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Full text of "Leopoldina"

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NUNQUAM OTIOSUS. 



LEOPOLDINA 

AMTLICHP:S ORGAN 

DER 

KAISERLICH LEOPOLDINISOH - CAROLINISGHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 




HERAUSGEGEBEN 
UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN, VON DEM PRESIDENTEN 

Dß. W. F. G. BEHK 



ACHTES HEFT. 



DRESDEN, 

E. BLOCH MANN & SOHN. 

1872 — 1873. 



IN COMMISSION BEI FR. FROMMANN IN JENA. 



^ 



Inhalts verzeiclmiss des Vlll. Heftes. 



Nr. 1. ! 

Zur VeivoUstäiiiliguiig der Bibliothek der 
Akademie 

Beiträge zur Kasse der Akademie . . . 

Ausgetretenes Mitglied 

Eingegangene Schriften 

Die 45. Versammlung Deutscher Natur- 
forscher und Aerzte in Leipzig. 1872 . 

Bericht über die allgemeine Versammlung 
der Deutschen geologischen Gesellschaft 
in Bonn 

Beilage : Karte zur Darstellung der Ad- 
junkteukreise. 

Hr. 2, 3. 

Zur Erneuerimg des Adjunkten-CoUegiums 
Beiträge zur Kasse der Akademie . . . 

Gestorbenes Mitghed 10 

Eingegangene Schriften 11 

Die 4.5. Versannnlung Deutscher Natur- 
forscher und Aerzte in Leipzig. 1872 

(Schhiss) 

Prof. Dr. Wenzel Gruber's 25jähr. Dienst- 
Jubiläum 

Beriditigung 



9 

10 



13 

24 
24 



Nr. 4. 



25 



26 
27 
27 



]lie Jahresbeiträge der Mitglieder . . . 
Krgebniss der Adjunktenwahlen im i>.. 7. 

und 14. Kreise 

Zur Erneuerung des -\(ljunkten-Collegiums 
Beiträge zur Kasse der Akademie . . . 
Verändei'iuig im Bureau - Personale der 

Akademie 28 

Emgegangene Schriften 29 

Nr. 5. 

Ergebniss der Adjuiilittn\v:ihk'n im 9. u. 

i». Kreise :!3 

Zur Erneuerung des AiljunUlen-CoUegiums 34 

Beiträge zur Kasse der Akademie ... 35 

Ausgetretene Mitglieder 36 

Eingegangene Sclu-iften ....... 36 

t'eier des Coiiernicustages 40 

Nr. 6. 

Ergebniss der Adjnnktenwahlcii im 10. u. 

12. Kreise 41 

Adjimktenwahlen im 3. u. 15. Kreise . . 42 

Beiträge zur Kasse der Akademie ... 42 

Leben.sskizze von B. Seemann .... 43 

Eingegangene Schriften 47 

SchweizerischepaläontologischeGesellschaft 48 



Nr. 7. 



Ergebniss [der Adjunktenwahlen im 3. u. 

15. Kreise 49 

Ablehnung einer Adjunkteuwahl .... 50 

Adjunktenwahlen im 1. u. 2. Kreise . . 50 

Beiträge zur- Kasse der Akademie ... 51 

Gestorbene Mitglieder 51 



Beschreibungen einiger Thiere u. Pflanzen 
aus den Anden Chile's u. der Argentuii- 
sclien Provinzen, von Dr. F. Leybold . 52 



Nr. 8. 



Ergebniss der Adjuuktenwahlen im 1, u. 

2. Kreise 57 

Das neue Adjunktcn-Collegium . . . . 5S 

Beitrage zur Kasse der Akademie . . . 60 

Gestorbenes Mitglied 60 

Ausgetretenes ilitglied 60 

Jakob Christoph Santlus f 60 

Eingegangene Schriften 61 

Die 4. Versammlung Russischer Natur- 
forscher 64 

Die naturforschendc Gesellschaft in Görlitz 64 



Nr. 9, 10. 

Zur Abwelu' 

Wahl eines Stelhertreters des Präsidenten 
Beiträge zur Kasse der Akademie' . . . 

Gestorbene Mitglieder 

Ausgetretenes Mitglied 

Justus von Liebig f ........ 

Eingegangene Schriften 

Die afrikanische Gesellschaft 

Die4.\Vanderversannnlungderbotau.Section 

der Schles. (Jcsellschaft fiu- vaterländ. 

(Jultur 

Anzeige 



65 
6ß 
66 

67 
67 
67 

75 

78 



Nr. 



11, 12. 

Beiträge zur Kasse der Akademie . . . 

Johannes Leuuis f 

Eingegangene Schriften _ . • 

Jahresbericht der Commission zur wissen- 
schaftl. Untersuchung der deutschen Meere 
in Kiel für das .Tahr 1871 

Einladung zur 46. Versannnlung Deutscher 
Naturforscher und Aerzte 



80 
80 



81 
82 
85 



Ol 
96 



Nr. 13, 14. 

Conferenz des -Vdjunkten-Collegiums . . 97 

Beiträge zur Kasse der Akademie ... 97 

Gestorbene Mitglieder 98 

Die Weltausstellung zu Wien im Jahre 

1S73 in naturwissenschaftl. Beziehung 98 
Anzeige der Abhandlungen des 36. Bandes 

der Nova Acta 112 

Nr. 15. 

Erklärung von Dr. Ed. Reich .... 113 

Beiträge zur Kasse der Akademie . . . 114 

Gestorbenes Rütglied 114 

Dr. Christ. Aug. Herrra. Marbach f . . 114 

Dr. Friedr. Carl Stahl f 115 

Eingegangene Schriften 110 

Die Deutsche Gesellschaft für Natur- und 

Völkerkunde Ostasiens 118 



3837 [ 



Alphabetisches ISiimenregister. 



Adelmami. v. 



Seite. 
. 50 



Seite. 



Baikow, H. C. L. t 98 

IJecr, J. G. f. Nekrolog 51 

Braun. A.. Acljuiiktenwalil 50 59 

— Stellvertreter des Präsidenten .... 66 

Urahns. K 34 

Carus, J. V., Adjunkten wähl 34 59 

Caspary. R.. ausgetreten 36 

Cohn, F 27 



Dechen. H. v. 



6 



Engelhardt. H ll-J 

Ewald. J W 50 

Fenzl. E., Adjunktenwahl 58 .58 

Ereriehs 50 

Fresenius. K.. Adjunktenwahl .... 26 59 

Gegeubaiu-. ('.. Adjunktenwahl ... 42 50 59 

Geinitz. H. B., Adjunktenwahl .... 34 59 

Gerlaeh, J., Adjunktenwahl 58 58 

Glitsch, L. 112 

Goeppert, Adjunlrtenwahl 27 59 

Grisebaoh 34 

Gruber. W.. DienstjuliiläMui 24 



Marbacli, Chr. A. H. f 67 

— Nekrolog 114 

Meinicke 73 



Nöggerath, J., Adjunktenwahl 



20 59 



Pelikan, W. v. f 114 

Peters .ijo 

Phöbus, Ph., ausgetreten 2 

Preyss, J. G 53 

Reich, E 65 113 

Reiehardt, E 42 

Reichenbach, L 05 

Reichert 50 

Reinhard, II 34 

Ried, F. J 42 

Röper, J. A. C. . 



nper, 
Rokitansky, C. 
Rose, G. t . 
Rüppel . . . 



42 
58 
98 
26 



Santlus, J. C. t 51 

— Nekrolog 60 

Schrotter.A.Ritterv.Kristelli. Adjunktenwahl 58 58 

Seemann, K. B. f. Nekrolog 43 

Seidel, L., Adjunktenwahl 58 58 

Seitz, F. . .' 58 



Hering, v r . 50 

Hilgendorf. Vr. Marl., Abgang 28 

Hochstetter, F. v.. Adjunktenwahl ... 58 58 



Karsten. G.. Adjunktenwahl 
Eanp. J. J. t 



42 59 
. . 98 



Leuuis. J. t G7 

— Nekrolog 82 

Lpybold. F. . " 52 

Lcydig. Fr., ausgetreten 07 

Liebig. J. Freiherr v. f 60 

— Nekrolog 67 

Littrow. V 58 

Ludwig. C. Fr. W.. ausgetreten 36 

Lusclika, H. v.. Adjunktenwahl .... 50 59 



Siebold, C. v 58 

Skoda. .!., ausgetreten 60 

Stahl, Fr. K. t 67 

— Nekrolog .... 115 

Troschel 26 

Virchow, R., Adjunktenwahl 50 59 

Vöcliting, ri 112 

Welwitsch, Fr. f 10 

- Nekrolog 10 

AVfihler. F.. Adjunktenwahl 34 59 



Corrigenda zu Heft VIII. 

S. 5, Z. 10 V. II. 1. kieselsauere, st. kieselsauern. 

S. 32, Z. 4 V. o. 1. sur st. par. 

S. 32, Z. 26 V. o. 1. Scheintod st. Scheintodt. 

S. 48. Z. 19 V. u. 1. beabsichtigt st. beabsichtigte. 

S. 48, Z. 12 V. u. 1. Thiere st.^ Thiele. 

S. 112, Z. 17 V. u. 1. pathologisch-anatomischen, st. pathologischen, anatomischen. 



NUNQUAM „JMi^fe. OTIOSUS, 




LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 
DER 

KAISEELICH LEOPOLDINISGH- CAROLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG PER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. F. G. Behn. 
Dresden. Heft Till. — Nr. 1. September 1872. 



Inkalt: Amtliche Mittheilungen: Zur Vervollständigung der Bibliothek der Akademie. — Bei- 
träge zur Kasse der Akademie. — Ausgetretenes Mitglied. 

Eingegangene Schriften. Die 45. Versammlung Deutscher Naturforscher und 

Aerzte in Leipzig 187L'. — II. v. Dechen: Bericht über die allgemeine Versammlung der 
Deutsehen geologischen Gesellschaft zu Bonn. — 

Beilage: Karte zur Darstellung der Adjunktenkreise. 



Amtliche Mittlieilun^eii. 



Zur Tervollständigung der Bibliothek der Akademie. 

Der §2 der Statuten vom I.Mai 1872 bezeichnet es als eine Aufgabe der Akademie, 
ihre Bibliothek zu vervollständigen und nutzbarer zu machen. 

Einige Mitglieder haben sich verijflichtet , zur Förderung dieser Aufgabe diejenigen 
naturhistorischen Bücher ihrer Privatbibliothekeu , welche sie doppelt besitzen, oder auf deren 
Besitz sie, da dieselben nicht ihr nächstes Fach betreffen, geringeres Gewicht legen (und welche 
Privatbibliothek enthielte nicht solche Schriften"?), soweit sie nicht in der Akadeniiel)ibliothek 
vorhanden siud, an dieselbe unentgeltlich zu überlassen. — 

Sollten noch weitere Mitglieder geneigt sein, diesem Beispiele au folgen, so werden 
dieselben hierdurch freundlichst ersucht, ein Verzeichniss der Büchei-, welche sie abzugeben 
Leop, VIII. 1 



bereit sind, oder falls sie es vorziehen sollten, auch die Bücher selbst ohne Weiteres an den 
Unterzeichneten zu übersenden. Die Ergänzung der Gesellschafts- und periodischen Schriften 
würde besonders erwünscht sein. 

Dresden im September 1872. Dr. Behn. 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Aug. 31. Von Herrn Dr. E. Brand in Stettin, Jahresbeitrag für 1872 .... 2 Thlr. 

Sept. 8. „ ,, Dr. M. Bach in Boppard, desgl 2 „ 

„10. „ n E. J. I^euberth in Wetzlai-, desgl 2 „ 

„ 10. „ „ Dr. Arnoldi in Winningen, Jahresbeiträge für 1872 u. 73 . 4 „ 

„ 11. „ „ Dr. Groenland in Dahme, Jahresbeitrag für 1872 .... 2 „ 

„12. „ „ Prof. Dr. Jessen in Eldena, desgl 2 „ 

„12. „ „ Prof. Dr. Frhr. v. Leonhardi in Prag, Ablösung der Jahres- 
beiträge 20 „ 

„13. „ „ Geh. Hofr. Prof. Dr. B. Schnitze in Jena, Jahresbeitrag 

für 1872 2 „ >{ 

„14. „ „ Prof. Dr. J. A. Schmidt in Ham bei Hamburg, desgl. . . 2 „ 

„ 20. „ „ Gustos Dr. H. W. Keichardt in Wien, desgl 2 „ 

„ 22. „ „ Prof. Dr. Poleck in Breslau, desgl." 2 „ 

„ 25. „ „ Staatsrath Prof. Dr. Adelmann in Berlin, desgl 2 „ 

„ 26. „ „ Dr. H. Klencke in Hannover, desgl 2 „ 

„ 27. „ „ Prof. Dr. Eichler in Gratz, desgl 2 „ 

„ 29. „ „ Dr. D. E. Meier in Wangen im Allgau, desgl 2 „ 

„ 30. „ „ Dr. Herrn. Beigel in Wien, desgl 2 „ 

Dr. Behn. 



Ausgetretenes Mitglied. 



Am 11. September 1872: Dr. Philipp Phöbus, Geh. Medicinalrath , ordentlicher Professor 
der Medicin an der Universität zu Giessen. Aufgenommen den 3. August 1833, 
cogn. Morgagni. 

Dr. Behn. 



Eingegangene Schriften. 

(Bis zum 19. September 1872.) 



Georg Seidlitz. Die Parthenogenesis und Sociät^HoUandaise des Sciences aHarlem. 

ihr Verhältniss zu den übrigen Zeugungsarten Archives Neerlandaises des Sciences exactes et 

im Thierreich. Der Versammlung Deutscher naturelles. Tome 7. Livraison 1 — 3. — Haag 

Naturforscher und Aerzte zu ihrem 50jährigen 1872. 8". 
Bestehen gewidmet. — Leipzig 1872. 8". 



König! . Frenssische Akademie der Wissen- 
schaften 2U Berlin. Monatsbericht, 1872, 
April. — Berlin 1872. 8o. 

Reusch: Weitere Bemerkungen über die durch 
Druck im Kalkspath hervorgebrachtenErscheinungen. 
Helmholtz: Ceber die Theorie der Electrodynamik. 
Peters: üeber neue Flederthiere. Elireuberg: 
MikrogeologischeStudien als Zusammenfassimg seiner 
Beobachtungen des kleinsten Lebens der Meeres- 
tiefgründe aller Zonen und dessen geologischen Ein- 
fluss. Dove: Ueber die Grenze der subtropischen 
Regen Südeuropas und der Sommerregen Deutsch- 
lands. 



Dr. Julius Milde. Ein 



Gnstav Stenzel. 

Lebensbild. — 8". 

C. E. von Malortie. Beiträge zur Ge- 
schichte des Braunschweig - Lüneburgischen 
Hauses und Hofes. Heft 6. — Hannover 
1872. 8». 

D. E. Meyer. Ueber künstliche Beine. — 
Berlin 1871. 8". 

Naturwissenschaftlicher Verein für Steier- 
mark. Mittheilungen, Jahrgang 1872. — Graz 
1872. 8". 

H. Leitgeb: Zur Morphologie der Metzgeria 
furcata. K. Friesach: Ueber die analytische und 
geometrische Bedeutung der Grössen. J. Chadima: 
Ueber die Homologie zwischen den männhchen und 
weiblichen äusseren Se.xualorganen der Orthoptera 
saltatoria Latr. Ferd. Graf: Botanische Excur- 
sionen in Istrien. G. Untchj: Beiträge zur Kennt- 
niss der Basalte Steiermarks und der Fahlerze in 
Tirol. A. Töpler: Ueber eine Ei-weittiung der 
periodischen Reihenentwickelung und deren Deutung. 

Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in den Königl, Preussischen Staaten. Wochen- 



schrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde, Jahr- 
gang 1872, Isr. 34—37. — BerUn 1872. 8". 

J. B. Ullersperger. Jahresbericht über 
Italiens Irrenwesen. Separat - Abdruck aus : 
Friedreich's Blätter für gerichtliche Medicin, 
Jahrgang 23, Heft 4. — 8^ 

Museo publice de Buenos Aires. Anales 
per German Bui-meister. Entrega 3, 7 — 9. — 
Buenos Aires 1866, 70, 71. 4«. 

Burmeister: Monografia de los Glyptodontes 
en el Museo publico de Buenos Aires. 

Friedrich Nobbe. Die landwirthschaft- 
lichen Versuchs - Stationen , Jahrgang 1872, 
Band 15, Nr. 5. — Chemnitz 1872. 8». 

Naturhistorischer Verein der preussischen 
Rheinlande und Westphalens. Verhandlungen, 
Jahrgang 28 (1871); 29 (1872), Hälfte 1. — 
Bonn 1871/72. 8». 

Spiridon Simouowitsch: Beiträge zur 
Kenntniss der Bryozoen des Essener Grünsandes. 
Förster: Uebersicht der Gattungen und Arten der 
Familie der Plectiscoiden. Herrenkohl: Ver- 
zeichniss der phanerogamischen und kryptogamischen 
Gefässpflanzen der Flora von Cleve und Umgegend. 
R. Bluhme: Uebc-r die Brunnenwasser der Um- 
gegend von Bonn. H. Haymann: Beobachtungen 
von Grundwasserbewegungen in den wasserdurch- 
lassenden Schichten des Rheinthaies bei Bonn. 

H. Müller: Anwendung der Darwin'schen 
Lehre auf Bienen. 

Sociöte göologique de France. Bulletin, 

Serie 2, Tome 26, Feuilles 66—75; Tome 27, 
Table des articles ; Tome 28, Nr. 1. 2. — 
Paris 1868/71. 8^. 



Die 45. Versammlung Deutscher Natur- 
forscher und Aerzte in Leipzig 1872. 

Die Betheiligung an der diesjährigen Ver- 
sammlung war sehr bedeutend ; sie ist bisher 
nur einmal (in Wien 1856, wo 1683 Personen 
sich einfanden) grosser gewesen. Es betrug 
die Zahl der MitgUeder und Theihiehmer 1290. 

Veränderungen betreffs der Fachsektionen 
gegenüber der Versammlung in Rostock er- 
gaben sich durch die Auflösung der dort als 
Sektion fü:- „Mathematik und Physik'' tagenden 
Abtheilung in eine Sektion für „Physik'' und 



eine andere für „Astronomie und Mathematik", 
wogegen in Leipzig die beiden früher getrenn- 
ten Sektionen für „öffentUche Gesundheitspflege 
und Medicinalreform '' und für ,. medicLnische 
Statistik " sich zu einer einzigen zusammen- 
thaten. Neu coustituirten sich die Sektion 
(XVI ) für Agriculturchemie, (XVIIj für patho- 
logische Anatomie und allgemeine Pathologie, 
(XVHI) für Meteorologie, (XIX) für Olu-en- 
heUkunde, (XXj für Geographie imd Hydro- 
graphie. 

Die drei allgemeinen Versammlungen 
brachten mehrere ^'cirtrüge. in denen die Redner 

1* 



■wichtige naturwissenschaftlich - philosophische 
Fragen erörterten. 

Die Festrede, vom Prof. Ludwig ge- 
sprochen, gedenkt des allgemeinen Entwick- 
lungsganges der Naturwissenschaften in den 
letzten 50 Jahi-en, wie dieselben anfangs durch 
die Naturphilosophie zu einem Ganzen geeinigt 
und in Zusammenhang gebracht, darauf durch 
das Uebergewicht der nüchternen Forschung 
in viele unverknüpft nebeneinander stehende 
Disciplinen gespalten wurden, bis sie wiederum 
nach dem Unterliegen der Lehre von der Le- 
benskraft und dem Bildungstriebe und nach 
der Entdeckung des Zusammenhanges zwischen 
den verschiedenen Naturkräften zu einem eng- 
geschlossenen Ganzen sich vereinigt haben. 
Als ein Abbild dieser Entwickelung erscheint 
in mancher Beziehung die Geschichte der Or- 
ganisation der Naturforscher -Versanmilungen. 

Der folgende Redner, Herr Prof. Preyer 
aus Jena, geht aus von den Begriffen der Er- 
forschung und der Mechanik des Lebens und 
bekennt, dass die mechanische Ansicht des 
Lebensprocesses bisher nicht alle Mysterien des 
Lebens zu enthüllen vermögen. Ausser den 
vier äusseren Lebensbedingungen, dem Sauer- 
stoffe, dem Wasser, der Nahrung und der 
Wärme, gebe es innere Leben.sbedingungeu, 
die der Redner an den Erscheinungen, die die 
Tardigraden (bieten, erläuterte. — Er ent- 
wickelte darnach den doppelten Gegensatz ge- 
gen lebendig : 1 . leblos aber lebensfähig, und 
2. leblos und lebensunfähig, d. h. todt. Auch 
die Geistesthätigkeit weise auf andere Erkennt- 
nissquellen hin ; die mechanische Erklärung der 
Lebensvorgänge erhelle dieselbe nicht. Hervor- 
ragende Geister' hätten diese Seite der Er- 
kenntniss mit Vorliebe zu erforschen gesucht 
und dem Naturforscher zieme es in Bezug auf 
das Denken Anderer duldsam zu sein. 

Der Geh. Med.-R. Du Bois-Reymond 
bezeichnet in einem Vortrage über die Grenzen 
des naturwissenschaftlichen Erkennens es als 
ein Missverständniss , das Leben als etwas 



Supernaturalistisches anzusehen ; das Leben an 
sich ist vom Standpunkte der theoretischen 
Naturforschung aus betrachtet nichts als An- 
ordnung von Molekeln in mehr oder minder 
festen Gleichgewichtslagen und Einleitung eines 
Stoffwechsels , theils durch die Spannkräfte 
dieser Molekeln, theils durch von ausserhalb 
übertragene Bewegung. Unbegreiflich ist da- 
gegen das Auftreten des Bewusstseins , schon 
in seiner niedersten Form , der Empfindung 
von Lust und Unlust: „Es ist ein- für alle- 
mal unfassbar, wie es einem Haufen Molekeln 
C, H, N, 0, P u. s. w. nicht gleichgültig sein 
kann, wie sie liegen und sich bewegen." Eine 
zweite Grenze des Erkennens ist gesetzt durch 
die Unmöglichkeit, das Wesen von Materie 
und Kraft zu begreifen ; ein Atom als kleine 
untheilbare, träge, wii'kungslose Masse gedacht, 
von der Kräfte ausgehen, ist ein Unding. 

Prof. Hoppe (Berlin) redete in Anschluss 
an den auf der vorjährigen Versammlung von 
Prof. Virchow gehaltenen Vortrag einer An- 
näherung zwischen Philosophie und Naturwissen- 
schaft das Wort und wünscht zu diesem 
Zweck, dass befähigte Naturkundige mit ihren 
philosophischen Ansichten herrvortreten mögen 
und zwar womöglich in irgend einem für diese 
Discussiouen bestimmten Organe. 

Der wirkl. Geh. R. Dr. v. De eben gab 
eine Uebersicht über die Entwickelung der 
Geologie in den letzten fünfzig Jahren. Der 
Kampf zwischen Neptunismus und Plutonismus 
war soeben durch fast allgemeine Anerkennung 
des Basalts als Eruptivgestein beendet. Lyell's 
Auftreten gegen Cuvier's Theorie der gewalt- 
samen Erdumwälzungen, Ehi-enberg's Unter- 
suchungen über Enstehung von Gesteins- 
Schichten durch Ueberreste mikroskopischer 
Wesen, die genaue Erforschung der Ghederung 
des sedimentären Gebirges mit Hülfe der Pa- 
läontologie, wobei die Arbeiten von Muichisun 
über das Silur und die der amerikanischen 
Forscher über die tiefsten Schichten (Laurenti- 
sches System) besondere Hervorhebung verdienen, 



sind hervorragende Leistungen in der Geschichte 
der Geologie. Eifrig wurden die Fragen über 
die horizontale und verticale Verbreitung der 
fossilen Organismen bearbeitet, und die Theorie 
von der Veränderlichkeit der Species kam auf's 
Neue zur lebhaften Disrussion , jedoch nicht 
zur allseitigen Anerkennung, indem von meh- 
reren Paläontologen, so z. B. von Barrande 
(vergl. Leop. VII. p. 53) niannichfache Ein- 
wendungen dagegen erhoben wurden. Die 
Gletscher - Untersuchungen führten zur Ent- 
deckung der Eiszeit. Die Auffindung von 
Kunstproducten in Begleitung ausgestorbener 
Thierarten bezeugte, dass der Mensch bereits 
Zeuge höchst bedeutender geologischer Um- 
änderungen gewesen ist. Die Altersbestimmung 
der eruptiven Gesteine wurde begründet, die 
genaue Kenntniss ihrer chemischen Zusammen- 
setzung und mikroskopischen Structur wesent- 
hch gefördert. Die Hypothese des Metamor- 
phismus, welche die Genesis der krystalhni- 
schen Schiefer erklären soll, findet zwar von 
verschiedenen Seiten her lebhafte Vertheidigung, 
doch wird man die Beobachtung des allge- 
meinen Verhaltens dieser Bildungen noch weiter 
fortsetzen müssen, insbesondere die mikrosko- 
pische Beobachtung, um zu sichern Schlüssen 
zu gelangen. Endlich sind die neuen Ergeb- 
nisse des Studiums der Meteoriten von Wich- 
tigkeit ; 19 Elemente, sämmtlich auch unter 
den irdischen vertreten, wurden in denselben» 
erkannt ; jedoch sind einige der daraus zu- 
sammengesetzten Mineralien unserem Planeten 
fremd, z. B. der Troilit (einfach Schwefeleisen) 
und Shepardit (1 1/2 fach kieselsauern Magnesia). 
Prof. Dr. Schaafhausen's Thema lautete: 
,Ueber Menschenbildung." Die Quelle alles 
unseres Wissens ist einzig die Erfahrung ; 
auch die unmittelbare Offenbarung Gottes in 
der Geschichte der Menschheit ist darauf zu- 
rückzuführen, da ihr gottlicher Gehalt nur 
das ist, was der menschhchen Vernunft von 
den höchsten Dingen zu erkennen vergönnt 
war. Direkte Eingriffe eines Gottes oder 



Teufels (Wunder) anzunehmen, war zu Zeiten 
möglich, wo die Erkenntniss der Naturgesetze 
uns noch nicht zu Theil geworden war. Zum 
wahren Erkennen eines Dinges gehört stets 
die Erkenntniss seines Werdens, seiner Ent- 
wickelung, die eben nach den Naturgesetzen 
vor sich geht. Nicht nur Naturerscheinungen, 
und die Bildung organischer wie anorganischer 
Körper vollziehen sich mit Nothwendigkeit in 
gewisser Weise, auch die geschichtlichen Er- 
eignisse, die geistige und sittliche Entwickelung 
der Menschheit ist lediglich eine von den Na- 
turgesetzen geregelte Entfaltung der in den 
Menschen gelegten Bildungskeime. Das Ent- 
wickelungsgesetz der organischen Welt und 
seine Anwendung auf den Menschen kann nicht 
mehr als eine blose Hypothese betrachtet wer- 
den, da es die unter' dasselbe fallenden Natur- 
erscheinungen auf die einfachste Weise erklärt. 
Trotz alledem lässt sich eine göttliche Welt- 
ordnung nicht leugnen, über dem geordneten 
Weltenganzen steht noch der Schöpfer. Die 
Naturwissenschaft hat nie behauptet, dass nur 
der Materie ein wirkliches Dasein zukomme, 
für sie ist auch das Bewusstsein eine That- 
sache. Allerdings ist sie aber der Ansicht, 
dass jede geistige Thätigkeit an körperliche 
Vorgänge gebunden ist. Diese Verknüpfung 
zwischen Seele und Leib macht es uns zur 
Pflicht, fiü- eine harmonische Entwickelung 
zwischen beiden Sorge zu tragen. Grenzen 
kennt die Naturforschung keine als die des 
menschlichen Denkens, diese aber sind nicht 
für allezeit constant, sondern werden von der 
erobernden Wissenschaft stets weiter vorge- 
rückt. Daher muss die Wissenschaft vor allem 
Freiheit der Forschung beanspruchen. 

Speciellere Gegenstände behandelten Prof. 
Dr. Bruhns (die Vollendung der Biographie 
Alexander von Humboldt's), Prof. Dr. Fischer 
(über die Entwicklung der Kriegschirurgie) und 
Generalarzt a. D. Dr. Niese, der zur Aus- 
bildung weltlicher Krankenpflegerinneu auf- 
forderte. 



6 



BericM über die allgemeine Versamm- 
lung der Deutsclien geologisclien 
G-esellschaft zu Bonn*) 

am 13 — 15. September 1872 

von 

Dr. H. von Dechen, 

Wirklichem Geh. Rath und Oberberghauptmaun a. L>. 

Die allgemeine Versamruluug der Deutschen 
geologischen Gesellschaft ist am 13. bis 15. 
September d. J. in Bonn gehalten worden. 
Am Abend des 12. hatte sich schon eine be- 
trächtliche Anzahl von Mitgliedern zu gegen- 
seitiger Begrüssung zusammen gefunden und 
stellten sich in den folgenden Tagen über 50 
Mitgheder ein. In der ersten Sitzung am 
13. wurde Staatsrath Abich zum Präsidenten 
dieser Versammlung, Dr. Dames und Dr. 
Bauer zu Schriftführern gewählt, und die 
geschäftlichen Vorlagen erledigt ; dann folgten 
die Vorträge. 

Professor Vogelsang aus Delft sjjrach 
über die Systematik in der Petrographie , die 
einer Refonu bedürftig sei und machte Vor- 
schläge zu deren Verbesserung. Zur Begrenzung 
des Materials stellte er den Grundsatz auf, dass 
nur solche Gesteine in dem Systeme Aufnahme 
finden sollten, die in selbstständigen Gebirgs- 
massen auftreten und ausgedehntere Bestand- 
niassen der Erdi'inde bilden. Dagegen sollen 
untergeordnete Gesteine, wie z. B. der soge- 
nannte Corsit, anhaugweise da angeführt wer- 
den, wo sie am wenigsten fremdartig erscheinen. 
Die generelle Charakteristik soll allein nach 
der Mineralbeschafl'enlieit, die specielle Bezeich- 



*) Eine Festschrift führt den Titel: ..Der 
Deutscheu geologischen Gesellschaft zu ihrer aU- 
gemeiueu Versanmilung iiu Septcnd)er 1872 in Bouu 
gewidmet Ton einigen Bonner Mitgliedern. Bonn 
1872." S". Sie enthält: v. Dechen: Geologische 
und mineralogische Literatur der Kheinprovinz und 
der Prov. Weetphalen sowie einiger angrenzenden 
Gegenden. Schlüter: lieber die Spougitarien- 
bäuke der oberen Quadraten- imd Mucronateu- 
Schichten des Münsterlandes. Gurlt: Uebersicht 
des Tertiärbeckens des Niederrheins. 



nang dagegen nach dem geognostischeu Ver- 
halten gegeben werden. Die Beziehungen der 
relativen Altersverhältnisse sollen aus dem Sy- 
steme der Petrographie ausgeschlossen werden, 
sie würden liier als eine unglückliche Ver- 
mischung der Priucipieu erscheinen. Die Reihung 
und specielle Gi'ujjpiruug der Gesteine sei in 
„das System der Gesteinslehi'e" zu verweisen. 
Die genaue Auseinandersetzung seines neuen 
Systems behält sich der Redner vor, ander- 
weitig zu veröffentHchen. 

Geh. Rath G. Rose spricht über die Re- 
sultate, die er im Verein mit Dr. Siemens 
beim Erhitzen von Diamant sowohl beim freien 
Zutritt, als auch bei gänzlichem Abschluss von 
atmosphärischer Luft erhalten hat. Dieselben 
stimmen im Wesentlichen mit den schon be- 
kannten Thatsachen ttberein. Er erläutert 
das Verhältniss des sogenannten Carbonats aus 
Brasilien zum Diamant. 

Prof. B. S t u d e r trägt die Ansichten über 
den Granit und Gneiss der Alpen vor und 
spricht sich dabei gegen die von Lory in 
jüngster Zeit aufgestellte Erklärung der Fächer- 
steUung der Schichten in den Aljien aus, nach 
welcher diese fächerförmig angeordneten Schich- 
tencomplexe die unteren oder tieferen Reste 
grossartiger, durch Erosion zerstörter Gewölbe- 
fcrmen seien. Diese Ansichten werden auch 
von Favre und Heim getheilt. Redner 
schliesst sich in der Hauptsache der von G. 
vom Rath gegebenen Erklärung dieser Er- 
scheinung an. 

Dr. D. Brauns berichtet über die neu 
zu bearbeitende geologische Karte des König- 
reichs Sachsen, im Massstabe von 1 : 25,000i 
Zunächst wird eüie möglichst genaue Erforschung 
der durch die Einschnitte der Eisenbahnen 
erlangten Aufschlüsse ausgeführt und werden 
die erhaltenen Profile in grossem Massstabe 
geologisch colorirt. Einige dieser .Profile wer- 
den vorgelegt und die nöthigen Erläuterungen 
dazu gegeben. 



Prof. G. vom Rath spncht über die Kry- 
stallform des Leiicits, den er in Drnsen von 
Vesuv-Laven beobachtet hat. Gewisse Flächen 
zeigen eine Streifung, die sich nur aus einer 
Zvrillingsverwachsung erklären lassen. Als 
Zwillingsebene ist die Dodekaederfläche erkannt 
worden. Da eine solche Zwillingsverwachsung 
im regulären Systeme unmöglich ist, lag die 
Vermuthung nahe, dass der Leucit dem qua- 
dratischen Systeme angehören möchte, was 
denn auch durch genaue Messung mit dem 
Reflexions - Goniometer bestätigt worden. Das 
optische Verhalten dieser Krystalle stimmt 
damit über ein. 

Prof. von Seebach spricht über das Erd- 
beben vom 6. März 1872, welches er in ähn- 
licher Weise, wie Mallet das Erdbeben von 
Neapel im Jahre 1858 behandelt hat. Die 
Materialien sind ihm thcils von Privatpersonen, 
theils von den Telegraphenstationen in dem 
Erschütterungsbezirke zugegangen. Die von 
Mallet angewendete Methode wird erläutert ; 
nach derselben ist der Sitz der Erschütterung 
beim Erdbeben von Neapel in einer Tiefe von 
1 1/2 geograph. Meilen, dagegen bei dem Erd- 
beben vom 6. März im Mittel aller einzelneu 
Rechnungen 10 Meilen unter der Oberfläche 
eines in der Nähe von Ilmenau gelegeneu 
Punktes. Diese Differenz wird sehr hervor- 
gehoben. Eine Karte des Verbreitungsbezirks 
wird vorgelegt. Der Redner macht zum Scldusse 
Vorschläge , künftige Erdbeben durch Seis- 
mometer an geeigneten Punkten besser zu be- 
obachten, als es bisher geschehen ist. 

Der 14. September wurde zu einer Ex- 
cursion in das Siebeugebirge und nach dem 
Roderberge verwendet, an der sich die ganze 
Versammlung betheiligte. 

In der zweiten Sitzung am 15. September 
wurde zunächst der Versanmilungsort für das 
Jahr 1873 in Betracht gezogen und mit Rück- 
sicht auf die Versammlung der Deutschen 
Naturforscher und Aerzte ebenfalls Wiesbaden 
gewählt, wo die allgemeine Versammlung der 



Deutschen geologischen Gesellschaft am 13. bis 
15. September stattfinden wird. 

Dr. Carl Koch wurde zum Geschäfts- 
führer gewählt. 

Bergrath Hauchecorne erstattet einen 
allgemeinen Bericht über die geologische Karte 
von Preussen und den vereinigten Sächsisch- 
Thüringischen Staaten im Maassstabe von 
1 : 25,000. Die ersten 3 Liefei-ungen , jede 
von 6 Blättern, sind ausgegeben, die erste 
einen Theäl des Sädharzes, die zwei folgenden 
Theile des Thüringischen Bodens umfassend. 
Die vierte Lieferung , die Gegend von Jena 
enthaltend, ist in der Publikation begriffen. 
Die fünfte Lieferung, einen Theil des Reg.- 
Bezirks Cassel, die Gegend von Riecheisdorf 
enthaltend, ist druckfertig, und ebenso die 
sechste Lieferung , 3 Blätter aus der Gegend 
von Halle. Auch der südUchste Theil des 
Reg. - Bez. Trier , das j^roductive Steinkohlen- 
gebirge der Saar, ist fertig und hängt die 
Publikation nur von der Beseitigung einiger 
Differenzen ab, die sich bei der Bearbeitung 
der nördlich anstossenden Blätter ergeben 
haben. 

Schliesslich giobt der Redner Kenntniss 
von einem neuen mit der Herausgabe dieses 
Kartenwerks in naher Beziehung stehenden 
Unternehmen. Es sollen grössere Abhandlungen 
mit graphischen Darstellungen verbunden unter 
dem Titel : , Abhandlungen zur geologischen 
Specialkarte von Preussen und den Thüringi- 
schen Staaten" erscheinen. Das 1. Heft des 
1. Bandes: „Die geoguostische Monographie 
von Rüdersdoi'f und Umgegend von H. Eck" 
mit 3 Tafeln, wurde vorgelegt. 

Prof. E. E. Schmidt legt die von ihm 
bearbeiteten Blätter der geologischen Karte 
aus dem Thüringer Becken vor und erläutert 
ausführlich die darauf dargestellten geologi- 
schen Verhältnisse. 

Dr. Moesta legt die Hessische Karten- 
lieferung vor, die theils schon gedruckt, theils 
im Druck begriffen ist. Das Hauptinteressß 



des dargestellten Gebietes, der Umgegend von 
Riechelsdorf, liegt hauptsächlich in den com- 
plicirten Lagerungsverhältnissen. Die Aus- 
waschung von grossen Gipsmassen und die 
Ausdehnung, welche die Umwandlung von 
Anhydrit in Gips begleitet, giebt zu lokalen 
Störungen Veranlassung. Ausserdem treten 
aber weithin sich erstreckende Verwei-fiings- 
spalten auf, deren nähere Verhältnisse der Red- 
ner auch von theoretischer Seite beleuchtet. 

Dr. M. Neumayr legt zuerst im Auftrage 
desBergrath Stäche die zuerst aufgefundenen 
Graptolithen aus den Alpen (Kärnthen) vor. 
Alsdann spricht derselbe über Süsswasser- 
ablagerungen in Slavonien, wobei er sich auf 
eine von ihm über denselben Gegenstand im 
Jahrbuche der k. k. geologischen Reichsanstalt 
erschienene Abhandlung bezieht. Die Gliederung 
dieser Süsswasserbildungen ist in neuerer Zeit 
festgestellt worden. Dieselben entsprechen den 
Moosbnmner Schichten des Wiener Beckens, 
welche unmittelbar über den Congerienschichteu 
lagern. Zu den interessantesten Thierformen, 
welche diese Süsswasserschichten von Slavonien 
einschliessen, gehören die Paludinen. Es zeigen 
sich allmählige Uebergänge von der glatten 
Paludina mediterranea in solche, deren Win- 
dungsränder mit Knoten besetzt suid, und in 
solche, die scharfe Kiele besitzen. Dadurch 
wird die Trennung in zwei Becken angedeutet, 
während beide Formen sich ^vieder vereinigen. 
Die Formveränderung steht in Verbindung mit 
einer fortschreitenden Aussüssung des Beckens. 

Prof. Beyrich legt ein Profil des Sanger- 
häuser Stollens vor, welcher aus dem Bunt- 
sandstein bis in das Kupfersohieferflötz ge- 
trieben ist, und erläutert an demselben die 



Auswaschung des Gipses am Ausgehendeu und 
die damit in Verbindung stehenden Störungen 
am Südrande des Harzes. 

Dr. Schlüter legt die Original-Exemplare 
der in der Festschrift abgebildeten Kreide- 
Spougitarien vor und knüpft daran einige Be- 
merkungen über den Werth der äusseren Form 
derselben für ihre Classification. Der Redner 
legt sodann die 5 ersten Lieferungen der von 
ihm bearbeiteten Kreide-Ammoniten vor. 

Staatsrath Abich giebt eine Uebersicht 
der tertiären Eruptivgesteine am Kaukasus 
und legt dabei eine geologische Karte eines 
Theiles dieses Gebirges vor. Im Laufe des 
Vortrages äussert sich Redner auch über die 
ausgezeichneten Blitzspuren , welche sich an 
dem Andesite zeigen, aus dem der Gipfel des 
Kleinen Ararat besteht. 

Prof. Geinitz legt ein Stück Grauwacke 
aus der Oberlausitz mit einer deutlichen Lin- 
gula vor, welche gleiclizeitig Graptohthen ent^ 
hält. Derselbe berichtet über den Stand der 
Arbeiten an einem Werke, welches er über 
die Kreide des Elbthales vorbereitet, ferner 
über die von Antipoff ausgeführte Karte von 
dem ün Lande der Donschen Kosaken auf- 
tretenden Steinkohlengebirge , dessen grosse 
Aehnlichkoit mit dem Kohlenbecken an der 
Ruhr hervorgehoben wird ; und schhesslich 
über die Karte von Del esse in Bezug auf die 
Lithologie du foud des mers. 

Dr. Dames legt ein Werk vor: Memoria 
sobre las minas de azogua de America por 
D. Anton, del Castillo (Prof. der Mineralogie 
und Geologie in Mexico) , welches der Geh. 
Bergrath Burkart im Auftrage des Ver- 
fassers übergeben hat. 



Dieser Nummer ist eine Karte zur Darstellung der Adjunktenkreise der Akademie beigegeben 
(vergl. Publikation der Statuten Leop. VIL p. 85 Anm. 2). 



Abgeschloaseu' doa 30. September 1872. 



Diucl^ Toa E. Bl^climaaD J^ ^oUn in Dresden. 



NUNQUAM 




OTIOSUS. 



LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 

DER 

KAISERLICH LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN t'NTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. F. G. Beim. 



Dresden. 



Heft \Tn. — Nr. 2, 3. 



Oct., Not. 1872. 



Inhalt: Amtliche Mittlieiluugeu: Zur Erneuerung des Adjimkten-CoUegiums. — Beiträge zur 
Kasse der Akademie. — Gestorbenes Mitglied. 

Eingegangene Schriften. Die 4.5. Versammlung Deutscher Naturforscher und 

Aerzte in Leipzig 1872 (Schluss). — Prof. Dr. Wenzel Gruber's 25jiilu\ Dienstjubüäiun. — 
Berichtigung. — 



Amtliche Mittlieilimaeii. 



Zur Erneuerung des Adjunkten- Collegiums. 

Nachdem die Vorbesprechungen über die im § 32 der Statuten vom 1. Mai 1872 
angeordnete Adjunkten-Neuwahl in dem 6., 7. und 14. Kreise zu VorscUägen von Seiten der 
Mitglieder geführt haben, sind an alle diesen Adjunktenkreisen angehörige Mitglieder direkte 
Wahlaufforderungeu nebst Stimmzettel versandt und auch von der Mehrzahl der Stimmberech- 
tigten die ausgefüllten Stimmzettel zurückgesandt worden. Die noch im Rückstande befind- 
lichen jenen Kreisen angehörigen Herren CoUegen ersuche ich, ihre Stimmen bis spätestens 
zum 15. December d. J. einzusenden. 

Sollte wider Erwarten einer derselben die Wahlaufforderuug und den Stimmzettel 
nicht empfangen haben, so bitte ich eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie ver- 
langen zu wollen. — 

Dresden im November 1872. Dr. Behfl. 

Leop. VIII. 2 



10 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Oct. 11. Von Herrn Adrairal v. ^üllerstorf - Urbair zu Graz, Jahresbeitrag für 

1872 u. 73 . . . . 4 Thlr. 
,15. „ „ Hofratb Prof. Dr. Grisebach in Göttingeu, Jahresbeitrag 

für 1872 2 „ 

,19. „ „ Prof. ]1r. Troschel in Bonn, Ablösung der Jahresbeiträge . 20 „ 

„ 23. „ , Dr. Clamor Marquart in Bonu, Jahresbeiträge für 1872 u. 73 4 , 

, 26. „ „ Hofphotograpli Weigelt in Breslau, Jahresbeitrag für 1872 . 2 „ 

„ 29. „ „ Geh. O.-Bei-grath Prof. Dr. Breithaupt in Freiberg, desgl. . 2 „ 

Nov. 1. „ „ Prof. Dr. Haeckel in Jena, desgl 2 „ 

„ 4. „ „ Geheimrath Dr. v. Malortie in Hannover, desgl 2 „ 

,10. , , Prof. Dr. Ehrmann in Strassburg, desgl 2 , 

„ 10. „ „ Dr. Birner in Regenwalde, desgl - , 

,11. „ , Geh. Med.-R. Prof. Dr. S. Schultze aus Greifswald in Jena, desgl. 2 , 

, 13. , , Prof. Dr. Radlkofer in München, Ablösung der Jahresbeiträge 20 , 
,14. , „ Ober-Bergrath Prof. Dr. v. Zepharovich in Prag, Jahi-esbei- 

■ träge für 1872 u. 73 . 4 , 

„18. , , Kaiser]. Rath Beer in Wien, Jahresbeitrag für 1872 ... 2 „ 

, 22. „ „ Prof. Dr. Geinitz in Dresden, desgl 2 , 

Or. Behn. 



G-estortenes Mitglied. 



Am 20. October 1872 zu London: Dr. med. Friedrich Welwitsch. Aufgenommen den 
1. Januar 1869, cogn. Brotero. 

Dr. Behn. 



Welwitsch wurde im Jahre 1806 zu Mariasaal bei Klagenfurt in Kärnthen geboren. 
Er studirte in Wien und widmete sich frühzeitig speciell botanischen Studien. Wenige Jahre 
nach Erlangung des medicinischen Doktorgi-ades folgte er einer Einladung des Württembergi- 
schen Reise-Vereins , die Pflanzensehätze Portugals auszubeuten. Nachdem er sich dieser Auf- 
gabe entledigt, wirkte er längere Zeit als Lehrer der Botanik in Lissabon und wurde dann 
im Jahre 1853 von der Portugiesischen Regierung beauftragt, an einer Expedition nach ihren 
in Afrika gelegenen Besitzungen Theil zu nehmen und namentlich Angola naturwissenschaftlich 
aU durchforschen. Dr. Welwitsch, mit einem feinen Takte für natürliche Systematik ausge- 
rüstet, war für diese Aufgabe der geeignete Mann. Er durchreiste während 7 Jahren, mit 
den mannigfachsten Schwierigkeiten und Gefahren kämpfend, jene Gegenden und kehrte 1860 
mit reichen Sammlungen , namentlich aus der Pflanzenwelt , nach Lissabon zurück. Nach vo)'- 
läufiger Ordnung seiner Sammlungen begab er sich nach London, um sich dort der wissen- 
schaftlichen Bearbeitung derselben zu widmen. Es war ihm nicht vergönnt, diese Aufgabe zu 
vollenden. Welwitsch hat aber durch sein vor Kurzem publicirtes Testament dafüi- gesorgt. 



11 

dass die von ihm gesammelten Schätze der Wissenschaft nicht verloren geben. & verordnet 
darin, dass seine Sammlung afrikanischer Pflanzen (mit Ausnahme einer dem Pfarrherm Duby 
de Steiger in Genf hinterlassenen Moossammlung) dem britischen Museum zum Kaufpreise von 
21/2 Pf. St. pr. 100 Expl. zum Verkaufe angeboten werden solle; der Portugiesischen Re- 
gierung werden 2 Abtheilungen Afrikanischer Pflanzen, dem Dr. Schweinfurth in BerUn, dem 
Professor A. de CandoUe in Genf, der Akademie zu Lissabon, dem Kärnthnischen Museum zu 
Klagenfurt, dem kaiserl. naturgeschichtlicheii Museum zu Rio de Janeü-o, der Englischen 
Regierung für den botanischen Garten zu Kew, den botanischen Museen zu Paris, BerliB, 
Wien und Kopenhagen werden je eine unentgeltlich zugewendet ; dem zoologischen Museum 
in Lissabon vermacht der Testator seine afrikanische entomologische Sammlung, alle seine 
Bücher, Instrumente und so weiter. Dem Dr. Peters und dem Kärnthnischen Museum 
werden je eine Abtheilung der Mollusken.sammlung hinterlassen und der Akademie der Wissen- 
schaften in Lissabon wird des Erblassers General- und Portugiesisches Herbarium überwiesen. 
Endhch wünscht der Testator, dass alle diese Legate als Geschenke der Portugiesischen Re- 
gierung anaesehen werden mögen, durch deren Hülfe und Freigebigkeit er im Stande gewesen 
sei, in den Besitz all dieser Sammlungen zu kommen. — 



Eingegangene Schriften. 

(Bis zum 26. September 1872.) 



In Folge der Aufforderung zur VervoEständigung der Akademiebibliothek beizutragen 
(Leop. VIII p. 1) sind nachstehende Werke eingegangen : 



1. 



Von Herrn Prof. v. Kobell (München): 

Franz von Kobell. Die Galvanographie, 
eine Methode, gemalte Tuschbilder durch 
galvanische Kupferplatten im Drucke zu 
vervielfältigen. — München 1842. 4*'. 
2. Aufl. — München 1846. 8". 

— Die Urzeit der Erde , Gedicht. — 
München 1856. 8". 

— Denkrede auf Job. Nep. v. Fuchs, 
gelesen in d. Akad. der Wissensch. — 
München 1856. 4». 

— Tafeln zur Bestimmung der Mineralien. 
Neunte Aufl. — München 1869. 8". 

— Die Mineralogie. Leichtfasslich dar- 
gestellt mit Rücksicht auf das Vorkommen 
der Mineralien etc. — 4. Aufl. — Leipzig 
1871. 8». 

— Der Diamant. — 8». 

— Eine Kohlensäure-Presse. S. A. — 8". 

— Nekrolog auf: von Martins, von Her- 
mann, Schönbein, Plücker, Mateucci, 



Möbius, Forbe?, Kuhn, v. Soherer. Se- 
parat - Abdruck aus : Sitzungsber. d. k. 
bayer. Akad. d. Wiss. 1869. — 80. 

10. — — : v. Meyer, Graham, Carus, Erd- 
mann, Unger, Redtenbacher, ünger. S.-A. 
ibid. 1870. — 8». 

11. — — : V. Steinheil, Bischof, Magnus, 
Miquel, v.Haidinger. S.-A. ibid. 1871.— 8». 

12. — — Herschel, Fischer, Schwerd, Bab- 
bage, Murchison, Strecker, Spring. S.-A. 
ibid. 1872. — 80. 

Von Dr. F. Hilgendorf (Dresden): 

13. E. W. Förstemann. Mittheilungen aus 
der Verwaltung der Königl. öffentlichen 
Bibliothek zu Dresden in den Jahren 
1866/70. — Dresden 1871. S". 

14. George Rümker. lieber die Parallaxe 
und Aberration der Gestirne. In : Verz. 
d. Vorles. am Hamb. Akad.- u. Real- 
Gymnas. — Hamburg 1865. 4". 

2» 




12 



15. Franz Hilgendorf. C. C. v. d. Decken's 
Reisen in Ost-Africa, Crustacea. Separat- 
Abdruck. — Heidelberg und Leipzig 
1869. 8«. 

Von Frau Prof. Mettenius (Berlin): 

16. Georg Mettenius. Novara - Expedition, 
botanischer Theil. Band 1, Gefässcrypto- 
gamen bearbeitet von G. Mettenius (Ophio- 
glosseen und Equisetaceen bearb. von J. 
Milde). — Wien 1870. 4». 

Von Herrn Präsident Prof. Behn: 

32. Societas regia scientiarum 6ot- 



17 



tingensis, Classis physica. Commenta- 
tiones, Tomus 1 — 16. — Göttingen 

1778—1805. 4». 

33—36. Pfaff und Scheel. Nordisches Archiv 
für Natur- und Arzneiwissenschaft, Band 
1 — 4. — Kopenhagen 1802 — 1805. 8". 

37. Schelver. Zeitschrift für organische Physik. 
Band 1. — Halle 1802—1803. 8". 

38 — 49. Joh. Heinr. Voigt. Magazin für den 
neuesten Zustand der Naturkunde mit 
Rücksicht auf die Hülfswissenschaften. 
Band 1—12. — Jena 1797—1806. 8°. 



Hermann Eberhard Richter. Kleinere 
Schriften gesammelt für meine Freunde. Erstes 
Bändchen : Zur Medicinalrefonn. — Dresden 
1865. 8". 

— Bericht über medicinische Meteorologie 
und Klimatologie , Nachtrag 1. 2. Separat- 
Abdruck aus den medicin. Jahrb. — 4*. 

— Arzneitaschenbuch zur Pharmakopoea 
geimanica. — Dresden 1868. 8". 

( — j Verhaltungsregeln für Struve'sche 
BrunnentrLnker. Von einem praktischen Arzte. 
Dritte Auflage. — Dresden 1869. 8". 

( — ) Verhaltungsregeln beim Trinken der 
Mineralwässer. Von einem praktischen Arzte. 
— Dresden 1869. 8«. 

— Die äxztHchen Kreisvereine des König- 
reichs Sachsen in ihrer vierjährigen Wirksam- 
keit. Separat -Abdruck a. d. Correspondenz- 
blatt der ärztl. u. pharm. Kr.-V. Sachsens. — 
Leipzig 1869. 8». 

— Arzneitasohenbuch zur Deutschen Reichs- 
Pharmakopöe. — Dresden [1871]. 8". 

— Das irisch-römische und russische Bad. 
Separat - Abdruck aus Dr. Albu's Zeitschrift: 
Die Gesimdheitspflege des Volkes. — 8". 

— Zur Jubelfeier der Struve'schen Mineral- 
wasser-Anstalten. Dem Andenken von Fried- 
rich Adolph Struve gewidmet. — Dresden 

1871. 8». 

— Die Geistesepidemie im französischen 
Volke. Separat- Abdruck. — 8". 

— Ueber Milch- und Molkenkuren. Zweiter 
wesentlich vermehrter Abdruck aus Schmidt's 
Jahrbüchern der gesammten Medicin. — Leipzig 

1872. 80. 

— Das Geheimmittel-Unwesen. Nebst Vor- 
schlägen zu dessen Unterdrückung. — Leipzig 
1872. 8». 



— Zur deutschen Medicinalreform. Dritter 
Bericht. Separat-Abdruck aus Schmidt's med. 
Jahrb. — 4". 

— Die neuem Kenntnisse von den krank- 
machenden Schmarotzerpilzen , nebst phyto- 
physiologischen Vorbegriffen. Artikel 3. Se- 
parat - Abdruck aus Schmidt's medic. Jahr- 
büchern. — 4". 

— Aerztliches Vereinsblatt füi' Deutsch- 
land. Centralorgan für die aus wirklichen 
approbirten Aerzten bestehenden Aerzte-Vereine 
des deutschen Reichs. Jahrgang 1872, Nr. 1. 
— Leipzig. 4". 

DölL Beiträge zur Pflanzenkunde. Separat- 
Abdruck aus dem 36. Jahresbericht des Mann- 
heimer Vereins für Naturkunde. — 8". 

I. Zur Untersuchung der Wuchsverhältnisse 
des Grashalms. II. Zur Erklärung der männlichen 
Aehrchen der Gattung Olyra. III. Ueber einige 
ältere Formen der Grasfrucht. IV. Zur Erklärung 
der Grasblüthe. 

Deutsche Naturforscher und Aerzte. Tage- 
blatt der 45. Versammlung. Nr. 7. — Leipzig 
1872. 8». 

Naturhistoiische Gesellschaft zu Han- 
nover. Jahresbericht 21 (Mich. 1870/71j. — 
Hannover 1871. 8". 

United States Coast Survey. Report of 
the Supeiintendent , sho^ving the progress of 
the Survey during 1868. — Washington 
1871. 4». 

James D. Dana and B. Silliman. The 
American Journal of Science and Arts. Series 
3, Vol. I, Nr. 4 — 6; Vol. H, Nr. 7—12; 
Vol. III, Nr. 13 — 17. — New Haven 
1871/72. 80. 

Anton Besnard. Alphabetische Uebersicht 
der speciellen Literatur des Genus Hieracium 
L. Separat-Abdruck aus Flora 1872. — S", 



13 



Die 45. Versammlung Deutscher Natur- 
forscher und Aerzte in Leipzig 1872. 

(Schluss.) 

In der Sektion (Ij für Physik spricht Ober- 
bergrath Dunker (Halle) über die Benutzung 
tiefer Bohrlöcher zur Ennittelung der Tem- 
peratur des Erdkörpers. Die Versuche in 
einem Bohrloche zu Sperenberg von 1271,7 
Meter Tiefe ergaben eine Temperaturzunahme 
im Mittel von 1 " C. auf 27,8 Meter ; sie 
wurden unter möglichst vollständigem Abschluss 
der zu messenden Stelle von oberen kälteren 
Wassermassen angestellt. Herr Dr. Mey er- 
st ein (Göttingen) demonstriit einen von ihm 
construirten magnetischen Theodolit, Herr Prof. 
Abbe (Jena) Apparate zur Bestimmung des 
Brechungsexponenten und der Dispersion von 
Flüssigkeiten, begründet auf der Beobachtung 
des Eintretens der totalen Reflexion, E. Wiede- 
mann (Leipzig) referirt über seine Unter- 
suchungen betreffend die elliptische Polarisation 
des Lichtes bei Reflexion an Körpern mit Ober- 
flächenfarbeu , Prof. Wüllner (Aachen) über 
die seinigen bezüglich der Entstehung der ver- 
schiedenen Spectra von Gasen. Prüf. Pfaund- 
ler (Innsbruck) zeigt mehrere Apparate vor, 
geeignet für die Darstellung und Erläuterung 
der Figuren von Lissajous bei Vorlesungen. 
Prof. Helmholtz (Berün) sucht in seinem 
Vortrage über die galvanische Polarisation des 
Platins zu erklären , warum das bei der Er- 
zeugung der Polarisation verloren gegangene 
Quantum des electrischen Stromes nicht gemäss 
dem Gesetz von der Erhaltung der Kraft in 
einem Depolarisationsstrome wieder gewonnen 
werden kann. Geheimrath H a n k e 1 (Leipzig) 
macht die Mittheilung, dass nach seinen Unter- 
suchungen thermoelectrische Erscheinungen an 
KrystaUen in weit zahlreicheren Fällen und 
unter andern Modalitäten walu-genommen wür- 



den, als man bisher angenommen. * Prof. 
Witt wer (Regensburg) demonstrirt, wie man 
sich die Genesis aller bekannten KrystaU- 
gestalten aus tetraedrischen Molekülen denken 
könne , * Prof. Sohncke ( Carlsruhe ) ein 
Modell, an dem die 14 verschiedenen Arten 
der Krystallstructur sich deutlich machen 
lassen. * Prof. v. Oettingen (DorpatJ be- 
spricht Entladungs-Erscheinungen der Leyduer 
Batterie , Proi . Wüllner (Aachen) die von 
Dr. Winkelmann ausgeführten Experimente über 
den Wärmeverbrauch beim Lösen von Salzen, 
deren Resultate mit der mechanischen Wärme- 
theorie in Harmonie stehend befunden werden. 

* Prof. Lothar Meyer (Carlsruhe) ermahnt 
bei Untersuchungen von Körpern betreffend 
deren physikahsehe Eigenschaften die Ab- 
hängigkeit der letzteren von dem Atomgewichte 
der Substanz möglichst in's Auge zu fassen. 

* Prof. 0. E. Meyer (Breslau) referirt über 
seine Versuche, welche auch für die Transpi- 
ration der Gase die Gültigkeit des Poisseuille- 
schen Gesetzes, dagegen die Unrichtigkeit des 
Dalton'schen Gesetzes in seiner üblichen Form 
darthun. Prof. Höh 's (Bamberg) Vortrag hat 
zum Gegenstand die praktische Bedeutung der 
Atomistik. Prof. Friedr. Weber (Berlin) 
berichtet über seine Studien bezüghch der 
Verdichtung der Gase an der Oberfläche fester 
Körper. Geh. Hofrath Hankel (Leipzig) be- 
handelt die Absorption des Natriumhchts in 
seiner eigenen Flamme und ferner den Magne- 
tismus von Nickel und Kobalt im Vergleich 
zu dem des Eisens. Edelmann (München) 
beschreibt eine neue Methode zur objectiven 
Darstellung von Metallspectren, * Prof. Weber 
(Braunschweig) einen Normal - Etalon für gal- 
vanische Widerstände. Dr. Friedr. Weber 
(Berhn) giebt schhesshch in seinem Beitrage 
zur Difiraktionstheorie Formeln, welche die 



*) Ein vor einen Namen gesetzter Stern be- 
deutet, dass der Vortrag des Betreffenden im Tage- 
blatte der Versammlung nur kurze Erwähnimg ge- 
funden hat. 



14 



Beugiingsbilder nicht um- für gi-adlinige , son- 
dern auch für kreisförmige und elliptische 
Begränzung der beugenden Oeffhnng analytisch 
darstellen. — 

II. Sektion für Chemie und Pharmacie. 
Dr. Michaelis behandelt die Constitution der 
Phosphorverbindungen , R a t h k e eine neue 
DarsteUungsweise des Perchlormethylmercaptans 
(bei welcher ein neuer Chlorschwefelkohlenstoff 
Q2 ga Q{6 auftritt) und einige Zersetzungs- 
erscheinungen dieser Substanz. Dr. Zincke 
eine neue Bilduiigsart von Benzylisoxylol und 
Benzylparaxj-lol. * Prof. C. Iseubauer giebt 
eine Aufzählung verschiedener im Weinlaub be- 
obachteten organischen Verbindungen. Prof. 
Hlasiwetz bringt die Resultate zur Kvinde, 
die er gemeinschaftlich mit J. Habermann bei 
Zersetzung der Proteinstoffe gewonnen. Es 
ist- danach nicht nur Leucin und T^TOsin als 
ein charakteristisches Zersetzungsprodukt der- 
selben und zwar der thierischen ebenso gut 
wie der pflanzlichen zu betrachten, sondern 
auch die Glutamminsäure . da, wie er nach- 
gewiesen, auch das Casein und Albumin die- 
selbe liefern. Als weitere Zersetzungsprodukte 
treten daneben unter geeigneten Umständen 
nur noch Leucin und Tyrosin auf. * Dr. Tol- 
lens theilt eine Darstellungsmethode für Pa- 
rabansäure mit. Dr. C. Scheibler empfiehlt 
die von ihm entdeckte Phosphowolframsäure 
als Hülfsmittel für die organische Analyse, in- 
dem sie zur Abscheidung von organischen Basen 
sehi' geeignet erscheint, femer das Trauben- 
zucker - Chlornatrium zur Titersteliung der 
Fehling'scben Lösung. Prof. Hlasiwetz leitet 
aus seinen Versuchen über einige Abkömmlinge 
der Sulfocarbaminsäure Cmit Koehler angestellt) 
Formeln der entsprechenden \'erbindungeu ab 
unter Zugrundelegung eines Radikals „Thiuram" 
(=NH3 — CS). Prof. R. Weber berichtet 
über seine Untersuchungen betreffend das Sal- 
petersäure - Anhydi-it und ein neues Salpeter- 
säurehydrat, Prof. Lothar Meyer über seinen 
Apparat zur Regulirung dt-s Luftdrucks bei 



Destillationen, Prof. Schmitt über die Pro- 
dukte einer Behandlung von salzsaurem Or- 
thoamidopher.ol mit Chlorkalk, Dr. Grüneberg 
über seine Erfahrungen und Studien in der 
fabrikmässigen Herstellung des Chlorkalks durch 
den Deaconschen Prozess. Dr. ToUens spricht 
über Acrylsäure und deren Verbindungen, Prof. 
Fittig über einen neuen Kohlenwasserstoff 
(vielleicht Phenyl-Jfaphthalüi) und Bildung des 
Allyl-Benzols aus Zimmetalkohol, Dr. A. W ed- 
dige über Darstellung und Eigenschaften des 
Cyankohlensäureäthers, Dr. Clemens Winkler 
( ISiederpfanneustiel ) über ein Verfahren zur 
technisch-chemischen Untersuchung von Gasen, 
* Prof. Kolbe über Versuche von Dr. Pfan- 
kuch, von M. Saytzeft und über seine eignen 
mit Nitrocarbol. Dr. A. Michaelis fuhrt 
einige Experimente über Uebersättigung vor, 
F. Salomon einen von ihm entdeckten, das 
Radikal Carbonyl enthaltenden Mouosulpho- 
carbonsäureäther. Prof. Landolt stellt Be- 
trachtungen an über die Refractionsäquivalente 
der chemischen Elemente C, H und 0, Dr. 
H. Salkowski über die Einwirkung des Am- 
moniaks auf Nitranissäure und ähnliche Körper, 
Prof. Hübner über Brom- und Nitro -Toluol- 
abkömmlinge und schliesst daran eine Notiz 
über Funiar- uöd Malleinsäure sowie über die 
von Hrn. Spczia gefundene Methode der quan- 
titativen Trennung von Jod und Chlor mittelst 
salpetersaurem Thalliumoxydul. * Dr. Geissler 
(Bonn) demonstrirt neue, von ihm construirte 
Apparate. * Dr. Zincke glaubt durch seine 
Beobachtungen über die Einwirkimg von Zink 
auf Benzylchlorid gemischt mit aromatischen 
Kohlenstoffen den Beweis liefern zu können, 
dass das Zink keine eigentlich chemische 
Wirkung äussert. Dr. C. Liebermann lehrt 
in dem Coeruhgnon ein Zersetzungsprodukt des 
Holzes kennen, das durch schön blaue Farbe 
charakterisirt ist, und das aus dem anscheinend 
in allen Holzessigarten enthaltenen farblosen 
Hydrocoerulignon , zur Hydrochinongruppe ge- 
hörig , vermittelst Oxydation dargestellt wird. 



15 



Prof. Carstanjen erstattet Bericht über Prof. 
F. Scbulze's Arbeit betreffend die Transspiration 
von Salzlösungen, welcbe darthut, dass die 
Differenzen der Innern Coliiision bei verschie- 
denen Flüssigkeiten, die sicli ■/.. B. bei dem 
schnelleren oder langsamerenDurchfliessen durch 
capillare Röhren kundgeben, in einem bestimm- 
ten Zusammenhang mit dem Atomgewicht der 
aufgelösten Stoffe stehen ; dei'selbe erläuterte 
ferner die Constitution des Allylalkohols. *Prof. 
Christomanos (Athen) beschhesst die Sitzungen 
der Sektion mit einem Vortrag über eine neue 
Darstellungsweise des Diphenyl und über die 
Analyse von Chromeisensteinen. — 

III. Sektion für Mathematik und Astro- 
nomie, * Prof. Schlömilch (Dresden) spricht 
1. über bedingt und unbedingt convergirende 
Reihen, 2. über Integration längs geschlossener 
Contouren , 3. über einen die Verwandtschaft 
von Kegelschnitten betreffenden Satz. Prof. 
Hoppe (Berhn) empfiehlt statt der üblichen 
Bezeichnungsweise für häufiger angewandte 
constante Grössen mittelst gewöhnlicher Buch- 
staben eine solche durch anderweitige Zeichen. 
Prof. Bruhns (Leipzig) legt einen neuen von 
Prof. Heis entworfenen Steruatlas vor. Prof. 
Durege (Prag) behandelt die Eintheilung der 
Curven dritter Ordnung, von denen er zwei 
Klassen unterscheidet. Prof. Bruhns (Leipzig) 
macht Vorschläge zur Verbesserung des Bessel- 
schen Basis-Messapparates. Dr. Meyerstein 
(Göttingen) erläutert das Prinzijj und die Be- 
obachtungsmethode bei seinem neuconstruirten 
magnetischen Reisetheodolith. * Dr. Hess 
(Marbui-gj hält einen Vortrag über die mög- 
lichen Arten archimedischer Körper und * Dr. 
Pochhammer (Berlin; über eine falsche 
Schlussfolgerung, di.e man bezüglich der Four- 
nier'schen Cylinderfunction sich habe zu Schul- 
den kommen lassen. — 

IV. Sektion für Mineralogie, Geologie, 
Paläontologie. Dr. Möhl (Cassel) fügt in 
seinem Vortrag über die tertiären Eruptiv- 
gesteine Sachsens den von Zirkel bereits be- 



gründeten Basaltabtheilungen drei neue hinzu, 
nämlich Nephelinglas-Basalt, Hauyn-Basalt und 
Glimmer- Basalt. Dr. Volger (Frankfurt) be- 
handelt das Vorkommen und die Bilduugsweise 
des Nöllnerit und Lüneburgit. Prof. E. E. 
Schmid (Jena) erklärte die Anordnung, welche 
er dem von ihm bearbeiteten (thüringischen) 
Theile — bis jetzt 12 Blätter — der geolo- 
gischen Karte des Königreichs Preussen und 
der Thüringischen Staaten gegeben , und die 
hauptsächlich in der Gliederung der Trias und 
in der Darstellung der jüngsten Formationen 
Interesse bietet. Prof. Möhl (Cassel) schildert 
den geognostischen Bau des Soheidsberges bei 
Remagen, des Bühl bei Weimar und der blauen 
Kuppe in Hessen und die petrograpischeu Ei- 
genthümlichkeiten der darin enthaltenen Basalte 
und Anamesite. Dr. Brauns und Dr. Jentzsch 
berichten über die Organisation der königlich 
sächsischen geologischen Laudesnnteisuchung, 
welche eine geognostische Kartirung des König- 
reichs in Anschluss an die preussisohen Ar- 
beiten ausführten wird, und über die bei neuern 
Eiseubahnbauten erlangten Aufschlüsse. Prof. 
Credner (Leipzig) bringt seine soeben er- 
schienenen „Elemente der Geologie" zur An- 
sicht. Eine längere Discussion ruft die Be- 
nennung Löss und Lehm hervor, v.'obei Dr. 
A. Jentzsch, Prof. Geinitz, Prof. Schmid, Dr. 
Volger, Dr. Schreiber, Dr. Möhl und Dr. Orth 
sich betheiligten. Prof. Tschermak macht 
auf die von Fuess (Berlin, Wasserthorstr. 46) 
angefertigten käuflichen Dünnschliffe aufmerk- 
sam. Dr. Volger (Frankfurt) gab Nachricht 
über eine Bohrung auf Steinkohlen im Maia- 
thal und erläutert weiter ein Profil der Gegend 
von Lüneburg. Prof. Tschermak bespricht 
die im Salzgebirge häufig auftretenden Stau- 
chungen, Dr. Schneider die Jodquellen der 
Schlammvulkane bei Soerabaya auf Java sowie 
einen Schlammvulkan auf der Insel Timor und 
bezeichnet als thätige Ursache bei den Erup- 
tionen sowohl die Zersetzungsprodukte sedi- 
mentäi'er Schichten als auch die eigentlich 



16 



Tulkanische Thätigkeit. Die Quellen seien so- 
wohl wegen ihrer medizinischen Wii-kungen bei 
Skrophulose, Syphilis und Lepra bemerkens- 
werth, als sie auch für eine industrielle Aus- 
beute auf Jod geeignet zu sein scheinen. Dr. 
H.Behrens (Kiel) beschreibt das mikroskopi- 
sche Aussehen mehrerer Steinkohlen -Arten in 
Dünnschliffen, wonach den Hauptbestandtheil 
eine rothbraun oder gelb durchscheinende Masse 
bildet ; eingestreut finden sich wohl Mellith- 
krystalle, gelbes Bitumen und kohlige Massen, 
oft eine vorzügliche Fluidalstruktur bewirkend : 
auch ringförmige Zeichnungen, wie von grossen 
Zellen herrührend , werden beobachtet. Prof. 
Paul Reinsch giebt Aufschluss über die 
Struktur des Krähenberger Meteoriten und 
ertheilt dabei einige Winke betreffs der An- 
fertigung' mikroskopischer Präparate von Me- 
teorsteinen (Tränkung mit Wachs) : er folgert 
aus seinem Erfunde , dass dieser Meteorstein 
nicht im Zustande der Glühhitze sich auch 
nur kürzere Zeit in einem sauerstoffhaltigen 
Medium befunden haben, dass die Rinde nicht 
das Schmelzprodukt der Mineralien des Meteor- 
steins sein könne, und dass der Uebergang 
aus dem früheren Aggregatzustand in den 
jetzigen (wegen der unvollkommenen Krystalli- 
sation der Mineralien) ein plötzlicher gewesen 
sein muss. Ein Fossil aus dem Muschelkalk, 
welches v. Schlereth (Fulda) für Weichtheile 
eines Nautilus angesehen , wird von mehreren 
Anwesenden für das Kopfskelet eines Fisches 
erklärt. Prof. Abich (Tiflis) referirt über 
die Ergebnisse der Brunnenbohrung von Ku- 
dako im Kaukasus , über die Menge und die 
Beschaffenheit des dabei gewonnenen Petro- 
leums. Ferner legt derselbe Gesteinsproben 
von der Spitze des kleinen Ararat vor, die 
als Andesit-Fulgurite bezeichnet werden können 
und ihr Entstehen der gerade an diesem Berge 
sehr häufigen Gewitterbiidiuig verdanken. Dr. 
Behrens (Kiel) zieht eine Parallele zwischen 
den bei der Einwirkung von Dextrin und Leim 
auf Kieselsäurehvdrat und kieselsaures Natron 



entstehenden Niederschlägen und den natürlich 
als Opal und Hydrophan etc. vorkommenden 
amorphen Quarzen. Dr. Cohn (Berlin) be- 
handelt das Vorkommen von Petroleum im 
Elsass. Prof. v. Zepharovich (Prag) de- 
monstrirt und beschreibt ein neues Mineral 
„ Syngenit " (Ca SO4 , K-, SO4 , H2O ) aus den 
Salzlagern von Kalusz (Galizien). Prof. Reinsch 
macht darauf aufmerksam, dass auch die Rinde 
der Meteoriten durch die Einwirkung der 
Elektricität (nach Analogie der Andesit-Ful- 
gurite) möglicherweise erzeugt werde. Dr 
Schreiber giebt Mittheilungen über die in 
den tiefen Gruben bei Magdeburg sich findenden 
Tertiärfossilien. Dr. Volger spricht über die 
Bedeutung der groben Geschiebe für die Auf- 
deckung ehemaliger topographisch - geognosti- 
scher Verhältnisse. Er glaubt schon zur Stein- 
kohlenzeit das Vorhandensein von Eismassen, 
welche gi-össere Felsblöcke transportiren konn- 
ten, annehmen zu müssen. Dr. Jentzsch 
giebt im Anschluss daran ein Bild der geo- 
logischen Entwickelung des Eibthals. 

V. Sektion für Zoologie und vergleichende 
Anatomie. Prof Claus (Göttiugen) berichtigt 
bezügUch der Entwickelung der Branchiopoden, 
dass früheren Angaben entgegen auch die 
Naupliusform der Gattungen Estheria und Lim- 
nadia gleich der von Apus 3 Fusspaaie be- 
sitzt ; die Larven lassen einen vollständigen 
Nervenschlundring und .3 verschiedene Drüsen 
erkennen. Die Organbildung erfolgt aus einem 
vom Hautblatte sich anlegenden Keimstreifen, 
der auch dem Nervensystem seinen Ursprung 
giebt ; die Geschlechtsorgane bilden sich vom 
Hautblatte aus, desgleichen die seitlichen Augen. 
Dr. Eimer (Würzburg) hat bei seinen dies- 
jährigen Studien in Capri an drei Schwamm- 
arten (Esperia, Myxilla) in chitinartigen die 
Oberfläche besetzenden Röhrchen Organe ent- 
deckt , die er als polypoide Ernährungs- und 
Fangthiere dieser Schwämme ansieht ; diese 
Organe zeigen eine hohe Organisation durch 
Besitz von Tentakeln, Sonderuug ihrer V/^and 



17 



in Ektoderm, Muskelschicht und Entodeiin 
mit Nesselzellen, hängen aber innig mit dem 
übrigen Schwammgewebe zusammen und lassen 
überdies in den bei Reniera- Arten aufgefun- 
denen viel einfacheren Schläuchen einen Ueber- 
gang zu der gewöhnlichen Schwammorganisation 
erkennen, so dass man sie als Parasiten des 
Schwammes nicht betrachten darf. Dr. A. 
Dohrn in Neapel giebt brieflich Nachricht 
über den Stand der in Neapel von ihm an- 
gelegtea zoologischen Beobachtungsstation und 
bittet um Unterstützung des Instituts durch 
Ueberweisung von wissenschaftlichen Werken. 
Dr. Kriechbaumer demonstrirt ein Exemplar 
der violetten Holzbiene (Xylocopa violacea) mit 
lateralem Hermaphroditismus. Prof. Leuckart 
(Leipzig) zeigte zwei lebende Exemplare von 
Amphiuma vor. Weiter begründete er seine 
A''ermuthung, dass die Filaria medinensis, deren 
Embryonen voUstäiidig mit denen von Cucul- 
lanus elegans übereinstimmen, als Larve in 
den Darm des Menschen übergehe und von 
da aus in das Unterhautbindegewebe aus- 
wandere. Die Entwickelung von Echino- 
rhynchus hat Prof. Leuckart wiederum und 
zwar au einer andern Art (angustatus) als 
früher (proteus) untersucht, und wesentUch 
ähnliche Verhältnisse, im Gegensatze zu Prof. 
Schneider' s Angaben (über E. gigas) gefunden. 
Prof. Claus hat Ascaris uigrovenosa als einen 
Zwitternematoden erkannt. Ferner theilt er 
die Auffindung einer Oxyurislarve mit, welche 
er im erwachsenen Zustand in grossen Schwimm- 
käfern vermuthet. Dr. Eimer (Würzburg) 
zeigt eine Varietät der Laeerta muralis von 
Capri vor mit ausgesprochener Anpassung an 
die Färbung ihres felsigen Aufenthaltsortes, 
und macht auf die' von ihm beobachtete Um- 
färbung dieses Thieres in der Gefangenschaft 
aufmerksam. Dr. Brauer (Wien) bestätigt 
die Thelytokie parthenogenisirender Weibchen 
vonApus und bringt weitere Beobachtungen über 
Entwickelungsgeschichte der Phyllopoden bei, 
welche von Prof. Claus ergänzt werden. Dr. 
Leop. Vin. 



Rogenhofer (Wien) macht Mittheilungen be- 
züglich der wissenschaftlichen Publikation über 
die Novara-Reise. Er demonstrirt ferner einige 
von ihm in der Leipziger Saimnlung aufge- 
fundene Raupen, von denen die eine auch auf 
dem vierten und neunten Segment Beine und 
also 2 Beinpaare mehr als alle andern Schmet- 
tei-lingsraupen trägt. Dr. Nitsche (Leipzig) 
sprach über den feineren Bau des Tänienkopfes, 
* Prof. Claus über das Gehörorgan der Oxy- 
cei^haliden und über von Phronima ausgefres- 
sene Pyrosomenstöcke, Prof. Schneider über 
eine bei Fischen aufgefundene Commissur zwi- 
schen zwei symmetrischen Trigeminusästen, 
welche er , wie die in andern Thierklassen 
zwischen rechtem und linkem Hypoglossus ent- 
deckten Verbindungen, für ein Analogon des 
Schluudrings der wirbellosen Thiere ansehen 
will, wogegen aber mehrseitiger Widerspruch 
laut wird, Prof. Oscar Schmidt (Strassburg) 
über das Entstehen der Kieselnadeln in 
Schwämmen, welche auch in freier Sarkode 
sich bilden können ; junge Nadeln seien von 
Kölliker für Samenfäden gehalten worden. 
Prof. Stein (Prag) erläutert die Organisations- 
verhältnisse und Geschlechtsunterschiede bei 
Räderthieren , welche letztere nur im Fehlen 
der Kauwerkzeuge und Verkümmerung des 
Darms bestehen. Prof. Leuckart (Leipzig) 
legt Abdrücke fossiler Medusen in Gyps nach 
galvanoplastischen Metall - Matrizen vor und 
stereoskopische Photographien, welche sich vor- 
züglich zum Studium derartiger Objekte eignen ; 
es lässt sich danach erkennen, dass der Lepto- 
brachnites trigonobraohius nicht 8 oder 5, 
sondern 4 Arme besessen habe. Heincke 
(Leipzig) widerspricht der jetzt herrschenden 
Annahme, dass sich die Fischzähne aus Pa- 
pillen entwickelten, es tritt vielmehr bei ihrer 
Entstehung ebenso gut eine Epithel- Wucherung 
nach Innen und ein Schmelzorgan auf, als bei 
Säugethieren. Ersatzzähne bilden sich aus 
Abknospungen des Keimorgaus. * Kräplin 
trägt vor über Homologien des Stachels der 



18 



Hymenoptereii, * Prof. Selenka (Leyden) über 
die Furchungskugeln des Eies von Tergipes, 
die grösstentheils zu Flimmerzellen ohne weitere 
Entwickelung sich ausbilden. * Dr. Kriech- 
baum er (Müncheo) empfiehlt ein litho- 
graphirtes Schema zui- Führung entomologi- 
Bcher Tagebücher. * Dr. Rogenhol'er macht 
eine Bemerkung betreffs der bei Seiandria 
ephippium , deren Männchen unbekannt ist, 
schwerlich vorauszusetzenden Parthenogenesis. 
Sektion (VI) iür Botanik und Pflanzen- 
physiologie. Dr. Pfeffer (Marburg) trägt 
vor über das Oefliien und Schliessen der Blü- 
then, wobei (die oft sehr einflussreiche) Tem- 
peratur, Beleuchtung und autonome Bewegungen 
zu berücksichtigen sind , und eine Gewebe- 
spannung auf der Innenseite der Blüthentheile 
als die nächste Ursache anzunehmen ist, Prof. 
Buchenau (Bremen) über die Flora des 
arktischen Ostgrönland ; die von der Deutscheu 
Nordpolexpedition der Jahre 1869 — 70 mit- 
gebrachten Sammlungen (89 Arten Gefäss- 
püauzen, 71 Laubmoose, 52 Flechten, 17 Algen, 
5 höhere Pilze, 13 endophy tische Pilze nebst 
Treibholz) bestätigen die ausserordentliche Ar- 
muth Grönlands und deren rein skandinavisch- 
alpinen Charakter. Die Baffinsbay bildet die 
einzige scharte Gränze innerhalb des Polar- 
reichs. Prof. Hegelmeier (Tübingen) wider- 
legt die Ansichten Cramer's über die Morpho- 
logie der Brutknospen des Lycopodium Pelago. 
Prof. de Bary (Strassburg) schliesst aus 
seinen Untersuchungen und Züchtungsexperi- 
menten an Ohara crinita, dass diese Species 
sich parthenogenetisch fortzupflanzen im Stande 
ist. Dr. Flügel unterscheidet an Diatomeen- 
schaalen fünf verschiedene Typen, wovon vier 
durch deutliche Hohh'äume charakterisirt sind, 
die entweder geschlossen oder nach aussen oder 
innen geöffnet sind ; bei einem Typus (Surirella) 
bleibt das Vorhandensein von Hohlräumen 
zweifelhaft. Dr. Schmidt sieht in der Mittel- 
linie der Naviculaceen nicht einen Spalt der 
Schale (wie Max Schultze), sondern einen nur 



vorn und hinten geöffneten Canal zur Er- 
nährung und Fortbewegung des Organismus 
dienend (Wassergelässsystem). Dr. Reinsch 
empfielt zur Conservii'ung fleischiger Pilze die 
Ueberziehung derselben mit einer Collodium- 
haut und nachherige Austrocknung. Prof. 
Leitgeb (Graz; erläutert den Bau und die 
Entwickelung von Blasia ; die Brutknospen 
stellen sich theils als „grüne Schüppchen" dar, 
theils entwickeln sie sich in flaschenförmigen 
Behältern ; an der Unterseite der Blätter kom- 
men nebst zwei Arten von Unterblättern fälsch- 
lich als Brutknospeu bezeichnete Nostoc-Colonien 
vor (jedoch nur in den Achseln der Amphi- 
gastria) ; die Antheridien finden sich (wie schon 
Gottsche angegeben) auf der Obei'seite der 
Blätter in deren Mittelrippe eingesenkt. Das 
Längeuwachsthum des Sprosses erfolgt durch 
eine Scheitelzelle mit Segmentation nach vier 
Richtungen. Darauf bespricht derselbe die 
anatomischen Verhältnisse der Spaltöffnungen 
bei den Marchantiaceen, nachweisend, dass die 
die Oeffnung begi-äuzenden Schliesszellen nicht 
aus einer gemeinschaftlichen Mutterzelle (wie 
bei höheren Pflanzen) abstammen , somit also 
die Spaltöffnungen der Marchantiaceen gewöhn- 
lichen Intercellularräumen sich anreihen. Dr. 
Sorauer demonstrirt an einem geringelten 
Kirschzweig, dass der Holzkörper nach Fort- 
nahme der ganzen Rindenpartie allein im Stande 
sei , einen neuen Rindenköiper zu erzeugen, 
wobei hauptsächlich die Markstiahlen sich be- 
theiligen. Dr. Hege Im ei er erläutert die Ho- 
mologien zwischen den schlauchförmigen freien 
Zellen in den Schleimgängen der Lyeopodien 
mit den zusammenhängenden Auskleidungszellen 
in den Gummigängen höherer Gewächse. Prof. 
Schenk legt Präparate von Algencolonien 
(Nostoc) in den Intercellularräumen von Cycas- 
wurzeln vor und bespricht darauf die Ent- 
wickelung der Sporangien (nach seiner An- 
sicht Achsenprodukte) von Selaginella und 
deren nächsten Verwandten im Pflanzenreich, 
für welche er die Rhizocarpeen , nicht aber 



19 



Lycopodien hält. Batka (Prag) bezeichnet 
als den Weihrauch erzeugende Pflanze die 
Boswellia Carter! Birdw. in Somali und Ha- 
dramaut, ausserdem aber" noch B. Bhau-Dajaua 
und B. Freriana, beide auf den Kalkbergen 
des Somali -Landes wachsend, und macht dar- 
auf aufmerksam, dass die Pflanze, von der die 
Myrrha abstammt, immer noch ungenügend 
bekannt, die Herkunft des BdelHum aber noch 
ganz im Dunkeln sei. Dr. Frank (Leipzig) 
führt mehiere Beobachtungen an, wodurch 
bewiesen wird . dass auf die Erzeugung der 
Structurverschiedenheit zwischen Ober- und 
Unterseite der Blätter nur der Einfluss des 
Lichts, nicht der der Schwerkraft von Belang 
sei ; Experimente wurden an Thuja und Mar- 
chantia angestellt. Dr. Bail (Danzig) be- 
stätigt. Brefeld's Beobachtungen betreffend der 
Entwickelungsgesehichte von PiptocephaMs Fre- 
seniana und erwähnte anderer bei seinen Un- 
tersuchungen beobachteten Pilzentwickelungen, 
und erklärt , dass er nach neueren Unter- 
suchungen an dem Zusammenhange von Mucor 
und Sapi'olegnia festhalten müsse. Dr. Luerssen 
(Leipzig) schildert die ersten Entwickelungs- 
vorgänge der Sporangien bei Angiopteris, an- 
knüpfend an seine entsprechende Arbeit über 
Marattia. Prof. Schenk giebt eine Uebersicht 
über die verschiedenen Erhaltungszustände fos- 
siler Pflanzen. Seydewitz (London) berichtet 
brieflich über die Pflaumencultur bei Bordeaux. 
In der Sektion (Vü) für Anatomie und 
Physiologie trug vor * Dr. Hitzig über seine 
Untersuchungen zur Physiologie des Gehirns, 
* Prof. Nothnagel über Wirkung von Ein- 
spritzungen kleiner Quantitäten Chromsäure 
in verschiedene Hirntheile, wodurch genau ab- 
gegi'änzte Partien ausser Function gesetzt 
werden, Dr. Flechsig über die Entwickelung 
der Markweisse im centralen Nervensystem 
des Menschen; hierbei treten zuerst, Mitte 
des fünften Monats, lediglich die KeUstränge 
des Rückenmarks auf, im Anfang des siebenten 
sind in der Brücke nur Schleifenschicht, hinteres 



Längsbündel und motorische Nervenwurzeln 
weiss, im Grosshirn bilden sich erst nach der 
Geburt deutlich weisse Massen aus. * Dr. 
Dittmar referirt über seine Versuche, die 
Lage des Gefässcentrums in der MeduUa oblon- 
gata zu ermitteln, Prof. Piosenthal (Erlangen) 
über die von ihm betreffs der Automatie des 
Athmungscentriuns angestellten Experimente, 
welche dai-thun, dass man trotz grossem Sauer- 
stoffmangel im übrigen Körper durch geeignete 
Blutinjection in die Gehirngefässe Apnoe, und 
bei ganz normalem lUut des Körpers Dyspnoe 
erzeugen kann. Dr. v. Ebner vertheidigt, 
auf neuere Untersuchungen gestützt, seine 
früheren Ansichten über Bildung der Sperma- 
tozoiden gegenüber dem von Merkel behaup- 
teten Vorhandensein einer gesonderten „Stütz- 
zelle". Dr. Merkel spricht über die Verhält- 
nisse an halbseitig contrahirten Muskelfasern, 
* Dr. F. A. Hoffmann über Glykogen in der 
Leber. Prof. Hoyer (Warschau) beschreibt 
directe Verbmdungen zwischen Arterien und 
Venen am Kaninchen-Ohr unter Anziehung von 
Beispielen aus der menschlichen Anatomie, 
Dr. Oellacher die Entwickelung des Urnieren- 
ganges bei der Forelle ; dieser lässt sich hier 
mit grosser Sicherheit als aus dem mittleren 
(nicht oberen) Keimblatt stammend nachweisen, 
und seine Bildung bietet somit ein Beispiel 
davon , dass die Epithelentwickelung nicht 
völUg auf das obere und untere Keimblatt 
beschränkt ist. * Dr. Robinski berichtet 
über Beobachtungen, welche gegen die Exi- 
stenz der von einigen Forschern angenommenen 
Substanz des Linsensterns sprechen , Prof. 
Aubert (Rostock) über Versuche betreffend 
die Bestimmung der durch die menschliche 
Haut abgeschiedenen Kohlensäui-e , hauptsäch- 
lich die Angabe Scharling's widerlegend, wo- 
nach die Körperhaut 3,3 % der gesammten 
vom Körper ausgeathmeten Menge liefern 
würde, während sich statt dessen nur 0,5 "o 
(d. h. 5 Gramm täglich) zu ergeben scheinen. 
* Dr. Dietl macht kurze Angaben über das 

3* 



20 



Verhalten der Nerven in den Tasthaaren, 
* Krukenberg über das Röhrensystem der 
Knochen und Zähne, * Dr. S. Th. Stein 
(Frankfurt a/M.) brieflich über einen Apparat 
zur photographischen Aufnahme des Trommel- 
fells. * Prof. Braune demoiistrirt Abbildungen 
nach Durchschnitten gefrorener weibUcher Ca- 
daver mit Uterus gravidus. Dr. Nasse weist 
Abweichungen der verschiedenen Eiweisssloffe 
nach, welche je nach ihrer Herkunft eine sehr 
verschiedene Menge an losergebundenem (d. h. 
durch Barythydrat anstreibbarem) Stickstoff 
besitzen ; ähnhch verhalten sich die aus diesen 
Eiweissstof5en dargestellten Syntonine gegen- 
einander. M. ITi. Edelmann (München) führt 
eine von ihm ansgefühite Beetz'sche Batterie 
für elektro- therapeutische Zwecke vor. Dr. 
Ewald Hecker spricht über das Lachen in 
seiner physiologischen und psychologischen Be- 
deutung. Das Lachen als intermittiiende for- 
cirte Expiration wirkt negativen Druck- 
schwankungen im Gefässsystem entgegen, welche 
durch Kitzeln empfindlicher Körperstellen ver- 
mittelst der Reizung des Sympathikus erzeugt 
werden ; da auch das Komische als eine inter- 
mittirende freudige Erregung den Sympathikus 
reizt, so ist auch in diesem Falle das Lachen 
eine zweckmässige Compensation des nicht un- 
gefährlichen negativen Gefässdnicks im Gehirn. 
Prof. His zeigt an Abbildungen von Säuge- 
thier- und Vogelembryonen . dass die specifi- 
schen Charaktei'e sich schon sehr früh ent- 
wickeln . und dass die Bildung des Vogel- 
schnabels zu den grossen Augen des Embryos 
in Beziehung steht. Prof. Sc haaff hausen 
erklärt es füi' möghch , nach der Grösse der 
Blutkörperchen Spuren menschlichen Blutes 
von dem Blute unserer Haus- und Jagdthiere 
behufs ibrensischer Untersuchungen zu unter- 
scheiden. Prof. Engel mann macht Mit- 
theilungen über das mikroskopische Aussehen 
ruhender und contrahirter Muskeln , * Prof. 
Hoyer über das Knochenmark, Dr. Kron- 
ecker über die A rbeitsgrösse des tetanisch 



contrahirten Muskels, Prof. Donders über 
die bei der Aphakia völlig mangelnde Akko- 
modationsfähigkeit des Auges. 

Ueber die Arbeiten der Sektion (VHI) für 
innere Medicin, (IX) für Chirurgie und 
Ophthalmologie, (X) für Gynäkologie und 
Gebnrtshülfe, (XIj für Psychiatrie, (XU) für 
öffentliche Gesundheitspflege und Medicinal- 
reform und medicinische Statistik, (XIU) 
liu- Kinderheilkunde, (XIV) für Militärsani- 
tätswesen zu berichten, hindert leider der 
diesem Blatte zu Gebote stehende beschränkte 
Raum. 

In der Sektion (XV) für naturwissen- 
schaftliche Pädagogik führte G. Elssner 
(Löbauj seine naturgeschichtlichen Talein vor, 
die er gleichzeitig iür den Zeichenunterricht 
empäelilt, Appun (Hanau) seine akustischen 
Appaiate, nämlich einen Obertöneapparat, einen 
Tonmesser und zwei Sirenen, Herr Schubring 
(Erfurt) das Mach'sche Modell zur Veranschau- 
Uchung der Helniholtz'schen Theorie der Ober- 
töne, Consonanz und Dissonanz, sowie einige 
von ihm entworfene graphische Tonleiterdar- 
stellungen, endlich einen (drehbaren) Kalender, 
der für die Zeit von 1844 — 1956 Datum, 
Wochentage und Osterfeste angiebt. 

Betreffs der Sektion (XVI) für Agricultur- 
chemie muss auf das Tageblatt der Versamm- 
lung verwiesen werden. 

Die Sektion (XVU) für pathologische 
Anatomie eröffnet Prof. Rindfleisch (Bonn) 
mit einem Vortrag über die Verästelungsweise 
der Arteria puhnonalis, deren Zweige lediglich 
durch Capillaren (nicht mittels gröberer Ana- 
stomosen) mit den Venen sich verbinden, unter 
Beziehung auf die Möglichkeit emboUscher 
Prozesse. Prof. Ackermann (Rostock) spricht 
über eine eigenthümUche Form von chronischer 
Bronchopneumonie, hauptsächlich charakterisirt 
durch Mangel von Lymphkörperchen . Schleim 



21 



und Serum in den Alveolen , in denen nur 
Epithelzellen vorhanden sind, und durch starke 
Bindegewebshyperplasie. Prof. Stricker (Wien) 
demonstrirt Präparate zur Histologie der ent- 
zündeten Hornhaut und ersucht um ein Ur- 
theil anwesender Autoritäten, 1. ob in dem 
pathologischen Präparat die einzelnen Horn- 
hautkörperchen unverändert in gleicher Weise 
mit Fortsätzen versehen auftreten , 2. ob sie 
in der nämlichen oder vermehrter Zahl vor- 
handen seien , wie in der unverletzten Horn- 
haut, welche Punkte dahin entschieden werden, 
dasa zwar die Iloinhautkörperchen etwas ver- 
ändert seien, dass die Zahl der zelligen Ele- 
mente aber die der Hornhautkörperchen in 
dem normalen Gewebe übertreffe und diese 
demnach zum Theil als farblose Blutkörperchen 
angesehen werden müssten; d. h. dass nicht 
Bindegewebsköi per, sondern farblose Blutzellen 
das histologische Element für die Entzündung 
lieferten. Prof. Klebs spricht über bei In- 
fectionskraukheiten vorkommende Mikrokokken. 
Blut von gesunden Thieren, direkt aus dem 
Herzen entnommen, zeigte bei genügenden Vor- 
sichtsmassregeln selbst nach 6 Monaten keine 
Zersetzungserscheinuugen und keine Mikro- 
kokken ; dagegen wurde beides im Blute 
von den Thieien beobachtet, welche vor- 
her durch Einführung von Microsporon sept. 
in das Blut in Fieberznstand versetzt worden 
waren. Es wurde ferner gefunden , dass die 
Vertheilung des Mikrokokkus bei Sepsis, Variola 
und Rinderpest charakteristische Verschieden- 
heiten zur Genüge darbiete, um zur Annahme 
einer specifischen Verschiedenheit derselben zu 
berechtigen. Dr. Friedländer (Halle) erklärt 
auf Grund histologischer Befunde den Lupus, 
die Skrophulose und Tuberkulose für verwandt. 
Dr. Orth (Bonn) giebt die Resultate seiner 
Untersuchungen über Aetiologie des Erysipels. 
Eine auf erysipelatösem Grunde entstandene 
Hautblase lieferte zahlreiche Kugelbakterien 
und die Impfung anderer Thiere mit der Flüssig- 
keit dieser Blase die n&mliche Erkraukungs- 



form ; bei der Sektion der inficirten Individuen 
zeigten sich wiederum in der Oedemflüssigkeit 
zahlreiche Bakterien (stäbchenförmig und oval), 
welche ebenfalls mit Leichtigkeit durch Impfung 
Erysipel erzeugten. Das Blut der erkrankten 
Thiere enthält zwar keine gi-össeren Mengen 
von Organismen , indess wirkt es , wenn auch 
nach etwas längerer Zeit, gleichfalls ansteckend. 
Die Infektionsflüssigkeit selbst scheint (nach 
Abtödtung der Bakterien) nicht coijtagiös zu 
sein, Eonuorn nur den darin lebenden Formen 
ihre Wirkung zu verdanken. Prof. Biesia- 
decki (Krakau) bespricht die Verheilung durch- 
schnittener Blutgefässe und Infarktbildung nach 
seinen Versuchen an der Schwimmhaut des 
Frosches, Dr. Birch-Hirschfeld (Dresden) 
das Verhalten der Milz gegenüber fremden 
geformten Stoffen in der Blutbahn ; sie wirkt 
dem Blute gegenüber ähnlich wie die Lymph- 
drüsen gegenüber der Lymphflüssigkeit ; durch 
Zurückhalten von inficirenden Organismen 
(Mikrokokken) kommen möglicher Weise viele 
MilzanschwelluDgen zu Stande. Nach Ver- 
suchen des Vortragenden blieb hei Pilzent- 
wickelangeu in den serösen Höhlen, wobei auch 
kein Milztumor auftritt, die Blutbahn oft lange 
von Organismen frei. Prof. Arn st ein (Kasan) 
schildert die Verhältnisse der Melanämie und 
Melanose, welche nach dem Febris intermittens 
in Kasan gewöhnlich eintreten. Nur in Milz, 
Leber und Knochenmark häufen sich in den 
Capillaren sowohl als im Gewebe die Theüchen 
des Pigments in sichtbarer Menge an , das 
nach der Ansicht des Vortragenden durch 
Zerfall der rothen Blutkörperchen gebildet, 
Von den weissen Blutkörperchen aufgenommen 
und von diesen an die bezeichneten Stellen 
transportirt wird. Prof. Zenker charakteri- 
sirt die acute gelbe Leberatrophie als einen 
durch unbekannte Ursachen bedingten Zerfall 
und darauf folgende schleunige Resorption der 
Leberzellen nach einem anfänglich einfachen 
katarrhalischen Leberikterus ; von der gelben 
Atrophie stellt die rothe nur ein weitere 



22 



Stadium dar. Dr. Lubimoff theilt seine 
Untersuchungen über pathologische Verän- 
derungen des Gross- und Kleinhirns bei De- 
mentia paralytica mit. 

Sektion (XYIÜ) für Meteorologie*). Bei 
der Discussion über die einzelnen Abschnitte des 
Programms spricht sich die Mehrzahl der Red- 
ner für das metiische Maass und die hundert- 
theilige Thermometerskala aus , deren Ein- 
führung nur für England nach der Ansicht 
der anwesenden Meteorologen dieses Landes 
mit Schwierigkeiten verknüpft sein dürfte. 
Als Barometer glauben Scott, Buchan, Je- 
linek und Wild das Aneroid-Barometer nur 
als Nothbehelf zur Controle und Interpolation 
empfehlen zu können. Die Aufstellung des 
Thermometers anlangend, besehreibt Buchan 
die schottische Einrichtung , nach welcher die 
Thermometer auf einem Grasplatze 4 Fuss hoch 
über dem Erdboden durch Jalousien und Dächer 
gegen Regen und Sonnenschein geschützt placirt 
werden, Scott die von Glaisher unter einem 
schrägen Dach im Freien. Von Thermometro- 
graphen haben sich in England die Maximum- 
und Minimumthermometer von Negretti und 
Zambra gut bswähi t, als Minimumthermometer 
in allen Ländern das Weingeisttherpiometer. 
Eine gedruckte Mittheilung über einen Thermo- 
metrogiaphen von U. Marchi wurde eingesandt 
durch Donati (Florenz). Scott berichtet, 
dass man in England sich damit beschäftige, 



*) Diese Sektion, auch von zahlreichen nicht- 
deutschen Gelehrten besucht, verdankt ihre Be- 
gründung einer im Mai d. J. von den Professoren 
Bruhns.Wild undjelinek erlassenen Einladung 
an die Meteorologen alier Länder, zu einer vor- 
bereitenden Versammlung zusammenzutreten, um 
einen für das Jahr 1873 zu Wien in Aussicht ge- 
nommenen internationalen Meteorologen - Congress 
anzubahnen ; der Einladung waren 26 Fragen bei- 
gefügt, die vorläufig berathen, ergänzt und gesichtet, 
sowie durch anzustellende Vorversuche erläutert 
werden sollten, um zu einem Programm für den 
wirklichen Congress und auf diesem dann zu ent- 
scheidenden Beschlüssen zu gelangen. Deber das 
Ergebniss der Leipziger Berathungeu liefert das 
Tageblatt durchgehends nur kurze Notizen. 



die Intensität der Radiation zu untersuchen 
und theilt die bereits darüber gemachten Er- 
fahrungen mit. Ebermayer und Bruhns 
beschr; iben Einrichtungen zur Beobachtung 
der Bodentemperatur. Als Zahl der Beob- 
achtungen weiden von der Versammlung deren 
mindestens drei für den Tag als nothwendig 
erachtet ; die Vertheilung auf die verschiedeneu 
Stunden soll nach OertUchkeit und Verhält- 
nissen festgestellt , eine Correction von der 
Centralstation ausgeführt, und die Berechnung 
nach Tagesmitteln, fünftägigen Mitteln, Monats- 
mitteln imd Jahresmitteln gegeben werden. 
Jelinek bespricht die bisherige Publikation 
meteorologischer Beobachtungen und wünscht, 
grössere Gleichmässigkeit und regelmässige 
monatliche Veröffentlichung, ferner eine Haupt- 
centralstelle in jedem grösseren Lande und 
mehrere Centralstellen für Revision der ein- 
zelnen Stationen und Inspektion der Instru- 
mente. Die Frage über die Form der Publi- 
kationen wird auf die nächste Versammlung 
vertagt. Müller (Pola) spricht über Durch- 
führung einer gleichförmigen maritimen Meteo- 
rologie, Hann über meteorologische Instru- 
mente. Ueber verscliiedeue Psychrometer 
äussern sich Scott und Neumayer, über 
Windbezeichnung B u y s - Ba 1 1 o t , der in erster 
Linie seine Bezeichnung durch Pfeile, in zweiter 
die durch die englischen Vorbuchstaben N. E. 
S. W. in Vorschlag bringt, von Oet fingen 
beschreibt einen Apparat zur Bestimmuug der 
Windcomponenten und entscheidet sich für 
den Ausdruck der Windgeschwindigkeit nach 
Metern in der Secunde. Scott und Buchan 
machen Mittheilung über verschiedene Formen 
von Regenmessern, für welche Bruhns einen 
runden, an allen Centralstationen in 2 '/a Meter 
Höhe aufzustellenden, Apparat von lOOOQuadrat- 
centimeter Oeffnung empfiehlt. Es wird end- 
lich ein Bureau, aus Bruhns, Jelinek und Wild 
bestehend, eingerichtet, das bis zur nächst- 
jährigen Versammlung in M'ien fungiren wird. 



23 



Sektion (XlXj für Ohrenheilkimde s. 
Tageblatt. 

In der Sektion (XX) für Geographie und 
Hydrographie erstattet Dr. Neumayer 
(Berlin) einen Bericht über das Schicksal 
Leichhardt's , daran einen solchen über den 
gegenwärtigen Stand der Forschung im austra- 
lischen Continent knüpfend. Nachdem seit dem 
3. April 1848 die letzte Nachricht von Leich- 
hardt eingegangen, hat nur Gihnore, von Queens- 
land ausgehend, in den Gerippen einiger Weissen 
Spuren der früheren Expedition entdeckt. Ein 
in Paramatta bestrafter Verbrecher, der mit 
der bestimmten Aussage auftrat, über Leich- 
hardt's Schicksal Auskunft geben zu können, 
ist vor 3 Monaten ausgeschickt worden, um 
Nachrichten zu erlangen. Dr. Neumayer 
hält eine Expedition, die westlich von Stuart's 
Route nach Perth durchdringen müsste, für 
ausführbar und am geeignetsten zur Erforschung 
des Innern und Auffindung von Leichhardt's 
Spur. Bezüglich der Nilquellenfrage bemerkt 
Hofrath Rohlfs, dass die Berichte Stanley's 
während des abyssinischen Krieges wenig zu- 
verlässig gewesen seien und dass in den geo- 
graphischen Resultaten Livingston's Verworren- 
heit herrsche. Der von Letzterem als Nil- 
quellenarm bezeichnete Fluss kann nach Dr. 
Andree's (Leipzig) Meinung keinesfalls der 
obere Lauf des Bahr el Ghasal sein , da nach 
Schweinfurth bei 3 " s. Br. eine Wasserscheide 
auftritt. Friederichsen (Hambui'g) legt eine 
von ihm (nach Sterndale's Aufnahme 1870) ent- 
worfene Karte der Upolu-Insel vor unter Hin- 
zufügung von Notizen über die gegenwärtigen 
Verhältnisse derselben , ferner seine Karten- 
blätter von zur Ellice-Gruppe gehörigen Inseln 
und bringt einige wesentliche Correcturen der 
neuesten englischen Admiralitätskarte für einige 
Positionen der Gilbert-Inseln bei nach Aufnahme 
des Capitän Petersen. Hofrath Rohlfs hält 
einen Vortrag über die politische Entwickelung 
Abyssiniens nach dem Tode des König Theodor 



bis zu der auf Frankreichs Betrieb geplanten 
ägyptischen Expedition gegen das Land. Frie- 
derichsen macht auf die mangelhafte Küsten- 
vermessung des westlichen Mexico und Guate- 
mala aufmerksam und legt weiter eine Karte 
über die Theilung Polens vor. Dr. Neumayer 
spricht über die Strömungen der südlichen 
Meere und schliesst besonders aus der Ver- 
theilung des Treibeises , das an drei Stellen, 
südlich vom Cap, von Kerguealens Insel und 
Neuseeland , weit nach Süden zurücktritt , auf 
das Vorhandensein dreier entsprechenden Strö- 
mungen wärmeren Wassers, die nur durch die 
oberflächlichen ostwäi'ts laufenden Strömungen 
verdeckt würden, ein Schluss, der bestätigt 
wh'd durch die geogi'aphische Scheidung der- 
jenigen Organismen, welche durch Wurzeln 
oder sonstwie dem Einfluss der Unterströmungen 
ausgesetzt sind ; für solche bildet der Meridian 
von St. Paul eine Gränze. * Hofrath Rohlfs 
empfiehlt das Projekt des Grossherzogs von 
Sachsen, die Erforschung von Innerafrika durch 
mehrere grossartige Expeditionen zu unter- 
nehmen, die, von verschiedenen Punkten aus- 
gehend, alle nach einem Ziele streben sollten, 
der warmen Theilnahme der Versammlung. 
Oberländer trägt vor über die Südsee und 
NeukaJedonien unter Hinweis auf sein dem- 
nächst erscheinendes Werk „Ozeanien". * Dr. 
Jagor (Berhn) stellt mit Beifügung näherer 
Mittheilungen den bekannten Tätowirten vor. 
Dr. Ul e (Halle) wendet sich gegen die von 
Tyndall und Ramsay angenommenen weit- 
gehenden Wirkungen dei- Gletscher bei Bildung 
von Thälern und Seen. * Hofrath Rohlfs be- 
richtet über die als gescheitert zu betrachteude 
Expedition von Sir Sam. Baker und über 
die Expedition des Dr. Nachtigall, der an- 
gebhch in Kuka sich befinden soll, von dem 
sichere Nachrichten aber seit längerer Zeit 
fehlen. * Ein Facsimile des letzten Livingston- 
schen Briefes wird von Dr. Hess vorgelegt. 
Prof. Karsten (Kiel) giebt Nachricht über 
die Organisation und den Plan der Nordsee- 



24 



expedition. Die physikalischen Beobachtungen 
derselben beziehen sich auf folgende Punkte : 
Strömungen , Temperaturen von Luft und 
"Wasser (in verschiedenen Tiefen), Salzgehalt, 
meteorologische Verhältnisse, Gasgehalt des 
Wassers, bei welchem letzten Punkt sich die 
merkwürdige Erscheinung gezeigt hat, dass 
man durch fortdauerndes Auskochen eine fast 
unbegrenzte Menge Kohlensäure entwickeln 
kann. * Löwenberg (Leipzig) widmet Worte 
der Anerkennung dem Herausgeber des New 
York Herald, der, wie die Herren Booth und 
Grinnell, für die Auffindung Linngstou'ß so 
erhebliche Opfer gebracht hat. * Ein von 
Gustav Wallis eingetroffenes Telegramm, 
wonach dieser eifrige Sammler aus Südamerika 
glücklich heimgekehrt ist, bringt Müller zur 
Kenntniss der Versammlung. Schliesslich wird 
eine Commission zur Ordnung der Angelegen- 
heiten der Sektion für die nächste Versamm- 
lung erwählt mit Dr. Neumayer (Berlin) als 
Vorsitzenden. 

Die in Leipzig anwesenden Äuthropologen 
Welten, ohne eine eigene Sektion zu konsti- 
tuiren, am 16. August unter dem Vorsitz des 
Herrn Prof. Leuckart eine Versammlung, in 
der Prof. Schaaff hausen (Bonn) eine Ueber- 
sicht über die Thätigkeit der Stuttgarter Ver- 
sanunlung der Deutschen anthropologischen 
Gesellschaft vom 11. August d. J. lieferte. 

Eine Versammlung der Aerzte - Vereine 
Deutschlands wurde ebenfalls (am Mittwoch) 
gleichzeitig in Leipzig abgehalten. Als Schrift- 
führer des Geschäftsauss('husses wurde Prof. 
Dr. Eb. Richter (Dresden) erwählt, und die 
nächste Versammlung auf den Tag vor dem 
Beginn der Naturforscherversammlung in Wies- 
baden angesetzt. 



Eine Aasstellnng natarwissenschaftücher 
und medizinisch-chirurgischer Gegenstände fand 
in der Buchhändlerbörse statt, ausserdem waren 
eine Reihe von Aquarellen des verstorbenen 
Thiermalers Kretzschmar zur Ansicht auii- 
gelegt. 

Als nächstjähriger Versammlungsort wurde 
Wiesbaden auserkoren und zu Geschäfts- 
führern die Herren Geh. Hofiath Prof. Dr. 
Fresenius und Obermedizinalrath Dr. Haas 
ernannt. 



Prof. Dr. "Wenzel &rul)8r's 

fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum wurde 
am 4/16. April dieses Jahres von seinen gegen- 
wärtigen und früheren Schülern in St. Peters- 
burg, nach dem Ausspruche eines der letzteren, 
des jetziger! Professors der pathologischen Ana- 
tomie Rudnew, als ein in Russland noch nie 
dagewesener Festtag eines Gelehrten gefeiert. 



Berichtigung. 

Der in der Leopoldina VHL I p. 6 u. flg. 
veröffentlichte und Herrn Geheimrath v. Dachen 
zugeschriebene Bericht über die Versammlung 
der Deutschen geologischen Gesellschaft zu 
Bonn ist der Akademie zwar von demselben 
eingesandt, aber nicht von ihm verfasst, son- 
dern im Wesentlichen das von den Herren 
Drn. Dames und Bauer bei jener Versammlung 
gefühlte Protokoll, wie auf den Wunsch des 
Hrn. Geheimrath hierdurch berichtist wird. 



Ahc;uscbfotid('u don HO. NoTeniber 1872 



Dmck von E. Blocbmann & Sohn Id Dresden. 



NUNQUAM .«sÄÜM^L. OTIOSUS 




LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 
DER 

KAISERLICH LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MTWIRKUNG DER ADJÜNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. F. G. Behn. 
Dresden. Heft VIII. — Nr. 4. December 1872. 

Inhalt: Amtliche Mittheil ungen: Die Jaliresbeiträge der Mitglieder. — Ergebniss der Adjunktea- 
wahleu im 6., 7. und 14. Kreise. — Zur Erneuerung des Adjunkten-Collegiums. — Beiträge 
zur Kasse der Akademie. — Veränderung mi Bureau-Personale der Akademie. 
Eingegangene Schriften. ■ - 



Amtliche Mittheiluiiseu. 



Die Jahresbeiträge der Mitglieder. 

Die in der Leopoldina fortlaufend veröffentlichten Beiträge zur Kasse der Akademie 
erweisen, dass die Jahresbeiträge für das laufende Jahr oder deren Ablösung von manchen 
der Herren CoUegen bisher nicht eingesandt worden sind. Ich darf annelimen, dass alle, »welche 
die Leopoldina regelmässig in Empfang genommen haben, ohne die Zusendung abzulehnen, 
sich dadurch, dem § 35 der Statuten vom 1. Mai 1872 gemäss, für Entrichtung der Jahres> 
beitrage entschieden haben. 

Es liegt mir demnach ob. um die unverzögerte Entrichtung des Beitrages für 1872 
zu bitten und erlaube ich mir zu bemerken, dass dies auf mindest kostspielige Weise durch 
Postanweisungen gescliieht. Zu gleicher Zeit darf ich aber auf den nicht unerheblichen Vor- 
Leop. VIII. 4 



26 

theil aufmerksam machen, welchen die Ablösung der Jahresbeiträge daibietet. Sollten bis 
Ausgang Januar 1873 die Beiträge für 1872 und 1873 nicht eingesandt sein, so würde ich 
annehmen, dass die betreffenden Herren es vorziehen, dass die Akademie dem § 8 der Statuten 
snb 2 gemäss den Betrag für beide Jahre durch Postnachnahme erhebe. — 

Dresden im December 1872. Dr. Behll« 



Ergebniss der Adjunktenwahlen im 6., 7. und 14. Kreise. 

Nachdem in der Leopoldina VIII p. 9 der Schluss der Wahlperiode für obige Kreise 
auf den 15. Dec. d. J. anberaumt und die Mitglieder derselben, welche etwa die Wahlauf- 
forderung nebst Stimmzettel nicht empfangen hatten, öffentlich aufgefordert waren, eine Nach- 
sendung von dem Bureau der Akademie zu verlangen, wurde heute, am 17. Dec. , zur Aus- 
zählung der eingegangenen Stimmzettel geschritten, welche laut des von Herrn Notar V. Wetzel 
aufgenommenen Protokolls folgendes Ergebniss hatte. 

Für den 6. Adjunktenkreis, der laut Statut § 17 Anm. zur Wahl eines Adjunkten 
berechtigt ist, waren an zehn Mitglieder Stimmzettel versandt ; davon hatten 7 abgestimmt. 
Sechs Stimmen davon waren auf 

Herrn Geh. Hofrath Professor Dr. Fresenius in Wiesbaden, 
eine auf 

Herrn Dr. Rüppel in Frankfurt a/M. 
gefallen. Es ist daher 

Herr Geh. Hofrath Professor Dr. Fresenius 
mit absoluter Majorität aller Berechtigten und von den abgegebenen Stimmen nahezu ein- 
stimmig zum Adjunkten des 6. Kreises gewählt*). 



Für den 7. Adjunktenkreis, welcher ebenfalls einen Adjunkten zu wählen hat, waren 
an 18 Mitglieder Stimmzettel versandt worden. Davon haben 16 abgestimmt. 
Vierzehn Stimmen haben sich auf 
Herrn Berghauptmann a. D. Ob.-Bergrath Professor Dr. Noeggerath in Bonn 
vereinigt und zwei Stimmen sind auf 

Herrn Professor Dr. Troschel in Bonn 
gefallen. Demnach ist 

Herr Berghauptmann Geh. Ob.-Bergr. Prof. Dr. Noeggerath in Bonn 
zum Adjunkten des siebenten Kreises erwählt. 



*) Bei dieser Wahl liegt ein Fall vor, den die Statuten nicht vorgesehen haben und der des- 
halb nach § 30 i. f. der Entscheidung des Adjunkten -Collegiums zu unterbreiten sein wird. Bei der 
Ausschreibung der Wahl am 25. Aug. enthielt der Adjunktenkreis 10 Mitgheder, eine Zahl, die ihn nach 
§ 17 zur Wahl berechtigte. Während der Wahlperiode am 11. Sept. schied aber ein Mitglied aug 
(Leop. VIII p. 2). 



27 

Für den 14. Kreis, welcher einen Adjunkten erwählt, wurden an zwanzig Mitglieder 
Stimmzettel versandt. Es haben davon achtzehn abgestimmt, und zwar siebzehn für 

Herrn Geh. Med.-R. Professor Dr. Goeppert in Breslau 
und eine Stimme ist auf 

Herrn Professor Cohn in Breslau 
gefallen. Es ist demnach 

Herr Geh. Med.-Rath Professor Dr. Goeppert in Breslau 
nahezu einstimmig zum Adjunkten des 14. Ki-eises erwählt. — 

Die Amtsdnuer der hiernach Erwählten erstreckt sich nach §18 bis zum 17. Dec. 1882. 

Dresden den 17. Dec. 1872. Dr. Behn, 



Zur Erneuerung des Adjunkten -Collegiums. 

Nachdem die Vorbesprechungen auch in dem 9. und 13. Kreise zu Vorschlägen für 
die Adjunktenwahl geführt haben, sind an alle diesen Kreisen angehörige Mitglieder direkte 
"Wahlaufforderungen nebst Stimmzetteln versandt und auch von vielen Stimmberechtigten ihre 
Vota zurückgesandt worden. Die noch im Rückstande befindlichen, jenen Kreisen angehörigen 
Herren Collegen ersuche ich, ilire iStimrae bis spätestens zum 20. Januar 1873 einzusenden. 

Sollte wider Erwarten einer derselben die Wahlaufforderung und den Stimmzettel 
nicht empfangen haben, so bitte ich, eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie ver- 
langen zu wollen. 

Dresden Ende Dec. 1872. ■ Dr. Behn. 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Seine Majestät der Kaiser und König von Preussen hat unterm 6. Dec. die der 
Akademie bisher zur Herausgabe ihrer Schriften bewilligte Beihülfe von jährlich 600 Rthlrn. 
auch für die drei Jahre 1873, 1874 und 1875 gewährt. — 

Dec. 2. Von Herrn Geh. Med.-R. Prof. Dr. Güntz in Meissen, Jahresbeitrag 

für 1872 u. 73 . . . 4 Thh-, 

„ 3. „ „ Hofrath u. Leibarzt Dr. A. Carus in Dresden, desgl. für 1872 2 „ 

^ 3. „ „ Geh. Med.-R. Prof. Dr. M. Schnitze in Bonn, Ablösung der 

Jahresbeiträge .... 20 „ 

„ 7. „ ,, Dr. G. Ritter v. Frauenfeld in Wien*), Jahresbeitrag für 

1872 u. 73 . . . . 4 „ 

^ 7. „ y. Gustos Dr. A. v. Pelzeln in Wien*), desgl. für 1872 u. 73 4 „ 



*) Unter Wahnmg ilirer üeberzeugung hinsichtlich der Walilfrage. 



28 

Dec. 10. Von Herrn Prof. Dr. Bergemann in Berlin, desgl. für 1872 .... 2 Thir, 

„ 12. „ „ Sanitätsrath Dr. Paul in Breslau, desgl 2 „ 

„ 12. „ „ Dr. S. Pappenheim in Berlin, desgl 2 „ 

^ 13. „ „ Prof. Dr. Peters in Berlin, desgl 2 „ 

^ 16. „ „ General-Ltnt. v. Schierbrand in Dresden, desgl. für 1873 . 2 „ 

j, 18. „ „ Ober-Med.-R. Dr. Domrich in Meiningen, desgl. für 1872 u. 73 4 „ 

^ 20. „ , Ober-Studienrath Dr. F. v. Kraus in Stuttgart, für 1872 . 2 „ 

^ 20. „ „ Dr. H. A. Meyer in Kiel, Ablösung der Jahresbeiträge . . 20 „ 
^ 22. „ , Geh. Med.-K. Prof. Dr. Radius in Leipzig, Jahresbeitrag 

für 1873 2 „ 

^ 23. „ n Reg.-R. Prof. Dr. Stein in Dresden, desgl. für 1872 . . 2 „ 
^ 23. n r Dr. J. E. de Vry, d. Z. im Haag, Ablösung der Jahresbeiträge 20 „ 
29, „ ,, Dr. Gottfr. v. Segnitz zu Niederwern bei Schweinfurt, Jahres- 
beiträge für 1872 u. 73 4 „ 
^31. „ „ General -Montan -Inspektor Frhr. v. Beust in Wien, Jahres- 
beitrag für 1872 . . 2 , 

Dr. Behn. 



Veränderung im Bureau-Personale der Akademie. 

Der bisherige Vorstand des Bureaus und Unterbibliothekar der Akademie Herr Dr. 
Frz. Hart. Hilgendorf ist einem glänzenden Rufe als Lehrer der Naturwissenschaften an 
der medicinischen Schule zu Jedo in Japan gefolgt, der zugleich seinen längst gehegten Wunsch 
einer grösseren aussereuropäischen Reise in Erfüllung bringt, und hat Dresden in der Mitte 
d. M. verlassen. — 

War es auch vorherzusehen, dass die bewährte Kraft Dr. Hilgendorf's nicht lange 
in der beschränkten Stellung, die die Akademie ihm bieten konnte, verbleiben werde, so ist 
doch der Verlust eines so vielseitigen, theilnehmenden und liebenswürdigen Gehülfen für die 
Akademie wie für mich nicht minder schmerzlich. — 

Die für die gegenwärtigen Anforderungen ungenügende Ausstattung der Stelle hat es 
bisher unthunlich gemacht, einen Nachfolger zu finden und es hat eine interimistische Stell- 
vertretung eintreten müssen, 

Dresden Ende Dec. 1872. Dr. Behn. 



29 

Eingegangene Schriften. 

(Bis zum 31. December 1872.) 



Otto nie und Karl Müller. Die Natur. 
Jahrgang 21 (1872) Nr. 33—42. — Halle 
1872. 40. 

Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis 
in Dresden. Sitzungsberichte 1872. Nr. 1 — 3. 

— Dresden 1872. 8«. 

Natnrforschende Gesellschaft zu Emden. 
Jahresberichte von 1840—48, 1850, 51, 52, 
56, 57, 61, 62, 69, 71. — Emden 1840— 49, 
51—53, 57—58, 62, 63, 70, 72. 

— Kleine Schriften. M. A. F. Prestel: 
Die Gewitter des Jahres 1855. 8°. — Ergeb- 
nisse der Witterungs-Beobachtungen zu Emden 
in den Jahren 1860 und 1861. 4". 

Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in den Königl. Preussischen Staaten. Wochen- 
schrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde. 1872, 
Nr. 38—51. — Berlin 1872. 4«. 

Sociätä nationale des Sciences naturelles 
de Cherbourg. Tome 16 (Ser. 2, Tome 6j. 

— Paris, Cherbourg, 1871—72. 8". 

De Saint-Venant: Du roiilis sur mer hou- 
leuse, calcule en ayant egard ä l'effet retardateur 
produit par le r^sistance de l'eau. E. Joly: Etüde 
sur le Premier äge de la Palingenia Roeselii. A. 
Gor den: Melanges de teratologie vegetale. A. 
Gris: Sur le mouvement des etamines dans le 
Parnassia palustris. E. Bescherelle: Enumeration 
des mousses du Mexique avec description des especes 
nouveiles. H. Jouan: Notes sur les oiseaux de la 
Basse-Cochinchine. Ch. Renault: Du developpe- 
ment de la corde dorsale chez l'homme. E. Joly: 
Sur le pretendu crustace dont Latreille a fait le 
genre Prosopistoma. E. de Jan|czewsky: Les 
propagules du Sphacellaria cirrhosa. — Etudes 
anatomiques sur les Porphyra. A. Mottez: Du 
courant alternatif dans la houle. 

Königlich Sächsische Gesellschaft der 
Wissenschaften zu Leipzig, Mathematisch- 
physische Classe. I. Abhandlungen : W. G. 
Hankel: Electrische Untersuchungen. Achte 
Abhandlung : Ueber die thermoelectrischen 
Eigenschaften des Topases. — Leipzig 1870. 8". 

— — P. A. Hansen: Bestimmung der 
Sonnenparallaxe durch Venus vorÜbergänge vor 
der Sonnenscheibe, mit besonderer Berücksich- 
tigung des im Jahre 1874 eintreffenden Vor- 
überganges. — Leipzig 1870. 8". 



— IL Berichte. 1870, Nr. 1 — 4 mit 
7 Tafeln. 

H. Kolbe: Chemische Constitution der Harn- 
säure. W. Knop: Methode zur Bestimmung des 
Stickstoffs in Ammoniak- und Harnstoffverbindungen. 
C. Dittmar: Ein neuer Beweis für die centri- 
petalen Fasern des Rückenmarks. C. Neumann: 
Zur Theorie des Logarithmischen und des Newton- 
schen Potentiales. A. W. Volkmann: Zur Theorie 
der Muskelkräfte. P. A. Hansen: Bestimmung 
des Schwerpunktes eines behebigen .sphärischen 
Dreiecks. R. ßaltzer: Ueber den Ausdruck des 
Tetraeders durch die Coordinaten der Eckpunkte. 
H. Credner: Ueber die Ursachen der Dimorphie 
des kohlensauren Kalkes. F. Zöllner: Ueber die 
Temperatur und physische Beschaffenheit der Sonne. 
N. 0. Bernstein: Der Austausch an Gasen zwi- 
schen arteriellem und ♦enosem Blute. 0. Schmiede- 
berg: Untersuchungen über einig« Criftwirkungen 
am Froschherzen. Genersich: Die Aufnahme der 
Lymphe durch die Sehnen und Fascien der Scelet- 
muskeln. C. Zöllner: Ueber Beobachtung von 
Protuberanzen (Nachtrag). J.J.Müller: Athmung 
in der Limge. W. Sadler: Ueber den Blutstrom 
in den ruhenden, verkürzten und ermüdeten Mus- 
keln. C. Neu mann: Mechanische Energie der 
Schwefelsäure. — Entwicklung einer Function nach 
Quadraten und Producten der Fourier-Bessel'schen 
Functionen. — Ueber den Satz der virtuellen Ver- 
rückungen. F.Zöllner: Ueber eine neue Methode 
zur Messung anziehender und abstossender Kräfte. 
T. Lander Brunton: Wirkung des salpetrig- 
sauren Amyloxyds auf den Blutstrom. F. Schweig- 
ger-Seidel: Ueber die Grundsubstanz und die 
Zellen der Hornhaut des Auges. J. Coats: Wie 
ändern sich durch die Erregung des n. vagus die 
Arbeit und die Innern Reize des Herzens? 

R. Accademia delle Scienze di Torino 

Atti. Vol. VII, 1 — 7 (November 1871 — Jun 
1872. — Torino 1872. 8". 

BoUettino meteorologico ed astronomico 
del regio osservatorio dell' TJniversita di 
Torino. — Turin 1872. 4». 

Magnetical and meteorological observa- 
tory at Batavia. Vol. 1. — Batavia 1871. 4». 

Königl. Preussische Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin. Monatsbericht. Mai, 
Juni 1872. — Berlin 1872. 8». 

Riess: Ueber die Bestimmung der Entladungs- 
dauer der leydener Batterie. W. Peters: Ueber 
die zur Gruppe der Mormopes gehörigen Fleder- 
thiere. Libschitz: Ueber eine Ausdehnung der 
Theorie der Minimalflächen. Dove: Ueber die 
mittlere und absoluteVeränderlichkeit der Temperatur 



30 



der Athmospbäve. — lieber die Darstellung der 
Wärmeerscheinungen durch fünftägige Mittel. — 
lieber die Stürme der gemässigten Zone. Peitzer: 
Ein nener Algen-Parasit aus der Ordnung der Pby- 
comyceten. Spörer: Lieber die Beziehungen zwi- 
schen den Sonnenflecken und Protnberanzen. Piam- 
m e 1 s b e rg : Ueber die unterphosphorigsauren Salze. 
R. Weber: Ueber Salpetersäureanhydrit und über 
ein neues Salpetersäurehydrat. A. \\. Hof mann 
und A. Geyger: üebcr einige von den aromati- 
schen Azodianiinen abstammende Farbstolie. Kum- 
mer: Ueber einige besondere Arten von Flächen 
vierten Grades. Ev/ald: Ueber die Ausbildungs- 
weise der obern Juraformation im Magdeburgischen. 
Kronecker: Die algebraische Theorie der qua- 
dratischen Formen. B o r c h a r d t : Ueber das El- 
lipsoid von kleinstem Volumen liei gegebenem Flä- 
cheninhalt einer Anzahl von Centralschintten. G. 
E s e : Ueber das Verhalten des Diamants und 
Graphits bei der Erhitzung. 

G. Karsten. Beiträge zur Landeskunde 
der HerzogUiümer Schleswig und Holstein. 
2. Reihe pliysikalisclien Inhalts, Heft 2. — 
Berlin 1872.' 4". 

Verfasser behandelt die Feuchtigkeitsverhält- 
nisse der Herzogthümer und betont, dass Aender- 
ungen derselben nicht nur auf das Pflanzenreich, 
soiidern auch auf die physische Entwickeking des 
Thierreichs, also auch auf den Gesundheitszustand 
eines Landes jederzeit einen bedeutenden Einfluss 
ausüben', weshalb Aerzte und namentlich auch die 
öffentliche Gesundheitspflege den Feuchtigkeitsver- 
hältnissen eine grössere Aufmerksamkeit zuwenden 
sollten. Als Instrumente zur Bestimmung des 
Feuchtigkeitsgehaltes emptieldt er die Saus:iure'schen 
Haorhygrometer. 

Pellegrino Strobel. Le valve degli unio 
nelle mariere dell' Emilia e nei paraderos dcUa 
Patagouia. — Florenz 1872. 8°. 

Die Herren Boui und Coppi suchten die Bildung 
derTerramaralager aus der Lagerung und Erhaltung 
der Conchylien, die sie enthalten, und riamentlich 
der Unioscliaalen zu erklären. Dr. Boni führt sie 
auf Pfahlbauten in künstlichen Wasserbassins, Dr. 
Coppi auf Küchen- und Opferabfälle zurück. Der 
\'eriässer unterzieht diese Ansichten sowohl für die 
Terraniaralager als für die Paraderos Patagoniens 
einer Kritik und kommt zu dem Ergebniss, dass 
die Untersuchung der Lagerung und Erhaltung der 
Unioschaalen das ganze Problem der Terraniara- 
lager nicht endgültig zu lösen vermöge. 

E. Hensel. Beiträge zur Kenntniss der 
Säugethiere Süd-Brasiliens. Aus den Abhand- 
lungen der Königl. Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin 1872. Mit 3 TafeLi. — 
Berlin 1872. 4». 

Die Abhandlung ist eine Fortsetzung der in 
Troschel's Archiv für Naturgeschichte Jahrg. XXXllI, 
I.Bd. p. 120— 162. XXXIV, l.Bd. p. B23— 37.5 tind 
XXXVL 1. Bd. p. öO — 'Jl erschieneneu Arbeiten über 
die Fische und Reptilien Brasihens. Während der 



Verfasser jedoch bei Letzteren ein planmässiges 
und systematisches Sammeln nicht beabsichtigt 
hatte, verfolgt er bei der Klasse der Säugethiere, 
für die er sich reiches Material zu verschaffen 
wusste, den Plan, G. Cuvier's Begründung der 
Genera durch osteologische Merkmale eme gleiche 
Begründung der Species anzureihen imd so dem 
Skelett und zumal dem Schädel, dem charakteri- 
stisclisten Knocheugebilde. auch bei Bestimmung 
der Arten diejenige Bedeutung zu verschaffen, 
welche ihm gebührt. 

Naturforschende Gesellschaft in Bern. 

Mittheilungen aus dem .^ahre 1871. Nr. 74.'S 

— 71)1. Mit fünf Tafeln. — Bern 1872. 8». 

A. Bciiteli: Ueber den Einfluss der Cor- 
rectionsarbciten auf die Wasserstände des Bieler- 
sees und der Ziehl im Jahr 1870. — Die athmo- 
sphärischen Niederschläge m den sieben Haupt- 
flussgebieten der Schweiz. Buri: Ueber das Indium. 
Cherbuliez: Geschichtliche Uebersicht der Unter- 
suchungen über die Schallfortpflanzungsgeschwindig- 
keit in der Luft (Fortsetzung). — (xeschichtlichc 
INIittheilnngen aus dem Gebiete der mechanischen 
Wärmetheorie. J. Fankhauser: Nachweis der 
marinen Molasse im Emmenthale. — L. Pi. v. 
Fellenberg: Analyse des Metooreisens von Hem- 
money-Creek, Nord-Carolina. L.Fischer: Ver- 
zeichniss der in Berns Umgcbimgen vorkommenden 
Kryjitogamen. v. Fischer - Ooster: Ueber den 
photographischen „Heliotype-Process''. — Paläon- 
tologische Mittheflungen aus den Freiburger Alpen, 
Flückiger: Ueber Untersuchungen des Lcrps 
(Cellulose). — Ueber Krystalle, welche sich an den 
Fenstern des Conversationssaales im neuen Tiluseum 
vorfanden. — Ueber Chinarinden. — Ueber ge- 
richtlich - chemische Nachweisung des Phosphors. 
A. Forst er: Ueber eine neue Theorie des Polar- 
lichtes. — Untersuchungen des Piauchquarzes im 
Tiefeiigletscher. — Das Abnehmen der Wirkung 
der Influenzmaschinen. — Demonstrationen aus 
dem Gebiete der Electrolyse. — Potenzielle Energie 
der Sonnenstrahlen. — Färbung der Rauchquarze. 

— Phosphorescenz durch Temperaturerhöhung. — 
Beobachtung am Goldblattelei;troscop. 0. Hart- 
mann: Ein neues Maximumthermometer. E. 
Schär: Zur Chemie des Blutes und der Fermente. 
J. J. Schneider: Antrag betreffend die Bhtz- 
ableiter. Sidler: Protuberanzen der Sonne. -^ 
Ueber das Reversionsspectroscop. Schuppli: 
Ueber ein Geweih eines Elenthieres. B. Studer: 
Zur Geologie des RalUgergebirges. Thiessing: 
Zwei geologische Notizen aus der Umgebung von 
Pruntrut. 

Schweizerische naturforschende Gesell- 
schaft. Veihandlungen der 54. Jahresversamm- 
lung in Frauenfeld, am 21., 22. und 23. Au- 
gust 1871. 

— JaliresLericht 1871. — Frauenfeld 
1872. 8". 

Vorträge: A. Heim: Klick auf die Ge- 
schichte der Alpen. C. F. Geiser: Ueber die 
Fresnal'sche Wellenfläche. A. Favre: Quatrieme 



31 



Rappord sur IVkiide et la coiiservation des bloes 
crratiques eu Siiissc. F. Goppelsroeder : Zur 
Cliemie der natürlichen Wasser (Aiiszug). — Ueber 
die Grotte von Ilohlefels bei Blaidieuern (Auszug 
aus den Vorträgen von Escher von der Linth und 
E. Desor), E. D e s o r : Die verschiedenen Grund- 
formen der Höhlen des Jura. 

Alexander Milton Ross. Classified Cata- 
loguo of the Lepidoptera of Canada. — Classi- 
fied Catalogue of the Birds of Canada ; in- 
cluding every species known to visit the se- 
veral provinces which now froni the doruinion 
of Canada. — Toreuto 1872. S». 

C. H. Schauenburg. Beitrag zur Lehre 
von der Tödtlichkeit trichinöser Einwanderung. 
Berlin 1872. 8". 

Photographische Gesellschaft zu Dresden. 
Helios, herausgeg. von H. Krone. Jahrg. 3, 
Nr. 4—8. — Dresden 1872. 8". 

New Zealand Institute. Transactions and 
Proceedings 1871. Vol. IV. Edited by Janie.s 
Hector. — Wellington 1872. 8». 

Zoology. F. W. Hutton; On Megapodius 
Pritcliardi, Gray. — Ün the microscopical structure 
of the egg-shell of the Moa. — On the Lizards of 
New Zealand, with descriptious of two new species 
(Mocoa? Laxa, & Norbea isolata). — On Some 
Moa Feathers. — On the New Zealand Chitonidae. 

— Description of a specimen of Mus rattus. L. in 
the C'olonial Museum. — On the Bats of New Zea- 
land. F. J. Knox; Observations on the New 
Zealand Bats. — Notes on the Anatomy of the 
Kanae (Mugil sp.). J. Haast: Notes on Harpa- 
gornis Moorei, an Extinct Gigantic Bird of Prey. 
J. Hector: Notes on the Für Seal of New Zealand 
(Arctocephahis einereus, Gray[?]). T. H. [Potts: 
On a new species of Rail, Eallus pictns. — On a 
new species of Gull, l-arus (Bmchigavia) Bulleri. 

— On a new species of Aptery«. W. T. L. 
Travers: On the. Ilabits of Some New Zealand 
Birds. A. C. Purdie: On a supposed new species 
ofDuck. R. W. Fereday : On the Lepidoptera of 
New Zealand. E. Stowe: Description of a new 
Shell found at Nelson (Imperator Davisii, Stowe). 
B. Thomson: A Rock Pool and its Contents. 

Botany. J. Buchanan: On some New 
Species of New Zealand Plants. T. Kirk: On 
the Flora of the Isthmus of Auckland and the 
Takapuna District. — On the Nativity in New 
Zealand of Polygonuni aviculare, L. — Notes on 
the New Zealand Asteliads. — A Comparison of 
the Indigenous Floras- of the British Islands and 
New Zealand. — Notes on the Local Distribution 
of Certain Plants common to the British Islands 
and New Zealand. — On the New Zealand Species 
of Pittosporum. — On the Habit of the Rata 
(Metrosideros robusta). T. F. Cheeseman: On 
the Botany of the Titirangi District of the Province 
of Auckland. J. F. Armstrong: On the Natu- 
ralized Plants of the Province of Canterbury. — 
On Some New Species of New Zealand Plants. 



Chemistry. W. Skey: On the Conducting Power 
of various MetaUic Sidpliides and Oxides for Electri- 
city, as compared with that of Acids and Saline 
Solutions. — On the Eleetro-motive and Electro- 
lytic Phenomeiia developed by Gold and Piatina 
in Solutions of the Alkaline Sulphides. - On a 
New and Rapid Process for the Generation of Sul- 
phuretted Hydrogen Gas for use as a Re-agent in 
Laboratory Operations. — Preliminary Notes on 
the Isolation of the Bitter Substance of the Nut 
of the Karaka Tree (Corynocarpus laevigata). — 
Notes in support of the alleged Alkalinity of Car- 
bonate of Linie. — On the Alkalinity or Aci(hty 
of certain Salts and Minerals, as inticated by their 
Reaction with Test Paper. — On a Form of 
Electro - maguetic Seismograph adapted for Indi- 
ratiug or Rogistering Minute Slioks. — New Pro- 
cess for the Manufacturo of Sulpho - Cyanide of 
Potassium. — Absorption of Copper from its Am- 
moniaeal Solution by Cellulose in presence of 
Caustic Potash. 

Geolo^y. F.W. Hutton: On the Alluvial 
Deposits of the Lower Waikato, and the Formation 
of Islands by the River. A.D. Dobson: On the 
Traces of Ancieut Glaciers in Nelson Province. 
J. Hector: On theRemains of a Gigantic Penguin 
( Palaeeudyptes antarcticus , Huxley ) , from the 
Tertiary Rocks on the West Coast of Nelson. 
F. W. Hut ton: On the Saihng Fhght of the 
Albatros. 

Annales de la sociätä imperiale d'agri- 
culture histoire naturelle et arts utiles de 
Lyon. Ser. IV. 1, 2. 1868—69. — Lyon, 
Paris 1869, 1870. 8». 

M. Gromier: Examen critique des idees de 
M. ü. Ville sur les engrais chimiques. M. Mali- 
nowsky: Essai liistorique sur l'origine et le deve- 
loppement progressif de l'exploitation du charbon 
de tcrre dans le bassin du Gard. M. Mulsant: 
Tribn des Gibbicoles, pour faire suite ä l'histoire 
des Cok'opteres de France. M. A. Chariere: 
Observations meteorologiques pendant l'annee 1868. 
MM. Fournet et Maxime Benoit: Greles du 
Departement du Rhone, de 1819 k 18C6 inchi- 
sivement. M. Rodet: Pneoscope et pneographe. 
M. Nogues: La mineralogie et la mineralurgie 
ä l'exposition universelle de 1867. — Orages de 
1868 dans le Departement du Rhone. — Tableaux 
de la Commission hydronietrique pour 1 68. M. P. 
Eymard: Rapport de la Commission des soies 
sur les Operation de l'annee 1869. — Tableau des 
observations meteorologiques faites ä TObservatoü-e 
du Palais Saint-Pierre, pendant le temps de l'edu- 
cation des vers ä soie. M. Malinowsky: Projet 
de l'etablissement de comptoirs mineralogiques ä 
Alais et dans les autres centres des exploitations 
houilleres et metallurgiques. M. Perrey: Sur les 
tremblements de terre et les eruptions volcaniques 
dans rarchipcl hawaien, en 1868. M. Gonnard: 
Mineralogie du departement du Puy - de - Dome. 
M. Mulsant: Tribu des Laraellicornes. M. Gon- 
nard: Note sur une nouvelle zeolithe du Puy de 
Marman. — Note sur un echantillon de Panabase. 
M. Joannen: Observations sur la hauteur des 



32 



eaux de la Durence. M. Chariere: Observatioiis 
meteorologiqucs. — Orages de 1868 dans le de- 
partenieiit du Rhone. — Tableaux de la Commission 
hydrümetrique. M. Gagnat: Observatious gene- 
rales sur les eauses de la maladie des vers ä soie. 
M. Tisseraut: Irrigation de la vallce du Rhone. 
M. Pariset: Quelques coiisiderations sur Tetat 
actuel de l'industrie de la soie ä Lyon. M. Rou- 
sille: Recherches sur les princips immediats de 
quelques varietes de bles cultivees en Dombes. — 
Reorganisation de la Commission meteorologique. 

M^moires de TAcademie des Sciences, 
Beiles - Lettres & Arts de Lyon. Classe des 
Lettres. Classe des Sciences. Tome 14 et 18. 
— Paris, Lyon 1868—1871. 

M. Lafo n : Observations metöorologiques faites 
ä rObservatoire de Lyon du l^r decembre 1868 au 
1er decembre 18G9. M. Petrequin: Memoire sur 
quelques cas _d"Anevrysmes traumatiques du pUs du 
coude. — Etudes medical sur les eaux miuerales 
de Royal. — Recherches sur les eaux iiotables de 
Clermout-Ferrant. — Conference sur les Ambu- 
lauces lyonnaises. M. M. Mulsaut et Rey: 
Histoire naturelle des Puuaises de France. 

H. R. Göppert. Aufklärung , betreffend 
einen augeblichen Fall von Scheintodt. — 
Breslau 1870. 8". 

— Ueber Einwirkung der Kälte auf die 
Pflanze. 8". — Ueber die Pilzausstellung im 
Museum des botanischen Gartens. 8". (Aus- 
züge ans einem Vortrag, gehalten in der schle- 
sischen Gesellschaft für vaterländische Cultur.) 

E. V. Malortie. Historische Nachrichten 
der Familie von Malortie von 1132 — 1872. 

— Hannover 1872. 8". 

W. T. Reuz. Die Trichinenkrankheit des 
Menschen , eine Studie über die Trichinen- 
epidemie zu Hedersleben. — Tübingen 1867. 8". 

— Historische Briefe über das WUdbad. 

— Stuttgart 1871. 8». 

— Die Cur zu Wildbad. — Stuttgart & 
Wildbad 1872. 8". 

Kaiserliche Akademie der Wissenschaften 
in Wien. Jahrgang 1872. Anzeiger, Nr. XXI, 
XXU, XXUI. — Wien 1872. 8». 

Verein für Erdkunde in Dresden. 8. u. 
9. Jahresbericht. — Dresden 1872. 8°. 

H. Beckler: Die Ureinwohner Australiens. 
J. öeiff: Bericht über eine Reise nach Algerien 
1867. C. Graf: Zur Geschichte der Vermessungen 
und Kartographie der Elbherzogthümer. J a n L e l s : 
Mittheilungen über Bangkok. 



Acadämie Royale deMedecine de Belgique. 

Bulletin 1872. Ser. 13, Tome VI, Nr. 7. — 
Brüssel 1872. 8». 

A. van Bastelaer; Note par un nioj-eu de 
separer. dans les recherches toxicologiques . le 
phosphor libre des matieres graisseuses et de le 
recueillir ä l'etat de corps simple pur. Boens: 
Kote sur une maladie eruptiv anomale. Kuborn: 
Note sur un jioint d'hygiene publique relatif aux 
viandes d'animaux malades. M. Ginge: Obser- 
vations destiuees ä l'histoire du grand sympathique 
et du pneumogastrique (Rapport de la Commission 
qui a examine le memoire de M. du Mouliu). 
Crocq. Kuborn, Segers: Suite de laDiscussion 
des Communications de MM. Crocq. Kuborn. Segers, 
et de tous les autres travaux relatifs ä l'epidemie 
de Cholera de 1866, soumis ä la Compagnie. 

Anthropologische Gesellschaft in Wien. 

Mittheüungen. 2. Bd. Nr. 7 u. 8. — Wien 
1872. 8». 

Gundaker Graf von Wurmbrand: Ergeb- 
nisse der Pfahlbauuntersuchuugen. 

K. k. geologische Reichsanstalt. 1872. 
Nr. 11. Verhandlungen. — Wien 1872. S". 

G. C. Laube: Note über das Auftreten von 
Baculitenthonen in der Umgegend von Teplitz. 
Moser: Chemische Zusammensetzung der im 
,, faulen Strich" des Dachschiefers von Kyowitz 
vorkommenden Knollen. F. Karr er: Mammuth- 
reste im Innern der Stadt Wien. G. Stäche: 
Entdeckung von Graptoliten-Schiefern in den Süd- 
alpen. D. Stur: Geologische Verhältnisse des 
Kessels von Idria in Kram. 

— Jahrbuch. Jahrgang 1872. XXII. Bd. 
Nr. 3. Mit Tafel 12—16. — Wien 1872. 8". 

E. Tietze: Das Gebirgsland südlich Glina in 
Croatien. 0. Feistmantel: Beitrag zur Kennt- 
niss der Ausdehnung des sogenannten Nyrauer 
Gasschiefers und seiner Flora. Th. Fuchs: Ueber 
eigenthümliclie Störungen in den Tertiärbilduugen 
des Wiener Beckens und über eine selbständige 
Bewegung loser Terrainmassen (Tafel XII — XV). 
J. Rumpf: Ueber den Kaluszit, ein neues Mineral 
vonKalusz. A. Brezina: Entwicklung der Haupt- 
sätze der Krystallographie und Krystallphysik. J. 
Niedzwiedzki: Beobachtungen an LöUingit, 
Granat. Chlorit. G. T scher mak: Die Meteoriten 
des k. k. Mineralogischen Museums am 1. Oct. 1872. 
A. V. Lassaulx: Ueber Staurohth. A. Scbrauf; 
Chalkolith und Zeunerit, nebst Bemerkungen über 
Walpurgiu und Trögerit. C. Ludwig: Ueber die 
chemische Formel des Epidots. 

Anthropological Institute of Great Bri- 
tain and Ireland. Journal, April 1872. — 
London 1872. 8". 

H. H. Howorth: Strictures ou Darwiuism. 
Part 1. On SteriUty and Fertility. 



Abgüschloaseu deu 31. Dezember 1072. 



Druck ^üu E. Blocbmauü &. Sotiu iu I^riiddeü. 




NÜNQUAM ..r^^^m^ OTIOSUS 



v.to 



LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 
PER 

KAISERLICH LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. F. G. Behn. 
Dresden. Heft VIII. — Nr. 5. Januar 1873. 

Inhalt: Amtliche Mittheilungen : Ergebniss der Adjunktenwahlen im 9. und 13. Kreise. — Zur 
Erneuerung des Adjunkten-Collegiums. — Beiträge zur Kasse der Akademie. — Ausgetretene 
Mitglieder. 

Eingegangene Schrüten. — Der Copernicus-Verein. 



Aiiitliclie Mittheilimseii. 



Ergebniss der AdjunktenwaMen im 9. und 13. Kreise. 

Nachdem in der Leopoldina VIII p. 27 der Schluss der Wahlperiode für obige Kreise 
auf den 20. Januar d. J. anberaumt und die Mitglieder derselben, welche etwa die Waldauf- 
forderung nebst Stimmzettel nicht empfangen hatten, öffentlich aufgefordert waren, eine Nach- 
sendung von dem Bureau der Akademie zu verlangen, wurde heute, am 22. Januar, zur Aus- 
zählung der eingegangenen Stimmzettel gesclu-itten, welche laut des von Herrn Notar V. Wetzel 
aufgenommenen Protokolls folgendes Ergebniss hatte. 

Für den 9. Adjunktenkrei.s , der laut Statut § 17 Anm. zur Wahl eines Adjunkten 
berechtigt ist, waren an 19 Mitglieder Stimmzettel versandt; davon hatten 17 abgestimmt. 
Leop. VIll. 5 



34 

Sechszehn Stiiumeü waieu auf 

Herrn Geli. Ob. -Med. -R. Professor Dr. F. Woehler in Göttingeu 
und eine auf 

Herrn Hofrath Professor Dr. Grisebacli in Göttingeu 
gefallen, so dass hiemach der 

Herr Geh. Ob.-Med.-R. Prof. Dr. F. Woehler in Göttingen 
nahezu einstimmig zum Adjunkten des 9. Kreises erwählt ist. 



Den 1.3' Kreis betreffend, 
welcher 44 Mitglieder zählt und zwei Adjunkten zu wählen hat, so haben im Ganzen 27 Mit- 
gheder abgestimmt. Da aber von diesen zwei nur je ein Votum abgegeben haben, so sind 
nicht. 54, sondern nur 52 Sthmuen abgegeben worden. Hiervon sind gefallen 
25 Stimmen auf Herrn Professor Dr. J. Victor Carus in Leipzig, 
25 Stimmen auf Herrn Professor Dr. H. B. Geinitz in Dresden. 
1 Stimme auf Herrn Professor Dr. K. Bruhns in Leipzig und 
1 Stimme auf Herrn Geh. Med.-Rath Dr. H. Reinhard in Dresden. 

Demnach sind die Herren 

Professor Dr. J. Victor Carus in Leipzig und 
Professor Dr. H. B. Geinitz in Dresden 
mit der Mehrzahl der Stimmen aller Wahlberechtigten zu Adjunkten des 13. Kreises erwählt. 

Die Amtsdauer der hiernach erwählten Adjunkten erstreckt sich nach § 18 der Statuten 
bis zum 22. Januar 1883. — 

Dresden den 22. Januar 1873. Dr. Behil. 



Zur Erneuerung des Adjunkten -Collegiums. 

Nachdem di* Vorbesprechungen auch in dem 10. und 12. Kreise so weit gediehen 
waren, dass die Adjuuktenwahlen ausgeschrieben werden konnten , sind an alle diesen Ki'eisen 
angehörige Mitgheder directe Wahlaufforderungen nebst Stknmzetteln versandt und auch von 
vielen Stimmberechtigten ihre Vota zurückgesandt worden. Die noch im Rückstande befind- 
lichen, jenen Kreisen angehörigen Herren CoUegen ersuche ich, ihre Stimme bis spätestens zmn 
15. Februar 1873 einzusenden. 

Sollte wider Erwarten einer derselben die Wahlaufforderung und den Stimmzettel 
nicht empfangen haben, so bitte ich, eine Nachsendung von dem Bui-eau der Akademie ver- 
langen zu wollen. 

Dresden Ende Januar 1873. Dr. Behn. 



35 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Jan. 4. Von Herrn Geh. San.-K. Dr. B.Stilling in Cassel, Jahresbeitr. für 1872 u. 73 4 

„ 7. „ „ Geh. Ob.-Med.-R. Prof. Dr. Henle in Göttingen, desgl. für 1872 u. 73 4 

„ 17. „ , Dr. Sonder in Hamburg, desgl. für 1872 u. 73 . . . . 4 

j, 20. „ „ Dr. Bornemann in Eisenacb, Ablösung der Jahresbeiträge . 20 

f, 20. „ „ Prof. Dr. Coccius in Leipzig, desgl 20 

„ 20. , „ Geh. Reg.-R. Prof. Dr. Knoblauch in Halle a. S., desgl. . . 20 

y, 20. „ „ Oberstabsarzt Dr. Besnard in München, Jahresbeitrag für 1873 2 

„ 20. „ „ Freiherrn Dr. E. v. Bibra in Nürnberg, desgl. für 1872 u. 73 

„ 20. „ , Prof. Dr. AI. Braun in Berlin, desgl. fiir 1873 ... 

„ 20. „ „ Geh. Hofrath Prof. Dr. Doli in Carlsnihe, desgl. für 1872 

„ 20. „ „ Pastor Dr. Dzierzon in Carlsmarkt, desgl. für 1872 u. 73 

„ 20. „ „ Apotheker Geheeb in Geisa, desgl. für 1873 

„ 20. ,, „ Dr. Gottsche in Altona, desgl. für 1873 .... 

„ 20. „ , Dr. Hasskarl in Cleve, desgl. für 1872 u. 73*) . 

„ 20. „ „ Sectionsrath v. Hauer in Wien, desgl. für 1872 

„ 20. „ „ Geh. Reg.-R. Prof. Dr. Karmarsch in Hannover, desgl. für 1873 

„ 20. „ „ Geh. Hofr. Prof. Dr. Kopp in Heidelberg, desgl. für 1872 u. 73 

„ 20. „ „ Prof. Dr. v. Littrow in Wien, desgl. für 1873 . . 

„ 20. „ „ Prof. Dr. Ludwig in Leipzig, desgl. für 1872 . . . 

„ 20. a „ Dr. D. E. Meier in Wangen, desgl. für 1873 . . . 

„ 20. „ „ Med.-R. Dr. J. B. Müller in Berlin, desgl. für 1872 . 

„ 20. „ „ Oberbergr. Prof. Dr. Reich in Freiberg, desgl. für 1873 

„ 20. „ „ Prof. Dr. Reichardt in Jena, desgl. für 1873 . . . 

„ 20. „ „ Director Dr. R. Richter in Saalfeld, desgl. fiir 1873 . 

, 20. „ „ Prof. Dr. Roeper in Rostock, desgl. für 1872 u. 73 . 

„ 20. „ „ Prof. Dr. Sandberger in Würzburg, desgl. für 1872 . 

„ 20. „ „ Prof. Dr. Schaeffer in Jena, desgl. für 1873 . . . 

„ 20. „ „ Prof. Dr. Schroen in Jena, desgl. für 1872 . . . . 

„ 20. „ „ Prof. Dr. v. Siebold in München, desgl. für 1872 

„ 20. „ „ Director Dr. Stahl zu Carthaus Prüll, desgl. für 1873 

„ 20. „ „ Dr. Ullersperger in München, desgl. für 1873 . . . 

„ 20. „ „ Dr. Guido Weiss, z. Z. in Berlin, desgl. für 1872 u. 73 

„ 20. „ ., Prof. Dr. A. Zeising in München, desgl. für 1872 

„ 20. „ ,, Generalstabsarzt Dr. Zimmermann in Wien, desgl. für 1872 u. 73 

^ 21. „ „, Professor Dr. Giebel in Halle, desgl. für 1872 u. 73 

„22. „ „ Dr. Y. Eichwald in St. Petersburg, Ablösung der Jahresbeiträge 20 

„ 22. „ „ Prof. Dr. v. Dusch in Heidelberg, Jahresbeitrag für 1872 u. 73 4 

„ 22. „ „ Ksl. Rath J. G. Beer in Wien, desgl. für 1873 .... 2 

„ 22. , „ Ober-Med.-R. Dr. Hering in Stuttgart, desgl. fiir 1873 . . 2 



TMr. 



*) unter Wahrung seiner Ueberzeugnng hinsichtlich der Wahlfrage. 



36 



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24. 


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25. 


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30. 


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30. 


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31. 


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31. 




31. 



Von Herrn Geb. Reg.-Eath v. Kiesenwetter in Dresden, desgl. für 1872 u. 73 

„ ,, Dr. Trettenbacher in Miincben, desgl. für 1872 u. 73 . . 

„ „ Ksl. Sanitätsr. Dr. Zillner in Salzburg, Ablös. d. Jahresbeiträge 

„ „ Sanitätsr. Dr. Döring in Düsseldorf, Jahresbeitrag für 1873 

„ „ Prof. Dr. L. Seidel in München, desgl. für 1872 u-. 73 . 

„ Geh. Reg.-R. Prof. Dr. E.T.8töckhart in Weimar, desgl.fürl872u. 

„ „ Prof. Dr. K. Moebiu.s in Kiel, desgl. für 1873 . . . 

„ Prof. Dr. Girard in Halle, desgl. für 1872 . . . . 

„ „ Custos Dr. H. W. Reichardt in Wien, desgl. für 1873 

„ „ Oberlehrer Dr. Bail in Danzig, desgl. für 1872 u. 73 

„ „ Sanitätsr. Dr. Lessing in Berlin, desgl. für 1873 . 

„ „ Joachim Barrande in Prag, desgl. füi- 1873 .... 

„ ,, Dr. H. P. D. Reicheubach in Altona, desgl. für 1872 u. 

,, ,, Dr. Eduard Lichtensteiii in Berlin, desgl. füi' 1873 

„ Freimund Edlich in Dresden, desgl. für 1872 u. 73 . 

„ „ Hofrath V. Heuglin in Stuttgart, desgl. für 1872 u. 73 

Dr. Behn 



73 



4 
4 
20 
2 
4 
4 
2 
2 
2 
4 
2 
2 
4 
2 
4 
4 



Thir. 



Ausgetretene Mitglieder. 

Am 20. Januar 1873: Dr. Carl Friedr. Wilhelm Ludwig, Professor der Physiologie an der 
Universität zu Leipzig. Aufgenommen den 6. April 1867, cognomine Harvey H. 

Am 23. Januar 1873: Dr. Bobert Caspary, Professor der Botanik und Director des bota- 
nischen Gartens an der Universität zu Königsberg i. Pr. Aufgenommen den 1. Febr. 
1858, cognomine Malpighi ÜL — 

Dr. Behn. 



Eingegangene Schriften. 

(Bis zum 31. Januar 1873.) 



NaturhistorischcGesellschaftznNümberg. 
Abhandlungen. V.Band. — Nürnberg 1872. 8". 

G. Kittel und Kriechbaumer : Systemati- 
sche Uebersicht der Fliegen, welche in Bayern .... 
vorkommen. J. Neger : Ueber Kometen imd Stern- 
schnuppen. — Ueber das Verhältniss der huma- 
nistischen Gymnasien zu den Natiu-wissenschafteu. 
G. Seelhorst: Ueber Phosphore. L. Koch: 
Apterologisches aus dem fränkischen Jura. — Ueber 
die Spinnengattung Titanoeca Thor. 



Naturforschende Gesellschaft in Zürich. 
Vierteljahrsschrift. 16. Jahrgang, 1 — 4. Heft. 
— Zürich 1871. 8". 

I. Heft. H. Brunner: Ueber Desoxalsäure. 
K. Culmaun: Der Minentrichter. J. J. Hem- 
ming: Transformation der projectivischen Coor- 
dinaten. R. Wolf: Zur Geschichte der Röhren- 
hbelle. (Erfunden von dem Franzosen Thöveuot 
1661.) 



37 



II.Heft. R.VVolf: Beobachtungen der Sonnen- 
flecken i. J. 1870, sowie Berechnung der Relativ- 
zahlen und Variationen dieses Jahres. Besprechung 
des Verlaufs der Sonnentlecken in dem Zeiträume 
1784— 1811 mit Rücksicht auf eine betrettende Ab- 
handlung des Herrn Prof. Loorais in New -York. 
A. Heim: Auszüge uus dem Keisetagebuch. (Die 
BasaltsäuJen des Workocz bei Aussig. Mit Tafel. 

— Wirkungen der Glacialperiode in Norwegen.) 
H.Weber: lieber ein Problem der Wärmetheorie. 
0. Heer: lieber die miocene Flora des Hoch- 
nordens. A. Kenngott: Analyse des Levyn von 
Richmoud in Victoria. — Descloizit. 

III. Heft. H. Fritz: Ueber die gegenseitigen 
Beziehungen einiger physikalischer Eigenschaften 
bei den technisch wichtigsten Metallen. H. Schnee- 
beii: Die Wärmeverhältuisse in tönenden Luft- 
säulen. — Bestimmung der horizontalen Compo- 
riente des Erdmagnetismus auf chemischem Wege. 
A. Baltzer: Adamellogranit und Adamellogranit- 
ghramer. Ch. Mayer: Decouverte des couches 
ä Congeries dans le bassin du Rhone. H. Abel- 
jauz: Ueber den Bichloriither. A.Heim: Notizen 
aus den geologischen Untersuchungen für Blatt XIV 
der eidg. Karte (die Kette der Windgällwi). A. 
Kenngott: Analyse des Levyn aus Island. 

IV. Heft. H. Am stein: Ueber die conforme 
Abbildung der Oberfläche eines regulären Octaeders 
auf die Oberfläche einer Kugel. R. Wolf: Astro- 
nomische Mittheilmigen (Längenvergleichung Rigi— 
Zürich — Neuenbürg; — Vergleichung von Queck- 
silber - Barometern mit einem Aueroid - Barometer ; 

— Untersuchungen von Weilemann über die Be- 
ziehungen zvrisci&en Barometerstand, Temperatur 
und Höhe in der Atmosphäre). C. Stokar: 
Alaimgewinnung in Käpfnach. R.Wolf: Horner's 
Messimgeu der farbigen Ziegel der Schmetter- 
Imgsflügel. 

Nouvelles Archives du Museum d'histoire 
naturelle de Paris. Tome IV, Fascisule 3, 4; 
Tome V, Fase. 1—4: Tome VI, Faso. 1—4; 
TomeYlI, Fase. 1-4. — Paris 1868, 1869, 
1870, 1871. 

Tome IV. A. Dumeril: Note sur trois 
poissons de la coUectiou du Museum (un Esturgeon. 
Acipenser Dabryanus. A. Dum., de Chine, un Po- 
lyodonte, Polyodon Gladius, von ^lartens. de Cliine. 
et un Malamiat, Peristethidion prionocephalum. 
A. Dum., de la mer des Indes). P. Fischer: 
Recherches sur les Epouges perforantes fossiles. 
Alphonse Milne-Edwards : Etudes zoologiques 
sur quelques Grustaces des iles Celebes. 

Tome V. P. Gervais: Memoire sur les 
formes cerebrales propres aux Edentes vivants et 
fossiles. M. Becquerel: Memoire sui- les pheno- 
meues electrocapillaii'es compreuaut les reductions 
metalhques dans les espaces capillau-es, l'endosmose 
et la dialyse. A. Milne-Edwards: Description 
de quelques Grustaces uouveaux de la famille des 
Portuniens (Thalamitoides tridens, Th. quadridens, 
Goniosoma longifrons, G. Danae, G. acutum, Camp- 
touix rotundifrons). — Revision du genre Telphuse 



et description de quelques especes nouvelles faisant 
partie de la coUection du Museum (Telphusa an- 
gustifrons, T. Siamensis, T. crassa, T. Margaritaria. 
T. longipes, T. Larnaudii, T. cristata. T. planata). 
— M. Guichenot: Notice sur quelques Poissons 
inedits de Madagascar et de la Chine. — E. Per- 
rier: Observations sur les relations qui existent 
entre les dispositions des pores ambidacraires ä 
Texterieur et ä l'interieiu' du test des Echinides 
regidiers. — P. Gervais: Memoire sur les formes 
cerebrales propres aux Marsupiaux. — P.Fischer: 
Memoire sur le Pliosaurus grandis. Reptile gigan- 
tesque du Kimmeridge-Clay du Havre. — F. Pre- 
vost: De l'existence de cornes rudimentaires sur 
la tete des femelies de Cerfs. 

Tome Yl, M. Becquerel: Memoire sur les 
phenomenes electro - capillaires. A. Milne- 
Edwards: Revision du genre Callianassa et de- 
scription de plusiem's especes nouvelles (Callianassa 
armata, C. pachydactyla. C. brevicaudata. C. pari- 
siensis, 0. crassa, C. maxima). — P. Gervais: 
Les formes cerebrales jiropres aux carnivores vi- 
vants et fossiles. P. Fischer: Recherches sur 
les Reptiles fossiles de l'Afiique australe. A. Gris: 
Memoire sur la moelle des jdantes ligneuses. A. 
Milne-Edwards: Note sur une nouvelle espece 
de Semnopitheque provenant de la Cochinchine. 
M. Bocourt: Description de quelques Sauriens 
nouveaux originaires de l'Amerique meridionale 
(Anohs brevirostris, A. cynocephalus. A.Williamsii, 
Emydactylus Bouvieri). G. P. Deshayes: 
Diagnoses d'especes nouvelles de MoUusques ter- 
restres et fluviatiles de la principaute de Moupin. 
Thibet oriental. M. J. Verreaux: Especes nou- 
velles d'oiseaux dans les montagnes du Thibet 
Chinois. (Picus Desmursi, Picoides funebris, Sitta 
Sinensis. Siphia Hodgsoni, Pnoepyga troglodytoides. 
Turdus auritus. Merula Gouldi. Cholornis paradoxa. 
Suthora Alphonsiaua. S. gularis, Alcippe poecilotis. 
Pterorliinus maximus. P. lanceolatus. Janthocincla 
hmulata. Trochalopteron foi-mosum. T. ElUoti, 
T. Blythi. Arundinax Davidiana. Abrornis acanthi- 
zoides. Siva cinereiceps. S. ruticapilla, S. striati- 
coUis, Minla Jerdoni, Proparus Swinhoei. Yuhina 
diademata, Parus Pekinensis. Mecistura nnacea. 
M. fuhginosa. Carpodacus Edwardsii. C. trifaseiatus, 
C. vinaceus, PyrgUauda Davidiana). 

Tome VII. E. Perrier: Recherches sur 
l'organisation d'un neniatoide nouveau du genre 
hedruris. P. Gervais: Remarques sur I'anatomie 
des Cetaces de la divisiou des Baienides. P. Fi- 
scher: Revision des especes du genre Vaginula. 
(Vaginula brevis. Fischer; V. MaiUardi ; V. Sey- 
chellensis, Fischer; V. Gayi. Fischer) A. Milne- 
Edwards: Note sur une nouvelle espece de Tatou 
ä euirasse incomplete (Scleropleura Bruneti [axlij- 
pof, Tii.ivQÖi']). — L. Vaillant: Recherches sur 
la synonymie des especes placees par Lamark dans 
les genres Vermet, Serpule. Vermilie. et apparte- 
nant ä la famille des Cubispirata. A. Brongniart 
et A. Gris: Description de quelques plantes re- 
marquables de la Nouvelle-Caledonie. 



38 



Bataviaasch Genootschap van Künsten 
en Wetenschappen. Tijdschiift vooi- indische 
Taal-, Land- en Volkenkunde. Deel XVin, 
zesde Serie, Aflevering 3 en 4. Deel XX, 
zevende Serie, Aflevering 3. Batavia, 1871 
u. 1872. 8«. 

— Eerste Verfolg Catalogus der Bibliothek 
en Catalogus der Maleische, Javaanische en 
Kawi Handschriften. Batavia 1872. 8". 

— Notulen van de aUgemeene en Bestuurs- 
Vergaderingen. Deel IX. 1871. — Batavia 
1872. 8'\ 

Geological Society of London. The Quar- 
terly Journal. Vol. XXVIU. Part 3. August 1, 
1872. — London 1872. 8«. 

H. A. Nicholson: Migrations of the Grapto- 
htes. M. G. Egerton: A uew Genus of Fossil 
Fish from the Lyas of Lyme Eegis (Prognathodus 
üünteri). — J. Nicol: How the Parallel Roads 
of Glen Roy were foniied. — C. J. A. Meyer: 
On the Wealden as a Fluvio-Iacustrine J'ormation, 
and on the relation of the so-called „Puiifield For- 
mation" to the Wealden and Neocomian. Oldham 
and R. Malle t: On some of the Secondary Effects 
of the Earthquake of lütbjanuary, 1869, in Cachar. 
R. Daintree: On the Geology of the Colony of 
Queensland. With an Appendi.x, containing de- 
scriptions of the Fossils, by R. Etheridge and Mr. 
W. Carrutiiers. 

Societö geologique de France. Bulletin, 
Deuxieme Stirie. Tome vingt - huitieme. — 
Paris 1870 ä 1871. 8«. 

M. Daubree: Des terrains stratifies, cousi- 
d^res au point de vue de l'origine des substauces 
qui les constituent et du tribut que leur ont ap- 
porte les parties internes du globe. 

K, K. geologische Reichsanstalt. Verhand- 
lungen. Xr. 12, 13, August und September 
1872. — Wien 1872. 8". 

E. Tietze: Ueber ein Vorkommen von Fleder- 
mausguano im Graner Gebirge. — Geologische 
Notiz aus der Umgebung von Neutra in Ungarn. 
0. Lenz: Die Fruska Gora. G. Stäche: Der 
Gneis von Bruneck im Pusterthal und einige Be- 
merkungen über den Begriff „Ceutralgneiss"'. — 
Ueber die als „Lias" gedeuteten Kalke und Kalk- 
schiefer südlich von Landeck im Oberinuthal. E. 
v. Mojsisovics: Aus den vorarlbergischen Kalk- 
alpen. — Beiträge zur Altersbestimmung einiger 
Schiefer- und Kalkformationen der östhchen Schweizer 
Alpen. F. Karrer: Diuotherium, Rest aus einem 
Stollen der Wiener Wasserleitung. 0. Lenz: Neuer 
Fund von Mammuthresten. F. Foetterle: Unter- 
suchung der Umgebung von Zengg. M. Neu- 
mayr: Die Umgebung von Reutte in Tyrol. D. 
Stur: Der westhche Theil des Aufnahmsgebietes 
am Dniester. 



Friedrich Nobbe. Die landwirthschaft- 
lichen Versuchs-Stationen. Band XV. Nr. 6. 
— Chemnitz 1872. 8". 

W. Dittmar: Bestimmung der specifischen 
Gewichte einiger Proteinkörper. E. Wildt: Ueber 
die Zusammensetzung der Knochen der Kaninchen 
in den verschiedenen Altersstufen. P. Sorauer-. 
Einige Beobachtungen über Gummiljildung. 

Königl. physikalisch-ökonomische Gesell- 
schaft zu Königsberg. Schriften. 12. Jahrg. 

1871, 1. u. 2. Abtheilung, und 13. Jahrgang, 

1872, 1. Abtheilung. — Königsberg 1871 
und 1872. 40. 

A. Müller : Ueber drei in der Provinz Preussen 
ausgegrabene Bäreuschädel. Buchholz: Erleh- 
nisse der Mannschaft des Schiffes Hansa bei der 
zweiten deutschen Nordpolfahrt. P. Schiefer- 
decker: Der Begräbnissplatz bei Stangenwalde. 
H. V. Klinggräff: Besehreibimg der in Preussen 
gefundenen Arten und Varietäten der Gattung 
Sphagnum. E. Dorn: Die Station zur Messung 
der Erdtemperaturen zu Königsberg i. Pr. und die 
Berichtigung der dabei verwandten Thermometer. 
J. Möller: Ueber den gegenwartigen Stand der 
Kanalisatiousfrage mit besonderer Beziehung auf 
Königsberg. R. Caspary: Mittheihmgen über vopi 
Blitz getroffene Bäume und Telegraphenstangen. — 
Orobanche palhditiora V/. et Gr. — Bericht über 
die O.Versammhmg des preuss. botanischen Vereins 
zu Königsberg am 31. Mai 1871. — Bericht über 
die 10. Versammlung des preuss. botanischen Vereins 
zu Insterburg am 1. October 1871. F. Seydler: 
Bericht über die botanische Untersuchung des 
Kreises Heilsberg und eines Theils der Umgegend 
von Wormditt in der Zeit vom 29.Juh bis 25. August 
1871. R. Caspary: Die Seealgen von Neukuhren 
an der samländischen Küste in Preussen nach 
Hensche's Sammlung. 

Kaiserliche Akademie der Wissenschaften 
zu Wien. Mathematisch-naturwissenschaftliche 
Classe. I. Sitzungsberichte. 64. Band, 1 — 5. 
Heft. Jahrgang 1871, Juni — December. — 
Wien 1871. 8". 

Erste Abtheilung: Abhandlungen aus dem 
Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Ana- 
tomie, Geologie und Paläontologie. 

V. Graber: Ueber die Blutkörperchen der 
Insecten. M. K. Fritsch: Ueber die absolute 
Veränderlichkeit der Blüthezeit der Pflanzen. M. 
J. Dietl: Untersuchungen über Tasthaare. S. 
Simono witsch: Ueber einige Asterioiden der 
rheinischen Grauwacke. A. Schrauf: Mineralische 
Beobachtungen III. [XVII. Die Parameter der 
Kupferlasur. XVIII. Kupferlasur von Chessy. 
XIX. Kupferlasur von Nertschinsk. XX. Kupfer- 
lasur von Wassenach, von Adelaide und von Ana.. 
XXI. Kupferlasur und Epidot, nebst Bemerkungen 
über Isomorphie. XXII. Linarit und Caledonit von 
Rezbänya. XXIII. Nachtrag zu Axinit, .\nhydrit 
und Apatit. XXIV. Argentopyrit. XXV. Emige 



39 



neue Formen des Baryt.] L. J. Kitzinger: Die 
iiatürlicbe Familie der Gürtelthiere (Dasypodes). 
Ä. E. Ritter v. Reuss: Vorläufige Notiz über 
zwei neue fossile Foraminiferen- Gattungen (Poly- 
phragnia cribrosum. Ceriojiora cribrosa). A. Bre- 
zina: Die Krystallform des luiterschwefelsauren 
Blei's. PbSo06'4aq und das Gesetz der Tri- 
gonoeder an circularpnlarisirenden Krystallen. C. 
Wedl: Histologische Mittheiluugen. J. Wiesner: 
Experimental - Untersuchungen über die Keimung 
der Samen. J. Peyritsch: Ueber einige Pilze 
aus der Familie der Labaulbenien. ,1. Wiesner: 
Untersuchungen über die herbstliclie Entlaubimg 
der Holzgewächse. H.Behrens: Mikroskopische 
üntersuchimgen über die Opale. 

Zweite Abt h eilung: Abhandlungen aus 
dem Gebiete der INIathematik. Physik. Chemie. Phy- 
siologie, Meteorologie, physischen Geographie und 
Astronomie. 

J. Seegeu: Genügen die bis jetzt angewen- 
deten Methoden, um kleine Mengen Zucker mit 
Bestimmtheit im Harn nachzuweisen V A. Handl: 
Notiz über die älteren meteorologischen Beob- 
achtungen üi Lemberg. C. Hörn st ein: Ueber 
die Abhängigkeit des Erdmagnetismus von der 
Rotation der" Sonne. E. Weiss: Ueber sprung- 
weise Aeudermigen in einzelnen Reductionselementen 
eines Instrumentes. M. K. y. Littrow: Bericht 
über die von Herrn Prof. E. Weiss ausgeführte 
Bestimmung der Breite und des Azimuthes auf dem 
Laaer Berge bei Wien. R. Niemtschik: Ueber 
die Construction des Durchschnitts zweier krummen 
Flächen unter Anwendung von Kugeln und Rota- 
tions -Flächen. J. K achler: Studien über die 
Verbindungen aus der Kamphergruppe. A. Seyd- 
1er: Ueber die Bahn des ersten Kometen vom 
Jahre 1870. L. Barth: Ueber die Umwandlung 
der Oxybenzoesäure in Protokatechusäure und die 
Constitution der letzteren. R. KöUe: Ueber 
Bimethyl- und Biäthylprotokatechusäure. P. v. 
Dobrynin: Ueber die erste Anlage der AUantois. 
J. Stefan: Ueber die Gesetze der electrodynami- 
schen Induction. J. Gottlieb: Ueber die Ent- 
stehimg und Eigenschaften der Monochlorcitramal- 
säiire. L. Pfaundler: Ueber die Energiedifferenz 
des phosphorsauren Natrons bei verschiedenem Ge- 
halte an Krystalhvasser. A. Winkler: Ueber die 
Integration der Differentialgleichung erster Ordnung 
mit rationalen Coefficienten' zweiten Grades. S. 
Weiss: Zur Statik des Glycogens im Thierkörper. 
H. Hlasiwetz und J. Hab er mann: Ueber die 
Proteinstofl'e. E. Friedinger: Welche Zellen in 
den Pepsindrüsen enthalten das Pepsin ? E. H e - 
ring: lieber eine reflectorische Beziehung zwischen 
Lunge und Herz (Fortsetzung der Untersuchungen 
über den Einfluss dep Athmung auf den Kreislauf). 
V. Seng: Beitrag zur Lehre von den Malpighi- 
schen Körpercheu der menschlichen Niere. J. No- 
wak: Ueber den Stickstoffgehalt des Fleisches. 
J. Hann: Untersuchungen über die Winde der 
nördlichen Hemisphäre und ihre klimatologische 
Bedeutung. Zweiter Theil : Der Sommer. E. A 1 - 
bert: Zur Histologie der Synovialhäute. Th. 
Ritter v. Oppolzer: Nachweis für die im Berliner 
Jahrbuche für 1874 enthaltenen Ephemeriden der 



Planeten (58) Concord.ia, (-59) Elpis, (62) Erato, 
(64) AngeUna, (91) Ägina und (113) Amalthea. 
V. T. Lang; Zur dynamischen Theorie der Gase. 
R. Staudigl: Ueber die Identität von Con- 
structionen in perspectivischer , schiefer und ortho- 
gonaler Projection. H. Frombeck; Ein Beitrag 
zur Theorie der Functionen complexer Variabelen. 
J. Köttsdorfer: Analyse der Mineralquellen des 
Hercules-Bades nächst Mehadia. E. Herrmann: 
Formel für die Spannkraft gesättigter Dämpfe. 
A. Schapringer : Ueber die Bildung des MeduUar- 
rohrs bei den Knochenfischen. S.Meyer: Studien 
zur Physiologie des Herzens und der Blutgefässe. 
Th. Ritter v. Oppolzer: Ueber die Bestimmung 
einer Kometenbahn (III. Abhandlung). L. Gegen- 
bauer: Auswerthung bestimmter Integrale. C. 
Pelz: Ueber das Problem der Glanzpimkte. Th. 
Ritter.v. Oppolzer : Ueber die Bahn des Planeten 
(91) Ägina. J.Stefan: Ueber die diamagnetische 
Induction. A. Winkler: Ueber die Entwicklung 
und Summation einiger Reihen. 



31. Band. — "Wien 



— IL Denkschriften. 

1872. 40. 

K. Langer: Wachsthum des menschlichen 
Skeletes mit Bezug auf den Riesen. J. Hyrtl: 
Das Nierenbecken der Säugethiere und des Men- 
schen. B. Freiherr v. Wüllerstorf - Urbair : 
Zur wissenschaftlichen Verwerthuug des Aneroides. 
C. V. Littrow: Physische Zusammenkünfte der 
Planeten (1) bis (82) während der nächsten Jahre. 
G. Tschermak: Ein Meteoreisen aus der Wüste 
Atacama. A. E. Ritter v. Reuss: Die fossilen 
Korallen des österreichisch - ungarischen Miocäns. 
J. Rauter: Zur Entwicklungsgeschichte einiger 
Trichomgebilde. 

Eeale Istituto Veneto di Seienze, Lettere 
et Arti. Atti Serie 3. Tomo XVL Dispensa 10. 
Serie 4. Tomo I. Disp. 1 — 4. — Venezia 
1870—72. 8«. 

T. XVI. D. 10. D. Berti: La veniita di Ga- 
hleo Gtalüei a Padova e la iuvenzione del telescopio 
(cont. e fine). T. Taramelli: Dell' esistenza di 
un' alluvione preglaciale nel versante raeridionale 
delle Alpi in relazioue coi bacini lacustri, e dell' 
origine dei terrazzi alluvionaU. G. P. Vlacovich: 
Sulla presenza dell" acido urico nella oute del baco 
da seta. 

Ser. IV. T. I. G. Meneguzzi: Bollettino 
meteorologico con observazioni statistiche e mediche 
dei G. Namias e A. Berti. G. Zanardini: Nota 
intorno ad un viaggio aBorneo recentemente intra- 
preso dal botanico fiorentino 0. Beccari. G. Lo- 
renzoni: Osservazioni spettroscopiche del bordo 
solare fatte nel r. Osservatorio di Padova TU di- 
cembre, 1871. G. Nardo: Nota suUa riproduzione 
delle anguille e sugli studii recenti che le dichiarano 
ermafrodite. Mariano Quer cia : Considerazione 
sommarie suUa quantita di lavoro dinamico che 
effettivamente si utilizza da uua caloria negli ap- 
parecchi mechanici a vapore attualmente u,sati per 
la propulsione delle navi. 



40 



Videnskabs - Selskabet i Christiania. 

Forhandlinger. Aar 1869, 70. — Christiania 
1870, 71. 8«. 

C. M. Guldberg: Om Vaedskers Udvidelse 
ved constaut Tryk. M. S. Lie: Repräsentation 
der Imaginären der Plangeometrie. G. 0. Sars: 
Nye Dybvands-Cnistaceer fra Lofoten. H. Mohn: 
Om Tordenveir i Nor«e i Aaret 1868. — Norges 
Vkd- og Storm-Statistik. A. S. Guldberg: Om 
Lignmger af -Ote Grad. IL Mohn: Havets Tem- 
peratur mellem Island, Skotland og Norge. C. M. 
Guldberg: Bidrug til Theorien for de ubestemte 
chemiske Forbindelser. A. Boeck: Crastacea am- 
phipoda boreaha et arctica. L. Sylow: Om For- 
ringelsen af Modiüarligningerues Grad. S. A. 
Sexe: Gletscher - K.xperimenter. Th. Kjerulf: 
Ündersogelse af nogle Kulslags og Torv. A. S. 
Guldberg: Om den algebraiske Ligning af nte 
Grad, hvis Redder repraesenteres ved Formelen 

X = pA+r^. - 

1 ' J 
Oversigt over Moderne. H. Mohn: 
Om Forbuulelsen mellem Temperatur, Lufttryk og 
Vmdenes Fordehng i det sydlige Norge. Lassen: 
Om Yttrotitanit. H. Gloersen: Analyse af En- 
statit. Hiortdahl: Om et formodet Fund af Me- 
teorjern i. Grevskaberne. Waage: Om Bromets 
Anwendeiso in den keniiske Analyse. 

Naturforschende Gesellschaft in Danzig. 
Schriften. Neue Folge. Dritten Bandes I.Heft. 

— Danzig 1872. 8". 

Lissauer: AltponmiereUisehe Schädel. Ein 
Beitrag zur germanischen Urgeschichte. Kasiski: 
Das Gräberfeld bei der Persanziger Mlüile. C. J. H. 
Lampe: Allgemeine Bemerkiuigeu über die Be- 
wegimg des Wassers in Röhren, nebst Messungen 
von Druck und Geschwindigkeit an der ca. 45000 F. 
langen neuen Danziger Wasserleitung. A. Menge: 
Ueber eine im Bernstein eingeschlossene Mermis. 

— Preussische Spmnen. ö.Abth. 

K. Bayerische Akademie der Wissen- 
schaften. Abhandlungen der mathematisch- 
physikalischen Classe. 11. Band, 1. Abtheilung. 

— München 1871. 4". 



L. Seidel: Ueber die Grenzwerthe eines j 

unendlichen Potenzausdrucks der Form / 

C. W. Gümpel: Die sogenannten NuUiporeu 
(Lithothamnium und Dactylopora) und ihre Be- 
theiligung an der Zusanmiensetzuug der Kalkge- 
steine. Erster TheU : Die Nulliporeu des Pflanzen- 
reiches (Lithothammmn). Zweiter Theil : Die NulU- 
poren des Thien-eiches (Dactyloporideae). 0. Hesse: 
Ueber das Problem der drei Körper. C. M. Bauern- 
feind: Ein Apparat zur mechanischen Lösung 
der nach Potheuot, Hansen u. A. benannten geo- 
dätischen Aufgaben. H. v. Schlagintweit- 
Sakünlüuski: Untersuchungen über die Salzseen 
im westhcheu Tibet imd in Turkistän. 1 . Theil : 
Rüpchn und PankOng, das Gebiet der Salzseen im 
westUchen Tibet. 0. Hesse: Ein Cyclus von De- 
terminaten - Gleichungen. (Eine analytische Erwei- 
terung des Pascal'schen Theoremes.) F. v. K obell : 
Die Mineraliensammlung des Bayerischen Staates. 

Linnean Society of London. Transactions. 
Volume XXVII, Part the fourth. Vol.XXVUI, 
Part the first and the second. Vol. XXIX, 
Part the first. — London 1871, 72. 4". 

R. 0. Cunningham: Notes on the Reptiles, 
Amphibia, Fishes, Mollusca, and Crustacea obtained 
during the voyage of H. M. S. 'Nassau' in the 
years 1866 — (j9. G. Bentham: Revision of the 
Genus Cassia. M. T. Masters: Contributions to 
the Natural History of the Passifloraceae. 

AcadämieKoyale deMädecine deBelgique. 

I. Memoire.s couronnes et autres memoires. 
Tome I. Fascicule 15. — Bruxelles 1872. 8". 

M. Contamine: De la fievre vitulaire. M. 
D e n e u b u r g : De la fievre vitulaire. 



8erie. 
1872. 



U. Bulletin. Annee 1872. Troisieme 
Tome VI, Nr. 8. — Bruxelles 



Der Copemicus-Yerein 

für Wissenschaft und Kunst zu Thorn feiert am 18. und 19. Februar d. J. den vierhundert- 
jährigen Geburtstag seines glorreichen Mitbüi-gers Nicolaus Copernicus (geb. daselbst den 
19. Februar 1473). — 



AbgcBCbloBEeu den 31. Jaunar 1873. 



Dmck TOii E. lUocbniann Ä Sohn in Dresden. 



NÜNQUAM „J^I^Sb. OTIOSUS. 




LEOPOLDINA 

ATiITLICHES ORGAN 

DEE 

KAISERLICH LEOPOLDINISCH-GAEOLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIÜENTEN 

Dr. W. P. G. Beim. 
Dresden. Heft '^'III. — Nr. 6. Februar 1873. 

Inhalt: Amtliche Mittheilungen: Ergebniss der Adjuuktenwahlen im 10. und 12. Kreise. — 
Adjuuktenwahlen im 3. und 15. Kreise. — Beiträge zur Kasse der Akademie. — Lebensskizze 
von B. Seemann. — ' 

Eingegangene Schriften. — Schweizerische paläontologische GeseUsriiaft. — 



Aiutliclie Mittlieiluii2;eii. 



Ergebniss der Adjunktenwablen im 10. und 12. Kreise. 

ISaclidem in der Leopoldina VIII p. oi die Ausschreibung der Adjuiiktcuwahlen für 
obige Kreise angezeigt, der Schluss der Wahlperiode auf den 15. Februar d. J. anberaumt 
und die Mitglieder derselben, welche etwa die Wahlaufforderung nebst Stimmzettel nicht 
empfangen hatten, ersucht waren, eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie zu ver- 
langen, wurde am 18. Februar zur Auszählung der eingegangenen Stimmzettel geschritten, 
welche laut des von Herrn Kotar V. Wetzel aufgenommenen und heute eingesandten Protokolls 
folgendes Ergebniss hatte : 

für den 10. Adjunktenkreis, 
der laut § 17 Aum. der Statuten zur Wahl eines Adjunkten berechtigt ist, waren an 12 
WitgUeder Stimmzettel versandt worden. Von diesen haben acht abgestimmt und e.s sind 
Leop. VIII. ^ 6 



42 

sieben Stimmen auf Herrn Professor Dr. G. Karsten in Kiel und 

eine Stimme auf Herrn Professor Dr. J. A. C. Roeper in Rostock gefallen. 

Es ist demnach 

Herr Prof. Dr. G. Karsten in Kiel 
durch Mehrzahl der Stimmen aller Wahlberechtigten zum Adjunkten für den 10. Kreis er- 
wählt worden. 

Für den 12. Adjunktenkreis, 
welcher ebenfalls einen Adjunkten zu wählen hat und 23 Mitglieder zählt, sind sechszehn 
Stimmen abgegeben wordenund hiervon gefallen 

zwölf Stimmen auf Herrn Geh. Hofrath Professor Dr. C. Gegenbaur in Jena, 
drei Stimmen auf Herrn Professor Dr. Eduai-d Reichardt in Jena und 
eine Stimme auf Herrn Geh. Hofrath Professor Dr. F. J. Ried in Jena, 
wonach also 

Herr Geh. Hofrath Professor Dr. C. Gegenbaur in Jena 
durch Stimmenmehrheit aller Stimmberechtigten zum Adjunkten für den 12. Kreis gewählt ist. 

Die Amtsdauer der hiernach gewählten Adjunkten erstreckt sich bis zum 
21. Februar 1883. 

Dresden den 21. Februar 1873. Dr. Behn. 



AdjunktenwaMen im 3. und 15. Kreise. 

Nachdem die Vorbesprechungen auch in dem 3. und 15. Kreise zu Vorschlägen für 
die Wahl geführt hatten, sind an alle diesen Kreisen angehörigen Mitglieder direote Wahl- 
aufforderungen nebst Stimmzetteln versandt und auch von vielen Wahlberechtigten ihre Vota 
zurückgesandt worden. Die noch im Rückstande befindlichen , jenen Kreisen angehörigen 
Herren Collagen ersuche ich, ihre Stimmen bis spätestens zum 10. März 1873 einzusenden. 

Sollte wider Erwarten einer derselben die Wahlaufforderung und den Stimmzettel 
nicht empfangen haben, so bitte ich, eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie ver- 
langen zu wollen. 

Dresden den 24. Februar 187 3. Dr. Behn. 



Beiträge" zur Kasse der Akademie. 



Febr. 1. Von Herrn Dr. G. F. Koch in Waldmohr, Jahresbeiträge für 1872 u. 73 4- Thlr. 

,, 3. ,, „ Geh. Med.-R. Dr. Reinhard in Dresden, desgl. für 1873 . 2 ,, 

,, 3. ., ,, Prof. Th. Irmisch in Sondershausen, desgl. für 1873 ... 2 „ 

„ 5. „ ,, Prof. Dr. Hensel in Proskau, desgl. für 1873 2 ., 

„ 5. „ „ Dr. Luchs in Warmbrunn, desgl. für 1873 2 „ 



43 



Febr. 11. Von Herrn Prof. Dr. Sadebeck in Berlin, dessfl. für 1873 



11. 

12. 
13. 
13. 

14. 
15. 
18. 
20. 
20. 
24. 
24. 



, . . . 2 Thli-. 

Hofr. Prof. Dr. v. Kölliker in Würzburg, desgl. für 1872 u. 73 4 „ 

Dr. Mor. Elsuer in Breslau, desgl. für 1872 u. 73 . . . 4 „ 

Prof. Dr. Eammelsberg in Berlin, desgl. für 1872 u. 73 . 4 „ 

Dr. G. W. Detharding in Rostock, desgl. für 1872 ... 2 „ 

Dr. J. Brück in Breslau, desgl. für 1872 u. 73 . . . . 4 „ 

Prof. Dr. V. Bischoff in München, desgl. für 1872 u. 73 . 4 „ 

Geh. Sanit.-R. Dr. H. Wolf in Bonn, desgl. für 1873 . . 2 ,, 

Oberlehrer Dr. Fiedler in Breslau, desgl. für 1872 ... 2 „ 

Prof. Dr. Marbach in Breslau, desgl. für 1872 .... 2 „ 

Prof. Dr. Luschka in Tübingen, desgl. für 1872 .... 2 , 

Dr. G. W. Focke in Bremen, Ablösung der Jahresbeiträge . 20 „ 

Dr. Beim. 



Dr. Karl Berthold Seemann*). 

(Mitglied der Akademie seit dem 30. März 1852, cogu. Boupland, 
zum Adjunkten ernannt den 20. Deoember 1857.) 

Berthold Seemann ist am 28. Februar 1825 in Hannover geboren. Gebildet wurde 
er auf dem Lj-ceura seiner Vaterstadt, dessen Director damals der berühmte Gi'otefend war 
einer der ersten Entzifferer der Keilschrift. Durch dessen Sohn erhielt der junge Seemann 
den ersten Unterricht in der Botanik, welche er bald zu seinem Hauf)tstudium machte. Er 
erlangte frühzeitig eine gewisse Fertigkeit im Schreiben und schrieb bereits im 17. Jahre seine 
erste Abhandlung. Zwei Jahre später, 1844, kam er nach Kew in der Absicht, sich zu einem 
botanischen Sannnler aufzubildcn, und arbeitete in dem Garten unter dessen Curator, Mr. John 
Smith. Im Jahre 1846 ward er auf die Empfehlung Sir W. J. Hookei-'s von der Admiralität 
auf I. M. Schiff ,, Herald", Capitän H. Kellet, C. B., als Naturforscher angestellt, welches seit 
dem Juni 1845 zu einer Expedition behufs Aufnahme von Seekarten im stillen Meere ver- 
wandt war. Er verliess England im August, und als er im September die Stadt Panama 
erreichte, fand er, dass der ,, Herald" und sein Begleitschiff „Pandora" noch nicht von Van- 
couver's-Eiland zurückgekehrt seien. Seemann benutzte diesen Verzug zur Ausforschung vom 
grössten Theile des Isthmus und sammelte Jlaterialien , welche es ihm ermögUobten, die voll- 
ständigste aller bekannten allgemeinen Beschreibungen dieses Landes zu geben. Er entdeckte 
nicht nur eine Anzahl neuer Pflanzen und Thiere, sondern auch einige merkvinirdige Hiero- 
glyphen in Veragua , über welche er später vor dem archäologischen Institut Grossbrittaniens 
einen Vortrag hielt. Anfang 1847 kehrte der ,, Herald" aus dem Norden zurück, und Seemann 
schloss sich am 17. Januar der Expedition au, bei der er bis zum Ende ihrer Picise um die 



*) Wir entlehnen diesen Nachruf den l'roc. of the Linnean Soc. of London. Session 1871 — 72 
p. LXXIV u. flgd. Die Lebensverhältnisse des seit seinem 19. Jahre fast immer im Auslände und 
namentlich in England lebenden B. S. mussten den Engländern genauer bekannt sein, als (seit dem im 
März 18G8 erfolgten Tode seines Bruders W. E. G. Seemann in Hannover) den l'eutschen. — 

6* 



44 

Welt verblieb, wähi'end welcher drei Fahrten nach den arktischen Regionen durch die Behrings- 
strasse gemacht wurden. Seemann hatte so Gelegenheit , beinahe die ganze Westküste Ame- 
rika's zu erforschen , indem er häufig lange Reisen in das Innere des Landes machte. Seine 
Untersuchungen in Peru und Ecuador führten ihn , begleitet yon dem Herrn (jetzt Capitän) 
Bedford Pim , von Payta durch die peruanischen Wüsten und quer über die Cordilleren der 
Anden nach Loja, Cuenca und Guayaquil, und machten ihn heimisch in der prächtigen Scenerie, 
Vegetation und Bevölkerung eines grossen Theiles des ehemaligen Kaiserreiches der Iiica's. 
Dann besuchte er verschiedene der westlichen Staaten ^lexico's. Von Mazatlan ausgehend, 
kreuzte er die Sierra Madre und drang vor bis Durango und an die Grenzen von Chihuahua. 
Zu dieser Zeit waren die Coraanche- und Alpache-Indianer sehr unruhig, und Seemann entrann 
kaum mit dem Leben. 1848 begann das Schicksal Sir John Franklin's Besorgniss in England 
zu erregen und der ,, Herald" wurde, begleitet von der ,,Plower", angewiesen, in die arktischen 
Regionen durch die Behringsstrasse vorzudringen, um die vermissten Reisenden aufzusuchen. 
Dies gab der Expedition einen völlig neuen Charakter, welche bisher nur benutzt war, hydro- 
graphische Studien der Westküste Amerika's zu machen. 

Dreimal ging der ,, Herald" nach den arktischen Regionen, im zweiten Jahre begleitet 
von der ,,Entreprise" und dem ,,Livestigator". Seemann benutzte diese Gelegenheit, Materialien 
zu einer Flora des äussersten Nordwestens vom arktischen Amerika und für die Anthropologie 
der Eskimo's zu sammeln. Der ,, Herald" kehrte den 6. Juni 1851 nach England zurück. 
Auf Sir W. J. Hooker's Empfehlung beauftragte die Admiralität Seemann, die Resultate dieser 
Reise zu veröffentlichen, und demgemäss publicirte er im Beginne des Jahres 1853 die ,,Nar- 
rative of the Voyage of H. M. S. Herald , being a Gircumnavigation of the Globe and Three 
Cruises to the Arctic Regions in Searcli of Sir John Franklin." Dieses Buch erschien in 
2 Bänden , wurde theils von Ed. Vogel , dem Afrikareisenden , in's Deutsche übersetzt und er- 
lebte zwei Auflagen aiif dem Continent. Die während der Reise gesammelten Thiere wurden 
von dem verstorbenen Sir John Richardson in einem Quartband beschrieben, und in den Jahren 
1852 — 1857 erschienen die botanischen Resultate in Seemann's ,,Botany of the Voyage of 
H. M. S. Herald." Dieses Werk enthält die Floren von West - Eskimoland , des Isthmus von 
Panama, des nordwestlichen Mexico's, und der Insel Hongkong, mit 100 Tafeln von Fitch. 
In der Herstellung dieses Buches erfreute sich der Autor der Beihülfe Sir William's imd des 
Dr. J. D. Hooker, welcher letztere die Analysen der Tafeln lieferte. 

Um diese Zeit wurde Seemann Doctor der Philosophie zu Gottingen und die Kais. 
L. C. Deutsche Akademie der Naturforscher erwählte ihn unter dem Namen ,,Bonpland" zu 
ihrem MitgHede. Wenige Jahre später wurde er zum Adjunkten der Akademie ernannt. 

Seit 1853 gab Dr. Seemann im Verein mit seinem Bruder, dem verstorbenen W. E. 
G. Seemann, ein Deutsches botanisches Journal in Quart unter dem Namen „Bonplandia" 
heraus. Dies erschien in Hannover, obschon es in London redigirt wurde, und wurde von 
Botanikern verschiedener Länder gut unterstützt. Seine Publication ward mit der Vollendung 
des 10. Bandes, Ende 1862, geschlossen. Das Jahr 1857 führte Dr. Seemann nach Canada, 
als Repräsentanten der ,,Linnean Society" bei der Versammlung der ,, American Association 
for the Advaiicement of Science" in Montreal. Bei dieser Gelegenheit hielt er einen Vortrag 
über die ,,Parthenogenesis der Pflanzen und Thiere" und benutzte seine Anwesenheit, um sich 
über das Britische Nord-Amerika und die vereinigten Staaten zu unterrichten. 



45 

1859 wurden die Fitschi-IiiS'ln im südlichen stillen Ocean förmlich von ihrem Könige 
und Fürsten an Gross-Brittanien abgetreten ; aber vor der Annahme dieser angebotenen Cession 
ward Colonel Smythe von der englischen Regierung beauftragt, einen officiellen Bericht über 
den Zustand und die Verhältnisse dieser Inseln anzufertigen, und durch den Einfluss Sir W. 
J. Hooker's wurde Dr. Seemann aufgefordert, sich dieser Expedition anzuschliessen. Er ver- 
liess England im Februar 1860 und kam einige Monate vor Colonel Smythe auf den Fitschi- 
jnseln an. Er erforschte die wenig bekannte Inselgruppe und brachte reiche Sammlungen von 
Pflanzen und anderen naturhistorischen Gegenständen zusammen. Ein Auszug aus den von 
ihm in dieser Zeit geschriebenen Briefen mit vielen Nebenbemerkungen und Dr. Seemann's 
officiellem Berichte „On the Resources and Vegetable Products of Fiji", welcher beiden Hcäusern 
des Parlaments vorgelegt war, wurde in einem Werke niedergelegt, welches 1862 unter dem 
Titel ,,Viti: an Account of a Government Mission to the Vitian or Fijian Islands" erschien. 
Ein Verzeichniss aller bekannten Pflanzen dieser Gruppe war in einem Anhang diesem Werk 
beigegeben und einige neue Species waren von Seemami in seiner ,, Bonplandia" beschrieben, 
aber er entschloss sich, ein vollständiges systematisches Buch über die Flora der Fitschi-Inseln 
anzufertigen und begann 1865 die Veröffentlichung der „Flora Vitiensis ". Von diesem auf 
10 Lieferungen in Quart berechneten Werke sind 9 -zu Dr. Seemann's Lebzeiten erschienen, 
die 10. und Schlusslieferung wird in kurzer Zeit erwartet. 

Das ,, Journal of Botany, British and Foreign" wurde Anfang 1863 nach dem Auf- 
geben der ,, Bonplandia" begonnen, von welcher es gewisserraassen eine Fortsetzung war. 
Dr. Seemann leitete dieses Journal mit einem beträchtlichen Verlust, und dieser, sowie manche 
andere Verpflichtungen bestimmten ihn zu dem Entschlüsse, es Ende 1869 aufzugeben. Es 
wurde indess von einigen der leitenden englischen Botaniker ein energischer Versuch gemacht, 
das Journal am Leben zu erhalten , und Dr. >Seemann benutzte den ihm angebotenen Beistand 
Mr. Bakcr's in Kew und Dr. Trimen's am Britischen Museum zur Fortsetzung desselben. 

Von dieser Zeit an entfernte die Macht der Verhältnisse Dr. Seemann mehr und mehr 
von botanischen und wissenschaftlichen Arbeiten. Bereits im Jahre 1864 hatten einige fran- 
zösische und holländische Kapitalisten seine praktische Erfahrung und genaue Kenntniss tro- 
pischer Länder benutzt, um über die Hülfsquellen und Leistungsfähigkeit eines Theils des 
Territoriums von Venezuela Bericht zu erstatten. — Er verliess Southampton den 2. Februar 
und erreichte Caracas gegen das Ende desselben Monats. Von dort aus ging er nach Porto 
Cabello, Chichirividei und Tocuyo und kehrte über Curacao und St. Thomas nach Europa 
ziirück. Während dieser Expedition hatte er das Glück, an den Ufern des Tocuyo ausgedehnte 
Lager von Anthracit zu entdecken, welche im Aeussern dichter Walliser Steinkohle sehr ähn- 
lich waren und in London zu dreissig Schilling die Tonne geschätzt wurden. 

Im Jahre 1865 ward Dr. Seemann zum Honorar - Sekretär des internationalen botani- 
schen Congresses gewählt, welcher im nächsten Jahr zu London unter der Präsidentschaft von 
A. de Candolle tagte," aber naclidcm er sich einige Monate den Pflichten seines Amtes gewidmet 
hatte, ward er wider seinen Wunsch genöthigt, seine Entlassung naclizusuchen und England 
wiederum zu verlassen, um mit seinem früheren Reisegefährten, Capitän Bedford Pim, Neu- 
Segovia und andere »Theile von Nicaragua für die Central - Amerikanische Gesellschaft zu 
untersuchen. 

Er verliess England im März 1866 und kehrte im August mit mehreren neuen 
Pflanzen zurück, deren Zahl während der zweiten Reise im folgenden Jahre noch bedeutend 



46 

anwuchs. Eiue Folge dieser ünteisuphungeu -war die Erwerbung der Goidmiue von Javali im 
District vou Cliontales, Nicaragua, durch einige englisclie Kapitalisten, und die Compagnie 
versicherte sich der Dienste Dr. Seemaun's als leitenden Dirtctors. Die.-j war 'ein Kachtheil 
für die Wissenschaft. In den letzten drei Jahren seines Lehens wurde Dr. Seemann durch die 
Kothwendigkeit langer und häufiger Abwesenheit vou England isolirt und die Aufmerksamkeit 
auf Geschäftsangelegenbeiten that seinen butanisclien Arbeiten grossen Abbruch. 

Ausser der Javah-Miue hatte Dr. Seemann die Verwaltung einer grossen Zuckerplantage 
bei Panama. Seine Freunde ind(;ss wie er selbst hoflten, dass alles dies nur vorübergehend 
sein werde und dass er, wenn die Mine in vollkommen gute Ordnung geljracht sei, Müsse und 
Gelegenheit finden werde, zu den wissenschaftlichen Beschäftigungen zurückzukehren. 

Ausser durch seine wissenschafthchen Werke zeichnete sich Dr. Seemann auch als 
fruchtbarer Schriftsteller über Gegenstände allgemeiner Literatur und Politik aus und er war 
auch Verfasser einiger kleinen dramatischen Werke, vou welchen zwei oder drei eine gewisse 
Popularität in Hannover gewannen , sowie von einigen Musikstücken , in welcher Kunst er ein 
grosser Kenner war. Die Gebiete der Botanik, welchen er seine specielle Aufmerksamkeit 
gewidmet hatte, waren die Genera Camellia und Thea, von welchen er eine Sjnopsis im 
22. Band der Transact. of Linn. >Soc. of London veröffentlicht hat , und andere Ternstrae- 
miaceae ; die Cresceutiaceae, von welchen er eine Monograjjhie im 23. Bd. ebendas. veröffent- 
lichte ; die Hederaceae , von welcher Ordnung er eine Revision , wieder abgedruckt aus dem 
„Journal of Botany", als ein besonderes Werk 1868 veröftentlichte ; endlich die Bignoniaceae, 
mit welchen er beabsichtigte, denselben Plan zu verfolgen. 

Ausser den bereits erwähnten Werken war Dr. Seemann unter anderem der Verfasser der 
Beschreibungen zum ,,Paradisus Yindobonensis" im Englischen und Deutschen, einer deutschen 
Aufzählung der in Europa cultivü-ten Acacien, einer ,, populären Geschichte der Palmen", von 
welcher eine deutsche Uebersetzuug von Dr. Bella zwei Auflagen erlebt hat. Seine ,, British 
Fenis at one View" (1860) sind für Liebhaber ein nützliches Werk. Von besonderen wissen- 
schaftlichen Schriften zählen die Scientific Papers der Royal Society (bis 1863) 58 unter 
Dr. Seemanns Namen auf; die erste ist die über descrij)tive Botanik in der Regensburger 
,, Flora" von 1844. 

Dr. S. brach im Sommer 1871 nach Nicaragua mit einiger Besorguiss auf, da er bei 
seinem letzten Besuche viel vom Fieber auszustehen gehabt hatte. Er erreichte indess Javali 
Ende Jidi, nach einer gefährhchen Reise durch die Sümpfe, in guter Gesundheit, aber in der 
Mitte des September wurde er vom Fieber befallen. Vom diesem hat er sich nie wieder 
erholt; sein Tod, welcher nach dreiwöchentUcher Krankheit am 10. October 1871 eintrat, kam 
gänzHch imerwartet und unter Umständen, welche auf ein Herzleiden hindeuten. Den nächsten 
Tag ward seine Leiche in der Nähe seines Hauses bei der Mine begraben , auf dem kleinen 
Fleck von Industrie und Civilisation , welchen seine Energie in dem Ürwalde zum Dasein 
gerufen hatte und umgeben von der tropischen Vegetation, welche er so gut kannte. 

Der LLunean Society gehörte Dr. Seemann seit dem 16. November 1852 an. — 



47 



Eingegangene Scliriften. 

(Bis zum 15. Februar 1B73.) 



Königl.PreTiEsicche Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin. Abhandlungen aus 
d. J. 1871. — Berlin 1872. 4". 

H. Ilelmlioltz: Gedächtnissrede auf G. 
Magnus. Ehrenberg: Ucbersirlit der seit 184 7 
fortgesetzten Untersuchungen über das von der 
Athmosphiire unsichtbar getragene reiche organische 
Leben. Roth: üeber die Lehre vom Metamor- 
phismus und die Entstellung der krystallinischen 
Schiefer. Ehrenberg: Nachtrag zur Uebersicht 
der organischen Atlimosiihärilien. Hagen: Seiten- 
druck der Erde. — Ueher das Gesetz, wonach die 
Geschwindigkeit des stromenden Wassers mit der 
Entfernung vom Boden sich vergrössert. 

— Monatsbericht. .Juli und August 
1872. 

W. Peters: Ueher eine neue Gattung von 
Fischen aus der Familie der Cataplu-acti Cuv., 
Scombrocottus saimoneus, von der Vancouvers- 
Insel. Rammeisberg: Ueber die unterphosphorig- 
sanren Salze. — Ueber die Zusammensetzung des 
schwarzen Yttrotantalits. W. Peters: Üeber 
einige von Hrn. Dr. A. B, Meyer bei Gorontalo und 
auf den Togian-Inseln gesannnelte Ampliibien (Lo- 
phura celebensis, :Monitor [Hydrosaurus] togiamis, 
Dendrophis terrihcus). — Ueber drei neue Schlangen- 
arten (Calamaria bitorques. Stenognathus brevirostris 
und Hemibnngarus gemianulis) von den Philippinen. 
A. W. Hofmann: Synthesen aromatischer Mona- 
mine durch Atomwanilerung im Moleküle. — Um- 
wandlung des Anilins in Toluidin. vom Rath: 
Ueber das Krystallsystem des Leucits. Braun: 
Nachträgliche Mittheilungen id)er die Gattungen 
Marsilia und Pihdaria. \V. Peters: Ueber eine 
Sammlung von Batrachiern aus Neu-Freibnrg in 
Brasilien (Hyla minuta. striata, microps). — lieber 
eine neue von Hrn. Dr. A. B. Meyer auf Luzon 
entdeckte Art von Eidechsen (Lygosoma [Hinulia] 
l)ucospilos) und eine von demseli)en in Nordcelebes 
gefundene neue Schlangengattung (Allophis nigri- 
caudusl. 

— — September und October 1872. — 
Berlin 1872. 8". 

\Y. Peters: Ueber den Vespertiho calcaratus 
Prinz zu Wied und eine neue Gattung der Fleder- 
thiere, Tylonicteris. Dove: Einige Bemerkungen 
über die kalte Zone. — , Ueber den Nachwinter von 
1841 und 1672. H. A. Schwarz: Beitrag zur 
Untersuchung der zweiten Variation des Flächen- 
inhalts von Minimaltiächen im Allgemeinen luid von 
Theilen der Schrauhentiäche im Besonderen. F. 
Hildebrand: Ueber die Bestaidrangsverhältnisse 
bei den Gramineen. 

H. B. Geinitz. Ueber Delesse, Lithologie 
du fond des mers de France et des mers prin- 
cipales du globe. 



Kaiserliche Akademie der Wissenschaften 

zu Wien. Anzeiger 1872, Nr. 24—29. 

Wien 1872. 8». 

J. B. Ullersberger. I. .Jabresbericlit über 
die Kinderkranklieiten im Vereinsstaate Pen- 
sylvania von 1870. 

H. A. Meyer und K. Möbius. Fauna der 
Kieler Bucht. 2. Band: Die Prosobranchia 
und Lamellilirancliia nebst einem Supplement 
zu den Opisthobrancbia. — Leipzig 1872. 4". 
(Uebersandt von den Autoren.) 

Die Zoologen werden mit Freude die Fort- 
setzung dieses vortrefflich ausgestatteten und die 
Fauna der Ostsee sorgfältig erforschenden \\'erkes 
begrüssen, dessen I.Band 1865 erschien. — 

Dr. F. Hilgendorf. Nachrichten aus dem 
Hambui-ger Zoologisclien Garten 1 u. 2. (Aus 
dem zoologischen Garten 18G9 p 84 und 
1871 p. 23.) 

— Das Aquarium des zoologischen Gartens 
zu Hamburg. — Hamburg 1870. 8". 

— Führer durch den zoologischen Garten 
zu Hamburg. — Hamburg 1870. 8». 

— Seltene Thiere des Hamburger zoologi- 
schen Gartens. (Aus der Illustrirten Zeitung 
Nr. 1388 p. 105—6.) — Leipzig 1870. foL 

F. Hilgendorf und A. Paulicki. Ver- 
schiedene Schriften. — 

Käsige Steine in der Darmwand, in den Lunten 
und der Milz bei Schildkröten. — Infusion sthfere 
als Hauptparasiten bei Süsswasseröschen. — Diph- 
theritis Faucium et Laryngis bei einem Schünpanse. 
— Ectasie des Ductus choledochus und der grösseren 
(iallengänge. bedingt durch Anhäufung von Platt- 
würniern bei einem Vielfrass, Gulo borealis. — 
Sectionsbefund hei einem Aguti. — Mehrfache 
Mycome in dem Uterus einer Biberratte. — Ab- 
iiorme Pigmenttiecken in der Haut bei einem weib- 
lichen Schimpanse. — Ausgedehnte LHcorationen 
der Darmschleinihaut mit embolischen Eiterheerdeu 
in der Leber eines Aften. — Geschichtete Körner 
in den Saamonbläschen bei einem Aften. — Knotio-e 
Hyperplasie der Milz bei emem Affen. - Ueber 
das Geliiss der hasenartigen Nager. 

Nassauischer Verein für Naturkunde. 
Jahrbücher. Jahrg. XXV u. XXVL — Wies- 
baden 1871 u. 1872. 8". 

W. Kobelt: Fauna der nassauischer, Mollusken- 
L. Fuckel: Symbolae mycologicae. Beiträge 



48 



zur Keuntniss der rheinischen Pilze. R. Fre- 
senius: Analyse der Victoria-Quelle in Uad Ems. 

— Analyse der Römer-Quelle in Bad Ems. C. Neu- 
bauer: Chemische Untersuchungen über das Reifen 
der Trauben. — Most- und Trcber-Analyseu aus 
dem Jahre 1868. L. Fuckel: Ein mycologischer 
Beobachtungsgarten. A. Rösslcr: Ueber einige 
in Gärten vorkommende Klcinschmetterliuge. — 
Zur Naturgeschichte von Agrostis Tritici L. = fu- 
mosa L. und obelisca S. V. A. Fuchs: Beob- 
achtungen über einige Lepidoptcren. C.L.Kirsch- 
baum: Zoologische Mittheilungen (Tringa maritima 
Brunn) im Spessart. — Ueber Sternschnuppeu- 
gallerte. — Ueber das Nest von Authidium stri- 
gatum Latr. 

Polytechnische Gesellschaft zu Leipzig. 
Blätter für Gewcn'be, Technik und Industrie. 
Neue Folge VI. Band, Nr. 12— 18. — Leipzig 
1872. 8". 

Siebenbürgischer Verein für Naturwissen- 
schaften zu Hermannstadt. Verhandlungen 
und Mittheilungcn. XXII. Jahrgang. — Her- 
mannstadt 1872. 8 f. 

C. F u s s : Xotiü zur Metamorphose der Pflanzen. 
Mit 1 Taf. M. Fuss: Herbarium Normale Tran- 
silvanicum. Cent. X. XI. L. Reiss en berger : 
Die Witterungserscheinungen des Jahres 1870. 

Naturforschende Gesellschaft zu Emden. 
Kleine Schriften. XVI. 

M. A. F. Prestel: Die Winde in ihrer Be- 
ziehung zur Salubrität und Morbilität. 

Nederlandsche botanische Vereeniging. 
Nederlandsch Kruidkundig Archief. Tweede 
Serie. PDeel, 2"^ Stuk. — Nijmegen 1872. 8". 

H. de Vries: Nieuwe groeiplaatsen van in- 
digene phanerogamen. C. A. J. A. Oudemans: 
Over indigene Batrachia. — Galium erectum Huds.. 
G. elatum Thuill. cn G. elongatum Presl. F. W. 
van Eeden: Rosa coronata Crep.V Trifolium 
pratense L. var. roseum Ouds. C. J. van der 
Scheer: Mentha pyramidalis Lloyd. Ünonis ma- 
ritima Dimi. C. A. J . A. u d e m a n s : Twccslachtige 
en oneigenlijk vrouwelijke bloemen bij Glechoma 
hederaceura. — Lijst van nieuw ontdektc cham- 
])ignons' voor de Flora van Nederland. A. J. de 
Bruijn: Nieuwe indigene Rubi - .\grostis rubra L. 
C. M. van der Lande Lacoste, W. F. R. Su- 
riugar, C. A. J. A. Oudemans en H. A. J. 
Abeleven: Phanerogamen en Cryptogamen, waar- 
genomeu te Almelo, in Albergen (gemeente Tub- 
bergen) en in 't Vriezeveeu, den 8 cu 9 Juli 1870. 

— Phanerogamen en Cryptogamen waargenomen te 
Delden en in 't Twikkelerbosch op den 10 en 11 
Mai 1870. H. de Vries: Over de geographische 
Verspreiding van Stratiotes aloides L. 

Geh.-R. Göppert. lieber das Verhältniss 
der Pflanzenwelt zu der gegenwärtigen Wit- 



terung. — Breslau 1872. 8". (Eingesandt 
vom Verfasser.) 

E. Keichardt. Wie muss gutes Trink- 
wasser beschaffen sein '•" — Weimar 1872. 8". 
(Eingesandt vom Verfasser.) 

Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in den Königl. Preussischen Staaten. Wochen- 
schrift für Giirtueiei und Pflanzenkunde. 1872, 
Nr. 52. — Berlin 1872. 4«. 

Photographische Gesellschaft zu Dresden. 
Helios, herausgeg. von H. Krone. Jahrg. 3, 
Nr. 7, 8. — Dresden 1872. 8". 

A. M. Eranke. Die Erde als organischer 
Körper. — Dresden 1873. 8". 



Scliweizerisclie 
paläontologische (jesellscliaft. 

Die Her reu L. Kütimeyer, E. Reuevier und 
r. de Loriol fordern in Verbindung mit 20 
anderen namhaften Gelehrten der Schweiz zur 
Bilduug einer Gesellschaft unter obigem Namen 
auf. Die Gesellschaft beabsichtigte in An- 
schluss an des trefflichen F. J. Pictet's Ma- 
teriaux poar la Paleontologie suisse unter dem 
Nameu „Abhandlungen der schweizerischen 
paläontologischen Gesellschaft" eine Zeitschrift 
in 4° herauszugeben, um die paläontologischen 
Studien in der Schweiz zu fördern und die 
Ergebnisse derselben über fossile Thiele und 
Pflanzen aus schweizerischen oder der Schweiz 
benachbarten Lokalitäten zu veröffentlichen. 
— Mitglied ist jede einzelne Person, Corpo- 
ration oder Institut (auch ausserhalb der 
Schweiz), welche sich zu einem jährlichen 
Beitrage von 25 Frcs. verpflichtet, wofür die 
innerhalb des Jahres erschienenen Lieferungen 
der Zeitschrift bezogen werden. — Für die 
Gesellschaft bestimmte Sendungen richte man 
frankirt an Msr'. P. de Loriol ä Frontenox 
pres Geneve (Suisse). — 



Abgeschlosseu dcu iiö. Februar 1373. 



Druck -vou E. Blochmann 4 Sohn in Dreädea. 



NUNQUAM ^^^SS^ OTIOSUS 




LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 

DER 

KAISEELICH LEOPOLDINISCH-CAEOLINISCHEX DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER XATÜEFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. F. G. Behn. 

Dresden. Heft VIII. — ^^r, 7. März 1873. 
/ ^ 

Inhalt: Amtliche Mittheilungen: Ergebuiss der Adjunktenwahlen im 3. und 15. Kreise. — 
Ablehnung einer Adjunktenwahl. — Adjunktenwahlen im 1. und 2. Kreise. — Beiträge zur 
Kasse der Akademie. — Gestorbene Mitglieder. — 

Beschreibungen einiger Thiere und Pflanzen aus den Anden Chile's imd der Argen- 
tinischeu Provinzen von Dr. F. Leybold. 



Amtliclie Mittlieilungeii. 



Ergebniss der Adjunktenwahlen im 3. und 15. Kreise. 

Nachdem in der Leopoldiaa VIII p. 42 die Ausschreibung der Adjunktenwahlen für 
obige Kreise angezeigt, der Sebluss der Wahlperiode auf den 10. März d. J. anberaumt 
und die wahlberechtigten Mitglieder, welche etwa die Wahlaufforderung nebst Stimmzettel nicht 
empfangen hätten, ersucht waren, eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie zu ver- 
langen, wurde am 12. März zur Auszählung der eingegangenen Stimmzettel geschritten, 
welche laut des von Herrn Notar V. Wetzel aufgenommenen und heute eingesandten Protokolls 
folgendes Ergebuiss hatte : 

für den 3. Adjunktenkreis, 
dem gegenwärtig II JlitgHeder angehören, die einen Adjunkten zu wählen haben, waren 
9 Stimmen abgegeben worden und davon gefallen : 

Leop. VIII. 7 



50 

acht (8) Stimmen auf Herrn Professor Dr. H. v. Luschka in Tübingen und 
eine Stimme auf Herrn Obermedicinalrath Dr. v. Hering in Stuttgart, 

so dass mithin 

Herr Professor Dr. Hubert v. Luschka in Tübingen 

nahezu einstimmig zum Adjunkten des 3. Kreises erwählt ist. 

Den 15. Adjunktenkreis betreffend, 
für welchen zwei Adjunkten zu wählen waren, sind an 42 Mitglieder Stimmzettel versendet. 
Davon haben 34 abgestimmt, aber statt 68 nur 66 Stimmen abgegeben, indem zwei ^Mitglieder 
statt je zwei Stimmen nur je eine Stimme abgegeben haben. 
Von den abgegebenen 66 Stimmen haben erhalten : 

31 Stimmen Herr Professor Dr. Alexander Braun in Berlin, 
30 „ „ „ Dr. Rudolph Virchow daselbst, 

Stimme Herr Ksl. Russ. Staatsrath Prof. Dr. v. Adelmann in Berhn. 
„ „Dr. J. W. Ewald daselbst, 

„ „ Geh. Ob.-Med.-R. Prof. Dr. Frerichs daselbst, 

„ „ Professor Dr. Peters daselbst und 

,, 3 Geh. Med.-R. Prof. Dr. Reichert ebendaselbst. 

66 

Es sind demnach die Herren 

Professor Dr. Alexander Braun in Berlin und 
Professor Dr. Rudolph Virchow ebendaselbst 
durch absolute Stimmenmehrheit zu Adjimkten des 15. Kreises erwählt. 

Die Amtsdauer der nach Obigem erwählten Adjunkten erstreckt sich bis zum 
19. Mäi-z 1883. 

Dresden den 19. Miirz 1873. Dr. Behn. 



Ablelmung einer Adjunktenwahl. 

Herr Geh. Hofrath Professor Dr. C. Gegen baur in Jena hat die laut Leopoldina VHI 
p. 42 auf ihn gefallene Wahl zum Adjunkten des zwölften Kreises nicht angenommen. — 
Es wird daher nach § 30 Abs. 8 der Statuten vom 1. Mai 1872 eine Neuwahl im 12. Ad- 
junkten-Kreise stattfinden müssen und ersuche ich die diesem Kreise augehörigen Herren Mit- 
güeder, die dazu erforderlichen Vorbesprechungen einleiten zu wollen. 

Dresden den 26. März 1873. Dr. Behn. 



Adjunktenwalilen im 1. und 2. Kreise. 

Nachdem auch im ersten und zweiten Kreise die Vorbereitungen zu den Adjunkten- 
wahlen getroffen waren und in letzterem zu Vorschlägen geführt hatten, sind an alle diesen 



5t 

Kreisen angehörige Mitglieder direkte Wahlaufforderungen nebst Stimmzetteln versandt worden 
und auch bereits die Vota vieler Wahlberechtigten eingegangen. Diejenigen Herren CoUegen, 
■welche bisher noch nicht wählten, ersuche ich, ihre Stimmen bis spätestens zum 15. April 1873 
einzusenden. 

Mitglieder dieser Kreise, welche die Wahlaufforderung und den Stimmzettel etwa 
nicht empfangen, bitte ich, eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie verlangen 
zu wollen. 

Dresden den 26. März 1873. Dr. Behn. 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Febr. 26. Von Herrn Prof. Dr. H. F. Autenrieth in Tübingen, Jahresbeitr. für 1872 2 Thlr. 

März 6. „ „ Med.-R. Dr. A. Göschen in Berhn, desgl. für 1872 u. 73 . 4 „ 

, 8. „ „ Geh.Ob.-Med.-R. Prof. Dr.Frerichs in Berlin, Ablüs.d. Jahresbeitr. 20 „ 

^ 12. ,, „ Prof. Dr. Heis in München, Jahresbeitrag für 1872 ... 2 , 

„ 15. „ „ Dr. G. Neumayer in Berlin, desgl. für 1872 u. 73 . . . 5 „ 

^15. „ n Geh. Bergr. Prof. Dr. C." Naumann in Dresden, desgl. für 1873 2 „ 

Dr. Behn. 



G-estortene Mitglieder. 

Am 13. März 1873 zu Wien: Joseph Georg Beer, Kaiserlicher Rath und Mitglied der 
Ausstellungs-Commissiou. Geboren zu Wien den 3. Juli 1803. Aufgenommen den 
1. Mai 1860, cngn. N. J. Jaquin. — 

J. G. Beer war Autodidakt. — Er hatte eine kaufmännische Vorliilduns erhalten und übernahm 
von seinem Vater ein Modewaarengeschäft in Wien. Er fand indess in dieser Bcrufstliätigkeit kein 
Genügen. Im Jahre 1843 überliess er sein Geschäft einem Freunde und vandte sich zur Botanik. Er 
erwarb sich bald die freundliche Unterstützung der Professoren Feuzl und Unger : für seinen Standpunkt 
aber, die Kenntniss der Pflanzen nüt der ihrer Cultur zu verbinden, bedurfte er längere Zeit und eigene 
Erfahrungen. So vergingen 11 Jahre, ehe der nunmehr fast 51jährige Beer mit seinem ersten Werke 
„Praktische Studien an der Familie der Orchideen. Wien 1854. 8»" hervortrat. — Er wandte sich darauf 
zur Familie der Bromeliaceeu und schloss sein Werk über dieselben im Jahre 1855 ab (die Einleitung 
trägt das Datiun des 1. Januar 185G), obgleich es erst im Jahre 1857 erschien. — In demselben Jahre 
veröft'entlichte er seinen „Bericht über die Entdeckung der Schleuderorgane bei Ürchideenfrüchten" ; 1863 
erschienen seine ... Beiträge zur Morphologie und Biologie der Orchideen" in fol. und endhch 1872 seine 
„Grundzüge der Obstbaumkunde", die so viel Beifall fauden, dass sie schon jetzt völlig vergrifi'en sind. 

Beer's Streben erwarli ilmi vielseitige Anerkennimg, nicht nur von Fürsten und Staaten, sondern 
auch von wissenschaftlichen Gesellschaften. Er war längere Zeit Generalsekretär der Wiener K. K. 
Gartenbaugesellschaft. IJei der Begründung der sog. „Gartensäle" war er neben Baron Hügel, Barou 
Mayer mid Direktor f enzi sehr thätig. Er besuchte und berichtete im Auftrage seiner Piegierung über 
die Pariser Ausstellung im Jahre 1867 und über die Hamburger internationale Gartenban-Ausstelhmg im 
Jahre 1869. Er starb als Mitglied der Cuimnission, welche die diesjährige grossartige Wiener Ausstellung 
vorbereitete. Der Tod des hochgeachteten und liebenswürdigen INIaunes hat die allgemeinste Theiluahme 
erregt. — 

Am 21. März 1873 zu Diez am Rhein: Dr. Joh. C. Santlus, Ferzogl. Nassauischer Medicinal- 

rath. Aufgenommen den 20. April 1863, cogn. Ernst Platner. 

Dr. Behn. 



52 



Beschreibungen 

einiger Thiere und Pflanzen 

aus den Anden Chile's und der 

Argentinischen Provinzen 

vou 

Dr. Friedrich Leybold, 

Mitgl. d. Akad. d. Naturf. 

(Hr. Dr. Friedr. Ley'uold zu Santiago de tliile 
bittet die Akademie, nachfolgende Beschi'eibungeu 
einiger Thiere und Pflanzen, welche ihm bei viel- 
jährigem Sammeln in den Anden Chile's bisher un- 
bekannt geblieben , oder düch nur selten und mir 
an bestimmten Lokalitäten vorgekommen waren 
und die er, so weit seine literarischen Hülfsmittel 
reichen, auch in Europa für neu oder doch unge- 
nügend bekannt hält, baldmöglichst zur Kunde der 
Fachgenossen zu bringen.) 

Trochilus Atacamensis Leybold (Rhodophis). 

T. supra viridi parum splendente cinerascens ; 
infra ciuereo-albidus ; gutture splendide 
purpureo fulgente; uropygio supra flavi- 
rubro ; cauda bifureata ; 

corporis longitudo integra : 0.175. 

— rostri 0.025. 

— caudae 0.035. 
Kopf graugrün ; Rücken bellergrün mit 

goldgrünglänzeudem Schimmer ; — nach unter- 
wärts gegen den Schwanz hin rostroth ; die 
Schwanzdeckfedern sind ähnlich grün wie der 
Oberköi'per ; der ^chwanz ist gabelförmig ; 
die beiden Aussenfedern sind die längsten, 
schmal , nach innen gebogen , schwarzbraun ; 
die übrigen nach Innen folgenden, bedeutend 
kürzeren, sind mehr grau-braun. 

Von dem Kinne gegen die Brust hin zieht 
sich ein breit abgerundeter Spiegel von scbufi- 
pigen Federchen mit prachtvollem goldigem 
Purpurroth (Solferino) ; gegen den Sand hin 
sieht man in verschieden auffallender Beleuch- 
tung auch ein herrhches Cyanblau. 

Der ganze übrige Untertheil des Körpers 
ist unrein weiss, fast graulich ; am weissesten 
zwischen den Füssen und unter dem Schwänze. 
Der kaum gekrümmte Schnabel ist schwarz 
wie die Klauen. 



Einer meiner Freunde schoss diesen schönen 
neuen Vogel in den Gärten eines Landsitzes 
bei Capiapö, wo selber in Begleitung eines 
zweiten gleichen die Blumen und Trauben 
umschwärmte. Ich vermuthe, dass dieser Co- 
libri seine Heimath in den nordösthch von 
Copiapö gelegenen, wenig besuchten Cordilleren, 
oder in dem Desierto de Atacama hat, mid 
deshalb der Beobachtung entgangen war. Der- 
selbe steht dem Rodopliis vespera aus Peru 
nahe, wie mir auch der grösste Kenner dieser 
Familie , John Gould aus London , sehreibt ; 
zugleich versicherte mich jedoch der berühmte 
Verfasser der Monographie dieser prachtvollen 
Vogel, dass Rhodophis Atacamensis eine eigen- 
thümliche, wohl unterschiedene Art sei, und 
dass demnächst deren Abbildung, von Gould 
verfertigt, erscheinen werde. — 

Conurus glaucifrons Leybold. 

C. omnino lucide -viridis ; fronte ac gutture 
glauco ; regione periophthalmica tantum 
uuda, cretaceo-lactea ; remigibus viridibus, 
externe glaucescentibus , obscuris ; rectri- 
cibus acutis viridibus ; basim versus, inter- 
necjue rubris , deinde flavescentibits. — 
Rostri maxilla superiore pallide - cornea ; 
inferiore corneo-nigrescente. 

Das Männchen niisst 0.28. 
Der Schwanz ,, 0.11. 

Das Weibchen, welches ich leider verlor, 

ohne es messen zu können, ist ein bischen 

kleiner. 

Die Stirnfedern, jene, welche die Augen 
umgeben, und jene des Kirjies sind schön 
bläulich-spangiün. 

Ein nackter Fleck, welcher das Auge um- 
giebt, ist kreideweiss, welche Farbe sehr leb- 
haft von dem schönen Orange -Gelb der Iris 
absticht. — Das Genick , der Rücken , die 
Flügeldeck federn und die Brustfedern zeigen 
ein lebhaftes Hellgrün und diese Färbung er- 
streckt sich auch auf den mittlem Untertheil 



53 



des Körpers ; jedoch die Federn des Magen- 
theileß und untern Hinterleibes sind weniger 
lebhaft grün, sondern matter und mehr gelb- 
lich. Die Aussenhälfte der Schwungfedern ist 
dunkel - blau - grün. Die Aussenfahnen der 
Schwanzfedern sind grün, mitunter findet man 
hellgelbe Flecken auf ihrer Spitze ; die Basal- 
hälfte der Schwanzfedern ist gelb, nach der 
Mitte zu roth werdend. Diese rothe Farbe 
erstreckt sich auf der Innenfahne auch bis auf 
zwei Centimeter gegen die Spitze hin , welche 
jedoch grün ist. Schwanz zugespitzt. — 

Der starke, wohlgewölbte Oberschnabel ist 
homschwarz, gegen die Basis zu perlgrau. — 

Seine Füsse, rosenroth und etwas abge- 
gelbt, sind mit hornschwarzen Xägeln versehen. 

Dieser hübsche Vogel wird seiner Gelehrig- 
keit halber von San Luis gebracht, wo selber 
unter dem Xamen ,,Loro del palo" bekannt 
ist und in iBaumhöhlungen nisten soll. — 
Kepub. Ar j entin a. 

Colaptes leueofreüatus Leybold. 
C. fronte nigra; occipitio, colloque coccineo; 
regione periophthalmica late leuco-frenata, 
et infra nigro-marginata ; mento, gula, et 
reliquo corpore variegato, maculis nigres- 
centibus flavisque, et strigosis, et ovalibus, 
aut squamatis ; cauda rigida nigra, scapis 
nigris ; alarum dorsique scapis flavis. — 
Länge des Vogels (männlich) 0.320. 
„ Schnabels 0.035. 

SchwarzglänzendeFederchen bedecken dessen 
Stirne bis gegen die Mitte des Scheitels zwi- 
schen und über den Augen, allwo das Schwarz 
allmälig roth werdend und sich verlierend über 
der Basis des Genickes , in einen schön hell- 
rothen breiten Fleck" übergeht. Dieser schar- 
lachrothe Fleck sticht sehr schön von dem 
Schwarz des Vorderscheitels und dem weisslich- 
isabell - gelben Bande, welches sich von der 
Schnabelöffnung bis gegen das Ohr hin zieht, 
ab. Diese gelblich - weisse Binde umschliesst 
das Auge und verbreitet sich beträchtlich unter- 



halb desselben und gegen hinterwärts ; ferner 
ist selbe auf der untern Seite von einem Strei- 
fen schwarzer Federchen eingefasst, welcher 
sich gegen den Rücken hin verliert. Am 
Kinne befinden sich grau-weissliche Federchen, 
deren Mitte ein schwarzer aufrechter Längs- 
streif einnimmt. Die Rücken- und Brustfedern 
zeigen diesen schwarzen Längsstreifen breiter, 
mehr ei-lanzett-förmig, und der Rand geht in 
Gelb und auf der Brust selbst in schönes 
Orange-Gold-Gelb über. — Dieses hochfarbige 
Gelb der Brustfedern verliert nach abwärts 
über der Magengegend seine lebhafte Farbe 
und ändert sich in bleiches Schwefelgelb , die 
schwarzen Centralflecke bleiben jedoch. — 
Die Federchen der Abdominalgegend bis zum 
Schwänze haben keinen ovalen Centralfleck 
mehr, sondern zeigen zwei schwarze Quer- 
binden, während ihr Rand gelblich- weiss ist. 
Der Rücken und die Soapularfedern haben 
schuppige Federn mit schwarz - braunen Quer- 
binden auf oliven-gelblichem Grunde und Rande. 
Die Schwungfedern erster Ordnung haben die 
Aussenfahne gegen die fjpitze zu von braun- 
schwarzer Farbe, und gegen die Basis zu 
weisse wellige Flecken. Die Unterseite der- 
selben ist perlgrau und die innern Flügeldeck- 
federn in der Achselhöhle sind isabell - weiss. 
Die Schäfte aller Flügelfedern sind schön gelb. 
Die Schwanzfedern sind schwarz gleichwie ihre 
Schäfte. Auf jeder der beiden äussersten 
Schwanzfedern, welche zugleich die kürzesten 
sind, befindet sich die Spitze goldgelb. Die 
Füsse sind schwarzgrau und die Nägel hom- 
schwarz. 

Diesen herrlich gefärbten Specht fand ich 
in alten Pappel -Alleen in der Estancia de lo 
Aguirre, nahe der Indianergränze der Provinz 
Mendoza. Rep. Arjentina. 

Columbina aurisquamata Leybold. 

C. tegminibus alarum inferioribus nigris ; re- 
migibus plerumque primi ordinis interne 
basim versus ferruginosis ; in tegminum 



54 



parvorum seriebus duabus alarura supe- 
riorum, in apice exteriori maculis oblonge- 
ovatis , squami - formibus , visu metallico 
aureo-viridibus ; maculaque chalybeo - viola- 
cea praeter apicem interne remigis postremi. 

Absolute Länge des Täubcheus 0.17. 

Schnabel kurz, stark, wenig aufgeblasen, 
hornschwarz. Füsse rosenroth, mit born- 
schwarzen Nägeln. Obertheil des Körpers 
gelblich - grau ; Hinterkopf grau - bräunlich ; 
Aussenseite der Flügel weinrötlilich - grau. 
Schwauzdeckfedern isabell - gi-au. — Wangen, 
Schnabelgegend und Kinn gelblich -weiss. — 

Nackter Ohrenfleck bläulich -schwarz. — 
Auf der Spitze der äussern Hälfte der kleinen 
Flügeldecken befinden sich schuppengleiche 
ovale Flecken von metallisch grünem und 
röthlich - goldigem Schimmer in einer Anzahl 
von sechs bis neun. — 

In einer Entfernung von ungefähr 9 Milli- 
metern von der Spitze der letzten und mit- 
unter auch der vorletzten Schwungfeder be- 
findet sich auf der Innenseite der Feder ein 
stahlblauer Fleck auf schwarzem Grunde. 

Die zweite und dritte Schwungfeder erster 
Ordnung sind auf ihrer Aussenfahne ausge- 
schnitten, gleich lang und zugleich die läng- 
sten von allen übrigen. — 

Alle Schwungfedern erster Ordnung sind 
schwarz-braun und gegen die Spitze hin braun- 
grau ; ihre Spitzen sind schmal weiss berandet ; 
die ersten Schwungfedern haben ausserdem auf 
ihrer äussern Basalfahne einen schwarz-blauen 
Schimmer. Die ^äer ersten tragen auf ihrer 
innern Basalhälfte eine schön rostrothe FarVje. 
Die fünf folgeiiden zeigen die gleiche Farbe, 
jedoch weniger lebhaft, und diese Färbung 
erstreckt sich bei ihnen auch auf die Aussen- 
hälfte. Hierdurch ensteht in der Achsel ein schön 
rother, stark von der schwarzen Innenseite der 
Schwungfedern abstechender Fleck. — Unter- 
seite des Schwanzes und ünterschwanz - Deck- 
federn rein schwarz. — Am Grunde sind selbe 



braun-grau und die Spitze selbst der äussern 
Schwanzfedern ist weiss. Brust, Seiten, Unter- 
theil des Körpers heU-weinröthlich, etwas in's 
Graue spielend; Unterleib, Analtheil und 
Schenkelfedern, gelblich. — 

Schwanz fast gerade abgesclinitten und 
abgerundet. — 

Im Jahre 1863 brachte mein Sammler mir 
dieses Täubchen zum Erstenmal von ,,los Pa- 
ramillos", einer felsigen Gegend des Ueber- 
ganges bei Uspallata, und vor ein paar Jahren 
erhielt ich noch ein paar Exemplare von dort. 

Bei ihrem sehr raschen Fluge hört man 
ein auffallend starkes Geräusch, welches ihre 
Flügel erzeugen. 

Prov. Mendoza. Rep. Arjentina. 

Bothrops ammodytoides Lejbold. 

B. capite triangulari - elongato , coraplanato; 
nasus apice verticaliter protrudente, et 
retrorse incurvato ; peltis superciliaribus 
rugosis ; caudae extremo acuminatae appen- 
dice corneo munito, verticaliter incuiTO. 
Supra cinereus, macuUs magnis irregularibus 
fuscescentibus marraoratus; subtus albes- 
cens, maculis minimis nigrescentibus passim 
adspersus. — 

Länge des gemessenen Exemplares 0.750. 
„ Kopfes 0.030. 

Breite der Basis des Kopfes 0.015. 

Länge des Schwanzes 0.070. 

Ilornansatz des Schwanzes 0.008. 

Vom Halse bis zum After zählt mau 160 
Querschilder. Vom After bis zur Hornspitze 
30 Quer-Doppelschilder. Die allgemeine Farbe 
ist ein reines Aschgrau, daher der Name dieser 
sehr gefürchteten Giftschlange: ,,la Cenicienta". 
Auf der Spitze der Schnauze erhebt sich ähn- 
lich wie bei der Vipera ammodytes, welche ich 
in Südtyrol so häufig zu beobachten Gelegen- 
heit gehabt hatte, ein hornähnlicher , nach 
rückwärts gekrümmter Fortsatz der Schnauzen- 
spitze. Unmittelbar hinter diesem Fortsatze 



55 



zeichnet sich ein dunkelbrauner dreiarmiger 
Stern mit stumpf abgeschnittenen Armen von 
dem helleren Grunde ab; weiter nach hinten 
folgen 3 — 4 kleinere unregelmässige Flecken 
längs der beiden Kopfseiten; über den Augen 
ziehen sich zwei Längsflecken nach hinten, 
zwischen welchen jene kleinern nach Torn hin 
liegen, und in der Einbuchtung des breit- 
herzförmigen Kopfes, wo sich die Halswirbel 
anschliessen, zieht sich mit dem convexen Theil 
über die Kopffläche hinein eine halbmond- 
förmige braune Zeichnung. Beiderseits der 
Oberlippe zieht sich von vorn nach hinten, 
das Auge umfassend, ein brauner Streif. 

Der Rücken ist mit unregelmässigen , ab- 
wechselnden, mehr oder weniger viereckigen 
braunen Flecken marmorirt. 

Wenn das scheusshche Thier so anscheinend 
faul und bewegungslos zusammengeballt im 
Bimssteinsande hegt, so möchte man es für 
eine vom Winde etwas abgefegte Feuerstelle 
halten, worin noch einige dunklere Flecken 
langsam verlöschter Kohle liegen. 

Der Schwanz hält an seiner Spitze einen 
horngelbhchen , dicklichen, hornartigen, von 
Unten nach Oben gekrümmten Ansatz, welcher 
oben in der concaven Seite glatt ist und unten 
in der convexen eine schwache Einfurchung 
zeigt. — 

Das Thier ist sehr gefürchtet. Pferden, 
Schafen und dem Rindvieh ist der Biss häufig 
tödtlich, und die Mendociner behaupten , dass 
selbe geradezu den Menschen angreife und bis 
in die Höhe eines Reiters zu Pferde springe. 
Diejenige, welche ich selbst fing (alle die 
frühern hatte ich durch meine Sammler er- 
halten), lag träge -im Sande und liess sich 
ruhig fangen. 

Im Bimssteinschutte am Ostabhange der 
Andes. 

Prov. Mendoza. 



Pelias (?) trigonatus Leybold. 
P. capite complanato, lato; corporis squamis 
laevibus ; cauda brevissima acuminata ; 
supra cinereo - rufescens , linea centrali al- 
bida angusta, maculisque obscurioribus, 
trigonis tota via , jam oppositis rhomboi- 
deis, jam alternantibus trigonis decurren- 
tibus; infra albescens, maculis minimis ci- 
nereis adspersus. — 

Ganze Körperlänge 0.400. 
Kopflänge 0.020. 

Kopf breite 0.013. 

Schwanzlänge 0.045. 

Vom Kopf bis zum After hat das Thier 
150 Querschilder auf [dem Bauche, und vom 
After zu dem in stachelartiger Spitze ab- 
schliessenden Schwanzende 32 Doppel -Quer- 
schilder. 

Der Junge, welcher das Exemplar fing, 
hatte zuerst demselben einen in einem Stocke 
befestigten Nagel durch den Kopf gestossen 
und alsdann die Zähne zerbrochen ; jedoch 
zeigen die vorhandenen Kopfschilder die wohl- 
erhaltene Form des Kopfes, die Augen und 
das Verhältniss des Schwanzes zum Kopfe 
deutlich, dass dieses wie es scheint seltene 
Thier ein echter Pehas ist; und wäre dies 
somit als der erste Repräsentant dieses Genus 
in Südamerika zu notu'en. — 

Ich hoffe, dasB in irgend einer meiner 
weiteren Expeditionen nach dem Ostabhange 
der Andes irgend ein vollkommenes Exemplar 
zu genauerer Beschreibung in meine Hände 
fällt. — 

In der Prov. Mendoza. 

Aeglea Andina Leybold. 
Ae. testa ad latera bispinosa ; manibus laevibus, 
edenticulatis. — 

Vollkommen glatt und kahl, mit Ausnahme 
einiger weniger Seidenhaare _ zwischen den 
Zangen. — Die feingenarbte Schale hat auf 
beiden Seiten gegen den Kopf zu zwei Zähne. 



56 



Der eine befindet sich in dem äusseren Winkel 
des gehöhlten Ausschnittes, unter welchem der 
Augenstiel sich befindet ; der zweite Zahu 
schliesst gegen vorwärts die Branchialregion. 
— Derjenige Theil der Schale, welcher sich 
von dem Vorderzahn bis zum Einschnitte zwi- 
schen Branchial- und Magengegend erstreckt, 
ist gewöhnlich vollkommen glatt , und blos in 
einigen sehr alten Männehen sind drei sehr 
schwache Einkerbungen bemerkbar. — Die 
Handzangen sind vollkommen zahnfrei, welches 
ihren Hauptunterschied von der Aeglea lae^is 
bildet. — 

Absolute Grösse iucl. Arme und Abdomen 0.085. 
Abdomen incl. Schwanzflosse 0.0.30. 

Schalenkörper von Bauchabschnitt bis 

Kopfspitze 0.035. 

Das Weibchen ist gewöhnlich in Allem ein 
Viertheil kleiner. 

Findet sich zu Hunderten in allen kleinen 
Wasserläufen bei 8000 Fuss und darüber über 
dem Meere, z. B. im Valle de Santa Elena, 
auf der Chilenischen Seite der Anden; im 
Valle hermoso ; im Valle del Tuuuyan beim 
Portillo et cetera. 

Rep. Chile und Rep. Ärjentina. 

Saxifraga Lemusii Leybold. 

S. caespitosa ; foliis radicalibus condensatis, 
deltoideo - cuneatis , 3 — 7 fidis ; caulibus 
1 — 5 floris ; foliis superioribus integris ; 
sepalis obovatis, calicem sesquilongis aut 
duplum longis albidis. Hugus speciei folia, 
caules et calices plerumque viscoso-tomen- 
tosi, pilis glandulosis videntur. Mense 
Decembri et Januario fiores exhibit. 

Diese schöne Saxifrage , benannt nach 
«inem geehrten Freunde , dem Doctor Lemus 
in Mendoza, findet sich an feuchten Stellen 
üsthch vom Portillo in einer Meereshöhe von 
■circa 8—10,000 Fuss. 



Ihr balsamischer Geruch ist ganz ähnlich 
dem der S. exarata und moschata der Alpen, 
und ist die ganze Pflanze klebrig wie jene 
und überhaupt ganz ähnlich in ihrem allge- 
meinen Habitus. — 

Republ. Ärjentina. 

Viola portulacea Leybold. 
V. foliis rosulato-caespitosis, dense imbricatis ; 
rosulis planis disciformibus ; foliis integerri- 
mis, cuneiforme-spatulatis, in petiolum longe 
attenuatis, crassiusculis, acutis laevibus aut 
teuuiter ciliatis ; floribus caeruleis, maj-us- 
culis, substriatis. 
Ungefähr 8—9000' über dem Meere auf 
feinem Trachyt- und Phonolith-Gerölle. — 

Bildet hübsche Rosetten auf dem Sande 
liegend, welche jedoch mehr flach und lose 
und fast gar nicht kugelig geballt, wie die 
runden Rosetten meiner früher beschriebenen 
Viola atropurpurea sind. — 

Am ,, Portillo", Rejjublica Ärjentina. 

Viola acanthophylla Leybold. 

V. perennis , acaulis , pubescens ; rhizomate 
crasso , apicem versus squamato , interdum 
multicipite ; foliis rosulato - confertis , ob- 
longis , elongatis , utruique 4 — 5 fissatis, 
margine hirsutis, pilis albis, supra glabris, 
infra cicatrisato - rugosis ; stipulis scariosis, 
lineari-lanceolatis ; pedunculis folio breviö- 
ribus ; floribus magnis , roseo - violaceis ; 
sepahs lanceolatis , sparse - hirsutis , pilis 
albis, petahs rosaceo-violaceis, basim versus 
flavo - albescentibus , calcare brevi, ^'ix bi- 
partito. 
Auf 6 — 7000 ' über dem Meere auf 

feuchtem Porphyr -Schutt -Halden der Berge, 

welche die Laguna de Aculeo im Süden um- 

gräuzen. — 

Prov. Santiago en Chile. 



Abgeachlosaeu den 26. März 13T3. 



Druck \ou E. BtociimaüQ & Soliu iü Ltrc-ädeu. 




NUNQUAM „«s^i^^sw OTIOSUS. 



LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 

DER 

KAISEELICH LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. P. G. Beim. 



Dresden. Heft VIII. — Nr. 8. April 1873. 



Inhalt: Amtliche Mittheilungen: Ergebniss der Adjunktenwahlen im 1. und 2. Kreise. — 
Das neue Adjunkten - Collegium. — Beiträge zur Kasse der Akademie. — Gestorbenes Mit- 
glied. — Ausgetretenes Mitglied. — Jakob Christoph Saiitlus f. 

Eingegangene Schriften. — Die 4. Versammlung Russischer Naturforscher. — Die 
naturforschende Gesellschaft zu Görlitz. 



Amtliche MittlieiluMgen. 



ErgeMss der Adjunktenwahlen im 1. und 2. Kreise. 

Nachdem in der Leopoldiua VIII p. 50 die Ausschreibung der Adjunktenwahlen für 
obige Kreise angezeigt, der Schluss der "Wahlperiode auf den 15. April d. J. anberaumt 
und die wahlberechtigten Mitglieder, welche etwa die Wahlaufforderung nebst Stimmzettel nicht 
empfangen hätten, ersucht waren, eine Nachsendung von dem Bureau der Akademie zu ver- 
langen, vrarde am -18. April zur Auszählung der eingegangenen Stimmzettel geschritten, 
welche laut des von Herrn Notar V. Wetzel aufgenommenen und heute eingesandten Protokolls 
folgendes Ergebniss hatte. — 

Im ersten Kreise, 
welcher gegenwärtig 50 Mitglieder zählt und drei Adjunkten zu wählen hat, sind von den 
32 Mitgliedern, welche abgestimmt haben, anstatt 96 Stimmen nur 94 Stimmen abgegeben 
. Leop. VIII. 8 



58 

worden , indem ein Mitglied statt dreier Namen nur einen Namen auf seinen eingesendeten 
Stimmzettel geschrieben hat. Von den abgegebenen 94- Stimmen haben erhalten: 



a. Herr Hofrath Dr. A. Schrötter, Ritter von Kristelli 



b. 
c. 

d. 
e. 
f. 



Reg.-R. Professor Dr. E. Fenzl 
Professor Dr. F. von Hochstetter 
Med.-R. Professor Dr. J. Gr. Preyss 
Professor Dr. von Littrow . . 
Hofrath Prof. Dr. C. Rokitansky 

allerseits in Wien 



31 Stimmen, 

30 

29 

2 

1 

1 



94 Stimmen, 

so dass mit Rücksicht auf § 30 der Statuten, die vorstehend unter a, b und c genannten 
Herren durch absolute Majorität zu Adjuukten des ersten Kreises erwählt sind. 

Im zweiten Kreise, 
welcher bei 31 Mitgliedern zwei Adjunkten zu wählen hat, sind von 52 auf 26 Stimmzetteln 
abgegebenen Stimmen gefallen: 

a. 25 auf Herrn Professor Dr. J. Ger lach in Erlangen, 

b. 24 auf Herrn Professor Dr. L. Seidel in München, 

c. 2 auf Herrn Professor Dr. C. v. Sie hol d daselbst, 

d. 1 auf Hei-rn Professor Dr. F. Seitz daselbst, 

wonach also die beiden zuerst unter a und b genannten Herren durch absolute Stimmen- 
mehrheit zu Adjunkten des zweiten Kreises erwählt sind. 

Die Amtsdauer der nach Obigem erwählten Adjunkten erstreckt sich bis zum 
18. April 1883. 

Dresden den 23. April 1873. Dr. Behn. 



Das neue Adjunkten - CoUegium. 

Die im § 32 der Statuten vorgeschriebene Erneuerung des Adjunkten - CoUegiums ist 
einstweilen abgeschlossen. In allen Kreisen , die gegenwärtig durch die Zahl ihrer Mitglieder 
zur selbstständigen Vertretung berechtigt sind, haben Wahlen stattgefunden und stellte sich 
das Gesammtergebniss wie folgt. Es wurden erwählt: 

Im ersten Kreise: 
Herr Hofr. Dr. A. Schrötter, Ritter von Kristelli in Wien, 
Herr Reg.-R. Prof. Dr. E. Fenzl daselbst und 
Herr Professor Dr. F. Hochstetter ebenda. 
(Die Amtsdauer erstreckt sich bis zum 18. April 1883.) 

Im zweiten Kreise: 
Herr Professor Dr. J. Gerlach in Erlangen und 
Herr Professor Dr. L, Seidel in München. 
(Die Amtsdauer erstreckt sich gleichfalls bis zum 18. Api-il 1883.) 



59 

Im dritten Kreise: 
Herr Professor Dr. H. von Luschka in Tübingen. 
(Amtsdauer bis zum 19. März 1883.) 

Der vierte Kreis ist gegenwärtig nicht vcahlfähig. 
Der fünfte Kreis ist gleichfalls z. Z. nicht wahlfähig. 

Im sechsten Kreise wurde erwählt: 
Herr Geh. Hofr. Professor Dr. R. Fresenius in Wiesbaden. 
(Amtsdauer bis zum 17. Dec. 1882. 

Im siebenten Kreise: 
Herr Berghauptmann a. D. Ober-Bergrath Prof. Dr. J. Noeggerath in Bonn. 
(Amtsdauer bis zum 17. Dec. 1882.) 

Der achte Kreis ist gegenwärtig nicht walilfähig. 

Im neunten Kreise: 
Herr Geh. Db.-Med.-R. Prof. Dr. F. Woehler in Göttingen. 
(Amtsdauer bis zum 22. Januar 188?.) 

Im zehnten Kreise: 
Herr Prof Dr. G. Karsten in Kiel. 
(Amtsdauer bis zum 21. Febr. 1883.) 

Der elfte Kreis ist gegenwärtig nicht wahlfällig. 

Im zwölften Kreise: 
Herr Geh. Hofrath Prof. Dr. C. Gegenbaur in Jena. 

(Hr. Gegenbaur hat die Wahl abgelehnt.) 

Im dreizehnten Kreise: 
Herr Professor Dr. J. V. Carus in Leipzig und 
Herr Professor Dr. H. B. Geinitz in Dresden. 
(Amtsdauer bis zum 22. Januar 1883.) 

Im vierzehnten Kreise: 
Herr Geh. Med.-R. Prof Dr. H. R. Goeppert in Breslau. 
(Amtsdauer bis zum 17. Dec. 1882.) 

Im fünfzehnten Kreise: 
Herr Professor Dr. AI. Braun in BerUn und 
Herr Professor Dr. R. Virchow in Berlin. 

Dresden den 23. April 1873. Dr. Bchn. 



60 
Beiträge zur Kasse der Akademie. 

März 28. Von Herrn Geh. Med.-R. Dr. Wedel in Jena, Jahresbeitrag für 1873 . 2 Thh-. 

„31. „ „ Professor Dr. H. B. Heller in Wien, desgl. für 1873 ... 2 „ 

April 2. „ „ Min.-R.Frhr.v.Hohenbühel-HeuflerzuHallinT3rol,desgI.f.l873 2 „ 

„ 5. „ „ Prof. Dr. Ehrmann in Strassburg, desgl. für 1873 ... 2 „ 

„ 5. „ „ Custos Dr. Rogenhofer in Wien, desgl. für 1873 . . .' . 2 „ 

„ 8. „ „ Reg.-R. Prof. Dr. Stein in Prag, desgl. für 1872 u. 73 . . 4 „ 

„ 8. „ „ Gymn.-Oberlehrer Dr. Goldenberg in Saarbrücken, desgl. für 1873 2 „ 

„ 16. „ „ Prof. Dr. Beyrich in Berhn, desgl. für 1872 u. 73 . . . 4 „ 

„ 25. „ r, Reg.-R. Prof. Dr. E. Fenzl in Wien, desgl. für 1872 u. 73 5 „ 

„ 25. „ „ Hofrath Prof. Dr. D. v. Schroff in Wien, desgl. für 1872 u. 73 4 „ 

Dr. Behn. 



Grestorbenes Mitglied. 



Am 18. April 1873 (zu München): Dr. Justus Freiherr von liebig, kgl. bayer. Geh. Rath, 
ord. Prof. der Chemie an der Universität zu München, Vorstand der kgl. bayr. 
Akademie der Wissenschaften. Aufgenommen den 1. Aug. 1859, cogn. Gay- 
Lussac. 



Ausgetretenes Mitglied. 



Am 4. April 1873: Dr. Joseph Skoda, k. k. Hofrath, ord. Prof. der medicin. Klinik an der 
k. k. Universität und Mitglied der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien. 
Aufgenommen den 16. Sept. 1856, cogn. Maior. 

Dr. Behn. 



Jakob Christoph Santlus*) 

wurde am 30. Mai 1809 zu Hofheim, einem Städtchen im Nassauischen Maingau geboren. — 
Nachdem er den Elementarunterricht genossen und sich auch bei dem derzeitigen Pfarrer zu 
Kriftes, von Schwarz, mit den Anfangsgi-ünden der lateinischen Sprache bekannt gemacht 
hatte, wurde er in das Seminar zu Mainz aufgenommen und erweckte früh durch seine Be- 
gabung und anhaltenden Fleiss grosse Erwartungen. Achtzehnjährig bezog er die Universität 
zu Tübingen um Theologie zu studiren und begab sich, nachdem er diesen Lebensweg dort 



*) Nicht Job. C. wie er bisher in Jen Akten der ."Vkailemie und auch in der Todesanzeige in 
der Leop. VIII, p. 51 irrig genannt wurde. 



61 

2 Jahre verfolgt hatte, nach Würzburg, in der Absicht sich in den orientalischen Sprachen 
unter der Leitung des Professors Fischer zu vervollkommnen. — 

Aber hier erwachten andere Neigungen. Er entschloss sich sein bisheriges Studium 
aufzugeben und sich der Medicin zu widmen. Mit demselben Eifer wie das fühere Fach er- 
griff er das neue. Angesehen bei Lehrern und Commilitonen verstand er es ein eifriges Studium 
mit dem Geuuss eines studentischen Lebens zu vereinen und lernte auch seine Auswüchse 
kennen. Als ihm einst wegen eines nächtlichen Handgemenges ein Strafexamen aufgelegt war 
bestand er es glänzend. — 

Nach vollendeten Studien in die Heimath zurückgekehrt, wanderte er bei der eigen- 
thümlichen Beamtenstellung der Nassauischen Aerzte von Ort zu Ort. 1835 wurde er Medi- 
cinalaccessist zu Ransbach, 1838 zu Weilmünster, 1841 Medicinal-Assistent zu Runkel. Hier 
blieb er nur kurze Zeit, das Vertrauen des Grafen Leiningen -Westerburg veranlasste bereits 
im Jahre 1842 seine Versetzung nach Westerburg, wo er den Titel eines Gräflich -Leiningen- 
schen Rathes erhielt. — 

Doch auch hier war seines Bleibens nicht; 1852 kam er nach Hadamar; 1855 als 
Medicinalrath nach Selters und endlich 1862 nach Diez. — 

Neben seiner ärzthchen Praxis fand der Verstorbene Zeit zu eiuer umfangreichen 
schriftstellerischen Thätigkeit. Meistens sind es kleinere in den Fach- Zeitschriften nieder- 
gelegte Abbandlungen, wie ihm die gemachten Erfahrungen dazu Anlass boten ; aber alle seine 
Schriften zeichnen sich durch Beweise grosser Belesenheit aus und der Verstorbene hat auch 
eine namhafte Bibhothek hinterlassen. — Vorzüglich beschäftigte er sich mit gerichtärztlichen, 
psychiatrischen und psychologischen Untersuchungen, wofür ihm seine Stellung als Arzt am 
Zuchthause auf Schloss Schaumburg manche Handhabe bot. 

Auch enthält der Nachlass noch mehrere ungedruckte Werke, hauptsächlich psycholo- 
gischen Inhaltes , unter andern eines mit den Schädeluntersuchungen merkwürdiger in jenem 
Zuohthause verstorbener Verbrecher. — • 

Obgleich Santlus zur Uebernahme weiterer Verpflichtungen allzeit bereit war, z. B. 
in den Jahren 1870 und 71 als Chef- Arzt des Rerservelazareths zu Diez fungirte, so lehnte 
er doch Anerbietungen ab, die weiteren Wohnungswechsel erforderten, z. B. die als Badearzt 
zu Wiesbaden und Ems und als Direktor der Irrenanstalt Eichberg , während die angesehene 
Stellung, die er in Diez geuoss, sich durch erwachsene Kinder, eine an einen jüngeren Collegen 
verheirathete Tochter und einen bereits im Staatsdienste stehenden Sohn bereicherte. 



Eingegangene Schriften. 

(Bis zum 29. Febr. 1873.) 



Senckenbergische naturforschende Gesell- botanischen Sammlungen. Dr. F. C. Neil: Mit- 
schaft. Bericht 1871-1872. — Frank- theilung beim Jahresfeste, seine Betheiligung an 
, der ersten Reise tur die Ruppellstiitung betretfend. 
fürt a/M. 1872. 8". Dr. 0. Bütschli: Freilebende und parasitische 

Dr. W. Kobelt: Bericht über die conchylio- Nematoden in ihren gegenseitigen Beziehungen, 

logische Section des Senckenbergischen Museums. Dr. v. Hey den: Bericht über die von den Herren 

Dr. Geyler: Ueber den derzeitigen Stand der Dr. Neil und Dr. Grenacher auf Tenerifa gesam- 



62 



melten Insecten. Dr. C. Koch: Beiträge zur 
Keimtniss der Arachniden der Canarisehen Inseln. 
Dr. Geyler: Bericht über die botanische Ausbeute 
der durch Dr. Xoll und Dr. Grenacher ausgeführten 
Reise. Dr. F.C. Noll: Ein Resuch auf dem Mont- 
serrat. — Zwei Abnormitäten an Cactusfrüchten. 
Dr. C. Koch: Formen und Wandlungen der ecau- 
daten Batrachier des Unter-Main- und Lahngebietes. 
.1. D. Wetterhan: Ueber die allgemeineren Ge- 
sichtspunkte der Pflanzengeograijhie. 

F. Schnitz. Archives de la Flore d'Europe. 
Herbarium normale. — Weissenburg 1872. 8". 

F. W. Schultz. Beiträge zur Flora der 
Pfalz. Separatabdruck aus Jahrg. 1871 der 
Flora. — Regensburg 1871. 8". 

AcaddmieE.oyale deMedecine deEelgique, 
Bulletin. Annee 1872. Troisieme Serie. Tome VI, 
Nr. 9. — Brüssel 1872. 8". 

Societe Batave de Philosophie expäri- 
mentale de Rotterdam. Programme des que- 
stions 1872. 8». 

Königl. bayerische Akademie der Wissen- 
schaften zu München. Inhaltsverzeichuiss zu 
Jahrg. 1860 — 70 der Sitzungsberichte. — 
München 1872. S». 

— Sitzungsberichte der mathematisch- 
physikaUscheu Classe. 1872. Heft IL — Mün- 
chen 1872. 8». 

V. Pettenkofer : UcberBewegung der Typhus- 
frequenz und des Grundwasserstandes in München. 
Vogel: Ueber den Amraoniakgehalt des Schnee- 
wassers. — Ueber die Lichtwirkung verschieden 
gefärbter Blätter. W. Beetz: Wird durch das 
Strömen des Wassers ein elektrischer Strom er- 
zeugt ? Kollmann: Ueber den Kern der Ganglien- 
zellen. F. Pf äff: Beobachtungen über die Lateral- 
Refractiou. v. liischoff: Ueber das Gehirn eines 
mikrocephalischen achtjährigen Mädchens. F. Sand - 
berger : Bemerkungen über Einschlüsse in vidkani- 
schen Gesteinen. J. Ranke: Untersuchungen über 
Pflanzenelekfricität. H. Spirgatis: Ueber die 
Identität des sogenannten unreifen Bernsteins mit 
dem Krantzit. V. Sand berger: Vorläufige Be- 
merkungen über den Buchouit, eine Felsart aus der 
Gruppe der NepheUngesteine. M. Weber: Ueber 
die sogenannten freien Kerne in der Substanz des 
Rückenmarkes. Vogel: Ueber die spontane Zer- 
setzung einer Bleileginmg. C. W. G um bei: 
Gletschererscheinungeu aus der Eiszeit (Gletscher- 
schUffe und Erdpfeiler im Etsch- und Innthale). 

H. Engelhardt. Ueber den KalktufF. Pro- 
gramm der Realschule 1 . Ordnung zu Neustadt- 
Dresden 1872. — Dresden 1872. S«. 

Koninklijke Akademie vanWetenschappen. 

Verhandelingen. Afdeeling Letterkunde. 
Zevende Deel. — Amsterdam 1872. 4". (Nebst 
Atlas in fol.) 



— Verslagen en Mededeelingen. 
Afdeeling Letterkunde. Tweede Reeks. 
Tweede Deel. — Amsterdam 1872. 8». 

— — Afdeeling Naturkunde. 
Tweede Reeks. Zesde Deel. — Amsterdam 
1872. 8». 

F. C. Donders : De projectie der gezichts- 
verschijnselen naarde richtingslijuen. E. H. v. 
Baum hau er: Over den meteoriet van Tjabe in 
Nederlaudsch Indie. A.W. M. v. Hasselt : Bijdrage 
tot de kennis der Afrikaansche pijl - vergiften. 
P. J. V. Kerckhoff: Over langzame verbranding. 
F.Kaiser: Berigt omtrent eenige der maatregelen, 
die genomen ziju der waarneming van den over- 
gang der planeet Venus voorbij de Zonneschijf, op 
den Ssten December 1874. P. Bleeker: Notice 
sur les peintures chinoises de cyprinoides, deposees 
au museum de l'universite de Groningue par M. J. 
Senn van Basel. (4 pl.) D. Bierens de Haan: De 
Eulersche mothode bij sommige lineaire ditferential- 
vergelijkiugcii, bewezen door de integreerende ver- 
gelijking. C. H. C. Grinwis: Over de energie 
cener electrische lading. V.S.M. v. der Willigen: 
Uitkomsten van berekening voor eene Mica-ver- 
binding van E. Reuscli, voor regtlijnig gepolariseerd 
licht en evenwijdige stralen. W. Koster: Ontleed- 
kundig onderzoek van de verkalking der nierpyra- 
miden. (1 pl.) P. Harting: Een woord over eenige 
diepe putboringen te Utrecht. D. Bierens de Haan: 
Lets over quadratuur bij benadering. C. A. J. A. 
Oudemans: Over eene bijzondere soort van 
buizen in den Vlierstara (Sambucus nigra L.) tot 
hiertoe voor een fungus (Rhizomorpha parallela 
Roberge) gehenden. (1 pl.) G.v. Diesen: Toestand 
van de Maas längs Nordbrabant bij hoogen water- 
stand. E. H. V. Baumhauer: Over den meteoriet 
van Knyahinya in het Unghvährer Comitat. — 
Over den meteoriet van FAigle. P. Harting: De 
physonieter, een nieuw werktuig tot bepaling van 
veranderlijke volumina van lucht en van andere 
hchanien. G. F. W. Baehr: Sur les racines des 



equations 



<^0 



cos 



X cos io\ da) = et 



<^0 



cos 



X cos <oj sin 'io dw = 0. j^ Q Oudemans 
jr. : Over den invloed van optisch inactieve 
oplosmiddelen op het soortelijk draaiingsvermogen 
van optisch actieve stoßen. J. E. T. Ortt: Eenige 
waarnemingen en opmerkingen over het opwaaien 
van water. 



— Jaarboek voor 1871. — Amster- 
dam. 8». 

— Processen-Verbaal van de gev^one 
Vergaderingen. Afdeehng Natuurkunde. Van 
Mei 1871 tot en met April 1872. 8». 

J. H. Hoeufft. Ad juvenem Satira Petri 
Esseiva. — Arastelodami 1872. 8". 



63 



M. A. F. Prestel. Der Boden, das Klima 
und die Witterung von Ostfriesland, sowie der 
gesamuiten norddeutschen Tiefebene. — Emden 
1872. 8». 

Buhl, Friedrich, v. Gietl, v. Pettenkofer, 
Ranke, Wolfsteiner. Vorträge über die Aetio- 
logie des Typbus , gehalten in den Sitzungen 
des ärztlichen Vereins zu München. — Mün- 
chen 1872. 8^ 

Anthropological Institute of Great Britain 
and Ireland. The Journal, Vol. II, Nr. 2. 
July & October 1872. — London 1872. 8». 

J. Baruard Davis: On a Scaphoid Skull. 
W. Webster: On Certain Points concerning the 
Origin aiul Relations of the Basque Kare. J. M. 
Jeffcott: Mann, its Names aud their Origins. 
H. Bar low: Vocabulary of Aboriginal Dialects of 
Queensland. A. Mc. iJonald: Mode of Prejiaring 
the Dead on the Upper Mary River. Nr. 2. 3. 
Bonomi: Notes on a New Instrument for mca- 
suring the Proportions of the Human Body. G. 
Harris: On Moral Irresponsibility, resulting from 
insauity. J. Park Harriso n: On Artificial En- 
largement of the Earlobe, in the East (2 pl.) N. 
C. de Bogouschefsky : General Description of 
the Great Barrows ofKototowi, in Sapolia, Ptussia. 
M. Westropp: On Ogham Pillar Stones in Irelartd. 
Henry H. Howorth: The Westerly Drifting of 
Nomades from the tifth to the nineteenth Century. 
Part 9. The Eins and some of their AUies. A. W. 
Franks: Description of the Tattooed Man from 
Burmah. R. F. St. Andrew St. John: A Short 
Account of the Hill Tribes of North Aracan (w. 
map.) H. C. St. John: The Aiuos : Aborigincs of 
Yeso, (3 pl.) Ch.B Brown: Indian Picture Writing 
in British Guiana. (4 pl.l Rev. William Ridley: 
Report on Australian Languages and Traditions. 
Nr. 1 & 2. Clements Markhara: Report of 
the Arctic Committee. Anthropological Miscellanea. 

Geological Society of London. The Quar- 
terly Journal. Vol. XXVIII, Part 4. Nr. 112. 
— London 1872. 8". 

Part I. Proceediugs. 
S. 3. Whitnell: On Atolls, or Lagoon Islands. 
J. R. Dakyns: On the Glacial Phenomena of the 
Yorkshu-e Uplands. D. Mackintosh: On a Sea- 
coast Section of Boulder-clay in Chesldre. Wm. 
Bleasdell: On Modern Glacial Action in Canada. 
0. Fisher: On the Phosphatic Nodules of the 
Cretaceous Rock of Cambridgeshire. W.Johnson 
SoUas: On the Upper Greensand Formation of 
Cambridge. G. Henderson: On Sand-pits, Mud- 
discharges. and Briue-pits met with duriug the 
Yarkand Expedition of 1870. W. Boyd. Daw- 
kins:, On the Cervidae of the Forest-bed of Nor- 
folk and Suifolk. — On the Classification of the 
Pleistoceue Strata of Britain and the Continent by 
means of the Mammalia. P. Martin Duncan: 
On Trochocyathus anglicus. a new species of Ma- 
dreporaria trora the Red Crag. (1 pl.) A. Lane 
Fox: On the Discovery of Palaeolithic Implements 



in Association with Elephas primigenius in the 
Gravels of the Thamea Valley at Acton. G. Busk: 
On the Animal-remains found by Col. Lane Fox 
in the High-and Low-Terrace Gravels at Acton and 
Turnham Green. (1 pl.) R. H. Tiddeman:On the 
Evidence for the Ice-sheet in North Lancashire and 
adjacent parts of Yorkshire and Westmoreland (1 pl.) 
A. Gauüry: On the Manmiaba of the Drift of 
Paris and its Outskirts, D'Orueta: on the Geology 
of the Neighbourhood of Malaga. 

Acta Universitatis Lundensis. 1869. 
Philosoph!, Spr.'.kvetenskap och Historia. Ma- 
thematik och Naturvetenskap. — Lund 1869 

— 70. 4». 

J. C. Hill: Sur une forme generale de deve- 
loppement et sur les Integrales definies TSuite). 
A. V. Bäcklund: Nägra satser ora plana alge- 
braiska kurvors Normaler. V. v. Zeipel: Om 
Monominal- och Fakultetskoefticieuter. A.Möller: 
Planet- och Komet-Observationer anstände är 1869 
pä Lund's Observatorium. N. Svensson: Svaf- 
velsyrliga salter med kopparoxidul oeli silfveroxid. 

A. Quenuerstedt: Bidrag tili Sveriges Infusorie- 
fauna. 111,(1 taf) P. 01sson:Nova genera parasi- 
tantia Gopcpodorum et Platyelrainthium. (1 taf.; 0. 
Toreil : Petrificata Suecana Formatiuuis Cambricae. 

B. Luudgren: Rudister i Kritforraationen i Sve- 
rige. (1 taf.) 

— 1870. Theologi , Mathematik och 
Naturvetenskap. — Lund 1870 — 71. 4". 

C. Bruhns: Bestimmung der Längeudift'erenz 
zwischen Berlin und Lund auf telegraphischem 
Wege ausgeführt von dem Centralbureau der Euro- 
päischen Gradniessung und der Sternwarte in Lund 
im Jahre ISÜS. A. Möller: Planet- och Komet- 
Observationer, anställda är 187(.) pä Lunds Obser- 
vatorium. F.Anderson: Bestämning af Planeten 
(92) Undinas bana. B. Göransson: Om krojipars 
verkhga värme - kapacitet. J. M. Krok: Nigra 
Koboltiaksalter. C. A. Bergh: Jakttagelser ötver 
djurlifvet i Kattegat och Skagerrak. gjorda under 
kanonbäten „Ingegerds" Expedition sommaren 1870. 
(2 tat'., 2 kart.) F. W. C. Areschoug: Växtanato- 
miska undersökningar. 2: Om den iure hyggnaden 
i de trädartade växternas knopptjäll. (5 taf.) S. 
Berggren: Studier öfver mossornas bygguad och 
utveckling. (2. forts. 1 taf.) A. G. Nathorst: Om 
nägra arktiska växtlemningar i en sötvattenslera 
vid Alnarp i Skäne. (1 tat'.. 1 kart.) 

Lunds Universitets-Biblioteks Accessions- 
Katalog. 1871. — Lund 1872. 8«. 

Soci^td dePhysique et d'Histoire naturelle 
de Geneve. Memoires. Tome XXI. Seconde 
Partie. — Geneve 1872. 4". 

M. A. Guenäe: Notice sur divers Lepidopteres 
du Musee de Geneve. (1 pl.) M. J. E. Duby: Choix 
de Cryptogames exotiques nouvelles ou mal connues. 
(5 pl) M. IL Fol: fitudes sur les Appendiculaires du 
detroit de Messine. (11 pl.) M. D. Colladon: Effets 
de la foudre sur les arbres et les plantes ligneuses 
et l'emiiloi des arbres comme paratonnerres. (3 pl.; 



64 



J. V. Lamont. Verzeickniss von 4093 te- 
lescopischen Sternen zwischen — 9" und — 15" 
Decliaation, welche in den Münchener Zonen- 
beohachtungen vorkommen , reducirt auf den 
Anfang des Jahres 1850 nebst Vergleichung 
mit den Beobachtungen von Lalande, Bessel, 
Rümker und Schjellerup. XII. Supplementband 
zu den Annalen der Müuchener Sternwarte. — 
München 1872. 8». 

Schlesische Gesellschaft für vaterländische 
Cultur. NeunuudvierzigsterJahresbericht. 1871. 
— Breslau 1871. 8». 

— Abhandlungen. Philosophisch - histo- 
rischeAbtheilung. 1871. — Breslau 1871. 8». 

— — Abtheilung für Naturwissenschaften 
und Medecin. 1869/72. — Breslau 1872. 8". 

J. Schröter: Die Brand- und Rostpilze Schle- 
siens. G. Limprecht: Ergebnisse einiger bota- 
nischer Wanderungen durchs Isergebirge. J. G ra- 
tz er: Ueber die öfientliclie Armen-Krankenpflege 
in Breslau im Jahre 1870. E.Grube: Mittheilungen 
über St. Malo und Roseoff und die dortige Meeres-, 
besonders Annelidenfauna. (2 taf ) v. J a c o b i : Zweiter 
Nachtrag zu dem Versuch einer systematischen 
Ordnung der Agaveen. 

Verein für Natur- und Heilkunde zu 
Presburg. Verhandlungen. Neue Folge I.Heft. 
Jahrgang 1869/70. — Presburg 1871. 8. 

J. Wiesbauer: Beiträge zur Flora von 
Presburg. 

— Catalog I. der Bibihothek des Vereins 
für Naturkunde zu Presburg. — Presburg 
1871. 8". 

Gesellschaft zur Beförderung der ge- 
sammten Naturwissenschaften zu Marburg. 
Neunter und zehnter Band. — Marburg und 
Leipzig 1872. 8». 

E. Fürstenau : Neue Methode zur Darstellung 
und Berechnung der imaginären Wurzeln algebra- 
ischer Gleichungen durch Determinanten der Coef- 
ficienten. A. Wigand: Der botanische Garten zu 
Marburg. C. F. Heusinger: Geschichte des Ho- 
spitals St. Elisabeth in Marburg nebst Bemerkungen 
über die Schicksale der Gebeine Elisabeths imd 
über Wunder-Heilungen im Allgemeinen. C.Claus: 
Beiträge zur Kenntniss der Ostracoden. (2 T.) F. 
Melde: Experimentaluntersuchungen über Blasen- 
bildung in kreisförmig cyhndrischen Röhren. Erster 
Theil: Die Libellenblasen. (4 T.) Zweiter Theil: 
Quecksilberblasen. L. Carius: Neue Synthese 
aromatischer Säuren. (\ T.) F. A. R. Dohrn: Zur 
Kenntniss der MüUer'schen Gänge und ihrer Ver- 
schmelzung. (3T.) A. Wigand: Ueber Darwin's 
Hypothese „Pangenesis". N. Lieberkühn: Ueber 



Bewegimgserscheinungen der Zellen. (5 T.) C. 
Speck: Untersuchungen über Sauerstoffverbrauch 
und Kohlensäureausathmung der Menschen. (2 T.) 
Dohrn: Die geburtshülf liehen Operationen in Kur- 
hessen während der Jahre 1852 — 1866. (11 T.) A. 
V. Koenen: Das Miocaen Nord-Deutschlands und 
seine Mollusken-Fauna. 1. Theil. (3 T.) 0. Weiss: 
Beitrag zur Kenntniss der NauheimerSooIsprudel.(lT.) 

— Sitzungsberichte. Jahrg. 1869, 1871. 

— Marburg 1869, 71. 8". 

Academie Eoyale deMädecine deBelgique. 
Bulletin. Annee 1872. Troisieme Serie. Tome 
VI. Nr. 4. — Bruxelles 1872. 8». 

M. Gaudy: Communication relative ä la peste 
bovine. M. Dele: Sur le traitement homoeo- 
pathique de la peste bovine et ses resultats en 
Angleterre en 1865 — 66. M. Masoin: Contribution 
ä la Physiologie des nerfs pneumogastriques. 

Kömoires des concours et des savants 
ätrangers. Deuxieme Fascicule du Tome VII. 

— Bruxelles 1872. 4». 

L. Gallez: Histoire des Kystes de Tovau-e 
envisagee surtout au point de vue du Diagnostic 
et du Traitement (24 PL). 



Die 4. Versanmlung Russischer 
Naturforsclier 

ist nach der A. A. Z. auf die zweite Hälfte 
des Monats August d. J. nach Kasan ausge- 
schrieben. Es soll dort in erster Reihe die 
Frage wegen Organisation von Expeditionen zui' 
Beobachtung des 1874 stattfindenden Durch- 
gangs der Venus vor der Sonnenscheibe zur 
Erörterung kommen. 



Die naturforschende G-esellscliaft 
zu &örlitz 

feiert am 13. Mai d. J. ihr fünfzigjähriges 
Jubiläum (sie ging am 13. Mai 1823 aus der 
bereits im Jahre 1811 gestifteten ornithologi- 
schen Gesellschaft hervor) und damit zugleich 
den 25jährigen Jahrestag des Eintritts ilires 
verdienten langjährigen Gustos, des Herrn 
Apoth. Reinhard Peck, durch einen gemein- 
schaftlichen Ausflug auf die Landeskrone. 



AbgeechloBseu den 29. April 1873. 



Druck \on E. BlochmaDO & Sohn in Dresden. 



NUNQUAM ^;=^^^^ OTIOSUS. 




LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 

DER 

KAISERLICH LEOPOLDINISOH-CAROLINISOHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. P. G. Behn. 
Dresden. Heft Vm. — Nr. 9—10. Mai 1873. 

Inhalt: Amtliche Mittlieilung:eii : Zur Abwehr. — Wahl ehies Stellvertreters des Präsidenten. 

— Beiträge zur Kasse der Akademie. — Gestorbene Mitglieder. — Ausgetretenes Mitglied. 

— Justus von Liebig f- 

Eingegangene Schriften. — Die afrikanische Gesellschaft. — Die 4. Wanderveräamm- 
liing der botan. Sektion der Schles. Gesellschaft für vaterl. Ciiltur. — Anzeige. 



Aiiitlielie Mittheiluiisei!. 



Zur Al)welir. 



Seit längerer Zeit bemüht sich Hr. Geh. Hoft-. L. Reichenbach in Dresden durch 
gehässige Druckschriften, durch Ansprüche, die er auf die Habe der Akademie geltend zu 
machen vorgiebt, durch Ankündigung angeblich von ihm vorgenommener Abänderungen der 
Verfassung der Akademie und durch fiugirte Ernennung von Mitgliedern und Funktionären, 
die der Verhältnisse weniger kundigen Naturforscher und das grössere Publikum irre zu führen 
und zu dem Glauben zu verleiten, als sei er Präsident der Ksl. Leop.-Garol. Deutschen Aka- 
demie der Naturforscher. — Hr. L. Reichenbach hat indess gegenwärtig keine andere 
Stellung und besitzt keine anderen Rechte, als jedes andere Mitglied unserer Akademie. — 
Neuerdipgs hat Hr. Dr. Eduard Reich, z. Z. in Rostock, angeblich von Reichen- 
liach zum Mitgliede und Director ephemeridum ernannt (ein früheres, durch den § 22 der 
Leop. VIII. 



66 

Statuten vom 1. Mai 1872 definitiv aufgehobenes Amt), aber bald mit seinem vermeintlichen 
Auftraggeber zerfallen, seinerseits die Absicht öffentlich ausgesprochen, die Akademie umzu- 
gestalten. Hr. Dr. Ed. Reich ist indess nicht einmal Mitglied unserer Akademie. — 

Indem wir dieses unbefugte Gebahren hiermit zunächst zur öffentlichen Kenntniss 
briiigen, behalten wii' uns übrigens gegen dasselbe alle weiteren Schritte vor. — 

Das Ädjunktfn - Collegium der Ksl. Leop.-Carol. Deutschen Akademie 

der Naturforscher 

im Mai 1873. 
Dl. Behn. Dr. AI. Braun. Dr. J. Victor Carus. Dr. Ed. Fenzl. Dr. R. Fresenius. 

Dr. H. B. Geinitz. Dr. J. Gerlach. Dr. H. R. Goeppert. Dr. F. v. Hochstetter. 

Br. G. Karsten. Dr. H. Luschka. Dr. J. Noeggerath. Dr. A. Schroetter R. v. Kristelli. 

Dr. L. Seidel. Dr. R. Virchow. Dr. Friedr. Woehler. 



Wahl eines Stellvertreters des Präsidenten. 

Der § 32 der Statuten bestinmit, dass sofort uach Erneuerung des Adjunkten- 
Collegiums ein Stellvertreter des Präsidenten erwählt werden solle. — 

In Uebereinstimmung hiermit und mit den Vorschriften des § 27 hat der mitunter- 
zeichnete Präsident Professor Dr. Beim den 

HeiTii Professor Dr. .41ex. Bniuii in Berlin, Adjunliteu des t'nnfzelinten Kreises, 

zu seinem Stellvertreter im Behinderimgs- oder Todesfalle in Vorschlag gebracht, und wir 
haben, laut des am heutigen Tage von dem Königl. Sächsischen Xotare Herrn Victor Wetzel 
aufgenommenen Protokolles diese Wahl einstimmig bestätigt. — 

In Uebereinstimmung mit den Vorschriften der §§ 26 und 27 der Statuten bringen 
wir dies Ergebniss hierdurch zur allgemeinen Kenntniss. — 

J)as Ädjimkten- Collegium der Ksl. Leop.-Carol. Deutschen Akademie 

der Naturforscher 

am 4. Juni 1873. 

Dr. Behn. Dr. J. Victor Carus. Dr. Ed. Fenzl. Dr. R. Fresenius. Dr. E. B. Geinitz. 

Dr. J. Gerlach. Dr. H. R. Goeppert. Dr. F. v. Hochstetter. Dr. G. Karsten. 

Dr. H. Luschka. Dr. J. Noeggerath. Dr. A. Schroetter R. v. Kristelli. 

Dr. L. Seidel. Dr. R. Virchow. Dr. Friedr. Woehler. 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Mai 8. Von Herrn Geh. Hofr. Prof. Dr. R.Fresenius in Wiesbaden, Ablös.d.Jahi-esbtr. 20 Thlr. 
„14. „ „ General- u. Corps-Arzt a. D. Dr. A. L. Richter in Düsseldorf, 

Jahresbeitrag für 1873 2 „ 

„ 17. n „ Prof. Dr. J. Lamont in München, desgl. für 1873 ... 2 , 

,20. , „ Geh. Med.-R. Prof. Dr. Barkow in Breslau, desgl. für .1873 2 , 

- 20. , - Professor Dr. G. Karsten in Kiel, desgl. für 1873 ... 2 - 



_^7 

Mai 20. Von Herrn Theod. Kirsch in Dresden, desgl. für 1872 u. 73 . . . . 4 Thir. 

„ 21. „ „ Med.-R.Prof.Dr.C.W.F.Uhde in Braunschweig, desgl. für 1873 2 , 

„ 24. „ „ Carl Sattler in Schweinfurt*), desgl. für 1873 10 „ 

„ 26. „ „ Hofrath R. v. Tommasini in Triest, desgl. für 1873 ... 2 „ 

Juni 1. „ „ Geh. Med.-K. Prof. Dr. Budge in Greifswald, desgl. für 1873 2 „ 

Dr. Behn. 



Gestorbene Mitglieder. 

Am 25. April 1873 zu Breslau: Dr. Christian August Hermann Marbach, a. o. Professor 
der Physik an der Universität; Oberlehrer und Prorektor an der Realschiile zum 
heihgeu Geist zu Breslau (geboren zu Jauer den 11. April 1817). aufgencininen 
den 6. Febr. 1858, cogn. Fresnel. 

Am 30. April 1873 zu Hildesheim: Dr. Johannes Leunis, Professor der Naturgeschichte am 
Gymnasium .losephinum zu Hildesheim (geboren zu Mahlerten den 2. Juni 18f>2), 
aufgenommen am 2. April 1861, cogn. Blumenbach HI. 

.\m 19. Mai 1873 zu Karthaus - Prüll : Ih-. Friedi-ich Karl Stahl, Kgl. Direktor der ober- 
pfalzischen Kreis-Irrenanstalt: aufgenommen am 15. Oct. 1844, rogii. Ackerniauu. 

Ausgetretenes Mitglied. 

Am 16. Mai 1873 : Dr. Franz Leydig, ord. Professor der Zoologie und vergleichenden Ana- 
tomie an der Universität zu Tübingen; aufgenommen den 24. Aug. 1860, cogn. 
Vicq d'Azyr. — 

Dr. Beli'fi. 



Justus von Liebig. 

Selten und vielleicht nie ist der Tod eines Naturforschers in so weiten Kreisen und 
selbst in solchen, die das Wesen seiner Wissenschaft und wohl zum Theil den Namen nicht 
kannten , so tief empfunden und betrauert worden , wie der Liebig's. Und zwar verdankt er 
dies nicht den bahnbrechenden Untersuchungen der ersten Hälite seines Lebens, den zum Theil 
mit dem hinterlassenen Freunde Fried r. Woehler gemeinsam unternommenen Arbeiten, dit- 
zur Begründung der sog. Radikaltheorie führten und damit, dem Motto entsprechend, welches 
er seiner berühmten Abhandlung über die Constitution der organischen Säuren beifügte : „durch 
Nacht führt unser Weg zum Licht", das vorher wirre und dunkle Gebiet der organischen 
Chemie erhellte und "ordnete, noch seinen neuen Untersuchungsniethoden, der Begriindung eines 
wissenschaftlich - praktischen Unterrichts in chemischen Laboratorien und der selten grossen 
Zahl bedeutender Schüler. Es sind vielmehr die in der zweiten Hälfte seines Ijebens mit 



*) Durch ein Versehen ist in der Leopoldina VII p. 114 Hrn. Carl Sattler für das Jahr 187^ 
ein doppelter Jahresbeitrag: zum Gesammbctrage von 12 Thlrn. zugeschrieben worden. Die Gesammt- 
sumnie betrug indess nicht 12', sondern, wie auch für dies Jahr. 10 Thlr. , was hierdurch in Ueberein- 
stimmung mit dem Wunsche des Uebcrsemlers berichtigt wird. — 

9* 



Vorliebe gepflegten Untersuchungen über die Grundgesetze des Ackerbaues, der pflanzlichen 
und thierischen Ernährung, die iln-e segensreichen "Wirkungen auf alle Kreise seiner Mit- 
menschen ausübten. Aber es kann nicht unsere Absicht sein, ein Bild seiner wissenschaft- 
lichen Grösse zu entrollen, es ist das eine Aufgabe seiner Jünger, die nicht ausbleiben wird 
und mit der bereits einige derselben einen Anfang gemacht haben*). — Wir bescheiden uns, 
.so weit uns aus diesen und einigen andern Quellen die Ilülfsrnittel dazu zu Gebote stehen, 
eine Skizze der äusseren Lebensverhältnisse und der PersönHchkeit eines Mannes zu entwerfen, 
den Jedermann gern genau kennen möchte. 

Just US Liebig wurde zu Darmstadt in einem ärmlichen Hause der Altstadt am 
13. Mai'**i 1803 geboren. Seine Vorfahren gehörten dem Bauernstände des Odenwaldes an. 
Sein Vater hatte ein anfangs kleines Farbe- und Materialwaarengeschäft, das er indess durch 
ein seltenes Geschick in der Fabrikation von Farben und Firnissen so zu heben verstand, dass 
er es wenige Jahre nach Liebig's Geburt in die Ochsengasse, die daraahge Hauptverkehrsader 
der Residenz Darmstadt in ein Haus neben dem Gasthofe zum rothen Oclisen zu vei legen 
vermochte. Er erweckte durch seine Versuche grosses Aufsehen, namenthch als er seinen 
Laden durch Gasflammen beleuchtete, lange bevor man an die allgemeine Einführung dieser 
Methode nur dachte. — 

Auf diese Weise wurde der junge Liebig frühzeitig mit Stoffen und Experimenten 
vertraut, die andern Kindern seines Alters meist ganz unbekannt bleiben, und eine seltene 
Begabung, in der sich alle Eigenschaften, welche den Erfolg des Naturforschers und speciell 
des Chemikers bedingen, in harmonischer Vollkommenheit vereinigten, erweckte früh eine Leiden- 
schaft für die Beschäftigung mit diesen Dingen und entwickelte zu einer Zeit das klare 
Bewusstsein seines Lebensberufes , wo die Gedanken gewöhnlicher Menschen noch kaum über 
die kindischen Spiele hinausreichen. 

Liebig besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt Darmstadt. Er gehörte keineswegs 
zu den besseren Schülern : sein Platz war immer einer der untersten. — Seine Lehrer hielten 
ihn für faul und selbs^^die IVIitschüler trauten ihm wenig Befähigung zu. Seine Gedanken 
weilten, so scheint es, nicht bei den Lehrgegenständen, an denen er weniger Gefallen fand, 
sondern bei den chemischen Experimenten , die er zu Hause anzustellen pflegte. Eines Tages 
frug ihn ein Lehrer : Nun, Liebig, was willst denn Du einmal werden ? Ohne einen Moment 
Besinnens antwortete er : Chemiker. Die Klasse brach in helles Gelächter aus , der Lehrer 
schüttelte den Kopf. „Ach Liebig, Du bist die Sorge Deiner Eltern, die Plage Deiner Lehrer, 
aus Dir wird nie was Rechtes."' — Weder Lehrer noch Schüler wussten vielleicht, was ein 
Chemiker sei, und dass man gar auf den Chemiker studiren könne, erschien absurd. „Ich 
aber , erzählt Liebig , wusste ganz genau . was ein Chemiker sei und was ich werden wollte. " 
In der That hatte sich Liebig, den man für faul hielt, damals schon so viel mit Chemie be- 
schäftigt, dass auf der reichhaltigen Darmstädter Hofbibliothek kein Band eines chemischen 
Journals war, den er nicht durchstudirte und ihm kein neuer chemischer Versuch bekannt 
wurde, den er nicht nach Maassgabe seiner Mittel wiederholt hätte***). — 



*) W. H.: Justus V. Liebig. Wiener X. Fr. Presse v. 24, April 1873. 

J. VoUiaril: Justus v. Liebig. Allg. Augsb. Zeitimg 1873 p. 1969 u. 2013. 
**) Andere Angaben verlegen den Geburtstag auf den 8. u. 12. Mai. 
***) Der Schauplatz dieser Thätigkeit war die väterliche Farbenküche an der sogenannten Kuh- 
Kchwanzwiese östlich vor der Stadt, die aber vor Kurzem abgebrochen ist. — 



69 

Dieses sichere Bewusstsein seines Lebensberufes bestimmte denn auch seinen weiteren 
Lebensweg und half ihm über manche Schwierigkeiten weg, die bei weniger Entschiedenheit 
unübersteiglich gewesen wären. — 

Sein Vater gab seinen dringenden Wünschen nach, nahm ihn 1818 aus dem Gym- 
nasium und that ihn als Lehrling in eine Apotheke. Dies war damals ein gewöhnlicher Weg 
die Scheidekunst zu erlernen, und manche später berühmte Chemiker (Davy, Dumas, Vauquelin) 
waren anfangs Pharmaceuten. In der Apotheke zu Heppenlieim an der Bergstrasse blieb er 
jedoch nur 10 Monate, da er hier keine genügende I^ahrung für seinen Trieb nach wissen- 
schaftlichem Studium der Chemie fand. Man erzählt , der Lehrherr habe das ewige Experi- 
mentiren nicht dulden wollen. Er kehrte nach Hause zurück und blieb dort einige Zeit, um 
sich zum akademischen Studium vorzubereiten, bezog dann die Universität Bonn und vertauschte 
sie ein Jahr später mit Erlangen , wo er 1 822 den Doktorgrad erwarb. — In Erlangen 
schloss Liebig eine innige Freundschaft mit dem Grafen Platen, der ihm eines seiner schönsten 
Sonette widmete und bis an sein Ende mit ihm einen lebhaften Briefwechsel unterhielt. — 
Die deutschen Universitäten boten indess damals für das Studium der Chemie nicht gleiche 
Gelegenheit wie jetzt. Chemische Laboratorien gab es nur sehr vereinzelt (z. B. in GöttLngen 
unter Fr. Stromeyer seit 1806) und auch diese waren in Vergleich mit den jetzigen ärmhch 
ausgestattet und hauptsächlich für Pharmaceuten berechnet. Die Chemie bildete auf manchen 
Hochschulen noch keine selbständige Professur, sondern w^ar mit einem andern Fache verbunden. 
Die Hauptsache indess war, dass damals nicht sowohl in Deutschland, sondern theils in Stock- 
holm, wo Berzelius seine grossartige Wirksamkeit entwickelte, in London, wo H. Davy, Brande 
und Faraday glänzten, besonders aber in Paris die Chemie schwunghaft gefördert wurde. 
Zwar hatte dort Vauquelin gerade im Jahre 1822 seine Thätigkeit eingestellt, aber Gay- 
Lussac, Dulong und Thenard standen auf der Höhe ihres Ruhmes und ChevreuU und J. B. 
Dumas waren mit ihren epochemachenden Erstlingsuntersuchungen beschäftigt. — Nach Paris 
also strebte Liebig. Aber zu diesem Unternehmen reichten seine Mittel niclit aus. Er bewarb 
sich daher in Darmstadt um ein Stipendium. — 

„Mit bangem Herzen, erzählt Liebig, ging ich zu dem Herrn Gelieimrath Schleier- 
„macher, von dessen Bescheid die Verleihung des Stipendiums abhing. Ich war demselben 
„ganz unbekannt, hatte keinerlei Empfehlung, und Chemie zu studiren erschien so abenteuer- 
„hch ; aber nach Paris musste ich unter allen L'mständen. Und nichts als die feste Zuversicht 
„in meine Zukunft , die mir der Mann ansah , bewogen ihn , mich für das Stipendium vorzu- 
„schlagen." — So kam denn Liebig nach Paris. — 

Bisher hatte Liebig, so scheint es, keinen Mann gefunden, der seinen vollen Werth 
zu erkennen vermochte, wenn auch, wie L. glaubte, der Ernst seines Strebens ihm das Wohl- 
wollen des Ghmr. Schleiermacher gewonnen hatte. — In Paris abei führte ein Zufall ihm den 
Mann zu , der auch seine wissenschaftliche Bedeutung zu durchschauen vermochte. Es war 
Alexander von Humboldt. 

„Während meines Aufenthaltes in Paris, schreibt Liebig 1840 in der Widmung 
„seiner »Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie« an A. v. Humboldt, 
„gelang es mir, im Sommer 1823 eine analytische Untersuchung über Howard's fulminirende 
„Silber- und Quecksilber- Verbindungen , meine erste Arbeit, zum Vortrag in der Königlichen 
„Akademie zu bringen. 



70 

„Zu Ende der Sitzunjf vom 28. Juli, mit dem Zusammenpacken meiner Präparate 
„beschäftigt, nälierte sich mir aus der Reihe der Mitglieder der Akademie ein Mann und 
„knüpfte mit mir eine Unterhaltung au ; mit der gewinnendsten Freundlichkeit ^vusste er den 
„Gogenstand meiner Studien und alle meine Beschäftigungen und Pläne von mir zu erfahren ; 
„wir trennten uns. olme dass ich, aus Unerfahrenheit und Scheu, zu fragen wagte, wessen 
„Güte an mir Theil genommen habe. 

„Diese Unterhaltung ist der Grundstein meiner Zukunft gewesen, ich hatte den fiir 
„meine wissenschaftlichen Zwecke mächtigsten und liebevollsten Gönner und Freuud gewonnen. 

„Sie waren Tags zuvor von einer Reise aus Italien zurückgekommen ; Niemand war 
„von Ilirer Anwesenheit unterrichtet. 

„Unbekannt, ohne Empfehlungen, in einer Stadt, wo der Zusammentluss so vieler 
„Menschen ans allen Theilen der Erde das grösste Hinderniss ist, was einer nähern persönlichen 
„Berührung mit den dortigen ausgezeichneten und berühmten Naturforschern und Gelehrten 
„sich entgegenstellt, wäre ich, wie so viele Andere, in dem grossen Haufen unbemerkt ge- 
„blieben und vielleicht untergegangen : diese Gefahr war völlig abgewendet. 

„^'on diesem Tage an waren mir alle Thüren, alle Institute und Laboratorien geöi&et ; 
„das lebhafte Interesse, welches Sie mir zu Theil werden Hessen, gewann mir die Liebe und 
„innige Freundschaft meiner mir ewig theuren Lehrer Gay-Lussac. Dulong und Thenard. Ihi- 
„Vertrauen bahnte mir den Weg zu einem Wirkungskreise, den .seit 16 Jahren ich unablässig 
„bemüht war, würdig auszuiiillen." 

In der That war es Huraboldt's Vermittelung. der er bereits im nächsten Jahre 1824 
die Beiufung als ausserordentlicher Professor der Chemie an der Universität zu Giessen 
verdankte. 

Damit war denn im Alter von 21 .fahren (er war damals der an Jahren jüngste 
Professor aller europäischen Hochschulen) eine Stellung errungen , welche seinem Wetteifer die 
höchsten Aufgaben stellte , aber seine Hülfsmittel waren einstweilen noch gering. — Als 
Liebig nach Giessen kam, wurde ihm ein leeres Zimmei' und einige gleichfalls leere Kammern 
als Arbeitsraum angewiesen. Von einer Einrichtung, von Möbeln, Apparaten mid Materiahen, 
von einem Fond zur Bestreitung der Ausgaben, zur Besoldung eines Assistenten und eines 
Dieners war keine Rede. Ohne Vermögen und mit einem Jahiesgehalt von 800 fl. musste er 
dies Alles auf eigene Kosten beschaft'eii und erst nachdem sein Ruf ihm Schüler aus allen 
Ländern zuführte, gelang es seinem unablässigen und oft sehr heftigen Drängen, Unterhaltung 
und Vergrösserung des Laboratoriums auf Staatskosten durchzusetzen. — 

Aber dieser Erfolg blieb auch nicht lange aus. Giessen wurde bald ein Mittelpunkt 
der chemisch-wissenschaftlichen Thätigkeit. Schüler strömten von allen Seiten herbei und zwar 
nicht Itlos Studenten, sondern auch Mäimer in schon vorgeschrittenem Lebensalter, Professoren, 
Doktoren, Fabrikanten und Landwirthe : nicht blos Deutsche, sondern Lernbegiei-ige aller 
Nationen . und Liebig wusste sie alle wie kein anderer Lehrer der Chemie zu fesseln und 
anzuregen. Dies verdankte er theils seinem Vortrage, der «sich indess nicht durch flies,sende 
Eleganz auszeiclmete. Er verschmähte alle Bestechimgskünste und strebte nicht nach oratori- 
schem Schmuck ; eine gewisse Dämpfung der Stimme, some ein leises Anstossen mit der Zunge 
verheb demselben sogar hier und da etwas Fremdartiges. Aber dies verschwand bald so wie 
der Meister in Flusa kam. Dann strömte die Ueberzeugung mit einer frischen Lebendigkeit 
von seinen Lippen, die den Hörer fes.seUe und in die Sache liineinzog. Mit Jener zwingenden 



71 

Folgerichtigkeit der Entwiokelung , die aus seinen für das grössere Publikum berechneten 
Schriften in weiten Kreisen bekannt geworden ist, fülirte er den mit chemischen Dingen gänz- 
lich Unbekannten Schritt für Schritt in die Lehren der Chemie ein und wusste in ganz un- 
nachahmlicher Weise Alles so darzustellen, als sei es eben vor den Augen des Schülers ent- 
deckt worden. — 

Diese Vorträge würzte er durch Experimente, in deren Vortüln-uug er in der Art 
Meister wai', dass Faraday, der bisher für den ersten in diesem Zweige galt, die Erklärung 
abgab: „Bei Liebig müssen wir alle wieder in die Schule gehen". Er führte dieselben mit 
Tervollkommneten Apparaten, mit einer Ruhe und Sicherheit aus, die sich dann im glänzendsten 
Lichte zeigte , wenn irgend ein Unfall oder Misslingen eintraf. Bei Explosionen begünstigte 
ihn das Glück auffallend ; obgleich öfter dabei verwundet, wurde er doch nie schwer verletzt. 
Trat ein solcher Fall ein, dass die Ballons unter den Händen sprangen, so stand er, während 
die Assistenten und Hörer sicli zu schützen suchten, unbeweglich, niarmorkalt, ohne auch nur 
unwillkülulich eine Ueberi-aschung zu zeigen und stieckte gleichgültig die Hand nach der 
gefüllten Reservekugel. Im Laboratorium wurden haarsträubende Begebenheiten von der 
steten Lebensgefahr erzählt, in der er sich monatelang wäln-end seiner langdauernden Unter- 
suchungen mit der Knallsäure befunden hatte. — 

Dabei war es ihm aber ganz unmöglich, das Mssglücken irgend eines Versuches dui'ch 
eine kleine Täuschung zu vertuschen. „Die Wahrheit ging ihm über Alles und seine keusche 
WahrheitsHebe erstreckte sich bis auf das Kleinste"*, sagt einer seiner Schüler, und der andere ; 
„Er war ein echter Priester der Wahi-heit, nichts Falsches an und in ihm, in ihrem Dienste 
unerbittlich gegen sich selbst wie gegen Andere." — 

Aber noch wii-ksamer wurde der Erfolg, den er von seinem Laboratorium für die 
Schüler zu ziehen verstand. Er war bald genöthigt, den ersten Unterricht im Laboratorium 
Andern zu überlassen, aber nui- um sich desto eifriger mit den schon Geübteren zu beschäf- 
tigen. Diese machte er mit seinen neuen einfacheren und sicliereren Uutersuchiuigsmethoden 
bekannt, führte sie in die selbständige wissenschaftliche Forschung ein und liess sie an seinen 
eigenen Arbeiten theihiehmen, indem er ihnen Fragen, die sich bei seinen Untersuchungen 
aufwarfen, zur experimentellen Beantwortung übertrug. 

Seine Anleitung hei der Ausführung dieser Arbeiten zielte immer darauf hin, das 
eigene Denken des Schülers zu entwickeln ; dieser musste den Plan der Untersuchung selbst ' 
entwerfen, die anzuwendenden Jlittel selbst vorschlagen, und nur wenn einer gar nicht weiter 
konnte, trat der Meister helfend ein. Dabei war er weit davon entfernt, durch eine triviale 
Bonhommie die Schüler zu gewinnen. Er war zwar immer wohlwollend, aber stets ernst und 
gemessen , nie mehr sagend als das Nothwendige, dies jedoch bestimmt und sicher, immer auf 
den Kern zielend und stets den Nagel auf den Kopf treffend. Gewissenhaft brachte er die 
Arbeiten seiner Schüler zur Geltung, nahm jede Idee, die ihm der Entwickelung werth schien, 
mit Eifer und Frevide auf, aber nie vei'gass er den Urheber oder schmückte sich gar mit 
fremden Federn. — Das so gebildete Verhältniss endete selten mit dem Verlassen der Uni- 
versität ; semen zahh'eichen Schülern blieb Liebig stets ein väterlicher Berather und Förderer 
und viele verdanken ihm eine geachtete Lebensstellung. — 

Neben dieser Lehrthätigkeit wurden nun mit nimmermüder Arbeitskralt die eigenen 
Untersuchungen gefördert. Jahr auf Jahr erfolgten bahnbrechende Untersuchungen, die wich- 
tigsten Entdeckungen und die Erfindung der trefflichsten chemischen Apparate. — Liebig 



72 

hatte in der ganzen Art seines Denkens und Schaffens eine beispiellose Intensität und Aus- 
dauer. Wenn ihn eine wissenschaftliche Frage beschäftigte, so arbeitete er daran ohne Unter- 
lass, er dachte darüber nach Tag für Tag, Monate, Jahre lang, verfolgte die experimentellen 
Arbeiten von früh bis spät, gönnte sich kaum die Zeit zum Essen und Schlafen und arbeitete 
und schaffte, bis das Ziel erreicht und die Resultate mit überzeugender Klarheit dargestellt 
waren. Er sefljst sagte von dieser leidenschaftlichen Arbeit : „Ein wissenschaftliches Problem 
„war mir wie ein Alp, der auf mir lastete, es Hess mir keine Ruhe, ich konnte davon nicht 
„loskommen, bis ich es glücklich zum Abschluss gebracht hatte; dann war ich wie von einer 
„Krankheit genesen und häufig interessirte mich dann der Gegenstand Jahre lang nicht mehr." 

Als Lehrer wie als Forscher wui-de Liebig nun noch durch eine Beobachtungsgabe 
und ein Gedächtniss ohne Gleichen unterstüzt. — Seine Fähigkeit, das Wesentliche der Er- 
scheinungen aufzufassen, war staunenswerth, und bei der grossen Zahl seiner Experhnental- 
untersuchungen und bei der Mannigfaltigkeit der von ihm bearbeiteten Gegenstände ist ihm 
nur äusserst selten eine irrige Beobachtung nachgewiesen worden. So scharf wie seine Auf- 
fassung, so sicher war sein Gedächtniss. Jeden Körper, mit dem er sich einmal beschäftigt 
hatte, kannte er von blossem Ansehen. Seine Schüler pflegten zu sagen, er stehe mit jedem 
bekannten Köriier auf „Du und Du" und man erzählte sich viele Anekdoten, wie der Meister 
mit einem halben Blick die Natur eines Stoßes erkannte, die zu ermitteln der Schüler sich 
lange umsonst gemüht hatte. 

Dass ein Mann von solcher Begabung und so rastlosem Streben ungewöhnliche Erfolge 
erlangen werde, wer könnte das bezweifeln. — Seine Schüler liebten und verehrten ihn wie 
einen Halbgott. Die jüngeren suchten dafür auch äussere Zeichen. Sie trugen kleine goldene 
Abbilder eines von ihm erfundenen für die organische Elementaranalyse wichtigen Apparates, 
des sog. Kali- oder Kugelapparates als Vorstecknadeln, um sich auf den ersten Blick als 
dankbare Schüler Liebig's zu erkennen zu geben. 

Dass Liebig's Anerkennung unter seinen Fachgenossen nicht geringer war als unter 
seinen Schülern dafür giebt es Beweise genug von Einzelnen , wie von ganzen Nationen. Als 
er 1837 in England war, ersuchte ihn die British association for the advancement of science 
in einer ihrer Sitzungen in Liverpool um einen Bericht über den Zustand der damaligen 
Kenntnisse in der organischen Chemie. Auf Liebig's Bitte wurde Dumas in Paris aufgefordert, 
mit ihm gemeinschaftlich diesen Bericht zu übernehmen und dieser Auftrag gab die Veran- 
lassung zu seiner eingehenderen Beschäftigung mit der Agriculturchemie. Bald gab es keine 
angesehene Akademie, der Liebig nicht angehörte. 

Aber auch die Regierung suchte ihn zu fördern. Bereits im Jahre 1826 wurde er 
ordentlicher Professor. Im Jahre 1839 ward nach seinen Plänen ein neues Laboratorium auf 
dem Seltzers-Berge gebaut, welches zu jener Zeit als das besteingerichtete der Welt galt und 
allen später errichteten als Vorbild gedient hat. Der Grossherzog von Hessen erhob ihn 1845 
in den Freiherrnstand. Auch blieb Liebig, trotz vieler ehrenvollen und vortheilhafteu Aner- 
bietungen, der kleinen hessischen Universität, deren Stolz er war, fast 30 Jahre treu. Erst 
1852 folgte er dem Rufe des Königs Maximilian von Baiern als Professor an der Universität 
und Vorstand der Akademie nach München. 

Diese Erfolge nahmen aber einen ganz andern Umfang und erstreckten sich in ganz 
andere Kreise als Liebig anfing, sein Talent und seine Wissenschaft direkt den praktischen 
Fächern und namentlich der Landwirthschaft dienstbar zu machen. 



73 

Zwar erregte diese Thätigkeit heftige Opposition und lebhaften Kampf, aus dem aber 
jiach freimüthigem Bekenntnisse einzelner Irrthümer seine Theorie von der Wichtigkeit der 
mineralischen Stoffe für die Pflanzennahrung siegreich hervorging. 

Liebig wurde übrigens in England und andern Ländern mit hochstehender Boden- 
Cultur früher populär als in Deutschland. Seine Reisen in England glichen durch die allge- 
meine Anerkennung, die er fand und die die Engländer öffentHch zu bezeugen lieben, einem 
Triuniphzuge. — Jetzt freilich kennt auch in Deutschland jede Hausfrau seinen Fleischextrakt 
und Jede gebildete Mutter seine Kindersuppe. 

Aber auch die höchsten Kreise schätzten Liebig nicht minder. Als der Kaiser von 
Brasilien auf seiner Reise durch Europa nach Blünchen kam und sich von ihm seine Anstalt 
zeigen Hess, bat er Liebig, einen kleinen Vortrag zu halten und dankte ihm, nachdem dies 
geschehen, mit den Worten: ,,Nun kann auch ich sagen, dass ich zu den Füssen Liebig's 
sass und sein Schüler war." 

Liebig war gegen solche Beweise der Anerkennung nicht unempfindlich. Wohl war 
er sich seines Werthes bewusst, aber die sich oft überschwänglich äussernde Verehrung weckte 
nicht Ueberhebung und Eitelkeit, sondern entwickelte nur ein unbegränztes Wohlwollen. 

Dieses Wohlwollen war der Grundzug seines Charakters und kam in seinem ganzen 
Wesen in grossen und kleinen Dingen zum Ausdruck. Immer drängte es ihn, sein Wissen 
zum Wohle der Menschen nutzbar zu machen , und mehr als alle Auszeichnungen hat es ihn 
gefreut, wenn ihm eine Mutter Dank sagte für die Erhaltung ihres Kindes durch seine Kinder- 
suppe. Diese Freude ist ihm denn auch im reichsten Maasse zu Theil geworden. 

Alle Welt hat durch den Tod Liebig's verloren, aber niemand mehr als München und 
die Münchner. Zwar fand er bei seinem ersten Auftreten daselbst keineswegs ein allgemeines 
Willkommen. Es gab damals eine Parthei in Baiern , die sich allein für berechtigt hielt , die 
Plätze an der Universität und in der Akademie einzunehmen und die ernstlich bemüht war, 
den ausgezeichneten nicht baierischen Gelehrten, welche König Maximilian IL fast gleichzeitig 
mit Liebig nach München und in seinen nächsten Kreis gezogen hatte , ihre Stellung zu .ver- 
leiden und sie baldmöglichst wieder fortzuscheuchen. — Allein die unmittelbare Nähe einer 
solchen Persönlichkeit wirkte auch über die wissenschaftHche Sphäre hinaus gewinnend und 
siegreich. — Seine Stellung an. der Universität und an der Akademie, sein Ruhm und sein 
Wohlwollen gaben ihm eine Autorität vor der alle kleinlichen Interessen verstummten. Auch 
hier sammelte sich wieder eine grosse Schaar begeisterter Schüler um Liebig, aber noch wirk- 
samer waren vielleicht die für grössere Kreise berechneten Vorlesungen, die während der 
Winter in seinem chemischen Auditorium von den ,, Rittern der Tafelrunde" gehalten wurden, 
ein Name, welchen man den Vortragenden gab, weil sie dem nächsten Kreise des einsichtigen 
Schirmherrn der Wissenschaft, des Königs Maximilian, angehörten. — Indess noch für viel 
weitere Kreise zeigte Liebig sich wohlwollend und hilfreich. Wer auf chemischem, phj'sika- 
lischem oder technischem Gebiete um eine Auskunft verlegen war, der wendete sich an ihn; 
unter den strebenden Landwirthen war es eine Art Ehrensache geworden, an ihn zu berichten 
und von ihm einen producirbaren Brief zu erhalten; die jungen Männer seines Faches drängten 
sich nach seiner Protektion; wer irgend etwas auf naturwissenschaftlichem Gebiete veröffent- 
licht hatte, sendete es ihm mit der Bitte um Kritik und Empfehlung. Die Urheber neuer 
Entdeckungen und Erfindungen wünschten seine Billigung und womöglich eine Betheiligung 
durch seinen weltberühmten Namen. In seinem Arbeitszimmer sah es daher zuweilen verwun- 
Leop. VIII. 10 



74 

derlicb aus; ganze Stüss6 von Briefen, Broschüren und Büchern, dazwischen Proben aller Art, 
wissenschaftliche Geräthe, Apparate u. A. m. füllten jeden Raum, so dass oft für einen zweite» 
kaum Platz zum Sitzen blieb. Alle solche Anfragen und Bitten beantwortete Liebig pünktlich 
und wohlwollend und nur dann ward er zornig, wenn sein Name einer blossen Spekulation 
dienen sollte. 

Liebiw's Haus war eine Stätte der Geselligkeit und Gastfreundschaft wie sie schöner 
und anziehender nicht leicht gefunden werden kann. Was die Stadt an bedeutenden Persön- 
lichkeiten barg, verkehrte hier ungezwungen; besonderen Reiz aber erhielt dieser Verkelir durch 
die vielen Fremden, die aus aller Herren Länder kamen , um dem Meister den Zoll ihrer Ver- 
ehrung zu bringen. 

In diesen grösseren Gesellschaften war Liebig der Angelpunkt, nicht nur durch seine 
Stellung, sondern als liebenswerther, gewinnender Mann, reich in der Unterhaltung, empfäng- 
lich für Witz und Scherz, der Poesie zugethan und ein feiner Kunstverständiger. — Doch 
liebte er auch kleinere Kreise; er fand Wohlgefallen daran, sich beim Whist zu erholen und 
versammelte dazu allwöchentlich vertraute Männer um sich. 

Bei alle dem fand Liebig Zeit, den regsten Antheil an jeder Art des geistigen Lebens 
zu nehmen. Seine Belesenheit nicht blos in den Werken der verschiedenen Naturwissenschaften, 
sondern in allen Zweigen der Literatur war erstaunlich; kein hervorragendes Gechichtswerk, 
das er nicht durchgesehen, keine Reisebeschreibung, aus der er nicht mit sicherem Blicke das 
Wichtigste herausgefunden hätte und sogar von den Erzeugnissen der Belletristik ist ihm wohl 
nichts Bedeutenderes fremd geblieben. Vorwiegend aber nahmen alle culturgeschichtHchen Ar- 
beiten sein Interesse in Anspruch; der Einfluss der naturwissenschaftlichen Kenntnisse auf den 
Culturstand der Völker beschäftigte sein Nachdenken vielfach, und in seinen Schriften fmden 
sich darüber manche merkwürdige Stellen. 

Seine intensive wissenschafthche Thätigkeit verhinderte ihn in frühereu Jahren, sich 
mit der Politik zu beschäftigen, aber in späteren Jahren wandte er auch der poUtischen Ent- 
wickelung unseres Volkes ein reges Interesse zu. Die Nachricht aus Versailles von der Grün- 
dung des Reiches entlockte ihm den Ausdruck der Dankbarkeit, dass er die Einigung Deutsch- 
lands noch erleben durfte. Auch an den Communalverhältnissen Münchens wünschte er Theil zu 
nehmen und es kränkte ihn nicht wenig, als bei den letzten Münchener Gemeindewahlen sein 
Wahlzettel für den Candidaten der Fortschrittspartei nicht angenommen wurde. Er hatte 
irrigerweise geglaubt als Ehrenbürger stimmberechtigt zu sein. — 

Liebig war von hoher schlanker Gestalt, von selbstbewusster straffer Haltung; nie 
nachlässig im Aeusseren, kurz doch bequem elegant in seinen Bewegungen. — Seine Gesichts- 
bildung war offen, scharf und angestrengte geistige Thätigkeit verrathend, wie es ein Bild 
von Trautzschold sprechend wiedergiebt. Besonders merkwürdig war der Blick seines dunkeln 
Auges, er fesselte und fascinirte förmlich damit (beide waren nicht ganz gleich, das linke war 
auflallend starr, man sagt, in Folge einer Explosion) und verstand wie Wenige die Kunst, 
in der Seele des Andern zu lesen. — 

Seine vortreffliche und hochgebildete Gattin überlebt ihn. Von zwei Söhnen ist der 
ältere, früher in Englischen Diensten in Ostindien, jetzt Badearzt in Reichenhall; der jüngere, 
ein tüchtiger Landwirth und geschätzter Chemiker, der sich auch als Schriftsteller ausgezeichnet 
hat, lebt auf seinem Gute am Starnberger See. Die älteste seiner drei Töchter, Agnes, an 



75 

den Professor M. Carriere verheirathet, eine seltene Frau in jeder Beziehung, ist früh gestorben ; 
eine zweite ist die Gattin des Prof. Thiersch in Leipzig. — 

Die letzten Jahre Liebig's wurden durch Krankheit mannigfach getrübt. Im Früh- 
jahr 1870 erkrankte er an einem hartnäckigen Abscesse, der ihn dem Tode nahe brachte und 
mehrere Monate ans Bett fesselte. In der Voraussicht eines nahen Todes ordnete er alle seine 
Angelegenheiten bis ins Kleinste, liess seinen Sarg anfertigen, bestimmte, wie es mit seinem 
Begräbnisse gehalten werden solle und behandelte seinen baldigen Tod als eine ausgemachte 
Sache, Von dieser Krankheit ist er nie völlig wieder genesen. Schlaflosigkeit und chronischer 
Kopfschmerz blieben zurück, die ihm viele Plage verursachten und ihn namentlich am Ai'beiten 
hinderten. ])as intensive Durchdenken irgend eines Problems, klagte er oft, sei ihm ganz 
unmöglich geworden, sowie er versuche anhaltend nachzudenken, stelle der lästige Kopfschmerz 
sich ein. Dies verdarb ihm die Lebenslust, wenn es ihn auch n'cht gerade unempfindlich für 
freudige Ereignisse machte. So hatte er z. B. an der von den Landwirthen Deutschlands und 
Oesterreichs gerade in jener Zeit gegründeten Liebig-Stiftung eine lebhafte Freude, die grösste 
seines Lebens, wie er sich ausdrückte. 

Aber das Leben war ihm doch ziemlich gleichgültig geworden, wenn man auch nicht 
sagen kann , dass er sich nach dem Tode gesehnt habe ; es ist nicht mehr der Mühe werth 
zu leben, meinte er, wenn die wahre Thatkraft geschwunden ist. Seinem Tode sah er mit 
der grössten Ruhe und Gelassenheit entgegen. „In der Katur, sagte er, ist Alles nach ewigen 
„und unwandelbaren Gesetzen so wohl geordnet, dass, was auch immer nach dem Tode aus 
„uns werden mag, sicherlich das Beste daraus wird, was unter den gegebenen Umständen 
„daraus werden kann." — 

Er erlag einer Lungenentzündung den 18. April 1873 Nachm. S'/j Uhr. — 



Eingegangene Schriften. 

(Bis zum 29. Febr. 1873.) 



In Folge der Aufforderung, zur Vervoll- 
ständigung der Akaderaiebibhothek beizutragen 
(Leop. Vin. p. 1), sind ferner nachstehende 
Werke eingegangen : 

Von Hrn. Dr. Frz. Hilgendorf: 

56. R. Virchow, Ueber die nationale Ent- 
wickelung und Bedeutung der Natur- 
wisssensohaften (Rede, gehalten in der 
2. allg. Sitzg. d. Versamml. der Naturf. 
u.Aerzte zu Hannover den 20. Sept. 1865). 
— Berlin 1865. 8». 

Ueber Spectralanalyse. — 
40. 



51. H. Cochius. 
Berlin 1871. 



Von Herrn Prof. Dr. .J. Munter in 
Greifswald : 

52. J. Munter. Ueber Tuscarora - Rice (Hj'- 
dropyrum palustre L.). Zur Feier des 
lOOjähr. Bestehens des botanischen Gartens. 
— Greifswald 1863. 8«. 

53. — Berichte der Verhandlungen der po- 
lytechnischen Gesellschaft zu Greifswald 
aus dem Jahre 1865. — Greifswald 
1866. 80. 

54. Prof. Dr. Munter. Ueber Dracocephalus 
thymiflorus. Sep.-A. 1871. 

55. — Ueber subfossile Wirbelthier-Fragmente 
von theils ausgerotteten theils ausgestor- 
benen Thieren Pommerns. Sep.-A. aus 

10* 



76 



den Mittheil. d. naturwiss. Vereins v. 
Neu-Vorpommern U.Rügen Bd. IV (1871). 
M. 2 Taf. 

Ö6. — lieber Corallenthiere. Vortrag ge- 
halten im Wissenschaft!. Vereine zu Greif's- 
wald. — Berlin 1872. S". M. 1 T. 

57. — Opuntia Rafinesquii Frg. in P. R. 
Report. Während des Winters 1868,69 
im freien Lande cultivirt. — Ueber die 
Cultur von Arachis hypogaea L. im Freien 
unterm 54,5 •• nördl. Breite im botan. 
Garten zu Greifswalde. — Ueber die 
Chaiaceen Pommerns im Allgemeinen und 
Chara (Lychnothamnus) alopecuroides Del. 
var. Wallrothii Rupr. insbesondere. 

Von Herrn L. Beer in Wien: 
Ö8. J. G. Beer. Praktische Studien an der 
Familie der Orchideen, nebst Kulturan- 
weisungen und Besclu'eibung aller schön- 
blühenden tropischen Orchideen. — Wien 
1854. 8". 

59. — Die Familie der Bromeliaceen. Nach 
ihrem habituellen Charakter bearbeitet 
mit besonderer Berücksichtigung der Ana- 
nassa. — Wien 1857. 8". 

60. — GruuJ2,üge der Ohstbaukunde. — 
Wien 1872. 8". 

61. — Beiträge zur Morphologie und Biologie 
der Familie der Orchideen. — Wien 
1863. fol. 

Von Wittwe Pictet in Genf; 

62. Pictet, F. J. De la question de Thomme 
fossile, Geneve 1860. ß.-A. aus: Bibho- 
theque universelle, Mars 1860. 8''. 

63. — • Sur l'origine de l'espece, par Ch. 
Darwin. S.-A. aus: Archives des Sciences 
de la Bibl. univers. Mars 1860, Geneve. 8". 

64. — De la Variation des animaux et des 
plantes sous l'action de la domestication, 
par Ch. Darwin. S.-A. aus: Arch. d. Sc. 
de la Bibl. univ. Jan. 1869, Geneve. 8". 

65. — Notice sur les fossiles decouverts pen- 
dant Tete de l'annee 1850 dans les Alpes 
Bernoises, par M. Emile Meyrat. S.-A. 
aus: Bibl. univ. de Geneve, Nov. 1850. 8". 

66. — Note sur la decouverte d'une mächoire 
humaine fossile dans les graviers des en- 
virons d'Abbeville. S.-A. aus : Bibl. univ. 
et Revue Suisse, tom. XVII, Juin 1863, 
Geneve. 8'^. 



67i — Note sur la succession des mollusques 
gasteropodes pendant l'epoque cretacee 
dans la region des Alpes Suisses et du 
Jura. S.-A. aus: Bibl. univ. et Revue 
Suisse, t. XXI, Sept. 1864, Geneve. 8". 

68. — Note sur l'etage Ban-emien de M. 
Coquand , et sur la place qu'il doit oc- 
cuper dans la serie cretacee. S.-A. aus : 
Bibl. univ. et Revue Suisse, t. XVI, 
Avi-il 1863, Geneve. 8«. 

69. — Rapport fait ä la Session de 1869 
de la Societe Helvetique des sciences na- 
turelles sur l'etat de la question relative 
aux hmites de la periode jurassique et 
de la periode cretacee. S.-A. au.s: Arch. 
des Sciences de la Bibl. univ. Nov. 1869, 
Geneve. 8*^. 

70. — Discussion de quelques points des 
methodes paleontologiques au .sujet d'un 
rapport de M. Agassiz sur l'arrangement 
des collections du Musee de Cambridge. 
S.-A. aus: Bibl. univ. Sept. 1862. 
Geneve. 8". 

71. — Nouveaux documents sur les limites 
de la periode jurassique et de la periode 
cretacee. S.-A. aus : Arch. des Sciences 
de la Bibl. univ. Juin 1867. Geneve. 8". 

72. — Notice sur les calcaires de la Porte 
de France et sur quelques gisements 
voisius. S.-A. aus : Arch. des Sciences 
de la Bibl. univ. Oot. 1867. Geneve. 8". 

73 — 76. — Melanges paleontologiques, Livr. 
I — IV^, avec 43 planches ; Bäle et Geneve 
1863—68. (Livr. I. S.-A. aus: Memoires 
de la societe de physique et d'hist. nat. de 
Geneve, t. XVII, l"'« partie.) 4». 

77 — 79. — Notices sur les animaux nouveaux 
ou peu conuus du musee de Geneve, Livr. 
n— IV, avec 23 pl. Geneve. 1843/44. 4°. 
(Livr. m u. IV par F. J. Pictet et 
Charles Pictet.) 

80. — Notices sur quelques anomalies de 
l'organisation. Geneve 1855. 4", avec 
4 pl. 

81. — Description d"uu veau monstrueux 
formant un groupe nouveau (heteroide) 
dans la famille des monstres anidiens. 
Geneve 1850. 4", avec 2 pl. 

82. — Memoii-e sur des ossements trouves 
dans les graviers stratifies des environs 
de Mattegain (Ct. de Geneve). Extrait 



77 



du t. XI des Mem. de la soc. de pliys. 

et d'hist. nat. Geneve 1845. 4". 
83. — et Alois Humbert. Nouvelles recherches 

sur les poissons fossiles du Mont Liban. 

Geneve et Paris 1866. 4", avec 19 pl. 
84. Dasselbe; Auszug. 8», Geneve 1866. 

85. — Note sur le gisement des Terebratules 
du groupe de la Dipbya dans l'enipire 
d'Autriche, par M. Ed. Suess. prof. de 
geol. ä l'uuiv. de Vienne. (Appendice k 
livT. ni des Melanges paleont.J Bäle et 
Geneve 1867. 4'^, avec 1 pl. 

86. Soret, J. Louis. Frangois Jules Pictet, 
notiee biograjjhique. S. -A. aus: Arch. 
des Sc. de la Bibl. univ. Geneve 1872. 
8°, avec 1 photogr. 

Von Herrn Präsident Prof. B e h n : 

87 — 97. Lichtenberg. Magazin für das Neueste 
aus der Pl!3-sik und Naturgeschichte. 
Bd. 1 — 11. — Gotha 1781—98. 8». 

98. Börner, M. J. K. H. Sammlungen aus 
der Naturgeschichte. Oekonomie-, Polizei-, 
Kameral- und Finanzwissenschaft. — 
Dresden 1747. 8". 

99.- Meyer, Fr. A. A. Magazin für Thier- 
geschichte, Thieranatomie und Thierarznei- 
kunde. — Güttingen 1790. 8". 

100 — 103. Leeuwenhoek, Antoni van. Ont- 
ledingen en Ontdekkingen van levende dier- 
kens etc. etc., vervat in verscheyde brieven, 
geschreven aan de Wytvermaarde koningk- 
lijke Societeit in Londen, an verscheyde 
hoge Standspersonen en Geleerde Luijden. 
4 Bde. — Leyden 1686 u. 88, u. Delft 
1696 u. 1718. 4*^. 

104 — 118. Tidsskrift for Naturvidenskaberne, 
udgivet af Oersted, Hornemann, Reinhardt. 
Nr. 1—15. — Kjöbenhavn 1822—28. 8". 

Boston Society of Natural History. Me- 

moirs. Vol. IL Part I, Nuniber 2 u. 3. 
Part 2, Number 1. — Boston 1871/72. 4«. 
E. S. M r s e : Oii the early stages ^of the 
Terebratulina septentrionalis. Elliot Coues 
M. D. : On the osteology and myology of Didelphis 
virgiiüana; with an appendix on the brain by 
Jeffr. Wyman M.D. A. S. Packard jr. M.D.: 
On the developraent of Limulus polyphemus. 

— Proceedings. Vol. XIH p. 369—435. 
XIV p. 1 — 224, 1869 — 71. — Boston 
1872. 80. 



Vol. XIII. A. S. Packard: Catalogue of the 
Phalaenidae of California. G. A. Maack: Geo- 
logical Sketch of the Argentine Republic. 

Vol. XIV. R. Bliss: On the Osteology of 
the Anterior Vertebrae in Doras niger, with a com- 
parison of the structure of the Dorsal Fin in Doras 
and BaHstes. A. S. Packard: Embryology of 
Isotoma, a Genus of Poduridae. Letter from C. F. 
Winslow coutaining a descriptiou of a deep ex- 
cavation in the Valley of the Khine, near the Mouth 
of the Meckar, and of a Mortarshaped pebble found 
twenty-five feet below the surface. A. Hyatt: 
On Reversions amoug the Ammouites. T. Sterry 
Hunt: On the geology of the Viciuity of Boston. 
W. H. Dali: Preliminary Sketch of a natural ar- 
rangemeut of the order Docoglossa. C. T. Jack- 
son: Glacier Theory of drift. T. D w i g h t : On 
two Fowls with Supernumerary Legs. G. Sceva: 
Experiment with the Poison of the Cobra de Ca- 
pello of India (Naja triimdians). P. R. Uhler: 
Notices of some Hederoptera in the collection of 
T. W. Harris. N. S. S haier: On the causes 
which have led to the Production of Cape Hatteras. 
W. H. Dali: On the relations of the Class Bra- 
chiopoda. Edw. S. Morse: On the adaptive Co- 
loration of Mollusca. — On the Relations ofAnomia. 
Burt G Wilder: Intermembral Homologies. L. 
S. Burbank: On the Eozooual limestones of 
eastern Massachusetts. Annual Report. 

Akademy of Natural Sciences of Phila- 
delphia. Proceedings. Part I — III, January — 
December 1871. — Philadelphia 1871. 8". 

0. C. Marsh: On Lophiodon. T. Meehan: 
On the fruit of a Pear preseuting the appearance 
of an Ajjple. E. Coues: Notes on the natural 
history oi Fort Macon., N. C, and vicinity. J. 
Leidy: On fossü Remains from California. T. 
Meehan: Observations on Reduvius novenarius. 
— On the tlowers of Bouvardia leiantha. E. D 
C p e : On Sauropleura remex and Oestocephalus 
ampliiuminus. J. Leidy: On Taenia mediocanellata. 

E. D. Cope: On Fishes from the Amazon River. 
J. Wharton: On Silver Islet, Lake Superior. 

F. B. Meek: Description of new species of in- 
vertebrate Fossils ft'om the Carhoniferous and De- 
vonian Rocks of Ohio. A. Newton: On certain 
Species of Falconidae, Tetraonidae, and .^natidae. 
T. Meehan: On the Fascicles of Piuus mitis and 
on Acer rubrum. — Morphology of Capellary 
Bracts in Larix. — On the Flowers of Magnoha 
purpiu'ea. — On Ambrosia artemisiaefolia. — On 
the Growing Force of Plauts and on the Shape of 
Cotyledons. — On the Stigma of Torenia asiatica 
and the Tendril of Cissus amazonica. — On the 
Cotyledons of Quercus. — On the office of Bud- 
scales and Involucral Bracts. — On the Seeds of 
Hamamelis Virginica. — On the Angular Divergence 
of the Brauches of Plauts. J. L e i d y : On some 
extinct Turtles from Wyoming Ter'y. — On Poly- 
dactyhsm in a Horse. — On Remains of Mastodon 
and Horse in North Carolina. — Remains of Ex- 
tinct Mammals from Wyoming. — On some Re- 
mains of Palaeosyops. — Remarks on a Fossil 
Testudo from Wyoming. — Remarks on supposed 



78 



Fossil Turtle Eggs. — Remarks on the Garnets 
of Greeu's Creek, Del Co. — Remarks on the 
Minerals of Moiint Mica. — Remarks on Fossils 
from Oregon. — Flies as a means of Comniunicating 
Contagious Diseases. — Notice of some Worms. 
O. C. Marsh: Ou some new Reptiles and Fishes 
from the Cretaceoiis and Tertiary Formations. 
E. D. Cope: On some of the Siluroids of the 
Amazon. — On the Fishes of the Ambjiacu River. 

— On a specios of Galeodcs. — On the P'auna of 
the Wyandotte Cavo. — On some Fossil Reptiles 
from Western Kansas. — On Phrynosoma Orna- 
tissima, Grd. Dutton: Ou Sihirian and Devonian 
Brachiopoda. V. Thomas: Contributions to Or- 
thopterology. T. D. Rand: Notes on Feldspai-s 
and some other Minerals of Philadelphia and vici- 
uity. F. B. Meek: Descriptions of New Western 
Palaeozoie Fossils mainly from the Cinrinuati Group 
of the lower Silurian buries of Ohio. 

Anthropologische Gesellschaft in Wien. 
Mittheilungen. 2. Bd. Nr. 9, 10. — Wien 
1872. 8». 

Dr. E. Trumjjp: Die licutige Bevölkerung 
des Panjäb. ilire Sitten und Gebräuche. F. Lu- 
schan: Die Funde von Nagy Sap. Dr. Heiur. 
Wankel: Kleinere Mittheilungen. IL F. Lu- 
schan: Die Höhlen bei Villach. Dr. M. Much: 
Erklärung ehiiger Gegenstände aus dem Pfahlbau 
im Mondsee. l3r. J. Karabacek: Der angebliche 
slavische Apiscult in der Bydskäla-Höhle. A.Graf 
Breunor - Enkevoirth : Mittheiluiigen an die 
anthropologische Gesellschaft über einen neuen Fund 
bei Stettenhof 

American Academy of Arts and Sciences. 

Proceedings. Six huudred and twenty-third 
to six liundred and forty- lirst Meeting. 
Sept.. 13. 1870 — Febr. 1.9. 1872. 

Kaiserliche Akademie der Wissenschaften 
zu Wien. Anzeiger. Jahrg. 1873, Nr. 1—3. 

— Wien 1873. 8». 

Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in den Königl. Preussischen Staaten. Monats- 
schrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde. 16. 
Jahrg. Jan. 1873. — Berlin 1873. S«. 

Verein für Deutsche Nordpolarfahrt in 
Bremen. 29. Versammlung am 12. Nov. und 



21. Dec. 1872. 



29. 
30. Versammlung 
Bremen 1873. 8". 

Leipziger Polytechnische Gesellschaft, 
Blätter für Gewerbe, Technik und Industrie. 
VI. Band, Nr. 19, 20. — Leipzig 1873. 8». 



Die afrikanisclie (resellscliaft. 

Die Geschichte der geographischen Ent- 
deckungen , die zum grössten Theil zugleich 
die der geographischen Wissenschaft ist, hat 
das Eigenthümliche, dass sie aus einer Reihe 
von Ideen besteht, die zu verschiedenen Zeiten 
und in verschiedenem Grade von den Menschen 
ergriiTen und bis zu ihrer vollständigen Ent- 
wicklung durchgeführt sind. Begreiflich be- 
ziehen sich diese Ideen grösstentheils auf die 
Erforschung unbekannter Länderräume, und 
von diesen haben wenige in so hohem Grade 
das Interesse der gebildeten Völker in An- 
spruch genommen, als (die Polargegenden aus- 
genommen) das Innere Afrikas , und das um 
so mehr, je bedeutender die Hindernisse sind, 
die sich dabei dem Eindringen in dasselbe den 
Forschern in den Weg stellten, Hindernisse, 
die nicht blos in der natürUchen Bildung des 
Landes, sondern auch ganz besonders in den 
politischen und commerciellen Verhältnissen 
begründet sind, die sich seit vier Jahrhunderten 
an den Küsten des afrikanischen Continents 
entwickelt haben. 

Von den eui-opäischen Nationen sind es 
besonders Engländer und Deutsche gewesen, 
die sich die Erforschung des Innern von Afrika 
zum Ziel gesetzt haben, und wir können von 
Horneraann an bis auf Schweinfurth und Nach- 
tigall herab eine nicht geringe Zahl von un- 
erschrockenen und ausdauernden Männern an- 
führen, die sich auf diesem Gebiete unver- 
gängliche Lorbeeren gewonnen haben. Auch 
sind die Resultate dieser Bestrebungen sehr 
bedeutend gewesen ; es ist diesen Entdeckern 
bis jetzt gelungen, die ganzen Theile Afrikas 
im Noi-den wie im Süden bis zu 10 Grad 
N. und S. Breite wenigstens in ihren Haupt- 
zügen der gebildeten Welt zu eröifnen. In 
der neuesten Zeit sind es aber besonders die 
glänzenden Erfolge zweier Männer gewesen, 
welche die Aufinerksamkeit der Europäer in 
erhöhtem Maasse auf das Innere Afrikas ge- 



79 



lenkt haben, unseres Landemannes Schwein- 
furth Vordringen am oberen Nil gegen Süd- 
westen über das Gebiet des Nils hinaus in 
das eines Stromes, in dem er den oberen Lauf 
des Schari gefunden zu haben glaubt, und die 
Reisen des unennüdliclien und, man muss es 
zugeben, bis jetzt glücklichsten aller Afrika- 
reisenden, des Engländers Livingstone, in 
den Gegenden westlich vom See Tanganyika, die 
zur Entdeckung des grossen Flusses Lualaba 
geführt haben, welchen der Entdecker für den 
oberen Lauf des Nil zu halten geneigt ist, 
während deutsclie Gelehrte sogleich die Un- 
richtigkeit dieser Ansicht nachwiesen und die 
Vermuthung aufstellten, dass der Lualaba viel- 
mehr als der obere Lauf des Flusses Congo 
zu betrachten sei. Durch diese Unternehmungen 
ist der jetzt noch hauptsächlich unbekannte 
Theil des Inneren von Afrika auf den Raum 
zwischen zehn Grad N. und S. Breite und 
zwischen dem Ocean und dreissig Grad 0. Länge 
von Greenwich beschränkt worden ; es ist also 
besonders der äquatoriale Theil Afrikas , der 
noch zu erforschen bleibt. , 

Als die Kunde von Livingstone's Ent- 
deckungen nach Europa kam, erregte sie zu- 
nächst in England einen ausserordentlichen 
Eifer, und am Ende des Jahres 1872 wurden 
auf Betrieb der geographischen Gesellschaft zu 
London zwei Offiziere, die Herren Granby, 
zwei Brüder, nach der Küste von Angola ab- 
gesandt, um von da aus in das Innere einzu- 
dringen und das Gebiet des Congoflusses zu 
erforschen. Die. auffallende Eile, mit der diese 
Expedition ausgerüstet wurde, ging eingestan- 
dener Maassen aus der Eifersucht über ein 
bereits geahntes ähnliches LTnternehmen von 
deutscher Seite hervor, eine Eifersucht, die 
uns ein Lächeln abgewinnen dürite, allein das 
Zugeständniss von Seiten der Engländer ent- 
hält, dass die Deutschen in Sachen der afri- 
kanischen Entdeckungen die einzige ihnen 
ebenbürtige Nation sind. Es war auch ganz 
richtig, dass eine ähnliche Aufregung wie in 



England deutsche Forscher ergriflfen hatte, 
und in Berlin erfolgte durch die geographische 
Gesellschaft daselbst der erste Anstoss zur 
Bildung eines allgemeinen, alle deutschen Lande 
umfassenden Vereines, dessen Zweck die Fort- 
setzimg und Vollendung einer methodischen 
Erforschung des äquatorialen Afrikas sein 
sollte, und der den Namen der afrikanischen 
Gesellschaft angenommen hat. Der Vor- 
schlag fand allgemeinen Beifall besonders bei 
den geographischen Gesellschaften in unserem 
Vaterlande, die sich fast alle ihm anschlössen, 
der Art, dass mehrere derselben (wie die ber- 
liner, die dresdener, die leipziger, die mün- 
chener u. s. w.) mit allen ihren Mitgliedern in 
die neugebildete afrikanische Gesellschaft ein- 
traten ; nach dem im April dieses Jahres ab- 
gefassten Statut kann jeder, der sich zu einem 
Jahresbeiträge von mindestens 1 Thaler ver- 
pflichtet , Mitglied dieser Verbindung werden, 
deren Geschäfte ein aus den Vorsitzenden und 
einzelnen Mitgliedern der dabei betheiligten 
geographischen GeseUschafteu gebildeter Vor- 
stand leitet. Ein von diesem herausgegebenes 
Blatt soll alle auf die beabsichtigten Expe- 
ditionen sich beziehenden Nachrichten zur 
Kenntniss der Mitglieder der Gesellschaft 
bringen . 

Man blieb jedoch bei diesen Vorbereitungen, 
dem beabsichtigten Unternehmen eine Basis 
zu sichern, nicht stellen. Es wurden zugleich 
Sammlungen veranstaltet, die den besten Be- 
weis lieferten, wie grossen Anklang die Sache 
im ganzen Lande gefunden hatte ; allein aus 
Berlin sind gegen 20,000 Thaler zusammen- 
.gekommon. Da hiermit die für den ersten 
Anfang nöthigen Mittel gegeben waren, so 
wurde sogleich die Absendung einer Expedition 
beschlossen. An die Spitze derselben ist Herr 
Dr. Güssefeldt aus Berlin gestellt, dem noch 
zwei andere Männer, die Herren von Hattorf 
und von Görschen, beigegeben sind. Die Aus- 
rüstung ist mit gröBster Sorgfalt und Berück- 
sichtigung aller bis jetzt gewonnenen Er- 



80 



fahrungen so vollständig als möglich erfolgt. 
Im Mai dieses Jahres ist Herr Güssefeldt mit 
einem seiner Gefährten über London nach 
Lissabon, der zweite in Begleitung des Herrn 
Prof. Bastian, des Vorsitzenden der berliner 
geographischen wie der neugegriindeten afri- 
kanischen Gesellschaft, auf dem geraden Wege 
nach Lissabon gereist, weil die portugiesische 
Regierung sich bereit erklärt hat, die Reisenden 
auf einem Staatsschiff nach der Westküste 
Afrikas zu befördern. Sie gedenken an dem 
Orte Bananas an der Mündung des Congo zu 
landen ; niederländische Kaufleute aus Rotter- 
dam, welche daselbst eine Handelsfactorei be- 
sitzen , haben sich mit anerkennenswerther 
Freundlichkeit bereit erklärt, sie aufzunehmen 
und ihre Zwecke nach Kräften zu fördern. 
Von da wollen sie sich nach Kaliinda , der 
Hauptstadt des kleinen Staates Ngoyo, begeben, 
wo , während die Reisenden an der Nordseite 
des Congothales in das Innere eindringen, eine 
geeignete Persönlichkeit zurückbleiben soll, um 
die Verbindung zwischen ihnen und Europa 
zu vermitteln. Wenn damit alle Vorbereitungen 
vollendet sind, wird Herr Prof Bastian nach 
der Heiniath zurückkehren. Die MitgUedcr 
der Expedition haben die nöthigen Arbeiten 
der Art unter sich getheilt, dass der eine die 
astronomischen Beobachtungen, der zweite die 
chartographischen Arbeiten, der dritte endlich 
die zoologischen und botanischen Sammlungen 
besorgen wird. 

Selbst bei der grössten Vorsicht werden 
diese Männer Hindernisse und Gefahren genug 
zu erwarten haben ; sie werden zu kämpfen 
haben nicht bloss mit dem mit Recht gefürch- 
teten Klima, auch mit dem Misstrauen und 
der Habsucht der kleinen afrikanischen Häupt- 
linge, deren Gebiete sie berühren, und mit der 
Schwierigkeit, zuverlässige Männer aus den 
Eingebornen zu sammeln zu einer Eskorte und 
den nöthigen Trägern iu Gegenden, wo es an 
Lastthieren ganz fehlt, anderer, zum Theil 



nicht einmal vorauszusehender Hindernisse nicht 
zu gedenken. Gehe es aber auch, wie es wolle, 
so wird man mit Bestimmtheit annehmen dür- 
fen, dass den Wissenschaften (und nicht bloss 
den geographischen, auch den Naturwissen- 
schaften) aus diesem Unternehmen bedeutender 
Gewinn erwachsen wird. Unsere besten Wünsche 
müssen die entschlossenen Männer begleiten. 
Prof. Meinicke. 



Die vierte "Wanderversammlung 

ber botanischen Sektion der Schlesischen Ge- 
sellschaft für vaterländische Cultur wurde auf 
Sonntag den 25. Mai d. .1. anberaumt und als 
Ort der Zusammenkunft die durch ihre schöne 
Lage wie durch geschichtliche Erinnerungen 
berühmte Groeditzburg gewählt. 



In J. IT. Kern's Verlag (Max Müller) 
in Breslau ist soeben erschienen : 

Handbuch 

Mateiifi fliWlrMllsre 



T. H, Huxley. 

Deutsche vom Veriässev autorisirte und 

durch Originalziisätze desselben 

bereicherte Ausgabe. 

Uebersetzt von Dr, F. Ratzel. 

Mit 110 in den Text gedruckten 

Holzschnitten. 
Gr. 8. Eleg.brosoh. Preis 3 Thlr. 20 Sgr. 

Das vorliegende Werk ist besonders 
für die Studirenden der Zoologie 
und vergleichenden Anatomie Ijestimmt, 
und bietet denselben das erste \rirklich 
praktische Handbuch, da die bi.s- 
hei'igen theils veraltet, theils zu kurz, 
theils zu lang sind. 



Abgeacblosseu den 5. Juni 1873. 



Druck von E. Biochnialin & Suhu iü Dieädeu. 



NUNQUAM 




OTIOSUS. 



LEOPOLDINA 

AMTLICHES OßGAl^ 

DER 

KAISEELICH LEOPOLDINISCH-CAKOLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. F. G. Behn. 



Bresden. 



Heft Vni. 



Nr. 11-12. 



Juni 1873. 



Inhalt: Amtliche Mittheilungeii: Beiträge zur Kasse der Aliademie. — Johaimes Leunis f. 
Eingegaugeiie Scliriften. — Jahresbericht der Commission zur wisseaschafthchen 
Untersuchung der deutschen Meere in Kiel für das Jahr 1871. — Einladung zur 46. Versamm- 
lung deutscher Naturforscher und Aerzte. 



Amtliche MittlieUimaeu. 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Unterm 11. Juni hat das Königlich Preussische Ministerium der geistlichen, ünterrichts- 
und Medicinal- Angelegenheiten in Anlass der Revision der Rechnung der Akademie für das 
Jahr 1872 und der dem Rechnungsführer ertheilten Decharge, derselben für das Jahr 1873 
eine ausserordentliche Unterstützung von 300 Thlrn. bewilhgt. — 
Juni 6. Von Herra Dr. L. Preiss in Hattorf, Jahresbeitrag für 1873 . . . 

Dr. Schweickert in Breslau, desgl. für 1872 u. 73 . . 

Prof. Dr. Seitz in München, desgl. für 1873 .... 

Dr. Jul. Schnauss in Jena, desgl. für 1873 

Dr. G. A. 8piess sen. in Frankfurt a/M., desgl. für 1873 

Staatsrath Prof. Dr. G. B. v. Adelmann, desgl. für 1873 

Dr. Behn. 

11 



18. 
24. 
26. 
27. 
28. 



2 Thlr. 
4 „ 
2 „ 
2 . 
2 . 
2 „ 



Leop. VIII. 



82 
Joliannes Leunis*) 

wurde am 2. Juni 1802 in Mahlerten. einem Dorfe bei HUdesheim, seinen in gemischter Ehe 
lebenden Eltern als ältestes von 6 Geschwistern geboren. Er folgte der Confession des katho- 
lischen Vaters, der neben geringfügigem Ackerbau einen kleinen Hökerhandel betrieb. Er 
wurde anfangs für den Kaufmannsstand bestimmt und um sich die dazu nöthigen Vorkennt- 
nisse zu erwerben, in das Gymnasium Josephinum zu Hildesheim aufgenommen. 

Aber später entschloss er sich, namentlich auf den Wunsch seiner protestantischen 
Mutter, Geistlicher und Lehrer zu werden. — Seine Eltern waren unvermögend und Leunis 
musste sich den grössten Theil seines Unterhaltes durch Unterrichten jüngerer Mitschüler 
erwerben. Aber sein rastloser Fleiss fand dennoch Zeit, sich anhaltend mit Lieblingsstudien 
zu beschäftigen. So trieb er unter anderm viel Musik. Leunis rühmt den Nutzen , den er 
später in mancherlei Hinsicht daraus gezogen habe und meint, das Ovidische „emollit mores, 
nee sinit esse feros" habe sich doppelt bei ihm bewahrheitet. — 

Nach beendetem Gymnasial-Cursus trat Leunis in das Priesterseminar zu Hildesheim, 
und bereits im Jahre 1824 wurde er durch den damahgen Fürstbischof von Hildesheim, Franz 
Egon, als Lehrer imd 1826, nachdem er das erforderliclie Alter erreicht hatte und in Pader- 
born zum katholischen Priester geweiht war, als Professor der Syntax am Gymnasium Jose- 
phinum angestellt. Er rückte schnell vom Ordinarius der Quarta zu dem der Tertia und 
Secunda auf und erhielt als Geisthcher das Amt eines Domvikars. In diesen Stellungen hat 
Leunis bis zum letzten Augenblicke als Lehrer und Geistlicher pflichttreu gewirkt ; er nennt 
das Josephinum seine wissenschaftliche Heimath, denn er habe dort erst als Schüler und später 
als Lehrer im Kreise lieber Collegen und Amtsbrüder volle Befriedigung gefunden. — 

Aus dem Obigen ergiebt sich , dass Leunis keine Universität besuchte ; fügen wir 
hinzu , dass er auch niemals naturgescliichtlichen Unterricht genoss , so wird es in der That 
kaum glaublich, dass dieser Mann bestimmt war, auf den Unterricht in der Naturgeschichte 
einen so mächtigen Einfluss auszuüben, wie Leunis in der That ausgeübt hat. — 

Man kann sagen, er hat dies nicht durch seinen Lebensweg, sondern ungeachtet seines 
Lebensweges durch seine innere Neigung erreicht. Wie sich diese Neigung ent'svickelte , ist 
uns nur unvollkommen bekannt. Wir wissen nur, dass er sich schon als Schüler auf dem 
Gymnasium in seinen Mussestunden neben der Musik auch mit den Naturwissenschaften be- 
schäftigte. In der Nähe von HUdesheim lebte damals ein alter Pfarrer, der ein Herbarium 
und eine Schmetterlingssammlung hatte. Es war Leunis grösste Freude, diesen besuchen und 
seine Bücher und Sammlungen benutzen zu dürfen. Er fing selbst an zu sammeln und liebte 
es, Thiere in Käfigen zu halten und zu beobachten. Diese Studien wurden ihm indessen 
nicht leicht gemacht. Unbemittelt wie er war, konnte er sich die dazu nöthigen Bücher nicht 
anschaffen ; er suchte sie zu leihen und fertigte sich von manchem voluminösem Werke aus- 
führiicbe Auszüge an. — 

Als Leunis am 1. Oct. 1824 sein Lehramt am Josephinum antrat, wai- die Natur- 
geschichte noch nicht in den Schnlplan aufgenommen. Dies geschah erst im Jahre 1830 durch 
den Oberschuh-ath Kohlrausch, dem Leunis in dankbarer Anerkennung der, wie er sich 



*) Die Akademie verdankt die Materialien zu diesem Nachrufe der Güte seines Neffen, des 
Eisenhahnsekretairs Hrn. Carl Keese in Hannover. 



83 

ausdrückt, durch die Einführung des naturgeschichtlichen Unterrichts erzeugten unberechen- 
baren Vortheile seine „Synopsis" widmete. — Er unterrichtete daher anfänglich nur in 
humanistischen Fächern, aber er nahm doch seine Schüler, welche Lust dazu bezeigten, mit 
auf seine Excursionen und belehrte sie privatim. — 

Als 1830 der neue Schulplan eingeführt wurde, war er der gegebene Lehrer für die 
neuen Fächer; er gab daher die classischen Lehrgegenstände und das Ordinariat der Secunda 
auf und behielt neben dem naturgeschichtlichen Unterrichte nur Geographie und Weltgesclüchte. 
Auf erstem verwandte er nunmehr alle seine geistigen Kräfte und seine wachsenden Hülfs- 
mittel. — Seine Excursionen erstreckten sich immer weiter und wurden zu Reisen. Der Harz 
lag zunächst und wurde oft auf Fusswanderungen durchsucht, aber auch andere Theile Nord- 
deutschlands , die Rheinlande, die Schweiz, T^-rol und Norditalien wurden zu verschiedenen 
malen bereist. Seme Sammlungen und seine Bibliothek wuchsen, kein gutes seinen Zwecken 
dienendes Buch war ihm jetzt zu theuer. Er eröffnete bald einen Tauschverkehr mit Insekten 
und ConchyUen, welcher ihn mit zahlreichen Sammlern in brieflichen Verkehr brachte, und er 
wusste sich jetzt auf demselben Wege auch mit fast allen bedeutenden deutschen Naturforschern 
in Verbindung zu setzen, während er anfangs zu Fuss nach Göttingen wanderte, um sich bei 
dem greisen Blumenbach Raths zu erholen. — Im Anfang der 40er Jahre erschienen auch 
einige kleine naturhistorische Aufsätze*). 

Aber alles dies waren doch nur Vorbei eitungen zu der eigentlichen Aufgabe. Leunis 
war von dem Werthe der Naturgeschichte als Bildungsmittel tief durchdrungen ; er hatte sie 
an sich selbst als Lernender und als Lehrer mehr und mehr kennen gelernt und in dem Er- 
folge seines Unterrichts auch an seineu Schülern erfahren. — Er hatte aber bei seiner auto- 
didaktischen Ausbildung mit den grössten Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und er fühlte 
sich auch als Lehrer trotz seines seltenen Lehrtalents, das ihn, verbunden mit stets verbes- 
serten Methoden, zu dem beliebtesten und erfolgreichsten Lehrer der Schule machte, durch 
den Mangel geeigneter Handbücher gehemmt. Diesem Bedürfnisse, das in der That im Ver- 
gleich mit den unzähligen Hülfsmitteln zur Erlernung der classischen Sprachen ein unglaubhch 
grosses war, wollte er abhelfen. — 

An diese Aufgabe wandte er sich mit der ganzen Fülle seines Wissens und seines 
seltenen Arbeitseifers. Und Leunis besass in der That eine Arbeitskraft, wie wohl nur wenige 
Menschen. Noch in der letzten Zeit seines Lebens kam es gar nicht selten vor, dass, wenn 
ihn der Diener zu der um 5 Uhr Morgens abzuhaltenden Messe wecken wollte, er noch 
arbeitend am Schreibtische sass und den Schlaf vergessen hatte. An solchen Tagen schlief er 
Mittags ein Stündchen und arbeitete Abends wieder bis in die Nacht hinein. Jede Stunde, 
die er durch Besuche oder andere noth wendige Störungen verlor, bedauerte er und wünschte 
sich immer mehr Zeit. — Selbst bei den Besuchen, die er alle Paar Wochen des Sonntags 
Nachmittags bei seiner Schwester in Malilerten zu machen pflegte, nahm er stets eine 
Arbeit mit. 

Leunis begann mit dem umfangreichsten seiner Lehrbücher, der Synopsis der drei 
Naturreiche, für die er zur Bearbeitung der ilmi weniger geläufigen Mineralogie den Bergrath 



*) Verzeichniss der im Fürstenthume Hildesheim und dem angrenzenden Harze au^efundenen 
Blattwespen. Stettin. Entom. Zeit. III. 1842, p. 42—45. 

Ueber die Larven von Brachytarsus scabrosus Fabr. Ebend., III. 1842, p. 190—91. 

11* 



84 

Ad. Römer, den ältesten der ihm eng befreundeten Hildesheimer mineralogischen Brüder ge- 
wann*). Leunis hat sich über das Ziel, welches er mit diesem Buche verfolgte, in den Vor- 
reden ausführlich ausgesprochen. Für die höheren Schulklassen, die Universitäten und den 
Selbstunterricht bestimmt, soUte es in gedrängtester Form und in zweckmässigster Methode 
ein zum Unterrichte wie zum Bestimmen der einheimischen Naturkörper genügendes wohlfeiles 
Hülfsmittel bieten. — 

Aber Leunis überzeugte sich bald, dass er, um wahrhaft nützlich zu sein, ein minder 
umfangreiches Ziel verfolgen müsse. In den Jahren 1848 — 52 erschien die erste Auflage seiner 
Schulnaturgeschichte, eine analytische Darstellung für höhere Lehranstalten, gleichfalls in drei 
AbtheUungen , von denen die beiden ersten bereits in siebenter, stets wachsender Auflage er- 
schienen sind. 

Aber kaum hatte er dies vollendet, so entschloss er sich, in einem ferneren Werke, 
dem analytischen Leitfaden für den ersten Unterricht in der Naturgeschichte in 3 Heften, 
sich noch engere Grenzen zu setzen. 1852/53 erschienen, erlebte dasselbe gleichfalls für sein 
erstes Heft, die Zoologie, bereits 7 Auflagen. 

Der Erfolg zeigt am besten, wie glücklich Leunis im Ganzen und trotz mancher von 
ihm selbst nicht verkannten imd in den späteren Auflagen fortwährend verbesserten Mängel 
in seinem Unternehmen war. Seine Lehrbücher sind bis jetzt in ungefähr 250,000 Exemplaren 
verbreitet worden. Er hat manche Nachfolger für die einzelnen Fächer gehabt, aber bisher 
ist er noch unüberwunden. Die nach den verschiedenen Zielen modificirte und stets verbesserte 
Methode, die zahlreichen Abbildungen, die mit unglaublichem Fleisse und ausserordentlicher 
Mühe zusammengetragenen Notizen über praktische Verwendung, SchädUchkeit , geogi-aphische 
Verbreitung und gegenseitige physiologische Beziehungen der beschriebenen Naturkörper, über 
die Etymologie ihrer Namen , über die Lebensverhältnisse der namhaftesten Naturforscher und 
die literarischen Nachweise haben aber dem naturgeschichtlichen Unterrichte in Deutschland 
eine ungemeine Förderung gegeben. — 

Aber nicht blos als Lelu'er und Schriftsteller, auch als Sammler hat Leunis Be- 
deutendes geleistet. Mit demselben Eifer, den er anfangs auf seine Privatsammlungen ver- 
wandt hatte, gründete und förderte er später auch die öffentlichen, und die Stadt Hildesheim 
verdankt ihm und den Gebrüdern Römer hauptsächlich die naturhistorischen Schätze, die sie 
auszeichnen. Leunis sagte gegen das Ende seines Lebens mit Bezugnahme auf diese Samm- 
lungen und ihre Aufstellung und ohne sein eigenes Lehrtalent in die Wagschaale zu legen, 
dass nur an wenigen Orten der naturhistorische Unterricht mit gleichem Erfolge betrieben 
werden könnte, wie dort. 

Es ist begreif Uch, dass Leunis' Wirken weit über die Mauern Hildesheims hinaus 
ehrende Anerkennung fand. Die Universität Göttingen ernannte ihn am 11. April 1855 zum 
Ehren -Doktor der Philosophie, zahh-eiche gelehrte Gesellschaften erwählten ihn zu ihrem Mit- 
ghede und auch der König von Hannover zeichnete ihn durch Verleihung des Guelphen- 
Ordens aus. — 

Leunis imponirte durch seine stattliche Erscheinung. Sein hoher kräftiger Wuchs 
trat nur noch mehr durch die bekannte schwarze dem kathohschen Priesterstande eigene 



*) 1. Aufl. a. Zoologie 1843/44. b. Botanik 1846. c. Mineralogie 1852 von Bergrath Römer. 
2. Aufl. a. Zoologie 1856/60. b. Botanik 1863/73. c. Mineralogie unter der Presse, bearbeitet von 
Prof. Senft in Eisenach. 



85 

Kleidung hervor, dessen weite Taschen ihm zugleich zu einem umfangreichen Behälter für 
seinen Sammeleifer dienten. In der Jugend war er, wie die meisten Sammler, ein Freund der 
Fusswanderungen, die ihm indess im späteren Leben, wegen wachsender Körperfülle, beschwer- 
licher wurden und denen er auch seine durch die schriftstellerischen Arbeiten immer mehr in 
Anspruch genommene Zeit nicht mehr in gleichem Maasse opfern konnte. Im geselUgen Ver- 
kehr war er (wenn er überhaupt in Gesellschaften kam, was in der letzten Zeit seines Lebens 
sehr selten war) äusserst lebhaft in der Unterhaltung, seine braunen Augen glänzten bei allem, 
was seine Theilnahme ge.wann , und stets heiter , wusste er durch seine launigen und nicht 
selten drastischen Erzählungen sich zum Mittelpunkt der Gesellschaft zu machen. — Die Ver- 
sammlungen der deutschen Naturforscher besuchte er oft und gern und nahm noch an der im 
Jahre 18G8 in Dresden abgehaltenen Theil. 

Hülfsbedürftigen war er stets zugänglich und unterstützte sie freudig durch Rath 
und That, sobald er die Ueberzeugung hatte, dass sie würdig waren. Seinen Verwandten 
war er der grösste Wohlthäter, indem er für die Erziehung und das Weiterkommen seiner 
Neffen und Nichten sehr besorgt war und überhaupt für alle Familienangelegenheiten das 
grösste Interesse zeigte. — - 

Am 26. April 1873 Abends 7 Uhr war er mit der Ausarbeitung der längst ersehnten 
zweiten Ausgabe der Botanik seiner Synopsis beschäftigt, als ihn ein Schlaganfall betraf. Er 
hatte die Osterferien zu einer Erholungsreise nach Hannover, Hamburg und Braunschweig 
bestimmt , war aber in seinem Arbeitseifer und da er sich wohl und heiter fühlte, nicht dazu 
gekommen. Nur mit Mühe hess er sich kurz vorher zu dem gewöhnlichen Besuche bei seiner 
Schwester in Mahlerten für den folgenden Tag bereden und kehrte zu seinem Schreib- 
tische zurück. — 

Sein Fall giebt einen neuen Beweis für das wohl nicht seltene Vorkommen , dass das 
Bewusstsein noch ungetrübt und der Wille noch kräftig ist, während bereits die Glieder iliren 
Dienst versagen. Mit der Beschreibung der festuca ovina beschäftigt, zeigen bereits die letzten 
geschriebenen Worte eine veränderte Handschrift ; dann sieht man auf dem Blatte , wie er 
sich noch weiter zu schreiben bemüht und öfters angesetzt hat, ohne lesbare Sohriftzüge zu 
Stande zu bringen, bis er bewusstlos niedersank. Er kam nicht wieder zum Bewusstsein 
zurück und starb den 30. April Mittags 1 '/^ Uhr. 

Am 3. Mai wurde er unter Betheiligung sämmtlicher Behörden, vieler auswärtiger 
Freunde und der allgemeinsten Theilnahme seiner Mitbürger auf dem Annenfriedhofe zwischen 
dem Dome und den Kreuzgängen, in unmittelbarer Nähe des berühmten tausendjährigen Rosen- 
stockes zur Erde bestattet; ein Platz, der nun auch durch dieses Grab für den Natm-forscher 
ein erhöhtes Interesse erhalten hat. — 



Eiiigegaiigene Scliriften. 

(Bis zum 30. März 1873.) 



American Journal of Conchology. 1870 W. Harper Pcase: Descriptious of Nudi- 

—71 Vol VI P 4 1871 — 72 Vol VII branchiate Mollusca mhabitmg Polynesia. R. J. 

li, voi. VI r. 4. iö/l tz, voi. Vil, Lechmere Guppy: Notes on some ISew Forms 

P- 1 — 4. — Philadelphia. 8^. of Terrestrial and Fluviatüe Mollusca found m Tri- 



86 



nidad. W. G. Biuney and Thomas Bland: 
On the Lingual Dentition of Pompholyx effusa. 
T. A. Conrad: Palaeontological Notes. W. D. 
Hartmanu: On the Opercida of the Family Stre- 
pomatidae. J. G. Co o per: Note on Gadinia and 
Rowellia. — Note ou Waldheimia pulvinata. — 
Additions and Corrections to the Catalogue of 
Monterey Mollusca (published in the American 
Jour. Conch. Vol. vi, Part I, p. 49). G. W. Tryon : 
Notices and Reviews of New Conchological Works. 

F. B. Meek: Descriptions of some New Types of 
Palaeozoic Shells. W. Harper Pease: Notes on 
the öynonymy and Distribution of Marine Gastero- 
poda. — Descriptions of New Species of Land 
Shells. T. Bland and W. G. Binney: On the 
Lingual Dentition of Clausilia tridens Chemnitz, 
and of Helicina occulta. G. W. Tryon: 
Notices and Reviews of New Conchological Works. 
W. H. Dali: Supplement to the „Revision of the 
Terebratididae " with Additions, Corrections and 
a Revision of the Craniidae and Discinidae. G. W. 
Tryon: Notes on Dr. James Lewis' paper "On 
the Shells of the Holston River". W. H. Dali: 
Note on the Genus Anisothyris, Conrad, with a 
Description of a New Species. • — Descriptions of 
Sixty New Species of Mollusks from the West Coast 
of North America and the North Pacific Ocean, 
■with Notes on others already described. T. Bland 
and W. G. Biuney: Un the Lingual Dentition of 
Linnaea ap|iressa, Say, and Liunaea megasoma, Say. 

— On the Lingual Dentition of Veronicella. R. E. 
C. Stearns: Description of a New Species of Mo- 
nocera from California, with Remarks on the Distri- 
bution of the North American Species. — Descrip- 
tions of New California Shells. T. Bland and 
W. G. Binney: Notes on the Lingual Dentition 
and Jaws of Terrestrial Mollusca. — On the Lingual 
Dentition of Blandilla Geomelama and Amphibulima. 

— On the Lingual Dentition of Macroceramus 
Gossei, Pfr. — On the Lingual Dentition of Nanina. 

— On the Geueric Position of Helix Newberryana. 
W. H. Dali: Note on Gadinia. W. Harper 
Pease: Polynesian Chitonidae. — Descriptions of 
Four Species of Land Shells inhabiting the Papuan 
Islands. — Synonymy of Patella exarata Rve. 

G. W. Tryon: Notices and Reviews of New Con- 
chological Works. A. J. Garret: Descriptions of 
New Species of Land and Fresh- water Shells. — 
List of Species of Bulimus inhabiting the Yiti Is- 
lands, with Notes on tiieir Geographical Range and 
Descriptions of New Species. G. W. Tryon: No- 
tices and Reviews of New Conchological Works. 
(American Naturalist — Proc. California Academy 

— Annais of N. Y. Lyceum — Gill's Arrangement 
of the Families of Mollusks — Journal of Asiatic 
Soc. Bengal — Proceedings of Zoological Society 

— Conchologia Iconica — Mission Scientiflque au 
Mexique, etc., by Crosse and Fischer — Journal 
de Conchyhologie — Malacologia del Mare Rosso, 
etc. — Archiv f Naturgeschichte, Noritates Con- 
chologicae, etc.) 

Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis 
in Dresden. Sitzungsberichte. Jahrg. 1872. 
Juli— September. — Dresden 1872. 8». 



K. K. geologische Eeichsanstalt. Ge- 
neralregister der Bände XI — XX des Jahr- 
buchs und der Jahrgänge 1860 — 70 der Ver- 
handlungen von Ad. Senoner. — Wien 1872. 8". 

— Jahrbuch. Jahrg. 1872. XXII. Band. 
Nr. 4. Oct. — Dec. (Hierzu G. Tschermak: 
Mineralogische Mittheilungeu , Jahrg. 1872. 
IV. Heft.) 

F. v. Hochstetter: Die geologischen Ver- 
hältnisse des östlichen Theils der europäischen 
Türkei. 2. Abth. F. Ritter v. Hauer: Geolo- 
gische Uebersichtskarte der österreichisch - ungari- 
schen Monarchie. 

— Mineralogische Mittheilungen: 

C. W. C. Fuchs: Die Insel Ischia. F. Ba- 
banek: Zur Kenntniss der Minerale von Eule in 
Böhmen (Albit. Exidot, Granat, Laumontit, Stilbit. 
Turmalin und Bergkrystall im Granat. Pyrit, Calcit 
und Quarz). J. Burkart: Ueber den Guadal- 
cazarit. M. Websky: Ueber die Krystallform des 
Pucherit von Schneeberg. J. Niedzwiedzki: 
Andesit von St. Egidi in Süd-Steiermark. VI. Ana- 
lysen aus dem Laboratorium des Herrn 
Prof. E. Ludwig: Grüner Steatit von Piaben bei 
Budweis — Augit aus dem Vogelsgebü-ge — Dunkel- 
grüner Epidot von Zöptau in Mähren — Epidot 
aus dem unteren Sulzbachthal. Pinzgau — Pannin 
von Rymptischwäng bei Zerrmatt — Eklogit von 
Eibiswald in Steiermark — Andesit von Czibles im 
Gutiner Gebirge im nördUchen Siebenbürgen. 

1872. 



Nr. 



— Verhandlungen. Jahrg. 
14—18. — Wien 1872. 8». 



G. Stäche: Neue Fundstellen von. Fusulinen- 
kalk zwischen Gailthal und Canaithal in Kärnthen. 
D. Stur: Der östliche Theil des diesjährigen Auf- 
nahmsgebietes am Dniester in Galizien und Buko- 
wina, in den Umgebungen von Mielnica (westlich 
vomSereth). J. Niedzwiedzki : Reiseberichtaus 
der südwesthchen Bukowina. E.V. Mojsisovics: 
Ueber die Entdeckung von Ammoniten in der car- 
bonischen Formation Indiens. F. Ritter v. Hauer: 
Jahresbericht. K. M. Paul: Zweiter Bericht aus 
der Bukowina. Lenz: Aus dem Baranyer Comitat. 
G. Stäche: Ueber neue Characeenreste aus der 
obern Abtheilung der liburnischen Stufe bei Pisino 
in Istrien. — Ueber die Graptohthen der schwarzen 
Kieselschiefer am Osternig zwischen GaUthal und 
Fellathal in Kärnthen. E. Tietze: Bemerkung 
über die Kalke von Saybusch in Galizien. K. M. 
Paul: Geologische Notiz aus Bosnien. D. Stur: 
Pflanzen-Reste vonVrdnik in SjTmien. — Beiträge 
zur Kenntniss der Liasablagerungen von Hollbach 
und Neustadt in der Umgegend von Kronstadt in 
Siebenbürgen. F. Foetterle: Das Vorkommen 
von Asphalt am CoUe della Pece bei Pofi-Castro 
in Mittel-Italien. E. v. Mojsisovics : Ueber die 
tectonischen Verhältnisse des erzführenden Trias- 
Gebirges zwischen Drau und Gail (Beiberg, Kärnten). 
C. Ritter v. Hauer: Harzkohle von Johannesthal 
in Krain. 



87 



Royal Society of London, I. Philo- 
sophical Transactions. For the year 
1871. Vol. 161. Part II. For the year 1872. 
Vol. 162. Part I. — London 1872. 4°. 

Vol. 161. P. II. W. J. M. Rankine: On the 
Mathematical Theory of Streamiines, especially those 
with four Foci and upwards. E. Sabine: Re- 
cords of the Magnetic Plienomena at the Kew Ob- 
servatory. No. IV. Analysis ot the principal Dis- 
turbances shown by the Horizontal and Vertical 
Force Magnetometers of the Kew Observatory, from 
1859 to 1604. G. Gore: Ün Fluoride of Silver 
Part IL Archdeacon Pratt: On the Consti- 
tution of the Solid Crust of tlie Karth. N. Story- 
Maskelyne: On the Mineral Constituents of Me- 
teorites. A. Cayley: On the Problem of. the 
In-and-Circumscribed Triangle. E. J. Reed: On 
the Uneqnal Distribution of Weight and Support 
m Ships, and its Effects in Still Water, in Waves, 
and in Exceptional Positions on Shore. H. E. 
Roscoe and T. E, Thorpe: On the Measure- 
ment of the Chemical Inteusity of Total Daylight 
made at Catania duriug the Total Eclipse of Dec. 
22nd, 1870. W. C. Williamson: On the Organi- 
zation of the Fossil Plauts of the Coalmeasures. 
Part L Calaraites. A.Günther: Description of 
Ceratodus, a genus of Ganoid Fishes. receutly dis- 
covered in Rivers of Queensland, Austraha. C. 
Gibson and T. Barclay: Measurements of Spe- 
cific Inductive Capacity of Dielectrics, in the Phy- 
sical Laboratory of the University of Glasgow. 
J. Casey: On Cyclides and Sphero-Quartics. 

Vol. 162. P. 1. E. J. Stone: An Experimental 
Determination of the Velocity of Sound. St. J. 
Perry: Magnetic Survey of the Fast of France 
in 1869. P. M. Duncan: On the Structure and 
Affinities of Guynia annulata, with Remarks upon 
the Persistence of Palaeozoic Types of Madreporaria. 
Owen: On the Fossil Mammals of Australia. 
Part V. Genus Nototherium, Ow. Part VI. Genus 
Phascolomys, Geotfr. Prof. Cayley: Corrections 
and Additions to the Memoir on the Theory of 
Reciprocal Surfaces (Phil. Transact. 1869. Vol. 159). 
G. B. Airy: Corrections to the Computed Lengths 
of Waves of Light pubhshed in the Philosophical 
Transactions of'the year 1668. C. Schorle mmer: 
On the Normal PaTaflins. A. Macali st er: The 
Myology of the Cheiroptera. W. C. Williamson : 
On the Organisation of the Fossil Plauts of the 
Coal-measures P. II. Lycopodiaceae, Lepidodendra 
and Sigülariae. 

— n. Proceedings. VoL XX, Nr, 130 
— 138. 80. 

J. Thomson: Cdnsiderations on the Abrupt 
Change at Boiling or Condensing in reference to 
the Continuity of the Fluid State of Matter. C. R. 
A. Wright: Contributions to the History of the 
Opium Alkaloids. P. III. W. Shanks: Second 
Paper on the Numerical Values of f, log « 2, log c 3, 
log c 5, and log e 10 ; also on the Numerical Value 
of M, the Modulus of the Common Systeme of 
Logarithms, all to 205 decimals. — Second Paper 
on the Numerical Value of Euler"s Constant, and 



on the Summation of the Harmonie Series employed 
in obtaining such Value. E. J. Stone: An Ex- 
perimeutal Determhiation of the Velocity of Sound. 
G. B. Airy: On a supposed Alteration in the 
amoimt of Astronomiral Aberration of Light, pro- 
duced by the passage of the Light tlu-ough a con- 
siderable thickness of Refracting Medium. J. Perry 
and W. Sidgreaves: Magnetic Survey of the 
East of France in 1869. Ch. Tomlinson: On 
the Behaviour of Supersatwafed Saline Solutions 
when exposed to the Open Air. W. Huggius: 
Note on the Spectrura of Encke's Comet. — Anni- 
versary Meeting. Owen: On the Fossil Mammals 
of Australia. Part VI. Genus Phascolomys, Geoifr. 
G. Ciore: On the Solvent Power of Liquid Cya- 
nogen. — On Fluoride of Silver. Part III. J. 
Stenhouse: Contributions to the History of Orciu. 
No. II. Chlorine- and Bromine -Substitution Com- 
pounds of the Orcins. — Note on Fucusol. W. 
de la Rue, B. Stewart, and B. Loewy: On 
some recent Kesearches in Solar Physies, and a 
Law regulatmg the time of duration of the Sun- 
spotPeriod. W. Huggins: Note on the Telescopic 
Appearance of Encke's Comet. D. M. Farlane: 
Experiments made to determine Surface - conducti- 
vity for Heat in Absolute Measure. A. Maca- 
lister: The Myology of the Cheiroptera. W. C. 
W"illiamson: Notice of further Researches on 
the Fossil Plauts of the Coal - measures. G. S. 
Nares: Investigations of the' Currents in theStrait 
of Gibraltar, made in August 1871. Ch. Cham- 
bers: The Absolute Dhection and Inteusity of the 
Earth's Magnetic Force at Bombay, and its Secular 
and Annual Variations. A. D u p r e : On the Eh- 
minatiou of Alcohol. Ch. Tomlinson: On the 
Action of Low Temperatures on Supersatiu'ated 
Solutions of Glauber's Salt. F. Le Gros Clark: 
Some Remarks on the Mechanisra of Respiration. 
Ch. Chambers: On the Lunar Variations of 
Magnetic Declination at Bombay. C. Piazzi 
Smyth: Note on a possible Ultra-Solar Spectro- 
scopic Phenomenon. C. Schorlemmer: On the 
Normal Paraffins. M. Janssen: Note on the 
Eclipse of the Sun (Dec. 1871 1 as observed at 
Sholoor. W. Noel Hartley: Experiments con- 
cerning the Evolution of Life from Lifeless Matter. 
G. Biddell Airy: Experiments on the directive 
power of large Steele Magnets, of Bars of Magne- 
tized Soft Iron, and of Galvanic Coils, in their 
action on externa! small Magnets. M. J. Raynaud : 
On a mode of Measuring the Internal Resistance 
of a Multiple Battery by adjustiug the Galvano- 
meter to Zero. J. C. Maxwell: Ou the Induction 
of Electric Currents in an Infinite Plane Sheet of 
uniform conductivity. P. Griess: On some Deri- 
vatives of Uramidobenzoic Acid. W. Spottis- 
woode: On the Contact of Surfaces. W. White- 
house: On a New Hygrometer. F. Crace- 
Calvert: On Putrefaction. — On the Relative 
Power of Various Substauces in preventing Putre- 
faction and the Development of Protoplasmic and 
Fungus-Life. — On the Relative Power of Various 
Substauces in arresting Putrefaction and the Deve- 
lopment of Protoplasmic and Fungus-Life. W. de 
la Rue: The Observations taken with the Kew 
Heliograph. — Further Investigations on Planetary 



88 



Infliieuce upou Solar Activity. J. H. Gladstone 
and A. Tribe: The Decomposition of Water by 
Zinc in conjimction witli a raore Negative Metal. 
— The Action of Oxygen on Copper Nitrate in>a 
State of Tension. A. W. Hof mann: New Re- 
searches on the Pbosphorus Bases. H. Ch. Ba- 
stian: On some Hcterogenetie Modes of Origin 
of Flagellated Monads, Fungusgerms, and Ciliated 
Infusoria. A. Dupre: On the Eliraruation of 
Alcohol. A. Wright: Contributions to the Hi- 
story of the Opium "Alcaloids. Part IV. V. R. H. 
Scott, and W. Galloway: On the Connexion 
between Explosious in Collieries and AVeather. K. 
Owen: On the Fossil Mammals of Australia. Part 
Vn, Genus Phascolomys; species exceediug the 
existing oues in size. A. J. Ellis: Contributions 
to Formal Logic. G. Biddel Airy: On a sup- 
posed Periodicity in the elemcnts of Terrestrial 
Magnetism, with ä pcriod of 2(j^is days. A. Strange: 
On a new Great Theodolite to be used on the 
Great Trigonometrical Siu-vey of India. with a short 
Note on the Performance of a Zenith-Sector em- 
ployed on the same work. S. Haughtou: On 
some Elementary Principles in Animal Mechanics. 
No. VI. Theory of Skew Museies, and investigatiou 
of the conditions necessary for Maximum Work. 
W. Spottiswoode : On the Rings produced by 
Crystals when submitted to Circidary Polarized 
Light. A. Dupre: On the specific Heät and other 
physical characters of'ML\tm-es of Methyhc Alcoho __ 
and Water, and on certain relations existing bet- "" 
ween the Specific Heat of a Mixture or Solution 
and the Heat evolved or absorbed in its formation. 
Ch. Tomlinson and G. v. d. Mensbrugghe: 
On Supersaturated Saline Solutions P. III. R. J. 
Lee: Remarks on the Sense of Sight in Bii'ds, 
accompanied by a description of the Eye, and par- 
ticulary of the Cihary Musee. in three species of 
the Order Rapaces. W. Huggins: On the 
Spectrum of the Great Nebula in Orion, and ou 
the Motions of some Stars towards or from the 
Barth. F. Galton: On Blood-relationship. E. 
A. Parkes: Further Experiments on the Efiect 
of Alcohol and Exercise on the Elimination of 
Nitrogen and on the Pulse and Temperature of the 
Body. W. B. Carpenter: Report on Scientific 
Researches carried on duriug the Months of Au- 
gust, September and October 1871, in H. M. Sur- 
veying Ship 'Shearwater'. J.W. Strutt: Prelimi- 
nary Note on the Reproduction of Diflraction- 
gratings by means of Photography. J.A.Brown: 
On the 26-day Period of the "Earth's Magnetic 
Force. A. W. Hofmann: Contributions towards 
the History of the Ethylene Bases. — and A. 
Geyger: Colouring-matters derived from Aroraatic 
Azodiamiues. F. J. Evans: On the present 
amount ofWesterly Magnetic Declination (Variation 
of the Compass) on the Coasts of Great Britain, 
and its Aumial Changes. W. A. R o s s : Pyrology, 
or Fire Analysis. B. C. Brodle: On the Action 
of Electricity on Gases. W. Crookes: Researches 
on the Atomic Weight of Thallium. A. Schuster: 
On the Spectrum of Nitrogen. T. E. Thorpe and 
J. Young: On the Combined Action of Heat aml 
Pressure upon the Paraffins. W. Thomson: On 
the Echinidea of the 'Porcupine' Deep-sea Dredging- 



Expeditions. A. Liversidge: On Supersatui'ated 
Saline Solutions. J. Todhunter: Note relating 
to the Attraction of Spheroids. 

— Catalogue of Scientific Papers. 
1800—1863. Vol. VL — London 1872. 4". 

Mit diesem 6. Bande gelangt der alphabetische 
Autoren - Catalog dieses wichtigen Werkes (einer 
14jährigeu Arbeit) zum Abschluss. Es folgt als- 
daiui ein Verzeichniss der anonymen Aufsätze, nach 
dem Titel der Schriften, in die sie aufgenommen 
sind, geordnet und schliesslich eine nicht unbedeu- 
tende Anzahl von ..Additions and Corrections" we- 
sentlich aus denjenigen periodischen Schinften er- 
wachsen . welche erst nach Vollendung des ersten 
Bandes in die Hände der Royal Society gelangten. 
Diese früher in den einzelnen Bänden aufgezälüten 
Werke sind im Anfange des 6. nunmehr alpha- 
betisch zusammengestellt. Die Society hat bekannt- 
lich versprochen, dem alphabetischen Catalog einen 
wissenschaftlich geordneten folgen zu lassen. Wie 
weit diese umfassende Arbeit, welche Herr Professor 
J. V. Carus in Leipzig leitete, gelangt ist, wird 
nicht mitgetheilt, dagegen wird eine Fortsetzung 
des alphabetischen Autorenverzeichnisses für die 
Jahre 1863 — 73 in Aussicht gestellt. — 

Die Akademie kann dies werthvolle Werk nicht 
verleihen, aber sie ist bereit, für Naturforscher, die 
dies wünschen, mit Hülfe desselben gestellte Fragen 
zu beantworten. 

— The Council of the Royal Society. 
30"' November 1871. 4". 

Königl. Sachs. Gesellschaft der Wissen- 
schaften zu Leipzig. Berichte über die Ver- 
handlungen. Mathematisch - physische Classe. 
1871. IV— vn. — Leipzig 1872. 8». 

C. W. Hasenbach: Beiträge zur Kenntniss 
der Untersalpetersäure und salpetrigen Säure ; mit 
1 Holzschnitt. Dr. Moseley: Ein Verfahren, um 
die Blutgefässe der Coleopteren auszuspritzen ; mit 
1 Tafel in Farbendruck. Dr. R. Pfibram: Eine 
neue Methode zur Bestimmung des Kalkes und der 
Phosphorsäure im Blutserum. Dr. H. C. Vogel: 
Untersuchungen über das Spectrum des Nordlichts ; 
mit 1 Tafel. F. Zöllner: Ueber die spectrosko- 
pische Beobachtung der Rotation der Sonne und 
ein neues Reversionsspectroskop. W. Hankel: 
Absorption des Lichts in den eignen Flammen. 
Dr. W. Baxt: Die Reizung der Hautnerven durch 
verdünnte Schwefelsäure. F. Zöllner: Ueber das 
Nordlicht in seiner Beziehung zur Wolkenbildung. 
G. Wiedemann und R. Rühlmann: Ueber den 
Durchgang der Elektricität durch Gase; mit 2 Taf 
C. Neumann: Elektrodjiiamische Untersuchungen 
mit besonderer Rücksicht auf das Princip der 
Energie. — Ueber die von Helraholtz in die Theorie 
der elektrischen Vorgänge eingeführten Prämissen, 
mit besonderer Rücksicht auf das Princip der 
Energie. F. Zöllner: Ueber den Ursprung des 
Pirdmagnetismus und die magnetischen Beziehungen 
der Weltkörper; mit 1 Tafel. W. Knop: Che- 
mischer Beitrag zur Physiologie der Flechten. 



89 



Nawrocki: Beitrag zur Frage der sensiblen 
Leitung im Rückenmarke ; mit 1 Tafel. K. A. 
Lesser: Eine Methode, um grosse LjTnijhmengen 
vom lebenden Hunde zu gewinnen. Dr. 0. Han>- 
marsten: Ueber die Gase der Hundelymphe. 
Dr.H.C.Vo gel: Resultate spectralanaly tischerUnter- 
suchungen an Gestirnen ; mit 2 Holzschnitten. 
^ Beobachtungen des Encke'schen und Tuttle'schen 
Cometen; mit 1 Tafel. Dr. H. P. Bowditch: 
Ueber die EigenthümUchkeiten der Reizbarkeit, 
welche die Muskelfasern des Herzens zeigen ; mit 
22 Holzschnitten. H. Kronecker: Ueber (Ue 
Ermüdung und Erholung der quergestreiften Mus- 
keln ; mit 5 Tafeln und 31 Holzschnitten. 

Inhaltsverzeichniss des 23. Bandes. Verzeich- 
uiss der Mitglieder, der eingegangenen Schi'iften. 

— Berichte etc. 1872. I. 11. — Leipzig 
1872. 8». 

P. A. Hansen: Bemerkungen zu einem vor 
der permanenten Commission der europäischen 
Gradmessung am 21. September vorigen Jahres zu 
Wien gehaltenen Vortrage. — Darlegung einer 
unbedeutend scheinenden Umformung der End- 
gleichungen des „Supplements zu den Geodätischen 
Uutersuchimgen " , durch welche aber eine weit 
grössere Genauigkeit in den numerischen Werthen 
derselben erlangt wird ; nebst Tafel für die Krüm- 
mungsmasse des Revolutionsellipsoids. C. Bruhns: 
Einige Notizen über Kepler. C. Neu mann: Vor- 
läufige Conjectur über die Ursachen der thermo- 
elektrischen Ströme. P. A. Hansen: Ueber die 
Anwendung von Lichtbildern zur Beobachtung der 
Venusvorübergänge vor der Sonne. F. Zöllner: 
Ueber elektrische und magnetische Fernewirkung 
der Sonne. — Ueber das spectroskopische Rever- 
sionsfernrohr ; mit 1 Tafel.' H. C. Vogel: Ueber 
die Absorption der chemisch wirksamen Strahlen 
in der Atmosphäre der Sonne. Prof. Schwalbe: 
Ueber Lymphbahneu der Netzhaut imd des Glas- 
körpers. C. Neu mann: Ueber das Eleraentar- 
gesetz derjenigen elektromotorischen Kräfte, welche 
in einem gegebenen Conductor hervorgebracht wer- 
den durch elektrische Ströme, sei es, dass diese 
Ströme in demselben Conductor, sei es, dass sie 
in irgend einem andern gegen jenen sich bewegen- 
den Conductor stattfinden. Dr. A. Heller: Ueber 
die Blutgefässe des Dünndarmes ; mit 1 Tafel in 
Farbendruck. P. A. Hansen: Zusatz zu der 
„Ueber die Anwendung von Lichtbildern zur Be- 
obachtung der Venusvorübergänge vor der Sonne" 
betitelten Abhandlung. 

— Abhandlungen der mathematisch - phy- 
sischen Classe. 10. Band. — Leipzig 1872. 4". 

Nr. III. C. Bruhns,: Bestimmung der Längen- 
differenz zwischen Leipzig und Wien ; auf tele- 
graphischem Wege ausgeführt von Prof. C. Bruhns 
und Prof. E. Weiss. 

Nr. IV u. V. W. G. Hankel: Elektrische 
Untersuchimgen, Neunte Abhandlung : Ueber die 
thermoelektrischenEigenschaften des Schwerspathes ; 
mit 4 Tafeln. — Zehnte Abhandlung : Ueber die 
thermoelektrischen Eigenschaften des Aragonites 
nebst einer Uebersicht über die Entwicklung der 

Leop. Vni. 



Lehi'e von der Thermoelektricität der Krystalle ; 
mit 3 Tafeln. 

The American Journal of Science and 
Ai-ts. Third Series. Vol. III, No. 18. Vol. IV, 
No. 19—22. (Whole Number CHI, CIV). — 
New Haven 1872. 8». 

No. 18. — June. 1872. 
S. J. Smith: The Early Stages of the Ame- 
rican Lobster (HomarusAmericanus Edwards) (Ipl.l 
Dr. J. J. Wood ward: Remarks on the Nomen- 
clature of Achromatic Objectives for the Compoimd 
Microscope. A. M. Mayer: On a new form of 
Lantern-Galvanometer (1 woodcut). S. W. Ford: 
Descriptions of some new species of Primordial 
Fossils (Hyolithes impar, Agnostus nobihs) (4wdcts.). 
F. B. Meek: Descriptions of New Species of 
Fossils from the Cincinnati tiroup of Ohio [Ano- 
malocystites (Ateleocystites V) Balanoides M., Dal- 
manites Carleyi M., Proetus Spurlocki M.]. T. B. 
Brooks and R. Pumpelly: On the Age of the 
Copper-bearing Rocks of Lake Superior. A. E. 
Verrill: On Radiata from the Coast of North 
Carolina. Ch. Upham Shepard: On a Meteoric 
Iron lately found in El Dorado county, California. 
W. W. Johnson: On a Solar Halo (1 wdct.). 
W. A. Norton: On Molecular and Cosmical 
Physics (continued). 0. C. Marsh: On the 
Structure of the Skull and Limbs in Mosasauroid 
Reptiles, with descriptions of new Genera and 
Species (Lestosaiu-us gen. nov., L. simus, L. felix, 
L. latifrons, L. gracilis ; Rhinosaurus gen. nov., Rh. 
micromus, Edestosaurus rex) (4 plates). — Scien- 
tific Intelligence : Chemistry and Physics, Geology 
and Nat. Hist., Astronomy, Miscellaneous Sc. Intell. 

— Index to vol. III. 

No. 19. — July. 1872. 
C. G. Rockwood: Notices of Recent Earth- 
quakes. J. Trowbridge: On the Eleetrical Con- 
dition of Gas Flames. W. A. Norton: On Mole- 
cular and Cosmical Physics (concluded). E. S. 
Dana: On the Datolite from Bergen Hill, New 
Jersey (1 plate). T. B. Brooks: On certain 
Lower Silui-ian rocks in St. Lawrence coimty, N. Y., 
which are probably older than the Potsdam Sand- 
stone. A. W. Wright: On a simple Apparatus 
for the Production of Ozone with Electricity of 
high tension. — On the Action of Ozone upon 
Vulcanized Caoutchouc. J. D. Dana : On the 
Oceanic Coral Island Subsidence. A. M. Mayer: 
On a precise Method of tracing the Progress and 
of determiuing the Boundary of a Wave of Con- 
ducted Heat. T. Sterry Hunt: Remarks on the 
late Criticisms of Prof Dana. D. Kirkwood: 
On the Meteors of April 30tii — May !»'• Ch. F. 
Hartt: On the Tertiary Basin of the Maranon. 

— Scientific lutelhgence (Chem., Phys., Geol., Nat. 
Hist., Astron., Miscell.). 

No. 20. — August, 1872. 
P. Trowbridge: On the Evaporative Effi- 
ciency of Steam Boilers. F. H. Bradley: De- 
scription of two new Land Snails from the Coal- 
measures (2 wdcts.). R. P. Stevens: On Glacial 
Phenomena in the vicinity of New York City. 

12 



90 



"W. G. Mixt er: On the Estimation of Siilphur in 
Goal and Organic Compounds (1 wdct). J. D. 
Dana: On tlle Address bel'ore tlie American Asso- 
ciation of Prof. T. Sterry Hunt. J. Hall: Reply 
to a „Note on a questi'on of Priority". Ch. U. 
Shepard: On the Corundum region of North 
Carolina and Georgia, with descriptions of two 
gigantic crystals of that species. J. Trowbridge: 
Ohm's Law considered from a geometrical point 
of view (3 wdcts.). 0. Karger: Descriptions of 
New North American Myriopods (Trichopetalum 
n. gen.; T. lunatum, iuloides, Julns furcifer, Poly- 
desmus armatus) (1 plate). 0. C. Marsh: Preli- 
minary Description of New Tertiary Manimals 
(Palaeosyops laticeps, Telmatherium vahdus gen. 
et sp. nov., Limnohyus robnstus g. et sp. n.. Hy- 
rachyus princeps, Homacodon vagans g. et sp. n., 
Limnocyon verus g. et sp. n., Viverravus gracilis 
g. et sp. n , NyctitherTum velox, priscus g. et sp. n., 
Talpavus nitidus g. et sp. ii.). — Scientific lutelü- 
gence (Chem. , Phys., Geol. , Min., Zool. , Bot., 
Astr., Mise). 

No. 21. — September, 1R52. 

Researehes in Actino-Chemistry. Memoir 1«' , 
J. W. Drap er: On the. Distribution of Heat in 
the Spectruin (■!- wdcts.). Ch. U. Shepard: On 
the Corundum region of North Carolina and Georgia, 
■with descriptions of two gigantic crystals of that 
species (concluded, 1 wdct.). F. H. ßradley: 
Notice of some of the works of J. Barrande, with 
extracts from his remarks with reference to the 
mode of origin of Paleozoic species. A. A. Hayes: 
On the Red Oxide of Zinc of New Jersey. A. M. 
Mayer: Remarks on Dr. |R. Radau's paper in 
Dr. Carl's „Repertorium" (vol. VIII, No. 1), en- 
titled „Remarks on tlie influence of a motion of 
Translation of a Sounding Body on the Pitch of 
the Sound. O.G. Marsh: Prehminary Description 
of New Tertiary Mammals. Part II, III, IV. 
(Limnofehs ferox, latidens, Limnocyon riparius, 
agilis, Thinoeyon velox, Viverravus nitidus, Thino- 
lestes anceps, Telmalestes crassus, Limnotherium 
affine, Orohippus pumilus. Ilelohyus phcodon, 
Thinotherium vaüdum, Passalacodon litorahs, Anisa- 
codon elegans, Centetodon pulcher, Stenacodon 
rarus, Antiacodon venustus, Bathrodon typus, an- 
nectens, Mesacodon speciosus, Hemiacodon gracilis, 
nanus, pucillus, Centetodon altidens, Entomodon 
comptus, Entomacodon minutus, Centracodon deli- 
catus, Nyctilestes serotinus, Ziphacodon rugatus, 
Harpalodon sylvestris, vulpinus, Orotheriuni Uinta- 
num, Helaletes boops, Paramys robustus, Tillomys 
senex, parvus, Taxymys lucaris, Sciuravus parvi- 
dens, Colonymys celer, Apatemys belkis, bellulus, 
Entomacodon angustidens, Triaeodon grandis, nanus, 
Euryacodon lepidus, Palaeacodon vagus). D. Kirk- 
wood: On certain Relations between the mean 
motions of the Perihelia of Jupiter, Saturn, Uranus 
and Neptune. — Scientific IntelHgence (Chem., 
Phys., Geol , Nat. Hist., Astr., Mise). 
No. 22. — October, 1872. 

0. N. R d : On the nature and duration of 
the discharge of a Leyden Jar connected with an 
induction coil (4 wdcts). 0. C. Marsh: Notiee 
of some New Tertiary and Post - Tertiary Birds 



(Aletornis nobilis, pernix, venustus, gracilis, bellus, 
Uintoruis lucaris, Catarractes affinis, Meleagris altus, 
celer, Grus proavus). E. S. Morse: On the Ovi- 
döcts and Embryology of Terebratuliua (1 plate). 
A. M. Mayer: Erratum of the Errata, or „A Few 
Millions". E. W. Hilgard : On some poiuts in 
the Geology of the Southwest. R. W. Daven- 
port: Results of a Chemical Investigation of some 
Points in the Manufacture of „Älalleable Iron". 
F. B. Meek: Descriptions of a few new species, 
and one new genus, of Silurian Fossils, from Ohio 
(Protaster V granuliferus Meek ; Palaeaster incomp- 
tus M.; Pihynchonella neglecta, vai'. scobma ; Pleu- 
rotomaria [ScahtesV] tropidophora M.; Genus 
Dicraniscus M.; D. Ortoni M.). C. H. F. Peters: 
Discovery of a New Planet. A. Gray: Address 
before the American Association at its recent mee- 
ting in Dubuque, Jowa. 0. C. Marsh: Prehmi- 
nary Description of New Tertiary Reptiles. Part 
I, II. (Thinosaurus paucidens, leptodus, crassus, 
grandis, agilis; Glyptosaurus princeps, brevidens, 
rugosus, sphenodon, ocellatus ; Oreosaurns vagans, 
lentus, gracilis, microdus, minutus; Tinosanrus 
steuodon , lepidus ; Iguanavus exihs ; Limnosaurus 
ziphodon). — Scientific lutelligence (Chem., Phys., 
Geol.. Nat. Hist., Astr., Mise). 

Appendix: A. C. Twining: Euclid's doctrine 
of Parallels demonstrated (4 wdcts.). O.C. Marsh: 
Notice of some Remarkable Fossil Mammals and 
Birds. 

Physikalisch - medicinische Societät zu 
Erlangen. Sitzungsberichte. 4. Heft. Nov. 1871 
bis Aug. 1872. — Erlangen 1872. 8°. 

Prof Schröder: Ueber das Verhalten des 
HjTiien und seiner Reste bei der Cohabitation , der 
Geburt und im Wochenbett. Prof. v. Gorup- 
Besanez: Ueber die Ozonreactionen der Luft in 
der Nähe von Gradirhäusern. Dr. C. M. Kurtz: 
Ueber einige Derivate des Butyrons. Dr. A. v. 
Rad: Ueber AUylsulfousäure und einige ihrer Salze. 
Dr. Leube: Die Ernährung von Kranken durch 
Zufuhr des Ernährungsmaterials per anum. Prof. 
V. Gorup - Besanez : Die chemischen Bestand- 
theile der Blätter von Ampelopsis hederacea 
(Brenzkatechin). Prof. Ehlers: Ueber die Ent- 
wicklung des Syngamus trachealis. Dr. A.Heller: 
Ueber Lister's gegenwärtige Methode der Karbol- 
säureanwendung. — Ueber die Gefährlichkeit der 
Kohlenplätteisen. Prof. Kraus: Einige Beobacht- 
ungen über die winterliche Färbung immergrüner 
Gewächse. I. II. — Ueber die Abstammung der 
auf der II. deutschen Nordpolexpedition gesammelten 
Treibhölzer. Dr. Leube: Verdauungsversuche am 
Hunde. Prof Gerlach: Zwei Muskelanomahen. 
— Ueber die Anwendung der Photographie in der 
Embryologie. Ehlers, Heller, Zenker: Kleinere 
Mittheilungen. Prof. v. Ziemssen: Ein Fall von 
Agenesia cerebrahs unilateralis. — Ueber die 
Leitungswiderstände der thierischen Gewebe gegen 
elektrische Ströme. Dr. Heller: Ueber den soge- 
nannten epithelialen Eiter. Prof, Rosenthal: 
Ueber die Theorie der Registrirapparate für Druck- 
schwankungen zu physiologischen Zwecken. — Ueber 
einen Apparat zur Compression volummöser Arznei- 



91 



stofl'e. Prof. Zenker: Ueber die Erziehuna; des 
Cysticercus taeuiac medio-canellatae bei der Ziege. 
Dr. Heller: Ueber Ascaris lumbricoides und 
mystax. Prof. Wintrich: Ueber die schall- 
erzeugendeu Bewegungen des Wassers und deren 
physikalische Causation. Prof. J. Gerlach: Ueber 
Structur der Gefässhaute. — Ueber Bindegewebe. 
Prof. Ehlers : Ueber Borkenkrätze bei einem Vogel. 
Prof. Hagen: Ueber zwei Fälle von Idiotie. Prof. 
Leube und Prof Rosenthal: Vorläufige Mit- 
theilung über Versuche zur Erzeugung künstlicher 
Verdauungsproducte. Zenker, Rosenthal, 
Zierassen: Kleinere Mittheilungen. 

KöniglicheGesellschaft derWissen schaften 
zu Göttingen. ALhandlungen. 17. Band. 1872. 
— Göttingen 1872. 8». 

Physikalische Classe : 
K- F. H. Mar.x: Ueber die Anfälle mit dem 
Gefühle des Verscheidens , den intermittii'enden 
ehi-onischon Ilerzsehmerz, das Leiden des Philo- 
sophen Lucius Amiäus Seneca. — Ueber das Vor- 
kommen und die Beurtheihing der Hundswuth in 
alter Zeit. — Lassen oder Thun V Eine ärztliche 
Kunst- luid Gewissensfrage. 

Mathematische Classe : 
A. Clebsch: Ueber eine Fundamentalaufgabe 
der Invariantentheorie. M. A. Stern: Ueber den 
Werth einiger Summen. 



Jahresbericilt 

der Commission zur wissenscliaftliclieii 

TJntersucliung der deutsclien Meere 

in Kiel für das Jahr 1871. 

Im Auftrage des Königl. Preuss. Ministeriums 
für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten 
herausgegeben von Dr. II, A. Meyci', Dr. K. 

MÖbiiis, Dr. G. Raisteu und Dr. V. Heuseu. 

I. Jahrgang. Mit einer Seekai-te und einer 
Tafel Abbildungen. — Berlin, Verlag von 
Wiegandt & Hempel. 1873. (XII u. 178 S. fol.) 

Das vorstehend angeführte Werk behandelt, 
wie auch auf einem Specialtitel angegeben 
wird, die im Jahre 18,71 unternommenen Unter- 
suchungsfalirten in der Ostsee (und einem 
kleinen Theile der Nordsee), ferner die Re- 
sultate der physikaHscben Beobachtungen an 
einer Anzahl von Stationen der preussischen 
Ostseeküste, endlich , in zwei Anhängen , phy- 
sikalische und faunistische Untersuchungen in 



der Nordsee und ein Algeuverzeichniss von 
Travemünde. 

Während seit einer Reihe von Jahren einige 
Staaten bedeutende Mittel aufwenden, um 
Urrtersuchungen des Meeres in geographischer, 
physikalischer und naturhistorischer Beziehung 
anstellen zu lassen, namentlich England und 
die nordamerikanischen Freistaaten grossartige 
Tiefseeforschungen veranlassten, aber auch 
Schweden, Norwegen und Oesterreich die ihre 
Küsten bespülenden Meerestheile erforschen 
Hessen, hatte sich Deutschland, abgesehen von 
einigen sehr bemerkenswerthen , aber nur mit 
privaten Mitteln ausgeführten Arbeiten, von 
solchen Aufgaben fern gehalten. 

Es ist ein Verdienst des deutschen Fischerei- 
vereins, den Anstoss dazu gegeben zu haben, 
dass das preussische landwirthschaftliche Mi- 
nisterium die Wichtigkeit wissenschaftlicher 
Untersuchungen der Ostsee und Nordsee an- 
erkennend, im Jahre 1870 den Plan erfasste, 
einer mit Staatsmitteln au.szurüstenden Com- 
mission die Aufgabe solcher Untersuchungen 
zu übertragen. 

Vorläufige Berichte dieser im Jahre 1870 
in Kiel eingesetzten Commission über die Er- 
gebnisse ihrer Untersuchungen finden sich in 
den Circularen des deutschen Fischereivereins, 
scheinen aber wenig Beachtung gefunden zu 
haben. Sprachen doch öfientliche Blätter, in- 
dem sie von den Expeditionen der Kieler Com- 
mission Mittheilung machten, von den neuesten 
Ergebnissen der englischen Meeresunter- 
suchungen und war doch auf der Leipziger 
Naturforscherversammlung 1872 sehr allgemein 
die Meinung verbreitet, ein Glückwunsch- 
Telegramm, welches von der in der Nordsee 
befindhchen deutschen Expedition einlief, käme 
von einer englischen Expedition. Es scheint 
also noch zu ungewohnt zu sein , dass sich 
auch Deutschland an dem Wetteifer, das Meer 
zu studiren, betheiligen könne. 

Um so mehr wird es geboten sein, den 
ersten umfassenden Jahresbericht der Com- 

12* 



92 



mission ausführlicher zu besprechen, und zwar 
scheint die Leopoldina hierzu ein besonders 
geeignetes Organ , weil die Meeresunter- 
suchungen in alle Zweige der Naturwissen- 
schaften eingreifen und der Leop.-Carol. Aka- 
demie die Pflege aller Naturwissenschaften 
obliegt. 

Es wird ferner bei dieser ersten Bethei- 
ligung Deutschlands an einer von andern 
Nationen mit grossen Erfolgen bearbeiteten 
Aufgabe zu fragen sein, welche besonderen 
Leistungen von deutscher Seite erwartet wer- 
den können, welches Ziel zu erstreben ist. 

Berichten wir zuerst über den Inhalt des 
vorhegenden Jahi-esberichtes. 

In dem einleitenden Vorworte der Com- 
mission ist das Geschichtliche über die Ein- 
setzung der Commission und die bisherigen 
vorläufigen Mittheilungen derselben erwähnt ; 
sodann ausgeführt, welchen Plan im Allge- 
meinen die Commission für ihre Arbeiten ent- 
worfen hat. Dieser Plan lässt sich kurz fol- 
gendermaassen darstellen. Da frühere Beob- 
achtungen, namentlich die von Dr. Heinr. Ad. 
Meyer in dem westlichen Theile der Ostsee 
angestellten , bewiesen haben , dass die phy- 
sikaüschen Grundlagen der Meeresbeschaffen- 
heit, Strömungen, Wasserstand, Temperaturen, 
Salzgehalt, Luftgehalt bedeutenden Schwan- 
kungen theils periodischer theils aperiodischer 
Natur unterworfen sind, so wird durch längere 
Zeit hindurch regelmässig fortgesetzte Beob- 
achtungen an festen Küstenstationen der Ost- 
see und Nordsee, also durch Einrichtung eines 
dem meteorologischen ähnhchen Beobachtungs- 
systemes zunächst die Feststellung der Mittel- 
werthe und der mögUchen Extreme jener 
physikahschen Bedingungen erstrebt werden 
müssen. Denn offenbar sind diese Mittelwerthe 
und die vorkommenden Abweichungen von 
denselben, bedingend für das organische Leben, 
die Pflanzen- und Thierwelt des Meeres. Durch 
Vergleiehung beider Reihen von Erscheinungen, 
der physikahschen und der organischen , wird 



man hoffen dürfen, mit der Zeit die Wechsel- 
beziehungen auf bestimmte Gesetze zurück- 
führen zu können. 

Aber Beobachtungen an Küstenstationen 
können allein nicht zum Ziele führen , Flora 
und Fauna namentlich sind auf hoher See, an 
möghchst vielen Punkten und besonders wo 
sich das organische Leben kräftig entwickelt 
zeigt , zu studiren. Dazu müssen Unter- 
suchungsfahrten eingerichtet werden. Die 
Commission schlug vor, eine solche Fahrt 1871 
in der Ostsee, 1872 in der Nordsee auszu- 
führen, zunächst um auf diesen „Recognos- 
cirungsfahrten " die für spätere Detailunter- 
suchungen wichtigsten Punkte kennen zu 
lernen. 

Diesem Plane gemäss wurden 1871 zu- 
nächst eine Anzahl von Beobachtungsstationen 
in der Ostsee eingerichtet, sodann zwei küi'zere 
Probefahrten (hauptsächlich zur Prüfung der 
Instrumente und Apparate) und eine Haupt>- 
expedition in der Ostsee- unternommen, wor- 
über der Jahresbericht Rechenschaft ablegt. 

Das Ergebniss der Untersuchungen des 
Jahres 1871 wird in 5 Hauptabschnitten mit> 
getheilt, nämlich I. Physikalisch - chemische 
Untersuchungen. II. Die Untersuchung der 
Grundproben. III. Botanische Untersuchungen. 
IV. Die faunistisohen Untersuchungen. V. 
Ueber den Fischfang auf der Expedition. 

Die physikalischen Untersuchungen schhessen 
sich unmittelbar an die in dem Werke : „Dr. 
H. A. Meyer, Untersuchungen über physika- 
lische Verhältnisse des westhchen Theiles der 
Ostsee. Kiel 1871" mitgetheilten Beobachtungen 
an ; auch sind von der Commission zunächst 
im wesentUchen dieselben einfachen Instru- 
mente bei den Stationen sowohl wie auf den 
Expeditionen verwendet worden , deren sich 
der Dr. Meyer bedient hatte. Das Ergebniss 
der physikalischen Untersuchungen der Com- 
mission kann dahin bezeichnet werden, dass 
einerseits die von Dr. Meyer vorgetragene 
Ansicht über den Bewegungsmechanismus des 



93 



Ostseewassers und die damit zusammenhängen- 
den thermischen Verhältnisse bestätigt wird, 
dass andrerseits die numerischen Werthe gegen 
die vom Dr. Meyer angegebenen etwas ver- 
vollständigt und verändert werden, wie dies 
wegen der Vermehrung der Beobachtungen 
naturgemäss ist und mit jedem ferneren Be- 
obachtungsjahre und jeder weiteren Ausdehnimg 
der Beobachtungsstationen eiutreten muss, bis 
endlich die Mittelwerthe und Extreme festge- 
stellt worden sind. 

Die Schwierigkeit für die Ermittelung der 
physikalischen Verhältnisse der Ostsee besteht 
darin , dass das Wasser sowohl nach der Flä- 
chenausdehnung von West nach Ost und Süd 
nach Nord, als in jedem Querprofil eine andere 
Beschaffenheit hat, welche ausserdem nach der 
Jahreszeit und nach den meteorologisch un- 
gleichen Bedingungen der einzelnen Jahre 
wechselt. Von Ost und Nord nach West und 
Süd nimmt der Salzgehalt von fast Procent 
in den nördlichen Theüen des botnischen Meer- 
busens bis zu einer fast dem Nordseewasser 
gleichen Salzsättigung bei Korsör und Hel- 
singör zu. In jedem Querprofile vergrössert 
sich von der Oberfläche nach der Tiefe zu der 
Salzgehalt. Diese Verschiedenheiten wechseln 
aber, besonders beeinflusst durch die Winde, 
indem westliche und südhche Winde salz- 
reicheres Wasser der Ostsee zuführen und all- 
mälig nach Osten gelangen lassen, östhche 
und nördhche Winde das süssere Wasser den 
Ausgängen der Ostsee zutreiben. Immer folgt 
im Querschnitt das Wasser dem hydrostatischen 
Gesetze, wonach das schwerere Wasser die 
unteren Schichten erfüllt ; aber die Mächtig- 
keit des salzreicheren von Westen kommenden 
Unterstromes , der Grad seines Vordringens 
nach Osten wird beeinflusst vorzugsweise durch 
die herrschenden Winde. Ein anderes klima- 
tologisch auf die Wasserbeschaffenheit einwir- 
kendes Element ist die Masse der Süsswasser- 
zufuhr durch die sich in die Ostsee ergiessen- 
den Ströme. Da dieses Element ebenfalls in 



den einzelnen Jahren variirt, namentlich aber 
auch bald mit diesen bald mit jenen verschie- 
denen Windrichtungen zusammenfällt, so ist 
es einleuchtend, dass die Beschaffenheit des 
Ostseewassers nach seinem Salzgehalte an dem- 
selben Punkte zu verschiedenen Zeiten sehr 
ungleich sein kann. Es wird also zur Fest- 
stellung der Mittelwerthe wie der Grenze der 
vorkommenden Abweichungen vom Mittelwerthe 
des Salzgehaltes lange fortgesezter Beobacht- 
ungen bedürfen. 

Dasselbe gilt für die Temperaturen des 
Wassers ; auch diese variiren nach der geo- 
graphischen Lage des Ortes in der Weise, dass 
sich die Oberflächentemperatur dem periodi- 
schen Gange der Luftwärme anschhesst, nach 
den tieferen Schichten eine Abstufung der 
Extreme erkennen lässt, aber in ihrer abso- 
luten Grösse wesentlich beeinflusst wird durch 
die Stärke der Strömungen von West oder 
Ost, die jedenfalls im westlichen Theile der 
Ostsee merklich den Erfolg haben, durch den 
salzreichen Unterstrom die Temperatur des 
Nordseewassers, durch den salzarmen Ober- 
strom die Temperatur des Nordens und Ostens 
einzuführen. Auch hier wird also die Wirkung 
je nach den atmosphärisch verschiedenen Ver- 
hältnissen jedes Jahres verschieden ausfallen. 

Die bisher für den Salzgehalt und die 
Wassertemperaturen ermittelten Zahlen können 
daher nur als erste Annäherungen betrachtet 
werden, sie sind aber, wenn man sie mit der 
Verbreitung der Organismen vergleicht, so 
lehrreich, dass wir einige dieser Zahlen mit- 
theüen. 

Das mittlere specifische Gewicht (s) und 
der dazu gehörige Procentgehalt an Salz (p) 
beträgt an folgenden 10 Orten, an der Ober- 
fläche und in der tiefsten nach Fadenzahl 
(1 Faden = 2 Meter) bezeichneten Schicht, 
wie die nachstehende Tabelle ergiebt : 



94 





Oberflä 

s. 


iche. 


Faden. 


riefe. 

s. 


P- 


HeLsingör .... 


1,01125 


1,5 


20 


1,01998 


2.6 


Korsör 


1368 


1,8 


20 


2240 


2.9 


Friedericia . . . . 


1491 


2,0 


9 


1623 


2.1 


Svendborgsaiid . 


1350 


1,8 


7 


1467 


1,9 


Sonderburg . . . 


1308 


1,7 


10 


1438 


1,9 


Eckernfördt . . . 


1309 


1,7 


10 


1566 


2,0 


Kieler Hafen . . 


1120 


1.5 


10 


1515 


2,0 


Fehmarnsand . . 


1090 


1,4 


6 


1103 


1,5 


Lolime auf Eugen 


0V04 


0,9 


10 


0740 


1.0 


Neufahrwasser . 


0496 


0,6 


3 


0609 


0,8 



Die grössten und kleinsten Salzgehalte, in 
Procenten ausgedrückt, welche zu verschiedenen 
Zeiten und in den verscliiedenen Wasser- 
schichten an den angeführten Orten beobachtet 
sind, zeigt folgende kleine Tafel : 





I 
Max. 


Min. 


Differenz. 


Helsingür . . 




3,4 


0,8 


2,6 


Korsör . . . 




3,3 


1,4 


1,9 


Friedericia . 




3,3 


1,2 


2,1 


Svendborgsand 




2,5 


1,1 


1.4 


Sonderburg . 




2,7 


1,2 


1,5 


Eckernfördt . 




2,7 


1,0 


1,7 


Kieler Hafen 




2,6 


0,9 


1,7 


Fehmarnsand 




1,6 


1,2 


0.4 


Lohme . . . 




1,1 


0,7 


0,4 


Neufalu-wasser 




1,0 


0,3 


0,7 



Als Beweis für die Ungleichheit der Tem- 
peraturen derselben Localität in verschiedenen 
Jahren mag nun noch das Beispiel von der 
Kieler Föhrde üi der folgenden Tabelle dienen. 







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95 



Man sieht, dass, soweit die Organismen 
Ton dem Salzgehalt und den Temperaturen 
abhängig sind, dieselben nur ausdauern können, 
sobald sie sich bedeutenden Schwankungen an- 
zupassen vermögen. Wenn dies nicht der Fall 
ist, so mag sich zwar in einzelnen Jahren unter 
günstigen Bedingungen ein Reichthum organi- 
scher Formen entwickeln , der aber wieder zu 
Grunde gehen muss, wenn ungünstige khma- 
tische Verhältnisse eintreten. Diese Beziehungen 
zwischen d^i physikahsch ungleichen Beding- 
ungen verschiedener Jahre zu einer stetigen 
oder nur vorübergehenden Entwickelung von 
Fauna imd Flora zu ermitteln, wird eines der 
interessantesten Probleme der künftigen Meeres- 
untersuchungen sein. 

Im Vorstehenden ist das Resultat der in 
dem Jahresberichte mitgetheilten Stationsbeob- 
achtungen mitgetheilt. Es schliessen sich hieran 
noch die physikalisch-chemischen Beobachtungen 
auf der Expedition. Die physikalischen Be- 
obachtungen bestätigen für alle von der Ex- 
pedition berührten Punkte der Ostsee die eben 
geschilderten Verhältnisse des Salzgehaltes und 
der Temperatur. Die chemischen Beobachtungen 
sind indessen noch zu erwälmen , weil sie auf 
einen sehr wichtigen Umstand aufmerksam 
gemacht haben, nämlich darauf, dass die in 
grosser Menge im Seewasser vorhandene Kohlen- 
säure sich darin in einem eigenthümUchenZu- 
stande der Bindung befindet , so dass sie sich 
durch blosses Erhitzen, selbst im Vacuum, nur 
äusserst langsam und unvollständig austreiben 
lässt. Man darf behaupten, dass alle früheren 
auf ein solches Verfahren der Erhitzung des 
"Wassers begründeten Kohlensäurebestimmungen 
des Meerwassers falsch sind. Da dies Ver- 
halten der für die Organismen so wichtigen 
Kohlensäure erst während der Expedition ent- 
deckt wurde, so konnten die Kohlensäure- 
bestimmungen auf der Expedition nur als Vor- 
arbeiten für die weiteren Forschungen von 
Werth sein und werden von der Commission 
im nächsten Jahresberichte bei Gelegenheit der 



Mittheilungen über die Nordseeexpedition des 
Jahres 1872 veröffenthcht werden. 

Die im ersten Abschnitte des Jahresbe- 
richtes enthaltenen physikahsch - chemischen 
Untersuchungen bezeichnen nun das Gebiet, 
welches die erste deutsche Betheiligung bei 
den Meeresuntersuchungen als eigenthümlich 
in Anspmch nehmen kann. Gegenüber den 
grossartigen Mitteln, über welche Engländer 
und Amerikaner verfügen können , wird der 
Gewinn der deutschen Expeditionen für Er- 
weiterung unserer Kenntnisse von organischen 
Formen immer nur ein sehr kleiner sein können. 
Dagegen können nach bisheriger Weise aus- 
geführte grossartige Expeditionen , so viel 
Merkwürdiges ihnen das Schleppnetz liefert, 
in der Erkenntniss der wirkhchen Verhältnisse 
des Meerwassers und seiner periodischen oder 
zufälligen Wechsel wenig beitragen, weil sie 
uns nur zufällige ELnzelbeobachtungen von 
fortwährend wechselnden Orten mitbringen. 
Temperaturbestimmungen aus dem Ocean z. B. 
haben wir viele, aber wie sich die Temperatur 
an einem und demselben Orte, in verschiedenen 
Schichten, im Verlaufe des Jahres oder jim 
Verlaufe mehrer Jahre ändert, darüber wissen 
wir wenig, hierzu wird erst ein eigenes inter- 
nationales Beobachtungssystem ausgebildet 
werden müssen, welches die Scliifffahrt aller 
Länder in sein Interesse zieht. Genaue Aräo- 
meter und Salzgehaltsbestimmungen hegen 
überhaupt nur in geringer Zahl vor und die 
wenigen vorhandenen Gasuntersuchungen sind 
wahrscheinlich werthlos. Die Herstellung ge- 
nauer Beobachtungen dieser Grössen, die Er- 
richtung zahlreicher regelmässiger Beobachtungs- 
stationen sind ein entschiedener Fortschritt, 
der jetzt eingeleitet worden ist. Der Erfolg 
hat sich auch schon darin gezeigt, dass im 
gegenwärtigen Augenbhcke bereits fast in allen 
Küstenländern der Ostsee und Nordsee Stationen 
eingerichtet worden sind, worüber die Com- 
mission in ihrem nächsten Jahi'esberichte Nä- 
heres mitzutheilen verspricht. 



96 



Es soll durch die ausführlichere Besprechung 
der physikaUsch - chemischen Untersuchungen 
des Jahresberichtes nun keineswegs gesagt sein, 
dass die übrigen Abschnitte desselben ein ge- 
ringeres Interesse darbieten. Im Gegentheil 
sind schon die Gegenstände selbst von allge- 
meinem Interesse, aber sie beziehen sich auf 
Beobachtungen, die in ähnlicher und zum Theil 
viel grossartigerer Weise auch sonst ausgeführt 
werden, auf Untersuchungen der Grundproben, 
auf Beschreibung der Flora und Fauna. Von 
grosser Bedeutung sind diese Beobachtungen 
vornehmlich wegen der Vergleichung derselben 
mit der physikaUsch - chemLschen und müssen 
sie deshalb fortgesetzt werden, wenn auch die 
botanische und geologische Ausbeute an Neuig- 
keiten gering wäre , was sie in Betreff der 
Ostsee indessen keineswegs ist. Die beiden 
bisher von Dr. Meyer und Dr. Möbius ver- 
öffentlichten Bände über die Fauna der Kieler 
Bucht haben gelehrt, dass im westlichen Becken 
der Ostsee ein viel grösserer Formenreichthum 
der Thierwelt vorkommt, als man sonst glaubt. 
Der Jahresbericht weist von der Expedition 
die Beobachtung von gegen 300 wirbellosen 
Ostseethieren nach. Ebenso ist die Zahl der 
in den botanischen Berichten nachgewiesenen 
Pflanzenformen eine sehr beträchtliche. Die 
Ausbeute an Neuigkeiten für die Ostsee wird 
nicht unerheblich sein und, da fleissige Forscher 
an einzelnen LocaUtäten jetzt fortwährend 
thätig sind, wird es bald gehngen, zu einer 
gewissen Vollständigkeit in der Uebersicht der 
in der Ostsee vorkommenden Organismen zu 
gelangen. Wir legen aber, wie gesagt, grösseren 
Werth wie auf Vollständigkeit auf die Er- 
kennung der biologischen Verhältnisse, auf 
den Nachweis , wie je nach Zeit und Ort die- 
selben Pflanzen und Thiere variiren, wenn sie 
sich lebenskräftig erweisen oder verkrüppeln, 
immer unter Vergleichung mit den gleichzeitig 
bestehenden physikalischen Grundbedingungen. 



Man wird nun auch bereits in diesem Jahres- 
berichte wiederholt auf derartige Beziehungen 
hingewiesen, indem auf die Variation der Formen 
nach den Fundorten aufmerksam gemacht wird. 
Auf die zahlreichen interessanten Einzelheiten 
der späteren Abschnitte des Berichtes einzu- 
gehen ist indessen, ohne den Rahmen eines 
litterarischen Referates zu überschreiten, un- 
thunlich und muss dieserhalb auf den Com- 
missionsbericht selbst verwiesen werden. 

Schliesslich dürfen wir die Erwartung aus- 
sprechen, dass das mit so schönem Erfolge 
begonnene Unternehmen durch dauernde Unter- 
stützung des Staats gesichert sein möge und 
dass zunächst der 2. Jahresbericht für das 
Jahr 1872 uns über die ganz abweichenden 
Zustände der Nordsee ebenso belehrende Mit- 
theilungen bringe, wie sie der vorliegende Be- 
richt über die Ostsee gebracht hat. 



Einladung 

zur 

46. Yersammlung deutscher Natur- 
forscher und Aerzte. 

Nach Beschluss der in Leipzig abgehaltenen 
45. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Aerzte findet die diesjährige Versammlung in 
Wiesbaden und, zwar vom 18. bis 24. Sep- 
tember statt. 

Die unterzeichneten Geschäftsführer erlauben 
sich die Vertreter und Freunde der Naturwissen- 
schaften und Medizin zu recht zahh-eicher Be- 
theiUgung freundlichst einzuladen. 

Die Versendung der Programme findet im 
Juli statt. 

Wiesbaden, im Juni 1873. 

Dr. R. Fresenius. Dr. Haas sen. 



Abgeschloseeu den 30, Juui 1873. 



Druck von E. Blochniaun & SoUd in Dresden. 



NÜNQUAM 




LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 
DER 

KAISERLICH LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

herausctE(;eben unter Mitwirkung per adjuncten vom Präsidenten 

Dr. W. F. G. Behn. 

Dresden. Heft Vm. — Fr. 13-14. Juli 1873. 



Inhalts Amtliche Mittheilungen: Confereuz des Adjunkteu-Collegiums. — Beiträge zur Kasse 
der Akademie. — Gestorbene Mitglieder. — 

Die Weltausstellung in Wien. — Anzeigen der Abhandlungen des 30. Bds. 



Amtliche Mittlieilnnseii. 



Confereiiz des Adjunkten-Collegiums. 

Dem § 21 der Statuten 4. Abs. gemäss, wird das neugebildete Adjunkten - CoUegium 
zu einer Berathung, gleich nach Beendigung der Naturforscher - Versammlung in den Tagen 
vom 25. bis 27. Sept. d. J. zu Wiesbaden zusammentreten. — 

Dresden den 31. Juli 1873. Dr. ßehn. 



Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Juli 2. Von Herrn Dr. Ed. Rüppell in Frankfurt a. M., Jahresbeitrag fiir 1873 2 Thlr. 

„ 8. „ „ Prof. Dr. H. B. Geinitz in Dresden, desgl. für 1873 .. . 2 „ 

„ 10. „ „ Geh. Med.-R. Prof. Dr. M. J. Weber in Bonn, desgl. für 1873 2 „ 

„' 15. „ ,, Dr. med. & chir. S. Pappenheim in Berlin, desgl. für 1873 2 „ 

Dr. Behn. 

Leop. VUI. 1-3 



98 



G-estorbene Mitglieder. 

Am 4. Juli 1873 (zu Dannstadt): Dr. Johann Jakob Kaup, Professor und Inspector des 
grossherzogl. Naturaliencabinets zu Darmstadt. Aufgenommen den 25. Juni 1834j 
cogn. Merk. 

Am 15. Juli 1873 (zu Berlin): Dr. Gustav Rose, Geh. Bergrath, ord. Professor der Mine- 
ralogie zu Berlin. Aufgenommen den 24. Aug. 1860, cogn. Hauy II. 

Am 22. Juli 1873 (zu Breslau) : Dr. Hans Carl Leopold Barkow, kgl. preuss. Geh. Medieinal- 
rath, Mitglied des kgl. schles. Prov.-Medicin.-Collegiums , ord. Prof. der Anatomie 
und Director des anatom. Theaters und anatom.-zootom. Cabinets an der Universität 
zu Breslau. Aufgenommen den 19. Mai 1828, cogn. Bartholinus HI. 

Dr. Behn. 



Die Weltausstellung zu Wien 

im Jahre 1873 

in naturwissenschaftliclier Beziehung. 

Wien ist so überaus reich an grossartigen 
naturwissenschaftlichen Anstalten und Samm- 
lungen, dass man wolü denken könnte, es 
werde diese Stadt durch die Weltausstellung 
für den Naturforscher keine h'gend erhebliche 
Anziehungskraft ge^nnuen und es sei für ihn 
gleichgültig, ja des geringeren Zusammenflusses 
von Fremden wegen-- vielleicht zweckmässiger, 
es zu einer andern Zeit als gerade in dem 
Getreibe der riesigen Ausstellung zu besuchen. 
— Die Naturforscher Wiens sind indess an- 
derer Meinung, sie selbst finden dort des An- 
ziehenden und Neuen gar viel und glauben, 
dass sie ihre Sammlungen wesenthch bereichern 
könnten, wenn es ihnen freistände, aus dem 
dort Aufgehäuften für ihre Sammlungen be- 
liebig auszuwählen. — 

Es soU die Aufgabe dieser Zeilen sein, 
den Mitgliedern der Akademie wenigstens eine 
Andeutung zu geben, was sie etwa für sich 
dort Lehrreiches zu erwarten haben. — 

Zwar wird es dem Naturforscher nicht 
leicht gemacht, aus der unendUchen Menge 
das herauszufinden, was ihn interessirt, aber 



darüber klagen auch solche, die viel günstiger 
gestellt sind. Manche Naturforscher und natijr- 
wissenschaftliche Anstalten haben dazu bei' 
getragen , die Ausstellung zu bereichern , aber 
für sie ist nicht, wie für die Künstler und 
Landwirthe, die Maschinenbauer und manche 
andere Industriezweige, eine besondere Ab- 
theilung gemacht imd eine den Interessen der 
Natui'forschung ganz entsprechende Anordnung 
konnte wohl auch nicht gemacht werden, wenn 
PS .auch thunlich gewesen sein möchte, sie mehr 
zu berücksichtigen, als geschehen ist. Eine 
solche Ausstellung stellt nämlich die freilich 
■ längst bekannte Thatsache deutlich vor Augen, 
dass aUe Industrie einen natui-wissenschaft- 
lichen Boden hat und dass es für den Be- 
arbeiter der Metalle wie der Webestoffe, der 
Nahrungs- und Genussmittel, wie der Luxus- 
und Schmuckwaaren von erhebhcher Bedeutung 
ist, die Urstoffe, ihre Gewinnung, Eigenschaften 
und Herkunft mögUchst genau kemien zu lernen. 
Dies hat dazu geführt, die für verschiedene 
Zweige der Naturwissenschaften interessanten 
Rohstoffe neben den Erzeugnissen der Lidustrie 
auszustellen, und wäre dies gleichmässig ge- 
schehen , so gäbe dies einen Anhaltspunkt. 
Aber Kunde und Neigungen der Aussteller 
sind sehr verschieden, und während z. B. die 
Firma für Elfenbeinindustrie H. A. Meyer in 



99 



'Hamburg die Quellen ihrer Rohstoffe umsichtig 
Snsaminenstellte , vertnisst man dies schon un- 
gern bei der verwandten Firma für Kautschuck- 
arbeiten von H. C. Meyer juu. in Harburg und 
hat sich, wenn man darüber Aufschluss wünscht, 
anderswohin , z. B. nach der Brasilianischen 
Ausstellung zu wenden. 

I)ie Folge dieses Verfalu'ens ist, dass die 
Naturforscher sich eigentlich in allen 26 Grup- 
pen und Sektionen, in die sich die Ausstellung 
t heilt, umüusehen haben*), während nur 4 — 5, 
Bänilich die erste für Berg- und Hüttenwesen, 
die zweite für Land- und Forstwirthschaft, die 
dritte für chemische Industrie, die vierzehnte 

i'ür Avissensohaftliche Instrumente und theilweise 
die 'iiy. für Ei-ziehnngs - , Unterrichts- und 
Bildungswesen zu einzelnen oder mehreren 
Zweigen der Naturwissenschaft in näherer 
Beziehung stehen. — 

Ein zweiter Grund, warain 'es' so schwer 
hält, verwandte Gegenstände, die man gern 
unter sich vergliche, aufzufinden, ist den Natur- 
forschern mit allen andern Besuchern der Au.s- 
stellung gemeinsam und liegt in der freihch 
in sich geboteneu Thsilung nach den Staaten 
und Nationen. Auch kann zumal im Haujit- 
auastellungsgebäude der Ort. an welchem man 
eine Nation aufzusuchen hat, nicht leicht zwei- 
felhaft sein, indem in dem grossen Flügel öst- 

^lich von der Rotunde die östlich gelegenen 
(Oesterreicb , Ungarn , Rnssland , Rumänien, 
Türkei , Griechenland . Egj-pten nebst andern 
afrikanischen von der Türkei abhängigen oder 
selbstständigeu Staaten , Persien , China und 
Japan), in dem westlichen Flügel dagegen die 
^Westlichen (Deutsches Reich, Dänemark, Schwe- 



*) Selbst iu der 25.. für bildende Kunst der 
Öegenwart, finden sich, von Engländern ausgestellt, 
botanidche und auatomiscke Abbildungen, die viel- 
leicht besser zur 12. Gruppe für graphische Künste 
und praktisches Zeichnen gestellt worden wären : 
und in der Frauzosischeu Abtheilimg der Maschinen- 
halle befindet sich bei den Mühlsteinen (die übrigens 
von anderen Staaten iu anderen Gruppen unter- 
gebracht sind) eine Sammlung augebhch aller Ge- 
steinsarten, die iu Frankreich zu Mühlsteinen ver- 
wendet wordeil sind. — 



den und Norwegen, Holland, Belgien, Italien, 
Schweiz, Frankreich, Spamen und Portugal, 
Grossbrittanien , sowie die nord- und süd- 
amen'kanischen ) Staaten ausgestellt haben, 
wobei nur zu bemerken ist, dass die Colonien 
sich an die Mutterstaaten, z. B. das Gap der 
g^ten Hoffnung an Grossbrittanien u. s.|w. an- 
schliessen und die Rotunde selbst die Erzeug- 
nisse verschiedener Nationen neben einander 
aufnimmt. Der Versuch der letuten Franzö- 
sischen Ausstellung, in den ringförmig um 
einander gereihten Gebäuden die Nationalitäten 
zwar zu sondern, aber die Ausstellungsgruppen 
doch in räumliche Nähe zu bringen (die sich 
bei dem ungleichen Umfange der einzelnen 
Gruppen bei den verschiedenen Nationen frei- 
lich nur unvollständig durchführen lässt), ist 
in Wien leider nicht, wieder aufgenommen 
worden. — 

Auch soll es nicht geleugnet werden, dass 
diese Theilung nach den Nationen für einzelne 
Gesichtspunkte auch über die Rivalität der 
Völker hinaus und selbst für Zwecke der 
Naturforschnrig gewisse Vörtheile bietet. Ent- 
legenere und weniger industrielle Staaten, die 
den Kampf auf dem Felde der Industrie mit 
den industriellsten Staaten nicht aufzunehmen 
vermochten , haben es sich um so mehr an- 
gelegen sein lassen , ihre Produkte aus allen 
Reichen zusammenzubringen und daran die 
Anfänge einer industriellen Benutzung der- 
selben , ihre Trachten , Schmuck , Wohnungen 
und manche andere ethnologisch und anthro- 
pologisch interessante Gegenstände zu knüpfen. 
Solche Ausstellungen findet man auf der Wiener 
Ausstellung sehr zahlreich, und einzelne der- 
selben, wie z. B. die Japanesische, sind ebenso 
interessant wie lehrreich. 

Aber nicht immer hat man dabei der an- 
genommenen Gruppenbildung streng Rechnung 
getragen. So finden sich z. B. die Gerätire 
und Waffen der Bewoliner der Portugiesischen 
Colonien neben ihren Produkten in der west- 
lichen Agrikulturhalle. 

Vi* 



100 



Auch einige andere Aussteller sind der 
Grappenbildung nicht gefolgt , sondern haben 
es vorgezogen, ihre zum Theil recht interes- 
santen Ausstellungen vereinigt zu lassen, so 
der Prinz August von Coburg, der Fürst 
Schwarzenberg und manche andere. Der 
Fürst Schwarzenberg stellt in einem eigenen 
Gebäude die Produkte seiner Besitzungen aus. 
Eine Karte stellt den grossartigen Umfang 
und die Lage dar, die minerahschen Schätze 
und die Art, wie sie verwerthet werden, die 
Erzeugnisse seiner Forsten, seines Land- und 
Gartenbaues (auch ein sehr umfangreiches 
Herbarium) und die Produkte, die daraus ge- 
schaffen werden bis zum eigen - gebackenen 
Brode ; endlich die thiei-ischen Bewohner, das 
Ergebniss der Jagd und des Fischfanges bis 
zu lebenden Bibern hin, denen der Fürst in 
seinen Besitzungen (wie der Kaiser von Russ- 
land dem Europäischen Bison) ein Asyl gegen 
das völlige Aussterben gewährt. 

Aehnlich, nur von einem spekulativeren 
Geiste getrieben, ist die nordamerikanische 
nördliche Pacific -Eisenbahn -Gesellschaft ver- 
fahren. Dieselbe hat durch Congressakte, 
ihrer Eisenbahn beiderseits anliegend, 3,276,000 
Acker Land im Staate Minnesota erhalten, die 
sie gern bald und möglichst vortheilhaft ver- 
kaufen möchte. Industrieerzeugnisse Hessen 
sich aus diesem noch kaum bewohnten Lande 
nicht beibringen, aber Naturprodukte, die den 
Reichthum und die Fruchtbarkeit dieses Land- 
striches darlegen sollen , hat sie ausgestellt, 
unter dem sich manches naturwissenschaftlich 
Interessante befindet, wenn auch über das 
Herstammen alles Ausgestellten gerade aus 
diesem Distrikte ein bescheidener Zweifel er- 
laubt ist. Die Gesellschaft vertheilt ein Büch- 
lein, durch welches Auswanderer aufgefordert 
werden , sich in diesem Distrikte anzusiedeln 
und anzukaufen. 

Ein dritter Grund , warum es dem Natur- 
forscher so schwer wird , sich eine Uebersicht 
des für ihn Interessanten zu machen, ist die 



überwältigende Ausdehnung der AussteUung, 
von der der Besucher sich vielleicht am schnell- 
sten und besten einen Begriif zu schaifen ver- 
mag, wenn er den Weg zu der entlegenen 
Stelle ausserhalb der Ausstellungsschranken 
hart am Ufer der Donau nicht scheut, wo 
man sich bemüht hat und fortwährend bemüht 
ist , die Verpackungsgegenstände , Kisten und 
dergl. mehr, in denen die meisten dieser Ge- 
genstände herbeigeschafft wurden , in immer 
zahh-eicher aufgerichteten Baracken unter Dach 
zu bringen, während noch ganze Berge davon 
das weite Feld bedecken. 

Die Ausstellung wuchs den Unternehmern 
unter den Händen zu nie erreichtem Umfange 
und die ursprünglich projektirten colossalen 
Gebäude, der Induetriepalast , die Maschinen- 
halle, die Kunsthalle und die Agrikulturhalle, 
genügten nirgends und für die neu zu er- 
richtenden Gebäude Hess sich nicht immer 
dort ein Platz finden, wo die verwandten Ge- 
genstände bereits Aufstellung gefunden hatten. 
So liegen die beiden erforderUch gewordenen 
Agrikulturhallen, die eine am westlichen, die 
andere am östHchen Ende der dritten Zone, 
die zu erreichen eine ziemliche Fusswanderung 
erfordert, und der Besucher ist wenigstens so 
glücklich zu wissen, dass er, wie bereits oben 
erwähnt , der Lage entsprechend in der einen 
die Produkte der östlichen, in der andern die 
der westhclien Staaten finden wird. — Auf 
diese Weise wurde es noth wendig, die Höfe 
zwischen den Transseptflügeln des Ausstellungs- 
gebäudes in grosser Zahl zu überdachen, und 
es sind überdies gegen zweihundert Gebäude 
für die verschiedenen Zwecke der Ausstellung 
errichtet worden. 

Hierbei handelt es sich indess nur um die 
innerhalb der Schranken liegenden Gebäude, 
wollte man die Arbeiterbaracken, die Gebäude 
für Massenquartiere, die Wohnschiffe, die oben 
erwähnten Baracken für Packgegenstände, die 
alle im Prater liegen , mit hinzu zählen , so 
würde die Zahl ungleich grösser sein. 



101 



Und nicht allein für das Raunibedürfniss 
wui'de dien Verhältniss störend. — 

Bei diesem stets wachsenden Umfange 
wurde es unmöglich, einen brauchbaren Haupt- 
katalog anziiferrigen. Es war wünschenswerth, 
Jass er bei der Eröfiiiung der Ausstellung oder 
doch bald nachher fertig sei ; auch das ver- 
zögerte sich , aber wie er fertig war, war die 
Aussellung ihm entwachsen. Zahlen , Orte, 
Gegenstände hatten sich geändert. Die erste 
Auflage ist vergriffen und eine zweite noch 
nicht vollendet*). Zwar giebt es Special- 
kataloge für einzelne Länder und Gruppen. 
Aber auch sie leiden an ähnlichen Mängeln, 
und selbst wenn sie vollkommen wären, könn- 
ten sie doch nur denen genügen, die sich für 
eine in der Ausstellung als selbstständig an- 
erkannte Abtheilung, z. B. für Kunst oder für 
ein Land oder einen Staat interessiren ; aber 
der Naturforscher müsste eine ganze Bibliothek 
mit sich führen, da er überall zu suchen und 
zu finden hat. -- 

Aber selbst wenn man eine Hinweisung 
gewonnen hat, ist es nicht ganz leicht, ihr 
zu folgen. Die Bezeichnungen genügen nicht. 
In der imposanten riesigen Rotunde z. B. ver- 
misst man eine genaue und für Alle leicht 
erkennbare Bezeichnung der Pfeiler, ohne die 
es ganz unmöglich wird, sich zu orieutiren. 

Die Ausstellung selbst, d. h. die Art der 
Aufstellung scheint mit jeder neuen Weltaus- 
stellung vollkomrnener zu werden. In den 
ersten waren die Franzosen die anerkannten 
Meister in der Kunst, das Auszustellende dem 
Auge wohlgefälhg zu bieten. Sie mögen auch 
jetzt noch die Meister in dieser Kunst des 
Arrangements sein, -aber die Industriellen der 
übrigen Europäischen Nationen haben viel ge- 
lernt und es sind wohl alle nahe daran, dass 
man mehr vor einem Uebermaass als vor einem 



*) Seitdem dies geschrieben, ist die zweite ver- 
mehrte Auflage des officieüen Generalkatalogs, ein 
Band von 102S Seiten erschienen. 



Mangel der darauf verwendeten Mühe zu 
warnen hat. 

Eine einzelne Flasche Wein oder ein ein- 
zelnes Stearinlicht auszustellen, wenn der Wein 
oder das Licht auch noch so gut ist, mag 
nicht rathsam sein, aber durch Hunderte 
Flaschen desselben Weines wird man denselben 
nicht bessern. Man will die Aufmerksamkeit 
des Beschauers erregen und macht, wenn der 
Stoff zu gewöhnlich ist, durch die Anhäufung 
der Masse und die Form, die man ihr giebt, 
Reclame. Aus Seifenstücken , aus Lichtern, 
aus Steinsalz, Steinkohlen, Torf u. s. w. ganze 
Gebäude aufzuführen ist ein Missbrauch, selbst 
wenn die Form noch so schön wäre, was 
keineswegs immer der Fall ist. Es wird ein 
unendlicher Raum dadurch verschleudert und 
die Sache hat keinen Gewinn davon. — 

Aber es giebt doch noch eine Anzahl Ge- 
genstände, und leider, sind manche füi- den 
Naturforscher wichtige darunter, für deren 
Aufstellung eine grössere Sorgfalt wünschens- 
werth wäre, oder für die eine Ausstellung, 
die ihren Werth erkennen liesse, ohne sie in 
Gefahr zu bringen, noch nicht gefunden ist. 
Wenn Conchylien- , Minerahen- oder ähnliche 
Sammlungen in ofi'enen , zum Theil über ein- 
ander gehäuften Kästchen dem Staube und 
der Berührung ausgesetzt sind, so Hessen sich 
durch Schränke, wie sie in Museen gebräuch- 
lich genug sind, leicht Abhülfe schaffen. Auch 
für wissenschaftliche Kupferwerke haf mau 
durch bewegliche Befestigung der auf Papp- 
blätter gezogenen Tafeln rings um eine senk- 
recht stehende Achse eine zweckmässige Aus- 
stellungsart gefunden , wenn sie bisher auch 
nur in verhältnissmässig spärlichen Fällen 
(z. B. bei den Einzelblättern der Schwedisch,en 
geologischen Karte in der Rotunde) in An- 
wendung gebracht ist. Für grössere Relief- 
darstellungen, die zu gross oder zu zart sind, 
um sie senkrecht in Glasschränken zu be- 
festigen und namentlich für die nicht spärlich 
vorhandenen Herbarien scheint eine passende 



102 



Ausstellungsfoiin noch nicht gefunden zu sein. 
Man kann sie, wie auch die zahlreichen Kupfer- 
Werke, in zweckmässigen Einbänden der Unter- 
suchung der Kundigen darbieten (was übrigens 
bei den Herbarien nur in verhältnissmässig 
"Venigen Fällen wirkHch geschehen ist), aber 
'für eine solche Untersuchung ist, abgesehen 
davon, dass sie auf diese Weise auch der un- 
kundigen Neugierde, wenn nicht noch Miss- 
licherem preisgegeben sind, der Ausstellungs- 
raum höchst ungeeignet, schon deswegen, weil 
die grosse Zahl der blos neugierigen, keinen 
bestimmten Zweck verfolgenden Besucher sich 
stets da zusammendrängt , wo sie wahrnimmt, 
dass ein Gegenstand genauer untersucht wird. 

Auch die aussereuropäischen Aussteller, die 
zum Theil noch Neulinge in der Kunst des 
Ausstellens sind, werden noch Manches zu 
lernen haben. — 

Bei dieser Gelegenheit will ich doch nicht 
unterlassen zu erwähnen , dass die Spiegel- 
'Rahmen - und Vergoldenvaaren - Fabrik von 
'Joseph Tausig & Co. in Bürgsteiu bei Hayda 
in Böhmen eine Aufstellung einzelner zoologi- 
scher Gegenstände in Vorschlag bringt, die 
für Liebhaber Nachahmung verdient. Man 
findet so oft bei Dilettanten einzelne oft werth- 
• volle Thiere, nicht selten grausig ausgestopft, 
in Privatwohnungen, deren Zierden sie bilden 
sollen, der Zerstörung ausgesetzt. Tausig hat 
nun in seiner Ausstellung im Oesterr. Trans- 
sept grössere Thiere ausgestopft in sehr tiefen 
Rahmen unter Glas . als Wandschmuck gleich 
Bildern aufgehängt ; andere hängt er nnaus- 
gestopft und nur abgebalgt und die Köi-per- 
form durch Ausfüllung einigermaassen erhalten, 
■wie manche Thiermaler es lieben , zu Gruppen 
in entsprechenden Rahmen und unter Glas zu- 
sammen und kleinere stellt er als Staffage von 
passenden Landschaften gleichfalls unter Glas 
und Rahmen ausgestopft aus. — Es giebt 
dies , mit Geschick ausgeführt , eine ungleich 
hübschere uid für die Erhaltung zweck- 
mässigere Bewahrungsart . als die gewöhnliche 



oder selbst die in einzelnen Glaskästen und 
unter Glasglocken. — 

Schliesslich seien noch einige den Natur- 
forscher interessirende Curiosa und Missgriffe 
der Wiener Ausstellung erwähnt. 

Die Fabrikation künstlicher Blumen zum 
Schmuck für das weibliche Geschlecht hat einen 
Umfang gewonnen und wird mit einer anei- 
kennungswerthen Kunst und Geschmack be- 
trieben, von der auch die Wiener Ausstellung 
vielfache Beweise bietet. Aber dieser Gewerbs- 
zweig scheint sich noch ungleich grösseren 
Umfang zu erwerben ; künstliche Bouquets zum 
Schmuck der Zimmer, ja selbst Blumentöpfe 
mit künstlichen blühenden Pflanzen für solche. 
die diese Zierde nicht entbehren wollen, ohne 
sich dem wahrhaft Anziehenden , der Pflege 
der Blumen zu imterziehen, scheinen wachsen- 
den Beifall zu linden, wenn man nach dem 
anerkennenswerthen Geschick urtheilen darf, 
das z. B. die Gräfl. Baudissin'sche Fabrik in 
Wien durch ihre reiche Ausstellung in der 
Rotunde bekundet. — 

Aehnlich scheint es mm aber auch n-iit den 
Thieren zu werden. Die zoologischen Gärten 
haben äusserst günstig auf die Thierbildcr und 
andere Nachbildungen von Thieren gewirkt, 
und man sieht jetzt oft auf Plakaten Thier- 
bUder von einer Wahrheit und Treue, die 
man vor nicht langer Zeit noch in wissen- 
schaftlichen Werken vermisste. Abei- man 
scheint auch hier weiter gehen zu wollen und 
das wirkliche Thier durch Nachbildungen zu 
ersetzen. Joh. de Joannis Filomena in Venedig 
hat aus gefärbter Wolle gefertigte Vögel aus- 
gestellt und ein Wiener Aussteller schlägt vor, 
die Schmetterhngssammlungeu angehender Zoo- 
logen durch von ihm gekaufte zu ersetzen, in 
denen seine auf dickerem Papier gedruckten 
und colorirten Schmetterlingsbilder, sorgfältig 
ausgeschnitten und auf Insektennadeln in 
Kästen befestigt, die Thiere vertreten. — 

Doch vielleicht schon des Allgemeinen zu 
viel ; wenden wir uns nun mit zu Grunde- 



m 



leguiig der Sektionen der Akademie zu den 
einzelnen Abtheilungen. 

Astronomen, Mathematiker, Physiker und 
Meteorologen 

möchten wir zusammen fassen, da sie bei aller 
Verscliiedenheit ihrer Aufgaben doch auf der 
Ausstellung ihre Aufmerksamkeit vorwaltend 
wohl auf ein gemeinsames Centrum , das der 
wissenschaftlichen Instrumente richten werden, 
welche die 14. Gruppe bilden und demgemäss 
den einzelnen Staaten eingereiht sind. Es 
fehlt dort nicht an grossartigen und wichtigen 
Ausstellungen, die auch ein allgemeineres In- 
teresse bieten. 

Den grössten Umfang unter diesen Aus- 
stellungen nehmen ohne Zweifel die dem Tele- 
graphenwesen gewidmeten ein , an denen sich 
nicht nur zahh-eiche Firmen, unter denen ich 
nur die weltberühmte von Siemens und Halske 
erwähne, sondern auch die Telegraphen - Di- 
rektion des franz. Ministerium des Innern, das 
Oesterr. Handelsministerium und die Ksrl. 
Deutsche Post- und Telegraphen - Verwaltung 
betheiligen. Die umfangreiche Ausstellung der 
letzteren, die vom dem Anzüge der Postillons 
an durch Modelle sämmtlicher Postwagen für 
Städte, Landstrassen und Eisenbahnen, durch 
Ausstellung sämmtlicher benutzter Telegi-aphen- 
apparate in ihrer fortschi-eitenden Vervollkomm- 
nung bis zu Uebersichtskarten aller jetzigen 
Telegraphenstationen eine reiche Uebersicht 
bietet, ist sehr geeignet, die allgemeine Be- 
achtung zu erwecken. 

Aber auch die optischen Instrumente sind 
nicht minder zahlreich vertreten, von den 
Prismen an, durch Polarisations- und Spektral- 
apparate bis zu astronomischen Instrumenten 
in grossem Massstabe. G. & S. Merz in Mün- 
chen z. B. (vormals Utzschneider & Frauenhofer) 
stellen ein astronomisches Objektivglas von 
49 cm, Oeffnung und 7 m. Fokus zum Werthe von 
14,000 Thlr. und manche andere werthvoUe 
Instrumente aus, und um aus der Fülle der 



Gegenstände nur noch Etwas zu erwähnen, 
so schien ein binokulares Teleskop von Chade^ 
Ponti in Venedig nicht nur die Aufmerksam- 
keit der Besucher, sondern auch der Jury auf 
sich zu ziehen. — 

Dass es an Mikroskopen nicht fehlt, be- 
darf kaum der Versicherung ; sie sind vielmehr 
so zahlreich, dass eine Vergleichung der her- 
vorragendsten eine sein- umfangreiche Aufgabe 
sein würde. Es sei nur bemerkt, dass die 
Firma Plössl & Co. in • der Kotunde zahlreiche 
Proben mikroskopischer Photograpliien geboten 
hat und dass sich eine so grosse Fülle ver-, 
käuflicher mikroskopischer Objekte findet, dass . 
die Forscher in allen Fächern von dem Mine- 
ralogen bis zum pathologischen Anatomen 
reiche Sammlungen mit heimbringen könnten. 

Hinsichtlich der Abtheilung für Maass und 
Gewicht möge nicht unerwähut bleiben, dass, 
auch der Europäischen Cultur fernstehende 
Nationen, z. B. die Japanesen, die heimischen,: 
Maassstäbe und Wägemittel und unter letz- 
teren auch eine feinere Waagschale ausgestellt , 
haben, die den in Europa benutzten so ähn- 
lich ist, dass man sie für eine nach Europäi- 
schem Mxister von Japanesen gearbeitete hal- 
ten darf. 

Dass es an Uhren aller Art nicht fehlt, 
versteht sich von selbst. 

Nautische Instrumente sind ausser von 
Verfertigern auch vom Oesterr. Lloyd und 
vom k. k. Marineministerium in eigenen Ge- 
bäuden (I, 34 u. 1, 44) ausgestellt, sovn^ 
auch zwei Leuchtthürme (I, 45 u. II, 1) er^- 
richtet sind. 

Dass auch die Meteorologen, die ja im 
August in Wien den im vorigen Jahre in 
Leipzig verabredeten internationalen Congress, 
abhalten werden, zahlreiche Instrumente finden, 
bedarf schwerlich der Erwähnung, aber es sei 
doch bemerkt, dass das naturhistorische Mu- 
seum für Kärnten eine übersichtliche Dar- 
stellung der Regenmenge, der Gewitter und 
Hagelschläge jener Proyin;? au^ einer für jedes,^ 



104 



Land uachahmungswürdigen Karte ausge- 
stellt hat. 

Noch sei erwähnt, dass auch viele Rechen- 
maschinen, einfache wie compHcirtere , ausge- 
stellt sind. 

Manches kündigt sich als neu an, z. B. 
die Skizze einer magnetischen Pendelbewegung 
und Vertikal-Prisma-NiveUir-lnstrumente in der 
HoUäudischen Ausstellung. — 

Chemie. 

Dem Chemiker, welcher die Ausstellung 
besucht, wird die Sache verhältnissmässig 
leicht gemacht. Findet auch er freilich in 
manchen andern Gruppen, z. B. bei den wis- 
senschaftlichen (auch die chemischen Apparate 
enthaltenden) lustriuuenten, in den montani- 
stischen, den landwirthschaftlichen Sektionen, 
bei den von 22 Badeorten Oesterreichs in 
einem eigenen Gebäude (I, 28) ausgestellten 
Mineralwässern nebst Quellenprodukten und 
an zahlreichen andern Orten für ihn wichtige 
Gegenstände, so wird sich doch sein Haupt- 
interesse auf Produkte der chemischen Industrie 
richten, die eine eigene Gruppe (die dritte) 
bilden und darnach bei den Ausstellungen der 
Nationen, die diese vertreten, und dies sind 
doch hauptsächhch Deutsches Reich, Frank- 
reich, üesterreich , England und etwa Nord- 
amerika , im wesentlichen zusammengestellt 
sind, wenn auch Einzelnes, z. B. die Produkte 
der chemischen Fabrik von Hochstetter & 
Schikart in Brunn (Schwefelsaures Kali und 
Blausaures Kali in den riesigsten CrystaU- 
bildungen) in der Rotunde ilu-en Platz ge- 
funden haben. 

Es wären iudess auch andere Nationen 
nicht zu übersehen, z. B. die in grosser Zahl 
von Chinesen uud Japanesen ausgestellten Farb- 
stoffe, Droguen u. dergl. mehr. 

Sind auch diese Ausstellungen sehr um- 
fangreich und die Leistungen vorzüglich, so 
dass der Fortschritt unleugbar ist und es 
schwer hält, zu bestimmen, welcher der rivali- 



sirenden Nationen der Preis gebührt, so findet 
sich doch wenig ganz Neues. Es wäre dahin 
wohl nur das aus Anthracen von Grabe und 
Liebermann dargestellte künstliche Alizarin, 
die manigfaltigeu Farben aus den Destillations- 
produkten der Steinkohle, die nach einem neuen 
Veri'ahren aus Kochsalz mit kohlensaurem Am- 
moniak dargestellte Soda, die Ultramarine von 
den manigfaltigsten Farbennuancen, die Zünd- 
hölzchen von Hochstätter aus Hessen mit 
amorphem Phosphor, die sich an jeder Reib- 
fläche entzünden und vollkommen giftfrei sind, 
und die grosse Menge von Thallium aus den 
Bleikammerrückständen, von Schaffner in Aussig, 
zu zählen. 

Mineralogie und Geologie. 

Von eiuer in Oesterreich gebildeten Welt- 
ausstellung durfte man erwarten, dass die 
Mineralogie und Geologie, die in diesem Lande 
so grossartig cultivirt und gefördert worden 
sind, eine entsprechende Berücksichtigung finden 
wüi'den , und doch wird die überwältigende 
Fülle der ausgestellten Gegenstände den Kun- 
digen wohl eben so sehr als den Laien über- 
raschen. — 

Um so mehr ist es zu bedauern, dass das 
Ausgestellte derartig zerstreut ist, dass man 
wohl kaum in irgend einem der vielen Hun- 
derte riesiger Räume ganz vergebUch darnach 
suchen wird. Es wird nicht möglich sein, 
auch nur die grösseren Ausstellungen sämmt- 
lich zu erwähnen. — 

Beginnen wir mit der Ausstellung der 
Oesterr. Geol. Reichsanstalt, die sich in dem 
Hauptgebäude in dem Hofe 14 B bei der 
Oesterreichischen Unterrichtsabtheüung befindet. 
Die Ausstellung zerfällt in 2 Hälften. Die 
erste enthält sämmtliche von der Anstalt seit 
ihrem Entstehen herausgegebenen Schriften 
und geologischen Karten, die zweite sollte alle 
nutzbaren Produkte des Mineralreichs Oester- 
reichs umfassen. Hierfür waren die gross- 
artigsten Vorbereitungen durch Bildung neuer 



105 



Sainmluugen u. s. w. getroffen ; aber dies hat 
sich nicht ausführen lassen. Zunächst bestand 
Ungarn auf seiner Selbstständigkeit und die 
geologische Anstalt zu Pest verfolgte für die 
Länder der Ungarischen Krone einen ähnlichen 
Plan. Aber auch das aus den übrigen Theilen 
des Reiches Zusammengebrachte war so um- 
fangreich, dass der Anstalt nicht der nöthige 
Baum bewilligt werden konnte und eine Aus- 
wahl erforderhch wurde, die iudess noch immer 
Unübertrolfenes leistet. 

Hieran reihen sich aber ausser der schon 
erwähnten Ungarischen noch so zahlreiche von 
Behörden , Provinzen , Gesellschaften und ein- 
zelnen Pei'sonen zusammengebrachte montani- 
stische Ausstellungen , dass für einen Theil 
derselben eigene Gebäude errichtet werden 
mussten. Derartig gesondert aufgestellt findet 
man die Vorderberger, Innerberger und Kärnt- 
ner Montanindustrieausstellung (III, 21 — 23), 
die Schiefer- Ausstellung von Joh.Liebieg (III, 31) 
und die Ausstellung der Aktiengesellschaft für 
Brücken- und Strassenbau (III, 35). 

Auch das Deutsche Reich hat ein eigenes 
oder vielmehr 8 Gebäude (III, 13) für seine 
Montanindustrie errichtet, worin die Bergwerks- 
produkte von Elsass und Lothringen, durch 
einen vortrefflich bearbeiteten Catalog von 
Chr. Mosler erläutert, besondere Beachtung 
finden. 

Erinnern wir uns nun, dass alle Staaten 
und Kationen, und die entlegeneren und we- 
niger industriellen nicht am wenigsten , ihre 
mineralischen Produkte vorführen und dass 
dies zum Theil in umfangreichen Zusammen- 
stellungen (wie die zahlreich vorhandenen 
Nordamerikanischen Eisenerze), von Behörden 
(so die Russischen Usines et mines d'etal mit 
geologischen Karten u. s. w.), von Bergwerks- 
gesellschaften und Industriellen geschieht, die 
einzelne Mineralstoffe (z. B. Marmor u. drgl. m.) 
bearbeiten, so darf man kein zu grosses Ge- 
wicht darauf legen, dass auch über ungenü- 
Leop. VIII. 



gende Kunde bei der von minder cultivirten 
Nationen getroffene Auswahl geklagt wird. 

Fast unzähhg sind die durch Karten, Attf- 
rissc und Proben erläuterten Ausstellungen der 
Stein- und Braunkohlen- (auch der Krainische 
Piauzit), Torf- und Steinsalz-Industrien. — 

Die Bleistiftfabrikauten stellen (Faber an 
der Spitze) neben ihren Erzeugnissen auch die 
verarbeiteten Graphite (z. B. auch die Graphite 
Alibert von Irkutzk in der Rotunde) aus, und 
die zur Porcellanfabrikation dienenden Stoffe 
findet man bei Fischer und Mieg aus Pirk- 
heimer bei Carlsbad. 

Die Bernsteinarbeiter haben zahlreiche und 
zum Theil grosse Bernsteinstücke roh und auf 
jeder Stufe der Bearbeitung ausgestellt and 
die Preussische Bernstein -Aktien -Gesellschaft 
fügt sehr instruktive Bilder über BernsteiH- 
Gräberei und Baggerei hinzu (in der Rotunde). 

Die Kussischen Malachite kann man mit 
denen von Queensland vergleichen und neben 
der Fülle echter und nachgemachter zu Schmuck- 
sachen verarbeiteter Edelsteine finden sich Ver- 
suche, auf bisher weniger beachtete, z. B. die 
Edelopale von Czervenitza und auf Neusee- 
ländische Gesteine eine grössere Aufmerksam- 
keit zu lenken. — 

Es ist ein natürliches Bestreben grosser 
Ausstellungen, die Aufmerksamkeit durch Pracht- 
stücke auf sich zu ziehen. Das ist auch in 
Wien in hohem Maasse geschehen. Das Cap 
der guten Hoffnung bietet seine neugefundenen 
Diamantensehätze , theils in natura, theils in 
Nachbildungen in grossartigster Weise, und 
auch aus Brasilien fehlt es nicht an Diamanten. 
Neuholland und Neuseeland senden ihre be- 
rühmtesten Goldklmnpen in Nachbildungen, 
doch sind auch wirkliche varhanden (von 
Queensland 104 Unzen schwer). Das Silber- 
bergwerk Kongsberg zeigt seine Schätze in 
der Rotunde und der k. k. Ackerbaumiuister 
hat in sänem Gebäude (III, 41) einen Silber- 
klumpen von Pibram im Gewichte von 1015 
Zollpfund ausgestellt. Das Kupferwerk Vigs- 

14 



106 



naes bei Stavanger in Norwegen sendete einen 
Klumpen Kupfererz von 7500 Pfd. Gewicht, 
Dänemark Einzelkrystalle Isländischen Doppel- 
spaths bis zum Gewichte von 274 Pfd. und 
zum Preise von 470 Thlrn. und, wenn auch 
dies hier anzuführen erlaubt ist , Krupp in 
Essen, der im Jahre 1851 in London durch 
die Ausstellung eines GussstaUblockes von 
4500 Pfd. allgemeines Staunen hervorrief, hat 
seine Leistungsfähigkeit aUmählig derartig ge- 
steigert, dass er auf der Wiener Ausstellung 
einen Gussstahlblock von 105,000 Pfd. Gewicht, 
der, ursprünglich cylmdrisch, unter einem 
Hammer von 100,000 Pfund Gewicht in acht- 
eckige Form gebracht ist , hat aufrichten 
können. — 

Die grossartige auf geologische Karten 
neuerdings verwendete Arbeitskraft zeigt in 
Wien ihre umfangreichen Ergebnisse. — Indien 
sendet die geologische Karte vom Punjab, 
Oesterreich und Ungarn rücken rüstig fort 
und die Schweiz und Schweden haben bereits 
(in der Rotunde) die sich mehrenden im grossen 
Maassstabe entworfenen Karten zu riesigen und 
deshalb unübersehbaren Gesanimtblättem zu- 
sammengestellt. Schweden, das sich überhaupt 
in allen Theilen durch umsichtige Ausstellung 
auszeichnet, hat überdies die einzelnen Blätter 
übersichtlich daneben gestellt und sie durch 
Gesteinsproben erläutert. — 

Paläoutologische Gegenstände finden sich 
freilich in den meisten der obigen Gruppen 
eingereiht, aber es sind doch noch einige be- 
sondere Sammlungen zu erwähnen. So hat 
Prof. C. v. Ettingshausen in Graz eine inter- 
essante Sammlung fossiler Pflanzen in der 
Oesterr. Unterrichts - Abtheiluug (Hof 14 B) 
ausgestellt, und bei der Türkei findet sich die 
stets wachsende paläontologische Sammlung der 
Umgegend von Constantinopel durch Dr. Ham- 
merstein (Abdullah Bei). 

Zur Erklärung vulkanischer Phänomene 
hat Prof. H. v. Hochstetter in Wien unter 
dem Namen von Schwefelvulkanen Proben der 



interessanten Erscheinungen ausgestellt, welche 
der aus den Sodarückständen gewonnene und 
unter hohem Dampfdrucke geschmolzene Schwefel 
beim Erstarren in grösseren Massen zeigt 
(Hof 14B). 

Schliesslich seien noch die zu Unterrichts- 
oder anderen Zwecken zusammengestellten Mi- 
neraliensammlungen erwähnt, die zum TheD 
( Jul. Niedzwiedzki , OesteiT. Unterrichts - Ab- 
theilungj in einzelneu Stücken verkäuflich sind. 

Botanik. 

Die botanische Ausstellung theilt den Uebel- 
stand einer grossen örtlichen Zerstreuung mit 
den meisten naturhistorischen, aber sie lockt 
wenigstens den Beschauer durch einzelne her- 
vorragende Ausstellungsgegenstände schon von 
Weitem an. 

Es sind dies die von verschiedenen Aus- 
stellern aufgerichteten Pracht.stämme einheimi- 
.scher Nadelhölzer und vor Allem der von dem 
Brasilianischen Gartenbauverein aufgestellte 
imposante Stamm einer Araucaria brasiliensis 
wie er grossartiger wohl nie in Europa und 
gewiss selten in seiner Heimath gesehen wor- 
den ist. — Es war unmöglich, diesen Riesen 
unzertheilt zu tiansportiren. Man hat die 
übrigens unversehrt mit Rinde und selbst mit 
den Gipfelzweigen versehenen Stücke mit vielem 
Geschick vermittelst eiserner Achsen wieder 
zusammengefügt und hält ihn durch Draht- 
stricke aufrecht. Der sich langsam verjüngende 
Baum hat unten etwa 5 Fuss im Durchmesser. 

An diese Merkzeichen schliessen sich am 
passendsten die gesonderten Ausstellungen für 
Forstkultur, die leider an mehre Stellen ver- 
theilt, sich doch hauptsächlich am östlichen 
Ende der zweiten Zone häufen, wo die Aus- 
stellung der Kgl. Ungarischen Forstverwaltung 
einen glänzenden Beweis liefert, welche Schätze 
die Länder der Ungarischen Krone und na- 
mentlich, wie es scheint, Slavoiiien und Croatien 
noch bergen. Es sind dies zumal Eichen, 
Linden , Weiss - und Rothtannen : zwei der 



1Ü7 



letzteren, die gleichfalls nur gekappt und zer- 
theilt haben trausportirt werden können, messen 
in diesem verkürzten Zustande noch je 1 33 F. 
Oesterr. , die eine zeigt 354, die andere 463 
Jahresringe. Drei dort gleichfalls ausgestellte 
Fässer, die jedes das einst berühmte Heidel- 
berger Fass weit an Grösse überragen, zeigen 
überdies neben \'ieleu andern Dingen, welchen 
Gebrauch die Bevölkerung von ihren Schätzen 
zu machen versteht. — 

Der Botaniker wird ferner die Ausstellung 
der K. E. Gartenbaugesellschaft (I, 51) nebst 
den sich temporal erneuernden und Vorzüg- 
liches leistenden, aber jedesmal nur kurz 
dauernden Ausstellungen \on Gartenerzeugnissen 
alier Art je nach der Jahreszeit, den Pavillon 
für Saamen (III, 4), das eiserne Gewächshaus 
vou R. Ph. Wagner (I, 36) und etwa die 
Gärtnerwohnung (I, 53) zu beachten haben. 

Eine weitere Abtheilung bilden die land- 
wirthschaftlichea Ausstellungen, wie die des 
K. K. Ackerbau-Ministeriums (III, 41) und die 
grossen (westliche und östliche) Agrikulturhallen 
(VI u. VII) ; die erstere bietet unter Anderem 
eine Anzahl Culturen des Weinstookes und 
anderer Pflanzen in den verschiedensten Boden- 
arten, die geeignet sind, das höchste Interesse 
zu erregen. 

Nicht minder reiche Ausbeute wird der 
Botaniker aber auch bei den Ausstellmigen 
der einzelnen Staaten und Nationen finden, 
die eine Fülle pflanzlicher Stoffe, seien sie zu 
unmittelbarer Benutzung oder als Rohstoffe 
für die Industrie bestimmt, ausgestellt haben. 
Einige dieser Ausstellungen sind wahrhaft 
grossartig ; so die unter der Last der reifen 
Früchte fast erliegende Dattelpalme und die 
oben sich in 2 Zwefge theilende Hyphaene 
thebaica in mehreren Exempl., gleichfalls mit 
Früchten reich behangen, in der Aegyptischen 
Ausstellung. Die Japanesen, welche in allem 
den Europäern nacheifern imd sich bemühen 
dies zu zeigen, haben selbst eine Zahl ge- 
trockneter Pflanzen ausgestellt. 



Vor allem scheinen die Holzsaüimlungea 
aller Länder mit Proben ihrer Verwendung 
umfangreich (so die Russlands , Griechenlands, 
Indiens, Nordamerikas, Brasiliens und die der 
Engl, und Franz. Colonien). — 

Aber es giebt keinen pflanzlichen Nahrungs- 
stoff, kein Genussmittel, keine Drogue (die 
Opiumausstellung der Türkei ist auch wegen 
der bei der Gewinnung benutzten Instrumente 
sehenswerth) , keine Pflanze endlich, die tech- 
nische Verwendung zulässt (man beachte z. B. 
die Ausstellung Robert H. Collyer's über die 
Urtica nivea [China grass] und andere zu 
Geweben verwendbare), über die man nicht 
reichlichen Aufschluss findet. 

Zu allem diesen kommen aber noch die 
den Unterrichtszwecken gewidmeten Ausstell- 
ungen und ein TheE der wissenschaftlichen 
Instrumente, die Mikroskope nebst den pfianz- 
Uchen mikroskopischen Präparaten, so dass 
der Botaniker auf der Ausstellung kaum ein 
geringeres Feld als ii'gend ein anderer zu 
untersuchen hat. — 

Wir erwähnen nur beiläufig die künstlichen 
Nachbildungen der Obstsorten (von denen sich 
gleichfalls recht sehenswerthe z. B. die Frutti 
artificiali aus Neapel in den landwirthschaft- 
hchen Ausstellungen finden) , die BUder und 
Präparate für Pflanzenanatomie und Entwickel- 
ung (es sei hier indess der Entwickelungs-, 
Lebens- und Leidensgeschichte der Eiefer in 
22 Bildern von Dr. R. Hartig unter den Aus- 
stellungsobjekten der Preussischen Forstakademie 
zu Neustadt-Eberswalde in der Deutschen Ab- 
theilung der östhchen Agrikulturhalle gedacht), 
und wenden uns zuletzt zu den zahlreich aus- 
ffestellten Herbarien, unter denen sich manche 
werthvolle finden. Dahin gehören, um nur 
einige zu nennen, eins von Dr. Helfer über 
die Oesterreichischen Medicinalpflanzen , eins 
von Val. Plemel über die Flora Krains, eins 
von Hutter, Alpenpflanzen von Süd-Tyrol, ein 
ausgezeichnetes von Dr. Pötsch über die Gla- 
doniae austriacae, ein sehr schönes von Ber- 

14* 



108 



roger über die Medioinal- und Giftpflanzen 
Oeeterreichs, ein vorzügliches Herbarium Schwe- 
dens von Dannfeit, ein höchst werthvolles 
grosses Herbarium über Neu - Caledonien von 
Faucher und manche andere. — 

Zoologie. 

Der Zoologe nuiss viel wandern, wenn er 
sich eine Uebersicht über die ausgestellten 
Gegenstände seiner Wissenschaft verschaffen 
will, aber er wird es nicht vergeblich thun. 

Eigentlich zoologische Sammlungen sind 
nur spärlich durch einzelne Xaturalienhändler 
oder für besondere Zwecke und als Lokalfaunen 
ausgestellt. Eine gewiss Vielen sehr erwünschte 
Ausstellung von Godeffroy in Hamburg habe 
ich vergeblich gesucht. — Ich erwähne zu- 
nächst ein Aquarium ausserhalb der Schranken 
der Ausstellung, das im Gegensatze der nord- 
deutschen Aquarien vorzugsweise auf die Thiere 
des Mittelmeeres angewiesen ist. 

Blasius Klecak hat die marinen Mollusken 
Dalmatiens gesammelt und (leider nicht mit 
der gehörigen Sorgfalt) in der östlichen Agri- 
kulturhalle ausgestellt. 

In dem von dem K. K. Marine-lMinisterium 
dem Seewesen gewidmeten Gebäude wird man 
eine reiche Sammlung mittelländischer Seethiere 
finden. 

Insektensammlungen sind häufiger. \or 
allem beachtenswerth ist die des Erzherzogs 
Albrecht, der in der östlichen Agrikulturhalle 
(VII) dem Besucher einen Theil seiner bio- 
logisch-entomologischen Sammlung schädlicher 
Insekten vorstellt, in welcher die Entwickel- 
nngsformen des Thicres und die Zerstörungen, 
die es anrielitet, in grossartigster Weise und 
wohl unübertrefflich ausgestellt werden. 

Die Ausstellungen für Fischzucht in den 
Agrikulturhallen und die Schwedisch-Norwegi- 
sche Fischerei-Ausstellung (III. 9) haben neben 
zahlreichen Fischen auch den Eutwickelungs- 
formen derselben ihre Aufmerksamkeit zuge- 
wendet. 



Die zahlreichen allen Unterrichtszwecken 
gewidmeten Ausstellungen bieten natürlich auch 
Zoologisches die Fülle. 

Dass der Zoologe auch die überall zer- 
streuten Pelzhändler, sowie die Bearbeiter des 
Elfenbeins, des Fischbeins, der Corallen und 
der Badeschwämme nicht übersehen wird, be- 
darf kaum der Erwähnung. 

Der Englische Oberst Michael hat in der 
Indischen Abtheilung seine reiche Jagdbeute 
aus jenem Lande, wenn auch nach Art der 
Jagdliebhaber zum TheU zu praktischen Zwecken 
verwerthet, ausgestellt. 

Vor Allem aber wird der Zoolog die Aus- 
stellungen der oben aufgezählten entlegeneren 
Länder und Staaten zu durchsuchen haben 
und fast überall Interessantes finden. Eine 
vollständige Aufzählung ist unmöghch. Eine 
besondere Erwähnung verdienen indess die 
Antilope crispa in der Japanesischen und die 
Ant. furcifera in der Nordamerikanischen Aus- 
stellung, die von Dr. Julius Haast gesandten 
3 fast vollständigen Moa - Skelette , zahlreiche 
Exemplare verschiedener Apteryxarten und der 
Kakapo (Strigops habroptilns) von Neuseeland. 
Nach der grossen Zahl gegerbter Alligator- 
felle, die namentlich die Nordamerikaner aus- 
gestellt haben, darf man annehmen, dass dieses 
Leder eine nicht imbedeutende Verwendung 
gefunden hat. 

Unter dem Namen „Fogasche" sind riesige 
Fische aus dem Ungarischen Plattensee aus- 
gestellt. Der Name ist mir unbekannt, doch 
scheint es, so weit sich erkennen lässt, ein 
lokaler Name für den Schill oder Zander (Lu- 
cioperca Sandra Cuv.) zu sein, dessen Ungari- 
scher Name nach Marsigli übrigens „Silo" ist 
und dessen gewöhnlich angegebene Grösse die 
Exemplare weit überragen. Sie befinden sich 
in einem Boote mit Glaswänden in Spiritus in 
der östlichen landwirthschaftlichen Halle. 

Unter den Insekten sind namentlich die 
Bienen und die Seidenraupen stark in der 
Ausstellung vertreten. Italien und Ungarn 



109 



bescliiiftigen sich vorzüglich mit den ersteren 
und alle Seide erzeiigendeu Länder haben eine 
gewaltige Menge Kokons und andere die Natur 
der Seidenraupe betreffende Gegenstände aus- 
gestellt. Besondere Beachtung verdient auch 
für dieses Thier wieder die Italienische Aus- 
stellung luid die der Japanesen. Letztere haben 
nicht nur die Kokons verschiedener Seiden- 
spinner ausgestellt (von denen der Bombyx 
Yainamai bereits in vielen Ländern versuchs- 
weise gezüchtet wird), sondern man kann auch 
die Alt kennen lernen , wie sie die Kokons 
behandeln, die sie nicht abspulen, sondern auf 
sehr einfache Weise im na.ssen Zustande über 
einander auf einem sehr einfachen Apparat 
ausbreiten und dadurch eine verspinnbare 
Masse gewinnen, was dem Beschauer durch 
Eingeborene gezeigt wird. — - 

Bei der Ausstellung zoologischer Objekte 
ist die vollkommene und naturgemässe ^Er- 
haltung sehr wesentlich und hierbei bleibt 
mancher Wunsch unerfüllt. — Selbst die Kunst 
des Ausstopfeus ist nicht reichhch vertreten ; 
doch möchte ich auf zwei kämpfende Adler 
aufmerksam machen, von denen der eine fliegt 
und die von Enrico Bononi aus Milano in der 
westlichen Agrikulturhalle ausgestellt sind. — 

Anatomie und Physiologie. 

Dem Anatomen und Physiologen bieten 
Ausstellungen der Lage der Sache nach nicht 
so reiche Ausbeute, wie andern Zweigen der 
Naturwissenschaft. Indessen werden sie in 
Wien auch ausser den Mikroskopen nebst mi- 
kroskopischen Präparaten und anderen wissen- 
schaftlichen Instrumenten, sowie auch Objekten 
für anatomische Untersuchung, noch manches 
Sehenswerthe finden. — 

Zunächst sei dei- anatomischen Präparate 
gedacht, die die Ausstellung der bewährten 
Kunstfertigkeit Prof. Hyrtl's in Wien und Prof. 
Teichmanu's in Krakau, sowie Dr. Politzer's 
in Wien (Gehörpräparate) verdankt. Auch die 
Japanesen haben ein künstliches menschhches 



Skelett ausgestellt , das mancher -Sammlung 
willkommen sein würde. 

Daran reihen sich vergleichend anatomische 
Präparate von Prof. Margö in Budapest und 
eine hübsche Ausstellung normaler und ab- 
normer Pferdegebisse. 

Eine andere Abtheiluug bietet die Nach- 
bildungen \on anatomischen und Entwickeluugs- 
präparaten, die z. B. durch Talrich in der 
Französischen Ausstellung und von Fanny 
Zeiler in der Deutschen Unterrichtshalle (III, 11) 
vertreten sind. — 

Eine dritte Gruppe bOden die Versuche 
zur Gonservirung der Leichen, theils zu ana- 
tomischen Zwecken, theils zur Erhaltung nach 
dem Tode. Hierlün gehören die Präparate 
von Prof. Lüdovico Brünetti in Padua und 
Efisio Marini in Neapel in der Italienischen 
Galerie, wo neben Proben von Mumifikation 
und Petrifikation auch die Ergebnisse der 
Verbrennung der Leichen ausgestellt sind. — 

Geographie. 

Der Geograph wird ausser den füi' ihn 
interessanten Instrumenten, den Globen und 
Karten, besonders auch den Reliefs und Rehef- 
karten seine Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. 
Dieselben sind sehr zahlreich und theils nach 
dem gewöhnlichen, theils nach dem Schichten- 
systeme bearbeitet, aber leider sehr zerstreut. 
— Wir werden nur die grösseren berühren 
können, obgleich die kleineren sich meist durch 
grössere Genauigkeit auszeichnen. 

Wir rechnen dahin zunächst den Versuch 
von G. Adler in Hamburg, aus den bisher be- 
kannten Thatsachen in Mercators Projection 
das für die submarine Telegraphie so wichtige 
Rehef des Meeresgrundes der ganzen Welt 
(verbunden mit den Gebirgszügen der Fest- 
länder) dai-zu stellen, dem sich auch ein Rehef 
der Insel Sylt anschliesst (Deutsches Reich, 
Abtheilung Unterricht) ; das Rehef Aegyptene 
und Nubiens vom 2. Catarakt bis zum Meer 
(von K. Streit u. H. Walzer, 1 : 200,000) mit 



110 



Einschluss des grössten Tlieiles der Sinaihalb- 
insel und natürlich des Suez - Canals (bei 
Aegypten). 

Ein Relief des Bosporus mit Konstantinopel 
und ein zweites von Jerusalem und Umgebung 
nebst einem besonderen im grösseren Maass- 
stabe fiiir den Tempelberg von Stefan Dies (im 
Transsept bei der Türkei). 

Ch. Bauersteller's grosses Relief von Paris 
und Umgegend, das durch den letzten Deutsch- 
Französischen Ki'ieg doppeltes Interesse ge- 
winnt, und ein zweites von demselben Künstler 
von Baden-Baden und Umgegend (beide in der 
Abtheilung Frankreich, Instruction publique). 

Die Oesterreichische Seebehörde hat in 
ihrem Pavillon 5 Reliefs von einzelnen TheUen 
des adriatischen Kästenlandes, die von den 
Seeofficieren Hopfgarten, Lehnert und Wutzel- 
berger angefertigt sind, zur Ausstellung ge- 
bracht, von denen besonders das von den 
Bocche di Cattaro zu erwähnen ist. — 

Ungarn stellt den Hafen von Fiume und 
die Bucht von Quarnero, Frankreich ein Relief 
des Hafens von Marseille aus. 

Manche Theüe der Alpen und anderer 
Höhen , zum Theil zum Zweck der Tracirung 
von Eisenbahnen, auch Bergwerksgegenden, 
z. B. der Erzberg von Eisenerz, .sind Ln gleicher 
Weise dargestellt. — 

Erwähnen wir noch der Ausstellung der 
Donau -Regulirungs-Commission und der zahl- 
reichen zum Zweck des Unterrichts zumal von 
der Schweiz und von Frankreich ausgestellten 
lokalen Reliefkarten, so wird man gestehen 
müssen, dass diese Abtheilung viel Interessantes 
bietet. — 

Allein die eigentliche Kartographie ist noch 
viel reicher (die Firmen von J. Perthes in 
Gotha, D. Reimer in Berlin und L. Friedrichsen 
& Co. befinden sich unter den Ausstellern) 
und es wird unmöglich, auch nur das sich 
Aufdrängende zu bezeichnen. 

Dahin gehört der im grössten Maassstabe 
ausgeführte Versuch einer Generalkarte der 



Türkei, von Mor. v. Hirsch veranlasst, der 
diuch die Uebernahme des Baues Türkischer 
Eisenbahnen an der Bildung dieses Landes 
ein so grosses Interesse hat und der auch das 
oben erwähnte Relief des Bosporus anfer- 
tigen Hess. 

Eine im grossen Maassstabe gefertigte Karte 
von Portugal befindet sich an einem Orte, wo 
man sie schwerlich suchen wird, nämüch bei 
der Ausstellung dieses Landes in der west- 
lichen AgrikulturhaUe. — 

Envähnung verdient auch die Ausstellung 
der Nordamerikanischen Geograpliischen Gesell- 
schaft, die unter andern dui'ch die riesigen 
Landschaftsphotographien überraschen wird. 

Besonderes Interesse aber weckt die in 
dem additioneUen Gebäude (III, 37; mit grosser 
Umsicht vorbereitete Ausstellung zur Gescliichte 
der Oesterreichischen Kartographie, und man 
versäume auch nicht, einen Blick auf das Fac- 
simile del Mappamondo di Fra Mauro von 
1459 in der Rotunde zu werfen. — 

Anthropolog^ie und Ethnologie. 

Das Interesse, welches die neuere Wissen- 
schaft der Anthropologie und Ethnologie zu- 
gewendet hat, spiegelt sich deutlich ab in der 
Wiener Ausstellung. Die ungeheuren Aus- 
stellungsräume sind für alle Bestrebungen zu 
eng geworden, aber zumal für den Eifer, mit 
dem viele Nationen ilu'e Sitten und Gebräuche, 
ihre Trachten, Geräthe und Wobnungen vor 
Augen zu stellen sich bemühten. 

Von dem Palaste des Vicekönigs von Egypten, 
der massiv ausgeführt mehrere Millionen ge- 
kostet haben soll (I, 37), bis zu der nahe da- 
bei stehenden, aber auf dem officieUen Plan 
nicht verzeichneten Kirgisen - Jurte und dem 
Zelte des Samojeden giebt es eine solche Fülle 
von Wohnungen, namentlich der Orientalischen 
Völker, dass man sich in dem Zelte des Be- 
duinen (Egypten), wie in dem imponirenden 
Persischen Wohnhause (I, 43), im Tüi'kischen 
Wohnliause und Bazar (I, 40 u. 41), im Rus- 



111 



sischen (I. 33), wie im Tyvoler (III, 36 mit 
Holzsclinitzwaaren) uud Vorarlberger (U, 13) 
Hause , wie in Sennhütten umsehen kann. 
Besondere Beachtung verdienen die Japanesi- 
schen Wohnungen, theils völlig ausgeführt mit 
Gartenanlagen (I, 38), theils in grosser Zahl 
in Modellen im Ausstellungsgebäude. — 

Englische und Belgische Arbeiterwohnungen 
(m, 3; IV, 4 u. IV, 10), zahlreiche Bauern- 
häuser, z. B. em Russisches (II, 4), zwei Sieben- 
bürger [ein Säch.sisches (ü, 10) und ein 
SzeMer (11, 11)], ein Slovakisches (11, 16), 
ein Kroatisches (II, 17), ein Rumänisches (11, 
18), zwei Ungarische (Gaj'deler, II. 19 u. 20) 
stehen alle nahe bei einander, aber auch das 
entferntere Elsiissi-sche Bauemliaus (lU, 40) 
ist zu beachten. 

Ferner giebt es eine Oesterreichische (I, 47) 
und eine Schwedische Meierei (11, 7), und bei 
alledem steht es dem Besucher noch fi-ei , ob 
er ausser den zahlreichen Oesterreichischen ' in 
einer Russischen (I, 31), Schwedischen (III, 7), 
Nordamerikanischen (I, 1) oder Italienischen 
Restauration (I, 50) speisen, in einer Ameri- 
kanischen Trinkhalle (I, 5), einer Ungarischen 
Czarda (I, 4), einem Steirischen Weinhause 
(I, 32) , einem Türkischen Kaffehause (I, 42), 
einem Gerde oriental (I, 39) oder einem 
Wigwam (I, 35) sich recreiren und von wirk- 
lichen AbkömmHngen jener Nationalitäten oder 
dieselbe durch Verkleidung simnlirenden Wienern 
bedienen lassen will.. — 

Während sich diese Gebäude fast alle 
ausserhalb des Industrie - Palastes befinden, 
birgt derselbe in seinem Innern nicht minder 
interessante anthropologische und etlmologische 
Gegenstände. 

Zunächst sei die Ausstellung der Wiener 
anthi-opologischen Gesellschaft (Hof 14B) er- 
wähnt , die nur prähistorische Oesterreichische 
Befunde enthält ; aber ungleich umfangreicher 
sind die Ausstellungen der jetzt lebenden 
Nationen. Fast alle Völker, welche der Fran- 
zösischen Mode nicht huldigen , oder die doch 



noch theilweise nationale Kleidungen bewahrten, 
zumal die orientalischen, haben ihre Trachten 
meist an lebensgrossen Figuren, oft aber auch 
an kleineren Figuren (z.B. Chinesen, Indier, 
Portugiesen, Dänen u. s. w.) in reichster Zahl 
ausgestellt. AUe aber werden durch die Ja- 
panesen übertroffen, die die Gegenstände ihrer 
Ausstellung , namentlich die Maschinen , den 
Besuchern durch lebende Repräsentanten vor- 
stellen und vor ihren Augen arbeiten lassen. 

Ferner finden sich zahlreiche ethnologische 
Photographien, z. B. der Aborigines von Queens- 
land u. V. a. 

Erinnern wir noch an die zahlreichen zum 
Theil sehr kostbaren Schmuckgegebstände, wie 
die in den Zeitungen viel besprochenen Tür- 
kischen Kleinodien und einen Egyptischen 
hauptsächlich aus Skarabaeen zusammenge- 
fügten Schmuck , der auf 300,000 Frcs. ge- 
schätzt wrd, an mancherlei Kriegerschmuck 
(z. B. einen sehr eigenthümlichen Malaiischen), 
unzählige Waffen , Geräthschaften , den von 
Rennthieren gezogenen Schlitten, an Wagen 
und Karren, die Ackerbaugeräthschaften bis 
zum Handwerkszeuge , das namentlich von 
Chinesen und Japanesen in reichstem Maasse 
ausgestellt ist, an die Gefässe aus pflanzlichen 
Stoffen (Calehassen) , aus Steingut, Porcellan 
und Metall, an die Korb- und Strohgeflechte, 
an die Filze und Gewehe, die zum Theü, wie 
z. B. die in der von Radde besorgten sehens- 
werthen Ausstellung der Kaukasischen Völker 
geboteneu feinen Tuche aus den Wollhaaren 
des Kaukasischen Steinbocks, einen sehr hohen 
Preis haben, so glauben wir, so unvollständig 
auch die Aufzählung ist, nicht zu viel zu 
sagen, wenn wir behaupten, dass kein Ethno- 
loge die Wiener Ausstellung ohne hohe Be- 
friedigung besuchen wird. 

■ Wissenseh. Mediein. 

Der wissenschaftliche Arzt endlich wird ja 
an den Ausstellungen der Disciplinen, deren 
Ergebnisse er zur Verhütung und Heilung der 



112 



Krankheiten zu verwerthen berufen ist, niclit 
ohne Theilnahme vorübergehen, aber er findet 
auch sehr Vieles, was für ihn direkt be- 
stimmt ist. 

Dahin ist denn zunächst der sog. Sauitäts- 
pavülon (I, 48) zu rechnen, dessen Name übri- 
gens \-iel mehr vennuthen lässt, als er, so 
interessant der Inhalt auch ist, wirkhch ent- 
hält. Es ist eine überaus reiche internationale 
Ausstellung der Hüfsmittel, welche die neuere 
Zeit geschaffen hat, um dem im Felde ver- 
wundeten oder erkrankten Soldaten sein Loos 
zu erleichtern. Man findet die Verbandstücke 
und Arzneimittel aller Art, wie sie solche 
Verhältnisse erfordern, und Medicinalwagen, 
die bestimmt sind, sie auf das Schlachtfeld 
zu befördern, in grösster Zahl, Transportmittel 
für Verwundete, von den einfachsten Trag- 
bahren bis zu vollständig eingerichteten und 
ausgerüsteten Eisenbahnzügen für Verwundete 
und Ivranke. — Ueberdies finden sich Betten 
wnd Lagerstätten, zahlreiche Kücheuwagen und 
rings umher Zelte für Verbände und Operationen 
auf dem Schlachtfelde und Baracken für das 
erste Unterbringen der Verwundeten. — Diese 
von sämmtlichen civihsirten Nationen zusammen- 
gebrachte Ausstellung, zu deren Vervollstän- 
digung der Deutsch - Französische Krieg von 
TO/71 so viel beigetragen hat , erregt nicht 
nur das lebhafteste Interesse der Aerzte, son- 
dern auch der Laien und wird ungemein zahl- 
reich besucht. 

Weniger beachtet und doch sehr beacht- 
nngswerth ist ein in der Nähe befindliches, 
auf dem officiellen Plan nicht verzeichnetes 
Gebäude, in welchem Lienur sein Verfahren, 
(Ke Auswurfstoffe grösserer Städte zu entfernen, 
dnrch Aufstellung der von ihm erfandeneu 
Maschinen und zahlreicher Bilder deutlich zu 
machen sich bemüht hat. 

Ferner möge die sehr sehenswerthe Aus- 
stellung der Stadt Paris (Hof 5 B) erwähnt 
sein, die unter Anderem durch Apparate, 



Karten imd Bilder das Medicinal- , Bewässer- 
UDgä- und Abziigswesen jeuer Stadt darlegt. 

Dass ausserdem auf einer Weltausstellung 
die Zahl der clfirurgischen und geburtshülf- 
liclien Instrumente, der Verbandstücke (William 
Francis Fluhrer), der Bruchbänder und ortho- 
pädischen Apparate , sowie der künstlichen 
Gliedraaassen eine überaus grosse ist, bedarf 
kaum der Erwähnung. Es ist schwer, aus 
so Vielem Einzelnes hervorzuheben, doch mögen 
die Drahtschienen des Hauses L. Mulatier 
Silvent in Lj-on erwähnt sein , die von den 
verschiedensten Seiten Beachtung finden. 

Ich bemerke noch, dass ausser den Fran- 
zosen auch andere Nationen, z. B. mehrere 
Fabrikanten des Deutschen Pteiches künstliche 
menschliche Augen ausgestellt haben. — 

Die Zahnheilkunde ist seit langer Zeit ge- 
wohnt, sich auf Ausstellungen geltend zu ma- 
chen, und der immer neue Fortschritt in der 
Fabrikation künstlicher Zähne und ihrer Be- 
festigung, sowie die immer wachsende Zahl 
der für jeden einzelnen Zahn bestimmten In- 
strumente sind, namentlich in der grossartigen 
Ausstellung der Nordamerikaner, wohl geeignet, 
nicht nur die Aufmerksamkeit der Aerzte. .son- 
dern auch der Laien auf sich zu ziehen. 

Aber auch andei-e melir wissenschaftliche 
Ausstellungen fehlen nicht. So hat unter An- 
derem Dr. Ludw. Russ in Jassy in der Oester- 
reichischen Unterrichtsausstellung eine bedeu- 
tende Sammlung von Harnsteinen ausgestellt, 
und die Zahl der pathologischen, anatomisclien, 
mikroskopischen Präparate ist eine recht er- 
liebliche. — 

Folgende einzelne Abhandlungen des 36. 
Bandes der Nova Acta, als : 
Dr. L. Glitsch: Lieber den Bau der Nase 

der Antilope Saiga PaU. 3 B. u. 3 T. 

Ldpr. 20 Sgr. 
Herrn. Vöchtiiig : Zur Histologie und Ent- 

wickelungsgeschichte von Myriophyllum. 

2 1/4 B. u. 4 T. Ldpr. 20 Sgr. imd 
Herrn. Eng^elhardt: Die Tei-tiärflora von 

Göhren. 51/4 B. u. 4 T. Ldpr. 

1 Thb. 6 Sgr. 
sind durch die Buchhandlung von Fr. From- 
mann in Jena zu beziehen. — 



Abgeschlosseu den 31. Juli 1873. 



Druck von E. Blochmaun &. Sohu in Dresden. 




NüNQUAM wÄ^^i^^ OTIOSUS 



LEOPOLDINA 

AMTLICHES ORGAN 

DER 

KAISEELICH LEOPOLDINISOH-OAEOLINISCHEN DEUTSCHEN 
AKADEMIE DER NATURFORSCHER 

HERAUSGEGEBEN UNTER MITWIRKUNG DER ADJUNCTEN VOM PRÄSIDENTEN 

Dr. W. P. G. Behn. 
Dresden. Heft YIII. — Nr. 15. August 1873. 



Inhalt: Amtliche Mittheilungen: Erklärung von Dr. Ed. Reich. — Beiträge zur Kasse der 
Akademie. — Gestorbenes Mitglied. — Dr. Christ. Aug. Herrni. Marbaeh f. — Dr. Kriedr. 
Carl Stahl f- — 

Eingegangene Schriften. — Die Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde 
Ostasiens. — 



Amtliche Mittlieiluiigeii. 



Erklärung: von Dr. Ed. Reich. 

Die Akademie empfing unterm 13. Aug. von Hrn. Dr. E. Reich folgende 

Erklüriiue'. 

Nachdem ich genauen Einblick in die Verhältnisse der Leopoldina genommen, erkläre 

ich allen und jeden Zusammenhang mit der Reichenbach'schen „Legalen Akademie" für 

aufgehoben. 

Den 10. Aug. 1873. Pr. Eduard Reich. 

Zu gleicher Zeit erklärt derselbe .seine unter dem 3. April d. J. erlassene Bekannt- 
machung, eine Neugestaltung der Akademie betreffend, iiii- ungültig, sendet Abdi-ücke der ihm 
von L. Reichenbach als angebhch legitimus praeses ausgestellten Diplome ein und bittet 
von diesen Schritten Notiz zu nehmen. 

Dresden den 14. Aug. 1873. Dr. Behtl. 

Leop. Vni, 15 



114 

Beiträge zur Kasse der Akademie. 

Aug. 8. Von Herrn Koloman Graf Lazar in Elisabethstadt auf Abschlag der 

Jahree beitrage für 1872 und 73 = 4 fl. Oest. W. ä 90 »'o 2 Thlr. 12 Gr. 

Dr. Behn. 



G-estortenes Mitglied. 



Im Juh 1873 zu St. Petersburg: Dr. Wenzeslaus von Pelikan, Kaiser]. Russ. Geheimrath 
und Präsident des Medicinalrathes. Geb. den 23. Sept. 1790. Aufgenommen den 
1. Mai 1855, cogu. Boyer. 

Dr. Behn. 



Christian August Herrmann Marbacli, 

am 11. April 1817 in Jauer geboren, besuchte nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters das 
Gymnasium zu Liegnitz, und bezog 1836 nach Absolvirung des Abiturieiitenexamens die Uni- 
versität Halle. Seine Lehrer während seines zweijährigen Aufenthaltes daselbst waren : in 
der Philosophie Gruber, Erdmann, Hinrichs, Schaller ; in der Mathematik Rosenberger, Sohnke ; 
in den Naturwissenschaften Kämtz , Germar , Schweigger - Seidel , besonders aber der letztere, 
dessen Famulus Marbach längere Zeit war. Michaelis 1838 siedelte er nach Berlin über, wo 
er besonders bei Gabler, Steiner, Dove und Erman hörte, und beendigte im Sommer 1839 
seine Studien in Leipzig unter Drobisch, Erdmann und Möbius. Weihnachten desselben Jahres 
bestand er in Halle das Lehrerexamen, und wirkte hierauf ein Jahr laug als Lehrer am 
Blochmann'schen Institute in Dresden. 1841 fand er Anstellung an der Realschule am Zwinger 
in Breslau, promovirte 1844 zum Dr. philos. (Diss. iiiaug. : „De superficie aliqua, qua cujus- 
que superficiei curvatura definiri potest") und verheirathete sich bald darauf. Im Jahre 1849 
wurde er als ordentlicher Lehrer an die neu errichtete Bürgerschule zum Heil. Geist in Breslau 
berufen, an welcher Anstalt er, von November 1850 an als Prorector, bis zu seinem Tode 
(24. April 1873) thätig war. Aber auch der Universität widmete er seine Kräfte, von 1855 
— 1860 als Privatdocent , von da an als ausserordentl. Professor der Physik. — Seine zahl- 
reichen Schriften , welche voi'zugsweise Gegenstände der Krystallographie und Optik behandeln 
und von denen der Catalogue of scientific papers 14 zusammenstellt, finden sich in Poggen- 
dorff's Annalen, den Schriften der Schlesischen Gesellschaft, mehreren Schulprogrammeu etc. 
zerstreut ; es seien hier nur die uns bekannt gewordenen, welche in dem obgenannten Catalog 
nicht aufgeführt werden, hervorgehoben : 

„Ueber Systematik in der Darstellung der Physik", Programmabhandlung 1847. 

„Ueber die doppelte Brechung des Lichtes in einaxigen Krystallen ", Programm- 
abhandlung 1851. 

flUeber hemiedrie non superposable", Programmabhandlung 1861. 
Marbach zeichnete sich durch seinen Charakter als Mensch, wie als Bürger und 
besonders als Lehrer in seiner doppelten Beziehung zur Universität wie zu der von ihm ge- 
leiteten Realschule aus und genoss in der schönsten Weise der allgemeinsten Achtung und 
Anerkennung ; sein unerwartet schneller Hingang im noch rüstigen Mannesalter erregte in den 



115 

weitesten Kreisen tiefes Bedauern. Stets war er, selbst mit grosser persönlicher Aufopferung, 
zu literarischer Unterstützung bereit, Jedem kam er mit Freundlichkeit entgegen, an allen 
Humanitätsbestrebungen , insbesondere an |öffentlichen , allgemeine Bildung und Verbreitung 
wissenschaftlicher Eikenntniss fördernden Vorlesungen betheiligte er sich auf die wirksamste 
Weise : als Bürger gehörte er der freisinnigen , ihrem Könige und Vaterlande treu ergebenen 
Partei an. — 



Dr. Friedricli Carl Stahl*), 

geboren zu München am 23. März 1811, genoss schon im elterlichen Hause einer trefflichen 
Erziehung; nach Absolvirung des Gymnasiums bezog er 1828 die dortige Universität. Nach- 
dem er hier und später in Erlangen , Freiburg und Würzburg dem Studium der Medicin ob- 
gelegen, promovirte er 1833 an letzterem Orte und bekleidete dann die Stelle eines klinischen 
Assistenten bei Henke in Erlangen. Im Jahre 1836 legte er zu Bamberg die Proberelation 
und zu München die Staatsprüfung ab und begann im folgenden Jahre seine praktische Thätig- 
keit zu Sulzheim in Unterfranken. 

Seine isolirte Stellung in diesem abgelegenen Orte mochte dem strebsamen jungen 
!Manne wohl anfänglich wenig behagen, sie wurde aber entscheidend für ihn, indem sie ihn 
auf dasjenige Gebiet führte, in welchem er bald seinen eigentlichen Lebensberuf und Gelegen- 
heit zur edelsten Thätigkeit finden sollte. Der in jener Gegend endemisch herrschende Cre- 
tinismus nämlich erregte Stahl's Aufmerksamkeit in hohem Grade ; er wandte sich mit Ernst 
zur wissenschaftlichen Erforschung dieser Erscheinung, und legte im Jahre 1843 die werth- 
vollen Resultate seiner langjährigen , durch mannigfache Hindernisse erschwerten Arbeit in 
einer Abhandlung nieder, welche unter dem Titel: „Beiträge zur Pathologie des Idiotismus 
endemicus, genannt Cretinismus" etc. im XXI. Bande der Nova Acta Acad. L. C. G. Nat. Cur. 
veröffentlicht wurde. — Zum Zeichen der Anerkennung für diese verdienstliche Leistung 
ernannte die Akademie den Verfasser zu ihrem Mitgliede, und ein ihm von König Ludwig I. 
verliehenes Reisestipendium machte es ihm möglich, seine Studien auf Reisen nach Wien imd 
Prag, in Württemberg und Steiermark, im Salzburgischen und in der Schweiz mit solchem 
Erfolge fortzusetzen, dass 1848 sein Hauptwerk: „Neue Beiträge zur Physiognomik und 
pathologischen Anatomie der Idiotia endemica", 4". Erlangen (in zweiter Auflage 1851), welche 
in der Prager Vierteljahrsschrift 1850 fortgesetzt wurde, erscheinen konnte. Stahl hat in 
dieser Schrift auch durch Hinweis auf einzelne bei Cretinsehädeln vorkommende Nahtver- 
wachsungen den ersten Anstoss zu Virchow's Lehre über die Entwicklungsgeschichte des Cre- 
tinismus und der Schädeldifibrmitäten gegeben. Rühmende Auszeichnungen wurden ihm dafür 
von den verschiedensten Seiten zu Theil ; die Academie franjaise krönte das Werk 1850 mit 
dem Preise Monthyon. 

Schon auf sginer Reise im Jahre 1846 liatte er aber auch der aufstrebenden Psychia- 
trie rege Theilnahme zugewendet, und nachdem er 1852 nach Münclien übergesiedelt, fand er 
endhch 1853 die ihm angemessene Thätigkeit als functionirender Arzt an der Local-Irrenanstalt 
St. Georgen in Bayreuth. Das längere Zeit sehr vernachlässigte Institut hob er durch an- 
gestrengteste Arbeit bald auf seinen früheren Stand ; seine eifrigen Bemühungen für Erweiterung 



*) Cf. Münchner ärztliches Intelligenzblaft 1873 Nr. 25 p, 3G.5— GG. 



116 

desselben zu einer Kreis-Irrenanstalt für Oberfranken blieben leider erfolglos. Im Jahre 1860 
iibernalini er dann die Direotion der oberpfälzischen Kreis-Irrenanstalt Cartbaus-Prüll bei Re- 
gensburg, wo er bis zu seinem Tode in segensreichster Wirksamkeit verblieb, stets auf Ein- 
führung der rationellsten und humansten Methoden und entsprechende Gestaltung der äusseren 
Verhältnisse seiner Pflegebefohlenen bedacht. 

Eine beträchtliche Anzahl von Abhandlungen, die er hauptsächlich in der „AUgem. 
Zeitschrift für Psychiatrie" und im „Irrenfreund" erscheinen hess, bezeugen, dass er auch 
fortwährend wissenschaftlich thätig blieb ; mehrere andere sollen in nächster Zeit im letzt- 
genannten Journal zur Veröfl'entlichung kommen. Es waren besonders die Difformitäten des 
(Schädels, speciell des Clivus Blumenbachii , denen er seine Studien widmete und über die er 
zu höchst schätzbaren Resultaten bezüghch der Disposition zum Irresein und in forensischer 
Hinsicht gelangte. 

Mit dem tiefsten Bedauern erfüllt es zu vernehmen , wie diese reiche , nach so man- 
chen Richtungen noch vielversprechende Kraft durch eine mehrjährige unheilbare Krankheit, 
ein Epithelialcarcinom der Zunge, allmälig aufgerieben wurde. Aber mit seltenem Muthe, mit 
unerschütterlicher Ruhe trug er sein Leiden, das ihn selbst bis zur letzten Zeit nicht von 
wissenschaftlicher Thätigkeit abzuhalten vermochte, und ohne dass je eine Klage über sein 
trauriges Schicksal von ihm gehört wurde, erlöste ihn der Tod am 19. Mai 1873. — 

Den edeln Charakter des Verstorbenen kennzeichnen am besten folgende Worte eines 
seiner Schüler : 

„Können wir riünnen in seinen gesunden Tagen seine reiche und vielseitige Bildung, 
seinen scharfen Verstand, sein sclmelles Auffassungs- und Combinationsvermögen , seinen aus- 
dauernden Fleiss und seinen wissenschaftlichen Eifer ; und aus seiner Schmerzenszeit seine 
gewaltige geistige Kraft, vermöge welcher er noch inmitten des klar erkannten Leidens wissen- 
schaftliche Arbeiten vollführte, ja selbst Anderen gegenüber seine Stimmung auf der gewohnten 
Höhe geniüthlichen Humors erhalten konnte : so wird uns doch am höchsten stehen die 
Erinnerung an sein gütiges und liebreiches Herz, an seinen selbstlosen Sinn, an seine treue 
Hingabe an Pflicht und Beruf ! " 



Eingegangene Schriften. 

(Bis zum DO. März 1873.) 



König!, bayerische botanische Gesellschaft 
in Regensbnrg. Flora oder allgemeine bota- 
nische Zeitung. Neue Reihe, 30. Jahig. oder 
der ganzen Reihe 55. Jahrgang. 1872. — 
Regensburg 1872. 8". 

J.Müller: Eiiphorbiaoeariun species novae. 
A. Kauitz: lieber Urtica oblougata Koch nebst 
einigen Andeutungen über andere Nessel- Arten ; 
mit 1 Tafel. F. Arnold: Lichenologische Frag- 
mente; mit 1 Tatel. A. Kauitz: Reise-Erinner- 
ungen. C. Hart mann: Fiue Bemerkimg zu Hrn. 
Dr. A. E. Sauter's Aufsatze in ,,Flora 1871, Nr. 24" 



(die Lebermoose des Herzogthums Salzburg). C 
Hasskarl: Chinakidtur auf Java. J. Müller: 
Bestätigung der R. Browu'schen Ansicht über das 
Cyatbiinu der Euphorbien. J. Klein :^ Zur Ana- 
tomie junger Couiferen - Wurzeln. E. Pfitzer: 
Ueber die Einlagerung von Kalkoxalat-Krystallen 
iu die pflanzliche Zellhaut; mit 1 Tafel. S. Kurz: 
Ueber eine sieue Art des Geschlechtes Pentaphragma. 
H. G. Reichenbach f: Trichoglottis fasciata. 
1j. Celacovsky: Noch ein Versuch ziu- Deutung 
der Euphorbienblüthe. H. G. Reichenbach f : 
Laelia Jongheaua. S. Schwendener: Erörter- 
ungen zur Gouidienfrage ; mit 1 Tafel. S. Kurz: 
Eine Notiz über Tetranthera ochrascens Mig. 



117 



H. C. C. Scbeffer: Ueber einige Palmen aus der 
Gruppe der Arecineae. A. Ernst: Ein weiterer 
Beitrag zur Bildung der Euphorbiablüthe ; mit 1 Taf. 
A. Geheeb: Bryologische Notizen aus dem Rhön- 
gebirge. H. de Vries: Ueber den Einttuss des 
Druckes auf die Ausbildung des Herbstholzes. 
AV. Nylander: Animadversiones quaedam circa 
F. Arnold Lieh. Fragm. XIV. F. Schultz: Bei- 
trage zur Flora der Pfalz (2. Nachtrag). S. Kurz: 
Pinus Latteri Mason. J. M. Normann: Cetraria 
ciliaris Ach. civis Florae Europaeae. H. (i. Rei- 
chenbach fil. : Neue Orchideen gesammelt von 
G.Mann. S. Kurz: Drei neue Tibetische Pflanzen 
(Parrya pmnila Kurz, Gypsophila sedifolia Kurz, 
Stellaria Tibetica Kurz), K. Prantl: Die Ergeb- 
nisse der neueren Fntersuchungen über die Spalt- 
öffnungen ; mit 1 Tafel. A. \V. Eichler: Aber- 
mals einige Bemerkungen über die Cruciferenblüthe. 
J. H. Schultes : Notiz über Viola bavarica Schrk.; 
über Begonia patula Fisch. (Begonia Fischeri Schrk.). 
S. Kurz: Gnetum Brunonianum Griff. W. Ny- 
lander: Addenda nova ad Lichenograpluam euro- 
paeam, continuatio 14. A. Besuard: Alpha- 
betische Uebersicht der speciellen Literatur des 
Genus Hieracium L. M. Konrad: Vorläufige 
Notiz über die Tremiung der Chlorophyllfarbstoffe. 
S. Kurz: Eine Bemerkung über Inodaphnis Miq. 
und über ein paar indische Eichenarten. — Eine 
neue Art des Genus Schroliera von Central-Indien. 
F. Schmitz: Der morphologische Aufbau von 
Verhuellia Miq.; mit 2 Tafeln. W. Nylander: 
Observata lichenologica in Pyreuaeis orientalibus. 
L. Celacovsky: Bemerkungen über Cruciferen. 
S. Kurz: Eine neue Art von Gironniera aus 
Austraheu. A. Engler: L'ober monströse Blüthen 
von Barbarea vidgaris Br. ; mit 1 Tafel. E. War- 
nung: Uebersicht über die Erscheinungen in der 
dänischen botanischen Literatur. J. Müller: 
Lichenum species et varietates novae. A. Ge- 
heeb: Bryologische Mittheiluugen. S. Kurz: 
Eine kitzliche Prioritätsfrage. — Eine Bemerkung 
zu Lobeha dapatriodes. G. Winter: Diagnosen 
und Notizen zu Rehm's Ascomyceten. H. Wawra: 
Beiträge zur Flora der Hawai'scben Inseln. C. 
Hasskarl: Bericht über den Zustand des bot. 
Gartens zu Buitenzorg auf Java über das Jahr 1>^7L 
F. Arnold: Die Eichenen des fränkischen Jura. 
A. Geheeb: Brotherus' bryologische Reise nach 
Lappland. 

Repertorium der periodischen botanischen 
Literatur vom Beginn des Jahres 1864 an. 
Vni. Jahrg. 1871. Als Beiblatt zur Flora 
1872. — Regensburg 1872. 8". 

Academie Koyale deMedecine deBelgique. 
Bulletin. Annee 1872. Troisieme Serie. Tome 
VI. Nr. 10 et dernier. — Bruxelles 1872. S«. 

Lefebvre: Sur la communication de M. le 
docteur Higguet, intitulee : Ectopie mobile du rein 
di-oit; Observation et refle.xions. Kuborn: Rap- 
port de la quatrieme Section sur deux ouvrages et 
une note manuscrite, relatifs ä la gyninastique, 
soumises ä l'Academie, par M. Schmitz. Gallez: 
Decollement et expulsion d'une portion considerable 



(un metre cinq centimvtrcs) de la muqueuse de 
rintestin gröle, par suite d'un coup de tampon de 
v\'agsron de chemin de fer , re^'u sur la paroi ab- 
dominale. Crocq, Kuborn, Segers: Suite de 
la Discussion des comnuuiications et de tous les 
autres travaux relatifs ä l'epidemie de cholera de 
186ii, soumis ä la Compagnie. 

Königl. Preussische Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin, iluuatsbericht. November 

1872. — Berlin 1873. 8". 

W. Peters: Ueber Herrn Dr. 0. Wucherers 
Batracliiersammlung aus Bahia (Amphodus nov. gen., 
A. Wucheri n. sp.. Hylomantis aspera g. et sp. n.). 

— Ueber einige neue oder wenig bekannte Saurier 
(Gecko trachylaemus n. sp., Hypsilurus macrolepis 
n. sp., Chalcides triliiieatus n. sp.. Lissolepis luc- 
tuosus n. g.). Dove: Ueber das Zurücktreten 
localer EiuÜüsse gegen die von den allgemeineren 
Bewegungen des Luftkreises abliängigen Wärme- 
änderungen, du B i s - R e y m n d : Ueber facetteu- 
förmige Endigung der Muskelbündel. 

Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in den Königl. Preussischen Staaten. Monats- 
schrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde. 16. 
Jahrg. Nr. 2, 3. Febr., März 1873. — Berlin 

1873. 8«. 

K. k. zoologisch - botanische Gesellschaft 
in Wien. Verhandlungen. Jahrg. 1872. 
XXII. Band. — Wien 1872. 8». 

a. Sitzungsberichte. — b. Abhandlungen. 
Th. Fuchs: Ueber den sogenannten „chao- 
tischen Polymorphismus" und einige fossile Mela- 
nopsis-Arteu ; mit 1 Tafel. M. Rupert s berger : 
Beiträge zur Lebensgeschichte der Käfer. — Zwei 
neue Carabiden- Larven. Dr. F. X. Fieber: Be- 
richtigungen zu Dr. Kirschbaum's CicacUnen der 
Gegend von Wiesbaden, Frankfurt a. M und an- 
derer Gegenden und Aufschlüsse über einige Cica- 
dineu in der \orm. Germar'schen Sammlung. J. 
Mann: Beschreibung sieben neuer Arten Mikro- 
lepidopteren (Melissobiapter oecouoraellus. Grapho- 
litha conformana. Gelecliia brucinella. galhncolella. 
decuriella. Pleurota sublustrella, Butalis leucogaster). 
Dr. J. 11. Schiner: Rudolph Felder, ein Nachruf'. 

— Miscellen. T. Beliug: Drei neue Arten der 
Gattung Sciara (S. atrata, gregaria. arenaria). 
Dr. J. R. Schiner: Ueber massenhaftes Auftreten 
einer Cklorops-Art (Ch. copiosa). — Ueber neue 
Dipteren. — Eine Beobachtung aus meinem .'Vquariuiii. 

— Vorkommen von Chelifer an Fliegen. Prof L. 
H.Fischer: Entgegnung über Vitus Graber's 
Mittheilimg der Aelmhchkeit der Geschlechtsorgane 
bei Orthopteren. C. Koch: Zwei neue Asiliden 
(Stichopogon Schineri, arenivagus). J. Ro sta- 
tin sky: Florae Polonicae Prodromus. B. Dy- 
bowski: Zur Kenutuiss der Fischfauna des Amur- 
gebietes. J. Freiherr v. Sehroekinger -Neu- 
denberg: Ueber ein monsti'öses Rehgeweih; mit 
1 Tafel. J. Kolazy: Ein Beitrag zur Lebeus- 
geschichte des Meerschweinchens (Cavia Cobaya L.). 
C. Tschek: Ueber einige Cryptoiden, meist aus 



118 



der österr. Fauna. Dr. 0. F in seh: Ueber eine 
Vögelsammluiig aus den Küstenländern der chine- 
sisch -japanistiu'n Meere. Dr. F. Low: Ueber 
Diaspis Visci Schrank, eine auf der Mistel lebende 
Schildlaus; mit 1 Tafel. F. Arnold: Licheno- 
logische Ausflüge in Tirol. Dr. 0. Flu seh: Ueber 
die von Frau Anialie Dietrich in Austrahen ge- 
sammelten Vögel. J. Freyn: Beitrag zur Flora 
Ober-Ungarns. Dr. F. Morawitz: Ein Beitrag 
zur Bienenfauna Deutschlands. G. R. v. Frauen- 
feld; Zoologische Miscellen (XXl. Zweite Hälfte). 
P. B. Hanf- Ornithologische Beobachtungen am 
Furtteiche zu Mariahof im Jahre 1871. S. Scliulzer 
V. Müggenburg: Mykologische Beobachtungen. 
A. V. Pelzein: Ueber eine Sendung von Vögeln 
von den Arn -Inseln und den Mollusken. C. v. 
Marchesetti: Ein Ausflug auf die julischen Alpen. 
Dr. E. Bergh: Ueber eine grönländische Aplysie ; 
mit 2 Tafeln Prof P. C. Zeller : Beiträge ziu- 
Kenntniss der nordamerikanischen Nachtfalter, be- 
sonders der Mikrolepidopteren. I. Abth. mit 2 Taf. 
G. Ritter v. Frauenfeld: Phylloxera vastatrix. 
P. G. Strobl: Aus der Friihlings-Flora und Fauna 
Illyriens. Th. Beling: Beitrag zur Naturgeschichte 
der Zweiflügler - Gattungen Bibio und Dilo])hus. 
Ferner ein dem Getreide scbädHches Insect. J. A. 
Graf Ferrari: Ueber das Vorkommen von Scor- 
pionen im Erzherzogthume Oesterreich. E. Wo- 
loszczak: Zur Flora Nieder-Oesterreichs. insbe- 
sondere des südöstlichen Scliiefergebietes. Dr. G. 
Mayr: Die Einmiether der mitteleuropäischen 
Eichengallen. Dr. 0. Nickerl : Beschreibimg 
einiger Zwitterbildungen bei Lepidopteren. Dr. 0. 
Staudinger: Drei neue österreichische Lepidop- 
teren. Dr. H. W. Reichardt; Miscellen. 

Meteorologische BeobachtungeE im Jahre 
1868. Separat-Abdruck aus den Annalen der 
"Wiener Sternwarte. 3. Folge, XIX. Band. — 
Wien 1873. 8". 

K. k. Akademie derWissenschaften inWien. 
Anzeiger. Jahrg. 1873, Nr. IV — VI. — Wien 
1873. 8". 

A. J. Davis. Der Arzt. Harmonische 
Philosophie über den Ursprung und die Be- 
stimmung des Menschen , sowie über Gesund- 
heit, Krankheit und Heilung. — Leipzig 
1873. 8". 

J. W. Edmonds, Der Amerikanische Spi- 
ritualismus. Untersucliungen über die geistigen 
Manifestationen. — Leipzig 1873. 8*. 

Königl. böhm. Gesellschaft der "Wissen- 
schaften in Prag. Sitzungsbeiichte. 1873. 
Nr. 1. — Prag 1873. 8". 

Hydrographische Mittheilungen, Heraus- 
gegeben von dem Hydrographischen Bureau 
der Kaiserhchen Admiralität. I.Jahrgang. 1873. 
Nr. 1—7. — Berlin 1873. 4». 



Nachrichten für Seefahrer. Beiblatt zu 
den Hydrographischen Mittheilungen. I — LEI. 
Jahrg. IV. Jahrg., Nr. 1 — 15. — Berlin 
1870—71—72—73. 4». 

Lyceum of the Natural History of 
New York. Annais. Vol. IX, Xo. 13; 
Vol. X, No. 1—3, 4—5, 6—7. — New York 
1870—72. 8". 

G. N. Lawrence: Descriptions of New Spe- 
cies of Birds from Mexico, Central America, and 
South America, with a Note on Rallus longirostris. 
T. Bland and W. G. Binney: Notes on the 
genus Piueria and on the lingual dentition of 
Pineria Viequensis, Pfeiffer. — On the lingual 
dentition of HelLx turbiniformis Pfr. and other 
species of terrestrial moUusca. (1 pl.) F. Poey: 
Genres des Poissons de la Faune de Cuba,' ap- 
partenant ä la Familie Percidae. avec une Note 
d'introduction par J. Carson Brevoort. (1 pl.) T. 
A. Teil kämpf: Notes on the Ascidea Man- 
hattensis. De Kay. and on the Mammaria Man- 
hattensis. (1 pl.) W. Stimpson: Notes on North 
American Crustacea. in the Museum of the Smith- 
sonian Institution No. III. G. N. Lawrence: 
Descriptions of thi-ee New Species of American 
Birds. with a Note on Eugenes spectabilis (Mimus 
uigriloris, Buarremou soriÜdus, Serpophaga grisea). 
E. S. Morse: On the Tarsus and Carpus of 
Birds. (2 pl.) Th Bland and W. 6. Binney: 
On the Systematic Arrangement of North American 
Terrestrial Mollusks. F. Poey: Monographie des 
Poissons de Cuba compris dans la sous-faiaille des 
Sparini. (2 pl.) G. N. Lawrence: Descriptions 
of New Species of Birds of the Genera Icterus and 
Synallaxis. Th. Bland: Description of a New 
Species of Mollusc of the Genus Heücina (H. 
Gloynei). T. Prime: Notes on specimens of Cor- 
biculadae in the Cabinet of the Jardin des I'lantes 
at Paris, and on the authorship of the Encvclo- 
pedie Methodiquc. 

— Proceedings. Vol. 1. April 4, 1870 — 
May 8, 1871. — New York 1871. 8". 

F. Nohhe. Handbuch der Samenkunde. 
Physiologisch-statistische Untersuchungen über 
den wirthschaftlichen Gebrauchswerth der land- 
und forstwirthschaftlichen, sowie gärtnerischen 
Samenarten. — Berlin 1873. 8". 



Die Deutsclie G-esellschait für Mur- 
und Yölkerkunde Ostasiens. 

lue Leopoldina beeilt sich den Mitghedern 
der Akademie von einer neuen Blüthe Kunde 
zu geben, welche che Deutsche Wissenschaft 
am Ostrande der alten Welt erschlossen hat. 



119 



Am 22. März d. J., dem Geburtstage des Kaiser 
Wilhelm, traten eine Anzahl der in Yedo und 
Yokohama ansässigen Deutschen zusammen, 
um eine Deutsche Gesellschaft für Natur- und 
Völkerkunde Ostasiens zu gi'ünden. Nachdem 
sich auf Grund vorläufiger Statuten eine so 
rege Theilnahme für das Unternehmen gezeigt 
hatte, dass ein gedeihlicher Fortgang desselben 
zu erwarten stand , wurden in der ersten Ge- 
neralversammlung am 26. April d. J. Statuten 
berathen und einstimmig angenommen , aus 
denen wir Folgendes entnehmen : 

§ 3. Zweck der Gesellschaft ist, den Mit- 
gliedern Gelegenheit und Veranlassung zum 
Austausche ihi-er Ansichten und Erfahrungen 
in Betreff der Länder Ostasiens zu gewähren, 
die Erforschung dieser Länder zu fördern und 
in den von der Gesellschaft herauszugebenden 
„Mittheilungen" ein Archiv für die Vermehrung 
unserer Kenntnisse Ostasiens zu schafiFen. 

§ 2. Der Sitz der Gesellschaft ist in 
Yedo, die (nach § 25 monatlichen) Sitzungen 
derselben finden abwechselnd in Yedo und 
Yokohama, die statu tenmässigen und ausser- 
ordentlichen General - Versammlungen bis auf 
Weiteres in Yokohama statt. — 

Aus § 12 ergiebt sich, dass die Gesell- 
schaft eine Bibliothek und Sammlungen (wohl 
in Yedo) anzulegen beabsichtigt. 

§ 27. Die Sprache der Verhandlungen 
und der Veröffentlichungen ist die Deutsche, 
doch steht dem Vorstande frei, bei Vorträgen, 
zu Gunsten von Mitgliedern oder Gästen, welche 
der Deutschen Sprache nicht mächtig sind, 
hiervon eine Ausnahme zu machen. — In 
keiner Sitzung darf indessen mehr als ein 
Vortrag in einer andern als der Deutschen 
Sprache gehalten werden. 

§ 29. Mittheilungen aus allen Gebieten 
des Wissenswerthen sind als Vorträge in den 
Sitzungen der Gesellschaft , wie als Beiträge 
zu den Veröffentlichungen derselben willkom- 
men, und sind nur Gegenstände rein politischer 



und persönlicher Natur von der Besprechung 
und Veröffentlichung ausgeschlossen. 

§ 31. Alle Mittheilungen und Sendungen 
sind bis auf Weiteres an den Vorstand der 
Gesellschaft, zu Händen des Consulats des 
Deutschen Reiches in Yokohama, zu richten. 

Zum Vorstande für das Jahr 1873 wurden 
gewählt : 
als Vorsitzender: der Minister- Resident des 

Deutschen Reiches, von Braadt; 
als Stellvertreter des Vorsitzenden : der Kgl. 

Preussische Oberstabsarzt Dr. Müller ; 
als Schriitführer : Dr. F. Hilgendorf und der 

Secretaire-Interprete der Kais. Deutschen 

Mission, P. Kempermann ; 
als Bibliothekar : Dr. Cochius ; 
als Schatzmeister : F. Mammelsdorff. 

Am 1. Mai d. J. bestand die Gesellschaft 
aus 52 Mitgliedern, wovon 23 aus Yokohama, 
20 aus Yedo, 7 aus Hiogo und 2 aus Sin- 
gapore. 

Die Gesellschaft hat nunmehr das erste 
Heft ihrer Mittheilungen vom Mai 1873 ver- 
sandt. Es umfasst 25 S. in kl. foL- Format 
und ist zu Yokohama in der Druckerei der 
Japan Mail gedruckt. 

Wir geben den vollständigen Inhalt : 

1. Meteorologische Beobachtungen der 

Station zu Yedo für Oct. 1872 bis März 1873 

von Erwin Knipping. 

Hr. E. K. giebt zuerst eine Uebersicht über 
die zu Grunde gelegten Formulare und Instruktionen, 
die gebrauchten Abkürzungen, die benutzten Instru- 
mente, die Lage der Beobachturigsorte und einst- 
weilen nur die monatlichen Resultate für Oct 1872 
bis März \87r<. Die meteorologisclien Tabellen 
(deren Manuscript bei einem Brande in der Druckerei 
der Japan Mail grösstentheils verloren ging) werden 
im nächsten Hefte folgen. 

2. und 3. Die Gesetze des Jyeyassu über- 
setzt und mit Anmerkungen versehen von P. 
Kempermann. 

2. geben die 18 Gesetze und 3. von den hundert 
Gesetzen Nr. 1 — 50. 

4. Chronologisches Verzeichniss der Kaiser 
und Siogune und 



J-2() 



5. die Namentafeln der "^iogun - Familien 
von M. V. B. 

6. Ein grosser Japanesisclier Dintenfisch 

( OmniastrepliasJ von Dr. F. Hilgendorl'. 

Der Gegenstand der Untersncliung war in Yedo 
als ein seltener Fans öffentlich zur Sclian ausge- 
stellt, aber von den Besitzern zn diesem Zwecke 
verstümmelt (die Eingeweide, sämmtliche ksiorpliclie 
Theile und das Ende der Fangarme waren entfernt 
iider fehlten, der Kopf war allgetrennt und die 
übrigen Äi-me beschädigt), mit Salz eingerieben 
und hall) getrocknet. Die Aussteller gaben in dem 
Plakate die ursprüngliche ganze Länge auf beinahe 

■-.ö Kon (circa 9 Meter) an und Dr. II. glaubte aus 
seiner mitgetheilten Messung der einzelnen Theile 

»sehliessen zu köjuien, dass sie wenigstens fi M. 
betragen haben müsse. Die Bestimmung blieb wegen 
der unvollkommenen Erlialtung unsicher. 

7. üeber die Gräber der Kaiser Tsutsi- 
Micado und Djiuniu von A. v. K. 

8. Der jüngste Ausbruch des Aso-Dsau, 
aus Japanesischen Zeitungen von A. v.Knobloeh. 

Der schon lange thätige Vulkan begann am 
1. Dec. 1872 seinen Auswurf so plötzlich, dass die 
in den Schwefelnnnen zahlreich beschäftigten Ar- 
lieiter alle verletzt und 4 getödtet wurden. Am 
24. I*ec. erfolgte ein neuer Ausbruch . der sich be- 
soiulers durch das Hervorsprudeln heisser Schwefel- 
quellen charakterisirte. welclie lieim HerabHiessen 
in den Fluss Sirakawa diesen vergifteten und alle 
Fische und Schaalthiere tödteten. Seit dem I.März 
d. J. wirft der Berg besonders Asche aus, weldie 
die Tage fast in Xaclit verwandelt uiul je nach dem 
Winde die Umgegend bis auf eine Fnttenmng von 
■S Rr (1 Ei = yilO M.) mit einer selbst 1 Zoll 
täglich übersteigenden Scliiclit bedeckt und die 
J' eider verwüstet. 

9. Ueber ein eigentliümliche.s Meeresleucliten 
von Dr. H. Cochius. 

Dr. C. lieobachtete am 21. Febr. d. J. etwa 30 
geogr. M. südlich von Hongkong, bei fast vollstän- 
diger Whidstille. ein von dem gewö)iidichen Meeres- 
leuchten, bei welchem die leuchtenden Kör]ier gc- 
soiulert erscheinen (wenn diese auch durch Abgabe 
des Leuchtstoti'es . wie bei Quallen und Crustaceeu 
leicht zu constatiren ist. das Meerwasser in ihrer 
nächsten Umgebung intiltriren und durchgängig 
leuchtend machen können. D. R.). sehr abweichen- 
des, wobei das Meer, so weit das Auge reichte, 
in einem gleichmässigen diffusen milchweissen Lichte 
erglänzte, dessen Lh-sache sich nicht nachweisen 
Hess, das aber so stark war. dass sein Retlex auch 
dem bedeckten Himmel eine weissliche Farbe ver- 
lieh. Dr. C. fülu't einige ähidiche Beobachtungen 
dieser auch von erfahrenen Schiffern selten ge- 
sehenen Erscheinung auf, denen Ref. noch eine 
weitere hinzufügen kann, indem er auf der Fahrt 
von Hongkong nach Amol unter ea. 28" n. Br. u. 
117" o. L. bei wechsehidem schwachen Winde am 



Abend des 17. Jiüi 1846 ein ähnliches Phänomen 
bemerkte, das sich am Atiend des 18. schwächer 
wiederholte. Das langsam bewegte Schiff (ca. 2 Kn.) 
kam plötzlich in eine Schicht, in der die ganze 
Wasserniasse , so weit sie von demselben in Be- 
wegung gesetzt wurde, und anscheinend mehr noch 
in der Tiefe als an der Oberfläche ein milcliweiss 
leuchtendes .\nsehen gewann, welches so stark war. 
dass man es im Kielwasser sicher auf eine Ent- 
fernung von 150 Schritt sehen konnte. — Im ge- 
schöpften Seewasser hessen sich, wie in Dr. C."s 
Fall, die gewöhnlichen einzelnen Leuchfpunkte nach- 
weisen, das I'hänonu'u durch leise Bewegung des 
Wassers auf Deck aber nicht reproduciren, noch 
eine Ursache desselben ausfindig machen. Cetaceen 
wurden in jenen Tagen nicht bemerkt, deren Nähe 
nach der Ansicht von Seeleuten „eine Milchsee" 
andeutete und die auch Dr. C, freilich in der Ent- 
fernung von mehreren Graden beobachtete. 

10. Die Heilkunde in Japan und Japanische 

Aerzte von Dr. Hoffmann. 

Die Japanische Heilkunde ist eine Tochter der 
Chinesischen. Dr. II. charakterisirt zwei chinesische 
Fundamenfalwerke (Shookänron und Kinki), die 
von allen, und vier andere, die wenigstens von den 
Japaiüschen Aerzten liberalerer Richtung als die 
Quellen alles medicinischen Wissens betrachtet 
wurden. Aber alle diese Werke sind mindestens 
20(1 Jahre alt. Neuere Chinesische Schriften haben 
sich keine Anerkenninig zu verschaffen vermocht. 
Die eigentlich Jajianische med. Literatur beschäf- 
tigte sich danut. jene Bücher zu erläutern und den 
richtigen Text festzustellen ; selbstständige Beob- 
achtungen oder eigene med. Anschauungen findet 
man nicht in d(>rselben. Dieser Standjiunkt wurde 
erst allmählig durch die Berührung mit Eiu-opäi- 
schen Aerzten, in Nagasaki zumal dmih Dr. Ph. 
F. v. Siebold erschüttert, der 1^24 die Ja])anesische 
Regierung zu bestimmen wusste, die "\'accination 
einzufülu-en. Dr. II. giebt nun eine Darstellung 
der seit 1657 an verschiedenen Orten in Japan er- 
richteten med. Schulen nnt Europäischen Lelu'ern 
und der Anstellunix Europäischer Hospitalsärzte, — 
Maassnalunen , die zwar bisher keine gründliche 
Umgestaltung der Japanischen Medicin liervorzu- 
rufen vermochten, von denen aber die jüngste, die 
P^rriihtung einer zweckmässig eingerichteten med.- 
thir Akademie zu Tokio (Yedo) bald eine günstige 
Wirkung verspricht, zumal seitdem derselben eine 
wissenschaftliche \'orbereitungsschule , jetzt mit 
?> Classen. beigegeben und ein med. Journal in 
Japanesischer Sprache liegründet worden ist. wel- 
ches die Eeg-ierimg zur Kunde der Aerzte des 
Landes bringt. 

Den Schlu.ss bildet eine vorläufige Notiz 
über Talpa mogura fSclileg.) von Dr. F. Hil- 
gendorl'. 

Dr. H. beobachtete, dass hier, wie bei der 
Talpa coeca Südeuropa's. die äussere Körperhaut 
das Auge vollständig bedeckt, und verspricht wei- 
tere Untersuchungen. 



Abgeschlosaeu den 31. August 1873. 



Druck \on K. B1ochinaiiP'& Sohn iu Dresden. 



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