nachtheile sind durch die DANA^sche Modification, die in der nordamerikani- 
schen Literatur Eingang gefunden hat, beseitigt. 

Um den Vortheil der NAUMANN'schen Schreibweise, durch ein ein- 
ziges Symbol einen ganzen Flächencomplex zu bezeichnen, auch auf die 
WsisB^sche und MiLLEB^sche Bezeichnung auszudehnen, schliesst man das 
Wsiss^sche Symbol in Klammem z. B. (a : 36 : 5c), das MiLLEii'sche 
Symbol in { ] ein, z. B. {12 3} und versteht alsdann diese Symbole im 
Sinne der NAUMANN'schen Formbezeichnung. 

Ein ferneres Symbol, das namentlich bei französischen Mineralogen in Gebrauch 
steht, ist gleich dem NAüMANN'schen ein Formsymbol ; es ist die von Lbvt (Description 
d*une coUection des min^raux, formte par M. Heuland. London 1837) vereinfachte 
alte HAUT*sche Schreibweise. 

§ 5. Die Lage einer Fläche mit Bezug auf die 8 Azen kann eine dreifach 
verschiedene sein ; die Fläche kann alle 3 Axen schneiden, sie kann einer Aze parallel 
laufen und sie kann schliesslich 2 Axen parallel laufen; eine weitere Möglichkeit 
existirt nicht. Danach kann man 3 Typen von Flächen unterscheiden: 

1. Pyramiden- oder Oktaidflächen mit dem allgemeinen Zeichen ma : nb : pc 
= (hk l)f wo m, n und p von oo, h kl von verschieden sind. 

2. Prismen- oder Dodekaidflächen 

ooa: nb : pc = {Okt) 
ma : (x>b : pc = (hOl) 
ma : nb : ooc = (hkO). 

3. Pinakoid- oder Hexaidflächen 

aioob :ooc = {100) 
ooa : b : ooc = {010) 
ooaioob: c ={0 01). 



Zone, Zonenaxe, Zonenindices und Zonengleichung. 21 

Capitel m. 
§ 1. Zonen, Dednction. § 2. Zonengesetz. 

§ 1. Von Erystallflächen, die sich in parallelen Kanten schneiden, 
sagt man, sie liegen in einer Zone oder sie seien tautozonal. Die 
Richtung der betreffenden Kante heisst Zonenaze. 

Oanz allgemein versteht man unter einer Zone den Complex aller 
Erystallflächen, die einer und derselben Kante parallel laufen. 

Durch 2 Flächen — ausgedrückt durch ihre Indices — ist die 
Richtung der gemeinsamen Durchschnittskante, also einer Zonenaze und 
somit eine Zone selbst bestimmt. Es müssen sich daher aus den Indices 
dieser Flächen Werthe herleiten lassen, die zur Fixirung der Richtung 
der gemeinsamen Durchschnittskante, der Zonenaze, ausreichen. Diese 
Werthe heissen die Indices der Zone; dieselben werden zum Unter- 
schiede von den Flächenindices in eckige Klammem [] eingeschlossen 
und müssen gleich den Flächenindices rational sein. 

Ebenso ist die Lage einer Fläche bestimmt, wenn sie parallel 
2 Kanten verläuft, also in 2 Zonen liegt. Aus den Indices zweier Zonen 
müssen sich demnach die Indices der in beiden Zonen liegenden Flächen 
herleiten lassen. Flächen und Zonen verhalten sich somit dualistisch. 

Damit sind wir vor die Lösung zweier häufig yorkommenden Aufgaben gestellt, 
ohne Zuhülfenahme von Winkeln 1. die Indices einer Zone aus zwei durch ihre In- 
dices gegebenen Flächen, 2. die Indices einer Fläche aus den Indices zweier Zonen, 
in denen die Fläche liegt, herzuleiten. Eine solche Herleitung von Flächen aus 
Zonen und umgekehrt ohne Verwendung von Winkeln heisst Deduction. 

Die Lösung dieser beiden Aufgaben gelingt am einfachsten, wenn man die 
Bedingungsgleichung dafür aufstellt, dass eine Kante in einer Fläche liegt oder, was 
bei dem vorhandenen Dualismus ganz analog ist, dass eine Fläche in einer be- 
stimmten Zone liegt. 

Sind (hkl) die Indices einer Fläche, [uvw] die Indices einer Zone, so lautet 
diese Bedingungsgleichung 

|h.u + k.v + l.w = o. I Gleich. I. 

Die Herleitung dieser Gleichung, der sogen. Zonengleichung, findet sich 
in aUen kiystallographischen Lehrbüchern. 

Die geometrische Bedeutung von u, v, w geht aus j.« jq 

Fig. 18 hervor. Eine Zonenaxe ist nämlich ihrer Rich- 
tung nach vollständig bestimmt, sobald sie durch den 
Coordinatenanf ang gelegt und das Verhältniss der Parallel- 
coordinaten irgend eines beliebigen Punktes P auf ihr f " 

bekannt ist. Die Parallelcoordinaten von P sind Oü, i 

V, W und das Doppelverhältniss ü : V : W dieser j 

8 Coordinaten wird durch das Zonensymbol [uvw] aus- u\^_ 

gedrückt. — Die Ableitung der Grössen u, v, w aus den o 



22 



FFächen- und Zonengleichung. Aufgaben. 



Indices Ton zwei sich in der Zonenaze schneidenden Flächen bildet den Gegenstand 
der nachstehenden Aufgabe 1. 

Obige Gleichung I lässt sich nun zunächst zur Prüfung verwenden, ob drei 
Flächen in eine Zone fallen oder was dasselbe ist, ob eine Fläche in einer bekannten 
Zone liegt, z. B. wenn es zu untersuchen gilt, ob die Fläche (121) in der Zone 
[2 1 4] liegt. Das ist der Fall, denn es ist 

1.2 + 2.1 + 1 .4 = 0. 

Jene Gleichung I lässt sich aber bei constanten hkl auch als allgemeine 
Gleichung einer Krystall fläche oder bei den dualistischen Beziehungen zwischen 
Fläche und Zone, wenn uvw als constant gelten, als allgemeine Gleichung 
einer Zone betrachten und es lässt sich demgemäss mit ihr operiren. 

Aufgabe 1. Die Indices zweier Flächen (hkl) und (hj k^ 1]) sind gegeben, 
es sollen die Indices [u v w] der Durchschnittskante gefunden werden. 

Auflösung: 

Aufgabe 2. Es sollen die Indices derjenigen Fläche (h k I) bestimmt werden, 
welche in den beiden bekannten Zonen [u v w] und [uj v^ w^] liegt. 



h .u + k 
hl ■ u + ^gj 

. tr - M I 



V + 1 . w = 

V -f 1^ . w = 

= 1 hl — h 1| ; w = 



= h kl — k hl 



Auflösung: 



h. 
h. 



u +k. 
ut + fc. 



h=: 



V w 

kl ^il 



= V Wj — w Vj ; k = 



w u 
|wiu, 



V +1. 



w =0 
W| = 



= wui — u Wj; 1 



U V 

m vil 



U V| — V U|. 




Beispiel. Bei dem Orthoklaskrystall (Pig. 14) liegt die 
Fläche n in den beiden bekannten Zonen [P M] und [To], es sollen 
die Indices Ton n bestimmt werden. 

Die Indices von P sind (0 01) 



r r » -W , 

T 

r > , » I 

Daraus folgt fOr die Zone [PM]: 



(0 10) 
(110) 
(1 1 1). 






10 




XXX 





10 1 



u = 0. 



1 . 1, 



V = 1 . — . 0, 
= 



w = 



0.0 



femer für die Zone [To]; 



1; 1 


10 11 




XXX 


1 


1111 



1.1, Wi 



1 — 1 

2 



1 

k = 



1 
X 

1 1 



ui = 1 . 1 — . 1, Vi = . j_ 

und schliesslich für die Fläche n: 10 

X X 
I 2_ 

h = 0.2 — O.i; k = 0. 1—1.2, 
= 0] - 2 

Die Fläche n hat also die Indices (0 2 1). _ 

Wenn an dem Orthoklas (Fig. 14) noch ä:' = (1 0) bekannt ist, so lassen sich 
in derselben Weise auch noch die Flächen y, x, 2', q aus dem Zonenverbande dedu- 
ciren: es liegt 



1 = 1.1-0.1 
= 1. 



Aufgaben. Zonengeeetz. 23 



y in [PÄ:']^und [o «] 
X in [Fk'] und [oo'] 
2' in [Tlf] und [on'] 
qixiiPk'] und [n«]. 
Aufgabe 8. Ein specieller Fall der Aufgabe 2 ist der, dass die Indices 
«iner FlÄche (h k 1) gesucht werden, welche die Kante zweier anderen Flächen (h^ kj 1|) 
und (h'2k2l2) gerade, d. h. unter gleichen Winkeln abstumpft. 
Es ist dann h = h| + h2; k = ki -f- kj; 1 = li -|- l^. 

In Fig. 15 (Combination eines Rhombendodekaeders mit einem Ikositetraeder) 
stumpft die Fläche h die Kante zwischefi a = (1 1) und c = (1 1 0) 
gerade ab, folglich hat h das Zeichen (2 1 1). Fig^ 15. 

Aufgabe 4. Aus obiger Gleichung I lässt sich nun auch 
die Bedingung herleiten, damit 3 Flächen (hkl), (h|kili) und 
(h^k^lj) in einer Zone liegen. Dann müssen die Gleichungen 
bestehen : 

h .u + k .v + 1 .w-0 

hl . u + kl . V + li . w = 

h2 . u -J- k2 . V + I2 . w = 

und daraus folgt, dass die aus den Flächenindices gebildete Determinante verschwinden 

muss, also 

h k 1 

h2 k2 I2 




= 



und aufgelöst, däss statthaben muss: 



I h (kl I2 - I1 k2) + k(li hQ - ht I2) + 1 (h, k2 - k| h2) ^ 0. | Gleich. la. 

_ Beispiel. In Fig. 14 liegen die 3 Flächen n = (021), = (Tl 1) und 
y = (2 1) in einer Zone, folglich ; 

(1 . 1 — 1 . 0) -f 2 (1 . 2 — 1 . 1) + 1 (1 . — 1 . 2) = 
0—2 +2 =0. 

§ 2. Wenn man 4 beliebige an einem Krystall auftretende Flächen, 
von denen nie je 3 in einer Zone liegen, zu Orunde legt, so lassen sich 
fortwährend auf dem Wege der Deduction aus den vorhandenen 
Durchschnittskanten neue Flächen und aus deren Durchschnittskanten 
wiederum neue Flächen u. s. f. herleiten. Die so deducirten Flächen 
sind mögliche Erystallflächen, denn ihre Indices werden, wie die Art der 
Herleitung zeigt, rationale sein müssen. In dieser Weise wird man im 
Stande sein, alle möglichen Flächen eines Erystalls zu deduciren, genau 
80, als wenn man in das allgemeine Symbol ma:nh\pc für w, n und p 
alle rationalen Zahlen einsetzt. Der Beweis, dass alle Flächen, deren 
Indices rationale Zahlen sind, auch im Zonenverbande stehen, ist von 
MöBiüs^) geführt worden. 

Diese Beziehung, dass alle an einem Krystall möglichen Flächen 
im Zonenverbande stehen, führt den Namen des „Zonengesetzes*, das 



^) Der baiyoentrische Calcül, 1827. Cf. Liebisch, Geometrische Erystallo- 
graphie, p. 30. 



24 Zonengesetz. Erystallabbildnngen. 

ersichtlich nur ein anderer Ausdruck fOr das Oesetz der rationalen In- 
dices ist und das sich in der einfachsten Form so aussprechen lässt: 
Flächen, die in 2 Zonen liegen, sind auch krystallographisch 
mögliche Flächen und umgekehrt sind auch Zonen, die aus 
dem Durchschnitt von 2 Krystallflächen hervorgehen, mög- 
liche Kantenrichtungen. Der Beweis fOr diesen einfachen Ausdruck 
des Zonengesetzes geht unmittelbar aus der arithmetischen Herleitung 
der Flächen- und Zonenindices hervor. — Natürlich brauchen die an 
einem Erystall zufällig vorhandenen Flächen nicht derartig angeordnet 
zu sein, dass sie sich nun auch ohne Weiteres aus einander deduciren 
lassen und in unmittelbarem Zusammenhang stehen. 

Da, wie Gleichung la zeigt, die Tautozonalität dreier Flächen allein 
abhängig ist von ihren Indices und nicht von den Axenlängen, so kann 
bei Temperaturänderung und jeder anderen homogenen Deformation an 
der Tautozonalität nichts geändert werden. Demnach bleiben die bei 
irgend welcher Temperatur bestehenden Zonen auch bei jeder anderen 
Temperatur als Zonen erhalten (Gesetz der Erhaltung der Zonen). 

Der Begriff einer Zone wurde von Chr. S. Weiss in der oben erwähnten 
Uebersetznng des HAUT^schen Lehrbuches 1804 zuerst aufgestellt und dabei nach- 
gewiesen» dass die bekannten Flächen des Feldspaths sich nach 4 Zonen gruppiren. 
Am Epidot zeigte dann Weiss 1806, dass aus 2 bekannten Zonen sich das Symbol 
einer Fläche herleiten lasse. 

Das Zonengesetz und dessen Zusammenhang mit dem Gesetz der rationalen 
Axenabschnitte wurde von F. E. Neumann (De lege zonarum. Dissert. 1826) erkannt. 

Von Liebisch ^) wurde darauf hingewiesen, dass die von älteren Autoren (u. A. 
von Naumann) unter Benützung von Punktcoordinaten aufgestellte Gleichung einer 
Erystallfläche nicht naturgemäss sei, weil man in Wirklichkeit zur Fixirung von 
Eiystallflächen nicht Punkte, sondern Zonen, d. h. Kanten verwende, und weil der 
vorhandene Daalismus zwischen Flächen und Kanten durch eine von Punktcoordinaten 
ausgehende Gleichung keinen entsprechenden analytischen Ausdruck finde. Denn 
eine Krystallfläche werde durch eine, eine Krystallkante aber durch 2 Gleichungen 
dargestellt. Dagegen entspricht die Gleichung hu + kv-f-lw = o allen Forderungen, 
auch der des Dualismus; sie ist die Gleichung einer Fläche bei constanten h, k, 1 
und die Gleichung einer Zone bei constanten u, v, w und somit gelten alle Rech- 
nungen mit ihr sowohl für Flächen als für Kanten. 



Capitel IV. 

§ 1. Erystallabbildangen. § 2 und 3. Linear- und Eugelprojection. 
§ 4. Die Aufgaben der Erystallberechnung. 

§ 1. Aus dem Vorhergehenden ergiebt sich die Wichtigkeit der 
Zonenverhältnisse für die Erystallbeschreibung und damit die Forderung^ 



') Groth's Zeitschr. f. Krystallographie, 1877, Bd. 1, p. 132 flf. 



Erystallabbilduiigen und KxTstallprojectionen. 25 

bei allen Erystallabbildungen dieselben zum klaren Ausdruck zu bringen. 
Wenn es sich daher um perspectivische, den Eindruck des Körperlichen 
machende Zeichnungen handelt, so muss an ihnen der Zonenverband er- 
sichtlich sein, d. h. die am Erystall parallelen Kanten müssen auch in 
der Abbildung parallel erscheinen. Das wird erreicht, wenn die Figuren 
als parallelperspectiyische Ansichten entworfen werden. Zur Aus- 
führung wird durchgehends das „axonometrische Zeichnen' gewählt, 
dessen Princip kurz folgendes ist. 

Die erste Aufgabe ist die richtige Gonstruction des Axenkreuzes, 
die nach den Regeln der darstellenden Geometrie erfolgt und bei der 
man von vornherein Festsetzungen über die Orientirung der Krjstalle 
und der Sehstrahlen zur Bildebene (siehe Anmerkung) zu treffen hat. 
Alsdann trägt man der Reihe nach auf dieses Axenkreuz die durch das 
Symbol gegebenen Abschnitte der einzelnen Krjstallfiächen auf und er- 
halt dadurch die Richtung der Durchschnittskanten aller an einander 
stossenden Flächen. Durch Parallelyerschiebung kann man nun den 
Kanten und damit auch den Flächen die erforderlichen Abstände und 
Grössen, gleichwerthigen Kanten die gleiche Grösse geben. 

A n m. Für die Gonstruction des Axenkreuzes kommt es darauf an, ob irgend 
eine Axenebene mit der Bildebene zusammenfallen soll oder nicht, und man unter- 
scheidet danach Horizontal-, Vertical- etc., bezw. schiefe Projection. 
Eine weitere Unterscheidung, durch welche die Erystallbilder Terschiedener Autoren 
grundsätzlich von einander abweichen, besteht darin, ob die parallelen Sehstrahlen 
der Projection gerade oder schief auf die Bild-(Projections-)Ebene auffallen (Ortho- 
gonal- bezw. klinographische Projection). 

Für die Gonstruction der Kantenrichtungen ersetzt man zweckmässig die 
Einzelauftragung der Axenabschnitte durch eine von vornherein perspectivisch ent- 
worfene Linearprojection (s. § 2) ; man kann auch dazu die gnomonische Projection *) 
oder auch nur quadrirtes Papier') benutzen. 

Literatur. Naumann, Lehrbuch d. reinen u. angewandten Erystallographie. 
1830. IL §§ 706 u. 707. — Weisbach, Anleitung zum azonometrischen Zeichnen. 
1857. — V. LAUG, Lehrbuch der Krystallographie. 1866. Gap. XL — C. Klein, Ein- 
leitung in die Krystallberechnung. 1876. S. 381—393. — Wibskt, Anwendung der 
Linearprojection zum Berechnen der Krystalle. 1887. S. 32—48. — Likbisch, (Jeom. 
Krystallographie. 1881. Cap. IX. — Stan. Jollbs, Orthogonale Projection krystallogr. 
Axensysteme. Groth's ZeiUchr. 1894. XXIL S. 1 ff. — Groth, Phys. Krystallo- 
graphie. 3. Aufl. 1895. S. 593—601. 

Zum Zweck der Flächen- und Zonenübersicht, namentlich aber für 
die Zwecke der Krystallberechnung sind jedoch die schematischeu 
Krystallprojectionen viel angemessener. Solcher Projectionen sind 
wesentlich zwei im Gebrauch: 

1. die Linearprojection; 

2. die Kugelprojection. 



^) Goldschmidt, Ueber Erystallzeichneu. Groth's Zeitschr. 1891. XIX. S. 852 ff. 
— E. V. Fbdorow, üeber KrystaUieichnen. Ibid. 1899. XXX. S. 9 ff. 

") NiBs, Allgemeine Krystallbeschreibung auf Grund einer vereinfachten Methode 
des Krystallzeichnens etc. Stuttgart 1895. 



26 



Linear- oder QuENSTEDT^scfae Projection. 



§ 2. Die Linearprojection (syn.: QüENSTBDT'eche Projection). Bei 
dieser denkt man sich sämmtliche Flächen eines Krystalls durch einen 
Punkt gelegt und das so gebildete Fl'achenbündel von einer Ebene, der 
Projections- oder Zeichenebene, geschnitten. Die Spuren der Flächen 
liefern alsdann die Projection. 

Eigenschaften derselben: 1. Alle parallelen Flächen und ebenso alle 
parallelen Kanten fallen zusammen, somit wird jedes Flächenpaar durch eine ein- 
zige Linie, jede Zone durch einen einzigen Punkt, den Zonenpunkt, dar- 
gestellt. 2. Demnach müssen alle tautozonalen Flächen in der Projection durch 
einen, den zugehörigen Zonenpunkt laufen. 

Aus praktischen OrQnden wählt man gewöhnlich als Projections- 
ebene eine zur Yerticalaxe senkrechte Ebene, die vom Coordinatenanfang 
des Axensystems um die Axenlänge c entfernt steht. Der Endpunkt der 
Axe c erscheint dann in der Projection als das Centrum derselben, wäh- 
rend die Axen a und b als Linien in ihren richtigen Verhältnissen ein- 
gezeichnet werden. 

Die Linearprojection eines Krystalls ist eine sehr einfache Aufgabe, 
sobald dieselbe aus gegebenen Axenabschnitten der einzelnen Flächen 
hergestellt werden soll oder — und dann ist sie besonders vortheilhaft — 
wenn ein Theil der Flächen aus den Zonen deducirbar ist. Alle Wbiss- 
schen Flächenzeichen sind zu diesem Zweck derart umzuwandeln, dass 
der Factor von c= 1 wird, alsdann kann unmittelbar die Eintragung 
der Flächen auf den Projectionsaxen vorgenommen werden. Die Pro- 
jectionslinien der Flächen von der Form ma : nb : ooc^ also parallel der 
Axe c verlaufende Flächen, gehen durch das Centrum parallel der 
Flächenspur ma : nb : c. 

Fig. 17 ist die Linearprojection des Orthoklaskrystalles Fig. 16. Die Pro- 
jectionsebene geht durch die Mitte des Krystalls senkrecht zur Verticalaxe TM, daher 











Fig. 


17. 








M 




Fig. 16. 


.^<^v^ 


yo »n 


T 


f] 


lA 


h 


;^^ 










y 


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y 


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t T 


M 


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f/ h^ 




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/ w 






\^ 


k^ 


k 


A 


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\ 


MXx^" y> 


P jK 


\ 




^\, p 








•n^ 


A 


in 

f 


—^7, 



müssen alle Flächen , die senkrecht auf M stehen , auch in der Projection senkrecht 
zur Projection M verlaufen, unter sich also parallel sein. Das gilt von den Flächen 



Kugelprojection oder MiLLBR'scbe Projection. 27 

Pkyx, — Alle übrigen Flächen, soweit sie in der Fig. 16 parallele Kanten bilden, 
müssen in der Projection durch einen gemeinsamen Zonenpunkt gehen. Aus der 
Fig. 17 ist unmittelbar ersichtlich, dass eine Reihe von Projectionslinien durch je 
2 Zonenpunkte bestimmt ist. 

Anleitung zur Linearprojection: Qukkstbdt, Grundriss der bestim- 
menden und rechnenden Krystallographie. Tübingen 1873. — Werner, Leitfaden 
zum Studium der Krystallographie. Hannover 1867. — Webskt, Anwendung der 
Linearprojection zum Berechnen der Kiystalle. Berlin 1887. 

§ 3. Die Kugelprojection (sjn.: stereographische oder MiLLER'sche 
Projection, gnomostereographische Projection nach v. Fedorow). Bei derselben 
sind 2 Operationen zu unterscheiden. 

1. Man denkt sich den zu prqjicirenden Erystall in das Innere einer 
Kugel gestellt und von dem Mittelpunkt derselben auf jede einzelne 
Fläche Lothe gefällt. Die Durchstosspunkte dieser Lothe mit der Kugel- 
oberfläche, die sogen. Flächenpole, sind die Projectionen der Flächen. 

Daraus ergeben sich die Eigenschaften dieser Projection. 1. Alle Flächen 
werden durch Punkte dargestellt. 2. Die Pole aller tautozonalen Flächen liegen auf 
einem grössten Kreis, demnach werden also die Zonen durch grösste Kreise dar- 
gestellt. 8. Auf der Kugeloberfläche erscheinen die Krystallwinkel als deren Supple- 
mente, in Gestalt sogen. Normalenbögen. 

2. Die zweite Operation besteht darin, das Bild der Kugeloberfläche 
auf die Zeichenebene zu projiciren. Von allen Projectionsmethoden, durch 
die das Bild einer Kugeloberfläche auf eine Ebene reducirt werden kann, 
eignet sich fQr den vorliegenden Zweck am besten die stereographische 
Methode, weil nach dieser alle Kreise der Kugel auch in der Projection 
wieder als Kreise erscheinen, dieselbe also mit Hülfe des Zirkels aus- 
geführt werden kann. (Beweis dieser Eigenschaft der stereogr. Projection bei 
V. Lang S. 291, bei Likbisch, Geometrische Krystallographie, S. 117; cf. auch Henrich, 
Krystallberechnung. Stuttgart 1886, S. 16.) 

Zur Ausführung der stereographischen Projection denkt man sich 
das Auge in einem Punkt der Kugeloberfläche, die Zeichenebene aber 
durch den Kugelmittelpunkt derart hindurch gelegt, dass sie auf der Ver- 
bindungslinie des Augpunktes mit dem Kugelcentrum senkrecht steht. 
Die Sehstrahlen nach den einzelnen Plächenpolen ergeben deren Ort 
(Projection) auf der Zeichenebene. Alle Zonenkreise, die durch den 
Augpunkt gehen, erscheinen als Kreisdurchmesser, d. h. als Kreise mit 
unendlich grossem Radius. Diese Projection liefert demnach gewisser- 
massen die Innenansicht einer Kugelhälfte. 

Die Kugelprojection lässt sich einerseits aus den gegebenen Winkeln, 
den Flächenwinkeln (Normalenwinkel) sowohl wie den sphärischen Coordi- 
naten (Positionswinkel), andererseits aus dem Axenverhältniss und den 
Indices construiren, wo in allen Fällen die Ausnutzung des Zonenver- 
bandes die Aufgabe erleichtert. Die besonderen Vortheile liegen in der 



28 Kugelprojection. Aufgaben. 



Möglichkeit, die Projection successive aus den Winkeln entstehen zu 
lassen, wie diese sich bei der fortschreitenden Messung ergeben. 

Da die stereographische Projection in späteren Gapiteln Verwendung findet, 
80 folgen hier die wichtigsten Regebi zur LOsung der Constructionsaufgaben auf 
Grund der Normalenwinkel. Wie die Projection bequem aus den bei der zwei- 
kreisigen Messung erhaltenen Positionswinkeln construirt wird, zeigte Goldschmiot ^). 
Die mechanische Ausführung geschieht, wie schon bemerkt, mittelst Zirkels und Lineals 
und zweckmässig für die Zonenkreise mit ihrem wechselnden Radius mittelst des 
Curvenlineals ; ausserdem ist ein Transporteur nöthig. 

Die Grundlage für die Lösung der meisten Aufgaben bilden 2 Probleme: 

1. Den Pol eines Zonenkreises zu construiren, d. h. die Projection des Punktes 
zu finden, in dem das auf der Ebene des Zonenkreises in dessen Mittelpunkt er- 
richtete Loth die Kugel durchstösst. 

Auflösung (Fig. 18). Man zieht zu dem Zonenkreis AB den senkrechten 
Durchmesser DQP, verbindet A mit Q und verlängert bis Q,. Den Bogen Q,P, 
macht man gleich 90° und verbindet P, mit A. Dann ist P der gesuchte Pol des 
Zonenkreises AB, 

2. Auf einem beliebigen Zonenkreis einen gemessenen Winkel anzutragen. 
Auflösung (Fig. 19). Man construirt für den Zonenkreis ABB den zuge- 
hörigen Pol P. Von B aus soll der Winkel a angetragen werden. Zu dem Behuf 

Fig. 18. Fig. 19. 





zieht man PB und verlängert bis B,. Der Bogen B,C, wird gleich a gemacht 
C, verbindet man mit P. Der Bogen B C entspricht dem gemessenen Winkel a. 

Anm. Die Beweise für die beiden eben gegebenen Constructionen sind ein- 
fach; vgl. deswegen v. Lang, Krystallographie §§ 83 u. 84, sowie Henrich, Krystall- 
berechnung S. 18 ff. 

Für die specielle Verzeichnung der Zonenkreise und Flächenpole gelten die 
nunmehr leicht verständlichen Regeln: 

a) Verzeichnung der Zonenkreise. 

1. Zum Grundkreis kann jede beliebige Zone gewählt werden , zumeist nimmt 
man dazu die der Verticalaxe. 

2. Jeder Zonenkreis schneidet den Grundkreis in den Enden eines Durchmessers 
des letzteren. 



') V. GoLDSCBiiroT, üeber stereographische Projection. Groth's Z. f. K. XXX. 
1899. S. 260 ff. 



Engelprojection. Aufgaben. 



29 



3. Alle Zonenkreise , die senkrecht auf dem Grundkreis stehen , gehen durch 
dessen Mittelpunkt und werden zu Durchmessern. 

4. Bekanntlich kann man jeden Kreis aus 8 auf ihm liegenden Punkten con- 
stmiren. Für die Construction eines Zonenkreises reichen im Allgemeinen schon 
2 Punkte (Flächenpole) aus, da ja der Zonenkreis auch durch die diametral gegen- 
überliegenden Punkte gehen muss. Sind also 2 Flächenpole gegeben und soll der 
zugehörige Zonenkreis gezeichnet werden, so hat man nur f&r einen der beiden 
Flächenpole den entgegengesetzten Pol zu bestimmen, um die 8 für die Construction 
eines Kreises erforderlichen Punkte zu erlangen. 

Am einfachsten ist dies, wenn einer der beiden Punkte auf dem Grundkreis 
liegt Dann ist der dritte Punkt der auf dem Grundkreis diametral gegenüber- 
liegende. In allen anderen Fällen wird die Aufgabe, zu einem Flächenpol den ent- 
gegengesetzten zu finden, durch folgende Construction gelöst (Fig. 20). 

Man verbindet P (den Flächenpol, zu dem der entgegengesetzte gefunden 
werden soll) mit dem Mittelpunkt C des Grundkreises und verlängert darüber hinaus. 

Fig. 20. 





Auf dieser Linie errichtet man in C ein Loth, das den Grundkreis in Ä schneidet 
A wird mit P verbunden und bis B verlängert; von B zieht man über C nach D. 
Der Schnittpunkt der Linien Ä D und P C liefert den gesuchten entgegengesetzten 
Pol P,. 

b) Verzeichnung der Flächenpole. 

Hier giebt es 8 Möglichkeiten: 

1. Die Fläche liegt in 2 bekannten Zonen; alsdann liefert der Durchschnitt 
der beiden Zonenkreise den gesuchten Flächenpol. 

2. Die Fläche liegt in bekannter Zone und bildet mit einer Fläche dieser Zone 
den Winkel a. 

Sofern die bekannte Zone der Grundkreis ist, wird der Flächenpol direct durch 
Eintragen des Bogens a erhalten; für jeden anderen Zonenkreis wird die Aufgabe 
durch Fig. 19 gelöst indem man erst den Pol des Zonenkreises construirt und mit Hülfe 
desselben den auf dem Grundkreis angetragenen Winkel auf den Zonenkreis reducirt. 

3. Die Fläche liegt in keiner bekannten Zone, wohl aber sind die Winkel a 
und ß bekannt, die sie mit den beiden Polen A und B bildet. 

Die Aufgabe wird dadurch gelöst, dass man sowohl durch A wie durch B 
8 beliebige grösste Kreise legt und auf diesen von A aus dreimal den Winkel a und 
ebenso von B aus dreimal den Winkel ß abträgt. Dadurch erhält man zweimal 
3 Punkte, durch die je ein Kreis zu construiren ist. Der Durchschnitt beider Kreise 
liefert den gesuchten Pol. 



30 Sonstige Projectionsmethoden. 

Fig. 21 giebt die Eugelprojection des m Fig. 16 dargestellten Orthoklaskiystalles 
und ermöglicht somit einen Vergleich mit der Linearprojection Fig. 17. Alle Zonen 
erscheinen hier als Ereisstücke, die Zone [kPxtf] wird zur geraden Linie, weil sie 
senkrecht auf der Projectionsebene steht. 

Anm. Beide schematische Erystallprojectionen haben für besondere Zwecke 
ihre besonderen VorzQge. Die Linearprojection ist leichter verständlich und an- 
schaulicher, und wenn einmal das Axenverhältniss gegeben ist, leicht zu constmiren. 
Man kann unmittelbar die Flächensymbole ablesen, ebenso lässt sie sich 
bequem als Ausgang für die Zeichnung der im § 1 erwähnten Erystallbilder benutzen 
(indem man nämlich eine perspectivische Linearprojection entwirft). Die Eugel- 
projection gewährt dagegen den grossen Vorzug, dass sie alle Winkel enthält 
und dass man, ohne etwas von den Axenverhältnissen oder den Flächenindices zu 
wissen, ja ohne Eenntniss des Erystallsystems , allein aus den gemessenen Winkeln 
Flächenpol nach Flächenpol construiren und aus der allmählich entstehenden Pro- 
jection alle Verhältnisse, auch das Erystallsystem, ableiten kann. Für die Erystall- 
berechnung giebt sie unmittelbar alle nöthigen sphärischen Dreiecke. Die Winkel 
dieser sphärischen Dreiecke entsprechen den Eantenwinkeln , die Seiten derselben 
den Flächenwinkeln am Erystall. Daher wird der messende und rechnende Eiy- 
stallograph diese Projectionsmethode trotz des Mangels direct ablesbarer Flächen- 
symbole vorziehen, während als Uebersicht Über die bereits erkannten Zonen- und 
Symmetrieverhältnisse die Linearprojection ihre Vortheile hat. 

Der geistige Urheber sowohl der Linear- wie der Eugelprojection ist F. E. Neu- 
MANN (Beiträge zur Erystallonomie, 1823). Für krystallographische Zwecke wurde die 
Linearprojection zuerst von G. Rose benutzt. Die consequente Entwicklung und 
systematische Anwendung ist jedoch auf Quknstedt zurückzuführen (cf. mehrere 
Schriften, namentlich Grundriss der bestimmenden und rechnenden Erystallographie. 
Tübingen 1873). £ine gleiche Bedeutung wie Quenstedt hat Miller (A Treatise on 
Crystallography. Cambridge 1839) für die Eugelprojection. 

Die Literatur über die Eugelprojection ist zusammengestellt bei V. Goldschmidt, 
üeber stereographische Projection. Groth's Z. f. E. XXX. 1899. S. 260 u. 261. 

Ausser den beiden vorstehend beschriebenen Projectionen und dem auf S. 13 u. 14 
erwähnten stereographischen Netz finden wohl noch für besondere Zwecke zwei weitere 
Methoden gelegentlich Anwendung: 

1. Die gnomonische Projection entspricht der stereographischen Pro- 
jection, nur werden die Flächennormalen nicht auf einer Eugel, sondern auf einer 
beliebigen, meist einer Erystallfläche parallelen Projectionsebene, die zugleich die 
Bildebene ist, aufgefangen. In Folge dessen erscheinen die Erystallflächen durch 
Punkte, die Zonen und Eanten aber durch gerade Linien dargestellt. Das Zonen- 
symbol ist direct abzulesen, das Flächensymbol wird in bekannter Weise (S. 22, Auf- 
gabe 2) berechnet. Diese Methode hat neuerdings Bedeutung gewonnen, weil sie 
sich der Messung mit dem zweikreisigen Goniometer und der Rechnung mit Positions- 
winkeln organisch anschliesst 0. 

2. Die grammastereographische Projection (v. Ffdorow, von Gold- 
schmidt cy ciographische Projection genannt). Bei dieser werden alle Erystallflächen 
wie bei der Linearprojection durch einen Punkt gelegt und alsdann, analog mit der 
Eugelprojection, mit einer um den Erystall construirten Kugel zum Durchschnitt 
gebracht. Die solchergestalt erhaltene Eugel wird stereographisch auf die Ebene 
projicirt. Die Flächen stellen sich dann als grösste Ereise, die Zonen bezw. Eanten 
als Punkte dar'). 



*) V. GoLDSCHMUT, Krystallographischc Projectionsbilder. Berlin 1887. — Ders., 
Goniometer mit 2 Ereisen. Groth's Z. f. E. XXI. 1893. S. 210 ff. — Ders., Ein Projections- 
goniometer. Z. f. E. XXV. 1896. S. 538 ff. und andere Schriften desselben Verfassers. 

') Bilder dieser Projectionsmethode s. bei Elockmann, Zwillingsverwachsungen 
des Orthoklases etc. Groth's Z. f. K. VI. 1882. Taf. X. 



Krystallberechnung. 31 



Aus der gegebenen Darstellung geht hervor, wie die eben erwähnten beiden 
Methoden in einer Art reciproken Verhältnisses zu der Kugel- und Linearprojection 
stehen. 

§ 4. Die Aufgaben der Krystallberechnung. Die eben be- 
sprochenen Projectionen leiten über zur Krystallberechnung, für welche 
sie unentbehrlich sind. Ein Krystallflächencomplex ist vollständig bekannt, 
wenn man die Winkel, die Indices und die Krystallelemente kennt. Da- 
durch sind die 3 Hauptaufgaben der rechnenden Krystallographie for- 
mulirt, nämlich: 

1. Berechnung der Winkel von Flächen und Kanten aus gegebenen 
Indices und Elemanten; 

2. Berechnung der Indices der Flächen aus ihren Neigungen zu 
bekannten Flächen und aus gegebenen Elementen; 

3. Berechnung der Elemente. 

Dazu treten dann noch als Nebenaufgaben: die Umrechnung der 
Elemente und Indices bei Annahme eines anderen Axenkreuzes (Trans- 
formationsrechnung) und die Bestimmung der Zwillingsfläche bezw. -Axe. 

Alle diese Aufgaben lassen sich entweder numerisch durch Rechnung 
oder graphisch durch Construction lösen. Die graphische Berechnungsart 
bietet grosse Yortheile hinsichtlich der Einfachheit und geringeren Zeit- 
aufwandes und ist neuerdings namentlich in Anschluss an die Messung mit 
dem Theodolitgoniometer von v. Pederow und öoldschmidt ausgebildet 0- 
Für gewöhnlich wird aber die Bechnung numerisch auf Grund gemessener 
Flächenwinkel durchgeführt. Man kann dabei in doppelter Weise zu 
Wege gehen: entweder lassen sich die Aufgaben unter Zugrundelegung 
eines Axensystems (den krystallographischen Axen) auf solche der ana- 
lytischen Geometrie zurückführen (daher analytische Methode) oder 
sie lassen sich unabhängig von einem Coordinatensystem durch Auf- 
lösung der sphärischen Dreiecke, wie sie die Kugelprojection giebt, lösen 
(trigonometrische Methode). Beide Methoden sind ausgebaut worden 
(erstere von Naumann, letztere von Millek) und haben ihre besonderen 
Vorzüge. Bei der praktischen Durchführung einer Krystallberechnung 
wird man sie meist neben einander anwenden. — Im Nachstehenden 
sollen die wichtigsten Sätze der Krystallberechnung mitgetheilt und kurz 
der Weg angedeutet werden, wie sich jene 3 Aufgaben ganz allgemein 
lösen lassen. 

Aufg. 1 u. 2. Die Lösung dieser beiden Aufgaben ergiebt sich in 
überaus einfacher Weise aus der merkwürdigen Beziehung der Winkel 
und Indices von 4 in einer Zone gelegenen Flächen, die die gegenseitige 

') V. Pedorow, ümver8al-(Theodolit-)Methode in der Mineralogie und Petro- 
graphie. Groth'b Z. f. K. XXI. 1888. S. 574 ff. — V. Golcschmidt, üeber Projection 
und graphische Krystallberechnung. Berlin 1887. 



32 Krystallberechnung. 



Berechnung von Winkeln und Indices gestattet, ohne dass man die 

Axenelemente nöthig hätte. 

Dieses sogen, zonale Rechnen ist um so be- 

^ ' quemer, als es sich unmittelbar dem zonalen Messen an- 

schliesst. Die genannte Beziehung flicsst aus dem Gesetz 
der rationalen Indices oder ist geradezu wie das Zonen- 
gesetz nur ein anderer Ausdruck desselben. Wie Gauss ^) 
zuerst gefunden hat, lässt sich als Consequenz dieses Ge- 
setzes das Doppelverhältniss (sogen, anharmonisches Yer- 

hältniss) der Sinusse der Winkel zwischen 4 tautozonalen Flächen P, Q, 

R, S (Fig. 22) unmittelbar durch ihre Indices ausdrücken 

. . Gleich. II. 




sinPJ^ 


ain PS 

sin QS "" 


\PR] 


IPS] 


sin QR ' 


IQS] 



in welcher Gleichung [PR], [QR], [PS], [(?Ä] die auf S. 22 unter 
Aufgabe 1 erläuterte Bedeutung haben und PR, QR etc. die Normalen- 
winkel der betreffenden Flächen sind. 

Sind die Indices der Fläche P = (Pi P2 Ps) * der Fläche R = (r| r2 r^ , so kann 
man für [PK] beliebig einen der 3 Werthe P2^z-^?s^2 ^^^^ Ps'^i — Pl "'s oder 
Pi ^2 — P2^l setzen, muss dann aber für [Q B], [PS], [QS] die entsprechenden Werthe 
verwenden. 

Daraus ergiebt sich die Möglichkeit, 1. aus den Indices von 4 tau- 
tozonalen Flächen und 3 Winkeln den unbekannten vierten Winkel und 
2. aus den Winkeln zwischen 4 tautozonalen Flächen und den Indices 
von 3 Flächen die unbekannten Indices der vierten Fläche zu berechnen. — 
In gleicher Weise lässt sich bei dem Dualismus zwischen Flächen und 
Kanten eine Gleichung für Eantenwinkel und Kantenindices aufstellen. 

Diese Beziehung zwischen Indices und Winkeln ist deswegen be- 
sonders praktisch, weil sie sich durchaus der Art der Messung, die ja 
zonenweise erfolgt, anpasst und auch sonst wird man bei einer zusammen- 
hängenden Krystallberechnung in der Lage sein, eine Fläche, deren 
Winkel oder Indices man sucht, als vierte in eine bekannte oder durch 
Rechnung zu bestimmende Zone zu bringen. 

Durch Umformung lässt sich Gleichung II auf eine fQr die Rech- 
nung bequemere Form bringen (Gleichung III), wodurch auch gleich- 
zeitig, wenn auch nur scheinbar, ein Winkel unterdrückt wird 

. Gleich, m. 



cot PR - 


-cot PS 


~ [Q^ 


[P5] 


cot PQ - 


- cot PR 


• IQS-] 



oder noch zweckmässiger auf die Form: 

*) Cf. Liebisch, Geom. Kryat. S. 38. 



ErystaUberechnung. 



33 



cot *öi — cot <«>, _ Hl — Hj 


V-o-Vs Vi - Vg 

V-C -\f-i V, - Vj 


Vn-Vs 


cot «Oj — cot Wg |li — Jlg 


v«-v, 



Gleich. IV. 



und (iIq Vq 1) die Indices sind von P 
(l^iVil) » « „ n ö 

(1^2^2 1) » n n ^ B 

(l^s^sl) » » „ ^ S 

(Es sind demnach die Indices der Flächen P, Q, B, S auf eine solche Form 
gebracht, dass der dritte Index = 1 ist.) 

Beispiel 1. Am Albit (Fig._23), dessen Kugelprojection Fig. 24 ist, liegen 
die 4 Flächen / (1 1 0), «(0 2 1), v (111) und y (fi3 V3 1) in einer Zone, bekannt die 
Winkel r« = 51M8', Trrr 94^57' und Ty = 134 M5', es soUen die Indices von y 
berechnet werden. Es sind: 

cot ü>i = cot Z« = 0,80 11 5 Fig. 24. 

cot 0)2 = cot /p = — 0, 8 6 6 1 ^ 

cot «03 = cot /y = - 0, 9 7 4 1 6 







IH>- 


1 





H- 


= 




M- 


= -1 


demnach nach 


Gleichung 


= ? 
IV 




0, 8 8 7 7 6 


__ + 1 




1,77531 


— fi3 




1 
2 


1 


daraus 


= 2, V3 = 



1 

vo = ö 

v,= 2 

■AJ= 1 

V3= ? 



■M 



+ 1 



2 


— 


1 


2 


1 


V3 



— 1 



2 — V3 
folglich y = (2 1). 

Beispiel 2. Sind die Indices der 4 Flächen /, e^ v, y bekannt und etwa die 
beiden Winkel Ve und /"», so berechnet sich der Winkel /"y, wie folgt: 

0. 8 1 1 5 + 0, 8 6 6 1 1 
0,801 15 — cot ry "2 
und daraus cot Ty = — 0, 9 7 4 3 7, 

folglich ry = 134<» 1 5,'5. 

Die Gleichung IV vereinfacht sieb für besondere, aber häufig ein- 
tretende Fälle bedeutend — beispielsweise bei der Rechnung in recht- 

Klockmann, Mineralogie. 8. Aufl. 3 



34 



Krystallberechnung. 



winkligen Axensystemen oder dadurch, dass einzelne Flächen Pinakoid- 
oder Prismenflächen sind. Als solche specielle Fälle mögen hier an- 
geführt sein: 

1. Die Ausgangsfläche P fällt in die Zone des Verticalprismas, dann 
ist P = ({i() Vq 0) und Gleichung IV geht über in : 



Gleich. V. 



2. Alle Flächen liegen in der Zone des Verticalprismas und P und 
R entsprechen den beiden Pinakoiden dieser Zone; sodass also 

P=(100), (? = (^v,0), P = (010) und S=(|i3V,0) 
sind. Zur Herleitung der Relation muss man auf Gleichung III zurück- 
greifen. Es ergiebt sich: 



cot «0, — cot <ö. 


_ V-x — \h» _ V, — V, 


cotWj — cota>3 


V-i - t^s V, — v. 



cot (Og — cot 0)3 



l^s 



COtWg — COtWi (IjVj 



Gleich. VI. 



3, Von besonderem Interesse ist der Fall, wo 
P = (001), g = (|ii01), i? = (100) und S=(^,Ol) ist. 



Dann ist 



und daraus 



cota)^ — cotcDg 



cot (Oj — cot (1)3 



> 



C0t(i>2 = V* (cot CO j -j- cot 0)3) 



Gleich. Vn. 



Gleich. VIII. 



Gleichung VIII, die sogen. Basalformel, findet praktische Anwendung 
im monoklinen und triklinen System zur Berechnung des Winkels der 
beiden Axenebenen (0 1) und (1 0). 

Die vorstehenden Gleichungen sind, wie ersichtlich, geeignet, die 
Lösungen der Aufgaben sub 1 und sub 2 (S. 31) herbeizuführen. Bezüglich 
der Aufgaben sub 2 (Berechnung der Flächenindices) mag hier noch bemerkt 
werden, dass zur Bestimmung eines jeden einzelnen Symbols, das ja ein 
Doppelverhältniss darstellt, zwei Angaben nöthig sind; entweder liegt 
Fiff 25 ^^® ^^ bestimmende Fläche in 2 bekannten Zonen, 

oder sie liegt in einer bekannten Zone und ausserdem 
ist noch ein Winkel gegeben oder es sind endlich 
die Neigungen der Flächen zu 2 anderen, bekannten 
Flächen gegeben. 

Zur Aufg. 3, Bestimmung der Elemente, ist 

zu bemerken, dass im allgemeinsten Fall dieselben aus 

5 Grössen bestehen, nämlich aus den Axenverhaltnissen 

T-und den Axenwinkeln a''6 = Y, b^c = 0L und a^c = ^. Es 

sind daher zur Bestimmung 5 von einander unabhängige Winkelmessungen 
nöthig. — Zur Berechnung der Axenwinkel bedarf man der 3 Winkel 




-y-und 



Kiystallberechnung. 



35 



zwischen den Axenebenen A (1 0), 5 (0 1 0) und C (0 1), die entweder 
direct gemessen oder aus anderen Messungen abgeleitet werden. Sind 
in vorstellender Projection (Fig. 2b) Ä^ B und C die Pole der Axen- 
ebenen, und a, 6, c die Durchstosspunkte der Axen auf der Kugelober- 
ffäche, also 6c = a, ac = ß, a6 = Y, so ist Dreieck ABC das Polar- 
dreieck zu ahc und daraus folgen die Bestimmungsgleichungen: 
€08 AC . cos AB — cos B C 



cos a = 



cos ß = 



sin AC . aiu AB 
cos AB . cos BC ' 



cos A C 



cos 7 = 



sin AB , sin B C 

cos A C . cos B C — cos A B 

sin AC . sin BC 



Gleich. IX. 



Die Grundlage für die Berechnung des Axen- 
yerhältnisses liefert die nachstehende, auch sonst 
für die Erystallberechnung wichtige Relation (X) zwi- 
schen den Axenlängen, den Indices einer Fläche (der 
sogen. Fundamentalfläche) und gewissen Winkeln. Die 
nebenstehende Fig. 26 lässt ohne Weiteres erkennen, 
dass , wenn die Fläche P auf den Axen die Längen -v-, 
schneidet, statthat: 



Fig. 26. 




b 
k ' 



ab- 



-7- . cos Fa = -T- 
A K 



cos Ph = — . cos Fe 



. Gleich. X. 



Die Fläche F={hkl) heisst för den Fall, dass {h Je l) = (111) 
ist, die Einheits- oder Fundamentalfläche. An Stelle einer Pyramiden- 
fläche kann man zur Bestimmung des Axenverhältnisses auch 2 nicht 
derselben Zone angehörige Prismenflächen nehmen. 

Die Winkel Pa, P6, Pr, von denen jedoch einer aus den beiden 
anderen berechnet werden kann, sind die Winkel, welche die 3 Axen 
mit der Normalen der Fläche P einschliessen. In den rechtwinkligen 
Axensystemen entsprechen diese Winkel den Neigungen der Fläche P 
zu den 3 Pinakoidflächen, können also unter Umständen direct gemessen 
werden. In den schiefwinkligen Systemen müssen diese Winkel erst 
durch Rechnung gefunden werden. 

Nur im triklinen System bestehen die Krystallelemente aus 5 Con- 
stanten, in den anderen Systemen ist deren Zahl geringer und im regu- 
lären System sind alle Axen gleich und alle Axenwinkel gleich 90°, 
wodurch die Rechnung sich natürlich sehr vereinfacht. 

Eingehenderes über Krystallberechnung siehe in: C. Klein, Einleitung in die 
Krystallberechnang, 1876 und in den bereits citirten Büchern von Qüenstkdt, v. Lang, 
LiKBiscH, Wkbsky, Groth, Henrich, ferner Hecht, Anleitung zur Krystallberechnung. 
Leipzig 1893. 



36 Symmetrie. Deckoperationen. Symmetrieelemente. 



Capitel V. 

Das Symmetriegesetz. 

§ 1. Symmetrie der Erystallpolyeder, Deckoperationen mid Symmetrie- 
elemente. § 2. Symmetriegesetz. § 3. Definitionen. Einfache Formen 
und Gombinationen. § 4. Symmetrie der Erystallflachen. § 5. Erystallo- 
graphische und geometrische Symmetrie. 

§ 1. Der grossen Mehrzahl der Krystallpolyeder haften ebenso wie 
vielen anderen Naturkörpem Symmetrieeigenschaften an, d. h. es besteht 
die Eigenthümlichkeit, dass zwei oder mehrere Stücke des Polyeders 
durch sogen. Deckoperationen zu gegenseitiger Deckung gebracht werden 
können. 

Deckung, d. h. die Parallelstellung sämmtlicher Begrenzungsstücke 
des Krystallpolyeders lässt sich durch 3 Operationen — Deckopera- 
tionen — erzielen: 

1. durch Drehung um eine Axe, die Deckbewegungs- oder Sym- 
metrieaxe; 

2. durch Spiegelung nach einer Ebene, der Symmetrieebene; 

3. durch Drehspiegelung, d. h. Drehung um eine Axe in Ver- 
bindung mit Spiegelung nach einer senkrechten Ebene. 

Die Symmetrie derjenigen Krystallpolyeder, deren Theile durch 
Drehung oder durch Spiegelung allein zur Deckung gelangen, heisst 
einfache S. ; sind Drehung und Spiegelung zugleich zur Deckung er- 
forderlich, so heisst die Symmetrie zusammengesetzt. 

Symmetrieaxe (S-A) und Symmetrieebene (S-E) bilden die Sym- 
metrieelemente eines Erystalls, zu denen als drittes Element noch das 
Symmetriecentrum (S-C) hinzukommt. 

Eine Symmetrieaxe heisst jede Gerade, um die ein Krystall der- 
art gedreht werden kann, dass seine sämmtlichen Begrenzungsstücke mit 
einander zur Deckung gelangen. Man nennt eine S-A n-zählig, wenn 
bei einer vollen Umdrehung von 360^ die Deckung nMal erfolgt, und 
es lässt sich zeigen, dass an Krystallpolyedern nur Deckung möglich 
wird bei Drehungen von 180^ 120^, 90^' und 60^, dass es also nur 
2-, 3-, 4- und 6-zählige S-A geben kann. 

Eine mehr als 2-zählige S-A wird wohl Haupt-S-A genannt. — Linien, die 
aus dem Durchschnitt von Symmetrieebenen hervorgehen, haben die Eigenschaft von 
Symmetrieaxen. 

Eine Symmetrieebene eines Krystalls theilt denselben in zwei 
gleiche spiegelbildliche Hälften; zu ihr sind sämmtliche Begrenzungs- 
stticke paarweise angeordnet und die von paarigen Flächen und Kanten 



Symmetrieelemente. Symmetriegesetz. 37 

gebildeten Winkel werden durch sie halbirt. Des Gesetzes der rationalen 
Verhältnisse halber können die Symmetrieebenen sich nur unter Winkeln 
von 60^ und 90^ bezw. deren Hälften schneiden, und damit hängt es 
zusammen, dass die Zahl der Symmetrieebenen auf höchstens 9 be- 
schränkt ist. 

1. Da nach dem Gesetz der Winkelconstanz die Flächen eines Krystalls parallel 
verschoben werden können, ohne sein Wesen zu verändern, so gilt die spiegelbild- 
liche Halbirung seitens der S-E nnr von idealen Erystallen (Modellen)v Für gewöhn- 
lich wird die Eigenschaft einer Ebene als S-E sich darin äussern, dass alle Flächen 
und Kanten paarweise zu ihr erscheinen und dass die auftretenden Winkel von ihr 
halbirt werden. Damit ist auch der Weg zur Ermittlung von S-E angedeutet. 

2. Da die Flächen paarweise zu ihren S-E auftreten, so liegen diese mit jedem 
Flächenpaar in gleicher Zone ; die S-E sind ako in jedem Fall mögliche Krystallflächen. 

Ein Symmetriecentrum ist ein Punkt von der Eigenschaft, dass 
er alle durch ihn gelegten und von den Flächen, Kanten und Ecken des 
Polyeders begrenzten Geraden halbirt. Gemeinhin wird das nur der Fall 
sein können, wenn der Körper von parallelen Flächen begrenzt ist und 
diese gleiche Centraldistanz haben. Da die Gentraldistanz für Krystall- 
polyeder bedeutungslos ist, so besitzt eine Krystallform ein Symmetrie- 
centrum, sobald zu jeder einzelnen Fläche eine parallele Gegenfläche 
vorhanden ist. Im S-C schneiden sich sämmtliche Symmetrieelemente. 

§ ^. Das Symmetriegesetz. Von der Zahl und Beschaffenheit 
der Symmetrieelemente, die ein zu einem Krystallpolyeder zusammen- 
tretender Flächencomplex aufzuweisen hat, hängt ein höherer oder niederer 
Symmetriegrad desselben ab. Ist der Symmetriegrad eines Complexes 
aber einmal gegeben, so wird erfahrungsgemäss durch neu in den Com- 
plex eintretende Flächen, wie es beim Fortwachsen des Krystalls in seiner 
Lösung der Fall sein kann, der Symmetriegrad nicht mehr geändert, 
d. h. alle in einen Complex von bestimmtem Symmetriegrade eintretenden 
Flächen müssen in ihrer Zahl und Gruppirung nach Maassgabe der herr- 
schenden Symmetrie auftreten. 

Dieses sogen. Symmetriegesetz, welches von Haut zuerst er- 
kannt wurde (Sur une loi de cristallisation appelee loi de sym^trie, 1815. M^moires 
du Museum d'Histoire naturelle. T. I. „Quand une forme cristalline se modifie, la 
modification se räp^te de la meme maniere et produit le meme effet sur toutes les 
parties exterieures de la forme [faces, angles ou aretes], qui sont de mdme espece 
et identiques entre elles au point de vue geometrique") , wird auch wohl in 
folgender, der ursprünglichen HAUY'schen Fassung entsprechenden Form 
ausgedrückt: Gleichartige Theile eines Krystalls werden in 
gleicher Weise, ungleichartige Theile in ungleicher Weise 
modificirt, wobei man unter Modification das Auftreten neuer Flächen 
an Stelle vorhandener Kanten und Ecken zu verstehen hat. 



38 Einfache Kry stallform. Combination. Erystallographisclies Axensystem. 

Von einer Fläche, die an Stelle einer Kante oder Ecke tritt, heisst es nach 
Werner, dass sie dieselben abstumpft. Die Abstumpfung wird eine gerade 
genannt, sobald die neue Fläche mit den die Kante resp. Ecke bildenden Flächen 
tautozonal ist und gleiche Winkel bildet. Eine Kante oder Ecke, auch Fläche heisst 
zugeschärft, wenn an ihrer Stelle 2 gleichartige Flächen auftreten, und zuge- 
spitzt bei 3 oder mehreren Flächen. 

§ 3. Die Symmetrie der Krystalle giebt nun zu mehreren wich- 
tigen Definitionen Anlass. 

Unter einer einfachen Krystallform versteht man den Complex 
aller gleichwerthigen Flächen. Die Zahl der gleichwerthigen Flächen 
hängt von der Yorhandenen Symmetrie ab. 

Damit nämlich der gegebene Symmetriegrad an der Krystallform 
zum Ausdruck kommt, erfordert jede Fläche eine bestimmte Anzahl an- 
derer Flächen; diese durch den gegebenen Symmetriegrad von einander 
abhängigen Flächen heissen gleichwertig und bilden eine einfache Kry- 
stallform. 

Beispielsweise wird bei dem Vorhandensein einer einzigen S-E nebst dem S-C 
eine solche einfache Krystallform nur aus 4 Flächen bestehen kOnnen ; denn das Auf- 
treten einer Fläche zieht in dem Fall das Auftreten einer symmetrischen Fläche nach 
sich, zu ^eichen dann des S-C wegen noch die beiden parallelen Gegenflächen treten 
müssen. — Sind 8 auf einander senkrecht stehende S-E vorhanden, so erfordert eine 
diese 3 S-E gleichzeitig schneidende Fläche noch das Hinzutreten von weiteren 
7 Flächen auf Grund der Symmetrie. — Die beiden Beispiele zeigen auch, dass es 
einfache Krystallformen geben kann, die für sich allein den Raum nicht abschliessen, 
und solche, die den Raum vollständig abschliessen. Danach unterscheidet man offene 
und geschlossene Formen. 

A n m. Wenn alle Flächen einer einfachen Form vom Mittelpunkt gleich weit 
entfernt stehen, also bei idealer Ausbildung, dann sind dieselben unter sich auch 
congruent. 

Treten an einem Krystall ungleichwerthige Flächen oder, was das- 
selbe ist, mehrere einfache Formen auf, so bilden sie eine Combination. 

Wie früher erwähnt, kann man zu krystallographischen Axen je 3 
beliebige, unter sich nicht parallele Kanten eines Krystalls verwenden; 
man nennt aber vorzugsweise jenes ein krystallographisches Axen- 
system, welches so ausgewählt ist, dass alle Flächen einer einfachen 
Krystallform isoparametrische Axenabschnitte resp. Indices ergeben, was 
dadurch geschieht^ dass die Durchschnittslinien vorhandener S-E zu kry- 
stallographischen Axen gewählt werden. Man kann somit auch sagen: 
sämmtliche Flächen einer einfachen Krystallform haben gleiche Indices; 
sie unterscheiden sich nur durch die Richtungsvorzeichen und im All- 
gemeinen auch durch die Reihenfolge der Indices. 

§ 4. Symmetrie der Krystallflächen. In analoger Weise 
wie den Krystallpolyedern kommen auch den Krystallflächen Symmetrie- 
eigenschaften zu. Die Symmetrieeleniente einer Fläche, aus Symmetrie- 



Symmetrie der Kiystallflächen. Erystallographische u. geometrische Symmetrie. 39 

linien und Symmetriepunkt bestehend, gehen aus dem Durchschnitt 
der Fläche mit den am Polyeder vorhandenen, auf ihr senkrecht 
stehenden Symmetrieebenen und Symmetrieaxen hervor. Wir unter- 
scheiden die Flächensymmetrie als hexa-, tetra-, tri-, di-, mono- und 
asymmetrisch, je nachdem die Fläche 6, 4, 3, 2, 1 oder keine Symmetrie- 
linien besitzt. Wie die Symmetrieebenen mit Erystallflächen, so können 
die Symmetrielinien mit vorhandenen Erystallkanten zusammenfallen. 

Die Flächensymmetrie lässt einen RUckschluss zu auf die körper- 
liche Symmetrie des ganzen Erystalls und steht wie diese in engster 
Beziehung zu der physikalischen Beschaffenheit der Fläche. Bei Aetz- 
versuchen und optischen Untersuchungen, wo man es wesentlich mit 
Flächenuntersuchung zu thun hat, wird diese Beziehung zwischen physi- 
kalischem Verhalten und Flächensymmetrie von praktischer Bedeutung; 
besonders gilt das bei den stauroskopischen Untersuchungen. 

§ 5. Unterschied zwischen krystallographischer und geo- 
metrischer Symmetrie. Wie schon in § 1 bemerkt, ist die krystallo- 
graphische Symmetrie mit der rein geometrischen nicht ident. In Folge 
ungleichen Wachsthums (Verzerrung) ist die äusserUch hervortretende 
Symmetrie oft geringer als sie dem Krystall wirklich zukommt. In 
diesem Fall lassen sich aber die idealen Formen auf Grund des Gesetzes 
von der Winkelconstanz leicht reconstruiren. 

Weitaus bedeutsamer ist aber der Unterschied, der darin liegt, dass 
selbst geometrisch gleiche Formen und Flächen ungleiche krystallo« 
graphische Symmetrie haben können. Die letztere beruht auf der Mole- 
kularstructur, die sich zwar vollständig in der physikalischen Beschaffen- 
heit, aber nicht immer prägnant in der äusseren Gestalt ausprägt. Daher 
genügt zur Feststellung der vorhandenen Symmetrie nicht bloss die geo- 
metrische Betrachtung, sondern diese muss durch physikalische Unter- 
suchung controlirt werden. Am bequemsten sind dazu die sogen. Aetzver- 
suche, von denen in späteren Abschnitten ausführlicher die Rede sein wird. 

Beispiele für den Unterschied in der krystallographischen und geometrischen 
Symmetrie finden sich namentlich unter den hemiedrischen Formen (cf. Cap. VI, S. 47), 
von denen viele trotz gleicher geometrischer Gestalt doch geringere Symmetrie auf- 
weisen als die entsprechenden Holoeder. 

Aus einem Anhydritkrystall kann man einen Würfel herausspalten , der geo- 
metrisch 9 Symmetrieebenen hat. Da aber die physikalische Beschaffenheit der 
6 Spaltflächen nur paarweise gleich ist, so sind in Wirklichkeit nur 3 Symmetrie- 
ebenen vorhanden. 

Der Pyrit tritt gern in Würfeln auf, deren quadratische Flächen parallel einer 
Kante gestreift sind. Wenn die Flächen thatsächlich die Symmetrie eines Quadrats 
hätten, müsste die Streif ung auch parallel der andern Würfelkante erfolgen. Damit 
ist der Beweis geliefert, dass die Würfelflächen des Pyrits, im Gegensatz zu den 
Würfelflächen anderer Mineralien, eine geringere krystallographische Symmetrie be- 
sitzen, als ihnen geometrisch zukommt. 



40 Symmetrieklassen und Erystallsysteme. 

Capitel VI. 
Die Symmetrieklassen und Krystallsysteme. 

§ 1. Symmetrieklassen und Erystallsysteme. § 2. Ableitung der 
einfachen Formen. 

Aus den Symmetrieeigenschaften der Erystallpolyeder ergeben sich 
2 wichtige Nutzanwendungen: 

1. da sich zeigen lässt, dass nur eine beschränkte und durch ihren 
Symmetriegrad scharf geschiedene Zahl von Symmetrieklassen möglich 
ist, so liefern die Symmetrieeigenschaften ein natürliches Eintheilungs- 
princip für die grosse Fülle der Krystallformen (s. § 1); 

2. aus der Symmetrie einer jeden Klasse lassen sich unmittelbar 
die zugehörigen einfachen Formen herleiten (s. § 2). 

§ 1. Symmetrieklassen und Erystallsysteme. unterwirft 
man alle möglichen Polyeder, deren Flächen dem Gesetz der rationalen 
Axenabschnitte gehorchen, einer theoretischen Untersuchung auf die in 
jedem Fall vorhandenen Symmetrieelemente, ihre BeschaflFenheit und 
Gruppirung, so ergiebt sich, dass nur 32 von einander verschiedene 
Symmetriemöglichkeiten vorbanden sind. Somit zerfallen alle Kry- 
stallformen nach ihrer Symmetrie in 32 von einander unab- 
hängige Klassen. Zu einer Symmetrieklasse gehören alle Formen 
gleichen Symmetriegrades. 

Wiewohl der Beweis von der Beschränkung der Symraetriemöglich- 
keiten der Krystalle auf 32 Klassen schon 1829 von dem Marburger 
Mineralogen J, F. Chr. Hessel^) geführt ist, so verbreitete sich doch 
die Kenntniss davon erst in diesem Jahrzehnt, nachdem ausser der Schrift 
Hessel's auch die späteren Arbeiten von Beavais ^) und Gadolin ^) wieder 
ans Tageslicht gezogen waren und der mathematische Beweis durch die 
Untersuchungen von Fedorow 1883^), Curie 1884 ^), Minnigbrodk 1886*^) 
und ScHOENFLifiss 1891 ') eine schärfere bezw. elegantere Form erhalten hatte. 

') Gehler's Physik. Wörterbucb. Artikel Krystall. Bd. 5. 1830. S. 1028 ff. 

') Bravais, Memoire sur les polyMres de forme symötrique. Jouiii. de math. 
1849 (Ostwald's Klassiker Nr. 17) ; femer Etudes cristallographiques. Joum. de T^cole 
polyt. 1851. 

') Gadolin, Memoire sur la d^duction d'un seul principe de tous les syst^mes 
cristallographiques avec leurs subdivisions. Gelesen 1867, erschienen 1871 in den 
„Acta soc. scient. fennicae*, Helsingfors, und übersetzt von Groth (Ostwald's 
Klassiker Nr. 75). 

*) Vergl. Neues Jahrb. für Mineralogie etc. 1890. Bd. I. S. 235 und Groth's 
ZeitBchr. 1892. Bd. XX. S. 31. 

») Bull, de la soc. miner. de France. 1884. Nr. 8 u. 8. 

•) MiNNiGERODK, Untersuchungen über die Symmetrieverhältnisse der Krystalle. 
Neues Jahrb. f. Min. Beilage-Bd. 5. 1887. 

^ ScHOENFLiEss, Krystallsystcmc und Krystallstructur. Leipzig 1891. 



Ableitung der Krystallsystexne. 41 

Bevor jedoch die Nothwendigkeit der 32 Symmetrieklassen mathe- 
matisch bewiesen bezw. die Mineralogen davon Kenntniss genommen 
hatten, waren gewisse geometrische Beziehungen von höher symmetrischen 
Formen zu solchen geringerer Symmetrie aufgefunden worden und hatten 
bereits zur Aufstellung einer Anzahl von Erystallabthäilungen geführt. 
Die beregten Beziehungen äussern sich in der Möglichkeit, durch Unter- 
drückung der halben Flächenzahl einer Erystallform neue Formen mit 
verminderter Symmetrie ableiten zu können, in dem sogen. Princip der 
Herleitung hemiedrischer oder halbflächiger Formen aus Holoedern oder 
Vollflächnem. 

Wir machen uns in der folgenden Darstellung und in der späteren 
systematischen Beschreibung der einzelnen Symmetrieklassen in Gap. VIII 
das Princip der hemiedrischen Ableitung zu eigen, weil diese analytische 
Methode bei consequenter Durchführung, die in der systematischen Unter- 
drückung vorhandener Symmetrieebenen besteht, zu denselben 32 Kry- 
stallklassen führt, wie die von den auf S. 40 unten genannten Autoren 
und sonst in der neueren Literatur^) meist befolgten synthetischen 
Methoden. Die hemiedrische Herleitung entspricht ausserdem der histo- 
rischen Entwicklung der Erystallographie und somit auch der gebräuch- 
lichen Nomenclatur und lässt die Parallele zwischen den geometrisch 
und den physikalisch zu begründenden Abtheilungen am auffälligsten 
hervortreten. 

Als Ausgang für den hier eingeschlagenen analytischen Weg dei; 
Herleitung dienen uns die zur geometrischen Beschreibung erforderlichen 
Coordinatensysteme (Axenkreuze). Es lässt sich nachweisen, dass dafür 
überhaupt nur 6 oder, wenn man will, 7 Arten in Betracht kommen. 

Diejenigen Symmetrieklassen bezw. Krystallformen , die ungeachtet 
ihres verschiedenen Symmetriegrades doch auf analoge Axenkreuze be- 
zogen werden können, werden als demselben Krystallsystem angehörig 
bezeichnet, oder kurz bilden ein Krystallsystem. Es giebt demnach 
sechs Erystallsysteme. 

Ableitung der Erystallsysteme. Diese Beschränkung auf 
6 Erystallsysteme sowie die BeschaflFenheit und Gruppirung der jedes- 
maligen Axen folgt aus der Untersuchung der Frage, welche Mannig- 
faltigkeit der symmetrischen Theilung (welche Zahl von«^ Symmetrieebenen) 
bei den durch 3 Axen gebildeten Raumoktanten überhaupt möglich ist, 
sobald für die in den Oktanten auftretenden Flächen das Gesetz der 
rationalen Axenabschnitte zu berücksichtigen ist. 

Die Untersuchung liefert zunächst 7 mögliche Fälle: 



Vergl. LiKBiscH, Grundrißs der phyeikal. Krystallographie. 1896. — Groth, 
Physikal. Krystallographie. 1895. 



42 Ableitung der Erystallsysteme. 

1. Es fehlt den 8 Raumoktanten überhaupt jegliche Symmetrie- 
ebene; das tri£Pb nur zu, wenn alle 3 Axen ungleich und alle 3 Winkel 
entweder schief oder höchstens einer ein Rechter ist. Triklines (Co- 
ordinaten- bezw. Krystall-) System. 

2. Es ist 1 S-E vorhanden; alsdann sind die 3 Axen ungleich und 
von den 3 Winkeln sind 2 Rechte. Monoklines System. 

Zwei Symmetrieebenen wie überhaupt jede symmetrische Theilung 
des Axenkreuzes durch eine gerade Anzahl von S-E sind nicht möglich, 
weil damit der gemeinsame Durchschnittspunkt der 3 Axen, der doch 
zum Wesen eines Coordinatensystems gehört, yerloren gehen würde. 
Daher entbehren auch Krystallformen mit einer geraden Zahl von S-E 
des Symmetriecentrums. 

Wir kommen daher sofort zu 3 S-E; hier sind aber 2 Falle zu 
unterscheiden, nämlich : 

3. Rhomboedrisches System. (Trigonales S.) 3 S-E vor- 
handen, die 3 Axen sind gleich, die 3 Winkel sind ebenfalls gleich, aber 
von 90^ verschieden. 

4. Rhombisches System. 3 S-E vorhanden, die 3 Axen sind 
ungleich, dagegen sind alle 3 Winkel Rechte. 

Fortschreitend erhalten wir: 

5. Tetragonales System. 5 S-E vorhanden, 2 Axen sind gleich 
und verschieden von der dritten, alle 3 Winkel sind Rechte. 

6. Hexagonales System. 7 S-E vorhanden, 2 Axen sind gleich 
und verschieden von der dritten; die beiden gleichen Axen schliessen 
einen Winkel von 60® ein und stehen auf der dritten senkrecht, sodass 
ein Winkel 60® und zwei Winkel 90® betragen. 

7. Reguläres System. 9 S-E vorhanden, alle 3 Axen gleich 
und alle Winkel sind Rechte. 

Mehr als 9 S-E können nicht vorkommen, weil dann die auf- 
tretenden Flächen nicht mehr dem Gesetz der rationalen Axenabschnitte 
gehorchen würden (vergl. Anm.). 

Da das rhomboedrische System eigenthümliche geometrische Be- 
ziehungen zum hexagonalen System zeigt und alle Formen desselben auf 
ein hexagonales Axenkreuz und vice versa bezogen werden können, so 
ist es üblich geworden, beide zu einem einzigen Krystallsystem und zwar 
zumeist zum hexagonalen System zu vereinigen, wodurch die Zahl der 
Krystallsystem e sich auf 6 reducirt. 

Anm. Für den speciellen Beweis der 6 Krystallsysteme kommen zwei leicht 
einzusehende Sätze in Betracht: 

1. Sofern der Schnittwinkel von 2 S-E nicht einen aliquoten Theil von 360^ 
ausmacht, erfordern je 2 S-E eine unbegrenzte Zahl neuer S-E, aber nur für die 
Schnittwinkel von 30®, 45°, 60° und 90° geschieht dem Gesetz der rationalen Ver- 
hältnisse Genüge; bei den Schnittwinkeln 30°, 45° und 60° sogar nur dann, wenn 



Ableitung der Sjmmetrieklassen. 43 

die S-E mit einander Tertauschbar sind, die entsprechenden Azenlängen also unter 
üch gleich werden. 

2. Wenn 2 S-£ sich unter 90^ schneiden und zugleich 1 S-G vorhanden ist, 
ist auch immer noch die auf deren Durchschnittskante senkrecht stehende Fläche eine 
dritte S-E. 

Ableitung der Symmetrieklassen. Die Formen, die auf 
die gleiche Art von Axenkreuz sich beziehen lassen, können hinsichtlich 
ihres Symmetriegrades noch sehr verschieden sein. Haben sie den gleichen 
Symmetriegrad wie ihr zugehöriges Axenkreuz, so heissen sie Holoeder 
oder Vollflächner, sind sie dagegen von geringerer Symmetrie, so 
werden sie als Theilflä ebner und für besondere Fälle als hemi- 
edrische, tetartoedrische und hemimorphe Formen bezeichnet. 

Für jedes Coordinatensystem oder in jedem Erystallsystem kann 
es daher nur eine holoedrische, wohl aber mehrere theilflächige Sym* 
metrieklassen geben. 

Aus der holoedrischen Klasse eines jeden Erystallsystems leiten 
sich die möglichen theilflächigen Symmetrieklassen alsdann dadurch ab, 
dass man systematisch Gruppen gleicher Symmetrieebenen oder wo solche, 
wie im triklinen System, nicht vorhanden sind, das Symmetriecentrum 
unterdrückt. Die dabei hervorgehenden Symmetrieklassen heissen hemi- 
edrisch und für den besonderen Fall, dass die zu einer singulären 
Symmetrieaxe senkrechte Symmetrieebene allein unterdrückt wurde, hemi- 
morph. 

Haben die abgeleiteten hemiedrischen Symmetrieklassen noch wei- 
tere Symmetrieebenen, so können sie nochmals hemiedrisch werden; es 
gehen dann tetartoedrische Klassen und Formen, eventuell bei noch- 
maliger Wiederholung ogdoedrische Klassen und Formen hervor. 

In der hier angedeuteten Weise — systematische Unterdrückung 
der Symmetrieebenen in der holoedrischen Klasse — sind in Cap. VIII 
sämmtliche 32 Symmetrieklassen abgeleitet worden; der dabei befolgte 
Oang mag hier am Beispiel des regulären Systems erläutert werden. 

Im regulären System besitzt die holoedrische Klasse 9 S-E, die 
sich auf 2 Gruppen 3 + 6 S-E vertheilen, daneben 13 S-A und 1 S-C. 
Durch Unterdrückung der Gruppe von 3 S-E erhält man eine theil- 
flächige (hemiedrische) Klasse mit 6 S-E, was eine Verminderung der 
S-A auf 7 und das Verschwinden des S-C im Gefolge hat. Diese Klasse 
wird als tetraedrische Hemiedrie bezeichnet. Andererseits wird durch 
Unterdrückung der Gruppe von 6 S-E die pentagonal-hemiedrische Klasse 
mit 3 S-E, 7 S-A und 1 S-C erhalten, und ferner gehen durch gleich- 
zeitige Unterdrückung aller 6 + 3 S-E die plagiedrisch-hemiedrischen 
Formen mit S-E, 13 S-A und S-C hervor. In der tetraedrischen wie 
in der pentagonalen Hemiedrie sind jedoch noch Symmetrieebenen vor- 
handen, sie können also noch einmal hemiedrisch werden, wobei dann 



44 Ableitung der einfachen Formen. 

tetartoedrische (viertelflächige) Formen erzeugt werden. In beiden Fällen 
kommt aber das gleiche Resultat zu Stande, nämlich Formen mit S-E, 
7 S-A, S-C, sodass im regulären System einschliesslich der holo- 
edrischen Formabtheilung im Ganzen 5 Symmetrieklassen vorhanden sind. 
Analog ist die Herleitung der Symmetrieklassen in den übrigen Systemen 
und es ergiebt sich schliessli€h : 

das reguläre S. besitzt 1 vollflächige und 4 theilflächige S.-E3assen 
das hexagonale S. , 1 „ <) H n » 

das tetragonale S. »1 „ ^6„ ^ 

das rhombische S. ^ 1 „ „ 2 ^ „ 

das monokline S. ^1 ^ ^2^ , 

das trikline S. ^1 „ „1^ , 

insgesammt sind also 32 Symmetrieklassen vorhanden. 

§ 2. Die möglichen einfachen Formen jeder Symmetrie- 
klasse und deren Flächenzahl. Die hier genannten beiden Fest- 
stellungen hängen von dem Symmetriegrad der jedesmaligen Symmetrie- 
klasse ab. Ist dieser gegeben, so kann man sowohl die Zahl der Formen 
wie die Zahl der jeder Form angehörigen Flächen entweder graphisch 
durch die Symmetriefigur (s. unten) oder arithmetisch durch Specialisirung 
in Verbindung mit Permutation der Coefficienten in dem Symbol der 
allgemeinsten Fläche m a : nb : pc erhalten ; auch die systematische Ab- 
änderung der Kantenwinkel der allgemeinsten Form führt zum gleichen Ziel. 
Von allen 3 Methoden ist in der Folge gelegentlich Anwendung gemacht. 

Da wir aber vorerst nur die Symmetrieelemente der holoedrischen 
Klasse kennen, so beginnen wir die diesbezügliche Untersuchung mit der 
Feststellung der holoedrischen Formen sammt ihrer Flächenzahl und 
unterwerfen erst in der Folge jede so erhaltene Form der hemiedrischen 
Zeriallung. • Damit gewinnen wir nicht nur alle Formen der theilflächigen 
Symmetrieklassen, sondern zugleich auch deren Symmetrieelemente. 

Zur Herleitung benutzen wir für jede holoedrische Klasse das 
stereographische Bild ihrer Symmetrieelemente, die sogen. Symmetrie- 
figur, die dadurch erhalten wird, dass man die Symmetrieebenen durch 
den Mittelpunkt einer Kugel legt und diese dann nach den Regeln der 
stereographischen Projection auf die Ebene projicirt (vergl. S. 27). Die 
als Kreise und gerade Linien dargestellten Symmetrieebenen zerlegen das 
Bild der Kugeloberfläche in lauter gleiche sphärische Dreiecke. 

Während die Symmetriefigur die Symmetrieebenen als grösste Kreise bezw. 
gerade Linien darstellt, erscheinen die Symmetrieaxen als deren Durchschnittsp linkte. 
Die Zähligkeit der SA kann dadurch zum Ausdruck gebracht werden, dass man 
deren Endpunkte (Pole) entsprechend umrahmt, also für die 6-, 4-, 3- und 2-zähligen 
S-A der Reihe nach die Signaturen O D A o gebraucht. — Falls ein Symmetrie- 
centrum vorhanden ist, so fällt es mit dem Mittelpunkt des Grundkreises zusammen. 




Ableitung der einfachen Formen. 45 

Mit Rücksicht auf jedes von den Symmetrieebenen gebildete sphä- 
rische Dreieck der Symmetriefigur kann ein Flächenpol 7 verschiedene 
Lagen einnehmen, Fig. 27. Die Fläche kann wie 
Pol 1 zwischen die 3 Seiten fallen; sie kann wie ^ ^^' 

Pol 2, 3 oder 4 auf den Dreiecksseiten oder wie 
Pol 5, 6 oder 7 im Durchschnitt der Seiten liegen. 
Dieser allgemeinste Fall, wonach 7 Arten einfacher 
Formen möglich sind, gilt vom regulären System. Für 
die übrigen Systeme verringert sich die Zahl indessen. 

Im hexagonalen und tetragonalen System wer- 
den die beiden Seiten aa und hh des sphärischen 
Dreiecks gleich ; in Folge dessen liefern die Pole 2 
und 3, sowie 5 und 6 keine wesentlich von einander 
verschiedene, sondern mit einander vertauschbare Formen. Die Zahl der 
einfachen Formen reducirt sich somit auf 5. 

Im rhombischen System sind alle 3 Seiten des sphärischen Drei- 
ecks unter sich gleich; daher liefern die Pole 2, 3 und 4, sowie 5, 6 
und 7 keine von einander verschiedene Formen. Die Zahl der möglichen 
Formen sinkt somit auf 3. 

Im monoklinen System giebt es überhaupt nur noch eine S-E ; die 
Flächenpole können daher entweder nur auf der Projection dieser S-E 
oder seitlich derselben liegen; somit sind hier nur 2 Arten einfacher 
Formen vorhanden. 

Im triklinen System endlich, das ohne S-E ist, kann nur 1 Art 
einfacher Formen existiren. 

Wenn, wie eben erwähnt, im hexagonalen und tetragonalen System 
die Pole 2 und 3, sowie 5 und 6 auch keine ihrer Gestalt und Flächen- 
zahl nach verschiedene Erystallformen darstellen, so sind sie doch gegen 
die Coordinatenaxen verschieden orientirt. Entsprechendes gilt für das 
rhombische, monokline und trikline System. Berücksichtigt man diese 
verschiedene Orientirung zu den Axen, so ergeben sich nicht nur für 
das reguläre System, sondern scheinbar auch für die holoedrischen Ab- 
theilungen der übrigen Systeme je 7 einfache Formen, wie das des Näheren 
bei der Besprechung der einzelnen Systeme zum Nachweise gelangt. 

Nachdem so die Zahl der holoedrischen Formen festgestellt ist, 
folgt die Zahl der zugehörigen Flächen aus dem unmittelbaren Anblick 
der Symmetriefigur: da in derselben alle aus dem Durchschnitt von 
Symmetrieebenen hervorgegangenen sphärischen Dreiecke gleich sind, so 
muss irgend ein Flächenpol eines Dreieckes sich in gleicher Weise in 
allen vorhandenen Dreiecken wiederholen; man hat also bloss die durch 
die jedesmalige Symmetrie bedingten Wiederholungen zu zählen, um die 
Gesammtflächenzahl der Krystallform zu finden. 



46 Eigenschaften der hemiedrischen Formen. 

Von den holoedrischen Formen gelangen wir zu den theilfläcbigen 
durch gruppenweises Unterdrücken der Symmetrieebenen, was dadurch 
geschieht, dass von den zu den wegfallenden Symmetrieebenen paarweise 
am Holoeder auftretenden Flächen je eine unterdrückt wird, während die 
andere sich soweit ausdehnt, bis sie mit den sonst verbleibenden Flächen 
zum Durchschnitt gelangt. Diese Operation, für jede Symmetrieklasse 
an jeder holoedrischen Form vorgenommen, liefert unmittelbar die hemi- 
edrischen Formen mit ihren erforderlichen Flächen. Für diese hemi- 
edrischen Formen und ihre Flächenzahl ergeben sich alsdann folgende 
besondere Eigenschaften: 

1. Jede Form zerfallt bei der hemiedrischen Zerlegung in 2 corre- 
late Hemieder, d. h. in 2 Formen, die mit Bezug auf jede verloren 
gegangene Symmetrieebene spiegelbildlich gleich sind und sich nur durch 
ihre verschiedene Stellung zu den Erystallaxen unterscheiden. Besitzen 
die beiden correlaten Formen selbst noch Symmetrieebenen, so sind sie 
zugleich congruent und können sowohl durch Drehung wie Spiegelung 
zur Deckung gebracht werden. Man kann sie alsdann beliebig ver- 
tauschen und unterscheidet sie ebenso beliebig in eine positive oder 
directe und eine negative oder inverse Form. 

Gewöhnlich nennt man dasjenige Hemieder positiv, das sich durch Vorherrschen 
in der Combination oder durch besondere physikalische Eigenschaften (Spaltbarkeit, 
Glanz etc.) auszeichnet. 

Besitzen die correlaten Hemieder keine Symmetrieebene und zu- 
gleich kein Symmetriecentrum mehr, so sind sie zwar auch noch inhalts- 
gleich, können aber nur noch durch Spiegelung, nicht mehr durch 
Drehung zur Deckung gebracht werden. Sie verhalten sich dann wie 
rechte und linke Körper (z. B. rechte und linke Handschuhe) und werden 
als enantiomorphe Formen bezeichnet. Enantiomorphe Erystalle sind 
zuweilen durch Circularpolarisation ausgezeichnet, z. B. Quarz, Zinnober. 

Das Symmetriegesetz verlangt, dass nur Formen gleicher Symmetrie 
mit einander in Combination treten. In Folge dessen können niemals 
Combinationen von Hemiedern mit Holoedern erscheinen, und ebenso 
können nur Hemieder und Tetartoeder derselben Symmetrieklasse zu 
Combinationen zusammentreten. Zwei correlate Hemieder ergänzen sich 
zwar wieder zu anscheinend einfachen holoedrischen Formen; sie sind 
aber Combinationen sowohl nach ihrer krystallographischen Symmetrie 
wie nach ihrem physikalischen Verhalten. 

2. Die durch einmalige Anwendung der Hemiedrie hervorgegangenen 
Formen haben im Allgemeinen nur die halbe Flächenzahl, Tetartoeder 
den vierten und Ogdoeder den achten Theil der ursprünglichen holo- 
edrischen Formen. Eine Ausnahme bilden jedoch jene Formen, deren 
Flächen senkrecht auf den unterdrückten S-E stehen : bei ihnen dehnen 



Eigenschaften der hemiedrischen Formen. 



47 



sich naturgemäss die erhalten bleibenden Flächen in die Ebene der ver- 
schwindenden aus, d. h. deren hemiedrische bezw. wiederholt hemi* 
edrische Formen haben dieselbe Flächenzahl wie die holoedrische und 
sind von diesen geometrisch ununterscheidbar. Erystallographisch sind 
solche Hernieder jedoch völlig verschieden von den gleichgestaltigen 
Holoedern, was schon daraus hervorgeht, dass sie mit typischen Halb- 
flächnem in Combination treten. 

Es offenbaren sich demnach hier die Unterschiede zwischen kry- 
stallographischer und geometrischer Symmetrie, von denen im § 5 des 
vorigen Capitels die Rede war, Unterschiede, die nicht geometrisch, wohl 
aber physikalisch feststellbar sind. 

Um sich eine Vorstellung zu machen, wie der Unterschied in der krystallo- 
graphischen Symmetrie gleichgestalteter Formen aus der Molekularstructur theoretisch 
erklärt werden kann, dienen die nachstehenden Figuren. 

Fig. 28 sei der Querschnitt eines Krystalls (etwa eines Würfels des regulfixen 
Systems), in welchem die in Reihen angeordneten Punkte die Gruppirung der Erystall- 
moleküle andeuten mögen ; 2 Gruppen senkrecht zur Zeichenebene stehender Symmetrie- 
ebenen seien durch die Projectionslinien a a und b b angedeutet. — Sollen aus dieser 
Figur die S-E aa verschwinden, so kann das dadurch geschehen, dass entweder die 
Oktanten II und III, VI und VII oder die Oktanten I und VIII, IV und V unter- 
drückt werden, w&hrend die jedesmal übrigbleibenden sich ausdehnen. In beiden 
Fällen bleibt die äussere Umgrenzung erhalten; die beiden correlaten Hemieder 
Fig. 29 u. 30 unterscheiden sich aber von einander wie vom Holoeder durch die 



Fig. 28. 

r a Jt 



i 



/^ 


^1 


>^ 





Fig. 29. 



JT * r 




Fig. 30. 




Anordnung der Moleküle. Fig. 29 ist entstanden aus der Unterdrückung der 
Oktanten U, III, VI und VII, Fig. 30 aus der Unterdrückung von I, VIII, IV und V. 
— In analoger Weise stellen Fig. 31 u. 32 je eines der beiden correlaten Hernieder 
dar, welche hervorgehen, sobald aus dem 



Fig. 31. 
a 



Fig. 32. 



77 



■^M 



C\ 



rvrx 



Holoeder Fig. ^8 die Gruppe der S-E b b 
oder sämmtliche S-E verschwinden. Fig.31 
ist aus der Ausdehnung der Oktan- 
ten III, IV, VII u. VIII, Fig. 32 aus der 
Ausdehnung der Oktanten I, III, V und 
VII entstanden. Die äussere Begrenzung 
musste auch in diesen beiden Fällen 
erhalten bleiben. 

Die vorstehenden Figuren lassen somit erkennen, dass 1) zwei correlate Hemi. 
eder, dass ferner 2) die aus einem Holoeder. durch verschiedene Hemiedrien hervor- 



\V / 




48 Zwillinge. Zwillingsfläche. Zwillingaaxe. 



gehenden Formen unter eich und mit dem Holoeder gleiche äussei-e Gestalt haben 
können, dabei aber in ihrer Molekularstructur sammtlich verschieden sind. Bei den 
einzelnen Systemen werden wir auf entsprechende Beispiele stosaen, so bleibt z. B. das 
holoedrische Hexaeder und ebenso das Rhomben dodekaeder des regulären Systems in den 
3 hemiedrischen und der einen tetartoedrischen Abtheilung dieses Systems unverändert. 
Die vorstehenden Figuren eröffnen aber auch das Verständniss dafür, dass die 
auf den Krystallflächen durch Einwirkung ätzender Flüssigkeiten erzeugten Gruben 
und Aetzhügel, die sogen. Aetzfiguren, sich in ihrer Symmetrie der Symmetrie der 
Flächen anschliessen und so zur Controle benutzt werden können. 



Capitel VII. 

Zwillinge. 

§ 1. Parallelverwachsungen, Zwillingsverwachsongen. § 2. Zwillinge mit 
parallelem nnd geneigtem Axenkrenz. § 3. Mimetische Erystalle, 

Pseudosymmetrie. 

§ 1. Wenn 2 Krystallindividuen derselben Mineralspecies irgendwie 
mit einander verwachsen, so gelingt es immer, sei es durch Spiegelung 
nach einer Fläche, sei es durch Drehung um eine Axe die Parallel- 
stellung (Deckung) des einen Individuums mit dem anderen herbei- 
zuführen. Die Spiegelungsebene und die Drehaxe sind alsdann Sym- 
metrieelemente der Verwachsung. 

Für den Fall, dass beide Symmetrieelemente der Verwachsung auch 
solche der Einzelkrystalle sind, befinden sich beide Individuen schon in 
Parallelstellung; es liegt dann eine Parallelverwachsung vor. 

Parallelverwachsungen kommen nicht selten vor und liefern zuweilen für 
einzelne Mineralien ganz charakteristische Gestalten (Markasit, Boumonit), deren 
später noch bei den Aggregationsformen gedacht wird. Bei einzelnen Mineralien 
(Quarz, Kalkspatfa) laufen in der Hauptsache einheitlich erscheinende Einstalle an 
der Spitze gelegentlich in gesonderte, aber parallel gestellte Individuen aus. 

Haben die Symmetrieelemente der Verwachsung gar keine geome- 
trischen Beziehungen zu den Flächen und Kanten der Einzelkrystalle, so 
spricht man von einer regellosen, zufälligen Verwachsung. Da- 
gegen heisst die Verwachsung eine Zwillingsverwachsung, kurz ein 
Zwilling, sobald zwischen ihren Symmetrieelementen und den Flächen 
bezw. den Kanten der Individuen gesetzmässige Beziehungen existiren. 
Die Symmetrieelemente des Zwillings werden dann als Zwillingsfläche 
und Zwillings axe bezeichnet. 

Die ber. gesetzmässigen Beziehungen bestehen in Folgendem: 

Die Zwillingsfläche ist zumeist eine am Einzelkrystall vorhandene 

oder doch mögliche Fläche, gewöhnlich eine solche mit den einfachsten 

Indices. Sonst, was nur im monoklinen und triklinen System vorkommt, 

steht sie wenigstens auf einer Krystallkante senkrecht oder ist senkrecht 



Zwillinge und Parallelverwachsungen. VerwachBungsfläche. 49 

zu einer Erystallfläche und gleichzeitig parallel zu einer in dieser liegen- 
den Kante. Eine Symmetrieebene der einzelnen Individuen kann sie nur 
bei ZwillingSYerwachsungen hemimorpher Krystalle sein, da andernfalls 
Parallelstellung vorliegen würde. 

Die Zwillingsaxe ist entweder eine Erystallkante oder doch die 
Normale einer möglichen Krystallfläche. Sie ist mindestens zweizählig 
und kann nur in Krystallen ohne Symmetriecentrum zugleich Symmetrie- 
axe der Individuen sein. 

Im Allgemeinen hat jeder Zwilling sowohl eine Zwillingsfläche vne 
eine Zwillingsaxe; zwischen beiden besteht die Beziehung, dass sie zu 
einander senkrecht sind. Nur bei Zwillingen von je 2 rechten oder 
je 2 linken euantiomorphen Individuen, die naturgemäss nicht durch 
Spiegelung zur Deckung gebracht werden können, giebt es keine Zwil* 
lingsfi'äche, sondern nur eine Zwillingsaxe, und umgekehrt existirt eine 
Zwillingsaxe nicht bei Zwillingen von je einem rechten und einem linken 
Erystall, hier giebt es nur eine Zwillingsfläche. 

Durch Angabe des Symbols der Zwillingsfläche oder der Zwillings- 
axe ist das Zwillingsgesetz bestimmt. 

Da die grosse Mehrzahl der Zwillinge zur Zwillingsfläche eine krystallographisch 
mögliche Fläche hat, so genügt fQr die meisten Zwillinge die Definition: Zwillinge 
sind Verwachsungen zweier Erystallindividuen derselben Art, symmetrisch zu einer 
Erystallfläche, die nicht Symmetrieebene ist. 

Die Symmetrie eines Zwillings mit Bezug auf seine Zwillingsfläche tritt äusser- 
ich gewöhnlich ebenso wenig hervor, wie der ^Symmetriegrad des Individuums. 
Wiederum liegt das Wesen der Symmetrie darin, dass die Winkel correspondirender 
Flächen beider Individuen durch die Zwillingsfläche halbirt werden und dieser Um- 
stand zeigt auch den Weg, wie durch Messung das Zwillingsgeseiz festzustellen ist. 
Ist, wie es häufig vorkommt, die Zwillingsfläche zugleich als Erystallfläche an beiden 
Individuen vorhanden, so kann man in vielen Fällen das Zwillingsgesetz daran er- 
kennen, dass man diejenige Fläche, d. h. die Zwillingsfläche, aufsucht, die an beiden 
Individuen parallel ist. 

Von der geometrischen Eigenschaft, die Individuen eines Zwillings durch 
Drehung von 180° zur Deckung bringen zu können, macht man Gebrauch bei der 
Herstellung von Zwillingsmodellen; man zerschneidet ein Individuum parallel seiner 
Zwillingsfläche und verdreht die eine Hälfte gegen die andere um 180°. 

Neben der Zwillingsfläche ist die Verwacbsungsfläche zu unter- 
scheiden. In den meisten Fällen ist die Zwillingsfläche zugleich die Ver- 
wachsungsfläche, in anderen, auch nicht seltenen Fällen ist es irgend eine 
beliebige, krystallographisch mögliche, oder willkürliche, vielfach auch 
unebene Fläche. Gar nicht selten steht die Verwacbsungsfläche senkrecht 
auf der Zwillingsebene und kann alsdann bei flüchtiger Betrachtung für 
diese gehalten werden und so zu Irrthümern Veranlassung geben (Fig. 41). 

Zwillinge, deren Individuen in einer einzigen ebenen Fläche zu- 
sammenstossen, heissen Berührungs-* oder Juxtapositionszwillinge; 

Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 4 



50 ZwillingBarten. Viellinge und ihre Arten. 

solche, deren Individuen in unregelmässiger oder unebener Fläche mit 
einander verwachsen sind und sich dabei zum Theil oder ganz durch- 
dringen, heissen Durchwachsungs- oder Penetrationszwillinge. — 
Es können auch durch den Wachsthumsprocess die sonst die Zwillinge 
vor den einfachen Erystallen auszeichnenden einspringenden Winkel ganz 
ausgefallt sein und dann sind die Zwillinge als solche nur an der sogen. 
Zwillingsnaht oder bei vorhandener Oberflächenzeichnung (Streifung) 
an der Fiederstreifung der Flächen zu erkennen. 

§ 2. Man kann 2 Arten von Zwillingen unterscheiden, je nach- 
dem die Axenkreuze beider Individuen sich in paralleler oder in ge- 
neigter Stellung befinden. Zwillinge der ersten Art können nur bei 
hemiedrischen und tetartoedrischen Formen vorkommen, welche durch 
eine derartige Zwillingsverwachsung bei gleichzeitiger Durchdringung der 
Individuen die ihnen durch Hemiedrie oder Tetartoedrie verloren ge- 
gangenen Symmetrieebenen wieder erwerben, sich somit also zur holo- 
edrischen Symmetrie ergänzen. Daher heisst diese Art Ergänzungs- 
zwillinge. Häufiger als diese Art sind Zwillinge mit geneigtem 
Axenkreuz (normale Zwillinge), die sich in gleicher Weise bei den 
holo- wie hemiedrischen und tetartoedrischen Formen finden. 

Die Zwillingsverwachsung kann sich mehrfach wiederholen; zu 
einem zweiten Individuum kann nach demselben Gesetz noch ein drittes, 
viertes etc. treten. Man spricht dann von Drillingen, Vierlingen etc. 
und von Viellingen. 

Wenn bei einer solchen wiederholten Zwillingsbildung, einem Zwil- 
lingsstock, dieselbe Fläche mit den gleichen Vorzeichen ihrer In- 
dices immer wieder von Neuem als Zwiilingsfiäche auftritt, so entstehen 
polysynthetische Viellinge. Dabei befinden sich nur die an einander 
stossenden Individuen in Zwillingsstellung, während die abwechselnden 
in Parallelstellung liegen (Fig. 42 u. 43). Werden alsdann die einzelnen 
Individuen in der Richtung der Zwillingsaxe stark verkürzt, so gehen 
sie in Zwillingslamellen über und der ganze Vielling bekommt eine 
Zwillingsriefung (Fig. 43), was z. B. bei den Plagioklasen eine ganz 
normale Erscheinung ist. 

Wechseln dagegen die Vorzeichen der Zwillingsfläche eines 
Zwillingsstockes, d. h. findet die wiederholte Zwillingsverwachsung nach 
mehreren, durch ihr Vorzeichen unterschiedenen Flächen derselben einfachen 
Krystallform statt, so entstehen cyclische Viellinge (Wendeviellinge), bei 
denen überhaupt keine Individuen mehr parallel lagern (Fig. 44 — 47). 

Es giebt auch Viellinge, bei denen die Individuen nach verschiedenen 
Gesetzen mit einander verbunden sind; solche heissen Doppelzwillinge; 
sie werden nicht selten an den Orthoklasen und Plagioklasen angetroffen. 



Cyclische Zwillinge. 



51 



Die cyclischen Viellinge sind von besonderem Interesse. Ihr Aussehen kann 
mannigfacher Art sein» je nachdem die Vorzeichen der Zwillingsfläche wechseln (cf. 
den verschiedenen Habitus der Zwillinge am Rutil, die alle nach demselben Gesetz 
gebildet sind). Sind die nach einander als Zwillingsflächen fangirenden Krystall- 
flächen tautozonal, so gruppiren sich bei sonst regelmässiger Ausbildung die Indi- 
viduen um eine Axe (die Zonenaze der Zwillingsflächen), sind sie nicht tautozonal, 
so gruppiren sie sich um einen Punkt (den Punkt, in dem die verschiedenen Kanten 
der Zwillingsflächen zusammentreffen). Wachsen nun die Individuen derartiger Zwil- 
ling^sstöcke über die gemeinsame Axe oder den gemeinsamen Punkt regelmässig hinaus 
fort (Fig. 48 u. 49), also gewissermassen Penetrationsviellinge bildend, so können 
Gruppirungen von ausserordentlich regelmässigem Aussehen entstehen. Solcher Art 
sind die Zwillingsverwachsungen bei den im folgenden Paragraphen besprochenen 
mimetischen Erystallen. 



1. Zwillinge mit parallelen Axen. 

Fig. 34. 



Fig. 88. 





(Ergänzungszwillinge.) 



Fig. 85. 




Durchkreuzungs- Berührungszwilling 

Zwilling des Diamants. des Kalkspaths. 



Durchkreuzungs- 
zwilling des Pyrits. 



2. Zwillinge mit geneigten Axen. (Normale Zwillinge.) 
a) Berührungszwillinge. 



Fig. 36. 



Fig. 37. 



Fig. 38. 






Ealkspath. 



Gyps. 



Adular. 



b) Durchkreuzungszwillinge. 
Fig. 39. Fig. 40. Fig. 41. 





TT 



Flussspath. 



Staurolith. 



^^bJ 



Orthoklas *). 



M 



^) Zwillingsfläche ist verschieden von der Verwachsungsfläche. (Zwillingsfläche 
stumpft die Kante TT ab, Verwachsungsfläche M.) 



52 



Verschiedene Arten von Zwillingen. 



9. Yiellinge. 

a) PolysynthetiacheViellinge. 

Fig. 43. 

Fig. 42. 




Schema 
(Drilling). 




Aragonit mit Zwillingsriefung. 



Fig. 44. 



b) CyclischeViellinge. 

Fig. 45. 

Fig. 46. 



Fig. 47. 




Schema 
(Drilling). 






Markasit (Vierling). 



Rutil 
(Drilling). 



Hausmannit 
(Fünfling). 



c) Mimetische Krystalle. 
Fig. 48. Fig. 49. 





Schema. 



Scheinbar hexagonale Combination 
des rhombischen Chrysoberylls. 

Fig. 52. Fig. 58. 



Fig. 50. 



Flg. 51. 







Wiederholte Zwillingsverwachsung des Harmotoros; aus monosymmetr. Individuen 
entstehen nach und nach Formen vom Symmetriegrade des regulären Systems. 

§ 3. Vom geometriscben Standpunkt aus kann man jede Zwillings- 
verwachsung als ein Streben nach höherer Symmetrie bezeichnen. 

Während durch einfache Zwillingsverwachsung der resultirende 



Mimetische Eiystalle. 53 



Zwilling nur ausnahmsweise (monoklines , triklines System; Ergänzungs- 
zwillinge) einen höheren Symmetriegrad erlangt (denn die S-E des In- 
dividuums kommen zumeist für den Zwilling wieder in Wegfall), kann 
ein Zwillingsstock durch mehrfache cyclische Verwachsung eine so 
grosse Zahl von S-E neu erwerben, dass der erlangte Symmetriegrad 
sich mit dem eines höheren Systems deckt. Kommt nun hinzu, dass die 
cyclisch gruppirten Individuen über den gemeinsamen Mittelpunkt regel- 
mässig hinaus fortgewachsen sind und ferner — was noch wichtiger — , 
dass die einzelnen Individuen Winkelverhältnisse besitzen, die ein Aus- 
füllen der für die Zwillinge sonst charakteristischen einspringenden Kanten 
ermöglichen, so kann leicht eine Verwechslung eines solchen Zwillings- 
stockes mit einem einfachen Krystall von höherem Symmetriegrade her- 
beigeführt werden. Derartige scheinbar einfache Krystalle, deren Sym- 
metriegrad auf vielfache cyclische Zwillingsverwachsung zurückzuführen 
ist, heissen mimetische Krystalle. Dieselben sind in neuerer Zeit 
sehr wichtig geworden, nachdem namentlich Mallard auf sie aufmerk- 
sam gemacht und sie zur Erklärung mancher optischen Anomalien (z. B. 
am Boracit, Chabasit, Apophyllit etc.) herangezogen hat. 

Die Vorbedingung fttr mimetische Krystalle bilden geeignete Winkel 
der Individuen. Es ist nun recht häufig, dass Krystalle niederen Sym- 
metriegrades Winkel besitzen, die den charakteristischen Winkeln von 
Systemen höheren Symmetriegrades sehr nahe kommen, ja sie zuweilen 
bis auf wenige Minuten erreichen und bereits in ihren Gombinationen 
eine höhere Symmetrie nachahmen. Ein derartiges Verhalten der Kry- 
stalle wird mit dem Namen „Pseudosymmetrie'^ belegt. Viele Krystalle 
des rhombischen Systems liefern hierher gehörige Beispiele, unter anderen 
die Mineralien der Aragonitgruppe , bei denen der Winkel des Vertical- 
prismas nahe 120^ ist, d.h. dem charakteristischen Winkel des hexa- 
gonalen Systems entspricht. Solche pseudosymmetrische Krystalle lieben 
es, nicht nur in ihren Gombinationen den Habitus eines anderen Systems 
anzunehmen, sondern sie bilden auch häufig cychsche Zwillingsstöcke, in 
welchen die den charakteristischen Winkel eines anderen Systems ein- 
schliessenden Flächen als Zwillingsflächen auftreten, d. h. sie bilden gern 
mimetische Krystalle, bei denen die einspringenden Winkel oft derartig 
gering sind, dass nur die Beachtung etwaiger Zwillingsstreifung oder 
erst die optische Untersuchung resp. die Aetzung der Krystallflächen die 
Zwillingsnatur nachweist. 

Vergl. die Fig. 48—53. Die Fig. 50—58 stellen die Herausbildung von 9 Sym- 
metrieebenen aus moDOsymmetrischen Individuen durch wiederholte Zwillingsver- 
wachsnng dar. Die monoklinen Individuen des Harmotoms haben in Fig. 50 rhom- 
bische, in Fig. 51 quadratische und in Fig. 52 reguläre Symmetrie. In Fig. 53 sind 
die Winkel ausgefüllt und die Form gleicht abgesehen von der Zwillingsstreifung 
einem regulären Rhombendodekaeder. 



54 



1. Reguläres System. I. El. Holoedrie. 



Capitel VIII. 
Einzelbeschrelbung der Krystallsfsteme. 

1. Reguläres System. 

Das reguläre System hegreift diejenigen SymmetrieMassen, dereti 
Formen auf S gleiche rechtwinklige Axen bezogen tverden köfincfi. 

Daraus folgt: 

1. für die Symmetriecharakteristik des Axenkreuzes und damit der 
zugehörigen holoedrischen Symmetrieklasse 

9S-E, 18S-A, IS-C und 

2. für die Axenelemente des Systems 

a : a : a und a = ß = y = 90 ^ 
Die Axen müssen für jede einzelne Form so ausgesucht werden, 

dass sie gleich sind und recktwinklig auf einander stehen; das ist der 

Fall, wenn man sie aus dem Durchschnitt der 
allen Symmetrieklassen des Systems gemein- 
samen Hexaederflächen hervorgehen lässt. Man 
stellt sie so, dass eine Axe (a,) auf den Be- 
schauer zuläuft, die zweite (a„) quer liegt und 
die dritte («>„) vertical steht (Fig. 54). 

Dem regulären System gehören 5 Sym- 
metrieklassen an. Aus der höchstsymmetri- 
schen Klasse, der Holoedrie, leiten sich die 
übrigen 4 Klassen durch Hemiedrie bezw. 
wiederholte Hemiedrie (Tetartoedrie) ab. Da 

keine singulare Zweiseitigkeit vorhanden ist, so kann es in diesem System 

eine Hemimorphie nicht geben. 



Fig. 54. 




I. Klasse. Holoedrie. 
(Hexakisohtaeärische Klasse,) 

9 S-E, von denen 3 den Hexaed«rflächen , 6 den Rhombendodekaederfl&eheii ent- 
•prechen. 13 S-A, nfimllch 3 vierx&hllge S-A, senkrecht auf den Hexaederfl&ehen ; 4 drei- 
sAhlige S-A, senkrecht auf den OkUederll&chen ; 6 xweixAhlixe S-A, tenkreeht auf den 
Rhombendodekaederfl&chen. S-C vorhanden. 

Die genannten Symmetrieelemente sind in der Symmetriefigur 55 zur 
Anschauung gebracht, wo die Kreisbögen S-E, deren Durchschnittspunkte 
4-, 3- und 2-zählige S-A bedeuten; aus derselben geht hervor, dass die 
9 S-E 48 gleichwertige Räume bezw. sphärische Dreiecke erzeugen. 



1. Regol&res System. I. Kl. Holoadrie. 



55 



Der Forderung, dass alle Flachen derselben einfachen Form gleiche 
Indices bekommen, wird durch die Wahl der 3 yierzähligen S-A, die 
ans dem Durchschnitt der Hexaederflächen herrorgehen, zu Erystallaxen 
genügt 

Die einfachen Formen. Es sind 7 verschiedene holoedrische 
Formen möglich, deren Ableitung unmittelbar aus der schematischen 
Einzeichnung der 7 in jedem sphärischen Dreieck möglichen Flächen- 
lagen in die Symmetriefigur 55 hervorgeht. In der Projection Fig. 56 



Fig. 55. 



Kg. 56. 





ist die Eintragung der oberen Pole aller 7 Formen ausgeführt; der 
grösseren Deutlichkeit wegen ist in Fig. 57 einer der 8 unter sich gleichen 

Fig. 57. 




010 



□ Hexaeder 



-HhO 



X Hexahisohtaeder 

O Deltoidihosifetraeder 

^% Tniahisohtaeden 

^^ Ohtaedcn 

O Rhonibendodehaeden 



Oktanten in grösserem Maassstab gezeichnet, worin die Pole der einzelnen 
Formen durch besondere Zeichen unterschieden sind. 

Die 7 einfachen Formen können ausser wie. vorstehend auch er- 
halten werden aus der Specialisirung der Coefficienten bezw. der Indices 



56 



1. Regttläroe System. I. EL Holoadrie. 




Fig. 59. 



der allgameiiiBtea FKlclie, also einer solchen Fläche, die alle 3 Axen in 
verschiedenen Abständen schneidet Wir bedienen uns für diese Her- 
leitung der direct ablesbaren WEiss'^schen Coefficienten. 

!• Die allgemeine Fläche a: ma : na muss der herrschenden Sym- 
metrie gemäss in jedem der 48 gleich werthigen Dreiecke der Symmetrie- 
figur einmal auftreten; die volle Form wird demnach von 48 Flächen 
begrenzt und heisst 

Hexakisoktaeder (a : ma : na); [hkl], Fig. 58. 
Fig. 58. 48 Flächen, die asymmetrisch ßind (ungleichseitige Drei- 

ecke). 72 Kanten, die zu je 8 in den S-E liegen. 26 Ecken, 
die nach der Zahl der in ihnen zusammenstossenden Kanten in 
3 Gruppen zerfallen; durch je 2 gegenüberliegende Ecken geht 
eine der 13 SA. 3 Arten Winkel. 

2. Die Fläche schneidet 2 Axen in gleichem, 
aber grösserem Abstand als die dritte Axe, d. h. 
m = n. Die Form hat dementsprechend nur 24 Flächen 
und heisst 

Deltoidikositetraeder (a : ma : ma); {hll], Fig. 59. 

24 Flächen, monosymmetrisch (Deltoide). 48 Kanten, die 
zu je 8 bezw. 4 in die 3 + 6 S-E fallen. 26 Ecken, und zwar 
6 yierzählige, 12 zwei -|- zweizählige, 8 dreizählige; durch je 
2 gegenüberliegende Ecken geht eine der 13 S-A; in den 6 
vierzähligen Ecken münden die Axen. 2 Arten Winkel. 

3. Die Fläche schneidet 2 Axen in gleichem, 
aber kleinerem Abstand als die dritte Axe; d. h. 
m oder w = 1 . Die Form hat wiederum nur 24 Flächen 
und heisst 

Triakisoktaeder (a : a : ma); \kkl}. Fig. 60. 

24 Flächen, monosymmetrisch (gleichschenklige Dreiecke). 
36 Kanten, die zu 12 + 24 in die 3 + 6 S-E fallen. 12 gleiche 
Kanten davon entsprechen den Oktaederkanten, daher erscheint 
die Form wie ein Oktaeder mit aufgesetzten 3*flächigen Pyra- 
miden (Pyramidenoktaeder). 6 vier + vierzählige Ecken, in denen 
die Axen münden, ausserdem noch 8 dreizählige Ecken. Zwei 
Arten Winkel. 

4. Die Fläche schneidet alle 3 Axen in gleichem 
Abstand, d. h. m = n = l. Die Zahl der Flächen 
reducirt sich dadurch auf 8. Die Form heisst 

Oktaeder {a : a : a); {Uli Fig. 61. 

8 trisymmetrische Flächen (gleichseitige Dreiecke). 12 
gleiche Kanten, die in die 3 gleichen S-E fallen. 6 vier- 
zählige Ecken, in denen die Axen münden, wUhrend die S-A 
die Ecken und die Mitten der Kanten und Flächen verbinden. 
Nur eine Art Winkel von 109 ^ 28' 16",4. 




Fig. 60. 




Fig. 61. 




1. Reguläres System. L El. Holoedrie. 



57 



62. 




63. 



Fig. 63. 




5. Die Fläche schneidet nur 2 Axen, diese in verschiedenem Ab- 
stand, der dritten Axe läuft sie parallel, d. h. m oder n = oo. Die Form 
hat 24 Flächen und heisst 

Tetrakishexaeder (a : ma : ooa); {hkO], Fig. 

24 monosymmetrische Flächen (gleichschenklige Dreiecke). 
36 Kanten, die zu je 6 in die 6 gleichen S£ fallen. 12 Kanten 
davon entsprechen den Hexaederkanten, daher die Form wie ein 
Hexaeder ersdieint, dessen Flächen 4*8eitige Pyramiden aufge- 
setzt sind (Pyramidenwürfel). 6 vierzählige Ecken, in denen die 
Axen münden, und 8 drei -f- dreizählige Ecken. 2 Arten Winkel. 

6. Die Fläche schneidet 2 Axen in gleichem Ab- 
stand und läuft der dritten parallel, d. h. m = 1 und 
n = oo. Die Form hat nur 12 Flächen und heisst 

Rhombendodekaeder (a:a:ooa); {110}. Fig. 

12 disymmetrische Flächen (Rhomben), die den 6 gleichen 
S-E entsprechen. 24 gleiche Kanten. 8 dreizählige und 6 vier- 
zählige Ecken; in letzteren münden die Axen, während die 
S-A die Ecken und die Mitten der Flächen verbinden. Zwei 
Arten Winkel von 90® und 120 ^ 

7. Die Fläche schneidet nur 1 Axe und läuft 
den beiden anderen parallel, d. h. m = ^ und w = oo. 
Die Form hat nur noch 6 Flächen und heisst 

Hexaeder (aiooa: ooa); {100}. Fig. 64. Fig. 64. 

6 tetrasymmetrische Flächen (Quadrate), die den 3 gleichen 
SE entsprechen ; ihre Durchschnitte geben die Axen. 12 gleiche 
Kanten. 8 gleiche dreizählige Ecken. Die 8-A verbinden die 
gegenüberliegenden Ecken und die Mitten der Kanten und 
Flächen; die Axen münden in der Mitte der Flächen. Nur 
eine Art Winkel von 90 ^ 

Anm. Weitere specielle Fälle sind nicht denkbar; die Zahl der holoedrischen 
Körper des regulären Systems ist somit auf 7 beschränkt. Von diesen sind 3, näm- 
lich das Oktaeder, das Hexaeder und das Rhombendodekaeder nur von einer Art, d. h. 
nicht variable singulare Formen , auch wenn sie an verschie- 
denen Substanzen auftreten, denn ihr Symbol enthält keine unbe- 
stimmten Coefficienten. Von den übrigen 4 Formen können jedoch 
mehrere Arten, selbst am selben Krys^ll erscheinen. Da m und n 
nur zwischen 1 und oo variiren können, so bilden die erstgenannten 
3 Formen mit den Coefficienten 1 und oo die Grenzformen jener 4 
mit den variablen Coefficienten m und n. 

Die 6 Formen Nr. 2 — 7 können aufgefasst werden als be- 
sondere, durch Specialisirung von m und n abgeänderte Hexakis- 
oktaeder, was auch in anderer Weise geometrisch begründet werden 
kann. Am Hexakisoktaeder treten dreierlei Winkel auf, nämlich 
an den Kanten a?, y und z (Fig. 65); werden dieselben zum Theil 
gleich oder 90 ^ 120® resp. 180 ^ so reeultiren dieselben 6 speciellen Fälle wie oben, 
wovon man sich leicht am Modell eines Hexakisoktaedera überzeugt. 

Naümann's Bezeichnung. Naumann geht bei seinen Formsymbolen vom Okta- 
eder, das als bezeichnet wird, aus und betrachtet alle übrigen Formen als aus 
demselben hervorgegangen durch Modification der Axrnlängen. Diese Modificationen 



Fig. 65. 




58 



1. R69«Utei STstoni. L Kl. fiöloedtie. 



Rg. «6. 



leq». die AJUeitimfnahleB ent^Hnaohen utimittellNur den WBi88*ichen CoefSoenten, 
die BOB dem in dar Weise rageeeUt werden, daes der grtaere Ooeffio^ent Tor, 
der kleiaeie binter iteht Es ergeben aicfa demnach für die 7 einfachen Formen 
der Baäe nach die Zeichen: 

mOn, mOm, mO^ O, oo Oni, ooO, oo cx>. 

Die Zonenverhältnisse der holoedrischen Formen des regulären 
fljeliifca ei;gebeD sich unmittelbar aus dem Anblick der Projectionen 
Flg. 56 u. 57; die Flachen der 3 singulftren Formen Oktaeder, Khomben- 
dodekaeder und Hexaeder stehen unter einander im Zonenverband (Fig. 66); 

alle Deltoidikositetraeder fallen in die Zone 
Yon Hexaeder und Oktaeder, alle Tnakis- 
oktaeder in die Zone Ton Oktaeder und 
Khombendoiekaeder, und alle TefcrakisIieTa- 
eder in die Zone ron Rhbmbendodekaeder 
und Hexaeder. Nur die Flächen der Hexa- 
kisoktaeder liegen ausserhalb der yon den 
3 singulären Flächen gebildeten Zonen. 

Von diesem spedfisehen ZoneuT^rband 
des regulären Systems macht man mit Vor- 
theil Oebraudi bei Entzifferung der flächen- 
reichen und oft Terzerrten Gombinationen. 
Combinationen. Die Fig. 67—79 stellen einige Gombinationen 
dar. Der Würfel stumpft die 6 Ecken des Oktaeders (Fig. 67), ebenso 
die 6 yierzähligen Ecken des Rhombendodekaeders gerade ab (Fig. 68). 
Das Rhombendodekaeder stumpft die 12 Kanten des Oktaeders (Fig. 69) 




Fig. 67. 



Fig. 6& 



Fig. 6d. 






{111], {HO], {100] {110], {100] 



\111], {110} 



und ebenso des Würfels (Fig. 70) ab. Das Oktaeder erscheint am 
Würfel an dessen 8 Ecken (Fig. 76), am Rhombendodekaeder an dessen 
8 dreizähligen Ecken (Fig. 71). Wenn die Kanten eines Rhomben- 
dodekaeders gerade abgestumpft werden (Fig. 73), so gehört die Form 
dem Ikositetraeder {J211] an etc. 

Da bei den 4 Formen (a : a : wa), (a : ma : ma)^ (a : ma : cx>a) 
und {a : ma : na) die CoefBcienten m und n die vezschiedentten Werthe 



1. Reguläres System. I. El. Holoedrie. 



59 



aDnehmen können, so können durch das Hinzutreten solcher Formen 
ausserordentlich flächenreiche Comhinationen entstehen. Nichtsdesto- 



Fig. 70. 



Fig. 71. 



Fig. 72. 



Fig. 73. 






1110\, \100U >11U 
Fig. 75. 



ifS 



M^MW 



illO\, \211\ 
Fig. 76. 



) 1001 \hll\ \ 1001 \hkO\ 

Fig. 77. Fig. 78. Fig. 79. 





1 




\100l\lll\ \lll\,\hll\ \100\,\kkl\ \100l\hkl\ 

Fig. 80. 



\jaiooa:ooei) 



(atmatma) 



{a.matooa) 6 



weniger ist selbst bei verzerrten Kry- 
stallen die Entzifferung flächenreicher 
Combinationen leicht, wenn man nur 
den obigen Zonenverband berück- 
sichtigt. 

Man verfährt dabei so, dass man 
zunächst die Lage der Axen aufsucht 
und mit Rücksicht auf diese die Lage 
der 3 singulären Formen gleichviel 
ob sie vorhanden sind oder nicht, fest- 
stellt. Alsdann sieht man zu, wie die 
sonst auftretenden Flächen sich zwi- 
schen diese singulären Formen, also zwischen Hexaeder und Oktaeder, 
zwischen Rhombendodekaeder und Oktaeder oder zwischen Hexaeder oder 




(rt:ft:a) 



ywa-ma) 



{a'-a-o^ot) 





60 1* Reguläres System. II. El. Tetraedrische Hemiedrie. 

Rhombendodekaeder zonenmässig einpassen. Was in keine dieser Zonen 

fallt, gehört dem Hexakisoktaeder an. Damit sind alle Flächen erkannt. 

Die Fig. 80, eins der 48 Dreiecke der Projection Fig. 56 wiedergebend, 

unterstützt dabei das Gedächtniss. 

Zwillinge. Mit Ausnahme der Hexaeder- und Rhombendodeka- 

ederflächen, die bereits S-E sind, können alle Flächen der Holoedrie zu 

Zwillingsflächen werden. Praktisch kommt aber nur die Oktaederfläche 

in Betracht oder gleichbedeutend da- 
^^* * *^* mit die Fläche des Deltoidikositetraeder 

{^11], weil dessen Flächen senkrecht 
auf jenen des Oktaeders stehen. Nach 
seinem häufigsten Vorkommen wird diese 
Zwillingsverbindung als Spinellgesetz be- 
zeichnet. Die Zwillinge sind theils Be- 

rührungs-, Fig. 81 (Spinell, Magnetit), theils Durchdringungszwillinge, 

Fig. 82 (Flussspath). 

Beispiele für die holoedrische Symmetrieklasse des regulären 

Systems liefern die Krystalle der Mineralien der Spinellgruppe (Spinell, 

Magnetit etc.), ferner Bleiglanz, Steinsalz, Flussspath, Granat u. a. 

Hemiedrische Klassen. 

Es sind im regulären System 3 Symmetrieklassen vorhanden, die 
durch Hemiedrie aus der holoedrischen Klasse abzuleiten sind. Sie gehen 
in der Weise aus den Holoedern hervor, dass aus deren Formen ent- 
weder die Gruppe der 3 gleichwerthigen oder die Gruppe der 6 gleich- 
werthigen oder endlich alle 9 S-E gleichzeitig austreten. Dazu kommt 
noch 1 tetartoedrische Klasse. 



n. Klasse. Tetraedrische Hemiedrie. 

(Hexahistetraedrische Klasse,) 

6 S-E, 9 S-A, davon 3 xwelifthllg und 4 drelEfthllg. Kein S-C. (Fig. 83.) 

Die Formen dieser hemiediiscben Elstöse gehen aus den Holoedern dadurch 
hervor, dass die 3 Hexaederflächen aufhören, S-E zu sein, während die 6 Rhomben- 
dodekaederflächen als S-E erhalten bleiben. 

Da die austretenden S-E mit den Axenebenen zusammenfallen, so 
leiten sich die hemiedrischen Formen aus den holoedrischen in der Weise 
her, dass die Auswahl der sich ausdehnenden und der unterdrückten 
Flächen oktantenweise erfolgt. In Fig. 84 sind die verbleibenden Ok- 
tanten weiss gelassen, die verschwindenden schraffirt worden ; durch Um- 



1. Regaläres System. IL KL Tetraedrische Hemiedrie. 



61 



Fig. 88. 



Fig. 84. 




--^. 







kehrung gehen die correlaten Formen hervor. Correlate Formen weichen 
geometrisch somit nur durch ihre Stellung von einander ab; durch 
Drehung um 90^ gelangen sie mit einander zur Deckung; physikalisch 
sind sie aber durchaus verschieden. Man unterscheidet sie beliebig als 
positive (directe) und negative (inverse) Formen. 

Trägt man, wie dies ebenfalls in Fig. 84 geschehen ist, die 
7 Flächenpole eines der 48 gleichwerthigen sphärischen Dreiecke in die 
Projection ein, so lehrt der blosse Anblick, dass durch die hemiedrische 
Behandlung die Flächen des Hexaeders {100], des Rhombendodeka- 
eders {110} und die des Tetrakishexaeders {hkO} nicht betroffen werden, 
da ihre Pole gleichzeitig in die verschwindenden wie in die verbleibenden 
Oktanten fallen. Sie liefern daher keine besonderen geometrischen Formen, 
wohl aber wird ihre krystallographische Symmetrie entsprechend ver- 
mindert, was durch die Aetzfiguren controlirt werden kann. Dagegen 
liefern die übrigen 4 Formen der Holoedrie besondere, durch halbe 
Flächenzahl unterschiedene hemiedrische Formen. 

Anm. Zum gleichen Resultat gelangt man, wenn man die hemiedrische Be- 
handlung direct auf die einzelnen holoedrischen Formen anwendet, wie in den 
Fig. 85—91. Die Flächen des Rhombendodekaeders, des Hexaeders und des Tetra- 



Fig. 85. 



Fig. 86. 



Fig. 87. 



Fig. 88. 







Fig. 89. 



Fig. 90. 





Fig. 91. 



62 



1. Reguläres System. II. EL Tetraedrische Hemiedrie. 



Fig. 92. 




Fig. 93. 



kishezaeders stehen auf den verschwindenden 8-E senkrecht, ihre Formen bleiben 
also in der vollen Flächenzahl erhalten, während die übrigen 4 Formen nur mit der 
halben Flächenzahl auftreten. 

Die einfachen Formen der tetraedrischen Hemiedrie sind somit 
folgende: 

*1. Hexakistetraeder p0«{AX;/} und iieg\hkl]^ Fig. 92, aus dem 
Hexakisoktaeder in 2 correlaten Formen, die nur durch 
ihre um 90 ^ gedrehte Stellung von einander verschieden 
sind, hervorgehend. 

24 Flächen, asymmetrisch (ungleichseitige Dreiecke), 36 Kan- 
ten dreierlei Art, die zu je 6 in die 6 S-E fallen. 14 Ecken 
dreierlei Art ; in den 6 2 -f~ 2-kantigen Ecken münden die Azen, 
3 Arten Winkel. Die Form gleicht einem Tetraeder, dessen 
Flächen 6-flächige Pyramiden aufgesetzt und dessen Kanten gebrochen sind. 

*2. Triakistetraeder jt)o«{/i ?n und neg\hllU Fig. 93, aus dem 
Deltoidikositetraeder in 2 correlaten, nur stellungsver- 
schiedenen Formen hervorgehend. 

12 Flächen, monosymmetrisch (gleichschenklige Dreiecke). 
6 + 12 Kanten, die zu je 1 + 2 in die S-E fallen. Ecken 4 + 4. 
2 Arten Winkel. Die Form gleicht einem Tetraeder, dessen 
Flächen dreiseitige Pyramiden aufgesetzt sind, und die daher auch 
Pyramidentetraeder genannt wird. 

"^3. Deltoiddodekaeder ;>os{A:X;Z} und negikklU 
Fig. 94, aus dem Triakisoktaeder in 2 correlaten, nur 
stellungsverschiedenen Formen hervorgehend. 

12 Flächen, monosymmetrisch (Deltoide). 12+12 Kanten, 
die zu je 2 + 2 in die S-E fallen. 14 Ecken dreierlei Art; in 
den 2 + 2-kantigen münden die Azen. 2 Ai*ten Winkel. 

*4. Tetraeder pos\lll] und 
fieg\lll]^ Fig. 95 u. 96, aus dem 
Oktaeder in 2 correlaten, stellungs- 
verschiedenen Formen hervorgehend. 

4 Flächen, trisymmetrisch (gleichsei- 
tige Dreiecke). 6 gleiche Kanten, in deren 
Mitten die Axen ausmünden, und 4 gleiche 
Ecken. Nur Winkel einer Art: 70*^ 81' 43",6. 

5. Tetrakishexaeder \hkO], geometrisch übereinstimmend mit 
der holoedrischen Form, aber krystallographisch durch geringere Sym- 
metrie unterschieden. Die Flächen sind asymmetrisch. 

6. ßhombendodekaeder {iJföJ , desgl., die Flächen sind mono- 
symmetrisch nach der kurzen Diagonale des Rhombus. 




Fig. 94, 




Fig. 95. 



Fig. 96. 





Die mit * hier und in der Folge versehenen Formen weichen geometrisch von 
den zugehörigen Holoedern ab. 



1. Reguläres System. II. Kl. Tetraedrische Hemiedrie. 



63 



7. Hexaeder {10 0\, desgl., die Flächen sind disymmetrisch nach 
den Diagonalen des Quadrats. 

Naumann*8 Bezeichnung. Die Formen erhalten die Zeichen ihrer Holo- 
eder und, soweit sie sich geometrisch davon unterscheiden, noch den Nenner 2. 
Die positiven und negativen Formen werden durch die Vorzeichen unterschieden. 
Demnach sind die Symbole der 7 Formen der Reihe nach: 



mOn 

5 



mOm 



mO 
2 



i -— , ooOm, ooO, ooOoo. 



Tetraedrische Combinationen. Nur hemiedrische Formen und 
nur solche der gleichen Hemiedrie können mit einander in Combination 
treten ; wenn daher bei tetraedrischen Mineralien das Oktaeder scheinbar 
auftritt, so ist es als Combination zweier Tetraeder aufzufassen. Die 
Fig. 97 — 102 geben einige der gewöhnlicheren Combinationen. Femer 



Fig. 97. 



Fig. 98. 



Fig. 99. 






poB\tll\. \100\ \111U ini\ l=neg\211l n=neg\22JU 0=^\110\ 

mag noch hervorgehoben werden, dass der Würfel die Kanten (Fig. 97), 
das negative oder Gegentetraeder die Ecken des Tetraeders (Fig. 98) 



Fig. 100. 



Fig. 101. 





Fig. 102. 



n^gilTlU nfg\3l]\ neg i ll 1 U \ 1 2 \ \ 1 ^ \ 1 1 l po, i 1 1 1 \ 

gerade abstumpft, während das Rhombendodekaeder die Ecken des- 
selben gerade zuschärft. — Zur mechanischen Entzifferung der Com- 
binationen dient auch hier Fig. 80. 

Zwillinge. Am häufigsten sind Ergänzungszwillinge: die 
Individuen verwachsen symmetrisch nach den Hexaederflächen, d. h. 
nach jenen Flächen, die in der tetraedrischen Hemiedrie als S-E aus- 
gefallen sind. 

Gewöhnlich sind solche Zwillinge Durchdringungszwillinge, so am 
Fahlerz (Fig. 103). Am Diamant wird durch die Durchdringung zweier 



34 1- Regul&res System. III. Kl. Pentagonale Hemiedrie. 

Individuen symmetrisch zur Hexaederfläche eine Furchung der Kanten 
hervorgebracht (Fig. 104). 

Daneben kommen auch häufig normale Zwillinge vor, bei denen 
wohl ausnahmslos eine Tetraederfläche oder was dasselbe bedeutet, die 
darauf senkrechte Fläche des Triakistetraeders {^11} die Zwillings- 
fläche abgiebt. Ein Beispiel liefert der Diamant (vergl. deswegen den 
speciellen Theil). Im Fall der Zinkblende jedoch, wo die beiden In- 



Fig. 103. Fig. 104. Fig. 105. 






dividuen sich mit Tetraederflächen verschiedenen Vorzeichens berühren, 
erlaubt das Zwillingsgesetz nicht die doppelte Ausdruckweise; hier ist 
allein {J211} Zwillingsgesetz (Fig. 105). Häuflg sind auch nach diesem 
Gesetze Zwillingslamellen grösseren Individuen eingeschaltet, z. B. Zink- 
blende (Fig. 105). 

Die Flächen des Rhombendodekaeders können, da sie S-E der 
tetraedrischen Formen sind, als Zwillingsflächen nicht erscheinen. 

Beispiele der tetraedrischen Hemiedrie liefern die Erystalle von 
Diamant, Zinkblende, Fahlerz, Boracit etc. 



III. Klasse. Pentagonale Hemiedrie. 

(DyakisdodeTcaedrische Klasse.) 

Ton den 9 8-E der Holoedrle wird die Gruppe der 6 glelchworthlgen 8*B anter- 
drnckt; et verbleiben demnnck noch 8 glelchwerthlge , tenhreekt auf einander stehende 
8-E. Die Zahl der S-A vermindert tieh gleichzeitig auf 7, von denen 4 drelE&hIif( und 
3 EwelxAhllg «Ind. Das S-C bleibt erhalten. (Fig. 106.) 

A n m. Somit hören die Rhombendodekaederflächen auf, S-E der pentagonalen 
Formen zu sein, während die Hezaederflächen S-E bleiben. 

Damit die 6 gleichwerthigen S-E aus den Formen der Holoedrie 
verschwinden, muss die Auswahl der unterdrückten und der erhalten 
bleibenden Krystallräume so erfolgen, wie Fig. 107 veranschaulicht. Es 
verbleiben somit jedes Mal 24 gleiche Räume und es gehen 2 Reihen 
correlater Formen hervor, die geometrisch nur durch ihre Stellung ver- 
schieden sind und durch eine Drehung um 90 ^ zur gegenseitigen Deckung 
gebracht werden können. Die correlaten Formen unterscheidet man auch 
hier wieder als positiv (direct) und negativ (invers). 



1. Reguläres System. III. El. Pentagönale Hemiedrie. 



65 



Aus der Eintragung der Flächenpole eines der sphärischen Drei- 
ecke in die Symmetriefigur 107 ergiebt der blosse Anblick, dass nur das 
Hexakisoktaeder und das Tetrakishexaeder besondere, durch die halbe 



Fig. 106. 



Fig. 107. 





Flächenzahl ausgezeichnete Formen zu liefern vermögen, während die 
Pole aller anderen Flächen gleichzeitig in die verbleibenden wie in die 
unterdrückten sphärischen Dreiecke entfallen, somit bei diesen die äussere 
geometrische Form erhalten bleibt. 

Anm. Das gleiche Resultat ergiebt sich auch, wenn man die hemiedrische 
Behandlung direct auf die einzelnen holoedrischen Formen anwendet, wie in den 



Fig. 108. 



Fig. 109. 




Fig. 110. 



Fig. 111. 






Fig. 112. 



Fig. 118. 



Fig. 114. 






Fig. 108—114. Nur die Flachen des Hexakisoktaeders Fig. 108 und des Tetra- 
kishezaeders Fig. 112 stehen nicht senkrecht auf den unterdrückten S-£, sind es 
also allein, die besondere Formen liefern. 

Die einfachen Formen der pentagonalen Hemiedrie sind dem- 
nach folgende: 

*1. Dyakisdodekaeder ^o«{ÄÄ?} und neg{khl]^ Fig. 115 u. 116, 
aus dem Hexakisoktaeder in 2 correlaten Formen hervorgehend. 

Klockmann, Mineralogie, s. Aufl. 5 



66 



1. Reguläres System. III. El. Pentagonale Hemiedrie. 



Fig. 11.5. 



Fig. 116. 





Fig. 117. 



24 Flächen asymmetrisch (Trapeze). Kan- 
ten : 12 + 12 + 24 ; Ecken 6 + 8 + 12. Dreierlei 
Winkel. Die S-A verbinden je 2 Würfel- und 
Oktaederecken; die Krystallaxen münden in 
den Würfelecken. 

2. Deltoidikositetraeder JÄZ?}, 
die geometrisch unveränderte Form der 
Holoedrie, krystallographisch durch geringere Symmetrie unterschieden, 
die Flächen sind asymmetrisch. 

3. Triakisoktaeder {kkl}^ desgl., die Flächen sind asymmetrisch, 

4. Oktaeder {111] ^ desgl., die Flächen sind asymmetrisch. 

*5. Pentagondodekaeder po8{hkO] und fi€(j{khO\, Fig. 117. 
aus dem Tetrakishezaeder in 2 correlaten Formen hervorgehend. 

12 Flächen, monosymmetrisch (Pentagone mit 4+1 Seiten). 
Von den 24 + 6 Kanten fallen 6 Kanten in die Symmetrieebenen : 
sie heissen die charakteristischen Kanten; es sind das die un- 
gleichen Seiten der Pentagone. Ecken 12 + 8; zweierlei Winkel. 
Die Krystallaxen verbinden die Mitten der charakteristischen Kan- 
ten, die S-A ausserdem noch die Oktaederecken. — Ein Pentagon- 
dodekaeder mit gleichseitigen Pentagonen, das regelmässige Pen- 
tagondodekaeder der Geometrie, kann als Krystallform nicht auf- 
treten, da alsdann h = 1 + j/ö, also irrational wird. 

6. Rhombendodekaeder [110], die geometrisch unveränderte 
Form der Holoedrie. Die Flächen sind monosymmetrisch nach der 
längeren Diagonale des Rhombus. 

7. Hexaeder {100}, desgl., die Flächen sind disymmetrisch nach 
den Seiten des Quadrats. 

Naümann's Bezeichnung. Die Formen erhalten die Zeichen ihrer Holoeder 
und, soweit sie sich geometrisch unterscheiden, noch den Nenner 2 und zum Unter- 
schied von den tetraedriscfaen Formen eine eckige Klammer. Demnach sind die 
Symbole der 7 Formen der Reihe nach: 

±[^]' •"^"'' "•^' ^' ±[-^T^]' ~^' ~^°°- 

Pentagonale Combinationen. In den Fig. 118—122 sind einige 
der häufigsten Combinationen, wie sie den Pyrit charakterisiren , zur 




Fig. 118. 



Fig. 119. 



Fig. 120. 



Fig. 121. 



Fig. 122. 




Darstellung gebracht. Es bedeutet 

e das Pentagondodekaeder {210\, 
s das Dyakisdodekaeder {4^1}, 



1. Reguläres System. IV. El. Plagiedrische Hemiedrie. 67 

f das Dyakisdodekaeder {321\^ 
h das Hexaeder {10 0}^ 
d das Oktaeder {IUI 

Die charakteristischen Kanten des Pentagondodekaeders werden durch 
die Hexaederflächen abgestumpft (Fig. 118); an den sogen. Oktaeder- 
ecken des Pentagondodekaeders (Fig. 119), wie des Dyakisdodekaeders 
tritt das Oktaeder, an den Hexaederecken des Dyakisdodekaeders das 
Hexaeder auf. Das Rhombendodekaeder erscheint als Abstumpfung der 
Rhombendodekaederecken beider Formen. Die Combination {^J[^>|, {111} 
ähnelt bei gleich grosser Ausbildung der Flächen dem regelmässigen 
Ikosaeder der Stereometrie, das selbst wegen Irrationalität der Axen- 
abschnitte nicht auftreten kann (Fig. 120). Tritt in diese Combination, 
wie das häufig am Pyrit der Fall ist, noch das Dyakisdodekaeder {3J21} ein, 
so bildet das letztere eine dreiflächige Umrahmung der Oktaederflächen 
(Fig. 122). 

Zur mechanischen Entzifferung flächenreicher und verzerrter Com- 
binationen ist das Dreieck Fig. 80 gleichfalls brauchbar. 

Zwillinge. Die Zwillinge der pentagonalen Hemiedrie sind, wie 
zu erwarten, vorzugsweise Ergänzungszwillinge, d. h. die Individuen ver- 
wachsen symmetrisch zu den als S-E verloren gegangenen 
Rhombendodekaederflächen und erwerben dadurch die ^^^- ^^^' 

holoedrische Symmetrie wieder. Charakteristisch sind 
in dieser Beziehung die Durchdringungszwillinge des 
Pyrits (Fig. 123), die sogen. Zwillinge des „eisernen 
Kreuzes*. 

Vereinzelt kommen auch normale Zwillinge vor, 
so nach {111} ebenfalls am Pyrit. Nach den Hexa- 
ederflächen als S-E können keine Zwillingsverbindungen auftreten. 

Beispiele der pentagonalen Hemiedrie liefern die Mineralien der 
Pyritgruppe: Pyrit, Glanzkobalt, Speiskobalt etc. 



IV. Klasse. Plagiedrische (gyroedriBche) Hemiedrie. 

(Pentagonikositetraedrisclie Klasse,) 

S&mmtlielie 9 S-E der ]l«l«edrle werden gleichseitig unterdrückt , womit auch das 
S-C verschwindet. Die retultlrenden Formen enthalten an Symmetrieelementen nur noch 
18 S-A, von denen 8 viera&hllg, 4 dreUAhlig und swelEAhlig sind, und tlnd enantio« 
morph. (Fig. 12i.) 

Trifft man die der angegebenen Symmetriecharakteristik entsprechende 
Auswahl der erhalten bleibenden und der verschwindenden Krystallräume, 
wie es Fig. 125 zeigt, so erkennt man sogleich, dass allein das Hexa- 




68 



1. Reguläres System. V. El. Tetartoedrie. 



kisoktaeder besondere Formen liefert, und zwar 2 correlate, als rechts 
und links zu unterscheidende 

*Pentagoniko8itetraeder Unks{hkl] und rechtslkhl}, Fig. 126 
u. 127. 

24 Flächen, asymmetrisch, ungleichseitige Pentagone. 

Die beiden correlaten, durch Drehung nicht mehr zur Deckung zu 
bringenden Formen erhält man entsprechend auch aus der Ausdehnung 
und Unterdrückung der Hexakisoktaederflächen nach Anleitung von Fig. 128. 



Fig. 124. 



Fig. 125. 



Fig. 126. 




Fig. 127. 



Fig. 128. 





Dagegen liefern die übrigen 6 holoedrischen Formen keine geo- 
metrisch verschiedenen Hemieder, wohl aber ist deren krystallographische 
Symmetrie vermindert: die Flächen aller plagiedrischen Formen sind 
asymmetrisch. 

Diese Hemiedrie ist unter den Mineralien spärlich vertreten und 
wird gewöhnlich nur an den Aetzeindrücken erkannt. 

Beispiele liefern: Rothkupfererz, Sylvin, Salmiak. 



V. Klasse. Tetartoedrie. 

(Tctraedrisch'pentagondodeJcaedrische Klasse,) 

Keine 8-E, ? 8-A, von denen 4 drels&hllg, 3 xwelz&hllg find; kein S-C; die Formen 
tind enanttoraorph. (Fig. 1S9.) 

Sowohl die tetraedrischen wie die pentagonalen Hemieder besitzen 
noch Symmetrieebenen; sie können also noch einmal durch den Verlust 



2. Hexagonales Syatem. 



derselben zerfallen. In beiden Fällen entstehen aber dieselben tetarto- 
edrischen Formen. Da keine S-E übrig bleiben, auch das S-C ver- 
schwunden ist, so können die correlaten Formen durch Drehung nicht 
mehr zur Deckung gebracht werden. 

Nur das Hexakisoktaeder liefert, wie aus der Projection, Fig. 130, 
hervorgeht, besondere Tetartoeder, und zwar 4 correlate 



Fig. 129.- 



Fig. 180. 



y 



y\ 



-^-—\ ;^; \ ^ 







'^'Tetraedrische Pentagondodekaeder, nämlich 2 positive rechte 
und linke Formen {khll Fig. 131 und [hkl], Fig. 132 und 2 negative 
rechte und linke Formen [hkl] und {khl} ^ von denen die corre- 
laten positiven, sowie die corre- 



Fig. 131. 



Fig. 132. 





laten negativen Formen enantio- 
morph sind. 

Die tetraedrischen Pentagon- 
dodekaeder werden von 12 asym- 
metrischen Flächen begrenzt, die 
ungleichseitige Pentagone bilden. 

Reguläre tetartoedrische Mineralien sind bisher nicht beobachtet; 
dagegen sind an künstlichen Salzen, an den Nitraten von Baryum, 
Strontium und Blei, femer am Natriumchlorat tetartoedrische Formen 
nachgewiesen. 

2. Hexagonales System. 

Des hexagonale System ist dadurch charakterisirt , ddss seine 
Formen sich auf Äxen beziehen lassen, von denen 2 gleich sind und sich 
unter 120^ schneiden, während die dritte ungleiche Äxe darauf senkrecht steht 

Daraus folgt: 

1. für die Symmetriecharakteristik des Goordinatensystems bezw. 
der holoedrischen Klasse : 7 S-E, 7 S-A, 1 S-G und 

2. für die geometrischen Gonstanten des Systems 

a\aic\ a = 90«, ß = 90^ t = 120«. 



70 2. Hezagonales System. 



Die Azenelemente enthalten somit nur die eine Unbekannte — • 

c 

sodass zur Bestimmung der Axenelemente eine einzige Winkelmessung 
ausreicht. 

Die Axen werden so aufgestellt, dass die ungleiche Aze c vertical, 
die beiden gleichen horizontal stehen. Die Orientirung der horizontalen 
Axen, ihre Unterscheidung und ihre Vorzeichen gehen aus Fig. 133 her- 
vor (BRAVAis'sche Aufstellung). 

Die charakteristischen Winkel-, resp. Symmetrieverhältnisse bringen 
es mit sich, dass noch eine Nebenaxe a,„ existirt, deren Abschnitte zwar 
für die geometrische Bezeichnung der Flächen überflüssig sind, aber des 
symmetrischen Aussehens der Flächensymbole wegen berücksichtigt werden 
müssen. Die einzelnen Flächen jeder Form bekommen nämlich nur dann 
gleiche Indices, wenn deren Abschnitte auf der Nebenaxe mit in das 
Symbol, das dadurch viergliedrig erscheint, hineingezogen wird. Selbst- 
verständlich ist der Abschnitt auf der Nebenaxe a,„ von denen auf den 
Axen a, und a„ abhängig: der Index / der Zwischenaxe a,„ ist = A + h. 

Fig. 134. 




+ <»// 



Beweis (Fig. 134). Die Abschnitte einer beliebigen Fläche KH auf den 
3 Horizontalazen a,y a„ und a,„ seien der Reihe nach H^ OK, OJ; dann ist 

0H:0K:0J=-4 a:-^a:^a. 

h k t 

Es verhält sich nun OH: PH=OK: PJ 
oder OH: OH—OJ=OK:OJ. 

das ist ~~h^'''h^ ~^^^^~jr ^'' Y ^ ^^^^ t = A -|- A:. 

Da nach der zu Grunde gelegten Axenaufstellung die Zwischenaxe a,,, nega- 
tives Vorzeichen erhält, so ist h -\-k -\- i — o. 

Werden statt der Indices die Goefficienten benutzt, schneiden also die beliebigen 
Flächen die Axen a,, a„ und a,„ der Reihe nach in den Abständen a, ma und xa, 

so ergiebt sich in derselben Weise x = -j^-rrj-^ 

Dem hexagonalen System gehören 12 Symmetrieklassen an; aus 
der holoedrischen Klasse, deren Symmetrieelemente durch diejenigen des 
Axenkreuzes gegeben sind, lassen sich die übrigen Klassen herleiten, und 



2. Hexagonales System. VI. Kl. Holoedrie. 



71 



zwar durch einmalige Hemiedrie 5 hemiedrische Klassen, durch Wieder- 
holung der Hemiedrie weitere 5 tetartoedrische Klassen und schliesslich 
durch eine letzte hemiedrische Zerfällung 1 ogdoedrische Klasse. Von 
diesen 12 Klassen besitzen 4 eine polare Symmetrieaze , sind somit 
hemimorph. 

In der nachfolgenden Beschreibung der einzelnen Klassen hat die 
hemiedrische Ableitung den Eintheilungsgrund abgegeben. Sonst löst 
man die 12 Klassen wohl in 2 besondere Krystallsysteme auf, in das 
hexagonale System, ausgezeichnet durch eine 6-zählige Symmetrieaxe 
und in das trigonale System, ausgezeichnet durch eine 3-zählige 
Symmetrieaxe. Diesem hexagonalen System gehören dann die 5 nach- 
genannten Klassen VI, VII, X, XI und XIII an. Für das trigonale 
System, auf das die übrigen Symmetrieklassen entfallen, die sich noch 
wieder in 2 Gruppen zusammenfassen lassen, je nachdem auf der 
3-zähligen Symmetrieaxe eine Symmetrieebene senkrecht steht oder nicht, 
wendet man gern ein Coordinatensystem an, das aus den Kanten des 
Rhomboeders hervorgeht, also „alle 3 Axen sind gleich und schneiden 
sich unter den gleichen schiefen Winkeln". 



VI. Klasse. Holoedrie. 
(Dihexagoital'bipyram ida le Klasse,) 

9 8-E, davon 1 horlBontal und 6 unter 30 o tieh «ehneidende vertleal. 9 8-A, davon 
1 sechtfs&hllg and vertlcal und 6 swelsAhllge korisontal. S-C vorhanden. 

Die Fig. 135 bringt die vorhandenen Symmetrieebenen zum Aus- 
druck, durch die die Kugeloberfläche in 24 gleichwerthige Dreiecke 
getheilt wird. In jedem dieser 



Dreiecke sind 7 Flächenlagen mög- 
lich, von denen sich allerdings die 
Pole 2 und 3, ferner 5 und 6 nur 
durch ihre Orientirung zum Axen- 
kreuz unterscheiden. Daraus er- 
giebt sich die Zahl der mög- 
lichen einfachen Formen und die 
zu jeder Form erforderliche Flä- 
chenzahl. 

In gleicher Weise werden die 
einfachen Formen mit ihren Flächen 
aus dem Symbol der allgemeinsten 
Fläche und dessen Specialisirung 
erhalten. Indem wir dieses Ver- 



Fig. 135. 




72 



2. Hezaf^onales System. VI. EI. Holoedrie. 



Fig. 136. 




fahren einschlagen, bedienen wir uns wieder der direct abzulesenden 
WEiss'schen Coefficienten. 

1. Jedem der durch die 7 Symmetrieebenen des Systems gebildeten 
24 gleichwerthigen Räume muss eine Fläche mit dem allgemeinen Zeichen 
a : ma : xa : nc (Pol 1 in Fig. 135) angehören. Die volle Form, 

Dihezagonale Bipyramiden (a:ma: — xa : nc); [hkil] haben 
demnach 24 Flächen, Fig. 136. 

Von den 24 Flächen schneiden je 12 das obere positive Ende der Verticalaxe, je 12 
das untere negative Ende derselben, die ganze Form erscheint demnach als eine Doppel- 
pyramide, was durch den Namen zum Ausdruck gebracht wird. 
Die Begrenzungsflächen sind ungleichseitige Dreiecke, also asym- 
metrisch. Die 36 Kanten sind dreierlei Art: 12 Mittelkanten z 
liegen in der horizontalen S-E, 12 Polkanten x und 12 Polkanten y 
liegen in den verticalen 8-E. Ecken : 2 Polecken, sowie 6 spitzere 
und 6 stumpfere Mittelecken. Winkel ebenfalls dreierlei Art: 
nämlich solche an den Mittelkanten z, solche an den Polkanten x 
und solche an den Polkanten y. 

A n m. Dihexagonale Bipyramiden, bei denen die Winkel x 
und f/ gleich sind, deren Querschnitt also ein regelmässiges Zwölf- 
seit ist, können nicht auftreten, da alsdann die Axen abschnitte 
irrational werden. Es wird nämlich m == 1 + 1/^3. 

Durch Veränderung der Coefficienten von m und n gehen spitzere 
und stumpfere dihexagonale Bipyramiden hervor; nur in den nach- 
stehenden Fällen resultiren besondere Formen. 

2. Wird in den dihexagonalen Bipyramiden der Winkel an der Pol- 
kante ^ = 180®, gleichbedeutend mit m = oo, so fallen je 2 in der 

Kante x zusammenstossende Flächen zusammen: 
Hexagonale Bipyramiden I Art (a : ooa : — a : nc); 
ihOhl], Fig. 137, Pol 2. 

Doppelpyramide mit 12 Flächen, von denen 6 dem oberen, 
6 dem unteren Pol angehören ; die Flächen bilden gleichschenklige 
Dreiecke, sind also monosymmetrisch. Kanten, Ecken und Winkel 
sind zweierlei. Die Horizontalaxen münden in den horizontalen Ecken. 

3. Wird in den dihexagonalen Bipyramiden der 
Winkel an der Polkante y= 180®, gleichbedeutend mit 
a^z=ma„j also m = l^ so fallen je 2 in der Kante y 
zusammenstossende Flächen zusammen: 
Hexagonale Bipyramiden II Art (a:a: — ^liamc); 
\h.h.2hj}, Fig. 138, Pol 3. 

Die Form hat wiederum 12 Flächen und stimmt hinsichtlich 
ihrer Gestalt, der Zahl und Beschaffenheit der Flächen, Kanten, 
Ecken und Winkel völlig mit der Bipyramide I Art überein; sie 
unterscheidet sich nur durch ihre Orientirung zu dem Axenkreuz, 

indem sie um 30° gedreht erscheint. Demnach münden die Horizontalaxen in den 

Mitten der horizontalen Kanten. 



Fig. 187. 




Fig. 138. 




2. Hezagonales System. VI. Kl. Holoedrie. 



73 



Für alle übrigen zwischen cx> und 1 liegenden Werthe von m bleibt 
die allgemeine Gestalt der dihexagonalen Bipyramide erhalten, so dass 
die Bipyramiden I und II Art als Grenzformen der dihexagonalen Bi- 
pyramide zu betrachten sind. Dagegen gehen für n = oo, gleichbe- 
deutend mit Winkel an den Mittelkanten z =- 180 '^, aus den 3 Doppel- 
pyramiden 3 neue Grenzformen, nämlich 3 Prismen hervor. 



4. Aus der dihexagonalen Bipyramide resultirt als 
Grenzformen für w = oo das dihexagonale Prisma 
{a i mal — ^ a : c» c) ; [TikiO]^ Fig. 139, Pol 4. 

12 der Verticalaxe parallele Flächen von monosymmetrischer 
Symmetrie; zweierlei Winkel. 

5. Aus der hexagonalen Bipyramide I Art in gleicher 
Weise das hexagonale Prisma I Art a : ooa : — a : ooc); 
{hOhO}, Fig. 140, Pol 5. 

6 der Verticalaxe parallele Flächen von disymmetrischer 
Symmetrie; nur 1 Art Winkel von 120®; die Axen münden in 
den Mitten der Kanten. 

6. Aus der hexagonalen Bipyramide II Art in gleicher 
Weise das hexagonale Prisma II Art (a : a : — ^jfaicyoc); 
\1120}, Fig. 141, Pol 6. 

Form die gleiche wie das Prisma I Art, nur um 30 ® gegen 
das Axenkreoz gedreht, sodass die Axen in den Mitten der Flächen, 
die ebenfalls disymmetrisch sind, münden. 

7. Endlich geht für n = aus allen 3 Bipyra- 
miden die gleiche Form, die hexagonale Basis 
(co a : ooa : ooa : c); {0001\ hervor. 

Nur 2 parallele Flächen (s. die obere und untere Begrenzung 
der Figuren 139—141) von hexasymmetrischer Symmetrie, die der 
horizontalen Symmetrieebene parallel laufen. 

Die 7 einfachen Formen der Holoedrie 
bestehen demnach aus 3 Bipyramiden, aus 
denen als Grenzformen einerseits 3 Prismen, 
andererseits für alle gemeinsam die gleiche 
Basis hervorgehen. Die Flächen der Prismen . 
I und n Art, sowie die der Basis entspre- 
chen den Symmetrieebenen dieser Klasse. 
In die Fig. 142, aus der neben der 
Symmetrie der Klasse auch die Lage der 
Axen und der Zonenverband hervorgeht, 
sind die nachstehenden Flächen verzeichnet: 

die dihexagonale Bipyramide . . . . s=^\hhil] 

2 hexagonale Bipyramiden I Art . . . r = {1011] 

und q = {1012} 



Fig. 139. 



^ 



[3 



Fig. 140. 



.{-.-5K^ 





Fig. 141. 









1 


^Z>1 


-•^ 


1 
i 
1 

i 
1 




-' 




- 








74 2. Hexagonales System. VI. Kl. Holoedrie. 

die hexagonale Bipyramide II Art . . p = {1121\ 

das hexagonale Prisma I Art . . . . n = {1010\ 

das hexagonale Prisma II Art . . . . m^={1120\ 

die hexagonale Basis c=={0001\ 

A n m. Die Formen I und II Art lassen sich, wenn sie einzeln auftreten, nicht 
unterscheiden; nur in Combination oder mit Rücksicht auf das festgelegte Axenkreuz 
wird das möglich. In Fig. 143 ist die Orientirung der 
Formen I Art (AA), der Formen II Ait (BD) und der di- 
hexagonalen Formen (C'C) sowohl zu einander, wie zu den 
Horizontalaxen zur Anschauung gebracht. — Da die 3 Pris- 
men und die Basis für sich den Raum nicht abschliessend 
so kann keine dieser 4 Formen allein, sondern muss stets 
in Combination mit anderen auftreten. 




Naumann's Bezeichnung. Die sogen. Grundform, 
die hexagonale Bipyramide I Art (a : oo a : — a -. c) erhält 
das Zeichen P. Für alle Übrigen durch m und n modi- 
ficirten Formen gilt die Vorschrift, dass der Coefficient der 
Verticalaxe stets vor P, derjenige der Horizontalaxe, soweit 
er nicht 1 oder oo ist, die nicht geschrieben werden, hinter 
P steht. Demnach sind die Zeichen für die 7 einfachen Formen der Reihe nach : 
nPm, nP, n P 2, ooPw, oo P, oo P 2, o P. 

Gombinationen. Die Deutung der holoedrischen Combinationen 
ist sehr einfach. Man stellt die Erjstalle so auf, dass die 6-zähIige 
Sjmmetrieaxe vertical steht. Nachdem man sich beliebig über die Art 
einer der auftretenden hexagonalen Bipyramiden oder Prismen entschieden 
hat, gehören alle in der Zone der Mittelkante irgend einer Bipyramide 
I Art gelegenen Flächen den Formen I Art, die in der Zone der Mittel- 
kante der Bipyramide II Art liegenden Flächen den Formen 
*^'_ II Art an. Die Formen, die weder in die eine noch die 

andere Zone fallen, sind solche der dihexagonalen Bi- 
pyramiden oder Prismen. Wie ersichtlich liegen die Formen 
jif II Art über den Kanten der Formen I Art und umgekehrt, 
während die dihexagonalen Formen in beiden Fällen den 
^^n^^ Kanten schief aufsitzen, demnach gehören also Formen, 
deren Flächen die Kanten einer Art gerade abstumpfen, 
der anderen Art an. Eine hexagonale Combination stellt Fig. 144 dar 
{Beryll). _M={10l0\, u = {20'21}, p = \1011}, m = \0001\, 
s={1121}, k = {2l'31l 

Die Zwillinge der holoedrischen Klasse bieten nichts Besonderes. 
Beispiele für die Holoedrie des hexagonalen Systems sind sehr 
selten: Beryll. 

Hemiedrische Klassen. 

Die Formen der Holoedrie können durch einmalige Anwendung der 
Hemiedrie in fünffach verschiedener Weise eine Verminderung ihrer 



M 



2. Hexagonales System. YII. Kl. Hemimorphie der Holoedrie. 75 

Symmetrieebenen erfahren, liefern also 5 hemiedrische Symmetrieklassen, 
von denen eine die Eigenschaft der Hemimorphie besitzt. 



YII. Klasse. Hemimorphie der Holoedrie. 
(Dihexagonal'pyramidale Klasse, Hemimorphe Heiniedrie,) 

3 + 3 S-E, vertical, unter 8O0 sich schneidend, 1 polare seehtsühllge S-A; kein 8-C. 

Da die holoedrische Klasse eine zu einer singulären Axe senkrechte 
S-E besitzt, so kann diese für sich allein unterdrückt werden. Die ent- 
stehenden Formen heissen nach Früherem fS. 43) hemimorph. Auch 
ohne Figur ist leicht einzusehen, dass nur diejenigen holoedrischen Formen, 
deren Flächen die singulare Axe schneiden, in besondere Halbfl'achner 
zerfallen; es gehen also aus den 3 Bipyramiden correlate obere und 
untere Pyramiden hervor und die Basis fallt in 2 Einzelflächen aus 
einander. Dagegen bleiben die Prismen geometrisch unverändert. Die 
Yerticalaxe wird einseitig (polar) und damit hängt das pyroelektrische 
Verhalten zusammen. 

Die 7 einfachen Formen dieser Hemimorphie bezw. Hemiedrie 
sind demnach: 

1*. Dihexagonale Pyramiden, oben{hkil\ und \Z^^' 

unten{ hkil]^ Fig. 145. Flächen asymmetrisch. _ 

2*. Hexagonale Pyramiden I Art, oben{hOhl\ 
und unten \hOhl\. Flächen monosymmetrisch. 

3*. Hexagonale Pyramiden H Art, 
oben{h .h.^h.l] und unien{h .h .^h .1]. Flächen monosymmetrisch. 

4. Dihexagonale Prismen {hkiOl Flächen asymmetrisch. 

5. Hexagonales PrismalArt \1010]. Flächen monosymmetrisch. 

6. Hexagonales Priama:lIArt{llJiiO\, Flächen monosymmetrisch. 
7*. Basis, obtn{0001] und unten{0001\. Flächen hexasymmetrisch. 
Da alle hemimorphen Formen offene sind, so können sie nie einzeln, 

sondern müssen stets in Combination auftreten. 

Beispiele. Rothzinkerz, Wurtzit und Oreenockit, Jodsilber. 

Vni. Klasse. Trigonale Hemiedrie. 

(Ditriganal-blpyramidaJe Klasse.) 

4 S-E, davon 1 horisontal und 3 unter 00<> sich sehneldende vertlenl. 4 S-A, davon 
1 dreisAhllg und vertical, sowie 3 sweisAhllge horisontal. S-G fehlt. 

Die trigonale Hemiedrie geht aus der Holoedrie hervor, indem 
deren Formen 3 der verticalen S-E verlieren. Trägt man in die dieser 




76 



2. Hexagonales System. YIII. El. Trigonale Hemiedrie. 




^«- 146. verminderten Symmetrie entsprechenden 

Symmetriefigur die Pole der 7 möglichen 
Flächenlagen ein, so lehrt der Anblick, 
dass durch diese Hemiedrie die dihexa- 
gonale Bipyramide, die Bipyramide 
I Art, das dihezagonale Prisma und 
das Prisma I Art in besondere Halb- 
flächner zerfallen, während die Formen 
n Art und die Basis geometrisch unver- 
ändert bleiben, sich aber durch geringere 
krystallographische Symmetrie unterschei- 
den, Fig. 1461). 

Die 7 einfachen Formen der trigonalen Hemiedrie sind dem- 
nach : 

1. *Ditrigonale Bipyramiden^o«{ÄÄ;*?| und neg{ikhl\, 
Fig. 147. 

12 Flächen, asymmetrisch (ungleichseitige Dreiecke). Polkanten und Polkanten- 
winkel abwechselnd ungleich. 6 gleiche, in einer Ebene liegende Mittelkanten, in 
deren Ecken die Horizontalazen münden. 

2. '"Trigonale Bipyramiden I Art po8{h0hl] und neg{0hhl}, 
Fig. 148. 

6 Flächen, monosymmetrisch (gleichschenklige Dreiecke). 8 gleiche, in einer 
Ebene liegende Mittelkanten, in deren Ecken und Mitten die Horisontalaxen münden. 



Fig. 147. 



Fig. 149. 




Fig. 148. 




Fig. 150. 



kanten. 



3. Hexagonale Bipyramiden II Art {h.h/^hJ}. 
6 asymmetrische Flächen, sonst wie die holoedrische Form. 

4. *Ditrigonale Prismen posl hkiO] und neg{ikhO}^ Fig. 149. 
6 monosymmetrische Flächen mit abwechselnden Winkeln an den Vertical- 



') In Fig. 146 sind die Flächen des Prismas I Art als S-E unterdrückt; im 
Wesen wird nichts geändert, wenn statt ihrer die Flächen des Prismas II Art als 
S-E verschwinden. Die resultirenden trigonalen Hernieder sind dann 11 Art» während 
die Formen I Art als hexagonale erhalten bleiben. 



2. Hexagonales System. IX. El. RhomboedriBche Hemiedrie. 



77 



5^*Trigonale Prismen I Art Fig. 151. 

pos{1010} und neg{0110], Fig. 150. 

3 monosymmetrische Flächen mit 
gleichen Winkeln von 60® an den Veriical- 
kanten. 

6. Hexagonales Prisma n Art 
\1120]. 

6 monosymmetrische Flächen , sonst 
wie die holoedrische Form. 

7. Basis \0010l 
2 trisymmetrische Flächen, sonst wie 

die holoedrische Form. 

Fig. 151 stellt die Orientirung 
der trigonalhemiedrischen Formen zu 
einander und zu den Axen dar, so- Vi 

wie das Zerfallen der dihexagonalen 

Formen in 2 correlate (±) ditrigonale und der hexagonalen Formen 
I Art in 2 correlate (±) trigonale Hemieder. 

Beispiele sind bisher nicht bekannt geworden. 




Fig. 152. 



IX. Klasse. Rhomboedrische Hemiedrie. 

(BitrigonaUsTcdlenoedrische Klasse,) 

8 vertleale, ileb nntor 60 o •ebnaidonde S-E. 4S-A, davon 1 drcIsAhllg und ver- 
tlcal, soirle 8 awelsAhllge horisontal. S->C Torhnnden. 

Die rhomboedrische Hemiedrie leitet sich aus der Holoedrie ab 
durch Austritt der einen horizontalen und von 3 verticalen S-E. Trägt 
man in die zugehörige Symmetriefigur 152 
die Pole der 7 möglichen Flächenlagen 
ein, so übersieht man, dass von den 7 ein- 
fachen Formen dieser Klasse nur die Pole 
1 und 2 besonders gestaltete Hemieder, 
nämlich Skalenoeder und Rhomboeder 
ergeben, während die übrigen 5 Pole die- 
selbe Flächenzahl erfordern wie in der 
Holoedrie, daher diese Formen den entspre- 
chenden holoedrischen geometrisch gleich 
sind. Correlate Formen sind nur stellungs- 
yerschieden und durch Drehung in einander 
überzuführen. 




Die 7 einfachen Formen sind: 



78 



2. Hezagonales System. IX. El. Rhomboedrische Hemiedrie. 



Fig. 153. 





1. *Ditrigonale Skalenoeder pos{hkiI] und 
neg{khJll Fig. 153, 

hervorgehend aus der dihezagonalen Bipyramide. 12 Flächen, 
asymmetrisch (angleichseitige Dreiecke). 6 schärfere und 6 stumpfere 
Polkanten wechseln neben und über einander ab. 6 auf- und ab- 
steigende Mittelkanten, in deren Mitten die horizontalen Axen 
münden. Dreierlei Winkel. 

2. *Rhomboeder poslhOhl] und neg {Ohhll, 

Fig. 154, 

hervorgehend aus der hexagonalen Bipyramide I Art. 6 rhombische 
Begrenzungsflächen, monosymmetrisch (die verticale Diagonale der 
Rhomben bildet die Symmetrielinie). 6 gleiche Polkanten, die 
zu je 3 alternirend über oder unter einander liegen. 
6 auf- und absteigende Mittelkanten, in deren Mitten 
die horizontalen Axen münden. 1 Art Winkel, da sich 
die Winkel an den Pol- und Mittelkanten zu 180* er- 
gänzen. 

3. Hexagonale Bipyramiden 11 Art 
{h.h.JhJl 

Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedr. Form. 

4. Dihexagonale Prismen \hJciO}, 

Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

5. Hexagonales Prisma I Art {1010}. 
Flächen monosymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

6. Hexagonales Prisma II Art {11J20], 
Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

7. Basis \0001l 

Flächen trisymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

Anm. Dass in der rhomboedrischen Hemiedrie nur die dihexagonalen Bi- 
pyramiden und die hexagonalen Biyramiden I Art besonders gestaltete Hemieder liefern, 

lässt sich auch in der schon beim 
regulären System angewendeten Weise 
zeigen, indem man die hemiedrische 
Zerfällung an jeder einzelnen holo- 
edrischen Form ausführt. Nur die 
Flächen der beiden genannten holo- 
edrischen Formen stehen nicht senk- 
recht auf den Symmetrieebenen dieser 
Klasse. Wählt man nach Maassgabe 
der hier vorhandenen Symmetrie, wie 
das in den Fig. 155 u. 156 geschehen 
ist, die erhalten bleibenden und die 
verschwindenden Flächen aus, so re- 
sultiren einerseits Skalenoeder, andererseits Rhomboedcr, und man erkennt zugleich, 
dass bei diesen Formen die Horizontalaxen nicht in den Ecken, sondern in den Mitten 
der Mittelkanten ausmünden müssen. 

Combinationen. Die Aufstellung erfolgt so, dass die 3-zählige 
Symmetrieaxe vertical steht. Bei Deutung rhomboedrischer Combinationen 
hat man immer von einem, im Uebrigen willkürlich zu wählenden 



Fig. 155. 



Fig. 156. 





2. Hexagonales System. IX. Kl. Rhomboedrische Hemiedrie. 



79 



Rhomboeder auszugehen. Alle anderen Rhomboeder derselben Gombination 
unterscheiden sich nur durch die Länge des Abschnittes auf der Vertical- 
axe und eventuell durch das Vorzeichen, d. h. die Stellung zum Axen- 
kreuz. um diese Unterschiede durch eine kurze, aber geometrisch aus- 
reichende Bezeichnung auszudrücken, bedient man sich mit dem Vortheil 
des von Naumann eingeführten Buchstabens R für dasjenige Rhomboeder, 
dessen Flächen die Axe c im Abstände 1 schneiden, und das auch wohl 
Hauptrhomboeder genannt wird. Alle übrigen Rhomboeder werden dann 
als + 2JS, +31?, + V^-R» i V*^ ^« 8. w. unterschieden, je nachdem 
sie die Verticalaxe in 2-, 3-, ^/ä-, ^/4- etc.-fachem Abstand schneiden. 
Alle Rhomboeder, die ihre Flächen nach derselben Richtung wie 
das Ausgangsrhomboeder wenden, haben das gleiche, also positive Vor- 
zeichen, die ihre Kanten in diese Richtung wenden, das negative Vor- 
zeichen. — Dasjenige Rhomboeder, das die Kanten eines anderen, etwa 
-\-It gerade abstumpft, hat nur eine halb so lange Verticalaxe, heisst 
daher erstes stumpferes und hat entgegengesetztes Vorzeichen, also 

2-R (Fig. 157); umgekehrt ist das Rhomboeder -f-B das erste spitzere 

1 



Das zweite stumpfere -r- R und das zweite 
spitzere 4 R haben wieder dasselbe Vorzeichen wie das Ausgangsrhombo- 



zu dem Rhomboeder — ^R, 



Fig. 157. 




Fig. 158. 



Fig. 159. 




Fig, 160. 



Fig. 161. 




eder. — Stets giebt die Lage irgend einer Rhomboederfläche die Stellung 
der Formen I Art an; es muss also das Prisma I Art stets unter den 
Rhomboederfläche n erscheinen, also die Ecken abstumpfen , Fig. 158 
u. 159, während das Prisma II Art die Mittelkanten des Rhomboeders 
abstumpft, Fig. 160 u. 161 (s. auch Fig. 172, wo das Rhomboeder P die 
Art [II Art] des Primas s und der Bipjramide r bestimmt). 

Was die Vorzeichen der Skalenoeder anlangt, so erhalten dieselben 
ein positives Vorzeichen, wenn deren stumpfere Polkanten über den 
Flächen eines positiven Rhomboeders liegen, sie werden negativ, wenn 
ihre schärferen Kanten diese Lage haben. 

Jedem Skalenoeder lassen sich 3 Rhomboeder einschreiben, welche 
mit jenem entweder die Mittelkanten Fig. 162, oder die schärferen (kürzeren) 
Polkanten Fig. 163, oder die stumpferen (längeren) Polkanten Fig. 164 
gemeinsam haben. Ebenso sind 2 umschriebene Rhomboeder, das der 



80 2. Hexagonales System. IX. Kl. Rhomboedrische Hemiedrie. 

schärferen Fig. 165 und das der stumpferen Kanten Fig. 166 möglich. 
Die Indices dieser 5 Rhomboeder lassen sich durch Deduction aus dem 
Zonenverbande leicht herleiten, da in jedem Fall eine Rhomboederfläche 

Fig. 162. Fig. 163. Fig. 164. Fig. 165. Fig. 166. 








in die Zone zweier Skalenoederkanten fällt. Zwei der Rhomboeder, das 
eingeschriebene der stumpferen Kanten und das umschriebene der schärferen 
Polkanten, unterscheiden sich auch noch durch das Vorzeichen von dem 
Skalenoeder und den 3 anderen Rhomboedern. 

Da zu jedem Skalenoeder ein Rhomboeder mit den gleichen Mittel- 
kanten existirt, so ist ein jedes Skalenoeder geometrisch bestimmt, sobald 
man neben dem Zeichen des zugehörigen Mittelkanten-Rhomboeders noch 
das Yerhältniss kennt, in dem die beiderseitigen Verticalaxen zu einander 
stehen. Auf diesem Umstände beruht das wegen seiner Kürze viel ge- 
brauchte NAUMANN^sche Symbol fQr die Skalenoeder. Man schreibt das 
Zeichen des zugehörigen Mittelkanten-Rhomboeders und setzt hinter 
dasselbe den Quotienten aus der Yerticalaxe des Skalenoeders dividirt 
durch die des Rhomboeders. So bedeutet Jßs ein Skalenoeder, dessen 
Yerticalaxe dreimal so lang ist als die des zugehörigen Mittelkanten- 
Rhomboeders 22. 

Die Fig. 167 — 173 stellen rhomboedrische Combinationen dar, und zwar: 

Fig. 167. Skalenoeder mit Prisma II Art. 

Fig. 168. Rhomboeder (P) mit Rhomboeder der Mittelkanten (r) ; beide Formen 
haben das gleiche Vorzeichen. 

Fig. 169. 2 Rhomboeder (P und m) und 2 Skalenoeder (r und y); P ist für r 
das Rhomboeder der Mittelkanten, m für y das umschriebene Rhomboeder der Pol- 
kanten; alle Formen haben das gleiche Vorzeichen. 

Fig. 170. Positives Skalenoeder mit Prisma I Art und negativem Skalenoeder. 

Fig. 171. Rhomboeder mit 2 Skalenoedern, die verschiedenes Vorzeichen haben. 

Fig. 172. Rhomboeder (P) mit Prisma II Art («) und Bipyramide II Art (r). 

Fig. 178. Rhomboeder (P) mit dem zweiten stumpferen Rhomboeder («) und 
Bipyramide II Art («). 

Zwillinge. Ergänzungszwillinge nach dem Prisma I Art, wobei 
die gemeinsame Basis Verwachsungsfläche und die Symmetrie der holo- 
edrischen Formen wieder hergestellt wird, sind nicht selten (Fig. 174); 



2. Hexagonales System. X. Kl. Pyramidale Hemiedrie. 



81 



nicht minder normale Zwillinge nach verschiedenen Rhomboederflächen 
(Fig. 175). Für beides liefert der Kalkspath Beispiele. 



Fig. 167. 




Fig. 172. 




Fig. 168. 




Fig. 173. 




Fig. 169. 



Fig. 170. 



Fig. 171. 






Fig. 174. 




Fig. 175. 




Beispiele der rhomboedrischen Hemiedrie sind sehr häufig: Kalk- 
spath, Korund, Eisenglanz etc. 



Fig. 176. 



X. Klasse. Pyramidale Hemiedrie. 

(HexagonaUhipyramidale Klasse.) 

1 horisontale S-E, 1 verticale ■cchss&hllffe S«A. S-C vorhanden. 

Die pyramidale Hemiedrie geht aus der Holoedrie hervor, indem 
deren Formen alle 6 verticalen S-E verlieren. Trägt man in die dieser 
verminderten Symmetrie entsprechende 
Symmetriefigur die Pole der 7 möglichen 
Flächenlagen ein, so lehrt der Anblick, 
dass durch diese Hemiedrie nur die di- 
hexagonale Bipyramide und das di- 
hexagonale Prisma in besondere Halb- 
flächner zerfallen, während die übrigen 
Formen geometrisch unverändert bleiben 
(Fig. 176). 

Die 7 einfachen Formen der pyra- 
midalen Hemiedrie sind demnach: 




Klockmann, Mineralogie. 8. Aufl. 



6 



82 



2. Hezagonales System. X. KI. Pyramidale Hemiedrie. 



1. *Hexagonale Bipyramiden III Art pos{hkil] und negiikhlU 
gehen aus der dihezagonalen Bipyramide hervor und gleichen geometrisch den Bi- 
pyramiden I und II Art, von denen sie sich nur durch die Stellung zu den Horizontal- 
axen, die weder in den Ecken noch in den Mitten, sondern an wechselnder Stelle 
der Mittelkanten münden, und durch ihre asymmetrischen Flächen unterscheiden. 

2. Hexagonale Bipyramiden I Art {hOhl}. 
Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

3. Hexagonale Bipyramiden 11 Art [h.h.^.l]. 
Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

4. *Hexagonale Prismen III Art pos{hkiO] und neg{ikhO}, 
gehen aus dem dihexagonalen Prisma hervor und gleichen geometrisch den Prismen 
I und II Art. Der Unterschied liegt darin, dass die Horizontalaxen an wechselnder 
Stelle der Flächen, nur nicht in den Ecken und Mitten derselben münden, und dass 
die Flächen monosymmetrisch sind. 

5. Hexagonales Prisma I Art {1010], 
Flächen monosymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

6. Hexagonales Prisma II Art {1120\. 
Flächen monosymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

7. Basis {OOOll 

Flächen monosymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

Die beiden besonderen Formen dieser Hemiedrie sind somit ausser- 
lieh nur durch ihre Orientirung zum Axenkreuz von den entsprechenden 
Formen I und 11 Art unterschieden, zwischen denen sie 
gewissermassen liegen. Sie heissen daher auch wohl 
Formen der Zwischenstellung. Das Schema Fig, 177 
erläutert diese Zwischenstellung der Bipyramiden 
und Prismen III Art zwischen denen I und II Art. 
Man versteht auch sofort, dass die Formen IH Art, 
ebenso wie die I und II Art, nur dann als solche 
erkannt werden können, sobald sie mit einander in 
Gombination auftreten. Was dann im Uebrigen als 
Form I, II oder III Art bezeichnet werden soll, 
hängt Yon dem Belieben des Beschauers ab. 

Beispiele der pyramidalen Hemiedrie liefern die 
Mineralien der Apatitgruppe: Apatit, Pyromorphit, Mime- 
tesit etc. Fig. 178 stellt ^ine gewöhnliche Gombination 
des Apatjts dar: M = {10io}, P = {0001}, x = \1011\, 
s = {llJ21l u = {lJ231]. 





2. Hezagonales System. XL Kl. Trapezoedrische Hemiedrie. 



83 



Fig. 179. 



XI. Klasse. Trapezoedrische Hemiedrie. 

(Hexagonal'trapezoedrische Klasse,) 

Keine S-E. 7 A-A, davon 1 ■echas&hlige vertfcal und sweisAhlig e horlsontal ; kein 
8-C. Die Formen alnd daher enantiomorph. 

Sämmtliche S-E der holoedrischen Formen sind in der trapezo- 
edrischen Hemiederie verloren worden. Aus der beistehenden Symmetrie- 
figur ergiebt sich alsdann, dass nur die 
dihexagonalen Bipyramiden in besondere 
Halbflächner zerfallen, während die übrigen ' 

holoedrischen Formen in dieser Symmetrie- ■ / 

klasse geometrisch unverändert bleiben; da- / 

gegen ist bei allen Formen die Flächen- 
symmetrie asymmetrisch. 

Die besonderen, aus der dihexagonalen 
Bipyramide hervorgehenden Formen heissen 

* Hexagonale Trapezoeder, rechts 
)hkil} und link${ikhl\, Fig. 180 u. 181. 

12 Flächen, asymmetr. (Trapeze). 12 gleiche 
Polkanten , 6 -f- ^ ^uf- und absteigende Mittel- 
kanten. Die Axen münden an wechselnder Stelle, 

jedoch nicht in der Mitte und nicht in den Ecken Fig. 180. Fig. 181. 

der Mittelkanten. Die correlaten Formen sind 
als rechte und linke zu unterscheiden. 



Beispiele für diese Hemiedrie kennt 
man unter den Mineralien noch nicht ; nur 
einige künstliche Salze sind als hierher 
gehörig bekannt. 





Tetartoedrische Klassen. 

Von den 5 vorstehend beschriebenen hemiedrischen Klassen be- 
sitzen 4 noch Symmetrieebenen, können also noch weiter hemiedrisch 
werden; die dabei hervorgehenden Formen sind mit Rücksicht auf die 
Holoeder demnach tetartoedrisch. Derartige tetartoedrische Klassen lassen 
sich im Ganzen 5 ableiten; von diesen tragen 2 den Charakter der 
Hemimorphie, da sie durch den Verlust einer singulären Symmetrie- 
ebene, wie solche sich noch bei der trigonalen und pyramidalen Hemi- 
edrie findet, entstehen. Diese beiden hemimorphen Klassen sollen zu- 
nächst aufgeführt werden. 



84 2. Hexagonales System. XII. Kl. Hemimorphie der trigonalen Hemiedrie. 



XII. Klasse. Hemimorphie der trigonalen Hemiedrie. 
(Ditriganal'pyramidale Klasse.) 

8 verticale 5-E, die steh unter 600 sehnelden. 1 verCfcale dreisAhllge polare S-A. 
Kein 5-C. 

Die Symmetrieklasse geht mit demselben Resultat aus Klasse VII 
(Hemimorphie der Holoedrie) hervor, indem 3 der verticalen S-E unter- 
drückt werden, wie aus Klasse VIEI (trigonale Hemiedrie) durch Aus- 
einanderfallen der Formen nach der horizontalen S-E. Legen wir die 
letztere Entstehung zu Örunde, so erkennen wir sofort, dass sich die 
Formen der trigonalen Hemiedrie wiederholen mit dem unterschied, dass 
deren Bipyramiden in je 2 correlate Pyramiden zerfallen, die in ihrem Auf- 
treten unabhängig von einander sind. Die Basis zerfällt in 2 Einzelflächen. 

Die 7 einfachen Formen dieser Hemimorphie bezw. Tetarto- 

edrie sind demnach: 

1. *Ditrigonale Pyramiden, ö6«/i{ÄA:in u.{ihklU 

/y\\Ss. ^ correlate Formen mit asymmetrischen Flächen (Fig. 182). 

//' I \ >N. 2. *Trigonale Pyramiden lArt, ohen{hOhl] u. 

^"""l"'"" Nl lOhhll unten{hOhi] u,{Ohhl}. 

4 correlate Formen mit monosymmetrischen Flächen. 

3. *Hexagonale Pyramiden II Art \h ,h .^h . l]u,\h ,h . J^h , l i, 
2 correlate Formen mit asymmetrischen Flächen. 

4. *Ditrigonale Prismen, oben{hkiO] und unten {Ich iO\. 
2 correlate Formen mit asymmetrischen Flächen. 

5. *Trigonale Prismen I Art, oben{1010} und unten{0110U 
2 correlate Formen mit monosymmetrischen Flächen. 

6. Hexagonales Prisma II Art {1120]. 

Geometrisch unveränderte Form, jedoch mit asymmetrischen Flächen. 

7. *Basis, oben{0001] und unten {0001}. 

2 correlate Formen aus je einer trisymmetrischen Fläche bestehend. 

Gombinationen. Als hemimorphe Formen sind sämmtliche Formen 
offene, können also niemals einzeln, sondern müssen stets in Combination 
auftreten. Die Gombinationen dieser wichtigen Hemimorphie haben ge- 
wöhnlich ausgeprägt rhomboedrischen Habitus, zumal wenn man bei 
pyramidaler Ausbildung der Krystalle nur einzelne Enden derselben zu 
Öesicht bekommt. Es gleicht dann die häufige Combination der tri- 
gonalen und ditrigonalen Pyramide mit dem hexagonalen Prisma II Art 
vollständig der rhomboedrischen Combination eines Rhomboeders mit 
Skalenoeder und Prisma II Art. Sobald aber auch das entgegengesetzte 



2. Hezagonales System. XIJI. Kl. Hemimorphie der pyramidalen Hemiedrie. 85 



Ende des Krystalles zu beobachten ist oder sobald das trigonale Prisma 
I Art mit seinen 3 Flächen auftritt, ist die Verwechslung ausgeschlossen. 
Es wird dadurch yerständlich , wenn man die hierhergehörigen Formen 
früher als Hemimorphie der rhomboedrischen Hemiedrie aufgefasst hat. 
Durch die Gombination des trigonalen Prismas II Art mit dem Prisma 
I Art erlangen die Krystalle, z. B. die des Turmalins, einen charakte- 
ristischen 9-seitigen Querschnitt. 

Die bei der trigonalen Hemiedrie gegebene Fig. 151 ist auch hier 
geeignet, die Formen überhaupt, sowie deren relative Orientirung zu 
einander und zu den Horizontalaxen zu erläutern. 

Eine am Turmalin gewöhnliche Gombination ist in Fig. 183 zur 
Darstellung gebracht: P(oben^= { 1011 \ und P (unten) = { Olli}, ferner 

= {0211\ und n = {1012} sind trigonale Pyramiden, 

1 ^= {0110} ist ein trigonales, s = {1120} das hexagonale 
Prisma n Art. 



Fig. 183. 



l\ 



Zwillinge. Bei den tetartoedrischen Formen dieser 
Hemimorphie wird maft von vornherein mehrere Arten \ ^ 
charakteristischer Ergänzungszwillinge zu erwarten 
haben. Solche treten nach 3 Gesetzen auf: 1. durch sym- 
metrische Verwachsung zur Basis wird die Symmetrie der 
trigonalen Hemiedrie (Klasse VIII) wieder erworben ; 2. durch Verwachsung 
nach einem trigonalen Prisma I Art erlangen die Formen die Symmetrie 
der hemimorphen Hemiedrie (Klasse VH) und 3. nach dem hexagonalen 
Prisma II Art erlangen sie die Symmetrie der rhomboedrischen Hemi- 
edrie (Klasse IX). Zwillinge der letzten Art sind sehr häufig am 
Pyrargyrit. 

Beispiele: Pyrargyrit (Rothgültigerz), Turmalin. 



XIII. Klasse. Hemimorphie der pyramidalen Hemiedrie. 

(Hexagonal-pyramidale Klasse,) 

Ohne S-E, 1 verticale seehis&hllfe polare S*A| keine S-C. Die Formen ilnd 
eaantlomorph. 

Es wiederholen sich die Formen der pyramidalen Hemiedrie mit 
dem unterschied, dass deren Bipyramiden in je 2 selbständige correlate 
Pyramiden zerfallen und die Basis 2 Einzelflächen giebt. 

Die 7 einfachen Formen dieser Hemimorphie 
bezw. Tetartoedrie sind demnach: 

l.*Hexagonale Pyramiden III Art, ohen{h'kil} 
\inA{ilchl}, Fig. 184, unien{hTiil} und {ikhl\. 



Fig. 184. 




86 2. Hexagonales System. XIV. Kl. Trigonale Tetartoedrie. 

2. *Hexagonale Pyramiden I Art, oben{hOhl} und unten{hOhil 

3. *H exagonale Pyramiden II Art, oben{h.h .J^h.l] und unten 
{h.h.^hJ}. _ _ 

4. *Hexagonale Prismen III Art {hkiO} und [ikhO]. 

5. Hexagonales Prisma I Art {1010}, 

6. Hexagonales Prisma II Art {1120], 

7. *Basis, oben {0001] und unten {0001], 
Die Flächen aller Formen sind asymmetrisch. 

Da die einfachen Formen offene sind, so können nur Combinationen 
auftreten. 

Erg'änzungszwillinge nach den verloren gegangenen Symmetrie- 
ebenen sind charakteristisch: 1. durch symmetrische Verwachsung nach 
der Basis wird die Symmetrie der pyramidalen Hemiedrie, 2. durch Ver- 
wachsung symmetrisch zu den Prismenflächen I und II Art wird die 
Symmetrie der hemimorph-holoedrischen Klasse hergestellt. Treten beide 
Gesetze zugleich auf und sind dabei die Individuen durch einander ge- 
wachsen, so entstehen scheinbar holohexagonale Krystalle, wie das in 
typischer Weise am Nephelin der Fall ist. 

Beispiele: Nephelin und einige künstliche Salze. 



XIV. Klasse. Trigonale Tetartoedrie. 

(Trigonal-bipyramiddle Klasse,) 

1 horlsontale S-E, 1 vertlcale drelsAhlife S-A. Kein 8-C. 

Die trigonale Tetartoedrie geht aus der trigonalen Hemiedrie her- 
vor, indem deren Formen die verbliebenen 3 verticalen S-E verlieren, 
p. .g. Die resultirenden Formen besitzen alsdann 

^ noch eine horizontale S-E, können somit 

noch weiter einer hemimorphen Behand- 
lung unterworfen werden (s. Klasse XVII). 
Trägt man in die Symmetriefigur der 
trigonalen Tetartoedrie die Pole der 7 mög- 
lichen Flächenlagen ein, so ergiebt sich, 
dass mit Ausnahme der Basis sämmtliche 
Holoeder besondere tetartoedrische Formen 
liefern, die theils die Hälfte, theils den 
vierten Theil der holoedrischen Flächen- 
zahl besitzen (Fig. 185). 
Die 7 einfachen Formen der trigonalen Tetartoedrie sind der 
Reihe nach: 




2. Hezagonales System. XV. Kl. Trapezoedrische Tetartoedrie. 



87 




_ l.*TrigonaleBipyramidenIII Art lÄÄ:^/} (eigAS6\ und [khil] 
{ikhl} und [ihkl], 

4 correlate Formen; 6 asymmetrische Flächen. 

2. *Trigonale Bipyramiden I Art {hOhl] und {Ohhl}. 
2 correlate Formen; 6 asymmetrische Flächen. 

3. *Trigonale Bipyramiden II Art {h.h.J2h.l\ 
und {^ä.äTÄ.Z}. 

2 correlate Formen; 6 asymmetrische Flächen. 

4. *Trigonale Prismen III Art [hkiO] und 
ikhiO], {ikhO} und }ihkO]. 

4 correlate Formen; 3 monosymmetrische Flächen. 

5. *Trigonale Prismen I Art {1010} und {OllOl 
2 correlate Formen; 3 monosymmetrische Flächen. 

6. *Trigonale Prismen II Art [11^0] und {^i7ö}. 
2 correlate Formen; 8 monosymmetrische Flächen. 

7. Basis ]0001]. 

2 parallele, asymmetrische Flächen. 

Die 3 Bipyramiden und ebenso die 3 Prismen I, II und III Art 
unterscheiden sich nur durch ihre Stellung zum Axenkreuz; man kann 
sie also nur in Combinationen aus einander halten. 

Beispiele dieser Tetartoedrie sind nicht bekannt. 



XV. Klasse. Trapezoedrische Tetartoedrie. 
(Trigonal'trapezoedrische Klasse,) 

Keine S-E. 4 S-A, davon 1 drelB&hllg uad vertical, sowie 8 tweix&lilige IkorisonUl 
Kein S-C. Die Formen sind enantlomorpli. 

Die trapezoedrische Tetartoedrie geht aus der rhomboedrischen 
Hemiedrie hervor durch erneuerte Anwendung der hemiedrischen Zer- 
fallung. Dabei verlieren die Formen der 
rhomboedrischen Hemiedrie die ihnen ver- ^^^- ^^^• 

bliebenen 3 verticalen S-E, womit gleich- 
zeitig der Verlust des S-Centrums ver- 
knüpft ist, was die Enantiomorphie corre- 
later Formen bedingt. Die Krystalle dieser 
Symmetrieklasse zeigen Circularpolarisation. 

Aus der der Symmetrie der trapezo- 
edrischen Tetartoedrie entsprechenden Pol- 
figur ergeben sich in üblicher Weise die 
7 einfachen Formen mit der erforderlichen 
Flächenzahl. Es sind dies der Reihe nach : 




88 



2. Hezagonales System. XV. E^l. Trapesoedrische Tetarioedrie. 



Fig. 188. 



Fig. 189. 





Fig. 190. 



Fig. 191. 



1. *Trigonale Trapezoeder, rechts po8{hkil] u. rechts neg\kiklU 
links pos{ikhl] U. links negikhil], 

Tetartoedrische Formen der dihexagonalen Bipyramiden. 6 Flächen asym- 
metrisch (Trapeze), liegen abwechselnd über bezw. unter den 6 Polkanten. 6 auf- 

nnd absteigende Mittelkanten, die abwech- 
selnd gleich lang sind. Die Horizontalazen 
münden zwischen den Mitten und Ecken 
der Mittelkante. 2 Arten Winkel. Gorre- 
late rechte und linke Formen werden durch 
Drehung nicht mehr zur Deckung gebracht. 
(Fig. 188 u. 189 sind 2 enantiomorphe Tra- 
pezoeder.) 

2. *Rhomboeder pos{hOhl[ 
und n€g{Ohhl\, 

Entsprechen den Rhomboedem der 
Hemiedrie, Flächen aber asymmetrisch. 

3. *Trigonale Bipyra mid en, 
rechts{h.h.2h.l]\xviAlinks{2h.hJiAU 

Die beiden correlaten Formen gehen 
aus der hexagonalen Bipyramide 11 Art 
hervor. 6 Flächen asymmetrisch (gleich- 
schenklige Dreiecke). 6 Polkanten und 3 
in einer Ebene liegende Mittelkanten, in 
deren Ecken und Mitten die Horizontal- 
axen münden. 2 Arten Winkel (Fig. 190, 
links u. 191. rechts). 

4. *Ditrigonale Prismen, 
recht8{hkiO} und l%nks{ikhO}. 

Die beiden correlaten Formen gehen 
aus dem dihexagonalen Prisma hervor. 
6 tautozonale asymmetrische Flächen; an 
den Yerücalkanten 2 Arten Winkel, die 
abwechselnd gleich sind. Grenzform der 
trigonalen Trapezoeder (Fig. 192, links 
u. 193, rechts). 

5. ^Hexagonales Prisma 
I Art {10l0\. 

geometrisch übereinstimmend mit der holo> 
edrischen Form, aber mit asymmetrischen 
Flächen. 

6.*TrigonalePrismenIIArt, 
rechts{1120} und Unks{2JiO\. 

Die beiden correlaten Formen gehen 
aus dem hexagonalen Prisma II Art hervor. 
3 tautozonale asymmetrische Flächen, die 
unter Winkeln von 60 ** zusammenstossen 
(Fig. 194, links u. 195, rechts). 





Fig. 192. 



Fig. 193. 



Fig. 194. 



Fig. 195. 



2. Hezagonales System. XV. Kl. Trapezoedrische Tetartoedrie. 



89 



7. Basis [0001]. 
stimmt mit der holoedrischen Form überein, die Flächen sind aber asymmetrisch. 

Anm. Die trapezoedrische Tetartoedrie enthält demnach 2 Formen, Prisma 
I Art und Basis, die geometrisch von solchen der holoedrischen Abtheilung und 
3 Formen, Rhomboeder, Prisma I Art und Basis, die Ton solchen der rhomboedrischen 
Hemiedrie nicht abweichen. Dagegen sind die Trapezoeder, trigonalen Bipyramiden, 
die ditrigonalen und die trigonalen Prismen besondere Formen dieser Tetartoedrie. 

Combinationen. Die hierher gehörigen Combinationen werden 
am besten an den als Bergkrystall bezeichneten Quarzvarietäten studirt. 
Zwar haben die meisten Erystalle desselben einen holohexagonalen oder 
rhomboedrisch-hemiedrischen Habitus, sind aber als Combinationen tetarto- 
edrischer Formen stets durch ihre Aetzfiguren zu erkennen. In vielen Fällen 
treten jedoch auch äusserlich als tetartoedrisch erkennbare Flächen auf, 
namentlich Trapezoeder und trigonale Bipyramiden (sogen. Trapez- und 
Rhombenflächen). Die Unterscheidung, ob rechte oder linke Formen, 
lässt man davon abhängen, wie ihre Flächen zu denen des positiven 
Hauptrhomboeders liegen: Flächen rechts vom Hauptrhomboeder gehören 
rechten Formen an, sonst linken Formen. Die Fig. 196 u. 197 stellen 
am Quarz die Combinationen: das Prisma I Art r = {1010} j das posi- 
tive Hauptrhomboeder p = [1011]^ das correlate negative Rhomboeder 
z=\0111}, die trigonale Bipyramide (Rhombenfläche) s={211lU 
Fig. 196 bezw. s =^{11J21]^ Fig. 197 unddas trigonale Trapezoeder 
(Trapezfläche) x = {6151\, bezw. x = \5161} dar. In Fig. 196 liegen 



Fig. 196. 



Fig. 197. 



Fig. 198. 



Fig. 199. 







die Flächen s und x links von p; sie gehören daher linken Formen an 
und der Quarzkrystall wird entsprechend als Linksquarz bezeichnet. 
Fig. 197 stellt einen Rechtsquarz dar. Mit dieser Gruppirung rechter 
und linker Formen correspondirt das optische Verhalten; die Rechts- 
quarze drehen die Polarisationsebene des Lichts nach rechts, die Links- 
quarze nach links. 

Zwillinge. Besonderes Interesse bieten die Ergänzungszwillinge. 
Es herrscht dabei das Streben vor, die Symmetrie der hemiedrischen 
Klassen zu erwerben. Durchdringungszwillinge eines rechten und linken 
Krystalls nach einer Fläche des trigonalen Prismas (Fig. 198) stellen die 
Symmetrie der rhomboedrischen Hemiedrie wieder her, während je 



90 2. Hexagonales System. XVI. Kl. Rhomboedrische Tetartoedrie. 

2 rechte oder je 2 linke Krystalle (Fig. 199), nach einer Fläche des 
Prismas I Art verwachsen, die Symmetrie der trapezoedrischen Uemiedrie 
erlangen. Verwächst endlich ein rechter Krystall mit einem linken nach 
dem Prisma I Art und zugleich nach der Basis, so haben die ZwUlinge 
die Symmetrie der trigonalen Hemiedrie. Diese 3 Zwillingsgesetze finden 
sich am Quarz verwirklicht, auf dessen Beschreibung im speciellen Theil 
hier verwiesen sein mag. 

Beispiele für die trapezoedrische Hemiedrie liefern unter den 
Mineralien nur Quarz und Zinnober. 



XYI. Klasse. Rhomboedrische Tetartoedrie. 

(Rhomboedrische Klasse.) 

Kein S-E, 1 drels&hlige S-A, vertical. S-C vorhanden. 

Die Formen gehen aus der pyramidalen Hemiedrie durch Verlust 
der Basis als S-E hervor. Aus der Betrachtung der zugehörigen Sym- 
metriefigur ergeben sich die nachstehenden 7 einfachen Formen dieser 
tetartoedrischen Klasse : 

l.*Rhomboeder HI Art {hkil\ und {i¥hl\, \Uhl]\mA\khll\. 

Tetartoedrische Formen der dihexagonalen 
Fig. 200. Bipyramide ; unterscheiden sich von den Rhombo- 

edem der Hemiedrie nur durch ihre Stellung zu 
den Horizontalazen, die an wechselnder Stelle der 
auf- und absteigenden Mittelkanten münden, und 
durch die Asymmetrie der Flächen. 

2. *Rhomboeder I Art [höhl] und 
[Ohhl]. 

Tetartoedrische Formen der hexagonalen 
Bipyramide I Art; von dem Rhomboeder der 
Hemiedrie nur durch Asymmetrie der Flachen 
unterschieden. 

3. *Rhomboeder II Art [h.h.Yh.V. 
und \2h.h.h.l\. 
Tetartoedrische Formen der hexagonalen Bipyramide II Art; von dem Rhombo- 
eder der Hemiedrie durch Asymmetrie der Flächen und durch die Stellung zu den 
Horizontalaxen unterschieden. 

4. *Hexagonale Prismen III Art [hhiO] und {1chiO\. 
Tetartoedrische Formen der dihexagonalen Prismen; unterscheiden sich nur 

durch die Asymmetrie ihrer Flächen und ihre Stellung zum Axenkreuz von dem 
Prisma I und II Art. 

5. Hexagonales Prisma I Art \1010}, 
Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 





?w 




2. Hezagonales System. XVII. Kl. Ogdoedrische Klasse. 91 

6. Hexagonales Prisma II Art [11^0]. 
Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

7. Basis {0001}. 

Flächen asymmetrisch, sonst wie die holoedrische Form. 

In der rhomboedrischen Tetartoedrie finden sich 4 Formen, die 
geometriscli von den entsprechenden der Holoedrie verschieden sind ; die 
Rhomboeder 11 und III Art sind dieser Klasse ganz eigenthümliche 
Formen. — Die 3 Rhomboeder unter sich und ebenso die 3 Prismen 
weichen von einander nu^ durch ihre Stellung zu den Horizontalaxen ab 
und sind demgemäss nur in Combinationen unterscheidbar. 

Die Combinationen bieten zu 
Bemerkungen kaum Anlass. Wenn ^'«' 201. Fig. 202. 

nicht die Rhomboeder II oder III Art, 
bezw. das Prisma III Art vorhanden 
sind, so zeigen die Combinationen 
durchaus den Habitus der rhombo- 
edrischen Hemiedrie. In Fig. 201, 
einen Dioptaskrjstall darstellend, ist 
m ein Prisma II Art, r ein Rhomboeder I Art und s ein Rhomboeder 
ni Art. An dem Titaneisenkrystall Fig. 202 sind P und d Rhombo- 
eder I Art, n ein Rhomboeder II Art, o die Basis. 

Zwillinge. Zu erwähnen sind nur die Ergänzungszwillinge. 
Durchkreuzungszwillinge nach der Basis erwerben die Symmetrie der 
pyramidalen Hemiedrie , während solche nach einer Fläche eines hexa- 
gonalen Prismas die Symmetrie der rhomboedrischen Hemiedrie erlangen. 

Beispiele. Dolomit und die Mineralien der Phenakitgruppe 
(Phenakit, Willemit und Dioptas), ferner Titaneisen. 

Ogdoedrische Klasse. 

Die Formen der Klassen XII und XIV besitzen noch 3 gleich- 
werthige bezw. 1 singulare S-E, können also von neuem hemiedrisch 
zerfallen und liefern somit Achtelflächner oder Ogdoeder. Jedoch ist 
das Resultat in beiden Fällen dasselbe, sodass nur eine einzige ogdo- 
edrische Klasse zu unterscheiden ist. 

XVn. Klasse. Hemimorphie der trigonalen Tetartoedrie. 

(Trlgonal-pgranüdale Klasse.) 

Ohne S-E, 1 vertieale drels&hlige S-A, kein 8-C. Die Formen sinA enantimorph. 

Da sich diese ogdoedrische Klasse als Hemimorphie aus der trigonalen 
Tetartoedrie Klasse XIV durch Wegfall der noch vorhandenen S-E herleiten 



92 3. TetragoDales System. 




Fig. 203. lässt, so wiederholen sich deren Formen mit dem 

Unterschied, dass alle Bipyramiden in selbststandige 
Pyramiden zerfallen und die Basis 2 Einzelfl'ächen liefert. 
Die 7 einfachen Formen dieser Hemimorphie 
bezw. Ogdoedrie ergeben sich daher unmittelbar aus 
den in jener Symmetrieklasse aufgeführten Formen. In Fig. 203 ist eine 
obere trigonale Pyramide, die aus einer der trigonalen Bipyramiden her- 
vorgeht, dargestellt. 

Beispiele aus dem Mineralreich sind nicht bekannt. 



3. Tetragonales System. 

(Quadratisches System.) 

Das tetragonale System begreift alle SymmetrieJclassen, deren Formen 
sich auf 3 rechtwinklige Axen beziehen lassen, von denen 2 gleich gross 
sind, während die dritte Äxe davon verschieden, grösser oder kleiner ist- 

Daraus folgt 

1. für die Symmetriecharakteristik des Coordinatensystems bezw. 
der holoedrischen Klasse: 5 S-E, 5 S-A, 1 S-C und 

2. für die geometrischen Constanten des Erystallsystems 

a:a:c\ a = 90^ ß = 90«, 7 = 90^. 

Die Axenelemente enthalten somit nur die eine Unbekannte - 

% ... *^ • 

sodass zur Bestimmung der Axenelemente eine einzige Winkelmessung 

genügt. 

Die Axen werden so aufgestellt, dass die ungleiche Axe c vertical, 
die beiden gleichen horizontal stehen. Zur Unterscheidung nennt man 
wohl die auf den Beschauer gerichtete Axe a,, die quer verlaufende a„. 

Dem tetragonalen System gehören 7 Symmetrieklassen ^) an, die 
sich aus der höchstsymmetrischen Klasse durch Hemiedrie und Wieder- 
holung der Hemiedrie herleiten lassen. Aus der Holoedrie gehen durch 
gruppenweise Unterdrückung der Symmetrieebenen 4 hemiedrische , aus 
diesen 2 tetartoedrische Klassen hervor. Je 1 hemiedrische und 1 tetarto- 
edrische Klasse tragen den Charakter der Hemimorphie. 

Nach der Zähligkeit der vertical gestellten, singulären Symmetrie- 
axe zerfallen die 7 Syrametrieklassen des Systems analog dem hexagonalen 



*) In consequenter Durchführung des Prineips der hemiedrischen Ableitung 
lassen sich aus der holoedrischen Klasse des tetragonalen Systems geradeso 11 minder 
symmetrische Klassen herleiten wie im hexagonalen System. Von diesen besitzen 
aber 5 Klassen die Symmetrieelemente, welche für das rhombische und monokline 
System charakteristisch sind und wozu sie auf Grund des Eintheilungsprincips nach 
den Symmetrieelementen gerechnet werden müssen. 



3. Teiragonales System. XVIIL El. floloedrie. 93 

System in 2 Gruppen : in die Klassen XVIII, XIX, XXI, XXII und XXIII, 
bei denen diese Axe 4-zählig ist und in die Klassen XX und XXIV mit 
2-zähliger S-A. 

Zwischen den ßymmetrieklassen wie den Formen des hexagonalen und des 
teiragonalen Systems herrschen weit gehende Analogien. Die Unterschiede der beider- 
seitigen Formen sind darauf zurückzuführen, dass durch das Azenkreuz in dem einen 
Fall der Raum in Dodekanten, im anderen Falle in Oktanten getheilt wird. Damit 
hängt auch die geringere Zahl Ton Symmetrieklassen im tetragonalen System zu- 
sammen : es ergeben sich wegen der Rechtwinkligkeit der Azen gewisse hemiedrische 
Klassen, die der Symmetrie des rhombischen bezw. monoklinen Systems entsprechen 
und daher abgetrennt werden müssen. 



Holoedrische Klasse. 

XVIIL Klasse, Holoedrie. 
(Ditetragonal'bipyramidale Klasse.) 

& 8-E, davon I horizontal und 4 unter 4&o •Ich ««hnoldendo ▼«rtieal. ft 8-.%, davon 
1 vIorsAhllff vertical und 4 s'welsAhllge horisontal. S-C vorhanden. 

Die verticale vierzählige und 2 senkrecht auf einander stehende 
horizontale Sjmmetrieaxen der holoedrischen Abtheilung bilden das Axen- 
kreuz dieser und aller übrigen Klassen des 
tetragonalen Systems. Fig. 204. 

Die 5 S-E der Holoedrie erzeugen in 
der zugehörigen Symmetriefigur 16 gleiche 
sphärische Dreiecke. Für eins der Dreiecke 
sind in Fig. 204 die 7 möglichen Flächen- 
lagen durch Einzeichnung der Pole 1 — 7 an- 
gegeben. Wenn somit wiederum 7 einfache 
Formen unterschieden werden können, so ist 
doch zu bemerken, dass deren Zahl in Wirk- 
lichkeit nur 5 beträgt, da die den Polen 2 
und 3 entsprechenden Bipyramiden und ebenso 
die den Polen 5 und 6 entsprechenden Prismen in Folge ihrer Lage zu 
vertauschbaren S-E nur durch ihre Stellung von einander abweichen. 
Die stellungsverschiedenen und vertauschbaren Formen werden wie im 
hexagonalen System als solche I und II Art gekennzeichnet. 

Die Symmetriefigur lässt unmittelbar das Symbol und die Flächen- 
zahl jeder einzelnen der 7 einfachen Formen ablesen; doch soll auch 
hier ebenso, wie es im hexagonalen System geschehen ist, die Herleitung 
der 7 einfachen Formen durch Specialisirung des allgemeinen Symbols 
a : ma : nc bewirkt werden. 




94 



3. Tetragonales System. XVIII. Kl. Holoedrie. 



Fig. 205. 



Fig. 206. 





1. Jedem der durch die 5 S-E des Systems gebildeten 16 gleich- 
werthigen Dreiecke der Symmetriefigur gebort eine Fläche mit dem all- 
gemeinen Zeichen a : ma : nc an (Pol 1); die volle Form, 

Ditetragonalen Bipyramiden (a : 7na : nc) [hkl] haben dem- 
nach 16 Flächen (Fig. 205 u. 206). 

Von den 10 Flächen schneiden je 8 das 
obere und je 8 das untere Ende der Verticalaxe, 
die ganze Form erscheint demnach als Doppel- 
pyramide. Die Begrenzungsflächen sind ungleich- 
seitige Dreiecke und asymmetrisch. Die 24 Kanten 
sind dreierlei Art: 8 Mittelkanten ^ liegen in der 
horizontalen S-E; 8 Polkanten x wechseln mit 
8 Polkanten ij ab und liegen in den verticalen 
S-E. Ecken: 2 Polecken, sowie 4 spitzere and 
4 stumpfere Mittelecken, Winkel ebenfalls dreierlei 
Art : nämlich solche an den Mittelkanten z, solche 
an den Polkanten x und solche an den Pol kanten y. 

Anm. Ditetragonale Bipyramiden, bei denen die Winkel x und y gleich 
sind, deren Querschnitt also ein regelmässiges Achtseit ist, können nicht vorkommen, 
da alsdann die Axenabschnitte irrational werden. 

Durch Veränderung des Coefficienten von m und n gehen spitzere 
und stumpfere ditetragonale Bipyramiden hervor; nur in den nach- 
stehenden Fällen resultiren besondere Formen. 

2. Wird in den ditetragonalen Bipyramiden der Winkel an der Pol- 
kante y = 180 ®, gleichbedeutend mit m = I, so fallen je 2 in der Kante y 
zusammenstossende Flächen zusammen. Es entstehen 

Tetragonale Bipyramiden I Art (a : a : nc) {hhl}^ Fig. 207. 
Doppelpyramide mit 8 Flächen, von denen 4 dem oberen, 
4 dem unteren Pol angehören. Die Flächen bilden gleichschenklige 
Dreiecke und sind monosymmetrisch. Kanten, Ecken und Winkel 
sind zweierlei. Die Horizontalazen mfinden in den Ecken. 

S.Wird in den ditetragonalen Bipyramiden der Winkel 
an der Polkante x = 180 ®, gleichbedeutend mit m = oo, 
so fallen je 2 in der Kante x zusammenstossende Flächen 
zusammen und es entstehen 

Tetragonale Bipyramiden II Art (a : ooa : nc) 

{hOll Fig. 208. 

Die Form hat wiederum 8 Flächen und stimmt hinsichtlich 
ihrer Gestalt, der Zahl und Symmetrie der Flächen, Kanten, Ecken 
und Winkel völlig mit der Bipyramide I Art Oberein; sie unter- 
scheidet sich nur durch ihre Orientirung zum Axenkreuz, in dem 
sie um 45 ^ gedreht erscheint. Demzufolge münden die Horizontal- 
axen in den Mitten der horizontalen Kanten. 

Für alle übrigen zwischen 1 und oo liegenden 
Werthe von m bleibt die allgemeine Oestalt der di- 



Fig. 207. 




Fig. 208. 




3. Tetragonales System. XVIII. Kl. Holoedrie. 



95 



Fig. 209. 



tetragonalen Bipyramiden erhalten, sodass die Bipyramiden I und II Art 
als deren Grenzformen zu betrachten sind. Dadurch, dass in den 3 Bi- 
pyramiden der Coefficient w = oo wird, gehen aus diesen in anderer 
Richtung Grenzformen hervor, nämlich 3 Prismen. 

4. Aus den ditetragonalen Bipyramiden resultiren als Grenzform 
für n = oo 

Ditetragonale Prismen (aimaiooc) \hkO}, 
Fig. 209. 

8 der Verticalaxe parallele Flächen von monosymmetrischer 
Symmetrie; zweierlei Winkel. 

5. Aus den tetragonalen Bipyramiden I Art resultirt 
als Grenzform für n = oo das 

Tetragonale Prisma I Art (aiaiooc) {110}^ 
Fig. 210. 

4 der Verticalaxe parallele Fl&cfaen von disymmetrischer 
Symmetrie; nur 1 Art Winkel von 90^; die Axen münden in den 
Mitten der Kanten. 



■■■^rM 



Fig. 210. 



Fig. 211. 






6. Aus den tetragonalen Bipyramiden II Art resul- 
tirt als Grenzform für n = oo das 

Tetragonale Prisma II Art (a : ooa : ooc) {100}^ 
Fig. 211. 

Form die gleiche wie das Prisma I Art, nur um 45 ° gegen 
das Axenkreuz gedreht, sodass die Axen in den Mitten der Flächen, 
die ebenfalls divymmetrisch sind, münden. 

7. Endlich geht flXr n = aus allen 3 Bipyramiden 
die gleiche Grenzform, die 

Tetragonale Basis (ooa: ooa ic) {001} hervor. 

Nur 2 parallele Flächen von tetrasymmetrischer Symmetrie, die der horizontalen 
S-E parallel laufen. Siehe die oberen und unteren Begrenzungsflächen in den 
Fig. 209—211. 

Die 7 einfachen Formen der Holoedrie bestehen demnach aus 
3 Bipyramiden, aus denen als Grenzformen einerseits 3 Prismen, anderer- 
seits für alle die gleiche Basis hervorgehen. Die 
Flächen der Basis und der beiden Prismen I und 
II Art entsprechen den 5 S-E. 

Anm. Die Formen I und II Art lassen sich, wenn 
sie einzeln auftreten, nicht unterscheiden; nur in Com- 
bination oder mit Rücksicht auf das festgelegte Axenkreuz 
wird das möglich. In Fig. 212 ist die Orientirung der 
Formen I Art zu denen II Art {HB) und den ditetragonalen 
Formen (CC), wie zu den Horizontalebenen (a,a„) zur An- 
schauung gebracht. 

NAUMANTf's Bezeichnung. Die Bezeichnung erfolgt nach der auf S. 19 ge- 
gebenen Regel. Die sogen. Grundform , die tetragonale Bipyramide I Art (a : a : c) 
erhUt das Zeichen P. Für alle Übrigen, durch m oder n modificirten Formen gilt die 



Fig. 212. 




96 



3. TetragODales System. XVIII. El. Holoedrie. 



Vorschrift, dass der Goefßcient der Verticalaxe stets vor P, derjenige der Horizontal- 
aze, sofern er nicht 1 ist und als solcher nicht geschrieben wird, hinter P steht. 
Demnach sind die Zeichen fQr die 7 einfachen Formen der Reihe nach: 
nPm, nP, nPoo, oo Pm, ooP, c»Poo, o P. 

Combinationen (Fig. 213 — 220). Die Deutung der holoedrischen 
Combinationen ist sehr einfach. Nachdem man sich beliebig über die 
Art einer der auftretenden tetragonalen Bipyraraiden oder Prismen ent- 
schieden hat, gehören alle in der Zone der Mittelkanten irgend einer Bi- 



Fig. 213. 



Fig. 2U. 



Fig. 215. 



Fig. 216. 





a= \100l 


m = ltlO\ 


n = \hkO\ 


a = ilOOi 


b = illl\ 


d = ilOli; 


c = \001\ 


c = \00l\ 



Pyramide I Art gelegenen Flächen den Formen I Art, die in der Zone 
der Mittelkanten der Bipyramiden II Art liegenden Flächen den Formen 
II Art an. Diejenigen Formen, die weder in die eine noch in die andere 
Zone fallen, sind solche der ditetragonalen Bipyramiden oder Prismen. 



Fig. 217. 



Fig. 218. 



Fig. 219. 



Fig. 220. 






b = \ll2\ 



b = \101\ 



a = ItOOi 
b = ihkl\ 



b = itlll d = yioi\ 
c = ioon 

Wie ersichtlich, liegen die Formen II Art über den Kanten der Formen 
I Art und umgekehrt, während die ditetragonalen Formen in beiden 
Fällen den Kanten schief aufsitzen. — So gehören also Flächen, die 
die Kanten einer Form abstumpfen, einer anderen Ordnung an als diese. 
Die gerade Abstumpfung der Kanten des Prismas I Art erfolgt durch 
das Prisma II Art (Fig. 216) und umgekehrt; eine Bipyramide I Art 
{hhl] wird durch die Bipyramide II Art [hOl] gerade abgestumpft 
(Fig. 218) und umgekehrt. — Da die 3 Prismen und die Basis für sich 



3. Tetragonales System. XIX. Kl. Hemimorpfaie der Holoedrie. 



97 



Fig. 221. 



den Raum nicht abschliessen , so kann keine dieser 4 Formen allein, 
sondern muss stets in Combination mit anderen auftreten. 

Zwillinge. Mit Ausnahme der beiden tetragonalen Prismen und 
der Basis, deren Flächen ja S-E sind, können die Flächen 
aller übrigen Formen zu Zwillingsebenen werden. Gewöhn- 
licli sind die Erystalle so aufgestellt, dass eine Fläche der 
Bipyramide 11 Art [101] die Zwillingsebene abgiebt. Einen 
solchen Zwilling des Zinnsteins (sogen. Yisirgraupen) 
stellt Fig. 221 dar. Zuweilen wiederholt sich das Ge- 
setz derart, dass an jeder der 4 Polkanten der Bi- 
pyramide I Art ein Individuum sich in Zwillingsstellung 
anlegt. Fig. 222 stellt einen solchen Fünfling des Haus- 
mannits dar. Merkwürdige Zwillingswiederholungen finden 
sich beim Rutil; yergl. deshalb den speciellen Theil. 

Beispiele sind zahlreich: die Mineralien der 
Rutilgruppe (Rutil, Zirkon, Zinnstein), Anatas, Vesu- 
vian etc. 




Fig. 222. 




Hemiedrische Klassen. 

Die holoedrischen Formen können in vierfacher Weise eine Ver- 
minderung ihrer S-E erfahren, liefern also 4 hemiedrische Symmetrieklassen, 
eine dieser Klassen entspricht einer Hemimorphie. 



XIX. Klasse. Hemimorphie der Holoedrie. 

(Ditetragondl-pyramidale Klasse.) 



2 + 2 Tertleale S-E, die sich unter 4ftO In der Tertlealaxe lebnelden. 
verticale 8-A. Kein 8-€. 



1 TlersAhllffe 



Es wiederholen sich hier die Formen 
der Holoedrie mit dem unterschied, dass die 
3 Bipyramiden und die Basis in je 2 correlate, 
oben und unten gelegene Pyramiden resp. 
Basisflächen zerfallen, während die Prismen 
geometrisch unyerändert bleiben. Die Flä- 
chen der beiden ditetragonalen Formen sind 
asymmetrisch, die 4 tetragonalen Formen 
monosymmetrisch und die Basisflächen sind 
tetrasymmetrisch . 

Beispiele kennt man nur von einigen 
künstlichen Substanzen. 

Klockmann, Mineralogie. 9. Aufl. 



Fig. 228. 




98 



3. Tetragonales System. XX. El. Spbenoidische Hemiedrie. 



Fig. 224. 



\ 



/ 



XX. Klasse. Sphenoidische Hemiedrie. 

(Tetragonahshalenoedriscke Klasse,) 

% verticale 8-E, die ■ich unter 90 o tchnelden. 8 swelsAhlige S-A, davon 1 verllcnl 
und Z horUonCal. Kein S-C. 

Die Formen der sphenoidischen Hemiedrie gehen aus den holo- 
edrischen hervor, sobald diese die horizontale und 2 der verticalen 

S-E verlieren. Aus der dieser verminder- 
ten Symmetrie entsprechenden Symmetrie- 
figur folgt, dass von den 7 möglichen 
Flächenlagen nur die Pole 1 und 2 von 
den holoedrischen Formen abweichend ge- 
staltete Hemieder ergeben, während die 
sonstigen Formen geometrisch gleich sind 
und sich nur durch die verminderte kr jstallo- 
graphische Symmetrie unterscheiden. Zu 
dem gleichen Resultat gelangt man, wenn 
man die holoedrischen Formen einzeln auf 
j ihre hemiedrische Zerfällung untersucht. 

Mit Ausnahme der ditetragonalen und der 
tetragonalen Bipyramide I Art stehen die Flächen aller übrigen Formen 
auf den verschwindenden S-E senkrecht, bleiben also geometrisch unver- 
ändert. 

Die 7 einfachen Formen der sphenoidischen Hemiedrie sind demnach 
♦Tetragonale Skalenoeder [hlcl} und [hkl], Fig. 225 u. 226. 

Die beiden correlaten, um 90 ^ 



\ i 



y 



Fig. 225. 



Fig. 226. 





Fig. 227. 



Fig. 228. 





gegen einander verschobenen Formen 
gehen aas der ditetragonalen Bi- 
pyramide hervor und sind geneigt- 
flächig; sie werden von 8 ungleich- 
seitigen (asymmetrischen) Dreiecken 
begrenzt und ihre 4 Mittelkanten, 
in deren Mitten die Horizontalaxen 
mfinden, steigen im Zickzack auf und 
ab. Dreierlei Kanten und Winkel. 

*Tetragonale Bisphe- 
n o i d e \hhl\ und \hhl !, 
Fig. 227 u. 228. 

Die beiden correlaten Formen 
gehen aus der tetragonalen Bipyra- 
mide I Art hervor, sind geneigtflächig 
und ihre 4, gleichschenklige Dreiecke 
bildenden Flächen sind monosymme- 




3. Tetragonales System. XXI. El. Pyramidale Hemiedrie. 99 

irisch. 4 auf- und absteigende Mittel- und 2 Polkanten. In den Mitten der Kanten 
münden die Axen. Zweierlei Winkel. Die Formen ähneln den Tetraedern des 
regulären Systems. 

Von den übrigen 5, den entsprechenden Holoedern äusserlich gleichen 
Formen ist die Flächensymmetrie 

der tetragonalen Bipyramiden II Art {hOl} asymmetrisch, 

der ditetragonalen Prismen {hkO] asymmetrisch, 

des tetragonalen Prisma I Art {110} monosymmetrisch, 

des tetragonalen Prisma II Art [100] asymmetrisch, 

der Basis [001] disymmetrisch -pig. 229. 

Die sphenoidische Hemiedrie ist sehr selten; unter 
den Mineralien findet sie sich nur am Kupferkies, von 
welchem Fig. 229 die Combination p=={llll r={llll 
b = {101l c = {201], a = {001} zeigt. 



XXI. Klasse. Pyramidale Hemiedrie. 

(Tetragonal-bipyramidale Klasse,) 

1 herixonUüe S-E, 1 verticale vlersAhllg« S-A. 8-C vorhanden. 

Die Formen der pyramidalen Hemiedrie gehen aus den holoedrischen 
hervor, sofern diese ihre 4 verticalen S-E verlieren. Aus der zuge- 
hörigen Symmetriefigur folgt, dass dabei 
nur die Pole 1 und 4 neue Formen er- ^^^' ^^^' 

geben können, d. h. unter den holoedri- 
schen Formen zerfallen nur die ditetra- 
gonale Bipyramide und das ditetragonale 

Prisma in besonders gestaltete Hemieder. ^^^B ^ \ 

Wenn demnach die übrigen 5 Holoeder m Ktß [_ 

geometrisch unverändert bleiben, so ist 

doch ihre verminderte krystallographische > / J 

Symmetrie an der durch Aetzfiguren jeder- - \ w 

zeit nachzuweisenden erniedrigten Flächen- ^— ^ 

Symmetrie erkennbar. Die beiden beson- 
deren Formen sind: 

*Tetragonale Bipyramiden IH Art {hkl\ und {khl}^ 
hervorgegangen aus der ditetragonalen Bipyi*amide, mit 8 asymmetriechen Flächen, und 

♦Tetragonale Prismen III Art {hJcO} und {khO}, 
hervorgegangen aus dem ditetragonalen Prisma, mit 4 monosymmetrischen Flächen. 

Die übrigen 5 in ihrem Aeusseren unverändert gebliebenen Formen 
sind demnach: 




100 



3. Tetragonales System. XXII. Kl. Trapezoedrische Hemiedrie. 



Fig. 231. 



tetragonale Bipyramiden I Art [hhl]. Flächen asymmetrisch, 
tetragonale Bipyramiden II Art {hOl}. Flächen asymmetrisch, 
das tetragonale Prisma I Art [HO]. Flächen monosymmetrisch, 
das tetragonale Prisma II Art {100], Flächen monosymmetrisch, 
die Basis {001], Flächen asymmetrisch. 

Die beiden besonderen Formen III Art unterscheiden sich von den 
entsprechenden Formen I und II Art nur durch ihre Stellung zu den 
Horizontalaxen ; die Axen münden in deren Mittelkanten an wechselnder 
Stelle, nur nicht in den Ecken wie bei den Formen I Art oder in der 
Mitte wie bei den Formen II Art. Da aber die Lage der Axen nicht 
Yorgezeichnet ist, so lassen sich einzeln auftretende Bipjrramiden und 
Prismen nach ihrer Art nicht unterscheiden, wie denn überhaupt diese 
Hemiedrie geometrisch nur in Combinationen erkannt werden kann. 

In dem Querschnitt Fig. 231 ist die relative 
Lage der Formen III Art zu denen I Art zum Aus- 
druck gebracht. 

Bezüglich der Combinationen gilt, dass bei 
der gleichen Symmetrie der Bipyramidenfiächen unter 
sich und ebenso der Prismenflächen es ganz ins Be- 
lieben gestellt ist, was man als Form I, 11 oder 
III Art bezeichnen will. Man wählt eine beliebige, 
durch Vorherrschen oder Spaltbarkeit ausgezeichnete 
Form als solche I Art aus und hat damit das Axenkreuz und die Art 
der übrigen auftretenden Formen festgelegt. 

Fig. 232 giebt eine am Scheelit nicht seltene Com- 
bination. n = {lll], P={101], a und g sind 2 Bi- 
pyramiden III Art: {131} und {313\. 

Yon Zwillingsbildungen haben Interesse die Er- 
gänzungszwillinge. Durch ZwiUingsverwachsung nach den 
Flächen {110} und {100} mit gegenseitiger Durchdringung 
der beiden Individuen wird die Symmetrie der holoedrischen 
Abtheilung wieder erworben. 
Beispiele liefern die Mineralien der Scheelitgruppe (Scheelit und 
Scheelbleierz) und der Skapolithgruppe. 




-A 



Fig. 232. 




XXII. Klasse. Trapezoedrische Hemiedrie. 

(Tetragondl'trapezoedrische Klasse.) 

Keine S«E. 5 S-A, davon 1 viersftbllge 8-A vertical und 4 swels&hllge 6-A horl- 
zanCal. Kein S-C. IHe Formen sind enantiomorph. 

Durch Verlust sämmtlicher S-E, womit auch das S-C verschwindet, 
gehen die hierhergehörigen Formen aus der holoedrischen Abtheilung 



3. Teiragonales System. XXIII. EI. Hemimorphie der pyramidalen Hemiedrie. 101 



hervor. Die Symmetriefigur lässt erkennen, 
dass Yon den 7 einfachen Formen dieser 
Klasse nur die aus der Zerfallung der 
ditetragonalen Bipyramiden resultirenden 
Formen, die 

*Tetragonalen Trapezoeder 
[hkl] und {khll Fig. 234 u. 235, 

besondere Formen dieser Hemiedrie 
darstellen. 

Die übrigen Formen unterscheiden 
sich von den Holoedern nur durch ihre 
verminderte Fl'ächensymmetrie, die an den 
Aetzfiguren erkennbar wird. Alle Formen 
dieser Hemiedrie entbehren auf ihren Flächen 
der Symmetrielinien, die Flächen sind also 
ausnahmslos asymmetrisch. 

Beispiele sind unter den Mineralien 
nicht bekannt, nur die Erystalle einiger künst- 
licher Salze wie Nickelsulfat und Strychnin- 
sulfat gehören dieser Symmetrieklasse an. 



Fig. 233. 




Fig. 234. Fig. 235. 




Tetartoedrische Klassen. 

Mit Ausnahme der trapezoedrischen Hemiedrie besitzen die übrigen 
3 hemiedrischen Klassen noch Symmetrieebenen, können also noch einer 
weiteren Hemiedrie unterliegen. Dabei gehen aber nur 2 tetartoedrische 
Erlassen hervor; da die nochmalige hemiedrische Zerfallung der spheno- 
idischen und pyramidalen Hemiedrie zu den gleichen Formen führt. 
Eine der beiden tetartoedrischen Klassen ist hemimorph. 



XXIII. Klasse. Hemimorphie der pyramidalen Hemiedrie. 
(Tetragonal-pyramidale Klasse, hemimorphe Tetartoedrie.) 

Keine S*E; 1 vertlcale TiersAhllgo 8-A. Kein S-€. Die Formen sin« enantiomerph. 

Die Formen leiten sich mit gleichem Resultat entweder aus der 
pyramidalen Hemiedrie (Kl. XXI.) her, die ja durch eine singulare S-A 
ausgezeichnet ist oder aus Klasse XIX. durch Verlust der hier vorhandenen 
S-E. Mit Rücksicht auf die Herleitung aus der pyramidalen Hemiedrie, 
d. h. ein Zerfallen in eine obere und eine untere Krystallhälfte , er- 
geben sich sofort alle Formen in der Weise, dass deren Bipyramiden 



102 



3. Tetragonales System. XXIV. El. Sphenoidische Tetarioedie. 



Fig. 236. 



Fig. 237. 



Fig. 238. 






III, I und n Art und die Basis in je 
2 correlate, oben und unten gelegene Py- 
ramiden resp. Basisflächen zerfallen, wäh- 
rend die Prismen geometrisch unverändert 
bleiben. Die Flächen aller Formen sind asymmetrisch. Fig. 237 stellt 
die Combination einer oberen Pyramide (je nach der Stellung I, II oder 
in Art) niit der unteren Basis dar, Fig. 2ä8 die Combination P = {111], 
P" = {lllU r = {120\ a =^{001]. 

Beispiele sind unter den Mineralien nur an dem Wulfenit (Fig. 238) 
bekannt geworden. 

XXIV. Klasse. Sphenoidische Tetartoedrie. 

(Tetragonal'bisphenoidische Klasse,) 

Keine S-E; 1 zweisfthllge vertleale S-A. Kein 8-C. Die Formen sind enantlomerph. 

Die hierhergehörigen Formen lassen sich sowohl aus der pyrami- 
dalen wie der sphenoidischen Hemiedrie ableiten durch die Unterdrückung 

der diesen Klassen verblie- 
benen S-E. Wie aus der 
Symmetriefigur erkannt wer- 
den kann, resultiren dabei 
die nachstehenden 7 ein- 
fachen Formen. 
*Tetragonale Bisphenoide m Art 
{hkl],Fig. 240 u. {khl}; [hkl] u. { khll 
'''Tetragonale Bisphenoide I Art 
{hhl\ und \hhll 

'^'Tetragonale Bisphenoide II Art 
{hol} und {Ohll 
♦Tetragonale Prismen III Art {hkO] u. {khO}; {hkO] u. {khOl 
Tetragonales Prisma I Art {1101 
Tetragonales Prisma II Art {100}, 
Basis {001}. 

Es sind demnach hier Bisphenoide und Prismen dreifacher Art zu 
unterscheiden, die jedoch nur durch ihre Stellung von einander ab- 



Fig. 239. 



Fig. 240. 





4. Rhombisches System. XXV. Kl. Holoedrie. 103 

weichen. Die Bisphenoide II und III Art sind dieser Symmetrieklasse 
eigenthümliche Formen, während die übrigen Formen wenigstens geo- 
metrisch auch anderen Klassen des Systems angehören. 

Die Flächen aller Formen sind asymmetrisch. 

Beispiele sind nicht bekannt. 

4. Rhombisches System 

Hierher gehören diejenigen SymmetrieJclassen , deren Formen sich 
auf 3 rechtwinklige, unter sich ungleiche Axen beziehen lassen. 

Daraus folgt: 

1. für die Symmetrie des Coordinatensystems bezw. der holoedrischen 
Klasse die Charakteristik 3 S-E, 3 S-A, 1 S-C und 

2. für die Axenelemente : 

a:l:c\ a = ß = Y = 90^ 

Somit werden zur Bestimmung der beiden Constanten ~ und -^- 
2 von einander unabhängigeWinkelmessungen erforderlich. Dementsprechend 
wird auch das Axenverhältniss gewöhnlich in der Form -r- : i : -~ ge- 
schrieben. 

Die Aufstellung der rhombischen Krystalle, d. h. die Wahl irgend 
einer der Axen zur a-, 6- oder c-Axe ist, da es keine ausgezeichnete 
Axe giebt, beliebig, doch pflegt man mit wenigen Ausnahmen (rhom- 
bische Augite) so aufzustellen , das die Grundpyramide aih : c und 
entsprechend das Verticalprisma a :h : ooc ihre stumpfen Winkel nach 
vom wenden. Dadurch wird a <C ^i und es versteht sich die früher ge- 
bräuchliche NAUMANN^sche Nomenclatur, wonach die Längsaxe a als Brachy- 
axe oder Brachydiagonale , die Queraxe h als Makroaxe oder Makro- 
diagonale bezeichnet wird. Die (7-Axe heisst wie immer Verticalaxe. 

Da die Wahl der Axen keiner allgemein gültigen Beschränkung 
mehr unterliegt, so sind die Krystalle mancher rhombischen Mineralien, 
z. B. Schwerspath, von verschiedenen Autoren verschieden aufgestellt. 

Im rhombischen System sind 3 Symmetrieklassen: eine holoedrische 
und zwei hemiedrische Klassen möglich, von welch' letzteren eine den 
Charakter der Hemimorphie trägt. 

XXV. Klasse. Holoedrie. 
(Rhombisch-bipyramidale Klasse.) 

8 niclit v«rtaaschbar0 ■enkreelite S-E, der«n DarohMhnltte 8 swels&hlige S-A 
liefern; auMerdem 8-C. 

Einfache Formen. Durch die 3 S-£ wird die Kugeloberfläche 
in 8 gleiche sphärische Dreiecke zerlegt. Mit Rücksicht auf die Coordi- 



104 



4. Rhombisches System. XXV. Kl. Holoedrie. 




Fig. 242. 



Fig. 241. natenaxen sind 7 Flächenlagen , entspre* 

chend den Polen 1—7 in der Symmefarie- 
figur 241 möglich. Damit correspondiren 
7 einfache Formen, die in Wirklichkeit 
jedoch nur 3 nach ihrer Orientirung ver- 
schiedene Arten darstellen. 

Die einfachen Formen sind: 
1. Rhombische Bipyramiden 
a:mb : nc; {hkl}, Fig. 242. 

Die 8 begrenzenden Dreiecksflächen sind 
ungleichseitig (asymmetrisch); die 12 Kanten bil- 
den 4 + 4 Pol- und 4 Mittelkanten. 6 zwei + »wei- 
zählige Ecken von dreierlei Art 3 Winkel. Verschiedene, 
aber endliche Werthe für h, k oder l liefern spitzere oder 
stumpfere Bipyramiden. 

h = k = l=z 1 liefert die Gnindpyramide. 
Rhombische Bipyramiden, die 2 Indices gemeinsam 
haben, besitzen tautozonale Flächen. 

Wird in dem Symbol der rhombischen Bi- 
pyramiden [hkl] einer der 3 Indices gleich 0^ so 
gehen aus derselben rhombische Prismen hervor, die nach ihrer Orien- 
tirung zum Axenkreuz unterschieden und entsprechend benannt werden 
können, als: 

2. Längsprismen (Prismen I Art), ooa : b : nc; {0kl]; 

3. Querprismen (Prismen 11 Art), a : oob :nc; {hOl}; 

4. Verticalprismen (Prismen III Art), ma : nb : ooc; {hkO\. 
Jedes der 3 Prismen besteht aus 4 monosymmetrischen Flächen, 

die einer der 3 Axen parallel sind. Es sind somit offene Formen, die 
nur in Combinationen auftreten können. 

So stellt Fig. 243 die Gombination eines Längsprismas mit dem 
Querpinakoid, Fig. 244 Querprisma mit dem Längspinakoid, Fig. 245 Ver- 
ticalprisma mit der Basis dar. 

Durch Abänderung der Indices der Prismen ist eine grosse Mannig- 
faltigkeit der Formen möglich. Aus jeder rhombischen Bipyramide lassen 




Fig. 243. 



Fig. 244. 



Fig. 245. 




sich daher nicht nur 3 Prismen, sondern 3 Reihen von Prismen her- 
leiten, die unter sich tautozonal sind. 



4. Rhombisches System. XXV. Kl. Holoedrie. 



105 



Werden in dem Symbol der rhombischen Bipyramide {hkl] gleich- 
zeitig 2 Indices gleich 0, so gehen rhombische Pinakoide herror, die 
wiederum nach ihrer Orientirung zum Axenkreuz in dreifacher Weise 
unterschieden werden können: 

5. Querpinakoid (Erstes Pinakoid, Querfläche), a : ooh : ooc; 
{100]; 

6. Längspinakoid (Zweites Pinakoid, Längsfläche), cx>a : b : ooc; 
{010]; 

7. Endpinakoid (Drittes Pinakoid, Basis), ooa : oo& : tr; {001], 

Jedes der 3 Pinakoide besteht aus 2 disymmetrischen , einander 
parallelen Flächen, die je 2 Axen oder, was dasselbe ist, je einer Sym- 
metrieebene parallel sind. Es sind somit offene Formen, die nur in 
Combinationen auftreten können. Yergl. die Fig. 243 — 245, wo die 
3 Pinakoide in Gombination mit 3 Prismen dargestellt sind. 

NAüiiANif*B Beseichnung. Zur Herleitnng des NAUMANN*schen Symbols gilt 
daA auf S. 19 u. 20 Gesagte: der Coefficient von e wird stets vor P gestellt, wäh- 
rend der Coefficient tob a oder h hinter P gesetzt wird, nachdem zavor — falls 
es nötbig — eine dieser Ableitungssahlen durch Division auf die Form 1 gebracht 
ist. Soll der hinter P stehende Factor sich auf die o-(Brachy-)Aze beziehen, so wird 
dem P noch das Zeichen w hinzugefQgt; soll er sich auf die &-(Makro-)Aze be- 
ziehen, so erh&lt P das Zeichen — , z. B. i632\ = a : 2b : Sc = tP% und 8a : 46 : 5<? 
= ^P^' Für ooa : cx)6 : c steht o P. 

Anstatt des von Mors herrfihrenden und von Naumann acceptirten Verfahrens, 
die Zeichen — oder v-/ fiber P zu steUen, ist es seit Brsithaupt auch im Gebranch, 
diese Zeichen fiber die Ableitungszahlen selbst zu setzen, also die obenstehenden 

Symbole 3P2 und -^P-j" zu schreiben, weil dasselbe ffir den Druck bequemer ist. 

Combinationen. — Die Deutung derselben ist in allen Fällen 
sehr einfach. — Die Verticalprismen stumpfen die Mittelkanten (Fig. 246), 
die Querprismen die vorderen (stumpferen, Fig. 247), die Längsprismen 
die seitlichen (schärferen) Polkanten jeder rhombischen Bipyramide ab. 



Fig. 246. 



Fig. 247. 



Fig. 248. 



Fig. 249. 





Die 3 Pinakoide erscheinen als Abstumpfung der Ecken jeder Bipyramide, 
z. B. die Basis als Abstumpfung der Polecken (Fig. 248) , das Längs- 
pinakoid als Abstumpfung der seitlichen Ecken (Fig. 249). — Die Com- 



106 



4. Rhomboedrisches System. XXV. El. Holoedrie. 



bination der 3 Pinakoide besitzt rechte Winkel, ist geometrisch nicht 
vom regulären Würfel oder von der tetragonalen Gombination {llOU 
\001] bezw. {lOOl {001} zu unterscheiden. 

Einige rhombische Combinationen sind in den Fig. 250 — 252 wieder- 
gegeben. 

^. « . Fig. 252. 

Fig. 251. '^ 

Fig. 250. ^^ 



p 



Aragonit 
P=i010\, 



IMM 



^^5> 






I 



Topas 

n = \02lU y = {04i|, P=\OOH 
= 11111 8 = ]S32l 



In der Projection Fig. 253 sind die 7 rhombischen Formen mit ihren 
Flächen und in ihrem Zonenzusammenhang zur Darstellung gebracht. 

Zwillinge. Zwillingsbildung ist an den holoedrischen Formen 
des rhombischen Systems recht häufig, namentlich Zwillinge nach einer 

Prismenfläche, die dann bei der Aufstellung 
der Krystalle gern zum Verticalprisma {llOi 
gewählt wird (Fig. 254). Zwillinge nach einer 
Pyramidenfläche sind viel seltener (Fig. 255). 
Pinakoidflächen können als Symmetrieebenen 
nicht zu Zwillingsflächen werden. 

Da viele rhombische Krystalle Prismen- 
winkel von nahe 120® resp. 60® besitzen, so 
können cyclische Drillinge nach solchen Pris- 
menflächen hexagonalen Habitus annehmen. 
Die Art der Verwachsung und Durchkreuzung 
derartiger cyclischer Drillinge, die sich übrigens recht oft finden, kann 
sehr mannigfach sein, z. B. wie in den Fig. 256 u. 257. (Vergl. auch 
Aragonit, ferner Witherit und Chrysoberyll im speciellen Theil.) 




Fig. 254. 



M 



MMhh 



Fig. 255. 



M 



J^^-^ 




Fig. 256. 



Fig. 257. 





4. Rhombisches System. XXVI. Kl. Hemimorphie. 



107 



Charakteristische Beispiele des rhombischen Systems gewähren 
die Mineralien der Aragonit- und der Barytgruppe, der Schwefel und 
viele andere Mineralien. 

XXVL Klasse. Hemimorphie. 

(Bhombisch-pyramidale Klasse.) 



8-A. 



S vertlcal« 8-E, dl« ■eakreelit auf einMider ■tehen. 1 sweiBAUIge (yertical gestellte) 
Kein 8-C. 



Da die S-A der holoedrischen Formen nicht yertauschbar und senk- 
recht zu ihnen S-E vorhanden sind, so ist auch eine Hemiedrie mit dem 
Charakter der Hemimorphie möglich. Die Hemimorphie kann nach jeder 
der 3 S-A eintreten, die man alsdann zur Verticalaxe wählt. Es bleiben 
dabei die Verticalprismen, das Längs- und das Querpinakoid geometrisch 
unverändert, während die Bipyramiden, die Längs- und Querprismen, 
sowie die Basis in obere und untere Halbflächner zerfallen. Die aus den 
Längs- und Querprismen hervorgehenden Formen werden als obere und 
untere Längs- bezw. Querdomen bezeichnet. 

Die Fig. 258 stellt eine Combination des Eieselzinkerzes dar : Quer- 
fläche a = {100}, Längsfläche b = {010}; obere Querdomen p = [301] 
und o = {101}; obere Längsdomen m={031] und r={011}; obere 
Basis c = {001]; untere Pyramide s={lJ31]. In Fig. 259 (Struvit) 




Fig. 259. 




Fig. 260. 




treten neben n = {010] die oberen Yormena = [101], b = [041], 
c= [011] und die unteren Formen m = {103} und o = {OOJ} auf. 

Die Zwillinge dieser Symmetrieklasse sind, wie zu erwarten, 
Torzugsweise Ergänzungszwillinge nach der durch die Hemimorphie als 
S-E verloren gegangenen Basisfläche. Fig. 260 stellt einen solchen 
Zwilling des Eieselzinkerzes dar. 

Beispiele dieser Klasse sind unter den Mineralien: Struvit, Kiesel- 
zinkerz, Prehnit. Alle Krystalle sind durch pyroelektrische Eigenschaften 
ausgezeichnet. 



108 



4. Rhombiscbes System. XXVII. Kl. Hemiedrie. 



XXVII. Klasse. Hemiedrie. 
(Rhomhisch-hisphenoidische Klasse,) 

Hein« S-E und kein S-G, dagegen 8 auf einander ■enkrechte, nickt verlansckbare 
swelsAklige S-A, demnack enantiomerpke Formen. 

Aus der untenstehenden Symmetriefigur 261 geht hervor, dass nur 
die rhombischen Bipyramiden besonders gestaltete Hernieder liefern, näm- 
lich 2 correlate, als rechts 
Fig. 262. 



Fig. 261. 




\ 




Fig. 268. 




und links zu unterscheidende 
*Rhombische Bi- 
sphenoide|ÄÄ:nund{AA/! 
(Fig. 262 u. 263). 

Die rhombischen Bispheno- 
ide werden von 4 ungleichseitigen 
Dreiecken, also asymmetriachen 
Flächen begrenzt 6 Kanten von 
dreierlei Art, von denen 2 -f 2 
auf- und absteigende Mittelkanten 
sind, in deren Mitten die Axen 
ausmünden. 

Die übrigen einfachen Formen dieser Hemiedrie, die von denen 
der holoedrischen Abtheilung geometrisch nicht verschieden sind, lassen 
sich als Grenzformen des rhombischen Bisphenoids auf- 
fassen: es sind dies 3 nur nach ihrer Lage unterschiedene 
Prismen und 3 ebensolche Pinakoide. 

Combinationen. Fig. 264 bringt eine Combination 
des Verticalprismas mit dem rechten rhombischen Bisphenoid 
zur Darstellung. 

Beispiele. Die Mineralien der Bittersalzgruppe: 
Bittersalz, Zinkvitriol, Nickel vitriol, femer Weinstein. 



Fig. 264. 



"^ 



5. Monoklines System. 

Dasselbe umfasst diejenigen Symmetrieklassen , deren Formen auf 
3 ungleiche Axen, die sich in 2 rechten und einem schiefen Winkel 
schneiden, bezogen werden können. 

Daraus folgt: 

1. für die Symmetrie des Coordinatensystems und damit der holo- 
edrischen Klasse die Charakteristik 1 S-E, 1 S-A, 1 S-C und 

2. für die Axenelemente : 

a:6:c; a = Y = 90o, ß>90o. 



5. Monoklinea System. XXVIil. El. Holoedrie. 109 

Somit enthalten die Axenelemente 3 Constante -r-, -r- und ß , zu 

deren Bestimmung 3 von einander unabhängige Winkelmessungen 
nöthig sind. 

Das Axenkreuz wird so orientirt, dass die Axe, die auf den beiden 
anderen rechtwinklig steht, zur Queraze (Orthoaze) b gewählt wird. 
Von den beiden, den schiefen Winkel ß einschliessenden Axen kann man 
beliebig die eine zur Verticalaxe c, die andere zur Längs- oder Elino- 
axe a nehmen ; man stellt diese beiden Axen aber so, dass a nach vorn 
geneigt auf den Beschauer zulauft, wodurch der stumpfe Winkel ß 
vom oben zu liegen kommt. 

Es sind 3 Symmetrieklassen vorhanden, eine holoedrische und zwei 
hemiedrische, von denen eine den Charakter der Hemimorphie besitzt. 



XXVm. Klasse. Holoedrie. 
(Prismatische Klasse.) 

t S<B| darauf ««nkreelit 1 swelsAhllge 8-A. 8-C vorhanden. 

Zwei beliebige in der S-E liegende Kanten liefern die Klino- oder 
Längsaxe a und die Verticalaxe c, während die auf der S-E senkrecht 
stehende S-A stets die Quer- oder Orthoaxe b abgiebt. 

Da nur eine einzige S-E vorhanden ist, so ist zu jeder auftretenden 
Fläche nur noch die mit Bezug auf jene S-E symmetrische nothwendig; 
die vollständige Form wird daher mit Einschluss der durch das S-C 
erforderten parallelen Gegenflächen im allgemeinsten Fall nur aus 4 tauto- 
zonalen Flächen bestehen können, während in den speciellen Fällen, dass 
die auftretende Fläche senkrecht zur S-E steht oder parallel mit ihr 
läuft, die vollständige Form nur noch ein einziges Flächenpaar begreift. 

Im monoklinen System giebt es demnach nur noch Prismen und 
Pinakoide. Da beides offene Formen sind, so können sie nie allein, 
sondern nur in Gombination auftreten. 

Mit Rücksicht auf das an sich beliebige, für den besonderen Fall 
aber einmal ausgewählte Axenkreuz werden jedoch einzelne der Prismen- 
flächen alle 3 Axen, einzelne Pinakoidflächen 2 Axen schneiden. Darauf 
gründet sich die Nomenclatur der monoklinen Formen, welche alsdann 
wieder in 7 einfache Formen zerfallen, von den 4 zu den Pinakoiden, 
3 zu den Prismen gehören. 

a) Pinakoide. 

1. Die Flächen laufen der S-E parallel: das Längs- oder Klino- 
pinakoid (zweites Pinakoid, Längsfläche), ooa : b : ooc; {010}. 



110 5. Monoklinea Syatem. XXVIII. Holoedrie. 

Wenn die Flächen auf der S-E senkrecht stehen, mithin der Oriho- 
axe b parallel sind, lassen sich 3 Fälle unterscheiden, je nachdem die 
Flächen 

2. zugleich der Yerticalaze c parallel laufen: das Quer- oder 
Orthopinakoid (erstes Pinakoid, Querfläche), a : oob : cx5c; {100]; 

3. zugleich der Elinoaxe a parallel laufen: das Endpinakoid 
(Basis, drittes Pinakoid, schiefe Endfläche), ooa : oob : c; {001} ; 

4. zugleich die Verticalaxe (? und die Klinoaxe a schneiden: Quer- 
oder Orthopinakoide (Pinakoide II Art)^), a : oo6 : nc; {hOl\. 

b) Prismen. 

5. Die Flächen laufen allein der Elinoaxe a parallel und schneiden 
die Axen c und b: Längs- oder Elinoprismen (Prismen I Art), 
ooa : b : nc; {Okl}; 

6. Die Flächen laufen allein der Verticalaxe c parallel und 
schneiden die Axen a und b: Verticalprismen (Prismen III Art), 
a : 7nb : ooc; {hkO] ; 

7. Die Flächen schneiden alle 3 Axen: Prismen IV Art*) 
a : mb : nc; {hkl]. 

An m. 1, Während das Klinopinakoid bei jeglicher AzenaafsteUung als solches 
bestehen bleibt, sind ersichtlich durch Wahl einer anderen Vertical- bezw. Klinoaxe 
die übrigen Pinakoide anter sich, wie aach die Prismen mit einander vertauschbar. 

Anm. 2. Bei den Formen sub 4 und 7 giebt es solche, die vorn über dem 
stumpfen Winkel ß oder hinten fiber dem spitzen Supplement von ß liegen; man 
unterscheidet sie danach als vordere und hintere Orthopinakoide besw. Prismen 
IV Art. 

Naumann 's Bezeichnung. Alle Formen werden von einer sogen, vollstän- 
digen monoklinen Bipyramide -j^ P* d. h. der Combination einer vorderen und einer 
hinteren Hemipyramide, d. h. zweier Prismen IV Art, deren Azenabschnitte gleich 1 
sind, abgeleitet. Weiter ist zu bemerken, dass Naumann allen jenen monoklinen 
Formen, die Über dem spitzen Winkel ß liegen, also den hinteren das positive, 
den vorderen Formen das negative Vorzeichen giebt, weil sich für letztere bei 
der Cosinusrechnung das negative Vorzeichen in ein positives umwandelt Sonst 
ist die Bezeichnung analog der im rhombischen System mit der einzigen Abweichung, 
dass die auf die Klinoaxe sich beziehenden Ableitungszahlen durch einen schräg 
Über sie gestellten Strich ausgezeichnet werden. So ist: 

\021\ = '-2Poi>; \203\ = —^ltPöö; jr24j=+VsPi: 

Gombinationen. Einfache Formen können nicht vorkommen. — 
Die Zurechnung der einzelnen Formen zu den Prismen und Pinakoiden^ 
bezw. deren speciellen Arten hängt von der Wahl des Axensystems ab, 
ergiebt sich aber nach getroflFener Wahl in einfachster Weise. — Die 
Fig. 265 — 268 stellen einige monokline Gombinationen dar. 



') Nach Naumann^s Bezeichnung Orthodomen. 
') Nach Naumann's Bezeichnung Hemipyramiden. 



5. Monoklines System. XXVIII. El. Holoedrie. 



111 



Die Symmetrie des Systems und der Zonenverband geht aus der Pro- 

jection Fig. 5^569 (Projection des Orthoklases Fig. 268) hervor, in welcher 

die Zeichenebene senkrecht zur Yerticalaxe steht. 

Fig. 268. 



Fig. 265. 



Fig. 266. 




Im r Af 

Aug^t 
M=\110\ 

l = 10101 

8 = \01l\ 




^p\ 



Stilbit 
P=\001\ 
N=\100\ 
T=\l01\ 
M=l010i 
Z= 122H 



Fig. 267. 



LiJ 



Titanit 
P=\001\ 
x=ll0l\ 
y = \102\ 
n = \110\ 
r = \011\ 



M 



Orthoklas 
P=\001l k = \100\ 
y = \20ll x=\10l\ 
M=\010l T=\110\ 
n = \021\, o = \lll\ 



Zwillinge. Die Zwillingsgesetze der monoklin-holoedrischen Kry- 
stalle finden sich am besten am Orthoklas verkörpert, dessen 3 wichtigsten 
Gesetze solche nach h = [100] (Karlsbader 
Gesetz), Fig. 270 u. 271, nach P={001\ 
(Manebacher Gesetz), Fig. 273 und n = { 021 \ 
(Bavenoer Gesetz) Fig. 272 sind. 

Am häufigsten bildet eine auf der S-E 
senkrechte Fläche die Zwillingsebene , die 
dann gewöhnlich bei der Aufstellung der 
Erystalle zum Orthopinakoid gewählt wird, 
z. B. beim Augit, Epidot etc. 

Das Längspinakoid kann natürlich nicht 
Zwillingsfläche werden, wohl aber ist sie öfters 




Fig. 270. 



Fig. 271. 



Fig. 272. 



Fig. 273. 



IT 



U 



I 



M 





Verwachsungsfläche, so z. B. beim Karlsbader Gesetz des Orthoklases. 
Weil mit Rücksicht auf die einzige S-E die monoklin-holoedrischen 
Erystalle eine rechte und eine linke Seite unterscheiden lassen, können 
die Individuen des Karlsbader Zwillings entweder mit der rechten oder 
mit der linken Seite verwachsen sein, so dass man von rechten und 



112 5. Monoklines System. XXIX. u. XXX. Kl. Hemimorphie u. Hemiedrie. 

linken Earlsbadern spricht. Vergl. Fig. 270, rechter Zwillinge und Fig. 271, 
Unker Zwilling. 

Beispiele sind recht häufig: Oyps, Orthoklas, Hornblende, Augit, 
Epidot u. a. m. 

Hemiedrische Klassen. 

Die monoklin-holoedrischen Formen können in zweifacher Weise 
hemiedrisch werden : einmal dadurch, dass unter Erhaltung der S-E das 
S-C zum Verschwinden gelangt, was durch Unterdrücken der parallelen 
Gegenflächen aller Formen mit Ausnahme des Elinopinakoids erreicht 
wird. Ein ander Mal dadurch, dass die Formen mit Rücksicht auf die 
S-E in 2 hemimorphe Hälften zerfallen; alsdann verschwindet die S-E 
zugleich mit dem S-C und nur die S-A bleibt erbalten. Es giebt noch 
eine dritte Möglichkeit der hemiedrischen Zerfallung, die zur Unter- 
drückung der S-E führt, indem von jedem Flächenpaar rechts und links 
der S-E je eine Fläche verschwindet, während die dazu parallele Gegen- 
fläche erhalten bleibt. Die hierbei resultirenden Formen haben jedoch 
die Symmetrie der XXXI. Klasse und müssen demnach zum triklinen 
System gestellt werden. Somit bleiben 2 hemiedrische Abtheilungen übrig, 
von denen die eine als Hemimorphie zu bezeichnen ist. 

XXIX. Klasse. Hemimorphie. 

(Sphenoidische Klasse,) 

Heine S-E, 1 swelsAklige S-A. Kein 8-C. Die Pormen sind enantiemorph. 

Die holoedrischen Formen zerfallen hemimorph nach der S-E und 
liefern damit hemiedrische Formen, von denen nur die auf der ursprüng- 
lichen S-E senkrechten Pinakoide in ihrer geometrischen Form als 
parallele Flächenpaare erhalten bleiben, während das Klinopinakoid sich 
in 2 einzelne Flächen, die holoedrischen Prismen in je 2 Sphenoide auf- 
lösen. Die correlaten Formen sind enantiomorph und daher als rechte 
und linke zu unterscheiden. 

Beispiele sind unter den Mineralien nicht bekannt, finden sich 
aber unter anderen am Rohr- und am Milchzucker, an der Weinsäure. 

XXX. Klasse. Hemiedrie. 
(Domatische Klasse.) 

1 S-E) ohne S-A und ebne S-C. 

Die Formen gehen aus den Holoedern durch Unterdrückung des 
S-C, aber unter Erhaltung der S-E hervor, was dadurch erreicht wird, 



6. Triklines System. XXXI. £1. Holoedrie. 113 

dass die parallelen Oegenflächen jedesmal zum Yerschwinden gebracht 
werden. Nur das Elinopinakoid , dessen Flächen der verbliebenen S-E 
parallel sind, bleibt in seiner ursprünglichen geometrischen Form als 
paralleles Flächenpaar erhalten. Die yierflächigen holoedrischen Prismen 
liefern dabei correlate zweiflächige Hemiprismen (Domen), während die 
auf der S-E senkrecht stehenden Pinakoide in correlate Einzelflächen 
zerfallen. 

Das einzige Beispiel unter den Mineralien bilden die Erystalle 
des Skolezit, die jedoch zumeist nach der Querfläche verzwillingt sind, 
wodurch die S-C wieder erlangt wird. 

6. Triklines System. 

Die Symmetrieklassen und Formen dieses Systems werden auf 
3 ungleiche schiefwinklige Axen bezogen. 

Daraus folgt: 

1. für die Symmetrie des Coordinatensystems bezw. der holoedrischen 
Klasse der Charakteristik S-E, S-A, 1 S-C; 

2. für die geometrischen Constanten des Systems: 

a :}> 1 c und die 3 schiefen Winkel a, ß und t. 
Somit enthalten die Erystallelemente des triklinen Systems 5 Un- 
bekannte -7-, -T-, a, ß und T, zu deren Bestimmung 5 von einander 

unabhängige Winkel gemessen sein müssen. 

Da alle triklinen Erystalle ohne S-E und ohne S-A sind, so kann 
man zu Axen jede 3 beliebigen, unter sich nicht parallelen Kanten 
wählen, die man ebenso beliebig zur Längsaxe a, Queraxe 6 und Ver- 
ticalaxe c bestimmt. Bei der Aufstellung des Axenkreuzes sucht man 
gern die vorhandenen stumpfen Winkel in den vorderen, oberen rechten 
Oktanten zu bekommen. 

Dem triklinen System gehören 2 Symmetrieklassen an, von denen 
die holoedrische Abtheilung noch 1 S-C hat, während die hemiedrische 
Abtheilung ganz ohne Symmetrieelemente ist. 

XXXI. Erlasse. Holoedrie. 
(Pinakoidale Klasse.) 

Keine B-E and keine S-A, dagegen S-C Torhanden. 

Üa keine S-E, wohl aber noch das S-C vorhanden ist, so giebt es 
in der holoedrischen Abtheilung nur noch zwei flächige Formen oder 
parallele Flächenpaare, Pinakoide, welche jedoch, je nachdem sie 1, 2 

X 1 c k m a n n , Mineralogie. 3. Aafl. 8 



114 



6. Triklines System. XXXI. Kl. Holoedrie. 



5. Pinakoide II Art {a 

6. Pinakoide III Art (a 

7. Pinakoide IV Art (a 



oder 3 der zu Grunde gelegten Axen schneiden, wiederum in 7 besondere 
Formen unterschieden werden können, nämlich: 

1. Erstes Pinakoid (a : ooft : ooc); \100]^ 

2. Zweites Pinakoid (ooa : b : ooc); [OIO], 

3. Drittes Pinakoid (ooa : oo6 : c); {001}^ 

4. Pinakoide I Art (ooa : 6 : nc); {Okl}^ 

: oofc : nc); [hOl]^ 
: nb : ooc); {hkO\^ 
: mb : nc]; {hkl}. 

Naumann*8 Bezeichnung. Naumann geht bei seiner Bezeichnung von einer 
▼ollst äxidigen Bipyramide aus , die von den 4 Flächenpaaren \111U \ml, M'^l 
und \tll\ gebildet wird, und fasst diese An ihrer Gesammtheit als P zusammen. Im 
üebrigen wird das NAUMANN'sche Symbol ganz wie im rhombischen System gebildet 
nur ist es noch nSthig, die Lage der einzelnen Pinakoide in den verschiedenen 
Oktanten durch geeignete Zeichen auszudrücken. Dazu dienen Accente, die dem 
Buchstaben P angefügt werden; so bedeutet P*, dass die Form im oberen rechten 
Oktanten liegt, entsprechend bedeutet P, den rechten unteren, 'P den linken oberen 
und ,P den linken unteren Oktanten. Beispielsweise ist \201\ = %P'^, ferner 
9'Po6 = \0Jl\ u. s. w. 

Gombinatiouen. Alle holoedrisch-triklinen Krystalle stellen Com- 
binationen von Pinakoid en dar. Was man von diesen Pinakoiden mit 



Fig. 


274. 


XipK 


M^ 


Ksi i. 


\ 


J., 


'nT 


N 


11 

's. 


\ 



Fig. 276. 



Fig. 275. 







Mbit 




p = 


-- \ooii 


n - 


-. \Q2i\ 


T = 


-iim. 


e - 


-- \02i\ 


/ = 


-um. 


y = 


■-\iO\\ 


z = 


--\130i, 


X- 


-.\tOi\ 


f= 


-- \130\, 


V - 


-um 


Mzz 


-- \010\, 


- 


-iJii\ 



Kupfervitriol Axinit 

P = ill]\ r=r{/7i( 

T=\2]0\ P=]llü\ 

M=\110\ u = lllO\ 

n = \lOO\ l = \lOO\ 

8=:\l2l\ 8 = 120]^ 
x=\lli\ 

Rücksicht auf die Axenabschnitte als erstes, zweites und drittes Pinakoid 
bezw. als solche I, 11, III oder IV Art bezeichnen will, hängt von der 
ganz beliebigen Wahl der Axen ab und ändert sich mit veränderter 
Wahl. Zweckmässig wird man zu Axen solche Kanten nehmen, die aus 
dem Durchschnitt von Spaltflächen , von vorherrschenden oder sonst aus- 
gezeichneten Flächen hervorgehen, da die Erfahrung lehrt, dass alsdann 
die Indices der Formen am einfachsten werden. Die Fig. 274 — 276 stellen 
hierher gehörige Gombinationen dar; eine Zonenübersicht eines charakte- 
ristischen Minerales der Abtheilung, des Albits, giebt die Projection Fig. 277. 




6. Triklines System. XXXII. Kl. Hemiedrie. 115 

Zwillinge. Da im triklinen System nur eine Art von Flächen 
vorhanden ist, so tragen alle Zwillinge, deren Individuen symmetrisch 
zu einer Fläche verwachsen sind, den 
gleichen Charakter. Gewöhnlich sind die- 
jenigen Flächen eines Erystalls, die zu 
Zwillingsflächen werden, zu Pinakoiden ge- 
wählt worden, so dass man die Basis, die 
Quer- und die Längsfläche am häufigsten 
als Zwillingsfläche verzeichnet findet. — 
Für die triklinen Feldspäthe (Plagioklase) 
sind polysynthetische Zwillinge charakte- 
ristisch. 

In diesem System finden sich nun 
auch Zwillinge, bei denen die Individuen 

nicht symmetrisch zu einer möglichen Krystallfläche, sondern symmetrisch 
zu einer auf einer möglichen Krystallkante senkrechten Ebene liegen. 
Diese letztere Ebene hat immer irrationale Indices. (Periklingesetz des 
Albits, Zwillinge nach den Axen b und c am Cyanit. Vergl. Näheres 
im speciellen Theil.) 

Beispiele sind häufig; ausgezeichnet am Kupfervitriol, Cyanit, 
Axinit und an den Plagioklasen. 

XXXn. Erlasse. Hemiedrie. 
(Asymmetrische Grruppe.) 

Ohne Jedea Symmetrieelement. 

Dadurch, dass den holoedrischen Formen auch noch das S-C ver- 
loren geht, d. h. dass jedes parallele Flächenpaar in 2 von einander 
unabhängige Einzelflächen zerfällt, gehen die hierher gehörigen Hemieder 
hervor. Jede einzelne der den Erystall begrenzenden Flächen stellt so- 
mit eine einfache Erystallform dar und ist von jeder anderen physikalisch 
unterschieden. 

Beispiele sind unter den Mineralien nicht bekannt; sonst gehört 
das saure rechtsweinsaure Strontium hierher. 



Die im Vorstehenden beschriebenen 6 Krystallsysteme sind in nach- 
folgender Tabelle mit ihren 32 Symmetrieklassen, ihren Symmetrie- 
elementen und ihren einfachen Formen übersichtlich zusammengestellt. 
Dabei sind diejenigen einfachen Formen der Hemiedrie, Tetartoedrie und 
Hemimorphie, die sich von den holoedrischen geometrisch nicht unter- 
scheiden, nur durch einen Strich ausgedrückt worden. 



116 



Tabellariache üebenicht flb«r die Ktystallaysteme. 



Tabellarische 

Aber die 6 Krystall-Systeme und 32 Symmetrie-Klassen mit ihrei 

1. B^nlflreB 



Symmetrie-Elaisen 



Symmetrie -Elemente 

S-E S-A S-Ö 



(aimama); 
tnOn 



{a : ma : ma); 
mOm 



I. Holoedrie. 

Hexakisoktaedrische Klasse. 

11. Tetraedrisohe Henledrie. 

Hezakistetraedrische Klasse. 

lil. Pentagonale Hemledrie. 

Dyakisdodekaedrische Klasse. 

IV. Plagiedrisohe Henledrie. 

Pentagonikositetraedrische 
Klasse. 

V. Tetartoedrie. 

Tetraed risch-pentagon- 
dodekaedrische Klasse. 



3 + 6 
6 
8 




3iv^4ni^ön 

31^ + 4^ + 6° 
4™ + 3H 



Hexakisoktaeder 

Hexakistetraeder 

Dyakisdodeka- 
eder 

Pentagonikosi- 
tetraeder 

Tetraedrisohe 
Pentagondodeka- 
eder 



Deltoidikosh 
tetraeder 

Triakistetraeder 



Triakiatetraeder 



2. Hezagonales 



Symmetrie-Klassen 



Symmetrie -Elemente 

S-E S-A S-d 



\hkil\ 

(a imai—xa : nc); 

nPm 



\hOhl\ 

(q :ooa:—a:nc): 
nP 



VI. Holoedrie. 

Dihexagonal-bipyramidale 
Klasse. 

Vli. Hemimorphie der Holo- 
edrie. 

Dihexagonal-pyramidale 
Klasse. 

Vlli. Trigonale Henledrie. 

Ditrigonal- bipyramidale 
Klasse. 

IX. Rhomboedrisohe Henl- 

edrie. 

Ditrigonal skalenoedriscfae 
Klasse. 

X. Pyramidale Hemledrie. 

Hezagonal-bipyramidale 
Klasse. 

XI. Trapezoedrisohe Heml- 

edrie. 

Hexagonal-trapezoednscbe 
Klasse. 



1+3+3 

3 + 8 
1+8 



1^1 + 6° 

ivi 
l™ + 8° 

ini + sö 
ivi 

iVI + ßll 



Dihexagonale Bi- 
Pyramiden 



Dihexagonale 
Pyramiden 

Ditrigonale Bi- 
pyramiden 



Ditrigonale 
Skalenoeder 



Hexagonale Bi- 
pyramiden m Art 



Hexagonale 
Trapezoeder 



Hexagonale Bi- 
Pyramiden 1 Art 



Hexagonale 
Pyramiden 1 Art 

Trigonale Bi- 
pyramiden I Art 



Rhomboeder 



Anm. Die horizontale Strich bedeutet, dass die betreffende Form mit der holoedrischen geo- 



Tabellarische Ueberaicht fiber die ErystaUBTsteme. 



117 



Uebersicht 

Symmetrie-Elementen, einfachen Formen und deren Symbole. 
System. 



\kkn 

{aiazma); 
mO 


(a:ai a); 



\hkO\ 

(aimaiooa); 
ooOm 


{a:a:ooa); 
ooO 


iioo\ 

(a :ooa:ooo); 
ooOoo 


Triakisoktaeder 


Oktaeder 


Tetrakishezaeder 


Rhombendodeka- 
eder 


Hexaeder 


Deltoiddodekar 
eder 


Tetraeder 


— 


— 


— 


: 


: 


Pentagondodeka- 
eder 


: 


■^~ 


Beltoiddodeka- 
eder 


Tetraeder 


Pentagondodeka- 
eder 


— 


— 



System. 



\h.h.3h.H 

(a:a:--V«o:«<?); 
nPt 



lhkiO\ 

(a:ma:—xa:ooe); 

ocPm 



\t010\ 

(a:ooa:— o:ooc); 

ooP 



\1120\ 

(a:a:— V«a:oof); 

ooPi 



\0001\ 

(ooa:ooa:ocö:c); 

oP 



Hexagonale Bi- 
pyramiden II Art 



Hexagonale 
Pyramiden II Art 



Dihexagonale 
Prismen 



Hexagonales 
Prisma I Art 



Hexagonales 
Prisma II Art 



Hexagonale 
Basis 



Ba8i8-(End-) 
Flächen 



Ditrigonale 
Prismen 



Trigonales 
Prisma I Art 



Hexagonale 
Prismen III Art 



metrisch flbereinstimmt. Die römischen Ziffern geben die Z&hligkeit der Azen an. 



118 



Tabellarische Uebenicht über die Erystallsysteme. 





Symn 


Letrie-Elemente| 


\hkll\ 


\hOhl\ 


Symmetrie- Klassen 








{aitnai'-xaine); 


{a:ooa: — a:Hc\: 




S-E 


S-A 


SC 


nPm 


nP 


Xli. Heminorphie der tri- 












gonalen Henledrie. 












Ditrigonal-pyramidale 


8 


im 





Ditrigonale 


Trigonale 


Klasse. 








Pyramiden 


Pyramiden 1 Art 


XIII. Heminorphie der pyra- 












nidaien Henledrie. 












HezaffODal-pyramidale 





ivi 





Hezagonale Py- 


Hezagonale 
Pyramiden I Art 


Khb»e. 








ramiden III Art 


XIV. Trigonale Tetartoedrie. 












Trigonal-bipyramidale 


1 


im 





Trigonale Bi- 


Trigonale Bi- 


Klasse. 








pyramidenlll Art Pyramiden I An 


XV. Trapezoedriache Tetarto- 












edrie. 












Triffonal-trapezoedrische 





im + gn 





Trigonale 


Rhomboeder 


Klasse. 








Trapezoeder 




XVI. Rhomboedrlsche Tetarto- 












edrie. 












Rhomboedrische Klasse. 





im 


1 


Rhombo- 


Rhombo- 


XVII. Heninorphie der tri- 








eder III Art 


eder I Art 


gonalen Tetartoedrie. 












Trigonal-pyramidale Klasse. 





im 





Trigonale Py- 
ramiden III Art 


Trigonale 
Pyramiden I Art 











3. 


letragonalee 




Symmetrie -Elemente! 


\hki\ 


\hhn 


Symmetrie-Klassen 








(a ima \ne)\ 


(aiainc); 




S-E 


S-A 


S-C 


nPm 


nP 


XVIII. Holoedrle. 












Ditetragonal-bipyramidale 


1+2+2 


liv + ^n 


1 


Ditetragonale 


Tetragonale Bi- 


Klasse. 








Bipyramiden 


pyramiden I Art 


XIX. Heninorphie d.Hoioedrie. 












Ditetragonal-pyramidale 


2 + 2 


liv 





Ditetragonale 


Tetragonale 


Klasse. 








Pyramiden 


Pyramiden I Art 


XX. Sphenoidlsohe Henledrie. 












Tetragonal-skalenoedrische 


2 


1° +2° 





Tetragonale 


Tetragonale 


Klasse. 








Skalenoeder 


Bisphenoide 


XXI. Pyramidale Hemiedrie. 












Tetragonalbipyramidale 


1 


liv 


1 


Tetra^nale Bi- 


— 


Klasse. 








pyramiden III Art 




XXII. Trapezoedrische Hemi- 












edrie. 












Tetragonal-trapezoedrische 





IIV4.411 





Tetragonale 


— 


Klasse. 








Trapezoeder 




XXIII. Hemimorphie der pyra- 












midalen Hemiedrie. 












Tetragonal-pyramidale 





liv 





Tetragonale Py- 


Tetragonale 


Klasse. 








ramiden III Art 


Pyramiden I Art 


XXIV. Sphenoldlsche Tetarto- 












edrie. 












Tetragonal-bisphenoidische 





in 





Tetragonale Bi- 


Tetragonale Bi- 


Klasse. 








sphenoide III Art 


sphenoide I Art 



Tabellarische üeberaicht über die Krystallsysteme. 



119 



{aia :— '/larnc); 
«Pf 



ihkiO\ 

{a:ma:—xa:ooc); 

ooPm 




\0001\ 

(ooa.ooaiooaic); 

oP 



Hezagonale 
Pyramiden II Art 



He: 



nale 
'en II Art 



Trig^onale Bi- 
pyrainideii II Art 



Tri^onale Bi- 
Pyramiden II Art 



Rbombo- 
eder II Art 

Trigonale 
Pyramiden II Art 



Ditrigonale 
Prismen 



Hexagonale 
Prismen III Art 

Trigonale 
Prismen III Art 



Ditrigonale 
Prismen 



Hexagonale 
Prismen III Art 

Trigonale 
Prismen III Art 



Trigonales 
Prisma I Art 



Trigonales 
Prisma I Art 



Trigonales 
Prisma I Art 



Trigonales 
Prisma II Art 



Trigonales 
Prisma II Art 



Trigonales 
Prisma II Art 



Basis-(End-) 
Flächen 



Basis-(End-) 
Flächen 



Basi8-(End-) 
Flächen 



System. 










ihOl\ 


ihkO\ 


\110\ 


\100\ 


iooi\ 


(a looamc); 


(aimaioocl; 


(aiaiooc); 


{a :ooa:ooa); 


(ooaiooaie); 


nPoo 


ooPm 


ooP 


cx>Poo 


oP 


Tetragonale Bi- 


Ditetragonale 


Tetragonales 


Tetragonales 


Basis 


Pyramiden II Art 


Prismen 


Prisma I Art 


Prisma II Art 




Tetragonale 


— . 


._ 





Basis-(End-) 


Pyramiden II Art 








Flächen 




Tetragonale 










Prismen III Art 








Tetragonale 


Tetragonale 






Basis-(End-) 


Pyramiden II Art 


Prismen III Art 






Flächen 


Tetragonale Bi- 


Tetragonale 


_^ 


_ 


.^ 


sphenoide n Art 


Prismen III Art 









120 



Tabellarigche Ueberaicht über die Eiystallsysteme. 



4. Bhombiflckes 



Symmetrie- Klassen 




\hkl\ 

{a:tnb :ne); 

nPm 



{ooaib : nc); 
nPÖ6 



XXV. Holoedrle. 

Rhombisch- bipyramidale 
Klasse. 

XXVI. Hemimorphle. 

Rhombisch- pyramidale 
Klasse. 

XXVII. Hemledrie. 

Rhombisch-bisphenoidische 
Klasse. 



Sn 



l^ 



8° 



Rhombische 
Bipyramiden 

Rhombische 
Pyramiden 

Rhombische 
Bisphenoide 



Längspriamen 
(Prismen I Art) 



(Domen I Art) 



5. Monoklines 





Symmetrie-Elemente 


\hkn 


\0kli 


Symmetrie-Klassen 


8-E 


S-A 


s-c 


(aimbinc); 
nPm 


(ooa : 6 : fi r) ; 
itPoÖ 


XXVIII. Holoedrle. 

Prismatische EQasse. 


1 


1« 


1 


Prismen IV Art 


L&ngsprisxnen 
(Prismen I Art) 


XXIX. Henlnorphle. 

Sphenoidische Klasse. 





1° 





• 

Rechte und linke 
Sphenoide 

(Sphenoide lY Art) 


L&ngssphenoide 
(Sphenoide I Art) 


XXX. Heniedrle. 

DomatiBche Klasse. 


1 








Vordere u.hintere 
Domen (IV Art) 


L&ngsdomen 
(Domen I Art) 



6. TrikUnes 



Symmetrie -Klassen 




\hkH 

(a itnbinc); 

nPm 



\OkH 

(ooa: b :nc); 

fiPÖ6 



XXXI. Holoedrle. 

Pinakoidale Klasse. 

XXXII. Heniedrle. 

Asymmetrische Klasse. 



Pinakoide IV Art 



Flachen IV Art 



Pinakoide I Art 



Flächen I Art 



Tabellarische üebenicht über die KrystaUflysteme. 



121 



System. 



{a : 006: iir); 
nFöö 



ihkO\ 

{a :mb:(X>c); 

ooPm 



Uoo\ 

(o :oo6:oof); 
ooPöo 



\010i 

(ooa :6:00c); 

oofoo 



ioon 

(ooa: 00b ic); 
oF 



Querprinneii 
(Prismen II Art) 



(Domen II Art) 



VerticalprismeD 
(Prismen III Art) 



Querpinakoid 
(Erstes Pinakoid) 



Längspinakoid 
(Zweites Pinakoid) 



RhombiücheBasis 
(Dritt^sPinakoid) 



Ba8is(End-) 
Flächen 



SyBtcin« 



\hOl\ 

(azoobme); 

hFöö 



\hkO\ 

{a:mb: ooc); 

ooPm 



\100\ 

{a:cx>b:ooc); 

oopöö 



(ooa :6:00c); 
ooPoÖ 



\00J\ 

(ooa :oo6:c); 

oF 



Qnerpinakoide 
(PinakoidellArt) 



Verticalprismen Querpinakoid 
(Prismen III Art) (Erstes Pinakoid) 



Vordere und hin- 
tere Quer- 
fi&chen (II Art) 



Verticalsphenoide 
(Sphenoide III Art) 



Verticaldomen 
(Domen III Art) 



Längspinakoid 
(Zweites Pinakoid) 



Rechte und linke 
Fläche 



Endpin akoid 

(Basis, drittes 

Pinakoid) 



Vordere u.hintere 
Querfläche 



Obere und 

untere Erdfläche 

(Basisfläche) 



System. 



(aiocb^me); 
nFöö 



\hkO\ 

{a imb :ooc); 

ooPm 



(a :oo6 :00c); 
ooPöb 



\010\ 

(ooa: 6:00c); 

00P06 



\001\ 

{ooaioobic); 

oF 



Pinakoide II Art 



Flächen 11 Art 



Pinakoide HI Art 



Flächen HI Art 



Erstes Pinakoid 



Erste Fläche 



Zweites Pinakoid 



Zweite Fläche 



Drittes Pinakoid 



Dritte Fläche 



122 Ausbildungsweise und Art des Auftretens der Krystalle. 

Als Anhang an die im Vorstehenden zum Abschluss gebrachte 
9 geometrische Erystallographie^ mag hier noch kurz auf die zuweilen 
zu beobachtende Gesetzmässigkeit in der Verwachsung von Erjstallen 
verschiedener Species hingewiesen sein. Gewöhnlich ist bei solchen 
Verwachsungen die Orientirung derart, dass die Krystalle nicht nur die 
Verwachsungsfläche, sondern noch eine Zone gemeinsam haben. So finden 
sich, um nur die auffälligsten Beispiele zu erwähnen, die dem Paragonit- 
schiefer von Faido im Tessin eingewachsenen Krystalle des rhombischen 
Stauroliths und des triklinen Gyanits oft so verbunden, dass beider Quer- 
flächen bei gleicher Richtung der Verticalaxen zusammenfallen. — Auf 
der Basis der Eisenglanztafeln von Gavradi im Tavetsch haften Rutil- 
krystalle, deren Prismenkanten die Richtung der Zwischenaxen des 
rhomboedrischen Eisenglanzes innehalten. — Bei Hirschberg im Riesen- 
gebirge, bei Baveno, auf Elba etc. sitzen den Verticalflächen der KaU- 
feldspäthe (Oi*thoklas, z. Th. aber auch Mikroklin) Albitkrystalle auf, 
sodass stets beider Flächen, und die Verticalaxe correspondiren. Ebenso 
flnden regelmässige Verwachsungen statt zwischen Pyrit und Markasit. 
— Auch die häufigen Parallelverwachsungen von Augit und Hornblende 
gehören hierher u. a. m. 

Capitel IX. 
§ 1. Aosbildongsweise und § 2. Art des Auftretens der Krystalle. 

§ 1. Ausbildungsweise, Unvollkommenheiten. Die in den 
vorhergehenden Gapiteln zu Ende geführte geometrische Betrachtung der 
Krystalle geht von Idealgestalten aus, wie solche von der Natur nur 
unter besonderen günstigen Umständen, d. h. in Ausnahmefällen gebildet 
werden. Abweichungen von solchen Idealgestalten — gewöhnlich als 
Unvollkommenheiten der Krystallbildung bezeichnet — bilden die Regel, 
und daher ist die die Ausbildungsweise überhaupt und diese Abweichungen 
im Besonderen erörternde „Krystallotektonik'' von hoher Bedeutung 
für die Mineralogie. 

Von einer gewissen Regelmässigkeit wird noch die sogen. Habitus- 
ausbildung beherrscht. — Einzelne, oftmals gleichwertige Flächen 
walten in den Gombinationen vor und bedingen einen pyramidalen, 
prismatischen (säuligen) oder pinakoidalen (tafligen) Habitus, als 
dessen Grenzformen nadlige, haar- und blättchenförmige Krystalle her- 
vorgehen. Die Habitusausbildung ist in vielen Fällen für dasselbe Mineral 
constant, in anderen schwankt sie und hängt dann oft in bestimmter Weise 
mit örtlichen und paragenetischen Verhältnissen zusammen. 

Die Abweichungen von der geometrischen Idealgestalt und von den 
nach der Krystalldefinition zu erfüllenden Bedingungen können 1. die 



Ausbildungs weise der Kryetalle. 123 

äussere Form der Krystalle, 2. die Oberfi'ächenbeschaffenheit , 3. die 
Oleichartigkeit der Mineralsubstanz betreffen. 

ad 1. Die ÜDYollkommenheit der äusseren Form, abgesehen 
von der durch mechanische Einflüsse bewirkten UnvoUstandigkeit , wird 
in der Regel als Verzerrung bezeichnet. Sie äussert sich am häufigsten 
in der ungleichen Gentraldistanz gleichwertiger Flächen, die so weit 
gehen kann, dass einzelne zu einer Erystallform zusammengehörige Flächen 
überhaupt nicht auftreten (Meroedrie). Als ganz gewöhnliche Erschei- 
nung erleidet das symmetrische Aussehen der Erystalle Einbusse, sodass nur 
ausnahmsweise der Symmetriegrad aus dem blossen Anblick hervorgeht. 

Regal&re Würfel des Pyrits erscheinen zaweilen nach einer Richtung lang 
ausgedehnt und nehmen quadratischen Habitus an; reguläre Oktaeder von Magnetit 
erscheinen als hexagonale Combinationen von Rhomboeder und Basis ; Quarzkiystalle 
der Combination , Säule mit Bipyramide erscheinen wie rhombische Combinationen. 
— Reguläre Rhombendodekaeder können das Aussehen erlangen der Gombination 
Rhomboeder mit Prisma II Art im hezagonalen, der Gombination des Prismas mit 
Bipyramide anderer Art im quadratischen oder der Gombination der 3 Prismen mit 
einander im rhombischen System etc. Ganz besonders häufig erlangen 
rhombische Combinationen das Aussehen hexagonaler Kiystalle. 

Der beistehende Erystall Fig. 278 lässt nach dem blossen 
Aussehen folgende Deutungen zu: 

reguläres System: \211\, \J10\, 
tetragonales System: {li^i, {i^/|, )nO|, \20Jl 
rhombisches System : 8 Bipyramiden in Gombination mit 
8 Prismen. 

Es bedarf kaum des Hinweises, dass in diesen und allen ähnlichen Fällen der 
wahre Symmetriegrad, der sich in den Winkeln äussert, nicht verändert wird und 
somit durch Messung leicht festgestellt werden kann. 

Die Verzerrung der Krystalle ist zumeist Folge des Wachsthums, 
bei der einzelne Richtungen besonders bevorzugt sind; in anderen sel- 
teneren Fällen ist dieselbe jedoch auf mechanische Vorgänge, Oebirgs- 
druck zurückzuführen. Dabei erleiden auch die Krystallwinkel eine Ver- 
änderung, die Krystalle werden oft gekrümmt und gebogen und nicht 
selten zerbrochen. 

ad 2. Völlig ebene Flächen gehören gleichfalls zu den Selten- 
heiten, wovon man sich namentlich am Reflexionsgoniometer überzeugt; 
gewöhnlich sind sie matt, rauh, drusig, gestreift, facettirt, gekrümmt etc. 
Soweit die Flächenbeschafifenheit eine Wachsthumserscheinung ist, zeigt 
sich das Symmetriegesetz bestätigt, dass alle gleichwerthigen Flächen 
gleiche physikalische Beschaffenheit besitzen, eine Beziehung, von der oft 
mit Vortheil bei der Entzifferung flächenreicher Combinationen Gebrauch 
gemacht wird. 

Besonders charakteristisch ist eine parallele Streifung oder Riefung 
der Flächen, die durch die oft wiederholte (oscillirende) Gombination 




I 



124 Aasbildungaweise der Krystalle. 

zweier Flächen hervorgerufen wird (daher Combinationsstreifung); 
zur Erkennung der Zwillinge wird sie als Fiederstreifung wichtig. 

Gewöhnliche Beispiele der Combinationsstreifung sind: die Hori- 
zontalstreifung auf den Säulenflächen des Quarzes, Streifung der WQrfel- 
flächen des Pyrits parallel einer Kante, der Rhombendodekaederflächen 
des Magnetits parallel der längeren Diagonale etc. 

Verscbieden von der Combinationsstreifung ist die sogen. Zwillingsstreifnng 
mancher Mineralien, z. B. der Plagioklase, mancher Kalkspäthe, die von blattartig 
dünnen Zwillingslamellen herrührt. 

Sind die mit einander in oscillirende Gombination tretenden Flächen 
ungleich breit, so entsteht durch die vielfache Wiederholung derselben 
Flächen eine Rundung an den Kanten, eine Krümmung (Turmalin, Beryll, 
Kalkspath etc.). 

Aber auch unabhängig von irgend welcher Gombination erscheinen 
gekrümmte Flächen, wie die für den Diamant charakteristische convexe 
Krümmung der Flächen, während am Spatheisen häufig eine coneave 
Krümmung (sogen, sattelförmige Krümmung) der Rhomboederflächen be- 
merkt wird. 

Baut sich der Krystall durch Parallelverwachsung aus Subindividuen 
auf, so sind die Flächen, wie sich dies oft am Flussspath, auch am 
Kryolith zeigt, parquettirt. 

Grössere Krystallflächen erscheinen zuweilen unter sehr stumpfen 
Winkeln geknickt ; die einzelnen Facetten sind zum Theil tautozonal, 
und auf ihre Indices berechnet, lassen sie oft ein Fortschreiten der dabei 
resultirenden hohen Indiceszahlen in arithmetischer Reihe erkennen. 
Solche Facetten heissen mit Bezug auf die Hauptflächen Yicinalflächen 
(Danburit, Adular, Albit etc.), während die ganze Erscheinung der unter 
sehr stumpfen Winkeln geknickten Krystallflächen als Polyedrie be- 
zeichnet wird, ein Wort, das allerdings auch wohl in etwas anderem Sinn 
gebraucht wird. 

Matte, rauhe, drusige Flächen können oft durch Corrosion ent- 
standen sein. 

Auch treppenförmig eingefallene Krystalle, als Folge ungenügender 
Raumerfüllung, kommen vor (Würfelflächen des Steinsalzes und Blei- 
glanzes, Rhomboederflächen des Quarzes, z. B. desjenigen von Zinnwald). 
Sie bilden den Uebergang zu Krystallskeleten. 

Neben den eigentlichen Krystallflächen treten zuweilen auch sogen. 
Scheinflächen (Endfläche am Quarz) auf, die nichts weiter sind als 
die Abformung ebener Flächen anstossender Mineralien, mit denen der 
wachsende Krystall in Berührung kam. 

Wie die Flächen, so können auch die Kanten deformirt: ge- 
krümmt, gerundet, gekerbt sein. Werden die Kanten unscharf, so er- 



Ausbildnngsweise der Erjstalle. 125 

scheinen die KrystaUe wie angeschmolzen oder geflossen: Apatit, Augit, 
Granat. 

Besondere VerunBtaltungen der ebenen Erystalloberflächen werden durch feine, 
oft staubartige Ueberzüge seitens eines anderen Minerales bewirkt So überzieht 
Chlorit Krystalle des Adulars, Albits, Granats; Kupferkies solche vom Fahlei*z, Pyrit 
solche vom Kalkspath. Bemerkenswerth ist, dass derartige üeberzQge sich zuweilen 
auf bestimmte Fl&chen eines Erystalls beschränken, wie es sich z. B. an den Chlorit- 
Überzügen mancher alpiner Adulare, Albite, Bergkrystalle etc. beobachten lässt. 

Die überaus häufige unvollkommene Beschaffenheit der Erjstall- 
flächen und Kanten erklärt nun auch zur Genüge, weshalb sich zwischen 
den gemessenen und den berechneten Krystall winkeln ständig kleine Ab- 
weichungen ergeben. 

ad 3. Nicht homogene Beschaffenheit eines Erystalls, wie 
sie sich in abweichender physikalischer oder chemischer Beschaffenheit 
verschiedener Partien desselben äussert, rührt entweder von mechanischen 
oder von chemischen Beimengungen her. Nur die auf erstere Ursachen 
zurückführbaren Erscheinungen können als UnvoUkommenheiten betrachtet 
werden, während die letzteren das gesetzmässige Verhalten isomorpher 
Mischungen (s. späteren Abschnitt) zeigen. 

Zu letzteren gehören jene Krystalle (Turmalin» Diopsid, Alaun etc.), die eine 
zonenartige Farbenänderung ihrer Substanz zeigen. 

Mechanische Beimengungen, sogen. Einschlüsse und Interpositionen, 
sind überaus häufig. Leicht wahrnehmbare Beispiele sind die Einschlüsse 
von Rutilnadeln in Bergkrystall , Antimonit in Schwerspath, Quarz in 
Staurolith etc. Oft rühren die Einschlüsse von winzigen Krystallen 
(Mikrolithen) her, die, selbst wenn ihre mineralogische Natur nicht 
sicher festzustellen ist, unter Umständen für ihren Wirth charakteristisch 
sein können (augitische Mikrolithe im Leucit, die Interpositionen des 
Hypersthens etc.). Häufungen winziger Interpositionen können die Fär- 
bung des umschliessenden Erystalls zur Folge haben (Carnallit, Heulandit). 

Auch mit Luft, Eohlensäure, Wasser etc. erfüllte, zuweilen eben* 
flächig begrenzte Hohlräume (negative Erystalle) und Poren unter- 
brechen die homogene Beschaffenheit eines Erystalles. 

Sind die Einschlüsse, gleichviel welcher Art, in regelmässigen 
parallelen Lagen angeordnet, so geben sie Anlass zu schaligem Bau, 
wie er besonders deutlich am Eappenquarz, aber auch an vielen anderen 
Mineralien: Baryt, Wolfram, Vesuvian etc. auftritt. Bei grosser Fein- 
heit und Vollkommenheit des schaligen Baues kann eine parallel be- 
stimmten Flächen verlaufende Absonderung erzeugt werden, die einer 
Spaltbarkeit täuschend ähnlich wird (Bronzit, Diallag). In ganz analoger 
Weise kann auch die sich wiederholende Einlagerung sehr dünner Zwil- 



126 Art des Auftretens der Erystalle. 

lingslamellen schaligen Aufbau und wie Spaltung erscheinende Absonde- 
rung hervorbringen (Magnetit). 

§ 2. Art des Auftretens der Krystalle. — Es ist hier das 
Vorkommen und die Gruppirung in Betracht zu ziehen. 

Das Vorkommen der Erystalle kann, soweit es sich um morpho- 
logische Verhältnisse handelt, ein doppeltes sein, die Krystalle sind ent- 
weder eingewachsen (schwebend), wenn sie von Oesteins- oder 
Mineralmasse rings umschlossen sind und sich innerhalb derselben ge- 
bildet haben, oder sie sind aufgewachsen (sitzend), wenn sie nach 
einer oder mehreren Seiten derartig fest mit ihrer Unterlage verwachsen 
sind, dass hier keine ebenflächige Ausbildung stattgefunden hat, während 
sie mit dem ausgebildeten Ende gewöhnlich in Höhlungen, Drusenräume 
hineinragen. Beide Arten des Vorkommens finden sich sowohl bei 
Mineralien, die aus wässeriger Lösung wie aus dem Schmelzflusse aus- 
krystallisirt sind, doch sind die eingewachsenen Krystalle viel häufiger 
bei den aus dem Schmelzflusse ausgeschiedenen Mineralien, also z. B. 
bei den porphyrartigen Einsprengliugen der Eruptivgesteine, während die 
aufgewachsenen häufiger bei aus wässeriger Lösung auskrystallisirten 
Mineralien auftreten. Manche Mineralien finden sich nur oder doch ganz 
vorherrschend in eingewachsenen Krystallen (Leucit, Olivin, Diamant, 
Boracit), andere nur in aufgewachsenen Krystallen (Zeolithe, Axinit etc.)i 
die meisten in beiden Zuständen. Bei letzteren zeigt sich häufig die 
Eigenthümlichkeit, dass der Habitus der eingewachsenen Krystalle ver- 
schieden von dem der aufgewachsenen ist (Orthoklas und Adular, Titanit 
und Sphen etc.) oder dass die aufgewachsenen Krystalle reichere Com- 
binationen darstellen (Quarz, Apatit, Nephelin). 

Mit dieser Unterscheidung von auf- und eingewachsenen Krystallen 
hängen auch weiter die Unterschiede der Krystallgruppirung zusammen, 
d. h. die Art, wie neben einander vorkommende Krystalle unter sich 
verbunden sind. Die aufgewachsenen Krystalle werden durch die gemein- 
same Unterlage, durch die Wände der Höhlung, in die sie hineinragen, 
zusammengehalten; sie bilden mitsammt einem Stück der gemeinsamen 
Unterlage eine Krystalldruse. Die schwebenden Krystalle dagegen, 
die sich in einer nachgiebigen eruptiven oder sonstigen plastischen Matrix 
gebildet haben, sind unter einander verbunden und so gut wie unab- 
hängig von der umgebenden Materie ; sie liefern die Krystallgruppen. 

Das wesentlich Unterscheidende der beiden Verwachsungsarten Druse 
und Gruppe wird man somit in den entsprechenden Modalitäten des 
Aufgewachsenseins oder des Eingewachsenseins zu sehen haben und damit 
correspondirt weiter der Entstehungsvorgang: Drusen sind Secretions- 
bildungen, Gruppen Concretionsbildungen. 



Formen der Aggregate. 127 



Zu den Drusen gehören die schönen Bergkrystallvorkommnisse aus 
den „Erystallkellem'' der Alpen, die Mineralien der Gangspalten und 
der Geoden; die Drusen liefern überhaupt die meisten Krystalle unserer 
Sammlungen. Zu den Gruppen hat man u. a. die Feldspath- und Augit- 
Torkommnisse aus den Eruptivgesteinen, die Gypsknollen in Thonen, die 
kugeligen Verwachsungen von Pyritkrystallen etc. zu rechnen. Die Drusen 
wie die Gruppen liefern fQr bestimmte Mineralien oft höchst charakte- 
ristische Gestalten, wie die Hahnenkämme des Baryts, die Bündel des 
Desmins, die Kugeln und Fächer des Prehnits, die Rosetten des Eisen- 
glanzes und Ealkspaths ; gewöhnlich sind bei solchen Verwachsungen nur 
noch einzelne Flächen scharf ausgebildet; sie bilden schon den üeber- 
gang zu den krystallinischen Aggregaten. 



II. Die Formen der Aggregate. 

Die Formen der krystallinen Aggregate sind nicht wie die der 
Krystallindividuen allein abhängig von der freien Entfaltung der Kry- 
stallisationskraft, sondern bei ihnen haben äussere und zufällige Einflüsse, 
wie die Gestalt des Bildungsraums, die Adhäsion, gleichzeitige Entstehung 
vieler sich gegenseitig in ihrer Ausbildung störender Individuen das Ueber- 
gewicht gehabt und die mannichfaltigsten, aber meist regellosen Gestalten 
erzeugt. Da es sich um Aggregate handelt, so ist hier neben der äusseren 
Form auch das innere Geftlge, die Structur zu betrachten. 

Hängt die äussere Form allein ab von der umgebenden Matrix, 
so erscheinen die Aggregate in erborgten Formen und heissen einge- 
sprengt, derb oder auch plattig. Bei ausreichendem Bildungsraum er- 
langen sie freie Formen, wobei sich, ohne dass die näheren Gründe 
dafür immer ersichtlich sind, kugelige (Oolithe, Pisolithe, Sphärolithe), 
halbkugelige, nierige, traubige, stalaktitische Formen entwickeln. Femer 
gehören hierher Formen, die unter besonderen Verhältnissen, z. B. Aus- 
krystallisationen auf engen Gesteinsklüften und Schichtenfugen, ent- 
standen sind und als baumfÖrmig, gestrickt, dendritisch, moosförmig, 
haarförmig etc. bezeichnet werden. 

Die Structur der Aggregate lässt sich am einfachsten von dem 
Gesichtspunkt aus übersehen, ob die Individuen des Aggregates eine Aus- 
dehnung wesentlich nach einer, nach zweien oder nach allen Richtungen 
erfahren haben. Im ersten Fall spricht man von strahligen Aggregaten 
(parallel-, radial- und divergent- oder verworrenstrahlig) und unterscheidet 
darunter stenglige, spiessige, faserige, nadelige etc. Aggregate, im zweiten 
Fall von blättrigen (schaligen, schuppigen), im letzten Fall endlich von 
kömigen Aggregaten. — Auch die Vereinigung zweier derartiger Structur- 



128 Formen der amorphen Mineralien. 

modificationen , eine , doppelte Structur* ist in der sogen. Glaskopf- 
structur, bei der die radial-strahlige und die concentrisch- schalige Strac- 
tur zusammentreffen, verwirklicht (rother und brauner Glaskopf). 

Die Ablösung der einzelnen Individuen eines Aggregates erfolgt 
zuweilen nach ganz ebenen, oft spiegelglatten Flächen. Solche Seh ei o- 
flächen, wie sie z. B. bei den Olasköpfen, bei strahligen Aragoniten eta 
auftreten, dürfen nicht mit wahren Erystallflächen verwechselt werden. 

Sinken die einzelnen Individuen, gleichviel welche der oben er- 
wähnten Structurmodificationen vorliegt, zu solcher Kleinheit herab, dass 
das Auge sie nicht mehr unterscheidet, so nennt man ein solches Ag- 
gregat dicht, oder man bezeichnet es als kryptokrystallines Ag- 
gregat im Gegensatz zu den phanerokrystallinen, wird dasselbe von 
Hohlräumen unterbrochen, so heisst es porös, schaumig, schwammig, 
zelb'g; ist der Zusammenhang gering, so zerreiblich, locker. 

Wohl die meisten Mineralien liefern Beispiele zu den krystallinen 
Aggregaten und zu deren Oberflächengestaltung wie Structurmodification. 
sodass wir einer besonderen Erwähnung überhoben sind. Dagegen ver- 
dienen als ganz besondere und charakteristische krystalline Aggregate 
die Pseudomorphosen auch an dieser Stelle Erwähnung, die bei 
typischer Aggregatstructur deutliche, oft sehr scharfe Krystallbegrenzung 
erkennen lassen. Doch ist diese Begrenzung eine erborgte, der Sub- 
stanz als solcher nicht zukommend. Eingehenderes über die Pseudo- 
morphosen s. später. 



III. Die Formen der amorphen Mineralien. 

üeber die Morphologie der amorphen Mineralien ist wenig zu 
sagen. Soweit sie starr sind, gilt von ihrer äusseren Form alles das, 
was in dieser Beziehung von den krystallinen Aggregaten erwähnt ist: 
sie erscheinen bei freier Ausbildung kugelig, halbkugelig, traubig, nierig 
und stalaktitisch. Auf dem Bruch ist jedoch niemals eine besondere, 
faserige oder körnige Structur ausgeprägt, wie dies häufig bei den kry- 
stallinen Aggregaten der Fall ist, sondern ihr Bruch ist meist aus- 
gezeichnet muschlig mit pechartigem oder glasigem Glanz. Auch fein- 
erdiger Bruch kommt vor. 

Im Allgemeinen hält es nicht schwer, nach dem äusseren Ansehen 
amorphe Mineralien von dichten krystallinen Aggregaten zu unterscheiden; 
wo Zweifel bleiben, liefert die optische Untersuchung im polarisirten 
Licht die Entscheidung. 

Amorphe Substanzen gehen aus wässeriger Lösung und aus dem 
Schmelzfluss hervor. Im ersten Fall heissen sie porodin, im anderen 



Formen der amorphen Mineralien. 129 

hyalin. Die in Betracht kommenden hyalinen Substanzen schliesst man 
aber ihrer wechselnden chemischen Zusammensetzung wegen besser yom 
Mineralreich aus und rechnet sie, wohin sie ihrer ganzen Natur nach 
auch gehören, zu den Gesteinen, wie z. B. den Obsidian. 

Amorphe starre Mineralien können sich bei längerem Liegen in 
krystalline Aggregate verwandeln, was darauf beruht, dass die im 
amorphen Körper regellos angeordneten MolekQle sich zu regelmässig 
angeordneten Oruppen umstellen. Dafür liefert mancher Opal, der in 
Chalcedon überzugehen vermag, ein Beispiel. 



Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 



n. Abschnitt. 

Physik der Mineralien. 



Literatur. Schrauf, Lehrbach der physikalischen Kmialloffraphie. 2 Bde. 
Wien 1866 u. 1868. — Liibisch, Artikel »Krystallographie" in Feblino^ Neaem Hand- 
wörterbuch der Chemie. Bd. III. 1878. — Mallard, Trait^ de GristalloKraphie. Bd. 11. 
Paris 1884. — Liebisch, Physikalische Krystallographie. Leipzig 1891. — Soret, 
Elements de cristallographie physique. Paris 1893. — Groth, Physikalische Krystallo- 
graphie. 8. Aufl. Leipzig 1895. — Liebisgh, Grundriss der physikalischen Krystallo- 
graphie. Leipzig 1896. — Voigt, Die fundamentalen physikalischen Eigenschafben der 
Krystalle etc. Leipzig 1896. — Ausserdem die ausführlichen Lehrbücher der Physik, 
wie MüLLBR-PouiLLET, WOllner etc. und Voigt, Compendium der theoretiBchen Physik. 
Leipzig 1895 u. 1896. 

Wie im voraufgehenden Abschnitt, so wäre auch hier eine getrennte Dar- 
stellung der physikalischen Eigenschaften der Krystalle und der der Aggregate wie 
der amorphen Mineralien begründet, doch hat eine solche Trennung hier nicht die 
Bedeutung wie bei den morphologischen Eigenschaften und ist deshalb nicht be- 
sonders durchgeführt worden. In den meisten Fällen verhalten sich die Aggregate 
physikalisch wie die sie aufbauenden Krystallpartikel ; wo Abweichungen vorkommen 
(z. B. Bruch, Härte, Farbe etc.), ist deren anhangsweise gedacht. Die folgenden 
Gapitel dieses Abschnittes beschäftigen sich daher im Wesentlichen mit der Physik 
der Krystalle. 

Die Mineralphysik sieht naturgemäss ihre Aufgabe in der Er- 
forschung aller physikalischen Eigenschaften der Mineralien unter be- 
sonderer Berücksichtigung derjenigen, die zur Charakterisirung und 
Unterscheidung der einzelnen Mineralien dienen; die Krystallphysik 
legt daneben noch besonderes Gewicht auf die Feststellung der Gesetze, 
welche zwischen den physikalischen Eigenschaften der Krystalle und 
ihrer Gestalt wie ihrer chemischen Constitution herrschen. 

Wie die Erfahrung gelehrt hat, stehen die physikalischen Eigen- 
schaften eines Krystalls in engstem Zusammenhang mit denen der Ery- 
stallgestalt, sodass aus der Beobachtung der physikalischen Eigenschaften 
ein die geometrische Untersuchung in vielen Fällen an Sicherheit über- 
treffender Bückschluss auf die krystallographische Symmetrie gezogen 
werden kann. 

Die enge Beziehung zwischen physikalischer Eigenschaft und Form 
findet sich in dem Fundamentalsatz der physikalischen Krystallographie 



Fundamentsatz der phyBikalischen Erystallographie. ]31 

ausgesprochen, wonach alle geometrischen Sjmmetrieebenen auch 
physikalische sind. 

In Erystallen sind nach Früherem (S. 6) die physikalischen Eigen- 
schaften in parallelen Richtungen gleich ; mit Rücksicht auf vorstehenden 
Fundamentalsatz kann man dies Charakteristikum dahin erweitern, 
dass alle geometrisch gleichwerthigen Richtungen sich auch 
physikalisch gleich verhalten. 

Die ümkehrung dieses Satzes gilt jedoch nicht für sämmtliche 
physikalische Eigenschaften, sondern nur für einen Theil, sodass man 
mit Rücksicht auf dieses verschiedene Verhalten und in Anschluss an 
SoHNCKE ^) die physikalischen Eigenschaften in 2 Oruppen theilen kann, 
je nachdem für sie eine ümkehrung dieses Satzes zulässig ist oder nicht. 
Für die erste Gruppe von Eigenschaften, zu der die Gohäsion 
und die davon abhängigen Eigenschaften (Härte, Spaltbarkeit, Elasticität), 
femer auch Pyro- und Piezoelektricität und vor allem die Vorgänge des 
Wachsthums und der Auflösung gehören, ist auch die ümkehrung rich- 
tig : alle physikalisch gleichwerthigen Richtungen sind auch geometrisch 
gleicfawerthig. 

Da Substanzen, die in verschiedenen Richtungen ungleiches physi- 
kalisches Verhalten zeigen, anisotrop genannt werden, so sind mit Be- 
zug auf diese erste Oruppe physikalischer Eigenschaften alle krystallisirten 
Mineralien anisotrop und unterscheiden sich dadurch grundsätzlich von 
allen amorphen Körpern, die isotrop, d. h. in allen Richtungen physi- 
kalisch gleich sind. 

Bei den Eigenschaften der zweiten Gruppe (Licht, Wärme, 
strömende Elektricität etc.) sind die physikalisch gleichwerthigen Rich- 
tungen nicht durchgängig auf geometrisch gleichwerthige Richtungen 
beschränkt; so verhalten sich sämmtliche Richtungen in regulären Kry- 
stallen physikalisch gleich. In dieser Oruppe kann man die krystallisirten 
Mineralien in isotrope und anisotrope unterscheiden. 

Namentlich die physikalischen Eigenschaften der ersten Gruppe, 
bei denen jede geometrisch verschiedene Richtung sich in verschiedenem 
physikalischen Verhalten ausprägt, gestatten bis ins Einzelne die Ab- 
leitung der krystallographischen Symmetrie. Bei der Betrachtung der 
Krystallformen ist wiederholt darauf hingewiesen worden, wie die Aetz- 
figuren, die als Lösungsvorgänge dieser Gruppe angehören, geeignet sind, 
die Symmetrie eines Erystalls da festzustellen, wo die geometrische Unter- 
suchung versagt. Für die praktischen Zwecke der Mineralogie aber, wo 
es zumeist nicht auf die scharfe Unterscheidung aller 32 Symmetrie- 
klassen ankommt, sondern die Unterscheidung des Erystallsystems schon 



SoHNcu, Entwicklung einer Theorie der Kryetalletr. 1879. S. 211 ff. 



I 



132 ^M specifische Gewicht. 



genügt, bedient man sich mit Vorliebe der bequemer zu beobachtenden 
Eigenschaften der zweiten Gruppe, vor allen des optischen Verhaltens, 
um aus demselben einen Schluss auf das Krystallsystem zu ziehen. 

Der erste, der einen Zusammenhang zwischen Form und Eigen- 
schaft erkannte, war Brewsteb, der 1819 die Beziehung zwischen den 
Spaltungsformen eines Minerales und dem optischen Verhalten feststellte. 



Capitel I. 

§ 1. Das specifische Gewicht. § 2. Deformation. § 3. Elasticit&t. 

§ 4. Festigkeit. § 5. Spaltung. § 6. Gleitung. § 7. Bruch. 

§ 8. Lösungserscheinungen und Aetzfiguren. 

§ 1. Das specifische Gewicht. — Unter specifischem Gewicht 
oder Dichtigkeit versteht man bekanntlich eine Zahl, die ausdrückt, wie 
viel schwerer ein Körper ist als das gleiche Volum Wasser (von 4,1° C); 
es ist also der Quotient aus dem Gewicht des Körpers dividirt durch das 
Gewicht eines gleichen Volum Wassers. Das specifische Gewicht ist bei 
bestimmten Temperaturen für alle homogenen Substanzen und somit auch 
für das einzelne Mineral, soweit es chemisch gleichartig ist, eine con- 
stante Zahl; es liefert daher für die Mineralien ein überaus wichtiges 
Kennzeichen. Doch ist zu bemerken, dass dieselbe Mineralsubstanz im 
natürlichen krystallisirten Zustand durchweg ein etwas höheres specifisches 
Gewicht aufweist, als wenn sie durch Schmelzen künstlich in den amorphen 
Zustand versetzt ist; so hat beispielsweise der krystallisirte Adular 
vom St. Gotthard das spec. Gew. 2,561, geschmolzen 2,851, Augit von 
Guadeloupe krystallinisch 3,266, geschmolzen 2,885 etc. 

Eine systematische Zusammenstellung des specifischen Gewichts der Mineralien 
findet sich bei Websky, die Mineralspecies nach den für dos specifische Geiricht der- 
selben angenommenen und gefundenen Werthen. Breslau 1868. 

Die schwersten Mineralien sind die im gediegenen Zustande yorkommenden 
Schwermetalle, vor allem Iridium 21,57—23,46, Platin 17—19, Gold 15,6—19,4, die 
leichtesten sind die aus dem organischen Reich stammenden Mineralien, wie Petro- 
leum 0,6—0,9, Asphalt 1,1—1,2, Bernstein 1—1,1. — Die Erze haben ein specifisches 
Gewicht zwischen 4 und 7,5, während die Begleitmineralien durchweg zwischen 2 
und 3,5 liegen. Darauf beruht die Aufbereitung, d. h. die mechanische Trennung 
der Erze von ihren Begleitmineralien. — Von geologischer Bedeutung ist es, dass 
diejenigen Mineralien, die sich vor allen anderen am Aufbau der Erdrinde betheiligen, 
wie Quarz, die Silikate, Kalkspath, nur ein specifisches Gewicht zwischen 2V< und 3V> 
besitzen, während das specifische Gewicht der gesammten Erde 5,6 (Potnting 5,49, 
JoLLT 5,69, WiLSiNG 5,59) beträgt, d. h. es ist etwas mehr als das des Magneteisens. 

Als charakteristisches und in den meisten Fällen relativ leicht fest- 
stellbares Merkmal der Mineralien, gehört die Bestimmung des specifischen 
Gewichts zu den häufigen Aufgaben des Mineralogen. Auch kann das 



Methoden zur Bestimmung des spec. Gewichts. 133 

specifische Gewicht zur Controle der homogenen Beschaffenheit eines 
Minerales dienen. Bei der Auswahl des zu prüfenden Minerales hat man 
auf absolute Reinheit der Substanz, die frei von allen Beimengungen, 
auch Yon eingeschlossener oder äusserlich anhaftender Luft sein muss, 
Gewicht zu legen; man nimmt dazu am besten zerkleinerte Krystalle, 
die man mit der Lupe aussucht und von der anhaftenden Luft durch 
Kochen befreit. 

Die gebräuchlichsten Bestimmungsmethoden sind: 

1. Bestimmung mittelst der hydrostatischen Wage. 

Die Substanz wird in der Luft und sodann an einem Faden aufgehängt 
(Platindraht) auch im Wasser gewogen. Sind g und g, die in beiden Wägungen 

gefundenen Gewichte, so ist das spec. Gew. G — — ^ — . 

Substanzen, die leichter als Wasser sind, kann man mit einem specifisch 
schwereren Körper, dessen Gewicht man kennt, verbinden. 

2. mittelst des Pyknometers. 

Dieser Methode gebührt wegen der bequemen Ausführung und der genauen 
Resultate der Vorzug. 

Ein kleines Glasgefäss (5—20 ccm Inhalt) trägt einen eingeschlifTenen , nach 
oben verlängerten und von einem feinen Ganal durchbohrten Glasstopfen, wodurch 
eine genaue Auffüllung des Gefässes ermöglicht wird. Das Gewicht des Pyknometers 
plus Wasser wird ermittelt oder ist ein für alle Mal genau bestimmt (= p). Alsdann 
wird die gröblich zerstossene Substanz , deren absolutes Gewicht = g sein möge, 
hineingethan , das Wasser wieder bis oben hin eingefüllt und nun das Pyknometer 

inclusive Inhalt gewogen (= q) ; dann ist das spec. Gew. G = — -^ . 

Nach dieser Methode kann man auch bequem das specifische Gewicht von 
Mineralien bestimmen, die in Wasser löslich sind. Man benutzt alsdann statt Wasser 
eine entsprechende nicht lösende Flüssigkeit (Alkohol, Baumöl) von bekanntem 
specifischem Gewicht. 

3. mittelst Suspension oder schwerer Lösungen. 

Die Methode beruht darauf, dass die Bestimmung des specifischen Gewichts 
einer Mineralsubstanz zurückgeführt wird auf diejenige einer specifisch gleich schweren 
Flüssigkeit, was ohne analytische Wage und schneller, wenn auch etwas weniger 
genau, ausführbar ist. Daneben hat sie noch mehrere andere, gerade für Mineralien 
ins Gewicht fallende Vortheile, aber sie ist zunächst nur anwendbar auf Mineralien 
Tom specifischen Gewicht unter 3,6. 

Das Mineral, in jeder Grösse bis herunter zu der eines Sandkorns, wird in die 
betreffende Flüssigkeit von hohem specifischem Gewicht gethan, sodass es auf der- 
selben schwimmt. Durch allmähliche und vorsichtige Verdünnung kann man nun 
den Zustand herbeiführen, dass das Mineralfragment innerhalb der Flüssigkeit in 
jeder Lage schwimmt, d. h. die Flüssigkeit hat nunmehr genau das specifische Ge- 
wicht des Minerals und es erübrigt nur noch, das specifische Gewicht der Flüssigkeit 
festzustellen. 

Als solche schweren Lösungen stehen in Anwendung: Kaliumquecksilberjodid 
(THOULET'sche Lösung, zuerst angegeben von Sonstadt 1873) mit dem Maximal- 
gewicht 3,196, Cadmiumborowolframiat (KLEiN'sche Lösung) mit 3,298 max., Baryum- 



134 Metboden zur Bestimmung des spec. Gewichts. 

quecksilberjodid (nach Rohbbagh) 8,57, Metbylenjodid (nach Feussiter und Bbaubs) 
mit 3,3. 

Am bequemsten ist die Anwendung der THOULEr'scben Losung und des Methjlen- 
jodids. Entere kann direct mit Wasser verdünnt und durch Abdampfen regeneriit 
werden. Beim Metbylenjodid muss man mit Benzol oder Xylol mischen, das sich 
dann aber wieder abdestilliren lasst; es hat das höhere Gewicht, das sich aber schon 
bei gewöhnlichen Temperaturen in der zweiten Decimale ändert (bei 5 ® = 3,5485, 
bei 16« = 3,3248). 

Das mit dem Mineral in Uebereinstimmung gebrachte specifische Gewicht der 
Flüssigkeit wird dann in üblicher Weise festgestellt, mittelst des Pyknometers oder 
am schnellsten mit dem Aräometer, besser (noch mit der Mohr- Wbbtphal*8 eben 
Wage: einer ungleicharmigen Wage, deren längerer Arm ein constantes (jewicht 
trägt, welches in die Flüssigkeit taucht. Die Wage ist so abgeglichen, dass beim 
Hineinhängen des Gewichts in Wasser der am kürzeren Arm befindliche Zeiger auf 
Null einspielt. Die durch den Auftrieb in der schweren Lösung bewirkte Abweichung 
▼on der Nullstellung wird mittelst Reitergewichte, die dem längeren Arm aufgesetzt 
werden und die unmittelbar das specifische Gewicht der Lösung ergeben, wieder 
compensirt. 

Die Suspensionsmethode kann zunächst nur Anwendung auf solche Mineralien 
finden, für welche es specifisch schwerere Lösungen giebt. Das gilt namentlich fUr 
die wesentlichen Gesteinsgemengtheile und daher hat diese Methode in der Petro- 
graphie eine ausserordentliche Wichtigkeit erlangt, weil sie nicht nur das Merkmal 
des specifischen Gewichts bestimmen lässt, sondern auch eine Trennung der einzelnen 
Gemengtheile nach dem specifischen Grewicht gestattet, und dadurch die chemische 
Untersuchung der Gesteinsmineralien in hohem Grade erleichtert. 

Um diese Methode auch für diejenigen Mineralien nutzbar zu machen, deren 
specifisches Gewicht grösser ist als das der bis jetzt bekannten schweren Lösungen, 
sind von Thoulet, von Jollt und von Streng Vorschläge gemacht, nach welchen das 
Mineral mit einem leichteren Körper verbunden wird (Schwimmer von Wachs, Paraffin 
und Glas). 

Fttr alle Zwecke, bei denen nur die annähernde Eenntnifts des 
specifischen Gewichts zur Unterscheidung von ähnlichen Mineralien ge- 
nügt, kann man sich noch einfacherer Verfahren bedienen, so der 
NicHOLSON'schen Senkwage und 

4. mittelst der Bürette. 

Der beliebige Wasserstand in der Bürette wird abgelesen (- a ccm); durch 
Hineinthun der b g wiegenden Mineralsubstanz steigt das Wasser auf c ccm , dann 

ist das spec. Gew. G = . 

5. mittelst Jollt's Federwage. 

Hier filUt jegliche Wägung auf der Analysenwage fort. Das Verfahren beruht 
darauf, dass die Verlängerung einer Spiralfeder proportional den Aenderungen der 
spannenden Gewichte ist. An einem etwa meterlangen graduirten Stativ hängt frei- 
schwebend eine Spiralfeder, die an ihrem unteren Ende 2 zur Aufnahme des Minerals 
bestimmte Schalen, ausserdem eine Ablesungsmarke trägt. Die obere Schale bleibt 
in der Luft, die untere ist während der ganzen Bestimmung in einem Wasserglas, 
das man hoch und niedrig stellen kann, unter Wasser getaucht. Man hat 3 Ab- 
lesungen zu machen : Ablesung der Länge der Spiralfeder ohne Belastung durch das 



Goh&sion. Homogene Deformation. Elasticität 135 

Mineral = a; Ablesung der Verlängemng , wenn das Mineral in der oberen Schale 
lie^^ = b, und Ablesung, wenn das Mineral in der unteren Schale, also unter Wasser 
Uegt. Das spec. Gew. G = ^~^ . 



Wichtigere Literatur: Eohlraüsch, Praktische Regeln zur genaueren 
Best. d. spec. Gew. Marburg 1856. — Thoülbt, Bull. Soc. Min. Bd. IL 1879. — 
D. Klkdt, BulL Soc. Min. Bd. IV. 1881. — Goldsgrmidt, Neues Jahrb. f. Min. etc. 
Beilageband 1. 1881. — Kohlraosgh , Leitfaden der praktischen Physik. Leipzig. — 
WixDBifANN u. Ebkrt, Physikalisches Praktikum. Braunschweig 1899. 

§ 2. Die Moleküle eines jeden starren Körpers sind bestrebt, ihren 
gegenseitigen Abstand zu erhalten, und setzen jedem Versuch, diesen Ab- 
stand zu verändern, einen Widerstand entgegen, den man ganz allgemein 
als Cohäsion bezeichnet. Als Folge des Eingriffs in die Molekular- 
structur erleiden die Körper eine Volum-, bezw. Formveränderung, eine 
Deformation, die in den Fällen, wo die äussere Einwirkung auf einen 
homogenen Körper, einen Krystall, eine allseitig gleiche ist, wie bei der 
Ausdehnung durch die Wärme, die Homogenität nicht aufhebt und daher 
homogene Deformation genannt wird. 

Die homogene Deformation wird zwar stets von einer Volumver- 
änderung, jedoch nicht immer von einer Formveränderung begleitet, da 
die Symmetrie des Krystalls selbst keine Aenderung erfährt. Auf Grund 
der gesetzmässigen Formänderung, die die Krystalle durch homogene 
Deformation erleiden, lassen sich die 32 Symmetrieklassen zu 5 Gruppen 
vereinigen, die bei der thermischen Ausdehnung (vergl. Cap. VII), der 
gewöhnlichsten Art homogener Deformation, des Näheren besprochen 
werden sollen. 

Die durch mechanische Kräfte, wie Druck, Zug, Torsion, bewirkten 
Deformationen sind im Allgemeinen nicht homogen; sie rufen in dem 
molekularen Abstände einseitige oder ungleichmässige Veränderungen 
hervor, die theils vorübergehender, theils dauernder Natur sind. 

Bei jeder Deformation werden die Eigenschaften der Elasticität 
und der Festigkeit wirksam, je nachdem der mechanische Eingriff 
eine vorübergehende Formveränderung oder eine völlige Trennung her- 
beiführt. 

§ 3. Elasticität ist die Eigenschaft, vermöge welcher ein Körper, 
ohne seinen Zusammenhang zu verlieren, deformirt werden kann, aber 
nach Aufhören der Kraftwirkung seine alte Form wieder annimmt. Wird 
die sogen. Elasticitätsgrenze überschritten, so erfolgt entweder dauernde 
Deformation oder Zerstörung des Zusammenhalts. Innerhalb der Elasti- 
citätsgrenze sind alle Körper bezw. Mineralien vollkommen elastisch, 
aber diese Grenze ist bald enger, bald weiter gezogen, so dass in der 
Praxis nur wenige Mineralien als elastisch bezeichnet werden. 



136 Elasticität. Debnungscoeffident und ElasticitätsmodaL 

Am bequemsten prüft man die grössere oder geringere Elasticität 
der Mineralien an dünnen Erystallplatten (Spalttafeln und Blättchen) 
durch Biegen derselben. An Glimmertafeln ist die elastische Biegsam- 
keit ziemlich gross, an Gjps, Talk und Chlorit ist sie geringer. Manche 
Mineralien überschreiten die Elasticitätsgrenze plötzlich und heissen dann 
spröde, wie gediegenes Antimon, Quarz, Fahlerz, während andere sich 
erst dauernd deformiren lassen und allmählich ihren Zusammenhalt auf- 
geben. Diese heissen gemeinbiegsam oder milde, und unter be- 
sonderen Verhältnissen dehnbar, geschmeidig. Hierher gehören 
gediegenes Gold, Silber, Kupfer; ferner Kupfer- und Silberglanz, Chlor- 
silber, Gyps u. a. 

Spröde und milde Beschaffenheit kann häufig ein wichtiges ünterscheidangs- 
mittel von sonst ähnlichen Mineralien werden. Kratzt man eine Mineralecke oder 
Kante mit dem Messer und bleiben dabei die sich loslösenden Theile in Form feinen 
Pulvers oder kurzer Spähnchen auf der Messerklinge liegen, so ist das Mineral milde; 
springen dagegen vom Mineral Kömchen oder feine Splitter ab, so ist es spröde. 
Man gewinnt sehr bald Uebung in der Unterscheidung verschiedener Grade von Milde 
und Sprödigkeit. Kupferglanz und dunkles Fahlerz sind einander zuweilen sehr 
ähnlich, sind aber in der angegebenen Weise sofort zu unterscheiden. Kupferglanz 
ist milde, während Fahlerz spröde ist. 

Hinsichtlich ihrer elastischen Eigenschaften verhalten sich alle Kry- 
stalle im Gegensatz zu den amorphen Mineralien anisotrop, die Grösse 
der Elasticität ändert sich also mit jeder geometrisch yerschiedenen 
Richtung. Zur Beurtheilung der Gesetzmässigkeit in der Aenderung 
der Elasticität mit der Richtung dienen die Dehnungscoefficienten bezw. 
die aus denselben durch Auftragen ihrer relativen Werthe auf die 
Richtungslinien zu construirende Oberfläche der Dehnungs- 
coefficienten. Nach der Symmetrie dieser Oberflächen zerfallen die 
Krjstalle in 9 Klassen. 

Der Dehnungscoefficient giebt die Verlängerung eines 1 -Meterstabes 
von 1 qmm Querschnitt an, die dieser durch den Zug von 1 kg erfährt; 
daraus berechnet sich als reciproker Werth der Dehnungswiderstand 
oder Elasticitätsmodul, d. h. diejenige Anzahl Kilogramm, durch die 
der Stab auf 2 m, also auf seine doppelte Länge ausgedehnt wird. So 
ist nach Voigt für die nachstehenden 4 regulären Krystalle der Elasti- 
citätsmodul in den Richtungen senkrecht zu den Oktaeder-, Rhomben- 
dodekaeder- und Würfelflächen, d. h. in der Richtung der 3-, 2- und 
4-zähligen Symmetrieaxen. 



für Steinsalz . . 


. 3300 kg, 3490 kg, 


4187 kg pro qmm 


„ Sylvin . . . 


. 1695 , 1960 , 


3720 , , , 


, Flussspath . . 


. 9100 , 10080 , 


1473 , , , 


. Pyrit . . . 


. 23300 , 25600 , 


35 700 , , , 



Elastidtät der Aggregate. Festigkeit. Härte. MoHS*8che Härteskala. 137 

Für den rhombischen Baryt gelten in den Richtungen der 3 Sjm- 
metrieaxen die Werthe 6199 kg, 5403 kg, 9594 kg, entsprechend für 
den rhombischen Topas 23040 kg, 28900 kg, 26520 kg. 

Dass die Elasticität in verschiedenen Richtungen eines Krystalls verschieden 
ist, hat zuerst Savart 1829 durch Beobachtung von Klangfiguren auf Platten von 
Quarz, Ealkspath und Gyps nachgewiesen. — Zur Bestimmung des Elasticitätsmoduls 
wird die elastische Biegung benutzt. Ein Prisma des zu untersuchenden Minerals 
wird auf 2 Schneiden gelegt und in der Mitte durch Gewichte belastet. Die Grösse 
der Durchbiegung gestattet einen Schluss auf die Grösse des Dehnungscoefficienten. 

Ganz etwas anderes als die Elasticität der Krystalle eines Minerals 
ist die sogen. Elasticität seiner krystallinischen Aggregate. Diese 
hängt yiel mehr von der Adhäsion als von der Cohäsion ab; körnige 
oder faserige, gross- und kleinkörnige Structur sprechen mit, so dass 
die zahlenmässige Angabe der Elasticität eines mineralischen Aggregats 
einen sehr schwankenden Werth hat. Für bestimmte Structurausbildungen 
hat aber die Feststellung dieses Werthes eine hohe technische Bedeutung, 
z. B. bei Baumaterialien. Amorphe homogene Mineralien haben in 
allen Richtungen gleiche Elasticität. 

§4. Festigkeit ist der Widerstand, den ein Körper der Tren- 
nung seiner Theile entgegenstellt. Die Festigkeit wird geprüft durch 
die Grösse des Druckes, Zuges oder der Torsion, die zur Trennung der 
Theile erforderlich wird. An Erystallen vorgenommene Messungen 
lehren, dass die Festigkeit wiederum in engster Abhängigkeit von der 
krystallographischen Symmetrie steht. Für die Praxis der Mineralogie 
sind nun nicht so sehr Angaben über die Zug- und Druckfestigkeit von 
Werth, als solche der Härte, worunter man die Festigkeit versteht, die 
ein Mineral dem Eindringen eines spitzen Gegenstandes, insbesondere 
beim Ritzen entgegenstellt. Die Härte ist zwar keine einfache Festig- 
keitsäusserung , aber sie lässt eine bequeme Vergleichung und damit 
Unterscheidung der Mineralien zu, wie sie auch die Abhängigkeit ihrer 
Grösse von den krystallographischen Richtungen in der auffalligsten 
Weise zum Ausdruck bringt. 

Wo die Härte nur als Erkennungsmittel von Mineralien dient, sieht 
man von den meist nur durch feinere Messungen festzustellenden Härten- 
unterschieden in verschiedenen Richtungen ab und begnügt sich mit einer 
mittleren Härte, die jedoch nicht durch absolute, sondern durch relative 
Zahlen, d. h. durch Vergleich mit den Mineralien der MoHs'schen Härte- 
skala ausgedrückt wird. Nach Mona' Festsetzung hat 

Talk den Härtegrad oder die Härte 1 

Gyps » n « « «2 

Kalkspath . . . . „ „ ^ , „ 3 

Flussspath . . . . ^ „ y, ^ „4 



138 Härtebestimmungen. 



Apatit den Härtegrad oder die Härte 5 

Feldspath . . . . „ „ « « « 6 

Quarz „ „ „ r, »7 

Topas „ „ r, m »8 

Korund ...... , , „ «9 

Diamant . . . . „ „ ^ , ^10 

Alle übrigen Mineralien passen sich dieser Härteskala ein; ihre 
Härte liegt zwischen 1 und 10 und lässt sich in folgender Weise be- 
stimmen : Die zu untersuchenden Mineralien wie die der Härteskala liegen 
möglichst in scharfkantigen oder eckigen und wenigstens zum Theil in 
ebenflächigen Stücken vor. Sobald sie eins der Skalamineralien nicht 
ritzen, aber von diesem auch nicht wieder geritzt werden, haben beide 
gleiche Härte. Ritzt das fragliche Mineral eins der Skala, wird aber 
von dem nächst härteren wieder geritzt, so liegt seine Härte dazwischen, 
z. B. da der Skapolith den Apatit ritzt, aber vom Feldspath geritzt 
wird, so hat der Skapolith die Härte 5*/«. 

In der mineralogischen Praxis kann man zur Bestimmung des Härtegrades 
bei einiger Uebung die Skalamineralien ganz entbehren. Mit Hülfe des Messen 
oder der Feile kann man alle Härtegrade von 1 — 7 unterscheiden. Sonst berück- 
sichtigt man, dass Mineralien bis H. 2 inclusive vom Fingernagel geritst werden. 
Eine Kupfermünze hat H. 3, Fensterglas 5. Mineralien, die vor dem Stahl funken, 
sind härter als 6. — Bei Mineralaggregaten muss man den stärkeren oder loseren 
Zusammenhalt beachten, wodurch scheinbar den Aggregaten eines Minerals häufig 
eine weit geringere Härte zukommt als seinen Erystallen. 

Wo an die Härtebestimmung grössere Anforderungen, namentlich 
die des Nachweises der Abhängigkeit von der krystallographischen Rich- 
tung gestellt werden, bedarf es genauerer Instrumente. Von Seebkck 
wurde 1833 ein Skierometer construirt, das im Princip aus einem 
gleicharmigen Hebel besteht, dessen eine Seite einen verticalen Stahl- 
stift (oder eine Diamantspitze) trägt, welcher durch aufgelegte Gewichte 
belastet werden kann. Unter dem Stahlstift wird das auf einem Wagen 
befestigte Mineral in der zu untersuchenden Richtung horizontal fort- 
geschoben, nachdem die Stahlspitze derart belastet ist, dass sie einen 
feinen Riss erzeugt. Die Gewichte ergeben unmittelbar die Härte. 

Schon früher war bekannt, dass Mineralien auf den Spaltflächen geringere 
Härte zeigen als auf anderen Flächen (der Diamant ist auf seiner Spaltfläche nach 
dem Oktaeder viel weniger hart als auf den Würfelflächen), ebenso wusste man, dass 
in verschiedenen Richtungen einer und derselben (Krystallfläche Härteunterschiede 
sich bemerkbar machen. (Der Disthen hat auf seiner Spaltfläche parallel der Ver- 
ticaJaze H. 4^2 , senkrecht dazu H. 7.) Durch die Untersuchungen mit dem Skiero- 
meter, wie sie Seebeck, Franz, Grailich, Pbkarsk und femer Exker durchführten, 
wurde dieses Verhalten nun schärfer erkannt. Die wichtigsten Resultate sind : Härte- 
unterschiede zeigen sich nur an deutlich spaltbaren Mineralien ; auf den Spaltflächen 
ist die Härte am geringsten, auf Flächen senkrecht zur Spaltfläche am grOssten. 



Härtekurven. Spalt- und Oleitflächen. Spaltung. 139 

Auf einer und derselben Fläche findet sich das Hftrtemaximuin in der Richtung 
senkrecht zu einem durchsetzenden Spaltriss, das Minimum parallel dazu. 

Die auf einer und derselben Fläche vorhandenen Härteunterschiede hat man 
durch Härtekurven, deren Radien proportional den zum Ritzen erforderlichen 
Gewichten gemacht wurden, graphisch darzustellen versucht, aus welchen Kurven 
sich ergiebt, dass deren Symmetrie der der geritzten Fläche entspricht, im Uebrigen 
aber deren Aussehen sehr verschieden sein kann (Kreise, Ellipsen, eingebuchtete 
Figuren). 

Die Festigkeit ist somit in den verschiedenen Richtungen eines 
KrystaUs verschieden. Sind diese Richtungsunterschiede beträchtlich, so 
muss die mechanische Zertrümmerung in einzelnen Richtungen wesent- 
lich leichter vor sich gehen und als Folge der leichteren Trennung der 
Theile müssen senkrecht auf den Richtungen der geringeren Cohäsion 
ebene Trennungsflächen entstehen. Sonach hängt es von den Cohäsions- 
unterschieden ab, ob ein Erystall bei mechanischen Eingriffen sich nach 
ebenen Flächen oder nach einer unebenen Bruchfläche trennt. 

Die ebenen Trennungsflächen können immer nur mögliche Erjstall- 
flächen sein und die Trennung muss in gleicher Weise nach allen Flächen 
der zugehörigen einfachen Erystallform erfolgen. Dabei bedingt aber 
die Art des mechanischen Eingriffs einen merkwürdigen Unterschied. Es 
entstehen andere Trennungsflächen, je nachdem man den Krjstall durch 
mehr oder minder heftigen Schlag oder durch langsam wirkenden Druck 
zu trennen sucht Die Trennungsflächen erster Art heissen Spalt- 
flächen, die letzterer Art Druck- oder Gleitflächen und man hat 
die beiden Cohäsionsäusserungen als Spaltung und Gleitung von 
einander zu unterscheiden. 

§ 5. Spaltung. Ein Erystall ist also nur dann nach ebenen 
Flächen spaltbar, wenn in verschiedenen Richtungen grosse Cohäsions- 
unterschiede vorhanden sind und die Spaltflächen, die man mittelst des 
Messers, Meisseis oder Hammers erzeugt, sind um so vollkommener, je 
auffalliger die Cohäsionsunterschiede in bestimmten Richtungen sind. Die 
Spaltflächen lassen sich nicht nur in allen gleichwerthigen Richtungen 
mit gleicher Leichtigkeit und in gleicher Beschaffenheit erzeugen, sondern 
die jedesmal einer einfachen Erystallform entsprechende Spaltform hat 
zugleich die einfachsten Indices, so dass sie nach der Auffassung der 
älteren Mineralogen die Primitivform lieferte. So nimmt man auch bei 
der Symbolisirung der Erystallflächen Bedacht darauf, dass man von 
Tomherein der Spaltfläche einfache Indices beilegt. 

Parallel einer vorhandenen Spaltfläche ist die Theilbarkeit theore- 
tisch unbegrenzt; doch lassen sich in der Praxis die Spaltlamellen nur 
dann sehr dünn erhalten, wenn die Spaltbarkeit gleichzeitig eine sehr 
vollkommene ist. 




142 Schlagfignren. AbRonderangsflächen. Brach. 

feste Unterlage stützt, so kann man durch gleichm&ssigen Druck 
mittelst einer Messerklinge, die man senkrecht auf die stampfe 
Gegenkante bei a (Fig. 279) wirken lässt, das ursprünglich zwi- 
schen a und b liegende Stück in die Zwillingsstellung schieben. Das 
Messer dringt ein wie in einen geschmeidigen Körper. Trotz des 
allmählichen Entstehens ist die Fläche edf vollkommen glatt. 

Mit der Gleitung hängt auch zuweilen die wellige Biegung mancher 
Erystalle zusammen. Oyps, Antimonit, Disthen, Graphit, Glimmer liefern 
Beispiele. 

Die Richtung der Spalt- und Gleitflächen kann man auch als lineare 
Risse auf den Krystallflächen kenntlich machen. Wenn man auf einen 
spitzen, in anderen Fällen auf einen stumpfen Stahlstift, der einer Kry- 
stallfläche aufgesetzt ist, einen kurzen Schlag, hezw. einen Druck ausübt, 
so bilden sich auf der Erystallfläche Risse, die bald den Spalt-, bald 
den Gleitflächen, bald beiden Trennungsflächen parallel laufen. Diese 
Liniensysteme heissen nach Reusch Schlag figuren. 

Die Schlag^gur auf der Würfelfläche des Steinsalzes bildet einen vierstrahligen 
Stern und entspricht dem Rhombendodekaeder, also den Gleitflächen ; auf der Bhom- 
boederfläche des Ealkspaths bilden sich 2 Risse, die den Rhomboederkanten , d. h. 
den Spaltflächen parallel laufen, dazwischen aber ein System feiner Sprünge parallel 
den Gleitflächen. Auf Glimmerplatten sind die entstehenden sechsstrahligen Sterne 
verschieden orientirt, je nachdem ein kurzer Schlag ausgeführt wird oder mit einem 
stumpfen Stift gedrückt wird. Ueber die bemerkenswerthen Schlagfiguren des Glim- 
mers vergleiche man den speciellen Theil. 

Die äussere Unterscheidung von Spalt- und Gleitflächen ist nicht immer leicht, 
doch durch das Experiment zu entscheiden; eine Verwechslung mit den natürlichen 
Erystallfiächen ist aber wegen anderer Oberfiächenbeschaffenheit durchgängig aus- 
geschlossen. Neben den Spalt- und Gleitflächen finden sich an manchen Erystallen 
(Magnetit, Diallag u. a.) noch Absonderungsflächen, nach denen eine yoU- 
kommene, durchaus wie Spaltbarkeit erscheinende glatte Ablesung stattfindet. Die 
Absonderungsflächen treten gewöhnlich nicht bei allen Erystallen derselben Mineral- 
species in gleicher Weise auf und haben ihre Ursachen in schaligem, durch Zwil- 
lingslamellen oder Interpositionen bedingtem Aufbau. 

Literatur über Gleitflächen und Schlagflguren : Rkusch, Pogg. Ann. Bd. 182 
u. 186. — TscHERiUK, Miner. u. petr. Mitth. Bd. 4. 1882. — MOogk, N. Jahrb. f. 
Min. 1883, 1884, 1886, 1888, 1889, 1894. — Libbisch, Physik. EiysUllographie. 1891. 

§ 7. Bruch. Wenn die Cohäsion innerhalb eines Erystalls in 
verschiedenen Richtungen nur wenig von einander abweicht oder wenn 
die Kraft in einer anderen als der Richtung des Cohäsionsminimums 
wirkt, so treten bei dem Versuch, einen Erystall zu zerschlagen oder 
zu zerbrechen, statt der ebenen Spaltflächen irgend wie geartete Bruch- 
flächen auf. Es ist begreiflich, dass an einem Mineral mit ausgezeichneter 
Spaltbarkeit sich nur selten eine Bruchfläche wird erzeugen lassen; doch 
beobachtet man zuweilen an dem vollkommen spaltenden Ealkspath einen 
ausgeprägten muschligen Bruch. Aggregate, soweit sie nicht grobkörnig 



LOsuDgsencbeinQiigen und Aetzfigoren. 



143 



sind, zerbrechen immer nach unregelmässigen Brachflächen. — Nach 
der Beschaffenheit der Bruchflächen unterscheidet man den Bruch als: 
muschlig, eben, uneben, glatt, hakig, splittrig, erdig. 

§ 8. Lösungserscheinungen und Aetzfiguren. — Eine be- 
sondere, noch mit der Cohäsion zusammenhängende Eigenschaft der 
Krystalle, insoweit als es sich ebenfalls um die üeberwindung eines 
Widerstandes handelt, sind die Erscheinungen, die bei der Auflösung zu 
Tage treten. 

Die Auflösung ist die Umkehrung des Wachsthumsvorganges und 
erfolgt wie dieser in engster Anlehnung an die krystallographische Sym- 
metrie, d. h. sowohl die Art wie die Geschwindigkeit der Auflösung yoU- 
zieht sich in verschiedener Richtung verschieden. Daher sind die Auf- 
lösungsvorgänge, die sich am auffälligsten in den charakteristischen 
Aetzfiguren äussern, ein Oberaus werth volles Mittel zur Feststellung 
der krystallographischen Symmetrie, wenn die rein geometrische Unter- 
suchung Zweifel bestehen lässt, und übertreffen, was Exactheit und 
Bequemlichkeit anlangt, alle übrigen physikalischen Methoden zur Unter- 
scheidung der 32 Synmietrieklassen. 

Die Aetzfiguren sind gewöhnlich Aetzgrübchen, bei intensiverer 
Einwirkung des Lösungsmittels auch Aetzhügel; sie bilden sich auf 
den Krystallflächen bei der vorsichtigen Behandlung mit corrodirenden 
Flüssigkeiten, wie Flusssäure, Salzsäure, Aetzkali, Wasserdampf und 
anderen dem jedesmaligen Mineral angepassten Lösungsmitteln und be- 
sitzen in ihren eigenen Formen wie auch in der Orientirung genau die 
Symmetrie, die der geätzten Fläche zukommt. 

So besitzen die Aetzfiguren auf den Würfelflächen des holoedrischen 
Steinsalzes 4 Symmetrielinien wie die Würfelfiächen selbst und ihre 
Kanten laufen den Würfelkanten parallel (Fig. 280). Ganz ähnlich sind 
die Aetzfiguren auf den Würfelflächen des Sylvins; sie sind aber schief 
zu den Kanten orientirt (Fig. 281); demzufolge kann der Sylvinwürfel 
nicht holoedrisch sein, er gehört vielmehr der plagiedrischen Hemiedrie an. 



Fig. 280. 



V 



Fig. 281. 



Fig. 282. 



Fig. 283. 





Qanz ähnliche Unterschiede machen sich geltend auf den Rhombo- 
ederflächen des hemiedrischen Kalkspaths und des tetartoedrischen Dolo- 
mite (Fig. 282 u. 283). Auf den scheinbar holoedrischen Basisflächen 



144 Aetzfi^ren. Prärosionsflächen. 

des Apatits erscheinen die Aetzfiguren gedreht, daher muss der Apatit 
hemiedrisch sein. 

Da eine Fläche eines regulären Oktaeders in der holoedrischen Ab- 
theilung 3 Symmetrielinien hat, so muss eine auf ihr vorhandene Aetz- 
figur ebenfalls 3 Symmetrielinien besitzen, die den Symmetrielinien der 
Oktaederfläche parallel laufen; anders ist es bei dem Oktaeder der pen- 
tagonalen Hemiedrie ; die Aetzfiguren auf den Pyramidenflächen im tetra- 
gonalen System müssen monosymmetrisch, im rhombischen System asym- 
metrisch sein. Zeigen sich auf einer Fläche Figuren mit 4 Symmetrie- 
linien, so kann dieselbe nur dem Würfel des regulären oder der Basis 
des tetragonalen Systems angehören. 

Die angeführten Beispiele lassen vor allem erkennen, wie die geo- 
metrisch gleichen Formen verschiedener Symmetrieklassen durch ihre 
Aetzfiguren unterschieden sind; nicht minder deutlich lässt sich aus den 
Aetzfiguren die Zwillingsnatur bezw. der mimetische Aufbau eines schein- 
bar einfachen Bj-ystalls erweisen. 

Da die Aetzfiguren nur bei vorsicbtiger und kurzer Aetzung mit genügender 
Schürfe hervorgehen , so sind sie meist von winziger Grösse und bedürfen za ihrer 
Betrachtung der Lupe oder des Mikroskops. Dabei kann man entweder direct die 
geätzten Flächen oder einen mittelst Hausenblase resp. Collodium erzeugten Abdruck 
untersuchen. 

Natflrliche Aetzfiguren sind an manchen Krystallen beobachtet worden, Quarz. 
Ealkspath etc. — Aetzfiguren sind es aucli, die beim Verwittern gewisser wasser- 
haltiger Mineralien auf den Krystallflächen sich durch den stattgehabten Wasser- 
verlust bilden. (Verwitterungs- oder Verstaubungsfiguren.) 

Behandelt man anstatt einzelner Flächen ganze Erystalle mit Aetz- 
mitteln, so schreitet in gewissen Richtungen die Auflösung schneller Tor 
als in anderen, beispielsweise werden von den Polkanten einer Quarz- 
pyramide je 3 abwechselnde schneller gelöst als die zwischenliegenden; 
am Kalkspath schreitet die Auflösung »auf den Rhomboederflächen rascher 
vor als auf der Basis. 

Häufig entstehen auch bei der Auflösung ganzer Erystalle an Stelle 
Torhandener Kanten neue Flächen von matter, mehr oder minder gerundeter 
Beschaffenheit. Solche Flächen heissen Prärosionsflächen; sie bilden 
sich auch an Krystallbruchstücken oder an aus Krystallen geschliffenen 
Kugeln, wenn man diese der Corrosion unterwirft. Auch sie liefern den 
Beweis der Abhängigkeit der Auflösung von der Richtung. Liegen mehrere 
Prärosionsflächen in einer Zone, so redet man von Hauptätzzonen. 

Am Quarz stumpfen die Prärosionsflächen die abwechselnden Kanten 

der sechsseitigen Bipyramide ab; am Kalkspathrhomboeder entwickeln 

sich Skalenoeder u. s. w. 

Literatur. Neben vielen Specialarbeiten von LETnoLT, Baumhauer, Tschbrmak, 
ExNER. Becke, Ebner, Hamberg, Molenoraaff die zusammenfassende Schrift: Baumhaubr, 
Die Resultate der Aetzmethode in der krystallographischen Forschung. Leipzig 1894. 



Die optischen Eigenschaften. 145 



Capitel II. 

Die optischen Eigenschaften. 

§ 1. Theoretische Vorerinnenmgen. § 2. Strahlenfl&che, 
Fbsshel's Ellipsoid d, Indezflache E. § 3. Eintheünng der Erystalle 
nach ihrer optischen Indezflache. 

Von allen physikalischen Eigenschaften sind die optischen diejenigen, welche 
ann bequemsten za beobachten sind und den Zusammenhang zwischen Krystallgestalt 
und physikalischem Verhalten am deutlichsten erkennen lassen, sodass ihre Unter- 
suchang den Rückschluss auf die geometrische BescbafiPenheit am einfachsten ge* 
stattet. Daher sind sie auch von allen andern am eingehendsten studirt, und die 
Mineraloptik stellt heute eine weit ausgebaute Wissensdisciplin dar, die fQr die 
Mineralogie und namentlich auch für die Petrographie bei Untersuchung von 6e- 
steinadünnschlifiPen von ausserordentlichem Nutzen wird. 

Der umfangreiche Stoff der Mineraloptik konnte naturgemäss im vorliegenden 
Buch nur in seinen Hauptlehren vorgetragen werden ; doch ist darin besonders Rück- 
sicht genommen auf die wesentlichste Anwendung, die mikroskopischen Untersuchungs- 
methoden der Petrographie. 

Ausser der auf S. 130 erw&hnten Literatur, im Besonderen den Lehrbüchern 
von LiBBiscH und Groth, sei noch verwiesen auf Rosknbusch, Mikrosk. Physiographie. 
2. Aufl. 1885. Bd. 1 und auf Zirkkl, Lehrbuch der Petrographie. 2. Aufl. 1898. Bd. 1. 

§ 1. Theoretische Vorerinnerungen. Was wir als Licht, über- 
haupt als optische Erscheinungen wahrnehmen, sind nach der beute 
geltenden theoretischen Anschauung (MAxwELL^sche Theorie) in schneller 
Folge sich wiederholende elektromagnetische Erregungen der Theilchen 
eines hesonderen Stoffes, des Licht&thers , die sieb durch transversal zu 
ihren Fortpflanzungsrichtungen erfolgende Schwingungen wellenförmig 
ausbreiten. Sobald ein Aethertheilchen von der Wellenbewegung erfasst 
wird, schwingt es je nach dem Maasse der Erregung mehr oder minder 
weit aus. Die Weite der Ausschwingung heisst Amplitude, imd von 
ihr, speciell vom Quadrat der Amplitude, hängt die Quantität des Lichtes, 
d. h. dessen Intensität ab. 

In der Zeit, die zu einer vollen Schwingung (Hin- und Hergang 
des Tbeilchens) erforderlich ist, der sogen. Schwingungsdauer, hat 
sich die Wellenbewegung um eine gewisse Distanz, Wellenlänge X 
genannt, geradlinig nach allen Richtungen fortgepflanzt. Von der 
Schwingungsdauer bezw. der durch sie bedingten Wellenlänge hängt die 
Qualität des Lichts, die Farbe ab. 

Einer bestimmten Schwingungsdauer oder Wellenlänge entspricht 
auch eine bestimmte Farbe (monochromatisches oder homogenes 
Licht); Wellen verschiedener Schwingungsdauer (oder Wellenlänge) ver- 
einigen sich zu einer Mischfarbe, unter gewissen Verhältnissen zu weissem 

Klo ck mann, Mineralogie. S. Anfl. 10 



146 Interfereoz. Polarisirtes Licht. Wellen- oder Strahlenfläcbe. 

Licht. Durch geeignete Mittel wird das «gemischte, speciell das weisse 
Licht wieder in seine Componenten zerlegt (Dispersion). 

Die Anzahl der Schwingungen in einer Sekunde wird als Schwingung s- 
zahl bezeichnet. Diese liegt bei den vom Auge als Licht wahrgenommenen Aetber- 
Schwingungen zwischen 400 — 800 Billionen, und zwar hat das violette Licht die 
kürzeste, das rothe Liebt die längste Schwingungsdauer ; dazwischen liegen blau, 
grün, gelb, orange. Das rothe Licht hat im Mittel eine Wellenlänge von 0,000683 mm, 
das violette von 0,000410 mm. 

Ein Medium ist ein durchsichtiges, wenn es die in ihm erregte 
Lichtbewegung als Lichtwelle fortpflanzt, es ist ein undurchsichtiges, 
wenn die Wellenbewegung nach Amplitude oder Schwingungszahl eine 
solche Umwandlung erfährt, dass das Auge sie nicht mehr als Licht zu 
empfinden vermag (Absorption, vergl. Cap. VI). 

Lichtwellen, die nach einander dasselbe Aethertheilchen erfassen, 
werden auf einander einwirken müssen (interferiren mit einander); sie 
verstärken oder schwächen sich. Beträgt der Gangunterschied, der auf 
ein und dasselbe Theilchen einwirkenden Wellenbewegungen ein gerades 

Vielfaches von -^ , so wird die Intensität gleich der Summe der einzelnen 
Intensitäten, bei einem ungeraden Vielfachen von -^ gleich der DiflFerenz, 

also im letzteren Falle, sobald 2 Wellenbewegungen gleicher Intensität 
einwirken, wird die resultirende Intensität gleich Null. Jede Interferenz 
setzt jedoch voraus, dass die Schwingungen der Aethertheilchen in der- 
selben Ebene vor sich gehen, dass die Wellen von demselben Punkt aus- 
gegangen sind und denselben Weg verfolgen. 

Im Allgemeinen ist das nicht der Fall. Beim gewöhnlichen Licht 
erfolgen die Schwingungen in allen Azimuthen rings um die Fort- 
pflanzungsrichtung als Axe. Licht, das in einer Ebene schwingt, heisst 
polarisirt. Wie wir später sehen werden, giebt es eine Reihe von 
Veranlassungen, durch welche Licht polarisirt wird. 

Der geometrische Ort aller der Aethertheilchen, die nach einer be- 
stimmten Zeit gleichzeitig in Bewegung gesetzt werden, wofern die Er- 
regung von einem gemeinsamen Punkt ausgegangen ist, führt den Namen 
der Wellen- oder Strahlenfläche. Jede Linie, die irgend einen 
Punkt der Strahlenfläche mit dem gemeinsamen Ausgangspunkt verbindet, 
liefert einen Lichtstrahl nach jenem Punkt, während das Loth auf 
der Tangentialebene, die durch jenen Punkt an die Wellenfläche gelegt 
ist, als Wellennormale bezeichnet wird. 

§ 2. Die Lichtgeschwindigkeit in Krystallen ist, wie die 
Beobachtung lehrt, im Allgemeinen mit der Richtung veränderlich: es 
giebt krystallisirte Medien, in denen das Licht in allen Richtungen sich 



optisch isotrope und anisotrope Medien. Bezugsfläcben. ]47 

mit gleicher Geschwindigkeit fortpflanzt, und andere, in denen die 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit mit der Richtung variirt. Medien der 
ersten Art heissen optisch isotrop, solche der zweiten Art optisch 
anisotrop. 

Jedoch erfolgt selbst im allgemeinsten Fall optisch anisotroper 
BCittel die Aenderung der Lichtgeschwindigkeit mit der Richtung nicht 
regellos, sondern ist in bestimmter Weise abhängig von der Geschwindig- 
keit in drei auf einander senkrecht stehenden Richtungen. 

Wenn man von einem Mittelpunkt aus die mit der Richtung 
wechselnden Fortpflanzungsgeschwindigkeiten eines Erystalls als Radien- 
vectoren aufträgt, so erhält man in deren Endpunkten eine Oberfläche 
(Bezugsfläche), die im allgemeinsten Fall ein dreiaxiges EUipsoid 
darstellt, deren 3 auf einander senkrecht stehende ungleiche Axen für 
alle zwischenliegenden Richtungen Fortpflanzungsgeschwindigkeit und 
Polarisationsebene construiren lassen. An Stelle dieser Bezugsfläche, aus 
der Fresnel ursprünglich die Gesetze der Lichtbewegung in Erystallen 
herleitete und die daher auch das FRESNEL'sche EUipsoid @ genannt 
wird, bedient man sich zu demselben Zweck neuerdings mit Vorliebe 
einer ganz analogen Oberfläche, der Indicatrix oder der Index- 
fläche E, deren Radienvectoren nicht den directen, sondern den reci- 
proken Fortpflanzungsgeschwindigkeiten, d. h. den bequem zu messenden 
Brechungsindices (vergl. S. 150) entsprechen. 

Beide Ellipsoide @ sowohl wie E lassen sich in gleicher Weise 
verwenden, um aus ihnen die Aenderung der Fortpflanzungsgeschwindig- 
keit mit der Richtung, die Schwingungs- bezw. Polarisationsebene, die 
Richtung der Strahlen und der Wellennormale, die Wellenfläche etc. 
abzuleiten oder zu construiren. 

Zu dem Zweck ist es nur nöthig, dass man sich durch den Mittel- 
punkt des jedesmaligen Ellipsoids @ oder E einen Schnitt gelegt denkt. 
Jeder Radius dieses Schnitts ergiebt die erforderlichen Daten fQr den- 
jenigen Lichtstrahl, der senkrecht zum Schnitt sich fortpflanzt und dessen 
Schwingungen in der Richtung dieses Radius erfolgen. 

Wie eben erwähnt wird der allgemeinste Fall der Lichtbewegung 
in Krystallen dargestellt durch ein dreiaxiges EUipsoid, ausserdem 
sind nach der Theorie, womit die Erfahrung Obereinstimmt, nur noch 
2 Fälle möglich: 2 Axen werden gleich, dann entsteht ein Rotations- 
ellipsoid oder alle 3 Axen werden gleich imd dann ergiebt sich als 
Bezugsfläche eine Kugel. 

Die Schnitte der Ellipsoide @ und E sind im Allgemeinen Ellipsen, 
beispielsweise heisst das mit Bezug auf die Indexfläche E^ dass die 
Brechbarkeit eines Lichtstrahls sich ändert je nach dem Radiusvector, in 
dessen Richtung die Schwingungen vor sich gehen. Sind solche Schnitte 






148 Optische Aze. Indezfl&che und darauf gegründete Eintheilung der Kryetalle. 

jedoch Kreise, so sind alle Radien gleich und die Brechbarkeit bleibt 
dieselbe, gleichviel in welcher Richtung die Schwingungen sich toU- 
ziehen. 

Die Richtung senkrecht auf einen derartigen Ereisschnitt des Ellip- 
soids E heisst optische Axe. Rings um eine optische Axe herrscht 
demnach gleiche Brechbarkeit, was zur Folge hat, dass sich in der Rich- 
tung der optischen Axe immer die gleiche, also nur eine Welle fort- 
pflanzt, welches auch das Schwingungsazimuth sein mag; es ist demnach 
diejenige Richtung in einem Krystall, in der keine Doppelbrechung 
(vergl. Cap. IV) stattfinden kann. 

In einem dreiaxigen Ellipsoid sind neben den im Allgemeinen 
elliptischen Schnitten 2 Ereisschnitte möglich; es sind somit 2 optische 
Axen Torhanden. In einem Rotationsellipsoid liefert allein der Schnitt 
senkrecht zur Rotationsaxe einen Kreis; hier ist also nur eine optische 
Axe vorhanden, die mit der Rotationsaxe zusammenfällt. Bei einer 
Kugel sind alle Schnitte Kreise, in Folge dessen giebt es bei ihr unend- 
lich viele optische Axen. 

Im FRESNSL*8chen Ellipsoid @, dem dreiaxigen sowohl wie dem Rotations- 
ellipsoid, lassen sich entsprechende Kreisschnitte construiren, deren Lage aber nur 
beim Rotationsellipsoid mit jenen der Indezfläche zusammenföllt. Die Richtungen . 
senkrecht auf diesen Ereisschnitten heissen secundäre optische Azen oder 
Strahlenaxen, von denen es 2 bezw. nur 1 giebt. Sie sind die einzigen Rich- 
tungen in einem Krystall, in welchen ein Strahl, gleichviel welches sein Schwingungs- 
azimuth ist, mit constanter Geschwindigkeit fortschreitet. 

§ 3. Untersucht man die hrystallisirten Medien getrennt nach den 
Krystallsystemen auf die Gestalt ihrer Indexflächen und implicite auf die 
Anzahl ihrer optischen Axen, so ergiebt sich folgende Eintheilung. 



Medium. 


Indezfläche. 


Zahl der optischen 
Azen. 


Zugehöriges Krystall- 
system. 


Isotrop. 


Kugel. 


oo bezw. 0*). 


Reguläres System. 


Anisotrop. 


Rotationsellipsoid. 


1 


Hezagonales und tetra- 
gonales System. 


Dreiaxiges Ellipsoid. 


2 


Rhombisches, monoklines 
und triklines System. 



^) Da die optischen Azen ausgezeichnete Richtungen in einem anisotropen 
Medium sind und da in isotropen Medien optisch alle Richtungen gleich sind, keine 
sich vor der anderen auszeichnet, so sagt man von letzteren Medien gewöhnlich, 
dass sie ohne optische Axen seien. 



OpÜBcb einaxige und zweiazige Krystalle. Reflexion. Brechung. 149 

Danach bezeichnet man auch die hexagonalen und tetragonalen 
Krystalle als optisch einaxig, die rhombischen, monoklinen und 
triklinen Krystalle als optisch zweiazig. Die amorphen Mineralien, 
bei denen die Lichtgeschwindigkeit in allen Richtungen als gleich an- 
genommen werden muss, sind wie die regulär krystallisirenden optisch 
isotrop. 

Es wird nun die Aufgabe des Nachstehenden sein, alle die optischen 
Erscheinungen an Krystallen, wie sie sich als Folge ihrer verschiedenen 
Indexflächen ergeben, darzustellen und aus ihnen die optische Charakte- 
ristik der einzelnen Ej-ystallsysteme herzuleiten. 



Capitel m. 

§ 1. Reflexion. § 2. Brechung. § 3. Totalreflexion. § 4. Methoden zur 
Bestimmung der Brechungsindices. 

§ 1. Reflexion. Bei der Reflexion des Lichtes kommt das Ge- 
setz zur Oeltung, dass der einfallende und der reflectirte Lichtstrahl zu- 
sammen mit dem Einfallslothe in einer Ebene liegen und mit letzterem 
gleiche Winkel bilden. Auf diesem Gesetz beruht die Anwendung des 
Reflexionsgoniometers. 

1. Nar fflr den Fall, dass die reflectirende Krystallfläche völlig eben ist, wirft 
sie das Bild des spiegelnden EGrpers in gleichen Dimensionen zurück. H&ufig sind 
aber die Flächen gerundet, geknickt, gestreift etc., in Folge dessen entstehen auch 
verzerrte Lichtrefleze, wie man sie häufig am Gk>niometer wahrnimmt. Dieselben 
sind abhängig von der Beschaffenheit 'der Flächen und heissen, falls es sich um 
charakteristische, auf Beugung und Interferenz zurQckfElhrbare Erscheinungen han- 
delt, Lichtfiguren. ^ 

Auch durch Einlagerung von Blättchen, durch Canäle, feine Risse, Poren und 
durch faserige Structur können im Innern eigen thQmliche Reflexe erzeugt werden, 
die zuweilen für einzelne Mineralien charakteristisch sind. Asterismus des Sapphirs, 
Schillern des Sonnensteins, des Bronzits etc. Vergl« Gap. VI. 

Mit der Reflexion hängen auch die Unterschiede des Glanzes zusammen, von 
denen später die Rede sein wird. 

2. Durch Reflexion wird Licht mehr oder weniger polarisirt; durch wieder- 
holte Reflexion lässt es sich vollständig polarisiren. Vollständige Polarisation tritt 
nach einmaliger Reflexion ein, wenn die Lichtstrahlen unter einem gewissen Winkel 
(Polarisationswinkel) auf die spiegelnde Fläche fallen (s. den § 3). 

§2. Brechung. Dringt ein Lichtstrahl unter schiefem Winkel 
aus einem Medium in ein anderes ein, so erleidet derselbe im zweiten 
Medium eine Abweichung von der ursprünglichen Richtung, d. h. eine 

Brechung, die nach Maassgabe des Gesetzes — : = — ^ erfolgt, wo i 

und r die Richtungswinkel, gewöhnlich als Einfalls- und Brechungswinkel 



150 Brechnngsindices. 



bezeichnet, v, und v,, die Fortpflanzungsgeschwindigkeit im ersten resp. 
zweiten Medium bedeuten. — Bei der gewöhnlichen einfachen Brechung 
liegen stets der einfache, der gebrochene Strahl und das Einfallsloth 
in einer Ebene, bei der später zu besprechenden Doppelbrechung ist 
dies nicht mehr allgemein der Fall. 

Ist das erste Medium Luft, so bezeichnet man den Quotienten — 
als den Brechungsquotienten oder Brechungsindex n (Br.-L). Aus der 
Relation n = ^.^^ ergiebt sich die Möglichkeit der Bestimmung des 
Br.-L n. 



Ist dagegen das erste Medium der luftleere Raum, so nennt man das Ver- 

hältniss — '— den absoluten Br.-L ; derselbe wird aus dem gewöhnlichen d. h. aus 

dem auf Luft bezogenen Br.-L erhalten, wenn man diesen mit 1,000294 multipUdri 
1,000294 ist nämlich der Br.J. der Luft bei ^ und 760 mm Druck bezogen auf den 
leeren Raum. 

Führt man in die Gleichung ^* ^ = -~- für die Geschwindigkeiten v, und p„ 

die entsprechenden Br.-L n (= -^A und N \= -—\ ein, so ergiebt sich -^ — = -j^ , 

d. h. die Br.-L zweier Medien yerhaltien sich umgekehrt wie die Richtungswinkel 
der Lichtstrahlen. 

Nach der Gleichung n = — ^ hängt der Br.-L einer Substanz von 

der Geschwindigkeit des Lichtes innerhalb derselben ab. Daraus folgt, 
dass der Br.-L in allen isotropen Medien, deren Lichtgeschwindigkeit 
ja in allen Richtungen gleich ist, eine constante Grösse sein muss. 
Isotrope Medien besitzen nur einen einzigen Br.-L Dagegen ändert 
sich in anisotropen Medien der Br.-I. mit der E^chtung, in welcher 
das Licht durch das Medium hindurchfällt. Anisotrope Substanzen 
haben daher unendlich viele Brechungsindices. Die Indices in 
gewissen ausgezeichneten Richtungen, nämlich in den Richtungen der 
Hauptdurchmesser der Lidexfläche, heissen Hauptbrechungsindices. 

1. Für die verschiedenen Br.-L einer anisotropen Substanz hat die Geschwin- 
digkeit V des eintretenden Strahls immer deuRelben WeHh, in Folge dessen verhalten 

sich dieselben unter einander wie : — : : etc. , also wie die reciproken Fort- 

V, V,, V,,, * 

Pflanzungsgeschwindigkeiten in den verschiedenen Richtungen des anisotropen Me- 
diums. Man kann daher für die Br.-L die reciproken Geschwindigkeiten in den 

einzelnen Richtungen n, — -^, n,, — -^ etc. und andererseits für die Fortpflanzungs- 
geschwindigkeiten die reciproken Br.-L , also v, — , v„ — etc. setzen. 

2. Da die Fortpflanzungsgeschwindigkeit abhängig ist von der Wellenlänge \ 
so wird der Br.-L jeder isotropen oder anisotropen Substanz ein anderer sein, je 
nach der Wellenlänge (Farbe) des angewandten Lichtes. Die Angabe des Br.-I. bat 
daher nur Sinn für ein bestimmtes X. — Der Br.-L ist um so grösser, je kleiner 



Totalreflexion. Grenzwinkel. 151 



die Wellenlänge; er erreicht ein Maximam für violette, ein Minimum für rothe 
Strahlen. 

8. Die Abhängigkeit des Br.-I. von der Wellenlänge wird angenähert aus- 
gedrückt durch die sogen. CAucHY'sche Dispersionsformel n = A +-^, wo 

^ und B 2 Constante der Substanz sind. Bestimmt man die Br.-Indices einer Sub- 
stanz für 2 verschiedene X, so lassen sich die beiden Constanten A und B daraus 
herleiten und es wird nun möglich, den Br.-I. für jedes weitere X zu berechnen. 

4. Die Bestimmung und Angabe der Br.-Indices geschieht mit Beziehung auf 
das homogene Licht gewisser glühender Metalldämpfe (Na, Li, Th), oder auf die 
FRAüNHOFKft'schen Linien des Sonnenspectrums oder auf die Linien a, ß, y einer 
GsissLER'schen Wasserstoffröhre. 

§ 3. Totalreflexion. Wird bei dem Uebergang des Lichtes 
aus einem Medium in das andere, der Winkel r<^i, oder wird, wie 
man sich ausdrückt, der Strahl im zweiten Medium dem Lothe zu- 
gebrochen , so wird n ^ i , und man nennt das zweite Medium mit 
Bezug auf das erstere das optisch dichtere. Alle Mineralien sind 
optisch dichter als Luft ; ihr Br.-L n, auf Luft; bezogen, ist stets grösser 
als i. 

Oeht ein Lichtstrahl aus einem optisch dichteren in ein optisch 
dünneres Medium über, so tritt bei einem bestimmten, noch unter 90^ 
liegenden Incidenzwinkel i der Fall ein, dass der Brechungswinkel r = 90 ^ 
wird. Für jeden grösseren Werth von i wird r > 90 ^, d. h. der Strahl 
tritt nicht mehr in das neue Medium ein, sondern wird in das alte zurück 
reflectirt. Diese Erscheinung, die nur beim üebergange aus einem 
dichteren in ein dünneres stattfinden kann, heisst die Totalreflexion, 
und der Winkel ^, bei dem zuerst Totalreflexion auftritt, wird als der 
Grenzwinkel derselben bezeichnet. Da dieser Orenzwinkel i dem 
Brechungswinkel 90^ entspricht, so folgt fUr die Grenze gegen Luft 

fin 90 ^ 1 , 

= n oder sin i =— und für die Grenze gegen ein anderes dünneres 



M» 1 n 

sin QO ^ M 

Medium mit dem Br.-L n, : — -. — r- = — und n, = n. sin i, 

' 8tn % n, ' 

Letztere Gleichung eignet sich, wie ersichtlich, nicht nur zur Be- 
stimmung des Grenzwinkels einer Substanz aus dem Br.-I. (beispielsweise 
ist « für Wasser -|-, folglich der Grenzwinkel = 48 <» 35', für Crownglas 41% für 
Flintglas 38®, Diamant 24° etc.) 1 sondern auch, und das wird besonders 
wichtig, zur Bestimmung des Br.-L aus dem Grenzwinkel der totalen 
Keflexion. Diese weitere Methode zur Bestimmung des Br.-L hat des- 
halb so grosse Bedeutung, weil sie nicht auf durchsichtige Substanzen 
beschränkt ist. Jede Substanz, durchsichtig oder undurchsichtig (jedoch 
mit Ausschluss der Metalle), die mit einer spiegelnden Fläche versehen 
ist und von einem optisch dichteren Medium (Flüssigkeit) umgeben 
werden kann, gestattet die Beobachtung des Eintritts der Totalreflexion, 



152 Methoden zur Bestdininuiig der Brechungsindices. 

somit die Messung des Ghrenzwinkels und die Berechnung des Brechungs- 
index. 

MiDeralien, deren Grenzwinkel relativ klein sind, werden für einen grÖBwres 
Theil eines Kreisbogens, innerhalb welchen Lichtstrahlen auf eine Fl&che aaffallen, 
Totalreflexion zeigen, also zahlreichere Lichtreflexe erzeugen, als Mineralien mit 
grosserem Orenzwinkel. Der kleinere Grenzwinkel entspricht aber einem grösseren 
Br.-L und so erklären sich die zahlreichen Lichtreflexe des Diamanten, der den 
hohen Br.-I. 2,4195 für mittlere Farben besitzt, w&hrend die Indices der meisten 
anderen Mineralien unter 2 liegen. 

Durch wiederholte Reflexion wie durch wiederholte Brechung wird 
das Licht allmählich vollständig polarisirt. Wie Bbewsteb 1815 zuerst 
gefunden, tritt vollständige Polarisation des reflectirten wie des ge- 
brochenen Strahles ein, wenn beide senkrecht auf einander stehen, wenn 

also n = atn (90^ — i) ~ ^^ ^' ^®^ Winkel i heisst in diesem Fall der 
Polarisationswinkel und die Tangente des Polarisations winkeis ist 
somit gleich dem Brechungsindex. Für den Br.-I. des Glases = */» wird 
der Polarisationswinkel i = 56®19', das Licht muss also unter 33^41' 
auf einen Spiegel fallen, um als vollständig polarisirtes reflectirt zu 
werden. — Aus der Beobachtung des Polarisationswinkels lässt sich 
somit auch der Brechungsindex bestimmen. 

Die Schwingungen des reflectirten und des gebrochenen Strahles, 
soweit sie polarisirt sind, erfolgen senkrecht auf einander, und zwar 
stehen nach Fbesnel's Annahme die Schwingungen des reflectirten 
Strahles senkrecht, die des gebrochenen Strahles parallel zur Einfalls- 
ebene des Strahles. Diejenige Ebene, zu welcher die Schwingungen eines 
polarisirten Lichtstrahls senkrecht erfolgen, wird dessen Polarisations- 
ebene genannt. 

Aus der Reflexion und Brechung erwachsen Mittel zur Gewinnung 
polarisirten Lichts. 

§ 4. Methoden zur Bestimmung der Brechungsindices. 
Die gebräuchlichsten und vollkommensten Methoden benutzen entweder 
die Brechung oder die Totalreflexion zum Bestimmen der Brechungs- 
indices. Bei mineralogischen Untersuchungen beschränkt man sich im 
Allgemeinen auf die Feststellung der Brechungsindices für die 3 Farben 
roth, gelb und grQn, wie sie durch Verdampfen von Lithium-, Natrium- 
oder Thalliumsalzen auf einem Platinsiebe in der zur Beleuchtung 
dienenden Bunsenflamme erzeugt werden. 

a) Aus der Brechung 

mittelst Prismas und Einstellung auf das Minimum der Ab- 
lenkung. 

Wenn (Fig. 284) ein Lichtstrahl a auf ein Prisma ßQlt und in der Richtung d 
wieder austritt, so liefern der Eintrittswinkel <p, der Austrittswinkel ^, sowie der 



Methoden zur Bestimmung der Brechungsindices. 



158 



Winkel der brechenden Kante y <lio Daten für die Be- Fig. 284. 

rechnnng des Br.-I. Messung und Berechnung verein- 
fachen sich, wenn man den Lichtstrahl symmetrisch durch 
das Prisma hindurchgehen lässt, sodass f = ^ wird. In 
diesem Fall erlangt die Ablenkung a, deren Werth 
« -f- 4» — T übergeht in 2f — y ^^^ Minimum und man 
erreicht damit den doppelten Vortheil, dass der symme- 
trische Durchgang, gleich bedeutend mit der Einstellung 

auf das Ablenkungsminimum, leicht erkannt wird und dass sowohl fQr die Messung 
wie für die Berechnung für ^ bezw. 'j; der bequemer zu messende Winkel a sub- 
stituirt werden kann. Man bat überhaupt nur den brechenden Winkel y ^^^ P^s* 
mas und den Ablenkungswinkel a zu messen, um daraus nach der Gleichung 




« 4- y 



sin -j 



Reflexions- 
bedienen 




den Brechungsindex zu berechnen. 

Ausführung. Als Instrument, Spectrometer, kann jedes 
goniometer mit beweglichem Beobachtungsfernrohr benutzt werden; wir 
uns des auf S. 11 abgebildeten Goniometers. 

Wenn an dem auf seinen Br.-I. zu untersuchenden Erystall nicht bereits eine 
geeignete brechende Kante ') vorhanden ist, wird eine solche angeschliffen. Das Krystall- 
prisma A BC in Fig. 285, in welcher P den feststehenden Colli- 
mator mit dem Spalt, / und // das Beobachtungsfemrohr in 2 ver- 
schiedenen Stellungen bedeuten soll, wird auf dem Goniometer 
jostirt und centrirt und der Winkel y in üblicher Weise gemessen. 

Nunmehr lockert man die Schraube, durch die das Fem- 
rohr und der mit diesem verbundene Nonienkreis festgehalten 
ist und klemmt dafür den Theilkreis für die Dauer der weiteren 
Untersuchung fest. Alsdann wird durch das Femrohr der Spalt 
des Collimators direct anvisirt (Stellung 1) und am Nonius ab- 
gelesen. Darauf bringt man durch gleichzeitiges Drehen des 
Prismas und des Femrohrs das Spectralbild des Spaltes zu- 
nächst in das Gesichtsfeld und dann in die Minimalstellung, was bei einer der 
Fig. 285 analogen Orientirung erfolgt und daran erkannt wird, dass das Bild des 
gebrochenen Spaltes umkehrt, gleichviel, ob man das Femrobr nach rechts oder 
links hin schiebt. Diese Stellung II giebt eine zweite Ablesung und die Differenz 
beider Ablesungen ergiebt den Winkel a. 

Bei diesem Verfahren wird der Colli matorspalt mit dem homogenen Licht der 
Natrium-, Rubidium- oder Thalliumflamme beleuchtet; erleuchtet man hingegen mit 
dem gewöhnlichen Licht einer Gas- oder elektrischen Lampe, so erhält man statt 
des einfarbigen Spaltes ein Spectrum. 

Bei genügender Schärfe desselben kann man hinter einander auf alle Farben 
einstellen und damit annähernd die Brechungsindices für die verschiedenen Farben 
messen. 

A n m. Es mag kurz erwähnt sein, dass ein nicht weniger bequemes Verfahren 
zum Bestimmen der Br.-I. aus der Brechung darin besteht, dass man statt des eben 
geschilderten symmetrischen Durchganges das Licht so durch das Prisma fallen lässt, 
dass der Strahl senkrecht zur Austrittsfläche aus dem Prisma wieder herauskommt. 
Die Beobachtung und Controlle des senkrechten Austritts erfolgt durch ein GAUss'sches 
Ocular (Methode von Meterstbin 1856). 



') Der Winkel der brechenden Kante darf nur so gross sein, dass nicht Total- 
reflexion beim Austritt des Strahls aus dem Prisma erfolgt. 



154 Methoden zur Bestimmung der Brechungsindices. 

Für alle Bestimmungsmethoden der BrechuDgsindices , die auf der Brechung 
und Prismenbeobacbtung beruhen, darf der Prismenwinkel y eine bestimmte GrOase 
nicht überschreiten, die vom Br.-L abhängt. Bei den meisten, von Krystall- oder Spalt- 
flächen gebildeten natürlichen Prismen ist der Winkel zu gross; er muss dann ent- 
weder durch Anschleifen herabgemindert werden oder man muss die Messung derart 
ausführen, dass das Prisma in ein geeignetes Gefäss mit einer stark brechenden 
Flüssigkeit (Mohnöl, Cassiaöl) getaucht wird. (Cf. Ramsat, Groth*8 Zeitacbr. Bd. XIL 
S. 209.) 

b) Aus der Totalreflexion. — Die hierher gehörigen Methoden erfordern nur 
eine einzige spiegelnde Fläche, wie sie direct am Krystall sich findet oder doch 
leicht durch Anschleifen und Poliren zu erhalten ist; sie können auch bei undurch- 
sichtigen Mineralien angewendet werden, und da die Genauigkeit nicht geringer ist 
als bei dem auf Brechung begründeten Verfahren , so sind die besonders in neuerer 
Zeit ausgebildeten Totalreflexionsmethoden für krystallographische Untersnchnngra 
allen anderen vorzuziehen. Bedingung ist aber, dass für den zu untersuchenden 
Krystall sich ein stärker brechendes Medium findet, damit überhaupt Totalreflexion 
eintritt, und mit dem es in unmittelbare Berührung gebracht werden kann. Ah 
solche Media dienen theils Flüssigkeiten, in die der Krystall jgetaucht, theils starre 
Gläser mit hohem Br.-L, an die der Krystall gepresst wird. Danach lassen sich 
2 Gruppen von Verfahren unterscheiden. 

Verfahren durch Eintauchen in stark brechende Flüssigkeiten, 
mittelst des Totalreflectometers von Kohlrausch (1878). 

Princip. Befindet sich eine Krystallplatte in einem Medium von grösserem 
Brechungsvermögen, so wird von den bei diffusem Licht in allen Richtungen auf die- 
selbe fallenden Lichtstrahlen ein Theil total reflectirt werden, während der andere zum 
Theil in das Medium eindringt. Für ein an bestimmter Stelle befindliches Auge, das 
diese Erscheinung betrachtet, wird eine Hälfte der Platte im spiegelnden Glänze 
(nämlich jener Theil, wo die Strahlen einen grösseren Incidenzwinkel als den der 
totalen Refiexion besitzen) erscheinen müssen, während die andere weit dunkler ist. 
Die Grenze zwischen diesen Hälften ist bei Anwendung homogenen Lichtes scharf: 
sie tritt dort auf, wo der unter dem Grenzwinkel der totalen Reflexion auffallende 
Strahl in das Auge reflectirt wird. 

Ausführung. In ein weites Glasgefäss, dessen Wandung mit Ausnahme der 
vorderen Seite A A matt geätzt oder mit Oelpapier umklebt ist (um diffuses Licht 
zu schaffen) und das mit einer stark brechenden Flüssigkeit 
z. B. Schwefelkohlenstoff, erfüllt ist, Fig. 286 (s. auch Fig. 287). 
ragt von oben her, an einer drehbaren Axe befestigt, die 
mit einer spiegelnden Fläche versehene Krystallplatte. Bei 
befindet sich ein senkrecht auf A A gerichtetes und auf 
unendlich eingestelltes*) Fernrohr, wodurch die Grenze 
zwischen Hell und Dunkel scharf gesehen werden kann. 
Durch Drehung bringt man die Platte in eine solche Stel- 
lung Pff dass der senkrechte Faden des Beobachtungsfem- 
rohrs zusammenfällt mit der Grenzlinie zwischen der total- 
refiectirenden glänzenden und der dunkleren Hälfte, d. h. 
in eine solche Stellung , in welcher der unter dem Winkel 

*) Die nothwendige Einstellung auf Unendlich erfolgt am bequemsten und für 
den Zweck ausreichend durch Einstellen auf einen weit entfernten Gegenstand, etwa 
einen Blitzableiter. 




Methoden zur Bestimmung der Brechungsindices. 



155 



Fig. 287. 



der totalen Reflexion auffallende Lichtstrahl a, nach reflectirt wird. Der Winkel 
zwischen auffallendem und reflectirtem Strahl (OCa,) entspricht dem doppelten 
Grenzwinkel (= 2 a). 

Zur bequemen Bestimmung von a bringt 
man die Platte, indem man von der anderen 
Seite beleuchtet, in die symmetrische Stellung 
F„, sodass wiederum ein unter dem Grenz- 
winkel a auffallender Strahl a„ zum Auge 
nach O reflectirt wird. Die Drehung von P, 
nach P„, die an einem Über dem Glasgefäss 
befindlichen Theil kreis abgelesen werden kann, 
entspricht aber unmittelbar dem Winkel 2 a, 
dem doppelten Grenz winkel. 

Ist N der Br.-I. der Flüssigkeit, so er- 
giebt sich nunmehr der Br.-I. der untersuch- 
ten Platte aus n = N.sin a, wie leicht ein- 
zusehen; vergl. die auf S. 151 aufgestellte 
Gleichung. 

Als stark lichtbrechende Flüssigkeit be- 
nutzt man Schwefelkohlenstoff mit dem Br-I. 
1,6274 bei 20^ C. oder a-Bromnaphtalin mit 
1,66264 bei 8^C. für Na-Licht oder Methylen- 
jodid mit 1,7466 ebenfalls bei 8^ C. und Na- 
Licht. Da bei den genannten Flüssigkeiten 
der Br.-I. sich mit der Temperatur beträcht- 
lich ändert (für jede Temperaturerhöhung von 
1 ^ C. nimmt der Br.-I. des Schwefelkohlen- 
stoffs um 0,00080, der des Bromnaphtalins um 
0,00045, der des Methylei^odids um 0,00071 
ab) , so muss auch die Temperatur gemessen 
werden, was durch ein in die Flüssigkeit ge- 
hängtes Thermometer geschiebt. 

Das KoHLRAUscH*sche Totalreflectometer 
(Fig. 287 giebt die Ausführung des Instrumentes 
durch Apel in Göttingen) gestattet namentlich 
wegen der Veränderlichkeit des Br.-I. der Flüs- 
sigkeit nur eine Genauigkeit bis zur zweiten 
Decimale, eine grössere Genauigkeit wird bei 
dem folgenden Verfahren erreicht. 




Verfahren durch Anpressen an einen Glaskörper von hohem 
Brechungsindex. Methode von Wollaston. 



Princip. An Stelle der das Object ganz umgebenden Flüssigkeit tritt ein 
dreiseitiges Prisma oder ein cylindrischer oder halbkugeliger Rotationskörper, beide 
aus stark brechendem Flintglas hergestellt, an die der Krystall mit seiner gut 
spiegelnden Fläche angepresst wird. Die Berührung zwischen Object und dem Flint- 
glaskörper wird durch eine dazwischen gebrachte Flüssigkeitsschicht (breitgedrückter 
Tropfen) vermittelt, welche bei ihrer Planparallelität auf den Gang der an der Platte 
reflectirten Lichtstrahlen keinen Einfluss ausübt. Nur muss, um demnächst Total- 



156 Methoden zur Bestimmang der BrechungsindiceB. 

reflexion za erzeugen , der Br.-L dieser Flüssigkeit ebenso wie der des Glaskörpers 
grösser sein als der des Objectes. 

Tritt nun von einer Seite her diffuses Licht in den GrlaskGrper hinein und an 
die spiegelnde Fläche des Objectes heran, so wird für Strahlen von bestimmter 
Richtung Totalreflexion erfolgen. Je nach der Stellung des Auges wird die ange- 
presste Krjrstallfläche hell oder dunkel erscheinen und man hat es alsdann wieder so 
einzurichten, dass der senkrechte Faden im Beobachtungsfemrohr, das auf unend- 
lich eingestellt ist, mit der Grenze zwischen Hell und Dunkel zusammen^lt Ans 
dem Weg, den die Lichtstrahlen der Totalreflexion im Prisma nehmen, also aus den 
Eintritts- und Austrittswinkeln und dem Br.-l. des Glases berechnet ^ich der Br.-L 
des Objectes. 

Der genaue Werth des Br.-I. der Flüssigkeit kommt nicht in Betracht Man 
wendet Cassiaöl (n = 1,58— 1,64 für Na-Licht) oder a-Brom naph talin , auch Kalium- 
quecksilberjodid und andere stark brechende Substanzen an. Die Temperatur übt 
hier einen weit geringeren Einfluss aus als beim Totalreflectometer. 
Ausführung. 1. mit dem Prisma. 

Als Instrument dient das Reflexionsgoniometer und ein dreiseitiges Flintglas- 
prisma von hohem, 1,6 — 1,9 betragendem Brechungsindex. Letzterer ist ein- für alle Mal 
bestimmt, ebenso der brechende Winkel y des Prismas. Die zu untersuchende KrystaU- 
platte wird gegen eine der beiden, den brechenden Winkel einschliessenden Pnsmen- 
seiten angedrückt, die unmittelbare Berührung durch Benetzen mit einem Tropfen 
einer stark brechenden Flüssigkeit bewirkt und durch irgendwelche Yorriehtung 
(s. weiter unten die Vorrichtung von Likbisch) in dieser Stellung festgehalten. Als- 
dann wird das Prisma mit dem anhaftenden Erystall auf dem Goniometertisch 
justirt. Seitlich ist ein Bunsenbrenner mit Einrichtung zur Erzeugung homogenen 
Lichtes aufgestellt; um letzteres diffus zumachen, wird zwischen Brenner und Gronio- 
meter noch ein Schirm mit Oelpapier oder eine Scheibe matten Glases geschoben*). 
Nunmehr stellt man das Femrohr des Goniometers auf die Grenzlinie der totalen 

Reflexion ein, was dadurch geschieht, dass man das 
Prisma so lange gegen das feststehende Femrohr 
dreht, bis die Grenze des durch die Totalreflexion 
zur Hälfte erhellten Sehfeldes im Fadenkreuz steht. 
Die Brechung erfolgt nach der Formel: 
n = sin Y yN^ — sin* a ^ cos y . sin a. 
Y ist der brechende Winkel, N der Br.-I. des Flint- 
glasprismas, a der Winkel, den der Grenzstrahl 
zur Sehlinie der Totalreflexion mit dem Loth zur 
'' *< Austrittsfläche des Prismas einschliesst (vergL Fig. 288). 

.< Die Einstellung auf das Loth wird am einfachsten 

mit dem GAUss^schen Ocular im Femrohr bewirkt, 
sonst muss man zur Erlangung des Winkels a den folgenden umständlicheren Weg 
mit Hülfe des Gollimators einschlagen : 

Man stellt das Femrohr genau in Opposition des Gollimators, d. h. seines 
erhellten Spaltes (Ablesung 1). Darauf stellt man, wie oben, Prisma und Fem- 
rohr auf die Grenzlinie der Totalreflexion ein (Ablesung II). Aus I und II folgt 
der Winkel zwischen Collimator und Fernrohr (= 2 k). Nachdem das Femrohr fest- 
geklemmt ist, wird der Theilkreis mitsammt dem Prisma gedreht, bis der Signal- 




^) Die gleiche Wirkung wird dadurch erreicht, dass man das Flintglasprisxna, 
mit Ausnahme der Seite, auf der die Erystallplatte zu liegen kommt, matt schleift 



Methoden zur Bestimmung der Brechungsindices. 



157 



reflez im Fadenkreuz des Femrohrs steht. Diese Drehung ergiebt den Winkel, den die 
Normale auf der Austrittsfläche Ä C mit der Halbirenden des Winkels 2 k bildet und 
ist = ik + a, wenn wie in Fig. 289 die Normale links vom Fernirohr liegt oder = ifc — a, 
wenn sie, wie in Fig. 290 rechts davon liegt. Damit ist der Winkel a bestimmt. 



Fig. 289. 



Fig. 290. 




Ob in der oben angegebenen Rechnungsformel der Ausdruck ^ co« y • ^^'^ & 
positiv oder negativ zu nehmen ist, richtet sich danach, ob der auf die Grenzlinie 



Fig. 291. 




der Totalreflexion eingestellte Sehstrahl F rechts oder links von der Normalen N 
liegt. In Fig. 289 ist a positiv, in Fig. 288 u. 290 ist a negativ. 

Um die auf ihren Br.-I. zu untersuchende Er j stallplatte fest an das Prisma 
anzuklemmen und, wie es für anisotrope Krystalle nötbig wird, in ihrer eigener 




158 Methoden zur Bestimmung der Brecbungsindices. 

Ebene zu drehen, und den Drehungswinkel mit Bezug auf irgendwelche charakte- 
ristische Richtung oder Kante zu messen, sind von Feussner besondere Vorrichtungen 
angewendet und in vollkommener Gestalt nach den Angaben Liebisch^s von Fcess 
construirt. 

Die LiEBiscH'sche Vorrichtung (Fig. 291) besteht aus 2 Theilen. Der eine Theil 
ist im Wesentlichen eine justirbare horizontale Drehaxe, über deren eines Ende eine 

als Erystallträger dienende Htilse z geschoben wird, 
Flg. 292. während das entgegengesetzte Ende mit einem Theil- 

kreis T verbunden ist. Der andere Theil tr&gt das 
bereits vom Mechaniker in justirter Stellung eingekittete 
Flintglasprisma P. Durch eine SchlittenfÜhrun^ ef 
lässt sich das Prisma an den Erystallträger heran- 
schieben und gegen die Krystallplatte k glatt anpressen. 
Dazu ist nöthig, dass die Platte so montirt ist, das« 
ihre plane Fläche parallel der Fläche des Flintglaspris- 
mas liegt. Um diese umständliche Orientirung zu er- 
sparen, ist in der besonderen Construction (Fig. 292) der KrystalltHlger in sinnreicher 
Weise in einem cardanischen Ringsystem aufgehängt, sodass die aufgeklebte Krystall- 
platte sich in jeder Stellung glatt andrückt. 

2. mit der Halbkugel. 

Vorbemerkung. An Stelle des Prismas, welches ein Anpressen des Ob- 
jectes in verticaler Stellung erfordert, ist es weit bequemer, einen Glaskörper mit 
horizontaler Auflagefläche zu nehmen. Dazu reicht schon ein Würfel aus, aber die 
Messung und Brechungsformel vereinfacht sich wesentlich, wenn man, wie es von 
PuLFRicH ursprünglich geschehen ist, einen am oberen Ende abgeplatteten Glaa- 
cylinder benutzt. Alsdann tritt das totalreflectirte Licht ohne weitere Brechung aus. 
Den gleichen Zweck erreicht man mit einer Halbkugel, die noch den Vortheil leich- 
terer und vollkommener Herstellung hat. Von Bfrtrand und Abbe ist daher die 
Halbkugel verwendet, ein geeignetes Instrument ist von Czapski construirt und in 
seiner Neuconstiniction , wie es nach manchen Verbesserungen durch Pilfrich aus 
der ZEiss'schen Werkstätte in Jena hervorgegangen ist, liegt es der nachfolgenden 
kurzen Beschreibung und der Messung zu Grunde. 

Das Instrument (Neuconstruetion des AßBB^schen Krystallrefractometers. 
Zeiss, Katalog 1899. S. 52 ff.) ist in Fig. 293 in halber Grösse dargestellt. Die 
Halbkugel G mit horizontaler Abplattung ist genau justirt ') und ist durch Bewegung 
des geränderten Theilkreises um ihre Verticalaxe drehbar. Der Verticalkreis V und das 
Beobachtungsfemrohr besitzen eine gemeinsame, auf das optische Gentrum der Halb- 
kugel justirte Drehaxe, sodass bei der Herumführung des Femrohrs um die Halb- 
kugel zum Zweck der Einstellung auf die Grenzlinie der Totalreflexion dieser Dreh- 
winkel mit Hülfe eines fixen Nonius am Theilkreis abgelesen werden kann. Zur 
bequemeren Beobachtung ist das Fernrohr gebrochen. Ein Spiegel S dient dazu, 
um das Licht der Beleuchtungseinrichtung auf die Halbkugel zu werfen; dieser 
dreht sich ebenfalls um die gemeinsame Axe von Theilkreis und Femrohr, ist aber 
in seiner Bewegung unabhängig von diesen. 

Ausführung. Das Object wird nach Befeuchtung mit einem Tropfen einer 
stärker brechenden Flüssigkeit auf die plane Fläche der Halbkugel gelegt. In ge- 



') Die Bedingungen und die Ausführung des Justirens siehe bei Pulfrich, 
Ueber die Anwendbarkeit der Methode der Totalreflexion auf kleine und mangel- 
hafte Krystallflächen. Zeitschr. f. Instruroentenkunde. 1899. Heft 1. 



Methoden zur Bestimmung der Brechungsindices. 



159 



ringer Entfernung von dem Instrument und in der ungeföhren Verlängerung der Fem- 
rohraxe steht die monochromatische Lichtquelle, deren Strahlen durch den Spiegel 
▼on unten her in den Glaskörper geworfen werden. Indem man nun das Femrohr 



Fig. 293 




allmählich um die Halbkugel führt, erhält man bald die Grenze der totalen Reflexion 
im Gesichtsfelde und stellt diese (bei anisotropen Medien sind es 2 Grenzlinien) 
scharf im Fadenkreuz ein. Bei der symmetrischen Theilung des Verticalkreises ist 
der abgelesene Winkel a direct der gesuchte Winkel der Totalreflexion. Der Br.-I. be- 



160 Methoden zur Bestimmang der Brechungsindices. 

rechnet sich nach der Formel n = N.8ina, wo N der ein- far alle Mal bekannte 
Br.-I. der Glashalbkugel ist (bei den neuerdings gelieferten Instrumenten ist y=: 1,9070 
für Na-Licht). 

Literatur. Pülfrigb, Das Totalreflectometer etc. Leipzig 1890. — Ders.. 
Ueber die Anwendbarkeit etc. Cit. S. 157. — Czapski, Erystallrefractometer nach 
Abbe. Neues Jahrb. für Min. etc. Beilageband VIT. 1891. S. 175 ff. 

Anm. Für Dünnschliffe hat C. Klein das Verfahren mit der Halbkugel 
nutzbar gemacht und das ABBE-CzAPSKi*8che Instrument entsprechend abgeändert; f^ 
den gleichen Zweck ist das EoHLRAuscH-LiKBiscH^sche Prisma von Walleraitt ver- 
werthet. Siehe C. Klein, Sitzungsberichte der preuss. Akad. d. Wissensch. 1898. 
1899 u. 1902 ; femer Wallerant, Bulletin de la Sociäte fran9aise de Mineralogie. 1897. 

c) Sonstige Methoden. 

Einfachere, aber auch weniger genaue Methoden, eigentlich nur für isotrope 
Medien passend oder nur einen mittleren Br.J. liefernd, gründen sich auf die Beob- 
achtung 

1. mittelst des Mikroskopes (Methode de Dac de Chaulnes 1767). 

Die Methode setzt planparallele durchsichtige Platten voraus, deren Dicke be- 
kannt ist. Wenn man zwischen einen im Mikroskop scharf eingestellten Punkt 
(Staubkorn auf Objectträger) und das Objectiv die zu untersuchende Platte bringt, 
so wird das Bild des Punktes undeutlich oder verschwindet ganz und es bedarf 
einer Verschiebung des Tubus, um den Punkt wieder scharf zu sehen. Die Grösse d 
dieser Verschiebung hängt allein ab von der Dicke t der Platte und deren Br.-I. 
Somit kann man aus bekanntem d und t den Br.-I. berechnen , nämlich n = -j—^ . 

Die Dicke der Platte wird mit dem Spbärometer, die Veränderung der Brenn- 
weite (Verschiebung des Tubus) mittelst der an der Mikrometerschraube des Mikro- 
skops angebrachten Theilung gemessen. 

(Cf. Bauer, Sitzungsbericht der Berliner Akademie 1875. S. 698.) 

2. mittelst Messung des Polarisationswinkels. 

Der Polarisationswinkel, dessen Tangente nach § 8 dieses Capitels gleich 
dem Br.-I. ist, lässt sich mit Hülfe des Rellexionsgoniometers und eines dem Beob- 
achtungsfemrohr desselben eingefügten Nicols leicht auffinden. Bei dieser Methode, 
die anwendbar ist auf Platten isotroper Krystalle, werden die auf dem Goniometer 
justirte Platte und das Beobachtungsfemrohr so lange gegen einander verschoben, 
bis der beleuchtete und vom Object reflectirte Spalt vom Nicol vollständig aus- 
gelöscht wird. Man stellt das Fernrohr einmal auf den Reflex, ein ander Mal direct 
auf den Spalt ein. Wenn a der Winkel der totalen Polarisation ist , so entspricht 
der gemessene Winkel 180 — 2 a. Der Br.-I. n ist gleich tg a. 

Trotz der ihr anhaftenden Mängel erweist die Methode sich als praktisch und 
bei ihrer schnellen Durchführbarkeit namentlich geeignet für stark brechende iso- 
trope Krystalle wie Diamant und Blende, sowie zur leichten ünt-erscheidung ge- 
schliffener Diamanten und sonstiger Edelsteine von Glasflüssen etc. 

3. mittelst Eintauchens in Flüssigkeiten von gleichem Br.-l. 
Sobald man Mineralpartikel in Flüssigkeiten eintaucht, verlieren die umrisse 

an Schärfe, und das um so mehr, je näher der Br.-I. der Flüssigkeit dem des 
Minerals liegt. 

Darauf gründet sich eine von Schhoeder van der Kolk angegebene Methode, 
die im Princip darin besteht, dass man den fraglichen Mineralsplitter oder Dünn- 
schliff nach einander mit Flüssigkeiten von verschiedenem , aber bekanntem Br.-I. 



Optische Eigenschaften anisotroper Substanzen. 161 

umhüllt, bis die Contouren verschwinden. Vergl. SchbOder van der Kolk, Kurze 
Anleitung zur mikroskopischen Krystallbestimmung. Wiesbaden 1898 und Derselbe, 
Tabellen zur mikroskopischen Bestimmung der Mineralien nach ihrem Brechungs- 
index. Wiesbaden 1900. 

Capitel IV. 

§ 1. Polarisation und Doppelbrechung. § 2. Princip und Zweck der 

Polarisationsinstramente. § 3. Farben dünner Bl&ttchen. § 4. Herstellung 

von Polarisationsapparaten. Instrumente für paralleles und convergentes 

Licht. § 5. Stauroskop und stauroskopische Untersuchungen. 

§ 1. Wie wir S. 150 gesehen haben, ist der Brechungsindex in 
isotropen Krystallen eine constante Zahl, während er in anisotropen 
Ejrystallen zwischen 2 Grenzwerthen je nach der Durchgangsrichtung 
des Lichtes alle möglichen Werthe annehmen kann. 

Wenn ein Strahl gewöhnlichen Lichtes auf einen anisotropen Kry- 
stall föUt, so werden die bisher in allen Azimuthen vor sich gehenden 
Lichtschwingungen bei ihrem Eintritt in das anisotrope Medium auf ver- 
schiedene Brechbarkeit stossen. Wie die Erfahrung und die theoretische 
Herleitung lehren, setzen sich die Schwingungen nun nicht mehr in allen 
Azimuthen fort, sondern beschränken sich auf 2 Ebenen, nämlich jene 
beiden, in welchen die Brechbarkeit senkrecht zu der Fortpflanzung ihren 
grössten und ihren kleinsten Werth hat. Diese beiden Ebenen, die die 
engste Beziehung zur geometrischen Symmetrie des Krystalls aufweisen, 
stehen senkrecht auf einander und heissen optische Hauptabschnitte. 
Daraus ergeben sich 2 fundamentale Eigenschaften der optisch aniso- 
tropen Substanzen. 

1. Durch anisotrope Substanzen wird das Licht in 2 auf 
einander senkrechten Richtungen vollständig polarisirt. 

2. Anisotrope Substanzen erzeugen Doppelbrechung. 

Denn weil die Schwingungen in 2 Ebenen vor sich gehen, in denen verschie- 
dene Geschwindigkeit herrscht, so muss der Brechungswinkel r für denselben Strahl 
in beiden Schwingnngsrichtungen verschieden sein, d. h. der zu Anfang einfache 
ätrahl zerföllt im anisotropen Medium in 2 gesonderte. 

Durch die beiden mit einander verknüpften Eigenschaften der 
Polarisation und Doppelbrechung sind die anisotropen Substanzen gut 
charakterisirt ; sie liefern das Mittel zur Unterscheidung der anisotropen 
von den isotropen Krystallen. 

Am auffalligsten zeigt sich die Erscheinung der Doppelbrechung 
am rhomboedrischen Ealkspath (daher auch Doppelspath genannt), an 
welchem sie von Ebasmus Bartholin 1669 zuerst entdeckt wurde und 
wo sie wegen des grossen Unterschiedes der Br.-Indices (für die Linie D 
nach Sabasin in der Richtung der Hauptaxe «= 1,6583, in der Rich- 

Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 11 



162 



Princip der Polarisationsapparate. 



Fig. 294. 



tung senkrecht zur Hauptaxe n = 1,4864) ^ ohne weitere HQlfsmittel 
erkennbar wird. Auch durchsichtige Stücke des rhombischen Schwefek 
zeigen direct wahrzunehmende Doppelbrechung. 

Durchweg ist jedoch der Unterschied der Br.-Indices in den ver- 
schiedenen Richtungen so unbedeutend, dass bei einer einmaligen Brechung 
die beiden Strahlen so nahe zusammenfallen, dass das blosse Auge sie 
nicht von einander zu trennen vermag. Alsdann gewährt aber die be- 
gleitende Erscheinung der Polarisation einen Rückschluss auf das Vor- 
handensein von Doppelbrechung und damit auch das Mittel zur Er- 
kennung ansitroper Medien. 

Allerdings vermag auch das blosse Auge polarisirtes Licht nicht 
unmittelbar zu erkennen ; doch gelingt dies leicht mit Hülfe besonderer 
Instrumente, der Polarisationsapparate. 

§ 2. Princip der Polarisationsapparate. — Wenn (Fig. 294) 
ein Lichtstrahl bezw. ein Bündel paralleler Strahlen (in der Fig. 294 
durch den Eintrittspunkt o dargestellt), dessen Schwingungsebene durch 
aa, und dessen Intensität (Amplitude) durch die 
Länge oÄ = Ä gegeben sind, durch eine ani- 
sotrope Platte hindurchgeht, so erfolgt, falls die 
Platte nicht senkrecht zur optischen Axe geschnit- 
ten ist, eine Zerlegung nach den beiden durch 
den elliptischen Schnitt der zugehörigen Index- 
fiäche gelieferten Schwingungsebenen derselben. 
Diese seien op und og, von denen op den Win- 
kel y, oq demnach den Winkel 90 — f mit oa 
einschliessen mögen. Auf die Schwingungsebene op 
entfallt demnach 

die Intensität oP^= A ,cos y, während für o q 
die Intensität oQ = Ä . sinf ist. 
Wird das nunmehr in den beiden Ebenen op und o q schwingende 
Licht veranlasst, durch eine zweite Platte hindurchzugehen, die nur 
Schwingungen in der Richtung 6i,, welche senkrecht auf aa, steht, 
hindurchlässt, so findet eine abermalige Zerlegung statt, und zwar ent- 
fällt auf die Richtung o h 

die Intensität oP,^=oP, sin f = Ä.cosf.sinf 
und auf die Richtung ob, 

die Insensität oQ, = oQ.cos<p = Ä,sinf. cos y, 
d. h. nach dem Durchgange durch die zweite Platte ist die Intensität 
beider Schwingungen gleich gross, aber die Schwingungen erfolgen in 



.'^ 


/ i 
/ \ l 


"A 


"^^ 

Of 



') Am Qaarz liegen die beiden Br.-Indices nur zwischen 1,544—1,553. 



Optisches Verbalten isotroper und anisotroper Krjstallplatten. 163 

entgegengesetzten Richtungen. Sie können also nunmehr interferiren und 
werden sich völlig auslöschen, wenn beide Schwingungen oP, und oQ, 
auf dem Wege durch die Platte eine Differenz von ^'2 X erlangt haben. 
Andererseits zeigt sich aus den aufgestellten Gleichungen, dass sowohl 
fQr y := 0, wie für y = 90® die Intensität in der Richtung 66, gleich 
Null wird, dass also kein Licht durch die zweite Platte hindurchtritt. — 
Die unter den geschilderten Verhältnissen eintretenden Interferenzerschei- 
nungen anisotroper Platten sind es nun, die deren Erkennung als polari- 
sirende und doppelbrechende Medien sehr leicht machen. 

Vorrichtungen, durch die gewöhnliches Licht auf eine einzige 
Schwingungsebene gebracht, also polarisirt wird, heissen Polarisations- 
apparate. Dieselben setzen sich aus 2 gleichen und gleich wirkenden 
Theilen, dem Polarisator und dem Analysator zusammen. Beim Ge- 
brauch werden beide gekreuzt, d. h. ihre Schwingungsebenen senkrecht 
zu einander gestellt und die zu untersuchende Erystallplatte zwischen beide 
geschoben. Der Polarisator wandelt das in ihn eintretende Licht in polari- 
sirtes um. Dieses passirt die Erystallplatte, wobei sich seine Schwingungen 
im Allgemeinen nach 2 neuen Richtungen zerlegen, die alsdann aber 
durch den gekreuzt stehenden Analysator auf eine einzige Schwingungs- 
ebene zurückgeführt werden und somit zur Interferenz gelangen. 

Oehört die zu untersuchende Erystallplatte einem isotropen Mineral 
an, so wird bei jeder beliebigen Orientirung der zwischen senkrecht ge- 
kreuzten Polarisator und Analysator geschobenen Platte das aus dem 
Polarisator kommende Licht mit derselben Schwingungsebene auch durch 
das Mineral hindurchgehen, nun aber, da f = 90 ® geworden, nicht mehr 
vom Analysator hindurchgelassen. Ein isotroper Erystall wird also 
in jeder Lage bei senkrecht auf einander stehendem (gekreuz- 
tem) Polarisator und Analysator dunkel erscheinen. 

Wenn dagegen eine anisotrope Platte eingeschoben war, so wird 
nur für den Fall, dass deren Schwingungsrichtungen so orientirt sind, 
dass y = oder y = 90® ist, Auslöschung stattfinden, in allen anderen 
Stellungen wird die Platte Licht hindurchlassen. Anisotrope Ery- 
stalle werden daher bei gekreuztem Polarisator und Analy- 
sator während einer vollen Umdrehung von 360® viermal 
dunkel erscheinen, dazwischen aber hell. 

Die oben für senkrecht gekreuzte Polarisator und Analysator abgeleiteten 
Gleichungen bilden nur einen speciellen, aber in der Praxis allgemein angewendeten 
Fall des allgemeineren, dass beide unter dem beliebigen Winkel (|< gekreuzt sind. 
Alsdann wird die Intensität in der Richtung oh = Ä , cos^ , coh (t^ — (]/) und in der 
entgegengesetzten Richtung ob,= A.8inf. sin (9 — tj')* ^^^ Interpretation dieser 
Gleichungen ergiebt, dass für keinen anderen Werth von ^ als 90® die Intensität 
gleich Null wird» d. h. bei beliebig gekreuztem Polarisator und Analysator tritt 
weder für isotrope noch anisotrope Medien jemals völlige Dunkelheit ein. 



154 Farben dünner Blättchen. 



§ 3. Farben dünner Blättchen (Interferenzfarben). Wenn 
an Stelle des bisher vorausgesetzten homogenen Lichtes weisses Licht 
bei gekreuztem Polarisator und Analysator senkrecht durch ein dünnes 
planparalleles Mineralblättchen fällt, so wird zwar auch für y = ° und 
90 ® völlige Dunkelheit eintreten müssen, für jeden anderen Werth von s 
aber erscheint das Blättchen nicht bloss hell, sondern auch farbig. 

Denn die einzelnen Farben des weissen Lichtes werden bei ihrem 
Weg durch das Krystallblättchen mit der Doppelbrechung zugleich einen 
Oangunterschied erleiden müssen, der bei der Interferenz im Analysator 
dazu führt, dass einzelne Farben sich verstärken, andere sich schwächen 
oder ganz aufheben. Erleiden für eine bestimmte Dicke der Platte etwa 
die rothen Strahlen einen Gangunterschied von einer ungeraden Anzahl 
halber Wellenlängen, so werden dieselben völlig ausgelöscht, die dem 
Roth nahe liegenden Farben werden geschwächt, während die violetten 
Strahlen, die mehr oder minder einen Oangunterschied von einer geraden 

Anzahl y erfahren haben, sich verstärken und nun die Platte in einer 

Mischfarbe, in der das Violette vorwiegt, erscli einen lassen. 

Da die Intensität am grössten ist für ^ = 45^, so wird dann auch 
die Farbe der Platte am leuchtendsten sein, während fllr y, wenn es 
sich ^ oder 90 ^ nähert , eine Abnahme in der Intensität der Färbung 
eintritt bis zur völligen Verdunklung bei 0° und 90 ^ 

Während durch Veränderung von f nur eine Aenderung der In- 
tensität erfolgt, wechselt bei einer Veränderung des Winkels zwischen 
Polarisator und Analysator auch die Farbe des Blättchens. Sind Polari- 
sator und Analysator mit einander parallel, so weist das Blättchen die 
Complementärfarben zu jenen der Kreuzstellung auf, da dann gerade die 
Farben verstärkt werden, die zuvor geschwächt oder aufgehoben wurden. 

Ebenso ändern sich die Farben mit der Dicke der Platte, da von 
derselben der Gangunterschied abhängt. Gypsplättchen von 0,13 mm 
erscheinen purpur, von 0,14 mm blau, von 0,16 mm grün und von 
0,18 mm roth. 

Wenn demnach die zu untersuchende dünne Platte nicht von 
parallelen, sondern von convergirenden Flächen begrenzt wird, also un- 
gleich dick ist, so müssen sich bei Anwendung weissen Lichtes die 
Interferenzfarben streifenweise wiederholen und bei homogenem Licht 
dunkle Banden mit helleren abwechseln. Ist die Platte aber planconvex 
oder biconvex, so folgen die Interferenzfarben bezw. die hellen und 
dunkleren Banden in concentrischer Reihenfolge auf einander. 

Derselbe Effect, der hervorgebracht wird, wenn parallele Strahlen 
in keilförmigen Platten verschiedene Weglängen zu durchlaufen haben, 
lässt sich auch dadurch erzielen, dass durch ein Linsensystem (Condensor) 



Interferenzfiguren. Herstellung der Polarisationsapparate. 165 

stark convergent gemachte polarisirte Lichtstrahlen eine planparallele 
Platte durchziehen. Die dabei entstehenden farbigen Ringe bei An- 
wendung weissen Lichts, dunklere und hellere Ringe bei Anwendung 
homogenen Lichts heissen Interferenzfiguren; sie dienen, wie wir 
später sehen werden, zur Unterscheidung der optisch einaxigen von den 
optisch zweiaxigen Erystallen. 

Der zur Auslöschung einer Farbe benöthigte kleine Qangunter- 
schied setzt entsprechend dünne Platten voraus. Bei dickeren Platten 
tritt für Farben der verschiedensten Wellenlängen Interferenz bis zum 
völligen Auslöschen ein, sodass die Platte, deren Färbung ja aus der 
Vermischung der nicht aufgehobenen Wellenlängen hervorgeht, wieder 
in weissem Licht erscheint, das als Weiss höherer Ordnung be- 
zeichnet wird. Dieses Weiss höherer Ordnung tritt um so früher auf, 
je stärker die Doppelbrechung in der Platte ist, doch auch schon beim 
Quarz, der relativ schwach doppelbrechend ist, zeigen Platten von 0,5 mm 
Dicke keine Farben mehr. 

Die Farben dünner Plättchen sind um so intensiver, jemehr die Br.-Indices in 
den beiden Hauptschnitten derselben von einander abweichen; es kann also unter 
Umständen — und der Fall ereignet sich bei Dannschliffen häufiger — ein und das- 
selbe Mineral, je nach der Lage des elliptischen Schnitts in der Platte, stark leuch- 
tende oder matte Farben zeigen. Im letzteren Fall und ebenso bei jenen Mineralien, 
die überhaupt nur schwache Doppelbrechung besitzen, vermag das Auge nicht immer 
den Unterschied von einfach und doppelbrechenden Substanzen zu erkennen, und es 
bedarf daher einer Verstärkung des farbigen Effectes. Man fügt- dann noch eine 
andere anisotrope Platte hinzu, die im Polarisationsapparat eine bestimmte Farbe 
zeigt, welche empfindlich genug ist, um bei der geringsten Aenderung ihrer Orien- 
tirung zu den Nicolhauptschnitten in eine andere Farbe überzugehen. 

Als derartige Platten werden benutzt Gjpsplatten von der Dicke, dass das 
Roth I. Ordn. sichtbar ist, oder eine Quarzplatte, die auf die Sensitivfarbe eingestellt 
ist (8. Cap. V, § 5). 

§ 4. Herstellung der Polarisationsapparate. Durch die 
in § 2 im Princip und nach ihrer Wirkung erläuterten Instrumente wird 
also eine Erkennung der doppelbrechenden Substanzen herbeigeführt. 
Es handelt sich nunmehr um das Verfahren, nach welchem Polarisatoren, 
d. h. Apparate hergestellt werden können, die das eintretende gewöhn- 
liche Licht in polarisirtes umwandeln. 

Solche Polarisatoren können in verschiedener Weise gewonnen werden. 

1. durch Reflexion. 

Spiegelnde Flächen, unter dem Polarisationswinkel gegen die einfallenden 
Lichtstrahlen aufgesteUt, refiectiren in einer Richtung senkrecht auf der Einfalls- 
ebene schwingendes Licht. (Ursprünglicher NöRRBiCBiRo'sche Apparat.) Gewöhnlich 
bedient man sich dazu eines Glasplattensatzes, der durch wiederholte Reflexion 
an den auf einander geschichteten Platten das auffallende Licht am sichersten in 
polarisirtes überführt. 



166 Herstellong der Polarisationsapparate. 

2. durch Brechung. 

Das Licht fällt durch ein Packet auf einander geschichteter Glasplatten , wo- 
durch es in Folge wiederholter Brechung vollständig polarisirt wird und in derEin- 
fallsebene schwingt. (Sterg^s Abänderung des NOrremberg.) 

3. durch Absorption. 

Es giebt eine Reihe anisotroper Krystalle, die eine der beiden in ihnen fort- 
schreitenden Wellen beträchtlich stärker absorbiren (s. Cap. VI, § 4. Pleochroismus). 
Am auffälligsten ist dieses Verhalten bei dunkel gefärbten Turmalinen. Eine Platte 
desselben parallel zur Hauptaze absorbirt die ordentliche Welle vollständig, während 
die ausserordentliche ungehindert hindurchgeht. Die austretenden Schwingungen er- 
folgen parallel der Hauptaze. Turmalinzange (2 derartige Turmalinplatten sind 
drehbar in den ringförmig umgebogenen, sich gegenüberstehenden Enden einer aiu 
dickem Draht federnd gebogenen Zange gefasst). 

4. durch Totalreflexion. 

Aus einem klaren Spaltungsrhomboeder des Kalkspaths, bei dem jede Fläche 
mit der nicht in ihrer Ebene liegenden stumpfen Kante einen Winkel von 71° bildet, 
wird dieser Winkel durch Abschleifen der Fläche auf 68 ® erniedrigt, 
Fig. 295. sodass im Querschnitt (Fig. 295) der Rhombus AB CD gebildet wird, 
in welchem bei A der Winkel von 68^ Hegt; alsdann wird das 
Rhomboeder so durchschnitten, dass die Schnittlinie senkrecht auf 
den künstlichen Flächen AB und CD steht, die beiden Hälften 
werden aber in derselben Lage mit Canadabalsam wieder an einander 
gekittet. Der Br.-I. des Balsams (n = 1,549) ist kleiner als der des 
ordentlichen (u> = l,658)i grösser als der des ausserordentlichen Strahls 
(t = 1,488 für Strahlen senkrecht zur Hauptaze); in Folge dessen 
wird beim Durchgange des Lichtes der ordentliche Strahl an der 
optisch dünneren Balsamschicht total reSectirt und durch die ge- 
schwärzten Seiten des Prismas absorbirt. 

Die Schwingungen des austretenden ausserordentlichen Strahls 
liegen im Hauptschnitt, d. h. erfolgen parallel der kürzeren Diagonale 
der das Prisma oben und unten begrenzenden Rhomben. Nicol- 
sches Prisma oder Nicol (1828). 

Die Vortheile der Nicols vor allen übrigen Polarisatoren bestehen 
in der bequemen Form und im ungefärbten Licht, daher werden sie fQr 
mineraloptische Untersuchungen fast ausschliesslich angewendet. Durch 
etwas veränderte Constructionen lassen sich auch die Mängel des kleinen 
Gesichtsfeldes und der schrägen Stellung der Fläche ÄB^ welche einen 
Theil des einfallenden Lichtes von vornherein reflectirt, beseitigen (Nicol 
von Habtmann-Pbazmowski). 

Durch die Verbindung zweier Polarisatoren mit einander, zumeist 
zweier Nicols, von denen der eine als Polarisator, der andere als Analy- 
sator wirkt, wie in Fig. 296 oder durch Verbindung eines reflectirenden 
Olasplattensatzes als Polarisator mit einem Nicol als Analysator wie in 
Fig. 297, erhält man ein Polarisationsinstrument, das neben der Fest- 
stellung etwaiger Doppelbrechung noch zu vielen anderen krystalloptischen 
Untersuchungen dient. Da Platten anisotroper Mineralien charaktieristische 




Polarisationsinstramente. 



167 



Interferenzfiguren erzeugen, wenn man sie im convergent polarisirten 
Licht betrachtet, so werden neben Polarisationsapparaten, in welchen die 
Lichtstrahlen möglichst parallel ihren Weg durch das Instrument nehmen, 
auch solche gebraucht, in 

welchen die Lichtstrahlen Fig. 296. 

sehr stark convergirend durch 
das zu untersuchende Object 
gehen. Damit wird nämlich, 
wie schon S. 164 hervorge- 
hoben wurde, dasselbe er- 
reicht, als wenn die Platte die 
verschiedenste Dicke hätte : 
es müssen also farbige Gurven 
auftreten. — Somit hat man 
ein Polarisationsinstrument 
für paralleles und ein solches 
für convergentes Licht zu 
unterscheiden. 

1. Polarisations- 
instrument für paral- 
leles Licht. Fig.296j rechts. 

Das Stativ A trägt ver- 
mittelst der beiden verschiebbaren 
Arme B und C die beiden Messing- 
tuben g und y. 

In g sitzt drehbar eine wei- 
tere Röhre f, in welcher sich die 
beiden Linsen e und e, und zwi- 
schen diesen in deren Brennweite 
das polarisirende Prisma p be- 
finden, wodurch die vom Spiegel S 
durch den Nicol fallenden Licht- 
strahlen polarisirt und parallel 
gemacht werden. 

üeber den Rand des Rohrs 
bei h lässt sich eine Hülse / stül- 
pen, deren gläserne Deckplatte als 
Objectträger dient, und deren 
Drehung um die Verticalaxe auf 
dem fest stehenden Noniuskrois h 
bei i abgelesen werden kann. 

In dem Tubus y befindet sich ebenfalls ein Einsatzrohr z, über welchem dreh- 
bar der analysirende Nicol q steht, dessen Orientirung auf einer Rreistheilung bei t 
bewirkt werden kann. — Um den einzelnen in einander geschobenen Röhren eine 
feste Stellung zu einander geben zu können, sitzen an demselben Anschlagringe bei z' 




I 



168 



PolarisatioQsinstrumeiit für convergentes Licht. 



Fig. 297. 



und f,, von denen einer unter dem Instrument besonders abgebildet ist. Die wei- 
teren Einzelheiten der Figur dienen für die stauroskopische Untersuchung und finden 
dort ihre Besprechung. 

2. Polarisationsinstrument für convergentes Licht 
Flg. 296, /mite. 

Für die Untersuchung im convergenten Licht dient dasselbe Instrument mit 
der Abänderung, dass dem unteren Tubus oberhalb der Linse e, ein System (Con- 
densorsystem) von 4 Sammellinsen (ii) eingefügt ist, während das Rohr Z durch das 
Rohr h ersetzt ist, das ebenfalls 4 Sammellinsen (o) und ausserdem in besonderer 

Fassung v die Ocularlinse t tragt Durch 
die Linsensysteme n und o wird stark con- 
vergirendes Licht erzeugt ; durch Abschrau- 
ben einzelner Linsen kann jedoch auch die 
Brennweite vergrössert werden. Innerhalb 
der Brennweite von o befindet sich noch 
ein Glasmikrometer (unmittelbar über o). 
Bei z kann ein zur Bestimmung des Charak- 
ters der Doppelbrechung dienender Quarz- 
keil oder ein Viertelundulationsglimmer- 
blättchen, von denen später die Rede sein 
wird, eingeführt werden. — 

Dem eben geschilderten Instrument 
entspricht in der Hauptsache das in der 
Fig. 297 dargestellte, das aber einige prak- 
tische Verbesserungen namentlich eine Ver- 
grösserung des Gesichtsfeldes aufweist Es 
ist für convergentes Licht eingerichtet; das 
dazu erforderliche Condensorsyatem befindet 
sich in der in r steckenden Röhre c, kann 
aber durch Ausschaltung des Condensor- 
Systems für paralleles Licht umgewandelt 
werden. In dem abhebbaren Rohrstutzen z 
ist eine Linse gefasst, welche dazu bestimmt 
ist, das Sehfeld möglichst gleichmässig zu 
erleuchten. Die Fassung dieser Linse ist 
von derjenigen des Condensors getrennt, um 
durch Auflegen auf dieselbe bequem far^ 
bige Gläser oder sonstige Lichtfilter und 
. femer Glimmerblättchen in den Strahlen- 
gang einschieben zu können. An Stelle des 
unteren Nicols fungirt ein reflectirender Glasplattensatz als Polarisator. 

Das petrographischen Zwecken dienende Mikroskop, das mit 2 Nicols aus- 
gerüstet ist, von denen der Analysator abnehmbar ist, während der Polarisator in einer 
Hülse unterhalb des drehbaren und mit Th eilkreis versehenen Objecttisches sitzt, 
gestattet die Verwendung als Instrument für paralleles Licht ohne Weiteres. Um 
es auch für die Beobachtung im convergenten Licht gebrauchen zu können, wird 
das Ocular entfernt und auf den unteren Nicol eine Linse (Condensorlinse) aufge- 
setzt Zur Vergrösserung der Bilder dient eine über dem Objectiv eingeschaltete 
Linse, die BsRTRAND^sche Linse. 




Stauroskopiscfae üntersnchongen. Gerade und schiefe Auslöschung. 169 

§ 5. üeber die vielfältige Anwendung der beiden Polarisations- 
instrumente wird das folgende Capitel Näheres bringen, hier bei der 
allgemeinen Besprechung der Instrumente ist aber zuvor noch die An- 
wendung des Polarisationsapparates fQr paralleles Licht als Stauro- 
skop zu erörtern. 

Durch die Beobachtung im parallelen Licht wird es möglich, die 
sogen. Auslöschungsschiefe zu bestimmen, d. h. den Winkel, den die 
Hauptschnitte einer Erystallplatte mit einer in derselben gelegenen Kante 
machen. Derartige Untersuchungen heissen stauroskopische und 
können unter anderem zur Bestimmung des Krystallsystems dienen in 
Fällen, wo dies aus Mangel geometrischer Begrenzung nicht möglich ist. 
Das gilt namentlich für petrographische Untersuchungen, bei welchen 
die Mineralien nur in Dünnschliffen vorliegen. 

Nach § 2 findet dann in einer Krystallplatte völlige Auslöschung 
statt, sobald die Schwingungsrichtungen der Nicols, deren Lage durch 
das Fadenkreuz markirt wird, zusammenfallen mit den Polarisations- 
ebenen in der untersuchten Erystallplatte. Somit ist es wenigstens im 
Princip eine einfache Aufgabe, die Lage der Schwingungsrichtungen 
einer anisotropen Erystallplatte zu ermitteln und diese durch Beziehung 
auf geradlinige umrisse der letzteren oder auf hindurchgehende Spalt- 
risse zahlenmässig auszudrücken. Ist der Winkel oder 90^, den die 
Nicolfaden mit geradlinigen Umrissen oder Spaltrissen der Erystallplatte 
in dem Augenblick bilden, wo das Maximum der Auslöschung eintritt, 
80 nennt man diese eine gerade Auslöschung, andernfalls eine 
schiefe Auslöschung. 

Die Bestimmung des Auslöschungswinkels ist deshalb von beson- 
derer Wichtigkeit, weil die Polarisationsebenen enge Beziehungen zu der 
geometrischen Symmetrie des Erystallsystems der Erystallplatte auf- 
weisen ; sie fallen mit den Symmetrielinien der Erystallplatte zusammen. 
Daher ergiebt sich im Besonderen die Möglichkeit, innerhalb der optisch 
2-axigen Erystallsysteme , wo die vorhandenen Symmetrieebenen ver- 
schiedene Orientirung zu den Polarisationsebenen haben, auf optischem 
Wege eine Unterscheidung zwischen den Erystallen des rhombischen, 
des monoklinen und des triklinen Systems zu treffen. Im rhombischen 
System fallen die 3 Axenebenen mit Polarisationsebenen zusammen, daher 
wird auf allen Pinakoiden und Prismen die Auslöschung eine gerade 
sein; im monoklinen System ist nur noch die Auslöschung der in der 
Zone der Orthoaxe liegenden Flächen bezw. Erystallplatten eine gerade 
und im triklinen System giebt es überhaupt nur schiefe Auslöschungen. 

Da die schiefe Auslöschung auf correspondirenden Erystallflächen 
der gleichen Mineralspecies nur innerhalb gewisser Grenzen zu schwanken 
pflegt, so dient der Auslöschungswinkel nicht selten zur bequemen Unter- 



170 Bestimmung des Auslöschungswinkels. Halbschattenapparate. 

Scheidung sonst ähnlicher Mineralien , wie es z. B. beim Augit und der 
Hornblende der Fall ist. 

Da ferner die Auslöschungsschiefe abhängt von der chemischen 
Constitution, so findet sie auch mit Vortheil Verwendung bei der Er- 
kennung und Auseinanderhaltung der einzelnen Glieder isomorpher Reihen 
im monoklinen und triklinen System; den ausgezeichnetsten Gebrauch 
macht man davon bei den Mineralien der Plagioklasgruppe. 

Endlich dienen die genannten Untersuchungen auch zur sicheren 
und schnellen Erkennung von Zwillingen bezw. des Zwillingsbaues aniso- 
troper Erystalle. Die einzelnen Individuen eines Zwillings sind natur- 
gemäss, wenn derselbe in Plattenform zwischen gekreuzte Nicols gebracht 
wird, gegen deren Schwingungsebenen verschieden orientirt, werden 
daher verschiedene Interferenzfarben aufweisen, oder bei Dunkelstellung 
eines Individuums wird das anstossende in Zwillingsstellung befindliche 
Individuum mehr oder minder erhellt erscheinen. So erkennt man mit 
einem Blick die Zwillingsstructur der Plagioklase und des Leucits u. a. M. 
zwischen gekreuzten Nicols, wo dies sonst äusserlich nicht immer leicht ist. 

Zur sicheren Bestimmung der geraden oder schiefen Auslöschung 
und genauen Messung des schiefen Auslöschungswinkels kommt es wesent- 
lich darauf an, dass der Eintritt des Maximums der Dunkelheit scharf 
erkannt wird. Da die Lichtintensität bei der Drehung der Objectplatte 
allmählich abnimmt und ebenso wieder zunimmt, so hängt die Beurtheilung, 
ob das Maximum der Dunkelheit gerade eingetreten ist, viel vom sub- 
jectiven Ermessen ab. Um sich in dieser Beziehung unabhängig und 
die Auslöschung fUr das Auge deutlich wahrnehmbar zu machen, hatt« 
V. KoBKLL (1855) dem Instrumente eine senkrecht zur optischen Axe 
geschnittene Ealkspathplatte beigegeben, deren Interferenzfigur, ein 
schwarzes Kreuz (daher der Name Stauroskop) zwischen concentrischen 
Farbenringen, vollständig symmetrisch erschien, sobald die Hauptschnitte 
der Nicols mit denen der Platte genau zusammenfielen, aber bei einer Ab- 
weichung in ihrer Symmetrie sofort gestört war. Diese Vorrichtung genügt 
aber nicht völlig der Anforderung, ebenso wenig wie die von Brbzina 
angegebene Doppelplatte, bei der 2 keilförmig geschliffene Ealk- 
spathplatten über einander liegen. Weitaus sicherer wirken die sogen. 
Halb Schattenapparate, die auf der ungleichen Lichtintensität nicht 
symmetrisch zu den Schwingungsrichtungen der Nicols gestellter Zwillinge 
beruhen. Hierher gehört die GALDERON^sche Platte, die aus einem 
künstlichen, plangeschliffenen Ealkspathzwilling besteht, dessen beide 
Hälften bei der geringsten Abweichung der Nicolhauptschnitte von denen 
der zu untersuchenden Objectplatte deutlich verschiedene Lichtintensität 
aufweisen. Ganz analog wirkt die BERTRAND^sche Platte, ein künstlicher 
Quarzvierling, aus 2 rechts- und 2 linksdrehenden Individuen zusammen- 



Optische EintheiluDg der Erystalle. 171 

gesetzt, bei der die mangelnde Coincidenz zwischen den Polarisations- 
ebenen der Nicols und der Objectplatte sich durch verschiedene Färbung 
der 4 Felder zu erkennen giebt. 

Alle die genannten Apparate werden entweder mit dem oberen 
Nicol des Oculars fest verbunden oder sie werden einfach dem oberen 
Ocular aufgelegt. 

Bei dem auf S. 167 u. 168 geschilderten PolarisationsiDstrument (cf. Fig. 296, 
rechts) geschieht die Verbindung der stauroskopischen Platten mittelst der Überge- 
schobenen Hülse h, m ist die Platte, a und ß sind 2 Diaphragmen. Damit die Er- 
scheinung gut sichtbar ist, wird dem Analysator noch eine besondere Linse e in der 
Fassung d aufgesetzt. Die Messung der Auslöschungsschiefe wird dadurch erleichtert 
und genauer, dass die zu untersuchende Platte mit der charakteristischen Kante 
durch eine Feder gegen eine auf dem Objectträger befindliche Leiste angepresst 
wird (cf. den besonders abgebildeten Objectträger oberhalb des Instrumentes in 
Fig. 296, rechts). Steht diese Leiste zuerst einem Nicol-Hauptschnitt parallel und 
wird nun dieselbe mit dem beweglichen Objectträger soweit herumgedreht, bis die 
beiden Hälften der CALDERON*schen oder sonstigen stauroskopischen Platte gleich- 
massig gefärbt sind, so entspricht diese Drehung der Auslöschungsschiefe, die nunmehr 
an dem feststehenden Theilkreis h abgelesen werden kann. 



Capitel V. 

§ 1. Emtheilung der Erystalle in 7 optische Klassen. § 2. Charakteristik 
der optisch isotropen Medien. § 8. Charakteristik der optisch einaxigen 

Erystalle. § 4. Charakteristik der optisch zweiaxigen Erystalle. 
§ 5. Die circularpolarisirenden Erystalle. § 6. Die optischen Anomalien. 

§ 1. Eintheilung der Krystalle in 7 optische Klassen. 
Während die Erystalle nach ihrer geometrischen Symmetrie in 32 Klassen 
zerfallen, lassen sich nach der Symmetrie ihrer optischen Eigenschaften 
nur 7 Klassen unterscheiden. FUr die Unterscheidung und Charakte- 
risirung derselben können ebenfalls Symmetrieebenen und Symmetrie- 
axen herangezogen werden, zu denen sich die optischen Eigenschaften 
symmetrisch gruppiren. Ausserdem kommt dafür noch die A x e der 
Isotropie in Betracht, das ist eine Richtung von der Eigenschaft, 
dass alle durch sie gelegten Ebenen gleiche Schnitte der Indexfläche 
bezw. des PßEsNEL'schen Ellipsoids erzeugen. 

Eine üebersicht über die 7 optischen Klassen folgt nachstehend: 

I. Abtheilung. Optisch isotrope Erystalle. 

Jeder Durchmesser der Indexfläche ist eine Axe der Isotropie. 
1. Klasse. Jede Ebene ist eine optische Symmetrieebene; jede 
Gerade ist eine optische Axe. Ausgezeichnet durch einfache Brechung. 



172 Optische Eintheiluog der Erystalle. 

2. Klasse. Keine optische Symmetrieebene, dagegen ist jede 
Gerade eine optische Axe. Ausgezeichnet durch Gircularpolarisation. 

n. Abtheilung. Optisch anisotrope Krystalle. 

A. Optisch einaxige Krjstalle« 

Mit einer Axe der Isotropie, die mit der optischen Axe zu- 
sammenfällt. 

3. Klasse. Jede durch die optische Axe hindurchgehende, sowie 
die auf ihr senkrecht stehende Ebene ist optische Symmetrieebene. 

4. Klasse. Keine optische Symmetrieebene. Ausgezeichnet durch 
Gircularpolarisation in der Richtung der optischen Axe. 

B. Optisch Kweiaxige Krystalle. 

Ohne Axe der Isotropie. 

5. Klasse. 3 senkrecht auf einander stehende optische Symmetrie- 
ebenen, deren Durchschnitte 3 Symmetrieaxen geben. 

6. Klasse. 1 optische Symmetrieebene und 1 darauf senkrechte 
Symmetrieaxe. 

7. Klasse. Keine optischen Symmetrieebenen und keine Sym- 
metrieaxen. 

Die Bedeutung der vorstehend aufgeführten 7 Klassen, die nach 
ihrem optischen Verhalten scharf unterschieden sind, liegt darin, dass 
sie mit bestimmten geometrischen Symmetrieklassen correspondiren und 
somit deren Erkennung auf optischem Wege bewirken lassen. So ent- 
sprechen die optischen Klassen 1 und 2 dem regulären System, die 
Klassen 3 und 4 entfallen auf die Krystalle des hexagonalen und tetra- 
gonalen Systems, Klasse 5 entspricht dem rhombischen, Klasse 6 dem 
monoklinen und Klasse 7 dem triklinen System. 

In der nachfolgenden Charakterisirung der optischen ' Abtheilungen 
und Klassen sind zunächst die 5 Klassen 1, 3, 5, 6 und 7 behandelt, 
weil diese fast die Gesammtheit der krystallisirten Mineralien umfassen. 
Die beiden circularpolarisirenden Klassen 2 und 4 finden unter den 
Mineralien nur Vertreter im Quarz und Zinnober; sie erscheinen daher 
gewissermassen als Ausnahmen; ihre Besonderheiten finden im § 5 
dieses Capitels Besprechung. 

Zur Beobachtung und Untersuchung der optischen Eigenschaften der Erystalle 
werden aus denselben durch Schneiden und Schleifen nach bestimmten Richtungen 
orientirte planparallele Platten oder durch Ausnützung der natürlichen Spaltflächen 
Spaltblättchen hergestellt. An Stelle dieser oft sehr umständlichen HersteUnngs- 
art ist unlängst von C. Klein (Üeber eine Methode, ganze Erystalle oder Bruchstücke 
derselben zu Untersuchungen im parallelen und im convergenten polarisirten Lichte 



I. Abth. Optisch isotrope Medien. 173 

zu verwenden. Sitzungsbericht d. kgl. Pr. Akad. d. Wiss. 1890, S. 847, siehe auch 
ibid. 1890, S. 703) ein weit allgemeineres und bequemeres Verfahren in Vorschlag 
gebracht und angewendet worden, welches auf dem Princip beruht, dass ganze Kry- 
stalle oder Bruchstücke derselben trotz relativ beträchtlicher Dicke und des Vor- 
handenseins verschiedener Begrenzung^flächen und Kanten die Wahrnehmung des 
optischen Verhaltens (Auslöschung, Interferenzfiguren, Lage der optischen Axen, 
optische Structur, Pleochroismus etc.) gestatten, sobald sie in ein Medium von nahezu 
gleichem Br.-I. getaucht sind, da dadurch die sonst hinderliche Totalreflexion be- 
seitigt wird. Als solche Medien empfiehlt Klein Canadabalsam (n = 1,536), Kalium- 
queeksilbeijodid (bei spec. Gew. = 3,16 ist fij> = 1,726, durch Verdünnung mit Wasser 
ist n zu erniedrigen), Methylei\jodid (bei 16^ C. ist tij) = 1,741; durch Benzol kann n 
erniedrigt werden). — Zur Ausführung wird der Krystall, so wie er ist, in der zu 
untersuchenden Stellung mit Wachs, zähem Canadabalsam etc. auf einem Object- 
träger fixirt, darüber der Abschnitt einer Glasröhre gestülpt und letztere mit einem 
passenden Medium aufgefüllt. 

§ 2. I. Abtlieiluug. Optiseli isotrope Medien. Hierher gehören 
alle regulär krystallisirenden Mineralien; ausserdem weisen auch die 
amorphen Substanzen das gleiche optische Verhalten auf. 

Da die wenigen circularpolarisirenden Substanzen dieser Abtheilung 
unter den Mineralien keine Vertreter haben, so deckt sich diese Ab- 
theilung mit Klasse 1. 

Die Indexf lache ist eine Kugel, d. h. die Brechungsindices bezw. 
Fortpflanzungsgeschwindigkeiten des Lichtes sind von der Richtung un- 
abhängig. Ein eintretender Lichtstrahl erleidet einfache Brechung, und 
für die Strahlen fläche folgt, dass dieselbe ebenfalls durch eine Kugel 
repräsentirt wird. 

Bei gekreuzten Nicols sowohl im parallel wie im convergent polari- 
sirten Licht herrscht bei jeder Orientirung der Krystallplatte Dunkel- 
heit. — Die Bestimmung des einen Brechungsindex erfolgt nach den 
auf S. 152 — 160 beschriebenen Methoden. 

Für die Unterscheidung amorpher Mineralien von regulär kry- 
stallisirten ist der Mangel oder das Vorhandensein krystallographischer 
Begrenzung und einer irgendwie beschaffenen Structur massgebend. 

Brechungsindices einiger regulär krystallisirenden Mine- 
ralien. Diamant. » = 2,407 (roth), = 2,417 (gelb), = 2.427 (grün). Zinkblende. 
«=: 2,341 (roth), = 2,869 (gelb). Flussspath. n - 1,435 (gelb). Steinsalz. « = 1,5442 
(gelb). Spinell, n = 1 ,72 (gelb). Alaun. « := 1,4563 (gelb). Granat (Pjrop). 
n = 1,79 (roth). 

§ 3. II. Abtheilung. Optisoh anisotrope Medien. Optisch ein- 
axige Ery stalle. Hierher gehören die Erjstalle des hexagonalen 
und tetragonalen Systems oder die oben genannten Klassen 3 und 4, 
Yon denen die Klasse 4 als circularpolarisirend hier aber zunächst ausser 
Betracht bleibt. Sie haben eine Axe der Isotropie, die mit der optischen 
Axe zusammenfällt. 



174 II. Abth. Optisch anisotrope Medien. Optisch einaxige Krystalle. 

A. Allgemeine Eigenschaften. 

In allen Richtungen tritt Doppelbrechung ein mit Ausnahme der 
einen Richtung der optischen Axe. 

Die Indexfläche ist ein Rotationsellipsoid, dessen Rotationsaxe 
mit der optischen Axe, d. h. der krystallographischen Vertical- oder 
Hauptaxe zusammenfallt. Nach S. 148 ist die Indexfläche geeignet zur 
Bestimmung der Brechungsindices bezw. der Geschwindigkeiten und der 
Schwingungsrichtungen eines in einem anisotropen Medium sich fort- 
bewegenden Lichtstrahles. Alle in einem solchen EUipsoid möglichen 
Schnitte stimmen darin überein, dass eine der beiden senkrecht auf ein- 
ander stehenden Axen constant ist, während die Grösse der anderen 
Axen Yon der Lage des Schnittes abhängt, sich also mit der Fort- 
pflanzungsrichtung des Lichtstrahls ändert. 

Daraus geht hervor, dass von den in allen anisotropen Richtungen 
auftretenden beiden Lichtstrahlen der eine parallel der allen Schnitten 
gemeinsamen Axe schwingt, demnach also mit constanter Geschwindig- 
keit fortschreiten muss, während der andere Strahl, der senkrecht zum 
ersten schwingt, je nach seiner Richtung eine wechselnde Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit annimmt. Immer aber besitzen alle Strahlen, die sym- 
metrisch um die Hauptaxe gruppirt sind, die gleiche Fortpflanzungs- 
geschwindigkeit. 

Der erste der beiden Strahlen heisst der ordentliche; er besitzt 
einen Br.-Index, welcher von der Richtung unabhängig ist und dem- 
jenigen des in der Richtung zur optischen Axe fortschreitenden, also 
senkrecht dazu schwingenden einfachen Lichtstrahls entspricht; der andere 
heisst der ausserordentliche Strahl ; die Grösse seines Br.-Index wechselt 
mit der Richtung; er erreicht einen gi*ö8sten oder kleinsten Werth in 
der Fortpflanzungsrichtung senkrecht zur optischen Axe und ist in allen 
mit Bezug zur Hauptaxe symmetrischen Richtungen der gleiche. 

Die Gestalt der Indexfläche ist bestimmt, sobald o), der Br.-Index 
des ordentlichen Strahles und e, der Br.-Index desjenigen ausserordent- 
lichen Strahles, der sich in der Richtung senkrecht zur optischen Axe 
fortbewegt, bekannt sind. Alle zwischen o) und e liegenden ausser- 
ordentlichen Br.-Indices folgen dann unmittelbar aus der Betrachtung der 
zugehörigen Indexfläche als deren jedesmaligen Radienvectoren. 

Je nachdem die Geschwindigkeit des ordentlichen Strahles o grösser 
oder kleiner ist, als die des ausserordentlichen Strahles e, unterscheidet 
man 2 Klassen von optisch 1-axigen Erystallen: 

optisch positive Krystalle o ]> e und somit a> <^ c und 
optisch negative Krystalle <[ C und somit w ]> e 

Da ein in der Richtung der optischen Axe sich fortpflanzender Strahl stets die 
Schwingungsrichtung und Geschwindigkeit ordentlicher Strahlen hat, so entspricht 



Optische Eigenschaften der einaxigen Erystalle. 



175 



in opiiscli positiven Krystallen die optische Axe der Richtung der grössten, in 
optisch negativen Krystallen der kleinsten Geschwindigkeit. Femer wird die I n d e x> 
fläche positiver Erystalle ein in der Richtung der optischen Axe verlängertes, in 
negativen Krystallen ein in gleicher Richtung verkürztes Rotationsellipsoid sein, 
während es für die Frxsnfl's Fläche @ gerade umgekehrt ist. 

Die Angabe, ob ein Erystall optisch positiv oder negativ ist, heisst 
dessen optische Charakteristik oder sein Sinn der Doppel- 
brechung. Die Methoden zur Bestimmung der optischen Charakteristik 
sind auf S. 178 f. näher beschrieben. Optisch positiv sind Quarz, Zirkon, 
Zinnstein, Eis etc., negativ Ealkspath, Apatit, Turmalin, Beryll, Sap- 
phir u. a. 

Strahlen fläche. Dieselbe besteht aus 2 Schalen, einer Kugel, 
der Oberfläche der ordentlichen Welle, und einem Rotationsellipsoid, der 
Oberfläche der ausserordentUchen Welle. In den optisch positiven Kry- 
stallen umhüllt die Kugel das Rotationsellipsoid, in den optisch negativen 
Krystallen umschliesst das Rotationsellipsoid die Kugel. In den Enden 
der Hauptaxe berühren sich beide 



Fig. 298. 



Fig. 299. 





Oberflächen. Fig. 298 stellt den 
Querschnitt eines positiven, Fig. 299 
den eines negativen Krystalls dar. 

Ans der Beschaffenheit der Index- 
fläche geht hervor, dass in jedem optisch 
einaxigen Medium sich 2 Wellen fortbe- 
wegen, von denen der einen, welches auch 

sonst ihre Richtung sein mag, eine constante Fortpflanzungsgeschwindigkeit zu- 
kommt, deren Oberfläche also nach der Zeiteinheit durch eine Kugel dargestellt 
wird. Das ist die ordentliche Welle. Dagegen muss die Oberfläche der anderen 
(ausserordentlichen) Welle bei ihrer variablen, aber zur Hauptaxe symmetrischen 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit ein Rotationsellipsoid sein. In der Richtung der opti- 
schen Axe ist die Geschwindigkeit beider Wellen gleich gross, an deren Enden 
müssen sich also beide Oberflächen .berühren. In den optisch positiven Krystallen 
ist die ordentliche Welle die schnellere, daher umschliesst die Kugel das EUipsoid, 
in den optisch negativen Krystallen ist es umgekehrt. 

B. Interferenzerscheinungen optisch einaxiger Kry- 
stalle bei gekreuzten Nicols. 

1. Erystallplatten im parallelen polariBirten Licht. 

a) Platten senkrecht zur optischen Axe. 

Die Platte bleibt in jeder Stellung während einer vollen Umdrehung 
Yon 360^ dunkel; sie verhält sich ganz wie eine isotrope Platte. 

Da in der Richtung der optischen Axe keine Zerlegung stattfindet, so setzt 
der mit der Schwingungsrichtung des unteren Nicols eintretende Lichtstrahl mit 



176 Optische Eigenschaften der einaxigen Krjstalle. 

gleicher Schwingungsrichtung seinen Weg durch die Platte fort, muss also von dem 
senkrecht stehenden Analysator ausgelöscht werden. 

Bei parallelen Nicols herrscht natürlich während der vollen ümdrehong 
Helligkeit. 

b) Platten schief zur optischen Axe. 

Bei einer vollen Umdrehung findet viermalige Auslöschung statt 
dazwischen ist die Platte erhellt und bei Anwendung weissen Lichtes 
gefärbt. 

Die Erklärung für diese Erscheinung ist Cap. IV § 2 u. 3 auf S. 163 f. 
gegeben. 

2. im convergenten polarisirten Licht. 

a) Platten senkrecht zur optischen Axe. 

Bei Anwendung homogenen Lichtes zeigt sich ein System dunkler 
concentrischer Ringe, durchzogen von einem schwarzen Kreuz, dessen 
Lage zusammenfällt mit den beiden Nicolhauptschnitten (Fig. 300). Im 
weissen Licht erscheinen dagegen concentrische farbige Ringe, die eben- 
falls von einem dunklen Kreuz durchzogen werden. 

Fig. 800. Fig. 301. 

Ulk 




iir 



4-M 



A' 



// ^ 



Eine Drehung der Platte um 360® verändert die Interferenzfigur 
in keiner Weise. 

Erklärung. Das aus dem unteren Nicol auf die Platte fallende Licht bildet 
in Folge seines Weges durch ein System von Zerstreuungslinsen ein Bündel diver- 
girender Strahlen, die unter verschiedenen Winkeln und in verschiedener Orientirung 
zu der optischen Axe der Krystall platte letztere durchziehen. — Der in der Rich- 
tung der optischen Axe verlaufende Strahl erleidet keine Doppelbrechung; er wird 
demnach vom oberen Nicol ausgelöscht und liefert im Verein mit allen nahezu 
parallelen Lichtstrahlen, die als solche eine entsprechende Lichtschwächung erfahren, 
das dunkle Centrum der Interferenzfigur. Alle übrigen Strahlen müssten sich nun 
in der Platte in 2 Schwingungscomponenten zerlegen, von denen — sobald man 
sich die gesammten Strahlen kreisförmig (in Kegelmänteln) auf die Platte auffallend 
denkt — die eine (ordentliche) tangential, die andere (ausserordentliche) radial 
schwingt. Da aber das Licht schon polarisirt in die Platte tritt, so wird für die 



Optische Eigenschaften der einaxigen Xrystalle. 177 

darauf senkrechte Schwingnngsrichtung der Platte die Componcnte gleich Null. 
Demnach entsteht ein dunkler Balken senkrecht zur Schwingungsrichtung des unteren 
Nicola. Aber ebenso muss parallel dazu ein dunkler Balken sich bilden, weil die 
Schwin^ngsrichtung des unteren Nicok sich in der entsprechenden Richtung der 
Platte unzerlegt fortsetzt und somit vom gekreuzten oberen Nicol ausgelöscht wird. 
Die Arme des dunklen Kreuzes verlaufen demnach in der Richtung der Nicolhauptschnitte. 

Die concentrischen dunklen Ringe der Interferenzfigur kommen dadurch zu 
Stande, dass die beiden Strahlen, in die ausser den bisher erwähnten alle Übrigen 
sich zerlegen, einen verschiedenen Weg durch die Platte nehmen und demgemäss 
einen Gangunterschied erleiden. Beim Austritt aus der Platte werden aber jedes 
Mal Strahlen verschiedener Schwingungsrichtung zusammentreffen, sodass sie ihren 
weiteren Weg zum Polarisator gemeinsam fortsetzen (s. Fig. 301, wo die Strahlen 
FH und DH nach ihrem Austritt zusammenfallen) und im Analysator zur Inter- 
ferenz gelangen. Darunter befinden sich nun auch in bestimmten Abständen und in 
concentiisch-ringfSrmiger Anordnung wiederkehrend solche mit einander interferirende 
Strahlen, deren Gangunterschied eine ungerade Anzahl halber Wellenlängen beträgt, 
die sich also bei der Interferenz ganz aufheben, demnach concentrische dunkle Ringe 
erzeugen. 

Bei Anwendung weissen Lichtes kann durch die Interferenz niemals 
völlige ringförmige Auslöschung des Lichtes eintreten, denn wenn auch z. B. an be- 
stimmter Stelle die violetten Strahlen ausgelöscht werden, so ist es an derselben 
Stelle für die übrigen Farben des angewendeten Lichts nicht der Fall. Es müssen 
im weissen Licht also farbige Ringe, sogen, isochromatische Curven, in der 
Reihenfolge der NewTON^schen Farben mit einander abwechseln. Das schwarze Kreuz 
bleibt jedoch erhalten. 

Anm. 1. Bei parallelen Nicols treten an Stelle des dunklen Kreuzes und der 
dunklen EUnge 2 helle Balken und helle Ringe; die farbigen Ringe bei Anwendung 
weissen Lichtes erscheinen in den complementären Farben. 

Anm. 2. Der Abstand der dunklen Ringe ändert sich mit der Farbe des au- 
fgewendeten homogenen Lichtes ; er ist geringer bei blauem als bei rothem Licht. — 
Femer hängt der Abstand der Ringe von der Dicke der Platte (bei Platten unter 
1 mnoL wird die Interferenzfigur im Allgemeinen nicht sichtbar, weil die Rin^e zu 
weit aus einander treten) und von der Stärke der Doppelbrechung ab. Je stärker 
die letztere ist, d. h. je grösser der Unterschied zwischen (u und t, um so enger 
werden die Ringe. 

Anm. 3. Die Interferenzfigur des Kalkspaths wurde zuerst von Brewster, 
WoLLASTON, BiOT uud Sebbbck (1813—1816) beobachtet; die Erklärung gab Airt 1830. 

b) Platten parallel oder schief zur optischen Axe. 

Die entstehende Interfereozfigur hat wenig praktisches Interesse. 
An Stelle der dunklen Ringe treten hyperbolische Streifensysteme. Das 
schwarze Kreuz rückt zur Seite und hinterlässt nur einen einzelnen Arm. 
Jedoch sind diese Interferenzerscheinungen nur in sehr dünnen Platten 
sichtbar; in dickeren erscheint das Weiss höherer Ordnung. 

C. Bestimmungsmethoden. 

a) Bestimmung der Brechungs-Indices. 

Dieselbe erfolgt nach den Gap. III § 4 beschriebenen Methoden 
mit der alleinigen Abänderung, dass es sich um die Bestimmung von 

Elockmann, Mineralogie. S. Aufl. 12 



178 Bestimm ung des Charakters der Doppelbrechung in einazigen Erystallen. 

2 Br.-Indices, o> und s handelt, dass also die Br.-Indices in bestimmten 
Richtungen gemessen werden müssen. 

1. mittelst Prismas und Beobachtung des Minimums der Ab- 
lenkung. 

Siehe S. 152 f. Die bequemste Art, an einem einzigen Prisma beide Br.-Indices 
zu erhalten, ist dann gegeben, wenn die brechende Kante desselben der Hauptaxe 
parallel läuft. Alsdann beobachtet man im Spectrometer unmittelbar das doppelte 
Bild des Spaltes, yon denen eines dem ordentlichen, das andere dem ausserordent- 
lichen Strahl angehört. Die Unterscheidung wird durch einen, dem Ocular vor- 
gesetzten Nicol bewirkt. Steht die Schwingungsebene des letzteren (kürzere Diagonale) 
parallel der Prismakante, so wird der ordentliche, steht sie zu ihr senkrecht, so 
wird der ausserordentliche Strahl ausgelöscht. 

Ein einziges Prisma reicht auch zur Bestimmung beider Indioes aus, wenn 
dessen brechende Kante senkrecht zur Hauptaxe steht und diese letztere den Winkel 
an der brechenden Kante halbirt. Von den beiden Spaltbildem giebt daq^ige. das 
durch den vorgehaltenen Nicol sichtbar bleibt, sobald dessen Schwingungsebene 
parallel der brechenden Kante liegt, den Index o>, während bei senkrechter Stellung 
des Nicols der Index t bestimmt werden kann. 

2. aus der Totalreflexion. 

Alle die auf S. 154 f. beschriebenen Methoden und Instrumente eignen sich zn 
diesem Zweck. — Nur wenn die Platte derartig orientirt ist, dass ihre optische Axe 
der reflectirenden Fläche parsllel läuft und senkrecht auf der Drehaxe des Instru- 
mentes steht, werden die auffallenden Strahlen ausschliesslich als ordentliche reflec- 
tirt ; eine solche Platte gestaltet somit nur die Bestimmung von a> ; bei jeder anderen 
Orientirung jedoch lassen sich beide Br.-Indices tu und t neben einander an derselben 
Platte bestimmen, da die Strahlen zur einen Hälfte als ordentliche, zur anderen als 
ausserordentliche reflectirt werden. Die Unterscheidung wird auch hier wieder wie 
bei 1. durch einen vorgesetzten Nicol bewirkt, sodass man nach einander beide 
Grenzen der totalen Reflexion einstellen kann. 

8. Auch die Methode des Herzogs von Chaulnes kann zur Bestimmung 
der beiden Br.-Indices nutzbar gemacht werden; es bedarf aber dazu 2 Platten, die 
eine parallel, die andere senkrecht zur optischen Axe. 

b) Bestimmung des Charakters der Doppelbrechung. 

Durch den Charakter der Doppelbrechung eines optisch einaxigen 
Krystalls wird angegeben, ob w <[ s (optisch positiv) oder o) ]> s (op- 
tisch negativ) ist. Vergl. S. 175. Der Charakter ist natürlich ohne 
Weiteres gegeben, sobald die Werthe von a> und e vorliegen. Aber da 
es sich nur um die relative Grösse von o> und 8 handelt, so ist der 
Charakter schon bestimmt, wenn man nur weiss, in welcher Richtung 
der zu untersuchenden Erystallplatte der ordentliche Strahl schwingt 
und ob dies die Richtung der grösseren oder kleineren Geschwindigkeit 
ist. Der ordentliche Strahl schwingt stets senkrecht zur Hauptaxe; ent- 
spricht diese Richtung der schnelleren Geschwindigkeit, so ist der Ery- 
stall optisch positiv, sonst negativ. 



Bestimmnng des Charakters der Doppelbrechung in einaxigen Erystallen. 179 

Die Richtung der Hauptaze folgt aus der Orientirung der Platte 
und gilt für die Folge als bekannt. Die grössere oder geringere Ge- 
schwindigkeit wird mit einer doppelbrechenden Hülfsplatte bestimmt, 
auf der die Richtung der grösseren oder kleineren Geschwindigkeit 
irgendwie markirt ist Der Benutzung dieser Hülfsplatte liegt folgendes 
Piincip zu Grunde. 

Legt man eine solche Platte so auf die Objectplatte, dass in beiden 
die Schwingungsrichtungen der grösseren und ebenso der kleineren Ge- 
schwmdigkeiten zusammenfallen, so hat das die Wirkung, als ob die 
Objectplatte dicker, bezw. die Phasendifferenz ihrer beiden Strahlen 
grösser geworden sei. Die vom Analysator erzeugte Interferenzt'arbe 
wird nach dem rothen Ende des Spectrums verschoben oder von höherer 
Ordnung sein müssen als ohne Hülfsplatte, und wenn Interferenzcurven 
sichtbar sind, so werden sich diese verengern, umgekehrt muss die 
Interferenzfarbe in ihrer Ordnung sich vermindern, wenn die Richtung 
der grössten Geschwindigkeit in der Hülfsplatte zusammenfallt mit der 
kleinsten in der Objectplatte, was bei Interferenzcurven einer Erweiterung 
der Ringe entspricht. Im Einzelnen ändert sich das Verfahren, je nach- 
dem die zu untersuchenden Platten dick oder dünn sind. 

1. Bei dünnen Platten (Dünnschliffen), die nur Farben niederer 
Ordnung zwischen gekreuzten Nicols zeigen, geht man am besten von 
der Abänderung der Interferenzfarbe aus, untersucht daher im parallelen 
Licht und bedient sich als Hülfsplatten Gyps- oder Glimmerlamellen. 

a) mittelst Gypsplatte vom Roth I. Ordnung. 

Die Gypsplatte ist so dünn gespalten, dass sie das Roth I. Ordnung 
zeigt. Die Richtung ihrer schnellsten Schwingung ist äusserlich markirt. 
Die zu untersuchende Krystallplatte wird zwischen gekreuzten Nicols so 
auf den Objecttisch orientirt, dass sie am hellsten erscheint, was dann 
statthat, wenn ihre Schwingungsrichtungen um 45® gegen diejenigen 
der Nicols gedreht sind. Dann wird die Gypsplatte in einen besonderen 
und ebenfalls um 45^ gegen die Nicolhauptschnitte orientirten Schlitz 
gesteckt. Dabei verändert sich die Interferenzfarbe der Objectplatte. 
Findet eine Erhöhung der Ordnung statt, ein Blasserwerden der Farben, 
so correspondiren gleiche relative Geschwindigkeiten in den beiden 
Platten; sind die Farben in ihrer Skala erniedrigt oder sind sie lebhafter 
geworden, so fallt die grösste Geschwindigkeit der Objectplatte mit der 
kleinsten in der Hülfsplatte zusammen. Dadurch dass man den Object- 
tisch um 90® dreht, wird die Erscheinung gerade umgekehrt, was zur 
Controle dient. Unter Berücksichtigung der Lage der Schwingungs- 
richtungen in der Objectplatte ergiebt sich aus dieser Feststellung der 
Charakter der Doppelbrechung. 



180 Bestimmung des Charakters der Doppelbrechung in einazigen Eiystallen« 

b) mittelst des Yiertelundulations-Glimmerblättchens. 

Wenn die Objectplatte nicht nur dünn ist, sondern zugleich sehr 
schwach doppelt bricht, empfiehlt sich die Anwendung einer Glimmer- 
spaltlamelle von solcher Dünne (etwa V^o mm), dass die Phasendifferenz 
ihrer beiden Schwingungen für mittlere (gelbe) Farben ^/a X beträgt 
Diese Platte wird in den unter 45® gegen das Fadenkreuz gewendeten 
Schlitz des Instrumentes eingeführt und färbt für sich das Gesichtsfeld 
blaugrau. Die auf dem Drehtisch liegende Objectplatte ändert je nach 
ihrer Orientirung diese Färbung in helleres Roth oder in dunkleres Blau 
ab. Im ersten Fall correspondiren die grösseren und ebenso kleineren 
Geschwindigkeiten der beiden Platten mit einander. Die Richtung der 
grösseren Geschwindigkeit in der Glimmerplatte ist aber auf derselben 
angegeben, meist in der Weise, dass die längere Kante der rectangulär 
zugeschnittenen Platte damit parallel ist. 

2. Bei dicken Platten oder solchen mit starker Doppelbrechung, 
die im parallelen Licht keine Interferenzfarben mehr geben, untersucht 
man im convergenten Licht und beobachtet die Abänderung der Inter- 
ferenzfiguren. 

Als Vergleichsplatten kommen die nachstehenden in Betracht. 

a) mittelst einer senkrecht zur optischen Axe geschnittenen 
Hülfsplatte von bekanntem Charakter. 

Dieselbe findet Anwendung bei Objectplatten, die selbst senkrecht 
zur optischen Axe geschnitten sind. Besitzen diese denselben Charakter 
wie die Hülfsplatte, so wirken sie auf einander gelegt wie dickere Platten, 
die Interferenzringe werden also enger. Im entgegengesetzten Fall er- 
weitern sich die Ringe. — Als Hülfsplatte dient gewöhnlich der negative 
Kalkspath. 

b) mittelst des Viertelundalations-Glimmerblättchens. 

Die Objectplatte ist senkrecht zur optischen Axe geschnitten. Wird 
über dieselbe das Glimmerblättchen derart gelegt, dass die (durch eine 
Linie markirte) Axenebene des Glimmers 45^ mit den Schwingungs- 
richtungen der Nicols bildet, so wird deren Interferenzbild entweder in 
der Weise der Fig. 302 oder der Fig. 303 abgeändert. An Stelle des 
dunklen Kreuzes bleiben nur 2 dunkle Flecken übrig. Ist deren Ver- 
bindungslinie senkrecht zu der die optische Axenebene markirenden 
Linie, so ist der Erystall positiv, ist sie parallel, so negativ. Ferner 
findet bei positiven Krystallen eine Erweiterung der concentrischen 
Ringe in denjenigen Quadranten statt, durch welche die markirte Linie 
nicht läuft, bei negativen Krystallen in den Quadranten, in denen jene 
Linie liegt. 



Beetimmniig des Charakters der Doppelbrechang in einaxigen Krystallen. 181 



c) mittelst eines Qnarzkeiles (Biot*s Compensationsverfahren). 

Wird angewendet, wenn die zu untersuchenden Krystallplatten 
parallel oder schief zur optischen Axe geschnitten sind. Man schiebt 
nahe unter dem Analysator (bei e in Fig. 296, links) einen langsam an 
Dicke zunehmenden Quarzkeil (dessen Längskante parallel der optischen 
Axe geht und der der grösseren Festigkeit wegen auf Olas geklebt ist) 
derart ein, dass seine Längskante 45 ^ mit den Nicolhauptschnitten (dem 



Fig. 303. 





Fadenkreuz) bildet. Die zu untersuchende Platte wird so orientirt, dass 
ihre beiden Hauptschwingungsrichtungen ebenfalls 45^ mit dem Faden- 
kreuz bilden; sie ist also auf das Maximum der Helligkeit eingestellt. 
Diese Orientirung kann aber in doppelter Weise bewirkt werden, indem 
man zunächst die eine, dann die andere Schwingungsrichtung mit der 
Längsaxe des Keils zusammenfallen lässt. In einem dieser beiden Fälle 
zeigen sich farbige Literferenzcurven und das ist die Richtung der 
grössten Geschwindigkeit in der Platte. Da die Richtung der optischen 
Axe (Verticalaxe des Krystalls) in der fraglichen Platte als bekannt 
vorausgesetzt wird, so ist damit entschieden, ob die grösste Geschwin- 
digkeit in der Richtung der optischen Axe (positiv) oder senkrecht dazu 
(negativ) herrscht. 

Es beruht diese Methode nämlich darauf, dass nur sehr dünne Platten 
parallel der optischen Axe Interferenzstreifen erkennen lassen, während in dickeren, 
wie es hier der Fall ist, das Weiss höherer Ordnung erscheint. Der zwischen 
Object und Analysator eingeschobene Quarzkeil wirkt nun, wenn eine Richtung der 
kleinsten Geschwindigkeit zusammenfällt mit derjenigen der grössten Geschwindigkeit 
in der Objectplatte, so, als ob diese selbst dünner sei. Es kommen in Folge dessen 
Interferenscurven zu Stande. In dem positiven Quarz entspricht aber die optische 
Axe, also die Längskante des Keiles der Richtung der grössten Geschwindigkeit. 

Eine auf optische Merkmale sich stützende Unterscheidung der 
beiden in diese Abtheilung gehörenden Erystallsysteme ist nicht mög- 
lich; es kann dieselbe nur unter Berücksichtigung der äusseren Form 
(vier- oder sechsseitiger Querschnitt etc.) erfolgen. 



182 



Optische Eigenachaften zweiaziger Krystalle. 



Beispiele und BrechnngBindices. 






1. Hexagonalea System. 








Zinnober, opt. +• 


ü> = 2,854 


» = 3,201 


(roth) 


Pyrargyrit. opt.—. 


= 8,084 


= 2,881 


(roth) 


QuarK. opt. +. 


= 1,54418 


= 1,55328 (Linie D) 


Korund, opt. — . 


= 1,7690 


= 1,7598 


( . D) 


Kalkspath. opt.—. 


= 1,6500 


= 1,4826 


( . A) 


(nach Sarasin) 


= 1,6523 


= 1,4839 


( . B) 




= 1,6583 


= 1,4864 


( . D) 




= 1,6678 


= 1,4907 


( « F) 




= 1,6832 


= 1,4977 


( , H) 


Natronsalpeter, opt. — . 


= 1,587 


= 1,336 


( , D) 


Apatit, opt—. 


= 1,6461 


= 1,6417 


( , D) 


T u r m a 1 i n (farblos), opt. — . 


= 1,6366 


= 1.6193 


( . D) 


Beryll, opt. — . 


= 1,5703 


= 1,5659 


( . D) 


2. Tetragonales System. 








Rutil, opt. +. 


= 2,6168 


= 2,9029 


(gelb) 


Scheelit. opt.—. 


= 1.918 


= 1,934 


(roth) 


Wulfenit. opt. +. 


= 2,402 


= 2,304 


(roth). 



§ 4. II. Abtheilang. Optiscli anisotrope Medien. Optisch zwei- 
axige Krystalle. 

Hierher gehören die Krystalle des rhombischen, monoklinen und 
triklinen Systems. 

A. Allgemeine Eigenachaften. 

In optisch zweiaxigen Krystallen giebt es keine Axe der Iso- 
tropie mehr. 

Indexfläche E bezw. Fbesnel's Ellipsoid @: ein dreiaxiges 
Ellipsoid, dessen 3 senkrecht auf einander stehende Axen Axen der 
optischen Symmetrie heissen, während die durch sie gelegten 
Ebenen als Hauptschnitte bezeichnet werden. Die Richtung und 
Grösse der optischen Symmetrieaxen bestimmt ausser der Schwingungs- 
richtuDg noch die Grösse der Brechungsindices bezw. der Fortpflanzungs- 
geschwindigkeiten in allen anderen Richtungen; d. h. fiir irgend einen 
Lichtstrahl sind jene Werthe, ebenso wie die Schwingungsrichtung, ge- 
geben durch die Hauptdurchmesser desjenigen elliptischen Schnitts, der 
senkrecht zum Strahl durch die zugehörige Bezugsfläche construirt ist. 

Da sich die Brechungsindices mit jeder Richtung ändern, so giebt 
es in optisch zweiaxigen Medien keine ordentlichen und ausserordent- 
lichen Strahlen mehr. Die Brechungsindices deijenigen Strahlen, die 
parallel den optischen Symmetrieaxen schwingen, heissen die 3 Haupt- 
brechungsindices a, ß und 7; sie genügen zur Construction der 
Indexfläche und somit zur Berechnung der Brechungsindices in allen 
übrigen Richtungen. 



Optische Eigenschaften zweiaziger Erystalle. 183 

Nach Früherem (S. 150) besteht zwischen ihnen und den Fort- 
pflanzungsgeschwindigkeiten a, b und c die Beziehung 

1 o 1 1 

Bei optisch zweiaiigen Medien gilt das Gesetz, dass der gebrochene Strahl in 
der Einfallsebene liegt, nur noch für die Fälle, wo die Einfallsebene den Haupt- 
schnitten parallel geht. 

Bei der Bezeichnung optischer zweiaxiger Erystalle wird stets die 
Axe der grössten Fortpflanzungsgeschwindigkeit mit a, die der mittleren 
mit 6, die der kleinsten mit c bezeichnet. Diese optischen Symmetrie- 
axen decken sich nicht, wie ohne Weiteres klar, mit den krystallo- 
graphischen Axen a, h und c\ sie fallen auch bezüglich ihrer Richtung 
nur in soweit mit den krystallographischen zusammen, als diese Symmetrie- 
ricIituDgen sind. Daher wird die Aufsuchung der optischen Symmetriesaxen 
(Anslöschungsbestimmungen) wichtig für die Feststellung der geometrischen 
Symmetrie und damit des Krystallsystems, insonderheit ergeben sich aus 
ihnen wesentliche Unterschiede zwischen den rhombischen, monoklinen und 
triklinen Erystallen, d. h. zwischen den optischen Klassen 5, 6 und 7. 

Jeder Schnitt der Indexfläche bestimmt die Br.-Indices und Schwin- 
gungsrichtung eines zu diesem Schnitt senkrecht fortschreitenden Licht- 
strahles. Im Allgemeinen sind diese Schnitte Ellipsen, d. h.es findet 
durchweg Doppelbrechung statt, nur in denjenigen Richtungen, die senk- 
recht zu den beiden allein möglichen Ereisschnitten stehen, kann sich 
jedesmal nur eine einzige Wellenebene fortpflanzen. Diese beiden Rich- 
tungen heissen die optischen Axen, auch wohl Binormalen, und 
daher heissen die Medien selbst optisch zweiaxig. Die beiden opti- 
schen Axen haben keine Beziehung mehr zu den geometrischen Axen. 

Die optischen Axen der zweiaxigen Erystalle, obwohl die in ihnen sich fort- 
pflanzenden Strahlen keine Doppelbrechung erfahren, weichen doch darin von der 
optischen Aza einaxiger Krystalle ab, als sie nicht auch zugleich Axen der Iso- 
tropie sind. 

Der Winkel zwischen den beiden optischen Axen, der optische 
AxenwinkelF, hängt allein ab von dem Verhältniss der Fortpflanzungs- 
geschwindigkeiten a, b und c oder statt dessen von den 3 Hauptbrechungs- 
indices a, ß und T. Er berechnet sich aus der Gleichung: 






oo^^ = \/ -^r-^d)' 



r 

Die Grösse des optischen Axenwiukels ist für verschiedene Farben 
verschieden. Dieses Verhalten führt den Namen Dispersion der op- 
tischen Axen. Bei einigen Kry stallen ist der Winkel für roth grösser 



184 ' Optische Eigenschaften zweiaziger Krystalle. 

als für violett (p > o) , bei anderen ist es umgekehrt (o y> p). — Auch 
die Lage der optischen Axenebene kann für yerscfaiedeue Farben ver- 
schieden sein (Dispersion der Axenebenen). 

Ferner wird die Grösse des Axenwinkels und die Lage der Axen- 
ebenen von der Temperatur und einer Aenderung in der chemischen 
Zusammensetzung beeinflusst. 

Mit Rücksicht auf den Axenwinkel wird diejenige optische Sjm- 
metrieaxe, welche den spitzen Winkel der optischen Axen halbirt, Bi- 
sectrix oder erste Mittellinie, diejenige, welche den stumpfen 
Winkel halbirt, zweiteMittellinie und schliesslich diejenige, welche 
senkrecht zur Ebene der optischen Axen steht, optische Normale 
genannt. 

Es ist leicht einzusehen, dass die optischen Axen und beide Mittel- 
linien in die Ebene ac fallen, während die optische Normale mit der 
Aixe der mittleren Fortpflanzungsgeschwindigkeit coincidirt. Des Femeren 
kann nun aber die erste Mittellinie mit der Axe der grössten, also 
mit a, oder mit derjenigen der kleinsten Fortpflanzungsgeschwindigkeit c 
zusammenfallen. Im ersteren Fall heisst die zweiaxige Erystall optisch 
negativ, im anderen Fall optisch positiv. 

In positiven Erystallen liegt der Werth von b nfther an e, in negativen 
näher an a. 

Strahlen fläche. Da von jedem in Schwingungen versetzten 
Punkt im Innern eines zweiaxigen Erystalls im Allgemeinen 2 Wellen 
ausgehen, so wird auch die Wellen- oder Strahlenfläche aus 2 Schalen 
bestehen müssen. Da aber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit rings um 
einen Punkt weder gleich gross noch symmetrisch ist, so können diese 
Schalen auch weder Kugel noch Rotationsellipsoid sein. In der That 
ist die Wellenoberfläche eine Fläche 4. Ordnung, die aus 2 einander 
sich durchdringenden ellipsoidähnlichen Schalen besteht und die durch die 
nachstehende Gleichung dargestellt wird: 

(x* + y^ + z*) (a«a;2 + 6«y« + c^z^) — a« (6« -]-c^x^ — b« (c« + a«) y* 

Um sich eine Yorstellang von dem Aussehen dieser Wellenfläche zu machen, 
kann man die Schnitte untersuchen, in denen dieselbe von den 3 durch die optischen 
Sjmmetrieaxen gelegten Ebenen geschnitten wird. 

Setzt man in vorstehender Gleichung die 8 Axen der Reihe nach = 0, so erhält 
man die Gleichungen der gesuchten Schnitte, die sofort erkennen lassen, dass in 
jedem Fall die Wellenfläche in einem Kreis und in einer Ellipse geschnitten wird, 
denn für 

Kreis. Ellipse. 

X = 0, also Schnitt der y «-Ebene : y« + «* = a' und 6» y« + c» «• - b* c« 
OY = 0, also Schnitt der x ;!f-Ebene : z^ + x*=:h* und c* z* + a* «* = a* c* 
O Z=0, also Schnitt der a:y-Ebene: x^ + y^ = c» und a*ar" -j- b*y» = a'b*. 



Interferenzerscheinnngen optisch zweiaxiger Erystalle. 



185 



In Fig. 304 sind diese 8 Schnitte in perspectivischer Zeichnung dargestellt. 

Von besonderem Interesse ist der Schnitt in der Ebene der grössten und 
kleinsten Fortpflanzungsgeschwindigkeit, also in Fig. 804 der Schnitt in der Ebene XZ. 
Während in den beiden anderen Schnitten &eis und Ellipse in einander liegen, 
wird hier der Kreis mit dem Radius h von der Ellipse, deren Axen a und c sind, 
in 4 Punkten U V U V geschnitten. Die Strahlen 
O U und U' nach diesen sich paarweise diametral 
gegenüber liegenden 4 Punkten heissen nach Früherem 
Strahlenazen oder secundäre optische Axen. 
Es sind dies die beiden einzigen Richtungen in einem 
zweiaxigen Erystall, in denen sich nur ein Licht- 
strahl fortbewegt; sie entsprechen den Lothen der 
Kreisschnitte von Fresnbl*s Ellipsoid ® (s. S. 148). 

Während eine Tangentialebene eine Wellen- 
oberfläche im Allgemeinen nur in einem Punkt be- 
rührt, giebt es 4 singulare, paarweise parallele Tan- 
gentialebenen , die, senkrecht auf der Ebene XZ 
stehend, die Wellenfläche in einem Kreise be- 
rühren. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit aller der- 
jenigen Strahlen, welche sich vom Ausgangspunkt 
nach irgend einem Punkt dieses Kreises bewegen, 

ist constant; femer ist dieselbe gleich der mittleren Geschwindigkeit b und unab- 
hängig von der Schwingungsrichtung, denn die Wellennormalen sind für alle diese 
Strahlen dieselben. Diese Wellennormalen heissen die primären optischen 
Axen; sie entsprechen den Lothen der Kreisschnitte im ludexellipsoid E, 




B. Interferenzerscheinungen optisch zweiaxiger Kry- 
stalle bei gekreuzten Nicols. 

1. Krystallplatten im parallel polarisirten Licht. 

Das Verhalten ist durchaus analog dem einaxiger Krystallplatten, 
ausgenommen, wenn die Platten senkrecht auf einer der beiden optischen 
Axen stehen. 



a) Platte senkrecht zu einer der optischen Axen. 

Alsdann geht das Licht parallel der optischen Axe durch die Platte. 
Trotz gekreuzter Nicols bleibt diese jedoch hell und auch bei jeder be- 
liebigen Drehung der Platte vermindert sich die Helligkeit nicht, sodass 
die Platte überhaupt keine Auslöschung zeigt. 

Dieses eigenthümliche Verhalten erklärt sich aus der sogen, inneren coni- 
schen Refraction. Als Folge der zweischaligen Strahlenfläche, deren Tangirende 
(die Strahlenfront) dieselbe senkrecht zur optischen Axe nicht in einem Punkt, 
sondern in einem Kreise berührt, divergiren die in der Richtung zur optischen 
Axe einfallenden Strahlen auf einem Kegelmantel und nehmen alle Schwingungs- 
azimuthe an, sodass der obere Nicol immer nur einzelne Componenten, nicht aber 
alles Licht auszulöschen vermag. 



186 Interferenzerficbeinungen optisch zweiaxiger Erystalle. 

b) Platten schief oder parallel zu einer der optischen Axen. 

Die Platte wird ebenso wie eine optische einaxige 4 Mal dunkel, 
jedes Mal dann, wenn der Hauptschnitt eines der beiden Nicols mit 
einem Hauptschnitt der Platte zusammenfällt. Da die Lage der opti- 
schen Hauptschnitte abhängig ist von den Symmetrieschnitten^ so können 
durch stauroskopische Untersuchungen die hierher gehörigen Erystall- 
systeme unterschieden werden. 

Bei Anwendung weissen Lichtes erscheint die Platte in allen anderen 
Stellungen als in der der Ausloschung gefärbt. 

2. Erystallplatten im convergent polarisirten Licht. 

a) Hier hat nur das Interferenzbild besondere Bedeutung, welches 
Platten senkrecht zu einer der Mittellinien : erkennen lassen. 
Im homogenen Licht besteht dasselbe aus ' einer Schaar hellerer und 
dunklerer Ringe, wie in Fig. 305 (bei dickeren Platten) oder 306 (bei 
dünneren Platten), die bei kleinem Axenwinkel angenähert Lemmiskaten 
sind. Fällt die Ebene der optischen Axen, resp. deren Durchschnitt auf 
der Platte , in einen Nicolhauptschhitt , so werden diese Ringe , wie in 
den Fig. 305 u. 306, von einem dunklen Kreuz durchzogen; ist die 

Fig. 305. Fig. 806. 





Ebene der optischen Axen um einen Winkel geneigt gegen die Nicol- 
hauptschnitte , so entwickeln sich aus dem Kreuz 2 Parabeläste, deren 
Scheitelpunkte, die sogen. Axenpunkte, den Austrittspunkten der opti- 
schen Axen aus der Platte entsprechen und die scharf genug eingestellt 
werden können, um sie zur Bestimmung des Axenwinkels benutzen zu 
können. Die Fig. 307 u. 308 stellen das Interferenzbild dar, wenn jener 
Winkel 45 ^ beträgt. 

Bei Anwendung weissen Lichtes werden die Lemmiskaten im Sinne 
der NEWTON'schen Farben gefärbt, es bilden sich also isochromatische 
Curven; dunkle Axenpunkte können nicht entstehen, wohl aber bildet 
sich in Folge der Dispersion an Stelle der einzelnen Axenpunkte eine 



MessDüg des optischen Axenwinkels. 



187 



verschieden gefärbte Zone heraus, die mit einem Blick übersehen lässt, 
ob p > oder o ]> p ist Die Aufeinanderfolge der Dispersionsfarben 



Fig. 307. 



Fig. 808. 





an den Axenpunkten und ihre Orientirung zu den Symmetrieschnitten 
dient zur Unterscheidung der einzelnen Krystallsysteme. 

Die Erklärnng der Interferenzfigur bietet keine Schwierigkeit, eie ist ganz 
analog jener der Interferenzfigur optisch einaxiger Erystalle. 

Mit Aenderung des angewendeten Lichtes ändern sich die Abstände 
der Axenpunkte und der Interferenzcurven ; dagegen hat eine Aenderung 
der Plattendicke nur Einfluss auf die Abstände* der Lemmiskaten. 

Ist der Axenwinkel sehr gross, so reicht häufig das Gesichtsfeld des gewöhn- 
lichen Polarisationsapparates nicht aus, um beide Axenpunkte gleichzeitig zu sehen, 
zumeist deswegen, weil die in der Richtung der optischen Axen verlaufenden Strahlen 
beim Austritt in die Luft eine weitere Divergenz erfahren. Dies kann dadurch ver- 
mieden werden, dass diejenigen beiden Linsen, zwischen denen die Platte einge- 
schaltet liegt, kugelförmig gestaltet und scharf an die Platte angepresst werden. 
Die austretenden Strahlen gehen dann ungebrochen in die obere Linse üher. Eine 
dei-artige Modification liegt dem ADAu'schen Polarisationsinstrument zu Grunde. 

Das beschriebene ckaraktenstische Interferenzbild zweiaxiger Kry- 
stalle findet ausser zur Erkennung der dieser Abtheilung angehörigen 
Krystalle in der Hauptsache Anwendung zur Bestimmung des Axen- 
winkels und der Lage der optischen Symmetrieaxen. 

b) Platten schief zur ersten Mittellinie geschnitten, lassen 
das eben besprochene Interferenzbild mehr oder weniger verzerrt er- 
scheinen oder zeigen bei einer gewissen Dicke das Weiss höherer Ord- 
nung. Steht der Schnitt senkrecht zu einer optischen Axe, so bilden 
sich ellipsenähnliche Ringe heraus, die von einem einzigen Balken durch- 
kreuzt werden. 

G. Bestimmungsmethoden. 

a) Messung des optischen Axenwinkels. 

Princip. Aus der Messung des Abstandes der beiden Axenpunkte 
des im homogenen Licht erzeugten Interferenzbildes (Fig. 307 oder 308) 



188 



Messnng de* optiwhen Axenwinkel*. 



Kg. 309. 



\, 






gelingt es, die Grösse des Axenwinkels herzuleiten. — Die Kiystallplatte 
wird so befestigt, dass sie sieb um die Normale zur optischen Axen- 
ebene drehen lässt und so gestattet, nach einander 
beide Axenpunkte in den Durchschnitt des Faden- 
kreuzes zu bringen. Der Drehungswinkel ist an einem 
Theilkreis ablesbar und entspricht dem sogen, schein- 
baren optischen Axenwinkel. Da nämlich (Fig. 309) 
die in der Richtung der optischen Axen CD und CD, 
die Platte durchlaufenden Lichtstrahlen beim Austritt eine 
i Brechung durch D F resp. 2), F^ erleiden, so wird durch 

obiges Verfahren nicht der wahre Winkel DCD, = 2x 
sondern der Winkel 2e, d. h. der scheinbare Axenwinkel gemessen; aber 
bei Eenntniss des zugehörigen Br.-L lässt sich o aus e berechnen. Dieser 
Br.-L ist gleich dem mittleren Haupt-Br.-L ß, da die Schwingungen der 
die Platte durchlaufenden Strahlen mit der Geschwindigkeit b vor sich 
gehen und demnach ist 



«nü = ^ 



r//;. 



Zur AusfÜhrong bedient man sich zweckmässig des GR0TR*8chen ünivenal- 
Instrumentes, das zu diesem Behuf eine Anordnung wie Fig. 310 erföhrt K ist der 
Theilkreis des Goniometers ; an SteUe des Erystallträgers mit der Justir- und Centrir- 
Vorrichtung wird in die Hülse E eine metallene Axe eingeführt, die unten in eine 
Pincette ausläuft und hier die Platte p trägt. An letzterer lässt sich an der Scheibe F 
eine Horizontal-, innerhalb der Hülse f unter Benutzung der Schraube y eine Vertical- 

Pig. 310. 




venebiebung und mittelst des PETZTAL*schen Trägers H die Justirung bewirken. — 
In die röhrenartigen Erweiterungen des Stativs bei ^1 und A, werden die beiden 
Hälften des Polarisationsapparates geschoben, an denen Nicols und Fadenkreax so 
orientirt sind, dass die beiden Fäden des letzteren parallel resp. senkrecht zum 
Tbeilkreise, die Nicolhauptschnitte aber 45® dagegen geneigt sind. Das auf einen 



Messung des optischen Axenwinkels. 



189 



Axenpunkt eingestellte Interferenzbild der Platte wird sich wie in Fig. 312 dar- 
stellen. Durch Drehung des Armes D, der an der Hülse B sitzt, lassen sich nach 

Fig. 311. 




Fig. 312. 



einander beide Azenpunkte in den Durchschnitt des Fadenkreuzes bringen; die 
Differenz beider Ablesungen ergiebt den scheinbaren Axenwinkel. 

Als besonderes Instrument ist dasselbe in Fig. 311 dargestellt. 

Bei einer gewissen Grösse des Axenwinkels wer. 
den die in der Richtung der optischen Axen ver- 
laufenden Strahlen bei ihrem Austritt in Luft total 
reflectirt und es entsteht daher kein Interferenzbild. 
Man erhält aber ein solches, wenn man die Platte 
mit Oel umgiebt , das sich in einem kleinen Glas- 
gefäss befindet Ist der Br.-I. des Oels = n und 6, 
der halbe scheinbare Axenwinkel in Oel, so geht die 
Formel II auf S. 188 aber in 



1«^ 



ß 



sin t, , da sin t — n , sin t,. 



Gelingt es mit Hülfe von Oel bei einer zweiten 
Platte desselben Minerals, die senkrecht zur zweiten 



\ 



190 Bestimmang der Brechungs-Indices optisch zweiaxiger Erystalie. 

Mittellinie geschnitten ist, auch noch den stumpfen Winkel t„ der optischen Axen 
zu messen, so wird zur Bestimmung des wahren Axenwinkels die Eenntnias von n 
und ß entbehrlich, denn aus der Messung des spitzen Axenwinkels folgt: 





sin = -^ . sin 9, (1), 


aus der des stumpfen: 
folglich 


sin (90 — o) = -^ . sin 9„ (2), 
^9 = -^^ (3). 



Unter Benutzung des Werthes für o aus (8), kann man sich der Gleichung (l) 

resp. (2) bedienen, um die Grösse -j- zu bestimmen und falls n bekannt ist, ergiebt 

sich somit leicht der Werth fOr den mittleren Br.-I. ß. 

Abges^en von der angeführten Methode der directen Messung des optischen 
Axenwinkels, I&sst sich derselbe aus den 3 Haupt-Br.-I. nach Formel I S. 183 be- 
rechnen. 

b) Bestimmung der Brechungs-Indices. 

Die BeBtimmungsmethoden sind dieselben wie die ftir die isotropen 
und optisch einaxigen Erystalle; nur handelt es sich hier um die Fest- 
stellung von 3 Haupt-Br.-Indices. 

Unter Anwendung der Methode des Prismas und der Minimalstellang 
erlangt man jene 3 Br.-Indices entweder dadurch, dass man 8 Prismen, deren brechende 
Kanten den optischen Symmetrieaxen parallel sein müssen, der Untersuchung unter- 
wirft oder schon mit Hülfe von 2 Prismen. Im letzteren Fall müssen die brechenden 
Kanten beider Prismen ebenfalls parallel 2 solcher Axen verlaufen, daneben mnas 
aber die Halbirende des einen Prismas mit der dritten optischen Symmetrieaxe xn- 
sammenfallen. — Ebenso genügen schon 2 Prismen, wenn von deren Begrenzung«- 
fl&chen je eine einem Hauptschnitt des Krystalls parallel geht. Die auf die Prismen 
auffallenden Strahlen müssen dann aber senkrecht zu diesen Flächen stehen. Die 
nähere Erläuterung dieser Methode und die zur Anwendung kommenden Rechnnngs- 
formein finden sich bei Groth und bei Liebisgh. 

Unter Benutzung der auf der Totalreflexion beruhenden Methoden 
reicht sogar eine einzige Platte aus, um alle 3 H. -Br.-Indices zu bestimmen. Dabei 
ist aber Voraussetzung, dass diese Platte parallel einer optischen Symmetrieaxe ist. 
Man orientirt die Platte in dem Instrument*) so, dass die Einfallsebene des Lichtes 
zusammenfällt mit . der in der Platte liegenden optischen SymmdlBoaxe. Sobald 
die Platte bis zur Grenze der totalen Reflexion des Lichtes gedreht ist, erfolgt die 
Fortpflanzung desselben in der Richtung jener Axe, die Schwingungen desselben an 
den beiden Grenzen müssen demnach parallel den beiden anderen Axen vor Bi<^ 
gehen und so wird es müglich , sogleich 2. H.-Br,-Indices zu bestimmen. Wird als- 
dann die Platte um 90* in ihrer eigenen Ebene gedreht und wieder auf die Grenze 
der Totalreflexion eingestellt, so schwingt nunmehr von den beiden Strahlen der 



') Zur Ausführung ist sowohl das KoHLRAUscH'sche wie das WoLLASTOif'sche 
Instrument geeignet Da optisch zweiaxige Platten eine bestimmte Orientirung be- 
dürfen, so sind beiden Instrumenten Apparate beigegeben, die eine Drehung der 
Platte um einen bestimmten Winkel ermöglichen und die Ablesung des Drehungs- 
winkels gestatten. 



BestimiDuiig des Charakters der Doppelbrechung. 



191 



eine in der Richtung der optischen Symmetrieaze , während die Schwingungen des 
anderen senkrecht dazu erfolgen. Mit HQlfe eines Torgesetzten Nicols gelingt es, die 
Grenze der Totalreflexion für die Schwingungen parallel jener Aze einzustellen und 
somit den dritten H.-Br.-I^ zu erhalten. Es ist klar, dass wenn die Platte parallel 
einem Hauptschnitt geschnitten ist, in der geschilderten Weise der eine der H.-Br.-I. 
sogar doppelt bestimmt wird. 

Auch nach der Methode Schrokdsr van dbr Eölk*s unter Verwendung des 
Polarisationsmikroskops und gleich stark brechenden Flfissigkeiten (s. S. 160) lassen 
sich alle 8 H.-Br.-Indices erhalten. 

Eine Methode, den mittleren Br.-I. ß allein zu messen, unter Ver- 
werthung des optischen Axenwinkels ist auf vorstehender Seite angegeben. 

Zur Berechnung des Br.Indices fClr andere Farben als für die gemessenen wird 
die CAUCHT*sche Dispersionsformel (S. 151, unten) angewendet. 

c) Bestimmung des Charakters der Doppelbrechung. 

Aus der Eenntniss der 3 H.-Br.-Indices ergiebt sich der Charakter 
unmittelbar. Fällt die erste Mittellinie mit c zusammen, so ist der Ery- 
stall positiv, fallt sie dagegen mit a zusammen, negativ. 

Ohne Eenntniss der H.-Br.-Indices gelingt die Bestimmung des 
Charakters 

1. an Platten senkrecht zur ersten Mittellinie mit Hülfe 
des Yiertelundulationsglimmerblättchens. 

Man schiebt die zu untersuchende Erystallplatte so in das Polari- 
sationsinstrument, dass dessen optische Axenebene parallel einem Nicol- 
hauptschnitt geht, wodurch das normale Interferenzbild Fig. 305 erzeugt 
wird. Wenn man dann ein Viertelundulationsblättchen so hinzufügt, dass 



Fig. 313. 



Fig. 314. 





die optische Axenebene desselben 45 ^ mit den Nicolhauptschnitten bildet, 
findet bei positiven Erystallen eine Abänderung der Interferenzfigur wie 
in Fig. 313, bei negativen wie in Fig. 314 statt. Diejenigen Quadranten 
des Interferenzbildes, welche von der optischen Axenebene des Glimmers 
(in beiden Figuren durch eine gestrichelte Linie angedeutet) durchschnitten 



192 Optische EigeDschaften rhombischer Erystalle. 

werden, erfahren bei positiven Erystallen eine Verengerung, bei negativen 
eine Erweiterung. 

2. Diese Veränderung des Interferenzbildes ist jedoch nur deutlich, 
wenn der Axenwinkel klein ist. Ist er gross, so wendet man vortheil- 
hafter den Quarzkeil an. Die Krystallplatte wird in diagonaler Stellung 
in den Apparat geschoben, sodass die schwarzen Hyperbeln sichtbar 
sind. Darauf wird der Quarzkeil einmal parallel, ein zweites Mal senk- 
recht zur Axenebene des Erystalls allmählich eingeführt. In einem dieser 
Fälle tritt eine Erweiterung der Interferenzcurven ein. Zeigt sich diese 
Erweiterung dann, wenn der Keil parallel der Axenebene, also parallel 
der zweiten Mittellinie eingeschoben war, so ist diese Mittellinie negativ, 
da der Quarz positiv ist; demnach ist die erste Mittellinie die Axe der 
kleinsten Fortpflanzungsgeschwindigkeit, d. h. die Platte ist positiv. 
Tritt dagegen die Erweiterung der Ringe ein, wenn die Längsaxe des 
Keils senkrecht zur Axenebene der Platte steht, so ist letztere negativ. 

3. Bei Platten parallel der optischen Axenebene bedient 
man sich des Quarzkeils und verfährt dabei ganz so, wie es früher 
(S. 181) bei optisch einaxigen Kry stallen geschildert wurde. 

D. Charakteristische und unterscheidende Merkmale 
der zur Abtheilung der optischen zweiaxigen Krystalle gehörenden op- 
tischen Klassen und Krystallsysteme. 

1. Rhombisches System (Klasse 5). 

Die optischen Symmetrieaxen fallen für alle Farben und Tempe- 
raturen mit den Krystallaxen zusammen und somit auch die optischem 
Hauptschnitte mit den Symmetrieebenen. 

Es muss daher eines der Pinakoide das Interferenzbild erkennen lassen. 

Daraus folgt, dass bei der stauroskopischen Untersuchung auf allen 
den Flächen gerade Auslöschung stattfindet, deren Begrenzungskanten 
einer krystallographischen Axe parallel laufen, also auf den Pinakoid- 
und Prismenflächen. 

Femer folgt, dass die Dispersion der optischen Axen symmetrisch 
ist, d. h. die verschiedenen Farben haben gleiche Mittellinien und der 
Winkel beiderseits der Mittellinie ist für dieselbe Farbe gleich gross. 

Im Nachstehenden bezeichnet A-E die optische Axen-Ebene , 2 V den wahren 
Axenwinkel, 2 E den scheinbaren Axenwinkel, M-L die erste Mittellinie. 

Beispiele: 
Schwefel, opt. +, A-E = }0 1 0}, Verticalaxe = ML. 
Br.I. für Na Licht: a = 1,958, ß = 2,088, f = 2,240. 
2 7 = 69*^ 40*. 



Optische Eigenschaften monokliner Krystalle. 193 

Kalisalpeter, opt — , A-E = {100}, Verticalaxe = ML. 
Br.-I. für Linie D : a = 1,3346, ß = 1,5056, t = 1,5064. 
2 V = 7<» 12'. 

A r a g o n i t. opt. — -, A-E = } 1 0}, Verticalaxe = M-L. 
Br.-L für Linie D: a = 1,5301, ß = 1,6816, f 1,6859. 
2 V (berechnet) = 17 *> 50', 2 E = 80« 14'. 
2 V (gemessen) = 18M1', 2 E = 30» 52'. 

C e r n ssi t. opt. — , A-E = }0 1 0}, Verticalaxe = M-L. 
Br.-I. für Linie D : a = 1,8037, ß = 2,0768, 7 = 2,0780. 
2 V = 8» 14', 2 E = 17o 8'. 

Schwerspath. opt. +» AvE = JOIO}, Brachyaxe = M-L. 
Br.-L für Linie D: a = 1,6363, ß = 1,6375, f = 1,6480. 
2 E = 63<» 12'. 

Goal est in. opt. +. AE = {010}, Brachyaxe = ML. 

Br.-L für Linie D bei 20« C: a = 1,61958, ß = 1,62168, f = 1,62790. 
2 E (bei 16» C.) = 88« 38'. 

Angle Sit. opt. +, A-E == {010}, Brachyaxe = M-L. 

Br.-I. für Linie D bei 20» C: a = 1,87709, ß = 1,88226, t = 1»89365. 
2 V bei gewöhnl. Temperatur 75» 24', bei 200» == 89» 17'. 

O l i V i n. opt. +, A-E = JO 1 {. Brachyaxe = M-L. 
Br.-I. für gelb : a = 1,661, ß = 1,678, y = 1»697. 
2 V = 87» 46'. 

Kieselzinkerz, opt. +, A-E = {100}, Verticalaxe = ML. 
Br.-I. für gelb: o = 1,6136, ß = 1,6170, y = 1»6360. 
2 V = 46» 9', 2 E = 78» 39'. 

Topas, opt. +, A-E = {010}. Verticalaxe = M-L. 

Br.-L für Linie D : a = 1,6116, ß = 1,6138, 7 = 1,6211. 
2 V = 56» 89', 2 E = 100» 40'. 

2. Monoklines System (Klasse 6). 

Eine der optischen Symmetrieaxen fällt für alle Farben und Tempe- 
raturen mit der Orthoaxe (krystallographische Symmetrieaxe) zusammen, 
während die beiden anderen Axen ihre Lage stets in der Symmetrie- 
ebene haben, innerhalb derselben aber für verschiedene Farben und 
Temperaturen verschieden gelegen sind. 

Daraus folgt: 

daSs bei der stauroskopischen Untersuchung Auslöschung dann 
stattfindet, wenn eine der Orthoaxe parallele Kante mit einem Nicol- 
hauptschnitt zusammenfällt, d. h. also, die Auslöschung ist auf den 
Orthodomen eine gerade, auf allen übrigen Flächen eine schiefe. 

Bezüglich der Lage der optischen Axenebene und der damit zu- 
sammenhängenden Dispersion sind 3 Fälle möglich, je nachdem eine der 
3 optischen Symmetrieaxen a, b oder c in die Orthoaxe fallen. 

1. Fällt die Axe der mittleren Geschwindigkeit b mit der 
Orthoaxe zusammen, so wird die Symmetrieebene zur optischen Axen- 

Klockmann, Mineralogie. 8. Anfl. 13 



194 



Optische Eigenschaften trikliser Krystalle. 



Fig. 315. 




Fig. 816. 




Fig. 817. 




s^~'>' / 



ebene. Das äussert sich bezüglich der Dispersion in der Weise, da£s 
die Axenebene dieselbe bleibt für alle Farben, in derselben aber die 

erste Mittellinie für jede Farbe eine besondere 
Lage hat. — Geneigte Dispersion (Dispersion 
inclin^e Dbs-Cloizeaüx). öyps, Epidot, Diopsid. 
Schematische Darstellung in Fig. 315. 

In den beiden anderen Fällen steht die 
optische Axenebene senkrecht auf der Symmetrie- 
ebene. Es kann dann sein 

2. dass die erste Mittellinie zur Ortho- 
axe wird. Alsdann muss diese erste Mittellinie fBr 
alle Farben dieselbe bleiben, während die Axen- 
ebenen für die einzelnen Farben sich facherartig 
herum gruppiren. Gedrehte Dispersion (D. tour- 
nante ou croisäe Des-Gl.). Borax, Heulandit. Sche- 
matische Darstellung in Fig. 31(5. 

3. Die zweite Mittellinie wird zur Ortho- 
ax e. Die optischen Axenebenen der verschiedenen 
Farben sind einander und der Orthoaxe parallel, 
fallen im übrigen aber aus einander. — Horizon- 
tale Dispersion (D. horizontale Des-Cl.). Orthoklas. Schematische Dar- 
stellung in Fig. 317. 

Beispiele. 
Gyps. opt. — , A-E bei gewöhn!. Temperatur = JOIO}. DiBpereion geneigt. 
M-L im stumpfen Winkel der Krystallaxen und bildet mit a einen Winkel 
von 23 <» 43', dabei ist 2 V = 61<> 24'. 
Br.-I. für die Linie D bei 16,8 <^ C. a = 1,5207, ß = 1,5228, f = 1,5805. 
Epidot. opt. — , A-E = )010|. Dispersion geneigt. M-L fast vertical, liegt 
im spitzen Winkel und bildet mit c 2<^ 56' für Roth, 2^ 26' ftXr Grün. 
Br.-I. fUr Roth: a = 1,7305, ß = 1,7541, t = 1,7677. 2 V = 73« 36'. 
Kaliglimmer, opt. +» A.-E senkrecht zur Symmetrieebene. M-L V*"""2'^ 
nach hinten gegen Axe c geneigt. 
Br.-I. für rothes Glas: d = 1,537, ß = 1,541, f = 1,574. 2 E = 60»-70*. 
Angit. opt. — , A-E = {010(. M-L liegt im stumpfen Axenwinkel und bildet 

mit c Winkel von 39«— 54^ 2 V = 6P— 68^ ß = ca. 1.70. 
Hornblende, opt. — , A-E := {010}. M-L liegt im spitzen Axenwinkel und 

bildet mit c 1 «— 18^ 2 V = 80*— 85^ ß = ca. 1,64. 
Orthoklas, opt. — , A-E meist senkrecht jOlOf. Dispersion horizontal. ML 
liegt im stumpfen Axenwinkel, bildet mit c 111*^—112®. 
Br.-I. für Gelb (Adular vom St. Gotthard): a = 1,5190, ß = 1.5237. f = 1,5260. 
2 V = 69<» 43', 2 E = 121<» 6'. (Für andere Varietäten ist der Axenwinkel 
zuweilen sehr klein, sodass für eine Farbe die Axen zusammenfallen, wäh- 
rend sie für eine andere Farbe in JOlOf aus einander gehen.) 



Gircularpolarisirende Krystalle. 195 

3. Triklines System (Klasse 7). 

Zwischen den krystallographischen und den optischen Symmetrie- 
axen besteht gar keine Beziehung mehr. 

Auf allen Flächen hat schiefe Auslöschung statt. 

Für verschiedene Farben ändert sich sowohl die Lage der optischen 
Axenebene wie die der zugehörigen Mittellinien, ohne dass irgend welche 
Symmetrie hervortritt. 

Beispiele. 
Alb it. opt. -f» ^'^ schneidet {010( in einer Geraden, welche 20*^ mit der 
Brachyaxe, 96 Vt ° mit der Veriicalaze bildet. Dispersion stark geneigt, eine 
andere nicht deatlich erkennbar. Axenwinkel in Oel für Roth 80 ° 39', für 
Blau BV 69'. 

§ 5. Gircularpolarisirende Krystalle (Opt. KL 2 u. 4). — 
Die in den §§2—4 dieses Capitels beschriebenen optischen Klassen be- 
sitzen insgesammt die Eigenschaft, dass die in ihren Kry stallen sich 
vollziehenden Lichtschwingungen linear erfolgen. Nun giebt es jedoch 
noch eine kleine Anzahl von Medien sowohl optisch isotrope wie aniso- 
trope, die dadurch abweichen, dass sie lineare Schwingungen eines ein- 
tretenden Lichtstrahles in kreisförmige abändern, was beim Austritt des 
Lichtstrahles eine Drehung seiner ursprünglichen Schwingungsebene (Polari- 
satioDsebene) im Gefolge hat. Das sind die auf S. 172 unterschiedenen 
optischen Klassen 2 und 4. 

Diese Eigenschaft, als Circularpolarisation oder optisches 
Drehungsvermögen bezeichnet, findet bei isotropen Krystallen in 
allen Richtungen statt, bei anisotropen Krystallen nur dann, wenn der 
Lichtstrahl sich in der Richtung einer optischen Axe fortbewegt. Es 
sind jedoch nur optisch einaxige Krystalle, die Circularpolarisation auf- 
weisen, nicht optisch zweiaxige Krystalle. Stets ist die Erscheinung der 
Circularpolarisation an solche Krystalle geknüpft, die schon geometrisch 
durch gewendete (enantiomorphe) Formen auffallen; hingegen giebt es 
enantiomorphe Krystalle (Sylvin und Salmiak), die die Circularpolarisation 
nicht zeigen. 

unter den Mineralien ist optisches Drehungsvermögen nur am Quarz 
und Zinnober vorhanden. Beide Krystalle gehören der trapezoedrischen 
Tetartoedrie des hexagonalen Systems an und daher treten an diesen die 
betreffenden Erscheinungen nur hervor, wenn das Licht in der Richtung 
der Yerticalaxe durch sie hindurchgeht, also an parallel zur Basisfiäche 
geschliffenen Platten. 

Anm. Das optische Drehungsvermögen wurde 1811 von Abago am Quarz ent- 
deckt und 1817 von Fbesnxl aus der Circularpolarisation erklärt. 



1 



196 Circularpolarisation. Quarzplatte im parallelen und convergenten Licht 

Optisches Verhalten circularpolarisirender Krystalle. — 
Dasselbe wird am besten im homogenen Licht an Quarzplatten studirt 
die, wie oben erwähnt, senkrecht zur optischen Axe geschnitten sein 
müssen. 

a) Quarzplatte im parallelen Licht. 

Dieselbe wird im homogenen Licht bei gekreuzten Nicols nicht 
dunkel, und ebenso ändert sich die Intensität nicht, wenn man die Platte 
in der eigenen Ebene dreht. 

Dunkelheit tritt erst ein, wenn man den oberen oder den unteren 
Nicol dreht. Die Grösse des Drehungswinkels hängt ab von der Dicke 
der Platte und von der angewendeten Farbe, also von der Wellenlänge. 

Der Drehungswinkel ist nach Biot proportional der Dicke. — Bei Platten von 
1 mm Dicke beträgt der Drehwinkel für die nachstehenden FRAUNHOFER'schen Linien 
förABCDEFGH 
12,67 «^ 15,75 <> 17,32 '^ 21,74« 27,54» 32,77° 42,60° 51,20°. 

Bei Anwendung weissen Lichts kann überhaupt in keiner Stellung 
der Nicols zu einander Dunkelheit eintreten, sondern die Platte muss 
stets farbig erhellt erscheinen, und zwar bei jeder Veränderung der 
Nicolstellung in anderer Farbe, vorausgesetzt, dass die Platte eine be- 
stimmte Dicke nicht überschreitet. Die Erscheinung erklärt sich so, 
dass das Drehungsvermögen für die verschiedenen Farben des weissen 
Lichis ein verschiedenes ist, sodass für eine bestimmte Stellung der 
Nicols immer nur eine Farbe ausgelöscht wird und die Platte nunmehr 
die verbleibende Mischfarbe zeigen muss. 

h) Quarzplatte im convergenten Licht. 

Das Interferenzbild entspricht dem der linearpolarisirenden optisch 
einaxigen Medien; doch reicht das dunkle Kreuz nicht bis in das mitt- 
lere Feld hinein, sondern dieses erscheint hell und zwar bei homogenem 
Licht in der Farbe des angewendeten Lichtes, bei weissem Licht in v^er- 
schiedener Färbung. In letzterem Fall wechseln die Farben mit der 
Drehung der Nicols nach Art der Spectralfarben. Beim Uebergang von 
Violett nach Roth tritt bei Platten von weniger als 5 mm Dicke eine 
neutrale violettgraue Färbung (teinte de passage, teinte sensible) auf, 
die bei der geringsten Drehung eines der beiden Nicols oder einer hin- 
zugefügten anisotropen Erystallplatte in Roth oder in Violett umschlägt. 
Daher kann eine solche auf die teinte sensible eingestellte Quarzplatte 
zur Erkennung schwacher Doppelbrechung verwendet werden (cf. S. 165). 
Bei einer Platte von 3,75 mm Dicke tritt die teinte sensible dann auf, 
wenn die Nicols parallel sind; bei gekreuzten Nicols färbt sich das Ge- 
sichtsfeld gelb. 



Circalarpolarisation. 197 



Erklärang. Die aus dem Polarisator in die Quarzplatte eintretenden linear- 
polarisirten Lichtstrahlen zerfallen in derselben in 2 Strahlen mit entgegengesetzt 
gerichteten kreisförmigen Schwingungen von gleicher Intensität, aber verschiedener 
Geschwindigkeit. Beim Austritt aus der Quarzplatte vereinigen sich dieselben wieder 
zu gemeinsamer linearer Schwingung, aber da eine der beiden Kreisschwingungen 
der anderen vorausgeeilt ist, so ist die resultirende Schwingungsrichtung des aus- 
tretenden Strahls nicht jener des eintretenden mehr parallel. Es muss daher der 
obere Nicol gedreht werden, um AuslOschung zu erzeugen, und zwar um so mehr, 
je dicker die Platte und je grösser die Geschwindigkeit des angewandten homogenen 
Lichtes ist, also mehr beim Violett als beim Roth. 

Bei weissem Licht tritt aus letzterem Grunde Dispersion ein, die jedoch für 
das Auge erst sichtbar wird, wenn durch den oberen Nicol einzelne "k ausgelöscht 
oder geschwächt sind. 

Unter den Quarzen giebt es nun solche, bei denen die Polarisations- 
ebene nach rechts, und solche, bei denen sie nach links gedreht werden 
muss, um bei homogenem Licht Auslöschung zu erzielen. Danach unter- 
scheidet man rechts und links drehende Quarze. Dieses optische Ver- 
halten steht in Uebereinstimmung mit der krystallographischeu Aus- 
bildung. An den Bechtsquarzen finden sich die positiven Trapezoeder- 
flächen rechts, an den Linksquarzen finden sich dieselben Flächen links 
von der Hauptrhomboederfläche. 

Ob rechts- oder linksdrehende Quarze vorliegen, kann man auch noch in an- 
derer Weise erkennen. Die normale Reihenfolge der NBWTON'schen Farben vom 
Roth über Gelb zum Blau erfolgt bei ersteren durch Rechtsdrehung, bei letzteren 
durch Linksdrehung des oberen Nicols. — Femer: die Interferenzringe eines Rechts- 
quarzes erweitem sich durch Rechtsdrehung des oberen Nicols, diejenigen des Links- 
qaarzes durch eine Linksdrehung. 

Legt man eine rechts- und eine linksdrehende Quarzplatte über 
einander, so entsteht die Interferenzfigur der Aiby 'sehen Spirale, eine 
Figur, die zuweilen auch einzelne Platten von Quarzzwillingen nach dem 
Brasilianer Gesetz wahrnehmen lassen. 

In ganz gleicher Weise wird die Circularpolarisation am Zinnober 
wahrgenommen, nur ist das Drehungsvermögen desselben 15mal so stark. 
Weiter zeigen eine Reihe künstlicher Krystalle, wie Natriumchlorat, 
Strychninsulfat, ausserdem auch einige Flüssigkeiten und Gase die Fähig- 
keit, das Licht circular zu polarisiren. Soweit es sich um Krystalle, 
natürliche wie künstliche, handelt, sind dieselben allesammt, wie S. 195 
bemerkt, enantiomorph entwickelt. Dennoch ist die Enantiomorphie 
nicht die einzige Bedingung fUr Circularpolarisation, denn diese tritt 
nicht auf bei den isomorphen Nitraten des Bleis, Strontiums, Baryums, 
welche in typisch regulär tetartoedrischen, also enantiomorphen Formen 
krystallisiren. 

Die Ursache der Circularpolarisation ist in der molekularen Structur 
des Mediums zu suchen, was durch die ßEuscH'sche Combination von 



198 Optische Anomalien und deren Ursachen. 

zweiaxigen Glimmerblättchen, die unter Winkeln von 120^ auf einander 
geschichtet, Circularpolai'isation zeigen, sehr wahrscheinlich gemacht wird. 

§ 6. Optische Anomalien. Unter optischen Anomalien ver- 
steht man die Eigenthümlichkeit gewisser Krystalle, dass dieselben op- 
tische Eigenschaften aufweisen, die ihnen nach ihrer rein geometrischen 
Symmetrie nicht zukommen sollten. 

Namentlich besteht eine Discordanz zwischen morphologischer Be- 
schaffenheit und optischem Verhalten bei gewissen Erystallen des regu- 
lären Systems, die sich als anisotrop erweisen und solchen des tetra- 
gonalen und hexagonalen Systems, die in der Richtung der Hauptaxe 
doppelbrechend sind. Dabei zeigt sich jedoch vielfach, dass nur gewisse 
Varietäten eines und desselben Minerals anomale Erscheinungen dar- 
bieten, während andere sich ganz gesetzmässig verhalten, ferner dass die 
anomale Erscheinung nicht an allen Stellen derselben Erystallplatte die- 
selbe ist und dass häufig auf solchen Platten bei der Betrachtung zwischen 
gekreuzten Nicols eine Theilung in Felder und Sectoren eintritt. Nach 
den Untersuchungen von C. Klein und Ben-Saudk können die anomalen 
optischen Erscheinungen eines Erystalls sogar verschieden sein, wenn die 
aus ihm hergestellten Platten verschiedenen Flächen parallel gehen. 

Gewöhnliche Beispiele anomalen optischen Verhaltens bieten im 
regulären System gewisse Vorkommnisse des Alauns, Steinsalzes, Diamants, 
Oranats und Flussspaths, ferner der Boracit, Leucit und Perowskit; im 
tetragonalen System Apophyllit, Zirkon, Vesuvian, Mellit, im hexagonalen 
System Turmalin, Beryll, Chabasit etc. 

Die Erklärung dieser Abweichungen ist in verschiedener Weise 
versucht worden, namentlich sind 3 Anschauungen hervorzuheben, die 
zwar für gewisse Fälle die zweifellos richtige Deutung geben, für andere 
jedoch nur als hypothetisch gelten können. 

1. Die optischen Anomalien sind die Folge von im Innern 
des Erystalls herrschenden Spannungen. 

Durch den Versuch lässt sich nachweisen, dass Glas und die ver- 
schiedensten regulären Mineralien durch Druck und Pressung doppelt 
brechend werden, wie es am bequemsten mit einem von Bücking con- 
struirten Apparat nachgewiesen werden kann , der die Grösse der aus- 
geübten Pressung zu reguliren und messen gestattet. Glasstreifen, die 
mit der Hand gebogen werden, hellen das Gesichtsfeld bei gekreuzten 
Nicols auf. In der isotropen Blende bilden sich bei massigem Druck 
anisotrope Banden parallel den Oktaederflächen. Die gleiche Wirkung 
wie der Druck haben Erwärmung und schnelle Abkühlung. 

Alaun, aus einer stark mit COg geschwängerten Lösung auskry- 
stallisirt, ist anisotrop, wenn dagegen chemisch rein oder ohne isomorphe 



Optische Anomalien und deren Ursachen. 199 

Beimischung, isotrop. In wieweit einfache Spannungen von Einfluss sein 
können , lässt sich aus dem Umstand bemessen , dass Colloidsubstanzen 
(Gelatine) in Hohlformen von Oktaedern etc. erstarrt, Doppelbrechung zeigen. 
Analog können nun bei der Auskry stall isation aus wässriger Lösung, 
beim Erstarren aus dem feuerflüssigen Zustand, beim Fort wachsen in 
Folge mechanischer Einschlüsse (fremde Krystalle und Gase) Spannungen 
entstehen, die eine Störung der Molekularstruktur hervorrufen. 

Auf Spannung muss es auch nach Brauns zurückgeführt werden, 
wenn durch isomorphe Beimischungen sonst reguläre Krystalle doppel- 
brechend werden. Während die aus ungemischten Lösungen anschiessen- 
den Krystalle von Alaun, von Baryumnitrat und Bleinitrat isotrop sind« 
erlangen sie Doppelbrechung, sobald sie aus Mischlösungen auskrystalli- 
siren. Es liegt somit nahe, die gerade bei isomorph gemischten Mine- 
ralien häufig zu beobachtenden optischen Anomalien (z. B. Granat, Hauyn, 
Sodalith, Chabasit, Turmalin, Apatit, Vesuvian etc.) als Spannungs- 
erscheinungen zu deuten, die durch die Mischung chemisch verschiedener 
Substanzen innerhalb desselben Krystalls hervorgebracht wurden. 

2. Die von Mallard scharfsinnig vertheidigte Ansicht, dass 
die optischen Anomalien auf mimetische Zwilliugsbildungen 
zurückzuführen sind. 

Die häufige Beobachtung, dass Zwillinge die Symmetrie höherer 
Systeme nachahmen, bringt auf die Vermuthung, dass Krystalle mit 
anomalem optischen Verhalten Sammelformen darstellen, welche sich 
aus in cyclischer Zwillingsverwachsung befindhchen Individuen von nie- 
derer Symmetrie aufbauen, wobei die im convergenten Licht an Platten 
wahrzunehmende Feldertheilung einer solchen Deutung entspricht. 

Dazu kommt die experimentelle Wahrnehmung, dass durch Auf- 
einanderschichtung von optisch zweiaxigen Glimmer- und Penninlamellen 
die Erscheinungen optisch einaxiger Krystalle hervorgebracht werden 
können. Gleich dicke Spaltplatten von Kalkspathkrystallen, die mit den 
Spaltflächen auf einander gelegt und um 180® gegen einander gedreht 
sind, die also einen künstlichen Zwilling nach B bilden, wirken wie eine 
isotrope Platte. So wird es verständlich, wenn derartige Beobachtungen 
von Mallard verallgemeinert werden konnten und er die optischen 
Anomalien überhaupt auf wiederholte versteckte Zwillingsbildung zurück- 
führte. Nach ihm besteht der Alaun aus 8 hexagonalen, der Boracit 
und Flussspath aus 12 rhombischen, der Granat aus vielen triklinen, der 
Anaicim aus 12 rhombischen Individuen etc. 

3. Die Anomalie ist nur eine scheinbare, besteht nur für 
bestimmte Temperaturen und erklärt sich durch Dimorphie der 
Krystalle. 



200 Optische Anomalien und deren Ursachen. 

Jede der sub 1 und 2 erläuterten Anschauungen ist geeignet, in 
bestimmten Fällen die optische Anomalie zur Genüge aufzuklären. Für 
das eigenthümliche optische Verhalten jedoch, das gewisse Mineralien, 
wie Leucit, Boracit u. a., darbieten, erscheint eine anderweitige Erklärung 
nothwendig, nämlich die, dass überhaupt keine Anomalie vorliegt, sondern 
dass die Discordanz zwischen Form und optischem Verhalten durch Di- 
morphie zu Stande kommt in der Art, dass das Mineral unter Bei- 
behaltung der Erystallform, welche seiner Molekularstructur bei der Bil- 
dung entsprach, sich in Folge äusserer Einwirkungen (Temperaturver- 
änderung etc.) in eine dimorphe Modification umsetzte, der nun die op- 
tischen Eigenschaften entsprechen. Bei einer solchen Dimorphie ist also 
Bedingung, dass die die zweite Form aufbauenden Individuen Form- und 
Winkelverhältnisse darbieten, die die Beibehaltung der ursprünglichen 
Gestalt innerhalb sehr naher Grenzen ermöglichen. So wurde von Mal- 
LABD nachgewiesen, dass der seiner Form nach typisch regulär-hemi- 
edrische, seinem optischen Verhalten nach rhombische Boracit bei einer 
Temperaturerhöhung auf ca. 265 ^ plötzlich für alle Farben isotrop wird 
und dies auch bei weiterer Temperatursteigerung bleibt, dagegen bei 
sinkender Temperatur wieder anisotrop wird. — Ebenso wird, wie 
C. Klein dargethan, eine das optische Verhalten rhombischer Erystalle 
darbietende Platte von Leucit, dessen charakteristische Form das reguläre 
Ikositetraeder ist, bei beginnender ßothgluth isotrop. Zu beachten ist, 
dass der Leucit aus dem Schmelzfluss erstarrt ist, die Krystalle sich 
also bei einer Temperatur gebildet haben, wo Form und optisclies 
Verhalten dem regulären System entsprechen. Aehnliches gilt dann 
noch vom Tridymit, dessen scheinbar hexagonale Tafeln bei gewöhn- 
licher Temperatur sich optisch als Zwillinge trikliner Erystalle aus- 
weisen, bei einer Erwärmung auf etwa 130 ^ in der Richtung senkrecht 
zu den Tafeln aber einfach brechend werden, d. h. den Forderungen 
des hexagonalen Systems entsprechen. Auch für den äusserlich regulären, 
optisch rhombischen Perowskit dürfte nach C. Klein eine entsprechende 
Erklärung möglich sein, wenn es auch bisher noch nicht erwiesen ist. 

Für das Verständniss und die Deutung der optischen Anomalien 
mancher Mineralien kommt dann aber weiter noch in Betracht, dass 
wasserhaltige Mineralien, wie gewisse Zeolithe (z. B. Chabasit) nach den 
Untersuchungen C. Klbin's in Folge stattgehabter Verwitterung anomale 
optische Erscheinungen zeigen, die beim Erwärmen in Wasserdampf 
wieder in die normalen übergehen. In einzelnen Fällen mag auch Biot's 
Polarisation lamellaire zur Erklärung ausreichen. Dieselbe setzt 
lamellären Aufbau des Erystalls voraus , dessen Lamellen in ihrer Ge- 
sammtheit wie ein polarisirendes Glaspacket i^drken. 



Olanz, Schillern, Farbenwandlung, Asterismus. 201 

Von der reichen Literatur fiber optische Anomalien mag hier nur auf die 
zusammenfassende Preisschrift von R. Brauns, Die optischen Anomalien der Krystalle, 
Leipzig 1891, hinge vnesen sein. 

Capitel VI. 
Anderweitige optische Elgensehaften. 

§ 1. Olanz, Schiller, Farbenwandlung, Asterismus, Lichtfigaren. 

§ 2. Durchsichtigkeit. § 3. Farbe. § 4. Pleodhroismus. § 6. Fluorescenz. 

§ 6. Phosphorescenz. § 7. Lnminescenz. 

§ 1. Glanz. — Der Glanz zeigt sich im reflectirten Licht und 
hängt von der Oberflächenbeschaffenheit, der Grösse der Brechungsindices, 
von der Absorption imd anderem ab. Nach der Qualität desselben unter- 
scheidet man: 

Metallglanz, der sich typisch nur bei undurchsichtigen Mine- 
ralien findet. Metalle und viele Erze. 

Diamantglanz, typisch nur an durchsichtigen Mineralien. Diamant, 
Weissbleierz und andere Bleisalze. Eine Abart ist der diamantartige 
Metallglanz der Blende, des Rothgültigerzes etc. 

Glasglanz, bei den meisten durchsichtigen MineraUen ; die grosse 
Mehrzahl der Silicate. 

Fettglanz bei gewissen muschlig brechenden Mineralien wie 
Eläolith, Gangquarz, Cordierit. 

Perlmutterglanz bei leicht spaltbaren durchsichtigen Mine- 
ralien, veranlasst durch Totalrefiexion an dttnnen Luftschichten. Gyps, 
Glimmer, Desmin. 

Seidenglanz bei durchsichtigen faserigen Mineralien und durch 
die Faserstructur bedingt. Fasergyps, Faserkalk, Faserbaryt, Katzen- 
auge, Weissbleierz. 

Der grössere oder geringere Grad des Glanzes wird bedingt durch 
die äussere Beschaffenheit der Erystallflächen , durch die Structur, das 
Korn etc. Es lassen sich vielerlei Abstufungen unterscheiden, wie starker, 
schwacher Glanz, schimmernd (Feuerstein), matt (Kreide) etc. 

Die Vertheilung der Art und Stärke des Glanzes auf die verschie- 
denen Flächen eines Krystalls erfolgt wiederum im Sinne der Symmetrie. — 

Manche Mineralien besitzen die Eigenthümlichkeit, dass sie auf ge- 
wissen Flächen ihrer Krystalle oder in gewissen Richtungen einen eigen- 
artigen metallischen Schiller, einen milden Lichtschein ausstrahlen bezw. 
ein buntes Farbenspiel zeigen. So glitzert der Hypersthen metalhsch, 
beim Sonnenstein leuchten mehr oder minder zahlreiche Punkte im 
Innern auf (aventurisiren), mancher Feldspath, z. B. Albit von 



202 Farbenwandlung, Asterismus, Lichtfiguren. Absorption. 

Amelia in Virginia, Adular vom Zillerihal, besonders scliön aber die als 
Mondstein bezeichnete Feldspathvarietät von Ceylon erglänzt in einem 
milden, bläulichen Licht (glaukisiren); Farbenspiel beobachtet man 
an manchem Labrador (labradorisiren), vor allem aber am edlen 
Opal. Diese Erscheinungen des Schillerns und der Farbenwand- 
lung sind auf innere Reflexe an eingelagerten nadeligen, blättchen- 
förmigen oder unregelmässigen Interpositionen, an Luftporen und Haar- 
klüften zurückzuführen. Sind solche Interpositionen gleichviel welcher 
Art regelmässig angeordnet, so kommen auch entsprechend regelmässige 
Reflezbilder zu Stande, die deutlicher bald im auffallenden, bald im 
durchfallenden Licht erscheinen. Bei einseitig linearer Anordnung der 
Einlagerungen entsteht ein einzelner, gleitender Lichtschimmer, wie das 
besonders typisch an mugglig geschliffenen, faserigen Mineralien, den 
Katzenaugen, sichtbar wird; bei gitterartig durchkreuzenden Interposi- 
tionen entstehen drei-, sechs- und vielstrahlige Lichtfiguren oder Licht- 
reflexe. Diese sternartigen Bilder, die ausgezeichnet am Stemsapphir, 
aber auch an manchem Glimmer wahrnehmbar sind, haben den Namen 
Asterismus für diese Erscheinung veranlasst. 

Eigenthümliche Lichtreflexe werden auch bei fein gerauhter Ober- 
fläche der Erystalle sichtbar. Der Atlasschimmer mancher Ealkspath- , 
krystalle liefert ein Beispiel. Rührt die Zeichnung der Krystallflächen 
von orientirter Streifung oder von zahlreicher über die Fläche ausge- 
streuten Aetzgrübchen oder Hügelchen her, so entstehen wiederum im 
reflectirten Licht regelmässig strahlige Figuren, die Lichtfiguren 
im engern Sinn. Dieselben lassen sich auch durch künstliche Anätzung 
von Erystallflächeu erzeugen. — 

Die in einen Körper eintretenden Aetherschwingungen des Lichtes 
gehen nicht völlig ungehindert durch denselben hindurch, sondern theilen 
sich in höherem oder geringerem Maasse den Körpermolekülen mit, sind 
also in gewissem Sinne mit Resonanz zu vergleichen. Das eintretende 
Licht wird dadurch geschwächt. 

Vermehren durch die eintretenden Lichtstrahlen die Körpermoleküle 
ihre Schwingungszahl nur in solchem Grade, dass diese noch nicht zur 
eigenen Lichtemission ausreicht, so führt die Erscheinung den Namen 
Absorption, wird die Schwingungszahl derart erhöht, dass der Körper 
selbst leuchtend wird, so heisst die Erscheinung für den Fall, dass die- 
selbe mit der Bestrahlung beginnt und auf hört, Fluorescenz, dagegen 
Phosphorescenz, wenn sie erst nach der Bestrahlung beginnt und 
darüber hinaus noch eine Zeit lang fortdauert. 

Auf der Absorption beruhen im Wesentlichen die Eigenschaften 
der Durchsichtigkeit, der Körperfarbe und des Pleochroismus. 



Durchsichtigkeit. Farben der Mineralien. Körperfarbe. 203 

§ 2. Durchsichtigkeit. — Wenn ein Mineral alle eintretenden 
Lichtstrahlen ganz oder nahezu absorbirt, gleichviel, welches auch die 
Wellenlängen sind , so erscheint dasselbe im durchfallenden Licht undurch- 
sichtig. Lässt es dagegen Licht irgend welcher Wellenlänge mehr oder 
minder vollständig hindurch, so ist es durchsichtig, und zwar farblos durch* 
sichtig, wenn dies in gleicher Weise für alle Wellenlängen, farbig durch- 
sichtig, wenn es nur für bestimmte Wellenlängen gilt. Völlig homogen 
farhig durchsichtige Körper giebt es jedoch nicht. Es ist verständlich, 
dass man eine ganze Reihe von Abstufungen zwischen wasserhell durch- 
sichtigen, durchscheinenden und undurchsichtigen Mineralien unterscheiden 
kann und dass es Körper und Mineralien giebt, die für gewisse Farben 
durchsichtig, für andere undurchsichtig sind. 

Die Durchsichtigkeit eines Minerals hängt ferner sehr wesentlich 
von dessen Dicke ab, daher lassen sich an der Mehrzahl derselben die 
verschiedensten Grade der Durchsichtigkeit wahrnehmen. Mineralien, 
die auch in ganz dünnen Schichten noch nicht durchsichtig werden, 
heissen opak. Dahin gehören die Metalle und die meisten Erze. Doch 
wird u. A. auch der opake Magnetit, wenn er zwischen Glimmerlamellen 
eingewachsen ist (z. B. der von Pensburg), mit brauner Farbe durch- 
scheinend. 

Neaerdings ist auch die Durchlässigkeit der Mineralien gegen Röntgen-(X-)Strah1en 
von DÖLTER untersucht worden, "wobei sich keineswegs immer Uebereinstimmung mit 
Durchsichtigkeit ergeben hat. So ist Graphit für die X- Strahlen völlig durchlässig, 
wenig durchlässig sind Steinsalz, Flussspath und Muscovit, fast oder ganz undurch- 
lässig sind Gyps, Kalkspatb, Schwerspath, Zirkon, Blende, Zinnober etc. 

§ 3. Farbe der Mineralien. — Die an den Mineralien zu beob- 
achtenden Farben können verschiedene Ursache haben. 

Die sogen. Körperfarbe, das charakteristische Merkmal vieler 
Mineralien, beruht auf dem ungleichen Absorptionsvermögen der Körper 
für Licht verschiedener Wellenlängen, wird aber im Gegensatz zur 
Durchsichtigkeit im auffallenden Licht beobachtet. Die Farbe des 
Minerals kommt zu Stande durch Vermischung und Reflexion der bei 
der Absorption übrig gebliebenen Wellenlängen. Demnach sind also 
farblose Mineralien solche, die alle Wellenlängen in demselben Maasse 
absorbiren, wie sie in dem auffallenden Licht gemischt waren, farbige 
hingegen die, welche einzelne Wellenlängen ganz oder zum grössten 
Theü absorbiren und nun den Rest zurückwerfen. Die ausgelöschten 
Farben lassen sich durch ein Spektroskop controliren. Daraus folgt 
dann, dass die Körperfarbe eines Minerals abhängt von der Zusammen- 
setzung des auffallenden Lichts und somit manche Mineralien anders ge- 
förbt erscheinen, ob sie vom auffallenden Tageslicht, dem Licht der Gas- 
flamme oder dem Licht der Grubenlampe beleuchtet werden. Das nimmt 



204 Farbige und gefärbte Mineralien. Strichfarbe. 

man oftmals in der Grube wahr, wo die Erze ganz anders aussehen 
können , als man sie auf der Halde oder in den Sammlungen zu sehen 
gewöhnt ist. 

Man muss farbige (idiochromatische) und gefärbte (allochro- 
matische) Mineralien unterscheiden, je nachdem die Farbe von der Sub- 
stanz des Minerals selbst herrührt oder bedingt wird durch diejenige 
einer farbigen isomorphen Beimischung (dilut gefärbt) bezw. durch ein 
zufällig eingemengtes Pigment (mechanisch gefärbt). Zu den farbigen 
Mineralien gehören die Metalle, die meisten Erze etc., zu den gefärbten 
die grosse Mehrzahl der Oxy- und Haloidsalze. 

Während die Farbe für die idio chromatischen Mineralien ein charakteristisches 
Merkmal abgiebt, ist sie für die allochromatischen ganz nebensächlich und kann sich 
an verschiedenen Stücken desselben Minerales, ja an verschiedenen Stellen eines und 
desselben Stückes ändern. — Die rothe Farbe des Rothgüliigerzes ist idioch romatisch, 
die rothe des Garnallits, Heulandits, Apophyllits allochromatisch. Die Substanz der 
Blende ZnS ist an und für sich farblos, erhält aber durch dilute Beimischung 
von FeS den gewöhnlichen braanen oder schwärzlichen Farbenton. AehnKches gilt 
von vielen Magnesiasilicaten. Die verschiedenen Färbungen des Quarzes, Flussspatbes, 
Apatits etc. beruhen auf Pigmentirung. Als gewöhnliche färbende Beimengung fun- 
giren Metalloxyde (Fe, Cr, Ti etc.) und Kohlenwasserstoffe. 

Die Mannichfaltigkeit der an den Mineralien auftretenden Farben 
ist überaus gross; in der Hauptsache lassen sie sich aber auf die nach- 
stehenden, schon von Werneb hervorgehobenen zurückführen: weiss, 
grau, schwarz, roth, gelb, braun, blau, grün. Innerhalb derselben können 
eine grosse Anzahl von Schattirungen und Abstufungen unterschieden 
werden, deren scharfe Auffassung ftir die idiochromatischen Mineralien 
ein ausgezeichnetes Merkmal abgiebt. 

Zur genauen Bezeichnung der einzelnen Farben und Farbennuancen 
erweist sich die RADDE^sche „Internationale Farbenskala'' als praktisch. 

Durch Hinzutreten metallischen Glanzes werden die Farben noch 
in charakteristischer Weise modificirt (metallische Farben). 

Von der Körperfarbe eines Minerals ist die Farbe des Pulvers oder 
Striches (Strichfarbe) zu unterscheiden. Dieselbe tritt hervor, wenn 
man das Mineral pulvert oder auf einer Feile resp. unglasirten Porzellan- 
platte reibt. Bei den allochromatischen Mineralien ist die Strichfarbe 
durchweg weiss, bei den idiochromatischen durchweg um vieles heller, 
weil die Lichtzerstreuung sich geltend macht. Die Strichfarbe liefert 
ein wichtiges und leicht wahrnehmbares Merkmal bei der Erkennung von 
Mineralien. — 

Neben der vorstehenden, auf Absorption beruhenden Körperfarbe 
können an den Mineralien auch noch in anderer Weise Farben zu Stande 
kommen, die aber nicht so specitisch der Substanz anhaften und nur 
unter besonderen Umständen hervorgehen. Findet die farbengebende 



Oberflächenfarben. Pleochroismas. Azen der Absorption. Dichroskop. 205 

Absorption schon auf der äussersten Oberflächenschicht Yollständig statt, 
so ist die Färbung im reflectirten Licht eine andere als im durchfallenden 
Liebt und ist ausserdem noch von einem metallischen Schiller begleitet. 
Solche Oberfläch enfarben sind von den Anilinfarbstoffen, vom Kalium- 
permanganat her bekannt. Durch innere Reflexe werden Farben erzeugt, 
deren wir schon oben in § 1 als Irisiren, Labradorisiren, Glaukisiren ge- 
dacht haben. Auf Brechung und Dispersion beruht das Farbenspiel des 
Diamanten, auf Interferenz die bunten, zuweilen metallisch erglänzenden 
Anlauffarben, wie sie besonders schön auf Brauneisen-Sinter, auf Bunt- 
kupfererz und Kupferkies auftreten. 

§4. Pleochroismus. — Die Absorptionsfilhigkeit ist bei an- 
isotropen durchsichtigen Krystallen in verschiedenen Richtungen un- 
gleich, sowohl was die Qualität als die Quantität der Absorption anlangt. 
In dem Fall, dass die Qualität der Absorption, also die Absorption ein- 
zelner Wellenlängen verschieden ist, ist auch die Farbe in verschiedenen 
Richtungen, d. h. auf verschiedenen Flächen nicht mehr dieselbe. Diese 
Eigenschaft wir4 als Pleochroismus bezeichnet. 

Reguläre Krjstalle sind somit immer monochroitiscb. 

Diejenigen Richtungen, in denen die Absorption die grössten Ab- 
weichungen aufweist, heissen Axen der Absorption. In optisch ein- 
axigen Krystallen sind 2 Absorptionsaxen vorhanden, die mit der Haupt- 
axe und deren Normalen zusammenfallen (daher Dichroismus), in optisch 
zweiaxigen Mineralien sind 3 Absorptionsaxen vorhanden, die im rhom- 
bischen System den 3 optischen und damit auch krystallographischen 
Symmetrieaxen entsprechen. Dagegen fällt im monoklinen System nur 
noch die Symmetrieaxe , im triklinen System keine der optischen Sym- 
metrie- bezw. Krystallaxen mit den Absorptionsaxen zusammen. 

Da das blosse Auge immer nur den Gesammteindruck der in ver- 
schiedenen Richtungen herrschenden Farben erhält, so ist von Haidingeb 
ein kleines Instrument (Dichroskop, HAimKosR^sche Lupe) construirt, 
das gestattet, statt der sogen. Fiächenfarbe die Farbe jeder einzelnen 
Richtung gesondert wahrzunehmen. Dem Instrument liegt das Princip 
zu Grunde, dass ebenso wie bei der wechselnden Richtung eines durch 
einen anisotropen Krystall hindurchgehenden Lichtstrahls auch bei dem 
damit correspondirenden Wechsel der Schwingungsebene sich die Farben- 
unterschiede zu erkennen geben, dass man also im linear polarisirten 
Licht ein Mittel hat, die einzelnen Farben zu trennen. 

Das Instrument Fig. 318 besteht in der Hauptsache aus einem in einer Mes- 
singhülse befindlichen KalkspathspaltungsstÜck , dessen Länge so gewählt ist, dass 
ein kleiner quadratischer Ausschnitt in der die Hülse vom abschliessenden Metall- 
platte in Folge der Doppelbrechung 2 völlig von einander getrennte Bilder liefert. 




206 Fluorescenz. Phospborescenz. 

Hält man nun den zu untersuchenden farbigen anisotropen Krystall (am besten in 

Gestalt einer Platte) vor den quadratischen Ausschnitt, so beobachtet man in allen 

doppelbrechenden Richtungen jenes Erystalls gleichzeitig 2 mehr oder weniger 

verschieden gefärbte Felder, die aber bei einer gewissen (symmetrischen) 

Fig. 818. Stellung des Dichroskops zur Platte ident werden. In der Richtung der 

einfachen Brechung (der optischen Axe des Krystalls) zeigen natürlich 

beide Felder stets gleiche Färbung. 

Eine Modification dieses Verfahrens, namentlich bei der mikro- 
skopischen Untersuchung von Dünnschliffen von Vortheil, ist von 
TscMERMAK Vorgeschlagen. Man hat nur von dem Polarisatlonsinstrument 
oder dem polarisirenden Mikroskop einen der beiden Nicols zu ent- 
fernen. Durch Horizontaldrehung der Platte bekommt man dann nach 
einander die Farben der beiden verschiedenen Schwingungsebenen 
zu Gesicht. 

An manchen Erystallen lässt sich die Erscheinung des 
Pleochroismus direct wahrnehmen, so an manchen Beryllen, 
Cordieriten und Turmalinen, ferner am Pennin und besonders schön am 
künstlichen Magnesiumplatincyanür. Unter Benutzung des polarisirten 
Lichtes wird der Pleochroismus namentlich für den Petrographen zu 
einem werthvoUen Unterscheidungsmittel. So erkennt man Biotit, Tur- 
malin, Epidot am Pleochroismus und unterscheidet auf Grund desselben 
Hornblende von Augit. Praktisch wird auch für die Unterscheidung von 
Edelsteinen die Untersuchung auf Pleochroismus. 

§ 5. Fluorescenz. Die Fluorescenz findet sich unter den Mine- 
ralien selten, am schönsten an den grün oder blau gefärbten Fluss- 
spathen, namentlich an dem grünen von Derbyshire und Cumberland. 
Ein durch eine Sammellinse in einen solchen grünen Fluorit geworfener 
Lichtkegel lässt denselben in prächtig blauer Farbe aufleuchten. Bei 
Lampenlicht roth durchsichtiger Chrysoberyll erscheint im auffallenden 
Licht grün. Wendet man bei Fluorescenzuntersuchungen einen Kegel 
polarisirter Lichtstrahlen an, so werden letztere apolarisirt. 

§ 6. Phosphorescenz. — Dieselbe wird, wie oben erwähnt, 
hervorgerufen durch Erhöhung der Schwingungszahl der Körpermoleküle 
bis zum Selbstleuchten. Ausser durch Bestrahlung kann dies noch in 
anderer Weise bewirkt werden ; immer aber wird die Phosphorescenz nur 
bei einer beschränkten Anzahl von Mineralien wahrgenommen: 

Im einzelnen erfolgt die Phosphorescenz 

1. durch Bestrahlung (Insolation) seitens des Sonnen- oder Tages- 
lichtes. 

Diamant, gebrannter Baryt (Bologneser Späth); in geringem 
Maasse Strontianit, Calcit, Kreide, Aragonit, Fasergyps etc.; 
keine Silicate. 



Luminescenz. Thermische Eigenschaften. Wärmestrahlung. 207 

2. durch Erwärmung. 

Topas, Diamaut und Flussspafcli, wo zuweilen schon die 
Wärme der Hand ausreichend ist; bei anderen Mineralien (Phos- 
phorit, Calcit, manchen Silicaten) muss auf 100 und mehr Grad 
erwärmt werden. 

3. durch Elektricität. 

Der elektrische Funke ruft am grünen Flussspath, am Bo- 
logneser Späth Phosphorescenz hervor. 

4. durch mechanische Einwirkung. 

Beim Zerbrechen, Zerstossen, Kratzen, Schleifen und Reiben 
zeigen manche Mineralien wie Zinkblende (von Eapnik), Dolomit, 
MarmoüT, Quarz, Glimmer etc. die Erscheinung der Phosphorescenz. 

§ 7. Als Luminescenz bezeichnet man die Erscheinung, dass 
unter der Einwirkung von Röntgenstrahlen gewisse Substanzen und dar- 
unter zahlreiche Mineralien zum Selbstleuchten gebracht werden. Vor 
allen zeigt das Baryumplatincyanid diese Erscheinung im höchsten Grade ; 
unter den Mineralien sind es vornehmlich Flussspath, Scheelit, WoUa- 
stonit, Apatit, Zirkon, Ealkspath, Cerussit, Anglesit, Steinsalz, Eerargyrit, 
Matlockit, Diamant, Adular, Eieselzink u. a. Dabei ist aber zu bemerken, 
dass selbst bei dem gleichen Mineral die Leuchtkraft beträchtlich wechseln 
kann je nach dem Fundort, ja sogar je nach der Färbung. (Vergl. Kkil- 
HAGK, Ueber die Luminescenz. Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. Verhandl. S. 131. 
Bd. 50. 1898.) . 

Capitel Vn. 

Thermisehe, magnetische und elektrische Eigenschaften 
der Minerallen. 

1. Thermische Eigenschaften. 

Soweit 68 sich um die Ausbreitung der Wärme, also um Wärmestrahlung, 
Wärmeleitung und um die davon abhängige Eigenschaft der Ausdehnung durch 
Wärme handelt, bietet das thermische Verhalten der Mineralien und Krystalle das 
vollständigste Analogon zu dem optischen. Die Krystalle lassen in ganz gleicher Weise 
eine Eintheilung in thermisch isotrope und in thermisch ein- und zweiaxige Klassen 
zu, die sich mit den entsprechenden optischen und morphologischen Klassen völlig 
decken. Der praktischen Benutzung thermischer Eigenschaften zur Feststellung der 
äusseren Symmetrie der Krystallform steht jedoch die schwierige Art der Beobachtung 
hindernd im Wege. 

Nur die eben erwähnten, die Ausbreitung der Wärme bedingenden und be- 
gleitenden Erscheinungen der Strahlung, Leitung und Ausdehnung sollen hier eine 
kurze Erörterung finden. 

a) Wärmestrahlung. Dieselbe beruht gleich dem Licht auf 
Wellenbewegung und hat daher in ganz gleicher Weise die Erscheinungen 



208 Thermische Eigenschaften. Wärmeleitang. 

der Reflexion, der Brechung und Doppelbrechung, der Interferenz sowie 
der linearen bezw. circularen Polarisation etc. zur Folge. 

Vorzugsweise Bedeutung — weil nämlich leicht wahrnehmbar — 
haben die von der Absorption der Wärmestrahlen abhängigen Erschei- 
nungen. 

Mit Rücksicht auf dieselbe lassen sich wärmedurchlässige (dia- 
thermane) und wärmeundurchlässige (adiathermane) Mineralien unter- 
scheiden. Die beiden dadurch gebildeten Abtheilungen decken sich nicht 
immer mit den optischen Klassen der durchsichtigen und undurchsich- 
tigen Mineralien ; zwar sind alle undurchsichtigen Mineralien adiatherman, 
aber eine Reihe durchsichtiger Mineralien ist wenigstens für die dunklen 
Wärmestrahlen mehr oder weniger undurchlässig, so z. B. Ealkspath, 
Gyps, Alaun theilweise, vollständig das Eis. 

Diathermane Medien sind nicht für alle Wärmestrahlen gleich gut 
durchlässig; sie absorbiren einzelne, während andere ungehindert hin- 
durchgehen. Es lassen sich somit wärmefarblose und wärmefarbige 
(thermochroitische) Mineralien unterscheiden. So ist gewöhnlicher Alaun 
für das Licht völlig farblos, der Wärme gegenüber aber geförbt. Wärme- 
farblose Körper giebt es nur in geringer Anzahl, z. B. KCl, NaCl, 
AgCl, ZnS. 

b) Wärmeleitung. Die Leitungsfähigkeit für Wärme ist bei 
verschiedenen Mineralien sehr verschieden. Beim Silber ist sie am 
grössten; setzt man dieselbe beim Silber gleich 100, so ist nach Wikde- 
MANN und Fbanz (1853) die Wärmeleitungsfähigkeit für Kupfer 73,6, 
für Gold 53,2, für Zink 19, für Zinn 14,5, für Eisen 11,9, für Blei 8,5, 
für Platin 8,4, für Wismuth 1,8. 

Die verschiedene Wärmeleituiig kann zuweilen ein bequemes üntersuheidangs- 
merkmal abgeben. Marmor leitet die Wärme weit besser als Alabaster, und man 
kann daher z. B. durch Anfühlen mit der Hand das Material von Statuen und 
Ornamenten erkennen. Diamanten kann man durch das Gefühl unter anderen Edel- 
steinen heraus erkennen. 

Die Wärmeleitung in den Krystallen wird von deren Symmetrie 
beherrscht. Die isothermische Fläche — darunter eine Fläche verstanden, 
die um alle diejenigen Punkte beschrieben ist, in welchen zu gleicher 
Zeit und in gleicher Stärke eine von einem centralen Punkt ausgehende 
Temperaturerhöhung wahrgenommen wird — ist bei den regulären Kry- 
stallen eine Kugel, bei den hexagonalen und tetragonalen ein Rotations- 
ellipsoid und bei den rhombischen, monoklinen und triklinen Krystallen 
ein dreiaxiges EUipsoid. 

Versuche, die dies erhärten, wurden von S^narmont 1849 angestellt, welcher 
Krystallplatten mit einer dünnen Wachsschicht überzog und dieselben von der durch- 
bohrten Mitte aus mittelst eines heissen Drahtes erwärmte. Das Wachs schmolz dann 
in Figuren, die den Schnitten der isothermischen Fläche entsprechen. 



Thermische Eigenschaften. Aasdehnung der Wärme. 209 

Eine Modification dieses Yersaches rührt von Röntgen her, der aaf die an- 
gehauchte Ery stallplatte eine heisse Metallspitze setzte und den nicht verdampften 
Theil der Hauchschicht durch Lykopodiumpulver fixirt«. 

c) Ausdehnung. Die durch Wärme bedingte Ausdehnung der 
Mineralien schwankt wohl zwischen weiten Grenzen, ist aber für die 
festen Mineralien, gegenüber den flüssigen, sehr klein. Der lineare Aus- 
dehnungscoefßcient, also die relative Verlängerung für je 1^ ausgedrückt 
in Millionteln der Länge, ist für Eis 64, Silber 20, Kupfer 17, Gold 15, 
Eisen 12, Platin 9. Relativ gross ist er noch für: Salmiak 63, Stein- 
salz 40, Sylvin 38, Chlorsilber 33. Bei einigen Mineralien findet inner- 
halb bestimmter Temperaturen eine Contraction statt, z. B. beim Wasser 
unter 4^ Diamant unter — 42 ^ 

Die Ausdehnung der Krystalle als homogene Deformation erfolgt 
in vollster Uebereinstimmung mit der Symmetrie. Isotrope Krystalle 
dehnen sich nach allen Richtungen gleich stark aus; eine aus einem 
regulären Krystalle geschliffene Kugel bleibt bei jeder Temperatur eine 
solche. — Krystalle des tetragonalen und hexagonalen Systems erleiden 
in einer Richtung bald eine grössere, bald eine geringere Ausdehnung 
als in allen übrigen Richtungen. Die Ausdehnung in diesen ist soweit 
gleich, als es sich um morphologisch gleich werthige Richtungen handelt. 
Eine Kugel, aus derartigen Krystallen hergestellt, wird bei der Er- 
wärmung zu einem Rotationsellipsoid, dessen Rotationsaxe bald grösser, 
bald kleiner als die senkrechte Axe ist. So ist beim Kalkspath die 
Hauptaxe die Richtung der grössten Ausdehnung. Analog der optischen 
Eintheilung kann man auch hier in thermisch positive und thermisch 
negative Krystalle unterscheiden. — Die Krystalle der übrigen 3 Systeme 
haben in 3 auf einander senkrecht stehenden Richtungen verschiedene 
Ausdehnung; eine Kugel wird bei jeder anderen Temperatur als der, 
bei welcher sie hergestellt wurde, zu einem dreiaxigen Ellipsoid. Mit 
Rücksicht auf die dabei zu Tage tretende Beziehung dieses dreiaxigen 
EUipsoids zu der Orientirung der geometrischen Symmetrieebenen lassen 
sich hier 3 Klassen unterscheiden, die dem rhombischen, dem monoklinen 
und dem triklinen System entsprechen. Im Ganzen zerfallen also die 
Krystalle auf Ghrund ihrer thermischen Symmetrie in 5 Klassen. 

Wie ersichtlich, werden bei den anisotropen Krystallen durch die 
Wärmeausdehnung auch die Winkelverhältnisse beeinflusst. 

So beträgt nach Mitscherlich die Rhomboederkaote des Kalkspatba, die bei 
10*» C. 105« 4' mißst, bei einer Erwärmung um 100'' C. 104 • 56'. 

Bei diesen gilt also das Gesetz von der Winkelconstanz nur für 
eine bestimmte Temperatur; während bei den regulären Krystallen die 
Winkel bei allen Temperaturen unverändert bleiben. 

Klockmann, Mineralogie. 8. Aafl. 14 



210 Magnetische Eigenschaften. 



In jedem Fall bleibt aber die Symmetrie der Krystalle erhalten, 
und daraus folgt, dass auch bei den anisotropen Erjstallen diejenigen 
Winkel, die von den Symmetrieebenen eingeschlossen werden, und beim 
monoklinen System die rechten Winkel erhalten werden. 

Dass auch Temperaturänderungen die einmal bestehenden Zonen- 
Verhältnisse und die Rationalität der Indices nicht abzuändern vermögen, 
ist bereits auf S. 24 erwähnt, ebenso ist früher darauf hingewiesen, dass 
durch Aenderung der Temperatur die Grösse der Brechuugsindices und 
des optischen Axen winkeis, die Lage der optischen Azenebene und der 
Mittellinie eine Veränderung erleiden. 

2. Magnetische Eigenschaften. 

Die Eigenschaft der selb;stständigen magnetischen Attraction (per- 
manenter Magnetismus) kommt nur wenigen Mineralien zu; im ausge- 
sprochenen Maasse nur dem Magneteisen (natürlicher Magnet) und auch 
erst im angewitterten Zustand, in Spuren manchen Vorkommnissen des 
gediegenen Platins und des Magnetkieses. 

Dagegen wird eine ganze Reihe von Mineralien, namentlich eisen- 
haltige, vom Magneten angezogen oder wirkt wenigstens auf die Magnet- 
nadel ein (inducirter Magnetismus). Bei genügender Stärke des Magneten 
oder genügender Empfindlichkeit der Nadel lässt sich sogar die magne- 
tische Induction bei allen Körpern nachweisen. Sie zerfallen aber dabei 
in 2 Klassen, je nachdem sie von den Polen angezogen (paramagne- 
tisch) oder abgestossen (diamagnetisch) werden. 

Die Untersuchung auf ein derartiges Verhalten wird am besten so ausgeftihrt, 
dass man das betreffende Mineral in Stäbcbenform bringt und zwischen den Polen 
eines Hufeisenmagneten aufhängt. Die paramagnetischen Mineralien stellen sich 
axial, d. h. ihre Längsrichtung fällt in die Verbindungslinie der beiden Magnetpole, 
die diamagnetischen stellen sich äquatorial, d. h. ihre Längsrichtung steht senkrecht 
auf jener Verbindungslinie. — Noch einfacher ist es, das pulverisirte Mineral in einem 
dünnwandigen Glaßröhrchen zwischen den Polen eines Magneten aufzuhängen und 
die Einstellung zu beobachten. 

Die relative Grösse der magnetischen Induction hängt bei Krystallen 
von der Richtung ab. In regulären Krystallen verhalten sich alle Rich- 
tungen gleich; bei jenen des hexagonalen und tetragonalen Systems giebt 
es eine Richtung des grössten und senkrecht dazu des kleinsten Para-, 
resp. Diamagnetismus. Rhombische, monokline und trikline Krystalle be- 
sitzen 8 verschiedene Richtungen des stärksten, mittleren und schwächsten 
Magnetismus. Somit lassen sich auch hier wieder magnetisch isotrope und 
anisotrope, magnetisch einaxige und zweiaxige Krystalle etc. unterscheiden. 

Von der Eigenschaft, namentlich der eisenhaltigen Mineralien, durch einen 
kräftigen Magneten angezogen zu werden, macht man in der Petrographie Gebrauch. 



Elektrische Eigenschaften. 211 



Mit Hülfe eines Elektromagneten lassen sich eisenhaltige Mineralien, Augit, Horn- 
blende, Olivin, Granat, Magneteisen etc. von eisenfreien Mineralien, Feldspatfa, Leucit, 
Nephelin etc. trennen. Technisch ausgedehnte Anwendung macht man davon bei 
der Aufbereitung der Erze (magnetische Separation; Wetherell-Verfahren u. a.). 

Während ein gewöhnlicher, d. h. relativ schwacher Magnetstab nur wenige 
Mineralien anzieht, wie ged. Eisen, Magneteisen, Magnetkies, geschieht dies im 
grosseren Umfang und bei allen eisenhaltigen Mineralien, sobald man diese rOstet 
oder glüht. Darauf beruht die Erkennung eisenhaltiger Mineralien vor dem Löthrohr. 



3. Elektrische Eigenschaften. 

Durch viele mechanische Processe, Reiben, Pressen, Spalten, Zer- 
drücken, sowie durch Erwärmung werden Mineralien in den elektrischen 
Zustand versetzt, der, wenn die Leitungsfähigkeit wie beim Bernstein, 
Schwefel und Quarz gering ist, durch das Anziehen leichter Körper 
sichtbar gemacht werden kann. 

Bei Erystallen erfolgt die Vertheilung der positiven und negativen 
Elektricität ganz im Sinne der Symmetrie. Ebenso ist auch die Lei- 
tungsfahigkeit in gleichen Richtungen dieselbe, in ungleichen verschieden. 

Die durch Ausübung eines einseitigen Druckes oder Zuges in 
Erystallen erregte Elektricität heisst Piezoelektricität; sie findet sich 
nur an Erystallen, denen das Centrum der Symmetrie fehlt und ist am 
Turmalin und Quarz studirt worden. Am auffälligsten aber lassen sich 
die Erscheinungen des elektrischen Zustandes an den Erystallen wahr- 
nehmen, wenn man sie wechselnden Temperaturen aussetzt. Die da- 
durch hervorgebrachte elektrische Erregung wird als Pyroelektricität 
bezeichnet. 

Erystalle des regulären Systems, soweit sie holoedrisch sind, werden 
nicht pyroelektrisch, wohl aber die hemiedrischen Formen und die Ery- 
stalle aller übrigen Systeme. An den Enden gleichwerthiger Symmetrie- 
axen entsteht gleiche (entweder positive oder negative) Elektricität, seit- 
lich dazu entgegengesetzte. Hemimorphe Formen haben dagegen an den 
beiden Enden der hemimorphen Axe entgegengesetzte Elektricität. Dabei 
ist nicht immer für ein und dasselbe Mineral die Art der Elektricität 
constant. An manchen Exemplaren werden dieselben Enden positiv, die 
an anderen negativ wurden. 

Der tetragonale Vesuvian wird beim Erwärmen auf der Basis positiv, auf 
den Prismenfl&chen negativ; 6yps wird auf den Längsflächen — , auf den Quer- 
flächen +, Kalkspath gewöhnlich an den Enden der Hauptaxe +# ^^^ den Seiten — , 
der hemimorphe Turmalin ist an einem Pol der Hauptaxe -|-, am andern —. 

Ganz allgemein zeigt sich die Eigenthümlichkeit , dass diejenigen 
Enden eines Erystalls, die beim Erwärmen positiv werden, beim Erkalten 
negativ werden und umgekehrt, nachdem auf kurze Zeit unelektrischer 



212 Elektrische Eigenschaften. 



Zustand eingetreten war. G. Rose, der die Pyroelektricität des Turmalins 
studirte, nannte dasjenige Erystallende, das beim Erwärmen positiv wird, 
den analogen, das Ende, das negativ wird, den antilogen Pol. 

Die Erscheinung der Pyroelektricität wurde zuerst durch Zufall am Tnrmaliii 
entdeckt. — Die zahlreichsten Untersuchungen über dieselbe wurden von G. Rose 
und namentlich von Hankkl angestellt. Eine ausgezeichnete Methode, die Vertheilmig 
der Elektridtät auf den Krystallfl&chen sichtbar zu machen, rührt von Kumdt her. 
Der durch Erwärmen elektrisch erregte Krystall wird mit einem Gemenge von feinem 
Schwefel- und Mennigpulrer bestäubt. Da ersteres negativ elektrisch, letzteres positiv 
ist, so werden die positiv elektrischen Flächen des Krystalls gelb, die negativ elek- 
trischen roth gefärbt. 



Schliesslich mag erwähnt werden, dass auch einzelne physiologische 
Eigenschaften der Mineralien als Merkmale zur Erkennung derselben von 
Bedeutung werden können. 

Dahin gehört der charakteristische Geschmack einiger in Wasser 
löslichen Mineralien, der Geruch (z. B. thoniger, bituminöser etc. Geruch), 
den einige namentlich beim Anschlagen mit dem Hammer oder beim 
Anhauchen von sich geben. Auch der Umstand, ob ein Mineral sieb 
fettig wie der Speckstein oder mager wie die Kreide anfasst, kann zur 
Erkennung dienen. 



IIL Abschnitt. 

Chemie der Mineralieii. 



Literatur. Rammxlsbbro, Handb. der Mineralchemie, 2. Aufl. 1875. Nach- 
trag 1886. — Groth, Tabellarische Uebersicht der Mineralien nach ihren brystailo- 
graphisch- chemischen Beziehnngen, 4. Aufl. Braunschweig 1898. — Fock, Einleitung 
in die chemische Erystaliographie. Leipzig 1888. — Döltir, Allgemeine chemische 
Mineralogie. Leipzig 1890. — Arzruni, Physikalische Chemie der Krystalle. Braun- 
schweig 1893. — Brauns, Chemische Mineralogie. Leipzig 1896. — Wähler, Die 
Mineralanalyse. Göttingen 1862. — Rose, Handbuch der analyt. Chemie, heraus- 
gegeben von FiNKENER 1867 — 1871. — f^ESEirius, Anleitung zur qualitativen Analyse, 
15. Aufl. 1866; Anleitung zur quantitativen Analyse, 6. Aufl. Braunschweg il875— 1884. 
— A. Classen, Handbuch der analytischen Chemie. 5. Aufl. Braunschweig 1900. — 
Derselbe, Ausgewählte Methoden der analytischen Chemie. Braunschweig 1901. 

Die in diesem Abschnitt zu besprechenden chemischen Verhältnisse 
der Mineralien beziehen sich theils auf die allgemeine Constitution der- 
selben, wobei die Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Erjstallgestalt 
und Constitution zur Hauptaufgabe wird, theils behandeln sie die von 
der Chemie gelieferten Merkmale zur Erkennung und Unterscheidung 
der Mineralien. 

Capitel I. 

§ 1. Allgemeine Constitation. § 2. Chemische Formeln der Mineralien, 

§ 3. Berechnung der Formeln. § 4. Isomorphie. § 6. Isomorphe 

Mischungen. § 6. Heieromorphie. 

§ 1. Nur eine sehr geringe Anzahl yon Mineralien besteht un- 
mittelbar aus den chemischen Elementen, wie Diamant, Schwefel, Gold, 
Silber, Kupfer, Platin, Arsen, Antimon, Wismuth und einige andere; die 
weitaus meisten sind einfache oder mehrfache Verbindungen der Elemente 
unter sich, und zwar sind es, was sich leicht erklärt, vorzugsweise 
solche Verbindungen, die im Wasser unlöslich oder doch schwer löslich 
sind. Die grossen Ghiippen der chemischen Verbindungen, die Säuren, 
Basen und Salze lassen sich in gleicher Weise auch bei den Mineralien 
wiederfinden, nur ist zu bemerken, dass die Säuren und Basen so, wie 
diese Verbindungen in der heutigen Chemie definirt werden (als Wasser- 
stoff- bezw. Hydroxylverbindungen), nur ganz spärlich vertreten sind, 



1 



214 Allgemeine chemische Constitution der Mineralien. 

während Säure- und Basisanbydride (Säuren und Basen im alten Sinne) 
sammt den Salzen die Gonstitutionsformen der grossen Mehrzahl der 
Mineralien darstellen. 

Auf einige der hauptsächlichsten binären Verbindungen und der Ver- 
bindungen höherer Ordnung mag hier im Allgemeinen hingewiesen werden. 

1. Zahlreicher als die binären Verbindungen der Elemente mit 
Sauerstoff (Oxyde) sind deren Verbindungen mit Schwefel und daran 
anschliessend die sich ganz analog verhaltenden Verbindungen der Ele- 
mente mit As, Sb, Se, Te. Dieselben werden kurz als Sulfoverbindungen 
bezeichnet. Je nach der Rolle derselben in den sogen. Sulfosalzen theilt 
man dieselben wohl noch unter Benutzung der alten, auf dualistische 
Anschauung gegründeten Nomenclatur in Sulfosäuren und Sulfobasen, 
während wir dieselben unter Beachtung der neueren Ansichten als Säuren 
oder Basen bildende Sulfide bezeichnen wollen. 

2. unter den Erzen erlangen die Sulfosalze eine grössere Be- 
deutung, deren Zusammensetzung ganz analog der der Oxysalze gedacht 
wird, d. h. als eine Verbindung, welche durch Ersetzung des Wasser- 
stoffs in der hypothetischen Sulfosäure durch ein Metall hervorgegangen 
ist. Beispiele von Sulfosalzen bilden unter vielen anderen Kupferkies, 
Buntkupfererz, Fahlerz, Rothgültig. 

3. Manche Mineralien bestehen aus verschiedenartigen Verbindungen, 
indem sich anscheinend Oxyde mit Sulfiden, Sauerstoffsalze verschiedener 
Art mit einander (Sulfate und Garbonate, z. B. Leadhillit), Sauerstoff- 
salze mit Haloidsalzen vereinigen. Dieselben werden in den meisten 
Fällen aus Mangel eines beweiskräftigen Kriteriums als Molekularver- 
bindungen aufgefasst. Andere Autoren (Gboth u. A.) denken sich die- 
selben jedoch zum grossen Theil aus einheitlichen Verbindungen her- 
vorgegangen, deren Hydroxylgruppen durch verschiedenartige Radikale 
ersetzt sind. Die grössere oder geringere Beständigkeit der einzelnen 
Theile in Lösungsmitteln, in vielen Fällen im Wasser, das Verhalten 
und Zerfallen bei der Verwitterung dienen alsdann als Kriterium. 

Einige hierher gehörige Beispiele sind : Rothspiessglanz 2 Sb^Sg + SbjO), resp. 
Sb2S20, Phosgenit PbCOs + PbCl^, resp. (PbCljjCOs, Apatit 8 Ca3P208 + CaCI^, resp. 
(P04)3ClCa5. Bezüglich des Glaserits Na^S04 + CaS04, des Eainits MgS04 -f KCl -f 3 H3O, 
des Camallits und der Sodalithe etc. kann jedoch nnr die eine Auffassung als Molekular- 
verbindung existiren, da dieselben durch Auflösen in Wasser in die einzelnen Salze 
zerlegt werden. 

4. Analoges gilt bezüglich des durch die Analyse festgestellten 
Wassergehaltes mancher Mineralien. In vielen Fällen handelt es sich, 
abgesehen von dem mechanisch umschlossenen oder hygroskopischen 
Wasser, um sogen. Krystallwasser, man hat es also mit einer Mole- 
kularverbindung zu thun, in andern ist es jedoch als Constitution s- 



Die chemischen Formeln der Mineralien. 215 

wasser yorhanden. Als Kriterium, wenn auch zweifelhafter Art, dient 
hier die Beobachtung, bei welcher Temperatur das Wasser entweicht. 
Im Allgemeinen nimmt man an, dass dasjenige Wasser, das unterhalb der 
ölühhiize entweicht, Erystallwasser sei, während dasjenige, das erst bei der 
Glühhitze entsteht, als hervorgegangen aus den im Mineral angenommenen 
Hydroxylgruppen angesehen wird. Eine scharfe Unterscheidung ist vor- 
läufig nicht durchzuführen. In manchen Fällen kommt es auch vor, dass 
man den Wassergehalt eines Minerals in Folge der verschiedenartigen Tempe- 
ratur, in der er flüchtig wird, theils aus Gonstitutions-, theils als Erystall- 
wasser auffassen muss. So entweicht ein Theil des Wassers im Serpentin leicht 
bei massigem Erhitzen, während der andere erst bei anhaltendem Glühen 
frei wird, Rammelsbkrg schreibt deshalb die Formel HjMgj,Si,Og + H^O. 
Ganz dasselbe gilt von vielen Silicaten, speciell von den Zeolithen. Hier 
ist die gegenwärtige Deutung, dass das Wasser oder ein Theil desselben 
als solches in dem Mineral nicht vorhanden war, sondern sich erst durch 
Zersetzung des Hydroxyls gebildet hat, von Wichtigkeit fQr die Con- 
stitution der Silicate überhaupt geworden. Es wird dann anknüpfend daran 
der WasserstojBFals isomorpher Vertreter der Alkalien und alkalischen Erden 
aufgefasst, wodurch die Formeln öfters eine Vereinfachung erfahren. 

5. Eine besondere Schwierigkeit in der Deutung ihrer Constitution 
machen die durch ihre grosse Zahl und ihre höchst complicirte Zu- 
sammensetzung ausgezeichneten Silicate. Bei ihnen hat namentlich die 
Lehre von den isomorphen Mischungen (siehe § 5), z. Th. auch die 
Rolle des Wasserstoffs, wie sie eben sub 4 besprochen ist, manches zur 
Aufklärung der verwickelten Constitution beigetragen. Näheres darüber 
im speciellen Theil. 

§ 2. Die chemischen Formeln der Mineralien sind zweierlei 
Art, theils sind es wirkliche Molekularformeln, die die Grösse der Molekel 
angeben. Das gilt jedoch nur von der überaus geringen Anzahl von 
Mineralien, die sich verflüchtigen lassen und so eine Dampfdichtebestim- 
niung gestatten oder sonstwie ihr Molekulargewicht feststellen lassen. 
Die Formeln der weitaus überwiegenden Mehrzahl drücken jedoch nur 
das Verhältniss der quantitativen chemischen Zusammensetzung aus. 
Man kann daher bei ihnen mit gleichem Recht entweder die Atomzahlen 
verdoppeln oder das einfachste Verhältniss benutzen, und vielfach wird 
ersteres in Hinsicht auf den Isomorphismus oder auf den Dimorphismus, 
bezw. zum Verständniss ded chemischen Aufbaus nothwendig. 

Die Mineralformeln können entweder als empirische oder als rationale 
Formeln geschrieben werden. Die ersteren drücken nur das zweifellos 
festgestellte Analysenresultat aus, und sie genügen daher vollkommen 
den Bedürfhissen des praktischen Mineralogen; die zweite Art verbreitet 



216 Berechnung der chemischen Formeln. 

sich dagegen über die Constitution, sei es nun, dass sie f&r die Aufklänmg 
des Baues von einem bestimmten Yerbindungstypus (typische Formel) oder 
von einem Structurschema (Structurformel, graphische Formel) ausgeht 
Diese Art chemischer Formein hat stets etwas Hypothetisches an sich, 
aber sie entspricht dem Streben nach wissenschaftlicher Erkenntniss. 

Neben diesen beiden Formeln hat sich aber in der Mineralogie 
vielfach noch die alte, auf der elektrochemischen Theorie von BsRZELirs 
beruhende dualistische Schreibweise erhalten. Auf der einen Seite der 
Formel steht der elektropositive, auf der andern Seite, bei den Salzen 
durch einen Punkt oder ein Komma abgetrennt, der elektronegative Be- 
standtheil der stets aus 2 Theilen bestehend gedachten Verbindung. Da 
die Nomenclatur sich noch vielfach der veralteten Anschauung anpasst, 
da die dualistische Formel dem Analysenresultat vollständig entspricht 
und da sie sich dem Gedächtniss viel leichter als jede andere Formel 
einprägt, so findet sie sich häufig noch angewendet und wird auch im 
speciellen Theil häufige Berücksichtigung erfahren. 

§ 3. Berechnung der chemischen Formeln. Die Darstellung 
der Methode zur quantitativen Analyse eines Minerals ist allein Gegen- 
stand der Chemie und der chemischen Handbücher (s. Literatur), dagegen 
ist die Verwerthung der Analysenergebnisse zur Berechnung der Mineral- 
formeln auch in der Mineralogie in Betracht zu ziehen. 

In die Mineralformeln werden nur die wesentlichen Bestandtheile 
aufgenommen, die zufölligen Bestandtheile, die mechanischen Bei- 
mengungen und Verunreinigungen werden ausser Acht gelassen und 
demgemäss die Analysen zumeist nach Abzug dieser zufälligen Bestand- 
theile wieder auf 100 ^/o berechnet. 

Verfahren. Man dividirt die erhaltenen Procentzahlen durch das 
jedesmalige Atomgewicht und erlangt dadurch das relative Verhaltniss 
der Atome in der Verbindung. Da diese Verhältnisszahlen hierbei in 
Form von Bruchzahlen erhalten werden, so muss man sie zum Schluss 
durch Multiplication noch in ganze Zahlen umwandeln. 

Die nähere Ausführung der Berechnung, für welche das auf folgen- 
der Seite aufgeführte Atomgewichtsverzeichniss nothwendig wird, mag 
durch einige Beispiele erläutert werden. 

1. Die Analyse eines Kupferkieses vom Ramberg im Saynischen (Westfalen) 
ergab nach H. Rose: 

Cu Fe S Si02 

34,40 30,47 35,87 0,27 = 101,01. 

SiO} als mechanische Beimengung bleibt anberücksichtigt; dividirt man die 
übrigen Zahlen durch ihre jedesmaligen Atomgewichte, so erhält man die Quotienten: 

^■*^^0M6O; -1^ = 0.5482; -#|1= 1,1273. 



63,12 -'—-' 55,58 -»— » g^gg 



Atomgewichte der Elemente. 



217 



Diese 3 Quotienten drücken das Yerhältniss von Cu : Fe : S aus ; setzt man 



den Quotienten Fe = 1 , so wird das Yerhältniss 



0,5450 



1,1278 



0,5482 • ' • 0.5482 ''^'' *"^«^- 
rechnet 0,994 : 1 : 2,056. Dafür lässt sich aber ohne Weiteres 1:1:2 setzen. Dem> 
nach ist die Formel des Kupferkieses CuFeS^, die als die Molekularverbindung GuS -\- FeS 
oder als ein Kupferoxydulsalz der Säure FeS . SH gedeutet werden kann. 

2. Gyps von Osterode am Harz ergab nach W. Hampe das Analysenresultat : 
SOs CaO H2O Fe^Os + AiPa 

46,61 32,44 20,74 0,15 = 99,94. 

FesOg und AI2O3 sind Verunreinigungen. Die Quotienten aus den Procent- 
zahlen und den Atomgewichten sind 

4Ml_,^,g,,^ -1141- = 0,5837; 4?^ = 1,1599. 



79,47 ^' ' 55,58 -'—" 17,88 
DafQr lässt sich, wie man sofort sieht, das Yerhältniss schreiben 1:1:2, d. h. 
die Formel des Gypses ist SOa . CaO + 2H2O oder CaS04 + 2H2O. 

3. Ein Adular vom St. Gotthard hatte nach Berthibr die Zusammensetzung 
SiOj AljOg K2O 

64,2 18,4 16,9 = 99,5. 

Die 3 Quotienten aus den Procentzahlen und den Atomgewichten sind 



64.2 



= 1,0707; 



18,4 



0,1814; -?^~- = 0,1806; 



59,96 *'--•' 101,44 ' — ' 93,60 

dieselben verhalten sich ziemlich genau wie 6:1:1, folglich ist die Formel des 
Adulars 6Si02 . AI2O3 . K2O, welche auch, da nichts über die MolekulargrGsse bekannt 
ist, als KA18i30() geschrieben werden kann. 

4. Ein Beispiel zur Berechnung der Formel von isomorphen Mischungen findet 
sich S. 220 aufgeführt. 

Die Atomgewichte der Elemente. 



Name der Elemente 
und chemischen Zeichen 



Für = 16,00 
(internationale 
Atomgewichte *) 



Für H = 1,00 

(didactische 

Atomgewichte) 



Aluminium AI 
Antimon Sb 
Argon A . . 
Arsen As . . 
Baryum Ba 
Beryllium Be . 
Blei Pb . . . 
Bor B ... 
Brom Br . . 
Cadminm Cd . 
Cäsium Cs . . 
Calcium Ca 
Cer Ce . . . 
Chlor Cl . . 
Chrom Cr . . 
Eisen Fe . . 
Erbium Er . . 
Fluor P . . . 
Gadolinium Gd 



27.1 
120 

39,9 

75,0 

137,4 

9,1 

206,9 

11 

79,96 
112,4 
133 

40 
140 

35,45 

52,1 

56,0 
166 

19 
156 



26,9 

119,1 
39.6 
74,4 

136,4 
9,03 

205,35 
10,9 
79,86 

111,6 

132 
39,7 

139 
35,18 
51,7 
55,6 

164,8 
18,9 

155 



^) Aufgestellt von der Atomgewichtscommission der Deutsch. Chem. Ges. für 1901. 



218 



Atomgewichte der Elemente. 



Name der Elemente 
und chemischen Zeichen 



Für = 16,00 
(internationale 
Atemgewichte) 



Für H = 1,00 

(didactifiche 

Atomgewichte) 



Gallium Ga 
Germanium Ge 
Gold Au . . 
Helium He . . 
Indium In . . 
Iridium Ir . . 
Jod J ... 
Kalium K . . 
Kobalt Co . . 
Kohlenstoff C . 
Krypton Kr 
Kupfer Cu . . 
Lanthan La 
Lithium Li . . 
Magnesium Mg 
Mangan Mn 
Molybdän Mo . 
Natrium Na 
Neodym Nd 
Neon Ne . . 
Nickel Ni . . 
Niob Nb . . 
Osmium Os 
Palladium Pd 
Phosphor P 
Platin Pt . . 
Praseodym Pr 
Quecksilber Hg 
Rhodium Rh . 
Rubidium Rb . 
Ruthenium Ru 
Samarium Sa . 
Sauerstoff . 
Scandium Sc . 
Schwefel S . . 
Selen Se . . 
Silber Ag . . 
Silicium Si . . 
Stickstoff N . 
Strontium Sr . 
Tantal Ta . . 
Tellur Te . . 
Thallium Tl . 
Thorium Th . 
Thulium Tu . 
Titan Ti . . 
Uran U . . . 
Vanadin V . . 
Wasserstoff H 
Wismuth Bi . 
Wolfram W . 
Xenon X . . 
Ytterbium Yb 
Yttrium Y . . 
Zink Zn . . . 
Zinn Sn . . . 
Zirconium Zr . 



70 
72 


69,5 
71.5 


197,2 


195.7 


4 


4 


114 


113.1 


193.0 


191.5 


126,85 


125,90 


39,15 


3836 


59,0 


58,56 


12,00 


11.91 


81,8 


81,2 


63,6 


63.1 


138 


187 


7,03 


6,98 


24,36 


24,18 


55,0 


54.6 


96,0 


95,3 


23,05 


22,88 


143,6 


142.5 


20 


19,9 


58,7 


58,8 


94 


93.8 


191 


189.6 


106 


105.2 


31,0 


30.77 


194,8 


193.3 


140,5 


139,4 


200.3 


198.8 


103,0 


102,2 


85,4 


84,70 


101,7 


100.9 


150 


148,9 


16,00 


15,88 


44,1 


43.8 


32,06 


31.83 


79.1 


78,5 


107.98 


107,12 


28,4 


28.2 


14,04 


13,93 


87,6 


86.94 


188 


181,6 


127 


126 


204.1 


202,6 


232,5 


230.8 


171 


170 


48,1 


47.7 


239,5 


237,7 


51,2 


50,8 


1,01 


1.00 


208.5 


206.9 


184 


182.6 


128 


127 


173 


172 


89 


88,3 


65.4 


64.9 


118.5 


117.6 


90,7 


90,0 



Isomorphie. 219 



§ 4. Eine besondere Bedeutung für die Mineralogie haben die Er- 
scheinungen der Isomorphie und Polymorphie, weil sich in den- 
selben gewisse Beziehungen zwischen Krystallgestalt und chemischer 
Zusammensetzung offenbaren. Die hier zu besprechenden Erscheinungen 
werden daher wohl als chemische Krystallographie bezeichnet. 

Mineralien heisseo isomorph, wenn sie mit analoger Ery- 
stallform analoge chemische Constitution verbinden und zu- 
gleich die Beobachtung lehrt, dass ihre Substanzen in jedem beliebigen 
Mischungsverhältniss homogene Krystalle bilden. 

Der Begriff des IsomorphiBmus wurde von Mitscherlich 1819 bei Untersuchung 
der isomorphen phosphor- und arsensauren Salze aufgestellt und 1821 von ihm der 
Name gegeben, nachdem schon 1815 Fuchs darauf aufmerksam gemacht hatte, dass 
gewisse Stoffe andere vertreten könnten. Eine völlige Einigung Über die Definition 
von Isomorphie und die Kriterien zu ihrer Erkennung steht jedoch auch heute 
noch aus. 

Die analoge Erystallform besteht darin, dass die betreffenden 
Mineralien in correspondirenden Winkeln sehr nahe üebereinstimmung 
zeigen, häufig auch dieselbe Formentwicklung erkennen lassen; ferner, 
dass auch in sonstigen Verhältnissen, wie die Art der Zwillingsbildung, 
die Spaltbarkeit, das optische Verhalten; verwandte Beziehungen ezistiren. 

Nur im regulären System stimmen die Winkel völlig Überein. Hier ist der 
Isomorphismus ein Isogonismus, hier versteht es sich aber auch, dass ander- 
weitige physikalische Analogien hinzutreten müssen. In allen anderen Systemen 
sind die Winkel isomorpher Krystalle nur angenähert gleich, daher eigentlich nur 
von einem Homöomorphismus die Rede sein dürfte (vergl. die Tabelle S. 221). 
In einzelnen Fällen finden jedoch in den Winkeln beträchtliche Abweichungen statt, 
so bei den Mineralien der Goethitgruppe (s. Tabelle); in anderen Fällen muss nach 
der gewöhnlichen Auffassung die analoge Erystallform auch da noch zugestanden 
werden, wo die einzelnen isomorphen Krystalle nur noch verwandten, aber nicht 
mehr derselben Symmetrieklasse angehören. So gilt durchweg der rhomboedrisch- 
hemiedrische Galcit als isomorph mit dem rhomboedrisch-tetartoedrischen Dolomit, 
der rhomboedrische Eisenglanz als isomorph mit dem trapezoedrisch-tetardoedrischen 
Titaneisen. 

Analoge chemische Constitution im engeren Sinn ist vor- 
handen, wenn in dem einen Mineral die Stelle eines oder mehrerer Ele- 
mente bei dem anderen durch die gleiche Anzahl gleichwerthiger und 
chemisch verwandter Elemente vertreten wird. 

So sind z. B. MgCOg und GaCOs chemisch analog constituirt, ebenso Ca5P30|2F 
(Fluorapatit) und Pb^AssOj^Cl (Mimetesit). 

Die einander vertretenden Elemente in isomorphen Mineralien heissen 
isomorphe Elemente. 

Das nachstehende Yerzeichniss giebt eine Uebersicht über die isomorphen 
Elemente : 



220 Isomorphie. 

I. Cl, Br, J, F; Mn*) (in den Permanganaten). 
IL S, Se; Te (in den Telluriden); Cr, Mn, Te in den Säuren H2EO4; As, Sb 

in den sogen. Snlfoverbindungen. 
m. As, Sb, Bi; Te (als Element); P, Vd (in Salzen). 
IV. K, Na, Cs, Rb, Li; Tl, Ag. 
V. Cu, Ba, Sr, Pb; Fe, Zn, Mn, Mg; Ni, Co, Cu; Ce, La, Di, Er, Y mit Ca; 

Ca, Hg mit Pb; Cd, Be, In mit Zn; Tl mit Pb. 
VI. AI, Fe, Mn, Cr; Ce, ü in den Sesquioxjden. 
VII. Ca, Ag in den Oxydulverbindungen; Au. 
VlIL Pt, Ir, Pd, Rh, Ru, Os; Au, Fe, Ni, Sn, Te. 
IX. C, Li, Ti, Zr, Th, Sn; Fe, Ti. 
X. Ta, Nb. 
XL Mo, W, Cr. 

Chemische Analogie im weiteren Sinn. Während man bei 
dem Vorhandensein einer wie oben definirten chemischen Analogie zweier 
Mineralien stets Isomorphie voraussetzen und deren Fehlen auf Poly- 
morphie (s. § 6) zurückführen darf, erkennt man jedoch auch ausserdem 
noch viele solcher Fälle als Isomorphie an, wo die chemische Analogie 
nur noch in der gleichen Anzahl von Valenzen, nicht mehr in der 
gleichen Anzahl von Atomen besteht. 

So gelten PbS und Ag^S meist als isomorph; in den Silicaten 
können für zweiwerthige Radikale wie Ca, Mg etc. 2 einwerthige wie E, 
Na, H eintreten. 

In diese Kategorie, d. h. unter Wahrung der Valenzen dürften auch die 
wenigen Fälle zugestandener Isomorphie zu rechnen sein, wo grössere Atomgrappen 
an die Stelle eines Radikals treten. Am auffälligsten ist dies an den ydUig isomorphen 
Kalium- und Ammoniumsalzen, in denen die Gruppe NH4 an Stelle von K tritt. 

Merkwürdig ist es, dass es auch einige seltene Fälle anscheinend 
echter Isomorphie giebt, wo die analoge chemische Constitution nur in 
der gleichen Anzahl von Atomen besteht. 

So sind CaC03 (Calcit) und NaNOs (Natronsalpeter), femer GaCOs (Aragonit) 
und KNOs (Kalisalpeter), NaAlSiSijOs (Albit) und GaAlAlSi208 (Anorthit) völlig 
isomorph, wie das durch die Bildung homogener Mischkrystalle bewiesen wird. 

Analoge Krystallform bedingt dagegen nicht immer Aehnlichkeit 
der chemischen Constitution und damit Isomorphie. £s giebt eine ganze 
Reihe von Beispielen, wo bei durchaus analoger Formentwicklung keine 
Beziehung der chemischen Formel hervortritt. So zeigen Rothgültigerz 
und Kalkspath, Chrysoberyll und Diaspor, Augit und Tinkal, Anatas 
und Chlorquecksilber in ihrer Winkel- und ihrer Formentwicklung grosse 
Aehnlichkeit. 



') Bei den durch Semikolon getrennten Elementen findet nur theilweise Iso- 
morphie statt. 



Isomorphie und isomorphe Mischungen. 221 

Bes'bnderen Werth erlangt die Isomorphie, abgesehen davon, dass 
sie zur Erschliessung der chemischen Formel einer Substanz dienen kann, 
für die Feststellung der verwandtschaftlichen Verhältnisse der Mineralien, 
also für die Systematik. Alle isomorphen Mineralien werden in eine 
isomorphe Gruppe oder Reihe zusammengefasst. 

Nachstehend sind die hauptsächlichsten isomorphen Gruppen auf- 
geführt, einzelne Gruppen unter BeiAigung der charakteristischen Winkel. 

Reguläres System, Pyritgruppe (Pyrit, Glanzkobalt, Speiskobalt, Chlo- 
anthit). Spinellgruppe (Spinell, Chromit, Magnetit). 

Hexagonales System. Arsengruppe (Arsen, Antimon, Wismutb, Tel- 
lur), Rothgültiggruppe (Proustit, Pyrargyrit). Oalcitgruppe (rhomboedrisch, 
z. Th. rhomboedr.-tetartoedrisch. Calcit 105^ 5'; Dolomit 106° 15% Manganspath 
106 • 51', Eisenspath 106 ^ Magnesit 107° 20'. Zinkspath 107° 40'). Korundgruppe 
(rhomboedrisch-hemiedrisch , z. Th. trapezoedr.-tetartoedrisch. Korund, Eisenglanz, 
Ilmenit). Willemitgruppe (rhomboedrisch-tetartoedrisch. Willemit. Phenakit, 
Troostit). Apatitgruppe (pyramidal-hemiedrisch. Apatit, Pyromorphit, Mimetesit, 
Yanadioit). 

Tetragonales System. Rutilgruppe (Rutil, Zinnstein, Zirkon). Scheelit- 
gruppe (Scheelit, Scheelbleierz, Wulfenit). 

Rhombisches System. Antimonitgruppe (Antimonit, Wismuthglanz, 
Selenwismuth). Markasitgruppe (Markasit, Arsenkies, Löllingit). Zinckenit- 
g r u p p e (Zinckenii, Wolfsbergit, Emplektit, Skleroklas). Goethitgruppe (G oethit 
94° 52' und 117° 30', Manganit 99° 40' und 122° 50'. Diaspor). Aragonitgruppe 
(Aragonit 116° 10', Strontiamt 117° 19', Cenissit 117° 14', Witherit 117° 48'). 
Barytgruppe (Baryt, Cölestin, Anglesit). Olivingruppe (Forsterit, Fayalit). 
Bronzitgruppe (Enstatit, Bronzit, Hypersthen). 

Monoklines System. Augitgruppe, Hornblendegruppe. 

Triklines System. Plagioklasgruppe. 

§ 5. Isomorphe Mischungen. Das charakteristischste und 
noth wendige Kennzeichen einer zwischen zwei Substanzen vorhandenen 
Isomorphie bildet die Fähigkeit derselben, in variablen Verhältnissen sich 
zu mischen und dabei homogene Krystalle zu bilden. Wenn auch in 
den meisten Fällen nur einzelne Mischungsverhältnisse bekannt sind, so 
muss man doch annehmen, dass alle möglichen Mischungsverhältnisse 
zwischen den einmal als isomorph erkannten Substanzen vorkommen 
können. 

Setzt man zu einer Lösung von Zinksulfat eine solche von Magnesiumsulfat, 
80 schiessen Krystalle an, die je nach dem Mischungsverhältniss beliebige Quantitäten 
Zn oder Mg enthalten. — Ein Alaunkrystall wächst in einer Lösung von Chrom- 
alaun- weiter. 

Viele Mineralien stellen überhaupt keine einfachen Verbindungen 
dar, sondern sind isomorphe Mischungen, wie die Fahlerze, viele Glieder 
der Ealkspath-, Spinell-, Augit-, Hornblende-, Plagioklasgruppe etc. 
Vielfach ist die Grundverbindung überhaupt nicht bekannt, wie beispiels- 
weise das Glied FeSiOj der Bronzitreihe. 



222 Vicariirende Beetandtheile. Berechnung der Formel isomorpher Mischungen. 

Dadurch, dass eine grosse Zahl Mineralien eine variable Mischung von zwei 
oder mehr isomorphen Substanzen darstellen, also wechselnde procentuale Zusammen- 
setzung haben, erföhrt die in der Einleitung gegebene Definition eines Minerals als 
constante chemische Verbindung eine gewisse Einschränkung. 

Diejenigen Elemente, die sich in isomorphen Mischungen vertreten, 
heissen vicariirende Elemente oder Bestandtheile ; es sind dieselben, 
welche als isomorphe Elemente auf S. 220 aufgezählt worden sind. 

Das quantitative Yerhältniss, in dem in einer isomorphen Mischung 
die vicariirenden Elemente zu einander stehen, kann in manchen Fällen 
durch einfache ganze Zahlen ausgedrückt werden; es braucht aber ein 
solches einfaches Yerhältniss nicht zu bestehen und hat auch in sehr 
vielen Fällen nicht statt. 

In der chemischen Formel der isomorphen Mischungen werden die einzelnen 
vicariirenden Elemente in eine Klammer zusammengefasst unter Fortlassung des 
variablen Mischungsverhältnisses, wohl aber werden oft diejenigen Elemente, deren 
Menge vorwiegt, stärker als die übrigen geschrieben oder gedruckt. So bedeutet die 
Formel (Ca, Mg, Fe) GO3 die isomorphe Mischung von xCaCOs -f jMgOOa + zFeCOj, 
wo X, 7 und z alle möglichen Zahlen ausdrücken können, x aber beträchtlich grösser 
ist als 7 und z. 

— Bei der Berechnung der Formel isomorpher Mischungen werden die 
aus den Anal78enzahlen und den Atomgewichten erhaltenen Quotienten aller isomorph 
sich vertretenden Elemente resp. Verbindungen addirt, die dadurch reducirte Anzahl 
von Quotienten im üebrigen aber, wie an den Beispielen auf S. 214 u. 215 erläutert, 
weiter behandelt. Nachstehende Berechnung einer von Ludwig am Epidot vom Sulz- 
bacbthal ausgeführten Analyse mag als Beispiel dienen. Die Analyse ergab: 
SiOj AI2O3 Fe^Os FeO CaO H^O 

37,83 22,63 15,02 0,93 23,27 2,05 ^ 101,73. 

Die Quotienten dieser Zahlen dividirt durch ihre Atomgewichte sind der 
Reihe nach 

a)^||_. 0.631; (2) -^ = 0,223; (3) ^|- = 0.095 ; 

(4) ^- = 0.013; (5) Jf- = 0,419,- (6) -^ = 0.115. 

Die Verbindungen AI2O3 und Fe.203 einerseits, FeO und CaO andererseits sind 
aber vicariirende, es müssen demnach die Quotienten (2) und (3) und ebenso (4) 
und (5) addirt werden. Dadurch erhalten wir nun die Quotienten SiO^ 0.631; 
(AlFe).20s 0,318; (FeCa)0 0,431; Eß 0,115, aus welchen sich in üblicher Weise da« 
Verhältniss der 4 Quotienten herleitet: SiOj : (AlFe^jOg : (FeCa)O : H^O = 6:3:4:1. 
Demnach ist die Formel des Epidote 6Si02 . 3(AlFe>203 . 4(FeCa)0 . H2O oder 
Si6(AlFe)6(FeCa)4H2026. 

Will man ganz allgemein ausdriicken, dass irgend ein Element in 
einem Mineral durch ein oder mehrere andere Elemente isomorph ver- 
treten werden kann, also zur Aufstellung einer allgemeinen Formel, so 
bedient man sich statt der speciellen chemischen Symbole der Buch- 
staben R oder 3Ie, häufig noch mit angehängten Werthigkeitsindices, 



Eigenschaften isomorpher Mischungen. 223 

also R^ oder W^, Ein Beispiel liefert der Epidot, dessen allgemeine 
Formel Si^R^R^Hß^^ sein würde. — 

Die Erkenntniss der isomorphen Mischungen hat viel zum Ver- 
ständniss der chemischen Zusammensetzung der Mineralien beigetragen; 
denn auf ärund derselben wird es begreiflich, dass Mineralien unter 
unwesentlicher Aenderung der Form und der physikalischen Eigenschaften 
wesentliche Schwankungen in ihrer qualitativen und quantitativen chemi- 
schen Zusammensetzung aufweisen. Namentlich ist durch sie die chemische 
Zusammensetzung der Silicate in ein neues Licht gerückt worden, nach- 
dem zuerst die widersprechenden Plagioklasanalysen von Tschermak als 
eine Folge des wechselnden Mischungsverhältnisses zwischen Albit- und 
Anorthitsubstanz erkannt worden waren (vergl. den speciellen Theil unter 
Plagioklas). Femer wird es aber auch begreiflich, dass noch nicht eine 
jede Aenderung der chemischen Zusammensetzung innerhalb der durch 
die isomorphen Mischungen gesteckten Grenzen die Unterscheidung selbst- 
ständiger Mineralspecies zu begründen vermag. Wenn also beispiels- 
weise unter den Plagioklasen neben dem Albit und Anorthit noch 
OUgoklas, Andesin und Labrador als besondere Mineralien herausgehoben 
werden, so kommt diesen nicht derselbe Ghrad specifischer Selbstständig- 
keit zu wie den Endgliedern Albit und Anorthit. 

Isomorphe Mischungen zeigen sowohl in morphologischer wie physi- 
kalischer Beziehung innerhalb gewisser Grenzen Abweichungen von den 
entsprechenden Eigenschaften der Grundverbindungen. 

In moi*phologischer Hinsicht lassen die bisherigen Erfahrungen 
noch kein bestimmtes Gesetz der Aenderung erkennen. Zwar besitzt der 
aus der isomorphen Mischung von Kalkspath CaCO^ (Rhomboederwinkel 
1050 5') und Magnesit MgCOg (Rhomboederwinkel 107 ^ 30') hervor- 
gegangene Dolomit CaCOg + MgCOg einen Rhomboederwinkel von 106^ 18' 
der dem arithmetischen Mittel seiner Grundverbindungen entspricht, und 
Analoges gilt von den verschiedenen Plagioklasen ; aber in anderen zahl- 
reicheren Fällen stehen die resultirenden Winkel in keiner Abhängigkeit 
von dem Mischungsverhältniss der Gomponenten, ja sie liegen zuweilen, 
wie bei den Mischungen des Kaliumpermanganats und Ealiumperchlorats, 
sogar ausserhalb der durch die einfachen Verbindungen gegebenen Winkel- 
grenzen. 

In physikalischer Hinsicht wird durch die isomorphe Substitution 
einzelner Bestandtheile mancherlei Aenderung hervorgebracht. So wird 
namentlich an den Silicaten die Veränderung im specifischen Gewicht, 
in der Farbe, Schmelzbarkeit etc. auffallig, die bei der gegenseitigen 
Ersetzung der Alkalien, alkalischen Erden, Metallozyde (weseiltlich des 
Eisens) und Wasser eintritt. — Auch die Bruchbeschaffenheit ist nicht 
constant. Während der Spinell und dessen isomorphe Mischung mit 



224 Morphotropie. Polymorphie oder Heteromorphie. 

Eisen (Ceylanit) durch muschligen Bruch ausgezeichnet sind, zeigt der 
Gahnit, in den Zink aufgenommen ist, deutlichen Blätterbruch. Gleiches 
gilt vom Nickelglanz und Chloanthit. 

Am wichtigsten wird die Abhängigkeit der optischen Eigenschaften 
von dem Mischungsverhältniss. Die Bronzitgruppe besteht aus der iso- 
morphen Mischung der beiden Silicate MgSiOg und FeSiOy. Die einzelnen 
Zwischenglieder sind nun nach Tschebmak dadurch ausgezeichnet, dass 
mit der Zunahme des Eisens sich der positive Axenwinkel vergrössert. — 
Noch bemerkenswerther und von praktischer Bedeutung wird die von 
ScHusTEB nachgewiesene gesetzmässige Aenderung der optischen Verhält- 
nisse bei den Plagioklaseu, wo es gelingt, aus dem regelmässig sich ändernden 
Auslöschungswinkel auf den Spaltflächen einen Schluss auf das Mischungs- 
verhältniss zu ziehen. Bei den Plagioklasen ist auch die Grösse des Axen- 
winkels und die Dispersion genau abhängig von der isomorphen Mischung. — 

In anderen Fällen ist dagegen eine regelmässige Aendening nicht 
immer zu constatiren; so liegen häufig die Brechungsindices nicht zwi- 
schen, sondern ausserhalb der durch die Grundverbindungen gegebenen 
Grenzen; auch die Lage der Axenebene wechselt unregelmässig. 

Analog der die isomorphe Vertretung begleitenden Formänderung 
kann auch eine solche Formänderung eintreten durch die Substitution 
des typischen Wasserstoffs von Verbindungen durch Atome und Atom- 
gruppen (Kadicale). Substanzen, die die gleiche Typenformel besitzen 
und sich nur durch die wechselnde Substitution ihres typischen Wasser- 
stoffs unterscheiden, zeigen in dem Axenverhältniss ihrer Erystalle viel- 
fach noch eine gewisse üebereinstimmung z. B. derart, dass sich nur 
die eine Axenlänge ändert, während das Verhältniss der beiden andern 
erhalten bleibt. Von Gboth wird diese Erscheinung als Morphotropie 
bezeichnet. 

Auch hier machen sich in mehr oder weniger gesetzmässiger Weise 
Abweichungen von der Form und den physikalischen Eigenschaften der 
Grundverbindung bemerkbar. 

Die Ursachen der Isomorphie und der isomorphen Mischungen 
müssen in dem analogen Bau des Erystallmoleküls (Krystallelements) 
gesucht werden. 

§ 6« Polymorphie oder Heteromorphie. Gewissermaassen den 
Gegensatz zur Isomorphie bildet die Polymorphie. Man versteht dar- 
unter die Eigenschaft mancher mineralischen und anderen Substanzen, 
trotz gleicher procentischer Zusammensetzung in verschiedenen nicht von 
einander abhängigen Formen zu krystallisiren. Selbstverständlich sind 
mit der verschiedenen Form auch verschiedene physikalische Eigen- 
schaften, namentlich verschiedenes specifisches Gewicht, verbunden, und 



Polymorphie. Isodimorphie. 225 



so entspricht die Polymorphie der in der Chemie gebräuchlichen Be- 
zeichnung Isomerie ^) und andererseits , soweit es sich um eine Poly- 
morphie der chemischen Elemente handelt, der AUotropie. Tritt die 
heteromorphe Substanz nur in 2 Formen auf, so nennt man dieselbe 
dimorph und die Eigenschaft Dimorphie; analog sind die Ausdrücke 
trimorph, Trimorphie etc. zu verstehen. 

Die gewöhnlichsten Beispiele der Polymorphie liefern die nachstehenden Stoffe : 
Kohlenstoff, tetramorph, als Diamant regulär, als Graphit und Oraphitit 
xnonoklin, als Schung^t amorph. — Schwefel, wahrscheinlich hezamorph; der als 
Mineral auftretende Schwefel ist rhombisch, ans dem Schmelzfluss erstarrt ist er 
monoklin ; ZnS als Zinkblende regulär, als Wurtsit hexagonal ; FeS^ als Pyrit regulär 
(spec. Gewicht 5,1), als Markasit rhombisch (spec. Gewicht 4,86); Si02 als Quarz 
hezagonaJ, als Tridymit rhombisch, als Christobalit regulär; Ti02 trimorph, als Butir 
tetragonal, als Anatas ebenfalls tetragonal, aber mit anderem Azenverhältniss , als 
Brookit rhombisch; CaCOs als Ealkspath rhomboedrisch , als Aragonit rhombisch; 
Al2Si05 als AndflJusit rhombisch, als Cyanit triklin; E2Al2SieOie als Orthoklas monoklin, 
als Mikroklin triklin etc. Fernere Beispiele sind Leucit, dann Boracit etc. 

Häufig lässt sich beobachten, dass die heteromorphen Modificationen 
einer Substanz in gewissen Zonen eine sehr grosse Winkelähnlichkeit 
besitzen, zuweilen überhaupt nur ganz geringe Winkeldifferenzen auf- 
weisen. Letzteres gilt in sehr auffalliger Weise vom Orthoklas und 
Mikroklin. Analoges kommt auch für die eigenthümliche Dimorphie des 
Leucits, des Boracits etc. (vergl. S. 198) in Betracht. 

Von besonderem Interesse ist noch die Erscheinung der Iso dimorphie. 
In manchen Fällen zeigt sich nämlich, dass eine ganze isomorphe Reihe, 
wenn nicht in allen, so doch in einzelnen Gliedern dimorph ist. 

Eines der ausgezeichnetsten Beispiele h'efert die isodimorphe Reihe Pyrit- 
Markasit. Die Reihe ist aufgebaut nach der Formel RQ'2> wo R als allgemeines 
Zeichen fQr Fe, Ni, Co — , Q für S, As, 8b gesetzt ist, und krystallisirt sowohl regulär 
wie rhombisch. Nachstehend sind einige Glieder dieser dimorphen Reihe aufgeführt. 

Regul&r. Rhombisch. 

FeSj Pyrit, Markasit, 

(Co, Fe) AsS Kobaltglanz, Danait, 

(Co, Ni, Fe) As3 Speiskobalt, Safflorit, 

(Si, Co, Fe) Asq Chloanthit, Weissnickelkies. 

Die Substanz CaCOg ist ebenfalls dimorph. An den rhomboedrischen Ealk- 
spath schliessen sich als isomorph an Magnesit MgCOg, Eisenspath FeCOg etc., an 
den rhombischen Aragonit Witherit BaCOs, Strontianit SrOOg, Cerussit PbCOs etc. 
Wenn nun auch BaGOß und PbCOa noch nicht rhomboedrisch, MgCOg und FeGOß 
noch nicht rhombisch beobachtet worden sind, so darf man wohl aus dem Umstände, 
dass sie wechselseitig in isomorpher Beimengung sich in rhombischen wie in den 
rhomboedrischen Garbonaten finden, den Schluss ziehen, dass auch sie dimorph sind 
und gelegentlich einmal als reine Verbindung aufgefunden werden könnten. Ja der 



>) Siehe letzten Absatz auf S. 224. 
Klockmann, Mineralogie. 8. Aufl. 15 






226 I)i® chemischen Kennzeichen der Mineralien. 

umstand, dass das Mineral BaCOs -f~ CaCOs, der Barytocalcit, monoklin krystallisirt, 
berechtigt zu der Folgerung, dass die ganze Reihe trimorph ist 

Die Dimorphie wurde von Mitschbrlich 1823 zuerst am Schwefel, der ab 
Mineral und aus Schwefelkohlenstofflösung rhombisch, aus dem Schmelzfluas monoUis 
krystallisirt, klar erkannt. Wie hier, so hängt es auch anderswo von gewissen Äusseren 
Verhältnissen ab, ob eine Substanz in Formen des einen oder anderen KrystaUsysieou 
sich ausscheidet. So scheidet sich GaCOa aus kohlensäurehaltiger LOsung in der 
Wärme durchweg als Aragonit, in der Kälte als Galcit ab. 

Vielfach lässt sich die Ueberführung zweier dimorpher Substanzen in einander 
durch blosse Erwärmung bewirken. Gelingt diese Ueberführung an beiden, ist 
also durch Erwärmen eine wechselseitige Umwandlung mOglich^ so heisst die Sub- 
stanz enantiotrop. Beispiele: Leucit und Boracit. Lässt sich dagegen durch Er- 
wärmung nur die eine Substanz in die andere umwandeln, nicht aber umgekehrt, so 
heisst dieselbe monotrop. So geht durch Erhitzen Aragonit in Kalkspath, Diamant 
in Graphit über, nicht aber umgekehrt. 

Ursprünglich suchte man, namentlich war es Hauy, die Ursache der Dimorphie 
in der Beimischung einer anderen, Form verleihenden Substanz ; beispielsweise glaubte 
man, dass die geringe Menge Strontian, die sich nach Strometer's Analysen im 
Aragonit fand, der Grund der rhombischen Ausbildung des Kalkcarbonats sei. — 
Theoretisch lässt sich die Polymorphie einer Substanz in ganz derselben Weise Ter- 
stehen, wie die Chemie die Isomerie erklärt; es liegt entweder eine verschiedene 
Molekulargrösse der heteromorphen Stoffe zu Grunde (Polymerie) oder die Herero- 
morphie ist die Folge verschiedenartiger Anordnung der Atome in der Molekel 
(Metamerie) oder was noch wahrscheinlicher, der verschiedenen symmetrischen Gmp- 
pirung der chemischen Molekel in der Krystallmolekel. 



Gapitel II. 
Die chemischen Kennzeichen der Mineralien. 

§ 1. Allgemeines, Löslichkeit» Schmelzbarkeit. § 2. Das Lothrohr- 
verfahren. § 3. Das mikrochemische Verfahren. 

§ 1. Von allen zum Erkennen von Mineralien geeigneten Merkmalen 
besitzen die chemischen den grössten Grad der Sicherheit und haben da- 
durch einen besonderen Werth, dass sie für sich allein schon, ohne dass 
irgend welche anderen Merkmale in Anspruch genommen werden müssten« 
die Natur eines Minerals feststellen lassen. Nur da, wo eine Substanz 
heteromorph ist, müssen noch andere Merkmale hinzutreten. 

Zu den chemischen Kennzeichen eines Minerals werden sein Ver- 
halten zu den Reagentien, vor dem Löthrohr, die Flammenfarbung, 
Schmelzbarkeit, die Löslichkeitsverhältnisse u. s. w. gerechnet. 

Zur unzweideutigen Feststellung der Natur eines Minerals genügt 
in den allermeisten Fällen die Untersuchung seines Verhaltens zu den 
Reagentien, d. h. wenn dieses Verhalten systematisch geprüft wird, die 
qualitative Analyse. Statt auf diesem umständlichen sogen, nassen Weg 



Verhalten der jMineralien gegen Lösungsmittel. 227 

lässt sich derselbe Zweck auch durch die Löthrohruntersuchung erreichen, 
und diese im Verein mit dem in jüngster Zeit ausgebildeten mikro- 
chemischen Verfahren verdient vor allen anderen den Namen specifisch 
mineralogischer üntersuchungsmethoden , da sie Schnelligkeit der Aus* 
ftihrung und Sicherheit des Resultats mit geringem Bedarf an Unter- 
suchungsmaterial, Reagentien und Utensilien verbindet 

Bevor wir auf beide Methoden näher eingehen, mag hier einiges 
auf die Löslichkeit und Schmelzbarkeit der Mineralien Bezügliches vor- 
ausgeschickt werden. 

Verhalten der Mineralien gegen Lösungsmittel. — Die 
Mineralien sind im reinen Wasser in verschiedenem Grade löslich, einige 
leicht, andere schwierig, noch andere, und zwar weitaus die meisten, 
erscheinen unter den Verhältnissen, die wir darzubieten vermögen, ganz 
unlöslich. Doch werden wir auch in letzterem Fall durch die Beob- 
achtung des natürlichen Vorkommens, die Art der Entstehung belehrt, 
dass absolut unlösliche Mineralien gar nicht oder nur in sehr begrenztem 
umfange vorkommen. 

Zn den in Wasser sehr leicbt löslichen Mineralien gehören Steinsalz, Sylvin, 
Soda, Camallit, Alaun, die Vitriole und einige andere Salze. Gyps ist schon schwie- 
riger löslich (1 : 500), noch schwieriger die meisten der salinischen Mineralien (Baryt 
1 : 5000000). Am unlöslichsten , resp. fQr unsere Verhältnisse vollständig unlöslich 
erscheinen die gediegenen Metalle, femer Schwefel, Diamant, die meisten der oxydi- 
schen und sulfidischen Erze, die wasserfreien Silicate, der Quarz etc. 

Die Löslichkeit im Wasser wird vermehrt durch Pulvern der Sub- 
stanz, durch Erhöhung der Temperatur (doch giebt es hier auch Aus- 
nahmen, z. B. Gyps), durch Anwendung von Druck und durch Hinzu- 
treten von Kohlensäure. Namentlich bei Gegenwart der letzteren, welche 
zugleich chemisch eingreift, werden wesentliche Mengen sonst unlöslicher 
Mineralien aufgelöst und selbst Silicate zersetzt; allerdings ist dann die 
Auflösung zumeist von einer chemischen Veränderung begleitet: man 
nimmt selbst von den Carbonaten, die in grösster Menge aufgelöst und 
als solche auch wieder ausgeschieden werden, an, dass sie als Bicarbonate 
in Lösung gingen. Eohlensäurehaltiges Wasser ist daher das wichtigste 
natürliche Lösungsmittel der Mineralien und ist fUr die Entstehung sehr 
vieler derselben von besonderer Bedeutung (vergl. Abschnitt V). 

Als sonstige Lösungsmittel, die aber durchweg eine chemische Zer- 
setzung und Umwandlung im Gefolge haben, sind die Mineralsäuren, wie 
Schwefelsäure, Flusssäure, Salzsäure, Salpetersäure, Königswasser zu er- 
wähnen. Dabei wird je nach den Umständen Schwefel, antimonige 
Säure, Kieselsäure, Kohlensäure, Schwefelwasserstoff abgeschieden, wäh- 
rend sämmtliche Basen in Lösung gehen. Man hat es daher eher mit 
Aufschliessungs- als mit Lösungsmitteln zu thun. Vielfach erfolgt die 



1 



228 Schmelzbarkeit. Löthrohrverfahren. 

Auflösung erst beim Erwärmen ^ oder bei manchen Silicaten (Granat, 
Vesuvian, Epidot, Axinit) nach voraufgegangenem Glühen oder Schmelzen. 
Durch eine solche Procedur wird nämlich das Silicat in einen physikalisdi 
differenten, daher leichter löslichen Zustand übergeführt. 

Andere Lösungsmittel oder besser Aufschliessungsmittel liefern die 
kaustischen Alkalien, Ealiumbisulfat u. a. Auch Schwefelalkalien können 
bei einigen Sulfiden als Lösungsmittel mit Erfolg angewendet werden. 

Schmelzbarkeit. — Die Temperatur, bei der Mineralien zum 
Schmelzen kommen, ist sehr verschieden und bei den wenigsten spedeller 
festgestellt. Dabei macht es einen Unterschied, ob das Mineral in 
grösseren Stücken oder nur in kleinen Splittern geschmolzen wird. So- 
weit die Schmelzbarkeit nur als Erkennungsmittel und zum Vergleich 
dienen soll, genügt die Untersuchung relativer Schmelzungsverhältnisse. 

y. KoBBLL hat eine Schmelzbarkeitsskala vorgeschlagen, die in der Reihenfolge 
vom leichtest zum schwerst schmelzbaren Mineral lautet: 

1. Antimonglanz (schmilzt schon an der blossen Lichtflamme), 2. Natrolith 
(schmilzt nur in feinen Nadeln an der Lichtflamme), 3. Almandin (schmilzt nicht 
mehr an der Lichtflamme, wohl aber recht gut vor dem Löthrohr), 4. Strahlstein 
(schmilzt vor dem LOthrohr und in dünnen Splittern noch ziemlich gut), 5. Ortho- 
klas (schmilzt unter gleichen Umst&nden schon schwer), 6. Bronzit (rundet «ich nur 
in den schärfsten Kanten vor dem Löthrohr noch etwas ab). 

Zur Prüfung hält man das zu untersuchende Mineralfragment mittelst Plaün- 
zange in die Spitze des blauen Lichtkegels eines Bunsen-Brenners oder einer Kerze. 
bezw. richtet man das Löthrohr darauf. Bei Mineralien, die Platin angreifen, benutzt 
man ein Kohlenstfick als Träger; um aber unmittelbar vergleichen zu können. 
empfiehlt sich die gleichzeitige Verwendung eines Mineralsplitters aus der angefahrten 
Skala. Bei einiger Üebung erlangt man jedoch ohne Weiteres ein Urtheil Über den 
Grad der Schmelzbarkeit. Letzterer lässt sich jedoch ausser durch jene Skala noch 
in der von Plattiiir angegebenen Weise charakterisiren , wonach 5 Abstufuni^en 
unterschieden werden: 1. leicht zur Kugel schmelzend, 2. schwer zur Kugel schmel- 
zend, 3. leicht in Kanten schmelzbar, 4. schwer in Kanten schmelzbar, 5. unschmelz- 
bar. — Ein genaueres üntersuchungsverfahren ist von Szabö angegeben. (Ueber eine 
neue Methode, die Feldspäthe auch in Gesteinen zu bestimmen. Budapest 1876.) 

§ 2. Das Löthrohrverfahren. 

Dasselbe beruht darauf, dass eine Reihe von Mineralien vor dem 
Löthrohr erhitzt entweder der Flamme eine charakteristische Färbung ver- 
leihen oder auf Kohle einen eigenthümlichen Beschlag geben oder sich 
in der Boraxperle mit bestimmter Farbe lösen etc., Merkmale, die be- 
zeichnend genug sind, um zur Erkennung der untersuchten Substanz 
zu führen. 

Die wichtigsten Utensilien sind das Löthrohr und die Flamme 
einer Oellampe, einer Kerze (am besten Paraffinkerze) oder eines Bunssx- 
schen Brenners. Die Flamme besteht bekanntlich aus einem innern leach- 



LOthrohruntenuchang. 229 



tenden Kegel (Reductionsflamme. R.-F.) und einer nicht leuchtenden 
Hülle (Oxydationsflanime. O.-F.). 

Weiteres Zubehör bilden Holzkohle, Platinzange (Pincette), Platindraht und 
Glasröhren; als specielle Lötbrohrreagentien sind aufzuftLhren : Borax» Phosphorsalz, 
Soda, Cjankalium, Salpeter, Kaliumbisalfat, Flussspath, Eobaltsolution , Probirblei, 
Magneeiumdraht. 

Bei einer systematischen Löthrohruntersuchung sind folgende Ope- 
rationen vorzunehmen: 

1. Prüfung in der Platinzange. 

Dabei lässt sich wahrnehmen: Flammenfarbung , Aufblähen, Ver- 
puffen, Erglühen, Decrepitiren, Schmelzen. 

Die Flammenfarbung ist namentlich für die alkalischen Erden, für die Borate, 
Phosphate und für Eupferverbindungen charakteristisch. Zur genaueren Untersuchung 
derselben bedient man sich des Spectroskops oder in einfacheren Fällen, um die 
störende gelbe Na-Iilamme abzuhalten, eines blauen Eobaltglases. — Mineralien, die 
Wasser enthalten, bl&hen sich oft auf, wie der Alaun, die borsauren Salze, Stilbit etc. ; 
Vermicolit blättert sich auf. — Verpuffen findet bei Nitraten statt. — Calcit, 
Strontianit, Gadolinit erglühen. — Manche anderen Mineralien, namentlich die Sulfide, 
decrepitiren. Bei diesen wird es dann zur Prüfung anderer Eigenschaften wohl 
nöthig, sie zu pulvern und mit Wasser zu einem dicklichen Brei anzurühren. — 
Noch andere Mineralien schmelzen und bei ihrer weiteren Untersuchung kann die 
oben mitgetheilte Schmelzbarkeitsskala berücksichtigt werden. 

2. Erhitzen der Substanz in der einseitig geschlossenen Glas- 
röhre, d. h. ohne Zutritt von Luft 

Dabei kann man ebenfalls etwaige Schmelzbarkeit, Phosphorescenz, 
auch wohl Verkohlen beobachten, im Besonderen findet statt Dampf- 
oder Gasentwicklung, z. B. Wasserdampf bei Hydraten, Kohlen- 
säure bei gewissen Carbonaten etc., oder es zeigt sich Sublimat- 
bildung. 

Ein weisses Sublimat geben Sb203, AsjOs, HgCl, HgCl), ein farbiges: S, die 
Schwefelverbindungen von Sb und As, der Zinnober etc. Auch ein Farbenwechsel 
der Substanz kann stattfinden, so ist ZnO in der Kälte weiss, heiss gelb ; entsprechend 
sind SnO hellgelb und gelbbraun, PbO gelb und braun etc. 

8. Erhitzen der Substanz in der offenen Glasröhre, also bei Zu- 
tritt von Luft (Rüsten). 

Hier sind besonders Beschlag und Geruch charakteristisch. 

Bei Anwesenheit von S- oder Se-Verbindungen entwickelt sich der eigenthüm- 
liche Geruch der schwefligen bezw. selenigen Säure. — As und Arsenverbindungen 
liefern einen weissen Beschlag in einiger Entfernung von der Probe. Sb und Sb- 
Verbindungen geben weissen Sb>Rauch und ein weisses Sublimat. Te und Te-Metalle 
entwickeln gleichfalls weissen Rauch, doch ist das Sublimat zu farblosen Tropfen 
sclunelzbar. — Bi-Verbindungen geben einen dunkelbraunen Beschlag in der Hitze, 
der beim Erhalten gelb wird etc. 



230 Löthrohruntersnchung. 



4. Erhitzen aaf Kohle mit oder ohne Soda. 

Charakteristische WahmehmuDgen bei dieser Prüfung beziehen sich 
auf den Qeruch, die Schmelzbarkeit, etwaige Beduction oder Oxydation 
und die Beschlagbildung. Namentlich die letztere ist von besonderer 
Wichtigkeit und führt häufig ohne Weiteres zur Erkennung der Substanz. 

5. Behandlung der Substanz mit der Borazperle. 

Der Borax (doppelt borsaures Natron) hat die Eigenschaft, in der 
Hitze Metalloxyde aufzulösen und dabei eine charakteristische Färbung 
anzunehmen, die oft verschieden ist, je nachdem die Perle mit der Oxy- 
dations* oder Reductionsflamme behandelt oder je nachdem sie beiss oder 
kalt ist (s. Tabellen). Aehnliche Zwecke verfolgt die Behandlung der 
Substanz mit der Phosphorsalz- (phosphorsaures Natron- Ammoniak)-Perle; 
dieselbe löst ausserdem in den Silicaten die Basen auf und scheidet die 
Eeselsäure in Form eines „Kieselskelets* ab. — Auch Soda wird in 
gleicher Absicht gebraucht. 

In den nachfolgenden Tabellen sind die wichtigsten Löthrohr- 
Reactionen der am häufigsten vorkommenden Elemente in alphabetischer 
Reihenfolge zusammengestellt. In die letzte Golumne sind ausserdem 
noch einige andere charakteristische Kennzeichen und Reactionen auf- 
genommen, die zur sicheren Erkennung des betreffenden Elementes dienen. 
Bemerkt mag werden, dass bei der Behandlung der Probe mit Soda auf 
Kohle etwaige Schwefelverbindungen zuvor abgeröstet werden müssen 
und dass bei regulinischen Metallen der Sodazusatz zu unterbleiben hat. 

Literatur, üeber die LOthrohruntersuchung der Mineralien vergl. Platther- 
RicHTER, Probirkunst mit dem Lötbrobr, bearbeitet von Eolbegk. 6. Aufl. Leipzig 
1897. — Lakdaüer, Die Lötbrobranalyse. 2. Aufi. Berlin 1881. — Hirschwald, An- 
leitung zur aystem. Lötbrohranal^se. Leipzig 1891. — Haushofer, Leitfaden für die 
Mineralbestimmung. Braunscbweig 1892. — v. Kobell, Tafeln zur Bestimmung der 
Mineralien. 13. Aufl. , bearbeitet von Oebbeke. München 1894. — Fuchs, Anleitung 
zum Bestimmen der Mineralien. 4. Aufl., bearbeitet von Brauns. Giessen 1898. -^ 
Moses u. Parsons, Elements of Mineralogy, Grystallograpby and Blowpipe Analyais. 
New York 1890. 



Lötbrohrtabellen. 



231 



Name des 

Elementes 

resp. der Ver- 

bindan^n. 



Flammen- 
färbung. 



Beschlag 

mit Soda 

auf Kohle. 



Verhalten 

in der 
Borazperle. 

O.-P. = Oxy- 
dationsflamme. 
R.-F. = Reduc- 

tionsflamme. 



Besondere 

Kennzeichen und 

Reactionen. 



Almniiiiiim« 



Antimon. 



Arsen. 



Barjum. 



Blei. 



Bor, 

Bors&ure. 



Brom. 



GrOnlichblau. 



Hellblau. 



Gelblichgrün. 

(mit Ausnahme 

der Ba-haltigen 

Silicate). 



Intensiv gelb- 
grttn, wenn mit 

Schwefelsäure 

angefeuchtet. 
Silicate werden 

am besten mit 

etwas gepalv. 
Flussspath und 

Kaliumbisulfat 
gemischt und die 

angefeuchtete 
Masse im Platin- 
draht behandelt. 



Mit Co- Solution 
befeuchtet und 
geglüht: blau. 

Weiss, an- 
fangs flüchtig, 

nachher ge- 
wöhnlich nicht 
mehr flüchtig. 



Weisser, flüch- 
tiger Beschlag, 
daher erst in 
einiger Entfer- 
nung von der 

Probe auf- 
tretend. Wird 
leicht reducirt 
und giebt einen 
knoblaucharti- 
gen Geruch. 



In der Nähe 
der Probe gel- 
ber Beschlag, 
weiterab weiss. 
Bleikom. 



Langsam zu 
einer klaren 
Perle auf lös- 
lich. 

O.-P. gelblich 

(heiss), farblos 
(kalt). In R..F. 

scheiden sich 

anfangs Sb- 

Flitterchenaus; 

nach längerem 

Blasen wird die 

Perle wieder 
klar. 



O.-F. gelb 
(heiss), farblos 

oder bei 
grösserem Zu- 
satz emailgelb, 
wenn kalt. 



Bei vielen AI-Verbindungen 

empfiehlt sich ein Pulvern 

der Substanz. 



Beim Erhitzen entwickelt 

sich ein dichter weisser 

Rauch. 



In ofiPener Glasröhre ein 
weisses flüchtiges Sublimat: 
in der geschlossenen Röhre 

geben Arsensulfide einen 
dunkelrothbraunen Be- 
schlag, wenn heiss; einen 
rothen, wenn kalt. — Mit 
Soda und Oyankalium in 

der geschlossenen Röhre 
erhitzt: Metallspiegel. 



Spectroskop. — In Lösung 

leicht durch Schwefelsäure 

zu erkennen. 



Gelber Niederschlag mit 
Kaliumchromat. 



In einer Schale mit 

Schwefelsäure und Alkohol 

erhitzt, brennt letzterer mit 

deutlich grüner Farbe. 



Entwickelt Bromdämpfe 

mit Kaliumbisulfat in der 

geschlossenen Röhre. 



232 



Lothrohrtabellen. 



Name des 
Elementes 
resp. der Ver- 
bindungen. 



Flammen- 
färbung. 



Beschlag 
mit Soda 
auf Kohle. 



Verhalten 

in der 
Boraxperle. 

O.-F. = Oxy- 
dationsflamme. 
E.-F. = Reduc- 

tionsflamme. 



Besondere 

Kennzeichen and 

Reactionen. 



Cadminm« 



Calcium« 



I Botbbraun 
nahe der 
! Probe, weiterab 
I orangegelb. 



Schwach 
rOthlichgelb. 



Chlor. 



Chrom. 



Eisen. 



Fluor. 



Gold. 



Jod. 



Kalium. 



Kobalt. 



Kein Be- 
schlag; nicht 
redudrbar. 



Kein Beschlag; 

magnet PnWer 

oder Masse. 



Violett, wenn 
kein Na zu- 
gegen. 



Sehr leicht 
Metallkom. 



O.-F. gelb 

(heiss), fast 

farblos (kalt). 



Leicht auf lös- 
lich, die Perle 
wird aber beim 
Abkahlen kry- 
stallinisch und 
unklar. 



O.-F. gelb bis 

dunkelroth 
(bei88),granlich- 
gelb bis gelb- 
lich (kalt). R.-F, 
smaragdgrün. 

B.-F. gelb bis 
roth (heiss), 

farblos bis gelb 
(kalt). R.-F. 
flaschengrün. 



Beducirt sich 

schon in der 

Perle. 



SmaJteblau bis 
dunkelblau. 



Citrongelber Niederschlag 

durch SH^, der sich in 
Schwefelammon nicht auf- 
löst. 

Spectroskop ! 



Eine durch Gu blau ge- 
nirbte Phosphorsalzperle 
förbt sich bei BerflhroBg 
mit Chlor intensiv puipor. 
Weisser Niederschlag mit 
Silbemitrat. 

Mit Salpeter geschmolzen 
und ausgelaugt, charakte- 
ristischer gelber Nieder- 
schlag mit Bleiacetat. 



Mit Salpeter geschmolzen. 

blauer Niederschlag mit 

gelbem Blotlaugensalz. 



In geschlossener Röhre er- 
hitzt, greift das sich ent- 
wickelnde Fl das Glas an. 
zuweilen wird ein Zusatz 
von Kaliumbisulfat nöthig. 



Entwickelt bei Behandlung 

mit Kaliumbisulfat Jod- 

dämpfe, die Stärkepapier 

blau ftxben. 

Kobaltglas, resp. Spectro- 
skop. 



Löthrob rtabellen. 



233 



Name des 

Elementes 

resp. der Ver- 

binduDgen. 



Flammen- 
färbnng. 



Beschlag 
mit Soda 
auf Kohle. 



Verhalten 

in der 
Boraxperle. 

-F. = Oxy- 
dationsflamme. 
R -F. a= Reduc- 
tionsflamme. 



Besondere 

Kennzeichen und 

Reactionen. 



Kohle 

in Form von 
Carbonaten. 

Kupfer. 



Lithium« 



XagBesinm. 



Intensiv car- 

minroth, bei 

Gegenwart von 

Na gelbroth. 



Mangan. 



Holjbd&B. 



Natrium. 
Nickel. 



Gelb. 



Kein Beschlag, 

leicht Kupfer- 

kom. 



Mit Go-Solution 

geglüht, wird 

der Beschlag 

roth. 



O.-F. gelbliches 

Pulver (heiss), 

weiss (kalt), m 

der Nähe der 

Probe jedoch 

kopferroth. An 

der R.-F. f&rbt 

sich der weisse 

Beschlag 

dunkel. 



Kein Beschlag; 
wird reducirb 
zu Flitterchen 
metallischen 
und magneti- 
schen Ni. 



O.-F. grün 

(heiss), blau 

(kalt). R.-F. 

undurchsichtig 

roth. 

Wie Kalk, kalte 

Perle milch- 

weiss. 



O.-F. amethyst- 
farbig (heiss), 
violettroth 
(kalt). R.-F. 
farblos. 

O.-F. gelb bis 
roth (heiss), 
farblos, resp. 
opalartig (kalt). 
R.F. die klare 
Perle f&rbt sich 
braun und wird 
undurchsichtig, 



O.-F. violett 
(heiss), roth- 
braun (kalt). 
R.F. trübe 
durch ausge- 
schiedenes Ni, 
bei längerem 
Blasen ^rblos. 



Entwickelt mit HCl Kohlen- 
säure. 



Färbt sich in Lösung bei 

Zusatz von viel Ammoniak 

intensiv blau. 



Spectroskop ! 



Wird bei Gegenwart von 
überschüssiger Salmiak- 

lOsung und Ammoniak aus 

Lösung als weisser kry- 
stallinischer Niederschlag 

durch Na-Phosphat ausge- 
fällt. 

Mit Soda in O.-F. entsteht 

eine blaugrüne Perle, selbst 

bei Gegenwart der meisten 

anderen Metallozyde. 



Spectroskop ! 



234 



Lötbrohrtabellen . 



Name des 

Elementes 

resp. der Ver- 

bindnngeD. 



Flammen- 
färbung. 



Beschlag 
mit Soda 
auf Kohle. 



Verbalten 

in der 
Borazperle. 

O.-P. = Oxy- 
dationsflamme. 
R.-F. = Reduc- 

tionsflamme. 



Besondere 

Kennzeichen und 

Reactionen. 



Phosphor 

in Form von 
Phosphaten. 



Grfin 

(bei den meisten 

Phosphaten 

namentlich bei 

Zusatz von 
Schwefels&nre). 



Queck- 
silber. 



Schwefel 

als Sulfid 
und Sulfat. 



Selen« 



Silben 



Slllrlnm 

in Form von 
Silicaten. 

Stickstoff 

in Form von 
Nitraten. 

Strontlnm« 



Tellnr. 



Carminroth. 



Grün. 



Auf blankem 

Silber blech 

Heparreaction. 



Grauer 
Beschlag. 
Schmilzt leicht 
mit blauer 
Flamme und 
stOsst charakte- 
ristisch 
riechende 
Dämpfe aus. 

Wird sehr 
leicht reducirt. 



Verpuffen. 



Weisser Be- 
schlag, gewöhn- 
lich mit rothem 

oder dunkel- 
gelbem Rand. 



O.-F. ftrbt die 

kalte Perle 

milchweiss oder 

opalartig. R.-F., 

nach längerem 

Blasen klar. 



Farblos (heiss), 

milchweiss 

(kalt). 

O.-F. farblos, 

wird in R.-F. 

erst grau, dann 

wieder farblos. 



In der geschlossenen Röhre 
mit metallischem Magne- 
sium behandelt und mit 
Wasser befeuchtet: Phos- 
phorwasserstoff. In fiber- 
schüssi^er SatpeiersäuFe ge- 
löst bei Zusatz von Ammo- 
niummolybdat langsames 
Ausscheiden eines gelben 
Pulvers. 

Mit Soda in der gesehlosseoei 

BAire granes Sablimat von 

metalliscnem Quecksilber. - 

Hf;-Sulfide geben in der Rohre 

einen schwarzen Beschlag. An 

beim Reiben roth wird. 

In der geschlossenen Röhre 

geben einige Sulfide 
Schwefel ab, andere schwef- 
lige Säure. 

In offener Glasröhre in der 

Nähe ein metallisches, 
weiterab rothes Sublimat. 



Aus Lösungen durch HCl 
niedergeschlagen. 



In der Phosphorsalzperle 
Eieselskelet. 



In der Röhre mit Schwefel- 
säure erhitzt rothe Dämpfe. 



In der offenen Röhre ein 
weisser oder grauer Be- 
schlag, der zu farblosen 
Tropfen schmust. 



LothrohrtabelleD. 



235 



Name des 
Elementes 
reep. der Ver- 
bindungen. 



Flammen- 
fftrbang. 



Beschlag 
mit Soda 
auf Kohle. 



Verhalten 

in der 
Borazperle. 

O.-F. = Oxy- 
dationsflamme. 
B.-F. = Reduc- 

tionsflamme. 



Besondere 

Kennzeichen und 

Beactionen. 



Titan. 


- 


Uran. 


— 


Vanadinm. 


— 


Wismnth. 


— 


Wolfram. 


— 


Zink. 


— 


Zinn. 


— 



Dunkelorange 
(heiss), citronen- 

gelb (kalt); 

sprOdes Metall- 

kom. 



Gelb (heiss), 

weiss (kalt); 

mit Co-Solution 

geglüht, schon 

gelblichgrün. 



Weisser, nicht 
▼erflüchtbarer 

Beschlag. 
Kleine Metall- 
flitterchen. 



O.-F., wenn 
stark i^esättifft 
und heiss, gelb ; 

kalt, farblos 
bis weiss. R.-F. 
gelb bis braun. 

O.-F. braun bis 

roth (heiss), 

gelblichgrün 

(kalt). 

O.F. farblos 

bis gelb (heiss), 

grünlichgelb 

(kalt). R.-F. 

bräunlich 
(heiss), chrom- 
grün (kalt). 

O.F. gelb bis 
gelblich roth 
(heiss), farblos 
bis opalartig 
(kalt); R.-F. an- 
fangs getrübt, 
später klar. 

O.-F. gelb (wenn 
stark gesättigt 
und heiss), 
emailartig 
(kalt). R..F. bei 
grösserem Zu- 
satz dunkel- 
gelb. 

O.-F. gelblich 
(heiss), farblos 
(kalt). R.-F. 
anfangs ge- 
trübt, später 
klar. 



Violette Phosphorsalzperle. 
— Mit Soda geschmolzen, 
dann in HCl gelöst und mit 
metallischem Zn oder 8n 
erhitzt, färbt sich die 
Flüssigkeit violett. 

Phosphorsalzperle in O.-F. 

grünlichgelb, in R.-F. schön 

grün. 



Reichlicher Zusatz von 

Wasser bringt in der Lösung 

einen weissen Niederschlag 

hervor. 



Blaue Phosphorsalzperle. 
Mit Soda geschmolzen, in 
HCl gelöst und mit metal- 
lischem Zn erwärmt, förbt 
sich die Flüssigkeit schön 
blau. 



' 



236 Mikrochemische Mineraluntersuchuog. 

§ 3. Das mikrochemische Verfahren. 

Dasselbe beruht als Untersuchungsmittel darauf, dass Mineralien in 
Berührung mit Lösungsmitteln oder verschiedenen Reagentien beim lang- 
samen Eintrocknen charakteristische Krystallisationsproducte geben. Da 
zu den Untersuchungen die allerkleinsten Fragmente ausreichen und die 
Beobachtung der gebildeten Krystalle unter dem Mikroskop vorgenommen 
wird, so versteht sich der für diese Methode gebrauchte Name. 

Die Methode ist zum ersten Male (1877) von Bobiky angewendet 
worden. Bei seinem Verfahren diente Ejeselflusssäure als einziges Losungs- 
mittel und Reagens. 

Das Mineralfragment, von der Grösse eines Stecknadelkopfes und mit der Lnpe 
ansgesncht, wird auf einem mit Canadabalsam überzogenen Objecttr&ger mit einem 
Tropfen Eieselflosssäure behandelt. Die beim langsamen Verdunsten sich ausschei- 
denden Fluorsilicium-Verbindungen besitzen durchweg charakteristische Gestalten, die 
unter dem Mikroskop wahrgenommen werden. So bildet das Kaliumsalz zumeist 
reguläre Würfel, das Na- Salz hexagonale Prismen mit der Basis oder der Bipyramide, 
das Ca-Salz spindelartige Formen, das Mg-Salz Rhomboeder etc. 

Weiterhin wurde von Behsens (siehe Literatur am Schluss dieses 
Paragraphen) eine Abänderung vorgeschlagen, wonach das Mineral, nach- 
dem es auf Platinblech mit Flusssäure aufgeschlossen und mit Schwefel- 
säure zur Trockne gedampft ist, in Wasser oder Salzsäure zur Wieder- 
auflösung gebracht wird. Die daraus auskrystallisirenden Salze erscheinen 
charakteristisch genug, um die Erkennung der Substanz herbeizuführen. 
Haushofeb (siehe Literatur) behandelt das Mineral im Probirröhrchen 
mit concentrirter Schwefelsäure und untersucht die aus dieser Lösung 
sich abscheidenden Sulfate. 

Bei der weiteren Ausbildung dieser Methode (siehe Literatur), um 
die sich ausser Behbens namentlich Stbeko Verdienste erworben bat, 
wurden neben dem Lösungsmittel, dessen Salze zur Untersuchung dienten, 
noch besondere Reagentien herangezogen, je nachdem diese zur Erlangung 
charakteristischer Krystallisationsproducte nothwendig wurden. Der Ein- 
wirkung der Reagentien geht die Behandlung des Minerales mit einem 
geeigneten Lösungsmittel vorauf. Die Methode ist dadurch ganz dem 
Gange der qualitativen Analyse analog geworden mit dem Unterschied, 
dass nicht die besonderen Umstände und Eigenschaften des Nieder- 
schlages, sondern in den meisten Fällen die Form der sich ausschei- 
denden Krystalle zur Erkennung führen. Bei der Auswahl der mikro- 
chemischen Reagentien kommt aber daneben noch die stete Rücksicht 
auf minimales Erforderniss der zu untersuchenden Substanz in Betracht, 
was dadurch erreicht werden kann, dass bei der Reaction die frag- 
liche Verbindung in ein möglichst vielatomiges Molekül einzutreten ver- 
anlasst wird. 



Mikrochemische Mineraluntersuchung. 237 

Der sorgfältig isolirte Mineralsplitier wird durch ein geeignetes Lösungsmittel 
entweder im Uhrglase, in kleinen Platingefässen etc. in Lösung gebracht und diese 
Losung, nachdem sie noch durch einen Tropfen Wasser verdünnt, mit Hülfe von 
Capillarpipetten auf mehrere Objectträger (oder wenn Flusssäure das Lösungsmittel 
war, auf Platinblech) vertheilt. Jedem einzelnen Theil wird dann mitteist eines 
Platindrahts sein besonderes Reagens zugesetzt Das Ausscheiden der Eryställchen 
kann man durch Erwärmen etwas beschleunigen. 

Nachstehend sind ft)r eine Anzahl wichtiger Elemente die mikrochemischen 
Beactionen zusammengestellt Für Bi, Sb, Cd, Cr, Mn, Wo, Zn und einige andere 
Elemente fehlt es noch an charakteristischen Reactionen, man benutzt bei diesen 
daher besser das Löthrohr. 

Ag. Behandeln mit HCl, Lösen des Niederschlags mit Salzsäure oder Am- 
moniak. Nach dem Verdunsten kleine Oktaeder von AgOl. 

AI« Cäsiumsulfat Reguläre Krystalle von Cäsiumalaun. 
An« Ein kleines Stück Stanniol wird auf dem Objectträger in der Wärme 
mittelst eines Tropfens HCl gelöst Die Goldlösung färbt sich dadurch purpur. 

Ba« Ferrocjankalium. Hellgelbe Rhomboeder oder rhomboedrische Com- 
binationen. 

Bi« Die salzsaure Lösung giebt mit Rubidiumchlorid dünne rhombische oder 
sechsseitige, farblose Tafeln. 

Ca« Schwefelsäure. Feine Nadeln, meist gabelartig verwachsen, von Gyps 
auch Zwillinge. 

Co« Salpetrigsaures Kalium und unter Erwärmen Zusatz von verdünnter Essig- 
säure. Gelbe, oft fast kreisrunde reguläre Kömchen (ooQoo und 0) von salpetrig- 
saurem Kobalt-Kalium. 

Ou« Viel Ammoniak und etwas Ferrocjankalium. Niederschlag von charakte- 
ristischer brauner Farbe. 

Fe. Für Ozydulsalze Ferricyankalium, für Oxydsalze Ferrocyankalium. Blauer 
Niederschlag. 

Hg« Mercurosalze geben mit verdünnter Schwefelsäure farblose rhombische 
Kiystalle von Hg2S04 mit monoklinem Habitus; Mercurisalze mit wenig Jodkalium- 
lösung einen rothen krystallinischen Niederschlag. 

K« Platinchlorid. Dunkelgelbe reguläre Kry stalle und Combinationen von 
K2PtCl6. 

LI« Natriumphosphat. Kleine an den Enden abgerundete oder gegabelte 
Prismen mit gerader Auslöschung. 

Mg« Natriumphosphat neben Salmiak und Ammoniak. Sehn eestem ähnlich 
gmppirte Nadeln in der Kälte; briefcouvertartige Skelete in der Wärme. 

Ho« Mit Salpeter und Soda geschmolzen, dann in Salpetersäure gelöst und 
unter Erwärmen eine Spur Natriumphosphat zugefügt: gelbe r^uläre Körnchen 
(0, ooOoo, ooO), 

Na« Uranylacetat Hellgelb gefärbte Tetraeder und tetraedrische Combina- 
tionen des Natrium-Üranylaoetats. 

Ni« Mit Ammoniak alkalisch gemacht, dann Zusatz von Kaliumsulf ocarbonat. 
Rosenrothe Färbung, die bald in Braun übergeht — Co muss jedoch vorher ent- 
fernt sein. 

P« Molybdänsaures Ammoniak in salpetersaurer Lösung. Gelbe reguläre 
Körnchen (0, ooOoo, cx>0). 

Fb« Verdünnte Salzsäure. Nadeln, abgeplattete Prismen mit gerader Aus- 
löschung, rhombische Täfelchen mit diagonaler Auslöschung. 



238 Mikrochemische Mineraluntenuchung. 

Pt« Wie bei An. Die Pt-Lösung wird tief braunroth gefärbt. 

Sil« Stanniverbindungen in salzsaurer Ldsnng mit KCl venetzt, bilden regolire 
Kiy stalle, vorwaltend 0, daneben mOm, mO von E^SnCl«. — Stannoveibindongen 
werden erst durch Salpetersäure ozydirt. — Metallisches Zinn in SalEsäure gelöst 
giebt mit Platinchlorid eine intensiv rothbraune Färbung. 

Sn Oxalsäure. Theils rechteckige Täfelchen, theils scheinbar quadratische 
stumpfe Pyramiden. 

V. SodalOsung, darauf Essigsäure. Gelbe Tetraeder (cf. Na). 

Einen besonderen Werth erlangt die mikrochemische Methode bei 
der petrographischen Untersuchung von Dünnschliffen. Die Isolirung der 
einzelnen Mineralien wird durch ein durchbohrtes Deckglas bewirkt, wo- 
durch der Zutritt des Lösungsmittels und des Reagenses ermöglicht wird. 

Literatur. Bo&ikt» Elemente einer neuen chem.-mikrosk. Mineral- u. Ge- 
steinsanalyse. Prag 1877. — Behrens, Mikrochem. Methoden zur Minenüanalyae. 
Verslagen en Mededeel. d. Akad. v. Wetensch., Afd. Naturk. (2) VII. 1881. Amster- 
dam. — Lehmann, Ann. d. Phys. u. Ghem. Neue Folge. Bd. 13, 8. 506. — Stbeüg, 
Neues Jahrb. f. Min. etc. 1888. II, 8. 865, ibid. 1885. I, 8. 21. — Haushofer, Mikro- 
skopische Reactionen. Braunschweig 1885. — Element et Renard, R^actions micro- 
chimiques. Bruzelles 1886. — Behrens, Anleitung zur mikrochem. Analyse. Hamburg 
und Leipzig 1895. — Fuchs- Brauns , Anleitung zum Bestimmen der Mineralien. 
Giessen 1898. — A. C. Hutsse, Atlas zum Gebrauch bei d^r mikrochem. Analyse. 
Leiden 1900. 



IV. Abschnitt. 

Die Lehre von den Lagerstätten der Mineralien. 



Literatur. Brxithaupt, Die Parageneds der Mineralien. Freiberg 1849. — 
y. CoTTA, Die Lehre von den Erzlagerstätten. Freiberg 1859-— 1861. — J. Grimm, Die 
Lagerstätten der nutzbaren Minemlien. Prag 1869. — y. Dbghbn, Die nutzbaren 
Mineralien und Gebirgsarten im Deutschen Reiche. 1873. — A. y. Gropdeck, Die 
Lehre yon den Lagerstätten der Erze. Leipzig 1879. — F. Zirkel, Lehrbuch der 
Petrographie. 2. Aufl. Bonn 1866. — H. Kossnbusch, Mikroskop. Physiographie der 
massigen Gesteine. 2. Aufl. Stuttgart 1887. — Derselbe, Elemente der Gesteins- 
kunde. 1898. — R. Beck, Lehre yon den Erzlagerstätten. Berlin 1901. 

Ausser einer Reihe specieller Mineraltopog^phien (Harz, Sachsen, Schlesien, 
Schweiz, Oesterreich-Ungam, Schweden, Theile yon Nord- und Süd- Amerika etc.) wird 
das geog^phische Vorkommen der Mineralien zusammenfassend behandelt in dem 
älteren Werk : G. Leonhard, Handwörterbuch der topographischen Mineralogie. 1848. 

Der Name Lagerstätte eines Minerales wird in doppeltem Sinne 
gebraucht. Einerseits versteht man darunter die natürliche Fundstätte 
eines Minerales unter Berücksichtigung der Art des Vorkommens, sowie 
aller umstände, unter denen dasselbe angetroffen wird, andererseits aber 
auch den selbstständigen, geologisch, d. h. nach Genesis, Zusammen- 
setzung, Form und Lagerung als Individuum charakterisirten Körper, den 
das beregte Material mit allen räumlich, genetisch und tektonisch mit 
ihm verknüpften Mineralien bildet. 

Wenn die Mineralogie sich nun auch nur mit den Lagerstätten im 
ersteren Sinne zu befassen hat, so ist doch im Interesse einer abge- 
schlossenen Darstellung auch die Rücksichtnahme auf die Lagerstätten 
als geologische Körper geboten. Denn da die Mineralien als wesent- 
lichstes Material, aus dem sich die Bausteine der Erde, die Gesteine, 
zusammensetzen, eine hohe geologische Bedeutung besitzen, so wird auch 
bei der Betrachtung der Mineralien ein Seitenblick auf Verhältnisse, deren 
Darstellung sonst der Geologie zukommt, nicht umgangen werden dürfen. 

Demgemäss sind in diesem Abschnitt zu behandeln: 
1. die Art des Zusammenvorkommens eines Minerales mit anderen, 
dieselbe Lagerstätte theilenden Mineralien und die charakteristischen Be- 
ziehungen mit einander vergesellschafteter Mineralien; 



240 Mineraigesellschafien. Paragenetische Verhältnisse. 

2. die durch das Zusammenvorkommen von Mineralien bedingte 
Structur ; 

3. die äussere Form der Lagerstätten; 

4. die Verbreitung der Mineralien in geographischer und geologi- 
scher Hinsicht; 

5. die verschiedenen Arten von Minerallagerstätten. (Eintheilung 
der Lagerstätten.) 

§ 1. Mineralgesellschaft. Mineralgemenge, Gombination 
und Formation. — Paragenesis, Succession. Generation. Mine- 
ralien treten auf ihren Lagerstätten entweder fQr sich allein auf, wie 
unter umständen Kalkspath, ßyps, Steinsalz etc. , oder häufiger in Ge- 
sellschaft mit anderen Mineralien. Letzteres ist z. B. der Fall bei den 
meisten Gesteinen und Erzlagerstätten. Eine derartige Mineralgesellschaft 
kann nun durch mehr oder minder zufällige Verhältnisse zusammen- 
geführt sein, wofQr die willkürlich wechselnden Mineralassociationen der 
klastischen Gesteine und mancher Seifen Beispiele geben. Solche Mineral- 
gesellschaften wollen wir als Mineralgemenge bezeichnen. Es können 
aber auch die mit einander dieselbe Lagerstätte theilenden Mineralien 
gewisse genetische, chemische und physikalische Beziehungen gemein 
haben, sodass ihr Nebeneinandervorkommen nicht als zufaUig, sondern 
als gegenseitig bedingt und charakteristisch anzusehen ist. Solche Mineral- 
gesellschaften bezeichnen wir bei den Gesteinen als Mineralcombina- 
tionen, bei den Erz- und Mineralgängen als Mineralformationen. 

Durch Sandberger und v. Groddbck ist es neuerdings in Gebrauch gekommen, 
den Ausdruck Mineralformation, wie er hier benutzt ist und ursprünglich von 
v. Herder, Freiesleben und BRErrHAUPx gefasst wurde, auf das zu beschränken, was 
in der Folge als Generation bezeichnet ist 

Aeusserlich tritt die gegenseitige Abhängigkeit der Mineralien am auffälligsten 
darin henror, dass die gleiche Mineralgesellschaft sich vom Ort und dem geologischen 
Alter unabhängig erweist, dass also, um die typischsten Beispiele zu erwähnen, die 
Mineralcombinationen der Eruptivgesteine sich über die ganze Erde und über aUe 
geologischen Perioden in gleicher Weise verbreiten. 

Die bei solchen Mineralgesellscbaften vorhandenen charakteristischen 
Beziehungen, die in erster Linie als genetische hervortreten, werden mit 
einem von BreithAupt eingeführten Wort als paragenetische Ver- 
hältnisse jedes auf der gleichen Lagerstätte auftretenden Minerales 
bezeichnet und demgemäss wird wohl auch die ganze Gombination oder 
Formation die Paragenesis des in Rede stehenden Minerales genannt 

Die Betrachtung und Discussion der paragenetischen Verhältnisse 
ist, wie sofort ersichtlich, in vielen Fällen geeignet, die näheren Um- 
stände in der Bildung und Umbildung, in der chemischen Zusammen- 
setzung etc. eines Minerales aufzuhellen und nicht minder häufig als 
Erkennimgsmittel eines Minerales zu dienen. 



Saocession» GeneratioD. Structor. 241 

In Mineralcombinationen und Formationen lässt sich sehr oft ein 
Altersunterschied der zusammensetzenden Mineralien feststellen, eine Er- 
scheinung, die den Namen Succession führt. Alle Mineralien gleich- 
zeitiger Entstehung bilden eine Generation. So folgen auf vielen 
Erzgängen successiv auf einander: 1. Quarz und Bleiglanz, 2. Kupfer- 
kies und Blende, 3. Ealkspath und Perlspath. Die unter eine Nummer 
zusammengefassten Mineralien bilden eine Generation, die auf einander 
folgenden eine Succession. 

Das YorhandeDsein von Mineralsuccessionen und die zn einer Generation ge- 
hörigen Mineralien werden in den meisten Fällen nicht schwer und an verschiedenen 
Umständen erkannt. 

Unter den Eniptivgesteinen tritt Succession namentlich bei den porphyrischen 
Oesteinen auf, während die Gesteine mit granitisch -kömigem Habitus in der Regel 
nur eine einzige Generation erkennen lassen. Die wohl auskrystallisirten und grösser 
entwickelten Mineralien der porphyrischen Gesteine sind früher erstarrt als die nach 
aussen nur unvollkommen ausgebildeten Mineralien der Grundmasse. — Auf Erz- 
gängen ist die Succession eine ganz gewöhnliche Erscheinung und hier auch zuerst 
in ihrer Bedeutung gewQrdigt. Die lagenfOrmige Structur zeigt den Altersunterschied 
an und lässt die den Salbändern zunächst liegenden Mineralien älter als die in der 
Gangmitte ausgeschiedenen erkennen. — Die in compacter Gesteins- oder Gangmasse 
befindlichen Mineralien sind durchweg älter als die in Drusen befindlichen. — 
Aufsitzende Mineralien sind jünger als die Träger. — Durch secundäre chemische 
Umwandlung gebildete Mineralien sind jünger als die auf derselben Lagerstätte 
befindlichen primären Mineralien. — Mineralien gleicher Generation sind im Allge- 
meinen durch ähnliche Formbeschaffenheit und innige, häufig in derselben Weise 
wiederkehrende Verwachsung ausgezeichnet. 

Auf vielen Minerallagerstätten wiederholt sich die Erscheinung, dass 
eine und dieselbe Mineralart zu wiederholten Malen gebildet worden ist. 
Vielfach sind alsdann die verschiedenen Generationen eines solchen Mine- 
rals mit verschiedenartigem Habitus ausgestattet. 

Der Ealkspath erster Generation von St. Andreasberg gehört der derben Gang- 
masse an, ist trübe, zeigt geringe Formenentwicklung (Rt, R), der Ealkspath 
zweiter Generation dagegen ist auf Drusen ausgeschieden, durchsichtig und aus- 
gezeichnet durch reiche krystallographische Entwicklung. Gleiches wiederholt sich 
bei den Ealkspäthen vieler Erzgänge und ähnliches gilt auch von vielen anderen 
Mineralien. — Die ältere Feldspathgeneration des Riesengebirges, die dem derben 
Gestein angehört, trägt einen ganz anderen kiystallographischen Habitus als die 
nachträglich auf Drusenräumen ausgeschiedenen Erystalle. 

§ 2. Structur oder Textur. Die räumliche Abgrenzung der 
einzelnen, auf einer Lagerstätte vereinten Mineralien gegen einander be- 
dingt bestimmte Yerbandsverhältnisse unter denselben, die als die Struc- 
tur oder auch als die Textur der Lagerstätte bezeichnet werden. 

Zunächst treten bei der Betrachtung der Structur Unterschiede der 
Cohärenz entgegen: lockeren und losen Mineralanhäufungen, wie in 
den meisten Seifen, den AUuvionen der Flüsse, Seen und Meere, stehen 

Elockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 16 



242 Stractur und Textur. 



fest mit einander verbundene Aggregate, wie in der Hauptmasse der 
Gesteine und in den Mineralgängen, gegenüber. 

Von wesentlicherer Bedeutung ist die Unterscheidung, ob die 
Structur einer Lagerstätte eine primäre ist, d.h. ob dieselbe unmittel- 
bar aus der Verwachsung der aus irgend welcher Lösung resp. dem 
feurigen Flusse sich ausscheidenden Mineralien hervorgegangen ist oder 
ob dieselbe secundär ist, d. h. entstanden durch Wiederverkittung der 
eine frühere Lagerstätte aufbauenden Mineralien. 

Zur ersten Kategorie zählen die massigen Öesteine, die meisten 
gangförmigen Lagerstätten, zur zweiten die klastischen Gesteine. Auch 
eine Vermischung beider Structuren findet statt, z. B. bei der Trümmer- 
structur mancher Mineralgänge und der Imprägnationsstructur 
(Fahlbänder, Enottenerze in den klastischen Sandsteinen von Commem 
und Mechernich). 

Der regellos-körnigen oder massigen Structur, bei der alle Ge- 
mengtheile wirr durcheinander liegen und die charakteristisch ist für 
fast alle Eruptivgesteine, steht diejenige gegenüber, bei der die einzelnen 
Gemengtheile schichten- oder lagenweise angeordnet sind. Bei den 
sedimentären Gesteinen, deren Gemengtheile successive sedimentirt sind, 
heisst letztere Structur geschichtet, bei den Mineral- und Erzgängen, 
die durch successive Auskrystallisation ihrer Mineralien ebenfalls eine 
lagenförmige Structur zeigen, heisst dieselbe krustenförmig. In letz- 
terem Fall unterscheidet man noch eine eben krustenartige und eine 
concentrisch krustenartige Ausbildung, letztere z. B. bei den Ringel- 
oder Cocardenerzen. Durch symmetrische oder unsymmetrische Wieder- 
holung derselben Mineralformation zu beiden Seiten des Ganges wird 
eine symmetrische oder unsymmetrische sogen. Lateralstructur her- 
vorgebracht. 

Die massige Structur wird als derb bezeichnet, wenn die Lager- 
stätte resp. der in Betracht gezogene Theil derselben wesentlich aus 
einem Mineral aufgebaut ist, als porphy r artig, wenn einzelne Mine- 
ralien gleicher oder verschiedener Art sich durch beträchtlich grössere 
Dimensionen vor den übrigen auszeichnen. Sie erscheinen alsdann als 
Einsprenglinge in einem kleiner körnigen Mineralaggregat, welches 
bei den Gesteinen den Namen Grundmasse führt. 

Hinsichtlich weiterer Structurmodificationen sei auf die zu Eingang 
dieses Abschnittes erwähnte Literatur, sowie auf die Hand- und Lehr* 
bücher der Petrographie verwiesen. 

§ 3. Die Lagerungs formen. Die Lagerstätten lassen sich, wie 
oben erwähnt, als Individuen im geologischen Sinn auffassen. Ihnen 
muss daher auch als Abgrenzung gegen andere geologische Körper eine 



Lagerangsfonnen. Verbeitang der Miseralieii. 243 

äussere Form zukommen, die als die Lagerungsform der Lagerstätte 
bezeichnet wird. Als solche Lagerungsformen lassen sich im Wesentlichen 
zwei, auf Altersbeziehnungen zu dem umgebenden Nebengestein ge* 
gründete Abarten unterscheiden ohne weitere Berücksichtigung verschie- 
denartiger Öenesis. 

1. Die Form der üeberlagerung. Hierher gehören alle jene 
Lagerungsformen, wo die Lagerstätte jünger ist als das liegende, aber 
älter als das hangende Nebengestein, falls ein solches vorhanden ist. 
Vielfach wird bei einer derartigen Lagerungsform einer Lagerstätte 
letztere mit dem umgebenden Nebengestein gleiches Streichen und Fallen 
haben. Besondere Formen sind die Flötze (grosse streichende Er- 
streckung bei relativ geringer Mächtigkeit), die Lager (geringe streichende 
Ersisreckung bei relativ grosser Mächtigkeit), die Linsen. 

2. Die Form der Einschaltung. Hier ist die Lagerstätte nach- 
träglich in den tektonischen Verband des Nebengesteins eingeschaltet 
worden, also jünger als das Liegende, aber auch als das Hangende. 
Im Allgemeinen durchsetzt die Lagerstätte das Nebengestein, weicht also 
vom Streichen und Fallen desselben ab. Als besondere Formen sind 
aufzuführen: die Gänge, Stöcke, Butzen, Nieren, ßeoden. 

§ 4. Verbreitung der Mineralien. Dieselbe kann nach drei 
Richtungen zum Gegenstand der Betrachtung gemacht werden. 

1. Nach dem Mass der Verbreitung. 

Die Mineralien sind in sehr verschiedenen Mengen über die Erde 
verbreitet. Es giebt solche, die überhaupt nur selten gefunden werden 
(gediegene Metalle, Diamant etc.), andererseits solche, die fast allein 
ganze Gebirgszüge aufbauen (Quarz, Ealkspath). Von Mineralien der 
letzten Art, die sich durch massenhaftes Vorkommen auszeichnen, sagt 
man, dass sie eine intensive Verbreitung besitzen, während als Mine- 
ralien extensiver Verbreitung solche bezeichnet werden, die überall 
und häufig vorkommen, wenn auch manchmal nur in kleiner Menge 
(Feldspath, Apatit, Schwefelkies). 

2. In räumlicher Beziehung. 

Eine Vertheilung der Mineralien nach geographischen Zonen, wie 
es bei den Thieren und Pflanzen der Fall ist, findet sich nicht bei den 
anorganischen Körpern; nichtsdestoweniger sind einzelne Gegenden der 
Erde durch einen besonderen Mineralreich thum ausgezeichnet, andere 
d^^g^Q ^T^^ &n Mineralien. Stets steht aber eine solche geographische 
Verbreitung der Mineralien im Zusammenhang mit dem geologischen 
Bau der betreffenden Gegend und ist von demselben abhängig. Ge- 
birgsgegenden, namentlich solche, an deren Aufbau Eruptivgesteine und 



244 Verbreitung der Mineralien. 

krystallioisclie Schiefer wesenÜich betheiligt sind, haben als typische 
Mineralfundstätten zu gelten, während in Gegenden mit sedimentäLrem 
Schichtenbau, insbesondere mit jugendlichen Sedimenten, Mineralien, wie 
sie der Mineralog für seine Sammlungen sucht, viel spärlicher auf- 
treten. — Auffällig bleibt der Umstand, dass einzelne Mineralien an 
gewissen Orten reichlich verbreitet sind, während sie anderswo fehlen 
oder gar auf gewisse Orte beschränkt erscheinen, ohne dass der geo- 
logische Orund dafQr sofort ersichtlich wäre. So ist der Enargit an 
mehreren Stellen Südamerikas ein gemeines Kupfererz, während er 
anderswo selten ist. Der Kryolith ist fast beschränkt auf den Arksut- 
fjord im westlichen Grönland; noch mehr gilt das vom Bothzinkerz, das 
allein, aber in grosser Menge am Stirling Hill und Mine Hill in New- 
Jersey U. S. vorkommt. 

3. In geologischer Beziehung. 

In geologischer Beziehung herrschen namhafte Verschiedenheiten 
im Auftreten der Mineralien, im Besonderen ist hier die Abhängigkeit 
des Vorkommens von der geologischen Natur und Genesis der Lager- 
stätten und damit zusammenhängend auch von deren Form und merk- 
würdigerweise zuweilen sogar von der Zeit zu betonen. 

Wenn auch die meisten Mineralien auf ganz yerschiedenem Wege 
entstehen können, demnach geologisch auf die verschiedenste Art vor- 
kommen, wie Quarz, Feldspath, Kalkspath, Magnetit etc., so sind andere 
doch wieder auf gewissen Lagerstätten entweder ganz besonders häufig 
oder geradezu auf dieselben beschränkt. Am auffalligsten tritt das ent- 
gegen bei einzelnen charakteristischen Mineralien der Eruptivgesteine, in 
denen allein Leucit, Nephelin, Melilith etc. gefunden werden, ferner bei 
denen der krystallinischen Schiefer und der Contactlagerstätten. Auch 
unter den Mineralien, die auf Drusen- und Hohlräumen in Eruptiv- 
gesteinen vorkommen, ebenso unter solchen, die auf Gängen, Lagern, 
Seifen sich finden, giebt es einzelne, die für diese besondere Form von 
Lagerstätten charakteristisch sind. 

So sind Zeolithe charakteristisch für die Ausfällung der Hohl- 
räume in basischen Eruptivgesteinen; Gold, Zinnstein, Diamant und 
einige andere Edelsteine kommen am häufigsten auf Seifen vor; sul- 
fidische Mineralien finden sich wiederum mit Vorliebe auf Gängen etc. 

In wie fem die Zeit eine besondere Bolle spielen kann, geht daraus 
hervor, dass Mineralien, wie Leucit und Melilith fast nur in jüngeren 
Eruptivgesteinen reichlich gefunden werden, während sie in älteren sehr 
selten sind, dass andererseits gewisse Mineralien wieder in älteren Ge- 
steinen häufiger sind als in jüngeren oder dass der Habitus und die 
physikalische Beschaffenheit verschieden ist, je nachdem das Mineral sich 



Eintheilang der MinerallagerBt&tten. Gesteine. 245 

auf älteren oder jüngeren Lagerstatten findet. Für das Letztere liefern 
Orthoklas und Sanidin, Eläolith und Nephelin bezeichnende Beispiele. 

Dass es jedoch in letzter Linie nicht die Zeit ist, die diese Unterschiede be- 
dingt, sondern besondere geologische Verhältnisse, die ans nur auf den ersten Anblick 
als zeitlich verschiedene erscheinen, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung. 

§ 5. Eintheilung der Minerallagerstätten. Eine streng 
wissenschaftliche Eintheilung der Lagerstätten kann nur auf geologischer 
Basis erfolgen, wobei alsdann die Genesis, die Form und Structur wich- 
tige Eintheilungsgründe abgeben. 

Eine Classification auf Grund des mineralogischen Bestandes hat 
nur da, wo die praktische Seite betont wird, gewisse Berechtigung. An 
dieser Stelle, wo uns die Lagerstätten wesentlich als Fundorte der Mine-% 
ralien interessiren , kommt es auf ein strenges System weniger an , und 
wir begnügen uns, die verschiedenen Lagerstätten in die beiden Kategorien 
L Gesteine und IL Besondere Lagerstätten zu theilen. 

I. Oesteine. 

Alle Minerallagerstätten, soweit sie aus der Erstarrung eines ge- 
schmolzenen Magmas oder dem Absatz suspendirten bezw. gelösten 
Materiales hervorgegangen sind, heissen Gesteine. Die bei ihrer Ent- 
stehung thätigen chemischen, physikalischen und mechanischen Bildungs- 
gesetze bewirken eine Gharakterisirung der Gesteine in stofflicher, 
structureller und formaler Beziehung und gestatten die Unterscheidung 
Terschiedener Gesteinstypen (Gesteinsarten). Li Folge ihrer meist 
intensiven Verbreitung haben die Gesteine als die eigentlichen Bausteine 
der Erdrinde zu gelten. 

Diejenigen Mineralien, welche ein Gestein zusammensetzen, heissen 
die Gemengtheile desselben. Diese können für den Bestand eines be- 
stimmten Gesteins noth wendig sein, alsdann werden sie die wesent- 
lichen Gemengtheile genannt, oder sie treten nur gelegentlich in den 
Bestand ein und werden als accessorische Mineralien bezeichnet. Alle 
diejenigen Mineralien, die in einem Gestein paragenetisch von einander 
abhängen, bezeichnet man wohl auch als charakteristisch. 

A. Erstarrungs- oder massige Gesteine. 

Die mineralogische Zusammensetzung der massigen Gesteine ist, 
soweit es sich um die wesentlichen Gemengtheile handelt, eine wenig 
mannichf altige. 

Es sind in der Hauptsache die folgenden Mineralien: 



246 



EintheiluBg der Eruptivgesteine. 



a) wesentliche Gemengtheile: Quarz ^ Orthoklas, Plagioklase, 
Leucii, Nephelin, Muskovit, Biotit, Hornblenden, Augite, OÜTin; 

b) accessorische Gemengtheile: Sodalith, Hauyn (Nosean), 
Ghranat, Tunnalin, Apatit, Zirkon, Titanit, Spinell, Magnetit, Chromit, 
Hämatit, Dmenit, Pyrit, Magnetkies. 

Dagegen tritt bei den Massengesteinen die paragenetische Ab- 
hängigkeit der einzelnen Gemengtheile von einander so entschieden her- 
vor, dass die einzelnen paragenetischen Formationen die verschiedeneB 
Gesteinsarten oder besser Gesteinstypen liefern. Bei ihnen lassen 
sich die Gesteinsarten geradezu als Verkörperungen paragenetischer Bil- 
dungsgesetze bezeichnen. Da aber gleiche paragenetische Combinationen 
nach ihrer Structur oder in ihrem gesammten geologischen Verhalten, 
lemer auch nach ihrem Alter, noch besondere unterschiede aufweisen, 
so lässt man auf Grund derselben noch eine Spaltung der einzelnen 
paragenetischen Mineralgesellschaften in mehrere Gesteinstypen eintreten. 

Im Nachstehenden ist eine Tabelle der wichtigsten Massengesteine 
gegeben. 





Paragenetiscbe 
Gombination. 


Eugranitische 

Facies 
(Tiefengesteine). 


Rhyotaxitische Facies 
(Ergussgesteine). 




Aeltere Reihe. 


Jüngere Reihe. 


II 

II 


Qu + Orth + Gl. 
Orth + Ho. 
Orth + Neph. 


Granit. 

Syenit 

Eläolithsyenit. 


Quarzporphyr. 

Orthophyr. 

Tinguait. 


Rhyolith. 

Tracbyt. 

Pbonolith. 


SS 


Plag + Ho. 
Plag + Aug. 


Diorit. 

1 Augitdiorit. 
1 Gabbro, Norit. 


Porphyrit. 

Diabas, 

Augitporphyrit, 

Melaphyr. 


Andesit 

(Dftcit = Plag-fHo-f-Qn) 

Augitandesit 
Basalt 


.2 


Neph 4- Aug. 
Leu -}- Aug. 
Ol + Aug. 


Peridotit. 


Pikritporphyrit. 


Nephelinit. 

Leucitit 
Limburgit. 



Im Vorstehenden ist Quarz als Qu, Orthoklas als Orth, Plagioklas als Plag, 
Hornblende als Ho, Augit als Aug, Glimmer als Gl, Nephelin als Neph, Leudt als 
Leu, Olivin als Ol abgekürzt. 

Besonders zu bemerken ist, dass in den angeführten Gesteinen neben den 
wesentlichen Gemengtheilen stets auch noch accessorische vorhanden sind, dass ferner 
ganz allgemein Uebergänge zwischen den einzelnen Gesteinstypen vorkommen, die 
z. Th. besondere Namen tragen. 



Sedimentftrgesteine und krystalline Schiefer. 247 

B. Sedimentär- oder geschichtete Gesteine. 

Dieselben sind dadurch charakterisirt, dass sie in Folge ihrer suc- 
cesBiven Entstehung (Sedimentation, resp. Ausscheidung) eine lagen- 
fSrmige, sogen, geschichtete Structur besitzen. Eine Eintheilung in 
grössere scharf geschiedene Gruppen ist hier nicht durchzuführen, da 
die einzelnen unterscheidbaren Gesteine derartig durch Uebergänge mit 
einander Terbunden sind, dass sie mehr noch wie die Massengesteine 
eine continuirliche Reihe bilden. Am einfachsten erweist sich die Grup- 
pirong nach genetischen Gesichtspunkten. 

1. Mechanische Sedimente (Elastische Gesteine). 

Diese Gruppe umfasst alle Gesteine, die aus der Zertrümmerung 
und darauf folgender Sedimentirung und Anhäufung in irgend welchem 
Medium (Meerwasser, Flusswasser, Luft), vielfach unter Beihülfe von 
Organismen hervorgegangen sind. Dahin : Sandsteine, Grauwacken, Kalk- 
steine, Thon- und Kieselschiefer etc. 

2. Chemische Sedimente. 

Das sind Gesteine, die sich schichtenartig aus irgend welchen 
Lösungen ausgeschieden haben, wie Steinsalz, Gyps etc. 

C. Krystalline Schiefer. 

Diesen Gesteinen kommt im Grunde genommen keine Selbstständig- 
keit neben den Erstarrungs- und Sedimentärgesteinen zu, sondern sie 
sind diesen beiden Gruppen einzureihen. Ihre gesonderte Betrachtung 
verdanken sie nur dem Umstände, dass es bisher mit Sicherheit nicht 
gelungen ist, sichere Kriterien für die Zurechnung zu der einen oder 
anderen Gruppe aufzufinden. Mit einer mineralogischen Zusammen- 
setzung, die vielfach derjenigen der Eruptivgesteine entspricht, verbinden 
sie eine Sfcructur, welche an die der Schichtgesteine erinnert. Nach 
ihrem Vorkommen sind sie die charakteristischen Gesteine der ältesten 
geologischen Formation. In den holokrystallinen Aufbau treten einzelne 
Mineralien, wie Staurolith, Cyanit, Sillimanit, Chlorit etc., die nur als 
secimdäre, sogen, metamorphische Mineralien bekannt sind, und welche 
im Verein mit dem geologischen Charakter dieser Gesteine dieselben 
insgesammt als metamorphosirt erscheinen lassen. 

Hierher gehören Gneiss (Qu + Orth + Gl), Glimmerschiefer (Qu + Gl), 
Granulit (Qu + Orth), Hornblende-, Augit- und Chloritschiefer, Phyllit etc. 

n. Besondere Lagerstätten. 

Diese Abtheilung begreift alle diejenigen selbstständigen Mineral- 
anhäufungen, die theils durch das üebereinkommen, theils in Ermangelung 



248 Besondere Minerallagerstätten. 

bezeichnender Eigenschaften nicht zu den Gesteinen gezählt werden 
können. Von einem strengen System dieser Lagerstätten mag abgesehen 
werden und nur einige, besonders charakteristische Formen mögen hier 
aufgezählt sein. 

1. Hohlraumausfüllungen (Füllungen). 

Durch irgend welche geologische Agentien (Contraction , Spalten- 
bildung als Folge tektonischer Vorgänge, Auswaschung) entstandene 
Hohlräume sind nachträglich mit Mineralien ausgefüllt. Solche Füllungen 
auf Gangspalten bilden die Mineralgänge, unter denen jene, an welchen 
Erze einen beträchtlichen Antheil nehmen, als Erzgänge eine erhöhte 
Bedeutung erlangen. 

2. Metamorphische Lagerstätten. 

Lagerstätten, deren mineralogische Zusammensetzung am Platze 
ihrer Ablagerung noch eine wesentliche Veränderung durch besondere 
chemische ümwandlungsprocesse , nicht bloss durch Verwitterung, er- 
fahren hat, heissen metamorphische. Vielfach sind dieselben durch 
charakteristische Mineralien, d. h. solche, die überhaupt oder in ihrer 
besonderen Ausbildung nur auf solchen Lagerstätten vorkommen, sowie 
durch besonderen Habitus ausgezeichnet. 

Ist die mineralogische Umänderung durch hydrochemische Processe 
erfolgt, so heisst die Lagerstätte eine metasomatische; so sind 
viele dolomitisirten Kalksteine, ebenso die in Galmei oder in Späth eisen- 
stein umgewandelten Kalksteine hierhergehörige Beispiele. 

Sehr viele Erzlagerstätten gehören dieser Kategorie an, namentlich 
die Roth-, Braun- und Spatheisensteinlager , ferner sind die oxydischen 
Zinkerze auf ein derartiges Vorkommen beschränkt. 

Hat sich dagegen die Umwandlung einer Lagerstätte am unmittel- 
baren Contact mit einem Eruptivgestein vollzogen, so heisst dieselbe 
eine Gontactlagerstätte. Wieweit hier pyrochemische Ümwand- 
lungsprocesse mit hydrochemischen parallel liefen, ist noch nicht ge- 
nügend aufgeklärt. Die Gontactlagerstätten liefern dem Mineralogen eine 
Reihe der schönsten und oft sehr charakteristischen Mineralien, wie 
Granat, Vesuvian, WoUastonit etc. (vergl. V. Abschnitt unter Contact- 
mineralien). 

3. Imprägnationen. 

Dieselben kommen vor bei massigen und noch mehr bei geschich- 
teten Lagerstätten imd lassen demgemäss noch eine weitere Gliederung 
zu. Die betreffenden Mineralien finden sich in dem umgebenden, an 
Masse weit vorherrschenden Gestein in Form einzelner Partikeln oder 
kleinerer Partien innig eingemengt, sozusagen in dasselbe eingesprengt. 



Imprägnationen. Fahlbftnder. 249 

Wenn derartige Imprägnationen aus sulfidischen Eisen- und Eupfer- 
mineralien innerhalb krystallinischer Schiefer bestehen, so werden die- 
selben Fahlbänder genannt. Gewöhnliche Beispiele yon Imprägnationen 
sind die Fahlbänder z. B. von Eongsberg, die Qoldquarzlager, die Eupfer- 
schiefer des Mansfeldischen, die Enottenerze von Gommem etc. 

Vom praktischen Gesichtspunkt werden die besonderen Lagerstätten 
auch wohl nach ihrem nutzbringenden Bestandtheil eingetheilt und bilden 
als Gk>ld-, Silber-, Eupfer-, Eisen-, Edelstein-Lagerstätten den Gegen- 
stand einer besonderen wissenschaftlichen Disciplin. 



V. Abschnitt. 

Entwicklongslelire der Mmeralien. 



Literatur. 0. Voloer, Stadien zur Entwiddungsgeschichte der Mineralien. 
Zürich 1854. — O. Bisohof, Lehrbach der chemischen und physikalischen Geologie. 
2. Aufl. Bonn 1863—1886 — J. Roth, Allgemeine und chemische Geologie. (Erster 
Band: Bildung und Umbildung der Mineralien etc.) Berlin 1879. — t. GRonntCK, 
Die Lehre von den Lagerstätten der Erze. (Vierter Abschnitt: Theorie der Genesis 
der Erslagerstätten.) Leipzig 1879. — C. Doiltbr, Allgemeine chemische Mineralogie. 
Leipzig 1890. — Brauns, Chemische Mineralogie. Leipzig 1896. 

Auf den ersten Blick erscheinen die Mineralien als etwas von der 
Natur Gegebenes, Starres, welche den Zustand, in dem sie uns ent- 
gegentreten, von vom herein besassen und in demselben auch verharren, 
allein beim näheren Zusehen erfahrt man bald, dass die Mineralien einen 
Entwicklungsgang zurückzulegen haben, der in manchen Punkten Aehn- 
lichkeit mit dem Kreislauf der organischen Welt hat. Diese Entwicklung, 
d. h. die Bildung, Veränderung und Umwandlung der Mineralien soll 
im vorliegenden Abschnitt besprochen werden, der somit gewissermassen 
die LebensYorgänge der Mineralien schildert. 

Um äusserlich eine gewisse Analogie zwischen organischen Körpern 
und Mineralien hervortreten zu lassen, kann man die Materie dieses Ab- 
schnittes in 2 Capitel bringen, von denen das eine die Entstehung, 
das andere die Veränderung und Umwandlung bezw. Zerstörung 
und Auflösung behandelt. Dabei ist aber zu bemerken, dass beide Vor- 
gänge sich nicht ausschliessen, dass vielmehr auch der Vorgang der Zer- 
störung stets von Neubildungen begleitet ist. Es wird demnach der 
Gegenstand des einen Gapitels gelegentlich in den des anderen hinüber- 
greifen müssen. 

Capitel I. 

Bildung der Mineralien. 

§ 1. Anhaltspunkte für die Beurtheilung der Bildung der Mineralien. 

I. Eünstliohe Nachbildung, ü. Jugendliche Mineralbildungen. 

III. Geologisches Vorkommen. § 2. Die Bildung der Mineralien in der 

Natur. I. Bildung aus dem gasförmigen Zustand, II. aus Lösungen« 

m. aus dem Schmelzflüsse. 

Für die verschiedenen Mineralien kommen verschiedene Bildungs- 
processe in Betracht, ja ein und dasselbe Mineral kann auf verschiedene 
Weise entstehen. 



Künstliche Nachbildung der Mineralien. 251 

Die Bildongsart des Steinsalzes auf den Salzlagerstätten ist eine andere als 
die des Feldspaths in den Eruptivgesteinen. — Der Schwefelkies kann sich sowohl 
aus Losungen wie aus dem feurigen Fluss abscheiden. Für den Orthoklas (und 
ebenso für manche andere Mineralien) lassen sich sogar drei Bildungsmodalitäten 
nachweisen : aus dem Schmelzfluss in den Eruptivgesteinen, aus Lösung in den Con- 
glomeraten von Euba und als Sublimationsproduct aus den Hohöfen von Sangerhausen. 

§ 1. Da uns die Mineralien durchweg als etwas Fertiges entgegen- 
treten, deren einzelne Entwicklungsstadien wir bei der Länge der dazu 
benöthigten Zeit nicht näher verfolgen können, da ferner ein Mineral 
auf yerschiedenem Wege entstehen kann, so bedarf es zur Feststellung 
der Bildungsprocesse der Mineralien im Allgemeinen und des speciellen 
Bildungsganges eines bestimmten Minerales der Heranziehung ander- 
weitiger Beobachtungen und der Discussion von Begleiterscheinungen. 
Namentlich sind es die im Laboratorium, in den Hüttenwerken und 
Fabriken absichtlich erzeugten oder zufällig entstandenen künstlichen 
Mineralien, dann jugendliche, gewissermaassen unter unseren Augen ent- 
standene Mineralbildungen, welche im Verein mit der Berücksichtigung 
des geologischen Vorkommens, der paragenetischen Verhältnisse, der 
Pseudomorphosen etc. einen mehr oder minder sicheren Schluss auf die 
Entstehungsart von Mineralien gestatten. Daher erheischen derartige 
BildungSYorgänge noch eine zuvorige Besprechung. 

L Künstliche Hachbildung (Synthese) der Mineralien. 

Literatur. E. C. v. Lkonhard, Hüttenerzeugnisse und auf künstlichem Wege 
gebildete Mineralien etc. 1858. — Gurlt, Uebersicht der pyrogen eten künstlichen 
Mineralien. Freiberg 1857. — C. W. C. Fuchs, Die künstlich dargestellten Mineralien. 
Preisschrift. Haarlem 1870. — Daubr£k, Etudes synth^tiques de Geologie ezp^ri- 
mentale. Paris 1879. — FouQuä kt Michel-L^vt, Synthdse des min^raux et des roches. 
Paris 1881. — L. Bourgeols, Reproduction artificielle des mineraux. Paris 1884. — 
I. H. L. VooT, Studier over slagger. Stockholm 1884. 

Die verschiedenen Bildungsprocesse künstlicher Mineralien, welche durch Zufall 
in Hüttenwerken und Fabriken oder durch das zielbewusste Experiment im Labo- 
ratoi-itun hervorgebracht sind, sind im Nachfolgenden übersichtlich zusammengestellt 
und durch einige Beispiele belegt. Es sind 3 Hauptwege der Entstehung möglich. 

a) Directe Bildung in Folge einfacher Ausscheidung, Auskrystallisation etc., 
d. h. Bildung aus einem Material, das bereits den chemischen Bestand des Minerals 
unmittelbar enthSlt. 

b) Indirecte Bildung in Folge chemischer Wechselwirkung. 

c) Bildung in Folge eiektrolytischer Abscheidung. 

Im Speciellen sind aber folgende Bildungsprocesse aufzuführen, wobei noch 
bemerkt werden mag, dass in jedem Falle die Bildung eines Minerales durch be- 
sondere physikalische Qmst&nde (Druck, erhöhte oder erniedrigte Temperatur, Um- 
hüllung mit einem Medium etc.) begünstigt werden kann. 

a) Directe Bildung. 

1. Abscheidung aus dem gasförmigen Zustand (Sublimation). 
Durch Sublimation werden leicht Schwefel, Arsen, Realgar und Auripigment, 
ferner auch Zinnober im krystallisirten Zustand erbalten. Im Hohofen wird die 



252 Künstliche Nachbildung der Mineralien. 

amorphe Verbindang PbS sablimirt und liefert schön krystallisirte skeletartige Blei- 
glanzkrjstalle. Beim Üeberleiten von Wasserstoff über stark erhitztes ZnS in einer 
Porzellanröhre sublimirten nach den Versuchen von St. Claire-Deviu.k und Troost 
Wui-tzitkrystalle. . 

2. Auskrjstallisation aus dem flüssigen Zustand nach Entfernung 
des Lösungsmittels (Wasser, C02-haltiges Wasser etc.). 

Aus wässrigen Lösungen krystallisiren leicht Steinsalz, Sylvin, verschiedene 
Sulfate etc. aus. — Heisses Wasser lässt beim Erkalten gelöste arsenige S&ure und 
Borsäure als Arsenblüthe bezw. Tinkal abscheiden. — Kohlensäurehaltiget Wasser 
liefert beim Entweichen der Kohlensäure Calcit bezw. Aragonii Rhombischer Schwefel 
kann aus einer Lösung in Schwefelkohlenstoff erhalten werden. — In überhitztem 
Wasser bei hohem Druck (in zugeschmolzenen Glasröhren) lösen sich manche Silicate, 
z. B. Zeolithe, die sich beim Erkalten wieder ausscheiden. 

8. Erstarrung aus dem Schmelzfluss. 

Alle schmelzbaren Metalle lassen sich aus dem Schmelzfluss krystallin er- 
halten. — Qeschmolzener Schwefel liefert beim Erstarren monokline Krjstalle. — 
Aus den Hohöfenschlacken krystallisiren oft Olivin, Augit, Wollastonit, Hornblende, 
Glimmer, aus geschmolzenem Roheisen Graphit in Blättchen aus. — Im richtigen 
Verhältniss zusammengeschmolzene Gemenge erzeugten nach den Versuchen von 
FouQü^ und MicHCL-Li^VT beim Erkalten die verschiedensten Silicate wie Feldspatb, 
Leudt, Nephelin, Granat, Angit. Mitschxrlich erhielt in gleicher Weise durch 
Zusammenschmelzen von 2Cu und IS Kupferglanz, allerdings in der heteromorphen 
regulären Modification. 

Die von der Löthrohruntersuchung her bekannten, MetaUoxyde beim Schmelzen 
auflösenden Substanzen wie Borax, Phosphorsalz, Soda, Pottasche lassen beim Er- 
starren manche der aufgelösten Oxyde wieder ausscheiden. So erhielt Ross aus dem 
Phosphorsalz Tridymit, Anatas, Eisenglieuiz ; Ebxlmen erzeugte Krystalle von Korund 
und Spinell. Analog lassen sich auch Apatit, Calcit, Witherit, Strontianit erhalten. 

4. Molekulare Umlagerung im festen Zustand. 

Amorphe Massen von Schwefel, arseniger Säure, Eisen werden mit der Zeit von 
selbst krystallin. Quarz lässt sich durch Erhitzen in Tridymit, Diamant in Graphit 
umwandeln. Hierher gehört auch die Erscheinung, dass Granat, Vesuvian und andere 
Silicate durch Glühen eine Umwandlung (nach Doelter und Hcssak in Mejonit, Melilith, 
Anorthit, Kalk-Olivin und Kalk-Nep heiin, ausserdem noch in Eisenglanz und Spinell) 
erfahren. — Kalkcarbonat wird unter Wasserbedeckung allmählich krystallin ; MnsOi 
wandelt sich nach Dkville und Troost durch einen in der Hitze übergeleiteten 
WasserstoffiBtrom in Hausmannit, Sn02 durch einen HCl-Strom in Zinnstein um. 

b) Chemische Wechselwirkung. 

5. Reaction von Gasen auf einander. 

Flüchtige Metallchloride und Fluoride werden durch Wasserdampf und Schwefel- 
kohlenstoff bei hoher Temperatur zersetzt und liefern neben CIH und FIH Oxyde 
bezw. Sulfide. In solcher Weise können Eisenglanz, Zinnstein, Rutil, Korund, Zink- 
blende, Greenockit, Antimonglanz, Wismuthglanz erzeugt werden. 

Durch die zersetzende Beihülfe von Wasserdampf lassen sich aus Eisenfluorid 
Magnetit, aus einem Gemenge von Aluminium- und Zinkfluorid Gahnit herstellen. 

6. Reaction von Gasen auf Flüssigkeiten resp. Lösungen. 
Durch Schwefelwasserstoff werden aus vielen metallhaltigen Lösungen sulfidische 

Niederschläge erzeugt, die in ihrer Zusammensetzung mit geschwefelten Erzen über- 



Künstliche Nachbildung der Mineralien. 253 

einstimmen, und die auch bei genügender Verlan gsamung des FäUungsprocesses oder 
unter besonderen umständen (vergl. sub 8) oft krystallin erhalten werden können. 
In gleicher Weise werden durch Einleiten von Kohlensäure unlösliche oder schwer 
lösliche Carbonate gewonnen. 

7. Reaction Ton Gasen auf feste Körper. 

Glühende Dämpfe von Chlorsilicium liefern Quarz in Berührung mit Thonerde, 
Kalk, Magpiesia; daneben bilden sich Chlorverbindungen. Dauerte erhielt Spinell 
bei Berührung von Chloraluminium mit Magnesia in der Glnthhitze. 

8. Reaction Ton Lösungen auf einander. (Fällung, Reduction, Oxy- 
dation.) 

Zwei lösliche Verbindungen, aus deren gegenseitiger Einwirkung ein unlös- 
licher oder scbwer löslicher Niederschlag entsteht, liefern, wenn die Reaction schnell 
erfolgt, durchweg amorphe Niederschläge. Sie werden krystallin, wenn die Bildung 
des Niederschlags ganz allmählich vor sich geht (etwa durch DifiPusion oder dadurch, 
dass die eine Flüssigkeit durch einen sehr langsam wirkenden Heber, z. B. einen 
Wollenfaden, zugeführt wird). So ist Schwerspath durch Einwirkung von FeS04 und 
BaN^Oj, Anglesit aus FeS04 und PbN209, analog Roth- und Weissbleierz erhalten 
worden. 

Auch Druck und hohe Temperatur begünstigen die Bildung krystalliner Nieder- 
schläge, so Spatheisen aus FeS04 und Na2C03, Malachit aus Kupfervitriol und 
Natriumbicarbonat bei 150 ^ Kupferkies aus Chlorkupfer und Chloreisen in Schwefel- 
kalium bei 250 ^ 

Durch die reducirende Wirkung, welche Lösungen von Eisenvitriol, organischen 
Stoffen etc. hervorbringen, werden Sulfate zu Sulfiden redudrt und nicht selten in 
deutlichen Krystallen erhalten, so z. B. Schwefelkies, Zinkblende, Kupferglanz. Gold, 
Silber, Kupfer werden aus ihren Lösungen leicht zu Metall reducirt und abgeschieden, 
z. B. durch Oxalsäure. 

9. Reaction von Lösungen auf feste Körper. 

Gyps in einer verdOnnten Lösung von Natriumbicarbonat liefert Calcit^ eine 
Eisenplatte in Berührung mit Ammoniakphosphat lässt Vivianit entstehen. Kupfer- 
vitriol bei einer Temperatur von 180 — 190^ in zugeschmolzener Glasröhre auf Mar- 
morstücke einwirkend, ergab Lasur, ebenso entstand Lasur, als Kupfemitrat auf 
Kreide bei 7 Atmosphären Druck, aber ohne Temperaturerhöhung einwirkte. 

10. Reaction von Schmelzflüssen auf einander. 

Nach den Versuchen von Manross bildet sich beim Zusammenschmelzen von 
Kaliumsulfat und Baryumchlorid Schwerspath, analog Cölestin, Anglesit, Scheelit 
(aus wolframsaurem Natrium und Chlorcalcium) und Gelbbleierz. — Eisenvitriol zu- 
sammengeschmolzen mit Eisenphosphat liefert nach Debrat Magnetit, ebenso entsteht 
nach Kuhlmann Magnetit aus zusammengeschmolzenem Eisenvitriol und Chlorcalcium. 

11. Reaction fester Körper auf einander. 

Auch im festen Zustand wirken Körper auf einander ein, wenn zugleich ge- 
nügender Druck angewendet wird. So gelang es Spring Kupferglanz zu erzeugen, 
indem er Kupferfeilspäue und Schwefelblumen einem Druck von 5000 Atmosphären 
aussetzte. 

12. Elektrolytische Abscheidung. 

Schliesslich lassen sich auch noch, wie bekannt, eine Reihe von Metallen 
dnich Elektrolyse aus ihren Lösungen abscheiden , wobei häufig schöne Krystalle 
hervorgehen. 



254 Jugendliche Mineralbildungen und Geologisches Vorkommen. 



II. Jugendliche Mineralbildungen. 

Mineralien, die unter unseren Augen entstehen und demnach ihren Bildunga- 
process deutlich verfolgen lassen, können nicht minder wie die kflnstlichen Nach- 
bildungen zur Beurtheilung des Entstehungsprocesses derselben Mineralien an anderen 
Fundpunkten verwendet werden. 

Charakteristische Beispiele solcher jugendlichen Mineralbildungen sind die 
durch Sublimation in noch heute thätigen Vulkanen entstandenen Mineralien, wie 
Eisenglanz, Tenorit, Sanidin, Augit, Glimmer, Granat etc. 

Femer gehören hierher Kieselsinter- und Ealktuffausscheidungen aus Thermen 
und Quellen und namentlich die interessanten, von Daubr£e näher untersuchten 
Neubildungen in alten römischen Quellleitungen von Flombierbs und BouBBomfK-LEs- 
Bains. An ersterem Ort hatten sich an dem Mauerwerk, in welches die 78* heisse 
Quelle gefasst war, krystalline Ueberzüge gebildet, die aus Zeolithen, wie Apophyllit, 
Ghabasit, Gismondin, Mesotyp, Flombierit, femer Opal, Aragonit, Ealkspath und 
Flussspath bestanden. Bei Boürbonne-lks-Bains fanden sich römische Münzen und 
andere metallene Gegenstände, welche in einem von einer 60 ^ heissen, Chloride und 
Sulfate des Kalks und der Magnesia enthaltenden Quelle durchzogenen Boden lagen, 
mit z. Th. schön krystallisirten Mineralien bedeckt, wie Kupferglanz, Kupferkies. 
Kupferindig, Buntkupferkies, Fahlerz, Bleiglanz, Eisenkies, Bleivitriol, Bleihorners, 
Brauneisenerz. Auch hier hatten sich in den Höhlungen des Mörtels verschiedene 
Zeolithe angesiedelt. 

Des Weiteren lassen die Neubildungen von Zinkspath, Zinkblüthe, Schalen- 
blende, Bleiglanz, Weissbleierz, Vivianit und verschiedene andere, die die Knochen 
noch lebender Thiere oder Grubenhölzer Überkrusten, keinen Zweifel Über die Art 
der Entstehung. 

Gediegen Kupfer ist verschiedentlich in Graben gefunden worden, wo es durch 
die Zersetzung von Kupferkies und Reduction des Sulfates durch organische Substanz 
(Grubenhölzer) oder durch elektrolytische Abscheidung (eisernes Gezähe der Berg- 
leute, wie im Rammeisberg bei Goslar) hervorgegangen ist. 

Ebenso gehören hierher die aus dem Schmelzfluss recenter Laven sich aus- 
scheidenden Mineralien, von denen die Silicate, namentlich aber der Quarz (Laven 
des Antisana und Guamani), ferner Kupferkies (Capo di Bove), Magneteisen und 
Magnetkies besonders hervorgehoben werden mögen. 

in. OeologiAches Vorkommen. 

Nicht weniger geeignet erweist sich das geologische Vorkommen zu einem 
Schluss auf die Entstehung. Die primären Gemengtheile der Eruptivgesteine, die 
Mineralausscheidungen innerhalb typischer Sedimentärgesteine, viele AusfÜllungs- 
mineralien innerhalb der Hohlräume von Basalten und Melaphyren lassen nur eine 
Deutung zu. Bezeichnend fQr die Entstehung ist auch das Vorkommen von Mine- 
ralien als Versteinerungsmittel. Letztere können sich nur auf wässrigem Wege ge- 
bildet haben, wenn auch in jedem einzelnen Fall der Vorgang, je nachdem directe 
Ausscheidung oder Reduction eines löslichen Salzes vorliegt, die Deutung noch ab- 
ändern kann. 

Auch die Beachtung der Paragenesis kann ein Licht auf die Entstehung 
werfen. Mineralien, die paragenetisch mit aus wässriger Lösung abgeschiedenen 
oder wasserhaltigen Mineralien verknüpft sind, können selbst nur neptunischen Ur- 
sprunges sein. 



Bildung der Mineralieii in der Natur. 255 

In den Melapfayren der Lake Superior findet sich auf Hohlräumen gediegen 
Silber neben gediegenem Kupfer. Dieselben können nur aus wässriger Lösung 
niedergeachlagen sein, denn im Schmelzfluss würde Legirung stattgefunden haben. — 
Die Schwerspathtafeln werden zuweilen von Antimonitnadeln durchspiesst. Da der 
Antimonit sehr leicht schmelzbar ist» so kann das Vorkommen nur als Auskrystalli- 
aation aus Lösung gedeutet werden. 

§ 2. Bildung der Mineralien in der Natur. — Auf Grund 
der durch die vorhergehende Ausführung gewonnenen Einsicht sind wir 
nun im Stande für die meisten Mineralien und auch für solche, die 
unseren Experimenten sonst unzugänglich sind, die Entstehungsvorgänge 
aufzudecken. Die Uebersicht der verschiedenen Bildungsprocesse ge- 
staltet sich am einfachsten , wenn man dabei den Aggregatzustand , bei 
dem die Mineralbildung stattfand, als Ausgang nimmt. Es mag aber 
auch hier gleich hervorgehoben sein, dass in jedem einzelnen Fall Druck 
und erhöhte Temperatur eine die Mineralbildung modificirende oder be- 
günstigende Bolle gespielt haben. 

I. Bildung aus dem gasArmigen Zustand. 

(Sublimirte Mineralien.) 

Es kommen hier fast ausschliesslich solche Mineralien in Betracht, 
die sich bei vulkanischen Phänomenen, d. h. bei Eruptionen und bei 
Solfatarenthätigkeit gebildet haben; ganz untergeordnet sind die spär- 
lichen Vorkommnisse, die sich gelegentlich bei Erdbränden bilden. 

Die durch vulkanische Thätigkeit entstandenen Mineralien sind 
dreierlei Art: 

1. sie sind direct sublimirt; 

2. sie sind aus der gegenseitigen Zerlegung vulkanischer Dämpfe 
und Gase gebildet; 

3. sie sind hervorgegangen aus der chemischen Zersetzung fester 
Gesteine in Folge Einwirkung vulkanischer Gase und Dämpfe. 

Nur die beiden ersten Gruppen können als direct bezw. indirect 
sublimirte Mineralien gelten. Die dritte Gruppe umfasst bereits Mine- 
ralien, die zu den Umwandlungsproducten gestellt werden müssen und 
deren Besprechung besser eine Stelle im folgenden Capitel findet. 

ad 1. Direct sublimirte Mineralien sind namentlich Chloride, 
vor allem Chlomatrium, Ghlorkalium, Chlorammonium, daneben unter- 
geordnet und zumeist sehr bald wieder zerstört die Chloride des Cal- 
ciums, Magnesiums, Aluminiums, des Bleis, Kupfers, Nickels und Zinns. 
— Weiter gehören hierher Schwefel, Realgar, Auripigment, dann auch 
Sassolin. 



256 Bildung der Mineralien in der Natur. 

ad 2. Mannichfacher sind die indirect sublimirten Mineralien 
(pneumatoljtiscbe Mineralien). Durch die Zersetzung flüchtiger Chloride 
mit Wasserdampf bilden sich wasserfreie Oxyde, vor allen Dingen Eisen- 
glanz (FejClß + 3HgO = Fe^Oj + 6HC1), Magnetit, Magnesioferrit, Tenorit, 
Cuprit, Spinell, Periklas. — Aus Fluor- und Ghlorsilicium geht Quarz und 
Tridymit hervor, aus NaCl entsteht zunächst NaHO, das durch Auf- 
nahme von CO2 in Natriumcarbonat übergeht. 

Besonders interessant ist das Vorkommen einer ganzen Anzahl von 
Silicaten, deren Bildung bei mancher Art ihres Vorkommens nur aus 
dem Zusammentreffen von Fluor- oder Gblorsiliciumyerbindungen mit 
Wasserdampf erklärt werden kann. Dahin gehören Sanidin, Anorthit, 
Leucit, Augit, Hypersthen, Hornblende, Glimmer, Sodalith, Oranat, Zirkon, 
Sphen, fraglich Idokras und Wollastonit. 

Auch das Vorkommen von Sulfiden kann nicht verwundern, da 
Chlorverbindungen mit SH^ sich zu Sulfiden umsetzen. — Ferner ist die 
Borsäure für diese Bildungsmodalität in Betracht zu ziehen. 

II. Bildung aus Lösungen. 

(Hydatogene oder neptunische Mineralien. 

Mineralische Lösungen werden geliefert durch kalte und warme 
Quellen, durch Süss- und Salzwasser. Die Mineralbildung selbst kann 
bewirkt werden: 

1. durch directe Ausscheidung; 

2. durch Ausscheidung in Folge von Oxydations- und Reductions- 
vorgängen; 

8. in Folge chemischer Umsetzung; 

4. in Folge elektrolytischer Zersetzung; 

5. durch Vermittlung von Organismen. 

ad l. Die Stoffe sind schon als solche in der Lösung vorhanden 
und scheiden sich durch Entfernung des Lösungsmittels (Verdampfen) 
oder durch Temperaturänderung aus. Aus reiner wässriger Lösung 
schlagen sich so eine grosse Reihe von Mineralien, namentlich Carbonate, 
Sulfate, Hydrate, Chloride nieder. 

Häufiger ist die directe Abscheidung aus kohlensäurehaltigem Wasser 
in Folge des Verflüchtigens der Kohlensäure resp. der Entziehung der- 
selben durch die Vegetation. Beispiele liefern Calcit, Aragonit, Dolomit, 
Spatheisen, ferner Thermonatrit , Hydromagnesit, Zinkblüthe, Malachit 
und Lasur. Dasselbe gilt von Gyps, Schwerspath, Cölestin, Flussspath, 
vielen Oxyden und allen Oxydhydraten. 

Da viele Schwefelverbindungen löslich in Alkalien und alkalischen 
Erden sind, so können sie aus solchen Lösungen nach Entziehung des 



BilduBg der Mineralien in der Natur. 257 

Lösungsmittels wieder ausgefallt werden. — Bemerkenswerth ist es, 
dass Rothgültig bei höherem Druck in Schwefelbaryum löslich ist. 

ad 2. Durch Oxydation wird der in kohlens'äurehaltigem Wasser 
lösliche Eisenspath als Eisenoxydhydrat (Brauneisen) ausgeschieden. 
Die Substanz des MaDganspaths fällt ans gleicher Lösung, wenn Oxy- 
dation eintritt, als Manganoxydul und Manganoxydhydrat. 

Reduction, veranlasst durch organische Substanzen, Kohlenwasser- 
stoffe, bewirkt die Abscheidung von Schwefel aus Schwefelwasserstoff 
(sicilianischer Schwefel) und aus Sulfaten, z. B. auf Gypslagerstätien. 
Viele Metallsulfate werden zu Sulfiden, was namentlich für die Theorie 
der Erzgänge von Wichtigkeit ist, seltener zu Metallen reducirt. 

ad S. In Folge chemischer Umsetzung können Lösungen zweier an 
sich löslicher Substanzen bei ihrem Zusammentreffen Niederschläge ergeben, 
z.B. gewisse Chloride und Sulfate (BaCl, + Na^SO^ = BaSO^ -{- 2 NaCl), 
femer lösliche Schwefelalkalien mit löslichen Metallsalzen (Na^S + ZnSO^ 
= ZnS + NagSOj. Wie die gewählten Beispiele lehren, finden solche 
mit Umsetzung verbundenen Neubildungen grundsätzlich statt, wenn aus 
den auf einander stossenden Solutionen eine unlösliche Mineralsubstanz 
hervorgehen kann. 

Entsprechend vermögen auch feste Mineralmassen, am häufigsten 
Kalksteine, Lösungen auszufällen und Mineralsätze hervorzubringen. 
Hierhergehörige Bildungen werden aber besser bei den ümwandlungs- 
vorgängen besprochen (s. Metasomatische Umwandlung, S. 262). 

ad 4. Der elektrische Strom zersetzt Metallsalze und scheidet ge- 
diegene Metalle ab. In dieser Weise dürften viele in gediegenem Zu- 
stande vorkommende Metalle entstanden sein, so die krystallisirien, 
blechfbrmigen und dendritischen Vorkommnisse von Gold, Silber, Kupfer, 
ferner Quecksilber, Arsen, Antimon, Wismuth. 

Vielleicht verdanken auch die Eupferkiesüberzüge auf Fahlerzen 
von Clausthal, Liskeard etc. einem analogen Vorgang ihre Entstehung. 

ad 5. Abgesehen von der durch organische Substanz vermittelten 
Mineralbildung, wie sie sich z. B. in der lösenden Wirkung organischer 
Säuren, QueUsäure, Quellsatzsäure, Ulmin-, Huminsäure, auch durch die 
Kohlensäure äussert, wirkt nun auch der Lebensprocess selbst mineral- 
bildend. Pflanzen und Thiere entziehen zum Aufbau ihres Gerüstes dem 
Boden und dem Wasser kohlensauren und phosphorsauren Kalk, Kiesel- 
säure etc. Nach dem Absterben häufen sich diese anorganischen Sub- 
stanzen an und geben nicht selten Veranlassung zu wohl auskrystallisirten 
Mineralvorkommnisseu. 

Klockmann» Mineralogie. S. Aufl. 17 



258 Umwandlung der Mineralien. 



III. Bildung aus dem schmebEflIissigen Zustand durch Erstarren. 

(Pyrogene oder platonische Mineralien.) 

Aus dem Schmelzfluss können eine ganze Anzahl von Mineralien 
krystallisiren und alle in den Eruptivgesteinen als primäre Oemengtheile 
vorkommenden Mineralien liefern für diese Entstehungsart die geeigneten 
Beispiele. Quarz, Orthoklas, die Plagioklase, Augite, Hornblenden und 
Glimmer, Leucit, Nephelin, Sodalith, Granat, Titanit, Zirkon, Apatit, 
Magnetit, Pyrit, Magnetkies etc. — 

Von ganz besonderer Bedeutung wird die Frage nach der Bildungsart der 
Mineralien fQr die Theorie der Erzlagerstätten, namentlich der Erzgänge. Die Fragen 
können hier immer nur von Fall zu Fall, nicht allgemein beantwortet werden, da 
ja ein und dasselbe Mineral auf sehr verschiedene Weise entstehen kann. In den 
weitaus meisten Fällen handelt es sich auf den Gängen um Abscheidung aus 
Lösungen, wieweit hierbei aber die einzelnen, sub II unterschiedenen Modalitäten 
wirksam gewesen sind, musste stets Sache eingehender Untersuchung bleiben. Eine 
besondere Schwierigkeit erwächst noch aus der unmittelbar damit verknüpften Frage, 
wo die auf den Gängen abgeschiedenen Mineralien resp. Substanzen ihren ursprünglichen 
Sitz gehabt haben, ob sie etwa aus der Tiefe durch aufsteigende Quellen empor- 
geführt (Ascensions theo rie), aus der Zerstörung auf lagernder Gesteine stammen 
(Descensionstheorie) oder durch Auslaugung des Nebengesteins seitlich herbei- 
geführt (Lateralsecretionstheorie) sind. 



Capitel IL 

§ 1. Umbildung der Mineralien. I. Umwandlung durch hydrochemische 
Processe, II. durch pyrochemische Processe, III. Verftnderung durch 
das Licht, lY. Veränderungen durch Druck. § 2. Pseudomorphosen. 

§ 3. Gontactmineralien. 

§ 1. Auf jedes Mineral wirken unmittelbar nach seiner Entstehung 
äussere Einflüsse zerstörend ein, die dasselbe in seinem chemischen Be- 
stände und seiner physikalischen Beschaffenheit verändern. Der Zutritt 
der zerstörenden Agentien wird ermöglicht durch Haarspalten, schaligen 
Bau, Diffusion etc., wobei naturgemäss der Angriff gewöhnlich von 
aussen, viel seltener vom Innern her erfolgt. 

Solange ein Mineral von zerstörenden Einflüssen noch unberührt 
geblieben ist, heisst es frisch, im anderen Fall verwittert, wenn 
die Umwandlung durch die Thätigkeit der Atmosphärilien, des Wassers 
und chemischer Lösungen (hydrochemische Umwandlungsprocesse), oder 
zersetzt, wenn sie durch die Einwirkung von vulkanischen Agentien, 
Hitze, Dämpfen und Gasen (pyrochemische Umwandlungsprocesse) bewirkt 
wurde. Doch zieht der gewöhnliche Sprachgebrauch im Allgemeinen 
keine scharfe Grenze zwischen den Ausdrücken zersetzt und verwittert. 



Umwandlung der Mineralien. 259 

Weiterhin können in einzelnen Fällen auch noch andere Agentien, 
wie erhöhte Temperatur und erhöhter Druck, das Licht u. a. eine Um- 
wandlung Yeranlassen. 

Durch den Eingriff äusserer Agentien in den chemischen Bestand 
und die physikalische Beschaffenheit eines Minerals wird selten eine Zer- 
störung in dem Sinne hervorgebracht, dass eine Auflösung in die ele- 
mentaren Bestandtheile oder auch nur in die einfachsten chemischen 
Verbindungen erfolgt, vielmehr geben die Zerstörungsproducte unmittel- 
bar wieder Veranlassung zu Neubildungen, oft von complicirterer Zu- 
sammensetzung als sie das Ausgangsmineral besass. Aus diesem Grunde 
kann man auch weniger von einer Zerstörung eihes Minerals als von 
einer Umwandlung oder Umbildung reden. 

Alle neugebildeten Mineralien werden im Gegensatz zu dem primären 
Ausgangsmineral als secundäre Mineralien unterschieden. 

Der Olivin ist ein primärer Gemengtfaeil des Gabbros; der aus ihm hervor- 
gegangene Serpentin ist ein secundilres Mineral. 

Der Gang der Umwandlung ist bei verschiedenen Mineralien und 
selbst bei einem und demselben Mineral je nach den Umständen ver- 
schieden ; im letzteren Fall kann daher ein Mineral verschiedene secundäre 
liefern. Andererseits führen auch verschiedene Mineralien, wenn sie im 
Allgemeinen in ihrer qualitativen Zusammensetzung übereinstimmen, zu 
denselben Umbildungsproducten. 

Die mannichfachen Umwandlungsvorgänge sollen nun einzeln be- 
sprochen werden. 

I. Umwandlung durch hydrochemische Processe. ' 

(Verwitterung und Metasomatose.) 

Wenn auf ein Mineral nur die unmittelbar von den Atmosphärilien 
gelieferten Agentien, also 0, CO^, reines und kohlensaures Wasser ein- 
wirken, so wird dieser Vorgang nach J. Roth einfache Verwitterung 
genannt. Kohlensaures Wasser, das in der Hauptsache beim Durch- 
sickern eines mit organischen Verwesungsstoffen erfüllten Bodens ent- 
steht, ist ein ausgezeichnetes Lösungsmittel, dem nur wenige Mineralien 
(Edelmetalle, Diamant, Graphit, Schwefel) auf die Dauer zu widerstehen 
vermögen. 

Im Gegensatz zu dieser einfachen Verwitterung bezeichnen wir mit 
J.Roth jene Vorgänge als complicirte Verwitterung, bei welchen 
als Agens eine mit mineralischen Stoffen beschwerte Lösung wirkt. Die- 
selbe entsteht bei der Lösung und Auslaugung von Mineralien, insbe- 
sondere der Carbonate, Sulfate, Silicate und Chloride ; ihre Wirkung wird 
natürlich eine energischere sein. 



260 ümwandluDg der Mineralien. 



1. Vollständige Auflösung und Wegführung. 

Diesem Processe unterliegen schon bei der einfachep Verwitterung 
sehr viele Mineralien, namentlich die Chloride, Sulfate, Carbonate etc., 
aber auch viele Mineralien, die im gewöhnlichen Leben für unlösUch 
gelten, als Apatit, Schwerspath, Quarz, ferner die nach Oxydation des 
Schwefels aus den Sulfiden hervorgegangenen Sulfate, unter Umständen 
auch FcjOg (Hämatit) und Fefi^ (Magnetit). Die thonerdefreien Silicate 
werden durch lang andauernde Einwirkung kohlensauren Wassers all- 
mählich vollständig in Lösung gebracht. Zur Würdigung des Lösungs- 
vorganges sei die folgende Tabelle mitgetheilt (vergl. auch S. 227). 

In 10000 Theilen Wasser sind löslich: 



CaCOs 


0,2—0,36 Theile 


n 


9—12 


, (in C02-haltigem Wasser) 


MgCOg 


13-14 


» (in . , , ) 


MgCOs + CaCOa 


3.10 


» (in ,. . » ) 


FeCOs 


7.25 


» (in , , „ ) 


MnCOs 


4-5 


» (in . , , ) 


BaCOa (gefällt) 


0.707 


j, (in kaltem Wasser) 


n « 


0.65 


„ (in warmem Wasser) 


s n 


17,0 (Lassaione) Theile (in COj-haltigem Wasser) 


» K 


8,35 (Bischof) , (in „ , , ) 


SrCOs 


0,555 Theile (in kaltem Wasser) 


1» 


12 


, (in C02-haltigem Wasser) 


CaS04 


22-27 


1. (bei 15«) 


BaC04 


ca. 0,025 




SrS04 


1,450 




CaFl 


0,37 


, (bei 15,6«) 


Apatit 


1,036 





Durch complicirte Verwitterung gehen schliesslich alle Mineralien 
in Lösung, sobald ihnen nur genügend Zeit gegönnt wird. 

Der Vorgang der Auflösung und WegfQhrung erklärt das häufige 
Vorkommen von Verkieselungen, Dolomitisirung , Absätzen von Kiesel- 
und Kalksintern, die Ausfüllung von Spalten und Hohlräumen mit den 
verschiedensten Mineralien, ferner die stalaktischen Bildungen etc. 

2. PartielleLösung (Auslaugung) mit Hinterlassung eines Rück- 
standes und ev. Aufnahme anderer Substanzen. 

Die häufigsten Beispiele für diesen Process liefern die thonerde- 
haltigen Silicate. Die Thonerde, häufig auch das Eisen und Mangan, 
bleiben zurück, während die Alkalien und alkalischen Erden gewöhnlicli 
in Lösung gehen und fortgeführt werden. Der ausgelaugte und zurück- 
gebliebene Rest wird entweder oxydirt oder desoxydirt, hydratisirt oder 



Umwandlung der Mineralien. 261 

auch sehr gewöhnlich in Garbonate umgewandelt, oder durch complicirte 
Verwitterung schliesslich ebenfalls fortgeführt. Zuweilen findet auch 
eine Neuaufnahme von anderen Substanzen statt. 

Häufig wiederkehrende und wichtige Beispiele sind die folgenden : 

Serpentinisirungsprocesfi. 
Eine Reibe von Magnesiasilicaten, vor allem der Olivin, dann aber auch thon- 
erdefreie Augite und Hornblenden, Ghondrodit etc. hinterlassen bei Fortführung eines 
Theiles des Magnesiasilicates, des Eisens, Kalks und der Alkalien den grosseren Theil 
des Magnesiasilicates und nehmen gleichzeitig Wasser auf, wodurch Serpentin ge- 
bildet wird. Bei dem Olivin 2MgO, Si02 gestaltet sich der Process so, dass durch 
Einwirkung kohlensauren Wassers Serpentin und Magnesit gebildet wird. 2(2 MgO, 
SiO.2) 4- CO2 + 2H2O = 3MgO, 2Si02 . 2H2O + MgO, CO2. — In ähnlicher Weise 
vollzieht sich an thonerdehaltigen Magnesiasilicaten , namentlich am Augit und an 
der Hornblende die UeberfÜhrung zu Chlorit, die Ghloritisirung. 

Kaolinisirung. 
Die thonerdehaltigen Silicate worden in der Regel durch einfache Verwitterung 
derart angegriffen, dass das Thonerdesilicat zurückbleibt und Wasser aufnimmt, 
während die Alkalien und Erden in Lösung gehen. Sehr gewöhnlich ist dieser Vor- 
gang bei den Feldspäthen, beispielsweise ist der schematische Verlauf beim Kali- 
feldspath') wie folgt: 

Aus dem Kalifeldspath K2O, AI2O3, 6Si02 werden K2O und4Si02 fortgeführt, 
aufgenommen dagegen 2H2O, es bleibt demnach AI2O3, 2Si02 + 2H20, d.h. Kaolin, 
übrig, oder in Zahlen 

Si02 AI2O3 K2O H2O 
100 Theile Kalifeldspath enthalten 64.63 18,49 16,88 
entfernt resp. aufgenommen werden — 43,05 — 16,88 + 6,47 

2^58 iW9 +6,47 =46,54 Kaolin. 

Epidotisirung. 
In Silicatgesteinen , namentlich in Feldspath- und Hornblendegesteinen, aber 
auch aus Augit, Granat, Wernerit bildet sich häufig Epidot, indem Alkalien und 
Kieselerde fortgeführt, Eisenoxyde und Kalk aufgenommen werden. Besonders häufig 
stöBst man in tektonisch gestörten Gesteinen auf diese Umwandlung. 

Garbonatisirung. 

Silicate, an deren Zusammensetzung Kalk, Magnesia oder Alkalien theilnehmen, 
also in erster Linie die Plagioklase, Hornblenden und Augite, werden bei Berührung 
mit kohlensaurem Wasser ganz allgemein, wenn auch sehr allmählich so umgewandelt, 
dass sich die entsprechenden Garbonate bilden. Daher brausen die verwitterten 
Silicatgesteine mit Säure. 

Gypsbildung. 

Durch einfache Aufnahme von 2 Molekülen Wasser geht aus Anhydrit GaS04 
der Gyps hervor, ein Vorgang, der sich in der Natur gleichfalls im Grossen voll- 
zieht. Dabei vergrössert sich das Volum um ca. 33 %• 

Ausscheidung von Metalloxyden und Metalloxydhydraten 
namentlich von Brauneisen, seltener von Eisenglanz, Magnetit, Chrom- und Nickelerzen. 

^) J. Roth, Allgemeine und chemische Geologie. Bd. I, S. 142. 



262 ümwandlang der Mineralien. 

Viele eisenhaltigen Silicate, z. ß. Augite, HombleDden, Biotit werden derartig 
umgewandelt, dass das Eisen in Form von Eisenoxydhydrat, seltener von Hämatit 
und Magnetit zurückbleibt, während alles übrige fortgeführt wird. Dieser Vorgang 
erklärt gewisse Eisenerzlagerstätten und analog verläuft die Umwandlung und Aus- 
scheidung von Nickel- und Ghromerzen aus gewissen Silicaten, im Besonderen ans 
dem Serpentin. Bei der Deutung der an Eruptivgesteine geknüpften Erzlagerstätten 
(von Fe, Ni, Cr, Pt u. a.) im Sinne des hier besprochenen ümwandlungsvorganges 
wird man jedoch Vorsicht walten lassen müssen, da zumeist die Ausscheidung 
des Erzes eine primäre ist, hervorgegangen bei der Auskxystallisation des Silicat- 
gemisches (sogen, magmatische Ausscheidung). 

3. Metasomatische Umwandlung. 

Wenn Minerallösungen bei ihrer Circulation in der Erdrinde auf 
Oesteine treffen, die in dem Lösungsmittel leichter löslich sind als die 
darin enthaltene Mineralsubstanz, so findet ein langsam und allmählich 
yor sich gehender Austausch der beiderseitigen Stoffe statt, ein Vorgang, 
den man als Verdrängung oder metasomatische Umwandlung, 
auch kurz als Metasomatose bezeichnet. Dieser Process hat eine weit- 
gehende Bedeutung für die Lehre von den Pseudomorphosen (s. § 2. 
S. 264), für die. chemische Umwandlung von Gesteinen und die Bildung 
vieler Erzlagerstätten. 

Am gewöhnlichsten vollzieht sich die metasomatische Umwandlung 
bei Berührung mit den weit verbreiteten Kalksteinen, die namentlich die 
Garbonate von Mg, Fe, Mn und Zn ausfällen und sich dabei ganz oder 
theilweise in Dolomite, in Eisenspath-, Manganspath- und Zinkspath- 
Ablagerungen umsetzen. 

U. TTmwandlimg durch pyrochemische Processe. 

1. Umwandlung durch vulkanische Dämpfe und Oase 
(Zersetzung, Pneumatolyse). Den hierher gehörigen Zersetzungserschei- 
nungen begegnet man nur an Orten, wo vulkanische Thätigkeit herrscht 
oder geherrscht hat. Die aus Vulkanen, Solfataren, Mofetten, Fuma- 
rolen etc. aufsteigenden Gase und Dämpfe, wie Wasserdampf, Kohlen- 
säure, Salzsäure, Borsäure, Schwefeldampf, Schwefelwasserstoff, schweflige 
Säure und Schwefelsäure etc. sind die Agentien und bewirken in Verbindung 
mit erhöhter Temperatur die Zersetzung der frisch gebildeten oder der 
bereits vorhandenen Mineralien. Namentlich werden die Silicate zersetzt, 
was äusserlich an der zelligen, cavernösen Oberfläche hervortritt, und 
durch HCl und H^SO^ in lösliche Form übergeführt. 

Bei der Zersetzung wird im Gegensatz zur Verwitterung die Thon- 
erde und das Eisenoxyd sehr leicht in Lösung gebracht. Ebenso wird 
auch die Kieselsäure sehr viel leichter abgeschieden und kommt auch 
schneller zur Ruhe. 



Umwandlung der MineralieD. 263 

Die gleichen Säuren wirken auch zerstörend auf die Carbonate und 
bedingen weitgehende Umwandlungen, z. B. Kalkspath zu Oyps. 

Neben den Säuren ist die Wirkung des überhitzten Wasserdampfes 
besonders bemerkenswerth. Die Silicate, Galcit, Dolomit, Spatheisen etc. 
werden angegriffen und neben Hydraten basische Carbonate gebildet. 
Periklas und Brucit liefern entsprechende Beispiele. Weiter wirkt der 
Wasserdampf zerlegend auf die Chloride, wobei freie Salzsäure und 
Oxyde (Hämatit, Magnetit, Ceylanit, Periklas, Tenorit) entstehen, ebenso 
wie aus der Zersetzung von Fluor- und Chlorsilicium Quarz und Tridymit 
hervorgehen. Für die Bildung der Zinnerzlagerstätten wird besonders 
wichtig die Zerlegung des flüchtigen Zinnfluorids durch Wasserdampf, 
w^obei Zinnstein SnOg entsteht und die freigewordene Flusssäure corro- 
dirend auf umgebende Silicate einwirkt und Veranlassung zu Neu- 
bildungen, namentlich von Flussspath gibt. 

2. Veränderung durch erhöhte Temperatur, durch 
Schmelzen. Hierbei kann sowohl eine Aenderung des chemischen 
Bestandes wie auch der structurellen Beschaffenheit eintreten. Letztere 
Veränderung kaon zuweilen praktische Bedeutung erlangen. Granat, 
Vesuvian, Hornblende, Zoisit, Epidot, Glimmer, Turmalin, Axinit etc. 
sind Mineralien, die durch Lösungsmittel gar nicht oder sehr schwer 
aufgeschlossen werden; sobald sie aber geschmolzen sind, gelingt die 
Aufschliessung durch Säuren leicht. Dass hierbei aber nicht nur eine 
mechanische Auflockerung eingetreten ist, sondern eine Umwandlung, 
lehren die schon früher angeführten Untersuchungen von Doelteb und 
HussAK am Granat und Vesuvian. 

Andere Silicate werden dagegen beim Schmelzen amorph, wie Feld* 
spath; das gleiche gilt auch vom Quarz. Diesen Vorgang nennt man 
wohl Frittung. — 

Aragonit geht bei erhöhter Temperatur in Calcit über; rhombischer 
Schwefel wird durch Schmelzung monoklin, wandelt sich aber allmählich 
wieder in die rhombische Modification um. 

Während gewisse Mineralien, wie Steinsalz, Flussspath, Augit, 
durch erhöhte Temperatur, selbst durch Schmelzung chemisch durchaus 
unverändert bleiben, erleiden andere mehr oder minder wesentliche Ver- 
änderungen ihres Bestandes. Die Carbonate geben Kohlensäure, die 
Sulfide Schwefel, die Hydrate Wasser ab. Organische und Oxydul-Ver- 
bindungen nehmen Sauerstoff auf; die sonst nicht angreifbaren Mineralien 
Diamant und Graphit verbrennen bei hoher Temperatur. 

Werden Mineraliengemenge erhöhter Temperatur ausgesetzt, so 
finden wechselseitige chemische Reactionen statt nach Maassgabe, dass die 
feuerbeständigeren Säuren die wirksameren sind. Besondere geologische 



264 Umwandlung der Mineralien« Pseudomorphosen. 

Bedeutung hat die Austreibung der Kohlensäure durch Eäeselsaure und 
die dabei erfolgende Bildung von Silicaten. 

Pjrochemiscbe Processe werden naturgeraäss yiel seltener ange- 
troffen als hydrochemische ; sie werden geologisch wichtig als sogen. 
Contactphänomene, d. h. Veränderungen und Umwandlung in der Nähe 
von Eruptivgesteinen. 

III. Veränderungen durch das Licht. 

Dieselben siud spärlich und fallen äusserlich zumeist nur als Farben- 
änderungen in die Augen. Nickel- und Kobaltblüthe , femer gefärbter 
Flussspath, Apophyllit, Topas, Steinsalz, Rosenquarz, Chrysopras etc. 
bleichen aus, die Chlor-, Jod- und Bromverbindungen werden trQb und 
färben sich gewöhnlich dunkler. — Realgar zerfällt im Licht zu orange- 
gelbem Pulver, Auripigment oxydirt sich zu arseniger Säure; Kupfer- 
glanzkrystalle überziehen sich mit einem braunen, Krystalle verschiedener 
Silber mineralien (Rothgültig, Silberglanz, Stephanit) mit einem schwarzen 
Pulver. Die blaue Eupferlasur geht unter dem Einfluss des Lichtes in 
den grünen Malachit über, was man an alten Gemälden öfters beob- 
achten kann. 

IV. Veränderung durch Druck. 

Dass auch der Druck geeignet ist, Umwandlungsvorgänge zu be- 
günstigen, ist ohne Weiteres klar. 

Neuerdings haben bei der Untersuchung tektonisch stark gestörter 
Gesteine die durch Druck veranlassten Mineralbildungen die Aufmerk- 
samkeit des Geologen auf sich gezogen und man hat in dem Druck 
ebenso wie in der erhöhten Temperatur einen wesentlichen begünstigenden 
Factor für Mineralumwandlungen erkannt. Bei der mineralogischen bezw. 
structurellen Herausbildung der krystallinischen Schiefer, wie bei dem 
Auftreten einer Reihe krystallinischer Mineralien, wie Andalusit, Silli- 
manit, Sericit, Chlorit, in stark gepressten und gestauchten Thonschiefem 
ist der Druck wesentlich betheiligt, und ebenso wie man von Contact- 
mineralien spricht, wird man auch von Pressionsmineralien reden müssen. 
Auch durch das Experiment ist die Wirksamkeit des Druckes bewiesen. 
Von Sprino ist bei einem Druck von 5000 Atmosphären aus Kupfer 
und Schwefel Kupferglanz erzeugt worden. — 

In vorstehendem Capitel beanspruchen noch zwei wichtige Um- 
wandlungserscheinungen, als deren Resultate die Pseudomorphosen und 
die Contactmineralien hervorgehen, eine besondere Besprechung. 

§ 2. Die Pseudomorphosen. Die aus der Umwandlung eines 
Minerales hervorgegangenen Neubildungen heissen, wie bereits erwähnt. 



Pseudomorphosen. 265 



secundäre Mineralien im Gegensatz zu dem primären MuttermineraL Die 
secundären Mineralien können entweder an anderer Stelle als das Mutter- 
mineral zur Ausscheidung bezw. Auskrystallisation gelangt sein, wie 
z. B. die Zeolithe auf den Mandelräumen der Melaphyre -und Basalte, 
oder sie können sich unmittelbar an Stelle des Mutterminerales abgesetzt 
haben. Diese letzteren Mineralien führen speciell den Namen der meta- 
morphischen Mineralien, der ümwandlungsprocess selbst, gleich- 
Tiel auf welche Art er vor sich gegangen ist, heisst Mineralmeta- 
morphose. 

Hat sich die Metamorphose an Krystallen unter Erhaltung der 
ursprünglichen Krystallform vollzogen, so werden diese Bildungen als 
Pseudomorphosen oder Afterkrystalle, speciell als metasoma- 
tische Pseudomorphosen bezeichnet, da man unter dem Namen 
Pseudomorphosen auch ihrer Entstehung nach ganz andere, nur äusser- 
lich ähnliche Dinge (sogen, hypostatische Pseudomorphosen, siehe weiter 
unten) versteht. 

Pseudomorphosen haben demnach die Form bewahrt, den Inhalt 
aber verändert. Sie sind durchweg keine einfachen Krystalle, sonder^ 
Erystallaggregate. Sie sind für das Verständniss der mineralischen üm- 
wandlungsvorgänge, die sich an ihnen oft in den verschiedensten Stadien 
offenbaren, von hoher Bedeutung. 

Die Umwandlungsvorgänge selbst sind aber keine anderen als die 
in dem § 1 dieses Gapitels geschilderten. 

Nach der Art der Umwandlung lassen sich 3 Abtheilungen unter- 
scheiden. 

1. Paramorphosen. Bei ihnen ist der chemische Bestand des 
Mutterminerales erhalten, es hat nur eine structurelle Umwandlung in 
eine dimorphe Varietät stattgefunden, z. B. UraUt nach Augit, Calcit 
nach Aragonit, Aragonit nach Calcit, monokliner Schwefel nach rhom- 
bischem Schwefel, Rutil nach Brookit etc. 

2. Umwandlungs-Pseudomorphosen, bei denen ein partieller 
Austausch der chemischen Bestandtheile oder auch nur eine Aufnahme 
resp. Abgabe irgend welcher Bestandtheile stattgefunden hat. Bleiglanz 
nach Pyromorphit, Zinkcarbonat (Galmei) nach Ealkcarbonat (Calcit), 
Gyps nach Anhydrit, Sei*pentin nach Olivin. 

3. Verdrängungs-Pseudomorphosen, bei denen der gesammte 
chemische Bestand sich geändert hat. Gediegen Kupfer nach Aragonit, 
Botheisen nach Ealkspath, Flussspath nach Quarz, Gyps nach Steinsalz. 

Hergebrachtermassen werden nun auch solche Bildungen als Pseudo- 
morphosen bezeichnet, die mit den eben besprochenen die Eigenthüm- 
Uchkeit theilen, dass die äussere Form eine erborgte ist, die aber in 



266 Gontactmineralien. 



ihrem Wesen völlig verschieden davon sind und sich mehr den Mineral- 
ausscheidungen in Blasenräumen und Drusenhöhlungen anschliessen. Das 
wird neben anderem durch ihr von aussen nach innen erfolgendes Wachs- 
thum und durch ihre ganze Structur bewiesen. Derartige Aflerkrystalle 
heissen AusfüUungs-, Umbüllungs- oder hypostatische Pseudo- 
morphosen. Der Vorgang bei ihrer Bildung ist doppelter Natur. 

1. Ein leichter verwitterbarer krystallisirter Gemengtheil wird aus 
der umgebenden Oesteinsmasse bezw. dem umgebenden Mineralaggregat 
ausgelaugt und später der entstandene fiohlraum mit irgend einem neuen 
Mineral wieder angefüllt. 

2. Ein Kry stall wird von einer Kruste eines anderen Minerales, 
das schwerer verwitterbar ist, überzogen; später findet eine Auslaugung 
des umschlossenen Krystalles aus seiner Umhüllung statt. Zumeist besteht 
die nunmehr infiltrirte AusfÜUungsmasse aus demselben Mineral, welches 
die Kruste bildete. 

Literatur. Blum, Die Pseudomorphosen des Mineralreiches 1848. Mit vier 
Nachträgen (1847—79). — E. Geinitz, N. Jahrb. f. Min. etc. 1877. — Tbchkrhaü, 
Miner. Mitth. IL 449. 1879. 

§ 3. Die Gontactmineralien. Dieselben sind Umwandlungs- 
mineralien, deren Auftreten an die Berührung eines Eruptivgesteins mit 
irgend welchen anderen Gesteinen, insbesondere mit Kalksteinen, Dolo- 
miten und Thonschiefem gebunden ist. Dieses Vorkommen weist den 
Eruptivgesteinen eine active Rolle bei der Bildung der Gontactminerahen 
zu ; in den meisten Fällen wird es das schmelzflüssige Silicatmagma sein, 
das auf das benachbarte Gestein reagirt ; daneben und in anderen Fällen 
dürften sich auch durch den Contact und die hohe Temperatur be- 
günstigte hydro- und gasochemische Processe abgespielt haben. 

Vielfach beruht die Umwandlung im Contact nur auf einer Yerändernng der 
Structur; dichte und feinkörnige Kalksteine und Dolomite werden grOber körnig, 
vollständig krystallin oder auch späthig; alleinige Hitzewirkungen sind wirksam bei 
der Umwandlung von Spatheisen in Magnetit und Rotheisenstein. 

Die Einwirkung von Gasen zeigt sich bei der Bildung von Fluor- und Bor- 
mineralien, wie Topas, Turmalin, Apatit, den charakteristischen Begleitern des Zinn- 
steins. Dagegen wird die Neubildung der vorzugsweise Ca- und Mg-haltxgen Silicate 
im Contact unmittelbar der Reaction des eruptiven Silicatmagmas auf die Kalksteine 
und Dolomite zugeschrieben werden müssen. 

Wirkungen des Contacts, d. h. Mineralneubildungen, finden sich 
nicht nur in dem yom Contact betroffenen Gestein, sondern auch in dem 
den Contact bewirkenden Eruptivgestein; jene bezeichnet man wohl ab 
exogene, diese als endogene Contacterscheinungen. 

Es giebt eine Reihe yon Mineralien, die nur im Contact auftreten; 
andere, die unter den verschiedensten umständen gebildet werden können, 



ContactmineralieD. 267 



finden sich gelegentlich im Gontact, haben dann aber gewöhnlich einen 
charakteristischen Habitus; z. B. der bläulich-graue Contactkalkspath. 

Die gewöhnlichsten Contactmineralien sind die folgenden: Granat, 
Yesuvian, Augit, Diopsid, Fassait, Wollastonit, Tremolit, Plagioklase 
(Anorthit), Skapolith incl. Dipyr, Couseranit, Gehlenit, Epidot, Zoisit, 
Chondrodit, Monticellit, Titanit, Rutil, Spinell, Periklas, Magnetit etc. 

Besonders häufig genannte Contactlagerstätten sind: Monzoni und 
Predazzo, die norwegische Contactzone (Cbristiana, Arendal, Drammen), 
die Contactzone des Banats (Cziklowa, Oravicza, Szaska, Dognaczka), 
Auerbach an der Bergstrasse, Pargas nn Finland, das Contactgebiet in 
den Staaten New- York und New- Jersey (Sparta, Warwick, Amity). 
Hierher gehören auch die von den Eruptionsproducten des Vesuvs in der 
Tiefe veränderten und dann ausgeworfenen, mit Silicaten reich erfQllten 
Kalksteine, die als die Ealkbomben der Somma in der Literatur be- 
zeichnet werden. 



VI. Abschnitt. 

Teclmisclie Mineralogie. 

Der Nutzen der Mineralien liegt nicht nur auf rein wissenschaftlichem 
Oebiet als interessante, unmittelbar von der Natur gelieferte Belegstücke 
für die Lehren der Krystallographie, der Physik und Chemie; nicht nur 
bildet eine ausreichende Mineralkenntniss ein unbedingtes Erfordemiss 
f&r das Studium der Geologie, sondern sehr zahleiche Mineralien dienen 
technischen Zwecken und werden für Handel und Gewerbe wie für die 
Landwirthschaft und zahlreiche Zweige industrieller Thätigkeit von 
grösster Bedeutung. So sind sie Gegenstand bergmännischer Gewinnung 
und hüttenmännischer Verarbeitung. Als Constituenten der Gesteine hat 
der Ingenieur und Architekt an vielen von ihnen ein Interesse und als 
Bildner des Ackerbodens werden sie für den Landwirth von Wichtigkeit, 
der ihnen auch seine unentbehrlichsten mineralischen Düngerstoffe (Kali- 
salze, Phosphorite und Salpeter) entnimmt. 

Die wichtigsten der nutzbaren Mineralien sind im Anhang I: 
.Uebersicht über die nutzbaren Mineralien und deren Lager- 
stätten'' aufgezählt und nach der Art ihres Vorkommens kurz besprochen. 



VIL Abschnitt. 

Systematik und Nomenclatur. 

Die in Frage kommenden Gesichtspunkte sollen hier nur kurz an- 
gedeutet werden. 

Systematik. In der mineralogischen Systematik herrscht nicht 
wie in der Botanik und Zoologie, den beiden anderen, gewöhnlich zum 
Vergleich herangezogenen beschreibenden Naturwissenschaften, in den 
Hauptzügen Uebereinstimmung, sondern verschiedene Klassificationssysteme 
bestehen neben einander. 

Die Gründe dafür sind im Wesentlichen darin zu suchen, dass man 
über den klassificatorischen Werth der einzelnen mineralogischen Eigen- 
schaften verschiedener Meinung sein kann. Während in der Botanik und 
Zoologie die natürlichen, d. h. auf Zeugung beruhenden Yerwandtschafts- 
beziehungen die zwingende Grundlage und die Elemente eines natürlichen 
Systems abgeben, bedeuten genetische Verhältnisse unter den Mineralien 
ganz etwas anderes und drücken keineswegs die natürliche Verwandt- 
schaft aus; weit mehr als sie kommen die wichtigen morphologischen, 
physikalischen und chemischen Eigenschaften, nicht minder die aus dem 
geologischen Vorkommen erwachsenden Beziehungen in Betracht. Je 
nachdem die einzelnen Autoren oder die einzelnen Perioden der Wissen- 
schaft die eine oder die andere Gruppe dieser Eigenschaften mehr in 
den Vordergrund stellten, wechselten die Begriffe der Klassen, Ord- 
nungen etc. und die Anordnung der Mineralien im System. 

Die unveräusserlichsten , am Stoff selbst haftenden Eigenschaften 
sind die chemischen. Nach dem Vorgange von Berzelius ist es daher 
durchweg üblich geworden, als Haupteintheilungsgrund die chemische 
Constitution zu verwenden und danach die grossen Klassen der Elemente, 
der Sulfoverbindungen , der Oxyde, der Haloid- und der Oxysalze auf- 
zustellen. 

Einer weiteren Gruppirung in Ordnungen, Familien oder Gruppen 
stellen sich deswegen Schwierigkeiten entgegen, weil bei Anwendung 
eines einheitlichen utid gleichmässig durchgeführten Eintheilungsprincipes 
einerseits eine grössere Anzahl von Mineralien fganz isolirt dastehen 



Systematik und Nomenclatur. 269 

würde, andererseits und noch mehr manche sogen. ,, natürlichen Familien", 
d. h. solche, die sich durch eine Reihe gemeinsame Merkmale als eng 
zusammengehörig erweisen, zerrissen würden. 

Als das am meisten geeignete Eintheilungsprincip bietet sich als 
zunächst liegend wieder die chemische Constitution dar. Dabei kann 
entweder die Anordnung nach dem elektropositiyen Bestandtheil erfolgen, 
wobei der praktische Vortheil erwächst, dass, um es an Beispielen zu 
erläutern, alle Blei-, Silber-, Kalkmineralien etc. unmittelbar an ein- 
ander gereiht werden, was aber bei strenger Anwendung des Princips 
auf grosse Hindernisse stösst — oder die Anordnung erfolgt nach dem 
elektronegativen Bestandtheil. Diese letztere Elassification hat den be- 
sonderen Vortheil, dass die in der Isomorphie sich ausdrückende und für 
die Bildung natürlicher Gruppen sehr geeignete Beziehung zwischen 
chemischer Constitution und Krystallform in den Vordergrund tritt. Beide 
Principien sind von Bebzeliüs 181G in Vorschlag gebracht; letzteres, 
von Gustav Rose weiter ausgebaut, wird als das BEBZELius-RosK'sche 
oder krjstallograpbisch-chemische System bezeichnet und liegt heutzutage, 
wenigstens in Deutschland, den meisten Lehrbüchern und Mineraltabellen 
zu Grunde. Auch in vorliegendem Buch wird davon Gebrauch gemacht, 
jedoch unter Wahrung und Beibehaltung mancher von anderen Ge- 
sichtspunkten aus als natürlich erkannter Familien, die durch das chemische 
Elassificationsprincip zerrissen würden. 

Species. Eine besondere Schwierigkeit fttr das System erwächst 
noch aus dem Umstand, dass der Begriff „Species" in der Mineralogie 
sich einer scharfen Definition entzieht. In der Botanik und der Zoologie 
beruht, wie schon eben berührt, das, was als Species oder Art bezeichnet 
wird, auf der durch die natürliche Fortpflanzung geschaffenen Verwandt- 
schaft, also auf Beziehungen, die den Mineralien gänzlich fehlen ; ausser- 
dem wird noch durch die isomorphen Mischungen ein weiter Spielraum 
in der Abgrenzung der einzelnen Mineralien gelassen. Deshalb ist der 
Begriff Species von vielen Autoren ganz und gar aus der Mineralogie 
gebannt, und dort, wo er gebraucht wird, fasst man unter eine Species 
alle jene Mineralsübstanzen zusammen, welche in chemischer, morpho- 
logischer und physikalischer Beziehung gar keine oder nur unwesentliche 
Abänderungen aufweisen, während Mineralsubstanzen, die nach gewissen 
Richtungen charakteristische Abweichungen zeigen, als Varietäten be- 
zeichnet werden. Ganz gleichbedeutend mit den beiden Ausdrücken 
Species und Varietäten sind die von anderer Seite verwendeten Ausdrücke 
Gattung und Species, wo die Species der letzteren Auffassung der Varietät 
im ersteren Sinne entspricht. 

Nomenclatur. Die Mineralnamen rühren aus den verschiedensten 
Stadien der Entwicklung unserer Wissenschaft her oder sind in vielen 



270 Systematik und Nomenclatur. 

Fällen auch die Yom gemeinen Mann oder dem Bergmann gebrauchten 
Bezeichnungen. Daher sind sie alles andere als einheitlich gebildete 
wissenschaftliche Namen. 

Für die gemeineren Mineralien bestehen deutsche Mineralnamen 
und haben also nur beschränkte Anwendung, wenn auch einige unter 
ihnen in andere Sprachen übergegangen sind. In der Hauptsache aber 
sind die Mineralnamen der griechischen oder lateinischen oder beiden 
Sprachen entlehnte, nicht immer tadellose Wortbildungen von inter- 
nationaler Gültigkeit. 

Für die meisten Mineralien sind mehrere Namen Yorhanden, doch 
ist die Synonymik bei Weitem nicht so umständlich als in den Schwester- 
wissenschaften. Der mehrfach unternommene Versuch, wie in der Botanik 
und Zoologie die Namen zweigliederig zu gestalten, musste an der Be- 
deutungslosigkeit der Begriffe Gattung und Art in der Mineralogie 
scheitern. Damit steht es auch im Zusammenhang, dass unsere gegen- 
wärtigen Mineralnamen nach ihrem Inhalt bald etwas bezeichnen, was 
etwa einer Familie, bald etwas, was einer Gattung, Art oder Varie<At 
entsprechen würde. 

Für die Bildung der Namen sind namentlich die chemische Zu- 
sammensetzung, die physikalischen und krystallographischen Besonder- 
heiten, der Ort des Vorkommens, der Name des Auffinders etc. maass- 
gebend gewesen, vielfach sind sie auch gegeben worden zu Ehren irgend 
welcher Personen, in Anlehnung an mythologische Dinge etc., zuweilen 
aber auch ohne jede Beziehung zu Personen und Dingen. 

Näheres: v. Kobrll, Die Mineralnamen und die mineralogische Nomenclatnr. 
1853. — Francke, Ueber die mineralogische Nomenclatur. 1890. 



IL Theil. 

Specieller Theil. 



Im nachstehenden speciellen Theil sind die einzelnen Mine- 
ralien in systematischer Anordnung beschrieben worden. Eine XJeber- 
sicht der befolgten Eintheilung und eine Aufzählung der einzelnen 
Klassen, Abtheilungen, Familien, Gruppen etc. giebt das Inhaltsver- 
zeichniss. 

Bei der Darstellung sind die häufiger vorkommenden oder aus irgend 
welchem Grunde wichtigeren Mineralien vor den selteneren und weniger 
wichtigen durch eingehendere Behandlung und äusserlich auch schon 
durch den Druck ausgezeichnet. 

Die Beschreibung der wichtigeren Mineralien gliedert sich für das 
Auge, durch Absätze sichtbar gemacht, der Beihe nach in der Auf- 
zählung : 

1. der morphologischen Kennzeichen, und zwar unter Sonderung 
derjenigen der Krystalle von denen der Aggregate, 

2. der physikalischen Merkmale, 

3. der chemischen Eigenschaften, während in einen 4., cursiv ge- 
druckten Absatz alle auf das geologische und geographische Vor- 
kommen bezüglichen Angaben gestellt sind. Besondere Notizen ver- 
schiedenen Inhaltes, Hinweise auf ähnliche, zur Verwechslung verleitende 
Mineralien sind, wo sie nöthig werden, in eine Schlussbemerkung ver- 
wiesen. 

Als nicht ohne Weiteres verständliche oder nicht früher bereits 
erläuterte Abkürzungen sind die folgenden zu erwähnen: 

X X = Kryatalle. H. = Härte. 

Mittelk. = Winkel an der Mittelkante. G. = specifisches Gewicht. 

Polk. = Winkel an der Polkante. durchs. = durchsichtig. 

Zw. = Zwillinge. voUk. = vollkommen. 

# = Spaltbarkeit, spaltbar. unvollk. = unvollkommen. 

Br. = Bruch. | ged. = gediegen. 



272 



Specieller Theil. 



undurcbs. = undurchsichtig. 

Gl. = Glanz. 

Mgl. = Metallglanz. 

Str. = Strich. 



u. d. M. =: unter dem Mikroskop. 
O.-F. = Oxydationsflamme. 
R. F. = Reductionsflamme. 
A.-£. = Optische Axenebene. 



V. d. L. = vor dem Löthrohr. | Chem. Zus. = Chemische Zusammensetzung. 



Die Bezeichnung der Erystallformen erfolgt in Uebereinstiminung 
mit dem krystallographischen Abschnitt dieses Buches durch Indices, 
die aber aus typographischen Gründen in die sonst nur für Krystall- 
flächen gebrauchten Klammern ( ) eingeschlossen sind. Zu dem Milleb- 
schen Zeichen ist aber auch das NAüMANN'sche Symbol gestellt worden, 
um eine allgemeinere Verwendung des beschreibenden Theils zu er- 
möglichen. 



L Klanse. Elemente. 

Hierher gehören die natürlich auftretenden , bei gewöhnlichen Temperaturen 
festen oder flüssigen chemischen Elemente samt ihren Legirungen. 



1. Abtheilung. Nichtmetalle. 

Mit Ausnahme des metallglänzenden, aber dagegen unschmelzbaren Graphits 
ohne metallischen Habitus und mit geringem specifischem Gewicht. 

Diamant. Demant. G. 

Regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. Rundum ausgebildete XX die 
häufigste Erscheinungsform, ursprünglich stets eingewachsen und durch- 
weg mit holoedrischer Entwicklung; auf die Hemiedrie, die physikalisch 
noch nicht bestätigt werden konnte, deuten die Ergänzungszwillinge 

Fig. 319. Fig. 320. Fig. 321. Fig. 322. 







und nur vereinzelt tetraedrische Formen. Der Habitus wird bedingt 
durch (111)0 (indischer Typus) oder {110) ocO beziehungsweise (100) oMoo 
(brasilianischer Typus); dazu treten in Gombination namentlich Tetra- 
kishezaeder wie (310)oo03 und aus der Gombination zweier Hexakis- 
tetraeder gebildete Hexakisoktaeder wie (S21)30^\%^ auch andere Formen 
und Yicinalflächen, wodurch die charakteristische Krümmung der Flächen 
und die bauchig bis kugelig verzerrten Erystalle hervorgebracht werden 
(Fig. 319). Namentlich Rhombendodekaeder und Hexakisoktaeder neigen 
gern zur Rundung der Flächen und Kanten, die Würfelflächen sind meist 
rauh, dagegen ist das Oktaeder gewöhnlich glattfläcbig. Ueberhaupt sind 
die Flächen häufig gestreift oder rauh, mit drei- oder vierseitigen Grüb- 
chen, auch mit höckerigen Unebenheiten versehen. — Zw. nach (111)0 
nicht selten, in Juxtaposition und gelegentlich mit lamellarer bis schaliger 

Klookmann, Mineralogie, s. Aufl. 18 



274 I- Kl. Elemente. 1. Abth. Nichtmetalle. 

Wiederholung, meist durch Verkürzung der Zw.-Axe mit tetraedrischem 
und linsenartigem Habitus (Fig. 322) ; ausserdem auch nicht selten sich 
vollkommen durchkreuzende Er^nzungszw. nach (100) ooOoo^ die an der 
Furchung längs der Oktaederkanten oder der Eerbung quer zu den 
Würfelkanten leicht erkennbar sind (Fig. 320 u. 321). — Ausser in wohl 
ausgebildeten XX ▼on mikroskopischer Kleinheit bis nahe 1000 Karat Ge- 
wicht, findet sich D. in derben, eckigen, auch löcherigen Körnern, abgerollt, 
in Splittern und Spaltstücken, sowie aggretartig als Bort in regellosen 
Gruppen und radial struirten, sehr regelmässigen Kugeln. Bemerkenswerth 
sind nicht seltene schwarze Flecken und Einschlüsse im Diamant, die von 
Eisenglanz, Titaneisen und kohliger Substanz herrühren. Auch Einschlüsse 
von Quarz, Rutil, selbst Yon kleinen Diamantkrystallen kommen Yor. 

# (111)0 Yollkommen, was beim Schleifen ausgenutzt wird. Er. 
muschlig, spröde. H. = 10, härter auf (100) als auf (111). G. = 3,50 
bis 3,53, gleich dem des Topases. Durchs. (Yom reinsten Wasser) bis 
undurchs., durchlässig für Röntgenstrahlen. Der Glanz, als Feuer bezeichnet 
ist ganz eigenthümlich, sogen. Diamantgl. Farblos oder in Yerschiedenen, 
vielfach nicht beständigen Farben gefärbt: gelblich und gelb, braun, grau, 
grünlich, röthlich, schwarz, am seltensten blau. Starke Dispersion: n (roth) 
= 2,407, n (violett) = 2,465. Opt. oft anomal in Folge von Spannungen, 
welche bei den sogen, smoky stones von Kimberley sogar ein Zerspringen 
zu feinem Pulver veranlassen können. Guter Wärmeleiter, fühlt sich kalt 
an; wird beim Reiben positiv elektrisch. 

Reiner KohlenstoflF; im Carbonado bis 2 — 4 ^/o Verunreinigung. Ver- 
brennt im Sauerstoffgebläse zu CO,, kleine XX und pulverisirt schon 
V. d. L. auf Platinblech; wird ausserdem nur noch angegriffen durch ein 
Gemisch von Kaliumbichromat und Schwefelsäure. Geht im elektrischen 
Flammenbogen bei Luftabschluss in Graphit über. 

Zumeist auf losen und verfestigten Seifen, theilweise diluvi-alen und 
tertiären Alters. Charakteristische Begleiter sind die üblichen Seifen- 
mineralien, Edelmetalle und Edelsteine wie Gold, Fiatin, Topas, Chryso- 
beryll, Tunnalin, Granat, Zirkofi, Rutil, Anata>s, Zinnstein, Quars, 
Spinell, Titaneisen, Magneteiseti etc. Wäschen Ostindiens, Bomeos, des 
Caplandes, in den atlantischen Staaten Nordamerikas und in Californiefh 
Femer in Brasilien und vereinzelt am Ural. — Dann eingewachsen, aber 
wohl nur zum kleineren Theil primär in krystailinen Schiefem, nament- 
lich Hornblende- und Glimmerschiefem, in Sandsteinen und besonders 
reichlich (s. S. 276) in den Olivingesteinen (Kimberliten) der Capcolcnie.— 
Als Merkwürdigkeit in Eisenmeteoriten: Canon Diablo in Arizona. Neuer- 
dings von MoissAK, von Crookes u. A. in winzigen XX künstlich dargestellt. 

') Der grösste bekannte Diamant ist der 971 V« Karat schwere Stein tod 
Jagersfontein, dessen längster Durchmesser fast 80 mm beträgt. 





I. El. Elemente. 1. Abth. Nichtmetalle. 275 

Als Varietäten können unterschieden werden: 

1. Diamant, Einzelkrystalle und Krystallgruppen. 

2. Bort, radialstrahlige Kugeln und unregelmässige Aggregate; in der Technik 
werden auch die als Schmuckstein unbrauchbaren Krystalle so bezeichnet. 

3. Garbonado oder Carbonat, erbsen- bis eigrosse Rollatücke von koks- 
oder kohlenschlackenartiger Beschaffenheit, dicht bis kömig, mit glänzend schwarzer 
Oberfläche und mattem, muschligem Bruch. Nur brasilianischen Ursprungs und fast 
ganz auf den Bezirk Cincord in der Provinz Bahia beschränkt. Besonders begehrt 
bei Tiefbohrungen, wozu aber auch Bort und unrein gefärbte X X benutzt werden. 

Die farblosen oder gleichmässig gefärbten D. sind ihrer 
aasgezeichneten Eigenschaften wegen neben Rubin die meist ge- Fig. 823. 

schätzten Edelsteine. Als Gewichtseinheit dient das Karat, das in 
verschiedenen Ländern zwischen 197 — 207 mg wechselt, durch- 
schnittlich aber zu 205 mg angenommen wird. Diamanten von 
20 K. sind schon Seltenheiten. Bei der Preisbemessung ent- 
scheiden mancherlei und zeitlich wechselnde Umstände, in 
erster Linie natürlich Gewicht und Beschaffenheit. Nach einer Fig. 324. 

Pariser Tabelle von 1878 kostet ein Stein bester Qualität von 
1 K. 220 Frcs., von 12 K. 15 000 Frcs., bei geringerer Qualität, 
aber gleichem Gewicht 120 bezw. 8900 Frcs. Die Schliffform 
richtet sich nach der Gestalt der Krystalle; in früheren Zeiten 
schliff man wohl rund, in Eiform (Briolett) oder prismatisch, 
daför trat später die Raute oder Rosette Fig. 328 und seit der 
Mitte des 17. Jahrhunderts ganz allgemein die vortheilhafteste Form , der Brillant- 
schliff Fig. 324. 

Von Ostindien, dem alten Diamantenlande, das aber jetzt so ziemlich er- 
schöpft scheint, stammen die bekanntesten Steine: im englischen Kronschatz bezw. 
in England K oh- i-Noo r, flacher ovaler Brillant, ursprünglich 186 K., jetzt 106 Vi b K., 
auf 120000 £ geschätzt — , Nassak, dreiseitiger Brillant von 78*/» K., ca. 30000 £ — , 
der dunkelblaue Hope, 44 V« K., ^^ 25000 £ angekauft. Im russischen Schatz 
bezw. in Russland der Oriow oder Amsterdamer, alter Rautenschliff mit 450000 Rubel 
bezahlt — , Schah von Persien, säulenförmiger Schliff, 88 oder 86 K. — , Polar- 
stern, Brillant, 40 K. — , Sancy, Briolett von 53V« ^- <^us dem Schatz Karls des 
Kühnen. — Im französischen Kronschatz der Regent oder Pitt, vollkommener 
Brillantschliff, durch Schleifen von 410 auf 136^4 K. erniedrigt, auf 4500000 Frcs. 
geschätzt; soU von Malakka stammen. In Wien der Florentiner oder Tos kan er, 
Briolett, von gelblicher Farbe und 139 V> K. , stammt aus dem Schatze Karls des 
Kühnen und wird auf ca. 2000000 M. geschätzt. Sonst sind noch zu erwähnen: der 
Gross-Mogul, jetzt zerschlagen und seine Thcile nicht mehr sicher nachweisbar; 
sein Gewicht wird auf 793Vb K. berechnet, wonach er der grösste aller Diamanten 
gewesen ist; der Nizam (vom Haiderabad) mit 277 K. , Kaiserin Eugenie mit 
61 K., der Dresdener Diamant mit 48V2 K., Werth 600000 M. u. a. — Die 
Diamantfundorte Ostindiens liegen weit zerstreut, durchweg aber auf der Ostseite 
des Dekkan. Hauptstapelplatz ist oder war Golconda bei Haiderabad. Das Vor- 
kommen ist theils auf Seifen, theils in festen Sandsteinen und Conglomeraten. — 
Ein ferneres Gewinnungsgebiet sind die Seifen Borneos. Seit 1725 kam Brasilien 
in Aufnahme, wo in den Provinzen Minas Gerags und Bahia eisenschüssige Quarz- 
conglomerate , Cascalho und Canga genannt, die sich auf dem Boden und den Ge- 
hängen der Thäler finden, die hauptsächlichsten Träger sind. Für das Muttergestein 
sind wohl die Itacolumite, Sandsteine von paläozoischem (?) Alter gehalten worden, 



276 I- Kl. Elemente. 1. Abth. Nichtmetalle. 

aber es ist wahrscheinlicher, dass die D. nur auf die hindurchsetzenden Qoarzg&iige 
beschränkt sind. Die >( X ^iod z. Th. wasserhell, aber meist klein. Der berühmteste 
grösste Stein ist der ursprünglich 254 K. schwere Südstern, als ovaler Brillant 
von 125 E. geschliffen. — Das Hauptdiamantenland ist gegenwärtig die Capcolonie 
(daher Gapdiamanten), wo seit 1867 im Griqualand-West bei der Stadt Kimberlej 
und im anstossenden Oranje- Freistaat zahlreiche D., bis zu 90®/o der Gesamt- 
production der Erde, gewonnen werden. Ausser in Seifen des unteren Vaal- 
Flusses, den river-diggings, findet sich hier der D. vornehmlich eingewachsen (diy 
diggings) in eigenthümlichen Olivin- bezw. Serpentingesteinen von tuff- oder breocien- 
artigem Charakter, die eine Anzahl schlotartige Kanäle in den Schichten der Karoo- 
formation erfüllen ; sie sind entweder wohl ausgebildet oder zerbrochen, niemals aber 
gerollt, zumeist nicht ganz wasserklar und werden von Pyrop (Caprubin) begleitet 
Die einzelnen Gruben sind zum grössten Theil in den Händen der de Beers-Gesellschaft 
vereinigt, die jährlich für 80000000 M. producirt. Die kleinsten Steine wiegen ^lo K., 
bemerkenswerth unter den Capfunden ist ein regelmässiges Oktaeder von 4287* K., 
das geschnitten 228 Vs K. Gewicht behielt, und der grösste aller bekannten Steine, 
der Excelsior, von 97 VI* E. Die Masse der von 1867—1893 gewonnenen Dia- 
manten hat man auf 3 cbm berechnet. 

Für die Genesis der Diamanten sind die Vorkommen in den Olivingesteinen 
Südafrikas , in den Eisenmeteoriten und die künstliche Hei-stellung von Wichtigkeit. 

Graphit G. 

Hexagonal, rhomboedrisch-hemiedrisch. a:c = l: 1,3859 (Kbwgott). 
— XX (Ersby, Ticonderoga) selten, in Form sechsseitiger Tafeln mitDrei- 
eckstreifung (0001) oR^ {1120) ooP2. — Derb und eingesprengt in krumm- 
blätterigen, kömigen, strahligen, schuppigen, dichten und erdigen Massen, 
zuweilen in radial struirten Nieren, stenglig und faserig. 

# nach (0001) oR sehr vollkommen, nach (1011) B anscheinend 
Gleitung. Gemein biegsam ; milde, fettig und abfärbend. H = l — 2, 
G. = 2,1—2,3. Mgl. oder matt, undurchs., dunkel- oder licht-stahlgrau. 
Str. rein grau, schimmernd; guter Leiter der Elektricität. 

Kohlenstoff, zuweilen mehr als 20 ®/o Asche hinterlassend. — V. d. L. 
schmelzbar, gemeinhin feuerbeständig, verbrennt aber bei der Temperatur 
des Bunsen-Brenners oder mit Salpeter gemischt. Von Säuren nicht 
angegriffen; dagegen bläht sich auf Platinblech mit rauchender con- 
centrirter Salpetersäure zur ßothgluth erhitzt ein Theil (Graphit im 
engeren Sinn) wurmartig auf, während andere Vorkommnisse (Graphitit 
genannt) unverändert bleiben. 

Technisch wichtiges Mineral, — Lagerstätten : 1. Auf selbständigen 
Lagern j Linsen utid Nestern oder als Gemengtheil in metamorphischen 
Schiefern, wie Gneiss, Glimmer schief er, Quarzitschiefer, Fhyllit und in 
den darin eingelagerten körnigen Kalkest; ebenso in contactmetamorpki' 
sehen Kalken, seltener in paläozoischen Schiefern, Urgebirgsumrahmung 
Böhmens, namentlich im Fichtelgebirge (Wunsiedel), im bayerisch-böhmi- 
schen und im mährischen Grenzgebirge (Passau, Obemzell, Hafnerluden, 



I. Kl. Elemente. 1. Abth. Nichtmetalle. 277 

VöUau, Brunn am Walde); in den krysiallinen Schiefem SteiertnarkSy von 
AlUBodna in Siebenbürgen, in Skandinavien, den Vereinigten Staaten und 
Canada etc. ; in den kömigen Kalken von Ersby und Storgärd bei Pargas 
in Finland, von Ticonderoga in New York etc., auch von Auerbach an 
der Bergstrasse. — 2. Auf Gängen und Trümmern im Granit, namentlich 
aber im Gneiss; dahin die wichtigen Vorkommnisse der Alibert sehen 
Gruben, ca. 400 km westlich von Irkutsk, die de MELSche und andere 
Gruben auf Ceylon, welche im Granulit aufsetzen, sowie das jetzt er- 
schöpfte Vorkommen von Borrowdale in Cumberland, wo ausgezeichneter 
feinerdiger Graphit mit Quarz und Braunspaih nesterartige Gänge im 
I>iabas bildet. — 5, Als gelegentlicher Gemengtheil, in Butzen, aber auch 
in grösseren Massen in Eruptivgesteinen, so in Graniten (SioERow^sche 
Gruben im Gouvernement Jenisseisk), in Porphyreti (Comwall, Eibinge- 
rode), im Gabbro von Harzburg, in Basalten etc. ■ — Sonst noch in 
K^wllen in manchen Eisenmeteoriten, z. B. von Toluca, in geringerer 
Menge auch in Steinmeteoriten; künstlich als Ausscheidung aus Roheisen 
und bei der Zersetzung von Kohlenstoff Verbindungen ; im elektrischen 
Bogen wird Diamant in Graphit umgewandelt. 

Aehnlich: Molybdänglanz, in Schuppen auch wohl Arsenolamprit. — Die An- 
schauungen über die Genesis des natürlichen Graphits gehen noch auseinander ; doch 
dürfte Graphit meist anorganischen, selten vegetabilen Ursprungs sein; in letzterem 
Fall durch vulkanische Einwirkung auf Kohle entstanden. — Hinsichtlich der Pro- 
duction steht esterreich (Böhmer Wald) an erster Stelle und liefert fast 60 7«» dann 
folgt Ceylon mit ca. 25 — 307« u°cl Deutschland mit ca. 8 7o- England liefert nichts mehr. 

Cliftonit aus Eisenmeteoriten von Youndegin in Westaustralien ist anscheinend 
nichts anderes als eine Paramorphose von Graphit nach Diamantkrjstallen. — Gra- 
phitoid ist dichter, äusserst feinkörniger Graphit; dagegen ist 

Schungit, eine amorphe Modification von C, schwarz, anthracitartiger Mgl., 
H. = 37« — 4, G. = 1,84 — 1,98. Sehr hygroskopisch. In wenigen Centimetem mäch- 
tigen Plötzen zwischen huronisohen Schiefem unweit Schunga im Gouvernement 
Olonez. Ist das Endglied der Kohlenreihe: Braunkohle, Steinkohle, Anthracit. 

Schwefel. S. 

Rhombisch. a:b '.c = 0,8131 : 1 : 1,9034 (v. Kokschabow). — ;< X 
(Girgenti, Perticara, Conil) meist mit pyramidalem, vereinzelt auch mit 
sphenoidischem Habitus. P = (111) P mit 106 " 38' vorn, 1 43 ^ ^. 
18' Mittelk., gewöhnlich vorherrschend, dazu c = {001)oP, 
n = iOlDPöo, s = (113) Va vP etc. Zuweilen Zw. nach {101) Foo, 
auch nach {011) Po6 und (110) ooP, — Aggregate derb, ein- 
gesprengt, knollig, in Nieren und Zapfen, in Krusten und 
als Anflug; körnig, faserig, erdig, mehlig, vollkommen dicht. 

# unvollkommen nach (110) ooP, (001) oP und (111) P. Br. rauschlig 
bis uneben; sehr spröde, .\X zerspringen schon in der warmen Hand. 
H. = 11/2— 2^2, G. ==2,0— 2,1. Harz- bis Fettgl. Schwefelgelb mit 




278 I- Kl. Elemente. 1. Abth. Nichtmetalle. 

Sticil ins Grünliche; honig- und wachsgelb; zuweilen orange oder durch 
Bitumen braun gefärbt; mancher mehlige Schwefel ist gelblichweiss. 
Doppelbrechung direct wahrnehmbar; geeignet zur Demonstration der 
conischen Refraction. Sehr schlechter Elektricitätsleiter. 

Reiner S, durch Bitumen und Selen zuweilen verunreinigt; schmilzt 
bei 108® und entzündet sich an der Luft bei 270®, dabei zu SO, ver- 
brennend. Löslich in Schwefelkohlenstoff, schwieriger in Petroleum. 

Technisch wichtiges Mineral, aber zum Theil künstlich aus abge- 
rosteten Kiesen, Blende, beim Sodaprocess eic, gewonnen, — Entsteht in 
der Natur aw5 Sublimation, aus der gegenseitigen Zersetzung von Schwefel- 
wasserstoff und schwefliger Säure (SO^ -f- 2SH^ = 3S + 2Hfi), als Ab- 
satz aus Solfataren und SH^-haltigen Thermen, aus der Beduction von 
Sulfaten und der Verwitterung von Sulfiden, namentlich des Pyrits, 
Lagerstätten: 1. unmittelbar verknüpft mit Vulkanen und Solfataren, 
Solfatara von Neapel. Vesuv, Aetna, Island, Insel Milos, Tellowstane- 
Park etc. — J2. In selbständigen, vielfach bauwürdigen Ladern, Schichtefi, 
Nestern und Adern als Absatz von Thermal- und Schwefelquellefi; gegen- 
wärtig z. B. bei Aachen, besonders häufig aber im Tertiär. Dahin die 
wichtigsten Vork.; an zahlreichefi Punkten im südlichen Sicilien, beson- 
ders in den Provinzen Girgenti und Caltanisetta , hier mit miocäna* 
Mergeln und Kalken verbunden und von Cölestin, Gyps, Aragonit und 
Kalkspath begleitet ; ähnlich in der Bomagna (Perticara), von Swoszotcicv 
in Galizien, Kaiinka in Ungarn, Conil in der Provinz Cadiz, in den 
Kaukasusländern etc. Mehrfach verknüpft mit Bitumen, Ozokerit, Petro- 
leum, so zu Treskowice und Borysl^w in Galizien, im Elsass. — 3. Auf 
Trümmern und Nestern im Gyps und Anhydrit (Stassfurt, Alfeld, 
Weefizen). — 4. Gelegentlich und untergeordnet als Veruitterungsprodud 
auf Pyriten, Bleiglanz und anderen Sulfiden (Siegen, Tarnowitz etc.), — 
Sonst noch in geringen Mengen zwischen Stein- und Braunkohlefi , auf 
brennenden Kohlenhalden, als Ausfüllung von SchneckenscJuüen zu Teruef 
in Aragon, in Form dichter brauner Kugeln in eocänen Mergelschiefem 
von Badoboj in Croatien, auf Drusen im Marmor von Carrara etc. 

Ausser dem rhombischen Schwefel (a -Schwefel) giebt es noch eine Reihe 
allotropischer Modificationen, von denen der ß-Sch wefel » der in dünnen monoklinen 
Prismen krystallisirt, sich auch in der Natur finden dürfte. Er krystallisirt aus dem 
Schmelzfluss, kann sich also in Vulkankratern bilden, setzt sich aber sehr bald in 
den rhombischen Schwefel paramorph um. 

Selenschwefel. Volkanit (S Se). Selten; derb, bildet erdige und faserige 
orangefarbige Krusten, zusammen mit Salmiak und Alaun auf der Insel Vulcano. 
Auch am Kilauea auf Hawaii. 

Selen. Se, wird von Mexico angegeben, Vorkommen aber zweifelhaft. 



I. KL Elemente. 2. Abth. Metalloide. 279 



2. Abtheilung. Metalloide (Sprödmetalle). 

Dieselben bilden eine isomorphe Gruppe, krystallisiren hezagonal, rhombo- 
edrisch-hemiedrisch ; das Hauptrfaomboeder ist würfelähnlich. Metallischer Habitas, 
spaltbar und spröde, lassen sich nicht mit dem Hammer .ausschlagen. 

Arsen As a:c=l: 1,4013 Wismuth Bi a:c= 1: 1,3036 

Antimon Sb = 1 : 1,8286 Tellur Te = 1 : 1,3298. 

Arsen« Arsenik, Scherbenkobalt. As. 

Hezag., rhomboedrisch-liemiedr. a : c = 1: 1,4013 (v. Zkphabovich). 
<^Xi natürliche selten, schlecht messbar, würfeliger oder nadeliger Habitus. 
{1011) +11 mit 85 «6', {On2)-^\^Il, {0001) oR. Zw. nach {0112) -^ItB. 
— Derb, oft dicht, glaskopfartig (Scherbenkobalt) mit schaligem Auf- 
bau und häufigen blattdünnen Zwischenlagen Yon silberweissem Arsen- 
silber, in kleintraubigen und nierigen Massen, zuweilen in dünnen, nadeligen 
Stalaktiten eingewachsen in Kalkspath. 

# {0001) oB vollkommen, {0112) — '^1%R unvollkommen, Br. der 
derben Partien oft sehr feinkörnig und dicht. Spröde. H. = 3 — 4, 
G. = 5,6 — 5,8. Mgl., undurchs., auf frischem Br. licht bleigrau, aber 
schnell dunkel bleigrau bis schwarz anlaufend, gleiches gilt vom Strich. 

Gediegen Arsen, oft mit Ag, Fe, Sb, Bi, Co, Ni und Au. — 
V. d. L. verflüchtigt es sich mit weissem, jedoch von der Flamme leicht 
vertreibbarem Beschlag und mit knoblauchartigem Geruch. 

Findet sich auf Erzgängen neben Silber- und Kobalterzen, St.An- 
dreasberg, Erzgebirge (Schneeberg, Johann-Georgenstadt, Marienberg, Frei- 
berg, Joachimsthal etc.), Fribram in Böhmen, Wittichen im Schwarzwald, 
Marhirch in den Vogesen, Kongsberg; Chile mehrorts. 

Arsenolamprit. (Arsenglanz, Hypotyphit), eine zweite Modification von As. 
Krystallsystem (?), bildet stenglig-blätterige Aggregate und erinnert durch seine 
vollkommene #, seinen starken Mgl. und seine bleigraue Farbe an Molybdänglanz, 
in derberen Stücken auch an Bleiglanz. H. = 2, G. = 5,3 — 5,5. Beschlägt sich mit 
Realgar und Auripigment. Enthält Bi und S. Brennt v. d. L. auf Kohle entzündet 
von selbst fort. Grube Palmbaum bei Marienberg im Erzgebirge ; Gopiapö in Chile. 

Antimon. Sb. 

Hexagonal, rhomboedrisch-hemiedr. a:c = l' 1,3236 (Laspeykes). 
X X selten, mit würfeligem oder tafeligem Habitus, scheinbar einfach, aber 
durchweg Vierlings- und Sechslingskrystalle der Combination {1011) -\-B 
mit 87 «7', (1014) + ^!iB, {0001)oB, wobei {0112)-^l2B als Zw.-Fläche 
dient. — Gewöhnlich in derben, späthigkörnigen und blätterigen Massen, 
eingesprengt, zuweilen nierenformig. _ 

_ # {0001) oB vollkommen, {0221) -'2B deutlich; gleitet nach 
{0112) -^ItB. Br. uneben. Spröde. H. = 3-3 V», G. = 6,6-6,7. Mgl., 



280 I- Kl. Elemente. 2. Abtfa. Metalloide. 

undurchs. Farbe zinn weiss, zuweilen gelblichbraun oder graulich an- 
gelaufen. Str. bleigrau, schwach metallisch schimmernd. 

Enthält zuweilen etwas Ag, As oder Fe. — V. d. L. leicht schmelz- 
bar, fäxbt die R.-F. bläulichgrün und beschlägt die Eohle weiss. Die 
erstarrende Schmelzkugel überzieht sich mit weissen glänzenden X X ^oi^ 
SbgOg. — In Königswasser löslich, die Lösung wird durch Wasser 
getrübt. 

Nicht häufig. Vorkommen auf Erzgängen, gewöhnlich neben A3Ui' 
monit und in Begleitung von Ag- und As-Mineralien. St Andreasberg, 
Pribram, Allemont, Sola in Schweden, Sarawak auf Bomeo, Queens- 
land, Canada. — Aehnlich: Antimonarsen, Antimonsilber. 

Allemontit (Antimonarsen). Isomorphe Mischang von Sb und As, wobei 
bald Sb, bald As an Menge vorwiegt. In nierenförmigen , derben Massen von 
krummschaliger oder feinkörniger Structur, die in Farbe und Glanz dem Antimon 
gleichen. H. = 3 — 4, 6. = 6,2. Allemont, St. Andreasberg, Pribram, Califomien. 

Wismuth. Bi. 

Hexagonal, rhomboedr.-hemiedrisch. a : c = 1 : 1^3036 (ö. Rose). 
XX selten (Schneeberg), mit würfeligem Habitus. {1011) +R mit 87^ iO\ 
{0001) oB, {0221) -2R. Zw. nach {0112) -^hB. Gestrickt, baumfSrmig, 
federartig, in Plätteben und Blechen oder derb in blätterigen und 
körnigen Aggregaten. _ 

# {0001) oB vollkommen, deutlich nach {0221)— 2B; gleitet nach 
{0112) — V» jR. Spröde, aber schneidbar, jedoch nicht dehnbar. H. = 2 — 2 V , 
ö. = 9,7 — 9,8. Mgl., undurchs., röthl. silberweiss, oft bunt anlaufend. 
Str. bleigrau, metallisch schimmernd. Stark diamagnetisch. 

Enthält Spuren von As, S, Te. — Schmilzt sehr leicht (bei ca. 
265 ^, daher zu leicht schmelzbaren Legirungen verwendet), v. d. L. voU- 
ständig flüchtig, heiss ein orangegelber, kalt citronengelber Beschlag auf 
Kohle. Aus salpetersaurer Lösung durch viel Wasser als weisser Nieder- 
schlag gefällt. 

Nicht häufig; besonders gern auf silberhaltigen Kobaltgängen, 
namentlich des Gneissgebirges. Speiskobalt, Kobaltglanz und Wismuth- 
glänz sind gewöhnliche Begleiter; gern auch auf Zinnerzgängen. Im 
Erzgebirge Schneeberg, Annaberg, Johann-Georgenstadt , Joachifnsthal : 
zu Altenberg im Zinnstockwerk. Im Schwarzwalde von Witticlien und 
Schapbach; bei Bieber in Hessen. Modum in Norwegen, Bisperg und 
Broddbo in Schweden. Comwall. Tazna und Illampa in Bolivien. 
Tasmanien und Neu-Südwales. — Auch bei Hasserode im Harz vorge- 
kommen. — Aehnliche Mineralien cfr. Rothnickelkies. 

T e 1 1 u r Te. Hexagonal, rhomboedr.-hemiedrisch. a : c = 1 : 1,8298 (G. Rosb). — 
XX selten, mit prismatischem Habitus, {0001)oR und {10lO)ooR, (1011)-{-Rmi 



I. El. Elemente. 3. Abth. Metalle. 281 

86 * 57'. — Derb und eingesprengt. — # ooR vollkommen, oR unTollkommen, spröde, 
aber Bchneidbar; H. = 2—3, G. = 6,1— 6,3. Mgl., zinnweiss. Enthält etwas Fe und Au, 
schmilzt V. d. L. leicht, förbt die Flamme grün, raucht stark und giebt einen weissen 
Beschlag; farblose Tropfen in der einseitig offenen Glasröhre. Sehr selten, Begleiter 
des Goldes auf Gängen. Grube Zalathna in Siebenbürgen, auf mehreren Gruben in 
Colorado, z. B. Red Gloud-Grube in Califomien. 

Selentellur (TeSe). Derb mit prismatischer #. Spröd. H. 2. Schwänlich- 
grau. Str. schwarz. Mgl., undurchs. Honduras. 

3. Abtheilung. Metalle. 

Regulär, holoedrisch; ausgezeichnet durch hohes specifisches Gewicht, durch 
hakigen Bruch und Geschmeidigkeit, in Folge dessen Spaltbarkeit nur selten, z. B. 
beim Eisen beobachtet wird. Ein Tbeil wird seiner sonstigen Eigenschaften wegen 
als Edelmetalle bezeichnet. 

Isomorphe Gruppe der geschmeidigen Schwermetalle. 
Gold. Au. 

Regulär, holoedrisch. — XX (Verespatak, Barberton, Victoria etc.), 
gewöhnlich verzerrt und nicht glattflächig. (111)0, (100) ocOoo, (110)ooO 
allein oder in Gombination unter sich bezw. mit (211) W2, (210)oo02, 
(311)303. Häufig zu skeletartigen , baumartigen, traubigen Gruppen 
Torwachsen. Zw. nach (111)0, häufig wiederholt und reihen- oder feder- 
artig gruppirt; dabei verkürzen sich die Individuen in der Richtung der 
Zw.-Axe und werden nach der Zw.-Fläche plattig. — Zumeist jedoch 
derb, ein- und aufgewachsen, eingesprengt und als Anflug, sowie sehr 
häufig lose. In unregelmässigen oder ellipsoidischen, löcherigen Klum- 
pen^) und Körnern, in zerhackten, traubigen, gestrickten, draht- und 
moosförmigen Partien; in Platten, Blechen, Schuppen und Schüppchen. 

Br. hakig, sehr dehnbar, lässt sich vom Hammer zu Plättchen 
treiben, was ein sehr wichtiges Kennzeichen abgiebt. H. == 2^« — 3, 
Q. == 15,6 — 19,3; reines geschmolzenes Gold 19,28. Mgl., in dünner 
Schicht grün durchscheinend; gold- bis messinggelb, auch speis- und 
lichtgelb. Str. metallglänzend, goldfarben. Greift sich warm an. 

Au mit stetem Gehalt an Ag (2 — 20 > und darüber), daneben 
wohl etwas Fe, Cu, Bi etc. Das lichtere, 25—28^^0 Ag enthaltende G. 
heisst Electrum (von Verespatak in Siebenbürgen, Schlangenberg im 
Altai u. a. 0.), selten enthält es Pd (Palladiumgold oder Porpezit 

') Die Qoldklumpen (nuggets) entstammen den Seifen und haben z. Th. be- 
trächtliches Gewicht. Die grössten Goldfunde sind der Reihe nach: 1. Goldfand von 
Chile, yertreten auf der Londoner Ausstellung 1851 im Gewicht von 153,16 kg; 
2.-6. 5 Goldfunde von 1858 in Victoria 83,95, 68,80, 68,40, 54,46, 50,87 kg; 7. Neu- 
Südwales 1851 von 39,81 kg; 8. ebendaher, gab nach dem Ausschmelzen 36,86 kg; 
9. Ural 1842 von 36,04 kg; 10. Califomien 35,63 kg; 11. Sibirien (Spasao-Preobra- 
shenekische Wäscherei) 1898 von 30,40 kg. — Nr. 9 u. 11 sind nicht eingeschmolzen 
und werden im St. Petersburger Berginstitut aufbewahrt. 



282 I- Kl. Elemente. 3. Abtb. Metalle. 

von Porpez in Brasilien), sowie Rh (Rhodiumgold oder Rhodit Ton 
Mexico). — V. d. L. leicht schmelzbar, beigemengtes Ag trübt die Phos- 
phorsalzperle; in Königswasser unter Abscheidung von AgCl löslich; lös- 
lich auch in Ghlorgas, worauf sich der Plattnerprocess gründet, und in 
fein vertheiltem Zustande in Cyankalium (Gyanidprocess). Wird Tom 
Quecksilber zu Amalgam gelöst. 

Wichtigstes Golderz; gegen das Vorkommen- als ged. Gold treten 
die wefiigen und seltenen sonstigen Goldmineralien und die goldhaltigen 
Kiese, Fahlerze, Silbererze, Bleiglanze etc. zurück. Verbreitung ausser- 
ordentlich weit, wenn auch oft nur in Spuren. Die intensive und hastigf 
Geiüinnung erschöpft die Lagerstätten sehr bald, sodass di^ Länder alter 
Cultur nur noch arm daran sind. 

Arten des Vorkommens. G. als edles und leicht redticirbares 
Metall findet sich nicht bloss am Ausgehenden seiner Lagerstätten, son- 
dern auch in grösseren Tiefen. Doch hat man überall die Erfahrung 
gemacht, duss in der Tiefe eine Vermehrung der goldhaltigen Kiese und 
Sulfide auf Kosten des ged. Goldes eintritt. Daher die häufige Ver- 
armung der Gruben nach unten und die Abhängigkeit der Gewinnungs- 
processe von der Tiefe. — Es lassen sich 2 Hauptarten des Vorkommens 
unterscheiden: 

1. Seifengold (Waschgold), die Form, in der das Gold zuerst 
die Aufmerksamkeit erregt. Begleiter sind die gewöhnlichen Seifenmine- 
ralien, tele Quarz, Korund, Zirkon, Spinell, Granat, Gyanit, Magnetit, 
gelegentlich Platin und Diamant. Hierher gehören nicht nur die Allu- 
vlonen der heutigen Thalniederungen, sondern, wie in Califomien und 
Australien, auch hochgelegene, z. Th. von Basalten überdeckte Fluss- 
schotter tertiären Alters. Reiche Fundorte sind die Seifen von Califomien. 
neuerdings von Alaska im Gebiet des Yukon-Flusses (Klondyke), in 
Columbia, von Australien, von Sibirien etc.; in spärlicher Menge ist r.v 
enthalten in den Sanden des Rheins, der Fdder, schlesischer und anderer 
deutscher Flüsse. — Das G. der Seifen muss sich z. Th. aus Lösungen 
und coficretlonär abgeschieden haben, worauf die eigenthümliehe löcherig* 
Form und die Grösse vieler Funde hinweist. 

2. Berggold. Abgesehen von dem G,, das in vereinzelten Fünkchen ein- 
gesprengt in manchen Eruptivgesteinen, in Graniten und Dioriten des Urals, 
In Andesiten Siebenbürgens, gelegentlich in Serpentin und auf Kieslager- 
stätten (Rammeisberg, Fahlun, Huelva) vorkommt, findet sich G. primär : 

a) Auf Gängen und Trümmern in allen Formatlmten, namentlich 
aber in krystallinlschen und paläozoischen Schiefem und in Eruptlr- 
gestelnen des verschiedensten Alters und der verschiedensteti Art. Quarz 
von eigenthümllchem Aussehen ist die nie fehlende Gangart, gewöhnliche 
Begleiter sind Schivefel- und Arsenkiese, häufig Silbererze, auch Bleiglanz 



J. K]. Elemente. 3. Abth. Metalle. 283 

und Äntimonit und an einzelnen charakteristischen Fundorten Tellur- 
tnineralien, sowie Manganspath. Wichtige Gewinnungsgebiete sind die 
Contactgänge Galifomiens, der Gomstock-lode in Nevada, die Gänge von 
Mexico, des Murehisondistricts und von Coolgardie in Westaustralien, die 
JBallarat'Goldfelder in Victoria, ebenda die merkwürdigen Lagergänge 
von Bendigo und die seltsame, an Mächtigkeit unübertroffene Lagerstätte 
des Mt. Morgan in Queensland. Ferner die Gänge des Barbertondistricts 
in Transvaal, von Beresowsk im Ural und die mit tertiären Eruptiv- 
gesteinen (Grünsteintrachyten) verknüpften Gänge Ungarns: Golddreieck 
Siebenbürgens (Bräd, Boicza, Nagydg, Verespatak, Offenbänya), im Berg- 
bejsirk von Nagybänya und von Schemnitz-Kremnitz , analog von de$' 
Nordküste von Celebes. 

b) Flötzartig in Sandsteinen und Conglomeraten, Dahin das gross- 
artigste und über eitlen grossen Flächenraum ausgedehnte muldenartige 
Vorkommen vom Witwatersrand in Transvaal (Johannesburg), wo zahl- 
reiche Conglomeratflötze von wenigen Centimetem bis mehreren Metern 
Mächtigkeit mit Sandsteinen paläozoischen Alters tvechsellagern und im 
Bindemittel der Quarzkiesel und auf deren Ha^rklüften ged, Gold enthalten. 

c) Auf Goldquarzlagem und Linsen in krystallinischen und paläo- 
zoischen Schiefem. Atlantische Staaten Nordamerikas (Georgia, Carolina), 
goldführende Itakolumite Brasiliens, Heinzenberg in Tirol, rheinisches, 
thüringisches und schlesisches Schiefergebirge. 

Die Gesamtproduction des G. in 1897 betrug 359000 kg Bobgold. Daran 
waren betheiligt die Vereinigten Staaten incl. Alaska mit ca. 25^0» Australien und 
Transvaal je mit ca.207of Russland und Sibirien mit ca. 15 Vo- Der Rest von 20^0 
entfiel auf die Übrigen Länder, namentlich auf Mexico, Indien, China, Columbia. 
Canada, Brasilien. — In 1901 betrug die Gesamt ausbeute 398500 kg, wovon die Yer. 
Staaten mit Alaska 307of Australien 29^0, Russland incl. Sibirien, sowie Canada je fast 
10^0, dagegen Transvaal nicht ganz 2^0 lieferten. — In Europa ist Siebenbürgen das 
wichtigste Goldgebiet; es producirte zusammen mit dem übrigen Ungarn 1901 3270 kg. 
Wesentlich aus fremden Erzen erzeugt Deutschland jährlich ca. 2500 kg. 

Aehnlich alle goldgelben Mineralien wie Pyrit, Kupferkies etc., aber stets 
leicht erkennbar an der Hämmerabrkeit. 

8Uber. Ag. 

Regulär, holoedrisch. — XX (besonders schön von Kongsberg) vor- 
herrschend {100)ooOoo, daneben {111)0, (110) ogO, {210)cyd02 etc., einfach 
oder in Gombination, gewöhnlich verzerrt und Erystalläächen oft facet- 
tirt. Zw. nach {111)0, auch in Form eingelagerter Lamellen. Nach 
der Zw.-Fläche unter Verkürzung der Individuen oft plattenartig ver- 
breitert. Dendritische und federartige Oruppirung, wobei rechtwinklige 
Abzweigungen auf Parallel-, solche unter 60^ auf Zwillingsverwachsung 
zurückzuführen sind. — Zumeist derb, in Nestern, eingesprengt, als An- 
flug; in Blechen, Platten, gerundeten, löcherigen, auch zackigen Klum- 



284 I- Kl. Elemente. 3. Abth. Metalle. 

pen ; femer strähnig, zalmartig, gekrümmt und in einander verschlungen, 
moos- und haarartig. Pseudomorphosen nach Silberglanz, Rothgültig 
und Sprödglaserz. 

Br. hakig, sehr dehnbar. H. = 2^2— 3, G. = 10 — 12, gegossen 
10,478, gehämmert 10,6. Mgl., in dünner Schicht blau durchscheinend. 
Silbervf eiss , gewöhnlich aber gelblich, braun, grau und schwarz an- 
gelaufen. Str. metallglänzend, silberweiss. 

Ag, doch gewöhnlich mit Beimischung von Au; das güldische 
Silber von Kongsberg enthält bis zu 28 ^/o Au; femer von Cu, Hg, 
Fe, Pt, As, Sb. — V. d. L. leicht schmelzbar, in Salpetersäure und oon- 
centrirter Schwefelsäure löslich. 

Nicht selten auf Silbererzgängeti neben Silber-, Blei- und Arsen- 
mineralien und Kalkspath, Quarz, Schwerspath, Flussspath als Gang- 
arten; besonders am Ausgehenden, aber auch eingesprengt und nesterartig 
in der Tiefe. Die reichen und Aufsehen erregendeti Funde, wie sie im 
16. Jahrhundert im Erzgebirge (Freiberg, Schneeberg, Marienbet^g, Annfi- 
berg), später in Peru, Chile, Mexico, in den Vereinigten Staatefi gemacht 
worden sind, gehören fast alle dem „eisernen Hut" an. Fundorte und 
nähere Angaben über das Vorkommen des S. siehe beim Rothgültig; be- 
sondere Erwähnung verdient an dieser Stelle nur Kongsberg in Nor- 
wegen seiner schönen Krystalle wegen. — Sonst noch als Begleiter auf 
Goldquarzgängen und des gediegenen Kupfers auf dessen Lagerstätten 
am Lake Superior. — Nicht auf Seifenlagerstätten. 

Das Vorkommen am Lake Superior, sowie Pseudomorphosen nach Silberglanz. 
RotbgQltig und Sprödglaserz werden in genetischer Hinsicht von Bedeutung. — Von 
ähnlichen silberweissen Mineralien, wie Antimonsilber etc. durch seine Hämmerbar- 
keit leicht unterschieden. 

Totalproduction an Silber in 1897 rund S'/z Millionen kg, woran die Vereinigten 
Staaten und Mexico jo mit ca. 307o> Australien mit 10%, Bolivien und Deutsch- 
land (z. Th. fremde Erze) je mit ca. 87«» Spanien und Chile je mit ca. 2 — 3Vo 
participirten. 1901 betrug bei gleicher Gesamtproduction die Betheiligung der Ver. 
Staaten 347o, von Mexico 30**/o, von Südamerika (Bolivien, Peru, Chile) 147©» Austra- 
lien 6%, Spanien und Deutschland je 3^0. 

Quecksilber. Hg. 

Regulär, holoedrisch. — Wird bei — 40^ fest und krystellisirt 
dann in Oktaedern. — Findet sich in winzigen Tropfen auf Zinnober, 
seltener in grösserer Menge (Quarzgeoden von Galifomien); zuweilen 
bringen es die Quellen ans Tageslicht. 

G. = 13,5 — 13,6. Zinnweiss, leichter oxydirbare Beimengungen 
bilden eine graue Haut. Mgl., siedet bei 357 ^. 

Enthält gewöhnlich etwas Ag. ■— V. d. L. leicht verflüchtigt. 

Sehr untergeordnet auf Zinnoberlagerstätten: Idria, Almadai. 
Moschellandsberg in der liheinpfalz, Avala in Serbien, San Jose in 



I. El. Elemente. 8. Abib. Metalle. 285 

Califomien, Huancavelica in Peru. MerTcaoürdig und durch menschliches 
Zuthun zu erklärest das Vorkommen in ganz jugendlichen Ablagerungen, 
jgr. B, im diluvialen Lehm von Sülbeck bei Lüneburg und anderswo, — 
Production an Quecksilber siehe unter Zinnober. 

Amalgam. (Hg,Ag). 

Regulär, holoedrisch. — Plächenreiche XX von Moscheilandsberg 
mit vorherrschendem (IIÖ) oc/) und {211)202^ uniiergeordnet (111)0^ 
{100)ocOoo und (310)od03 etc. -r- Sonst eingesprengt in Körnern, Platten 
und als Anflug. — Spröde; H. = 3—3 ^,2, G. = 13,7—14,1. Mgl., silberweiss. 

Hg und Ag in wechselnden Verhältnissen (25 — 36 ®;o Ag). Hinter- 
lässt V. d. L. ein Silberkorn. 

Selten auf Zinnoberlagerstätten: Moschellandsberg , AInmdrn — 
gelegentlich auch ander sivo, Friedrichssegen bei Oberlahnstein, Szlana in 
Ungarn, Chaharcillo in Chile, 

Arquerit, ein Amalgam mit 86,5 — 95^0 Ag; gleicbt dem gediegenen Silber. 
Arqueros bei Coquimbo in Chile; Britisch Columbien, Kongsberg (Kongsbergit, 
9570 Ag). 

Goldamalgam enthält neben einigen Procent Ag ca. 40 7o -^u: zerdrück- 
bar, auch flüssig. Auf Pt-Seifen Columbiens; in Califomien. 

Blei Pb, künstlich regulär krystallisirend , in der Natur nur in Form von 
Blechen, Platten und Körnern, haar- und drahtförmig vorkommend, eingesprengt und 
lose. H. = IV2» G. = 11,4. Bleigrau, schwärzlich angelaufen. — Nur wenige Fundorte 
sind verbürgt, dahin */2 cm dicke Bleche aus manganreichen Eisenerzlagern von Pajs- 
berg und Nordmarken in Schweden, lose Körner aus den Goldseifen Siebenbürgens, 
vom Ural und Altai. 

Gediegen Zinn wird angegeben als mit Gold zusammen vorkommend von 
Miask und Guyana, mit Wismuthspath von Guanajuato in Mexico. 

Zink Zn. Hexagonal (rhomboedrisch?). Natürliches Vorkommen zweifelhaft; 
soll in Victoria auf Drusen eines Basaltes, in Neu-Südwales und in Neuseeland als 
GerOll vorgekommen sein. 

Kopfer. Gu. 

Regulär, holoedrisch. — X X (schön vom oberen See, Bogoslowsk) 
(111)0, {100)odOoo, (110)odO, daneben (210)oo02, (311)303, einfach und in 
Combination, gewöhnlich sehr stark verzerrt und uneben. Zw. nach flll)0, 
häufig skeletartige oder ästige Formen bildend. — Zumeist derb und 
eingesprengt, als Anflug, dendritisch, rooos- und eisblumenartig, in 
Blechen, Platten, Körnern und Klumpen ; vereinzelt als OeröU ; in seltenen 
Pseudomorphosen nach Kalkspath, Aragonit und Cuprit. 

Br. hakig, sehr dehnbar. H. = 2^« — 3, G. = 8,5 — 9 (gegossen 
8,83, gewalzt 8,95). Mgl., in dünner Schicht grün durchscheinend. 
Kupferroth, oberflächlich dunkler angelaufen und häufig mit braunen, 
schwarzen, grünen und blauen Verwitterungsrinden überzogen; Str. 
metallglänzend, kupferroth. 

Enthält gewöhnlich keine oder nur geringe Beimengungen von Ag, 



286 I- Kl. Elemente. 3. Abth. MeUlle. 

Bi etc. — V. d. L. schmilzt es leicht und bedeckt sich mit schwarzem Oxyd. 
In Säuren leicht löslich, die Lösung wird durch Ammoniak tief blau gefärbt 
Kupfer reducirt sich leicht aus seinen Lösungen und ist daher ein 
weit verbreitetes, wenn auch nur selten massenhaft auftretendes Mineral 
auf Kupfererzla^erstätten aller Art und in deren Nebengestein. So er- 
scheint Kupfer, vielfach als jugendliche Bildung, auf den Gängen im 
Siegenschen, bei Rheiftbreitbach , in Comwall, vielorts in Südamerika, 
Wallaroo in Australien; auf den Gontactlagerstätteti des Banats (Szaszka 
und Moldowa), auf Klüften und im Nebengestein von Kieslagem (Fahlun. 
Provinz Huelva), auf Schichtenfugen und Klüften der Kupfersandsteine im 
Gouvernement Perm und in besonders grosser Masse zu Corocoro in Bolivien. 

— Unter den selbständigen Lagerstätten des ged. Kupfers holen die- 
jenigen der Keweenaw-Halbinsel des Lake Superior eine ausserordentliche 
technische Bedeutung. An präcambrische Eruptivgesteine geknüpft, tritt 
hier das Kupfer neben ged. Silber, Kalkspath, Quarz, Prehnit und ver^ 
schiedenen Zeolithen theils auf echten Gängen, theils als Ccfnent einer 
Quarzporphyrbreccie , als Ausfüllung der Blasenräume eines Melaphyr- 
mandelsteins oder auf der Grenze des letzteren mit zwischengelagerten 
Sandsteinen auf. Von Staub- bis Schrotkomgrösse findet es sich hier 
bis zu MOfSsen von eifier halben Million Kilogramm und darüber. Die 
Hauptgruben sind gegenwärtig die Calumet und HeklorMine^ die Tama- 
rack'Mitie und die Peninsular-Mine im Portagedistrict. — Selbständig 
erscheint nicht selten Kupfer nesterartig im Thon, so in grösserer Masse 
mit Malachit bei Bogoslowsk und Nischne-Tagilsk. 

Totalprodiiction an Kapfer in 1901 ca. 582000 t, davon die Yer. Staaten, 
namentlich Montana, Michigan, Arizona mehr als 50Voi Spanien und Portugal, 
namentlich Rio Tinto ca. 10 >, Australien, Chile und Mexico (Boleo) je ca. 6 °/o, Japan 
ca. 57o und Deutschland (Mansfeld) ca. 47« lieferten. 

Eisen. Tellurisches Eisen. Fe. 

Regulär. — XX nicht bekannt, doch ist aus der Form des künst- 
lichen und des meteorischen Eisens auf das reguläre System zu schliessen. 

— Derb, eingesprengt, in Körnern, Schüppchen, Platten und Klumpen. 

# {100)ocOoo vollkommen; Br. hakig, dehnbar. H. = 4*/» — 6, 
G. = 7,88 (rein). Mgl., glänzender Str. Stahlgrau bis eisenschwarz; 
magnetisch. 

Fe, mit Beimischung von C, Cu, Pb, auch Ni. — V. d. L. un- 
schmelzbar; in den gewöhnlichen Säuren löslich. 

Vorkommen selten und zumeist ztveifelhaft. Als staubförmige Im- 
prägnation in Basalten, durch die elektrolytische Ausfällung winziger 
Kupfermengen aus Kupfervitriol nachweisbar. Als besondere Fundarte, 
an denen das Mineral jedoch nur in geringster Menge vorkommt, werden 
angegeben: Laven der Auvergne, Schwefelkiesknollen im Keuperkcdkstein 



I. EL Elemente. 3. Abtfa. Metalle. 287 

van Mühlhausen in Thüringen, im Plänerkalk zu ChoUen in Böhmen; 
dagegen in verschiedenster Beziehung besonders hemerkenswerih die grossen, 
z. Th. Hunderte von Centnem schweren Klumpen von Omfak auf der 
Insel Disho an der Westküste Grönlands, Dieselben sind in Basalt ein- 
gebettet, enthalten C, Ni, Co, S und P und wurden anfänglich von 
NoRDENSKiöLD für mcteorischen Ursprungs angesehen. 

Meteorisches Eisen, häafig f&r sich als Eisenmeteorit in derben, 
löcherigen Massen und Klumpen, oder eingesprengt in Steinmeteoriten. Es enthält 
fast stets Ni in Mengen bis 207« ^n^ darüber, aber nicht in gleichmässiger Yer* 
theilung, sondern lamellar angereichert. Die Lamellen sind nach den Oktaeder- 
flachen angeordoet, durchkreuzen sich und bedingen einen feinschaligen Aufbau, der 
beim Aetzen mehr oder minder deutlich hervortritt (Widmanstätten^sche Figuren). 
Wegen des wechselnden Ni- Gehaltes dieser Lamellen und der zwischenliegenden 
Eisensubstanz hat man unterschieden: Kamazit, Balkeneisen, ist nickel&rmer und 
büdet die Lamellen, Tftnit, Bandeisen, nickelreicher, umsäumt die Lamellen und 
Plessit, Fülleisen, setzt die Ausfüllung zwischen den Lamellen zusammen. Ausser 
Ni findet sich Co, Cr, Si, S, H, namentlich aber noch C (als Graphit, vereinzelt als 
Diamant oder gebunden als Kohlenstoffeisen: Cohenit und Chalypit) und P. 
Ihrer Fallzeit nach bekannte Meteoreisen sind spärlich, weit reichlicher die aus ihrer 
Beschaffenheit als meteorisch zu deutenden Vorkommnisse. Es finden sich Klumpen 
von bedeutender Grösse (170 Ctr. am Fluss Bendegö in Brasilien, ja mehr als 300 Ctr., 
Olumba in Peru). Besonders häufig erwähnt wird das sibirische Pallaseisen, das 
Eisen von Toluca in Mexico, von Braunau in Böhmen (1845), von Hraschina bei 
Agram (1751). 

Nickeleisen (Awaruit, Josephinit, Oktibbehit), Legirung von Fe mit Ni. 
Aus den Olivingesteinen Neuseelands, von Biella in Piemont etc. 

Schreibersit, besteht aus Fe, Ni und P in schwankenden Verhältnissen, 
z. Th. auf die Formel Fe4Ni2P führend, bildet zinnweisse Blättchen, namentlich in 
manchen nordamerikanischen Meteoreisen oder als Rhabdit, feine Nädelchen im 
Eisen von Braunau bildend. 

Isodimorphe Ghuppe der PlatdnmetaUe. 

Die Mineralien dieser Gruppe krystallisiren regulär und hexagonal, doch kennt 
man nur von einem derselben, dem Palladium, beide Formmodificationen , für die 
ilbrigen muss die Dimorphie aus den isomorphen Mischungen, in denen die einzelnen 
Crlieder in der Natur häufiger als im reinen Zustande auftreten, gefolgert werden. 
Die regulären Glieder sind dehnbar mit hakigem Bruch, die hexagonalen spröde 
und spaltbar. 

Regnl&re Reihe (holoedrisch). Hexagonale Reihe (rhomboedr.-hemiedr.). 

Platin Pt Iridosmium (Os, Ir) 

Eisenplatin (Pt, Fe) Osmiridium (Ir, Os) 

Platiniridium (Pt, Ir) Allopalladium Pd 
Iridium (Ir, Pt) 
Palladium Pd 

Platin. Pt. 

Regulär, holoedriscli. — XX selten; {100)cxOoo, vereinzelt (111) Oy 
{110)ooO und verschiedene Tetrakishexaeder. Gewöhnlich in schuppigen 



I a : c = 



1 : 1,4105 



288 I- Kl. Elemente. 8. Abth. Metalle. 

oder eckigen Körnern, in löcherigen, abgerollten oder unregelmassigen 
Klumpen und Klümpchen wie beim Golde. 

Br. hakig, sehr dehnbar. H. = 4 — 5, G. = 14 — 19; reines, künst- 
lich gewonnenes Pt 21,5. Mgl., stahlgrau ins Silberweisse ; ebensolcher 
Str. Zuweilen polarmagnetisch. 

Pt, jedoch stets mit wesentlichen Beimengungen von Fe (4 — 19 ^o, 
sogen. Eisenplatin) und den sonstigen Platinmetallen, die dem natür- 
lichen Mineral den Namen Polyzen eintrugen. Daneben auch etwas 
Cu und zuweilen Au. Das an Ir reiche Pt unterscheidet man wohl als 
Platiniridium. — Y. d. L. unschmelzbar; schmelzbar im Knallgas- 
gebläse und schweissbar; im heissen Königswasser allein löslich. 

Selten , eingesprengt mit Gold auf Qtmrzgängen (Äntioquia in Co- 
lumbien) oder als magmatische Ausscheidung mit Ghromit und Serpentin 
aus ursprünglichen Olivingesteinen (Nischne-Tagilsh, Neu-Seeland). Zu- 
meist lose auf Seifen, herrührend aus Olivingesteinen, neben den übrigen 
Platinmetallen, ferner neben Gold, Chromit, gelegentlich auch Diamant und 
den sonstigen Seifenmineralien, Columbien, Minas Geraes in Brasilien, die 
Antilleninsel Santo Domingo, Californien, Britisch Columbien, Bomeo, 
Namentlich an vielen Fundorten zu beiden Seiten des Urals, so auf dessen 
Westseite im Bezirk Nischne-Tagilsk und Bissersk, auf der Ostseite 
Bogoslowsk, Kuschwinsk, Newjansk, Miask etc. Als Seltenheit gefunden 
in den Bheinsanden, in den Goldwäschen von Oldhpian in Siebenbürgen, 
in den französischen Alpen zu St. Aray, in Califomien etc. 

Platin wurde zuerst aufgefunden 1735 durch Ulloa in den Goldsanden des 
Flusses Pinto in Columbien und kam 1741 nach Europa. 1822 wurde es am Urul 
dessen südlicher Theil zur Zeit das wichtigrste Productionsgebiet ist, entdeckt und 
woher Klumpen von 8,38 und 9,62 kg bekannt sind. Die jährliche Ausbeute beträgt 
rund 6000 kg. Als Münzmetall fand Platin von 1826—1844 in Russland Verwendung. 

Iridium Ir. Regulär. Kleine lose X X sehr selten, {100)ooOcx) mit {111)0: 
kleine runde Kömchen. 4^ (100) in Spuren, Br. hakig. Starker Mgl., silberweiss. 
H. := 6—7, G. = 22,6—22,8. — Ir mit Pt, Pd, Cu. Noch strengflüssiger als Pt, un- 
löslich in Königswasser. — Das seltenste der Pt-Mineralien. Auf Pt- und Goldseifen. 
Nischne-Tagilsk , Ava in Ostindien. — Das internationale Metermaass zu Paris be- 
steht aus 9 Pt + llr. 

Palladium Pd. Regulär und rhomboedrisch. Die reguläre dehnbare Modi- 
fication findet sich in kleinen losen Körnern, sehr selten in X X t niit Pt in Brasilien, 
Santo Domingo, Ural. Die Farbe ist lichtstahJgrau, H.=:4V2-5, G. = 11,3-11,8; enthält 
etwas Pt und Ir, v. d. L. unschmelzbar, in Salpetersäure löslich. — Die hexagonale 
spröde Modification (Allopalladium) findet sich in sehr kleinen sechsseitigen Tafeln 
von starkem Glanz auf Trümmern von Bitterspath im Diabase von Tilkerode am Harz. 

Iridosmium (Sysserskit) und Osmiridium (Newjanskit) sind rhomboednsche 
Legirungen von Ir und Os in wechselnden Verhältnissen, mit Beimischungen von Pt. 
Rh und Ru. Sie erscheinen in kleinen tafeligen X X i^ait basischer ^ und H. = 7. 
Das erstere ist das an Ir reichere Mineral, es ist bleig^u, daher Dunkles Os- 
miridium, das andere ist zinnweiss, daher Lichtes Osmiridium. Ural, Brasilien. 



II. Klasse. Sulfide and analoge Yerbindnngen. 
Schwefel-» Arsen-« Antimon-« Wismuth-« Selen- and TeUar-Verbindongen. 

Dieser Klasse gehören alle sauerstofffreien Verbindungen der Metalle mit S, 
As, Sb, Bi, Se nnd Te an. Sie sind physikalisch durchweg durch metallischen erz- 
artigen Habitus, hohes spec. Gewicht und zumeist auch durch Undurchsichtigkeit 
aasgezeichnet. In technischer Hinsicht bilden sie die wichtigste Mineralklasse ^ da 
anter ihnen sich die hauptsächlichsten Erze, abgesehen von denen des Eisens, Man- 
gans und Zinns, befinden. — Die ältere, den äusseren Habitus allein berücksich- 
tigende Eintheilung in Kiese, Glänze und Blenden hat heute insofern noch Werth, 
als die deutschen Namen damit einigermassen correspondiren und demnach die 
Namensermittlung erleichtert wird. 

1. Die Kiese haben ausgeprägt metallisches Ansehen, durchweg lichte Gha- 
rakterfarbe (gelb, röthlich, aber auch weiss und lichtgrau), dunklen Strich, relativ 
grosse Härte (5 — 6), sind nicht spaltbar und in der Hauptsache Verbindungen von 
Fe. z. Th. neben Cu, femer von Ni und Co mit S, As und Sb. 

2. Die Glänze besitzen ebenfalls deutlich metallischen Habitus, haben aber 
durchweg graue dunkle Farben, dunklen Strich, meist geringe Härte (1—3), sind 
milde und öfters vollkommen spaltbar. In der Hauptsache sind es Verbindungen 
von Pb, Ag, Cu mit S, Se und Te. 

3. Die Blenden haben nur halbmetallischen Habitus, sind in dünner Schicht 
durchsichtig bis durchscheinend, manchmal ohne Gharakterfarbe ; lichter oder ge- 
flbrbter, kein dunkler Strich; spaltbar, spröde, geringe Härte und mannichfache Zu- 
sammensetzung. 

Diesen 3 Gruppen kann man füglicherweise noch anreihen: 

4. Fahle, metallischer Habitus, dunkelgraue Farben, schwarzer Strich, ge- 
ringe Härte, nicht spaltbar und spröde. Chemisch gehören hierher eine Reihe von 
Sulfosalzen. 

Für die nachfolgende Aufzählung bildet die chemische Constitution das Ein- 
theilungsprincip. 

1. Abtheilung. Sulfide etc. der Metalloide 

(sogen, säurebildende Sulfide; Sulfosäuren). 

Die hierher gehörigen Mineralien sind die Sulfide der unter Abtheilung 2 der 
Elemente beschriebenen Sprödmetalle. Chemisch sind sie dadurch charakterisirt, 
dass sie in den Sulfosalzen die Rolle des Säurebestandtheils spielen , daher werden 
sie wohl kurz, wenn auch nicht präcis, als Sulfosäuren bezeichnet. 

Bealgar. Rauschroth. Rothe Arsenblende. AsS bezw. As^Sj. 
Monoklin, holoedrisch, a : 6 : c = 1,4403 : 1 : 0,9729. ß = 113 « 55' 

Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 19 




200 n. El. Sulfide. 1. Abth. Sulfosäuren. 

(Marionag). Gute und grössere XX nicht häufig (Nagyag, Felsöbanja), 
gewöhnlich nur klein und mit kurz-, auch langsäuligem Habitas, 
einzeln aufgewachsen oder als Druse. Die häufigsten Formen sind 
M={110)ooP mit 740 26', l = {210)ooP2 mit 113» 16'. 
Fig. 326. r = i010)ooPoö, P=(p01)oP, n = {012) ^tPoö, s = {212)P2. 
P : n = 156 ® 2'. Die Säulenflächen sind öfters vertical ge- 
streift. — Derb, dicht oder körnig, eingesprengt, öfters 
wie angespritzt, als Anflug und hauchartiger Ueberzug auf 
y • V Kalkspathflächen. 
xLi=^ # nach r = (010)ooPdö und l = {210)ooP2 ziemlich 

Yollk., aber wenig hervortretend gegenüber dem muscheligen 
Br., milde. H. = 1 Vi— 2, G. = 3,4 bis 3,6. Blendeartiger Diamantgl., auf 
dem Br. starker Fettgl., durchscheinend. Morgenroth, Farbe ändert sich 
am Licht und das Mineral überzieht sich mit gelblicher Rinde von As^S^; 
Str. orangegelb. Doppelbr. negativ, A.-E. parallel der Symmetrieebene. 
70,1 As, 29,9 S. — y. d. L. leicht schmelzend und mit weisser 
Flamme unter starkem As-Geruch verbrennend; liefert im Eölbchen ein 
rothes Sublimat; in Kalilauge partiell löslich. 

Namentlich auf Erzgängen, aber in untergeordneter Menge, nehcu 
Antimonit, Arsen-, Blei-, Silber- und Golderzen : Nagyag, Kapnik, Felsö- 
bdnya; auf Scherbenkobalt zu Joachimsthal, als Anflug auf Kalkspath 
von St. Andreasberg, als punktförmige rothe Flecke im Antimanit ron 
Wolfsberg am Harz. Femer mit Auripigment in Thonen von Tajowa bei 
Neusohl, in Phyllitten von Kresewo in Bosnien und Allchar in Mace- 
donien; eingesprengt in den Dolomiten des Binnenthals; als Sublimat 
am Vesuv und an der Solfatara ; als Absatz heisser Quellen im Yellott' 
stone-Park. 

Entsteht auch als zaf&lliges Hüttenproduct und auf brennenden Braun- und 
Sieinkohlenhalden. Das in der Malerei und Feuerwerkerei verwendete Raoschroth 
(Rubinschwefel, Sandarach) ist zumeist künstlich zusammengeschmolzen und amorph. 
Wandelt sich , dem Licht ausgesetzt , allmählich, in gelbes pulveriges Auripigment 
um. — Aehnliche Mineralien sind Rothgültig und Zinnober, eventuell Rothbleierz, 
aber durch den Strich leicht zu unterscheiden. 

Auripigment. Operment. Rauschgelb. Gelbe Arsenblende. As^S,. 

Rhombisch holoedrisch (?, vielleicht monoklin). a : & : c = 0^60304 
: 1 : 0,67427 (MoH^). XX selten deutlich, klein, kurzsäulig, oft linsenförmig 
gekrümmt und zu kugligen Gruppen vereinigt, b = {010)ooPoo durch toII- 
kommenste # und Perlmgl. ausgezeichnet, m^={110)ooP mit 117^ 49^, 
u = (120) 00P2 mit 79 ^ 20', = (101) Fdö mit 83 « 87', a = ilOO)ooPoö und 
noch einige andere Formen. Auf b Horizontal-, auf m und u Vertical- 
streifung. — Derb, eingesprengt und in Trümmern, in Spaltstücken, in 



U. Kl. Sulfide. 1. Abth. Salfosäuren. 291 

blätterigen, breitstengligen Aggregaten, in schaligen radialstrahligen 
Massen; knollig, traubig, nierförmig; in mehligen Anflügen und üeber- 
zQgen. 

# nach {010)ooPs6 sehr vollkommen ; auf der Spaltfläche horizon- 
tale, auf Oleitung nach {001) oP beruhende Streifung. Milde, lässt sich 
schneiden, gemein biegsam. H. = 1 V« — 2, G. = 3,4 — 3,5. Blendeartiger 
Fettgl., auf der Spaltfläche Perlmgl. Durchscheinend, citronengelb, Str. 
gelb; pleochroitisch. A.-E. parallel {001) oP. 

61 As, 39 S. — Beim Erhitzen roth werdend, v. d. L. wie Realgar, 
giebt aber im Kölbchen ein dunkelgelbes Sublimat; in Kalilauge völlig 
löslich. 

Geologisches und örtliches Vorkommen dasselbe wie hei dem häufigeren 
Realgar, aus dein es häufig durch Umwandlung hervorgeht; entsteht auch 
hei der Verwitterung von Arsen, Proustit, Tennantit oder Enargit. Kry- 
stalle aus den Thonknollen von Tajowa bei Neusohl; grössere Massen von 
Allchar in Macedonien und Julamerk in Kurdistan. Wimige, als Di- 
morphin bezeichnete XX va^* ^^ Solfatara in den phlegräischen Feldern 
scheinen nur A, zu sein. 

Findet künstlich dargestellt als Malerfarbe (Eönig^gelb) Anwendung. Das 
erdige Pulver &hnelt Antimonocker. 

Antimonitgruppe. 

umfasst die Sesquisulfide von Sb and Bi, welche eine isomorphe Reihe bilden. 
Rhombiaeb, holoedrisch. 

Antimonglanz Sb^Ss. a : b : c = 0,99257 : 1 : 1,01788 
Wismuthglanz Bi^Ss = 0,9679 : 1 : 0.985 

Selenwismuthglanz Bi^CSeSJa- = ca. 1 : 1 : ca. 1. 
Zeitweilig hat man dieser Gruppe auch das analog zusammengesetzte Auri- 

pigment angefügt, dem zwar gleiche Spaltung und Gleitung zukommen, das aber 

doch krystallographisch und sonst sehr verschieden ist. 

Antimonglanz. Antimonit. Grauspiessglanz. Stibnit. SbjSg. 

Rhombisch, holoedrisch. a:b:c = 0,99257 : 1 : 1,01788 (E. S. Dana 
an Japan. XX)- — XX flächenreich, nach der Verticalaxe lang gestreckt, 
dadurch spiessig, nadelig werdend, und häufig schwach wellig 
gebogen, sogar stark gekrümmt und gedreht. Gut ausge- ^^" ^ *' 
bildete Enden, entweder von spitzen oder stumpfen Pyramiden 
gebildet, fehlen gewöhnlich, überhaupt sind die X X schlecht 
messbar. m = {110) ooP (90^ 26', meist vertical gerieft), 
o=^{010)ooP^ (durch #, hohen Glanz und häufig auch 
durch Querstreifung ausgezeichnet), p = {lli)P (Mittelkante 
1100 38', vordere Polkante 109 « 120 t b = (1J21)2P2, 




292 n. El. Salfide. 1. Abth. Salfoaäuren. 

s = (113) ^3 P' Selten Zwillinge (von Felsöbänya UDd Eapnik) nach 
{120)ooFi. — Strahlige, nadelige und büschelige Aggregate, die Nadeln 
zuweilen verfilzt (Federerz z. Tb.) oder sam metschwarze kuglige BQschel 
bildend, derb und auch ganz dicht. 

# nach der Längsfläcbe o sehr vollkommen, stark glänzend, setzt 
aber zuweilen in Folge von Gleitung treppenartig ab, wodurch eine 
Querstreifung, bezw. Knickung entsteht; unvollkommen nach (100)oP 
und (110)ooP; Gleitfläche (001)oP. Br. muschlig, milde. H. = 2. 
G. = 4,6 — 4,7. Starker Mgl., läuft aber matt und schwärzlich, auch 
bunt an. Bleigrau, im Gontrast jedoch entschiedener Stich ins Grün- 
liche; in feinen Fasern und Büscheln, auch matt und schwarz. Str. 
dunkel bleigrau. 

71,4 Sb, 28,6 S, enthält öfters etwas Au. — V. d. L. mit schwach 
grünlicher Flamme vollkommen flüchtig, Sb-Rauch und weisser Be- 
schlag; schmilzt schon an der Lichtflamme; von concentrirter Kali- 
lauge wird das Pulver ockergelb gefärbt und zum grossen Theil ge- 
löst; aus der Lösung durch Salzsäure in orangefarbenen Flocken wieder 
gefällt. 

Wichtigstes Antimonerz! Auf Gängen, z. Th, in Graniten und 
Quarzpnrphyren , entweder mit Quarz allein oder neben anderen Erzen. 
namentlich Bleiglanz und Silbererzen, mit Schivefelkies , auch wohl mit 
Zinnober, Schtverspath ist häufige Gangart, Auf Zinnstein- und Goldqtiarz- 
gängen, Wolfsberg im Harz, vielorts im sächsisch-böhmischen Erzgebirge 
(Schneeberg, Bräunsdorf etc.), Goldkronach im Fichtelgebirge, — Ti-ch- 
nisch tvichtige Vorliomnien finden sich namentlich in Ungarn (bei Maguria 
im Granit, bei Kremnitz im Andesit und goldhaltig, bei Felsöbänya eben- 
falls im Andesit und Schtverspathtafeln diirchsjyiessend) , bei Kosta'inik 
in Serbien in Trachyten, in der Auvergne^) (Violay, Neronde etc.). iif 
Toscana (Pereta), auf Corsica und Sardinien (Su Suergiu), bei üporio 
in Portugal (goldhaltig), Algier, Kleinasien, Bomeo, Japan, Mexico. — 
Ferner auf Schichten fugen und gangartig in Culniki eselschiefem von 
Arnsberg in Westfalen; in grossen Blöcken und Gerollen, eingebettet in 
einem schwarzen Thon am Monte Auto in Toscana. Ausgezeichnete^ oft 
mehr als fussgrosse XX kamen vor Kurzem von Iclünokoiva auf der 
japanischen Insel Schikoku aus Gängen in krystallinen Schiefem. — 
Auch künstlich. 

Metastibnit färbt EieselHinter der Steamboat Spriogs ziegelroth, soll die 
amorphe rotbe Modification von Sb^S^ sein. 

Aehnliche Mineralien sind ausser Wismuthglanz die sogen. Bleispiessglanze, 
sehnig-strahliger Bleiglanz und in Pyrolusit umgewandelter Manganit. 



^) Frankreich mit Corsica und Algier ist seit 1889 der wichtigste Antimon- 
producent. 1896. 6400 t Antiinonerze, d. h. nahezu ganz Antimonglanz. 



IT. El. Snifide. 1. Abth. Sulfosäuren. 293 

Durch Verwitterung bilden sich auf dem Antimonglanz gelbe rostartige Flecke 
von Antimonocker und die weisse diamantglänzende Antimonblütbe. Ein anderes, 
selteneres Umwandlungsmineral desselben und seiner isolirten Stellung im System 
weg^en hier angeschlossen, ist die 

Antimonblende. Rothspiessglanzerz. Pyrostibit. Kermes der Pharmacie. 
2 86283 , Sb^Og. Monokline nadelige bis haarförmige, nach einer Richtung gut 
spaltende X X ohne deutliche Flächen ; büschelig und radialstrahlig gi-uppirt ; ein- 
gesprengt. Kirschroth, durchscheinend, Diamantgl. H. = 1 — l*/«, G. = 4,5— 4,6. 
Auf derbem Antimonglanz aufsitzend. Bräunsdorf, Pribram, Bösing in Ungarn, 
Pereta in Toscana. 

Wismothglanz. Bismuthln, Bismutit z. Th. Bi^Sg. 

Rhombisch, holoedrisch, a : 6 : c = 0,9679 : 1 : 0,9850 (Gboth). — 
In allen Beziehungen (metallisches Aussehen, Spaltbarkeit etc.) dem Anti- 
monglanz zum Verwechseln ähnlich. Ausgebildete, stark längs gestreifte 
und vertical gestreifte XX selten, meist nur strahlige, blätterige und 
kömigspäthige Aggregate; derb oder eingesprengt. 

# {010)ooP^ sehr vollkommen, milde, Farbe bleigrau bis zinn- 
weiss, gewöhnlich etwas lichter grau als beim Antimonit und auch mehr 
zum bunten, namentlich gelblichen Anlaufen geneigt. Starker Mgl. 
H. = 2, G. = 6,4—6,6. Thermoelektrisch. 

81,2 Bi, 18,8 S. Schmilzt v. d. L. unter Kochen und Spritzen 
in der R.-P. , giebt auf Kohle ein Wismuthkorn und einen citronen- 
gelben Beschlag, der zum Unterschied vom Bleibeschlag mit pulverisirtem 
Jodkalium sich roth färbt. In heisser Salpetersäure leicht löslich, die 
Lösung trübt sich bei Wasserzusatz. 

Weit seltener als Antimonglanz! Besonders auf Zinnerzgängen, 
Sächsisch-böhmisches Erzgebirge (Schneeberg, Altenberg, Joacimnsthal) , 
(lornwall (Redruth), Neu-Südivales, Queensland, In grösserer Menge auf 
den Silber-Zinn-Wismiähgängen der bolivianischen Hochfläche, — Auf 
den Contactlagerstätten des Banats (Rezbanya und Moravicza), 

Wismuthglanz überzieht sich bei der Verwitterung mit erdigem, gelbem Wis- 
muthocker Sb203. — Bolivit, ein schmutzig weisses Zersetzungsproduct auf boli- 
vianischen Erzen, ist wahrscheinlich nur ein mechanisches Gemenge von Bi-^^ und 
Bi-iOa- — Hinsichtlich ähnlicher Mineralien cfr. Antimonglanz. 

Selenwismuthglanz. Guanajuatit, Frenzelit. Bi2(SeS)3 ist ein Wismuth- 
glanz, in dem der grössere Theil S durch Se ersetzt ist ; rhombisch in nadeligen X X > 
meist aber in feinstrahligen , späthigen und dichten Aggregaten vom Aussehen des 
Wismnthglanzes. Guanajuato in Mexico. Von demselben Fundort auch das als 
Silaonit bezeichnete derbe Gemenge von Selenwismuthglanz mit ged. Wismuth. 

Tellurwismut h. Tetradymit Bi2Te3. Hexagonal, rhomboedrisch hemi" 
edrisch. Messbare X X ^on Schubkau bei Schemnitz, bilden cyclische Vierlinge nach 
(0112) — V«R» daher der Name Tetradymit, sonst nur in blätterigen Aggregaten. 
# (0001) oR vollkommen, milde. H. - 1 V2— 2, färbt auf Papier ab, G. = 7,2-7,9. 
Licht bleigran, auf frischer Spaltfläche starker Mgl., sonst matt und dunkler ange- 
laufen. — Chem. Zus. veränderlich und noch nicht sicher erkannt; Tetradymit 



294 n. El. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

von Schabkau führt auf die Formel Bi2Te'2S, Joseit BisTe(S Se) aus BrasiUen und 
Grünlingit Bi4S3Te aus Cum berland sind reicher an Bi, der ungarische P i l s e n i t 
(Wehrlit z. Tb.) Bi3Te2 ebenfalls, kann daneben noch Ag enthalten. V. d. L. die Beaoüon 
von Bi und Te, schmilzt leicht Selten, charakteristischer Begleiter mancher Gold- 
vorkommnisse, so auf den Gold führenden Gängen Ungarns, von Schubkau, Deutsch- 
Pilsen, Bezbanya und Cziklova, yon Colorado und Montana; auf den Goldqnaizli&geni 
der Appalachen (Dahlonega in Georgia, Nord-Carolina etc.). 

Molybdänglanz. Moiybd&nit. MoS,. 

Hexagonal. a: c = 1\ 1^9077 (Brown). XX selten, schleckt aus- 
gebildet in flachen sechsseitigen Tafeln, an einzelnen Fundorten auch 
tonnenförmige Combination von Bipyramiden und Prisma, so an den 
grossen XX ^on Renfrew in Ganada. — Zumeist derb und eingesprengt 
in krummblätterigen, seltener feinkörnigen Aggregaten. 

# basisch sehr vollkommen ; milde, in dünnen Blättchen sehr bieg- 
sam, aber nicht elastisch; fühlt sich fettig an und färbt ab. H. = 1— IV* 
G. = 4,7 — 4,8. Starker Mgl., bleigrau mit schwachem Stich ins Bdth- 
liche. Str. dunkelgrau, verrieben und im Gontrast mit Bleifederstrich 
etwas schmutzig olivenfarbig. 

59,9 Mo, 40,1 S. — V. d. L. unschmelzbar, färbt die Flamme zeisig- 
grün; auf Kohle im gepulverten Zustand weisser Beschlag; in der 
offenen Glasröhre abgeröstet, bildet sich SO, und ein blassgelbes kryst. 
Sublimat M0O3; verpufft auf Platinblech mit Salpeter lebhaft Wird 
von Salpetersäure unter Bildung eines weissen oder grauen Rückstandes 
zersetzt. 

Wichtigstes Molybdänmineral, vielorts, aber nirgends in grosser 
Masse verbreitet. Auf Zinnsteingängen im sächsisch-böhmischen Erz- 
gebirge (Altenberg, Zinnwald, Schlackenwald), in Comwall, Tasmanien. 
NeU'Siidwales etc. Auf granitischen, syenitischen und Quarzgängen in 
Graniten und Gneissen oder darin eingesprengt : Lomnitz bei Hirschberg 
im Riesengebirge, Skandinavien und Finland, Nertschinsk und Miash 
Grönland, atlantische Staaten Nordamerikas, Canada. Vereinzelt im 
metamorphischen körnigefi Kalkstein und Granatfels, Auerbach an der 
Bergstrasse. — Atich künstlich. 

Findet neuerdings Anwendung zur Darstellung von Molybdänstabl. — Leicht 
mit Graphit zu verwechseln. 



2. Abtheilung. Sulfide etc. der Metalle. 

(sogen, basenbildende Sulfide; Sulfobasen). 

Schwefel- und analoge Verbindungen der in Abth. 3 bei den Elementen be- 
schriebenen Metalle; sie bilden den basischen Bestandtheü der Sulfosalze. 



IL El Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 



295 



Sulfide der Blei« und Enpfergrappe. 

Sulfide etc. von Pb, Ca, Ag» Hg« Au. 



Bleiglanz-Eupferglanzgrappe. 

Typische Formel CU2S, also SulfÜre, wobei Cu^ ausser durch Ag2 und Au^ 
darch Pb ersetzt werden kann. 2 isodimorphe Reihen : die Bleiglanzreihe regulär, 
holoedrisch und die Kupferglanzreihe rhombisch holoedrisch. Am auffälligsten 
tritt die Dimorphie an der Substanz Cu^S hervor, die in künstlichen X X regulär, als 
Kupferglanz rhombisch kiystallisirt ; bei den übrigen Gliedern ergiebt sich die Dimorphie 
meist erst aus den isomorphen Mischungen. Die wichtigsten Glieder sind in folgender 
Uebersicht zusammengestellt. 



PbS 

PbSe 

PbTe 

Gu^S 

CujSe 

(CuAg)2S 

(CuAg)2Se 

AgjS 

Ag2Se 

Ag2Te 

(AgAu)2Te 

Ag^Sb 

Au^Bi 



Bleiglanzrelhe (regulär). 
Bleiglanz 

Clausthalit, Selenblei 
Altait, Tellurblei 



Jalpait 

Eukairit 

Silberglanz 

Naumannit, Selensiiber 

Hessit, Tellursilber 

Petzit, Tellurgoldsilber 



Knpferglanzreihe (rhombisch). 



Kupferglanz 
Selenkupfer 
Stromeyerit,Silberkupferglanz 



Tellursilber 

Diskrasit, Antimonsilber 
Maldonit, Wismuthgold. 



a) Bleiglanzrelhe. Regulär, holoedrisch. 



Fig. 328. 



Fig. 329. 



Bleiglanz. Galenit. PbS. 

Begulär, holoedrisch. — XX zumeist aufgewachsen, öfters schön aus- 
gebildet (Neudorf im Harz u. a. 0.), und nicht selten von beträchtlicher 
Grösse. Hauptsächlich h = (lOÖ) ocOoo und = (111)0^ ftlr sich oder in 
Combination mit einander; daneben d = {110)ooO und das Triakisoktaeder 
{2^)^), femer {211)202, (331)30 u. a. 
Die Flächen oft gekrümmt und facettirt, 
an den Kanten zuweilen abgerundet, wie ge- 
flossen; oscillirendes Auftreten von (221)20 
erzeugt Kerbung der Würfelkanten ; sonst 
noch zerfressene, zellige Gestalten. Zw. nach 
(111)0 häufig, meist als Penetrationszw. 
zweier ungleich grosser Individuen, mit 

du) oder (211) als Verwachsungsfläche und nicht selten tafeliger Ver- 
breiterung von (111). Derbe Spaltstücke zeigen auch wohl Zwillings- 
streifung in Folge eingeschalteter Lamellen nach (441)40, bezw. (311)303. 





296 n. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

— Derb und eingesprengt, als Anflug und Harnisch, in späthigen, 
kömigen, striemigen, oft sehr feinkörnigen Aggregaten (Bleischweif); 
auch traubig, stalaktitisch, gestrickt, mulmig, pulverig, selten faserig; 
in Pseudomorphosen und als Versteinerungsmedium. 

# {100) ooOoo sehr y ollkommen; nach {111)0 Tollkommen, aber 
nur selten und an wenigen Fundorten zu beobachten. Gleitung nach 
(110)odO (?). Müde. H. = 21/», G. = 7,3—7,6: Sehr starker Mgl., be- 
sonders auf den Spaltflächen, sonst aber auch matt angelaufen. Bleigrau, 
mit Stich ins Röthliche namentlich im Contrast. Str. graulich schwarz. 

86,6 Pb und 13,4 S mit geringer Beimengung von Fe, Zn, Sb und 
Ag. Der Ag-Gehalt, gewöhnlich nur zwischen 0,05 — 0,l®/o, stellenweise 
fast l^/o betragend, macht den Bleiglanz wegen seines massenhaften Vor- 
kommens zu dem praktisch wichtigsten Silbererze. — V. d. L. verknistemd, 
beschlägt die Kohle grünlichgelb und liefert nach dem Verflüchtigen des 
S ein Bleikom, das nach dem Abtreiben ein kleines Silberkom zurflck- 
lässt. — In Salpetersäure löslich unter Abscheidung von S und PbSO^; 
die Lösung giebt mit HCl einen weissen, in heissem Wasser wieder lös- 
lichen Niederschlag von PbCla« 

Wichtigstes und häufigstes Bleierz! 1, Auf Gängefi , zufneist im 
älteren Schiefer- und Grauwackengebirge und in krystalUnischen Schiefem, 
hegleitet vofi Zinkblende^ Kupferkies, Boumonit, Quarz, Kalkspath, 
Baryt etc, zugleich mit grösserem Ag-Gehalt. Erzrevier des Oberharzes, 
der Gegend von Neudorf am Harz, im Siegenschen und Gonderbaeh bei 
Laasphe, Holzappeier Gangzug, Freiberg, Pribram; z, Th, im Granit auf- 
setzend in den tvichtigen Erzrevieren von Linares und La Carolina in 
Spanien etc. ; 2, auf metasomatischen Lagerstätten, als Verdrängung wie 
als Kluft- und Hohlraumausfiillung von Kalksteinen und Dolomiten in 
Gesellschaft von Blende, Galmei und Brauneisen, silberarm. Acwhen z. Th., 
Iserlohn, Lintorf, Oberschlesien, Bleiberg und Raibl in Kärnten, Derbp- 
shire und Cumberland, Mte, Poni auf Sardinien, Sierra Nevada in 
Spanien, Tunaberg in Schweden, Bleiglanzregion am oberen Mississippi, 
Missouri, Leadville in Colorado; 3. in rundlichen Concretumen und als 
Bindemittel von Sandsteinen, so im Buntsandstein von Commem und 
Mechernich; 4. fahlbandartig, in Linsen und Ladern fieben Blende, 
Schwefel- und Kupferkies in krystallinen und paläozoischen Schiefem. 
Ammeberg in Schweden, Rammeisberg am Harz. — Gelegentlich als Ver- 
steinerungsmaterial. Künstlich leicht zu erhalten. 

Am Ausgehenden von Lagerstätten des Bleiglanzes finden sich Umwandlungs- 
prodacte desselben: Weissbleierz, Bleivitriol, Pyromorphit, Mimetesit, Phosgenit 
Auf Hüttenwerken häufig sehr schöne skeletartige Würfel sublimirten Bleiglanzes. 

Bleischweif, sehr dichter Bleiglanz, daher ohne Spaltbarkeit mit schim- 
merndem muschligem Bruch, bleigrau und Sb-reich. — Glasurerz, reiner, Ag- 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 297 



freier oder armer Bleiglanz, dient zum Glasiren von Töpferwaaren. — Blaublei- 
erz. PseudomorphoBen von Bleiglanz nach Pyromorphit. Bemkastel, Zschopau bei 
Freiberg, Rezbanya, Comwall, Bretagne. — Steinmannit. Bleiglanz, reich an 
Einmengungen , in ganz kleinen Oktaedern oder in kleinen traubigen Partien. 
PHbram. — Johnstonit (Ueberschwefelblei). Mulmiges Zersetzungsproduct des 
Bleiglanzes mit freiem S; brennt an der Kerzenflamme. Mttsen; Duften. 

Guproplumbit (PbCu^jS von Chile und Alisonit (Gu2Pb)S von Coquimbo 
(Mina grande), beides derbe bleiglanzähnliche Massen, sind anscheinend isomorphe 
Ififlcbungen von PbS und Cu^S von blei- resp. blaugrauer Farbe, derb; andere 
«Kupferbleiglanze* wohl nur Gemenge. 

Glausthalit. Selenblei. PbSe. Derb, eingesprengt; vom Aussehen des 
derben Bleiglanzes. Mild, H. = 2\^— 3, G. = 7,6—8,8. Zus. 72,4 Pb, 27,6 Se, aber 
Ag- und zuweilen Co-haltig (Selenkobaltblei, von der alten Grube Lorenz bei 
Clausthal). Se-Reaction. Auf Kalkspathtrümmem in mit Diabas verbundenen Roth- 
eisensteinlagem zu Lerbach, Zorge und Tilkerode im Harz; am Cerro de Cacheuta 
in Argentinien. 

Lerbachit. Selenquecksilberblei. (HgPb)Se, dunkelbleigrau mit hexaedri- 
scher #, von Lerbach und Tilkerode im Harz, ist wahrscheinlich nur ein Gemenge 
von Selenblei und Selenquecksilber. 

Zorgit. Selenkupferblei, ist ebenfalls wohl nichts anderes als ein Gemenge 
von Selenblei mit Selenknpfer ; bleigrau, derb, mild, mit dem vorigen zusammen bei 
Zorge und Tilkerode. 

Altait. Tellurblei. PbTe. Derb, # der Kömchen nach (lOO)ooOc», un- 
vollkommen, Br. muschlig, sprOde. H. = 3— 37«» G. = 8,1— 8,2. Zinnweiss ins Gelb- 
liche, gelb anlaufend. — 61,8 Pb, 38.2 Te mit etwas Ag. — Altai (Grube Sawodinskoi), 
Califomien (Grube Stanislaus), Colorado (Red Cloud- Grube), Coquimbo. — Henry it 
von der Red Cloud-Grube ist ein Gemenge von Tellurblei mit Eisenkies. 

Sllberglanz. Glaserz. Argentit. AggS. 

Regulär, holoedrisch. XX (Freiberg) gewöhnlich verzerrt, mit ge- 
bogenen Flächen und gerundeten Kanten. (iOO)ooOoo, {111)0^ daneben 
(iiÖ)ooO und {211)202. Zw. nach {111)0, gewöhnlich in Durchdringung. 
— Derb und eingesprengt, zahn- und haarförmig, domförmig (sogen. 
Akanthit, s. unten), gestrickt, plattig, pulverig, russartig; in Pseudo- 
morphosen nach ged. Silber (daher wohl oftmals die gekrümmte, zahn- 
artige Form) und Rothgültig. 

# wird nach {100)odOoo angegeben, aber nur selten wahrgenommen. 
Br. kleinmuschlig. Geschmeidig, schneid- und prägbar wie Blei (Weich- 
gewächs der deutschen Bergleute Ungarns). H. = 2 — 2^», ö. = 7,2 — 7,4. 
Auf frischer Schnittfläche starker Mgl., läuft aber bald matt, schwärzlich 
an und bedeckt sich mit Silberschwärze, d. i. schwarzes, pulveriges Ag^S. 
Dunkelbleigrau, Str. glänzend. 

87,1 Ag, 12,9 S. — V. d. L. leicht Silberkom. In conc. Salpeter- 
säure unter Abscheidung von Schwefel löslich, aus der Lösung fallt HCl 
weisses Ghlorsilber aus, das in Ammoniak löslich ist. 

Wichtiges Silbererz! Auf Silhererzgängen, namentlich in krgstal- 



298 U. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

linischen Schiefem, Graniten und jungen Eruptivgesteinen, Freiberg fw> 
Äusbeutmedaillen daraus geprägt sind), Schneeberg, Annaberg, Johann- 
Georgenstadt, Joachimsthal; Schemnitz, Kremnitz, Kongsberg, grosse 
Massen im Comstock-lode in Nevada, vielorts in Mexico und Südamerika, 
Als „Bindemittel*^ im Silbersandstein von Utah. 

Aehnlich: Kupferglanz. 

Akantbit von Freiberg, Annaberg, Joachimsthal, in domigen gpiessigen XX 
auftretend, ist als rhombische Modification von Ag^S gedeutet worden, stellt aber 
jedenfalls nur verzerrte X X des Silberglanzes dar, mit dem er auch alle phymkali- 
sehen Eigenschaften theilt. 

Jalpait, ein Cu-haltiger Silberglanz von schwärzlich bleigrauer Farbe. Jalps 
in Mexico, Chile. — Aguilarit, ein Se-haltiger Silberglanz Ag^CSeS) in eisen- 
schwarzen skeletartigen Rhombendodekaedem und feinen Nadeln von Guanajnato in 
Mexico. 

Naumannit. Selensilber. Ag^Se, fast nur derb, aber mit hexaedriacher #, 
geschmeidig, stark glänzend. H. = 2^1%, 6. = 8. Eisenschwarz. — Mit Selenblei von 
Tilkerode im Harz. Am Cerro de Cacheuta in Argentinien, danach Cacbentalt 
genannt. 

Eukairit (CuAg>2Se (= CuAgSe). Kleinkörnig und derb; künstlich in Okta- 
edern ; zeigt anscheinend hexaedrische #, milde. 43,1 Ag und 25,3 Cu. H. = 2—3, 
G. = 7,67. Mgl., zinnweiss ins Graue. In Serpentin eingesprengt von Skrikerum in 
SmSland, Copiapö in Chile, Sierra de ümango in Argentinien. 

Hess it. Tellursilber. Ag2Te. XX ▼om Berge Bot^s bei Zalatfana in ver- 
zerrten, stark verlängerten Würfeln, aber auch in anderen Formen des reg. Systems ; 
sonst derb; schneidbar, daher würfelige # selten zu beobachten. H. = 2Vsf G. = 8,3 
bis 9,0. Bleigrau. Enthält zuweilen etwas Au und Pb. Botes, Nagyag und Bez* 
banja in Siebenbürgen, Grube Sawodinskoi im Altai, Stanislaus-Grube in Califomien, 
Red Cloud-Grube in Colorado, Coquimbo in Chile.. 

Petzit, ein Tellursilber mit Au-Gehalt (bis 26» also (AgAu)2Te. Eisen- 
schwarz mit gleichem Strich, spröde. Nagyag, Stanislaus- und Golden Rule-Gmbe 
in Califomien, mehrorts in Colorado. Golderz! 

b) Knpferglanzrelhe. Rhombisch, holoedrisch. 

Kupferglanz. Kupferglas. Chalkosin. Chalkocit. Redruthit. Cu^S. 

Rhombisch, holoedrisch. a:b : c = 0,5822 : 1 : 0,9701 (Miltner). — 
X X (ßedruth und anderswo in Cornwall) gewöhnlich zu Gruppen vereinigt 
dicktafelig oder kurzsäulig, mit ausgeprägt hexagonalem Habitus in Folge 
charakteristischer Winkel und Combinationen. m = {110)ooP mit 119® 35', 
b = {010)ooP^, c = (OOiyoP; daneben z = {113) VaP mit 65« 28' an der Mit- 
telk. und e = {023yisP^ mit 65® 47' etc. Auf der Basis und den Längs- 
domen Streifung bis grobe Riefung parallel der a-Axe. Zw, an Comwaller 
XX nach mehreren Gesetzen : (1) nach m = (iiö)ooP, häufig, namentlich 
auch Drillinge unter Wahrung des hexagonalen Habitus; die Basis der In- 
dividuen fallt in eine Ebene und ist durch Fiederstreifung ausgezeichnet; 
(2) nach (:Zi^)V«P, seltener; die Individuen durchkreuzen sich unter 88^; 



IL Kl. Sulßde. 2. Abtb. Sulfobasen. 299 

(3) sehr selten nach {032yitP^ — Gewöhnlich nur derb; eingesprengt, 
in Platten, zuweilen auch in Pseudomorphosen (auch selbst umgewan- 
delt) und- als Versteinerungsmittel (Frankenberger Kornähren, Ullmannia 
Bronni). 

Nicht # oder doch nur sehr unvollkommen nach {110)ooP. Br. 
muschlig bis uneben; milde. H. = 2^1» —3, G. = 5,5 — 5,8. Auf frischer 
Schnitt- oder Bruchfläche starker Mgl., läuft aber bald matt und schwarz 
an; XX überziehen sich wohl mit einem braunen Pulver. Dunkelblei- 
grau, in Farbe und sonstiger Beschaffenheit dem dunkeln Fahlerz ähn- 
lich, aber milde. Str. glänzend. 

79,8 Gu, 20,2 S, gewöhnlich mit etwas Fe, auch wohl mit Ag. — 
Schmilzt V. d. L. unter Spritzen zur spröden Kugel, giebt mit Soda leicht 
Cu-Kom ; von Salpetersäure unter Abscheidung von S mit grüner Farbe 
gelöst. 

Seltener als Kupferkies und Fahler z, in deren Gesellschaft der 
Kupferglanz sich gewöhnlich findet y immerhin aber eins der gemeineren 
Kupfererze; Malachit als Verwitterungsproduct gern Begleiter. Auf 
Gängen: neben Zinnstein und Buntkupfererz vielorts in Comwall und 
Devonshire, von wo die schönsten XX kommen; im Siegenschen, bei Frei- 
berg, bei Kupferberg-Rudelstadt in Schlesien, Kapnik, im Banaty Ural, 
Altai, Bristol in Connecticut, Butte in Montana etc. Als Imprägnation, 
als Ausscheidungen und als Versteinerungsmittel, gelegentlich atich wohl 
in XX i^ Kupferschiefer von Mansfeld, Sangerhausen; Frankenberg in 
Hessen. — Auch künstlich. 

Die Substanz des Kupferglanzes ist dimorph; künstlich dargestellt, aus dem 
Schmelzfluss und bei Hflttenprocessen entstehen leicht reguläre Oktaeder. — £. 
findet sich unter den Neubildungen des Römerbades von Plombidres. Verwittert zu 
Kupferindig, Malachit und Lasur. — Von Mineralien, die in derbem Zustand dem K. 
ähnlich werden können, sind zu erwähnen : dunkles Fahlerz, durch Sprödigkeit unter- 
schieden, Rothkupfererz, Boumonit, Silberglanz und die v. d. L. unschmelzbaren 
Eisenerze, Eisenglanz, Magneteisen und Chromeisen. 

Harrisit von der Cantongrube in Georgia besitzt hexaedrische 4^ und ist 
eine Pseudomorphose von Kupferglanz nach Bleiglanz. 

Digenit von Chile und Sangerhausen und Carmenit von der Insel Carmen 
an der califomiBchen Küste sind anscheinend nur Gemenge von Kupferglanz CU2S 
mit Kupferindig CuS. 

Stromeyerit. Silberkupferglanz. (CuAg>2S. Rhombische XX selten, in 
Formen und Habitus dem Kupferglanz ähnlich. — Meist derb und eingesprengt. 
Br. muschlig, milde. H. = 2V'a— 3, G. = 6,2—6,3. Starker Mgl., dunkelbleigrau. — 
53,1 Ag, 31,1 Cu. Kupferberg* Rudelstadt in Schlesien, Schlangenberg im Altai, 
Zacatecas in Mexico, Chile mehrorts. 

Berzelianit. Selenkupfer. Cu^Se mit etwas Ag und Tl. Derb, in dünnen 
dendritischen Partien und pulverigen Beschlägen; zinnweiss, schwarz anlaufend, ge- 



300 H- Kl. Sulfide. 2. Abtii. Sulfobasen. 

schmeidig. Skrikeram in Smäland, hier yielfach nur als Trabang in grobsp&thigem 
Kalkspath. Lerbach im Oberharz. 

Crookesit (GuTlAg)2Se, ist ein Berzelianit mit höherem Tl- und Ag-Gehalt 
derb und dicht ; bleigrau ; H. = 2 V« — 8, G. = 6,90. Skrikerum in Schweden. 

Anhangsweise sind hier einige Eupfermineralien angefügt, die im System 
isolirt stehen oder bei ihrer derben Beschaffenheit nach ihrer chemischen Zusammen- 
setzung noch nicht sicher erkannt sind. 

ü mang it. CuaSe] (= Cu'^Se + CuSe). Derb, dicht, sieht aus wie Buntkupfer- 
erz. H. = 8, G. = 5,62. Br. feinkörnig ; wenig spröde. Str. schwarz. Neben Eukairit 
von der Sierra de Umango im nordwestlichen Argentinien. 

Domeykit. Arsenkupfer, Weisskupfer. CugAsC?!,? Cu). Derb, traubig, spröd. 
H. = 3-3V2» G. = 6,7— 7,8. Zinn weiss, gelblich oder bunt anlaufend. Coquimbo 
und Copiapö in Chile ; am Cerro de Paracatas in Mexico, Portage Lake in Michigan, 
Ontario in Canada; aus dem Zwickauer Porphyr. — Condurrit aus Comwall wt 
wahrscheinlich ein zersetzter Domeykit. — Orileyit aus Birma scheint ein eisen- 
haltiger Domeykit zu sein. Stibiodomeykit enthält etwas Sb als Vertreter für As. 
Mohawk-Grube auf der Eeweenaw-Halbinsel. 

Mohawkit (CuNiCo)3As ist ein Domeykit, dessen Gu z. Tb. durch Ni und Co 
(insgesammt bis 10 ^/o) vertreten wird ; gleiches Aussehen. Sehr spröde. H. = 3—4, 
G. = 8,07. Mohawk-Grube auf der Keweenaw-Halbineel. 

Algodonit. CugAs mit 83,5 Cu. Derb, silberweiss bis stahlgrau. H. = 4, • 
G. = 6,9 -7,6. Grube Algodones in Chile. 

Whitneyit. Cu9A8(88,4Cu). Derb, H- = 3— 4, hämmerbar; G. = 8,3-8,7. 
Röthlich silberweiss, braun und schwarz anlaufend; geringer Mgl. Houghton Co. in 
Michigan, Sonora in Mexico. — Darwinit von Potrero Grande (Copiapö) in Chile 
ist Whitneyit. 

Horsfordit. Antimonkupfer. Cu68b(76Cu). Derb mit starkem Mgl.; silber- 
weiss, leicht anlaufend. H. = 4 — 5, G. = 8,812. Spröde. Lagerförmig bei Mytilene 
in Kleinasien. 

Antimonsilbev. Dlskrasit. Ag^Sb. 

Rhombisch, holoedr. a:b:c = 0,6775 : 1 : 0,6718 (Hausmann). — X \ 
(St. Andreasberg) wenig vollkommen ausgebildet und schlecht messbar, mit 
säuligem, pyramidalem oder plattigem Habitus ; in Winkeln, Gombinationen 
und Zw. -Bildung grosse Annäherung an hexagonalen Formen. m = (110)ooP 
mit ca. 120«, b = (OlO)ooP^, c = i001)0P, y = {lll)P, z=^{112ytP. 
p =^{021) 2 Poo- Auf der Basis häufig Streifung parallel der a-Axe. 
Wohl ausnahmslos wiederholte Zw. nach m=(110)ooP, und zwar zumeist 
cyclische nach Art der Aragonitzw., auch mit eingelagerten Zw.-Lamellen. 
Durch die Zw.-Bildung kommen stark geriefte und gekrümmte pseudo- 
hexagonale Säulen mit Fieder- oder Fortificationszeichnung auf der Basis, 
ferner auch scheinbare hexagonale Bipyramiden nach Art des Witherits 
zu Stande. — Derb, eingesprengt in späthigen Körnern, femer in Plat- 
ten und Blechen mit federartig gestreifter Oberfläche, in Knollen und 
als Anflug. 

# (011) P^ vollkommen, weniger nach (001) OP; spröde. Br. un- 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 301 

eben. H. = 3^;2, G. = 9,4 — 10. Silberweiss, stark glänzend, aber äusser- 
lich zumeist grau bis schwarz, zuweilen goldigbraun angelaufen. 

Cbem. Zus. selbst an verschiedenen Stellen desselben Erystalls 
schwankend zwischen AggSb mit 64,3 Ag und Ag^gSb mit 94 Ag, so- 
dass die Formel und systematische Stellung zweifelhaft bleibt Die Ver- 
bindung AggSb von der Silver Islet-Grube, Lake Superior, Ganada, hat 
man alsAnimikit bezeichnet. — V. d. L. auf Kohle leicht schmelzend, 
Sb-Beschlag imd schliesslich Ag-Eorn liefernd. 

Auf Silbererzgängen in Gesellschaft von Antimon- und Arsen- 
mineralien. Bei St, AndrecLsherg eins der gewöhnlichsten Silbererjsey hier 
stecken zuiveilen pseudohexagonale Bipyramiden des Antimonsilbers als 
Kern in schaligem ScherbenJcobalt ; zu Wolfa^h im Schwarzwald ^ Mar- 
hirch in den Vogesen, Guadalcanal in Spanien, Chanarcillo in Chile, — 
Kiinstlieh. 

Aebnlich: ged. Antimon, Silber. 

Anhangsweise folgen hier einige in ihrer Selbstständigkeit und chemischen Zu- 
sammensetzung noch nicht sichergestellte Silbermineralien. 

Arsensilber. AggAs (?). In dünnen silberglänzenden Lagen im schalig 
nierigen Arsen; behält im Gegensatz zu diesem seinen Mgl., auch kleine nadelige 
Stalaktiten in Kalkspath. Enthält Fe und Sb und wird auch als Gemenge von 
Diskrasit mit Arsen bezw. Arsenkies angesehen. St. Andreasberg. Kleine nadelige 
X X» fraglich von Freiberg, sind Arsenargentit genannt. Chile mehrorts, dar- 
unter das Vorkommen von Chanarcillo als Chanarcillit bezeichnet. Huntilith 
heisst das Vorkommen von der Silber Islet-Grube, Lake Superior, Canada. 

Chilenit. Wismuthsilber. Ag^^Bi (?). Derb und dicht, silberweiss, starker 
Mgl., gelblich anlaufend. Geschmeidig. Wechselnder Ag-Gehalt zwischen 60 und 
86%. Grube San Antonio del Potrero Grande in Copiapö, Chile. 

StÜtzit. Tellursilberblende. Ag^Te. Holohezagonal, sehr kleine XX vom 
Aussehen facettirter Kugeln. Diamantartiger Mgl. Bleigrau ins Röthliche. Wahr- 
scheinlich von Nagjag in Siebenbürgen. 

Maldonit. Wismuthgold. Au2Bi. Derb, silberweiss, schwai*z anlaufend, 
eingesprengt im Granit von Maldon in Victoria. Der häufige Wismuthgehalt australi- 
scher Goldbarren wird auf die Beimengung von Maldonit zurückgeführt. 



Zixmobergruppe. 

Typische Formel HgS, in der Hg durch Cu, S durch Se und Te ganz oder 
theilweise ersetzt werden kOnnen. 2 isodimorphe Reihen. 

Zinnoberreihe Metacinnabaritreihe 

(hezagon., trapezoedrisch-tetartoedrisch). (regulär, tetraedrisch-hemiedrisch). 
HgS Zinnober Metacinnabarit 

HgSe — Tiemannit 

HgTe — Coloradoit 

CuS Kupfe rindig — 




302 n. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobagen. 

a) Zinnoberreihe. Hexagonal, trapezoedrisch-tetartoedrisch. 

Zinnober. Cinnabarit Merkarblende. HgS. 

Hexagonal, trapezoedr.-tetartoedr. a : c = 1 : 1^14526 (Schabus). 
— XX auf Drusenräumen, durchweg klein, mit nach der Basis dick- 
tafeligem oder mit rhomboedrischem Habitus. Formen- 
Fig. 830. reich, am häufigsten o =(0001) oE, n = {1011)R mit 71 <^ 48', 
i=:{2025y\hE, m=(1010)ooR; dazua=(J[ÖX5)V«JJniit92» 
37' und auch negative Rhomboeder, wie n^ = {0111) — U, 
g = {0Ü2) — ^l%R. Die Tetartoedrie wird nur selten (X>! 
von Serravezza in Toscana, Avalaberg in Serbien) an dem 
Auftreten von trigonalen Trapezoedern ^/tP*/« etc. sowie 
an trigonalen Bipjramiden ^1%P2 etc. wahrgenommen. 
Ergänzungszw. (von Nikitowka) nach denselben Gesetzen wie beim Quarz 
mit gegenseitiger Durchdringung von je einem rechten und einem linken 
Individuum oder je zwei rechten bezw. linken XX- — Derb, in ge- 
streiften Spaltstücken, kömigen und dichten Aggregaten, erdig, einge- 
sprengt und als Anflug, auch in Pseudomorphosen nach Fahlerz, Pyrit, 
Antimonit u. a. 

# (1010) ooR vollkommen. Br. uneben bis splittrig, milde. H. = 2 
bis 2^8 f G. = 8— 8,2. Diamantgl., in dünnerer Schicht durchsichtig. 
Farbe und Strich cochenilleroth, jedoch in Folge von Beimengungen und 
Structurunterschieden scharlachroth, braunroth, braun, schwarz, metallisch 
bleigrau bis stahlfarben (Stahlerz), auch Härte und Strich sind aus dem- 
selben Grunde sehr veränderlich. Doppelbr. positiv, «o = 2,854, e = 3,201 
(roth). Circularpolarisation sehr stark, 15mal stärker als beim Quarz. 

86,2 Hg, 13,8 S, aber oft durch Bitumen (Idrialin) und andere Bei- 
mengungen stark verunreinigt. — V. d. L. völlig flüchtig und im Eölb- 
chen sublimirbar; mit Soda Quecksilber; löslich nur in Königswasser. 
Einziges Erz für die Gewinnung des Quecksilbers im Grossen, 
demgegenüber die sonstigen Quecksilbermineralien, wie ged. Quecksilber, 
Homer z und Quecksilberfahlerz nicht in Betracht kommen. Tritt am 
gleichen Ort meist in verschiedener Form auf, als unregelmässige, stock- 
oder lagerartige Imprägnation, als linsenförmige Ausscheidung, als Aus- 
füllung zahlreicher Trümmerschwärme , auf Schichtenfugen sowie auf 
echten Gängen. Als Begleitmineralien finden sich gern Pyrit, Markasit. 
nicht selten Antimonit und namentlich bei Idria in grösserer Menge 
Bitumeti (Idrialin). Die Lagerstätten setzen sowohl in Sedimentär^ 
gesteinen verschiedenen Alters toie in Tra^hyten und Quarzporphyreti. 
sowie nicht selten in und neben Serpentin auf. Von den zur Zeit ttHch- 
tigsten Fundstätten sind die von Almad^n im südlichen Spanien an 
silurische Sandsteine, von Idria in Krain (die mannichfachen Varietäten 



IL Kl. Salfide. 2. Abih. Sulfobasen. 303 

s, weiter unten) an triassische Thonschiefer und Dolomite, von Coli' 
fomien (zcMrücke Gruben in der CocLSt-Range, z. B. Neu-Almadän, Neu- 
Idria) zumeist an Serpentin geknüpft; im Gebiet des Monte Amiata in 
Toscana sind Trachyte, Trachyttuffe und tertiäre Thone und Kalke, bei 
Nikitowka im Gouv. Jekaterinoslaw karbonische Schichtgesteine die Träger 
des Zinnobers. Sonstige erwähnenswerthe Lagerstätten sind die von 
Moscheilandsberg in der Pfalz in Sandsteinen und Porphyren des Car- 
bons und Rothliegenden, von Huancavelica in Peru in paläozoischen 
Sandsteinen und Schiefem, vom Avalaberg bei Belgrad in verkieselten 
Partien von Serpentin. In allen diesen Fällen dürfte Zinnober durch 
Solfatarenthätigkeit zum Absatz gelangt sein, worauf die zinnoberhcUtigen 
Thermalsinter der Sulphur-Banks in Califomien direct hinweisen. — 
Erscheint auch untergeordnet auf anderen Erzgängen, wie bei Littfeld 
im Siegenschen, bei Olpe in Westfalen, bei Hohensolms in Nassau, bei 
Schemnitz etc., sowie auf alpinen Spatheisensteinlagem wie zu Reichenau 
und Windisch-Kappel in Kärnten. — Am Harz sind wiederholt Berg- 
bauversuche gemacht auf Zinnober, der in den mit Kieselschiefern wechsel- 
lagemden milden Thonschiefem und als Bachgeröll westlich von Wieda 
im grossen Silberbach vorkommt. 

Bei Idria finden sich mehrere charakteristische, in ihrem Aussehen sehr ver- 
schiedene Var. : Ziegelerz, ziegelroth, sandig-kömig, Gemenge von Z. mit Dolomit. 

— Stahlerz, dunkelbrannroth, aber auf frischem Bruch mit Mgl. und schön stahl- 
grauer Farbe; stellt dichte, von Bitumen (Idrialin) durchtränkte, sonst aber reine 
Zinnobermassen dar. — Quecksilber-Lebererz, bituminöse leberbraune bis 
schwärzliche Massen von dichter bis erdiger Beschaffenheit mit rothbraunem bis 
schwarzem Strich; wird zuweilen schieferig und von Druckflächen durchzogen. — 
Branderz, desgl., sobald der Idrialingehalt zum Glimmen oder Brennen ausreicht. 

— Eo r allen er z ist ein durch krummschalige und concentrisch runzlige Structur 
auflgeseichnetes Lebererz. Die Structur ist z. Th. auf Goncretionsformen, z. Th. auf 
Versteinerungen zurQckzufÜhren. Enthält neben Bitumen auch namhafte Mengen 
von phosphorsaurem Kalk. 

Zinnober ist löslich in Polysulfiden der Alkalien, was in genetischer Beziehung 
von Wichtigkeit wird ; wo er auf Gängen als untergeordneter Begleiter anderer Erze 
einbricht, kann er auch aus der Zersetzung von Quecksilberfahlerz hervorgegangen 
sein. Lässt sich künstlich aus dem durch SH} gefällten schwarzen Schwefelqueck- 
silber gewinnen und dient in dieser Form als ausgezeichnete Malerfarbe (Vermillon). 

— Aehnliche Mineralien: Realgar, Rothkupfererz, Eupferblüthe und Kupferziegelerz, 
Rotheisen» Rothbleierz und Rutil. 

Totalproduction an Quecksilber in 1897 4827 t, davon Spanien ca. 407o> ^er. 
Staaten ca. 20^0, Russland ca. 15%, Gestenreich ca. 13%, Mexico ca. 7% und Italien 
ca. 4V<%- 1901 nur 8413 t, davon die Ver. Staaten 80%, Spanien 25%. 

Kupferindig. Covellin. CuS. 

XX holohexagonal, lassen sich aber trapezoedrisch-tetartoedrisch 
und isomorph mit Zinnober deuten, a : c = li 1^1455 (Buchbuckbb, 



304 IL El. Sulfide. 2. Abth. Snlfobasen. 

Qroth). — XX sehr selten (Leogang in Salzburg), meist klein, dfinntafelig; 
gewöhnlich nur {0001) OB und (1010) ooR. In derben, feinkörnigen Par- 
tien, als Rinde und Oberflächenhaut, plattig, nierenförmig, als Anflug 
und pulverig, zuweilen in stengligen Aggregaten, selten in Pseudo- 
morphosen. 

# (0001) OB sehr vollkommen, derbe Stücke haben ebenen Brudi, 
milde; in dünnen Plättchen biegsam. H. = 1^2 — 2, G. = 4,6. Beim 
Reiben halbmetallischer fettiger Ol., sonst matt. Undurchs., blausehwarz, 
gerieben indigblau. Str. schwarz, schimmernd. 

66,4 Cu, 33,6 S mit etwas Pb und Fe. — V. d. L. leicht schmelzend 
und mit blauer Flamme brennend; in Salpetersäure unter Abscheidung 
von S löslich. 

Als Verwitterungsproduct von Kupfersulfiden überall in deren Ge- 
sellschaft vorhanden, aber fast immer nur als dünne Haut oder erdiger 
Beschlag. In reichlicherer Mefige zuweilen im Mansfelder Kupferschiefer, 
so bei Sangerhausen, mehrorts in Chile und Bolivia, auch von Butte in 
Montana, gangförmig auf der Insel Kawau bei Neuseeland. Zu Schwärs- 
leogang in Salzburg messbare XX; grössere XX von Mancayan auf 
Luzon. Als Sublimationsproduct des Vesuvs (sogen. Covellin) selten. — 
Künstlich. 

Cantonit von der Cantongrube in Georgia und aus Cornwall mit # nach 
<100)ooOoo, wahrscheinlich Pseudomorphose von Kupferindig nach Bleiglanz. 

b) Metacinnabaritrelhe. Regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. 

Metacinnabarit. Quecksilbermohr. HgS. Winzige metallglänzende XX 
sehr selten, mit oktaedrischem Habitus von Redingtonmine in Califomien, dodeka- 
edrisch von Idria; meist als scheinbar amorphes schwarzes Pulver oder als üebersng. 
H. = 3, 6. = 7,7—7,8 ; spröde. Begleiter des Zinnobers an seinen Fundorten. Leicht 
künstlich zu erhalten. — Guadalcazarit (Guadalcazit) , bläulich schwarz mit 
fettigem Mgl., ist ein zink-, auch etwas selenhaltiger Metacinnabarit aus Mexico: 
auch in Asturien. — Leviglianit aus Toscana enthält reichlicher Zink, aber 
kein Selen. 

Onofrit. Selenschwefelquecksilber. Bg(SSe). Derb mit fahlerzartigem Aus- 
sehen ; spröde. H. — 2—3, G. — 7,6—8,1. San Onofre in Mexico ; in grösserer Menge 
und gangartig bei Mai*jsvale in Utah. 

T i e m a n n i t. Selenquecksilber. HgSe. Tetraedrische X X von Marysvale in 
Utah, sonst derb, in feinkörnigen Aggregaten oder dicht. Br. uneben, spröde. 
H. = 2V«, G. = 7,10— 8,5. Mgl., dunkelbleigrau 24,75 Se, 75,25 Hg. Liefert im 
Kölbchen ein schwarzes, in grösserer Entfernung ein braunes Sublimat; nur in 
Königswasser löslich. Auf der alten Grube Charlotte bei Clausthal; bei Zorge und 
Tilkerode mit Rotheisenstein verwachsen; ebenso bei Lerbach im Harz, aber hier 
mit Selenblei gemengt (Selenquecksilberblei, Lerbachit); femer vom Clear 
Lake in Californien. 

Coloradoit. Tellurquecksilber. HgTe. Nur derb, Br. uneben. H. = 3 
G. = 8,627. Mgl. eisenschwarz, oft bunt angelaufen, enthält meist etwas Au und Äg 
als Syivanit. Sehr selten. Colorado. 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 305 

Omppe der Ooldtellnride. 

Im Weeentlichen Telluride des Goldes und Silben, deren Beziehungen zu ein- 
ander und chemische Constitution noch nicht ausreichend aufgeklärt sind. 

ScllllfteTZ. Schrifttellur. Sylvanit. AuAgTe^. 

Monoklin, holoedrisch. a:b:c = 1,63394 : 1 : 1,12663, ß = 90^ 25, 
(Schbaüf). — XX sehr klein, längsgestreift, tafelig oder spiessig, reihen 
sich flach in einer Ebene zu fiederigen, 8ch];iftähnlichen Gruppen an ein- 
ander, die theils gestrickte Erystallskelete , theils Zwillingsstöcke nach 
(101)— Pöö darstellen, bei denen die Individuen unter 69 ^ 44' und 56® 8' 
zusammenstossen. Auf Kluftflächen und eingesprengt, angeflogen. Derbe 
körnige Aggregate kaum vorhanden. Pseudomorph in ged. Qold um- 
gewandelt. 

# {01Ö)ooPoö vollkommen; mild. H. = IV«— 2, G. = 7,99—8,33. 
Mgl., stahlgrau bis silberweiss und lichtgelb. 

Chem. Zus. nicht constant; ca. 25—27 Au, 11—13 Ag, 56—61 Te, 
daneben etwas Sb, Pb und Cu. — In der Glasröhre Sublimat von telluriger 
Säure; v. d. L. leicht schmelzbar, auf Kohle weisser Beschlag und mit 
Soda ein Silbergold- Korn. In Salpetersäure scheidet sich Gold; in Königs- 
wasser Ghlorsilber aus. 

Golderz! Auf Golderzgängen in jüngeren Eruptivgesteinen in 
Ungarn (Offenhänya und Nagydg), in Califomien (Calaveras Co.); in 
Colorado auf der Red Cloud Mine und im Cripple CreeJc District, 

Die als Goldschmidtit bezeichneten X X von der Gold Dollar Mine im 
Cripple Creek District sind nichts anderes als Scbrifterz. 

Erennerit. Bansenin. (AuAg)Te2. Rhombisch-holoedrisch. X X Iclein, säulig 
und längsgestreift. # basisch. H. = 2—3, G. = 8,85. Mgl., Silberweiss (Weisserz, 
Weisstellar) bis lichtmessinggelb (Gelberz). — V. d. L. zerspringend, sonst wie Schrift- 
erz. Auf Quarz von Nagy&g, Cripple Creek District in Colorado, Westaustralien. 

Calaverit. AuTe2, undeutlich krystallisirt ; wahrscheinlich triklin, aber 
durch Zwillingsbildung pseudomonoklin ; in den Winkeln dem Schrifterz ähnlich. 
Derb und dicht mit muschligem Br. , die seltenen X X säulig, ^ngs gestreift und 
ohne #, H. = 2Vi» G. = 9. Mgl. Hell broncegelb. Enthält meist etwas Ag (bis 
47o)- Stanislaus Mine in Californien, Red Cloud Mine und Cripple Creek District 
in Colorado. Westaustralien. 

Ealgoorlit. HgAu^AggTeee. Derbe eisenschwarze Massen mit halbmusch- 
ligem Br. G. = 8,791. Ealgoorlie in Westaustralien. 

Blättererz. Blättertellur. Nagydgit AugPbioSbgTegSij. 

Rhombisch, holoedrisch, a: b : c = 0,28097 : 1 : 0,27607 (Schbauf). 
— XX tafeUg nach {010)ooPö6; gewöhnlich nur dünne eingewachsene 
Lamellen oder derb und eingesprengt in blätterigen Aggregaten. 

# (piO)ooP^ ausgezeichnet; mild und biegsam; H. = 1 — 1^/2, 

Klockmann, Mineralogie. 8. Aafl. 20 



306 



II. Ei. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 



G. = 6,7 — 7,20. Mgl., dunkelbleigrau; Str. graulich schwarz mit Stich 
ins Braune. 

Chem. Zus. nicht constant, in der Hauptsache goldhaltiges (6 — 13 Au) 
Bleitellur, daneben aber auch wesentliche Mengen von S, Sb und Cu. — 
V. d. L. Goldreaction und Bleibeschlag; in der offenen Glasröhre Te- 
und auch Sb-Reaction. 

Golderz! Nagydg und Offenhdnya in Siebenbürgen, ebenso in Colo- 
rado in Begleitung von Schrifterz, 

Sulfide der Eisen- und Platingruppe. 

Sulfide etc. von Zn, Cd, Mn, Fe, Ni, Co, Cr; Pt, Ru, Ob, Rh. 



Blende- Wurtzitgruppe. 

Einfache Schwefel- und analoge Verbindungen der Metalle Zn, Cd, Mn, Fe, 
Ni und Co. Isodimorph ; die Dimorphie ergiebt sich am unmittelbarsten bei der Sub- 
stanz ZnS, die als Blende regulär, tetraedrisch-hemiedrisch und als Wurtzit hexa- 
gonal, rhomboedrisch-hemiedrisch krystallisirt, während die Dimorphie der übrigen 
Substanzen aus ihren isomorphen Mischungen zu folgern ist. Die hauptsächlichsten 
Glieder dieser Gruppe sind: 

Wurtzitreihe 
(hexagonal , rhomboedrisch-hemi edrisch ). 



Blendereihe 

(regulär, tetraedrisch-hemiedrisch). 

ZnS Blende 

CdS — 

MnS Manganblende 

FeS >- 

NiS - 

NiAs — 

NiSb - 



Wurtzit a: c = 1 : 0,9353 

Greenockit = 1 : 0,9364 

Magnetkies = 1 : 0,9528 

Millerit =1:0,9886 

Rothnickelkies =1 : 0,9462 

Breithauptit - 1 : 0,9962 



a) Biendereihe. Regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. 
Zinkblende. Blende. Sphalerit. ZnS. 

Regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. XX (Rodna, Kapnik, Binnen- 
thal, Santander, Neudorf etc.) gewöhnlich verzerrt und ihrer häufigen 

Fig. 331. Fig. 332. Fig. 333. Fig. 334. 




Zwillingsbildung, auch gewölbter Flächen wegen schwer zu entziffern; 
zuweilen von Kupferkies überzogen. Habitus gewöhnlich dodekaedrisch, 



IL El. Sulfide. 2. Abth. Salfobasen. 307 

seltener tetraedrisch oder faexaedrisch. Formen zahlreich, am häufigsten 
o = {110)ocO^ fast immer in Combination (Fig. 332) mit den charakteristi- 
schen Triakistetraedern y = (311) +303^ die an der Form als gleichschenk- 
lige Dreiecke und an der unregelmässigen Krümmung und spiessigen 
Streif ung ihrer Flächen leicht kenntlich sind; ferner (111) +0 und 
(100)odOoo. Die beiden Tetraeder sind öfters dadurch unterschieden, dass 
die positive Form Dreiecksstreifung zeigt und künstliche Aetzfiguren ver- 
tieft sind, während das negative Tetraeder keine geradlinigen Zeich- 
nungen, dafür erhöhte Aetzfiguren aufweist. — Zw. überaus gemein; 
Zw.-Axe senkrecht zur Tetraederfläche; die beiden Individuen sind mit 
Tetraederflächen von entgegengesetztem Vorzeichen verwachsen, daher 
ist Zw.-Ebene die gemeinsame darauf senkrechte Fläche, d.i. {21t)202 
(Fig. 381). Charakteristisch ist die Anordnung der Flächen {311) des 
Zwillings Fig. 333 im Gegensatz zu der einfachen Combination Fig. 332. 
Die Zwillingsbildung wiederholt sich wohl lameUenartig (Fig. 334), daher 
die Streifung mancher Spaltstücke. — Derb und eingesprengt in späthi- 
gen, körnigen, auch strahligen Aggregaten; zuweilen in Parallelver- 
wachsung mit Bleiglanz, Kupferkies und Fahlerz. Die feinfaserige bis 
völlig dichte, durch schalige, krustenartige Structur und nierige Ober- 
fläche ausgezeichnete Sc ha en- oder Leberblende ist theils Blende, 
mehr noch Wurtzit oder ein Gemenge beider. Auch als Versteinerungs- 
mittel und in Pseudomorphosen. 

# {110) (xO vollkommen, daher späthiger Bruch der Aggregate; 
nur die ganz dichte Schalenblende zeigt jaspisartigen Bruch. Spröde, 
H. = 3V»— 4, G. = 3,9— 4,2. Auf den Spaltflächen halbmetallischer 
Diamantgl. (blendeartiger GL), zuweilen Glasgl. und manchmal, nament- 
lich bei Ag- Gehalt, fast metallischer GL); derbe feinkörnige Blende be- 
sitzt fettig schimmernden GL, Schalenblende ist matt. Undurchs. bis 
durchscheinend, zuweilen vollkommen durchs. In Folge stärkerer Bei- 
mischung von FeS gewöhnlich dunkle, braune und schwarze Farben, 
sonst auch gelb, bernsteinfarben, roth und grün, selten wie der 
Cleiophan von Franklin fast farblos. Str. lederbraun bis gelblich- 
weiss, bald heller, bald dunkler. Beim Zerbrechen und Reiben zuweilen 
phosphorescirend. Br.-I. = 2,369 (Na). Zuweilen optisch anomal. Dia- 
therman; polar pyroelektrisch. 

Die Formel ZnS mit 67 Zn und 33 S ist rein theoretisch ; die natür- 
liche Blende ist eine isomorphe Mischung von ZnS mit FeS, ihre Formel 
also (ZnFe)S. Der Gehalt an Fe kann auf 12 ^/o und mehr steigen, be- 
sonders eisenreiche Blenden hat man mit eigenen Namen belegt, wie 
Marmatit 3ZnS + FeS von Marmato in Columbien, Christophit 
2ZnS + FeS von der Grube St. Christoph bei Breitenbrunn. Auch sonst 
enthält die Blende noch manche anderen Metalle, meist nur in Spuren 



308 H- KI* Sulfide. 2. Abth. Sulfoba^eD. 

wie Cd, Sn, Pb, Hg, Au, Ag, In, Qa, Tl, von denen der Ag-6ebalt 
zuweilen wichtig werden kann. V. d. L. verknistemd und nur an den 
Ecken schmelzbar; in der O.-F. Zinkbeschlag; in Salpetersäure unter 
Abscheidung von S löslich. 

Wichtiges Zinkerz an zahlreichen Fundorteyi ! 1, Auf Erzgängen 
als unzertrennlicher Begleiter des Bleiglanzes und neben den Gangarten 
Quarz, Kalkspath, Schwerspath, Flussspath, Eisenspath und Mangan- 
Späth, Harz (Clausthal, Lautenthal ^ Neudorf-Harzgerode), Erzgebirge 
(Freiberg), Bliesmibach, Ems, Holzappel, Cornwall, Pribram, Schemnitz, 
Kapnik, Nagydg etc. etc. ; 2. auf metasomatischen Lagerstätten in Kalken 
und Dolomiten mit Galmei, Bleiglanz und Brauneise7i : Aachen-Stolberg, 
Brilon-Iserlohn, Wiesloch in Baden, Oberschlesien, Baibl in Kärnten, 
Nordspanien (von Picos de Europa schöne gelbe durchsichtige Spaltungs- 
Stucke), Sardinien, Algier, Gebiet des oberen Mississippi; 5. auf Con- 
tactlagerstätten in Begleitung zahlreicher Contax^tmineralien. Banat, 
Bodna in Siebenbürgen, Christianiagebiet; dahin auch die schönen XX ^^^ 
Binnenthals; 4, auf Fahlbändem, Lagern und Linsen imGneiss nebetf 
Bleiglanz und Kiesen, wie zu Ammeberg in Schweden, Analog in Thon- 
schiefem, so auf manchen Kieslagern in Begleitung von Schwefelkies, Kupfer- 
kies, Schwerspath, wie am Bamnwlsberg bei Goslar, Meggen an derLenne: 
5. als gelegentliche und untergeordnete Einsprengung in Eruptivgesteinen. 

Gelegentliches Hüttenprodact und als Neubildung auf Grubenhölzern. Yer- 
wittert zu Zinkvitriol. — Tetraeder der Blende sind mit Fahlerz, metallisch glänzende 
Bl. mit Bleiglanz, braune Bl. mit Zinnstein und grüno Vorkommnisse wohl mit 
Granat und Yesuvian zu verwechseln, Unterscheidung aber durch 4t, H. und Löth- 
rohrverhalten stets leicht. 

Manganblende. Alabandin. MnS. — Regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. 
XX selten, (111)±0, (100)ooOcx>, (llO)ooO, (211)202. Zw. wie bei der Blende. 
Derb und eingesprengt in körnigen Aggregaten. 4t (100)ooOoo (!) vollkommen, 
etwas spröde. H. = SV«— 4, G. = 3,9 — 4,0. ündurchs., wenn frisch, halbmetall. GL. 
gewöhnlich aber durch Anlaufen matt. Schwärzlichgrau , braunschwarz anlaufend ; 
Str. schmutzig grün. 63,2 Mn, 36,8 S. — Y. d. L. sehr schwer schmelzbar. Mn- 
Reaction in der Boraxperle. — Mit Manganspath zu Kapnik, Nagyag, Offenbänya: 
bei Gersdorf in Sachsen As-haltig, sogen. Blumenbachit. Mexico, Peru, Brasilien. 
— Auch als Hüttenproduct. 

Eaneit soll MnAs und angeblich in Sachsen vorgekommen sein. 

Eisennick^kies (Pentlandit, Folgerit, Gunnarit?) (FeNi)S. Derb, körnig 
mit unvoUk. oktaedr. #; spröd. H. = 372— 4, G. = 4,6— 5,1. Licht tombakbraun 
mit dunklem Str. Nicht magnetisch. Espedal und Beiern in Norwegen. Sudbury 
in Canada. 

Dieser Reihe gehören auch die beiden meteorischen Mineralien Daubreelith 
GrS und Oldhamit CaS an. 

b) Wurtzltreihe. Hexagonal. 

Soweit die Mineralien dieser Reihe in deutlichen Krystallen auftreten, zeigen 
sie durchweg ein hexagonales Prisma begrenzt von Pyramidenflächen derselben Art 



IL Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobaaen. 309 

Andererseits wird auch gelegentlich eine trigonale Ausbildung des Prismas, und am 
künstlichen Wurtzit und Greenockit deutliche Hemimorphie neben anscheinend 
rhomboedrischer und skalenoedrischer Begrenzung wahrgenommen, sodass die ganze 
Reibe nach Groth als ein Beispiel der Hemimorphie der trigonalen Hemiedrie, also 
als ditrigonal-pyramidal anzusehen ist ; die hexagonalen Formen müssen dann 
aber als solche II Art genommen werden. Die kryst. Erforschung kann indessen 
nocb nicht als abgeschlossen gelten. 

Wurtzit. Spiauterit. Strahlen- und Schalenblende z. Th. ZnS. Hezagonal, 
künstliche X X ^^^ hemimorph. a : c = 1 : 09858. — Natürliche X X sehr selten, 
stark horizontal gestreift, hexagonales Prisma mit Pyramide und Basis. — Derb, 
feinfaserig bis dicht. # prismatisch und basisch. H. =3^'2— 4, G. = 3,98— 4,07. 
Harziger Glasgl., dunkelbraun, Str. lichtbraun. Unterscheidet sich im derben Zu- 
stand Yon Blende durch Doppelbrechung und Pleochroismus, auch dadurch, dass W. 
von kalter conc. Salzsäure rascher zersetzt wird. Chem. Zus. wie Blende mit stetem 
Fe<G ehalt (SV»)» meist Cd reichlicher als in Blende. — Oruro in Bolivien; die ünter- 
snchung einer ganzen Reihe von Blenden, sowohl solcher auf Gängen wie auf metaso- 
matischen Lagerstätten hat ergeben, dass die sogen. Strahlen- und Schalenblenden 
z. Tb. oder ganz Wurtzit sind, z. B. Pribram, Stolberg bei Aachen, Oberschlesien. 
Auch als Hüttenproduct. 

Erythrozinkit (ZnMn)S, ein Mn-haltiger Wurtzit, in dünnen rothen durch- 
scheinenden Blättchen auf Trümmern eines sibirischen Lapis Lazuli. 

Anhangsweise wegen seiner isolirten chemischen Stellung im System 
Yoltzin. 4Zn8-|-ZnO mit 69,8 Zn, 27,3 S, 8,4 0. Erystalline Aggregate 
in Form kleiner Halbkugeln oder nieriger üeberzüge mit dünn- und krummscfaaliger 
Stmctur. H. = 4V«, G. = 3,66. Ziegelroth, schmutzig rosenroth oder gelblich, mit 
braunen Streifen; auch grünlich. Fettiger Glasgl., auf den Structurflächen perl- 
mutterartig ; undurchs. Gangartig neben Quarz zu Rosi^res bei Pontgibaud und auf 
der Eliaszeche bei Joachimsthal. 

Greenockit. CdS. Hezagonal, ausgezeichnet hemimorph. a : c = 1 : 0,9364. 
Natürliche X X selten und sehr klein. Hexagonale Prismen , auf der einen Seite 
durch hexagonale Pyramiden, auf der anderen durch die Basis begrenzt; mit pyra- 
midalem oder tafeligem Habitus. — Gewöhnlich nur als erdiger Anflug. # pris- 
matisch und basisch. H. = 3— 37«» G. = 4,9— 5,0. Honig- bis pomeranzgelb, auch 
wohl braun. Str. gelb. Starker fettiger Diamantglanz der XX» durchscheinend. 
77,7 Cd. V. d. L. CdReaction. Mit Blende und Galmei verknüpft, selten. Bishopton 
in Renfrewshire in Schottland, Pribram, reichlich auf Grube Lüderich bei Bensberg, 
Aachen, Eirlibaba in der Bukowina, Laurion. Künstlich. 

Magnetkies. Pyrrhotin. Magnetopyrit. FeS. 

Hexagonal. a : c = 1 : 0^9528 (Groth) , bei älterer Aufstellung 
a : c = I : 1,7402 (Rose). XX »ictt häufig und gewöhnlich klein; 
grössere von St. Leonhard in Kärnten, Morro veilho in Brasilien ; öfters 
rosettenartig gruppirt und meist tafelige Gombinationen der Basis mit 
hexagonalem Prisma. Die die Horizontalkanten zuweilen abstumpfenden 
Pyramidenflächen müssen der Isomorphie halber als solche II Art auf- 
gefasst werden. Zw. nach (1122yi2P2, wobei die Individuen nahezu 
senkrecht auf einander stehen. — Derb, trümmerartig und eingesprengt, 
in schaligen, häufiger in körnigen bis dichten Aggregaten, gewöhnlich 



310 n. KI. Sulfide. 2. Abth. Sulfoba«eii. 

verwachsen mit anderen Kiesen. Bis faustgrosse Pseudomorphosen von 
Schwefel- und Arsenkies nach Magnetkies von Freiberg. 

# nach (1010) ooR wird angegeben, ist aber selten wahrnehmbar; 
schaliger, wie # erscheinender Aufbau nach (0001) OB; spröde. H. = 3^* 
bis 4^2, G. = 4,54 — 4,64. Mgl., undurchs. Licht tombakbraun, d. L 
broncefarben mit Stich ins Braune, dunkler braun und matt anlaufend. 
Str. grauschwarz. Wird vom Magneten bald stärker, bald schwächer 
angezogen, selbst aber selten attractorisch. 

Ghem. Zus. niemals genau der Formel FeS entsprechend, sondern 
stets ein wechselnder und zur Zeit noch nicht genügend aufgeklärter 
Ueberschuss (1 — 2^/o) an S, sodass die rechnungsmässige Formel zwischen 
Fe^Sg und FejgSij schwankt. Der Durchschnittsformel Fe^Su entsprechen 
61,5 Fe und 38,5 S. Häufig ein Ni-Qehalt von 2—3^/0, selbst 5— 7«>;o 
in Ganada (Nickelmagnetkies), der das Mineral zu einem wichtigen Nickel- 
erz machen kann; der Magnetismus soll sich mit dem Anwachsen des 
Ni-Gehalts verringern. Daneben auch stets Go, zuweilen Spuren von Au 
und in Ganada solche von Pt, welcher Pt- Gehalt wohl auf beigemengten 
Sperrylith zurückzuführen ist. — In der einseitigen Glasröhre kein Subli- 
mat, löst sich in Säuren unter Abscheidung von S und SH^. 

Ist seines Ni'Gehalts wegen neuerdings wichtigstes Nickelerz geworden. 
1. Hauptverbreitung im Sudbury-District in Canada, Nordostseite des 
Huron-Sees, wo das Mineral mit Pyrit verwachsen als magmatische Aus- 
Scheidung in präcambrischen Gdbhros auftritt, gelegentlich und unter- 
geordnet hegleitet von Polydymit und Millerit. Unter gleichen geologischefi 
Verhältnissen, d, h. in Form von Imprägnationen, Lagern, Linsen und 
Primärtrüm^nem, geknüpft an alte hasische Eruptivgesteine und Serpentin, 
namentlich an deren Contact, findet M. sich vielorts, so in Ringerike und 
Espedal in Norwegen, Klefva in Schweden, Varallo im Sesiathal in Pie- 
mont, Harehurg, Beichenstein in Schlesien^ Lancaster Gap Mine in Petin- 
sylvanicn etc. 2. Fahlbandartig oder mit Kieslagern verknüpft in und 
zivischen krystallinen Schiefem; an vielen Punkten Skandinaviens, zu 
Bodenmais, Todtmoos und Horhach im Schwarzwald; in den Kieslagem 
von Fahlun und von Ducktown, Tenn. 3. Untergeordnet als Gangniineral 
auf Erzgängen. St. Andreasberg, Kupferberg in Schlesien, Kongsberg, 
Bottino in der Provinz Lucca. 4. Gelegentlich eingesprengt auf Spath- 
eisensteinlagern, St. Leonhard und Waidenstein in Kärnten und im 
körnigen Kalk von Auerbach an der Bergstrasse. 5. In Meteoriten; für 
regulär gehalten und Troilit genannt, messbare Kr y stalle von Juvinas. 
— Au^h künstlich. — 

Geht im Contact aus Pyrit hervor. — Auf frischem Bruch dem Buntkupfer- 
erz ähnlich, der jedoch röthlich tombakbraun ist; cfr. auch Horbachit nnd 
Silberkies. 



II. Ki: Sulfide. 2. Abth: Sulfobasen. 311 

Milleilt. Haarkies. GeibnickeUdes. NiS. 

Hexagonal. a:c = l : 0,9886 (Groth; = 1 : 0,32955 Milleb). — 
XX stärk verlängert, spiessig, strahlig, meist aber haarformig dünn, 
sodass die Begrenzung duirch Prisma und trigonale Pyramide selten 
deutlich ist; zuweilen gedreht; zu regellos gruppirten oder radial-strah- 
ligen Erystallbüscheln und Haarfilzen verbunden. Nicht in derben 
Hassen. 

# basisch und pyramidal vollkommen, spröd. H. = SVs, 6. = 5,26 
bis 5,9. Mgl., messinggelb; feinste Härchen auch matt und grünlich- 
grau, bräunlich bis schwärzlich mit seidenartigem Gl. Str. grünlich 
schwarz. 

64,7 Ni, 35,3 S. — V. d. L. zur magnetischen Kugel schmelzend. 
Nickelperle! Grüne Lösung! 

Niemals in grösserer Menge, Auf Ni- und Co-Erzgängen neben 
Silbererzen im Erzgebirge: Johann-Georgenstadt, Joaehimsthal ; neben 
RothnicJcelkies und Baryt auf Gängen (Rücken) im Kupferschiefer: 
Riecheisdorf, Bieber, Kamsdorf. Auf Spatheisengängen neben Kupferkies 
mehrorts im Siegerland und Nassau: Wissen, Nanzenba^h, Dillenburg, 
Grüneau. Auf Trümmern, und Druden von Eisenspath und auf Thon- 
eisensteingeoden innerhalb des produktiven Steinkohlengebirges: Dortmund, 
Saiarbrücken. In halbkugeligen, strahligen Aggregaten von schwärzlicher 
Farbe von der Lancaster Gap Mine in Pennsylvanien; in schönen XX 
aus Höhlungen des Kohlenkalks in der Staat St. Louis. — Auch künstlich. 

Beyricbit. NiS mit dem Habitus und der ZusamiÜensetzuiig des Millerit, 
aber von der Farbe des Antimonglanzes; ist nach Laspstres das primäre 'Mineral, 
aus dem aller Haarkies erst durch Päramorphose hervorgegangen ist. G. — 4,6. £in 
einziges Mal frisch vorgekommen auf einem Spatheisengang der Lammerichskaule bei 
Altenkirchen a. d. Sieg. 

Ein dem Milien t entsprechendes Eobaltmineral ist vielleicht der stahlgraue 
Jaipurit aus Ostindien, dessen Zusammensetzung CoS sein soll. 

Bothnickelkles. Arsennickel. Kupfemickel. Nickelin. NiAs. . 

Hexagonal. a : c = 1 : 0,9462 Groth, = 1 : 0,8194 Breithaüpt. — 
X X selten, hexagonale Pyramiden als flache Hervorragungen auf derhen 
Stücken. — Derb und eingesprengt, in Trümmern, gestrickt, traubig, 
nierenförmig. : . ^ 

Br. muschlig bis uneben; spröde. H. = 5V2, G. = 7,3 — 7,7. Mgl., 
licht kupferroth, dunkler bräunlich und grau anlaufend; oft mit grüner 
Nickelblüthe durchsprengt und überzogen. Str. bräunlich schwarz. 

43,9 Ni, 56,1 As, jedoch mit wesentlicher Vertretung von As durch 
Sb (bis zu 28», auch durch S. — V. d. L. auf Kohle As-Rauch, in 
der einseitigen Glasröhre kein Arsenspiegel, abgeröstet Nickelperle. In 
conc. Säuren mit grüner Farbe löslich. 



312 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 



Nickelerz! JMlt arideren Ni- und Co-Mineralien auf Silbererz- 
gangen in den hrystailinischen Schiefem des sächsisch-böhmischen Erz- 
gebirges: Freiberg, Schneeberg, Annaberg, Marienberg, Joachimsthal; analog 
zu Wittichen und Wolfach im Schwarzwald. — Selten zu St. Andreasberg. 

— Auf Gängen und Trümmern (Kobaltrüchen) neben Schwerspath im 
Kupferschiefer zu RiecJielsdorf , Bieber, Sangerhausen. — In grösserer 
Menge auf einem Erzgange der Grube La Rioja in Argentinien. — 
Auch künstlich. 

Aehnliche Mineralien sind ged. Wismuth, Magnetkies, AntimpnnickeU Linneit, 
Danait. 

Breithanptit. Antimonnickel. NiSb. Hezagonal. a : c = 1 : 0,9962. Groth. 

— XX 8^^^ selten, flach tafelartig verbreitert nach der Basis mit hexagonaler 
Streifung auf derselben. Derb und eingesprengt. # basisch. Er. uneben, sprOde. 
H. = 5, G. = 7,5—7,6. Mgl. licht kupferroth, mit schwach violettem Schimmer beim 
Anlaufen. Str. röthlich braun. 32,9 Ni, 67,1 Sb mit etwas Fe. — V. d. L. Sb-Be- 
schlag, sehr schwer schmelzbar. In Königswasser löslich. St. Andreasberg, Sarrabus 
auf Sardinien. — Airit Ni(SbA8) mit 28 Sb und 11,5 As, bildet ein Mittelglied zwi- 
schen Arsen- und Antimonnickel. D6p. Basses-Pyr^^es. Wolfach. 

Pyrit-Markasitgmppe. 

Bisulfide etc. der Metalle Fe, Mn, Ni, Co und der Platinmetalle. Ausgezeich- 
netstes Beispiel der Isodimorphie, da diese nicht bloss aus isomorphen Mischungen 
zu schliessen ist, sondern mehrere Substanzen selbstständig in beiden Formen, näm- 
lich regulär und rhombisch vorkommen. 





Pyritreihe 


Markasitreibe 




(regulär, pentagonal-hemiedrisch). 


(rhombisch). 


MnS) 


Hauerit 


— 


FeSj 


Schwefelkies, Pyrit 


Markasit 


FeAsS 


— 


Arsenkies 


(FeCo)AsS 


— 


Glaukodot 


FeAsj 


— 


Löllingit 


CoAsS 


Eobaltglanz 


— 


NiAsS 


Gersdorffit 


— 


NiSbS 


UUmannit 


— 


(NiCo)SbS 


Willjamit 


— 


Ni(A8SbS)2 


Korynit 


Wolfachit 


Ni(SbBi)2 


Kallüith 


— 


CoA»2 


Speiskobalt 


Safflorit 


NiAsa 


Chloanthit 


Rammelsbergit 


PtAsj 


Sperrylith 


— 


RuSi 


Laurit 


— 



a) Pyritreitie. Regulär, pentagonal-hcmiedrisch. 

Hauerit. Mangankies. MnS^. Regulär, pentagonal-hemiedrisch. — XX z-Th. 
ringsum und schön ausgebildet; namentlich (111)0, daneben und in Combination 
wohl noch (lOO)ooOoo, (110)cx>O, (210)oo02, (321)30Va. — Derb, in stengligen 
Aggregaten, gruppenartig verwachsen. — # (lOO)ooOoo vollkommen. H = 4. 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Salfobasen. 



313 



G. = 3,4 — 8,5. Frisch mit metallartigem DiamantgL, in dünnen Schiebten durch- 
scheinend und brftunlicbroth, im weit häufigerem angewittertem Zustand matt, undurchs. 
und bräunlichschwarz. Str. röthlichbraun. — 46,1 Mn, 53,9 S, etwas Fe. — Einge- 
wachsen in Thon und Gyps beim Schwefel werk Ealinka bei Neusohl in Ungarn; 
unter ähnlichen Verhältnissen von Raddusa auf Sicilien. 

Pyrit. Schwefelkies z. Tb., Kies z. Tb., Eisenkies. FeS^. 

Regulär, pentagona! hemiedrisch ; ausgezeichnetes Beispiel dieser 
Hemiedrie. — XX (Traversella und Brosso in Piemont, Elba, Com- 
wall etc. etc.) ein- und aufgewachsen, oft ideal ausgebildet, aber auch 
stark verzerrt und meroedrisch. üeber 60 verschiedene Formen sind 
bekannt, darunter am häufigsten sowohl für sich allein wie in Combi- 
nation, Fig. 335, h = (100)odOoo und das sogen. Pyritoeder e = {210)od02\ 
in Combinationen sind femer häufig d={lli)0, f=^{32i)30^\i , x^{421)402\ 
charakteristisch die ikosaederähnliche Gombination {210\ (111)^ Fig. 337 
und die durch Zonenverband ausgezeichnete Gombination (210)^ (m\ 
(321) j Fig. 339, bei der die Dyakisdodekaederflächen das Oktaeder um- 
rahmen. Ausserdem noch zahlreiche Pentagon- und Dyakisdodekaeder, 



Fig. 335. 



Fig. 386. Fig. 337. 



Fig. 338. 



Fig. 339. 




Fig. 840. 



während das Rhombendodekaeder, die Ikositetraeder und Triakisoktaeder 

selten sind. Sehr häufig charakteristische Streifung der Würfelflächen 

parallel den abwechselnden Kanten im Sinne der pentagonalen Hemiedrie, 

entsprechend auch auf den Flächen des Pentagondodekaeders parallel 

den Würfelkanten ; die Oktaederfläche zuweilen mit dreieckiger Streifung 

parallel den Combinationskanten mit dem Pyritoeder, häufiger aber stark 

glänzend und glatt. — Ergänzungszw. zweier einander 

durchkreuzender Pentagondodekaeder, symmetrisch zu 

(110)oo0 (sogen. Zw. des eisernen Kreuzes, besonders 

schön aus den Keupermergeln von Vlotho bei Minden, 

Fig. 340); Zw. nach (111)0 an würfeligen XX werden 

angegeben, sind aber vielleicht zufällige Verwachsungen. 

Oefters gesetzmässige Verwachsung von Pyrit mit Mar- 

kasit, wobei 2 Würfelflächen des einen mit einer Basis- 

und einer Prismenfläche des anderen Minerals parallel liegen. — Derb, 

eingesprengt, kugelig, knollig, nierenförmig , körnig und dicht; als 

Harnisch, in Concretionen, Dendriten, Pseudomorphosen und als häufiges 

Versteinerungsmedium. 




314 n* Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

# {100)ooOoo undeutlich und nur in Spuren. Br. muschlig. Spröde. 
H. = 6—6 V« , beim Anschlagen funkend unter Schwefelgeruch. G. = 4,9—5,2. 
Mgl., derbe, sehr feinkörnige Stücke ohne Mgl. ; undurchs., speisgelb mit 
Stich ins Graue; auch wohl goldgelb; vielfach braun, seltener bunt an- 
gelaufen. Str. bräunlich- oder grünlichschwarz. Thermoelektrisch ; sehr 
schwach magnetisch. Mit Königswasser oder Kalilauge Aetzfiguren. 

46,6 Fe, 53,4 S, öfters mit Beimengungen von Ni, Co, Gu, Zn, As, 
Th , lokal und technisch bedeutsam auch mit Au und Ag. — V. d. L. 
mit bläulicher Flamme unter Entwicklung von SO^ brennend und zu einer 
schwarzen magnetischen Kugel schmelzend ; in der einseitig geschlossenen 
Glasröhre sublimirt Schwefel. In Salpetersäure, nicht in Salzsäure löslich. 

Sehr gemein („Hanns in allen Gassen", Hknkkel, Kieshistorie, 1725), überall 
verbreitet, stellenweise gesteinsbildend, in den verschiedensten Lagerungs- 
formen, mannichf acher, directer und indirecter Entstehung und wechselnder 
Paragenesis, vielfach mit Markasit durchwachsen, 1, Eingesprengt in 
Tcrystallinen Schiefem, vielfach neben anderen Kiesen und in zonarer 
Verbreitung (sogen. Kies-Fahlbänder, typisch bei Kongsberg in Nonregen) ; 
analog eingesprengt, z. Th, als feinste Imprägnation in Sedimentärgesteinen 
jeder Art, namentlich in Thonschiefem , Alaunschiefem, Schiefertlionen, 
Letten, Mergeln und Kalksteinen, deren graublaue Färbung auf die 
staubförmige Vertheilung von Pyrit zurückgeführt wird, 2. Als derbe 
Linsen, La^er und Stöcke (sogen, Kieslager) zwischen Urgebirgsschichten 
und paläozoischen Schiefern, vielfach räumlich mit 1, verknüpft und sich 
daraus entwickelnd. Häufig gemengt mit Magnetkies, Arsenkies, Blende 
Und Bleiglanz, namentlich aber mit 1 — 5®/o Kupferkies und mehr, so- 
dass überaus wichtige Kupfererzlagerstätten hervorgehen können. Am 
bedeutendsten sind diejenigen der spanischen Provinz Huelva und der 
portugiesischen Provinz Alemtejo, z, B, Rio Tinto, Tharsis, Santo Domingo, 
Röraas, Vigsnäs, Sulitelma etc. in Norwegen, Fahlun in Schweden, Bam- 
melsberg im Harz, Meggen an der Lenne, Schmöllnitz in Ungarn, Mt, Lyell 
in Tasmanien etc. Geologisch verwandt damit die concretuniären Ausschei- 
dungen in milden, bituminösen Gesteinen, in Stein- und Braunkohlen, im 
Torf. 3. Als untergeordneter accessorischer Bestandtheil zahlreicher Eruptiv- 
gesteine, namentlich basischer Beschaffenheit, 4. Als Gangmineral auf 
allen Erzgängen, auch des oxydischen Zinnsteins; charakteristisch für 
die Goldgänge; überall und gemein, wenn auch nirgends in grosser Masse. 
Harz, Siegen, Erzgebirge, Cornwall , Ungarn und Siebenbürgeti, Call- 
fomien etc. 5. Als unangenehmer Begleiter mancher Lagerstätten des 
Magneteisens (Traversella in Piemont etc.), des Eisenglanzes (Elba, 
Algier), des Spatheisens von Waidenstein in Kärnthen; auf m^tasoma- 
tischen Galmei und Bleiglanzlagerstätten ; auf Contactlager statten, z. B. 
denen des Banats; im Steinsalz und Gyps, 6, Als untergeordnete jugend- 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 315 

liehe Mineralhildung auf Thermen, Qtiellen, Mooren etc. — Steter Be- 
gleiter des Goldes auf allen dessen Lagerstätten, 

Verwittert an feuchter Luft, namentlich wenn mit Markasit verwachsen, und 
zerfällt zuweilen sehr schnell unter Bildung basisch schwefelsaurer Salze. Auf der 
leichten Yerwitterbarkeit und der dabei frei werdenden Wärme beruht die hohe 
Temperatur mancher Erzgruben und die Selbstentzündung mancher Eohlei^halden ; 
bei Gegenwart von Carbonaten wird er allmählich in Qoethit und Brauneisen, ge- 
legentlich auch in Rotheisen umgewandelt Verwendung findet er zur Gewinnung 
Ton Schwefel (es lässt sich 1 Molekül, d. h. ca. 27% S abdestilliren), Schwefelsäure 
(oft aber etwas As-haltig), Eisenvitriol und rothem Polirpulver. Abgeröstete Eies- 
häufen mancher Fundstätten lassen sich auf Kupfer verarbeiten; die abgerosteten 
Massen selbst finden als Eisenerz (purple ore) Verwendung. Mit Pyrit fein im- 
prägnirte Thonscbiefer, sogen. Alaunschiefer, bei denen sich durch Zersetzung Alu- 
miniumsulfat bildet, werden zur Alaunfabrikation benutzt. Aehnliche Mineralien: 
Markasit (im derben Zustand oft ununterscheidbar), Kupferkies, Magnetkies und ge- 
diegenes Gold. 

Kobaltglanz. Glanzkobalt. Kobaltit. GoAsS. 

Regulär, pentagonal-hemiedrisch. — XX (Tunaberg) zumeist ein- 
gewachsen und oft ringsum ausgebildet, wenn auch klein. {111)0, (J210)ooOJ^, 
theils für sich, theils als Ikosaeder in Combination; daneben {100)ooOoo 
mit Streifung parallel den abwechselnden Kanten, während sonst die 
Flächen glatt und glänzend sind. Sehr seltene Zw. nach (110) und (111), 
— Auch in derben und körnigen, seltener faserigen Aggregaten ein- 
gesprengt. 

# {10Ö)ocOoo, nicht immer mit gleicher Deutlichkeit zu beobachten. 
Br. muschlig bis uneben ; spröde. H. = 5 V» , G. = 6,0—6,4. Starker 
Mgl. an frischen XX; undurchs. , silberweiss ins Röthliche, eisenreiche 
Varietäten mehr grau; gewöhnlich röthlichgrau angelaufen und nicht 
selten mit Anflug von Kobaltblüthe. Str. grauschwarz. 

35,4 Co, 45,3 As, 19,3 S, aber regelmässig einige Procente Fe, 
sogar bis 12®/o Fe und mehr und dann Ferrokobaltit genannt. — In 
der einseitigen Glasröhre kein As-Spiegel. — V. d. L. unter As-Rauch 
zu grauer, schwach magnetischer Kugel schmelzend; nach Abröstung 
dunkelblaue Boraxperle. Löslich in heisser Salpetersäure. 

Wichtiges Co-Erz, nirgends aber in grösseren derben Massen. 
1, Fahlbandartig eingesprengt in Gneiss und Glimmerschiefer, auch in 
Jcämigen Kalken neben sonstigen Kiesen, namentlich Kupferkies : Tuna- 
berg in Södermanland, Biddarhytta in Westmanland, mit Schwefel- und 
Magnetkies bei Häkansbo, mit Bleiglanz bei Vena in Nerike; Skutterud 
(Modum) in Norwegen, Querbach in Schlesien. 2. Als ein mit anderen 
Kiesen verwachsenes, bis 60 cm mächtiges Lager bei Daschkessan am 
Kaukasus. 3. Auf Erzgängen neben Pyrit- und Kupferkies bei Siegen. 

Aehnliche Mineralien: Danait, Linneit, ged. Wismuth, auch Rothnickelkies. 



316 n. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

GersdorfAt. Arsennickelglanz oder -Kieß. Nickelglanz z. Th, NiAsS. 

Regulär, pentagonal-hemiedrisch. — XX eingewachsen, selten. 
{100)odOoo am häufigsten, sonst noch {111)0, {210)od02 und (110)odO. — 
Derb, eingesprengt. 

# {100)ocOoo ziemlich voUk. Br. uneben, spröde. H. = 5^2, 
G. = 5,2—6,2. Mgl., undurchs. X X silberweiss ins Stahlgraue, dunkel- 
grau und matt anlaufend; derbe Stücke dunkler, verwittert verhältniss- 
mässig leicht mit grünem Beschlag. Str. grauschwarz. 

35,4 Ni, 45,3 As, 19,3 S mit stetem Fe-Qehalt (2— ö^^/o), auch 
etwas Co. — In der einseitigen Glasröhre zerknisternd und ein braunes 
Sublimat von Schwefelarsen gebend. — V. d. L. unter Knoblauchgeruch 
zu magnetischer Kugel schmelzend; in Salpetersäure theilweise und mit 
grüner Farbe löslich. 

Nicht häufig. Für sich allein oder neben Ulbnannit auf Gängen^ 
eingewachsen oder auf Drusen von Spatheisefi vorkommend; so zu Tanne 
und Harzgerode, auf der Grube Grossfürstin Alexandra bei Goslar am 
Harz, im Siegerland, Lobenstein imVogtland. Ändere Fundorte sindSchlad- 
ming in Steiermark; Loosgruben in Helsingland (Schweden). 

Aehnliche Mineralien cfr. Ullmannit und Speiskobalt. 

TJllmannit« Antimonnickelglanz oder •Eies. Nickelglanz z. Th. NiSbS. 

Regulär, pentagonal-hemiedrisch, bezw. tetartoedrisch. — XX selten 
(LöUing, Sarrabus und Montenarba), gewöhnlich {100)ocOoo mit {111)0, 
weit seltener hemiedrischer Habitus durch {210)ocO2 neben {110)<xO, zu- 
weilen sich vollkommen durchkreuzende Ergänzungszw. mit gekerbten 
Oktaederkanten. An XX von Lölling wurde tetartoedrische Ausbildung 
beobachtet. — In der Regel nur derbe, körnige Aggregate und ein- 
gesprengt. 

# {10Ö)ooO<x> voUk., Br. uneben; spröde. H. = 5-5 V«, G. = 6,70 
bis 6,73. Mgl., undurchs. Bleigrau bis stahlgrau und dunkelgrau. — 
XX viel heller als derbe Stücke; zuweilen bunt anlaufend; verwittert 
weniger leicht als Gersdorffit. 

27,9 Ni, 56,9 Sb, 15,2 S; wenig Fe, aber häufig etwas As in Ver- 
tretung von Sb. — V. d. L. auf Kohle unter Sb-Rauch zur Kugel schmel- 
zend; in der einseitigen Glasröhre geringes weisses Sublimat, in der 
offenen starker Sb-Rauch und SOg. In Königswasser grüne Lösung. 

Etwas häufiger als Gersdorffit, mit dem er gern zusammen vor- 
kommt und von dem er meist nur chemisch unterschieden werden k^inn. 
Harzgerode, Lobenstein; Siegerland, Freusburg u. a. Orte im WestencM 
Lölling und Waidenstein in Kärnte^i. Schöne XX ^^ Kalkspath an- 
gewachsen von Montenarba bei Sarrabus auf Sardinien. 



II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 317 

Aehnliche Mineralien: Gendorf&t, Bleiglanz (wegen Farbe und #) und cfr. 
Speiskobalt. 

Willy amit (NiCo)SbS ist ein üllmannit» bei dem etwa die Hälfte Ni durch 
Co isomorph ersetzt ist. # (100)ooOoc vollk. H. = 5—6, G. = 6,87. Zinn weiss 
bis stahlgrau. Sehr selten, ßroken Hill in Neu-Südwales. 

Eorynit. Arsenantimon-Nickelglanz. Ni(A8Sb)S; isomorphe Mischung von 
Gersdorffit und üllmannit mit ca. 30 Ni. Meist reihenförmig gruppirte, bauchig ver- 
zerrte Oktaeder oder nierenförmige Aggregate. # (100)ooOoo unvoUk. H. = 4Vs— 5, 
G. = 5,994. Wenig spr5d. Silberweiss ins Stablgraue , aber gern bunt anlaufend. 
Str. schwarz. Olsa in Kärnten, Gosenbach bei Siegen. 

Kallilith. Wismuthantimon-Nickelglanz. Ni(SbBi)S, ist ein üllmannit in 
isomorpher Mischung mit einem Wismuth- Nickelglanz (ca. 12 Bi). — # (lOO)ooOoo 
▼oÜk. Lichtbläulichgraa. G. = 7,011. L5st sich, wenn auch langsam, im Gegensatz 
zu XJllmannit schon in heisser Salzsäure. Grube Friedrich bei SchÖnstein und auch 
sonst im Siegerland. 

Speiskobalt. Smaitit. GoAs^. 

Regulär, pentagonal-hemiedrisch. — XX ni^ist aufgewachsen, oft 
verzerrt, scbalig und aus Subindividuen aufgebaut und namentlich der 
Würfel oft bauchig gekrümmt und wie geborsten erscheinend. Häufigste 
Form {10Ö)<x/)oo allein oder in Combination mit {111)0^ mit {110)ooO und 
seltener mit {211)202. Gewöhnlich derb und eingesprengt, in körnigen 
und dichten, schaligen und strahligen Aggregaten, an den Enden wohl 
in Erystallfi'achen auslaufend; nierenförmig und recht häufig gestrickt. 

Keine deutliche #, Br. uneben; spröde. H. = 5^8, G. = 6,4— 6,6. 
Varietäten mit höherem G. bis zu 7,3 gehören wohl richtiger dem rhom- 
bischen Safflorit an. Mgl., undurchs. XX zinnweiss bis lichtstahlgrau 
(weisser Sp.); derbe Stücke grau bis dunkelgrau (grauer Sp.), seltener 
bunt anlaufend, wird dabei matt und beschlägt gern mit pfirsichblüth- 
farbener Eobaltblüthe, auch wohl mit weissen Nadeln von Pharmakolith. 
Str. grauschwarz. Beim Anschlagen As-Geruch. 

28,1 Co, 71,9 As, jedoch stets mit wesentlicher Beimischung von 
Ni und Fe, auch etwas S. Manche von Alters her als Speiskobalt be- 
zeichneten Vorkommnisse, z. B. von Schneeberg, enthalten sogar mehr 
Ni als Go und sind daher richtiger Chloanthit zu benennen, von dem er 
überhaupt specifisch nicht scharf abzutrennen ist. Ein höherer As- 
Gehalt weist auf ein Gemenge mit Skutterudit hin. Der bis 18 V an- 
steigende Fe-Gehalt bedingt höheres Gewicht und graue Farbe. — V. d. L. 
auf Kohle unter As- Geruch zu einer spröden und grauschwarzen mag- 
netischen Kugel schmelzend; in der einseitigen Glasröhre schwer, zu- 
weilen überhaupt kein As- Spiegel. Von Salpetersäure leicht gelöst mit 
röthlicher Farbe. 

Häufigstes Co-Erz; Vorkommen stets an das von Nlckelarseniden 
geknüpft. Auf den sogen. Kobaltgängen des sächsisch-böhmischen Erz- 



318 U* KL Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

gebirges, neben Silber- und Wismutherzen namentlich bei Schneeberg und 
seiner Umgebung, dann bei Johann-Georgenstadt, Annaberg, Mari^nherg, 
Joachimsthal; auf den Zinnerzgängen Gomwalls, Auf den Kobalt- 
rücken im Kupferschiefer neben Rothnickelkies und Schwerspath bei Matis- 
feld, Bieber und Biechelsdorf. Neben Kupfererzen und Eisenspath auf 
Gängen bei Döbschau in Ungarn^ 

Aehnliche Mineralien: Chloanthit, Gersdorffit, Ullmannit, Arsenkies, Arsen- 
eisen. — Cheleutit oder Wismutbkobaltkies von Schneebei^g ist Speiskobalt, dem 
ged. Wismutb mechaniscb beigemengt ist. 

Chloanthit. Weissnickelkies und Arsennickel kies z. Tb. NiAs^. 

Regulär, pentagonal-hemiedrisch. — Nach Form der XX ^^^^ Ag- 
gregate in nichts von Speiskobalt unterschieden. 

Br. muschlig bis uneben ; spröde. H. = 5 V« , ö. = 6,4—6,8. Starker 
Mgl., undurchs. XX zinnweiss, derbe Stücke grau, matt werdend und 
nicht selten grüner Beschlag von Nickelblüthe. Beim Zerschlagen As- 
Geruch. 

28,1 Ni, 71,9 As, doch stets wesentliche Beimischung von Co und 
Fe; besonders Fe-reich der Chathamit von Chatham in Connecticut. — 
Im Eölbchen bildet sich As-Spiegel, der Rückstand wird kupferroth; 
V. d. L. auf Kohle leicht schmelzbar unter starkem As-Rauch, ein sprödes 
Metallkorn . hinterlassend. In Salpetersäure mit grünlicher oder gelblicher 
Farbe löslich. 

Das Vorkommen dasselbe und etwas häufiger wie das des Speis- 
kobalts, mit dem er chemisch durch allmähliche Uebergänge verbunden ist 

Aehnliche Mineralien cfr. Speiskobalt. — Mancher sogen. Speiskobalt des Erz- 
gebirges ist richtiger als Chloanthit zu bezeichnen. 

Sperrylith. PtAsj. * Regulär, pentagonal-hemiedrisch. Kleine, meist hexa- 
edrische Kryställchen (0,5 mm), zuweilen in Gombination mit (111)0 und (120)oo02. 
Mgl., von der Farbe des Platins. H. = 6,7, G. = 10,602. Str. schwarz. Enthält 
neben Pt noch kleine Mengen von Rh, Fe, Sb. Aus den Ni-haltig6n Magnetkies- 
lagersiätten der Yermillion-Mine im Sudbury-District in Canada, auch im Flusssande 
von Macon Co. in Nordcarolina. Einzige natürliche Platinverbindung. 

Laurit. RuS2 (?) mit geringem Os-Gehalt, H. = 7*/«, G. = 6,99, in Form 
kleiner oktaedrischer Körner von eisenschwarzer Farbe aus Platinseifen von Bomeo. 

b) Markasitreihe. Rhombisch. 

MarkaSlt. Wasserkies. Binarkies. FeS^. 

Rhombisch, holoedrisch, a : b:c = 0,7662 : 1 : 1^2342 (Sadebeck, an 
X X von Littmitz). — XX gewöhnlich mit niedrig säuligem oder tafeligem 
Habitus. M= {110)ooP mit 105^ 5', r = {OlsyisPsö, l = {011)P^ mit 
78 2' oben. P = {001)0P, g = {101)Pöö mit 63 ^ 40' oben, c = {001)P. 
Gewöhnlichste Combination M mit r, die wie ein Oblongoktaeder aus- 
sehen kann, oder Jf, r, l und P. Die Flächen P und r sind parallel 



II. EL Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 



319 



der a-Axe gestreift, sodass sie in einander verfliessen und gekrümmt 
sind, l glatt, Fig. 341. — Häufiger als einfache XX sind Zw.: 1. nach 
M mit zweifachem Habitus. Durch treppenförmige Wiederholung der 
Jtf-Flächen, z. Th. auch durch wiederholte Einschaltung von weiteren 
Zwillingslamellen entstehen gez'ähnelte Gruppen (E a m m k i e s , Erzgänge 
von Clausthal, Freiberg etc., Fig. 342) — oder bei cyclischer Verwachsung, 
bei welcher vier Individuen unter Verkürzung resp. völliger Unterdrückung 
der Prismenflächen verwachsen, die sogen. Speer kiese, Fig. 343 (aus 
der böhmischen Braunkohle von Littmitz und Altsattel und anderswo). 
Zumeist liegt eine ganze Reihe solcher Speerkieszw. in der Richtung 
und parallel der Basis hinter einander. 2. nach g = (110)Pöö ; die böh- 
mischen Speerkiese durchkreuzen sich zuweilen nach diesem Oesetz. — 
Oeflers regelmässig mit Pyrit verwachsen, der Pyrit sitzt mit einer Würfel- 
fläche der Basis des Markasits auf und ausserdem fällt eine andere Würfel- 
fläche in die Richtung einer Prismenfläche des letzteren. — Derb und ein- 
gesprengt, gern in hahnenkammähnlichen Oruppen (Fig. 344), in strahligen 



Fig. 341. 



Fig. 342. 



Fig. 344. 





Aggregaten (Strahlkies), in Kugeln von radialer Structur (Pomeranzen der 
hallischen Braunkohle etc.), in dichten Nieren (Leberkies), zapfenförmig, 
als üeberzug und Anflug, in Pseudomorphosen und als Vererzungsmittel. 

# nach Jf=(iiÖ)ooP, selten deutlich. Br. uneben, spröde. 
H. = 6— 6^2, G. = 4,65— 4,88. Mgl., undurchs. ; speisgelb mit Stich ins 
Grünliche, theilweise sehr hellgrau; oft bunt, namentlich grünlich an- 
gelaufen. Str. grünlichgrau. Beim Anschlagen unter Schwefelgeruch 
funkend. 

Chem. Zus. und v. d. L. mit Schwefelkies, neigt leichter zur Ver- 
witterung wie dieser. 

Allgemein und iveit verbreitet, doch nicht in gleichem Maasse wie 
Schwefelkies ; weder gesteinsbildend noch als accessorischer primärer Ge- 
me^igtheil voti Eruptivgesteinen, Am häufigsten als concretionäre Aus- 
scheidung in ursprünglich plastischen Gesteiften, wie Thone, Mergel, Kalke, 
Kohlen. Braunkohlen von Littmitz und Altsattel in Böhmen; Kreide 
von Wollin; Jurakalke von Liynmer bei Hannover; Gaultmergel von Folke- 
stone; Tertiärthone von Gross- Almerode, Dann überall als Gangmineral 



320 n. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

jüngerer Generation auf Drusen sulfidischer Gänge, Clausthal, Freiberg, 
Pribram, Schemnitz, Comwall etc. 

Verwendnng und ähnliche Mineralien cfr. Schwefelkies, Ton dem er sich im 
derben Zustand in vielen Fällen gar nicht unterscheiden lässt (spec. Qew.), zerfällt 
oft leichter als der Schwefelkies unter Abscheidung basisch schwefelsaurer Salze. 

Kyrosit von Grube Bricciua bei Annaberg ist ein etwas Cn- and As- haltiger 
Markasit. 

Eausimkies (Lonchidit) von Freiberg» Comwall etc. enthält ca. 40^/« As, 
demnach als isomorphe Mischung von Markasit und LöUing^t aufzufassen. Sieht wie 
Arsenkies ans, zinnweiss, bunt anlaufend. 

Arsenkies. Arsenikkies. Arsenopyrit. Mispickel. FeAsS. 
Rhombisch, holoedrisch. Axenverhältniss und Winkel, je nach 
Fundort und isomorpher Beimischung schwankend. a:b \ c schwankend 
= 0fi7726 : 1 : 1,18817 (Abzrüni, an XX von Hohenstein in Sachsen, 
die nahe FeAsS entsprechen). — XX einzeln eingewachsen, häufiger zu 
Drusen und Gruppen vereinigt, vielfach in grobstrahligen , aus Sub- 
individuen aufgebauten Erystallstöcken. — Einzelkrystalle bald kurz, bald 
lang säulenförmig. M^{110)ooP mit 111^47', r = (014yiiP^ mit 
1460 51', g = (101)Pöo mit 59<>22', 1 = {011)P^ mit 
Fig. 345. 80<> 10'. Gewöhnlichste Combination M und r, mit okta- 
edrischem Habitus (Fig. 345), dazu nicht selten auch g. 
Auf r grobe Streifung parallel der a-Axe, die ein wich- 
tiges Kennzeichen abgiebt und wodurch die Oberfläche ge- 
krümmt wird. Zw. häufig, gewöhnlich nach g = (IODPöö 
mit einander durchkreuzenden Individuen, seltener nach 
M = (llÖ)ooP, — Derb und eingesprengt, in strahligen oder kömigen 
Aggregaten; auch gestrickt; zuweilen feinfaserig und nierenformig 
(St. Andreasberg). 

# (110)ooP deutlich, Br. uneben; spröde. H. = 5^2-6, Q. = 5,9 
bis 6,2. Mgl., undurchs. ; silberweiss bis lichtstahlgrau, messinggelb oder 
grau anlaufend. Str. schwarz. Funkt vor dem Stahl unter Arsengeruch. 
34,3 Fe, 46 As, 19,7 S; viele Arsenkiese zeigen aber wesentliche 
Abweichungen, enthalten auch oft etwas Co oder Ag (Weisserz von 
Bräunsdorf), nicht selten auch Au. — Im Kölbchen sublimirt zuerst 
rothes, dann braunes Schwefelarsen, zuletzt metallisches Arsen. V. d. L. 
auf Kohle eine schwarze magnetische Kugel. In Salpetersäure unter 
Abscheidung von S löslich. 

Typisches Gangmineral, namentlich charalteristischer Begleiter auf 
Zinnerzlagerstätten wie im Erzgebirge, Comwall etc., dann auf Silber- 
erzgängen, zumal wenn sie noch von Ni- und Co-Mineralien begleitet 
werden; auch auf Golderzgängen. Freiberg, St. Andreasberg. Nicht 
selten als Einsprengung in hrystallinen Schiefem, sowie accessorisch auf 




II. Kl. Sulfide. 2. Abth. Sulfobasen. 321 

Co'Fahlhändem, z. B. Kirchspiel Modum; eingesprengt in manchen Ser- 
peniinen: Reichenstein in Schlesien neben Löllingit, im Kalkstein von 
Auerbach und Wunsiedel, im Dolomit des Binnenthaies. 

Verwendung, soweit er nicht Ag und Co enthält, zur Gewinnung der arsenigen 
Säure. Aehnliche Mineralien: Arseneisen, Chloanthit, Speiskobalt, Antimonsilber. 
Verwittert zuweilen zu Pittizit und Skorodit. 

Plinian ein verzerrter, anscheinend monokliner Arsenkies von Ehrenfriedersdorf. 

Qeierit von Geier in Sachsen, auch von Breitenbrunn, sowie Pazit von La 
Paz sind an As etwas reichere Arsenkiese. 

Als isomorphe Mischungen von FeAsS und CoAsS aufzufassen, demnach durch 
die Formel (FeCo)AsS darstellbar und als Kobaltarsenkiese zu bezeichnen, sind 
die nachfolgenden 4 Mineralien: 

1. Kobaltarsenikkies mit 6 — 9°/oCo; grünlichweiss. XX von Skutterud 
in Norwegen neben Kobaltglanz und Tesseralkies. Sonst noch von Vena in Schweden. 

2. Danait. Schöne in Gneiss eingewachsene X X» n&ch der a-Aze gestreckt, 
von röthlich stahlgrauer Farbe, mit ca. 7^0 Co. Franconia in New-Hampshire. 

3. Glaukodot mit 16-^25% Co, 12— 19^0 Fe. X X meist prismatisch, deut- 
lich 4^ nach der Basis, weniger nach (110)ooP. Dunkel zinnweiss. Auf Trümmern 
in Chloritschiefer von Huasco in Chile; bei Hakansbo in Schweden. 

4. AUoklas, ein Kobaltarsenkies, bei dem ein Theil des As durch Bi ersetzt 
wird und dem ausserdem Wismuthglanz und ged. Wismuth mechanisch eingemengt 
sind, mit 287« Bi. H. = 4— 5, G. =6,2—6,6. Stahlgrau, breitstenglige und blät- 
terige, nach (llO)ooP und (OOl)oP spaltende Aggregate im körnigen Kalk von 
Oravicza. 

LoUingit. Arseneisen z. Th. Arsenikalkies. FeAs^. 

Rhombisch , holoedrisch. a:b :c = 0,6689 : 1 : 1,2331 (Bböggbb). 
X X selten, klein, öfters nadeiförmig, d = (110)ooP mit 1 22 ^ 27', o = {101)Pöö 
mit 56<> 57', l = (011)P^ mit 78 <> 5'. Fast nur Combination d, o. — 
Zumeist derb und eingesprengt in körnigen, stengligen und nadeligen 
Aggregaten. 

# (001)oP deutlich. Br. uneben; spröde. H. = 5-5^», G. = 7,1 
bis 7,4. Mgl., undurchs. ; silberweiss, grau anlaufend. Str. grauschwarz. 

27,2 Fe, 72,8 As mit schwankendem As- und stetem S-Gehalt, 
enthält nicht selten etwas Co, Bi und Sb, zuweilen etwas Au (Arsenik- 
abbrände von Reichenstein). — Im Eölbchen sofort As-Spiegel, kein 
rothes Sublimat. V. d. L. schwer zur magnetischen Kugel schmelzend. 

Nicht häufig. Im Serpentin von Reichenstein (glänzende Nadeln 
und derbe Knollen), im Spatheisenlager von Lölling bei Hüttenberg in 
Kärnten. Auf Gängen von Schladming in Steiermark , St. Andreasberg ^ 
Geier, Ehrenfriedersdorf. 

Von dem häufigeren Arsenkies, mit dem er zusammen vorkommt, äusserlich 
nur selten zu unterscheiden ; ähnliche Mineralien cfr. Arsenkies. Verwittert zuweilen 
zu Skorodit. 

Leukopyrit, sind gewisse ArseDoisen von Pribram und Reichenstein genannt 
worden, die auf die Formel Fe3A84 resp. FejAsj oder FegAsj fähren sollen. 
Klo c km an n, Mineralogie. 3. Aufl. 21 



322 n. Kl. Salfide. 2. Abth. Sulfobasen. 

Glaukopyrit, ein Arseneisen, in dem ein kleiner Theil Fe darcb Co and 
etwas As durch Sb und S ersetzt sind. Dünnschalige, nierige Aggregate, lichtblei- 
grau, schwarz oder farbig anlaufend. H. := 4Vs» 6. = 7,181. Aus blätterigem Kalk- 
spath von Guadalcanal in Andalusien. 

Wolfachit. Ni(AsSSb)2, mit etwas Fe, dem regulären Korjnit fast ganz 
entsprechend. Rhombisch. G. = 6,872. Glänzend zinnweiss. Str. schwarz. Wolfach. 

Safflorit. Eisenkobaltkies, Spathiopyrit. CoAsj, rhombische Modification 
des Speiskobalts; hierher gehört ein Theil des stengligen und sonstigen Speiskobalts, 
soweit dessen G. höher als 6,6 ist. Zinnweiss, grau anlaufend, z. Tb. in kleinen X X • 
H. = 4*1«, G. = 7,1. Schneeberg (Arsenikkobalt, G. Rose), Wittichen, Bieber, Tunaberg. 

Weissnickelkies. Arseniknickel, Rammelsbergit. Ni Asg, rhombische Modi- 
fication des Chloanthits; meist derb, z. Th. in radial faserigen Aggregaten. Zinn- 
weiss mit Stich ins Röthliche. H. = 47« — öVa» G. = 7,1. Schneeberg, Riecheisdorf, 
Lölling. 

Durch abweichendes stöchiometrisches Yerhältniss von den Mineralien der 
Blende- Wurtzitgruppe und der Pyrit-Markasitgruppe geschieden, folgen nachstehend 
noch einige Sulfide der Eisenmetalle, deren Constitution z. Th. noch nicht als sicher 
erkannt gelten kaun. Bei einigen derselben ist es wahrscheinlich, dass sie zu den 
Sulfosalzen, speciell zu den Sulfoferriten gestellt werden müssten; der Linneit z. B. 
ist in morphologischer Beziehung dem als Oxysalz gedeuteten Magnetit ganz analog. 

Horbachit. (FeNi)2S3. Erystallform? Unregelmässige Knollen. Mgl., tom- 
bakfarben. Str. schwarz. H. = 4—5 , G. = 4,43. Magnetisch, ca. 12 Ni. In ver- 
wittertem Gneiss von Horbach im Schwarzwald. 

Melonit. NigTeg mit 76,5 Te. Hexagonal; sehr kleine tafelige XX oder 
derb, spätbig-kömig. # basisch vollk. Mgl., röthlich silberweiss. Str. dnnkelgrau* 
Mit anderen Te-Mineralien von der Stanislausgrube in Californien. 

Kobaltkies. Linneit. Kobaltnickelkies. (CoNi)3S4. 

Regulär, holoedrisch. Häufig in gut ausgebildeten XX- — {111)0 
allein oder in Combination mit {100)oqOoo. Zw. nach {111)0 nach Art 
der Spinellzw. — Derb und eingesprengt in kömigen Aggregaten. 

^ {100)ocOoo\xvL\o\]k.\ Br. uneben, spröd. H. = 5V«, G. = 4,8-5,8, 
Mgl., röthlich stahlgrau, kupferroth und gelblich anlaufend. Str. schwärz- 
lichgrau. 

Chem. Constitution noch nicht sicher erkannt, möglichenfalls auch 
durch die Formel (CoNi)4S5 darstellbar. In den Müsener XX 14 — 58 > Co; 
etwas Fe. — V. d. L. schweflige Säure, giebt abgeröstet eine magnetische 
Kugel. In Salpetersäure unter Abscheidung von S löslich. 

Schöne Oktaeder aus Gängen von Musen hei Siegen (Siegenit). 
Im Gneiss von Bastnäs; aus den Kohlenflötzen von Rhonda Valley in 
Glamorghanshire. Mine la Motte in Missouri, Mineral Hill iti Maryland. 

Aehnliche Mineralien cfr. Kobaltglanz. 

Polydymit. Ni^Sg. Regulär. Entweder regelmässige Oktaeder oder mit 
tafelförmiger Ausbildung nach einer Fläche (111)0, nach welcher zugleich wieder- 
holte Zwillingsverwachsung stattfindet. # un vollk. (lOO)ooOoo; ziemlich mild. 
H. — 4V^» G. = 4,808—4,816. Licht grau, dunkler, auch gelb anlaufend. 60 Ni, aber 



II. Kl. Sulfide. 8. Abth. Sulfosalze. 



323 



etwas Fe und Co. In Spatheisensiein eingewachsen auf Grube Grüneau im Siegen- 
achen, begleitet von Millerit. ~ Saynit (Nickel wismuthglanz, GrQnauit) ist ein Ge- 
menge von Polydymit und Wismuthglanz. 

Sychnodjmit. Co^S^ mit wesentlicher Vertretung von Co durch Cu und Ni. 
Stablgrau. Grube Kohlenbacb bei Eiserfeld im Siegenschen. 

Hauchecornit. Ni7(SBi)3, ausserdem noch Sb, As, Co und Fe. Tetragonal. 
a: 0=1: 1,052. XX durchweg klein, meist würfelig oder dicktafelig. (OOl)oP, 
(110)ooP, (lOO)ooPoo, (lOl)Poo, (lll)P, (112)>|«P. Derb und verwachsen. Keine #, 
6r. flachmuschlig. H. = 5, G. = 6,4. Mgl., licbtbroncegelb, etwas dunkler anlaufend. 
Str. grauschwarz. Mit Haarkies und Wismuthglanz verwachsen auf einem Spath- 
eisengang der Grube Friedrich im Siegenschen. 

Tesseralkies. Skutterudit. Arsenikkobaltkies. Co As,. Regulär, pentagonal- 
hemiedrisch? — In X X der Combination (111)0 mit (211)202, auch mit (110)c»O 
und einigen anderen Formen. (310)oo03 und (321)30 '/a treten hemiedrisch auf. — 
Auch derb. # (100)ooOoo deutlich. Br. muschlig bis uneben; spröd. H. = 6, G. = 6,48 
bis 6,86. Starker Mgl., lichtstahlgrau bis zinn- oder grünlichweiss , oft etwas röth- 
lieb angelaufen. Str. schwarz, ca. 20^/o Co, etwas Fe. — Starkes Sublimat von 
AsjOj, sonst wie Speiskobalt Aus den Kobalterzfahlbändem von Skutterud und 
Snarum im Kirchspiel Modum in Glimmerschiefern neben Kobaltglanz, Turtmannthal 
in Wallis. 



3. Abtheilung. Sulfosalze. 
a) Snlfoferrite. 

Die wenigen hierher gehörigen Mineralien lassen sich deuten als Sulfosalze, 
bei denen als Säure entweder Fe(SH)3 oder häufiger daraus ableitbare Eisensulfosäuren 
auftreten. Die Ableitung erfolgt in der Weise, dass aus einem Vielfachen von Fe(SH)3 
eine oder mehrere Gruppen von SH^ austreten. Ausserdem sind noch einige mehr 
oder minder analog aufgebaute Mineralien angereiht. 

Kupferkies. Chalkopyrit. CuFeSg (= CugS, Pe^Sa oder CuS + FeS). 

Tetragonal, sphenoidisch-hemiedrisch. a: c=^l: 0^98525 (Haidingbr). 
— XX zumeist klein, auf Drusen sitzend, gewöhnlich verzerrt und 
schwierig zu deuten, theils mit pyramidalem, theils mit sphenoidischem 



Fig. 346. 



Fig. 347 



Fig. 348. 



Fig. 349. 



Fig. 350. 







Habitus; die Flächen, namentlich von grösseren XX rauh, gestreift, ge- 
knickt, aus Subindividuen zusammengesetzt, p ~ (111) -]-P mit 7P 20' 
und zumeist gerieft oder matt, allein oder (Fig. 346) in Combination mit 
r = (111) —P glatt und glänzend. Winkel i?V' in den Polkanten 109^ 53', 
in den Mittelkanten 108^40', daher die Combination j^r dem regulären 



324 11- Kl. Sulfide. 3. Abth. Salfosalze. 

Oktaeder ähnlich; das tefcragonale System wurde erst 1832 erkannt. 
c = (J201)J2Poo vorherrschend oder als Abstumpfung der Gombinations- 
kanten von pr; gewöhnlich mit Streifung parallel den Mittelkanten; 
h = {101)Poo^ a = (pOi)oP^ m = {110)ooP^ ausserdem wohl noch stumpfere 
und schärfere Bipyramiden, vereinzelt auch positive Skalenoeder, worunter 
{313)-\-P3 selbständig. Zw. häufiger als einfache XX; bei sphenoidi- 
scher Ausbildung gern Ergänzungszw. nach (100)ooPoo mit vollkommener 
Durchdringung der Individuen (Fig. 350) ; wo dagegen durch Combination 
von p und r oder sonstwie der Habitus holoedrisch wird, sind Zw. nach 
Art der Spinellzw. sehr häufig: Zw.-Axe steht senkrecht auf (iii)P und 
die Zw. -Hälften berühren sich in ungleichnamigen^) Sphenoidfläcben 
(Fig. 348). Dieses Gesetz wiederholt sich reihenweise in Form einge- 
schalteter Zwillingslamellen; tritt es an XX ^^^ Form c = {201)J2Poo auf, 
so bilden sich gern cyclische Fünflinge aus, die wie BipyramiSen er- 
scheinen, deren obere Polkanten geknickt sind (Fig. 349). Seltener sind 
Zw. nach b = {101)P<x>. •— Derb, eingesprengt, angeflogen; auch in 
traubigen, nierigen Massen (Nierenkies, Com wall); lokal als üeber- 
zug auf XX von Fahlerz, Blende und Bleiglanz; in seltenen Pseudo- 
morphosen. 

# {20i)2Poo selten wahrnehmbar. Br. muschlig bis uneben. 
H. = 3^/2—4, 6. = 4,1—4,3. Massig spröde. Messinggelb mit Stich ins 
Grünliche, auch goldgelb; schwarz und bunt, zuweilen auf verschiedenen 
Flächen verschieden angelaufen. Str. grünlich schwarz. 

34,5 Cu, 30,5 Fe, 35 S. — V. d. L. auf Kohle leicht zu einer 
grauschwarzen magnetischen Kugel schmelzend; in Salzsäure nicht, in 
Salpetersäure unter Abscheidung von S löslich. 

Häufigstes Kupferers, weit verbreitet und in allen Erzrevieren neben 
anderen geschwefelten Erzen vorherrschend oder untergeordnet auflretend. 
1. In Verwachsung mit Pyrit auf sogen. Kieslagem^ sowohl in kryst/il- 
linischen wie in paläozoischen Schiefem, Fahlun, Böraas, Sulitelma, 
Ramnielsberg j Schmöllnitz; weitere Fundorte cfr. Kieslager (S. 314). Des- 
gleichen auf manchen Spatheisensteinlagern , namentlich der Ostalpeti. 
Mitterberg, Kitzbühel. 2. Fahlbandartig vielorts in den krystallinischen 
Schiefem Skandinavietis etc., soivie als Imprägnation und Ausscheidung 
im Kupferschiefer und Weissliegenden des Mansfeldischen. 3. Sehr häufig 
neben Bleiglanz, Blende, Fahlerz etc. auf Gängen, die in Schichtgesteinen 
wie auch gern in, bezw. in der Nähe von Eruptivgesteinen aufsei zen. 
Clausthal, Freiberg, Dillenburg, Chile und Nordamerika vielorts; flehen 
Zinnstein in Comwall, Erzgebirge; neben Spatheisen im Siegenschen etc. 



*) Selten sind die Individuen mit gleichnamigen Sphenoidfläcben verbanden, 
in welchem Fall die Zwillings axe auf der vorigen senkrecht steht 



II. Kl. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 325 

4. Auf Contactlagerstätten : Banat etc. 5. Untergeordnet und sporadisch 
als accessorischer Gemengtheil von Eruptivgesteinen. 

AIb Neubildung in kupfernen Leitungsrohren der Thermal wasser auf der Mar- 
gareteninsel bei Pest gefunden; als gelegentliches Hüttenproduct, auch sonst künst- 
lich dargestellt. — Aehnliche Mineralien: Pyrit, Markasit, Magnetkies, Gold; wenn 
schwarz angelaufen und bei sphenoidischem Habitus auch mit Fahlerz und Blende 
zu Terwechseln. 

Homichlin von Plauen und Zwickau mit grösserem Cu-G ehalt ist wahrschein- 
lich nicht ganz homogener Kupferkies. 

BantkapferldeS. Buntkupferkies. Bomit. GugFeS^. 

Regulär, holoedrisch. — XX selten, verzerrt mit unebeneD, rauhen 
Flächen und zu traubigen Gruppen gehäuft. Meist nur {100)ooOoo allein 
oder in Comb, mit {111)0, seltener mit (110)ocO und {211)202. Zw. nach 
{111)0. Gewöhnlich derb, eingesprengt und in plattigen Ausscheidungen. 

Keine # oder sehr unvollk. nach {111)0. Br. muschlig; spröd 
ins milde. H. = 3, G. = 4, 9—5,2. Mgl., röthlich tombakfarben, schnell 
bunt (taubenhälsig) anlaufend. Str. graulich schwarz. 

Constitution als SCu^S, Ve^S^ deutbar; Zus. schwankend, selten 
der Formel mit 55,5 Cu, 16,4 Fe, 28,1 S entsprechend, öfters Cu-reicher 
wohl in Folge von Verwachsung und Kupferglanz. — V. d. L. zu grauer 
magnetischer Kugel schmelzend. In Salpetersäure und concentrirter Salz- 
säure unter Abscheidung von S löslich. 

Wichtiges Kupfererz, namentlich für den Westen der Ver. Staaten 
und in Südamerika. Vorzugsweise auf Gängen als gelegentlicher Be- 
gleiter des Kupferkieses, häufiger des Kupferglanzes. Freiberg, Anna- 
herg, Berggiesshübel in Sachsen; Lauterberg am Harz; Kupferberg in 
Schlesien; Siegen; Montecatini in Toscana; Dognaczka im Banat. In 
grösster Menge in Chile, Peru und Bolivia, ebenso in Canada. — Gern auf 
Zinnerzgängen une in Comwall (horseßesh-ore). — Betheiligt sich wesent- 
lich an der Imprägnation des Mansfelder Kupferschiefers. 

Aehnliche Mineralien: Magnetkies, erinnert auf frischem Bruch auch an 
Eupfemickel. 

Castillit von Guanesivi in Mexico; broncegelb, ist anscheinend ein Ag-haltiger, 
auch sonst vermengter Bornit. 

Barnhardtit. Cu4FejS5 (= 2CU2S, FegSj). Nur derb mit muschligem Br., 
spröd. H. = SVz» G. = 4,521. Broncegelb, braun oder roth anlaufend. Nord-Carolina. 

Cuban. Barracanit CuFe^S, (= CuS, Fe.A). Nur derb; reguläre X X-Form 
aus der hexaedrischen # zu schliessen; spröde. H. = 4, G. = 4,0—4,18. Speisgelb bis 
messinggelb. Str. schwarz. — V. d. L. sehr leicht schmelzbar. Cuba; Tunaberg in 
Schweden. 

Carrollit. CuCogS^ ist die dem Cuban entsprechende Co- Verbindung. Derb, 
spröd. H. = SV«! Gr. = 4,58. Zinnweiss bis stahlgrau mit Stich ins Röthliche. Carrol-Co. 
in Maryland. 



326 11- Kl. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 



Gruppe der Silberkiese 

umfasst eioe Anzahl rbombiRcher , im Habitus und auch sonst ähnlicher Mineralieo, 
die sich durch das wechselnde Mischungsverhältniss von Fe : Ag unterscheiden. Chem. 
Constitution noch nicht erkannt; wohl als Ag^S, mFenSn-f i gedeutet. 

Silberkies. Rhombisch. X X klein, einzeln oder zu Drusen verbanden, 
bilden durchweg Durchkreuzungsdrillinge mit ausgeprägt hexagonalem tafeligem 
Habitus; gern föcher* oder rosettenartig aggregirt Mgl., tombakbraun, grün oder 
blau anlaufend ; kleinen Magnetkies- X X zum Verwechseln ähnlich. Aaf Silbererz - 
^ngen des Erzgebirges und von St. Andreasberg. Im Einzelnen unterscheidet man: 
Sternbergit AgFcoSg, Argyropyrit AggFe^S,!, Frieseit AggFejSg und Argento- 
pyrit AgFejSj. 

b) Snlfarsenite, Snlfantimonite und Snlfbisnintite. 

Sulfosalze, in denen As^S,, SbjSs, Bi^Sg als Säuren auftreten, während die 
Sulfide von Pb, Zn^ Fe, Cu, Ag, Hg etc. den basischen Bestandtheil abgeben. 

Livingstonit. HgS, 2Sb,Ss mit 22®/o Hg. In rhombischen, antimonitähn- 
liehen Nadeln mit rothem Strich. H. = 2, G. = 4,81. Huitzuco und Gualdacazar in 
Mexico. 

Chiviatit. 2PbS, SBijSj mit 17> Pb und etwas Cu. Blätterig, nach drei 
tautozonalen Flächen spaltbar. G. = 6,9. Starker Mgl. , bleigrau , sieht aus wie 
Wismuth glänz. Chiviato in Peru. 

Cuprobismutit. SCu^S, 4BigSg, z. Th. Ag-haltig. Gleicht Wismuthglanz. 
G, = 6,8 — 6,7. Missouri Mine in Colorado. 

Zinckenit-Hiargyritgnippe. 

Allgemeine Formel MS, Kß^, wo M = Pb, Agg, Cug, Fe (?) und R = As, Sb, 
Bi, Se. 2 isodimorphe Reihen: Zinckenitreihe rhombisch und Miargyritreihe 
monoklin. 

a) Zinckenitreihe. Rhombisch ; ausgezeichnet durch gleichartigen Habitus ihrer 
strahligen Krystalle; an Antimonit erinnernd. 

Zinckenit. Bleiantimonglanz. PbSbgS^ (= PbS, SbjSg). 36> Pb. Rhombisch. 
Strahlige, spiessige X X der Combination (llO)ooP mit 120® 39' und (lOl)Pöö, die 
stets sechsseitige, mit Längsfurchen versehene Drillinge nach (110)ooP mit flach 
pyramidaler Endigung bilden. Büschelig, radial- und verworrenfaserig, auch derb. 
— Mild, Br. uneben. H. = 3— 3V«, G. = 5,3—5,35. Mgl., dunkel- bis bleigrau, zu- 
weilen bunt anlaufend. Str. schwarz. — Auf Kohle Pb- und Sb-Beschlag; geringer 
Rückstand. — Auf Gängen mit Antimonit bei Wolfsberg im Harz, Hausach im 
Schwai-zwald ; Sevier Co. in Arkansas, San Juan Co. in Colorado. 

Andorit. (PbAgs)S, Sb^Sg, rhombisch, ist ein Ag-haltiger Zinckenit. Felsö- 
banya. — Sundtit und Webnerit, beide von der Grube Itos bei Oruro, sollen 
gleichfalls Ag-haltige Zinckenite sein. 

Skier oklas. Sartorit. Bleiarsenglanz.. Arsenomelan. PbAsjS^ (= PbS, As^S,). 
42,6^0 Pb. Rhombisch. X X klein, dünn und nadelig, nach der Queraxe gestreckt 
und längsgestreift. # (OOl)oP vollk.; sehr spröd. H. =3. G. = 5,39. Licht blei- 
grau. Str. rothbraun. Mit Binnit und Dufrenoysit im Dolomit des Binnen thals. 

Bleiwismuthglanz. Galenobismutit. PbBi.^ (= PbS, Bi^Ss). 27,67o Pb. Auch 



IL El. Sal6de. 8. Abth. Sulfosalze. 327 

Se (I270) in Vertretung von S beobachtet (Selenbleiwismuthglanz). Nor derb. 
H. = 3 — 4, Gt. = 6,88. Zinnweiss, stark glänzend. Str. grauschwarz. Mit Wismuth- 
glanz von der Ko-Grabe in Wermland. — R6zb&nyit, derb, von R^zbanya, enthält 
etwas mehr Bi, dürfte aber Galenobismutit sein. 

Alaskait. (PbAgsGu2)S, Bi^Ss ist ein Bleiwismuthglanz , bei dem ein Theil 
Pb darch Ag (8» und Cu (S^o) ersetzt ist. Kleinblätterige milde Aggregate von 
licht bleigrauer Farbe und starkem Mgl. Alaska-Gang in Colorado. 

Silberwismuthglanz. Argentobismutit. Matildit. AgBiSg (= AggS, ßijSJ. 
28,4 Ag, 54,7 Bi. Derb, selten in gestreiften prismatischen X X < ^i^n mit grauem 
Str. G. = 9,62. Grube Matilda bei Morococba in Peru, Lake City in Colorado. 

Kupferantimonglanz. Wolfsbergit. Chalkostibit. CuSbSj (= Cu^S, Sb,S,). 
25,6 Cu. X X tafelförmig oder prismatisch, meist mit verbrochenen Enden und voll- 
kommen pinakoidaler #. Auch derb in feinkörnigen Aggregaten, eingesprengt. 
H. = dVs> G. = 4,8 — 5,7. Br. muschlig bis eben. Mgl., bleigrau bis eisenschwarz, 
zuweilen bunt anlaufend. — V. d. L. zerknistemd und leicht schmelzbar. Auf den 
Antimonit-Quarzgängen von Wolfsberg im Harz. — Guejarit, spanischen und 
bolivianischen Ursprungs, ist ident mit Wolfsbergit. 

£ m p 1 e k t i t. Kupferwismuthglanz z. Tb. CuBiSj (= Cu^S , Bi,S,). 19^0 Cu. 
Rhombisch, undeutliche, nadelige und längsgestreifte X X niit pinakoidaler ^ 
Derb, eingesprengt. Br. uneben; mild. H. = 2, G. = 6,23— 6,88. Zinnweiss bis stahl- 
g^au, gelb und auch dunkler anlaufend. Str. schwarz. — V. d. L. leicht schmelz- 
bar. Schwarzenberg im Erzgebirge, Wittichen im Schwarzwald. R^zbänya; Copiapo. 

Berthierit. Krystallform (?), umfasst im Habitus gleichartige, in der 
ehem. Zus. wechselnde , nur z. Th. nach der Formel FeS, Sb^S, zusammengesetzte, 
strahlige oder faserige Aggregate. # nach mehreren Richtungen undeutlich. Br. 
uneben. H. = 2—3, G. = 4- 4,3. Dunkel stahlgrau, oft bunt anlaufend. Str. schwarz. 
— y. d. L. leicht zu schwarzer magnetischer Schlacke schmelzend. Chazelles in 
der Auvergne; Bräunsdorf bei Freiberg; Arany-Idka in Ungarn. Comwall. 

b) MIargyrItreihe. Monoklin. 

Miargyrit. Silberantimonglanz. Hypargyrit. AgSbSj (= AggS, SbgS,). Mono- 
klin holoedrisch, a : b : c = 0,748 : 1 : 0,643; ß = 91® 40'. — X X klein, spiessig oder 
dicktafelig; federartige Streifung auf der Querfiäche, aufgewachsen, zu Drusen ver- 
einigt oder auf Rothgültigkrystallen aufsitzend. Auch derb und eingesprengt. # un- 
deutlich. Br. kleinmuschlig bis uneben; mild. H. = 2— 27«. G. = 5,18 — 5,25. Mgl., 
stahl- und bleigrau bis schwarz; in dünnen Splittern blutroth durchscheinend. Str. 
kirschroth. 36,97 Ag, 41,07 Sb, 21,96 S. — V. d. L. sehr leicht zur schwarzen Schlacke 
schmelzend; beschlägt die Kohle weiss und hinterlässt ein Silberkom. — Auf Silber- 
erz^ngen neben dem häufigeren und äusserlich ähnlichen ftothgültig. Bräunsdorf 
bei Freiberg; Pribram; Felsöbanya (hier etwas Pb-haltig und Kenngottit genannt); 
Guadalajara bei Madrid; Molinares und Zacatecas in Mexico; Potosi. 

Anm. Manche Rothgültigkrystalle von St. Andreasberg sind mit kleinen 
spitzen, scheinbar rhombischen X X» (i^ni sogen, fahlen Rothgültig (z. Tb.) über- 
zogen. Dieselben sind von Breithaupt als Hypargy ronblende, angeblich von 
Clausthal bezeichnet, sind aber nichts anderes als Miargyrit. 

Plenargyrit. AgBiSj. Monoklin; in spröden eisenschwarzen Kryställchen 
von der Grube Christian Friedrich im Schapbachthal ; G. = 7,22. Die Formel und die 
Isomorphie mit Miargyrit bedürfen jedoch noch der Bestätigung. 

Lorandit. TlAsSg. In monoklinen, 5 — 10 mm grossen, meist tafeligen XX- 
Biegsam und nach 3 Richtungen sehr gut #. H. = 2— 2V2i G. = 5,529. Metallartiger 
Diamantgl. Cochenille- bis carmoisinroth , oberflächlich oft schwärzlich bleigrau, 



328 n. El. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 

mancbmal mit ockergelbem Pulver bedeckt. Str. ziemlich dunkel kirschrotb. Kleinere 
X X durchsichtig bis durchscheinend. Auf Realgar aufgewachsen von AUchar in 
Macedonien. 

Plagionit. 5PbS, 4SbaSs; ca. 42Vo Pb. Monoklin, holoedrisch. a:b:c 
= 1,1363 : 1 : 0,4205. ß = 107® 32' (Rose)^ Kleine zu Drusen vereinigte, dicktafehge 
X X der Combination (OOl)oP, (111)~P, (1 1 1)P, (221)-2P. (100)ooPöö. Auf (111), (1 1 1), 
(221) Combinationsstreifung mit (001) ; (001) selbst glatt. — Derb, kömig, auch traubig. 
#(221) deutlich. Br. uneben, spröd. H. = 27», G. = 5,4— 5.6. Dunkel bleigrau 
und eisenschwarz, Str. schwarz. — V. d. L. stark zerknistemd, sehr leicht schmelz- 
bar. Wolfsberg im Harz; Goldkronach im Fichtelgebirge. 



Binnit Von Rath. Dufrenoysit Damour. 3Cu8S, 2As,S,. Regulär, tetra- 
edrisch-hemiedrisch. XX sehr klein, (llO)ooO, (211)202 u. a.; zumeist derb und 
eingesprengt. Br. muschlig; sehr spröd. H. = 2—3, G. = 4,4—4,7. Mgl., stahlgrau 
bis eisenschwarz. Str. kirschroth. 39 Cu , etwas Pb und Ag isomorph beigemischt 
Im Dolomit des Binnenthals. 

Klaprothit. SGu^S, 2Bi,8^ mit 15 Gu. Rhombisch, langgestreckte und 
vertical gestreifte X X der Combination (101 )ooP,(100)ooPöo. #(100)oP voUk. H.=2*/i, 
G. = 4,6. Gelblich stahlgrau, bunt anlaufend. Str. schwarz. Witschen u. a. 0. im 
Schwarzwald; Sommerkahl im Spessart. 

Schirm erit. 3(AgjPb)S, 2BigS3. Nur derb; feinkörnig, bleigrau. G. = 6,737; 
leicht schmelzbar. In Quarz eingewachsen. Colorado. 

Domingit. Warrenit. 3PbS, 2Sb8S3, In feinsten verfilzten N&delchen. 
System (?). Domingo-Grube in Colorado. 

Rathit. 3PbS, 2AS283 mit 52 Pb. Prismatische, rhombische XX- # (010) 
00P06 voUk. H. = 3, G. = 5,4. Mgl., bleigrau. Str. braun. Aus dem Dolomit des 
Binnenthals. 

Jamesonitgrappe. 

Allgemeine Formel 2 MS, R^S,, also Verhältniss 2:1; bilden eine isomorphe 
Reihe. Rhombisch. 

Jamesonit. PbsSb^Sg (= 2 PbS, SbjS,). Rhombisch , holoedrisch, a : b : c 
~ 0,8915 : 1 :(?).— X X lang prismatisch, spiessig, (110)ooP mit 101® 20 und (010)ooPöo, 
ohne gute Endbegrenzung, gewöhnlich zu parallel- oder divergent-strahligen Erystall- 
gruppen vereinigt. Auch derb in strahlig-faserigen Aggregaten. # (OOl)oP voHk.; 
mild. H. = 2— 272, G. = 5,56—5,8. Mgl., stahlgrau bis dunkelbleigrau. Str. grau. 
50,8 Pb, 29,5 Sb, 19,7 S mit etwas Fe, Cu oder Ag. — V. d. L. wie Zinckenit, doch 
grösserer Rückstand in Form einer eisenhaltigen Schlacke. Auf Erzgängen. Mehr- 
orts in Cornwall; Ungarn; Nertschinsk; Estremadura. Aehnliche Mineralien: die 
Bleispiessglanze, im Besonderen der Zinckenit und Antimonit. — Federerz oder 
Plumosit, auch Heteromorphit ist zum grössten Theil sehr f einnadeliger , ve^ 
filzter, lockerer oder dichter Jamesonit; Pfaffenberg und Meiseberg bei Neudorf am 
Harz, Freiberg, Felsöbänya. # Aber auch verfilzter Antimonit, z. B. von Andreas- 
berg, wird mit dem Namen Federerz belegt. Bei dem als Zundererz bezeichneten 
rothbraunen lappigen Federerz von Clausthal und Andreasberg ist noch Rothgöltig 
und Arsenkies mechanisch eingemengt. Der plagionitahnliche , auch als Plagionit 
bezeichnete Heteromorphit von Arnsberg in Westphalen fahrt auf die Formel 
7 PbS, 4Sb2S3. 



II. Kl. Sulfide. 3. Abtb. Sulfosalze. 329 

Duf renoysit VomRath. PbjAsjSj mit57 Pb. Bhombiscb, a: b : c =0,938 : 1 : 1,531. 
— XX selten, z. Tb. ziemlich gross und fläcbenreicb, sind dick tafelig oder breit- 
säulig, nach der Queraze gestreckt und gestreift. Derb. # nach (OOl)oP voUk., 
spröd. EL = 3. G. = 3,5— 3,6. Mgl., dunkel bleigrau; Str. röthlich braun. — Aus 
dem Dolomit des Binnenthaies. 

Co sali t PbsBigSj mit etwas Ag. Längsgestreifte, wahrscheinlich rhombische, 
bleigraue Prismen von Cosala in Mexico. — Bjelkit in stahlgrauen strahligen 
Aggregaten aus Wermland ist damit identisch. — Kobellit, derb von Vena in 
Schweden ist Cosalit, bei dem ein grösserer. Theil Ton Bi durch Sb ersetzt wird. 

Schapbachit (Wismuthsilbererz) ist ein Ag-haltiger (bis 22> Ag) Cosalit, 
in kleinen basisch # Täfclchen oder derb. Licht bleigrau. H. = 37^ > G. = 6,43. 
Schapbaohthal. 

Semseyit. 9PbS, 4Sb2Sg. In monoklinen tafeligen XX ^om Habitus und 
Aussehen des Plagionit. # (111). 6. = 5,9. Felsöb^nya, Rodna; Wolfsberg im Harz. 



Boulangeritgruppe. 

Allgemeine Formel 5 RS, 2Sb2S„ worin R = Pb oder Ag ist; dimorph. 

Boidangerit PbsSb^Sn (=5PbS, 2SbA). 

Rhombisch, holoedrisch. a:b : c = 0^5527 : 1 : 0,7478 (Sjögren). — 
XX sehr selten, prismatisch; fast stets in derben, feinkörnigen bis fein- 
faserigen und ganz dichten Massen vom Aussehen des Bleischweifs oder 
in faserigstrahligen Aggregaten, die dem Federerz gleichen. 

Nur in geringem Grade spröde. H. = 21/2— 8, G. = 5,8-6,18. 
Mgl. bis matt, dunkel bleigrau, oft seidenartig schimmernd. Str. schwarz ; 
undurchs., nicht selten mit gelben Flecken von Antimonocker besprenkelt. 

55,4 Pb, 25,7 Sb, 18,9 S. — V. d. L. leicht schmelzbar, Pb- und 
Sb-Reaction. Von heisser Salzsäure gelöst. 

Auf Gängen neben Antimonglanz, nur lokal wichtiges Bleierz wie 
zu Molidres, Dep du Gard, sonst spärlich. Ober-Lahr, Wissen a. d. Sieg, 
Wolfsberg im Harz, Pribram, Schneeberg in Tirol, Bottino in Toscana, 
Sola in Schweden, Nasafjeld in Lappland. Nertschinsk im Ural. 

Diaphorit. 5 (PbAg2)S, 2 Sb^S,. Rhombisch, isomorph mit Boulangerit, aber 
chemisch wie Schilfglaserz und diesem auch physikalisch ähnlich. Flächenreiche X X 
und Zw. Stahlgrau, sehr spröde. H. = 2V«— 3. G. = 5,902. Sehr selten. Pfibram, 
Felsöbdnya. — Mit Diaphorit stimmt in allen Eigenschaften und in der Dichte überein 

Brongniartit, derb, von Potosi in Bolivien; die Angaben über reguläre 
Form und Mexico als Fundort sind irrthümlich. 

Schilfglaserz. Freieslebenit. 5 (PbAg2)S, 2 SbjS,, also zusammengesetzt wie 
Diaphorit, aber monoklin holoedrisch, ß = 92® 14'. Flächenreiche (namentlich in 
der Zone der e- und a-Aze), prismatische X X ^^ Verticalstreifung in Folge oscil- 
latorischer Wiederholung von Prismenflächen. Zw. nach mehreren Gesetzen, haupt- 
sächlich nach (lOO)ooPöö. — Derb, eingesprengt. # (llO)ooP unvoUk., Br. muschlig. 
H. = 2— 2V2, G. = 6,19—6,38. Blei- bis licht stahlgrau, schwarz anlaufend ; Str. grau. 
33 Pb, 23 Ag. — Freiberg ; Pribram ; Eapnik, Felsöbänya ; Hiendelaencina in Spanien. 



330 n.^Kl. Sulfide. 3. Abih. Sulfosalze. 

Boomonitgrappe. 

Allgemeine Formel SMS, R2S3, worin M = Pb, Ca,, Agg, Fe und R = Sb, As, Bi. 
Rhombisch, holoedrisch; wahrscheinlich isomorph. 

Bournonit. Schwarzspiessglaserz. Spiessglanzbleierz. (PbCu2)3Sb2S^ 

= 3 (PbCu8)S, SbjS,. 

Rhombisch, holoedrisch, a : 6 : c = 0,9379 : 1 : 0,8968 (Milleb). — 
X X ^i^ tetragonalem Habitus, dicktafelig durch Vorherrschen der Basis« 

Fig. 351. Fig. 352. Fig. 353. 






seltener nach einer Axe säulenförmig gestreckt, m = {110)ooP mit 93^ 40', 
c = i001)oP, a = (fllÖ)ooFo6, n = (OlfjPss mit 96« 13', b = (100)ogP6ö, 
o = ilOi)Pöö mit 92034', x = (102yi%P6ö, u = {112)^J2P. Zw. nach 
{110)ooP häufig, theils Juxtapositionszw. und dann bei der ungefähren 
Rechtwinkligkeit von {100)ooP einfachen Individuen ähnlich, theils kreuz- 
förmige Penetrationszw. ; auch wiederholte polysynthetische und cyclische 
Viellingsbildung, welche im Verein mit der häufigen reihenförmigen 
Parallelverwachsung charakteristische, an Zahnräder erinnernde Gestalten 
(Rädelerz) Fig. 353 erzeugt. — Derb, körnige bis dichte Massen, auch 
eingesprengt. 

# {010)ooP^ selten deutlich, Br. muschlig; spröde. H. = 2V2— 3, 
G. = 5,7—5,86. Starker fettartiger Mgl. auf frischem Br. X X äusser- 
lich oft matt; stahl- bis bleigrau und eisenschwarz, Str. grau. 

42,6 Pb, 13 Cu, 24,6 Sb, 19,8 S; zuweilen etwas As. Im reinen 
Boumonit niemals Silber ! — V. d. L. leicht zu schwarzer Kugel schmelz- 
bar; Bleibeschlag; der Rückstand mit Soda Kupferkom. 

Wichtiges Blei- und Kupfererz! Auf Gängen neben Blei- und 
Antimonerzen. Neudorf Wolfsberg , Clausthal. Bräunsdorf; Horhausen; 
Pribram; Kapnik; Nagydg; Servoz in Piemont; Gomwall (mehroris, 
z. B. St. Endellion, Liskeard); Pontgibaud und Alais; Mexico; Bolivia; 
Chile; Peru. 

Aebnliche Mineralien neben Fahlerz die sogen. Bleispiessglanze. — Wölchit 
von Wölch und Olsa bei Friesach in Kärnten sind theilweise zersetzte Boumonii- 
krystalle genannt. — Die beiden derben Mineralien Plumbostib und Embrithit 
von Nertschinsk sind möglichenfalls reine Blei-Bournonite 3PbS, SbjS,, obwohl die 
Analysen etwas mehr Pb ergeben; der derbe Guitermanit aus der Zuni-Mine bei 
Silverton in Califomien ebenso vielleicht ein reiner Arsen-Boumonit 8PbS, Ab^,. 

Stylotyp. 3(CuAg)^, S, SbaSa, mit ca. 87o Ag und etwas Fe; bündelartig 



IL Kl. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 331 

groppirte Prismen mit quadratischem Querschnitt. H. = 3, 6. = 4,79. Tief eisen- 
schwarze Farbe und Str. — V. d. L. zur magnetischen Kugel schmelzend. Copiapo, Chile. 

Nadelerz. Patrinit. Aikinit. 3(PbGu2)S, Bi^S, , also die dem Boumonit ent- 
sprechende isomorphe Wismuthverbindung. Rhombisch, holoedrisch. — NadelfÖrmige, 
l&ngs gefurchte und quer geknickte oder gebogene X X ohne deutliche Enden. # nach 
einer Yerticalfl&che. Er. muschlig, spröd. H. = 2V>i 6. = 6,7— 6,8. Mgl., blei- bis 
stablgrau ; oft bunt, namentlich br&unlich angelaufen und mit gelblich-grünem üeber- 
zug. 36 Pb und 11 Cu. — Y. d. L. sehr leicht schmelzbar. Neben Gold auf Quarz- 
gängen im Granit von Beresowsk. 

Lillianit. 3PbS, BigS,. Nur derb bekannt; stahlgrau, enthält etwas Ag. 
Lillian-Mine bei Leadville in Colorado, Vena in Schweden. — Ein Sb-haltiger Lil- 
lianit von Vena in Schweden ist Kobellit genannt. 

Wittichenit. Kupferwismuthglanz. Wismuthkupferblende. SCu^S, Bi^S,. 
Rhombisch. X X tafelförmig, selten. Derb und eingesprengt Br. uneben, f einförmig; 
milde. H. = 2V«, G. = 4,3— 4,5. Bleigrau, Str. schwarz. 38,4 Cu, 42,1 Bi, 19.58; mehr 
Bi rührt von Einmengung her. — Y. d. L. mit Aufschäumen schmelzend, Bi-Beschlag, 
mit Soda Kupferkom. Wittich en im Schwarzwald. 

Gruppe der Bothgültigerze. 

2 isodimorphe Reihen von der Formel 3Ag2S, Sb^S, bezw. SAggS, As,S,. 

RothgQltigreIhe Feaerblendereihe 

hezagonal, ditrigonal-pyramidal. monoklin, holoedrisch. 
SAggS, SbjS,. Antimonsilberblende. Pyrargyrit. Feuerblende. 

SAggS, AsjS^. Arsensilberblende. Proustit. Xanthokon. 

a) RothgQltigreihe. 

Nach früherer Bezeichnungsweise gehören die X X dieser Reihe der Hemi- 
morphie der rhomboedrischen Hemiedrie an, wofQr richtiger Hemimorphie der tri- 
gonalen Hemiedrie zu setzen ist, die X X sind also ditrigonal-pyramidal. — Die 
beiden Glieder der Reihe sind in ihren krystallographischen Yerhältnissen sehr ähnlich, 
dagegen chemisch scharf von einander geschieden. Eine wesentliche Mischung beider 
Substanzen kommt trotz der analogen« Formel nicht vor, vielmehr liegt in den Fällen, 
wo die Analyse einen beträchtlichen Procentsatz von As neben Sb und umgekehrt 
nachweist, nicht isomorphe Mischung, sondern erkennbare Yerwachsung vor. — Auf 
Grund der dunkleren oder lichteren Farbe sind beide Rothgültigerze nicht immer 
sicher zu unterscheiden, wohl aber mit Hülfe ihres Strichpulvers, daneben durch 
den Winkel der trigonalen Pyramide (108* 38' bezw. 107* 480 «nd durch das spec. 
Gewicht. 

Antlmonsilberblende. Dunkles Rothgültig. Pyrargyrit. Ag^ShSa 
= 3AgaS, Sb,S,. 

Hexagonal, ditrigonal-pyramidal. a : c ^= 1: 0J892 (Miebs). — X X 
(St. Andreasberg, Gonderbach, Freiberg etc.), aufgewachsen, flächenreich, 
öfters schön ausgebildet, aber auch verzerrt und schwierig zu deuten. Von 
den zahlreichen Formen (über 80) sind die häufigsten ^) : n = {1120)ooP2 mit 



^) Mit Rücksicht auf die frühere rhomboedrische Auffassung der Krystalle, 
der auch der Habitus entspricht, ist den MiLLBR'schen Indices jedes Mal das alte 
Rhomboedersymbol Naumamt^s zugefügt. 



332 



IL El. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 



Combinationsstreifung nach h; h = {2131)B3 mit lU^ 48' und 105*35', 
mit gleicher Streifung wie auf n; z=^{pil2) — ^%B. mit 137° 55', längs 
gestreift^ l = {2134yi^R3; f={3251)R5;p = llÖli)R mit 108« 38'; 
k = {1010)ooB; q = (1671)-5R''ls; s = (1014)' kB; selten c = i0001)oP 
rauh und drusig. Habitus der Gombinationen ist am häufigsten pris- 
matisch durch Vorwalten von n = (1120)ooP2 oder scheinbar skaleno- 
edrisch bezw. rhomboedrisch (Fig. 354 u. 355) durch den Umstand, dass 



Fig. 354. 



Fig. 355. 



Fig. 856. 



Fig. 357. 






die ditrigonalen und trigonalen Pyramiden an einseitig aufgewachsenen X) 
wie Skalenoeder und Rhomboeder erscheinen , wie auch durch das Auf- 
treten inverser Pyramiden an beiden Enden und durch ErgänzungszwiUinge 
nach n, die rhomboedrische Symmetrie erzeugen. Weit seltener ist aus- 
geprägte Hemimorphie, die sich besonders in der trigonalen Ausbildung 
des Prismas I Art und in der verschiedenen Ausbildung der Polenden, 
und zwar gern so äussert, dass an dem einen Pol neben z stumpfe 
Skalenoeder, an dem anderen Ende spitze Skalenoeder auftreten (Fig. 356). 
— Zw. nach mehreren Gesetzen. 1. Am häufigsten Ergänzungszwillinge 
nach n ^ (1120)ooP2 mit gegenseitiger Durchdringung und Herstellung 
rhomboedrischer Symmetrie. Als Verwachsungsfläche, kenntlich durch 
die hindurchlaufende Zwillingsnaht, dient neben n auch noch p und s 
oder eine unregelmässige Abgrenzung. 2. Häufig nach der trigonalen 
Pyramide s = {1014)^IaR, wobei je 2 Flächen z und deren Polkanten 
in dieselbe Richtung fallen, öfters derart, dass drei Individuen sicli 
cyclisch (bouquetartig) um ein viertes gruppiren (Fig. 357). 3. und 
4. Selten nach p = {1011)R und z = {pll2)-'^\%B, — Derb, einge- 
sprengt, als Anflug und dendritisch auf Haarklüften, in Pseudomor- 
phosen nach Silberglanz. 

# {lÖii)R ziemlich vollk., nach {0112) -^^B unvollk. Br. muschlig 
bis splittrig; etwas spröd. H. =2^/2— 3, Q. = 5,85, wenn As-haltig. 
5,77—5,85. Blendeartiger bis stark metallischer Gl., auch matt; im 
auffallenden Licht dunkelroth bis bleigrau und eisenschwarz; im durch- 
fallenden Licht roth durchscheinend oder undurchsichtig. Str. und Strich- 
pulver kirschroth. 



IL Kl. Sulfide. 8. Abtfa. Sulfosalze. 333 

60 Ag, 22,2 Sb, 17,8 S; gewöhnlich ein wenig As enthaltend. — 
V. d. L. leicht schmelzend, die Kohle weiss beschlagend unter Hinter- 
lassung eines Silberkoms. 

Wichtiges und häufiges Silbererz! Nur auf Gängen, in Gesell- 
schaft anderer Silbermineralien neben Bleiglanz; Kalkspath die gewöhn- 
liche Gangart St Andreasberg; Freiberg; Gonderbach in Westfalen; 
Pribram; Schemnitz, Kremnitz; Hiendelaencina in Spanien. Vielorts in 
Mexico (Zacateca^, Guanaxuato) und Chile (Chanarcillo), in Colorado, 
yvüoda, Arizona etc. 

Wandelt sich in Silbenchwärze und ged. Silber um. — Aehnliche Mineralien 
sind Proustit, Cuprit, Rothkupfer, Miargyrit, Rotheisen und Zinnober. 

Arsensilberblende. Lichtes Rothgültig. Proustit. Ag3AsS3(=3AggSsj.AS,). 

Hezagonal, ditrigonal-pyramidal. a : c = i : 0,8038 (Mikbs). — XX 
(Chanarcillo u. a.) in ihrem Auftreten und Habitus wie beim dunklen 
Rothgültig, doch nicht so flächenreich und ohne deutlich hervortretende 
Hemimorphie. hj=^i2ßl)RS mit J44<> 42' und 105« 21' an den VoX- 
kanten;_n = (i7^ö)c»P^; z^{0112) — ^l%B mit 137« 14'; {022i)-2R\ 
p = (1011)R mit 107<>48'; k = {1010)ooB. Basis mit Sicherheit noch 
nicht beobachtet. Zumeist ditrigonaler Habitus oder skalenoedrisch durch 
{213i)B3, TiVf. wie beim Pyrargyrit. — Derb, eingesprengt, als Anflug 
und dendritisch. 

# {10n)B unrollk., Br. muschlig, etwas spröde. H. =2V2, 
G. = 5,57, wenn Sb-haltig 5,58—5,64. Blendeartiger Diamantgl., halb- 
durchs. bis durchscheinend. Farbe und Str. Scharlach- bis zinnoberroth. 

65,4 Ag, 15,2 As, 19,4 S, zuweilen ein wenig Sb enthaltend. — 
y. d. L. auf Kohle leicht ein Silberkom; Arsengeruch. 

Vorhomme^i wie Pyrargyrit, meist untergeordnet neben demselben 
und seltener. Sehr selten bei St Andreasberg ^); vorherrschend: bei 
Annaberg y Marienberg, Joachimsthal im Erzgebirge; Wittichen im 
Schwarzwald; Markirch in den Vogesen; Chalanches im Dauphine; 
Chanarcillo in Chile, Colorado, Nevada, Arizona. 

b) Feverblenderelhe. Monoklin. 

Feuerbleu de. Pyrostilpnit. AgjSbS, (= SAg^S, SbgSj^). Monokliji, holo- 
edrisch. a:b: 0= 1,9465: 1 : 1,0973. ß = ca. 90® — XX Wein und zart, dünn- 
tafelig nach (OOl)oP, aber zumeist in Zw.; gewöhnlich bfischelig oder zu Rosetten 
gruppirt. # (OOl)oP voUk. H. = 2, G. = 4,2—4,25. Perlmutterartiger Diamantgl., 
durchscheinend; hyacinthroth bis rothbraun. Chem. Zus. wie Pyrargyrit, als dessen 
seltenes Begleitmineral die Feuerblende vorkommt. St. Andreasberg, Wolfach, Frei- 
berg, Pribram, Felsöbänya, Chanarcillo. 

Xanthokon. Rittingerit. Agj AsS, (= 3 Ag^S, As^S,). Monoklin, holoedrisch. 



') Das sogen, lichte Rothgültigerz von St. Andreasberg ist meist Pyrargyrit. 



334 n. Kl. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 

a : b : c = 1,9187 : 1 : 1,0152. ß = 90° 13'. Kleine, im Habitus und Auasehen der 
Feuerbleode ähnliche X X von hexagonalem Habitus. Zw. und # (OOl)oP. H. = 2—3, 
G. = 5,54. Perlmutterartiger Diamantgl. , durchscheinend ; orangegelb bis zinnober- 
roth. Chem. Zus. wie Proustit, denselben begleitend. Selten. Freiberg, Joachims- 
thal, Rudelstadt in Schlesien, Chaharcillo. 

T a p a 1 p i t. Tellurwismuthsilber. AggBi (STe),. Erystallform unbekannt, fein- 
kömig, licht stahlgrau. 6. = 7,80. Grube San Antonio in der Sierra de Tapalpa 
in Mexico. 



Gruppe der Fahlerze. 

Auf Grund der chemischen Zusammensetzung zerfallen die in ihren kiTstallo- 
graphischen und physikalischen Merkmalen durchaus übereinstimmenden und daher 
früher als eine Art betrachteten Fahlerze in mehrere, jedoch wegen ihrer isomorphen 
Mischung nicht scharf getrennte Glieder ; im Besonderen liegt nicht eine solche scharfe 
Trennung vor wie beim Rothgültig zwischen dem Antimon- und dem Arsenfahlerz. 
Sie sind aufgebaut nach der allgemeinen Formel 4 MS, RgS, (M = Cu^, Ag^, Fe, Zd. 
Hg2 ; R = As, Sb, Bi) und lassen sich , wenn man nur den wichtigsten Bestand- 
theil, das Kupfer, berücksichtigt, in der Mehi-zahl als isomorphe Mischung von 

(tcu's Sbl* } »uf^assen. Alle sind wichtige Kupfererze (26— 55«/o Cu), haben ge- 
wöhnlich auch einen wesentlichen Silbergehalt, sehr selten jedoch Blei, das in den 
meisten Fällen von mechanischer Verunreinigung herrührt. — Die Krystallform ist 
ausgezeichnet regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. 

Fahlerz. Tetraedrit. 4CU2S, Sb^Sj, bezw. 4CU2S, AS2S3. 

Regulär, ausgezeichnetes Beispiel der tetraedrischen Hemiedrie. — 
X X (Kapnik und vielorts) oft flächenreich und schön ausgebildet ; Habitus 
gewöhnlich ausgeprägt tetraedrisch, seltener rhombendodekaedrisch (Ten- 
nantit, Schwatzit). P = (111)0, gewöhnlich stark glänzend, öfters 
auch mit Streifung parallel den Kanten; o = {110)ooO; 1 — {211)202 
als Pyramidentetraeder; diese 3 Formen treten wohl allein auf, meist 
aber in Combination , dazu femer noch e = {111) — (oft rauh) : 
f={100)ocOoo; n = {331)30; r = {211) — 202 ; s = {130)od03. Sehr 
selten Ergänzungszw , dagegen sehr häufig Penetrationszw. nach {111)0. 

Fig. 358. Fig. 359. Fig. 360. Fig. 361. 







wodurch nasenartige Vorsprünge auf den Tetraederflächen erzeugt werden. 
Die XX mehrerer Fundorte (Clausthal, Wolfach, Cornwall) tragen zu- 
weilen einen feinkrystallinischen Ueberzug von Kupferkies, seltener von 



IL Kl. Sulfide. 8. Abth. Sulfosalze. 335 

Zinkblende (Eapnik), wobei die Azen der aufsitzenden Eryställchen 
parallel den Axen des Fahlerzes orientirt sind. — Derb, eingesprengt, 
kömig oder dicht. 

# (111)0 sehr unvoUk. und selten wahrnehmbar. Br. muschlig 
bis uneben, spröd. H. = 3-4, G. = 4,36-5,36. Mgl., Oberfläche der 
XX jedoch häufig auch matt, undurchs. Stahlgrau bis eisenschwarz, 
nicht selten bunt angelaufen, durch Eupferkiesüberzug auch messing- 
farben. Str. schwarz, in den Zn-reichen Varietäten röthlichbraun. 

Chem. Zus. mannichfach ; siehe oben und die nachstehenden Varie- 
täten. Im Wesentlichen Eupfererze, jedoch fast immer mit Vertretung 
wechselnder Eupfermengen durch Fe, Ag, Zn, Hg, aber nur selten durch 
Pb. — V. d. L. leicht' zu einer grauen Eugel schmelzend, welche abge- 
röstet auf Cu und Fe reagirt. Von Eönigswasser vollständig zersetzt ; 
sonst chemisches Verhalten je nach der Zusammensetzung verschieden. 

Vorkommen selten fahlbandartig und als Imprägnation des Kupfer- 
Schiefers; am häufigsten auf Gängen in hrystalUnischen Schiefern und 
im paläozoischen Gebirge neben sulfidischen Erzen (Kupferkies y Blende, 
Blei glänz, Boumonit) und Quarz, Spatheisen, Schwerspath als gewöhn- 
lichen Begleitern: Clausthal, Freiberg, Siegen, Dillenburg, Horhauseti, 
Fribram, Brixlegg in Tirol; zu Kapnik auf Gängen in Trachyt; viel- 
orts in Cornwall auf Gängen neben Zinnstein, Kupferkies, Kupferglanz. 
Califomien; Mexico; Chile; Bolivia etc. 

Nach der chem. Zas. lassen sich onterscheiden : 

1. Arsenfahlerz (lichtes Fahlerz). 4(Cu2FeZn)S, AsjSj mit ca. 38— 55> Cu, 
2—8 Fe, 0,9 Zn, 18—20 As, 25—28 S; nur mit Spuren von Sb, frei oder sehr arm 
an Ag und Hg. Gewöhnlich von lichterer Farbe. — Hierher Tennantit, besonders 
kupferreich, Cornwall, Skutterud; Julianit, fast reines Cu-Fahlerz, geringe Härte, 
kleine traubige Krystallgruppen in und auf Kalkspath von Rudelsiadt in Schlesien, 
Kupferblende, Zn-reich (ca. 9^0) von Freiberg. 

2. Antimonfahlerz (dunkles Fahlerz, Schwarzerz). 4(CugAggFeZn)S, Sb^Sj; 
mit ca. 30—38 Cu, 1—4 Fe, 1—4 Zn, 20—29 Sb, 22—25 S und etwas As; häufig 
Ag-haltig (bis zu 32 Vo) und dann wichtiges Silbererz (Silberfahlerz, dunkles Weiss - 
gültigerz, Freibergit. Licht stahlgrau bis eisengrau. Bräunsdorf, Neudorf, Clausthal, 
Wolfach). — Hierher auch das Quecksilber fahlerz (Schwatzit, Spaniolit), bis zu 
17 ®> Hg. Mit Soda sublimirt Hg. Auf Gängen. Kotterbach und Iglö in Ungarn; 
früher bei Schwatz in Tirol, Moschellandsberg ; durch Umwandlung kann sich Zin- 
nober bilden. — Aphtonit ist derbes Silberfahlerz von Wermskog in Wermland. 

3. Antimonarsen fahlerz. Isomorphe Mischung von 1 und 2 in den ver- 
schiedensten Verhältnissen , wobei auch etwas Co und Bi eintreten können. Ag ge- 
wöhnlich nur in geringer Menge. Neben 2 das gewöhnlichste Vorkommen. — Hier- 
her gehört Sandbergerit mit 7Zn, aber ohne Ag. Morococha in Peru. 

Anhangsweise zn den Fahlerzen werden noch einige durch ihren Pb-Gehalt auf- 
fällige oder wegen ihrer derben Beschaffenheit noch zweifelhafte Mineralien gestellt : 

Bleifahlerze: — Lichtes Weissgültigerz, derb, bleigrau, vorwiegend 
Pb-haltig bei fast völligem Mangel von Cu. — Polytelit, desgl. mit Ag, Zn und 



336 n. Kl. Sulfide. 3. Abth. Sulfosalze. 

Fe, Malinowskit mit grösserem Ag-Gehalt; Fredricit mit etwas Zn. — Femer die 
fahlbandartig auftretenden Schweizer Mineralien Studerit und A n n i v i t , Ton denen 
letzterer auch Bi als Vertreter von Sb enthält. Im Falkenhaynit von Joachiots- 
thal ist ebenfalls Bi vorhanden, während im Rionit von Cremenz in der Schweiz 
ein Bi'h altiges Arsenfahlerz vorzuliegen scheint. — Fournetit und Glayit sind 
wahrscheinlich Gemenge von Fahlerz mit anderen Mineralien. 

J r d a n i t. Pb^ As^S^ (= 4SbS, AsjS^). Monoklin. ß = 90 ^ 38'. In Folge von 
Zwillingsbau nach (llO)ooP hezagonaler Habitus mit zahlreichen Pyramiden neben 
vorherrschender Basis. # (OlO)ooPoö voUk. Dunkel bleigrau. Str. schwarz. Selten, 
zusammen mit dem sehr ähnlichen Binnit und Dufrenoysit, aber durch Strich unter- 
schieden, im Dolomit des Binnenthals. Nagyäg. 

Meneghinit. Pb^SbaS^ (= 4 PbS, Sb jSg). Angeblich rhombisch, aber wahr- 
scheinlich isomorph mit Jordanit. Längsgestreifte Nadeln, faserig und derb; dem 
Antimonglanz ähnlich. Starker Mgl., bleigrau. Im Smirgel zu Schwarzenberg in 
Sachsen; Goldkronach; Bottino in Toscana, Marble Lake in Ontario. 



Stephanit. Sprödglaserz, Melanglanz, Schwarzgültig z. Th. AgsSbS^ 

= 5Ag,S,SbsS3. 

Rhombisch, holoedrisch. a:b : c = 0,6291 : 1 : 0,6851 (Haidingkb). 
— XX niit hexagonalem Habitus, dick tafelig oder prismatisch, oft rosetten- 
oder treppenartig gruppirt; sehr formenreich, o = (110)ooP mit 115^ 39'; 
c = (001)oP; p = i010)ooPd6; P={111)P mit ISO^ 16' vom und 140« 
20' Mittelk.; i = {021)2P^\ a = {112y\tP\ n = (100)cyoPöö. Die Com- 
binationen und Zw. erinnern an Kupferglanz. Zw. sehr häufig nach (110)oc?, 
gewöhnlich zu Drillingen verbunden wie am Aragonit oder sich vielfach 
wiederholend. — Derb, eingesprengt, als Anflug. 

Deutliche # fehlt. Br. muschlig bis uneben; milde (dennoch 
Sprödglaserz oder Röschgewächs im Gegensatz zu dem geschmeidigen 
Silberglanz, dem Weichgewächs). H. = 2-2^2, G. = 6,2-6,3. MgL 
bleigrau bis eisenschwarz; durch Anlaufen mattschwarz, selten bunt. 
Str. schwarz, glänzend. 

68,5 Ag, 15,2 Sb, 16,3 Sb, etwas isomorphes As, Fe und Cu. — 
V. d. L. decrepitirend , Sb-Beschlag und dunkelgraue Kugel liefernd, 
welche mit Soda ein Silberkom giebt. Von heisser verdünnter Salpeter- 
säure unter Abscheidung von S und Sb^Og gelöst. 

Wichtiges Silbererz! Neben anderen Silbermineralien auf Silber- 
erzgängen, z.B. Erzgebirge (Freiberg, Joachimsthal etc.); St. Andre^iS' 
berg; Wolf ach; Pribram; Schemnitz, Kremnitz, Gomstocklode ; Zacatecos. 
Peru etc. 

Aehnliche Mineralien cfr. Kupferglanz. 

Geokronit. Pb^SbjSg. Rhombisch. Wahrscheinlich isomorph mit Stephanit 
X X sebr selten ; meist derb ; # prismatisch , Br. muschlig. Mild. H. = 2—3, 
G. = 6,43— 6,54. Licht bleigrau, schwarz anlaufend. Sala; Meredo in Galicien 
(Spanien), Pietrosanto in Toscana. Damit wahrscheinlich identisch ist Kilbrickenit, 
dessen Formel zu PbgSbgSg (= 6 PbS, SbjSj) angegeben worden ist Derb, kömig 
blätterige bis dichte Massen. H. = 2— 2Vt, G. = 6,4. Bleigrau. Kübricken in Irland. 



IL Kl. Sulfide. 3. Abth. SulfoBalze. 337 

Beegerit. Pb^BigS,. Regulär. XX sehr klein, (111)0, (lOO)ooOoo, pris- 
matisch verlängert. Derb # (lOO)ooOoo vollk.; G. = 7,273. Starker Mgl., dunkel- 
bleigrau. Löst sich schnell in heisser Salzsäure. Baltic-lode, Park Co, Colorado. 



Polybasit Eugenglanz. Mildglanzerz. (AgCu)9SbSg [= 9(Ag2Cu2)S,Sb2S]3. 

Monoklin, holoedrisch, aber mit durchaus rhombischen Winkeln, 
ß = 90« 0'. a:hic = 1,7309 : 1 : 1,5796 (Penpield). — XX mit aus- 
geprägt hexagonalem Habitus; sechsseitige Tafeln nach (001)oP, die 
durch das Auftreten randlicher und sich wiederholender Flächen eine 
charakteristische Dreiecksstreifung erlangen. (110)ooP mit 119« 58'. — 
Derb und eingesprengt. 

# (ÖÖi)oP unvollk., Br. uneben; mild. H. = 2-2V«, G. = 6-6,25. 
Mgl., eisenschwarz, in dttnner Schicht roth durchscheinend, Str. schwarz. 

Chem. Zus. wechselnd, z. Th. durch isomorphe Beimischung eines 
Arsenpolybasits, der auch selbständig alsPearcit vorkommt. 64 — 72 Ag, 
3-10 Cu, 16— 17S, 0,25— 11 Sb und 0—7 As; auch etwas Fe. ~ 
y. d. L. decrepitirend und sehr leicht schmelzbar; giebt eine metallische 
Kugel, die mit Phosphorsalz auf Cu reagirt und mit Blei abgetrieben ein 
Silberkom liefert. 

Auf Silbererzgängen neben anderen Ag-Mineralien. Freiberg: St. An- 
dreasberg; Pribram; Sche^nnitz: CornstocJc-lode in Nevada; Arizona, 
Mexico; Tres Puntos in Chile, 

Aehnliche Mineralien cfr. Kupferglanz. 

Polyargyrit. Agg^Sb^Sis (= 12Ag2S, Sb^). Regulär. X X sehr klein und 
verzerrte Combinationen von (111)0, (lOO)ooOoo, (110)ooO. — # (lOO)ooOoo. Ge- 
schmeidig. H. = 2\/2, G. = 6,974. Dunkelbleigrau bis eisenschwarz. 78®|o Ag. Schmilzt 
leicht zur schwarzen Kugel, die ein Silberkom liefert. Wolfach im Schwarzwald. 

c) Snlfarseniate nnd Snlfantimoniate. 

Die wenigen hierher gehörigen Mineralien leiten sich von der normalen Sulf- 
arsen- bezw. Sulfantimonsäure AsS,3HS und SbS,3HS, entsprechend den Säure- 
anhydriden AsjSä und SbjSs, ab. 

Enargitgruppe. 

Enargit. CugAsS^ (= 3CusS, As,S.). 

Rhombisch, holoedrisch, a : b : c = 0,8711 : 1 : 0,8248 (Daubbb). — 
X X gewöhnlich nach der Verticalaxe gestreckt und parallel derselben grob 
gestreift. {110)ooP m\i 97<^ 53', {p01)oP, {100)ooPöö, {010)ooPd6; dazu 
(0H)P&6 mit 100^ 58'. Durchkreuzungszw. zuweilen nach (320)ooP^:2 
nach Art des Alexandrits. — Gewöhnlich derb, in kömigen, strahligen 
bis späthigen, zuweilen an Zinkblende erinnernden Aggregaten, auch fein- 
kömig. 

Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 22 



338 n. KL Sulfide. 3. Abth. Sulfoaalze. 

# (110)ooP ausgezeichnet, ausserdem noch nach den 3 Pinakoiden 
weniger deutlich ; spröde. H. = 3, G. = 4,86—4,47. Blendeartiger, nicht 
ganz vollkommener Mgl., stahlgrau bis eisenschwarz; Str. schwarz. 

48,3 Cu, 19,1 As, 32,6 S mit etwas Fe und Zn statt Cu und etwas 
Sb statt As. — V. d. L. As-Qeruch und auf Kohle mit Soda Kupfer- 
kom; in Salpetersäure unter Abscheidung von S löslich. 

Auf Gängen. In Europa selten, bei Farcid in Ungarn, Brixlegg 
in Tirol, In Amerika (Colorado) stellemveise in Menge und ein tdch- 
tiges Kupfererz bildend, das sich vom Westen der Ver. Stauten über Mexico, 
NeU'Granada und Peru bis nach Chile verfolgen lässt; ebenso wird 
es auch noch in Argentinien wichtig. In Masse von Morococha in Peru, 
Cerro de Mejicana und Las Capillitas in Argentinien. An letzteren 
Orten auch schöne XX- Ausserdem bei Mancayan auf Luzon. 

In den XX» ^^^ ^^ strahligen Partien Aehnlichkeit mit in P^rolusit umge- 
wandeltem Manganit, in späthigen Aggregaten mit dunkler Blende. 

Luzonit, genau wie Enargit zusammengesetzt, aber physikalisch yerschieden; 
die Substanz ist demnach dimorph. Krystallform unbekannt. Derb, feinkörnig, ohne 
Andeutung von #, röthlich stahlgrau; schwarzer Str. H. = dV<> 0- = 4,42. Mancayan 
auf Luzon. Neben Enargit und Famatinit von der Sierra de Famatina in Argentinien. 

Glarit, ebenfalls wie Enargit zusammengesetzt, soll aber monoklin sein, ist 
aber wohl damit identisch. In bleigrauen Nadeln büschelartig in Schwerspathtafeln 
der Grube Clara bei Schapbach eingewachsen. Vollkommen # nach einer Riclitong. 
H. = 3Vs, G. = 4,46. Str. schwarz. 

Famatinit. GujSbS^ (= SCugS, SbgSJ, also das dem Enargit entsprechende 
Sulfantimoniat. Nach Vom Rath isomorph mit Enargit, aber da er im Aasseben 
(röthlich stahlgraue Farbe und Mangel an # etc.) dem Luzonit völlig gleicht, so 
ist diese Isomorphie fraglich. G. = 4,57. Enthält isomorph beigemengtes As bis zu 
97«. Sierra de Famatina. 

Su Ivan it. CujVaSi (=3CuaS, VajSJ. Wahrscheinlich rhombisch und iso- 
morph mit Enargit. Spaltet nach 3 Richtungen, spröd. H. = 3V«. Cr. = 8,99—4,03. 
Mgl., hellbroncegelb, läuft rasch dunkel stahlgrau an. Str. schwarz. Primäres Va- 
nadin-Mineral von der Burra-Burra-Eupfergrube in Südaustralien. 

Epiboulangerit. PbaSbgSe (= 3PbS, SbjSJ, also chemisch ein Blei-Famatinit; 
in nadeiförmigen, dem Antimonit ähnlichen Aggregaten mit pinakoidaler #. Alten- 
berg in Schlesien. 

Epigenit. (Cu2)^Fe3S7, As^S^ (?). Rhombisch. XX Wein, kurz, säulen- 
förmig. (llO)ooP (HO® 50'). Br. kömig, H. = 3V2. Stahlgrau, schwarz und blau an- 
laufend. Str. schwarz. Auf Baryt aufsitzend von der Grube NeuglQck bei Wittichcn. 

d) Snlfostannate und Germanate. 

Sulfosalze der Säureanhydride SnSs und GeS^,. 

Zinnkies« Stannin. CugFeSoS^. 

Regulär, tetraedrisch-hemiedrisch. — XX sehr selten (Potosi), klein, 
bilden zierliche Tetraeder, durchweg nur derb und eingesprengt in fein- 
kömigen bis dichten Aggregaten. 



IL Kl. Sulfide. 3. Abth. Salfosalze. 339 

Br. uneben; spröd. H. = 4, Q. = 4,3— 4,5. Mgl., stahlgrau ins 
Speisgelbe. Str. schwarz. 

29,6 Cu, 13 Fe, 27,6 Sn, 29,8 S, doch wird durch fein eingesprengten 
Kupferkies und andere Mineralien die Zusammensetzung des derben Erzes 
nicht unwesentlich abgeändert. — Y. d. L. auf Kohle schwer schmelzend, 
weisser Sn-Beschlag; abgeröstet Metallkorn. Durch Salpetersäure unter 
Abscheidung von SnO^ und S aufgelöst. 

Selten y auf Zinnerzgängen, Zinnwald. ComwalL Guanuni und 
Potosi in Bolivien, 

Aehnlich: FahlerzkryBtalle und derber Araenkies. — Plumbostannit wahr- 
scbeiiilich nur ein Gemenge mit einem Bleispiessglanz , Moho in Peru; Cupro- 
kassiterit ein ozydisch Terwitterier Zinnkies. 

Argyrodit, Plusinglanz. Ag^GeS^. Regulär, holoedrisch. X X se^r klein, 
zu warzigen Gruppen dicht vereint. (111)0 oder (111)0 mit (110)3oO. Derbe Ag- 
gregate von nieriger Form. Ohne #, spröd ins Milde. H. = 2V>i G. = 6,26. Mgl., 
stahlgrau, auf frischem Br. ins Röthliche. 76,5 Ag, 6,5 Ge, 17 S. Schwarzes 
Sublimat in einseitiger Glasröhre; auf Kohle schmelzend und einen weissen, später 
gelben Beschlag liefernd. Auf Markasit der Grube Himmelsfürst bei Freiberg, femer 
die im Habitus etwas abweichenden, eisenschwarzen Vorkommen von Guanuni und 
Potosi in Bolivien. 

Canfieldit. Ag9(SnGe)Se, also ein Sn -haltiger Argyrodit mit 74 Ag, 7 Sn 
und 1,8 Ge; dem Argyrodit auch sonst gleichend. Regulär, holoedrisch. La Paz in 
Bolivien. 

Anhangsweise reihen sich hier noch 2 Mineralien an, die Verbindungen von 
Sulfostannaten mit Sulfantimoniten darstellen: 

Franckeit, Llicteria. 5PbS, 2SnSj, Sb^S,, etwas Ge-haltig, Kiystallform (?), 
in kleinen Tafeln oder radialstrahligen bis blätterigen Kügelchen. Milde; schwärz- 
lich bleigrau. Auf den Blei- Zinngängen von Chocaya und selten auf den Silbererz- 
gängen von Aullagas in Bolivien. 

Kylindrit. 6PbS, 6SnSg, Bh.ß^. Krystallform (?), in charakteristischen 
cylindrischen , schalig aufgebauten Aggregaten von dunkelbleigrauer Farbe und 
starkem Mgl. Mina Santa Cruz in der Provinz Poopö in Bolivien. 



IIL Klasse. Oxyde. 

Sauersto f f y erbindungen. 

In dieser Klasse sind alle diejenigen Mineralien aufgeführt, die ihrer chemi- 
schen Constitution nach Verbindungen 

1. der Elemente mit Sauerstoff allein (einfache Oxyde), oder 

2. Oxyde mit Hydroxylgruppen resp. Wasser (Hydroxyde) 
darstellen. 

Nach ihrer chemischen Rolle sind unter diesen Oxyden Oxy säuren und Oxy- 
basen, häufiger noch deren Anhydride und auch einige, möglichenfalls als Oxysalze 
zu deutende Verbindungen begriffen. 

1. Abtheilung. Einfache Oxyde. 

(Anhydride von Oxysäuren und Basen.) 

Eis. (Wasser.) HgO. 

Hexagonal, rhomboedrisch. — Sechsseitige Tafeln, Nadeln, Krystall- 
skelete und Zwillingsbildungen. Als Schneeflocken und Reif meist sechs-, 
selten vierstrahlig ; körnig als Qräupel, Hagel und Firn; in compacten 
Schichten und Krusten als Eis der Seen und Flüsse, sowie als Gletscher- 
eis; als Wasser bei Temperaturen über 0°. Homogen und in körnigen, 
faserigen und stengligen Aggregaten. Stalaktiten (Eiszapfen) und den- 
dritisch als Eisblumen. 

Keine ausgesprochene #. Spröde, durch Druck plastisch. Br. 
muschlig. H. = IV«, ö. = 0,9175. Glasgl. Farblos, in dicker Schicht 
bläulich oder grünlich. Homogene Eisplatten zeigen das Interferenz- 
bild optisch einaxiger XX- 

. Vorkommen bekannt, 

Arsenit-Valentinitgruppe. 

Isoditnorpbe Sesquioxyde von As und Sb, wahrscheinlich auch von Bi. 

Arsenitreihe Valentlnltrelbe 

(regulär). (rhombisch, bezw. monoklin). 
AsoOa Arsenit Claudetit 

SbgO, Senarmontit. Valentinit. 



IIL Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 341 

a) Arsenitrelhe. Regalär, holoedrisch. 
Arsenit. Arsenikblüthe. Arsenolith. ASjOg. 

Regulär, holoedrisch. — Künstliche > X bilden Oktaeder; in der 
Natur nur als weisser, mehliger oder haarförmiger Ueberzug und Anflug 
auf verwitternden As-Erzen. 

# {111)0. H. = 1 V», G. = 3,69-3,72. Farblos und weiss, matt 
oder seidenglänzeud ; durchscheinend. 

75,78 As; sublimirt bei 220®, ohne zu schmelzen, und geht dabei 
in amorphes weisses Arsenikglas über, das sich beim Liegen in ein 
porcellanartiges kryptokrystallines Aggregat umwandelt. — Auf Kohle 
V. d. L. As-Geruch ; löslich in Salzsäure. 

Venvitterungsproduct, namentlich des Arsenkieses und SpeisJcobaUs. 
St. Andreasberg, Joachimsthal, Markirch etc. 

Wird beim Rösten von As-Erzen als Nebenproduct (Hüttenrauch, Giftmehl) 
gewonnen. 

Senarmontlt. Sb^O^. 

Regulär, holoedrisch. — XX (Sansa) z. Th. schön oktaedrisch aus- 
gebildet, wenn auch öfters mit gekrümmten Flächen. Derb, körnig, dicht. 

# (111)0 unvoUk. ; Br. muschlig bis uneben ; wenig spröd. H. = 2 
bis 2^/2, G. = 5,22— 5,30. Ausgezeichneter Diamant- und Fettgl. Farb- 
los, weiss und grau; durchs, bis durchschein. Abnormes opt. Verhalten, 
künstlich sublimirte XX jedoch normal. 

83,32 Sb. — V. d. L. Sb-Reaction, sublimirt vollständig; in Salz- 
säure löslich. 

Sansa in Constantine (Algier); Pemek in Ungarn; Southam in 
Canada; Sardinien. 

Aehnlich: Bleivitriol. 

b) Valentlnltreihe. Rhombisch, bezw. monoklin. 
Talentinit. Antimonblüthe. Weissspiessglanz. SbgO.. 

Rhombisch , holoedrisch. a:b :c == 0,3914 : 1 : 0,3367 (^Laspbybes). 
— XX einzeln oder zu strahligen und fächerigen Büscheln vereinigt; 
entweder prismatisch nach der Längs-, seltener nach der Verticalaxe 
gestreckt oder tafelig nach {010)ooPo6. Neben {110)ooP (137« 15' im 
Mittel), {054)^l4.Po6 (1340 22') und {010)ooP^ noch mehrere Brachydomen, 
auch {100)cx>Pöö, (101)Pöö etc. — Derb, in stengligen, faserigen, körnigen, 
zelligen Aggregaten; in Pseudomorphosen nach Antimon, Antimonglanz 
und Antimonblende. 

# {010)ooPo6 sehr vollkommen, mild, zerbrechlich. H. = 2^2— 3, 
G. = 5,6. Diamantgl. , auf Spaltflächen Perlmgl. , weisslich, asch- und 



344 in. Kl. Oxjde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

Für die Unterscheidung in rechte und linke Quarze hat man somit zan&chat 
eine Fläche des positiven Rhomboeders p aufzusuchen. Dieselbe wird am siebersten 
an der Streifung der Rhombenfläche s, falls diese vorhanden ist, erkannt, da diese 
Streif ung stets parallel der Combinationskante mit ^ verläuft; sonst kommt noch in 
Betracht, dass p manchmal glänzender ausgebildet ist als das negative Rhombo- 
eder z und ferner, dass die vorhandenen Trapezflächen vorzugsweise unter p, weit 
seltener unter z auftreten. Im Falle holohexagonaler Ausbildung bedarf es zur Ent- 
scheidung der optischen Untersuchung oder der Aetzfiguren. 

Zwillinge überaus häufig, bei den edlen Varietäten vorwiegend; 
aber da die wichtigsten Gesetze Ergänzungszw. liefern, bei denen die 
Individuen mit unregelmässiger Zwillingsnaht in und durch einander ge- 
wachsen sind und Rhomboeder- wie Prismenflächen zusammenfallen, so 
erscheinen solche Zw. auf den ersten Blick wie einfache XX» zu deren 
Erkennung als Zw. entweder die Ausbildung von +-R und — ü mit 
glänzenden, bezw. matten Flächen oder die Anordnung der Trapez- 
flächen herangezogen werden muss oder gar optische und pyroelektrische 
resp. Aetzversuche nothwendig werden. 

1. Dauphin^ er Gesetz. — 2 Individuen gleichen Drehungssinnes, 
also 2 congruente Individuen durchdringen sich symmetrisch zu einer 
Fläche des Prismas I Art, derart dass die positiven Rhomboederflachen 
des einen mit den negativen des anderen und ebenso die Prismenflächen 
zusammenfallen. Dadurch wird die Symmetrie der trapezoedrischen Hemi- 
edrie erworben. In Fig. 364 sind 2 linke, in Fig. 365 2 rechte Quarze 
mit einander verwachsen. Dieses Gesetz findet sich namentlich an den 
Bergkrystallen der Alpen und des Dauphine. 

2. Brasilianer Gesetz. — 2 Individuen verschiedener Drehung, 
also 2 enantiomorphe Individuen durchdringen sich nach einer Fläche 
des trigonalen Prismas {1120)ooP2^ wodurch die positiven Rhomboeder 
beider unter sich, wie auch die negativen Rhomboederflachen zusammen- 
fallen und die Symmetrie der rhomboedrischen Hemiedrie wieder her- 
gestellt wird (Fig. 366). Oft bauen sich derartige Zw. aus zahlreichen 
rechten und linken, parallel der -f-lJ-Fläche gelagerten Lamellen auf und 
erzeugen Fiederstreifung. Brasilianer Zw. sind charakteristisch f&r den 
Amethyst, der zum grossen Theil aus Brasilien stammt; sie finden sich 
auch an den Schillerquarzen vom Weisselberg bei St Wendel etc. 

3. Enantiomorphe Individuen verwachsen symmetrisch nach dem 
Prisma I Art und zugleich nach der Basis und erlangen dadurch die 
Symmetrie der trigonalen Hemiedrie. 

4. Vorstehende 3 Gesetze finden sich vereint in den nicht seltenen 
Vierlingen, die aus 2 linken und 2 rechten Individuen aufgebaut durch 
ihre symmetrische Durchdringung die Symmetrie der hexagonalen Holo- 
edrie aufweisen. 

5. Ausser Ergänzungszw. kommen, wenn auch weit seltener. Zw. 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 345 

mit geneigten Axen vor, und zwar nach {11:22)P2^ wobei die Vertical- 
axen unter 84^ 33^ gegen einander geneigt sind. 

Eine eigenthümliche Art der Verwachsung, die nichts mit Zwillings- 
bildung zu thun hat, zeigt sich öfters an manchen windschief ver- 
bogenen und gedrehten alpinen Rauchquarzen. Es handelt sich dabei im 
Grunde um die Parallelverwachsung einer Anzahl Individuen in der Rich- 
tung einer der Horizontalaxen , doch liegen die an einander stossenden 
' X nicht genau parallel, sondern ihre Verticalaxen sind stets im selben 
Sinn etwas geneigt und erzeugen dadurch die Drehung. 

Die > < zeigen oft sehr ungleichmässige Flächenausdehnung und 
Verzerrung, wobei dann die horizontale Streifung der Prismenfl'äche zur 
Orientirung dient. Vielfach umschliessen sie auch andere Mineralien 
(Rutil, Chlorit, Epidot, Asbest, Eisenglanz etc.), ferner enthalten sie 
Flüssigkeits- und GaseinschlUsse. Sie erscheinen in Gruppen und Drusen 
oder sind einzeln ein- und aufgewachsen. — Die Aggregate sind kömig, 
dicht, stenglig und faserig. Pseudomorphosen nach vielen Mineralien. 

# nach (101i)R nur selten ebenfl'ächig und deutlich, zumeist un- 
deutlich und nicht wahrnehmbar. Br. muschlig und splittrig; spröde. 
H. = 7, G. = 2,5-2,8 (Bergkrystall 2,65-2,66). Farblos und mannich- 
fach gefärbt; durchs., trQbe und undurchs. Glasgl., auf den Bruchflächen 
des gemeinen Qu. stark fettartig. D.-Br. positiv, schwach. Für Linie D 
ist a>= 1,54418, s = 1,55328. Circularpolarisirend (cfr. S. 196). Daher 
Platte senkrecht zur opt. Aze zwischen irgendwie gekreuzten Nicola niemals dunkel, 
sondern farbig oder bei geringer Dicke (unter 0,05 mm) gran erscheinend. Bei 
R e c h 1 8 quarzen ändert sich durch R e c h t s drehung des Analysators die Farbe in 
der Reihenfolge der Brechbarkeit, also von Roth über Gelb nach Violett; bei Links- 
quarzen durch Rechts drehung des Analysators die Farbe von Violett über Gelb 
nach Roth. In Folge von Zwillingsbau die AiRy'sche Spirale und opt. Anomalien. — 
Polare PyroelektriciiÄt in der Richtung der Horizontalaxen; durch Reiben 
positiv elektrisch. 

46,73 Si, 53,27 0; durch Beimengungen verunreinigt und gefärbt; 
verwachsen mit Rutilnadeln, Asbest, Eisenglanzschuppen etc. Von Säuren 
nur durch Flusssäure angegriffen und gelöst; von Kalilauge wenig an- 
gegriffen. 

Wird an intensiver und extensiver Verbreitung von keinem Mineral 
ühertroffeyi. Tritt für sich gesteinsbildend in allen Formationeyi auf; 
erscheint als Gemengtheil von Eruptiv- und Sedimentärgesteinen und vor- 
herrschend oder untergeordnet auf Mineral- und Erzgängen, sowie auf 
Mandelräumen massiger Gesteine. Ausserdem lose als Sand und Geröll. 
Vielfach in Pseudomorphosen nach den verschiedensten Mineralien und 
als Versteinerungsmedium. Ist seiner Genesis nach bald primär ^ bald 
secundär und entsteht sowohl aus dem Schmelzflüsse wie aus wässeriger 
lJ>sung und als Sublimatimisproduct. 



346 in. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

Die Darstellung des Quarzes gelang auf künstlichem Wege. — Aehnlich können 
unter Umständen sein: Cordierit, Apatit, Nephelin, Phenakit, Spinell, Beryll, Topas, 
Korund und Diamant. 

Nach morphologischen und structurellen Besonderheiten, femer nach solchen 
der Farbe und des geologischen Vorkommens wird eine ganze Reihe, im Aeusseren 
oft sehr abweichender Varietäten unterschieden: 

I. Ph&nerokrystallme Varietäten. Quarz im engem Sina. 

Wohl auskrystallisirte oder deutlich als krystalline Aggregate erkennbare 
Quarze. Von Kalilauge wenig angegriffen. 

1. Bergkrystall. Klare, oft schön und vollkommen auskiyst^Uisirte Quane, 
gewöhnlich mit rhomboedrischer, häufig auch mit tetartoedrischer Ausbildung; zuweilen 
viele Centner schwer; auf Bruchflächen eher Glasgl. als Fettgl. ; farblos und gefärbt 
als Rauchquarz oder Rauchtopas mit rauchbrauner Farbe, die beim Glühen 
verschwindet; als Morien, wenn braunschwarz bis pechschwarz, alsGitrin, wenn 
gelb (vielfach durch Glühen aus Amethyst künstlich hergestellt). Verwendung als 
Halbedelstein und zu optischen Gegenständen. — Auf Klüften und Drusenräumen 
(Krystallkeller), namentlich in krystallinischen Schiefem und Graniten, eingewachseo 
in körnigen Kalken. Alpen: St. Gotthard, Pfitsch, in Tirol, Bourg d^Oisans' im 
Dauphin^. Hirschberg und Järischau. Baveno, Elba. Ural, Ceylon, Madagaskar. 
Kleine wasserklare und rundum ausgebildete X X ^^s ^^°^ Marmor von Carrara, sowie 
aus dem Sandstein von Herkimer in New-York. Lose im Flusssand: Marmaroscher 
Diamanten, Rheinkiesel. 

2. Amethyst. Derbstrahlig und stenglig, in Pyramiden auslaufend; auf den 
Verwachsungsflächen meist festungsartig gestreift; zu Drusen verbunden. Optisch 
charakterisirt durch lagenartigen Aufbau aus rechtem und linkem Quarz. In den 
reinen und zu Schmucksteinen verwendeten Vorkommnissen violett und durchsichtig, 
sonst auch wohl ungleich gefUrbt, pflaumenblau, nelkenbraun, g^ünlichweiss. Vor- 
kommen ausgezeichnet auf Mandelräumen (Achatmandeln), namentlich des Melaphyrs: 
Oberstein, Ilfeld, Kosakow in Böhmen; auf Gängen und Klüften in krystallinischen 
Schiefern und im Granit : Zillerthal (Scepterquarze), Mursinsk. Auf Erzgängen : Schein- 
nitz, Guanajuato. Als Geschiebe: Spanien, Ceylon, Brasilien. 

3. GemeinerQuarz. Holohexagonaler Habitus der Combination -f i?, — i?, ooB, 
nur auf Zinnsteingängen mit Trapezflächen. X X ^^U' ^^^ aufgewachsen. Durchs., 
häufiger trübe; mit ausgesprochenem Fettgl. auf dem Br. Derb, eingesprengt und 
lose. Vork. sehr mannichfach. Als Gemengtheil von Emptivgesteinen : Granit, Quarz- 
porphyr (Stoiberger Diamanten), Quarztrachyt; von krystallinischen Schiefem : Gneiss, 
Glimmerschiefer etc.; femer als alleiniger oder vorherrschender Gemengtheil vieler 
Sedimentgesteine: Qaarzit, Sandstein. Auf selbständigen Gängen und als wesent- 
liches Gangmineral der meisten Erz- und Mineralgänge. Als Geschiebe in vielen 
Conglomeraten und lose, namentlich als Sand jüngerer Formationen, des Meeres, der 
Seen und der Flüsse. In Pseudomorphosen nach zahlreichen Mineralien, nach Fluss- 
spath, Kalkspath, Baryt etc. 

Bei der Mannichfaltigkeit des Aussehens und des Vorkommens wird beim ge- 
meinen Quarz noch weiter eine grosse Zahl Varietäten unterschieden, und zwar: 

a) nach dem geologischen Vorkommen. 

Eruptivquarz, Gemengtheil der Eruptivgesteine, nach Form, Färbung und 
Einschlüssen oft verschieden, je nachdem er in Tiefen- oder in Ergussgesteinen auf- 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 347 

tritt. — Lagerquarz, derbe Aggregate von bald ausgezeichnet fettglänzendem, 
bald mehr glasigem Br. ; bei kleinkörniger Structur auch matt. Weiss, grau, bläulich. 
In selbständigen Linsen und Lagern, oft mit Erzen (Gold, Kiese), imprägnirt in kry- 
stallinen und paläozoischen Schiefem. — Gangquarz, der Quarz der Erz- und 
MineralgäDge; derb oder auskrystallisirt, in seiner Beschaffenheit öfters verschieden, 
je nachdem er auf sulfidischen Erzgängen oder neben Zinnstein oder neben Garbo- 
naten auftritt, meist stark ausgesprochener Fettgl. 

b) nach der Structur. 

Kappenquarz, Schlaggenwald. — Festungsquarz, Clausthal. — Babylon- 
quarZf treppenartig aufgebaut. Beeralstone in Devonshire. Faserquarz, wenn 
feinfaserig, wohl nur Pseudomorphosen nach Gyps, Galcit. Hierher das Katzen- 
&Qgo» grünlichgrau, Quarz pseudomorph nach und z. Th. noch erfüllt mit Asbest. 
Ceylon, Treseburg, Fichtelgebirge, und das Tigerauge, braun bis blau, dünn- 
plattige Schichten bildend, am Cap, ist Quarz pseudomorph nach Krokydolith. — 
Sternquarz, radial strahlig. Starkenbach in Böhmen, — Zellquarz, zellig, 
zerhackt, meist in Folge von Pseudomorphosenbildung oder partieller Auslaugung: 
St. Andreasberg etc. 

c) nach der Farbe. 

Eisenkiesel, durch Eisen gelb, roth oder braun, vielfach wohl auskrystalli- 
sirter Quarz. Roth von Oviedo in Asturien (Hyacinthen von Compostela), in Gyps 
eingewachsen; ockergelb aus Eisenerzgängen von Sundwig bei Iserlohn. Derb auf 
vielen Eisenerzlagern, Harz, Nassau. — Rosenquarz, licht rosaroth; derb, aus 
Granit von Zwiesel; Katharinenburg. — Sapphirquarz (Siderit), bläulich in manchen 
skandinavischen Graniten und anderswo ; tiefblau in Adern des körnigen Gypses von 
Mooseck bei Golling in Salzburg. — Prasem, krystallisirt oder derb, lauchgrün, 
weil innig mit Strahlstein durchzogen. Breitenbrunn in Sachsen. — Milchquarz, 
rein weiss, derb, vielfach auf Erzgängen, als Bestandtheil von Conglomeraten und 
von tertiären Gerollen und Sauden. — Aventurin, bräunlich roth, flimmernd in 
Folge vieler eingelagerter Glimmerblättchen oder Haarrisse. Derb, als Lager im 
Glimmerschiefer von Miask, als Geschiebe von Mariazell in Steiermark, in Spanien 
und Aegypten. 

II. Krjrptokrystalline Varietäten. Qnarzin. 

Yöllig dicht und homogen erscheinende Aggregate, die sich unter dem Mikro- 
skop als aus feinsten Fasern zusammengesetzt und im polarisirten Licht anscheinend 
als optisch zweiaxig erweisen; daher auch für triklin und für ein vom Quarz ver- 
schiedenes Mineral angesehen. Auch der Brechungsindez n = 1,587 (roth) ist ver- 
schieden vom Quarz. Häufig durchtränkt mit Opalsubstanz, sodass bei manchen 
Varietäten eine scharfe Abgrenzung gegen Opal nicht möglich ist. Br. splittrig bis 
ausgezeichnet muschlig; auf demselben wachsartig schimmernd. Werden von Kali- 
lauge weit leichter gelöst als der grobkrystalline Quarz. Man unterscheidet im 
Einzelnen : 

1. Chalcedon, durchscheinende oder schön geerbte Varietäten, die bei 
freier Ausbildung traubige oder glaskopfartige Oberfläche erlangen. Derb und in 
ausgezeichneten Pseudomorphosen nach Datolith (sogen. Haytorit von Haytor in 
Devonshire), nach Flussspath (schöne Würfel von Trestyan in Siebenbürgen). Hierher 
gehören der gelblich- bis blutrothe Carneol, besonders schön aus Arabien und 
Indien, Chrysopras (durch NiO apfelgrün gefUrbt, in Serpentin von Kosemitz in 



348 ni. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

Schlesien), S arder (braun, blutroth darchschein.) , Mokkastein oder Moosacfaat 
(dendriteD artige Einschlüsse von Mangan- oder Eisenhydroxyd enthaltend) und der 
lagenartig aufgebaute Achat, sehr dünne durchscheinende Lagen von verschieden 
gefärbtem und struirtem Quarz, die Innenwände von Melaphyr- etc-Mandeln er- 
füllend. Sind die Lagen dicker und zum Cameenschnitt geeignet, so Onyx und 
Sardonyx. Die Enhydros aus Uruguay sind mit Wasser angefüllte Achatmandeln. 
2. Jaspis, trüber und undurchsichtiger, intensiv gefärbter Chalcedon mit 
dichtem, muschligem Br.; in abgerollten Kugeln. Kandem in Baden, am Nil. Das 
meiste, was als Bandjaspis, Porcellan-, Basaltjaspis bezeichnet wird, gehört 
zu den Adinolen, gefritteten Tbonen oder silificirten Quarzporphyrtuffen. Schön ge- 
färbte Varietäten sind Plasma (lauchgrün) und Heliotrop (ein Plasma mit blut- 
rothen Flecken). Weiter gehört hierher, was auf Grund des geologischen Vorkommens 
oder besonderer Entstehung bezeichnet wird, als: Hornstein, undurchs. , unrein 
gefärbt, homartig schimmernder Br.; in Nieren und Knollen innerhalb Kalksteinen, 
auf Erzgängen; häufig aus der Verkieselung von Quarzporphyren, Trachyten und 
deren Tuffen hervorgegangen, in Pseudomorphosen und besonders als Versteinemngs- 
mittel von Hölzern. Ferner Kieselschiefer, dicht, gesteinsbildend in paläozoi- 
sehen Formationen auftretend; gewöhnlich durch intensive Imprägnation mit Kohle 
schwarz gefärbt, sogen. Lydit oder Probirstein. Desgl. Feuerstein, Flint. 
Knollige oder plattige Concretionen, namentlich in der Schreibkreide; schwarz, rotb. 
gelb ; innig mit Opal gemengt, durch deren Wasserverlust die weisse Verwitterunga- 
rin de entsteht. 

Tridymit. SiOg. 

Rhombisch , holoedrisch, a : b '- c = 0,5774 : 1 : 0,9544. — Nur 
in unscheinbaren kleinen tafeligen /' ' ; dieselben besitzen ausgeprägt 
pseudohexagonalen Habitus und wurden bei ihrem ersten Auffinden 1868 
als hexagonale Combinationen {0001)oP, {101Ö)ooP, {li20)ooP2 und {10li)F 
gedeutet. Durchweg treten diese Täfelchen zu Zw., namentlich aber zu 
charakteristischen cyclischen Drillingen zusammen, wobei {lOlsyi^P, zu- 
zuweilen {3034yi4.P als Zwillingsfläche erscheint. Durch weitere Wieder- 
holung der Zwillingsverwachsung bilden sich auch wohl kuglige Gruppen 
heraus. Spätere optische Untersuchungen (1878) haben aber die scheinbar 
einfachen Tafeln selbst schon als Drillingsstöcke rhombischer Individuen 
erkennen lassen, welche durch cyclische Verwachsung nach Art der Ara- 
gonitzwillinge den mimetisch hexagonalen Habitus erlangten. Bei Er- 
wärmung der Tafeln auf über 130^ werden die Tafeln nun thatsächlich 
einheitlich und optisch einaxig, zerfallen beim Abkühlen aber wieder in 
rhombische Subindividuen. — Finden sich gern als dachziegelartig grup- 
pirte winzige Schuppen auf den Poren und kleinen Drusenräumen trachy- 
tischer und sonstiger Ergussgesteine. 

Schalige, an # erinnernde Ablösung nach {000i)oP. H. = 6V«-^7, 
6. = 2,282—2,336. Glasgl. , auf oP Perlmuttergl. Farblos oder weiss, 
gelblich, grau; durchs, bis durchschein. 

SiOg mit geringen Verunreinigungen. — Löst sich in heisser ge- 
sättigter Sodalösung. Bildet das Eieselskelet der Phosphorsalzperle. 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 349 

Zuerst aus Klüften des Tracliyts vom Berge San Christöhal hei 
Pachuca in Mexico beobachtet, dann mehrorts auf Drusenräumen und Poren 
von jüngeren Eruptivgesteinen, namentlich Trachyten und Andesiten auf- 
gefunden, jedoch immer in geringer Menge und vielfach erst mikroskopisch 
sichtbar, Dra/ihenfels und Perlenhardt im Siebengebirge, Mont Dore, 
Euganeen, Guttiner und Aranyer Berg in Ungarn etc. Seltener in älteren 
Ergussgesteinen nie im Porphyrit von Waldböckelheim. Femer gelegent- 
lich im Contactring von in Basalt eingeschlossenen Sandsteinbruchstücken, 
sowie in mikroskopischen Kry ställchen, welche beim Auflösen mancher 
Kascholonge zurückbleiben. Künstlich als Kieselskelet der Phosphor- 
salzperle. 

Der meieorische Asmanit von Breitenbach in Böhmen ist mit Tridymit 
identisch, erscheint aber nur in einfachen rhombischen X X • 

Christobalit, die dritte Modification von SiO^, bildet anscheinend reguläre 
Oktaeder bezw. spinellartige Zw., die sich optisch aber als tetragonale Drillinge aus- 
weisen. Bei 175® und darüber werden die XX optisch isotrop, bei Abkühlung 
wieder doppelbrechend. Vom Berge San Christobal bei Pachuca, wo die weissen 
matten XX bis 2 mm Grösse erreichen. 

Z^kongruppe. 

Ausgezeichnet isomorph, tetragonal, holoedrisch. Mit dem Zirkon, dessen 
Zusammensetzung SiO^ -\- ZrOg bezw. SiZrO^ ist, sind durch vollkommene Isomorphie 
verknüpft die Dioxyde von Ti, Sn, Pb und Mn, deren Formeln demnach als TiTiO^, 
SnSnO^, PbPbO« und MnMnO^ zu schreiben sind. Damit steht in Uebereinstimmung, 
dass auch heteromorphe Modificationen der Dioxyde vorkommen ; so ist das Dioxyd des 
Titans trimorph, als Rutil tetragonal, als Anatas ebenfalls tetragonal, aber mit anderem 
Axenverhältniss, als Brookit rhombisch; ferner ist ZrO^ als Baddeleyit monoklin. 
SiO j + ZrOg Zirkon. SiZrO^ Baddeleyit. ZrOg, monoklin 

SiO,-fThOg Thor it. SiThO, — 

TiOg Rutil. TiTiO^ Anatas, tetragonal, Brookit, rhombisch. 

SnO^ Zinnstein. SnSnO^ — 

PbO^ Plattnerit. PbPbO, — 

MnO^ Polianit. MnMnO^ — 

Zirkon. ZrSiO^. 

Tetragonal, holoedrisch, a : c = 1: 0,6403 (Küpffbr). — Durchweg 
in ringsum ausgebildeten eingewachsenen X X i selten aufgewachsen ; 
mit prismatischem oder pyramidalem Habitus. Herrschende 
Formen sind p = (lli)P mit 84« 20' Mittelk., l = {110)ooP ^^^' ^^'^' 
und s = {10Ö)ooPoo\ an manchen Vorkommnissen (Norwegen, /!^Z2^ 
Olahpian) charakteristisch das sog. Zirkonoeder x = {ßli)8P3 ; ' ^^ ^ 
bei Miask häufig spitzere Bipyramiden v = {22i)2P, 
r = (S31)3P. Die Basis ist sehr selten. Zw. nach {101)Poo \Ay_y 
im Gegensatz zum Rutil auffälligerweise selten ; bei Renfrew ^^^X^ 



350 in. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

finden sich jedoch grosse knieförmige Zw. — Sonst noch in abgerundeten« 
eckigen Körnern; niemals derb. 

# {111)P und (110)ooP sehr unvoUk. Br, muschlig bis uneben; 
H. = 71/2, G. = 4,4-4,7. Lebhafter Glasgl., auf Bruchflächen Fettgl. 
Ohne Charakterfarbe, gewöhnlich aber braun und braunroth; seltener 
gelb, grünlich, grau, farblos. Durchs., durchscheinend und undurchs. 
Die durchsichtigen gelblichrothen Z. geben die als Edelstein geschätzten 
Hyacinthen. — Doppelbrechung positiv, kräftig; für rothes Licht 
(D = 1,92, e = 1,97. 

ZrOg + Si02 mit 67,12 ZrOg und 32,88 SiO^ und etwas Fe^Og als 
Pigment. — V. d. L. unschmelzbar; nur nach längerer Behandlung mit 
heisser Schwefelsäure zersetzbar, nicht durch Flusssäure. 

Eingetvachsen als miJcroskopischer Gemetigtheil weit verbreitet in 
Eruptivgesteinen wie Granit, Quarzporphyr, Trachyt etc., in Tcryst<illini'' 
sehen Schiefem und auch in Ma^stischen Gesteinen wie Sandstein. Makro- 
skopisch sichtbar in eingewachsenen XX namentlich als Gemengtheil des 
Zirkansyenits von der Südostkilste Norwegens und von Miask im Ilmeti' 
gebirge, gelegentlieh au^ch im Granit, Haddam in Connecticut, in Basalten 
des Siebengebirges und von Unkel am Rhein, in basaltischen Tuffen der 
Auvergne, im Amphibolit von Renfrew in Canada, in körnigen Kalken 
des Urgebirgs von Hammond in New- York. — Aufgewachsen auf Klüften 
des Chloritschiefers von Pfitsch, hier z. Th. wasserhell; mit Sodalith in 
Laachersee-Ausivürflingen, — Lose als Geröll auf Edelsteinseifen neben 
Spinell und Korund, besonders auf Ceylon ; im Goldsande von Beresotcsk 
und Ohlapian in Siebenbürgen; neben Pyrop zu Meronitz in Böhmen und 
Sebnitz in Sachsen; in manchen Flusssanden und am Strande der tyr- 
rhenischen Küste. 

Von ähnlichen Edelsteinen, namentlich im abgerollten oder geschliffenen Zu- 
stand, durch das hohe spec. Gew. unterschieden; an Vesuvian ist gewöhnlich die 
Basis vorhanden, Zinnstein ist schwerer. 

Ostranit, ein in Verwitterung begriffener Zirkon von Brevig. — Malakon, 
ein verwitterter und daher wasserhaltiger und weniger harter (H. = 6) Zirkon von 
Hitteroe, Miask, Plauenscher Grund, Chanteloube. — Das Gleiche gilt vom Cyrto- 
lith (Anderbergit) von Rockport, Mass., und Ytterby, sowie vom Tachiaphaltit 
von Krageroe. — Auerbachit, wahrscheinlich ebenfalls nur verwittert, soll die 
Formel 2 ZrOj + 3 SiO^ haben. Mariapol im Gouv. Jekatherinoslaw. — Oerstedtit 
scheint ein Titan-Zirkon zu sein, der wasserhaltig, also auch wohl verwittert ist 
Arendal. 

Baddeleyit. Brazilit. ZrO^. Monoklin, holoedrisch. In 5 mm grossen, 
nach (lOO)ooP^ tafeligen X X ^^^ Zw. Farblos, gelb, braun, schwarz. H, = 6*,t, 
G. = 5,5—5,6. Jacupiranga in Brasilien. Edelsteinseifen von Rakwana auf Ceylon. 

Thor it. Orangit. ThSiO^, tetragonal holoedrisch, a : c = 1 : 0,6402. — 
X X sobr ähnlich im Habitus mit dem Zirkon; meist derb und eingesprengt mit 
muschligem Br. Man unterscheidet den dunkelbraunen bis schwarzen Thorii, 



III. KL Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 



351 



glasglänzend und undarcbsichtig von dem orangefarbenen Orangit, fettglänzend, 
durchs, bis durchschein, und z. Th. spaltbar. Tborit und Orangit entsprechen niemals 
der theoretischen Formel mit 81,5 ThO, und 18,5 SiOj, sondern sind angewittert und 
wasserhaltig ; anscheinend ist der Thorit ein vorgeschritteneres und bereits amorphes 
Verwitterungsstadium als der Orangit. Auf Pegmatitgängen bei Brevig in Nprwegen. 
Zeitweilig technisch wichtig als Thormineral für das* Auerlicht; cfr. Monazit. — 
Andere und ebenfalls amorphe Umwandlungsproducte der ursprünglichen Thorit- 
sabstanz und vom selben Vorkommen sind Auerlith mit Gehalt an Phosphorsäure, 
üranothorit mit ÜO, an Stelle eines Theils ThOj, Calciothorit mit CaO, 
Eukrasit mit Oxyden des Ce, La, Y, Fe und Ca, endlich Freyalith. 

Rutil. TiOj, bezw. TiTiOg. 

Tetragonal, holoedrisch, a : c^= 1 : 0,6440 (Schbauf). — XX meist 
prismatisch gestreckt, aber auch dicksäulig, in manchen Vorkommnissen 
langstrahlig oder in der Grösse zu den feinsten Nadeln herabsinkend. 



Fig. 368. Fig. 369. Fig. 370. Fig. 371. 



Fig. 372. 



,<t^ 



^^=it7*' 




Gewöhnliche Combination mit ausgeprägt tetragonalem Habitus aus 
{110)ooP, {111)P mit 84« 40' an der Mittelk. und {100)ooPoo bestehend 
oder durch das Auftreten verschiedener ditetragonaler Prismen wie 
{210)ooP2, (310)ooP3, {3J20)ooP^I% vertical gestreifte, gerundete und ver- 
zerrte Formen liefernd. Alpine XX zeigen öfters einen scheinbar 
parallelfaserigen Aufbau. — Zw. gemein, nach 2 Gesetzen; am häufigsten 
nach (10l)Pooj wobei sich die Individuen unter 114® 25' kreuzen mit 
unterschiedlichem Habitus: 1. einfache knieförmige Zw. (Fig. 369); 
2. polysynthetische Drillinge und Viellinge, öfters wie einfache XX init 
eingeschalteten Zwillingslamellen erscheinend (Fig. 370); 3. cyclische 
Drillinge, deren Verticalaxen in einer Ebene liegen (Fig. 871). Sechslinge 
dieser Art bilden einen geschlossenen Ring. 4. Cyclische Yiellinge, bei 
denen durch wechselndes Vorzeichen der Zwillingsfläche die Vertical- 
axen der Individuen nicht mehr in einer Ebene liegen; zu Graves^ Mt. 
in Georgia und Magnet Cove in Arkansas treten in dieser Art 8 Indivi- 
duen zu einem geschlossenen Ring zusammen (Fig. 372). Weit seltener 
sind Zw. nach dem 2. Gesetz {301)3Poo mit herzförmigem Habitus, wo- 
bei die Verticalaxen sich unter 54^ 44' schneiden, doch finden sich 
öfters Zwillingsstöcke, an denen beide Gesetze zu gleicher Zeit auf- 
treten, so an den als Sagenit bezeichneten, sich gitterförmig unter 



352 lU. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

65® 35' und 54® 44' durchkreuzenden Strahlen und feinen Nadeln. 
Interessant sind die regelmässigen Verwachsungen Ton Eisenglanztafeln 
mit Rutilkrystallen von Gavradi im Tavetsch. — Derb und eingesprengt, 
in Eömern, Gerollen und in zartesten Nädelchen ; in Paramorphosen nach 
Anatas und Brookit; geht selbst zuweilen in Titanit über. 

# (llÖ)ooP vollk., (101)Poo weniger voUk. Br. muschlig bis un- 
eben ; spröd. H. = 6—6 V2 , ö. = 4,2—4,3. Metallartiger DiamantgL, 
auf dem muschligen Br. fettiger 61, öfters innere Reflexe; durchschein- 
bis undurchs. ; in verschiedenen NUancen blutroth , braunroth , fuchsroth, 
selten gelblich und gelbbraun; eisenschwarz in der Nigrin benannten 
Varietät. Str. gelblichbraun. Starke positive D.-Br. 

61,15 Ti und 38,85 0, aber gewöhnlich eisenhaltig; im Nigrin 
(Ilmenorutil) steigt der Gehalt an FcgOg auf 11— 14"/o. — V. d. L. un- 
schmelzbar, mit Phosphorsalz oder Borax Ti-Reaction ; von Säuren nicht 
angegriffen. 

Das häufigste der drei Titandioxyde, Eingesprengt und auf Kluften 
vieler Jcrystallinischer Schiefer gern neben B ergJcry stall , so in der Ur- 
gebirgsumrahmung Böhmens, in deti Alpen, im französisclien Central- 
plateau etc. Bemerhenswerthe Fundorte sind u. a. Pfitsch in Tirol. 
Binnenthal, Limoges, Auf den Apatitgängen der Gegend von Kragerö 
(Oedegard) , öfters in langen Nadeln eingewachsen in Bergkrystall und 
Quarz (Modriach in Steiermark) ; in mikroskopisch feinen Nädelchen con- 
stant in Phylliten und Thonschiefern, Selten in körnigen Kalken, Dolo- 
miten und Graniten. In grossen XX ^^^ einem Gemenge von Distheti 
und Pyrophyllit von Magnet Cove in Arkansas. Lose als Geröll in 
Sanden und Seifen, so als Nigrin neben Gold bei Ohlapian in Siebeft- 
bürgeu, am Strande des Ilmensees (sogen. Ilmenrutil). 

Aehnlicbe Mineralien : wenn roth Rothzinkerz, wepn schwarz Titaneisen, auch 
wohl Wolframit. — Edisonit aus den Goldsanden von Nord-Carolina, irrihümlich 
für rhombisch gehalten, ist Rutil. — Verwendung zur Porzellanmalerei, zur Dar- 
stellung einer gelben Farbe. 

Anatas. TiOg. 

Tetragonal, holoedrisch, a : c = i : 1,7844 (Schraük). — Nur in X 
bekannt, klein; gewöhnlich spitz pyramidal durch Vorwalten von {lli)¥ 
mit 137« 40' an der Mittelk. oder dicktafelig nach (001)OP entwickelt; 
die gelben und braunen, fölschlich Wiserin genannten Anatase zeigen 
auch prismatischen und stumpf pyramidalen Habitus. Gewöhnliche Formen 
P = (711)P und = {001)0 P^ daneben eine Beihe von stumpferen Bi- 
pyramiden I Art wie v = {n7)^;iP, t = {llS)^l^P, r = (llöyi^P etc., 
durch die auch die häufige horizontale Combinationsstreifung auf den 
Flächen von illi)P erzeugt wird; ferner m {100)ooPoo, p = (10l)Poo, 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. £infacbe Oxyde. 



353 



q = {20i)2Pcyo, — In Pseudomorphosen nach Titanit und Titaneisen, 
paramorph umgewandelt in Rutil. 

# {in)P und {001)oP vollk., spröd. H. = 5 Vi -6, G. = 3,83-3,93, 
durch Glühen in das G. des Rutils übergehend. Metallartiger bis fettiger 
Diamantgl.; durchscheinend bis halbdurchs. Indigoblau bis schwarz, 
aber auch honiggelb, braun, hyacinthroth, selten farblos. Str. weisslich. 
D.-Br. negativ. 

Chem. Zus. und Löthrohrrerhalten wie Rutil, enthält wie dieser 
etwas Fe^Oj. 

Auf Klüften von Silicatgesteinen, einzeln aufgewachsen. Tavetsch, 
St, Gotthard, Binnenthal; Hof im Fichtelgebirge, Bourg dOisans. — 
Als mikroskopischer Gemengtheil in manchen verwitterten Porphyren und 
Massengesteinen, auch in Sandsteinen. Lose in Goldsanden von Nord- 
Carolina und am Ural; die sogen. Captivos, charakteristische Begleiter 
der Diamanten auf brasilianischen Seifen, sind Paramorphosen von Butil 
nach Anatas. 



Fig. 373. Fig. 374. 



r^ 



j 




Brookit TiO,. 

Rhombisch, holoedrisch, a : 6 : c = Oßdlß : 1 : 0^9444 (Kokschabow). — 
/' X einzeln aufgewachsen oder lose. a=(jfö(?)ooJteö, gewöhnlich vertical ge- 
streift, p = {110)ooP mit 99 ö 50', c = (001)oP, e = {122)P2, t = {021)2P^, 
X = (102yi^Pöö. Habitus meist tafelig nach a 
(Fig. 373), seltener prismatisch nachjp oder wie 
beim sogen. Arkansit in scheinbaren hexa- 
gonalen Bipyramiden nach e und p (Fig. 374). 
Vereinzelt Pseudomorphosen nach Titanit, 
h'äufiger paramorph in Rutil umgewandelt. 

# (piO)ooP^ undeutl. ; spröd. H. = 5 V« 
bis 6, G. = 3,8-4,1, durch Glühen in das G. 

des Rutils übergehend. Metallartiger Diamantgl., durchschein, bis un- 
durchs. Farben wie beim Rutil rothbraun, haarbraun, röthlichschwarz 
und als Arkansit eisenschwarz. Str. gelblichweiss bis braun. A.-E. für 
Na-Licht in (001)oP, für grün und blau in {010)ooP56 liegend. 

Chem. Zus. und Löthrohrverhalten wie Rutil und Anatas, etwas 
Fe^Oj-haltig. 

Vorkommen gleich dem Anatas und zuweilen mit ihm verwachsen 
gern auf Klüften von Silicatgesteinen: Tremaddoc in Wales, Bourg 
dOisans, St. Gotthard, Miask. Zu Magnet Cove in Arkansas in metalh 
glänzenden eisenschwarzen XX ^om Habitus der Fig. 374, Arkansit 
genannt. Sonst auch eingewachsen als mikroskopischer Geme7igtheil von 
zersetzten Silicatgesteinen, in Trachyttuffen am Aetna. 

Kloekmann, Mineralogie. 8. Aufl. 23 



354 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 



Ziimstein. Zinnerz. Eassiterit. SnOg. 

Tetragonal, holoedrisch. a:c=l:0,6723(BECKE).— )( X aufgewachsen, 
gewöhnlich kurz- und dicksäulig (gedrungen) aungebildet und meist zu 
Zw. verbunden (sächs. Typus). s = {lll)P mit 87<> 7' an der Mittelk., 
p = (101)Poo oft mit grober, zur bequemen Orientirung geeigneter Riefung 
parallel der Combinationsk. mit s (Fig. 375), g = {110)ooP, l = (IOO)ooPoo; 
seltener r = {230)ooP^l2 und {120)ooP2\ sehr selten die Basis. Der hier- 
von abweichende, durch spiessige, einfache XX ausgezeichnete comische 
Habitus, das sogen. Nadelzinn (Fig. 376), wird wesentlich bedingt neben 
(110)ooP durch das Auftreten von z = {321)SP^\^ und spitzere Bipyra- 
miden, wie (551)5P und (552)^12 P; das Nadelzinn findet sich nur spär- 
lich, ausser in Cornwall z. B. auch bei Pittkäranda in Finland, wo neben 
den gewöhnlichen Flächen noch {230)ooP^l2^ {001)oP und {114y\iP auf- 
treten, gelegentlich auch in Sachsen, in der Bretagne, in Bolivien. Zw. 
nach j? = {101)Poo sehr gemein; knieförmig als sogen. Visirgraupen 
der erzgebirgischen Bergleute (Fig. 377 u. 378) mit 112<^ 10' zwischen den 



Fig. 375. 



Fig. 376. 



Fig. 377. 



Fig. 378. 







beiden Yerticalaxen ; nach demselben Gesetz auch poly synthetische und 
cyclische (bouquetartige) Wiederholungen wie beim Rutil, wenn auch 
weniger häufig und weniger vollkommen ausgebildet. — Derb und ein- 
gesprengt, in kömigen bis ganz dichten Aggregaten; selten feinfaserig, 
auch dicht mit concentrisch schaligem Aufbau (Holzzinn). Sehr häufig 
lose in abgerollten und eckigen Körnern und als Sand (Seifenzinn): 
in Pseudomorphosen nach Orthoklas (St. Agnes in Cornwall). 

# (100)coPoo und (110)ooP unvoUk., spröd. H. = 6-7, G. = 6,8-7. 
Auf den Krystallfiächen Diamantgl., auf dem muschligen Br. ausge- 
zeichneter Fettgl. Durchscheinend bis undurchs.; keine Charakterfarbe, 
am häufigsten kolophoniumbraun und schwärzlich, seltener in trüben 
unreinen Farben gelb, grünlich, grau, hyacinthroth, ganz ausnahmsweise 
auch farblos. Str. ledergelb bis weiss. D.-Br. positiv. 

Formel wegen der Isomorphie mit Zirkon als SnSnO^ zu deuten. 
78,62 Sn, 21,38 0, aber gewöhnlich noch mit Beimischungen von Fe, 
Mn und SiOg; auch Ta ist beobachtet. — V. d. L. unschmelzbar, sehr 
schwer Zinnbeschlag erhaltbar; mit Soda auf Kohle Sn-Flitterchen. 
Chemisch so gut wie unangreifbar, nur in schmelzenden Alkalien löshch. 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 355 

Wichtigstes, fast alleiniges Zinnerz (cfr. Zinnkies , Franckeit, Kg- 
lindrit), Bemerkenswerth die mineralogisch-geologische Gleichartigkeit 
des Auftretens über die ganze Erde. Mit Ausnahme des bolivianischen 
Vorkommens (s. unten) findet sich Zinnstein geknüpft an saure Eruptiv- 
gesteine, vor allem an Granit, seltener an Qxmrzporphyr und vereinzelt an 
Qnarztrachyt in Form von Einsprengungen und Primärtrümmern (Zinn- 
stocktcerke), namentlich aber auf Gängen, die in den Eruptivgesteinen selbst 
aufsetzen oder doch mit ihnen in räumlicher Verbindung stehen. Als 
charakteristische Begleiter treten regelmässig neben Quarz bor- und fluor- 
haltige Mineralien auf, wie Turmalin, Flussspath, Apatit, Topas, Lithion- 
glimmer, sonst noch Wolfram, Scheelit, Molybdänglanz, Arsenkies. Dahin, 
abgesehen von den Seifen, alle irgendwie technisch wichtigen Vorkommen. 
Kamm des sächsisch-böhmischen Erzgebirges (Altenberg, Marienberg, 
Geyer, Zinnwald; Schlaggenwald, Graupen^ Joachimsthal); in Cornwall 
und tvestl. Devonshire, hier mit sulfidischen und oxydischen Kupfererzen. 
Aehnlich in der Bretagne und Galicien (Zamora). In Skandinavien und 
(Im Ver. Staaten (Black-hills Tindistrict in South-Dakota) selten; sehr 
reichlich in Malacca, den hinterindischen Inseln Banka und Bilitong, 
auf Tasmanien (Mt. Bischof), NeurSüdwales. — Abweichend ist das Vor- 
kommen auf der Ostabdachung der bolivianischen Hochfläche (District 
von Oruro, Potosi etc.), wo Zinnstein mit Quarztrachyten und Daciten 
verknüpft auf sulfidischen Silber-, Blei- und Wismuthgängen ohne bor- 
und fluorhaltige Miyieralien einbricht. Merkwürdig das unbedeutende 
Vorkommen von Zinnstein auf einem Brauneisensteingang in einem 
jurassischen Kalkstein von Massa marittima in Toscana. — 

Bergmännisch wichtig ist die Unterscheidung in Bergzinn, das 
fest verivachsene Vorkommen auf Gängen und Stockwerken, und in Seifen- 
zinn, lose Gerolle und Körner von Zinnerz in den sandigen Alluvionen 
der Thäler und Flüsse. Dir Unverwitterbarkeit und Härte befähigt den 
Zinnsteiyi ganz besofiders zum Auftreten in Seifenlagerstätten, und so 
liefern gegenwärtig die reichen Seifen Hinterindiens und der Inseln Banka 
und Bilitong, sowie Tasmanien die Hauptproduction. 

Aehnlicbe Mineralien: Brauner Vesuvian, Zirkon, Turmalin, Granat, Blende, 
Wolfram u. a. Derbe Massen können dem Eisenpecherz zum Verwechseln ähnlich 
werden. Durch seine physikalischen Eigenschaften und durch das Ldthrohr ist Zinn- 
8tein immer leicht zu erkennen. 

Stannit aus Cornwall ist ein mit SiO.^ gemengter derber Zinnstein, Ainalit 
von Pennikoja in Somero, Finland soll ein tantal haltiges Zinnerz sein. 

Plattnerit. Schwerbleierz. PbOa. Teti-agonal, holoedr. a : c = 1 : 0,6764. -r 
!\X »ehr selten, derb in warzigen Aggregaten. Br. uneben. H. = 5— SV«, G. = 8,5 
bis 9,4. Eisenschwarz, Strich braun, metallartiger Diamantglanz, undurchsichtig. 
86,6 Pb. — V. d. L. leicht schmelzend und Bleikorn gebend. Leadhills in Schott- 
land; Idaho. 



356 ni. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

Polianit. Oraumangan. MnO,. 

Tetragonal, holoedrisch, a : c = I : 0,6647 (Dana und Pbnfield). — 
X X selten, niedrig prismatisch, mit rhombischem Habitus und früher für 
rhombisch gehalten, aufgewachsen. Gewöhnliche Comb. {110)ooP, {1H)P 
mit 123« 4' an der Polk., {120)ooP2 und (101)Poo, Die Verticalprismen 
sind vertical feingestreift. — Derb, in kömigen, strahligen und dichten 
Aggregaten, Stalaktiten, Knollen, traubig und dendritisch, mulmig und 
russartig, in häufigen Pseudomorphosen nach anderen Manganmineralien 
und nach Ealkspath. 

# (110)ooP vollk. Br. uneben, in Aggregaten muschlig und erdig. 
H. = 6—6^2, häufig durch Auflockerung viel weniger hart. G. = 4,85 
bis 5,0, durch Beimengung auch geringer. Mgl., licht stahlgrau und 
rein grau mit grauschwarzem Str., in Aggregaten auch ohne Mgl., matt 
bis schimmernd, grau bis bläulichschwarz; undurchs. 

Formel als MnMnO^ zu deuten mit 63,19 Mn und 36,810, von 
welcher Zusammensetzung die Aggregate durch beträchtliche Beimengungen 
an allen möglichen Substanzen MnO, BaO, K^O, CuO, CoO, SiO^, Al^O,. 
HjO etc. sehr wesentlich abweichen können. — V. d. L. unschmelzbar 
oder in Folge von Beimengungen sehr schwer schmelzbar; mit Borax 
Mn-Perle, in der einseitigen Glasröhre öfters Wasser, mit Salzsaure 
entwickelt sich Chlor. 

Als primäres, deutlich TcrystalUsirtes Mineral (Polianit im engeren 
Sinn) seltefi, als secundäres, durch Umwandlung hervorgegangen , aber 
gemein und wichtigstes Manganerz in Folge seiner Eigenschaft, die chemisch 
stabilste Mn- Verbindung zu sein, in die alle Mn-Mineralien bei der Ver- 
tüitterung übergehen. Daher zumeist als Umivandlungsproduct aller übrigen 
Mu'Mineralien und als metasomatische Bildung nach Kalkstein. Auf 
Lagerstätten aller Art, auf Gängen, Lagern und Flötzen, in Secretionen 
und Concretionen , im eisernen Hut, als Pigment von Gesteinen, als 
Ueberzug und bläulich schwarzer Hauch auf Mineralien und Gesteins- 
klüften. 

Man unterscheidet eine Reihe physikalisch sehr verschiedener Varietäten. 

1. Polianiti i^rimäre XX und deren deutlich krystalline Aggregate. Mgl., 
licht stahlgrau. Str. schwärzlichgrau. H. = 6— 6V<- Auf Gängen: bei Eiserfeld 
und Hirschberg im Siegenschen ; zu Platten, Schneeberg und Johann-Georgenstadt im 
Erzgebirge; Nassau, mehrorts in Comwall. In Braun eisensteingeoden von Peine. 

2. Pyrolusit. Weichmanganerz. Strahliger Graubraunstein; begreift die 
pseudomorphen Bildungen nach anderen Mn-Mineralien, insbesondere nach Manganit. 
daher auch dessen charakteristische spiessige, wirrstrahlige bis faserige Stractor. 
Mgl., lichtstahlgrau bis schwärzlichgrau. Str. schwarz. H. = 2—27«, mild. Wasser- 
haltige üebergangsstufen von Manganit in Pyrolusit sind als Varvicit bezeichnet 
worden. — Auf den Fundstätten des Manganits und Hausmannits, besonders schön 
und typisch im Thüringer Wald (am Oehrenstock bei Ilmenau, Elgersburg, Friedrich- 



III. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 357 

roda) tuid bei Ilfeld am Harz, auch sonst weit verbreitet, z. B. Lindener Mark, 
Horhausen, Siegen. 

3. Derber Graubraunstein. Derbe, feinkörnige bis dichte Aggregate, 
metallisch schimmernd bis matt; grauschwarz mit schwarzem Strich. H. = 5 — 6. 
Oder erdig und mulmig, in Farbe und Strich schwarz, zerreiblich. Auch als schwarze 
Kruste oder Beschlag auf Bruch- oder Spaltflächen Mn-haltiger Mineralien und Ge- 
steine. Geht hervor aus der Zersetzung von Mn-Carbonat und -Silicat, mangan- 
haltigen Spatheisensteinen (daher häufige Verknüpfung mit Brauneisenstein) und aus 
metasomatischer Umwandlung von Kalksteinen und Dolomiten, wohl auch als selb- 
ständiger Niederschlag aus Losungen und von concretionärer Entstehung. — Dahin 
die ausgedehnten flötzartigen Vorkommen mit oolithischer Structur im Kaukasus, die 
als eiserner Hut von Manganspathg^ngen auftretenden zahlreichen Lagerstätten der 
Provinzen Huelva in Spanien und Alemtejo in Portugal, die lagerartigen, durch 
Substitution entstandenen Vorkommnisse in Nassau und Lindener Mark bei Giessen, 
weiter die mit Brauneisenstein im Tertiär lagernden Fundstätten Hessens, sowie die 
Pelagit genannten knolligen Goncretionen am Boden des Stillen Oceans etc. 

4. Psilomelan. Schwarzer Glaskopf. Hartmanganerz z. Th. Getropfte, trau- 
bige, nierige Aggregate, die auf dem flachmuschligen bis ebenen Bruch völlig dicht, 
wie amorph, zuweilen jedoch auch feinfaserig erscheinen. H. = 5 — 6. Eisen- bis bläu- 
lichschwarz; ohne Mgl., aber Bruch und Strich schimmernd. Str. bräunlichschwarz. 
— Stets und reichlich gemengt mit anderen Substanzen: Wasser, MnO, BaO, KoO, 
AI3O3, SiOg etc. Li-haltiger Psilomelan von Breitenbrunn wurde Lithiophorit, 
eben solcher von Rengersdorf bei Görlitz Kakochlor, Cu-haltiger Ps. Kupfer- 
manganerz oder (von Remolinos in Chile) Pelokonit genannt. — Gern und 
vielorts neben Baryt auf Gangklüften in Eruptivgesteinen und auf Hohlräumen von 
Eisen- und anderen Erzlagerstätten. Johann-Georgenstadt, Schneeberg, Breitenbrunn ; 
Ilmenau, Friedrichroda, Kamsdorf, Siegen, Horhausen; Roman Sehe etc. 

5. Wad. Manganschaum. Groroilith. Feinschuppige bis feinerdige schaumige, 
abförbende Aggregate von knolliger, nieriger Form; leicht und locker in Folge 
schneller Abscheid ung aus Lösung. Nelkenbraun und grau bis bläulichschwarz. Str. 
graubraun. H. = 1—8. Matt bis schimmernd. Zus. durch Beimengungen aller Art 
ebenso schwankend wie Psilomelan; ein Cu-haltiges Vorkommen von Kamsdorf ist 
Lepidophaeit, ein solches mit Fe, Cu, Co u. a. von Nischne-Tagilsk ist Rhab- 
dionit genannt worden. — Geht überall aus der Verwitterung von Mn-haltigen 
Späth- und Brauneisensteinen, sowie von Silicaten hervor. Harz, Thüringer Wald, 
Nassau, Siegen, Groroi im Döp. de la Mayenne etc. 

6. Manganschwärze, schwarzes, russartiges Pulver, am Ausgehenden Mn- 
haltiger Erzlagerstätten und aus deren Zersetzung entstanden; daher stets wasser- 
haltig und mit allen möglichen Substanzen gemengt und entsprechend mit verschie- 
denen Namen belegt; die vorwiegend Cu-haltigen Varietäten sind Kupferschwärze 
die Co- haltigen schwarzer Erdkobalt oderAsbolan, die Ni-haltigen Heubachit 
genannt worden. In allen Erzrevieren. 

Die Verbindung MnOj erweist sich gegenüber allen Einwirkungen der Atmo- 
sphärilien am widerstandsfähigsten, daher werden alle Manganmineralien und zwar 
relativ schnell darin Übergeführt Bei der extensiven Verbreitung des Mangans er- 
scheint MnOs neben Fe^Os und Eisenhydroxyd als das verbreitetste anorganische 
Pigment; auf den Schichtenfugen und den feinsten Haarklüften scheidet es sich als 
blauschwarzer Hauch oder in zierlichen Dendriten ab. — Verwendung zur Chlor- 
darstellimg, neuerdings besonders wichtig geworden zur Gewinnung von Spiegeleisen 
und Ferromangan. 



358 in. Ki. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

Im Anschluss an den Polianit folgen hier 2 Manganerze, die neben der Polianit- 
Substanz noch MnO enthalten und demzufolge als manganigsaure Salze des Mangans 
aufgefasst werden können. 

Brannit. Hartmanganerz z. Th. MnaOs- 

Tetragonal, holoedrisch, a : c = I : 0,9832 (Haidingke). — >; Y ge- 
wöhnlich sehr klein, auf Drusen krustenartig neben einander sitzend ; mit 
pyramidalem Habitus. {lli)P mit 108^ 39', also oktaederähnlich, die Pole 
öfters abgestumpft durch (001)oP^ zuweilen auch {42i)4F2 vorherrschend. 
Zw. nach {101)Poo. — Derbe körnige Aggregate. 

4t {lli)P ziemlich voUk., Br. uneben, spröde. H. = 6— 6^]2, durch 
Verwitterung weicher, ö. = 4,73—4,9. Fettiger Mgl., undurchs., eisen- 
bis br'äunlichschwarz mit schwarzem, kaum bräunlichem Str. 

Formel wird gedeutet als MnO,Mn02; enthält 69,6 Mn, 30,4 0; 
daneben nicht selten eingemengt Baryt und Kieselsäure. In der Mar- 
cel in genannten Var. sind 7—15 SiOg. — V. d. L. unschmelzbar, violett« 
Boraxperle; mit HCl Chlorentwicklung. 

Auf Manganlagerstätten, namentlich auf Gangdrusen: JElgersburg, 
Oehrenstocky Schnalkaldcn ; Ilfeld; St. Marcel in Pieniont; Botnedal in 
Norwegen; Jacobsherg in Wermland, Länghan. 

Mit Magnetit und Hausmannit zu verwechseln. 

Crednerit (Mangankupfererz) verhält sich chemisch wie ein Cu-haltiger 
Braunit (CuO in wechselnden Mengen bis zu 43^/o), erscheint in blätterigen und 
kömigen Aggregaten, ist eisenschwarz mit schwarzem Str. H. = 4'/« — o, 6. = 4,9. 
Friedrichroda im Thüringer Wald. 

Hansmannit. Glanzbraunstein. Mn^O^. 

Tetragonal, anscheinend sphenoidisch-hemiedrisch. a : c = i : 1^1748 
(Haidinger). — XX ein- und aufgewachsen, stets mit pyramidalem 
Habitus. {lli)P mit 116 « 59', oft horizontal gestreift; 
Fig. ^379. g^ii-g^ ^^j|.^. (usy:^P, hinzu, noch seltener (iiö)ooP. 

Häufig Zw. nach Pcx>, vielfach sind wie beim Kupferkies 
5 Individuen cyclisch mit einander verbunden (Fig. 379). 
Diese Zw. erscheinen dann wie grössere Bipjramiden mit 
einwärts geknickten Kanten. — Derb, späthig-körnig. 
in Pseudomorphosen nach Manganit und Kalkspath. 

# {pOi)oP voUk., {111)P und {101)Poo undeutlich. 
Br. uneben. H. = 5-5/|« , G. = 4,7-4,8. UnvoUk. fettiger Mgl., un- 
durchs. Eisenschwarz mit Stich ins Braune. Str. braun. 

72 Mn, 28 0. — V. d. L. unschmelzbar; in Salzsäure unter Q-Ent- 
wicklung löslich. 

Auf Gängen von Oehrenstock und Friedrichroda im Ihünnger Wald, 
Ilfeld am Harz. Massenhaft in Dolomiten von Pajsberg , Nordmari, 
Länghan, Grythytta in Schiveden. 




IIL Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 359 

Aehnliche Mineralien: Magnetit, Braunit. — Hetairit, vielleicht ein Zn- 
haltiger Haosmannit, in nierigen, halbmetallisch bis metallisch glänzenden Krusten. 
Schwarz. H. = 4, 6. = 4,93. Zusammen mit Chalkophanit von Sterling Hill in 
New-Jersey. 

Oxyde der Metalle Ca und Pb. 

Bothknpfererz. Cuprit. Cii^O. 

Regulär, plagiedrisch-hemiedrisch. — XX aufgewachsen (Cornwall), 
seltener eingewachsen (Ghessy bei Lyon) und dann schön ausgebildet; 
manchmal haarförmig gestreckt. (111)0^ (lll)ooO^ daneben (iöö)c»Ooo, 
seltener {221)20 und (211)202. An cornischen X}[ wurde plagiedrische 
Ausbildung eines Hezakisoktaeders beobachtet. — Derb, kornig, dicht, 
in haarförmigen Aggregaten als Eupferblüthe (Chalkotrichit ; be- 
sonders schön Ton Bheinbreitbach, aber auch a. 0.), in Pseudomorphosen, 
häufiger selbst umgewandelt, gewöhnlich in Malachit, wie zu Chessy. 

# (111)0 deutlich, Br. muschlig bis uneben, spröd. H. = 3^2—4, 
G. = 5,7—6. Auf den Erystallflächen und dem Arischen Br. kömiger 
Aggregate metallischer Diamantgl., sonst matt. Durchschein, bis undurchs. 
Cochenillroth, ins metallisch Bleigraue; derbe Stücke roth- bis schwarz- 
braun. Str. braunroth bis schmutzigbraun. Die haarförmige Eupfer- 
blüthe ist carminroth mit gleichem Str. Sehr hoher Br.-L, n für 
roth = 2,849. 

88,8 Cu. V. d. L. erst schwarz werdend, giebt leicht Cu-Korn; in 
Säuren und in Ammoniak löslich. 

Wichtiges Kupfererz! Am Ausgehenden sulfidischer Kupfererz! ager- 
Stätten, vielfach neben Brauneisen: im Siegenschen, Bheinbreithach, Kams- 
dorf, Dobschau, Moldowa, Auf Gängen rieben Zinnstein vielorts in 
Comtvall; trumartig und eingewachsen in Thonen und Letten: Ghessy, 
Grumeschewsk , Nischne Tagilsh, Bogoslowsk; Schlangenberg im Altai in 
n^nsehiefer. Arizona, Chile, Peru, Bolivia. Südaustralien. Auf Vesuv- 
bomben von 1835. 

Aehnliche Mineralien: Rothgültig, Rotheisen, Zinnober, zuweilen Blende; 
Malachit-Dui-chsprengung oft charakteristiBch. — Ziegelerz, Gemenge von Guprit 
und Brauneisen, rOthlichhraun bis ziegelroth; erdig. Verwitterungsproduct des 
Kupferkieses und auf dessen Lagerstätten; Eupferpecherz, braun bis schwarz, 
ist ein durch SiOj verunreinigtes und pechartig schimmerndes, dichtes und derbes 
Ziegelerz. Cuprocalcit ist wahrscheinlich ein unreines Gemenge von Cuprit 
und Calcit. 

Tenor it. CuO. Monoklin oder triklin. In X X i^^f ^Is Sublimationsproduct 
auf Vesuvlaven (CuCl, + H^O = CuO -f 2C1H), kleine, scheinbar hexagonale Täfelchen 
von stahlgrauer bis schwarzer Farbe; Mgl., in sehr dünnen Blättchen braun durch- 
scheinend. — Häufiger als erdiges und russartiges Verwitterungsproduct von schwarzer 
Farbe auf Kupfererzen und dann Melaconit, Kupferschwärze z. Th., Schwarz- 
kupfererz genannt, Harz, Ducktown, Oberer See. 



360 in. El. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

Bleiglätte. Bleiocker. Massicot. PbO. Eanstliclie XX rhombiBcfa» in der 
Natur derb, feinschuppig. Wachs- bis orangegelb; fettgl&nzend. Fundorte meist 
zweifelhaft; mit Sicherheit nur aus Mexico bekannt. 

Mennige. PbjO^, als PbO, Pb^O, gedeutet, mit 90,65 Pb. Nur derb, eia- 
gesprengt, als Anflug; in Pseudomorphosen nach Bleiglanz und Oerussit Br. eben 
und erdig. H. = 2—3, G. = 4,6. ündurchs., matt oder schwach fettglftnzend. Morgen- 
roth, Str. orangegelb. Natürliche Fundorte meist zweifelhaft, da sich Mennige beim 
Rösten von Bleierzen bildet. Badenweiler; Bleialf und Kall in der Eifel; Insel 
Anglesea; Leadhills; Schlangenberg; Bolanos in Mexico. 

Monoxyde der Metalle Mg, Zu, Uta, NL 

Isodimorph: regul&r und hexagonal. 

a) Reguläre Reihe. 

Periklas. MgO. Regulär. XX sehr klein. (111)0 und (100)ooOoo; späthige 
Aggregate und derbe Kömer. # (100)c»Oc» vollk. H. = 6, G. = 3,674—3,75. Durchs., 
grünlichgrau bis dunkelgrün. Glasgl. — V. d. L. unschmelzbar; gepulvert in Säuren 
löslich. Monte Somma ; eingesprengt in Mn-haltigem Dolomit von Langban in Wenn- 
land und Kitteln in Nordmarken; auch künstlich. 

Manganosit. MnO. Mikroskopisch kleine XX ^^^ derbe Partien mit 
hexaedrischer #. Auf frischem Br. smaragdgrün, sich an der Luft schwärzend. 
Längbanshyttan in Wermland, auch künstlich. 

Bunsenit. NiO. Regulär. XX sehr klein; (111)0. H. = 5'/«, G.=:6,4. 
Durchschein., pistaziengrün. Glasgl. In Säuren fast unlöslich. Mit Nickelocker von 
Johann-Georgenstadt; auch künstlich. 

b) Hexagonale Reihe. 

Bothzinkerz. Zinkit. ZnO. 

Hexagonal, heminiorph. a: c = 1: 1^6219 (Rinne). — Als Mineral nur 
derb in körnigen, grobspäthigen und schaligen Aggregaten. Die häufigen 
künstlichen X /<^ des Ofenbruchs zeigen gewöhnlich (1010)ooP^ {OO0i)oP, 
{p001)oP,, {10U)P und {10li)P,\ die Hemimorphie ergiebt sich meist 
erst aus den gleichschenklig dreieckigen Aetzfiguren auf den Prismen- 
flachen und aus Ergänzungszw. nach {0001)oP. 

# (0001)oP vollk. , oft noch durch schaligen Bau besonders her- 
vortretend, nach (1010) zuweilen deutlich. Br. muschlig, spröd. H. = 4 
bis 4^2, G. = 5,4—5,7. Blut- bis hyacinthroth in Folge des steten Mn- 
Gehalts; künstliche Vorkommnisse sind farblos, grünlichgelb bis honig- 
braun. Str. röthlichgelb, diamantartiger, nicht metallischer Gl., kanteu- 
durchschein. D.-Br. positiv. 

Natürliches Vorkommen mit stetem Mn-Gehalt, sodass die Formel 
(ZnMn)O der Zusammensetzung entspricht. 72 — 80®/o Zn, bis 9®/'o Mn. — 
V. d. L. unschmelzbar, auf Kohle Zinkbeschlag, mit Borax Mn-Perle; in 
Säuren löslich. 

Bothzinherz ist merictvürdig durch sein auf New- Jersey (Sterling' 
Hill, Franklin, Sparta etc.) beschränJctes Vorkommen, wo es dann aber 



IIL Kl. Oxyde. 1. Ahth. Einfache Oxyde. 



361 



hei seinem massenhaften Auftreten jsu einem wichtigen Zinkerz wird. 
Findet sich daselbst lagerartig zwischen körnigen Urgebirgskalken in 
charakteristischer Paragenesis mit Mn-haltigen Mineralien, namentlich 
Franklinit und Mn-Kalkspath, untergeordnet Willemit, Tephroit, Fowlerit, 
Granat. — Als krystallisirtes Hüttenproduct gemein. 
Aehnlich Rutil. 



Sesqnioxyde der Metalle AI, Fe, Ti, Mn. 



Eonmdgruppe. 



Isomorph. Hexagonal. 



A1,0, 
Fe^Oa 
(FeTi),03 
(MnTi),08 



Korund 
Eisenglanz 
Titaneisen 
Pyrophanit 



a : c = 1 : 1,364 
= 1 : 1,366 
= 1 : 1,385 
= 1 : 1,369 



> hexagonal, rhomboedr.-hemiedr. 

} ■ 



rhomboedr.-tetartoedr. 



Fig. 380. 



Fig. 381. 



Bei der Aebnlichkeit des Axenverhältnisses zwischen den 4 Mineralien ist es 
auffällig, dass Titaneisen (und der seltene Pyrophanit) nicht der gleichen Symmetrie- 
klasse angehört wie Korund und Eisenglanz. Da auch die ehem. Zus. des Titan- 
eisens eigenthümlich ist, so ist seine Isomorphie mit Eisenglanz angezweifelt worden, 
wiewohl zwischen beiden neben ähnlichen Winkeln auch mancherlei Analogien der 
Form, des Habitus und der physikalischen Eigenschaften vorhanden sind. 

Korund. Al^Og. 

Hexagonal, rhomboedr.-hemiedrisch. a:c = l: 1^3636 (Jerbmejew). — 
X X » zuweilen von beträchÜicber Grösse, eingewachsen oder lose, zeigen pris- 
matischen, spitz pyramidalen, flach, tafeligen oder rhomboedrisclien Habitus. 
P = (10Ti)R mit 86« 4', s = {1120)ooF2, o = (000i)oB. Charakteristisch 
und häufig ist das gleichzeitige 
Auftreten verschiedener steiler Bi- 
pyram. H Art, wie r = {22l3y\^F2, 
l = i2241)4P2, {2283yi^P2 ü. a., 
wodurch tonnenförmig gewölbte 
oder horizontale stark geriefte X X 
erzeugt werden. Grosse XX? viel- 
fach langstenglig ausgebildet, sind 
gewöhnlich uneben und rauhflächig. Zw. nach (1011)R häufig in Form 
eingeschalteter Zwillingslamellen, die eine ausgezeichnete Zwillingsstreifung 
hervorbringen können; sind die Lamellen parallel allen Rhomboeder- 
flächen eingeschaltet, so zeigt die Basis Dreiecksstreifung. 

# {1011)B oft voUk., ist aber wohl nur schalige Absonderung in 
Folge eingelagerter Zwillingslamellen; auch # {0001)oR mehr oder 
minder deutlich. Br. muschlig bis splittrig. H. = 9, G. = 3,9—4. Farb- 
los, am häufigsten blau oder bläulich, sonst roth (rubinroth, braunroth, 
rosaroth), braun, grau, öfters mehrfarbig, namentlich weisslich und bläu- 




Fig 


, 382. 


Äf^TT^ 


/V 


M 


t 


t 


\ 


: i 



362 in. Kl. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

lieh. Durchs, bis trübe; pleochroitisch. Glasgl., auf (0001)oR zuweilen 
Asterismus. D.-Br. negativ, (o = 1,768, e = 1,760 für roth, zuweilen 
optisch zweiaxig und daher auch für monoklin gehalten. 

53,04 AI, nur pigmentirt (durch Fe etc.). unschmelzbar; in Borax 
schwierig, aber völlig auflösbar ; von Säuren nicht angegriffen, wohl aber 
von Ealiumbisulfat gelöst. Das mit Co-Solution befeuchtete und ge- 
glühte Pulver färbt sich blau. 

Lose auf Edelsteinseifen, Eingewachsen in körnigen Kalken und 
Dolomiten, in Gneiss, Glimmer- und Chloritschiefer , auch in Granit 
und als Einschluss zuweilen in Basalt (Unkel am Rhein); zuweilen 
Prodiict der Contactmetamorphose; auch künstlich darstellbar. Umge- 
wandelt zu Glimmer^ Spinell, 

Varietäten. 

1. Sapphir und Rubin, dahin die rein und schön geerbten, durchsichtigen 
Abänderungen ; blau = echter Sapphir (Salaxnstein), roth = echter oder Orient Babin 
(Karfunkel), grün = Orient. Smaragd, gelb = Orient. Topas, violett = Orient. Amethjst 
Meist lose auf Seifen, namentlich den ostasiatischen, neben anderen Edelsteinen. 
Ceylon, Birma, Hindustan, Siam, China, vom Ural (Miask, Slatoust, Kossoibrod); 
blaue Körner im Basalt von Unkel. 

2. Gemeiner Korund (Demantspath), dahin die trüben und unrein gefärbten 
X X und Kömer aus den krystallinen Schiefem, Kalken etc., sowie aus den Seifen. 
Gewöhnlich blätterig. Krummhübel im Riesengebirge, im Dolomit von Campolongo 
in Tessin und sonst im Gotthard-Gebiet, von Miask, auf der Magnetitlagerstätte ron 
Gellivara; an zahlreichen Punkten in den Ver. Staaten, namentlich in Nord- Carolina, 
wo sich centnerschwere X X finden ; auf der Contactlagerstätte in Warwick und 
Amity in New- York. 

3. Smirgel, inniges Gemenge von Korund mit Magnetit und Eisenglanz, 
daher einem Eisenerz ähnlich; mit stark wechselndem Gehalt an AlgO,. Im Urge- 
birgskalk der Insel Naxos, ähnlich auf anderen Inseln des griechischen Archipels und 
besonders in Kleinasien (Gummuchdagh), im Chloritschiefer von Mramorskoi im Ural 
und von Chester, Mass., im Glimmerschiefer am Ochsenkopf bei Schwarzenberg in 
Sachsen. — 

Aehnliche Mineralien : Die Edelsteine der Seifen, wie Smaragd, Zirkon, Spinell, 
Granat, Cordierit, Turmalin u. a., zur Unterscheidung dienen Härte, spec. Gew. und 
optisches Verhalten. Schöne , tief rothgefärbte Rubine stehen höher im Preise als 
Diamanten-, was gewöhnlich Rubin genannt wird, ist aber vielfach Spinell oder Granat. 

Eisenglanz. Hämatit. Specularit. Rotheisenerz. 'Pefi^. 

Hexagonal, rhomboedr.-hemiedrisch. a:c = l: i,5^5ö(KoKscHAR0w). 

Fig. 383. — "^ X (besonders schön von Elba, Cavradi im Tavetsch, 

Traversella, St. Gotthard) meist aufgewachsen und zu 
Drusen oder Gruppen verbunden, mit verschiedenem 
Habitus: pyramidal durch {2243YlzP2 bis linsenförmig, 
Elbaner Typus (Fig. 383), tafelig nach (0001)oR, ßott- 
hard-Typus, rhomboedrisch nach (1011)R^ Altenberger 
Typus ; selten prismatisch nach {1120)ooP2 wie dieX > Jon 




III. KL Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 363 

Framont und Reichenstein. Die gewöhnlichsten Formen sind : P = {1011)R 
mit 86 ^ 5 = {1014) V^ü, n = {224S) ^/s F2, o = {0001)oB, u== (3035) »/s JB, 
V = {0112)-^%R, d = {p221)'-2B, {011H)-''\%B, z = {1120)ooP2. Die 
Fläche s ist gewöhnlich unregelmässig horizontal gestreift durch wieder- 
holte Combination mit u^ häufiger noch linsenartig gekrümmt durch 
das oscillatorische Auftreten von —'^jsR und oR; auf oR öfters drei- 
eckige, auf R klinodiagonale Streifung. — Ergänzungszw. nach (0001)oR^ 
entweder als Durchkreuzungszw. (Elba) oder mit (1010)ooR neben ein- 
ander verwachsen (tafelige XX der Alpen). An tafeligen XX findet 
sich auch ein zweites Zwillingsgesetz: nach (1011)R, wobei die beider- 
seitigen Tafeln unter 115^ 14' zusammenstossen. Ausserdem gesetz- 
mässige Verwachsung mit Rutil (cfr. S. 122). — Derb, in groben, blät- 
terigen, schuppigen, körnigen, faserigen und sehr dichten Aggregaten; 
glaskopfartig und erdig. In Pseudomorphosen nach Ealkspath, Spath- 
eisen, Pyrit etc.; solche nach Magnetitoktaedern, wie sie zu Rittersgrün 
in Sachsen, in Brasilien, im Marquettedistrict, am Ural vorkommen, sind 
als Martit bezeichnet worden. 

# {1011)R meist undeutlich, nach (0001)oR zuweilen schalige Ab- 
sonderung, beides wohl in Folge blätterigen Zwillingsbaues. Br. muschlig, 
spröd. H. = 5^2—672, in erdiger Abänderung bis auf 1 herabsinkend. 
G. = 5,19—5,28. Mgl. nur bei der phanerokrystallinen Abart (Eisen- 
glanz) und an Harnischen, sonst unmetallisch, matt; in sehr dünnen 
Blättchen, wie es die Einschlüsse in Camallit, Heulandit, Orthoklas etc. 
sind, roth durchscheinend. Stahlgrau bis eisenschwarz, zuweilen (Elba) 
prächtig bunt angelaufen; die derben Aggregate roth bis rothbraun. 
Str. kirschroth bis braun ; wirkt auf die empfindlich gemachte Magnetnadel. 

70 Fe, 30 0, jedoch häufig etwas TiO, (bis 7<^/o), FeO, MgO, öfters 
gemengt mit Kiesel- und Phosphorsäure, Kalk, Thonerde etc. — Un- 
schmelzbar ; wird y. d. L. auf Kohle magnetisch ; färbt die Boraxperle 
und löst sich gepulvert langsam in Säuren. 

Wichtiges und weit verbreitetes Eisenerz, Auf selbständigen Lager- 
stätten und als Gemengtheil von Gesteinen aller Art; sehr häufig als 
rothes Pigment von Mineralien und Gesteinen. Theils primärer Ent- 
stehung sowohl aus Lösung wie aus dem Schmehfluss und der Zersetzung 
vulkanischer Gase (FefilQ-\' 3Hfi =^ Fefi.j^-\- 6HCI) , theils secundär 
aus der Verwitterung Fe-haltiger Mineralien hervorgehend, häufiger noch 
als metosomatische Bildung nach Kalkstein; gelegentlich auch als Ver- 
steinerungsmittel. Im Contact häufig in Magnetit übergeführt. 

Nach dem Grade der krystallinen Ausbildung sind zwei wesentlich von ein- 
ander verschiedene Abarten zu unterscheiden: 

1. Eisenglanz. Glanzeisenerz; dahin die XX ^»d deutlich krystallinen 
Aggregate mit metallartigem Aussehen. H. = 6— 67». Stahlgrau mit Stich ins Blaue, 



364 ni. El. Oxyde. 1. Abth. Einfache Oxyde. 

zuweilen bunt angelaufen. Str. rothbraun. — a) Auf selbständigen Lagern in krystallini- 
sehen, seltener in jüngeren Schiefern, vielfach neben Magnetit und untergeordnetem Pyrit 
Technisch wichtige Vorkommen vielorts in Schweden : Gellivara, Grängesberg, Norfoeig. 
Längbanshyttan etc., im nördlichen Norwegen : Naeverhaugen; bei Rio auf Elba, Framont 
im Elsass, im Marquette- und anderen Districten am Südufer des Lake Superior, Pilot 
Knob in Missouri. — b) Als Gemengtheil bezw. als Vertreter des Glimmers in manchen 
Glimmerschiefem, sogen. Eisenglimmerschiefer oder Itabirit Brasilien, Süd-Carolina^ 
nördliches Norwegen (Dunderlandsthal). — c) Auf Klüften und Hohlräumen von Silicat- 
gesteinen und derbem Rotheisen ; oft in schönen X X (Elba, Cavradi etc.) und rosetten- 
artigen Gruppen (Eisenrosen der Alpen z. Th.), in Form feiner schuppiger lockerer 
Aggregate (Eisen rahm); hierher auch das wichtige Gangvorkommen vom Iron Moun- 
tain in Missouri. — d) Als Sublimationsproduct auf Laven und an Vulkanen ; Eifel, 
Auvergne, Vesuv, Aetna etc. — e) Als gelegentlicher und untergeordneter Gemeng- 
theil mancher Granite, Syenite, Porphyre. — f) Als mikroskopische und färbende 
Interposition mancher Mineralien, wie Orthoklas, Heulandit etc. — g) Gelegentlich 
auch auf Seifen, wie im Ural. 

Aehnliche Mineralien: Magnetit, Chromit, Nigrin. 

2. Rotheisenstein, derb in dichten, feinfaserigen und erdigen Aggregaten, 
auch oolithisch ; durchweg ohne metallisches Ansehen. H. = 1 — 6. Farbe und Str. 
roth bis braunroth. — a) Auf Gängen, namentlich in Eruptivgesteinen, nicht selten 
glaskopfartig ausgebildet. (Rother Glaskopf, Blutstein, mit faserig-strahliger 
Structur und oft ganz glatten Zusammensetzungsflächen.) Harz, Erzgebirge etc. — 
b) Häufig auf Lagern und Flötzen, die vielfach nicht direct gebildet, sondern aus der 
Umwandlung von Braun- und Magneteisen oder durch metasomatische Verdrängung 
von Kalkstein hervorgegangen sind ; daher auch verunreinigt mit Kalk, Thon (Thon- 
eisenstein z. Th.), Kieselsäure (kieseliger R.). Structur mannichfach: dicht, erdig, 
ockerig, mild und weich (Röthel); oolithisch. Harz, Westfalen, Nassau, Böhmen, 
Bilbao, Michigan, Wisconsin etc. etc. — c) In Pseudomorphosen nach Calcit (Sund- 
wig), Magnetit (Martit) und anderen Mineralien, sowie als Versteinerungsmittel. — 
d) Als Pigment von Gesteinen und ganzen Formationen. 

Aehnliche Mineralien: Zinnober, Rothkupfer, Rothgültig. 

Titaneisen, nmenit. (FeTiXOg. 

Hexagonal, rhomboedr.-tetartoedrisch. a:c — li 1^3846 (Kokschabow). 
— y X meist eingewachsen mit rhomboedrischem Habitus (Fig. 384), sonst 
aufgewachsen mit tafeligem Habitus und gern rosettenartig gruppirt (Eisen- 
rosen). P = {l0Tl)R mit 86« im Mittel^ o = {OOODoR, v ==_{01lk)'-\fR, 
d = {0221)-2It. Die Formen m = {224SY\zP2 und il0.6.16.5)2P^'i% sind 
p. gg, als Rhomboeder ü, bezw. IH Art ausgebildet. Ausser 

Ergänzungszw. noch polysynthetische Zw. naxih(101i)R> 
— Derb und eingesprengt, in kömigen und schaligen 
-^ggi'Ggaten , sowie lose in abgerollten Körnern und 
als Sand. _ 

# {101i)R, nicht immer wahrnehmbar und 

wohl nur schalige Zwillingsablösung. Br. muscUig 

bis uneben. H. = 5—6, G. = 4,56—5,21, um so höher je mehr fefiy 

Unvollkommener, zuweilen aber auch deutlicher Mgl. auf frischem Br-^ 




IIL Kl. Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 365 

sonst matt. Undurchs., in dünnen Blättclien braun durcfaschein. Eisen- 
schwarz bis schwärzlichbraun. Str. gewöhnlich schwarz, in seltenen 
Fällen braun. Unmagnetisch bis schwach magnetisch. 

Zus. schwankend, z. Th. FeTiOs mit 46,65 FeO und 53,35 TiO^, 
als FeO, TiO, deutbar und demgemäss als Titanat den analogen Silicaten 
im System angereiht. Für diese Auffassung spricht auch der Umstand, 
dass im sogen. Pikrotitanit (besser Pikroilmenit) MgO für FeO 
eintritt, ja dass im isomorphen Geikielith fast das reine MgTiO, vor- 
liegt. Andererseits weisen aber neben der KrystaUgestalt der Titan- 
gehalt des Eisenglanzes und das Vorhandensein wechselnder Mengen von 
Fe^Oj im Umenit, welche Uebergangsglieder vom Eisenglanz zum Titan- 
eisen unterscheiden lassen (Wasfaingtonit und Hystatit), auf die 
Zugehörigkeit des Titaneisens zur Eorundgruppe. 

V. d. L. unschmelzbar, von Säuren sehr schwer gelöst; von Ealium- 
bisulfat zersetzt. 

Vorkommen. 1, Eingewachsen als accessorischer Gemengtheil von 
hasischen Eruptivgesteinen; im Dünnschliff an den zerhackten Formen 
und an der Umwandlung in faserigen Titanit (sogen. Leukoxen und 
Titanomorphit) kenntlich. Derbe Partien am Egersund; femer einge- 
wachsen im Miascit vom Ilmengehirge; mehrorts im Granit, z. B. Äschaffen- 
bürg; als Hystatit von Tvedestrand bei Ärendal, als Kibdelophan 
im Talkschiefer von Gastein ; auf den Apatitgängen Norwegens (Kragerö) 
und Canadas. 2. Aufgewachsen auf Klüften am St. Gotthard (Eisen- 
rosen z. Th.^= Basanomelan, am schivarzen Strich kenntlich), bei 
Bourg ffOisans (sogen. Crichtonit). 3. Lose als Geröll (Iserin) von 
der Iserwiese, und als Titaneisensand (Menaccanit) in Cormvall und 
im Stromgebiet des St. Lorenzstroms; auf den Goldwäschen von Ohlapian 
in Siebenbürgen. 

Als Eisenerz nicht verwerthbar. Aelmliche Mineralien: Magnetit, Eisenglanz, 
Nigrin. — Hydroilmenit, wasserhaltiges Verwitterungsproduct des Titaneisens. 
Alsheda in Smäland. 

Pyrophanit. (MnTi)gO, bezw. MnTiO,, hexagonal, rhomboedrisch-tetardo- 
edrisch, isomorph mit Titaneisen. Stark glänzende, blutrothe Täfelchen. H. 5, G = 4,537. 
Harstig-Grube bei Pajsberg. — Senait aus den diamantführenden Sanden von 
Diamantina enthält neben Mn noch Fe, Pb und Mg. 



2. Abtheilung. Hydroxyde. 

Stiblith. Stibiconit. Antimonocker z. Th. H^SbA (= 2 SbOg + H^O). 
Derbe, fettglänzende Partien, häufiger noch matte erdige Krusten und pulverige An- 
flüge. Schwefelgelb bis rostgelb. H. = 1—5. Als Verwitterungsproduct von Antimon- 
glanz, Fablerz und sonstigen Sb-haltigen Erzen weit verbreitet und gemein. — Partzit 
aas Califomien und Corongit aus Peru sind wahrscheinlich Gemenge von Antimon- 
hydroxyd mit Oxyden von Cu, Pb und Ag, durch Verwitterung hervorgegangen. 



366 in. Kl. Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 

Opal. SiOg + aq. 

Amorph. — Derb, eingesprengt und auf Trümmern, in nierigen, 
traubigen, stalaktitischen Partien, lagenartig; auch locker und erdig. In 
Pseudomorphosen und als Versteinerungsmittel. 

Br. ausgezeichnet muschlig. H. = 572— 6V2, im erdigen, ange- 
witterten oder noch nicht erhärteten Zustand bis auf 1 herabsinkend. 
6. = 2,1— 2,3. Glasgl. bis Fettgl. , durchs., durchschein, und undurchs. 
Farblos, milchweiss, kolophoniumbraun und sonstwie gefärbt. In Folge 
von Spannungen oft doppelbrechend. 

SiOg mit wechselndem Wassergehalt (3 — 13®/o und darüber), selten 
wasserfrei; öfters Beimengungen von CaO, AlgOg, MgO, FegO^, wie der 
mit Kalk und Thonerde vermengte Alumocalcit von Eibenstock und 
Rezbänya und der orangefarbene AsgSj-haltige Forcherit von Knittel- 
feld in Steiermark. — V. d. L. allein nicht, wohl aber mit Soda schmelz- 
bar; giebt im Kölbchen Wasser. Löslich in heissen Laugen. 

Geht aus der Zersetzung von Silicaten hervor, durchtrUmmert jung- 
vtdkanische Eruptivgesteine^ scheidet sich als Sinter aus heissen Quellen 
und in Form concretianärer Knollen aus kieselhaltigen Sedimentgesteinen 
(Feuersteine der Schreibkreide) ab; baut die Kieselskelete von Pflanzen 
und Thieren auf; nicht selten als Versteinerungsmittel, namentlich von 
Hölzern, Kann sich in Chalcedon umwandeln, 

Varietäten. 1. Edler Opal, bläulich- bis gelblich weiss, durch bunte Farben- 
reflexe im Innern ausgezeichnet. Werthvoller Edelstein! Auf Trümmern in einem 
zersetzten Traehyt von Czerwenitza in Ungarn, wo er seit Alters bergmännisch ge- 
wonnen wird; andernorts wie in Mexico, den Färöer selten; neuerdings aus Queens- 
land. — Feueropal, bernsteinfarben bis hyacinthroth , durchs.; auf Trünunero. 
Zimapan in Mexico, F-äröer, Telkibänya. — Hydrophan (Milchopal), ein durch 
Wasserverlust trüb und weiss gewordener Edelopal, wird durch Wasseraufnahme 
wieder durchs. (Weltauge), Hubertusburg. 

2. Hyalit, wasserhell und glasglänzend von traubiger und nieriger Form; 
sieht gallertartig aus. Auf Klüften, Mandelräumen und als Ueberzug vulkanischer 
Gesteine. Waltsch in Böhmen, Kaiserstuhl. — Durch Wasserverlust wird der Hyalii 
trübe und undurchs. und heisst dann Perlsinter (Fiorit). Santa Fiora in Toscana. 

3. Gemeiner Opal, derb, eingesprengt, auf Trümmern, mit typisch opal- 
artigem Aussehen; gelblichweiss , braun, grün, roth etc. gefärbt. Haraglänzend, 
durchschein, bis undurchs. Freiberg, Eperies, Telkibänya; im Serpentin von Kose- 
mitz in Schlesien, in Mandelsteinen von Island und den Färöer. — Kascholong, 
durch Wasserverlust weiss und undurchs. gewordener Opal von porcellan- oder email- 
artiger Beschaffenheit, traubig und derb. Island, Färöer etc. — Jaspopal, durch 
Eisen blutroth, ziegelroth, rothbraun und braungelb intensiv gefärbt, daher undurchs. 
— Holzopal durch Opalsubstanz versteinertes Holz und demzufolge mit Holz- 
structur. 

4. Kieselsinter (Geyserit), die knisten-, Ingenförmigen und stalaktitischen 
Ausscheidungen aus heissen Quellen und Geysirn; compact und locker (Kieseltuff). 
Island, Neuseeland, Yellowstone-Gebiet. 



III. Kl. Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 367 

5. Kieselerde, und zwar im Besonderen: Polirachiefer , Tripel, Kieselguhr, 
Randanit sind aus Opalsubstanz bestehende und in Schichten abgelagerte Panzer 
von Radiolarien und Diatomeen etc.; vielfach noch im erdigen oder nur locker ver- 
festigten Zustand. Menilit von Menilmontant bei Paris und Schwimmkiesel sind 
knollenartige Concretionen innerhalb Kieselerde haltigen Sedimenten, Feuerstein 
desgleichen, aber innig mit Chalcedon gemengt. — 

Melanophlogit bildet sehr kleine, anscheinend reguläre und hezaedrisch 
spaltende X X und reihenartig angeordnete Aggregate, die Kalkspath und Cölestin 
der Schwefellagerstätten auf Girgenti aufsitzen. H. = 6Vt — 7. Besteht anscheinend 
aus Opalsubstanz mit einer Beimengung von ca. 5^0 Schwefelsäure und ca. l^li^jo 
Kohlenstoff und ist vielleicht nur eine Pseudomorphose. 

Brucit. MgOyHgO. Hexagonal-rhomboedrisch. Grosse, nach (000 l)oR tafelige 
X X» deren Seiten von mehreren Rhomboedem begrenzt werden. (1012)R (82* 22'). 
Derb, in schuppigen, selten (sogen. Nemalith von Hoboken) in asbestartigen, fein- 
faserigen Aggregaten. # oR sehr voUk.; mild. H. = 2, G. = 2,3— 2,4. In dünnen 
Blättchen gemein biegsam. Auf der Spaltfläche Perlmuttergl., sonst Glasgl. Durchs, 
bis dorchschein. Farblos, weiss, grünlich. Optisch positiv. 69 MgO, doch zuweilen 
Mn-haltig (Mangan brucit von Jacobsberg) und Fe-haltig. Wandelt sich in Hydro- 
magnesit um. Auf Gängen und Trümmern im Serpentin, namentlich bei Texas, Pa., 
Insel ünst; derb im Kalkstein zu Filipstad, im Contact bei Predazzo. — Aehnlich: 
Talk, Gyps. 

Predazzit und Pencatit sind Gemenge von Kalkstein und Brucit bezw. 
Hydromagnesit. Predazzo. 

Pyrochroit. MnO, H^O, isomorph mit Brucit. Gewöhnlich kömig und blät- 
terig. Frisch weiss wie Brucit, förbt sich aber braun und schwarz; dünne Blättchen 
durchschein. Optisch negativ. Pajsberg bei Filipstad in schmalen Trümmern im 
Magneteisen. 

Völknerit (Hydrotalkit). 6MgO, Al,03 + ISH^O. Hexagonal. X X tafelig, 
meist in krummblätterigen und faserigen Aggregaten. # (OOOl)oP sehr vollk. ; mild, 
etwas biegsam und fettig anzufühlen. H. = 2, G. = 2,04— 2,09. Weiss, Perlmgl., 
dünne Blättchen durchschein. ; enthält gewöhnlich etwas CO«, wohl darch Verwitterung. 
Slatoust und Snarum. 

Houghit dürfte ein dem Völknerit ähnliches Verwitterungsproduct von 
Spinell sein; im kömigen Kalk von Sommerville, New- York. — Pyroaurit ist ein 
FejO, statt Al^O, enthaltender Völknerit, in goldgelben hexagonalen Blättchen von 
Langban. — Namaqualith enthält CuO statt MgO, findet sich in seidenglänzenden 
Fasern und dünnen Lagen von blassgrauer Farbe in Namaqualand. 

GOthitgmppe. 

Isomorph, rhombisch, von der Formel RjOj, H^O, wo R = AI, Fe, Mn. Hierher 
gehören Diaspor, Göthit, Manganit, die trotz grösserer Winkelunterschiede (vergl. 
die Prismen Winkel) doch alle charakteristischen Merkmale (Form, Spaltbarkeit) der 
Isomorphie zeigen. An- resp. eingefügt sind ausserdem noch einige von den eigent- 
lichen Gliedern der Gmppe durch ihren Wassergehalt abweichende, sonst aber qunli- 
tativ ähnliche Verbindungen. 

Diaspor. Al^O^, H,0. 

Rhombisch, holoedrisch. a:h:c = O^dOSO : 1 : 0^3019 (Kokscharow). 
— XX Wein und nicht häufig, nach {010)ocP^ tafelig verbreitert und 



368 III- Kl. Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 

an den Enden meist durch gekrümmte Pyramiden und Längsdomen be- 
grenzt. {110)ooP (129 470- — Gewöhnlich in blätterigen Aggregaten. 

# {010)ooP^ sehr vollk.; sehr spröde. H. = 6, G. = 3,3— 3,46. 
Auf der Spaltfläche Perlmuttergl., sonst Glasgl. ; durchs, bis durchschein. 
Farblos, gelblich, grünlich, violett und äusserlich oft braun gefärbt 
Trichroitisch ! 

85,0 AI2O3, löH^O. Unschmelzbar und nur nach starkem Glühen 
in Schwefelsäure löslich. Mit Co-Solution geglüht schön blau. 

Im Chlorit schief er bei Kossoibrod am Ural; in Dillnit (thonarfiges, 
wohl aus Kaolin und Diaspor bestehendes Mineralgemenge) eingetcachsen 
zu Schemnitz, mit Korund im Dolomit von Campolongo, mit Cyanit 
am Greiner in Tirol; mit Smirgel auf Naa^os, mit Margarit zu Union- 
ville, Pa, etc. 

HydrargUlit. A1,03,3H20. 

Monoklin. a:b:c = 1,7089 : 1 : 1,9184. ß = 85» 29' (Bbögoeb). — 
Tritt in zwiefacher Form auf, als reines Mineral, mehr oder minder deutlich 
krystallisirt (Hydrargillit im engern Sinn) oder kryptokrystallin und 
stark verunreinigt (Bauxit). Entsprechend sind auch die physikalische 
Beschaffenheit, die chemische Zusammensetzung und das Vorkommen 
verschieden, sodass eine getrennte Besprechung der beiden Arten noth- 
wendig wird. 

1. Hydrargillit im engern Sinn. (Gibbsit.). Kleine scheinbar hezagonale Ta* 
fe\D, zu Zw. verwachsen, zumeist aber fein radialfaserig und schuppig in sphäroidischer 
oder stalaktitischer Form, daher äusserlich leicht mit Wavellit und Chalcedon zu ver- 
wechseln. # (OOl)oP glimmerartig vollk. Zäh. H. = 272—3, G. = 2,34—2,39. Auf 
der Spaltfläche Perlmgl., sonst Glasgl. Farblos und weiss in verschiedenen T9nen. 
65,43 AI2O3, 34,57 HgO. Unschmelzbar, in heissen Säuren schwierig löslich. Mit 
derbem Natrolith von Arö im Langesundfjord, Slatoust im Ural, Villarica in Brasilien, 
Unionville, Pa., Richmond, Mass. 

2. Bauxit. (Beauxit. Wocheinit). Dichte thon- oder steinartige Aggregate, 
aufgebaut aus winzigen Schüppchen von Hydrargillit und in höherem oder geringerem 
Grade gemengt mit Kieselsäure (Sand, Hornstein), braunen und rothen Hydrozyden 
des Eisens, auch mit Braunstein, was dem Mineral häufig ein gesprenkeltes Aus- 
sehen verleiht. Bald in festen, auf dem flachmuschligen Bruch homogen erschei- 
nenden concretionären Knollen und Bohnen, z. Th. mit oolithischer Structur, bald 
thonartig milde (Wocheinit), erdig, krümelig und vielfach noch mit der Structur 
des Gesteins, aus dem es durch Zersetzung hervorgegangen ist. — In reineren 
Varietäten ist H. = 1— 3, G. = 2,40— 2,55. Farbe sehr verschieden und fleckig: 
weisslich, gelblich, roth, braun bis schwarz. Im Mittel 50 — TOAljO,, 3 — 25Fe,Og, 
12— 40H2O, 3— 30SiOa, etwas TiO^; die wasserarmen Varietäten verdanken dies 
einer Beimengung von Diaspor ; geht durch seinen Fe- und ^gelegentlichen MnGehalt 
in Eisenerze (Basalteisenstein) und Manganerze über. — Geht aus der Zersetzung 
thonerdehaltiger Gesteine wie Granit, Gneiss, Diabas, Diorit, Basalt hervor und bildet 
den wesentlichen Bestandtheil des für die Tropen charakteristischen, in situ befind- 
lichen Verwitterungsbodens, des Laterits. In reinerer nutzbarer Form bildet er 



III. Kl. Oxyde. 2. Abfch. Hydroxyde. 369 

sich namentlich bei der Verwitterung mancher Basalte (Yogelsgebirgei Westerwald, 
Irland etc.) oder er kommt in unregelmässigen, z. Th. concretionären Lagern vor, 
in Höhlungen und zwischen Kalksteinen, Dolomiten, Thonen (südliches Frankreich 
im Gebiet der unteren Rhone, Alabama, Georgia). — Wird technisch sehr wichtig 
far die Darstellung von Thonerdeverbindungen und Aluminium und ist geologisch 
insofern interessant, als die Lateritbildung der Tropen (Verwitterung der Silicat- 
gesteine zu kieselfreier Thonerde) im Gegensatz steht zu der kaolinischen, d. h. 
Tbonerdesilicat liefernden Gresteinszersetzung ausserhalb der Tropen. 

Sassolin. Borsäure. B203,3H80 (=BH303) mit 56,5 B^O,. Triklin, in weissen 
perlmutterglänzenden Blättchen. H. = 1, G. = 1,45, fettig anzufühlen. Fumarolen 
der Insel Vulcano; Absätze heisser Quellen bei Sasso in Toscana, und aus Soffionen 
bei Volterra und Massa marittima. 

GÖthlt. Pyrrhosiderit. Nadeleisenerz. FbjOjjHsO. 

Rhombisch, holoedrisch, a : 6 : c = 0,9163 : 1 : 0,6008 (Gboth). — >(X 
durchweg klein, entweder prismatisch, nadel- und haarförmig nach der 
Verticalaxe oder dünntafelig, in Blättchen und Schuppen nach {010)ooPo6* 
Die gewöhnlichsten Formen sind : m = {110)ooP mit 94 '^ 53', d = {210)ooF2, 
b = {010)ooP56, e = (011)P^, a = (100)ooPoö, x = i401)4Pöö, p = (lll)P, 
s = {212)P2. — In blätterigen, schuppigen und faserigen Aggregaten, 
derb und dicht. 

# (öiö)ooPb6 voUk. H. = 5-51/2, G. = 3,8-4,3. UnvoUkommner 
Diamantgl. Nelken- bis schwärzlichbraun; auch rothbraun. DQnne 
Blättchen hyacinthroth durchscheinend. Str. rothbraun bis rostbraun. 

89,9Fe803 mit 63 Fe, gewöhnlich etwas SiO^ und Mn. Schmilzt 
nur an den Kanten und wird magnetisch, verliert im Eölbchen Wasser 
und färbt sich roth. Schwer in Salz-, leicht in Salpetersäure löslich. 

Am Atisgehenden von Gängen, in Verbindung mit Brauneisenstein 
und Motheisenstein neben Manganerzen. Eiserfeld , Hollerter Zug im 
Siegenschen, Iberg am Harz, ObemJcirchen, Zwickau, Pribram, Hütten- 
berg, Clifton bei Bristol; Botallack und Lostwithiel in Cornwall (hier 
XX ^^on Nadeleisen), Oberer See, Califomien, Oregon, 

Man unterscheidet folgende Abänderungen: 

1. Nadeleisenstein, haar- und nadeiförmig, oft radial gruppirt. Fein- 
faserige, ockergelbe bis kastanienbraune Kugeln mit sammetartiger Oberfläche und 
seidenartigem Bruch heissen Sammetblende oder PHbramit (Pribram). n e g i t 
oder Fullonit sind in Quarzgeröllen der Wolfsinsel im Onegasee eingewachsene 
XX genannt. 

2. Rubinglimmer, Göthit. Blättchen und Schüppchen nach (010)ooPo6 
mit Diamantgl. ; röthlichbraun bis schwarz, oft hyacinthroth durchscheinend. H. = 5. 
Eiserfeld und Hollerter Zug bei Siegen. Westerwald, Raschau in Sachsen, Nadabula 
in Ungarn. — Die mikroskopischen, lichtroth färbenden Einlagerungen im Aventurin- 
feldspath, Camallit, Heulandit bestehen in der Hauptsache aus Rubinglimmer. 

3. Lepidokrokit; derbe rothbraune Stücke mit schuppig faseriger Structur 
und schimmerndem Br. Siegen, Cornwall. 

Klockmann, Mineralogie. 3. Aufl. 24 



370 ni. Kl. Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 

4. Derber und dichter Göthit; wachsartig glänzend, innen matt, muBchliger 
Br., oft stalaktitisch und in Pseudomorphosen nach Pyrit 

Bei grösserer Verbreitung zur Eisengewinnung verwendet. 

Branneisenerz. Brauneisenstein. Limonit. 2Fe208,3H20. 

Nur in mikro- bis kryptokrystallinen Aggregaten bekannt, yiel- 
leicht rhombisch. — Entweder glaskopfartig und stalaktitisch mit deut- 
lich faseriger Structur, häufiger noch oolithisch und pisolithisch (echte 
Bohnerze) mit concentrisch schaliger Structur oder dicht, derb, erdig, 
ockerig, in unregelmässigen Massen, lÜumpen und Krusten; in Con- 
cretionen, Oeoden und abgerollt (falsche Bohnerze). Häufig pseudo- 
morph nach den verschiedensten Mineralien und als Versteinerungs- 
mittel. 

Physikalische Eigenschaften in Folge der mannichfachen Structur 
imd der häufigen Verunreinigung verschiedenartig. Br. muschlig bis 
erdig. H. = 1— 5V« , G. = 3,4—4. Zuweilen seidenartig, auch halb- 
metallischer Gl., undurchs., braun in allen Tönen, braunroth, schwarz und 
ockergelb. Str. stets rostbraun. 

85,6 FcaOg mit 60 Fe, entspricht jedoch kaum je ganz der Formel, 
sondern es findet sich durchweg ein grösserer oder geringerer Gehalt 
an Kiesel- und Phosphorsäiure , an Mangan und Thonerde. Wasser- 
ärmere Limonite, den Uebergang zu Rotheisen bildend, sind, wenn faserig 
und glaskopfartig Hydrohämatit (Vogtland, Westerwald), wenn derb 
Turjit (Turjinskische Gruben am Ural) genannt. — Giebt im Kölbchen 
Wasser und verhält sich v. d. L. wie Göthit. 

Eins der 4 wichtigen, durch intensive und extensive Verbreitung 
ausgezeichneten Eisenerze; wegen des häufigen Phosphorgehaltes besonders 
für den Thonmsprocess geeignet. — VorTcommen. 1. Auf primären, 
meist oolithisch struirten Flötzen (Minette Luxemburgs etc.) oder secundär 
auf durch Zusammenschwemmung entstandenen Trümmerlagerstätten, z. B, 
Peine. 2. Auf metasomatischen Lagern innerhalb vofi Kalksteinen und 
Dolomite^i, z. B. Oberschlesien. 3. Als Bildung des eisernen Hutes 
auf Gängen und Lagern; aus der Verwitterung von Pyrit (zahlreiche 
Gänge, Kieslager von Huelva), von Botheisenstein (Elbingerode) , von 
Eisenspath (Iberg im Oberharz) etc. hervorgegangen. Entsteht auch bei der 
Verwitterung Fe-haltiger Eruptivgesteine, wie z. B. die Basalteisen- 
steine. 4. Li Form von regelmässigen und unregelmässigen Concretimien 
in Banden (Baseneisenstein) und Thon (Thoneisenstein z. Th.). 5. Als 
Quell- und Sinterbildung: Brauner Glaskopf, Bohnerz, Ocker. 6. Als 
anorganisches, durch Verwitterung gebildetes Pigment vieler Mineraliefi, 
Gesteine und des Ackerhodens. 



III. KL Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 371 

Man kann eine Reihe Abarten unterscheiden: 

1. Branner Glaskopf. Faserig mit muschligem , seiden- bis wachsglän- 
zendem Br. nnd glänzend glatter, gewöhnlich tief schwarzer Oberfläche. Sonst 
braun, auch wohl bunt angelaufen. In nieren-, traubenförmigen und stalaktitischen 
Massen als Ausfüllung von Hohlräumen, Gangdrusen und Geoden. Siegen, Lauten- 
thal, Schneeberg, Hüttenberg etc. Hierher auch der bei Ilmenau in goldgelben bis 
brannrothen radialfaserigen Partien auftretende Xanthosiderit, dessen Formel 
früher als Fe203,2H20 angegeben wurde. 

2. Stilpnosiderit (Eisenpecherz). Derb; auf dem flachmuschligen Br. pech- 
oder opalglänzend in Folge einer wesentlichen Beimengung von Kiesel- oder Phos- 
phorsäure. Dunkelbraun bis schwarz. Siegen u. a. 0. Hierher gehört auch der 
meist etwas hellere, vielfach löcherige und knollige Raseneisenstein aus den 
Niederungs* und Marschländereien, der besonders reich an Phosphorsäure ist; femer 
das leberbraune bis schwarze, Cu,0-haltige Kupferpecherz, das aus Verwitterung 
von Kupferkies etc. hervorgeht. 

8. Gemeiner Brauneisenstein. Derb, mit mattem oder nur wenig schim- 
merndem Br. Vielfach mit oolithischer Structur: Eisenoolith (hierher die wich- 
tigsten Jura-Eisenerze Mitteleuropas, Minette in Lothringen, Luxemburg etc.); femer 
die Bohnerze z.B. von Kandem. Sphäroidische Stücke heissen Eisenniere, wenn 
hohl, Adler- oder Klapperstein. Oft reich an Thon (thoniger Brauneisenstein). 
In Pseudomorphosen nach Spatheisen und Pyrit; solche nach Arsenkies sind Crucilith 
oder Crucit genannt. 

4. Erdiger Brauneisen s|t ein (Brauneisenocker). Erdiger Br., zerrelblich, 
abfärbend; gewöhnlich lichter gelb und daher auch Gelbeisenstein genannt. 
Meist sehr stark verunreinigt, mit Thon (Hypoxanthit, Terra di Siena), mit etwas 
SiOj (cyprische ümbra), mit CuO (Kupferbraun). Auch das aus den Seen Skan- 
dinaviens sich niederschlagende Seeerz ist erdig. Ortstein ist ein mehr oder 
minder durch Limonit verfestigter "Sand. 

Hieran schliessen sich einige seltene, nach Selbständigkeit und Formel noch 
nicht sicher gestellte Mineralien: 

Winklerit, ein Hydroxyd von Co und Ni, vielleicht von der Constitution des 
Xanthosiderits ; dunkelblau, derb. Almeria in Spanien. 

Heterogenit, wesentlich Kobalthydroxyd, amorph, traubig und derb. Schwarz 
bis röthlichbraun ; wahrscheinlich Verwitterungsproduct des Speiskobalts. Schneeberg 
in Sachsen. 

Hanganit. Braunmanganerz. MügOsfE^O. 

Rhombisch, holoedrisch. a:b : c = 0,8441 : 1 : 0,5448 (Haidingbb). 
— XX (Ilfeld am Harz) in schönen Drusen und Gruppen, entweder 
lang prismatisch, stark vertical gestreift und flächenarm oder kurz pris- 
matisch, flächenreich und gern zu knieförmigen Zw. verbunden. Vor- 
herrschend zahhreiche Yerticalprismen, die die charakteristische Vertical- 
streifung heryorbringen, als Endbegrenzung vielfach nur die quergestreifte 
oder löcherige Basis (als Folge des Auf baus aus Subindividuen) oder 
eine Reihe tautozonaler , nur durch ungleiche Abschnitte auf der &-Axe 
verschiedener Bipyramiden. ni=^{110)ooP mit 99° 40', u = {101)Pöö^ 
c = {001)oP, d = {210)ooP~2, k = {J230)ooP% l = {120)ooP2, b = {010)ooP66, 



372 



IIL Kl. Oxyde. 2. Abth. Hydroxyde. 



p = {lli)P, g = {313)Pö, n = {12i)2P2, s = {212)P2, e = (011)P6c, 
f = {02i)2P^. Zw. nach e = (01i)Po6^ sehr verbreitet an kurzprismati- 
schen X X und knieförmig an einander stossend (Fig. 386) , selten an 

Fig. 386. 






langprismatischen XX» die sich dann unter 122^ 50' durchdringen 
(Fig. 387). — Strahlige und stenglige, oft radial oder wirr angeordnete 
Aggregate und Bündel, selten kömig. 

# {010)ooPss voUk., (110)ooP weniger voUk.; Br. uneben; sproi 
H. = 3V2-4, G. = 4,3-4,4. ünvollk. Mgl. Eisenschwarz mit deut- 
lichem Stich ins Braune oder braunschwarz. Str. braun. 

89,8 Mn^O.,, 10,2 H^O. Das Wasser entweicht erst über 200^ - 
V. d. L. in der Boraxperle Mn-Reaction. In concentrirter Salzsäure unter 
Cl-Entwicklung löslich. 

Besonders schön auf Gängen des Porphyrits von Ilfeld, aber selten 
in ganz frischem Zustand, Elgershurg und Oehrenstock bei Ibnetmu. 
Undenäs in Schiveden, Christiansand in Norwegen. CornwalL 

Ist sehr geneigt in Pyrolusit, der in der Hauptsache von Manganit herrfihil 
Überzugehen (Varvicit ein solches Zwischenmineral), sodass frische Manganitkiystalle 
relativ selten sind; dabei ändern sich Glanz, Farbe, Strich und Härte. Derartige 
Umwandlungsproducte ähneln wohl strahligem Bleiglanz und Antimonit Findet al; 
Braunstein Verwendung. 

Neukirchit, nadeiförmig, ist vielleicht eine isomorphe Mischung von Man- 
ganit und Göthit. Neukirchen im Elsass, auf Rotheisen. 

Chalkophanit ist ein Verwitterungsproduct des Franklin] ts von New-Jersej, 
enthält neben Manganhydroxyd noch grössere Mengen Zn. Rhomboedrisch, bildet 
Drusen sehr kleiner tafeliger XX luit basischer # oder stalaktitische Aggregate. 
H. = 2V2, G. = 3,9. Mgl., bläulichschwarz mit braunem Str. — Färbt sich v. d. L. 
bronze- bis kupferfarben. 



IT. Klasse. Haloidsalze. 

Zu dieaer Klasse gehören die Chlor-, Jod-, Brom- oder Fluor-Ver- 
bindungen der Elemente, ausserdem sind hier (cfr. 8. Abth.) noch eine Anzahl 
Mineralien eingereiht, deren Constitution als Verbindung von Haloidsalzen mit 
Oxyden und Ozjsalzen zu deuten ist. Metallischer Habitus fehlt ganz allgemein; 
die meisten sind farblos oder zufällig geförbt; geringe Härte zeichnet fast sämmt- 
liche, Löslichkeit in Wasser viele aus. Nach Vorkommen und Entstehung sind viele 
secundäre Mineralien, andere Sublimationsproducte der Vulkane oder Auskrystalli- 
sationen des Meeres resp. salinischer Gewässer. 



1. Abtheilung. Einfache Chloride etc. 

Steinsalzgmppe. 

Haloidsalze der einwerthigen Metalle E, Na und Ag mit Einschluss von NH^ 
Dimorph: regulär, plagiedrisch-hemiedrisch und hezagonal. Mit Ausnahme des Jod- 
silbers AgJ, das in reiner Form hexagonal und in isomorpher Mischung regulär 
krystallisirt, ist jedoch nur die reguläre Reihe bekannt. 

a) Reguläre Reihe. 

SylYln. Chlorkalium. KCL 

Regulär, plagiedrisch-hemiedrisch. — XX auf Drusen, {100)odOoo 
häufig in Combination mit (111)0. — Kömig-späthige, selten stenglige 
Aggregate. 

# (100)odOoo voUk., Br. muschlig. H. = 2 , G. = 1,9-2. Farblos 
und gefärbt. Glasgl., durchs, oder trübe. w = 1,4903 Na; diatherman; 
wenn chemisch rein, nicht zerfiiesslich ; unangenehm bitter schmeckend. 

52,46 K, 47,54 CI; gewöhnlich etwas Na enthaltend und mit dem 
hygroskopischen MgCl^ gemengt. Färbt die Löthrohrflamme violett, ver- 
flüchtigt sich in der Glühhitze; sehr leicht löslich in Wasser. 

Früher nur als gelegentlich vorkommendes vulkanisches Sublimations- 
product (Vesuv etc) bekannt; in den letzten Jahrzehnten aber in grösster 
Menge in den Kalisalzlagerstätten Norddeutschlands (s, Anhang) auf- 
geschlossen und bergmännisch gewonnen. Neben Kainit das geschätzteste 
der Kalisalze, da es ohne weitere Behandlung direct vermählen tverden 
kann. Findet sich theils linsen- und lagerartig und eingesprengt inner- 



374 IV. El. Haloidsalze. 1. Abth. Einfache Chloride etc. 

halb des sogen, jüngeren Steinsalzes (Provinz Hannover), theils als seeun- 
däres Umwandlungsproduct des Carnallits an Stelle der CartiallUregion 
im älteren Steinsalz (Stassfurt). — In untergeordnetem, wirthschafVich 
bedeutungslosem Maasse auch bei Kdlusz in Galizien und in den Mayo- 
Gruben der indischen Salt-Range, 

Was im Handel als Sylvin bezeichnet wird, ist meist Steinsalz, gemengt mit 
20— 907« ^^^'t tu^ Sjlvin ärmere Gemenge heissen Sylvinit. 

Steinsalz. Kochsalz. Chlomatrium. Halit. NaCl. 

Regulär, wahrscheinlich plagiedrisch-hemiedrisch. — XX aufge- 
wachsen auf Drusen und Klüften, seltener eingewachsen in Thon, An- 
hydrit, Kainit etc. ; fast nur in Würfeln, ganz selten in Combination mit 
(111)0 bezw. {110)(xO oder wie bei Starunia in Galizien mit (J210)oc02. 
Künstliche XX bilden treppenartig nach innen einfallende Würfel- 
skelete. — Derb und eingesprengt in körnigen und faserigen Aggregaten; 
zuweilen auch haarförmige Ausblühungen und in Stalaktiten. Pseudo- 
morphosen von Gyps und Thon nach Steinsalz. 

# (100)oc^oo voUk., Schlagfigur und Gleitfläche parallel {110)ocO, 
daher auf manchen Steinsalzlagerstätten anscheinend dodekaedrische Spal- 
tungsstücke. Br. muschlig, etwas spröd. H. = 2, G. = 2,1—2,2. Farb- 
los oder mannichfach gefärbt: roth und gelb durch Eisenoxyde, blau 
durch Kohlenwasserstoff, grau durch Bitumen, Anhydrit oder Thon; zu- 
weilen auch grünlich. Glasgl.; ins Feuchte, wenn wie häufig Spuren 
zerfliesslicher Salze zugegen sind, n = 1,5442 Na. Leicht löslich in 
Wasser (1:2,8), die gesättigte Soole enthält bei 12°^ 35,91 > NaCl. 
Durch Aetzung mit Wasser entstehen auf den Würfelflächen treppen- 
artige Eindrücke, entsprechend den Flächen eines Tetrakishexaeders. 
Stark diatherman. 

60,60 Na, 39,40 Cl; nicht selten mit Beimischung von CaCl2,MgCL 
und gemengt mit Gyps, Anhydrit, Thon, Bitumen, welch' letztere beim 
Auflösen in Wasser zurückbleiben. Eingeschlossene Gase entweichen 
dabei mit Knistern (Knistersalz , z. B. von Wieliczka). Färbt die Löth- 
rohrflamme gelb; verflüchtigt sich in der Glühhitze. 

Wirthschaftlich überaus ivichtiges Mineral^ Verwetidung ausser im 
Haushalt des Menschen zu zahlreichen technischen Zwecken. Vorkommen: 
1. Auf besonderen Steinsalzlagerstätten, entweder selbständig in Ver- 
knüpfung mit Anhydrit, Gyps und Abraumsalzen oder gemengt mit Thon 
(Haselgebirge) in allen geologischen Formationen, z. B. im Zechstein 
Nord' und Mitteldeutschlands, im Muschelkalk Württembergs (Friedrichs- 
hall, Heilbronn, Jagstfeid etc), im Kenper der Ostalpen (Salzkummergui, 
Hall, Hallein, Ischl, Aussee), im Jura Lothringens (Vic), im Tertiär der 
Karpathen (Galizien und Siebenbürgen). Näheres cfr. im Anhang unter 



IV. El. Haloidsalze. 1. Abth. Einfache Chloride etc. 375 

Steinsalzlagerstätten. Bemerkenswerth der über Tag aufragende Stein- 
sahberg von Cardona im nordöstlichen Spanien. — J2. Als Steppen- 
salz durch Ausblühung des Bodens von Steppen und Wüsten und am 
Bande von Salzseen. Kaspi, Nordafrika y Nord- und Südamerika. — 
3. Süblimationsproduct der Vulkane (kalihaltig). — 4. Gelöst im Meer 
(3yi — 3,7^lo), in salzigen Binnenseen (Elton-See, Todtes Meer, Salt'Lake 
in Utah etc.) und salinischen Wässern. 

Huantayit, ein 3—570 AgCl haltendes Steinsalz, in kleinen, wasserklaren 
Würfeln und rindenartig auf ockerigem Gestein mit Chlorsilber, Embolit, Atakamit; 
zersetzt sich mit Wasser unter Abscheidung von AgCl (daher Lechedor, milchgebend, 
genannt). Huantaja in Peru. 

Salmiak. Chlorammonium, NH^Gl. 

Regulär, plagiedrisch-liemiedrisch. — Gewöhnlich nur (111)0 oder 
{311)303; letztere Form oft gestreckt und daher tetragonalen oder 
rhomboedrischen Gombinationen ähnlich. Künstliche XX zeigen neben 
{211)202 noch plagiedrische Ausbildung eines 48-Flächners, wahrschein- 
lich {87S)^\h0^li. — In Krusten, traubig, stalaktitisch, faserig, erdig und 
mehlig. 

# {111)0 unvoUk., Br. muschlig, sehr mild; zäh. H. = li/«— 2, 
G. = 1,5—1,6. Farblos, gelb und braun durch Fe^Clg. Stechend salziger 
Geschmack. 

66.26 Gl ; leicht löslich in Wasser, verflüchtigt sich leicht und voll- 
ständig; mit Soda Entwicklung von Ammoniak. 

Süblimationsproduct von Vulkanen, wie am Vesuv und Aetna und 
auf brennenden Kohlenhalden und Flötzen, z. B. Duttweiler, Oberhausen 
hei Ruhrort, Hainichen in Sachsen. Zuweilen auf Braunkohle. 

Homsilber. Silberhomerz. Chlorsilber. Kerargyrit. AgGl. 

Regulär. — XX klein, meist reihenweise gruppirt, {100)odOoo^ 
seltener {111)0 und {llO^xO. — Derb und eingesprengt, in Rinden und 
Drusenhäuten, als Ueberzug, Anflug, auch stalaktitisch und dendritisch. 

# fehlt, Br. muschlig; geschmeidig. H. = 1— lV«i G. = 5,5— 5,6. 
Perlgrau, grünlich, gelblich, bläulich und schwarz. Diamantartiger Fettgl., 
angelaufen matt. Durchscheinend; gerieben und im Str. glänzend. 

75.27 Ag; vielfach mit anderweitigen Zersetzungsproducten gemengt. 
— Schmilzt unter Aufsieden zu einer grauen, braunen oder schwarzen 
Perle und reducirt sich leicht zu Ag. Säuren fast ohne Wirkung, da- 
gegen allmählich in Ammoniak löslich. 

Wichtiges Silbererz! In oberen Teufen (im eisernen Hut) von 
Silbererzgängen als Umwandlungsmineral, daher an älteren Fundstellen 
heute nicht mehr vorhanden. Freiberg, Johann-Georgenstadt. Kongsberg. 



376 IV. El. Haloidsalze. 1. Abth. Einfache Chloride etc. 

Schlangenberg. Vielorts in den mittel- und südamerikanischen Anden, 
Brokenhill in Neu-Südwales. Stellenweise als Imprägnation von Sand- 
stein: Silbersandstein von Utah. 

Bromsilber. Bromargyrit. Bromit. AgBr. 

Regulär. — XX und Aggregate wie beim Homsilber; (100)ocOoc, 
(111)0, {110)odO. 

Geßchmeidig. H. = 1—2, G. = 5,8—6. OlivengrOn bis gelb, öfters 
in Glanz und Farbe bernsteinartig; läuft grau an. Gerieben und im Str. 
fettglänzend. Str. zeisiggrün. 

Beines Bromsilber mit 57,44 Ag und 22,56 Br kommt kaum vor, 
fast stets findet es sich in isomorpher Mischung mit Chlorsilber. Der- 
artige Mischungen sind wohl mit besonderen Namen belegt, wie Mega- 
bromit 5AgBr 4-4Aga mit 26 Br und 9 Cl, Embolit 2AgBr + 3AgCl 
mit 20 Br und 13 Cl und Mikrobromit AgBr + 3AgCl mit 13 Br und 
17 CL In derben Partien meist mechanisch gemengt mit anderen Ver- 
witterungsproducten. — Abgesehen vom Bromgehalt Verhalten v. d. L. 
und gegen Lösungsmittel wie beim Chlorsilber. 

Mhieral des eisernen Hutes von Silbererzgängen, lokal bergmännisch 
wichtig. Nicht selten in Mexico, wie zu San Onofre zm District Plateros 
und in Chile, z. B. Chaharcillo. 

Jodobromit. Ag(C16rJ). Regulär. Isomorphe Mischung des Jodsilbers mit 
Chlor- und Bromsilber und die Dimorphie des ersteren beweisend; das reine Jod- 
silber kommt regulär nicht vor, sondern nur hexagonal. 1—2 mm grosse X X : 
(111)0 bezw. (111)0, (100)ooOcx). Schwefelgelb bis olivengrün. In Höhlungen eisen- 
schüssigen Quarzits von Grube Schöne Aussicht bei Dembach in Nassau. 

b) Hexagonale Reihe. 

Jod Sil her (Jodit). AgJ. Hexagonal (hemimorph). (lolo)©©?, (1011)?, 
(OOOl)oP, an Mimetesit erinnernd. Gewöhnlich in dünnen biegsamen Blättchen und 
Platten, auch derb und eingesprengt, blätterig; # (OOOl)oP deutlich; mild. H. = 1 
bis IV«. G. = 5,707. Perlgrau, gelb bis citronengelb. Fettgl., glänzender Str.: 
durchschein. — 45,97 Ag; schmilzt leicht und geht bei 146^ in die reguläre rothe 
Modification Über. — Grube Schöne Aussicht bei Dembach. Mazapil in Mexico, 
Arqueros und Chanarcillo. Guadalajara in Spanien. Auch künstlich. 

Der vorstehenden Gruppe stehen chemisch nahe: 

Quecksilberhornerz (Chlorquecksilber, Ealomel). Hg^Cls. Tetragonal, holo- 
edrisch, a : c = 1 : 1,7229. — In kleinen X X ^^d krustenartig. X X prismatisch 
mit pyramidaler oder basaler Endigung; ausserdem nicht selten noch verschiedeoe 
Bipyramiden. # (100)cx)Poo und (lll)P; mild. H. = 1— 2, G. = 6,4— 6,5. Graulich 
und gelblichweiss, auch gelblichgrau. Diamantgl. 84,96 Hg. Sublimirt, giebt mit 
Soda metallisches Hg. Löslich in Königswasser, dagegen nicht oder nur theüweise 
in Salz- resp. Salpetersäure. — Moschellandsberg , Hofowitz in Böhmen, Idria. Al- 
maden, El Doctor in Mexico. — Coccinit, scharlachroth , von einigen Punkten 
Mexicos, soll Jodquecksilber sein. 



IV. £1. Haloidsalze. 1. Abth. Einfache Chloride etc. 



377 



Cotunnit. PbClj. Rhombisch. Kleine weisae nadelige XX- (110)ooP 
(ca. 118®). — Scheinbar geflossene Partien. # (110)c3oP voUk., H. = 2, G. = 5,288. 
Diamantgl., leicht schmelzbar. Fumarolenproduct des Vesuvs. 

Nantokit. Ca^Clj. Regulär, tetraedr.-hemiedrisch. Das natürliche Mineral 
findet sich derb und eingesprengt. H. = 2— 2Vt , Cr. = 8,93. Wasserhell und weiss. 
An der Luft in Atakamit übergehend. Nantoko in Chile. — Eriochalcit und 
Melanothallit sind Hydrate des Kupferchlorürs, letzteres wahrscheinlich ein basi- 
sches Salz; beide vom Vesuv. 

Marshit. Cu^Ja» bildet kleine reguläre Tetraeder von Ölbrauner Farbe am 
Ausgehenden der Silbererzgänge von Broken Hill in Neu-Südwales. 



Chloride und Fluoride von Ca, Mg und AL 
Flnssspath. Fluss. Fluorit. CaFj. 

Regulär, holoedrisch. — Ausgezeichnet krystallisirt (Derbyshire, 
Cumberland, Kongsberg etc.). X X meist aufgewachsen, nicht selten ver- 
zerrt. Am häufigsten (100)ooOoo für sich oder in Combination mit (111)0 
und (110)odO. Auch (111)0 tritt allein auf, seltener (110)oo0. Femer 
finden sich« wiederum zumeist in Combination mit dem Würfel, ver- 
schiedene Ikositetraeder z. B. (211)202 und (311)303, Pyramiden Würfel 
z. B. (31Ö)oo03 und namentlich auch Hexakisoktaeder, z. B. (421)402, 
Die Flächen des Würfels sind gewöhnlich glänzend glatt, die des Okta- 
eders rauh und matt; häufig auch erscheinen diese Formen wie auf- 
gebaut (parquettirt) aus würfeligen Subindividuen. Zw. nach (111)0 nicht 
selten, gewöhnlich als einander durchdringende Würfel (Fig. 390). — 



Fig. 388. 

vj\ J 



Fig. 889. 



Fig. 390. 




Derb, in grobkrystallinischen bis völlig dichten, chalcedonartigen Ag- 
gregaten; selten stenglig und erdig. Pseudomorphosen vereinzelt. 

# (111)0 vollk. ; der selten wahrnehmbare Br. muschlig, spröd. 
H. = 4, G. = 3,1— 3,2. Farblos, aber meist in überaus mannichfacher 
Weise gefärbt (durch Kohlenwasserstoff, daher beim Erhitzen entfärbt), 
selbst am selben XX verschiedenartig; namentlich violett, grün und 
honiggelb. Durchs. Feuchter Qlasgl.; « = 1,435; erhitzt phosphores- 
cirend; die schönen blauen /[X aus Cumberland zeigen die Fluorescenz 
besonders deutlich. 

51,15 Ca, 48,85 F. — V. d. L. verknisternd und phosphorescirend ; 
selbst in Splittern schwer schmelzbar; schmilzt mit Gyps zu einer in der 



378 IV. El. Haloidsalze. 2. Abth. Doppel-Chloride und Fluoride. 

Hitze klaren, in der Kälte trüben Perle zusammen. Mit Schwefelsaure 
entweicht glasätzende Flusssäure. 

Charakteristisches Gangmineral! Zuweilen vorherrschend, wie zu 
Stolberg am Harz, Liebenstein im Thüringerwald, Wölsendorf in Bayern 
(hier der dunkelviolette, beim Anschlagen Kohlenwasserstoff abgebende 
Stinkfluss). Schöne XX auf den Zinnerzgängen Sachsens, Böhmens und 
Comwalls; auf Silbererzgängen bei St. Andreasberg, Freiberg, im Schwarz- 
wald, Kongsberg; auf den Bleiglanzlagerstätten von Cumberland (violette 
XX), von Derby shire (grüne XX) - Ausserdem auf Klüften und Hohl- 
räumen im Quarzporphyr, in Tuffen Campaniens, in krystallinischen 
Schiefem am St. Gotthard, im kämigen Kalk zu Wunsiedel, Pargas; als 
Einsprengung in topasirten Quarzporphyren. 

Aehnliche Mineralien : Baryt, Apatit, Orthoklas. — Verwendung ala FlnsBrnittel 
bei Hüttenprocessen ; in der Glasfabrication ; der von Derbyshire auch zu geschliffenen 
Sachen. — Ghlorophan sind phosphoreacirende Fluorite, besonders die von Nerfc- 
Bchinsk, Ratofkit der mit Mergel etc. verunreinigte Flussspath vom Bache Ratofka, 
GouY. Moskau genannt worden. 

Chlorocalcit (Chlorcalcium). GaCl,. Regulär. Vom Vesuv. — Chloro- 
magnesit ist das entsprechende Mg-Chlorid MgCl^. — Scacchit ist MnCU. Beides 
Vesuv-Mineralien. 

Sellait. MgFg. Tetragonal. Farblos, glasgl., durchschein. H. = 5, G. = 2,972. 
Im Anhydrit von Gerbulaz bei Moutiers in Savoyen. 

Bischof it. MgCla.GHgO. Wahrscheinlich hexagonal. Körnig, blätterig, zu- 
weilen faserig. H. = iVi— 2, G. = 1,65, Weiss; sehr zerfliesslich. Als secund&rw 
Mineral in der Garnallitregion von Stassfurt, entsteht bei der Auflösung von 
Camallit. 

Molysit (Eisenchlorid). FeClg. Hexagonal. Als Ueberzug und eingesprengt 
Gelb bis braun. Fumarolenmineral des Vesuvs, — Lawrencit ist ein Ni-haltiges 
Eisenchlorid aus meteorischem Eisen. 

Tysonit (CeLaDi)F3. Hexagonal. # (OOl)oP. H. = 47«— 5, G. = 6,13. Hell- 
wachsgelb bis rothbraun; Glasgl. bis Harzgl. Aus der Pike's Peak-Region; zumeist 
in Bastnäsit umgewandelt. 

Fluellit. AlFj.HjO. Rhombisch. Kleine spitze Bipyramiden (11 1)P, (001)oP. 
H. = 3, G. = 2,17. Weiss. Durchs, bis dui-chschein. Sehr selten; früher bei Stenna 
Gwyn in Cornwall mit Uranglimmer und Wavellit auf Quarz. 

2. Abtheilung. Doppel-Chloride und Fluoride. 

Kryolith, SNaF.AlP«. 

Monoklin, holoedrisch. a:b:c = 0,9662 : 1 : 1,3883. ß = 90« 11' 
(Krenneb). — Der würfelige Habitus der früher auch als rhombisch und 
triklin angesehenen XX wird durch (110)ooP mit 9V 58' und {00i)oP 
bedingt, wonach auch #. Daneben oft nach {011)Poö und (10i)P^. Auf 
{110)ooP dreifache Streifung, polygonale Zeichnungen erzeugend. Zw. nach 
(llÖ)ooP, wobei (001)oP unter 179^ 44' geknickt erscheint, auch mit 



IV. Kl. Haloidsalze. 2. Abth. Doppel-Chloride und Fluoride. 379 

lamellarer Wiederholung; ferner nach (iX^) — ^/«Pund {001)oP. — Derbe 
-Aggregate, an deren Oberfläche die Krystallenden flach (parquetartig) 
hervorragen, umschliessen Quarz, Spatheisen, Pyrit, Bleiglanz, Kupfer- 
Ifies, Columbit, Zinnstein. 

# i001)oP sehr vollk., (110)ooP voUk., (101) Pöö deutlich; daher 
auch späthiger Br.; spröde. H. = 2V2-3, G. = 2,95-2,97. Schnee- 
weiss, auch röthlich, bräunlich, selbst schwarz. Auf {001)oP Perlmgl., 
sonst eigenthümlich feuchter Glasgl. Durchscheinend. 

32,79 Na, 12,85 AI, 54,36 F. Schmilzt sehr leicht und hinterlässt 
eine weisse Kruste; in der offenen Glasröhre geglüht, entwickelt sich 
glasätzender FH. Löst sich vollständig in concentrirter Schwefel-, nur 
theilweise in Salzsäure. Wird durch Aetzkalk zersetzt, worauf die Ver- 
arbeitung beruht. 

Fast nur ein einziges Vorkommen j hier aber in grösster Menge: 
gangartig in zinnsteinführendem Granit hei Evigtok am Arksutfjord in 
Westgrönland y vereinzelt auf Gängen von Miask und am Pike's Peak. 

Aehnliche Mineralien: Anbjdrit und Schwerspath. — Verwendung zur Alu- 
minium- und Sodafabrikation, auch für porcellanartiges Glas. 

Elpasiolith, regulär, soll ähnlich wie Eiyolith zusammengesetzt, aber wesent- 
lich kalihaltig sein. Aus Höhlungen im Pachnolith von Pike's Peak. 

Chiolith. 5NaF.8AlF, mit 17,75 AI und 24,85 Na. Tetragonal. Kleine 
pyramidale, meist nach (lll)P verzwillingte X X ; gewtShnlich derb in feinkörnigen 
Aggregaten. # (lll)P ziemlich vollk. H. = 4, G. = 2,84—2,9. Weiss, glasglftnzend. 
l^och leichter schmelzbar als Eryolith; Miask. — Chodnewit, Nipholith, Ark- 
«utit sind durch Beimengungen, hauptsächlich durch Eryolith, verunreinigter. Chiolith. 

Prosopit Ca(P.0H),.Al2(F.0H)e. Monoklin. p = 93<>52'. (llO)ooPmit 
76*15', (010)ooPöö (oft vorwaltend), (lll)P. Auch in kömigen Aggregaten. H. = 4V«, 
O. = 2,894. Farblos , glasglänzend , durchs. In Gesellschaft von Zinnstein , Fluss- 
und Eisenspath früher von Altenberg, gewöhnlich in Eaolin oder Flussspath umge- 
w^andelt; neuerdings auf Quarzgängen in der Pike's Peak-Region. — Gearksutit 
'(Evigtokit), in kaolinähnlichen Aggregaten von Evigtok, kann als Hydrat der 
Prosopitsubstanz aufgefasst werden. — Der farblose bis gelblich weisse reguläre Ral- 
stonit ist ein ähnliches Hydrat, das aber Na und Mg statt Ca enthält. Evigtok. 

Pachnolith und Thomsenolith haben gleiche Zusammensetzung 
AlFg.NaF.CaPj.HjO, sind beide monoklin (ß = 90" 20' resp. 93® 12') und auch sonst 
äusserlich und in ihrem Vorkommen ähnlich. Sie bilden dünne Prismen oder grob- 
krystallinische bis feinkörnige und chalcedonartige, farblose Ueberzüge auf Eryolith 
aus dem sie durch Wasser- und Ealkaufnahme hervorgegangen sind. Grönland und 
Pike's Peak-Region. — Hagemannit, ocker- bis wachsgelbe Nester im Eryolith 
bildend, ist durch kieseliges Brauneisen verunreinigter Thomsenolith. 

Yttrocerit. Wasserhaltige Verbindung der Fluoritsubstanz mit (Y£rCe)F3, 
bildet kleinkörnige Aggregate und Ueberzüge. H. = 4 — 5. Violblau ins Graue und 
Weisse. Finbo und Broddbo bei Fahlun. Amity in New- York. 

Hieratit. 2EF.SiF«. Sehr kleine Oktaeder. Fumarolen von Vulcano. — 
Xryptohalit ist die analoge, NH4 statt E enthaltende Verbindung. Vesuv. 



380 IV. Kl. Haloidsalze. 3. Abth. Chloride in Verbindang mit Oxyden etc. 

CarnaUIt KCl.MgCl,.6H,0. 

Rhombisch, holoedrisch. aih\c = 0,5968 : 1 : 1^3891 (Des Cloizbaux). 
— XX selten, mit hexagonalem Habitus. illi)P mit 107 ^ 20', {0^1)^PoS 
mit 108 27', (110)ooP mit 118 ^ 37', {010)ooP^ etc. — Eingesprengt in 
Steinsalz und Anhydrit, namentlich aber in selbständigen Schnüren und 
Schichten in Form grobkörniger Aggregrate. 

Br. muschlig. H. = 1—2, Q. = 1,60. Farblos, zumeist aber ge- 
färbt, weisslich, gelblich, namentlich aber roth durch massenhaft ein- 
gemengte Schuppen von Eisenglanz, bezw. Göthit, durch die auch der 
charakteristische metallische Schimmer hervorgerufen wird. Glasgl., durch 
Wasseranziehung stumpf werdend; zerfliesslich. 

26,8 KCl (mit 14 K), 34,2 MgCl^, 39HgO; oft etwas K durch Ka 
ersetzt. — V. d. L, leicht schmelzbar; in Wasser leicht löslich, wobei 
der Camallit in Sylvin und MgCl, (resp. Bischofit) zerfällt. 

Wichtigstes der primären Kalisalze auf den Lagerstätten nördlich 
des Harzes; schöne XX t'ow Beienrode; bildet selbständig oder mit 
Steinsalz gemengt die oberste sogen. Camallitregion; Hauptmaterial für 
die Verarbeitung, Auch bei Kalusz in Galiziefi, In Concretionen bei 
Maman in Persien. 

Doaglasit 2KGl.FeCl2.2H2O. Primäres Mineral der KalisalzlagentiLtten, 
aber nur in Spuren gefanden, da es eich zersetzt und bei Gegenwart von Magnesia 
in FesOg, KCl, MgClj und H zerföllt, welcher letztere auf den Gruben oft eine monate- 
lang währende Flamme liefert. Künstliche X X monoklin. 

Erythrosiderit. 2KCl.FeCl;,.H20. Roth, leicht zerfliesslich, Sublimaüons- 
product der Vesuv-Lava von 1872. — Kremersit bildet rothe, leicht zerfliessliche 
reguläre (?) Oktaeder, vom Krater des Vesuvs, unterscheidet sich vom vorigen Mineral 
dadurch, dass die Hälfte des K durch NH4 ersetzt ist. — Pseudocotunnit. 
2KCl.PbCl2. Vesuv. 

Tachyhydrit. 2MgCl2.CaCl2.12H20. Rhomboedrisch und rhomboedcisch 
spaltbar. Wachs- und honiggelb, schnell zerfliessend. Gehört zu den secundären 
Salzen der Kalisalzlagerstätten und bildet Knollen im Anhydrit. 



3. Abtheilung. Chloride etc. In Verbindung mit Oxyden 
(Oxycliloride etc.) und Oxysalzen^). 

Kalnit. KCl.MgSO^.SH^O. 

Monoklin, holoedrisch, a : 6 : c = l,n86 : 1 : 0,5863. ß = 94<> 54' 
(Gboth). — XX selten, auf Drusenräumen derben Kainits, mit Habitus 
tafelig nach {001)oP, dazu (111)-P, {1H)P, (plO)ooPdö \x. a. Fl. —Derb, 
in feinkörnigen Aggregaten. 

# (100)ooPöö vollk., (110)ooP deutlich. H. = 2, G. = 2,5—3. Färb- 



*) Ausschliesslich der Gl- und F-haltigen Phosphate und Silicate. 



IV. Kl. Haloidsalze. 3. Abth. Chloride in Verbindung mit Oxyden etc. 381 

los, namenÜich aber gelblich und grau; auch roth. Durchscheinend, 
schimmernde Bruchflächen der Aggregate. Nicht hygroskopisch. 

30 KCl (mit 15,7 K), 48,3 MgSO^, 21,7 H^O, oft etwas KCl durch 
NaCl ersetzt und gewöhnlich mit grösseren Mengen von NaCl ver- 
wachsen. — Leicht löslich in Wasser, aber dadurch zersetzt; beim 
Wiederauskrystallisiren scheidet sich Pikromerit aus. 

In selbständigen Schichten auf den Kalisdlzlagerstätten nördlich 
des Harzes, wie auch hei Kdlusz, Wichtiges und in bedeutendster Menge 
vorkommendes secundäres Salz, aus Camallit hervorgegangen; primär im 
Hartsalz. Das Hartsalz der Kalibergleute ist ein verschieden zu- 
sammengesetztes Gemenge von Steinsalz mit Chloriden und namentlich mit 
Sulfaten von K und Mg, aber ohne MgCl^, vielfach mit wesentlicher 
JBetheiligung von Kainit. 

Kommt in vermahlenem Zustand als Kalidünger in den Handel. 

Sulfohalit. NaCl.NaF.2Na2SO,. Regulär. - Northupit. NaCl.MgCOg.NajCOj. 
Regulär. Beide Mineralien aus dem Boraxsee in San Bemardino Co., Califomien. 

Nocerin. 2(CaMg)F2.(CaMg)0, ausserdem noch AI, K und Na enthaltend. 
Hexagonale nadelige XX und faserig; weiss, seidengl&nzend. Aus vulkanischen 
Bomben im Tuff von Nocera bei Neapel. 

Fluocerit (CeLaDi),OFJ=2(CeLaDi)jFe.(CeLaDi)j08]. Hexagonale Tafeln, 
in Platten und derb. Br. uneben bis splittrig. H. = 4—5 , G. = 4,7. Licht ziegel- 
roth bis gelblich; kantendurebschein. Aus Granitgängen von Broddbo und Finbo bei 
Fahlun. — Hydrofluocerit von demselben Fundort, wahrscheinlich nur wasserhaltiges 
Zersetzungsproduet des vorigen. — BastnÄsit (Hamartit) (CeLa)8Fg.(CeLa)g03.3COj 
mit etwas Di. Hexagonale Prismen, derb, H. = 4— 4V«, G. = 4,93— 5,18. Wachs- 
gelb bis röthlichbraun, glas- bis harzglänzend. In kleinen Partien zwischen AUanit 
eingewachsen aus der Bastnäsgrube bei Riddarhyttan ; in Feldspath von Pike's Peak 
in Colorado. — Paris it. CaFj.Ce^Os.SCOj; ein Drittel des Cers ist durch Di und 
La ersetzt. Hexagonal. # (OOl)oP sehr voUk. Br. kleinmuschlig. H. = 4—5, 
G. = 4,35. Bräunlichgelb ; kantendurebschein. Smaragdgruben des Muzothals in 
Columbia. — Kischtimit aus den Kischtimskischen Goldseifen am Ural, mit vor- 
wiegendem La, ohne Ca, aber etwas H^O, wahr