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Full text of "Leipziger Schöffenspruchsammlung, herausgegeben, eingeleitet und bearbeitet"

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FORSCHUNGSINSTITUT FÜR RECHTSGESCHICHTE 

UNTER DER LEITUNG VON D. Dr. ADOLF WACH 

WIRKL. OBH. RAT, PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 



QjUELLEN ZUR GESCHICHTE DER REZEPTION 

ERSTER BAND 



LEIPZIGER 
SCHÖFFENSPRUCH- 
SAMMLUNG 



HERAUSGEGEBEN, EINGELEITET UND BEARBEITET 

VON 

Drjur. guido KISCH 

PRIVATOOZENT AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 




VERLAG VON S. HIRZEL, LEIPZIG/ 1919 



SÄCHSISCHE FORSCHUNGSINSTITUTE IN LEIPZIG 
FORSCHUNGSINSTITUT FÜR RECHTSGESCHICHTE 

UNTER DER LEITUNG VON D. Dr. ADOLF WACH, 
WIRKL. GEH. RAT, PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 



dUELLEN 

ZUR GESCHICHTE 

DER REZEPTION 



ERSTER BAND 



DR. JUR. GUIDO KISCH 
LEIPZIGER SCHÖFFENSPRUCHSAMMLUNG 




VERLAG VON S. HIRZEL, LEIPZIG / 1919 



LEIPZIGER 
SCHÖFFENSPRUCH- 
SAMMLUNG 



HERAUSGEGEBEN, 
EINGELEITET UND BEARBEITET 

VON 



DR.JUR. GUIDO KISCH 

PRIVATDOZENT AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 




VERLAG VON S. HIRZEL, LEIPZIG/ 1919 






l 



Copyright by S. Hirzel at Leipzig 1919. 



Alle Rechte vorbehalten. 



L4 K5 



VORWORT. 

Das der Jurtstenfakultät der Universität Leipzig angeglie- 
derte Forschungsinstitut für Reclitsgeschictite hat sich 
«die Erforschung und Darstellung des Vorganges der so- 
genannten Rezeption des römischen Rechts in Deutschland als 
Gesamterscheinung und in ihren einzelnen Wirkungen mit be- 
sonderer Berücksichtigung des Einflusses des sächsischen Rechts 
auf die Rechtsentwicklung* zur Aufgabe gemacht. Bedeutung 
und Größe des Problems erheischen Behandlung auf breitester 
Grundlage. Die Ergebnisse der alle Gebiete der Rechtsgeschichte 
umspannenden Forschungen werden in «Untersuchungen zur 
Geschichte der Rezeption* zusammengefaßt werden. An eine 
vollständige Veröflentlichung der gesamten gewaltigen Quellen- 
bestände, auf welchen sich diese Arbeiten aufbauen werden, ist 
selbstverständlich nicht zu denken. Der Zweck der «Quellen 
zur Geschichte der Rezeption* kann daher bloß darin bestehen, 
die wissenschaftliche Darstellung mit vorzubereiten, zu unter- 
stutzen und zu entlasten. In diesem Sinne eröffnet der vor- 
liegende Band eine Reihe von SchöfFenspruchsammlungen, durch 
deren Veröffentlichung ein Oberblick aber die Rechtsprechung 
der beiden bedeutendsten sächsischen Schöffenstuhle und fiber 
die Wandlungen, die sie in der Rezeptionszeit erfahren hat, 
ermöglicht werden soll. 

Zur Einfuhrung in den Quellenkreis gedachte ich, der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung eine fibersichtliche Zusammen- 
stellung und rechtsgeschichtliche Würdigung aller erhaltenen 
Schöflvenspruchsammlungen vorauszuschicken. Je vollständiger 
sich jedoch im Laufe der Jahre die Sammlung dieser Rechts- 
quellen gestaltete, desto deutlicher trat auch die Erkenntnis - 



263 



VI Vorwort. 

hervor, daO schon eine bloße Aufzählung und Beschreibung, 
geschweige denn die genaue Analyse der Handschriften den 
Rahmen einer Einleitung weit überschreiten würde. Anderer- 
seits regte die Vollständigkeit und Reichhaltigkeit des zusammen- 
gebrachten Quellenmaterials, das nicht nur über den Vor- 
gang bei der Rechtsholung und Rechtsfindung Licht verbrettet, 
sondern auch einen Ausblick auf die Grundfragen der Rezep- 
tionsgeschichte eröffnet, den Gedanken einer monographischen 
Darstellung an. So bescheidet sich denn die Einleitung zum 
vorliegenden Bande mit einer quellengeschichtlichen Unter- 
suchung über die Leipziger Schöffenspruchsammlung. Sie greift 
nur dort weiter aus, wo der Inhalt der Samii^lung, die nicht 
bloO Leipziger Schöffensprüche umfaßt, dazu Veranlassung bot 
oder wo es für das Verständnis der Darlegungen unbedingt 
erforderlich erschien. Der Oberhof Magdeburg aber soll zum 
Mittelpunkt einer eigenen Untersuchung werden, welche einen 
selbständigen Beitrag zur Gescfiichte der sächsischen Recht- 
sprechung und der sächsischen Rechtsquellen liefern wird. 

Leipzig, am 22. Januar 1019. 

Guido Klsch. 



INHALTSVERZEICHNIS. 

Seite 

Vorwort V— VI 

Inbaltsverzeichnis VII— XII 

Abkürzungen * XIII— XVI 

I. Handschriften XIII— XV 

IL Druckwerke XV— XVI 

Einleitung. 

I. Die Überlieferung 3'~.i(r 

Die Dresdener Handschrift M 20 S. 3*. Beschreibung 
S. 3*. Der Text der Rechtssammlung S. 4*. Die 

Schrift S. 4^ Der Schreiber S.5*. Das Titelregister 
S. 5^ Die Schrift S. S\ Der Verfasser und Schreiber 
S. 6*, Verbindung von Text und Register zu Hs. Dres- 
den M20 S.7\ Entstehungszeit S.7^. Entstebungs- 
ort S. 7*. Sprache S. 7*. Analyse des Inhalts S. 8*. 
Literatur S. 9*. Wissenschaftliche Benutzung S. 0^. 

IL Die Leipziger Schöffenspruchsammlung ir-iii* 

1. Entstehttiig 11*-1V 

Äußere Form der Handschrift S. 11\ Vermutung fiber 
ihren privaten Charakter S. ll^ Schwierigkeiten für die 
kritische Beurteilung S. 11* AT. Anonymitit S. II*. Ten- 
denz der Verallgemeinerung S. 11*. Keine Originalhand- 
schrift, bloß Abschrift S. 12*. Eigenart der Kopie S. 12*. 
Bestimmung der Art und Entstehung der Schöffenspruch- 
sammlung aus ihrem Inhalt S. 12*. Die Ortsangaben als 
sicherstes Kriterium S. 13*. Allgemeines über Ausgangs- 
orte und Bestimmungsorte S. 13*. Spruchbertörden und 
Ausgangsorre der Sprüche in der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung S. 14*. Auf den Namen der Anfragenden ge- 
stellte Sprüche S. 15*; Auf den Namen der Anfragenden um- 
gesteltte Sprüche S. 15*. Anderweitige Ermittlung der 
Ausgangsorte S. 15*. Bestimmungsorte der Sprüche in 
der Leipziger Scböffenspnichsamm.lung S. 15*. Ermitt- 
lung der Bestimmungsorte S. 16*. Ihre geographische 
Lage S. 10*. Schlußfolgerungen für die Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung S. 17* ff. Keine Oberhof* oder Schöffen- - 



bV 



VIII Inhalts Verzeichnis. 

Seile 

stuhlsammlung S. 17^ Keine Empflngereammlung S. 18*. 
Überhaupt keine amtliche Sammlung S. 18*. Eine 
Schöifenspruchsammlttng privaten Charakters S. 19*. 

2. Charakteristik 19*~39* 

Einteilung der Leipziger Schöifenspnichsammlung S. 19*. 
Allgemeines über Süßere Form und inneren Bau der 
Schdffenspruche S. 19* f. 

I. Erster Hauptteil der Leipziger Schdffenspruchsamm* 
lung S. 20*— 27*. 

Eigenart S. 20*. Ausgangsorte und Bestimmungsorte 
der Sprüche S. 20*. Ihre Entstehungszeit S. 20*. Die 
Oberschriften der Sprüche S. 21*. Anordnung des Stoffes • 
S. 22*. Die einzelnen SchöiTensprüche S. 22*ir. Ein- 
leitungsformeln S. 23*. Fehlen der Anfragen S. 24*. 
Der »Tatbestand'' S. 24* f. Die Entscheidungen S. 25*. 
Schlußklausel S. 25*. Namensbezeichnungen und Na- 
mensabkürzungen S. 25* f. Keine Wiederholung von 
Sprüchen S. 26*. 

II. Zweiter Hauptteil der Leipziger Schdifenspruchsamm- 
lung S. 27*— 39*. 

Eigenart S. 27*. Ausgangsorte und Bestimmungsorte 
der Sprüche S. 27*. Ihre Entstehungszeit S. 27*f. Die 
Überschriften der Sprüche S. 28*. Anordnung des Stoffes 
S. 20*. Die einzelnen SchöfTensprüche S. 29* flP. Die 
Anfragen S. 30*. Ihre iußere Gestaltung S. 30* f. Ihr 
innerer Aufbau S. 31*. Arten der Anfragen S 32*. 

I. Bericht S. 32*. 2. Protokoll a) ProtokollerklSrung 
S. 32*. b) Verhandlungsprotokoll S. 33*. 3! Partei- 
schriften S. 34*. Redeform und stilistische Gestaltung 
S. 35*. Namensbezeichnungen, Namensabkürzungen und 
verallgemeinernde Namensfassung S. 30*. Sprucheinlei- 
tung-formeln S. 37*. Sihlußklausel S. 38*. Die Ent- 
scheidungen S 38*. Wiederholungen von Schöffen- 
sprüchen S. 39*. 

Vergleichende Schlußbetrschtung S. 39*. 

3. Parallelsammlangeii 40*— 68* 

L Vorbericht 40*— 43* 

Bedeutung der Parallelsammlungen für die Quellen- 

• geschichte der Leipziger Schöffenspruchsammlung S. 40*. 

Schwierigkeiten der Untersuchung S. 40*. Leitende 

Grundsitze S. 41*. Gang der Untersuchung S. 41*f. 

Allgemeine Vorbemerkungen S. 42* f. 

II. Erste Gruppe 43*— 51* 

1. Hs. Zwickau [C 23a] S. 43* ff. 2. Eine für Haltaus' 

Glossarium benützte handschriftliche Schöffenspruch- 
sammlung S. 48* ff. 



InbaltSTerxeicbnis. IX 

Seite 

III. Zwehe Gruppe Sl'-SS* 

Hs. Leipzig 906 S. 51* ff. 

IV. Dritte Gruppe 55'-e8* 

1. Hs. Görlitz Varia 4 S.57* ff. 2. Hs. Leipzig 945 S. 50* ff. 

3. Hs. Dresden M 34b S. 63* ff. 4. Hs. Leipzig 953 S. 65* ff. 
5. Hs. Zwickau [C 23 a] S.67*r. 

V. Obersicht 68* 

Abstammungs- und Verwandtscbaftsverbiltnis aller 

untersuchten Scböffenspruchsammlungen S. 6B*. 

4. Quellen 69*— 108* 

L Allgemeines 69*— 71* 

Die Leipziger Scböffensprucbsammlung, eine auf ver- 
schiedenen Quellen beruhende Kompilation S. 69*. Be- 
standteile der Hs. Dresden M 20 S. 69*. Bestandteile 
der Leipziger Scböffenspruchsammlung S. 69*. Mangel 
an Ordnungsgesichtspurikten S. 70*. N(^iederholung von 
Spruchen S. 70*. Verschiedene Gestaltung der Sprüche 
im ersten und zweiten Teile der Leipziger Scböffenspruch- 
sammlung S. 71*. 

IL Verschiedene Quellen 71*— 74* 

.Sprüche aus besonJers früher Zeit S. 71*. «Weis- 
tumer* S. 71*. Bestandteile der Leipziger Scböffen- 
spruchsammlung, welche keine Schöffensprüche sind S.72*. 
Die Quellen der Weistumer S. 72*. Die N(^eichbildgIosse . 
S. 73*. Eine Parallelsammlung zu den Magdeburger 

Fragen S. 73*. Sachsenspiegel Landrecht S. 73*. Eine 
Gerichtsurkunde §• 73*. Ein Rechtsgutachten S. 73*. 
Unbestimmte Quellen S. 74*. 

III. Das Original zu Hs. Dresden M 20 74*-78* 

Allgemeines S. 74*. Inhalt S. 75*. Eigenart S. 76*. 

Quellen S. 76*. Entsteh jngszeit S. 76*. Aufbewah« 
rungs* und Benutzungsort S. 76* f. 

IV. Die Weichblldglosse 78*— 100* 

Eine bisher unerkannte Form der Wetcbbildglosse als 

Quelle der Leipziger Scböffenspruchsammlung S. 78*. 
Stand der Forschung über die Geschichte der Veicbbild- 
glosse S. 78*. Begrenzung der Untersuchung S. 79*. 

Obersicht über die Stücke der Leipziger Scböffenspruch- 
sammlung und der zweiten Schöffen^pruchsammlung der 
Hs. Dresden M34b, welche der Weichbildglosse entstam- 
men S. 8l*f. 

Geschichte der Weichbildglosse S. 83* ff. Die Hand* 
Schriften S. 84*f. Die Drucke S. 86*f. Die Textgestal- 
tuog S. 87* ff. Die „gewöbnltche*" Fo>m und die Versuche 
zu selbstindigen Glossierungen S. 87*. Die „Ursprung- 



iDbaltsverzeictanis. 

Seite 

liche^ und die „vermehrte" Form S. 88\ Die .Erweite- 
rung der (ursprünglichen) Glosse zu Sachsenspiegel, Land- 
recht II 24" S.88^ Ihr Verhflltnis zur ursprünglichen 
Form der Weichbildglosse S. 88^ Die »Additionen* zur 
Weichbildglosse S. 89*. 

Eine Handschrift der vermehrten Weichbildglosse als 
Quelle der Leipziger Scböifenspruchsammlung S. 90^ 
Das Abstammungsverhältnis 8.90* f. Das Verhflltnis der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung zur zweiten Schöffen- 
Spruchsammlung der Hs. Dresden M 34 >> S. 91*. Eine 
Handschrift der Weichbildglosse als Quelle der Hs. Dres- 
den M 34b S. 92* ff. 

Vermutung über die Verarbeitung von Magdeburger 
Schöffenspruchen in der Weichbildglosse S. 95*. Ent- 
stehungszeit und Entstehungsort der Weichbildglosse 
S. 96*f.' Charakteristik der erweiterten Glosse zu Ssp. 
Ldr. II 24 S. 98\ Keine Bearbeitung wirklicher Schaffen- 
sprCche S. 98*. Tendenz, das magdeburgische und das 
römische Recht zu konkordieren S. 99*. Die ,»Erweite* 
rung der Glosse zu Ssp. Ldr. 11 24% Nikolaus Wurms ver- 
breitetstes Werk S. 99* f. 

V. Leipziger Schöffenstuhlsammlungen 100*^106* 

Ältere Schöffenspruchsammlungen als Quellen der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung S. 101*. Die Gleichartig- 
keit dieser Quellen S. 102*. Entlehnung der JViehrzahl 
der Leipziger Seh offen sprüche in Hs. Dresden JVi 20 aus 
den Leipziger Schöffenstuhlsammlungen S. 103*. Auf- 
findung der Konzepte zu zwei Spruchen in den amtlichen 
Leipziger Sammlungen S. 104^ • Nach Leipzig selbst er- 
gangene Sprüche der Schöffen zu Leipzig S. 105* f. Leip- 
zig als Aufbewahrungs- und Benutzungsort einer anderen 
Quelle der Leipziger Schöffenspruchsammlung S. 107*. 
Ein JV^itglted des Leipziger Schöffensruhls vermutlich der 
geistige Urheber der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
S. 108*. 

5. Znsammenfassnng der Ergebnisse 108* -lii* 

Die Leipziger Schöffenspruchsammlung, eine Sammlung 
privaten Charakters S. 1U8^ Entstebungszeit S. 108*. 
Entsfehungsort S 108*. Der geistige Urheber der Arbeit 
S. 108*. Der Schreiber der Hs. Dresden M 20 S. 108*. 
Die Quellen der Sammlung S. 109*. Der Name «Leip 
ziger Schöffenspruchsammlung" S. 109*. Die bearbei 
tende Tflti»;keir S. 109*. Nur Sammeltfltigkeit S. 110*. 
Keine juristische Privatarbeit, somit auch kein ,»Rechts- 
buch" S. 110*. Bedeutung der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung fQr die Geschichte der sflchsischen Rechts- 
* quellen der Rezeptionszeit S. 1 1 1*. ... 



Inhaltsverzeichnis. XI 

Seite 

III. Die Ausgabe ....../ Ii2^^i2e* 

Leitgedanken S. 112^ Scböifensprucboriginale und 
Scböffenspruchsammlungen S. 112^. Auswahl und An- 
ordnung S. 113*. Schwierigkeiten bei der Leipziger 
SchöflPensprucbsammlung S. 113*. Umfang der Wieder- 
gabe S. 113* f. Kopf un*d Randnoten S. 114*. Vorbe- 
merkungen S. 114* if. 1. Ausgangsorte und Bestimmungs- 
orte der Sprüche S. 114*. 2. Andere handschriftliche 
Überlieferungen S. 115*. 3. Frühere Drucke S. 115*. 

4. Entstehungszeit S. 115*. 5. Denselben Rechtsfall be- 
treifende Sprüche S. 115*. 6. Identische Sprüche S. 115*. 
7. Literaturangaben S. 115* f. Parallelstellen S. 116*. 
Überschriften und Regesten S. 117*. Textbehandlung 

5. 117* ff. Leitende Grundsfltze S. 118*. Spruchform 
S. 118*. Verbesserung und Ergflnzung des Textes S. 118* f. 
Abkürzungen und Zitate S. 119*. Schreibung S. 119* ff. 
Zahlen S. 1 19*. Buchstaben S. 1 19* f. Vereinfachung 
des Konsonantismus S. 120*. Behandlung des Vokalis- 
mus S. 120*. Begründung des angewendeten Verfahrens 
S. 120*. Absitze, Satzteilung, Interpunktion S. 121*. 
Titelregister S. 121*. Inhaltsübersicht S. 122*. Wort- 
und Sachregister S. 122* ff. Zweck und leitende Grund- 
satze S. 122* f. Äußere Anordnung S. 123*. Hilfsmittel 
S. 123*. Erweiterung der Quellengrundlage S. 124*. 
Personenregister S. 124*. Ortsregister S. 124* f. An- 
lage S. 124*. Hilfsmittel S. 125*. Kartenskizzen S. 125*. 
Verzeichnis der Quellenzitate S. 125*. Entstehung der 
Ausgabe S. 126*. Schlußvignette: Das älteste Siegel der 
Schöffen zu Leipzig S. 126*. 

Die Leipziger SchOffenspruchsaniiiilung. 

Inhaltsübersicht 1—2 

Titelregister 3—57 

Text 59—583 

Verbesserungen 584 

Register und Obersichten. 

L Wort- und Sachregister 587—622 

IL Personenregister 623-631 

III. Ortsregister 632—635 

IV. Verzeichnis der Quellenzitate 636—637 

I. Deutsches Recht 636 

IL Römisches Recht 637 

III. Kanonisches Recht 637 



XII Inbaltsverzeicbnis. 

Seife 

V. Ordnung der Sprüche nach Sprucbbebörden beziehungsweise 

Ausgangsorten 638—638 

A. Spruche mit Angabe der Spruchbebörde 638 

B. Auf den Namen der Anfragenden gestellte beziehungs- 
weise umgestellte Sprüche 639 

C. Spruche ohne Angabe der Spruchbehörde 630 

D. GesamtQbersicbt 639 

VI. Bestimmungsorte der Spruche 640 

VII. Verzeichnis der datierbaren Sprüche 641—642 

a) in chronologischer Ordnung 641 

b) in der Reihenfolge der Leipziger Schöifenspruchsammlung 642 

VIII. Verzeichnis 

a) der «denselben Rechtsfall betreifenden Sprüche 643 

b) der identischen Sprüche 643 

c) der keine Entscheidungen enthaltenden Bestandteile der 
Sammlung 643 

IX. Obersicht über die auch in anderen handschriftlichen Samm- 
lungen überlieferten verglichenen Sprüche und über die 

bereits gedruckten Sprüche 644—655 



ABKÜRZUNGEN. 

I. 
Handschriften. 

Eine genaue Beschreibung, Analyse und recbtsgeschichtliche Wfirdigung 
aller im folgenden aufgeführten Handschriften nebst voUstflndigen Literatur- 
angaben wird in der im Vorwort angekQndigten Abhandlung «Der Oberhof 
Magdeburg" veröffentlicht werden.- Zur vorläufigen Orientierung werden 
hier die Aufbewahrungsorte der Handschriften mit ihren Signaturen, sowie 
ihre Nummern bei Gustav Homeyer, Die deutschen RechtsbQcher des 
i^Aittelalters und ihre Handschriften, Berlin 1856, mitgeteilt. Handschriften, 
bei denen die letzte Angabe fehlt, sind Homeyer unbekannt geblieben. 
Außerdem wird nur solche Literatur angeführt, welche genaueren Aufschluß 
über einzelne Handschriften gewährt. 



Hs. Berlin 810 = Berlin, Preußische Staatsbibliothek (früher König- 

liche Bibliothek), Ms. germ.fol. 810. — Vermutlich 
Homeyer 35S. — Jacob Friedrich Behrend, Die 
Magdeburger Fragen; Berlin 1865, S. If., Nr. 2. 

Hs. Dresden A XXII 73h = Dresden, Ratsarchiv, A XXll 73h. — Otto Richter, 

Verfassungs und Verwaltungsgeschichte der Stadt 
Dresden. Erster Band: Verfassungsgeschichte der 
Stadt Dresden; Dresden 1885, S. 256. — Erich 
Liesegang, Reisebericht in der Zeitschrift der 
Savignystiftung für Rechtsgeschichte, Germani- 
stische Abteilung, 16 (1895), S. 291. 



Hs. Dresden M 20 



Hs. Dresden M 20 a 



Dresden, Sächsische Landesbibliothek, M 20. — 
Homeyer 155. 

Dresden, Sächsische Landesbibliothek, M 20a. — 
Homeyer 156. — Hermann Wasserschieben, Das 
Prinzip der Sukzessionsordnung nach deutschem 
insbesondere sächsischem Rechte; Gotha 1860, 
S. 164fr. — Franz Schnorr von Carolsfeld 
Katalog der Handschriften der Königlichen öffent- 
lichen Bibliothek [jetzt Sächsischen Landesbi- 
bliothek] zu Dresden, 2. Band; Leipzig 1883, S.431 f. 



XIV Abkürzungen. 

Hs. Dresden M 34^ » Dresden, Sächsische Landesbibliothek^Af J4^— Homeyer 

172. — Carolus Augustus Gottschalk, Analecta codicis 
Dresdensis, quo jus Magdeburgense ac scabinoram 
sententiae medio aevo latae continentur; Dresdae 1824. 

— Hermann Wasserschieben, Sammlung deutscher 
Rechtsquellen. I. Band; Gießen 1860, Einleitung SS 2 
und 4; in den Abteilungen II und IV ist der Inhalt der 
Handschrift abgedruckt. — Schnorr vonCarolsfeld, 
Katalog der Handschriften der Königlichen öffentlichen 
Bibliothek [jetzt Landesbibliothek] zu Dresden, 2. Band; 
S. 440. [Mit der Abkürzung ,Hs. Dresden M 34^« wird 
ausschließlich die zweite in dieser Handschrift auf Bl. 75 
bis 257 enthaltene Schöffenspruchsammlung zitiert.] 

Hs. Görlitz 4 = Görlitz, Ratsarchiv, Varia 4. — Guido Kisch, Schöffen- 

Spruchsammlungen in der Zeitschrift der Savignystiftung 
für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung 39(1918), 

H.8 Leipzig II. 20 = Leipzig, Stadtbibliothek, Rep. IL foL 20. — Homeyer 382. 

— Wasserschieben, Das Prinzip der Sukzessions- 
ordnung, S. 177 ff. 

Hs. Leipzig 906 «^ Leipzig, Universitätsbibliothek, Hs. 906. — Homeyer 

403. — R[udolf| Helssig, Katalog der lateinischen und 
deutschen Handschriften der Universitätsbibliothek zu 
Leipzig; 3. Band: Die turistischen Handschriften; 
Leipzig 1905, S. 30f.; daselbst weitere Literaturnach - 
Weisungen. -- [Mit der Abkürzung „Hs. Leipzig 906^ 
wird ausschließlich die Schöffenspruchsammlung auf 
Bl. 111-144 dieser Handschrift zitiert.] 

Hs. Leipzig 945 = Leipzig, Universitätsbibliothek, Hs. 945. — Victor Friese 

und Erich Liesegang, Magdeburger SchöffensprQche, 
L Band; Berlin 1901, S. 344ff., 437 ff.; daselbst sind in 
Abteilung IIL B die in der Handschrift enthaltenen 
Magdeburger Schöffenspruche abgedruckt. — Helssig, 
Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek 
zu Leipzig, S. 76 f. 

Hs. Leipzig 953 == Leipzig, Universitätsbibliothek, Hs.953. — Homeyer 400. 

— Wasserschieben, Sammlung deutscher Rechts- 
quellen. I. Band; Einleitung, $$ 1 und 4; in den Ab- 
teilungen I und V ist der Inhalt der Handschrift zum 
großen Teil gedruckt. — Helssig, Katalog der Hand- 
schriften der Universitätsbibliothek zu Leipzig, S. 90ff. 

— [Mit der Abkürzung „Hs. Leipzig 953* wird aus- 
schließlich die Schöffenspruchsammlung zitiert, welche 
den zweiten Bestandteil dieser Handschrift bildet] 

Hs. Leipzig 1668 »Leipzig, Universitätsbibliothek, Hs. 1668. — Helssig, 

Katalog der Handschriften der Universitätsbibliothek 
zu Leipzig, S. 257 f. 



Abkarzungen. XV 

Hs. Leipzig 2275 » Leipzig, Universitfltsbibliotbek, Hs. 2275. — Bei 

Helssig, Katalog der Handschriften der Univer- 
sitätsbibliothek zu Leipzig nicht verzeichnet. 

Hs. Naumburg 34 =: Naumburg an der Saale, Stadtbibliothek, Ms. 34, — 

Homeyer 503. - Heinrich M ü h 1 e r , Deutsche 
Rechtshandscbriften des Stadtarchivs zu Naumburg 
an der Saale; Berlin 1838, S. 67ff. 

Hs. Warmbrunn Sc 15 = Warmbrunn, Grflflich Schaffgotschsche Majorats- 
bibliothek, Sc 15. — Paul La band, Eine hand- 
schriftliche Sammlung sächsischer Schöffensprfiche 
des XV!. Jahrhunderts in der Zeitschrift für Rechts- 
geschichce 6 OS67), S. 331 ff. 

Hs. Zwickau C23a = Zwickau in Sachsen, Ratsarchiv, C 23a. — Vgl. 

Homeyer 737, 7.^. — Bohrend, Die Magdeburger 
Fraisen, S. VI, Nr. 16. — [Mit der AbkQrzung „Hs. 
Zwickau** wird ausschließlich die Schöffenspruch- 
sammlung auf Bl. 347t'— 405« der Hs. Zwicknu C 23 a 
zitiert.] 



IL 

Druckwerke. 

Die verwendeten Abkürzungen sind in eckigen Klammern eingeschlossen. 

A. von Daniels und Fr. von Gruben, Das sächsische Weichbildrecht. 
Rechtsdenkmäler des deutschen Mittelalters, herausgegeben von v, Da- 
niels, V. Gruben und KGhns. 1. Band. Berlin 1858. [v. Daniels 
Veicbbild.] 

Victor Friese und Erich Liesegang, Magdeburger Schöffensprfiche. Erster 
Band: Die Magdeburger Schöffensprfiche für Groß Salze, Zerbst und An* 
halt, Naumburg und aus dem Codex Harzgerodanus. Berlin 1901. [Friese- 
Liesegang.] 

Hans Conen von der Gabelentz, Die ausgestorbenen Adelsfamilien des 
Osterlandes; Mitteilungen der Geschichts- und Altertumsforschenden Ge- 
sellschaft des Osterlandes. 6. Band, Altenhurg 1863, S. 274 — 4d8. [v. d. 
Gabelentz, Adelsfamilien.] 

Cbristiani Gottlob Haltaus Glossarium Germanicum medii aevi, maximam 
partem e diplomatibus multis praeterea aliis monimentis tam editis quam 
ineditis adornatum. Lipsiae 1758. [Haltaus, Glossarium.] 

Clemens Freiherr von Hausen, Vasallengeschlechter der Markgrafen zu 
Meißen, Landgrafen zu Thfiringen und Herzoge zu Sachsen bis zum Be- 
ginn des 17. Jahrhunderts. Berlin 1892. [Frh. v. H ausen, Vasallen- 
geschlechter.] 



Xyi Abkürzungen. 

Gustav Homeyer, Die deutschen Recbtsbucher des Mittelalters und ihre 
Handschriften. Berlin 1856. [Homeyer, Recbtsbucher.] 

Carl Gustav Homeyer, Des Sachsenspiegels erster Teil oder das sflchsische 
Landrecbt. Dritte umgearbeitete Ausgabe. Berlin 1861. [Homeyer, 
Ssp. H.] Des Sachsenspiegels zweiter Teil nebst den verwandten Rechts- 
büchern. Erster Band: Das sflchsische Lehnrecht und der Richtsteig Lebn- 
rechts. Berlin 1842. [Homeyer, Ssp. II, 1.] 

Gurt von Raab, Regesten zur Orts- und Familiengeschichte des Vogtlandes. 
I. Band, 1350—1485 (Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i.V. 
10. Jahresschrift auf die Jahre 1803/94), Plauen!. V. 1803; II. Band, 1485—1563 
(Beilage zu den Mitteilungen des Altertumsvereins zu Plauen i.V. 13. Jabres- 
schritt auf die Jahre 1807/08), Plauen i. V. 1808. [von Raab, Regesten I, IL] 

Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Philosophisch-historische Klasse. Wien. [WSB.] 

Hermann Wasserschieben, Sammlung deutscher Rechtsquellen. Erster 
Band. Gießen 1860. [W^sserschleben, Rechtsquellen.] 

Hermann Wasserschieben, Das Prinzip der Sukzessionsordnung nach 
deutschem insbesondere sächsischem Rechte. Gotha 1860. [Wassersch- 
ieben, Sukzesstonsordnung.] 

Sächsisches Weichbild. Älteste (glossierte) Weicbbildausgabe in Folio, 
ohne Angabe von Ort und Jahr des Erscheinens. Sie ist vermutlich in 
Basel 147.., zweifelhaft, ob bei Bernhard Richel gedruckt. [Weichbild, 
Basel.] 

Weichbild. Siehe auch unter: von Daniels und Zobell. 

Zeitschrift für Rechtsgeschicbte. Weimar 1861 ff. [ZRG.] 

Zeitschrift der Savignystiftung fGr Rechtsgeschicbte, Germanistische Ab- 
teilung. Weimar 1880 ff. [Sav.ZRG.] 

Ghristophorus Zobell, Sachssenspigell uffs neu durchaus corrgirt und 
restituirt. Gedrugkt zu Leyptzigk, Melchior Lotter. Anno domini 153S. 
[Zobel, Ssp.] 

Ghristoff Zobell, Sechsisch Weychbild und Lehenrecht, itzt auff^B naw nach 
den warhafften alden exemplarn und texten mit vleis corrigirt, übersehen 
und restituirt, sampt eim nawen register oder remissorio. Gedruckt zu 
Leiptzig und volendet am XV. tag Aprilis im 1537. jare. Michael Blum. 
[Zobel, Weichbild.] 



Einleitung 



G. Kiscb, Leipziger ScbAflTeiispruchsaiDinluog. 



^ 



I. 

Überlieferung. 

In dem reichen Schatze kostbarer Rechtshandschriften , den 
die Sächsische Landesbibliothek zu Dresden ihr eigen nennen 
kann, wird eine Rechtssammlung verwahrt, welcher hervor-- 
ragende Bedeutung für die Geschichte der deutschen Recht- 
sprechung und der sächsischen Rechtsquellen im Spätmittelalter 
zukommt Nicht geringeren Wert besitzt sie auch als Rechts- 
erkenntnisquelle, vornohmlich für das deutsche Privat- und 
Prozeßrecht des Mittelalters, dessen Erscheinungen noch in 
mancher Hinsicht der wissenschaftlichen Aufhellung bedürfen, 
wie auch als Denkmal für die Erforschung der Entwicklung der 
deutschen Rechtssprache. 

Der Dresdener Kodex M 20 ist eine Papierhandschrift, 34 cm 
hoch, 22,5 cm breit, 12 cm dick. Sie ist in starke Holzdeckel 
eingebunden, die mit schwarzem gepreßtem Leder überzogen, 
vom und hinten mit je 5 stark gewölbten Messingknöpfen von 
3 cm Durchmesser, sowie mit Messingecken und -schließen ver- 
sehen sind. An der Innenseite der Deckel ragt vorn und hinten 
je ein 4,5 cm breiter Pergamentvorlegestreifen hervor. Der 
Band, der nicht viel benutzt zu sein scheint, ist gut erhalten, 
nur Rücken und Schließen sind ein wenig schadhaft. 

Der Kodex enthält 49 ungezählte, 473 in der Mitte des oberen 
Randes mit römischen Ziffern foliierte und 6 leere Blätter von 
durchweg gleichartigem Papier, das bisweilen eine gelbbraune 
Verfärbung aufweist. Die Blätter sind 31,5 cm hoch und 21 cm 
breit. Die ungezählten 49 Blätter verteilen sich auf 3 Lagen, 
deren erste aus 17 Blättern, die beiden anderen aus je 16 Blät- 
tern bestehen; das 18. Blatt der ersten Lage ist bis auf einen 
3 cm breiten Streifen schon vom Schreiber beseitigt worden. 
Diese Lagen sind in der rechten unteren Ecke jedes ersten 
Q^attes als «registri primus^, »cegistri secundus', „registri 



4^ I. Die Oberlieferung. 

tertius^ bezeichnet. Die foliierten und die leeren Blätter um- 
fassen zusammen 30 Lagen zu je 16 Blättern; sie weisen als 
Kustoden die Buchstaben A bis Z, sodann aa bis gg auf. Das 
Wasserzeichen bildet das sächsische Wappen, das schräg rechts 
übergelegte „Rautenkränzlein"^ auf einem neunmal geteilten Wap- 
penschilde von 5 cm Höhe und 4,5 cm Breite^). 

Die 30 foliierten Lagen enthalten den Text der Rechts- 
sammlung. Mit Ausnahme des ersten und letzten Blattes der 
Lage A scheint er vollständig von der gleichen deutlichen 
Hand geschrieben zu sein. Die Schriftzüge weisen zwar ver- 
schiedenartige Wandlungen auf; indes sind die Unterschiede 
so geringfügig, daß man sie ohne Bedenken als neue Ange- 
wohnheiten desselben Schreibers während seiner durch längere 
Zeit fortgesetzten Schreibtätigkeit betrachten darf. Der ganze 
Text ist einspaltig wechselnd mit 26 oder 28 Zeilen geschrie- 
ben. Die Tinte ist braun und nimmt gegen Ende des Bandes 
eine dunklere Färbung an; die Überschriften sind geradlinig 
rot unterstrichen, die großen Anfangsbuchstaben rot durch- 
strichen, in den Überschriften manchmal mit roten Schnörkeln 
verziert. Trotz der Regelmäßigkeit in der Anbringung der 
Unterstreichungen und der von Blatt 279 an spärlicher als 
bis dahin auftretenden Verzierungen kann die Schrift durchaus 
nicht als kunstvoll oder auch nur als sorgfältig bezeichnet 
werden. Im Gegenteil. Der anscheinend eine Vorlage kopie- 
rende Schreiber läßt sich zahllose, zum Teil auf Lesefehlem 
beruhende Unrichtigkeiten, Schreibversehen, Auslassungen und 
andere Flüchtigkeiten zuschulden kommen. Bisweilen vergißt 
er eine Überschrift und schreibt den Text fortlaufend weiter'); 
manchmal hat er ganze Abschnitte seiner Vorlage übersehen^). 
Dann wieder kommt es vor, daß er dasselbe Wort oder, die- 
selbe Zeile, bisweilen auch größere Stücke hintereinander dop- 
pelt abschreibt^). Wenn der Irrtum, wie es meistens zu ge- 

1) Eine Abbildung dieses Wasserzeichens findet sieb bei C. M. Briquet, 
Les filigranes. Dictionnaire historique des marques du papier. Tome 
Premier; Paris, London, Leipzig 1907, Nr. 1 192. 

2) Z. B. Nr. 425 a. 496. 519. 605. 

3) Z. B. Nr. 15. 35. 57. 486. 494. 670. 714. 

4) Z. B. Nr. 630. 



I. Die Oberlieferung. 5* 

schehen pflegt, nicht stehengeblieben ist, ist er durch Aus- 
streichen mit der gewöhnlichen und außerdem mit roter Tinte 
getilgt Sehr ungenau werden Eigennamen, insbesondere auch 
Zahlen wiedergegeben. All das im Vereine mit den zahlreichen, 
den Sinn entstellenden, oft sogar ins Gegenteil verkehrenden 
Unrichtigkeiten, Schreibfehlern und Versehen^) läßt erkennen, 
daß es sich um eine mehr oder weniger mechanisch gefertigte 
Abschrift handelt. Der Schreiber des Textes kann somit keines- 
wegs ein sorgfaltiger, schwerlich auch dürfte er ein rechts- 
kundiger oder gar juristisch gebildeter Mann gewesen sein. 

Das Gegenteil wird man von jenem ersten Benutzer der 
Rechtssammlung behaupten dürfen, in dessen Auftrage und für 
dessen Zwecke sie vermutlich angefertigt worden war. Denn 
er hat zur sachdienlichen, bequemeren Benutzung des Werkes 
sämtliche Überschriften aus der Rechtssammlung ausgezogen, 
sorgfältig nach juristischen Gesichtspunkten geordnet und zu 
einem genauen »Register^ über das ganze Werk zusammen- 
gestellt. Es füllt die ersten 3 ungezählten Blattlagen der Hand- 
schrift vollständig aus. Diese sind einspaltig mit je 24 Zeilen 
beschrieben. Die hier entgegentretende Schrift ist recht sorg- 
fältig zu nennen; sie ist zwar im Duktus der des Abschreibers 
des Textes nicht unähnlich, jedoch von ihr dennoch deutlich 
durch charakteristische Merkmale unterschieden, namentlich ist 
die Schriftlage viel steiler. Auch hat sich der Schreiber des 
Titelregisters einer dunkelschwarzen Tinte bedient. Rote Unter- 
streichungen, Durchstreichungen oder Verzierungen finden sich 
nicht Nicht alle Fehler des Textabschreibers sind übernom- 
men. Manche Oberschriften zeigen eine ausführlichere und 

1) Aus ihrer großen Zahl seien einige Beispiele herausgegriffen. Ein- 
zelne Buchstaben sind ausgelassen oder überflüssigerweise gesetzt. 
Dativ- und Akkusativendungen der Artikel und Furwörtei* minnliclien 
Geschlechtes werden verwechselt. Oft fehlt das für den Sinn maß- 
gebende .nicht''; so z. B. in Nr. 227. 316. 323. 33S. 406. 491. 497. 623. 
674. 729. 735. In Nr. 22 steht „wissen* statt „unwissen'*, in Nr. 500 
ydingiich" statt „undinglich", in Nr. 623 „beerbet" statt „unbeerbet*. 
An mehreren Stellen des Textes heißt es „begern* statt „wegern'', be- 
ziehungsweise „begert" statt „wegert"; z. B. Nr. 176. 340. 363. 482. Die 
Entscheidung Nr. 425a schließt mit den Worten: „oder was recht ist" 
anstatt: „von rechtes wegen**. 



ß* I. Die Überlieferung. 

genauere Fassung als im benutzten Texte selbst^), was auf eine 
selbständige Durchdenkung und juristische Erfassung des Rechts- 
inhaltes durch den Verfasser des Titeiregisters zurückzuführen 
ist. Hiervon zeugt auch die Tatsache, daß zweifellos von seiner 
Hand mit der von ihm verwendeten dunkelschwarzen Tinte eine 
große Zahl der Schreibversehen und Flüchtigkeiten des Ab- 
schreibers im Texte der Rechtssammlung später getilgt und 
richtiggestellt worden ist. Alle- diese Beobachtungen bestärken 
die Vermutung, daß das ganze Werk für den Gebrauch eines 
juristischen Praktikers angelegt worden ist und ihm auch tat- 
sächlich gedient haben mag. An einigen Stellen kommt der 
Standpunkt des Verfassers des Titelregisters zu seiner Rechts- 
sammlung sehr klar zum Ausdruck. Zum Beispiel kehrt die 
Überschrift von Nr. 497 des Textes: ^Einer bekant dem andern 
schulde auf rechnung und schuldigt ine umb beredung gein 
seinen herrn und umb schmeliche wort; was recht ist' im 
Register^) mit der folgenden charakteristischen Änderung des 
Nachsatzes wieder: „Was hierinne rechts zu belernen'^). Am 
Ende des Registers stehen die Worte: „Ita vela contractu 
judicis per me A. B. anno 1524^. Dieses Monogramm hatte 
nur als Zeichen des rechtskundigen Benutzers und Eigentümers 
des Werkes, der das Register verfaßt hatte, für ihn einen 
Sinn; es kann aber nicht als Unterschrift eines Schreibers 
gedeutet werden, der hiermit nur seinen Namen zu verewigen 
wünschte. 

1) Vgl. z. B. die Oberschriften im Titelregister S.a2, Nr. 68. 75; S. 33, Nr. 82. 
148. 150. 151. 152. 154. 342. 343. 356; S. 39, Nr. 171. 172. 173; S. 40, 
Nr. 366. 367. 368; S. 41, Nr. 497; S. 49, Nr. 106; S. 46, Nr. 221. 227, mit 
der Fassung der Oberscbriften an den entsprechenden Stellen der 
Rechtssammlung selbst. Einige Titel fehlen im Register, nämlich 
Nr. 16. 29. 61. 111. 158. 226. 302. 447. 458. 544. 605. 674; zum Teil ban- 
delt es sich da um die Oberschriften von doppelt in der Sammlung 
vorkommenden Nummern. 

2) S. 41. 

3) Vgl. die Oberschrift von Nr. 780: »Einer schlug ein vieh, das was siech, 
und verkauft das halb und silcz ime die ander helfte^, welche im Titel- 
register, S. 43, folgenden Zusatz aufweist: „wie der zu strafen ge- 
nommen*; ferner die Oberschrift von Nr. 810, deren Schlußsatz: .oder 
was recht ist* im Register, S. 36, wie folgt geändert ist: „oder was 
hierinne zu recht erkant wird". 



I. Die Überlieferung. 7* 

Die Rechtssammlung scheint zuerst ohne Register in unge- 
bundenem Zustande benutzt worden zu sein, wodurch Blatt 1 
der Lage A schadhaft geworden sein dürfte. Erst nach seiner 
Fertigstellung kann das Titelregister mit den 30 Lagen , die 
den Text enthalten, im gegenwärtigen Bande vereinigt worden 
sein. Auf diese Reihenfolge bei der Entstehung des Kodex 
deuten nicht allein die Indizes, welche für die Blattlagen des 
Registers eine selbständige Zählung durchführen. Die Blatt- 
lagen des Textes trugen nämlich, schon ursprünglich Indizes 
von der Hand des Abschreibers, die teilweise noch sichtbar 
sind, zum großen Teil aber vor oder bei Anfertigung des Ein- 
bandes der Beschneidung des Papierrandes zum Opfer gefallen 
sind. Deshalb hat der Verfasser und Schreiber des Titelregisters 
diese Indizes neuerdings angebracht. Erst von seiner Hand, auch 
an der tiefschwarzen Tinte erkennbar, wurde auch die Foli- 
ierung der 30 Textlagen durchgeführt^). Aus dem gleichen 
Anlasse hat er auch das schadhaft gewordene Blatt 1 und das 
damit zusammenhängende Blatt 16 der Lage A durch eine neue 
Niederschrift ersetzt, welche den roten Schriftschmuck des Ab- 
schreibers entbehrt und sich durch die dunkelschwarze Tinte 
von der anschließenden ursprünglichen Schrift des Textes ab- 
hebt 

Der eigenhändigen Angabe des Verfassers und Schreibers 
des Titelregisters ist zu entnehmen , daß er seine Arbeit im 
Jahre 1524 ausgeführt und beendigt hat. Da es wahrscheinlich 
ist, daß der ganze Text fortlaufend ohne größere Unterbrechung, 
etwa in täglich fortgesetzter Arbeit geschrieben wurde und daß 
die Anfertigung des Registers fast unmittelbar darauf folgte, 
wird man nicht fehlgehen, wenn man die Entstehung des ganzen 
Kodex etwa in die Jahre 1523 bis 1524 verlegt. 

Ober den Entstehungsort des Werkes läßt sich aus der 
Süßeren Erscheinungsform des Kodex ebensowenig erschließen, 
wie über seine Herkunft etwas ermittelt werden konnte. 

Die Sprache der Rechtssammlung ist mitteldeutsch. 

^ < 

1) Ober ein bei der Foliierung unterlaufenes Versehen unten S. 326 An- 
merkung 1. 



8* I. Die OberliePerung. 

Der Text der Handschrift besteht aus drei äußerlich von- 
einander nicht geschiedenen Bestandteilen: 

1. Blatt 1—434'': Die große Sammlung von Schöffensprächen, 
welche als „ Leipziger Schöffenspruchsammlung' in der vor- 
liegenden Ausgabe zum ersten Male veröffentlicht wird. 

2. Blatt 434«'— 439'': Zwei Rechtsgutachten des Dr. Henning 
Göde^) in einer und derselben Sache: »Doctor Hennings zu 
Effort Ratschlag*. 

Das zweite Gutachten beginnt auf Blatt 437» mit folgender 
Einleitung: „Mein freundlichen dinst zuvor. Lieber er haupt- 
man. Als ir mir itzund geschrieben, wie der rat zu Plauen 
von einem edelman ein forberg mit etlichen gesessen leuten 
erkauft, von unsern genedigen und gnedigsten herren in lehnen 
empfangen, genant Chrischwitz^), auf welchem gut der edelman 
kein schefer gehabt, aber das die von Plauen itzund dohin ein 
schaftrift gelegt und damit euch, euern mennern und andern 
zu schaden treiben, und mich gepeten, euch darauf zu raten, 

etc., hierauf wisset * Am Ende des Blattes 439*' steht: 

„Datum mittwoch Antonii anno etc. O quarto. Heningus Code, 
doctor m. p." 

Die beiden Rechtsgutachten sind in der von Melchior Kling 
besorgten Ausgabe der Consilia Henning Gödes^) nicht enthalten. 

3. Blatt 439»— 473» : Ein Auszug aus dem Meißener Rechts- 
buche, dem sogenannten „Rechtsbuch nach Distinktionen' oder 
„vermehrten Sachsenspiegel.* 

Sein Inhalt stellt sich, auf Friedrich Ortlofls Ausgabe dieses 



1) Geboren um 1450, gestorben 1521 ; über ihn und seine Werke Roderich 
Stintzingy Geschiebte der deutschen Rechtswissenschaft; 1. Band, 
München und Leipzig 1880, S. 263 if. 

2) Ober die Geschichte von Chrieschwitz Gurt von Raab, Ghrieschwitz 
in früheren Jahrhunderten ; Mitteilungen des Aitertumsvereins zu 
Plauen im Vogtlande; 13. Jahresschrift auf die Jahre 1897—1890; 
Plauen i. V. 1900, S. 30 ff. Daselbst findet aber der Rechtsstreit, welcher 
die Veranlassung für die beiden Rechtsgutachten Gödes gebildet hat, 
keinerlei Erwähnung. 

3) Consilia reverendi et clarissimi ac ingenio, eruditione et usu excellen- 
tissimi utriusque juris doctoris domini Henningi Goden .... optimo 
ordine per D. Melchiorem Kling quo ad materias conjunctas distri- 
buta; Vitebergae 1544. 



I. Die Überlieferung. Q* 

Rechtsbuches ^) zurückgeführt, wie folgt dar; I 48, 2—4; II 1, 1—7. 
11. 17. 20. 21. 23. 24. 26. 27; 2, 1—7. 9. 11. 12. 15; i, 1—2. 4; 
III 1, 1—4; 2, 1—9; 5, 1; 6, 1—2; 11, 1—10; 14, 4. 9—11; 
16, 1—2. 4—13; 17, 1. 3—19. 26—31. 34—48; IV 6, 1—8; 7, 
1. 2. 4; 8, 1—3. 5. 6; 9, 1—2; 10, 1—3; 11, 1—3; 12, 1—2; 
13, 1; 14, 1-5; 15, 1—2; 16, 1; 17, 1—2; 20, 1. 4. 5. 7; 21, 7. 
18. 20. 22—24. 28. 29. 31; 47, 1. 17. 18; V 1, 1. 6-9; 3, 1—5; 
4, 1—14. 16—19; 5, 1—6; 6, 1; 7, 1—4; 8, 2—6; 9, 1—3. 5; 
10, 1—2. 5—7; 13, 1. 3; 20, 1. 4—9; V 16—18 (Auszug); VII 
1—3. 5—10. 12. 

Ober die Handschrift, von welcher die vorstehenden Angaben 
zum ersten Male eine genaue Beschreibung liefern, ist bisher 
nicht viel mehr bekannt geworden, als daß »Urteile verschiedener 
SchöflFenstühle'' in ihr enthalten sind^). Carl Gustav Homeyer 
hat sie in seinem Verzeichnis «Die deutschen Rechtsbücher 
des Mittelalters und ihre Handschriften''^) unter Nr. 155 ange- 
führt*). 

Unter den Rechtshistorikern hat als einziger Hermann Was- 
serschieben anläOlich seiner Untersuchungen zur Geschichte der 
Erbfolgeordnung nach sächsischem Rechte die Rechtssammlung 
einer Durchsicht unterzogen und aus ihr eine Anzahl von 
SchöfFensprüchen erbrechtlichen Inhaltes seiner Abhandlung 
»Das Prinzip der Sukzessionsordnung nach deutschem ins- 

« 

1) Friedrich Ortloff, Sammlung deutscher Rechtsquellen. Erster Band: 
Das Rechtsbucb nach Dtstinctionen; Jena 1836. 

2) Karl Falkenstein, Beschreibung der Königlichen öffentlichen Biblio- 
thek zu Dresden; Dresden 1839, 8.377: „Sammlung von. Urteilen der 
Schdppenstühle zu Leipzig und Magdeburg, vorzüglich des ersteren.^ — 
Die von allen späteren Benutzern der Handschrift übernommene An- 
gabe des Textes, mit der sie sich begnügt haben, findet sich zuerst in 
dem von Franz Schnorr von Carolsfeld bearbeiteten Katalog der 
Handschriften der Königlichen öffentlichen Bibliothek [jetzt Sächsischen 
Landesbibliothek] zu Dresden; 2. Band; Leipzig 1883, 8.431, der nur 
dürftige Mitteilungen über den Kodex bietet 

3) Berlin 1856, S. 84. 

4) Doch findet die Handschrift keine Erwähnung in der a. a. O., S. 171 
(„Das Buch der Distinktionen*) zusammengestellten Obersicht über die 
Handschriften des Meißener Rechtsbuches, welche von Emil Steffen- 
hagen, Deutsche Rechtsquellen in Preußen vom 13. bis zum 16. Jahr- 
hundert; Leipzig 1875, S. 110 f. vermehrt worden ist. 



10* I. Die Oberlieferung. 

besondere sächsischem Rechte'^) als Anhang beigefügt. Spär- 
liche Benutzung hat der Kodex nur noch für die Zwecke der 
sächsischen Adelsgeschichte gefunden^). Sonst ist er wie all- 
gemein, so namentlich von der deutschen rechtsgeschichtlichen 
Forschung völlig unbeachtet gelassen worden, ein Schicksal, 
das, nebenbei bemerkt, bis auf den heutigen Tag eine stattliche 
Anzahl inhaltsreicher und interessanter Rechtshandschriften 
des Mittelalters teilen muO. Deshalb ist auch sein Inhalt un- 
bekannt geblieben. Und doch verdient aus ihm vor allem die 
große Sammlung von SchöfFensprüchen nach mehr als einer 
Richtung von der wissenschaftlichen Forschung besonderer Auf- 
merksamkeit gewürdigt zu werden. 

Der hohe rechtsgeschichtliche Wert dieser Sammlung recht- 
fertigt nicht allein die Veröffentlichung als solche, sondern bildet 
auch den Grund dafür, daO gerade mit ihr die Reihe der 
«Quellen zur Geschichte der Rezeption* eröffnet wird. 

1) Gotha 1800, S. 168 ff., Anhang E. 

2) Vgl. Albert Fraustadt, Geschichte des Geschlechtes von Schönberg 
Meißnischen Stammes; I.Band, Abteilung A, zweite Ausgabe; Leipzig 
1878, 8.83 und 135; Fraustadt sieht sich a. a. O., S. 83 zu folgender 
Bemerlcung veranlaßt, die er jedoch ohne sachliche Begründung iußert: 
„Demnach wird man versucht anzunehmen, .... die Sammlung von 
Schöflfenspruchen sei nichts anderes als ein Richtsteig, welcher an 
wirklichen Verhältnissen oder erdichteten Fällen eine praktische An- 
leitung f9r Rechtsentscheidungen darbiete.*" — C[urt] von R[aab], Das 
Rittergut MechelgrQn und seine früheren Besitzer; Mitteilungen des 
Altertumsvereins zu Plauen i. Vogtl.; 3. Jahresschrift auf die Jahre 
1882—1883; Plauen 1883, 8.55 und Note 1. — Richard Freiherr von 
Mansberg, Erbarm anschaft Wettinischer Lande. Urkundliche Beiträge 
zur obersächsischen Landes- und Ortsgeschichte in Regesten vom 12. 
bis Mitte des 16. Jahrhunderts. 4 Bände; Dresden 1903—1908; 1. BancI, 
S. 565 ao 1350 [Nr. 488 <ler Leipziger Schöffenspruchsammlung], S. 569 
ao 1445 [Nr. 818a]; 2. Band, S. 113 ao 1400 [Nr. 750], S. 266 a« 1410 
[Nr. 622]. Die Benutzung der Dresdener Handschrift M 20 durch Frei- 
herrn von Mansberg, der selbst an keiner Stelle seines Werkes die 
Quellen der dort abgedruckten Regesten angegeben, sondern sie nur 
handschriftlich in sein Handexemplar eingetragen hat, ist durch die Ein- 
sicht des letzteren in der Bibliothek der Zentralstelle für deutsche 
Personen- und Familiengeschichte in Leipzig festgestellt worden. 



IL 
Die Leipziger SchöfFenspruchsammlung. 

1. Entstehung. 

Die große Sammlung von Schöffensprüchen , welche den 
Gegenstand der vorliegenden Veröffentlichung bildet, darf 
nicht von vornherein und ohne eingehende Prüfung aller 
in Betracht kommenden Umstände als Arbeit privaten Charakters 
angesprochen werden. Die zwar naheliegende Vermutung kann 
eine ausreichende Begründung namentlich nicht durch den bloßen 
Hinweis auf die äußere Form der Handschrift finden. Diese 
läßt allerdings die bei mittelalterlichen Rechtshandschriften, 
welche zu amtlichem Gebrauche bestimmt waren oder überhaupt 
öffentlichen Zwecken dienen sollten, übliche prunkvolle Aus- 
stattung oder auch nur die bei ihnen gewohnte sorgfältige An- 
lage nach jeder Richtung vermissen. Aber das Fehlen dieser 
Merkmale allein kann für die Charakterisierung einer Hand- 
schrift nicht ausschlaggebend sein, welche bereits der Zeit ent- 
stammt, da das Schreiben nicht mehr eine Kunst, sondern nur 
noch eine Fertigkeit gewesen ist. 

An sich schon bereiten die Schöffenspruchsammlungen, welche 
über den Sammler oder Schreiber, sowie über Art und Zweck, 
Zeit und Ort ihrer Entstehung selbst keinerlei Auskunft geben, 
der kritischen Untersuchung und Beurteilung vom rechtsgeschicht- 
lichen Standpunkte aus erhebliche Schwierigkeiten. Nicht selten 
werden diese auch noch dadurch gesteigert, daß bald in stärkerem, 
bald in geringerem Maße hervortretend das Streben des Kom- 
pilators bemerkbar wird, die Rechtssprüche der besonderen Eigen- 
art des einzelnen Rechtsfalles nach Möglichkeit zu entkleiden, 
um auf solche Weise Präjudiziensammlungen zu schaffen, die 
sich für den praktischen Gebrauch bei den Gerichten besonders 



12* n. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

eignen und namentlich dauernden Wert behalten sollten, weil 
sie den Lösungen der Rechtsfragen eine abstrakte Formulierung 
geben. Die also ohnehin nicht leichte Aufgabe der wissen- 
schaftlichen Untersuchung gestaltet sich nun bei der vorliegenden 
Schöffenspruchsammlung noch bedeutend schwieriger. Denn 
schon nach dem äußeren Befunde der Handschrift hat es allen 
Anschein, daß die in dem Kodex M 20 der Sächsischen Landes- 
bibliothek zu Dresden erhaltene vollständige Überlieferung dieser 
Schöffenspruchsammlung, die einzige, welche bisher bekannt ge- 
worden ist, kein Original, sondern bloß eine Abschrift darstellt 
Durch die grobe, nahezu mechanische Tätigkeit des Abschreibers, 
aus welcher sich der Mangel nicht nur an Sorgfalt, sondern 
auch an juristischen und philologischen Kenntnissen verrät, sind 
manche feine Merkmale überdeckt worden, die teils auf die 
Individualität des Sammlers, teils auf aus ihr erklärbare Zufällig- 
keiten zurückgehen könnten. Dadurch sind selbst für den 
scharfsinnigsten Beobachter und erfahrensten Kenner solcher 
Handschriften schwer entbehrliche, überaus wertvolle Anhalts- 
punkte und Hinweise, welche sonst die Diagnose erleichtert 
oder gar ermöglicht hätten, verlorengegangen. Noch eine weitere 
Schwierigkeit der Untersuchung folgt daraus, daß die Schöffen- 
spruchsammlung sich bloß als Abschrift darstellt. Es ist nämlich 
nicht leicht noch auch einfach, auf Grund einer Kopie richtig 
zu beurteilen und genau auseinanderzuhalten, welche von den 
noch feststellbaren Eigentümlichkeiten der Textgestaltung auf 
den Sammler selbst zurückgehen und welche etwa auf die Rech- 
nung des Abschreibers zu setzen sind. 

Ist somit die äußere Erscheinungsform der Schöffenspruch- 
sammlung eher geeignet, ihre Entstehung und Bedeutung in Dun- 
kel zu hüllen als Licht über sie zu verbreiten, so muß der Versuch 
unternommen werden, allein aus dem Inhalte, aus seiner Anord- 
nung und Eigenart die Entstehungsgeschichte und rechtsgeschicht- 
liche Würdigung der Schöffenspruchsammlung zu erschließen. 

Vor allem ist da die Frage zu beantworten, zu welcher der 
zahlreichen Arten von Schoffenspruchsammlungen die in diesem 
Bande veröffentlichte gehört. Sie ist gleichbedeutend mit der 
Frage nach der Art ihrer Entstehung und nach dem Zwecke 



1. Entstehung. 13* 

ihrer Anlegung. Mit ihrer Beantwortung wird auch klargestellt 
werden, welche Bedeutung der Sammlung in der Zeit ihrer Ent- 
stehung zukommt 

Das sicherste Kriterium und häufig den einzigen Anhalts- 
punkt für die richtige Beurteilung einer Schöifenspruchsammlung 
nach den beiden erwähnten Richtungen bilden die darin vor- 
kommenden Ortsangaben. Allerdings sind sie in manchen Samm- 
lungen als individuelle Merkmale des einzelnen Schöffenspruches 
dem erwähnten nach verallgemeinernder Fassung zielenden 
Streben der Kompilatoren zum Opfer gefallen, von ihnen getilgt 
worden. Wo aber eine derartige Bearbeitung nicht stat^efunden 
oder doch nicht mit allzu peinlicher Gründlichkeit gewaltet hat, 
wo also noch die Möglichkeit besteht, gilt es, den Ausgangsort 
und Bestimmungsort der Schöffensprüche zu ermitteln. Von den 
Spruchoriginalen, deren Texte beziehungsweise Adresse in der 
Regel beide Angaben deutlich zu entnehmen sind, ist selbst- 
verständlich in diesem Zusammenhange abzusehen. Denn es ist 
ein seltener Zufall, wenn zu dem oder jenem in einer Samm- 
lung überlieferten Schöffenspruche .auch das zugehörige Spruch- 
original erhalten geblieben und auffindbar ist Aber auch in den 
Schöffenspruchsammlungen selbst ist oft der Ausgangsort des 
Spruches unmittelbar aus der Bezeichnung der Spruchbehörde, 
welche, um Rechtsbelehrungen angegangen, solche erteilt oder 
eine Entscheidung gefällt hat, ersichtlich. Die Magdeburger 
Schöffen pflegten dem ganzen Kontexte der Belehrungsurkunde 
als Überschrift voranzusetzen: »Scheppen zu Magdeburg*. Leip- 
ziger Schöffensprüche des 14. Jahrhunderts beginnen oft mit den 
Worten: »Wir schepphen zu Lypczk sint recht gefragit nach 
diesen nachgeschrebin Worten.* Dieser Vorgang ist vielfach bei 
der Veranstaltung von Sammlungen übernommen worden. An 
die dann folgende Darstellung des Sachverhaltes, auf deren 
Fassung an späterer Stelle näher einzugehen sein wird, 
schließen die Magdeburger Schöffen die Entscheidung des 
Rechtsfalles mit den einleitenden Worten an: »Hieraufsprechen 
wir scheppen zu Magdeburg vor recht' Die Leipziger Schöffen 
haben ihre Entscheidungen in ähnlicher Weise eingeleitet; 
jedoch pflegten sie vielfach schon im 14. Jahrhunderte und 



14* n. Die Leipziger Schöffensprachsaminlung. 

regelmäßig seit dem Beginne des 15. Jahrhunderts ihre Sprüche 
nicht mehr mit der erwähnten OberschriFt zu versehen, sondern 
mit »Scheppen zu Lipczk* zu unterschreiben. Selbst wenn 
die ÜberschriFten und Unterschriften bei der Anlegung einer 
Schöffenspruchsammlung weggelassen worden sind, ist der 
Ausgangsort der Sprüche doch in jenen einleitenden Worten 
stehengeblieben, welche als wesentlicher Bestandteil des Spruches 
betrachtet wurden. Schwieriger gestaltet sich demgegenüber die 
Ermittlung des Bestimmungsortes der SchöfFensprüche, des Ortes 
nämlich, an welchem die anfragende Stelle, Behörde oder 
Partei, ihren Sitz hatte, und nach welchem die Magdeburger oder 
Leipziger Schöffen ihre Rechtsbelehrung gesendet hatten. Der 
Name dieses Ortes findet sich regelmäßig natürlich nur in der 
Adresse des Spruchoriginales angegeben; auch wurde er in die 
beim Oberhofe oder Schöffenstuhle selbst über die eigene Spruch- 
tätigkeit geführten Aufzeichnungen stets aufgenommen und da- 
selbst sogar in einer eigenen Rubrik besonders hervorgehoben. 
Dagegen bestand selbst bei jenen Sammlungen, bei denen die 
Tendenz der Verallgemeinerung nicht in die Erscheinung tritt, 
kein Interesse daran, heben dem Texte der Sprüche auch die 
einzelnen Spruchadressen einzuverleiben. Denn zu dem rechtlich 
bedeutsanien Inhalte steht die Adresse des Spruches in der Regel 
in keiner Beziehung. Nur wenn etwa die Anfrage die Unter- 
schrift des anfragenden Gerichtes aufweist. und mit ihr der Ent- 
scheidung in der Sammlung unmittelbar vorangeht, oder, was 
regelmäßig nicht vorkommt, wenn der Name der anfragenden 
Stelle auch in die Einleitungsformel des Spruches Aufnahme 
gefunden hat, wird sich der Bestimmungsort unschwer ermitteln 
lassen. Ohne die Hilfe solcher Auskunftsmittel wird es aber 
schlechterdings unmöglich sein, den Bestimmungsort festzu- 
stellen, wenn sich nicht zufällig aus dem Inhalte des Spruches 
Anhaltspunkte hierfür ergeben. 

Wie nun aus den Übersichten am Ende dieses Bandes i) 
hervorgeht, sind von den 814 mit vollständiger Fassung in der 
vorliegenden Sammlung enthaltenen Schöffensprfichen 412 von 

1) V. Ordnung der Sprüche nach Spruchbehörden beziehungsweise Aus- 
gangsorten, welche auch zum folgenden zu vergleichen ist. 



1. Entstehung. 15* 

den Schöffen zu Leipzig, 125 von den Schöffen zu Magdeburg 
ausgegangen; 7 haben die Doctores der Juristenschule zu Leipzig 
verfaßt; 8 stammen von den Schöffen zu Halle und 1 ist bei 
den Mannen der Dohnischen Pflege eingeholt worden. Bei den 
übrigen Sprüchen ist die Spruchbehörde und mit ihr der Aus- 
gangsort nicht ausdrücklich angegeben. Einige sind auf den 
Namen der AnFragenden gestellt, das heißt bereits die Spruch- 
behörde selbst hat an Stelle ihrer eigenen Bezeichnung den 
Namen der Anfragenden in die Einleitungsformel des Spruches 
eingesetzt, damit er bei seinem Eintreffen am Bestimmungs- 
orte sogleich gebrauchsfertig sei. Auch in anderen Sprüchen 
tritt die anfragende Stelle ebenfalls in der Einleitungsformel 
redend auf, indem sie sich als Urheberin der Entscheidung be- 
zeichnet Aus der ausdrücklichen Bezugnahme auf die Ein- 
holung einer Rechtsbelehrung aber ergibt sich, daß in diesen 
Fällen ursprünglich erst nach dem Eintreffen des Spruches am 
Bestimmungsorte der Name der angefragten durch den der an- 
fragenden Stelle ersetzt worden sein kann. Die Einleitungs- 
formel der Entscheidung ist also, wie ich es ausdrücken möchte, 
auf den Namen der Anfragenden umgestellt. Eine solche Um- 
stellung war nicht mehr nötig, wenn bereits die Spruchbehörde 
die Einleitungsformel ihres Spruches auf den Namen der An- 
fragenden gestellt hattet). Für einige von den Sprüchen, in 
welchen die Spruchbehörde nicht angegeben ist, konnte der 
Ausgangsort aus dem Spruchinhalte, bald aus den Angaben der 
Sachdarstellung, bald auf Grund der in der Entscheidung zum * 
Ausdruck gelangten Rechtssätze mit hoher Wahrscheinlichkeit 
festgestellt werden. 

In ihrer Aufeinanderfolge weisen die Sprüche eine Ordnung 
nach Ausgangsorten nicht auf. 

Nur etwa für den sechsten Teil der in der Sammlung ent- 
haltenen Sprüche ist es gelungen, die Bestimmungsorte mit der 
Sicherheit nahekommender Wahrscheinlichkeit zu ermitteln 2). 
Ein einziges Mal ist der Bestimmungsort schon aus der Über- 

1) Vgl. insbesondere die Sprüche Nr. 377—382 mit der interessanten An- 
merkung der ,»Doctore8 der Juristenscbule zu Leipzig* dazu auf S. 268. 

2) S. 640, VI. Bestimmungsorte der Sprüche. 



IQ* II. Die Leipziger Scböffenspruchsamiiilung. 

Schrift des Spruches in der Sammlung ersichtlich i). In zwei 
Fällen wird in der EinleitungsFormel des Spruches ausdrucklich 
der Name des Ortes angegeben, von dem aus ein Ersuchen um 
Rechtsbelehrung an die Leipziger Schöffen gestellt worden war'). 
Auch bei den Sprüchen, welche von der angefragten Spruch- 
behörde sogleich auf den Namen der Anfragenden ausgestellt 
worden sind, kann man aus der Einleitungsformel den Bestim- 
mungsort des Spruches leicht ersehen 3). Bei einigen Sprüchen 
ist er in der mehr oder minder vollständig erhalten gebliebenen 
und in der Sammlung überlieferten Anfrage mitgeteilt^), während 
er bei einer größeren Anzahl von Sprüchen doch aus dem 
Spruchinhalte, vornehmlich aus den tatsächlichen Angaben er- 
mittelt werden konnte^). Bei mehreren Sprüchen schließlich 
kamen andere handschriftliche Überlieferungen zu Hilfe, in 
welchen der Bestimmungsort der Sprüche entweder ausdrück- 
lich angegeben war oder aus denen er sich doch mittelbar fest- 
stellen ließ^). Die Bestimmungsorte der Sprüche liegen fast 
über das ganze kursächsische Rechtsgebiet zerstreut; nur die 
Lausitz ist mit keinem Namen vertreten. Als Bestimmungsorte 
ließen sich nachweisen: Altenburg, Arnsgrün, Chemnitz, Colditz, 
Döbeln, Dresden, Elsterberg, Grelbitz, Grimma, Halle, Leipzig, 
Leisnig, Meißen, Merseburg, Mittweida, Naumburg, Pegau, Pirna, 
Plauen, Riesa, Rochlitz, Thösfell, Torgau, Weißenfels, Zwickau. 
Die Zahl der angeführten Ortsnamen hätte ohne Zweifel eine 
reiche Vermehrung erfahren können, wenn es möglich gewesen 
wäre, die Bestimmungsorte auch nur für den größeren Teil der 
in der Sammlung enthaltenen Schöffensprüche, geschweige denn 
für ihre Gesamtheit auszuforschen. 

Mehrere Sprüche, die nach dem gleichen Orte ergangen sind, 
sind in der Sammlung nur zufällig und nicht etwa auf Grund 

1) Nr. 136. 

2) Nr. 755. 760; vgl. auch Nr. 565-580. 

3) Nr. 226 [dazu 355]. 377-382. 410. 613. 614; vermutlich auch Nr. 124. 
272. Vgl. auch Nr. 402—405. 622. 687. 750. 

4) Nr. 483. 589. 649. 682. 689. 734. 764. 808. 810. 

5) Nr. 14. 19. 21—23. 25. 69. 70. 93. 113. 221. 232. 264. 279. 280. 291. 296. 
317. 320. 321. 336. 347. 348. 377—382. 409. 593. 612. 672. 688. Ö94. 825. 

6) Nr. 1— 7a. 8- 12. 14. 36—38. 245. 246. 265. 277. 287. 356. 357. 398. 412. 
533. 534. 537—559. 561. 562. 564. 583. 598. 803. 



1. Entstehung. 17* 

der Absicht zusammengestellt, eine derartige Ordnung der 
Sprüche vorzunehmen. 

Die Betrachtung der bunten Reihe der regellos aufeinander 
fblgenden Bestimmungsorte der Spräche könnte auf den ersten 
Blick leicht zur Vermutung verleiten, es liege hier eine von 
jenen Schöffenspruchsammlungen vor, welche zum eigenen amt- 
lichen Xüebrauche am Sitze der Oberhöfe und SchöfFenstühle 
geführt zu werden pflegten. Hier bestand nämlich die Gewohn- 
heit, die auszusendenden Spruchoriginale in eigens zu diesem 
Zwecke angelegte, mit Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit geführte 
Bücher der Reihe ihres Auslaufens nach zu kopieren oder in 
ähnlicher Weise die Spruchkonzepte in Konzeptbüchern zu sam- 
meln, um den Wortlaut der Rechtsbelehrungen und Entschei- 
dungen für alle Wechselfälle der Zukunft festzuhalten und auf- 
zubewahren. Für die Anlegung dieser Sammlungen, von denen 
eine groOe Zahl auf uns gekommen ist und bei deren Aus- 
stattung mit verschiedener Systematik verfahren wurde, bildet 
selbstverständlich die Verzeichnung der Bestimmungsorte der 
auszusendenden Schöffensprüche, wie bereits angedeutet worden 
ist, ein wesentliches Erfordernis und charakteristisches Merk- 
mal. Sein Fehlen schon beweist, daß die in Rede stehende 
Sammlung eine solche Oberhof- oder Schöffenstuhl- 
sammlung nicht sein kann. Außerdem sind in ihr nicht nur 
die Leipziger und die Magdeburger Schöffen zugleich, son- 
dern auch noch die Dolores der Juristenschule zu Leipzig, die 
Schöffen zu Halle und die Mannen der Dohnischen Pflege, also 
verschiedene Spruchbehörden mit Sprüchen vertreten. Ferner 
finden sich Rechtssprüche der Magdeburger und Leipziger Schöffen 
über eine und dieselbe Rechtsfrage oder in einer und derselben 
Rechtssache, über welche sowohl in Magdeburg wie auch in 
Leipzig Rechtsbelehrung erbeten und erteilt worden war, bis- 
weilen sogar nebeneinander, und die darin ausgesprochenen ver- 
schiedenartigen Rechtssätze werden mit Absicht einander gegen- 
übergestellti). 

Die Mannigfaltigkeit der Bestimmungsorte, welche doch nur 
für einen geringen Teil der in der Sammlung enthaltenen Schöffen- 

1) Vgl. Nr. 134. 123; ferner Nr. 09 und 286. 

G. KI Beb, Leipzlfer SchöffeoBprucbsafflmlung. II 



Ig*^ II. Die Leipziger SchÖffenspruch Sammlung. 

Sprüche Festgestellt werden konnten, schließt ferner die Möglich- 
keity an eine Empfängersammlung zu denken, von vornherein 
aus. Unter diesem Namen verstehe ich das Gegenstück zu den 
Oberhof- oder Schöffenstuhlsammlungen. Wie nämlich beim 
Oberhof oder Schöffenstuhl, bei dem von auswärts Rechts- 
belehrungen eingeholt wurden, die Gewohnheit bestand, die 
auszusendenden Sprüche nach irgendeinem System, sei es als 
Kopien, sei es als Konzepte in einer Sammlung ordnungsmäßig 
zu verzeichnen, so pflegten auch die anfragenden Behörden die 
auf ihr Ersuchen um Rechtsbelehrung von den befragten Ober- 
böfen oder Schöffenstühlen bei ihnen eingegangenen Rechts- 
weisungen und Rechtssprüche im Original, häufiger aber ab- 
schriftlich zu sammeln und nach dem oder jenem Gesichtspunkte, 
sei es auch nur chronologisch nach dem Eingange geordnet, in 
eigenen „Urteilsbüchern' aufzubewahren. Diese sorgsam gehüte- 
ten Präjudiziensammlungen erübrigten dann in vielen Fällen die 
sonst unumgängliche neuerliche Einholung einer Rechtsbelehrung. 

Auch eine Übergangsform oder Mischgestalt endlich, der ein 
Platz zwischen den beiden erwähnten Arten von SchöfFenspruch- 
sammlungen anzuweisen wäre, kann bei der vorliegenden Schöffen- 
spruchsammlung nicht in Frage kommen. Denn eine strenge 
Gliederung nach irgendeiner Richtung ist nicht herauszufinden. 
Und mit den hier aufgezählten Gruppen sind die Arten der 
amtlichen Schöffenspruchsammlungen erschöpft. Vollends der 
Mangel großer Gesichtspunkte in juristischer Beziehung, dazu 
das Fehlen irgendeines streng durchgeführten Ordnungsgrund- 
satzes, der bei der Anlegung des Werkes gewaltet haben 
könnte und einen bestimmten Plan der ganzen Arbeit erkennen 
ließe, erhebt die Vermutung zur Wahrscheinlichkeit, daß es zu 
amtlichem Gebrauche bei Gericht nicht geschaffen und bestimmt 
war, ihm auch nicht gedient haben mag. Diese Schöffenspruch- 
sammlung darf somit zu den amtlichen Sammlungen nicht ge- 
zählt werden. 

Den amtlichen Sammlungen stehen gegenüber die Schöffen- 
spruchsammlungen privaten Charakters. Unter dieser Bezeich- 
nung sind solche Sammlungen zu verstehen, welche weder zu 
amtlichem Gebrauche angelegt noch von einer Behörde ge- 



2. Charakteristik. ig* 

FQhrt worden sind Zu den privaten Sammlungen zähleti also 
insbesondere auch solche , die ein einzelnes Mitglied eines 
Schöffenkollegiums für seinen persönlichen Gebrauch etwa selbst 
verfertigt und verwendet hat. 

Unsere SchöfFenspruchsammlung wird als Privatsammlung in 
diesem Sinne angesehen werden dürfen. Für die Richtigkeit 
dieser Behauptung, auf welche schon die äußere Form der Hand- 
schrift hingedeutet hat, spricht namentlich der ganze Aufbau der 
Sammlung. Was über das Titelregister ausgeführt und über 
seinen Verfasser ermittelt worden ist, vermag diesen Eindruck 
nur zu verstärken. Und die genaue Untersuchung des Inhaltes 
der SchöfFenspruchsammlung, dem nunmehr die Aufmerksam- 
keit zugewendet werden soll, erbringt vollen Beweis dafür, 
daß hier eine Sammlung privaten Charakters vorliegt. 

2. Charakteristik. 

Die große Sammlung von SchöfFensprüchen, für welche von 
nun an die erst im Verlaufe der weiteren Untersuchung zu 
rechtfertigende Bezeichnung „Leipziger SchöfFenspruchsamm- 
lung' verwendet werden soll, besteht, äußerlich betrachtet, aus 
zwei Hauptteilen von ungefähr gleichem Umfange. Die Zäsur 
ist nach Spruch Nr. 416, also etwa in der Mitte der Sammlung 
zu machen. Maßgebend für diese in der Handschrift in keiner 
Weise besonders hervorgehobene Scheidung ist die Verschieden- 
artigkeit in der Erscheinungsform der einzelnen Bestandteile der 
Sammlung, der SchöfFensprüche selbst. 

Damit das durch die Charakterisierung und Analysierung 
der beiden Teile der SchöfFenspruchsammlung darzubietende 
Bild an Anschaulichkeit gewinne, sollen hier zunächst einige 
Worte allgemeiner Art über äußere Form und inneren Bau der 
SchöfFensprüche Raum finden. Selbstverständlich kann dieses 
rechtsgeschichtlich überaus wichtige Problem mit so knapper 
Bemerkung nur angedeutet werden. 

Ein SchöfFenspruch in vollständiger Gestalt gliedert sich in 
folgende Bestandteile: 1. Einleitungsformel; 2. Darstellung des 
Sach- und Streitstandes; 3. Entscheidung; 4. SchlußklauseL Im 



20^ n. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

Vergleich zu der vom modernen ZivllprozefiTrecht geforderten 
Form der Urteile Fehlt den SchöfFensprüchen ein für jene wesent- 
licher Bestandteil, die Entscheidungsgründe. Der Rechtshistoriker 
zumal muß das aufs schmerzlichste empfinden und tief bedauern. 
Klare Entscheidungsgründe wären für ihn eine ebenso beredte 
wie glaubwürdige Quelle zur Erkenntnis jener großen, für die 
weitere Rechtsentwicklung und namentlich für die Gestaltung 
des modernen Rechtes so folgenschweren Rechtswandlung, deren 
unverkennbare Spuren auch in den Schöffensprüchen zutage 
treten und die doch in allen ihren Einzelheiten für die 
wissenschaftliche Forschung noch ein der Lösung harrendes 
Rätsel darstellt. Aber diese Erscheinung findet ihre naturgemäße 
Begründung in der geschichtlichen Entwicklung der Recht- 
sprechung der Schöffenstühle, sowie in der juristischen Bedeu- 
tung der Schöffensprüche selbst. Sie sind eben keine »Urteile^, 
sondern von den Urteilen des modernen Prozeßrechts völlig 
verschieden, dem Inhalte und dem rechtlichen Wesen nach, 
daher auch im Aufbau. 

I. Der erste Hauptteil der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
nun umfaßt die Nummern 1 bis 416, also ungefähr die erste 
Hälfte des ganzen Werkes. Er ist durch Gleichmäßigkeit und 
Einheitlichkeit der Anlage ausgezeichnet. Bis zu einem gewissen 
Grade könnte man sogar von innerer Geschlossenheit sprechen. 

Der weitaus größte Teil der Sprüche stammt von den Schöffen 
zu Leipzig, eine geringe Anzahl von den Schöffen zu Magdeburg. 
Der Bestimmungsort ist nicht bei allen Sprüchen der gleiche, 
sondern sie sind nach verschiedenen sächsischen Orten er- 
gangen. Sämtliche Sprüche sind undatiert. Für einen Teil 
von ihnen war es möglich, das Datum ihrer Entstehung, wenn 
auch nur mit annähernder Genauigkeit zu bestimmen. Die 
Handhabe dazu bot zum Teil die tatsächliche, zum Teil die 
rechtliche Seite des Spruchinhaltes, bei einer Anzahl von Sprüchen 
auch die Heranziehung anderer handschriftlicher Überlieferungen. 
Die ermittelten Datierungen liegen ohne Einhaltung chronolo- 
gischer Ordnung in dem Zeiträume vom 14. bis zum Ende des 
15. Jahrhunderts. Ganz wenige Sprüche entstammen vermutlich 



2. Charakteristik. 21* 

noch dem 14. Jahrhundert, die große Mehrzahl gehört dem 
15. Jahrhundert an^). 

In diesem Teile der Sammlung trägt jeder Spruch eine Ober- 
schrifty die bald sehr ausFührlich, bald wiederum recht kurz gefaßt 
ist. Die Überschriften geben den Inhalt der Sprüche zum Teil tref- 
fend, zum Teil minder genau wieder; oft werden sie bloß von Stich- 
worten gebildet. Häufig wird die im Spruche zur Entscheidung 
gelangte Rechtsfrage durch die Überschrift nur flüchtig angedeutet, 
der rechtlich bedeutsame Inhalt der Sprüche im Titel nicht er- 
schöpft. Oft muß man in den Überschriften bündige juristische 
Ausdrucksweise vermissen. Um so viel mehr wird dann aus 
dem Tatsachenmaterial des einzelnen Falles als Ersatz dafür in 
den Titel gebracht, damit die Rechtsfrage, auf deren Entscheidung 
es ankommt, darin doch möglichst klar zum Ausdruck gelange. 
Es hat den Anschein, als seien die Überschriften vom Sammler 
verfaßt worden. Unwahrscheinlich ist, daß er etwa schon vor- 
handene Summarien, mit welchen die anfragenden Behörden 
die bei ihnen eingelangten Spruchoriginale zur besseren Über- 
sicht über die sich mehrenden Bestände an SchöfFensprüchen 
häufig zu versehen pflegten, bloß kopiert hat. In diesen Meinungen 
wird man bestärkt, wenn man am Ende der sehr ausführlich 
gehaltenen Überschrift des Spruches Nr. 160 liest: »Wie es damit 
gestalt und wie die bruder allenthalben erben, findest du her- 
nach, auch wie ein übergäbe und doch von uncreften geschehen.*" 
Ferner treten, was auch bemerkenswert ist und diese Ansichten 
ebenfalls unterstützt, diejenigen Sprüche des ersten Teiles der 
Sammlung, von welchen auch noch andere Handschriften Über- 
lieferungen enthalten, in diesen entweder überhaupt ohne Titel 
entgegen oder weisen daselbst doch von der Dresdener Hand- 
schrift M 20 im Wortlaut völlig verschiedene Überschriften auf. 
Demnach darf man in den Überschriften den ersten Nieder- 
schlag einer bearbeitenden Tätigkeit des Kompilators erblicken, 
dessen offenbare Absicht es gewesen ist, den Rechtsinhalt der 
Sprüche durch die Überschriften für den Benutzer der Samm- 
lung möglichst leicht und übersichtlich hervortreten zu lassen. 
Dadurch sollte die praktische Brauchbarkeit des Werkes erhöht 

1) Vgl. die Obersichten V- VII am Ende dieses Bandes. 



22* H. Die Leipziger Schöffenspruchstminlung. 

werden. Auch noch ein anderes Mittel, das diesem Zwecke 
dienen soll, ist in der Sammlung zur Anwendung gelangt und 
gibt sich schon aus den Überschriften der Spräche kund. Über- 
blickt man diese nämlich und Forscht nach dem Prinzip der 
Aufeinanderfolge der Spruche, so wird man zwar einer strengen 
Systematik in der Anordnung der Sammlung nicht gewahr 
werden, auch große Gesichtspunkte in juristischem Sinne 
nicht entdecken können. Trotzdem gehen aber die einzelnen 
Sprüche nicht ganz wirr, willkürlich und wahllos durchein- 
ander. Gewöhnlich ist vielmehr eine bei den verschiedenen 
Gruppen ungleiche Anzahl von Entscheidungen zusammen- 
gestellt, in denen Gegenstände der gleichen Rechtsmaterie behan- 
delt sind^). Allerdings wird dieser Grundsatz nach keiner Rich- 
tung hin streng durchgeführt oder gar peinlich eingehalten. 
Trotzdem konnte sich hierdurch, wenn auch in sehr engen 
Grenzen, eine gewisse Übersichtlichkeit des im Werke enthaltenen 
Rechtsmaterials ergeben. DaO diese aber für das praktische 
Bedürfnis bei der Benutzung der Sammlung keineswegs aus- 
reichend gewesen ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß 
einem, und zwar vermutlich schon dem ersten Benutzer der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung die nicht geringe Arbeit der 
Anlegung eines Titelregisters von größerer Übersichtlichkeit 
durchaus nicht überflüssig erschienen ist. 

Nun zur Betrachtung der einzelnen SchöfFensprüche selbst. 
Im ersten Teile der Leipziger Schöffenspruchsammlung treten 

1) Das folgende Bild will die inbaltliche Anordnung des ersten Teiles der 
Leipziger Schdffensprucbssmmlung anschaulich machen. Die einzelnen 
Gruppen werden unter möglichst großen Gesichtspunkten gefaßt und 
unter möglichst weiten Stichworten zusammengestellt. 

Nr. 1-27: Strafrecht und Prozeß; 28—94: Familien- und Erbrecht; 
95—133: Verschiedenes; 134—147: Gerade; 148-158: Morgengabe; 
159: Heergewäte; 161—174: Vormundschaft; 175-194: Zeugenbeweis; 
195—203: Pfandrecht; 204—220: Mord und Totschlag; 221—249: Prozeß 
und Vollstreckung; 252—281: Kauf, ^iederkauf; 282—292: Zeugen- 
beweis; 293—297: Verfugungen von Todes wegen; 298- 301. 303-305: 
Körperverletzungen; 306—311: Arrest; 312—321: Prozeßfähigkeit, Klage, 
Antwort; 322-326: Urteil (Parteiantrag); 327—330: Zins; 331—334: 
Prozeß; 336 338: Ehrenkrankung; 339—341: Geleite; 342—359: Ver- 
schiedenes; 360—365: Brief und Siegel; 367 392: Verschiedenes* 
303-401: Strafrecht; 402—416: Verschiedenes. 



2, Charakteristik. 23* 

die Elnleitungsformeln der Spräche in sehr verkürzter Gestalt 
auf. Diese beginnen regelmäßig mit den Worten: »Sprechen 
wir schöpfen zu Leipzig vor recht* Nur hier und da lautet 
der Eingang auch: «Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche 
schriftliche eingefeite urteil^) der bemelten part (auf sulche 
schriftliche zusag und gerechtigkeit; auf solche tunkel wort der 
genannten part) vor recht* Nur der Spruch Nn 384 wird wie 
folgt eingeleitet: »Schöpfen zu Leipzig bekennen, daß wir umb 
recht seint gefragt nach diesen Worten.* Oft dagegen steht nur: 
»Sprechen zu Leipzig*, oder: »Schöpfen zu Leipzig*, »Spricht 
Leipzig*, oder gar bloß: »Leipzig*. Die übrigen Bestandteile 
der Sprucheinleitungsformel, nämlich die Begrüßungsformel, 
die Anrede an die anfragende Stelle, die Bezugnahme auf die 
Anfrage, die Bezeichnung der Parteien oder ihrer Vertreter nach 
Namen, Wohnort und Parteistellung, sowie schließlich die oft 
übliche kurze Bezeichnung der Rechtsfrage oder des Streit- 
gegenstandes fehlen*). Schon die Form der angeführten Spruch- 
eingänge in ihrer wechselnden Gestalt läßt erkennen, daß es 
sich hier um Kürzungen des ursprünglichen Textes durch den 
Sammler handeln mag. 

1) Ober die Bedeutung des Ausdrucks ^urteil* vgl. im Wort- und Sach- 
register unter 'Urteil. 

2) Beispiele für den vollständigen Wortlaut von Sprucheingingen: unten 
S. 276, Nr. 308; ältestes in der Universititsbibliotbek Leipzig als Hand- 
schrift 2275 verwahrtes Konzeptbuch des Leipziger ScböffenstublSy 
BL 12^ — 13*: Unsre fruntliche dinste zuvor. Gestrenger, ernvehister, 
bsunder gunstiger, guter frund. Nachdem ir uns geschreben und uch 
auf die frage in denselbitigen euern Schriften furbracht des rechtin 
zu berichten uns gebetin höbet, Hansen Graner unde Giemen Schlen- 
bayn in vormundeschaft irer ebwiber, Bertholden Sterckawen seligen 
gelassenen bwestirkindere, an einem unde Petern Linckawen frauen 
Margarethen, bemeltis Bertholden Sterckawen gelassenen witwen, auch 
in got selige vorstorben, am andern teile betreffende, etc., sprechen 
wir scheppeii zu Lipzck darauf vor recht. Daselbst, Bl. 16^: Unsre 
fruntliche dinste zuvor. Achtbar und wirdiger Über herre. Nachdem 
ir uns zweier part schriftliche schult, schutzrede, were und antwort, 
recht darober zu erkennen, zugesandt höbet, Paueln Pestell in vor- 
mundeschaft Symon Treegers ehwibes, der Hofemanen swester, als 
cleger an einem, Hansen unde Jörgen Hoffeman, gebrudere, als be- 
clagiten am andern teile betreffende, etc., sprechen wir scheppen zu 
Lipzck darauf vor recht. 



24* n. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

Der Wortlaut der von auswärts nach Leipzig gesendeten 
Anfrageii, in welchen die entscheidungsbedürftigen Rechtsfalle 
mit ihrer tatsächlichen und rechtlichen Seite zur Darstellung 
gelangt waren , ist bei den Sprüchen des ersten Teiles der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung in der -Regel nicht über- 
liefert. Darin liegt der äußerlich am meisten hervorstechende 
Unterschied dieses Teiles gegenüber dem zweiten Hauptteil der 
Sammlung. Die Zahl der Ausnahmen von dieser Regelerschei- 
nung ist ganz gering^). Der dem Ersuchen um Rechtsbelehrung 
und der daraufhin erfolgten Entscheidung zugrunde liegende 
Sach- und Streitstand mit den Einzelheiten der Geschichts- 
erzählung kann bei den Sprüchen dieses Teiles vielmehr regel- 
mäßig nur der Entscheidung selbst entnommen werden, welche 
die Leipziger Schöffen gefällt haben. Hier ist er oft sehr klar 
zum Ausdruck gebracht, bisweilen minder deutlich zu ent- 
nehmen, je nach dem Grade der Ausführlichkeit, mit welcher 
die Leipziger Schöffen die tatsächlichen und rechtlichen Voraus- 
setzungen, welche die Grundlage für die Vornahme ihrer logi- 
schen Denkoperationen bei der juristischen Subsumtion gebildet 
hatten, anzuführen für notwendig fanden. Der Sach- und Streit- 
stand ist also bei den Sprüchen des ersten Teiles der Samm- 
lung nicht in der Form der Anfrage- überliefert, welche von der 
Rechtsbelehrung suchenden Partei oder Behörde verfaßt und 
. nach Leipzig gesendet worden war. Die Leipziger Schöffen 
haben vielmehr selbst auf Grund dieser Anfragen, beziehungs- 
weise auf Grund der ihnen vorgelegenen Prozeßschriften im 
Rahmen ihres Spruches als Bestandteil desselben nach eigenem 
Ermessen eine zusammenfassende Darstellung des Sach- und 
Streitstandes formuliert^). Die Analogie zum „Urteilstatbestand' 

des modernen Zivilprozeßrechts ist augenfällig. Ich nenne daher 

• 

1) Nur folgende Sprüche des ersten Teiles der Leipziger Scboifenspruch- 
sammlung weisen die zugehörige Anfrage auf: Nr. 28. 30. 51—58. 248. 384. 

2) Nicht selten wird in diesem Tatbestand der Schöffenspruche ausdrück- 
lich auf die Anfrage oder auf die übersendeten Parteischriftsätze Bezug 
genommen; auf die Anfrage z. B. in Nr. 205: Hat sich der dieb, davon 
eur frage besagt, in eurem gefenknus selber gehangen; 267: ..., nach- 
dem dan euer frage inbeldet; 13 und 280: . . . und wie ein sulchs in 
euer frage mit weiterem Inhalt furpracht ist worden; 293: Haben die 



2, Charakteristik. 25^ 

die von der entscheidenden Spruchbehörde selbst auf Grund 
der Anfrage formulierte Darstellung des Sach- und Streitstandes, 
welche einen Bestandteil der Entscheidung im weiteren Sinn^ 
bildet, zum Unterschiede von der Anfrage und im Gegensatz 
zu ihr technisch den Tatbestand des Schöffenspruchs. Häufig 
tritt er, nicht selten zugleich noch die Regelung der Beweisfrage 
enthaltend, geradezu in der Form des bedingenden Vorder- 
satzes auf. Nur für den Fall des ZutrefFens der Bedingungen, 
also nur für den Fall, daO die im Tatbestande dargestellten 
tatsächlichen Verhältnisse der Wahrheit entsprechen und die 
Beweisaufnahme zu einem bestimmten Ergebnisse führt, ist die 
Geltung der im Nachsatze enthaltenen Entscheidung gedacht. 
Unwillkürlich drängt sich da der Vergleich mit dem römischen 
Formularprozesse auf: Der ,yTatbestand^ der Schöffensprüche 
hat in der „intentio^ sein Analogon, die „Entscheidung*^ im 
engeren Sinne entspricht der „condemnatio"' der formula. 

Die Rechtsbelehrungen und Entscheidungen der Leipziger 
Schöffen nun sind in ihrem Wortlaute durch Kürze der Fassung, 
Klarheit der Ausdrucksweise und Schärfe der juristischen Logik 
ausgezeichnet. Oft sind daher die Entscheidungsgründe, genauer 
gesagt die in der Entscheidung zum Ausdruck gebrachten 
Rechtsideen und zur Anwendung gelangten Rechtssätze leicht 
und deutlich aus ihr zu ersehen. 

Die Sprüche klingen in der Regel in die Klausel aus: »Von 
rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigel.^ 

Die im ersten Teile der Sammlung im Wortlaute der Sprüche 
vorkommenden Personen und Orte werden zumeist mit vollen 
Namensbezeichnungen angegeben. Nicht selten begegnet man 
aber auch bei den Personennamen Abkürzungen, entweder bloß 

zwu eeliche personen, davon ir in euer schrift meldet, . . . ; und sulche 
guter, als in euer frage ausgedruckt und mit namen bestimpt worden, 
...; auf die Parteischriftsätze z. B. in Nr. 18: Hat Heinrich Keiser 
Jacoben Windiscb bei euch vor gericht beschuldigt, wie . • . und wie 
er das in seiner clag weiter furpringt. Als dan Jacob Windisch nach 
getaner wer in seiner antwort darkegen aufpringt und sagt, . . .; 208: 
. . ., inmaßen dan ein sulches in seiner clage in mehr worten gemelt 
Wirt; ... als Baltazar Kegeler selbst in seinem urteil berurt; 291: 
Nachdem Benedicts Dittericb itzund in seiner schriftlichen leutrung 
Yorzeubet und sagt, . . . Vgl. noch Nr. 379 und 381. 



26* II- I^lc Leipziger SchSffeuspnichsaminluiii:. 

des Zunamens oder auch des ganzen Namens. Große Anfangs- 
buchstaben Verden für ihn eingesetzt. Vornehmlich flndet das 
große N reichliche Verwendung; im Spruche Nr. 175 wird eine 
Mehrzahl von Zeugen mit den Buchstaben A bis G bezeichnet. 
Schon wegen der Inkonsequenz, mit welcher Abkürzungsbuch- 
staben und volle Namensformen auftreten, wird man den Ab- 
schreiber in der Mehrzahl der Fälle für diese Erscheinung ver- 
antwortlich machen dürfen. Eine klare Beleuchtung erfährt 
diese seine Tätigkeit, welche übrigens vollständig zu seiner 
sonstigen bereits charakterisierten Arbeitsweise paßt, durch den 
Spruch Nr. 59. Die verschiedenen Personen, die in dem da- 
selbst zur Entscheidung gelangten Erbstreite eine Rolle spielen, 
werden zu Anfang des Spruches sämtlich mit dem Abkürzungs- 
buchstaben N bezeichnet. Bald scheint jedoch der Abschreiber 
selbst Inne geworden zu sein, welche Verwirrung er mit dieser 
Übertreibung des Strebens nach Verallgemeinerung anzurichten 
im Begriffe stand. Tatsächlich hätte dieses Voi^ehen zur Un- 
Verständlichkeit des Rechtsfalles und seiner Entscheidung führen 
müssen. Im weiteren Verlaufe des Spruches hat der Abschreiber 
daher die vollen Namensbezeichnungen, wie sie seiner Vorlage 
zu entnehmen waren, wieder eingesetzt Es läßt sich nach- 
weisen, daß er das Vorbild für die von ihm zur Anwendung 
gebrachten Namenskürzungen in einer Vorlage gefunden hat. 
Solche Kürzungen sind nämlich schon in der urspriingllchea, 
also von der Einwirkung des Abschreibers zweifellos freien 
Fassung' einzelner Bestandteile der Schöffenspruchsammlung 
festzustellen. Bei den der Weichbildglosse entstammenden 
Stücken Ist dies der Fall')- Daß die Namensformen selbst 
vielfach verderbt sind, häufig sogar Innerhalb desselben Spru- 
ches in willkürlich wechselnder Gestalt auftreten, ist bereits 
erwähnt worden ■). Auch daran trägt nur die Sorglosigkeit des 
Abschreibers die Schuld. 

Dagegen verdient die Tatsache besonders hervorgehoben zu 
srden, daß Im ersten Hauptteile der Leipziger Schöffenspruch- 
mmlung kein Spruch doppelt vorkommt Ein einziges Mal Ist 

I) Vgl. z. B Nr. 140. 

!) V(l. I. B. Nr. 195. 255. 256. 291. 



2. Charakteristik. 27^ 

ein derartiges Versehen unterlaufen. Aber noch während der 
zweiten Niederschrift des betreifenden Spruches ist der Irrtum 
bemerlit und diese nicht vollendet worden; mitten im Texte ist 
abgebrochen und „vacat* geschrieben worden^). 

II. Der zweite Hauptteil der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung reicht vom Spruch Nr. 417 bis zum Ende der Sammlung; 
er umfaßt also etwa die zweite Hälfte des ganzen Werkes. Zum 
ersten Hauptteile steht er in mancher Beziehung im Verhält- 
nis naher Verwandtschaft, unterscheidet sich aber doch auch 
in bemerkenswerten Stücken von ihm. Dies zeigt sich bei der 
Betrachtung sowohl der einzelnen Schöffenspruche , als auch 
des zweiten Teiles der Schöffenspruchsammlung als solchen. 
An Gleichmäßigkeit läßt die Anlage zu wünschen übrig, Ein- 
heitlichkeit geht ihr ab, und von innerer Geschlossenheit kann 
nicht die Rede sein. 

Die Schöffen zu Leipzig, Magdeburg und Halle sind mit 
Spruchen vertreten. Bei einer nicht unbeträchtlichen Anzahl 
von Schöffensprüchen fehlt jedoch die Angabe der Spruch- 
behörde, daher ist auch der Ausgangsort der Sprüche nicht er- 
sichtlich. Für eine unbedeutende Anzahl ließ sich aus kon- 
kreten Anhaltspunkten die Vermutung ihrer Zugehörigkeit nach 
Leipzig oder Magdeburg aufstellen 2). Nach ihrem rechtlichen In- 
halte zu schließen, stammt die weitaus größte Zahl der Sprüche, 
bei denen die Spruchbehörde nicht angegeben ist, von den 
Schöffen zu Leipzig. Einige Sprüche sind auf den Namen der 
Anfragenden gestellt beziehungsweise umgestellt. Zuln größten 
Teil sind die Sprüche nach verschiedenen sächsischen Orten 
ergangen. Besondere Hervorhebung verdient, daß für 30 Sprüche, 
die zumeist in fast ununterbrochener Reihe aufeinander folgen, 
Naumburg der Bestimmungsort ist. Auch im zweiten Teile 
der Sammlung trägt kein Spruch ein Datum ^). Für eine An- 
zahl von Sprüchen konnte dieses in ähnlicher Weise wie im 

1) Nr. 174 in Verbindung mit Nr. 302. 

2) Vgl. auch zu den folgenden Ausführungen die Obersichten V— VII 
am Ende dieses Bandes. 

3) Einzig am Ende von Nr. 501 findet sich ein Rest: Versigilt mit unserm 
insigil; anno etc. 



28* n. Die Leipziger Schöffenspruchstminlung. 

ersten Teil der Sammlung ermittelt werden. Die festgestellten 
Entstehungsjahre verteilen sich auf das 14. und 15. Jahrhundert. 
Die Zahl der Spräche, welche noch dem 14. Jahrhundert an- 
gehören, ist bedeutend größer als im ersten Teile. Doch ent- 
stammt die große Mehrzahl der Entscheidungen auch des zweiten 
Teiles der Leipziger Schöffenspruchsammlung der Mitte und 
zweiten HälFte des 15. Jahrhunderts. Der älteste darin ent- 
haltene Spruch y der zugleich auch den ältesten Spruch der 
ganzen Sammlung darstellt, fällt vermutlich in das Jahr 1350, 
die jüngsten Sprüche entstammen dem letzten Viertel des 15. Jahr- 
hunderts. Von einer chronologischen Anordnung ist wie im 
ersten Teile so auch hier keine Spur wahrzunehmen. Die 
älteren Sprüche finden sich mitten unter Sprüchen jüngeren 
Datums eingestreut. 

Auch im zweiten Teile der Sammlung trägt jeder Spruch 
eine Überschrift. Von den Überschriften gilt im allgemeinen 
das gleiche, was zur Charakterisierung der Überschriften des 
ersten Teiles der Sammlung ausgeführt worden ist. Nament- 
lich bildet es auch im zweiten Teile keine Seltenheit, daß der 
Titel den Inhalt des zugehörigen Spruches nicht vollständig 
deckt. Auch hier scheinen die Überschriften nicht auf kurze 
Summarien der Spruchoriginale zurückzugehen, sondern ein 
selbständiges Ergebnis bearbeitender Tätigkeit zu sein. Aller- 
dings ermöglicht die Betrachtung und Vergleichung des Wort- 
lautes der Überschriften allein auch nicht einmal eine Ver- 
mutung darüber, ob sie von einem und demselben oder von 
mehreren Bearbeitern herrühren mögen. Ebensowenig läßt 
sich entscheiden, ob sie demselben Bearbeiter ihre Entstehung 
verdanken, von dem die Titel des ersten Teiles der Samm- 
lung verfaßt worden sind. Denn jegliches individuelle Merk- 
mal, das als Anhaltspunkt zu Schlußfolgerungen für die Lösung 
dieser Fragen dienen könnte, fehlt. Auch sind im allgemeinen 
die regestenartigen Überschriften in den verschiedensten Schöffen- 
spruchsammlungen mit großer Ähnlichkeit, ja oft geradezu gleich- 
artig gearbeitet. Auffallend und bemerkenswert ist dagegen^ 
daß eine Reihe von Schöffensprüchen des zweiten Teiles der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung in anderen Handschriften 



2. Charakteristik. 20^ 

unter den gleichen Überschriften wie in der Dresdener Hand- 
schrift M 20 fiberliefert ist. Diese Erscheinung wird ffir die Be- 
stimmung des Quellenverhältnisses von Bedeutung sein. Eine 
Systematik in der Anordnung der Spruche ist weder den Über- 
schriften noch auch dem Spruchinhalt zu entnehmen. Wohl 
sind manche Entscheidungen, in denen Gegenstände derselben 
Rechtsmaterie behandelt werden, wie im ersten Teile zusammen- 
gestellt^). Im allgemeinen aber gehen die Sprüche, welche 
Gegenstände der verschiedensten Rechtsmaterien behandeln, 
in diesem Teile der Leipziger Schöffenspruchsammlung bunt 
durcheinander. 

Die bedeutendste und wichtigste unter den äußeren Erschei- 
nungen, welche überhaupt erst die Veranlassung für die Unter- 
scheidung zweier Teile in der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung und -für ihre gesonderte Charaliterisierung gebildet hat, 
ist in der Gestaltung der SchöiFensprfiche selbst wahrzunehmen. 
Wie das Fehlen der nach Leipzig gelangten Rechtsfragen bei 
den meisten Sprüchen dem ersten Teile der Schöffenspruch- 
sammlung seine charakteristische Gestalt gibt, so wird die 
Eigenart ihres zweiten Teiles durch den Umstand bestimmt, 
daß für die weitaus größte Zahl der daselbst enthaltenen 
Schöffensprüche die nach Leipzig beziehungsweise Magdeburg 
gelangten Anfragen und Ersuchen um Rechtsbelehrung, und 
zwar nicht selten mit ihrem vollen ursprünglichen und unver- 
änderten Wortlaute überliefert sind. Nur bei einer im Ver- 
hältnis zur Gesamtzahl geringen Menge von Schöffensprüchen 
fehlen die Anfragen auch im zweiten Teile der Sammlung'). 
So bietet der zweite Teil der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung für die rechtsgeschichtliche Untersuchung ein ungleich 
farbenreicheres Bild dar als der erste. Denn in den Anfragen 

1) Nr. 417— 436. 509-514. 614—622. 689—710. 757—768: Ftmllien- und 
Erbrecht; 440-445. 737—749. 773-782: Strafrecht; 495—500: Schuld- 
recht; 711—715: Gerade. 

2) Es sind folgende Spruche: Nr. 425. 426. 428. 430. 431. 437. 438. 447. 
451. 457. 460. 461. 463. 465. 471. 472. 478. 479. 495. 518. 529. 531. 533— 
537. 539. 540. 542—548. 551. 560. 561. 563. 564. 583. 584. 607. 609. 619. 
622. 697. 705. 713. 717. 718. 720. 722. 724. 727. 728. 739—742. 750. 774. 
798. 818—821. 823. 825. 



30* n. Die Leipziger Scböffenspruchstminlung. 

ist der den Entscheidungen zugrunde liegende Sach- und 
Streitstand in jener Fassung erhaltengeblieben, welche von 
den um Rechtsbelehrung ersuchenden Behörden oder Parteien 
Formuliert und den Leipziger und Magdeburger Schöffen zur 
Entscheidung unterbreitet worden war. 

Im zweiten Teile der Leipziger Schöifenspruchsammiung 
gehen also den Entscheidungen der Leipziger und Magdeburger 
Schöffen regelmäßig die zugehörigen Anfragen voran, welche 
von auswärts nach Leipzig oder Magdeburg gesendet worden 
waren. In vielen Fällen kennzeichnen sich diese selbst als 
solche schon äußerlich durch ihren Bau und durch die Art 
ihrer Stilisierung. Sie beginnen mit einer Anrede an die um 
Rechtsbeiehrung ersuchten Schöffen, enthalten sodann als we- 
sentlichsten Bestandteil eine Darstellung des entscheidungs- 
bedürftigen Rechtsfalles, sowohl der tatsächlichen wie auch der 
rechtlichen Seite, und schließen mit der ausdrücklichen Bitte 
um Entscheidung der Rechtsfrage oder mit dem Ersuchen um 
Erteilung einer allgemeinen Rechtsbelehrung i). Häufig wird 
die Anfrage schon durch das formelle Ersuchen um Rechts- 
beiehrung eingeleitet und enthält gleich an der Spitze den 
Namen der anfragenden Parteien oder Gerichte^). Oft fehlt 
aber der Anfrage ein besonderer Eingang und ihren Abschluß 
bildet die formelhafte Wendung: „Oder was recht sei*, die 

1) Nr. 409: Bitt ich euch, erbaren berrn der statt Leiptzk, das ir recbt 
hierauf sprecht nach seiner schult und meiner antwort; 4S3: Wir bitten, 
recht zu sprechen nach diesen nachgeschrieben werfen; 500: Ersamen 
weisen schöpfen der stat Leiptzk. Ich Jorge pitt euch, recht zu sprechen 
auf dise nachgeschribene rede; 552—554: Ir erbarn weisen hern der 
statt zu Halle, wir bitten euer erbarkelt, uns recht zu weisen nach 
solchen worten, als hernach geschrieben stet. 618 [Anschließend an 
die Geschichtserzählung]: Des pitten wir euch, uns zu unterweisen, 
was man ime möglichen von rechtes wegen reichen soll vor hergepete; 
642: Ir lieben schöpfen, wir bitten euch zu vernemen [folgt die Dar- 
stellung des Sach- und Streitstandes]; so pitten wir euch durch got 
und durch des rechten willen, das ir uns wider schreibt, ...; ähnlich 
Nr. 644. 651. 653. 682. 689; 734: Erbarn weisen schöppen der statt Leipzk. 
Wir schöppen von Risonaw bitten euch, [uns] des rechten zu unter- 
weisen nach disen nachgeschriben Worten: [Darstellung des Sach- und 
Streitstandes]. Das können wir vorgenannten schöppen zu Rysonaw 
nicht teilen. 



2. Charakteristik. 31^ 

selbst häufig zu vermissen ist Vielfach tritt so nur der sach- 
liche Bestandteil der Anfrage, die Darstellung der tatsächlichen 
Verhältnisse und der Rechtsfrage allein entgegen. Diese Ge- 
stalt weist die große Mehrzahl der im zweiten Teile der Samm- 
lung überlieferten Anfragen auf. Nicht selten sind jedoch von 
den um Rechtsbelehrung ersuchten Spruchbehorden den bei 
ihnen eingereichten Anfragen Sprucheinleitungsformeln voran- 
gestellt worden. Oft beginnen daher die Schöffensprüche mit 
den der Anfrage unmittelbar vorangehenden Worten: ,,Wir 
Schoppen zu Leipzig beliennen, daß wir umb recht seint ge- 
fragt nach diesen woften^^), oder: »Wir schöpfen zu Leipzig 
sein rechtes gefragt nach diesen nachgeschrieben Worten*^'), 
oder: »Wir schöppen zu Leipzig (Magdeburg) seint gefragt umb 
recht' ^). Bisweilen ist der Anfrage die Formel vorangestellt: 
»Diese frage steht also""^), oder unter Anrede der Anfragenden: 
»Euer frage ist"*). 

Der Einheitlichkeit in der äußeren Gestaltung der Anfragen 
steht eine Mannigfaltigkeit ihres inneren Aufbaues gegenüber. 
Die Erklärung dieser Erscheinung ist sehr einfach; denn ihre 
Ursachen liegen klar zutage. Das gleichartige Bedürfnis, bei 
einem Oberhofe oder SchöfFenstuhle Rechtsbelehrung einzu- 
holen, zeitigte überall auch den gleichen äußeren Vorgang, das 
schriftliche Ersuchen um Rechtsbelehrung, nachdem die ur- 
sprüngliche Form des Rechtsverkehres mit dem Oberhofe, die 
mündliche und persönliche Rechtsholung, aufgegeben worden 
war. Die also notwendig gewordene Schriftlichkeit brachte 
überall, unabhängig und ohne daß es irgendwelcher diesbezüg- 
licher Vorschriften, etwa von Seite der Spruchbehörden, be- 
durft hätte, dieselbe primitive, den Zweck vollständig erfüllende 
Briefform zur Entwicklung. Jedoch die Art der Ausfüllung 

1) Z. B. Nr. 586. 621. 708. 709. 729. 755: Wir scbdppen zu Leiptzk bekennen 
öffentlich in dtsem brief, das wir umb recht gefragt sein von den 
erbern weisen leuten, den schöppen der stat Dobeln, nach iren briven 
nach disen Worten. 756. 757. 

2) Z. B. Nr. 432. 522. 526. 527. 588-6021 606. 610-612. 618. 620. 647. 

3) Z. B. Nr. 585. 587. 660. 731. 747. 748. 

4) Nr. 510-512. 

5) Nr. 613. 



32^ I'* Die Leipziger Schoffentpruchsammlung. 

dieses Rahmens blieb der Fähigkeit und dem Geschicke der 
dazu berufenen Persönlichkeiten überlassen. Die gleiche Auf- 
gabe konnte in verschiedener Form gelöst werden. Im zweiten 
Teile der Leipziger SchöiFenspruchsammlung eröffnet sich ein 
Oberblick über die verschiedenen Arten, nach welchen die An- 
fragen im Rechtsverkehr mit Leipzig und Magdeburg gestaltet 
werden konnten. Folgende nebeneinander vorkommende Formen 
von Anfragen sind zu unterscheiden. 

1. Bericht (Referat)^). Die anfragende Behörde, also das 
Gericht, bei welchem der Rechtsstreit anhängig geworden ist 
und zu endgültigem Austrage gelangen soll, das aber zu diesem 
Zwecke selbst erst, aus welchem Grunde immer, von einem 
auswärtigen Schöffenstuhle Rechtsbelehrung einholen zu sollen 
glaubt, verfaßt, ursprünglich auf Grund des mündlichen Vor- 
bringens der Parteien, später auf Grund eingereichter Schrift- 
sätze, eine kurze Darstellung des Sachverhaltes und Streit- 
standes, welche die Unterlage für die erbetene Rechtsbelehrung 
bilden soll. Es verfertigt also, im Bilde des modernen Zivil- 
prozeßrechts gesprochen, einen Urteilstatbestand, auf Grund 
dessen und zu welchem der auswärtige Schöffenstuhl die Ent- 
scheidung fällen soll. Vom objektiven Standpunkt des über 
den Parteien stehenden richterlichen Beurteilers wird in er- 
zählender Form, häufig mit wohltuender Kürze, die tatsächliche 
Seite des Falles dargelegt und erörtert, sowie das subjektive 
Vorbringen der Parteien in dritter Person und in indirekter 
Rede wiedergegeben. Anschließend daran wird entweder die 
entscheidungsbedürftige Rechtsfrage in knapper Fassung formu- 
liert oder bloß mit schlichten Worten zum Ausdruck gebracht, 
daß die Anfragenden eine Entscheidung selbst zu finden .nicht 
vermögen, beziehungsweise sich nicht getrauen 2). 

2. Protokoll, a) Protokollerklärung 3). Über eine andere 
Form der Anfrage und den äußeren Vorgang bei ihrer Entste- 
hung berichtet schön und klar der Liegnitzer Stadtschreiber 

1) Z. B. Nr. 510. 588. 676. 763. 

2) Z. B. Nr. 670. 734. 

3) Z. B. Nr. 610. 621. 813. 



2. Charakteristik. 33* 

Ambrosius Bitschen^), der hier selbst zu Worte kommen möge. 
Seine Schilderung des Vorganges bei der Erklärung zu Protokoll 
ist so lebendig, daß sie erläuternder Ausführungen nicht bedarf. 

«Das ich meinem erendinste und amechte gnug und gerecht 
getOB habe, wenne dasselbe orteil') habe ich von befelunge 
der scheppen in keiginwortikeit beider teile ^) von beider teile 
munde geschreben und obirlesen, das en allen hot genüget, 
dasselbe auch gesigelt mit des rates sigele noch alder gewon- 
heid; und ist wider eine komen von Magdeburg beide, clage 

und antwort, ^) in sotane laute, als das henaus gesant 

ist; und dorinne ist wider mehe noch weniger, wider unrecht 
noch falsch erfunden, das mir die scheppen gezeugen und zu 
stehn vor gesessenem rate bekant haben, also das ich meinem 
amechte und dinste erlich und gnu^ geton habe.* 

b) Verhandlungsprotokoll ^). Nicht überall jedoch bestand 



*- 



1) Er war in den Jahren 1434 bis 1438 in einen Rechtsstreit mit Hans 
Seber verwickelt, welcher dem nach Magdeburg reisenden Liegnitzer 
Gerichtsboten Fleischer unterwegs die ganze Gerichtskorrespondenz 
abgenommen, gelesen und daraus ein Schreiben Bitschens an dessen 
Schwager, den Magdeburger Schölfenschreiber Wilke Funcke, entwendet 
hatte. Das Urkundenmaterial fiber diesen Prozeß, in welchem wieder- 
holt Entscheidungen der Magdeburger Schöffen erflossen sind, findet 
sich *im Liegnitzer Sammelwerke der Handschrift Varia 4 des Rats- 
archivs zu Görlitz, B1.76«— 91«, von wo (Bl. 82«, Nr. 82) die im Texte 
wiedergegebene Stelle stammt. 

2) »Orteil' bedeutet hier technisch das nach Magdeburg gesendete Schrift- 
stuck mit dem protokollarisch aufgenommenen Vorbringen beider 
Parteien, die Anfrage, welche sich aus zwei Bestandteilen, nämlich 
aus «Klage* und «Antwort** zusammensetzt Ihr wird im erwähnten 
Prozesse ein gleichzeitig nach Magdeburg geschickter Privatbrief des 
Ambrosius Bitgchen als „sendebrief und betebrief gegenübergestellt; 
vgl. Hs. Görlitz 4, Bl. 82«: ... ich hete im ungutlich geton damit, als 
ich stadschreiber bin, das orteil geschreben habe und dobei meinen 
sendebrief geschreben hette etc. 

3) Vgl. Nr. 816: . . . und hat dan der richter itzlichs teil heißen pleiben, 
das man die urteil in irer gegenwertigkeit beder schreibe, und ist dan 
N. weggangen und seinen vorsprechen da gelassen, der dan von seinen 
wegen seine Verlegung gepoten hat, damit ist N. der sachen nicht 
verMlen* 

4) Diese Punkte stehen so in der handschriftlichen Vorlage. 

5) Z. B. Nr. 058. 700. 731. — Beispiele fQr Obergangsformen zwischen 
Protokollerklirung und Verbandlungsprotokoll: Nr. 523. 643. 

G. KUcb» Leipiiger ScbAffeaspruebMminluxic. HI 



34^ II. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

die Übung, die Parteien nur eine mit Rücksicht auf die bevor- 
stehende Einholung einer Rechtsbelehrung knapp gefaßte Tat- 
sachendarstellung mit der anschließend ebenso formulierten 
Rechtsfrage, die »Klage« und die »Antwort« allein, zu Protokoll 
bringen zu lassen. Vielmehr wurde nicht selten über den 
Gang und Inhalt des Verfahrens vor dem anfragenden Gerichte 
ein regelrechtes Verhandlungsprotokoll in freier Form abgefaßt 
und, mit der im Rechtsverkehr üblichen Eingangsformel und 
Schlußklausel versehen, als Anfrage nach Leipzig oder Magde- 
burg gesendet. In diesen Verhandlungsprotokollen wechselt die 
erzählende Form mit der direkten Rede. In jene sind natur- 
gemäß die Berichte über die prozessualen Vorgänge gekleidet, 
die sich vor Gericht abgespielt haben. Bisweilen werden auch 
die Vorträge der Parteien in indirekter Form wiedergegeben; 
dann hat das ganze Protokoll die Gestalt einer Erzählung. Häufig 
aber sind Klage und Antwort, Rede und Gegenrede der Parteien 
in direkter Redeform aufgezeichnet, so, wie sie vor Gericht 
gehalten worden waren. 

3. Parteischriften 1). Wenn die Parteien selbst ohne Ver- 
mittlung eines Gerichtes bei einem auswärtigen Schöifenstuhle 
um Entscheidung ihres Rechtsstreites ansuchten, und das ge- 
schah auch schon in älterer Zeit, dann pflegte jede Partei 
einen selbstverfaßten, naturgemäß daher subjektiv gefärbten 
Anfrageschriftsatz nach Leipzig oder Magdeburg zu senden. 
Ein ähnlicher Vorgang wurde bei einer jüngeren Form der An- 
frage, aus welcher das in Deutschland weit verbreitete Institut 
der Aktenversendung hervorgegangen ist, vom Prozeßgerichte 
beobachtet. Und namentlich als die Schriftlichkeit das deutsche 
Gerichtsverfahren bereits vollständig beherrschte, bediente man 
sich für die Rechtsholung dieses einfachen Weges. Die von 
den Parteien eingereichten Schriftsätze wurden abschriftlich 
oder im Original nach Leipzig oder Magdeburg gesendet. Den 
Abschriften ließ das anfragende Gericht die übliche Eingangs- 
formel vorausgehen und fügte am Ende das Ersuchen um Rechts- 

1) z.B. Nr. 409. 496. 497. 603. 604. 706; vgl. dazu auch die Bezugnalime 
auf die Parteischrifteii in der Sprucheinleitungsformel, z. B. Nr. 495. 



a Chtrtkteristik. 35* 

belehrung an. Dagegen wurde ein selbständiges liurzes Begleit- 
schreiben mit der Bitte um Rechtsweisung beigelegt, wenn die 
Parteischriftsätze dem angefragten Schöffenstuhle urschriftlich 
eingereicht wurden i). 

Die Redeform und stilistische Gestaltung der einzelnen An- 
fragen ist durch die Eigenart der Gruppe bestimmt, welcher 
sie zugehören. An Einzelheiten beziehungsweise Unregelmäßig- 
keiten in der Stilistik und äußeren Ausstattung ist folgendes 
hervorzuheben. 

Erscheint die Anfrage in der Berichtsform, dann erzählt sie 
in der dritten Person und bedient sich der indirekten Rede. 
Dagegen herrschen in dem zu Protokoll aufgenommenen ,,Ur- 
teil* und in den Parteischriftsätzen naturgemäß immer erste 
Person und direkte Rede, die bisweilen auch vorkommen, wenn 
die Anfrage die Gestalt des Verhandlungsprotokolles aufweist 
Nun gibt es aber im zweiten Teile der Leipziger Schöß^en- 
spruchsammlung Fälle, in welchen die Anfrage mit der Er- 
zählung in dritter Person und indirekter Rede beginnt, auf 
einmal jedoch aus dem Zusammenhange in die erste Person 
und direkte Rede überspringt oder umgekehrt aus der ersten 
Person und direkten Rede in die dritte Person und indirekte 
Rede übergeht'). Innerhalb derselben Anfrage, es handelt sich 
zumeist um die Berichtsform, bisweilen auch um die Gestalt 
des Verhandlungsprotokolles oder um Übergangsformen, wechselt 
also die dritte Person mit der ersten, die direkte mit der in- 
direkten Rede. Beim Verhandlungsprotokolle kann ein solcher 
Wechsel vorkommen, er erklärt sich leicht aus dem Vorgange 
bei der Protokollierung, wäre daher nicht bemerkenswert. Das 
gleiche gilt für die Übergangsformen. Für die Berichtsform aber 
ist ein derartiger Wechsel als Anomalie zu betrachten. Sie kann 
nur durch eine bei der Abfassung der Anfrage, die ja häufig bloß 
in der Übertragung der Ausführungen der Parteien aus der ersten 
in die dritte Person, aus der direkten Rede in die indirekte 

1 ) Auch bei der Berichtsform kommen von der Anfrage gesonderte Begleit- 
schreiben vor; z. B. Nr. 824. 

2) Z. B. Nr. 452. 502. 613. 686. 694. 716. 719. 755. 765. 

111* 



36* n. Die Leipziger .Schöffenspruchsammlung. 

Rede bestand, unterlauFene Unachtsamkeit erklärt werden, indem 
stellenweise die ursprüngliche Form stehengeblieben ist. 

Wie für den ersten Teil der Schöffenspruchsammlung, so 
müssen auch im zweiten Teile die Abkürzungen der vorkom- 
menden Personennamen mit Anfangsbuchstaben oder mit den un- 
bestimmten Buchstaben N, A und B in den meisten Fällen auf 
die Tätigkeit des Abschreibers zurückgeführt werden; ebenso 
die vielfach auch hier verderbten Namensformen. In dieser 
Beziehung gilt überhaupt das für den ersten Teil der Samm- 
lung Ausgeführte auch für diesen. In den Sprüchen des zweiten 
Teiles der Leipziger Schöffenspruchsammlung tritt aber eine 
neuartige Form der Namensabkürzung, richtiger gesprochen 
eine Form verallgemeinernder Namensfassung entgegen. In 
einer Anzahl von Fällen sind nämlich die Zunamen der vor- 
kommenden Personen weggelassen, und die allein beibehaltenen 
Vornamen werden, mit dem unbestimmten Artikel versehen, ein- 
geführt, zum Beispiel: ein Apitz, ein Claus, ein Friedrich, ein 
Hans, ein Gertrud, ein Martin oder wie sein Qhristenname ge- 
nannt sei. Manchmal ist auch der Zuname beibehalten und 
also dem vollen Namen der unbestimmte Artikel vorgesetzt, 
zum Beispiel: ein Heinrich Waltmann i). .Bisweilen sind die 
Personennamen auch durch Gattungsnamen ersetzt, zum Bei- 
spiel: ein bidermann, eine dirne, eine Jungfrau, ein schüler^). 
Hie und da steht überhaupt nur der unbestimmte Artikel^). 
Ob diese verallgemeinernden Bezeichnungen schon von den 
Verfassern der Anfragen, etwa zum Zwecke der Geheimhaltung 
der Parteinamen, an deren Stelle eingesetzt worden sind oder 
ob sie erst auf die bearbeitende Tätigkeit eines Sammlers mit 
generalisierender Tendenz zurückgehen, muß vorläufig dahin- 
gestellt bleiben^). 



1) Nr. 784. 

2) Z. B. Nr. 763-765. 

3) Z. B. Nr. 501. 

4) Die diesbezüglichen allgemeinen Untersucliungen sind noch nicht abge- 
schlossen. Doch gewinnt die erste der beiden Erklärungsniöglichkeiten 
immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Aus der Leipziger SchöiTenspnich- 
sammlung können folgende GrQnde fQr sie angeführt werden. Die verall- 
gemeinernde Namensform kommt oft nur in der Anfrage vor; in der Ent- 



2. Charakteristik. 37* 

Daß die Verschiedenheit der bereits erwähnten Einleitungs- 
formeln der Spräche zur Verschiedenart der AnFrageformen in 
keiner Beziehung steht, mag doch ausdrücklich bemerkt werden. 
Denn bei jenen handelt es sich um rein äußerliche Urkunden- 
formeln, deren gewohnheitsmäßig entstandener Wortlaut im 
Laufe der Zeit Wandlungen durchgemacht hat, während diese 
ihre Begründung in der Geschichte der Rechtsholung und 
in der Entwicklung des gerichtlichen Verfahrens findet. Selbst- 
verständlich aber stehen Anfrage und Entscheidung innerlich 
wie äußerlich zueinander in engster Beziehung. 

Die Entscheidungen sind im zweiten Teile der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung an die Anfragen meistenteils mit dem 

« 

allein von der Sprucheinleitungsformel erhaltengebliebenen 
Wörtchen «Hierauf* angeschlossen. Manchmal werden sie mit 
den Worten: „Hieraufsprechen wir schöppen zu Leipzig (Magde- 
burg, Halle) vor recht*^ eingeleitet. Nur in einzelnen Fällen 
aber finden sich die Sprucheinleitungsformeln mit vollständiger 
Fassung^). Einige von ihnen weisen schon jene jüngeren Formen 
auf, in welchen der Wortlaut der Anfrage durch eine kurze 

Scheidung dagegen wird der unbestimmte Artikel wieder weggelassen oder 
werden für die Parteien prozeßtechniscbe beziehungsweise andere Be- 
zeichnungen neu eingeführt; z.B. Nr. 859: Anfrage: ein Apitz, ein Hans; Ent- 
scheidung: Apitz, Hans; Nr. 766: Anfrage: ein Friedrich hat geclagt zu 
einem Heinrich; Entscheidung: cleger, antworter; Nr.501 : Anfrage: einer; 
Entscheidung: der mann; Nr. 700: Anfrage: ein Heinemann; Entscheidung: 
der mann. Ferner wenn z. B. Nr. 725 mit den Worten beginnt: ein N. 
und ein Gerdrut, so 4|irf man in Verfolgung der Ausfuhrungen des 
Textes vermuten, daß die verallgemeinernde Namensform in Gestalt 
des mit dem unbestimmten Artikel versehenen Vornamens schon ur- 
sprünglich in der Vorlage des mechanisch arbeitenden Abschreibers 
gestanden habe. Erst von ihm ist sie durch Einsetzung des ver- 
einzelten AbkGrzungsbuchstabens N an Stelle des Vornamens noch 
unbestimmter gefaßt worden. Denn die Form »ein N.** bildet einen 
Pleonasmus an Unbestimmtheit Der Ausgangspunkt der Entwicklung 
aber scheint in der Voranstellung des unbestimmten Artikels vor 
die vollständige Namensform (z. B. ein Heinrich ^Taltmann) zu 
Hegen. Die Untersuchung einer Görlitzer Schdifenspruchsammlung, 
in der ähnliche Formen verallgemeinernder Namensfassung vor- 
kommen, hat diese Beobachtungen bestätigt; vgl. Sav. ZRG . 30 (1018), 
S. 360 unter 7. 
1) Z. B. Nr. 552—554. 



38* n. Die Leipziger Scböffensprucbsammlung. 

Bezugnahme auf sie ersetzt ist^). Selten dagegen Fehlt die Schluß - 
klausely die Fast immer die gewöhnliche kurze Form: »Von 
rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigel*^ auFweist. Doch 
finden sich auch gelegentlich ausFührlichere und altertümliche 
Fassungen '). 

Was den Charakter der Entscheidungen selbst betrifft, so 
genügt es im allgemeinen, auF das über ihre juristische 
Eigenart Für den ersten Teil der Sammlung AusgeFührte 
zu verweisen. Die Entscheidungen des zweiten sind gegenüber 
denen des ersten Teiles durch besondere augenFällige Kürze 
ausgezeichnet. Sie steht auch zu der nicht selten in erzähle- 
rische Breite übergehenden AusFührlichkeit der AnFragen in Kon- 
trast. Allerdings ist sie durch diese verursacht Der juristische 
AuFbau und die stilistische Fassung der einzelnen Entscheidung 
ist nämlich augenscheinlich durch Inhalt und sprachliche For- 
mulierung der AnFrage beeinflußt. Hatte die AnFrage eine breite 
Schilderung des Sachverhaltes gelieFert und eine grundsätzliche 
Erörterung der entscheidungsbedürFtigen Rechtslage gegeben, so 
konnte sich die Entscheidung selbst mit dem bloßen Ausspruche 
der von den AnFragenden verlangten Sentenz begnügen, sich also 
ausschließlich auFdie Lösung der Rechtsfrage beschränken. Durch 
die Beibehaltung der AnFrage, welche so als integrierender Be- 
standteil des Schöffenspruches erscheint, findet sonach die kurze 
und einfache Form der Entscheidungen ihre Erklärung. Sehr 
häufig reichte ein einziger Satz hin, um alles Notwendige in 
der Entscheidung zum Ausdruck zu bringen. Der neuerlichen 
Formulierung eines Tatbestandes als selbständigen Bestandteils 
der Entscheidung bedurfte es da nicht Die Entscheidung lautet 
oft unbedingt, zu- oder aberkennend, verurteilend oder frei- 
sprechend; oft ist sie aber bedingt durch das Zutreffen einer 
dann besonders hervorgehobenen Voraussetzung oder abhängig 
von dem Ausfall einer angeordneten Beweisführung. Wegen 

1) Entweder werden die einleitenden Sitze der Parteischriften wortgetreu 
angeführt, wie z. B. in Nr. 405. 821 oder die Streitsache oder Streitfrage 
wird unter allgemeiner Bezugnahme auf sie in mehr oder minder ge- 
nauer Weise bloß kurz bezeichnet, wie z. B. in Nr. 815. 817. 818. 819. 

2) Z. B. Nr. 552. 553. 682. 687. 



Z Charakteristik. 38* 

der knappen und präzisen Fassung tritt bei dieser Act von Ent- 
scheidungen besonders deutlich die Ähnlichkeit mit der Gliede- 
rung der formula des römischen Zivilprozesses zutage. Darüber 
wurde bereits gesprochen« 

Im Unterschied zum ersten begegnen im zweiten Teile der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung verhältnismäOig zahlreich 
Wiederholungen von Schöifensprüchen^). Solche sind nicht 
allein gegenüber dem ersten Teile der Sammlung Festzustellen, sie 
ereignen sich vielmehr auch innerhalb des zweiten Teiles selbst, 
so daO zum Beispiel derselbe Spruch einmal im ersten Teile 
und außerdem noch zweimal im zweiten Teile der Sammlung 
zu finden ist^). DaO die identischen Spräche durch genaue 
Textvergleichung Feststellbare Abweichungen im Wortlaute und 
Verschiedenheiten in den Personenbezeichnungen auFweisen, 
bildet eine Für die Quellengeschichte der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung besonders wichtige und daher bereits an dieser 
Stelle hervorzuhebende Erscheinung. 

Die vergleichende Betrachtung der hier gezeichneten zwei 
Bilder offenbart ih der äuOeren Erscheinung und Eigenart der 
beiden Teile der Leipziger Schöffenspruchsammlung weitgehende 
Ähnlichkeiten, aber auch bemerkenswerte Unterschiede. Eine 
tiefgreiFende Wesensverschiedenheit besteht jedoch nicht. Da- 
her erscheint auch die Einheit der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung als Gesamtwerk durch jene Unterscheidung allein 
noch nicht auFgehoben. Deshalb wäre es auch geFahrüch, hier 
a priori auF die ZusammenschweiDung zweier Schöffenspruch - 
Sammlungen von ursprünglicher Selbständigkeit schlieOen zu 
wollen. Vielmehr bedarF das Gesamtbild noch einer Vervoll- 
ständigung. Verwandte sammlungen von Schöffensprüchen müssen 
herangezogen werden. Es muß versucht werden, aus ihnen 
Aufiscblüsse über die Struktur der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung zu gewinnen. Erst wenn das gegenseitige Verhält- 
nis Feststeht, wird es möglich sein, an die Frage nach den 
Quellen der Leipziger Schöffenspruchsammlung heranzutreten. 

1) Siebe das Verzeichnis der identischen Spräche, S. 643. 

2) Z. B. Nr. 38. 564. 701 ; 237. 437. 629. 



40* !!• I^ic Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

3. Parallelsammlungen. 

I. Vorbericht 

Von einzelnen Sprüchen und Weistumern, die der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung einverleibt sind^ lassen sich 
außer der Hs. Dresden M 20 noch weitere handschriftliche 
Überlieferungen nachweisen i). Verdienen schon diese ihrer 
quellengeschichtlichen Bedeutung wegen Beachtung, so bean- 
spruchen erhöhte Aufmerksamkeit jene Schöifenspruchsamm- 
lungen, welche von den in der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung enthaltenen Sprüchen eine größere oder geringere Anzahl 
in geschlossener Reihe zu ihrem Bestände zählen« Denn bei 
ihnen rückt die bloße Möglichkeit eines quellengeschichtlichen 
Zusammenhanges mit der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
in den Bereich der Wahrscheinlichkeit. Daher ist eine genaue 
Untersuchung des Verhältnisses dieser Parallelsammlungen zur 
Leipziger Schöffenspruchsammlung unerläßlich, zumal sämtliche 
in Betracht kommende Handschriften die Hs. Dresden M 20 
nicht unerheblich an Alter übertreffen. Nur durch die Klar- 
legung des Verwandtschaftsverhältnisses aller dieser Samm- 
lungen und durch die Ergründung ihrer Abstammung, sofern 
auch diese sich ermitteln läßt, kann die Grundlage geschaffen 
werden, von der allein aus die Nachforschungen nach den 
Quellen der Leipziger Schöffenspruchsammlung mit der Aus- 
sicht auf ein richtiges Ergebnis unternommen werden können« 

Allerdings stehen der rechtsgeschicbtlichen Untersuchung, 
welche das Verhältnis jeder einzelnen Parallelsamimlung zur 
Leipziger Schöffenspruchsammlung genau bestimmen und die 
quellengeschichtlichen Beziehungen jener Sammlungen unter- 
einander erforschen will, nicht geringe Schwierigkeiten im 
Wege. Eine solche bildet zunächst schon die Tatsache, daß 
diese Sammlungen, wie die große Masse der handschriftlich er- 
haltenen Schöffenspruchsammlungen überhaupt, von der Rechts- 
quellenforschung bisher mit wenigen Ausnahmen fast vollständig 

1) Vgl. die Obersicht fiber die auch in anderen handschriftlichen Samm- 
lungen überlieferten verglichenen Spruche und fiber die bereits ge- 
druckten Sprüche am Ende dieses Bandes. 



3. Parallelsammlungen. 4{* 

vernachlässigt worden sind. Selbst für die wenigen Parallel- 
sammlungen, von denen im Druck erschienene Ausgaben aus 
neuerer Zeit vorliegen^). Fehlt durchweg eine zureichende 
quelleokritische Untersuchung ihres Inhaltes , auf der ein 
unmittelbares Weiterbauen möglich wäre. Daher ist überall 
von Grund aus voll und ganz neue Arbeit zu leisten. Die 
Eigenart jeder Schöifenspruchsammlung, die zur Vergleichung 
herangezogen werden soll, muß mit erreichbarster Genauigkeit 
bestimmt werden. Vielleicht läOt sich auch über die Ent- 
stehungsgeschichte einzelner Sammlungen einige Klarheit ge- 
winnen. Erst dann kann der Versuch * unternommen werden, 
die Fäden aufeud'ecken, welche von diesen Sammlungen ver- 
bindend zur Leipziger Schöifenspruchsammlung hinüberführen. 
Genaue Textkritik bietet die Handhabe dazu. Die Anzahl und 
Reihenfolge der gemeinsamen Schöffensprüche, ihre Über- 
schriften, Einleitungsformeln und SchluDklauseln m'üssen ver- 
glichen, die Ausführlichkeit, Vollständigkeit und Gestaltung ihres 
Wortlautes muß genau beobachtet und vergleichender Prüfung 
unterzogen werden. Auf der objektiven Beurteilung und Wer- 
tung der auf diesem Wege gewonnenen Ergebnisse allein dürfen 
sich die Schlußfolgerungen für die Entstehungsgeschichte und 
Verwandtschaft der Sammlungen gründen und aufbauen. Kon- 
struktionen und Kombinationen ohne quellenmäßige Unterlage 
sind auszuschalten. Dieses notwendige Mittel der Textverglei- 
chung, die so mit unbedingter Exaktheit durchzuführen ist, 
offenbart aber eine weitere Schwierigkeit für die wissenschaft- 
liche Untersuchung. Sie ist in der Mangelhaftigkeit des durch 
Auslassungen, Schreibversehen und andere Flüchtigkeiten viel- 
fach verderbten Wortlautes der Überlieferung in Hs. Dresden 
M 20 gelegen. Auch die Ursachen dieser die Arbeit erschwe- 
renden Erscheinung müssen aufgesucht werden. Sie selbst ist 
bei der Vergleichung der Handschriften entsprechend zu be- 
rücksichtigen und in Rechnung zu stellen. Daher ist es ge- 
boten, allen nur irgendwie erreichbaren Prüfungsstoff zusammen- 
zubringen, bei der Beurteilung lieber zuviel als zuwenig zu 

1) Vgl. das dieser Einleitung vorangehende Verzeichnis der für die Hand- 
schriften verwendeten Abkürzungen. 



42* n. Die Leipziger Schöffen spruch Sammlung. 

prüfen und bei den SchluOFolgerungen mit größter Vorsicht zu 
Werke zu gehen. 

Die Paralielsammlungen zur Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung können in drei Gruppen eingeteilt werden. Maßgebend 
Für diese Einteilung beziehungsweise für die Zusammenfassung 
mehrerer Sammlungen zu einer Gruppe ist der gemeinschaft- 
liche Bestand an Schöffensprüchen. Durch diese Einteilung sind 
auch Gang und Ordnung der nachfolgenden Untersuchung vor- 
gezeichnet und bestimmt. Allerdings bilden eine notwendige 
Voraussetzung für sie die Analysierung und Charakterisierung 
der einzelnen Schöffenspruchsammlungen, deren Verhältnis zur 
Leipziger Schöffenspruchsammlung einerseits und deren Be- 
ziehungen untereinander andererseits ermittelt und klargelegt 
werden sollen. Denn erst die genaue Kenntnis der zu ver- 
gleichenden Sammlungen selbst macht die Vergleichung ihres 
Inhaltes mit dem anderer Schöifenspruchsammlungen möglich 
und erleichtert sie. Diese Vorarbeit mußte also geleistet werden. 
Die ausführliche Veröffentlichung ihrer Ergebnisse würde je- 
doch den Rahmen dieser Einleitung wQjt überschrei ten, da es 
sich um selbständige Untersuchungen zum Teil nicht un- 
beträchtlichen Umfanges handelt i). Ihre vollständige Mitteilung 
wird daher erst in der im Vorwort in Aussicht gestellten 
Studie zur Geschichte der sächsischen Rechtsquellen und der 
sächsischen Rechtsprechung „Der Oberhof Magdeburg*' erfolgen, 
während an dieser Stelle nur diejenigen Beobachtungen kurz 
angeführt werden können , welche für die Untersuchung der 
Parallelsammlungen zur Leipziger Schöffenspruchsammlung von 
unmittelbarer Bedeutung sind. Zu ihnen gehört allerdings auch 
die genaue Beschreibung der handschriftlichen Oberlieferungen. 
Sie muß jedoch wegen der dabei notwendigen Ausführlichkeit 
ebenfalls der gesonderten Darstellung vorbehalten bleiben^). 
Die Textvergleichung selbst gründet sich überall auf vollstän- 



1) Vgl. z. B. die Beschreibung und Analyse der Handschrift »Varia 4* 
des Ratsarchivs zu Görlitz in der Zeitschrift der Savignystiftung ffir 
Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, Band 38 (1918), S. 348 ff. 

2) Vgl. vorläufig die oben im Verzeichnis der Abkürzungen für die Hand- 
schriften nachgewiesene Literatur. 



3. Parallelsammlungen. 43* 

dige und gewissenhafte Durcharbeitung des Wortlautes aller 
gemeinschaftlichen Schöffenspruche, auch wo er in der vor- 
liegenden Ausgabe der Leipziger Schöifenspruchsanimlung nicht 
voll zum Abdruck gelangt ist. Der Vergleichung ist fiberall 
die Leipziger Schöifenspruchsammlung zugrunde gelegt. Auf 
sie sind in den Folgenden Ausführungen alle Nummernzitate 
ohne besonderen Beisatz oder ausdrückliche anderweitige An- 
gabe zu beziehen. Das zur Untersuchung herangezogene hand- 
schriftliche Schöffenspruchmaterial wird riach der für die ein- 
zelnen Schoffensprüche in den Handschriften selbst vorfind- 
liehen Numerierung^) angeführt. Auch soweit Ausgaben von 
Schöffenspruchsammlungen vorliegen» wurde das Zurückgehen 
auf die Handschriften selbst niemals für überflüssig erachtet. 
In diesen Fällen wurden aber die Zitate auf die im Druck er- 
schienenen Ausgaben bezogen, wenn die Mangelhaftigkeit der 
Drucke nicht zur Einhaltung des bei ungedruckten Quellen be- 
obachteten Vorganges auch hier nötigte^). 

II. Erste Gruppe. 

1. Hs. Zwickan. 

Unter den größtenteils noch ungehobenen handschriftlichen 
Schätzen des Ratsarchivs zu Zwickau in Sachsen befindet sich 
eine überaus umfangreiche Rechtshandschrift, welche die Si- 
gnatur C 23a trägt. Sie galt bisher als verloren^). Ihren Inhalt 

1) In manchen Handschriften sind die Spruche von alter Hand gezählt, 
in anderen findet sich eine Numerierung, die entweder von der Archiv- 
Verwaltung oder von einem früheren Benutzer herrührt. Wo eine solche 
nicht vorhanden war, wurde von mir eine fortlaufende Zählung der 
Spruche mit Bleistift am Rande der Handschrift angebracht. 

2) Zur Vermeidung jeglicher Unklarheit wird in jedem Zitate die bezogene 
Stelle genau angegeben; also die Handschrift mit der betreffenden 
Abkürzung bezeichnet, wenn sich das Zitat auf die Handschrift selbst 
bezieht; dagegen wird der Name ihres Herausgebers mit genannt, wenn 
nach einer Ausgabe zitiert wird. 

3) Homeyer, Die deutschen Rechtsbücher des Mittelalters und ihre 
Handschriften, Nr. 737; Otto Stobbe, Beiträge zur Geschichte des 
deutschen Rechts; ^raunschweig 1865, S. 39; Ferdinand von Martitz, 
Das eheliche Güterrecht des Sachsenspiegels und der verwandten 
RechUquellen; Leipzig 1867, S. 27 Note 30. 



44* n. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

bilden Folgende Werke: 1. Blatt 1—296: Ohne Oberschrift. 
Eine Sammlung von 670 Sprüchen der Schöffen zu Leipzig; 
2. Blatt 290—347«: »Hie heben sich an in diesem buch etz- 
liche Fragen der werden hern schopphen von Magdeburg'. Die 
Magdeburger Fragen^); 3. Blatt 347b— 405a: „Magdeburgische 
Rechtsprüche'. Eine Sammlung von Magdeburger und Leip- 
ziger Schöffensprfichen; 4. Blatt 407 — 426: „Incipit Processus 
judiciarius libri Feudorum''. Der Richtsteig Lehnrechts'). Dieser 
letzte Bestandteil des Kodex schließt mit den Worten: ,Hie had 
der richtstigk über das lehenrecht ein ende. Amen.* — »Anno 
domini millesimo quadringentesimo sexagesimo octavo, Feria sexta 
proxima post Egidii abbatis. — Sit deo laus et honor. Amen."* 
Die an dritter Stelle erwähnte Schöffenspruchsammlung hat 
schon wiederholt das Interesse von Rechtshistorikern geFunden. 
Dies wird namentlich durch zwei im 10. Jahrhundert verfer- 
tigte Abschriften dieser Sammlung bezeugt^). Ober eine ge- 
legentliche Benutzung ist man jedoch nicht hinausgekommen^); 
insbesondere ist eine quellengeschichtlich^ Untersuchung ihres 
Inhaltes nicht erFolgt 

1) Vgl. Jacob Friedrich Behrendt Die Magdeburger Fragen; Berlin 1865, 
S. VI Nr. 16 und S. XLIV ff. 

2) Im Verzeichnis der Handschriften des Richtsteigs Lehnrechts bei 
Homeyer, Des Sachsenspiegel^ zweiter Teil nebst den rerwandten 
Rechtsbfichern. Erster Band : Das sftchsische Lehnrecht und der Richt- 
steig Lehnrechts; Berlin 1842, nicht enthalten. 

3) Die ältere gelangte aus Nietzsches Nachlaß in Homeyers Besitz; vgl. 
Homeyer, RechtsbQchery Nr. 737. Sie wird gegenwärtig in der 
Preuftischen Staatsbibliothek [früheren Königlichen Bibliothek] zu Berlin 
unter der Signatur Homeyer- Nachlaß Ms. 68 verwahrt. — Auf Grund 
dieser Kopie verfertigte Otto Stobbe in der Zelt vom 21. Dezember 1857 
bis 28. Januar 1858 eine vielfach gekürzte Abschrift, die er später 
dem Archivrat Dr. Theodor Distel in Dresden schenkte; vgl. Theodor 
Distel in Sav. ZRG. 12 (1801) S. 120 Note 1. Diese Abschrift gelangte 
im Jahre 1889 geschenkweise an die Bibliothek der Juristenfakultät zu 
Leipzig. Sie war seither verschollen, bis mir ihre Wiederaufflndung 
gelang. Der Band, welcher auf dem Vorsatzblatte den Inhalt der 
Schöffenspruchsammlung betreffende Bemerkungen von Stobbes Hand 
enthält, befindet sich jetzt unter der Signatur Ms. 081 7 in der Universitäts- 
bibliothek zu Leipzig. 

4) Stobbe, Beiträge zur Geschichte des deutschen Rechts, S. 30if. — 
Emil Herzog im Archiv für die sächsische Geschichte 3 (1865), S.346ff.— 
Distel, a.a.O. 



3. Paraltelsammlungen. 



45* 



Diese Schöffensprüchsaminlung nun, welche im Folgenden 
kurz als Hs. Zwickau bezeichnet werden soll, stellt eine Parallel- 
sammlung zum zweiten Hauptteile der Leipziger Schöffensprüch- 
saminlung dar. Nachstehende Übersichtstafel bringt das Ver- 
hältnis der beiden Sammlungen zur Anschauung. 

Tafel 1. 



Hs. 


Hs. 


Hs. 


Hs. 


Hs. 


Hs. 


Hs. 


Hs. 


Zvickstt 


Dresden 


Zwickau ' 


Dresden 


Zwickau 


Dresden 


Zwickau 


Dresden 


IC 23a] 


M 20 


[C 23a] 1 


M 20 


[C23a] 


M 20 


[C23a] 


M 20 


1-6 




42 


626 


109 


569 


145 


562 


7 


466 


43 


627 


110 


568 


146 


561 


8 


467 


44 


628 


111 


567 


147 


560 


9 


468 


45 


629 


112 


570 


148 


555 


10 


469 


46 


630 


113 


571 


149 


556 


11 


470 


47 


631 


114 


573 


150 


557 


12 


471 


48 


632 


115 


574 


151 


558 


13 


472 


49 


633 


116 


575 


152 


559 


14 


473 


50 


634 


117 


576 


153-159 




15 


474 


51 


635* 


118 


577 


160 


592 


16 


475 


52 


636 


119 


578 


161-191 




17 


476 


53 


427 


120 


579 


192 


794 


18 


477 


54 


640 


121 


580 


193 


796 


19 


478 


55 


641 


122 


536 


194 


797 


20 


479 


56 


642 


123 




195 


799 


21 


480 


57 


644 


124 


533 


196-201 




22 


481 


58 


645 


125 


534 


202 


802 


23 


483 


59 


646 


126 


535 


203 




24 


603 


60 


648 


127 


537 


204 


803 


25 


604 


61 


649 


128 


538 


205 


' 804 


26 


606 • 


62 


650 


129 


539 


206 


805 


27 


607 


63 


■ 651 


130 


541 


207 


j 808 


28 


608 


64 


652 


131 


540 


208 


809 


29 


609 


65 


653 


132 




209 


266 


30 


610 


66 


656 


133 


542 


210 


812 


31 


611 


67 


655 


134 


542a 


211 


813 


32 . 


612 


68 


657 


135 


543 


212 


814 


33 


613 


69 


659 


136 


544 


213 




34 


614 


70 


660 


137 


545 


214 


36 


35 


615 


71 


661 


138 


546 


215 




36 


616 


72 


664 


139 


549 


216 


780 


37 


620 


73 


665 


140 


550 


217 


1 


38 


621 


74 


666 


141 


551 


218 




30 


622 


75-106 




142 


564 






40 


624 


107 


565 


143 


563 






41 


625 


108 


566 


144 









46* 11. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

Die Hs. Zwickau ist unter allen bisher bekannt gewordenen 
Schöffenspruchsammlungen an parallelen Bestandteilen zur Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung am reichhaltigsten. Sie besteht 
selbst aus 218 Sprächen^ die zum Teil von den Magdeburger, 
zum Teil von den Leipziger Schöffen ausgegangen sind. Von 
dieser Zahl sind 128 Schöffensprüche auch in Hs. Dresden M 20 
enthalten, während 90 daselbst nicht vorkommen. Die Reihen- 
folge der gemeinschaftlichen Sprüche ist in beiden Handschriften 
im wesentlichen die gleiche; die unbedeutenden Abweichungen 
sind zumeist durch die Auslassung von Sprüchen in Hs. Dres- 
den M 20 veranlaßt. Bemerkenswert ist die in beiden Hand- 
schriften zu beobachtende unmittelbare Aufeinanderfolge zweier 
Sprüche, welche in einer weiteren handschriftlichen Überliefe- 
rung auch' voneinander durch eine Reihe anderer Schöffen- 
sprüche getrennt vorkommen^). Die Überschriften der einzelnen 
Sprüche stimmen in beiden Handschriften zumeist vollständig 
überein, allerdings nicht ohne Ausnahme. Denn Hs. Zwickau 
bringt die Überschriften bisweilen in einer abgekürzten Fassung, 
die mit „Quaeritur*, beziehungsweise mit den Worten: «Quid 
juris"^ oder „quid legid"* eingeleitet oder geschlossen zu werden 
pflegt^). Die in Hs. Dresden M 20 ausführlich wiedergegebenen 
Einleitungsformeln der Sprüche treten in Hs. Zwickau ebenfalls 
mit starken Abstrichen und Kürzungen entgegen, zumeist ist 
nur die Abkürzung »L. recht* oder „M. recht* erhalten ge- 
blieben^). Auch die in der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
den Entscheidungen vorangehenden Anfragen sind in Hs. Zwickau 
in den meisten Fällen weggelassen^). Selbst der Wortlaut der 
Entscheidungen weist hier nicht selten noch Kürzungen auf. 
Unter ihnen wäre hervorzuheben, daß die dem Begehren der 
Klagegewere stattgebende Entscheidung fast immer durch die 
Worte ersetzt ist: »Est facienda, ut in forma uf schult etc.* oder: 

1) Hs. Dresden M 20, Nr. 550 und 551; Hs. Zwickau, Nr. 140 und 141; 
Hs. Leipzig 945 [Friese -Liesegang, III. B.] Nr. 19 und 50. 

2) Z. B. Nr. 609. 622. 660 und Hs. Zwickau, Nr. 46—48. 56. 

3) Z. B. Nr. 592. 603. 610. 613. 614. 620. 621. 

4) Z. B. Nr. 427. 466. 469. 473—477. 480. 606. 608. 610-616. 620. 624—636. 
640-642. 



3. Parallelsammlungen. 47* 

.Est Facienda, ut prius"* ^). Überhaupt sind bisweilen lateinische 
Ausdrücke und BemerlLungen anzutreffen^). Ferner sind die 
vorkommenden Personennamen, auch wo sie in Hs. Dresden 
M 20 voll angegeben sind, in Hs. Zwickau fast immer nur mit 
den Anfangsbuchstaben angedeutet. Soweit der Wortlaut der 
Sprüche erhalten ist, stimmt er in beiden Handschriften in der 
Regel, abgesehen von unbedeutenden Abweichungen, überein 3). 
Nicht selten zeigen die gemeinschaftlichen Sprüche gegenüber 
anderen Überlieferungen gleiche Lesarten^). In Hs. Dresden 
M 20 ist der Text aber reichhaltiger, vollständiger und offenbar 
in ursprünglicher Fassung erhalten, wenn er auch von Schreib- 
versehen, Auslassungen und Flüchtigkeiten des Abschreibers 
nicht frei ist Demgegenüber ist die Textfassung in Hs. Zwickau 
wohl manchmal korrekter; in der Art der Anwendung der 
Kürzungen und Auslassungen gibt sich aber unzweifelhaft das 
planmäßige Vorgehen einer bearbeitenden Hand zu erkennen. 

Durch die vergleichende Betrachtung von Hs. Dresden M 20 
und Hs. Zwickau erscheint folgendes Ergebnis gesichert: Beide 
Handschriften haben zweifellos aus derselben Quelle geschöpft. 
Hs. Dresden M 20 ist eine mit geringerer Sorgfalt und Voll- 
ständigkeit in relativ später Zeit verfertigte Abschrift dieses 
Originals, Hs. Zwickau steht ihm dagegen zeitlich näher und 
stellt eine kürzende Bearbeitung von größerer Vollständigkeit 
dar. Es wäre allenfalls niöglich, zwischen dem Original zu 
Hs. Dresden M 20 und der davon abgeleiteten Kopie Hs. Dresden 
M 20 noch ein vermittelndes Zwischenglied zu denken. Jedoch 
ergibt die Textkritik weder nach ihrer äußeren noch nach der 
inneren Seite die zwingende Notwendigkeit zu solcher Kompli- 
zierung des Abstammungsverhältnisses. 

Das Verwandtschaftsverhältnis der beiden Hss. Dresden M 20 
und Zwickau ist. demnach durch folgendes Bild zu kenn- 
zeichnen. 

1) Z. B. Nr. 475. 603. Hs. Zwickau, Nr. 95. 

2) Z. B. Nr. 603, S. 418 Anmerkung 3; Nr. 604, S. 419 Anmerkung 2; Nr. 621 
[ebenso auch an anderen Stellen], S. 433 Anmerkung 1. 

3) Belege hierfür sind den in diesem Bande abgedruckten gemeinsamen 
Sprechen und den zugehörigen Anmerkungen zu entnehmen. 

4) Vgl. z. B. Nr. 562. 



48* IL Die Leipziger Schöffen Spruchsammlung. 



Orleinal 
zu Hs. Dresden M 20 



Hs. Zwickau 

(Bearbeitunf) 

•pltestens 1468 



Hs. Dreeden M 20 

(Kopie) 

spStesteos 1524 

2. Eine fOr Haltans' Glossarium benutzte Schöffenspruchsammlang. 

Neben verschiedenen anderen handsclirlFtllchen Schöffen- 
spruchsammlungen sclieint Cliristian Gottlob Haltaus für sein 
Glossarium Germanicum medii aevi^) auch jene originale Samm- 
lung benutzt zu haben ^)y von welcher Handschrift Dresden M 20 
eine Abschrift darstellt, und auf die die bearbeitende Sammlung 
Hs. Zwickau als Quelle zurückgeht Die folgende Obersicht 
weist alle in der Leipziger Schöifenspruchsammlung enthaltenen 
Sprüche nach, aus denen Haltaus einzelne Sätze als Quellen- 
belege in seine Wortartikel aufgenommen hat. 

1) Christi^ni Gottlob Halt aus Glossarium Germanicum medii aevi, 
maximam partem e diplomatibus multis, praeterea aliis monimentis tarn 
editis quam ineditis adornatum; Lipsiae 1758. 

2) Leider ist dem Glossarium ein Verzeichnis der darin benutzten Quellen 
nicht beigegeben. Sie werden, soweit es sich um Manuskripte handelt, 
bei den Zitaten in den einzelnen Wortartikeln nur ungenau bezeichnet; 
z.B. HaltauSy Sp. 70subvoce äugen ausstechen, Sp. 974 s. v. hulflich, 
Sp. 1338 s. V. melbig, Sp. 1410 s. v. nein: Afferamus, sicut habetur in 
dem Urtelbuch der Schoppen zu Leipzig circa an. 1548. — Sp. 461 s. v. 
fleischwunde y Sp. 509 s.v. furstand: In dem Urtelbuch der Schoppen 
zu Leipzig de 1545. — Sp. 728 s; v. gleichmaessig: In quaestione an. 
1550 in dem Urtelbuch der Schoppen zu Leipzig ms. — Sp. 240 s. v. 
Dona: In volumine ms., quod sententias et responsa scabinorum Lips. 
continety circa an. 1548 haec sen|entia legltur, autore (ni fallor) Simone 
Pistorlo. — Sp. 243 s. v. dorfrecht: Exemplum singulare legi in vol. 
ms. responsorum et sententiarum scabinatus elect. Lips. — Wie aus 
diesen Beispielen ersichtlich ist, haben Haltaus vornehmlich Leipziger 
Handschriften vorgelegen; vgL auch unten S. 77* Anmerkung 5. 



3. Parallelsammlungen. 



40* 



Tafel 2. 



Hs. 


Hs. 


Haltausy 


Hs. 


Hs. 


Haltaus» 


Dresden 
M 20 


Zwickau 
[C23a] 


Glossarium 


Dresden Zwickau 


Glossarium 


Spalte 


Stichwort 


M 20 


[C 23a] 


Spalte 


Stichwort 


427 


53 


1645 


schos 


506 




050 


holung 


432 
( 




1108 
150 


kolitzsch 
bestaetigen 


510 




1729 


Stand-erb- 
eigen 


440 \ 




1610 


scheinthat 






129 


belaeuten 


] 




2154 


zetter 


518 




1994 


▼orrede 


463 




1748 


stock 






2196 


bezieht 


475 


16 


1865 


verkümmern 


527 




500/10 


freymarck 


401 




160 


bis an einen 


563 , 143 


438 


far 


406 




2036 waerbufie 


575 


116 


1212 


layenrecht 


500 




532 fronen 


504 




520 


friedbuße 


506 




1852 


verfronen 


602 




2025 


wand 



Die Quellenangaben bei Haltaus, welche schon im allgemeinen 
für die dort benutzten Handschriften ziemlich unbestimmt 
lauten^), versagen im besonderen für die hier in Betracht 
kommenden Schöffenspruchzitate vollständig^)« Der Für die 
Vergleichung zur Verfügung stehende Wortlaut reicht jedoch 
trotz seiner verhältnismäßig großen Dürftigkeit — nur zwei 
Schöffensprüche sind bei Haltaus vollständig^) und zwei fast 
vollständig^) abgedruckt — hin, um die Vermutung zu be- 
gründen und wahrscheinlich zu machen, daß die von Haltaus 
benutzte Vorlage jene gemeinsame Quelle der Hs. Dresden M 20 
und der Hs. Zwickau gewesen ist, welche als Original zu Hs. 
Dresden M 20 bezeichnet wurde. Von den bei Haltaus ange- 
zogenen Schöffensprüchen kommen nur vier auch noch in Hs. 
Zwickau vor^), die anderen sind der Leipziger Schöffenspruch- 

1) Vgl. oben S. 48* Anmerkung 2. 

^ Z. B. HaltauS) Sp. 1645: In resp[onso] ms. scabinor. Magd. sec. XIV. — 

Sp. 1108: In resp. ms. scabinor. Magd. sec. XV. -— Sp. 1852: In inter- 

rogatione ms. ad scabinos Lips. sec. XV. — Sp. 950: In sententia ms. 

scabinor. Lips. sec. XV. — Ahnlich lauten die Angaben auch bei allen 

anderen tq Tafel 2 angeführten Scbölfensprfichen. 

3) Nr. 506 und 527. 

4) Nr. 427 und 563. 

5) Nr. 427. 475. 563. 575. 

G. Kisoh, Leipzi|er SchSffeiwpniobsamoilune. IV 



50* IL Die Leipziger Schöffensprucbsammlung. 

Sammlung eigentümlich und mit einer Ausnahme^) außer in 
Hs. Dresden M 20 in keiner der bisher bekannt gewordenen 
SchöfFenspruchsammlungen enthalten. Über die Reihenfolge, 
die Überschriften und Einleitungsformeln der Sprüche in der 
von Haltaus benutzten Vorlage ist den kurzen Stellen, die im 
Glossarium zum Abdruck gelangt sind, natürlich nichts Genaue- 
res zu entnehmen. Die. bei einem einzigen Spruche') mit auf- 
genommene Überschrift zeigt einen vollständig gleichen Wortlaut 
mit der Überschrift, die der betreifende Spruch in Hs. Dresden 
M 20 trägt. Von Haltaus wird regelmäßig die Spruchbehörde 
beziehungsweise der Ausgangsort der zitierten Sprüche genannt 
und ihre Entstehungszeit genau oder doch ungefähr angegeben '). 
Aus welcher Quelle diese Daten geschöpft sind, ist zwar nicht 
für jeden einzelnen Fall mit Sicherheit festzustellen, kann jedoch 
im allgemeinen mit großer Wahrscheinlichkeit vermutet werden. 
Sie scheinen nur zum Teil den handschriftlichen Quellen selbst 
unmittelbar entnommen zu sein, zum Teil gehen sie auf die 
subjektive Beurteilung der urkundlichen Vorlagen durch den 
Verfasser des Glossarium zurück^). Sie decken sich nicht in 
allen Fällen mit den entsprechenden Angaben in Hs. Dresden 
M 20^). Der Wortlaut der Sprüche stimmt im allgemeinen mit 
dem der Leipziger Schöffensprucbsammlung überein. Der bei 
Haltaus gedruckte Text ist an mehreren Stellen vollständig und 
korrekt, wo der Wortlaut der Sprüche in Hs. Dresden M 20 
Lücken und Fehler aufweist^). Durch diese Tatsache wird die 
Möglichkeit einer unmittelbaren Benutzung der Hs. Dresden M 20 

1) Nr. 563 steht als Nr. 409 noch im ersten Teile von Hs. Görlitz 4. 

2) Nr. 506. 

3) Diese Angaben sind in der vorliegenden Ausgabe aus den Vorbemer- 
kungen zu den betreffenden Sprüchen ersichtlich; in Hs. Dresden M 20 
fehlen sie bisweilen. 

4) Z. B. Haltaus, Glossarium, Sp. 1551 s. v. ritterding: In sententia scablnor. 
Magd, seculi, ut puto, XV. in cod. Delit[zschensil. 

5) Z. B. Hs. Dresden M20, Nr. 491: Hierauf sprechen wir schöpfen zu 
Leipzig vor recht; Haltaus, Sp. 169: Sententia scabinorum Magde- 
burgensium ms. saec. XIV. — Hs. Dresden M 20, Nr. 594: Wir schöpfen 
zu Halle seint gefragt umb recht; Haltaus, Sp. 520: Responsum scabi- 
norum Magde burgensium saec. XIV. 

6) Nr. 440. 506. 527. 594; vgl. auch oben Anmerkung 3. 



3. Parallelsammlungen. $\* 

durch Haltaus ausgeschlossen. Dagegen sind die anderen Er- 
gebnisse der Textuntersuchung geeignet, die nähere Bestimmung 
der vermutlich von Haltaus benutzten Vorlage im angegebenen 
Sinne zu begründen. Natürlich ist es aber auf Grund so dürf- 
tigen Vergleichungsstoifes nicht möglich, für die noch so wahr- 
scheinliche Vermutung den Beweis der Sicherheit zu erbringen. 

IIL Zweite Gruppe. 

Hs. Leipzig 906. 

Der Kodex Ms. 006 der Universitätsbibliothek zu Leipzig, zu 
welchem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mehrere 
durchweg von verschiedenen Händen geschriebene, ursprünglich 
selbständige Werke unterschiedlichen Inhaltes und aus verschie- 
dener Zeit durch Zusammenbinden vereinigt worden sind, ent- 
hält auf Blatt 111 bis 144 auch eine Schöifenspruchsammlung. 
. Die sorgfaltige Schrift dieses Teiles des Kodex mit den schönen 
roten Initialen und ebensolchen Oberschriften entstammt ver- 
mutlich dem Anfange des 15. Jahrhunderts und gehört dem 
sonst nicht bekannten Ulrich Blumler von Wyschonfelt an^). 
Die Sammlung umfaßt im ganzen 38 Sprüche, von denen 21 
von den Schöffen zu Magdeburg >), 16 von den Schöffen zu 
Leipzig') ausgegangen sind; in einem Spruche sind die Schöffen 
zu Dresden als Spruchbehörde genannt^)» Die Sprüche zeigen 
nicht etwa eine Ordnung nach sachlichen Gesichtspunkten, son- 
dern sind einfach aneinandergereiht. Trotzdem erscheint die 
Sammlung als selbständiges Werk von innerer Geschlossenheit. 
Von dieser Schöifenspruchsammlung, für welche fortan 
die Bezeichnung Hs. Leipzig 006 verwendet werden soll, findet 

1) Am Ende der Sammlung ist mit roter Tinte folgender Vermerk ein- 
getragen: .Et sie est flnis hu jus per manum Ulrici Blumler de Wyschon- 
felt.* — So lautet die deutliche Schreibung des Namena in der Hand- 
schrift; R[udoif| He Issig, Katalog der lateinischen und deutschen 
Handschriften der Universitätsbibliothek zu Leipzig; 3. Band: Die juristi- 
schen Handschriften; Leipzig 1005, S. 31 liest: Wyschenfelt. 

2) Hs. Leipzig 906, Nr. 1--3. 6. 13-16. 18. 21-32. 

3) Hs. Leipzig 006, Nr. 4. 5. 7—12. 17. 10. 20. 33—36. 38. 

4) Hs. Leipzig 006, Nr. 37: Wir burger und schoppen der stad Dresden 
sind gevragit in zwen zedeln umme recht. 

IV* 



X. 



52*. 



II. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 



sich in anderem Zusammenhange^) eine vollständige Überliefe- 
rung ferner noch in der etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts 
entstammenden Handschrift M 34^ der Sächsischen Landes* 
bibliothek zu Dresden^). Jene Schöffenspruchsammlung nun 
stellt eine weitere Parallelsammlung zum zweiten Teile der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung dar. Auch Hs. Zwickau hat mit 
ihr eine Reihe von Schöffensprüchen gemeinsam. In der fol- 
genden Tafel, in welcher Hs. Leipzig 006 der Vergleichung zu- 
grunde gelegt ist, werden alle gemeinschaftlichen Bestandteile 
dieser Schöffenspruchsammlungen verzeichnet. 



Tafel 3. 



Hs. 

Leipzig 

906 


Hs. 

Dresden 

M34i> 

Wassersch- 
ieben IV. 


Hs. 
Dresden 

M 20 

Leipziger 

Schöffen- 

sprach- 

Sammlung 


Hs. 

Zwickau 
[C 23 a] 


Hs. 

Leipzig 

006 


Hs. 

Dresden 

M 34 1> 

Wasserach- 
leben IV. 


Hs. 

Dresden 

M 20 
Leipziger 
SchSffen- 

sprucli- 
sammlung 


Hs. 
Zwickau 
[C Sa] 


1 


2 


797 


194 


21 


21, b, C 


806 




2 


2b 


798 




22 


22 


807 




3 


3 


298 




23 


23 


808 


207 


4 


4 


799 


95 


24 


24 


353 




5 


5 


800 




25 


25 


809 


208 


6 


6 




196 


. 26 


25b 


299 




7 


•7 




197 


27 


26 


810 




8 


8 




198 


28 


27 


. 




9 


9 


801 




29 


28 


63 




10 


10 




199 


30 


29 


266 


209 


11 


11, IIb 




200 


31 


30 


81U64 




12 


12 




201 


32 


31 


812 


210 


13 


13 






33 


32 






14 


14 


802 


202 


34 


33 






15 


15 






35 


34 






16 


16 




203 


36 


35 






17 


17 






37 


36 






18 


18 






38 


37 


736 




19 


19 


803 


204 




1 


813 


211 






804 


205 




1 


814 


212 


20 


20 


805 


206 






780 


216 



1) Siehe auch unten S. 63*r. 

2) BLSO^ bis 109»; gedruckt bei Hermann Wasserschleben, Sammlung 
deutscher Rechtsquellen. Erster Band; Gießen 1860, IV., Kap. 2--37. 



3. Parallelsammluogen. 53* 

Hs. Dresden M 34^ weist den gesamten Bestand an Schöffen- 
spruchen auf, der In Hs. Leipzig 006 entgegentritt. Nur eine 
Auswahl von ihnen findet sich auch am Ende des zweiten Teiles 
der Leipziger Schöffenspruchsammlung. Die in Hs. Zwicl^au 
wiederkehrende Auslese deckt sich zwar rein zahlenmäßig un- 
gefihr mit der zuletzt genannten, zeigt ihr gegenüber aber in- 
haltlich vollkommene Selbständigkeit Die Anordnung der Spruche 
entspricht überall der Reihenfolge in Hs. Leipzig 006. Die in 
die Leipziger Schöffenspruchsammlung aufgenommenen Sprüche 
tragen mit den entsprechenden Schöffensprüchen in Hs. Leipzig 
906 vollkommen gleichlautende Überschriften^). Der Wortlaut 
der Spruchfiberschriften in Hs. Dresden M 34^, soweit solche 
daselbst überhaupt vorhanden sind, ist von jenem durchweg 
verschieden^). Während die Sprüche in Hs. Leipzig 006 und 
in Hs. Dresden M 34>* bei bisweilen größerer Ausführlichkeit 
und Korrektheit des Wortlautes in Hs. Leipzig 006») eine bis 
in kleine Einzelheiten gehende Textübereinstimmung aufweisen, 
besitzt Hs. Dresden M 20 hier und da nicht nur abweichende, 
sondern namentlich vollständigere, ausführlichere und korrektere 
Lesarten^). Außerdem enthält Hs. Dresden M 20, ebenso Hs. 

1) Z. B. Nr. 797—803. — Eine unbedeutende Abweichung ist bei Nr. 805 
zu verzeichnen. — Die Verschiedenheit der Oberschrihen zu den 
Spruchen Hs. Dresden M 20, Nr. 206. 353. 299 von den Titeln der 
analogen Nrn. 3. 24. 26 in Hs. Leipzig 906 ist nur eine scheinbare 
Divergenz. In Wirklichkeit fehlen nämlich jene Sprüche im zveiten 
Teile der Leipziger Schöffenspruchsammlung. Nur weil sie in ihren 
ersten Teil — vermutlich aus anderer Quelle — aufgenommen sind^ 
wurden die betreffenden Nummern in die Tafel 3 eingesetzt. — Be- 
merkt sei noch, daft in Hs. Leipzig 906 vom Spruch Nr. 29 ab bis 
zum Ende der Sammlung die roten^ Oberschriften fehlen, die bis 
dahin mit denen in Hs. Dresden M20 übereinstimmen. Der für ihre 
spätere Eintragung vom Schreiber freigelassene Raum ist unausgefüllt 
geblieben. 

2) Z, B. Nr. 797—803. 

3) Z. B. Nr. 206. 802. 

4) Z. B. Hs. Dresden M 20, Nr. 800: . . . wir schöppen zu Leiptzk; Hs. 
Leipzig 906, Nr. 5 und Hs. Dresden M 34 b [Wasserschieben, IV., Kap. 5]: 
. . . wir scheppen zu Luthenbricz. — Hs. Dresden M 20, Nr. 803: 
. . . mit fischen [I], mit wagen oder mit pferden . . .; Hs. Leipzig 906, 
Nr. 19 und Hs. Dresden fAM^ [Wasserschieben, IV., Kap. 19]: ... mit 
schiffen, mit waynen noch mit pherden ... — Hs. Dresden M 20, 






54* II. Die Leipziger Schöffensprucbsammluog. 

Zwickau in der hier betrachteten Reihe einige Schöffensprfiche, 
welche sich in Hs. Leipzig 906 und in Hs. Dresden M 34^ nicht 
finden^). Eine unmittelbare Benutzung dieser Handschriften 
durch jene erscheint somit infolge dieser beiden Tatsachen un- 
möglich. Dagegen weist der übereinstimmende Wortlaut der 
Spruchüberschriften'in Hs. Dresden M 20 und in Hs. Leipzig 006 
untrüglich auf eine gemeinschaftliche Quelle dieser beiden 
Schöffenspruchsammlungen hin. Sie ist als das Original zu Hs. 
Leipzig 906 zu denken, dessen Bestand an Schöffensprüchen 
sich Hs. Leipzig 906 selbst fast vollständig angeeignet hat, wäh- 
rend die wegen der mannigfachen Schreibversehen in Hs. Dresden 
M 20 offenbar nur als Abschrift vorliegende Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung bloß eine Auswahl von jenen Sprüchen über- 
nommen hat. Hs. Dresden M 34^ scheint den Text von Hs. 
Leipzig 906 als Vorlage benutzt und bei der Entlehnung nur die 
Überschriften der Sprüche geändert beziehungsweise ergänzt 
oder weggelassen zu haben. Was schließlich das Verhältnis der 
auch in Hs. Zwickau wiederkehrenden Spruchauswahl zu Hs. 
Dresden M 20 betrifft, so kann auf die eingehende Untersuchung 
verwiesen werden, welche der Vergleichung dieser beiden 
Schöffenspruchsammlungen bereits gewidmet worden ist *). Dem- 
nach ist das Abstammungsverhältnis der hier betrachteten vier 
Handschriften in folgender Weise darzustellen: 



Nr. 809: ... so heißt das kein clage, sonder es ist eine verirrunge 
euers guten gerichts; Hs. Leipzig 906, Nr. 25 und Hs. Dresden M 34b 
[Wasserschieben, IV., Kap. 25]: meir ist is eine ergerunge ewirs guten 
geruftes. — Siehe auch die Bemerkung zu Nr. 7dB. 

Nur zwei bemerkenswerte Abweichungen der Hs. Dresden M M^ vom 
Texte der Hs. Leipzig 906 konnten festgestellt werden; sie sind in den 
Bemerkungen zu den Nrn. 266 und 801 mitgeteilt. Indes sind diese 
beiden Textyerschiedenheiten keineswegs so bedeutend, daß sie nicht 
durch ZuflUigkeiten bei der Niederschrift erklärt werden könnten. Sie 
vermögen daher auch nicht, Einfluß auf den Gang der Schlußfolge- 
rungen zu üben. 

1) Nr. 780. 804. 813. 814. 

2) Oben S. 43* fP. 



3. Parallelsammlungen. 



55* 



OrlglD«! 
ztt H«. Leipxlc 906 




Origlntl 
zu Hs. Dresden M 20 



Hi. Leipzig 906 



Hs. Zwicksu 
(Besrbeimng) 



Hs. Dresden M 34 b 



Hs. Dresden M 20 
(Kopie) 



IV. Dritte Gruppe. 

Eine Reihe von Magdeburger Schöffensprüchen für Naum- 
burg läßt sich in Verbindung mit dem Magdeburger Weistum 
für Halle vom 8. Januar 1364 außerhalb der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung noch in fünf anderen verschiedenen Schöffen- 
spruchsammlungen nachweisen. Alle fünf Handschriften ent- 
stammen etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts, sind also ins- 
gesamt älter als die Hs. Dresden M 20. Die folgende Übersicht, 
bei welcher die Leipziger Schöffenspruchsammlung ebenso wie 
bei den anschließenden Untersuchungen der Vergleichung zu- 
grunde gelegt ist, veranschaulicht die übereinstimmenden Be- 
standteile der Sammlungen^). 



1) Vgl. auch die Obereicht über die Oberlieferungen des Magdeburger 
* Weistums ffir Halle vom 8. Januar 1364 auf S. 398; femer die Ober- 
siebt fiber die auch in anderen handschriftlichen Sammlungen über- 
lieferten verglichenen Sprüche und über die bereits gedruckten Sprüche 
am Ende dieses Bandes. 



56' 



II. Die Leipzi(er SchSifenspruchsammluiiK. 







Tafel 4. 






Hs. Dresden 


Hs. Görlitz 


Hs. Leipzig 


Hs. Dresden 






M 20 Uipziger 
Schölfenspruch- 


Vtria 4 


945 
Friese-Llese- 


M 34» 

Wssserschleben 


Hs. LeipElg 
953 


Hs. Zwickau 
[C23aJ 


scmmlung 


Erster Teil 


gang Hl B. 


IV. 








370 c 










533 


380 


2 






124 


534 


381 


3 






125 


535 


382 a 


41) 






126 


536 


382b 


51) 






122 


537 


383 


4 


07 


07 


127 


538 


384 


5 


08 


08a 


128 


530 


385 


6 


08a 


08b 


129 


540 


386 


7 


08b 


08c 


131 


541 




8 


00 


00 


130 




387 









132 


542 




10 






133 


542a 


388 


11 


09 b 


100a 


134 


543 


380 


12 


100 


100b 


135 


544 


390 


13 


101 


101 


136 


545 


391 


14 




102a 


137 


546 


302 


15 






138 


547 


303 


16 








548 


304 


17 


102 


102 b 




540 


305 


18 


103 


103 


130 


550 


306 


10 


104, 104a 


104a 


140 


551 


307 


50 






141 


552 


oUo 


341), 221) 








553 


CcTO 


281), 231) 








554 


400 


241) 








555 


401 


177 




73«) 


148 


556 


402 


21 


104 b 


104b 


149 


557 


403 


22 


105 


105 


150 


558 


404 


178 






151 


550 


405 


170 






152 


560 


406 




106 




147 


561 


407 


181 




70») 


146 


562 


408 


24 






145 


563 


400 








143 


564 


410 


20 


106a 




142 


565 


417 


10 


88 


88a 


107 


566 


417a 

1 


21) 


88b 


88b 


106 


567 


420 


5^ 


Ol 


Ol 


111 


568 


410 


41) 


00 


00 


110 


560 


418 


31) 


80 


89 


100 


570 


421 


61) 


02 


92 


112 


571 




71) 


03 


93 


113 


572 


422 


81) 


04 


94 




573 


423 


Ol) 






114 


574 


424 


101) 
111) 






115 


575 


425 






116 • 


576 


426 


121) 






117 


577 


430 


131) 


05 


95 


118 


578 


427 


141) 






110 


570 


428 


15M 
161) 






120 


580 


420 


06 


96 


121 



1) Nummer in Hs. Leipzig 045; bei Friese- Liesegang nicht abgedruckt. 

2) Nummer des Druckes bei Wasserschieben, S. 418; in Hs. Leipzig 953, 
Bl. 140 fehlt bei diesem Spruche die Numerierung von alter Hand. 

3) Gedruckt bei Wasserschieben, S. 359 unter Nr. 6. 



3. Parallelsammluogen. 57* 

1. Ht. Görlitz Varia 4. 

Abgeseheii von der bereits untersuchten SchöfFenspruch* 
Sammlung in Hs. Zwickau C 23a steht der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung unter den ffinf handschriftlichen Überlieferungen 
die des Gorlitzer Sammelwerkes in der Hs. Varia 4 des Rats- 
archivs zu Görlitz, welche aus dem Jahre 1460 stammt, am 
nächsten. Daselbst sind mit Ausnahme der zwei Magdeburger 
Spruche für Naumburg Nr. 541 und 542 sämtliche hier in Be- 
trachtung gezogene Schöffensprüche der Leipziger Sammlung 
enthalten. Ihre Reihe wird durch einen überzähligen Spruch 
eröffnet und wie in Hs. Dresden M 20 mit dem Magdeburger 
Weistum für Halle vom Jahre 1364 abgeschlossen. In diesem 
fehlt allerdings ein Spruch, und bei sonst normaler Aufeinander- 
folge der Sprüche ist das viertletzte Glied an die letzte Stelle 
gerückt. Abgesehen von diesen Abweichungen stimmt jedoch 
die Reihenfolge sämtlicher Sprüche in beiden Sammlungen voll- 
kommen überein. Trotzdem kann aber die Hs. Dresden M 20 
nicht etwa von der Hs. Görlitz 4 abstammen. Denn diese weist 
bereits eine kürzende Textbearbeitung auf, wogegen die Hs. 
Dresden M 20 in mehrfacher Beziehung größere Vollständigkeit 
im Wortlaute zeigt. Zunächst tragen die einzelnen Schöffen- 
sprüche in Hs. Görlitz 4 keine Überschriften, während sie in 
Hs. Dresden M 20 durchweg mit solchen versehen sind. Ferner 
sind dort in der Regel nur die Entscheidungen der Magdeburger 
Schöffen wiedergegeben, die ihnen vorausgegangenen Anfragen 
fehlen jedoch. Diese aber sind für eine Reihe von Entschei>- 
dungen in Hs. Dresden M 20 überliefert^). Außerdem «besitzt 
die Dresdener Handschrift gegenüber der Görlitzer bessere Les- 
arten^). Für die Vergleichung besonders aufschlußreich ist der 
Magdeburger Spruch Nr. 550, welcher sich mit mehreren von 
diesen nach Naumburg ergangenen Schöffensprüchen noch an 
anderer Stelle im zweiten Teile der Hs. Görlitz 4 wiederholt 

1) So für die Nrn. 538. 549. 550. 552--550. 

2) Auch diese Feststellung ist auf Grund vollständiger und gewissenhafter 
Vergleichung der beiden Texte gewonnen. Sie kommt auch in der vorlie- 
genden Ausgabe durch die Anmerkungen zu den allerdings nur in geringer 
2Uhl vollstindig abgedruckten Stucken zum Ausdruck; vgl. Nr. 553. 554. 



58* II- I^ic Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

findet. In der dieser Entscheidung vorangestellten Anfrage ist 
nämlich der Name des Ortes angegeben, an welchem sich jener 
Fall ereignet hat. Während nun aber der Görlitzer Schreiber 
Für Naumburg Görlitz substituiert hat, finden sich in der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung zweifellos in Oberein- 
stimmung mit dem ursprünglichen Wortlaut der Anfrage fol- 
gende Eingangsworte: „In der Stadt N.' Der Buchstabe N kann 
an dieser Stelle der Hs. Dresden M 20 nur eine Abkürzung des 
Ortsnamens Naumburg bedeuten , was durch die übereinstim- 
mende Fassung in Hs. Leipzig 945 einwandfrei bestätigt wird. 

Aus jedem der angeführten Gründe erhellt , daß der Text 
der Leipziger Schöfl^enspruchsammlung unmöglich auf Hs. Gör- 
litz 4 als Quelle zurückgehen kann. Jedoch besteht unverkenn- 
bar zwischen beiden Oberlieferungen ein nahes Verwandtschafts- 
verhältnis. Von dieser engen Zusammengehörigkeit zeugt auch 
noch die Tatsache, daß sowohl in Hs. Görlitz 4 als auch in 
Hs. Dresden M 20 die auch in Hs. Leipzig 045 vorkommenden 
Sprüche der Schoflen zu Halle Nr. 552 bis 554 eingeschaltet 
sind) welche in den übrigen Handschriften fehlen. Sie finden, 
sich nur noch, und zwar mit anderen Oberschriften versehen, 
in einer jene an Alter erheblich überragenden Handschrift, näm- 
lich in dem der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts angehören- 
den Kodex Ms. 34 der Stadtbibliothek zu Naumburg an der Saale. 
Es ist möglich, daß die in diesem enthaltene in Naumburg ent- 
standene Schöfl^enspruchsammlung der gemeinsamen Quelle, auf 
welche Hs. Görlitz 4 und Hs. Dresden M 20 zurückgehen, als 
Vorlage gedient hat. In Hs. Naumburg 34 ist nämlich auch das 
Magdeburger Weistum für Halle enthalten. Ferner ist daselbst 
der Wortlaut der erwähnten Sprüche, der zweifellos unmittelbar 
auf den der Spruchoriginale zurückgeht, stellenweise ausführ- 
licher. Die Oberschriften sind erst nachträglich mit roter Tinte 
eingefügt. 

Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis, das die Ve^leichung 
der Görlitzer mit der Dresdener Handschrift M 20 zutage fördert, 
verbreitet fast vollständig klares Licht über das Abstammungs- 
und Verwandtschaftsverhältnis dieser beiden Handschriften. In 
Hs. Dresden M 20 treten nämlich, obzwar sie den besseren Text 



3. Parallelsammlungen. 



59* 



besitzt, stellenweise Auslassungen, Lesefehler und andere Flüchtig- 
keiten en^egen, welche zu jenem in merkwürdigem Gegensatze 
stehen und nur dem Verschulden des Schreibers zur Last Fallen 
können. Die späte Entstehungszeit der Hs. Dresden M 20 — als 
solche sind die Jahre 1523 bis 1524 ermittelt worden — er- 
schließt die einzig mögliche Erklärung für diese Erscheinung. 
Hs« Dresden M 20 kann nicht selbst etwa eine Schwester- 
handschrift zu Hs. Görlitz 4 darstellen, sondern nur eine mit 
minderer Sorgfalt verfertigte Kopie jener älteren Original- 
sammlung sein, aus welcher auch Hs. Görlitz 4, ob unmittelbar 
oder mittelbar mag dahingestellt bleiben, geschöpft hat. Diese 
ist weniger vollständig und minder korrekt und läßt die Spuren 
einer bearbeitenden Tätigkeit deutlich erkennen. Nur aus jenem 
Verhältnis ist es auch zu erklären, daß in Hs. Görlitz 4 mitten in 
der Reihe dej* gemeinsamen Sprüche ein Spruch (Nr. 387) einge- 
schaltet ist, welcher in Hs. Dresden M 20 nicht zu finden ist. Er 
stammt aus der gemeinsamen Quelle beider Handschriften. 
Das Abstammungsverhältnis stellt sich demnach wie folgt dar. 

Hs. Naumburg 34 



Origlntl 
zu Ht. Dresden M 20 



Hs. Görlitz 4 
(Bearbeitung) 



Hs. Dresden M 20 
(Kopie) 



2. Ht. Leipzig 945. 

Die zwischen 1450 und 1520 in Naumburg entstandene Hand- 
schrift Nr. 045 der Leipziger Universitätsbibliothek enthält eine 



60* n. Die Leipziger Schöffen sprucfa Sammlung. 

große Sammlung von Schöffensprüchen , die von Magdeburg, 
Leipzig und Halle aus nach Naumburg ergangen sind. Unter 
ihnen finden sich auch jene Magdeburger SchöiFensprüche für 
Naumburg, welche, der Leipziger Schöffenspruchsammlung-^mit 
dem Görlitzer Sammelwerke gemeinsam sind. Nur zwei von 
ihnen Fehlen^). Dagegen sind auch die in Hs. Görlitz 4 fehlen- 
den Sprüche Nr. 541 und 542, ferner die dort enthaltenen 
Sprüche der Schöffen zu Halle Nr. 552 bis 554, sowie das Magde- 
burger Weistum für Halle vom Jahre 1364 in die Hs. Leipzig 045 
aufgenommen. Die Anordnung stimmt daselbst für den größeren 
Teil der Magdeburger Sprüche für Naumburg mit der der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung überein, eine Anzahl von Sprüchen 
weist jedoch eine abweichende Reihenfolge auf. Der Grund 
hierfür liegt in der größeren Reichhaltigkeit der Hs. Leipzig 945 
an Schöffensprüchen, die nach Naumburg ergangen sind, von 
denen nur eine Auswahl in der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung wiederkehrt Andere von jenen Schöffensprüchen für Naum- 
burg finden sich außerhalb der gemeinschaftlichen Reihe noch 
vereinzelt an verschiedenen Stellen der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung eingestreut^). Die an allen gemeinsamen Bestand- 
teilen beider Sammlungen vorgenommene Textvergleichuhg 
ergibt folgendes Bild. Soweit die einzelnen Sprüche auch in 
Hs. iLeipzig 045 Oberschriften tragen, was nicht immer der Fall 
ist, weicht der Wortlaut der Oberschriften von dem in der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung stets ab^). In schroffem 
Gegensatz zu dieser regelmäßigen Verschiedenheit zeigt der Text 
der Schöffensprüche selbst in beiden Handschriften überall weit- 
gehende Obereinstimmung. Diese läßt auf ein nahes Verwandt- 
schaftsverhältnis schließen. Mehrere Eigentümlichkeiten der 
beiden Handschriften ermöglichen eine genauere Bestimmung 
des Verwandtschaftsgrades. Der Text der Sprüche Nr. 558, 550 
und 583 erscheint in Hs. Leipzig 045 durch Verschulden des Ab- 
schreibers verderbt; die Oberlieferung in Hs. Dresden M 20 Ist 
dagegen korrekt. Hier fehlen zwar bei einigen Sprüchen die 

1) Nr. 560. 563. 

2) Nr. 107. 245. 246. 265. 277. 287. 356. 357. 583. 

3) Z. B. Nr. 277. 287. 537—530. 542 a— 546. 



3. Parallelst mmlungen. gl* 

in Hs. Leipzig 945 fiberlieferten Anfragen i). Jedoch enthält Hs. 
Dresden M 20 in Nr. 246 eine Entscheidung der Magdeburger 
Schöffen für Naumburg, welche in Hs. Leipzig 945 fehlt, obzwar 
sich hier die zugehörige in Hs. Dresden M 20 fehlende Anfrage 
findet. Daraus folgt zunächst, daß Hs. Leipzig 045 keineswegs 
als unmittelbare Quelle für Hs. Dresden M 20 gedient haben 
kann. Eine Verwandtschaft der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung kann überhaupt nur mit jener älteren Originalsammlung 
bestehen, von welcher Hs. Leipzig 045 eine stellenweise durch 
Verschulden des Abschreibers verderbte Kopie darstellt'). Auf 
sein Versehen ist auch das Fehlen der Entscheidung Nr. 246 
zurfickzuführen. Daß die Leipziger Schöffenspruchsammlung 
unmittelbar aus der Originalsammlung, aus welcher die Hs. Leip- 
zig 045 kopiert worden ist, geschöpft habe, ist ebenfalls unwahr- 
scheinlich.- Denn Hs. Dresden M 20 besitzt stellenweise aus- 
führlichere und selbständige Lesarten 3). Die Verbindung ist 
also nur durch eine gemeinschaftliche Quelle herzustellen, aus 
welcher die Originalvorlage zu Hs. Leipzig 045 geschöpft hat 
und welche auch von der Hs. Dresden M 20 als Vorlage benutzt 
worden ist. Daß der Text der letzteren zwar ausführlicher, 
jedoch stellenweise durch Schreibversehen und Nachlässigkeiten 
verderbt Ist, kabn ihr unmittelbares Zurückgehen auf jene ge- 
meinsame Originalquelle nicht in Zweifel setzen, erklärt sich 
vielmehr sehr einleuchtend aus der Tatsache, daß Hs. Dresden 
M 20 erst gegen Ende des ersten Viertels des 15. Jahrhunderts 
entstanden ist. 

1) Nr. 245. 246. 277. 583. 

2) Durch dieses Ergebnis finden erst die allgemeinen Beobachtungen von 
Friese-Liesegang, S. 346 f. ihre Erklärung; ^ weit geht jedoch 
Richard Behrend, wenn er (Göttingische gelehrte Anzeigen, 165 
(1003), S. 672) von einer .freien' Bearbeitung redet. 

3) Z. B. Hs.'Dresden iVl 20, Nr. 534: Nicolain von Gerichtishain; Hs. Leipzig 
045, Nr. 3 [Friese-Liesegang, IIL B. Nr. 3]: Nickil vor Gemnyzhayne. — 
Hs. Dresden M 20, Nr. 537: Leukent sie aber der mishandlung, so mag 
sie . . .; Hs. Leipzig 045, Nr. 6 [Friese-Liesegang, III. B. Nr. 4]: Loukent 
sie «bir der, so mag sie ... — Hs. Dresden M 20, Nr. 544: ... die 
schöpfen, die do forder darzu gekoren seint; Hs. Leipzig 045, Nr. 15 
[Friese-Liesegang, III. B. Nr. 13]: ... die schepphen, die da sider zu 
kernen sint. — Vgl. auch Nr. 558. 550. 583. 



62* 



II. Die Leipziger Schöifenspruchsammiung. 



Nun sind in Hs. Leipzig 045 aucli die in Hs. Naumburg 34 
enthaltenen Sprüche der Schöffen zu Halle teilweise doppelt 
und mit Kärzung der Einleitungsformeln und SchlußUausela 
aufgenommen. Daß ein unmittelbares Verwandtschaftsverhältnis 
der Hs. Leipzig 045 zu Hs. Naumburg 34 besteht^ ist möglich i), 
aber nicht sicher, weil jene eine große* Anzahl von Sprüchen 
der Schöffen zu Halle enthält, die in dieser nicht vorkommen. 
Für diese Schöffensprüche wäre die Benutzung einer anderen 
Quelle allein oder neben Hs. Naumburg 34 denkbar. 

Nicht unerwähnt darf schließlich bleiben, daß Hs. Leipzig 045 
mit Hs. Görlitz 4 in der Reihe der Magdeburger Schöffensprüche 
für Naumburg einen Spruch gemeinsam hat, der in Hs. Dresden 
M 20 fehlt >). Dadurch wird zwischen dem Original zu Hs. 
Leipzig 045 einerseits und der Quelle, aus der Hs. Görlitz 4 ge- 
schöpft hat, eine zweite Verbindung hergestellt. Und eine weitere 
Brücke zur gemeinschaftlichen Quelle, aus welcher Hs. Görlitz 4 
und Hs. Dresden M 20 geschöpft .haben, wird durch die Sprüche 
Nr. 541 und 542 geschlagen; sie sind Hs. Leipzig 045 mit Hs. 
Dresden M 20 allein gemeinschaftlich, während sie in Hs. Gör- 
litz 4 fehlen. 

Hs. Naumburg 34 



Original 
zu Hs. Dresden M 20 



Hs. Görlitz 4 «^ 



Original 
zu Hs. Leipzig 945 



Hs. Leipzig 945 
(Kopie) 



Hs. Dresden M 20 



1) Die Sprüche der Schöffen zu Halle Nr. 552—555 weisen in beiden Hand- 
schriften Qbereinstimmende Lesarten auf. 

2) Hs. Leipzig 945, Nr. 11 [Friese-Liesegang, III. B. Nr. 0] = Hs. Görlitz 4, 
Nr. 387. 



> 



3. ParallelsamiDlungen. 53* 

Das somit erschlossene Abstammungs- und Verwandtschafts- 
Verhältnis der drei Handschriften kommt im vorstehenden Bilde 
zum Ausdruck. 

3. Ha. Dresden M 34 K 

Unter den fünf Handschriften ist die Magdeburger Spruch- 
reihe für Naumburg mit der geringsten Anzahl von Schöffen- 
spruchen in der Hs. M 34^ der Sächsischen Landesbibliothek 
zu Dresden vertreten, welche etwa der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts entstammt. Die in diesem Kodex enthaltene zweite 
Schöffenspruchsammlung hat mit der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung außer jenen noch eine Anzahl hier wie dort ver- 
streuter Sprüche^)) sowie die in Hs. Leipzig 906 überlieferte 
Schöffenspruchsammlung gemeinsam. Letztere kann in diesem 
Zusammenhange bereits außer Betracht bleiben^), während erstere 
für die Textvergleichung noch mit herangezogen werden. In 
der Hs. Dresden M 34^ geht den Magdeburger Sprüchen für 
Naumburg, deren Reihenfolge hier mit der der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung übereinstimmt, das Magdeburger Weis- 
tum für Halle vom Jahre 1364 in stark verkürzter Fassung 
voran. Die Sprüche tragen in beiden Sammlungen Überschrif- 
ten, welche stets voneinander verschieden sind. In Hs. Dres- 
den M 34^ stehen oft die Einleitungsformeln und Schlußklauseln 
der Sprüche in ausführlicher Fassung, während sie in Hs. 
Dresden M 20 entweder gänzlich fehlen oder doch verkürzte 
Gestalt zeigen^). Die Schlußklausel eines Spruches ist jedoch 
hier ausführlicher als dort^). In Hs. Dresden M 20 fehlt bei 
einer Reihe von Sprüchen die Anfrage, die in Hs. Dresden 
M 34^ überliefert ist^). Demgegenüber sind aber auch mehrere 

1) Es sind folgende Stücke: Nr. 37. 61—64. [148—151. 155. 156.] 266. 298. 
299. [343.] 353. 361. 367. 736. — Ober die in eckigen Klammern ein- 
geschlossenen Nummern^ welche der Weichbildglosse entstammen^ folgt 
eine selbständige Untersuchung unten S. 91* ff. 

2) Ober sie wurde oben S. 51* ff. ausführlich gehandelt. 

3) Z. B. Nr. 37. 61-64. [149—151]. 

4) Ha. Dresden M 20^ Nr. 266: Von rechtes wegen. Versigelt mit unserm 
insigel; Hs. Dresden M 34 b [Wasserschleben^ IV., Kap. 29]: Von rechtis 
wegen. 

5) Z. B. Nr. 37. 61--64. [148^151.] [155.] 266. 298. [343.] 361. 367. 



54* n* Die Leipziger Scböifenspruchsammlung. 

Fälle zu verzeichnen, in welchen die in Handschrift Dresden 
M 34^ fehlende Anfrage in Hs. Dresden M 20 mitgeteilt ist^. 
Daraus allein schon folgt mit Sicherheit, daQ Hs. Dresden 
M 34^ als die ältere Handschrift die unmittelbare Quelle ffir 
die Leipziger Schöffenspruchsammlung nicht bilden kann. Auch 
hat letztere stellenweise gegenüber der Hs. Dresden M 34^ einen 
ausführlicheren Text mit selbständigen und besseren Lesarten^). 
Daß trotzdem Auslassungen und Flüchtigkeiten vorkommen, kann 
nur darin seinen Grund finden, daß Hs. Dresden M 20 bloß die 
wenig sorgfältige Abschrift einer korrekteren Originalvorlage 
darstellt Ist sie doch auch erst in verhältnismäßig später Zeit 
angefertigt worden. Hs. Dresden M 20 steht mit.Hs. Dresden 
M 34^ nur insofern in Zusammenhang, als beide auf dieselbe 
Quelle zurückgehen. Sie scheint jedoch in Hs. Dresden M 34^ 
nicht unmittelbar, sondern durch Vermittlung des Originales zu 
Hs. Leipzig 045 benutzt worden zu sein. Denn Hs. Dresden 
M 34^ enthält mit Hs. Leipzig 945 übereinstimmende Lesarten, 
die von Hs. Dresden M20 abweichen^). Nicht die Hs.Leipzig945 
selbst, sondern nur ihre zweifellos ältere Originalvorlage kann 
in Betracht kommen, weil die Entstehung der Hs. Dresden 
M 34^ eher etwas vor die Mitte des 15. Jahrhunderts anzusetzen 
ist, während die Niederschrift der Hs. Leipzig 045 selbst erst 
in die Zeit nach 1450 Fällt. 

Somit ist nicht nur die Ermittlung, sondern zugleich auch 
die nähere Bestimmung einer weiteren Quelle, aus welcher die 
in Hs. Dresden M 34^ enthaltene zweite Schöffenspruchsamm- 
lung geschöpft hat, gelungen. 



1) Nr. 538. 540. 550. 556. 557. 582. 

2) Z. B. Nr. [151. 155. 156. 266.] 537. 544. 736. 800-802. 809. 

3) Z. B. Hs. Dresden M 34^ [Wasserschleben^ IV.> Kap. 101] und Hs. Leipzig 
945^ Nr. 15 [Friese-Liesegang, III. B., Nr. 13]: ... die schepphen, die 
da sider zu kernen sint; Hs. Dresden M 20, Nr. 544: ... die schöpfen, 
die do forder darzu gekoren seint. — Hs. Dresden M 34^ [Wassersch- 
ieben, IV., Kap. 103] und Hs. Leipzig 945, Nr. 20 [Friese-Liesegaog, 
IIL B., Nr. 18]: geldis; geld; mit seime eide oder rechte; Hs. Dresden 
M 20, Nr. 549: gut; gut; mit seinem rechten. 



3. Parallelsammluncen. 



Oriffiiftl 
z« Hs. DrMden M 20 



«5* 



Original 
zu Ht. Leipzig 945 



Hs. DfMden M 34b 



Hs. Dresden M 20 
(Kopie) 



4« Ht. Leipzig 953. 



Die Sammlung von Sprüchen verschiedener Schöifenstühle, 
weiche den zweiten BestandteÜ der in der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts entstandenen Handschrift 053 der Leipziger Univer- 
sitätsbibliothek bildet, steht zur zweiten Schöffenspruchsammlung 
der Hs. Dresden M 34^ im Verhältnis naher Verwandtschaft. 
Wie im allgemeinen so gilt dies insbesondere auch von der 
beiden Handschriften gemeinsamen Reihe der Magdeburger 
Schöffensprüche für Naumburg. Sie erscheinen in Hs. Leipzig 
053 mit dem auch hier voraufgehenden Magdeburger Weistum 
fOr Halle, zwei Sprüche ausgenommen, in derselben Reihen- 
folge wie in Hs. Dresden M 34\ Nur die Oberschriften sind 
verschieden, der Wortlaut der Sprüche dagegen- stimmt voll- 
ständig überein. Die unbedeutenden Abweichungen, welche 
vorkommen, können ohne Bedenken auf die Tätigkeit des Ab- 
schreibers zurückgeführt werden, der eine Anzahl von Sprüchen 
weggelassen 1) und hier und da auch die Eingangsformeln oder 
Schlußklauseln der Sprüche gekürzt hat. Die Versuchung, Hs. 



1) Es sind folgende Nummern der Leipziger Schöffenspruchsammlung, 
denen die entsprechenden Kapitelnummern des Druckes bei Wassersch- 
ieben IV. in Klammern beigesetzt sind: 61 (110). 148 (140). 140 (150). 
150 (153). 151 (154). 155 (140). 156 (151). 208 (3). 343 (144). 361 (100). 
560 (106). 564 (106 a). 798 (2 b). 790 (4). — Weitere in Hs. Leipzig 053 
fehlende Schöffenspruche, die hier nicht in Betracht kommen, weil sie 
auch in der Leipziger Schöffenspruchsammlung nicht enthalten sind, 
ergibt die Vergleichungstafel über den Inhalt der Hss. Leipzig 053 und 
Dresden M 34b bei Wassersehleben, S. XVIII ff. 

C Kitch, Leipziger SehQffeiiapnichMmmInng. V 



66* II'« D^6 Leipziger Schöffensprucbsammlung. 

Leipzig 953 unmittelbar aus Hs. Dresden M 34*" abzuleiten, läge 
nahe. Ein solcher Schluß ist jedoch nicht möglich. Denn Hs. 
Leipzig 053 enthält außer den gemeinschaftlichen noch drei 
Magdeburger Spräche Für Naumburg, welche in Hs. Dresden 
M 34^ nicht vorkommen^). Diese Sprüche stehen in vollständig 
übereinstimmender Fassung auch in Hs. Leipzig 045. Auch alle 
anderen Sprüche, welche der Hs. Leipzig 953 mit Hs. Leipzig 945 
gemeinsam sind, weisen durchweg die Lesarten von Hs. Leipzig 
045 auf'). Man wird daher vermuten dürfen, daß das Original 
zu Hs. Leipzig 945 auch für Hs. Leipzig 953 die Quelle dar- 
stellt. Auf sie dürfte daher die gleiche Reihenfolge der Sprüche 
zurückgehen, die in den beiden Schwesterhandschriften, näm- 
lich in Hs. Leipzig 953 und in Hs. Dresden M 34^, zu beob- 
achten ist. In jener hat sie durch Beibehaltung der auf die 
Vorlage und Quelle zurückgehenden Numerierung der einzelnen 
Sprüche mit römischen Ziffern einen besonders charakteristi- 
schen Ausdruck erhalten. Die Lücken, die in der Folge dieser 
Nummern außerhalb der hier betrachteten Stücke vorkommen, 
weisen deutlich auf die Vorlage hin. 

Nun finden sich in Hs. Leipzig 953 außer den bereits an- 
geführten^) noch Spräche, welche nicht auch in Hs. Dresden 
M 34^ stehen, die aber in der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung, zum Teile zugleich auch noch in anderen Sammlungen 
enthalten sind^). Sie können nur aus jener Quelle stammen, 
aus welcher Hs. Dresden M 20 geschöpft hat. Daß hier unter 
verschiedenen Oberschriften bei zwei Sprüchen auch die An- 

1) Nr. 545, in Hs. Leipzig 953 Nr. 102a, bei Wasserschieben nicht ab- 
gedruckt, Friese-Liesegang, IIL B., Nr. 14; Nr. 555, in Hs. Leipzig 053 
ohne Numerierung von alter Hand, Wasserschieben, V., Kap. 73, 
Friese -Liesegang, IIL B., Nr. 177; Nr. 561, in Hs. Leipzig 953 Nr. 79, 
Wasserschieben, V., Kap. 6, Friese- Liesegang, III. B., Nr. 181. 

2) Das gilt z. B. auch ffir die oben S. 64* Anmerkung 3 angeführten Les- 
arten. 

3) Es sind folgende Sprüche: ein Leipziger Nr. 780, Hs. Leipzig 953 
[Wasserscbleben, V., Kap. 72], der noch als Nr. 216 in Hs. Zwickau 
vorkommt; ferner die drei Sprüche der Schöffen zu Magdeburg Nr. 600, 
723 und 586, die aus Hs. Leipzig 953 bei Wasserschieben, V. als Kap. 76, 
79 und 80 gedruckt sind und von denen der letzte auch noch zweimal, 
als Nr. 10 und 12 im zweiten Teile der Hs. Görlitz 4 enthalten ist. 



3. Paralleltainmlangen. 



67* 



fragen ausführlich überliefert werden i), welche in Hs. Leipzig 
953 fehlen, bildet einen Beweis dafür, daß ein anderes Ver- 
wandtschaftsverhältnis zwischen Hs. Leipzig 953 und der Leip- 
ziger . SchöiFenspruchsammlung undenkbar ist. Aus jener Er- 
scheinung folgt ferner, daQ das als Verbindungsglied zwischen 
der Hs. Leipzig 953 einerseits und der Quelle der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung andererseits gedachte Original zu Hs. 
Leipzig 945 einen reicheren Bestand an Schöffensprüchen be- 
sessen haben muß, als diese Handschrift selbst aufweist 

Original 
XU Hg. Dresden M 20 



Original zu Ha. Leipzig M5 




Hs. Leipzig fiS3 



Hs. Dresden M 34^ 



Hs. Dresden M 20 



5. Ht« Zwickau. 

Daß auch die Parallelsammlung Hs. Zwickau den größten 
Teil der Magdeburger Schöffensprüche für Naumburg enthält, 
ist bereits erwähnt worden und schon in der Tafel 1 zum Aus- 
druck gelangt. Ihnen geht daselbst das Magdeburger Weistum 
für Halle vom Jahre 1364 voran. Die Reihenfolge der Sprüche 
weicht in Hs. Zwickau verschiedentlich von der in Hs. Dresden 
M 20 ab. Die Sprüche Nr. 541 und 542, ebenso der in Hs. 
Dresden M 20 fehlende Spruch Nr. 387 der Hs. Görlitz 4, der 
in Hs. Leipzig 045 zwischen jenen als Nr. 9 steht, finden sich 
in ähnlicher Stellung auch in Hs. Zwickau'). Hier fehlen nur 
zwei Magdeburger Sprüche für Naumburg^), die drei Sprüche 

1) Nr. 586 und 780; auch ist in Nr. 723 der Hs. Dresden M 20 der Text 
ausführlicher als in Hs. Leipzig 953. 

2) Hs. Zwickau» Nr. 130 und 133, sowie 132. 

3) Hs. Dresden M 20, Nr. 547. 548. 



68^ 



II. Die Leipziger Schdffenspruchsammlung. 



der Schöffen zu Halle ^) und ein Spruch aus dem Magdeburger 
Weistum für Halle^). Dies war der Vollständigkeit wegen an 
dieser Stelle noch besonders anzuführen. Was im übrigen die 
Gestaltung des Textes der Schöffensprüche in Hs. Zwickau und 
die Vergleichung mit Hs. Dresden M 20 betrifft, kann auf die 
eingehenden Untersuchungen Bezug genommen werden, welche 
dem Verhältnis der Hs. Zwickau zu Hs. Dresden M 20 bereits 
gewidmet worden sind^). Denn die dort gefundenen allgemeinen 
Ergebnisse werden durch eine analoge Betrachtung der hier 
herauszugreifenden Spruchreihen vollauf bestätigt. 



V. Obersicht 

Eine übersichtliche Darstellung des Abstammungs* und Ver- 
wandtschaftsverhältnisses aller in Betrachtung gezogenen hand- 
schriftlichen Schöffenspruchsammlungen möge die Untersuchung 
über die Parallelsammlungen zur Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung abschließen. 



Unbekannte 
Quelle 



Hs. Naumburg 94 



Original 
zu Hs. Leipzig 906 



Original xu Hs. DreMten M 20 





Hs. Leipzig 906 



Original zu Ha. Leipzig 9i5 




Hs. Zwickau 
(Bearbeitung) 



Hs. Dresden M M^ 

Hs. Görlitz 4 Hs. Leipzig Hs. Leipzig 
<Besrbeitung) 045 053 

(Kopie) 



Hs. Dresden M 20 
(Kopie) 



1) Hs. Dresden M 20, Nn 552—554. 

2) Hs. Dresden M 20, Nr. 572. 

3) Oben S.43*ir. 



4. Quellen. 39* 

4. Quellen. 

L Allgemeines. 

Die Vermutung, zu welcher die Betrachtung der Eigenart 
der Leipziger SchöfFenspruchsammlung nötigt, hat durch die 
Untersuchung der Parallelsammlungen eine Verstärkung zur 
Wahrscheinlichkeit erfahren: Die Leipziger Schöifenspruch- 
Sammlung stellt eine große auf verschiedenen Quellen be- 
ruhende Kompilation dar. Nur aus der Verschiedenart der 
Quellen ist der Farbenreichtum des in der Charakteristik der 
Leipziger SchöfFenspruchsammlung entrollten Bildes zu erklären. 
Damit diese allgemeine Vorstellung von der Struktur der Leip- 
ziger SchöfFenspruchsammlung und von ihren Quellen deut- 
licher werde, ist nunmehr eine Reihe besonderer Beobachtungen 
hervorzuheben, welche sich bei der Untersuchung der Leipziger 
SchöfFenspruchsammlung und ihrer Parallelsammlungen ergeben 
haben. Aus ihnen kann mit Sicherheit gefolgert werden, daß 
die Leipziger SchöfFenspruchsammlung in der Tat aus einer 
Anzahl verschiedener Quellen kompiliert ist. 

Darauf deuten schon äußerlich zwei ineinandergreifende Er- 
scheinungen hin, deren jede fär sich nur einen Wahrschein- 
lichkeitsbeweis zu erbringen vermag. Zunächst setzt sich näm- 
lich der Inhalt des Kodex M20 der Sächsischen Landesbibliothek 
zu Dresden selbst schon aus drei Bestandteilen zusammen^). 
Trotzdem diese sowohl durch ihren Charakter als auch der 
Zeit ihrer Entstehung nach voneinander verschieden sind, er- 
scheinen sie in der Hs. Dresden M 20 in unmittelbarer Folge, 
durch keine selbständige Überschrift oder andere Kennzeich- 
nung voneinander getrennt. Scheinbar nicht ohne Absicht ist 
so die in dieser Untersuchung als ein Werk betrachtete Leip- 
ziger SchöfFenspruchsammlung mit den beiden auf sie folgenden 
Rechtsgutachten Henning Codes und dem sich daran schließen- 
den Auszuge aus dem Meißener Rechtsbuch zu einer großen 
Einheit zusammengefaßt. Auch innerhalb der Leipziger SchöfFen- 
spruchsammlung selbst reiht sich nun gleichmäßig Spruch an 

1) Siehe oben S. 8*. 



70* n* Die Leipziger Schöffenspruchstmmlung. 

Spruch. Auch hier verrät keine Quellenangabe und kein Hin- 
weis von anderer Art, daß die Sammlung ihren Ursprung aus 
mehreren verschiedenen Quellen herleiten mag. Und doch 
muß dem so sein. Denn zum ersten weisen die Sprüche in 
der Leipziger Schöifenspruchsammlung eine chronologische Ord- 
nung nicht aufi). Auf Sprüche, deren rechtlicher Inhalt un- 
trüglich auf ein erhebliches Alter schließen läßt, folgen Sprüche, 
die zweifellos viel späterer Zeit entstammen'). Auch nach Aus- 
gangsorten und Bestimmungsorten sind die Sprüche im' allge- 
meinen nicht geordnet 3). Da muß es denn auffallen, daß bis- 
weilen ausschließlich Leipziger beziehungsweise Magdeburger 
Schöffensprfiche in langen Reihen unmittelbar aufeinander- 
folgen^). Ferner ist es bemerkenswert, daß sich im zweiten 
Teile der Leipziger Schöifenspruchsammlung dreißig nach 
Naumburg ergangene Schöffensprüche beisammen finden^). All 
das läßt sich nur so erklären, daß wie der ganze Inhalt der Hs. 
Dresden M 20, so namentlich auch ihr erster Bestandteil, die 
Leipziger Schöifenspruchsammlung, aus verschiedenen Quellen 
kompiliert ist. 

Weitere Beweisgründe für die Richtigkeit dieser Behaup- 
tung liefert die Vergleichung übereinstimmender Texte inner- 
halb der Leipziger Schöifenspruchsammlung. Die Wiederkehr 
identischer Sprüche an verschiedenen Stellen der Sammlung*) 
spricht an sich schon für die Benutzung verschiedener Quellen. 
Dies wird durch folgende Tatsachen bekräftigt: Die identischen 
Sprüche stehen in der Leipziger Schöifenspruchsammlung unter 
verschiedenen Überschriften^). In einigen Fällen ist bei inhalt- 
licher Üereinstimmung die Textfassung der Anfragen vollkommen 
verschieden, während doch die Entscheidungen selbst auch im 

1) Vgl. S. 642, VII b) Verzeichnis der dttierbtren Sprüche in der Reihen- 
folge der Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

2) Vgl. z. B. Nr. 8— 13. 104. 111; auch 09. 

3) Vgl. oben S. 15* ff. 

4) Vgl. S. 638 f., V. Ordnung der Sprüche nach Spruchbehörden beziehungs- 
weise Attsgangsorten. 

5) Nr. 533. 534. 537—550. 561. 562. 564. 582. 583. 

6) Siehe S. 643, VIII b) Verzeichnis der identischen Sprüche. 

7) Vgl. z. B. die Oberschriften Nr. 36 mit 533; 38 mit 564 und 701 ; 432 mit 623. 



4. Quellen. 71* 

Wortlaute übereinstimmeD^). In anderen Fällen wiederum lauten 
zwar die Texte identischer Sprüche einschließlich der Anfragen 
im wesentlichen gleich, sie weisen jedoch voneinander abwei- 
chende Lesarten^) und verschiedene Bezeichnungen für die 
vorkommenden Personen^) auf. Auch das der Einteilung der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung in zwei Hauptteile zugrunde 
gelegte äußere Unterscheidungsmerkmal, die verschiedene Ge- 
staltung der Schöffensprüche im ersten und zweiten Teile der 
Sammlung^), weist auf verschiedenartige Quellen hin, aus denen 
diese Sprüche stammen. 

Erscheint durch die bisher angeführten Tatsachen auf mittel- 
barem Wege der Beweis erbracht, daß die Leipziger SchöfFen- 
. Spruchsammlung eine auf einer Mehrheit verschiedener Quellen 
beruhende Kompilation darstellt, so ist nunmehr die Bahn für 
die direkte Beweisführung frei. Im folgenden wird daher der 
Versuch unternommen, die einzelnen Quellen nachzuweisen, 
aus denen die Leipziger Schöffenspruchsammlung geschöpft hat. 

• 

II. Verschiedene Quellen. 

Unter den Sprüchen der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
tritt eine Anzahl durch ihre scharf ausgeprägte Eigenart deut- 
lich aus ihrer Umgebung hervor. Bei einigen gibt sich eine 
besonders frühe Entstehungszeit aus den in ihnen zum Aus- 
druck gelangten Rechtssätzen kund. Einige Sprüche wiederum 
sind durch ein engeres Band zusammengeschlossen; sie bilden 
zusammen ein «Weistum^, dessen einzelne Bestandteile schon 
äußerlich durch eine fortlaufende Zählung als solche gekenn- 
zeichnet sind. Von den Schöffensprüchen hebt sich schließlich 
eine Anzahl von Bestandteilen der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung ebenso durch ihren rechtlichen Inhalt wie durch 

- 

1) Z. B. Nr. 432 und 623; 434 und 642. 

2) Z. B. Nr. 436 und 627; 448 und 634; 592 und 608; vgl. auch Nr. 432 
und 623. 

3) Z. B. Nr. 237: Albrecht und Btrtel Gunter; 437: A. und B.; 620: Burchtrt 
und Peter. -> 432: der erber man, Htns N.; 623: Ludwig von Selbitz, 
Htns Tichzens. — 448: H. und N.; 634: Thome und Casper. ~ 

4) Vgl. oben S. 10^ ff. 



72* n. Die Leipziger Scböffenspruchstmmlung. 

dessen stilistische Einkleidung ab. Aus beidem ist ohne 
Zweifel ersichtlich^ daß es sich da überhaupt nicht um SchöfFen- 
sprüche oder wenigstens nicht um die ursprüngliche Gestalt 
von Schöffensprüchen handeln kann. In allen drei Fällen drängt 
sich schon auf den ersten Blick und selbst bei bloß oberfläch- 
licher Betrachtung unabweislich die Vermutung auf, daß diese 
Stücke verschiedenen Quellen entstammen müssen. Sie wird 
bei genauerer Untersuchung zur Sicherheit. Zur ersten und 
zweiten Gruppe gehören: Das Leipziger Weistum für Plauen 
aus dem 14. Jahrhundert (Nr. 8—12) und das Magdeburger 
Weistum für Halle vom 8. Januar 1364 (Nr. 565—580). Als 
der zweiten Gruppe zugehörig ist noch das Leipziger Weistum 
für Dresden aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts 
(Nr. 1 — 7a) anzuführen. Zur dritten Gruppe zählen folgende 
Nummern der Leipziger Schöifenspruchsammlung: 1) 138—140. 
148—156. 161. 162. 105—200. 253—256. 327. 335. 342. 343. 
2) 29. 3) 168. 4) 202. 5) 617. 6) 787. 7) 694 (Schlußabsatz). 
724. So deutlich sjch diese Stücke auch aus der Leipziger 
Schöifenspruchsammlung herausheben und so klar ihre Her- 
kunft aus verschiedenen Quellen auch erscheint, so schwierig, 
mühevoll und zeitraubend zugleich ist es, diese Quellen selbst 
zu verfolgen und festzustellen. Die Ursache hierfür bildet 
einerseits der Quellenreichtum des mittelalterlichen sächsischen 
Rechtes, andererseits die bedauerliche Tatsache, daß für fast 
keine von allen in Betracht kommenden Rechtsquellen eine den 
Anforderungen der modernen rechtsgeschichtlichen Forschung 
genügende Ausgabe zur Verfügung steht i). 

Ober die erwähnten Weistümer der Schöffen zu Leipzig 
und Magdeburg, über ihre Handschriften, die Drucke und 
die verwandten Quellen wird in den dem Abdruck in der 
vorliegenden Ausgabe vorangeschickten Vorbemerkungen aus- 
führlich gehandelt^). Trotzdem das Bemühen, sämtliche er- 
reichbare Handschriften heranzuziehen und zu vergleichen, von 
Erfolg begleitet gewesen ist, ist es dennoch nicht gelungen, 
die unmittelbaren Quellen, aus denen die Leipziger Schöffen- 

1) Vgl. Stv. ZRG. dO (1918), S.346. 

2) Unten S. 50f., 68ff., d07t 



4. Quellen. 73* 

Spruchsammlung diese Weistümer geschöpft hat, in ihrer Ge- 
samtheit zu ermitteln^). Ein glücklicherer Stern hat über den 
Nachforschungen nach der Quelle der unter 1) angeführten Be- 
standteile der Leipziger Schöifenspruchsammlung gewaltet. Sie 
entstammen insgesamt der Glosse zum Sächsischen Weichbild« 
Das Abstammungsverhältnis wird weiter unten eingehend dar- 
gelegt werden. Nr. 29 bringt erbrechtliche Ausführungen zum 
vorangehenden Leipziger SchöfFenspruch, in welchen das säch- 
sische Recht dem Kaiserrecht gegenübergestellt wird. Der 
Magdeburger Spruch Nr. 202 kommt als Distinktion Oa im 
zweiten Kapitel des zweiten Buches der Magdeburger Fragen 
vor. Doch scheint in der Leipziger SchöfFenspruchsammlung 
keine der bekannten drei Rezensionen der Magdeburger Fragen ^), 
sondern eine Parallelsammlung zu den Magdeburger Fragen 
unmittelbar benutzt zu sein. Denn in der Leipziger SchöfFen- 
spruchsammlung findet sich außer dem erwähnten noch ein 
Magdeburger Spruch, welcher zwar in jener Parallelsammlung, 
jedoch nicht auch in den Magdeburger Fragen selbst vor- 
kommt^). Der Inhalt von Nr. 617 gehört dem Sachsenspiegel 
an. Die betreffende Stelle findet sich im ersten Buche des 
Sächsischen Landrechts, Artikel 22 § 4. Nr. 787 ist eine Ge- 
richtsurkunde des Burggrafen Otto zu Leisnig aus der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts. Nr. 168 ist ebenfalls kein Schöffen- 
spruchy sondern ein Rechtsgutachten über die Fähigkeit und 

1) Ebensowenig Iflßt sich für die Äußerlich und inhaltlich zusammenge- 
hörenden Sprüche Nr. 377—382 die unmittelbare Quelle der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung aus folgender Anmerkung der «Doctores der 
Juristenschule zu Leipzig* erschließen: »Und wir doctores der Juristen- 
schule zu Leipzig bekennen öffentlich, das wir sulche obgeschribene 
sentencien und rechtspruch begriffen und gemacht haben, nach Ordnung 
und ausweisung des rechten. Des zu beweisung oder gezeugnus haben 
wir euch dise schrift versigelt mit des wirdigen herrn probst Sancti 
Thomae zu Leipzig sigill, des wir itzund gebrauchen.** 

2^ Ober sie Ferdinand von Martitz, Die Magdeburger Fragen, ZRG. 
11 (1873), S. 401 ff. 

3) Esist der Magdeburger Spruch Nr. 131, welcher in der bei Wassersch- 
ieben, Rechtsquellen, IL, S. 80ff. gedruckten Parallelsammlung zu den 
Magdeburger Fragen, über die Behrend, Die Magdeburger Fragen» 
S. XIII ff. handelt, als Kapitel 223 steht; Nr. 202 der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung ist daselbst als Kapitel 34 enthalten. 



74* n. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

Berechtigung eines Ordensgeistlichen zur Übernahme einer Vor- 
mundschaft. Nach Inhalt und Form zählt es zweifellos zu den 
jüngsten Bestandteilen der Leipziger Schöffenspruchsammlung. 
Diese beiden zuletzt erwähnten Stücke stechen schon durch 
ihre äußere Form in besonders augenfälliger Weise von dem 
übrigen Inhalte der Leipziger Schöffenspruchsammlung als 
Fremdkörper ab. Es ist jedoch nicht geglückt, die Quellen, 
aus denen sie in die Leipziger Schöffenspruchsammlung über- 
gegangen sind, ausfindig zu machen. Bei dem gleichen nega- 
tiven Ergebnis muß es auch bezüglich der von den erwähnten 
noch erübrigenden Bestandteile der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung, der Nummern 604 (Schlußabsatz) und 724, vorläufig 
bewenden, welche durch ihre Eigenart mit nicht geringerer 
Deutlichkeit hervortreten als jene. Das bei etwa erfolgreicher 
Untersuchung in Aussicht stehende Ergebnis hfitte jedoch wei- 
tere Opfer an Zeit und Mühe wohl kaum gelohnt 

Die Feststellung der Tatsache, daß die Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung aus einer Anzahl verschiedener Quellen ge- 
schöpft hat, scheint jetzt schon einwandfrei gelungen. Des 
weiteren ist es möglich, für die bedeutendsten und umfang- 
reichsten Bestandteile der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
die Quellen nachzuweisen. 



III. Das Original zu Hs. Dresden M 20. 

Diejenigen Teile der Hs. Dresden M 20, welche überein- 
stimmend in Hs. Zwickau wiederkehren, sind aus einer älteren 
Schöffenspruchsammlung kopiert. Diese Feststellung bildet eines 
der wichtigsten Ergebnisse, welche die Untersuchung und Ver- 
gleichung der Parallelsammlungen für die Quellengeschichte der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung hervorgebracht hat. Jener 
Schöffenspruchsammlung, aus der die erwähnten Bestandteile 
der Leipziger Schöffenspruchsammlung etwa in der Zeit von 
1523 bis 1524 vermutlich unmittelbar abgeschrieben worden 
sind, ist in den vorangehenden Ausführungen zur Unterschei- 
dung von dieser Kopie die Bezeichnung ,^Original zu Hs. Dres- 



4. Quellen. 75* 

den M 20^ beigelegt worden. Jedoch ist die ÄufÜDdung einer 
solchen Handschrift, welche für dieses Original gehalten werden 
könnte, bisher nicht gelungen. Aber auf Grund der durch die 
Untersuchung und Vergleichung der Parallelsammlungen ge- 
wonnenen Ergebnisse sind genauere Angaben über Inhalt, 
Quellen, Entstehungszeit und Aufbewahrungsort dieser von Hs. 
Dresden M 20 unmittelbar benutzten Vorlage, des Originals zu 
Hs. Dresden M 20, möglich. 

Auf die gleiche Quelle geht außer der in Hs. Dresden M 20 
überlieferten noch eine Reihe anderer SchöfFenspruchsamm- 
lungen unmittelbar oder mittelbar zurück. Die diesbezüglichen 
Nachweisungen sind bereits eingehend geführt und in allen 
Einzelheiten verfolgt worden. Aus der Übersicht über das 
Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnis der Parallelsamm- 
lungen zur Leipziger Schöifenspruchsammlung ist zu ersehen, 
um welche Sammlungen es sich handelt Sie sind es, die im 
Verein mit der Leipziger Schöifenspruchsammlung einen Rück- 
schluß auf den Inhalt und auf die Quellen des Originals zu 
Hs. Dresden M 20 gestatten. Zum Bestände dieser Schöifen- 
spruchsammlung müssen sämtliche Schöifensprüche gehört haben, 
welche in der bearbeitenden Sammlung Hs. Zwickau ent- 
gegentreten. Das sind zunächst jene Sprüche, die Hs. Dresden 
M 20 mit Hs. Zwickau gemeinsam hat, sowie diejenigen, welche 
der Hs. Zwickau eigentümlich sind; ferner die vollständige 
Reihe der Magdeburger Schöifensprüche für Naumburg und 
eine unverkürzte Fassung des Magdeburger Weistums für Halle 
vom Jahre 1364. Außerdem aber hat das Original zu Hs. Dres- 
den M 20 noch die drei Sprüche der Schöifen zu Halle für 
Naumburg enthalten, welche sich in Hs. Naumburg 34 finden. 
Einen weiteren Bestandteil des Originals zu Hs. Dresden M 20 
muß schließlich noch eine Fassung der in Hs. Leipzig 006 
überlieferten Schöifenspruchsammlung gebildet haben. Dar- 
fiber, ob das Original zu Hs. Dresden M 20 ein noch um- 
fangreicheres Material an Schöifensprüchen enthalten habe, 
läßt sich nicht einmal eine Vermutung äußern. Dagegen ist 
schon aus dem nachweisbaren Inhalte des Originals zu Hs. 
Dresden M 20, der auf Grund der Quellenzeugnisse rekonstruiert 



76* n. Die Leipziger SchÖffenspruchsammlung. 

werden konnte, auch eine Charakterisierung der Struktur dieser 
Schöifensjßruchsammlung möglich. Mit Sicherheit ergibt sich 
nämlich eine bemerkenswerte Feststellung. Wie die Leipziger 
SchÖffenspruchsammlung selbst, so ist auch ihre Vorlage, das 
Original zu Hs. Dresden M 20, aus einer Anzahl verschiedener 
Quellen kompiliert Außer einer unbekannten Quelle, aus wel- 
cher die Mehrzahl der der Leipziger SchÖffenspruchsammlung 
mit Hs. Zwickau gemeinsamen Sprüche, sowie die dieser Samm- 
lung eigentümlichen Schöffensprüche geschöpft sind, hat das 
Original zu Handschrift Dresden M 20 auch die Naumburger 
Empfangersammlung aus dem noch erhaltenen Pergamentkodex 
der Stadtbibliothek zu Naumburg an der Saale Hs. Naumburg 
34 benutzt. Eine dritte Quelle stellt jene nicht wieder aufge- 
fundene SchÖffenspruchsammlung dar, aus welcher auch Hs. 
Leipzig 906 hervorgegangen ist. 

Auch die Entstehungszeit des Originals zu Hs. Dresden M 20 
läßt sich nach den Quellen und Tochtersammlungen dieser 
SchÖffenspruchsammlung nunmehr ungefähr bestimmen. Die 
obere Zeitgrenze ergibt sich aus der Benutzung der Hs. Naum- 
burg 34, welche selbst der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
angehört. Die untere Zeitgrenze ist aus dem Alter der Toch- 
tersammlungen zu ermitteln, deren jüngste Hs. Dresden M 20 
darstellt. Von ihnen ist Hs. Zwickau spätestens im Jahre 1468 
entstanden, und Hs. Görlitz 4 kann höchstens um ein Jahr 
jünger sein. Die mittelbar auf das Original zu Hs. Dresden 
M 20 als Quelle zurückgehenden Schöffenspruchsammlungen 
Hs. Leipzig 945, Hs. Leipzig 953 und Hs. Dresden M 34^ ent- 
stammen allesamt ungefähr der Mitte des 15. Jahrhunderts. So- 
mit ergibt sich als Entstehungszeit für das Original zu Hs. 
Dresden M 20 die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. 

Schließlich darf, wenn auch nicht über den Entstehungsort 
selbst, so doch über den Ort, an welchem das Original zu Hs. 
Dresden M 20 aufbewahrt und benutzt worden sein dürfte, eine 
Vermutung ausgesprochen werden. Dieser Ort scheint Leipzig 
gewesen zu sein. Denn Leipzig ist vermutlich der Entstehungs- 
ort der Tochterhandschrift Hs. Zwickau. Diese Annahme kann 
auch unabhängig von der Frage nach der Herkunft des Zwik- 



4. Quellen. 77» 

kauer Kodex C 23 a^) selbständig begründet werden. Der Magde- 
burger Schöffenspruch für Naumburg Nr. 550, welcher sowohl 
in Hs. Dresden M 20 als auch in Hs. Leipzig 945 mit den 
Worten: „In der Stadt N[aumburg]'' anfangt, beginnt nämlich 
in Hs. Zwickau wie folgt: „In der Stadt L[eipzig]''. Da bekannt- 
lich mittelalterliche Schreiber nicht selten die Ortsangaben ihrer 
Vorlagen, namentlich bei Formularwerken, durch den Namen 
des eigenen Aufenthaltsortes zu ersetzen pflegten^), dürfte die 
Vermutung, daO Hs. Zwickau in Leipzig niedergeschrieben 
worden ist, nicht zu kühn sein^). Auch eine andere Spur 
weist auf Leipzig als Aufbewahrungs- und Benutzungsort des 
Originals zu Hs. Dresden M 20 hin. Wenn es nämlich richtig 
ist, daß noch Haltaus für sein Glossarium dieses Original zu 
Hs. Dresden M 20 benutzen konnte^), dann ist die Schluß- 
folgerung naheliegend, daß es sich da um eine Leipziger Hand- 
schrift handle. Denn das für sein Glossarium zusammengetragene 
und darin verwertete Quellenmaterial, insbesondere das Schöf- 
fenspnichmaterial entstammt nach Haltaus' eigenen Mitteilungen 
ausschließlich Leipziger Handschriften, die er in den Biblio- 
theken des SohöfFenstuhls, des Rates, des Thomasklosters und 
der Universität zu Leipzig vorgefunden und benutzt hat^). 

1) Vgl. unten S. 104* Anmerkung 2. 

2) Ein typisches Beispiel hierfür bietet das zum Teil aus Schöifensprüchen^ 
zum Teil aus Prozeßformultren bestehende Werk: „Informtciones domini 
ordinarii, quas Mtgdeburgensibus dedertt ad petita, dummodo graviter 
in sentenciando oberraverunt** im zweiten Teile der Hs. Görlitz 4; vgl. 
Say. ZRG. 39 (1918), S. 364 unter 1. 

3) Daß in Hs. Görlitz 4 derselbe Spruch Nr. 559 mit den Worten beginnt: 
„In der stat Görlitz*, kann die Beweisführung des Textes nicht stören, 
solange die Entstehungsgeschichte der Hs. Görlitz 4 nicht vollständig 
aufgekliTrt ist; vgl. oben S. 57* f. 

4) Oben S. 48* ff. 

5) Vgl. oben S. 48* Anmerkung 2. ~ Halt aus, Sp. 70 sub voce äugen aus- 
stechen: Afferamus, sicut habetur in dem Urtelbuch der Schoppen zu 
Leipzig. Annotatum est a scabino coaevo. — Sp. 242 s. v. Dona: In 

volumine sententiarum scabinatus Lips lego. — Sp. 107 s. v. 

bauerding, ebenso an zahlreichen anderen Stellen: In msc, quod habe- 
tur in bibl. sen. Lips. — Sp. 189 s. v. bruckengertchte: Extat hujus 
judicil ordinatio seculo XVI. ineunte scripta in bibl. sen. Lips., unde 
quasdam formulas et ritus alibi in usum nostri glossarii trans- 



78^ n. Die Len[)ziger Schöffenspruchstmmlung. 

Ob die als Original zu Hs. Dresden M. 20 bezeichnete 
Schöffenspruchsammlung auch in Leipzig entstanden ist und 
daselbst niedergeschrieben worden ist, kann dahingestellt bleiben. 
Besitzt doch schon der Umstand, daß Leipzig als Aufbewahrungs- 
ort des Originals zu Hs. Dresden M 20 gelten darf, für die 
Quellengeschichte der Leipziger Schöffenspruchsammlung große 
Wichtigkeit. 

IV. Die Weichbildglosse. 

Aus der vollständigen Durcharbeitung des gesamten Glossen- 
apparates zu den sächsischen Rechtsbüchern hat sich für die 
Quellengeschichte der Leipziger Schöffenspruchsammlung die 
Feststellung ergeben, daß eine bisher unerkannte, gegenüber 
der ursprünglichen vermehrte Form der Weichbildglosse der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung als unmittelbare Quelle ge- 
dient hat. 

Das unter dem Namen ^.Sächsisches Weichbild'^ bekannte 
Rechtsbuch selbst ist in der rechtsgeschichtlichen Literatur 
sowohl der älteren als auch der neueren Zeit häufig und ein- 
gehend behandelt worden i). Dagegen hat die Weichbildglosse 
und ihre Entwicklungsgeschichte bisher kaum wissenschaftliche 
Beachtung gefunden^). Nur die singulare von einem Magde- 
burger Schöffen verfaßte Weichbildglosse der Handschrift Ms. 
germ. fol. 631 der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin (so- 

scribimus. — Sp. 123 8. v. behelf: In ms. coQventus S. Thomae Lips. — 
Sp. 713 s.v. geweytich und Ähnlich Sp. 1251 s. v. leichtuch: In einem 
Klosterbuch zu St. Thomae in Leipzig. — Sp. 1622 s. v. schildknechte: 
In codice bibliothecae Paulinae Lips. — Sp. 140 s. v. bescheiden: In 
ms. Fratrum Minorum in Liptzk. 

1) Die Literatur verzeichnet Eugen Rosenstock, Ostfalens Rechtsliteratur 
unter Friedrich IL; Weimar 1012, S. 14 Note 3. 

2) Ich stelle die spärliche Literatur zusammen: OttoStobbe, Geschichte 
der deutschen Rechtsquellen; L Band; Braunschweig 1860, S. 410f. mit 
Nach Weisung der älteren Literatur, zu welcher noch zu ergänzen ist: 
Homeyer, Des Sachsenspiegels zweiter Teil nebst den verwandten 
Rechtsbüchern. Erster Band: Das sächsische Lehnrecht und der Richt- 
steig Lehnrecbts, S. 74. — Ferdinand von Martitz, Das eheliche Güter- 
recht des Sachsenspiegels und der verwandten Rechtsquellen, S. 61 f. — 
Emil Steffenhagen, Der Einfluß der Buchschen Glosse auf die 



4. Quellen. 7g* 

genannte Berlin-Steiiibecksche Handschrift)^) und die in Stendal 
entstandene Weichbildglosse der Handschrift II F 6 der Uni- 
versitätsbibliothek zu Breslau') sind für die Untersuchung der 
Entwicklungsgeschichte der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels 
mit herangezogen worden^). So gründlich und wertvoll auch 
die diesbezüglichen Arbeiten sind, sie vermögen dennoch die 
klaffende Lücke nicht auszufüllen. Besonders schwer macht 
sich daher für die sämtlichen erhaltenen Handschriften der 
Weichbildglosse der Mangel ähnlicher Untersuchungen fühlbar, 
wie für die beiden erwähnten, sowie für sämtliche Handschriften 
der Landrechtsglosse des Sachsenspiegels^) bereits vorliegen. 
Denn nur aus der kritischen Vergleichung sämtlicher Hand- 
schriften^) und aus der Ermittlung des Abstammungsverhält- 

späteren Denkmäler in den Sitzungsberichten der philosophisch-histo- 
rischen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, 
131. Band; Wien 1894 (II. Das Berliner Stadtbuch), S. 1 Note 2. — Femer 
die unten in Anmerkung 3 angeführten Abhandlungen. 

1) Homeyer, Die deutschen Rechtsbücher des Mittelalters und ihre 
Handschriften, Nr. 47. 

2) Homeyer, a.a.O., Nr. 83. 

3) Emil Steffenhagen, Die Entwicklung der Landrechtsglosse des Sachsen- 
spiegels in den Sitzungsberichten der philosophisch-historischen Klasse 
der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, 98. Band, Wien 
1881, S. 47ff. (I. Eine interpolierte Glossenhandschrift} und 100. Band, 
Wien 1882, S. 887 ff. (LI. Die Stendaler Glosse). 

4) Steffenhagen, WSB., Band 98. 100. 101. 106. 110. 111. 113. 114.*129. 
131. 167. 

5) Das bei Homeyer, Rechtsbücher, S. 171 zusammengestellte Verzeichnis 
der Glossenhandschriften des Sflchsischen Weichbildes, welches 19 
Nummern umfaßt, ist wie folgt zu berichtigen und zu ergänzen: 

A. Berichtigungen: 1. Nr. 153, Hs. M 3 der Landesbibliothek zu 
Dresden ist endgültig als verloren zu betrachten; vgl. auch Franz Schnorr 
von Carola feld, Katalog der Handschriften der Königlichen öffentlichen 
Bibliothek [jetzt Sflchsischen Landesbibliothek] zu Dresden; 2. Band, 
Leipzig 1883, S. 412. — 2. Nr. 159, Hs. M 23 der Landesbibliothek zu 
Dresden enthfllt das Weichbild mit Glosse nicht handschriftlich, sondern 
den flltesten Druck des glossierten Weichbildes; vgl. auch Schnorr 
von Carolsfeld, a. a. O., S. 434. — 3. In Nr. 162, Hs. M 26 der Landes- 
bibliothek zu Dresden steht der Weichbildtext unglossiert; vgl. auch 
Schnorr von Carolsfeld, a. a. O., S. 435; Steffenhagen, WSB. 114, 
(1887; VIII. Verzeichnis der Handschriften und Drucke), Nr. 34, S. 325 
und Note 1. — 4. Nr. 577, eine Papierhandschrift aus dem Jahre 1454, 



80* IL Die Leipziger Schöffensprucbstmmlung. 

nisses auch der Drucke^) kann die Entwicklungsgeschichte der 
Weichbildglosse erforscht werden. Selbstverständlich ist es 
nicht möglich, diese ebenso interessante, wie mühselige, jedoch 
notwendige Arbeit im Rahmen dieser Einleitung in erschöpfen- 
der Weise zu leisten. Ebensowenig darf jedoch das Problem 
unbeachtet beiseite bleiben. Den Darlegungen über das Ver- 
hältnis der Leipziger Schöifenspruchsammlung zur Weichbild- 



ehemals in der Stadtbibliothek zu Quedlinburg, ist zurzeit verscbollen; 
über sie Steffenhagen, WSB. 114, S. 351 f., Nr. 88. 

B. Ergänzungen: a) Deutsche Glossenhandschriften: 1. Hs. Nr. 92 
(früher Ms. 42) der (Herzoglichen) öffentlichen Bibliothek zu Meiningen 
(Homeyer, Rechtsbficher, Nr. 443); über sie Steffenhagen, a.a.O., 
S.346 und Note 3, Nr. 80. — 2. Hs. Nr. 1111 der Universitätsbibliothek 
zu Leipzig; bisher unbekannt und unbenutzt; nicht identisch mit der 
verschollenen Handschrift H o m ey e r , Rechtsbficher, Nr.5; Beschreibung 
bei R. He] SS ig, Katalog der lateinischen und deutschen Handschriften 
der Universitätsbibliothek zu Leipzig; 3. Band: Die juristischen Hand- 
schriften, S. 248 f. 

ß) Tschechische Obersetzungen bzw. Bearbeitungen des Textes und der 
' Glosse: 1. Hs. Nr. 10 (früher Nr. 1) des Stadtarchivs zu Leitmeritz in 
Böhmen; Beschreibung und Analyse bei Julius Lippert, Das Recht am 
alten Schöppenstuhle zu Leitmeritz und seine Denkmäler, Mitteilungen 
des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, 0. Jahrgang; Prag 
1868, S. 166 ff. und Jaromfr Celakovsk^, O prtfvnfch rukopisech mesta 
Litom6Hc [Ober die Rechtshandschriften der Stadt Leitmeritz] im Casopis 
musea krälovstvf 6esk6ho [Zeitschrift des Museums des Königreichs 
Böhmen], 53. Jahrgang; Prag 1879, S. 147 ff. •- 2. Hs. Sign. XVII C 24 
der Universitätsbibliothek zu Prag; vgL Emil Ott, Beiträge zur Re- 
zeptionsgeschichte des römisch-kanonischen Prozesses in den böhmi- 
schen Ländern; Leipzig 1879, S. 179 Note 11; Josef Truhläf, Katalog 
6eskych rukopisü c. k. vefejn6 a universitnf knihovny Pral^sk6 [Katalog 
der tschechischen Handschriften der k. k. öffentlichen und Universitäts- 
bibliothek zu Prag]; Prag 1906, S. 39, Nr. 102. 

1) Verzeichnis der Drucke der Weichbildglosse: Christian Ulrich Grupen, 
Traktat von den sächsischen Rechtsbfichern (um 1747), herausgegeben 
von Ernst Spangenberg in dessen Beyträgen zu den teutschen Rechten 
des Mittelalters; Halle 1822, S.36, 60f., 65f.; vgL Stobbe, a.a.O., 
S. 406 f. und A. von Daniels, Land- und Lehenrechtbuch. Sächsisches 
Land- und Lehenrecht; I. Band; Berlin 1863, S. Xf. Dazu unten S. 87* 
Anmerkung 2. — Ober Drucke lateinischer und polnischer Ober- 
setzungen Homeyer, Rechtsbücher, S. 30f.; ergänzend Emil KaiuS- 
niacki, Die polnische Rezension der Magdeburger Urteile und die 
einschlägigen deutschen, lateinischen und tschechischen Sammlungen; 
WSB. 111 (1885), S. 122 Note 1. 



4. Quellen. 81* 

glosse sind daher einerseits durch den gegenwärtigen Stand der 
Forschung, andererseits durch das unmittelbare Ziel dieser 
Untersuchung feste Grenzen vorgezeichnet. 

Die Untersuchung möge mit einer Obersicht über die Stellen 
der Leipziger Schöifenspruchsammlung eingeleitet werden, 
welche aus der vermehrten Form der Cjiosse zur Weichbild- 
vulgata geschöpft sind. Diese Form der Weichbildglosse wird 
nach dem verbreite tsten Drucke in der ersten Zobelschen Aus- 
gabe des Sächsischen Weichbildes i) aus dem Jahre 1537 ange- 
führt, obgleich er keineswegs der älteste ist Daneben werden 
aber auch die Fundorte in der von Danielsschen Ausgabe der 
Weichbildglosse angegeben^). Diese beruht auf der dem ehe- 
maligen Domstift zu Havelberg entstammenden Handschrift 
Ms. germ. fol. 380 der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin ^y 
und repräsentiert die ursprüngliche kürzere Form der gewöhn- 
lichen Weichbildglosse. Außerdem wird ein Verzeichnis jener 
der Weichbildglosse entstammenden Stücke beigegeben, welche 
sich, teilweise mit der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
übereinstimmend, in der zweiten Schöffenspruchsammlung der 
Hs. Dresden M 34*^ vorfinden. 



1) Sechsisch Weychbild und Lebenrecht^ itzt auffs naw nach den war- 
bafften alden exemplarn und texten mit vleis corrigirt, übersehen und 
restituirt, sampt eim nawen register oder remissorio, gantz verstendt- 
lich über diese zwey bucher und den Sachsenspiegel gemacht, darzu 
bey dem Weychbild und Lebenrecht vill nützlicher addiciones und 
concordancien, auch etliche urteil, darinnen mancherley feile, so in 
teglichem gebrauch gehalden werden, begriffen, zu nutz allen denen, 
so sich Sechsischs rechtens gebrauchen müssen. Gedruckt zu Leiptzig 
und volendet am XV. tag Aprilis im 1537. jare. Michael Blum. 

2) A. von Daniels und Fr. von Gruben, Das sächsische Weichbild- 
recht; Rechtsdenkmäler des deutschen Mittelalters, herausgegeben von 
V. Daniels, v. Gruben und Kuhns; 1. Band; Berlin 1858, Spalte 
181—438. Ober die Anlage dieser Ausgabe berichtet höchst unklar 
von Daniels, Land- und Lehenrechtbuch. Sächsisches Land- und 
Lehenrecht; L Band, S. Xif.; vgl. Richard J echt. Ober die in Görlitz 
vorhandenen Handschriften des Sachsenspiegels und verwandter Rechts- 
quellen. Sonderabdruck aus dem Neuen Lausitzischen Magazin 82 (1906), 
S. [240 f.] 18 f. 

3) Homeyer, Rechtsbücher, Nr. 32; vgl. die Zitate in der vorigen An- 
merkung. 

G. Kitch, Leipziger SchOffenepracbeammluDC. VI 



82* 



II. Die Leipziger SchSffensprucbstmmlung. 



Tafel 5. 



Hs. Dresden 

M 2ü 

Leipziger 

Schöffcnspruch- 

sammlung. 

Nr. 


Weichbildglosse 


Hs. Dresden 
M 34b 

Vassersch leben 

Rechtsquellen, 

IV. 

Kap. 


zu Art. 


! ! 

V. Daniels 

1 
Spalte, Zeile 


Zobel 1537 
Blatt 


138 


23 


288, 38 


42 b 




139 


23 


290, 14 


42 b 




140 


23 


294, 1 


44a-b 




148 


22 


274, 39 


38a 


149 


149 


22 


275, 35 


38 a 


150 


150 


22 


277, 49 


38b 


153 


151 


22 


278, 5 


39a 


154 


152 


22 


279, 23 


39a 




153 


22 


279, 44 


39b 




154 


22 


280, 32 


39b 




155 


22 


282, 17 


40a 


146 


156 


22 


■ 276, 46 


38b 


151 


161 


20 AI) 




35a 




162 


20A1) 




35b 




195 


20 AI) 




33b 




196 


20A1) 




34b 




197 


20A1) 




34b 




198 


20A1) 




35a 




199 


') 




*) 




200 


20A1) 




35b 




253 


20 AI) 




32 a 




254 


20A1) 




32b 




255 


20A1) 




34a 




256 


20 AI) 




34 b 




327 


20A1) 




35b 




335 


22 


276, 21 


38b 




342 
343 


20A1) 
22 


273, 46 


35a 

37 b 


144 




17 


261, 10 


29b 


145 




23 


285, 40 


41b 


147 




23 


292, 49 , 


') 


148 



1) A = Addition zum Glossentext. 

2) Dieses Stuck ist in die Zobel sehe Weichbildausgabe nicht aufgenom- 
men worden. Dagegen ist es am Schlüsse der unten S. 86* und 87* 
Anmerkung 2 angeführten Siteren Weichbildausgaben zu finden. 

3) Bei Zobel fehlt dieses Stuck; an seiner Stelle stehen auf Bl. 43b «11. 
gemeine Darlegungen über die Frage, „wenn man ding zur gerade in 
einer not vorsetzt." 



4. Quellen. 83* 

Aus der vorstehenden Obersicht ergibt sich zunächst, daß 
eine Reihe von Bestandteilen der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung mit Stücl^en der Weichbildglosse übereinstimmt. 
Aber schon auf den ersten Blick fallt es auf, daO nur eine 
Anzahl von ihnen in der drsprunglichen Form der Weichbild- 
glosse vorkommt. Der andere Teil deckt sich mit «Additionen^ 
zum Glossentext. Zur Klarlegung des gegenseitigen Verhält- 
nisses ist es nun notwendig, der Herkunft dieser „Additionen^ 
nachzuforschen^). Dies führt aber zu allgemeinen Darlegungen 
über die Weichbildglosse selbst. 

Die Weichbildglosse liegt gegenwärtig in 17 Handschriften 
vor^), welche nachstehend verzeichnet werden^). 



1) Auf sie hat zuerst Jacob Friedrich Ludovici in der Vorrede zu seiner 
Ausgabe des Sächsischen Weichbildes, Halle 1721, S. 22, $ XVII auf- 
merksam gemacht, sich jener Aufgabe jedoch nicht unterzogen. 

2) Vgl. oben S. 79*f. Anmerkung 5. 

3) Vorbemerkungen zu Tafel 6. 

Die Verwaltungen der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin und des 
Ratsarchivs zu Görlitz trugen wegen der Gefahren des Transportes 
Bedenken, ihre Handschriften zur Benutzung nach Leipzig zu über- 
senden. Alle anderen Handschriften konnten dank dem Entgegen- 
kommen der betreffenden Bibliotheksverwaltungen von mir unmittelbar 
eingesehen und in Leipzig eingehend untersucht werden. 

Die seit der Verzeichnung bei Homeyer, RechtsbQcher, erschienene 
Literatur über die einzelnen Handschriften wird in Anmerkungen zu 
den Homey ersehen Ordnungsnummern angeführt. — Außer Betracht 
bleiben die oben S. 80* Anmerkung 5 unter B ß) erwähnten tschechi- 
schen Obersetzungen beziehungsweise Bearbeitungen der \7eichbild- 
glosse, welche die ursprüngliche Form enthalten. Ihnen wird bei der 
von mir in Aussicht genommenen Untersuchung der tschechischen 
Obersetzungen der sächsischen Rechtsbücher die gebührende Stelle 
einzuräumen sein.— Die verschollene Quedlinburger Handschrift Ho- 
meyer, Nr. 577 (oben S. 79* f. Anmerkung 5 unter A 4) hat die ur- 
sprüngliche Form der Weichbildglosse enthalten, wie auf Grund der 
Angaben von Steffenhagen, WSB. 110, S. 226 festgestellt werden 
konnte. 



vr 



\ 



84' 



IL Die Leipziger Schöffensprucbsammlung. 



Tafel 6. 
Verzeichnis der Handsctiriften der WeictibÜdglosse. 



Lau- 


Homeyer» 










feode 


Rechts* 


Gegenwärtiger 


Signatur 

• 


Schreib- Ent- 


Form 


Num- 
mer 


bficher, 

Nr. 


Aufbnwabrungsort 


stoft 


atehungszeit 


der Glosse 


1 


321) 


Berlin. Staatsbibliothek. 


Ms. germ. 
fol. 389. 


Papier. ;15.Jahrh. 


ursprüng- 
liche. 


2 


472) 


Berlin. Staatsbibliothek. 


Ms. germ. 


Perga- jl4.Jahrh. 


singulftre. 








fol. 631. 


ment. 






3 


332 


Berlin. Staatsbibliothek. 


Ms. germ. 
fol. 1092. 


Papier. 


15. Jahrb. 


ursprung- 
liche »). 


4 


83*) 


Breslau. Universitäts- 
bibliothek. 


II F 6. • 


Papier. 


Anfang 
15. Jahrh. 


Stendaler 
Glosse. 


5 


197«) 


Freiberg i.Sa. Gymnasial- 
bibliotbek. 


Kl. VIIL 
fol. 33. 


Papier. 


15. Jahrh. 


vermehrte. 


6 


223 


Gießen. Universitäts- 
bibliothek. 


Hs. 964 foL 

(früher 

Ms. 105). 


Papier. 


15. Jahrb. 


ursprüng- 
liche. 


7 


224 


Gießen. Universitäts- 
bibliothek. 


Hs. 965 foL 

(früher 

Ms. 106). 


Papier. 


15. Jahrh. 


ursprüng- 
liche. 


8 


250«) 


Görlitz. Ratsarchiv. 


Varia 1. 


Perga- 
ment. 


1387. 


ursprüng- 
liche'). 


9 


251«) 


Görlitz. Ratsarchiv. 


Varia 5. 


' Perga- Ende 
ment. 14. Jahrh. 


Wurms Be- 
arbeitung®). 


10 


263 1«) 


Göttingen. Universitäts- 
bibliothek. 


Jurid. 387. 


Papier. ,15. Jahrh. 

1 


ursprüng- 
liche. 


H 


383") 


Leipzig. Stadtbibliothek. 


Rep. IV. 
foL 1. 


Papier. 1453. 


vermehrte. 


12 


40212) 


Leipzig. Universitäts- 
bibliothek. 


Hs. 1088. 


Papier. 1436. 

1 


vermehrte. 


13 


13, 


Leipzig. Universitäts- 
bibliothek. 


Hs. iin. 


Papier. 15. Jahrb. 


vermehrte. 


14 


4071*) 


Liegnitz. Kircbenbiblio- 


Nr. 2. 


Perga- . 1386. ursprüng- 






thek von St. Peter und 




ment. 


1 liehe 1»). 1 






Paul. 










15 


436 >«) 


Mainz. Ehemalige Dom- 


Verlorene 


Papier 


Ende 


ursprüng- 


• 




bibliothek. 


Hand- 
schrift"). 


mit Per 
gament. 


14. oder 
Anfang 


liche 17). 










i 15. Jahrb. 




16 


44318) 


Meiningen. (Hzgl.) öffent- 


Hs. 92 


Papier. Mitte ursprüng- 






liche Bibliothek. 


(früher 


15. Jahrh. liehe. 






t 


Ms. 42). 


» 


17 


627 


Sondershausen. Schwarz- 


Nr. 236. 


Papier. 


Ende 


vermehrte. 






burgische Landes- 




! 15. Jahrh. 








bibliothek. 






1 





4. Quellen. 85* 

Anmerkungen zu Tafel 6. 

1) Grandlage der Ausgabe von A. von Daniels; siehe oben S. 81* An- 
merkung 2 und 3. 

2) Oben S. 79* Anmerkung 3. 

3) Feststellung auf Grund der genauen Beschreibung bei Homeyer, 
Ssp. II. 1, S. 20, Nr. 38. 

4) Literatur bei Steffenhagen, WSB. 114, S. 322f., Nr. 26. 

5) Beschreibung von Reinhard K a d e im Programm des Gymnasium 
Albertinum zu Freiberg i. Sa. 1886; Freiberg 1886, 8.25 f. Die daselbst 
als Homeyer unbekannt hervorgehobene Bezeichnung für Ricbtsteig 
„riginus (reginus)** ist als Schreib- beziehungsweise Lesefehler auf- 
zuklären. Der Text lautet auf Bl. 224^ richtig: „Incipit ritmus super 
jus municipale, quod teutunice fronrecb#, wichbilderecht, stadtrecht 
intitulatur.'' Auch die angehängte erweiterte Glosse zu Sachsenspiegel, 
Landrecht II 24 hat Kade verkannt, wenn er auf S. 26 behauptet: 
„Folgen bis Bl. 438, ähnlich wie in den Zobelschen Ausgaben, noch 
etliche Urteil.« 

6) Die Literatur ist zusammengestellt bei Steffenhagen, WSB. 114, 
S. 329, Nr. 42 und Jecht, Ober die in Görlitz vorhandenen Handschriften 
des Sachsenspiegels und verwandter Rechtsquelleo, S. [236] 14 Note 6; 
daselbst auch Beschreibung. Über die Weichbildglosse dieser Hand- 
schrift vgl. Jecht, a. a. O., S. [241] 19 und Note 1. 

7) Diese Feststellung habe ich auf Grund von Textproben vorgenommen, 
welche Herr Professor Dr. Richard Jecht, Archivar der Stadt Görlitz, 
nach meinen Angaben aus der Handschrift kopiert hat. Vgl. unten 
S. 86* Anmerkung 15. 

8) Beschreibung und Literatur bei Jecht, a. a. O., S. [249] .27 ff. 

9) Die Feststellung erfolgte nach der Textprobe bei Hugo Boehlau, 
Nove constitutiones domini Alberti d. i. der Landfriede v. J. 1235 mit 
der Glosse des Nicolaus Wurm; Weimar 1858, S.58— 61. — Vgl. unten 
S. 86* Anmerkung 15 und S. 87* Anmerkung 4. 

10) Beschreibung und Literatur im Verzeichnis der Handschriften im 
preußischen Staate; L Hannover, 1. Göttingen, 1; Berlin 1893, S. 389f. 

11) Vgl. unten S. 88* Anmerkung 1. 

12) Beschreibung bei H e 1 s s i g, Katalog der lateinischen und deutschen Hand- 
schriften der Universitätsbibliothek zu Leipzig; 3. Band: Die juristischen 
Handschriften, S. 209 ff. 

13) Oben S. 80* Anmerkung 5 unter B, a) 2. 

14) Die Literatur ist zusammengestellt bei Karl von Amira, Die Genealogie 
der Bilderhandschriften des Sachsenspiegels; Abhandlungen der k. 
bayerischen Akademie der Wissenschaften, I. Klasse, 22. Band, 2. Ab- 
teilung; Mönchen 1902, S. 374 Note 4, wo die Bandzahl der WSB. richtig 
114 statt 111 zu lesen ist.— Die bei Wilhelm Gem oll, Die Handschriften 
der Petro-Pauliniscben Kirchenbibliothek zu Liegnitz; Beilage zum 
Programm des städtischen evangelischen Gymnasiums in Liegnitz 1900, 
S. 6 mitgeteilte Oberschrift lautet selbstverständlich richiig wie folgt: 



Sß* II. Die Leipziger SchOffensprucbsammlung. 

Zu diesen Handschriften kommt als vermutlich einziger 
Primärdrucli, welcher unmittelbar und Jediglich auf handschrift- 
licher Grundlage beruht, die älteste glossierte Weichbildausgabe ^) 
in Folio ohne Angabe von Ort und Jahr des Erscheinens^). 
Sie ist verniutlich in Basel 147. ., zweifelhaft, ob bei Bernhard 

«Incipit ritmus super jus municlpale, ..."; vgl. auch oben S. 85* An- 
merkung 5. 

15) Die in der Liegnitzer Handschrift Nr. 2 (Homeyer 407) und in der 
Görlitzer Handschrift Varia 1 (Homeyer 250) fiberlieferte Weichbild- 
glosse ist bisher einer wissenschaftlichen Untersuchung nicht unter- 
zogen worden. Deshalb verdient das Ergebnis meiner diesbezüglichen 
Bemühungen besonders hervorgehoben zu werden: Sowohl in der 
Liegnitzer als auch in der Görlitzer Handschrift ist nicht die Wurm- 
sche Bearbeitung, sondern die ursprüngliche Form der Weichbildglosse 
enthalten. Ob diese Erkenntnis bereits die Ursache dafür gebildet hat, 
daß in die von Wilhelm Wakkernagel im Jahre 1827 angefertigte Abschrift 
der Görlitzer Handschrift Varia 1, welche sich als Ms. germ. fol. 436, 
437y 438 in der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin befindet (vgl. 
Steffenhagen^ WSB. 98, S. 51 Note 3), die Weichbildglosse nicht 
aufgenommen worden ist, ließ sich nicht ermitteln. Als beachtenswerte 
Tatsache ist festzustellen, daß Nikolaus Wurms Bearbeitung der Weich- 
bildglosse bloß in einer einzigen Handschrift, nämlich im Kodex Varia 5 
des Görlitzer Ratsarchivs (Homeyer 251) überliefert ist. Vgl. oben 
S. 85* Anmerkung 9 und unten S. 87* Anmerkung 4. 

16) Literatur bei Steffenbagen, WSB. 114, S.346. Nr. 79. 

17) Abschrift aus Grupens Nachlaß in der Stiftungsbibliothek bei dem 
Oberlandesgericht (früheren Oberappellationsgericht) zu Celle. Signatur 
B XVII 129. Textprobe gedruckt bei Spangen berg, Beyträge zu den 
teutscben Rechten des Mittelalters, S. 114 f. 

18) Oben S. 80* Anmerkung 5 unter B, a) 1. 

1) Inhaltsübersicht: Sogenannter Epilog zum Sachsenspiegel. ,,Coronica 
de tempore creacionis mundi.* „Sequitur tenor privilegii regia Ottonis.* 
Weichbild mit Glosse in 135 Artikeln. Judeneid. Kürzeres Privileg 
Kaiser Ottos. Die erweiterte Glosse zu Sachsenspiegel, Landrecht II 
23 (24) in zwei Abschnitten, von denen der erste als Oberschrift: „Glosa*, 
der zweite: »Von vorkouffen* trägt. „Registrum** über das Weichbild. 

2) Ludovicus Hain, Repenorium bibliographicum, II 2; Stuttgart 1838, 
Nr. 13865; Otto Günther, Die Wiegendrucke der Leipziger Samm- 
lungen und der Herzoglichen Bibliothek in Altenburg. 35. Beiheft zum 
Zentralblatt für Bibliothekswesen; Leipzig 1909, Nr. 380. — Die Ausgabe 
ist sehr selten. Exemplare finden sich in den Universitätsbibliotheken 
zu Leipzig und Göttingen, in der Landesbibliothek zu Dresden, in der 
Herzoglichen Bibliothek zu Wolffenbüttel und in der Bibliothek der 
Andreaskirche zu Eisleben. 



4. Quellen. 87* 

Richel gedruckt^). Alle späteren Weichbildausgaben scheinen 
unmittelbar oder mittelbar auf sie zurückzugehen'). 

Von diesen Texten äberliefert die weitaus überwiegende 
Mehrzahl die „gewöhnlichere* Form der Glosse 3). Die ihren 
Kern beibehaltende, teils kürzende» teils erweiternde Umarbei- 
tung des Nikolaus Wurm^), sowie die verschiedenen Ver- 
suche zu selbständigen Glossierungen ^) können hier außer 
Betracht bleiben. Nur der gewöhnlichen Form der Weichbild- 

1) Vgl. Konrad Haebler, Typenrepertorium der Wiegendrucke. Abtei- 
lung I: Deutschland und seine Nachbarländer; Halle a. S. 1905, S. 17, 
Note ♦). 

2) Wegen der Unvollstindigkeit der bezuglichen Angaben von Grupen 
bei Spangenberg, Stobbe und von Daniels an den oben 8.80* in 
Anmerkung 1 bezeichneten Orten führe ich die von mir eingesehenen 
glossierten Weichbildausgaben an, die ilter sind als der erste Zobel- 
sche Druck: 

1. Augsburg 1482. Anthonius Sorg. Günther, Wiegendrucke, Nr. 116. 

2. Augsburg 1495. Hans Scbönsperger. Homeyer, Ssp. P, 8.69, 70. 

3. Augsburg 1499. Hans Scbönsperger. Guntber,Wiegendrucke,Nr.83. 

4. Augsburg 1508. Hans Otmar. 

Der Inhalt dieser Ausgaben und seine Anordnung stimmen mit dem 
Baseler Primärdruck fiberein (oben S.86*' Anmerkung 1); nur die Artikel- 
anzahl ist verschieden. 

3) Diese Bezeichnung hat Homeyer, Rechtsbucher, 8. 29 eingeführt 
Er wollte mit ihr den Gegensatz zur „singulären*' Weichbildglosse der 
Hs. Ms. germ. fol. 631 der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin (so- 
genannte Berlin-Steinbecksche Handschrift; Homeyer, Nr. 47) hervor- 
heben. 

4) Die Literatur fiber Nikolaus Wurm verzeichnet Steffenhagen, 
W8B. 98, 8.51 Note 1; siehe außerdem: Jecht, Über die in Görlitz 
vorhandenen Handschriften des Sachsenspiegels und verwandter Rechts- 
quellen, 8. [236] 14 und [252 f.] 30 f.; Conrad Borchling, Ober zwei 
Rechtshandschriften im Archive der Stadt Schwiebus Sav.ZRG. 27 
(1906), S. 326 ff. — Die spärliche Literatur über die Wurmsche Be- 
arbeitung der Weichbildglosse verzeichnet Stobbe, Geschichte der 
deutschen Rechtsquellen, 1, S. 411 Note 36. Siehe insbesondere oben 
S. 85* f. Anmerkung 9 und 15; darnach ist nunmehr die Vermutung bei 
Homeyer, Der Richtsteig Landrechts nebst Cautela und Pr«rmis; 
Berlin 1857, 8. 356 richtigzustellen; vgl. noch Boehlau, Nove con- 
stitutiones domini Aiberti, S. XXIV Note 6. 

5) Solche stellen die »singulare* (Tafel 6 Nr. 2) und die Stendaler (Tafel 6 
Nr. 4) Weichbildglosse dar; über sie die oben 8. 79* Anmerkung 3 an- 
geführten Arbeiten. 



88* II. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

glosse soll die Aufmerksamkeit gelten. Die Texte, die sie Ober- 
liefern, zerfallen in zwei Klassen, von denen ich die erste, kürzere 
als ursprängliche Form, die zweite, längere als vermehrte 
Form der Weichbildglosse bezeichne. Die ursprüngliche Form 
findet sich neunmal, und zwar in den Handschriften Nr. 1, 3, 6, 
.7, 8, 10, 14, 15, 16; die vermehrte Form steht handschriftlich 
in den Nummern 5, 11, 12, 13, 17, also fünfmal, gedruckt er- 
scheint sie im Baseler Primärdrucke, sowie in den Augsburger 
Ausgaben des Weichbildes. Diese zweite, vermehrte Rezension 
ist dadurch leicht kenntlich, daß auf den ursprünglichen Glossen- 
text zum Weichbilde nach dem Judeneide und kürzeren Privileg 
Kaiser Ottos noch ein längerer Glossenzusatz folgt. Es ist eine 
„Erweiterung der (ursprünglichen) Glosse zu Sachsenspiegel, 
Landrecht II 24"^^). Dieser Zusatz stellt unzweifelhaft eine 
spätere Vermehrung der ursprünglichen Weichbildglosse dar, 
keineswegs darf die als ursprüngliche Form bezeichnete Gestalt 
etwa als Abkürzung der vermehrten Form der Weichbildglosse 
betrachtet werden. Die Richtigkeit dieser Behauptung erhellt 
aus folgendem: 1. Die noch dem 14. Jahrhundert entstammenden 
glossierten Weichbildhgndschriften weisen den Glossenzusatz 
nicht auf. 2. Das kleinere Privileg Kaiser Ottos bildet einen 
natürlichen und in den Handschriften wie in den Drucken aus- 
nahmslos den regelmäßigen Abschluß des glossierten Weich- 
bildwerkes. 3. In einigen Handschriften der vermehrten Weich- 
bildglosse stehen am Ende des Ottonischen Privilegs noch 

1) Sie ist bisher unbeachtet geblieben, namentlich auch von Steffen- 
hagen in seinen Untersuchungen über die Entwicklung der Land- 
rechtsglosse des Sachsenspiegels nicht bebandelt worden. Homeyer 
allein hat diese erweiterte Glosse zu Sachsenspiegel, Landrecht II 24 
als solche nur in zwei Fällen, nämlich Rechtsbücher, Nr. 402 und 627 
richtig erkannt und mit dem im Text gebrauchten Namen bezeichnet, 
in den übrigen Handschriften hat er den Glossenzusatz nicht beachtet. 
Die unzutreffende Angabe bei Homeyer, RechtsbQcher, Nr. 383: 
„Magdeburger Schöffenspruche** statt: „Erweiterte Glosse zu Sachsen- 
spiegel, Landrecht II 24** geht zweifellos auf Aemilius Naumann, 
Catalogus librorum manuscriptorum, qui in bibliotheca senatoria civi- 
tatis Lipsiensis asservantur; Grimae 1838, Nr. CCCIV, Rep. IV foL 1 
zurück. Auf ein ähnliches naheliegendes Versehen wurde bereits oben 
S. 85* Anmerkung 5 a. E. hingewiesen. 



4. Quellen. 80* 

ausdrucklich die Worte: ,Et sie est finis hujus operis^'^). 4. Zwi- 
schen der Weichbildglosse und der erweiterten Glosse zu 
Ssp. Ldr. II 24 finden sich in einer Handschrift aus dem Cor- 
pus juris canonici ausgezogene Rechtsregeln eingeschaltet^). 
5. Die angehängte Glosse zu Ssp. Ldr. 1124 in erweiterter Ge- 
stalt steht mit dem Weichbild in keinem organischen Zusammen- 
hange. Wodurch ihre Angliederung an die Weichbildglosse 
veranlaßt worden ist, ließ sich nicht ermitteln. Vielleicht be- 
ruht die Anfügung auf bloßem Zufall. Tatsache ist, daß dieser 
Zusatz mit der Weichbildglosse in ständigem Zusammenhang 
geblieben ist, in sämtliche Drucke Aufnahme gefunden hat und 
in späterer Zeit sogar in noch engere Verbindung zum Glossen- 
text gebracht wurde. Die meisten Stücke^ieses Glossenzusatzes 
sind nämlich, durch die Bezeichnung: „Additio ex antiquis'' 
am Anfang und durch die Bemerkung: «Finis additionis* am 
Ende kenntlich, zum ersten Male in der ältesten Zobelschen 
Ausgabe des Sächsischen Weichbildes aus dem Jahre 1537 
dem Texte der Weichbildglos^e in der Gestalt von Interpola- 
tionen eingefügt worden^). In allen späteren noch dem 16. Jahr- 

1) Hs. 1068 der Universitätsbibliothek Leipzig: Et sie est finis. — Hs. 
Rep. IV fol. 1 der Stadtbibliothek Leipzig: Et sie est finis hujus operis 
scilicet wigchwilde[!]; daselbst steht am Ende des Glossenzusatzes noch- 
mals: Et sie est finis hujus operis. -- Hs. Kl. VIII Fol. 33 der Gymnasial- 
bibliothek zu Freiberg i. Sa.: 

Also hat dis buch ein ende, 

Got uns von allem bösen wende 

Und uns in das frone paradeis frolichin sende. 

In dem namen des vaters und des sones und des heiligen geistes. 

Amen. 

2) Hs. 1088 der Universititsbibliotbek Leipzig, Bl. 417b; sie stehen gleich- 
lautend auch am Ende der ursprunglichen Form der Weichbildglosse 
in der Hs, 964 fol. der Universitätsbibliothek Gießen. 

3) Vgl. den Hinweis auf die „nützlichen Addiciones** im Titel dieser Aus- 
gabe. In Zobels Vorrede werden sie jedoch mit keinem Wort erwähnt; 
oben S. 81* Anmerkung 1. — Im ganzen sind in den Text der Weichbild- 
glosse fünf Additionen eingeschaltet: 

zu Art. 20 S 1 auf B1.32* — 33b; 
zu Art. 20 S 2 auf Bl. 33b— 35b; 
zu Art. 26 auf Bl. 46 b und 48 •; 
'zu Art. 29 auf Bl. 54 b. 

Nur die ersten zwei Additionen, sowie die letzte entstammen der er- 
weiterten Glosse zu Sachsenspiegel, Landrecht II 24. 



90* II. Die Leipziger Schöffensprucbsamtnlung. 

hundert entstammenden Ausgaben des Weichbildes kehren diese 
interpolierten Additionen in der gleichen Fassung wieder^). 

Für die Feststellung des Verhältnisses der Leipziger Schöifen- 
spruchsammlung zur vermehrten Form der Weichbildglosse ist 
nun vor allem zu beachten, daß die Niederschrift der Hs. Dres- 
den M 20 spätestens in das Jahr 1524 fallen kann. Dadurch 
erscheint die Möglichkeit gegeben, daß die Leipziger Schöifen- 
spruchsammlung ihre mit der vermehrten Weichbildglosse 
übereinstimmenden Bestandteile bereits aus einem der älteren 
Drucke geschöpft haben könnte. Die Benutzung der interpolier- 
ten Form der Weichbildglosse in der gedruckten Gestalt ist 
aber von vornherein ausgeschlossen. Daß jedoch auch die Ent- 
lehnung aus einem dOr älteren Weichbilddrucke unwahrschein- 
lich ist, ergibt sich aus der Vergleichung der Texte. Denn die 
Exzerpte aus dem Glossenzusatz weisen in Hs. Dresden M 20 
von den Drucken verschiedene Lesarten auf, obzwar die Texte 
einander sonst im allgemeinen nahestehen^). Die unmittelbare 
Quelle der Leipziger Schöffenspruchsammlung kann somit nur 
eine Handschrift der vermehrten Weichbildglosse gebildet 
haben. Einen sicheren und schönen Beweis hierfür liefert ein 
Lesefehler, welcher dem Schreiber der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung in Hs. Dresden M 20 unterlaufen ist. Er hat näm- 
lich die in dem Zusatz zur Weichbildglosse vorkommenden 
Namen Ticius und Menius, welche in den älteren Drucken 
Titius und Meus lauten, ständig als Cicius und Nemus gelesen 
und auch so geschrieben^), was bei einer gedruckten Vorlage 
nicht möglich gewesen wäre und vollends bei einem der er- 
wähnten Weichbilddrucke ausgeschlossen ist. Denn sie sind 

1) So insbesondere auch in der von Grupen bei Spangen berg, a. a. O., 
S. 61, Nr. 4 verzeichneten und von Spangen berg daselbst S. 65 f. 
Note ****) genau beschriebenen Ausgabe: Sechsiscb Weichbild und 
Lehenrecht. Mit Keiserlicher Majestet Gnaden Freiheit und Privilegfo 
1547; ohne Angabe des Ortes, Druckers und Herausgebers. Sie ist, 
nach dem Druciierzeichen zu schließen, in Leipzig erschienen; Drucker 
Nicolaus Wolrab; Herausgeber Wolff Loß. 

2) Vgl. z. B. Nr. 162. 198. 199. 200. 253. 255 der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung und die Anmerkungen daselbst. 

3) Vgl. Leipziger Schöffenspruchsammlung, Nr. 195 Anmerkung 1 und 
Nr. 256 Anmerkung 1 und 5. 



4. Quellen. 91* 

insgesamt mit außergewöhnlich schönen und deutlichen Typen 
gedruckt. Allerdings ist es nicht gelungen, aus dem Bestände 
der erhaltenen GlossenhandschriFten des Sächsischen Weich- 
bildes jenen Kodex zu ermitteln, der dem Schreiber der 
Leipziger Schöifenspruchsammlung als unmittelbare Vorlage 
gedient haben könnte. Denn die gegenüber dem Texte der 
älteren Drucke selbständigen Lesarten, welche in den dem 
Glossenzusatz entstammenden Exzerpten in Hs. Dresden M 20 
zutage treten, sind in keiner Handschrift der vermehrten Form 
der Weichbildglosse anzutreffen und stimmen auch mit dem 
Wortlaute der Additionen in den Zobelschen^) und Loßschen 
Ausgaben nicht überein. Nur das läßt sich aus der festgestellten 
Verwandtschaft des Textes der Glossenexzerpte in Hs. Dresden 
M 20 mit der Textgestaltung des Glossenzusatzes im Baseler 
Primärdrucke des Weichbildes vermuten, daß beide Oberliefe- 
rungen auf die gleiche handschriftliche Textfassung als gemein- 
schaftliche Quelle zurückgehen können^). Demgegenüber steht 
der Wortlaut der nicht dem Glossenzusatze, sondern der ur- 
sprünglichen Form der Weichbildglosse entnommenen Bestand- 
teile der Leipziger Schöifenspruchsammlung in sämtlichen 
Stücken der vulgaten Oberlieferung der Glossenhandschriften 
sehr nahe. 

Eine Schöifenspruchsammlung muß noch zur Vergleichung 
herangezogen werden. Es ist die zweite in der Hs. Dresden 
M 34^ enthaltene Sammlung, welche, wie früher dargetan worden 
ist 3), zu Hs. Dresden M 20 in einem doppelten Verwandtschafts- 
verhältnis steht. Diese Schöifenspruchsammlung zählt nämlich, 
was ihrem Herausgeber entgangen ist^), eine Reihe von Ex- 

1) Das Verhältnis der ersten Zobelschen Ausgabe* der Weichbildglosse 
zur vulgaten Textuberlieferung in den Glossenhandschriften charakteri- 
siert sich in ihnlicher Welse wie das Verhältnis der Landrechtsglosse 
des Sachsenspiegels in den Zobelschen Drucken zu den älteren Hand- 
schriften; vgl. Steffenbagen, WSB. 110, (1885, V. Die Bocksdorfschen 
Additionen), S. 239. Der Zobel sehe Text modernisiert die Sprache und 
trägt Spuren einer teils kurzenden oder ändernden, teils mit Zutaten 
verbrämten Überarbeitung. 

2) Vgl. auch unten S. 09* f. Anmerkung 3. 

3) Oben S. 52* ff. und 03* ff. 

4) Wasserscbleben hat in seiner Sammlung deutscher Rechtsquellen, I.; 



92^ 



II. Die Leipziger SchöfPenspruchsammlung. 



zerpten aus der Weichbildglosse zu ihren Bestandteilen^). Sämt- 
liche Stücke entstammen der ursprünglichen kürzeren Form der 
Weichbildglosse, die erweiterte Glosse zu Ssp. Ldr. II 24 ist in 
Hs. Dresden M 34^ mit Exzerpten nicht vertreten. Nicht alle 
in Hs. Dresden M 34 1' enthaltenen Glossenexzerpte kehren in 
Hs. Dresden M 20 wieder^). Andererseits haben in die Leipziger 
Schöffenspruchsammlung aus der Weichbildglosse Exzerpte Auf- 
nahme gefunden, welche in Hs. Dresden M 34^ nicht vorkommen 5). 
Die Vergleichung des Wortlautes der Hs. Dresden M 20 und 
Hs. Dresden M 34** gemeinschaftlichen Glossenexzerpte*) ergibt 
nun folgendes: Die Textfassung in Hs. Dresden M 34^ steht, wie 
die in Hs. Dresden M 20, der vulgaten Überlieferung der ge- 
wöhnlichen Form der Weichbildglosse im allgemeinen sehr nahe^). 



Gießen 1860, auf S. XXI zwar die in den Schöffensprüchen vorkommen- 
den fremdrechtlichen Zitate zusammengestellt; er hat aber nicht er- 
kannty daß die hier zu betrachtenden Stücke der Weichbildglosse ent- 
stammen. 

1) Siehe auch zu den folgenden Ausführungen des Textes Tafel 5. 

2) Die bei Wasserschieben» Rechtsquellen, IV. als Kap. 145, 147 und 
148 aus Hs. Dresden M 34^ abgedruckten Stücke finden sich in Hs. 
Dresden M 20 nicht. 

3) Es sind außer den Exzerpten aus der erweiterten Glosse zu Ssp. Ldr. II 24 
folgende Nummern der Leipziger Schöffenspruchsammlung: 138—140. 
152—154. 335. 

4) Vgl. auch oben S. 63* f. 

5) Da in der Ausgabe der Leipziger Schöffenspruchsammlung keines der 
gemeinschaftlichen Stücke zum Abdruck gelangt ist, folgen hier zwei 
Textproben aus beiden Handschriften, die miteinander und dem ent- 
sprechenden Texte aus der gewöhnlichen Form der Weichbildglosse 
verglichen werden. 

Leipziger Schöffen- Weichbildglosse Zweite Schöffen- 

spruchsammlupg. zu Artikel 22. Spruchsammlung 

Hs. Dresden M 20. > der Hs. Dresden M 34^ 

Bl. 203»; Wassersch- 
ieben, Rechtsquellen, IV., 
Kap. 149. 

Von morgengabe, die vor 

andern schulden gemacht 

Wirt. 

Hiruf spreche wir etc.: 
Die fraue mit ir morgen- 



Nr. 148. 
Von morgengabe. 



von Daniels, Sp. 275 
Zeile 28. 



Hierauf sprechen wir 
ein recht: Die frau ist mit 



Hiruf sprechen wir ein 
recht: Die fraue ist mit 



4. Quellen. 



93' 



Hs. Dresden M 34*^ weicht jedoch von Hs. Dresden M 20 und 
der gewöhnlichen Form der Weichbildglosse nicht allein nur 
unbedeutend in Lesarten ab, sondern zeigt stellenweise auch 



irer morgeogabe neher 
vor allen schulden^ die 
ir man auf den gutern 
gemacht hat nach der 
morgengabe, wan sie nie- 
mand daran gehindern 
nag. Von rechtes wegen. 
Versigilt. 



Nr. 140. 

Ap das weih mitgelubde 
vor schult, die ir man 
porgte auf das gute, auf 
dem sie het sten ir mor- 
gengabe. 
Hirauf sprechen wir 
ein recht: Als die frau 
die schulde höret und sie 
mit ires selbst munde 
frolichen Sprech „leb ge- 
lobe'' und zu der zeit 
keinerlei gezwang rate, 
weder mit werten, noch 
mit werken; und hat ir 
man anders keine guter, 
do sie die schult [auf- 
weisen möge: So mag die 
fraue der schult] und der 
bezalung nicht übrig ge- 
sein. Von rechtes wegen. 
Versigilt mit unserm in- 
sigil. 



irer morgengabe unde mit 
irer bewisunge nehir vor 
allen schulden, die ir 
man uf den gutem ge- 
macht hat nach der mor- 
gengabe, wenne sie je- 
mand dorane gehindern 
möge. Von rechtis wegen ; 
ut in auth. de aequalitate 
dotis c. aliud, coli. VII.; 
[Nov. Ö7 c. 2.]. 



von Daniels, Sp. 276 
Zeile 12. 



Hiruf spreche wir ein 
recht: Also die fraue die 
schult horte und sie mit 
irer seibist munde fro- 
lichen sprach: „Ich labe** 
und zu der zit keinerlei 
getwang rurte, weder mit 
Worten, noch mit werken; 
unde hot ir man anders 
keine gutere, do sie die 
schult ufwisen möge: So 
mag die fraue der schult 
unde der bezalunge nicht 
oberig gesien. Von recb- 
tis wegen; ut J. [3, 16] 
de verborum obligatio- 
nibus pr. verbis obli- 
gatip. 



gäbe und mit ir bewei- 
sunge ist nehir vor allen 
schulden, die ir man uf 
den gutern gemacht hat 
noch der morgengabe, 
wenne sie jemant doran 
gehindern möge. Hette 
aber der man schult ge- 
macht uf die seibin guter 
ehir,* wenne ir die mor- 
gengabe vorschrebin was, 
zu warten uf den seibin 
gutern, die schult ginge 
vor die morgengabe und 
dornoch die fraue mit ir 
schult. Von rechtis wegen. 

Bh204>; Wassersch- 
ieben, IV., Kap. 150. 

Von morgengabe gutes 

und der man doruf bur- 

gete und die fraue mit 

globite. 

Hiruf spreche wir ein 
recht: Als die fraue die 
schult horte und mit eres 
selbis munde frolichen 
sprach : »Ich globe** und 
zu der ziet keinen ge- 
twang rurte, wedir mit 
Worten, noch mit werkin; 
und hat ir man andirs 
keine gutir do sie die 
schult uf weisin möge: 
So mag die fraue der 
globde und der bezalunge 
nicht oberig gesein. Von 
des rechten wegen. 



94* II* I)'^ Leipziger Schöffenspnichsammlung. 

größere Ausführlichkeit im Wortlaute i). In anderen Fällen wieder 
ist aber Hs. Dresden M 20 ausführlicher^). So enthält denn 
jede der beiden Schöffenspruchsammlungen Stücke, welche der 
anderen fehlen. Wenn man die bereits erwiesene Verwandt- 
schaft beider Handschriften dabei in Rechnung stellen und 
aus dem verhältnismäßig geringen Vergleichungsmateriale einen 
Schluß ziehen darf, so wäre es der, daß Hs. Dresden M 34^ und 
Hs. Dresden M 20 auch bezüglich der hier betrachteten Bestand- 
teile von einer gemeinschaftlichen Quelle abstammen. Allein 
wegen der großen handschriftlichen Verbreitung der gewöhn- 
lichen Form der Weichbildglosse ist trotz der starken Beweis- 
kraft der angeführtem Argumente hier besondere Vorsicht und 
Zurückhaltung in den Schlußfolgerungen am Platze. Denn es 
wäre nicht ausgeschlossen, daß Hs. Dresden M 34^ aus einer 
anderen, vielleicht älteren Glossenhandschrift geschöpft haben 
könnte als Hs. Dresden M 20; beziehungsweise könnten Kür- 
zungen vorgenommen sein, wenn beide Handschriften dennoch 
eine gemeinschaftliche Quelle benutzt haben sollten. Wie immer 
dem auch sein mag, aus der Tatsache, daß in den Glossen- 
exzerpten der Hs. Dresden M 34^ auch die fremdrechtlichen 
Zitate des Glossentextes an verschiedenen Stellen beibehalten 
sind^), folgt mit unbedingter Sicherheit, daß die ursprüngliche 
Quelle, auf welche Hs. Dresden M 34*^ mit den hier in Betracht 
kommenden Bestandteilen zurückgeht, eine anscheinend ältere 

1) So weist die Entscheidung bei Wassersch leben, Rechtsquellen, IV., 
Kap. 149 am Ende einen Zusatz auf, der in der entsprechenden Nr. 148 
der Leipziger Schoffenspruchsammlung, ebenso auch in der ursprüng- 
lichen und vermehrten Form der Weichbildglosse bei v. Daniels und 
bei Zobel fehlt; vgl. oben S. 92*f. AnmerltungS. Ebenso Wassersch- 
leben, IV., Kap. 153 gegenüber Nr. 150 der Leipziger Schöffenspruch- 
Sammlung. 

2) Die Entscheidung Nr. 149 der Leipziger Schöffenspruchsammlung schließt 
mit den bei Wasserscbleben, IV., Kap. 150 und ebenso im Glossen- 
text fehlenden Worten: Versigilt mit unserm insigil. In Nr. 343 der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung findet sich in Übereinstimmung mit 
dem Glossentext ein bei Wasserschieben, IV., Kap. 144 fehlender 
Zusatz. 

3) Z. B. Wasser seh leben, Rechtsquellen, IV., Kap. 145,153.— Hs. Dresden 
M 20 hat dagegen die fremdrechtlichen Zitate aus der Weich bildglosse 
nicht übernommen; vgl. z. B. Nr. 150. 



4. Quellen. 95* 

Glossenhandschrift und nicht etwa eine ältere Schöffen- 
spruchsammlung gewesen ist. Wenn auch, was allenfalls im 
Bereiche der Möglichkeit liegen könnte, Hs. Dresden M 341^ viel- 
leicht unmittelbar aus einer älteren Schöffenspruchsammlung 
geschöpft haben sollte i), so steht es wegen der fremdrechtlichen 
Zitate dennoch fest, daß diese ihrerseits auf eine Glossen- 
handschrift zurückgeht. Durch diesen einwandfreien Nachweis, 
daß die Schöffenspruchsammlung in Hs. Dresden M 34^ ihre 
Glossenexzerpte unmittelbar oder mittelbar nur aus einer 
Glossenhandschrift geschöpft haben kann, werden alle Ver- 
mutungen hinfallig, die man an die stellenweise vollständi- 
gere Textfassung in Hs. Dresden M 34^ für die Entwicklungs- 
geschichte der Weichbildglosse, insbesondere ihrer in der Form 
von Schöffensprüchen erscheinenden Bestandteile, etwa knüpfen 
könnte. 

Die kritische Untersuchung und Vergleichung der Glossen- 
exzerpte und Glossentexte hat die jüngere Entwicklung der 
Weichbildglosse aufzudecken vermocht. Sie hat sich dagegen 
nicht in gleichem Maße für die Erkenntnis der älteren Geschichte 
der Textentwicklung der Weichbildglosse fruchtbar erwiesen. 
Immerhin eröffnet sich auf Grund dieser Betrachtungen ein 
etwas klarerer, wenn auch noch nicht völlig nebelfreier Aus- 
blick auf eine Quelle der Weichbildglosse. Emil Steffenhagen 
hat sich veranlaßt gesehen, die Vermutung auszusprechen, daß 
in der singulären Weichbildglosse (der Berlin -Steinbeckschen 
Handschrift), welche ihre Ausführungen nicht selten in die Form 
von Schöffensprüchen kleidet, „echte Magdeburger Schöffen- 
Sprüche^ verarbeitet seien 2). Diese Ansicht ist durch die geo- 

1) Nach dem oben S. 64* Ausgeführten könnte etwa das Original zu Ha. 
Leipzig 945, in weiterer Linie dann eventuell das Original zu Hs. Dresden 
M 20 in Betracht kommen. Gegen diese Filiation spricht jedoch die 
Tatsache, daß in Hs. Leipzig 953, einer Schwesterhandschrift der 
Hs. Dresden M 34t>, gerade die der Weichbildglosse entstammenden 
Bestandteile fehlen; vgl. oben S. 65* Anmerkung 1. 

2) Steffenhagen, WSB. 98 (1881), S. 76 Note 3. Über die Verwertung der 
Magdeburger Spruchpraxis in der Stendaler Weichbildglosse Steffen- 
hagen, WSB. 100 (1882), S. 903ff. — Schon Homeyer hatte gelegent- 
lich in den Jahrbfichern für wissenschaftliche Kritik, Jahrgang 1828, 



06* IL Die Leipziger SchOfrenspruchsammlung. 

graphischen und chronologischen Daten veranlaßt und begründet^ 
welche in dieser Form der Weichbildglosse vorkommen und 
von der unmittelbaren Benutzung von Magdeburger Spruch- 
originalen zeugen können^). Ich vermag diese Hypothese durch 
die Beibringung einer Reihe weiterer Argumente, und zwar nicht 
nur für die singulare, sondern auch für die gewöhnliche Form 
der Weichbildglosse ^) zu stützen. Dafür spricht zunächst schon 
die Tatsache, daß nicht nur die singulare Weichbildglosse, die 
ja einen Magdeburger Schöffen zum Verfasser hat^), sondern 

IL Band; Stuttgart und Tübingen 1828, Spalte 561 und Note *) bemerkt: 
„, . . bemerken wir, daß dergleichen [nimlich Magdeburger Spruche] 
auch in die Glosse des Sächsischen Weichbilds, sowie i)i die berühmte 
Görlitzer Glosse des Sachsenspiegels verwebt sind. Doch lasse man 
sich hier durch die Form nicht täuschen. Diese Glossenrezension 
sucht nämlich der Glossa vulgata dadurch, wie es scheint, mehr Ein- 
gang zu verschaffen, daß sie sie in die Form von Rechts bei eh rungen 
eines Schöffenstuhls kleidet. Neben diesen scheinbaren kommen jedoch 
auch wirkliche von den Magdeburger Schöffen erteilte Sprüche vor.'' — 
Für die Glossenbearbeitungen des Nikolaus Wurm und dessen Blume 
von Magdeburg, ebenso für die interpolierte Sachsenspiegelglosse der 
Berlin-Stein beckschen Handschrift wird die Frage nach der quellen- 
mäßigen Benutzung von Magdeburger Schöffensprüchen unter Anfüh- 
rung gewichtiger Gründe allgemein verneint; vgL Hugo Boehlau, Die 
Blume von Magdeburg; Weimar 1868, S. 16ff.; Steffenhagen, WSB. 
98, S. 76. 

1) Jedoch sind die von Steffenhagen, WSB. 98, S.76 Note 3 mitgeteilten 
Datierungen den als Quelle benutzten Magdeburger Schöffensprüchen 
nicht ohne Änderung entnommen, vielmehr ist an ihnen eine be- 
arbeitende Tätigkeit nicht zu verkennen. In den erwähnten Angaben 
sind nämlich das Datum und die Adresse der Spruchoriginale zu- 
sammengezogen. In das Datum ist auch die Ortsangabe „zu Magde- 
burg** eingeschaltet („Gebin zcu meideburg in dem achtin tage nach 
unser frauen lichtwyunge Den erwarn Schepfen zcu halle*'). Dieser 
Vorgang ist aber bei der Ausfertigung der Magdeburger Spruchoriginale 
nicht üblich gewesen; denn man pflegte sie mit „Schöffen zu Magdeburg* 
zu überschreiben oder zu unterschreiben, so daß schon hieraus der 
Ausstellungsort der Sprüche ersichtlich war und eine Wiederholung 
dieser Angabe nicht notwendig erschien. Vgl. z. B. die Datumangaben 
in den Magdeburger Schöffensprüchen bei Behrend, Ein Stendaler Ur- 
teilsbuch aus dem vierzehnten Jahrhundert; Berlin 1868. 

2) In dieser kommen außer den aus Tafel 5 (oben S. 82**) ersichtlichen 
noch zu Art. 23, 38, 41, 57, 68 Stücke in der Form von Schöffen- 
sprüchen vor. 

3) Steffenhagen, WSB. 98, S. 78. 



4. Quellen, 97* 

auch die gewöhnliche Form der Weichbildglosse in ihrer ur- 
sprünglichen Gestalt im 14. Jahrhundert zu Magdeburg selbst 
entstanden ist^). Wenn femer in der singulären Weichbild- 
glosse und in einer allerdings wahrscheinlich vom selben Ver- 
fasserstammenden Interpolation zur Landrechtsglosse des Sachsen- 
spiegels Rechtsfalle mit verschiedenen Ausführungen erörtert, 
jedoch durch wörtlich übereinstimmend formulierte Entschei- 
dungen erledigt werden ^X ^^ könnte man wohl auch an die 
Benutzung einer und derselben Originalquelle, nämlich von 
SchöflPenspruchoriginalen als Vorlage denken, wenn auch eine 
Entlehnung aus dem von beiden Glossenwerken zuerst verfaßten 
Dicht ausgeschlossen erscheint Ferner wurden einige Bestand- 
teile der Leipziger Schöifenspruchsammlung, in denen später Ex- 
zerpte aus der Weichbildglosse erkannt worden sind, schon vor 
dieser Feststellung aus den in ihnen zum Ausdruck gelangten 
Rechtssätzen als Entscheidungen der Magdeburger Schöffen be- 
stimmt^). Vielleicht darf man endlich aus dem Umstände, daß 
gerade solche Glossenstücke, die möglicherweise selbst auf 
Magdeburger SchöfFensprüche zurückgehen, wiederum in Schöifen- 
spruchsammlungen Eingang gefunden haben, vermuten, daß 
nicht in allen Fällen die Aufnahme in diese auf bloßem Zufall 
beruht Möglicherweise hat der oder jener Kompilator die Stücke 
noch als SchöfFensprüche empfunden oder erkannt und deshalb 
seiner SchöfFenspruchsammlung einverleibt Jedenfalls sind sie 
seit jeher für solche gehalten worden. Ist auch keines dieser 
Argumente, wie ohne Bedenken zuzugeben ist, so stark, um die 
Vermutung, daß der Weichbildglosse in der Tat wirkliche Magde- 
burger SchöfFensprüche als Quelle gedient haben, zur Sicherheit 

1) von Marti tz, Das eheliche Güterrecht des Sachsenspiegels und der 
verwandten Rechtsquellen, 8.61 f. und Noten 15, 16; zu den daselbst in 
Note 16 angeführten Stellen aus der Weichbildglosse, welche die Ent- 
stehung in Magdeburg belegen, vgl. noch folgende in der Glosse zu 
Art. 28 (von Daniels, Das sächsische Weichbildrecht, Spalte 321 
Zeile 20): Ir sollet wissin: nach unserm Meideburgischen rechte so 
sien ezliche sachen, die do wertliche lute zu geistlichem gerichte rügen 
mussin. 

2) Vgl. die bei Steffenhagen,' WSB. 98, 8.70 und Note 1, sowie 8.75 
und Note 1 abgedruckten Entscheidungen. 

3) Nr. 148—151. 343. 

G. KIsch, Lelpziaer Scböffentprucbtammiung. VII 



08* II. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

ZU erheben, so erhöhen sie in ihrer Gesamtheit doch die Wahr- 
scheinlichkeit dieser Annahme. Einen durchschlagenden Beweis 
könnte freilich nur die Auffindung eines jener in der Weich- 
bildglosse verarbeiteten SchöfFensprüche in ursprünglicher Ge- 
stalt liefern, gleichgültig ob es gelänge, ein Spruchoriginal ans 
Tageslicht zu ziehen oder bloß eine Abschrift in einer älteren 
Schöffenspruchsammlung festzustellen. 

Noch is.t des Zusatzes zur Weichbildglosse, der erweiterten 
Glosse zu Ssp. Ldr. II 24 zu gedenken. Wer ihren Wortlaut 
aufmerksam liest, dürfte kaum auf den Gedanken kommen, 
daß hier die Überlieferung wirklicher Magdeburger SchöfFen- 
sprüche oder auch nur eine Bearbeitung von solchen vorliegen 
könnet). Vielmehr zeigt eine nähere Betrachtung unzweideutig, 
daß der Glossator seine stark romanistischen Lehren bloß in 
die Form von Schöffensprüchen gekleidet hat. Schon die 
Art, mit der er selbst die angeblichen SchöfFensprüche kenn- 
zeichnet, läßt keinen Zweifel ah der Richtigkeit dieser Fest- 
stellung übrig. Er bemerkt nämlich^): »Nota. Ihr suUet wissen^), 
alle diese artikel und orteil, die wir gerurt habin, die gefallen 

1) Auffallend sind schon die ungewöhnlichen Einleitungsformeln, wie: 
„ües sprechen wir vor recbt;^ „darauf sprechen wir ein urteil;* ,»hirzu 
sprechen wir;* «zwischen euer beider rede sprechen wir ein recht.* 

2) Die folgende Anmerkung ist in den Handschriften der vermehrten 
Weichbildglosse enthalten, z. B. in den Handschriften der Universitits- 
bibliothek Leipzig Nr. 1088, Bl. 423% Sp. 2 und Nr. 1111, EL 120b, Sp. 2, 
der Stadtbibliotbek Leipzig Rep. IV fol. 1, Bl. 257«, Sp. 2, fehlt aber in 
der Hs. Nr. 236 der Schwarzburgischen Landesbibliotbek zu Sonders- 
hausen und in sämtlichen Drucken des sächsischen Weichbildes. — 
Im ersten Z ob e Ischen Drucke werden die beiden Additionen zur 
Weichbildglosse zu Art. 20 wie folgt eingeleitet: § !• »Addicio ex 
anti[quis]. Alhir bei diesem artikel solt ir wissen, nachdem hie ge- 
saget ist von kaufen und verkaufen, so wollen wir euch etliche gemeine 
rechtsregel auf solches vorlegen, auf das ir viel vernemen mocht, das 
gemeiniglich sich in kaufen und verkaufen zutregt, alledieweil es sich 
hieher am besten schicket.* — § 2. „Addicio ex antiquis. Nachdem 
die glossa hie von vorsetzung und verpfendung redet, weliche materia 
im rechten gemein und auch zu wissen nützlich, und wiewol es etwas 
zu lang ist, jedoch soltu dichs zu wissen nicht verdrießen lassen, denn 
wir alhir viel guter fragen und aufldsung setzen wollen und auch 
mancherlei exempel^ damit du es eigentlich begreifen mögest.* 

3) In einigen Handschriften steht: Wisset. 



4. QueUeo. 99* 

nach dem Magdeburgischen rechte; ap man sie recht fordert, 
und^) also^) ftndt man sie auch in legibus C Quibus modis 
pignus tacite contrahitur^), per totum etc.* Durch diese An- 
merkung, welche einen tiefen Einblick in den Ideenkreis und in 
die Arbeitsweise des Glossators gestattet, ist auch schon die 
Eigenart des Glossen Inhaltes gekennzeichnet. Unverkennbar 
leuchtet die Tendenz hervor, das magdeburgische und das 
römische Recht zu ^konkordieren"*. Sollte es noch einer ge- 
naueren Charakterisierung bedürfen, so sagt allein der Hinweis 
auf die Verwendung von Blankettnamensformen wie Titius, 
Menius, Sejus, Sempronius bereits alles. Der Glossator zitiert in 
der erweiterten Glosse zu Ssp. Ldr. II 24 das Landrecht des 
Sachsenspiegels, die Glosse zum Landrecht, alle Teile des Cor- 
pus juris civilis; außerdem beruft er sich auf »Gottes Recht"* und 
gKaiserrecht''. Es bedarf keiner weiteren Nachforschungen oder 
umständlichen Textvergleichungen, um die Frage nach der Per- 
sönlichkeit des Glossators beantworten zu können. Denn diese 
verrät sich ohne weiteres von selbst aus der geschilderten Eigen- 
art des Glossentextes. Nur Nikolaus Wurm kann der Verfasser 
(Ueser^Erweiterung derGlosse zu Sachsenspiegel, Landrecht II 24' 
sein»). 

1) In einigen Handschriften steht: als. 

2) Cod. Just. 8, 15. , 

3) Eine Oberprüfung dieses Ergebnisses durch Einsicht und Vergleicnung 
des Wurmschen Glossentextes zu Sachsenspiegel , Landrecht II 24 ist 
erst möglich geworden, als meine Untersuchung schon abgeschlossen 
war und die Textfassung bereits formuliert vorlag. Eine Obersendung 
des Görlitzer Kodex Varia 1 nach Leipzig konnte nämlich von vornherein 
nicht in Frage kommen; auch die Benutzung seiner von Wilhelm Wakker- 
nagel gefertigten Abschrift war nicht möglich, weil die Preußische Staats- 
bibliothek zu Berlin im November 1918 die Handschriftenversendung 
nach auswirts volistindig eingestellt und noch nicht'wieder aufgenomipen 
hat. Es war daher besonders dankenswert, daß die Verwaltung der Petro- 
Paulinischen Kirchenbibliothek zu Liegnitz noch unmittelbar vor der 
Drucklegung dieser Einleitung auch den ersten Band ihrer großen 
Glossenhandschrift Nr. HHomeyer, Nr. 406) nach Leipzig übersendet 
und dadurch die endgültige Sicherung der Untersuchungsergebnisse 
möglich gemacht hat. Durch die vorstehenden Darlegungen recht- 
fertigt sich somit, daß im Texte die Darstellung des Ganges und der 
Ergebnisse der Untersuchung in ihrer ursprünglichen Fassung auch 

VII* 



100* 11- Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

Die Untersuchung hat somit nicht bloO eine weitere Quelle, 
aus der die Leipziger Schöffenspruchsammlung geschöpft hat, 
nämlich die vermehrte Form der Weichbildglosse nachgewiesen, 
sondern auch einen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der 
Weichbildglosse geliefert und den EinfluO dieses Glossenwerkes 
auf die späteren Rechtsdenkmäler an zwei beachtenswerten 
Beispielen zur Anschauung gebracht^). 

V. Leipziger Schöffenstuhlsammlungen. 

Die Untersuchung über die Leipziger SchöiFenspruchsamm- 
lung, über ihre Quellen und die Parallelsammlungen konnte 
bisher unmittelbar und ausschließlich auf zuverlässiger quellen- 
mäßiger Grundlage geführt werden; es bedurfte keiner Hypo- 
thesen und Kombinationen. Die gewonnenen Ergebnisse dürfen 

nach der möglich gewordenen Einsicht und Vergleichung der Wurm- 
schen Glosse zu Ssp. Ldr. II 24 unverändert beibehalten worden ist. 

Diese hat nun ergeben, daß die sogenannte »Erweiterung der 
Glosse zu Ssp. Ldr. II 24*^ in der Tat mit der Wurmschen Glosse zu 
diesem Artikel identisch ist. Eine unmittelbare Benutzung des Lieg- 
nitzer Kodex Nr. 1 durch Hs. Dresden M 20 oder durch den Baseler 
Primirdruck des glossierten Weichbildes halte ich für unwahrschein- 
lich; dagegen ist es möglich, daß einer dritten unbekannten Hand- 
schrift die Vermittlerrolle zueilt. Für die Entstehungsgeschichte der 
vermehrten Form der Weichbildglosse ist es von Wichtigkeit, daß die 
.Weichbildglosse weder im Görlitzer Kodex Varia 1 noch in der Lieg- 
nitzer Handschrift Nr. 1 den Wurmschen Glossenzusatz aufweist. Da 
er auch in der einzigen handschriftlichen Oberlieferung der Wurmschen 
Bearbeitung der Weichbildglosse in der Görlitzer Handschrift Varia 5 
fehlt, kann er nicht von Wurm selbst und nicht vor dem' Anfang des 
15. Jahrhunderts der ursprünglichen Form der Weichbildglosse ange- 
fügt worden sein. Von allen Werken des Nikolaus Wurm hat die 
Glosse zu Ssp. Ldr. II 24 durch ihre Verbindung mit der Weichblld- 
glosse die größte Verbreitung gefunden. 
1) Ober den Einfluß der Weichbildglosse auf andere Rechtsdenkmäler 
vgl. Steffenhagen, Deutsche Rechtsquellen in Preußen vom 13. bis 
zum 16. Jahrhundert, S. 114f., 159,206. — Ober die Einwirkung der 
Buchschen Sachsenspiegelglosse auf die späteren Rechtsdenkmäler, 
darunter auch auf eine Sammlung von Magdeburger Schöffensprfichen, 
Steffenhagen, WSB. 129 (1893; VII. Der Einfluß der Buchschen Glosse 
auf die späteren Denkmäler), S. 2 und Note 7; 131 (II. Das Berliner 
Stadtbuch), S. 1 Note 2; ferner Kafuiniacki, Die polnische Rezension 
der Magdeburger Urteile; WSB. 111, S. 121 Note 3. 



4. Quellen. 101* 

demnach als gesichert angesehen werden. Deshalb besteht auch 
die Berechtigung, mit Zuhilfenahme dieser Ergebnisse, selbst- 
verständlich ohne Entfernung von der quellenmäßigen Grund- 
lage, weiterzubauen, wo den Quellen selbst unzweifelhafte Auf- 
schlüsse spärlicher zu entnehmen sind. Dies ist der Fall, wenn 
man die Fragen aufwirft, aus welchen Quellen denn die Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung die groOe Mehrzahl der Leipziger 
Schöffensprfiche geschöpft haben mag und woher die Magde- 
burger Schöffenspruche der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
stammen mögen, deren Herl^unft noch nicht nachgewiesen worden 
ist. Denn nur für den geringeren Teil der in der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung enthaltenen Sprüche konnten die Quellen 
bisher ergründet werden. 

Zur Beantwortung der zuletzt erwähnten Frage muO es bei 
dem Hinweise darauf bewenden, daO die Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung fius mehreren verschiedenen Quellen kompiliert 
ist. Es ist wahrscheinlich, daß die erwähnten Magdeburger 
Spruche zum größten Teil aus einer oder mehreren älteren 
Schöffenspruchsammlungen in die Leipziger Sammlung über- 
gegangen sind^). Jede nähere Angabe könnte bloß eine Ver- 
mutung sein. 

Die zuerst gestellte Frage dagegen läßt sich genauer beant- 
worten. In der Leipziger Schöffenspruchsammlung überwiegen 
die Sprüche der Schöffen zu Leipzig an Zahl bei weitem die 
aller anderen Schöffenstühle'). Die Bestimmungsorte der Leip- 
ziger Sprüche sind verschieden und liegen fast über das ganze 
kursächsische Rechtsgebiet verstreut^). Ihrer Entstehung nach 
gehören die Sprüche der Schöffen zu Leipzig ganz verschiedenen 
2Seiträumen an. Alle möglichen Formen von Anfragen und Ent- 
scheidungen sind unter ihnen vertreten. Die Mannigfaltigkeit 
des Bildes, das in der Charakteristik der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung entrollt wurde, wird man schon auf den ersten 
Blick mit der erwiesenen Tatsache, daß die Leipziger Schöffen- 

1) Vgl« auch oben S. 73* und Anmerkung 3. 

2) Vgl. die Gesamtübersicht am Ende dieses Bandes, S. 639. 

3) Vgl. auch zum folgenden die Ausffihrungen oben, S. 15* f., 20* f., 27* f, 
und die Obersichten am Ende dieses Bandes. 



102* ^^' ^^^ Leipziger Schöffenspruchstmmlung. 

Spruchsammlung aus mehreren verschiedenen Quellen kompiliert 
worden ist, in ursächlichen Zusammenhang bringen wollen. 
Allein mit der bloßen Behauptung, die groOe Masse der Leip- 
ziger Schöffensprüche sei aus einer Mehrzahl verschiedener 
Sammlungen geschöpft, wäre für die Erforschung der Quellen 
der Leipziger SchöiFenspruchsammlung ein neues Ergebnis noch 
nicht gewonnen. Es handelt sich vielmehr um die genauere 
Bestimmung jener Sammlungen, welche der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung in bezug auf die meisten Leipziger Spruche 
als Quelle gedient haben. Wie früher allgemein die Wieder- 
kehr identischer Sprüche an verschiedenen Stellen der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung aus der Benutzung verschiedener Quel- 
len erklärt werden konnte^), so darf man nunmehr aus dem 
Vorkommen von Schöffensprüchen, welche denselben Rechtsfall 
betreffen und verschiedene Stadien in einem und demselben 
Rechtsstreite darstellen oder verschiedene Rechtsfragen im glei- 
chen Prozeß erledigen, an verschiedenen Stellen der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung^) auf die Gleichartigkeit der Quellen 
schließen, denen diese Sprüche entnommen sind. Ist es somit 
wahrscheinlich, daß die Leipziger Schöffensprüche aus einer 
Anzahl innerlich gleichartiger Schöffenspruchsammlungen ge- 
schöpft und in die Leipziger Schöffenspruchsammlung aufgenom- 
men worden sind, so erhebt sich sogleich die noch konkretere 
Frage, bei welcher Art von Schöffenspruchsammlungen denn 
eine solche Mannigfaltigkeit ihres Inhaltes und des Aufbaues der 
einzelnen Sprüche überhaupt denkbar und möglich ist, wie sie 
in der Charakteristik der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
zutage tritt. Auf diese Frage aber gibt es nur eine Antwort, 
die nicht zweifelhaft sein kann. Als Quellen solcher Art kommen 

1) Oben, S. 70*. 

2) Siehe das Verzeichnis der denselben Rechtsfall betreffenden Sprüche 
unter VIII a) am Ende dieses Bandes, S. 643. Von den daselbst ver- 
zeichneten Sprüchen kommen hier die Nrn. 69 und 286, sowie 245 und 
246 nicht in Betracht. Im ersten Falle handelt es sich um je einen 
Spruch der Schöffen zu Leipzig und der Schöffen zu Magdeburg in 
derselben Rechtssache; im zweiten Fall liegen Sprüche der Schöffen 
zu Magdeburg vor. Ober die Nrn. 377 — 382 siehe die folgende An- 
merkung. 



4. Quellen. 103* 

nur jene amtlichen Schöffenspruchsammlungen in ihrer histo- 
rischen Entwicklung in Betracht, welche ich als Oberhof- oder 
Schöffenstuhlsammlungen bezeichnet habe. Aus dieser Fest- 
stellung nun folgt für die Quellengeschichte der Leipziger 
Schoffenspruchsammlung: Die Leipziger SchöffensprQche dieser 
Sammlung, für welche eine andere Quelle nicht nachgewiesen 
worden ist, sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl, vielleicht 
auch insgesamt, aus mehreren Bänden der amtlichen Schöffen- 
spruchsammlungen des Leipziger Schöffenstuhles geschöpft, die 
verschiedenen Zeiträumen angehören. Für die Kompilation der 
Leipziger Schoffenspruchsammlung sind demnach die Leipziger 
Schöffenstuhlsammlungen benutzt worden^). 

Die feste quellenmäßige Grundlage, nicht minder die zwin- 
gende Logik der Schritt für Schritt langsam vordringenden 
Untersuchung bietet an sich schon volle Gewähr für die Rich- 
tigkeit des gefundenen Ergebnisses, durch das die umfangreichste 
Quelle der Leipziger Schoffenspruchsammlung erschlossen ist. 
Obzwar es somit weiterer Beweise nicht bedürfte, kann den- 
noch eine Reihe einzelner Beobachtungen angeführt werden, 
durch welche die Behauptung bekräftigt wird, daO verschiedene 
Bände der amtlichen Spruchsammlungen des Leipziger Schöffen- 
stuhles') für die Leipziger Schoffenspruchsammlung als Quelle 
gedient haben. 

1) Nunmehr kann man auch vermuten, daß die Sprüche Nr. 377—382 
(vgl. oben S. 73* Anmerkung!) aus einer amtlichen Sammlung, wohl 
der Jurlstenfakultit zu Leipzig, geschöpft sind. Sicher ist dies frei- 
lich keineswegs. Denn es könnte ebensogut auch eine Sammlung 
des Schöffenstuhis zu Leipzig in Betracht kommen. Juristenfakultät 
und Schöffenstuhi scheinen nämlich in der Zeit, der die erwähnten 
Sprfiche entstammen, zwar als getrennte Kollegien, doch bereits viel- 
fach zusammen gearbeitet zu haben. Das gegenseitige Verhältnis 
beider Kollegien in jener Zeit bedarf noch genauer Untersuchung. 
VgL vorläufig die insbesondere für die ältere Zeit vielfach unzuver- 
lässige Abhandlung von Theodor Distel, Beiträge zur älteren Ver- 
fassungsgesctiichte des Schöppenstuhls zu Leipzig Sav.ZRG. 7 (1886), 
S.95f. 
2) Ober die Fuhrung und die innere Einrichtung der amtlichen Spruch- 
sammlungen des Leipziger Schöffenstuhls wird erst gehandelt werden 
können, wenn auch seine Geschäftsordnung zur Darstellung gelangt. 
Diese wiederum kann ohne die Kenntnis des Vorgangs bei der Rechts- 



104* n. Die Leipziger Scböffensprucbsammluiif. 

Einen einwandfreien Beweis für die Entlehnung der Sprfictie 
aus den Leipziger Schöifenstuhlsammlungen könnte die Text- 
vergleicliung liefern , wenn es gelänge , mindestens eine be- 
trächtliche Anzahl von Sprüchen in den handschriftlichen Samm- 
lungen des Archivs des Leipziger Schöffenstuhles nachzuweisen. 
Von diesem ist ein großer Teil erhaltengeblieben und wird 
gegenwärtig in der Universitätsbibliothek zu Leipzig verwahrt^). 
Leider beginnt jedoch die nicht lückenlose Reihe der Bände, 
welche anfänglich Kopien der Spruchreinschriften, dann die 
Konzepte zu den Leipziger Schöifensprfichen enthalten, erst 
mit dem Jahre 1487. Die meisten älteren Bände der Leipziger 
Schöifenstuhlsammlungen sind endgültig als verloren zu betrach- 
ten. Nun entstammt aber die große Mehrzahl der Leipziger 
Schöffensprüche, welche in der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung enthalten sind, schon der Mitte und jenem Teile der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der vor dem Beginne 
der erhaltenen Leipziger Schöffenstuhlsammlungen liegt. Die 
Hoffnung, zu einzelnen Sprüchen aus der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung in den amtlichen Sammlungen die zugehörigen 
Kopien oder Konzepte aufzufinden, konnte demnach von vorn- 
herein nicht hoch gespannt werden. Nur, aber immerhin doch 
für zwei Sprüche ist es gelungen, in dem ältesten von der 
Leipziger Universitätsbibliothek verwahrten Konzeptbuche des 
Leipziger Schöffenstuhls die entsprechenden Spruchentwürfe 
aufzufinden 2). Die charakteristischen Überschriften, in denen 

holung und Rechtsfindung, mit der sie aufe innigste zusammenhängt, 
nicht verstanden werden. Ein genaues Bild von der gesamten auf die 
Rechtsprechung bezüglichen Tätigkeit beim Leipziger Schöffenstuhl und 
den sie beherrschenden Regeln zu entwerfen, muß daher einer selb- 
ständigen Darstellung vorbehalten werden. Sie soll in der Abhandlung 
„Der Oberhof Magdeburg" erfolgen. 

1) Ein Verzeichnis der erhaltenen handschriftlichen Bestände mit rechts- 
geschichtlicher Würdigung wird die Abhandlung »Der Oberhof Magde- 
burg" mitteilen. Vgl. vorläufig Adolf Stölzel, Die Entwicklung der 
gelehrten Rechtsprechung; I.Band: Der Brandenburger Schöppenstuhl ; 
Berlin 1901; S. 251. 

2) Nr. 263 und 412 der Leipziger Schöffenspruchsammlung. «~ Hier sei 
noch angemerkt, daß sich der Spruch Nr. 333 der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung in wörtlicher Obereinstimmung in der großen (ersten) 
Schöffenspruchsammlung der Handschrift C 23a des Ratsarchivs zu 



4. Quellen. 105* 

die um Rechtsbelehrung ersuchende Partei oder Behörde ge- 
nannt wird^), sind in der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
durch selbständige Oberschriften ersetzt, welche den der Ent- 
scheidung zugrunde liegenden Tatbestand kurz iLcnnzeichnen *). 
Die Sprucheinleitungsformeln der Konzepte sind weggelassen. 
In ihrem Wortlaut stimmen die Spräche vollständig Qberein. 
Nur unbedeutende Textabweichungen, darunter Lese- und 
Schreibfehler, sind zu verzeichnen, die ohne Bedenken und 
Schwierigkeit zum Teil aus der wenig sorgfaltigen Art, mit 
welcher der Abschreiber zu Werke gegangen ist, zum Teil aus 
der durch ihn erfolgten Modernisierung der Sprache erklärt 
werden können'). Die Beobachtung hat bereits zur Genüge 
gelehrt, daO sich der Abschreiber auch seinen anderen Quellen 
gegenüber in ähnlicher Weise verhalten hat. 

Nicht nur auswärtige Gerichte standen mit dem Leipziger 
Schöifenstuhl im Rechtsverkehr, sondern auch in Leipzig selbst 
pflegten sich Rat und Stadtgericht im Bedarfsfalle an die »Schöf- 
fen zu Leipzig' mit dem Ersuchen um Rechtsbelehrung zu 
wenden. So erklärt es sich, daß es Sprüche der Schöffen zu 
Leipzig gibt, die nach Leipzig selbst, nämlich an das Stadtge- 
richt oder an den Rat zu Leipzig ergangen sind^). In den er- 

Zwicktu in Sachsen (vgl. oben S. 43* f., 76* f.) vorfindet. Schwer- 
wiegende Grande, welche Ich an anderer Stelle darlegen werde, ver- 
anlassen mich zur Vermutung, daß in Hs. Zwickau C 23a eine der 
Mitte des 15. Jahrhunderts entstammende Leipziger Schöffenstuhl- 
sammlung vorliegt, die aus Ropien der Leipziger Spruchreinschriften 
besteht; der Zwickauer Kodex dQrfte dem Archiv des Leipziger Schöffen- 
Stuhles entstammen. 

1) Nr. 263: Ad requisicionem Andresen von Herdern; Nr. 412: Ad requi- 
sicionem Nickeln Zoydels zu Arneßgrun. 

2) Vgl. Nr. 263 und 412. 

3) Bemerkenswert ist, daß das im Konzept zu Nr. 263 ausgelassene Wort 
«tun", das von mir dem Sinn entsprechend in den Text eingeschaltet 
worden ist (S. 211 Zeile 4 von unten), auch im Wortlaute der Hs. Dresden 
M 20 fehlt — Daß sich am Ende beider Sprüche in der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung der Zusatz: „Versigelt" beziehungsweise » Ver- 
sigelt mit unserm insigel" findet, stellt keineswegs eine vereinzelte Er- 
scheinung dar, durch welche die Beweisführung des Textes etwa gestört 
werden könnte; vgl. z. B. oben S. 94* Anmerkung 2. 

4) Eine erschöpfende Untersuchung der Geschichte des Gerichtswesens 
in Leipzig und insbesondere des Leipziger Stadtgerichtes stellt in An- 



106* II* I^ic Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

haltenen Konzeptbüchern des Leipziger SchöfPenstuhls findet 
sich eine beträchtliche Anzahl solcher nach Leipzig gerichteter 

betracht der Spärlichkeit der Quellen für die iltere Geschichte Leipsigs 
ein überaus schwieriges Unternehmen dar. Die ilteste Zeit bebandelt 
Rudolf KGtzschke, Leipzig in der Geschichte der ostdeutschen Kolo- 
nisation In den Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs; Leipzig 
1017, 8.14. Das bei Walther Rachel, Verwaltungsorganisation und 
Ämterwesen der Stadt Leipzig bis 1627 (Leipziger Studien aus dem 
Gebiete der Geschichte; VIIL Band, 4. Heft); Leipzig 1902, der eine 
Darstellung der mittelalterlichen Entwicklung versucht hat, auf S. 16 
Note 3 erwähnte, im Leipziger Ratsarchiv, vorhandene «ziemlich be- 
trächtliche Material über das Gerichtswesen" kommt nicht in Betracht; 
denn es gehört bereits dem 18. Jahrhundert an. Dagegen wird das 
bekannte handschriftliche Quellenmaterial des Leipziger Ratsarchivs, 
namentlich die „Schöppenbücher", vollständig ausgebeutet werden 
müssen. Rachel ist es trotz einiger zutreffender Bemerkungen (S. 27 
Note 1; 8. 28 Note 2) nicht gelungen, für die Entstehungsgeschichte 
den Kernpunkt des Problems vollständig herauszuarbeiten. (Vgl. auch 
Hubert Ermisch im Neuen Archiv für sächsische Geschichte und 
Altertumskunde 24 (1903), S. 192.) Für die Erforschung der Ge- 
schichte des Leipziger Schüffenstuhls wird es notwendig sein, Rat, 
Stadtgericht und Schdffenstuhl in Leipzig auseinanderzuhalten, und es 
wird darauf ankommen, das gegenseitige Verhältnis dieser drei recht- 
sprechenden Organe in seiner Entwicklungsgeschichte möglichst klar- 
zulegen. Um diese Frage hat sich auch Distel, Beiträge zur älteren Ver- 
fassungsgeschichte des Schöppenstuhls zu Leipzig Sav.ZRG. 7 (1886), 
S. 89ff. nicht bemüht, obzwar er in Sav.ZRG. 10 (1889), 8.96 Note 4 
richtig bemerkt: «Das Leipziger Stadtgericht holte, wie jedes andere 
im Lande, seine Rechtsbelehrungen ebenfalls beim Leipziger Stuhle*; 
vgl. die Andeutungen Sav.ZRG. 7 (1886), 8.92 f., 111. Treffend da- 
gegen Stölzel, Der Brandenburger Schöppenstuhl, S. 249. Dem 
Stadtgericht blieb in Leipzig neben dem aus ihm hervorgegangenen 
Schöffenstuhl die selbständige Existenz stets gewahrt. VgL die nach 
der Neubegründung des Leipziger Schöffenstuhls durch den Kurfürsten 
August zu Sachsen im Jahre 1574 erlassene neue Schöffenordnung, ab- 
gedruckt bei Distel, Sav.ZRG. 10. (1889), S. 90. Das Leipziger Stadt- 
gericht führte seit dieser Zeit auch ein eigenes Siegel, über welches 
Distel, a. a. O., S. 90 Note 1 und S. 96 berichtet' Seine Urteile werden 
auch schon in früherer Zeit von «Richter und Scheppen des Stadt- 
gerichts zu Leipzig* gefällt. Diese Bezeichnung findet sich wiederholt 
in einem Konvolute handschriftlicher Prozeßakten aus dem Anfang des 
16. Jahrhunderts in der Hs. B 157 der Landesbibliothek zu Dresden 
(sogenanntes Juristisches Formularium Christoph Zobels"); vgl. daselbst 
Bl. 1 1—366 (166) die Akten über den vor dem Stadtgerichte zu Leipzig 
verbandelten Rechtsstreit der Witwe und Erben Kuntz Breusers gegen 
Friedrich Marstaller. 



. 4. Quellen. 107* 

Spruche der Schöffen zu Leipzig i). Wenn man daher in anderen 
SchöflPenspruchsammlungen nach Leipzig ergangene Sprüche 
der Schöffen zu Leipzig antrifft, wird man mit hoher Wahr- 
scheinlichkeit annehmen dürfen, daß diese aus den Leipziger 
SchöffSenstuhlsammlungen geschöpft sind. Es ist nämlich un- 
bekannt, ob beim Leipziger Stadtgericht Empßingersammlungen 
geführt worden sind. Wenigstens ist keine solche Sammlung 
erhaltengeblieben. In der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
finden sich nun zwei Sprüche der Schöffen zu Leipzig, die 
höchstwahrscheinlich nach Leipzig selbst ergangen sind*). 

Ferner ist als Aufbewahrungs- und Benutzungsort einer der 
übrigen Quellen, aus der die Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung geschöpft hat, nämlich des sogenannten Originals zu Hs. 
Dresden M 20, Leipzig erwiesen worden ^). Nach den bezüg- 
lichen Ausführungen liegt es sogar durchaus im Bereiche der 
Möglichkeit, daß dieser Kodex der Bibliothek des Leipziger 
Schöffenstuhls angehört hat. Auch darin darf sonach ein Wahr- 
scheinlichkeitsbeweis für die Benutzung der Leipziger Schöffen- 
stuhlsammlungen erblickt werden, daß aus anderen Quellen 
Leipzig und im besonderen die Bibliothek des Leipziger Schöf- 
fenstuhls als Entstehungsort der Leipziger Schöffenspruchsamm- 
lung erschlossen werden konnte. Ein Hinweis auf diesen darf 
wohl auch in der Tatsache erblickt werden, daß der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung Werke wie der Sachsenspiegel, die 
Weichbildglosse, eine Parallelsammlung zu den Magdeburger 
Fragen und handschriftliche Rechtsgutachten als Quellen ge- 
dient haben. 

Wenn schließlich aus unzweideutigen Äußerungen des ge- 
lehrten Verfassers des Titelregisters zur Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung gefolgert werden durfte, daß das ganze Werk 
für den Gebrauch eines juristischen Praktikers angelegt worden 
ist und ihm auch tatsächlich gedient hat^), so ist damit und 

1) Z.B. Hs. Leipzig 2275^ Bl. 46«: Ad requisicionem des rats zu Lipzclc; 
ebenso daselbst B1.51«, 85«, 95b, i54a^ 172b, 186«, 189b. 

^ Nr. 93 und 113. 

3) Oben, S. 77*; vgl. auch oben, S. 103* Anmerkung 1. 

4) Oben, S. 6^ 



108* 'I- ^1^ Leipziger SchGffenspnichsammlung. 

aus denselben Quellenstellen zugleich die Persönlichkeit ermittelt, 
auf deren Veranlassung und für deren Zwecke die Sammlung 
angefertigt worden ist. Allem Anschein nach ist dies ein 
Mitglied des Schöffenstuhls zu Leipzig gewesen. Wohl schwer- 
lich hätte im 16. Jahrhundert ein Außenstehender Zutritt zum 
Archiv des Leipziger Schöifenstuhls und Einblick in dessen 
Bestände sowie die Bewilligung ' der Bibliotheksbenutzung er- 
halten* 

Die amtlichen Sammlungen des Leipziger Schöifenstuhls 
stellen die umfangreichste und am ausgiebigsten benutzte Quelle 
der Leipziger Schöifenspruchsammlung dar. 



5. Zusammenfassung der Ergebnisse« 

Die Ergebnisse der Untersuchungen und Darlegungen Aber 
die Leipziger Schöifenspruchsammlung können in wenige Sätze 
zusammengefaßt werden. 

Die vorliegende Rechtssammlung, in der zum größten Teil 
Sprüche der Schöffen zu Leipzig enthalten sind, stellt keine 
amtliche Schöifenspruchsammlung, sondern eine Sammlung 
privaten Charakters dar. Sie ist etwa in den Jahren 1523 
bis 1524 entstanden und niedergeschrieben, die Niederschrift 
ist im Jahre 1524 selbst beendigt worden. Ihr Entstehungsort 
ist Leipzig. Der geistige Urheber der Arbeit, für dessen prak- 
tischen Gebrauch die Sammlung zusammengetragen und auf- 
gezeichnet worden ist, war ein Mitglied des Leipziger Schöifen- 
stuhles. Der Schreiber scheint weder rechtskundig, noch 
juristisch gebildet gewesen zu sein^). Die Sammlung ist aus 

1) Was für Persönlichkeiten man allgemein, selbst wenn es sich um amt- 
liche Aufträge handelte, die Anfertigung von Schöffenspruchsammlungen 
im Mittelalter anzuvertrauen pflegte, lehrt ein interessanter Fall, für 
den die Feststellung des Abschreibers gelungen ist. Die in der Hand- 
schrift Ms. germ. fol. 809 der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin 
enthaltene Schöffenspruchsammlung, in welcher nach Görlitz gelangte 
Spruchoriginale der Schöffen zu Magdeburg kopiert sind, ist zufolge 
Auftrags des Görlitzer Rates in kurzer Zeit, von Ende 1466 bis Anfang 
1467, von einem «Schfiler* in Görlitz geschrieben worden. Vgl. 
Jecht, Quellen zur Geschichte der Stadt Görlitz bis 1600; Görlitz 1909, 



5. Zusammenftissung der Ergebnisse. 109* 

mehreren verschiedenen Quellen kompiliert worden. Am aus- 
giebigsteo sind die amtlichen Sammlungen des Leipziger 
SchöffenstuhlSy die Schöffenstuhlsammlungen, benutzt. Andere 
Quellen, aus denen die Sammlung geschöpft hat, sind: Ver- 
schiedene Schöffenspruchsammlungen, insbesondere eine als 
Original zu Hs. Dresden M 20 bezeichnete Sammlung, deren 
Inhalt mit Hilfe mehrerer Parallelsammlungen mit annähernder 
Genauigkeit bestimmt werden konnte ;[ ferner eine Parallel- 
sammlung zu den Magdeburger Fragen. Außerdem hat das 
Landrecht des Sachsenspiegels, sowie die vermehrte Form der 
Weichbildglosse, deren Entwicklungsgeschichte als Nebenergebnis 
der Untersuchung klargelegt werden konnte, Verwertung ge- 
funden. Auch handschriftliche Rechtsgutachten sind herange- 
zogen worden. Es ist wahrscheinlich, daß die Niederschrift 
der Sammlung in den Archivräumen des Leipziger Schöifen- 
stuhls erfolgt ist Die zahlreichen verschiedenen Beziehungen 
der Sammlung zu Leipzig und insbesondere zum Leipziger 
Schöifeiistuhl erscheinen als ausreichende Begründung für die 
Wahl des Namens ^Leipziger Schöffenspruchsammlung'. 
Die Sammlung ist als Arbeit privaten Charakters gekenn- 
zeichnet worden. Dieser Ausdruck will richtig verstanden sein. 
Er soll nur den Gegensatz zu den beim Leipziger Schöffenstuhl 
von Amts wegen angelegten und geführten Spruchsammlungen 
betonen, aus welchen die Leipziger Schöffenspruchsammlung 
den größten Teil ihres Inhaltes geschöpft hat. Nun stellt die 
Leipziger Schöffenspruchsammlung eine Kompilation dar, welche 
auf mehreren verschiedenen Quellen, vorwiegend Schöffen- 
spruchsammlungen, beruht. Die bearbeitende Tätigkeit hat aber 
iooerhalb der bescheidenen Grenzen, in denen sie überhaupt 
wahrnehmbar ist, nicht so tief eingegriffen, daß der ursprüng- 
liche Charakter der Quellen und ihrer Bestandteile verloren- 
gegangen wäre oder auch nur eine Umgestaltung erfahren hätte. 
Den Schöifensprüchen ist durchweg ihre Form und juristische 

S. 81. Kein Wunder, daß es in dieser Sammlung, genau wie in der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung beziehungsweise im ganzen Kodex 
Hs Dresden M 20, an Lese- und Schreibfehlern, Flüchtigkeiten und 
Nachlftssigkeiten nicht mangelt. 



110* n. Die Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

Eigenart gewahrt geblieben. Wo immer sich bearbeitende Tätig- 
keit in der Leipziger Schöffenspruchsammlung kundgibt, hat 
sich diese von der Quellengrundlage nicht wesentlich entfernt 
Die Kürzungen und Änderungen betreifen nur ÄuOerllchkeiten 
des Textes. Es handelt sich nicht etwa um wissenschaftliche 
Bearbeitung) sondern bloß um sammelnde Tätigkeit. Nicht etwa 
selbständige juristische Privatarbeit ist geleistet, sondern der 
Inhalt der zusammengebrachten Quellen fast ohne Änderung 
getreu wiedergegeben worden. Die Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung ist somit kein selbständiges Erzeugnis der Rechts- 
literatur, kein „Rechtsbuch"* und keine rechtsbuchartige Privat- 
arbeit. Nur die Sammeltätigkeit, der sie ihre Entstehung ver- 
dankt, geht auf private Initiative zurück. Ihr Inhalt spiegelt 
rein und unverfälscht die zum größten Teil amtliche Quellen- 
grundlage wieder. Darin liegt der besondere Wert der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung als Quelle für die Rechts- 
geschichte. 

Im übrigen scheint mir diese Einleitung nicht der geeignete 
Ort zu sein, an welchem der hohe Wert der Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung für die verschiedenen Gebiete der rechts- 
geschichtlichen Forschung, namentlich für die Geschichte der 
sächsischen Rechtsprechung und im besonderen der einzelnen 
Rechtseinrichtungen eine ihrer Bedeutung entsprechende und 
erschöpfende Würdigung erfahren kanih Ebenso ist von ein- 
gehenden Betrachtungen oder auch nur auf Proben beschränkten 
Darlegungen über den für die Rechtsgeschichte und andere 
Wissenschaftszweige bedeutsamen oder besonders bemerkens- 
werten Inhalt der Leipziger Schöffenspruchsammlung an dieser 
Stelle zweckmäßig abzusehen^). Erschöpfende Lösung dieser 

1) In Siteren und neueren Quellenpublikationen verbreiten sich die Heraus- 
geber in den Einleitungen bald mit größerer, bald mit geringerer Aus- 
führlichkeit über den Inhalt der von ihnen bearbeiteten Quellen. Soweit 
er nicht notwendig für die Quellengeschichte herangezogen werden 
muß, möchte ich einem solchen Verfahren allgemein jede wissen- 
schaftliche Berechtigung absprechen. Denn die für jede wissenschaftliche 
Forschung zu fordernde Gründlichkeit kann nur durch Spezialunter- 
suchung und in monographischer Darstellung erreicht werden. Deshalb 
muß dieses Urteil auch für Quellenpublikationen gelten, welche vor- 



5. Zusammenrassung der Ergebnisse. 111* 

Aufgaben nach der einen wie nach der anderen Richtung ist 
Sache der Spezialforschung. Das Wort- und Sachregister will 
ihr, wenn auch nicht gerade die Wege weisen, so doch Unter- 
stützung bieten. 

Nur der Bedeutung der Leipziger Schöifenspruchsammlung 
für die Geschichte der sächsischen Rechtsquellen der Rezep- 
tionszeit soll hier ein Wort gewidmet werden. Bekanntlich sind 
die ältesten Bestände aus dem Archiv des Leipziger Schöffen- 
stuhls verloren. Erst vom Jahre 1487 an und nicht einmal in 
lückenloser Reihe sind die amtlichen Leipziger Spruchsamm- 
lungen erhaltengeblieben. Ist nun der Nachweis gelungen, 
daß der Leipziger Schöifenspruchsammlung amtliche Spruch- 
sammlungen des Leipziger Schöffenstuhls aus der Mitte des 
15. Jahrhunderts als Hauptquelle gedient haben, dann darf die 
Leipziger Schöifenspruchsammlung selbst als vollberechtigter 
und ausreichender Ersatz für die verlorenen Leipziger Schöffen- 
stuhlsammlungen dieser Zeit, aus welcher sich auch nur ver- 
einzelte Leipziger Spruchoriginale erhalten haben, betrachtet 
und wissenschaftlich verwertet werden. 

nebmlicb für rechtshistorische Zwecke veranstaltet werden, soweit sich 
ihr Inhalt nicht auf einzelne Rechtsmaterien beschränkt und also eine 
monographische Darstellung bereits im Rahmen der Einleitung ermöglicht. 
Es mag entsagungsvoll erscheinen, diese oder jene bemerkenswerte 
Beobachtung oder Schlußfolgerung in einer bescheidenen Anmerkung 
niederzulegen. Entschließt man sich jedoch nicht zu eingehender 
Kommentierungy dann wird dies der einzige Weg sein, der die Wissen- 
schaftlichkeit nicht geflihrdet. — Ähnliche Gedanken iußert Paul 
Rebme, Über StadtbQcher als Geschichtsquelle; Halle a. d. & 1913, 
S.31 und Historische Zeitschrift 115 (1916), 8.396 f. 



III. 

Die Ausgabe. 

Für die Gestaltung der vorliegenden Ausgabe der Leip- 
ziger Schöifenspruchsammlung sind die Ziele, welche sich 
das Forschungsinstitut Für Rechtsgeschichte im allgemeinen 
gesetzt hat, und die Zwecke, die es im besonderen mit der Ver- 
öffentlichung der „Quellen zur Geschichte der Rezeption* ver- 
folgt, in erster Reihe maßgebend gewesen. Wie bei der Aus- 
wahl der herauszugebenden Schöffenspruchsammlungen aus dem 
handschriftlichen Quellenmateriale, so war auch bei der Fest- 
stellung der Grundsätze für die Bearbeitung vor allem die Ab- 
sicht bestimmend, die in Angriff genommenen rechtsgeschicht- 
lichen Forschungen am zweckmäßigsten vorzubereiten und zu 
unterstützen. Vor dem daher im Vordergrunde stehenden 
Streben nach Erreichung dieses Zieles hatten alle anderen In- 
teressen zurückzutreten. Jedoch ist bei der Einrichtung der 
Ausgabe auch auf die Bedürfnisse anderer Wissenschaftszweige, 
für welche die Leipziger Schöifenspruchsammlung Bedeutung 
besitzt, Bedacht genommen worden, soweit dies ohne Hint- 
ansetzung der Rechtsgeschichte möglich gewesen ist 

Während bei der Veröffentlichung von Schöffenspruch- 
originalen für den Herausgeber volle Freiheit besteht, die Aus- 
wahl und Anordnung des Stoffes dem Publikationszwecke an- 
zupassen, ist bei einer ein geschlossenes Ganzes darstellenden 
Sammlung von Schöffensprüchen der Gestaltungskraft des Be- 
arbeiters keine so freie Betätigungsmöglichkeit gelassen. Mag 
.die getroffene Auswahl der Schöffenspruchsammlung noch 
so glücklich gewesen sein, mag sich die zur Herausgabe be- 
stimmte Sammlung also für den ins Auge gefaßten Zweck im 



in. Die Atisfabe. 113* 

allgemeinen noch so trefflich eignen: die Auswahl der ein- 
zelnen Sprüche ist hier bereits bei der Anlegung der Samm- 
lung getroffen, ihre Anordnung festgesetzt worden. Dies hat 
zwar den unbestreitbaren Vorteil, daß bei Veranstaltung einer 
Ausgabe Willkfirlichkeiten des Herausgebers von vornherein 
der Boden entzogen ist Sind solche jedoch schon bei der 
Entstehung der Sammlung unterlaufen, wie das namentlich bei 
Sammlungen privaten Charakters nicht selten zu beobachten 
ist, dann obliegt dem Herausgeber die schwierige Aufgabe, sich 
mit diesen Willkurlichkeiten und anderen Zufälligkeiten, wie 
überhaupt mit dem ganzen Anlageplane der Sammlung abzu- 
finden. Erhellt nicht schon daraus, daß der Bearbeiter einer 
Schöffenspruchsammlung dem Herausgeber von Schöffen- 
spruchoriginalen gegenüber keineswegs eine günstigere Stellung 
einnimmt, so bedarf es dennoch keiner weitläufigen Beweis- 
führung für diese Tatsache. Es genügt vollständig, darauf hin- 
zudeuten, daß diesem die Reinschriften der Sprüche, jenem 
dagegen im günstigsten Falle amtliche Abschriften, sonst und- 
zumeist aber nur Konzepte oder private Kopien als Vorlage 
zur Verfügung stehen. 

Aus zwei Gründen hat sich die. Bearbeitung der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung noch besonders schwierig und ver- 
antwortungsvoll gestaltet. Zunächst waren einheitliche Grund- 
sätze für die Ausgabe festzustellen, die — ihre Bewährung 
vorausgesetzt — auch für die folgenden Bände der «Quellen 
zur Geschichte der Rezeption' maßgebend bleiben sollen, wo- 
bei selbstverständlich Ergänzungen, und durch ihre Zweck- 
mäßigkeit begründete Änderungen vorbehalten sind. Auf der 
anderen Seite war es die bereits gekennzeichnete Eigenart der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung, insbesondere die Mangel- 
haftigkeit ihrer handschriftlichen Oberlieferung, welche die Ar- 
beit des Herausgebers in hohem Maße erschwert hat. 

In der vorliegenden Ausgabe ist die Leipziger Schöffen- 
spruchsammlung nach der Handschrift M 20 der Sächsischen 
Landesbibliothek zu Dresden wiedergegeben. Jene Bestandteile, 
welche bereits selbständig oder innerhalb anderer Schöffen- 

G. Kisch, Leipziger Scböffeospracbstnimlang. VIII 



114* in. Die Autgabe. 

spruchsammlungen veröffentlicht waren, sind durch Mitteilung 
ihrer Oberschriften gekennzeichnet, jedoch grundsätzlich aus- 
geschlossen worden. Ihr voller Wortlaut hat nur insoweit 
Aufnahme gefunden, als ein neuerlicher Abdruck durch die 
schwere- Zugänglichkeit der älteren Fundstellen oder aber 
aus sachlichen Gründen, zum Beispiel durch die Wichtigkeit 
der Entscheidung oder durch die Unzulänglichkeit der älteren 
Wiedergabe gerechtfertigt erschien. Für eine Anzahl von 
Sprüchen konnte dagegen der in Hs. Dresden M 20 nur un- 
vollständig oder lückenhaft entgegentretende Wortlaut durch 
die Ermittlung und Heranziehung anderer handschriftlicher 
Oberlieferungen erweitert beziehungsweise ergänzt werden. 
Alle diese auch in anderen handschriftlichen Sammlungen 
überlieferten Sprüche und die bereits anderwärts gedruckten 
Sprüche sind am Ende dieses Bandes übersichtlich zusammen- 
gestellt i). 

Für sämtliche Sprüche ist in der Ausgabe eine fortlaufende 
Zählung durchgeführt worden, die in der handschriftlichen Vor- 
lage nicht enthalten ist Bei Sprüchen, für welche die Ent- 
stehungszeit, wenn auch nur mit annähernder Genauigkeit er- 
mittelt werden konnte, hat das betreffende Datum an der Spitze 
des Spruches, und zwar am äußeren Seitenrande der Nummer 
gegenüber Raum gefunden. Am äußeren Seitenrande sind ferner 
die Blattzahlen des Kodex Dresden M 20 verzeichnet worden, 
nach welchen das Titelregister der Handschrift zitiert 

In die Vorbemerkungen, welche den einzelnen Sprüchen 
voraufgehen, sind folgende Angaben aufgenommen: 

1. Die Ausgangsorte und Bestimmungsorte der Sprüche, 
wenn sie nicht unmittelbar aus dem Wortlaute zu entnehmen 
waren und doch mit Sicherheit festgestellt werden konnten. 
Wo bloß Vermutungen möglich waren, sind diese als solche 
ausdrücklich bezeichnet worden. Zu einem »Weistum'^ für 
einen bestimmten Ort zusammengeschlossene Rechtsweisungen 
allgemeineren Inhaltes wurden durch besondere Überschriften 
in kursivem Druck hervorgehoben. 

1) Vgl. auch zum folgenden die Übersichten am Ende dieses Bandes. 



IIL Die Aasgabe. 115* 

2. Andere handschriftliche OberlleFerungen der Sprüche. Sie 
sind in der Reihenfolge angegeben, in welcher die Handschriften 
eingesehen werden konnten. In allen Fällen ist die Verglei- 
chung der Texte durchgeführt worden. Die beobachteten Ver- 
schiedenheiten des Wortlautes sind in den den Text begleitenden 
Anmerkungen verzeichnet. Bloß sprachliche und orthographische 
Abweichungen von der Fassung der Hs. Dresden M 20, die 
keinerlei Änderung des Sinnes herbeiführen, haben jedoch keine 
Berücksichtigung gefunden. 

3. Die früheren Drucke einzelner Sprüche. Ihre Angabe 
geschieht in chronologischer Folge. Die von der Leipziger 
SchöfFenspruchsammlung verschiedenen Spruchüberschriften 
werden mit ihrem vollen Wortlaute mitgeteilt Textverschieden- 
heiten sind in den Anmerkungen, wenn aber der neuerliche Ab- 
druck unterblieben ist, in der Vorbemerkung verzeichnet. Ist 
kein früherer Druck angegeben, so kann angenommen werden, 
daß der Spruch bisher unveröffentlicht gewesen ist. 

4. Die Ermittlung der Entstehungszeit einzelner Sprüche 
unter Angabe der äußeren Anhaltspunkte oder Begründung der 
Datierung aus dem Rechtsinhalte der Sprüche. 

5. Hinweisungen auf denselben Rechtsfall betreffende Schöffen- 
sprüche, welehe in der Leipziger Schöffenspruchsammlung selbst 
oder in anderen noch unveröffentlichten Spruchsammlungen 
enthalten sind. 

6. Hinweisungen auf identische Sprüche innerhalb der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung. 

7. Hinweisungen auf Werke der rechtsgeschichtlichen oder 
geschichtlichen Literatur, in denen einzelne Sprüche erläutert, 
nicht bloß als Belegstellen verwendet erscheinen. Allerdings 
war zu solchen Angaben nur selten Gelegenheit geboten. 

Dagegen sind allgemeine und besondere Literaturangaben zu 
den von den Schöffensprüchen behandelten Rechtsfragen und an- 
geregten rechtsgeschichtlichen Problemen unterlassen worden. 
Ebenso ist auch von der Anführung analoger Entscheidungen aus 
bereits veröffentlichten Schöffenspruchsammlungen und von Par- 
allelstellen aus den Rechtsbüchern, sowie aus anderen sächsischen 
Rechtsquellen Abstand genommen worden. Dieser Standpunkt 

VIII* 



110* III. Die Ausgabe. 

wird bezüglich der Literaturnachweisungen schon durch die Er- 
klärung gerechtfertigt, daß eine kommentierende Bearbeitung 
nicht geplant war. Eine solche hätte bei dem großen Umfange 
der Leipziger Schöffenspruchsammlung die Ausgabe mit einem 
gewaltigen Apparate belastet, dessen Herstellung die Veröffent- 
lichung um Jahre verzögert hätte. Aus dem gleichen Grunde 
konnte aber auch eine bloße Zusammenstellung und Aufführung 
der Literatur nicht in Frage kommen. Sie wäre außerdem ohne 
verarbeitenden Text kaum von erheblichem Nutzen gewesen. 
Andererseits wäre der monographischen Darstellung der ge- 
schichtlichen Entwicklung einzelner Rechtseinrichtungen durch 
die vollständige wissenschaftliche Verwertung der gesamten 
Literatur, mit der sich auch eine kritische Sichtung des 
ganzen Quellenmaterials hätte verbinden müssen, nicht vor- 
gearbeitet, sondern vorgegriffen worden. Hinsichtlich der ähn- 
lichen Entscheidungen und Parallelstellen aus anderen Rechts- 
quellen war aber von vornherein, selbst bei Beschränkung auf 
die Schöffenspruchsammlungen allein, Vollständigkeit schlecht- 
hin nicht zu erreichen. Mit der Verzeichnung der analogen 
Entscheidungen aus den wenigen gedruckten Schöffenspruch- 
sammlungen wäre nämlich auch nicht viel getan gewesen; denn 
die meisten Schöffenspruchsammlungen, unter ihnen solche von 
hervorragender Wichtigkeit für die Rechtsgeschichte, sind zurzeit, 
wennschon nicht gänzlich unbekannt, so doch ungedruckt. Ihr 
Inhalt ist daher zweckmäßig erst durch Ausgaben für eine all- 
gemeine und bequeme Benutzung zu erschließen. Eine vor 
allem diesem Ziele zustrebende Tätigkeit dürfte dem wissen- 
schaftlichen Bedürfnisse zunächst in vollem Maße gerecht 
werden. Erst wenn die wichtigsten Schöffenspruchsammlungen 
in brauchbaren Ausgaben vorliegen werden, wird auch der Plan 
wissenschaftliche Berechtigung finden und Aussicht auf Erfolg 
haben können, durch die Zusammenstellung eines »Spruch- 
repertoriums^ eine Übersicht über die gesamte Rechtsprechung 
der beiden bedeutendsten sächsischen Schöffenstühle im Mittel- 
alter zu schaffen. Aufgabe des Spezialforschers wird es aber 
stets bleiben müssen, für seine Untersuchungen wie das Quellen- 
material überhaupt, so insbesondere auch ähnliche und Inhalt- 



ni. Die Ausgabe. ||7* 

lieh verwandte Quellenstellen aufzusuchen und zusammenzu- 
tragen. Und nur^er allein wird diese Arbeit in einer seinem 
unmittelbaren Zweck angepaßten und vollkommen genügenden 
Weise zu leisten vermögen. 

Trotz dieser grundsätzlich maßgebenden Erwägungen sind 
in der vorliegenden Ausgabe der Leipziger Schöffenspruch- 
Sammlung gelegentlich doch Hinweise auf ähnliche Quellen- 
stellen anzutreffen. Es handelt sich dabei um unveröffentlichten 
handschriftlichen Sammlungen entstammende Schöffensprüche, 
auf die der Herausgeber bei sich bietender Gelegenheit die 
wissenschaftliche Aufmerksamkeit lenken zu sollen glaubte. 

In der handschriftlichen Vorlage tragen die Schöffensprüche 
mit vereinzelten Ausnahmen, die durch Auslassungen des wenig 
sorgfältigen Schreibers verschuldet sind, Oberschriften. Diese 
geben bald in knapper, bald wieder in ausführlicher Fassung 
den Inhalt der Sprüche an, ohne immer erschöpfend zu sein 
oder auch nur alles Wesentliche hervorzuheben. Daß diese 
Oberschriften mit abzudrucken waren, konnte einem Zweifel 
nicht unterliegen. Dagegen stand die Frage zur Beantwortung, 
ob an die Spitze jedes Spruches außerdem noch ein auszu- 
arbeitendes Regest zu stellen sei. Ich glaubte, sie verneinen 
zu sollen. Dafür sind jedoch keineswegs die unverkennbar 
großen Schwierigkeiten der Herstellung solcher Regesten aus- 
schlaggebend gewesen. Denn die für diesen Zweck notwendige 
gründliche Durcharbeitung des Inhaltes jedes einzelnen Schöffen- 
spruches mußte für die Anlegung des Wort- und Sachregisters 
ohnedies geleistet, werden. Vielmehr schien in Anbetracht der 
erstrebten Ausführlichkeit und Genauigkeit des letzteren ein 
Bedürfnis nach Regesten nicht zu bestehen, zumal durch die 
vorhandenen Oberschriften der Sprüche für eine flüchtige 
Orientierung über ihren Inhalt ausreichend gesorgt ist. Dem 
wissenschaftlichen Benutzer wird eine solche jedoch auch eben- 
sowenig dienen, wie sie ihm genügen kann. Er wird den Spruch, 
auf den ihn das Wort- und Sachregister hingewiesen hat, voll- 
ständig und gründlich durcharbeiten. 

Für die Behandlung des Textes galt als leitender Grundsatz, 
den Wortlaut der handschriftlichen Vorlage möglichst getreu 



1 18* ni. Die Ausgabe. 

wiederzugeben. Jedoch machten die beiden Rücksichten, die 
bereits eingangs hervorgehoben worden sind, Abweichungen 
von dieser Regel unvermeidlich. Zunächst mußte das bei den 
»Quellen zur Geschichte der Rezeption"^ im Vordergrunde 
stehende rechtsgeschichtliche Interesse voll zu seinem Rechte 
kommen. Und Ferner ist es notwendig gewesen, der Mangel- 
haftigkeit der handschriftlichen Überlieferung der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung durch geeignete Maßnahmen besonders 
Rechnung zu tragen. 

Die Form, in welcher die Schöffenspräche in der Handschrift 
entgegentreten, ist in der Ausgabe vollständig gewahrt. Selbst 
für die häufig gleichlautend wiederkehrenden Eingangsformeln 
und Schlußklauseln der Sprüche sind also Abkürzungen nicht 
verwendet worden. 

Offenbare Fehler haben gleich im Texte selbst Berichtigung 
gefunden. Sie ist stillschweigend vorgenommen worden, wo 
es sich zweifellos um bloße Schreibfehler handelte und eine 
Änderung des Sinnes dadurch nicht in Frage kam, wie dies 
zum Beispiel häufig infolge der vom Schreiber vernachlässigten 
Unterscheidung der Dativ- und Akkusativendungen bei den 
Artikeln und Fürwörtern männlichen Geschlechtes der Fall 
gewesen ist Ebenso sind zweifellos irrtümlich wiederholte 
Worte ohne Bemerkung aus dem Text entfernt worden. Übri- 
gens hatte schon der Verfasser und Schreiber des Titel- 
registers in der Leipziger Schöffenspruchsammlung eine nicht 
unbedeutende Anzahl derartiger Verbesserungen offensicht- 
licher Schreibversehen angebracht, so daß die vollständige 
Tilgung eine Grundlage in der Handschrift selbst besitzt In 
allen anderen Fällen ist der ursprüngliche Wortlaut der ver- 
besserten Stellen in Anmerkungen mitgeteilt worden. Auf 
die Ergänzung der durch Auslassung einzelner Worte, Satz- 
teile oder ganzer Sätze bei der Niederschrift der Hs. Dres- 
den M 20 entstandenen Lücken im Text ist große Sorgfalt 
verwendet worden. Zu diesem Zwecke und ebenso, wenn es 
sich um wesentliche Textverbesserungen handelte, sind in 
erster Linie andere handschriftliche Überlieferungen, welche 
den betreffenden Spruch mit größerer Vollständigkeit oder 



III. Die Ausgabe. HQ* 

in korrekterer Fassung wiedergeben, aufgesucht und heran- 
gezogen worden. Wo es an solchen mangelte und auch ältere 
offenbar auf besseren Handschriften beruhende Drucke nicht 
eintreten konnten, mußte die eigene Kombination des Heraus- 
gebers aushelfen. Daß dabei mit der größten Vorsicht verfahren 
werden mußte und verfahren worden ist, versteht sich von 
selbst Dagegen scheint es der Mitteilung wert, daß in ver- 
schiedenen Fällen die Richtigkeit solcher auf eigener Konjektur 
beruhenden Ergänzungen durch die Heranziehung und Ver- 
gleichung später aufgefundener Handschriften, welche eine voll- 
ständigere Fassung überliefern, ihre Bestätigung gefunden hat. 
Verbesserungen und Ergänzungen des Textes sind in eckige 
Klammern eingeschlossen worden. Sofern sie sich auf andere 
Handschriften oder auf ältere Drucke stützen, sind diese in den 
Anmerkungen angegeben, beziehungsweise aus den Vorbemer- 
kungen ersichtlich. Wo eine Ergänzung des Textes nicht mög- 
lich gewesen ist, deuten Punkte in eckigen Klammern auf das 
Fehlen von Satzteilen hin. Drei Punkte bezeichnen, daß ein 
Wort, sechs Punkte, daß mehrere Wörter ausgelassen sind. 
Doch kommen derartige Fälle nur äußerst selten vor. 

Die durchaus klaren und einfachen Abkürzungen der Hand- 
schrift sind ohne Vermerk aufgelöst worden. Nach kirchlichen 
Fest- und Heiligentagen angegebene Tagesdaten sind am äußeren 
Seitenrande in das moderne Tagesdatum umgesetzt worden. 
Vorkommende Zitate aus den deutschen, römischen und kano- 
nischen Rechtsquellen sind nachgeschlagen, ihre Fundstellen in 
den Anmerkungen genau angegeben worden. 

Die Schreibung betreffend, sind die Zahlen entweder in 
Worten oder in römischen Ziffern entsprechend der Handschrift 
wiedergegeben. Durch die Beibehaltung der römischen Ziffern 
konnte viel augenfälliger als bei ihrer Ersetzung durch arabische 
angedeutet und die Erklärung ermöglicht werden, auf welche 
Weise die gerade bei den Zahlen häufigen und besonders stören- 
den Schreibfehler entstanden sind^). Große Anfangsbuchstaben 
sind auf die Eigennamen und Satzanfange beschränkt Die Buch- 

1) Vgl. z. B. Nr. 260. 469. 526. 687. 



120* III. Die Ausgabe. 

Stäben u und i werden nur vokallsch, v und j nur konsonantisch 
gebraucht, das y ist je nach den Umständen durch i oder j er- 
setzt. Eigennamen sind jedoch stets unberührt geblieben und 
der Vorlage gemäß geschrieben worden. Die Verdopplungen 
und Häufungen der Konsonanten sind gemäß den im ersten 
Bande der Deutschen Reichstagsakten ^) dargelegten Verein- 
fachungsgrundsätzen beseitigt worden; auch die Behandlung 
des Vokalismus erfolgte in der dort empfohlenen Weise. Die 
Anwendung dieses Vereinfachungsverfahrens findet nicht bloß 
in der vorzüglich rechtsgeschichtlichen Bestimmung der vor- 
liegenden Ausgabe eine ausreichende Rechtfertigung. Sie er- 
scheint vielmehr auch ohne solche Rücksichtnahme rein vom 
sachlichen Standpunkt aus beurteilt, vollkommen unbedenklich 
bei einer Vorlage, die sich wie Hs. Dresden M 20 als der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts entstammende, offensichtlich und 
nachgewiesenermaßen von großer Schreiberwillkür beherrschte 
Kopie darstellt. Die Besorgnis, die ursprüngliche Eigenart des 
Textes, welche schon durch diese Willkür des Abschreibers 
bereits im 16. Jahrhundert zerstört worden war, und mit ihr 
wertvolles Quellenmaterial für anderweitige Forschungen zu 
vernichten, bestand hier also nicht Das wäre nur dann anders 
gewesen, wenn es sich um die Veröffentlichung von Schöffen- 
spruchoriginalen gehandelt hätte. Ausdrücklich sei noch be- 
merkt, daß der Schreiber der Vorlage die Konjunktion »daß"^ 
vom Artikel und Pronomen »das^ in der Schreibung regelmäßig 
nicht unterscheidet, alle „das* schreibt; in diesem Falle ist alsa 
buchstabengetreue Wiedergabe befolgt, nicht aber etwa ein 
Konsonant getilgt worden. 

1) Julius Weizsicker im Vorwort zu den Deutschen Reichstagsakten 
unter König Wenzel; erste Abteilung 1376—1387; München 1867, 
S. LXXIIIif. — Die orthographische Behandlung der mittelalterlichen 
deutschen Texte ist in neuerer Zeit lebhaft erörtert worden. Einen 
Überblick fiber die ganze Frage und Literatur gibt ein Aufeatz von 
Ernst Devrient, Nach welchen Grundsitzen soll der Historiker bei 
Quellenausgaben verfahren? im Korrespondenzblatt des Gesamtvereins 
der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, 54. Jahrgang (1906), 
Sp. 343ff. Vgl. seither noch Woldemar Lippert, Urkundenbuch der 
' Stadt Löbben, I. Band (Urkundenbuch zur Geschichte des Markgraftums 
Niederlausitz IL); Dresden 191 1, S. L ff. 



IIL Die Ausgabe. 121* 

Die Anbringung von Absätzen, die Satzteilung und Inter- 
punktion ist dem Sinne gemäß gestaltet worden und von dem 
Bestreben geleitet gewesen, dem Verständnisse des Benutzers 
entgegenzukommen. Die oft ausführlichen und umfangreichen 
Darlegungen der Anfragen sind durch dem Sinne entsprechende 
Gliederung in Absätze übersichtlicher gestaltet, namentlich 
ist das Vorbringen des Klägers von dem des Beklagten in 
dieser Weise stets gesondert worden. Ebensp mußten Tat- 
bestand und Entscheidung einander gegenübergestellt werden. 
Um insbesondere bei dem oft überaus komplizierten Satzbau 
umfangreicher Sprüche Überblick und Verständnis zu erleichtern, 
sind die der Sentenz nicht selten in großer Zahl vorausgehen- 
den bedingenden Vordersätze voneinander durch Strichpunkte 
getrennt worden. Ein Doppelpunkt am Ende einer solchen 
Periode weist dann auf die als Nachsatz folgende Entscheidung 
im engeren Sinne hin und iiebt sie gegenüber den Vordersätzen 
besonders hervor. Wie die Trennung und Verbindung von 
Sätzen und Satzteilen, so ist auch die Trennung und Verbin- 
dung von Worten und Wortteilen bestrebt, der Verständlichkeit 
des Sinnes förderlich zu sein. Wortverbindungen, welche der 
modernen Schreibweise nicht entsprechen, sind aufgelöst, dagegen 
getrennte Wörter, die heute als zusammengehörig erscheinen, 
verbunden worden. 

Die nach juristischen Gesichtspunkten geordnete Zusam- 
menstellung sämtlicher Spruchüberschriften, welche der Leip- 
ziger Schöffenspruchsammlung in der Handschrift vorausgeht 
und von den Kustoden als «Register^ bezeichnet wird, ist 
vollständig und ohne Änderung in die vorliegende Ausgabe auf- 
genommen worden. Da sich dieses Titelregister jedoch auf den 
gesamten Inhalt des Kodex Dresden M 20 erstreckt, sind die- 
jenigen Oberschriften, welche sich auf andere Teile der Hand- 
schrift als die Leipziger Schöffenspruchsammlung beziehen, 
durch kleinen Druck kenntlich gemacht worden. Die Zitierweise 
des Titelregisters nach Blattzahlen der Handschrift ist bei- 
behalten, jedoch sind überall die Nummern, welche die Sprüche 
in der Ausgabe erhalten haben, hinzugefügt worden. Wo offen- 
bare Schreibversehen und Lücken aus dem den einzelnen 



122* III- I)>^ Ausgabe. 

Schöffensprtichen unmittelbar vorangehenden Texte der Ober- 
schriften verbessert und ergänzt werden konnten, ist dies still- 
schweigend geschehen. Zur bequemeren Benutzung ist dem 
Titelregister eine vom Bearbeiter aus den Rubriken zusammen- 
gestellte Inhaltsübersicht vorausgeschickt worden. 

Der Ausgabe der Leipziger Schöffenspruchsammlung sind 
nebst den Übersichten, auf die bereits an Früherer Stelle 
durch die erforderlichen Erläuterungen hingewiesen worden ist, 
vier Register beigegeben. Sie umfassen die Schöffenspruch- 
sammlung ohne die Einleitung. 

1. Auf die Ausarbeitung des Wort- und Sachregisters^) 
ist besondere Sorgfalt verwendet worden. Es beruht auf wieder- 
holter gründlicher Durcharbeitung des gesamten in der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung enthaltenen Spruchmaterials. Auch die 
bereits früher anderwärts veröffentlichten und von neuerlichem 
Abdruck ausgeschlossenen Sprüche sind mit berücksichtigt 
Dieses Register will vorzüglich ein getreues Abbild des viel- 
seitigen rechtsgeschichtlich bedeutsamen Inhaltes der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung in seiner Gesamtheit darbieten. Es 
verzeichnet zunächst alle vorkommenden Rechtsausdrücke und 
erklärt die erläuterungsbedürftigen unter ihnen. Darüber hinaus 
ist aber auch der juristische Gehalt jedes einzelnen Spruches 
von allen Seiten genau durchdacht und eingehender Betrachtung 
unterzogen worden. Die dabei gemachten Wahrnehmungen sind 
in allen ihren Einzelheiten gewissenhaft gesammelt und, nach 
Stichworten geordnet, dem Register einverleibt worden. Das 
Wort- und Sachregister sucht somit, alle für die Rechtsgeschichte 
irgendwie beachtenswerten Gegenstände auszuweisen, die in 
der Leipziger Schöffenspruchsammlung enthalten sind. Der 
wissenschaftliche Benutzer ist in der Lage, die durch die Ein- 
ordnung in dieses Regisfer zum Ausdruck gelangte Auffassung 
des Herausgebers für jeden einzelnen Fall an den Schöffen- 

1) über die witsenschaftliche Notwendigkeit beziehungsweise Berechtigung 
von Sachregistern bei rechtsgeschichtlichen Quelleneditionen allgemein 
Karl von Ami ra in der Sav. ZRG. 23 (1902), S. 286; Hans Fehr, Die 
Rechtsstellung der Frau und der Kinder In den Weistümern; Jena 
1912» S. Vf.; Rehme In der Historischen Zeitschrift 115 (1916), S.dG7. 



III. Die Ausgabe. 123* 

Sprüchen selbst zu überprüfen. Daß dabei die Möglichkeit be- 
steht, in bezug auf die Auffassung und Einreihung dieser oder 
jener Rechtseinrichtung ein anderes Urteil zu gewinnen, findet 
in der Natur der Sache seine Begründung. Dem wissenschaft- 
lichen Werte des Wort- und Sachregisters kann dies jedoch 
keinen Abbruch tun. Sollte es aber dem Bemühen des Heraus- 
gebers gelungen sein, durch dieses Werk den reichen Inhalt 
der Leipziger Schöffenspruchsammlung der rechtsgeschichtlicheh 
Forschung erschlossen, vielleicht an dieser oder jener Stelle 
auch den Weg zum wissenschaftlichen Verständnis gebahnt zu 
haben, dann wäre der richtige Weg zur Erreichung des im 
Vorwort dargelegten Zieles der „Quellen zur Geschichte der 
Rezeption' gefunden. Jahrelange entsagungsvolle Arbeit würde 
durch dieses Bewußtsein am schönsten belohnt. 

In seiner äußeren Anordnung befolgt das Wort- und Sach- 
register die für das Deutsche Rechtswörterbuch aufgestellten 
Grundsätze^). Nur die Beschränkung auf deutsche Rechtsaus- 
drücke ist fallen gelassen. Das unter den fett gedruckten Stich- 
worten gesammelte Material ist abermals nach Stichworten und 
zwar alphabetisch geordnet. Die Worterklärungen sind kursiv 
gedruckt und in eckigen Klammern eingeschlossen. 

An lexikalischen Hilfsmitteln ist neben den bekannten Wörter- 
büchern von Grimm und Lexer das Glossarium Germanicum 
medii aevi von Haltaus benutzt, das seinen Wert wohl erst 
durch die Vollendung des Deutschen Rechtswörterbuches ver- 
lieren wird. Auch die den Ausgaben einiger sächsischer 
Rechtsquellen beigefügten Glossare gewährten verschiedentlich 
Auskunft >). Nicht selten jedoch versagten diese zu Gebote 
stehenden Hilfsmittel. Das in der Leipziger Schöffenspruch- 
sammlung enthaltene Material allein konnte dann freilich für 
eine unzweifelhafte und einwandfreie Erklärung der unge- 

J) Deutsches Rechtsvörterbucb, Bsnd I, Heft 1 ; Weimar 1914, Vorbemerkung 
auf der zweiten Umscblsgseite. 

Z) Benutzt wurden die Glossare zu folgenden Ausgaben: Homeyer, Sacb- 
senspiegel P .und U 1; Der Richtsteig Landrechts nebst Cautela und 
Premis; Bebrend, Die Magdeburger Fragen; Ermisch, Urkunden- 
buch der Stadt Freiberg in Sachsen, III. Band (Codex diplomaticus 
Saxoniae regiae 11^ 14^ 3); Leipzig 1891. 



124* III. Die Ausgabe. 

wohnlichen Rechtsausdrücke nur selten eine genügend breite 
Grundlage darbieten. Eine solche konnte vielmehr nur durch 
die Heranziehung und Verwertung des gedruckt vorliegenden 
und des weitaus zahlreicheren unveröffentlichten Schöffenspruch - 
materials geschaffen werden , soweit dieses vom Herausgeber 
bereits durchgearbeitet worden war. Allerdings ist diese not- 
wendige Erweiterung der Quellengrundlage für das Wort- und 
Sachregister äußerlich in keiner Weise darin zum Ausdruck 
gelangt. 

2. Das Personenregister enthält sämtliche Namen und 
Namensformen der in der Leipziger Schöffenspruchsammlung 
vorkommenden Personen. Soweit die in allen Fällen vorge- 
nommenen Nachforschungen über einzelne Persönlichkeiten 
anderweitige urkundliche Erwähnung nachgewiesen oder sonst 
zu sicheren Ergebnissen geführt haben, sind diese unter An- 
gabe der bezüglichen Quellenstellen und der herangezogenen 
Literatur in Anmerkungen zu den betreffenden Sprüchen zu- 
sammengefaßt worden. Auf sie verweisen die den Namen in 
diesem Register beigefügten Sternchen. Die Nachforschungen 
konnten jedoch auf familiengeschichtliche Einzelheiten nicht er- 
streckt werden, ebenso wie eine Berücksichtigung der Orts- 
geschichte unmöglich gewesen ist. ^ 

3. Im Ortsregister, in welches die Ausgangs- und Be- 
stimmungsorte der Sprüche, weil gesondert verzeichnet, keine 
Aufnahme gefunden haben, ist die moderne amtliche Schreibung 
der Orte zugrunde gelegt worden; daneben sind jedoch sämt- 
liche Schreibarten, welche in Hs. Dresden M 20 vorkommen, 
und zwar in runde Klammern gesetzt, angeführt und auch be- 
sonders eingereiht worden. Der Feststellung der amtlichen 
Schreibart der Ortsnamen mußte notwendig die geographische 
Bestimmung der einzelnen Orte vorausgehen, durch welche 
allein auch die Richtigkeit jener Ermittlung gewährleistet werden 
konnte. Sie ist in allen Fällen versucht worden, jedoch nicht 
immer geglückt. In vereinzelten Fällen war dann auch die Auf- 
nahme durch Verschulden des Schreibers der Hs. Dresden M 20 
verderbter Namensformen in das Ortsregister unvermeidlich. 

Als Hilfsmittel für die erwähnten geographischen Nach- 



IIL Die Ausgabe. 125* 

Forschungen kam außer alten und modernen Kartenwerken nur 
das trotz seines Alters immer noch brauchbare Postlexikon von 
Schumann und Schliliier^) in Betracht. 

Für eine kartographische Darstellung der Bestimmungsorte 
der in der vorliegenden Sammlung enthaltenen Sprüche war 
nach Ansicht des Herausgebers keine Berechtigung gegeben. 
Derselbe Zufall, welcher bei der Kompilation für die Auf- 
nahme eines Spruches in die Leipziger SchöfFenspruchsammlung 
maßgebend gewesen war, hätte auch über die Einzeichnung der 
Bestimmungsorte in die Karte entschieden. Die alphabetische 
Verzeichnung der ermittelten Bestimmungsorte der Sprüche 
schien daher an dieser Stelle zu genügen, ja ausschließlich Be- 
rechtigung zu finden. Dagegen beabsichtigt der Herausgeber, 
der im Vorwort angekündigten Abhandlung über den Oberhof 
Magdeburg Kartenskizzen beizugeben, welche sämtliche Orte 
verzeichnen sollen, deren Rechtsverkehr mit Magdeburg und 
Leipzig durch erhaltene Schöffensprüche bezeugt ist Nur solche 
auf breitester Grundlage beruhende Darstellungen von erreich- 
barster Vollständigkeit können eine Vorstellung von der Aus- 
dehnung und Lage der Gebiete vermitteln, auf welche sich die 
Spruchtätigkeit der Schöffen zu Magdeburg und zu Leipzig un- 
mittelbar oder durch Vermittlung anderer Oberhöfe als Zwischen- 
glieder erstreckt hat 

4. Das Verzeichnis der Quellenzitate weist alle in der 
Leipziger Schöffenspruchsammlung vorkommenden Stellen aus 
deutschen, römischen und kanonischen Rechtsquellen aus. Es 
verzeichnet ferner sämtliche aus unveröffentlichten Schöffen- 
spruchsammlungen angeführte oder dem Wortlaute nach auf- 
genommene Srellen. 

Dem freundlichen Entgegenkommen der Direktion der Säch- 
sischen Landesbibliothek zu Dresden ist es zu danken, daß die 

1) August Schum&nn, Vollstindiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon 
von Sachsen. 18 Binde (Band 14— 18 «Supplement, Band 1—5 von 
Albert Schiffner); Zwickau 1814— 1830. — Auch das genau gearbeitete 
Ortsregister zu dem von Woldemar Lippert und Hans Beschorner 
herausgegebenen Lehnbuch Friedrichs des Strengen; Leipzig 1903, ge- 
währte manche zweckdienliche Auskunft. 



120* III- Die Auagftbe. 

Hs. Dresden M 20 während der ganzen Dauer der Vorberei- 
tungen und der Bearbeitung bis zur Vollendung des Druckes 
von mir in Leipzig benutzt werden konnte. Die der Bearbeitung 
und dem Drucke zugrunde gelegte AbschriFt der Leipziger 
Schöffenspruchsammlung aus Hs. Dresden M 20 hat nach meiner 
Anleitung Herr Lehrer Albert Richter in Leipzig verfertigt. Vor 
Inangrlffiiahme der Bearbeitung habe ich diese Abschrift mit 
dem Originale vollständig verglichen und außerdem eine neuer- 
liche Vei^leichung sämtlicher Sprüche mit der handschriftlichen 
Originalvorlage beim Lesen der Korrektur durchgeführt. Den- 
selben Vorgang konnte Ich auch bei alten aus anderen Hand- 
schriften ergänzten Sprüchen oder Bestandteilen von Sprüchen, 
die ich selbst kopiert habe, beobachten, da mir ihre Benutzung 
in Leipzig verstattel gewesen ist. Die Wiedergabe sämtlicher 
SchÖffbnsprüche kann daher Anspruch darauf erheben, im 
Rahmen der dai^elegten Publlkationsgrundsätze diplomatisch 
genau zu sein. 



Leipziger Schöffenspruchsammlung 



Inhaltsübersicht. 

Seite 

Von YQigt- und eelicfaem gedinge 3 

Von gerichtsproceß, clagen und fordern 3 

Von antwort; ob in allen Sachen, wie und was zu antworten sei. 8 

Schult verneinen und beeiden 9 

Von eide schwern, gezeugen und kundschaften lü 

Von gezeugen und erweisen 11 

Von yerjarunge, gewonheiten und wie man sich in Sachen ver- 
schweigt 14 

Von wilkore, beteidingten und entschickten Sachen zu pleiben. 14 

Von bürgen und burgeschaften 15 

Von pfänden und dergleichen 16 

Von kummer 17 

Von urteiln 17 

Von kaufen und verkaufen 18 

Von lehn und gewere 20 

Von zehenden, zinsen, geschoß, opfertagen, auch von hauszins. 21 

Welch Sache uncreftig, machtlos ward 22 

Von erbteilunge, guter ange feile nach magenschaften und 

sippunge 22 

So ein vater gepurenden teil einem kinde zu [schaden] dem 

anderen entwenden wolt 31 

Von absonderung, ausgesatzten kinden, wie damit zu geparen. 31 
Von begabung mi^ns und weibs, wo eins dem andern etwas auf- 
oder nicht aufgelassen, lehn, leipzucht, morgengabe, auch von 

brautschatze, wie es sich damit helt 32 

Auch leibgeding belangend 35 

Von gerade, muBteil und morgengab 36 

Von hergebete, erbe und erberecht 38 

Erbgut wollen zu lehngut machen 38 

So kinder ausländisch, den gut anerstorben, dhweil [sie] außen 

gewest weren 39 

Von Vormundschaft und Vormunden 39 

Von rechnung, manen und bezalen 4Ü 

O. Eisch, Leipziger SchöflFeiiBpruchaammlung. 1 



Seite 

Von schuldgeldung, etwan auch nach toder hand wie zu bezalen 

und zu entgehen ist 41 

Nach toder hand erinnerung und erweisung 42 

Von getreuer hand und leihen oder borgen. 42 

Von falsch handtierern 43 

Von Wucher und wuchern 43 

Von freimarkten, verwechselen, leinkaufen und spielen. . . . 43 

Von den, die heimlichen rat offenbaren 43 

Von abtrünnigen, ungehorsamen weihen 44 

Von notzug, buber- und hurerei 44 

Von eegelobde 4ö 

Erweisen, daß kinde lebendig gebom sein • -^ . 45 

Von tadelung, unduchtig zu machen, von handwerken wollen 

werfen leut und brief, wie damit geparen ist, zu merken. . 45 

Von injurien und schmehung; die sich auch selber laster bernmen. 46 

Von bezichtung, dieberei und uberfarung 47 

Von stocke, bände und niederwerfung 48 

Von gestolener hab, wem die gehurt 48 

Die sich in gefenknus selber toten 48 

Ap ein rat leut auBer statt verweist 48 

Bruche, die on vorsatz, nicht mit willen oder von unmündigen 

kinden, onsinnigen menschen geschechen 49 

Schad verwurken mit verwarlosung 49 

Wu üer oder vieh schade tut 49 

Von lenge der meilen und straBen 50 

Von testamenten und letsten willen 50 

Von sigiln und briefen 50 

Von neu geben aufrichtunge, viechtrifte, steinwege, Wolfsgruben 

und von reinen 51 

Von fridebruche, frevelem, gleitbrechem, trounge, ausheißen, 

aufrum, straBraubem und die sich widerseczig machen dem 

gericht 52 

Von totschlegen, volgern, forderung und besserunge der mort; 

auch von wunden, schlegen und der ächte 54 

Von geleit 57 






Ton TOlgt- und eeliehem gedinge. 

Wo einer für voigtgedinge oder ehlichen dingen be- 
clagt wurde, ab er sein frist auf vorsprechen oder yor- 
monden gewinnen mocht und wie lange, etc 1 1 

So der beclagte für Yoigt- oder ehdinge oder andern 
gehegten dingen der schult bekent, darumb er beschul- 
digt wirt, wie [esj damit gehalden sol werden. ... 1 2 

So aber der ein wilder gast ist, und der antworter 

bekennt, so teilt man ime, wie voIgt 1 3 

So man voigtgedinge helt und der antworter nicht 
fiirkeme, was der cleger gein ime erlangt oder der 
antworter verfallen sei 2 5 

Wan man ehlicb gericht halten soll. ^6 — 

Ton geriehtsproceß, dagen und fordern. 

Farend habe und beclagt zins 47 128 

Zeucht sich nicht zu leuterung 48 133 

Der [satz] zeucht sich nicht [zu] leuterunge des vorigen. 68 178 

Die da firevelich oder peinlich clagen; was ir recht. 4 8 

Ir zwen haben sich bei Verlust der Sachen auf einen 
tag [versprochen], ir urteil mit sampt dem urteilsgelde 
einzulegen; so hat der eine denselben tag eingelegt, 
der ander teil hat seins die nacht eingelegt 158 408 

Zu gut zu clagen mit rechtem gepot von einem dinge 
in das ander, da hulf über gangen ist, und die clage 
hat macht gehabt 90 233 

Oeclagt mit gerichtsbriefen vorkundigt 90 234 

Eber sprach, er hett drei ding geclagt 90 235 

1* 



1 



4 

BUtt Nmm««r 

Ein monch mag nichts forderen für gericht. 92 242 

Einer bort sich beschuldigen und ging on antwort von 

dem gericht 94 249 

Der erste kummer, gepot und clag geen vor die andern. 119 306 

Ein weib hat zu einem umb geltschuld in voller macht 

ires mannes geschuldigt. 142 372 

Einer hat umb betriegligkeit binnen zweien [jarn] nicht 

geschuldigt 150 390 

Processus judicii bis auf die gewere 150 391 

Einer beschuldigt einen umb gefere und zusage über 

zwei jare . 151 393 

Zu gut zu clagen on rechtlich gepot, do die clage 

machtlos ist 175 437 

Einer hat clag erstanden auf helfrede 194 476 

So einer schuldigt einen auf seine gewissen, wo der 
antworter die gewissen dem ancleger wider heimstelt, 
das muß er annemen 15 25 

Ein man hat dem andern zu offen tagen recht gelobt 
zu tun, und der teter yor gericht nicht komen ist 
und spricht, der dingtag sei ime unbewust gewest. 185 454 

Ein man hat zu dem andern geclagt Yor gehegter pank 
in gegenwertigkeit umb gelt; doch ime noch sein gold 
nie kein gepot geschechen ist 185 455 

Ob leuten für gericht were bescheiden, der einer keme 

und der ander nicht 195 480 

Von erclagtem erbe, das man yor gericht erstanden hat 216 500 

Von einem, der antwort, der vor gericht kein holung 
noch Wandel gedingt hat; was er dem richter darumb 
verfallen von rechts wegen 222 508 

Von recht zu geloben vor gericht, in XIV tagen zu 
tun, das er doch nit getan hat; was er dem richter 
und dem cleger darumb verfallen 228 516 

Von einem paum, der sein holz abgehauen hat, das ime 
ein erbar man auch zuspricht; wie der paur das holz 
mit recht sein machen solle; was recht ist 231 523 

Von wißpfenning, die den schöppen gehören 48 . 130 

Ob der oberrichter jemands mag füren aus den undem . 

gerichten 91 239 



5 

BUtt Hmamer 

Ap ein man geld erstanden hett und dem die jaden das 

gelt yerkfimmerten ; was recht sei 233 525 

Oericfatscost zu erlangen und von viderclage 86 227 

Von erdagtem gut; was recht ist 236 529 

Wo ein gotshans nicht gericht hat über hals und hand, 

da endarf kein burger zu gehen zu den dingen. . . . 241 546 

Ein man, wan der was Yor einem sitzenden rat bekennt, 

ob er dafür gerechten mag 243 552 

Von Sachen, da sich ein stat wider iren erbhern [für land- 
recbt mögen schützen, ap sie der erbherrejyor landrechten 
beclagen wolde oder nach weichpilde recht; was recht ist. 245 554 

Von einem rat, der in der kirchen geschechen ist, da 
die burgermeister einen biderman schuldigen, das er 
der gemein wort verfurt hat; ap der rat in der kirchen 
macht habe oder nit 248 559 

Ap einem man für gericht gepoten were und nit be- 

clagt; was der richter rechtes an ime hat. 25! 565 

Ap ein man zu dreien dingen wurde beclagt, was der 

richter an ime rechtes habe 251 566 

Wurde ein man beclagt Tor gericht und gelobt er dem 
cleger recht; ap der schultes an inen beden oder ir 
einem icht rechtes habe 251 567 

Ap ein man, der vervestet were, sich mit dem sach- 

walden berichte; was recht der richter daran habe. . 251 568 

Ap ein man ein schwert oder messer zöge, was recht 

der richter daran habe 251 569 

Von der hulf, die erlangt einer wunden halbe. . . . 116 301 

Ap ein man den anderen auspurgt vor gericht und ver- 
mocht ine nicht wider zu stellen; was er dem richter 
darumb Yerfallen sei 252 570 

Ap ein man den anderen hinderte, und der gehinderte 
man sich mit ime berichte, eher er zu stocke gefurt 
wurde; ap der schultes icht recht daran habe. . . . 252 . 571 

Ap ein man den anderen hinderte und sich mit ime be- 
richtet und zu stock gefiirt; was rechts der richter 
daran hat 252 572 

Ap ein man den anderen wunte oder ine schlüge und 
nüt handhafter tat in den stock gepracht wurde und 
sich mit dem gewunten oder [des] toden freunden be- 
richtet; was recht der richter daran hab 252 573 



6 

BUtt NmBiBi«r 

Ap der richter einen man zu clagen vor gericht ge- 

zwingen möge oder nicht 253 574 

Ap ein leie den anderen yor geistlich gericht laden 

muge oder nicht 253 575 

Ap ein man glas, steinenkräuse zu markte pringt; ap 

er dem richter icht davon tun solle 253 576 

Ap ein man ime zusagte, er hett drei ding geclagt, und 
ime die scboppen des dritten dings nicht bekenten, 
was er darumb verfallen sei 256 584 

Burgerlich und nicht peinlich geclagt 152 398 

Einer schuldigt einen umb wort, er hett ime nicht ge- 
halden als ein biderman; die bekant jener auf sein 
wergelt 281 611 

Einer hat verfrönet haus und hof und gelt, und jener 

käme nicht zu der antwort. 291 626 

Ap einem mane bescheiden were auf einen nemlichen 
dingtag und gelobt und pot recht zu tun dem cleger 
und kan der heiligen nicht gewinnen oder was recht 
sei von rechts wegen 293 628 

Einer clagte zu seins verstorben Stiefvaters gut on 

wissen seiner leiplichen bruder 294 629 

Einem wart gut zugesprochen und nam brief darüber 
von dem hem des gerichts; darnach kam sein widersache 
und forderte das zugesprochen gut in gegenwertigkeit 
jenes, dem es zugesprochen wart, on jenes Widerrede. 308 645 

Einer teidingt ein ding, das vor zwei ding [gehet], dar- 
nach über vierzehen tage das dritte 308 647 

Einer clagte zu des andern gute und ime wart gehulfen; 
des kam jener vor gericht und sprach, im were nicht 
recht gepot gescheen, wann er nicht in dem lande ge- 
west were 309 649 

Einem wart bescheiden auf einen dingtag zu der antwort; 

sprach jener zu dem richter, er hett nicht vorsprechen. 317 659 

Ein frau schuldigt einen, das er ir zu schaden vor ge- 
hegter pank hette bekant, das ir nicht mer volgte nach 
ires mannes tode dan ein dritteil und hett das getan 
ungepeten 318 660 

Einer hat gelobt recht zu tun auf einen tag; des starb 
er vor dem tag. Ap nun sein erbnemen das recht tun 
sollen, oder was recht sei 321 664 



7 

Ein man, ap er puBfellig wirt, der mit seins selbst 
munde konde wider angetreten, und Tor sich pringen 
einen man, der sein wort redt 322 666 

Eän man hat gelt von einem, genomen vor ein urteil 
und hat ime das gelobt zu geweren und hat das nicht 
gewert 324 671 

Einer hat geteidingt umb muterlich angefelle; da was 
dem antworter geteilt, selbsiebend des zu entgeen; da 
gewan er ime seinen man und seinen zeugen nicht. . 325 672 

Ap ein man, dem der richter Torsprechen gegunst hat, 
ap ime der vorspreche icht Wandlung und holung ge- 
dingen möge als einem getrauen biderman, der nie 
keine bösen uberkomen ist 329 678 

Von bescheidung vor gericht umb angefelle etc. . . . 356 708 

Von clage, ap man der en nicht volget 361 718 

Von gelde, wie das vor gericht erstanden und hulf ge- 
teilt, darnach einem andern hulf geschach 365 728 

Acker hat ein man erclagt vor gericht und begert, ime 

zinse und pflege davon zu geben 366 729 

Von anfalle von seins weibs wegen. 367 730 

Von clage und umb ubelhandlung 368 732 

Einer hat seiner Schwester briefe gefurt zu teidingen 

umb gerade 390 771 

Unser voigt schuldigt unsem mitburger und gewan ime 
an sieben recht, und unser mitburger wolde wider zu 
dem Voigt clagen; des wegerte er sich 400 783 

Ein vorspreche verfiel dreier holunge. 404 789 

Einer verloeB vor gericht ein holunge 407 796 

Wer recht gelobt zu tun auf einen genanten dingtag 

und darzu nicht komet, was darumb recht sei. ... 408 798 

Ap einer recht gelobte und verpurgte zu tun und vor 
Wassers not zu dem dingtage nicht komen [kan], ap das 
ein helfrede gesein möge oder nicht 412 803 

Von geclageden, die gescheen vor richter und schoppen, 
die do zu dem rechten nicht geschworn haben; ap die 
clage habe craft oder nicht 415 807 

Ap ein man beclagt wurde vor dem rat und [in] furpas 
beclagten vor der herschafb und ime nicht furgepoten 
hetten, sich zu verantworten; was recht sei 417 809 



8 

Blatt HmBmac 
Wie des richters eide getan werden soll 445 — 

Der Schoppen eid 445 

Des fronpoten eid. 445 

Des gerichtsscbreibers eid. 445 

An welchem ende und wo der fronpot gepot tun soll. . . . 445 — 

Welchs die gebunden tage seint, nicht gericht zu halden. 446 — 

Von Juden, wes sie in irer schult rechten haben 449 

Wie man ein totschleger für gericht soll pringen 455 

Was gerichts geet über morder und rauber. 461 — 

Von ungläubigen Christen; zeuberer, wie gestraft sollen werden. 461 

Wie der richter einen aus der achte tun soll 463 — 

Der Juden aid. 453 — 

Wo sich ir zwene mit einander irten und der Sachen 
in der gute nicht mit einander vertragen, sonder je mit 
recht wolten gescheiden werden, welcher dan verlustig, 
was er verfallen were. 6 12 

Ton antwort; ob in allen Sachen, wie and 
was za antworten sei. 

Umb genieß einer wiesen zu antworten 37 83 

Wie man schult auf freien lehngut verantworten sol. 41 97 

Ein man schuldigt ein rat und die gemein; ap sie alle 

antworten müssen, oder wer sie vertreten sol. ... 47 126 

Einer hört sich beschuldigen und ging od antwort von 

dem gericht 94 249 

Der cleger muB sein gewissen vor allen dingen recht- 
fertigen 120 312 

Ap sich der antworter der antwort damit genug ge- 

schutzen mag, das der cleger an der unehe sitzt. . . 121 313 

Ap sich der antworter der antwort damit mag ge- 
schutzen, das der cleger haut und har gelost oder ver- 
weist ist 121 314 

Einer muß die bewust verantworten, bekennen oder 

versachen 121 315 

Das der antworter muß muntlich verantworten. . . . 121 316 

Der cleger erzelt und erclert dem antworter die schuld 

pillich, eher man ime das gerichtsbuch list 122 317 

Einer muß zu seinen eigen gewissen ja oder nein sagen. 123 318 



9 

Der antworter [spricht], cleger ist im bann 123 320 

Der aDtwor[ter] beweist den bann anf den cleger. . . 125 321 

Hat einer kein antwort eher helflich Widerrede. . . 130 334 

Einem schuldig plieben 135 348 

Ap einer sich zu gut und recht lieB weisen 136 350 

Umb Sachen, gescheen im weichpilde, mag man sich 

vor dem hem oder landrecht antwort erweren. . . . 139 358 

Der pfarrher bedringt des rats belehenten capellan. . 145 379 
Der rat beschuldigt den pfarrher umb bierschenken. . 146 381 

In der Sachen zwischen Friderich Raben 153 | aqq 

Auf beder part 153 404 

Auf sulch sprnchlich anforderung 154 405 

Was und wie ein eheman on sonderlich Tolmacht und 
gewalt alle seines weibs veterlich, bruderlich farend und 
Ugend guter, sobalde er des weibs bettprett beschreitt, 
als Tormunde pillich zu forderen hat 164 414 

Von schulde und dieberei, [die] der cleger, wer das ge- 
tan, nicht namhaftig gemacht hat, darzu der von rechte 
nicht darf antworten 181 448 

Von schulde, [so] Thome setzt zu Caspem von Merckenau. 300 634 

Wie einer zu seinen briefen antworten muB und kan 

sein ^achwalden nicht vor sich pringen 230 520 

Ap eins mans weib bei einem andern manne gelt for- 
derte oder holet on ihres mannes wissen 230 521 

Einer hat yerfronet haus und hof und gelt und jener 

käme nicht zu der antwort 291 626 

Selmlt Ternelnen und beeiden. 

Wan der beclagt zu der schuld nein sagt und eide zu 
tan gelobt, wan er damit verfam soll oder mag, und 
wie man es mit eiden in yerpunden tagen pflegt zu 
halden 3 6 

Einer Termeint, etzliche gerechtigkeit zu haben im dorf, 

dafür die pauem nein sprechen 40 96 

So der antworter sich vom cleger mit eiden entledigen 
wolde, ap nun der cleger gein dem antworter der ge- 
richtscost und etwas in gericht verfellet habe. ... 87 228 



10 

BUU Niauier 

Ein Priester hat einem gelt geliehen, und diser hat 
ime geredt, solch' gelt auf zins und ein widerkauf zu 
vermachen und zu verschreiben lassen, darzu der ant- 
wort nein 97 258 

Einer hat einem ein acker verkauft und ein gelt ist 

bei dem kaufer verkomert vor der reformacion. ... 98 259 

Einer hat nein gesagt zu gesaczten schulden und zu 
gewirdertem schaden 134 344 

Nach getaner were nein gesagt 134 345 

So der antworter nein gesprochen hat, so kan der cleger 

die schult nicht höchen 134 346 

Von geltschuld, die einer schlecht leukent und recht 

darauf name und des eins teils bekannt 405 791 

Ton elde sehwern^ gezeugen und kandsehaften« 

Wie einer, da schweret umb gelt oder umb gut, das er 

schuldig ist, sol gerecht werden 48 131 

Wie der Jude sein eid tut. . 44 113 

Der sechste gezeuge hat nicht gleichmeßig gezeugt 

mit dem fünften 66 176 

Wie man gezeugen soll verjarung 68 177 

Einer hat gesagt, er getrau es wol zu gezeugen. . . 69 184 

On gezeuge beschuldigt 70 186 

Die schuld schlecht on gezeuge gesaczt 71 194 

Von gezeugen 108 282 

Das einer seiner gezeugen nicht volkommen 109 285 

Von clag mit gezeugen, wie man den entgeen soll. . 108 283 

Gezeugen, das einer sein guter hat aufgelassen. . . . 108 284 

Einer hat gezeugen für gericht gebracht 111 290 

Von gezeugnus, vor der gewer bedingt 112 291 

Einer hat gezeugen farpracht ordentlich 113 292 

Einer muß den eid der were selber tun 123 319 

Ob einem sein stammeln an seinem eid und ob er seine 

m 

hand oder finger nicht erheben kond, mögen schaden. 142 373 

Guten Heinrichs furgestelten gezeuge wider Schrammen, 
die von Guten Hansen an seinem siechbett etzlich be- 
kantnus gebort; wie solcher gezeuge sol creftig ange- 



11 

sehen, auch welch gestalt des kranken bekantnus und 

forder der gezeuge von uncreften sein soll 164 415 

Was der verfallen ist, der eide mit unrecht nimpt, das 
die Schoppen alle bekennen ; ob er icht darumb leiden 
soll oder nicht 256 585 

Von gezeugen in einem gericht, das schöppen warn bis 

auf einen, und der was nicht einländisch 393 776 

Von überzeugen manne 395 778 

Den Ton Dobeln wart für gericht bescheiden gein Penick. 403 787 

Einer zöge sich an gezeugen und mocht der nicht ge- 
haben 405 790 

Einer solt schaden minnem mit seinem eide und schwur 

zumal Tor den schaden mit einander. 406 792 

Wie des richters aid getan werden soll. 445 — 

Der Schoppen aid. 445 — 

Des fronpoten aid. 445 — 

Des gerichtsschreibers aid 445 — 

Der jaden aid. 453 — 

Von gezeugen 465 — 

Ton gezeugen und erweisen. 

Wo man sich gezeugs anmast, einer über den andern 
fort und des nicht verkumpt oder mit gezeugen über- 
winden lest, etc 6 11 

So einem Tormals ein gelid oder was wunden das ge- 
sein mocht, Terpust wer worden, und wo er darein ge- 
hauen wurde, was sein wergelt ist — So auch man 
sich gezeugs anmast und nit damit verfure oder der be- 
dagte überwunden werde, was itzlichs puB darumb ist. 

Den erbnemen erinnern selbsiebent und auf tode hand. 

Gut zu gezeugen, das es sein sei 

Von gezeugen, [so] sich einer verwilligt 

Erpoten, zu gezeugen mit dem burgermeister allein. . 

Wie die gezeugen sein und was sie gezeugen sollen. 

Eber hat gesagt, er getrau es wol zu gezeugen. . . 

Gezeugen dorfen nicht sagen, wovon inen die sach be- 
wust ist. • 

On gezeuge beschuldigt 70 



5 


10 


34 


76 


68 


179 


68 


181 


69 


182 


69 


183 


69 


184 


69 


185 


70 


186 



12 

Blfttt NmaiBier 

Der gläubiger, der do hergepet fordert, inufi gezeogen 

selbsiebent 70 187 

Mit wievil gezeugen sich einer entledigen soll, so er 

mit gezeugen beschuldigt wird 70 188 ' 

Mit welcherlei leuten einer gezeugen mag 70 189 

Gedingt, zuge und frist zu haben, ap ime ein gezeuge 

oder bede verlegt werden 70 190 

Under fimf gezeugen ist einer ausgefallen 70 191 

Geclagt mit gezeuge und mit dem nicht volkommen. 71 192 

Gezeugen, das einer ganze vorzieht der guter getan 

habe 71 193 

Einer sich verwilligt, etwas für gericht zu pringen. . 84 224 

Einem ist umb unrechte zusage und gerichtscost zu 

seines widerparts hause verhulfen 85 225 

Ein teil eines holzes ist an einen gestorben 40 94 

Das einer seiner gezeugen nicht volkommen 109 285 

Das weib hat den man begabt für gericht; wie man 

das erzeugen soll 109 286 

Gezeagnus, so die schoppen alle gewest im gericht. . 110 287 

Ap einer nach getaner gewer mag gezeugen aufpringen. 110 288 

Einer ist mit dem gezeugen nicht volkommen auf den 

tag, als er vor dem schidesrichter verwilligt. .... 111 289 

Einer hat gezeugen für gericht gepracht 111 290 

Von gezeugnus, vor der gewer bedingt. ....... 112 291 

Einer hat gezeugen farpracht ordentlich 113 292 

Einer muß den aid der were selber tun 123 319 

Umb einen kauf zu gezeugen und einen gezeugen zu 
verwerfen, der uneelich sol geporn sein, das man nicht 
mag verkomen; was er dem gezeuge und dem richter 

darumb verfallen ist 175 439 

Wie man einen rechten kauf gezeugen mag 182 449 

Wie man mit scheidesleuten verkomen mag 182 450 

Von leipgedinge und gesampten lehn zu gezeugen. 183 451 

Wie man einen kauf soll gezeugen 188 460 

Wie man erbkauf und gäbe gezeugen sol. — Bekennen 
aber richter und schoppen, vor den sich die Sachen 

verlaufen hat 188 461 



13 

In welcher zeit und frist einer seinen gezenge verfaren 

soll 217 501 

Von clage, die Yor gericht mit gezeugen gesaczt ist, 

die man auch mit Wissenschaft entgeen soll 217 502 

Ein jnda schuldigt einen mit kuntschaft; ab die ab- 
ginge, so schuldige er ine in einer schlechten schulde; 
was recht ist 219 505 

Von einem pauem, der sein holz abgehauen hat, das 
ime ein erbar man auch zuspricht; wie der pauer das 
holz mit recht sein machen solle; was recht ist. . . . 231 523 

Wie ein man sein lehn und gewere gegen seiner lehen- 

franen gezeugen soll und behalten 232 524 

Von einer frauen, die do spricht, das sie ire wirt be- 
gabt habe; wie sie das gezeugen solle, imd der schöppen 
einer allein lebt, der das bekant, ap sie pei der gäbe 
pleibt oder nicht 240 543 

Von gezeuge mit gehegter pank 241 547 

Von erbe, das vor gericht aufgeben und der richter mit 

den Schoppen verstorben ist 242 548 

Von veterlich erbe zu behalten 242 550 

Wie man einung und sune gezeugen soll 255 581 

Ein witbe ist begabt von irem ehlichen manne vor richter 
und Schoppen und gehegter pank an des mannes erben- 
wiesen, und richter und schöppen alle verstorben sein 
unz auf einen; wie man nun die gäbe bezeugen soll. 255 582 

Wan man mit wissentlichen leuten schuldigt 258 589 

Von erbzinsgut, wie man das behalden und erzeugen 

möge 266 597 

Wie man gekauft und gegeben gut mit recht soll er- 
weisen und erzeugen 278 607 

Wie ein frau erzeugen soll, das sie hab guter, ecker, 

wiesen kauft umb irer unmündigen kinder gelt. . . . 310 651 

Von einer Sachen, die man erweisen soll; dieselbe gäbe 

einer dem andern zu 361 719 

Einer zöge sich an gezeuge und mochte der nicht ge- 
haben 406 790 



14 

Yon Terjarunge, gewonheiten und wie man 
sieh in saehen Tersehweigt. 

Wie man gezeugen soll verjaronge 68 177 

Von erbkretzschmaren 8 15 

Einer hat ein hufe landes bei neun jam und jar und 

tag von seinem lebnhem nicht in lehn genomen. . . 137 365 

Gewonheit zu beweisen 144 377 

Oewonheit der opfertage 145 378 

Von erbe zu besitzen jar und tag 174 436 

Von alter gewonheit einer statt etc 194 478 

Eine frau hat besessen ein brotpank XXX jar. . . . 258 588 

Ap einer erb und gut hat von seinem vater und sitzt 
darinne jar und tag und lenger; ap sein beratene 
Schwester icht darein gesprochen möge 292 627 

Von einer fischweide 362 720 

Einer lempt den andern und wart uberjerig 374 743 

Einer forderte angefeilt von seiner Schwester und das 

nicht widersprochen hat in jare und tag 388 768 

Von genaden und niderlagen, die uns die fursten etc. 416 808 

Ton wilJLore^ beteidingten und entschlcJiten 
saehen zu pleiben. 

Es ist einer erbwiesen und etzlicher ecker halb ein be- 
teidung gescheen, welcher beteidung durch den lehn- 
hem mit Veränderung der lehen über gescheen betei- 
dung ein ander handel furgenommen. 15 24 

Von ehegelobde 42 103 

Der glaubiger hat das gelt von schuldigern nicht nemen 

wollen 46 121 

Bleibt pei dem vorigen Spruch. . 68 180 

Eine sach auf schiedesrichter gegeben 84 223 

Einer ist von gericht dingfluchtig worden 88 230 

Beteidingte sach 90 236 

Entschickte sach 135 347 

Sich haben ir zwen verwilkoret 143 375 

Einer hat den schied nicht widerredt, noch gestrafet. 149 387 



15 

BUtt !liM««r 

Schaden genomen, das beteidung nicht gehalden ist 

worden 149 388 

It zwen haben sich bei verlast der sachen anf einen 
tag [versprochen], ir urteil mit sampt dem urteilgelde 
einzulegen; so hat der eine denselben tag eingelegt, 
der ander teil hat seins die nacht eingelegt 158 406 

Von verwilkorten Sachen, bei scheidesleuten zu pleiben. 181 446 

Ap versigilte schulde verwiUet wurde zu geben. . . . 192 473 

Äp leut irer sachen [auf] vier gingen 195 481 

Von morgensprach zu haben; was recht ist. . . . 250 563 

Ap zwene ir sach vor gericht vergeben auf leut. . . 281 612 

Zwene teidingten mit einander, und die Sachen wart 

gegeben vieren 307 644 

Ein frau verwilkoret sich mit einem auf einen [aus- 
spruch]^ was ir solt volgen nach ires mannes tode, und 
sprach hindennach nein zu der wilkore 319 661 

Einer langte sein stiefmuter an umb veterlich erbe und 
muterlich angefeile; des wurden sie bederseit geschei- 
den mit iren freunden vor gehegtem ding 327 675 

Einer hat gelobt eine sune 371 736 

Von sunebruch 390 770 

Den hem von Oera und die Euntel belangend. . . . 423 817 

Aber die Euntel belangend 424 Ig^g^ 

Einer wart beschuldigt umb gelubde, und der sprach 

nein darzu 302 636 

Ton bürgen und bnrgesehaften. 

Ist nicht besessen mit lehen, erbeigen 39 91 

Ein brief ist verloren. 44 114 

Von burgeschaft für gericht 88 229 

Sich verschrieben selbschuldiglich und nicht als bürgen. 144 376 

Einer hat den andern in die Juden versatzt und hat ine 

nicht gar gelost 203 495 

Otto ist komen vor gericht und hat geclagt zu gutem, 

die do N. gewest sein 229 519 

Ap ein man, der in einer statt besessen were und erbe 
darinne hette und kein eigen, ap ine der schultes auf- 
gehalten möge 254 578 



16 

Blatt HsMMer 

E^iner yersatzt seinen leiplichen bruder und seinen stief- 
son umb ein summa geldes, und darnach erstund der- 
selbe man zu seinen schuldigem erbe und guter und 
hat die in lehn und gewem und verrechte die pis an 
sein ende. Damach versprach der stiefson die guter 
hinder seinem bruder und on sein wissen, der doch sein 
erste erbnehme was 298 632 

Ap einer geschuldigt wirt umb burgezuge, und er ge- 
stelt den gewaldigen zu rechte, ap er nun icht des 
burgezoges pillichen los sei 313 666 

Einer versatzt einen umb anderhalb schock groschen 
umb einen hof, den er gekauft hat und halb bezalt 
hat 338 688 

Von verpurgung einer gewere und antwort 365 726 

Von Versetzung einen herzogen gegen einen edlen hern. 365 727 

Ein man bürgte einen aus widerzustellen und gelobt 

nicht auf eine genante zeit 374 741 

Einer bürgte einen volger eins mords aus und kund 

den nicht wider gestellen 374 742 

Einer hat einen gepurgt vor schulde und hat den nicht 

wider gestalt vor gehegte pank 382 756 

Einer hat gelobt vor den andern, das er das halden 

solle sunelich und fridelich 383 756 

Von gelobde, einen manne zu stellende vor gehegter pank. 398 781 
ümb leistauge; was darumb recht sei. 448 — 

Ton pfänden und dergleichen. 

Wie man sich, so ein pfand willig gesatzt oder ime 
darzu gehulfen, es were beweglich oder unbeweglich, 
halten soll 3 -7 

Von pfände zu setzen 72 195 

Ap einer brief hett über gesatzte pfandgut 72 196 

Ap einem gesatzten pfände schaden geschech. ... 73 197 

Ap einer mit meinem willen zöge in oder auf mein 

zins- oder pfandgut und wolde wider davonziehen. . . 73 198 

Wie der pfanter geperen sol mit dem pfände, so es 

der versetzer nicht lost auf angesatzte zeit 73 199 

Ap man geweit geret mocht zu pfände setzen an einen 
kirchmeistem 74 200 



17 

Einer hat einen .acker erlangt bis auf die hiilf, den 

ein ander Torhin in pfandeslehn hat inne gehabt. . . 74 201 

Es darf niemand pfand nemen von einem gast für be- 

kant schuld 74 202 

Ap ein man nutzpar pfand aussetzte 74 203 

So der pfender ein gesatzt pfand yerkauft. 96 255 

Tidns hat yerkauft das gut^ das er dem [Menio] zu pfände 

gesatzt hat 96 266 

Ap hirtenlone auf die erben gesatzt wer und einer nicht 

geben wolt 218 503 

Ton knmmer. 

Einer hat einem ein acker yerkauft, und ein gelt ist 

pei dem kauf er yerkomert yor der reformacion. ... 98 259 

Den kumer heimlich zu halden bei dem richter. . . 118 306 

Voigt die uberleuterunge 118 307 

Der erste kommer, gepot und clag geen yor die andern. 119 308 

Einer hat einen bekümmert und dem kommer heim- 
lich yolge getan 120 309 

Verkümmert gut aus dem komer gefuret 120 . 310 

Den kumer mit unrecht getan 120 311 

Von yerkumertem gut, das man spreche, es were ge- 

offent 192 475 

Wurde ein pferd yerkummert und der wirt des nicht 

506a 
Von gefröntem gelde 242 549 

ümb leistong; was dammb recht sei 448 — 

Ton urteiln. 

Es hat einer ein gesprochen urteil strafen wollen und 

das [unjwissens halb seins redeners nicht getun [mögen]. 12 22 

Die Schoppen haben die eingefeiten urteil zu gedenken 
unbeschrieben nicht wolt ufnemen 125 322 

Urteil ist gefrist für dem deinen gericht bis an das groß 

gericht und darzu nicht komen 93 247 

ürteiUeuterung 126 323 

Urteil über urteil gelegt, eher das erste gesprochen ist. 126 324 

0. Kisoh, Leipziger SchöifeiuprachflAinmlimg. 2 



18 

Man sol nicht urteil legen, die ersten sein dann ver- 
sprochen 127 325 

Der des letsten urteil fellig wirt, der muB alles urteil- 
gelt geben. . 127 326 

Ap man mag einen Spruch brechen auf einen part. . 129 331 

Ein part muß dem andern ein abschrift geben und ge- 
statten des rechtspruchs 129 332 

Ein part muß legen sein gelt zu des andern parts gelde 

zu fertigung der leuterung, ob ime die not sein wurde. 130 333 

Ir zwene haben sich bei Terlust der Sachen auf einen 
tag [versprochen], ir urteil mit sampt dem urteilgelde 
einzulegen; so hat der eine denselben tag eingelegt, 
der ander teil hat seins die nacht einpracht 1Ö8 408 

Von einem richter, der da urteil geen ließ über gestraft 

urteil und hülfe tat. ' 422 816 

Yon kaufen und verkaufen. 

Eüner hat einen acker verkauft und ein gelt ist bei 
dem kaufer verkomert vor der reformacion 

Einer hat einem abgekauft bei der vorigen monz. . . 

Einer hat einem abgekauft bei der vorigen monz. . . 

E^ner hat ein dorf auf einen widerkauf verkauft-, das 
wieder wan und welch jare ime das ebent [gefallt], 
abzulösen zugeschrieben und doch nit mit bezalung 
gefolgt; so meint der kauf er, das gut ime nach gestalten 
dingen vererbet sein 100 262 

Einer hat ein gut auf widerkauf verkauft mit der under- 
scheid, das der verkauf er dem kaufer auf Martini des- 
selben jars, wo es ime eben [möglich], der losung wider 
zuschreiben solle; wo aber solchs nicht geschech, als- 
dan solt das hinforder ein erbkauf sein. Also ist die 
abschreibung gescheen und auf Walpurgis darnach mit 
der bezalung nicht verkomen 101 263 

Ein fleisch er hat ein erstickt seh wein verkauft. . . . 101 264 

Einer mag zins, umb bereit gelt gekauft, verbrifen lassen, 

wem er will on erben laube 102 265 

Einer ist verstorben, hat bei seinem leben schaf ver- 
kauft und hat das gelt geben bei gesondem leibe einem 
andern, dem er vor schuldig gewest ist. Nun meint 



98 


259 


99 


260 


100 


261 



19 

BUtt HaMMer 

sein weib und kind, solch gelt nach seinem tode zu 

forderen 102 266 

Dem weihe lassen leihen die h elfte der guter, die er 
gekauft hat auf dem lande, bei der statt zu pleiben 
ewiglich 103 267 

Gekauft mit underscheide 103 268 

Einen kauf gezeugt man selbdritte 103 269 

Einer spricht, er beger nicht mit unrecht das betagte 
geld zu geben, auch sei der kauf nicht geschechen umb 
neuer were 103 270 

Oater sein nach ires mannes tode verkauft und die 

schuldiger sein an das gelt geweist 103 271 

Onter gekauft mit ihrer gerechtigkeit 104 272 

Ein kauf eins freien guts 104 273 

Ein bruder wil seins und des andern brudem teil guts 

verkaufen 104 274 

Gekauft gut zu gezeugen 104 275 

Verstorben guter gekauft , 105 276 

Ein badstube, da selbad auf steen, ist lediglich ver- 
kauft und einem anderen also aufgelassen. .^ . . . . 105 277 

Der schuldiger soll geredt haben, den sachenwalden das 

auf seinen gutern zu vermachen auf einen widerkauf. 105 278 

Ein wiese auf einen widerkaufe verkauft 106 279 

Ein fleischer hat erpissen schaf in sein haus getragen, 
geschlacht und aufgehangen, die auf underweisung der 
meister verkauft 106 280 

Einer hat ein schloß widerkaufsweise mit solcher ver- 
Schreibung innen gehabt, das der verkaufer solchs schloß 
niemands dan für sich und sein erben allein zu gut 
wider[kaufen] lassen wolt 107 281 

Wie man einen rechten kauf gezeugen soll oder mag. 182 449 

Ein kauf und gewer verbrieft, und ap stock und galge 
darinne nicht berurt ist, unschedlich seint das stat- 
gericht über hals und band 189 463 

Ap einer seiner Stieftochter gut abkauft, die mundig were. 196 482 

Ein zusage von verkauftem gut, wie man das mit recht 

soll behalten 200 490 

Von gekauftem gut, das der widersach nicht geweren 

[mc^e] 226 516 

2* 



\ 



20 

BUtt MvMMer 

Von verkauftem gut, das der lehnherre nicht will leihen 
nnd wil das umb solch gelt, als das yerkauft ist, selber 
behalden;' ap das der kaufer on wandel bleibt oder 
was etc 201 491 

Von einer frauen, die nach irem tode kinder gelassen 
hat und der Stiefvater ine iren erbteil und ander gut 
abgekauft hat 224 511 

Von kaufe, der mit freimargten gescheen ist; ap da 

gericht über gehen solle oder nicht 235 527 

Von erkauftem gut; was recht ist 237 531 

Von verkauften eckem, die man messen soll nach rechter 

landmaßen 238 534 

Von aufgäbe eins kaufs vor gericht, der in jar und tag 

nicht widersprochen ist 247 558 

Von gut, das verkauft und für gericht vergeben wart 259 590 

Ein hof wart versatzt auf zins auf sein ablosung, und 

jener wil nicht gunnen die ablosunge 311 653 

Ap einer ein gut verkauft, das ime wol zu dank bezalt 

wirt 333 685 

Von gutern, die werderte Tietz Greßkenitz, und H. 

von Geitan sprach nein darzu und werdert sie änderst. 360 717 

Ap ein fremde[r] mann erbe und gut kaufen wolde und 
die erben dasselbe auch kaufen [wolden]; welcher das 
behalden mag 414 805 

Lehnguter on volwort des lehnhern verkauft .... 426 820 

Von hauskaufen im weichpilde 439 — 

Von lehn nnd gewere. 

Ein pferd wirt bei einem angefangen 46 122 

Wie sich drei vettern in irem lehn gehalten haben. . 46 123 

Vor dem verwilten recht ist kein were geheischen. . 91 240 

Einem die guter on gerichte und rechte entweret. . . 94 251 

Von verkaufen eins eigen ; wie lange der verkaufer das 

geweren soll. 95 253 

Ap zwen mit einander kauften und der kaufer queme 
mit dem verkaufer uberein. also das einer dem andern 
ja zusagte 96 254 



/ 



* 



21 

BUtt Kmam«r 

Einer muB beweisen, das er den brief mit wiUen und 
wissen jenes, dem er zahelt, inne hat, so er darauf 

schulde fordert 140 363 

Einer muß namhaftig machen, wie gat an ine komen ist. 142 371 

Einer wirt angelangt umb gewere eines hauses, so er 
pei der auflassung gewest ist, und ist doch darzu von 

nngeschichte komen 147 383 

Wie man ein rechte gewere sol nach recht gezeugen. 192 472 

Einer pat seinen lehnhem, das er sein veterlich gut 

nicht verliehe 192 474 

Zwene sagen ine gleiche gewere zu 197 484 

Ditz ist ein zusage mit irem capitel von der gewere zu 

halden 202 494 

Ap ime einer an einem gute zusagt lehn und gewere. 212 498 

Von gekauftem gut, das der widersach nicht ge wer en [möge]. 226 515 

Ap einer ein gut in seinen nutzlichen geweren gehabt 

hett jar und tag, und es darnach verkaufte 278 606 

Erbe und lehn zu behalten : ... 285 619 

Von lehn und gewere 364 724 

Von verpurgung einer gewere und antwort 365 726 

Von lehngutem und gewere, wie man die erweisen soll. 379 750 

Den hem Beußen und Gunter von Bunaw ein lehn an 

einem dorfe Eoschwitz belangend 421 815 

Von zehenden, Zinsen, geschoß, opf er tagen, 
auch Ton hauszins. 

Zehende, geistlich und weltlich 45 117 

Einer mag zins, umb bereit gelt gekauft, verbrifen 

lassen, wem er vnll on erben urlaubt. 102 265 

Einer hat ein gut inne, darauf jerlich testament. . . 115 295 

Von zinsgut, zins und hauszins 127 327 

Die schuldiger sollen sich vor dem rat verwilligt haben, 

das gelt zu zinsen, dhweil sie es nicht ablegen. . . . 127 328 

Einer yermeint, etzliche gerechtigkeit zu haben im dorf. 40 96 

Von verschrieben zinsen 128 329 

Von morgengabe, da die zinse einen Vorgang. ... 57 156 

Einer ist mit gutem, darauf man zins fordert, verweiset 

an anderen 128 330 



22 

BUit Hvaaer 

Gewonheit der opfertage 145 378 

Der pfarrher bedringt des rats belehnten capellan. 145 379 

Was Opfers dem pfarrhern geport 145 380 

Von gescfaoß geistlicher guter 146 382 

Von anerstorben zinsgut, die in jar und tag von dem 
lehnhern nie aufgenomen, noch kein zins davon gepoten 
haben; ap der lehnherr recht darzu habe oder nicht. 236 530 

Ein itzlich statt, die mit gut von einem fursten be- 
lehnt wird 238 535 

Ap ein man gelt auf zins neme und einem anderen 

aufgebe 266 596 

Ap leute eine münz zu zinse haben und ir herre auf 

ein andere münze dringen wolle, was etc 411 802 

Welch Sache nncreftig, machtlos ward. 

Handlung umb jerlich nutzung der wiesen hinder dem 

lehnhern getan 43 109 

Das weip hat etwas verwechselt hinter irem manii. . 41 98 

Wo guter gelegen seint, namhaftig zu machen. ... 45 116 

Zu gut zu clagen on recht gepot, da die clage macht- 
los ist 91 237 

Gekauft mit underscheide 103 268 

Testament in siechbett gemacht und seelgerete. . . . 114 293 

Von gäbe wegen, die machtlos ist, darzu der Jude clagt. 171 430 

Zu gut zu clagen on rechtlich gepot, da die clag macht- 
los ist 175 437 

Welch gäbe von stund vor gericht widersprochen wirt. 257 587 

Von angefelle, das vor einem offenbam Schreiber ver- 
geben und nicht vor gericht 246 556 

Von erbteilunge» guter angefelle nach magen- 
schaften nnd sippunge. 

Es ist einer verstorben on weib, hat nach ime gelassen 
zwen bruder nnd ein lebendig Schwester von voller 
gepurt und auch seiner vorhin verstorbener Schwester 
[töchter]. 16 .28 

Von mageschaft 17 30 

Ein teil eines holzes ist an einen gestorben 40 94 



23 

Blatt Hvaaer 

Von magescbaft; ab nicht halbe bruder die von einem 
rechten natürlichen yater komen seint, gleich erbteil 
nemen 17 31 

Anerstorben guter nach tode des weibes irer negsten 

nifteln za geben 18 32 

Von erbe zu nemen 18 33 

Der grosvater hat nach ime gelassen vier söne und 
töchter und seiner tochter kind und hat alle seine erbe 
und gut auf seine kinder und seiner tochter kind gleich 
geerbet 18 34 

Ein man ist verstorben und hat nach ime gelassen drei ' 

kinder und sein eelich weib, das er mit dem dritten 

teil seiner guter hat lassen belehnen nach der statt ge- 

wonheit; darnach hat das weib einen anderen man zu 

der ehe genomen und hat mit ime ein kind gezeugt; 

nun ist das weip gestorben. Ap nun das weib den 

drittenteil, damit sie ron dem ersten manne belehnt 

was, auf ir erste kinder geerbet hat oder auf das kind, 

das sie mit dem letsten man gezeugt hat 19 35 

Halbe bruder und halbe Schwestern von vater halben 

und muter halb, bruder und Schwester kind 20 86 

Vaters Schwester von halber gepurt, vaters bruder kinder 

und muter Schwester kinder yon voller gepurt. ... 20 37 

Bemante tochter und tochter in des vaters gewere ver- 
storben 20 38 

Einer verstorben, hat nach ime gelassen ein weib und 

drei s5ne ' 20 39 

Ein priester ist gestorben und hat veterlich guter und 

ein Schwester nach ime gelassen. 21 40 

Das kind nimpt in seins eldemvater guter erbteil mit 

seiner verstorbener niuter geschvnster 22 41 

Einer hat eine witbe genomen und ist zu ir in ir gut 

komen. 23 44 

Was dem manne gepurt nach seins weibs tode. ... 24 48 

Von verstorben gute, dar sich der bruder und tochter- 

kinde zu ziehen von sippe halbe; was recht 24 51 

Von verstorben kinder, zu dem gut sich zeucht die 

muter und der toden kinder vater bruder 25 53 

Von verstorben gute, darzu der sun der negste isfc ge- 

pom 26 56 



24 

Von erbe zu nemeD, das von vier kinden auf die muter 
gestorben ist, das doch die anderen kindere mit antei- 
dingen 26 57 

Muter Schwester son, halber bruder . . . 29 62 

Rechte Schwester, tochterkinder und halber bruder. . 29 63 

Kinder nemen erbteil an ires yaters gut 29 64 

Das tode kind hat des eldernvaters tot nit erlebt. . . 29 65 

Muter bruder, Täters geschwister halber gepurt. ^ . . 29 66 

Halber bruder, vaters bruder und Schwester 30 67 

Einer hat nach ime zweierlei kinder gelassen. ... 31 72 

Ob ein monch oder ein yergeben man mag erbteil nemen. 32 73 

Von farender habe 34 78 

Der Vater geerpt auf den son und tochter zugleich. . 36 81 

Ein man von ritters art ist verstorben etc. . . 38 86 

Das kind hat keine forderung zu des vaters gut bei 

seinem leben 39 88 

Von morgengabe 55 148 

Von morgengabe. . 55 150 

Nimpt ein man ein weib mit ploßer band 56 155 

So ein statt damit begnadt ist und wilkore hat, etzliche 
namhaftige und gesatzte [stuck] in der statt und aus 
der statt zu gerade zu forderen und zu geben, und nicht 
alle nach landrecht ^ 57 157 

Es hat einer ein weib genomen, ist zu ir in das gut 
gezogen, das ir von irem vater ankomen ; also hat der- 
selbig man [vier] kinder mit ir gezeugt. 58 160 

Ein rechtspruch von erforderung eins totschlags. . . 74 204 

Von zinsbeerbung, die da verkauft sein 94 252 

Dem weibe lassen leihen die helfte der guter, die er 
gekauft hat auf dem lande, bei der statt zu pleiben 
ewiglich 103 267 

Gut besessen on recht ansprach bis an tot 139 359 

Auf sulche spruchlich anforderunge und furgewante 

clage nach allen gehabten ergangen handeln etc. . . 154 405 

Es ist ein frau gestorben; so hat der mann ein ander 
weib genomen; so ist der man auch verstorben und 
hat das letste weib nicht verleibgedingt. Was darumb 



25 

recht und allenthalb den nachgelassen kinden, auch wittib 

gepuri 165 406 

I^ hat einer mit seinem weihe ein tochter gezeugt; 
da ist die frau gestorben; so hat der mann ein ander 
weih genomen. Was nun der tochter, die er mit der 
ersten frauen gezeugt, an gerade gepurt 157 407 

Was zu erbe und erbrechte, alle stuck, mustel, morgen- 

gabe und gerade gehört, nichts ausgeschlossen. . . . 159 411 

Nickel Posers ansprach seines eheweibs halben wider 
den Fritzschen als seinen schwager etc., da ausgedruckt 
wurd, wurmit ein vater sein kinder, bruder und Schwester 
etc., auch in welcher zeit sich die ansprach yerjaret etc. 165 416 

Wie sons kinder und tochter kinder gut erben, das der 

vater auf sie geerbet hat nach gleicher teilung. . . . 167 419 

Ap halb Schwestern von Tater halb neher seint, dann 

von muter halb 168 423 

Von gut, darzu sich zeucht ein eldermuter und bruder 

Yon halber gepurt 169 424 

Yon bruder und sons kindern 169 425 

Was einer frauen nach ires mannes'tode solle volgen 

von den gutern 169 426 

Wie ein kind nach seinem tode erbet sein gut in seiner 

muter schoß 169 427 

Von verstorben gute, darzu sich ziehen tochter und 

tochter kinder 171 431 

Ap ein halber bruder von muter neher sei, seine schafe 
zu behalten von seins bruders, wan ein rechte Schwester- 
tochter von vater und von muter wegen, oder was recht 
sei 190 465 

Ap viel leuten gleich gelt zugeschrieben were. . . . 190 469 

Was einer frauen nach recht volgt, der ires mannes gut 

keins gedingt noch begabt ist 191 470 

Von gerade und hergepet 191 471 

Was ein frau zuvoran nehmen sol von recht 195 479 

Von einem dritteil, das der frauen von irem ersten 
manne anerstorben ist, den sie irem andern manne nicht 
aufgelassen hat; wem denn der dritteil mit rechte volgen 
solle 219 504 



26 

Ap ein mann sein weib kostlich bilde in zier mit fas- 
suDg und kreuzen, des muß er seinem andern bruder 
widerstattung tun 221 507 

Von manne und weibe, die sich mit einander begabt 
haben; nach diser frage die [fraue] eher verstorben; was 
der frauen freunde gefolgen möge 226 514 

Von zween halben brudem, die ia gesamptem lehn ge- 
sessen haben und der eine verstorben ist; wem sein 
verdient gut, do der pflüg über gangen hat, möge ge- 
puren 235 528 

Welch gut ein frau irem man geben mag 239 538 

Von einer bestatten tochter, die mit den [unjbestatten 

kindem teilen mag und endarf iren teil nicht einpringen. 239 539 

Von gesippe vater Schwester von halber [gepurt] und 
muter Schwester kinder und vater bruder kinder umb 
erbe zu nehmen 240 541 

Was der frauen nach des mannes tode, die nicht be- . e: jo 

gabt ist, volgen soll 240 l ^2a 

Von angefelle, das vor einem ofPenbam Schreiber ver- 
geben und nicht vor gericht; ap die gäbe macht habe 
oder nicht; oder was recht ist 246 556 

Von eiuer gemanten tochter; ap die an ires vaters gute 

erbteil nemen möge, oder was recht ist 250 564 

Wie fruchte auf dem felde den erben volgen 260 591 

Kinder seint neher, ires vaters erbe und gut zu behal- 

den, dann ir Stiefvater mit gif£ darein gesprechen möge. 261 592 

Von fruchten, die auf einer frauen leibgedinge gewachsen 

seint 262 593 

Ap halbe bruder und schwesteren gleich teilen mit dem 

eldemvater 268 599 

Von einem verstorben manne, der einen monch gelassen 
hat zu einem sone, der do fordert vaterteil; was ime 
volgen solle 269 600 

Ap vater Schwester und muter Schwester der erstorben 
kinder gut gleich unter sich teilen, wann doch der 
muter Schwester ire gerade von irer Schwester zuvor 
weg bot 283 614 

Ap ein kind, das einen rechten ehevater und eelich 
muter hat gehabt, icht neher sei, seins eldemvaters 
guter von der muter wegen zu behalden wann die base. 284 616 



27 

BUtt HaMsar 

Einem kind starb der Tater und darnach die muter; 
und die eldermuter, des kindes yater mater, nam das 
kind zu ir und starb auch und darnach das kind. Ap 
nnn des [kindes] muter muter neher sei zu des kindes 
gatem oder des kindes vater muter bruder 285 620 

Ein mann starb und hat einen son, der in den geweren 
pleib, und vier beraten tochter; ap die töchter mit dem 
sone, der in den geweren [plieben] ist, teilen [mögen]. 285 621 

Friderich und Wilhelm, landgraven in Doringen und 
marggrayen zu Meyßen etc 287 622 

Einer wolt erbteil nemen von seins kindes wegen, das 
doch tot was, aus des kinds elderyaters gutern, der 
doch ein leibserben gelassen hat 301 635 

Ein knecht nam ein maid zu der ehe und gewonnen 
mit einander erbegut und zeugten kinder; darnach starb 
der man und der kinder ein teil 303 638 

Ap der toden kinder vaterbruder kinder neher seint ire 

erbe zu nemen oder ire ehelich muter 303 639 

Einer forderte ein teil aus von seins weibs wegen aus 
iren eldemvaters gutern, der er ir hat las$ien ver- 
schreiben und verbriefen vor dem lehnhern gleich an- 
dern seinen kindem, und auch ein teil -von der elder- 
muter, der ine auch mit verbriefet ist 304 640 

Ap einer ein weib nimpt und dem weihe stirbt ire 
muter, wil dan der man erbteil nemen in seins schwe- 
hers gutem, ap er icht einpringen muß, was dem weihe 
zu mitgift ist worden; was recht ist 306 643 

Ap sich ein frau verändert nach ires mannes tode und 
hat kinder, die da mit sitzen in gesampten gutern, was 
der frauen mag gefallen aus den gutem, da sie iren 
man mag mit beerben und begnaden on hindernus der 
kinder 308 646 

Ein man hat einen erben gelassen, der ungeborn was, 
und darnach nam die muter einen andern mann und 
starb die muter; ap dem erben, der ungeborn was, icht 
die guter volgen 310 652 

Ein man, gesessen auf dem lande, ist gestorben und 
hat gelassen kinder, rechte geschwistere von vater und 
von muter, und ein tochter die [er] mit einer andern 
frauen gehabt, die also guten teil haben wil als die un- 
gezweiten geschwistern, und ir doch vor ist gelt worden. 312 654 



28 

Ap ein halber bruder, von vater halbe, seines halben 
erstorben bruders erbe neher sei oder des erstorben 
muter muter, die sein eldermuter ist 312 656 

Einer starb im landrechten und lieB ein weihe; der hat 
er lassen reichen dritthalbs viertel lands; und das weib 
starb; darnach sprach der verstorben frauen bruder, ir 
wer halb aufgelassen, was sie betten oder immer ge- 
winnen 313 657 

Bruder und schwesteren kriegen umb erbzinsguter und 

das teilen sie zu gleich 339 689 

Einer hat ein weip gehabt, da starb ir vater und ließ 
nicht leibeserben; und forderte die guter nicht in jar 
und tage, sonder ließ es mit gut bestehen durch bett 
seiner schwieger, die gesprochen hatte, sie hette kein 
erbnemen wan die tochter; was recht sei 316 658 

Ap ungesondert bruder wurden gesondert von irer muter 
umb yeterlich erbe; ap der bruder einer stirbt, auf wen 
das stirbt 320 663 

Einem schuler starb sein muter, und der vater nam ein 
ander weib und hatt kinder mit ir und starb auch; ap 
der schuler icht zu voraus sol nemen seiner etc. . . 328 676 

Ap ein mann und ein frau storben im weichpilde und 
ließen kinder, die auch storben, und der man ließ einen 
leiplichen bruder und zwu schwesterp und die frau 
einen bruder; ap nun der frauen bruder die guter sol 
halb nemen, oder was recht sei 332 684 

Einer hat ein weib genomen pei irer muter und ist 
eingezogen in ires vaters erbe; dem ist nichts nicht 
geeigent noch gegeben in den gutem; dem ist das weib 
verstorben; was ime volge 334 686 

Einer forderte erbe und das darzu gehört von seins 
bruders wegen und wüst nicht, ap sein bruder tot oder 
lebendig were 336 687 

Ein frau nam einen man^ die hat zwei kinder und zöge 
zu irem manne in sein gut, und darnach starb das weib; 
was den kindem gepuren will 340 690 

Von erbe zu geben; was recht ist 340 691 

Kinder storben und ließen Schwestern und muter; das 

[erbe] wolten nemen die geschwisteren 341 692 

Von anfalle guts; was recht sei 341 693 



29 

Von gutem, die einer forderen wollde von seins weibs 

yater, wann sie doch tot was 343 695 

Von erbe und gäbe, die in einem andern gericht ge- 
schieht 344 696 

Ein man auf dem lande nam ein weib, der hatt vier 
kinder. Das weib starb. Da nam er ein ander [frauen], 
mit der er auch kinder gewan, und starb. Damach, 
die letsten kinder wolten den ersten kindem iren teil 
nemen, das ine doch nicht gepnren könnt von rechtes 
wegen 346 697 

Halb bruder tochter, vater bruder son; das behelt des 

halben bruder tochter 346 698 

Tochterkinder behalten das gut vor bmderkinder. . . 346 699 

Tochterkinder behalten gut vor bruders sone 347 700 

Von erbe und gut zu nemen von II Schwestern. . . . 347 701 

Ein man wolt guten unberaten kindem und wolt den 

mer geben seins guts dan den beraten 347 702 

Ap ein eldermuter des kindes guter neher sei zu be- 
behalten dan des vaters Schwester 347 703 

Yon muter bruder und Schwester vater halb und von 

yater bruder sone 348 705 

Ein tochter imd zwen bruder von gezweiten hindern, 
wie die ersten den letsten nicht meinen, teil zu geben 
an erbzinsgutem 348 704 

Ap einer seiner Schwester genüge umb ire veterlich 
erbe gemacht hett, und [sie] sich Tor dem erbherrn und 
nachtpauem verziegen hat, wie er des Yolkomen sol. 348 706 

Von gutem, wie eins in das ander ist komen. . . . 355 707 

Wie man vbn erbe und farender habe schuld gilt und 

nicht von der frauen leibgedinge 357 710 

Ein fraue im weichpilde ist gestorben und ließ zwu ^ 

halbe Schwestern auf dem lande und ein tochter im 

weichpilde. 359 713 

Ein man gab seinem weihe auf vor gericht alles, das 

er hat oder imer gewunne 364 725 

Ap des sons kinder sollen teil nemen in des eldem- 

vaters gut 380 751 

Ap der tochter kind, die nie ausgeratt ist, icht neher sei 

za ihres eldernvaters gut wann abgesonderte brudere. 380 752 



90 

Ap rechte eelich Schwester kinder oder eeliche muter 
brader oder Taters Schwester des verstorben mannes gut 
nemen 382 754 

Mater Schwester yon halber geport behalten guter vor 

Tater bruder Idnd Ton Toller gepnrt 384 760 

Halbe bmder kinder nemen das erbe Tor muter bruder 

kinder und Tater bruder kind 385 762 

Ein schuler ist gestorben, hat gelassen erbe und gut 
und hat gelassen seiner eelichen muter IV bruder von 
einer seit und seins eelichen vaters Schwester Ton der 
andern seit 386 763 

Guter seint gestorben an ein kind, und das kind starb 
darnach, ließ nach ime seiner muter Tater und seins 
Taters Schwester zu gleicher teilung 388 767 

Ap ein frau eigen zu irem man pringt und der man 
das eigene Terkaufte umb bereiten pfenning und andere 
guter darumb kaufte mit der frauen willen, auf wen 
das geerben möge, auf seine erben oder auf ire erben. 408 799 

Ap ein man erbe oder eigen hat und gibt das einem 
seinem kinde, ap das den andern kindem zu schaden 
komen möge von rechtes wegen. 410 800 

Was ein mann seines erbes Tor gerichte und gehegtem 

dinge nicht Tergibt, auf wen das gefallen möge. . . 410 801 

Ap ein man ein weib nimpt in ein dritteil der wilkore 
und gelobt ir ein leipgedinge zu machen, was ir die 
kinder pflichtig sein zu tun. . . • 418 810 

Nimpt ein man ein weib, der Tater und muter hat, stirbt 

er und lest kinder hinder ime, die kinder nemen erb- ^ 

teil an ires elderuTater guter 418 811 

Nunnen, die in ein closter gegeben werden, ap die erb- 

teil nemen mit ihren geschwistem oder nicht. . . . 419 812 

Erbe und guter, wie die Terfallen 430 823 

Einem starb sein son, der ließ erbe und gut, und des 

unterwant sich der richter und Terwandelte das. . . 420 814 

Auch erbfall belangende 431 824 

Von pfaffeo merk also: das erb^pit on der erben gunst nicht 
mögen verkommern noch gelosen sonder leibs not nach land- 
rechte 439 — 



31 

So ein yater gepqrenden teil einem klnde zn 
[schaden] dem anderen entwenden wolt« 

EHner hat sein gut und erbe dem anderen seinem kinde 
entwenden und das seinem sone übergeben und Ter- 
kaufen zu eigen wollen 26 58 

Einer hat gehabt einen sun und tochter; der hat seinem 
sune sunder wissen der tochter einen halben acker für 
dem hauptmanne aufgelassen und ist yerholen bis an 
sein tod « • • 33 74 

• 

Ein man hat gehabt zweierlei eeliche kinder Ton seinen 
weiben und meint, sein gut den letsten kinden zu geben 
und den ersten zu entwenden 183 452 

Ap ein man erbe oder eigen hat und gibt das einem 
seinem kinde, ap das den anderen kinden zu schaden 
komen möge Ton rechtes wegen 410 800 

Ton absonderangy aasgesatzten kinden, wie 
damit zn geparen. 

Wil die ausgerate tochter teil haben nach ires Taters 

tode, 80 muß sie wider einpringen. 22 42 

Aussatzung gemacht für Teterlich und muterlich erb- 

teil, dapei es pillich pleibt 23 43 

Von einer tochter, die aus irem Teterlichen erbe ge- 
geben und der Tater ir hulf getan hat; ap sie das in 
die teilung pringen sol oder nicht 25 54 

Von einem sune und drei tocbtem, und die eine ist Ton 
halbet gepurt, der XIK schock aus den gutern worden 
ist, und wü noch gleich teil nemen; ap die die XIX 
schock wider einpringen soll oder nicht 25 55 

Einer hat bei seinem leben einer seiner tochter ein 
stuck acker gegeben, das sich dann mit einer itzlichen 
geschwisteren erbteil, das ine nach tode ires Täters aus 
seinen gelassen gutem wurden ist, wol Tergleicht hat, 
und also gut als eins itzlichen seins kindes erbteil 
gewest ist 28 59 

Ein man Ton ritters art ist rerstorben, der nach ime 
frei lehngut hat gelassen, auch erbgut an farender hab 
und darzu einen sun und zwu bestatte tochter sampt 
etliche schulde etc 38 86 

Ap man ungepome fruchte abgesonderu mag 190 468 



32 

BUtt : 

Von einer ausgeraten Schwester, die da fordert von irem 
bruder vater- und muterteil; ap sie iren teil wider in 
das gut pringen soll oder nicht 231 522 

Von einer bestatten tochter, die mit den [unjbestatten 
kindem teilen mag und endarf iren teil nicht wider 
einpringen 239 539 

Kein frau mag ir unmündige tochter on des Vormunden 

willen nicht vergeben 239 540 

Von einer gemanten tochter; ap die an ires vaters gut 

erbteil nemen möge, oder was recht sei 250 564 

Von einer ausgeraten tochter ; was die nach ires vaters 

tode möge forderen von rechtes wegen 267 598 

Ein mann ist komen vor gericht und vor gehegte pank 
und hat seiner eelichen frauen aufgelassen die helft 
alles seins guts, es lige an hofe oder wuran es lige; 
des ist der mann gestorben on erben. Nun will die 
fraue teil haben an des verstorben bruder sone. . . . 324 670 

Ton begabnng maus und weibs, wo eins dem 
andern etwas auf- oder nicht aufgelassen, lehn, 
leipzucht, morgengabe, auch von brantschatze, 
wie es sich damit hell. 

Ein fraue hat alle ir gut vergeben 23 45 

Die wittibe hat etzlich ire guter dem manne nicht auf- 
gelassen 23 46 

Die fraue hat dem manne nicht aufgelassen ir gut; so 

pleibt sie mit merem recht darpei 24 47 

Der vater liat der tochter zu der ehe sechs schock zu 

narung mitgegeben 24 50 

Ein junkfraue hat irem wirt nach irem tode zehen schock 

zins lassen zuschreiben on willen irer erbnemen. . . 29 60 

Ein kranker hat einer geben über das bettprett hundert 

gülden minus drei, welch sie behelt. 30 68 

Das weib hat irem manne aufgelassen all ir gut, das 

sie itzund oder imer gewunne 30 69 

Der mann hat sein weib bei irem leben für gericht 

nicht begabt noch belehnen lassen 30 70 

Ein geordenter priester hat seinem freund gegeben und 
aufgelassen hinder seinem obersten sein teil der guter, 
welch aufgebung für nicht zu achten 33 75 



BUtt 


H«MBer 


34 


77 


35 


79 


35 


80 


37 


82 


39 


89 



39 


93 


40 


95 


51 


137 


55 


145 



33 

BUtt H«M 

On erbenlaub sol man anerstorben gut nicht vei^eben. 

Von gäbe zwischen eelichen leaten 

Von veranderonge etlicher guter 

Einer hat ein wittibe zu der ehe genomen, die nach 
tode ires mans haus und hof und alles, allein das her- 
gepet nicht, beerbet hat 

Das weih hat den mann begabt mit allen iren gutern. 

Ein mann hat sein eelich weib mit keinen seinen gutem 
bei irem leben lassen belehnen, noch ir keins auf- 
gelassen, ir auch in der ehestiftung nichts verheißen 
zu leihen lassen 

Es seint verschrieben auf einen hof XX alt schock. . 

Von gerade nach tode der stief[tochter] 

Von vergeben stucken der gerade 

Von morgengabe, welch die frau behelt vor alle schul- 
diger 55 148 

Von morgengabe, welche auf des weibs vater oder mit 
underscheide wider auf den man verstirbt 55 150 

Der mann hat seinem weihe ein ehegelt oder ein mor- 
gengabe gelobt zu geben, des doch verstorben unver- 
Bchrieben, doch verpurgt; was recht sei. 56 151 

Von gelubden morgengabe, vor den ehestiftleuten be- 

stetigt oder nicht, volgt der frauen 56 152 

Ap einer frauen keins gelobt [wer], und ein fraue hett 

gelt pracht zu irem manne mit genussen 56 153 

Von morgengabe, welch der frauen ander man irer kin- 
der gut an farender hab ungesondert gewest, behelt 
mit recht 

Von morgengabe, da die zinse ein Vorgang 

Zu bezeugen kauf und auflassung der guter 

Dem weibe lassen leihen die helfte der guter, die er 
gekauft hat auf dem lande, bei der statt zu pleiben 
ewigUch 103 267 

Von leipzucht, wan ein man seinem weibe eine ver- 
schrieben nicht auf sonder genant gut, ap [er] die mag 
unversprochen wandelen nach seinem gefallen. . . . 

Von leipzucht, die die frau vor alle schuld, welch die 
sie auch mitgelobt hat, behelt 

Brautschatz, gepracht zu irem man, ist des mans. . . 

O. Kisch, Leipziger SchöffenspraohBammlung. 



56 


154 


57 


156 


96 


257 



133- 


343 


133 


342 


138 


356 


3 





34 

Blatt HvMMW 

Was zu erbe und erberecht, alle stuck, mustel, morgen- 

gäbe und gerade gebort, nichts ausgeschlossen. . . . 159 411 

Von Vergiftung mans und weibs nach disen nachge- 
schrieben Worten 168 421 

Von gäbe wegen, die machtlos ist, darzu der juda clagt. 171 430 

Von Vergiftung manns und weibs vor gehegter pank 
und von schulde des verstorben manns, das die schul- 
diger der frauen bekennen. 173 433 

Einer hat seinem weib gegeben und aufgelassen halb 

alles, das er hat oder imer gewunne, vor gericht. . . 188 462 

Von gäbe und auflassung, die ein man seinen kindem 

tut und der sich nicht eußert bei seinem leben. . . . 197 483 

Wie ein fraue irem manne ließ gut leihen und das be- 
saß jar und tag; was recht isi 198 485 

Ap ein man seinem weib keins hett lassen leihen . . 199 487 

Ap einer sein gut seinem freunde aufließ und sich des 

bei seinem leben nicht eußert. . , 213 499 

Von einem dritteil, das der frauen von irem ersten 
manne anerstorben ist, den sie irem andern manne 
nicht aufgelassen hat; wem der dritteil mit rechte vol- 
gen solle 219 504 

Von einem knecht und [einer] frauen, die vertraut seint 
und die dem alle ire guter gegeben hat, und er ir wider 
ein halb erbe aus seinen gutern gegeben hat, als das 
geteidingt wart; und die fraue vor der hochzeit ist ge- 
storben; ap die gab macht habe oder nicht, oder was 
recht sei 223 510 

Ap einer den andern umb troglich handel schuldigt. . 233 526 

Von gäbe, die vor gericht geschechen ist; der sie innen 
gehabt X jare und lenger, und der die getan, ist in 
der gewere verstorben und hat gelassen qinen halben 
bruder, der die guter anspricht 237 532 

Von einer frauen, die do spricht, das sie ir wirt be- 
gabt habe ; wie sie das gezeugen soll und der Schoppen 
einer allein lebt, der das bekant; ap sie pei der gäbe 
pleibt, oder was recht sei 240 543 

Item von aufgäbe, von der muter auf ire kinder geerbt. 241 545 

Von angefeile, das vor einem offenbam Schreibern ver- 
geben und nicht vor gericht; ap die gab macht habe 
oder nicht, oder' was recht ist 246 556 



35 

BUtt ir«HB«r 

Von aufgäbe, [so] vor einem schultes in einem dorf 
geschechen ist imd nicht Tor gericht und gehegtem 
dinge; ap das macht habe oder nicht 247 557 

Von aofgabe eins kaufs vor gericht, der in jare und 

tage nicht widersprochen ist 247 558 

Von gatj das der mann on erbenlaube vergeben und 
verschreiben möge, wem er wolle 249 561 

Von gäbe, die der mann seiner tochter binnen der 
frauen siechtagen gegeben hat, und das [die tochter] in 
ire gewere genomen hat; ap die gäbe macht hab oder 
nit 250 562 

Welch gäbe von stund vor gericht widersprochen wirt. 257 587 

Wie man eigen an erbengelaube nicht vergeben mag. 263 594 

Von Stiefkindern und irem vater 279 608 

Ein man ist gesessen im weichpilde; der kauft ein [halbe] 
hnf landes in dem landrechten und nam die auf von 
dem erbhem und ließ seiner eelichen wirtin keins daran 
dingen, und ist verstorben on erben. Nach dem tei- 
dingen nun sein geschwistere; was recht hierinne sei. 296 630 

Ein man ist kommen vor gericht und vor gehegte pank 
und hat seiner ehelichen frauen aufgelassen die helft 
alles seins guts, es liege an hofe oder woran es liege; 
des ist der mann gestorben on erben. Nun wil die 
frau teil haben an des verstorben bruder sone. . . . 324 670 

Ein bruder ließ dem andern seinen teil auf an seinem 

erbe, do er krank was 341 "694 

Von erstorben angefelle von einem freund 357 709 

Wie man von erbe und farender habe schult gilt und 

nicht von der frauen leibgedinge 357 710 

Von ausgeliehen gelde 362 723 

Ein mann gab seinem weib auf vor gericht alles, das 

er hat oder imer gewunne 364 725 

Ap ein mann ein weip nimpt in ein wilkore des dritteils 
und gibt ir seins erarbeiten gutes vil oder wenig, ap 
das die fraue [bedes] mit recht genemen mag oder nicht. 407 797 

Aach leibgedlng belangend. 

Leipgedinge 38 85 

Sich verschrieben, sein weib zu beleipdingen lassen mit 

dreißig alden schocken 38 87 

3* 



36 

Wie ein frau ires leipgedings volkommen sali; firauen 

[be]dorfen an leipgeding kein Tolge 225 513 

Von verkauften leibgedinge, das in die schulde gewan- 
delt ist und zu farender habe gehört 249 560 

Ap ein mann ein weib nimpt in ein dritteil der ¥al- 
köre und gelobt ir ein leipgedinge zu vermachen, was 
ir die kindere pflichtig sein zu tun, oder was hierinne 
zu recht erkant wirt 418 810 



Ton gerade^ muAteil and morgengab. 

Was nach landrecht zu gerade, mustel und morgengabe 

gehört 48 134 

Gerade der tochter 50 135 

Gerade und hergepet zu geben und zu nemen im weich- 

pilde zu Rochelitz 50 136 

Von gerade nach tode der stief[tochter] 51 137 

Von gerade und gäbe vor gericht aller guter 51 138 

Von gerade 51 139 

Von gerade zu forderen 51 140 

Schulergerade 53 141 

Von anerstorben gerade einer junkfrauen, die do ein 
closterjunkfrau wirt 54 142 

Pfaffen nemen nicht gerade [wan] von irer muter. . . 54 143 

Ein fraue verlaukent etzlicher stuck der gerade. ... 54 144 

Von vergeben stucken der gerade 55 145 

Feldgenge vieh, bienen gehom nit zu gerade 55 146 

Gerade, die der frauen gepurt nach ires mannes tode. 55 147 

So ein stat damit begnadt ist und wilkore hat, etzlich 
namhaftige und gesatzte stuck in der statt und aus der 
statt zu gerade zu forderen und zu geben und nicht 
alle nach landrechte 57 157 

Es hat einer mit seinem weibe ein tochter gezeugt; da 
ist die fraue gestorben; so hat der mann ein ander weib 
genomen. Was nun der tochter, die er mit der ersten 
frauen gezeugt, an gerade gepurt 157 407 

Was zu erbe und erberechte, alle stuck, mustel, morgen- 
gabe und gerade gehört, nichts ausgeschlossen. . . . 159 411 



37 

BUtt KaniBer 

Von gerade, die der yater der tochter zu gute Ter- 
kauft und zu gelde gemacht hat, das zu erbe gewan- 
delt und erbe worden ist 168 422 

Von gerade zn forderen, dagegen der man sich mit 

der statt wilkore schützt 171 429 

Von gerade, in landgericht verstorben 174 435 

Von gerade und hergepete 191 471 

Wie gerade erbet auf muter muter Schwester und nicht 

auf muter Schwester Vater halben 198 486 

Von gerade und hergepete 238 633 

Einer hatt ein tochter und gab die zu der ehe; die ge- 
wann ein tochter; darnach starb die muter und erbte 
die gerade auf die tochter. Üarnach starb auch die 
tochter. Da langte des kindes eldermuter die gerade an. 297 631 

Ap ein morser, ein handbecken, ein tigel, ein zinen 
kandel, groB schusseln, zwene filzschuch, ein große 
zinen flaschen zu gerade nach weichpilde[recht] gehören. 309 648 

Ein fraue starb im weichpilde und ließ ein tochter, 
die sie mit irem ersten manne gehabt hett, und die 
tochter wolt die gerade nemen gar; was [darzu gehört]. 309 660 

Von gerade, die einer anlangt zu seiner stiefmuter, und 

sie nein darzu spricht 326 673 

Von gerade zu nemen. Ein frau ist gestorben, die hat 
gelassen gerade und ein tochter in dem weichpilde, 
darzu ein unberatene [schwester], eeliche Schwestern. 
Damach ist das kind verstorben. Welch nun die ge- 
rade nimpt. 358 711 

Von gerade, die ein schuler wolt nemen und nam. 358 712 

Ein frau im weichpilde ist gestorben und ließ zwu halbe 
Schwestern auf dem lande und ein tochter im weich- 
pilde 369 713 

Von gerade des gepauers 359 714 

Von wilkoren der gerade 369 716 

Von gerade zu nemen, die erstorben ist, die man wegert 

zu geben von eins schulers wegen 381 753 

Von gerade, welch der eltermuter Schwester vor muter 

Schwester nimpt 383 757 

Von gerade, die auf dem lande erstorben ist 383 758 



38 

BUtt RmataMr 

Ein frau hat gerade angeteidiogt und ist gestorben; 

der hat sich ir tochter unterwunden 384 761 

Von gerade, die teidingt an einer junkfranen muter 

Schwester tochter und ein priester, rechter Schwester son. 387 765 

Von gerade, die vor gericht bekannt und darzu gehulfen 

ist, und in welcher frist man die leisten soll 387 766 

Ton hergebete^ erbe und erbereeht. 

Von hergepete der pauersleute 58 159 

Was zu erbe und erberecht, alle stuck, muBteil, morgen- 

gäbe und gerade gehört, nichts ausgeschlossen. . . . 159 411 

Von hergepete, das der erbherre von rechtes wegen an- 
langt, und das doch bei lebendigem leibe yerkaufb ist. 166 417 

Von gerade und hergepete; am blat 191 471 

Von gerade und hergepete; am blat 238 533 

Wer da pferde zu hergepete geben soll 238 536 

Wie sich hergepet vererbet, das unyerkauft und un- 

yerwandelt plieben [ist] 269 601 

Was zu hergepete gehört nach dem landrechten. . . 284 617 

Ap ein mann stirbt in landrechten und darnach sein 
erben, was man seinem negsten schwertmogen soll rei- 
chen Ton hergepete, der in weichpilde gesessen ist. . 284 618 

Ap zwei beckene zu hergepete gehom, und ap jemand 
sein leut, [under im gesessen und] die er in lehn und 
[nützlichen] gewern hat und sein leipgedinge ist, geladen 
möge vor einen andern oder nicht 290 625 

Ap ein pferd zu hergepete gehört oder nicht 384 759 

Erbgut wollen zu lehngut machen. 

Von verstorben gute, davon man gezinst hat, die der 

herre meint, zu lehngutem zu machen 25 52 

Wie man soll lehn beweisen 41 99 

Handlung umb jerlich nutzunge der wiesen hinter dem 

lehnherren getan 43 109 

Von verstorben gut, davon man jerlich zwene kaphan 

gezinset hat 172 432 

Eine zusage von lehngute und von erbzinsgut zu behalten. 273 604 

Von erbzinsgutern, die ime einer zusagt vor lehngutere 287 623 



39 

Blftli Hvnimor 

So Under ansUndiseh^ den ^t anerstorben, 
dhweil [sie] anfien gewest weren. 

Der Yater ist verstorben, dieweil der sun auslandiscli ge- 
west, ist in veterlich gut on rechtlich inweisen mit 
recht gezogen 30 71 

Einem mann wart sein veterlich gut und erbe emfrSm- 
det, als er nicht einlandisch was, das er darnach durch 
erweisung besaß 194 477 

Ton Vormundschaft and vormnnden. 

Von Vormunden; ap ein mann sich gezogen hett zu un- 
mündigen kinden in ire gut, und der hett selber guter, 
wem die nicht der kinder pfand zu rechte 60 161 

Von Vormunde; ap ein man [als] Vormunde unmün- 
diger kinder gut verkauft oder versetzt, mocht ers zu 
pfände setzen oder mocht er zins darauf verschreiben 
oder nicht 60 162 

Einer hat in Vormundschaft ein holz erclagt und er- 
standen 60 163 

Vormundschaft zu verpurgen und von jare zu jar rech- 

nung zu tun 61 164 

Der Vormunde des kindes hat einen acker vermitet, 
und das kind ist darnach gestorben und hat den ver- 
erbet 61 165 

Ein acker ist unmündigen kinden entweri 61 . 166 

Von Vormundschaft, etwan nutzlich zu merken, das 

dreierlei Vormunde sein mögen 61 168 

Weren zu bestellen in Vormundschaft mit pfänden oder 

bürgen und schwem zu den heiligen 64 169 

Vormundschaft: wer der Vormunde sein soll; ap man 

sich Vormundschaft mag erweren 64 170 

Bechnunge der Vormundschaft getan mit vorgelegten 
registem, die besterkt mit sein selbst hand; pleibt es 
piUich dapei 64 171 

Wer da solle Vormunde sein und geben eines unmün- 
digen kindes; werden Vom gericht 64 172 

Von Vormundschaft, da ein unmündig kind kein ge- 
pornen Vormunde, sonder vater Schwestern und seiner 
muter bruder drei hat 65 173 



40 

BUtt Namnivr 

Wieyeme der Yormunde und zu welchen stucken der 

antwort schuldig ist 65 174 

Belehente stat; mag der burgermeister derselben statt 

lehnrecht tun von der stat wegen 141 366 

Was und wie ein eheraan on sonderlich volmacht und 
gewalt alle seines weibes yeterlich, bruderlich farend 
und ligend guter, sobalde er des weibs bettbrett be- 
schreit, als yormunde pillich zu forderen hat 164 414 

Von einem yerstorben mann, der ein eelich weib und 
kinder gelassen hat, und der elderyater hat die kin- 
der in yormundschaft genomen und meint der kinder 
muter nicht rechnunge zu tun ; was darumb gleich und 
recht sei 167 420 

Ap einer, der zu seinen jam komen were, yormunde 

zu seiner clag gekiesen möge 271 603 

Wan einer geyormundet wirt yor gehegter pauk, [und 
auf das gut, darüber er yormunde ist, icht gewant hat,] 
ap er des erbes und guts neher sei, wann jemand ime 
darein gesprechen möge 283 615 

Eines unmündigen kindes gekomer yormunde beschul- 
digte des kindes elderyater umb des kindes yeterlich 
erbe, das ime yon seinem yater anerstorben; was pil- 
lich und recht hierinne 321 665 

Ap einer, dem yormundschaft zugeteilt wirt, mag in 

der kinder gut sitzen, wann er will 386 764- 

Wie man einen rat kiesen und welen solli auch yon aller händ- 

werke und stat ordenung 465 ' — 

Ton rechnnngy manen und bezalen. 

Wann einer auf rechnung bekennt, zu welcher zeit er 

rechnung tun oder bezalen soll 2 4 

Einer begriffe den andern an dem wege, der ime schul- 
dig ist, und manet ine; wie damit zu geparen, das man 
recht tet 48 132 

Berechnung der yormundschaft 64 171 

Rechnunge eins burgermeisters oder burgers yon einer 

stat wegen 141 367 

Rechenschaft zu gestatten der aufhemunge 141 368 

Einer bekant dem andern schulde etc. Dayon in schult- 

geldung 210 497 



41 

BUtt Hanmer 

Ton sehnldgeldang, etwan auch nach toder 
band wie zu hezalen und zu entgehen ist. 

Die frao Yersacht ires saus erbe zu nemen; des gulde 

sie kein schulde 24 49 

Der tode ist schulde sechs jar uDgemant plieben. . . 39 92 

Von morgengab, daTon die firau nicht schulde darf 

gelten 56 148 

Ap das weih mitgelabde Tor schult, die ir man pürgte 

auf das gut, auf dem sie hett steen ir morgengab. 55 149 

Ap der mann mit seines weibes erbe schult bezalen 

mag, das ime vor gericht [nicht] geliehn ist 94 250 

Einer ist yerstorben, hat bei seinem leben schaf ver* 
kauft nnd hat das gelt geben bei gesondem leibe einem 
andern, dem er Yor schuldig gewest ist. Nun meint 
sein weib und kind, sulch gelt nach seinem tode zu 
forderen 102 266 

Einer spricht, er beger nicht mit unrecht das betagte 
gelt zu geben, auch sei der kauf nit geschechen umb 
neuer were 103 270 

Von helfgelde zu geben nach gewonheit der gericht. 92 241 

Guter sein nach ires mannes tode yerkauft, und die 

schuldiger sein an das gelt geweist 103 271 

Welche wort einen schuldig machen; wie gelobde ge- 

scheen sollen mit finger und mit zungen 130 335 

Hat einer gelt inne 138 357 

Einer hat einem Tolmechtigen gelt bezalt 141 369 

Schaden Ton nichtbezalung auf rechte tagezeit. . . . 149 386 

Einer bekannt dem andern schulde auf rechnunge und 
schuldigt ine umb beredung gegen seinen herm und 
umb schmeliche wort; was hierinne rechts zu belemen. 210 497 

Von einer frauen, die irem wirt an iren gutern die helft 

angelassen hett; ap sie des mannes schulde von irem /p^Oq 

gut gelden soll oder nicht 222 | g ^^2 

Otto ist komen Tor gericht, da einer einen yersatzt und 
ine schadlos in der yersatzung zu machen gelobt, da 
der kinder muter der schulde nicht unschuldig werden 
kann 229 519 

Ap eins manns weib bei einem anderen manne gelt 

forderte oder holet on ires maus wissen 230 521 



42 

Von angefelle, das vor einem offenbarschreiber vergeben 
und nicht Tor gericht, davon schult gegulden und die 
gäbe nicht creftig was 246 556 

Wurde einer frauen gäbe gegeben, als recht ist, ap sie 

davon soll gelden oder nicht 256 583 

Ap c^ine stat einem manne schuldig were, des er brief 
hett, und die burger sprechen, sie betten ime vergulden ; 
wie sie das volkomen sollen 256 586 

Ein recht von einem Juden und von einer frauen . . 279 609 

Zwen hatten etzlichen leuten farende habe verkauft; 
und da sie die farende habe verkauft betten, • storben 
sie; da manten dise die erbnemen; die wollen nein dafür 
gesprechen 306 642 

Wie man von erbe und farender habe schuld gilt und 

nicht von der frauen leipgedinge 357 710 

Ap ein frau von irer gäbe, die ir vor gehegter pank 

gegeben ist, schulde gelden soll oder nicht 362 721 

Glage umb gelt, da dem antworter die schult wol be- 

wust, da er ja oder nein zu sprechen soll 391 772 

Von geltschult, die einer schlecht leukent und recht 

darauf nam und des ein teils bekannte 405 791 

Nach toder band erinnenmg und erweisnng. 

Den erbnemen erinnern selbsiebent sulcher schulde auf 

tode band, als recht ist 34 76 

Der tode ist schuld sechs jar ungemant plieben. . . 39 92 

Gelübde erinnern selbsibent als auf tode band. . . . 152 399 

Von verstorben schulde nach toder band zu erweisen 

selbsibent auf den heiligen 173 434 

Wie man nach tode recht erbzinsgut soll beweisen selbe- 
dritt ungescholdener leut an irem rechten auf den hei- 
ligen und nicht hocher 190 464 

Ton getreuer band und leihen oder borgen. 

Von getreuer band, wie die gehalden soll werden und sich 

damit helt. 472 — 

Gelt zu getreuer band geantwort 150 392 

Von ausgeliehem gelde 362 723 



r 



43 

Ap ein man gelt auf zins neme and das einem andern 

weiter nberreichei 266 596 

Ein priester hat einem gelt geliehen, und diser hat inie 
geredt, sulch gelt auf zins und ein widerkauf zu Ter- 
machen und zu yerschreiben lassen 97 258 

9 

Ton falseh handtlerem. 

Falsch Silberkuchen wollen Yor gut verhandeln. ... 11 19 

Einer, [der] ist mit oelmaßen felschlich gefam und ge- 
handelt hat, ist auf frischer, handhaftiger tat begriffen 
und gefangen gesatzt und die bekannt; und die sach 
ist wider ine peinlich furgenomen 65 175 

Der sechste gezeuge hat nicht gleichmeßig gezeugt mit 
den fanfen; und gehört zu der ersten clage Ton dem 
oel messen, sunsten zu den gezeugen 66 176 

Einer schlug ein yieh, das was siech, und verkauft das 
halb und silz ime die ander helfte ; wie der zu strafen 
genommen 396 780 

Wie man geiichts pflegt über fahchmunser nnd über die, die 

falsch wirken an silber und an golde 462 — 

Ton wacher und wachem. 

Wucherischer contract 141 370 

Der geistlichen acht zugepurt, welchs wucher ist. . . 153 400 

Ton freimarkten^ verwechselen^ leinkaufen und 
gplelen« 

Von Verkantung oder leinkaufe 10 18 

Das weip hat etwas verwechselt hinter irem mann. . 41 98 

Von kaufe, der mit fireimarkten gescheen ist; ap da 

gericht aber gehen soll oder nicht 235 527 

Ton den^ die heimliehen rat olFenharen. 

Der den rat offenbart 135 349 

Von zwen ratsfreunden sach im rat gescheen 148 385 

Was der verfallen ist, der einen rat malt und den bur- 

germeister mißhandelt und bekent des 201 492 



44 

BUtI M«BMer 

Was der verfallen ist, der einen rat straft und hinter 
ime und der gemein unsem herren schreibt, wie er Ton 
itzUchem sere gedrungen werd, und die namhaftig ge- 
macht 202 493 

Welcher mann unrecht sampnung macht wider der statt 
rat, was der darumb leiden darf [und] von unrecht 
clagen [wider] der stat rat 414 806 

Ap einer geschuldigt [wurd], er habe einen sitzenden 

rat gescholden 331 682 

Von abtrünnigen, angehorsamen weiben. 

Von einem ungehorsamen weibe, die bei irem man 
nicht sein wolt, und die nach ires mannes tode forderte 
den dritten teil; ap er ir volgt 187 459 

Was rechtes uber ein ebefran in ehebmch ergriffen gehet, so 

sie von irem manne daran befanden 460 — 

Von einem weib, die von irem man ging, nicht wolt pei 

im sein 42 102 

Ton notzng, buber- und hnrerei. 

Zwen nachtpaurn seint mit einander zum hier gewest 
und bede trunken; da ist der eine dem andern nach 
mittemacht in der trunkenheit zu dem weihe gangen 
und sich zu ir gelegt. Also hat dieselbe frau geclagt, 
wie sie ire nachtpauer fleischlich angefuchten; was sein 
büß und leiden hierumb ist 16 27 

Ein maid schwanger gemacht, welch sein freund in 

zweierlei darumb zu beschuldigen ist 43 107 

Ein gebrechliche maid schwanger gemacht 43 108 

Einer wurd beschuldigt, er soll einer dime ire junk- 

fraueschaft genomen haben 153 401 

Von notzogen und burerei, die an eines manns eheweip ge- 
schieht. 459 — 

Wie einer einen in seinem haus erschlug, der pei nacht 
ime sein weihe notzogen wolt und ime sein gemach 
aufprach bei gerochem feur 372 737 

Was rechtes nber ein ehfrau in ehebruch geet, so sie von irem . 

manne daran befunden 460 — 

Wu ein kind eher oder vor der ehe empfangen, und 
darnach der vater die muter eelichte; ap das kind auch 
von seinem vater erbt 38 84 



45 

BUtt R«MBer 

Was ein oneelich geporn mann auf sein weib und kinder 

erbet 39 90 

Ton eegelobde. 

Von ehgelobde 42 103 

Eine hat einem ein eh geredt und vorhin mit worten 

auch einem anderen 43 106 

Erweisen, dafi kinde lebendig geborn sein« 

Das ein Mnd lebendig sei geporn, zu beweisen. ... 42 104 

Wie man ein Idnd, das lebendig geporn wirt und vier 
wende beschrien hat, bezeugen soll, und fort sein gut 
geerben mag 270 602 

Ton tadelnng, nndachtlg zn machen, TOn hand- 
werken wollen werfen lent nnd brlef, wie da- 
mit geparen Ist, zn merken. 

Einer hat einen hund erstochen, darumb wollen ine die 

meister des handwerks entsetzen und yerwerfen. 9 17 

Die Schneider wollen eins mollers sun nit auf das hand- 

werk nemen 41 100 

Wu ein kind, das eher oder Tor der ee empfangen. . 38 84 

Was ein uneelich geporn mann auf sein weib und kin- 
der erbet 39 90 

Von einem weib, die von irem mann ging und wolt 

nicht bei ime sein 42 102 

Die fleischer wollen einen von dem band werk verwerfen. 44 112 

Einer seine freundin mit gelt gereitzt und gewitzt ge- 

warlicher aufzuheben, des ine wolden untüchtigen. . 45 119 

Ein fleischer hat ein erstickt schwein verkauft; darumb 

soll er von dem handwerke sein entwert 101 264 

Wo ein gemitter knecht aus seins herren dinst geet; 

was der knecbt dem herren verfallen 15 26 

Ein fleischer hat erpissene schaf in sein haus getragen, 
geschlacht und aufgehangen; das auf unterweisunge 
der meister verkauft 106 280 

Einer hat gesagt, er wolt einem gern an galgen helfen 
nnd wie derselbe auch ein hurnkind sein solt; sich zu- 
vor, eher er ime abtrag pflichtig were, des auszufuren ; 
was darumb recht 158 409 



46 

Umb einen kauf zu gezeugen und einen gezeugen zu 
verwerfen, der uneelich sol geporn sein, das man nicht 
mag verkommen, was er dem gezeugen und dem richter 
darumb verfallen 175 439 

Ap ein kebskind also vil rechts möge gehaben als ein 

ander wolgeporn man 329 677 

Einer hat einen beredt gegen dem voigt 407 795 

Ton Injurien und schmehung; die sich anch 
selber laster berumen. 

Einer hat einer junkfraun zu hone schmacheit zugesagt, 
wie er zu vilmals unkeuschheit mit ir verpracht habe, 
da er ime und ir nun schand und laster selbst zusagt. 8 14 

Gerichtscost und der injurien allenthalbe müssen ver- 

pesserung tun 83 221 

Einem ist umb unrecht zusage und gerichtscost zu 

seines widerparts hause verhulfen 85 225 

Gerichtscost zu erlangen umb schmeliche zusage und 

Scheltwort, auch von widerclagen 86 227 

Ein nachtpauer hat des andern eeweib zu iren eren 
gescholden und ir eebrecherei zugesagt. Sulcher ir- 
tumb dan bericht [ist] wurden; und er hat die berich- 
tung uberfaren und verneut und gesagt, er habe den 
eebruch selber mit ir getrieben und vor dem gerichts- 
helder das selber im gefenknus ungenötigt bekannt und 
gesprochen, eher er das widersprechen oder lenken 
[wurde], wolle er darumb sterben 89 232 

Scheltwort sampt bezichtung 131 336 

Bekennt er der lasterwort 131 337 

Wort zu hone und schmacheit nit geredt haben. . . 131 338 

Von zwen ratsfrunden sach, im rat gescheen 148 385 

Einer hat gesagt, er wolt einem gern an galgen helfen, 
und wie derselbe auch ein humkind sein solt; sich des 
zuvor, eher er ime abtrag pflichtig were, des auszu- 
furen; was recht 158 409 

Von frauen, die sich umb wort schuldigen; was eine 

der andern pust von rechts wegen 238 537 

Ein recht clage zu einem, der eins andern weib zu 
rede hett gesatzt mit dem, als er sprach, er hett muter- 
lieh angefeile an iren gutern 280 610 



47 

Einer schalt den andern 406 793 

Einer beclagte einen etc 406 794 

Einer beredt den andern mit bösen lesterlichen Worten 

vor gericht 302 637 

Von überzeugen manne 395 778 

Tietz Schiler hat Hansen Sorget vor richter, burger- 
meister und rat erlös, treulos, meineidig und ein schalk 
gescholden, wolle das mit einem handwerk der fleisch- 
hauer auf ine erweisen, des sich Sorgel beclagt, umb 
recht gepeten, aber also von den herren [yervast], bei 
C schock die sach peinlich auszutragen 432 825 

Ton bezichtiug^ dieberei und uberfarang. 

Ein silbern harpand hat einer inne 11 20 

Einer seine freundin mit gelt gereitzt und gewitzt, ge- 
warlicher aufzuheben, des ine troglich oder deubisch 
bezichtigt 45 119 

Einer hat ein tuch yerlom und einen anderen damit 
bezichtigt; derselbe ist fluchtig worden und doch auf 
recht wider ein geleit genomen; das ist ime gebrochen; 
und wie es damit gehalden und auch kein titel oder 
ankunfb, welcher maß nicht beweisen, findt man am. 12 21 

Einen dieberei gezigen und ist der nicht fluchtig worden. 45 118 

Es hat einer ein gesprochen urteil strafen wollen und das 

[onjwissen etc. Gehort zu dem: Einer hat ein tuch etc. 12 22 

Von diberei zu zeihen und Scheltwort, die hals und 

band antreten 178 441 

Von deube, mit keiner handhaftigen tat nicht begriffen. 179 443 

Von schulde und dieberei, [die] der cleger, wer das 
getan, nicht namhaflig gemacht hat, darzu der von 
recht nicht darf antworten 181 448 

Von deube zu zeihen; der zu stock pracht, gepeinigt 
und darinne geworgt ist, und doch nicht uberkomen; 
was ime [einer] von der schmacheit wegen ist verfallen. 265 595 

Von deube, da einer dem andern soll gersten gestolen 

haben, bezichtigt 375 745 

Man gab einem schult, er hett ein pferd gestolen. . . 376 746 

Einem wurden wicken abgeschnitten und er kam auf 

die spor und volgte der nach 402 786 



48 



BUtt I«aM«r 



Von clage, das einer den andern vor gericht fürte und 

trug, ime wicken nach und clagte auf ine 403 788 

Ton stocke, bände und niederwerfting. 

Einer ist zu stock und banden pracht mit keinerlei ge- 

schrei, noch auch nicht in handhafter tat begriffen. . 136 351 

Ein gemein hat einen umb ein verstolen kilch ver- 
suchen lassen 151 394 

Es ist ein kilch verloren, da hat man einen umb ver- 
sucht 151 395 

Einer wirt umb einen verloren kilch aus einer zer- 
brochen kirchen verdacht 152 396 

Von deube zu zeihen; der zu stock pracht, gepeinigt 
und darin gequelt, ist doch nicht überkommen; was 
ime von der schmacheit wegen der verfallen ist. . . 265 595 

Eine gemein verlur einen kilch 375 744 

Von vervestange und achte 462 — 

Ton gestolener hab, wem die gepnrt 

Was hab des erforderers bei dem diebe gefunden wirt, 
die sol man dem forderer widergeben, und die ander 
guter sollen etc 148 384 

Einer hat gestolen und kirchen gebrochen, das er be- 
kannt 392 773 

Einer der da nachvolgt und erwischt seinen dieb und 
geneust gots und begert mit dem des rechts, ap er im 
von des rechten wegen das gut icht neher sei zu be- 
halten, das ime genomen und gestolen ist, wann ime 
kein gericht darein gesprechen mag 392 774 



75 205 
et 
461 — 



Die sich in gefenknns selber toten. 

Die selber sich hengen und toten, wie mit den ist zu 
geparen, auch auf wen sie ire guter pringen ; was auch 
der, der ine in gefenknus pracht, dar umb pflichtig ist. 

Ap ein rat lent anßer statt verweist. 

Ap ein rat leut aus der stat verweiset umb schaden, ap 
sie der her oder sein richter mit rechte möge ange- 
langen 244 553 



49 

BUtt Nmaaer 

Ap der rat böiger verweist umb bruche, die sie wider 
ire köre getan haben, ap sie der erbherre oder sein 
richter darumb angelangen möge, oder was recht sei. 246 555 

Bruche^ dieon Torsats^ nlehtmit willen oder TOn nn- 
mandigeo kinden^ onsinngen menschen gesehechen. 

Wo aber solch brache nicht mit Yorsatze und argelist, 
sunder aus verwarlosunge oder Unvorsichtigkeit oder 
Ton einem onsinnigen, onweisen menschen oder kind 
gesehechen, und was allenthalb und eins itzlichen. . . 4 9 

Eine hat einem ein ehe geredt und vorhin mit Worten 
auch einem anderen, welchs sie gemeint, nicht ehe 
gewest, den andern onbewust so in schaden pracht; ap 
sie solch schaden wandelt 48 106 

Einem furman ist wachs auf dem wagen verprennt. . 45 120 

Der Vater muß von seins unmündigen kindes wegen 
▼erpesserung tun 61 167 

Ein junkfrau verwunte sich in einem spieß und starb. 
Das geschach on jenes willen und was ime von herzen 
leit, dem, der den spieß trüge 320 662 

Einer fore über ein schiffreich wasser; da er solt aus 
dem schiff faren, da stund der furmann in dem wege, 
das ime diser über den fuß für unwissentlich. . . . 377 747 

Wie kinde ander iren jaren ire leibe nicht verwirken mo^en. 462 — 

Sebad yerwarken mit yerwarlosnng. 

Von einem manne, der verwarlosung getan hat mit einer 
schroÜeiteren, der das gelten muß 243 551 

Einer hat abgehauen einen halben maulpaum, der da 

stund in einer rechten Scheidung 369 734 

Mauricius hat wantkasten oder genner, da getraide innen 
zu verhalten, vermidet einem pauersmanne, da der boden 
eingangen, mit dem getraide beschwert gewest; wer 
den schaden tragen muß 369 735 

Wn tier oder rieh schade tat. 

Pferde haben schaden getan 42 105 

Em hnnd hat einen gepissen 47 124 

Ein pferd hat einem andern pferde ein bein zuschlagen, 

und der man hat das pferd 47 129 

6. Eitch, Leipziger SchöfFenspnichsammliiiig. 4 



50 

Ton lenge der niellen und strafien. 

Die lenge der meile 136 352 

Straßen werden etlichen nidergelegt 137 353 

Wie lang ein Magdeburgisch mehile ist 190 467 

Ton testamenten nnd lotsten willen. 

Von testament, in siechbetten gemacht 114 293 

Testament und bescheidung, in der krankheit geschechen, 

was macht haben 114 294 

Einer hat ein gut inne, darauf jerlich testament. . . 115 295 

Von testament zu einer kirchen, bei gesondem leibe 

mit versigilten briefen geschickt 115 296 

Kleider im siechbett bescheiden 115 297 

Ein kranker hat einer gegeben über das bettprett hun- 
dert gülden minus drei gülden 30 68 

Ein frau hat einem priester ein umbral gelobt. . . . 150 389 

Von bescheiden gut, wie es craft hat 170 428 

Von slgiln nnd briefen. 

Ein entsagebrief und veint geworden 47 127 

Einer hat sein sigil von bete halb aufdrucken lassen. 139 360 

Geliehn insigil an den brief. 139 361 

Ein brief ist vergeßlich geschrieben über ein betei- 

dingte sach 139 362 

Einer muß beweisen, daß er den brief mit willen und 
wissen jenes, dem er zuhelt, inne hat, so er darauf 

schulde fordert 140 363 

Ein brief ist verlorn. 44 114 

Einer spricht, ime sei um sigil [unjbewust 140 364 

Brief unduchtig machen ^^. 141 365 

Einer hat einem volmechtigen gelt bezalt 141 369 

Ap einer seiner brief und insigil bekennet; was recht ist. 199 488 

Jhan von Dolen und Jhan von Waltitz belangende. . 425 819 

Von schult, darüber brief seint gegeben 446 — 



51 

Ton nea geben anfriehtange, yleehtrifte, stoin- 
wege^ wolfsgrnbeii und Ton reinen. 

Ein neu tor hintenaus, aber ander leut guter zu faren. 42 101 

Der herre des gerichts hat ein woÜBgruben gemacht, 

darin vieh zu schand wurden 92 243 

Einer yerwiUigt sich, wu er diesen schaden tet, der 

kerne von seinen schafeu, wolt er vemugen 137 354 

Von einer dorfschafib, die ir reine verzinset haben, und 

wie sie behalden sollen 305 641 

Von einer gemeine, wie sie einem anderen über sein 
wolgewachsen getreide und gut haben ir vieh lassen 
treiben 359 716 

Von einer vischweide, die ir zwene itzlicher mit ge- 

zeogen inen zusagen 362 720 

Einer hat dem andern zu schade gebaut und hindert 

ine damit 367 731 

Einer hat im weichpilde einen hof freie; der wegerte 
sich, hulf zu tun zu steinwegen, der er doch auch mit 
gebraucht hat 368 733 

Einer hat abgehauen ein halben malpaum, der da stund 

in oder auf der reinung 369 734 

Einem wurden gesatzt weiden auf sein erbe; da rieten 

ime seine freunde, er solt die ausziehn 401 784 

Ein man kaufte ein erbe und gut, daran gewest tor 
und gang, welchs sein yorfam also gebraucht, ime 
empfuren wolten 420 813 

Ein rechtsfrage und spruch darüber, ap einer Viehtrift 
und huteweide, die vor alters nicht gewest were, leiden 
durfte oder nicht. , . 428 822 

Boctor Hennings ratschlag aber Viehtrift und neue schefereien, 
ser fnrtreglich und nutzparlich, darnach zu richten sich jeder 
weiß , 434 — 

Wie ein bau gescheen soll 441 — 

Von feuer merk also 443 — 

Von zeunen, wie die zu setzen und wenden sein. .... 443 — 



4* 



i 



52 

Blfttt Hamer 

Ton frldebruche, freyelern^ gleitbrechern^ tro- 
nnge^ anshelßen, aafrnrn^ straßraubern und die 
sich widersetzig machen dem gericht. . 

Einer hat einen gemant umb schalt, so er ime schuldig 
gewest; hat der schuldiger viel frevelicher wort, dar- 
nach mit der tat, er were frevelich gegen einem richter 
und andern mit worten, auch mit werken geubet, damit 
er den fride gebrochen ; was darumb sein puB oder 
leiden ist, am 7 13 

Ir zwene haben sich mit einander bei der nacht im 
dorf geschlagen; also hat der eine ein degen dem 
anderen durch ein pein ge würfen, und so bede die 
flucht geben und der ein -in ein seh af haus entlaufen; 
da ist der yerwunte pis vor das schafhaus durch ein 
hingarten nacbgevolgt; was darumb recht sei. ... 14 23 

Freveler ein weib erschreckt haben, das ir die frucht 

abgangen ist unrichtlich 44 110 

Beschuldigen, ein gluende eisen zu tragen, in wallenden 

Wasser greifen 44 111 

Dem wirt seinen hausfriede gehalden von anrufung des 

richters 45 115 

Getroet zu prennen 47 125 

Ein entsagebrief und veint worden 47 127 

Einer hat leut angerufen von gerichts wegen, in seinem 

haus friede helfen zu bekreftigen. 83 222 

Einer hat gegen einen in gegen Wertigkeit des richters 
und der fronpoten einen frevel wollen tun; dem der 
richter von gerichts wegen fride zu halten hat gepoten ; 
das er nicht hat wollen tun, sonder sich mit mort- 
licher were wider den fronpoten gesatzt, nach ime ge- 
stochen, den richter gescholden und sich des gerichts 
gewert. . . . / 88 231 

Von eigener gewalt und dorst on gericht und recht in 

gerugliche gewere gefallen, guter entwert 91 238 

Wider den richter gesatzt hartlich und der widersetzer 

ist verwandt 92 244 

Wider gericht und schöpfen getan, das ire aide berurt. 93 245 

Der richter hat das gericht aufgeben, dhweil der cleger 

in langweilichen gesprechen gewest Ut 93 246 



63 

Einer lief ober den richter in gehegter pank 94 248 

Einer hat geleit gebrochen, darin er gewest ist. . . . 133 341 

Einem in seinem hanse gefrevelt mit gewalt 143 374 

Einer hat seine gewere bekreftigt mit armbrasten. 152 397 

Einer hat auf einen mit einer gespanten armbrust ge- 
wegewart und denselben geschossep, auch sunst ver- 
wandt; und der teter ist in frischer handhafter tat 
begriffen und gefenglich gesatzt, doch wider on des 
degers willen zu pnrgenhand ausgeben; ap das mag 
gescheen oder nicht 161 412 

So einer geschlagen, gefangen und darüber verurpheit, 
was demselben zu recht dagegen pillichen abtrag ge- 
schechen soll oder nichts. * 162 413 

Von einem geschwomen richter, der .unfuge umbgeen 
wolde von gerichts wegen, da sich leut mit einander 
zweiten, also das der richter mit seinen belfern, die er 
angerufen, einen abermorten in demselben aufrure; ap 
sie den pessem 176 440 

Von troen einer dem anderen offenberlichen zu forderen. 178 442 

Ein mann, der die schöppen in gehegter pank gescholden 

hat, was der darumb verfallen 180 444 

Einer wart beschuldigt um ein fridebruch, das er einen 
in forstlich geleit geschlagen solt haben, darzu der nein 
spricht 186 456 

Einer gelobte, recht zu tun an offen tagen 186 457 

Was ein mann dem andern sei verfaUen, der da spricht, 
das er ime alle tage auf schaden gehe und das also 
bekennet 200 489 

Was der verfallen ist, der einen rat melt und den 
bnrgermeister mißhandelt und bekent des 201 492 

Was der verfallen ist, der einen rat straft und hinter 
ime und der gemein unseren herren schreibt, wie er 
von itzlichem sere gedrungen werde, und die namhaftig 
macht 202 493 

Einer hat den anderen gefangen in der herren gericht 
und hat ine mit frevel in ein ander gericht gefurt; was 
er dem gericht und dem gefangen verfallen ist. . . . 228 517 

Ap einer die seinen hieß nachdraben 228 518 

Ap ein man ein schwert oder messer zöge, was recht 

der richter daran habe 251 569 



54 

Ap ein wirt einen dieb in seinem banse scblnge nnd 

wante, was er dammb leiden soll 264 580 

Zwene kamen zum bier in einen freien hof und zankten 
sieb; des erwuchs der wirt mit ploBer were und hand- 
baftiger tat und clagte drei ding zu einem; des kam 
sein bürge zu dem dritten dinge zu der antwort und 
spracb, er wolt darumb das weregelt geben 282 613 

Einer sprach in gegenweriigkeit der scfaoppen, sie betten 
ime das sein mit gewalt imd unrecht abgesprochen und 
genommen 299 633 

Ap einer geschuldigt wurd, er habe einen sitzenden rat 
geschulden, und jener bekent mit underscheid; ap ine 
der rat neher des zu überzeugen ist oder jener neher 
zu entgehen 331 682 

Wie einer einen in seinem haus erschlug, der pei nacht 
ime sein weib notzogen wolt und ime sein gemach auf- 
brach pei gerochem feur 372 737 

Ein man zerte in einem haus und wart gewundet da- 
rinne zwu offener wunden und wunte die wirtin mit 
einem schwert 378 748 

Von heimsuchen 394 777 

Einer hat Schoppen gestraft Yor gehegter pank, sie betten 

ime unrecht urteil funden 396 779 

Welcher mann unrechte sampnung macht wider der 
statt rat, was der darumb leiden darf [und] von unrecht 
clagen [wider] der statt rat , . 414 806 

Wer Ton gerichts wegen in einem auflauf schaden oder 

mort tet. 427 821 

Von fridebrucb, der in eins vier pfele geschieht ; wie man den 

richten soll. 443 — 

Alle Straßen reuber, die ine half, rat und tat darzu tun, auch 

die, etc., wie die zu strafen 459 — 

Ap einer dem anderen troet, so es zu clage kumpt, wie man 

das richten soll 461 — 

Wie pfaffen iren leip verwurken 462 — 

Ton totschlegen^ TOlgem^ forderung und bes- 
sernnge der mort; anch Ton wanden^ schlegen 
und der äehte. 

So einem vormals ein glied oder was wunden das sein 
mocht, yerpust were wurden, und wo er darein gehauen 
wurde, was sein wergelt ist, etc 5 10 





55 


Blatt 


Kmmaier 


61 


167 


74 


204 


75 


206 


75 


207 


76 


208 


77 


209 


77 


210 


78 


211 


78 


212 



Der vater muß Yon seins tinmimdigeii kindes wegen 
Terpessemng tun 

Ein rechtsprach von erforderung eins totschlags. . . 

Volge eins morders 

Umb volest eins morders an gezogen beclagt 

Von Yolge eins morders 

Von volge eins morders, on verborgen geclagt. . . . 

Yon teter und Yolger eins mordes 

Von Yolgem und helfem eins mordes, und der cleger 
erpeut sich gezeugen 

Volge eins mordes, ine verlegen mit gelde 

Der richter hat den morder des erschlagen bruder über- 
antworte ime bevolen, er solle ine versorgen, und der 
morder ist ine entgangen 79 213 

Man muß den morder {zu] der clage frei für gericht 

pringen und aller band los 80 214 

Einen erschlagen in notwere 80 215 

Einen toden aufgehoben hinder gericht 80 216 

Der verwunte ist gestorben 80 217 

Von nein gesprochen einer volge 80 218 

Es ist einer über die VI wochen noch der tat für ein 
morder gefenglich angenomen; dapei sich einer gesatzt, 
er wolde die tat auf ine pringen 81 219 

Einer ist pis auf die ächte erlangt, darin verkündigt 

wurden 82 220 

Die wunde ist nicht kämpf er wirdig geclagt 115 298 

Auferhobene braune und blau schlege 116 299 

Die Schoppen haben Verletzung bekannt. 116 300 

Von der hulf, die erlangt einer wunden halb 116 301 

Zwu kampferwunden^ drei peinschrotige wunden. . . 117 303 

Einer hat einem ein bein entzwei gefaren 117 304 

Beinschrotige und kampferwunden und volger. ... 117 305 

Wie ein kampferwirdige wunde sol verlegt werden, 

und was von einer solchen tat dem richter gepurt. 159 410 

Von einem manne, dem sein son abermort ist und ein 
teil pesserung daran empfangen hat von dem teter, 
und der man darnach ist gestorben on erben; wem 
nun das von recht mag gepuren 167 418 



56 

Von einer frauen, die ein kind ermordt hat 180 445 

Umb ein mord, da die selbenschuldigen Yor das recht 
haben pargen gesatzt und die selbschuldigen seint von 
dem rechten dingfluchtig worden; wie die selbschul- 
digen mit iren bürgen mit recht umb den mord yoI- 
komen sollen 184 453 

Einer wart beschuldigt umb ein fridebruch 186 456 

Einer wart geschuldigt einer kampferwunden von einem 

yerleumpten manne 190 466 

Zwene bruder worden geschuldigt umb Yolge eins mor- 
des und verantworten sich nit; des kommen sie in die 
ächte 289 624 

Wie einer, der besagt wirt.von einem morde, das er 

wege unt tat darzu gegeben hat, dafür gerechten soll. 322 667 

Ap einer geschuldigt wirt, das einer hat einen mord 
getan und ist komen aus seinem hause und wider in 
sein haus, und er bekent, er sei ime unverpoten ge- 
West von gerichts wegen 323 668 

^ Ap einer seinen son, der ein mord getan het, schicket 
aus dem gerichte in ein ander gerichte, der ime nie 
verpoten ist; ap der on wandel sei 323 669 

Ap ein mann einen feilen kauf hat und leut zeren 
darin und geen aus dem haus und morden einen und 
komen wider in das haus, ap der mann des hauses icht 
verfallen sei 329 679 

Einer schuldigt einen, das er seins [sons] morders vol- 
ger gehauset hett und von seinem brot wider zu seinem 
brot kommen were; das bekant jener aufsein wergelt. 330 680 

Ap ein man geschuldigt wirt umb ein volge eins mor- 
des und ime geteilt wirt, er solle es entgeen selbsibend 
auf den heiligen, ap nun die sieben sollen besessen sein 
in dem gericht oder aus dem gericht 330 681 

Einem wart abgemordt sein vater und begreif einen 
auf fluchtigem fuß und pracht ine in gefenknus. Ap 
nun des gefangen vater icht den möge ausgeziehen 
und unschuldig machen auf den heiligen, wan er nicht 
in handhafter tat begriffen ist 331 683 

Wie einer einen in seinem haus erschlug, der bei nacht 
ime sein weib notzogen wolt und ime sein gemach 
aufprach bei gerochem feuer; was hierin recht. . . . 372 737 

Von mord und seiner forderung 373 738 



57 

Blatt üimer 

VoD mord und forderang; wem die gepaert. . . .' 373 739 

Einer frauen wart ir vater abgemort, und ir wart 
besseruDg geteidingt Ton freunden; das wollen die 

schaltleut nemen; ap sie können 374 740 

Einer lempte den andern und wart uberjerig . . . 374 743 

Von raufen und schlagen, das der teter bekant . . 379 749 

Von wunden und blutrunst ; wer die erste clag hat. 389 769 

Ap einer einen vettern hett, dem sein weib abgemort 
wurde, und der starb, und sein son underwunde sich 
der forderung und starb darnach, ap nun der yetter, 
seins bruders son , icht der forderung neher sei, wan 

des weibs bruder 393 775 

Von morder forderung 398 782 

Einer wart beclagt umb volge und das tat er dem 

richter zu hülfe, das gericht zu sterken 401 785 

Von offen wunden, die nicht mit geruft geclagt wer- 
den, und die Schoppen der offen wunden bekennen, 

in welchem rechten die bestehen mag 413 804 

Von totscblegen, notwere und änderst 454 — 

Totscblege on not 455 — 

Wie man ein totschleger vor gericht boI pringen. • 455 — 

Was lemde gesein mag, wan lemde mancherhand ist. 458 — 

Von Tolge; was die bedent 459 — 

Ton gelelt. 

Such am blad 131 339 

bis 

nach einander und bei disem titel »von einem yer- 341 

festen man« am 254 579 



Ita vela contracta judicis 
per me A.B. anno 1524. 



Leipziger Weistum ßir Dresden 

Die Sprüche Nr, 1 bis 7 a bilden ein Weistum der Schoppen xu Leipzig, Hand- 



das im ktzten Viertel des 15. Jahrhunderts nach Dresden ergangen ist Von 
dieser Leipziger Rechtsbelehrung sind außer der Handschrift M 20 der 
Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden noch zwei und zwar ältere hand- 
sehriftHche Überlieferungen erhalten: 

L Das Dresdener >Alt Urlheilbuch*, eine von Dresdener Stadtschreibem 
um die Mitte des 15, Jahrhunderts angelegte und bis in die Mitte des 
16, Jahrhunderts fortgeführte Sammlung nach Dresden ergangener Magde- 
burger und Leipziger Schöffensprüche (Handschrift des Ratsarchivs zu Dres- 
den Signatur A XXII 73 h), enthält auf Blatt 8P bis 84\ Nr, 74, eine 
Abschrift des Weistums aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts, welcher 
ohne 2kveifel das bisher nicht uneder aufgefundene Original kurze Zeit nach 
seinem Einlangen in Dresden zur Vorlage gedient hat. Sie gibt den Wort- 
laut der Rechtsbelehrung mit den Sprucheingängen ungekürzt wieder und 
überliefert namentlich allein den in den anderen Handschriften fehlenden 
Spruch Nr. 7 a. 

2. Weniger vollständig ist die dem Ende des 15. Jahrhunderts entstam- 
mende Abschrift des Weistums ^ die in einer vermutlich zu Zwickau in 
Sachsen entstandenen Schöffenspruchsammlung auf Blatt 63^ bis 67^, Nr. 7, 
in der Handschrift Ms. germ. fol. 810 der Preußischen Staatsbibliothek {früher 
Königlichen Bibliothek) zu Berlin enthalten ist. Hier trägt das Weistum die 
Überschrift: » Von voitdinge und seiner büße. Äd requisicionem scabinorum 
in Dresden (Sententia supra petita mora sumendi advocatum). « Der Spruch- 
eingang zu Nr. 1 und der Spruch Nr. 7 a sind weggelassen. Die Wiedergabe 
des Wortlauts, welche in dieser Handschrift im Gegensätze zu den Dresdener 
Handschriften Ä XXII 73h und M 20 fortlaufend ohne Einteilung in Ab- 
schnitte erfolgt^ ist von Schreibfehlem und Nachlässigkeiten des Abschreibers 
nicht frei. 

Die Textfasstmg der Handschrift Dresden M 20, in welcher allein die 
einzelnen Sprüche mit den Inhalt kurz zusammenfassenden Überschriften 
versehen sind, die aber gegeniiber den anderen handschriftlichen Überliefe- 
rungen des Weistums zahlreiche Kürzungen aufweist, konnte aus der Dres^ 
dener Handschrift A XXII 73h zmt Yolhiändigkeit ergänzt werd&n. 



BOHaiVTBK 



60 [Vorbemerkung. 1] 

Dbuokb Das Leipziger Weistum für Dresden ist gedruckt tmter dem TUd > Von 
vaigigedinge und seiner büße* in der Sammlung Leipziger Schöffensprüche^ 
welche unter der Überschrift: * Hernach volg&n eÜiche der schöpfen zu 
Leyptzigk urtel, zu bewerung der obgeschriben sachen^ zu underweisungy 
sich in rechten und urtdn darnach zu richten^ erstmals im Jahre 1535 
von Christophorus Zobel seiner Sachsenspiegelausgabe ^) angefugt ururde 
und die daselbst unmittelbar vorausgehenden Rechtsausführungen Über das 
Verfahren in bürgerlichen und peinlichen Sachen mit authentischem Quellen- 
matericU belegen soll. Dem Z ob eischen Drucke hat vermutlich eine voü- 
ständige Fassung des Weistums zur Vorlage gedient. 

Die Sprüche Nr. 2 und 3 sind auch selbständig als ^Sententiae Jenen- 
sium€j teilweise mit sinnstörender Erstellung des Textes^ unter der Über-- 
Schrift: »Von bezahlung allerlei schulden* bei Oeorgius Beatus, Miscel- 
laneorum senientiarum definitivarum Saxonicarum pars I: De contractibus 
ceniuriae IV; Oerae 1611, S. 79 f., Tit. 5, Kap. 17 gedruckt. 

Eine mit weiteren Leipziger Schöffensprüchen belegte Inhaltsangabe des 
Weistums auf Orund der Es. Dresden Ä XXII 73h findet sieh bei Otto 
Eicht er j Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden, 
IL Band: Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden, erste Abteilung; Dresden 
1891, S. 23 und 27 ff. 
DA'nBaimo Die Datienmg des Weistums gründet sich auf seine Stellung in der 
chronologisch angeordneten Dresdener SchÖffenspruchsammlung Hs. Dresden 
A XXII 73h. 
Vebwandtb Spruch Nr. 7 des Weistimis stimmt mit Meißener Bechtsbuch^) III. 14, 
QvTSLLVJx g — 21 überein. — Über die inhaMidie Verwandtschaft der ^Laufenden 
Urteilen mit dem Leipziger Weistum für Dresden siehe unten die Vor- 
bemerkung vor Nr. 8. 

Lbtztbs a 

VlBBTBL DBS 

15. Jahrh. Gedruckt bei Zobel, 5sp. Anli., Blatt 18 ^K 

Bl. 1a Wo einer vor Yoigtgedinge oder ehlichen dingen beclagt 
wurde; ap er sein frist auf einen Yorsprechen oder yormun- 
den gewinnen mocht und wie lange, etc. 

[Unsere fruntliche dinste zuvor. Ersamen weisen besundem guten 
frunde. Nachdem ir uns geschriben und gebeten habt, uch uf man- 
cherlei gesetze, frage und stucke, in denselben uwem Schriften be- 
griffen, der dinge, so sich bie uch vor voit- oder ehedinge, das ir 

1} Christophorus Zobell, Sachssenspigeli uffs neu durchaus corrgirt und 
restituirt. Gedrugkt zu Leyptzigk, Melchior Lotter. Anno domini 1536, Anhang, 
Blatt 17 bis 34. 

2) Friedrich Ortloff, Sammlung deutscher Rechtsquellen. Erster Band: 
Das Rechtsbuch nach Distinctionen nebst einem Eisenachischen Rechtsbuoh; 
Jena 1836. 



[1. 2] 61 

dreimal im jar pfleget za haben, beweilen begeben, des rechten un- 
derweisung zu tune, inmaßen und wie denn ein «olchs eigentlichen 
bemeldet wird, etc.] ^) sprechen wir schoppen zu Leiptzk auf das erste 
stuck, so der [beclagte] für dem Yoigtgedinge oder ehlichen dingen 
seine frist gewinnet auf einen vorsprechen [oder auf einen] Vormunden 
oder auf bedenken, wie lange er die frist haben solle, vor recht: 

Wo ein mann umb eigen oder lehen, das er über jar und tag in 
geweren hat gehabt, und also umb unbeweglich gut vor voigt- oder 
ehgeding oder vor andern gehegten dingen beclagt wurd, und er ge- 
winnet mit urteiln oder bittet frist auf einen vorsprechen, Vormunden 
oder auf bedenken, sich zu verantworten, so gibt man im pillich 
darzu [tag und] frist vierzehen tage oder zum negsten bescheiden ge« 
richtstage, dann man alle vierzehen tage pflegt zu dingen. Wo aber 
ein mann umb beweglich gut oder umb eigen oder umb lehn* und also 
umb. unbeweglich gut, das er jar und tag nit besessen hat, beclagt 
wurd, zu solcher clag, so der beclagte mann gegenwertig ist und ime 
die Sachen wissentlich seint, mus er zuband antworten, bekennen 
oder lenken,' und er mag alsdann der clage wider auf vorsprechen, 
Vormunden oder auf bedenken keinen tag noch «frist haben noch er- 
langen. Und wann ein mann umb so getane Sachen vor gericht 
beschuldigt wurd, da er kegen wertig ist, und der richter gebeut 
ime zu rechter antwort, | so er dann nicht antwort oder will sich mit Bl. 1 b 
recht nicht entreden noch schützen, das er nicht antworten solle, so 
teilt man ihn pillich wetthaftig. Also tut man zum anderen und 
[auch] zum dritten dinge. Und antwort der beclagt alsdann zum dritten 
dinge nicht, so teilt man ine pillich der sachen und clagen und der 
schult nach sechsischen rechten 2) überwunden und') verlustig bis auf 
seine rechtliche hulfliche Widerrede. Von rechts wegen. 

2 Letztes 

Viertel des 

Oedruckt bei Zobel, Ssp. Anh., Blatt 18^^ Spalte 1. 16. Jahbh. 

So der beclagte vor voigt- oder ehding oder anderen 
gehegten dingen der schult bekennt, darumb er beschuldigt 
wurd, wie es damit gehalten soll werden. 

[Zum andern mal auf das ander gesecze euer schriftlichen frage, 
so der beclagte vor voit- oder ehdinge oder einem andern gehegten 

1] Ergänzt aus Ha. Dresden A XXII 73 h, BI. 81b 
2] Hb. Dresden A XXII 73h: sechsischem rechte. 
3) Hb. Dresden A XXII 73 h: oder. 



62 [2. 3. 4] 

dinge der schult bekent, darumb er beschuldiget wirt, ab er des- 
selbigen tages bei Sonnenschein bezalen oder die hülfe leiden oder 
ap er über XIV nacht der bezalunge frist haben solle J^) sprechen 
wir obgenanten scheppen vor recht: So- ein mann, der vor deoü 
Voigt- oder ehding oder vor einem anderen gehegten ding oder sunst 
auQerhalben der gericht vor einem rate oder gerichte umb schuld 
oder gelt beclagt wurd, und der beclagte bekennt der schuld, ist 
dann die schult verpurgt gelt von handlung, kaufen oder verkaufen 
darkoromen, darvon bede cleger und antworter frommen und nutz 
gehabt haben, so hat der beclagte zu der bezalunge pillich vier- 
zehen tage frist und tag; ist aber die schult von burgenschaft dar- 
kommen, also das der beclagt vor einen anderen gelobt hat, also 
das er mit alle darvon keinen fromen hat, so beheldet er pis an 
den selbschuldigen seinen burgezug^) und frist drei vierzehen tage. 
Von rechts wegen. 

Letztbs 3 

YlERTBL DES 

16. Jahrh. Gedruckt bei Zobel ^ Ssp. Änh,^ Blatt iS*, Sp. 1, 

So aber der ein wilder gast ist und der antworter be- 
kennt, so teil man ime, wie hernach volgt. 

Bl. 2a So aber der cleger ein wilder gast ist, und der beclagte bekennt 
ime der schult, darumb er ine beschuldigt hat, so teilt man pil- 
lich, das er dem cleger und gast die bekante schult bei Sonnen- 
schein oder über die andere nacht leistet oder bezalt. Wo aber der 
cleger auf den beclagten die schult vor gericht mit notrecht gewinnet, 
also das er die zu den heiligen oder mit gezeugen vor gericht er- 
halten muste, zu solcher schult mag er keinen aufschube noch frist 
haben, [wenne er muß die zuband bezalen] ^j, und er muß dem richter 
darumb wetten. Von rechtes wegen. 



LETZTES ^ 

ViKRTEL DES 

15. Jahrh. Oedruckt bei Zobel^ Ssp, Anh.^ Bl, 18^^ Sp, 1 — 2, 

Wan einer auf rechnung bekent, zu welcher zeit er rech- 
nung tun oder bezalen soll. 

1) Der Eingang des Spruches ist ans Hs. Dresden A XXII 73h und Hs. Berlin 
810 ergänzt. 

2) Zobel, Ssp. Anh.: tag. 

8} Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73 h. 



[4. 5] 63 

[Zum dritten und auf das dritte gesecze, wann einer auf rech- 
nunge bekennet, ab er bei sonneschein desselbigen tages die rech- 
nunge tuen solle, und ab er die rechnunge den tag nicht tete, ap 
denn der cleger die schult auf den beclagten erlanget hette]^), 
sprechen wir obgenanten scheppen yor recht: Das es mit der 
rechnung nach [art] der bekanten schult, wie vor gemelt ist, auch 
muß gehalden werden. Also in welcher frist der beclagte die be- 
kant schulde gelden muß, in derselben frist muß er auch mit dem 
cleger die rechnung halden. Und ab der beclagte in solcher frist mit 
dem cleger umb die schult keine rechnung halden wurde, so muste 
der beclagte ime solche^] schulde, wie er die wider') in Vorgericht 
hette yerlauten lassen, vor voll gelden, so ferre es änderst der cleger 
mit urteil bewart hett.. Und der beclagte mochte alsdann darüber 
zu fordern rechnung za tun nicht zugelassen werden, er künde dan 
erweisen, wie recht ist, ehaftige not, dadurch er verhindert were 
worden, das er der rechnang mit dem cleger in gepurlicher gesaczter 
frist nicht hette gehalden noch tun mögen. Aisdan so mocht er 
die rechnung noch tun und muste von dem cleger zugelassen wer- 
den. Von rechtes wegen. 

5 Ljstztes 

YnaTBL DBS 

Gedruckt bei Zobel, Ssp, Anh., BL 18\ Sp, 2—Bl 19^, Sp. 1. 16. Jaheh. 

So man voigtgeding helt und der antworter nicht fur- 
queme, was der cleger gein ime erlanget oder der ant- 
worter verfallen sei. 

[Auf das vierde gesecze, wenn der antwerter den tag, also man 
voitdinge heldet, nicht vorqueme oder gestünde, ap der cleger sein 
schult alsdann zu im erstanden habe oder nicht, und was der ant- 
werter^ umb solchen ungehorsam dem richter und auch dem cleger 
vorfallen sei, etc.,]^) sprechen wir obgenanten scheppen vor recht: | 
So der beclagte zu dem voigtgeding und auch zu einem andern Bl. 2» 
[ausgelegten dingetage, wann ime rechtlich eingepoten ist, nicht vor 
gericht zu der antwort komet oder gestelt sich^), so vorteilet man 

1) Ergänzt aus Ha. Dresden A XXII 73 h und Hs. Berlin 810. 
2j Von jüngerer Hand in die Vorlage eingefügt. 

3) Ursprünglich stand in der Vorlage: »wurde so«; von anderer Hand darch- 
strichen und »wider« eingefügt. — Mit beiden Korrekturen stimmt der Text 
bei Zobel überein. 

4) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73h und Hs. Berlin 810. 

5) Hs. Dresden A XXII 73h: gestehet. 



64 [5] 

ine pillich dem gericht wethaftig und gein dem gerichter^] der ge- 
richteskost verfallen. Und der cleger mag seine schulde zum voigi- 
geding und also auf einen dingtag alleine zu dem beclagten nicht 
erforderen, sundem er müsse sein clag auf ine Yolfiiren, wo er nit 
zu antwort kummet, von einem dinge zum andern, vom anderen zum 
dritten, wie sich das furpas nach ordenung des richters^) und ge- 
wonheit der gericht gepurt von rechte. Und so der beclagte zu 
Yoigtding') umb [seinen] ungehorsam wetthaft verteilt ist worden, so 
muß er dem voigt, dem richter oder dem gericht zu wette drei 
pfund^], das seint [LX]^) Schilling, geben solcher pfenning, als pei 
euch und in dem gericht geng und gebe seint, da man pier und 
brot umb kauft. Solch gewette man den in anderen dingetagen vor 
gericht nit geben darf, sonder allein YIII oder III ^) Schilling pfen- 
ning, wie es dan aldo selbst bei euch gewette zu nemen von euch 
von alder ge wonheit damit gehalten ist worden; also habet ^) ir es 
hinfur auch billich; und ein itzlich besessen man, der soll selb- 
dritt®) zu solchem voigt- oder ehding in gericht beweisen bei ge- 
richtes gehorsam, bei der puB, wo es sunsten durcji die gewonheit 
nicht änderst elngefurt ist. Daraus dan auch vermärkt wirt, was 
unterscheit ist unter dem voigtding und anderen gemeinen') aus- 
gelegten dingen 10). Und ap jemands vor solchem ding bußfellig ver- 
urteilt^^) würdet, [so bedarf einer dem andern, dem er bußfellig 
vorurteilt ^*) wirt,]^^) nicht mer dan XXX Schilling pfenning wie in 
anderen ausgelegten ^ 3) dingen zu puB geben. Von rechtes wegen. 



1) Hb. Dresden A XXII 73h und Ha. Berlin 810, sowie Zobel: kleger. 

2) Hs. Dresden A XXII 73h: des rechten. — Hs. Berlin 810 und Zobel: 
der recht. 

3) Hs. Dresden A XXII 73h: zum dritten dinge. 

4) In der Vorlage folgt durchstrichen: wachs. 

5) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73h und Hs. Berlin 810. — Vorlage: XYI. 

6) Zobel: X; Hs. Berlin 810: III; ebenso Hs. Dresden A XXII 73h; da- 
selbst noch »neun« darüber geschrieben. 

7) Hs. Dresden A XXII 73h: haldet; Hs. Berlin 810 und Zobel: halt. 

8) Hs. Dresden A XXU 73h, Hs. Berlin 810 und Zobel: sich. 

9) Hs. Dresden A XXII 73 h: siechten. 

10) Vgl. dazu unten Nr. 7 a. 

11) Hs. Dresden A XXII 73 h: vorteilt. 

12) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73h und Hs. Berlin 810. 

13) Hs. Berlin 810: ausgehegeten. 



[6] 66 



ö Letztbs 

ViSBTBI. Dl 

Gedruckt bei Zobel^ Ssp. Anh.y Bl. 19% Sp. 1—2, 15. Jahm. 

Wen der beclagte zu der schult nein sagt und eide zubl. 3a 
tun gelobt, wie er darmit verfarn sali oder mag, und wie 
man es mit eiden in verpunden tagen pflegt zu halden, etc. 

[Auf das fünfte gesecze, wenn der beclagte zu der schult nein sagt 
und eide davor zu tuen globet, ap er solchen eid denselbigen tag bei 
Sonnenscheine tuen müsse oder ob er den eid zu tuen XIV tage 
frist haben solle,] ^) sprechen wir obgenanten scheppen vor recht: Wo 
eide gelobet werden vor solchem voigtgeding oder [andern] ausge- 
legten ^) dingen, der sie gelobt, wil er seins eides abkomen zuband, das 
mag sein widersach nicht gewe[ge]rn, der den eid nemen sol, wen sein 
widersach mag von recht darinnen keinen aufschub machen noch haben. 
Wil aber der, der den eid zu 3) leisten') gelobt hat und tun sol, frist 
und Schub haben, den eid zu leisten, so er das mit urteiln erlangt, 
so gibt man ime solche frist bis über vierzehen nacht^) oder zu dem 
negsten ding pillich, es were dan, das einer umb schult beclagt und 
die clag vorwert wurde. So dan der beclagte nach vorwerter clag 
umb die schult einen eid bitet und es wurde den von seinem wider- 
sachen mit urteil geheischt^) und Terteilt, so muste der beclagte den 
eid zuband tun. 

Eomen aber gelobte eide auf gepunden tag, die mag der richter 
wol Terschreiben *) auf einen anderen tag, der außerhalb den gepun- 
den tagen komet. Den in gepunden tagen mag man nicht richten, 
dan allein ungerichte, auch nicht schwern, wen den frieden und 
auch auf den man, der mit der handhaftigen tat begriffen oder ge- 
fangen ist. 

Queme dan der cleger nicht für, wen der beclagt den gelobten 
eid tan solde, nian teilt denn den beclagten pillich ledig und los 
auf seines widersachen helfrede, die er mit erenhaftiger not be- 
weisen soll, der den eid nemen soll; beweiset er sie den also, wie 

recht ist, so ist der beclagt des eides nicht los. Wo aber derjenige, 

• 

1) Erg&Dzt aas Ha. Dresden A XXII 73h und Hs. Berlin 810. 

2) Hs. Berlin 810: aasgehegeten. 

3) Fehlt in den anderen Handschriften. 

4) Hs. Berlin 810: XXIV tag. 
6] Zobel: gereicht. 

6} He. Dresden A XXII 73h, Hs. Berlin 810 und Zobel: verschieben. 
G. Kl seh, Leipziger Schöffenspnichsammlung. 5 



V 



66 . [6. 7] 

der den eid vor gericht gelobt hat zu tun, umb was sach das were, 
zu rechter zeit nicht furqueme und den eid leiste, so were er der 
Sachen überwunden, die der cleger zu ime geclagt hett, [die er vor- 
Bl. 3Bneint hette,]') | und der richter hett^) seine gewette daran, er beweist 
denn erenhaftige not, dadurch er verhindert were wurden, das er 
nicht hett mögen verkomen, wie recht ist. Von rechts wegen. 



Lbtztbs I 

VlSKTEL DBS 

16. Japbh. Gedruckt hei Zobel ^ Ssp. Anh,, Bl. 19 ^y Sp, 2, — Siehe auch oben die 
Vorbemerkung vor Nr, 1 am Ende, 

Wie man sich, so ein pfand willich gesaczt oder ime 
darzu gehulfen, es were beweglich oder unbeweglich, 
[halten soll]. 

[Furder auf euer sechste schriftliche frage, so einer ein pfand, 
das im willig gesaczt oder ime darzu gehulfen wirt, es sei beweg- 
lich oder unbeweglich, im voigtgedinge aufbieten lest ein mal, das 
ander, das dritt und das virde, ab man im das denselbigen tag eigen 
sol, oder ob er das drei ausgelegte gerichtstage auch aufbieten solle 
oder nicht, etc.] 3), sprechen wir obgenanten scheppen darauf vor 
recht: Das man erbe und eigen an stenden und legenden gründen 
und pfand in rechter^) gehegter dingpank, in rechter dingstett und 
in offen tagen aufgeben und biten muß. Und wo einem gast ein 
pfand gesaczt wird, der soll es im gericht lassen und einen fur- 
munden mit urteil darzu kiesen oder mechtigen, wie recht ist, mit 
dem pfände zu geparn, als sich von recht gepurt. Desgleichen [wo 
ein gast]^) einem andern gaste oder sunst einem ^) andern, wie vor 
berurt ist, ein pfand gesatzt oder darzu einem geholfen wirt, muß 
es also gehalten werden, das man das pfand drei ausgelegte ge- 
richtstag aufpieten und darmit geparn muß lassen, wie recht ist. 
Und man mag das einem in einem Yoigtdinge, ap es wol viermal 



1) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73h. 

2) Hs. Dresden A XXII 73 h: ervolgete dann an im. 

3) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXU 73h und Hs. Berlin 810. 

4) Hs. Dresden A XXII 73 h: in gerächte und. 

6) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73h und Hs. Berlin 810. 
6] Hs. Dresden A XXIL 73 h: einer dem. 



[7. 7aj 67 

auf den tag aufgepoten würd, von recht nicht eigen noch nicht über- 
antworten, es were dan ein essende pfand, welcherlei das were. 
Doch muß es der, dem es gesaczt oder dem darza geholfen wurde, 
zu dreien ausgelegten^) dingtagen vor gericht aufpieten lassen. Und 
was es yereczte^), die atzung must der erlegen, des das vihe were 
gewest, nach rechter futterung oder atzung [rechte und] 3} rechtes 
kaufes; und was dem vieh widerfure zwischen wasser und krippen, 
die weil ime das nicht ganz geeigent were vor gericht, | der schade Bl. 4 a 
were des, der es gesaczt het. Beschee aber* der schade auswendig 
der stellen dem vihe, so muste der den schaden tragen, des das 
pfand were. Von rechtes wegen. 



7 a Letztes 

YlSBTBL 1>ES 

15. Jabah. 
Der folgende das Leipziger Weistum für Dresden erschließende Spruchj 

welcher in der Es, Dresden M 20 und in Hs, Berlin 810^ ebenso im 

Zobel sehen Drucke fehlt ^ wird hier n^ach Hs, Dresden A XXII 73 h, 

Blatt 84^-^j Nr. 74, wiedergegeben. 

Zum letzten male auf euer sibenden frage, wais underscheit sei 
zwischen voit- und elichem dinge etc., sprechen wir vorgemelten 
scheppen, inmaßen wir vormals in dem vierden urteiln gesprochen 
haben, vor recht: Das das voitding den underscheit hat von andren 
gemeinen ausgelegeten dingen: Wenn zu dem Toit- oder elichem 
dinge sol ein itzlicher in woner des gerichts bei der büße sein, wo 
ea durch die gewonheit nicht anders ingefurt ist wurden; darzu man 
denne in gemeinen ausgelegten diugen, wo einem in sunderheit nicht 
vorgeboten wird, nicht vorpflichtet ist. Und so einer zu dem voit- 
dinge oder elichem dinge^ der rechtlichen darzu geladen ist wurden, 
ungehorsamptlichen außen blibet und nicht vorkompt, der wettet 
dem voite, richter oder gerichte drei pfund, das sint sechzig Schil- 
linge phennige, wie vorgemelt; so er zu gemeinem ausgelegetem 
dinge nicht mehr denn acht oder drei Schillinge nach gewonheit der 
gerichte wettet. Von rechts wegen. Vorsigelt mit unsrem iusigel. 



1) Hs. Berlin 810: auRgehegten. 

2) Hs. Dresden A XXII 7dh: vorzerte. 

3) Ergänzt aus Hs. Dresden A XXII 73h. 

5* 



68 [Vorbemerkung vor 8] 



Leipziger Weistum für Plauen 

Hand- ^^ Sprüche Nr, 8 bis 12 bilden em Weistum der Schoppen zu Leipzig 
soHBiPTBN für Plauen. Außer der Handschrift M 20 der Sächsischen LafideMblioihek 
zu Dresden sind noch rnehrere Iiatidschriftliche Überlieferungen dieser Leip- 
ziger Bechtsbelehrung erhalten: 

1. Eine der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstammende Abschrift 
derselben findet sich in der Handschrift Signatur Bep. Ily foL 20 der 
Stadtbibliothek zu Leipzig auf Blatt 315 bis 317. Das Weistum unrd da- 
selbst mit folgenden Worten eingeleitet: * Unsere freunOiche dinst xuvom. 
Ersamen weisen etc. Nachdem ir uns geschriben und euch uf die fragen 
in denselbigcn euren Schriften vorbracht das rechten zu berichten utis ge- 
beten habety etc.* Die Wiedergabe des Wortlauts erfolgt fortlaufend ohne 
Einteilung in Abschnitte und ohne Überschriften der einzelncfi Sprüche. 
Der Text unrd am Rande der Handschrift von Sachsenspiegelzitatefi^) be- 
gleitet; Text und Zitate stammen von der gleichen Hand. Am Rande sind 
außerdem einige technische Ausdrücke des römischen Rechts, so z. B, gleich 
am Anfang: *Accio injuriarum* vermerkt. 

2. Eine mit der vorigen vollkommen gleichlautende^ an einer Stelle^ 
ausführlichere Abschrift aus dem Ende des 15. Jahrhunderts ist in der ver- 
mutlich zu Zwickau in Sachsen entstandenen Schöffenspruchsammkmg der 
Handschrift Ms. germ. fol. 810 der Preußischen Staatsbibliothek (früher 
Königlichen Bibliothek) zu Berlin^ Blatt 59^ bis 62^^ als Nr. 5 enthaltm. 
Anders als in der Handschrift Dresden M 20 gehl hier das Leipziger Wei^- 
iwn für Plauen dem Leipziger Weistum für Dresden voran; zwischen beiden 
steht daselbst ein bisher ungedru^ckter Leipziger Schöffenspruch Nr. 6: *Ad 
requisidonem richter und scheppen zu Pawe7'sheim. « Das Leipziger Weis- 
tum für Plauen trägt als Überschrift: »Scheppen zu Leipzig. Hiemach 
folgen rechtsprxich. Von büße wid wetten; der Eingang ist etwas gekürzt^ 
der Text wird au^h hier von den erwähnten Zitaten als Marginalglossen 
begleitet. 

3. Eine weitere der Mitte des 16. Jahrhunderts atigehörende Abschrift, 
die aber nur die Sprüche Nr. 8, 5, den Anfang von Nr. 10 und Nr. 12 
umfaßt^ enthält die zweite Schöffenspruchsammlung in der Handschrift 
Sc 15 der Gräflich SchaffgotschscJien Majoratsbibliothek zu Warmbrtmnf 



IJ Sie werden in dieser Ausgabe in Anmerkungen zu den betreffenden Stellen 
des Textet wiedergegeben. 
2} Unten Nr. 9, Seite 76 bei Anmerkung 13. 



[Vorbemerkung vor 8] 69 

Blatt 72 bis 73, Nr, 128 und 129 unter der Überschrift: » Wette und 
büße in burglichen und peinlichen sacken^ wie die in mannieherlei feilen 
gegeben und cmgetragen werden^^. Auf dem linken Bande de^ Blattes 72^ 
sieht von der gleichen Hand, van der der Text geschrieben ist: *Dem rath 
zu Plauen €. Der Text selbst ist nicht in Abschnitte geteilt und u^eist da- 
her auch außer bei Nr. 129, der als selbständiger Spruch erscheint^ bei den 
einzelnen Sprüchen keine Inhaltsitberschriften auf. Die in Hs, Leipzig IL 20 
und in Hs. Berlin 810 stehenden Etngangsux)rte und vorkommenden Zitate 
fehlen hier. Insbesondere ist auch die charakteristische Stelle vom Versehen 
des Schöffenschreibers ^) weggelassen. Im übrigen läßt sich in dieser Ab- 
schrift eine selbständig ändernde, namentlich kürzende Tätigkeit des Ab- 
schreibers beobachten, 

üfiter den Handschriften des Leipziger Weistams für Plauen zeigen 
Hs. Dresden M 20 und Hs. Berlin 810 den ausftlhrlichsten und voUstän- 
digsten Wortlaut^ der nur um die in Hs. Leipzig IL 20 enthaltene Eingangs- 
formet gekürzt ist. 

Das Weisium fthr Plauen ist in der oben in der Vorbemerkung votD&ucxb 
Ar. 1 erwähnten Sammlung Leipziger Schöffensprüche im Anhange zu 
Zobels erster Scushsenspiegdausgabe unier der Überschrift: »Von wette und 
buße€ abgedruckt. Der Zobelsche Drucke der mit dem Wortlaute der Hss. 
Leipzig IL 20 und Berlin 810 bis auf einige von ihm getilgte altertümliche 
Sprachformen vollständig übereinstimmt und auch die erwähnten Zitate als 
Randglossen unedergibt, geht sonach auf die Fassung dieser beiden Hand- 
schriften — ob vielleicht auf eine von ihnen selbst^ ist sehr fraglich — als 
Vorlage zurück. 

Einzelne Teile des Weistums sind als selbständige Leipziger Sprüche 
auch gedruckt bei Oeorgius BeatuSy Senterttiarum definitivarum Saxoni- 
carwm de crinUnalibus .... centuriae decem; pars IV, Oerae 1610; und 
zwar Spruch Nr. 8: S. 360, TU. 28, Kap. 10; Nr. 9: S. 394, Tit. 29, 
Kap. 21 und S. 590, Tit. 35, Kap. 69, 70; Nr. 10: S. 361, Tit. 28, 
Kap. 11 und S. 592, Tit. 35, Kap. 70. 

Äußere Anhdttspwnkte fwr eine genauere Datierung des Weistums lassen Datibbung 
eich weder aus den Handschriften noch auch au^ den Drucken gewinnen. 
AUem der Inhalt dieser Rechtsbelehrung läßt die Vermutung begründet er- 
scheinen, daß sie x/u den ältesten unter den bisher durch den Druck bekannt 
gewordenen Leipziger Sdhöffensprüchen zählt. Denn die von den Leipziger 
Schöffen hier angewendeten strafrechtlichen Bechtssätxe schließen sich noch 
eng an die Beetimmungen des Sachsenspiegels, insbesondere an Ldr. II 13 
§ 5, II 16 und III 45 an. NamenÜuh Abstufung und Höhe der Wergeld- 
und Bußensätze sind im wesentlichen^ noch die gleichen wie nach dem 
Sachsenspiegel. Dieser Umstand ist es mm, der einen Schluß auf die ver- 



1) Unten Nr. 9, S. 76 bei Anmerkung 13. 

2] Nur das Wergeid des Lassen beträgt abweichend 10 statt 9 Pfund. 



70 [Vorbemerkung Tor 8] 

muüiche Entstehungsxeit der Sprüche geskUtet, Leipziger Schöffensprikhey 
die zahlreich in der großen (ersten) Schöffenspruchsammlung der Hand- 
schrift G 23 a des Ratsarchivs zu Zwickau in Sachsen aus der Mitte des 
15. Jahrhunderts und in dem ältesten van der Leipziger Universitätsbibliothek 
als Eatidschrift 2275 verwahrten Konzeptbuche des Leipziger Schöffenstuhls 
aus den beiden letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts handschriftlich er- 
halten sindj liefern nämlich den Beweis, daß die Leipziger Praxis in der 
zweiten Hälfte des 15, Jahrhunderts an der in Ssp. Ldr. III 45 überlieferten 
Abstufung der Wergeidsätze nicht meltr festgehalten hat; vielmehr brachte 
sie ein Wergeid in der einheitlichen Höhe von 18 Pfund, also das im 
Sachsenspiegel für den höchsten Stand der Freien festgesetzte, allgemein zur 
Anwendung^). Dieses Wergeid umrde im, Gegensätze zu den dazu in Ber- 
Ziehung stehenden verschiedenen Wergeidquoten als * ganzes* oder 9 volles* 
Wergeid bezeichnet. 

Eine gleiche Erscheinung, vne sie hier für Leipzig festgestellt wurde, 
läßt sich auch für das Magdeburger Recht beobachten, nach welchem sich 
die Abstufung der Wergeidsätze für die verschiedenen Stände, die Ssp. Ldr. 
III 45 gibt, bereits um die Mitte, ja schon im der ersten Hälfle des 
15. Jahrhunderts ^Überlebt* hat^). 

Berücksichtigt man nun noch diese Tatsache, — und das ist nötig^ 
weil für Leipzig datierte oder mit Sicherheit datierbare Sprüche strafrechtr- 
liehen Inhalts aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vorläufig nur in 



1) Siehe z.B. die Spräche in Hs. Zwickau C 23a, Bl. 22«-^ 24b, 69a-^ 63b, 292» 
und in H 8. Leipzig 227Ö, Bl. 16^ 16^, 41% 140<l; 18»; daselhst auch we^i^en des 
Bußenpat^es z. B. Bl. 14^ 66b, I36b^ 140% besonders Bl. 17«-b; ferner Hs. Dresden 
A XXII 73h, Bl. 96'' a. E., Nr. 87; dasselbe geht aus Leipziger Schöffensprüchen 
des 15. Jahrhunderts in der alphabetisch geordnete Auszüge ans Sprüchen 
verschiedener SchOffenstühle enthaltenden Sammlung Handschrift M 20a der 
Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden hervor; siehe z. B. daselbst unter 
»weregelt« Bl. 369b ff.; ygi, auch noch Leipziger SchOffensprüche aus der Mitte 
des 16. Jahrhunderts in der Handschrift Cod. Ms. jurid. 2446 fol. der Stadt- 
bibliothek zu Hamburg, z. B. Nr. 21, 46, 63, 95, 241 und zahlreich in den bei- 
den Leipziger Schöffenspruchsammlungen der Hs. Warmbrunn Sc 15, sowie bei 
Georgius Beatus, Sententiarum definitivarum Saxonicarum de criminalibuB 
centuriae decem, pars IV.; Gerae 1610. 

2) VgL Victor Friese und Erich Liesegang, Magdeburger SchOffensprÜche, 
1. Band; Berlin 1901, S. 864, vgl. auch S. 762; femer Hermann Wassersch- 
leben, Sammlung deutscher Rechtsquellen. I; Gießen 1860, IL, Kap. 212; 
IV., Kap. 54, 79; Hermann Wasserschieben, Deutsche Rechtsquellen des 
Mittelalters ; Leipzig 1892, L, Kap. 409, 412, 436; vgl auch Hs. Dresden M 20a, 
Bl. 377b (16. Jahrhundert^: Wergelt. Ein wergelt sind XVIII IIb. pfundiger 
pfening, do rechnet man XX Schilling auf ein Hb., die sollen ein mark wegen 
und sullin silbrin sin, also machen acht[zehn] pfund pfundiger pfening acht- 
zehn mark silbers; und die mag nmn mit bemischer ader meissnischer grosohen 
ader mit ander pagament nach der wirde bezalen. Sententia Magdeburg. 



[Vorbemerkung vor 8] 71 

unzureichender Anzahl xur Verfugung stehen — , so ergibt sieh, daß die 
vorliegenden das Leipziger Weistu/m für Plauen bildenden Sprüehe späte- 
stens dem Anfange des 15. Jahrhunderts entstammen kännen^). Und da 
der Übergang zum jüngeren Wergeldsystem sich doch nur allmählich voU- 
xogen haben dürfte^ erscheint es unbedenklich , schon die zweite Hälfte 
des 14, Jahrhunderts als Entstehungszeit dieser Schöffensprüc^ anzun 
nehmen^) ^), 

Der oben in der Vorbemerkung vor Nr, 1 erwähnte proxeßrechtlidie'^ovMEvrLKR 
TVaktat im Anhange zu Zobels Sachsenspiegelausgabe enthält auf Blatt 12^ 
bis 15° unter der Überschrift: » Von wetten und büßen j auch allerlei 
brächen und strafen nach sechsischem recht und desselben gebrauch * in 
lehrhafter ufid kommentierender Form eine besonders ausfuhrliche Erörte- 
rung der in dem Leipziger Weistu/m für Plauen behandelten Eechtsfragen, 
Zu jedem Falle werden daselbst zunächst dem Rechte des Sachsenspiegels 
die Bestimmungen des * Keiserrechts* ^ > neulichsten Keiserrechts^ . ^be- 
schriben Keiserrechten^ ^ * gemeinen rechten € gegenübergestellt^ wobei jenem 
Hinweise auf die Anerkennung durch die ältere Leipziger Spruchpraxis bei- 
gefugt werden^ z. B, mit den Worten^ Bl, 13 ^y Sp, 1: » Welche also vom 
sehöppenstul zu Leyptzigkvor recht erkant und von vilen großgelerten und 
(des lands ubung) erfarnen leuten vor recht geacht und eingefurt ist; aus 
Ursachen^ die sie aus dem text und glo. des Sachsenspigels gezogen^; oder 
BL 15 ^j Sp. 2: >. . . wirt auch in sechsischen schöppenstulen und von 
großen rechts vorstendigen diser lande also geurteilt und approbirt, . . .« 
Die Ausfuhrungen über das gemeine Recht werden von Zitaten aus dem 
Corpus juris civilis begleitet, vereinzelt ist auch Bartolus allegiert. So- 
dann folgt, oft eingeleitet durch die Worte: *Aber zu diser zeit . . «; *und 
also toirt im lande erkant tmd vor recht geurtelt* oder >und dis recht ist 
bei uns im lande in ubung und gebrau^ch* eine Darstellung der zur Zeit 
der Abfassung des Traktates in Leipzig Jierrschenden Praxis, 

Ohzwar der Verfasser am, keiner Stelle genannt unrd, darf der Traktat 
wohl ohne Zweifel Zobel selbst zugeschrieben werden. Sein Entstehungsort 

1) Dasselbe gilt aus den gleichen Q-ründen auch für die Nrn. 282, 305, 
310, 349, 396, 409, 440 der vorliegenden Sammlung. 

2) JOnger sind demnach die Sprache Nr. 413, 453, 613, 662, 742 dieser Samm- 
lung; Tgl. noch den Spruch Nr. 680 und den in Hs. Leipzig 2275, Bl. 152% 
die jenem Übergangsstadium anzugehören scheinen. 

3) Dabei ist es wegen des unzweifelhaft klaren Wortlautes der angeführten 
Quellen unmöglich, was gleich ausdrücklich betont sei, die hier geschilderte 
Entwicklung etwa mit der von Philipp Heck, Pflegbafte und Grafschafts- 
baaem in Ostfalen, Tübingen 1916, S. 54 ff. (dazu vgl. Claudius Frh. von 
Schwerin in Zeitschrift der Savignystiftung für Rechtsgeschichte, Germani- 
stische Abteilung, 37 (1916), S. 708f.) angenommenen zweiten Bedeutung des 
Wortes Wergeid als nicht abgestufte Gerichtsbuße absoluter Höhe in Zu* 
sammenhang zu bringen. 



72 [Vorberaerlnmg vor ^] 

ist Leipzig; die Wergdd- und Bußenbeträge werden nätnUtk auf die in 
Leipzig übliche Münze umgerechnet ^) ^), 
Veuwawdte Einzelne Stücke aus dem Anfangsabschnitte der sogenannten ^Laufen'- 
Quellen ^1^ Urteile €, einer in Preußen — ufibekannt, zu unsicher Zeit — entstan- 
denen und daselbst handschriftlich y seit 1553 auch durch den Druck ver- 
breiteten Rechtssammlung ^)y lassen bei grundsätzlich verschiedener Fassung 
des viel jüngeren und kürzeren Textes eine inhcUtlicke Verwandtschaft mit 
den Leipziger Wcistümem für Dresden und ßr Plauen erkennen^ die zwar 
bisher in der Literatur- und Quellengesehichte des Rechtes der RezepHons- 
zeit unbeachtet geblieben ist, ihre Ursache aber wohl kaum bloß in der 
gleidiartigen Anwendung allgemeiner sächsischer Rechtsgrundsätze finden 
mag. Denn der Text der Laufenden Urteile Blatt O bis O III stimmt mit 
dem bei Zobel, Ssp. Anh. Bl. 21**"^ auf den Spruch Nr, 12 des Leipziger 
Weistums für Plauen unmittelbar folgenden Sprueh der Leipziger Schöffen: 



1) Z. B. Bl. 13% Sp. 2: > XYIII pfunt, also das eiD pfunt XX schilliDg 

und ein scbilliog XVI pfenning, darumb man brot und bir kenfen mag (das 
ist die do gangbaftig und gebe sein] gerechent werden, macht nnsers 
geldes alhir zu Leyptzigk und in diesem lande XXIV aide schocke. 

2) Bei den einzelnen Sprfichen verweise ich auf die einschlägigen Ans- 
führungen in Zobels Traktat und füge bemerkenswerte Stellen desselben im 
Wortlaute bei. — Gleich hier mögen die folgenden interessanten Ausführungen 
allgemeiner Art Platz finden: Bl. 13^ Sp. 1—2: ». . . Wenn aber jemand in 
seinem gericbte den abtrag und gewette hOcher machen will, das kan er wol 
tun, und hat zwene wege darzu zu gebrauchen. Erstlich, das er ein Ordnung 
und Statut mache oder eine willkür, wenn ein totschlag in seinen gerichten 
b&rglich gemacht, was der teter den gerichten geben sal; darinne mag er die 
summa und abtrag achten, als hoch er wil; doch das er es nicht übersetze, 
Bunder ein . vernünftige maße halt. Solch statut ist kreftig nach meinung 
der rechtsgelerten, ob es' gleich auch durch deil landesfürsten sonderlich nicht 
confirmirt nach bestetigt wirt. Denn im rechten ist erleubt einem jeden, der 
gericht hat, statut und Ordnung zu machen, wie er es in seinem gericht mit 
strafe und anderem will gehalten haben. Solche statuta seint albereit durch 
das recht bestetiget und bleiben kreftig, wie das gemein Sprichwort auch 
vormag: wilkür bricht lantrecht. Es kan aber niemands widerfechten, so die 
statuta durch den landnfursten bestetiget sein, das man sich so vil mehr dar- 
auf zu vorlassen hat. Und ist auch gemeinlich jederman zu raten, das er sein 
Statut oder Ordnung confirmiren und bestetigen lasse.« 

3) Über die Handschriften, Drucke und Quellen der »Laufenden Urteile« 
siehe Emil Steffenhagen, Deutsche Rechtsquellen in Preußen vom 13. bis 
zum 16. Jahrhundert; Leipzig 1875, S. 226 ff.; vgl. auch Otto Stobbe, Das alte 
Eulmer Recht in Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissen- 
schaft, 17. Band, Tübingen 1867, S. 438. — Ich benützte die Ausgabe: »Die 
lauffende Urteyl, so man teglich bej Gerichte braucht. Durch Albertum 
Poelman Notarium Publicum. Auffs new außgangen und zum theyl ver- 
mehret. Gedruckt zu Königsperg durch Johann Daubman. MDLXX.« 



[Vorbemerkung. 8] 73 

> Wie man eine jegli'^he wunde nach ihrer ort erkennen soU^ wörtlich über-- 
ein; nur die Eingangs formel : * Sprechen wir schöppen zu Leypizigk vor 
rechte und die Schlußklausel: »Von rechts wegen* sind in den Laufenden 
Urteilen weggelassen. Auf welche Quelle dieser Teil der Rechtssammlung 
unmittelbar xurückgehty muß dahingestellt bleiben; die im Anhange zu Zobels 
Sachsenspiegelausgabe gedruckte Leipziger Schöffenspruchsammlung kann 
dem Kompilator nicht zur Vorlage gedient haben j weil die älteste hand- 
schriftliche Überlieferung der Laufenden Urteile in einem Kodex der Königs- 
berger Stadtbibliothek^) bereits aus dern^ Jahre 1534 stammt ^ also älter ist 
als der Zobel sehe Druck Wie dem auch sein mag^ die Laufenden ür^ 
teile legen immerhin Zeugnis davon ah, wie weite Verbreitung das Leipziger 
Sdiöffenrecht gefunden und welches Ansehen es genossen hat. 

Gleiches gilt von einer lateinischen Übertragung Leipziger Schöffen- 
eprüche aus dem 16. Jahrhunderte: ^Scabinorum Lipsensium nostri tem- 
paris sententiae quaedam^j die sich in der Handschrift Ms. 1795^) der 
SteMnbliothek zu Da/nzig, Bl. 172 — 187^ findet. Obzwar die große Mehr- 
zahl der dort erUhaltenen Sprüche bereits starke römisch-rechtliche Beein- 
flussung zeigtj u)eist dennoch der Inhalt der Titel: ^De injuriis; de verberibus 
et vulneribus; de u?erigeldo€ unverkennbar auf die in dem Leipziger Weistum 
für Plauen zum Ausdrucke ^gelangten Bechtssätze hin. Ein entsleJmngs- 
geschichtlicher Zusammenhang läßt sich jedoch auch hier nicht nachweisen. 



g 14. Jahrh. 

Gedruckt bei Zobel ^ Ssp. Anh., Bl 20% Sp. 2—Bl 20\ Sp. 1; vgl. 
daselbst Bl. 13% Sp. 1--2. 

Die do frevelich oder peinlich clagen, was ire recht ist, 
hernach volgende. 

Sprechen wir schöpfen [zu Leiptzigk auf solch euer fragen] und 
erstlichen der frevelichen clagen halben, darvon in euren fragen von 
erst bemelt wird, [vor recht]: Seintemal solch frevelich clagen sich 
mancherlei weis 3] Ursachen, auch sich von mancherlei leuten be- 

1) Über ihn Aemilins Steffenhagen, Catalogus codicam manuscriptorum 
bibliotbecae regiae et itniversitatis Regimontanae, FascicaluB I; Regimonti 
1861, Nr. CLXXI. und Steffenhagen, Deutsche Rechtsquellen in Preußen, 
S. 22, Nr.' 70. 

2} Über diese Handschrift (frühere Signatur XVIII C f. 8) Steffenhagen, 
Deutsche Rechtsquellen in Preußen, 8. 6, Nr. 7, S. 92 ff. und dazu Otto Günther, 
Katalog der Handschriften der Danziger Stadtbibliothek; Teil 3; Danzig 1909, 
S. 16 f. 

3) Hs. Warmbrunn Sc 16: wege. 



74 [8. 9] 

geben ^], darumb ist auch die puß uod das ge wette nach Terlanfung des 
geschichtes und gelegenheit der 3) tat^), der forderung und der laut 
mancherlei. Dan wo solch freveltat peinlich geclagt wird, das die 
aus Yorsacz mit wol bedachtem mut und argelist an morde^ raube, 
brande, deube, notzoge, uberhurerei, an hocher- gewalt oder heim- 
suchung gescheen oder begangen werden 3), so ist derselbigen be- 
clagten und teter puß, wo die sach peinlich gefordert wird und sie 
sich darzu bekennen oder sie solcher tat, wie recht ist, überwunden 
werden, der tod; und darnach volgt forder kein gewette; den mit dem 
tode wird alsdann dem cleger und auch richter gebessert. Von rechts 
wegen. 

• 

14. Jah&h. 9 

Gedruckt bei Zobel, Ssp, Anh., Bl 20\ Sp. 1—2; vgl daselbst Bl. 13^, 
Sp. 2; i4«, Sp. 1 — 2; W, Sp. 1, — Vgl. Vorbemerkung vor Nr. 8. 

Wo aber solche bruche nicht mit vorsacze und arge- 
list, sunder aus verwarlos oder Unvorsichtigkeit oder von 
einem unsinnigen, unweisen menschen oder kind geschech, 
und was allenthalb und eines izlichen nach seiner ge- 
purt wergelt ist, wie man das erdenken mag, ist hernach 
Yolgende; und auch, ap einer einen vorsetziglich mit 
Bl. dsfrevel verleumpt oder wundt, so hat | man das auch pein- 
lich zu forderen. 

Wo aber solch pruch nicht mit yorsatz und argelist, sonder aus 
verwarlosung oder Unvorsichtigkeit geschech; also ap ein unsinniger 
oder unweiser mensche oder ein kind einen tötet, oder ap einer 
einen erworfe oder stoche^), so er nach einem vogel oder anderem 
tier schösse oder worfe, oder ein haus deckte, und von ungeschichte 
ein zigel oder latt von dem haus viele,, oder so einer in^) einem ^) 
walde^j einen bäum feilet und schlüge also durch solch fallen einen 
menschen tot; und einer tet [bei] solchen dingen mit Verwarnung 
und rufimg seins geschreis oder eins andern Zeichens^), dadurch sich 



1) Hb. Warmbrunn: bescheen. 

2) Hfl. Warmbrunn: rat und. 

3) [SRp. Ldr.] lib. III. art. 46. 

4) Zobel und Hb. Warmbrunn : erschüsse; Hs. Leipzig U. 20: erschösse. — 
In Hs. Warmbrunn fehlt das Folgende bis: schösse oder worfe. 

6) Fehlt in Hs. Warmbrunn. 
6} Hb. Warmbrunn: zutuens. 



;9] 75 

die leut mochten hüten und vorsehen, seinen pesten vleiB: des* 
selbigen ^} puB ist des toten wergelt, nachdem im das nach vorordi- 
nung des rechten nach seiner gepurt gesaczt ist; also nemlich') 
Tor den schopfenwam freien^) achtzehen pfund, vor die lantsessen, 
[die Bansten]^) birgelden, zinsleut^) oder pflegehaftigen<^) geheißen 
seint, zehen pfund, und vor den lassen auch zehen pfund^), und 
auch forder nach eins itzlichen gepurt, also das je vor ein pfund 
XX Schilling pfennige®), also pei euch genge und gebe seint, dafür*) 
man pier und brot kauft, gerechent werden. Und des richters ge- 
wettet*) ist alsdan in demselbigen fall LX Schilling derselbigen 
Pfenning von rechte. 

Wurde ^1) aber einer vor gericht dadurch burglich beclagt, nemlich 
das er einen handfriede, den er fur^^) gericht i^) gelobt ^^j, frevelichen 
geprochen hett, und der das bekennt, so wer sein puß das wergelt, 
an dem er den gelobten fried geprochen hett i^), und [er] muste dem 
lichter darumb ein halb wergelt zu | gewette geben. Bl. öa 

Geschech aber solch freveltat mit verlernen oder verwunden, 
also ap einer den [anderen] i^) vorseczlich oder aus argelist ver- 
lernet, ein kampfware oder vleischwunde oder Schandmale, die den 
lemden oder kampfwar wunden ^^) am wergelt gegleicht werden, 
[wirkete,] *®) so die peinlich beclagt wurden, und der beclagte sich 
darzu bekennte oder, wie es recht, überweiset wurde i^): so ist des 



1) [Ssp. Ldr.] Hb. IIL art. 46 in gloss. et Hb. II. art. 38 et art. 65. 

2) Lenrecbt cap. 69 [68]. 

3) Hs. Warmbrann : schöppenbarfreien; Hs. Berlin 810: scbeppenbar frei. 

4) Steht auch in Hs. Warmbrunn. 
6] Hs. BerHn 810: zoleute. 

6} Hs. Warmbrann und Hs. Berlin : pfleghaften. 

7) »Und vor den lassen auch zehen pfund« fehlt in Hs. Warmbrunn. 

8} In der Vorlage »das je« bis »pfennige« unterstrichen. 

9] Hs. Warmbrunn : darumb. 

10) [Ssp. Ldr.] Hb. III. art. 64. 

11) Die folgenden Absätze sind als selbständige Sprüche auch gedruckt bei 
Beatns, Sententiarum definitiyarum Saxonicarum de criminalibus centuriae 
decem; pars IV, Tit. 29, Kap. 21, S. 394; Tit. 36, Kap. 69, 70, S. 590 f. 

12) Hs. Warmbrunn: ap gerich'te angelobet. 

13] Weichb. art. 84 in text. — Von: »and der das« bis hierher in Hs. Warm- 
brunn ausgelassen. 

14) Auch in Hs. Warmbrunn. 

16) »Die den lemden oder kämpf war wunden« fehlt in Hs. Warmbrunn. — 
In Hs. BerHn 810 hiemeben am Rande: Nota. 

16) Hs. Warmbrunn: merke. 

17) [Ssp. Ldi.] Hb. IL art. 16 in text. 



76 [9. 10] 

beclagten puB die hant; und volgen auch kein gewette mer nach, 
wen er pessert mit der hant bede den richter und auch den cleger ^j. 
So aber solch tat burglichen gefordert 2] werde, wo dan solch wun- 
den oder lemde an des menschen munde, äugen, nasen, zenen'), 
orn^}, des mannes gemechte, hende^j oder fuBe geschechen^) ^), seist 
des beclagten puß ein halb wergelt, so das je vor ein pfond 
XX Schilling pfenning^) als oben gerechent werden^) und nicht 
IX [Schilling] groschen ') ^% als ir in euer frage gesaczt habt, das 
wir euch dan vormals als^^) durch ^^j rechtlich erkantnus solten Unter- 
richt haben. Dan wo solchs in unserm rechtspruch, als wir dan 
nicht glauben, fanden wurden, müst das aus versehen unsers Schrei- 
bers geschechen sein, das er vor das wort pfund das wort Schilling 
gesaczt hett^^}. So aber solche Verwundung geschech an des men- 
schen fingern, zenen^^) und zehen^^), [so müste der beklagte einen 
itzlichen finger, zehen oder zan]^^) mit dem zehenden teil eines wer- 
geldes verpußen und über alle ader in einem itzlichen dergleichen 
[falle] sol dem richter LX Schillinge pfening zu wette geben. Von 
rechtes wegen, etc. 

14. Jahrh. 10 

Gedruckt bei Zobel, Ssp, Anh., BL 2Q\ Sp. 2^BL 21% Sp, 1; vgl 
daselbst BL 14^, Sp, 2; 15^^ Sp, L — Vgl die Vorbemerhmg vor Nr. 8. 

So eim vormals ein gelid oder wa^ wunden das sein 
Bl. ösmocht, verpust wer worden, und | wo er darein gehauen 

1) Hs. Warmbrunn hat: »verbessert«, und zwar am Ende des Satzes. 

2) Hs. Warmbrunn: beklagt. 

3) Zobel und Hs. Warmbrunn: zungen. 

4) Hs. Warmbrunn: gehöre. 

6] Hs. Warmbrunn: under oder sunsten geschee. 

6) [Ssp. Ldr.] lil;, II. art. 16 in gloss. et text. 

7) In der Vorlage »vor« bis »pfenning« unterstrichen. 

8) In Hs. Leipzig II. 20 schließt hier der Satz. 

9) Vorlage und Hs. Warmbrunn: ß; Zobel: Schilling. — In der Vorlage: 
»und« bis »groschen« unterstrichen. 

10) Bei Zobel folgt hier statt des Schlußsatzes des Textes der Vorlage: 
>al6 eins teils sagen«. 

11) Hs. Warmbrunn: also. 

12) In Hs. Berlin 810 folgt: unsre. 

13) Auch dieser Satz, der außer in der Vorlage nur noch in Hs. Berlin 810 
steht, fehlt in Hs. Leipzig IL 20, bei Zobel und ebenso in Hs. Waimbronn. 

14) Hs. Warmbrunn: oder zenen. 

15) Auch in Hs. Warmbrunn. 



[10] 77 

wurde, was sein wergelt ist; auch 8o man sich gezeugs 
nmb schult anmast und nicht damit verfure oder der be- 
clagte überwunden wurde, was itzlich puB darumb ist. 

Wurde aber einer in ein gelid, das ime vor mit einem halben 
wergelt verpust^) oder^) vergulden were, anderweit gewundet, oder so 
ime das ganz 3) abgeschlagen wurde'), so mag er doch forder daran 
nicht mehr dan sein [schlechte]^) puB gehaben, die sich den in- 
maBen, wie oben berurt, nach seiner gepurt zu geben geburt. Es 
mufi aber gleichwol der beclagte daromb dem richter LX Schilling 
[pfenninge]^) zu wette geben*). 

Begebe sich aber, das einer vor gericht beclagt wurde, das er 
einem andern sunsten an fleisch wunden, das^) seint^) wunden 7), die nit 
kämpf wirdig^) seint, noch geschwoUn'j, mit vorsacze oder wolbedach- 
tem mute geschlagen oder verwundt^®), mit Worten übel gehandeU, 
lugen gestraft, schmelich gesprochen oder sich was des seinen under- 
wunden 11) oder umb schult, die^^) er ime nicht vorguldei^), seins ge- 
zeuge nicht vorkome oder sein werman nicht Yorprecht, und der 
beclagte es bekennet gein im oder solchs beweislich gemacht wurde i'): 
so must er das gein dem cleger mit gesaczter puB nach des clegers 
gepurt, das ist gegen i^) schopfenwarn freien i^) mit XXX Schilling 
[pfennigen], gein dem lantsesseni^), die sunsten zinsleut^*), bier- 
gelten oder pfleghaftigen 1^) genant sein, inmaBen oben berurt ist, 

1) In Hs. Warmbrunn ausgelassen. 

2) In Hs. Berlin 810 folgt: abgehauen oder. 

3} [Ssp. Ldr.] lib. n. art. 16 in texi et gloss. — Vgl. auch Meißener Rechts- 
bach (Ausgabe von OrtlofT) IV 7, 7. 
4] Auch in Hs. Warmbrunn. 

5) Hs. Wannbrunn: wetten und. 

6) [Ssp. Ldr.] lib. II. art. 16 in text. et gloss. 

7) In Hs. Warmbrunn ausgelassen. 

8) Hs. Leipzig n. 20 und Hs. Warmbrunn : kampfer wirdig. — Hs. Berlin 810: 
kempfere wunden. 

9) Hs. Leipzig H. 20 und Hs. Warmbrunn : s wellen. 

10) Hs. Warmbrunn : rorlembdet. 

11) Zobel: understanden. 

12) Hs. Warmbrunn : die ir inen nicht vergolten. 

13) [Ssp. Ldr.] lib. UI. art. 33 et lib. IL art. 16. 

14) Hs. Warmbrunn: kegen dem schoppenbar freien. — Hs. Berlin 810: 
scheppenbar frei. 

15) [Bsp. Ldr.] lib. III. art. 46 in text. et gloss. 

16) In Hs. Berlin 810 ursprünglich ebenso; dann aber verbessert: zuleute. 
17j Hb. Warmbrunn: Pflegschaften. 



78 [10] 

XV Schilling, and gegen dem lassen i), der den in dieser lantart 
Bl. 6a wenig seint, | mit XX Schilling VP) pfenning und') einen ^) helbling'j 
verpüBen^) und allzeit dem ricbter im weichpilde VIII Schilling [und 
zu lantrecht III Schilling] zu gewette geben von recht. 

So aber einer solcher clag, dergleich oder großer, vor gericht 
begunst und die nicht volfurte oder ein schlechte gerufte schreige 
und dem nicht volge tet^ so muste der^) zu landrechte dem richter 
drei Schilling und im weichpilde VIII Schilling wetten. Volfurte er 
aber seine clage nach recht und entget denjeniger<^) mit seiner un- 
schult, er pleibt es on schaden. Es were dan, das der antworter 
solcher schult und clag halben gefanknus oder wunden gelieden oder 
entpfangen hett, [oder] so der cleger lesterlich clagen wider den be- 
clagten gesaczt oder sich gezeugen wider ine vermessen, oder er ine 
mit gewalt oq gericht angegr ffen und sich mit ime you stund zu 
gericht nicht gewant het^): so must er dem beclagten darumb puB^) 
und dem richter sein gewett geben. 

Begebe sich auch, das einer den andern beclagt, das er ine lügen 
gestraft oder mit Worten übel gehandelt hett, und der beclagt solchs 
bekennet und sagt das gleichwol darpei, das er das in schimpf on 
hosen vorsacz ader in guten vermögen getan hett und torst sein 
recht darzu tun^), so plieb er deshalb on wette und puß. 

Wo aber solehs pruchs an junkfrauen, bemanten oder unbe- 
manten ^^) frauen geschehen, so muß derjenige, der darumb beclagt 
wQrd und sich zu solcher tat bekennt oder des, wie recht ist, ober- 
weiset wird, solchs nach gelegenheit des pruchs inmaßen, wie die 
pruche oben unterscheiden seint, mit der frauen ehemans halben 
Bl. Gswergelt oder puß und desgleichen der junkfrauen | nach irer gepurt, 
wo änderst die ding bürglich gefordert werden, vorpüßen. Er must 
aber gleichwol dem richter seine gewette in aller maß, wie oben 
ausgedruckt und erclert ist, geben. Von rechtes wegen. 

1) Fehlt in Hs. Berlin 810. 

2) Zobel: ein. 

3] In Hb. Warmbrunn ausgelassen. Der Schluß des Satzes lautet daselbst: 
>. . ., der in also überzeuget hatte, seine büße geben, und dem richter auch 
darumb wetten«. Hiermit schließt der Text in Hs. Warmbrunn. 

4) Jazta addi. Buxd[orff] cit. art. 62 lib. I. et art. 16 üb. II. 

6) [Ssp. Ldr.] lib. III. art. 63; lib. I. art. 63; lib. II. art. 8. 

6) Hs. Berlin 810: im. 

7) [Ssp. Ldr.] lib. I. art. 62 et lib. II. art. 8. 

8) Hs. Berlin 810: btißen. 

9) [Ssp. Ldr.] lib. IH. art. 46 in gloss. 
10] Hs. Berlin 810: benant ader unbnant. 



[11. 12] 79 

1 1 14. Jahsu. 

Gedruckt bei Zobel, Ssp. Anh,, BL 21^, Sp, 2; vgl daselbst Bl 15\ 
Sp. 1, — Vgl. die Vorbemerkung vor Nr. 8. 

Wo man sich gezeugs anmast, einer über den andern 
fort und des nicht verkumpt oder mit gezeugen aberwin- 
den lest, etc. 

Sprechen wir^) schöpfen zu Leipzigk vor recht: Vermist sich 
einer gezeugen ^j^ es 3) sein^) antworter oder cleger, für gericht und 
▼erkömet^) er damit nicht, so muB [er] darumb dem richter zu land- 
recht drei Schilling und im weichpilde acht Schilling pfenning zu 
gewette und demjenigen, wider den er sich solchs gezeugs vermessen, 
sein puB geben. Er bedarf aber dem richter nicht mehr dan ein 
gewette und dem widerteil ein puB geben, ap der gezeugen wol 
mehr dan einer gewest sein. [Wo sich aber ein teil mit gezeugen 
überwinden lest,] so muß alsdan derselbig teil, der sich also hat 
überzeugen lassen, demjenigen^) derihne^) also überzeugt hat, seine 
puB geben und dem richter auch darumb wetten. Von rechtes 
wegen. 

12 14. Jauhh. 

Gedruckt bei Zobel , Ssp. Anh., Bl 21'', Sp. 2; vgl daselbst Bl 15^, 
Sp. 1 — 2. — Vgl. die Vorbemerkung vor Nr. 8. 

Wo sich ir zwene mit einander irten und. der Sachen 
in der gute nicht mit einander vertragen, sunder je mit 
rechte weiten gescheiden werden, welcher dan verlustig, 
was er verfallen were<^). 

[Damach und zum letzten auf die frag, so auch dameben ein- 
gelegt,] sprechen wir schöpfen zu Leipzigk vor recht: So sich ir 
zwene mit einander irten 7) und sich der Sachen mit einander nicht 
vertragen mochten, sonder je zu recht wolten geschieden werden, 

1) In Hs. Berlin 810 folgt: obgnanten; »zu Leipzig« ist dann daselbst weg- 
gelassen. 

2) Zobel: gezengnus. 

3) Hs. Berlin 810: er sei. 

4) Zobel und Hs. Berlin 810: volkömmet. 

5) Hs. Berlin 810: dem zeugen, den er. 

6) In Hs. Warmbronn Nr. 129 lautet die Überschrift: »Wan einer ein sach 
verliert recbtlicli, wie er wetten muß.« 

7) In Hb. Warmbrnnn folgt hier: und wolten sich das reoht scheiden lassen. 



80 [12. 13] 

also das einer dem andern seine gerechtigkeit mit notrecht ange- 
winen must: welcher dan der Sachen yerlQstig wurde, der most sein 
Bl. 7Afar|nemen und wer mit wette und i] buB^) fallen lassen. Er bedorfie 
aber in diesem fall nicht mer dan im weichpilde VIII Schilling und 
zu landrecht III Schilling [pfenninge]^) zu wette geben. Wo sie aber 
ire geprechen in 3] gutlicher und freuntlicher meinunge') als auf be- 
wilte schiedesleut auf der schöpfen erkantnus stellen, ap den einem 
sein Tomemen abe erkennt werden^], darumb solt er [wider] ^) wet- 
haftig noch busfellig®) erkant werden'). [Von rechts wegen.] ^] 



14. Jahbh. * 13 

Mne vollständige Abschrift des Spruches aus dem Ende des 15. Jahr- 
hunderts findet sich auch in Hs, Berlin 810, Bl, 67 — 68, Nr, 8 unter der 
Überschrift: *Bechtspruch umb ausgeheischen, fridßbruck und draue.€ — 
Der Mitte des* 16. Jahrhunderts entstammende Abschrift der Entscheidung 
(unter Weglassung des Tatbestandes) in Hs Warmbrunn, II. Schöffensprueh- 
Sammlung, Nr. 127, Bl. 71 unter der Überschrift: *über ausheischung. 

1) Fehlt in Hs. Warmbrunn. 

2) Ergänzt aus Hs. Warmbrunn. 

3) Hb. Warmbrunn: freuadiich in gueter meinung. 

4) Hs. Warmbrunn: wurde. 

6) Ergänzt aus Hs. Warmbrann. 

6) Hs. Warmbrunn: bußhaftig. 

7) Vgl. Hs. Dresden M 20a. Bl* 377» (16. Jahrb.): Wette, wette und. Wett« 
unde büße darf man vor scheidesrichtem nicht geben. Sententia Donen. 

8) Hierzu fahrt Zobel in seinem Traktate Ssp. Anh., Bl. 15^, Sp. 2 aus: »Und 
wiewol dis alles zu Sachsenrecht geordent, so wirt das in disen landen wenig 
erfaren, das jemands darumb (das er an seiner angemasten g^zeugnis oder 
auch an der henptsache fellig) wethaftig oder bußfellig erkant, sunder man 
straft den, der do fellig wirt und seins kriges nicht redliche nrsachen gehabt, 
mit Verteilung der gerichtskosten , das er die dem oblegenden part erstaten, 
inhalts der keiser recht.« »Darmit aber dennoch die leut, so vil mehr ge- 
scheuet werden, sich in notrecht zu lassen und also vil williger werden, die 
Sachen zu berichten lassen, ist zu raten, das in allen gerichten geordent ader 
in allen öffentlichen dingzeiten ausgerufen und vermeldet werde, das oben 
angezeigt sechsisch recht sollen hinfur gehalten werden. Nemlich welcher 
den andern in das recht dringen würde oder aber der beklagte außerhalben 
des rechten, was er schuldig, nit pflegen wolt, das der dem gewinnenden teil 
über das, das er im urtel der heuptsach verlustig und in die ezpens vorteilt 
wirt, XXX Schilling pfenninge zu büße geben, auch zu ge wette III Schilling 
niderlegen solle. Und mag das gewette wol hGcher angeschlagen werden (in 
disem falle), doch das solchs durch ein gemeine Ordnung und Institut der 
gericht uf zukünftig feile beschehe, wie vormals auch berurt.« 



[13] 81 

fridebruchj geriehtswerungej sckddworij buse^ peinlich mid hurglich^ urie die- 
selben zu strafen seint.€ 

Mit dem Wortlaute in Hs. Wdrmbrunn IL Nr. 127 überehistimmetider 
Abdruck bei Georgius Beatus, Sententiai-um definitivarum Saxonicarum 
de eriminalibus eenturiae decem. Pars IV, Oerae 1610, Tit. 27, Kap. 6, 
S. 338 ff. und vollständiger mit dem, Texte der Vorlage gleichlautetider Ab- 
druck daselbst, Tit. 29, Kap. 3, S. 367 ff. 

Der folgende Spruch kann wegen seines Inhalts, zumal auch in Hs. Warm- • 
brunn die Sprü(^ Nr. 8 — 10 unmittelbar auf ihn folgen, hinsichtlieh der 
DaHerung dem Leipziger Weistum für Plauen zur Seite gestellt werden; 
vgl. die Vorbemerkung vor Nr. 8. 

Einer hat einen gemant umb schalt, so er ime schuldig 
gewest; hat der schuldiger vil freyelicher wort, darnach 
mit der tat, er were frevelich kegen einem richter und 
andern mit worten, auch mit werken geubet, damit er den 
fried gebrochen; was darumb sein büß oder leiden ist, her- 
nach Yolgt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzigk darauf vor recht: Ist ein 
pauersman eurem statschenken etzlich kan piers schuldig plieben 
und hat derselbig pauersman euren statschenken, so er ine darumb 
angelangt und gemanet hat, mit bösen worten ine ausgeheißen, 
sagende, . er solde zu ime hinaußen komen, er wolde ine bezalen. 
Und so die ding also, nachdem ir seczt, ungeferlichen IV oder drei 
tag angestanden haben, sei derselbig pauer von eigen dorst und mut- 
willen nach solchen droeworten in desselben euers schenken haus 
gegangen, darinne hader gemacht und sich mit worten und tat fre- 
velich gemacht und beweiset; derbalb euer schenk den richter umb 
Schutzes willen ersucht und angerufen hat. Und so der richter komen 
ist, hat er an sein messer griffen und sich des gerichts wern wollen i), 
derhalb sich der richter mit ime gegen dem gefenknus gewant hat, 
in derselbig freveler ausgefordert und ausgeheißen, er wolle sich 
mit ime | auf dem markte schlagen und ine also unterwegen mit viel Bl. 7b 
[gröblichen] 2) worden uberfarn, alsdan^) gedroet, die aus gehaise des 
gerichtes^) darzu komen werden, sich an ine zu rechen, es stunde 



1] In Hb. Berlin 810 folgt an dieser Stelle noch: derhalben der richter die 
nachbauem zu bekreftigen die gerichte angerufen, den frevel also bekreftigt 
und 80 . . . 

2) Ergänzt aus Hs. Berlin 810. — Vorlage: gebrecben. 

3) Hs. Berlin 810: und allen den. 
4] Hs. Berlin 810: richters. 

O. Kisch, Leipziger Schöffenspruchsammlung. 6 



82 [13] 

lang oder kurz, und hat auch auf den morgen darnach in dem ge- 
fenknus in kegenwertigkeit etlicher euer ratsfreunde und euer diener 
gesagt, so er solchs gefenknus gewust hett, wolt [er] einen schaden 
getan [haben], davon man lang zeit zu sagen hett, ab es ime gleich 
den hals hett kosten sollen; und wie ein solchs in euer frag mit 
femer inhalt furpracht ist worden. 

So ir dan ein solchs, wie vor berurt ist, nemlich das er dem 
wirt, euerm schenken, mit frevel, torst und gewalt in sein haus ge 
gangen und das er sich mit Worten und tat gein ime frevelich er- 
zeigt, und so der richter auf anrufen des wirtes komen were, het 
er sich gein ime weren wollen, an sein messer griffen und das er 
sich also dem gerichte widerseczig gemacht und dan die aus ge- 
heischt^] und anforderung des gerichts gevolgt und das er sich an 
denselbigen, es stunde lang oder kurz, zu rechen gedroet het, auf 
anmaßung erweisen und zubringen wurdet, wie recht ist, alsdan ir 
ine als auf handhaftiger tat begriffen und gefenglichen gesaczt 
het: so het er damit dem wirt 2} sein hausfried gebrochen, und euer 
richter hat ine darumb und auf clag desselbigen wirtes, euers schen- 
kens, auch das er sich also frevelichen dem gericht vriderseczig ge- 
macht, den richter gemißhandelt und den angerufen beistendem, 
die das gericht haben helfen bekreftigen, gedroet hat, pillichen zu 
seiner band genomen und gefenglich gesaczt. und so dan der wirt 
Bl. 8Aund auch | ir von gerichts wegen die sach an ime peinlich anziehen 
und forderen wurdet, so muß er peinlich nach gesaczter peen') und 
friedsbruchs recht darumb leiden. Wo ime aber umb fuge und 
Wandel solcher uberfarung, freveltat, mißhandlung und der droe 
halben, wie vor berurt, gescheen, und also burglichen darumb an- 
ziehen^) wurdet, alsdan so must er die erste ausheiß ung euers schen- 
kes mit dreißig Schilling pfenning und den fridbruch, hemachmals 
über den dritten oder vierden tag demselben wirt 5) in seinem haus 
geschehen, gein ime mit einem wergelde, das seint XVIII pfund, . 
XX Schilling pfenning von einem ^j pfund zu reichen, verbessern^) und 



1) Hs. Berlin 810: auf geheiß. 

2) In Hs. Warmbrunn, wo der Eingang des Spruches lautet: »Hat Hans Moller 
euerm schenken ausgeheischen und hernach über vir tag mit gerückter wehr 
dem schenken in sein haus gelaufen und dem wirt . . ., beginnt hier der Text. 

3) In Hs. Berlin 810 steht: pein. 

4) Hb. Warmbrunn : und furdern. 
6) Hs. Warmbrunn : schenken. 

6) Hs. Berlin 810 und Hs. Warmbrunn: je vor ein. 

7) Hs. Warmbrunn: verbueßen. 



[13. 14] 83 

dem richter, derhalb [er] sich gerichts gewert und dem widerseczig 
gemacht und ine, so [er] seins ampts halb dagewest ist, mit Wor- 
ten nberfaren und gemishandelt^) hat, das höchste ge wette, das seint 
drei 3) pfund oder LX Schilling pfenning, und denjenigen, die dem 
richter^) gefolgt, den er gedroet hat, ir gesaczte büß, als XXX Schil- 
ling pfenning einem jeden und so oft dem richter oder gerichte 
seine gemeinlich ^) gewette, wie ir das^) in euren gerichten gemein[ig]- 
üch zu nehmen pflegt, geben. Und es sei^) dan, das er euch ge- 
nuglich Versicherung mit genügsamen 7) purgen, das ir und die euren 
Yor ime sicher seit, bestalt habe, so bedorft ir ine aus dem gefenk- 
nus nicht lassen geben. Von rechtes wegen. 



14 

Ahsehrift des SprucJies (mit den in den Text in eckigen Klammem ein- 
gefugten Zusätzen) in H^, Berlin 810 j BL 69 ^j Nr, 9 unter der Überschrift: 
> Umh schände^ so sich einer van im selber berumet und ander damit sclmi- 
den unll. Ad requisidonem des rates xu Torgau, <> 

Einer hat einer junkfrauen zu hone schmacheit zugesagt, 
wie er zu vielmals unkeuschheit mit ir verbracht, der er 
[ime und ir] nun schant und laster selbst zusagt; etc. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Hat Michel Wickel 8), 
der ehman, junkfrauen Elsen Launers ^) zu hone und schmacheit 
zusagt, wie das [er] vielmals [mit ir] unkeusche | werk verpracht^i. 8» 
habe, und dhweil er dann schand, laster und übel von ime selbst 
sagt, und die junkfrau auch sunstent an iren eren unberuchtigt ist, 
so steet im in solchen dingen nicht wol zu glauben; er soll auch 
der[halben] nicht gehört werden; und dadurch muß er auch der 
junkfrauen Elsen solche schmeliche unrechtlich zusage, so oft er sie 
an voranderten [steten und] stellen damit geschmeht hat, nach ge- 
saczter puB des rechten verbessern und darumb dem gericht wetten. 



1) Ha. Warmbrunn : gehandelt. 

2) In Hs. Warmbrunn folgt: schock. 

3} Hs. Berlin 810 und Hs. Warmbrunn : gericht. 

4) Hs. Berlin 810 und Hs. Warmbrann: gewonlicb. 

5) Hs. Warmbrnon: dan. 

6) Hs. Warmbrunn: tet er. 

7) Hs. Berlin 810 und Hs. Warmbrunn : genughaftigen. 
8] Hs. Berlin 810: Nickel Pocke. 

9) Hs. Berlin 810: Elsen Lenffers. 

6* 



V 




* m 



il 



82 

lang oder kurz, und hat auch auf 
fenknus in kegenwertigkeit etlich 
gesagt, so er solchs gefenknus 
getan [haben], davon man lar 
den hals hett kosten solle' 
femer Inhalt furpracht ist * 
So ir dan ein solcl" - * 
wirt, euerm schenken, . i 
gangen und das er '. \^ 
zeigt, und so der ^ 

er sich gein imf ^ • 
sich also dem 
heischt^) und 
denselbigen 
anmaßunp 
ine als 
het: 8 
rich^ 
ke* 



[U. 15/ 

«°* hat beiweüen • 
'»^^ hafc, und Ai^ 
^^«^ schant, W 
V^^^^^, die F 
*eu an irer 
^ an rat' 
ben 8^' 






.^gedachten hofgerü^- 
.selb Jordan von Rogers ^^^^ ^'^^ 
..en, wislichen dnd bleiblichen schenken 
^ar seinen stetten zu körn und andern remen 
ochmarn zu widerWertigkeit und schaden au frjcbten 
.c ; und hat sich dameben, das daselbst kein wisHcbe 
y . sein solle, zu gedingter zeit und frist zu beweiseü er- 

Und Jordan von Rugersdorf hat dawider in seiner antwort 
f bracht, wie das sein vater und er und ir | vorfaren im dorf zu 
* ßogersdorf XXX jar und jar und tag recht verwerte zeit an h^xü 
ifeinrichs und jedermeniglichs rechte einspruch ein schenkstatt i/^" 
j^glien und haben schenken lassen und das er und sie ein sulc^^ 
gulch lang zeit und verwerte zeit also, geubet und bishero gepraucli^ 
haben; und hat sich auch das mit fromen leuten zu gedingter frist 
zu erweisen gepoten und vermeint, das [er] als ein antworter mit 
seiner beweisung pillichen solt den Vorgang haben, behalden und 
pei seinen schenken und altherkomen gerechtigkeit plieben sein* 
und wie ein solchs in der widerpart urteil mit ferrem Inhalt bemel- 
det ist worden. 

Seintmal denn Jordan von Rugersdorf antworter ist, so wirt im 
nach landleuftigen sechsischem recht zu seiner beweisung der Vor- 
gang pillichen zustatt. Und so er sich dan sulcher schenkstat und 
solchs teglichs schenkens allein aus einer verjarung anzeucht, da- 
durch er vermeint, das sein vater, er und ire vorfaren gerechtig- 
keit solten eingefurt, erlanget und erworben haben, das er nun sol- 
cher schenkstatt und schenken XXX jar und jar und tag bishero 
und also verwerte zeit teglichen oder wen sie gewolt haben, genug- 
lichen aen hem Heinrichs und jedermeniglichs rechte einsage und 



VT 



^ehalten, g^y^ 
sein ^orf^ *'*'*'' 
werte ^/^ »> 



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'^^^*iaei 



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ime deo 
oder wie sein voriaix. 
^ti lassen, ferrer oder weiter zu 



87 

' gesagt habe, das er ime das 

^'st und er zu Eemnitz fiir 

.nni ab er ime ein änderst 

• so beheldet er als ein 

"v juilich den Torgang 

i-achte schalt und 

'n cleger das mit 

. <jf. Und Jacob 

* bezeugt hat, 

rot pfert 

^t wer, 

«Jiul- 

er 



& 






^^ wegen. 



16 



^ 



/ 



^^tx leinwebern. 

gp^echen wir schöpfen von Maygdeburg ein recht: Die leinweber 
, |. von ires handwerks wegen nicht pflichtig, das sie diebe hen- 
^®^ oäer mißtetige leut von dem leben pringen, die ine nicht oder 
^f leit getan haben, und man mag sie [als] andere frome leut zu 
^^^^^len Sachen mit recht oder gewonheit nicht pringen. Und ist 
*^V^^l)er euer einiger von den leinwebern von Casper Germerßlenen 
^^r von den schöpfen mit gewalt ader mit unrecht beschwert oder 
^ htes begeret, das man auch die sach zu Schriften hett übergeben 
^nd uberantwort, in Schriften darkegen genomen, darumb mögt ir 
^^ beclagen, wo ir mit ine rechtes bekomen konndet. Von rech- 
tes wegen. 

17 

Einer hat einen hund erstochen, darumb wollen ine die 
meister des hantwerks verwerfen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzigk auf solch schritt vor recht: 
Sintemal der obgemelte Claus fleischer auf den abend, «Is er aus 



*% 



1) Der Text der Vorlage schließt hier unmittelbar an den vorigen Satz an. 
All« dem Sinne der folgenden durch das Verschulden des Abschreibers ver- 
^mmelten Stelle ergibt sich aber das Fehlen des Vordersatzes der Antithese. 



84 [14. 15] 

Doch so er solche nachrede allweg bekant und hat beiweilen die 
tat versacht) da er in dem gefenknus gesessen hat, und die her- 
nachmals widerumb vor dem rat bekant hat, also schaut, laster und 
übel von ime selbst und der junkfrauen [zujgesf^t, die sich doch 
[allewege] und ein lang zeit in guten geruchten an irem dinst zu 
Torgau gehalten hat; so stet ein sulchs darüber an rats zu Torgau 
wilkor, nachdem sie [ine] in irem gefenknus haben siezen, wie sie 
ine darumb strafen wollen. Von rechtes wegen. 



15 

Von erbkretzschmarn. 

Spricht Leipzig: So herr Heinrich von Einsydel, ritter, den ge- 
nanten Jordan von Rugersdorf vor dem obgedachten hofgerichten zu 
Penick beschuldigt hat, wie das derselb Jordan von Rugersdorf ein 
schenkstatt daselbst mit teglichen, wislichen und bleiblichen schenken 
gleich einem erbkretzschmar seinen stetten zu kom und andern reinen 
beilegenden erbkretzschmarn zu widerWertigkeit und schaden aufrichten 
und halten solle; und hat sich dameben, das daselbst kein wisliche 
schenkstatt sein solle, zu gedingter zeit und frist zu beweisen er- 
poten. Und Jordan von Rugersdorf hat dawider in seiner antwort 
Bl. 9 a aufbracht, wie das sein vater und er und ir | vorfaren im dorf zu 
Rugersdorf XXX jar und jar und tag recht verwerte zeit an hem 
Heinrichs und jedermeniglichs rechte einspruch ein schenkstatt ge- 
halden und haben schenken lassen und das er und sie ein sulchs 
sulch lang zeit und verwerte zeit also geubet und bishero gepraucht 
haben; und hat sich auch das mit fromen leuten zu gedingter frist 
zu erweisen gepoten und vermeint, das [er] als ein antworter mit 
seiner beweisung pillichen solt den Vorgang haben, behaUen und 
pei seinen schenken und altherkomen gerechtigkeit plieben sein; 
und wie ein solchs in der widerpart urteil mit ferrem inhalt bemel- 
det ist worden. 

Seintmal denn Jordan von Rugersdorf antworter ist, so wirt im 
nach landleuftigen sechsischem recht zu seiner beweisung der Vor- 
gang pillichen zustatt. Und so er sich dan sulcher schenkstat und 
solchs teglichs schenkens allein aus einer verjarung anzeucht, da- 
durch er vermeint, das sein vater, er und ire vorfaren gerechtig- 
keit solten eingefurt, erlanget und erworben haben, das er nun sol- 
cher schenkstatt und schenken XXX jar und jar und tag bishero 
und also verwerte zeit teglichen oder wen sie gewolt haben, genug- 
lichen aen hem Heinrichs und jedermeniglichs rechte einsage und 



[15. 16. 17] 85 

einsprach gehalten, gebraucht, geubet oder haben üben lassen, und 
das er und sein vorfam also sulch schenkstatt und schenken soll 
solche lang verwerte zeit in geruglicher ubung und besiczunge oen 
hem Heinrichs und jedermeniglichs rechtlich einsage gehabt haben; 
wen er ein sulchs, wie itzund berurt und recht ist, erweist hat: so 
pleibt er hinforder pei solchem schenken und schenkstatt inmaßen, 
wie er und seine Torfam das bishero sulche lange verwerte zeit des 
jars unterweilen ein vaß biers, drei oder vier daselbst het schenken 
lassen. — Inmaßen i) im dem hem Heinrich selbst gestatten; da- 
mit macht er sulche gerech|tigkeit, das er muntlich wen und wievilBL. 9 b 
er schenken wolle, nit eingefurt noch erlangt haben; und her 
Heinrich Tom Einsydel were ime des jars nicht mehr drei oder vier 
vaß piers zu schenken oder wie sein vorfam sulch schenken geübt 
betten oder betten üben lassen, ferrer oder weiter zu gestatten nicht 
verpflicht. Von rechtes wegen. 

16 

Von leinwebern. 

Sprechen wir schöpfen von Maygdeburg ein recht: Die leinweber 
seint von ires handwerks wegen nicht pflichtig, das sie diebe beu- 
gen oder mißtetige leut von dem leben pringen, die ine nicht oder 
nie leit getan haben, und man mag sie [als] andere frome leut zu 
solchen Sachen mit recht oder gewonheit nicht pringen. Und ist 
darüber euer einiger von den leinwebern von Gasper Germerßlenen 
oder von den schöpfen mit gewalt ader mit unrecht beschwert oder 
rechtes begeret, das man auch die sach zu Schriften hett übergeben 
und uberantwort, in Schriften darkegen genomen, darumb mögt ir 
sie beclagen, wo ir mit ine rechtes bekomen konndet. Von rech- 
tes wegen. 

17 

Einer hat einen hund erstochen, darumb wollen ine die 
meister des hantwerks verwerfen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzigk auf solch schritt vor recht: 
Sintemal der obgemelte Claus fleischer auf den abend, fth er aus 



1) Der Text der Vorlage schließt hier unmittelbar an den vorigen Satz an. 
Ans dem Sinne der folgenden durch das Verschulden des Abschreibers ver- 
stümmelten Stelle ergibt sich aber das Fehlen des Vordersatzes der Antithese. 



86 [17. 18] 

dem bierhaus gegangen ist, das handien, das ine von den nachts 
wechtern angelaufen hat, so das widerumb, nachdem er das zäit 
Bl. 10a einem fuß, als er sich im am ersten hat nahn getan, | von sich ge- 
stoßen hat, nachgevolgt und aber sich ime nahen getan hat, mit 
seinem geruckten und ausgezogen messer, also demselben bundlen 
nachvolgend, erstochen hat; und so er ein solchs aus unbedachter 
bewegligkeit seins gemutes, in zorn und on wolbedachten gemute 
und on allen bösen vorsacz getan hat: so mögen ine die hant- 
werksmeister der fleischhauer darumb und solchs geschichtes halben 
inmaßen solchs, wie negst berurt, geschechen ist, von dem hant- 
werk nicht verwerfen noch zu solchem band werk oder in innige 
untüchtig bereden. Von rechtes wegen. 

18 

Vgl Nr, 290 und 292. 

Von Verkantung oder leinkaufe. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Hat Heinrich Keiser 
Jacoben Windisch bei euch vor gericht beschuldigt, wie er ime [sein] 
jüngstes füllen, sein graupfert, solle verfreimarkt und das ime Jacob 
Windisch zu seinem grauen pfert XL gr. zugelobt sol haben; und 
erpeut sich, das mit zweien fromen mennern zu gezeugen, wie recht 
ist; und wie er das in seiner clag weiter furpringt. Aisdan Jacob 
Windisch nach getaner wer in seiner antwort darkegen aufpringt 
und sagt, er gestehe Heinrichen Keiser seiner schult an keinem end 
nicht, sonder seczt, das er sein graupfert dem genanten Heinrich 
Keiser umb sein rotpfert, das Jacobs Gunters zu Behem gewest ist, 
das er zu Kemnitz für VIJ alt schock erkauft, verfreimarkt hab, 
und das er ime und vor dem freimarkt und eher, dan sie leinkauf 
getrunken haben und eher der gesegnet ist worden, allzeit das 
rechte pfert, das Jacobs Gunters gewest ist, benant und darzu 
Bl. IObXL gr. zu geben, und ap er ime wolde ein änderst vorziehn | dan 
das rechte, das woU er nicht haben; und erpeut sich, das, wie vor 
berurt ist wurden, zu gedingter frist zu gezeugen und beweisen, wie 
recht ist. 

Kan dfti Jacob Windisch ein sulchs, wie vor berurt, beweisen und 
gezeugen, wie zu recht genugsamlich ist, nemlich das er für und in 
dem freimark und eher sie den leinkauf und gegenkauf getrunken 
haben, auch eher der gesegnet ist worden, das rot pfert, das Jacob 
Gunters gewest ist, genant habe, und das er, eher sie mit einander 



ria 19] 87 

aa%eschlageii haben, clerlichen zu ime gesagt habe, das er ime das 
rote pfert, das Jacobs Gunters gewest ist und er zu Kemnitz fiir 
VIJ alt schock erkauft habe, abgefreimarkt, und ab er ime ein änderst 
Torziehen [wolte], [das] wolle er nicht haben: so beheldet er als ein 
antworter mit seinen gezeugen und beweisung {uUich den Vorgang 
und ist nehir, darmit Heinrichen Eeissers furgeprachte schult und 
[furjnehmen zu verlegen, den Heinrich Keisser als ein cleger das mit 
seinen gezeugen und seiner beweisung ime erwern mag. Und Jacob 
Windisch ist im alsden, wan er ein sulchs erweist und gezeugt hat, 
wie recht ist, wo ime Heinrich Reiser das abgefreimarkt rot pfert 
nicht wil volgen lassen, als dan er zu recht zu tun verpflicht wer, 
sein groe pfert mit zugab der XL gr. uberzuantworten nicht schul- 
dig, sunder Jacob Windisch behelt dasselbig sein groe pfert, das er 
noch in geweren hat, pillich und pleibt von dem mergenanten Hein- 
rich Keisser seiner angestalten clag halb claglos. Von rechtes 
wegen. 

M f. Zwischen 

15* 1472 xwn 1485 

Falsch silberkuchen. Bl. IIa 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzigk darauf vor recht: So eure 
geschworne goltschmide und Landtknecht wider den genanten Hansen 
Schuman bekantnus geben, das der silberkuchen, davon in euer frag 
besagt wirt, den er selbst demselbigen goltschmide zu schauen pracht 
und den ein firau dem Landtknecht ein schock gr. darauf zu leihen soll 
angepoten haben, nicht gut silber gewest sei; und etzlich euers neuen 
und alten rats, nemlich Matthes Beida, Simon Berger und sunst euer 
burger einer, Martinus Borig genant, auch wider in gezeugen, das 
er sich bezieht und des gerichts, darin er durch selbigen silber- 
kuchen komen ist, kegen ine solde beclagt und für ine solde gesagt 
haben, wie er jemmerlich mit wörten beschwert wurde, das er un- 
recht und falsch silber solt haben und tragen lassen, und das er all- 
zeit vor ine ein crucifix aus seiner haub geruckt und gesagt, das er 
kein ander silber dan das crucifix hat lassen umbtragen; und er 
auch zu dem gestrengen und emvesten hem Gasper von Schonperg^j, 

1) Hofrichter, Landvogt zu Meißen 1472— 148Ö; siehe F. A. von Lange nn, 
Herzog Albrecht der Beherzte, Stammvater des königlichen Hauses Sachsen; 
Leipzig 1838, S. 560; Albert Fraustadt, Geschichte des Geschlechtes von 
Schönberg Meißnischen Stammes. 1. Band. Abteilung A, zweite Ausgabe; 
Leipzig 1878, S. 306 ff.; Richard Freiherr von Mansberg, Erbarmanschaft 
Wettinischer Lande; Dresden 1903—1908, Tafel 32. 



88 [19. 301 

ritter, verweser zu Meißen, gegangen ist, denselbigen hern Casper 
bericht hat, wo er vor etzlichen tagen seiner notdorfb halb ein stack 
Silbers einem priester zu Rochlitz, im ein schock gr. darauf zu leilien, 
zugeschickt habe, und als sein bot denselbigen priester nicht doheim 
funden hette, were sein böte mit dem silber zu Landtknecht ganzen; 
80 er das silber besehen hett, solt darauf haben gesagt, das das 
Silber nicht gut were; und auch darnach von dem obgenanten hern 
Gäspern von Schonberg und hern Heinrich von Maltitz solcher be- 
Bl. llBzichtung und berichtung halb beschuldiget | und ime gelegenheit der 
ding furgehalten habt, von erst geantwort und geleukent hat, das 
er dem vormelten eurn goltschmid keins zu beschauen oder zu be- 
sichtigen gebracht hett, und hat so pald darnach under andern Wor- 
ten auf unverwarten fuß bekant und gesagt, das er demselbigen 
goltschmid ein stuck guts silbers sal pei sich gehabt und geweist 
haben: so wird er selb durch seine eigne zweif eidige rede und ant- 
wort ime selbst widerwertig und sulchs mißhandeis verdechtig und 
sich versacht forder daraus und aus der zeigen bekantnus wider 'ine] 
ein stark mergliche presumpcion und arger wan, und ime soll dadurch 
sich sulcher bezieht mit sein selbst band zu entlegen nach gestalten 
dingen nicht zustatt werden. Von rechtes wegen. 

20 

Ein silbern haerpant hat einer inne. 

^ Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche schrift der gemel- 

ten part zu leuterung unsers vorigen Spruchs vor recht: Nachdem 
Symon Schicke sulch silbern harpant, davon in dem vorigen recht- 
spruch und auch itzund in seinen Schriften bemeldt wird, als für 
sein gut anzeugt und sagt, das ime das von seinem eeweibe seligen 
gedechtnus also abgeschnitten, verwandelt und in eine ander weisen 
gepracht, in sein beschlislich gewer und behaltnus ubergeantwort 
sei worden, und das er sulch harpant sidermals also vor sein gut in 
sein beschlossen gewer pishero behalten; törst er dan in antworts 
statt, nachdem er an seinen rechten ein unbeschulden man ist, und 
so er von Andresen' Moller, seinem widersachen, deshalb vor in 
Bl. 12a schlecht und oen | allen gezeug beschuldigt ist worden, sulch silbren 
harpant also vor sein gut, das er das nach sulcher verandrung und 
Überreichung von seinem eeweib pei iren lebentagen geschechen pis 
hiehero in seiner beschlislicher gewere behalten het, mit sein selbst 
haut auf den heiligen erhalden, vertreten, wie recht ist: so wer er 
nach gestalten Sachen neher, pei sulchem harpant zu pleiben und 




[20. 21] 89 

das für sein gut zu behalden, dan in Andres Moller dayon mit seiner 
schlechten fordrung pringen oder in deshalben zu forderer beweisung 
dringen möge. Von rechtes wegen. 



21 

Vgl Nr. 22. 

Einer hat ein tuch verlorn und einen andern damit be- 
zichtigt; derselbig ist fluchtig worden und doch auf recht 
wider ein geleit genomen; das ist ime geprochen; und wie 
es damit gehalden und auch kein titel oder ankunft, welcher 
maß nicht beweisen, findt man hernach. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig darauf vor recht: Hat ein 
burger zu Plauen, Kosner genant, ein tuch verlorn und darauf in 
die walkmole gegangen und in dem, das er sein tuch gesucht, ein 
tuch, das seinem verloren tuch enlich sein solde, befunden. Und 
ist darnach so pald in die stat gegangen vor bemelten Schnltisen, 
[des] dasselbig tuch gewest ist, und hat zu ime gesagt, wie er ein 
tuch verloren und in der walkmole ein sulch tuch het funden, das 
seinem tuch gleich were, und wo derselbige Andres Schultes sulch 
tuch selb nicht gemacht hett, das er ime das umb sulch gelt, dar- 
umb er das hett gekauft, wider solte zusteen lassen. So dan be- 
melter Rosner darnach zuerst für dem hantwerk und darnach für 
dem amptman und richter daselbst bekant und gesagt hat, das er 
zu dem genanten Schultzen kein andere | wort, dan wie vor berurtßL. 1*2b 
ist, gesagt, ine auch keiner deube bezichtigt hett, ine auch keines 
argens zu bezichtigen wüste; und der amptman sie darauf vor sich 
geweist hat: So hat darüber der schösser daselbst dem vorbemelten 
Schultzen sulch sein tuch on gerichtliche weise unpillichen genomen, 
er hat auch dasselbig tuch für kein deube anziehen mögen. Und so 
er sich dan dameben mit schweren dräuen hat vememen lassen, 
denselbigen Schultz darüber gef englich anzunehmen, so hat derselbig 
Schultis, indem das er daraus forchte halb das gefenknus ent- 
wichen ist, nichts unpillichen geubet. So aber der genant schosser 
auf bevelch und schrifte unser gnedigsten und g. h. denselbigen 
Schultis zu recht geleit, ime auch sulch geleit zugeschrieben, des ir 
uns dan ein abschrift mit zugesant habt, und ine doch gieichwol dar- 
über hat gefenglich angenomen und seczen lassen, so hat er da- 
durch demselbigen Schultis das geleit gebrochen und uberfarn und 
muB in far allen dingen aus dem gefenknus los und ime darzu sein 



90 [21. 22] 

tuch widergeben und umb sulch uberfarung des geleites, nemen 
des tuches und gefenglich seczen nach seiner eren notdurft abtrag, 
fuge und wandel tun; und dhweil dan derselbig Schultis sunst an 
seinen eren unberuchtigt und unverleumet, sulch tuch auch in seinen 
geweren befunden ist, so bedarfs keinen titel oder ankunft, wie das- 
selbig tuch an ine sei komen, besundem so sich niemand des für 
sein anzeugt, nicht yerpringen. Von rechts wegen. 



22 

Vgl Nr, 21. 

Es hat einer ein gesprochen urteil strafen wollen und 
Bl. 13a das [unjwissen halb seins redeners nicht getun { mögen und 
ime ein andern redener zuzulassen zu stund gepeten und 
ime doch zuvor alle erholung bedingt ursach halb. Er hat 
excepcion einpracht etzlicher uberfarung halb, [die] an 
ime geschehen seint solten, als er yermeint, [die] pillich 
Yor der hauptsach gerechtyertigt werden. So haben die 
schöpfen unverhort des beclagten antwort auf des clegers 
ansinnen und clage in die hauptsache gesprochen, dadurch 
das urteil unduchtig ist. So hat der cleger waerzeichen 
angegeben, die clag darauf peinlich angestalt, die im 
rechten nicht zugelassen, sonder muß in sulcher sach 
^ selbsibent überzeugen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulchen ergangen handel 
und euer schriftliche frag vor recht: Dhweil durch die schöpfen 
des oben bemelten hjalsgerichts auf beder partei zuletste ingefeite 
rechtsecze ein urtel gesprochen, das Andres Schultis hat strafen 
wollen und das aus unweisheit seins redners nicht tun mögen; und 
hat derhalb alspald vor gericht gepeten, ime ein andern redner 
zuzulassen, der ime dasselbig urteil, wie sichs gepurt, wüste zu 
strafen; und ist darumb mit seinem widerteil zu rechtseczen und 
urteiln komen, die dan die schöpfen in bedenken genomen, dadurch 
dan der bemelte Schultis das letste ergangen urteil zu strafen ver- 
hindert worden ist; dhweil dan der gedachte Andres Schultis als 
ein antworter ime vormals seine erholung, so oft und dick ime das 
not sein wurde und änderst das ime zu recht not ist, bedingt mit 
urteiln, mit recht bewart und ime zuerkant ist, was er ime bedingt, 
15l. iSfidas er das pillichen haben soll; | und Nickel Rosener, sein widerteil, 
wiewol er sein clage peinlich angestalt hat, dem bemelten Andresen 



[22] 91 

Schultzen als beclagten yormals^einen redner in diser sach zuge- 
lassen; 80 nun derselbig redner Unwissenheit halb dem bemelten An- 
dresen Schultis das leiste yerteilte urteil, wie sichs gepurt, nicht 
hat wissen zu strafen, als derselbig redner selbst bekant: so wirt 
darumb dem bemelten Andresen Schultzen aus kraft seiner bedingung 
nacli gestalten Sachen zu straf des letst ergangen Urteils ein ander 
wissenhafliger oder yerstendiger und ein ersamer redner pillich ver- 
gunst und zugelassen; und wu er den durch sich selbst nicht er- 
werben mocht, ist ime das gericht von ampts wegen, so er das der- 
halben anrufen, einen 7u geben schuldig. 

Und nachdem Andres Schultis auf des gedachten Nickel Rose- 
ners angestalte clag sein excepcion einpracht, wie das er durch 
zutun des widerteil im geleit, so er zu rechtfertigung der Sachen 
erlangt, und vor der antwort geweldiglich angegriffen, gefangen und 
tmyerhort seiner antwort, auch unerkant des rechten gefenglich ge- 
saczt und seins tuchs* entwert sein, und derhalb umb sulch gewal- 
tigUch uberfarung, ime in dem geleit geschehen, nach erkantnus des 
rechten abtrag gefordert und ime seins tuchs wider zu geweren: 
so werde solch excepcion des bemelten Andresen Schultis vor sei- 
ner antwort gerechtfertiget etc. und erkent, das ime umb sulch uber- 
farung im geleit zugesagt pillich abtrag geschehen und also auf das- 
selbig geleite frei, ledig yor gerichte, | wie dan auch durch die Bl. 14a 
schöpfen erkant ist, gelassen werden mit ergetzung der gewere sei- 
nes entwerten tuchs, auch mit widerstatung getaner expens und er- 
litten scheden. 

Und das urtel, das die schöpfen zuletst auf des genanten Nickel 
Bosners angestalte schult und eingefellet urteil, die hauptsach be- 
langend, und also auf die hauptsach an sich selbst, unyerhort An- 
dresen Schultis antwort, gesprochen und erlangt haben, ist yon recht 
kraftlos und unduchtig. 

Und dhweil Andres Schultis nicht gesteet, das er sich vor den 
meistern des hantwerks bewilligt haben, zu beweisen zeichen, den 
sein widerpart angegeben, das man erkennen soll, das das tuch, 
darumb er bezichtiget wird, sein sei, und Nickel Rosner in vor 
halsgerichte umb dasselbig tuch beschuldigt hat, wie er das ime 
entwant oder gestolen haben solle: so mag ine Nickel Rosner, als 
sanst eim unyerleumten man mit sulchen anzeagungen, das er des- 
selbigen tuchs gleich in seinem hause gehabt und das kegen dem- 
jenige brach, auch durch die warzeichen des kammes, dadurch das 
gemacht und das lodeling, das davon geschnitten, noch mit den 
leisten, die an dem loden gewest sollen, ine genuglich zu recht 



92 [22. 23. 24] 

nicht aberweisen, das ime Andres Schultis dasselbig tuch, so er 
bei ime funden, dieblich entwant oder gestolen haben; sonder mast 
in solcher schult, dhweil der bemelte Andres Schultis auf hand- 
haftiger tat nit begriffen, noch zuvor auch nie mit keiner dieberei 
Bl. 14b berüchtigt ist, als ein unbeschulden oder | unverleumten man selb- 
sibent unbescholden mennem, wie recht, überzeugen und überweisen; 
dan sunst mag er ime nach gestalten Sachen mit vorgebrachter an- 
zeigunge solch obberurte [sach] peinlich nicht zumessen, das er ime 
dasselbig tuch dieplich entwant oder gestolen habe. Von rechtes 
wegen. 

23 

Ir zwen haben sich mit einander bei der nacht im dorf 
geschlagen; also hat der eine ein degen dem andern durch 
ein pein geworfen, und so bede die flucht geben und [der 
ein] in ein schafhaus entlaufen; da ist der verwunte pis 
vor das schafhaus durch ein hingarten nachgevolgt; was 
darumb recht sei, etc. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig darauf vor recht: Haben sich 
euer bruder und ein schafknecht im gericht Tösfell bei nacht mit 
einander geschlagen, also das der schafknecht euren bruder mit 
einem degen durch ein bein geworfen hat; darnach von stund an 
die flucht geben und in das schafhaus entlaufen; und euer bruder ist 
ime durch ein hingarten pis vor das haus gefolget, davor plieben 
und weiter nichts unpillichs gehandelt. Seint sie dan darüber bede, 
der schafknecht und euer bruder, durch den richter in demselbigen 
dorf verporget worden, die sach mit recht daselbst im dorf oder 
gericht auszutragen: so ist euer bruder seiner mißhandlung nach, 
wie oben berurt, dem besiczer des schafshaus schuldig sein büß und 
Bl. loAdem richter sein wette zu geben | und des tuns halb nichts mer 
verpflicht zu tun oder zu leiden. Von rechtes wegen. 



24 

Es ist einer erbwiesen und etzlicher ecker halb ein be- 
teidung geschehen, welcher beteidung durch den leenhern 
mit Veränderung der lehen über geschehen beteidung ein 
ander handel furgenomen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig darauf vor recht; Hat euer 
vater seUger ein wies mit etzlichen eckern umb zwu hinne zins 



[24. 26] 93 

eÜich lang zeit besessen und inne gehabt und die nach seinem tode 
auf euch geerbt und gefellet; und der lehenherr hat auch dieselbigen 
zins von euch genomen und darüber dieselbige wiese von euch 
gehaben wollen; ist es dan befeidingt worden, das ir ime diesel- 
bige wiese habt abtreten und das er euch XX gülden darvon hat 
geben sollen; und so er derselben beteidung nicht ist nachkomen 
und euch solche zwainzig gülden nicht gegeben, habt dieselbige 
wiese wider von ime gefordert; so euch dan die darauf ist abge- 
treten, mer zins und frone darauf gesaczt und die gelihen hat, 
habt ir ime auch jerlichen solch zins darvon geben und die auf- 
gesaczte frone getan habt: So muß er euch nun hinforder pei der- 
selbigen wiesen unverhindert lassen und mag [sich] durch den be- 
teidung, so zuletst derhalben zwischen ime und euch geschechen 
sein, dhweil er dan nicht bewilligt und angenomen hat, dargegen 
nicht behelfen. Von rechtes wegen. 



25 Zweite 

hai.ptk dbs 

So einer schuldigest einen auf seine gewissen, wo der^^- *^^"^"- 
antworter die gewissen dem ancleger wider heimstellt, 
das muß er annehmen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig darauf vor recht: Wiewol die Bl. 15b 
genannten cleger den bemelten Jobst von Feilsch^) auf sein ge- 
^asen beschuldigt haben, das er ine als gelassen erben irs vaters 
Terheischen, geredt und zugesagt sol haben, das er ine das gut, 
das hinder ime gelegen, das sie auf XX fl. gewirdert haben, so 
darinne und mit dem bemelten gut soll verprent sein, und X rin- 
deshaubt, die sie auf dreißig gülden haben angeschlagen, so der 
Ton Plauen irem vater sol genomen haben, vergenugen und bezalen 
ivolte; dennoch gleich wol, so er ine als ein antworter sulchs wider- 
umb auf ire gewissen gestalt hat, das sie ime daran ungutlicb tun 
und das er ine sulche zusage nit getan habe: So bedarf er derhalb 
nicht seine, sunder sie müssen derwegen als und ein jeder in Sonder- 
heit seine gewissen reinigen und eroffen; und wo sie dan vermittelst 
irer offnung irer gewissen auf den heiligen mit irem eide, wie recht 



1) Urkundlich erwähnt in den Jahren 1453 bis 1486; vgl. z. B. Gurt von Raab, 
Regesten zur Orts- und Familiengeschichte des Yogtlandes in Mitteilungen 
des Altertumsvereins zu Plauen i.V.; 10. Jahresschrift auf die Jahre 1893/94; 
Planen i. V. 1893; I. Band, S. 266. 



94 [25. 26. 27] 

ist, teum torsten, das ine der bemelte Jobst \ron Feiltzsch solche 
zusage, wie sie in irer schult gesaczt, getan und die angezeigt guter, 
derhalb ir vater inne gehalten, [on] irer schulde sollen beschedigt 
sein, in sulcher werderung, als sie die angeschlagen, zu vergenugen 
und zu bezalen zugesagt hett, so must er ine die bemelten guter, 
farend und ligend, nach irer wirderung vernugen und bezalen. 
Von rechtes wegen. 

26 

Wo ein gemitter knecht aus seines hern dinst geet, was 
er dem verfallen sei. 

Hl. 16a Hierauf: Ist der knecht on not oder von mutwillen aus seins 
herrn dinst gegangen, so sol der knecht oder sein bürge dem hern 
geben sovil geldes, als er dem knecht gelobt hat zu lone; und hat 
der knecht davon etwas aufgehoben, das sol der knecht oder sein 
bürge zwifach widergeben i); und der bürge kann davon nit kom- 
men mit seiner büß, ap er den knecht nicht wider einstelt. Von 
rechts wegen. 

27 

Abdruck mit Ähküruoig der Namen bei Georgias Beatus, Senten- 
tiarum definitivarum Saxonicarum de m^trimonialibus ccnturiae IL Editio 
semnda, Gerae 1611, pars II, Tit 20, S. 180 f. 

Zwen nachtpauern seint mit einander zum hier gewest 
und bede trunken. So ist der eine dem [andern] in des- 
selbigen haus nach mitternacht in der trunkenheit zu des 
andern weib gegangen und sich zu ir gelegt. Also hat die- 
selbe geclagt, wie sie ir nachtpauern fleischlich ange- 
fuchten. Was sein büß und leiden hierumb ist von recht. 

Sprechen wir schöppen zu Leiptzk Vorrecht: Ist bem elter Hein tz 
Eberlen auf ein nacht, so er mit Hans Eckert, seinem nachtpauern, 
zum hier und bede trunken gewest sein, umb seigers zwei in mei- 
nunge, in sein eigen haus zu gehen und sich in sein bett zu legen, 
in bemelten seins nachtpauers haus und schlafkamer gangen, auch 
in desselbigen seins nachtpauers bett gelegt, sein stifeln darinne aus- 
gezogen, bis auf den morgen beharret. Wiewol dan desselbigen 

1) Vgl. dazu Sßp. Ldr. II 32 § 3. 



[27. 28] 95 

Seins nachtpauem ehweib auf den morgen sein stifeln genomen, die 
kegen Eisterberg in die gericht getragen hat, sich auch daselbst 
beclagt, das sie derselbig Heintz Eberlen fleischlich soll erkannt 
haben: Dennoch gleichwol^ so derselbig Heintz Eberlen ir sulchs 
nicht gesteet, so mag er solch, nemlich das er dieselbig frauen solt 
fleischUch erkannt haben, durch derselbigen frauen sag und an- 
zeigung der stifeln allein | nicht überweiset werden; sonder so erBi.. Kht 
zuTor an. sein rechten unbeschulden, sulcher tat nicht berüchtigt 
were und mit seinem eide auf den heiligen, wie recht, sich ent- 
schuldigen und abnemen torst, das ime nicht bewust were, ap die 
hemelt sein nachtpauerin pei ime oder er pei ir gelegen were, so 
mocht ine der seine nachtgepaur sulcher geschieht halb nicht pein- 
lich anzihen. Er must aber gleichwol derselbig Heintz Eberlen sulchs, 
nemlich das er pei der nacht on seins nachtpauem willen in sein 
haus und schlafgemach gegangen ist und sich darin schlafen gelegt 
hat, gegen demselben seinen nachtpauem mit gesaczter puß ver- 
pessem und derhalben dem gericht oder richter ein gewette geben. 
Von rechts wegen; etc. 

28 

Es ist einer verstorben on weib, hat nach ime gelassen 
zwen bruder und ein lebendig Schwester von voller gepurt 
und auch seiner vorhin verstorbener Schwester [töchter]^). 

Herr Gonradt von Zedwitz, ritter, ist verstorben und kein leibs- 
erben, weder sun noch tochter, hinder ime gelassen. Nun haben 
wir ein Schwester, die unsers bruders gotseligen und unser rechte 
Schwester ist, von voller gepurt von vater und muter. Die zeugt 
uns an umb die gelassene gerade unsers bruders und darzu alles, 
das zu erberecht gehört, in der gestalt, das sie vermeint, die gerade 
zu voraus und darnach mit uns gleich am erberecht zu haben. So 
haben wir sunsten auch ein Schwester gehabt, die ist vor langer 
zeit dan der genante unser bruder verstorben und seinen tod nicht 
erlebt und hinder ir zwu tochter gelassen. Die ziehen uns auch 
darumb an und vermeinen, so vil teil an der gerade und an dem erbe- 
recht zu haben als ir muter, so die noch | an dem leben were, ge-BL. ITa 
habt hett. Des sich die ander unser Schwester beschwert bedunkt 
und vermeint, sie solle zu sulcher gelassen gerade und erberecht 

1] In der Vorlage durch Schreibverseben : bruder. 



96 [28. 29- 

neher dan unser und irer Schwester tochter gesein mögen. Wir seint 
in traun, das wir neher seint zu erben zu unsers bruders gut dan 
unsere Schwester. Hierauf bitten wir euch, uns des rechten in euerem 
yersigilten spruch zu unterweisen. Das wollen wir freuntlichen umb 
euch verdienen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Ist herr Gonradt von 
Zedwitz, ritter, euer bruder seliger gedechtnus on leibeserben todes 
halb verschieden und hat euch bede als sein rechte bruder und sunst 
ein rechte Schwester von voller gepurt und darzu seiner vorhin ver- 
storben Schwester tochter nach sich gelassen, so hat derselbig herr 
Conradt von Zedwitz, euer verstorben bruder, alles sein nachgelassen 
gut, wuran das gewest ist, zu erbe und erbrecht gehörende, itzund nach 
seinem tode zu gleicher teilung nach personen anzal auf euch bede, 
sein gelassen bruder, Schwester von voller gepurt, geerbet und gefeilt, 
und seiner vorhin verstorben Schwester gelassene tochter mögen an 
denselben seinen gelassen gutern kein tail haben. Es mag auch eur 
und sein Schwester, die itzund noch am leben ist, an desselben euer 
und ires verstorben bruders hem Gonradts von Zedwitz gelassen 
guter keine gerade forderen noch zu voraus heischen. Von rechtes 
wegen. Versigilt etc.*). 



29 

Item es mag kein man gerade nach sich lassen, sunder 
allein die frauen 

nach sechsischen rechten, dhweil der fal von der Seiten herkomet. 
Wen aber der fall von oben herab kome, als von der mutter, groß- 
mutter etc. oder vater und großvater, alsdan vertritt sie irer ver- 
Rl. ITßstorben mutter stat und name sovil, als sie genomen hette, | ob sie 
am leben were. Wol ist es war, das zu keiserrecht Schwester toch- 
ter mit den Schwestern undbrudem gleichen teil nimpt in des ver- 
storben bruders guter, aber nicht zu sechsischen rechten, des wir 
uns dan in diesem farstentumb halden; in aller maß helt sich des 
rechten erkennen des bruders kind, das sie mit den brudem kein 
erbteil nemen in des verstorben bruders gutern, so die einer gesippe 
weiter seint; desgleichen wir itzUnd gesagt, ist auch recht. 

1) Vgl. Nr. 29. 



[30. 31. 32] 97 

Von mageschaft. 

Leipziger Spruch. 

Nach der Vorlage gedruckt bei Hermann Wasserschieben j Das Prinzip 
der Sukxessionsordnung nach detäschenij insbesondere sächsischem Rechte; 
Qoiha 1860, S. 169, Absatz 1 und 2, 

31 

Von mageschaft; ab nicht halbe bruder, die von einem 
rechten naturlichen vater kommen seint, gleich | erbteil'BL. 18a 
nemen. 

Leipziger Spruch, 

Nach der Vorlage gedruckt bei Hermann Wasserschleben^ Das Prinzip 
der Sukzessionsordnung nach deutschem, insbesondere sächsischem Rechte^ 
S. 169, Absatz 3. 

32 

Anerstorben guter nach tode des weibes irer negsten 
nifteln zu geben. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche frag vor recht: Ist 
euch euer frau tods halb abgangen, die euch, dhweil sie noch lebt, 
Yor gericht aufgelassen und gegeben hat alles, das sie hat oder imer 
gewinne, und habt ir widerumb lassen leihen die helfte alles eures 
guts, das ir auf zeit hat oder hernach gehaben mocht, wuran das 
mocht sein, nichts ausgeschlossen; ist darnach euer frau verstorben 
und hat sie nach ir gelassen ein gerade, erbe und gut an einem und 
ire negste niftel am andern teil: so hat die verstorbene frau die 
helfte eures guts, wuran das ist, das ir von euch, do ir lebt, gelegen 
und [gegeben] 1) was, gefellet und geerbt auf ire nechste niftel, und 
darzu die gerade nach euer stat wilkor gehorn. Hat auch euer ver- 
storben weib in kegenwertigkeit ires beichtvaters und irer | negsten Bl. 18b 
freunde euch [gepeten]^) in irem siechpett, ir zu vergunnen, ein testa- 
ment oder seelgerete zu machen und zu bestellen von irem gut 
und nicht von dem euren gut; und seint die freund kegenwertig 
gewesen und haben sulchs gehört und das verwilligt, nicht wider- 
sprochen; wan ir dan beweisen mögt, das es also geschechen ist und 

1) Vorlage: gepeten. 

2) Vorlage: gegeben. 

G. Kisch, Leipziger Schöffenspruchsammlung. 7 



98 [32. 33. 34] 

sich, wie oben berurt, ergeben bat, wie recht ist: so bestelt man 
solch testament yon der frauen gut pillich, das nun irer negsten 
niftel gepurt, nach irem tode allein, und ir seit darzu Ton dem euem 
nichts pflichtig [zuj^geben.^ Von rechtes wegen. 



33 

Von erbe zu nemen. 

Leipziger Spruch, 

Oedrtickt bei Wasser schieben ^ Sülcxessionsordnmig^ S, 170^ Absatz 1. 

34 

Der grosvater hat nach ime gelassen yier sune und 
tochter und seiner tochter kind und hat alle seine erbe- 
gut auf seine kinder und seiner tochter kind gleich ge- 
erbet. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk yor recht: So euers ehweibs 
grosyater N. Schultes, muller, yor XX jarn ungeyerlich yerschieden ist 
und hat die zeit nach ime gelassen yier lebendige sune und tochter 
Bl. 19a und auch euer ehweib als seiner tochter kind und darzu j etzlich erb- 
Schaft an farend und unfarend gutern: so hat derselbige euers eh- 
weibs großvater, oben bemelt, alle seine hab und guter, farend und 
unfarend, zu erb gehörend, nichts ausgeschlossen, die zeit nach seinem 
tode auf sein gelassen yier lebendige kinder und auch auf seiner toch- 
ter kind, itzund euer ehweib, anstat irer mutter, seiner tochter, zu 
gleicher teilung yon recht gefeit und geerbet, und euer schwäger sein 
alsdan eurem ehweibe, irer weiber Schwester tochter, anstat irer 
matter yon ires großesyatern und ires yaters gelassen gutem, zu erbe 
gehörend, iren gepurlichen und den fünften [teil] yolgen zu lassen 
pflichtig gewest. Haben sie aber dieselben guter die zeit alleine in 
yier teil und under sich geteilt und euers ehweibs gepurlichen teil 
innen behalden, so ist eurem ehweib daran zu kurz und unrecht ge- 
schechen. Dhweil aber nach tode euers ehweibs elderyaters noch nicht 
XXX jar und tag yerlaufen noch yerschienen seint, so mögt ir in 
yormundschaft euers ehweibs yon denselbigen eueren Schwägern iren 
gepurlichen anerstorben erbteil nochmals wol furderen, und hernach 
sie hat sich daran in yerlaufung der XXX jar, oben yermelt, nach 
landleuftigem sechsischen recht nicht yerschweigen mögen. Sie 
mögen euch oder eurem ehweib dadurch iren gepurlichen erbteil. 



[34. 35] 99 

als sie von irem eldernyater, oben bemelt, vor [XX] <) jar angefallen 
ist, nicht Yorgehalden, das ir vater pei der teilung gewest sei und 
solchen teil die zeit noch hernachmals pei seinen lebentagen nicht 
gefordert haben. Dan sulch fumehmen ist ine nach gestalten dingen 
unhulflich und euch oder eurem ehweib unschedlich; dan ir und sie 
und ir yater und sie haben sich in der zeit und auch pishero an 
der furderung sulchs erbfals nicht yerseumen noch verschweigen 
mögen. Von rechtes wegen. 

QK ZinnscHSN 

1476 UND 1490 

Ein man ist verstorben und hat nach ime gelassen dreiBL. 19b 
kinder und sein eelich weib, das er mit dem dritten teil 
seiner guter hat lassen belehnen nach der stat gewonheit. 
Darnach hat das weip einen andern man zu eh genomen 
und hat mit ime ein kind gezeugt. Nun ist das weip ge- 
storben. Ap nun das weib den dritten teil, damit sie von 
dem ersten man belehent was, auf ir erste kinder geerbt 
hat oder auf das kind, das sie mit dem [letsten man] ge- 
zeugt hat. 

Dietz seint gemeine schlechte zusage und gerechtigkeit, die ich, 
Matthes Rost, zu Penick gesessen, in Vormundschaft Agnethen, 
meiner ehlichen hausfrauen, hab, seczen und tun zum dritten teil 
und gerechtigkeit, die der genanten Agnethen von rechtes wegen 
gepum und gefallen mag in und auf Margretha Weidemans, seliger, 
irer naturlichen und eelichen muter, nachgelassen dritten teil, das 
sie aus Hans Weidemans, seliger, ires verstorben eelichen mannes 
und meiner hausfrauen eelichen und naturlichen vater, nachgelassen 
guter erzeigt und von erbes wegen an sich gepracht hat, und auch 
kegen und wider Nickel Luntzennau, auch zu Penick gesessen, der 
mir darin ein lange hinderung und irrung tut und vermeint zu tun 
und pringt die für euch, edel und wolgeborne frauen, frauen Jo- 
hannicen^), burggravin von Leißnick und frau zu Penigk, als an 

1) Vorlage: XXX. 

2) urkundlich erwähnt in den Jahren 1476 bis 1490; vgl. z. B. Hubert Er- 
misch, ürknndenbuch der Stadt Chemnitz; Codex diploiuaticus Sazoniae 
regiae II. 6. Leipzig 1879, Nr. 414-416 (1476), S. 376 fF.; von der Gabelentz, 
Regesten, die Barggrafen von Leianig betreffend, in Mitteilungen des Ge- 
schichts- und Altertumsvereins zu Leisnig, 4. Heft; Leisnig 1876, S. 11 zum 
Jahre 1485; Frh. v. Mansberg, firbarmanschaft II, S. 372 zum Jahre 1490. 

7* 



100 [35. 36] 

mein geuedig frauen, in der allerbesten form, weis und maß, als 
von recht geschehen mag. Und vor allen dingen beding ich mir, 
Bl. 20a das ich vor mich in oben bemelter Vormundschaft mit | den nach- 
volgende geseczen nicht wil behalden, nicht verstrickt sein, etwas 
mehr zu beweisen,' zu gezeugen oder zu erkunden, wan zu meinen 
warhaftigen rechten von recht not ist. Beding mir darzu alle gunst, 
gnade, freiheit und vorteil und saczung der rechte, der ein itzlicher 
ancleger nach gestalten Sachen von recht mit bedingung haben mag, 
besserung, anderung, erholung und leuterung und was das gesein 
mag, auch zu gezeit frist und dilacion, als vil von recht mag gesein, 
ob mehr gezeugnus oder ander kundschaft und Urkunde zu vollfüren 
oder gezeug, und protestir und secze darnach meine schlechte zusage 
und gerechtigkeit, inmaßen hernach volgt und beschrieben steet. 

Ich, obgenanter Rost, zu Penick gesessen, in obgenanter Vor- 
mundschaft secze meine schlechte zusage und gerechtigkeit zu sul- 
chem dritten teil und ander gerechtigkeit in und aus der vorgenan- 
ten Margrethen, seligen, nachgelassen drittenteil, der auf sie aus 
Hansen Weidemans, ires verstorben mannes, meines ehweibs eh- 
lichen und naturlichen vater gutern erstorben ist, darinne der ob- 
genant Nickel Luntznau mir einfall und irtumb tut und auch kegen 
und wider etc. ^). 



36 

Halbe bruder und halbe Schwestern von vater halben 
Bl. 20b und muter halben, bruder und Schwester kint. 

Magdeburger Spruch für Naumburg, 

Abschrift desselben auch in Es. ZunckaUj BL 376^ — 377 ^j Nr. 124 und 
BL 404\ Nr, 214; femer in Es, Qörlitx 4, Bl, 229^, Nr. 380; BL 265^, 
Nr, 1; Bl, 269^, Nr, 21; 274^, Nr, 38, 

Gedruckt bei Wasserschleben, Sukxessiansordnungj S, 170, Absatz 2; 
im Auszug daselbst S, 168 unter: t» Sippe*; vgl. dazu a. a, 0., S, 68. 
Femer vollständig gedruckt bd Victor Friese und Erich Liesegang, 
Magdeburger Schöffensprüche, I, Band, III, B., Nr. 2, S, 441 f. 

Identisch mit Nr, 533 der Vorlage, 



1) Hier schließt der Text der Vorlage zu diesem Rechtsfall. Der Sprach 
selbst und mit ihm die Entscheidung fehlt. 



[37. 38. 39] 101 

37 • 

Vaters Schwester von halber gepurt, yaters bruder kin- 
der und muter Schwester kinder von voller gepurt. 

Magdeburger Spruch für Dresden. 

Gedruckt mit der Anfrage hei Hermann Wasserschlehen ^ Sammlung 
deutscher RechtsqueUen. Erster Band; Oiessen 1860, IV, Kap. 57, S. 194 f.; 
im Auszug hei Wasser schlehen, Sukzessionsordmmgj S. 167 , Absatz 8. 

38 

Bemante tochter und tochter in des vaters gewere be- 
storben. 

Magdeburger Spruch für Naumburg. 

Abschrift auch in Hs. ZivickaUj Bl. 379^— ^^ Nr. 142 und in Es. Oör- 
Hiz 4, Bl. 232^, Nr. 410. 

Gedruckt bei Wasserschlehen ^ RechtsqueUen, IV. Kap. 106 a^ S. 248; 
Ü^riese-Liesegang , III. B. Nr. 20, S. 453 imter der Überschrift: »Van 
bestatten unde unbestattin hindern. € 

Identisch mit Nr, 564 und 701 der Vorlage. 

39 

Einer verstorben, hat nach ime gelassen ein weib und 
drei sune. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche schriftliche zusag Bl. 21 a 
und gerechtigkeit der bemelten part vor recht: Ist ein man, Peter 
Wagener genant, der die zeit zu Lainen gesessen hat, todes halb 
abgangen und hat hinder ime gelassen frauen Barbera, itzund Han- 
sen Mollers verstorben ehweib, und drei sune, die er mit derselben 
seiner frauen eelich gezeugt hat, und darzu erb und gut zum Loni- 
chen, da er heuslich besessen gewest ist, und ein ander gut dapei 
za der Stera gelegen. Haben den die bemelten seine gelassene 
[sune]^) die genante frau Barbara, ire mutter, nach ires vater tode 
abgeteilt und ir das gut zu Stera von einem dritteil aller irer guter 
und gerechtigkeit, so sie irs vaters guter gehabt hat, geben und 
geeigent und ir dasselbig gut vor der lehenfrauen aufgelassen und 
verzik getan und ir sulch gut vor iren dritteil verreichen lassen. 
Und nachdem dieselbig frau Barbara, ire mutter, darnach den ge- 
nanten Hansen Moller zu der eh genomen hat und hat ime sulch 
gut zu Stera, das sie von irem manne und also von frembder band 

1) Vorlage: bruder. 



102 • [39. 40] 

zu einem dritteil ankörnen ist, vor der lehenfrauen aufgelassen, und 
Hans Moller, ir ander manne, hat das als sein eigen gut darnach- 
mals besessen, in lehn und geweren gehabt und genuglich zu not- 
dorft seines rechten gepraucht, als er das in seinen Schriften seczt 
und furpringt; kan er dan mit der lehenfrauen, inmaßen als er 
sich des in seinen Schriften zu tun berumet, yolkomen und be- 
weisen, wie recht ist, das ime die genante frau zu Zara sulch gut, 
das ir nach ires mannes [tode] zu irem dritteil worden ist, aufgelassen 
habe an dem ende, da sichs gepurt hat, und so dan die genant fraa 
• Barbara, sein ehweib, damachmals und itzund todes halb auch ver- 
schieden ist und hat mit ime kein leibserben gezeugt: so behelt 
Bl. 'ZlBder genant Hans Holler itzund nach | irem tode sulch gut, das ime 
dieselbige frau Barbara, sein ehweib, vor der lehenfrauen aufgelassen 
und geeigent hat, nachdem ir das vorhin nach tode ires ersten 
mannes zu irem dritteil worden Ton den andern iren gelassen kinden, 
die sie mit dem ersten man gezeugt hat. Und sie mögen an sulchem 
nach gestalten dingen kein gerechtigkeit haben noch fordern von 
recht; es were dan, das sie sunst nach gewonheit des gerichtes da- 
selbst daran geforderen oder gehaben mochten, das irer mutter von 
bewerter alt herkomen gewonheit des gerichtes an dem ort gestanden 
hett. Von rechtes wegen. 

40 

Ein priester ist gestorben und hat veterliche guter und 
ein Schwester nach ime gelassen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Ist ein priester und 
euer leiplicher bruder, herre Jörg Pauersang genant, tods halb ab- 
gangen und hat derselbig verstorben priester, euer bruder, etzlich 
veterlich guter, als nemlich einen Speicher, in der stat Mitwaide 
gelegen und von dem rat daselbst zu leben rureud, an einem und 
darzu euch als seine eigene leibliche Schwester am andern teil hin- 
der sich gelassen: So hat derselbig priester, euer bruder, sulche 
seine wertliche nachgelassene guter auf euch als auf seine natur- 
liche leibliche Schwester allein gefeilet und geerbet; und der ge- 
nante her Jörg, euer bruder, hat sulchen Speicher und sein ligend 
erbgut die zeit, als er am todbett gelegen und sein selbst nicht 
mechtig gewest ist, on euren willen, wissen und volwort nicht 
Bi. 22a mögen vergeben und dennoch | niemands benumen; und als [er] den 
Hans Pauersang in sulchem seinen beweisen für XX schock benennet 
oder gegeben hett, so were doch sulche gäbe, die in sulcher maß, 



[40. 41] 103 

wie in euren Schriften bemeldet wirt, geschechen were, an sal- 
clien unfarenden gutem nach landleuftigem sechsischem recht un- 
duchiäg und ganz von uncreften oder machtlos; und euer eelicher 
man hat euch den Speicher oder den eingang desselbigen Speichers 
on eueren willen, wissen und volwort, nachdem er euch erblich 
angefallen und gekomen ist/ und so ir den eurem ehlichen man 
nicht aufgelassen bettet, nicht mögen yerkaufen, auflassen oder daran 
verzieht getun; sonder sulchen kauf, auflassung und verzieht, den 
und die eurem man hindern, auch on euren wissen, willen und vol- 
wort, inmaBen oben berurt ist, getan hat, ist euch ganz unsched- 
Hcby und ir mögt ein sulchs nach gestalten Sachen pillich widerrufen ; 
und der genante Hans Pauersang muß euch derhalben des Speichers 
abtreten und euch solchen Speicher als euer angeerbet gut volgen 
lassen. Von rechtes wegen. 

41 

Unvollständig gedruckt hei Wasser schieben^ Sukzcssiansordnung^ 
S. 170 f., Absatz 3, 

Das kind nimpt in seines eldernvater guter erbteil mit 
seiner verstorbner muter geschwistern. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig Vorrecht: Seintmal Dorothea, 
die do der junge Veit KorBner zum eelichen leben gehabt hat und 
die do Hans Franck naturliche ehtochter gewest, von demselbigen 
Hans Franck; irem vater, bei seinen lebentagen aus seinen gutern 
ungesundert und ungeteilt plieben ist, also das ir keinerlei von irem 
vater gegeben ist, damit sie der vater von seinen gutem abgeteilt 
oder geweist hett, sonder allein mit gepurlicher cleidung zu der 
hochzeit und mit der Wirtschaft zu machen versorgt hett, damit I 
dan der genante Hans Franck die genante Dorothea, sein tochter, Bl. 22b 
nicht von sich geweist oder von seinen gutern abgesondert hat, so 
er 6in sulchs von recht zu tun schuldig und pflichtig gewest ist 
als ein vater seinem kinde; und so dieselbig Dorothea mit dem junge 
Veit KorBner, irem eelichen manne, aus eelichem leben einen sun, 
Adam genant, gezeugt und gezelt hat: So nimpt derselbig sun an- 
stat Dorothea, seiner muter, die do unbesundert ist plieben, in Han- 
sen Francken, seines eldernvaters guter, wuran er die nach ime 
gelassen hat, sie seint farend oder unfarend,^ beweglich oder un- 
beweglich, mit Ursuln, die desselben Hansen Francken leipliche 
tochter gewest ist, gleichen tail und komen an sulchen gutern mit 



104 [41. 42] 

derselben Ursulen pillich zu gleicher teilnng solche fdmemeDS hal- 
ben, wie dan Gonradt Franck in yormundschaft seines braders tochter 
bemelt oder vermeldet unverhinderfc. Es ist auch Adam unsclied- 
lieh, das Dorothea, sein muter, Hans Francken, ires vater, tod nicht 
erlebt hat, sonder eher dan er gestorben ist. Sulchs alles^ wie Con- 
radt Franck in seinen schritten aufpringt, ist Veit Korßner in Vor- 
mundschaft seines suns ganz unschedlich, nsonder er kompt, wie 
oben bemelt, in sulcher yormundschaft Adams, seins ßuns, in den 
gelassen guter Hans Franckens mit Ursula, seiner tochter, pillich 
zu gleicher teilung. Von rechtes wegen. 



42 

Wil die ausgerate tochter teil haben nach ires Täters 

tod, so muß sie wider einpringen. 

* 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Ist Conradt Töpfer 
verschieden und hat er nach ime sein ander weib und zweierlei 
kinder gelassen, nemlich siben sune und zwu tochter; und hat er 
pei seinem leben die eine tochter, Anna genant, die er mit der ersten 
Bl. 23Afrauen | gezeugt hat, Jobst von Dragsdorff und mit ir Y^ alt schock 
zu ehgeld geben; ist dan Jobst Dragsdorf verschieden und hat sich 
die genante frau Anna mit Nickel von Mochwitz vereelicht und for- 
dert frau [Anna], seine tochter, und von irent wegen Nickel von Moch- 
witz im teil an allen dem, das zu erbe gehört nach erbgangenrecht, 
des sie sich nie verziegen hat, noch niemands von irent wegen: Ist 
dan Conradt Töpfer im landrecht gesessen, so mag sie solchen iren 
teil wol fordern; sie muß aber in die teilung pringen alles gut, 
das ir ir vater mitgegeben hat; und sie noch ir eelich man mögen 
sich des mit iren einsagen, das ir zu irem ehgeld gegeben wer, 
nicht aufgehalden. 

Fordert auch dieselbig frau Anna alles das, das ir muter zu 
irem vater gepracht und nach ir gelassen hat, zuvor zu haben: hat 
dan ir muter staut aigener oder ligend erbgrund zu irem man pracht 
und dem manne nicht aufgelassen, die volgen ir pillich; ist es aber 
farende habe gewest, darzu hat sie keine forderung, sonder die mut- 
ter hat auf sie nicht mehr bracht wan gerade. Hat sie dan die 
gerade nicht gefordert bei neuen jaren und tag nach der zeit, do 
sie mundig ist' worden, so hat sie [sich] daran verschwiegen. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 



r43. 44. 45. 46] 105 

43 

Aussatzunge gemacht für väterlich und muterlich 
erbteil. 

Kan Hans N. erzeugen und beweisen, als recht ist, das Peter N. 
ein aussatzung gemacht sei für sein veterlich und muterlich erbteil, 
die er in sein mundigen tagen genomen und volwort und darauf 
etzlich stuck als ecker, gelt, kuhe, betten, küssen, leichlachen etc. 
genomen habe, so pleibt es pillich dapei; und Hans N. ist forder 
antwort nicht pflichtig. Von rechtes wegen.' Versigilt. 

44 

Einer hat eine wittib genomen und ist zu ir in ir gut 
komen. 

Schöpfen zu Leipzig: Hat N., euer bruder, euers weibs Schwester Bl. 23b 
zu der ee genomen, das sie wittib was, und ist er zu ir in ir gut 
komen; was sie dann an farender habe gehabt hat, daran hat pillich 
euer bruder von stund an ganz recht und gerechtigkeit erlangt und 
68 ist sein aigen gut worden. Und ist das ander gut zinsgut, das 
hat euers weibs Schwester eurem prüder sulch guter für dem lehen- 
hem der guter aufgelassen und sie seint eurm bruder von dem 
lefanhem geliehen, so bleibt er pillich dapei nach seines weibs 
tode mit merem rechten, dan ir ime von eueres weibs wegen sulch 
gut deshalben abfordern moget, da gäbe und auflassung vor gericht 
und vor gehegeter dingpank geschechen ist. Von rechtes wegen. 
Versigilt. 

45 

Ein frau hat all ir gut vergeben. 

Schöpfen zu Leipzig: Hat die frau Classen Waldinge und Agne- 
then, seinem weib, alles das gut, das sie im felde und dorfe zu 
Kingelenwar gehabt hat, und alles das, das darin gehört, geben, so 
seint die XII ecker der gaben halben sein eigen worden. Von rech- 
tes wegen. Versigilt. 

46 

Die wittib hat etzliche ire guter dem manne nicht auf- 
gelassen. 

Hat frau Dorothea zu Jhene erbeigen, das sie von irem vater 
und irer muter erstorben was, das sie irem manne, dhweil er lebte, 



106 [46. 47. 48. 49] 

nicht aufgelassen hat au den enden, da es sich gepnrt: so habt ir 
daran kein recht gehabt, und sie beheldet die guter pillich und darf 
die mit den kinderen nit teilen. 

47 

Bl. '24a Die frau hat dem manne nicht aufgelassen ir gut. 

Spricht Leipztk: Hat ein man von pauers art im landgericht ein 
weib zu der eh genomen und hat er pei ir funden haus und hol 
und hufe landes, erbgut, das gekauft ist von der frauen mit irer 
freunde rat umb sulch gelt, als ir eidern auf sie bracht betten; 
und hat er kein kind gelassen; heischen den seine negste erben 
und schwertmogen von der frauen das gut, das er lange zeit in sei- 
ner besiczung und gewer gehabt hat. Hat ime dan die frau als 
haus und hof und huf landis nicht geben noch angelassen an den 
enden, da es sich gepurt, so bleibt die frau pillicher und mit merem 
rechten dapei,. wan das sie seinen erben etwas daran darf volgen 
lassen durch recht; es were dan, das an den enden ein ander red- 
liche verwerte gewonheit were. Was aber der man an farender hab 
gelassen hat, das nicht zu gerade gebort, das hat er auf seinen 
negsten erben bracht. Von rechtes wegen. Versigilt. 

' 48 
Was dem manne gepurt nach seins weibes tode. 

Spricht Leiptzig: Was euch ?on eurem schweher an gelde an 
eur narung zugesagt ist, nemlich die XL alte schock, und was euer 
weib an farendem gut, also am hausgerete, geld, gold, getreide, 
vihe und desgleichen gestorben ist an gerade, das muß man euch 
volgen lassen, als über euer weib noch lebt, und ir behaldet das mit 
rechte. Von rechtes wegen. 

Wan dem manne was seins weibs anerstorben gerechtigkeit in 
ires Vaters erbguteren, ligend unxl steend, nicht bedingt, bekant noch 
Rl. '24 »geliehen; darumb ist sulch ir an erstorben | gerechtigkeit an den erb- 
gutern, ligend und steend, gefallen an ir geschwistren nach land- 
recht und nicht an iren man. Von rechtes wegen. Versigilt. 

49 

Die frau versacht irs suns erb zu nemen. 

Spricht Leiptzk: Seintmal die frau ve'rsacht, ires suns erbe zu 
nemen, so bedarf sie kein schulde gelden, die er gelassen hat, was 



[49. 50. 51. 52] 107 

sie selbst nicht gelobt hat, und die schuldiger müssen sich irer 
schult an ires suns gutern erholen. Von rechtes wegen. 

50 

Der vater hat der tochter zu der eh sechs «chock zu 
narung mitgegeben. 

Spricht Leiptzk: Seintmal das euer yater seiner tochter, do sie 
sich zu der eh verlobt hat, VI schock zu narung geben, so hat er 
damit bestatet; und also sie eher dan ir yater verschieden ist, so 
haben ire [kinderj^) keinen teil an ires groBenvaters [gutem] an 
irer muter stat. Von rechtes wegen. Versigilt. 

51 

Von verstorben gute, dar sich der bruder und tochter- 
kinde zu ziehn von sippe halbj was recht ist. 

Ein frau ist verstorben, die gut und farend hab gelassen hat. 
Za den gutern von negster gepurt zeuhet sich der verstorbenen 
franen eelicher bruder und darzu ire ungezweite tochterkind. Nun 
meinen die egenanten tochterkinder, besser recht zu haben zu der 
eldermuter gut, dan der eldermuter rechte bruder. 

Hirauf: Was die tode frau erbs und gutes gelassen, hat sie ge- 
erbt auf ire[nj [bruder]^) von voller geport mit mehrem rechte, dan 
ime ire tochterlkinder darein gesprechen mögen. Von rechtes wegen. Bl. 25 a 
Versigilt. 

52 

Von verstorben gute, davon man gezinst hat, die der 
herre meint, zu lehngutern machen. 

Ein man im wichpilde ist gestorben und hat gelassen erbguter^ 
die do Zinsen und zins eingehorn und gelegen seint in demselben 
weichpildis gerichte. Dieselben erbguter hat der man kauft, da 
erpeten umb seine pfenning, und seint seiner eelichen wirtin mit- 
gereicht die guter von recht, und [sie] verzinst hat pishero auf diesen 
tag. Nun pleibt die frau des pei recht und die negsten erbnemen, 
die darzu gehom, ob sie mit dem zinse die erbguter icht neher zu 
behalden seint, dan die jemands zu lehengutem gemachen mag. 

1) Vorlage: bruder. 

2) Vorlage: kinder. 



108 [52. 53. 54. 55] 

Hirauf: Nachdemmal der man die guter verzinst hat, so seint 
dieselbigen guter erbzinsguter, und die leute, auf die der man die 
erbzinsguter geerbet und gepracht hat^ seint der guter vor erbzins- 
gut nehir furzutreten, dan ine der herre oder jemands die guter 
vor lehnguter zusagen mögen. Von rechtes wegen. Versigilt. 

53 

Identisch mit Nr. 639 der Vorlage, 



Von verstorben kinder, zu dem gut sich zeucht die 
muter und der toten kinder vater bruder. 

Kinder seint verstorben und haben guter gelassen. Zu den gatem 
zeucht sich zu negster gepurt von mogeschaft der toten kinder 
eeliche muter und auch nach sippe halben und negster gepurt und 
mogeschaft der toten kinder vater bruder J), ir vetter. 

Hierauf: Was die toten kinder erbes und guts gelassen haben, 
das haben sie geerbet auf ire rechte muter, und ires vater bruder 
kan daran kein recht gehalden. Von rechtis wegen. 

54 

iiL. '20» Von einer tochter, die aus irem veterlichen erbe ge- 
geben ist und der vater ir hulf getan hat; ab sie das in 
die teilung pringen soll oder nicht. 

Ätisgangsort des Spruch^es nicht angegeben; nach dem Inhalte zu schließen^ 
wohl Magdeburg, 

Gedruckt ohne die Überschrift bei Wasser schieben^ Sukxessionsord- 
nung, S. 17 1^ Absatz 2, 

55 

Von einem sune und drei tochtern, und die eine ist von 
halber gepurt, der XIX schock aus den gutern worden ist, 
Bl. 26Aund wil noch gleichen teil | nemen; ob sie die XIX schock 
wider einpringen soll in die teilung oder nicht.') 

Äusgangsort des SprucJies nicht atigegeben; nach dem Inhalte vermiuMch 
Leipzig, 

Gedruckt ohne die Überschrift bei Wasserschieben, Sukxessionsord- 
nungy S, 172, Absatz 1. 
p -^ 

1) In Nr. 639 steht: vater brader kinder. 

2) Im weitesten Umfange wird die Kollationepflicht bezfiglich jedes Voraus- 
empfanges in einem abschriftlich in Hs. Leipzig 946, Bl. 4^ (ohne Datum} über- 



[56] 109 

56 

Ide/nHseh mit Nr, 685 der Vorlage; der Textabdruck erfdgt nach der 
korrekteren Fassung in Nr. 635, — Abschrift der Efitscheidung ohne- An- 
frage auch in Es, Zwickau^ Bl. 356^, Nr, 51, 

Von verstorbenem gute, darzu der sun der negste istHu 26b 
geporn. 

Ein man gab von ime aus ein tochter zu der ee und tat der 
hulf nach seiner yermogung zu tische und zu bette, als das ge- 
wonheit ist, das seiner tochter wol genüget. Darnach über ein jar 
oder zwei starbe die tochter und ließ hinter ir ein kindlein | und Bl. 301 « 
ein eewirt. Darnach starb der tochter vater.. Der lieB hinter ime 
in seinen gutem ein rechten leibeserben, einen son, der toden tochter 
rechter eebruder. Damach starb der toden tochter kindlein, das sie 
hinter ir gelassen hette irem rechten eeman, der nun meint, von 
seines weibes und kindes wegen erbteil zu forderen aus seins kindes 
elderyater gutern, des sich sein weih, der got genade, pei ires vaters 
lebendigen leibe nie yerziegen hat an keiner statt, da es macht 
haben möge. So meint des eldervater rechter son, der ein recht 
erbe zu den gutem ist, also das sein Schwester vor aus den gutem 
gegeben und bestatt sei mit guter hulf und eher, dan der yater ge- 
storben ist, so enmogen seiner Schwester kind, das nun auch ge- 
storben ist, oder jemand yon seinent wegen erbteil pei ime in seinem 
rechten yeterlichen erbe mit recht nicht gehaben, also er yemomen 
habe, das tochter kind nicht erbteil an des eldernyater oder elder- 
muter gutern haben solde <), da rechte leibeserben zu sein, und pleibt 
des gerne gein seinem schwager pei rechte, als das landrecht ^j aus- 
weist. Also pitten wir euch, das ir uns entscheiden wolt mit dem 
rechten, was recht sei. 

Hierauf: Nachdemmal der yater seiner tochter pei seinem leben- 
digen leibe mitgift, die er | ir gunst zu manne, aus seinem gut zu-bi. 30*2a 
gegeben hat, und die tochter also abgangen ist eher ir vater, und 
ein kind hinter ir gelassen hat, und darnach der frauen vater ist 
verstorben; was dan der frauen vater erbes und guts gelassen hat, 



lieferten Leipziger Spruche statuiert; daselbst heißt es: ». . . will dann Martin 
Polen erbeteil haben, so muß er weder in die teilunge brengen alles, das ome 
vormals uß dem gute wurden ist; es wer dann, das es ome also mit sundir- 
licber zusage wurde were von deme vater, daß er es znvor haben sulde und 
dennoch glichen teil nemen sulde, das Mertin gezugen muß, also recht ifit.< 
1) Vgl. Ssp. Ldr. I 6 § 1. 



110 [56. 57. 58] 

das hat er geerbet auf seinen son mit merem rechten, dan auf seiner 
dochter kind. Und ist das kind auch darnach gestorben, so kann 
des kindes vater von seines kindes wegen kein forderunge gehaben 
an des kindes eldemvaters guter, die auf ine wem erstorben. Von 
rechtes wegen. 

57 

Identisch mit Nr, 638^ von wo die an dieser SteUe der Vorlage fehlende 
ErUscheidtmg ergänzt ist 

Von erbe zu nemen, das von vier kinden auf die mnter 
gestorben ist, das doch die andern kindere mit antei- 
dingen. 

Ein man hat genomen ein maid zu der eh und haben mit ein- 
ander gehabt sechs kinder. Nun ist der genant man yerstorben. 
Des seint ime vier kinder nachgestorben, zwen sun und zwu tochter. 
Nun bitt die mutter, des rechten zu unterweisen, ob sie icht die 
guter der verstorbenen kinder [neher] steh zu behalden, dan ir die 
anderen kinder, die da noch leben in gesampten gutern, darein 
sprechen. 

Hierauf: Seintmal die vier kinder nach ires vaters tode ver- 
storben seint, was sie dan erbes und farender habe gelassen haben, 
das ine zu irem teil mocht gepuren, das haben sie mit merem rech- 
ten geerbet auf ire muter und in irer muter schoß, wan ir die an- 
dern II kinde darein gesprechen mögen. Von rechtes wegen. 



58 

Einer hat sein gut und erbe dem andern seinem kinde 
entwenden und das seinem sune übergeben und verkaufen 
zu eigen wollen. 

Es helt sich ein fall, das iczund ein alter, betagter man ein sun 
Rt.. 27 a und ein tochter und ein stathaftig | erbegut hat und mir vor etlichen 
jaren sein tochter zu der eh geben und damit in beiwesen fünf 
eh walten zugesagt, wie sein tochter nach seinem tode von seinem 
erbe unverscheit sein und mit dem bruder zu gleicher erbteilnng 
gen solle, auf welch zusage und Vertröstung ich dan sein tochter 
zu der eh genomen, das ich sunst villeicht gelassen. Aber so ich 
die zu der eh genomen und sie etzlich zeit gehabt und erlich, wie 
einem ehmanne gepurt, auf meinem gut gehalten, untersteet sich 



[58] 111 

mein schweher, mir meins weibs erbteil zu entziehen und hat dei- 
halben die helft aller seiner guter seinem sune on mein gewoste 
vor etlichen jaren und nicht für gericht gegeben und vermeint, die 
ander helft zu verkaufen und das gelt, also einzal, dem sun auch 
zuzuwenden, dadurcli mein weib, sein tochter, so got über ine ge- 
pote, wan er über sein LXXX jar alt ist, enterbet und erblos wurde 
unverschulter sache. Dagegen ich mich dan vertröstet, mein schweher 
solle sulchs zu tun nicht recht macht haben, und wiewol der be- 
rurten fünf ehwalden, [so] pei sulcher zusage gewest, vier gestorben 
und allein einer am leben ist, dodurch mir villeicht mein beweisung, 
ob mein schweher der zusage in abreden sein wolde, eins entfallen, 
so getrau ich doch, so gleich, mit dem einigen gezeugen nicht verfarn 
mocht, ich hab sunst mein clag on alle beweisung sulcher zusage 
im rechten gegründet, dadurch mein weib die helft an alle ires vaters 
erbguter als seine tochter sunst, ap gleich die zusage nicht erweiset 
wurde, gleich dem bruder pillichen volgen solle, und das mein 
schweher zu recht nicht macht habe, sein tochter durch besagte 
beschedelich wege zu enterben und sein gut auf sein sun allein zu 
pringen mit ansehen, das er sein | guter, die er dem sune gegeben Bi'.'^Tn 
und noch zu verkaufen gedenkt, nicht allein erworben, sondern den 
meren teil in aufererbet seint von dem stamme, derbalb er die pil- 
lichen teil komen lest nach besagung bewerter recht. Auf sulch 
mein trostung zum rechten hab ich auch sulches vernemens halben 
meins schwehers, wie gehört, vor gehegeter diugpank zwir zu ime 
geclagt und pitt euch, als mein gunstigen herren, mir euer ratschlag 
hirauf mitzuteilen, ob ich pillichen geclagt habe oder nicht, und ob 
mein schweher sulcher seiner gäbe, dem sune getan, und seins für- 
nemens, wie gehört, recht habe oder ich ime darein zu rechte zu 
halden und ime das zu weren habe oder nicht. Und dhweil mein 
schweher noch nicht geantwort, ob ich auch mein clag mag fallen 
lassen und ime vor demselbigen gericht schriftlich einzulegen on 
meins widerteils Verhinderung zugelassen derwegen anclagen oder 
was sunst in diesem falle recht sei, wil ich zusampt euer gepur 
umb euch mit dinsten meins Vermögens gern verschulden. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig vor recht: Habt ir N. tochter 
zu der eh genomen mit sulcher zusage euers schwehers, das euer 
weib mit seinem sune, irem bruder, so er ein stathaftig erbgut hat, 
nach seinem tode zu gleicher erbteilung kommen solt, auf welche 
zusage ir sein tochter zu der eh genomen habt; mögt ir dan die- 
selb zusage, als ir selbst seczt, nicht dan mit einem gezeugen be- 



[■- 



112 [58. 59] 

Bl. 28a weisen, | und derselbige N., euer schweher, das selber yersachen 
würde; hat er darüber sein gut die helfte, wie recht, seinem sone 
gegeben und ir die gäbe in jar und tag, so ir und euer weip sie 
gewust betten, wie recht, nicht widersprochen: so mögt ir sie nun 
fort nicht Widerreden; was er aber nachmals anerstorben von seinem 
stame umb gleicher guter hette, mag er seinem sun noch niemands 
on eurm und eures weibs, seiner eelichen, naturlichen tochter willen 
nicht entfremden oder vergeben, desgleichen an allen andern seinen 
gutern; er laß ir dan und irem brader gepurlichen, natürlichen teil, 
das ist den dritteil seiner guter. Ir mögt die clag auch, wiewol ir 
zwir geclagt habt, fallen lassen oder nach landleuftigem recht on 
seinen willen ine schriftlich qicht beschuldigen. Von rechtis wegen. 
Versigilt. 

59 

Einer hat bei seinem leben einer seiner tochter ein 
stuck acker gegeben, das sich dan mit einer irer itzlichen 
geschwistren erbteil, das ine nach tode ires Täters aus 
seinen gelassen gutern wurden ist, wol yergleicht hat und 
also gut als eins itzlichen seins kindes erbteil gewest isi 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig vor recht: Mögt ir mit zwen 
unbeschulden, glaub wirdigen mennern erkunden und erweisen, wie 
recht ist, das euer schweher [Hans SchultermoUer] i) seliger pei 
seinen lebentagen [Hansen Meusel]^), seinem eiden, des obgenanten 
[Michel Steytans]^) eh weibs vater, ein stuck acker gegeben habe, 
das sich dan mit eures ehweibs und eins itzlichen irer geschwisterte 
erbteil, das ine nach tode [Hansen Schultermollers] *) ires vaters, 
aus seinen gelassen gutern wurden ist, wol vergleicht hat, und also 
gut als eines jedes seines kinds erbteil gewest ist, als er seczt; so 
dan derselb Hans Meusel, Michel Steytans ehweibs vater, darnach 
Bl. 28m nach tode | Hansen Schultermollers, eures schwehers, als sich euer 
ehweib mit; anderen dreien iren geschwistern aus desselben Hansen 
SchuUermoUers, ires vaters, gelassen gutern geteilt haben, bei sulcher 
teilung gewest ist und die neben andern frommen leuten hat helfen 
machen und die zeit von wegen seiner kinder, des ehgemelten 
Michel Steytans ehweib und irer Schwester anstatt irer verstorben 
[mutter] als ir rechter naturlicher vater und mund gemelter Ursachen 
halb, so er von Hansen SchultermoUer, seinem schweher, vorhin mit 
einem stuck ackers abgeteilt ist, an den gelassen gutern desselben 

1) Vorlage: N. 



[59. 60] 113 

seines schwehers keinen teil gefordert noch genomen; und hat auch 
darnach wol IX oder X jar gelebt pis so lange, das er ime der- 
selbigen guter, die euch nach tode euers schwehers worden seint, 
y erkauft und yerandert hat: und derselb Hans Meusel hat bei seinen 
lebtagen noch auch der genante Steytans nach seinem tode in vor- 
mxmdschaft seins eeweibs, dhweil er die in seiner Vormundschaft ge- 
habt hat, nach dem verkaufen und Veränderung derselben guter bei 
neuen jam und tag und damit bishero kein rechtliche einrede darzu 
getan weder euch und eures ehweibs geschwisteren und sulch 
guter rechtlich angezogen und beteidingt: So darft ir von wegen 
euers ehweibs ime an stat seins ehweibs von euers ehweibs ge- 
purlichen erbteil, als ir nach ires vaters [tode] aus seinen gelassen 
gutem worden ist, nach gestalten dingen keinen teil geben noch 
reichen. E2r mag auch euch von rechtis wegen umb sulch en und 
besonderlichen umb den fünften teil | der gelassen guter Hansen Bl. ^9 a 
SchultermoUers , euers schwehers, in nach gestalten Sachen, ab er 
einicherlei gerechtigkeit daran gehabt hett, so sein schweher noch 
er die nach dem verkaufen und Veränderung der guter, nachdem 
sie das verkaufen und die anderung der guter gewust und in ob- 
berurter furmundschaft pei IX jaren und tag darin rechtlich nit ge- 
sprochen noch sulch ire gerechtigkeit vx>n euch im jare und tag nach 
dem verkaufen rechtlich nicht gefordert haben, [nicht anzihen und 
hat] sich nach gestalten dingen an der forderung verschwigen und 
verseumet. Ir weret ime auch [ab er] von seinem schweher also, 
wie vor berurt ist, nicht abgeteilt were, umb den fünften teil der 
guter, so Hans Schultermoll er, euer schweher, nach ime gelassen 
hat, nicht verpflicht zu antworten, sonder allein umb die anzal, so 
ime von euers ehweibs erbteil gepom mocht. Von rechtes wegen. 



60 

Ein junkfraue [hat] irem wirt nach irem tode zehen 
schock zins lassen zuschreiben on willen irer erbnehmen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Ist euer muhme 
XIY alt gewest, do sie sich zu Paul Lindenau gäbe und sulch gelt 
inne hat, darumb sie solch zins auf dem rathaus zu der Mitwede 
gekauft und Paul obgenant hat lassen zuschreiben : Das mocht euer 
muhme wol tun und Paulen sulch gelt geben oder verschreiben 
lassen, nachdem dfis farend ist. Von rechtis wegen. Versigilt. 

O. £l8ch, Leipziger Schöffenspruchsammlang. 8 



114 [61. 62. 63. 64. 65; 

61 

Bl. 29b Mater bruder und vaters Schwester tochter. 

Magdeburger Spruch. 

Qedruckt mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehU^ bei Wasserseh- 
lebeuj Bechtsquellen, IV. Kap. llOy S. 250; nur die Entscheidung audk 
bei Wasser schieben^ Suhzessionsordpmngy S. 166j Absatz 6, 

62 

Muter Schwester sun, halber bruder. 

Magdeburger Sprtich. 

Qedruckt mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehU^ bei Wassersch- 
leben^ ReehtsqueUen, IV. Kap, 27, S. 162 und daselbst V. Kap, 8, S, 360 f, 

m 

63 

Rechte Schwester, tochterkinder und halber bruder. 

Magdeburger Spruch. 

Abschrift desselben (ohne Überschrift) mit der Anfrage, die in der Vor- 
lage fehlt, auch in Es. Leipzig 906, El. 137, Nr. 29, 

Vollständig gedruckt bei Wasser schieben, Eechtsquellen, IV. Kap. 28, 
S. 163. 

64 

Abschrift dieses Spruches (ohne Überschrift) mit der Anfrage, die in der 
Vorlage an dieser Stelle fehlt, auch in Es. Leipzig 906, El. 138, Nr, 31. 

Vollständig gedruckt bei Wasserschlebeti, Eechtsquellen, IV, Kap. 30, 
S. 164. 

Identisch mit Nr. 811 der Vorlage; daselbst auch die Anfrage. 

Kinder nemen erbteil an ires Täters gut. 

Hirauf spricht Magdeburg: Seintmal euer man unbegabt und un- 
bestatt in seines vaters gewer erstorben ist, so sollen euer kinder 
ires vaters erbteil an ires eldernvaters gut nehmen. Von rechtis 
wegen. Versigilt. 

65 

Das tode kind hat des eldernvaters tod nicht erlebt. 

Hirauf sprechen wir schöpfen zu Magdeburg: Seintmal das tode 
kind des eidern vater tod nicht erlebt, so ist kein erbteil von dem 
eldervater an das kind gekomen von rechtes wegen; sunder was 
änderst guts das kind gelassen hat, das'kumpt auf sein mutter. 
Von rechtis wegen. Versigilt. 



[66. 67. 68. 69] 116 

66 

Mater bruder, yaters geschwister halber gepurt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Was erbs und guts das yer-BL.30A 
sterben kind nach seinem tode gelassen hat, das hat es geerbt und 
bracht auf seiner mutter bruder und auf seins Täters geschwister, 
alle Yon halber gepurt, zu gleicher teilung nach personen zai. Von 
rechtis wegen. Versigilt. 

67 

Halber bruder, yaters bruder und Schwester. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig yor recht: Ist einer yerschie- 
den, der [bruder] i) hinder ime yerlassen hat, einen halben, als nem- 
lieh muter halben, seines yaters rechte bruder und Schwester: so 
hat der yerschiedene all sein erb auf seinen halben bruder bracht, 
und seines yaters bruder und Schwester haben kein teil daran. Von 
rechtis wegen. Versigilt. 

68 • 

Ein kranker hat einer geben über das bettbrett hun- 
dert gülden minus drei gülden. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig: Hat Peter Schoflfler Nickel 
Keils weib hundert gülden on drei gülden geben über das bettbrett, 
ir zu haben, das Keils weib gezeugen und erhalten tar, also recht 
ist: so behelt sie sulch hundert gülden an drei möglich. Von rech- 
tis wegen. Versigilt. 

69 

Eine vollständigere Abschrift des folgenden Spruches aus der ersten Hälfte 
des 15, JahrhimdertSj nach der der Te^t der Vorlage ergänzt werden konnte^ 
enthält die ältere Mittweidaer Schöfferispruohsamrnlung im ältesten erhaltenen 
Siadibuche von Mittweida (Handschrift des Kgl. Sachs, Hauptstaatsarchivs 
zu Dresdeny Sign, Loc, 9893) auf Bh 6^-^. Daselbst BL 3 — 6 finden sich 
außer diesem noch vier weitere Leipziger Schöffenspriiche, die in demselben 
Bechtsstreite erflossen sind. Der vorliegefide brachte ihn zum Abschluß, 

Vgl. Nr. 286. 



1} Vorlage: kinder. 

8* 



116 [69. 70] 

Das weib hat irem manne aufgelassen all ir gut, das sie 
itzund oder imer gewinne. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Pei sulcher gäbe, 
wen Hans Hillebrant das gezeugt mit richter und schöpfen oder 
mit Iren Yolstendigen, versigilten prifen oder mit dem gerichtsbuch, 
Tor dem richter und schöpfen geschehen, bleibt es pillich; es were 
dan, das Nickel Knie gezeugen kunt selbsibent unbeschuldner leut 
an irem rechten, das ein gute verwerte gewonheit sei, das da XXX 
jar nach einander [unverruckt also] gehalden ist, das die von der 
Bl. 30b Miiwede die helft zu Kochelitz genomen haben und widerumb und 
auch das sie zu Rochelitz sich [ge]halten mögen zu sulchen gutern, 
die do in eurem gericht sein der negsten freunde, die do verstorben 
sein außerhalb euerm gericht, [bei sollicher gewonheit, wann die 
irzuget wirdet,] also recht ist, pleibt es pillich. Von rechtis wegen. 
Versigilt^). 

70 

Der man hat sein weib pei irem leben für gericht nicht 
begabt noch belehnen lassen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Hat Andres Weisbach Hans 
Urthels tochter vor gericht nicht begabt noch leihn lassen, und Andres 
weib ist also verstorben, so mag sie auch keins vererben auf iren 
vater, ausgeschlossen die gerade. Die hat sie geerbt auf ir negste 
spilmoge. Ist aber zu der Mittwede einicherlei gewonheit, dritten 
teil zu geben oder zu leihen, über sulch gewonheit pflegen wir nicht 
zu sprechen. Von rechtis wegen. Versigilt. 



1) Die erste der oben in der Vorbemerkung erwähnten vorangegangenen 
Entscheidungen der Schöfifen zu Leipzig a. a. 0., Bl. 3 hatte gelautet: 

Hiruff sprechin wir scheppen zu Lipczk vor recht: Habet ir uwer frauwe 
an rechter dingstad begiftet, das sie einen dritteteil uwers gutes noch 
uwerm tode habin sal, bie sollicher gäbe blibet es billich. üwer swager 
muß ouch sollichin kummer zu Rochlitz in dem gerichte getan abetun 
und uch nachvolgin in sollich gerichte, da ir besessin und uwer elich 
wip begiftet habt. Von rechtis wegin. Versigilt mit unsrem ingesigel. 
Am Schlüsse ist diesem Spruche a. a. 0. von gleicher Hand folgende Be- 
merkung angefügt, die den Zusammenhang mit dem oben als Nr. 69 abge- 
druckten Spruche herstellt: 

»Solliche vorrede wart uns abegetan und die frage daruff ^orandert also, 
das der sproch wart umbgekart, das Hildebranth muste sin gut vorant- 
wortin zu Rochlitz.« 



:71. 72] 117 

71 

Der yater ist yerstorben, dieweil der sun ausländisc|h 
gewest. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Ist euer vater, 
Nickel Pfeill gotseliger, dhweil ir in fromden landen gewest seit, 
todes halb abgangen und verstorben und hat haus und hof, das 
itzund euer stifmuter inne hat, und ander sein erb und gut, die er 
gelassen hat, auf euch und euer geschwistergit geerbt und gefeit; 
so habt ir itzund nach der zeit, so ir auslandisch anheimisch kom- 
men seit, in dasselb euer veterlich gut inreiten most und euch der 
gewer desselben erbes anerstorben auf euer gerechtigkeit auch on 
urteil und recht von des rechten Satzung underziehen und under- 
winden mögen, nachdem | ein itzlicher erbe nach Ordnung des rech- Bl. 31 a 
ten das gut in geweren hat, das auf ine gestorben ist, also, das man 
ine mit urteiln darin nicht weisen darf. Seit ir darnach euer ge- 
schefb halb wider aus denselben eueren yeterlichen gutem hinweg- 
geritten und euer stifmuter hat, dhweil ir außen gewest seit, die 
stallung darin verschlißen lassen und hat euch mit euren pferden 
nicht wider einlassen wollen und hat euch also euer gewer on 
recht entseczen wollen; so hat sie daran unrecht getan. Und ap 
ir nun die stallung in demselbigen euem anerstorben veterlichem 
gut, das ir also auf eure anerstorben gerechtigkeit in geweren 
und besiczung gehabt, so ir euer gerechtigkeit daran nicht vemugt 
seit, noch habt daran verzieht getan, durch euren knecht mit ab- 
nemen eines pretzs habt auf lassen machen, so mag euch euer stif- 
muter eelicher man, der euch umb sulch tat verpurgen lassen, der- 
halb umb keinen frevel beclagen noch ancz\hen. Ir seit ime auch 
darumb noch umb das verpieten des burgermeisters, dhweil ir in, 
euem anerstorben freund, in den Sachen nicht ampts halb, sonder 
allein als guten freund umb rat ersucht habt, auch so das verpieten 
auch von ime ampts wegen, also von gerichts und rats wegen nicht 
gesshechen ist, keins wandeis pflichtig; ir bedarf t auch darumb 
einicherlei straf nicht wider an leib noch an gut leiden. Von rechtis 
wegen. Versigilt. 

72 

Einer hat nach im zweierlei kinder gelassen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche schriftliche schulde 
und antwort: Der bemelten frauen Barbara eelicher 1 vater vor XXI Bl. 31b 



118 [72} 

oder XXII jar angeferlichen Yon diser weit yerschieden und hat er 
die zeit die molen Opentz, in des closters gericht Risana gelegen, 
mitsampt andern stenden und ligenden gründen und auch darzu 
seine nachgelassene farende habe und ein getorme eines hauses. Als 
dan dieselben guter die zeit an seinen mund yerstorben sein, als 
dan der genante Mathes Moller nicht in abrede ist, auf seine ge- 
lassene vier kinder, die [er] mit seinem ersten ehweib und auch 
auf seine ander drei tochter, als nemlich Agnesen und Ursulen und 
die genante Barbara, in der vormuntschaft itzund Andres Moller seine 
anforderung tut, die er von seiner eelichen hausfrauen, auch Bar- 
bara genannt, elichen gezeugt hat, auf gleichen teil und auf sulche 
gerechtigkeit, als einem itzlichen seiner nachgelassen kinder von 
' seinem veterlichen erbteil daran geborne mocht und nach erbgangen- 
recht gef eilet und gepracht; und noch der genanten frauen Barbara 
halber bruder, Hanns Rebeling genant, sich sulcher mole zu Puppentz 
und aller stender und ligender gründe, darzu aller farender habe 
und ein geturme eins hauses, als die zeit Mertin Rebeling seliger, 
ir aller vater, hinder sich gelassen und auf sie geerbt hat, unter- 
wunden und umbzogen hat; und so dan er der genanten frauen Bar- 
bara und iren zweien geschwistem von voller gepurt, die dan dar- 
nachmals nach irer mutter tod auch verschieden und verstorben sein, 
daran ir veterlich anerstorben erbteil nie gereicht, das mit in nie | 
Bl. 32 a geteilet hat, sunder hett also sulch veterlich erbteil der genanten 
frauen Barbara und irer zweier rechten Schwestern unabgesondert 
und unabgeteilt pis an sein ende und pis das er von diser werlt 
verstorben ist, pei sich behalten: So must itzund des genanten 
Hansen Rebelings etwan nachgelassene wittib oder Matthes Moller, 
oben bemelt, der zu derselbigen nachgelassen wittib Hans Rebelings 
seligen in dieselbigen mole, guter und habe kommen und gefam 
ist, der genanten frauen Barbera umb ir anerstorben erbteil, auch 
umb sulche ire anerstorben gerechtigkeit, als sie darnach von iren 
beden verstorben Schwestern, Agnesen und Ursulen, die nach irer 
aller muter tode verstorben sein, nach er[b]gangenrechte als auf ire 
Schwester von voller gepurt und negste erbnemen gefallen und ge- 
komen ist und die auch pei irem halben bruder Hansen Rebeling 
unabgesondert in der mole und in den gelassen gutern ires verstor- 
ben Vaters geblieben wer, aufrichtig tun und ir aus sulchen gutem 
dasselbig ir veterlich erbteil, auch die anerstorben gerechtigkeit mit- 
sampt aller nutzung, die von jerlichen gefallen und gekonien ist, 
reichen und volgen lassen. Es wer dan, das Matthes Moller in Vor- 
mundschaft seines eeweibs auf sein anmaßung erkunden und er- 



[72. 73] 119 

weisen mocht^ wie recht ist, nemlich das Hans Rebeling seliger von 
ires leiplichen vaters und mit den genanten seinen dreien stif- 
schwestem umb die genanten gater, farend und unfarend, von den 
nachtpam gemeinlich zu Puppentz, die die zeit am leben gewest sein^ 
auch mit willen und voUwort des lehnherren, nachdem sich die zeit 
seiner halben geschwistem Vormundschaft als ein schwertmoge nie- 
mandis underzogen | hat, ein erbteilung gehalden habe, und das sie die Bl. 32« 
zeit auf ir aller verwillung nach wi[r]derung der guter und eins itz- 
Hchen gerechtigkeit und nach den angeschlagen schulden, die sie auf 
denselbigen gutern die zeit gefunden haben, mit wiUen und wissen 
des lehnhem, die zeit eins probst zu Ryssaw, durch die nachtpam zu 
Pappentz also geeinigt und beteidingt und entschieden sein, nem- 
lich das Hans RebeHng seliger sulche mole und guter vor sich be- 
halten und zu sich gekauft hat und das er seiner stiefmuter, frauen 
Barbara, mit iren dreien tochtem, seinen stifschwestern, zu einer 
vemugung irer gerechtigkeit und veterlichen erbteil auf den gutem 
hat sollen reichen und geben XX gute schock, als die zeit im lande 
ganghaftig gewest sein; und wan Matthes Moller sulche erbteilung, 
beteidung und aufsaczung der XX schock, das Hanns Rebeling seli- 
ger sein vorfam die also, wie oben berurt ist, mit seiner stifmuter 
und seinen dreien halben Schwestern gehalten hat, und das die also 
beschechen sein, erkundet und erweiset hat, wie recht ist. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 

73 

Ob ein monch oder ein vergebner man mag erbteil 
nemen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulche euer frage vor 
recht: Ist ein mitburger pei euch todis halb verfallen, der do nach 
ime gelassen hat erbe und gut an einem und seinen rechten leibs- 
erben, einen vergeben und gemonchten man, und auch seiner Schwester 
sune, euren mitpurger, an dem andem teil: So hat derselbig ver- 
storbene man all sein nachgelassen erbe | und gut, wuran er das Bl. 33a 
gelassen hat, geerbet und gefellet auf euren mitburger und einwoner, 
der seiner Schwester sun, und nicht auf den vergeben man und ge- 
monchten, der do sein leiblicher sun und der weit ganz tot ist, 
nach landleuftigem sechsischem recht kein erb nicht nimpt noch ge- 
nemen kan, sofeme als er gehorsam und profession zu dem orden, 
darein er gegeben ist, getan hat. Dan dodurch hat der vergebene 
man, das er gemoncht ist und profession getan hat, den herschilt 



i 



120 [73. 74. 75; 

zu lehen und zu recht damider gelegt und sicli aUes erbfalles da- 
durch verziehen und aufgegeben, darumb er zu keinem gelassen erbe 
nach beschriebem sechsischem rechten^) yolge gehaben mag, sonder 
[es yolget]^], wie oben bemelt ist, sulche gelassen gut und erbe des 
verstorben mannes, eurem mitburger, den ir in eurem fragen ein 
mitburger benennet und der des verstorben mannes Schwester sun 
ist, nach sechsischem rechten möglich allein, und der monch oder 
vergeben geistlich man mag daran nichts gehaben noch erlangen. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

74 

Einer hat gehabt einen sun und tochter; der hat seinem 
sune sunder wissen der tochter einen halben acker für dem 
hauptmanne aufgelassen und ist verholen pis an sein tod. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig: Ist sulch acker recht frei 
lehengut, so mochte Peter Czolnicz den seinem sun on einsprach 
seins eidens, Nickel Jhans, wol lassen leihen und auflassen; und 
das sich Peter Zolnitz des nicht entweret hat, ist seim sun unschedlich. 
Bl. 33 b Wer abir sulch | acker an erstorben erbgut, so das Peter Zolnitz an- 
geerbet weret und er den selbst nicht gekauft het noch ime gegeben 
were, so enmochte Peter Zolnitz den on willen und wissen seiner 
tochter seim sun allein nit verlassen. Hett aber Peter Zolnitz den 
acker selbst erarbeit, erkauft oder das er ime gegeben were, so 
mochte [er] den seinem sune oder wem er wolde, wol geben on seiner 
tochter oder ires eelichen mannes einspräche und Widerrede. Von 
rechtes wegen. Versigilt mit unserm insigil. 

75 

Ein geordenter priester hat seinem freund gegeben und 
aufgelassen hinder seim obersten sein teil der guter. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig zu leuterung des vorgetanen 
rechtspruchs vor recht: Darf der genant herr Erhart comptor den 
getanen Spruch die auflassung belangend erhalden, wie recht, mit 
seines selbst band auf den heiligen, das ime daran nicht bewust ist 
gewest, auch noch heutiges tages nicht bewust ist, das auch mit 

1) Vgl. dazu Ssp. Ldr. 1 2ö §§ 1 und 3. 

2) Vorlage: er woll got. 



[75. 76. 77] 121 

seinem willen und wissen nicht geschechen ist, das herr Niclas 
Brott Ditterich Brote, seinem bruder, sein guter aufgelassen oder 
an den enden, da es sich von recht gepurt, aufgeben habe; wen 
er das also erhalden und sich der bewust also entledigt hat: so mag 
ClaB Schütten wurffell, ab auch die auf lassung von herm Niclassen 
geschechen were, damit sulchen seinen teil nicht behalden; es ist 
auch also dan die auflassung also vemicht zu achten, [so sie hin- 
der I seim obersten geschechen ist. Deshalben so mag es auch ine Rl. 34a 
an seiner gerechtigkeit, die ine anerstOrben und komen ist, nicht 
beschedigen, sonder herr Erhardt landcomptor mag die wol von 
seines geordenten bruders wegen forderen, sie ime auch möglich 
▼olgt, und bleibt bei -dem negst getanen spruch pillich; und Schut- 
tenwurfPell mag sich mit seinem fumemen dawider nicht behelfen« 
Von rechtes wegen. Yersigilt mit etc. 



76 

Den erbnemen erinnern selbsiebent und auf tode haut. 

Spricht Leiptzig: Sintmal Bastian Korsner schuldigit Steffan Engelt 
also einen erbnemen Nickel Rampfulers umb sieben gülden, die er 
vor Nickel Rampfuler habe ausgegeben etc., so muß Bastian Korsner 
Steffen Aengelt als einen erbnemen sulcher schult erinnern auf tode 
hant, als recht ist, das Rampfuler Bastian die VIT fl. schuldig plieben 
sei. Und wan Bastian Steffan also erinnert hat, so muß ime Steffan 
ausrichtung [tun] mit erlegung des gewirderten Schadens; den scha- 
den mag [er] aber minnem auf den heiligen, als recht ist. Mag aber 
Bastian den genanten Steffan sulcher schult, wie oben berurt ist, 
nit erinnern, so mag Bastian Steffan vorgenant mit rechten sulchem 
gezeug, das er dem handwerk die sieben gülden von Rampfulers 
wegen bezalt haben, nicht überzeugen, und Steffan Aengelt ist als- 
dan Bastian von schult und Schadens wegen nichts pflichtig. Von 
rechts wegen. Yersigilt mit unserm insigil. 

77 

Ändere in derselben Eechtssacfie ergangene Spiüche der Jjeipziger Schöffen 
sind in Es. Zurickau, Bl 103^, 146\ 167^ enthalten, 

On erbenlaub sal man anerstorben gut nichts vergeben. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Hat M. MorinneBL. 34ij 
haus und hofe, erb und guter, die ires mannes Petzoldes Morens 



122 [77. 78j 

und Heinrichs Moren, seines bruders, gewest sein und die [sie] 
auf ire bede kinder geerbt und bracht haben und die die kinder 
fordern auf die genanten M., ir muter, Hans [Koch] >), irer Schwester 
sun, vor gericht zu der Neustatt gegeben. Und ist sulche gäbe 
geschechen one erbenlaube und one ire wissen und volwort, und 
ist die gäbe nicht bestanden one rechte ansprach jar und tag: 
so ist die gäbe an den anerstorben gutem machtlos. Und ist Ilsen 
Wolffensdorfs gäbe der genanten M. erbnemen, so ist in sulch gäbe 
unschedlich und die betrübt^) Morinne mag sich damit nicht behel- 
fen noch die gäbe bekreftigen, das sulchs von iren eldem oder freun- 
den auf sie nicht komen sei. Hat sie ime auch gegeben XL schock 
erbgeldes von verkauften gutem oder sunst guter, die ir von irem 
manne gab halben oder von gewonheit wegen der lande wurden 
weren oder die sie selbst gekaufte hette, ob sie die auch von ver- 
Wandlung der guter gekauft hette, darein nicht geredt were zu sei- 
ner zeit, also recht ist, da pleibt es pillich pei. Von rechtis wegen. 
Versigilt. 



78 
Von farender habe. 

Bl. 35 a Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig: Ist Heinrich von Oberaitz 
verschieden und hat er nach ime gelassen Lippolt von Obemitz, seinen 
bruder und Anna, Meynharts Schurgen eelich weih, seine Schwester 
und kein ander nehir erben: So hat er auf dieselben, Lippolten, 
seinen bruder und Anna, seine Schwester, geerbet und gepracht all 
sein gut, das zu erbe gehört und alles gelt, schult und ander farend 
hab zu gleicher teilung. Und Lippolt von Obernitz mag der Schwester 
die teilung nicht wegem mit seinen geseczten, die er in seiner schult 
vorbracht hat. Hat er auch gelassen verbrifte geltschult, die ime 
aufgeschlossen oder sunst verschrieben ist, umb sulch verschrieben 
geltschult helt man sich pillich nach laute der briefe. Ist dan sulch 
schult verschrieben Hansen von Obemitz und Lippolt, seim bruder 
und allen iren erben, so nimpt Lippolt die helft zuvor nach laut 
der brief und die ander helft muß er mit seiner Schwester als mit 
einem erbnemen seins bruders zu gleich teilen oder muß sich sunst 
halden nach laut der brief. Von rechtis wegen. Versigilt. 



1) So lautet der Name richtig; in der Vorlage steht: Hock. 

2) In der Vorlage von anderer Hand über tr ein r geschrieben. 



[79. 80] 123 

79 

Yon gäbe zwischen eelichen leuten. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulch frage vor recht: 
Hat Hans Schaft, euer bruder, nach seines ersten weibs tode ein 
ander weib zu der eh genomen und hat er die mit eurem wissen { 
urid willen begabt, yerricht zu rechter dingzeit, mit hundert rh. fl., Bl. 3om 
an allem seinen gut, das er hat oder immer gewinne, zu rechtem 
erbe, also seinen tod sie erlebt. Haben sie sich dan darnach nach 
etzlichen jam begiftet und begabt mit allem dem, das sie haben oder 
immer mer gewinnen also, welchs ir eins eher abgeht, so sol das 
ander haben, also es hat, sonder wen Schafts bruder seinen tod er- 
lebt, soll dem die &au so geben XX rh. fl. ; gewinne sie aber leibs- 
erben, so sollen die guter frauen Elsen halb volgen und dem leibs- 
erben. Also ist dan sulch gut sein gegeben oder erarbeitet oder 
sunst wol gewunnen gut gewest, so hat er sich mit seinem weib in 
oben berurtem maß wol haben mögen begaben ; und ob sulch letste 
gäbe one euer willen und wissen geschechen ist, das ist euch unhulf- 
lieh und zu der gab unschedlich, sunder es pleibt pillich dapei. Und 
ir mögt die gab mit euer einsage, in der frage furgebracht, nicht 
machtlos noch unbestendig beweren noch machen. Von rechtes 
wegen; etc. 

80 
Von Veränderung der guter. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Hat Nickel Bomeman zu ge- 
zeiten zu der eh genomen ein wittib, Margretha genant, die ein 
muhm was Elsen, Nickel Brundorfs weib, und ist er zu ir komen 
[in] haus und hof zu Reichenboch gelegen; und derselbig Nickel 
Bomeman nach etzlicher zeit Elsen, seine Stieftochter, vereelicht 
und aus den gutern vergeben | nach rat irer freunde und des lehen-Bi.. 30 a 
herren. Und ist Margretha, sein weib, darnach verschieden und 
haben zu der zeit Nickel Brensdorf und Else, sein eelich weib, 
Nickel Bomeman angeteidingt umb alle guter, die des vaters und 
der mutter gewest warn. Und ist doselbst beteidingt, das Nickel 
Bomeman X alt schock und II eimer biers Nickel Brensdorf und 
Elsen, seinem eelichen weib, ine hat geben und reichen sollen. Und 
hat Nickel Bomeman das getan. Und ist Nickel Brensdorf vor 
gericht und gehegter dingbank komen und hat er sich mit willen 
und wissen Elsen, seines eelichen weibs, und irer Vormundschaft " 



124 [80. 81] 

durch geteilt urteil für sich, sein weib und ir erben und erbnemen 
der guter und der gerade, nichts nicht ausgeschlossen, [vorzegen] 
und verzieht getan, daran kein gerech tigkeit, ansprach noch an- 
Wartung nicht zu haben; und kan Jobst Bomeman des zeugen mit 
gerechter kuntschaft oder sunst wie recht ist; und ist Nickel Bome- 
man hernach verscheiden, und hat er nach ime gelassen Jobst Bome- 
man, seinen halben bruder muter halb: Auf denselben hat er gebracht 
und [gefellet] all sein erbe und gut, nichts ausgeschlossen, auch das, 
das etwan der genanten Elsen vater und muter gewest ist. Und 
hat sich Jobst des guts unterzogen, so bleibt er pillich dapei und 
ist Nickel Brensdorf, in Vormundschaft seines weibs, zu der schal- 
den umb sulch gelassen erb und gut antwort nicht pflichtig. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 



81 
Bl. 36b Der vater geerbet auf den sun und tochter zugleich. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Ist vor etzlicher 
zeit Hempel von Sande verscheiden und hat nach ime gelassen Nickel 
von Sande, seinen sun, an einem uud Gerdrutt, seine tochter, Hein- 
richs Hochlandis weip, am andern teil, so hat er auf denselben sei- 
nen sun und auf sein tochter geerbet und gebracht all sein erbe und 
gut, das er gelassen hat. Es wer dan, das die tochter pei seinem 
leben bestatt wer gewest, so hat sie pillich genug an dem, da sie * 
mit bestat wart. Were sie dan pei des vaters leben nicht bestatt 
gewest und ist Nickel, der sun, in seins vaters gut plieben siezen 
und hat sein Schwester nie abgesondert, das ir genug [was] oder das 
ir von recht genügen solde, und hat er nach etzlichen jarn Agnesen, 
seinem eelichen weib, geben und leihen lassen vor gericht und ge- 
hegter dingbank alles, das er hat oder imer mocht gewinnen, zu 
kern und wenden nach irem willen nach seinem tode, und hat er 
das ofifenberlich vor gericht lassen verkundigen; hat er ir auch etz- 
lieh ander gut, die von dem techent zu lehen ruren, von dem techent 
in abgeschriben maßen geben und lassen leihen; und het 6er[dr]ut, 
seine Schwester, sulche gäbe gewust oder hernach erfarn und nach 
Bl. 37a der bewuste darein jar und tag | nicht gesprochen als recht ist: so 
pleibt es pillich pei der gäbe. Hett sie das aber nie gewust noch 
erfaren, und torst sie sich der bewust entledigen mit ir selbst band 
auf den heiligen, als recht ist: so were ir sulch gab unschedlich an 
irem gepurlichen teil, [und der soll ir] an den erbgutern pillichen 



[81. 82] • 125 

Yolgen; es were dan, das Nickel vom Sande die guter nach seines 
yaters tode XXX jar und tag one einspräche gehabt und besessen hett. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 



82 Nacm 1428 

Einer hat ein wittib zu der eh genomen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Hat euer sun ein wittib zu 
der eh genomen und ist die frau XXIV schock schuldig gewest, 
und ist aU ir gut die zeit kaum also vil wert gewest, und habt ir 
eurem sun ein halb hufe, in Stantzer mark gelegen, mitgegeben; 
hat euer sun die halb hufe yerkauft und die schulde bezalt und den 
hof damit gepaut und ander guter mer damit gekauft; hat er auch 
sein hantwerk vleißig gearbeit und getrieben und ander gelt und 
gut damit erworben. Ist er dan darnach, nemlich im XXYIII. jar l'^'28 
für gericht zu Pegaw in weichpilde kommen und hat er aldo Eli- 
zabeth, seiner eelichen wirtin, gegeben sein erb ganz und alles, das 
er gehat und imer gewint^ zu kern und zu wenden, wu ir lieb ist 
nach seinem tode; und kan die frau das gezeugen mit richter und 
schöpfen oder mit gerichts buch, [vor] dem richter und schöpfen, die 
itzund seint, geschechen, und sie darf es auf tode haut nicht ge- 
zeugen. Und ist euer sun darnach über zeit versdiieden, und hat 
er nach ime gejlassen haus und hof zu Pegaw, gelt und gut und Bl. 37b 
farend hab, darinne auch VIII ort acker und ein halb wiesewachs; 
und hat er keinen leibserben gelassen: So nimpt sein gelasne wittib 
nach seinem tode von der gab wegen sein haus und hof zu Pegaw 
im weichpilde und allen gezeug, farend hab darin, wu er den gehabt 
hat, nichts ausgeschlossen one allein das hergewet; und mögt sie 
daran mit eurem einsagen, also die in der frage berurt seint, nicht 
gehindem, mögt auch die gäbe nicht machtlos oder uncreftig be- 
reden. Hat er auch gelassen auswendig des weichpildes im land- 
recht VIII ackers und ein halben acker wiesen, die hat er gebracht 
an seinen negsten erbnemen, und die frau hat daran von recht kein 
teil; es were dan der gäbe -halben, die sie gezeugen koude oder 
von gewonheit wegen ir was darein gefordern mocht. Sagt sie auch 
ir ain leibgeding daran, das muß sie mit gezeugen erweisen, und 
mag das mit ir selbst band nicht erhalden. Und die ander euer 
furpringung in der frage seint euch unhulflich zu euer forderung. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 



126 . [83. 84. 85] 

83 
Umb genies einer wiesen zu antworten. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Die frau darf omb den genies 
der wiesen nicht antworten, den ir man seliger daran gehabt hat 
Sie darf ine auch darumb kein widerstattong tun, ap ir auch ein 
teU der wiese abgesprochen wurde, nachdemmale das ir man die 
wiese mit gutem glauben yon einer ankunfte gaben halben gehabt 
und besessen. Hat sie den die wiese nach ires mannes tode also 
Bl. 38Abehalden, als ir man die hat, und sie hat sich rechtens darumb nicht 
gewegert, so ist sie der clegerin, ap sie die auch yiel genossen het, 
umb die nutzung nichts pfiichtig. Von rechtes wegen. Yersigelt. 

Erste Hälfte 84 

DES IÖ.Jahrh. 

Wu ein kinde eher der eh entpfangen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Ist Andres von Steisdorf ver- 
schieden und hat er gelassen Jobst, seinen sune, den er in eelichen 
leben gezeugt hat mit einer dirne, die er yormals beschlafen und her- 
nach zu der eh genomen hat; und hat er an' gut gelassen erbgut und 
farend hab; hat er auch gelassen einen bruder, Soldan von Steysdorff^j 
genant, der mit ime an den lehengutern semptlich belehent was: So 
hat der genant Andres alle seine guter, lehnguter, die er selbst in 
lehn und geweren hat, oder erbguter auf Jobst, seinen sun, geerbet 
und gebracht; und Soldan von Steysdorfif mag die lehenguter von der 
semptlichen belehnung wegen dem jungen nicht abziehn, auch da- 
mit nicht, das die guter von ir beder vater her seint komen. Das 
alles nun ist unhulflich und dem jungen unschedlich. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 

85 
Leibgedinge. 

So die fraue die helfte des dorfs EoUewitz, etzlich zins zu 
Goßerstete und eine wiese daselbst zu leibgeding fordert deshalben, 
das ir ir junkherr sulche guter zu leibgeding selbst geliehen hat, 
die euch von ime zu lehen ruren sollen, und Hanns Marschalck ime 
der lehen nicht bekennt; ap dan die underlehen von ime gangen 

1) ürkundKch erwähnt in den Jahren 1438—1441; vgl. z. B. von Baab, 
Regesten I, S. 296. 



[85. 86. 87] 127 

hetten und er die erbschaft zu dem leben gebracbt bett, so er der 
forder lebenberre der guter; und so dan die leipgedingung der 
frauen one der oberlebnberren willen | und yolwort gescbecben istiBi. 38» 
So ist die beleibgedingung der frauen, von ime selbst gescbecben, 
unmecbtig. Von recbtes wegen. Versigilt. 

86 
Ein man von ritters art ist verstorben. 

Spricbt Leiptzk: Ist ein man von ritters art verstorben, der nacb 
ime frei lebengut und aucb erbgut an farender bab und an erarbeiten 
fracbten gelassen bat; und bat derselb darzu gelassen einen sun, 
zwu bestatte tocbter. Ist er aucb davon scbuldig plieben an sulcben 
gutem. So nimpt der sun zuvor alle lebenguter und darf den töcb- 
tem darvon nicbt pflegen. Damacb so sali man von den erbgutern 
an farender bab zuvoraus die scbulde bezalen. Wen die scbuld da- 
von bezalt sein, was dan damacb oberig pleibt, das kumpt und feilet 
zugleicb auf die kinder alle drei, nemlicb auf den sun und die zwu 
tocbter. Docb aber wollen die bestatten tocbter teil nebmen, das 
sie dan einpringen alles das gelt und gut, damit sie von irem vater 
bestatt sein; aber cleidung und wirtscbafkkost darf man darzu nicbt 
reeben. Und zu dem erbgut gebom die frucbt auf dem felde, die 
bei des vaters leben mit der ege uberfam seint, und alle zins, die 
die zeit betagt waren, und damacb alle ander guter, wuran die seint, 
die nicbt lebn seint, also aller bausrate, pferde, viecb, gescbirre, 
getreide, gelt, golt und silber und desgleicben. [Von recbtes wegen.] 
Versigilt mit unserm insigil, etc. 

87 

Sieb verscbrieben, sein weib [zu] beleibdingen lassen 
mit XXX alden scbocken. 

Leiptzk: Ean Rudolf Statze beweisen mit einem volstendigen 
versigilten brief, das sieb Junge verscbrieben bat vor sieb, seine erben 
und erbnemen, Anna, sein eelicb weib, | mit XXX alden scbocken Bl. 39 a 
in seinen gewiesen gutern zu beleibdingen lassen: so sein ir seine 
nacbgelassene erben das pflicbtig zu balden und sulcb leibgedinge 
zu bestellen als ferre, als das erb wendt. Aucb gebom der frauen 
zu morgengab die vorfam der ocbsen und die scbwein; und der 
Seiffart mog ir die stuck als erbe, das den kindem gepurn solde, 
nicbt vorbalden. Von recbtes wegen. Versigilt. 



128 [88. 89. 90. 91 

88 

Das kind hat keine forderung zu des vater gut bei 
seinem leben. 

Spricht Leiptzk: So der vater noch lebet, so hat sie kein for- 
derung keines teils zu seinem gut; sunder als die muter verschieden 
ist, die hat ire gerade auf die tochter bracht und sunst, was ir gäbe 
halben oder gewonheit halb an den enden an ires mannes gutem 
gepum mochte; und das zu geben, kan sich der vater nicht auf- 
gehalden mit seinen weren. Von rechtes wegen. Versigilt. 

89 

Das weih hat den man begabt mit allen iren gutern. 

Spricht Leipzig: Hat die frau irem man alle ire guter gegeben 
vor gerichte, die zu haben nach tode. Kan er das gezeugen mit 
einem volstendigen gerichtsbrif, bleibt es dapei. Es wer dan, das 
Jörg Eesler in Vormundschaft Margretha Wageners gezeugen konde, 
das das gerichte zu rechter dingzeit, auch an geburlichen stetten, 
als es von rechte oder gerichte gewonheit geschechen solde, nicht 
gehegt were, so were alles das machtlos und vernicht, das also vor- 
gangen were. Von rechtes wegen. Versigilt. 



90 

Was ein uneelich geporn man auf sein weib und kinder 
erbet. 

Spricht Leiptzk: Ist der vater, der ein uneelich man geporn ist, 

verschieden. Der hat nach sechsischem recht auf sein weib nichts 

Bl. 39 b geerbt, auch auf seine unmündige eelich | kinder nichts, sunder das 

gut ist alles dem obergericht verfallen und ledig worden. Von rechtes 

wegen. Versigilt. 

91 

Ist nicht besessen mit leben, erbeigen. 

Spricht Leiptzk: Ist Albricht nicht besessen, lehn, erbe noch 
eigen nicht hat, so verbürget Albrecht Hartman möglichen, was 
Hartman in recht zugesprochen wirt, das er das an in mag kommen 
[lassen]. Von rechtes wegen. Versigilt. 



[92. 93. 94] 129 

■ 

92 

Der tode ist schuld sechs jar ungemant plieben. 

Spricht Leiptzk: Also ir berurt, das euer bruder pei seinem 
leben wol sechs jar oder siben jar ungemant blieben sei, so solle 
sieb cleger daran verscbwigen haben; sulchs ist euch im rechten 
unbnlflicb; sunder seit ir euers bruders erb nicht gewest zu land- 
recht, so seit ir sulch schult nicht pflichtig zu verantworten. Von 
rechtes wegen. 

93 

Ein man hat sein eelich weib mit keinen seinen gutern 
pei irem leben lassen belehnen, noch ir keins aufgelassen, 
ir auch in der eestiftung nichts verheißen zu leihn lassen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf vor recht: Hat Andres 
Seidel, burger zu Leiptzk, vor 1} jar ein junkfrau, Gerdruden ge- 
nant, zu der ee genomen, und hat sie kein ligend noch stehend 
guter zu ime bracht, und hat er ir auch in der eestiftung ichtes zu 
leihen lassen nicht verheißen, ir auch darnach für gericht oder ander 
kräftigen stetten an seinen gutern nichts aufgelassen. Ist sie dan in 
kurz verstorben, so hat sie an denselben ires mannes ligend gutern, 
so er ir | daran nichts aufgelassen, geeigenet noch gegeben, noch Bl. 40a 
etwas ir darauf zu lassen zu der eestiftung nicht zugesagt noch 
verheißen hat, auf ire Schwestern nichts vererben noch feilen mögen; 
und was sie sunst an farender hab, als sie VIU rh. fl., die ir man 
nach irem tode in irer laden funden, und an andern, ausgeschlossen 
an allen die gerade und was darzu gehört, [gelassen,] daran hat sie 
all ir recht auf den genanten Andresen Seydel, iren ehman, und 
die gerade auf ire Schwestern gebracht und gefellet; und Andres 
Seydel muß den Schwestern dieselbig gerade volgen lassen und ist 
inen forderer darüber nach gestalten dingen keines mer volgen zu 
lassen verpflicht. Von rechtes wegen. 



94 

Ein teil eines holzs ist an einen gestorben. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig: Hat Blasius Jhan vormals in 
seinen Schriften Satzung, aber hernachmals auf unsem getanen letsten 
rechtspruch schlechten vorbracht, das sein vater sulch en teil, den er 

O. KiHch. Leipziger Schöffenspruchsammlung. Q 



130 [94. 95. 961 

vermeint an dem holze, die Zuhe genant, zu haben und den er 
itzund nach laut des andern teils unsers vorigen rechtspruchs ver- 
meint zu verteuern, wie recht ist, auf in bracht und nach erbgangen- 
recht gefellet, erbgut zu verteuern schlecht angemast hab: so mag 
er sulchen tail desselbigen holzs als sein veterlich angeerbet gut 
mit zwen unbeschulden mennern allein pillich erhalten, wie recht 
ist; und die gerechten fordrung, als Leonhard Hoß zu Nickel Jhans 
gut getan, so er dem genanten Blasius Jhan auf denselbigen seinen 
Bl. 40b teil des holzes zu solcher seiner | fordrung kein gepot hat tun 
lassen, wem ime, sofern er sulchen als für sein angeerbet veterlich 
gut beweist, gepur[lich] vertreten und erhalden wurde, des rechtspruchs 
ganz unschedlich. Hat sich aber der genant Blasius Jhan auf sein 
verhoffle recht in seinen Schriften einicherlei gehabter lehn und ge- 
weren an sulchem angeerbten teil des obgenanten holzes angezogen, 
SO must er die lehn mit einem versigiltem volstendigen lehnbrif, 
dadurch das bekantnus des lehnhem und die gewere an sulchem teil 
desselbigen holzes selbsiebent unbescholden manne an irem rechten 
beweisen,, gezeugen und [erhalden]*), wie recht ist. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 

95 

Es seint verschrieben auf einen hof XX alt schock. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Kan Kasper von Leyhe ge- 
zeugen mit einem volstendigen versigilten brif, des abschrift er in 
seiner schult gesaczt hat, das im auf dem [hof], auf der freiheit zu 
Monichperg kegen dem hern Toll gelegen, XX alt schock davon 
geben und bezalt [ . . . ]^) und mag sich des mit dem einsagen, in 
seiner antwort berurt, nicht aufgehalden. Von rechtes wegen. 

96 

Einer vermeint, etzlich gerechtigkeit zu haben im dorf. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Meint ir in dem dorf Reins- 
dorff sulche gerechtigkeit zu haben, wen ein wirt darin stirbt, der 
Bl. 4lAdo pferde hat, das euch | das peste pferde gepuren sold; und ver- 
meinen die pauern euch solch gerechtigkeit nicht und haben euch 
alle nein darzu gesprochen und itzlicher sonderlich und sich erpoten, 

1) Vorlage: derhalben. 

2} Wohl größere Auslassung des Abschreibers. 



[96. 97. 98] 131 

das nein zu Yolziehn; haben dan ir zwen dem nein nicht volge 
wollen tun, und 80 ir derhalben zu der ganzen gemein clagt, das 
sie euch alle semptlich und sonderlich nein gesprochen haben zu 
euer gerechtigkeit des pferdes und können i) doch nun dem nein 
alle nicht nachkomen, deshalb ir meint, sie solden gegen euch fellig 
sein: Das seint sie dan nicht in rechten; sonder also ir euer ge- 
rechtigkeit zu ir aller gewust gesaczt habt, so musten sie euch alle 
mit einander der bewust bekant haben, soldet ir die gerechtigkeit 
erlangt haben; nun aber der merer teil dem nein nach wil volge 
tun, so seit ir euers gezeugnus fellig worden. Und ob ir zwene 
dem nein nicht wollen volgen, damit ist die gemein euch sulcher 
gerechtigkeit nicht verfallen. Ir mögt es euch selbst zusachen, 
wurumb ir sulch gerechtigkeit zu ir aller gewust gesaczt habt, die 
ir wol hettet mögen gezeugen selbsibent unbescholdener leut an 
irem rechten. Von rechtes wegen. Versigilt. 

97 

Wie man schult auf frei lehengut verantworten sali. 

Spricht Leiptzk: Ist sulch gut frei lehengut und unserm herrn 
von Monchberg zu lehn rurende, so darf Jörg Berger die schalt vor 
disem gewilten gericht nicht verantworten; es were dan, das diese 
verwillung mit des lehnhern willen oder von des lehnhern befelung 
geschechen were. Von rechtes wegen. Versigilt. 

98 
Das weib hat etwas verwechselt hinter irem mann. Bl. ^in 

Spricht Leiptzk: Hat Hans Mollers weib das silbren schoppeln 
verwechselt irer Schwester, Giemen Steicken weibe, one Hans Mollers, 
ires mannes, willen und wissen^ so ist sulch Wechsel und kaut 
Hansen Moller unschedlich, das er es durch recht leiden darf, und 
Clemens Steick muß ime den schoppel wider antworten und das 
nemen, darumb der scheppel gewechselt wart. Es were dan, das 
Hans Moller sulchen Wechsel erfam und darnach den scheppel bei 
einem jar und tag nach der zeit, also er es vor [erfam], mit rechte 
nicht geanspracht hette, also recht ist. Von rechtes wegen. Ver- 
sigilt. 

1} In der Vorlage ist von anderer Hand darunter geschrieben: wollen. 

9* 



132 [99. 100. 101] 

99 

Wie man sali lehn beweisen. 

Spricht Leiptzk: Ditterich muß den lehnhem benennen und muß 
darnach die lehn mit desselbigen lehnhem briefen beweisen oder 
selbdritte unbescholdener manne auf den heiligen, die des lehnherren 
manne sein, ap er manne hat; hat er nicht lehnmanne, mag er das 
erweisen mit andern zweien unbescholden manne zu sich. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 



100 

Die Schneider wollen eins mollers sun nicht auf das 
hantwerk nemen. 

Spricht Leiptzk: Seit ir recht eelich aus eelichem leben geporn 
von eueren eldem, die do frome, unbeschuldene leut sein gewest 
an ire rechte, so nemen euch die Schneidermeister des handwerks 
pillich auf zum meister auf irem hantwerk, so als ir euer hant- 
lii. 42a werk nach gepurlicher weis gelernet habt, und mögen euch das 
darumb nicht versagen, das ir eins mollers sun seit. Euch ist auch 
unschedlich, ap euer vater eins mollers sun gewest were und ir eins 
erbmoUers sun wert. Sie verworfen euch der Sachen unpillich von 
irem hantwerk. Von rechtes wegen. Versigilt. 



101 

Ein neu tor hintenaus, über ander leut guter zu faren. 

Spricht Leiptzk: Haben die beschuldigten bruder Heinrich und 
Nickel Sock guter, stoßen hintenzu von dem felde bis an Bene- 
di ctus hof; und haben sie doselbst hintenaus auf dem irm sten 
Pflaumenbaume, weiden und wiesen ligen. Ist auch aus Benedictas 
hofe vorhin kein tor hinten naus gewest, dadurch man gefarn, 
geritten oder getrieben hette: so dorfen [sie] Hansen Socken das 
neu gepaut tor, das er dadurch über ir gut durch ire pflaum- 
bäume und weiden und über wiesen zu treiben one iren dank und 
gunst [gepaut, sperren] und sie seint ime deshalben, noch in gewer- 
derten schaden, hon und schmacheit nicht pflichtig. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 



[102. 103. 104. 105j 133 

102 

^on einem weib, die Ton irem man ging und wolt nicht 
pei ime sein. 

Spricht Leiptzk: Das weib hat ir leibgut, noch gerade, morgen- 
gabe und muBtel mit dem, das sie von irem manne geschieden ist, 
nicht yerwarlost noch verlorn; es were dan, das sie des mannes 
lebens geremet het oder ander Sachen halben yerwarlost het. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 

103 

Von ehgelobde. Bl. 42b 

Spricht Leiptzk: Was man der tochter der ehbeteidung halb 
hat sollen leihen schlechter unverdingter lehnunge, das soll man 
nach irem tode iren eldem vervolgen lassen. Von rechtes wegen. 

IM 

Ein interessanter Leipziger Spruch über den Beirris des Lebens bei d4*r 
Geburt findet »ich in Hs, Leipzig 945, BL 130^—131% Nr. 306, 

Das ein kiud lebendig sei geporn, zu beweisen. 

Spricht Leiptzk: Ean der yerstorbene[n] frau muter beweisen, das 
das kind lebendig sei gewest, mit yier mannen, die das kind gehört 
haben die yier wende beschreien und mit zweien weibem, die irer 
tochter geholfen haben in irer arbeit, so hat das kind seines yaters 
erbe zu recht erlangt; und ist darnach y erschieden, so hat es sulch 
recht auf die [mutter] bracht i). Wurde aber der frauen bruche an 
sulcher beweisung, [so hette doch ir tochter auf sie geerbt alles 
das, das sie gehabt hette an dem gute gäbe halb oder yon gewon- 
heit des endes und darzu ir gerade. Von rechtes wegen. Versigilt. 

105 

Pferde haben schaden getan. 

Spricht Leiptzk: Kann Hans Zymerman beweisen, das Reinstein 
mollers pferde sulchen schaden getan haben, so muß Reinstein 
moUer den schaden gelden oder yerminnem, als recht ist, oder sein 



Ij Vgl. Sap. Ldr. I 33. 



134 [105. 106. 107; 

pferd, das den schaden getan, vor den schaden geben. Wurde 
Bl. 43a Hans Zymerman das nicht erweisen, so mag er zu dem pferde jj^ein 
clag tun. Von rechtes wegen. Versigilt. 



106 

Eine hat einem ein eh geredt und vorhin mit werten 
auch einem andern. 

Spricht Leiptzk: Hat Margretha Herlings Nickel Hoffman ein eh 
gelobt und hat sich vorhin gein einen andern mit Worten auch ver- 
redt, die hernach vor ein ee emant sein, also das sie dem ersten 
zuerkant ist. Also sie denn Nickel Hoffeman itzund beschuldigt umb 
cost und zerung, darzu sie ine bracht habe. Tar dan Margretha 
Herlings verrechten mit ir selbst band auf den heiligen, das sie 
Nickel Hoffman die ander gelobde ungeverlichen, one allen bösen 
vorsacz getan und nicht änderst gewust hab, dan das die erste rede 
kein ee were: so ist sie Nickel Hoffman umb seine rede oder ford- 
rung der kost und zerung nichts pflichtig. Wurde sie aber sulche 
verrechtung nicht tun, so were sie Nickel Hoffman pflichtig, zu 
geben alle cost und zerung, die er sunst nicht hett dorfen tun. 
Sulch cost muß er den wirdern; so mag sie Margretha vorminnern 
mit ir selbst band auf den heiligen, als recht ist. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 

107 

jS^. Leipx^ig 045 enthält auf Bl. 5* evie Abschrift dieses Spruches mit 
folgender ausführlicheren Fassung des Tatbe^tatides: 

Unsem fruntlichin dinst zuvor. Erbarer fester bisundrer guter 
frund. Also ir uns umb rechte gefraget habt in Sachen Lorencz 
Bartel' von siner tochter wegen an einen und Hanse Schroter des 
andern teils belangende, sprechin wir scheppin zu Lipczik uf solche 
frage vor recht: Hat Hans Schroter geredt mit Lorencze Bartel, das 
er ome sine tochter vormiten wulde, er wulde sie zu eren und aller 
redelikeit halden und sie sulde also wol bie ome bewart sin, als sie 
bie Lorencze Bartel irm vater bowart und vorsorget were; und hat 
Lorencz Bartel uf sulche rede, zusage und globde Hansen Schroter 
sine tochter vormitet; und hat Hans Schroter bie sinem dinste die 
dirne betrogen und an oren eren geswecht und swanger gemacht; 
und bekennet Hans Schroter des und saget er vor eine entschul- 
digunge, das er dorzu gereizt von der dirnen: Solche entschuldigunge 



:107. 108. 109] 135 

ist om unhalflich, sundem Lorencz Bartel mag on darumb zweierlei 
^eise beschuldigen^ pinlich ader burglich. 

' Der toeüere WorÜaut stimmt mit dem der Vorlage vollständig uberein. 

Eine maid schwanger gemacht. 

Spricht Leiptzk: Hans Schroter bekant, das er sein maid schwanger 
gemacht hat: So mochte ine der dirne vater darumb zweierlei be- 
schuldigen, peinlich und burglichen. Wurde er ine peinlich be- 
clagen und Hans Schroter das bekennen wurde, so muß er leiden 
pein des halses, | so als sie sein muhme gewest ist. Wurde er ine Bl. 43 b 
barglich beclagen und Hans Schroter das bekennen wurde, so muste 
er sie bestatten und beraten so hoch und erlich, als sie Torhin be- 
raten het mögen werden. Von rechtes wegen. 

106 

Ein gebrechliche maid schwanger gemacht. 

Spricht Leiptzk: Habt ir ein tochter, die stume [ist] und nicht 
voller Vernunft hat, die auch gebrechlich ist, das man sie muß 
etzen und trenken, und darüber noch geplagt ist mit andern seuchen ; 
und hat sie ein knecht betört, mit ir seinen willen gehabt, an iren 
em geschwecht und schwanger gemacht. Und seintmal das wir nicht 
verstehen, das er sie nicht genötigt hat und er des notzogs nicht 
überwunden ist, so mag er ine darumb nicht peinlich strafen. Er 
mag des aber mit seiner schlechten puß nicht ledig werden, sonder 
ist pflichtig, sie zu der ee zu nemen, ader must ir als vil geben, 
das sie damit zu der ee gestatten mögt in der maß, als er sie vor- 
mals, eher sie. betört wart, hett mögen bestatten. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 

• 

109 

Handlung umb jerliche nutzung der wiesen hinter dem 
lehnherren getan. 

Spricht Leiptzk: Seintmal das der handel zwischen Hochenkirchen 
und Gasper Schützen knecht umb die jerlich nutzung der wiesen ge- 
schechen ist one wil und volwort des lehnhem, so ist der handel 
unbestendig. Wil aber Gasper Schutz den genieß der wiesen haben, 
so muß er das tun mit volworten des lehnherren und muß | die Bl. 44a 
von ime also zu lehn nemen und jerlich verzinsen. Von rechtes 
wegen. Yersigelt mit unserm insigel. 



136 [110. 111. 112; 

110 

Freveler ein weib erschreckt, das ir die frucht abging. 

Spricht Leiptzig: Haben die freveler mit dem einlaufen in des 
mannes hause mit irer mortlicher were dem wirt sein gesundes weip, 
das die zeit schwanger was und über die helfte die frucht getragen 
hette, erschreckt, als das das weib zu band des krank ist worden 
und das ir über den dritten tag die frucht ist abgangen. Und kan 
der wirt erweisen selbdritt unbescholdner leut an irem rechten, das 
das weib davon erschrackt, das sie krank wurden, und darnach mit 
zweien frauen, unbeschulden an irem rechten, das ir die frucht über 
den dritten tag abgangen, so mögen die freveler das nicht ver- 
neinen, das die frucht ires erschreckens [wegen] abgangen ist, son- 
der sie müssen die frucht verpessem mit einem ganzen wergeli 
Von rechtes wegen. Versigilt. 



111 

Beschuldigen, ein gluende eisen zu tragen, in wallen- 
den Wasser [greifen]. 

Spricht Leiptzk: Sich zu entschuldigen, damit man ein glaend 
eisen trage oder in einen wallenden wasser greife, ist von der hei- 
ligen kirchen verpoten. Von rechtes wegen. 



112 

Die fleischer wollen einen von dem handwerk ver- 
werfen. 

Spricht Leiptzk: Wollen sie euch von dem handwerk der fleischer 
verlegen und ganz entseczen darum, das ir gewust und die nicht 
Bl. 44b gewarnet habt. Sulchs | mögen sie wider euch nicht tun. Es were 
dann, das sie ein bestendige wilkor betten, wer ein sulchs tet, das 
er von dem handwerk der fleischer verlegt soll sein oder das sie ein 
redlich verwerte gewonheit betten, die do XXX jar unverruckt ge- 
standen hett, das ein itzlicher umb sulches tun des handwerks ver- 
fallen were. On das künden sie euch darumb so hart nicht ge- 
strafen. Von rechtes wegen. 



[113 114. 115] 137 

1 13 ZWISCUBN 

1427 UNI) 1439 
Wie der Jude sein eid tut. 

Spricht Leiptzk: Sprechen) das Abraham jude^) den eid in seiner 
Synagogen in Moyses buch schweren sali, das er der schult, so Hans 
von Gzemen ine schuldigt, unschuldig sei, das ime got helf und die 
judische ee. Und wen er sich also entschuldigt hat, so ist er Hansen 
Yon Gzemen von der schult wegen nichts pflichtig; und Hans von 
Czemen mag Abraham Juden auf hocher eid zu tun nicht dringen. 
Abraham mag auch sich mit seinem gesecze nicht behelfen» das er 
des eids mag ledig sein und los. Von rechtes wegen. Versigilt mit 
unserm insigel. 

114 

Ein brief ist verlorn. 

Spricht Leiptzk: Ist der brief über die hundert gülden verlorn, so 
das man den nicht gehaben mag; wil den Hans Knappe VIII schock 
forderen und einmanen, so sali [er] Heintzen Winter ein genuglich 
bestalt tun, das Heintz Winter und sein erben von des brifs wegen 
unbeteidingt und one schaden pleiben. Von rechtes wegen. Ver- 
sigilt etc. 

115 

Dem wirt seinen hausfried gehalden von anrufung desBu 4pA 
richters. 

Spricht Leiptzig: Seint die vielgenanten angeclagten von anrufung 
des wirts und auch des richters zugelaufen, dem wirt sein hausfriede 
zu behalden und das gericht zu sterken, das sie mit dem wirt 
und richter gezeugen mögen, als recht ist: So seint [sie] Nickel 
Moliche von der schult wegen nichts pflichtig. Von rechtes wegen. 
Versigilt etc. 



1} Abrabanii Jude zu Leipzig, wird in den .Taliren 1427 bis 1439 erwähnt im 
Urkundenbuch der Stadt Leipzig (herausgegeben von K. Fr. von Posern- 
Klett und Joseph Förstemann; Codex diplomaticus Saxoniae regiae; 
IL Hauptteil, 8.— 10. Band; Leipzig 1868—1894), X, S. 321; in dem ihm von 
Herzog Wilhelm zu Sachsen erteilten Schutzbriefe vom 13. März 1436 heißt 
68 (a. a. 0., VIII, S. 134): ». . . . worzu sie nein sprechen, das suUen sie ent- 
gehen mit ires selbis hant uf Moyses buche in irer joden schule, als das von 
alder berkomen ist.« 



138 [116. 117. 118. 119 

116 

Wo guter gelegen seint, namhaftig zu machen. 

Spricht Leiptzk: Das Nickel Moller möglichen namhaftig macht, 
wie die halb teil heißen und wo sie gelegen sein, der sich Nickel 
Erler in seines weibs unmündigen jaren sal unterzogen haben. Von 
rechtes wegen. Yersigilt mit ünserm insigel. 

117 

Zehende, geistlich und werntlich. 

Spricht Leiptzk: Geistlicher zehende ist gotes opfer, den man 
den dorfkirchen und den priestem geben sali, die das yerpeten 
können. Werltlichen zehende mag ein leie wol haben und besiezen 
durch recht, so ein itzlicher ackerman wol mag verkaufen das zehend- 
teil seiner fruchi Von rechtes wegen. Versigilt. 

118 

Einen diberei gezigen und ist der nicht fluchtig worden. 

Bl. 45h Spricht Leipzig: Hat die frau Nickel das geziegen. Ist | er des 
nicht fluchtig worden, sunder er hat sich mit willen begreifen lassen. 
Ist er in gefenknus komen und darnach ausgeburg^, sich zu gerech- 
tigen. Spricht er darzu nein. Ist er dan sunst ein unberuchtigt 
man und [unjbesprochen an seinem rechten, und als er in handhaf- 
tiger tat nicht begriffen ist worden, wirt er auch mit gezeugen nit 
beschuldigt: So wirt er mit seins selbst band auf den heiligen neher 
unschuldig, den man in hocher gedringen oder gepeinigen nit mag. 
Es were dan ander verdechtige beziehte darpei. Wern die nicht, 
so were ime alle zusage der frauen und auch das gefenknus an 
seinen rechten, ern und leumet one schaden. Von rechtes wegen. 

119 

Einer seine freundin mit gelt gereitzt. 

Spricht Leiptzk: Hat der aide Paul Jhan ein freundin gehabt, 
die ine zu ir gezogen und ime vil getrauet. Hat er zu einer zeit 
Tor zehen jaren in irem schrein gelt funden, schon und gewarsam; 
hat er das weggetragen, sie zu unterweisen das ire gelt, zu anderen 
Zeiten das bewart, und hat er ir sulch gelt nicht verleukent, sunder 



[119. 120. 121. 122] 139 

ir zuhanden, also sie darnach fragte, wider gegeben: So schadet 
hne snlchs an seinen gerächte noch eren nichts nicht. Von rechtes 
T^egen. Versigilt. 

120 

Einem furman ist wachs auf dem wagen verprant. 

Spricht Leiptzk: Seit ir dann also gefam bis gegen | Leutenberg, Bl. 40 a 
und ist das wachs in dem feuer verdorben i], und ist das geschechen 
on euer'yerwarlosung, das des nachtes ein feuer entzundt; und 2] 
toert ir das bewern^) mit euer selbst band auf den heiligen, als 
recht ist: So pleibt ir des one wandel. Hettet ir aber dem Giemen 
Mattes zugesagt, mit ime zu farn oder wo euch Ton dem hem des 
^ts beTolen, auf andern straßen zu farn, und hettet ir das nicht 
getan: So wert ire ime umb den schaden wandel pflichtig und 
könnt euch der verwarlosung nicht entledigen noch entreden. Von 
rechtes wegen. 

121 

Der glaubiger hat das gelt Ton schuldigern nicht nehmen 
wollen.. 

Spricht Leiptzk recht: Also als Heinrich Ton Schweynitz itzund 
und auch in seiner vorigen antwort gesaczt hat, das er Boten, an 
den er geweiset was von Heinrich Kretzschmern, das gelt gepoten, 
und das Bote das gelt gewegert hat zu nemen, und sich des auf 
frome leut zeucht; kau er dan das erweisen mit zweien unbeschol- 
ten leuten, als recht ist: So pleibt er des one wandel, ap er das 
gelt in gericht gelegt hat. Er [ist] dan auch Heinrich Kretzschmar 
umb schaden und gericht nichts pflichtig. Von rechtes wegen. Ver- 
sigilt. 

122 

Ein pferd wirt bei eim angefangen. 

Spricht Leiptzk: Hat Nickel Schneider ein pferd verkauft Thomen 
Hochensten und hat Thoma das pferd fort | verkauft und wird es Bl. 46b 



1) In der Vorlage korrigiert aus: verstorben. 

2) In der Vorlage ist diese Stelle eingeklammert und lautet wie folgt: in 
dem feuer verdorben und ist das geschechen on euer verwarlosung, das des 
nachtes ein feuer entzundt und ist das wachs. 

3) In der Vorlage ist darüber geschrieben: beteuern. 



140 [122. 123. 124. 125] 

unter dem augefangen; hat der kaufer gefolgt an seinen Verkäufer 
an Dömel und folgt Domel fortan zu Nickel Schneider, ine zu 
geweren: so muß ime Nickel Schneider das geweren; mag fort an 
seinen Terkaufer Tolgen oder an die end, do das pferd gezogen ist, 
und das beweisen, also recht ist. Kan er das nicht getun. beweist 
dan der, der das pferd [an]gefangen hat, das es sein sei, so muß man 
es ime volgen lassen; und Nickel Schneider mag sich der gewer da- 
mit nicht entweren, das er das pferd dan vor jar und tag verkauft 
habe und das es an die dritte band ist komen. Von rechtes wegen. 
Versigilt mit unserm insigel. 

123 

Wie sich drei vettern in irem leben gehalten haben. 

Magdeburg, Halle und Leiptzk: Haben die drei vettern sich mit 
dem lehn also gehalten: welcher unter ine queme gein Neubenburg, 
das der lehn von irer aller wegen [tue], wem das not was; und haben 
sie darüber sulche lehungbrif gegeben, als die abschrift des haupfc- 
brifs ausweiset; und der lehn von irer aller wegen getan hat und 
der lehn den leuten bekennet: so soll das möglichen darpei bleiben, 
und die leut der leben von neues nicht nemen, seintmal sich die 
drei vettern aus dem semptlich lehn nicht geteilt haben. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 

124 

Rl. 47a Ein hund hat einen gepissen. 

Neumborg: Seintmal das Heintz Moller Hansen Zan schuldigt 
einer schult, das ine ein hund wund gepissen hab, darumb [er] nicht 
nemen wold zehen gute schok, das ime das noch eins geschechen 
sold, und nicht leme nennet, und Hans Zan die hunde mit seinem 
eide nicht entreden will: So ist er Heintzen Muler ein puß schuldig, 
das seint XXX Schilling pfenning. Und Hans Zan darf gein dem 
gericht kein not leiden, darumb das viech mit seiner tat mit seiner 
gewalt gein dem gericht verpor[g]et. Von rechtes wegen. Versigilt. 

125 

Getroet zu brinnen. 

Halle: Hat Herman M. Hansen Heynichen für gericht beschul- 
digt, das [er] ime und den seinen getroet hat zu brinnen, so muß ime 



[125. 126. 127. 128. 129] 141 

Hans Heynichen zu der schult ja oder nein antworten. Bekennet er 
des troens, so muß er darumb leiden, was mit recht wirt darumb 
zugeteilt. Spricht [er] aber zu der schult nein, so muß er unschuldig 
werden auf den heüigen, nachdemmal er beclagt ist on gezeugen. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

126 

Ein man schuldigt ein rat und ein gemein; ap sie alle 
antworten müssen, oder wer sie vertreten sali. 

Magdeburg: Das euer burgermeister mit zweien seinen mitcöm- 
pen des rats den rat und ganz gemein wol mag vertreten und ver- 
antworten auf gewin und auf | Verlust; und ein itzlich gemeiner Hl. 47 h 
burger darf sunderlich selbst nicht antworten. Von rechtes wegen. 
Versigilt. 

127 

Ein entsagebrief und feind geworden. 

Magdeburg: Ratmeister beweisen und volkomen mit Heinrichen 
Helffenstein einen entsagebrief, darinnen [er] euer feint geworden sei. 
Wan der ratmeister das beweiset hat mit seinem brief, so ist das 
mit ern geschechen, und ir seint Helffenstein von seines knechtes 
wegen noch umb hone, schmacheit, schaden IIII^ gülden nicht pflichtig. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

128 

Farend habe und beclaget zins. 

Magdeburg: Das er farend hab und zins, die Jhan Tumplinck 
und Jörg Hesler beclagt, müssen clagen leiden, nachdem die in dem 
gerichte, da die inne legen, beclagt seint; und man darf Hesler 
darumb vor des herren hofgericht nicht weisen lassen. Von rechtes 
wegen. Versigilt. 

129 

Ein pferd hat dem andern pferd ein pein zuschlagen, 
und der man hat das pferd. 

Leiptzk: Hat euer pferd einem andern pferde ein pein zuschlagen, 
und habt ir euer pferd in euer gewer genomen imd habt den knecht 



142 [129. 130. 131. 132] 

von euch geurlaubt, so stet das auf demjenigen, auf wen der den 
schaden fordern will. Sintmal er den schaden auf euer pferd for- 
dert, so must ir den schaden, den euer pferd getan hat; gelden, 
Bl. 48a nachdemmal, das ir das pferd | wider habt in euer gewer genomen. 
Von rechtis wegen. Versigilt. 

130 

Wesentlich gleichlautende Abschrift des SpiiLches attch in Hs, M 20 a 
d-er Königh Landesbihlioihek xu Dresden, BL 267^ und 273^, 

Von weißen pfening. 

Were, das ein man erb oder gut aufnehme ^) vor gehegter bank, 
do richter und schöpfen kegenwertig sein, do die weißen pfening 
gefallen, die sollen die schöpfen aufheben und sollen dem Schreiber 
sein teil geben und dem richter davon nichts. Von rechtes wegen ^). 

131 

Gedruckt mit der Anfrage hei Wasser schieben^ BechisqueHUn IL 
Kap. 223, S, 112, 

Ylie einer^ do schweret umb gelt oder umb gut, das er 
schuldig ist, sali gerecht werden. 

Magdeburg: Schwert ein man, er sei geistlich oder werltlich, 
umb gelt oder gut, das er schuldig ist, sal der gerecht werden, der 
muß peichten und pußen kegen got, das er unrecht geschworen hat, 
und demjenigen sein schult gelten. Tut er das, so hat er vergolden. 
Von rechtes wegen. 

132 

Einer begriffe den andern an dem wege, der ime schul- 
dig ist, und manet ine. 

Magdeburg: Begriffe einer« den andern an dem wege, der ime 
schuldig ist, und manet ine umb sein gelt, gibt er ime das nicht, 
er sali sprechen, das er geh mit ime vor sein richter. Wil er das 
nicht tun, er sali sprechen, das er ste, pis das er sende nach dem 
richter. Tut er das nicht und entgeht ime one seinen dank, der 
cleger mag rufen sein gerufte, das er werde gesehen und gehört. 

1) Hs. Dresden M 20a: aufgebe. 

2) Zusatz in Hs. Dresden M 20 a: S[ententiaj Magd[eburgen8i8]. 



[132. 133. 134] 143 

Und komet er des Tor gericht und beclagt und bezeugt das mit den, 

die das | gehört haben, er mag jenen Terfesten. Von rechtes wegen. Bl. 48it 

Versigilt. 



133 

Zeucht sich nicht zu leuterung. 

Leiptzk: Sintemal das sich sulche gesecze in leutrung der vorigen 
Spruch nicht zeuhet, so gepurt sich icht in sulcher maß und in 
sulcher furpringung darauf nicht zu sprechen noch zu schreiben, 
sunder N. mag das zu dem N. fordern mit recht. Von rechtes 
wegen. Versigelt. 

134 

Was nach landrecht zu gerade, mußtel, morgengab ge- 
hört* 

Schöpfen zu Leiptzk und Magdaburg anders und anders sprechen. 
Darumb wil euch peder stul recht seezen. 

Und die Leiptzsischen schöpfen sprechen von erste, das der frauen 
aus ires herren gutern pillichen volgen die gerade. Darzu gehören 
alle schafe ires mannes, gense, enten, kisten, kästen, truhn, darinnen 
die frau ire geschmeide, gezirde, cleider, betgewand und ge- 
schmuck behelt, lein, flachs, alle leingewant, geschnitten oder 
ungeschnitten, alle betten, küssen, pfule, leinlachen, tischlachen, 
ausgeschlossen, was sich zum hergepet gehört zu geben; das ist 
ein bett, ein küssen, 'ein leielachen, ein tischtuch, II pecken und 
handzwel; alle federn, geschlissen und ungeschlissen, | badelachen, Bl. 49a 
kolten, decklachen, riklachen, sparlachen, umbheng, vorheng, schloer, 
pecken, leuchter, ein waschkessel, preunpfannen, die man teglich 
yermitet und nicht eingemauret seint noch stetze stille stehn, dilen, 
topfe, darzu alle weiblich cleider, wuUen, leinen oder seiden, auch 
furspan, ringe, fingerlein, heftlen, pacifical, sie seint silbren oder 
guldin, die die frau gezogen, getragen und in iren gewern gehabt 
hat, an golt und silber zu frauen gezirde verbergit berleinkrentz, 
korelln, perlenschnür, alle gurtel und borten mit golde oder silber 
beschlagen, pucher, do die frau inne pflegt zu lesen, darzu alle 
weibliche gepende und gewebde zu weiblicher "arbeit gehörend, als 
rocken, weifen, spigil, brasten, scheren, wergremen und mitelge- 
feß. Was aber diser oben geschrieben stucklen nicht vorhanden 



144 [134] 

weren, darf man der frauen nicht geben noch kaufen nach ires 
mannes tode. Ditz alles volgt der frauen zu irer gerade nach Leiptz- 
sischen rechten etc. 

Aber die Magdeburgischen sprechen weiter, das der frauen zu 
gerade nachvolgen alle schaff schobtze, hemmel, stire, wie der mann 
die gehabt und nach ime gelassen hat, sie seint gewest sein ^), alle 
järne, bodekappen, alle silbren oder goldin koppe, schalen, leffeln 
Rl. 49b und an ander stucken, wuran sie' und ire herre das zusamenbracht 
haben; die barschaft aber gelde gehört der frauen nicht, sunder ge- 
hört zu erbe. 

Die silbren oder guldin köpfe, schalen, leffren etc. gehört der 
frauen nach dem Leipsischen stule auch nicht, sonder gehört zu erbe; 
aber die Magdeburgischen schepfen sprechen das der frauen etc. 

Zum ander mal nimpt die frau auch hinweg morgengabe. 
' Darzu gehören nach den von Leiptzk alle feltgenge weiblich yiech, 
als kue, kelber, zigen, schwein, das seint seuemuter, unbesilte pferde, 
als stritzen, die teglich zu felde laufen und man noch nicht ein- 
gespannet, alle ziemerholz und zeune, die noch nit erhoben sein. 
Die frau mag zu Leiptzsischem rechte an den mendlichen tiren 
nichts gehaben. Sunder zu Magdeburgischem rechte nimpt sie zu 
der morgengabe alle feltpferde, rinder, ziegen, pock, schwein vor 
den hirten gegangen, holze zu gebeue und ungepeut, es sei auf- 
gericht oder nicht, das noch kein volkomen haus oder gepeude ist-, 
alle feltgende vieh, wie er das gehabt hat, es sei mendlich oder 
nicht, das zu felde geht. Aber die reisigen und gesilten pferde, die 
für dem pflüg gegangen oder sunst gearbeit betten, gepuren der 
frauen nicht. 
Bl. 50a Zum dritten nimpt die frau das mußtel. Darzu gehört nach 
den von Leiptzk die helfte aller gehopfter speis, also getodet fleisch, 
gesalzen und ungesalzen, alle die helfte alles getrenkes, es sei an 
wein, met oder hier, die helfte alles gedroschen und ungedroschen 
brots, korner, gersten und weizen, darzu alle erbis, malz, hirsen, 
graupen, bonen zu besamen kauft, buter, schmalz, salz, keß und 
darzu die helft aller genislichen haus und Vorrates zu essen und zu 
trinken vorschaft, das zu dem dreißigsten in scheuenen und auf dem 
boden und gemachen uberplieben ist. Die säet auf dem felde ge- 
purt ir nicht. 

Nach den von Magdeburg ist es desgleichen auch also, das zu 
mußtel gehört die helft aller gehopfter speis, nach dreißigsten in 

1) In der Vorlage von anderer Hand geändert in: die sein gewest sein. 



[134. 135. 136] 145 

aller behausung und wonung gehabt, als an mastschweinen, gesalzen 
fleisch, dorrefleisch, melb, malz, mähen, brot, kom, gedroschen 
getraide auf dem suller, keß, buter, getrenk, leipnarang, als der 
herre in seiner hauslodung gezeugt hat. Ungedroschen körn in der 
scheun gehört nicht darza nach den von Magdeburg. 

Diese abgesacztt^ drei, das ist gerade, morgengabe und mußtel 
nimpt die frau zuvor heraus als ir zustehend, und das ander pleibt 
den kindem. 

135 

Gerade der tochter. 

Schöpfen zu Leiptzk: Ist euers weibs mutter verschieden und Bl. 50b 
gepurt eurem weibe die gerade, so mögt ir zu gerade | nicht forderen 
feldpferde, rinder,- ziegen, seh wein, die do für den hirten gehn, wen 
sulche stucke zu gerade nicht gehören. Es gehgren auch zu gerade, 
die die tochter nimpt, die schafe nicht, es sei dan, das sie der muter 
eigen gewest weren. Sonder zu sulcher gerade gehören gens, enten, 
casten mit aufgehoben lieden, kästen und leden, doe die frauen ire 
gerade inne haben und selber inne beschlißen, beten, küssen, pfui, 
tischtucher, queln, schloer, flachs, gam, gesoten oder roe, leimbat und 
alle leinen gewebe, alle weibliche cleider, umbheng, furspan, guldin 
oder silbrin fingerlein, heffc, krön, zopfe und ander gezirde, das frauen 
angehört und das euers weibs muter gewest ist, breupfannen und 
breugefeß, das man umb zins vermitt und ein waschkessel, alle milch- 
gefeB, bucher, do die frauen pflegen aus zu beten und alles gerete, 
das zu weiplicher arbeit gehört. Von rechtes wegen. 

136 

Gerade und hergebet zu geben und zu nemen zu Ro- 
chelitz. 

Schöpfen zu Leiptzk: Auf sulche frage, wen euer burger iren 
hausfrauen die helfte irer guter leihen lassen und zugleich lehn wider 
entpfangen, so zeucht sich zu sulcher gäbe kein stucke, das zu gerade 
oder hergewet gehört; es wer dan, das ein ander verwerte gewonheit 
pei euch wer, die do XXX jar un verruckt gestanden hett; sonder 
gerade und [herjgebet^} vererbet sich also, ab sulch gäbe nicht ge- 
schechen wer. Und zu gerade gehören schaf, die do für den hirten 
gehn, wo der | man nicht eigene scheferei bette, gens, enten, alleBL. 5U 
der frauen verscheidne cleider und cleinet, silbrin und guldin, die do 

1) Vorlage: erbe gebet 
O. Kisch, Leipziger SohOflensprachBammlung. 10 



146 [136. 137. 138] 

zu der fraaen geschmucke, zu gezierde gehören, alle betten, kasaen, 
leiglach, pfui und alle leimbat, ganz und zarschnitten, gam, flachs, 
lein und alle leinen gewebe, leuchter und becken, casten mit auf- 
gehoben lieden und casten, do die frau ire cleider und cleinet selbst 
einbeschlossen hat, und ein waschkessel, wo der man nicht ein kromer 
noch ein kaufman ist gewest, der sulche stucke ' in seinen cram zu 
verkaufen gekauft hett, und wu er nicht ein gemein gast[geber] ge- 
west were. Ist er ein kaufman gewest, so gehom sulch stuck in 
den cram, darzu nicht. Zu hergebet gehört das beste pferde, gesattelt, 
und aller hämisch zu eines mannes leibe, sein teglich cleider und 
ein herpful, das ist ein bett, ein küssen, ein leiglachen, ein tischtach, 
zwu schusseln und ein handquel, ein kessel mit einem kesselring. 
Und wu dem man sein weih sturb, das er iren spilmogen die gerade 
sol geben, so müssen sie dem manne sein bett bestellen, als es stand 
bei seines weibs leben, den tisch mit einem tischtuch und handquel, 
die bank mit einem pfal und den stuel mit einem küssen i). Von 
rechtis wegen. Versigilt etc. 

137 

Von gerade nach tode der stief[tochter]2). 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Ist euer stief[tochter]*) 
verschieden und hat sie nach ir gelassen einen bruder vater halb an 
einem und ires großvater Schwester tochter am andern teil, so mag 
Bl. 61 B der personen keine gerechtig|keit haben an der gerade, die euer Stief- 
tochter gelassen hat; sunder wer die gerade mag haben, der muß von 
der verschiedne dirn matter sippezal herkommen und ein weibspild 
sein. Ist solch persop nicht verbanden, so ist die gerade dem gericht 
ledig wurden. Von rechtes wegen. 

138 

Von gerade und gäbe vor gericht aller guter. 

Oedruckt mit der Anfrojge, die in der Vorlage fehlt, in der WeichbUdr 
glosse zu Art 23; A. v. Daniels und Fr, v. Gruben^ Das sächsische 
Weiohbildrecht; Reehtsdenkmäler des deutschen Mittelalters, herausgegeben vofi 
V, Daniels, v. Gruben und Kuhns, 1, Band; Berlin 1858, Sp. 288, Zeile 38 
bis 8p. 289 f Zeile 41; Christof Zobel, Sechsisch Weichbild und LehenredU, 
itzt aufs naw nach den warJuxften alden exemplam und texten mit vleis 
corrigirtj übersehen und resHiuirt; gedruckt zu Leiptxig, Michael Blum, 
1537, BL 42\ Sp. 1—2, 

1) Vgl. Ssp. Ldr. III 38 § 6. 

2) Vorlage: stiefmuter. 



[139. 140] 147 

139 

Von gerade. 

Oedntcki mit der Anfroffe, die in der Vorlage fehlt, in der Weichbüd- 
glosse XU Art. 23; v, Daniels, Sp. 290, Z. 14; Zobel, Bl. 42^, Sp, 2 
bis m. 43^, Sp, L 

140 

Gedruckt in der Weichbildglosse zu Art. 23; vollständig bei v, Daniels, 
Sp. 294, Z. 1 Ins Sp. 296, Z. 31; unvollständig bei Zobel, Bl. 44^^. 

Von gerade zu forderen. 

[Wurd eins mans weib siech und sie erkenete, [das] irs lebens nit 
mar [wer]; sie hette gerade, die wolt sie irer niftel entfremden [und 
vorgeben], und sie bet iren man, das solchs mit seiner gunst ge- 
schehe ; der man erkente, das er [die geradj mit recht nicht behalten 
konde, und geb darumme deste leichter sein ja darzu; sie send nach 
dem pfaffen und nach andern leuten, die solten da gezeugen sein der 
gaben. Die frau geb die gerade weg mit der band dem pfaffen, und 
der trug sie weg, und die frau hett doch keine irer niftel darbei 
gehabt, die es gcToUwort hetten. Die frau stürbe, es vorzöge sich, der 
frauen niftel maneten umb die gerade den man. Er sprecfa, er wüst 
umb kein gerade, wan warumb, sie hette dem pfaffen gegeben die 
gerade, [und der hett sie hinweg getragen], wolt sie [die gerad] haben, 
sie solt mit dem pfaffen reden. Es kem, das die^ der die gerad 
gehorte, lüde der frauen man zu dinge, in dieser weise :]^) Herr 
der richter, ich clag got nnd euch über einen N., das er mir 
mein gerade furhelt, die mir lieber ist wan X schock, die mich 
von meiner [rechten] nifteln angestorben ist, und [bitte] gerichts 
und beger einer antwort, umb das mir got helfe das, das rechte, 
das mir die gerade zugesprochen wurde ; i ap ich daran ioht vermiste bl. 52 a 
von dem, das zu der gerade gehört, das wil ich auch forderen mit 
rechte. — N. spricht: Herre der richter, ich pit ein gewer über die 
clag; und bitt in einem rechten zu erfam, ap sie mir die nicht eher 
tun solle, eher ich ir keinerlei antwort tun dorfe, von rechtes wegen; 
oder was darumb recht sei. 

Hirauf sprechen wir vor recht: Sie tut die gewer pillich. Dise 
gewer muB sie verpurgen und gelobet sie pei der fordrung, [es hülfe 
ir nicht]. 

1) Der in der Vorlage bis zu dieser Stelle fehlende Text ist nach dem Drucke 
bei ▼. Daniels ergänzt; die Einschaltungen des Zo heischen Druckes sind 
in eckigen Klammern eingefügt. 

10* 



148 [140] 

Wen sie die gewer gelobt, so spricht er mit einer antwort also: 
Mein weib hat ir gerade durch got gegeben einem pfaffen zu einem 
selgeret und hat es selber mit irer haut vergeben. Das wil ich be- 
weisen mit den, die do kegenwertig warn; und es auch der pfaff weg- 
trug, wissentlich denselben biderleuten. Gibt sie mir ichtes schult 
darüber, das wil ich unschuldig werden, wie mirs die schöpfen finden 
für ein recht, und bitt in einem rechten urteil zu erfam, ap ich ir 
darumb keinerlei tun darf [von rechtes wegen]; oder was darumb recht 
sei. — N., die frau spricht: Nachdemmal das er hie steht und spricht, 
das er do kegenwertig sei gewest, und eine frau ires guts keins ver- 
geben mag one ires rechten Vormunds willen, der sie [beschirmen] und 
Vormunden sali, [und] sie dan mit seinem volwort dise gerade habe ge- 
geben hat mir schedlichen, bitt ich in einem rechten zu erfam, ab er mit 
sulcher Widerrede sich verantworten möge, ader was darumb recht sei. 

Hirauf sprechen wir [ein recht]: Er mag sich der antwort mit 
solcher rede nicht weren; von rechtes wegen. 
Bl. 52b Ir solt wissen : { Man kompt auch behendiglicher darzu. Wil sie die 
fordern, so bestelle sie ire clage also, das er kegenwertig ist [gewest], 
da sein weip irer niftel ir gerade weggegeben hat ir schedlich. Nun 
muß er ja oder nein sprechen. Spricht er nein, so frag sie: Nach- 
demmal das ein itzlich [man] und getreuer vormund be waren soll vor 
[allem] schaden, dein oder gros, sein mundlein, und sein weib, dieweil 
got wolde, das sie lebt under seiner Vormundschaft}, was die in sulcher 
[seuche] zu [gäbe] gegeben hette, da er hie nein [zu] sprechen will, 
und er sich daran nicht beweist hat als ein getreuer vormund und sie 
nicht bewart hat, davon ich zu schaden komen pin; und bitt in einem 
rechten urteil zu erfam, ap er nicht pillicher den schaden selber leiden 
sali und mich meins Schadens ergetzen, wen er mir davor nein ge- 
sprechen möge von rechtes wegen, oder was darumb recht sei. 

Nota. Wie sich ein man sulcher sachen bewam mag, ap sein 
weib ir gerade vergeben wolde. 

Ein itzlich man, des weib in seuchten begriffen ist, der sal sie 
stetlich vorstehen und haben in seiner hut und in seiner Vormund- 
schaft; wen der unmündige mensch hat nicht craft, wider zu vergeben, 
[noch zu verloben, noch zu vorreichen, on seins Vormunden willen. 
Und darumb mögen sie auch keins vorgeben]. Gibt sie es dan weg 
und spricht er dan, es sei sein wissen nicht gewest, das er wol be- 
weisen wolle, es wer ime unhelflichen und mag nicht ein rechter 
Bl. 53 a Vormund gesein, wan wurumb, er ist | ein falscher vormund, wan 
wurumb, er ist ein trigenhaftiger vormund. Und was schade davon 
kompt von seiner verwarlosung, darumb muß er vor den schaden 



[140. 141; 149 

antworten; wan Tormimdschaft mag mit des Tormunden unwissen- 
scliaft [gebessert] werden, wan wnrumb, wa ein man ein ampt Ter- 
sehen sali, der schaden geet anf den, der des ampts Torsteher ist, 
wan er bewart sulchen schaden wol, wen er kegenwertig wer und 
darumb [muß er] Tor den schaden antworten. 

Spreche er aber, [er] wer nicht kegenwertig gewest nnd ime were 
aach nmb die sach nicht wissentlich gewest, das sie es Tergeben wolde ; 
und was itznnd weg, als er quame, so ist er mit seiner nnschulde seiner 
Unwissenheit nehir zu beweisen und wirt lose damit, ap er tar; so 
fordere sie die gerade wider Ton dem, dem sie gegeben ist, ap sie wil. 

Spreche er aber, er hett irs gewert mit allem TleiB und wolde 
das Terkomen mit den leuten, die do kegenwertig warn, spreche dan 
die frau oder die forderin oder wem es gehorte: »Hette ers mir gesagt, 
ich hett leicht mein gunst darzu gegebene oder >Wes ich zu rate 
wer wurden«; hierzu muB er antworten. Dies ist aber durch der 
Tormundschaft willen, wan wu sulch geschickang geschechen ist oder 
sali, da [sollen] die kegenwertig sein, an die es gefallen oder ge- 
sterben mocht, es entauge anders nicht. Underweiset sie aber der 
man, das sie es an der | negsten wiUen nicht Tergeben mag und Bl. ö3b 
Tolkompt er es selbdritte, als recht ist, er darf darumb kein not 
leiden, ap ers der nifkel nicht entpoten hat; etc. 

141 

Schulergerade. 

Sprechen wir doctores zu Leiptzk Tor eiu recht : Ist der junge ein 
schuler und mögt das Terzeugen mit seinem meister oder andern schulern 
pflege, so ist er der gerade seiner Terstorbnen Schwester neher zu be- 
halden, dan ime kein spilmoge des entziehen [möge]. Von rechtes wegen. 

Ersamen freunde, so ir mit einander begerend seit des obge- 
sprochen rechten Urteils ein leutrung in sulchen Worten, ab der 
schuler gerechtigkeit zu der gerade seiner Terstorben Schwester Tor 
den obgenanten spilmogen durch recht gewonen etc., wie sich der 
Tater Ton Tormuntschaft seines suns, des schulers, halden und ge- 
paren sali, sprechen wir doctores Tor recht und leutern es also: 

Hat die niftel misdanken zu dem schuler, das er mocht Terirret 
werden zu geistligkeit und euch des nicht Tertragen wolde, so must 
ir es Terwissen und Terpurgen toü rechtes wegen. 

[So ir] furpas erleutrung mutet, ap dem schuler das recht auf stunde, 
das wir zu dem rechten Tertrauen, ap nun sein Tor^mund sulch ge- bl. 54 a 
rade Terkaufen oder Terpfenden möge, in nutz und in fromen wenden 
dem Rchuler seim oder ap kein burgschaft hierzu schaden oder hindern 



150 141. 142 143] 

möge, über das ir lenternng begert und verzilet, ap der schuler nicht 
nach der crona oder nach der geistlicher achte hette, ap jemand 
keinen schütz und behelf dem schaler haben mocht oder was recht 
sei, sprechen wir genanten doctores: 

Es mag dem schuler an der gerade seiner obgenanten Schwester 
nicht geschaden. Von rechtes wegen; etc. 

142 

Von anerstorben gerade einer junkfraun, die do ein 
closterjunkfrau wirt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzk: Hat Barbara, Heintzen von 
Schonbergs tochter, vergeben sulch stuck zu gerade gehörend, also 
Heintz seczt, und dem Jorge von Wolffiramsdorff in Vormundschaft 
seins weibs vor und nach getanem gehorsam inwendig im jar und 
tag darwider nicht gesprochen, noch mit recht nicht gefordert, so 
hat er sich an sulcher gerade verschwigen. Jörg von Wolffiramsdorff 
mochte den jerlich ansprach und fordrung gezeugen, als recht were, 
so mochte ime Heintz von Schonberg die gerade nicht furhalden, 
sunder die gerade hette junkfrau Barbara auf sein weib, also irer 
mutter Schwester, mit merem recht gebracht, dan auf ire Schwester 
vater halben. Wan dan so Jörg von Wolfframsdorff die ansprach 
also gezeugt hat und den Heintz von Schonberg sulche gerade mit 
Bl. 54b seiner | Wissenschaft wirdert auf XXX gülden oder die zu antworten 
auf seine bewust, so ist er Jörg von Wolfframsdorff von der schult 
wegen mehr nicht pflichtig dann XXX fl. ; aber Jörg muß die gerade 
nach seiner bewust von ime nehmen und mag ine hocher darüber 
nicht dringen. Von rechtes wegen. Versigilt. 

143 

Pfaffen nemen nicht gerade [wan] von irer muter. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzk : Also die clegerin in irer clag 
vermelt, wie sie ire schult und von zweierlei gerechtigkeit fordert, 
zuerst umb die helft von ir selbst wegen, zum andern die ander helft 
von herm Pauls, eines priesters wegen, der mit ir gleich nahn gesipt 
sei und ir seine gerechtigkeit geben haben, erkennen wir so: Also 
pfaffen von recht nicht wan ir muter gerade nemen mögen ^), so mag 

1) Vgl. Ssp. Ldr. I 6 § 3, auch I 25 § 1; dazu Nr. 141 und unten Nr. 712, 
753, 765; Es. Görlitz 4, Bl. 390'', Nr. 161: »Der pfaffe nimpt nicht niftil- adir 
Bwestergerade, sunder seiner muter gerade alleine«; vgl. auch Hermann 
Wasserschieben, Deutsche Rechtsquellen des Mittelalters; Leipzig 1892,1. 



\ 



[143. 144. 145. 146. 147] 151 

sie von des priesters wegen nichts forderen. Der priester kan sich 
auch auf die helft mit ir zu nichte ziehn. Von rechtes wegen. 

144 

Ein fran verlaukent etzlicher stack der gerade. 

Schöpfen za Leiptzk: Tar die Mattissin Schmidin mit ir selbst 
band auf den heiligen verrechten, das sie keine silbrin gurtel, der irer 
muhmen gewest wer und in irer muhmen eigen gewer und gewalt 
unvergabt und unvergift plieben were, genomen habe; tar sie auch 
verrechten, das ir umb den | andern gurtel ganz unbewust sei; wanBuööA 
sie das getan hett, so ist sie der clegerin der schult [halben] noch umb 
gewerderten schaden nichts pflichtig. Von rechtis wegen. Versigilt. 

145 

Von yergeben stucken der gerade. 

Schöpfen zu Leiptzk : Kan Anna Schmidin gezeugen, als recht ist, 
das ir ir muhme den pelliz und rock pei gesunden leibe schlechter 
unTerdingter gäbe gegeben habe, so behelt sie die pillich; und ap die 
stuck in irer muhmen gewer seint plieben pis an ir ende, ist ir 
[unschädlich]^); und tar [sie] darnach verrechten mit ir selbst band 
auf den heiligen, das sie sich solcher ander stuck, in der clag benant, 
nach irer muhmen tode nicht unterwunden noch eingenomen hab, so 
ist sie der clegerin der schult halben noch umb gewerderten schaden 
nichts pflichtig. Von rechtes wegen. Versigilt. 

146 

Feltgenge viech [und] bienen gehorn nicht zu gerade. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk : Das das feldgenge viech und 
bienen zu gerade nicht gehören. Von rechtes wegen. 

147 

Gerade, die der frauen gepurt nach ires maus tot. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Der frauen gepurt von recht 
nach ires mannes tode ir volle gerade. Es wer dan, das in lande 
zu Dhoringen ein volstendige verwerte gewonbeit wer, die Hans 
Marschaick gezeugen konnde, das man frauen nicht volle gerade 

Kap. 841, 342, 8.99; Kap. 345, 346, 347, S. lOOf.; Jacob Friedrich Behrend, 
Ein Stendnler ürteilsbuch aus dem vierzehnten Jahrhundert; Berlin 1868, Nr. 29 
und Anmerkung 8. 116; .Nr. 31 und Anmerkung. 
1} Vorlage: schuldig. 



152 [147. 148. 149. 150. 151^ 

geben bedorft. Zu snlcher voller gerade, die der frauen geport, 
geboren alle scbafe, viech, wie die sonderlichen namen haben, die 
der man nach ime gelassen hat, der man habe die ehr gehabt, eher 
er sie name oder nicht, gens, enten, casten mit den gehoben lieden, 
Bl. 56b casten, laden, darin die | frauen ire cle'ider und gerade gelassen hat 
pei ires mannes leben, alle betten, küssen etc., wie oben vormals 
geschriebeü. Von rechtis wegen. Versigilt. 

148 

Von morgengabe. 

Ausgangsort des Spruches nidii angegeben; vermtUlich Magdeburg. 

Oedruckt mit der Anfrage, die in der Vorlage fehlt, und in ausführlicherer 
Fassung bei Wasser schieben, Bechtsquellen, /Fi, Kap. 149, S. 284 f. unter 
der Überschrift: > Von morgengabe^ die vor andern schulden gemacht unrt* ; 
femer in der Weichbildglosse zu Art, 22; v, Daniels, Sp. 274, Z, 39; 
Zobel, Bl 38% Sp, 1—2. 

149 

Ap das weih mitgelubde vor schult, die ir man porgte 
auf das gute, auf dem sie het steen ir morgengabe. 

Ausgangsort des Spruches nicht angegeben; vermutlich Magdeburg. 

Gedruckt mit der Anfrage, die in der Vorlage fehlt, bei Wasserschieben, 
Bechtsqudlen, IV. ^ Kap. 150, S. 285 f unter der Überschrift: * Von morgen" 
gäbe gutes und der man doruf burgete und die fraue mit globite^; femer 
in der Weichbildglosse zu Art. 22; v. Daniels, Sp. 275, Z. 35; Zobel, 
Bl. 38^, Sp.2bis Bl 38\ Sp. 1. 

150 

Bl. 56a Von morgengabe. 

Ausgangsort des Spruches flicht angegeben; vertnullich Magdeburg. 

Oedruckt mit der Anfrage, die in der Vorlage feJdt, bei Wasserschieben , 
Rechtsqudlen, /F., Kap. 153, S. 288 unter der Überschrift: ^Von morgen^ 
gäbe, die ane undir.scheit gegeben unrt* ; femer in der Weichbildglosse zu 
Art. 22; v. Daniels, Sp. 277, Z. 49; Zobel, Bl. 38\ Sp. 2 bis Bl. 39', 
Sp. 1. — Das Digestenxitat am Ende des Spruches fehlt in der Vorlage. 

151 

Der man hat seinem weihe ein ehgelt oder ein morgen- 
gabe gelobt. 

Ausgafhgsort des Sprudies nicht angegeben; vermutlich Magdeburg. 



[151. 152. 153. 154. 155. 156] 153 

Qednukt mit der Anfrage, die in der Vorlage fehlt, bei Wasserschieben, 
Bechisqueüen, /F., Kap. 154, S, 288 f tmter der Überschrift: » Von eegelde, 
das ein man sinem tüibe glöbite* ; femer in der Weidhbildghsse zu Art 22; 
V. Daniels, Sp. 278, Z. 5; Zobel, BL 39^, Sp. 1—2. 



152 

Von gelnbden morgengabe. 

Qedruckt mit der SachdarsteUung, die in der Vorlage fehlte in der Weich- 
hUdglosse zu Art. 22; v. Daniels, Sp. 279^ Z. 23; Zobel^ Bl 39^^ Sp. 2. 

163 

Ap einer frauen keins gelobt wer, und ein frau hettßL. 56b 
gelt bracht zu irem manne mit gewissen. 

Oedruckt in der Weichbildglosse zu Art. 22; v. Daniels j 1^. 279^ 
Z. 44; Zobelj Bl. 39\ Sp. 1. 

154 

Von morgengabe. 

Gedruckt mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehlt, in der Weichbüd- 
glosse XU Art. 22; v. Daniels, Sp. 280, Z. 32; Zobel^ BL 39\ Sp.1—2. 

155 

Nimpt ein man ein weib mit bloßer band. 

Ausgangsort des Bruches nicht angegeben, 

Qedruckt mit der Anfrage, die in der Vorlage fehlt, bei Wasser schieben^ 
Bechisqueüen^ IV., Kap. 146, S. 282 f. unter der Überschrift: *Ab man und 
tmb mit lediger hand zusammen kommen, wie ir gut erbitt ; femer in der Weich- 
hUdglosse zu Art. 22; v. Daniels, Äp. 282, Z. 17; Zobel, Bl 40^, Sp. 2. 

156 

Von morgengabe. Bl. 57a 

Ausgangsort des Spruches nicht angegeben. 

Qedruckt bei Wasserschieben, Rechtsquellen, IV., Kap. 151, S, 286, 
tmter der Überschrift: > Von morgengabe, die uf zinshaflig gut gemacht 
tourde unde das gut vorbrente*; femer in der Weichbildglosse zu Art. 22; 
V. Daniels, Sp. 276^ Z. 46; Zobel, Bl 38\ Sp. 1—2. 



154 [156. 157] 

In der Vorlage Blutt 57^ sieht Übereinstimmend mit dem Olossmtext 
(v, Daniels, Sp, 277^ Z. 25) nach: ^Von rechtes wegen* noch folgender 
Zusat», der bei Wasserschieben fehlt. 

Ir sollet wissen: Were der frauen man jenem zins schuldig vor 
einem jar oder zweien oder dreien gewest vor der frauen morgen- 
gäbe oder darnach, und hett er darumb nicht genomen, auch nicht 
gemanet, er mocht mit dem zins der frauen morgengabe nicht ge- 
hindem, sunder het mit der fraun ein sulchs zu schaffen, das must 
er mit dem rechten von ir forderen. Was sie ime dan bekänte, das 
gebe sie ime pillich. Leukent sie aber, sie entgeht ime mit irem recht 

157 

So ein stat damit begnadt ist und wilkore hat, etzliche 
namhaftige und gesaczte [stuck] in der statt und aus der 
statt zii gerade zu fordern und zu geben und nicht alle 
nach landrecht. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulch euer schriftliche frage 
vor recht: Ist ein frau von burgers art selige im weichpild und 
stattrecht verstorben und neben iren menlichen erben und andern 
iren erbnemen ein rechte Schwester Von voller gepurt, auch im stai- 
recht und weichpild siezend, hinter sich gelassen. Ist dan dieselbig 
stat, darinne die [frau] verstorben ist, mit sulcher freiheit begnadt 
und darzu darinne ein sulch wilkör, das man etzlich namhaftige 
und gesaczte stuck, nach ausweisung des buchs der stat zu gerade 
Bl. 58a gehörend, nach der|selbigen stat freiheit und wilkor und nicht alle, 
nach landrecht zu der gerade gehörend, fordert und in der statt und 
aus derselbigen gebet und reichet: So muß derselbigen verstorben 
frauen Schwester von voller gepurt, auch in demselbigen weichpild 
und statrecht, darinnen die fraun verstorben ist, gesessen, die gerade 
nach derselbigen wilkor und freiheit forderen und nemen, und die 
erben oder erbnemen der verstorben frauen dorfen ir die volle ge- 
rade nach landrecht nicht geben noch volgen lassen. 

Hett ir aber in derselben statt in etzlicher vergangner zeit ode^ 
mer den andern seinen freunden etzliche und mer stucke über die 
gesaczte gerade nach der wilkor derselbigen statt oder inhalt des 
statbuchs daselbst ubergeantwort und von sich gegeben, wer dan 
ein sulchs under denselben freunden on laube und volwort des rats 
daselbst und also hinder ine geschehen, so mocht ein sulchs an der 
freiheit und wilkor derselbigen statt keine Veränderung, einfnrung 
noch einicherlei schaden pringen. Es mochte damit und in dem die 



[157. 158. 159. 160] 155 

freiheit und wilkör derselben statt nicht entzogen werden. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 

158 

Wie die frane sal beweisen, das sie bemorgengabt sei. 

Spricht Leiptzk: Also das Hans von der Lehnnane nicht wil ge- 
lauben, das seins vaters wiUdb bemorgengabt ist von seinem vater, so 
muß sie das | erhalden mit ir selbst band auf den heiligen, als recht Bu 58 b 
ist. Wan sie das getan hat, so lest er ir pillich ir morgengabe volgen. 
Also er dan darnach uberpotig ist, zu volgen lassen ire muBtel und 
ire gerade und also vil zu geben, als sich gepurt Ton recht, wan er 
das getan hat, so ist er ir der schulde halb nichts pfiichtig. Abo 
er auch von ir geheischt sein bette, bestalt und bereit, das ist sie 
ime von der gerade g^anz [schuldig]. Von rechtes we^en. Versigilt. 

159 

Von hergepet der pauersleut. 

Spricht Leiptzk: Sintmal das pauerleut hergepet under einander 
nicht erben, wider geben noch nemen von recht, sunder hergepet 
erbet niemands, dan die von ritters art sein und die in einem weichpild 
besessen sein: So darf man das hergepet, das euer l^urger, die ir 
negsten schwertmogen in euer statt noch im andern weichpild nicht 
haben, [gelassen], dorfeleuten von pauers art nicht geben, also sie 
zu dem rechten nicht besessen sein. Von rechtes wegen. Versigilt. 

160 

Es hat einer ein weib genomen, ist zu ir in das gut ge- 
zogen, das ir von irem vater ankomen. Also hat derselbig 
man [vier]i) kinder mit ir gezeugt. So ist die fr au ge- 
storben von erst und hat dasselbig ir gut, so ir von iren 
eidern ankomen, auf ire kinder alleine und niemands än- 
derst vererbet. Darnach hat der mann ein ander weib ge- 
nomen in dasselbig gut und zwei kinder mit ir gezeugt 
und ir ein gelt darauf gemacht. | So ist auch der ersten B^ö^^ 
geschwister eins gestorben, der auch ein weib hinder ime 
und keine erben gelassen. Wie es damit gestalt und wie 
die bruder allenthalben erben, findest du hernach, auch 
wie ein übergäbe und doch von uncreften geschechen. 

1) Vorlage: drei. 



156 [160; 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf vor recht: Hat sich 
einer genant Nickel Deckenkue mit Hansen Misthacken tochter, 
seligen, yereelicht und ist ir in die gut, so sie von bemeltem HiB- 
hocken, irem vater, anerstorhen waren, gezogen und bede in eelichem 
leben IV kinder, als II sun und II tochter mit einander gezeugt und 
die pei iren lebentagen alle zu eelichem stände beraten und einem 
jeden nach irem vermögen geholfen, doch allenthalb nicht abgesun- 
dert noch ausgerat und den jüngsten sun mit seinem weihe pei ime 
im gut behalden. Ist dan darnach des guten Deckenkue eeweib, 
bemelter kinder muter, von erst verstorben, so hat sie alle ire guter, 
[so ir von] iren eldem ankommen warn, auf dieselbigen ire IV kin- 
der zugleich bracht, geerbet und gefellet. 

Hat dan der, der genant Deckenkue, darnach ein ander weib in 
die bemelt guter genomen, ir ein namhaftige summa geldis nach 
seinem tode darinne zu warten verschrieben oder vermachen lassen, 
und hat mit ire II kinder nach eelichem stände gezeugt und ist dar- 
nach auch verstorben, und hat dieselbig sein ander weib und die- 
selben II kinder von ander und die ersten IV von ersten weibe, ak 
Misthocken tochter, nach sich gelassen: so hat er die farend hab und 
seine andere ligend und unbeweglich guter, die er selbst erworben 
Bl. ö9Bhat und uberjkomen ist, was der über das gelt, was er «einem an- 
dern weib in denselbigen gutem in eestiftung zu vermachen und zu 
verheischen zugesagt hat, vorhanden plieben weren, zugleich nach 
personen zal auf die vordachten seine Vlkinder gebracht und gefellet 

So dan nun zuletst der jüngste bruder under den ersten IV kin- 
dern, der pei seinem vater und muter in dem gut plieben was, an 
leibserben auch verstorben ist, und hat sein weib, die ander sein 
III geschwistem von voller gepurt und dameben ir aller alt veter- 
lich und muterlich gut nach ime gelassen: so hat er dasselbig gut 
auf die III selbigen sein geschwistem von voller gepurt allein bracht, 
gefellet und geerbet, und seine gelassene wittib, apgleich derselbig 
ir verstorbener eeman dieselbigen guter an kreftigen stetten auf- 
gelassen hett und sie das, wie recht ist, beweisen wurde, mag daran 
keines gehaben. Dan so sulch auflassung one der ander seine ge- 
schwistem bewilligung und also one erbenlaube geschechen were, [ist] 
von uncreften und machtlos und mocht dieselbigen seine geschwistem 
nicht beschedigen. Was aber derselben frauen aus gewonheit der 
gerichte, darinne ir eeman verstorben, an seinen gutern gepum wurde, 
ader das er ir in der eestiftung zu vermachen verheißen hett, so 
musten ir seine geschwisterte , inmaßen sie sich zu tun erpiten, 
volgen lassen. Von rechtes wegen. Versigilt. 



[161, 162. 163] 167 

161 

Gedruckt am Ende folgender AtAsgaben des sächsischen Weichbildes: 
Ohne Ort und Jahr^ verrmUlich in Basßl bei Bernhard Richd; Augsburg 
1482 bei Anthonius Sorg; Augsburg 1495 und 1499 bei Hans Schöns^ 
perger; femer bei Zobel, Weichbild, Bl. 35", Sp. 1, als Addition zu § 2 
der Glosse zu Art. 20, 

Von Yormunden. 

Ap ein man Vormunde sich gezogen heite zu unmündigen landen Bl. 60a 
in ire gut oder hett sich irer guter underwunden zu rechter vor- 
mundschaft, und der Vormunde hett selber guter, wem die guter 
nicht der kinder pfand zu rechte. 

Hierauf sprechen wir ein recht: Welch Vormunde sich unmün- 
diger kinder [gut] underwindt, alle seine guter sein der weisen pfand 
für ire guter, das er der nichtis zu unpflicht vertu. Derselbigen guter 
mag er nicht gewaldig sein, wider zu verkaufen noch zu verseczen, 
er hab dan den weisen ir gut verrechent und beweiset, das den 
weisen und den erben genügt, und dan der Vormundschaft abgetreten 
ist und nicht eher. Von rechtes wegen. 

162 

Gedruckt am Ende der in der Vorbemerkung zu Nr, 161 angegebenen 
Weichbildausgaben; femer bei Zobel, Weichbild, BL 35^, Sp. 2'-Bl 35\ 
Sp, ly als Addition zu § 2 der Glosse zu Art. 20. 

Von Vormunden. 

Ap ein vormund unmündiger kinder gut verkauft oder verseczt, 
mocht ers zu pfände seczen oder mocht er zins darauf verschreiben 
oder nicht. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Der vormund mag der weisen gut 
niemand verseczen noch auch nit verschreiben, das sie zu recht leiden 
dorfen, wan sie zu iren jarn komen; der vormund tet es dan mit 
irem<) wissen, das ers beweisen mocht, das es 2) durch der weisen nutz 
und fromen komen sei 2), so mocht ers^) verseczen und änderst nicht. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

163 

Einer hat in Vormundschaft ein holz erclagt und er- 
standen. 

1) Weicbbild, Basel: der weisen. 

2) Weichbild, Basel: das hers durch der weisen bestes willen geton bette 
und das gelt in der weisen nutz komen were, . . . 

3) Weichbild, Basel: es der Vormunde. 



158 [163. 164. 165; 

Bl. 60b Sprechen wir schöpfen za Leiptzk: Hat Linhardt HaBe | sulch 
holz, davon die eingefeite urteil bemeiden, mit namen die Bucbe 
genant und das dem probst auf unsem lieben frauen berg zu Alden- 
bürg zu lehn rurt, in Vormundschaft seines eelichen weibs mit 
kommer und mit rechten vorgepoten, die er dan Blasing Jhan, seinem 
widerSachen, in seine behausung getan, mit aUem dinglichem rechten 
und forderung als desselbigen seines weibs oder vater gut für den 
gerichten, do sulch holz zu rechten darinne gelegen ist, erclagt und 
erstanden also, das ime sulch holz in Vormundschaft seius weibs durch 
richter und schöpfen in urteils weis zugeteilt und erlangt ist wurden, 
inmaßen dan das der genante Linhart in einem urteil bemeldet; kan 
er dan sulch vorgepot, rechtliche forderung und zugeteilt urteil des 
holzes halben mit richter und schöpfen in Urteils weis zugeteilt oder 
mit volstendiger gerichtskuntschaft, als recht ist, zupriugen und be- 
weisen, das die ding mit rechtem vorgepot und erfordert und zuge- 
teilt sach vor richter und schöpfen, dahin die sach vor recht gehört, 
ergangen und geschechen: So pleibt Linhart in obberurter Vormund- 
schaft seines eeweibs pei sulchem holz, das im durch richter und 
schöpfen, also wie oben berurt, zugeteilt und in urteils weis zuge- 
sprochen ist, pillicher, auch mit merem rechte, dan Blesing Jhan 
sich seins furnemens halben, wie sein eingefeit urteil bemeldet, da- 
von das holz von seinem vater auf ine geerbt und gefeilet sein, 

Rl. 61a wider an sich ziehn oder pringen möge. Sulch sein furjnemen ist 
im, sulch holz zu erlangen, nach ergangen Sachen auch unhulflicL 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

164 

Vormundschaft. 

Eingang: ^^ Schöpfen xu Leiptzk,* 

Identisch mit der Entscheidung Nr. 764, wo »ich auch die an dieser 
Stelle der Vorlage fehlende zugehörige Anfrage findet, 

165 

Der Vormunde des kindes hat einen acker vormidet, und 
das kind ist darnach gestorben und hat den vererbet. 

Sprechen wir schöppen zu Leiptzk vor recht: Sinfmal der Vor- 
mund des unmündigen kindes Nickel Bockewitz ein acker vermidet 
hat, und das kind nun gestorben ist, so hat sich die Vormundschaft 
des kindes geendet, und das kind hat bracht den acker auf seinen 
negsten erben, und steet hinfort an dem, an den der acker komen 
ist, ap er den Nickel Bockewitz umb den zins lassen wii. Sunder 



[165. 166. 167. 168] 159 

hat Nickel Bockewitz den acker besehet and befruchtigt, so sali er 
die frucht möglichen abschneiden und dem, auf den der acker komen 
ist, den zins geben. Von rechtes wegen. 

166 

Ein acker ist unmündigen kindern entwert. 

Hirauf sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Ist acker 
und erbe, pei Steudewitz gelegen, Nickel und Paul Gunters vaters 
gewest und inen pei iren unmündigen jam entwert worden, so haben 
dieselbigen Nickel und Paul Gunter rechte forderung darzu, den in 
Casper Sehkolb mit merem rechten daran Verhinderung | getun Bl. 61 b 
und sich schützen mag damit, das sein vater sulch acker und gut 
jar und tag innen gehabt hat on einrede der obgenanten Nickel 
und Paul Günther, do sie zu iren jam komen warn. Es were dan, 
das Sehkolben yater und nach seinem tode er mit seinen geschwistem 
sulch acker und gut XXX jar nach einander geruhelichen und unver- 
ruckt on jedermans rechte anspräche in geweren gehabt bette, oder 
das üasper Sehkolben yater sulcher acker und gut gekauft und 
ime für gericht und von dem lehnhem verreicht were, und die ob- 
genant Nickel und Paul Gunter pei jar und tag darnach, als sie 
mundig wurden sein und einlandisch warn, darein nicht geredt betten, 
und Casper Sehkolb das volkomen mochte, als recht ist, so were er 
ine zu sulcher clage antwort nicht pflichtig. Von rechtes wegen. 

167 

Vgl, die weiteren in diesem Bechtsstreit ergangenen Sprüche Nr, 192^ 
300, 346, 

Der yater muß yon seins unmündigen kindes wegen yer- 
pessern. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptz yor recht: Mag Steffen zu 
Gospersdorf yon seines unmündigen kindes wegen volkomen mit 
euch richter und schöpfen, das Mattes Jahnshajn kind sein kind an 
einem äuge geleczt hat, so Mattes Jhanshayns von seines kindes 
wegen davor nicht nein sagt, sunder er muß das verpessem, als 
recht ist. Von rechts wegen. 

I AQ Lbtztbs 

*^*® ViBKTBL DBS 

Wie aus Inhalt und Form ersichtlich ist, gehört das folgende ÄecÄfe- ^^* ^^^*^* 
gutaehten zweifellos zu den jüngsten Bestandteilen der vorliegenden Samm- 
lung. Man unrd deshalb nicht fehlgehen^ wenn man seine Entstehu/ngsxeit 
in das letzte Viertel des 15, Jahrhunderts verlegt. 



160 [168: 

Von Vormundschaft eines priesters. 

Bl. 62a £][ii priester deutsch ordens hat durch gehorsam eines landcomp- 
tors und obersten inne pishero gehabt zu regiren .eins hauses und 
conventz desselben ordens. Derselbig priester hat sich durch seine 
eigene torst und annemen on all wissen, erlaubung oder verwilligung 
desselben seines obersten underwunden, zu tragen yormundschaft 
eines waisen, dei* sein vetter gewest ist, und von desselben waisen 
etzlich gelt, als man sagt, entpfangen und in den nutz desselben 
seines ordens haus gewant, als dann die ancleger sagen. In dem 
ist derselbe prister von demselben ampt abgesac^&t und an ein ander 
haus zu regiren geordent und an demselben ampt alsdo von diser 
weit durch den willen gotes geschieden. Nun vermeint derselb 
waise, dasselbig gelt von dem landcomptor als seines Vormundes 
obersten zu forderen und zu rechnung zu dringen. 

Aus sulchem fließen drei nottorftige fragen: 

Die erste: Ap derselb priester hab im rechten mögen Vormund- 
schaft des gelassen weisen tragen on wissen seins obersten. 

Die andere: Ap den schuldigern , die do sprechen, sie haben 
dem priester. von des waisen gelt gelt gegeben, zu glauben oder 
nicht ist. 

Die dritte: Ap es nicht also im rechten funden wurde, das zu 
glauben sein solde, und sie das also probirten, ap dan der land- 
comptor pflichtig were, sulch gelt widerzugeben. 

Eher man meher antwort auf die erste frag, ist not zu wissen, 
Bl. 62b das dreierlei Vormund sein mögen: | Die ersten sein geheißen testa- 
mentarii und sein die, die dozu, aber in ein testament gesaczt wer- 
den. Die andern sein geheißen legitimi, die sein die, die do aus 
den geseczen des rechten geheischt und geordent werden; von den 
sagt der titel von den gesaczten Vormunden. Die dritten heißen 
dativi, die sein die, die do gegeben werden und gesaczt durch die 
ordentliche richter oder durch einen rat einer statt; von den sagt das 
recht : und[er] den dreien Vormunden sein die testamentarii die ober- 
sten und wirdigsten, darnach legitimi oder negst glaubem, darnach 
dativi oder die gegeben. Oder doch ist hie von den testamentarien 
und dativen zu schweigen, [und] allein von den legitimis zu reden, also 
dan diser priester sali gewest sein, als der waise sagt, darumb der 
negste vormund gewest, das er der negste freund und erbe gewest ist. 
Und wiewol der negste erbe der negst vormund sein sali, so sali und 
mögen doch nicht, er sei wie nahe er sei, dieselbe Vormundschaft 
durch sein selbst gewalt tragen und annemen; sunder eh er sich under- 



[168] ' 161 

wund, Vormund zu sein, so sali er vorhin fünferlei ordinung haben: 
Zum ersten ist er pflichtig, zu machen einen begreif und verzeichung 
aller guter desselben waisens. Zum andern mal sal er das tun und 
sich der Vormundschaft underziehen mit laube und wissen des ordent- 
lichen richters, er sei geistlich oder werltlich, und durch | erkantnusBL. 63a 
desselbigen richters aufnemen, als dan das begem die recht in libro 
doctorum. Zum dritten mal sali der schwem aller nutzperkeit des 
weisen zu verhandlen und schaffen. Zum vierden sal er gestalt 
machen, das des waisen guter durch ine nicht gemindert werden. 
Zum fünften sali er verpurgen und verheischen, das er den waisen 
nicht unverschutz lassen woU. 

So man die ding also au&impt, ist wol beschlislich zu reden, 
das der genant priester, priester wol er ist gewest in ubung des 
ampts, das ime von seinem obersten bevolen gewest ist, so hat er 
doch on laubung und begunst desselben seins obersten nicht mögen 
aufnemen oder underziehn der Vormundschaft seines vettern, als das 
clerlich uns weisen die recht in c. generaliter ^) ; daselbst steet geschrie- 
ben, das die bischof und prister und zuvoran die ordenten geistliche 
sollen obgeschlossen sein von der erbevormundschaft und darumb 
die die fünf obgeschrieben artikel on verwillung irer obersten nicht 
mögen vorenden. Als dan auch diser egenanter priester in gehor- 
sam gewest ist, so ist ime nicht erlaubt gewest, aus den landen, der 
waisen oder ander sach, den orden nicht belangen, zu verschutzen 
und zu verteidigen, daraus abermals wol zu merken ist, das der ge- 
dachte priester nicht macht gehabt hat, die Vormundschaft des wei- 
sen on wissen, verwillung und lauben seins obersten und prelaten 
[aufzunemen], darumb das alle ding, die er handelt zu fromen oder 
zu schaden, kein grund in rechten haben; wan alle ding sein nicht, 
die durch | einen Vormunden gehandelt werden, der do nicht nach Bl. 63b 
Ordnung vormund gesaczt ist oder gesein mag; das sollen die schul- 
diger, die dem priester gelt haben gegeben, in selber schult geben, 
darumb das sie es gegeben dem, der sie nicht hat mögen quitiren 
oder des macht gehabt hat. 

Zu der andern frage ist^ kurzlich zu antworten, das denselben 
schuldigern, die do sprechen, sie haben [dem] priester sulch gelt, das sie 

1) Decr. Grat. c. 40 € XVI qu. 1 (Cod. Just. I, 3, ö2): (Omnes clerici vel mo- 
nachi tutelae immunitatem habere debent.) Generaliter sanccimuB, omnes Tiros 
reverentissimos episcopos, nee non presbiteros seu diaconos et subdiaconos, 
et precipue monachoB, licet non sint clerici, immunitatem ipso jure omnis 
habere tatelae, sive testamentariae, sive legitimae, eive dativae. — Vgl. Nov. 
123, 6. 

U. KiBch, Leipziger SchöffenspruchsammluDg. 11 



162 [168. 169] 

dem Waisen schuldig sein gewcat, als einem vormund des gelassen 
Waisen bezalt, in rechten nicht zu glauben ist, ap es auch also 
were, das sie redlich und als gezeugen wem vorgeheischen und ge- 
fragt, darumb, das das gezeugen in iren eigen nutz und fromen 
geht; dan niemand ime selber zu gut gezeugen geben mag, als alle 
recht sagen, darumb als er sagt oder verhoffl;, nutz oder schaden 
davon zu erlangen; darumb ist die kundschaft der, die do sprechen, 
sie haben dem egenanten priester etzlich gelt geben, in allen rech- 
ten verdechtlich und derhalben zu verwerfen. 

Zu der dritten frage mag man antworten, das der landcomptor 
sulch gelt, das der priester on laube und aus der ubung seines ampts 
entfangen hat, nicht pflichtig ist zu bezalen. Es sei dan, das der 
waise bezeugen und underweisen mag, das sulch gelt kommen sei 
an scheinparlichen nutz des ordens oder des hauses, das der priester 
Bl. 64a in bevelch gehabt hat. | Als wievil man des anzalich erweisen mochte, 
werde der landcomptor pflichtig, [zu] widerstattung gedrungen, als do 
spricht das recht in dem ersten c. de deposito^) und also von dem- 
selben hause derselben anlegung notturftig gewest ist. So es aber nicht 
teglich nutz oder not gewest, sonder aus lust des priesters geschechen 
wer, ist der comptor abermals nicht pflichtig widerzustatten, daraus 
clerlich gut zu merken ist, da sovil das haus von sulchem gelt ge- 
pessert ist worden. Were es aber, das derselb prister het eigen trißel 
mit willen und wissen des landcomptors, so ist der landcomptor pflich- 
tig widerzugeben, so vil er findt über der trißel, davon ime vormals 
gewest gewert ist. Und das heist ein trißel, was ein geordent ver- 
geben man hat mit willen und wissen seins obersten. Wurde aber 
der landcomptor erweisen, das sulch gelt nicht gewant were an schein- 
parlichen nutz des hauses oder seins ordens haus durch sulchs nicht 
gepessert sei merglich, so ist der landcomptor nicht pflichtig, etwas 
von des genanten priesters wegen auszurichten darumb, das er sulch 
gelt on geheiße, bevelch, willen oder wissen sein, als des priesters 
obersten, aufgenomen hat. 

169 

Wer zu bestellen in Vormundschaft. 

Schoppen zu Leiptzk: Sprechen auf die were vor recht: Das der 
Bl. 64b Vormunde der schuld eine wer bestellen | muß mit pfänden oder 

1] Cap. 1 X de deposito III, 16: Ez deposito, facto apud clericum ecclesiae, 
non tenetor ecclesia, nisi in utilitatem ecclesiae sit yerBum. 



[169. 170. 171. 172] 163 

bürgen oder die frauen muessen selber schwem, itzliche mit ir selbst 
band auf den heiligen, als recht ist, die wer steet und vest ^u hal- 
den, also werrecht ist. Von rechtes wegen. Versigilt. 



170 

Vormundschaft: Wer vormund sein sal. 

Leiptzk: Kann Hanns Hocke jemand benennen im lande und 
gepiete des bistumbs zu Merßburg, der der unmündigen kinder 
schwertmoge were und sich mit ine zu der sippe zöge inwendig 
dem sibend grad, der zu der Tormundschafi; täglich, und künde er 
das beweisen, als recht ist: so gepote man dem die Vormundschaft 
pillicher; und er were den des richters gepots, der kinder Vormunde 
zu sein, pillich ledig. Von rechtes wegen. 



171 

Berechnung der Vormundschaft. 

Schöpfen zu Leiptzk: Hat Hanns von Minckwitz ein schriftlich 
rechnung gemacht und die register vor seine freund gelegt, darinne 
[er] die rechnung verzeichnet hat, und tar er die rechnung sterken mit 
sein selbst band auf den heiligen, wii ime seine vettern nicht glauben 
weiden, so pleibt es pillich dapei. Von rechtis wegen. 



172 

Wer do sulle Vormunde sein und geben eines unmün- 
digen kindes. 

Spricht Leiptzk: Ist ein man verschieden, der ein unmündig kind 
und sein weib gelassen hat, und ist | imder allen seinen freunden Bl. 05 a 
kein schwertmoge: So mag das gericht, darinne er verstorben ist, 
dem kinde einen Vormund setzen mit rat der freunde des kindes; 
und sich mag der obgenanten personen keiner, wider des weibs vater 
noch ir bmder, von recht zu der Vormundschaft ziehen, noch einer 
von dem andern behalten an befelung des gerichts, also oben berurt 
ist. Von rechtes wegen. Versigilt. 

11* 



164 [173. 174. 175] 

173 

Von Vormundschaft. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche frag vor recht: 
Seint zween eelich menschen verstorhen; hahen die ein unmündig 
kind gelassen, und hat das kind keinen gepomen vormund, sunder 
hat es seine negste erben, seines vater Schwestern drei und seiner 
muter bruder drei: Also dan die personen alle sechs nach personen 
zal gleich erbnemen seint zu des kindes gut, so gepurt ine allen, 
die Vormundschaft zu bestellen und einen under inen zu kiesen, der 
die Vormundschaft verstehe. Von rechtis wegen. Versigilt. 

174 

Identisch mit Nr. 302. 

Wieverne der Vormunde antwort schuldig ist. 

Spricht Leiptzk: Bartel ist nicht verner antwort pflichtig, dan 
zu den stucken, die er am ersten anfang der vormund[schaft] sich 
underwunden hat, noch vor äugen seint. Von rechtes wegen. Ver- 
sigelt. 

175 

Denselben Rechts fall betrifft auch der folgende Spruch Nr. 176. 

Einer, [der] ist mit oelmaßen feischlich gefarn und ge- 
handelt hat, ist auf frischer handhaftiger tat begriffen 
Bl. 65Bund gefangen gesaczt und | die bekant; und die sach ist 
wider ine peinlich furgenomen mit gezeugen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Baben die nach- 
gemelten Friderich, ein hauptman zu Linckwitz, zu Mathes Heide,, 
das [er] ime in der vasten negst vergangen vor ein halb pfund öels ein 
viertel [gegeben], desgleichen Nickel Wagener, das er ime vier pfenning 
gegeben für ein [halb] pfund oels und hab ime nur ein viertel ge- 
geben, Ludwig Winter, das er ime VIII pfenning gegeben habe vor 
ein pfund oels und er hab ime nur ein halb pfund gegeben, Nickel 
Sporner, das er ime nur ein viertel, desgleichen Fabian Wunderlich, 
das er ime hab gegeben XVI pfenning für zwei pfund öls und das 
er ime eins gemessen hat, beclagt, und das er dan, als sie seczen, 
auf frischer, handhaftiger tat begriffen, gefangen gesaczt und der- 
selben tat also lauter solde bekant und umb ein genedig strafung 
ine anzulegen gepeten habe, und erpieten sich, ein sulches, wie vor 



[175] 166 

berurt, zu gedingter frist nachzupringen, wie recht ist, und clagen 
alle aämptlich und ein itzlicher in Sonderheit zu dem genanten Mathes 
Heide, so hoch und viel ein sulche schulde im rechten auf sich ge- 
halden mag, inmaßen dan ein sulchs in irer schult und clag mit 
mehren Worten volpracht ist worden. Als dan Mathes Heide in seiner 
antwort | aufpringt und sagt, das ine niemanda als ein unrechten Bl. 66a 
hendler oder mit unrechten maßen ubersagen mag, und er auf dem 
markt über seinen verkaufen nie berüchtigt noch beschreit, auch 
von niemandes unrecht über versagt, und stet den clegem damit 
nicht sulche peinliche clagen und vermeint, so [er] ein from unbe- 
scbulden man sei an seinen rechten, so sali ers als ein antworter 
[neher] sein, ere, gut und leib zu vertreten und zu verantworten mit 
seinen rechten, wan das ime sein widerpart mit den vorgesaczten * 
gezeugen, dhweil die gezeugen mit recht beclagt zu irem gezeugnis 
nicht ^} gepracht sein, erwem mögen. 

Wan die vorgestalten gezeugen mit namen A., B., C, D., E., F., G. 
auf gefrage des richters ein itzlicher in Sonderheit on wissen des 
anderen mit gezeuge aussagen wurde, das inen wissentlich sei und 
dameben uersachen irer Wissenschaft ernennen, nemlich das sie das 
gesehen, gehört, dapei und neben gewest sein, das Matthes Heldt 
auf solcher frischer tat begriffen, gefangen gesaczt, das er sulcher 
tat bekant und das mal ine darumb ein gnedig strafunge anzulegen 
gepeten hab, und wan sie dan ire aussage, wie recht ist, mit irem 
aide gesterkt haben: so seint die cleger mit sulchen iren gezeugen 
den Mathes Helt sulcher bekanter tat neher zu überzeugen, dan er 
sich mit sein selbst band | auf den heiligen mag unschuldig machen. Bl. 66b 
Und Matthes Helt mag derhalben, das die gezeugen mit gerichts- 
f orderung und gecleiden zu iren gezeuknus nicht pracht sint, sie 
darmit nicht verlegen; wan wu einer die gezeugen vormag on ge- 
richtsforderung zu gezeuknus pringen, da ist ime nit not nach 
lauftigen sechsischem landrechte, das er darzu mit gerichtenge- 
zwaug zu zwingen dorfe. Auch derhalb, das sie pei der Sachen 
gestanden seint, nachdem sie die cleger, als sie seczen, auf beger 
das widerteil zu besichtigen, darzu allein begert sein, und das die 
cleger sie doch in iren rat noch gesprechen sie nicht gehabt haben, 
auch darinne nicht gegangen seint, also verworfen werden, und 
dhweil sich dan der genante Matthes Heltt sulcher handhaftiger tat, 
wie er mit seiner vorkaufung mit dem betruglichen maße feischlich 
geubet hat, wan er der also, wie berurt, beweist'wirt, wie recht ist, 

1) Von anderer Hand in die Yorlage eingefQgt. 



166 [175. 176] 

mit seinem nein nicht abnemen kan: so muß er umb sulche betrieg- 
liehe Verhandlung leiden, sovil sich darumb vor recht zu leiden ge- 
purt. Von rechtis wegen. Versigilt. 



176 

Vgl oben Nr. 175. 

Der sechste gezeuge hat nicht gleichmeßig gezeugt mit 
dem fünften. 

Bl. 67a Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht | und zu erste der 
gewer halb: Seintmal ir uns in euren vorigen Schriften dise Sachen 
•nach dem ende beder part schriftliche gesetze verzeichent gegeben 
habt, wie das die cleger die gewer zu tim nicht begert haben, wer 
sie auf die zeit unversprochen gelassen; so aber Matthes Halt also 
ein antworter nachmals von den clegern die gewere mutet, so mossen 
sie ime die nach bestellen, die verpf enden, verporgen, oder ein itz- 
lieber muß die mit seines selbst band zu den heiligen schwem, die 
gewere ganz, stet und vest zu halden, also gewerrecht und gewon- 
heit ist. Und wu die cleger die gewer also zu tun oder also bestellen 
wegern i) werden, alsdan wurde Matthes Heltt sulcher wider [ine] ge- 
stalter^) schult halben pillichen claglos geteilt. Von rechtis wegen. 
Darnach und zum andern mal auf die urteil auf sich selbst er- 
kennen wir obgemelten schoppen vor recht: Nachdem dem cleger vor- 
mals durch unser vorgetanen rechtspruch aufgelegt ist worden, zu be- 
weisen mit sechs fromen unbeschulden mennern an iren rechten, die 
dan die cleger zu jener zeit [namjhaftig ^) gemacht, und ir sie in irer 
schult also bestimpt zugesant hatt, nemlich das Mathes Helt zu sulcber 
frischer tat begriffen, gefenglich gesaczt sein, sulcher tat auch bekant 
und das er derhalben umb ein genedig strafang ime anzulegen ge- 
peten hat, inmaßen den die cleger in iren schriftlichen geseczten vor- 

Bl. 67Bmals zu tun | sich angemast und erpoten haben und ein sulchs in un- 
serm vorgetanen rechtspruch mit weiterem inhalt bemeldet wirt; haben 
dan die cleger euch sechs gezeug eigensichtig vorgestaltj^ die verhorn 
lassen und der gezeugen fünf haben gezeugt und ausgesagt, wie Matthes 
Helt mit seinen freunden auf dem schloß solt gewest sein und solt 
sich daselbst zu der tat bekant und umb ein gnedige wandel gepeten 



1) Vorlage: begern. 
2] Vorlage: UDgestalter. 
3) Vorlage: clagbaftig. 



[176. 177] 167 

haben; und der sechste gezeoge hat nicht mehr gezeugt, wan das 
er ine gefenglichen habe sehen füren: So haben die cleger darmit 
ir angemaste und ine durch unsem auf ir anmaßung vorgetanen 
rechtspruch aufgelegte beweisung nicht genuglich verfurt. Und so 
die genanten cleger dieselbigen VI gezeugen namhaftig gemacht und 
besichtigt vor gericht forgestalt und die ir aussage hören lassen, so 
mögen sie auch an des sechsten stat ein andern vorzustellen nicht 
zugelassen werden vor recht, noch dem sich mit irer gehalden ordi- 
nung, nemlich ap euch ein gezeuge verlegt worde, das sie ein an- 
dern an desselbigen statt vorziehen mögen, dawider nicht behelfen, 
nachdemmal sulch beteidigung nicht weiter mag furgenomen noch 
bedeutet werden, dan wu inen und den iren selbigen gezeugen 
einer oder merer ir persone halben getadelt oder verlegt | were Bl. 68a 
worden, also betten die cleger aus kraft sulche beteidigung wol einen 
oder mer an verlegter statt furstellen mögen; so aber in diesem 
falle die gezeugen an irer persone zugelassen seint^und ire aussage 
getan haben, so ist Matthes Helt den clegem, seinen widerteil, nun 
an des sechsten gezeugen stat erholung eines andern an desselbigen 
statt zuzulassen nicht pflichtig. Von rechtes wegen. Versigilt. 

177 Erste Hälftb 

DES 16. Jahbh. 

Die folgenden Sprüche Nr. 177 bis 180^ ferner Nr. 189 und 326 bo- 
treffen den gleichen Rechtsstreit. 

Wie man gezeugen sal verjarung. 

Sprechen wir Schoppen zu Leiptzk vor recht: Das Casper Fischer 
und sein vetter müssen gezeugen selbsibent unbescholdener man an 
iren rechten, so das sie VI zu sich haben, die do gezeugen, das sie 
und ir vorfaren ir viech auf das gut, das ime Hans von Hogenesti) 
zusagt, getrieben haben XXX jar und tag. Es mögen auch der 
Fischer leut wol gezeugen sein, die sulche trift mit den Fischer vor 
recht nicht fordern, ap sie auch von gunst wegen under stunde da- 
hin treiben; und die Fischer mögen von sulcher verjarung wegen 
nicht, wan auf das brachfeit, treiben und auf die beseten feit nicht. 
Von rechtis wegen. Versigilt. 

1) Urkundlich erwähnt von 1398 bis 1446; vgl. H[an8] C[onon] von der Gabe- 
lentz, Die ausgestorbenen Adelsfamilien des Osterlandes in Mitteilungen der 
Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes, 6. Band; 
Altenburg 1863,' S. 349; Clemens Freiherr von Hausen, Vasallengeschlechter 
der Markgrafen zu Meißen, Landgrafen zu Thüringen und Herzoge zu Sachsen 
bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts; Berlin 1892. S. 131. 



168 [178. 179. 180. 181] 

Ebstb HIlftb 178 

DB8 16.JAHSH. Siehe Nr. 177. 

Der [satz]') czeuhet sich nicht [zu] leuterung des vorigen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk obgemelten: Seintemal das sich 

der [satz]^), den Hans Hogenest an dem ende gesaczt hat, der sich 

zu leuterung der vorigen spruch nicht zeuhet, so seint ime die Fischer 

Bl. 68 b des geseczes halben icht nicht pflichtig, sunder er mag | das zu ine 

fordern auf ire antwort. 

Ebste Hälftb 179 

DE8 16.JAHRH. ^^^ Nt'. 177. 

Gut zu gezeugen, das es sein sldi. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Wan das Hanns 
von Hogenest gezeugen kan selbdritt unbescholdener leut an iren 
rechten, den es bewust ist, das sulch gut sein sei oder mit des lehn- 
hem volstendigen versigilten brief, so kan er dem vorigen schiede 
nach recht genug tim; also auch Hans von Hogenest von den 
Fischer begert, sulchs widernmb von ine zu beweisen, und so sich 
sulch gesecze zu leuterung der vorigen Schriften nicht volbracht hat, 
so ist das gesecze Hans Hogenest unhulflich. Von rechtes wegen. 
Versigilt. 

Ebbte Hälfte 180 

DBB 15. Jaheh. Siehe Nr. 177. 

Bleibet pei dem vorigen spruche. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Das es pillich pleibt pei dem 
vorigen spruch, darauf sulch schiebt gesprochen ist; und die Fischer 
mögen sich mit iren geseczen, itzund furpracht, dawider nicht be- 
helfen. Von rechtes wegen. Versigilt. 

181 

Vgl auch Nr. 182. 

Von gezeugen, [so] sich einer verwilligt. 

Sprechen wir schöpfen zu Le||itzk: Hat sich Dictes Purgkart 
sulchs, das ime in dem ersten teil des vorigen Spruchs zu gezeugen 

1] In der Vorlage steht: >8chatz<, in der Überschrift von anderer Hand kor- 
rigiert zu: schütz. 



[181. 182. 183] 169 

zoerkant wart, verwilligt zu gezeugen mit einem ganzen rat zu 
Kaie, und werden die scheidesrichter, von den das gehandelt wart, 
das bekennen oder wollen sie herzu nichts sagen, | künde dan ContzBi.. 69 a 
Heller das gezeugen, als recht ist: So muß Dictes Purgkart seiner 
▼erwillung genug tun und mit einem ganzen rat gezeugen; und 
mag sich des damit nicht aufgehalden, ap die scheidesrichter am 
letzten darüber ausgesagt haben, das sulch underrede, am negsten 
geschechen von des gezeuges wegen, sal beden parten ungeverlich 
lind unschedlich sein. Es were dan, das sie sulche aussagung vor 
recht gesprochen betten und Gonntz Heller das geduldet und, also 
recht ist, nicht widerredt hett. Were es also ergangen, so pliebe es 
pillich dapei. Von rechtes wegen. Versigilt. 



182 

Vgl Nr, 181. 

Erpoten, zu gezeugen mit dem burgermeister allein. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk : Hat sich Dictes Burchart das 
ander taU des vorigen Spruchs erpoten, zu gezeugen mit seinem 
burgermeister zu Kaie allein, so ist sulchs ime unhulflich. So ime 
aber sulch erpieten die zeit zu- nach oberkant ist wurden, sonder 
Bach ist also plieben und ansteen, und sich Dictes Purchart itzund 
in seinen Schriften erpeut, zu gezeugen selbdritt mit dem ratmeister, 
die zeit gesessen, und zu ime also viel, als in recht not sein solde: 
so lest man in nach piUich darzu komen, des Spruchs genug tun. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 



183 

ViTie die gezeugen sein und was sie gezeugen sollen. 

Sprechen zu Leiptz: Es müssen alle gezeugen unbescholden leut 
sein an irem rechte. Auch müssen sie das wissen, also sie gezeugen 
und Terhoren sallen zu gezeugen, [es] wer [dann] vemicht und ein 
machtlos gezeuge. Von rechtes wegen. 

Die gezeugen^) sollen unbeschulden leut sein | und von sachenBL. 69b 
gezeugen, die inen wissentlich sein, das sie auf den heiligen bewem 
müssen. ^Von^rechtes wegen. Versigilt. 

1) In der Vorlage rot unterstrichen und mit roter Tinte am Rande: Nota. 



170 [184. 185. 186. 187] 

184 

Einer hat gesagt, er trau es wol zu gezeugen. 

Leiptzk: Sintmal das sich herre Johannes nicht erpoten hat noch 
Terheißen, sulche gelobde und scheden zu gezeugen, sonder er hat 
schlecht gesagt, er trau es wol zu gezeugen, er hett sich aber des 
nicht verheißen noch vermessen, und die geclagten darzu nein 
sprechen, dorfen sie sich des entledigen jetzlicher mit sein selbst 
hand auf den heiligen, als recht ist, das sie ime sulch gelobde nicht 
getan haben; und wan sie sich des entledigt haben, so seint sie 
ime der schult halb noch umb gewerderten schaden und gewerdert 
gelt auf hon und schmacheit nichts pflichtig. Von rechtes wegen. 
Versigilt mit etc. 

185 

Gezeugen dorfen nicht sagen, wovon inen die sach be- 
wüst sei. 

Leiptzig: Seintmal die gezeugen gesagt haben, inen sei ein sulchs 
wissentlich, so dorfen sie nicht nach sechsischem recht forder sagen 
* die sach, wurvon es inen bewust sei oder ist; es sei dan, das es 
ein alte verwerte gewonheit sei euers gerichts, das man gezeug also 
gefrahet het;t. Sulche gewonheit, die den gemeinen recht gleich 
ist, heldet man dan pillich. Also auch der ein gezeuge die sach 
seiner bewust gehat, das er es von dem alden Kromen selbst gehört 
hat, das das gut sein gewest were, so ist das nicht ein unbestendige 
sach seins Wissens. Von rechtes wegen. 

186 

Bl. 70a Ane gezeuge beschuldiget. 

Schöpfen zu Leiptzig: Also Heintz Posseck die schult on gezeuge 
gesaczt hat, so mag Nickel, sein bruder, des unschuldig werden mit 
sein selbst hand auf den heiligen. Von rechtes wegen. 

187 

Der glauber, der do hergepet fordert, muß gezeugen 
selbsiebende. 

Spricht Leiptz: So Albrecht Rudulff von der frauen hergepet 
fordert, so muß der man, der von pauers art ist, auf dem lande 
wonende, zeugen selbsiebend, das ein verwerte gewonheit sei, die do 
XXX jar und tag gehalden ist, das man an den enden, do er wonet, 



[187. 188. 189. 190] 171 

hergepet gibt and iiimpt. Ean er sulchs nicht gezeugen, so dorfen 
ime die hergepet nicht [volgen]. Von rechtes wegen. Versigilt. 

188 

Mitwievil gezeugen sich einer entledigen sol, so er mit 
gezeugen beschuldigt wirt. 

Spricht Leiptzk: Seintemal das der cleger sich erpoten hat zu 
gezeugen, das die vriese seines vaters sei gewest, so mag Heinrich 
von Totzschaue mit sein selbst band allein der schult nicht ledig 
^Verden, es sei dan, das er sich der schult also hoch und mit sovil 
gezeugen [entledigen] konde; doch dorfte er über sieben man ge- 
zeugen nicht leiden. Von rechtes wegen. Versigilt. 

|g9 EbSTB HlLFTE 

Siehe Nr, 177, ^=« ^^- J^"- 

Mit welcherlei leuten einer gezeugen mag. 

Spricht Leiptzk: Nachdemmal ein spruch zwischen den beden 
teilen vormals gesprochen ist, das sich Fischer also hoch entledigen 
m^, als hoch Hans Yon Hogenest sein clag gezeugen wolde, und 
Hans von Hogenest seinen gezeug gepeten hat mit erbam leuten, 
die zu Zschildo gepom seint, und meint, Yischer solde sich auch 
mit I solchen erbam leuten entledigen; also dan Vischer kegen ge-Bi.. 70b 
saczt hot und meint, er mag sich genuglich entledigen mit fromen, 
unbescholden mennern an iren rechten: kan sich Vischer dan ent- 
ledigen mit fromen, unbescholden leuten an iren rechten, wer die 
seint, so lest man ine pillich zu kommen, und er tut dem vorigen 
Spruch genüge damit; und Hans von Hogenest kann ine nicht ge- 
dringen, das er gezeuge solle haben, die erbare leut und zu Zschildo 
geporen sein. Von rechtes wegen. Versigilt. 

190 

Bedingt, zuge und frist zu haben, ap ime ein gezeuge 
oder peide verlegt worden. 

Spricht Leiptzk: Habt ir zwen manne unbescholden an irem 
rechte zu gezeugen vorbracht und darpei bedingt, ap euch einer 
oder sie bede verlegt worden, das ir zöge und frist haben mocht, 
umb andere zu bewerben: Solch redigung genist ir pillich. Von 
rechtes wegen. 



172 [191. 192. 193] 

191 

Under fünf gezeugen ist einer aasgefallen. 

Spricht Leiptzk: Hat sich euer widerpart yermessen und berufen, 
zu Torkomen mit fünf gezeugen; hat er die gezeugen namhaflig 
gemacht und euch beden teilen des ein namhaftigen tag gelegt; ist 
euer widerpart auf den tag kommen, und ist nun der gezeugen einer 
entfaUen: Habt ir den einen gezeugen nicht verlegt nüt rechte, so 
mag er einen andern gezeuge nicht einpringen, sunder er ist der 
sach fellig worden Ton seiner eigen wilkSrung und yermessung wegen. 
Von rechtes wegen. 

192 

Vgl Nr, 167, 300, 346. 

Bl. 71a Geclagt mit gezeuge und mit dem nicht Tolkomen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Hat Steffim Ton 
Jospersdorf geclagt mit gezeugen, das Mathes Jhanshayns kind sein 
kind geleczt an einem äuge; und ist dan Steffan Ton Gospersdorf 
mit dem gezeuge nicht Torkommen auf ausweisung eines Spruchs 
Tormals zwischen ine: So ist Steffan ron Gospersdorf von seines 
unmündigen kindes wegen der Sachen fellig worden, und er kan 
Mathes Jhanshayn zu forder antwort in der sach nicht gedringen. 
Von rechtes wegen. Versigili 

Naoh 1464 193 

Vgl Nr. 284. 

Bezeugen, das einer ganze vorzieht der guter getan 
habe, etc. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptz auf sulche schrift zu leuterung 
des Torgetanen rechtspruchs vor recht: Kan und mag Nickel Gunter 
nach inhalt und besagung des negsten getanen Spruchs mit dem len- 
herm der geistlichen tumbhem und mit dem wirdigen herm, herm 
Otto Griss, die zeit probst und oberster derselbigen tumbhem, itzund 
probst zu Kemnitz, mitsampt dem lehnbrive darüber geben, das die 
guter, zii Eschewoch gelegen, Nickel und allen seinen Schwestern, 
daran dann Hanns Gunter gott seliger ganz verzieht, also aus der 
copeie des lehnbrives erscheinet, die Nickel neben seiner schrift mit 
verzeichent gesaczt hat, getan habe, vor dem obgenanten hern Otto, 
die zeit probst zu einem rechten erbe und ewigen gezeiten, als die 
Bl. 71 B Bartel | Gunter, sein vater, die inne gehabt und besessen und auf ine 
geerbet hat, an sunderheit geliegen wurden seint, also dann aus der- 



[193. 194. 195] 173 

selben copeien des lehnbrires ausgedruckt wird, zubringen und er- 
nennen: So pleibt es pei einem sulchen, wie itzund bemelt und nach 
l>e8agnng des ersten getanen Spruchs möglich. Hans ist ein sulchs 
pei seinem urteil bemeiden, das er die ankunft der guter, wie die an 
Sartel, seinen vater, komen sein, beweisen sali, unhulflich. Nickel 
ist zu einem sulchen, nachdem er die guter in lehn, geweren und 
Besitzung hat, nicht verpflicht, das er die be Weisung tun sali, und 
Hansen urteil forder bemeiden ist ganz vor nichtis zu schätzen. 
Sunder so die guter on underscheit und peisacze in Hansen Gunters 
kegenwertigkeit Nickel Gunter gelihen sei wurden von dem herm 
probst obgenant, da pleibt er pillicher, anch mit pesserem und nehe- 
rem rechten dapei, dan ime Hans einicherlei eintrag oder yerhinde- 
rang in sulche guter tun oder machen möge, sunder behelt die pillioh 
allein. Von rechtes wegen. Versigilt. 

194 

Die schult schlecht on gezeug gesaczt. 

Sprechen wir schöppen zuLeiptz: Seintmal das Hans von Entzn- 
wergk die schult schlecht und on gezeug gesaczt hat und Lonitz 
Yon Lichtenhayn zu der schult, also die gesaczt ist, nein spricht; 
darf er mit sein selbst band auf den heiligen verrechten, also recht 
ist, das er sich der frone und dinst in dem dorf Donnersdorff mit 
unrecht und selbweglich nicht underwunden habe, die an ine nicht ge- 
weist I noch ime nicht verkauft werden; wan er das also verrecht hat: Bl. 72a 
8o ist er Hansen ron Entznwergk der schult halben noch umb gewer- 
derten schaden nichts pflichtig. Von rechtis wegen. Versigilt mit etc. 

195 

Gedruckt a/m Ende der Weichbüdausgaben, toie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; ferner bei Zobel, Weichbild, Bl 33\ Sp, 2 bis Bl. 34^, Sp. 1, 
als Addition xu § 2 der Glosse xu Art. 20. 

Der Text der Vorlage vmrde aus dem Baseler PHrnärdrucke des sächsi- 
sehen Weichbildes ergcmxt. 

Von pfände zu setzen. 

Als ab Ticius^) ein gut zu pfände seczte dem Menio^), und das 
gut pliebe dennoch Ticio, als ap er sich verschribe kegen Menio seinen 
Weingarten oder sein haus [unde Menius annamete das haus] zu 
pfände umb X mark goldes, wider zu]. lösen auf Sant Kilians tag, 

1) In der Vorlage steht stets statt Ticias: Cicius, statt Menius: Nemus; in 
Weichbild, Base]; Titius und Meus bzw. Meius. 



174 [195. 196: 

und lost er sein nicht auf die zeit, so solde er behalden [undj damit 
[tun] als mit seinen andern gutem, zu verkaufen oder zu yerseczen; 
nun bitten wir in einem rechten urteil zu erfam, wer die gewer in 
einem sulchen gut habe mit rechte. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Hat Ticius sein gut yersaczi [yor 
ein genant geld auf eine genante zeit, deme das gut yorsatzt ist,] 
hat ers in seiner gewalt, so das Ticius nicht verkaufen noch yer- 
seczen [möge] one Menius willen, dem es zu pfände gesaczt was, 
seint er [es] in pfände gewer hat, [ab es Menius wol besatzt], wan 
sein besiczung [vorbunden] ^) ist auf genante zeit; und was zu scha- 
den dem gut bescheche ane verwarlosung des besiczers, der schade 
pleibt pei dem gut. Mag er seins guts nicht losen, er darf den 
schaden nicht leiden, gein dem ers zu pfände gesaczt hat. Dasselb 
darf Menius jenem von rechtes wegen. 

Sintemal das er sich so verpunden hat, was vermag sulche ver- 
pindung mit verkaufen entzweitragen. 

Das verantworten wir und sprechen: Pfand zu verseczen mit sul- 
eher verpindung treit entzwei mit verkaufen nit mer, wan [das] man 
Bl. 72b das I eine lassen mag und das ander nicht; und darumb so mag jener 
seins gutes nicht verkaufen one des pfandherm willen. 

Sintemal das [sich] Ticius gein Menio verschrieben hat pei seinem 
gut auf die genante zeit und Ticius sein gut nicht gelosen mag, und 
Menius mit seinem [gut] alle sein recht begangen hette, als mit auf- 
piten und mit anpieten, und es ime verkauft hatte, bitt ich in einem 
rechten urteU zu erfam, ab er in gewem mag zu rechte. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Wer sein gut zu pfände seczt, als 
habe er sich verbunden, das ers verkaufen mocht [dem], dem es zu 
pfände geseczt were auf genante zeit, und ers nicht gelosen mag, 
wurde [im] wol geteilt, das ers verkaufen mag, [wiewol ers verkai}äl 
hette,] er mag doch daran keins geweren, wan das es^j sein pfand gewest 
ist und') mag niemand gewem'], wan [wem] es derjenige [gan], der es zu 
pfände [vorgesaczt]^), [dem] muß es 2) jener zu [losen] geben, als 2) ap ers 
wol verkauft hette [und] ap es wol verjart were, dhweil mans beweisen^) 
mag, das es zu pfände gesaczt ist. Von rechtes wegen. Versigilt'). 

196 

Ap einer brife hett über gesatzt pfandgut. 

1) Vorlage: aberwunden. 2) Fehlt in Weichbild, Basel. 8) Weichbild, 
Basel: und mag es nimer vorweren. 4) Vorlage: ausgesalzt. 5) Vorlage: 
geweisen. 



[196. 197. 198] 175 

Oedrudä am Ende der WeichbüdcMagaben, wie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; femer bei Zobel, Weichbüd, Bl. 34\ Sp. 1, als Addition xu § 2 
der Glosse jGU Art. 20, 

197 

Ap einem gesatzten pfände schaden geschech. 

Gedruckt am Ende der WeichbUdausgaben, wie oben Vorbemerkung xu 
JVr. 161; femer bei Zobel, Weichbild, BL 34^, Sp. 2, als Addition xu § 2 
der Glosse xu Art. 20. 

198 

Gedruckt wm Ende der Weiehbüdausgabeny wie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; femer bei Zobely Weichbild, Bl. 34\ Sp. 2 bis Bl. 35''^ i^. 1, 
als Addition xu § 2 der Glosse xu Art. 20. 

Ap einer mit meinem willen zöge in [mein haus] oder auf 
mein zins- oder pfandgnt und wolde wider darTonziehn. 

Ap ein man mit meinem guten willen zöge in mein haus und het 
mir zins gelobt oder nicht, oder jener zöge auf mein zinsgut oder^) 
zöge in ein gut^), das 2) in pfänden stunde^), er meint wider aus dem 
gut zu zihen, ich wolde ine nicht lassen und yerlore') ime sein gerete. 
Er clagt^*) das dem richter, das ich ine hinder an seinem geret. Ich 
Sprech: Herr richter, ich habe gut und gerete in meinen geweren 
oder auf meinem zinsgut oder [in meinem] ^j pfandgut, das wil^] ich 
behalden Tor meinen zins ; wan er mir den gibt, so ist ime sein gerete 
gefreit. Spricht dan jener, er sei mir nicht schuldig und habe mir nicht 
geredt ^] noch^] gelobt. Spreche ich dan, nachdemmal das ich noch^) sein 
gut in*} meinen geweren <^] habe, ap ich icht neher pei meinem zins zu 
pleiben | sei, wan ers mir lauken mag oder was darumb recht sei. Bl. 73 b 

Hirauf sprechen wir ein^) recht: Was ein man gutes pringt auf 
zinsgut ^) oder auf pfandgnt und damit besiezt auf dem gut ein jar 
oder^) ein halbes oder ein yiertel, wil es des pfandes oder des zinses 
oder^] des^) hauses^) herre nicht tun*), der sich darein gezogen hat, 
der muß ime zins gelden*); und mag ime yerschlißen in dem [ge- 
mache]^), darinne^*) er^*) gewest ist, all^^) sein gut, er habe ime gelobt 
oder nicht, ab der herr das bewern tar, das er ime rersessen hat, 
pillicher und eher, wan ime jener gelauken mag. Von rechtes wegen. 

1) Oder — gat] fehlt in Weichbild, Basel. 2) Weichbild, Basel: das mir 
za phande gesatzt were. 3) Weichbild, Basel: yorschlas. 3«) Weichbild, 
Basel: kundiget. 4) Ergänzt aus Weichbild, Basel. 5) Fehlt in Weichbild, 
Basel. 6) Weichbild, Basel: in meines ^utes geweren. 7) Weichbild, Basel: 
zins. 8) Weichbild, Basel: entpern. 9) Weichbild, Basel: geben. 10) Weich- 
bild, Basel: do er inne. 11) Weichbild, Basel: als. 



176 [198. 199. 200. 201] 

Ir Salt wissen, das etzlich gut wirt ime selber ein pfand, obwol 
mans nicht bescheidet, als was ein zinsman oder ein hausgenoß pringt 
in seines wirtis gewere, das ist des wirtes pfand für seinen zins, und 
das mag [er] one wandel wol beschlißen und bewar das mit^) vleiS^) 
und^) mit treuen, ap ers an rede pleiben will. 

199 

Oedruckt am Ende der WeichbUdausgahen^ une oben Vorbemerkung zu 
Nr. 161; nicht enthalten hei Zobel, Weichbild. 

Wie der pfänter geperen sal mit dem pfände, so es der 
verseczer nicht lost auf angesaczte zeit. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Ticius sal das haus behalden in 
stiller gewer jar und tag unTortan, seint mans gelosen mag an erben 
Urlaub; kompt dann jemand nicht ^}, aer sich zu ziehe: seint ^) mag 
ers verkaufen und gewer tun auf [solch] recht, als er daran hatte 
und anders nicht. Von rechtes wegen. Versigilt.^) 

200 

Gedruckt a/m Ende der Weichbildausgaben^ wie eben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; femer bei Zobel, Weichbild, BL 35^, Sp. 1, als Addition zu §2 
der Glosse xu Art. 20. 

Bl. 74a Ap man geweit geret mocht zu pfände setzen. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Das kein man, es sei pfaf oder 
leih, ein monch oder ein kirchenrater^j, sali wider yerkummem noch 
verkaufen^) noch yerseczen keinerhand geweitet) ding, das zu der 
kirchen gehört ^J, gemacht oder gezeugt ist, mit recht,- umb keiner* 
hand not; on ob man gefangne nicht änderst gelosen mocht, so mag 
mans verseczen und die gefangen damit losen und änderst nicht 
Von rechtes wegen. 
Ir solt wissen, freie leut sol man auch nicht zu pfände seczen und kinder. 

201 

Einer hat einen acker erlangt bis auf die hulf, den ein 
ander vorhin in pfandeslehn hat innegehabt. 

Sprechen wir schöppen zu Leiptzk auf solch frage vor recht: 
Ist der acker, den do Hanns von Wornoß mit allem dinglichen 
rechten mitsampt der [lehn?] erlangt hat, in eurem erbegericht 
gelegen; hat dan der priester sulchen acker vorhin in pfandes weis 
innegehabt, also das ime der acker vor sein pfand mit verwillung 
des lehnherrn, der ime auch die lehn daran bekentlich ist, eingesacst 

1) Fehlt in Weichbild, Basel. 2) Weichbild, Basel: kirchenstifber. 
8) In Weichbild, Basel folgt noch: und geweiet ist. 



r201. 202. 203. 204] 177 

nnd getan ist; so dan der priester in die hnlf, die Hans Yon Worne 
am acker erlangt hat Ton eurem gericht, do der acker zu recht ge- 
legen ist, einsprach getan: So mag Hans yon Worne, als ferne der 
priester der einsprach Yor demselbigen gericht, do der zu recht inne 
gelegen ist, volge tun wird, | also seines guts sich nicht under8teen,BL. 74 b 
noch das für sein nutzen oder [recht] geprauchen, sonder nachdem 
der acker vorhin dem priester yerpfant ist, wie hoch das betrift, das 
Tolgt dem priester zuvoraus möglich; und was dan darüber pesserung 
an dem acker wer, so der priester sein gelt erlangt hett, das Tolgt 
dem Hans von Worne sulcher erforderung und hulf halben, ime am 
acker getan möglich. Von rechtes wegen. 



202 

Es darf niemand pfand nemen von einem gast für be- 
kant schult. 

Magdeburger Spruch. 

Gedruckt mit der Anfrage, die m der Vorlage fehlt, hei Wasserecht 
leben, BeehtsqueUen, IL Kap, 34, S, 85, unter der Überschrift: > Vonphandes 
sacxunge€ ; femer. bei J. Fr. Behrendt Die Magdeburger Fragen; Berlin 1865, 
Buch II, Kap. 2, Disiinktion 9a, S. 160. 

203 

Ap ein man nutzbar pfand aussetzte. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Welch man jemande fruchtsam 
gut [zu] pfände seczt, der nutz der pfander sol ime an dem abgehen. 
Es were dan vorausgenommen, das er der guter genißen solde ; und 
was er dan so aufnehme, das were wucher von rechtes wegen, und 
daramb sal er nicht nehmen. 



204 ^ 

Ein rechtspruch von erforderung eines totschlags. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptz vor recht: Sintemal die frau 
nach der zeit, als ir mann erschlagen und | ermort wart, einen sunSL. 76a 
do zu der werlt gepracht hat, denselbigen sun sie von irem er- 
schlagen man entpfangen hat: So ist die pesserung des toden mannes, 
die des kindes eldervater erfordert und genommen hat, gekomen 
und geerbt auf das kind; und der eldervater konde daran keins ge- 

O. Eisch, Leipziger SchAffensprachaainmliiiig. 12 



178 [204. 206. 206] 

haben, da das kind gepomVard, nachdemmal der eltervater als ein 
Vormund des kindes die pesserung genomen hat. Ist nun das kind 
auch gestorben, so hat das die pesserung seines vaters geerbt in 
seiner mutter schoß gleich andern erben und gut, das auf das kind 
verstorben was. Von rechtes wegen. Versigilt. 



205 

Die sich selber hengen und toten. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Hat sich der dieb, 
davon eur frage besagt, in eurem gefenknus selber gehangen, so 
haldet ir euch von rechtis wegen gein demselbigen gehangen diebe, 
so ir von recht tun solt, und bewart euch mit ime also, das ir ine 
auf kein kirchhof, wan auf das feit und an sulch stett, do sich dan 
das gepurt, begraben last; und was derselb dieb nach ime gelassen 
hette, wuran das were, das were er dem gericht verfaUen und mochte 
das an sein erben nicht pringen, sunder ir underzieht euch des von 
gerichts wegen pillich; und der man, der do ine umb sein mißtat 
zu gefenknus bracht [hat], ist darumb niemands nichts pflichtig, 
nachdem er das mit gerichte imd recht getan hat, und pleibt eins 
Bl. TöBSulchen, wie ir den in euer frage bemelt, gein | jederman one wandel 
und darf sich deshalben kein schaden, der ime davon entkomen oder 
entstehen mocht, nicht befarn. Von rechtes wegen., Versigilt. 



Zweite 206 

'f^::Z Volge eins morders. 

Sprechen wir schöpfen zu Magdaburg vor recht : [Hat Heintz von 
Etzdorff] 1) umb ein vervolgung eines morders mit einer schlechten 
clage on gezeuknus zu seines selbst gewust geclagt; ist dan die 
sach vemechtigt, so das er auf handhafbiger tat nicht berüchtigt, 
noch mit beruchte, als recht ist, beschuldigt: So ist Heinrich Messnig 
Schwager sulcher schult, darumb in Heintz Etzdorff beclagt, mit 
seines eines hand neher und mit pesserem rechte unschuldig zu wem, 
wan das ine Heintz von Etzdorff von seiner Vergebung wegen hocher 
gedringen möge. Von rechtis wegen. Versigilt etc. 



1) Urkundlich erwähnt 1455—1464; vgl. von Raab, Regesten, I, S. 265. 



J 



[207. 208] 179 

207 

Umb Yolest eines morders an gezogen beclagt. 

Schöpfen zu Leiptzk: Beclagen des toten freunde die gemein on 
gezeugen umb volest, so ist der richter und gemein neher mit ir 
selbst band zu [entgehen] ^) und unschuldig zu werden. Und das des 
toten freunde die gemein in der ander clag namhaftig und nicht in 
der ersten gemacht haben , enmag dem richter und gemein nicht 
zu hulf komen. Beclagen aber des toten freunde mit gezeuge^ so 
seint sie mit gezeug neher zu [entgehen]^), nachdem das die sach 
yemechtigt worden ist Von rechtes wegen. Versigilt etc. 

208 

Vgl. auch Nr. 209. 

Von volge eines morders. Bl. 76a 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Hat Balthazar Eegeler vor 
dem obgemelten gerichten Jacob Schlackenwitz obgenant mit Zeter- 
geschrei beschuldiget, das er aus der ursach, das er die glocken 
geleut und die nachtpam zugebracht habe, ein rechter Yolger und 
ein anheber sei des, das sein vetter von leben zum tode komen ist, 
inmaßen dan ein sulches in seiner clage in mehr Worten gemelt wirt. 

Als dan der egenante Jacob Schlackenwitz dargegen in seiner 
antwort aufbringt und sagt, das zu einer zeit, als er sich habe aus- 
getan und sich in sein bett legen wollen, so sei einer für sein tur 
kommen und habe zeter geschrien; auf sulch geschrei habe er als 
ein schultis des dorfs die glocke geleut, die nachtpaurn.zusamen- 
pracht und also ursach solchs geschreis Tememen wollen. Und als 
ine kund ist worden, das des genanten clegers vetter vor dem dorf 
im felde gelegen, gar verblut und verwundt gewest sei, als sei er 
hinaus gegangen und habe den pei nacht mit den nachtpauern mit 
lichten und lucern aufgehoben und haben sich mit ime zu dem ge- 
richt gein Trosick gewant und darnach auf bevelch der amptleut 
daselbst, als Baltazar Eegeler selbst in seinem urteil berurt, gein 
Wettewitz gefurt; und vermeint, das ine Baltazar Kegeler sulchs 
tuns halben, dhweil er pei der tat, als sein vetter verwundt ist | 
worden, nicht gewest ist, mit Zetergeschrei als einen volger undBt. 76« 
anheber des mordes unpillich angezogen und beruchtiget habe. 

Sintemal dan Baltazar Eegeler allein auf das leuten der glocken 
und zusamenpringen der nachtparn Jacob Schlacken witz die volge 

1) Vorlage : entheben. 

12* 



180 [208. 209] 

und anheben des mordes zumiBt und doch dameben ander sach nicht 
furpringt, das er pei sulchem morde gewest, gesehen oder das er 
darzu hulf, rat oder volest darzu getan habe, dadurch einer mocht 
zum Yolger getan oder geacht werden: So mag ine der genante 
Balthazar Kegler sulchs leutens und samlung halben der nachtparn, 
die [er] auf sulch zetergeschreie und zuvoran pei der nacht als ein 
schultis des dorfs wol hat tun mögen, noch darumb, so er mit den 
nachtpaum den gewunteu auf dem felde aufgehoben und sich mit 
ime, wie vor berurt, zu gericht gewant hat, ap der hemachmals ver- 
storben ist, zu einem yolger und anheber desselbigen mordes nicht 
bereden und hat in des mordes halben nach gestalten dingen mit 
Zetergeschrei vor gericht unpillich beschuldigt und beschreien lassen; 
und der muß sulche Zetergeschrei und clag, die er also mit unrecht 
auf den genanten Jacob Schlacken witz getan, als dem schultissen 
Bl. 77a des dorfs Bockenwitz, mit wette und büß abtragen; | und wn er in 
dem gericht nicht besessen oder eigens darinne ligende hat, als 
sulch büß und wette auftragen mag, so muß er ime und dem gericht 
darumb purgen seczen. Von rechtis wegen. Versigilt. 



209 

Vgl. Nr. 208. 

Von volge eines morders, aen verborgen geclagt. 

Sprechen wir obgenanten schöpfen zu Leiptzk vor recht: Ist 
Balthazar Kegler vormals zuerkant, inmaßen die ganz gemein Bocken- 
witz gesaczt hat, so er irgent ein volger des todes seins vettern 
erfarn, das er dem rechte gepot legen und den gepoten mit rechten 
clagen volgen solle; und er hat darüber zu der egenanten gemein 
zu Bottewitz [an] vorpot oder an Vorladung oder Verkündigung mit 
Zetergeschrei, als er dan ein sulchs in seinem geseczte selbst be- 
kennet, vor gerichte zu Trosig als zu volgem des vorberurten 
mordes gefordert; und so dan die tat ubernechtig wer worden, so er 
sulche forderung [mit] Zetergeschrei auf die mergenante gemein zu 
Bottewitz als an vorgepot und Verkündigung über das urteil unrecht 
getan: Sulch clage, gein derselben gemein zu Bottewitz mit Zeter- 
geschrei und unrecht furgenomen, ist nach gestalten Sachen machtlos 
und von uncreften, nachdem in solchen Sachen einer den andern zu 
rechte an vorpot und Vorladung, ap einer gleich in richtesstul gesessen 
ist, vor gericht zu antworte zu stehen nicht bringen mag. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 



[210] • 181 

210 

Vgl Nr. 301. 

Von teter und volger eins mordes. Bu 77b 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf Yor ein recht: Hat 
sich in dem kretzschmen zu Trebenn ein hader oder auflauft er- 
hoben und ist in demselbigen auflauft des obgenanten Thomas 
Wiesenvoigts bruder verwundt und gehauen worden, also das er dar- 
nach über etzlich zeit davon gestorben ist. So Dhomas Wiesen- 
Voigt sulch tat an seinem bruder gesehn, auf frischer tat geclagt 
bat, und hat derhalben zu Jörgen Strümpell, eurem bruder, als zu 
einem teter, auch zu eurem vater, Jörg Strumpel genant, also zu 
einem volger, gefordert und geclagt und euren vater in die acht 
pracht; so dan euer vater umb der tat oder volge willen ^ so des 
genannten Thomas Wiesenvoigts [bruder] verwundet und gehauen und 
davon gestorben ist, von stund an fluchtig worden, und Wiesen- 
Yoigt hat ine dadurch erfordert und in die acht bracht: So pleibt 
dieselb rechte forderung nach gestalten dingen, also dan pillich, pei 
crafb und macht; und Dhomas Wiesenvoigt hat aber zu sulcher ge- 
richtesforderung eurem vater nach gestalten dingen kein gerichtsbot 
dorfen tun lassen von recht. 

So aber Antonius Roßler und sunst auch einer von Borne in 
demselben hader zu Treben auch seint gewundt worden und haben 
die tat an ine gesehen und von stund an auf frischer tat nicht 
geclagt, sonder haben hemach|mals allererst, do sie haben erfam, Bu 78a 
das euer vater hinweg komen und in die acht getan was, umb 
einer wunden wegen zu Jorge Strümpell, eurem bruder, als einem 
teter, und zu eurem vater also einem anheber des haders und volger 
der wunden, gefordert und geclagt und dodurch euers vaters gut 
bis auf die hulf erstanden ; dhweil [sie] dan zu eurem vater und sei- 
nem gut umb vorberurter volge willien von stund nach frischer tat 
oder fart^ also [sie] die wunden haben entpfangen, nicht gefordert noch 
geclagt, sunder über lang darnach, als euer vater hinweggeritten und 
von Dhomas Wiesenvoigt in die acht gepracht was ; und haben eurem 
vater zu denselben iren clagen und forderung kein gepot tun lassen, 
sunder ine und sein gut also on rechtliche furgepot bis auf die hulf 
erfordert und erstanden: So ist sulche gerichtsfordruug zu eurem 
vater und seinen gutern in sulcher maß, one rechtliche vorgepot und 
ime in rucken geschechen, von uncreften und machtlos, und mag 
eurem vater noch seinem gut nichts beschedigen, sunder ir mögt als 
sein jüngster unabgeteflter sun und erbe dieselbige euere veterliche 



182 ^ [210. 211. 212] 

guter und also bis auf zukunft euere yatem pillich vertreten. Von 
rechtes wegen. 

211 

Von Yolgern und heifern eins mordes und der cleger 
erpeut sich gezeugen. 

Bl. 78b Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Sintemal Hans 
Keill eines mordes halb, [so] an seinem bruder geschehen und er- 
gangen ist) zu Jörgen und Feter, die Barthelmeß genant, also zu 
yolgern und helfem des ergangen mordes erclagt hat, und ap die 
genanten Barthelmeß des versachen wolden, so erpeut er sich, sie 
zu überzeugen mit drei fromen [mennern], die do pei sulcher tat, 
die do geschehen ist, gewest seint, also nemlich mit Blesing Keill, 
Hansen Lencker, Gloris Keill; so dan zwein unter den genanten zeugen, 
also Blesing und Gloris Keil, des entleibten mannes bruder und darzu 
sachwalden und. cleger seint: So mögen sie in disen Sachen, wiewol 
die dopei und über der tat gewest seint, nichts gezeugnus geben; 
ir getzug ist an recht machtlos und uncreftig Ursachen halb, wie 
itzund berurt, das sie des verstorben bruder und der Sachen cleger 
seint. Derhalb sie, genanten bede Jörg und Feter, das zu der tat 
nicht helfer gewest seint, wol rechtfertigen mögen. Es were dan, 
das sie mit andern leuten, die der Sachen nicht verwandt und unver- 
dechtig wern, also volger und helfer vorkomen wurden, so mochten 
sie sich da selbst nicht entledigen, sunder musten sich, so hoch sie 
des uberkomen wurden, mit also vil unschuldig wurken. Von rechtis 
wegen. Versigilt. 

212 

Volge eines mordes, in verlegen mit gelde. 

Bl. 79a Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Hansen Richters 
freunde umb den mort an ime begangen den egenanten Gasper Mor- 
genstern mitsampt seinen brudem als vor teter und Faul Holpener 
vor einen volger desselben mordes pis auf die acht erfordert haben; 
und Gasper Morgenstern hat sich mitsampt seinen brudem, so sie 
sich nicht haben wollen echtigen lassen, mit den freunden umb die 
tat verriebt und vereiniget; und des ermorten Hansen Bichters freunde 
haben die forderung, zu dem egenanten Faul Holpener umb die volge 
des mordes oder totschlags pis auf die achte geschechen, in der 



[212. 213] 183 

▼erricbtung dem egenanten Gasper Morgenstern und seinen brudem 
übergeben zu steur irer beteidingter pesserung, die sie umb sulchen 
iotschlag, an Hensel Richter begangen, seinen freunden geben müssen; 
so dan Casper Morgenstern mitsampt seinen brudem darauf nach 
erkantnus richter und schoppen die achte zu dem egenanten Paul 
Holpener gefordert, und hat doch umb pett willen Paul Holpeners 
und seiner freunde umb sulcher verwillung und zusag willen die acht 
anstehen lassen , nemlich das er sich mitsamt seinem bruder an 
rechten erfam solde auf seine cost^ was er ine von sulcher volge 
wegen .zu steur der pesserung geben solde, das er in das also geben 
wolle, als Gasper Morgenstern in seinem urteil seczt; dhweil sich 
dan derselbig Paul | Holpener als von sulcher volge wegen nach Bl. 79b 
erkantnus des rechten zu wandel und abtrag gegeben hat: So muß 
der dem genanten Gasper Morgenstern und seinen brudem anstat 
der cleger und des ermordten freunds dieselbig volg des totschlags 
miit einem halben wergelde, das idt mit lY schock gr. der pesten 
monz, die in dem gericht daselbst, do die tat beschechen, gang- 
haftig ist, verpessem und dem gericht derhalben sein gewette geben. 
Von rechtis wegen. Versigilt. 



213 

Der richter hat den morder des erschlagen bruder über- 
antwort, ime bevolen, er solle ine versorgen, und der mor- 
der ist ime entgangen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Ir habt in kegenwertigkeit 
zweier sch5ppen des erschlagen bruder den morder bestetigt und ime 
geantwort und auch gepeten, zu bewam nach gewonheit des gerichts ; 
und ist dan der morder also entlaufen; und des toden bruder euch, 
euer weib und euer meid angeclagt umb'^rat, hulf Und volge, und 
zu euch [ein] ding, das ander, bis auf das dritt ding gefordert hat; 
[ir] zum dritten ding kommen seint und die were geheischen habt, 
und der er euch gewegert hat: So seit ir ime, euer weib und maid 
antwort nicht pflichtig, er tu dan euch die gewer. Wan er euch 
die gewer tut, dorffc ir, euer weib und maid itzlichs besundem rat, 
hulf und volge sich entledigen mit sein selbst band auf den heiligen ; 
so seit ir im forder keins pflichtig. Von rechtes wegen. 



184 [214. 215. 216] 

214 

Bl. 80a Man muß den morder [zu] der clag frei für gericbi 
pringen und aller band los. 

Spricht Leiptzk: Habt ir Glorius Tor die brüst gehauen, das er 
über II tag darnach gestorben ist; seit ir über ein stund nach dem 
hauen zu gefenknus pracht und werdet ir nun nach seinem tode 
von seinem bruder also ein morder beclagt: So muß man euch zu 
der clage frei für gericht pringen und aller pande los^ ab ir das 
mit urteil fordert. Von rechtis wegen. Versigilt. 



215 

Einen erschlagen in notwere. 

Spricht Leiptzk: Sintemal die antworter in irer antwort seczen, 
das sie sulch ungeschicht in rechter were getan haben, mögen sie den 
die notwere itzlicher besonder gezeugen, als recht ist: So geht ine 
sulche forderung nicht an iren leip, sunder [sie] müssen darumb des 
verstorben freunden, itzlicher besonder, ir wergelt geben und werden 
damit los und seint in solcher wirderung der 11^ gülden nicht pflichtig. 
Von rechtis wegen. Versigilt. 



216 

Einen toden aufgehoben hinder gericht. 

Spricht Leiptzk: Ist ein man in einen walt gegangen, ine ein 
knabe, sein sun, gesucht, und hat er den man zustoßen und zu- 
schlagen tot funden ligen und einen bäum neben ime, und der 
knabe sulchs seinen freunden gesagt; seint die freund darzu kommen 
und haben sie den man aufgehoben zu versorgen, das ine die wolfe 
Bl. 80b und andere tier nicht fressen: An sulchem tun haben seine freunde 
nicht unpillich noch Unrechts getan und pleiben des on wandel. — 
Und ist die statt und stell, do der man tot funden ist, des herrn von 
Schonbergs und clagt derselbig herre von Schonberg zu den, die den 
man aufgehoben^haben, heischet er auch den toden leichnam wider 
au die stell: Antworten deshalben, das sein gericht domit nicht ge- 
schwecht wurde; sintemal dan das in dem geschieht kein frevel noch 
unrecht ergangen ist, darumb man clagen darf, und im diser tat 
halb an seinen gerichten wider abe- noch zugeht, so. darf man den 



[216. 217. 218. 219] 185 

ioden leichnam wider dohin nicht pringen. Und die deh aufgehoben 
haben, seint ime deshalben nichts verfallen , dan sie [haben] daran 
nicht mißgetan. Von rechtis wegen. Versigilt. 



217 

Der verwunte ist gestorben. 

Spricht Leiptzk: Also ir des worfes und der Verwundung, das ir 
im die peinschrotige wunde in seinen kop geworfen habt, bekant 
habt, und der verwunte nun gestorben ist: So must ir peinlich clag 
leiden und auch peinlich strafunge leiden, das ist, das man euch die 
band sol abschlan; und ir seit des also überwunden und mögt mit 
einem halben wergelde [nicht los] werden. Von rechtes wegen. 
Versigilt. 

218 

Von nein gesprochen einer volge. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf« sulche urtel vor recht : Bl. 81 a 
Sintemal Nickel Freitag zu sulcher schult und in dag, die volge 
betreffende, darumb ine dan Hertin Schmidt für gericht beschuldigt 
und verclagt hat, nein gesagt; und so dan derselb Nickel sulcher 
volge von Mertin Schmidt on alle gezeuge schlechtiglich beschul- 
digt und verclagt ist: Darf dan der genant Nickel zuband auf den 
heiligen volge tun und sich der volge auf den heiligen entledigen 
und unschuldig machen, so pleibt es pei sulcher entledigung und 
neine pillicher, auch mit merem rechten, dan ine Mertin Schmidt, 
sein Widersacher, sulchs vor euch ampts halben, wie sein urteil 
melden, zu hocher und forder entledigung der volge bedrangen möge. 
Und Nickel Freitag ist auch darzu unschedlich, das er sulche clag 
seins widersachen zum ersten gericht nicht verantwort hat. Er 
kompt gleichwol noch zu seiner unschult, wie itzund berurt, und zu 
entledigung der volge mit seines selbst band möglich. Von rechtis 
wegen. Versigelt. 

• 

219 

Es ist einer über die VI wochen noch der tat für einen 
morder gefenglich angenommen; dapei sich einer gesaczt, 
er wolde die tat auf ine pringen. Darnach hat der cleger 



186 [219] 

pei fünfzig schock verpurgit, er wolde die tat pei verlast 
der summa geldes aufpringen. Des hat sich der beclagt 
mit recht entledigt. Was darumb sein leiden, auch der 
zuerkanten pnß halben recht ist. 

lu.. 81b Sprechen wir schöpfen za Leiptzk darauf vor recht: Ist einer, 
Erhart Borchart genant, in eaern junkherm des von Tettaw gericht 
ermordt und haben sich des ermorten sune nach geschechner tat 
in der sechsten oder sibenden wochen gefunden, euch angerufen, 
wie einer, Baltzar genant, ine iren vater ermort solle haben; in den 
zum rechten gefenglichen zu seczen gepeten. Habt ir irem ansinnen 
nach denselbigen Baltzer nicht änderst annemen wollen, dhweil die 
tat nie angenommen noch derhalben fluchtig, auch nicht, wie sich« 
in dem falle gepurt, beclagt worden, dan das sich je einer des er- 
morten sune, die tat auf Baltzer zu pringen, pei ime gef englich zu 
seczen lassen solt. Und die cleger haben sich des bewilligt also 
und sich einer gefenglich gesaczt, der sich dan darnach pei yerlosi 
fünfzig hohe schock Baltzer ein tetem zu machen, wie recht, ver- 
purgt solle haben. 

Hat sich dan der cleger also bewilligt, das er Baltzem zu einem 
morder machen wolt und die tat, darauf er gefenglich gesaczt ist, 
wie recht, auf ine zu pringen, und das pei L schock gr. yerpurgt, 
das ir mit IV unbescholden geschwom mennern des dorfs, wie sich 
das gepurt, beweisen und zupringen mögt; und der cleger hat dar- 
über genanten Baltzer zu merem mal vor gericht gefurt und die 

ßL.8'2Aclage I peinlich gein ime furgenommen; und der beclagte hat sich 
durch ergangen urteil der tat, darüber er bezichtigt, gerechtfertigt 
und sein unschult aufgefurt, und der cleger ist also feUig wordei^: 
So wer er des verpurgten geldes, wie oben geschrieben, seiner ver- 
willung nach, nemlich L schock gr. verfallen. So aber der cleger 
der yerwillung nit gesteet oder ime nicht beweist, das er pei verlust 
der L schock die tat auf Baltzer zu pringen, sunder so er allein 
yerpurget hat, das er dem rechten yolge tun wolt, dem er also getan 
hat, und oft gemeldt beclagt ist ime, wie recht, geteilt und also der 
tat unschuldig wurden: So darf dennoch der cleger nicht leiden 
müssen, sunder lost sich gein Baltzer mit seinem wergelt und gein 
dem richter mit seinem gewet. Was ime auch büßen in gericht 
zugeteilt werden, wie recht ist, die gibt er auch pillich. Von rechtes 
wegen. Versigelt. 



[220. 221] 187 

220 Z'WBITB 

Hälfte i>kk 

Einer ist pis auf die acht erlanget, darin verkündigt 16. Jah&h. 
wurden. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf vor recht; Habt ir 
darumb, das euch die bemelten Hans Toltz und CristofiP Nagler als 
teter euer sone abeermordt haben, zu Heintzen und Mattes Freundt, 
Hansen Nagler und Herman Haßler als volgem, die rat, hulf und tat 
darzu sullen getan haben, vor Hansen Sacks ^) zu Muldorff gerichten 
peinlichen geschuldigt, bis auf die achte erlanget und | darin verkun-Bu 8'2h 
digen lassen; ist dan Hans Toltze darnach zu Hansen Sack kommen 
und sich erpoten, [sich] sulcher beruchtigung unschuldig zu machen 
ader sich des handeis halben, so ir das gutlich von ime aufhemen 
weit, gutlichen zu vertragen; und wiewol ir den zu gericht^] und rechte 
geleitet habet, danach so sulchs mit sulchem unterscheit geschechen, 
wu er der Sachen halb, darumb er beclagt, sich nach erkantnus 
biderleuten mit euch in der gute nicht vertragen mocht oder wurde, 
das er durch sulche gutigkeit ^vider die ergangen peinlich clag kein 
behelft nemen noch suchen sold: So mag die sach aus crafi; sulcher 
bedingung, ap die in der gute weggelegt wurde, nicht purglichen 
werden. Er mag sich auch dodurch wider die peinlichen clagen, 
so ir solchs mordes halb wider ine habt angestalt, nicht behelfen, 
und so er auf recht vor gericht wurde komen und sich aus der achte 
wurken wolde, so sali er zuvor Ursachen furpringen, wodurch er 
uupülich in die achte kommen oder bracht sei, und dameben zu 
den heiligen schwem, das er mit wiUen in der achte nicht gelegen 
sei. Und wan er das alles getan hat, wu er dan sulcher schult 
halb angezogen beschuldigt were, so solt ime sich sulcher bezich- 
tung oder clagen mit seins selbst band auf den heiligen abzunehmen 
vorgunst und zugestatt werden. Von rechtes wegen. Versigelt etc. 

221 

Vgl Nr. 336. 

Gerichtscost. Bl. 83a 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulch eingefeite urteil der 
genanten part vor recht: Hat Jorge Schmidt umb etzlich unredliche 
zusage, die ime von Hansen Spitzing zugemessen und durch seine 

1) Urkundlich erwähnt von 1462 his 1501; vgl. von Raah, Regesten I. 
S. 292; IL S. 406; Frh. von Hausen, Vasallen geschlechter, S. 417. 

2) Vorlage: gleich. 



188 [221. 222] 

wort zugesagt worden sei, den dieselbigen Hansen Spitzing also seiner 
unredligkeit zu vertreten für gericht beschuldigt und becli^; und 
bat dan derselbige Hans Spitzing Jorge Schmide oben bemelt sulcher 
zusag und untat, die er ime durch seine wort zugemessen hat, wie 
recht, nicht mögen überkommen, sunder ist sulcher zusage halb für 
gericht auf des rechten erkantnus kegen dem genanten Jorge Schmide 
pußfellig worden, also das er ime sulche unrechtliche zusage nach 
gesaczter puß und penen des rechten hat müssen yerpessem : So ist 
er ime nicht allein sulch zuerkante büß vor sulche unferliche zusage 
pflichtig zu geben, sunder er muß ime auch, so er kegen ime der 
Sachen fellig worden ist, alle gerichtskost, was er für gericht, richter 
und schSppen und auch den vorsprechen nach gewonheit des ge- 
richts hat müssen ausgeben, und darzu das spruchgelt und botenloen, 
das rechten über feit zu holen, und sunst nichts mer widerk^en. 
Von rechtes wegen. Yersigelt. 



222 

Bl. 83b Einer hat leut angerufen von gerichts wegen, in sei- 
nem hause fried helfen zu bekreftigen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht auf sulche tunkel 
wort der genanten part: Hat Andres Lauterbach die leut, die do die 
zeit im kretzschmam gewest seint, von gerichts und ampts wegen 
angerufen, in seinem haus friede helfen zu bekreftigen, dodurch der 
auflauft, der sich gehoben hat und erstanden was, auch sunst ander 
unrat vormiden pliebe ; und hat Andres Lauterbach in sulchem auf- 
leuft mit denselbigen leuten, die er von gerichts und ampts wegen 
angerufen hat, Nickel Henneman verwundet; sulche wunden der 
Henneman richter und schöpfen erzaigt und mit ine beleget hat. 

Ean der Andres Lauterbach bezeugen mit zweien unbeschulden 
mennem an irem rechten, das sich die ding, wie itzund bemelt ist, 
begeben haben, und das er die leut, die do die zeit im kretzschmar 
waren, des auflaufen halb und von gerichts wegen hat müssen an- 
rufen, ein sulchs zu underkomen, so er das also zupracht und be- 
weislich gemacht: So ist er und auch die anderen leut^ die ime 
das von gerichts wegen und ampts halben [haben] helfen tun und 
Bl. 84a den auflauft | also underkomen seint, dem genanten Hennemann um 
sulch wunden, die er entpfangen hat, nichts pflichtig, sunder der 
genante Andres und sein helfer pleiben des also denn kegen Henne- 
mann pillich on wandel; und Lauterbach pleibt auch pei sulchen 



[222. 223. 224] 189 

gezeuge, inmafien er den in seinemf urtel bemeldet, möglich; und 
Hennemann mag im den seines furnemens halben, wie er in seinen 
urteln forpringt, Bicht verlegen. Von rechtes wegen. 



223 

Eine sach auf schiedesrichter gegeben. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche eingefeite urtel der 
gemelten part vor recht : Haben die gemelten part ire Sachen, davon 
in den urteiln bemeldet wer, der darumb ein tail das ander vor ge- 
rieht beschuldigt hat, auf etzliche scheidesrichter gestalt und gegeben, 
die sie aus denselbigen iren Sachen entscheiden solten; und so dan 
dieselbigen ire gewilkorte schiedesrichter die Sachen, die zu ent- 
schieden zu sich genomen haben: So mag der eine von den beden 
schiedesrichtem dem einen part, nemlich Thomas Zscherppen, seine 
sach hinder dem andern part, nemlichen Heinrichen von Wolffirams- 
dorff, zu schaden und vorfange nicht wider geben, sunder dieselbigen 
bede schiedesrichter, die die sach also zu entschieden auf sich ge- 
nomen haben, [suUen] on einicherlei [ abeschlag, der den part zu schaden Bl. 84b 
kernen mocht, ei^scheiden von recht. Und hat Thomessen Zscherppen 
die sach mit clagen wider angefangen, verfolget, so muß er sulche 
clage abstellen und der Sachen mit seinem widerteil pei iren gewil- 
körten Scheidesrichtern, die sie zu entscheiden auf sich genommen 
haben, [bleiben]. Von rechtis wegen. Versigelt. 

224 

Einer sich verwilligt, etwas .für gericht zu pringen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche eingefeite urteil der 
gemelten part vor recht: Nachdem Heinrich Cziller ein ding, das 
ander und auch das dritte sich für gericht und gehegter dingpank 
erpoten hat, unserm negst getanen rechtspruch in disen Sachen, wie 
der bemeldt, rechtliQte volge zu tun, und wen ir ime das also ge- 
steen und bekennen werdet, wie wol er sich für gericht erköret und 
das auf euer entpfelnus verwilliget hette, das lamp fiir gericht gegen 
Aldenpurg zu pringen; und nachdem er das nicht getan, auch sich 
das zu tun pei verlust der Sachen nicht verwilligt oder verkoret hat: 
So ist er doch sulchs Ungehorsams und deshalben, das er das lamp, 
als er sich des verköret hat, [für gericht nicht pracht], [seim] widerteil 
nach gestalten dingen nicht verlustig worden, sunder er kompt | zubl. 8öa 



190 [224. 225] 

der volfurung seines zuerteilten rechts nach besagung unser getanen 
rechtspruch noch heut pei tag pillich. Und ap ime von euch bevolen 
wer, das lamp für gericht zu pringen, und er heti^ das also zu ton 
Terwilligt und doch dasselbig lamp auf die betagte zeit fiir gericht 
nicht pracht : So wer er derhalb dem cleger doch und seinem wider- 
Sachen darumb nichts verfallen, sonder er gebe dem gericht, als er 
ungehorsam wer gewest, seine gewette pillich. Von rechtes wegen. 

225 

Vgl avtch Nr, 332, 

Einem ist umb unrechte zusage und gerichtescost zu 
seines widerparts haus yerholfen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptz auf sulche schriftliche urtel der 
bemelten part vor recht: So Benedictus Toppfer, der Schneider, den 
egenanten Heintzen Teytzscher umb etlich unrechte zusage, als er in 
seinem urteil bemelt, auch umb seine gerichtskost, die er neben der 
hauptsache auf dritthalb schock aide gr. hat gewirdert, vor gericht 
erfordert und erstanden hat, also das ime umb seine erforderte sachen 
zu desselben Heintzen Teitzschem hause verholfen ist, damit zu ge- 
paren, wie sich das forder zu rechte gepurt; und ka'n das Benedictus 
Toppfer, als er sich das auf richter und schöpfen zeucht, mit irem 
bekentnus oder dem gerichtsbuch erweisen, wie recht ist: So pleibt 
er pei seinen erforderten rechten von dem egenanten Heintzen Teytz- 
scher, so sich derselb also hat erforderen lassen, seines fumemens \ 
Bl. 85b halb, als er in seinem urteil aufpringt, [unbehindert]*), pillich und 
möglich von recht, also das sich der genante Benedictus Toppfer 
seines erforderten rechten von dem obgenanten Heintzen Teytzschem 
haus, das ime auf seine erforderung verhulfen ist, [genügen mag^ 
und lest darnach den vorgenanten Heyntzen Teytzschem zu der pesse- 
rung, die über sein erfordert recht an dem hause ist, pillich kommen. 

Sunder also Benedictus Topfer darüber und auf neu zu dem ge- 
nanten Heintzen vor gericht gefordert hat, zu ime zwu schult ge- 
saczt, wie das er ine auf das neu gescholden und mit Worten ge- 
mishandelt hat, und hat das getan auf veränderten stellen und 
stetten, inmaßen er in seinem urteil bemeldet, und hat im sulchs 
auf seine gewissen gesaczt zu verantworten ; so sich dan Benedictos 
Toppfer vorhin auch für dem rate verwilligt hat, also Heintz Teytz- 
scher seczt, das er sulche cleider, als pei euch, dem rat, gelegt und 

1] Vorlage: und hindert. 



[225. 226. 227] 191 

davon sicli dise zweitracht hat geursacht, zu erkennen^) wolde 
und eins ge wand es zu cleidern machen, das man erkennen solide, 
das alsoYÜ gewandis noch aldo sein solde, als ime Heintz Teitzscher 
geantwort hett; dhweil er dan derselbigen | seiner yerwilligung vor ßi^. 86 a 
euch, dem rate, und ap er sich beromet hat, nicht nachkomen und 
sich also von Heintzen Teytzscher nicht entbrochen hat der Sachen, 
also Yor euch, dem rat, gehandelt ist worden : So bedarf ime itzund 
der genante Heintz Teitzscher zu seinen neuen schulden nicht ant- 
worten; sonder wan er das Yolfärt und einem solchen nachkompt, 
das er sich vor euch, dem rat, verwillet und verhöret hat, wie vor 
berurt, alsdan, will er den egenanten Heintz Teitzscher nicht unbe- 
clagt lassen y so tut [er] ime zu seinen schulden pillich antwort mit 
ja oder nein. Von rechtes wegen. 



OQÜ Z'^'ISCHBN 

^ 1469 UND 1465 

Vgl Nr, 355. 

Wan ein rechtspruch vom rechten kompt und die schöpfen 
in gericht sollen das aussprechen. 

Sprechen wir schöpfen zu Rochlitz eintrechtiglich nach schulden 
und zusprachen Urban H[erteils]2] an einem, fragen, reden, wem und 
antwort Gonraden Herolds am andern teil belangend, dise hernach 
geschriebene recht, als wir uns das pei rechtverstendigen erfarn 
haben und selbst pesser nicht wissen: Sintemal etc.^); secundum 
tenorem der schöpfen zu Leiptzk oder Magdeburg. 



227 

Gerichtscost zu erlangen und von widerclage. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche schriftliche ein- Bl. 86 b 
gefeite urteil vor recht: Sintemal als Asmus Schneider in Vormund- 
schaft seines eeweibs Michel Stoltzen und Andres Worlin umb etz- 
lich Scheltwort, demselbigen seinem weibe angelegt oder zugesagt, 
vor gericht beclagt hat und sie haben sulch unrechtliche zusage nach ^ 
erkantnus richter und schöpfen seinem eeweib, so sie die haben be- 
ll Infolge Eorrektar von anderer Hand ist dieses Wort aus der Vorlage 
nicht mit Sicherheit festzustellen. 

2) Vgl. Nr. 365. 

3) Das meritum causae ist aus Nr. 355 ersichtlich. 



192 r227. 2281 

kant, yerpuBen und verwandeln müssen; so dan Asmus Schneider der 
gerichtspflicht und -cost in [seiner] forderung nicht gedacht, noch in 
seinen urteiln darauf geurt^ilt und gepeten hat, iine die neben der 
pußen widerzukem und zu erstatten ; richter und schöpfen haben auch 
darüber nichts verteUt, noch zu recht gesprochen ; und Vinczel Stoltze 
und Andres Worlin haben darnach, als sie dem genanten Asmus 
Schneider von seines eeweibes wegen die Scheltwort yerpust haben, 
umb etzlich Scheltwort, die er [ine]^) sol zugesagt haben, [so] an ire 
ere und leumut beruren^ wider zu ime gefordert und geclagt ein ding, 
das ander, das dritte: So muß ine Asmus Schneider, wu sie ime 
änderst bede oder Vinczel Stoltze Yor sich und auch in voller macht 
Anders Berlins, seines Schwagers, zu solchen clagen rechtliche gepot 
Bl. 87 a tun lassen, | zu irer angestalten schult, so sie ime ercleren wurden, 
wu und an welchen enden und auf welch zeit er sie gescholden sold 
haben, volle antwort tun; und er mag sich des damit [nicht] auf- 
gehalden, als vor berurt, das seines gerichts pflicht und cost noch 
aussteen, derhalb er sie in seiner schult behalden solle ; dan sie mit 
den vorgepoten und clagen vorkomen seint, so muß er das erste von 
ine kommen. Wu er sie demnach seiner ausgeben gerichtspflicht 
und -cost nicht erlassen wil, sunder vermeint^ die wider an ine zu 
erlangen, die muß er alsdan darnach mit neuen vorgepoten und 
clagen nach gewonheit und geleufte der gericht an ine fordern. Were 
es aber sach, das Vinczel Stoltz und Andres Worlin umb etzliche 
Scheltwort widerumb zu dem genanten Asmus ein ding und das ander 
geclagt betten, und ime wer das weder zum ersten noch zum andern 
kein rechtlich gepot geschechen, also Asmus Schneider seczt: So 
mocht den in der egenanten Vinczel Stoltz und Andres Worlins clage 
nicht beschedigen, sunder sie wer nach gestalten dingen als von 
uncreften und ganz machtlos. Von rechtis wegen. Versigelt mit 
unserm insigel. 

228 

Rl. 87r So der antworter sich vom cleger mit eiden entledigen 
wolte, ap nun der cleger gein dem antworter der gerichts- 
cost und etwas in gericht verfeilet habe. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche frage vor recht: 
Seintmal ir Johans Bado, eueren widersacheii, den ir umb etzlich 
summa geldes, [so er,] als ir vermeint, euch der höchsten und letsten 

1) Vorlage: ir. 



[228. 229] 193 

münz schuldig were, mit rechter Yorladung and gerichts ordenong 
Tor gericht furbracht und gein ime recht mit recht gefordert habt; 
und er euch zu der schult und clage nein sagt und dem nein als auf 
den heUigen volge getan hat und sich der antwort also von euch 
in recht entbrochen und entledigt; wiewol den die. schöpfen erkant 
und geteilt haben, das ir gein demselben Johansen der gerichtscost 
ledig worden seit, das do dan etwas yermerglickeit in sich hat: Nach 
dem ir derhalben, so ir recht mit recht nach gerichts ordinung an 
ime gefordert habet, ime nach dem gericht überall nichts pflichtig 
noch in gericht verfallen seit, sunder ir pleibt des gein ime pillich 
on allen wandel. Von rechtes wegen. Yersigelt. 



229 

Von burgeschaft für gericht. Bu 88a 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche schrift vor recht: 
Seintemal das Nickel Stuller in seinen Schriften furbringt, das Baltzer 
Fischer, Briccius Glaw und Nickel Bonick sollen sein bürge worden 
für Peter Heintzman gein ime, ap Feter Heintzman der Sachen gein 
[ime] fellig wurde, das er seiner uncost an ime bequeme, und das er 
die purgen darumb für gericht geheischet habe und das ire burgen- 
zoge genommen haben, und so sie uiemands von sich haben bracht, 
meint er, sie seint ime selbschuldig wurden ; und also Baltzer Fischer 
mit seinen compon furpringt, das sie bürgen seint wurden und Feter 
Heintzman das sie vor gericht auf ein zeit wider stellen sollen, den 
sie auch auf die zeit wider gestalt haben, des sie sich ziehen an 
lichter und schöppen; darf dan Baltzer Fischer mit seinen compon 
Terrechten itzlicher mit sein selbst band auf den heiligen, als recht 
ist, das sie vor Feter Heintzman in der maß, als sie Michel Stuller be- 
schuldigt^ nicht seint bürge wurden, sunder das sie bürge seint wur- 
den, [ine] auf ein zeit widerzustellen und nicht änderst; und haben 
sie den Feter Heintzman auf die zeit widergestalt, und gestehn ine 
das richter und schöppen, auf die sie sich ziehn: So seint sie sulch 
burgezoge ledig und los mit merem rechten, wan sie Michel Stuller 
hoher dringen mag. Von rechtes wegen. Versigelt. 



G. Kisch, Leipziger Schöffenspnichflammluug. 13 



194 [230. 231] 

230 

Vgl Nr, 315, 

Bl. 88b Einer ist von gericht dingfluchtig worden. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Hat Hans Friderich Hansen 
Hawenkom umb der sach willen yormals für gericht lassen laden 
und seint dan etzlich urteil in der sach gesprochen. Des ist Hans 
Friderich yon gericht dingfluchtig worden, und Hans Haberkorn das 
gezeugt mit richter und schoppen, also recht. Und wen er das also 
gezeugt: so ist Hans Friderich seiner Sachen fellig worden und hat 
die gar yerlom. Konde aber Hans Haberkom also nit gezeugen, so 
er dan seiner antwort wer seczt, das die sach ganz bericht sei und 
zeucht sich das an Hans Friderichs eigen bewust: so muß Hans 
Friderich die bewust yerantworten. So pleibt dan ein gerichte sach. 
Leukent er dan aber der bewust und spricht nein darzu und darf 
dem nein recht yolge tun mit sein selbst band auf den heiligen, als 
recht ist: so mag sich Hans Haberkorn mit sulcher berichtung ant- 
wort nicht erwem. Von rechtes wegen. VersigelL 



231 

Einer hat gegen einen in gegenwertigkeit des richters 
und der fronpoten einen frevel wollen tun; dem der richter 
von gerichts wegen friede zu halten hat gepoten; das er 
nicht hat wollen tun, sunder sich mit mortlicher were 
wider den fronpoten gesatzt, nach ime gestochen, den 
richter gescholden und sich des gerichts gewert. 

Bl. 89a Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Hat einer euer 
mitburger an einem andern seinem nachtpaum in beiwesen und 
kegenwertigkeit euers richters und des fronpoten einen frevel wollen 
üben und tun, und hat den der richter von gerichts wegen dem- 
selbigen freveler fried zu halden gepoten. Das derselbig durch eigen 
willen nicht hat wollen tun und lassen, sunder sich mit mortlicher 
were vrider den fronpoten, der ine vor geheischen des richters hat 
sollen greifen und also mit gericht bestetigt, gesaczt und nach ime 
gestochen und den richter mit scheltworten böslich ausgericht, an- 
gegangen und also sich des gerichts gewert. Und nachdem er euer 
mitburger ist und der statt und dem gericht gehorsam, in seiner 
aufnemung des purgenrechtens gelobt und itzund wider seinen ge- 
lobten gehorsam getan hat: So mögt ir ine nach euer statt wilkore 



[231. 232] 195 

nacli yerlaufung der Sachen 'strafen, und er muß dem richter und 
dem fronpoten, einem itzlichen in sunderheit, sulche missetat und 
ubang, an inen begangen, nach gesaczter puß verbüßen und einem 
itzlichen XXX Schilling pfening durch recht pflegen. Von rechtes 
wegen. Versigelt. 



232 14. Jahbh. 

Ein nachtpauer hat des andern eeweib zu iren eren ge- 
scholden und ir ebrecherei zugesagt. Sulcher irtumb dan 
bericht ist wurden; und er hat die berichtung uberfarn 
und yerneut und gesagt, er habe den eebruch selber mitBr.. 89b 
ir getrieben, und das vor dem gerichtshelder selber und in 
kegenwertigkeit {des richters] im gefenknus ungenotigt 
bekant und gesprochen, eher er das widersprechen oder 

lenken [wurde]^ wolle er eher darumb sterben. 

• 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf vor recht: Hat der 
egenant Liborius Brunaw, euer nachtpauem, vormals euer eeweib zu 
iren em gescholden, gescheut, gelestert und ir eebrecherei zugesagt, 
und euer beder freund haben dieselbigen euer peder irrung und ge- 
brechen mit gunst des gerichtshelders und in kegenwertigkeit des 
richters und der schöpfen vor gehegten ding sulchs bericht und weg- 
gelegt, also das der egenante Liborius Brunaw daselb an gerichts- 
stab geredt und gelobt hat, sulche berichte Sachen stet, yest und 
unyerruglich zu halden. Und er hat doch über sulche berichtung die 
sach an vil orten und stetten widerumb torstiglich und frevelichen 
aufgeruckt und yerneut und gesagt, das euer eeweib ein hijre were 

• 

yor und nach, und das er das laster des eebruchs selbst mit ir ge- 
trieben het. Und mögt ir sulchs also erweisen wie recht und auch, 
das er yor dem hauptman zu Rochlitz und in dem gefenknus, do er 
siezt, sulchs unbenotigt bekant hat und das er das also noch be- 
kennet und sagt, das er das nimmer widersprechen noch lenken 
wolle, solt er gleich dajruber sterben; dhweil dan euer frau sun8tBL.90A 
an iren em nnbescholden ist und ir die sach und ime purglich umb 
Wandel imd abtrag sulcher frevelicher wort, rede imd beruchtung 
halben, so [er] eurem eeweibe zugemessen hat, fumemen wollet: So 
muß er euch, eurem eeweib und auch irem yater, ob der noch am 
leben wer, [was er] zugesagt hett, mit gesaczter büß des rechten 
nach eins jeden gepur[t] verwandeln , yerpessem und abtragen und 
dem gericht so oft sein gewett darumb geben. Und euer eeweib 

13* 



196 [232. 233. 234. 235] 

pleibt dannoch, so sie sunst an iren eren unbescholden- ist, an iren 
em unbekrenket yon recht. Wolt ir aber die sach umb sulchs seins 
eigen bekantnus willen, das er so yermessenlich for dem amptman 
zu Rochelitz und doselbst in gefenknus und doselbst auf sich getan 
hat und one benotigung nochmals tut, als ir seczt, peinlich pein an 
ine fordern : Darüber pflegen wir nichts zu sprechen, sunder ir werdet 
alsdan der Sachen halben wol wissen einen beqwemen richter zu 
suchen, der euch ine wird erkennen, was pein und straf der egenante 
Lyborius Brunaw umb sulch sein bekantnus, darvon ir in euer frage 
meldet, leiden sal und muß. Von rechtis wegen. Yersigelt. 

233 

Zu gut zu clagen mit rechtem gepot yon einem ding in 
das ander, do hulf über gangen ist, und die clag hat macht 
gehabt. 

Rl. 90b Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Kan Hans gezeugen mit richter 
und schöpfen und gehegter pank, das er geclagt habe zu Nickels 
gutem mit rechtem gepot ein ding, das ander, das dritte umb 
IV schock aen rechte widersprach, also das hulf darüber gegangen 
ist: so kan der dokegen kein urteil gelegen, sunder des gerichts 
hülfe, richters und schöpfen bekantnus geben möglich vor ine den 
[Vorgang]. Von rechtes wegen. Versigelt. 

234 

Geclagt mit gerichtsbrifen verkündigt. 

Hirauf : Hat Hans, der auf Gaspers guter clagt, ime das wissent- 
lich getan und verkündigt mit des richters brifen oder poten, das 
er volkomen mag, als recht, so sali die clag vorpas macht haben. 
Von rechtes wegen. 

235 

Einer sprach, er hett drei ding geclagt. 

Sprechen wir etc.: Sintemal der richter und die Schoppen Nickel 
nicht mer dan zwei gericht bekanten und darauf on widersprach* er- 
teilten, er wer fellig worden, so ist erpuß und wett verfallen, so 
er des dritten dings nicht erzeugen mag. Von rech'tis wegen. Ver- 
sigelt. 



[236. 237. 238. 239] 197 

236 

Vgl. Nr. 375. 

Beteidingte sache. 

Sprechen wir schöppen zu Leiptzk: Saint solch guter nicht erb- 
guter, sunder anerstorben, und ist dan zwischen den genanten freun- 
den auf beden teiln yerwilligt und beteidingt, welcher es nicht | 
behalden konnde, so sollen sie es darnach an einen andern freund Bl. 91a 
kernen lassen; mag dan Gasper Römer sulche beteidunge und ver- 
willung also gezeugen, und wil er das haus umb ein summa geldis 
namhaftig, als LXX schock gr., behalden: So ist Gasper Romer pei 
dem haus neher zu pleiben und das vor sulche summa gejdis zu behal- 
den, dan Nickel und Greger Teuffei ime das entwenden oder in fremde 
hende möge kommen lassen. Von rechtes wegen. Versigelt. 

237 

Zu gut zu clagen on recht gepot, da die clag macht- 
los ist. 

Identisch mit der Entscheidung Nr. 629, wo sich atich die an dieser 
Stelle der Vorlage, vne in Nr. 437 fehlende zugehörige Anfrage findet, 

238 

Von eigener gewalt und torst on gericht geschechen. Bl. Ol» 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Ist Heinrich Hoch- 
landt frau Agnesen, Nickel Ton Sandau wittib, in ire gerugliche ge- 
were [mitji) sein selbst gewalt und on gericht und recht gefallen; 
hat er on gerichte gebrauchung der guter, die sie in irer gewer 
gehabt hat, entwert: So [muß] sie Heinrich Hochlandt ehr aller schult 
in ire gewere wider seczen und sulche Verhinderung mit der puß 
abtim; es wer dan, das er sich des mit helflichen einsagen aufge- 
halden mocht. Von rechts wegen. Versigeli 

239 

Ap der oberrichter jemandes mag füren aus dem undern 
gericht. 

Sprechen zu Magdeburg: Hat euer statt ein sonderlich gericht 
vor alder gehabt, das von gewonheit oder gnaden euers herren mit 

1) Vorlage: und. 



198 [239. 240. 241. 242] 

richtem und geschworen schöpfen bestetigt ist: aus dem gericht mag 
der oberrichter mit gewald niemand füren und in sein gericht pringen, 
dhweil ime der niederrichter keins rechten gewegert hat nach stat- 
recht. Von rechtes wegen. Versigelt. 

240 

Vor dem yerwilten recht ist kein were geheischen. 

Sprechen zu Leiptzk : Also der genante Bartel Beißner eher seiner 

Wu 92 a schult einen rechtsacze furpringt und fragt | umb recht, so also Hans 

Koch mit ime auf gewilligt recht gegangen sei und vor der Ter- 

willigung kein were geheischen bat : So mag Hans Koch die gewer 

nun von ime nicht heischen. Von rechtes wegen. Versigelt 

241 

Vgl Nr. 308, 324. 

Von helfegelde zu geben nach gewonheit der^gerichte. 

Sprechen zu Leiptzk vor recht: Sie sollen die gericht frei sein, 
das man den zehenden pfenning der erforderten guter nicht geben 
darf. Ist aber [in] i) hofgericht zu Wittenberg ein redlich uberwerte 
gewonheit, das man aller erforderten clagen von X ß. IB. zu helf- 
geld gibt; hat dan Eckert [von Grotzp]^) das gut Wartenberg mit 
seiner zugehorung vor das hofegericht wider Jörgen Loser abgekauft 
und ime Jörg den kauf nicht gehalden wolde: Wan den Eckart helf- 
gelt gibt nach anzal des kaufsgeldes, so tut er der gewonheit genug. 
Von rechtes wegen. 

242 

Ein monch mag nichts fordern für gericht. 

Sprechen zuLeipt^^k: Sintemal das her Johannes Korsner ein geist- 
lich und gegeben man, ein bruder predigerordens ist, als er selbst 
bekennet, und in den schulden nirgend vermeldet, das er die forde- 
rung tu aus bevelch seiner obersten seinem orden und closter, da- 
rinne er ist, zu gut-: so seint ime die beschuldigten antwort nicht 
pflichtig. Es sei dan, das [er] beweis, das er zu diser verwillung 



1) Vorlage: ein. 

2) Vgl. Nr. 308. 



[242. 243. 244. 245. 246] 199 

und zu der fordemng Ton seinem prelaten sonderlich gemechtigt 

sei I seinem closter zu gute zu der zeit des anfanges diser yerwillung. Bl. 92b 

Von rechtes wegen. Versigelt etc. 

243 

Der herre des gerichts hat ein Wolfsgruben gemacht. 

Sprechen zu Leiptzk: Das Hans yon Brandenstein auf seim [dorf], 
do er auch gericht hat über hals und hand^ ein Wolfsgrube gemacht 
auswendig der gemein landstraßen, die do neben geht, und Ditzkes 
Helffeling und Hans Heintzen ein pferd darinne gefallen und ver- 
dorben pei nacht, das im aus dem dorf entlaufen was oder wie das 
sunst zukomen ist: das pleibt Hans von Brandenstein oen wandel; 
und also sie ine umb das pferd und andern schaden, deshalben ent- 
standen, beschuldigen, so ist er inen deshalben nichts pflichtig. Von 
rechtes wegen. 

244 

Wider den richter gesaczt hartlich und der widerseczer 
ist verwundt. 

Sprechen zu Leiptzk: Saint desmal so die genanten angeclagten 
von dem richter und wirt angerufen, sulche unfuge zu storn, und 
sich Nickel Muling so hart wider den richter gesaczt, das ine der 
richter mit den und andern, die er darzu gerufen, gewaldiglich hat 
müssen besteten, sunder ist Nickel Muling darinne also gewundt von 
den angeclagten oder andern: darumb seint sie ime yon der schult 
wegen keins schuldig noch pflichtig. Von rechtes wegen; etc. 

245 

Wider gericht und schöpfen getan, das ire eide berurt. Bl. 93a 

Magdeburger Spruch für Nawniburg, 

Oedruckt mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehltj hei P^riese-Liese- 
gang, Magdeburger Schöffenspräehe ^ IIL B. Nr. 98, S. 542 ff, und zwar 
ohne Überschrift 

Vgl. die Vorhemerhmg vor Nr. 246. 

246 

Der folgende Spruch enthält die Entscheidung der Magdeburger Schöffen 
auf eine x/weite Anfrage, die an sie in der dem vorigen Spruche zugrunde 
liegenden Bechtssache ergangen war. Diese Anfrage ist in Verbindung 



200 [246. 247] 

mit Nr. 245 bei Friese^Liesegang j IIL B. Nr. 98^ S. 543 f. aus der 
Hemdschrift Nr, 945 der Leipziger üniversitätsbibUoihek abgedruckt, während 
dort die hier vorliegende zugehörige Entscheidung der Magdeburger Schöffen 
fehlt. Die Anfrage hatte folgenden Wortlaut: 

Vortmer bete ich uch za ratene: Derselbe gibit vor, her sy mit 
eime schepphen in gespreche gewest; da habe ich om das gerichte za 
schaden uffgegebin; und wel mich als ein richter darumbe vordem. 
Sult ir wissin, das her in deme gesprecbe mer wenn eine stunde; nnde 
ich liß den fronen gar dicke rufen: »Had ymand zu teidingen, min herre 
wil gerichte ufgebin!«, das ich wol Yorkomen wel mit den andern fumf 
schepphin; unde liß ouch den andern us deme gespreche rufen mer wan 
eins, das ich ouch also wol vorkommen wel. Do si nicht ingehin wol- 
din, da gab ich ding uff, wenne ich wol weiß, das ich sechs stunden ge- 
sessin hatte. Hirumbe bete ich uch, ab her schadin adir wegerunge des 
gerichtis zu mir vordere adir secze wolde, unde ich des also vorkomen 
wel, ab ich om keins darumbe phlichtig bin, adir was recht sy, etc. 

Bl. 93b Der richter hat das gericht aufgeben, dieweil der cleger 
in gesprech gewest ist. 

Sprechen zu Magdeburg: Ist der man in teidingen oder in ge- 
sprech gewest und hat der richter- das gericht also lang gesessen, 
das do niemand mer was, der do clagen wolt, und hat der richter 
lassen aufrufen, ob jemand zu clagen hett, er wolde gern richten, 
und jener also lange in dem teidinge und gesprech gewest, das der 
richter das gericht aufgeben hat, und ist jener davon schadehafbig 
worden: das ist von seinem eigen verseumpnus zukomen. Und m^ 
der richter das verkomen mit den schöpfen, die mit ime in der 
pank gesessen haben, so ist er umb werderung oder umb schaden, 
ab er von der Sachen geschuldigt wirt, gegen den clegem nichts ver- 
fallen. Von rechtes wegen. 

247 

Urteil ist gefrist für dem deinen gericht pis an das 
groß gericht und darzu nicht gekommen. 

Magdaburg: Habt ir Hansen Krieg vor dem deinen gericht ge- 
clagt, und ist das urteil gefristet zum negsten großen gericht, als 
euer schrift ausweiset, und habt ir dan von bannes wegen zum negsten 
großen gericht, dar ir bescheiden wart, nicht komen [mugen]: das 
seit ir dem richter ein schlechte wette verfallen und ir seit dem 
richter von dem antworter drumb keine höchste puß nicht pflichtig. 
Von rechtes wegen; etc. 



[248. 249. 250. 251] 201 

248 

Einer lief über den richter in gehegter pank. Bl. 94a 

Ein richter saß in einem gehegten ding mit den schöpfen. Do 
lief einer hin auf ine und wolde ine seins lebens geremet haben in 
gehegter bank. Das clagt der richter auf ine, das er einen fried het 
gebrochen in gehegter pank^ do die schöpfen betten gegenwertig ge- 
sessen, und wolt ime nach seinem leben gestanden haben, und hett 
weder blau mal hoch blutrunst. Hirumb fragen wir, was erstanden sei. 

Sprechen zu Magdeburg ein recht: Das sich der man sal losen 
mit einer büßen, das seint XXX Schilling, und dem richter [geben] 
sein gewette. Von rechtes wegen« 

249 

Einer hört sich beschuldigen und ging on antwort von 
dem gericht. 

Magdeburg: Kachdemmal Willoch horte der frauen clag, darumb 
ine der richter zu dinge für gericht bescheiden hat, und wegging 
und nicht antworte: so hat die fraue die sach und die schulde auf 
den genanten Willoch gewonen. Von rechtes wegen; etc. 

250 

Ap der man mit seines weibes erb schult bezalen mag, 
das ime yor gericht nicht gelihen ist. 

Sprechen wir schöpfen zu Magdeburg: Ist Claus das erbe und ^^^ 
eigen, darinne er 'zu seinem weibe gezogen ist, nicht aufgereicht für 
gericht, so hat er an dem haus keine eigene besessenheit und mag 
er Heinrichen | damit nicht yerwesen. Es sei dan, das sein eelich Bl. 94b 
frau iren willen darzu geben wurd und das haus Heinrichen yor die 
pfening einsecze, zu bezalen auf die zeit, als im gericht funden ist. 
Von rechtes wegen. Versigelt. 

251 

Einem die guter on gerichte und recht entweret. 

Sprechen zu Leiptzk : Hat Herleman Peter Neuman der guter eins 
teils entwert on gericht und recht und on gerichts hulf und sich der 
anderwunden, so muß sich Herleman der guter yor allen dingen 
euBem und Peter Neuman in seine gewere kommen lassen; und 
eher das geschieht, ist ime Neuman antworten zu keinen schulden 
nicht pflicht zu tun. Von rechtes wegen. Versigelt. 



202 [252. 253] 

252 

Von beerbunge der zins, die do verkauft sein. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk Tor recht: Seint sulch zins, 
die euch und eurem manne und wer den brif mit willen nnd wissen 
hat, verkauft, so ist die helfte auf euch komen und plieben, als er 
vor die helfte auf euch komen und darzu gehabt hat. Die ander 
helfte hat euer man als ander sein gut vererbet, auf seine freunde 
zwei teil und den dritten teil auf euch, ist änderst ein gewonheit, das 
ir frauen den dritten teil nemet eures mannes guts. Hett ir aber die 
brife mit eures mannes willen inne, das ir das selbdritte gezeugen 
üL. 96Akundt, | so behildet [ir] die zins allein. Ist euch auch etzlich gelt- 
schult mit eurem manne gelobt, darzu behalt ir die helfte und an 
der andern helfte ein dritteil. Auch behalt ir ein sulch gelt, das 
euch euer man über das bettbrett geben und gereicht hat, von rechts 
wegen mit gezeugen, das das also ist. Über das alles nemet ir auch 
pillich die gerade. Hat auch euer man eurem bruder in seim siech- 
bett, ob er krank und amechtig gewest ist, bescheiden, so sulch be- 
Scheidung, die also in krankheit geschechen, ist unhulf liehen und 
machtlos. Von rechtis wegen. 

253 

Oedimoki am Ende der Weiehbüdamgaben, wie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; ferner ohne dm ersten Absatz bei Zobel, WeichbUdj Bl. 32% 
Sp. 2 bis Bl 32% Sp. 1, als Addition m § 1 der Glosse xu Art. 20. — 
Vgl, atidi Weichbildglosse xu Art 21. 

Von verkaufen eines eigen, wie lang der verkaufer das 
gewern sali. 

Ap ein man verkauft ein eigen, das sein eigen were und beweiste 
mit brifen oder mit ander beweisnng, das das sein eigen were und 
umb sein wol gewonnen gut oder hab gekauft hett, und er mit urteil 
und mit recht gewonnen hette, das ers verkaufen nnd auflassen 
mochte, und jener, der es gekauft hette, gewonnen ime ein gewer 
daran, wie lange [sali] er in des kaufs daran gewem von der ansprach. 
Hirauf sprechen wir ein recht, als uns das recht underweiset: Ein 
jederman, der ein ding verkauft, als ers in geweren hat, der sali ge- 
weren seins kaufs jar und tag für die kegen wertigen und [vor die] un- 
gegenwertigen einunddreißig jar und sechs wochen, und sonderlichen 
Bl. 95Bdieweil er lebt; S[sp. Ldr.] li. I, art.29^): »An | eigen und an hofent. 

1] Vorlage: XXX. 



[253. 254. 255] 203 

Ir sollet wissen, sulcbe gewere soll ein jedennan tun, der ein gut 
verkauft. Wan wu ein kauf geschieht, der soll bestetigt^) werden 
^or gericht, und die gab sali man aufbiten, als recht ist, darumb ap 
man die guter ansprechen wolde, das man das* [beweise]^), das man 
sie in dem gericht ansprechen soll, da sie berecht ^j sein. Auch sali 
man keine guter yerrechten^) wan in dem gericht, do sie innen ge- 
legen sein. Wan wu ein kauf sein soll, da sol man^) mit genanten 
\y orten kaufen und sol die bestricken und beheftigen <^) mit leuten und 
mit andere bestrickunge nach eines landes gewonheit, so das der [kaufj^) 
nicht zurückgehe on irer beder willen; wan es mag anders]^) kein 
kauf gesein, sie verbinden sich dann bederseite, den kauf zu halden, 
und der der underwunde sich des, das er kauft hat, und halde ^) was 
er gelobt hat; wan^) dhweil der kaufer nichts gibt und^) sich auch 
des gekauften dings [nicht]^) unterwindet, so ist der kauf umbsunst. 

Nun wan ir zwen mit einander in kauf stunden und jener Sprech 
dem andern nicht zu, so das einer den andern nicht mante, mocht 
dann das ein kauf sein zu recht oder 7) nicht ?7) 

Hirauf sprechen wir ein recht: Stehn zwen | mit einander imBL. 96a 
kauf [unde volfuren nicht iren kauf] 3) mit Worten und Termant ir 
einer den andern nicht und besiezen bede on forderung, der kauf 
geht abe. Von rechts wegen. Versigelt.^ 

254 

Ap zwen mit einander kauften und der kaufer queme mit 
dem yerkaufer uberein, also das einer dem andern ja zusagte. 

Oedruckt am Ende der Weichbüdausgabenj tüie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; ferner bei Zobel, WeichbOd El. 32\ Sp, 2, als Addition zu § 1 
der Olosse xu Art. 20. 

255 

Oednuikt am Ende der WeichbUdatcsgabenj wie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; femer bei Zobel^ Weichbild, Bl. 34', Sp. 2, als Addition xu § 2 
der Olosse xu Art. 20. 

1) Weichbild, Basel: bestendig. 

2) Ergänzt aus Weichbild, Basel. 
8} Weichbild, Basel: Torreichent. 

4) Weichbild, Basel: yorreichen. 

5) In Weichbild, Basel folgt: mit genantem dinge und . . . 

6) Weichbild, Basel: befesten. 

7) Fehlt in Weichbüd, Basel. 

8) Weichbild, Basel: wenne dieweile der kauf nicht gehet vor sich noch . . . 



204 [255. 256. 257] 

So der pfender ein gesaczt pfand yerkauft. 

Also dann ein gut verkauft wurde Ton einem pfandherm und der 
es gekauft hett, hat es besessen in jar und tag und lenger. Ticius^) 
oder sein erbe oder wem ers gönnen, wolde es losen und Sprech das 
Bi.. 96b [gut an,]^) sein | gewer hett keine großer beweisung, wan das [es] 2) 
ime zu pfände gesaczt were für sovil gelt so lang, und hett damit 
begangen alle recht 3], des het ers verkauft und do [maus] nicht loste, 
als er zu gesprochen hett und ers verkauft hat, und er es auch seint 
gebauet hat [und gebessert] ^j; ab er ime das zu rechte [icht]^} wider- 
keren soll, das er darauf gelegt hat, eher ers wider reumen soll oder 
was darumb recht sei. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Was man auf das pfand reichet^), 
das man durch des pfandes notturft darauf legt oder gelegt hat, das 
muß der widerkem, der es losen will. Von rechtes wegen. 

256 

Gedruckt am Ende der Weichbüdatcsgdben ^ wie oben Vorhemerh^ig xu 
Nr. 161; femer bei Zobel, Weichbild, Bl. 34^^ ^. 1, als Addiüan zu §2 
der Glosse xu Art. 20. 

Ticius^) hat verkauft das gut, das er dem Menio^} zu 
pfände gesacast hat. 

Hirauf sprechen wir ein recht: Hat Ticius^) sein gut versaczt 
zu pfände und verkauft er das on des wort, dem es zu pfände ge- 
saczt was: der das in seiner gewer hat, der hat die wilkor, ob er den 
verkaufer darumb ansprechen will oder sein pfandgut, und ist ime 
darumb dester ferner nichts [verpflicht]. Von rechtes wegen. Versigelt®) 
mit*) etc.*) 

257 

Zu bezeugunge kauf und auflassung der guter. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche eingefeite urteil der 

Bl. 97a genanten part vor recht: | Mag Simon Wigener in antwortes stat, in- 

maßen er sich ein sulchs in seinem schriftlichen urtel zu tun erpent, 

mit des rats zu Aldenburg versigilter kundschaft oder sunst, wie 

1) Vorlage: CiciuB. 

2) Ergänzt aus Weichbild, Basel. 

3) Weichbild, Basel: als recht ist. 

4) Weichbild, Basel: rechen. 
6) Vorlage: Nemo. 

6) Fehlt in Weichbild, Basel. 



[267. 258] 205 

recht ist, erkennen, das der aide Dietz Schmidt, des gemelten Hansen 
Haselwachs schweher, für dem rat zu Aldenburg öffentlich bekant 
habe, das er sulche zwen äcker feldes, derhalben in itzund Hans 
Haselwach, sein widerpart, in sein an Forderung genomen hat, ime 
verkauft habe und das er ime dieselbigen zwen äcker die zeit da- * 
selbst für dem rat, dem die schoßbar sein, habe aufgelassen, also 
das er die nun pis in das vierde jar ungeferlich besessen nnd dem 
rat daselbst verschösset und yerrichtet habe; und wurde ime auch 
dameben der traptirer des deutschen hofes zu Aldenburg bekent- 
lich sein, das der oben bemelt Dietz Schmidt seliger mit ime, 
Simon Wigener, für ine als ein amptman die zeit des deutschen 
hofis komen sei und hab ime Simon Wigener sulche zwen äcker 
wollen auflassen und ime in die lehn schicken, inmaßen er dan in 
seinem schriftlichen urteil furpringet und sonderlich, das er die zins 
der zweier ecker halben von dem gemelten Simon Wigener aufge- 
nomen habe, damit ime dan der traptirer der lehn ober sulche zwen 
ecker bekant hett; und wan er ein sulchs, inmaßen pben berurt ist, 
erkunden und erweisen [mocht], wie recht ist, und der traptirer 
wurde auch ein sulchs, wie negst bemelt, bekennen: Aisdan so 
blieben Simon Wigener sulch zwen ecker gekauft, die er dan also 
mit seinen | jerlichen zinsen verrecht hette, pillich, und sulch lehn, Bl. 97h 
die Haselwoch darnachmals ime in rucken erlangt hett, mochten ime 
daran kein hindernus tun. Hett auch der genante Haselwoch sulchen 
kauf, davon oben bemelt ist, gewust und hett in jar und in tag 
darin kain einrede getan, wie recht, so mocht er nun in sulchen 
kauf der zweier ecker feldes also ein rechter erbe von seines eelichen 
weibs [wegen] nach gestalten Sachen nicht treten. Der oft gemelt 
Symon Wigener wer ime auch sulchs kaufs abzutreten nach gestalten 
ding nicht pflichtig. Von rechtes wegen. Versigelt. 

Letztes 
Ä>o Viertel des 

Vgl Nr. 259, auch 328. 16. Jahrh. 

Ein priester hat einem gelt geliehn, und diser hat ime 
geredt, sulch gelt auf zins und ein widerkauf zu vermachen 
und zu verschreiben lassen. 

Sprechen zu Leiptzk: Also herre Nicklas Zolnitz den genanten 
Mattessen Schmidt beschuldigt, wie das er ime umb seiner bete 
willen lenger dan vor sibenzehn jam in seiner pfarr zu Greffennau 
XV schock gr. und darnach in seinem hause zu Rochlitz aber etzlich 
gelt getan, also das die summa XXIV schock gr. betreffen sali, das 



206 [258] 

er ime auf sein eigen bewust stellet, davor er dan ime gelobt nnd 
geredt sali haben, seine guter, nemlich den acker über der [leim- 
gruben] ^), einzuseczen, und wu es daran zu wenig were, mit anderen 
gutem Yolge zu tun und ime sulch gelt darauf vor dem lehnhem umb 
eigen zins auf einen widerkauf zu yermachen und zu yerschreiben 

Bl. 98a lassen, das ime | genügen solle; das dan bisher nicht geschechen 
were, sonder er were durch seine hinderlist von ime betrogen wor- 
den und wie er ein sulches in seiner schult weiter furpringt. Und 
also Mattes Schmidt in seiner antwort bekennet, das ime herre Nicklas 
Zolnitz Yor XVII jam in seiner pfarr zu Greffennau XV schock gr. 
und darnach in seinem haus zu Rochlitz VIII schock gr. schwert- 
munz getan und gelihen habe, also das die summa nicht mer wan 
XXIII schock betrifb, daran er dan auch dem rat Yon hem Nicklas 
Zolnitz wegen XII schock gr. schwertmunz imd ime selbst darnach 
an der hinderstelligen summa III jar nacheinander Tolgende alle 
weichfasten ein halb schock gr. und die ander drei jar darnach jedes 
I einhalb schock gegeben und bezalt, also das er im dritthalb und 
XX schock gr. vernugt habe, und sei ime an der summa nicht mer 
dan I halb schock gr. schuldig, das er ime auch vor langer zeit wolt 
geben haben, wu es pei ime geistUch oder weltlich nicht yerkom- 
mert were gewest. 

So dan der rat zu Rochlitz nun dem genanten Mattes Schmidt 
des also gestehen wirt, das er dem rat Ton hem Nicklas Zolnitz 
wegen XII schock gr. gegeben und bezalt habe, und auch berr 
Nicklas selbst [bekennet], das er die ersten III jar darnach auf itz- 
liche weichfasten von ime ein halb schock gr. und darnach die an- 
dern III jar nachvolgend des jars I ein halb schock gr. zu ablegung 
der hinderstelligen schult entp fangen habe, also das er von ime 
der dritthalb und XX schock gr. vernugt sei; und mochte er ein 

bl. 98nsulchs, I wu ime der rat zu Rochlitz und auch herre Nicklas Zolnitz 
der nicht gesteen wurde, erweisen, wie recht ist : So were der egenante 
Mattes Schmidt dem oftgemelten Nicklas Zolnitz an der yorberurten 
summa geldis, die er ime getan hat, nicht mer dan ein halb schock 
gr. yerpflicht zu bezalen. Und dhweil herre Nicklas Zolnitz ime^ 
solch schlecht geliehn hat und Mattes Schmidt gestet ime nicht, das 
er sulch gelt auf zins und widerkauf entpfangen von ime habe, noch 
das [er] ime geredt habe, ime sulch gelt auf ein zins oder auf eio 
widerkauf zu verschreiben lassen , und herre Nicklas Zolnitz pringt 
auch nicht beweislich für, das sie sich unter einander eins wider- 

1] Vorlage: lewgruben; vgl. Nr. 2ö9. 



[258. 259] 207 

>auf8 auf seinen gntem umb etzlich zins yereiniget betten: So bedarf 
ime der genante Mattes Schmidt von demselben gelde [ein zins oder 
ein widerkauf nicht yerschreiben lassen und] so er ime die summa 
des geliehen geldes verendet vemugt, so ist er ime darüber nichts 
mehr pflichtig. Von rechtes wegen. 

299 I^ETZTBS 

Vgl Nr, 258, auch 328, Vj'^7^^ ^^^ 

^ ' 15. .Iahrh. 

Einer hat einem ein acker verkauft und ein gelt ist pei 
dem kaufer verkommert vor der reformation. 

Sprechen wir obgenanten schöpfen zu Leiptz vor recht: Nach- 
dem herre Nicias Zolnitz den egenanten Mattes Schmidt beschuldigt, 
wie das er ime abgekauft habe den grund, Yor dem acker über die 
leimgruben gelegen, für XXIV schock gr., die weich fasten daran 
[ein]^) [schock] gr. zu bezalen, daran er ime nicht mer wan XI ald 
schock gr. gegeben hat und ime noch XIII aide schock gr. schuldig 
sein solde , das er sich erpeut mit den kerphölzern zu erweisen, 
and habe ime sulch hinderstellig gelt pishero mit seins selbst | ge-BL. 99 a 
walt fiirgehalden; und Mattes Schmidt ime des kaufs nit also gestet, 
sunder sagt, das [er] herren Kiclas an demselbigen gelde lY jar nach 
einander auf alle weichfasten [ein]^} schock gr. schwertmunz, und 
also XVI schock gr. bezalt habe und gesteet ime nicht meher dann 
noch VIII ald schock schwertgr. oder münz, [das]^j er ime schuldig 
sei, und sagt forder, das er ime sulch gelt bei langer zeit pei Valten 
Spreier, die zeit mit seinem knecht, in sein haus geschickt habe, 
aber er habe das Ton ime nicht aufnemen wollen, sunder er habe 
ime das wider in sein haus geschickt; also sei sulch gelt von dem 
ofGcial Ton Merßeburg und auch Ton dem rat zu Rochelitz pei 
ime yerkommert worden, auch eher die reformacion unsers gened. 
herren von Sachsen über dise itzund ganghaftig munz^) [ausgangen 

1) Vorlage: X. 

2) Vorlage: XX. 

3) Yorlage: doch. 

4) Yon den zahlreichen gesetzlichen BeBtimmnngen , die in der zweiten 
H&lfte des 15. Jahrhunderts zur Regelang und Ordnung des sächsischen Münz- 
wesens erflossen sind, kommen hier die in den Jahren 1470 und 1482 über 
die Schwertgroschen, das > Schwertgeld«, ergangenen in Betracht: Kurfürst 
Emsts und Herzog Albrechts Einschärfung der mit Herzog Wilhelm gemachten 
Münzreformation, Dresden 11. November 1470 und Ordnung und Satzung vor 
den Münzmeister die Lawen -Pfennig und halbe Groschen zu slaheu, geben 
Dresden am Sontag nach Erhardi (13. Januar) 1482; auch Landesordnuug, so 



208 [259. 260] 

istj^): So ist er alsdan dem egenanten Zolnitz nicht mer yerpflicht 
zu bezalen, dan die VIII ald schock gr. schwertmunz , also er ime 
bekennet, [das er ime] noch schuldig sei, so änderst der kommer 
geoffenet ist. Aber er darf ime nach gestalten dingen nicht &ld 
schock der silbern gr. geben, sunder er mag die itzund mit diser 
ganghaftiger münz nach wirderuug des schwerigeldes yemugen [und 
ist] darüber nichts pflichtig. Es mag auch herre Nicklas Zolnitz die 
hinderstellig schult mit den kerphölzern, als er yor zeucht, nach- 
dem Mattes Schmidt ime der nicht [ge]steet und bekennet, nicht er- 
weisen, das es zu recht genugsam sei. Von rechtes wegen. 
1k 

Letztes fMtA 

Viertel des äPV 

16. Jahrh. Vgl Nr. 328. 

Bl. 99b Einer hat einem abgekauft pei der vorigen münz. 

Sprechen zu Leiptzk: So herre Kiclas Zolnitz [Hansen] Schueman 
in Sonderheit beschuldigt, wie das er ime XII schock gr. for ged- 
streichten driling, den er ime abgekauft habe, schuldig sei, und 
Hans Schuman sagt und bekennet, das er ime YIII stuck drilings, 
je ein stuck vor I schock und XY gr. pei schwertmunz abgekauft 
habe, und sei ime dafür nicht mer dan X schock schwertgr. schuldig 
worden, daran er dan auch dem rat von seint wegen [III] ^) schock gr. 

Hertzog Ernst, Cburfurst and Hertzog Albrecht zu Sachsen, Gebrüdere, yon 
wegen mancherlei Gebrechen anno 1482, Montags nach Quasimodogeniti 
(15. April) im Lande aufgerichtet. * Indes läßt sich ohne tiefer dringende Spe- 
zialuntersuchung beim gegenwärtigen Stande der Forschung über die Ge- 
schichte des sächsischen Münzwesens nicht mit völliger Sicherheit entscheiden, 
um welches Gesetz es sich hier handelt, zumal auch dem Ausdrucke »Refor- 
mation« in diesem Sinne eine allgemeinere Bedeutung zukommt. Über Ein- 
führung und Wert der Schwertgroschen vgl. [Theodor] Erbstein, Übersicht 
der zur Regierungsgeschichte des Herzogs Albrecht des Beherzten von Sachsen 
gehörigen Münzen; Beilage III zu von Langenn, Herzog Albrecht der Be- 
herzte, S. 576 ff., Anm. e und i, k; Johannes Falke, Beitrag zur sächsischen 
Münzgeschichte in Mitteilungen des Königlich Sächsischen Vereins ffir Er- 
forschung und Erhaltung vaterländischer Geschichts- und Eunstdenkmale, 
17. Heft, Dresden 1867, S. 93ff., und 18. Heft, Dresden 1868, S. 103 ff.; auch 
Wilhelm Puckert, Das Münzwesen Sachsens, 1518—1545. Erste Abteilung. 
Leipziger philosophische Habilitationsschrift; Leipzig 1862, S. 6. — Allgemein 
handelt über die sächsische Münzgeschichte neuestens eine verdienstliche 
Untersuchung von Walter Schwinkowski, Das Geld- und Münzwesen Sach- 
sens, in Neues Archiv für sächsische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 38 
Dresden 1917, S. 140 ff., 355 ff.; daselbst Literaturangaben. 

1) Vorlage: geistlich und weltlich verkommert sei worden. 

2) Vorlage: VIIL 



[260. 2611 209 

scliwertmunz bezalt habe, und zeucht sich des auf den rat, also das 
er nicht mehr dan noch VII schock schwertmunz schuldig sei; so 
dan der rat das dem genanten Hansen Schuman bekennen wurd, das 
er Yon herren Nicias Zolnitz wegen dem rat III schock bezalt habe, 
and so er dan in sulchen III schock der schwertmunz umb X schock 
abgekauft habe, und das hinderstellige gelt ist auch geistlich und 
weltlich pei ime verkommert worden, eher dan die reformacion unsers 
g. h. Yon Sachsen diser silbrin münz halben i) ausgangen ist, und 
herre Nicias Zolnitz hat den komer nicht geoffent, sunder sulch gelt 
in dem komer lassen Ugen: So ist ime der genante Hans Schuman 
nicht pflichtig, das hinderstellig gelt änderst dan nach wirderung des 
Schwertgeldes zu bezalen, und | der das gelt in komer gelegen hat, Bl. 100a 
wes er davon scheden hett, den muß er ime selbst zusachen, nach- 
dem er den komer nicht geoffent hat und Hans Schuman ist ime 
desbalben nichts pflichtig. Von rechtes wegen. 



261 LETZTES 

Viertel des 

Einer hat einem abgekauft pei der vorigen münz. 16. Jahrh. 

Sprechen zu Leiptzk: Also Nickel Conradt dem egenanten herrn 
Nicias Zolnitz bekennet^ das er IV schock gr. schwertmunz für butter, 
kes, hafer, schwein und schmer, so er ime vor^YII jar hat ab- 
gekauft, schuldig sei und I schock gelihens geldis, und seczt^ das 
herre Nicias Zolnitz das über, nemlich I schock weniger XIII gr., 
für ein zins darauf geschlagen habe, und gesteet ime nicht, das er 
VI schock weniger XIII gr. schuldig sei, also das sulchs in der rat- 
stube für dem rat durch den burgermeister gerechent sei, inmaßen 
herre Nicias Zolnitz furpringt; was dan der burgermeister mitsampt 
seinen ratcompen derhalb [gestehen] ^j und bekennen wurd: Dapei 
muß herre Nicias Zolnitz on werung des gewissen des egenanten 
Nickel Conradts pleiben lassen. Und dhweil dan sulch gelt, das ime 
Nicias Conradt schuldig ist, vor der reformacion unsers g. h. von 
Sachsen, diser münz halben ausgangen ^j, geistlich und weltlich ver- 
kommert ist, also das es zu ime nicht gestanden, das er ine het 
bezalen mögen, und herr Nicias Zolnitz hat auch sulchen kommer 
nicht geoffent: So ist er nun | sulch gelt, das er ime pflichtig ist, Bl. 100b 



1) Vgl. Anmerkung 4 zu Nr. 259. 

2)*Vorlage: geschechen. 

3) Vgl. Anmerkung 4 zu Nr. 269. 

n. Ei seil, Leipziger SchöffenApmchAAmmUinK. 14 



210 [261. 2621 

änderst nicht dan nach wirdernng schwertgeldis zu bezalen, and ist 
ime darzu keinen schaden nach gestalten dingen yerpflicht zu er- 
staten. Von rechtis wegen; etc. 



Nach 1423 262 

Einer hat ein dorf auf einen widerkauf yerkauft, das 
wider, wenne und welchs jare ime das ebent [gefällt], ab- 
. zulosen zugeschrieben und doch nit mit bezalung ge- 
folgt; so vermeint der kaufer, das gut ime nach gestalten 
dingen yererbet sein. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche gerechtigkeit der 
bemelten part vor recht: Nachdemmal Nicki und Ditterich Yon der 
1423. Wissen im XXIV.^) jare am freitag nach unser lieben frauen tag 
der minnerzal nach der gepurt Chr. unsers herrn dem genanten 
Hansen von Schonau^j das dorf Lauter ') mit aller seiner gerechtig- 
keit, Zinsen und zugehorung, nichts ausgeschlossen, vor IV^ rh. gül- 
den verkauft haben und haben inen daran für sich und ire erben 
einen rechten widerkauf behalden, das sie den tun mögen, in welchem 
jare sie wollen, als dan ein sulchs der kaufbrif darüber gegeben, 
des ir uns neben euern Schriften ein copei und abschrifb mitgesant 
habt, gar clerliclf gesagt; und so dan Ditterich von der Wissen, dem 
Bl. 101 Adas dorf Lauter mit dem widerkauf nach | inhalt irer verschreibung 
zu seinem teil gefallen ist, dasselbig dorf vermeint wider abzukaufen 
und zu sich zu losen mit alsovil geldes, als das auf einen widerkauf 
verkauft ist worden: So muß ime der genante Hans von Schonau 
nach laut seiner und seines bruders verschreibung daran den wider- 
kauf vergunnen und zustatten und mag inen den durch keinen for- 
nemen gewegern, noch den dodurch, ob ime Ditterich von der Wissen 
sulchen widerkauf vor einem jare den zu tun zuschreiben und doch 
den nicht verbracht oder getan hett, in einen erbkauf gewandeln 
oder geziehn, sunder muß ime den nach innehalde der verschreibung 



1) In der Vorlage von späterer Hand korrigiert in XXIII. und am Rande 
hinzugefügt: 1623. Richtig dürfte aber wohl 1423 sein; vgl. auch die folgende 

Anmerkung. 

2} Urkundlich erwähnt 1419—1458; vgl. Hubert Ermisch, Ürkundenbach 
der Stadt Freiberg in Sachsen, III. (Codex diplomaticus Saxoniae regiae, 
II. 14); Leipzig 1891, S. 570; v. Raab, Regesten I, S. 294; II, S. 408. 

3) In der Vorlage von anderer Hand mit roter Tinte doppelt unterstrichen 
und am Rande vermerkt: Lauter. 



[262. 263] 211 

* 

noch heut hei tage yergunnen und gestatten. Wer es aber sach, 
das Ditterich von der Wissen sulchen widerkauf nach laut seiner und 
seines Bruders yerschreibung in disem jar nicht tun künde oder wolde, 
so muß er mitsampt seinem hruder dem genanten Hansen von 
Schonau das bemelt dorf Lauter mit sulcher gerechtigkeit, als sie 
ime das verkauft haben, in seine lehn schaffen und schicken. Von 
rechtes wegen. Yersigelt. 

OßQ Lbtztbb 

'^'«' Viertel des 

In dem ältesten von der Leipziger Universitätsbibliothek als Hs. 2275 ' 
verwahrten KonzepÜnu^ des Leipziger Schöffenstuhls findet sich auf BL 37^ 
unier der Überschrift: >Äd requisidonem Ändresen von Herdern€ das mit 
dem Wortlaut der Vorlage j abgesehen von den weiter unten verX'eichneten 
Abweichungen j Übereinstimmende Konzept zum vorliegenden Spruche^ der 
daselbst wie folgt eingeleitet wird: 

»Unsre fruntliche dinste zuvor. Erbar, bsunder gutir fründ. Nach- 
dem ir uns geschrebin unde uch auf die frage in denselbitigen euern 
Schriften bemeldit, das rechtin zu berichten, gebetin höbet, uch selbst 
an einem und Hansen von Rosenbergk am andern teile betreffende, etc.« 

Einer hat ein gut auf widerkauf verkauft mitderunder- 
scheit, das der verkaufer dem kaufer auf Martini dessel- 
bigen jars, wu es ime eben [möglich], der losung wider 
zuschreiben solle; wu aber solchs nicht geschech, alsdan 
solt das hinforder ein erbkauf sein. Also ist die abschrei- 
bnnge geschechen und auf Walpurgis darnach mit der be- 
zahlung nicht verkommen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf vor recht: Dhweil aus Bl. 101b 
dem kauf brif, des abschrift ir mit gesaczt habt, erscheinet, das ir 
bemeltem Hansen von Rosenberg euer gut zu Dobern mit aller seiner 
zugehorung, ausgeschlossen die teich alleine, auf einen widerkauf 
verkauft habt, und das er euch sulchen widerkauf auf Walpurgis 
nach dato desselbigen brifs negst volgend, so [ir]^) im die ablosung 
zuvor auf Martini wurdet [abeschreiben] 2), daran zu [tun] gestatten 
sulte; wiewol ir dan sulche ablosung ime auf Walpurgis, wie vor 
berurt ist, :zu tun auf Martini zuvor zugeschrieben habt und ir die- 
selbig ablosung aus Ursachen, in euren Schriften furpracht, nicht 

1) So Konzept; Vorlage: ist. 

2) So Konzept; Vorlage: abgeschrieben. 

14* 



212 [263. 264] 

getan habt: Dannoch gleichwol muß er euch [noch] zu der zeit 
sulche ablosung zu tun gestatten und vergunnen. So er aber in 
einicherlei eurem abschreiben und nichtablosen [beschediget] i) were 
worden, umb sulchen schaden must ir ime auf rechtliche verminne- 
rung erstattung tun. Von rechtes wegen. Versigelt. 



264 

Ein fleischer hat ein erstickt schwein verkauft. 

Sprechen zu Leiptzk darauf für recht: Habt ir das schwein, das 
ir von einem becken zu Geringswalde habt gekauft, das euch under- 
wegen erstickt, do ir das nach der stat Rochlitz habt getrieben, einem 
pauersmanne von Dolen, Donat Moller genant, verkauft, also das ir 
ime das von fernes allein gezeigt habt, das er das besehen mocht, 
Bl. 102a ap das noch warm wer, | und seit darzu nicht kommen, das ir das 
angegriffen und gehandelt hett, und ime das für IX gr. angeschlagen 
und doch darnach zu ime gesagt, das ir weder heller, pfenning noch 
nichts von ime haben wollet, also der man des auch vor dem rat 
hat gestanden; dieweil ir dan kein untüchtig viech, das nach des 
handwerks koer zu lassen verpoten ist, nicht verkauft habt, sunder 
ein gut untadelhaftig schwein, das auch von dem treiben in der hitz, 
also ungeverlichen umb gezeuge wille eins teils euers Schadens 
[erstickt], einem pauersmanne verkauft hat und hat auf die benk 
noch sunst nicht gehauen, [dadurch des handwerks koer,] die umb 
eins gemeinen nutz willen ausgesaczt ist, das kein fleischer selb- 
sturbig oder unrein oder ungerbe viech -schlachten solle, hett über- 
farn mögen; nachdem ir das schwein dem pauersmanne allein ver- 
kauft habt, das er ime das mocht nutz machen und habt darüber 
mit dem schwein nichts gehandelt mit schlachten oder anderm, das 
wider des handwerks clior und also wider einen gemeinen nutz sein 
mochte: So mögen euch die handwerksmeister der fleischer zu 
Bochelitz umb sulcher ungeverlicher und geringer sach willen, so 
er beteuern darf, wie recht, das die ding also geschechen seint, von 
dem handwerk nicht verwerfen. Sie haben euch auch durch sulcher 
geschieht willen nach vermeldung euer frag, so die des handwerks 
köre nit beruren, euer handwerk nicht zu legen, nachdem ir dadurch 
das handwerk nit habt verwurken mögen. Von rechtes wegen. 

1) So Konzept; Vorlage: beetetigt. 



[265. 266. 267] 213 

265 

Einer mag zins, umb bereit gelt gekauft, verbrifenBL. 10!2b 
lassen, wem er wil an erben urlaubt. 

Magdeburger Sprtich für Naumburg, 

Absehriß auch in Es, Zmckau, BL 379^—380'', Nr, 146 und in Hs. 
Gärlitx 4, Bl 232^, Nr. 407, 

Gedruckt bei Wassersohleben j Rechtsqudlen^ F, Kap. 6y S, 359 ^ und 
Friese-Liesegang, IIL B,, Nr, 181, S, 664 f. 

Identisch mit Nr, 561 der Vorlage, 



266 

Einer ist verstorben, hat pei seinem leben schaf ver- 
kauft und hat das gelde geben pei gesundem leib einem 
andern, dem er vor schuldig gewest ist. Nun meint sein 
weib und kind, sulchs gelt nach seinem tode zu fordern. 

Magdeburger Spruch, 

Abschrift desselben (ohne Überschrift) mit der Anfrage, die in der Vor- 
lage fehlt, auch im Hs, Leipzig 906, Bl, 137^— 138^', Nr, 30, 

Vollständig gedruckt bei Wasser schieben, Eec^itsquellen, IV, Kap. 29, 
S. 163 f, tmter der Überschrift: -»Von vorkoufen^. 

In Hs, Leipzig 906 steht an allen Stellen ^schafsmede*, wo es bei 
Wasserschieben *schoss7nede€ heißt. 



267 

Dem weibe lassen leihen die helfte der guter, die er ge-BL. 103a 
kauft hat auf dem lande, bei der stat zu pleiben ewiglich. 

Sprechen zu Leiptzk: Ausgeschlossen euer köre und gewonheit, 
darüber wir nicht pflegen zu sprechen, hat euer eelicher man euch 
pei seinem lebendigen leib die helffce aller seiner guter für ge- 
hegtem ding aufgelassen, und seint dan sulch guter erbguter, die 
euer mann gekauft hat auf dem lande, pei der stat Rochelitz ewig- 
lich zu pleiben und nicht auf das land zu verkaufen, nachdem dan 
eaer frage inheldet: So seit ir mit sulch er gäbe, die euch euer 
eelich man für gehegtem ding getan hat, pei der helfte der guter 
im weichpilde und auf dem lande, die erbguter seint und von eurem 
man also gekauft, also oben berurt ist, mit mehrem recht zu pleiben, 
dan euch des mannes erben und anwarten keins darein getragen ^ 
oder gehindem mögen. Von rechtis wegen. Versigelt. 



214 [268. 269. 270] 

268 

Gekauft mit undecscheide. 

Hirauf sprechen wir schöppen zu Leiptzk Vorrecht: Hat Finden- 
heller hopfen gekauft von einem , genant MöUnickel, mit solcher 
unterscheit^ [ine] lassen holen; und kan MöUnickel sulche nnder- 
scheide volkommen selbdritte, als recht ist, ap das Findenheller 
leukente; hat den Findenheller pei XIV tagen den gekauften hopfen 
nicht geholt: So ist sulch kauf machtlos worden. Hat aber der ge- 
nant Findenheller etwas auf solchen kauf gegeben, das gibt ime 
MöUnickel pillichen wider. Von rechtes wegen. Yersigelt. 



269 

Vgl Nr. 371. 
Bl. 103b Einen kauf gezeuget man selbdritte. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Hat Kegler nam- 
haftig gemacht, das er sulch gut gekauft hat; kann [er] den vol- 
komen selbdritt unbeschuldener leut an irem rechte, das er sulch 
gut schlecht und nicht auf einen widerkauf gekauft hat; und hat er 
darnach sulch gut in genißlichen gewem gehabt on Hansen Hemptes 
und jedermans rechten einsprach jar und tag: So bleibt er forder 
on Hansen Hemptes einsage pillich. Von rechtes wegen. Versigelt. 



270 

Einer spricht, er beger nicht mit unrecht das betagte 
gelt zu geben, auch sei der kauf nicht geschechen umb 
neuer wer. 

Sprechen zu Leiptzk: Darf sich Michel N. mit seines selbst hand 
auf den heiligen entledigen und abnemen, das er [von] Nickel Eckell 
mit unrecht nicht begert, das betagte gelt zu geben, das auch der 
kauf nicht geschechen sei umb neu wer, sunder umb sulche were, 
die auf itzliche tagzeit geng und [gebe]^) ist; wan er sich also ent- 
ledigt hat: So ist er Michel Eckel der schult halben noch umb ge- 
werderten schaden nichts pflichtig. Von rechtes wegen. Versigelt 
mit etc. 

1) Vorlage: geneme. 



[271. 272. 273] , 215 

271 

Gruter sein nach ires mannes tode verkauft, und die 
schuldiger sein an das gelt geweist. 

Sprechen zu Leiptzk: Kann Katharina beweisen, also recht ist, 
mit gerichtis kundschaft oder mit zweien unbeschulden mennem an 
irem rechte, das Hans Kresse, | der itzund beschuldigt zu ires mannes Bl. 104 a 
gutem nach seinem tode und die schult gefordert, [vemuget sei] 
und das sie, die fr au und ire bruder, die guter verkauft und das 
Hans Kresse sein gelt von dem kaufergelobe genomen habe, wan 
die frau das also beweiset: so ist sie dem genanten Hansen Kressen 
der schult halb nun fort nicht mehr pflichtig, sunder sie bleibt des 
pillich claglos. Von rechtes wegen. Versigelt etc. 

272 

Outer gekauft mit irer gerechtigkeit. 

Sprechen wir schöpfen zu Dresden vor recht: Haben die von 
Rochlitz die guter gekauft mit sulchem recht, das der hirte die 
hirtpf[runde]i) hab geholet auf dem felde, und haben das gehabt jar 
und tag on rechte widersprach, mögen sie das erweisen, als recht 
ist: So seint sie neher dapei zu pleiben, dan sie ine mit hocher ge- 
dringen mögen. Von rechtes wQgen. Versigelt etc. 

273 

Ein kauf eines freien guts. 

Sprechen zu Leiptzk: Habt ir einem erbam manne ein frei ritter- 
gut abgekauft, und hat er euch beschrieben geben, das darzu gehöre 
LXX acker holz und ein schafhof mit einer schaftrift, und hat er 
euch sonderlich nicht beschrieben geben oder in dem kaufe zugesagt, 
das es ein wolgepauet schafhof und das darzu gehom LXX acker 
holzes unverhauen, das aUe tag hauig sei; beweiset er euch dan 
einen schafhof mit einer trift, auch LXX acker holz: So ist der | 
kauf kreftig und bestendig; er gewert euch auch genuglich, undBL. J04b 
er darf euch auch kein widerstattung tun darumb, das der schafhof 
wüste und zufallen ist und das das holz verhauen ist, so als er euch 
sunderlich des keine zusage getan hat. Ist auch auf dem schafhof 



1) Vorlage: hirtpfann. 



216 . [273. 274. 275. 276] 

ein große schweintrebe, daran ein kelberstall gepauet ist, den nufi 
er zu dem kauf lassen volgen und mag den nicht abbrechen nnd 
wegschicken. Von rechtes wegen. 



274 

Ein bruder wil sein und des anderen bruder teil guts 
verkaufen. 

Sprechen zu Leiptzk: Seit ir und Hans, euer bruder, [an einem] 
und Peter und Ditz, auch euer gebruder, am andern teil, beteidingt; 
wil dan Peter seinen teil des guts, das ime von seines yaters lehn 
wart in der teilung, und auch Ditzen teil mit seinem teil yerkaofen: 
Die bede teil zusamen, als er under ime gehabt hat, mag er nicht 
verkaufen. Seinen teil mag er verkaufen, so er den selbst nicht 
behalden wolle. Er mag aber Ditzsen, der do unverstendig und der- 
maß unmündig ist, seinen teil nicht verkaufen noch auch entwenden. 
Ime ist auch unhulflich, das Dicts seinen willen und volwort zu dem 
verkaufen gibt. Von rechtis wegen. Versigelt. 



275 . 

Gekauft gut zu gezeugen. 

i 

Bl. 105a Sprechen zu Leiptzk: Ean der gezeugen als recht ist, das sulch 
gut sein gekauft gut ist, das er gekauft habe von dem oder von 
den, die es recht zu verkaufen hetten, so bleibt er pillichen darpei, 
dan das er es Junge Hans, abtreten dorfte seiner kuntschafl halben. 
Von rechtis wegen. 

276 

Verstorbene guter gekauft. 

Sprechen zu Leiptzk: Hat Nickel Schmidt das haus und hof und 
ein stuck ackers nach der Schwobin tod von iren erben gekauft, 
und ist es ime vor gerichte und gehegter dingpank aufgelassen, 
und hat ers also inne gehabt jar und tag on Caspers rechte ein- 
sprach: so pleibt er pillich dapei und ist Casper forder antwort nicht 
pflichtig. Es were dan, das sich Casper auf den heiligen entledigen 
dorste, das sulch verreichung [ime] nicht bewust, sonder pei einem jar 
und tag, als er ir vor recht ansprach getan habe. Von rechtes wegen. 



[277. 278. 279] , 217 

277 Akfano des 

15. Jahbh. 

Ein badestube, do seelbad auf steen, ist lediglich ver-ßL. IOöb 
kauft und einem andern also aufgelassen. 

Magdeburger Spnuik für Naumburg, 

Gedruckt mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehlt, bei Friesr-Licse- 
gang, lU, B., Nr, 100, S. 546 ff,, und zwar okm Überschrift, 

^ Lbtxtes 

"^iO ^ ViERTBL DES 

Der schuldiger sali geredt haben den sachwalden, das 
auf seinen gutern zu vermachen auf einen widerkauf. 

Sprechen zu Leiptzig vor recht: Nachdem herre Nicklas Zolnitz 
Mattes Bergem auch beschuldigt, wie das er ime V schock gr. schuldig 
sei, also das ^r eins von seint wegen von Hansen Eindermann auf- 
gehoben habe und das ander hat [er] ime geredt zu geben Yor den 
schöpfen, und sali ime geredt haben, auf seinen gutem zu ver- 
machen auf einen widerkauf, das er ime das ausfellig sein wurden 
solle; und also Matthes Berger antwort und spricht, das er | zu demßL. 100a 
ersten von Einderman ein schock entpfangen habe und habe ime 
darnach von wegen der schöpfen nicht mer wer wan III schock gr. 
geredt zu geben und das ime herre Niclas Zolnitz selbst darzu ein 
schock zins [rechent] , also das die summa macht V schock gr., und 
sagt forder, das er ime sulch gelt XI jar nacheinander gereicht und 
geben habe und habe ime über die Y schock gr. ein halb schock zu 
yil geben; so das herre Nicklas Zolnitz also bekennen wurde und 
dieweil ime dan sulch berurt gelt auf einen widerkauf nicht be- 
schrieben ist worden auf des genanten Mattes Bergers gutem, als 
er selbst seczt : So ist ime Mattes Berger von dem kein zins pflichtig 
za geben, sunder was herre Niclas Zolnitz über seine schulde, die 
ime Mattes Berger pflichtig gewest, an zinsen über die haubtsumma 
zu YÜ eingenomen hette, das muß er ime von recht widerkern. Von 
rechtes wegen. 

^Q Zwischen 

^'^ 1464 UND 1486 

Eine wiese auf einen widerkaufe verkauft. 

Sprechen zu Leiptzk: [Benedict] Sperling vor unser genedigsten 
frauen von Sachsen landgericht zu Aldenburg ^) umb ein wies hinder 

1} Margaretha, Witwe des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen, übte nach 
dem Tode ihres Gemahls (f 1464) in ihrem Witwensitze Altenburg bis zu 



218 [279. 280] 

Purgkartzhain gelegen, Sperlingswies genant, zu Jörgen Supan nnd 
Herten Gentzsch gefordert und geclagt [hat], das ine der aide Sper- 
lingk, Benedicts vater, sulche wies umb ein schock gr. auf einen wider- 
Bl. 106b kauf verkauft hat, das er sich dan erjpeut zu gezeugen, wie recht 
ist; er hab auch sulchen widerkauf neulich erfam; und seiüe wider- 
part hat dieselbige wise in lehn nie gebracht noch gehabt. Mag dan 
Sperling den widerkauf gezeugen und erhalden, wie recht ist, mit 
zwen unbescholden mennem an iren rechten, das sein vater die ge- 
nante wies Supan und Gentzsch umb ein schock auf einen widerkauf 
verkauft hat: so [müssen] sie im der wiesen, wan er die wider za ime 
kaufen will, abtreten, so der widerkauf zu dem verkaufer und seinen 
erben sein soL Und Supan und Gentzsch ist unhulflich, das sulch 
versaczung oder verkaufung an die vierde und fünfte komen ist und 
also wol XX jar oder lenger gestanden hat, nachdem das solche 
verkdufnng Benedicts Sperling nicht bewust gewest und nach seins 
Vaters tode allererst neulich erfam. Ime ist auch nicht not, das 
seine widerpart meinen, den widerkauf auf tode band zu beweisen 
und den erhalden solde, sunder wan er den widerkauf in obberurter 
weise peibrengt, so kauft er so mit vü gelde die wies wider za 
sich, inmaßen sein vater die verkauft hat. Von rechtis wegen; etc. 

280 

Ein fleischer hat erpissen schaf in sein haus tragen, 
geschlacht und aufgehangen, das auf underweisung der 
meister verkauft. 

Bl. 107a Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig darauf vor recht: Habt ir 
zwei schaf, die euch die schloßwinden auf dem felde erpissen haben, 
mit eurem sun, so das eins tot gewest ist und das ander noch ein 
wenig gezappelt hat, aufgehoben, in euer haus getragen, geschlacht 
und aufgehangen, die geschwomen handwerksmeister des vorbe- 
stimpten handwerk darüber gefurt, sie gepeten, euch underrichtung 

ihrem 1486 erfolgten Tode landesherrliche Rechte aus. In dieser Zeit wurde 
die Gerichtsbarkeit zu Altenburg in ihrem Namen von einem Landgerichte 
verwaltet, welches sich »Richter, Schoppen, Schreiber und Frohnen, alle Ge- 
schwome des Landgerichts zu Altenburg unserer gnädigen Frau zu Sachsen 
Witwe« nannte. Vgl. C[arl] W[ilhelm] Böttiger und Th[eodor] Flathe, Ge- 
schichte des Eurstaates und Königreiches Sachsen, I. Band; 2. Auflage; Gotha 
1867, S. 396 und Note 2; Johann August Schneider, Biographische Frag^ 
mente von der Churfürstin Margarete, der Stammutter des gesamten durch- 
lauchtigsten Hauses Sachsen; Altenburg 1801, S. 21 und 83 f. 



[280. 281] 219 

zu tun, ap ir sie auf die benk tragen oder, so von hofe die schaf 
auf das schloß nemen wolden, daraufen verkaufen mochtet. Und sie 
haben euch darauf underricht, das ir sie wol auf das schloß und 
nicht auf den benken verkaufen mögt. Und ir habt also auf ire 
underrichtung das ein schaf auf das schloß verkauft und das ander 
Tor eur haus in das salz gehauen. Und die fleischermeister haben 
euch nun derhalben daselbst für dem rat zu Rochlitz beclagt, in 
meinunge, euch darumb von dem handwerk zu werfen, etc. und wie 
ein sulchs in euer frage mit weiterem inhalt furpracht ist worden. 

So dan den vom schloß wissentlich gewest wer, das ir winden 
euch die schaf also erpissen hetten, und hett ine das ein auf under- 
richtimg der geschwornen meister des bestimpten hantwerk, die ir 
über die schaf, nach[dem] ir seczt, gefurt habt, verkauft, und die 
vleischer, oben gedacht, euch | nicht weiter noch forder anziehn,BL. 107b 
dan des verkauften schafs halb: So können sie euch, wo sie sunst 
nicht andere redliche Sachen wider euch haben, darnach sie euch 
des handwerks unwirdig bereden mochten, desselben schafs halb, 
das ir auf underrichtung der geschwornen handwerksmeister auf 
das schloß verkauft habt, von dem bemelten handwerk als unduchtig 
nicht verwerfen noch verlegen, sunder müssen euch dasselbig euer 
handwerk, inmaßen wie ir das zuvor geubet habt, zu arbeiten und 
treiben vergunnen und zulassen. Von rechtis wegen. Versigilt. 

281 Nach 1460 

Einer hat ein schloß widerkaufsweis mit sulcher ver- 
schreibung innen gehabt, das der verkaufer sulch schloß 
niemands dan für sich und sein erben allein zu gut wider- 
[kaufen] lassen wolt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulch euer schriftlich 
frage vor recht: Nachdem herr Wentzel und herr Matthes Schlick, 
vettern 1), herren zu Weißkirchen, euch und eurem bruder Schon- 
neck 2) 3), das schloß und markt mit aller seiner zugehorung auf 

i 

1) Urkundlich erwähnt 1439 bis 1481; vgl. von Raab, Regesten I, S. 293. 

2) In der Vorlage zweimal rot unterstrichen und am Rande von anderer 
Hand mit roter Tinte vermerkt: Schöneck. 

3) Mathes und Wentzel Schlick, Vettern, Herren zu Weißkirchen, hatten 
am 23. März 1466 von Ghurfiirst Ernst und Herzog Albrecht zu Sachsen das 
Schloß Schöneck mit Zugehör zu Gesamtlehen erhalten; vgl. von Raab, Re- 
gesten I, Nr. 744, S. 170. 



220 [281. 282. 283. 284] 

einen widerkauf verkauft haben und haben ine daran für sich nnd 
ire erben ein widerkauf behalden und sich darpei yerschrieben, das 
Bl. lOdAsie I niemands on eueren und euers bruders und der von Tettaw 
willen und wider euch zu sulchem widerkauf wollen komen lassen, 
sunder wan sie sulchen widerkauf tun wolden, das sie den für sich, 
ire erben und erbnemen selbst tun solden, als dan ein sulchs der 
kaufbrif, des ir uns itzund ein copei in euren Schriften yerschlossen 
mitgesandt habt, in den oder andern gleichmeßigen worten gar der- 
lieh gesagt: So können noch mögen die gemelten herren die Schlick 
sulch schloß und markt, oben bemelt, mit seiner zu- und einge- 
horung nach laut irer verschreibung von euch nicht widerkaufen und 
einen andern wider euch an sulchen widerkauf komen lassen. Dan 
sie sein verpflicht, euch das zu halden, des sie sich gein euch und 
eurem prüder verschrieben haben ; sunder wollen sie das gemelt 
schloß und markt mit seiner zugehorung für sich, ire erben und 
erbnemen selbst widerkaufen, so must [ir] sampt eurem bruder, nach 
inhalt und vermeldung ires kaufspriefs, ine an sulchem schloß und 
markt den widerkauf gestatten und vergunnen. Von rechtis wegen. 

282 

Von gezeugen. 

Sprechen zu Leiptzig : Dorrebach kau mit einem allein nicht ge- 
zeugen noch erweisen, das das stuck acker, von dem [er] in seiner 
Bl. lOduclag sagt; sein und ime entwant | sei, sunder er muß das erweisen 
selbdritt unbescholden leuten an irem rechten. Von rechtis wegen. 

283 
Von clag mit gezeugen, wie man den entgeen sali. 

Seintmal Broptzsch umb seiner schult zu Trophen cleit mit ge- 
zeugen selbdritt, so sali ime Tropher der schult entgehen selbdritt 
auf den heiligen. Von rechtes wegen. Versigelt. 

Nach 1464 284 

Vgl Nr, 193, 

Gezeugen, das einer sein guter hat aufgelassen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulch unvertuchte tunkel 
urteil derselbigen part vor recht: Ean Michel Gunter, als dan sein 
ingefeit urteil beseczen, zupringen und mit einem vobtendigen ver- 



[284. 285] 221 

sigilten brif des lenherrn, der sich anhebet: »Ich Otto Grisß, probst 
der geistlichen tumbherren etc.« zupringen, beweisen und erkunden, 
das zu der zeit, so man geschrieben hat der minnerzal LXIV <j jar, 1404 
am tag Sancti Hleronimi, als dan die dato desselbigen brifs, den er 
neben sein urteil mit eingelegt hat, besagt, das Hans Gunter, sein 
Tater und vaterbruder mit etzlichen andern mer vor dem genanten 
herm probst also für iren erbherren komen und do alle guter, die 
do Bartel Gunters gewest sein, demselbigen Nickel Gunter aufgelassen 
hab als ein Vormunde des genanten Nickel, und das er ausgesagt 
und I bekant habe, das in sulchen gutern niemands kein teil habe Bl. 109a 
dan Nickel Gunter allein, wan ime sulche guter von Bartel, seinem 
yater, angeerbt und ankörnen seint, und das der genante Hans Gunter 
und die andern, die mit ime zu der zeit vor dem erbherrn gewest 
sein, an sulchen gutem [verjzicht getan haben, als dan das alles 
der gegebene brif des genanten herm probst darüber geben, ge- 
meldet; so das Nickel Gunter also mit dem brif des herrn probst 
und mit seinem bekantnus zubracht und, das die ding also, wie 
itzund berurt, geschechen seint, erkundet hat, als er sich dan das 
in seinen urteiln zu tun erpeut: So pleibt er dan pei sulchen seinen 
gutem, wie ime die von dem lenherrn aufgelassen und von seinem vater 
Bartel Gunter angeerbet seint, pillicher, auch mit merem rechten, 
dan ime Hans Lorige in sulcher obberurter Vormundschaft seines 
weibs und seines furnemens halben, wie sein urteil unvememlich 
besagen, daran einicherlei eintrag oder verhinderunge tun ader sulchs 
unbestendigen furnemens halben aberforderen möge. Von rechtes 
wegen. 

285 

Das einer seiner gezeugen nicht volkommen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Ist Peter Großnickel mit seinen 
gezeugen auf seine anmaß ung und nach dem^ als er sich ein sulchs 
in seiner antwort, die er auf die angestalten schulde seines wider- 
parts I getan hat, zu tun hemmet habe, in bequemer und bedingter bl. 100 k 
frist und erteilten von euch rechtlichen zeit nicht volkommen, wie 
recht ist: so ist er gegen Hans Gunter, seinen widerpart, der Sachen 
fellig worden. Und ein sulchs, wes sich Peter GroBnickel in seiner 
antwort zu gezeugen angemaßen und ap er auf sulche seine an- 
maßung mit seinen gezeugen, inmaßen er sich dan das zu tun 

1} Am Rande der Vorlage von späterer Hand: 1463. 



222 [285. 286. 287. 288; 

berumpt habe, dem er dan pflichtig gewest ist, in bequemer und 
gedingter &ist nachzukommen, volkomen sei, wie recht ist oder 
nicht: das steet auf euerm erkantnus und euer aussajge umb besagang 
euers gerichtsbuch, nachdem sich Hans Gunter in seinem eingefeiten 
schriftlichen urteil ein sulchs zu besagen auf euch und euer ge- 
richtsbuch gezogen hat. Von rechtes wegen. Yersigelt. 

Vgl. Nr, 69. 

Das weib hat den man begabt für gericht; wie man das 
erzeugen sali. 

Sprechen zu Magdeburg hirauf zu leuterung vor recht: Wan 
Hans Hillebrant gezeugt sulche gäbe, die ime von seinem weibe 
geschechen ist, mit Yolstendigen versigelten brifen richters und 
schöpfen des gerichts, da sulche gäbe geschechen ist, oder selbdritt 
unbescholden leut an irem rechte, do die kegenwertig gewest seint 
und den bewust ist, das sulche gäbe geschechen ist: so hat er das 
gezeugt, also recht ist. Wan er auch ein frage pei sulcher gäbe 
Bl. 110 a getan | hat, so hat er genug getan. Von rechtes wegen. 

287 

Gezeugnus, so die schöpfen alle gewest im gericht. 

Magdeburger Spruch für Naumburg, 
Ahschnft auch in Hs. Görlitz 4, Bl. 230\ Nr. 393. 
Gedruckt hei Friese-Liesegang ^ IIL B.j Nr. 16^ S. 450^ und xirar 
ohne Überschrift. 

Identisch mit Nr. 547 der Vorlage; vgl. auch Nr. 361. 

288 
Ap einer nach getaner gewer mag gezeugen aufbringen. 

Sprechen zu Leiptzig vor recht: Kan Hans Kermeß mit richter 
oder mit schöpfen oder mit irem gerichtsbuch erkunden und be- 
weisen, wie recht ist, das ine Paul Drotzschen in seiner dag vor 
getaner gewer umb tat und Yolge der wunden, Hansen seinem sune 
in sein rechte hand gehauen, davon er gestorben^ und umb des 
. wegfordern seiner beder knecht schlecht und on gezeugen beschul- 
digt habe; und so Paul Drotzschen ime darnach derselbigen schult 
eine gewer bestalt hat; und er hat ime zu denselben schulden nein 
gesagt und sich auf unser rechtlich erkantnus, das wir Yormals in 
disen Sachen getan haben, erpoten, dem nein volge zu tun, und sich 



[288. 289] 223 

also derselbigen tat, volge und hinwegforderung seiner beder | knechtBi.. iiOi< 
inbalts nnsers vorgetanen rechtspruchs zu entledigen, wie recht ist: 
So mag nun der genante Paul Drotzschen nach getaner gewer und 
ergangen rechtspruch keinen gezeug, des er vormals in seiner clage 
Yor getaner wer nicht gedacht noch gewent hette, nicht aufbringen, 
sunder er muß den genanten Hans Eermessem zu entledigung seiner 
unschult, als ime das in unserem vorichem rechtspruch zuerkant ist 
wurden, komen lassen. Dan op ime Paul Drotzschen im anfang der 
Sachen für gericht in einer gemeinen bedingung, als das ime als 
eim cleger not sein wurde, alao sein gezeugnus und dilacion, so er 
des zu seinen rechten wurde bedürfen, bedingt hett, als er in seinen 
Schriften seczt, und sulchs wer ime zugelassen; doch so er darnach 
seine [clage] schlecht und on gezeug hat angestalt und hat sich nicht 
yermessen in seiner clag, die beweislich zu machen, und hat also 
darauf die schult und clag yerwert: so ist ime die erstUche bedingung 
unhulflich. Und nachdem er nochmals nach getaner gewer und des 
genanten Hjinsen Eermessen antwort sich etzlicher gezeugen berumpt 
xmd vermeint, damit dem genanten Hansen Eermessen die entledigung 
seiner unschult zu stopfen, und hat | derselbigen gezeugen zu seiner Bl. 111a 
angestalten clag vor getaner gewer nie gedacht: so muß er sulchs 
mit wett und mit puß abstellen. Von rechtes wegen. 

2§9 Letztes 

Viertel des 

Einer ist mit den gezeugen nicht volkommen auf den^^. Jahrh. 
tag, als er vor dem schidesrichter verwilligt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzg auf sulch frag vor recht: 
Das herre Niclas Zolnitz, prister, sulcher verwillung halb, so er dan 
für euch also einem scheidesrichter getan hat, mit seinen gezeugen 
auf suntag Jubilate negst verschienen nach des vorgetanen spruchs 
zu volkomen, von der hauptsachen, so er mit den von Rochelitz zu 
tun hat, nicht gefallen ist. Er hat auch damit und mit einem sul- 
chen, das er auf genanten suntag Jubilate mit seinen gezeugen nicht 
volkomen ist, der schulde und zusprach, so er vdder den rat zu 
RochUtz hat, gein dem genanten rat nicht verlorn, nachdem die 
verwillung, so sie dan auf beden teilen getan haben, schlechtiglich 
on alle peen und nicht pei verlust der Sachen geschechen ist. Des- 
halb dan herre Niclas, wie oben berurt ist, von der hauptsachen 
nicht gefaUen ist, sunder er mag seine zeugen [furpringen] zu tagen, 
so er sie mit recht oder sunst darzu pringen kan; und | darzu er Bl. 111b 
ime dan möglich seinen schobzoge und frist hat, [so] er das nach 



224 [289. 290. 291] 

laute und inhalde des vor getanen Spruchs getan und erhalden hat, 
so bleibt er doch pei seinem rechten möglich. Von rechtes wegen. 
Versigelt. 

290 

Vgl Nr. 18 und 292, 

Einer hat gezeugen für gericht gebracht. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig darauf vor recht: Ist Jacob 
Windisch durch euer erkantnus etzliche beweisung auferlegt wurden 
und er hat zu volfarung derselbigen seiner beweisung seine gezeugen 
für gericht angesichtig furpracht, und Heinrich Keyser hat die auf- 
genomen, verhören und aussage tun lassen, und die gezeugen haben 
ire aussagen getan, sich auch erpoten, dieselbige ire aussage mit 
iren eiden sobalde oder zu negsten dingen darnach, wie sich zu 
recht gepurt, zu sterken; und der egenant Heinrich Reiser hat solche 
eide von den gezeugen balde nicht wollen annemen, sunder gepeten 
umb ein abschrift der aussage ires gezeugnus, und ime dameben 
gedingt drei volle gericht, sich zu bedenken und sein einrede wider 
die aussage der gezeugen^ sovil ime der not sein wurde, zu tun. 
So er ime dan sulch frist zu seiner einsagen wider das gezeugnus 
zu tun bedingt und ime die durch den obgenanten Jacob Windisch 
also unwiderfuchten zugelassen ist, inmaßen er seczt: So geneust 
er sulcher seiner bedingung und behelt sulch frist zu seiner einsag 
Bl. 112a wider die aussage der gezeugen zu tun pillich; und er ist nicht 
schuldig, die eide von ine aufzunemen. Es sei dan, das er seine 
einsage vorhin getan und einbracht habe und die rechtlich ver- 
sprochen werde, und wu er sulch einsag tun oder einlegen werdet, wo 
er die bereite nicht getan noch eingelegt hett, so gibt er dem mer- 
genanten Jacob Windisch, seinem widerpart, derselbigen seiner ein- 
sage ein abschrift pillich, auf das er wider sein einsage auch ge- 
seczen mag, sovil ime zu recht not ist, und widerumb doch also, 
das es itzund genantem Jacob Windisch als eim antworter den letsten 
sacz zu tun gepurt. Von rechtes wegen. Versigelt. 

291 

Von gezeugnus, vor der gewer bedingt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulch gesecze zu leutrung 
unsers vorgetanen rechtspruchs vor recht: Nachdem Benedicts Ditte- 
rich itzund in seiner schriftlichen leutrung vorzeuhet und sagt, wie 



[291] 225 

das Heintz Geberth ^), sein widersache, wider in sein schult für ge- 
liebt zur Mitwede on gezeugen sol angestalt baben, und das es kund 
und offenbar sein solde, wie das er ine durch seinen vorreder hab 
erinnern und ime sagen lassen, wolde er seinen schulden zu hülfe 
gezeugnus aufbringen, [er] das vor der gewer tun solde, dan nach 
der gewer wolt er das von ime nicht leiden; sulchs solde Guntz^) 
gewegert und nicht haben tun wollen; und zeucht [sich] das auf richter 
und schöpfen und yermeint, das er dadurch [erzeigt,] als er vormals 
in seiner | antwort mit sein selbst hand zu bekreftigen und erhaldenBL. 112b 
mag, das es zu rechte genugsam sei. Und seintemal Guntz Gebhart ^) 
darwider seczt und sagt, das er ime verpurgunge seiner angestalten 
schult und clag wider den genanten Benedicts Ditterich vor der ge- 
wer allzeit sein gezeugnus hab bedingen lassen und das ime sulchs 
für gericht zu der Mitweide verteilt sein solde, und zeucht sich das, 
also wie vor, auf richter und schöpfen aldoselbst, pei euch zu der 
Mittwede, die gemelten bede part sulcher irer zweifeltigkeit, wie die 
sach vor ine in gericht verhandelt sei oder nicht, durch ire aussage 
und bekantnus oder durch ire gerichtsbuch zu entscheiden von recht. 
Und welchem teil zu falle geben worde, das bilde sich irer aussage 
oder ires gerichtsbuchs, virie die Verhandlung der Sachen geschechen 
oder in irem gerichtsbuch verzeichent wer, pillich. Und so der 
richter und schöpfen pei euch zur Mittweide oder ire gerichtsbuch 
des dem genanten Guntzen Gebhart zu fall geben wurden, das er 
ime verburgung seiner schult und clag vor der gewer allzeit sein 
gezeugnus bette bedingen lassen, so pliebe er pei unserm vor ge- 
tanen rechtspruch und pei seiner angemasten und zuerkanten be- 
weisung nach einhaldung desselbigen rechtspruchs möglich; und so 
er ime dan als ein cleger vor der gewer sein gezeugnus hett be- 
dingen lassen | und hett sich vermessen, sein sache mit gezeugen Bl. 113a 
zu Sterken, so mocht ime Benedicts Ditterich als ein antworter mit 
seines selbst hand allein, als er in Schriften vermeint zu tun, nicht 
entgehen oder sein gerechtigkeit nach inhalt seiner antwort be- 
kreftigen, sunder behilde ime das aus craft seiner bedingung, dar- 
von er itzund in seinen Schriften leutrung abermals bemeldet, wider 
seine gezeugen in person und aussage* ein einrede, auch alles än- 
derst, was ime in antworts statt durch recht not sein wurde furzu- 
pringen, pillich. Von rechtes wegen. Versigelt. 

1) Es handelt sich offenbar um die gleiche Person (Cuntz Gebhart), deren 
Name, wie man auch in zahlreichen anderen Fällen beobachten kann, vom 
Schreiber der Vorlage ungenau angegeben ist; vgl. auch Nr. 317. 
G. Kisch, Leipziger Scliöffenspruchsammlung. 15 



226 [29ZI 

292 

Vgl Nr. 18 und 290. 

Einer hat gezeugen furpracht ordentlich. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig vor recht : Hat Jacob Windisch 
zu Yolfarung seiner angemasten beweisung und ime durch nnsem 
Yorgetanen rechtspruch aufgelegt nach rechtlichen gepoten und clagen 
sein gezeug ordentlichen, als er in seinem urtel seczt, furpracht und 
die enzelen einen nach dem andern yerhoren lassen; und Heinrich 
Eeiser hat der zeugung aussage eine abschrift genomen und ime 
drei volle gericht sein einrede darwider zu tun behalden; hat dan 
Heinrich Keyser sein einreden wider der gezeugen aussage zum ersten 
gericht eingelegt, und Jacob Windisch hat der eine abschrift dawider 
zu seczen, sovil ime not sein wurde, gepeten: So hett ime der mer- 
Bl. 113b genant Heinrich Keiser sulche abschrift, | auch seine rechtliche zeit 
und frist, seine gegenrede darauf zu tun, pillichen gegeben, und er 
hat ime ein sulchs unpillichen gewegert. Und also der itztgenant 
Keyser dieselbig sein einrede nun zum dritten gericht abermals fur- 
pracht hat: so muß er nochmals dem egenanten Jacob Windisch 
sulche abschrift, auch darzu seine rechtlich zeit und frist geben und 
zulassen, dawider zu seczen, sovil ime not sein wurde. Es wer dan, 
das Heinrich Keiser inmaßen er in seinem urtel seczt, dem vil- 
genanten Jacob Windisch sulche seine einrede wider der zeugen 
aussage überzugeben für gericht erpeten, und Jacob Windisch vil- 
genant hett der nicht wollen annemen, sunder die verachtet, und 
ir, richter und schöpfen, dem genant Heinrich Keyser ein sulchs aus 
gericht bekennen wurdet: alsdan so wer er dem genanten Jacob 
Windisch sulche abschrift itzund widerzugeben nicht pflichtig; und 
Jacob Windisch mocht nun zu der zeit auf des vilgenanten seins 
widerteils schrifliche einrede seine gegenrede zu tun nicht zu[ge]- 
lassen werden. Und so der zeuge, nachdem Heinrich Keiser in seiner 
einrede aufpringt, nach laut und inhalt unsers vorgetanen rechi- 
spruchs nicht gemeß gezeugen oder ire aussage mit iren eiden nach 
anweisung des richters oder des fronpoten, der in den eid stoben 
muß, nicht starken wolden: so wurde der oftgenant Jacob Windisch 
darmit der Sachen gegen dem genanten Heinrichen Keiser fellig« 
Von rechtes wegen. 



[293] 227 

293 

Von testament in siechbett gemacht und seelgerete. Bl. 114a 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk auf sulche eure schriftlich 
frage vor recht: Haben die zwu eeliche personen, davon ir in euer 
Schrift meldet, die dan itzund bede on leibserben verscheiden seint, 
in irer krankheit umb irer seien Seligkeit willen, in kegenwertigkeit 
des einen teils freunde und erbnemen, die dan ein sulchs vergunst 
und on alle einrede mit wülen zugegeben und bestatt haben, ein 
testament und ir selgeret gemacht und bestat, und sulche guter, 
als in euer frage ausgedruckt und mit namen bestimpt worden, zu 
etzlichen gotesheusem, kirchen und ander ende an irem letsteti ende 
bescheiden; und haben sie die zeit des ander parts freund und erb- 
nemen ires gutes, mit namen Salbach genant, zu sulchem testament 
zu hom, ab er darein zu sprechen oder das einen f urgang wolde 
winnen lassen oder nicht, besandt und gefordert; und nachdem dan 
derselbig Salbach zu sulchem testament nicht komen ist, sunder ge- 
sagt hat, das sie sulch guter, so ir und nicht sein wem, wol be- 
scheiden, verkaufen oder vergeben mochten, und das er darnach 
nichts fragte; und wiewol dem landleuftigen sechsischem recht sulch 
bescheidung und das testament, als die zwu eelichen personen in 
irer krankheit und in iren siechbett an den gutem und sonderlich 
an den acker, davon in euer frage besagt wurd, getan und bestalt 
haben, von | uncreften und ganz machtlos [ist] on sich selbst: Doch,BL. 114b 
so das mit willen und gunst irer freunde und erbnemen geschechen 
ist, so pleibt es pei craft und macht pillich; und darumb mögt ir 
beweislich machen, wie recht ist, das der genant Salbach auf die 
zeit, als sie ine zu dem testament, das zu hom und darein zu 
sprechen oder das zuzulassen gefordert haben, sulche rede, wie vor 
berurt, gesagt; und als [er] dadurch sulch ir testament gewilligt habe, 
so mag er itzund nach der beden personen tode sulche testament, 
das sie an iren eigen gutern bestalt haben und gemacht, durch sulch 
seine einrede, darvon ir in eueren Schriften meldet, nicht verhinde- 
mng [tun] oder zurückwerfen, sunder er muß das nach gestalten 
Sachen pei [craft] und macht pleiben und ime an den gutem, die 
ime von wegen seiner frauen zu seiner teilung an dem andern 
übrigen farenden und unfarenden gelassen gutem der zwu verstorben 
personen pei den andern erbnemen, die dan sulch testament auch 
gewilligt und zugelassen haben, werden mögen, genügen lassen. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

16* 



228 [294. 295. 296] 

294 

Testament und bescheidung, in der krankheit ge- 
schechen. 

Bl. Höa Sprechen zu Leiptzig: Hat der man in seiner | krankheit sein 
pferd, hämisch^ kue und auch gelt, auf den leuten stehend, zu einer 
kirchen bescheiden, und auch einer junkfirau, die er willen hatt, zu 
der ee zu nemen, ein summa geldis nach seinem tode zu haben, 
auch bescheiden, und ist sulch bescheidung geschechen hinder euch, 
den negsten erbnemen, on euren willen und volwort: So ist sulche 
bescheidung alle machtlos nach sechsischem recht. Wurde aber die 
bescheidung, zu goteshaus und zu kirchen geschechen, durch geist- 
lich recht bestendig erkant, das wer euch doch unschedlich an dem 
hergepete, und die bescheidung, der junkfrauen geschechen, pleibt 
auch machtlos, also der[weilen] die zu sechsischem recht gehört. Von 
rechtes wegen. 

Mitte des 2Q^ 

15. Jahbh. 

Einer hat ein gut inne, darauf jerlich testament. 

Sprechen zu Leiptzig: Haben Bernharts Marschalcks vorfaren an 
dem gute, das [er] inne hat und besiezt, den punkt des testaments, 
II pfund wachs jerlichen zu geben, das Eirstan von Hering bestalt 
hat nach besagung der schrift, in dem meßpuch geschrieben, des 
abschrift in Königin zusage auch gesaczt ist, vor langen jam bis- 
her, nemlich XXX jar on einsage gehalden und sulch wachs der 
kirchen zu Melier gegeben, und hat Bemhart Marschalck das gut 
inne, darauf sulch wachs gesaczt ist: So gibt er das wachs auch 
pillich und mag sich damit nichj; behelfen, das ime das gut zu freien 
Bl. 115Bmann{lehn in sibenundzwainzig jaren der minnerzal geliehen ist. 
1427 Von rechtes wegen. Versigelt. 

296 

Von testament zu einer kirchen bei gesundem leibe. 

Sprechen zu Leiptzig: Können die alterleut unser lieben frauen 
kirchen zu Zwickau beweisen mit volstendigen versigilten Schriften, 
das Mattes Richter sein testament pei gesundem leibe gesaczt und 
sein guter alle, ligend, stehend und farend, on was er seinen negsten 
erben aussaczt hat, zu unser lieben frauen kirchen bescheiden und 
geschickt hat: So behalden die alterleut von der kirchen wegen 



[296. 297. 298. 299. 300] 229 

deshalben alles farende gute , was nun Mattes Richter blieben ist, 
als es bescheiden ist. Aber an dem stehend, liegend erbgut ist die 
bescheidung unmechtig nach sechsischem recht; es wer dan, das die 
für gericht und für gehegtem dinge bestetigt were. Von rechtes 
^wegen. Versigelt. 

297 

Gleider im siechbett bescheiden. 

Spricht Leiptzig: Hat Nickel Kampf elers weib sulch cleider on 
irer negsten spilmogen willen bescheiden; so Erhardt sulch beschei- 
dung der cleider, die zu gerade gehören, [beweist: hat die] nicht 
macht nach sechsischem recht. 

298 

Die wund ist nicht kampfwirdig geclagt. Bl. 116a 

Magdeburger Spruch, 

Abschrift desselben mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehlt ^ unter der 
Überschrift: > Von offen wunden^ die ane geruft geelait unirden, in welchen 
rechten die besten mogen^ auch in Hs, Leipzig 906, Bl. 112 f. j Nr, 3. 

Vollständig gedruckt bei Wasser schieben , Bechtsqusllenj IV.j Kap. 5, 
S. 136 f. unter der Überschrift: > Von offen vrunden, ivenn man die vor 
wergelt als eine siechte blutnmst€. Daselbst ist S. 136 Zeile 5 von unten 
^nctch Hs, Leipzig 906 hinter ^ getan hat* einzuschalten: ». . . sunder sin 
vaiir gitige zw dem burgermeister und daitCj . . . « 

299 

Auferhobene braune und blau schlege. 

Vermutlich Magdeburger Spruch, 

Abschrift unter der Überschrift: > Von wunden, die brune U7id blau und 
eitis nagils hoch ufßrhabin sin, in welchen rechten die besten mögen adir 
was darumme recht si* auch in Hs, Leipzig 906, Bl. 135^, Nr, 26, 

Gedruckt bei Wasser schieben, Bechtsquellen, IV., Kap. 25 b, S. 160 f., 
unter der Überschrift: »Von blau/wen siegen <. 

300 

Vgl. Nr. 167, 192, 346, 

Die schepfen haben yerletzung bekant. 

Sprechen zu Leiptzig vor recht: Haben die schöpfen bekannt, 
das Gasper von Gospersdorf kind an einem äuge geleczt ist, aber 



230 [300. 301. 308; 

sie wissen nicht, wer es getan hat: So hat Gospersdorf mit snlchem 
gezeuge seine sach zu Mattes Jhanshayns kinde nit erfordert, seint- 
mal der gezeuge nicht bekant, das Mattes Jhanshayns kind das ge- 
tan hat. Von rechtes wegen. Yersigelt. 



301 

Vgl Nr. 210. 

M 

Von der hülfe, die erlangt einer wunden halb. 

Sprechen zu Leiptzig vor recht: Habt ir einem man, Jörg Strumpf el 
genant, euer vorwerk und guter als einem hofemann umb die helft 
Bl. 116b zu treiben etzlich | jarzal ausgetan, die er euch dan ausgehalden hat 
pis auf das jare mit sulchem gedinge, das er auch dasselbig Tor- 
werk über summer und winter mit seinen eigen samen besehen und 
beschicken soll. Hat sich dan ergeben, das in der zeit einer, genant 
Antonius [Roßler], in einem hader verwundt ist wurden, der dodurch den 
egenanten Strumpfel und zu seinen gutem als zu einem volger der 
wunden geclagt hat, und hat denselben Strumpel und seiner gater 
pis auf die helft erfordert: So kau ime derselb Antonius zu sulchem 
samen, den Jorge Strumpfel , euer hofeman, eure guter davon über 
Sommer ze sehen und .zu beschicken hinweggeschut hat, noch zu 
den pferden und yiech, das er auf eurem vorwerk zu enthaldung 
euer guter nach euer beder ingegangen vertrag stehende hat, und 
das also mit euer vertrag vorhin verpunden und verstrickt ist, euch 
zu schaden und abbruch euer iugegangen vertrag nicht verhelfen 
lassen, sunder allein mag er ime helfen lassen zu desselbigen Jörg 
Strumpf eis gerechtigkeit^ die ime an denselben gutern aus hal- 
düng euer eingegangen vertrag gehorn, oder zu den fruchten und 
nutzung, die ime zu seinem teil, wen er euch dan besehet, als euer 
hofeman ausgehalden hat, zustehen werden, also das ir an euren 
ausgelassen gutern unbeschedigt pleiben mögt. Von rechtes wegen. 



302 

Identisch mit Nr. 174; »khe daselbst den wüständigen Wortlaut. 
Bl. 117a Wieverne der furmund antwort pflichtig ist. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig: Bartel ist nicht forder ant- 
wort pflichtig, dan zu den stucken^ die er am ersten anfang etc.; 
vacat. 



[303. 304] 231 

303 

Zwu kampferwanden, drei peinschrotige wanden. 

Sprechen zu Leiptzig : Hat Paul Apt Hansen Wicker zwu kampfer- 
Tviinden und drei peinschrotige wunden gehauen, und ist sulchs in 
einem auHauf geschechen, ap es auch mit mer schlegen und inver- 
-wanten fufien geschechen ist, und sulchs purglich geclagt wird: So 
darf Paul Apt itzlich wunde sunderlich nit verpessem, sunder er 
verwandelt das alles genugUch mit einem halben wergelde. Von 
rechtes wegen. Versigilt. 

304 

Einer hat einem ein bein entzwei gefarn. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulche eingefeite urteil 
der gemelten part vor recht: Nachdem wir in unserm vorigem recht- 
spruch vormals vor recht erkant haben, so Philipp [Kretzschmar] ^j 
nach dem begangen schaden, den sein pferd und wagen an dem ge- 
nanten Nickel Nytzschen sullen getan haben, indem das ime sein 
knecht damit ein pein entzwei gefarn hett, dieselbigen sein pferde 
nnd wagen wider auf- und eingenommen hett: so must er dem ge- 
nanten Nickel Nietzschen den | beinbruch nach gesaczter büß des Bl. 117b 
rechten verpessem. Es were dan, das sein knecht, der den wagen 
mit den pferden die zeit gefurt hat, sich des mit sein selbst band 
auf den heiligen entledigen torste, wie recht ist, das sulchs nach 
laut unsers vorigen Spruchs on sein schult und verwarlosung ge- 
schechen were. Wan er sich also, wie des unser getaner spruch 
darüber inhelt, entledigt hett, so wer Philipp Eretzschmar derhalb 
dem genanten Nickel Nietzschen nichts pflichtig. Bei demselbigen 
Spruch bleibt es pillich, also das sich des genanten Philipp Eretzsch- 
mar knecht sulcher verwarlosung nach inhaltung desselben spruchs 
mit sein selbst band unschuldig machen muß, oder muß dem ge- 
nanten Nickel Nietzschen den beinbruch nach gesaczter puß des . 
rechten verlegen; und Philipp Eretzschmar mag und kan derhalben 
für seinen knecht den eid nicht leisten, noch ine des entschuldigen, 
darvon er kein wissen gehaben mag, nachdem er pei den schichten 
gewest nicht ist. Von rechten. Yersigelt mit unserm insigel. 

1) Yorlage: Kejmar. 



232 [905. 306 

14. Jahbh. 305 

Beinschrotige und kampferwunden und volger. 

Sprechen zu Leiptzig: Haben die zweine genanten brader eucj 
in euer achsel ein große beinschrotige wunden und kampferwunden 
gehauen, und habt ir sulche- wunden von stund an und auf frischer 
tat mit richter und schoppen des gerichts zu Golßchwitz, darinne 
Bl. 118a die tat geschechen ist, beweiset und belegt: | So habt ir euer clag 
der beclagten wunden halben den Vorgang und Vorzug pillich, rmd 
der teter und der volger itiussen euch jeder wunden halben wandeln 
und büß tun nach gesaczter peen und büß des rechten. Und seit 
ir dan ein freigeporn man, so muß der euch sulch peinschrotige 
kampferwunden mit einem halben wergelde verpußen, nemlich mit 
neuen pfunden pfundischer pfenning sulcher pfenning, die in dem 
obgeraelten gericht geng und gebe sein; und ein itzlicffer muß auch 
die verpußen mit XXX Schilling pfenning, als in dem obgedachten 
gericht lauftig und ganghaftig sein. Von rechtes wegen. Versigelt. 

306 

Vgl Nr. 307. 

Den kommer heimlich zu halden pei dem richter. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptz auf sulche eingefeite urteil der- 
selbigen part vor recht: Seintmal Paul Wageners elichs weib am 
ersten zu dem richter komen ist und hat einen komer zu Jörgen 
Silberschmeltzers guter mit ime bestalt und ine gepeten, den heim- 
lich ir zu gut pei ime zu halden, und auch, das sie dem obgenanten 
Jörgen sulchs kommers halben kein gerucht noch nachrede machen 
dorfte, und zu der zeit dem richter sein gelt des komers halben uber- 
potig gewest ist, und der richter, das sie zum ersten pei ime gewest 
sei, zu gedenken geredt; und etzliche tag [darnach Hans tlaubner 
auch zu dem richter gefugt und gefunden hat, ime ein sulchen heim- 
lichen kommer zu des egenanten Jörgen guter zu bestellen und da 
Bl. 118b von dem richter gehört, das er von der egenanten | frauen des zu- 
gleichen zu tun gepeten sei, und do ine gepeten zu sulchen gutern, 
wie oben bemeldt, einen offenberlichen komer; des er ine auf die 
zeit nach seiner gegeben pflicht und auch darnach denselbigen tag 
über ein stund nach der obgenanten frauen ein oflFenberlichen komer 
zu des vorgenanten Jörgen gutern getan und bestalt hat. Doch mag 
der genante Hans Haubner seines furnemens halben, wie das seine 
urteil besagen, Paul Wagner oder sein weib von dem ersten komer, 



[306. 307] 233 

den sie getan hat, niclit dringen, snnder so der richter ein sulchs, 
'wie oben berurt, das Panl Wagners ' eelich weib umb den ersten 
kommer zu tun gepeten und er ir das zu gedenken gelobt und ge- 
redt hat, und das sie darnach sulche guter mit einem offenberlichen 
kommer gesaczt und behalden hat, noch heut bei tage bekentUch 
und zufellig ist: So hat der mergenante Paul Wagener die erst clag 
und forderung an den gutem, wie oben berurt, pillichen, und sein 
Widerpart mag ine der ersten clage oder forderung zu solchen gutern 
seines fumemens halben nicht verhinderen. Von rechtes wegen. 

307 

Vgl Nr. 306. 

Voigt die uberleutrung. 

Sprechen zu Leiptzk auf sulche schrift der genanten part zu 
einer leutrung unsers vor getanen rechtspruchs vor recht : Seintemal 
wir in unsem | zweien rechtspruchen , urteiln eigentlich, vor recht Bl. 119 a 
erkant haben, das Paul Wa[g]ners komer den Vorgang [vor] ^) Hansen 
Haabners komer zu Jörgen Silberschmeltzers guter pillichen haben 
sali imd vor den ersten komer sali behalden werden, darumb wu 
der richter dem genanten Paul Wagner bekentlich sein wurde, das 
der richter Paul Wageners weib, die ime ir gelt des komers halben 
uberpotig gewest ist, geredt und zugesagt habe zu gedenken, das 
sie zum ersten pei ime des komers halben gewest sei und bestalt 
hab; und so dan aus des richters erkantnus, als Paul Wagner mit 
zu seinen Schriften gesaczt hat, iczt clerlich erscheinet, das Paul 
Wagners weib dem richter ir gelt uberpotig gewest ist und das der 
richter ir aUein zugesagt hat, das zu gedenken, das sie von erst 
pei ime gewest sei: So steet das itzund genzlichen zu dem richter 
auszusagen und [zu] vercleren sulche seine wort, uemlich das zu 
gedenken, das [sie] von erst pei ime gewest sei. Und wurde der 
richter sulche seine wort also vercleren, das er domit ir des ersten 
bestalten komers gedenken [wolt]: So blibe das pillich pei unserni 
vor getanen spruch, und Paul Wagener behilt dan [zu^ Jörgen Silber- 
schmeltzers guter den ersten komer möglich. Und hett demnegst 
Paul Wagner auf seinen bestalten komer, den ime darnach der 
richter auch öffentlichen getan hat, mit rechten vorpoten und clagenBi.. Il9is 
von einem ding zu dem andern, vom anderen zum dritten pis auf 
die hulf für gericht gefellet, und wurden ime das richter und schöpfen 

1) Vorlage: und. 



234 [307. 308. 309" 

zufellig und bekenÜich sein: So gepuit dem genanten Paul Wagener 
die erste hulf und der Vorgang mit der half zn Jörgen Silber- 
schmeltzers gutem; und er mochte daran mit sulchem yomemen 
Hans Haubners, als er itzund in seiner uberleutrung aufpringt, nicht 
verhindert werden. Wurde aber der richter sulche seine wort ver- 
cleren, das er Paul Wagners weib des gedenken wolt, das sie Yon 
erst bei ime gewest were und etzlich rede von dem komer gehabt 
und doch den pei ime heimlich nicht gesaczt hette: So ging Hansen 
Haubners komer und sein erlangte zuerkante hulf pillich [vor]. Von 
rechtes wegen. Versigelt. 

308 

Vgl Nr, 241, 324. 

Der erste komer, gepot und clag geen vor die andern. 

Sprechen zu Leiptzig: Seintemal das Ebbhart von Grotzp zn 
sulchem gute Wartenberg eher komer, gepot und clag getan hat 
dan Graw Hans und das gut mit allem rechte erstanden und erfor- 
dert hat kegen Jörgen Loser: So ist Ehart unschedlich an seinem 
Bl. 120a rechten die forderung, die [ Graw Hans getan hat zu demselben gut. 
Sunder meint Graw Hans darzu gerechtigkeit zu haben, das mag er 
tun mit neuen gepoten [gegen] ^) Erhart von Grötzp; und man darf 
Go'nradt Moren, Graw Hansen procurator, nicht abschrift geben oder 
Verlesung [von] 2) der geschieht, zwischen Erhart und Jörgen Loser 
ergangen. Derselbe Conradt Moron mocht auch nicht zöge haben, 
sich an Graw Hansen forder zu erfam auf das aller erste gericht, 
da er von quame, dan so als er volmechtig gesaczt was, solde er 
auch mit Unterricht sein. Von recht. 

309 

Einer hat einen bekomert und dem komer heimlich 
volge getan. 

Sprechen zu Leiptzig: Hat euer man zu Doben in gericht be- 
komert und hat er dem komer kein volge getan; sunder hat sich 
euer man vor zu der antwort gepoten und ist euer man darnach 
der clage und des gerichts ledig geteilt: Daselbst hett euer man ime 
auch pillicher nach lassen recht teilen umb wet, puß und schaden 
deshalben entpfangen. 



1) Vorlage: bringen. 

2) Vorlage: und. 



[310. 311. 312] 236 

310 1^* Jahbh. 

Vgl Nr. 311. 

Verkümmert gut aus dem kommer gefart. 

Sprechen zu Leipzig: Also herre Niclas von Wolframsdorf ge- 
clagt hat zu Nicklas Querffart, das der gekomerten [guter] Elßenstein 
zu Berga in gericht mit sein selbst gewalt aus dem kommer gefurt 
habe, und also Kicklas Querffart | des bekennet und peut wandel:BL. 120r 
So muß er dem cleger das verwandeln mit seiner gesaczten puß 
nacli seiner gepurt und dem gericht wetten, ap man es von ime 
heischen wurde. Von rechtes wegen. Versigelt. 

311 

Vgl Nr. 310. 

Den komer mit unrecht getan. 

Sprechen zu Leipzig: So er den komer unpillich und mit un- 
recht getan hat, so muß [er] sulchen komer gein Kicklas mit puß 
und dem richter mit wett abstellen. Von rechtes wegen. 

312 

Der cleger muß sein gewissen vor allen dingen recht- 
fertigen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulche urteil der genanten 
part Tor recht : Seintmal Hans Schilling in seiner antwort ein sulchs, 
wie dan er in seinen urteiln bemeldet, zu Hansen Enauers, seins 
widerSachen, bewust und wider auf seine gewissen gesaczt hat, so 
muß derselbige Hans Enauer sulche seine gewissen vor allen dingen 
rechtfertigen und der bewust bekennen oder yersachen und mit voller 
antwort ja oder nein verantworten. Wurde er dan das bekentlich 
sein, inmaßen Hans Schilling in seinen urteln furpringt, so wer er 
ime forder dan nach der alden münz und nach schildischen groschen 
bezalung zu tun nicht pflichtig. Wurde aber Hans Enauer | der be-BL. 1'21a 
wüst versachen und darzu nein sagen, und dorf er dan das nein, 
wie recht ist, mit sein selbst band rechtlich volge tun und der be- 
wust also rechtfertigen und auf den heiligen' entledigen, so were ime 
dan Hanns Schilling zu bezalung der höchsten und pesten münz, 
und inmaßen ine Enauer in seiner schult und anclag beschuldigt 
hat, verpflicht, und mochte ime der bezalung also zu tun dan nicht 
gewegem. Von rechtes wegen. 



236 [313. 314. 315] 

313 

Vgl Nr. 314, 

Ap sich der antworter der antwort damit genug ge- 
schützen mag, das der cleger an- der unee siezt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig vor recht: Das Hans Rultzsch 
muß Hanns [Koch] zu der schult Yolle antwort tun mit ja oder mit 
nein; und das Rultzsch an der unee sieze, mag Hansen Koch nicht 
darzu hulflich sein. Von rechtes wegen. Versigelt etc. 



314 

Vgl Nr. 313. 

Ap sich der antworter der antwort damit mag^schutzen, 
das der cleger haut und har gelost oder verweist ist. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht : Das Hans Koch maß 
Hansen Rultzschen zu der schult ja oder nein sagen, und Hans 
Koch mag sich damit nicht behelfen, das Hans Rultzsch haut und 
har gelost hat oder verweiset ist. Von rechtis wegen. Versigilt. 



315 

Vgl Nr, 230. 

Bl. 121b Einer muß die bewust verantworten, bekennen oder 
versachen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Seintmal das Hans 
Haberkorn seczt, das sich Hans Friderich sulcher huf selber wider 
underzogen hat, und seczt das auf seia eigen bewust, so muß Hans 
Friderich die bewust [verantworten]. [Wurde er dan bekentlich seinj 
das er sich der huefen wider underzogen habe, so darf ime Hans 
Haberkorn die huefe nicht bezalen, sunder Hans Haberkom muß den 
schaden, hone und schmacheit gelden, das er den kauf nicht ge- 
halden hat, oder muß sich des Schadens vom Hansen Friderich ent- 
ledigen oder verneinen mit seines selbst band auf den heiligen, als 
recht ist. Versachet aber Hans Friderich den bewust und spricht 
darzu nein, darf er dem nein recht volge tun mit sein selbst hand 
auf den heiligen, also recht ist; und wen er das getan hat, muß 
ime Hans Haberkom sulche liufe bezalen und mag derselben hufe 
• volgen, als recht ist, als seinem gekauftem gut. Von rechtes wegen. 



[316. 317] 237 

316 

Das der antworter muß muntlich verantworten. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Nachdem Ludwig 

Korbitz und Hans Netter in Yor{mundschaft irer eeweiber mit rechten Bl. illx 

g^epoten den egenanten Veit Pfeill, iren Schwager, für gericht bracht 

und dingfellig macht haben, und haben ine also selbst mundlich 

beschuldigt, wie das er iren eeweibern, seinen Schwestern, furhielt 

iren gepurlichen anerstorben veterlichen erbteil, den der aide Nickel 

Pfeill, ir vater seliger, zu gleicher teilung auf sie geerbet und ge- 

fellet hette, nichts ausgeschlossen, und haben sich auch erpoten, 

dieselbe muntliche clage dem egenanten Veit Pfeill, irem schwager, 

^6 oft und dick ime das not sein wirt, zu verzelen und zu ver- 

cleren: So- muß derselbig Veit Pfeill, ir Schwager, zu denselben iren 

muntlichen angestalten clagen auch für gericht muntlich antwort zu 

tun; und die obgemelten cleger seint nicht pflichtig noch schuldig, 

ime ire furgebrachte muntlich clage durch der Ursachen willen, ap 

die manchfeldig ine Tormenget seint und er ein hinfellig man were, 

das er der aller [nicht] in dechtnus behalden mochte, noch umb 

ander ursach willen, wie er die in seinen schriftlichen geseczen für- 

pringt, nach gestalten dingen und nach ubung der gerichtesleuften 

schriftlich uberzuantworten. Von rechtes wegen. 

317 

Vgl Nr. 291. 

Der cleger erzelt und erclert dem antworter die schultBL. 122b 
pillich, eher man etc. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Nachdem der ge- 
nante Gontz Gebhart für gericht etzliche schult und clage gesaczt 
hat zu etzlichen gekomerten kramegutern, die einer verstorben frauen, 
mit namen Katharina genant, gewest seint, und so dan Benedicts 
Ditterich für gericht komen ist, den komer und des genanfcen Gontzen 
Gebhart clagen zu vertreten und zu verantworten, und hat [geheischt,] 
ime Gebhart seine schulde zu erzelen und zu vercleren : So ist Gontz 
Gebhart pflichtig gewest, ime dieselbige seine angestalte schulde zu 
erzelen lassen, und verzelt ime die noch pillich, eer man ime das 
gerichtsbuch lest lesen. Und wen er solch seine angestalte schulde 
hat verzelt und verclert, und der genant Benedicts Ditterich hat die 
verhört "und die genuglich zu recht verantwort, was dan sulche schuld 
und antwoxt beder parten zu recht erkant und welchem teil alsdan 



238 [317. 318. 319] 

einicherlei beweisung zu yerfaren durch erkaniaius des rechten auf- 
gelegt werd, des halten sich bede parteien piUich. Und so dan dem 
Bl. 1!23a genanten Gontzen Gebhart | zu sterk seines rechten notdurft sein 
wurde, ime das gerichtsbuch zu lesen, so lese man ime das pillich; 
und so er sulche seine clage, davon sein urteil bemeldet, in Tor- 
mundschafb seines eeweibs [angestalt hett, so darf er] nach gestalten 
Sachen keine vollmacht beweisen, also Benedicts Ditterich seine wider- 
part hett, nachdem der man pillich seines eeweibs Vormunde ist zu 
rechte. Sunder so Gontz Gebhart in den gerichten zu der Mitweide, 
do er die gemelteu kramguter fordert, nicht gesessen ist und auch 
in denselben gerichten nichts eigentumbs hat, und gedenkt, aldo 
seine gerechtigkeit zu fordern, so muß er dem genanten Benedicts 
Ditterich, seinem widerpart, der sulche gekümmerte guter aldo selbst 
vertreten mit furpringen, [verpurgenj ime aldo selbst wider umb 
seiner zusprach halb zu rechte zu steen. Von rechtes wegen; etc. 



318 

Einer muß zu seinen eigen gewissen ja oder nein sagen. 

Sprechen zu Leiptzig: Seintmal Paul Lobetantz clagt zu eurem 
eigen gewissen, das ir ime solt haben ingehalden acht jar zwu huefen 
acker, so must ir ime zu euren eigen gewissen ja oder nein sagen. 
Bl. 123b Bekennt ir ime euer gewissen, | so must ir ime sulche zwu hufen 
ackers volgen lassen. Versachet ir aber der gewissen und sprecht 
darzu nein, des must ir euch entledigen mit eur selbst band auf 
den heiligen, als recht ist; und wan ir euch also entledigt habt, so 
seit ir pei eurem nein neher zu pleiben , dan Paul Lobetantz euch 
die hufen abfordern mag. Von rechtes wegen. Versigelt. 

319 

Einer muß den eid der were selber tun. 

Sprechen wir schöpfen zu leutrung der vorgetanen spruch zum 
ersten hirauf vor recht: So der genant herre [Erhart] ^) comptor 
Glausen Schütten wurffen die were über die schulde, die er zu ime 
hat, verheischen und gelobt hat, und auch also ime die zeuge sprechen 
und erkant ist worden zu tun, wie recht ist: so muß er ime die 
[were] also selbst, so er ime die meint mit eiden zu bestellen, mit 

1) Vorlage: Ebart; vgl. Nr. 76. 



[319. 320] 239 

seins selbst band auf den heiligen tun und beweren, und er [mag] 
nicht ein andern an sein statt bestellen, der die [were] an seiner 
statt verfordert. Und wegert er die also zu tun mit seins selbst band, 
so wurde er der Sachen gein Glassen Schuttenwurffell fellig. Von 
rechtes wegen. Yersigelt. 

320 

Vgl Nr. 321, 

Der antworter [spricht,] cleger ist in bann. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Hat Heinrich vouBl. lOdA 
Schonberg, zu Marßwitz gesessen, vor dem obberurten landgerichten 
zu [Leißnick]^) zu [ir yiern]^) sein erst geding geclagt, das sie ime 
[mit] pferden und mit wagen über sein hafem und wiesen gefarn 
baben, darinne er die gepfand und sein schaden beweist und sulche 
pfendung in gericht geantwort habe. So dan die vier person für 
gericht kommen und haben zu schutzrede und wer aufpracht, das 
Heinrich von Schonberg oJGPentlich auf dem predigstul in kirchen für 
einem ganzen kirchspil in den ban verkündigt sei, und das sie ime 
dadurch und so er durch den }^an Ton der heiligen christlichen 
kirchen und von gemeinschaft aller menschen abgesondert sei, zu 
seinen schulden nicht antworten dorfen, er brechte dan vor einicherlei 
beweisung, das er sich daraus gewurket hett; und so dan Heinrich 
von Schonberg des nicht gesteet, sunder sagt, dhweil sie im sulch 
beschwerung zusagen, das sie sulchs beweisen müssen, wie recht ist, 
und er sal nicht schuldig sein, derhalb seine gewissen zu reinigen, 
inmaßen dan sie ime ein sulchs in iren urteilen clerlichen auf seine 
gewissen gestalt haben; | und dhweil dan die vier person ein sulchs, Bl. 124b 
wie vor berurt, zu schutzrede und behelf wider den genanten Hein- 
richen von Schonberg furziehn und vermeinen, dadurch ine vpn der 
clage abzuwerfen: So müssen sie das, als nemlich das er ofiPentlich 
auf dem predigstul für einem ganzen kirchspil in den bann ver- 
kündigt sei, auf ine beweisen, wie zu recht sich gepurt, und mögen 
ine mit reinung seiner gewissen in disen Sachen nicht behalden, 
nachdem ein jederman für unbannisch sali gehalden werden, es sei 
dan, das der bann auf ine beweiset were, zuforderst so er sagt, das 
er in disem jare zu unserem got gegangen sei. Und wan sie dan 
ein sulchs, wie vor berurt ist, auf ine beweiset haben, wie recht 

1} Vorlage: Peßneck; vgl. aber Nr. 321 am Ende. 
2) Vorlage: erfarn. 



240 [320. 321] 

ist, alsdan mag Heinrich von Schonberg clegers statt nicht gehalden, 
noch als ein cleger für gericht gehört und zugelassen werden, und 
sie seint ime alsdan auf seine schalt zu disem mal zu verantworten 
nicht pflichtig. Es sei, das er dan beweisen möge, wie zu recht 
genug ist, das er von sulchem banne, auf ine beweist, entpunden 
oder absolvirt sei. Und wan dan der genante Heinrich von Schon- 
Bl. l2öAperg ein sulchs, | wie itzund berurt, erweist hat, wie recht ist, als- 
dan und nicht eher müssen sie ime zu seinen schulden antworten. 
Wu aber die vier personen sulchen ban auf ine nicht beweisen kön- 
nen, so wurden sie damit fellig und musten sulchen iren schütz und 
wer, wider ine aufpracht, gein ime [mit] wett und puß abstellen und 
zu seinen schulden one wegerung antworten. Von rechtes wegen. 
Versigelt. 

321 

Vgl. Nr. 320. 

Der antworter beweiset den ban auf den cleger. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig darauf vor recht: Haben Bartel 
Veit, Hans Lampertswalder, Nickel Endman und Peter Wildtfeuer 
oben genant zu volfarung irer beweisung, ine durch unsem vor ge- 
tanen rechtspruch aufgelegt, vier proceß, als nemlich zwen ladebrif, 
ein monitorium mit einer angehangen excommunicacion und Ver- 
warnung und darnach ein beschwerung desselben bans, von dem 
achtparn und wirdigen großgelarten herm Gaspern Madan, des hei- 
ligen rechten doctor und des bischof liehen hofs zu Meißen gemeinem 
official, ausgegangen, furgelegt, darinne dan clerlich erscheinet, das 
der obgenant Heinrich von Schonberg auf ersuchen Hansen Schlussel- 
feldis zum Stolpen furgeladen, vermant, bennisch verkündigt und 
Bl. 125 »darnach darinnen beschwert ist wotden: So haben die egenanten 
vier menner sulchen ban auf den vilgedachten Heinrich von Schon- 
berg genugsamlich zu recht erweist; und so sulch brief des baunes 
vor der zeit seiner angefangen clag, wider die bemelten vier menner 
angestalt, über ine ausgegangen seint, so seint dieselben vier be- 
clagten menner, das Heinrich von Schonberg zu der zeit der clag 
bennisch gewest sei, forder zu beweisen nicht pflichtig; sonder so 
er sich als unbennisch furziehn will, so muß er erkunden durch des 
obgedachten herm und official versigelte kundschaft, das er von 
sulchem banne entpunden und absolvirt sei. Und dhweil er das 
nicht tun wurde, so seint ime die mergedachten vier menner binneD 
des zu sulchen wider sie angestalten schulden für dem landgericht 
zu Leißnick zu antworten nicht pflichtig. Von rechtes wegen. 



322. 323] 241 



Die schöpfen haben die eingefeiten urteil zu gedenken 
unbeschriben nicht wolt aufnemen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Habt ir beden teilen 
aas gericht gesagt, das ir das gedechtnus der urteil, der sie gegen 
einander für euch feiten, zu euch nicht nexnen wolt, sunder das sie 
aof bede part ire urteil schriftlich sollen machen | zwischen dem Bl. 126 a 
negsten ding; haben sie dan ire urteil auf beden teilen gemacht und 
schriftlich in gericht gelegt; heischen dan die von euch zu sagen, 
ob iizlich acts zu vil oder zu w^nig gesackt hett: Sulche sage seit 
ir inen nicht pflichtig zu tun, sunder wie sie gesaczt haben, da 
müssen sie es pei lassen bleiben. Von rechtes wegen. 



323 

Urteilleutrung. 

Sprechen zu Leipzig: Hat Tumpfel erzelen lassen, ap sein wider- 
part sein urteil nicht sali leutem, dan wurde es ine anlangen, so 
wolle [er] dargegen legen; und hat Jorge Drescher das urteil nicht 
wollen leutem, sunder hat er die schöpfen yermanet, ime zu vor- 
sprechen; haben sie an beden teilen das in urteils weis kegen ein- 
ander zu recht gesaczt, ap der Jorge Drescher [sali] das urteil leutem 
und Tumpell dargegen legen, und ist durch die schöpfen ausge- 
sprochen, das Jorge Drescher das urteil pillich leutern sali, und 
wurde es Tümpel antreffen, so mag er dargegen legen : Sulch urteil 
ist wol und recht gesprochen. 

Ist es dan von beden teilen unwidersprochen und ungestraft blieben. 
Hat dan Tumpfel der leutrang begert, und ist Jorge Drescher dar- 
nach allererst des ausgesprochen urteils ausfluchtig worden | und Bl. 126 b 
hat etwas in einer formen einer appellacion aufbracht: Sulch auf- 
bringen ist imcreftig und vemicht, etc. 

Haben auch die schöpfen ausgesprochen, dhweil Jörg Drescher 
sein urteil [nicht hat] leutem wollen, so wissen sie ime auf seine 
eingefeite schrift nicht zu vorsprechen: daran haben sie aber ein 
recht aussagung und abweisung getan, und nach sulcher ergangen 
Sachen haben sie Jörgen Drescher des rechten nicht gewegert; ap 
sie sein gelt begert haben aufzunemen über sulche eingelegte schrifte 
zu vorsprechen, sie haben daran kein [un]recht getan und begangen ; 
er beschuldigt sie darumb unpillich für den obem herra. Gesteet 

0. Kisch, Leipziger SchöifeiupruchBainmluntf. XQ 



242 [323. 324. 32ö. 326 

ime auch der ricfater und sein sone des, und erhalden sie es darzu 
bei den eiden, zu dem recht getan, so bleiben [sie] des on allen 
Wandel. Von rechtes wegen. Yersigelt. 



324 

Vgl, Nr. 241, 308, 

Urteil über urteil gelegt, eher das erste vorsprochen ist 

Sprechen zu Leipzig: Nachdemmal das Conrad von Horon ein 
ander urteil, und ehr man die ersten geteilt und vorsprochen wer- 
den, gelegt hat, so ist ime sulche urteil unhulflich. Erhart ist auch 
nit verpflicht, darzu zu antworten, «under Conrad von Horon muß 
sulch urteil losen mit wett und mit puß. Von rechtis wegen. Yer- 
sigelt mit etc. 

325 

Bl. 127a Man sal nicht urteil legen, die ersten sein dann vor- 
sprochen. 

Spricht Leipzig: Ist die schult in urteils weis einem schöpfen 
bevolen, so muß man sulch urteil von erst scheiden und teilen; und 
Friderich mag kein ander noch forder urteil zu pesserung seiner 
schult legen. Und was er in gericht darnach gelegt hat, das ist 
unnutz, machtlos uud umbsunst. Sünder wan die erste urteil ver- 
sprochen seint, so mag er dan zu sterk seines rechten zu leutrung 
des Spruchs fort reden lassen nach seiner notdurft. Von rechtes 
wegen. 

£b8tb Hälfte 326 

DES 16. Jah&h. 

Vgl, die früheren Sprüche in diesem BecMsstreit oben Nr, 177 bis 160 
und 189, 

Der des letsten urteil fellig wirt, der muß alles urteil- 
gelt geben. 

Sprechen zu Leipzig: Ist Hans Hogenest^) der Sachen endlich 
felh'g worden und zu beschluB durch das letst urteil gein Fischer 
fellig, und ist des Urteilsgeldes alles plieben anstehen: So ist er 
Fischer pflichtig, alles urteilgelt widerzugeben und ander willige 



Ij Vgl. AnmerkuDg 1 zu Nr. 177. 



[326. 327. 328] 243 

zerung und ander gerichtscost widerznkern, oder muB die cost, 
zerung und schaden verminnem mit seinem eide, als recht ist. Von 
rechtis wegen. 

327 

. Oedrucki am Ende der Weichbüdatisgaben^ tote oben Vorbemerkung zu 
Nr. 161\ femer ohne dm letzten Satz bei Zobel, Weichbild^ Bl, 55*, Sp. 1 
bis 2y als Addition zu § 2 der Glosse zu Art. 20. — Vgl. Nr. 197. 

Von zinsgut, zins und hauszins. 

Sprechen wir ein recht: Welchem hern ein gut kompt auf sein 
zinsgut oder welchem wirt ein genos | kompt [auf sein gut oder] inBL. 128 a 
sein haus, [farende habe oder gut bringt], das ist des wirts pfand 
vor seinen zins. Desselben geretes das, das er in des wirts 
haus oder gewer gebracht hat, mag er einem anderen nicht zu 
pfände seczen. Tut er das aber, der wirt mag das ansprechen 
mit dem recht, wu ers ansichtig wirt. Und leukent ime der, der 
es verseczt hat, man tut mit disem, was ein recht ist. Bekent ers 
aber, er muß wider geben mit büß und mit gewett. Wan verlöre 
der wirt ime das pfand, er muß es gelden oder muß es gewern, 
als recht ist, das [es] ime gestolen were oder ime von ungluck ent- 
kommen wer one seine verwarlosung. Von rechtes wegen. 

328 Letztes 

Vgl Nr. 258, 259, 260. S'^J!"' 

Die schuldiger suUen sich vor dem rat verwilligt 
haben, das gelt zu zinsen, dieweil sie es nicht ablegen. 

Sprechen zu Leipzig vor recht: Als herre Niclas Zolnitz die ge- 
nanten Matthes Schmidt und Hansen Schuman bede beschuldigt, das 
es zwischen ine für dem siezenden rate, do Heibig burgermeister 
gewest sei und do sie bede also seins rates compon pei ime ge- 
sessen, sei beteidingt und durch sie bede verwilligt sein, das sie 
ime sulch gelt, so sie ime schuldig werden, dhweil sie ime das 
nicht ablegen, [verzinsen, dasj alleweg mit vier ß. gr. mit zureichen 
geschechen solle, pis so lange sie ime die summa ganz abgelegt 
betten, und zeucht sich das auf ir beder gewissen und bewust; so 
dan die gemelten bede beclagten dargegen seczen, das ine von beder 
ver{ willung [weder] wissentlich noch indechtig sei, sunder so herre Bl. 127» 
Niclas Zolnitz sagt, das dies von ime für dem rat geschehen sein solle, 
was der rat derhalben bekennen und sagen wirt, das sie es darpei 
wollen bleiben lassen: Damit haben sie dem egenanten hern Nieklas 

16* 



244 [328. 329. 3301 

Zolnitz seine schult genuglich verantwort, und er kan ine darober 
ire gewissen nicht beruren. Ab sie auch sich bewilligt betten gein 
hem Niclas Zolnitz y ime sulcb gelt, dhweil sie ime das nicht ab- 
legen, zu verzinsen^ und auch, das sie die ablegung mit lY B. gr., 
die zins darinne gerechent, alleweg tun sollen so lang, bis das sie 
ime die summa ganz abgelegt betten: So were doch sulche Ter- 
willung untüchtig und unpillich, und herre Niclas Zolnitz mochte 
mit rechte die zins von dem hinderstelligen gelde und also gelt von 
gelt nicht nemen, sunder sulchs were ein ganz wucherischer con- 
tract und handel und von recht ganz uncreftig. Von rechtes wegen. 
Versigelt mit unserem insigil. 

329 

Von verschrieben zinsen. 

Schöpfen zu Leiptzig: Sintemal das der brief der herren Yon 
Schwartzenburg sunderlich und 'bei namen ausdruckt Jhane Yon 
Eckersperg und Casper und Baltazar, seine sone, und seintdemmal, 
das man brif vememen sali nach irem laute: So seint sulche ver- 
schriebene zins der obgenanten drei herren von Eckersperg, also 
Bl. 128Bnemlich Jhans von Eckersperg, Baltazar | und Casper, seiner sone, 
zugleich gewest. Und also dan Jhan von Eckersperg verschieden ist, 
so behalden sein zwein sone, in dem brif benant, zwei teil zuvoran, 
und das dritte teil hat er geerbt und gebracht auf dieselben zwen 
sone und auf den dritten iren halben bruder und nicht mehr. Und 
ist der bruder einer, nemlich Casper, hernach verscheiden, der hat 
seinen teil geerbt und gebracht auf seine zwen bruder von der un- 
gesunderten gewer wegen, und der halbbruder kan mit seiner fur- 
pringun«r, in euer frage benant, das die zins umb seins vaters gelt 
gekauft sein und die sone pei des vaters leben keinen teil daran ge- 
habt sollen haben und seins guts ganz mechtig gewest sei etc., an 
solchen zinsen nicht mer erlangen, noch sich sulcher fiirpringung 
nicht behelfen. Von rechtes wegen. 

330 

Einer ist mit gutern, darauf man zins fordert, ver- 
weiset an anderen. 

Spricht Leipzig: Ist Mertin Korbitz mit den gutern, darauf Nicklas 
von Stautzsch zins fordert, verweiset an Suchhaupt von demjenigen, 
dem er die zeit zins reicht, und von Suchhaupt an Otton von Breitten- 
bacb, an Leupold Marschalck; und [hat] Nicklas von Stautzsch binnen 



[330. 331. 332] 245 

des in jar und tag, | als er das gewust hat, das sulche guter an Bl. 129a 
ander geweiset warn, die zins nicht angespracht, als recht ist: So 
bleibt Mertin Eorbitz pillich in der gewer derjenen, den er die zins 
reicht und die forder pis so lang, das ine Nicklas von Stautzsch 
mit recht aus der gewer und die an sich bringt. Und Martin Eorbitz 
ist ime itzund und binnen des fordern antwort nicht pflichtig. Von 
rechtes wegen. 

331 

Ap man mag einen spruch brechen auf einen part 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf euer schriftlich frage vor 
recht: Seint zweier part schriftliche urteil mitsampt dem gel de, 
das recht darüber zu sprechen und zu holen, in gericht gelegt und 
gefertigt worden, und hat der richter desselben gerichts darauf beden 
part sulche rechtspruche zu hören, auf den negsten gerichtstag dar- 
nach Yolgend dafür beschieden und also durch sein gepot derselben 
part einen namhaftigen tag bestalt und gelegt; ist dan auf den- 
selben gestackten gerichtstag ein part one gunst und laub des ge- 
richts daselbst und on erehaftige not auBen pUeben, und hat das 
ander part sich in gehorsam für gericht beweist und pis zu end des 
gerichts seines widerparts wartend beharret: So betten und mochten 
die schöpfen | desselben gerichts auf des einen widerparts, das auf Bl. 1'29]i 
angesaczte zeit vor dem richter gestehen, gehorsamlich erschienen 
ist und pis zu end des gerichtstags beharret, rechtliche urteil und 
forderung fragen, den spruch pillichen wol mögen mit recht offen 
oder prechen. Von rechtes wegen. 

332 

Vgl Nr. 225. 

Ein part muB dem andern ein abschrift geben und ge- 
statten. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulche schriftliche ein- 
gefeite urteil der bemelten part vor recht: So Benedicts Toppfer 
unsers negst getanen rechtspruchs in disen Sachen, als der eroffent, 
Terlesen und verhört ist wurden, eine abschrift gepeten und darauf 
seine leuterung zu pringen begert und gesunnen hat: So gibt man 
ime pillicher desselben rechtspruchs ein abschrift, das er in gedingter 
frist des rechten seine leutrung auf sulchen rechtspnich einbringen 
möge. Und Heintz Teuckscher, sein widerpart, muB ein sulchs ge- 
statten und zulassen, und mag das mit sulchem fdmemen, als er in 



246 [332. 333. 334 

seioem urteil farzeugt, nicht gewegeren, sunder dasselbe seine für- 
nemen ist ime darzu nach gestalten dingen ganz unhulfUch. Von 
rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigel, etc. 

333 

Abschrift auch in Es, ^Zwickau C 23a^ BL 174^^ von wo der Eingang 
des Spruches ergänzt ist. 

Bl. 130a Ein part muß legen sein gelt zu des andern parts gelde 
zu fertigung der leutrung, ob ime die not sein wurde. 

[Unsem fruntlichen dinst zuvor. Gestrenger vester besunder guter 
frund. Also ir uns eine yersigilte schrift von Nickel Eckel an neh 
unde -die erwam manne in uwer pflege geschriben gesant und rechts 
underweisunge an ans gesunnen habt, uf solliche schrift zu sprechen, 
was. recht ist, darinne derselbe Nickel Eckel under etzlichen worten 
seine meinunge usdrucket, so also er luterung der vorigen spräche 
bedürfe, ap icht seine widersachen sein gelt zu suUicher luteronge 
bei sein gelt legen sullen und suUen sich darwider nicht behelfen 
mögen, ap sie der luterung nicht bedürfen,] sprechen wir schepfen 
zu Liptzig [uf solliche luterunge] vor recht: Seintmal sich Nickel 
Eckel und sein widerpart verwilligt und beteidingt haben auf schrift- 
Hch schult und antwort und auf sulch schrift recht gesprochen seint; 
so dan Nicki leutrung über sulche spruch heischet imd fordert, and 
hat er zu der zeit, also die spruch gelesen worden, leuterung bedingt, 
ob ime die not sein wurde : So muß sein widerpart ire gelt bei Nicki 
Eckeis gelt legen zu fertigung sulcher leutrung. Und welch part des 
rechten fellig wurde,, muß dem andern [sollich urteilegelt und was 
die Sache] ^), solche urteil über feld zu holen, gekost hat, widergeben. 
Von rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigil. 

334 

Hat einer kein antwort eher helflich Widerrede. 

. Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche urteil der genanten 
part vor recht: Hat Mertin Sehkorn, ehr [er] die helf liehe Widerrede 
Seins vettern halb furpracht hat, Meinharts schult kein antwort nicht 
getan, so lest ine Meinhart zu der antwort möglich komen, wiewol 
der negst getane spruch bemeldet, das er ine auf seine schulde und 
Bl. 130b clage erfordert und erlangt | habe. Het aber Merten Sehkom eini- 
cherlei antwort vorhin furpracht oder getan, wie er dan das fur- 

1) Aus He. Zwickau ergänzt. 






f 



[834. 335. 3361 247 

bracht, es were mit beweisuog oder anderm, darzu er sich erpoten 
hette, wie das geschechen, das richter und schöpfen wissentlich 
were, dem kwem er also pillich nach und mochte derhalb kein for- 
deren behelf furziehn, sunder Meinhart hat ine nach besagung Abb 
negsten getanen spruchs, so er dem also nicht volge tun wurde, auf 
sein schult und anclage erfordert und erlangt. Von rechtes wegen. 

335 

Oedrueki in der Weiehbildglosse zu Art, 22; v. Daniels, Sp. 276 ^ Z, 21; 
Zobel, BL 38\ Sp. L 

Welche wort einen schuldig machen. 

Ir sollet wissen! Es sein nicht yil wort, die einen man schuldig 
machen, sunder spricht einer zu dem andern: >Du pist mir das 
schuldig?« jener antwort: »Ja«; spricht dan diser: »Gelobst du mir 
das zu geben?« und jener antwort: »Ich gelob es«, und er gelobte 
dem mit schlechten Worten: er ist es also pflichtig zu halden und 
leisten, als ob er sich gar sere verpunden bett. 

Doch solt ir eigentlich wissen, wie gelobde geschehen sollen mit 
finger und mit zungen, das ist, wan einer einem gelobt mit dem 
munde, das soll er beweisen mit der band und soll ime die hand 
darüber geben. Das ist ein bestetung der treu. Wan wurumb 
Sprech | einer, das er mir nichts schuldig were, der mir YorwarBi.. 131a 
schuldig ist, und ist sein meinung, das er dafür schwern wolle für 
gericht: er muß sich mit der hand entschuldigen, damit er gelobt 
hat oder sampt mit dem strumpf, ob er der hand nicht hett. Von 
rechtes wegen. 

336 

Vgl. Nr. 221. 

Scheltwort sampt bezichtung. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzig auf sulche eingefeite urteil 
der genanten part vor recht: Seintmal Jörg Schmidt, mitburger zu 
d«r Mitwede, zu Hansen Spintzingen geclagt hat und ine beschuldigt, 
wie das er zu ime am ersten in der stat keller daselbst gesagt habe, 
das er einem ein patemoster solle entwandt haben und gut gerucht 
geschwecht habe, und darnach zum andermal ine auf verwandelten 
stellen nach vergangner zeit mit übel werten, die auch sein ere und 
gnt gerucht betreffen, uberfam und angeredt habe, desgleichen er 
auch darnach auf verwandelten stellen und nach verlaufner zeit auf 
der statt forderung arbeit und bau mit schelt- und ubelworten, sein 



248 [336. 337. 338. 331 

ere belangend, zam dritten gescholden habe; und nachdem der ge- 
nante Hans Spitzing in seiner antwort dem genanten Jörgen etzli^he 
schulde in besonderheit bekennet, und das er solche uberfarun^ auf 
verwandelten stellen und nach vergangner zeit getan habe, nicht in 
Bl. 131 B abrede ist: So ist er dem genanten | Jörg Schmide ietzliche schult 
und zusage, so sie auf drei verwandelten stellen geschechen seint, 
insonderheit mit XXX Schilling pfenning, wie recht ist, zu verpußen 
pflichtig. Von rechtes wegen. Yersigelt. 



337 

Bekent er der lasterwort. 

Spricht Leipzig: Seintmal Conrad der lasterwort bekennt, so ist 
er Ditzel darumb verfallen sein puß; und des Conrad besessen und 
nicht fluchtig, ist [er] ime purgegezeuge zu tun nicht pflichtig. Von 
rechtes wegen. 

338 

Vgl Nr. 397. 

Wort zu hon und schmacheit nicht geredt habe. 

Spricht Leipzig: Hat die frau und ire sone Melchar mit Worten 
mißhandelt, und hat er sie und iren sun also wider mißhandelt, und 
er sulchs [nicht] getan ir zu hone oder schmacheit, sunder allein 
sein ere zu verantworten, und darf er des verrechten, das [er] der 
frauen und irem sone die wort nicht [zu] hon und schmacheit zu- 
geredt habe: So pleibt er des one wandel. Von rechtis wegen« Yer- 
sigelt mit unserm insigil. 

339 

Der geleites begert. 

Sprechen wir schöpfen ein recht: Ist, das richter und schöpfen 
des bekennen oder gezeugen, das der cleger oder jemands an seiner 
statt gemut oder begert habe von ine geleiten umb sach, die ime 
Bl. 132a treten an seinen leib und gut und ere, und | er vw leute wegen, 
gein den er sich nicht hat verporgen, und das ime das geleit nicht 
werden macht, also das er sicherlich mocht kommen sein für ge- 
richt auf sulch zeit nach aller rede, als er vorpörgen ist: So endarf 
Seydell clegers purge kein wett noch wergelt geben, noch gein ime 
nicht leiden. Von rechtes wegen. 



[340 249 

340 

Man sal einem geleit geben zu gericht und autwort. 

Schöpfen zu Leipzig; auf sulche eure frage sprechen wir vor 
recht: Seit ir eins totschlages oder mordes halben, so pei nacht in 
der stat Leipzig geschechen ist, von Nickel Inbecher, euerm wider- 
teil, als ein volger beschuldigt worden; und seit ir auf den ersten 
gerichtstag, nachdem euch sulche forderung euers widerteUs unbe- 
wüst gewest ist, nicht' anheimisch , sunder euer narung halben mit 
einem fuder holz außen und zu Doblen gewest; und habt ir auch 
hemachmals von dem cleger gesonnen und ine pitten lassen, das er 
euch zu dem andern und darnach zum dritten gericht auf recht und 
zu euer antwort wolt geleiten lassen ; und habt ir ine über das zum 
vierden dinge, so er euch vormals auf die zwei ding oder zwen ge- 
richtstage nicht hat wollen ein geleit zusagen, abermals bitten lassen, 
das er euch zu euer h elf liehen | Widerrede, als dann auch in yierdenBL. 1H2b 
ding einzupringen, wie recht ist, aus gericht verteilt ist worden, ge- 
leiten wolle; und habt ir desgleichen ein solchs, wie oben berurt, 
so [er] euch das alles zu tun und zu geschechen lassen versagt hat, 
für dem schosser, dem sulch als einem amptman bevolen sein, auch 
pitten und sinnen, und sunderlichen, das er euch vor unrechter ge- 
walt wolt geleiten lassen; und seit ir darüber, so euch von dem 
schosser versagt ist worden, für gericht gangen; und ab ir etwan 
etzlicbe helf liehe Widerrede, so euch das zu tun aus gericht geteilt 
ist worden, wollen einpringen, wie recht ist; und hat euer widerteil 
die nicht wollen hören, noch aufnemen, sunder euch angegriffen und 
in den türm seczen lassen; und so ir dan ein sulchs^ das es, wie 
oben berurt, ergangen were, mit frommen leuten an irem rechten 
unbescheiden, die ir in disen geschichten zu dem cleger und auch 
zn dem schosser, sie umb sulch geleit zu pitten, geschickt, gezeugen 
und zupringen wurdet, wie recht ist: So were euch [nach] verhan- 
delten Sachen und gestalten dingen Verkürzung an eurem rechten. 
unrecht und gewalt geschechen. Und so der schosser euch auf 
Schrift unsers g, h. von Sachsen zu negsten ding | und gerichtstagBL. 1B3a 
zu euer helflichen Widerrede genuglich kommen lassen, so mögt ir 
ein sulchs, das euch euer widerpart und der cleger zu gericht auf 
recht und zu euer antwort und zu euer helflichen Widerrede, und 
sunderlich der schosser für unrechter gewalt zu geleiten [w]egert^j 
haben, auf ditzmal zu eurem helflichen Widerreden pillichen ein- 
pringen, und ir genißet derselben euer helflichen Widerrede, sovem 

1) Vorlage: begert. 



250 '340. 341. 342. 343 

ir die beweislichen machen werdet, wie recht ist, und inmaBen, wie 
oben berurt ist, möglich. Von rechtes wegen. 



341 

Einer hat geleit gebrochen, darin er gewest. 

Spricht Leipzigk: Ist Heinrich Stecher ein geleit zugesagt von 
richter zu Numborg, und hat er in solchem geleit Hansen Schutz- 
meister Schwester, also sie Yom rathaus von der leisten stufel schreit, 
in samluDg junkfrauen und frauen angefallen und pei irem hals ge- 
nomen, das sie die beisteher umb holf hat angerufen; und ist Hein- 
rich Stecher des auf fluchtigem fuß becreftigt, zu recht bestalt und 
in beheltnus und hefte bracht worden; so ist er in handhaftiger tat 
gefangen worden und ist bishero gesessen: So ist nach handhafüger 
tat und deshalben Hans Schrotter nicht schuldig, Heinrichen Stecher 
Bl. UiSfiZU purgen zu geben, als Stechers freunde sulches | heischen und 
forderen. Und ist ine uohalf lieh, ob Hans Schrotter auf frischer tat 
die clage peinlich nit angestalt, noch angesaczt, noch der volge ge- 
tan hat, sunder hat er Heinrich Stecher bishero in gefenknus be- 
halden, so mag er noch zu ime peinlich clagen nach geleitbrechers 
recht. Von rechtes wegen. 

342 

Von leibzucht. 

Oedncckt am Ende der WeicJibüdausgaben^ wie oben Vorbemerkung xu 
Nr. 161; femer bei Zobel, Weichbild^ Bl. 35^, Sp, 2, als Addition x^§2 
der Glosse zu Art 20. 

343 

Von leibzucht. 

Ausgangsort des Spruches, nicht atigegeben; vermutlich Magdeburt/. 

Gedruckt mit der Anfrage j die in der Vorlage feldt^ bei Wassersch- 
leben y Rechtsquellen^ IV,y Kap. 144, S. 281 f. unter der Vbersc^irift: *Ab 
ein man sietiem wiebc betienie ein geld ufsiemen guie^; femer in der Weiehr 
büdglosse xu Art. 22; v. Daniels, Sp. 273 f, Z, 46; Zobel, BL 37\ ^.2. 

Im Texte der Vorlage steht am Ende des Spruches in Übereinstimmung 
mit dem Olossentext statt -»adir den zi)iftgarten* : * oder auf den Weingarten 
oder auf deLS xinsgut, « Ferner hat die Vorlage ebenfalls in Übereinstimmung 
mit dem Olossentext naeh »?;ow rechtes wegen * Jioch folgenden bei Wasser sch- 
ieben fehlenden Zusatz: 



[343. 344. 345. 346] 251 

Ist es aber yerschrieben auf ein sunderlich gut, das mag er 
[weder] mit irem willen noch wider iren willen nicht gelosen [ohne] Bl. 134 a 
widerstattung; nnd ist ganz genant ein nrsal nach sechsischem recht, 
sunderlich nach dem alden. 

344 

Einer hat nein gesagt zu gesaczten schulden und zu 
gewirdertem schaden. 

Hirauf sprechen wir schöpfen zu Leiptzig vor recht: Seintmal 
Merten Schlegel zu der schult ganz nein spricht, darf er dem nein 
recht Yolge tun mit sein selbst band auf den heiligen, als recht ist ; 
und wen er das getan hat, so ist er Hanse Schouberger von sulcher 
schult noch von gewerdertem schaden wegen nichts pflichtig. Von 
rechtes wegen. 

345 

Nach getaner wer nein gesagt. 

Schöpfen zu Leipzig sprechen auf sulche urtel der genanten 
part: Hat Merten Scolin solche schult und clag, so Meinhart zu ime 
zu tun hat, von demselben Meynhart yerwert genomen; und hat 
Scolin nach der genanten [im] bestalten wer und helflich Widerrede 
zu der schult, so ine Meynhart angezogen und verclagt, in voller 
aatwort nein gesagt; und ist sulche antwort, die Scolin getan hat, 
in gerichtsbuch verzeichent und geschrieben worden, also das Meyn- 
hart in seinen urteiln seczt und furpringt; | kan dan Meinhart solche Bl. 1B4u 
beschriebene antwort Scholin, seins widersachen, mit gerichtsbuch, 
das er ime zu der schult nach getaner wer nein gesagt habe, oder 
mit richter und schöpfen, wie ime solche antwort geschechen wer, 
erkunden und beweisen: So Meynhart das also beweiset hat, so 
pleibt es pei solcher antwort, die ime [Schelin] vor gericht nach 
getaner wer getan hat^ und pei dem nein pillich, auch mit merem 
rechten, dan Scolin sein antwort nun zu ir zeit geandern oder mit 
icht gehochen oder pessern möge. Von rechtes wegen. Versigelt. 

346 

Vgl Nr. 167, 192, 300. 

So der antworter nein gesprochen hat, so kan der cleger 
die schult nicht höchen. 

Sprechen wir schöpfen [zu Leipzig] vor recht: Seintmal Matthes 
Jhanshayn vormals zu Stefien Gospersdorffs schult nein gesprochen 



262 346. 347. 348. 349, 

hat und darauf gesprochen ist, mag Steifan das gezeugen yon seines 
unmündigen kindes wegen mit richter und schöpfen etc., so kan 
Matthes Jhanshayn nicht dafür nein sprechen; und als Matthes 
Jhanshayn nein gesprochen hat, so kan Steffan Gospersdorff der 
schult nicht gehochen noch niederen, sunder muß dtts noch also ge- 
Bi.. 185a zeugen mit richter und schöpfen, als recht ist; und Matthes | Jhans- 
hayn kan der schult mit seinem nein nicht entgehen, sunder unU 
Mattes der schult entgehen und sich nicht lassen überzeugen, so 
muß er der schult auch entgehen und unschuldig werden, als recht 
ist. Von rechtes wegen. 

347 

Entschichte sach. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche frage vor recht: 
Hat Lorentz Schmidt Peter Heuman mit dinglichen gerichten gepoten 
vor eurem gericht zu Rochlitz darzu pracht, das er ime umb seine 
schulde, die er zu ime und seinem weibe gesaczt hat, antworfc solle 
tun; aldo dan Peter [Heumann] <) wider sulche schulde seezt, das 
vor dem gericht zu Rochlitz vormals sulcher schult halb ein schied 
geschechen ist, und eins sulches schiedes vermist sich Peter [Heu- 
mann]!) zu gezeugen, wie recht ist, mit des gerichts buch, darinne 
sulch schied verzeichent ist, und darzu volkomen ml mit richter 
und mit schöpfen: So pleibt es pei sulchem schiede, vormals zwi- 
schen ine verriebt, [so] geschieden ist, pillich, und Lorentz Schmidt 
mag ine nun fort der schult halb nicht mehr anlangen noch be- 
clagen. Von rechtes wegen. 

Bl. 135b Einem schuldig plieben. 

Hirauf sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Als Johans 
den rat zu der Mittweide schuldigt umb LXX schock und XVIII gr.; 
der sie seinem vater [an] I^fl. sein schuldig plieben: da antworten 
sie ime pillich umb nein oder ja. Von rechtes wegen. 

14. .f AHRir. 349 

Der den rat offenbart. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf sulche frage vor recht: 
Hat einer von den elter euers rats, der do ein meister und mit^esofi 

1) Vorlage: Hon. 



[349. 350. 361] 253 

ist des bandwerks, die heimligkeit des rats, die er dan selbst mit 
euch hat helfen verwillen und vervolworten, den becken, seinen mit- 
genossen, geoffenbaret; und mag man ine das uberkomen, das ein 
sulchs also von ime geschechen sei: So ist er [da]durch, das er die 
heimligkeit und den beschließ des rates geoffenbaret hat, meineidig 
worden und [hat] sich damit des ratstuls die zeit und dhweil er lebt, 
unwirdig gemacht. Und ir mögt den aus eurem rat verwerfen und 
seins ratstuls dadurch, das er wider sein eid getan hat, entseczen; 
und [da er] das beschlißen und verwilligen getan h^t, mögt ir ime 
nach eurem, | des rats, bekenntnus und wolgefallen ein bequemlich, Bl. 136 a 
und doch nicht ubermeßiglich büß auflegen, [die er,] darumb das 
er dawider getan hat, das er selber hat helfen verwilligen, tragen, 
leiden und dulden muß. Und darüber muß er sdche vermessene 
wort und zusage, als er dem burgermeister getan und einem itzlichen 
ratshem, der ine das mit zu hon und schmacheit geschechen an- 
zeuhet, mit gesaczter puß nach irer itzlichen gepurt verpußen und 
verwandeln, und bleibt damit gleichwol seines ratsstuls, also wie 
oben bemelt, entsaczt, und muß des also die zeit und [dh]weil er 
lebt 9 entwern und kan dan gleich andern ratman solcher verwar- 
losung halben forder nicht besiezen. Von rechtes wegen. Versigelt. 

350 

Ap einer sich zu gut [und] recht ließ weisen. 

Hirauf sprechen wir: Ist der antworter mit ungehorsam nicht gegen- 
wertig oder wil er nicht gegenwertig sein und verseumpt sich an 
seinem rechte, damit wirt ime sein gut verteilet, und wirt jener 
darein geweiset; er mag sich verseumen an seinen rechten von 
rechts wegen. Und das kommet also zu, das er dem richter unge- 
horsam ist. Darumb nimpt ime das recht sein gut. Von rechts 
wegen. Versigelt. 

351 

Einer ist zu stock und zu banden bracht mit keinerlei Bl. 136u 
geschreie, noch auch nicht in handhaftiger tat begriffen. 

Sprechen wir schöpfen zu Magdeburg auf dieselben Vorschrift vor 
recht: Seintmal das wir euch in vorigen gezeiten auf die sache vor 
recht gesprochen haben, ist N. Brotesser umb sulcher Sachen willeu, 
als das Jörg in seiner schrift seczt und anbringt, mit keinerlei ge- 
schreie, noch in haodhaftiger tat nicht begriffen, zu stocke und zu 



254 351. 352: 

bände bracht [worden] und [er] zu der Sachen vor den hem nein gesagt 
hat: So ist er sulcher Sachen neher und mit pesserm rechten, als 
recht ist, [sich] unschuldig zu machen, wan das ine Jorge das über- 
komen mag. Wil sich der genant Nicki Brotesser sulcher schult 
entledigen und als recht unschuldig machen, das muß man ine darzn 
kommen lassen ; und das davor recht gesprochen und geteilt worden, 
sei es des clegers willen, so gibt man ine pillich aus zu purgen; und 
das sulch gesprochen urteil gedult gelden werde und nicht wider- 
sprochen ist, das. kan ime an seinem rechten nicht hindemng gesem. 
Von rechtes wegen. 

3521) 

Gleichlautende Abschriften des Spruches finden sich in Hs, Berlin 810, 
BL 16^, Nr. 43; daselbst der Zusatz: >Et etiam pronunciavit facultas 
juridica Wittenibergt ; in der Handschrift Cod. ms, jur. 2446 foL der Stadi- 
bibliothek xu Hamburg j Seite 354 , Nr. 212; ferner in IJs. J 54e der Lan- 
desbibliotliek xu Dresden^ BL 139^ — 140^ mit folgender MtüeOung: 

Unsern freuntlichen dinst zuvor. Ersame besundere gute freund. 
Nachdem ir ims durch euere schrifte umb recht gefraget, was eine 
meile weges sei und wie viel gewende eine meile weges sei und 
behalten solle und wie viel ruten ein gewende und wie viel eleu 
ein rute halten solle, und ab man die messung tuen solle nach 
dem richtsteige, faerwege ader über zwerfelt; und wie ein soUichs 
in meher Worten in einer schrift besagt wirdet, etc. 

Auf den Spruch selbst folgt in Hs. Dresden J 54e unter der Überschrift: 
»Jiüns informacio ad praescriptam sentenciam^ noch ein ausführlicher 
Kommentar. 

Ähnlich ein Leipziger Spruch für Dresden aus der zweiten Hälfte des 
15, Jahrhunderts in Hs. Dresden A XXII 73h, Bl. 34^'^ Nr. 16. 

Gedruckt in der unier dem Titel > Gemeine tegliche UrteiU erstmals der 
Aufgabe * Sechsisch Weichbild wid Lehenrecht. Mit Keiserlicher Majesiet 
Gnaden Freiheit und Privilegio 1547 € (Druckort vermutlich Leipzig; Druek&r 
Nicolaus Wolrab; Herausgeber Wolff Lofi) beigefügten, in den spätereti Weich- 
bildausgaben wiederkehrenden ScJmffefnspruchsammlung^ Blatt 161; ferner in 
Christophori Zobelii Differentiae iuris civilis et Saxonici, Lipsiae 1598; 
Anhang: Sententiae scabinorum Lipsensium variaCj Nr. 36, S. 744; an 
beiden Orten unter der Überschrift: » TFoä ein meü weges sei*. 

Vgl atich D. Henningi Goden Consiliaj herausgegeben von Melchior 
Kling; Vitebergae 1544, fol. XXXVI sequ.: Consüium de mensura mUliarii. 

1) Vgl. Nr. 467 und die VorbemerkuDg daselbst. 



^^352] 255 

Die lenge der meile. 

Sprechen wir schöppen zu Leipzig auf sulche | frage vor recht: Bl. 137a 
Das ein meil weges von recht haben soll sechzig gewende, und ein 
gewende sal von rechtes wegen haben sechzig ruten, und [eine] rute 
sal haben achthalbe eilen. Und darnach ist rechte ein meil zu uber- 
schlahen und zu messen, also doch, das die meil gemessen [werdcj 
nicht nach dem richtsteige, auch nit aufs negst über das querfeld, 
sunder nach der gemeinen straß, da man pflegt, auf zu ziehen i), zu 
reiten und zu faren. Da soll die meil von recht in solcher weis, 
wie oben ausgedruckt, 'nach den ge wenden und nach den ruten ge- 
messen werden. Von rechtes wegen 2) 3). 



1) Drucke: gehen. 

2) Zusatz im zuerst erwähnten Drucke: * 

60 Gewende. 
Ein Meil hat l 3600 Ruten. 

27000 Ellen. 
3} Auf einem der Hs. Leipzig 1668 am Ende angefügten Pergamentblatte, 
Bl. 149^, findet sich von unljekannter Hand aus der Mitte des 16. Jahrhunderts 
folgende Notiz, die, in R[ud(>lf] Helssigs Katalog der lateinischen und deut- 
schen Handschriften der Universitätsbibliothek zu Leipzig; 3. Band: Die juri- 
stischen Handschriften; Leipzig 1905, nicht hervorgehoben, an dieser Stelle 
Raum finden mOge: 

Item als lang ist ein meile; LX acker lang und ein acker LX ruten 

und ein rute X7 schue ader achtbalb eile. Sal also gemessen werden: 

man sal nemen ein rat, einer ruten ader achthalb eilen weit, und sal 

mitten ofs rat ein nagel schlagen und ein stange durch die nahe stecken 

und or zwene sollen das rat an der stange lossen umgehen; wens of den 

nagel kumet, sal der ernoch gehet, ein stein in die grübe legen und also 

zu sechzig mal sechzig stein ader ruten zelen ader 27000 eilen, mach ein 

meil weges. Das sal gemessen werden in der lantstraß, nicht in steige. 

Ist zu Leipzk und Magdeburg zu recht erkant. 

Vgl. auch die Eintragung vom Jahre 1509 in dem von E. 6. Gersdorf her- 

ausgt'gebenen »Stadtbuch von Leipzig vom Jahre 1359« in Mitteilungen der 

Deutschen Gesellnchaft zur Erforscbung vaterländischer Sprache und Altertümer 

in Leipzig, I.Band, Leipzig 1856, S. 114f.; ferner Ha. Warmbrunn Sc 16, 1. 

SchöffenKpruchsammlung, Nr. 110. — Anders dagegen der Leipziger Spruch 

für Dresden in H«. Dresden A XXII 73 b, BL 34a-b, Nr. 16: 

...und die messung mag man tun mit strimen, die furder nach den 
gewenden und ruten abegenomen und gemessen sint; und ist nicht not, 
das man das mit einem rade tu, also euer widersache vormeint; sundern 
wenn es geschiet mit strimen nach den gewenden und nach den ruten, 
damit ist es goug. Von recht wegen. 



256 [363. 354. 356] 

353 

Straßen. 

Magdebwrgei' Spruch. 

Abschrift tmter der Überschrift: > Von Strassen der fursten^ dorobir sie 
kein recht sprechen woUen€ in Es. Leipzig 906, BL 134^ — 135^^ Nr. 24, 

Gedruckt bei Wasserschleben, Rechtsquellen, IV,, Kap. 24, S, 160, 
unter der Überschrift: *Worobir die von Meiddmrg keifi recht spreehin,* 

354 

Einer verwilligt sich, wn er diesen schaden tet, daromb 
wolt er genüge tun. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Hat Fritz von Maltitz dage 
zu dem genanten Hansen Rottitzsch gesaczt, das er schafe hielt und 
Bl. 137b ließ ime die auf | seiner leut guter treiben und ire weide abbaten. 
Und nachdem Hans von Rottitzsch darauf geantwort hat, das er die 
schaf hielt, die er auf seinen und seiner leut guter neret und weidet. 
und er kunt die wol on seinen schaden emeren, wu er aber ime 
oder den seinen leuten schaden tet, das er ime darumb genüge tun 
wolde: So muß es Fritz von Maltitz pei sulcher antwort pleiben 
lassen. Dan wu ime oder seinen leuten der genant Hans Rottitzsch 
mit seinen schaf en einicherlei schaden getan bette, den er beweis- 
lichen machen konnde, wie recht, darumb must er ime genug wider- 
statlung tun. Von rechtes wegen. Yersigelt. 

Zwischen t%ww 

1459 UND 1466 ^^ 

Vgl Nr. 226, 

Einer hat ein huf landis bei IX jarn und [jar und] tag 
von seinem lenherrn nicht in leben genomen. 

Sprechen wir hirauf vor recht: Hat Urban Herteil die huf landis, 
die von dem ampt zu Delitzsch von meiner g. h. von Sachsen wegen 
und irer herschaft zu lehn rurt, pei rechter zeit in jar und tag nicht 
in lehn genomen, noch die Ten, wie recht ist, von ime gesonnen, 
und ist jar und tag von der zeit an zu lehn, als er die gekauft hat, 
vergangen: So hat er sich von recht daran yerseumet, und der ampt- 
man hat sich der Yon ampts wegen underzogen. Hat auch Conradt 
Ri» 188AHerolt^}, auf die zeit | der amptman, durch den landknecht zu der 

1) Conrad Herolt versah das Amt zu Delitzsch 145^—1465; vgl. von Lan- 
genn, Herzog Albrecht der Beherzte, S. 662. 



[355. 356. 357] 257 

huf lassen forderen von einem ding zn dem andern and zu dem 
dritten bis auf die helfliche Widerrede, nnd hat Urban zu rechter 
zeit, also sich von recht gepart, die nicht furpringen [mögen], sonder 
hat die fordemng gewost und darein nicht gesprochen: So mag er sich 
damit nicht bell elf en, das er furgibt seine krancheit und echte not; 
wan er seit die zu zeit haben durch seine boten yerkundigen lassen 
und nicht yerhalden haben über rechte zeit. So er auch allein zu 
endzeit des gerichts [krank] i) gewest ist, so mag er sich damit der 
anderen gerichtstag nicht entreden. Und mag der amptman ein 
sulchs beweisen, das er die zeit, als [er] die helfliche Widerrede hat 
sollen y orbringen, mögend gewest ist, oder auch die zeit, als er die 
hufe hat aufpieten lassen, und keine Widerrede getan hat: so ist er 
neher und mit merem rechten dapei zu pleiben, dan Urban Herteill 
die krancheit, die do erenhaftige not heist, erhalden und gezeugen 
mag; desgleichen auch mit der hochen were. Ean oder mag der 
amptman gezeugen, als er sich dan in seiner antwort anmast, das 
ime Urban das so nicht zu lehn wer, sunder zu puß gegeben | habe, Bl. 138 b 
darum das er getoppelt hat: so ist [er] aber nehr als ein antworter 
das zuzupringen und zu gezeugen, dan ine Urban das uberkomen 
mag. Und alsdan behelt Gonradt obgenant sulche hufe, die er yon 
ampts wegen als mit gericht und gerichtclage erstanden und erfor- 
dert hat, möglich und ist Urban der schult und des gewerderten 
schaden halb, den der darauf gesaczt hat, nichts pflichtig. Von 
rechtes wegen. 

356 

Brautschatze. 

Magdeburger Spruch für Naumburg. 

Äbsckriß auch in Es. Zwickau j BL 376 "^j Nr. 133 mid in Es, Oörlitx 4, 
BL 265\ Nr, 5. 

Oedrucki bei Friese-Liesegang y Magdeburger Schöfferisprüchej HL B., 
Nr, lOy S, 447 unter der Überschrift: > Van brutschacxe unde gerade zu 
nemen.* 

Identisch mit Nr. 542 der Vorlage. 

357 • 

Hat einer gelt inne. 

Magdeburger Spruch für Naumburg, 

Abschrift at4ch in Es. ZunckaUj BL 37 8^ j Nr. 139; femer ohne die 
Anfrage in Es. Görlitz 4, BL 230\ Nr. 395. 



w^mimm^ 



1) Vorlage: gang. 
G. Kiech, Leipziger Schöffen»pructi8ammluDg. 17 



258 [357. 358. 359. 360] 

Oedruckt mit der hier fehlenden Anfrage^ ' die aber vollständig in Nr. 54^ 
der Vorlage steht, bei Friese-Liesegang^ IIL Ä, Nr, 18^ S. 451 wnkr 
der Überschrift: » Von schulde^ wie die vorsprochin wirt*; früher schon cim 
Anfrage bei Wasserschleben, Rec}äsqudhn, /F., Kap, 103, S. 246, 

Identisch mit Nr. 549 der Vorlage, 



358 

Bl. 1B9a Umb Sachen, geschechen im weichpilde, mag man sich 
der antwort wem für landrecht. 

Entscheidung der Schöffen xu Halle, 

IdenMsch mit Nr, 554, wo ay>ch die an dieser Stelle der Vorlage fMmk 
Anfrage steht, 

359 

Gut besessen on recht ansprach bis an tod. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Hat die frau yeterliche erbe 
und gut binnen der obgenanten zeit erfordert, auch in ire gewer 
gebracht, und hat ire bruder dasselbig gut on rechte ansprach be 
halden und besessen bis an seinen tod: So hat er das erbe und got 
geerbet auf seine kind mit recht. Yon rechtes wegen. 

360 

Einer hat sein sigil von bette halb aufdrucken lassen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Seintmal Lufpolt Ton Weissen- 
bach in sulchen Sachen, Ludwig Erlitzgassen betreffend, davon dan 
die schriftlich kundschaft bemeldet und darauf dev genant Luppolt 
sein insigil hat drucken lassen, nicht ein sachwalde ist, sonder so 
er sein insigil von bett wegen der selbschulden und purgen an 
sulche kundschaft hat drucken lassen; so dan Luppolt sulchs seins 
sigels oder derselben kundschaft mit seinen schlechten Worten ge- 
B^ IBUBSchechen bekentlich sein wirt, in|maßen dan die kundschaft der- 
lieh besagt: So gibt sdche kundschaft also dan volkomen gezeng 
der Sachen und der diug, darauf sie lautet, und Jorge Laudiknecht 
ist damit sulcher Sachen, darvoh die kundschaft meldet, genugsam- 
lieh nach laut des vorgetanen Spruchs volkomen pillicher, dan ime 
das^_8eiiL_wid.er8ache .seiner ejngefelten urteil hat die kundschaft jin- 
Yolkommen bereden mögen. Von rechtis wegen. 



[361. 362. 363] 259 

361 

Geliehn insigel an den brief. 

Magdeburger Spruch, 

Abschrift der Entscheidufig mit der Anfrage^ die in der Vorlage fe^ilty 
audi in Hs, Görlitz 4, Bl. 233 »-^ Nr, 414. 

Vollständig gedruckt bei Wasser schieben, Bechtsqueüen, IV,, Kap, 109, 
S, 249 f, mUer der Überschrift: 9 Von ifigesegü undbrifen.^ Der Name ist 
daselbst in Rinold Karas richtigzustellen; vgl. auch Nr, 287 und 547, 



362 

Ein brief ist yergeßlich geschrieben über ein betei- 
dingte sach. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Dorfen richtet und 
schöpfen und ander leut, die sulchen auspruch getan haben, gezeugen 
und erhalden, als recht ist, das es also nicht beteidingt sei, | als derßL. 140 a 
brief inhelt: So toten sie den brief, und solch brief ist Hans Peter 
unnutz, und Hans Peter mag sich hinfurt mit solchem brif nicht be- 
helfen, das Lorentz Schirmstem zu schaden an solchen zugesprochen 
gutem komen mochte; sunder Lorentz Schirmstem ist mit bekantnus 
richters, schöpfen und ander leut, die den Spruch getan haben, bei 
den zugesprochen gutem neher zu pleiben und die zu behalden, 
dan ine Hans Peter mit sulchem brif, der also versehentlich oder 
unvorsichtig geschrieben ist und [den er] nicht vorandern will lassen, 
daran gehinderen möge. Von rechtes wegen. 



363 

Vgl. Nr. 369 mui 370, 

Einer muß beweisen, das er den brief mit willen und 
Tvissen jenes, dem er zuhelt, inne hat, so er darauf schulde • 
fordert. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig dise nachgeschriebene recht: 
Zum ersten als Ditterich von Meldingen schuldiget Ditterichen 
Schades, das er ime vorhelt I^ ald schock Freiberger groschen nach 
laut eins brifs, den er mit willen Ditterichs Gotfriedes, dem der 
brief -zuheldet, inne hat, und begert, ime sulch gelt zu gebenp^u 
hon, schmacheit und schaden, den er auf XL fi. achtet und werdert; 
dargegen seczt Ditterich Schades seine | einsage und meint, er sei Bl. 140b 

17* 



260 [383. 364. 365 

Ditterich von Meldiogen antwort nicht pflichtig; er beweise dan^ das er 
den brief mit Ditterichs Gotfriedes willen und wissen inne habe, etc.: 
Erkennen wir, das Ditterich von Meldingen beweise, also recht ist, 
das er solchen brif mit Ditterichs Gotfriedis willen inne hat; und 
wen er dan das gezeugt hat, das Ditterich Schades antworten soll 
Und so er dan ehr seiner antwort der schult ein gewer heischet, 
mehr sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf die were vor recht: Das 
Ditterich von Meldingen Ditterich Schades der schult und der ander 
nach gesaczten schulden eine gewer tun und geloben muB, die Ter- 
purgen oder yerpfenden oder muß mit seines selbst band auf den 
heiligen schweren, die were stet und vest zu halden, also were recht 
ist; und [wjegert^) er, die were also zu bestellen, so pleibt Ditterich 
Schades der schult pillich claglos. Von rechtes wegen. 



364 

Einer spricht, ime sei umb sigil [unjbewust. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig: Seintemal das ir des sigils 
nicht schlecht leuken seit, sonder antwort also, euch sei daromb 
unbewust: So mögt ir den unbewust des sigels ledig werden mit 
abziehung des sigils, als recht ist. 

365 

Bl. 141a Brief unduchtig machen. 

Spricht Leipzig: Den brief, wil er den abestellen und imdnchtig 
machen, wie recht ist, so muß [er] ime tun in der maß; wurde er des 
briefs und auch des sigils leuken, das es seines yaters nicht gewest 
were, und darf er das Vorrechten mit seines selbst band auf den 
heiligen, als recht ist, oder wurde er des sigils bekennen, das es 
Seins vaters gewest were, und [er] doch den brif on seinen willen imd 
wissen gegeben und mit dem sigil versigilt were, und dorft er das 
sigil abziehen selbdritt unbescholdener leut an irem rechten, itz- 
lieber mit sein selbst band auf den heiligen, so were ime der brief 
unschedlich. Von rechtes wegen. Versigelt. 

1) Vorlage: begert. 



[366. 367. 368. 369] 261 

366 

Abschrift auch in der Handschrift 945 der Unwersitätsbibliothek Leipzig, 
BL 5^ Nr. 4; ferner in Es. Zwidcau, BL 377^^ Nr. 126 und in Hs. Gör- 
litz 4, BL 229^ y Nr. 382a. 

Identisch mit Nr. 535 der Vorlage. 

Belehente statt. 

Eine itzliche statt, die Yon einem fursten belehent wird mit gut, 
mit dem gut mag der burgermeister derselben statt lehenrecht tun^) 
von der statt halben. Von rechtes wegen. Versigelt. 

367 

Kechnunge. 

Magddmrger Spruch. 

Gedruckt mit der Anfrage^ die in der Vorlage fehlte bei Wasserschieben ^ 
RechisguMen^ /F., Kap. 82y S. 235j unter der Überschrift: ^Von rechenunge 
eins burgermeisters adir eins andern*. 

368 

Rechenschaft. bl. 141h 

Magdeburg: Man sali Hansen Storm zu rechtlicher rechenschaft 
komen lassen der aufiiemung, das die komen sei, do die pillich hin- 
komen sali; da sol man in pei lassen. Hat ime aber das jemand 
unfnge oder schmacheit getan, den mag er darumb beschuldigen für 
gericht und das fordern, als recht ist. 

369 

Vgl. Nr. 363, 370. 

Einer hat einem volmechtigeu geld bezalt. 

Sprechen zu Leiptzig: Hat Ditterich Gottfriede etzlich seine 
diener gemechtiget und zu Ditterich Schades gesandt; und kan das 
Ditterich Schades Yolkommen mit Ditterich Gotfriedes eigen brif 
und fligil, als er eine abschrift in seiner antwort gesaczt hat; und 
hat Ditterich demselben gemechtiget diener volle und genugliche aus- 
richtung getan von aller schult, die er Ditterich Gotfriede schuldig 
was, und kan er das gezeugen selbdritt unbescheidener leut an irem 
rechten; und wan er das also gezeugt hat: So ist er Ditterich you 

1} Ht. Görlitz 4: rorwert lehn ton and lehinrecht haben. 



262 [369. 370. 371. 372 ' 

Helding der schult halb, noch auch der andern nach gestalten schnld 
halben, noch auch umb gewirderten schaden, hon und schtuacheH 
nichts pflichtig. Von rechtis wegen. Yersigelt. 



370 

Vgl. Nr. 363, 369, 

Wuchrischer contract. 

Bl. 142a Schöpfen zu Leipzig vor recht: Ap sulch contract und handel 
Wucher sei, gehört uns nicht; sunder [wu von] der geistlichen acht 
erkant ist, das es wucher were, so were Ditterich Schades snlchen 
zins nicht pflichtig zu bezalen; und was er auch des zins über die 
hauptsumma bezalt hett, das gebe im der, dem bezalt ist, pillichen 
wider. Von rechtes wegen. 

371 

Vgl. Nr. 269. 

Einer muB namhaftig machen, wie gut an ine komen ist. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Das Kegler nam- 
haftig machen muß, wie die wies an ine kommen sei, und mag sich 
dawider nicht behelfen, ap er die wies acht jähre nach einander in 
lehen und gewer gehabt. Von rechtes wegen. 

372 

Ein weib hat zu einem umb geldschuld in voller macht 
ires mannes geschuldigt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Hat Wilhelms von 
Schwentz eelich weib umb sulch hinderstellig gelt, das er ir der 
beut halb solde schuldig plieben sein, in voller macht Wilhelms ob- 
genant, ires eelichen mannes, vor richter und schöpfen beclagt, und 
hat ir Eberhart auf ire schult, die sie [in voller] macht ires mannes 
zu ime gesagt hat, nachdem sie sich dan der macht für gericht be- 
rumpt hat, volle antwort getan und ir zu dem übrigen und hinder- 
Bl. 142b stelligen gelt nein gesagt und dem nein mit seins selbst band auf 
den heiligen volge getan ; und mag Eberhardt sulch geschieht, nemlich 
das die frau für gericht von sich gesagt hat, das sie ires mannes 
volmechtig sei, und das «r ir darnach volle antw<Hrt g^tan und der 
antwort volge getan habe, mit richter und mit schöpfen des gerichts, 






372. 373. 374 263 

da sich die sach begeben hat, Yolkomen und gezeugen; und wen 
er das also gezeugt und beweiset hat: So ist [er] nun forder Wilhelm 
Yon Schwentz, noch seinem eelichen weihe der schult halb umb das 
hinderstellig gelt, so er seinem weihe genugsam volle antwort getan 
hat, nichts pflichtig. Wilhelm von Schwentz mag sich auch mit 
seinem fumemen, in seinen urteiln berurt, dawider nicht behelfen. 
Von rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigel. 

373 

Ob einem sein stammeln an seinem eid und ob er seine 
Hand oder finger nicht erheben kont, möge schaden. 

Schöpfen zu Leipzig: Euer stammeln sol euch an dem eide oder 
in gewinnung euers vorsprechen nicht verhindern ; und mögt ir auch 
euer band oder finger so lang nicht aufgehalden oder erheben, so 
sol man euch die heiligen und euer finger und band als lang halden, 
als lang das ir euer recht verziehet. Von rechtes wegen. Versigelt. 

• 

374 

Einem in seinem hause gefrevelt. Bl. 143a 

Schöpfen zu Leipzig: Seintmal ir Heintzen Reisiger selbzeheude 
und itzlichen besonder für gericht beschuldigt habt, nemlich das er 
mit andern neun fremden gesellen, die doselbst in den gerichteu 
nicht besessen gewest sein, on laub des richters und des lehnhem, 
dem die gericht daselbst zustehen, wider recht mit ires selbst frevel, 
gewalt und turst in euer behausung gelaufen sein und haben euch 
mit unrecht darinnen uberfarn, euch und eurem eeweibe ein gespant 
und geladen armbrust under euer antlitz gehalden und euch beden 
gedroet zu erschißen, als ir ein solchs in den oder andern gleich- 
meßigen worten in euren Schriften furbringt; und nachdem Heintz 
Reisiger vor gericht komen ist und euch sulch clage, die ir wider 
in also, wie vor berurt, angestalt habt, vor gericht bekant und die 
andern neun gesellen und itzlichen besonder also volger und geferten 
sulcher tat und geschieht in euer behausunge an euch und an eurem 
weih in solcher maß, oben bestimpt, gegangen und geubet, hinder 
sich gezogen: So muß er euch und eurem weih mitsampt seinen 
volgem und geferten und itzlicher besonder sulch unrat, das sie 
also [on] gericht und wider recht in euer behausung so frevelich an 
euch beden, wie vor berurt, begangen und geubet haben, | nachßL. U:^» 



264 [374. 375. 376 

gesaczter buB des rechten yerpuBen und verpessem; und er maj 
sich des mit seinen helfem und Yolgem damit nicht au%ehslden ode 
geschutzen, ab er in euer bebansung einen gesellen, Jacob Poichait 
genant, der sich dan mit seinem bruder, Casper Reisiger genant, 
• Yormals geschlagen und gezweit hatte, gesucht habe, also das er 
sich, nachdem derselbe Jacob Purchart der tat halb, als er an Casper ; 
Reisiger, seinem [bruder] sal begangen haben, auf fluchtigem fioifi 
gewest were, in euer haus zu suchen und sich zu ime zu halden, [ge- 
fugt habe,] nachdem er in seinem kegensacze und in seiner antwort 
furpringt, das er eilende an das gericht gestalt und das er das her- 
nachmals bei sich bracht hab. Doch so hat er an euch und eurem 
eewei)>e sulche gewalt und das unrecht, daTon ine bemeldet ist worden, 
nach gestalten Sachen in sulcher maß, oben berurt, nicht üben sollen. 
Von rechtes wegen. 

375 

Vgl Nr. ^36. 

Sich habei) ir zwen yerwilkort. 

Haben die freunde sulche wilkore in gericht und gehegter ding- 
bank, da richter und schöpfen ding saBen, bekant und angesagt, 
wie das sulche wilkore zwischen inen geschechen were, richter und 
Bl. 144 a schöpfen gepeten, zu gedenken | oder in gerichtes buch lassen 
schreiben, und die schöpfen das also bekennen: So ist Casper mit 
den schöpfen also yorkomen. Hetten aber die freunde auswendig 
der bank das gesagt und das gericht und schöpfen nit gepeten zu 
gedenken : So were Casper Romer mit dem, das die schöpfen gesagt 
haben, das sie gehört haben yor der bank, das Nickel [und] Gregor 
[Teuffei] ^) gesagt, wie sie sich yerwilkort solden haben, nicht yor- 
kommen. Von rechtes wegen. 

376 

Sich yerschrieben selbschaldiglich und nicht als 
bürgen. 

Schöpfen zu Leipzig : Seintmal herren Kokeritz in irem brif also 
selbschuldigen und nicht als purgen eurem yater sulche XX schock 
semptlichen yerschriben haben und schuldig sein plieben^ so müssen 
der yon Kokeritz erben euch die schuld an euers yaters statt be- 
zalen; und das sie sich in dem brief yor sich und die erbnemen 

1) Vgl. Nr. 296. 



'376. 377 265 

nicht yerschrieben haben, damit mögen sich der von Eokeritz erb« 
nemen [nicht behelfen, sunder] sulchen brif yemichten oder bezalnng 
tun erweisen, also das recht were; damit entledigen sie sich. Von 
rechtes wegen. 

377 Mitte üe.s 

16. Jahbu. 
Die Sprüche Nr, 377-r3d2 gehören äußerlich und infiaUlicIi xusamnien. {bm 1466) 

Insbesondere ist die Anmerkung der ^Dodores der Juristenschule xu Leipzigs 

im Anhang xu Nr. 382 xu allen sechs Entscheidungen zu beziehen. 

Gewonhait zu beweisen. 

Sprechen wir Johanns i), von gotes genaden bischof zu MerBbui^BL. 144k 
vor recht: Hag der genante rat zu Rochelitz von irem und der 
ganzen gemein wegen daselbst beweisen, wie recht ist, das am 
dinstag der markttagen in der kirchen Sanct Eungundis zu Bochlitz 
XXX und vierzig jare nach einander und also lang, als es in men- 
schen gedechtnus änderst nicht ist, die hochmesse auf dem hochen 
altar durch den pfarrer zu Rochlitz oder sein capellan gesungen ist. 
Wan sie das also beweist haben, so pleiben sie pillich und von 
rechtes wegen pei solcher berurter altherkomen gewonheit; und 
magister Nicolaus 2), ir pfarrer^ ist ine pflichtig, auf den dinstag alle 
zeit die hochmesse in der kirchen Sancte Kungundis zu singen zu 
bestellen. Es wer dan, das der genant magister Nicolaus Yolkomen 
und beweisen konde, wie recht ist, das er und sein negste vorfam 
dieselbig messe XX. jar und also XXX jare emegst nacheinander 
unverruckt am dinstag des markttags in der kirchen Sancte Kun- 
gundis zu Rochlitz zu lesen bestalt haben, und die nicht gesungen, 
es wer dan heilig solempnes,^ octaven, leichen oder votiven messen. 
' ' ■ ' ■ ■ ' I ■ ■ i j -' 'I I I. II ■ I 

1} In Betracht kommen zwei Bischöfe von Merseburg namens Johannes: 
Johann II. Böse 1431— 1468 und Johann III. Yon Werder 1464- 1466; ygl. Plus 
BoDifacins Game, Series episcoporum ecclesiae catholicae; Ratisbonae 1873, 
S. 292. Um welchen von beiden es sich hier handelt, läßt sich nicht ent- 
scheiden. 

2) Am Rande der Vorlage ist yon anderer und zwar jüngerer Hand ver- 
merkt: >Hat gelebet a. 1492«. Damach zu schließen, handelt es sich um den 
auch anderweit öfter urkundlich erwähnten M. Nicolaus Steitan, Pfarrer zu 
Rochlitz, der in den folgenden Sprüchen als »Magister Nicolaus Satan« wieder- 
kehrt; Ober ihn vgl. Samuel Gottlieb Heine, Historische Beschreibung der 
alten Stadt und Grafschaft Rochlitz; Leipzig 1719, S. 176 und 168; ferner 
W. Giemen« Pfau, Grundriß der Chronik über das Kloster Zschillen; 5. Heft 
der Mitteilungen des Vereins för Rochlitzer Geschichte; Rochlitz i. Sa. 1909. 
S. 180, 



26H [377. 378. 379 

Uan wu er das also volkommen hat, wie recht ist, so pleibt er 
pillicher pei solcher negsten eingefurten gewonheiten ; und die tob 
lu.. 146ARochlitz mögen | ine daraber forder nicht dringen, die hoche meB 
an dem genanten dinstag zu singen. Von rechtis wegen. 



Mitte dkh 378 

16. Jahbh. 

(bi8 1466) Siehe die Vot-benierkuny und die Afmierkmigen tu Nr, 377, 

Gewohnheit der opfertage. 

Darauf sprechen wir Johanns, bischof zu Mersseburg yor recht: 
Nachdem der genant magister Kicolaus Satan, pfarrer zu Rochelitz, 
fuost und gründet in seiner antwort auf eine verwerte gewonheii, 
die zu Rochlitz über sieben opfertag sein sali; mag er dan beweisen 
und Yolkommen, wie recht, das ein sulche gewonheit zu Rochelitz 
pei ime und seinen vorfam X jare nach einander unverrackt ge- 
halden ist: So seint die von Rochelitz pflichtig, in denselben opfer- 
tagen ir Opfer ime als irem pfarrer zu pringen und zu geben. Und 
er mag ine auch sulche opfertag nach gemeiner gewonheit der kirchen 
wol verkündigen pei dem banne von recht. Wurde aber der genant 
magister Nicolaus bruchlich an der beweisung der gewonheit auf 
mehr opfertag dan auf vier, so plieben die von Rochlitz pillichen 
pei sulcher gemeinen gewonheit der vier opfertag, die sich gemein- 
lich durch die ganze Christenheit strecket, und der genant magister 
Nicolaus mag sie hocher nicht dringen. Von rechtes wegen. Yersigelt 
mit unserm insigel. 

MiTTK J>ES 379 

16. Jahbu. 

(bis 1460) Siehe die Vorhemerkmig uful die Änmerkwngen x/u Nr, 377. 
Ui.. I4öit Der pfarher bedringt des rats belehenten capellan. 

So als die von Rochelitz forder schuldigen magistrum Nicolaum 
Satan, iren pfarrhem, und geben ime schult, das er ir belehnte 
capellan und alteristen dringen und notigen solle, das sie ime ex- 
equias und triceß mit messen za halden hulf tun sollen, davon da ire 
lehn und aufsaczung nicht belesen sollen werden, und sollen zwang 
und gedrang tun iren capellan zu einer schwechunge des gotea- 
dinst und ine zu verdrösse, und heischen von ime antwort zu dieser 
schult, etc. Dargegen seczt der mer genant magister Nicoläus sein 
einsage und schutzrede und spricht, das inen sulche clage nicht ge- 
purt zu tun, so als sie der alteristen vormund nicht seint, etc.. 



[379. 380. 381. 382] 267 

Sonder sprechen wir Johanns, bischof zu Merseburg vor recht: 
Das der genante magister Kicolaus nicht pflichtig ist, den von Roch* 
litz zu diser schult zu antworten. Von rechtes wegen. 



380 Mitte des 

15. Jahbii. 

Siehe die Varbemerkumg und die Anmerkungen a^h Nr, 377, (bm 1466) 

Was Opfers dem pfarhern gepurt. 

Sprechen wir bischof zu Merseburg vor recht: So als die von 
Rochlitz keine redlich ursach noch beweisung haben des opfers halben, 
das in dem oder für dem bild Sancti Liborii gefeit, und | wird demBL. 146 a 
genanten magistro Kicolao also irem pfarhern und seelwarter von 
recht; und mag den von Bochlitz nicht hulflich sein die gewonheit, 
die an etzlichen enden, das die kirchveter sulch opfer aufnemen 
und behalden. Von rechtes wegen. 

ool Mitte des 

15. Jahsh. 
Siehe die Vorbemerkufig und die Ämnerkungen a/u Nr, 377. (bis 1466) 

Der rat beschuldigt den pfarher umb hier schencken. 

Forder beschuldigen die von Rochlitz den genanten magistrum 
Nicolaum und geben ime schult, das er auf seiner pfarre zu Rochlitz 
frombde hier schenke, purgem und pauern verkaufe, etc. Darauf 
der genante magister Nicolaus seczt sein einsage, were und schutz- 
rede und spricnt, das er ine zu diser schuld nicht autwort pflichtig ist 
zu antworten darumb. das sie ine [nicht] sollen haben zu schuldigen. 

Darauf sprechen wir Johanns, bischof zu Merßburg vor recht: 
Das der genante magister Nicolaus Satan zu diser schult und iren 
clausulen und artickeln dem rat zu Rochlitz von iren und der ganzen 
gemeinen wegen daselbst wider ine gesaczt nicht pflichtig ist, ant- 
wort zu tun. Von rechtes wegen. 



382 Mitte deh 

15. Jahbh. 
Siehe die Verbemerkung und die Anmerkungen xu Nr. 377. (bis 1466) 

Von geschoB geistlicher guter. 

Darauf sprechen wir Johanns, bischof von Mersburg vor recht: 
Mag der genante magister Nicolaus beweisen mit volstendigen brifen, 
als er sich vermist, das die 'lach und der garten zu der pfarr geeigenetBL. 146je 



268 :382. 383 

und bestetigt seind: so ist er den von Rochlitz nicht pflichtig, ge- 
schosse oder zins davon zu geben. Es wer dan, das der rat za 
Rochlitz Yolkomen kont und beweisen mit rechtfertigen Urkunden, 
wie recht ist, das die statt Rochlitz etzliche sonderliche borden und 
ewigliche beschwerung geschosse oder zins halben auf der lach und 
auf dem garten sonderlich und eigentlich aufgesaczt gehabt hette 
und in der gewer solchs sonderlichs und eigentliche geschosses oder 
zins bishero gewest wer. Dan wan sie das also beweisen wurden, 
wie recht ist^ so muß der genant magister Nicolaus in einen sulchen 
und eigentlichen geschoß oder zins von sulchen gutem geben on 
widersprach. Von rechtis wegen. 

Und wir doctores der Juristenschule zu Leipzig bekennen 
öffentlich, das wir sulche obgeschribene sentencien und reebt- 
Spruch begriffen und gemacht haben, nach Ordnung und aus- 
weisung des rechten. Des zu beweisung oder gezeugnus haben 
wir euch dise schrift versigelt mit des wirdigen herm probst 
Sancti Thomae zu Leipzig sigill, des wir itzund gebrauchen. 

383 

Hl. UTa Einer wirt angelangt umb gewer | eines hauses, so er 
pei der auflassang gewest ist und ist doch darzu you un- 
geschichte kommen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Thomas Bischoff, als 
er seczt, [ist] bei der auflassung und wirderang des hauses und hofes, 
also sein verstorben [bruder] Andres Bischoff hinder ime hat gelassen, 
darinne Hans Cittiner itzund siezt und das von einem in ansprach 
genomen ist, also der negste schwertmoge und Vormunde nicht ge- 
west, sunder darzu von ungeschichte komen, also Kicolaus Bischof, 
des verstorben Andres gelassen mundiger sone und negster mundiger 
schwertmoge, mit etzlichen seinen darzu gepeten freunden derhalb 
beredt pei einander gewest sein; und hat auch darnach die auflassung 
sulchs hau<)es und hofs nicht als ein Vormunde der gelassen unmün- 
digen kinder des verstorben Andres Bischofs, seines bruders, sunder 
von pett, geheiß und bevelch frauen Elsen, seines verstorben bruders 
gelassen eeweib, von irent und irer unmündiger kinder wegen, die 
sie in ire versorge gehabt hat, neben dem genanten Nickel Bischoff, 
dem negsten mundigen scfawertmogen, für gericht getan: So kan der 
genante Hans Cittiner in derhalben für keinen Vormunden der un- 
mündigen kinden und ein gewer des hauses und hofes zu sein, nicht 



[383. 384] 269 

beclagen und ansprechen; und sein bekantnus also vor dem rat zu 
Aldenburg getan, davon ir uns neben | den urtpiln ein abschrift mit Bl. 147 it 
zugeschickt habt, nemlich das er sulche auf lassung und yerzicht des 
hofs und hauses zu voller macht der muter von der kinder wegen 
neben Nickel Bischoff habe getan, mögen sich des nach gestalten 
Sachen nicht weiter geziehn, den das er das auf geheiß, pett und 
befel und daraud in voller macht getan habe. Und sulche kund- 
schaft des rats zu Aldenburg von etzlichen gezeugen und iren aus- 
sagen bemeldend, davon ir uns neben den Schriften auch ein ab- 
schrift habt zugeschickt, ist ime ganz unschedlich, so sulch gezeug 
ime in ruck und hinder ime, als er seczt, für dem rat zu Aldenburg 
gefort und verhört worden und er darzu, vne recht ist, nicht vor- 
geheischen und gepot tat. Und bedarf auch Nickel Bischoff, so er 
also ein schöpfe und als ein mitrichter in diesen Sachen, als Hans 
Cittiner zu ime vor gericht zu Aldenburg hat geclagt, gesessen hat, 
und Veit Korßner, so er dem genanten Hans Cittiner [in] freuntschaft 
und schwegerschaft gewant ist, und Jacob Schmidt, so er andere 
forderung diser Sachen gestanden hat, vor keinen gezeugen leiden, 
sonder er mag dieselben drei gezeugen sulcher oben bemelter Ur- 
sachen halben von dem gezeugnus | von recht [versmehen] i). Undßi.. 148a 
so dan Hans Cittiner itzund eine neue schriftlich kundschaft in ge- 
richt hat gelegt, die vormals zu disen Sachen nicht gehört, noch 
forpracht ist worden, so muß er dem genanten Thomas Bischof der- 
selben kundschaft ein abschrift geben lassen und darzu seine zöge 
und frist, so vil ime zum rechten not ist, wider dieselbig kundschaft 
und aussage des gezeugen darinne bestimpt zu seczen bestaten. 
Von rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigel. 



384 

Identisch mit Nr, 773, von ivo die an dieser Stelle der Vorlage fehlemir 
Entscheidung ergänzt ist. 

Was hab des erforderers bei dem dieb gefunden wirt, 
die sali man dem forderer widergeben, und die andern 
guter sollen etc. 

Schöpfen zu Leipzig bekennen, das wir umb recht seint gefragt 
nach diesen Worten: Einer ist gewest in eins hem statt, der hat 
sich verdeubt und verstolen und hat des bekant vierlei stuck, das 

1) Vorlage: vermesBen. 



M I 



270 [384. m 



er kirchen gebrochen und gestolen habe; und nun hat er geli 
erb and guter und darzu andere waren, darzu sein weih und kind 
elich geporn von dem manne, [so] man nicht änderst weiB. Nun w3 
sich das gericht des guta underwinden und spricht, das gut sei gekauft 
umb gestolen gut. Nun pitt die frau, eins rechten zu sprechen mit 
dem kinde, ab sie der guter nicht neher sei zu behalden mit dem 
Hl.. l4dB kinde, wan das ir jemand oder ein gerichte infaUen | mag, wan er 
den tod daromb gelieden hat und sie nicht gewust von seiner den- 
berei, oder was recht ist. 

Hierauf: Was der man, der den gefordert hat, seiner habe bei 
dem diebe gefunden hat, do er den tot umb gelieden, die habe sol 
man dem forderer widergeben; und was der dieb an gut sunst ge- 
lassen hat, das sol seinem weihe volgen und womit sie begabt ist^ 
und das ander soll seinen kindem volgen. Von rechts wegen. 



385 

Von zwen ratesfreunden sach, im rat geschechen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzk auf sulche euer schriftliche 
frage vor recht: Hat Mattes Tietz, so ir etlich gelt, das euch, als 
ir seczt, aus altherkomen gewonheit zugestanden, habt teilen wollen 
und ein jedem des rates pei euch XX gr. zuteilt habt, ungeferlich 
XL gr. und II ald schock, so die nahent pei einander vor ine gezalt 
und gelegt gewest seint, zu sich gezogen und in seinen beutel ge- 
stackt; und so er, eher er aufgestanden ist oder derhalben von 
jemands des rats geinnert worden ist, sich entsonnen und hat be- 
dünken lassen, das er zu vil geldes zu sich gezogen und einsteckt 
hett, gefragt, wie vil einem gepuret; und so er das durch euch, den 
rat, also bericht ist worden, das gelt von ime selbst ungeinnert wider 
aus seinem peutel auf den tisch geschutt, das gezalt, und als er 
XX gr. zu vil gefunden, hat euch alle gepeten, das ir ime das nicht 
wollet zum ergsten wenden, dan er habe sulchs ungeverlich und un- 
bedachten muts getan ; und auf sulche pett und entschuldigung habt 
ir ine alle mit einander und auch Hans Babest als einer euers rats 
freund aus aller böser verdacht gelassen: So ist der genant Mattes 
Bi.. Uu.iThitz derhalben nicht streflich worden, noch etwas daran sein eren 
schwecheu oder krenken mochte noch beschanden. Sonder so Hans 
Bapstals einer euers rata freund,, euer, ^tattrichter und ander meher 
in euer pierstuben gezechet haben, und Mattes Thietz aufgestanden 



[385. 386. 387] 271 

und hinweg gegangen ist, in seinem abwesen im in rucken und 
nachgesagt hat, das er dem rat hab sein gelt stelen wollen als ein 
schalk, und das er ine das habe wollen uberkomen; und derselben 
euer richter und drei euers rats haben vor euch, so Mattes Tietz ine 
umb Bulcher nachrede vor euch angezogen und beschuldigt hat, be- 
kant, das [sie] sulch rede in der Weinstuben von ime gehört haben: 
So~ muß er sulch unrechtliche zusage, der er ine vorhin selbst ver- 
sacht und verwust hat, gein ime mit gesaczter puß des rechten, das 
ist mit XXX Schilling, abtragen und verpessem. Und so dan sulch 
tun und nachrede die heimlichen euers rats belangende, so stet ein 
sulchs zu euch, wie ir ine darumb strafen wolt. Von rechtes wegen. 
Yersigelt mit unserm insigel. 

Schaden von nichtbezalunge auf rechte tagzeit. 

Schöpfen zu Leipzig: Was ir des schaden habt, das er euch auf 
das neujar nicht bezalt hat, darumb mögt ir ine schuldigen auf seine 
antwort, so es auf das neujar beteidingt ist. Aber sintmal das die 
erste tagzeit durch gutlich beteidung | mit eurem willen auf dasKi.. l-iUn 
neujar erlangt und erfragt i] ist worden, so kont ir darauf keinen 
schaden gewirdem. Von rechtes wegen. Versigelt mit etc. 



387 

Einer hat den schied nicht widerredt, noch gestraft. 

Schöpfen zu Leipzig : Unrugen ist in sulchem schied kein unrecht 
geschechen, solde er es mit recht widerredt und gestraft haben; so 
er das nicht getan, sunder die [widerrede] on der amptleut schlechter 
anbrengung getan hat; und so Unruge seczt, es sol ein schied und 
erkantnus geschechen sein: Sulche erkantnus, das also geschechen 
on ordenung des rechten, ist Nickel Legefeldt unschedlich an seinem 
erteilten rechten für gericht ergangen. Es were dan, das Unruge 
gezeugen konde, als recht ist, das Kickel Legefeldt sulchen schied 
und erkantnus frei und ungezwungen gewilligt und gevolwort hette, 
dem volge zu tun. Von rechtes wegen. 

1) Am Rande der Vorlage von jüngerer Hand: »erstrackt«. 



272 [388. 389. 390. 391' 

388 

Schaden genomen, das beteidung nicht gehalten ist 
worden. 

Spricht Leiptzk: Hat Peter der beteidung,«^ wie man es mit dem 
hirten halden sali, nicht gehalten, und habt ir und euer leat des 
schaden genomen: Sulchen schaden muß er euch erstatten, wan ir 
Bf.. löOAden I beweist habt, oder muß sich des auf den heiligen entledigen 
oder muß den verminnern mit eiden, als recht ist, ab ir ine danimb 
on gezeug beclagen wurdet. Er muß auch den seinen gunnen, ir 
gemein mit den euem zu halden, inmaßen vor gewest ist, ehr ir 
die guter geteilt habt. Von rechtes wegen. 

389 

Ein frau hat einem priester ein umbral gelobt. 

Sprechen zu Leipzig: Darf die frau verrechten mit ir selbst hand 
auf den heiligen, das sie das umbral, das sie ime gelobt hat, nicht 
hat gewirdert auf III fl. Wan sie ime dan ein umbral gibt, das ein 
umbral ist, nicht alzu gering, so ist sie ime der schult halben nichts 
pflichtig. Von rechtes wegen. 

390 

Einer hat umb betriegligkeit binnen zweien jarn nicht 
geschuldigt. 

Schöpfen zu Leipzig: Ist die beteidung umb Anders Schoppels 
vater- und muterteil, darinne er beraten soll sein, i^ls er seczt, ge- 
schechen vor zweien jarn; und hat Andres Schoppel Hansen Lange 
umb die betriegligkeit binnen zweien jaren nach der zeit der be- 
richtung nicht beschuldigt, noch geanspracht, als recht: So hat er 
sich daran yerschwigen und mag ine darumb nun fort nicht mer 
beschuldigen. Von rechtes wegen. Versigelt mit etc. 

391 

Bi,. 150b Processus judicii bis auf die gewer. 

Spricht Leiptzk: Kan Konrad von Eospeda erweisen, als recht 
ist, das er sulche guter mit rechter clag und mit rechter Vorladung 
ein gericht, das ander, das dritt erfordert und auf das vierde hulf 



[391. 392. 393. 394] 278 

erlangt, darauf auch II gepot und zuleUt das dritte getan habe : So 
hilft man ime fort pillich, das man nach laufte des stabs nach sulcheu 
ergangen Sachen andern pflegt zu helfen. Und man darf au sulch 
anbringnng hem Lorentz Boders von Kospeda damit an seiner forde- 
rang und hulf nicht hinderen noch irren. Von rechtes wegen; etc. 

392 

Oelt zu getrauer hand geantwort. 

Schöpfen zu Leipzig: [Also] der beigurtel zu Leiptzk Lorentz 
Wagener verpunden und verbetzschirt geantwort [ist] worden, und 
hat er den [nicht] aufgebunden und aus oder davon genomen, und als er 
wider heim quame, der maß nicht funden, daran V schock und V gr. 
gebrochen; darf Lorentz Wagner verrechten mit sein selbst hand 
auf den heiligen, als recht ist, das er sich sulcher V schock und V gr. 
nicht underzogen, die auch nicht inne habe, und das die fünf schog 
und V gr. on seine verwarlosung davon auch nit komen seint; wan 
er das also verrechtet hat: | So ist er Herman Fettem der schuld Bl. 151 a 
halb nichts pflichtig. Von rechtes wegen. Veräigelt mit unserm 
insigel. 

393 

Einer beschuldigt einen umb gefere und zusage über 
zwei jare. 

Spricht Leiptzk : Seintmal das der cleger Alberten von Harris be- 
schuldigt umb gefere und unbestendige zusage; hat dan der cleger 
den Weingarten ii^ie' gehabt mit seinem bruder lenger wan zwei jare, 
und hat er Alberten von Harris binnen des sulcher zusage nicht be* 
schuldigt: so muB er haben, als er hat, und Albert von Harris ist 
ime der schult halb nichts förder antwort pflichtig. Von rechtes 
wegen. 

394 

Ein gemein hat einen umb ein verstolen kilch ver- 
sucben lassen. 

Spricht Leiptzk: Seintmal das die gemein zu Posen umb den 
gestolen kilch haussuchung getan haben, und haben sie den kilch 
bei Hans Marckart nicht fanden und haben sie ine darumb lassen 
versuchen; und hat er das nach der Versuchung in stetten, da keine 

O. Kisch, Leipiiger Schdffenspnichflammlung. lg 



274 [394. 395] 

peinligkeit vor äugen war, nicht bekannt, können sie ine das anch 
nicht überzeugen: So mögen sie ine von des wegen, ab sie etzlidi 
stuck pei ime funden, die Yormal etzlich ire nachtpaaem verloren 
betten, mit recht nicht richten noch verurteilen lassen, so als solchs 
Bl. löl B der gemeine nicht gepurt | zu fordern. Sonder wan er sich mit seins 
selbst hant auf den heiligen entledigt, das er den kilch nicht ge- 
stolen, noch rat und tat darzu nicht getan hat, lest man ine pillich 
ledig. Von rechtes wegen. 

14. Jah&h. 395 

Es ist ein kilch verlorn, da hat man einen umb ver- 
sucht. 

Schöpfen zu Leiptzk : Ist im gericht zu Gzigenruck ein kilch ver- 
lorn, und haben die nachtpauern mit des amptsmans willen hans- 
suchunge getan, und haben sie den kilch nicht funden. Haben sie 
aber pei der nachtpaum einem in seiner scheune under seinem stroe 
verdackt gedeubt und gestolen [gut] funden, nemlich eine wage mit 
irem eiseren zeuge, pflugreder und ein sensen; und haben sie den 
man, bei dem sie sulchs funden haben, in gefenknus bracht und 
versuchen lassen: Das haben sie von der verdacht wegen des ver- 
stolen guts, das sie bei ime funden, wol mögen tun. Hat der man 
der untat des stelen des kilchs nicht bekant; haben sie in auch 
darzu nit mögen dringen ; und ist die sach noch nach manchfeldigem 
handel itzund auf euch gestalt sulcher zwitracht, das der gefangen man 
meint, die nachtpaum sollen ime darumb wandet [tun], so er an dem 
befunden stuck [kein deube getan hett], die sensen sollen ime zupracht 
sein ; und die nachtpauern meinen widerumb, nichts pflichtig zu sein, 
Bl. 152a sein tmal das gestolen habe pei ime ist funden: | So ist er verdechtig 
worden von bewerlichen peizeichen, davon ine die nachtpaum wol 
haben mögen zu gefenknus bringen und mit dem gezwange lassen 
fragen; und derhalben pleiben sie des on wände), ap er auch der 
deube des kilchs nicht bekant hat, und seint ime deshalben nichts 
pflichtig. Es were dan, das er beweiset hett, das ime das gefunden 
gut zugeschickt und zugepracht were, dan die verdacht ein ende 
[betten]. Hetten sie ine darüber on andere bewerliche zeichen mit 
gezwange lassen fragen, und were er des kempflich verwunden, so 
müssen sie es ime verpessern mit einem halben wergelt. Wer es 
aber an kampfer verwunden, so verpusten sie es genuglich mit seiner 
gesaczten puB nach seiner gepurt, so als er das purglich von schie- 
desrichtern fordert. Von rechtes wegen. Versigelt mit unserm insigel. 



[396. 897. 398] 275 

396 

Einer wirt umb einen verlornen kilch aus einer zer- 
brochen kirchen verdacht. 

Spricht Leiptzk: Ist die kirch zu Eichstat erprochen, und seint 
daraus kilch und monstranzen genommen; und werdet ir des von . 
eueren nachtpauem verdacht; können sie euch dan des nicht über- 
zeugen mit YII unbescheiden mennem an iren rechten, und spricht 
ir nein darzu: So mögt ir euch des mit euer selbst band auf den 
heiligen wol ledig machen; und man kan euch von des vorgetanen 
[rauhes]^) halben und ander verdacht nicht hocher dringen. Von 
rechtes wegen. 

397 

Vgl Nr. 338. 

Einer hat seine gewere becreftigt mit armbrusten, undBL. Iö^b 
wie, etc. 

Spricht Leiptzk: Hat Melcher die wiese pei Hansen Apts leben 
in rechter gewere und brauchung gehabt, und hat ime die frau seine 
gewere on gericht und recht wollen brechen: So hat er seine gewere 
wol mögen becreften mit armbrusten und wie er mocht; und ap der 
frauen knecht in der maß mit einer gabel geschlagen ist, des pleibt 
Melcher on wandel. Von rechtes wegen. 

398 1461 

Die Akten über den dem folgenden Spruclie xiig^'unde liegenden Bechts- 
streit mit mehreren OriginalspriU^n der *Doctores der Juristenschulen und 
sdieppen zu Lipcxk^^) sind im Sächsischen Hauptstaaisarchiv xu Dresden 
erhalten und xwar xu einem Faszikel (Signatur Loc. 9698) xusammer^ 
geheftet f das die Aufschrift trägt: * Kurfürst Friedrich xu Sachsen contra 
Hansen von Olumen xu Wekn, welcher einen Einfall und drei Mord- 
taten xu Heidenau mit verrichtet^ atcch die übrigen Täter hernach aufge- 
Jiommen haben soll. 1460 — 1462. « Daselbst findet sich auf Bl. 15 eine 
aus derselben Zeit stammende Abschrift der nach Leipzig gesendeten An- 

1) Vorlage: mordes. 

2) Im Jahre 1889 gefertigte Abschriften dieser Leipziger SprOche, jedoch 
ohne den im folgenden abgedruckten, finden sich am Ende der im Eigentum 
der Leipziger Juristenfakult&t stehenden, in der Universitätsbibliothek zu 
Leipzig verwahrten Handschrift 0817 eingeheftet. 

18* 



276 [998] 

frage und auf Bl. 14 eine ebenfalls gleichxeUige Abschriß des auf sie er- 
gangejien Leipziger Schöffenspruchs, der mit deni fönenden identisch isl. 
Von dort konnte der in der Vorlage fehlende Tatbestand ergänzt werden. 
Der Spruch ist wie folgt adressiert: *Den erbarn u*isen mannen und^r 
dem roten torme tm Missen^ unsem besundern .gunstigen finmden. « 

Barglich und nicht peinlich geclagt. 

Unsem frunÜichin dinst zuvor. Erbarn und wiesin, besundern 
gunstigen frunde. Als ir uns zwier part schrifte umb luterung eins 
Torgetan spruchs gesant habet, Kerstan Kunen ^), anwalden und pro- 
curatom unsers gnedigen herm von Sachsen an einem und Hansen 
Klumen des andern teils belangend, und also beide teil eins fürst- 
lichin brifes bekennen, den der obgenante furste, unser gnediger 
herre, sinen landen und mannen und steten gegeben hat und in einer 
clausuln unde artikeln so lutet: >Auch sulten und wollen wir und 
unser erben denselben unsren landen und furstentumb alle ire biife 
fulkomlich und unvorruckt halden und sie nach lute irer brife, die 
sie von uns und unsren erben haben, bei allen iren friheiten lassin 
bliben; und ap wir ader unser erben zu jemands der unsren, was 
Status ader wesens der wer, einche zuspruche gewunnen, wann sich 
der erbutet, er wolle vor unser rete und mannen komen und uns 
aldo pflegen nach unser schult und siner antwort alsovil, als von 
unsren reten und mannen erkant wirdet, so sollen und wollen wir 
und unser erben in nicht hocher nach witer bedringen, uns von im 
daran lassin gnugen; was durch dieselben unser rete und mannen 
des gütlich nicht entscheiden wurde mit beider part wissent und 
willen, so suUen sie uns dann darumb ein sluneclicb recht sprechen 
an 'Ale bete und Weigerung; und geschee abir das nicht, so mögen 
wir das dann vor unsem gerichten anfahen und furdem an alle ge- 
verde etc.«, und also Hans Klumen in sinen Schriften sich irbutet 
nach lute der vorschreibung, er wolle vor unsren gnedigen herm 
mannen und rete komen und sinen gnaden pflegen, was von den 
erkant werdet, und meint, sich darmet der antwort alhir vor desim 
gerichte diewile zu erweren; und also Kerstan Kune, vörweser und 
procurator obgenant darwider setzt, daß das ein pinliche sache sie, 
mort, roup und obiltat belangende, und er habe Hansen Klumen be- 
schuldiget, daß er die obilteter, die unserm gnedigen herm in seiner 



1) Kfrstan (Eyrstec) Eane war 1463 — 1469 Schösser sn Meißen; vgl. von 
Langenn, S 665; dazu auch BOttiger-Flathe, Geschichte des Kurstaates 
und Eönigreiches Sachsen, 1<, S. 899. 



[398. 399. 400] 277 

gnaden forstentumb und gerichte mit gewalt gefallen, roup und mort 
darin begangen haben, gehuset, geheget, gewegefertiget und rechts 
von on geweigert habe, deshalben er wider siner gnade und forsten- 
tumb großlich getan habe und möge sich der antwort an den enden 
nicht ufgehalden, wie dann solch schrifte in meher Worten in beider 
teil besagen. 

Sprechen wir schepphin zu Lipczk uf solche schrifte vor recht^j : 
Hat [Kerstan] 2) Eune, rerweser und Vormunde unsers gnedigeu 
hem von Sachsen, die schult zu Hansen [Glumen]^] on gerüfte puig- 
lich umb wandel unserm gnedigen hem zu pflegen gesaczt und ge- 
clagt und nicht peinlich mit geruft;, also peinlichs gerichts recht ist 
umb leibliche straf ong nach rechte ; also sich dann Hans [Glumen] ^) 
des erpeut, vor seiner genaden mannen und [rete]^) zu komen und 
aldo zu pflegen und sich zu halden nach laut der yerschreibung 
[obinberurt]: So lest man ine pilKch dapei. Von rechtes wegen. 
[Vorsigelt mit unserm insigL] 

399 

Gelobde erinnern selbsiebende als auf tode band. 

äeintemal das Schoperitz den sacz, das ime seins weibs muter 
sulche gelobde getan habe, ap sie ire tochter überleben wurde, so 
wolde sie ine umb kein stuck anlangen, schlechten vorbracht hat Bl. 153 a 
und den sacz iczt auf belassung bewost nicht gesaczt: So muB Scho- 
peritz belassung solcher gelobde erinnern selbsiebende, also auf tode 
band recht ist. Von rechtes wegen. 



400 

' Der geistlichen acht zugepurt, welchs wucher ist. 

Sprechen zu Leiptzk: Seintmal sich der beider part darumb iren 
und des zweichtrechtig seint, als solch contract wucher sein oder 
nicht, so gepurt uns als der wemtlichen acht darauf nicht zu er- 
kennen, noch zu sprechen, was recht ist. 



1) Vorlage: Spricht Leipzig. 

2) Vorlage: Ky raten. 

3) Vorlage: Claghen. 
4; Vorlage: recht. 



278 [401. 402. 4Cß 

401 

Einer wirt beschuldigt, er sali der dirn ire junkfrau- 
schaft genommen haben. 

Seintmal das die schult on volkomen gezeugnus, auch on baud- 
haftiger tat vorbracht ist, und er darzu nein spricht, darf er den 
verrechten mit seins selbst band auf den heiligen, als recht ist, das 
er der dirn ire junkfrauere nicht beraubt hat, auch der geschieht 
halben nicht fluchtig worden, sonder vorhin nicht anheimisch gewest 
sei umb drounge irer freund, da er erfam habe und deshalb ein 
geleit begert für unrechter gewalt; wan er das also verrecht hat: 
So ist er neher also, der unschuldig zu wem, wan man ine hocher 
dringen mag. Von rechtis wegen. Versigilt. 

Z-WISCHBN 402 

1481 UND 1483 

Zu dem den Nrn. 402 bis 405 zugrunde liegenden liechtssirdt vyL 

G[uri] von Rfaabjj Das Rittergut Medielgrün wid seine früheren Besitzer in 

Mitteilungen des Altertumsvereins xu Plauen i, Vogtl.; dritte Jahresschrift 

• auf. die Jahre 1882—1883; Plauen 1883, S. 47 ff., besonders S. 55 f.^ wo 

der Inhalt des Spruches Nr. 405 in Kürxe unedergegeben ist. 

Die Datiei^ung gründet sich darauf daß der Streit um Medielgriin nadi 

dem (vor 1481 efcfolgten) Tode Apels von Tettau neuerlich begann ufid am 

25. September 1483 beigelegt wurde; vgl. von Raab, a. a. 0., S. 54 (mit 

Literaturangabe) und 56; ferner von Raab, Regesten, I, Nr. 1034, S. 249. 

Bl. 1ö3b In der Sachen zwischen Friderichen Rabe als cleger und Marg- 
karthen von Tettaw^) und desselben bruder als antworter ist auf der 
Parteien furpringen zu recht erkant: Das Friderich Rabe den ge- 
nanten von Tettaw vor uns Ernsten, kurfursten etc. und Albrechten, 
gebruder, herzogen zu Sachsen, etc. 2) auf anforderung der obge- 
nanten von Tettaw des wider rechten im sein, und ist darumb Tor 
uns obgenanten herzogen von Sachsen ine recht zu steen schuldig 
und bedarf der gesonnen gewissenschaft nicht noch bestellen. 

Zwischen 403 

Siehe die Vorbemerkung vor Nr. 402. 

In der Sachen zwischen Friderichen Rabe als cleger und Marg- 
karthen von Tettaw und desselben bruder als antworter ist auf der 

1} Urkundlich erwähnt 1482 bis 1629; vgl. von Raab, Regesten, I, S. 298; 
II, S. 413. 
2} Am Rande der Vorlage von jüngerer Hand: »Ernestus & Albertus.« 



:403. 404. 405J 279 

parten furpringen zu recht erkant: Das die von Tettaw obgeuant 
anf Friderichen Raben clag sovil der guter in der ubergeschickten 
zedel in gericht bracht begreifet, schuldig sein, auf disen tag zu 
antworten, nemen auch des Raben clag in dem furpringen von rechtes 
iiv^egen und pillich an; doch ob sie auf das itzund zu verantworten 
nicht geschickt, werden ime darzu zimlichen schulde vorbehalden. 



404 ZWISCHBK 

1481 UM) 1483 
Siefie die Vorbemerkung vor Nr. 402, 

Auf beder parteien furpringen ist zu recht erkant: Nachdem bede 
teil irer gebrechen halben auf heut, den montag nach Trinitatis, 
alher f urbescheiden , ist geschickt zu den hendeln zu greifen, wie 
jongster begreift und die Raben ir einreden muntlich furbracht, soBl. 1ö4a 
tun die von Tettaw darzu pillich ir gegenrede. Es were dan, das 
die von Tettaw erteuern dorften, wie recht ist, das sie auf iren ge- 
wanten vleiB ein redner zu iren Sachen bestalt, der ür handel ein- 
genomen und ine itzund außen pli^ben were, also dan behilten sie 
zimlich frist, sich auf der Raben einrede zu bedenken. 



405 ZWISCHBN 

1481 UND 1483 
Siehe die Vorbemerkung vor Nr. 402. 

Auf sulch spruchlich anforderunge und furgewante clage nach 
allen gehabten ergangen handeln und herkomen zwischen Friderichen 
Raben als cleger an einem und Margkarten von Tettaw und desselben 
bruder als antworter ander teils ; dieweil Friderich Rabe sein forde- 
rung an Mechtilgrun, den sitz mit dem dorfe Niedermechtilgrun und 
allen iren zu- und eingehorung, zinsen, . renten, dinsten und allen 
gutern, in eingelegten zettel bemeldet, nichts ausgeschlossen, die 
helfte geheischen und alles sein veterlich erbe gefordert hat, des 
das Jhan Raben i), Friderichs vater, auf einen widerkauf solt Eber- 
hart Raben verkauft haben; so sich nun im handel und dargelegten 
brif scheinparlich erfindet, das sulcher kauf und vorkauf zwischen 
Jhan und Eberharten den Raben geschechen, ein rechter erblicher 
ewiger kauf ist, und darüber der von Plauen, ir lehnherr, die zeit 
Eberharten damit also begnadt und belehent hat, und sulch halbsi.. 154 it 

1) urkundlich erwähnt 1436 bis 1483; siehe von Raab, Regesten, J, S. 386. 



280 r4J6 

teil an Mechtelgron Apel ron Tettaw i) aus Eberhart Raben haadeu 
mit guter ankunft bracbt; sprechen wir, von gots gnaden Srusly 
des heiligen romischen reiche erzmarschalk und Albrecht, gebruder, 
herzogen zu Sachsen, landgrafen in Doringen und margraven zu 
Meißen vor recht : Das Margkart von Tettaw mitsampt sein bnidem 
Friderich Raben auf sein angewante forderung und cli^ an den halben 
teil Mechtilgrun mit seiner zugehorung nicht schuldig oder pflichtig 
sein. Von rechtes wegen. 

Damach als Friderich Rab sein ansprach und clag hat fordere 
tun furwenden umb den andern teil an Mephtilgrun, den siez and 
Niedermechtilgrun, das dorfe mit allen anderen nutzen, zinsen, renten, 
dinsten etc., wie das Jhan Rabe, sein vater, inne gehabt, genossen 
und geruglich gebraucht hat, das Marckart von Tettaw mitsampt 
seinen brudem zu diser zeit in nutzlicher gebrauchnnge inne haben; 
wie das etzlich irsal, zweitracht und gebrechen zwischen Apel von 
Tettaw, irem vater, und Jhan Raben, Friderichs vater, gewest, der- 
selbigen, so sie zu entscheiden konig Jorge als ir oberster lehnherr 
für sich gefordert und geheischen, auf die zusage, vormals derfaalben 
geschechen auf verwillung und zulassen des von Plauen als der gnter 
Bl. löÖAnegster lehnherr, dhweil Apel von Tettaw vor dem gejnanten konig 
als ein gehorsamer erschienen und Jhan Rabe auf sulche konigEch 
vorheischen ungehorsamlich außen plieben; umb sulch ungehorsam 
und ander uberfarung hat konig Jörg den halben teil Mechtilgron mit 
seiner zugehoruug zu seinen henden genomen, darnach Apel von Tettaw 
mit sulchen gutern umb seiner dinst willen begabt und begnadt; als 
sulcher handel aller mit schriftlicher underrichtung genügsame vor 
uns ist zubracht worden, sprechen wir obgenanten fursten zu recht: 
Hett dan Apel von Tettaw aus crafb sulcher königlichen genaden 
und begnaduDg darnach dieselbige helfte zu Mechtilgrun und seiner 
zugehorung jar und tag in seiner gebrauchlichen gewer besessen 
und possession gehabt; so sulchs beweist wurde, inmaßen Marckart 
sich geanmast hat; und Friderich Rab oder sein vater kein rechtlich 
verruckung oder interrupcion sulcher verfarung wider erweisen oder 
dieselbige, wie zu recht genugsam, vorlegen wurde; als dan und so 
auch Marckart von Tettaw dieselbe helfte in lehn und gewer gehabt 
und noch betten: sollen sie pillich unangesehen des widerteils fdr- 
pringen und einsage dapei bleiben nach landleuftigen sechsischen 
rechten. Von rechtes wegen. Versigilt mit unserm insigill, etc. 



Ij Urkundlich erwähnt 1449 bis 1480; vgl. von Raab, Regesten, I, S. 298. 



r406l 281 

406 

£b ist ein frau gestorben; so hat der | maun ein anderBi.. 155» 
weib genomen; so ist der man auch verstorben und hat 
das letste weib nicht verleibgedingt. Was darumb recht 
und allenthalb den nachgelassen kindern, auch der wittib 
^epurt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Hat ein man von 
ritters art im landrecht gesessen, und ist demselbigen vor etzlicher 
zeit sein eeweib gestorben, und hat sie etzlich tochter nach ir ge- 
lassen, die sie mit demselben iren manne elichen gezeugt hat: So 
bat dasselbig sein verstorben eeweib die zeit nach irem tode nicht 
mer dan eigen, ob sie das gehabt hett, und gerade auf ire nach« 
gelassen töchter geerbet und gefellet. Hett dan dieselbig frau eigen 
sehaf gehabt, die wem alsdan auch zu gerade auf ire tochter ge- 
feUek. Die schaf aber, als derselbig rittermeßig man selbst gezeuget 
und in seinen hurten steende gehabt hat, die haben nach tode seiner 
frauen nicht zu gerade gehört, und darumb so hat sie seine frau 
nicht auf ire gelassen tochter zu gerade erben mögen. Sonder so 
derselbig erbar man darnach ein ander weib genomen hat und ist 
nun auch gestorben, und dasselbig sein eeweib wittib und darzu die 
Schafe in hurten ligend nach sich gelassen: So hat er nach seinem 
tode alsdan dieselbigen schaf zu gerade | auf seine gelassen wittib Bl. 156 a 
gefellet und geerbet; und dieselbigen schafe gehorn alsdan zu seiner 
gelassen wittib gerade; und des mannes tochter, die er von seinem 
ersten weihe gezeugt hat, müssen ir sulche schaf zu gerade von recht 
volgen lassen und darzu ir gepurlich morgengabe und mustel. Und 
so dan alleine alles feldgeng viech, als ziegen, kuhe, alle feldgenge 
Schwein, die do füre den hirten gingen, alle unbesilte pferde, als 
stmtzen, die teglich zu felde und in die sehnte geen, und nicht die 
menlich tier zu morgengab gehören, so mag des verstorben erbam 
mannes gelassen wittib die ochsen, sie wem verschnitten oder un- 
verschnitteQ, noch auch die schwein, die nicht für den hirten ge- 
gangen betten, sonder die zu der mastunge aufgelegt gewest wem, 
itzond zu der morgengabe nicht gefordem noch nemen von recht; 
sonder allein das feldgenge viech, das [nicht] menlich tier seint, was 
des ir man gelassen hat, es sei in seinem hofe gezogen worden oder 
nicht, er hab es zu vorrate seines hauses oder umb gewinst willen 
gekauft oder nicht, das musten ir ires mannes verstorben gelassen 
erben zur morgengabe lassen volgen von recht. Sie müssen ir auch 
zu irem gepurlicheu muBtel volgen lassen nicht allein die helfte 



282 [406; 

Bl. 156 1) alles geuiUlichen Vorrats, wuran | der ist, der [zu] muBtel gehört, 
als gehöpfte speis, sovil der ir verstorben mann zu notdurft seines 
hauses auf ein jare geschickt hett, sunder die helfle an fleisch, 
Speckseiten, getrenke, an allem getreide, an körn, an weiz, es sei 
gedroschen gewest oder nicht, das irm man zu der zeit, als er Ter- 
storben ist, auf dem felde gestanden hat; noch der hafer und gerate 
gehört nicht zu muBtel, sonder zu erbe von rechte. Was aber die 
erben nach tode des mannes zu samen von getreide aus den Scheunen 
genomen haben, das müssen die erben der frauen auch ir helfte 
widergeben oder umb ir helfte erstatung tun. Und so dan auch 
allein das geworchte gold oder silber zu frauengezierde zu gerade 
gehöret, so mag dodurch des verstorben erbaren mannes gelassen 
wittib die silbren getrenkgefeB, so ir man gelassen hat, nicht zu 
gerade forderen noch nemen, sonder sulchs gehört zu erbe von recht 
Auch so die landleuftigen Sachsenrecht an iren orten i) sagen: >Wan 
dem man sein weih stirbt, das von der frauen negst niftel, die ir 
gerade nimmet, dem mann von der gerade sein bett richten salL 
als es stunde, do sie eingelegen, seinen tisch mit einem tischlachen, 

Bl. 157 A seine pank mit einem pfule | und seinen stuel mit einem küssen«, 
so mag sulchs itzund in diesen feilen nicht statt haben; also das 
wider des verstorben erbam mannes gelassen tochter, die er Ton 
seinem ersten weihe gezeugt hat, und sein gelassen wittibe sulchs 
von irer gerade des verstorben mannes gelassen erben zu tun nit 
schuldig noch pflichtig seint. Von rechtes wegen. 

Auf das ander stuck der irrunge und geprechen, die vorge- 
melten parten belangend etc., sprechen wir obgenanten schöpfen Tor 
recht : Hat des verstorben erbaren mannes gelassen wittibe zu dem- 
selben irem manne IV^' gülden zur mitgift gebracht, und er gelobt, 
sie dargegen nach der landesgewonheit wider beleibgedingen zu 
lassen, und ist doch bis in seinen tod verzogen worden, so seint nun 
desselben verstorben erbaren mannes gelassen erben sulch sein ge- 
lobde schuldig zu leisten und der frauen, seiner gelassen wittibei 
sulche ire verheisch unge leibgeding zu vermachen lassen, wie dan 
des landes gewonheit heldet. Aber die erben des verstorben erbaren 
mannes seint pflichtig, sein gelassen wittibe die mitgift zu zwifachen 
und ir auf den gutem VIII ^ gülden zu geben, das sie die kern und 
wenden mochte, wohin sie wolt. Dan nachdem ir verheischen ist, 
ein leibgeding zu vermachen, das tun die erben pillich. Und woran 



1) Ssp. Ldr. HI 38 § 6. 



[406. 407^ 283 

sie der frauen ein sulcba vermachen^ es sei an gntem oder mit gelde, 
das mit irem rat muß angelegt werden, daran behalden sie die erb- 
liclie I abwartung anch pillich und möglich, also das die frau des^i. ir)7it 
allein zu iren lebentagen gebrauchen und das es nach irem tode 
wider an die erben fallen möge. Von rechfis wegen. Versigilt. 



407 

£s hat einer mit seinem weib ein tochter gezeugt; do 
ist die frau gestorben; so hat der man ein ander weib ge- 
il omen. Was nun der tochter, die er mit der ersten frauen 
gezeugt, an gerade gepurt. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk etc. Yor recht: Hat Hans 
Roder, seliger^ mit seinem ersten weibe, die dan zuerst gestorben 
isty ein tochter aus eelichem leben gezeugt. Dieselb sein erst weib 
den noch Schickung der rechten aUe ire nachgelassen gerade, also 
bettgewand und änderst alles zu gerade gehörende, auf dieselbig ire 
leibliche tochter, die sie mit Hans Roder, irem eelichen manne ge- 
zeugt, hat geerbet, also auf ir negste niftel gefeilet. Hat dan der 
obgenante Hans Hoder darnach sich wider beweibt und ein ander 
frauen, Elsen Roderin, Jhan von Dolen mumen, ime zu eelichem 
leben gegeben* und vertrauen lassen und solch obgenant bettgewant, 
das sein tochter von irer mutter, seiner ersten hausfrauen, angefallen 
was, frauen Elsen, seiner andern frauen, in ire gewere und versorgen 
geantwort, also er dan das alles vorhin auch in seiner gewer ver- 
sorget und als ein Vormund seiner tochter gehabt hett nach tode 
seines ersten weibs. Ist dan Hans Roder, obgenant, auch nun todes 
halben verfallen, und hat frau Else obgenant sein tod erlebt, so 
volgt I [ir] solch gerade, so ir die von recht gepuren mag, iresBL. 1ö8a 
mannes halben pillich und unschedlich. Die gerade, die do auf 
seine tochter von irer muter und seinem ersten weibe gefellet und 
bracht was, es sei an pettgewant oder an andern, wie das nameu 
gehaben mag uberal], nichts ausgeschlossen, dan solch ir angefeite 
gerade irer muter, volgt ir gar pillich. Und Jhan Dolen, in ob- 
bemrter Vormundschaft seiner mumen Elsen, ist darzu unhulflich, 
das sulche gerade Hans Roder nach tode seines ersten weibs in seiner 
gewer [gehabt] und darnach seinem andern weibe, frauen Elsen, in ire 
Versorgung und gewalt geantwort habe. Nachdem er seiner tochter 
Vormund gewest ist, hat er ir daran zu schaden nichts tun noch ver- 
geben mögen, sonder es volgt seiner tochter sulchs und änderst zu 



284 '407. 406. 409 

gerade, wie oben bemeldet ist, gehörend , das sie von irer mnter 
anerstorben ist, unverhindert solchs fumemens pillich. Yon rechtis 
wegen. 

408 

Ir zwen haben sich bei Verlust der Sachen auf einen 
tag [versprochen], ir urteil mit sampt dem urteilgelde ein- 
zulegen; so hat der eine denselbigen tag eingelegt, der 
ander teil hat seins die nacht eingelegt. 

. Sprechen wir schöpfen zu Leipzig vor recht: Seint die bemetteB 
parten etzlicher irrung und geprechen halben, so die zwisch^i ein- 
ander gehabt haben, also verhaft worden, das jeder pei verlast der 
Sachen seine gerechtigkeit schriftlich mit sampt dem urteilgelde auf 
Hl. 158b einen namhaftigen tag hat einlegen sollen; wo | dan der geoant 
Hanns Libolt, als er gesaczt hat, seine schrift mit sampt dem urteil- 
geld auf ernannten tag, eher sich tag und nacht geschieden oder 
vor mittern acht eingelegt und uberantwort [hett]: so hett er daniber 
der gedachten Verfassung genug getan und mochte dadurch, ab er 
dieselbige seine schrift nicht su zeitlich als sein widerpart eingelegt 
hett, der Sachen nicht verlustig wurden sein; und dieselben ire beide 
eingelegte schrift werden pillichen zugelassen und gerechtfertigt. 
Von rechtis wegen. Versigilt. 

U. J.VliHH. 409 

Gedruckt bei üeorgius Beatusj Sententiarum definitivarum Saxom- 
ramm de eriminalibus centuriae deccm, pars /F, Tit 22, Kap. 2, S. 225. 

Einer hat gesagt, er wolt einem gern an galgen helfen, 
und wie derselbige auch ein hurenkind sein solt; sich des 
zuvor, eher er ime abtrag pflichtig were, des auszufuren; 
was darumb recht. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht: Seintmal der ge- 
nante Nickel Zetzschen ^) den genanten Hans Libolt^) vor gericht zu 
Elsterberg') beschuldigt hat, wie das derselbe Hans Libolt zu ime 
gesagt habe, wu er mochte, das [er] ime gern an den galgen hülfe, 



1) Bei Beatus: Nickel Z. 

2) Bei Beatus: Hans L. 

3, Bei Beatus: £lsterbach. 



[409. 410. 411] 285 

das ime ere imd geleumpt betreffen sal ; also sich dan derselb Hans 
LiiboU zu der reden bekant: so muB er dieselbig schimpf- und freve- 
liehe rede gegen denselben Nickel Zetzsch mit gesaczter puß des 
rechten nach seiner gepurt Terpessem und abtragen, und mag sich i) 
dodurch, das er sagen [wil], das derselbige Nickel Zetzschen beruch- 
tigt sei, das er uneelich gepom sein solde, und das er sich des nicht 
au^efurt hab, dawider nicht behelfen noch beschützen. Es ist auch 
derjselbig Nickel Zetzschen sich sulcher bezieht auszufuren nicht BL.lnHA 
schuldig. Dan dieweil sulchs, nemlich das er uneelich gepom sei^ 
auf und wider ine, wie recht ist, nicht erkundt wirt, so sali er aus 
Vermutung des rechten eelich und echte gepom gehalden werden. 
Von rechtes wegen. Versigelt. 

410 

Wie ein kampfwirdige wunde sal verleget werden, und 
was Yon einer sulcher tat dem richter gepurt. 

Sprechen wir ratman und schöpfen zu Zwickau hirauf vor leute- 
runge und vor recht: Hat Matel Metzner Hansen Eckart ein wunden 
gehauen, die do von schöpfen kampferwirdig geteilt und erkant ist, 
so muB Mathel Hansen Eckart darumb ein halbs wergelt geben; das 
seint IX pfund pf., und ein pfund macht XXI Schilling pfenning; 
das macht an der summa IV B. gr. hocher münz; und wen Matel 
Metzner Hansen Eckart sulch summa geldes verlegt hat, so hat er 
sich von ime der wunden halben entledigt von recht. Und dem ge- 
richt ist er pflichtig sein wette, das seint VII[ Schilling pfenning 
die in dem gericht geng und gebe seint. Von rechtis wegen. 



411 

Was zu erbe und erberechte, alle stuck, mustel, mor- 
gengabe und gerade gehört, nichtis ausgeschlossen. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzig auf euer zugesanten schrift- 
lichen fragen und des ersten vor recht: Hat euer schwager in land* 
rechte nach ritters art | gesessen und ist in kurz on leibserben ver-BL. 169 u 
sterben; so volgt nach seinem tode seiner gelassen wittibe, euer 
Schwester, ir vermachte oder verschriebene leibdingung und darzu 
ir gepurliche gerade; [darzu] gehören alle schaf, gens, kästen mit 

1) Vorlage: sie. 



286 [411; 

aufgehoben iiedeii; do die frauen ire gerete und gerade inne be- 
schlißen, alles garn, roe und gesotten, lein, flachs, alle leinbani 
alle pett, pfule, küssen, leichlachen, tischlachen, handquelen, bade- 
lachen, kelten, decklachen, schirbecken, leuchtere, ein waschkessel, 
breupfannen, die man pflegt zu vermieten, umbheng, furheng, siedleo, 
loden, sperlachen, topfen und rucklachen, alle weibliche cleider und 
gezirde, vorspan, fingerlein, heftel und ringe, die die fraaen pflegen 
zu tragen und in ire gewere zu haben, die seint von golde oder von 
Silber, alles gewurchte golt und silber zu frauengezierde , perlen- 
krenz, korallenschnur, gurtel mit golt oder silbir beschl^eD, ann- 
golt, zeppele und bucher, daraus die frauen pflegen zu lesen und zu 
peten, alles weibliche gepende und gewebde zu weiblicher art und 
arbeit, als rocken, pursten, spigel, schem etc. Was sulcher stuck 
nach tode euers Schwagers verbanden gewest sein, die gepurn seiner 
gelassen wittibe, euer Schwester, zu gerade pillich. Aber das korallen- 
paternoster und golden bitzschir an einem ringe, das euer schwager, 

Rr.. IGOa seliger, vor sich | selber getragen und gehabt hat, das gehört als 
nicht zu der gerade, sonder zum erbe. Auch so euer Schwester bei 
lebentagen euers [schwagers]^), ires eelichen mannes, etzlich gerade 
von irer rechten und naturlichen Schwester angestorben und vor 
sulche gerade euer Schwester auch bei ires mannes lebentagen ein 
gelt geteidingt, vertagt und allererst nun nach euers Schwagers tode 
gefallen ist, so mag euer [seh wester] >) an demselben gelde, das ir 
also pei euers Schwagers, ires mannes, lebtagen vor ire anerstorben 
gerade geteidingt ist, kein teil gehaben, sunder es gehört zu erbe 
und Voigt euers verstorben Schwagers gelassen Schwester als aeb 
negste erben pillich. Von rechtes wegen. 

Darnach auf das ander stuck: Nachdem euer schwager auf sein 
gelassen wittibe, euer Schwester, ire gepurliche morgengabe gefellet 
hat, was zu morgengabe gebort; sprechen wir obgenanten schöpfen 
vor recht: Also euer Schwester nach tode ires mannes aus seinen 
gelassen gutern auch pillich volgt ire morgengabe, so gebort darzn 
alles feldgenge viech, als kue, kelber, ziegen und feldgenge Schwein, 
die vor den hirten geen, alle unbesilte pferde, strutzen, die teglidi 
zu felde oder in die schut geen, die man nicht einspannet, darzn 
alle Scheune und geziemer, die pei ires mannes lebentagen unver- 

Uh. 100b bracht plieben sein. Sulchs alles, was des euer schwager { nach iine 
gelassen hat, volgt euer Schwester, seiner gelassen wittibe, von seiner 

1) Vorlage: vaters. 

2) Vorlage: schwager. 



[411] 287 

Schwester und erben unverhindert zu morgengabe pillich. Von 
rechtes wegen. 

Forder zum dritten; was zu mustel gehört, das euer seh wager 
auf seine gelassen wittibe, euer Schwester, hat gefellet; sprechen 
wir obgenanten schöpfen vor recht: Das zu mustel gehört alle ge* 
hopfte speis in itziichem hof euers Schwagers die helfte, nemlich 
alles fleisch, gesalczen und ungesalczen, und Speckseiten, alles ge- 
trenke, wein, mefr, hier und cavent, alles getreide an körn und weiz, 
es sei ausgedroschen oder nicht, das zu der zeit, als euer schwager 
and schwesterman yerstorben ist, auf den böden oder auf den Scheu- 
nen hat gelegen, alle erbes, malz, graupen, hirsen, butter, schmalz 
und kese und aller genißlicher Vorrat, zu essen und zu trinken die- 
nende. An solchen stucken, was der nach tode euers Schwagers 
Terhanden gewest und nach dem dreisichsten uberplieben sei, volgt 
euer Schwester die helfte zu mustel^ und die ander helfte nimpt 
euers Schwagers gelassen Schwester von recht. Aber die sat und 
fruchte auf dem felde, die die ege pei euers Schwagers lebentagen 
übergangen hat, auch auf sein gelassen wittibe, euer Schwester, 
leibgut stehende, gehöret itzund nach seinem tode zu dem erbe. 
Von rechtes wegen. 

Zum letsten auf das vierde stuck; was zum erbe gehört; sprechen Bl. lOi a 
wir obgenanten schöpfen vor recht: Das zu dem erbe gehört alles 
erbe eigen, das unvergeben ist und alles gemünzte und ungemunzte 
gelt und Silber, an mustel die helfte, und was darzu gehört, [als] oben 
berurt ist, alle huner und caphan, alle reisig pferde und füllen, 
die man einspent oder nicht, alle ochsen und geheihe rinder, alle 
menlich tier, schopse, pock, alle mastschwein, [abgeschorene] ^) wolle, 
sieben settel, zwu schussel, cannen oder keßlen, keten, scheffel, tigel, 
morser, graue topfe, kellen^ bratspiße, rost, pranteisen, koleringe, 
schlechte kisten, ratkasten, komkasten, melbkasten, tische, stule, 
benk, handvaß, toisen, putten, kübeln, vaß, spanbett, küssen, die 
ledig sein, und aller harnasch zu seinem leibe und seine teglich 
cleider mit anderen stucken zu [her]gewette gehorn, als er gelassen 
hat, [nichtis] ausgeschlossen, alles silbrin trenkgefeße, hasennetz, 
wein, weingerete, alle gersten und hafer auf den boden oder in d^ 
Scheunen, was getreide und die sat auf dem felde, auf allen eckem, 
die zu der zeit, als euer schwager verstorben, mit der eiden über- 
gangen und bestrichen sein worden, es sei auf euer Schwester, seiner 
yeriassen | wittib, leibgut oder nicht, als heu, stroe, spreu, gehauen bl. 1(31 it 

1} Vorlage: aDgestorbene. 



288 411. 41i; 

holz, alle verdinte, vorschriben, Vortage körn- oder geltzins, die anf 
leibe oder widerkauf steend, ap die bei euere schwagars lebentagen 
nicht gefallen wern oder sein. Dise stuck alle und was der mehr mag 
gesein, die sich zum erbe ziehen mögen und darzu gehom, hat eaer 
Schwager itzund nach seinem tode auf seine gelassen Schwester als 
seines erben gefellet und ererbt, und euer Schwester, seine gelassen 
wittibe, hat an den vorberurten stucken, zu erbe gehörende, keia teil 

Und so dan euers Schwagers gelassen Schwester sich des gelassen 
erbes und erbrechten ires bruders underwinden wirt, so mufi sie auch 
alle seine gelassene schult, die er gemacht hat und die zu sein begreb- 
nus gemacht seint, und alle gesindelonen bezalen und ausrichten. 

Und was euer Schwester von den bescheiden cleideren [on] ires 
mannes Schwester als on des negsten erben willen und wissen [yer- 
geben hat], und dieselbe wurde euer Schwester darumb beteidingen 
oder anlangen, so muste euer Schwester darumb antworten und ge- 
recht werden. Von rechtes wegen. 

Letzte»« 412 

Vi BETEL DES 

15. Jahrh. In dcju ältesten von (kr Leipziger UnicersitätsbiblioHiek als Hs, 2273 
verwahrten Konxeptbucke des Leipziger SeköffenatuMs findet sich auf BL 52^ 
bis 55'' unter der Überschrift: »Ad requisünonem Nickeln Zoydels xu Ameß- 
gru7i* das mit dem Wortlaut der Vorlage^ abgesehen von den unten ver- 
x^ichneten Abweichungen j übereinstimmende Konzept zum forlie^ende» 
Spruche, der daselbst wie folgt eingeleitet wird: 

»Ufnsre] f[runtliche] dinste zuvor. Ersamer, bsunder gutir frund. 
Nachdem ir uns geschreben und uch auf die frage, in denselbitigen 
euern Schriften furbracht, das rechtin zu berichten gebetin höbet) 
euch selbst an einem unde Fabian Reutert, auch den amptman zu 
Voytzbergk am andern teile betreflPende, etc.« 

Einer hat auf einen mit einer gespanten armbrust ge- 
wegewart und denselbigen geschossen, auch sunst ver- 
Bl. 162AWundt; und der teter | ist in frischer handhaftiger tat be- 
griffen und gefenglich gesaczt, doch wider an des clegers 
willen zu purgenhant ausgegeben. 

^ Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk: Hat euch der genant Fabian 
Ruthart ^] in dem, do ir von euers vetterst) wegen aus dem dorf 
Amoltzgrun') etzlich scheffel hafer, so man aus altherkomener 

1) KoDzept: Reutert. 

2j Konzept: vatirn. 

3) Konzept: Arnßgrune. 



[412. 413] 299 

^ewonheit in der pflege zu Yoitzpeig und^) das ander jare zu geben 
pflegt, gein Voiizperg habet bringen wollen, gewegewart^), ein ge- 
spannen armbrost in seinen henden und ein pfeil darauf gehabt; 
und so ir zu raren an ine komen seit, hat er euch den pfeil in 
eueren leib geschossen und darnach mit seinem messer ein Schand- 
mal under euer äugen gehauen; und ir habt ine mit anderen zweien 
euern nachtpauern') auf der frischen fart nachgefolgt, gefenglich an- 
^enomen und gein Voitzperg in die gericht geantwort und daselbst 
Beczen lassen: So solte ine auch^) der amptman daselbst zu eurem 
rechten pillichen gehalden haben und hat [den] hinder euch und on 
euer befelung^) zu purgenhand nicht geben mögen. Und so ir den* 
selbigen euern beschediger gedachter wegelage halben peinlichen an- 
ziehn und beschuldigen wollet, als ir dan in disem falle unangesehen, 
das bemelter euer beschediger durch bemelten amptman zu purgen- 
hand geben ist, wpl tun mögt: So muß euch der amptman ine wider 
gefenglichen seczen und [euch] euer peinlich clage wider ine anzu- 
stellen Tergunnen. | Ir must aber das armbrust, das ir ime abge-BL. 162» 
drangen und damit er euch geschossen hat, in gericht antworten. Und 
so dann der Ton Tettaw an dem orte, da sulche tat geschechen ist, 
allein die erbgerichte und unsere g. h. ^) von Sachsen die obergericht 
zustehen, so sali sulche tat nicht vor den^] von Tettaw erblichen^), 
sonder für bemelten unsere *g. h. ^) obergerichten gerechtvertiget wer- 
den. Von rechtis wegen. Versigelt mit unserm insigel^}. 

413 

So einer geschlagen, gefangen und darüber verurpheidt, 
was demselben zu recht dagegen pillichen abtrag ge- 
schechen sali. 

Sprechen wir schöpfen zu Magdeburg auf diese selbig schrift und 
zum ersten in der Sachen Friderichen und euch belangend vor recht: 
So ako Friderich von euch und Rudolfen von Regenbach semptlich 



1) Konzept 
2} £onzept 

3) Konzept 

4) Konzept 

6) Konzept 
6j Konzept 

7) Konzept 

8) Konzept 



ober. 

gewegelaget. 
nackebere. 
eacb. 

bewillunge. 

nnserm gnedigisten und g^edigen hern. 
der. 

erbgerichten. 
9) Versigelt — insigel] fehlt im Konzepte. 

(i. Kinrh, T^ipziger SohOffen.HpnichHnininhins. ]9 



290 [413; 

und jedem besundem in schulden hat, das ir frevelich and Terfetig- 
lieh ine mit XII pferden uberritten, geschlagen, gestochen und ge- 
fangen, drei kampferwunden in das haupt, drei fluBent wunden in 
sein haubt [geschlagen], einen finger yerlemet, einen pfeil in rack»i 
geschossen, ine auch und die pei ime gewest urfedet; und so er 
also werlos und gefangen gestanden habe, Rudolf diener einer am 
seinem geheiß ein pfeil in ein bein geschossen hindenzu; das ir 
sollet getan haben unyerwort, Yorsecziglich, frevelich, wider recht 
in einem fürstlichen friede und in einem gewilligten tag, von euch 

Bl. 163Aangenomen, in verleczung seins leibs ime | zu hoen, schaden, yer- 
driß und injurien; und ein solchs alles, das es ime von euch ge- 
schechen sei, euch beden und jedem in sein gewissen gestalt und 
zu bekennen oder zu verneinen heischet. Wan sich dan die menge- 
lunge, darinne er also geschlagen, gestochen und geschossen sal sein, 
nicht änderst dan nach vermeldung euer schrifb begeben hette, also 
davon das Friderich und die seinen den euren in der anrennunge 
nicht hetten berichten wollen und sich also in kämpf zu der were 
gestalt, darüber ir beiderseit den euren zu helfen forder zu schlegen 
gekommen seint, darunder Friderich gefangen genomen, das er sidi 
und die seinen gein euch verurfedet und ir sie darauf von stund 
auf dem plane an ergeltnus losgezelt, des Friderich die urfede, von 
sich und den seinen geschechen, in seiner schult also berurt, selbst 
anzeigt und bekennet: Wes dan dem gemelten Friderich, des also 
sein schult meldet, in sulcher geschieht vor der gefenknus und seiner 
vorurfede widerfaren und mit ime gehandelt, das do also ime und 
mit der urfede verfast und hingelegt ist, dapei muß er es durch 
recht lassen pleiben, und ir seit ime darüber ein sulche weiter ant- 
wort oder ichts zu tun nicht pfliehtig. — Wo er aber der getanen 
urfede nicht gestanden und ir denn sunst nicht zu beweisen bettet, 
und ir ime auch ein solchs, wie mit ime gehandelt auf den inhait 
[der] schult nicht verneinen, noch mit eurem eide entprechen woldet: 

Hl. 163Bmustet ir ime das alles, was ime in sulcher einigen geschieht mit 
Verwundungen und änderst geschechen, auf die höchste verferang. 
also er kampfer verwundt gewest, mit einem halben wergelde, das 
sein IX pfund pfundischer pfenning und machen IX feine mark 
Silbers, mit silber oder pagmente nach des feine mark silbers werde 
verpessem und abtragen, und darüber werd ir ime dan auch forder 
umb keines mer pfliehtig. Ir seit auch darumb, so ir ime die puB. 
die ir ime vor recht pfliehtig seit, verteilt werdet und ir ime die 
geben wurdet, nicht erlös noch also zu erkennen, sunst habt ein 
sulchs, was er euch auf euer gewissen gestalt, widerumb auf sein 



[413. 414] 291 

gewissen nicht zu pringen, euch auch mit den andern stucken, in 
euer schrift zu beschütz forgewant, nach gestalten Sachen nicht zu 
behelfen. Von rechtis wegen. 

Forder in der Sachen euers armen mannes und Friderich von 
Erich sprechen wir obgenanten schöpfen vor recht: Seintmal euer 
arm man denselbigen Friderich umb das erste nach Vermeidung 
euer Schriften auf der freien straßen darnieder gehauen und vor 
tot habt ligen lassen, das er in der krankheit wagen und pferd 
und was er hat, verzert, zu beclagen hat: Ean sich Friderich da> 
gegen mit einem sulchen, das er in jare und tag darumb nicht 
beclagt habe, der antwort nit aufhalden, | sunder als die schult ^i'- ^^^^ 
auf sein gewissen gestalt ist, muB er darzu antworten mit ja oder 
nein. Und wu er ime des emiderhauens bekennen wurde, und der 
man darinne kampfwirdig verwundt oder sunst verlernet wer wurden, 
das die verlemnus einer kampfwirdigen oder kampfwarn wunden zu 
vergleichen were: muß er die ime mit einem halben wergelt von 
rechte verwandeln und verpußen. So er aber die schult mit nein 
verantworten wurde: must er sich des mit seines eines band auf den 
heiligen, wie recht ist, entledigen und abnemen, und were ime dan 
darüber von derselbigen schuld wegen nichtis pflichtig. Von rechtes 
wegen. 



• 414 

Vgl Nr. 416. 

Was und wie ein eeman on sonderlich volmacht und ge- 
walt alle seines weibes veterlich, bruderlich farende und 
ligend guter, sobalde er des weibs pettbrett beschreit, als 
Vormunde pillich zu forderen hat. 

Sprechen wir schöpfen zu Leipzk darauf Vorrecht: Wiewol diese 
clage, so genanter Nickel Poser wider bemelten Nickel Fritzschen, 
seinen schwager, angestalt hat, farend und ligend gründe belangend, 
dannoch gleichwol so derselbig Nickel Böser, sopald als er bemelten 
Seins eeweibs pettbrett beschritten hat, desselben seins eeweibs und 
aller irer guter Vormunde worden ist, und das recht ime auch solche 
Vormundschaft zulest: So hat er dise seine clage anstatt gedachts 
seins eeweibs desselben | seins weibs 'veterlichen • und bruderlichen Bl. 164]« 
erbteils und angefelles halben wider genanten Nickel Fritzschen on 
sonderlich volmacht und gewalt desselben seins weibs wol angestellen 
mögen; und derselb Nickel Fritzsch muß ime derhalben zu solchen 

19* 



292 [414. 415. 416] 

seinen schulden antworten und mag vermittels seiner vormeinier 
schutzrede sich dawider nicht behelfen. Von rechtes wegen. Ver- 
sigelt. 

415 

Outen Heinrichs vorgestelten gezeuge wider Schram- 
men, die von Guten Hansen an seinem siechbett etzlich 
bekantnus gehört; wie sulcher gezeug sali creftig ange- 
sehen, auch welch gestalt des kranken bekantnus und 
forder der gezeuge von uncreften sein soll, etc. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk darauf vor recht: Wan die- 
selben gezeugen ir aussage mit iren leiplichen eiden, wie recht ist, 
Sterken werden, alsdan volfurt derselbig Gute Heinrich sein be- 
weisunge damit genugs'amlich zu rechte und genoß derselbigen seiner 
beweisung pillichen. Es were dan, das der genante Hans Schranune 
dargegen, wie recht ist, mochte zubringen, das Gut Hans die zeit, 
als er sein bekantnus verdachten zeugen sal getan haben, nicht 
guter Vernunft gewest were ader das ine der genant Gut Heinrich 
underweiset hett, was er gezeugen solte. Wan wu er sulchs Trarde 
zupringen, alsdan were sulch gezeugnus von uncreften und untng- 
lieh. Von rechtes wegen. 

416 

Vgl. Nr, 414. 

Hl. ICöA Nickel Posers ansprach seines eeweibs halben wider 
den Fritzschen als seinen schwager etc., do ausgedruckt, 
wurmit ein vater sein kinder, bruder und Schwester, etc., 
auch in welcher zeit sich die ansprach verjaret, etc. 

Sprechen wir schöpfen zu Leiptzk vor recht; und erst auf die 
erste schult und antwort bemelter parteien, das angezogen veter- 
liche erbe bemelten Nickel Posers eeweib belangend:. Ist des ge- 
nanten Nickel Posers eeweibs vater, seliger, verstorben und hat drei 
sone, under den Nickel Fritzsch einer, und zwu tochter, under den 
genanten Nickel Posers eeweib eine gewest ist, und dameben* erb 
und gut, farend und ligend, nach sich gelassen; so hat er dieselben 
seine gelassen guter, sie seint farend oder ligend, auf dieselben 
seine fünf kinder zugleich nach erbfalles recht gebracht, gefeUet 
und geerbt. Und bemelter Nickel Fritzsch, der sich derselben guter 



416] • 293 

allein soll anderzogen haben, muß bemelten Nickel Posers eeweibe 
iren geporlichen teil daran lassen nnd ir oder gedachtem irem eeman 
an irer statt umb die nutzung, so er von denselben gutem bishero 
entpfangen und eingenomen hat, bescheid, rechnung und ausrichtung 
auf ire anzal tun. Es wer dan, das derselb Nickel Fritzsch und der 
oder die andern, an die sulche guter kommen sein und die sie itzund 
inne haben, dieselbigen guter rerwerte zeit des rechten, das ist 
dreißig jar und jar und tag besessen und inne gehabt, inmaßen 
derselbig Nickel Fritzsch gesaczt hat, und genanter Nickel Poser 
noch sein eeweib binnen sulcher langen zeit sulche guter rechtlich 
nit angesprochen, noch iren yeterlichen erbteil nicht gefordert hellte; 
oder so genanter Nickel Fritzsch die|selben guter nach der zeit, dasBL. lOon 
er pei sieben jaren besessen und inne gehabt, einem andern verkauft 
und ime die in seine gewer gelassen. So dan sulcher bemelter Nickel 
Poser und sein weih bewust were gewest und sie, doch sulche bewust 
rechtlichen nicht hetten gefordert, abermals sulche ire veterlich an- 
gezogen gerechtigkeit auf denselben gutern binnen jar und tag nach 
solch bewust rechtlich nicht hetten gefordert, derwegen auch genanten 
Nickel Fritzschen nicht hetten angesprochen, so hetten sie sich nun 
zu einer zeit an der ansprach sulcher angezogner veterlicher ge- 
rechtigkeit verseuropt und verschwigen. Oder so egenanter Nickel 
Fritzsch auf seine anmaßung, wie recht ist, zupringen mocht, das ime 
seine bruder und der genant Nickel Poser in der eestiftunge, als er 
sich mit seinem ^eeweib vereelicht, zugesagt oder das also beredt wer 
worden, das ime dieselben seine geschwistert und schweger sulche 
guter lassen weiten, alsdan hett er sich aus craft sulcher zusage, in 
der eestiftnng ime geschechen, pillichen gehalden und wer dem ge- 
nanten Nickel Poser noch seinem eeweibe derwegen etwas zu vor- 
gelassen oder zu geben, noch umb die entpfahung der nutzung be- 
schied oder rechnung zu tun nicht schuldig. Von rechtes wegen. 

Zum andern mal sprechen wir genanten schöpfen auf die ander 
schult und antwort bemelter parteien, des genanten Nickel Fritzsch 
zweier verstorben | bruder gelassen guter betreffende, vor recht: Bl. i66A 
Haben zwene des genanten Nickel Fritzschen und bemelten Nickel 
Posers eeweib gebruder ein gut im dorf zu Groba mit einander ge- 
habt und seint bede verstorben und haben dasselbig gut und dar- 
neben ir geschwistret, als genanten Nickel Fritzschen und genanten 
Posers eeweib, nach sich gelassen ; so haben sie dasselbig ire gut, das 
in iren j^unde und gewere verstorben, so durch den genanten Nickel 
Poser, wie Techt ist, mocht beweist werden, auf dieselben Nickel 
Fritzschen und gedachten Posers eeweib, ihre geschwistrete, zu gleich 



294 • [416. 417. 418; 

nach personell zal gefellet utid geerbet; und genanter Fritzsch als 
ein besiczer UQd inhaber desselben gnts lest gedachten Posers eeweib 
Iren gepurlichen teil pillich daran Yolgen und tut ir umb die ent- 
pfangne nutzunge pillich beschied und widerkerung, und mag sich 
durch die angezogne lehn und lang besiczunge allein, auf XX jar 
gei;^rundet, noch durch andere seine fumemen, wie er das in seinen 
Schriften dargegen hat aufpracht, dawider nicht behelfen. Von rechtes 
wegen« 

417 

Von hergepete, das der erbherre Yon rechtes wegen an- 
langt, und das doch pei lebendigem leib verkauft ist, etc. 

Bl. 166 B Ein landsesser von pauers art ist gestorben und hat gelassen her- 
gepete und auch kinder, tochter und einen son von fünf jaren, einen 
schuler. Derselb son hat das hergepete, das under seinem vater 
erstarbe, pei seinem gesunten leibe Terkauft und vertan. Der son ist 
auch gestorben, und do kompt kein schwertmoge, der sich zu dem 
hergepete ziehen will. Nun ficht der erbherre, des das gericht ist, 
die geschwistern umb das hergepete an, das under dem landsessen 
[erstorben war], das der son vertan hat, und das under dem sone, dem 
schuler, erstorben ist, und meint, seintemal sich kein schwertmoge 
darzu ziehn und finden will, man sal es ime antworten und geben 
von gerichts wegen. 

Hirauf : Seintmal der sone das hergepete,* das sein vater auf ine 
erbete, bei seinem lebendigen leibe verkauft und vertan hat, und ist 
on schwertmoge verstorben, so dorfen des verstorben son geschwistern 
dem erbherren von ires bruders wegen zu hergepete keins geben. 
Hett er auch an hergewete, das sein vater auf ine geerbt, bei seinem 
lebendigen leibe keins verkauft oder zu bereitem geld pracht, das 
under ime wer verstorben, das wer pei seinem lebenden leibe erb 
worden und hett das mit merem recht geerbet auf sein geschwistere^ 
dan der erbherre darinne gesprechen oder von rechtes wegen das 
geforderen mochte; etc. 

418 

Bl. 167a Von einem manne, dem sein son abermort ist, und ein 
teil pesserung daran entpfangen hat von dem teter, und 
der mann darnach ist gestorben on erben; wem nun das 
von recht mag gepuren. 



[418. 419j 295 

£in man [hat] gesessen auf dem lande in einem dorfe und ge- 
ricbte. Derselb man hat einen sone, erschlagen. Der todschlag 
leart dem Tater yersunet und verpessert mit gelde, und die pesse- 
range wart dem vater auch vergewist und yerpurgt. Dieselben pur^en 
nocli leben und haben der besserung ein teil geben und wollen das 
ander teil nicht geben und sprechen dem toden manne, dem sie ge- 
lobt haben, er bette das ander teil der pesserunge beschieden in 
seinem siechbett zu der kirchen; sie wollen niemand nichts geben, 
i^an sie dem hem noch dem goteshaus keins gelobt haben zu geben 
und wissen von ine keins. Nun pleibt der erbherre das pei rechte: 
Nachdem der man auslandisch gewest ist und in meinem dorfe und 
in j^ericht ist erstorben on leibeserben und er auch keinen einlandisch 
erben gehabt habe, der sich nach seinem tode in jare und tage zu 
seinen gutem gezogen hette mit rechte, ob ich mich nun icht mit 
recht zu desselben meines mannes toden gutern halden sali, da sich 
in jare und tag niemand zu gehalden hat, als recht ist, und ab der- 
selbe man in seim siechbett die pesserung seines sones, die under 
inxe erstorben, zu kirchen beschieden möge on der wille, auf die es 
mit recht erstorben ist, oder was recht ist. 

Bierauf: Nachdemmal der tode man keine erben, die sein gut Bl. 167b 
mit recht nemen mögen, gelassen hat; ist ein gelt von des todschlags 
wef^en seins sons ime gelobt oder verpurgt: So sollen die bürgen das 
geben und antworten dem gericht, do der man, [dem] die pesserung 
getan, innen gestorben ist. Und die purgen und der sachwalde kön- 
nen sich des keinerweis geschutzen. Was auch der tode man erbes- 
gutes gelassen hat, das soll nemen das gericht, do der inne gestor- 
ben ist, seintmal niemand komen ist in jare und tag, der von sippe 
halben das gut gefordert hett. Von rechtes wegen. Versigelt. 

419 

Wie soneskinder und [tochterjkinder ^j gut erben, das 
der vater auf sie geerbet hat nach gleicher teilunge. 

Ein man ist gestorben, der hat gelassen erbegut an äckerii und 
an schulde, und zu den gutem hat gelassen etzliche sonskinder und 
tochterkinder. Nun frage ich, sonskind, ap ich meins eldernvater 
gut nicht neher sei zu behalden, dan tochterkind mir darein zu 
sprechen haben. 

1) Vorlage: schwesterkii&der. 



296 [419. 420. 421 

Hirauf : Was der tode man an erbe und an gut gelassen hat^ dis 
hat er geerbet auf seins sones und tocbter kinder Ton ToUer gepnri 
zu gleicher teilung. Von rechtes w^en. 



420 

Von einem verstorben manne, der ein eelich weib und 

kinder gelassen hat, und der elderyater hat die kinder in 

Rl. 1€8a Vormundschaft genomen und | meint, der kinder muter 

nicht rechnung zu tun; was darumb gleich und recht sei 

Ein man ist gestorben und hat ein eelich weib und kinder nacli 
ime gelassen, und das weib' ist gesondert aus den gutem und von 
iren kindern. Der verstorben man hat gelassen einen eelichen vater, 
dem die kinder in Vormundschaft zugeteilt sein. Nun tritt der vor- 
genanten [kinder] 1) muter her und spricht, seintdemmal das er ir 
eelich kinder in Vormundschaft entpfangen hat, ir gut zu pesseren 
und nicht zu ergeren, und sie ein recht erbneme sei zu den gutem, 
ap got über ire kinder gepote, ap er nicht muglichen von meiner 
kinder wegen mir rechnunge und ausrichtung von jare zu jare tun 
oder pflegen solle, oder was recht sei. 

Hierauf: Nachdemmal dem manne die kinder mit irem gute in 
Vormundschaft zu nemen zuerkant sein, do sol er der kinder muter 
und der kinder freuntschaft sulch gut, als die kinder haben, alle 
jare berechnen mit dem frommen, [so] den kindern zugegangen ist, 
und sal auch den kinderen ire gut verpurgen, das er ine zu unnutz 
nicht abgehe. 

421 

Von vergiftunge mannes und weibs nach diesen nach- 
geschrieben Worten. 

N. hat gegeben B., seiner eelichen wirtin, alle seine erbteil und 
sie ime wider, also das sie mit der gäbe ein gleich Wechsel gemacht 
haben mit allen gutem, die sie gewunnen oder noch gewinnen mögen. 

Seintmal N. seiner eelichen wirtin gegeben hat alle seine erbteil 
und sie ime wider nach den Worten, als vor geschrieben stet, so 
haben sie sich mit sulchen Worten wie oben vergift. Von rechtes 
wegen. 

1) Vorlage: frauen. 



[422] 297 

422 

Abschrift der Entscheidung ohne Anfrage auch in Hs. ZwickaUj 
BL 365^-356^, Nr. 47, 

mit Nr. 631 der Vorlage. 



Von gerade, die der yater der tochter zu gute t erkauft Rl. 168 h 
und zu gelde gemacht hat, das zu erbe gehört. 

Heinrich hat geclagt zu Rochlitz vor gehegter pank von K., meiner 
eelichen wirtin wegen, als irer rechter Yormund zu N. meinem eiden, 
also das | ich habe gehabt ein tochter, genant M. Die habe ichßL. '2U7n 
gegeben N. Beringer zu einem eelichen weibe. Die ist verstorben 
und hat hinter ir gelassen ein gerade; mit der gerade sie bestat ir 
knit, das sie mit dem genanten Beringer gezeugt hett. Nun ist das 
kind auch gestorben in derselben wochen nach seiner muter tode, 
und das die gerade ganz und gar auf K., mein eeliche wirtin ge- 
storben sei, es sei wenig oder viel, so sie negst spindelmoge ist, also 
sie erstorben von M., des kindes muter und die wolde er nicht geben, 
es gescheche dan mit gerichts hülfe.. — Antwort: Zu der antwort 
iat komen der genant N. Beringer und hat gesprochen, er bekenne 
mir der gerade und pit die. Des habe ich meine beweisung in ge- 
hegte pank. Nach der beweisung hat der genant Beringer ein urteil 
gefeilet, wie das sein urteilsbrief ausweist. Gegen seinen urteil habe 
ich, genanter H., gefragt in gehegte pank^ seintdemmal das N. Be- 
ringer mir der gerade in gehegter pank bekant, ap er mir von mei- 
nes weibs wegen icht durch recht die gerade ganz und gar reichen 
und geben soll als volkomen, also sie von erste erstarbe von M. 
meins | weibs wegen und meiner tochter, so doch der genant Beringer Bl. 298 a 
nach dem kinde keine leibsnot hete, darumb man die gerade hett 
dorfen verkaufen oder verzeren von des kindes wegen, als M. mein 
tochter dem kinde erbs und guts alsovil ließ und es damit erstarb, 
das es der vater manche jar wol mit emert bette etc. 

Darauf antwort ich N. Beringer ^) : Ich habe gehabt ein eeliche 
wirtin im weichpilde zu Rochlitz, so ir got genade. Die hat gelassen 
ein meidelein XIV wochen alt, auf das die muter mit rechte die 
gerade geerbet hat. Nun habe ich die gerade pei meins kindes 
lebendigen leibe eins teils verkauft und zu bereitem gelde gemacht, 
dem kinde zu gut und fromen, also als es der gerade nicht gebrauchen 
künde, und darnach ist das kind gestorben. Nun ist des kindes 

1) Bis hierher ist der in Nr. 422 der Vorlage fehlende Text aus Nr. 631 
exgänit. 



298 [422. 423 

eldermuter [komen], die gerade forderen zu mir. Die gerade faib 
ich ir gepoten zu reichen, die do Ton meines leibeserben pei mir 
erstorben ist, bewost einer gehegten pank, biet ich sie noch. Dmb 
stuck, die zu erbe gemacht seint pei meines leibeserbes lebendigen 
leibe, des pleibe ich pei recht, ap ich des geldes und erbes yob 
meins erben icht neher verstorben sei oder ap ich der eldermuter 
Bl. '298b oder jemands icht pflegen soll von rechtes wegen i). 

Hierauf: Was die tode frau von gerade gelassen hat, das hat sie 
geerbet auf ire tochter. Hat auch der yater derselben gerade pei 
dem lebendigen leibe icht yerkauft oder zu bereitem gelde gepracht, 
das ist pei des kindes leben erbe worden, und das hat das kind 
geerbet auf sein vater. Was aber von gerade da plieben ist, das 
under dem kinde erstorben, die gerade hat das kind geerbet auf sein 
eldermuter, und die gerade sol der man geben des kindes eldermuter 
und nicht mehr. Von rechtes wegen. 



423 

Ab halbe Schwestern von vater halb neher seint, dann 
von muter halb. 

Eine frau ist gestorben auf dem lande, und hat drei tochter ge- 
lassen. Die ein tochter hat ein man genommen und ist gezogen ans 
irem veterlichem erbe. Nun ist dieselbe frau gestorben und hat 
gelassen ein kind. Das kind ist auch gestorben und hat gelassen 
Bl. 169a erbteil. | Das ist auch anerstorben. Nun hat das tode kind gelassen 
ein halbschwester vater halb. Nun feit die halbschwester hero und 
teidingt in die guter, die der eldermuter gewest sein, und will haben 
gleichen teil gleich den zweien Schwestern, die der muter Schwester 
inne haben, oder was recht sei. 

Hierauf: Seintmal das tode kind verstorben ist, was es dan gute 
und erbs gelassen hat, das hat es geerbt auf seine halbschwester 
vater halb mit merem rechten, dan auf seiner muter Schwester. Und 
wil die halbschwester teil nemen in des todes kindes eldermuter gut, 
so sal sie wider einlegen, was des kindes muter aus dem gut ist 
worden. Ist aber dem kind icht änderst gut anerstorben, oder ist 
icht guts mit dem erarbeit oder erworben, das darf die halbschwester 
nicht in die teilung pringen, sunder allein was des kindes muter aus 
der eldermuter gut ist worden; oder die zwu Schwestern so guten 

1] Die letzten zwei Sätze sind aus Nr. 631 ergänzt. 



423. 424. 425. 425a. 426] 299 

seil [mögen], als des toden kindes muter worden ist, zu voraus nemen, 
und das ander gut sollen die ander gleich teilen. Von rechtis wegen. 
Versigelt. 

43A 

Von gut, darzu sich zeucht ein eldermuter und bruderBL. 109it 
von halber gepurt. 

Ausgangsort des Spruches nicht angegeben, 

Abschrift der Entscheidung ohne Anfrage auch hi Hs. Zioickau, BL 358^, 
Nr. 67. 

WesenÜich gleichlautend mit Nr. 655 der Vorlage. 

Gedruckt ohne die Überschrift bei Wasser schieb en^ Sukxcssiofisord'- 
nunffy S. 172y Absatz 2. 

425 

Oedruekt ohne die Überschrift bei Wasser schieben^ Sukxessionsord- 
nung, S. 172^ Absatz 3. 

Von bruder und sones kindern. 

Was der tode man erbs gelassen hat oder guts, das hat er ge- 
erbet auf seinen bruder mit merem rechten, dan auf seins sons kind. 

425a 1) 

Haben auch der man und die frau icht an bereitem gelde aus- 
gelihen, das die schuldiger der frauen mitgeredt haben und so in 
der frauen gelobde ist verstorben, das die schuldiger der frauen be- 
kennen, das sollen die schuldiger nach iren gelobden und bekentnus 
der frauen ganz und stete halden; [von rechts wegen] *^j. 

426 

Abschrift auch in Hs. Zwickau, BL 357^, Nr. 59. 
Identisch mit Nr. 646, der Vwlage. 

Was einer frauen nach ires mannes tode solle volgen 
von den gutern. 

Was der tode man seinem weibe gedingt oder gelobt, als recht 
ist, und darzu das zu irer gerade gehört, das volgt der frauen nach 

1) In der Vorlage ist dieser Sprach mit dem vorigen (Nr. 426) unter der 
gleichen Überschrift vereinigt. 

2) Vorlage: oder was recht ist. 



300 [426. 427. iäS, 

ires mannes tode. Ist der fraaen icht anerstorben Ton iren kinder^, 
das soll der franen darza volgen an hindemus der kinder und der 
kinder freund. Von rechtes wegen. 



14. Jahuh. 427 

Abschrift (kr Entscheidung ohm Anfrage aivcii in Hs. Zwickau^ El. 356^. 
Nr. 53. 

Einzelne Sätze sind gedruckt hei Christian Oottlob Haltaus, Glossarium 
gernianicum medü aevi; Lipsiae 1758^ Spalte 1645, sub vaoe sehas; da- 
selbst wird der Spruch bezeichnet als ^responsum scabinorum ■Ma^deburgat- 
siuni saec, XIK< 

Wie ein kind nach seinem tode erbet sein gut in seiner 
muter schoß. • 

• 

Bl. 170 a Ein man ist gestorben von der frauen und hat gelassen zwen 
kind, und ein kind ist gestorben. Nun meint die frau, was das kind 
erbs und guts gelassen hat, das hat es geerbt in ire schofi. Nun 
meinen die freunde des kindes, der frauen sei ir dritteil zn gebes 
nach des [landesj^) gewonheit, oder was recht sei. 

Hierauf: Nachdemmal das kind nach seines Taters tode gestorben 
ist, so hat es seinen teil erbs und guts, damit es sein vater beerbt 
hat, geerbt in seiner muter schoß. Und habt ir sonderliche gewon- 
heit, den dritten teil zu geben oder zu nemen, do pflegen wir nicht 
über zu rechten. 



428 

Von bescheiden gut, wie es craft hat. 

Seintemal üans von G. in seinem letzten willen mit Vernunft 
und guter redligkeit zu einem selgeret die I^ fl. mit X fl. zins, die 
Heinrich B. ime und seinen erben verschrieben hat und ime schuldig 
was, bescheiden und vermacht hat der kirchen zu Merseburg und der 
Pfarrkirchen daselbst in kegenwertigkeit A. und B., seiner Schwestern, 
die seine negste erbnemen darzu warn und zu der bescheidung iren 
willen gegeben haben und dawider nicht sprachen, das man gezengen 
mag mit leuten, den wol zu getrauen und zu glauben; ist nun das 

. — t 

1; Vorlage: kindes. 



[428. 429] 301 

Terstorben hanptgeld von seinem erarbeiten und erworben gute, 8o 
mocht er das in seinem letsten willen wol mit Tollwort seiner negsten 
erben, die dorein nicht gesprochen haben, bescheiden und vergeben. 
Und nachdemmal denn tumbprobst und Schulmeister etc. in zusagen, Bi.. i :o » 
das der vorgenanten frauen eelicher wirt sich aller forderung von 
seiner eeUchen wirtin wegen haubtgeldes und zins genzlichen und 
^lliglichen verziegen haben, das sie kuntlich [tun] und erzeugen 
mögen ; ist dan, das der frauen eelich wirt sich der ansprach verziegen 
haben in sulcher statt, do es craft oder macht gehaben mocht, das die 
vorgenanten herren erzeugen mögen mit rechte: so seint sie die 
zwene damit neher zu überzeugen, dan sie nein darfur gesprechen 
mögen. Eunnen die obgenanten tumbhem nicht gezeugen, das sich 
die zwene solcher forderung der Sachen verziegen haben an sulcher 
statt, da es craft oder macht gehaben mocht, und seintemal das sie 
das letste stuck in ire antwort seczen auf kundschaft und gezeugen^ 
so mögen die zwene darzu antworten ja oder nein. Sprechen sie dan 
zu der schult, zu der kundschaft und zu dem gezeuge [nein], so 
mögen sie der Sachen ir itzlicher besonder entgeen und unschuldig 
werden mit den gezeugen selbdritt auf den heiligen, ob sie darfen 
so yerre und sie des gezeuges nicht leiden wollen. Und den brif, 
den die tumbhem über hauptgut und zins inne haben, soUen sie 
möglichen vor der schiedung furpringen und pei einem zu getrauer 
band legen so lang, das der ine mit recht zu- oder abgesprochen 
werde. 



429 

Abschrift der Entscheidung ohne Anfrage aiwh in Hs, ZicickaUy Bh 357^ 
bis 358^, Nr. 62, 

Identisch mit Nr. 650 der VorUige. 

Von gerade zu fordern, dargegen sich der man mit derßL. iTi.v 
stat wilkore schützt. 

Eän man ist gesessen im weichpilde; dem ist sein eelich wirtin 
gestorben. Dieselbe sein wirtin hat gelassen ein tochter, die sie 
gehabt hat pei irem ersten manner Die fordert zu irem vater und 
zu irer muter gerade und will die gar haben, was sich nach rechte 
zu gerade gehört. Und dieselb tochter ist vor zeiten abgesondert 
nach ires vaters tode. Nun meint der man für sich, sie sei kein un- 
bestatt kind und will forder die gerade haben dan ein spilmoge, 



302 [429. 430. 43i: 

nachdemmal die statt ein köre hat, das man gerade gibt nach der 
statt köre, ap er pei der köre icht neher sei zu pleiben, die gerade 
zu geben, wan in sein Stieftochter keins hoer noch fordere dringen 
möge Ton rechtis wegen oder was darumb recht ist, und ab ir das 
za keinem frommen mag kommen, das sie furnemen, sie solle forder 
gerade nemen wan ein spilmoge. 

Hierauf: Haben die leut des weichpildis, do die gerade innen isi 
verstorben, sunderliche köre oder gewonheit, die gerade za geben 
und zu nemen, so sol der toden frauen tochter irer muter gerade 
nach solcher köre und gewonheit des weichpildis, die gerade zu 
nemen, auch nemen, und kan im stiffater über die köre und gewon- 
heit des weichpildis die gerade zu nemen nicht hocher gedringen. 
Von rechtes wegen. Versigelt. 



430 

Hl. I71n Von gäbe wegen, die machtlos ist, darzu der Jude clagi 

Identisch mit der Etiisclieidung Nr, 661, woselbst auch die an dieser 
Stelle der Vorlage fehlende xugehörige Anfrage steht. 



431 

Vgl, Nr, 640 und die Vorbemerkung daselbst. 
Abschrift auch in Es, Zudckau, Bl, 357 ^^ Nr, 54. 

Von verstorben gute, darzu sich ziehen tochter und 
tochter kinder. 

Was der tode man erbs und guts gelassen hat, das hat er ge- 
erbet auf seine tochter mit merem rechten, wan auf seiner tochter 
kinde. Hat auch der tode manne bei seinem lebendigen leibe icht 
gegeben seiner tochter kind vor gericht und ir darüber der lehnhem 
brief geschickt, mit der wissen die gäbe geschechen ist, und ist der 
man von todes wegen abgangen; hat dan der tochter kind oder ire 
Vormunde das gut oder das gelt, das ir verbrift oder gegeben ist, 
gefordert mit ansprach, als recht ist, in jare und in tag nach des 
verstorben mannes tode, als sie inlandisch und mundig gewest: So 
sol der tochter kind von der gäbe und verprifunge wegen volgen 
sulch gelt, als ir ir eldervater vor gericht gegeben und mit der 
lehnhern briefen verbrift hat. Von rechtes wegen. 



[432] 303 

432 16. Jaiirh. 

Vgl, Nr. 623 der Vorlage ^ wo die Anfrage im gleiefien Hechts faU in 
direkter Ffirm tmd mit Nennung der Parteinamen erscheint. Der Wortlaut 
der Entscheidung ist mit den unten verzeichneten Abweichungen an beiden 
Stellen der Vorlage der gleiche. 

Der erste Satz ist gedruckt bei Haltaus^ Glossarium j Sp. 1108^ s. v. 
koliixsch; daselbst wird der Spruch bezeichnet als ^responsum scabinorum 
Magdeburgensium saec. XF.« 

Von verstorben gut, davon [man] jerlich zwene ka-BL. 17'2a 
phanen zinst hat, die ime der lehnherr [vor] verliehn gut 
zugesagt und wie man die guter nach toder hand vor erb- 
zinsgut behalden sali, etc. 

Sprechen wir schöpfen vor recht: Seint rechtes gefragt nach 
diesen Worten: Ein man, gesessen auf dem lande, hat gehabt ein 
hufe landes, die ging und geet von dem erbaren man, und gab ime 
davon jerlich zwene kaphan und ein kolisch ^) auf das neujare^) zu 
zins; der kolisch ^) als gut was als VIII ald gr. oder pesser. Der- 
selbe man, der die hufe hat, der ging abe von todes wegen und liB 
nach seinem tode einen son in dem erbe unbestatt, den er mit der 
genanten hufen beerbet, und liB auch ein tochter, die er bei seinem 
lebendigen leibe ausgerat und einem man gegeben hat. Nun ist der 
son auch abgangen von todes wegen, der von seinem vater mit der 
genanten hufen beerbet was, eher der zinstag quame, und hat nach 
ime kein neher erbe gelassen dan sein Schwester. Dieselbe Schwester 
meint, sie sei beerbt mit der hufen von irem rechten bruder, davon 
das zwene kaphane auf das neujar und ein kolitzsch, der also gut 
was als VIII ald gr. oder pesser, jerlich zins davon geben haben, 
und solle ein erbzinsgut sein, und wil das erzeugen, wie recht ist. 
So meint der herr, die huf sei ime losgestorben, davon das der son 
on lehenserben abgangen ist, und solle lehngut sein und nicht | erb-Bi. 172 b 
'zinsgut, wan die kaphane und der kolitzsch vor ein ere entpfangen 
haben und genomen, und haben darumb nie clagt, noch niemand 
gedrungen, noch gemont. Und habe das gut ine gehabt jare und 
tag on rechte widersprach. Ap ich die guter icht neher zu ver- 
treten und zu verantworten [sei] und wie ich sie verantworten soll, 
wan es mein recht lehngut ist und zu meinem rechten besessen habe 
jare und tag. Und pin von ime mutende ein were, wan er in dem 
gericht nicht gesessen ist. 

1} Haltaus: kalaczsch. 

2) Bei Haltaas eingefQgt: zu Remse. 



304 [432. 433 

Hierauf: Seintmal der erber man^) Yor seiner antwort mutende 
lind begerende ist von N. ^) ein gewer, die were sal ime N.'j pillicb 
vor der antwort geloben und tun. Und ist er zu der were nidii 
genug beerbet, so sal er die vorpurgen mit leuten, die genug darza 
beerbt und gesessen sein in dem gericht, do sich die Sachen inne 
verlaufen hat. 

Damach sprechen wir^) auf schult und antwort vor recht: Nach- 
demmal Hans'^) das gut, das seiner eelichen wirtin von irem brader 
angestorben ist, seiner wirtin [vor] erbzinsgut zusagt, so ist er, als 
seiner wirtin furmund oder seine wirtin desselben guts vor ir zins- 
[gut] neher zu vertreten und zu behalden ^] selbsiebend un bescheidner 
leut an irem rechten auf den heiligen, dan ime ^) los worden sei und 
das er [on] ansprach jär und tag besessen habe, zugesagen muge, 
sintmal die frau des guts mit dem verkauften zins neher zu ver- 
treten und zu behalden ist, als vor geschrieben stet zu erbzinsgut 
Ri.. lT3Adan der herr darein gesprechen möge. | Und^) zu den stucken, do 
der erbar man Hans N. *) nein zu spricht, das mufi er unschuldig 
werden mit seins eins ^^) band auf den heiligen, ap er darf. Was er 
ime auch bekant mit underscheide^ die underscheide soll er auch 
beweisen mit seines selbst band auf den heiligen, ap er tar. Tod 
rechtes wegen. Versigelt. 



433 

Von Vergiftung mannes und weibes vor gehegter bank 
und von schulde des verstorben mannes, das die schul- 
diger der frauen bekennen. 

Mann und weib, gesessen im weicbpilde, die bede gut mit ein- 
ander erarbeit haben an gelegenlichen gutern, an farender habe und 
woran sie das zu irem pesten nutze und gewinne erkennen mochten. 

1) In Nr. 623 der Vorlage steht hier: Ludwig von Selbitz. 

2) Nr. 623: von Hans Tichzens seiner schulde . . . 

3) Nr. 623: Hans Tichzens. 

4} Nr. 623: eegenanten schöpfen. 

6) Nr. 623: Hans Tichzens. 

6} In Nr. 623 folgt hier noch : selbsibend irer erbgenossen, ab er oder [sie] 
die haben können, oder . . . 

7) Nr. 623: Ludwig von Selbitz dasselbe gut, das ime . . . 

8) Nr. 623: Auf wort und . . . 

9) Nr. 623: als Ludwig von Selbitz Hansen Tichzens . . . 
10) Nr. 623: selbst. 



[433. 434] 306 

Und der man ist mit seiner wirtin gegangen vor gericht and gehegte 
pank und hat dasselbe erarbeite gut und alles, das er hat oder imer 
gewänne, seinem weihe gegeben mit redlicher rechtlicher gerichts- 
gäbe, wissentlich richter und schöpfen. Und dieselbe gäbe hat die 
frau öffentlich in gericht yerkundigb nach gewonheit und gerichts- 
recht, ap die jemand widersprechen wolle. Darein hat niemand ge- 
redt noch gesprochen bei des mannes lebendigen leibe. Nun ist der 
man gestorben on leibeserben. Nun sprechen des mannes erbnemen 
der frauen in die guter; und haben sie die doch nicht widersprochen 
pei ires mannes lebendigen leibe, also sie einlandisch in dem weich- 
pildegericht warn, do die gäbe verkündigt wart vor gericht, als oben 
geschrieben stet. Auch hat der man die wol erarbeit [guter], alle 
schulde, die er ires erarbeiten guts auswendisch dem weichpilde hat, 
lassen geloben seinem weihe, die sie von den schuldigern hat | in Bi.. 173 b 
ire gelobde gewere; ap sie der schulde etc. 

Hierauf: Kan die frau erzeugen mit richter und mit schöpfen, 
das ir *ir eelicher wirt vor gerichte und gehegter pank aufgelassen 
und gegeben hat alles, das er hat oder imer gewunne, und das die 
fraue die gäbe also on rechte widersprach eingenommen und ent- 
pfangen, also das des mannes erbnemen in dem gericht, da die gäbe 
inne geschach, gesessen seint und [die] gäbe nicht mit recht wider- 
sprochen haben; was dan der man erbs und guts und farender hab 
gelassen hat, das hat er geerbet von der gäbe wegen mit merem 
rechten auf sein wiitin, dan ir sein erben darein gesprechen mögen. 
Von rechtes wegen. 

Hat auch der mann, dieweil er lebte, ausgeliehen an bereitem 
gelde, und hat seinem weih die schuldiger lassen geloben, und die 
schuldiger des bekennen, das die frau das gelt von inen in ire ge- 
lobde genomen habe, so sollen die schuldiger von des gelobden 
wegen der frauen halden und ir die schulde leisten und bezalen mit 
merem rechten, dan ir die erbnemen darein gesprechen mögen. 



434 

Vgl. Nr, 642 der Vorlage, wo die Anfrage im gleichen Rechts fall in 
direkter Form und mit Nennung der Parteinamen erscheint. 

Von verstorbener schulde nach toder haut t\x erweisen. 

A., B. etc. haben gut oder farende habe verkauft einem man. 
Der man' ist abgangen todes halb, und ist das gut, farend habe dem' 
A., B. etc. schuldig plieben. Und des toden mannes erbnemen zu 

G. KIsch, Leipziger Schöffenspruchsammluiig. 20 



306 [434. 435. 436^ 

der schulde nein sprechen, das doch die vorgenanten A., B. wol 
Bl. 174 a überzeugen | mit vil biderleuten, das der tode man das gut und 
farend habe schuldig plieben ist. 

Hierauf: Nachdemmal des toden mannes erbnemen nein zu der 

* schult sprechen, die ir tod freund dem A., B. [schuldig plieben und 

A., B.] ire schulde zu ine seczen mit gezeuge, so sollen die A., B. 

die schult beweisen nach toder mannes band selbsiebend auf die 

heiligen, ap sie tum. Von rechtis wegqn. 

435 

Identisch mit Nr. 758 der Vorlage, * ^ 

Von gerade, in landgericht verstorben. 

Ein man hat geclagt von seins eelichen weibs wegen zu H. umb 
ein gerade imd was darzu gehört, die im landrecht verstorben ist 
und die frau die negste darzu ist; das H. [bekannt] i) hat vor ge- 
rieht und gehegter pank, er wolle ir das gern geben, sein erbherre 
hindere ine daran; nun H. die hinderunge selber gemacht gegen 
seinen hem; da hat er ine auch umb beschuldigt, und meint der ob- 
genant man, die gerade solle seinem weihe zugehoren nach der stat 
köre, die im landrechten verstorben ist. 
^ Hierauf: Nachdemmal die gerade und des H. weihe im land- 
gericht verstoi-ben ist, so hat die frau ir gerade, nach landrecht zu 
geben, geerbt auf Friderichs wirtin, im weichpilde gesessen; und 
kan Friderich an der gerade zu geben nicht zu hulf kommen, das 
die von Dobeln ir gerade aus weichpilde und darin nach der statt 
gewonheit pflegen zu geben. Sonder als die gerade im landgericht 
ist verstorben, also sal er die gerade nach landrecht geben. Und 
Bl. 174b als H. beschuldigt wirt, das er das gemacht habe, das die | gerade 
sei verkommert, darzu sol er antworten ja oder nein. Und ist die 
gerade ime von dem erbhern verkümmert mit gericht, so soll [er] 
die gerade pillichen entwem und von seines weibs wegen mit recht 
gewinnen. 

436 

Verkürzte Abschrift der Entscheidung ohne Anfrage auch in Hs. Ztüichm, 
Bl. 355^, Nr. 43. y 

Identisch mit Nr. 627 der Vorlage mit den unten in den Anmerkung 
verzeichneten Abiveichungen des Wortlautes. 

1) Vorluge: geclagt; lichtig der Wortlaut in der identischen Nr. 758 der 
Vorlage. 



[436] 307 

Von erbe zu besiezen jar und tag. 

Ich, Albrecht, bitt euer furnemen Weisheit, mich des rechten zu 
onderweisen nach disen nachgeschrieben Worten ^). Mein vater, seliger, 
gesessen auf 'dem lande, ist verstorben und ließ unser fünf, bruder 
und ffeschwistere, und unser eelich muter ^J. Und dhweil unser vater 
lebte, 80 bereitet 3) er unser schwesteren zwue^) und gab meiner 
Schwester ein f) seins geldes ein teil, das er gelobt hat. Und nach 
unsers vaters tode gab ich, Albrecht M.*), meiner Schwester ^J unser 
vater guter also vil und also gut, als mir und anderen geschwistem ^) 
aus unsers vaters gutern wart nach gleicher teilung*) Da behilt 
ich, Albrecht ^), zu meinem teil unsers vaters erbe, wan ich nach 
der zeit R. ''), meiner Schwester, das erbe gern gelassen hett oder 
andern meinen Schwestern oder brudern, und hett also vil geldes 
genomen, als meiner Schwester R. '') aus unsers vaters gutern geldes 
mit wart. Darnach nam ich, genanter Albrecht ^), ein weib in meines 
vaters erbegut i<^), und [hab] mit meiner arbeit meins vaters erb und 
gut gepessert, und hab in nutzlichen lehn und geweren | besessen, Bl. 175a 
gebraucht und gehabt wol XVIII jar und lenger on alle einspräche, 
das mein Schwester noch bruder in solcher laugen zeit darein mit 
recht nie gesprochen haben. Nun spricht mir mein Schwester R. ''j 
aller erst darein, die wol XXIV ^i) jar geschwigen hat, und spricht, 
sie habe sich ires vaters guter nie verziegen und pleibe des 
pei recht *2), 



1) Dieser Satz fehlt in Nr. 627. 

2) Zusatz in Nr. 627: die noch lebet. 

3) Nr. 627: berate. 

4) Zusatz in Nr. 627: und gelobt ine geld mitzugeben auf seinen gutern . . . 

5) Zusatz in Nr. 627: genant Richling. 

6) Nr. 627: Mulner. 

7) Nr. 627: RichliDg. 

8) Nr. 627: mein schwestem und kindern. 

9) Fehlt in Nr. 627. 

10} Zusatz in Nr. 627 : das mir zu meinem teil wart von meins vater guter. 
Dieselbe meine wirtin pracht zu mir gut und habe und ich habe mit irem 
gut ... 

11) Nr. 627: XVIU jar und lenger. 

12 Zusatz in Nr. 627: nachdemmale meins vater erbe in der zeit unser 
teilnng also geringe was, | das ich gern Richling meiner Schwester teil, das irßr.. Q9:J a 
wart an gelde, dafür genomen hett, und ich dasselb nach meins vater tode 
mit meins weibes gutern und meinem erarbeiten gelde gepessert hab, und 
hab das in nutzlichen geweren und lehn besessen und gebraucht wol XYItl 
jare oder lenger, das mit recht mir niemand darein gesprochen hat und noch 
habe. Ap mir nun Richling, mein Schwester, keins darein gehalden oder ge- 
tragen mnge von rechtes wegen. 

20* 



308 [436. 437. 438. 439] 

Hierauf: Seintemal der man das erbe besessen und gehabt hat 
jar und tag und also wol lenger und XVIII jare on seiner Schwester 
oder jemands anders rechter ansprach, also sein Schwester einlandisch 
gewest ist, so ist er des erbes neher zu yertreten und zu behalden, 
dan ime sein Schwester darein gesprechen oder das anforderen mag. 
Und das kan den Schwestern nicht zu hülfe komen, das sie sich des 
erbes nie yerziegen haben, sintemal sie ir recht, ap sie keins daran 
gehaben mochten, in der jarzal daran verschwigen haben. Von 
rechtes wegen. 

437 

Zu gut zu clagen ou rechtlich gepot, do die clage 
machtlos ist. 

Identisch mit der Entscheidung Nr, 629^ wo sich auch die an dieser 
SieUe der Vorlage fehlende zugehörige Anfrage findet. 



438 

Bl. 176b Zu gut zu clagen mit rechtem gepote von einem ding in 
das ander, do hulf über gangen ist, und die clage macht hat. 

Kan Hans gezeugen mit richter und mit schöpfen und gehegter 
pank, das er geclagt habe zu N. gutem mit rechten gepoten ein 
ding, das ander, das dritte umb L fl. on rechte widersprach, also 
das volge darüber gegangen ist: So kan niemand dagegen kein urteil 
legen ; des gerichts hülfe und richter und schöpfen bekanntnus geet 
mogelich vor. Indem hat H. darauf zu C. gut geclagt, ime das 
wissentlich getan und verkündigt mit des richters brifen oder poten, 
das er verkomen mag, als recht ist, so sali die clage furpas macht 
haben. Von rechtes wegen. 

439 

Umb einen kauf zu gezeugen und einen gezeugen zu rer- 
werfen, der unelich sol geporn sein, das man nicht mag 
vorkomen; was er dem gezeugen und dem richter darumb 
verfallen ist. 

Es seint komen für unser herren gericht zwen bruder. Do clagt 
ein bruder zu dem andern, er habe seinem bruder ein haus verkauft 
vor XV schock mit sulcher underscheide, wan er das widerkaofen 



[439. 440J 309 

wolle, 80 sol ime sein brader das widerzukaufen geben umb XV 
schock, und zengt sich des auf einen, der zu der zeit ein geschwom 
mann | ist gewest des rats und sonst auf einen biderman, der un- Bl. 176 a 
bescholden ist an seinem rechten. Des antwort jener and^r bruder 
und spricht, er habe seinem bruder das haus abgekauft vor XVII 
schock recht und redlich zu rechtem erbe on alle underscheide und 
weiß von keinem widerkauf an dem haus zu sagen, und habe das 
haus in rechtem lehn und gewem gehabt X jar oder lenger, das 
ließ dieser bruder verfinmnen: seint das er verirunt hat, ein ae- 
schwom ratman und B^t eik biderman, der «nbe8chold;n ist an 
seinem rechten, ap er die icht muglichen leide von rechtes wegen. 
Das wart geteilt, hett er solche leute, er genoß möglichen. Der 
ricbter fragt die gezeugen bei irem eide, das sie sagten, was ine 
bewust were. Des quame der vorspreche und sprach: »Herr richter, 
hie steet einer, der disem sein erbe und gut abegezeugen will, der 
nicht im weichpilde gesessen ist, und ist auch uneelich gepom. 
Des gezeugnus diser nicht leiden soll noch enwill und meint, ine 
zu verwerfen mit recht.« 

Hierauf: Seintde'mmal der bruder umb den kauf des erbes, das er 
mit underscheit umb XV schock verkauft hat, sich gezeuges vermessen 
hat in der clage und den gezeuge umb schulde und sulche under- 
scheide des verkauften erbes vor gericht pracht on recht widerspräche, 
und do der richter den zeuge, | der zweier manne gefragt hat bei Bl. 176 b 
irem eide, ap sie das also gezeugten; seint dan die zwene bider- 
manne unbescheiden an irem rechten: so mögen sie den kauf mit 
underscheit pas bezeugen, dan der ander bruder nein dafür sprechen 
möge. 

Und darumb, das der bruder dem einen gezeuge zugelegt hat, 
das er uneelich gepom sei und das auf ine nicht zeugt hat, als 
recht ist; wer einen mit bösen werten lestert, was er darumb dem 
richter verfallen etc. 

Darumb ist er ime verfallen sein puß, das seint XXX Schilling 
pfenning sulcher pfenning, als im gericht genge und gebe seint, und 
ist auch darumb verfallen dem richter sein gewette, das sein VIII 
Schilling aber solcher pfenning, als im gericht genge und gebe seint. 
Von rechtes wegen. Versigilt. 

"V 14. Jahhh. 

Die ersten Sätze sind gedi-uckt hei Halt aus, Glossarium^ Sj), 150 s. v. 
bestaetigm, Sp. 1610 s. v. scheintkat und Sp. 2154 s. v. xetter, 
Datierung nach Haltaus, 



310 :44o; 

Von eiuem geschwornen richter, der unfage bewurn 
wolde Ton gerichts wegen, do sich leut mit einander 
zweiten, also das der richter mit seinen belfern einen ab- 
mordte. ^ 

Ich Hans pin ein richter zu Grüne, als mir das bevolen ist von 
meiner gnedigen frauen. Es hat sich begeben ein autlaufl zu Grüne 
in der stat von leuten. Do quam ich zu als ein richter. Ich wolt 
die bestetigen zu dem rechten und mutet von ine bürgen, das sie 
friedlich und dem gericht gehorsam wem. Des fertigten sie mich 

Dl. 177a selb an | mit gewapenter [gewaldiger] band und stachen auf mich, 
das ich wol erweisen mag mit der [schienentad] '], und gingen mir 
dafür mit gewalt und wolten sich do nit bestetigen lassen. Des Yolge 
ich ine nach und [konde] ir doch nicht geweidigen, wan sie mir zu 
mechtig waren, das ich darzu [laden] ^] muß mit geruft und mit 
Zettergeschrei alle, die ich darzu mochte bringen, das mir die hülfen 
geweidigen und bestetigen zu recht von gerichts wegen die, die mir 
mit gewalt furgingen. Do Tolgten mir meiner genedigen frauen leute, 
die ich anrufte und hülfen mir dieselben bestetigen zu rechte, das 
dieselbigen meiner genedigen frau leute, die ich anrufte, mit grofien 
schweren wunden sere gewundt worden, das sie do wider wunden 
musten, domit sie mir die hülfe beweldigen und bestetigen zum rech- 
ten, und sie sich do nicht änderst geweidigen noch bestetigen wolden 
lassen. Nun ist derselben einer todgeschlagen. Also treten die 
anderen waldenperger mit anderen iren freunden vor gericht und 
fordern den, der ine abermort ist, und clagen das zu meiner gene- 
digen frauen ein, und clagen zu mir selbst und zu allen anderen, 
die ich angeruft habe von gerichts wegen eine, die ich hinder mich 
gezogen habe, darumb das sie mir gevolgt haben von gerichts wegen, 

rl. 177b meiner genedigen frauen gericht zu sterken, und sie vermeinen, | uns 
des mordes und der volge zu überkommen. Dargegen dunkt mich 
obgenanten H., seintmal das sie also gevolgt haben in meiner gene- 
digen frauen stat und gericht und zuvo/t an mir selbst, und sie sich 
nicht zum rechten wolten bestetigen lassen, und ich darzu loden 
muste mit gerufte [meiner gnedigen frauen leute], die mir gevolgt 
haben von gerichts wegen als ein itzlich man durch recht volgen 
soll, das ich und alle, die mir gevolgt haben, umb den mort, als sie 
clagen, kein not leiden sollen; und ab dieselben waldenperger vor 



1) Text&nderuDg nach Haltaus; in der Vorlage steht: schumen statt. 
2; Textänderung nach Haltaus; Vorlage: halden. 



[440. 441] 311 

allen Sachen amb die gewalt und unrecht, das sie sich gerichtis und 
rechtes werten, icht ausrichtung tun sollen; was darumb recht sei. 

Hirauf sprechen wir schöpfen zu Magdeburg recht: Ist der richter 
ein gekorenter oder ein belehnter geschworner richter, und hat sich 
jemant an ine vergrifPen mit schlegen oder mit wunden oder mit 
anderem ungerecht in der zeit, als er unfuge wem wolte oder be* 
warn, der hat den fried an dem richter geprochen. Das mag man 
richten nach friedebrechers recht in der handhaftigen tat. Und ist 
der friedebrecher davon komen, man mag ine yervesten, ap sie nicht 
pesseren wolten den verprochen friede des richters mit wergelde nach 
des richters gepurt. 

Vortmeher sprechen wir genanten schöpfen vor recht umb die 
leute, die in der volge | des richters gewest sein: Ist den friede* Bl. 178a 
brechern schaden geschechen mit wunden oder an todschlegen von 
dem richter oder von seinen heifern, die mit gerufte und* mit geschrei 
darzu geladen sein, die pleiben des one wandel, ap sie den schaden 
in rechter not wer getan haben. Von rechtis wegen. 



441 

Von dieberei zu zeihen und Scheltwort, die hals und 
band antreten. 

Andreas hat geclagt zu Margreth, das sie ine beredt habe, das 
ime hals und band antrete, damit, das sie solle gesagt haben, sie 
aolle verloren haben XXX ß. wert, minner oder mer, in seinem 
hause, und wolt ine das nicht verwissen, er solde ir das gelt selber 
genomen haben. Nun tritt die frau dar und bekennt die wort und 
wil darumb leiden, was recht ist. Seintmal das die fraue der wort, 
die sie auf ine solle geredt haben, bekennet, ap sie nun icht mug- 
lichen eines sulchen darumb verfallen sei, als er darumb pflichtig 
were zu leiden. Dargegen fragt die frau, nachdemmal sie der wort 
bekennet und die wort in bezieht gewesen sein, ap [sie] nun icht 
mer darumb verfallen sei dem cleger wan einer schlechten puß, und 
wie hoch die puß gelaufen möge oder was hirumb recht sei. 

Hirauf: Nachdemmal Margreth der wort, die sie auf Andres ge- 
redet soll haben; bekennt, so ist sie Andres darumb verfallen seine 
puß, das seint XXX | Schilling pfenning, als im gericht, da die Bl. 178b 
Sachen geschechen ist, genge seint und gebe, und nicht mer. Von 
rechtes wegen. 



312 ;442 

442 

Von dräuen einer dem anderen offenberlichen zu for- 
deren. 

Ein man ist komen vor den rat, richter und schöpfen auf das 
rathaus und bat geclagt, wie sich ein [ge]schlecht verpflicht und Ter- 
einet bette, ine zu ermorden. Des sieb der eine gegen ime verant- 
wort bette, er wolde sein veint sein und mit aiinbrust, das er in der 
band bette, wolde er einen pfeil in ine scbieBen, und bette ime damit 
eine wissentlicbe offenbare droeunge getan, das er muß scbreien das 
gerufte. Und die anderen aus dem gescblecbt ine aucb itzund Rucbten 
und wegelagten umb die droe. Und seine not wart ime beacheiden, 
das recbt zu belfen zu stunde ime vor geriebt, so er sich darzo 
scbicken solle, und in des rata und gericbts friede scbiede Ton dem 
ratbause. Da vor der treppen wart sein not und wrgelagten, die er 
beciagt bat, scheinbar und offenbar volbracbt in bandbaftiger tat mit 
gewapenter baut mit pfeilen und mit messeren in kegenwertigkeit 
rats, gericbts und schöpfen, die an eides statt in rats weis pei ein- 
ander waren, das er must scbreien das gerufte, zetter über gewalt 
Br. 179a und unrecht, das er wol verkommen | mag mit allen den vorgenanten 
geschwornen. Das hett der rat und der richter den friedbrecher 
gern bestetigt zu recht; davon er doch ging wider gehorsam der 
berschaft ratis und gericbts bis auf geweite statt, davon er mit ge- 
walt hieb auf des gericbts poten. Ap nun der freveler und torstig 
friedbrecher gegen rat, gericht und schöpfen, die an eids statt in 
rats weis pei einander warn, mit seiner gewalt einen firiedpruch icbt 
getan habe, oder was recht sei. 

Hierauf: Bekennet der rat, richter und schöpfen, das der cleger 
geclagt habe, das sich ein geschlecht verpflicht hette, einen zu morden 
und ime ein offenbar droe und wegelage getan betten vor gericht, 
von stund an des rechten zu belfen; ist dan der teter komen in 
kegenwertigkeit des rats, richters und schöpfen, als ime zu rechte 
bescheiden was und hat den cleger bandbaftiger tat mit gewapenter 
band mit pfeilen und mit messeren angefertigt, das der cleger das 
geschrei zetter über gewalt und unrecht geschrien hat; also der teter 
der tat verfluchtig worden und auf das geweite geflohen ist; davon 
auch nach des gericbts poten gehauen hat, das er ine auf fluchtigen 
fuß gern bestetigt wolt haben zu rechte ; das der richter und schöpfen 
bekennen: So ist der teter gegen dem rate, richter und schöpfen 
ein friedbruch und dem cleger verfallen [sein büße]. Von rechtes 
wegen. 



443. 444 313 

443 

Von deube, mit keiner handhaftigen tat nicht begriffen. Bl. 179» 

Meiner arman einer ist geschuldigt, er habe ein hulzene eigden 
gestolen, und ist darnach gefangen und mit keiner handhaftigen tat 
nicht begriffen, und nein zu der schult spric.ht, und auch mit geschrei 
zu stocke nit pracht ist. Damach ist mir ein tag bescheiden zu recht 
Yon meines armen mans wegen. Da wart mir mein armann mit 
zettergeschrei und zwei stucke und ein cigde auf seinen ruck ge- 
punden, damit vor gericht bracht, und ist über ine geclagt, er hab 
ein eigde gestolen. Darzu er nein spricht. Darumb ich von meines 
armen mans wegen den richter durch got und durch des rechten 
willen gepeten habe, ime einen man zu {^eben, der ime sein wort 
spricht und mute darnach, was recht ist. Dagegen die schöpfen 
geteilt haben durch recht, man sol die schöpfen darzugeben, das sie 
den man besehen; stet er als ein biderman, man gebe ime pillich 
einen man, der sein wort spreche; stet er als ein dieb, er engelde 
sein möglichen. Dargegen ich gesprochen habe und das urteil ge- 
straft, ds recht ist, und habe Tor die pesserung geteilt, seintmals 
der man mit keiner handhaftigen tat begriflen ist und mit geschrei 
zu stock nicht pracht ist, als recht ist, und nein zu der schult 
spricht; und [ich] selber pitt durch got und des rechten willen, das , 
man ime ein man gebe, der sein wort spreche, oder was darumb Bl. 180 a 
recht sei. 

Hierauf: Nachdemmal der man mit keiner handhaftigen tat nicht 
begriffen ist, auch mit schulde on bezieht [gescbuldigt ist], sol [man] 
dem manne mugUchen gunnen eins mannes, der sein wort spricht. 
Und seintmal der man zu der schult nein spricht, so ist er die schult 
neher zu entgehen und unschuldig zu werden mit seins selbst band 
auf den heiligen, dan man ine hocher darüber beteidingen oder ge- 
dringen muge. Von rechtes wegen. 

444 

• 

Abschrift der Bhäscheidtmg ohne Anfrage auch m Ha. Zwickau^ Bl. 356^, 
Nr. 49. 

Identisch mit Nr. 633 der Verlage. 

Ein man, der die schöpfen in gehegter pank gescholden 
hat; was der darumb verfallen. 

Ein man ist komen vor gericht und gehegte pank und hat geld 
erclagt vor gericht, wissentlich richter und schöpfen. Und der man 



314 [444, 445: 

hat das erclagt geld geerbt auf sein weib und auf seine kinde, und 
dem erclagten gelde hat die frau und das kind gevolgt, als recht 
ist, on rechte widerspräche. Nun ist N. komen und hat gesprochen 
in unser kegen Wertigkeit, wir betten ime das seine genommen mit 
gewalt und wider recht. Bitten wir euch, zu erkennen nacb recht, 
so er auf unser eide und ere geredt hat, ap er nun das mit recht 
getan hat oder was er uns mit recht verfallen sei, wan wir ge- 
schworne schöpfen seint; des wolle wir gerne pei recht pleiben'}. 
Hierauf: Seintmal N. gesprochen hat, das ime die schöpfen das 
sein mit gewalt und unrecht genommen haben, also sie doch umb 
die Sachen ausgesprochen haben, was recht ist, so ist er itzlichem 
Hl. 180 b schöpfen darumb verfallen sein puß und dem richter | so manches 
gewettes verfallen, als dick er die schöpfen mit solchen Worten be- 
redt hat. 

445 

Von einer frauen, die ein kind .ermort hat, das aus 
einem gerichte in das ander oberste gericht geantwort ist, 
darinne sie gelieden hat. 

Ich Hans habe lassen clagen von meiner hem und von gerichts 
wegeii zu Annas, wie ein kind in sein vier pfelen ermort sei, das 
ich ine von meiner hem wegen nicht verwissen will, er sei des 
mordes ein volger, reter oder teter gewest. Hierzu antwort ich N.: 
Als ich beschuldigt bin, das ich ein morderin in mein hause gehabt 
habe und des mordes volge und ferte solle gewest sein, darzu Sprech 
ich nein und habe es nicht getan, sonder do ich heim quame und 
den mord erfure, do ich finge die morderin und behilt sie in mein 
gericht über III oder IV nacht bis so lange, das ich sie antwort in 
meiner hern gericht; in dem gericht sie geliden hat nach irem be* 
kantnus. Nun pitt ichs rechte. 

Hierauf: Seintmal [er] die morderin, als ime der mort gesagt 
wart, bestetigt hat in seinem gerichte und die frauen furpas geant- 
wort hat in die obergericht, do die frau den mort solle getan haben 
und umb die tat, der sie besagt was, gelieden hat, was recht ist, 
vor ein bezieht; ist nun von dem.hauptman geschuldigt, das er des 
mordes ein volger, geferte und ein teter gewest sei, darzu er doch 
nein spricht; also das er doch ein unbescholden man an seinem 
Rl. 181a rechten ist: So mag er das entgehen und unschuldig werden als einer 

1) Der leiste Satz ist aus Nr. 633 ergftnzt. 



[445. 446. 447. 448^ 316 

bezieht mit seine selbst band auf den heiligen, ap er darf, nachdem- 
male die frau ein teterin des sein schulde und darumb gelieden hat 
vor ein bezieht, wie recht ist. 

446 

Von verwilkorten sachen, bei scheidesleuten zu pleiben. 

H. N.y burger zu L., auf einer und N., burger zu M., auf die 
anderen Seiten sein in teidingen gegen einander um ein stant erbe 
und umb ander farend habe, gelegen in der statt Merseburg, daran 
sie in beder seit recht zusagen ; und ir itzlicher hat sein zusage auf 
sein recht darauf beschrieben und versigilt geben; und sein des zu 
entscheiden gegangen mit rechte auf ein man, der scheiden wolle, 
wie er gelart werde, und wolle ine das mit Worten sagen, wie er 
sie scheide, tind versigUt darüber gegeben, etc. 

Hierauf sprechen wir schöpfen zu Leiptzk recht: Nachdemmal 
H. und N. mit teidingen verwilkort haben, das der scheidesman, auf 
den sie sich nach irer beder sage yerwilkort haben, sich des rechten 
auf ir beder geld und cost erfaren; und hat das muntlich aus- 
gesprochen; können das die H. und N. des usgesprocben rechten 
nicht behalden noch vememen: So sali er einem itzlichen ein ab- 
scheidebrief davon geben. [Will] H., burger zu L., der abeschrift 
nicht nemen, so sol der scheidesman N. zu M. allein ein ab