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Full text of "Ludwig Darmstaedters Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik: In ..."

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Ludwig Danii»taeilterR 

Handbuch zur Geschichte 

der Naturwissenschaften 

und der Technik. 



Ludwig Darmstaedters 

Handbuch zur Geschichte 

der Naturwissenschaften 
und der Technik. 



In chronologischer Darstellung. 

Zweite, nmgearbeitete und yermelirte Auflage. 

Unter Mitwirkung von 

Professor Dr. R. da Bois-Reymond und Oberst z. D. C. Schaefer 

herausgegeben von 

Professor Dr. L. Darmstaedter. 




Berlin. 

Verlag von Julius Springer. 

1908. 



Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung 
in fremde Sprachen, vorbehalten. 



Friedrich Althoff 



dem unermüdlichen Förderer der Wissenschaft 



in Verehrung zugeeignet. 



Wer nicht von dreitausend Jahren 
Sich weiß Rechenschaft zu geben. 
Bleib im Dunklen, unerfahren, 
Mag von Tag zu Tage leben. 

West-östlicher Di van. 



Vorwort. 



In einem im Jahre 1904 unter dem Titel „4000 Jahre Pionier-Arbeit 
in den exakten Wissenschaften" erschienenen Werke haben wir den Ver- 
such gemacht, einen Abriß der Geschichte der l^aturwissenschaften und 
der Technik in Form einer chronologischen Übersicht zu geben. 

Das vorliegende Buch, für dessen Bearbeitung noch ein dritter 
Mitarbeiter gewonnen worden ist, verfolgt den gleichen Zweck, jedoch 
in ausführlicherer und umfassenderer Weise. 

Die Zahl der Artikel ist von 3600 auf nahezu 13000 gestiegen. Es 
sind jetzt nicht nur die bahnbrechenden Taten und grundlegenden Er- 
eignisse, sondern auch die einzelnen Stufen der Entwicklung zur Dar- 
stellung gelangt, und es Ist dadurch der Werdegang einer jeden Schöpfung 
veranschaulicht worden. 

Die einzelnen Artikel sind wesentlich ausgeführt worden, so daß 
sie einander zu einer auch für den Nichtfachmann verständlichen zu- 
sammenhängenden Geschichtsdarstellung ergänzen. 

Sämtliche Angaben sind auf Grund zuverlässigster Quellen geprüft, 
und dazu nicht nur alle in Betracht kommenden Fachwerke, sondern 
auch die einschlägigen Zeitschriften und wissenschaftlichen Abhand- 
lungen der in- und ausländischen Literatur benutzt worden. 

Angesichts dieser Ausgestaltung des Buches dürfen wir hoffen, daß 
sich dasselbe in immer weiteren Kreisen als ein selten versagendes Nach- 
schlagewerk für alle Tatsachen der Naturwissenschaften und der Technik 
bewähren, und daß es auch für den Forscher — neben seiner Fachlite- 
ratur — von Wert und Interesse sein wird. 

— VII — 



Wie bereits im Vorwort zur ersten Auflage erwähnt worden ist, 
bildete die umfangreiche Autographensammlung des Herausgebers den 
Grundstock des Werkes. 

Diese Entstehung brachte es mit sich, daß nur solche Entdeckungen 
und Erfindungen Aufnahme fanden, für die ein bestimmter Name nach- 
weisbar war. 

Dieser Grundsatz ist auch jetzt beibehalten und nur in den wenigen 
Fällen davon abgewichen worden, wo es nicht möglich war, den wahren 
Urheber einer Schöpfung festzustellen, aber unerläßlich schien, die Tat- 
sache selbst zu berücksichtigen. 

JS'och sei darauf hingewiesen, daß am Schlüsse ein Personen- und ein 
Sachverzeichnis beigefügt sind, und daß es sich empfiehlt, beim Nach- 
schlagen von Artikeln diese Verzeichnisse grundsätzlich zu Eate zu 
ziehen. Im besonderen wird aus dem Sachverzeichnisse der gesamt« 
Plan und die innere Gliederung eines jeden zur Darstellung gelangten 
Gebietes erhellen und so rasch erkannt werden, was das Buch in jeder 
einzelnen Frage zu bieten vermag, während ohne Benutzung des Ver- 
zeichnisses manche Angabe des Buches möglicherweise unaufgefunden 
bleiben würde. 

Außer den in der ersten Auflage genannten Herren haben uns auch 
diesmal zahlreiche Forscher durch Beiträge und durch Bearbeitung 
ganzer Gebiete gefördert. Es sind dies die Herren: 

Dr. Otto Antrick, Berlin. 

Sanitätsrat Dr. Berthold, Eonsdorf. 

Professor Dr. F. Blumenthal, Berlin. 

Privatdozent Dr. J. von Braun, Göttingen. 

Professor Dr. Ed. Bu ebner, Berlin. 

Geheimer Eegierungsrat Professor Dr. Di eis, Berlin. 

Professor Dr. Dziobek, Charlottenburg. 

Geheimer Eegierungsrat Professor Dr. Emil Fischer, Berlin. 

Dr. Max Ikl^, Berlin. 

Eisenbahn -Oberingenieur Ludwig Kohlfürst, Kaplitz i. B. 

Professor Dr. Lehmann-Haupt, Berlin. 

Dr. K. Löwenfeld, Charlottenburg. 

Professor Dr. W. Marckwald, Berlin. 

Professor Dr. Möller, Carlshorst. 

Dr. Albert Oliven, Berlin. 

Dr. Aug. Pfaff, Berlin. 

Hüttenmeister Dr. J. Savelsberg, Papenburg. 

— VIII — 



Kommerzienrat Schleifer, Berlin. 
Dr. H. E. Schmidt, Berlin. 
Wilh. Schmidt, Helmstedt. 
Oberingenienr Schnaubert, Berlin. 
Professor Dr. Semmler, Berlin. 
Dr. Max Senator, Berlin. 
Dr. Bobert Stelzner, Berlin. 
Dr. P. Wich mann, Hamburg. 
Dr. Wohlwill, Hamburg. 

Wir verfehlen nicht, ihnen sowie den in der ersten Auflage ge- 
nannten Herren unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Für Ergänzungen, Berichtigungen und anderweite Eatschläge sind 
wir nach wie vor dankbar und bitten, gütige Zuschriften an Professor 
Dr. L. Darmstaedter, Berlin W. 62, Landgrafenstraße 18a richten 
zu wollen. 

Berlin, im Oktober 1908. 



Professor Dr. Ludwig Darmstaedter. 
Professor Dr. Reii6 du Bois-Reymond. 
Oberst z. D. Carl Schaefer. 



— IX — 



Inb alts Yerzeichnis. 



Seite 

A. Ohrwiolocltdie DarsMIuaf 

VorchriBtliohe Zeit 1 — 28 

Christliche Zeit 

Erstes bis zehntes Jahrhundert 20 — 47 

Elftes bis fünfzehntes Jahrhundert 48 — 71 

Sechzehntes Jahrhundert 72—104 

Siebzehntes Jahrhundert 106 — 159 

Achtzehntes Jahrhundert 160 — 276 

Neunzehntes Jahrhundert • . . . . 277—993 

Zwanzigstes Jahrhundert 994—1070 

B. Partontnvirzalcliiib 1071—1138 % 

C. SaehverMichnIs 1139—1262 



— X — 



Chronologische Darstellung, 






1. 



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Yorchristliche Zeit. 



35^)0 Der Hindugelehrte PannlncrlilMt zu. Arittuwaxum am Ganges soll zuerst 
Palmenpapier zum Schreiben benutzt haben, in welches die Buchstaben 
• mittels eines Griffels eingedrückt, und alsdann durch Abreiben mit öl und 
Ruß lesbarer gemacht wurden. („Palmyrabücher".) 

9000 £in in Telloh gefundenes Basrelief aus Kalkstein, das unter anderem einen 
Harfenspieler darstellt, und eine in Bismya aufgefundene Vase aus blauem 
Seife nstein zeigen, daß den Babylonltrn zu jener Zeit sowohl die elf-, wie 
die sieben- und fünfsaitige Harfe bekannt waren. 

2700 Der chinesische Kaiser Shen-nmif, ,,der Vater der Landwirtschaft, der 
Arznei- und Heilkunst", gibt, wie chinesische Quellen anführen, das „Pen- 
king", eine 165 Heilmittel enthaltende Arzneimittelsammlung heraus und 
erprobt den Geschmack der Kräuter und ihre Wirkung auf den mensch- 
lichen Organismus. Er schreibt auch ein Buch über Pflanzenkunde 
(Hon-zo). 

— Der chinesiBche Kaiser Shtn-nung wird als Erfinder des Pfluges genannt. 
2668 Der chinesiBche Kaiser Hwang-tl imd sein Arzt U-pt stellen die ersten 

Grundgesetze der Heilkunde auf. 

2650 Dungi l., König von Ur, südbabylonischer Beherrscher des Zweistromlandes, 
wird von Nebukadnezar II. (s. 570 v. Chr.) als Urheber einer Gewichts- 
norm, der schweren babylonischen Mine zu 982,4 g genannt. Aus 2 Sta- 
tuen, die völlig übereinstimmende Maßstäbe tragen, ergibt sich die baby- 
lonische Doppelelle zu 990 — 996 mm, fast genau gleich dem Sekundenpendel 
für den 30. Breitengrad. Da das Wassergewicht des Kubus vom Zehntel 
der Doppelelle fast genau dem Gewicht der Mine entspricht, liegt hier 
anscheinend ein geschlossenes Maß- und Gewichtssystem vor, dessen Ein- 
heiten die Grundlage für die gesamte metrologische Entwicklung des Alter- 
tums gebildet haben. Dieses Maß- und Gewichtssystem beruht auf dem 
Prinzip der Sezagesimalteilung von Zeit und Kaum. 

2630 Nachdem, die Seide zuerst xmter dem chinesischen Kaiser Fu-hi, dessen 
Regierungszeit unbekannt ist, in Gebrauch gekommen war, nehmen der 
Kaiser Hwanf-tl und de^en Gemahlin Hti-linf-thl die Zucht der Seiden- 
raupe auf xmd fördern durch die Begründung der Weberei und Stickerei 
die chinesische Industrie. 

— Unter der Regierung des chinesischen Kaisers Hwanf-tl soll da^ Rechen- 
brett, Swän-pän, erfunden und das erste arithmetische Werk, Kieou- 
tschang, verfaßt worden sein. Der angebliche Erfinder des Swän-pän ist 
der Minister Cbeöu-ly. 

Darmitaedter. 1 

— 1 — 



2680 V. Chr. 

2630 'Tien-tschen erfindet nach Angabe chinesischer Geschichtsschreiber die 
Tusche, die in Stangen jedoch erst im 3. Jahrhundert v. Chr. in den 
Handel kommt. 

2600 Von Chtopt, ägyptischem König der vierten Dynastie, n'ihrt die größte 
der Pyramiden her, die sich südwestlich von Kairo bei dem Dorfe Gizeh 
auf dem linken Nilufer erheben. Sie war ursprünglich 147 m hoch und 
an jeder Seite der quadratischen Grundfläche 233 m lang. An ihr sollen 
nach Herodot 100000 Menschen 20 Jahre lang gearbeitet haben. Die 
Masse des Mauerwerks betrug ursprünglich 2521000 cbm. Die zweit- 
größte Pyramide ist die des Königs Chephren, und es sind von Kairo bis' 
zum Fayüm noch die Spuren von 67 Pyramiden nachweisbar. Alle diese 
Bauwerke sind so scharf orientiert, daß anzunehmen ist, daß an ihre Er- 
bauung unter anderem auch die Absicht geknüpft war, mittels ihrer Grund- 
linien die Himmelsrichtungen festzulegen. 

— Der Chinese Ral-ko fixiert die von Hwang-ti und Li-pe (s. 2668 v. Chr.) auf- 
gestellten Prinzipien der Heilkunde in seinem Werke „Nai-kiyo'% (das 
innere System), in welchem sich unter anderem die erste, sehr kompli- 
zierte Theorie des Pulses befindet. 

2500 In der von den Amerikanern ausgegrabenen altbabylonischen Ttmptl- 
MMIothtk zu NIppur finden sich Multipläationstabellen zum Ablesen größerer 
Multiplikationen und astronomische Berechnungen über die Sternbilder 
Skorpion und Jungfrau. 

2356 Der Keisbau ist in China schon im 3. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Im 
Jahre 2356 v. Chr. läßt der chinesische Kaiser Jao am Jantsekiang Be- 
wässerungswerke anlegen und regelt die Verteilung der Einkünfte der 
Keisfelder. 

2250 Im 3. Jahrtausend v. Chr. ist Babylonien bereits mit einem weitver- 
zweigten und kunstvoll gegliederten Systeme von Kanälen durchzogen, die 
zum Teil der Entwässerung, zum Teil der Bewässerung dienen und Von 
dem hohen Stande der damaligen Wasserbaukunst Zeugnis ablegen. So 
rühmt sich namentlich der babylonische Herrscher HammuraM, den Län- 
dern Sumer und Akkad Wasser durch Kanäle zugeführt zu haben. 

2220 Der chinesische Kaiser Yfl fördert die Verbreitung der Seidenzucht, indem 
er weite Landstrecken entwässert, dieselben mit Maulbeerbäumen bepflänzt- 
und Seidenraupen unter die Bevölkerung verteilt. Zu seiner Zeit beherr- 
schen die Chinesen die Technik der Weinbereitung in vollem Umfange. 
Doch scheint der Wein damals nur religiösen Opferzwecken gedient zu haben. 

— Zur Zeit des chinesischen Kaisers YQ ist den Chinesen der Stahl (Lo-we) 
bekannt. 

2206 Der Sohn des chinesischen Herrschers Yü begründet die erate erbliche 
Dynastie HIa in China. Um diese Zeit wird die chinesische Zeitrechnung 
derart geregelt, daß sie nunmehr 60 jährige Zyklen umfaßt. Als Anfang 
der chinesischen Aera wird das Jahr 2637 v. Chr. festgesetzt. 

2137 Die Chinesen kennen im 3. Jahrtausend v. Chr. die Vorausberechnung der 
Sonnenfinsternisse. Denn wie in dem von Confucius verfaßten Sdio-klilf 
(Buch der Annalen) berichtet wird, werden die chinesischen Hofastronomen 
Hi und Ho mit dem Tode bestraft, weil sie die Sonnenfinsternis vom 
Jahre 2137 v. Chr. (nach Oppolzer's Berechnung vom 22. Oktober 2137) 
nicht vorausgesagt haben. 

2000 Der König MtntuMtep erbohrt einen Brunnen und sein Offizier Se*anch 
„macht die Täler Hammamäts zu Krautgärten und seine Höhen zu Wasser- 
teichen**. 

1880 Zur Zeit des Königs StnwoMTft III. (Sesostris) gibt es in Ägypten Bierbraue- 
reien und Gerbereien. 

o 



1250 Y. Chr. 

1830 AmMMOlliit III., ägyptischer König der 12. Dynastie, erbaut der Über- 
lieferung nach den großartigen Tempelpalast unweit vom Mörissee in der 
Landschaft Fayüm, aus dessen Namen Lope-ro-hunt das Wort „Labyrinth" 
entstanden ist. Die Bauart dieses, nach den Untersuchungen von Flinders 
Petrie 305 m langen und 278 m breiten Tempelkolosses setzt, wie die der 
Pyramiden, (s. 2600 v. Chr. Cheops) nicht xmbedeutende mathematisch - 
technische Kenntnisse voraus. 

1750 Der Ägypter AahmtM (MiiiiMt) lehrt im „Papyrus Hhind", dem ältesten 
ägyptischen mathematischen Handbuche, die Berechnung des Flächeninhalts 
von Feldstücken, deren einschließende Seiten gegeben sind. Er rechnet mit 
ganzen Zahlen und Stammbrüchen und benutzt eingekleidete Gleichungen 
ersten Grades mit einer Unbekannten. 

1700 Das älteste bekannte Stück von wirklichem Email, d. i. Glas, welches auf 
Metall aufgeschmolzen und innig mit demselben verbunden ist, ist das 
Armband der) ägyptischen Königin Aahotep, welches sich im Museum zu 
Bulak befindet. 

1600 In das Jahr 1600 v. Chr. mindestens ist die Ausbildung des Zodiakus 
(Tierkreises) durch die Babylonlar zu setzen; wahrscheinlich reicht sie aber 
weiter zurück, vermutlich in ihren Anfängen bis über 3000 v. Chr. 

1475 Zur Zeit des Königs Thirtmotlt III. kennt man in Ägypten die Blasebälge. 
Es geht dies aus einer in Theben aufgefundenen Abbildung hervor, wo 
bei einem Metallschmelzprozesse ein Ledersack von zwei Männern ab- 
wechselnd niedergetreten (entleert) und an Stricken wieder hochgezogen 
(mit Luft gefüllt) wird. 

— In Ägypten ist zur Zeit des Königs Thutniaili III. die Herstellung der Glas- 
perlen bekannt. Eine 2 cm dicke Glasperle, welche dem Glasschmucke 
der Königin Hatasu, der Gemahlin Thutmosis', angehört hatte, ist von 
Captain Honey in Theben aufgefunden worden. 

— Von der im Altertum weit zurückreichenden Kenntnis des Eisens (vgl. 
auch 2220 v. Chr.) zeugt ein in der großen Cheopspyramide gefundenes 
Stück Schmiedeeisen und ein unter einer Sphinx in Kamak gefundener 
Teil einer Sichel. Urkundlich zuerst bestätigt wird der allgemeine Ge- 
brauch des Eisens in Ägypten durch eine Inschrift aus der Zeit des Ägypter- 
königs ThutiiMtls III. 

— In den Tributlisten und Beuteverzeichnissen des ägyptischen Königs That- 
HMtli III., welche sich auf seine in Asien geführten Kriege beziehen, wird 
von erbeutetem Blei berichtet, — die erste geschichtlich beglaubigte Er- 
wähnung dieses Metalls. 

1425 In dem Grabe des Königs Thiitinotls IV. von Ägypten sind eine Anzahl 
Gewebefragmente gefunden worden, die wohl die ältesten bekannten 
Webereien darstellen und die keinen Zweifel übrig lassen, daß damals 
schon aufrechtstehende Webstühle benutzt worden sind. Überraschend 
ist die Tatsache, daß ein Teil der Farben (Rot und Blau) noch in vollem 
Glänze leuchten, während andere (Braun und Schwarz) abgeblaßt sind. 

1400 Zur Zeit des ägyptischen Königs AmMophli IV. ist die Schnellwage mit 
Laufgewicht in Ägypten in (]rebrauch. 

1250 Zur Zeit des ägyptischen Königs R amm II. führen die Ägypter im Kriege 
zweirädrige Streitwagen mit sechsspeichigen Rädern und unmittelbar auf 
der Achse stehendem Wagenkasten, an welchem die Deichsel unbeweglich 
befestigt ist. Dieselbe trägt vom ein gepolstertes Joch, das mit Riemen 
um Brust und Bauch des Pferdes geschnallt wird. 
— Der ägyptische König Ranntt II. vollendet den bereits von seinem Vater 
Sethoft I. begonnenen Bau eines Schiffahrtskanals vom Nil zum Timsah- 

— 3 — 



1170 T. Chr, 

San und von da zum Koten Meere. Der Kanal verfällt später. (Vgl. 610 
V. Chr. Necho.) 

1170 Zur Zeit des Königs RamtM III. kennt man in Ägypten die Töpferscheibe 

und den Sonnenschirm. 
— In Medinet- Abu sind die Spitzen der von RamsM III. errichteten Masten 
vergoldet. Vermutlich haben diese Masten als Blitzableiter dienen sollen. 
Jedenfalls sind die Gesetze der Blitzleitung den alten Kulturvölkern 
keineswegs unbekannt gewesen, wie dies unter anderem die Inschriften 
des Tempels von Edfu beweisen. Auch eine Inschrift am Tempel von 
Dendera muß dahin gedeutet werden, daß die neben demselben auf- 
gerichteten kupferbeschlagenen Holzstangen zum Schutz gegen den Blitz- 
schlag bestimmt seien. 

1160 Unter der Dynastie der Tscheu werden magnetische Wagen gebaut, in 
deren Vorderteil eine frei schwimmende Magnetnadel Arme und Hände 
einer kleinen Figur, die nach Süden weist, bewegt. Solche Apparate, 
„Fse-nan** (Andeuter des Südens) genannt, werden den Gesandten von 
Tonkin und Tonkinchina vom Kaiser TMhlnf-waiif geschenkt, um ihre 
Rückkehr durch die großen Ebenen zu sichern. Das Volk, von welchem 
die Gesandten kamen, wird nach Richthofens „China" als „Yue-shang- 
shi" bezeichnet. 

1150 Wie das „Heilige Buch der Lieder'* erwähnt, läßt der chinesische Herrscher 
Wu-wang einen zoologischen Garten (Park der Intelligenz) anlogen, der 
800 Jahre lang bestanden hat, und Säugetiere, Vögel, Schildkröten imd Fische 
enthielt. Es ist dies die erste geschichtliche Erwähnung eines zoologischen 
Gartens. 

1100 Der zu Loy-ang residierende chinesische^K aiser Tschu-kong findet für die 
Schiefe der Ekliptik den für jene Zeit auffallend richtigen Wert von 
23« 52'. 
800 Homar kennt Goldschmiede und Bronzeschmiede und erwähnt schon das 
geschlagene Gold, das auch den alten Ägyptern bekannt war. Die Werk- 
statt des Hephaestos weist Hammer und Zange, Blasebalg und Schmelz- 
tiegel, Amboß und Amboßgestell auf. Auch nennt Homer das Zinn, kennt 
aber seine Eigenschaften nicht genauer. Er erwähnt zweimal das Blei. 
(Vgl. auch 1475 v. Chr.) 

— Homtr kennt bereits die Härtbarkeit des Stahles durch Ablöschen in 
kaltem Wasser, wie aus Od. IX, 391 hervorgeht. (Vgl. auch 1050 n. Chr.) 
An zahlreichen Stellen werden bei ihm Waffen erwähnt, die wir uns nur 
als stählerne vorstellen können. (S. a. 2220 und 1475 v. Chr.) 

— Homar erwähnt die Töpferscheibe, deren Erfindung dem Korinther 
Hyperbios oder dem Talos, dem Neffen des Daedalos, beigelegt wird. 
(Vgl. jedoch 1170 v. Chr. Ramses III.) Er beschreibt die Einrichtung 
des „Geschirrs" beim Webstuhl und kennt die aus dem Orient stammende 
Buntwirkerei. 

— Homtr erwähnt bereits den Sandarak, das Harz einer Thujaart, das zu 
Räucherpul vem, Räucherkerzen, Salben und Pfiastem verwendet wird. Er 
spricht von den Dämpfen des brennenden Schwefels als von einem Räuche- 
rungsmittel, das namentlich bei religiösen Zeremonien angewendet wird. 

— Homor berichtet in der Ilias bereits von der Verwendung des Olivenöls 
in der Weberei. Jedenfalls dürften die Griechen das erste Volk gewesen 
sein, das es verstanden hat, Oliven zu öl zu verarbeiten. Er erwähnt 
den Bemsteinschmuck als phönizischen Handelsartikel, wie auch schon 
in mykenischen Gräbern Bemsteinperlen oft in beträchtlicher Anzahl auf- 
gefunden worden sind. 

— 4 — 



700 T, Chr, 

SOO Nachdem man im Altertume anfangs das am nächsten liegende Düngongs- 
verfahren» bei dem die gewachsene Pflanzensubstanz durch Unterpflügen 
dem Boden einverleibt wird, die* Gründüngung, ausgebildet hatte, geht 
man schon früh zum Gebrauch der Exkremente der Haustiere, des Stall- 
düngers, über, den schon HonMr in der Odyssee erwähnt und dem dann 
die Verwendung der menschlichen Exkremente folgt. 

— HoBur spricht wiederholt von Leuchtfeuern an der Meeresküste (Odyssee 
X, 28; Ilias XVIII, 207 und XIX, 376), so daß derartige Seezeichen zu 
jener Zeit schon allgemein gebräuchlich gewesen zu sein scheinen. 

— In den indischen Gesetzbüchern des Mans findet sich die früheste Er- 
wähnung der Baumwolle und deren Kultur, so daß anzunehmen ist, daß 
diese Gespinstpflanze dort zuerst technisch verwendet worden ist. (S. auch 
327 V. Chr.) 

763 Das älteste sichere Zeugnis für die Beobachtung einer genau datierbaren 
Sonnenfinsternis verzeichnen die Anyrltr in der assyrischen „Verwaltungs- 
liste" (dem „Eponymenkanon mit Beischriften") unter dem 15. Sivan. 
Es ist dies die totale Finsternis vom 15. Juni genannten Jahres, auf die 
wahrscheinlich auch der Prophet Amos (8, 9) Bezug nimmt: „An jenem 
Tage ist der Spruch des Herrn Jahve, ,will ich die Sonne am Mittag 
untergehen lassen xmd auf die Erde am hellen Tage Finsternis senden*." 
(Vgl. jedoch 2137 v. Chr.) 

750 Wie eine um die Zeit des chinesischen Kaisers Plng-wang hergestellte, aus 
Eisen gegossene 13 m hohe Pagode beweist, kennt man in China bereits 
zu dieser Zeit den Eisenguß. 

747 Beginn der Aera des babylonischen Königs Nafeonattar. Diese Aera ist für 
die geschichtlichen Zeitbestimmungen von Bedeutung, da sich mit ihrer 
Hufe nach den von Ptolemäus überlieferten Regententafeln der Zeitpunkt 
vieler geschichtlich denkwürdiger Ereignisse berechnen läßt. 

730 König Ah» von Juda erbaut eine Sonnenuhr (Obelisk mit Stufen T). 

717 Der Überlieferung zufolge soll der römische König Numa PompUlM ein 
Mondjahr zu 355 Tagen mit 12 festen Monaten eingeführt haben, in 
das aUe zwei Jahre ein 13. Monat (Schaltmonat Mercedonius) einge- 
schoben wurde. 

700 Nachdem (nach Plinius) zuerst die Erythräer den Bau von Zweireihen- 
Schiffen (Dieren) — an Stelle der bis dahin üblichen einreihigen Ruder- 
schiffe — versucht hatten, bauen, wie Thukydides und Diodor berichten, 
die Korinther xmter des Ameliioldtt Leitung die ersten Dreireibenschiffe 
(Trieren). Übrigens wird die seit Livius herrschende Auffassung, daß 
unter den Mehrreihenschiffen „mehrere Ruderreihen übereinander" zu 
verstehen seien, neuerdings von Breusing als irrig angefochten. Er deutet 
die Dieren, Trieren und Penteren nicht als zwei-, drei- und fünfreihige 
Ruderschiffe, sondern als solche Schiffe, bei denen das einzelne Ruder 
mit zwei, drei oder fünf Mann besetzt ist. In ähnlicher Weise hat sich 
schon früher Thomas Rivius geäußert. 

— HmM von Askra in Böotien schreibt das Lehrgedicht „Werke und Tage", 
in dem Anweisungen zur rationellen Landbebauung gegeben sind imd ein 
Bauernkalender mitgeteilt wird. 

— Hltkla, König von Juda, läßt zwecks Anlage einer Wasserleitung (s. Altes 
Test. 2. Könige, Kap. 20, V. 20) zwischen dem Siloah- Teich und der 
Gihon-Quelle bei Jerusalem einen 531 m langen Felsenkanal herstellen, 
eine der ältesten geschichtlichen Tunnelbauten. Die Durchbrechimg der 
Felsmassen erfolgt mit Hilfe von Bronze-Werkzeugen. (S. die daselbst 
i. J. 1880 gefundene, jetzt in Konstantinopel befindliche Inschrifttafel.) 

— 5 — 



700 T. Chr. 

700 Wie aus den im Palast von Kujundschik entdeckten steinernen Abbil- 
dungen hervorgeht, bedienen sich die Assyrier zur Zeit des Königs Sawlurtfc 
zum Transport ihrer Steinkolosse auf dem Wasserwege teils der noch 
heute gebräuchlichen Flöße, die teilweise durch mit Luft gefüllte Säcke 
getragen werden (Kelleks), teils der von Herodot geschilderten Rundschi£f^ 
zum Landtransport der Schleife, die durch vorgespannte Sklaven ruck- 
weise fortbewegt wird. Die Schleife wird mit der Last am hintern Ende 
durch einen Hebebaum gelüftet und bei der Hebung werden Keile unter 
den Hebebaum gelegt. 

692 Glaukos von Chios erfindet die Lötung des Erzes wie auch des Eisens 
{atdiJQov x6XXr]aie), die an Stelle des Zusammennietens der getriebenen 
Stücke tritt. 

676 Terpandrot von Lesbos begründet die erste Musikschule in Sparta. 

620 Die erste römische Brücke ist der Pons Sublicius zu Rom, der am Ende 
der Regierung des Anciit Marclut entsteht. Die Brückendecke ruht auf 
hölzernen Pfählen, auf denen ein loser Brückenbelag liegt. 

— Die erste geschichtlich nachweisbare Brücke auf steinernen Pfeilern, über 
die bestimmte Nachrichten vorliegen, führte über den Euphrat xmd ver- 
band die auf den beiden Ufern des Flusses liegenden Königsburgen Ba- 
bylons. Die Erbauerin soll NItokrISi die Mutter Nebukadnezars II. ge- 
wesen sein. Nach Ktesias war die Brücke 1000 Fuß lang; die Entfernung 
der Steinpfeiler, auf welchen die Brückenbalken ruhten, betrug etwa 
4 m. Die Pfeiler waran aus Bruchsteinen hergestellt und die Steine durch 
eiserne, eingebleite Klammem miteinander verbunden. 

610 Der ägyptische König Nwho beginnt, unter Wiederaufnahme des Planes 
des Königs Ramses II., (s. 1250 v. Chr.) den Bau eines Schiffahrtskanals 
von Bubastis am Nil nach Patumos am Arabischen Meerbusen, der aber 
infolge eines Orakelspruchs unvollendet bleibt, und erst hundert Jahre 
später von dem Perserkönige Darius Hystaspis fortgesetzt wird. 

600 Ans dem Jahre 600 v. Chr. sind uns die ersten wissenschaftlichen astro- 
nomischen Messungen am Himmel (Ortsbestimmungen von Gestirnen) er- 
halten, welche die Babylonlar ausgeführt haben. 

— Zur Zeit des ersten japanischen Kaisers Jlmmu werden Massage und Aku- 
punktur bereits in Japan geübt. 

— Phönizische Schiffer unternehmen im Auftrage des ägyptischen Königs 
Nwho die erste geschichtlich beglaubigte Umschiffimg Afrikas, indem sie 
vom Arabischen Meerbusen absegeln und im dritten Jahre der Reise durch 
die Säulen des Herakles zurückkehren. Die phönizischen Schiffe jener 
Zeit besitzen, wie aus einem Relief in Ninive hervorgeht, bereits einen 
Rammsporn, der indes in Form eines eisenbeschlagenen Balkens über 
Wasser aus dem Schiffskörper hervorragt. 

— Als ältester römischer steinerner Brückenbau gilt der Pons Salarius 
über den Tiber, welches Werk durch Tarquiniut Pritciis errichtet wird. Be- 
stimmte Nachrichten über die Beschaffenheit dieser Brücke liegen nicht 
vor. (Vgl. 620 V. Chr. Ancus Marcius.) 

694 Soloii von Athen führt ein Mondjahr von 12 Monaten mit abwechselnd 
29 und 30 Tagen ein. Um eine Übereinstimmung dieses nur 354 Tage 
umfassenden Jahres mit dem Laufe der Sonne herbeizuführen, wird alle 
3 Jahre ein Monat zu 30 Tagen eingeschaltet. (Vgl. 540 v. Chr. Kleo- 
Stratos.) 

— Selon erläßt ein Gesetz, demzufolge jeder Bürger nachweisen mußte, daß 
er zehn Klafter tief ohne Erfolg gegraben habe, um ein Anrecht auf Mit- 
benutzung de« Nachbarbrunnens zu haben. Das Geheimnis des Brunnen- 

— ü — 



|ooO ▼, Chr, 

grabens besitzt in Athen seit Alters ein bestimmtes Geschlecht der 
„Brannengräber" (Pheorychoi). 
590 Eine aus Eyrene stammende, jetzt im Cabinet des M^dailles zu Paris be- 
findliche Schale zeigt den König ArkftllM von Kyrene, wie er auf einem 
Schiffe im Hafen das Abwägen und Verfrachten von „Silphium" beauf- 
sichtigt. Obwohl das Silphium sowohl als Arzneimittel, wie auch als Gre- 
würz und Gemüse in der Alten Welt eine ungemein wichtige Rolle spielte, 
und die Kyrenenser jene Pflanze auf allen ihren Münzen abbildeten und 
derselben den blühenden Wohlstand ihrer Stadt verdankten, ist bis jetzt 
noch nicht ermittelt worden, welche Pflanze unter dem Silphium der Alten 
zu verstehen ist. 

— Taniutalus PriKiis legt eine Kanalisation zur Entwässerung der Stadt Rom 
an, die durch Tarquinius Superbus vollendet wird. Durch dieses Kanal- 
netz wird der sumpfige Boden Roms entwässert; gleichzeitig werden die 
AbfaUstoffe der Stadt durch die Cloaca maxima nach dem Tiber abgeführt. 

585 Thal« von Milet findet einige elementare geometrische Sätze (gleichen 
Seiten eines Dreiecks liegen gleiche Winkel gegenüber; Dreiecke sind be- 
stimmt durch 1 Seite^und 2 Winkel; die Kreisfläche wird durch den Durch- 
messer halbiert), und ermittelt die Höhe der Pyramiden aus deren Schatten. 

— Thalts beschreibt zuerst im Abendlande die Eigenschaft gewisser Eisen- 
erze, Eisenspäne und dünne Eisenstücke anzuziehen. Diese Eisenerze er- 
halten, weil sie bei Magnesia in Lydien gefunden wurden, den Namen 
Magnete. Die magnetische Kraft nennt er „Seele", wie er überhaupt eine 
von der Materie untrennbare Energie unter dem Namen „Seele'' annimmt. 

— ThalM gibt eine, indes nur auf Wahrscheinlichkeitsschlüssen beruhende Vor- 
hersage der Sonnenfinsternis vom Jahre 585. (Nach neueren Berechnungen 
fand diese Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 statt.) Die wahre Ursache 
der Sonnen- und Mondfinstemisse ist ihm unbekannt. Er faßt die Erde 
als eine auf dem Ozean schwebende runde Scheibe auf. Er bezeichnet 
das Wasser als das Grundprinzip der Dinge. 

580 Der Schiffsanker, nach Plinius eine Erfindung des Tyrrheners Eupalamus, 
war ursprünglich einarmig. Nach Strabo (lib. VII) soll der Skythe AiM- 
duursis um 580 v. Chr. den zweiarmigen Anker erfunden haben. 

570 NaMiiidumitur II., König von Babylon (der biblische Nebukadnezar), führt 
die erste Stromkorrektion aus, indem er durch den 600 km langeif Kanal 
PaUakopas die Sumpfgebiete an der Euphratmündung entwässert. 

— Nakukatfinrrutar II. veranlaßt die Wiedereinführung der Gewichtsnorm des 
Königs Dungi. (S. 2650 v. Chr.) — Inschrift auf einem Steingewichte im 
Betrage der schweren babylonischen Mine zu 982,4 g. 

560 Der Baumeister ChtnlpfiriNi von Knosos auf Kreta bewirkt beim Bau des 
Artemistempels zu Ephesos die Fortschaffung schwerer steinerner Säulen 
dergestalt, daß er in den beiden Endflächen jeder Säule eine eiserne Achse 
durch Bleiverguß befestigt, einen viereckigen, mit entsprechenden Achs- 
lagern versehenen Holzrahmen herumlegt, und die Säule nach Art einer 
Chausseewalze durch Fortrollen zum Bauplatze befördert. (S. Vitruvius 
„De architectura*'. Lib. X.) 

560 — 529 KfTM verbindet alle wichtigen Grenzorte seines Reiches mit Susa 
durch Meldereiter. 

550 Mago von Karthago, von Columella der Vater der Agrikultur genannt, 
schreibt 28 Bücher über Landwirtschaft, die nach der Eroberung von 
Karthago (146 v. Chr.) der römische Senat ihrer Wichtigkeit wegen in die 
lateinische Sprache übersetzen läßt. 

— Zur Zeit des Mago verstehen sich die Karthager bereits auf die Bereitung 
besonders feiner Weine durch Benutzung des „Ausbruchs**. Das Ver- 

— 7 — 




660 T, Chr. 

fahren wird später vergessen; der Tokajer Ausbruch wird zuerst i. J. 1660 
erwähnt. 
650 MttapMt, des Chersiphron Sohn, verbessert die Transportmethode seines 
Vaters (s. 660 v. Chr.) zur Fortschaffung schwerer Balken in der Weise, 
[• daß er in den Himflächen der Stämme eiserne Zapfen befestigt, und an 

diesen 12 Fuß hohe Räder derart anbringt, daß der fortzuschleppende 
Balken gewissermaßen die Achse eines Räderpaares darstellt. Um das 
Ganze wird ein viereckiger Rahmen gelegt, vor den Zugochsen gespannt 
werden. (S. Vitruvius „De architectura". Lib. X.) 

— Phokot von Samos schreibt ein Lehrgedieht „Schifiteastronomie", worin den 
Schiffern die wichtigsten Sternbilder geschildert werden. Statt des großen 
Bären wird der kleine als Orientierung nach Norden empfohlen. 

647 Anaxlmantfrot von Milet schreibt das erste philosophische Buch der griechi- 
schen Literatur. £r leitet darin aUes aus dem Universalprinzip des „Un- 
endlichen" ab, aus dem das Individuelle in beständiger Emanation entsteht 
und wohin es zurückkehrt. Er lehrt zuerst die Koexistenz unendlich vieler 
Welten. Er ist der Begründer der astronomischen Sphären theorie und 
lehrt die Konstanz der Bewegung. Er wird als Erfinder des Erdglobus 
bezeichnet. 
;- — Anaxlmantfrot entwirft die erste Erdkarte und stellt in Sparta einen Gnomon 
(Sonnenuhr) auf. 

— Anaximandrot spricht klar aus, daß die Menschen von tierähnlichen Vor- 
fahren abstammen und legt damit den Keim zur Deszendenzlehre. 

640 KlaoitnitM von Tenedos verbessert das von Selon (s. 694 v. Chr.) ein- 
geführte Mondjahr durch die „Oktaeteris'% einen achtjährigen Zyklus, 
in welchem jedesmal das 3., 6. und 8. Jahr einen Schaltmonat von 30 Tagen 
erhält. Durch Eudoxos und Eratosthenes noch abgeändert, wird diese 
Zeitrechnung durch Meton's Enneadekaeteris (s. 432 v. Chr.) verdrängt. 

632 Eapalinot von Megara stellt für die von ihm erbaute Wasserleitung der 
Stadt Samos einen Tunnel von 1000 Meter Länge her, indem er von beiden 
Seiten nach genauem Nivellement den Durchstich beginnt und in dem so 
hergestellten Tunnel einen Graben anlegt, durch den das Quellwasser der 
Quelle Leukothea den Leitungsröhren zufließt. Dieser Tunnelbau ist eine 
der kühnsten technischen Schöpfungen des Altertums. 

— Pythagorat von Samos bezeichnet die Zahl als das Prinzip der Dinge. Er 
steUt die Hauptsätze der mathematischen Zahlen theorie auf, kennt die 
Primzahlen, bildet den Begriff der mathematischen Reihe aus, unterscheidet 
arithmetische, geometrische und harmonische Proportionen und legt den 
Grund zur Theorie der Vieleckszahlen. Die an das rechtwinklige Dreieck 
mit den Seiten 3, 4 und 6 geknüpfte, von altersher bekannte Tatsache, 
daß 3* -f- 4* = 6* ist, führt ihn zur Aufstellung des nach ihm benannten, 
aber bereits in Indien und wahrscheinlich vorher schon in Babylon bekannten 
Lehrsatzes, und weiterhin zur Entdeckung des Irrationalen. — Es ist zu 
beachten, daß Pythagoras selbst nichts geschrieben hat. Es bleibt daher 
eine offene Frage, inwieweit die seinen Namen tragenden Lehren von ihm 
selbst, oder aber von seinen Nachfolgern, den Pythagoraeern, herrühren. — 
Vgl. auch 410 V. Chr. Theodoros. 

— Pythaforat scheint sich die Erde als eine Kugel, die sich gleich der Sonne, 
dem Mond und den Planeten um ein Zentralfeuer drehe, zu denken. Er 
soll zuerst erkannt haben, daß der Abendstem (Hesperos) mit dem Morgen- 
stern (Phosphoros) identisch ist. 

— Pythaforai rühmt bereits die Heilkraft des Anis, der mehrfach auch in 
den hippokratischen Schriften erwähnt wird. Nach dem Abendland kommt 
der Anis erat 1561. 

— 8 — 



490 T. Chr, 

532 ThtodMTM von Samos erfindet angeblich die Bleiwage, das Winkelmaß, die 
Drehbank und den Sohlüseel. Bei dem Tempelban in Ephesos verwendet 
er Holzkohle, um den Boden auszutrocknen. Auch soll er den Erzguß, 
den die Ägypter in uralter Zeit bereits kannten, in Griechenland zuerst 
geübt haben. 

— ThMtforw von Samos übt zuerst die Kunst des Schneidens (Schleifens) der 
Edelsteine. Indes beschränkt sich die Edelsteinschleiferei zu jener Zeit 
lediglich auf das Bearbeiten und Glatten der natürlichen Flächen der 
Steine. (Vgl. 1456, Berquem.) 

530 AiMUdiiMiMS, Schüler des Anaximandros, lehrt, daß der Mond sein Licht von 
der Sonne habe. 

— KtoottritM von Tenedos stellt Beobachtungen über die Sonnenwende an, 
indem er die Schatten des Idagebirges beobachtet. Sein Lehrgedicht 
„Astrologie" gibt Einzelheiton über die Stemphasen des Zodiakus (Skor- 
pion, Widder, Schütze, Böcke). 

522 DtmoktdM, Sohn eines knidischen Tempelarztes, begründet in Eroton die 
erste Ärzteschule auf wissenschaftlicher Grundlage. 

520 HakatasM von Milet bereist einen großen Teil der bekannten Welt von 
Hispanien bis Indien und von der Donau bis zum Nil und legt die Er- 
gebnisse seiner Reisen in der jetzt nur noch in Bruchstücken vorhandenen, 
von Herodot viel benutzten Erdbeschreibxmg nieder, der auch eine s. Z. 
berühmte Erdkarte beigegeben war. 

— Der griechische Grcograph Skylax von Karyanda in Karien unternimmt im 
Auftrage des Darius Hystaspis eine Entdeckungsreise von der Mündung 
des Indus bis in das Innere des Arabischen Meerbusens und legt seine Er- 
fahrungen und Beobachtungen in einem „Periplus" nieder. (Der xmter 
seinem Namen erhaltene Periplus des Mittelmeers stammt nicht von 
ihm, sondern aus einer späteren Zeit.) 

*- Xtnopliaiiai von Eolophon führt die versteinerten Überrest-e von Seetieren 
auf Bergen, die Abdrücke von Lorbeerblättern in dem Grestein von 
Faros u. dgl. als Beweis dafür an, daß das Festland periodischen Über- 
flutungen unterworfen sei. 

513 Die erste bekannte Schiffbrücke läßt auf seinem Eroberungszuge gegen 
die Skythen Dariiis I. von Fersien durch den Baumeister MandraUM von 
Samos über den Bosporus schlagen. Wie die bei seinem Zuge gegen die 
Griechen von Xerxes 480 v. Chr. über den Hellespont geschlagenen Brücken, 
besteht diese Brücke aus einzelnen Schiffen, die beiderseits verankert sind. 
Über sämtliche Schiffe sind Taue von Flachs und Byssus gespannt, die 
den doppelten Bohlenbelag tragen. Zum Durchfahren bleiben Lücken 
zwischen den Schiffen offen. 

509 Der Dichter Theognis von Megara erwähnt zuerst die Verwendung des 
Frobiersteins zur Früfung des Goldes. 

500 Im „Ayur Veda*' des indischen Arztes 8u(riita wird der Magnet als ein Mittel 
gepriesen, um eine eiserne Ffeilspitze auszuziehen. Besonders wirksam ist 
der Magnet, wenn der Ffeil gerade und nicht zu fest im Fleisch ein- 
gebettet ist. 

— Sufruta gibt die erste bekannte Anweisung, die ganz oder teilweise zer- 
störte Nase durch Einheilen eines Hautlappens aus der Wange wieder 
herzustellen, 

490 HtriklltM von Ephesos stellt den Satz auf: Alles Irdische fließt, und nichts 
beharrt; alles aber wird geregelt durch das ewige Naturgesetz (Logos), 
das Weltentstehung und Weltuntergang im Großen und Kleinen ordnet. 
Als Urmaterie betrachtet er das Ätherfeuer. 

— HtriklHM erwähnt zuerst die Krempelwalze. 

— 9 — 




486 ▼. Chr. 

486 — 465 Xtrxet bedient sich zur Verbindung Persiens mit Griechenland in Ruf- 
weite voneinander aufgestellter Sklaven, welche sich der Reihe nach die 
zu befördernden Nachrichten zurufen, wobei diese dreißigmal schneller 
ihr Ziel erreichen als bei der Beförderung durch Boten. 

480 AlkmaMNi von Eroton begründet die wissenschaftliche Embryologie und 
Hygiene. 

— Alkmaeon findet, daß jede Empfindung des Körpers durch das Gehirn 
vermittelt und die Bewegung der Glieder vom Gehirn geleitet wird. Er 
ist der erste Arzt, der Sektionen zu wissenschaftlichen Zwecken vornimmt. 
So findet er Gänge, die vom Gehirn zu den Augen führen (Sehnerv!) xmd 
unterscheidet die verschiedenen Häute des Auges. Erste Theorie der 
Sinneswahrnehmungen (Gesicht, Gehör, Geschmack). 

— ParmanIdM von Elea behauptet die Abhängigkeit des Denkens von der 
warmen oder kalten Körper beschaff enheit. Von ihm stammt die Ein- 
teilung der Erde in fünf Zonen, die heiße, die zwei gemäßigten und die 
zwei kalten Zonen. 

470 Leukippos von Milet erfindet die von Demokritos von Abdera um 420 v. Chr. 
ausgebildete Atomistik. (Prinzipien, qualitätslose Atome und Vakuum. 
Mechanische Welterklärung. Entstehung der unzähligen Welten durch 
Wirbelbewegung. Entstehung der Wahrnehmung durch mechanische Ein- 
wirkung dünner, von den Objekten abgelöster Häutchen. Sekundäre Ent- 
stehung der Qualitäten). 

464 Anaxagoras von Klazomenae entwickelt die Elemente der Perspektive, und 
zwar, wie Vitruvius berichtet, unter Bezug auf die Bühnendekorationen 
einer Schaubühne, die der Baumeister Agatharchos zur Aufführung der 
Dramen des Aeschylos in Athen hergerichtet hatte. 

460 Anaxaforas gibt zuerst die richtige Erklärung der Nilschwelle (Schmelzen 
der Schneeberge in Äthiopien), die bereits der Dichter Aeschylos in den 
„Hikeliden" kennt. 

— AnaxagCNat unterscheidet Kraft ( Geist) und Stoff. Die Gestirne sind glühende, 
aus der Erdregion durch die zentrifugale Kraft der weltbildenden Be- 
wegung an die Peripherie versetzte Erdmassen, die durch den Umschwung 
glühend werden. Veranlassung zu dieser Hypothese gibt der Meteorstein- 
fall von Aegospotamoi (468 v. Chr.). 

— Anaxaforas erkennt in dem Gesicht des Mondes Ebenen, Berge und 
Schluchten eines unserer Erde entsprechenden Himmelskörpers. 

— Der Mathematiker Oanopidts von Chios steUt einen Zyklus von 59 Jahren 
auf, um Sonnenjahr und Mondlauf auszugleichen. 

458 AtKhylot erwähnt in seinem „Agamemnon** den (zu seiner Zeit im per- 
sischen Reich üblichen) Feuertelegraphen (Angaron), der den Fall Trojas 
von Insel zu Insel nach Argos gemeldet habe. 

450 Empedokles von Akragas stellt die Sätze auf: Es gibt keine Entstehung 
aus nichts und kein Vergehen in nichts, sondern nur eine Umwechselung 
der vier ewigen Elemente (Feuer, Luft, Wasser, Erde) unter dem wech- 
selnden Einfluß der polaren Kräfte Liebe und Haß (Anziehung, Abstoßung). 

— EmpadoklM erwähnt zuerst die in Griechenland bei Gerichtsverhandlungen 
zur Abmessung bestimmter Stundenfristen übliche Klepsydra (Wasseruhr). 

— Empedokles ist der erste methodische Beobachter der vulkanischen Er- 
scheinungen Siziliens. Er nimmt eine feuerflüssige Beschaffenheit des 
Erdinnem an und erklärt damit die Vulkane und die heißen Quellen. Er 
deutet die auf Sizilien vorkommenden Knochen großer fossiler Säugetiere 
als Reste eines ausgestorbenen Gigantengeschlechts. 

— Herodot von Halikarnassos unternimmt große Reisen nach Südrußland 
(Olbia), Griechenland, Kyrene, Unteritalien, Ägypten, Palästina und 

— 10 — 



488 T, Chr, 

Persien (bis Susa). Zurückgekehrt legt er die Ergebnisse seiner For- 
sohiingen in neun Büchern nieder, welche die politische und die Kultur- 
geschichte zusammenfassen und namentlich der geographischen Beschrei- 
bung großen Raum gewähren. 
450 Htrodot erwähnt in unzweifelhafter Weise die Butter, die bei den Skythen 
durch starkes Schütteln der Pferdemilch und Absonderung dessen, was 
sich oben abscheide, gewonnen werde. Daß die Skythen auch die Berei- 
tung von Käse verstanden, wird von Hippokrates von Kos berichtet. 
Auch spricht Herodot bereits von einer sechzigblättrigen Rose, womit 
ohne Zweifel die gefüllte Zentifolie gemeint ist. Die Darstellung des 
Rosenöls, der Rosenpastillen, des Rosenhonigs, eines Rosen ex traktes usw. 
wird von Dioskorides beschrieben. 

— Htrodot beschreibt das Einbalsamierungsverfahren der Ägypter, die nach dem 
Herausnehmen des Gehirns und der Ausräumung der Bauchhöhle Palm- 
wein und Spezereien in die Leibeshöhlen schütteten, dieselben mit Myrrhen, 
Cassia und sonstigen wohlriechenden Substanzen füllten und den Körper 
70 Tage lang in Natron legten. Die so präparierte Leiche wurde in 
Byssusstreifen eingewickelt, die durch Gummieren fest verbunden wurden. 
Von den Äthiopiern berichtet er, daß sie die Körper der Gestorbenen aus- 
trocknen ließen, mit einem Gipsüberzuge versahen und bemalten. 

— Die karthagischen Feldherm Himitko und Hanno machen Entdeckungs- 
fahrten, jener bis an die englischen Zinninseln, Hanno bis nach Sene- 
gambien und der Guineaküste (Kap Palmast). 

— KIMXMIM und Dtmoklltot erfinden einen optischen Buchstabentelegraphen, 
indem sie das Alphabet auf fünf Tafeln zu je fünf Buchstaben verteilen 
und durch Fackelzeichen (Sichtbarmachen von 1 bis 5 Fackeln) jedesmal 
zuerst die betreffende Tafel und alsdann den betreffenden Buchstaben 
kennzeichnen. (Polybios X, 45.) Dieser Buchstabentelegraph wird noch im 
3. Jahrhundert n. Chr. angewendet. 

444 DIonyslM der Eherne soll zuerst den Gebrauch von Kupfermünzen veran- 
laßt haben. 

— Euryphon, ältester wissenschaftlicher Arzt der kölschen Schule, erklärt die 
Krankheit aus Überfüllung des Magens. 

— HtrodlkM von Selymbria verbindet Gymnastik und Heilkunde zur Yar^oJUi.T- 
Tixi; (Heilgymnastik). Er verordnet grundsätzlich ermüdende Spaziergänge 
und stellt das Prinzip auf, daß die Nahrungszufuhr in der körperlichen 
Arbeit ihr Gegengewicht finden müsse. 

— HaroM erwähnt bereits das Vorkommen und die Gewinnung von Bitu- 
men (verdicktes Erdöl, Asphalt) im Is, einem Nebenflusse des Euphrat. 
Auch gibt Herodot Nachrichten über die vermutlich von Darius organi- 
sierte persische Reichspost (Angareion). 

— Herodot erwähnt zuerst das in Ägypten und Griechenland übliche 
Rechnen auf dem Rechenbrett (Abakos), das bei dem Mangel eines dezi- 
mal geordneten Ziffernsystems die Addition und Subtraktion erleichtert 
und in China seit den ältesten Zeiten (s. 2630 v. Chr. Hwang-ti) in Ge- 
brauch war. 

438 PhMiat verwendet nach Plutarch bei der Herstellung des chryselephantinen 
Zeusbildes Arbeiter, die das Elfenbein zu erweichen und zu strecken 
verstanden hätten. An einer anderen Stelle behauptet Plutarch, dies sei 
mit Bier geschehen. Seneca nennt als Erfinder äi^s Verfahrens Demokrit. 
Vermutlich ist alles Fabel, wie der entsprechende antike Glaube, der 
Diamant lasse sich durch Bocksblut erweichen, und die gleichfalls 
Demokrit zugeschriebene Kunst der Färbung der Edelsteine. 

— 11 — 



2 Y. Chr, 

432 Der Athener MttM sclüägt für die Zeitberechnongen den nach ihm be- 
nannten ZykluB von 19 Mondjahren (Enneadekaeteris) vor, der 12 gemeine 
Jahre zu 12 Monaten und 7 Schaltjahre zu 13 Monaten umfaßt, 8o daß 
im Mittel ein Jahr = 365,263 Tage ist (b. 640 v. Chr. EleostratoB). 

430 Hlppokrattt von Chios gibt die nach ihm benannte Konstruktion der 
„Lunulae Hippokratis" an, durch die er, freilich irrtümlich, das Problem 
der Quadratur dcB Kreises für gelöst ansieht. Er führt das delische Problem 
der Würfel Verdoppelung auf die planimetrische Forderung zurück: zwischen 
zwei gegebenen Strecken zwei mittlere Proportionale einzuschalten. Er 
schreibt das erste griechische Lehrbuch über die Elemente der Mathematik. 

— Der Bildhauer Kalllmachtt soll nach Plinius den Marmorbohrer erfunden 
haben. 

— Nach dem Berichte des Pausanias (^EXXddog negirjyiiatc) bringt der Bildhauer 
Kalllmaehoi an dem Standbilde der Athene auf der Akropolis von Athen 
eine goldene, mit öl gespeiste Laterne an, deren Docht aus un verbrenn- 
lichem karpasischem Steinflachs, das ist Asbest, hergestellt war. (Vgl. 
auch 77 Plinius, welcher den Asbest gleichfalls für eine Pflanze hält.) 

424 Der griechische Geschichtsschreiber ThukytfItfM berichtet (IV, 100), daß sich 
im Jahre 424 v. Chr. die Böotier vor Delion des Feuers als Angriffs- 
mittel in folgender Weise bedienten: Am vorderen Ende eines durch 
eiserne Keifen zusammengehaltenen Holzrohrs war ein Gefäß mit brennen- 
dem Pech und Schwefel angebracht, am hinteren Ende arbeiteten große 
Blasebälge, deren Luftstrom das Feuer als starke Stichflamme gegen das 
Angriffsziel trieb. — Übrigens reicht die Kenntnis derartiger Feuerwerks- 
künste im Altertum, namentlich bei den Chinesen, noch viel weiter zurück. 
Doch ist die oft versuchte Deutung als „Pulvergeschütze" eine irrige. 

423 Der Lustsxrieldichter Arfttophams von Athen erwähnt in seiner Komödie 
„NetpiXai** (2. Akt) das Brennglas (Brennkrystall) und seine Verwendbarkeit 
zum Feueranzünden. Doch geht aus dem Zusammenhange hervor, daß 
es sich dabei nicht um eine damals allgemein bekannte Tatsache handelte. 

420 Demokritot von Abdera pflichtet der Lehre des Empedokle« (s. 450 v. Chr.) 
von der ünzerstörbarkeit der Materie bei und erklärt, alle Veränderung 
sei nur Verbindung oder Trennung der unteilbaren Elemente der Materie, 
der Atome, die nur der Gestalt und Größe, nicht aber dem Stoff nach 
verschieden seien. 

— DtmokrltfM wird der Überlieferung nach als Erfinder des G^wölbebaus be- 
zeichnet. Tatsächlich zeigt der altgriechische Mauerbau vor Demokritos 
keine Gewölbe, und es wurden die Maueröffnungen lediglich durch über- 
kragen der einzelnen Steinschichten geschlossen. Doch muß neueren 
Forschungen zufolge die erste Anwendung der Gewölbe den Etruskem 
zugeschrieben werden, und auch die altbabylonischen Bauwerke enthalten 
Gewölbe. 

— Hippitt von Elis findet die erste, von der Kreislinie verschiedene, nach 
Entstehung und Eigenschaften mathematisch genau bestimmte krumme 
Linie. Dieselbe wird später von Dinostratos zur Quadratur des Kreises 
verwendet, und erhält daher den Namen Quadratrix. 

— Hlppokrattt von Kos begründet die wissenschaftliche Heilkunde. Er ht 
der hervorragendste Arzt der koischen Schule und überragt an Schärfe 
der Beobachtimg alle Ärzte des Altertums; auch ist er ein ausgezeichnetf^r 
Chirurg. Die wichtigsten und in ihrer Echtheit am besten verbürgten 
seiner Schriften sind: die Aphorismen über Prognose und Therapie; die 
Abhandlung über Klima, Wasser und Boden beschaffen hei t und deren Ein- 
fluß auf die Bewohnerschaft; ein Leitfaden der medizinischen Geographie; 
die Bücher über Epidemien, über Diät und über Kopfwunden. 

— 12 — 



400 T. Chr. 

420 HIppoknrttt von Kos schreibt die erste Abhandlung über die Trepanation, 
die übrigens schon in der ältesten Steinzeit geübt wurde, und gibt genaue 
Grundsätze für die Ausführung dieser Operation, die zum Teil heute noch 
zutreffend sind. 

— HIpp^kratM von Kos kennt das auch schon von den alten Ägyptern in 
der Malerei verwendete Gummi arabicum (ägypt. Kami, griech. Kommi), 
imd benutzt es als Heilmittel. Auch Herodot erwähnt das Gummi 
arabicum als einen Bestandteil der Schreibflüssigkeit (Tinte). 

— PhlMaot, ein Pythagoraeer aus Kroton, stellt ein Weltsystem von 
10 Körpern auf: Fixstemsphäre, Sonne, Mond, 5 Planeten, Erde, Gegen- 
erde. Der ruhende Mittelpunkt dieses beständig kreisenden Systems ist 
das Zentralfeuer. Die Reihenfolge der Elemente ist: Äther, Feuer, Luft, 
Wasser, Erde. 

410 Der Pythagoraeer TiMOdorot von Kyrene weist darauf hin, daß die Quadrat- 
wurzeln aus den Zahlen 3, 5, 7, 11 usw. durch keinen Zahlenwert genau 
angebbar {„SiXoyov**, nicht aussprechbar) seien, womit zuerst der BegrifF des 
„IrrationiJen" in der Mathematik auftritt. Doch hat möglicherweise 
schon Pythagoras selbst diesen Begriff gekannt. (S. 532 v. Chr. Pythagoras.) 

400 Die Pythagoraeer Hlkttai und EkphaiitM aus Syrakus lehren die Achsen- 
drehung der Erde, Ekphantos unter Annahme einer Drehung von West 
nach Ost. (Vgl. Heraklides Pontikos 360 v. Chr.) 

— HlfipokralM von Kos lehrt die Blutstillung durch Kompression und durch 
styptische Mittel, wie Alaun, Myrrhe usw. Er unterscheidet in bezug auf 
die Wundheüung die Vereinigung der Wunden durch einfache Verklebung 
von jener, welche sich durch eine neu entstehende Zwischen Substanz er- 
gibt. Gregen Verbrennungen empfiehlt er teils zusammenziehende, teils 
erweichende Mittel. Er ist Erfinder des wissenschaftlichen Heilverbandes, 
und empfiehlt einen Schienenverband, der locker befestigt ist, damit das 
Glied nihen kann, ohne gedrückt zu werden. 

— HIppokratM von Kos hat betreffs der Affektionen der Haut die Auffassung, 
daB dieselben nur Ablagerungen von Krankheitsprodukten auf der äußeren 
Oberfläche seien, die ihren eigentlichen Urspnmg inneren Zuständen, einer 
krankhaften Veränderung der Säfte verdankten. Er kennt die Krank- 
heitserscheinungen der Skrofulöse und insbesondere auch die Tumoren der 
skrofulösen Drüsen. 

— Hlppokratat von Kos kennt die angeborenen Luxationen und rechnet die 
Klumpfüße zu ihnen. Er bewirkt die Geraderichtung mit den Händen 
und befestigt den Fuß in der erhaltenen Stellung durch einen erhärtenden 
Verband. Die Rückgratsverkrümmimgen benennt er als Kyphosis, Lordosis 
und SkoUosis. Er ist ein eifriger Anhänger der Massage und macht An- 
gaben darüber, wo und wie man sich des Reibens bedienen müsse. 

— HippokratM von Kos und seine Schüler, insbesondere Thessalos und Drako, 
kennen die Behandlung des Nasenpolypen sowohl durch Ausbrennen als 
auch durch Abbinden, und seine weitere Behandlung mit Ätzmitteln. 

— HippokratM von Kos kennt bereits die vielerlei Störungen der Funktionen 
des Gresamtorgamsmus durch Zahn- und Zahnfleischleiden. Um seine 
Zeit kennt man auch bereits die Befestigung der Zähne mit Golddraht, 
wie beispielsweise auch das römische Zwölftafelgesetz (449 v. Chr.) eine 
Bestimmung enthält, die das Begraben mit goldenen Gegenständen ver- 
bietet, das Gold in den Zähnen aber ausdrücklich von dieser Bestimmung 
ausnimmt. 

— HIppokrattt von Kos beschreibt den äußern Gehörgang und das Trommel- 
fell, kennt die akute und chronische Mittelohreitenmg, ihre Kompli- 
kationen und Gefahren tmd spricht von den häufig vorkommenden Ver- 

— 13 — 



400 T, Chr. 

letzungen der Ohrmuschel und von der Knorpelfraktur, für deren Behand- 
lung er Vorschriften gibt. 
400 KtesiM von Knidos liefert eine geographische Beschreibung Indiens, be- 
sonders seiner Tier- und Pflanzenwelt. 

— KtMlas erwähnt zuerst das Vorkommen von Erdgas in Karamanien. Dies 
Gas lieferte seinerzeit den Feueranbetern die ewigen Feuer und wurde 
schon früh als Heizmaterial für den Hausgebrauch angewendet. 

«— Der chinesische Schriftsteller Ltlh-tM erwähnt in seinen Schriften, daß 
Stahl entstehe, wenn Schmiedeeisen in flüssiges Gußeisen eingetaucht 
werde. (S. a. 1722.) 

398 TImothtM führt die elfsaitige Harfe in Griechenland ein. (S. 3000 
V. Chr.) 

390 Arehytas von Tarent behandelt die Mechanik mathematisch. Er unter- 
scheidet arithmetische, geometrische und harmonische Proportionen und 
löst das delische Problem durch die Methode der Halbzylinder. Er stellt 
das erste System der Akustik auf, wobei er auf die Abhängigkeit der 
Tonhöhe von der Schwingungszahl hinweist, und erklärt die ungleiche 
Bewegung der Gestirne aus dem Widerstände der Luft. Arehytas wird 
von Aulus Gellius als Erfinder des Drachens (von G^Uius „fliegende 
Taube" genannt) bezeichnet. 

— Wie Plutarch (in „Vita Camilli") berichtet, entsendet der römische Heer- 
führer Marcus Furius Camlllut den Pontius Cominius als Kundschafter auf 
das von den Galliem belagerte römische Kapitol, wobei Cominius zum 
Durchschwimmen des Tiber Korkstücke unter seiner Kleidung anbringt. 
Es ist dies die erste Erwähnung einer Art von Kork-Schwimmweste. 

387 Marcus Furius Camlllut führt statt des bisher üblichen ledernen oder 
ehernen Helms den eisernen ein. 

— Plato findet die analytische Methode der Geometrie und gibt durch seine 
Lösung des delischen Problems der Würfelverdoppelung das erste Beispiel 
der Bewegungsgeometrie. Er gibt die regulären Polyeder an. 

— Plato unterscheidet leichtflüssige imd schwerflüssige Fluida und teilt die 
Luft der ersteren Gattung zu. Sie könne sich in Nebel imd Wolken ver- 
wandeln und man müsse annehmen, daß die Elementarteilchen, aus denen 
jeder Grundstoff bestehe, bei einem solchen Verwandlungsakt auseinander- 
fallen und sich neu gruppieren. 

— Plato erwähnt zuerst den Diamanten als einen bei der Goldscheidung aus- 
krystallisierenden Körper von großer Festigkeit. 

381 Eiidoxtt von Knidos setzt an die Stelle von Meton's neunzehnjährigem 
Zyklus (s. 432 v. Chr.) einen achtjährigen Schaltzyklus. 

378 Phlllppot von Mende in Ägypten, ein Schüler Piatos, soll den Satz ge- 
funden haben, daß der Außenwinkel eines Dreiecks gleich ist der Summe 
der beiden gegenüberliegenden Dreieckswinkel. 

370 Dlokltt von Karystos, „der zweite Hippokrates", verfaßt ein medizinisches 
Kräuterbuch (vgl. 2700 v. Chr.), schreibt eine berühmte Diätetik und 
fördert auf Gnmd von Tiersektionen die Kenntnis der Embryologie. Nach 
Empedokles sind die vier Elemente des Körpers und die davon abge- 
leiteten Gegensätze Kalt — Warm Ursache der Krankheiten. Diesen 
vier Elementen entsprechen bei Diokles vier Säfte: Blut, Schleim, gelbe 
und schwarze Galle (Humoralpathologie). 

— Xonopfion von Athen gibt in seiner Schrift „Von der Keitkunst*' an, daß 
man das Alter der Pferde an ihren Zähnen erkennen kann. 

368 Eiidoxoo von Knidos gibt mit seinem System der 27 homozentrischen 
(d. h. konzentrischen) Sphären eine geistreiche Erklärung der Bewegung 
der Himmelskörper. Seine Lehre, durch Kalippos von Kyzikos — 33 himm- 

— 14 — 



880 Y. Chr. 

tische Hohlkugelsphären — und Aristoteles — 47 Sphären — weiter aus- 
gebildet, ist in dem astronomischen Gedichte des Aratos: ,,0aiv6/Aera xai 
öioorifAsia** niedergelegt. (Erhalten in einem Kommentar des Hipparchos.) 

368 Eatfoxot von Knidos bildet die Lehre von den Proportionen Wissenschaft- 
Hch aus, begründet die Ähntichkeitslehre, wendet zur Erklärung der 
Planetenbewegungen die Hippopede (Pferdefessel), eine sphärische Lemnis- 
kate an und gibt der Exhaustionsmethode ihre wissenschafttiche Vollendung. 
Er schreibt das älteste Lehrbuch der Stereometrie. 

360 Der griechische Mititärschriftsteller Atntai der Taktiker gibt in seinem 
Werke über Städtebelagerung eine Geheimschrift an, bei welcher ein 
mehrfach durchlochtes Brett verwendet wird, dessen Löcher — nach Ver- 
abredung — die Bedeutung der einzelnen Buchstaben des Alphabets 
haben. Durch die Löcher wird in der Reihenfolge der zu übermittelnden 
Buchstaben ein Faden gezogen. (S. AIvbIov noktoQxrixixov v7t6iAvrifia. XXXI.) 
— Vgl. auch den in Sparta zu Lysanders Zeit gebräuchUchen, von Plutarch 
(Lysandros 19) erwähnten G^heimbriefetab (Skytale). 
~- AmiM der Taktiker beschreibt einen Brandsatz aus Pech, Schwefel, Werg, 
Weihrauch und Kienspänen, der in Feuertöpfen als Wurfgeschoß zur 
Verwendung kommt. Auch schildert er mörserkeulenartige Brandwerk- 
zeuge, die auf die Sttirmdächer der Belagerer geworfen werden. 

— AmiM der Taktiker stellt einen optisch-hydraulischen Telegraphen her, 
indem er an den beiden zu verbindenden Stationen gleichgroße, mit 
Ablaßhähnen versehene |Wassergefäße aufstellt. Mit einer Fackel wird 
das Zeichen zum öffnen und Wiederschließen der Hähne gegeben, und 
dabei der Wasserspiegel bis zu bestimmten Marken gesenkt, welche ge- 
wisse, vorher vereinbarte Nachrichten bedeuten. (S. den beiPolybiosX,44 
enthaltenen Auszug ausAeneas verlorenem Werke „Von der Belagerungs- 
kunst" und 1796 Bramah.) 

352 Die Architekten Satyrot und Pyttils verwenden bei dem Grabmal des 
Königs Mausolos in Halikamassos Marmorplatten, die augenscheinlich mit 
einem sägeartigen Werkzeug geschnitten sind. Plinius bemerkt dazu, daß 
es sich hierbei um Steinsägen gehandelt habe, welche durch Schleifen mit 
scharfem Sande ihre Wirkung ausübten, so daß demnach hier die Urform 
der noch jetzt in Gebrauch befindlichen „Schwertsägen** vorläge. 

350 Ariftoxtnot von Tarent wird mit seiner Schrift „Elemente der Harmonie** 
epochemachend für die wissenschaftliche Behandlung der Musik, indem er 
die bis dahin allgemein angenommene, auf bloße Zahlen Verhältnisse ge- 
gründete Theorie der Pythagoraeer verläßt und die Gehörsempfindungeu 
geltend zu machen sucht. 

— HtraUltfn Pontikos hält ein heliozentrisches Planetensystem für möglich, 
in welchem Merkur imd Venus die Sonne umkreisen. (Vgl. auch Tycho 
Brahe.) Seine Lichttheorie ist der erste Keim der Undulationstheorie. 

— Der griechische Maler Piutlas von Sikyon bildet die schon von seinem 
Lehrer Pamphilos geübte Wachsmalerei, und zwar in ihrer Abart als 
Enkaustik, in hervorragender Weise aus, indem er farbiges Wachs mit 
Hilfe glühender Stifte auf hölzerne Tafeln oder gebrannte Tonplatten 
aufträgt. (S. Plinius „Historia naturalis.** Lib. XXXV. — Vgl. auch 1887 P.) 

340 MtMtClmiM wird bei dem Versuch, den Würfel zu verdoppeln, d. h. das 
delische Problem zu lösen, auf die Kegelschnitte geführt. 

335 Praxaforai von Kos kennt bereits die Brucheinklemmung (Ileus) und empfiehlt 
dabei die Laparotomie und Enterotomie. 

330 ArMa§M behandelt zuerst zusammenfassend die Elemente der Kegel- 
schnitte. (Vgl. 340 V. Chr. Menaechmos.) 

— 15 — 



880 T. Chr. 

330 ArlttotelM von Stagira, der bedeutendste Naturforscher des alten Griechen- 
lands, legt die Ergebnisse seiner Forschungen in zahlreichen Schriften 
(Auscultatio physica; De generatione et corruptione; De coelo; Meteoro- 
logica; De anima; Historia animalium u. a.) nieder. £r schreibt den 
zuerst von Empedokles angenommenen vier Elementen die folgenden 
Qualitäten zu: Feuer trocken und warm, Luft warm und feucht, Wasser 
feucht und kalt, Erde kalt und trocken. Er stellt die Lehre von der 
Wandelbarkeit der Elemente ineinander durch zunehmendes Vorwalten 
der zweien von ihnen gemeinsamen Eigenschaft — Wasser feucht und 
kalt in Luft feucht und warm — auf. 

— ArittottiM nimmt nach dem Vorgang des Philolaos die Existenz eines Welt- 
äthers (Quinta essentia) an. Er führt zum ersten Male als Beweis für 
die Kugelgestalt der Erde den Umstand an, daß bei Mondfinsternissen 
der Schatten der Erde immer kreisförmig ist, da der einzige Körper, der 
in allen Lagen einen kreisförmigen Schatten wirft, die Kugel sei. 

— ArlstottiM veranschaulicht in seinen „Mrjxavixa ngofiXi^/naxa** seine Beweise 
durch Zeichnungen und verwendet zu kurzer Bezeichnung von mathe- 
matischen Größen gelegentlich auch Buchstaben. 

— Arbtotolts stellt zuerst die später nach Mariotte benannte Hypothese auf, 
daß alle Wasser in der Erde meteorischen Ursprungs seien, daß ohne 
Regen die Erde völlig trocken sein würde und daß das Wasser einen 
unaufhörlichen Kreislauf ausführe. Er erwähnt, daß destilliertes Meer- 
wasser (ebenso Wein u. dgl.) nur reines Wasser als Niederschlag ergebe. 
Er kennt die Natur des Taus und des Nordlichts und die Temperatur- 
abnahme in der Höhe. 

— Arlstottlet lehrt, daß die Luft den Schall vermittelnd in das Ohr leitet 
und daß der Schall bei Nacht besser als bei Tage und im Winter besser 
als im Sommer gehört wird. Er weiß, daß freifallende Körper mit be- 
schleunigter Geschwindigkeit fallen, und spricht von der Erwärmung der 
Pfeilgeschosse durch die Reibung der Luft. 

— Arittotelti erklärt die Empfindung des Sehens als eine Erschütterung, eine 
Bewegung des Mittels zwischen dem Gesicht imd dem gesehenen Gegen - 
Stande. Der „Versuch des Aristoteles" zeigt eine Täuschung des Tast- 
sinns: Wenn eine kleine Kugel mit zwei gekreuzten Fingern betastet wird, 
so hat man das Gefühl von zwei Kugeln. 

— Arlstoteltt macht sich zuerst eine wissenschaftliche Vorstellung über den 
Schmelzvorgang und kennt die Verschiedenheit der Schmelzpunkte einzel- 
ner Metalle. Er erwähnt das Verfahren, Eisen aus den Erzen durch mehr- 
mals wiederholte Schmelzung reiner darzustellen und zuletzt in Stahl zu 
verwandeln. Er erwähnt ferner zuerst das Quecksilber (ausgießbares 
Süber). 

— Arlttottitt begründet durch seine Tierkunde die Zoologie und bringt die ihm 
bekannten etwa 500 Tierformen in ein wissenschaftliches System, indem 
er Bluttiere und Blutlose unterscheidet, welche Gruppen sich ungefähr 
mit unseren heutigen Wirbeltieren und Wirbellosen decken. Er stellt Ver- 
gleiche des Baues des tierischen und menschlichen Körpers an, beschreibt 
den letzteren wahr und naturgemäß und macht treffende Angaben über 
das Vorkommen von Mißbildungen bei Menschen und Tieren. Er kennt 
die wahren Nerven, nicht aber deren Zusammenhang mit dem Gehirn, 
weiß jedoch, daß das menschliche Gehirn größer als das aller Tiere ist. 
Er macht die ersten Wahrnehmungen über die Entstehung des Küchleins 
aus dem Ei. 

— ArbtotelM beobachtet viele Tierkrankheiten und beschreibt ausführlich 
deren Erscheinungen. Er kennt die Ruhr und die Finne der Schweine, 

— IG — 



820 ▼. Chr, 

die Wut- und andere Krankheiten der Hunde, den Starrkrampf, den Rotz 
und die Rehe der Pferde, die Trommelsucht der Elephanten und vieles 
andere. Aristoteles gilt als Begründer der Zootomie. 
330 Arlstotttot erwähnt zuerst die koischen Gewänder, das sind fast durch- 
sichtige Seidenstoffe, die Pamphile auf Kos aus den Kokons der dort 
vorkommenden wilden Seidenraupe zu bereiten wußte. 

— DIatfMt Ingenieur unter Alexander dem Großen, erfindet die zusammen- 
legbaren Belagerungstürme (Helepolen), die Sturmbrücken und |den 
Mauerbrecher (Kranich). Den schon früher bekannten Sturmbock stellt 
er auf Räder. 

— Der Bildhauer Lyslstratos von Sikyon ist der erste, der, anstatt frei zu 
modellieren, von dem Gesicht der abzubildenden Person einen Wachs - 
abguß nimmt. Nach der Angabe des Plinius soll er auch zuerst Gips- 
abgüsse der menschlichen Formen genommen haben. 

— Praxacorai entdeckt den Unterschied zwischen Venen imd Arterien und stellt 
fest, daß die letzteren allein die Eigenschaft haben, zu pulsieren. 

327 Auf dem Zuge Altxandart tfti Qroten nach Indien werden von einem ihn 
begleitenden wissenschaftlichen Stabe planmäßige Beobachtungen über 
fremde Tiere und Pflanzen (z. B. Banane, Reis, Mangrove, Euphorbie) 
angestellt. Diese Forschungen werden von Aristoteles und Theophrastos 
verwertet. 

— itoarehat, Flottenführer Alexanders des Großen, fährt vom Indus aus durch 
das Erythraeische Meer in den Persischen Meerbusen und entdeckt die 
Mündungen des Euphrat und Tigris. 

320 DIkaMyrdiM von Messen e scheint bereits einen Quadranten mit Dioptern 
besessen zu haben, wie aus der Angabe des Eratosthenes hervorgeht, der 
sagt, daß Dikaearchos mit dioptrischen Meßinstrumenten Höhenwinkel 
von Berggipfeln gemessen habe. 

— Dlkatarchot entwirft eine Karte der durch die Feldzüge Alexanders des 
Großen bekannt gewordenen Ländergebiete. 

— Ettdamot von Rhodos schreibt die erste Geschichte der Geometrie, Arith- 
metik und Astronomie, die wichtigste mathematische Geschichtsquelle für 
die Zeit vor Euklid. 

— Pythtii von Massilia (Marseille) fährt von Gades nach der Bretagne, die 
er zuerst sieht, von da nach den Scillyinseln und Britannien durch den 
St. Georgskanal bis an die Spitze Schottlands und bis zu den Shetlands- 
inseln, wo er Nachrichten von einer Insel Thule am Polarkreis erhält. 
Er mißt die Schiefe der Ekliptik (24^) und die geographische Breite 
seiner Vaterstadt, und bestimmt den Nordpol (genauer als Eudoxos, der 
den Polarstem dafür angenommen hatte) als sternlosen Punkt des 
Himmels. Er beschreibt die kurzen Sommernächte der Polargegenden 
und das Nordlicht und «erkennt den Zusammenhang der Gezeiten mit 
dem Monde. 

— Theophrattot von Eresos faßt in seiner kanonisch gewordenen Doxographie 
(Greschichte der Physiker von Thaies bis Plato) die Entwicklung der 
griechischen Physik bis auf seine Zeit historisch-kritisch zusammen. 

— ThMphraitot legt einen Pflanzengarten an imd liefert in seinen Werken 
über die Geschichte der Pflanzen und deren Aetiologie eingehende Be- 
arbeitungen der zu seiner Zeit bekannten Gewächse unter Berücksichtigung 
ihrer Morphologie und Biologie. Von ihm datieren die Anfänge der 
Pflanzengeographie. 

— ThMfriiraitos erwähnt zuerst unter dem Namen Kixcjqtj die Zichorie (vgl. 
1763 Heine). Er kennt die Tollkirsche unter dem Namen Mavögayogas, 
wie durch Fraas* Untersuchungen endgültig entschieden ist. (Die jetzt 

Darmstaedter. 2 

— 17 — 



820 Y. Chr. 

gebräuchliche Bezeichnung Belladonna rührt von Matthiolus her). Auch 
kennt er den Eibisch unter dem Namen *lßioxog; (den Namen Althaea 
erhält er durch Dioskorides). Er beschreibt femer den Pfirsichbaum» die 
Pflaume, die Pistazie, den Portulak, das Süßholz, den Traganthstrauch, 
den Meerrettig, die Melone imd den Spargel, der zu seiner Zeit sowohl 
als Gemüse als auch als Arzneimittel verwandt wird. 
320 Theophrastot erwähnt, daß Quecksilber durch Zerreiben von Zinnober mit 
Essig in kupfernen Gefäßen gewonnen werde. Er kennt das Verzinnen 
des Eisens und beschreibt in seiner Abhandlung „77ept rcov Xi^ojv** die Be- 
reitung des Bleiweißos. Er hat zuerst sichere Kenntnis von der Existenz 
mineralischer Kohle, unter der nach der ganzen Fassung der Beschreibung 
Braunkohle zu verstehen ist. 

— Theophrastos behauptet das Vorkommen von (fossilem) Bernstein an der 
ligurischen Küste. Er beschreibt das natürliche Feuerzeug (Drehung von 
hartem Holze auf weichem), das der Hymnus auf Merktir als dessen Er- 
findung bezeichnet. Er erwähnt das in Makedonien übliche primitive 
Teerschwelen. 

— Theophrastol bezeichnet es als eine wunderbare Tatsache, daß man in der 
afrikanischen Wüste Tiefbrunnen 600 Fuß tief erbohrt hat, deren Wasser 
durch ein Gopelwerk in die Höhe befördert wird. 

— Nach der Angabe des Theophraitos war zu seiner Zeit das Gerben des 
Leders mit der Rinde der Aleppo-Kiefer in Griechenland schon in Ge- 
brauch. Das unter dem Namen „Cuir d* Alger" in den Handel kommende 
französische Leder wird noch heutigentags in ganz gleicher Weise her- 
gestellt. 

— Theophrwtot erwähnt den Zimmet, und zwar in zwei Arten: Cinnamomum 
und Cassia. Doch ist dieses Gewürz schon in den frühesten Zeiten 
bekannt gewesen und wird bereits in einem chinesischen Kräuterbuche 
V. J. 2700 V. Chr. aufgeführt. 

312 Der Zensor Applut Clautflus erbaut die erste wirkliche Kunststraße der 
Römer, die Via Appia, die Rom mit Capua verbindet. Später wird die 
Straße über Beneventum und Tarentum bis Brundisium verlängert. Sie 
ist nach ihrer Vollendung 540 km lang bei einer Breite von 8 m. Die 
Grundlage bestand aus grobem, festgestoßenem Kies und kleinen Feld- 
steinen, die mit glatten Quadersteinen belegt waren. 
-» Während die Juden ihrer Zeitrechnung ursprünglich keine bestimmte 
Aera zugrunde legten ( — ihre Chronologie ist vielfach ganz mit der Genea- 
logie verschmolzen — ), und in der Folgezeit verschiedene Acren, wie die 
babylonische u. a., einander ablösen, wird später von dem größten Teile 
der Juden die Aera der Seleukiden angenommen, die mit dem Siege des 
MaukM NIkstor bei Gaza, 312 v. Chr., beginnt. Diese Zeitrechnung faßt 
allmählich so festen Fuß, daß sie auch durch die mit der Befreiung 
Jerusalems beginnende Aera der Hasmonäer nicht völlig verdrängt wird. 
(Vgl. jedoch 359 Hillel Hanassi). 

310 Autolykos aus Pitane in Klein-Asien schreibt die älteste Sphärik, ein astro- 
nomisch-geometrisches Lehrbuch zur mathematischen Erläuterung der 
scheinbaren Bewegung der Himmelskugel. 

305 Applut daudlus baut die erste Wasserleitung Roms, die Aqua Appia. Die- 
selbe beginnt an der Via Praenestina, wird von da fast vier Stunden 
unterirdisch geführt, tritt bei der Porta Capena in die Stadt und gießt 
im Campus Martins ihr Wasser aus. Ihre Kanäle sind durchweg sowohl 
über als unter der Erde wasserdicht gemauert, und über der Erde auf 
Unterbauten von Hausteinen oder Ziegeln gebaut und mit Gewölben über- 

— 18 — 



800 V, Chr. 

spannt. Ähnliche Bauten sind die 290 v. Chr. erbaute Wasserleitung des 
M. Curius Dentatus, die des M. Agrippa, Augustus u. a. 

305 EpiknrM knüpft an die Atomlehre des Demokritos (s. 420 v. Chr.) an und 
lehrt, daß alle Dinge und Erscheinungen in der Natur zufällige Aggregate 
von Atomen sind, durch deren verschiedene Beschaffenheit imd Verbin- 
dung die Verschiedenheit der Körper bedingt wird. Die Körper sind der 
Wiederauflösung ihrer Atome unterworfen. 

304 Der athenische Kriegsbaumeister Eplmachot baut zur Belagerung von 
Rhodos im Auftrage des Königs Demetrios Poliorketes einen Wandelturm 
von außerordentlicher Höhe (nach Vitruv 125 Fuß, nach Athenaeos, Diodor 
und Plutarch 136 Fuß) und 60—70 Fuß Breite. Die durch Haarpolste- 
rung imd Lederüberzug geschützten Wände und Decken des Turmes 
hielten Steingeschosse von 3^/, Zentnern Gewicht aus. 

300 Soweit aus den bis jetzt aufgefundenen Keilinschriften -Tontafeln der 
Babylonitr ersichtlich ist, ist im 3. Jahrhundert v. Chr. auf den babyloni- 
schen Sternwarten bereits ein regelmäßiger Beobachtungsdienst eingerichtet. 
Die Astronomen dieser Zeit kennen schon den Mond- und Sonnenlauf in 
derselben Genauigkeit, wie ihn etwa 150 Jahre später Hipparchos (s. 146 
v. Chr.) angibt; sie berechnen den Stand und die Bewegung von Sonne 
und Mond mit ziemlicher Sicherheit und bestimmen sowohl Mondfinster- 
nisse als Sonnenfinsternisse voraus. Ihre Beobachtungskunst ist bis zur 
Messung kleiner Winkel vorgeschritten ; vermutlich sind sie schon im Be- 
sitz der Chordenrechnung (Vorläuferin der Trigonometrie) gewesen. 
«- DMMtriot von Kaliatis fertigt ein Verzeichnis sämtlicher in Griechenland 
beobachteter Erdbeben an, die erste Aufzeichnung dieser Art. 

— ErasMralot von Julis auf Keos nähert sich der richtigen Ansicht vom Kreis- 
lauf des Blutes und gibt eine gute SchUdenmg der Chylusgefäße. Die 
Krankheiten führt er auf Uberfüllung der Körperteile mit Flüssigkeiten 
zurück, wodurch der Zustand der Plethora hervorgerufen wird. Er er- 
kennt den Unterschied des menschlichen und tierischen Gehirns (Windungen) 
und macht Wägeversuche mit Vögeln, um durch den Abzug der Ex- 
kremente von dem Nahrungsquantum die unsichtbaren Ausdünstungen 
festzustellen. 

— Erailttrsloi soll sich zuerst des Katheters zur künstlichen Entleerung der 
Blase bedient haben. 

— EukIM von Megara faßt die Lehren der früheren griechischen Mathe- 
matiker in dem klassischen synthetischen Lehrgebäude seiner ZroixeTa 
(Elemente) zusammen, einem Werke, das an nachhaltiger Wirkung von 
keinem späteren mathematischen Lehrbuche erreicht worden ist imd 
noch heute in ; englischen Schulen gebraucht wird. Von besonderer ge- 
schichtlicher Bedeutung ist das von Euklid behandelte Parallelenaxiom 
geworden, welches ausspricht, daß sich zwei Gerade auf derjenigen Seite 
schneiden, auf der die Summe der beiden inneren Anwinkel kleiner als 
2 R ist. Der Versuch, dieses Axiom durch einen mathematisch beweis- 
baren Lehrsatz zu ersetzen, hat u. a. zur Erfindung der nichteuklidischen 
Geometrie geführt. (S. 1826 Lobatschewsky. ) Die Schlußformel der eukli- 
dischen Beweisfühnmg „ojrto iSei thtodet^ai** „was zu beweisen war** wird 
noch heute gebraucht. 

— Der Chinese Htn-Jaku bearbeitet das Werk Nan-kiyo, das von den schwie- 
rigen Krankheiten handelt. 

— Htro|rtillot von Chalkedon verfaßt eine durch ihre troffende Nomenklatur und 
Beschreibung maßgebend gewordene Anatomie und erkennt zuerst in den 
Nerven die Werkzeuge der Empfindung und Willenskraft. Er macht 

2* 

— 19 — 



800 T. Chr. 

Sektionen an menschlichen Leichnamen (vgl. 480 v. Chr.) und gibt ein 
System der Pnlslehre auf rhythmischer Grundlage. 
300 Herophllos beschreibt zuerst die Netzhaut des Auges {'AfitpißXrjazQoeidi^g), deren 
Name von dem makroskopischen Vergleich der betreffenden Haut mit 
einem zugezogenen Fischnetz herrührt. 

— Mefatthtnet verfaßt einen Bericht über das von ihm im Auftrage des Se- 
leukos Nikator besuchte Indien, wobei er besonders auf die Ethnographie, 
Fauna und Flora des Landes eingeht. Das Werk bildet die Haupt- 
quelle des Altertums für die Kenntnis jene^ Landes. 

— Meukot Nikator beginnt den Bau des Hafens von Seleukia Pieria, der von 
Antiochus, Diocletian und Konstantin weiter ausgebaut wird und für 
das bewunderungswürdigste Werk griechischer Wasserbaukunst galt. Die 
Verwendung der Gebirgswasser zur Spülung der Hafenbassins, der auf 
der Ostseite des Hafenbeckens befindliche Felstunnel und die aus großen 
Quadern angeführte starke Quaimauer sind technische Schöpfungen 
ersten Ranges. 

— Straton von Lampsakos, Schüler des Aristoteles, genannt der „Physiker", be- 
gründet die Experimentalphysik. Er nimmt als Grundstoffe unendlich 
teilbare Moleküle an, die durch feinverteilte Vacua getrennt Sind. Ein 
kontinuierliches Vakuum leugnet er und erklärt die Erscheinungen des 
Luftdrucks aus dem Horror vacui. Er stellt die Fortpflanzung des Lichtes 
durch andere Medien (auch Metalle) in Parallele zu der Übertragung der 
elektrischen Entladungen des Zitterrochens. Als Träger der psychischen 
Funktion betrachtet er das Pneuma. 

290 Arlstyllot und Tlmocharlt bestimmen aus den Zeiten der Sonnenuntergänge 
zuerst die Zeiten der Position der Fixsterne (in Capella, Zwillingen, großem 
Bär). Die Arbeiten sind bis auf wenige Beobachtungen (wie z. B. eine 
Sternbede<5kung durch den Mond) verloren gegangen; sie führten aber 
später durch Hipparch zur Entdeckung des Vorrückens der Nachtgleichen. 

— Charat erbaut den Koloß von Rhodos, eine dem Helios geweihte eherne 
Statue von 32 m Höhe, die in der Nähe des Hafens der Stadt Rhodos 
errichtet wird und wahrscheinlich als Seezeichen zu dienen bestimmt war. 

281 Arittarchot von Samos stellt eine neue Beobachtung des Sommersol- 

stitiums an. 
280 Der chaldäische Astronom BarotSM, der in Kos lehrte, soll die hemizyklische 

(hemisphärische t) Sonnenuhr erfunden haben. 

276 Aratot von Soloi in Kilikien verfaßt ein hochberühmtes Lehrgedicht „Phae- 
nomena*', worin er die Astronomie populär behandelt und besonders auf 
die Sternbilder und die Wetterprognose eingeht. 

270 ArlstarchM von Samos erfindet die Skaphe, einen als Weiser in einer hohlen 
Halbkugel dargestellten verbesserten Gnomon. 

263 Eumenat I. von Pergamon verbessert die Zubereitung der Tierhäute zur 
Herstellung des fortan nach der Stadt Pergamon genannten Pergaments. 
Die Herstellung von Pergamentcodices (in Buch-, nicht Rollenform) läßt 
sich erst in der römischen Kaiaerzeit nachweisen amd verdrängt die bis 
dahin gebräuchlichen Papyrusrollen erst seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. 

260 Arlstarchos von Samos lehrt, daß Sonne und Fixsterne unbeweglich sind, 
daß sich die Erde in einer schief liegenden Ebene um die Sonne bewegt 
und gleichzeitig um ihre eigene Achse dreht. Er macht den ersten Ver- 
such, die Entfernungen der Planeten zu messen und findet, daß die Sonne 
von uns 19 mal weiter als der Mond entfernt sei, während in Wirklichkeit 
386 an Stelle von 19 zu setzen ist. Er mißt nach verbesserter Methode 
den Durchmesser der Sonne, des Mondes und der l^^stemsphären. 

— 20 — 



260 Y. Chr, 

260 Der römiaclie Ädil Publius daudlut Pnkhar läßt eine von ihm gebaute 
Straße mit Meilensteinen versehen, wie ein i. J. 1872 in den Pontinischen 
Sümpfen aufgefundener altrömischer Meilenstein beweist, der den Namen 
des F. Claudius trägt. Der Stein ist mit der Zahl LIII (^ 53 d. i. etwa 
80 km von Rom entfernt) versehen. Ob hier die überhaupt erste An- 
wendung von Meilensteinen vorliegt, ist imsicher. JedenfaJls ist jener 
Meilenstein der älteste vorhandene. 

— Cajus Duillus macht zuerst die Erfindung eines Baumeisters der römischen 
Flotte praktisch nutzbar, durch welche man die feindlichen Schifte, sie 
mochten sich von vom oder von der Seite nähern, mit großen Haken 
(Corvus genannt) festhielt und mittels Klappbrücken den Übergang von 
Verdeck zu Verdeck für Landsoldaten möglich machte. Durch diese Enter- 
haken hauptsächlich gelingt es ihm, die Karthager bei Mylä zu besiegen. 

— PtolemMOt II. PhlladtlpliM vollendet den von Necho um 610 v. Chr. (s. d.) 
zur Verbindung des Nils mit dem Mittelmeer einerseits und dem Roten 
Meer andrerseits begonnenen und von Darius fortgeführten Kanal. Der 
Bericht Diodors über diesen Kanal läßt die Vermutung gerechtfertigt er- 
scheinen, daß dabei Schüttschleusen zur Anwendung gekommen sind. 

— Sottritos von Knidos baut auf Veranlassung des Ftolemaeos Soter den 
ersten bekannten Leuchtturm auf dem östlichen Vorgebirge der Insel 
Fharos vor Alexandria. Von diesem Standort erhalten die Leuchttürme 
den Namen „Fharos" 

— Der griechische Geschichtsschreiber Tlmatot von Tauromenion in Sizilien 
verfaßt einen chronologischen Abriß „Olympiasieger". Die darin zum 
ersten Male angewendete Zeitrechnung nach Olympiaden wird für die 
späteren griechischen Geschichtsschreiber vorbildlich. 

259 Zur Zeit des Königs PtoltmMOS Phlladelplios kennt man in Ägypten die 
Fabrikation von Samenölen, wie Sesamöl, Leinöl, Rizinusöl und Kürbis- 
kemöl. Es geht dies aus einem aus der Zeit dieses Königs herrührenden 
Fapyrus hervor. 

250 Ardilmedei von Syrakus, der genialste Mathematiker des Altertums und 
der erste wirkliche Fhysiker, ist auf den verschiedensten mathematischen 
Gebieten von bahnbrechender Bedeutung. Er beweist, daß sich die In- 
halte eines Kegels, einer Halbkugel und eines Zylinders von gleicher Basis 
und Höhe wie 1:2:3 verhalten. Er berechnet die Zahl n, die er zwischen 
3f und 3); findet. Er liefert eine Quadratur der Farabel omd Ellipse, 
untersucht die Eigenschaften der nach ihm benannten Spirale und erörtert 
die Kubatur der Kugel, des Sphäroides imd des Konoides. Seine „Sandes 
rechnung" streift an die Infinitesimalrechnung, Er ermittelt mittels der 
Hebelgesetze die Schwerpunkte ebener Flächen und gibt ein Verfahren 
zur Berechnung von Quadratwurzeln durch Näherung an. 

— ArchiimdM baut, wie aus dem neuerdings von Heiberg entdeckten Palim- 
psest hervorgeht, auf den Sätzen der Statik eine übersichtliche und hand- 
liche Methode zur Areal- und Volumbestimmung krummliniger Figuren und 
Körper auf, die tatsächlich in ihren Grundgedanken mit der heutigen In- 
tegralrechnung identisch ist. 

— Archimtdet schafft die mathematischen Grundlagen für die Statik der 
festen Körper. Er steUt das Gresetz des Hebels auf, wonach zwei an einem 
Hebel wirkende Kräfte im Gleichgewicht sind, wenn dieselben zueinander 
im umgekehrten Verhältnisse ihrer Hebelarme stehen. Er erfindet die 
Schraube ohne Ende, die Wasserschnecke und die komplizierten Flaschen- 
mvLge und verfertigt einen Himmelsglobus (Sphaera Archimedis) zur Dar- 
stellimg des Umlaufs der Planeten um die Erde. 

— 21 — 



260 T, Chr. 

250 ArchlmtdM findet das Gesetz des hydrostatischen Auftriebs, wonach ein 
Körper in einer Flüssigkeit so viel von seinem Gewicht verliert, als das 
Gewicht der verdrängten Flüssigkeit beträgt, und entwickelt den Begriff 
des spezifischen Gewichts, den er zur Analyse von Metallgemischen 
verwendet. 

— Archlmedet kennt die Refraktion des Lichtstrahls. (Beispiel: Ein auf dem 
Boden eines leeren Gefäßes liegender, nicht sichtbarer Ring wird nach 
dem Füllen des Gefäßes mit Wasser infolge der Ablenkung der Licht- 
strahlen sichtbar.) 

— Der Chinese Mlng-thltii erfindet den HaarpinseL 

241 Attalot I. von Pergamon führt die orientalische Goldwirkerei in Griechen- 
land ein. Diese Kirnst, später noch weiter ausgebildet, geht im 15. Jahr- 
hundert n. Chr. gänzlich verloren. 

240 Eratotthenat von Kyrene stellt ein für das ganze Altertum maßgebendes 
System der Erdkunde auf. Er ist der Schöpfer des Netzes von Längen- 
und Breitengraden, auf denen die Kartographie der Späteren (Marinos» 
Ptolemaeus) beruht. Er spricht aus, daß man, da jede Parallele ein Kreis 
sei, von Iberien nach Indien auf demselben Parallelkreis fahren könne, 
wenn nicht die Größe des Atiantischen Ozeans Schwierigkeiten mache. 
Strabo, der diese Äußerung verzeichnet, fügt hinzu, daß man imterwegs 
möglicherweise auf neue Erdteile stoßen könne. 

— Eratotthonti konstruiert die Armillarsphäre, ein Instrument für die immittel- 
bare Messung der Äquatorkoordinaten, das aus einer Zusammenstellung 
von drei Kreisen besteht, von denen der erste imd zweite als Meridian 
und Äquator unter rechtem Winkel fest verbimden sind, während sich 
der ein Diopterpaar tragende dritte Kreis um den zum zweiten Kreis senk- 
rechten Durchmesser des ersten Kreises (d. i. die Weltachse) dreht. 

230 DIonyslot von Alexandria ist nach dem Zeugnisse Philo*s von Byzanz 
der Erfinder eines Schnellladegeschützes (Schnellkatapelte.) Die Schieß- 
tätigkeit des Geschützes wird lediglich durch eine fortgesetzte Haspel- 
drehung geregelt, wobei das Herabfallen der in größerer Zahl auf einmal 
geladenen Pfeilgeschosse in die Pfeilrinne, das Spannen imd das Abziehen 
selbsttätig erfolgt. 

230 Der griechische Mechaniker KtasIMos von Askra benutzt zuerst den Luft- 
druck zu mechanischen Vorrichtungen. Er erfindet die Wasserorgel 
(Hydraulis) und stellt eine Wasseruhr mit Zahnradgetriebe her. Auch soll 
er die Druckpumpe und die Feuerspritze erfunden haben. 

— Ktetlblot ist nach dem Zeugnisse Philo's von Byzanz der Erfinder eines 
Luftdruckgeschützes, bei welchem vermittels eines luftdicht schließenden 
Kolbens die Luft in einem Metallzylinder durch Hebelwirkung derart ver- 
dichtet wird, daß beim plötyslichen Auslösen des Druckes eine zum Fort- 
schleudern des Geschosses ausreichende Triebkraft erzeugt wird. 

220 EratoithtnM erfindet zur Lösung des delischen Problems der Würfelver- 
doppelung ein besonderes Instrument, das Mesolabium. (S. seinen noch 
vorhandenen Brief an Ptolemaeos Euergetes). 

— Eratotthenes gibt ein Verfahren an, die Primzahlen zu finden (Sieb des 
Eratosthenes). Man schreibt, so lautet die Regel, alle imgeraden Zahlen 
von der 3 an auf. Hierauf streicht man jede dritte Zahl hinter der 3 
durch, womit die Vielfachen der 3 entfernt sind. In entsprechender Weise 
verfährt man mit der 5, und fährt so fort, bis nur noch die Primzahlen 
übrig bleiben. 

— EratotthMiat voUendet (nach Dikaearchos) die Messung des Meridians von 

— 22 — 



200 ▼, Chr, 

Alexandria bis Syene (5000 Stadien), was für den ganzen Meridian 250000 
Stadien = 44250000 m ergibt. 

220 Wlk fl iHli M erfindet die Konchoide (Muschellinie) und ein Instrument, um 
sie zu konstruieren. £r benutzt sie, um zwischen zwei gegebenen Linien 
zwei stetige Proportionale einzuschalten und einen geraden Winkel in 
drei Teile zu teilen. 

212 ArchlUMtftt vereitelt bei der Verteidigung seiner durch Marcellus belagerten 
Vaterstadt zwei Jahre hindurch alle Angriffe der Römer durch seine sinn- 
reichen Kriegsmaschinen (Strandbatterien) und bringt der römischen Flotte 
schwere Verluste bei (Aufteilen von Kranen zum Emporheben der feind- 
lichen Schiffe). Daß er die römischen Schiffe durch Brennspiegel an- 
gezündet habe, ist un historisch. 

— Tsln-Mhl-waiif-tl vollendet die Große Mauer, die mit einer Länge von 
2450 km das ausgedehnteste Bauwerk des Altertums darstellt. 

210 ApolloniM von Pergae in Pamphylien, „der große Geometer", widmet sein 
berühmtes Werk über die Kegelschnitte dem Könige Attalos I. von Per- 
gamon. Apollonios erkennt, daß man alle Kegelschnitte mittels geeignet 
gelegter Schnittflächen auf ein xmd demselben Kegel erhalten kann. Durch 
ihn kommen die Bezeichnungen Hyperbel und Parabel in Gebrauch. 
Seine Berechnung der Zahl ;r = 3,14169 bleibt lange maßgebend. 

— ApoHoniot veröffentlicht einen Schnellrechner (Okytokion). 

— ApolloniM erfindet zur Berechnung der Gestimbahnen die Epizyklentheorie. 

— Philo von Byzanz kennt die Körperlichkeit der Luft, die Elastizität der 
Metalle, das Hebelgesetz, die Heber und ihre Wirkung, das Gesetz der 
kommomizierenden Röhren imd das Thermoskop (ein Urbild des Thermo- 
meters), intermittierende Brunnen, Druckpumpen (Heronsball), mehrfach 
dtirchbohrte Hähne, eine eintönige Sirene verbunden mit oberschlächtigem 
Wasserrade, viele Wasserhebeapparate, darunter einen in Form eines 
selbsttätigen, senkrechten Eimerbaggers. Er konstruiert eine Art von 
Taucherglocke imd eine Reihe von Automaten (vgl. auch 100 Heron) 
und erfindet das Cardanische Kreuzgelenk (Cardanische Ringe). Auch 
stellt er hygroskopische Beobachtungen an. 

— Plillo beschreibt in seiner „Lehre vom G^schützbau" ein von ihm erfimdenes 
Pfeilgeschütz mit Keilspannung und einen von ihm verbesserten Erz- 
spanner, bei welchem neben der Torsionselastizität der Spannnerven die 
Elastizität metallener Schienen zur Erzeugung der Triebkraft benutzt 
wird. 

— Plillo erörtert in seiner Schrift über Festungsbau imd Festungskrieg (s. 
Bd. V seiner „Mechanicasyntaxis") die Gestaltung der Festungsfronten (Länge 
derselben 50 bis 100 m = Bogenschußweite), die verschiedenen Flankierungs- 
anlagen (Vorzüge der eckigen Flanken türme gegenüber den runden), sowie 
die Anlage von Außen werken. Er empfiehlt eine ausgedehntere Anwen- 
dung des Erdbaus an Stelle des Mauerbaus. 

— Philo erwähnt zuerst die Eisengallustinte, indem er von einer Art geheimer 
Schrift spricht, die darin besteht, daß man mit einer Galläpfelauflösung 
schreibt, die Schrift trocknen läßt und dann die Schriftzügo mit der 
Lösung eines eisenhaltigen Kupfersalzes betupft. 

200 Der Grammatiker Arlttophanet von Byzanz führt an Stelle der bis dahin ^ 
gebräuchlichen, nur oratorischen Zwecken dienenden Interpunktionen ein 
neues, mehr dem Satzbau und den Regeln der Grammatik angepaßtes 
Interpunktionssystem ein, aus welchem sich, nachdem zu Karls d. Gr. 
Zeit sich auch Wamefried und Alkuin damit beschäftigt hatten, die heutigen 
Interpunktionen herausbilden. (S. 1495 Aldus Manutius). 

— 23 — 



184 T. Chr. 

. 184 Marcus Porcius Cato der Ältere gibt ein viele wertvolle Angaben über 
die römische Landwirtschaft enthaltendes Buch „De agricultura" heraus. 
Er äußert darin zuerst den Grundgedanken des Wasserbades, indem er 
von der Zubereitung von Speisen in irdenen Gefäßen spricht, die in 
andere Gefäße eingehängt werden, in welchen Wasser im Kochen er- 
halten wird. 

— Die aus Kalk und Sand bestehenden gewöhnlichen Luftmörtel waren wahr- 
scheinlich schon den alten Ägyptern und Assyriern bekannt. Doch gibt 
erst Cato eine 'genauere Beschreibung von der Zusammensetzung, Zube- 
reitung amd Anwendung des Luftmörtels, für den er eine Mischung von 
1 Teil gelöschtem Kalk und 2 Teilen Sand empfiehlt. Cato erwähnt auch 
schon Kalkbrennöfen. 

— Cato beschreibt die römische Hebelpresse und erwähnt den Flaschenzug 
(Trochlea Graecica). Er empfiehlt für die obere Schere je acht, für die 
untere je sechs RoUen. Er gibt ein abgekürztes Verfahren zur Fabrikation 
der Weizenstärke an. 

180 DIokloi erfindet die Zissoide (Efeulinie), mit der er eine Lösung des deli- 
schen Problems versucht. Die Gleichung der Zissoide (y * -f- z-) x — ay- = 
ist noch gegenwartig ein beliebtes Beispiel der Anwendung der Differential- 
und Integralrechnung auf die Geometrie. 

— EumtMS II. von Pergamon läßt zur Wasserversorgung der Burg Pergamon 
eine mehrere Kilometer lange Druckwasserleitung von einem auf dem 
Hagios-Georgios-Bcrge (367 m über dem Meere) befindlichen Sammel- 
becken nach der Burg (332 m über dem Meere) anlegen, welche auf 
ihrem Wege eine 172 m über dem Meere gelegene Einsattelung durchlief, 
so daß demzufolge die Rohrleitung einen Druck bis zu 20 Atmosphären 
auszuhalten hatte. 

170 HypsikiM von Alexandria verfaßt eine Schrift „* Ava(po(jix6i** , in welcher 
sich zuerst die Einteilung des Kreises in 360 Grade sowie eine richtige 
allgemeine Definition der Polygonalzahlen und die Summenformel für 
arithmetische Reihen findet. Hypsikles ist der Verfasser de« 14. Buchs 
der Euklidischen „Elemente". (S. 300 v. Chr.) 

168 Paulus Aomlllus läßt in Mazedonien in einer Wüste für seine durstenden 
Soldaten einen artesischen Brunnen erbohren. (S. a. 320 v. Chr.) 

— Daß in Rom bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. eine Fleischbeschau be- 
steht, wird durch die „Acta populi Romani diuma" bewiesen, in denen 
es heißt: „Der Ädil Tottnlus hat die Kleinschlächter bestraft, weil sie 
Fleisch an das Volk verkauft haben, das nicht vorher von den Adilen be- 
sichtigt war." 

159 Der Stoiker Kratit von Mallos entwirft einen Erdglobus, auf dem vier 
halbkreisförmige, durch einen meridionalen und einen äquatorialen Gürtel- 
ozcan geschiedene Inseln eingezeichnet sind. Das Bild dieses in Pergamon 
aufgestellten Globus wird später das Symbol der Weltherrschaft: in der 
byzantinischen Zeit wird auf den Globus ein Kreuz gesetzt und derselbe 
so als Reichsapfel benutzt. (S. a. 547 v. Chr.) 

150 Scillte-sehojo, ein Diener des Kaisers Bu-tel von China, verwendet zuerst 
den Te^ als Getränk. Von China gelangt der Tee 810 n. Chr. durch 
den buddhistischen Priester Tenkiyodaschi nach Japan und von da 
nach Korea. In Europa gedenkt seiner zuerst Giovanni Pietro Maffei. 
(S. 1588.) 

— Meukot von Seleukia liefert den Beweis für die heliozentrische Theorie des 
Aristarchos (s. 260 v. Chr.) und erklärt die Gezeiten aus der rotierenden 
Erdatmosphäre, deren Bewegung durch die jeweilige Stellung des Mondes 
bedingt werde. 

— 24 — 



100 V. Chr. 

150 StiMikot schließt aus der yermeintlichen AbweBenheit der Gezeiten im 
Indischen Ozean anf den Abschluß dieses Meeresbeckens durch ein großes 
Südland. £& ist dies die erste geschichtliche Äußerung über das mut- 
maßliche Vorhandensein eines Südpolargebiets. 

146 HIpparthM von Nicäa in Bithynien, der größte Astronom des Altertums, 
begründet die ebene und sphärische Trigonometrie unter Anwendung der 
Sehnenrechnung. (Sehnentafel. S. 150 Ptolemaeus.) £r entdeckt die Prä- 
zession (das Vorrücken der Nachtgleichen), erfindet die stereographische 
Projektion, indem er die Himmelskugel von einem Pole aus auf die 
Äquatorebene abbildet, und bestimmt zuerst die Mondparallaxe. Er führt 
die geographische Länge und Breite zur Bestimmung der Lage eines 
Punktes auf der Erde ein, wobei er als Ausgangspunkt für die Zählung 
der Längengrade den durch seinen Beobachtungsort, die Insel Rhodos, 
gehenden Meridian wählt. (Vgl. 1634 Ludwig XIII.) 

138 Nikintfm von Kolophon verfaßt zwei Lehrgedichte über Mittel gegen Tier- 
und Pflanzengifte. 

136 Der Chinese Ch6-ko erfindet einen Apparat zur Bestimmung der Stoßrich- 
tung der Erdbeben (Seismoskop). Der Apparat besteht aus mehreren nach 
verschiedenen Kichtungen hin labil aufgestellten Kugeln, die beim Stoße 
herabfallen. 

135 Attali» Philomttor, König von Pergamon, erfindet ein bieiweißhaltiges Wund- 
pflaster. 

134 HipparcliM beobachtet das Aufleuchten eines neuen Sternes. "^ 

132 AcathardiidM von Knidos beschreibt eingehend den Betrieb der oberägypti- 
schen Goldbergwerke seiner Zeit. Die Aufbereitung der Erze wird bereits 
in einer hippokratischen Schrift erwähnt. 

127 — 114 Der chinesische General Tschanf-kMn dringt, vom Kaiser Hsia-wuti 
ausgesandt, bis in die turanischen Lande vor und öffnet auch handels- 
politisch den Weg nach dem Tarymbecken. 

126 Hlpparehos stellt einen Stemk atalog auf, der 3 Helligkeitsgrade unter- 
scheidet und den Ort jedes einzelnen Sternes möglichst genau nach Längen- 
und Breitengraden (und Brüchen von Graden) bestimmt. 

101 Wie Plutarch (in „Marius") berichtet, führt der römische Feldherr 
Gajus Marliit immittelbar vor der Zimbemschlacht ein Pilum ein, bei dem das 
Eisen mit dem Schafte nur durch einen eisernen und einen hölzernen 
Nagel verbunden ist, von denen der letztere beim Auftreffen des Pilum 
auf den Feindesschild zerbrechen sollte, um das Pilum für den Gegner 
unbenutzbar zu machen. Ähnlich ist das cäsarische Pilum eingerichtet, 
dessen Klinge aus sehr weichem Eisen geschmiedet und nur in der Spitze 
gehärtet ist, so daß sich diese beim Auftreffen verbiegt und nur mit Mühe 
aus dem Schilde entfernen läßt. 

100 Demelrlas von Apamea erwähnt zuerst den Diabetes. 
-» PoMfdonlot verfaßt eine Meteorologie, die für die Folgezeit maßgebend 
wird. 

— PoMMonlM erwägt die Umschiffung Afrikas sowie die Möglichkeit, Indien 
durch eine Erdumschiffung in westlicher Kichtung zu erreichen. 

— Poceidoiilos macht eine Erdmessung und verfaßt eine Monographie über 
den Ozean, in der er auch die Lehre von Ebbe und Flut wissenschaft- 
lich darstellt. Er legt in dieser Schrift den Grund zu einer neuen Men- 
schen-, Tier- und Pfianzengeographie, indem er nicht wie Hippokrates 
und Theophrast an die Differenz der Länder imd Kontinente, sondern 
der Breitengrade anknüpft. Er unterscheidet die gemäßigte und die 
Tropenzone und berechnet den Durchmesser der Sonne auf 3 Millionen 
Stadien, die Entfernung des Mondes auf 2 Millionen, die der Sonne auf 

— 25 — 



100 Y. Chr, 

500 Millionen Stadien. Den Erdumfang berechnet er auf 240000 Stadien. 
100 Der römische Prokonsul Sarflut Ortta legt zur künstlichen Austemzucht 

die ersten Austembassins in der Bucht von Bajae an. 
87 Wie Gellius erzählt, soll ArcMaotf ein General des Mithridates, in dessen 
Kriege mit den Römern, einen hölzernen Belagerungsturm durch Über- 
streichen mit Alaun (Alumen) feuerfest gemacht haben. 

— Der römische Diktator L. Cornelius Sulla unternimmt bei der Belagenmg 
von Athen einen Minenangriff, der als einer der am besten durchgeführten 
Angriffe dieser Art im Altertume gilt. Er läßt einen Minengang bis unter 
die Stadtmauer vortreiben, dessen Bekleidungshölzer mit Werg umwickelt 
und mit Harz und Schwefel getränkt sind. Kurz vor dem Sturm ent- 
zündet, verbrennen dieselben rasch, und durch das Zusammenbrechen der 
Stadtmauer bildet sich eine Bresche. (Nach Appianus.) Über ähnliche 
Minenangriffe im Altertum berichtet Livius (V, XX imd XXXVIII). 

80 MIthrldttM von Pontes soll aus Furcht, von den Bömem vergiftet zu 
werden, sich mit Blut von Enten immunisiert haben, welche längere Zeit 
mit den damals bekannten Giften gefüttert worden waren. Diese Angabe 
ist die Veranlassung, daß die Lehre von den verschiedenen Immimisierungs- 
methoden in Frankreich „Le Mithridatisme*' genannt wird. 

— MlthridatM richtet in seiner Residenz die erste Wassermühle ein. Die 
Wassermühlen verbreiten sich unter Augustus auch in Italien. 

70 Der Naturarzt Aiklaplades von Prusa empfiehlt kalte Abreibungen, Fasten, 
Reiten und Schwitzbäder zu Heilzwecken. Seine Panacee ist der Wein. 
Er soll die Tracheotomie bei Angina ausgeführt haben. Sein auf atomisti- 
scher Grundlage beruhendes System (Solidarpathologie) steht der Humoral- 
pathologie der Hippokratiker entgegen. 

63 Nachdem sich schon bei den Griechen (nach einer Marmorinschrift von 
350 V. Chr.) eine Art von Kurzschrift gebildet hatte, erfindet Marcus 
Tullius TIro die altrömische Kurzschrift, die sich bis zur Karolingerzeit 
erhält (Tironische Noten). 

60 Apollonlot von Kition verfaßt für den König Ptolemaeos von Cypem 
einen Kommentar zu der Schrift des Hippokrates über die Gelenke. Die 
beigegebenen Abbildungen veranschaulichen die Behandlungsmethoden bei 
den verschiedenen Verrenkungen. Das Werk ist wertvoll für die Kennt- 
nis der antiken Chirurgie. 

56 Beginn der Aera des Vlkramadiya. Auf dieselbe gründet sich die indische 
Zeitrechnung. 

55 Titus Luerttlus Canit führt in seinem Lehrgedichte „De rerum natura" 
die Ansichten des Epikuros (s. 305 v. Chr.) über die Atomenlehre und die 
Entstehung und Erhaltung der Welt weiter aus. 

54 Cajus Julius Caasar geht nach Britannien und berichtigt die Nachrichten des 
Pytheas. (S. 320 v. Chr.) Er berichtet zuerst aus eigener Anschauung 
über Deutschland und seine Bewohner. Er schlägt zum Zweck des Rhein- 
übergangs zwischen Koblenz und Andernach die erste bekannte Bock- 
brücke, die durch hölzerne Brückenträger unterstützt ist. 

50 Ammonlos Lithotomos von Alexandria erfindet die Zerstückelung des 
Blasensteins. 

— Marcus Terentiut Varro führt in Rom die nach ihm benannte Zeitrechnung 
(Varronische Aera) ein, welche annimmt, daß Rom im Frühling des 3. Jahres 
der 6. Olympiade (d. i. im Jahre 753 v. Chr.) gegründet worden ist. 
Weniger gebräuchlich als die Varronische ist die Catonische Aera, welche 
von jener um 1 Jahr abweicht. 

46 Cajus Julius Catsar führt auf Grund der von dem alexandrinischen Astrono- 
men Soslgents ausgeführten Berechnungen die nach ihm benannte Kalender- 

~ 26 — 



18 T, Chr, 

reform durch, indem er zun&clist das Jahr 708 a. u. o. (46 v. Chr.) auf 
im ganzen 445 Tage verlängert, und für die Folgezeit festsetzt, daß immer 
auf 3 gemeine Jahre von 366 Tagen ein Schaltjahr von 366 Tagen folgen 
soU. (Julianischer Kalender.) 

44 Wenn auch schon im alten Ägypten die Seeleute, sobald sie sich der 
Küste näherten, durch Tauben ihrer Familie ihre bevorstehende Ankunft 
meldeten und auch in Griechenland schon im 5. Jahrhundert v. Chr. Tauben 
zur Meldung des Erfolges der Kampfspiele benutzt wurden, so ist eine 
regelmäßige Taubenpost doch zuerst von Decimus Jimius Brutus bei der 
B^agerung von Mutina eingerichtet worden. 

40 Der König Juta II. von Mauretanien entsendet eine Gesandtschaft nach 
den Canarischen Inseln, die indes in der alten Geschichte schon früher 
erwähnt werden und wahrscheinlich schon den Phöniziern bekannt waren. ^ 

— Publius Varglllus Maro erwähnt im 7. Gesänge der Aeneide, wo er von 
dem campanischen Volke der Abeller spricht, „Teutonico ritu soliti torquere 
catejas". Neueren Forschimgen zufolge ist unter der hier als „Cateja" 
bezeichneten „gewirbelten** Wurfwaflfe eine Kehrwiederkeule, ganz ent- 
sprechend dem australischen Bumerang, zu verstehen. 

37 Marcus TerMitlus Varro verfaßt 3 Bücher „Renmi rusticarum**. Das erste ^ __ 
handelt von Ackerbau, das zweite von der Viehzucht, das dritte von ^ 
der Vogel- und Fischzucht, von den Hasen, Wildschweinen, Schnecken, 
Bienen usw. 

— Marcus Ttrtntlns Varro kann als Vorläufer der von Plenciz (s. 1762) ge- 
gebenen Theorie der Entstehung der Infektionskrankheiten durch Mikro- 
orgam'smen aDgesehen werden. Er schreibt in Buch I seiner „Rerum rusti- 
carum libri III*', man solle ein Landgut nicht in sumpfiger Gegend an- 
legen: Quod crescunt animalia quaedam minuta, quae non posaunt oc\ilis 
consequi, et per aera intus in corpus per os ac nares perveniunt atque 
efficiunt difficiles morbos. 

30 TiiMiilson von Laodikeia, der Stifter der methodischen Ärzteschule, scheint 
zuerst Blutegel zu Heilzwecken angewendet zu haben. 

— Publius Verfillus Maro vollendet sein Lehrgedicht „Georgica** in 4 Büchern. 
Das erste behandelt den Ackerbau, das zweite die Baumzucht, das dritte 
die Viehzucht, das vierte die Bienenzucht, Im 3. Buche ist auch die 
Tierheilkunde abgehandelt. Er gibt hier Eatschläge für die Beschaffen- 
heit der zur Zucht bestimmten Stuten, Hengste imd Stiere. Er kennt die 
Schafräude. 

27 Nachdem schon bei den Griechen kuppelartige Decken ausgeführt und in 
der Diadochenzeit (seit 323 v. Chr.) die ersten regelrecht gewölbten Kup- 
peln erbaut worden waren, bildet sich bei den Römern der Bau solcher 
Kuppeln immer weiter aus. Eine der ältesten Kuppeln ist die des von 
Marcus Agrippa im Anschluß an seine Thermen errichteten Pantheons, die 
unter Trajan durch Brand zerstört, von Hadrian erneuert wird und in 
Höhe und Durchmesser 43,5 m mißt. 

23 Antonius Musa begründet mit der glücklichen Heilung des Augustus durch 
kalte Bäder die Hydrotherapie. 

19 — 9 Herodes dar QroBe legt in Caesarea (Palästina) einen geräumigen Hafen an, 
der als ein Wimderwerk des Altertums gerühmt wird. Der Schutzdamm 
hatte eine Tiefe von 20 Ellen und diente als Wellenbrecher und zur Auf- 
nahme einer Mauer, deren Höhe über dem Meeresspiegel angeblich 65 m 
betrug. 

18 Eines der hervorragendsten römischen Bauwerke in Gallien ist der Pont 
du Gard bei Nim es, der erbaut wird, als Marcus Agrlppa Statthalter von 
Gallien ist. Er diente ursprünglich für die Überführung einer Wasser- 

— 27 — 



18 Y. Chr. 

leitung. Die Gewölbe bestehen aus stumpf aneinander stoßenden Bogen- 
stücken, die aus durchgehenden Quadern gebildet sind. 
13 Marcus VItnivliis, Architekt und Ingenieur des Augustus. vollendet sein 
Werk „De architectura", worin Hoch- und Tiefbau, sowie die Maschinen- 
technik auf Grund eigener Erfahrung und nach römischen amd griechischen 
Quellen dargestellt sind. 

— Vltruvlus beschreibt die sogenannte Eimerkunst, bei welcher über eine ent- 
sprechend geformte Scheibe auf der horizontalen Welle eines G<)pelvorgelegcs 
eine eiserne Kette ohne Ende läuft, die bis in das zu fördernde Wasser 
hinabreicht und an welcher kupferne Eimer hängen, die, sobald sie über 
die Welle emporkommen, umstürzen und das Wasser ii^ einem Behälter aus- 
gießen, von dem es in Rinnen fortgeführt wird. 

— Vltruvliis beschreibt unter dem Namen „Tympanum" eine Wasserförder- 
maschino, bei welcher die Umdrehung eines Trommelrades durch ein Lauf- 
rad erfolgt, das von Menschen in Bewegung gesetzt wird. Diese Maschine 
hat einigen der neueren Zeit angehöiigen Konstruktionen (Lafaye 1717, 
Perronet 1788, Car6 1856) als Muster gedient. 

— Vltruvlus beschreibt eine Getreidemühle, welche durch unterschlächtige 
Wasserräder betrieben wird, eine Wasserorgel und einen Wassermesser. 
Er kennt die Schwere des Quecksilbers und das Gesetz der kommunizie- 
renden Röhren. Er erklärt die Entstehung der Thermalquellen aus einem 
unterirdischen Feuerherd; nach seiner Meinung haben auch die kalten 
Quellen die vulkanischen Herde durchlaufen, sind aber dann in weiten 
Höhlen abgekühlt worden; die eingepreßte Luft treibt sie dann empor. 

— Nach Angabe des Vltruvlus (in „De architectura", Lib. VII, 3) umfaßt das 
zu seiner Zeit angewendete Verfahren der Freskomalerei folgende Arbeiten: 
Berohren der Decken, drei- bis viermaligen Verputz aller zu bemalenden 
Flächen mit jedesmal feinerem Kalkmörtel, Aufbringen einer Marmor- 
schicht in drei Lagen und — nach Bemalung des noch feuchten Grundes 
mit Wasserfarben — Bearbeiten der Bildfläche mit dem Putzhobel zur 
Erzielung von Glanz und größerer Festigkeit. 

— Vltruvlus beschreibt einen Wegemesser-Wagen von folgender Einrichtung: 
Mit einem der Wagenräder ist eine Stiftscheibe verbunden, durch welche 
ein Zahnrad bei jeder Wagenradumdrehung um einen Zahn vorgerückt 
wird. Durch Anordnung mehrerer Zahnräder wird diese Übertragung mehr- 
mals wiederholt. Auf dem Umfange des letzten, wagerecht liegenden 
Zahnrades sind steinerne Marken derart lose aneinandergereiht, daß je 
nach einer Wegestrecke von 1 röm. Meile eine Marke in einen Zählkasten 
hinabfällt. („De architectura", Lib. X, 9.) 

10 Der Geschichtsschreiber DIodoros von Agyrion in Sizilien berichtet, daß 
phönizische Schiffer, vom Sturm verschlagen, weit westwärts von Afrika 
ein fruchtbares, wohlbewässertes und waldreiches Eiland aufgefunden haben 
sollen. Einzelne Geographen erblicken hierin eine Hindeutung auf Amerika. 

— Claudius Drutus veranlaßt nach der Eroberung Hollands die kunstgerechte 
Eindeichung und planmäßige Kanalisierung des Landes. Doch sind wahr- 
scheinlich schon vor dem Erscheinen der Römer von den Batavern Deich- 
bauten an den Nordseeküsten ausgeführt worden. 



— 28 — 



Christliche Zeit. 



Erstes bis zehntes Jahrhnndert. 



10 Im Zeitalter des römischen Kaisers Aufustus bestehen in verschiedenen 
Orten Italiens Zentralheizungsanlagen, bei denen in einem unterirdischen 
Heizraume (Hypocaustum) die Luft erwärmt und durch senkrechte, in den 
Mauern befindliche Kanäle in die oberen Stockwerke geleitet wird, — also 
eine Art von Kanalheizimg. Auch Warmwasserheizungen werden um diese 
Zeit erwähnt. 

14 MeiMkralti von Zeophleta erfindet das Diachylonpflaster (Emplastrum 
lithargyri), das er aus Bleiglätte, Schmalz und öl darstellt. 

18 Strabo von Amasia vollendet seine „Geographica** in 17 Büchern, worin 
er die alexandrinischen Forschungen über Länder- und Völkerkimde zu- 
sammenfaßt. Ein besonderes Kapitel widmet er der Gebirgsbildung, die 
durch unterirdische Reaktionskraft bedingt sei, sowie den Gletschern und 
Eisbergen. Er hat richtige Vorstellungen von der erodierenden Tätigkeit 
des Wassers und von Ebbe und Flut. 

— 9tnko gibt die frühesten Nachrichten von der Benutzung von Solquellen 
für die Gewinnung von Kochsalz. Er spricht auch zuerst von der berg- 
männischen Gewinnung im Steinsalz. . 

20 Aulus Cornelius Mm% behandelt nach griechischen Quellen die gesamte >< 
Medizin mit besonderer Berücksichtigung der Chirurgie. Beachtenswert 
sind namentlich die Kapitel über die Wundheilimg, über die Amputation, 
die Unterbindung von Amputationswimden imd blutenden Gefäßen, den 
Steinschnitt, die Trepanation, die Hauttransplantation, die Anatomie und 
Heilkunde des Ohres und die Zahnheilkunde. Er spricht zuerst vom 
Nutzen der Nährklystiere. 

— Aulus Cornelius Gehut gibt dem Studium der äußern Formen der Haut- 
krankheiten einen großen Aufschwimg und macht in deren Beurteilung 
bereits pathogenetische Gesichtspunkte geltend. Auch die Systematik er- 
fährt durch ihn große Fortschritte. Seine Anschauimgen und die des 
Hippokrates bleiben für die ganze mittelalterliche Epoche, sowohl bei den 
Arabern als auch im Abendlande grundlegend. 

— Nachdem bis dahin die Innern Augenkrankheiten, selbst von Hippokrates, 
mit wenig Verständnis beschrieben waren, entwickelt Aulus Cornelius 
Mtot nicht nur eine gute Kenntnis der anatomischen Verhältnisse des 
Auges, sondern schildert auch eine Reihe von bis dahin unbekannten 

— 29 — 



20 



Erankheitsfonnen des Auges und vervollkommnet in bemerkenswerter 
Weise das operative Verfahren. 
20 Aulus CorneÜuB Msut führt die Gicht, über die die ersten sicheren Nach- 
richten sich bei Hippokrates finden, auf üppiges Leben zurück und be- 
handelt eingehend die Therapie dieser Krankheit. 

— Marcus Vltmvlus empfiehlt, für Wasserbauten zum gewöhnlichen Mörtel 
einen Zusatz von der bei Puteoli vorkommenden Puzzolanerde zu machen 
und muß als der erste angesehen werden, der die Herstellung des hydrau- 
lischen Mörtels beschreibt. Er spricht auch bereits von der Anwendung 
des Grobmörtels (Betons), d. i. Wassermörtel mit Zusatz von Steinbrocken. 

— Vltravlus kennt bereits die Bleivergiftung und erwähnt, daß die Bleihütten- 
arbeiter bleich aussehen und von den D&mpfen krank werden. 

— Vltruvliit spricht klar aus, daß der Ton in einer Bewegung der Luft be- 
steht. Dabei bewegt sich seiner Ansicht nach die Luft in zahUosen kon- 
zentrischen Kreisen, gleich den Wellen des Wassers in welches ein Stein 
geworfen wird. Wie diese fortschreiten, bis sie von einer Begrenzung des 
Raumes aufgehalten werden, so schreitet auch der Schall in Kreisen durch 
die Luft fort. Allein im Wasser pflanzen sich diese Kreise bloß in hori- 
zontaler Eichtung fort, während der Schall nicht nur in der Breite, son- 
dern auch in senkrechter Bichtung immer weiterschreitet. 

— Vltruvliit kennt bereits die Zugramme und erwähnt dieselbe im 3. Buche, 
Kapitel 3 seines Werkes über die Baukunst. 

48 Scribonlui Larfut, Leibarzt des Kaisers Claudius, verfaßt eine Sammlung 
von Eezepten (Compositiones medicamentorum), von denen noch 271 er- 
halten sind. Unter den von ihm angegebenen Salben imd Pflastern be- 
finden sich u. a. die Vorbilder des Unguentum basilicum nigrum und des 
Emplastrum fuscum Hamburgense. 

— ScrlbOiilut Larfus beschreibt zuerst die Gewinnung des echten Opiums und 
benutzt zuerst die Elektrizität in der Medizin, indem er bei langwierigen 
Kopfschmerzen und bei Podagra den Zitterrochen auflegen läßt. 

— Serlbonlut Larfut imterscheidet bereits genau den Morbus articularis (akuten 
Gelenkrheumatismus) von der Gicht und beschreibt auch die Erscheinungen 
des chronischen Rheumatismus. 

60 Der Baumeister AndronlkM von Kyrrhos in Syrien stellt auf dem von ihm 
erbauten Turm der Winde in Athen den ersten meteorologischen Apparat, 
eine Windfahne, auf. 

— Aritaeot aus Kappadocien führt den Gebrauch der Kuhmilch in die Kranken- 
diätetik ein. 

— Athenatoi von Attalia in Pamphylien, Stifter der pneumatischen Ärzte- 
schule, bearbeitet die öffentliche Gesimdheitspflege. Er gibt Methoden 
zur Filtration des Trinkwassers an und stellt Grundsätze über den gesund- 
heitlichen Einfluß der Lage der Wohnungen auf. Die Katalepsis erkennt 
er als besondere Krankheitsform. 

64 Kaiser Ntro rüstet eine Nilexpedition aus, die auf dem weißen Nil bis zu 
den Verengungen des Stroms durch Ambatschinscln und Papyrusschilf 
gelangt und die zur Kenntnis der Negerstämme beiträgt. 

60 Der römische AckerbauschriftsteUer Lucius Junius Moderatus Columella 
von Gades beschreibt (in „De re rustica", lib. IX. 6 — 7) Bienenstöcke aus 
Korkholz, geflochtene Bienenkörbe aus Weiden- oder Ferulazweigen, sowie 
aus Brettern gezimmerte oder auch aus Ziegelsteinen gemauerte, feuer- 
und diebessichere Bienenhäuser, Auch behandelt er in dem genannten 
Werke (lib. VI, VII und VIII) die Veterinärmedizin der Nutztiere in aus- 
führlicher W^eise und liefert namentlich eine vorzügliche Beschreibung der 
Rind Viehkrankheiten . 

- 30 — 



64 

60 Lucius Junius Moderatus Mamtllt beschreibt eine Art von Drainage zur 
Bodenentwässerung, bei welcher neben offenen Abzugsgr&ben auch bedeckte 
Drainagekanäle angewendet werden, die mit einer aus Steinen oder Kies, 
im Notfalle auch aus Strauchwerk bestehenden Sickerschicht verfuUt und 
mit Erde überdeckt sind. („De re rustica'% lib. IL 2. — Vgl. auch 1600 
Serres, und 1756 Anderson). 

63 Lucius Annaeus SMMca vollendet seine „Naturales quaestiones'*. Er handelt 
darin vom Feuer, Wasser (Nil), Hagel, Gewitter, Wind, Erdbeben, Ko- 
meten usw. Er führt die Springfluten darauf zurück, daß bei ihnen außer 
dem Mond auch noch die Sonne zur Wirkung gelangt. Er erkennt zuerst, 
daß der Sitz der Erdstoße in gar nicht beträchtlicher Tiefe zu suchen sei 

— Lucius Annaeus 8wca erwähnt, daß Buchstaben, durch eine gläserne, mit 
Wasser gefüllte Kugel betrachtet, größer und klarer erscheinen. 

64 Pedanios DlMkorMtt von Anazarba in Kilikien verfaßt das Karonische 
Lehrbuch über die Materia medica (Pflanzen, Tiere und Mineralien). Er 
schreibt auch ein Buch über Gifte und Gegengifte. 

— PedanioB Dlotkoridat beschreibt ein Verfahren zur Gewinnung von Queck- 
silber aus Zinnober, sowie die Darstellung von Bleiacetat, Kalkwasser und 
Kupfervitriol. Er erwähnt das Zinkozyd, das bei dem Bearbeiten zink- 
haltiger Substanzen sublimiert und vergleicht dasselbe mit Büscheln von 
Wolle, auf welchen Vergleich die Alchimisten die Bezeichnung „Lana 
philosophica" gründen. Er kennt das Chlorblei, und führt an, daß Blei- 
glätte mit Steinsalz und warmem Wasser weiß werde. 

— Pedanios Dlotkorhtat gibt die ältesten Notizen über die Benutzung des See- 
salzes und erwähnt, daß das beste Seesalz von Cypem, Sizilien, Afrika 
und Phrygien kommt. 

— Pedanios Dlotkoridtl spricht von einer aus der Holzasche auszulaugenden, 
im Wasser löslichen Substanz, erwähnt jedoch nicht ihre Darstellung in 
fester Gestalt, d. h. als Pottasche. Dagegen kennt er die feste Soda, 
die er als "Av^s dXög (Flos salis) bezeichnet und deren Verwendung er u. a. 
in der Glasfabrikation erwähnt. Er gibt ausführliche Nachrichten über 
den von ihm nach dem Vorgange des Aristoteles ,,Sandarah*' genannten 
Realgar (SchwefelarBenik). 

^ Pedanios DIoskorMat beschreibt die Bereitung des Ätzkalks aus Muschel- 
schalen, Kalksteinen oder Marmor, die man bis zum Weißwerden glühe, 
und sagt, daß man den Kalk aus Marmor vorziehe. Er spricht von den 
kaustischen Eigenschaften des gebrannten Kalks und von der Behandlung 
desselben mit Wasser. Er bezeichnet das Gipsen des Weins als ver- 
werflich. 

— Pedanios DiotkorldM kennt den Indigo und sagt, daß derjenige Indigo, 
mit welchem gefärbt werde, ein purpurfarbiger Schaum sei, der in den 
Kesseln oben stehe und welchen die Künstler absonderten und trockneten. 
Für den besten werde der gehalten, der bläulich, saftig und zart sei. Auch 
gibt er Nachrichten über das natürlich vorkommende Schwefelantimon, 
das zum Färben der Augenbrauen verwendet wird. 

— Pedanios Dlotkoridts stellt zuerst die auch für die Augenheilkunde wichtige 
wundärztliche Betäubung (Anaesthesie) vermittels eingekochten Spiritus- 
extrakts der Mandragorawurzel wissenschaftlich dar. 

— Pedanios Dlotkorides kennt das Wollfett (OTovnoc,), das seiner Angabe nach 
durch Auskochen von Schafwolle und Abschöpfen, Auswaschen, Um- 
Bchmelzen, Abpressen und Bleichen des obenauf schwimmenden Fettes dar- 
gestellt wird. Er empfiehlt dasselbe — sowohl für sich, als auch in Ver- 
bindung mit anderen Stoffen — als Heilmittel gegen die verschiedenartigsten 
Krankheiten. Er beschreibt ein rohes DestiDations verfahren zur DarsteUung X 

— 31 — 



64 

des Terpentinöls, bei dem ein Topf als Retorte und ein Bündel darüber 
aufgehängter Wolle als Rezipient dient. 

64 Pedanios DiMkorldos kennt den Enzian, der, wie Fraas meint, vermutlich, 
da Gentiana lutea in Griechenland nicht vorkommt, aus lllyrien bezogen 
/ wurde. Er kennt auch den Wurmsamen, den Samen einer Artemisiaart, 
aus der später das Santonin (s. 1830 K.), der HauptrepräÄcntant der an- 
thelminthischen Wirkung der Droge, gewonnen wird. Dioskorides spricht 
bereits von der Artischocke, die er HxoXvfw; nennt und die schon zu seiner 
Zeit eine Speise der Reichen war. Der Name Artischocke ist arabischen 
Ursprungs und entspricht dem syrischen Ardischaukd, Erddom. Auch er- 
wähnt er unter dem Namen „Ilzegig** den von alters her als Wurmmittel 
gebrauchten männlichen Farren (Radix filicis maris). 
^— Pedanios DIotkoricIes kennt Rizinusöl, Mandelöl, Nußöl usw. und gibt an» 
daß man sich zur DarsteUung der öle zweier Methoden, des Auspressens 
und des Kochens mit Wasser, bediene, wobei sich das öl oben abscheidet. 
Jedoch dürfte es sich bei diesem Verfahren mehr um die Darstellung von 
fetten ölen als um die von ätherischen handeln. 

66 Nach dem Berichte des älteren Pünius („Historia naturalis", lib. XXXVII) 

bedient sich der römische Kaiser Nero bei den Gladiatorenkämpfen eines 

geschliffenen Smaragden zum Zusehen. Da — anderen Nachrichten zu- 

, folge — der Kaiser Nero kurzsichtig gewesen ist, scheint es sich hier um 

^ eine Art von Augenglafi gehandelt zu haben, — das erste geschichtliche 
Beispiel dieser Art. 

68 Nachdem schon Periandros die Absicht gehabt haben soU, den Isthmus 
von Korinth zu durchstechen, läßt der Kaiser Nero die Kanallinie fest- 
steUen und den Bau durch jüdische Sklaven in Angriff nehmen. Die Voll- 
endung wird indes durch den Aufstand des Julius Vindex gehemmt, und 
erst in neuester Zeit ist der Kanal an der von Nero gewählten Stelle durch 
eine französische bez. griechische Baugesellschaft tatsächlich ausgeführt 
worden. 

77 Gajus Pllnius der Ältere behandelt in seiner 37 Bücher umfassenden „Hi- 
-^ storia naturalis" zunächst die Physik und Astronomie, demnächst Geo- 
graphie und Ethnographie, femer Naturgeschichte, Heilmittellehre, Minera- 
logie und Kunstgeschichte. Das Werk ist eine vielfach unzuverlässige 
Ausbeutung älterer Schriften, aber dennoch eine unschätzbare Fundgrube 
für die Kenntnis antiker Wissenschaft. 

— Pllnius beschreibt die bergbauliche Silbergewinnung und die Silbergewinnung 
durch Abtreiben des Werkbleis. (Über die Aufbereitung der Silbererze, 
die teils durch Stoßen in Mörsern, teils durch Mahlen erfolgte, hatten be- 
reits Strabo und Diodor berichtet.) Auch gibt Plinius eine Schilderung 
des in großartigem Maßstabe in Spanien betriebenen Goldbergbaus. 

■^T Pllnius kennt die Scheidung von Gold und Silber durch Quecksilber 
•^ (Amalgamation). Zur Goldgewinnung wird seiner Angabe nach der gold- 
haltige Stoff mit Quecksilber in einem irdenen Gefäße geschüttelt, und 
aus dem entstandenen Amalgam das Quecksilber durch Destillation ent- 
fernt. Auch die Vergoldung des Kupfers mittels Goldamalgams wird von 
Plinius erwähnt. („Hist. nat." Hb. XXXIII. 32.) 

— Daß schon im Altertum Diamanten zum Steingravieren dienten, beweist 
"i- dieÄußerung des Pllnius („Hist. nat." XXXVII, 5, 15), daß „die Steinschneider 

die Diamantsplitter in Eisen fassen und ohne Schwierigkeit damit in jeden 
andern Stoff graben*'. 

— Pllnius kennt die Steinsägen, wie aus „Hist. nat.** XXXVI, 44 „In Belgica 
provincia serra lapidem secant** hervorgeht. (Vgl. auch 352 v. Chr.) 

— 32 — 



77 Neben Aristoteles („Problemata" LXI) und Plutarch („Quaest. nat." XII) er- 
wähnt im Altertume auch Pllnlus („Historia naturalis'*, lib. II) als eine all- 
bekannte Tatsache» daß sich die Meereswellen durch öl beruhigen lassen. 
Er führt als Beweis für die Krümmung der Erdoberfläche die Tatsache 
an, daß auf dem Meere zuerst der Mast, und erst später der Rumpf der 
Schifife sichtbar wird. 

— Plinim erwähnt Becher, in denen das Trinkwasser durch WoDe filtriert wird. ^ 
Ganz in gleicher Weise läßt (1020) Avicenna Wasser mehrmals aus einem^ 
Gefäß in das andere durch Wolle hinüberleiten, um es zu reinigen. 

— ranloi berichtet in^ seiner „Historia naturalis" (lib. XIX) von Tischtüchern, 
welche aus unverbrennlichem Steinfiachs, d. i. Asbest, gefertigt waren, und 
durch Ausglühen im Feuer gereinigt werden konnten. Auch erwähnt er 
die Verwendung von Asbestlaken als Totenkleider bei Feuerbestattungen, 
so daß die Asche der Leiche getrennt von der Holzasche gesammelt werden 
konnte, (Vgl. 430 y. Chr. Kallimachos.) 

— Pllniut erwähnt den Kattun druck mit gebeizten Mustern als ägyptisches 
Fabrikationsverfahren. Diese Erwähnung findet ihre Bestätigung durch 
die im Gräberfeld von Achmim (Panopolis) in Ägypten durch R. Forrer auf- 
gefundenen Druckformen für Zeugdruck, welche die Muster in erhabenen 
Konturen enthalten. Auch kennt Plinius bereits das rote Bleioxyd (Men-y 
nige), dessen Überführung in braunes Bleioxyd durch wässeriges Chlor 
zuerst Scheele beschreibt. 

— Pllnlus kennt die Seife und unterscheidet bereits weiche und harte Seifen. 
Aus seinen Angaben scheint hervorzugehen, daß die Seife zu seiner Zeit 
namentlich als haarverschönemdes Mittel angewendet wird. Auch erwähnt 
er das Schwefeln der Weinfässer zur Konservierung und Verbesserung des 
Weins als eine bekannte Tatsache. 

— Pllnlus erwähnt zuerst die Operation des Kaiserschnittes an einer Toten, \ 
die nach seiner Zeit erst 1305 wieder von Bemard de Gordon und später 
von Guy de Chauliac ausgeführt wird, welch letzterer genaue Angaben 
über Instrumente und Schnittrichtung gibt. 

78 Pllnlus weiß, daß die Geschwindigkeit des Lichts keine unendlich große ist.^ 
Er sagt („Historia naturalis", lib. II, 56): „Daß der Blitz eher gesehen, als 
der Donner gehört wird, obgleich beide zu gleicher Zeit entstehen, ist kein 
Wunder. Denn das Licht pflanzt sich weit schneller fort, als der Schall.'* 

— Pllnlus erwähnt die Brunnenkresse (von ihm Sisymbrium genannt), deren 
Saft als Heilmittel gebraucht wird, und den Wasserfenchel, der auf Emp- 
fehlung von Emsting seit 1739 als Fiebermittel und gegen Lungenschwind- 
sucht verwendet wird. Auch kennt Plinius die Banane, die in Indien seit «k 
den ältesten Zeiten bekannt ist, unter dem Namen „Pala** bez. „Ariena**. 
Ihren Namen „Musa'' erhält sie von Linn6. Er spricht auch von der 
Artemisia als Mittel gegen Epilepsie. 

— Pllnlus gibt die ersten Nachrichten über die Anwendung von Mähmaschinen. ^ 
Er berichtet, daß auf den großen gallischen Landgütern ein Mähapparat 
in Gebrauch ist, der aus einem mit scharfen Zähnen besetzten, beider- 
seits in Hädem laufenden Balken besteht. Der durch Zugtiere bewegte 
Apparat reißt nur die Ähren ab und läßt die Halme stehen. (Vgl. 350 
PalladiuB.) 

— Neben den schwarzen Tinten, die im Altertum meist aus Ruß und öl \ 
hergestellt wurden, und den farbigen Tinten, die sowohl aus echtem Purpur 
als auch aus Kermesbeeren bereitet wurden, spielt eine wichtige Rolle im 
Altertum die Goldschreibkunst (Chrysographie), die bereits Plutarch er- 
wähnt, und die im 2. Jahrhundert n. Chr. in Byzanz zu einem ausge- 
breiteten Kunsthandwerk wird. Noch im Mittelalter wird Goldtinte viel 

DarmBtaedter. 3 

— 33 — 



78 



frebraucht und daneben Silbertinte angewendet, welche u. a. für den Codex 
argenteus in Upsala verwendet worden ist. 
78 Die Verwendung der Geschütze auf Kriegsschiffen reicht im Altertume 
weit zurück. Vgl. die Angaben des gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. 
lebenden Mechanikers Athenaeos. Die ältesten Nachrichten über Ge- 
schütztürme auf Schiffen finden sich bei Plutareh, welcher (in „Mar- 
cus Antonius'*, Kap. 66) berichtet, daß die Schiffe des Marcus Anto- 
nius zum Gebrauche der Katapulten mit hölzernen Türmen versehen 
waren. 

— Pluüurdi erwähnt den Fall eines Aerolithen und sagt, daß solche Körper 
von außerhalb unseres Erdballs kommen. 

8p Der Anatom Marinus entdeckt, wie Galenus anführt, die Darmdrüsen, die 
Gaumennerven und die Stimmnerven. Er gibt eine vollständige, systema- 
tische Anatomie heraus. 

— Der römische Kaiser TItut voUendet das von seinem Vater Vespasianus 
begonnene riesenhafte Flavische Amphitheater in Rom (Kolosseum), das, 
jetzt durch Abbruch in seiner Ausdehnung teilweise verringert, ursprüng- 
lich eine Ellipse von 524 m Umfang (große Achse 185 m, kleine Achse 
156 m) umschloß, und 50000, angeblich sogar 85000 Zuschauer faßte. 

84 Gnaeus Julius Africda läßt als Statthalter Britanniens von seiner Flotte 
die ganze Insel umschiffen, wobei die Orkney-Inseln (Orkaden) entdeckt 
werden. 

90 Der römische Arzt Herodotut teilt den Fieberverlauf in 4 Stadien, das des 
Anfangs, der Zunahme, der Höhe und der Abnahme. 

07 Sextus Julius Frontinut entwickelt eine epochemachende Tätigkeit im Bau 
von Aquädukten und begründet durch seine Schrift „De aquis urbis 
Eomae" eine neue Aera für die Wasserversorgung der Städte. Er erwähnt, 
daß die zu den Wasserleitungen erforderlichen Bleiröhren in 17 Kalibern 
angewendet werden. Die Bleiröhren werden aus Streifen zusammen - 
gehämmert und äußerlich verlötet. 

— Frontliiiit kennt die Abhängigkeit der Ausflußgeschwindigkeit des Wassers 
von der Druckhöhe der Wassersäule. 

— Htliodorus schreibt eine Abhandlung über die Unterleibsbrüche, die er in 
Nabel-, Scrotal- und Inguinalbrüche einteilt und als deren Ursache ihm 
die abnorme Verlängerung und Zerreißung des Bauchfells gilt. 

— Riifiit von Ephesos übt die ZergUedenmgskunst an Tieren, insbesondere an 
Affen aus, und unterscheidet die Nerven, deren Ursprung er ins Gehirn 
legt, nach dem Vorgang des Erasistratos (s. 300 v. Chr.), in empfindende 
und bewegende. Er sagt, das Herz sei der Sitz des Lebens, der tierischen 
Wärme und- des Pulsschla|2:es. 

100 Archlf^ntS von Apamea gibt in seiner Abhandlung „/7c^( a(pvyfi€ov*' eine aus- 
führliche Pulslehre und unterscheidet zwischen der normalen Bewegung 
der Arterien, die den Puls ausmachen, und abnormen Bewegungen der- 
selben. Die Pulslehre des Galenus ist nur eine Ausführimg derjenigen des 
Archigenes. 

— Der (Chinese Cho-chlu-M schreibt mit Benutzung der Lehren des Nan- 
Kiyo (s. 300 v. Chr.) zwei Bücher, das Sho-kan-ron und das Kin-ki, die 
eine vollständige Darstellung der Therapie geben. Er wird als der Hippo- 
krates der Chinesen gepriesen. 

— Heron von Alexandria kennt die vier physikalischen Grundeigenschaften 
der Körper (Ausdehnung, UndurchdringHchkeit, Porosität und Teilbarkeit), 
imd untersucht die Elastizität. Er stellt hygroskopische Beobachtungen 
an. Er kennt das Grundgesetz der Reflexion (Gleichheit des Einfalls- und 
Ausfallswinkels) und die Eigenschaft der Sehstrahlen (Lichtstrahlen), den 

— 84 — 



100 

kürzesten Weg einzuschlagen und sich in demselben Medium geradlinig 
fortzupflanzen. Er weiß, daß Quecksilber schwerer ist als Wasser. 
100 Htfwi kennt die fünf einfachen Maschinen und die goldene Regel der 
Mechanik, sowie die Zusammensetzung zweier Bewegungen zu einer resul- 
tierenden. (Ähnliches findet sich schon bei Aristoteles.) Er stellt Schwer- 
punktsuntersuchungen an. Auch kennt er das Gesetz des Hebers und der 
kommimizierenden Röhren und die Abhängigkeit der Ausflußgeschwindig- 
keit von der Druckhöhe, d. h. von der Höhe der Flüssigkeitsoberfläche 
über der AusflußöfTnung. (Vgl. 97 Frontinus.) 

— Htnm gibt ein Thermoskop an (s. "Hgcovog AXe^avögiotg Wsvpiaxix&v ß'), bei 
welchem durch Erwärmung (Aufstellung in der Sonne) oder Abkühlung 
(Aufstellung im Schatten) Wasser in einer Röhre emporgepreßt oder ab- 
gesaugt wird, imd welches somit den Grundgedanken des Thermometers 
enthält. — Eine ähnliche Vorrichtung beschreibt PhilOj von Byzanz in 
seiner Schrift „De ingeniis spiritualibus". 

— Htron konstruiert Pressen verschiedener Art (öl- und Weinpressen) und 
beschreibt eine Seilbahn, sowie Krane und andere Hebevorrichtungen. Er 
erwähnt einen Geisterspiegel und beschreibt einen Weihwasserautomaten, 
welcher gegen Einwurf eines Fünfdrachmenstücks eine bestimmte Menge 

Weihwasser abgibt. (S. "Hgcovog AXe^avögicos Uvevfiaxixwv d), 

— Htron fördert das von Ktesibios (s. 230 v. Chr.) erschlossene Gebiet der 
pneumatischen Maschinen. Er erfindet den Heronsbrunnen und den Wind- 
kessel und vervollkommnet viele der von Ktesibios und Philo (s. 210 v. Chr.) 
angegebenen pneumatiBchen Apparate. Er kennt die Reaktionsdampfkugel 
(Aeolipile) und das Reaktionsröhrenkreuz (eine Turbine nach Art des 
Segner'schen Wasserrades) und verwendet in einem Dampfkessel Innen- 
feuenmg und Quendeder. 

— Heron kennt ein geometrisches Instrument, welches sich als Vorläufer des 
Storchschnabels darstellt, und ein anderes, das zur Konstruktion ähnlicher 
körperlicher Figuren dient. Er soll die Grundlage für die Markscheide- 
kunst gelegt haben. 

— Htron zeigt in seiner Lehre vom Geschützbau, wie die Biegungselastizität der 
Bogenarme weit von der Torsionselastizität gedrehter Stränge übertroffen 
wird und wie man solche Stränge mit der zum Fortschleudern des Ge- 
schosses bestimmten Sehne in Verbindung setzt. Seine theoretischen und 
praktischen Ausführungen fußen vielfach auf der Mechanik der Alexan- 
driner (Ktesibios und PhUo). 

— Htron kennt einen Wegemesser für Wagen. Bei demselben wird die Um- 
drehung der Wagenräder mittels Zahnradübersetzung auf ein Zählwerk 
übertragen, dessen Zeiger auf einer mit Entfemungsmarken versehenen 
Scheibe die von dem Wagen zurückgelegten Entfernungen in Stadien an- 
zeigt. In dieser Konstruktion ist der Grundgedanke der heutigen Fahr- 
preisanzeiger-Fuhrwerke deutlich zu erkennen. Heron kennt auch einen 
Wegemesser für Schiffe, bei welchem die Umdrehungen einer im Wasser 
fortbewegten Flügelschraube in ähnlicher Weise auf ein Zählwerk über- 
tragen werden. (Vgl. a. 13 v. Chr. Vitruvius.) 

— Htron kennt die Auflösung quadratischer Gleichungen. Wenigstens ist 
die Berechnimg einer unreinen quadratischen Gleichung an seinen Namen 
geknüpft. 

— Htron konstruiert die „Dioptra", ein Feldmeßinstrument als Vorläufer 
unseres Theodoliten und schreibt ein Lehrbuch über die Inhaltsberech- 
nung von Flächen (darunter Vielecken) und Körpern und über ihre Teilung. 
Er verwendet die sog. Heron'sche Dreiecksformel (Inhaltsberechnung des 
Dreiecks aus den drei Seiten). 

3* 

— 35 — 



100 

100 Klaomedas schreibt einen Auszug ans des Poseidonios' Astronomie nnd erwähnt 
bereits die astronomische Strahlenbrechung, die aUe Sterne, mit Ausnahme 
der im Zenit befindlichen (s. 1604 E.) höher erscheinen läßt, als sie stehen. 
£r weiß, daß der Lichtstrahl beim Übergang aus einem dichteren Stoff 
in einen dünneren nach dem Lot hin gebrochen wird {KardxAaaig), 

— MtiMlaos von Alexandria behandelt in seinem Werke „Sphaericorum libri IV" 
die wichtigsten Sätze der sphärischen Trigonometrie, worin auch der nach 
ihm benannte Satz von den Abschnitten der durch eine Transversale ge- 
schnittenen Dreiecksseiten enthalten ist. (Vgl. 1250 Nassir-Eddin.) 

104 — 5 Apollodoros von Damaskus baut im Auftrage Trajans die berühmte 
Brücke über die Donau. 

106 Nachdem die Chinesen schon im 3. Jahrhundert v. Chr. Papier aus Hanf 
hergestellt hatten, erfindet Tsal-lun die Herstellung von Papier aus Seiden- 
und Leinenlumpen. 

106 Cajus Julius Lacer erbaut im Auftrage des Kaisers Trajan die berühmte 
Brücke über denTagus (Tajo) bei Alcantara, die aus Granitquadern ohne 
Mörtel hergestellt ist. 

107-— 13 Apollodoros erbaut das Trajansforum. 

110 Marinot vonTyros entwirft eine neue, die römischen Entdeckungen berück- 
sichtigende Erdkarte (Gradnetzkarte). 

— Soranos von Ephesos, Haupt Vertreter der methodischen Ärzteschule, schreibt 
über Frauenkrankheiten (erstes Hebammenbuch) und über akute und 
chronische Krankheiten. Seine Verbandlehre veranschaulicht eine mit Ab- 
bildimgen versehene Handschrift der Bibliotheca Laurentiana in Florenz. 

120 Apollodoros widmet dem Kaiser Hadrian sein Werk „Poliorketika**. 

— Attionaoot von Alexandria berichtet, daß man zu den Lebzeiten seines Groß- 
vaters angefangen habe, die Citrone, die Theophrastos bereits kannte, 
die aber erst späterhin veredelt wurde, zu den genießbaren Früchten zu 
rechnen. 

140 Antyllot beschreibt zuerst die Aneurysmen, die er vermittels Spaltung 
der sackförmigen Erweiterung des Arterienrohres imd doppelter Unter- 
bindung ( Antyllische Methode) behandelt und ist der erste, der seit Askle- 
piades (s. 70 v. Chr.) die Tracheotomie nicht nur vornimmt, sondern auch 
die Regeln aufstellt, nach welchen sie vorgenommen werden müsse. 

150 Die älteste Bezeichnimg der Zahlenziffern ist in Griechenland diejenige 
durch die Anfangsbuchstaben der Zahlwörter (die Ziffern 1 — 4 durch 
Striche). Diese Bezeichnungsart, die bis 300 v. Chr. aUgemein, bis 100 
V. Chr. noch vereinzelt in Gebrauch war, wird von dem byzantinischen 
Grammatiker Horodlanos i. J. 150 n. Chr. beschrieben, woher die Benen- 
nung „Herodianische Zahlen*' stammt. Seit dem Jahre 500 v. Chr. bildet 
sich daneben in Griechenland die später ausschließlich angewendete Be- 
zeichnung der Ziffern durch die Buchstaben des ionischen Alphabets aus. 

— Nlkomachot von Gerasa (Arabien) schreibt in neupythagoreischem Sinn das 
erste Lehrbuch der Arithmetik, beschäftigt sich mit zahlentheoretischen 
Problemen und gibt eine vollständige Theorie der Polygonalzahlen (figu- 
rierten Zahlen). 

-^ Claudius Ptolemaeus von Alexandria, gleich bedeutend als Astronom, Mathe- 
matiker und Geograph, faßt seine Trigonometrie, welche die Hauptsätze 
der ebenen und sphärischen Trigonometrie behandelt, und seine astrono- 
mischen Lehren zusammen in dem großen Werke Meyah] ovvxa^ig, bekannter 
unter dem Namen „Almagest** (entstanden aus dem Titel der um 827 ent- 
standenen arabischen Übersetzung „Tabrir al magesthi"). Die Lehrsätze 
des Almagest beherrschen weit über ein Jahrtausend die Wissenschaft. 

— 36 — 



167 

150 Die Astronomen des Altertums bestimmten den Winkel durch die Sehne. 
(Vgl. 146 V. Chr. Hipparcbos.) Anstatt der Sinustafeln wurden daher 
Sehnentafeln benutzt, deren berühmteste PteltiiiaMn im 9. Kapitel des 
I. Buches des Almagest gibt. Dieselbe enth&lt die Sehnen der Winkel 
von halben zu halben Graden. Aus der lateinischen Übersetzung der 
Untereinteilungen „Partes minutae primae" bez. „Partes minutae secundae" 
sind die' Bezeichnungen „Minute" und „Sekunde" entstanden. 

— Ptotaiatut gibt in seinem Almagest einen Stemkatalog mit 1028 Nummern 
heraus. £r untersucht mit Hilfe des von ihm erfundenen Triquetrum 
die Mondparallaxe, die er etwas zu groß findet, imd versucht eine 
Bestimmung der Sonnenparallaxe, die allerdings 20 mal zu hoch ausfällt. 
Er entdeckt die Evektion, die beträchtlichste der Ungleichheiten der 
Mondbahn. 

— Ptolamatas behandelt in seinen „Opticorum sermones quinque" die Theorie 
des Sehens, die Reflexion, die Theorie der ebenen und sphärischen Spiegel, 
die Refraktion und mißt ziemlich genau die Winkel, die der einfallende 
und der gebrochene Strahl mit dem Einfallslot bilden, für Luft und Wasser, 
Wasser und Glas, sowie Luft und Glas. In dem für das Verständnis der 
griechischen Musik höchst wichtigen Werke „Harmonica" bringt er die 
musikalische Akustik des Altertums zum Abschlüsse. 

— Ptolemaeus gibt die erste Theorie des wissenschaftlichen Kartenzeichnens, 
das er als Registrierung der durch astronomische Beobachtung gewon- 
nenen Positionsbestimmungen in einer nach mathematischen Gesichts- 
punkten bestimmten Projektionsart der konischen Projektion auffaßt. 
Das Gradnetz umfaßt die bewohnte Erde vom 10^ s. Br. bis 26^ n. Br., 
und von Irland bis Java und Sumatra. Erwähnt sind 8000 Orte. 

— Nachdem Hipparchos mit der Präzession die Veränderlichkeit der Dekli- 
nation imd die Eonstanz der Breite entdeckt hatte (s. 146 v. Chr.), ändert 
Ptoiemaeus die Armillarsphäre (s. 240 v. Chr.) so ab, daß auch die Lage 
gegen die nun als Hauptgrundebene gewählte Ekliptik unmittelbar be- 
stimmt werden kann. Das so geänderte Instrument erhält den Namen 
Astrolabium. 

160 Apiitojiit erwähnt bereits die Verwendung von Kerzenlicht bei kirchlichen 
Zeremonien und unterscheidet Wachs- und Talgkerzen als Cerei und Sebacei. 
Im 0. Jahrhundert jedoch beginnen erst die Kerzen den Kienspan im 
bürgerlichen Haushalte zu verdrängen. 

167 Claudius Qaltniis von Pergamon, der berühmteste Arzt des Altertums nach 
Hippokrates, dessen Schriften er erklärt, und dessen Dogmatismus er er- 
neuert, verfaßt über 200 Schriften,' in denen alle Teile der Medizin (daneben 
Philosophisches und Philologisches) abgehandelt sind. Besonders erforscht 
er die Anatomie, Physiologie und Pathologie und spricht Anschauimgen 
aus, die bis zu Vesals Zeit ihre Gültigkeit bewahren. Galenus weiß be- 
reits, daß die Empfindungen durch die sensiblen Nerven vermittelt werden 
und daß dieselben durch Kompression der Nerven vorübergehend, durch 
Unterbindimg oder Durchschneidung dauernd verloren gehen. 

— QalMiiit handelt in seinen Schriften „Von den örtlichen Leiden'', „Von den 
Ursachen der Symptome", „System der Heilkunst" und „Über die örtlichen 
Heilmittel" vielfach auch über Augenheilkunde. Seine eigentlichen augen- 
ärztlichen Schriften „'Chtuxoi Xoyoi** (Optik) und „Twv iv 6q){}aXfwTg jia^iHv did- 
yv€oaig** (Diagnostik der Augenkrankheiten) sind verloren gegangen. Nach jenen 
Schriften ist zu schließen, daß die alten Griechen im wesentlichen nur 
die Niederdrückung des Stares kannten. Nur gelegentlich lief dieses 
Verfahren auf eine Zerstückelung hinaus. Beim Milchstar kam es zuweilen 
bei der Niederdrückung zu einer einfachen Kapselzerschneidimg und Ent- 

— 37 — 



167 



leerung der Starmasse. Eine Ausziehung wurde nur bei weichen und zer- 
stückelten Staren gewagt. Der Homhautstich und die Extraktion des 
harten Vollstars waren den Alten unbekannt. 
167 QalMiit schreibt Werke über die Arzneimittel „De simplicium medicamen- 
torum temperaturis et facultatibus*' und „De compositione medicamen- 
torum", die Jahrhunderte hindurch den höchsten Rang behaupten. Nach 
ihm heißen noch heute Mengungen, wie Pflaster, Salben, sowie Infusa, 
Decocta usw. „Galenische Arzneimittel". 

— Qalenus bearbeitet in seiner Schrift „De sanitate tuenda" die Diätetik 
des Erwachsenen, des Kindes und des Jünglings. Auch gibt er ein- 
gehende Vorschriften über das Massieren und verwendet die Massage viel- 
fach in Verbindung mit gymnastischen Übungen. Zu seiner Zeit soll es 
in Rom besondere Ärzte für Massage gegeben haben. Er empfiehlt als 
erster die klimatische Kur, namentlich auch Seereisen gegen Schwindsucht. 

169 Qalmus kennt den Unterschied der Arterien und Venen, lehrt, daß die 
Arterien normalerweise Blut enthalten, dem Luft beigemengt sei, und be- 
handelt in hervorragender Weise die Lehre von der Blutstillimg. Er er- 
kennt es als zweckmäßig, dem blutenden Teil eine erhöhte Lage zu geben 
und beschreibt den Druckverband, die Digitalkompression, die Unter- 
bindung, die Drehung und das Durchschneiden des blutenden Gefäßes. Bei 
der Wundheilung unterscheidet er Vereinigung der Wimde durch die eigene 
Substanz ohne Narbe, einfache Verklebung (Prima intentio) und durch 
Vermittelung einer Narbe neu entstehende Substanz (Secunda intentio). 
(Vgl. auch 400 v. Chr.) 

— GalMiuf kennt und beschreibt die Anatomie imd Physiologie der Nase. Er 
beschreibt anatomisch richtig das Verhältnis von Nasenhöhle und Augen 
höhle, die Lage des Tränennasenkanals und seine Mündung in den Nasen- 
höhlen. Er nimmt an, die Funktion der Nase sei eine dreifache» zum 
Durchtritt und der Erwärmung der Luft beim Atmen, zum Abfluß der 
Exkrete des Gehirns und zur Ventilation des Gehirns, und als Weg für 
die Gerüche. Er beschreibt eingehend den Kehlkopf und teilt die inneren 
Muskeln desselben in solche, die ihn öffnen, und solche, die ihn schließen. 
Er gibt! der Stimmritze den Namen „Glottis" und stellt Betrachtungen 
über deren Einrichtungen für Kehlkopfschluß und Tonerzeugung an. 

— Gatonut imterscheidet die Blasensteine als angewachsene und bewegliche, 
als harte und weiche, und rät, die weichen Steine durch medikamentöse 
Behandlung aufzulösen, während er bei den harten Steinen als einziges 
Mittel der Heilung die Extraktion durch den Schnitt am Blasenhalse be- 
trachtet. Er führt die erste Resektion des Brustbeins unter Freilegung 
des Herzens mit glücklichem Erfolge aus. 

180 Unter dem Namen „Phytiolocus" ist eine Klasse von Zusammenstellimgen 
über das zoologische Wissen zu verstehen, deren erste in griechischer 
Sprache in Alexandria erscheint. Die Werkchen beschreiben teils bekannte, 
teils sagenhafte Tiere und deuten die Eigenschaften derselben in religiös- 
christlichem Sinne. Sie werden im Mittelalter vielfach ins Lateinische 
und auch ins Althochdeutsche übersetzt, sind aber mehr als symbolische 
denn als wissenschaftliche Literatur anzusprechen. 

193 Wie Tertulllan berichtet, ist der Muschelbyssus, eine fadenförmige Sekretion 
der Byssusdrüse zahlreicher Acephalen, zu seiner Zeit zu industriellen 
Zwecken, namentlich zu Stickereien und Webereien, verwendet worden. 
(Vgl. a. 450 V. Chr.) 

200 ArttaMM aus Kappadozien gibt an, daß das Blut der Arterien hell, das der 
Venen dunkel sei. 

— 38 — 



850 

210 CMlius Aurellaiiat fördert die Orthopädie. Er empfiehlt zuerst paasive 
Gymnastik und Schwimmen bei Gelähmten. 

220 textus Julias Africanus gibt eine Methode an, die Breite eines Flusses ohne 
unmittelbare Messung durch Absteckung ähnlicher rechtwinkliger Dreiecke 
zu ermitteln. Das Verfahren wird noch jetzt in der Kriegstechnik (z. B. 
bei der raschen Feststellung einer Flußbreite) angewendet. 

230 Claodlut Atllanut von Praeneste 'erwähnt, daß die betäubenden Eigenschaften 
des Zitterrochens, die bereits von Aristophanes, Plato, Aristoteles, Straton, 
Scribonius Largus, Plinius, Plutarch, Galen und Oppian erwähnt worden 
sind, sich noch geltend machen, wenn man Wasser aus einem Gefäß, 
in dem sich ein Zitterrochen befindet, über die Hand oder den Fuß gießt. 

250 DIoplMUitM aus Alexandria befreit die Arithmetik aus den Fesseln der 
Geometrie und begründet nach ägyptischem Muster eine neue Arithmetik 
und Algebra. Er behandelt ganzzahlige Gleichungen mit ganzzahligen 
Unbekannten. Doch kommt das, was man jetzt unter „Diophantischen 
Gleichungen" versteht, bei Diophantos selbst nicht vor. Er bezeichnet 
X mit dem griechischen g. 

281 Der römische Kaiser Prabut führt die Kultur der Weinrebe am Rheine ein. 

284 In Alexandria kommt die Diocletianische Aera, auch Aera der Märtyrer 
genannt, in Gebrauch, die mit der Thronbesteigung des Kaisers Cajus Vale- 
rius DIoctetlanus (29. August 284) beginnt. Die christlichen Kopten bedienen 
sich dieser Aera noch jetzt. (Vgl. auch 525 Dionysius.) 

290 Der lateinische Kirchenschriftsteller Lucius Coelius Ladanlliit Firmianus ist 
der erste, welcher der Glasfenster mit Bestimmtheit Erwähnung tut. 
Ältere Nachrichten über den Gebrauch der Glasfenster sind unsicher. 

300 Dar römische Kaiser Cajus Valerius Dlodttlanus richtet eine Art regelmäßiger 
Taubenpost ein. 

— PappM von Alexandria gibt in seinem Sammelwerke „Swaycoyty eine Be- 
schreibung von Kurven doppelter Krümmung auf der Kugel, sowie den 
Fundamentalsatz der für die neuere (projektive) Geometrie maßgebend ge- 
wordenen Theorie der Doppel Verhältnisse. Er erörtert die als „voDständiges*' 
Viereck und Vierseit bezeichnete Kombination von Linien und Punkten, 
und behandelt zahlreiche Sätze der Lehre von den Kegelschnitten, dar- 
unter die Involution von sechs Punkten. In dem Sammelwerk ist auch 
die sog. „Aufgabe des Pappos", den Ort zu 3 oder mehreren Geraden 
zu finden, enthalten, sowie der seit dem 17. Jahrhundert als „Guldin' sehe 
Kegel*' benannte Satz zur Bestimmung des Baum- und Oberfiächeninhalts 
eines Umdrehungskörpers. (Vgl. 1640 Guldin.) Pappos versucht, jedoch 
ohne Erfolg, das Problem der schiefen Ebene durch das Hebelgesetz zu 
erklären. 

325 Das Konzil zu Nlcaea setzt das Osterfest auf den Sonntag nach dem Früh- 

lingsvollmond fest. 
340 Der griechische Tierarzt Aptyrtut von Prusa in Bithynien beschreibt eine 

Anzahl von Tierkrankheiten, wie die Druse, Ruhr, Mauke, Flußgalle, 

Koller usw. und gibt Mittel zu ihrer Heilung an. Er kennt auch den 

Kotz, die Dämpfigkeit und die Rehe der Pferde, und betont bereits das 

Fehlen der Gallenblase bei letzteren. 
350 Lucius Apulejus Barbanit erwähnt zuerst die Torrn entUlwurzel, die Wurzel 

einer Potentüla die als Pulver oder Aufguß medizinische Verwendung. 

insbesondere bei Zahnschmerzen findet. 

— Aemilianus PalMlut erwähnt in seiner Schrift ,,Dc re rustica'* die Ver- 
wendung von Meeresalgen, Tang imd andern Seegewächsen als Dünger- 
ersatz. Diese Meeresgewächse werden auch heute noch vielfach an den 
Küsten Frankreichs und Italiens als Dünger verwendet. 

— 39 — 



350 Palladiiit erwähnt in seiner Schrift „De re rustioa" eine Art von lÜli- 
maschine, welche mit der von Plinius beschriebenen (s. 78) in der Haupt- 
sache übereinstimmt, so daß sich demzufolge diese Art des Mafichinen- 
mähens mehrere Jahrhunderte hindurch erhalten zu haben scheint. 

— PalMliit gibt eine Beschreibung von Arbeiten, welche zur Römerzeit sv 
Trockenlegung (Drainage) versumpfter Lands trecken ausgeführt wurden- 
Solche Drainierungsanlagen sind u. a. in Alatri aufgefunden worden. 

— Phllagrlot ist der erste, der die vollständige Exstirpation eines Aneurysma 
vornimmt. Die nach ihm benannte Methode wird lange Zeit völlig v^- 
lassen, und erst im 17. Jahrhundert von Matthias Gottfried Purmann 
wieder aufgenommen. 

359 Der jüdische Kalender, für den sich weder aus der Bibel, noch aus der 
älteren jüdischen Literatur übersichtliche Regeln aufstellen lassen, findet 
die erste systematische Bearbeitung durch den Patriarchen HIIM HaiUMl 
den Jüngeren in Tiberias. Hillel ist auch der Urheber der noch heute 
gebräuchlichen jüdischen Aera, die von dem Jahre 3761 v. Chr. ausgeht 
(Vgl. auch 312 V. Chr. Seleukos Nikator.) 

360 Der Bischof Baslllus der Große folgert die Zusammengehörigkeit gewisser 
durch das Meer getrennter TeUe des Festlandes auf Grund zoogeogra- 
phischer Erwägungen. 

361 Orltetius gibt in den 70 Büchern seiner 'laiQixal owaycoyai, von denen 
25 Bücher noch erhalten sind, eine Darstellung der gesamten Heilkunde 
seiner Zeit, der inneren Medizin sowohl als auch der Chirurgie. Er emp- 
fiehlt zur Wundbehandlung die konstante Irrigation mit Rotwein. 

368 Baillliit der Große errichtet vor den Toren von Cäsarea in Kappadozien 
eine Fremdenherberge großen Stils, welche, neben Armenhäusern und 
Asylen für gefallene Mädchen, auch eine umfangreiche Hospitalanlage mit 
Ärzten und Krankenpflegern enthält. Diese Schöpfung ist als der erste 
Anfang einer geregelten öffentlichen Krankenpflege im bürgerlichen Leben 
anzusehen. 

370 Der Bischof Ambroslus von Mailand unterscheidet die vier sogenannten 
authentischen Tonleitern, denen Papst Gregor der Große um 600 die vier 
plagalischen Tonreihen, die im heutigen Sinne indes keine Tonleitern sind, 
hinzufügt. 

378 Der lateinische [Kirchenvater Hleronymus der Heilige erwähnt in seiner 
Schrift „Wortwechsel zwischen einem Luziferaner und einem Recht- 
gläubigen", daß beide in den Straßen von Antiochia so lange mit ein- 
ander disputiert hätten, „bis man Licht auf den Gassen angezündet habe*'. 
Es ist dies die älteste verbürgte Nachricht über öffentliche Straßenbe- 
leuchtung. 

380 Unter der Dynastie der Tsln besuchen chinesische Schiffe, vom Kompaß 
geleitet, indische Häfen und die Ostküste von Afrika. 

— Publius Vtgttias vergleicht in seinem Werke „Digestorum artis mulomedi- 
cinae libri IV** zuerst die Tierkrankheiten mit den Krankheiten des 
Menschen, so daß er gewissermaßen als der Begründer der vergleichenden 
Pathologie anzusehen ist. Er bezieht sich in seinen Darlegungen wieder- 
holt auf die Pferde der damals gerade in Europa eingedrungenen Hunnen. 

385 Der Reitsattel hat sich aus den schon im frühen Altertum vorkommenden 
sattelähnlichen Vorrichtungen (Decken, Teppichen u. dgl.) allmählich ent- 
wickelt. Als erste geschichtliche Erwähnung eines wirklichen Sattels gilt 
eine Verordnung dos römischen Kaisers Theodotlut I., in welcher das zu- 
lässige Höchatgewicht der den öffentlichen Postpf erden aufzulegenden 
Reitsättel vorgeschrieben ist. 

— 40 — 



447 

390 Der römische Geschichtsschreiber Ammlanut MarctUlmit beschreibt Fener- 
pfeile (Malleoli), die aus Katapulten abgeschossen werden („Res gestae'* 
IIb. 23). Der Brandsatz dieser Geschosse besteht, wie Vegetius Renatus 
(in „Epitome rei militaris") angibt, aus Werg, Harz, Schwefel und Erdöl. 

390 Der römische Schriftsteller Decimus Magnus Autonliit berichtet von Wasser- 
mühlen an der Roer, die zum Schneiden von Steinblöcken in Betrieb 
warisn. Eine nähere Beschreibung der Einrichtung dieser Sägemühlen 
fehlt. Doch geht aus anderweitigen gleichzeitigen Nachrichten hervor, 
daß man bereits zu jener Zeit Steinsägen kannte, die aus Holzlatten be- 
standen, an deren Schleifkante Feuersteinspitzen mit Kitt befestigt waren. 
(Vgl. 352 V. Chr. und 77 n. Chr.) 

400 Der römische Schriftsteller Ambrosius Theodosius MaeroMut gebraucht in 
seinem Werke „Commentarius in Somnium Scipionis" zuerst das Wort 
„Ekliptik**. 

— 8yii0SlOt, Bischof von Ptolcmais, erwähnt in einem Brief an Hypatia zum 
ersten Male das Skalenaraeometer (Volumaraeometer) unter dem Namen 
Baryllium. Diesem Brief nach zu urteilen muß damals das Instrument 
neu gewesen sein, so daß dessen Erfindung wohl in die erste Hälfte des 
4. Jahrhunderts zu setzen ist. (Andere schreiben das Instrument dem 
Priscianus zu.) 

— Der römische MilitärschriftsteUer Flavius Vtcttliit Renatut beschreibt optische 
Telegraphen auf den Warttürmen der Festungen, welche aus beweg- 
lichen Balkenstücken bestehen, denen zwecks Zeichengabe eine ver- 
schiedene Stellung gegeben werden konnte und die als die ersten Sema- 
phoren anzusehen sind. (S. 1763 Edgeworth und 1793 Chappe.) 

*- Flavius Vtgttiiit Renatus erwähnt bereits eine Maschine zum Wasserheben, 
bei der ein gewöhnlicher Lederblasebalg als Pumpe benutzt wird. Solche 
Pumpen werden später insbesondere als Schiffspumpen unter dem Namen 
Sackpumpen (Priesterpumpen, Pumpen ohne Kolben) gebaut. 

— Flavius Vegetliis Renatus beschreibt in seinen „Abhandlungen über die 
Kriegskunst*' den später als „Nürnberger Schere" bezeichneten Apparat 
als zusammenlegbare und leicht transportable Festungsleiter für Belage- 
rungszwecke. Genau nach diesem Prinzip wird zu Anfang des 20. Jahr- 
himderts eine Feuerwehrleiter konstruiert, die auf einem Motorwagen 
steht und durch einen zweiten Motor aufgeklappt wird. 

105 Der Dichter Aurelius Prudentlue Clemens vergleicht in seinen Märtyrer- 
Hymnen die mit mehrfarbigen Glasscheiben gefüllten Bogenfenster der 
Paulskirche in Rom mit Wiesen voll Frühlingsblumen. Doch handelt es 
sich hier anscheinend noch nicht um eine eigentliche Glasmalerei, sondern 
nur um eine Zusammensetzimg verschiedenfarbiger Glasstücke zu einer 
gewissen koloristischen Wirkung. (Vgl. 880 Ratpert). 

109 Während die Glocken anfangs geschmiedet oder getrieben wurden, soll 
Paullnut, Bischof von Nola, den Glockenguß erfunden haben. Die Kirche 
in Cimitile bei Nola rühmt sich, den „ältesten Glockenturm in der Christen- 
heit zu besitzen". Ein sicherer Nachweis über die Erfindung des Glocken- 
gusses ist nicht zu erbringen. 

130 Zollmoe von Panopolis gibt der chemischen Forschung einen großen Auf- 
schwung durch Verbesserung der Destillation sowie der metallurgischen 
Prozesse. Durch ihn kommt die Bezeichnung „Chemie" in allgemeinen 
Gebrauch. 

447 Cassius Felix, lateinischer Übersetzer ärztlicher Schriften, gibt an, daß 
die Verletzung der einen Hirnhälfte Lähmung der entgegengesetzten Körper- 
hälfte bedingt. 

— 41 — 



460 

450 OfympkNior spricht schon von den — später so genannten — artesischen 
Brunnen in Ägypten, die eine Tiefe von 200 bis 500 Ellen hätten und 
das Wasser über der Erdoberfläche ausgössen, woselbst man es zur Be- 
rieselung der Äcker benutze. (Vgl. auch 320 v. Chr. und 168 v. Chr.) 

500 Der indische Astronom Arya-Bhattt fördert die Algebra derart, daß er als 
der Vater der indischen Algebra bezeichnet werden muß. Er gibt ein 
Verfahren zum Ausziehen von Quadrat- und Kubikwurzeln an, welches 
mit dem gegenwärtig gebräuchlichen fast völlig übereinstimmt. 

— Der Ostgotenkönig Theotfmrfch baut einen Aquädukt bei Spoleto in der 
Provinz Umbrien, der bei 89 m Kämpferhöhe aus zwei Stockwerken mit 
10 unteren Öffnungen von je 21,4 m Spannung und 30 oberen Bogen 
besteht. 

510 Anicius Manlius Severinus BoMhius gibt in seiner Schrift „De musica" 
eine ausführliche, aber zumeist auf ältere griechische Schriftsteller gestützte 
Abhandlung über die Musik. 

520 Der Philosoph Slmpllclas spricht den Grundsatz aus, das Nichtherabfallen 
der himmlischen Körper werde dadurch bewirkt, daß der Umschwung (die 
Zentrifugalkraft) die Oberhand habe über den Zug nach unten (die eigene 
FaUkraft). 

525 Der Architekt Anthtmlos von Tralles in Lydien ist wahrscheinlich der 
Verfasser des „Fragmentum mathematicum Bobiense*', in welchem die 
Ermittelung des Brennpunktes der Parabel bebandelt ist. 

— Der römische Abt Dionytiiit Exipius wendet in seiner Ostertafel vom Jahre 
525 an SteUe der Diocletianischen Aera (s. 284) zuerst die nach ihm be* 
nannte Dionysische Aera an, und wird damit* der Begründer der heutigen 
christlichen Zeitrechnung. Das erste Jahr derselben läuft vom 1. Januar 
bis 31. Dezember 754 nach Gründung Eoms. Die Geburt Christi setzt 
Dionysius auf den 25. Dezember des Jahres 1. (Vgl. 715 Beda.) 

532 Während die Nachricht, daß Archimedcs bei der Belagerung von Syrakus 
die feindlichen Schiffe durch Brennspiegel in Brand gesteckt habe, als 
irrig bezeichnet werden muß, berichtet Anthtmlot von Tralles (in seiner 
Schrift „Tlegi jiaQadd^wv firjxavi]iidTO)v**), daß man im Altertum tatsächlich 
wiederholt versucht hat, feindliche Schiffe mit großen Brennspiegeln an- 
zuzünden, die aus einer großen Zahl kleiner Planspiegel zusammengesetzt 
waren. (Vgl. auch 1747 B.) 

532—537 Anthemlos von TraUes und Isitforoi von Milet erbauen im Auftrage 
Justinians die Sophienkirche in Konstantinopel, die mit ihrer 32 m weiten 
Kuppel für viele Kirchenkuppeln des Abendlandes vorbildlich wird. Nach- 
dem dieselbe 558 infolge eines Erdbebens eingestürzt war, wird sie von 
Isidoros aufs neue hergestellt. 

536 Der Feldherr Justinians Btllnr legt während der Belagerung Roms durch 
die Ostgoten unter Vitiges die ersten öffentlichen Schiffsmühlen auf dem 
Tiber an. (Vgl. 80 v. Chr. Mithridates.) 

550 Aitiiis von Amida erwähnt zuerst die Nelken, die übrigens schon von den 
alten Ägyptern bei podagrischen Beschwerden und als magenstärkendes 
Mittel gebraucht wurden. Paulus von Aegina bemerkt, daß sie von einem 
indischen Baume kämen imd nicht nur als Medikament, sondern auch 
zum Würzen der Speisen geeignet seien. 

— AStlus erörtert in seinem Werke „Jatrica** die von ihm beobachteten 
Epidemien und die zu gleicher Zeit aufgetretenen Epizootien, und er- 
wähnt, daß die Pest auch die Tiere befallen könne. 

— AMiit gibt an, daß im Verlauf der Erhärtung von Nieren Wassersucht 
eintrete. 

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688 

550 AMas schreibt über Geburtshilfe und ist der erste, der ausdrücklich von 
der Wendung auf die Füße spricht. Dieses Verfahren gerät in Vergessen- 
heit und wird erst um 1280 von Amoldus Villanovanus und um 1507 
von Antonio Benivieni wieder geübt. 
— Altxamlcr von Tralles führt den Rhabarber als Heilmittel ein. 

553 Der griechische Geschichtsschreiber Prokoplot von Cäsarea erwähnt zuerst 
die Mittemachtssonne. Er berichtet darüber, daß auf der Insel Thule 
(d. i. Skandinavien) die Sonne im Sommer 40 Tage lang auch um Mitter- 
nacht über dem Horizonte bleibt. 

556 Der Kaiser Justlnlaii bemüht sich, die Seidenzucht in Griechenland ein- 
zuführen und errichtet großartige Maulbeerplant^en im Peloponnes, wo- 
von derselbe den Namen „Morea** erhält. 

590 Das dem oströmischen Kaiser Maurflklos zugeschriebene, 12 Bände um- 
fassende Werk über das Kriegswesen („Ars militaris") erwähnt zuerst den 
Steigbügel. Die Alten kannten den Steigbügel nicht. In allgemeinen 
Gebrauch gekommen ist er erst zur Zeit des Kaisers Otto I. 

593 Die ChlntiM drucken zuerst Bilder und Schrift von Holzstöcken. Von 
ihnen gelangt diese Kunst durch die Araber nach Europa. Arabische 
Drucke auf Papier, die bis 1000 n. Chr. zurückreichen, finden sich in der 
Papyros-Sammlung des Erzherzogs Rainer. 

609 VmuuiIIiis Fortunatus (Venance Fortunat), Bischof von Poitiers, erwähnt 
zuerst die Chrotta (Crowd, Crouth), ein altbritannisches 3- oder 5 saitiges 
Streichinstrument, mit Schalllöchem und Steg, das sich von den im 
9. Jahrhundert auftretenden anderweitigen Streichinstrumenten (Lyra, 
Rubeba, VieUa) durch einen vom Wirbelkopf auf beiden Seiten zum 
Schallkörper hinabreichenden Bügel unterscheidet. 

617 Nach Forschungen von Stanislas Julien scheint das Porzellan in China 
tmter einem Kaiser der Dynastie Tani; erfunden zu sein. 

622 Mohaniiliad flieht am vierten Tage des ersten Rabia (d. i. am 20. Juni 622) 
von Mekka nach Medina. Nach dieser Flucht (Hidschrat ar nabt — 
Hedschra) datiert die mohammedanische Zeitrechnung. Die Einführung 
dieser Aera erfolgt 17 Jahre später durch den Kalifen Omar, wobei ihr 
Anfang auf den 15. Juli 622 verlegt wird. 

624 Isidonis Hispalensis gibt die erste positive historische Kunde vom Ge- 
brauche des Hopfens zur Bierbereitung. 

— liltforus Hispalensis erwähnt die Eisengallustinte, indem er angibt, daß 
man Galläpfel zur Tinte (ad incaustum) verwende. 

— Isidorut Hispalensis gedenkt zuerst in der von ihm herausgegebenen 
Enzyklopädie „Originum s. etymologiarum libri XX" der Feder als Schreib- 
werkzeugs. 

— Itidorus Hispalensis führt die Benennung „Alumen" für Alaun auf die An- 
wendung dieser Substanz zum Färben zurück: ,,Alumen vocatur a lumin e, 
quod lumen coloribus praestat tingendis". 

627 Obwohl das indische Zuckerrohr bereits zur Zeit Alexanders d. Gr. im 
Abendlande bekannt war, findet sich die erste Erwähnung des aus dem 
Zuckerrohre gewonnenen festen Zuckers erst i. J. 627 n. Chr., in welchem 
Jahre der oströmische Kaiser Herakllos auf seinem Feldzuge gegen den 
Perserkönig Chosroes II. bei der Zerstörung eines persischen Königs- 
schlosses u. a. auch Rohr- Stück zucker erbeutet. 

638 Der indische Mathematiker Brahmagupta gibt in seiner Schrift „Brähma- 
sphuta-siddhänta*' zahlreiche Lehren der Mathematik, entwickelt die 
Elemente der Trigonometrie unter Beifügung einer den späteren Sinus- 
tafeln entsprechenden Tafel und berechnet den Inhalt des Kreis Vierecks. 
Er kennt bereits die symbolische Positionsarithmetik, welche den er- 

— 43 — 



645 

höhten Wert der einzelnen Ziffern durch ihre Stellung andeutet, und sich 
der Null bedient, die fehlenden Stellen auszufüllen, wenngleich eine plan- 
mäßige Durchbildung des Systems bei Brahmagupta noch fehlt. 

645 Der arabische Feldherr Amr Ibn tl Ass stellt unter Benutzung von Arbeiten, 
die bereits unter KaiBer Trajan begonnen waren (vgl. auch 1250 v. Chr. 
Ramses II. und 610 v. Clür. Necho), einen Schiffahrtskanal zwischen 
Kairo und dem Roten Meere her, und benutzt ihn zu Getreidetransporten 
zwischen £1 Fostät (Alt- Kairo) und Kolzum. 

650 Der arabische Arzt Ahroun erwähnt zuerst mit Sicherheit die Muskatnuß, 
die dann insbesondere von Isaak Ibn Amran um 900 genauer beschrieben 
wird. 

660 Paulus von Atglna erweitert den Kreis der seit alten Zeiten (s. 400 v. Chr.) 
gegen Verbrennung (Combustio) gebrauchten Mittel durch eine große An- 
zahl von Stoffen, die vor allem bezwecken, einen schützenden und lindern- 
den Überzug herzustellen. 

— Paulus von Aogina ist nächst den Hippokratikem der erste Schriftsteller, 
der die Operation der Herausnahme der Nasenpolypen beschreibt. Er 
beschreibt femer die Staphyllotomie, Tonsillotomie, Paracentese des Unter- 
leibes \md die operative Beseitigung des Verschlusses der Vulva und 
Vagina. Daß er die Gelenkresektionen gekannt hat, steht außer Zweifel. 

678 Wie Theophanes berichtet, erfindet der griechische Baumeister Kalllnikot 
von HeliopoUs einen Brandsatz von außerordentlicher Wirksamkeit, der 
in dem Kampf der Oströmer gegen die Araber — namentlich in der See- 
schlacht bei Kyzikos — von entscheidender Bedeutung wird. Die große 
Wirkung dieses „griechischen Feuers" {IIvq vygov oder IIvq ^cddoaiov) be- 
ruht darauf, daß Kallinikos den bisher angewendeten Brandstoffen (Kohle, 
Pech, Schwefel, Erdöl u. dgl. — vgl. auch 424 v. Chr. Thukydides, 360 
V. Chr. Aeneas und 390 n. Chr. Ammianus Marcellinus) einen neuen Be- 
standteil (wahrscheinlich ungelöschten Kalk) beimischt, der beim Hin- 
zutritt von Wasser eine explosionsähnliche Wirkung hervorruft. 

681 Das Konzil zu Konttantlnopel führt die byzantinische Weltaera ein, deren 
Jahresanfang der 1. September und deren 5509. Jahr das erste unserer 
Zeitrechnung ist, aber vier Monate früher anfängt. Diese Zeitrechnung ist 
bei den Griechen im Volke vielfach noch jetzt im Gebrauch. 

715 Der englische Priester Btda, mit dem Beinamen Venerabilis, führt durch 
seine Schrift „De sex aetatibus mundi*' die Zeitrechnung des Dionysius 
(8. 525) in die Geschichtsschreibung ein und wendet dieselbe auch in seinen 
Ostertafeln an. Erst hierdurch erhält die dionysische Aera ihre weitere 
Verbreitung und ihre Eigenschaft als allgemein christliche Zeitrechnung. 
Von mitbestimmendem Einflüsse wird auch der Umstand, daß Karl der 
Große zuerst Urkunden nach ihr datiert. 
745 VIrfIlius von Salzburg steUt eine richtige Ansicht über die Gestalt der 

Erde auf. 
750 Der arabische Alchimist Gobor (Dschabir) wendet zuerst die Krystallisation 
zur Reinigung chemischer Präparate an und beschreibt die Filtration. Er 
lehrt den Alaun durch Umkrystallisieren reinigen und auch gebrannten 
Alaun herstellen. Er beschreibt die Darstellung der Schwefelsäure durch 
Destillation von Alaun, sowie die der Salpetersäure durch Erhitzen eines 
Gemisches von Salpeter, Kupfervitriol und Alaun, und entdeckt das 
Königswasser sowie dessen Fähigkeit, das Gold aufzulösen. Er stellt 
zuerst den HöUenstein und das Sublimat dar, zu dessen Reinigung er 
sich der Sublimation bedient. Er lehrt die Reinigung des Essigs durch 
Destillation, kennt den Bleiessig und stellt den Salmiak aus gefaultem 
Harn und Kochsalz dar. 

— 44 — 



868 

750 Qifttr kennt den weißen Arsenik (arsenige Säure), den er durch Verbrennen 
von Schwefelarsenik und Auffangen des Sublimats erhält. Er scheint den 
Eisenvitriol gekannt zu haben; denn er schreibt vor, zur Bereitung des 
Ätzsublimats „Vitriolum rubificatum" zu nehmen, was nur als gerösteter 
Eisenvitriol gedeutet werden kann. Er versucht zuerst das Kochsalz zum 
chemischen Grebrauche zu reinigen. 

— Oabtr lehrt Quecksilber mit Gold, Silber, Blei, Zinn und Kupfer ver- 
binden und erwähnt, wie tmgleich dasselbe die verschiedenen Metalle an- 
greift. Er stellt Legierungen her und kennt viele Metalloxyde, wie er 
u. a. eine Vorschrift zur Herstellung von rotem Quecksilberozyd gibt. Er 
kennt die Verbindungen der Metalle mit Schwefel und erwähnt, daß Kupfer 
durch Schwefel gelb, Quecksilber rot gefärbt wird. Er überstreut, um die 
Oberflächenoxydation geschmolzener Metallmassen zu verhindern, dieselben 
mit Glaspulver xmd Borax. 

768 In einem Schenkungsbriefe des Frankenkönigs Pipln dM KMntn geschieht 
der Hopfengärten Erwähnung. Es scheint demnach der Hopfen schon 
damals, wenn auch nur in geringem Maße, angebaut worden zu sein. 
(S. a. 624 I.) 

800 . Alkuifi, Bischof von Tours, sendet um das Jahr 800 dem Bischof von Salz- 
burg „ein Schutzdach, damit es Euer verehrungswürdiges Haupt vor Regen- 
güssen bewahre*'. Es ist dies die erste geschichtliche Erwähnung des 
Regenschirms. Über den Sonnenschirm s. 1170 v. Chr. 

— Der Däne WulhtMi erforscht zuerst die baltischen Küsten des heutigen 
Deutschlands. 

805 Karl tfar GroBe erläßt das für die Bewirtschaftung seiner Meierhöfe wichtige 
„Capitulare de vilhs vel curtis imperatoris". 

807 Wie der Biograph Karls des Großen, Einhard, berichtet, sendet Harun 
al RaichM an Kaiser Karl eine Wasseruhr (Klepsydra, s. 450 und 230 v. Chr.), 
die aus einem Gefäß besteht, das unten so durchbohrt ist, daß das Wasser 
in einer bestimmten Zeit abfließt. 

810 Karl dar GroBe führt unter Wiederaufnahme der schon bei den Alten ge- 
bräuchlichen Zwölfteilung der Windrose deutsche Bezeichnungen für die 
Himmelsrichtungen ein, nämlich: Ostronivint, Ostsundroni. Sundostroni, — 
Simdroni, Sundwesttoni, Westsundroni, — Westroni, Westnordroni, Nord- 
westroni, — Nordroni, Nordostroni, Ostnordroni. (S. Einharti Vita Caroli 
Magni.) 

820 Afea Dtcharar Mohamad verfaßt eine Schrift „System der Erde" (Rasm-al- 
Ardh), worin jeder Ort nach Länge und Breite bestimmt ist. 

827 Der Kalif AMallali al Mamun läßt in der Wüste Sindjar am Roten Meere 
eine Gradmessung ausführen, bei der zum ersten Male die Meßkette ge- 
braucht wird. Seine Sternwarte in Bagdad ist bereits mit Astrolabien, 
Armillarsphären und Quadranten ausgerüstet. 

839 Alkhlndl macht die erste Beobachtung eines Durchgangs der Venus durch 
die Sonnenscheibe. Doch wird die Richtigkeit dieser Angabe neuerdings 
vielfach bestritten. (Vgl. 1639 H.) 

850 PacMcus, ein in Verona lebender Priester, konstruiert zuerst Räderuhren, 
die durch ein Gewicht in Bewegung gesetzt werden. (Vgl. über die An- 
wendung von Zahnrädern an Wasseruhren 230 v. Chr. Ktesibios.) 

860 Der Schwede Gardar Svavanson findet Island und erkennt, indem er es 
umschifft, dessen Inselnatur. Nach ihm erhält Island ursprünglich den 
Namen „Gardarshölmi**. 

868 Der Benediktinermönch Otfrlad zu Weißenburg im Elsaß erwähnt in seiner 
Evangelienharmonie zuerst die Streichinstrumente Leier und Fiedel. (,,Sih 
thas ouh al ruarit — thaz Organa fuarit — hra, ioh fidula — ioh managf altu 

— 45 — 



870 

suegula.'* Hochdeutsch: „Da rührt sich alles» was Instrumente führt, 
Leier und Fiedel und mannigfaltige Pfeifen/') 

870 Der norwegische Edelmann Othar fährt die norwegische Küste entlang 
nach Norden und umsegelt das Nordkap. Daß er bis zur Mündung der 
Dwina im Weißen Meere vorgedrungen sei, wird in neuerer Zeit be- 
stritten. 

878 Die Araber Wahab und Abu Said gelangen zu Schiff bis nach China. 

880 [Alfrwl tfer GroB« von England erfindet einen Stundenmesser, der auf der 
gleichmäßig fortschreitenden Verkürzung einer brennenden Kerze beruht. 

— Ibn Khordailbtli erwähnt zuerst Kiautschou. Dieser jetzt unansehnliche Ort 
nordwestlich von Tsingtau, nach welchem das deutsche Pachtgebiet in 
China seinen Namen hat, war früher, vor der Versandung der Kiautschou- 
bucht, eine blühende Hafenstadt und namentlich von Bedeutung als 
Zwischenplatz des arabischen Verkehrs zwischen Schantung und Korea. 

— Der Mönch Ratpart von Sankt Gallen feiert die um das Jahr 875 geweihte 
Fraueiimünsterkirche zu Zürich in einem Gedichte, in dem er neben den 
Deckengemälden und den skulptierten Säulen auch die farbig geschmückten 
Fenster rühmt. Da die betreffende Stelle des Gedichts auf wirklich 
gemalte Fenster hindeutet, so liegt hier das erste geschichtliche Zeugnis 
für das Vorhandensein einer eigentlichen Glasmalerei vor. (VgL 405 
Prudentius und 999 Gozbert.) 

900 Albatefniiit (Mohamed AI Batani), arabischer Statthalter in Syrien, kennt 
die Exzentrizität der Erdbahn und die Präzession der Tag- und Nacht- 
gleiche. (S. 146 V. Chr. Hipparchos.) In der Trigonometrie führt er die 
halbe Sehne des doppelten Winkels statt der ganzen Sehne des einfachen 
Winkels ein, schafft somit diejenige goniometrische Funktion, die im 
12. Jahrhundert „Sinus** genannt wird. (Vgl. aber auch 638.) Auch fügt 
er die Kotangente (Umbra recta) hinzu. 

910 Der flandrische Mönch HudMÜd führt die polyphone Musik ein, indem er 
eine Melodie in transponierter Lage beantwortend wiederholen läßt, ein 
Prinzip, das später in der Fuge und Sonate wichtig wird (Diaphonie). 

— Nachdem schon in der altgriechischen Musik die Buchstaben zur Bezeich- 
nung der Tonhöhe benutzt worden waren (Buchstabentonschrift), wendet 
HudMÜd zuerst die lateinischen Buchstaben A, B, C, D, E, F, G zur Be- 
zeichnung der sieben Töne der diatonischen Skala an, woraus sich all- 
mählich die heutige Buchstabenbezeichnung der Tonleiter entwickelt. 

945 Mastudl, der Herodot des Orients, bereist die ganze zu seiner Zeit bekannte 
Welt und schreibt über dieselbe sein berühmtes Werk „Die goldenen 
Wiesen". 

— MaiiiNll beweist zuerst auf experimentellem Wege die schon von Aristoteles 
behauptete Verdunstung des Wassers aus dem Meere, indem er bei Ver- 

i^ dampf ung einer Salzlösung in einem Destillierkolben feststellt, daß sich 

^ dabei süßes Wasser niederschlägt. Der Salzgehalt des Meeres stammt nach 

ihm von den Flüssen, die während ihres Laufes Salze und Erden auflösen 
und ins Meer hinabführen. (Vgl. auch 330 v. Chr.) 
950 Der arabische Arzt Rhazat macht wichtige Untersuchungen über die Pocken 
und Masern, welche Krankheiten er in einer eingehenden Abhandlung be- 
schreibt. 

— Rhaiai gibt eine Beschreibung der Herstellung des Alkohols, erwähnt aber 
nicht einmal dessen Brennbarkeit. Er ist der erste, der eine Quecksilber- 
salbe erwähnt. 

975 Der Perser Abu Mansur Muwaflhit verfaßt das Werk „Buch der pharmako- 
logischen Grundsätze'', die älteste Arzneimittellehre der Perser. In der- 
selben wird zuerst die Verwendung des destillierten Wassers zu pharma- 

— 46 — 



1000 

zeutischen Zwecken sowie der Gipsverband zur Heilung von Knochen - 
brüchen erwähnt. 

976 Der arabische Greograph Ikn Haukai bereist den Orient und gibt eine Be- 
schreibung seiner Keise heraus, die sich vielfach auf die Berichte von 
Balchis (gest. 934) und Istachri (um 950) stützt. 

980 Atal Wtffa soll die zweite große Ungleichheit der Mondbahn, die Variation, 
gefunden haben. (S. 150 P.) Er führt die Tangente (Umbra versa) in die 
Trigonometrie ein. 

— Afeul Wtfa konstruiert den ersten Mauerquadranten, der an einer in die 
Mittagsfläche fallenden Mauer festliegt imd für Beobachtungen der (jrestime 
zur Zeit ihrer Kulmination sehr vorteilhaft ist. Später wird von Nassir- 
Eddin ein solcher Quadrant in Kupfer von etwa 37« m Radius gebaut, 
der in Grade und einzelne Minuten geteilt ist und eine in einem stählernen 
Zapfen drehbare Alhidade mit Dioptern besitzt. 

— Der Abt Qarfetrt von Rheims (Papst Sylvester II.) soll die Gewichtsuhren 
verbessert haben. (VgL 850 Pacificus.) 

— Die Nonne HrotwHha im Benediktinerkloster zu Gandersheim gibt in dem 
Drama „Sapientia** eine Reihe von Zahlenrätseln aus dem Gebiete der 
Vielecks- und ähnlicher Zahlen, welche als Beitrag zur Entwickelung der 
Zahlentheorie nicht ohne geschichtliches Interesse sind. 

983 Der von Island verbannte Normanne Erik der Roll (Eirikr hinn Raudi 
Thorvaldson) entdeckt Grönland, nachdem schon um 900 der isländische 
I^at Gunnbjöm von den von ihm entdeckten Danellsinseln aus die Süd- 
ostküste Grönlands gesehen hatte. 

986 Der Isländer Bjame HerJuNlaii erblickt als erster Europäer die Küste 
Amerikas, indem er zur Aufsuchung seines Vaters, der mit Erik dem 
Roten nach Grönland gezogen war, in die Nähe des „Weinlandes", des 
heutigen Massachusetts und Rhode- Island, gelangt, ohne indes zu landen. 

990 Die griechische Prinzessin Eudoxia MakrwnMItltsa, Tochter Kaiser Con- 
stantins VIII., beschreibt die Entwicklung der Purpurfarbe auf der Wolle 
unter der Einwirkung der Sonnenstrahlen. (Wiederentdeckt 1684 von 
WiUiam Cole.) 

— Ihn Yimlt stellt auf der vom Kalifen Hakim auf dem Berge Mokattam bei 
Kairo erbauten Sternwarte astronomische Beobachtungen an und benutzt 
zu seinen Berechnungen die trigonometrischen Tangenten, für welche er 
die sog. hakemitischen Tafeln herausgibt. Er bedient sich zuerst zur Zeit- 
bestimmung der Schwingungen des Pendels. 

996 Q i r kir t von Rheims gibt in seinem Werke „De musica sacra" die älteste 
bekannte Abbildung eines Streichinstruments, einer einsaitigen Lyra von 
einer der späteren Gigue (Geige) sehr ähnlichen Form. 

999 Wie aus einem Briefe des Abtes QoibMi von Tegemsee hervorgeht, ist um 
diese Zeit eine Glasmalerwerkstatt im Kloster zu Tegemsee eingerichtet, 
in der sich die Klosterschüler auf die Herstellung gemalter Fenster ver- 
stehen. Über das erste geschichtUche Zeugnis ^ für die Glasmalerei vgl. 
880 Ratpert. 
1000 IWtwn der Jüngere spricht von den der Cassiagattung zugehörigen Sennes- 
blättem, von denen er zwei Arten kennt. Die Sennesblätter werden gegen 
Augenleiden und Lepra, später auch als Abführmittel benutzt. 



47 - 



Elftes Ms fünfzehntes Jahrhundert. 



1001 Der Normanne Ltif, Sohn Erik's des Koten (s. 983), wird auf einer Fahrt 
nach Grönland an die Küste von Labrador — von ihm Helluland genannt 
— verschlagen, tmd scheint längs der Küste von Neufundland und Neu- 
schottland bis in die Gegend des heutigen New York gelangt zu sein. 
(S. a. 986.) 

1010 All ben Isa verfaßt das beste Werk des Mittelalters über Augenkrankheiten. 
Er soll bei schmerzhaften Operationen betäubende Mischungen zur Linde- 
rung des Schmerzes benutzt haben, die vermutlich aus Mandragora imd 
Opium bestanden. (S. a. 64, Dioskorides.) 

1020 Der Araber Avloanna (Ibn Sina) stellt die Lehre auf, daß die Versteine- 
rungen lediglich Produkte der sog. „Vis plastica" seien, eines der Natur 
innewohnenden Triebes, Organisches aus Unorganischem zu erzeugen, wo- 
bei ihr aber die Kraft gefehlt habe, ihre Schöpfungen zu beleben. Die 
Theorie der Vis plastica hat trotz Widerspruch (s. 1517 Fracastoro) lange 
Zeit hindurch gegolten. 

— Avictnna behandelt in seinem berühmten „Canon medicinae" die Kunst 
der Zusammensetzung der Medikamente. 

— AviMnna kennt bereits die Kockelskömer, die zu seiner Zeit zur Tötung 
von Ungeziefer benutzt werden. 

1025 Alblninl (Abul Rthän Mohamed ben Ahmed) fördert die sphärische Trigo- 
nometrie und summiert die geometrische Reihe, wobei er das Beispiel der 
Schachfelderprogression wählt, die, mit Eins beginnend, auf jedem folgen- 
den Felde eine Verdoppelimg vorschreibt. Er löst die Aufgabe der Drei- 
teilung des Winkels mittels der Konchoide. 

— Der Benediktinermönch QuMo, genannt Guido von Arezzo (nach neueren 
Forschungen jedoch gebürtig aus der Gegend von Paris), verschmilzt die 
zu seiner Zeit vorhandenen unvollkommenen Elemente der Musiknoten- 
schrift, und erfindet ein Notensystem, das die Grundlage der heutigen 
Notation bildet. Er fügt der schon vor ihm vorhandenen roten f-Linie 
und der gelben c-Linie zwei schwarze Linien hinzu, schreibt die Noten 
sowohl auf als auch zwischen die Linien, und macht die Tonhöhe durch 
vorgesetzte Schlüsselbuchstaben leicht erkennbar. 

1030 Der Araber Alhazm (Ibn al Haitam) macht sich eine richtige Vorstellung 
vom Druck der Luft, dessen Existenz schon Aristoteles kannte. 

— Alhaxen berechnet zuerst aus den in dem Augenblick, wo die Sonne soeben 
untergegangen ist, noch beleuchteten Wolken die Höhe der Atmosphäre. 
Nach demselben Verfahren machen später Kepler, Delahire und Mariotte 
selbständige Bestimmimgen, die eine Höhe von 60—80 km ergeben. 

— 48 — 



1100 

]038 Alkarai Bpricht ganz bestimmt aus, daß nicht das Auge die Quelle des 
Lichtes sei, sondern daß das Licht von den leuchtenden Gegenständen aus- 
gehe. Er wendet zuerst eigentliche Linsen, und zwar in der Form von 
Kugelsegmenten, als Vergrößerungsgläser an und kennt die Lage des 
Brennpunktes bei Hohlspiegeln. Er macht eingehende Untersuchungen 
über die Reflexion und über die Brechung des Lichtes. 
1050 Der griechische Schriftsteller SuMas kennt den Vorgang des Anlassens des 
Stahls in öl. (Vgl. auch 800 v. Chr.) 

— Thtophlliis Presbyter gibt in seiner „Schedula diversarum artium*' die erste 
Vorschrift, das Trocknen des Leinöls auf dem Wege des Kochens zu be- 
schleunigen. 

— TliMphllttt Presbyter beschreibt in seiner ,, Schedula diversarum artium" 
die Herstellung des Tafelglases durch Blasen und Strecken, ohne zu er- 
wähnen, daß es sich dabei um etwas Neues handelt. In der von ihm 
beschriebenen HersteUungsart erkennt man leicht die Anfänge der Fabri- 
kation des Zylinder- und Walzenglases, die, allmählich vervollkommnet, 
jetzt wieder das übliche Verfahren für Gewinnung des Tafelglases ist. 

— TiMopliilttt Presbyter begründet die Glasmalerei auf technisch-wissenschaft- 
licher Grundlage. (Über die ersten Anfänge vgl. 405 Prudentius, 880 
Ratpert, und 999 Gozbert.) Seine Darlegungen lassen erkennen, daß die 
Glasmaler jener Zeit zugleich Glasmacher, Farben verfertiger, Karton- 
zeichner und Glaser waren. Theophilus bedient sich ausschließlich des 
gleichmäßig gefärbten Hüttenglases, auf welches Umrisse und Schatten 
mit „Schwarzlot? (Kupferoxyd mit pulverisiertem blauen und roten Glase) 
aufgetragen und alsdann eingebrannt werden. Das Zuschneiden der 
Glasstücke erfolgt mit einem glühenden Eisen. (Das Glasschneiden mit 
dem Diamanten kommt erst im 16. Jahrhundert in Gebrauch.) 

1067 Der Araber OMM tl Btkrl schreibt die erste Geographie der afrikanischen 

Negerländer. 
1070 Atfam von Bremen, der erste deutsche Greograph, gibt in seinen „Gesta 

Hammaburgensis ecclesiae pontificum'* eine Beschreibung von Dänemark, 

Skandinavien und Rußland. 

— Simon 8tlh erwähnt zuerst in Europa den Kampfer, der aus dem Holz 
des auf Formosa und in Japan vorkommenden Kampferbaums gewonnen 
wird, indem man das zerschnittene Holz mit Wasserdampf behandelt und 
die Dämpfe in passenden Gefäßen verdichtet. 

1078 Der Araber Omar Alclialjaiiil löst kubische Gleichungen mit Hilfe der 
Durchschnitte zweier Kegelschnitte, behandelt überhaupt zuerst Gleichun- 
gen von höherem als dem zweiten Grade systematisch, und unterscheidet 
zwischen arithmetischer und geometrischer Auflösung der Gleichungen. 
Er findet die Binomialreihe für ganze positive Exponenten. 

1080 AlsalMvavf, ein arabischer Arzt, erwähnt zum ersten Male die Bluterkrank- 
heit (Haemophilie, wie Schönlein die Krankheit nennt) und bezeichnet 
als deren Hauptsymptom die tödliche Blutung, selbst nach den geringsten 
Verletzungen. 

1 100 Äfcwlcilll empfiehlt die Trepanation bei Frakturen und Fissuren des Schädcl- 
gewölbes. Als Bohrer verwendet er den gewöhnlichen Perforativtrepan. 

— Äfcölfltlf schreibt ein berühmtes Werk über chirurgische Operationen und 
das Buch „Servitor" über die Bereitung der Arzneien. 

Der . Benediktiner Thoophllut beschreibt zuerst die Technik des Glocken- 
gusses, wonach man erst den Lehmkern formt und eine Fettschicht so dick 
auf denselben aufträgt, daß der Fettmantel dem spätem Metall der Glocke 
entspricht. Auf den Fettmantel wird wieder Lehm aufgetragen, das 
Ganze mit Eisenreifen umgeben und in die Gießgrube gesenkt. Das Fett 
Bftrmstaedter. ^ 

— 49 — 




1101 

wird alsdann herausgeschmolzen und die Glockenspeise in den entstande- 
nen Hohlraum gegossen. 

1101 König Htinrich I. von England ersetzt die damals als Normalmaß übliche 
Elle (Gyrd) durch die Länge seines Armes bis zur Spitze des Mittel- 
fingers (Yard). 

1113 Wie J. Büttgenbach mitteilt, spricht bereits die Chronik des Klosters 
KlottMTOda im Herzogtum Limburg von einem dort durch die Mönche be- 
triebenen Steinkohlenbergbau, so daß keinenfalls der Hufschmied Hulloz 
oder H Ullas in Lüttich, der 1198 Steinkohle gefördert haben soll, ak der 
erste Verwender derselben zu betrachten ist. 

1115 Der Kaiser Helnrldi V. verleiht der Stadt Bremen das Recht, Tonnen in 
der Weser auszulegen und Baken daselbst aufzusteUen. Von da datiert 
die planmäßige Ausstattung der Nord- xmd Ostseeküste mit Seezeichen, 
obwohl man an der guten Bezeichnung der Küstenuntiefen u. dgl. damals 
kein allgemeines Interesse hatte, da jedes gestrandete Schiff Eigentum 
der Strandbewohnor war. 

1121 Der arabische Gelehrte Alkhazinl konstruiert eine sehr empfindliche Schnell - 
wage, die er unter dem Namen „Wage der Weisheit" beschreibt. (S. a. 
1400 V. Chr.) Er untersucht das spezifische Gewicht der Flüssigkeiten 
mittelst eines Araeometers, das ähnlich dem des Synesios war, und wendet 
zur Bestimmung des spezifischen Gewichts auch ein Gefäß an, das als 
erstes Pyknometer zu bezeichnen ist, und welchem Homberg (s. 1699) 
die noch jetzt übliche Form gibt. 

1126 Im Karthäuserkloster zu Lillers in der Grafschaft Artolt wird der erste 
Tiefbrunnen Mitteleuropas erbohrt. Derartige Brunnen, seitdem „arte- 
sische" genannt, waren indes schon im Altertum bekannt. (Vgl. 320 und 
168 V. Chr., 450 n. Chr.) 

1139 Die zuerst im 9. Jahrhundert erwähnte Armbrust erfährt in den folgen- 
den Jahrhunderten eine wesentliche Vervollkommnung und wird von 
so bedeutender Wirkung, daß ihr Gebrauch gegen Christen auf dem von 
Papst Innozam II. berufenen zweiten lateranischen Konzil verboten wird. 

1140 JohaniiM von Stvilla (Johannes Hispalensis) gibt in der von ihm veran- 
stalteten Übersetzung eines von einem unbekannten Verfasser herstammen- 
den arabischen Mathematikwerkes ein Verfahren an, die Quadratwurzel 
mit Hilfe von Brüchen auszuziehen, die mit den späteren Dezimalbrüchen, 
wenn auch nicht in der Schreibweise, so doch dem Sinne nach überein- 
stimmen. 

1150 Die von Albredit dtm Biron zwischen 1150 imd 1160 in der Altmark und 
im Havellande angesiedelten niederländischen Kolonisten bringen an Stelle 
des in Mitteldeutschland bis dahin bevorzugten Baus mit natürlichen 
Steinen die Ziegel fabrikation und den Ziegelsteinbau in Aufnahme und zu 
hoher technischer VoUkommenheit. 

— Avtiiioar bereichert durch seine Arbeiten die innere Medizin und die 
Chirurgie. 

— Der indische Mathematiker Bhatkara Acarya kennt die Anzahl der Kom- 
binationen von n Elementen zur p-ten Klasse ohne Wiederholung, femer 
die der Permutationen einer gegebenen Elementengruppe mit und ohne 
Wiederholung. 

— Die Zisterzienser Mönche des Klosters Ohlaravalle bei Mailand machen die 
erste Anwendung der Abfallwässer zur Berieselung von Wiesen. 

— Nlcdaus, Vorsteher der Schule in Salem o, schreibt ein Dispensatorium mit 
150 zusammengesetzten Arzneiformeln mit Angabe der medizinischen 
Kraft« und der (Gebrauchsweise, Antidotarium genannt, welches als die 
erst« europäische Pharmakopoe anzusehen ist. (Vgl. 975.) Er ist der 

— :>() — 



121 

erste, der der Schlafschwämme Erw&hnung tut, das sind Schwämme, die 
mit narkotischen Pflanzens&ften getränkt und getrocknet wurden und 
dann, bevor man sie zur Inhalation gebrauchte, in warmem Wasser an- 
gefeuchtet wurden. (S. a. 1010.) 

1153 EirW (Scherif al Edrisi) schreibt ein großes geographisches Werk über 
Nubien „Greographia nubiensis'% in dem er mehrere für die allgemeine 
Auffassung der Verteilung tierischer Formen auf der Erdoberfläche nicht 
uninteressante Angaben macht. Doch weist das meiste, wie überhaupt 
die gesamten zoologischen Kenntnisse der Araber, noch auf Aristoteles hin. 

1160 AvMThoit beobachtet zuerst in Marokko Sonnenflecke. Freilich sind auch 
in den chinesischen Annalen viele Sonnenfiecke erwähnt, die mit bloßem 
Auge gesehen tmd als „Raben in der Sonne" bezeichnet wurden. 

— AvMThois erkennt zuerst die lichtwahmehmende Funktion der Netzhaut. 

— Benevenutus QraplMiit schreibt über Augenheilkunde und ist der be- 
deutendste Star- Operateur seiner Zeit. 

1167 Der Sultan ÜHrtMii richtet nach Eroberung von Ägypten, um eine Ver- 
bindung mit den Städten seines großen Reiches zu haben, eine ständige 
Verbindung vermittels abgerichteter Brieftauben ein und dehnt diesen 
Luftpostverkehr auch auf ganz Syrien aus. Seine Nachfolger halten diese 
Einrichtung bis zur Zerstörung Bagdads durch die Mongolen aufrecht. 

1180 Rogwr von Parma (Ruggiero), der bedeutendste Wundarzt der Salemi- 
tanischen Schule, behandelt in seiner „Practica chirurgiae'* die Lehre von 
der Wundheilung. 

1181 Der provenzalische Troubadour Quyot d« Provlnt beschreibt in seinem 
satirischen Gredichte „La bible*' eine Wasserbussole, bestehend aus einer 
auf Strohhalmen schwimmenden Magnetnadel, — die älteste verbürgte 
Nachricht im Abendlande über die Verwendung des Magneten zur Be- 
stimmung der Himmelsrichtung. Ob hier eine selbständige Erfindung 
vorliegt, oder das Verfahren durch Vermittelung der Araber von den 
Chinesen übernommen ist, ist nicht festzustellen. Daß die Araber um das 
Jahr 854 den Kompaß gekannt haben, ist nach E. Wiedemanns Forschun- 
gen unzweifelhaft. Jf^n, 

1185 Saxo GrMinMtlciis gibt die erste Nachricht von ^el^^eysirn auf Island. 
„In Island ist eine Quelle, welche durch die Kraft dampfenden Wassers 
die natürliche Beschaffenheit aller Gegenstände ändert. Was von dem 
dampfenden Wasser berührt wird, wird hart wie Stein." 

1198 Der schon im Altertume (bei Salomo, Homer, Hippokrates u. a.) erwähnte 
Safran wird durch die Kreuzfahrer nach dem Abendlande gebracht 
und nach Osterreich durch einen Ritter von RauhMiatt im Jahre 1198 ein- 
geführt. 

1200 Abd-«l-Lttlff lehrt in Kairo und Damaskus Medizin und tut den Ausspruch, 
daß selbst Galens Angaben gegenüber der eigenen Beobachtung zurück- 
stehen müssen. 

1202 FliOMCd (Leonardo von Pisa) führt den Gebrauch der indischen, soge- 
nannten arabischen Ziffern im Abendlande ein und spricht in seinem „Liber 
abaci" zum ersten Male die Reihensummationsformel allgemein in Worten 
aus. Er behandelt auch die geometrischen Reihen, wenn auch nicht in 
derselben Allgemeinheit wie die arithmetischen, und stellt zum ersten 
Male Aufgaben über die Zinseszinsrechnung auf. 

1210 Der Dauphin Hwniort II. von Savoyen hält sich, wie berichtet wird, längere 
Zeit in Brandes in der Auvergne auf, um zur Wiederherstellung seiner 
Gesundheit die frische Luft der Berge einatmen zu können. Es ist dies 
eines der ersten geschichtlich überlieferten Beispiele einer Luftkur^ 

4* 

— 51 — 



1210 

1210 Der Erfinder des Fingerhuts ist unbekannt. Die erste Erwähnung des 
Fingerhuts geschieht bei WaHir von der VOfilwMe, der bei dem Anblicke 
einer Fingerhutblume eines anderen Fingerhuts gedenkt, „der schmückte 
den schönsten Finger*'. Da hiemach damals auch der botanische Finger- 
hut (Digitalis) unter diesem Namen bereits allgemein bekannt war, muß 
die Erfindung des Fingerhuts zeitlich sehr viel weiter zurückliegen. 

1220 Flbonaccl gibt in seinem Werke „Practica geometriae" einen Wert für 
n — 1440 : 458Vs (= 3,1418). Zwei andere Schriften („Liber quadratoruni*' 
und „Flos") behandeln die Gleichungen. Von besonderem Interesse ist 
die Lösimg der kubischen Gleichung x* + 2x*+ 1^^ = 20, für die Fibo- 
nacci den außerordentlich genauen Näherungswert x := 1®22^ 7" 42™ 33^^' 
4V 4QVI angibt, leider ohne zu verraten, wie er ihn erhielt. 

— Hugo von Lucea führt eine einfache tmd rationelle Wtmdbehandltmg ein, 
wegen deren er „Vir mirabiUs" genannt wird. Er und sein Sohn Theo- 
derich sollen, wie Guy de Chauliac berichtet, ihre Patienten bei Opera- 
tionen in primitiver Weise, wahrscheinlich mit Schlaf schwämmen (s. 1150N.), 
narkotisiert haben. Für diese einfache, schonende Methode der Wund- 
behandlungtritt auch Henri deMondeville mit Entschiedenheit ein. (S. 1320.). 

— Jordanus NMnorariut» Ordensmeister der Dominikaner, verfaßt mehrere für 
die Entwicklung der Arithmetik und der gesamten Mathematik bedeut- 
same Schriften, darunter „Arithmetica decem libris demonstrata", „De 
triangulis", „Tractatus de sphaera" u. a. Er gibt neue Methoden zur 
Lösung algebraischer Gleichungen an. 

1225 Raymundus Lullut lehrt die Salpetersäure durch Destillation einer Mischung 
von Ton und Salpeter darstellen. 

1228 Nachdem das im Altertume vielfach geübte Veredeln der Bäume und 
Sträucher durch Pfropfen später in Vergessenheit geraten war, erwähnt 
im Mittelalter zuerst Froldank (in seiner „Bescheidenheit'*) dieses Verfahren 
wieder. („Wer linden zwiget — zweiget, d. i. propfet — üf den Dorn, der 
hat ir beider reht verlorn.") 

— Im Staatsarchiv zu Wien befindet sich eine Urkunde des Kaisers Friwirtell II., 
betreuend die Entscheidung der Streitigkeiten des Klosters Goß mit dem 
Herzog von Kämthen, eine der ältesten noch vorhandenen Urkunden auf 
Papier. Das Papier ist im vorliegenden Falle ein mit Leinenfasem 
(Leinenlumpen) gemischtes Baumwollenpapier. 

1232 Der Sultan SaMln schenkt dem Kaiser Friedrich II. eine Räderuhr, welche 
die Stunden, den Lauf der Sonne, des Mondes und der Sterne anzeigt. 
Es ist dies die erste sichere Kunde von einer Räderuhr in Deutschland. 
(S. a. 850 Pacificus.) 

— Während man sich bis gegen das Ende des 12. Jahrhunderts sowohl im 
Abendlande wie in China darauf beschränkte, die Wirkung der Brand - 
geschosse durch Beimengung von ungelöschtem Kalk und ähnlichen Stoffen 
zu den Feuerwerkssätzen zu erhöhen (s. 678 Kallinikos), verwenden, wie 
der Auszug aus den chinesischen Reichsannalen Tunf-klanf-kanf-mu be- 
richtet, zuerst die Chinesen i. J. 1232 bei der Verteidigung von Pien-king 
gegen die Mongolen einen wirklichen Explosivstoff, indem hier zum ersten 
Maie dem üblichen Brandsatze (Pech, Schwefel, Kohle u. dgl.) Salpeter 
zugesetzt wird. Damit ist die Erfindung dos Schießpulvers gegeben. Der 
Erfinder selbst ist nicht zu ermitteln. Möglicherweise war es der chine- 
sische Heerführer W«i-sching. 

1233 Thomas von Cantimpr6 gibt in seiner Schrift „De naturis rerum*' eine 
ziemlich richtige Tierbesohreibung, die sich indes vielfach noch an Aristo- 
teles anlehnt. 1269 gibt er noch eine Sonderschrift über die Bienen 
heraus. 

— 52 — 



1250 

1242 Der maurische Gelehrte BaHak aus Kisgak berichtet, daß sich zn seiner 
Zeit die Seefahrer des syrischen und indischen Meeres der Magnetnadel 
als Wegweiser bedienten, indem sie eine magnetische Eisenröhre von Fisch - 
form (nach anderen Nachrichten einen auf ein Holzkreuz gelegten Magnet- 
stein) in einer Schale mit Wasser schwimmen ließen. Diese Angabe stimmt 
fast vollständig mit der von Guyot de Provins (s. 1181) gegebenen Be- 
schreibung überein. 

1245 Giovanni i§ Piano Carplnl, ein Franziskanermönch aus Neapel, reist durch 
Rußland, die weiten. Steppen von Turkestan und gelangt bis Karakorum. 

1250 Johannes Aetnarlui erwähnt zuerst die Myrobalanen, die ihres Gerbsäure- 
gehaltes wegen bei der Ruhr angewendet wurden, jetzt dagegen lediglich 
als Gerbmaterial dienen. Er spricht auch von der Anwendung der Tama- 
rinden als eines kühlenden Abführmittels, namentlich bei Gallenkrank- 
heiten. Die Tamarinde ist bereits dem Theophrastos bekannt gewesen, 
doch wird ihre purgierende Wirkung nicht von ihm erwähnt. 

— Alfctrüii Magniit erwähnt mit Bestimmtheit den grünen Vitriol (Eisenvitriol), 
ohne sich jedoch über seine Darstellung auszulassen. 

— AINrtns Mafnw gibt in seinem „Opus naturarum" eine sich vielfach an 
Aristoteles anJehnende Beschreibimg des Tierreichs, das er nach dem Maße 
des Menschen und nach dessen seelischer Begabung mißt, das jedoch in 
der systematischen Durcharbeitung^über Thomas von Cantimpr6 (s. 1233) 
hinausgeht. ifuJUSj 

— Der englische Franziskanermoncn Roger Baeon erwähnt die Eigenschaft 
des Salpeters, mit brennenden Körpern zu verpuffen. (S. auch 1232 T. 
und 1250 M.) 

— Roger Bacon stellt durch Versuche die Veränderungen des Gesichtswinkels 
fest, welche durch konkav oder konvex gekrümmte sphärische Gläser be- 
wirkt werden, und empfiehlt schwachsichtigen Menschen, ein konvexes 
Glas auf das Objekt zu legen, womit er den Gnmdgedanken der Brille 
andeutet. (S. 1300 Armati. Vgl. auch 1038 Alhazen.) 

— Fast gleichzeitig mit der Erfindung des Schießpulvers in China (s. 1232, 
Tung-kiang-kang-mu) wird auch im Abendlande bekannt, daß sich den 
von altersher verwendeten Feuerwerkssätzen (Schwefel, Kohle, Pech u. dgl.) 
durch Zusatz von Salpeter explosive Eigenschaften verleihen lassen. 
Marelmt Qrateiit gibt in der lateinischen, allein erhaltenen Übersetzung 
seines griechischen „Feuerbuchs'* folgende Beschreibung von der Zusammen- 
setzung eines derartigen Explosivstoffes : „Accipias lib. I sulphuris vivi, 
lib. II carbonum vitis vel Salicis, lib. VI salis petrosi. Quae tria subti- 
Hasime terantur in lapide marmoreo." (Vgl. auch 1250 Roger Bacon.) 

— Marelmt Qrascas gibt eine eingehende Beschreibung der Darstellung des 
Terpentinölis, das er unter dem Namen „Aqua ardens'* beschreibt. (S. a. 
64 D.) Dasselbe wird bis spät in das 16. Jahrhundert als eine dem Wein- 
geist ähnliche Substanz betrachtet imd auch statt des letzteren angewendet. 

— Der arabische Astronom Nassir-Eddln al Thusi behandelt in seiner Schrift 
„Über die Figur der Schneidenden" (d. h. über den Satz des Menelaos — 
8. 100) die sphärische Trigonometrie in ihren Fundamentalaufgaben am 
schiefwinkligen Dreieck in vollendeter Weise. 

— Nanir-EMn al ThusI fertigt als Vorstand der von dem Mongolenfürsten 
Hulagu (Ilek-Khan) gegründeten Sternwarte zu Meragah in Persien den 
in den ilekkhanischen Tafeln niedergelegten Fixstemkatalog nebst Planeten - 
tafeln an. 

— Willem it Rakruquls (Ruysbroek) gelangt auf einer etwas südlicheren Route 
als Piano Carpini (s. 1245) bis Karakorum und kehrt durch Persien und 
die Türkei nach der Heimat zurück. 

— 53 — 



]250 Jordanus Riifffui, OberstallmeiBter des KaiiserB Friedrich IL, gibt in seinem 
Werke ,,De medicina equorom" eine genaue Anleitung zum Hufbeechlag 
und eine Beschreibung der chirurgischen Krankheiten der Extremit&ten 
der Pferde. Eine große Zahl seiner sanitären Vorschriften hat bis zur 
Gegenwart ihre Gültigkeit behalten. 

— Vlncanz von B«ainrals spricht zuerst von den allerdings schon früher be- 
kannten belegten Spiegeln und hält die gläsernen mit ßlei überzogenen 
Spiegel für die besten. 

— Vlncenz ¥on Bttimds veröffentlicht sein „Speculum majus'S das eine den 
Kenntnissen der Zeit entsprechende, sehr vollständige Beschreibung der 
bekannten Tierwelt gibt, im wesentlichen aber wie die Schriften von Thomas 
von Cantimpr6 und Albertus Magnus auf Aristoteles fußt. 

1252 Alfont X. von Castilien läßt durch christliche und jüdische Gelehrte, die 
er nach Toledo beruft (darunter den Rabbiner Isaak Aben Said), die 
Alfonsinischen Tafeln herstellen, die von da ab an die Stelle der Ptole- 
maeischen Tafeln (s. 150 Ptolemaeus) treten. Die alfonsinischen Tafeln 
werden zuerst i. J. 1483 durch Ratdold in Venedig (s. 1487) gedruckt, 
c 1253 WIIMm von Holland läßt den ersten bekannten Bau einer Kammerschleuse 
bei Spaamdam ausführen. Demnach sind weder Leone Battista Alberti 
noch Simon Stevin als deren Erfinder anzusehen. 

1256 Nachdem schon in den heiligen Büchern der Inder der Magneteisenstein zum 
Ausziehen von Pfeilspitzen empfohlen worden ist (s. 500 v. Chr.), gibt der 
Araber HallfO aus Aleppo dies Mittel an, um beim Abbrechen der Spitze 
der Aderlaßlanzette diese aus der Wunde zu ziehen. 

— Joannes do Sacrokutto (John Holywood) gibt seinen „Tractatus de sphaera 
mundi" heraus, der für mehr als drei Jahrhunderte das Hauptlehrbuch 
der mathematischen Geographie bildet. 

1 259 Die Annalen der chinesischen Sung-Dynastio beschreiben eine Feuerlanze 
(Lanze des ungestümen Feuers, To-huo-tsiang), ein Bambusrohr, das mit 
abwechselnden Lagen von einem schießpulverähnlichen Brandsatze und 
„Körnern" geladen war, welche letzteren unter heftiger Flammenentwick- 
limg 150 Schritte weit geschleudert wurden. Anscheinend sind diese „Körner'^ 
keine Geschosse (Schrot u. dgl.) gewesen, sondern Brandsatzklümpchen, 
so daß der Apparat etwa wie eine heutige Leuchtkugelrakete gewirkt haben 
mag, andrerseits aber die Elemente der Pulver-Schußwaffe deutlich er- 
kennen läßt. 

1260 Albortus Magnus schildert als zu seiner Zeit bereits üblich die Scheidung 
des Goldes vom Silber durch Salpetersäure (Scheidung durch die Quart). 
Die Legierung wird auf das Verhältnis von 1 Teil Gold zu 2 Teilen Silber 
gebracht, granuliert und mit der P/2 fachen Menge starker Salpetersäure 
erwärmt. Die entstehende Lösung wird verdünnt, um ein Auskrystalü- 
sieren des Silbemitrats zu verhindern, am nächsten Tage abgezogen und 
dafi zurückbleibende Gold mit heißem Wasser gewaschen. 

— Albortus Magnus reinigt das Gold durch Zementation und stellt zuerst regu- 
linischen Arsenik durch Erhitzen des weißen Arseniks mit rediLBierenden 
Körpern (Seife) dar. 

— Albortus Magnus erörtert das zu seiner Zeit wieder in Gebrauch kommende 
Veredelungs verfahren der Bäume usw. durch Pfropfen (vgl. 1228 Freidank), 
wobei er freilich sehr wunderliche Kombinationen in Vorschlag bringt, 
z. B. das Pfropfen einer Rose auf einen Kohlstrunk zur Erzielung grüner 
geruchloser Blumen. 

— Roger Bacon bespricht das Verlöschen brennender Körper in verschlossenen 
Gefäßen und schreibt dies dem Umstand zu, daß die Luft fehle. 

— 54 — 



1280 

1260 Roger Baeoa gibt zuerst die Lage des Brennpunktes bei einem sphärischen 
Hohlspiegel richtig an und weist nach, daß die von einem leuchtenden 
Punkt stammenden Lichtstrahlen nach ihrer Reflexion von einem Hohl- 
spiegel sich nicht in einem Punkte des Hauptstrahls, sondern in vielen 
nebeneinander liegenden Punkten treffen. (Sphärische Aberration.) 
' — Die veneüanischen Kaufleute Marco und Maffeo Polo« Oheime des berühmten 
/-Marco Polo (s. 1271) reisen über Konstantinopel nach Kiptschak und 
Turkestan, um mit den Tataren Handel zu treiben. 

— VIbcobe von Boiuvalt spricht bei der Geburtshilfe zum ersten Male in zweifel- 
loser Weise von der Wendung des Foetus auf den Kopf durch direkten 
inneren Handgriff. 

1269 Petrus Peregrinus tfo Marteourt macht die ersten bekannten experimentellen 
Forschungen über den Magnetismus, indem er die beiden Pole unter- 
scheidet und die verteilende Wirkung des Magneten, wie auch die An- 
ziehung ungleichnamiger Pole nachweist. 

1270 Der Kanonikus (}iovanni Campano (Johannes Campanus) von Novara be- 
wirkt eine Ausgabe der „Elemente** des Euklid, und lehrt in den von ihm 
gemachten Zusätzen die Berechnung der Winkelsumme im Sternfünfeck. 
Auch beweist er die Irrationalität des goldenen Schnitts. 

— Raymundus Lullui entdeckt das kohlensaure Ammoniak, das er durch 
Destillation aus gefaultem Harn darstellt, und verbessert die Destillations - 
Vorrichtungen, indem er zum ersten Male behufs besserer und schnellerer 
Kondensation der Dämpfe eine besondere Kühlung der Vorlage anwendet. 
Er kennt auch das ätzende Ammoniak. 

— Raymundus Lttllut berichtet zuerst über die Verwendung des Astrolabiums 
zu astronomischen Ortsbestimmungen auf See. 

— Nachdem die Canarischen Inseln (s. 40 v. Chr.) im Mittelalter zuerst' bei 
den Arabern erwähnt worden waren, gelangt Lancelot Malocollo dorthin 
und errichtet ein Kastell auf Lancerote. 

— Der polnische Physiker WItolo spricht für die Optik den Satz aus, daß die 
Natur stets nach der Richtung der kürzesten Linie wirke. 

1271 Marco und Maffeo Polo unternehmen, von ihrem siebzehnjährigen Neffen 
Marco, dem nachmals berühmten Reisenden, begleitet, eine zweite Reise 
(s. 1260), auf der sie Persien durchqueren, das Pamirplateau über- 
schreiten, ins Tarymbecken niedersteigen und ganz China durchziehen. 
Der jüngere Marco Polo tritt in die Dienste des Kaisers Kublai und 
lernt auf seinen Kreuz- und Querzügen den größten Teil Chinas kennen. 
Im Jahre 1292 begeben sich die drei Reisenden über Cochinchina, Sumatra 
und Ceylon nach Ormuz, von wo sie über Trapezunt und Konstantinopel 
im Jahre 1295 Venedig wieder erreichen. Der jüngere Marco legt die Er- 
fahrungen dieser Reise in einem ausführlichen Bericht (s. 1298) nieder. 

1272 Der Bologneser Borghoiano vervollkommnet den Seidenhaspel und kon- 
struiert die erste maschinelle Vorrichtung zum Zwirnen der Seide in dem 
sog. runden Mulinierstuhl (Seidenmühle). Bis dahin war die Drehung 
der einfachen und die Zusammenzwimung mehrerer Fäden stets mit der 
Hand erfolgt. 

1279 Guilelmus do Sailcoto fördert mit seiner ,, Summa conservationis et cura- 
tionis*' die Chirurgie. Seine Wundbehandlimgsmethode ist, wie die des 
Hugo von Lucca (s. 1220) eine einfache und rationelle; er reinigt die 
W^unde mit öl und legt nach der »Blutstillung sehr sorgfältige Ver- 
bände an, wie überhaupt seine Theorie mustergültig ist. Er weist zuerst 

■ auf die giftigen Eigenschaften faulender tierischer Substanzen hin. 

1280 Christophoro Brlanl in Venedig erfindet den künstlichen Aventurin, ein 
von zahllosen goldglänzenden Kry st allen durchsetztes, meist lichtgelh- 

— 55 — 



1280 

braunes bis grünliches Glas, das den natürlichen Aventurin, eine flimmernde 
Quarzmodifikation, an Glanz übertrifft und in neuerer Zeit von Bizaglia in 
Venedig (1872) wieder unübertrefflich hergestellt wird. Wöhler spricht 
sich dahin aus, daß die Krystallblättchen in diesem Produkt ausgeschie- 
denes metallisches Kupfer seien. 
1280 Petrus i§ Cmctntlls schreibt ein Werk „Opus ruralium commodorum*', das 
in 12 Abteilungen das gesamte Gebiet der Landwirtschaftslehre behandelt. 

— Der chinesische Kaiser CuMlal-chan (Kublai) vertieft und verlängert den 
Kaiserkanal (großen Kanal), der sich von Peking bis Hang-tschou durch 
zehn Breitengrade erstreckt und den Pei-ho mit dem Hoang-ho und 
Jangtse-kiang in Verbindung setzt. Der Kanal war im 7. Jahrhundert 
n. Chr. begonnen worden. 

— KazwInI hebt hervor, daß die Wasserdämpfe der Luft sich an hohen Bergen 
zu Regen kondensieren. Er weiß, daß die Gießbäche allmählich Berge 
abtragen und den Schutt ins Meer befördern, während der Schlamm auf 
dem Meerboden sich ausbreite und fest werde. 

— Arnoldus Vlllanovanot lehrt die Bereitung der ätherischen öle in seinem 
Traktat „De vinis". 

— Arnoldus Villanovanut spricht zuerst von den Heilkräften des Waldmeisters. 
1285 In dem von dem Araber Hassan-al-Rammah verfaßten Feuerwerksbuche wird 

der Salpeter als die Grundlage der gesamten Feuerwerkerei bezeichnet. 
Al-Rammah lehrt die Läuterung des Salpeters durch ein wiederholtes 
Krjstallisationsverfahren, hat aber von den eigentlichen Feuerwaffen noch 
keinerlei Kenntnis, 
j; 1290 Während Dioskorides zuerst des aus Rosen und Olivenöl bereiteten Rosen- 
\^ Öls Erwähnung getan hatte, wird das destillierte Rosenöl zuerst von 

Johannes Aetaarhit beschrieben. Es scheint zu dieser Zeit schon in Nisibis 
in Mesopotamien bereitet worden zu sein. 

— Die älteste Glashütte, deren Existenz nachweisbar ist, ist die durch 
van, LMmpMl angelegte Flaschen- und Grünglasfabrik zu Quiquengrogne 
bei La Chapelle. 

— Giovanni de Monte Conrino geht über Persien nach Indien und besucht von 
da China, das er eingehend beschreibt. 

1292 Die Ingwerpflanze (Zingiber), welche auch Marco Polo gekannt zu haben 
scheint, wird zuerst beschrieben von Giovanni dt Monte Conrino. 

1295 Lanfranchl fördert durch seine „Chirurgia magna", in welcher er zahlreiche 
von ihm ausgeführte Operationen beschreibt, die praktische Chirurgie. 

1298 Marco Polo (s. 1271) berichtet von der von ihm besuchten Landschaft 
Badachschan am Nordabhange des Hindukusch, einem Hauptfundorte des 
von alters her bekannten Lasursteins (Lapis lazuli), aus dem durch Pul- 
verisieren und Schlemmen der natürliche Ultramarin gewonnen wird. 

— Marco Polo spricht bei Beschreibung der chinesischen Provinz Fo-kien 
von dem Anbau der Baumwolle und deren technischer Verwendung als 
von etwas längst Bekanntem. Trotzdem muß Indien als die Heimat der 
BaumwoUe angeschen werden. (S. auch 800 und 327 v. Chr.) 

— Marco Polo bringt die ersten ausführlichen Nachrichten über die chinesische 
Porzellanfabrikation nach Europa. Seine Darlegungen beruhen indes in 
ihrem technischen Teil auf unrichtigen Informationen. 

— Marco Polo gibt die ersten Nachrichten über den großartig organisierten 
chinesischen Staatskurierdienst, eine Art von Post, die sich bis auf den 
heutigen Tag erhalten hat. Möglicherweise hat Marco Polo das Wort 
„Poßte** — zur Bezeichnung der chinesischen Relaisstationen — zuerst 
gebraucht. (Vgl. jedoch 1464 Ludwig XI.) 

— 56 — 



ISIO 

1300 Nachdem die Kunst, ia Stukko, einer aus Gips, Kalk und Sand hergestellten 
Masse zu arbeiten, bereits von den Alten, namentlich von den Äthiopiern 
und später in Syrien, Cypem und in Rom geübt, aber allmählich in Ver- 
gessenheit geraten war (vgl. auch 450 v. Chr. Herodot und 330 v. Chr. 
Lysistratos) , erneuert Margarltont dieselbe in Italien, wo sie alsdann von 
dem Maler Nani um 1514 wesentlich vervollkommnet wird, wie die Stuck - 
arbeiten der Loggien des Vatikans beweisen. 

— Giovanni Pbanl erfindet den Farbenschmelz im Tief schnitt (Email de 
basse-taille). 

— Der Florentiner Ruceellal entdeckt den Farbstoff der Orseille, der nach ihm 
Roccella genannt wird. 

— Alessandro dt Spina aus Pisa verfertigt, wie die Chronik des S. Caterina- 
Klosters zu Pisa meldet, Augengläser, die indes, wie die Chronik gleichfalls 
sagt, schon vor ihm erfunden worden seien. Ob der wirkUche Erfinder, wie 
aus seiner Grabschrift in der Kirche Santa Maria Maggiore in Florenz hervor- 
geht, Salvino dtfll Armitl war, läßt sich mit Sicherheit nicht nachweisen 
Sicher ist nur soviel, daß die konvexen Brillen um 1300 erfunden, imd 
daß sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts allgemein bekannt sind. 
(S. in dieser Beziehung 1363 Guy de Chauliac). 

— Hugo von Trlmkarc erwähnt in seinem Lehrgedicht „Der Renner*' zuerst 
Fiedelbogen aus Roßhaaren. 

1301 Der italienische Maler Qlotto dl Bondon« bringt mit seinen Schöpfungen in 
Florenz, Padua u. a. a. 0. die Freskomalerei durch sorgfältige Ausbildung 
ihrer Technik zu neuer Blüte und weiter Verbreitung. 

1302 Flavio Qloja aus Amalfi hat mutmaßlich zuerst die nach den Windstrichen 
geteilte Kompaßrose mit der schwingenden Magnetnadel verbunden und 
dadurch den Kompaß für die Seeschiffahrt brauchbar gemacht. 

1306 Der Waffenschmied Rudolf zu Nürnberg erfindet die Drahtziehmaschine, 
die von besonderer Bedeutung für die Herstellung der Ritterrüstungen 
(Ringelpanzer) wird. 

1307 Der Gebrauch des Wachstuchs, eines mit Leinölfirnis überzogenen Zeuges, 
ist mindestens seit Anfang des 14. Jahrhunderts bekannt, wie daraus 
hervorgeht, daß man beim Offnen des Grabes des 1 307 gestorbenen Königs 
Eduard I. von England im Jahre 1774 dessen Leiche mit feinem Wachs- 
tuch umwickelt fand, das so konservierend eingewirkt hatte, daß man 
die Bildung der Hände tmd des Gesichts noch vollkommen erkennen 
konnte. 

1310 AbuNMa lehrt, daß, wenn zwei Leute, der eine gegen Osten, der andere 
gegen Westen um die Erde wandern und an ihrem Ausgangspunkt zu- 
sammentreffen, der erste der Kalenderfolge um einen Tag voraus, der 
andere um einen Tag hinter ihr zurück sein müsse. 

— AbulMa berechnet zuerst die Größe der gesamten Erdoberfläche auf 
20360000 Quadratparasangen. 

— Matthaeus Sylvatfeut, Verfasser des dem Könige Robert von Sizilien ge- 
widmeten pharmakologischen Werkes „Pandectae medicinae'* legt in Salerno 
den ersten europäischen botanischen Garten an. Ihm folgt 1333 die Stadt 
Venedig mit Anlage eines öffentlichen medizinisch-botanischen Gartens. 

» Der Mönch Thoodorleus Ttutonleut bahnt, ohne das eigentUche Refraktions- 
gesetz zu kennen, zum ersten Male eine richtige Erklärung des Haupt- 
und Neben- Regenbogens an, während ihm die Deutung der Farbenfolge 
noch mißlingt. E. Wiedemann schreibt die erste richtige Erklärung des 
Regenbogens dem arabischen Gelehrten AI Färisi zu, der um das Jahr 1280 
gewirkt haben muß. 

— 57 — 



1811 

1311 Jean PitanI, nacheinander Wundarzt Ludwigs des Heiligen, Philipps des 
Starken und Philipps des Schönen, fördert die praktische Chirurgie und 
errichtet das erste chirurgisch -medizinische Institut. 

1312 Das Sternbild „Südliches Kreuz*' wird im Abendlande zuerst von Dantt 
AllghltrI erwähnt, der es wahrscheinlich aus arabischen Quellen kennen 
gelernt hatte. (Purgatorio I.: „Jo mi volsi, a man destra, e posi mente 
all' altro polo, e vidi quattro stelle non viste mal fuor che alla prima 
gente. — settentrional vedovo sito, poich^ privato sei di mirar quelle!**) 
Die erste Beschreibung des Sternbildes auf Grund eigener Beobachtung 
gibt in Europa Amerigo Vespucci (1501). 

1313 Nachdem in der bisherigen Entwicklung der Kriegsfeuerwerkerei (vgl. 
u. a. 424 V. Chr. Thukydides; 678 Kallinikos; 1232 Tung-kiang-kang-mu; 
1250 Marchus Graecus; 1259 Sung - Dynastie) sämtliche Elemente der 
Pulver -Schußwaffe gegeben waren, wird in Deutschland der letzte ent- 
scheidende Schritt getan, indem nunmehr das Schießpulver als Treib- 
mittel des Geschosses verwendet und damit die wirkliche Feuerwaffe ge- 
schaffen wird. Die Überlieferung knüpft diesen Schritt an den Kamen 
des Barthold Schwarz (eigentlich Bertholdus niger, d. i. der schwarze — 
Schwarzkünstler — Berthold), eines Mönchs aus dem westlichen Deutschland 
(vielleicht Köln oder Freiburg). Die Genter Annalen berichten dazu: „In 
dit jaer (1313) was aldereerst ghewonden in Duutschland het ghebruuk 
der bussen (Büchsen) von einem mueninck." 

1314 Kaimondo d« Luzzl aus Bologna, genannt Mondinus, begründet durch die 
Sektion menschlicher Leichen die wissenschaftliche Anatomie. Sein Werk 
über die Anatomie wird grundlegend für die Universitäten des Mittelalters. 

1316 Odorico dt Pordtnont segelt von Ormuz über Ceylon, die Nikobaren, 
Sumatra und Java nach Nanking. Seine Rückreise scheint durch West- 
china, Tibet tmd Persien gegangen zu sein. 

1317 Das Brasilienholz (Rotholz), das zuerst aus Sumatra nach Europa gelangt, 
wird von Matthaeus Sylvatlcus in seinen „Pandectae medicinae" unter dem 
Namen „Lagnum presiUum*' erwähnt. 

1318 Dante Alighieri erwähnt in seiner „Divina Commedia" die Schlaguhren. 
(Paradiso X: „Indi come orologio, che ne chiami nell* ora . . . tin tin 
sonando co si dolce nota.'*) 

— Pietro Vesconte entwirft die älteste datierte Seekarte. 

1320 Henri de Mondevfll« zeichnet sich als Chirurg und Anatom aus. Er kennt 
die Geschoßextraktion mittels des Magneten. (S. 1256.) Er tritt insbe- 
sondere mit Entschiedenheit für die einfache und schonende Wundbehand- 
lung des Hugo imd des Theoderich von Lucca ein. (S. 1220.) 

1321 Ltvl bM Qertoii beschreibt in seinem hebräisch geschriebenen Buche, das 
1342 von Petrus de Alexandria unter dem Titel ,,De sinibus, chordis et 
areubus** übersetzt wird, zuerst die Camera obscura, d. i. nahezu 200 Jahre 
vor Leonardo, dem bisher diese Erfindung zugeschrieben wurde. Das 
Prinzip der Camera obscura war bereits von Aristoteles ausgesprochen 
worden. 

1325 Ltvl hm Qarton erfindet den Jakobsstab, der durch das ganze Mittelalter 
zu geographischen Ortsbestimmungen auf See dient. 

1325—1352 Ihn Batute besucht die Inseln des Persischen Golfs, die bis dahin 
unbekannten Gegenden des innern Arabiens, Syrien, Mesopotamien, Persien, 
Klein -Asien, die Bucharei, Chorasan, Kandahar, die Malediven, Ceylon, 
Sumatra, Java und China und führt 1352 eine Mission des Sultans von 
Marokko ins Innere von Afrika bis Timbuktu. 

1330 Thomas de Bradwardina veröffentlicht seine „Geometria speculativa'S in 
der er sicli mit den Stern Vielecken, der Lehre von den isoperimetrischen 

— 58 — 



1868 

Figuren, der Lehre von den irrationalen Größen und der Stereometrie 
beschäftigt. 

1330 Philippe 4t Cacqutrai stellt zuerst Mondglas her, eine Art Butzenscheibe 
▼on 8 — 10 cm Durchmesser mit einem Nabel in der Mitte. Das Mondglas 
wurde im Mittelalter vielfach neben dem Tafelglas (s. 1050 T.) als Fenster- 
glas verwendet und ist neuerdings wieder stark in Aufnahme gekommen. 

1331 Wie Muratori berichtet, erscheinen zwei deutsche Ritter, von Cniifcttf und 
von Spillmkarf, bei der Belagerung von Cividale in Friaul mit Geschütz und 
Handfeuerwiuffen. („Ponentes vasa versus civitatem, balistabant cum 
sdopo".) £s ist dies die erste geschichtlich beglaubigte Erwähnung eigent- 
licher Feuerwaffen. 

1340 Jan vu Eyck macht die Ölmalerei für größere Aufgaben verwendbar, in- 
dem er durch Zusatz von Harzfimis eine gleichmäßige Trocknung der 
Pigmente ermöglicht, Leuchtkraft, Glanz und Tiefe der Farben steigert 
und die Dauerhaftigkeit der Bilder sichert. 

— Jean tft Mturs schreibt eine Arithmetik, die Jahrhunderte lang ein vielge- 
brauchtes Schulbuch bleibt. Er macht als einer der Ersten Vorschläge 
für eine Kalenderreform, die darin gipfelt, man solle, um den wirklichen 
und den kalendermäßigen Frühlingsanfang in Übereinstimmung zu bringen, 
40 Jahre lang die Schalttage ausfallen lassen. 

1341 Donato Qtntlle da Foflgno tut zuerst eines Gallensteins Erwähnung, den 
er bei einer Sektion entdeckt. Die erste chemische Untersuchung solcher 
Steine geschieht 1748 durch Galeotti; wissenschaftlich werden die Steine 
zuerst durch Fourcroy und Th^nard bearbeitet. 

1350 Der deutsche Kaiser Karl IV. erteilt den Imker- Innungen besondere, zum 
Teil sehr weitgehende Privilegien, und wird damit zum Begründer der 
deutschen Volksbienenzucht. 

— Conrad von Maganbarf gibt in seinem „Buch der Natur'* eine Schilderung 
zahlreicher Tierformen. Dies Buch, das sich an Cantimpr^ (s. 1233) an- 
schließt, findet als erste naturgeschichtliche Enzyklopädie in deutscher 
Sprache eine sehr weite Verbreitung. 

— Der englische Geistliche Maria führt ein Beobachtungsregister, welches als 
das älteste Wetterjournal anzusehen ist und wirkliche Nach weise über die 
Witterung enthält. 

— In der Weltchronik des Rudolf von Hohanambs findet sich die erste Zeich- 
nung einer Taucherglocke. (Vgl. allerdings 210 v. Chr. Philo.) 

1354 Patar IV. von Aragonien läßt zum Schutze gegen die feindlichen Waffen 
einige seiner Schiffe mit einem Lederbezuge versehen, t^brigens sollen schon 
die Normannen im 12. Jahrhundert einen Versuch zur Schiffspanzerung 
gemacht haben, indem sie ihre Schiffe mit einem Eisenbeschlage in der 
Wasserlinie versahen. (Vgl. auch 1782). 

1360 Der französische Schriftsteller und Mathematiker Nicole Orosma gibt ein 
Verfahren an, die Zu- und Abnahme der Temperatur, die Änderimg des 
Feuchtigkeitsgehalts der Luft, und die bei anderen Naturerscheinungen 
vor sich gehenden Veränderungen durch Kurven darzustellen. Er wendet 
inseinem Werke „Algorismus proportionum** Potenzen mit gebrochenem Ex- 
ponenten an, die erst in viel späterer Zeit wissenschaftliches Gemeingut 
werden. 

— Johann von Rocquatalllada stellt zuerst schwefelsaures Quecksilberoxydul 
dar und erhält zuerst den Kalomel auf nassem Wege aus Quecksilber, 
Salpetersäure und Salmiak. 

1363 Guy 4% diaullae schreibt sehr wertvoUe wissenschaftliche Abhandlungen über 
Chirurgie. Er gibt u. a. neue Methoden für die Operation der Nasen - 

— 59 — 



polypen an und bläst bei Kehlkopfkatarrhen adstringierende Pulver in 
den Kehlkopf ein. 

1363 Guy de Chaullac behandelt in seiner „Chirurgia magna** das Kapitel der 
Wundheilung, die Verbandweise, die verschiedenen Formen der Naht, die 
er namentlich als Blutstillungsmittel anwendet. Er ist der erste, der, 
wenn Augenwässer bei Sehschwäche nicht helfen, Brillen empfiehlt. 

1364 Heinrich von WIck versieht die Käderuhr mit Hemmung und Unruhe 
und stellt eine so verbesserte Uhr, die auch mit Schlagwerk versehen ist, 
auf Bestellung von Karl V. in Paris auf. Als früheste, mit Schlagwerk 
versehene Uhr wird die 1288 auf Westminster Hall in London aufgesteUte 
erwähnt. (S. a. 850, 1232, 1318.) 

1375 Catalanl entwirft eine Erdkarte, welche als die bedeutendste ihrer Zeit 
galt. Sie gibt die Mittelmeerküsten in einer verhältnismäßig sehr genauen 
Darstellung, während die übrigen Länder skizzenhaft behandelt sind. 

1376 Nicholas Batalll« in Arras stellt in den Jahren 1376—79 für Louis I. von 
Anjou den sog. „Gobelin von Angres'* her, den größten jemals gewebten 
Gobelin teppich. Derselbe hat 156 m Länge und 6 m Höhe, und stellt 
Szenen aus der Apokalypse dar. (Wegen des Namens „Gobelin" vgl. 1662 
Colbert.) 

1378 Während die Geschütze anfänglich nur Steinkugeln (in der Kegel aus 
Granit oder Marmor) verfeuerten, werden zuerst i. J. 1326 in Florenz 
schmiedeeiserne Kugeln angefertigt. Besondere Verdienste um den 
Guß eiserner und eherner (kupferner) Kanonenkugeln erwirbt sich seit 1378 
der Stückgießer Hans Aarau in Augsburg. Aber erst unter den franzö- 
sischen Königen Ludwig XI. (1471) und Karl VIII. (1494) kommen die 
elBcmen Geschosse allgemein in Gebrauch. 

1380 Damensättel werden zuerst im 12. Jahrhundert n. Chr. erwähnt, während die 
Frauen bis dahin nach Männerart zu Pferde saßen. Eine allgemeine Ver- 
breitung erhält der Damensattel mit Quersitz durch Anna von Luxamkurf, 
Gemahlin Kichards II. von England. 

— Isaak Hollandus stellt zuerst durch Erhitzen von Salmiak mit Kalk Chlor- 
calcium dar, welches er als „Sal ammoniacum fixum*' bezeichnet. Er gewinnt 
auch zuerst aus dem Rückstand der Scheidewasserbereitimg das schwefel- 
saure Kali, das von Paracelsus zuerst medizinisch angewendet wird. 

— Valeicut de Taranta gibt die erste eigentliche Klassifikation der Verbrennungen 
nach ihrer Intensität, und zwar nach 3 Graden: Schmerzempfindung, 
Blasenbildung, Ulceration, die im wesentlichen später von Alexis Boyer 
(1814) wieder aufgenommen wird, während Guillaume Dupuytren (1830) 
eine Skala von 6 Graden aufstellt. 

1387 Der Leibarzt König Wenzels, AIMch fördert durch seinen „Tractatulus de 
regimine hominis' ' die Diätetik. 

1390 Ulman Stromtr in Nürnberg soll zuerst zur Zerkleinerung des Stoffes für 
die Papierfabrikation Stampfen angewendet haben. 

1392 Spielkartenähnliche bemalte Täf eichen waren bei den Chinesen und 
Japanern schon in früher Zeit bekannt. In Europa ist der erste nach- 
weisbare Verfertiger von Spielkarten der Maler Jacquemin Grinfonnaur, 
wie dies« aus einem Ausgabebuche des Schatzmeisters Karls VI. von 
Frankreich hervorgeht, in welchem die Auszahlung eines Betrags an den 
genannten Maler für die Anfertigung von 3 Spielen Karten in Gold und 
Farben gebucht ist. Die erste Erwähnung der Spielkarten in Deutschland 
überhaupt geschieht i. J. 1321 in einem gegen dieselben gerichteten Ver- 
bot des Bischofs von Würzburg. 

— Nicolo Ztno gelangt, nachdem er 1390 die Faröer und 1391 die Shetlandsinseln 
besucht hatte, nach Island und wahrscheinlich auch nach Grönland. 

- (>0 — 



1420 

1399 Die ViiCMtl in Mailand erlassen die erste bekannte Desinfektionsordnung 
für Pestkranke, woran sich 1403 die erste Quarantäneanstalt anschließt. 

1400 McMhopuloa beschäftigt sich eingehend mit dem schon den alten Indern 
bekannten magischen Quadrat, wodurch dasselbe allgemeiner bekannt 
wird. Unter einem magischen Quadrat versteht man ein in mehrere 
kleinere Quadrate geteiltes Quadrat, in dessen Felder eine Anzahl von 
Zahlen so eingeschrieben sind, daß alle Quer-, Längs- und Diagonalreihen 
die gleiche Summe ergeben. Auch Dürer, Lahire, Sauveur, Euler u. a. 
beschäftigen sich später mit dem magischen Quadrat. 

1402 Johann von Büfctncottrt gelangt als erster nach Malocello (s. 1270) wieder 
nach den Canarischen Inseln. 

1403 Wie Pitti angibt, ist der Ingenieur Domenico dl Matleo der erste gewesen, 
der — in dem Kampfe der Florentiner gegen Pisa — Kriegssprengminen 
Torgeschlagen hat. Die ersten Zeichnungen und Beschreibungen von 
Sprengminen gibt (1430) Mariano. 

1405 Der Kriegsbaumeister Konrad Ky«Mr gibt die Abbildung eines Schiffes, 
das an jeder Seite ein Schaufelrad trägt. Diese Räder sollten durch die 
Strömung gedreht werden imd dadurch ein flußaufwärts befestigtes Seil 
aufwinden, wodurch das Schiff den Strom hinaufgezogen werden sollte. 
In diesem Vorschlag sind die Anfänge der Tauerei und Kettenschiffahrt 
zu erblicken. 

^ Konrad KyMtr erwähnt in seinem Buche „Bellifortis'* (Handschrift in der 
Universitätsbibliothek zu Göttingen) zuerst Hohlgeschosse, die mit fest- 
gestampftem Pulversatze gefüllt sind, und aus Hinterladern im Bogen- 
würfe verfeuert werden, die erste geschichtlich beglaubigte Erwähnung der 
Sprenggeschosse. 

1411 Seilbahnen zur Beförderung von Lasten und Menschen über Flüsse und 
Schluchten wurden in China schon im Altertume benutzt. Die erste 
Erwähnung derselben in der Literatur geschieht in einer Handschrift der 
¥nmm HoffMMIotiMk vom Jahre 1411, in welcher eine Seilbahn mit Hanfseil 
und Förderkörben aufgezeichnet ist. (Vgl. indes auch 100.) 

1419 Die Insel Madeira war wahrscheinlich schon den Alten bekannt und 
wurde von den Portugiesen unter genuesischen Kapitänen schon früh be- 
sucht. (Auf einer florentiniBchen Karte vom Jahre 1351 erscheint die 
Insel unter den Namen „Isola di legname"). Die eigentliche Entdeckungs- 
geschichte beginnt mit dem Jahre 1419, wo die Portugiesen Joäo Gonzales 
und Martin Vaz daselbst landen. 

1420 Wilhelm BwMiz erfindet das Einsalzen der Heringe, wodurch dieselben 
transportfähig und zur Handelsware gemacht werden. Hierdurch ent- 
wickelt sich der Heringsfang für Holland zu einem sehr lukrativen Er- 
werbszweige, der fortan durch strenge Gresetze über die Zeit des Fangs, 
die Weite der Netzmaschen, das Einsalzen usw. geregelt wird. Beukelsz, 
dessen Name häufig auch in Bökel oder Pökel umgewandelt wird, soll zu- 
erst auch das Salzen des Fleisches mit Kochsalz oder Salpeter ausgeführt 
haben, das nach ihm Pökeln genannt wird. 

— Filippo BniMlIttclil knüpft an die Kuppelbauten des klassischen Altertums, 
insbesondere an die Kuppel des Pantheons (s. 27 v. Chr.) an und erbaut 
mit Hilfe neuer technischer Methoden die gewaltige 39^/^ m weite Kuppel 
des Doms zu Florenz, die das Vorbild für die von Michelangelo ent- 
worfene Kuppel der Peterskirche in Rom (s. 1546) wird. 

— Der italienische Ingenieur Giovanni de Fontana soll (nach Romocki, „Ge- 
schichte der Explosivstoffe") der erste gewesen sein, der treibende See- 
minen (Streuminen) in Vorschlag bringt. 

— 61 — 



1424 

1424 Johann Zlika von Troenow, Feldherr der Hussiten, verwendet zuerst die 
Haubitze (HaufiFnitz), ein hinsichtlich der Rohrl&nge zwischen den Mörsern 
und den Kanonen stehendes Wurfgeschütz, welches Steinkogeln verfeuert. 

1426 Wie berichtet wird, soll Marco Polo einige dem Blockdrucke ähnliche 
Holztafeln von China nach Italien gebracht haben. Der Italiener Pamfilo 
Castaldl habe dieselben gesehen, Nachahmungen zum Buchdruck verwendet 
und i. J. 1426 sogar Druckversuche mit einzeln in Holz geschnittenen 
Typen unternommen. Für die Richtigkeit dieser Annahme fehlt indes 
jeder beglaubigte Nachweis. 

1431 Der Portugiese Gonzalo Velho Cabral entdeckt die Formigasgruppe der 
Azoren. Die übrigen Azoreninseln werden in den Jahren 1432—1453 auf- 
gefunden. Da man daselbst auf punische Münzen gestoßen ist, müssen- 
die Azoren schon den Karthagern, wahrscheinlich auch den Arabern und 
Normannen, bekannt gewesen sein. 

1433 Gil Eannes gelingt es, im Auftrag des Prinzen Heinrich des Seefahrers, 
nach 20 jährigen vergeblichen Versuchen das Cap Bojador zu umfahren. 

1435 Der itaUenische Künstler Leon Battista Albtrtif von seinen Zeitgenossen 
' wegen seiner alles umfassenden Bildung ein „enzyklopädischer Mensch'* 

genannt, erfindet einen Apparat zur perspektivischen Abzeichnung bez. 
zur Verkleinerung von Zeichnungen, der aus einem durchsichtigen, mit 
dicken Fäden quadrierten Schleier besteht (Alberti nennt seinen Apparat 
auch „Velo", Schleier) und demnach mit dem Storchschnabel (s. 1631 
Scheiner) nicht identisch ist. 

1436 BaMaya gelangt bis zur Mündung des heutigen Rio d'Ouro. 

1438 Marianut Jacobot von Siena bildet ein Boot ab, dessen zwei Schaufelräder 
von vier Mann bewegt werden, sowie einen Taucheranzug mit Helm und 
Bleisohlen. (Kodex der Münchener Bibliothek. — Vgl. auch 1405.) 

— Luca dalla RoMUa bringt die vermutlich schon von den Arabern gehand- 
habte Kunst, die Majolika mit einer zinnoxydhaltigen Glasur zu über- 
ziehen, zu hoher Vollendung. 

— Dom Henrique Herzog von VlMii errichtet in seiner portugiesischen Residenz 
Sagres eine Steuermannsschule, auf welcher namentlich die Weiterentwick- 
lung des Kompasses in hervorragender Weise gefördert wird. 

1439 Johannas von QmQnd (de Gamundia) gibt den ersten gedruckten deutschen 
Kalender heraus. Es ist dies ein in Blockdruck (Holztafeldruck) her- 
gestellter immerwährender Kalender mit Planetentafel. Derselbe befindet 
sich im Kupferstichkabinett des Kgl. Museums zu Berlin. 

1440 .Lourens Janszoon Goitor in Haarlem soll (nach dem von Junius verfaßten, 

i. J. 1588 in Leiden erschienenen Werke ,,Batavia'0 seit dem Jahre 1440 
mit hölzernen und metallenen Lettern gedruckt haben. Später sei sein 
Druckgerät gestohlen und nach Mainz übergeführt worden. Auf Grund 
dieser Darstellung wird Coster in Holland vielfach als der Erfinder der 
Buckdruckerkimst betrachtet, und einzelne holländische Forscher haben 
die Erfindung sogar bis in*das Jahr 1423 zurückverlegt. Neuere Unter- 
suchungen lassen indes keinen Zweifel, daß die Angaben des Jimius auf 
einem Irrtum beruhen. 

— Nicolaus von Cuta (eigentlich Nikiaus Krebs aus Cues a. d. Mosel) zählt 
zuerst den Puls mit einer Uhr (Wasseruhr). 

— Nicolaus von Cuta gibt die erste Anregung, das Senkblei beim Loten mit 
einem spezifisch leichten Körper zu verbinden, der sofort, wenn ersteres 
am Grunde angelangt ist, sich abtrennt und nach oben zurückkehrt. 
Ähnliche Vorschläge machen Alberti in seinem Werke „De architectura** 
und der um 1550 lebende Mathematiker Puehler. 

— 62 — 



1450 

1440 Nicolaus von Gvta konstruiert das erste rohe Hygrometer aus trockener 
Wolle und bestimmt den Feuchtigkeitsgrad der Luft aus der Feuchtigkeits- 
zunähme der Wolle. 

— Nicolaus von Oma faßt das Weltganze als eine unendliche, unbegrenzte £inheit 
auf und lehrt, daß die Erde schon darum nicht im Mittelpunkte der Welt 
stehen könne, weü der unendliche Raum keinen Mittelpunkt habe. Seine 
Auslassungen über die Achsendrehung der £rde (in der Schrift „De docta 
ignorantia") sind dunkel. 

— MarlttiM Jacotat gibt die erste Beschreibung von fahrbaren Kranen und 
Winden. 

— Giovanni Michele ScvonaroUi verfaßt eine ausführliche Schrift über den 
' Branntwein imd lehrt die Prüfung desselben auf den Gehalt an Alkohol. 

^ Der Tatarenfürst UlHh'BoIgh errichtet in Samarkand eine Sternwarte von 
außerordentlicher Größe, und verbessert auf Grund eigener Beobachtungen 
die Angaben des Ptolemaeischen Stemkatalogs. (S. 150 Ptolemaeus.) 

1441 Nuno TrMam erreicht das Kap Blanco und zwei Jahre später die Bucht 
von Arguin. 

1445 Dinis Dln entdeckt das Kap Verde. 

1446 Die erste bekannte Datierung eines Kupferstichs befindet sich auf einem 
Blatt „Die Geißelung*', das zur Passionsserie von sieben Blättern gehört 
und sich im Berliner Kupferstichkabinett befindet. Es rührt von einem 
DoutehM Molslor her und beweist, daß schon eine längere Praxis in diesem 
Druckverfahren, das offenbar auf Goldschmiede, die mit dem Stichel in 
Metall stachen, zurückzuführen ist, bestanden haben muß. 

— Prokop WaMvoctI in Avignon scheint nach seiner „Ars artificialiter scribendi*' 
ein Verfahren geübt zu haben, das darin bestand, daß er linksseitig ge- 
schnittene Buchstabenstempel einfärbte und einzeln auf das Papier ab- 
drückte. Es ist somit in dem Vorschlage Waldvogels kein eigentlicher 
Buchdruck, sondern lediglich eine besondere Methode des Schreibens zu 
erblicken. 

1447 Alvaro Fsrnand« erreicht das Nordende der Küste von Sierra Leone. 
1450 Barnardo dl Rapallo erfindet die Steinoperation mit der großen Gerätschaft 

.,Apparatus magnus", auch Perinealschnitt genannt, die von ihm auf 
Giovanni di Komani und schließlich auf Mariano Santo di Barletta über- 
geht, welcher sie 1537 bekannt macht. 

— Antonio Branca in Catania führt zuerst die seit Celsus verlassenen Trans- 
plantationen gesunder Haut aus Gesicht imd Oberarm zum Ersatz ver- 
stümmelter Nasen wieder aus. 

— Fini gu arr a pflegt in hervorragender Weise das schon seit einiger Zeit be- 
kannte Niello, d. i. eine Verzierung auf Silber, die in eingravierten, mit 
einer Art schwarzer Farbe ausgefüllten Zeichnungen besteht. 

— Johann Girtanfcerg tritt mit seiner Erfindung der Buchdrucker kunst in die 
Öffentlichkeit. Der große Gedanke Gutenbergs spricht sich vornehmlich 
aus in der Erfindung der mechanischen Vervielfältigung der Buchstaben, 
mit der er sich schon seit 1436 getragen hatte, in der Herstellung einer 
Druckerpresse und in der Erfindung eines Gießinstruments 7.ur Erzielung 
völlig gleicher Kegelhöhen. 

— Die Kupfergewinnung aus deutschen Kupferlagerstätten (Harz) beginnt 
um das Jahr 968. Einen besonderen Aufschwung nimmt die Kupfer- 
gewinnung in Deutschland, seit der Schmelzer Nafilar aus Joachimsthal 
lehrt, kiesige Erze zu verarbeiten, indem er dieselben röstet, aus dem ge- 
wonnenen Stein den Vitriol auslaugt und aus der gewonnenen Lauge das 
Kupfer durch Eisen fällt. 

— C3 — 



V 



1460 

1450 Georg von PMirtach erfindet das „geometrische Quadrat", welches als der 

älteste Distanzmesser anzusehen ist, dem 1750 der von Pacecco ab Ucedos 

erfundene Pantometer, ein Distanzmesser ohne Latte folgt. 

A/ — Plero della FrancMca macht in seinem Werke „De prospectiva pingendi" zuerst 

auf die Bedeutung des Verschwindungspunktes (Fluchtpunktes) aufmerksam. 

— Während im Altertum und frühen Mittelalter die Behandlung der Krampf- 
adern (Varicen) vorzugsweise eine operative (Incision — Hippokrates, Glüh- 
hitze — Celsius, Ätzung — Guy de Chauüac, Excision — Oribasius und Aetius) 
war, verwendet Giovanni Michele Savonarola lediglich einen festen Verband 
und läßt dabei ruhige Lage mit erhobenen Füßen einhalten. Er wird da- 
mit der Vorläufer der neuzeitlichen, überwiegend palliativen Behandlung 
mit elastischen Strümpfen und Binden. 

1452 Die freie Stadt RigMisfeurf erläßt eine Hebeammen- Ordnung, die jedoch 
noch nichts über die Ausbildung der Hebeammen und über die Ärzte als 
Geburtshelfer enthält. Erst eine im Jahr 1555 im Druck herausgegebene 
Ordnung spricht von Prüfung der Hebeammen und weist dieselben an die 
Doktoren der „Arzney'*. 

1454 Georg von Peurtadi entwirft eine Sinustafel von 10 zu 10 Minuten und für 
den Halbmesser 60 10\ welche zwar noch eine Vermengimg des sexagesi- 
malen und des dezimalen Systems enthält, aber doch das reine Dezimal- 
system vorbereitet, wie es Peurbachs Schüler Regiomontanus in seiner 
Trigonometrie bald darauf planmäßig durchführt. (S. 1463 Regiomon- 
tanus.) 

1455 Alvise da Qada Motto entdeckt auf seiner im Auftrage des Prinzen Heinrich 
des Seefahrers imtemommenen Reise die Insel Arguin und den Senegal 

, und gelangt bis an die Mündung des Gambia, von wo er 1456 bis zum 
Rio Grande kommt. 

1456 Ludwig van Barquom zu Brügge begründet eine neue Art der Edelstein- 
schleiferei, indem er sich nicht darauf beschränkt, die natürlichen 
Flächen der Steine weiter zu bearbeiten und zu glätten, sondern durch 
zweckmäßig angeordnete künstliche Flächen außerordentliche, bis dahin 
unbekannte Effekte erzielt. (Rosettenschliff.) 

1457 Diogo Qomei gibt bei seiner Rückkehr aus dem Innern von Afrika die 
erste Andeutung von einem gegen Osten strömenden Flusse, dem Niger. 

— Diogo Ckmiti und Antonio do Noil entdecken gleichzeitig die Inseln des 
grünen Vorgebirges (Kapverdische Inseln). 

— Der Camaldulensermönch Fra Mauro zeichnet die im Dogenpalast zu Venedig 
befindliche Weltkarte, welche durch die Fülle ihres Inhalts und die über- 
aus sorgsame Darstellungsweise das hervorragendste Denkmal der mittel- 
alterlichen Kartographie darstellt. 

— Peter 8ch(Mler hat zuerst den Gedanken, die aus Stahl geschnittenen Patrizen 
in Messing oder Kupfer zu treiben und auf diese Weise eine schärfere und 
dauerhaftere Matrize für den Guß herzusteUen. (Vgl. sein in dieser Weise 
gedrucktes Psalterium von 1457.) 

1460 Der maurische Mathematiker Abul Hasan Ali ben Mohammed AlkalsMI 
verfaßt eine Arithmetik, in welcher sich zum ersten Male eine Art von 
Wurzelzeichen und von Gleichheitszeichen vorfindet. (S. a. 1524 Riese 
und 1556 Recorde.) 

— Nicolaus von Cusa verfertigt eine Karte von Deutschland, die erst nach 
seinem Tode 1491 erscheint und die erste gedruckte Karte von Deutsch- 
land darstellt. Er verwendet dabei die konische Projektion des Ptolemaeus. 
(S. 160.) 

— Der Glasmaler Jacob QrMnfMr aus Ulm, genannt Jacobus Alemannus, 
fördert die Glasmalerei, indem er der von Theophilus (s. 1050) erfundenen 

— 64 — 



1470 

ersten metaUkchen Farbe, dem „Schwardot", eine zweite Metallfarbe, das 
„Kunstgelb'*, hinzufügt, welches er aus schwefelsaurem Silber und ge- 
branntem Ocker darstellt. Um diese Zeit kennt man auch schon das 
Überdecken (Überfangen) des gewöhnlichen Glases mit einer dünnen 
farbigen Glasschicht, welche zur Erzeugung der Nuancen und Schatten - 
wirkimgen alsdann nach Bedarf mehr oder weniger wieder abgeschliffen 
wird. 
1460 Heinrich von PMspMiiMlt gibt in seiner „Bünd-Aerzney** Vorschriften über 
den Verband bei Verletzungen und Verwimdungen und erwähnt darin als 
erster Arzt die durch Feuerwaffen bewirkten Verletzimgen. 

— Giovanni Michele 8lironarola schreibt über Geburtshilfe imd spricht zuerst 
von einer Raumbeengung des Beckens für ein großes durchtretendes Kind 
bei einer Kreißenden mit schmalen Hüften. Er empfiehlt demzufolge den 
Hebammen, sich über etwa schon früher stattgehabte Geburten zu 
unterrichten. 

1463 Riflomoiiianiis (Johannes Müller) behandelt in seinem Werke „De trianguhs 
omnimodis libri V'% das nach seinem Tode von Johann Schöner 1533 
herausgegeben wird, die ebene und sphärische Trigonometrie in so um- 
fassender Weise, daß er als Schöpfer der modernen Trigonometrie be- 
zeichnet werden kann. Das Werk enthält u. a. den Sinussatz und die 
Formel für die Dreiecksfläche : Vs & ^ Bin /. Von besonderer Bedeutung ist 
der von Kegiomontanus zuerst aufgestellte Hauptsatz der sphärischen 
Trigonometrie, daß sich aus den 3 Winkeln des sphärischen Dreiecks die 
3 Seiten berechnen lassen. 

1464 König Llidwif XI. von Frankreich ruft einen umfangreichen ständigen Reit- 
botendienst ins Leben, dessen Inanspruchnahme indes für Private bei 
Todesstrafe verboten war. Karl VIII. bezeichnet in einem Patente vom 
Jahre 1487 die Kuriere dieses Botendienstes als „Chevaucheurs en poste'S 
— die erste geschichtlich sicher beglaubigte Verwendung des Wortes 
„Post" im heutigen Sinne. (Vgl. jedoch 1298 Marco Polo.) 

1467 Claudius Ctaviit stellt die erste Karte her, auf der Grönland in richtiger 
Lage westlich von Norwegen und Island wiedergegeben ist. 

— Der Glockengießer Bartholomäus Knack zu Alost in Flandern erfindet die 
durch Räderwerk getriebenen Kirchturm -Glockenspiele. Der berühmteste 
spätere Erbauer von Glockenspielen ist der Holländer Matthias van den 
Gheyn (1721—1785). 

— Konrad SwcynMm und Arnold Pannartz, welche im Jahre 1464 die Buch- 
druckerkunst in Italien einführten, drucken Ciceros Briefe mit einer Schrift- 
gattung und Lettemgröße, welche seitdem den Namen „Cicero" führt. 

1468 Der Arzt und (^eograph Paolo Totcanalll errichtet einen 277 Fuß hohen 
Gnomon an der Kirche St. Maria del Fiore in Florenz, mit dem sich der 
Mittag bis auf eine halbe^ Sekunde genau bestimmen läßt. Toscanelli be- 
nutzt den Apparat zur Berichtigung der Alfonsinischen Tafeln. (S. 1252 
Alfons). 

1470 B«nihanl in Venedig erfindet das Pedal an der Orgel, durch welches die 
für das Spiel der Füße bestimmte untere Klaviatur gehandhabt wird. 

— Die deutschen Buchdrucker Ulrich OMingt Martin CrantE und Michael Frl- 
taiftr errichten auf Wunsch der Pariser Universität die erste Buchdruckerei 
Frankreichs in der Sorbonne. 

— Der aus Deutschland gebürtige Buchdrucker Johannes de Spira (Johann 
von Speier) in Venedig stellt die erste Ausgabe des Tacitus in Buchdruck 
her. Das Buch ist das erste mit arabischen Blattziffern versehene Druck- 
werk. 

Darmstaedter. 5 

— 65 — 



1471 

1471 Der auB Tours gebürtige Stempelschneider Nikolaus «IWMon in Venedig 
führt an Stelle der gotischen oder Mönchsschrift die römische oder Antiqua- 
Type, den sogenannten „lateinischen** Druck, in den Buchdruck ein. (über 
die Fraktur oder „deutsche** Druckschrift s. 1522 Dürer). 

— Joäo de Santariiii und Pedro de Eieovar entdecken unter Beihilfe des Piloten 
Alvaro Esteves die Goldküste und dringen über die Nigermündungen und 
den Äquator hinaus bis zum Kap Santa Katarina (l^öl's. Br.) vor. 

«- Der Nürnberger Patrizier Bernhard Watther begründet auf Veranlassung 
von Reglomontanut (Johannes Müller) in seiner Vaterstadt die erste deutsche 
Sternwarte, wahrscheinlich überhaupt die erste Sternwarte im christlichen 
Europa. Die zweite Sternwarte in Deutschland wird von Wilhelm IV., 
Landgrafen von Hessen, i. J. 1561 in Kassel errichtet. 

1472 Femäo da Po entdeckt an der westafrikanischen Küste die nach ihm be- 
nannte Insel Fernando Po, die er selbst aber Formosa nennt. 

— Robertius Valturiut gibt die Abbildung zweier Galeeren, welche als Be- 
wegungsmechanismus Schaufelräder (fünf an jeder Seite des Schiffs) zeigen. 
Doch datieren die ersten Versuche mit einer Schaufelradbewegung der 
Schiffe aus einer viel früheren Zeit, und es sollen sich die Römer schon 
um 260 V. Chr. mit dieser Idee befaßt haben. (Vgl. auch 1405 Kyeser). 

>- Robertus Valturiut gibt die Zeichnung eines unterseeischen Fahrzeugs in 
der Form eines vom und hinten zugespitzten Zylinders, welches durch 
Ruderräder mittels Handbetriebes fortbewegt werden sollte. Aus der 
Skizze geht die praktische Unausführbarkeit des Gedankens ohne weiteres 
hervor. Doch wird hier, soweit geschichtlich nachweisbar, zum erstenmal 
die Idee eines Unterseebotes geäußert. 

1474 Paolo Toecanelll bezeichnet in einem schriftlichen Gutachten an den Dom- 
herrn Femäo Martinez den atlantischen Seeweg nach Indien um vieles 
kürzer als die Seefahrt um das afrikanische Festland, imd fügt eine Karte 
bei, auf der er diesen Weg einträgt. Von diesem Gutachten und von dieser 
Karte erhält Columbus Kunde und nimmt eine Kopie der Karte mit auf 
seine Entdeckungsfahrt. 

— Karl der KOhne, Herzog von Burgund, verwendet zuerst in der Kriegführung 
ein Flußkanonenboot, welches bei der Belagerung von Neuß zur Be- 
schießung der Stadt von der Rheinseite her in Tätigkeit tritt. (Das Rhein- 
bett lag damals der Stadt Neuß näher als jetzt.) 

— Nachdem zuerst Pierre d'Ailly und Nikolaus von Cusa auf den Übelstand 
der stetig zunehmenden Abweichungen des julianischen Kalenders (s. 46 
v. Chr.) hingewiesen hatten, nimmt der Papst SIxta IV. eine Kalender- 
reform in die Hand, die indes infolge des Todes des mit den Berechnungen 
beauftragten Regiomontanus nicht zustande kommt. (Vgl. 1582 GregorXIII.) 

1475 Regleinoiiianut (Johannes Müller) gibt neue astronomische Tafeln heraus, die 
bald die seit der Mitte des 13. Jahrhunderts im Gebrauch befindlichen 
alfonsinischen Tafeln (s. 1252 Alfons X.) verdrängen , auch für Ent- 
deckungsreisen ein wichtiges Hilfsmittel werden und nachweislich von 
Columbus und Vasco da Gama benutzt worden sind. ' 

>- Rectomontanuf (Johannes Müller) konstruiert ein verbessertes Astrolabium, 
das er „Torquetum" nennt und dessen Orientierung und Gebrauch im 
wesentlichen dieselben sind wie beim älteren Astrolabium. 

1476 William Caxton, der, ursprünglich Kaufmann, in Cöln die Buchdrucker- 
kunst erlernt hatte, führt dieselbe in England ein. 

— Der Buchdrucker Ulrich Hahn in Rom, gebürtig aus Ingolstadt, erfindet 
den Musiknotendruck. Sein Druckverfahren besteht darin, daß er zunächst 
die fünf (roten) Notenlinien und in einem zweiten Gange die Noten selbst 

— 66 — 



1487 

dmckt. (Sog. zweifaches Druckverfahren.) Hahns Noten sind Choralnoten, 
noch keine Mensuralnoten. Eine weitere Verbreitung findet das Verfahren 
durch Jörg Reyser in Würzburg (1481). 

1476 Der Buchdrucker Johannes VtMMtr zu Löwen und Utrecht wendet in dem 
Buche ,,Fa8ciculus temporum" zuerst die als „Vignette" bezeichnete Buch- 
verzierung an. 

1480 Alessandro Achillhil entdeckt im menschlichen Ohr das knöcherne Labyrinth, 
sowie den Hammer und den Amboß. 

— Der italienische Maler, Architekt imd Bildhauer Lsonario da Vind ent- 
wickelt auf fast allen naturwissenschaftlichen Gebieten eine epoche- 
machende Tätigkeit. Die Malkunst vervollkommnet er durch Ausbildung 
der zuerst von Alberti (s. 1435) angewendeten Perspektive. 

— LMNMrdo da Vinci spricht zuerst die Idee des Lampenzylinders aus, der als 
Rauchfang der Flamme Crelegenheit geben soU, zu exhalieren und sich 
durch Luftzufuhr zu ernähren. (S. 1756 Quinquet.) Er beschreibt zuerst 
den Fallschirm, mit dem sich jeder von beliebiger Höhe, so groß sie auch 
sei, herunterlassen könne. 

— Lwrtiizo von Modld gibt den Anstoß zur allgemeinen Neubelebung einer um- 
fassenden Gartenkultur. 

— Der König Matthias Corvlnui führt den Maroquin-Einband ein. Er hält sich 
stets eine Anzahl Künstler, die seine Bücher in Maroquin binden, ver- 
golden und bemalen. Jeder Band erhält den Stempel eines Raben (Cor- 
vinus) mit einem Ring im Schnabel. 

— Der Büchsenmacher Kaspar Zöiiner in Wien schneidet zuerst Züge in die 
Seelenwand des G^wehrlaufs ein. Die Züge verliefen geradlinig (ohne 
Drall); die erwartete Steigerung der Schußleistungen blieb daher aus. Doch 
sind derartige gerade Züge, besonders in der Form der sogenannten Haar- 
züge, auch bei neueren Handfeuerwaffen mehrfach angewendet worden, aber 
nur noch zu dem Zwecke, das Laden (Eintreiben des Geschosses in den 
Lauf) zu erleichtem. 

1483 Domenico Maria üovara da Ftrrara bemerkt zuerst, daß seit Ptolemaeus der 
Pol der Weltachse sich dem Zenit um 1^ genähert hat. 

» Waneeiiaiis von Olmütz erfindet die Radierkunst auf Kupfer. 

1484 Diogo Gio gelangt zur Mündung des Kongo 6^6's. Br., zum Cap Santo 
Agostinho (jetzt Santa Maria) 130 27' 15"s. Br. und zum Cap Negro 15» 
40' 30" 8. Br. 

— Nicolas dmqiMt veröffentlicht ein Rechenbuch „Le Triparty en la science 
des nombres'% welches die Potenzen zum ersten Male in der heutigen 
Schreibweise enthält. Er hat eine klare Einsicht in das Wesen einer un- 
bestimmten Gleichung. Er wendet zuerst die Bezeichnungen „Million*', 
,,Byllion", „Tryllion" an, die aber erst durch Paciolus (s. 1487) allgemein 
gebräuchlich werden. 

— Bernhard Walflitr in Nürnberg versucht zuerst die Verwendung von Uhren 
mit gezähnten Rädern zu astronomischen Beobachtungen Doch hat dieser 
Versuch infolge des unregelmäßigen Ganges der damaligen Räderuhren 
keinen wesentlichen Erfolg. 

1486 Der König 49Mk iii. von Schottland kauft ein in Mons in Belgien ge- 
fertigtes schweres Geschütz an, dessen Rohr aus aufgewickelten Eisen - 
Stäben („wie man ein Tau aufwickelt**) hergestellt ist — ein Vorläufer der 
heutigen Longridge- Geschütze. (S. 1884 L.) Das Geschütz befindet sich noch 
jetzt in Edinburg. 

1487 Der Buchdrucker Hanns Briafmaltr in Nürnberg (auch Maler Hans Sporer 
oder Hans Buchdrucker genannt) verfaßt das erste „Visierbüchlein**, 

5* 

— 67 — 



1487 

eine Anleitung zur Bestimmung des Rauminhalts von Hohlmaßen und 
Fässern. 
1487 Bartolomeo DIaz umfährt zuerst das Kap der guten Hoffnung, das er als 
Kap der Stürme benannte und das seinen jetzigen Namen erst vom König 
Joäo von Portugal erhält. 

— Der Mathematiker Lucas Padolut zu Perugia verfaßt ein im Jahre 1494 in 
Venedig gedrucktes epochemachendes Werk „Summa de Arithmetica, 
Geometria, Proportioni et Proportionalitä", welches fast die gesamte Mathe- 
matik umfaßt. Bemerkenswert sind die algebraisch gelösten Angaben 
der Geometrie, die den Zusammenhang von Geometrie imd Algebra zum 
ersten Male klar zum Ausdruck bringen. Auch enthält das Werk eine 
Anleitung zur doppelten Buchführung und einen Münz-, Maß- und Ge- 
wichtstarif. 

— Der aus Augsburg gebürtige Buchdrucker Erhard RtIdokI ( Rathold) in Venedig 
führt die mit Blumen verzierten oder aus Blumen gebildeten, namentlich 
als Initialen verwendeten Kunstbuchstaben (Litterae florentes) in den 
Buchdruck ein. Er wendet zuerst den Golddruck an imd druckt zuerst 
geometrische Figuren in einem mathematischen Werke. (S. auch 1252 
Alfons.) Von anderer Seite wird Johann Zainer als derjenige genannt, 
der zuerst die eingedruckten Initialen verwendet habe. 

1489 Johann Widmann in Eger verfaßt eine mathematische Schrift „Behennd 
und hübsch Rechnung uff allen kauffmannschaften", in welcher zuerst die 
Zeichen -j- und — erscheinen. 

1490 Paul Eck von Salzbach spricht in seinem „Clavis philosophorum*' bestimmt 
davon, daß die Metalle bei der Verkalkung schwerer werden und beschreibt 
seine über diesen Gegenstand am Quecksilber \md QuecksilberamaJgam 
angestellten Verkalkungsversuche. 

— Ltonario da Vind erklärt das aschgraue Licht des Mondes, welches auftritt, 
wenn die Sichel nur noch eine sehr schmale ist, für doppelt reflektiertes 
Licht, nämlich solches, welches von der Sonne kommt, von der Erde nach 
dem Mond und von diesem zur Erde geworfen wird. Er erwähnt zuerst 
die Kontrasterscheinungen, die sich in simultane Farbenkontraste und in 
sukzessive Kontraste (komplementäre Nachbilder) scheiden lassen. 

— LMNiardo da Vind beobachtet zuerst das Ansteigen der Flüssigkeiten in 
engen Röhren. Es muß demnach ihm und nicht Aggiunti die Entdeckung 
der Capillarität zugeschrieben werden. 

— Laonardo da Vind konstmiert ein Hygrometer. 

1492 Martin Bahalm, Kaufmann aus Nürnberg und lange Zeit als Geograph in 
Diensten des Königs Joäo II. von Portugal, zeichnet am Vorabend der 
Entdeckung der Neuen Welt seinen Erdapfel, den ersten vollkommenen 
Erdglobus. (S. auch 159 v. Chr.) 

— Christoph Columbut beobachtet am 13. September auf seiner Fahrt 300 Meilen 
westlich von Ferro eine Abweichung der Magnetnadel in nordwestlicher 
Richtung, die 5° beträgt \md sich am nächsten Tage noch vergrößert. Es 
ist dies die erste bekannte Beobachtung der Deklination. Allerdings gibt 
der Befund von Taschensonnenuhren, welche, obwohl sie aus der Mitte 
des 15. Jahrhunderts stammen, bereits eine Art von Deklinationsmarke 
aufweisen, der Vermutung Raum, daß die magnetische Deklination mög- 
licherweise schon ein halbes Jahrhundert vor Columbus bekannt gewesen ist. 

— Christoph Mumkut erreicht am 12. Oktober die Insel Guanahani, eine der 
Bahama-Inseln, und entdeckt damit die Neue Welt. 

— Christoph ColumHut entdeckt am 27. Oktober 1492 Cuba, dessen Insel- 
natur jedoch erst i. J. 1508 durch Ocampo festgestellt wird. Am 6. De- 

- 68 — 



1498 

zember 1492 entdeckt Columbus die Insel Haiti (von ihm Espanola 
genannt). 

1492 Der Reisende Lm AMcmus (Alhusan Ibn Mohammed Alwazzan) bereist 
Nordafrika und gibt Aufschlüsse über die Geographie des Sudan. 

— Christian MumnM in Braunschweig erfindet das nach ihm benannte, sehr 
würzreiche dunkle Bier. („SchifFsmumme** und „Stadtmumme'*.) 

1493 Christoph Mumbm schildert das Ereignis der Entdeckung Amerikas in 
einem Briefe an den Schatzmeister Rafael Sanchez. Dieser Brief, fast in 
alle europäischen Sprachen übersetzt und überallhin in einer zeitungsähn- 
lichen Form durch den Druck verbreitet, kann als erstes Glied in der 
Entwicklung des Zeitungswesens angesehen werden. 

— Christoph Mumkus entdeckt auf seiner zweiten Keise am 15. November 
1493 die Insel Portorico, die er „Isla de San Juan*' nennt. 

1494 Der Arzt Chanca, ein Begleiter des Columbus, erwähnt zuerst den spanischen 
Pfeffer. 

~ Christoph Muinbat entdeckt am 5. Mai 1494 auf seiner zweiten Keise die 
Insel Jamaica, von ihm „Santiago** genannt. 

1495^96 Das erste Trockendock in England und vermutlich das erste der 
Welt wird auf Befehl des Königs Htliirldi VII. von England in Portsmouth 
errichtet. Es wird aus Holz gebaut und sein Eingang durch zwei Pfeiler- 
reihen, deren ZwiBchenraum mit Steinen und Kies ausgefüllt wird, ge- 
schlossen. Naturgemäß wird durch diese Einrichtung des Dockeinganges, 
an dessen Stelle erst später die beweglichen Docktore treten, das Docken 
der Schiffe sehr umständlich und zeitraubend. 

1495 Der Gelehrte und Buchdrucker Aldus Manutius in Venedig verbessert die 
von Jenson (s. 1471) eingeführte Antiqua- oder „lateinische** Druckschrift. 
Er unterscheidet zuerst die stehende lateinische (eigentliche Antiqua-) 
Type und die liegende (Kursiv-) Schrift. Sein Druckwerk „Bembus, de 
Aetna** ist für den Antiquadruck vorbildlich. Er ist der Urheber der 
heutigen Art der Interpunktion (Komma, Kolon). (Vgl. 200 v. Chr.) 

— Pedro Navarro bildet die Technik der Sprengminen weiter aus, die unter 
anderm bei der Einnahme des Castel Nuovo in Neapel eine Rolle spielen. 

1497—98 Der Seefahrer Giovanni Cabot entdeckt Neu-Fundland und befährt auf 
einer zweiten Reise die Küste bis Florida. 

1497 Vasco da tema wird im Juli 1497 von König Manuel mit der Aufsuchung 
des Seewegs nach Indien betraut. Er umschifft am 22. November 1497 
das Kap der Guten Hoffnung, erreicht im Januar 1498 die Mündung de« 
Sambesi und gelangt über Mosambik und Mombas am 20. Mai 1498 nach 
Kahkut an der Küste von Malabar. 

— Das Benzoeharz (Myrrha troglodytica) gelangt zuerst nach Europa, nach- 
dem Vasco da Qama den Seeweg nach Indien gefunden hatte. Der Baum 
wird später von Garcias de Orta (s. 1560) beschrieben. 

— Nachdem schon Columbius auf seiner ersten Reise die Eingeborenen von 
Guanahani zylinderförmige, mit einem Maisblatte umwickelte RoUen von 
Tabaksblättem hatte rauchen sehen, gibt der von ihm bei seiner zweiten 
Reise au( Haiti zurückgelassene Mönch Fra Romano Pano die erste Nach- 
richt von der Tabakspflanze nach Europa, die er „Herba inebrians'* 
(berauschendes Kraut) nennt. (S. 1565.) 

1498 Christoph Gofmiitat entdeckt auf seiner dritten Reise das Festland von 
Südamerika (Golf von Paria). 

— Nachdem durch die Einführung der Druckerpresse auch die Ausbildung 
des Kunstdruckes ermöglicht war, pflegt und verbessert Albrecht Dflror 
den Holzschnitt sowohl in technischer, als auch in künstlerischer Beziehung, 

— 69 — 



1498 

Als Druckplatten dienen gut geglättete, gehobelte und abgeschliffene Holz- 
platten von Birnbaum, Kirschbaum oder Ahorn. 

1498 Der Italiener Ottaviano M Ptlracci da Fossombrone wendet im Musiknoten- 
druck an SteUe der Choralnoten (s. 1476 Hahn) zuerst die Mensural- 
noten an. 

1499—1500 Alonso dt Hojtda befährt die Küste Südamerikas zwischen der Halb- 
insel Guajira und 6® s. Br., wobei er den Amazonenstrom entdeckt. Unter 
seinen Begleitern befindet sich Vespucci. 

1499 Alonso da HoJMbi entdeckt Pfahlbauten an der Nordküste von Südamerika. 
Hiernach wird der ganze Küstenstrich, nach Analogie des ebenfalls auf 
Pfählen erbauten Venedig, „Venezuela" genannt. 

— Amerigo Vetpucd macht den Vorschlag, die Abstände des Mondes von ge- 
wissen Fixsternen zur astronomischen Längenbestimmung anzuwenden. 
Ob der 1614 von Johann Werner gemachte gleiche Vorschlag unabhängig 
hiervon war, ist nicht zu entscheiden. 

1500 Jacopo BtTMigar von Carpl wendet zuerst die Schmierkur mit Unguentum 
cinereum gegen Syphilis an. Über den Ursprung der Krankheit selbst ist 
man noch im unklaren. Einzelne nehmen an, daß sie durch die Mann- 
schaft des Columbus in Europa eingeschleppt worden sei, weil ihr erstes 
heftiges Auftreten in die Zeit der Entdeckung Amerikas fällt; andere 
glauben, daß die Syphilis seit den ältesten Zeiten bekannt sei und wollen 
bei Hippokrates, Celsus, Galenus, Aetiius und Aretaeus mehr oder weniger 
genaue Beschreibungen finden. Die erste systematische Anwendung von 
Quecksilber gegen die Syphilis ist in der Chronik des Matarazza aus Perugia 
1494 erwähnt. 

— Der portugiesische Seefahrer Pedro Alvarez Gakral entdeckt, indem er auf 
einer Fahrt ums Kap verschlagen wird, Brasilien. 

— M. Giovanni Cavallina von Bologna erfindet die Reihensäemaschine, 150 Jahre 
vor Looatelli, dem diese Erfindung fälschlich zugeschrieben wurde. 

— Konrad MtM findet die im Jahre 375 entworfene Karte der weströmischen 
Militärstraßen auf, die er Konrad Peutinger überläßt und die daher, «Ta- 
bula Peutingeriana" heißt. 

— Die Portugiesen Gaspar und Miguel CorttTMÜ unternehmen in den Jahren 
1500 und 1501 zwei Reisen zur Aufsuchung der nordwestlichen Durchfahrt, 
wobei sie Labrador (Terra del lavorado) entdecken. (S. auch 1001 Leif.) 

— Der spanische Seefahrer Juan dt la Com, ein Begleiter des Columbus auf 
dessen erster Amerikareise, verfaßt die für die Entdeckungsgeschichte der 
neuen Welt wichtige, im Museo naval in Madrid aufbewahrte „Mapa mundi'*. 

— Der französische Ingenieur DMChargti in Brest schneidet zuerst Gesohütz- 
scharten in die Bordwände der Kriegsschiffe ein. Während die Schiffs- 
geschütze bis dahin nur auf dem Oberdeck, und daher nur in beschränkter 
Anzahl, aufgestellt waren, wird durch die Einführung der Stückpforten 
die Möglichkeit einer massenhaften und dabei besser gesicherten Geschütz- 
aufstellung auf mehreren Decks übereinander gegeben. Die Bestückung 
der Fregatten steigert sich infolge dieser Anordnung mit der Zeit bis auf 
130 Kanonen. 

— Paul Qrommtiittettir aus Schwaz in Tirol erfindet das Handsetzsieb, das 
1519 in Joachimsthal eingeführt wird und dessen Prinzip sich mit dem 
der Naß-Setz-Siebmaschine deckt, in welcher durch den Stoß der Wasser- 
strahlen die Gemenge geringeren Eigengewichts mehr gehoben werden, als 
die schwereren, so daß eine Trennung der leichteren Bestandteile von den 
schwereren rasch vor sich geht. 

^ Jacob Nuftr aus Siegershausen macht den ersten Kaiserschnitt an einer 
Lebenden, und zwar an seiner eigenen Frau, mit vollem Erfolge. (S. a. 64.) 

— 70 — 



1600 

löOO Der venezianische Klavierbauer Giovanni Splntltl BteUt ein Klavioymbal in 
Tafelform her, welches nach ihm den Namen ,,Spinett'* erhält. 

— Der Abt Johannes Trl t l mi ilui gibt die ersten Andeutungen einer AUgemein- 
schrift (Pasigraphie), welche, von der Lautsprache völlig unabh&ngig, sich 
als Begriffsschrift darstellt und sich lediglich durch bestimmte Zeichen, in 
der Regel mit Hilfe der Zahlen, allen Völkern verständlich machen soll. 
(Vgl. seine Schrift „Polygraphiae libri VP'.) Diesem Gedanken sind später 
auch Bacon (s. 1605), Descartes, Leibniz (s. 1666), Wilkins u. a. näher 
getreten. Doch hat der Vorschlag weniger Aussicht auf Verwirklichung, 
als eine Weltsprache im engeren Sinne. (S. 1652 L., 1879 S., 1887 S., 
1906 M.) 



— 71 ~ 






Sechzehntes Jahrhundert. 



1501 Girolamo Fracattoro beschreibt den Flecktyphus als ein neues, zuerst in 
Cypern aufgetretenes und von da nach Itidien eingeschlepptes Leiden. Es 
ist dies die erste sichere Kunde dieser Krankheit. 

— Der Name „Anthropologie" als der der Wissenschaft vom Menschen in zoolo- 
gischer Beziehung kommt zuerst durch das von Magnus HuiNl verfaßte 
Werk „Anthropologia de natura hominis** auf. 

— Joäo da Nova entdeckt die Insel Ascension. 

1501 — 1502 Eine portugiesische Expedition bei der sich auch Amerigo Votpuccl 
befindet» befährt die Küste Südamerikas vom Kap San Koque bis an- 
gebUch 52^ s. Br., sicher bis zur Mündung des La Plata. 

1502 Nicolaus de Canarlo veröffentlicht die erste bekannte nautische Karte „Por- 
tulan**, die am Band eine Breitenskala trägt. 

— Christoph Columbiit entdeckt auf seiner vierten Reise das Festland von 
Zentralamerika. 

— Joäo da Nova entdeckt die Insel St. Helena. 

1504 Ltonardo da Vlnd entwirft eine Feilenhaumaschine, deren Hauptwelle er 
mechanisch bewegen will, und sucht gleichzeitig den Schmiedehammer 
selbsttätig herzurichten. 

1505 Der italienische Mathematiker Scipione dal Ferro löst zuerst die Gleichungen 
dritten Grades von der Form: x^-f^^^^« (^' ^^^ö Cardanus.) 

— Antäo Gon^alvti entdeckt Madagaskar, dem er zuerst den Namen San Lou- 
ren^o gibt. 

— Der Ritter CMtz von Borlichlnciii läßt sich zum Ersatz der ihm im Jahre 1504 
vor Landshut abgeschossenen rechten Hand nach seinen eigenen An- 
gaben die bekannte künstliche „eiserne Hand" anfertigen. Dieselbe, 
1,50 kg schwer und noch jetzt in Jagsthausen aufbewahrt, ist eines der 
ältesten Beispiele künstlicher Gliedmaßen. Übrigens erwähnt auch schon 
Cajus Plinius Secundus den Gebrauch einer eisernen Hand im zweiten 
punischen Kriege. 

— Peter Htio (Henlein) in Nürnberg setzt bei der Uhr die Feder an die Stelle 
des Gewichts und stellt so kleine Uhren her, daß dieselben in der Tasche 
getragen werden können. Johannes Coclaeus sagt im Jahre 1511 darüber; 
„Aus Eisen machte er kleine Uhren mit vielen Rädern, die 40 Stunden 
anzeigen und schlagen und im Busen oder Geldbeutel getragen werden 
können.'* Diese ersten Taschenuhren erhalten, da sie in Eiform gefertigt 
werden, den Namen „Nürnberger Eier**. 

— Sigismund von Maltiz erfindet das Naßpochwerk und die Mehlführung und 
legt dadurch den Grund zur bergmännischen Aufbereitung von Gruben - 
klein und armen Erzen. 

— 72 — 



1510 

1505 RymMUUl gibt ein Wetterbuch heraus, das sich als eine Sammlung prognosti- 
scher Bauernregeln darstellt und in 34 Jahren 17 Auflagen erlebt. 

1507 Pero 4b Matcamihas entdeckt die Inseln Mauritius und Reunion und be- 
schreibt die dort massenhaft vorkommenden Dronten (Taubenvögel), 
die jetzt gänzlich ausgerottet sind. 

- Martin WaMsetmfllltr (Hylacomylus) veröffentlicht eine große aus zwölf 
exakt ausgeführten Holzschnittbildem bestehende Weltkarte, in der an 
Stelle des heutigen Südamerika der Name „Amerika'* sich zum ersten 
Male findet. Wahrscheinlich ist es Waldseemüller, der den Anstoß ge- 
geben hat, daß der neu entdeckte Weltteil diesen Namen erhält. 

508 Francisco dt AliMMa entdeckt die Lakkadiven. 

- Die Domlnlkantr gründen in Santa Maria Novella in Florenz wohl die 
älteste Anstalt zur Gewinnung wohlriechender Wässer und öle, die sich 
bis auf den heutigen Tag erhalten hat. 

- Hainl von Uri soll die Bauempraktik verfaßt haben, die aus der Witterung 
des Christtags imd der 12 Tage von Weihnachten bis Epiphanias die 
Witterung des ganzen Jahres voraussagt und den Wetteraberglauben nach 
^len Ländern verbreitet. 

- Der Portugiese Lop« de F^iiwlni bringt i. J. 1508 die erste Kunde von der 
Insel Sumatra nach £uropa. (Vgl. auch 1325.) 

- Jobst dt Nifktr pflegt mit Erfolg den Holzschnitt-Farbendruck. Er fügt 
außer der die Zeichnung ergebenden schwarzgefärbten Platte eine andere 
hinzu, aus der die Lichter ausgeschnitten werden und die mit graugelben 
oder graugrünen Tönen eingewalzt wird; manchmal fügt er eine dritte 
Platte hinzu, die mittlere Schattentöne in abweichender Farbe enthält. 
(Helldunkelschnitt — Clair obscur.) 

— Nachdem schon Julius Caesar eine Buchstaben -Geheimschrift angewendet 
hatte, indem er die Buchstaben in einer anderen als ihrer eigentlichen 
Bedeutung verwendete, erfindet der Abt Johannes TrlthMnliis eine ähnliche 
Oeheimschrift, indem er unter Benutzung mehrerer Alphabete mit wechseln- 
der Buchstabenfolge jedes neue Wort nach vorheriger Verabredung in 
einem anderen Alphabete ausdrückt. (S. seine „Steganographia*'.) 

1Ö09 Utwardo da Vlnd erhält als Belohnung für die von ihm beim Triumph- 
einzuge Königs Ludwig XII. in Mailand ausgeführten Schmuckanlagen eine 
Strecke Wasser aus dem Naviglio bei San Christoforo als Eigentum, wo er 
einen Schleusenbau ausführt, der als technisches Meisterwerk weithin be- 
rühmt wird. (VgL auch 1253.) 

— Vicente Yanez PlnMa und Juan Diaz dt Sollt befahren die Küste Süd- 
amerikas von der Cananeabucht (26® 3' s. Br.) bis zu dem heutigen Rio 
de la Plata. 

1510 Der Neapolitaner Alessandro dtgll Alttiandrl spricht (in einer Rhapsodie) 
zuerst die Ansicht aus, daß alle Versteinerungen ausschließlich von der 
Sintflut herstammen. Diese von der Kirche ausdrücklich unterstützte 
Hypothese beherrscht, trotz lebhaftem Widerspruche vieler Gelehrter 
(s. 1517 Fracastoro), die nächsten Jahrhunderte. 

* Paolo AzzImlMl (der nach Fioravanti eigentlich Paolo Rizzo hieß) erneuert 
die im Mittelalter in Europa verloren gegangene Kunst des Tauschierens, 
die er durch Aufschlagen von dünnen Fäden von Gold und Silber oder 
durch Auslegen von eingegrabenen Linien mit Gold, Silber oder Messing 
bewirkt. Nach ihm werden derartige Arbeiten ,,Lavoro all' Azzimina" 
genannt. 

- Paul Dox erfindet die ReUefkarte, d. i. die plastische Nachbildung von 
Teilen der Erdoberfläche als Ersatz der weniger anschaulichen ebenen 
Landkarte. Dox' Reliefkarte umfaßt die Umgebung von Kufstein. 

— 73 — 



1510 

1510 Georg Harlmanii aus Nürnberg macht während eines Aufenthaltes in Rom 
die erste Beobachtung der Abweichung der Magnetnadel (Deklination) auf 
dem Festlande und bestimmt diese Abweichung zu 6® östlich. 

— LaOMPtfO tfa Vinci erfindet die horizontalen Wasserräder. 

— Jacobus Syhrlut erfindet die anatomische Injektion der Grefäße und beschreibt 
die nach ihm benannte Spalte im Gehirn — Fossa Sylvii — , sowie die 
Klappen der Venen. 

— Victor Trincavclla, Arzt in Bologna, stellt fest, daß erbliche Krankheiten 
oft Generationen überspringen. 

1511 Antonio tf'AferMi und Francisco Sarrio versuchen mit drei Segeln die Ur- 
sprungsländer der Muskat bäume und Gewürze aufzufinden. Sie gelangen 
nach den Bandainseln und nach Amboina, einer der Molukken, welch 
letztere 1506 zuerst von dem Bologneser Barttma besucht worden waren. 

— Wer die Kunst der Intarsia begründet hat, ist nicht festzustellen. Der 
erste aber, der dabei gefärbte Hölzer in Anwendung bringt, ist OI>¥ Mml 
ia Verona, Schöpfer der noch jetzt vorhandenen Tafeln im Dom und in 
der Earche San Benedetto in Siena. 

— Sebastian VIrdunf in Basel beschreibt in seinem Werke „Musica getutscht*' 
{&, i. „deutsche Musik") alle zu seiner Zeit gebräuchhchen Musikinstru- 
mente, und unterscheidet bei den Streichinstrumenten die Groß- und die 
Klein- Geige, welche letztere der heutigen Violine ähnelt, aber bei Virdung 
noch die mandolinenartige Wölbung des Körpers zeigt. Die mondsichel- 
förmigen Schalllöcher weisen auf mohammedanischen Ursprung hin. 

1512 Simon d'Andrad« entdeckt die Malediven wieder. (Vgl. auch 1325.) 

— König Holnrlch Viil. von England läßt in Erith bei London den Zwei- 
decker Henry-Gräce-ä-Dieu, genannt „Great Harry" (Verdrängung 
1000 Tonnen, 70 Geschütze) bauen, als erstes Kriegsschiff nach dem Typ 
der Segellinienschiffe. 

— Ponci tft Lton entdeckt den Golf von Mexiko und die Halbinsel Florida. 

1513 Der spanische Seefahrer Vasco Nunez de BallNNl überschreitet die Land- 
enge von Panama und entdeckt die Südsee. 

— Albrecht Dflrtr fördert technisch und künstlerisch den Kupferstich. Er 
versucht sich auch im Kaltnadelstich und gleichzeitig mit Urs Gral 
(s. 1513) im Ätzen von Metallplatten. 

— Urs Graf scheint der Erfinder der Radierung zu sein, die sich vom Kupfer- 
stich darin unterscheidet, daß zum Eingraben der Zeichnung neben dem 
Stichel auch das Ätzwasser dient. (S. a. 1513, Dürer.) 

— Martin WaMMtniQlltr (Hylacomylus) fügt der Straßburger Ausgabe des seit 
einem Menschenalter wieder bekannten „Almagest" des Ptolemaeus 20 von 
ihm gezeichnete „Tabulae modern ae" hinzu, welche den ersten modernen 
Atlas darstellen. 

1514 Jacob KAM von Heidelberg verfaßt in den Jahren 1514 — 1531 verschiedene 
Rechenbücher, in welchen die römischen Zahlzeichen noch vielfach ange- 
wendet, und als die „gewenlich teutsch Zal*' — im Gegensatz zu der 
„Ziffern Zal**, d. i. der arabischen Ziffer — bezeichnet werden. 

— Giovanni da Vi|0 scheint zur Blutstillung zuerst das Verfahren der 
Umstechung geübt zu haben, welches bis zum 18. Jahrhundert im 
Schwünge bleibt und 1861 von Middeldorpf als perkutane Umstechung 
aufs neue empfohlen wird. 

1515 Der portugiesische Admiral Affonso d'Alkuquarqu«, genannt der Große, er- 
weitert die portugiesische Seeherrschaft durch zahlreiche Erwerbungen und 
Entdeckungen. Von besonderem Interesse ist das damalige Aufblühen der 
heute in deutschem Besitze befindlichen östafrikanischen Küste mit der 
Hauptstadt Kilwa — Kisiwani. Dieser jetzt unbedeutende Ort, die über- 

— 74 — 



1518 

haupt älteste europäisohe NiederlaBsung in Ostafrika, wird schon unter 
der altarabisohen und persischen Herrschaft (987 — 1498) als eine blühende 
Handelsempore (mit 300 Moscheen) erwähnt. 

1515 LtMiartfo da Vlnd löst das Problem des schiefen Hebels und erkennt bei 
der Erforschung der Hebelgesetze die Wichtigkeit des allgemeinen Begriffs 
der statischen Momente. 

1516 Ptinn Martyr ät Aaghtora erkennt, daß die Verschiebung der Schneegrenze 
von verschiedener Erwärmung und Befeuchtung abhängig ist. 

» Franz VM Thuni fmi Taxb errichtet die erste wirkliche (öffentliche) Post 
zwischen Wien und Brüssel, welche durch reitende Boten betrieben wird. 
Für die Zwecke der königlichen Hofhaltung bestand eine derartige Post- 
verbindung schon seit dem Jahre 1504. Neben dem Postkurse zwischen 
Wien und Brüssel werden alsbald ähnliche Verbindungen noch nach Rom 
und Neapel, Nürnberg, Frankfurt a. M., Schaffhausen, Paris und Süd- 
frankreich geschaffen. 

1517 Albrecht DOrtr entwickelt unter Berücksichtigung der Wirkung der Pulver- 
geschütze ein polygonales Befestigungssystem mit Basteien und umfang- 
reichen Kasemattierungen , in welchem die Grundgedanken der späteren 
preußischen Befestigung bereits deutlich enthalten sind. 

— Glrolamo Fr acarto ro wendet sich scharf, wie auch schon vor ihm Leonardo 
da Vinci, gegen die Lehre Avicenna's von der Vis plastica (s. 1020), sowie 
gegen die Sintflut- Hypothese Alessandri's (s. 1510). Er erklärt die Verstei- 
nerungen als Überreste von Tieren, welche nicht herbeigeschwemmt sind, 
sondern da gelebt haben, wo sich die Überreste finden. 

— Hans von Q sr i io rf f gibt sein „Feldbuch der Wundarzney" heraus, welches 
den ganzen Umfang der Chirurgie mit Einschluß der in den Bereich des 
Wundarztes fallenden Hautaffektionen umfaßt und namentlich in bezug 
auf die Behandlimg der Schußwunden neue Gesichtspunkte enthält. 

— Ulrich von HHtlM gibt in seiner klassischen Schrift „De Guajaci medicina 
et morbo Gaüica liber unus" nach eigenen Erfahrungen eine eingehende 
Beschreibung der syphilitischen Affektionen und hält der Kur mit dem 
Guajakholz eine begeisterte Lobrede. Über die Heilkraft des Guajak, 
das 1508 aus Amerika nach Spanien gekommen war, hatte Nicolaus Poll 
zuerst geschrieben. 

— Der Nürnberger Uhrmacher Johann Kltffut („Kuhfuß") erfindet (oder ver- 
bessert) das Radschloß für Feuergewehre, bei welchem die Zündung da- 
durch erfolgt, daß ein in Drehspannimg versetztes, beim Abdrücken rasch 
rotierendes Stahlrad an einem Stück Feuerstein Funken bildet. Durch 
das Radschloß wird das bis dahin gebräuchliche Limtenschloß, bei wel- 
chem die Ladung durch eine in den Hahn eingeklemmte Lunte entzündet 
wird, allmählich verdrängt. Andererseits tritt an die Stelle des Rad- 
schlosses das um das Jahr 1630 erfundene, aus dem Schnapphahnschloß 
entstandene Stein- oder Batterieschloß, bei dem ein in den Hahn geklemmter 
Feuerstein durch seinen Schlag gegen den Pfannendeckel Funken erzeugt 
und so die Pulverladung in Brand setzt. 

— Ein von Raffael gemaltes Porträt des Papstes Lto X. zeigt, daß um diese 
Zeit die Konkavgläser für Kurzsichtige bereits bekannt sind, da der 
Papst mit einem solchen Glas dargestellt ist. 

1518 Jacopo Btnncar von Carpl gibt auf Grund eigener Beobachtungen eine ein- 
gehende Darstellung der menschlichen Anatomie, wobei er u. a. zuerst 
den Blinddarm und die Conjunctiva beschreibt. Er erkennt auch zuerst 
die Zusammensetzung des Beckens. 

— Pierre Briltat tritt mit Entschiedenheit für den Aderlaß nach altgriechi- 
scher Art (Aderlaß in der Nähe der Entzündung, Derivation) ein und 

— 75 — 



1518 

kämpft gegen den Aderlaß an entfernten Stellen (Reynlsion), der von 
Galen und den Arabern empfohlen worden war. Er trägt durch sein 
Wirken wesentlich zur Befreiung der Medizin von den scholastischen 
Fesseln bei. 

1518 Leonardo ia Vinci stellt zuerst ausgedehnte Versuche über die Reibung an 
und beschäftigt sich nicht allein mit der gleitenden Reibiing, sondern 
auch mit der drehenden (Zapfen-) Reibung. 

— Der Rechenmeister und Bergbeamte Adam Riete, dessen Name in der 
Rechenkunst jetzt noch sprichwörtlich ist, verfaßt sein Lehrbuch „Rech- 
nung auff der Linihen", sowie später (1550) „Rechnung nach der Lenge 
auff der Linichen und Feder". 

1519 Nachdem bereits Ponce de Leon 1613 den Golfstrom gekreuzt hatte, ohne 
ihn zu erkennen, entdeckt ihn Francisco de Alamlnas, der Steuermann des 
Cortez, nahe an seiner floridanischen Enge imd nennt ihn Floridastrom. 
Den Namen Gol&trom erhält er 1772 durch Benjamin Franklin. (S. d.) 

1519 — 21 Fernando Cortez unternimmt einen Eroberungszug nach Mexiko, der 
mit der gänzlichen Unterwerfung des Aztekenreiches endet. Teils persönlich, 
teils durch seine Unterbefehlshaber gUedert er dem großen neuspanischen 
Kolonialreich Mexiko, Guatemala und Honduras an. Er gibt die Anregung 
zu zwei 1530 und 1532 zur Erkundung Kaliforniens unternommenen See- 
fahrten. Der erste Europäer, der Mexiko betreten hat, war Juan de 
Grisalva 1518. 

1519 Die Spanier finden den Gebrauch des Kakaos bei den Mexikanern vor und 
bringen das Jahr darauf den ersten Kakao nach Europa. 

1520 Der portugiesische Missionar Francisco Alvarez bereist Abessinien und gibt 
die ersten ausführlichen Berichte über dieses Land. 

— Joäo de Castro soll den ersten Orangenbaum nach Portugal gebracht haben, 
von wo er sich weiter über Europa verbreitet. Den Griechen und Römern 
war nur die bittere Orange bekannt, während die veredelte und eßbare 
durch künstliche Zucht in China entstanden zu sein scheint. 

— Girolamo Fracatloro leitet mit seiner Schrift „De morbis contagiosis" eine 
neue Periode in der Epidemiographie ein. Er ist der Urheber der Be- 
zeichnung „Syphilis** für die bis dahin als „Lues venerea** bezeichnete 
Krankheit. 

— Femäo de Mafaihäet entdeckt die Magalhäesstraße sowie die Ladronen und 
erreicht am 16. März 1521 die Phiüppinen, womit der unmittelbare Beweis, 
daß die Erde rund ist, erbracht ist. Nach seinem am 27. April 1521 auf der 
Insel Matan erfolgten Tode fahren zwei Schiffe des Geschwaders weiter 
und erreichen nach Entdeckung von Bomeo die Molukken. Von hier tritt 
die allein noch seetüchtige Viktoria, geführt von Sebastiano d*Elcano, die 
Heimfahrt an und erreicht am 6. September 1522 die Heimat wieder. 
(Erste Erdumsegelung.) 

— Theophrastus Paraeelsut bezeichnet zuerst mit Bestimmtheit das Zink als 
ein eigentümliches Metall. 

— Theophrastus Paraeelsiit unterscheidet zuerst den Alaun von dem Eisen- 
vitriol nach der darin enthaltenen Basis. Er lehrt bereits die Bestimmung 
des Eisengehalts im Wasser durch Gallussäure. 

— Der Astronom Johann Schdner in Nürnberg stellt einen Erdglobus her, bei 
welchem Nordamerika und Südamerika als zwei durch eine Meeresstraße 
voneinander getrennte Inseln dargestellt sind. Auf seinem Globus vom 
Jahre 1533 sind die beiden Stücke vereinigt. Dagegen ist das ganze 
Amerika als ein großer halbinselartiger Ansatz dem asiatischen Kontinente 
angehängt. 

— 76 — 



1526 

1522 Albrecht Dllrtr, und etwa gleichzeitig Vinzenz Röckntr, Hofsekretär des 
Kaisers Maximilian I., sowie Johann Georg Ntudörfir in Nürnberg, der 
Begründer der deutschen Kalligraphie, führen die Frakturschrift, d. i. die 
sogenannte „deutsche" Druckschrift (im Gregensatz zum „lateinischen" 
oder Antiqua-Druck [s. 1471 Jenson, und 1495 Manutius]) in den Buch- 
druck ein. (VgL auch 1760 Breitkopf.) 

— Der Nürnberger Astronom Johann WMiitr legt ein meteorologisches Beob- 
achtungsbuch an, in dem er regelmäßige Notizen über den jeweiligen 
Stand der Witterung gibt. 

1523 Alonzo Alvarez 4t PIntdo dringt tief in das Delta des Mississippi ein, den 
er „Fluß des heiligen Greistes" nennt und der von Hemando de Soto ge- 
nauer erforscht wird. (Vgl. 1539.) 

1524 Adam RItM (s. 1518) versieht das bis dahin in der Arithmetik als Wurzel- 
zeichen dienende Viereck rechts oben mit einem schrägen Haken, und 
wird so der Urheber des noch heute gebräuchlichen Wurzelzeichens. (Vgl. 
•auch 1460 Alkalsädi.) 

— Giovanni 4a Vtrraziano entdeckt die Mündung des Hudsonstromes und 
gelangt zuerst nach Rhode Island, der Narrangasettbai und nach Neu- 
Fimdland. 

1525 Albrecht Dflrtr entwickelt in seinem Werke „Underweysung der messung 
mit dem zirkel und richtscheyt in linien, ebnen vnd gantzen corporen" 
in exakter Weise die Kegeln der Perspektive. Er erwähnt daselbst auch 
die Epizykloide. 

— Jean FtriMl ermittelt die Größe eines Meridiangrades der Erde, indem er 
den Breitenunterschied zwischen Paris und Amiens astronomisch bestimmt 
und die Entfernung beider Orte vermittels des Meßrades mißt. Er er- 
hält, durch den Zufall begünstigt, den nahezu richtigen Wert von 56746 
Toisen, was einem Erdumfange von fast genau 40000 km entspricht. 
(Vgl. auch 220 v. Chr.) 

— Lopez 4e Qomani gibt die erste Beschreibung der in Mexiko schon lange 
vor der Entdeckung Amerikas durch die Eingeborenen benutzten und 
gezüchteten CocheniUe. Er hält die Cochenille noch für ein vegetabilisches 
Produkt; erst der Holländer Ruy scher beseitigt in seinen Berichten aus 
Mexiko 1729 diese irrtümliche Ansicht und legt dar, daß dieser Farb- 
stoff aus den getöteten und getrockneten Weibchen einer Schildlausart, 
Coccus cacti, bestehe. 

— Der Apotheker Felipe Gulllen in Sevilla konstruiert ein sonnenuhrartiges 
Instrument mit Magnetnadel (Brujula de variaciön) zur Bestimmimg der 
Deklination auf dem Meere, das 1537 durch Pedro Nunez noch wesent- 
liche Verbesserungen erfährt. 

^ Pierre Haulilii in Paris verbessert den Musiknotendruck, indem er an Stelle 
des doppelten Druckverfahrens (s. 1476 Hahn, 1498 Petrucci) den ein- 
fachen Typendruck einführt, bei welchem jede Type eine Note nebst 
einem Stücke des Liniensystems enthält. 

— Gonzalo Hemandez Oviedo 4t Vallet erwähnt zuerst in seiner Geschichte 
von Amerika den Orleanbaum unter den Namen Bixa. Ais offizineUes 
Mittel wird der Orlean erst um 1650 eingeführt, dagegen dient er schon 
früh zum Färben der Wolle imd Seide, der Butter, des Käse und der Seifen. 

1526 Blaekadder erfindet das Nachtlicht, das aus einem Glas- oder Messingschäl- 
eben besteht, durch dessen tiefsten Punkt eine in einem Stöpsel befestigte 
kurze feine Glasröhre hindurchgeht. Setzt man das Schälchen auf öl, so 
steigt dieses in der Röhre wie in einem Dochte infolge Capillarwirkung in 
die Höhe, läßt sich oben entzünden und zum selbständigen Fortbrennen 
bringen. 

— 77 — 



1586 

1526 Der Brauer Kurt Brolhan (Broyhan) in Stöcken bei Hannover erfindet das 
nach ihm benannte Bier, angeblich als Ergebnis eines Fehlversuchs, 
Weizenbier nach englisch -hamburgischer Art in Hannover nachzubrauen. 
Aus dem „Broihan'* entwickelt sich gegen das Ende des 16. Jahrhunderts 
das Berliner Weißbier. 

— Benvenuto Mllnl leistet Hervorragendes in der aus dem Altertum stam- 
menden, durch ihn aber zur höchsten Blüte entwickelten Glyptik, d. i. der 
Kirnst, aus Schmiedeeisen oder Stahl Verzierungen und Figuren mit 
Meißel und Grabstichel herauszuarbeiten. 

— Jorge <• Mmimm entdeckt Neuguinea, und benennt die Insel nach den 
Bewohnern „Papua". Den jetzigen Namen empfängt sie von dem Spanier 
de Ortiz wegen ihrer vermeintlichen Ähnlichkeit mit der afrikanischen 
Guineaküste. 

— Theophrastus Paraceltat betrachtet die Krankheit nicht, wie Galen, als die 
Folge einer Mischungsänderung, sondern als einen von der Norm ab- 
weichenden Lebensvorgang. Er schafft durch Einführung der eigentlichen 
Chemikalien in die Therapeutik für die Arzneimittellehre eine ganz neue 
Aera. Er setzt den Wert des äußerlichen Gebrauchs von Quecksilber 
bei Syphilis (s. 1500 Berengar von Carpi) in das richtige Licht und wendet 
unter anderem Bleipräparate, spießglanzh altige Arzneien, Schwefelmilch, 
Kupfervitriol und Eisenpräparate zuerst als Heilmittel an. 

— Das neutrale weinsteinsaure Kali (Weinstein) ist vermutlich zuerst durch 
Theophrastus Paracalsut dargestellt worden; dahin deutet vor allem seine 
frühere Bezeichnung als Samech Paracelsi. Das saure weinsteinsaure Kali 
war bei den Griechen als Tqv^ otvovy bei den Römern als Faex vini bekannt. 
Auch stellt Paracelsus durch Erhitzen von weißem Arsenik mit Salpeter- 
säure Arseniksäure dar und wendet dieselbe als „Arsenicum fixum" arznei- 
lich an. 

— Nachdem schon Isaac Hollandus im 14. Jahrhundert Vorschriften zur Herstel- 
lung von schwefelsaurem Kali gegeben hatte, wendet Theophrastus Parwtltiis 
dieses Salz zuerst arzneilich an. In der Folge wird dasselbe mit dem 
Namen „Specificum purgans Paracelsi" belegt. 

— Theophrastus Paractitvt nimmt zuerst das Dampfbad in Gebrauch, das um 
1600 von Johann Costaeus zur Destillation der feineren aromatischen 
Wässer empfohlen wird. 

— Christoff RudoNI von Jauer gibt ein epochemachendes Rechenbuch heraus, 
welches das Vorbild für alle späteren Rechenbücher ist. Das von Riese ein- 
geführte Wurzelzeichen (s. 1524) bildet er in der Weise weiter aus, daß er 
mit einem einfachen Haken an dem Viereck die Quadratwurzel, mit einem 
zweifachen Haken die vierte, mit einem dreifachen die dritte Wurzel be- 
zeichnet. Die Beifügung einer Potenzzahl zum Wurzelzeichen stammt 
von Michael Stifel. 

1^27 Der Italiener Mlehtll in Verona macht im Hinblick auf den ausgedehnteren 
Gebrauch der Pulvergeschütze Vorschläge für eine Umgestaltung der per- 
manenten Befestigungen. (Sog. altitalienische Befestigung.) 

<— Alvarado ät SnvMlni entdeckt die Sandwichinseln. 

1528 Alvarado ito SMVtdra entdeckt die Karolinen und im folgenden Jahre die 
Marshallinseln, die 1788 von Gilbert und Marshall wieder aufgefunden werden 
und von diesen ihren Namen erhalten. 

1529 Btitrru und Qrljalva entdecken Kalifornien. 

1530 Otto BranfMt veröffentlicht ein Kräuterbueh mit von Künstlerhand nach 
der Natur entworfenen naturgetreuen Bildern. 

— Hans Ballnumn in Nürnberg soll angeblich das Kombinationsschloß ohne 
Schlüssel (Vorlegeschloß) erfunden haben, welches 1557 von Hieronymus 

— 78 — 



1585 

Cardanus eingehend beBchrieben wird. Vielfach wird diese Erfindung auch 
dem Nürnberger Meister Hans ENhmmh zugeschrieben, der um die gleiche 
Zeit wie Hans BuUmann wirkte. 

1530 Girolamo Flracattoro spricht zuerst vom magnetischen Pol der Erde. (Vgl. 
1588 Sanuto.) 

— Der Bildschnitzer Johann JOrftm in Wattenbüttel bei Braunschweig führt 
die Tretvorrichtung am Spinnrad ein, das bis dahin mit der Hand ge- 
dreht wurde. 

— Johannes RMHIiit gibt dem Spinat, der vermutlich von den Arabern in 
Spanien eingeführt wurde und der sich erst von dort nach den anderen euro- 
päischen Ländern verbreitete, dieses Ursprungs wegen den Namen „Olus 
hispanicum*'. In England wird er 1668 von Sweet eingeführt. 

1531 Peter ApIaMUt erkennt, daß die Schweifachse der Kometen vom Sonnen- 
kdrper abgekehrt erscheint. Er ist der erste, der vorschlägt, zur Beob- 
achtung von Sonnenfinsternissen Blendgläser zu verwenden und verbessert 
die Planisphären und Quadranten. 

1532 Wie Penzig in seinen Beiträgen zur Geschichte der Botanik berichtet, 
werden in Rom zwei Herbarien des Gherardo Clbo aufbewahrt, die 1442 
Pflanzenarten enthalten und als die ersten Herbarien zu betrachten sind. 
Somit ist weder Luca Ghini, der 1540 getrocknete und aufgeleimte Pflanzen 
an Matthiolus sendet, noch auch John Falconer, der 1545 eine große 
Sammlung von getrockneten Wurzeln, Kräutern und Früchten, die in der 
Medizin benutzt werden, anlegt, der Erfinder des Herbariums. Herbarien 
im heutigen Sinn, das sind Sammlungen gepreßter Pflanzen, kommen 
erst im 17. Jahrhundert auf. 

— Eobanus HaiMt erwähnt bei Beschreibung der Nürnberger Eisenmühle, 
daß „durch das Gewicht der sich drehenden Räder das Eisen mit Kraft 
gestreckt werde'* und erwähnt auch die Werkzeuge, mit denen das Schwarz- 
blech geschnitten wird. Es ist dies die älteste Beschreibung eines Walz- 
werks mit Streck- und Schneidewerk. 

— Die ersten gesetzlichen Bestimmungen über Zuziehung von Ärzten zur 
Ermittelung des Tatbestandes bei Tötungen, Verletzungen usw. finden sich 
in der peinlichen Halsgerichtsordnung des Kaisers Karl V. (der sogenannten 
Carolina). 

1532—34 Francisco Pliarro, der i. J. 1529 zum Statthalter des von Spanien be- 
anspruchten, aber bis dahin noch nicht unterworfenen Peru ernannt worden 
war, schifft sich 1531 dahin ein und nimmt 1532 bis 1534 von dem ganzen 
Gebiete Besitz. Er gründet Lima als zukünftige Hauptstadt des Landes. 

1533 Huomfiis tritt als erster Lehrer der Arzneimittellehre in Padua auf. 

1534 Jean Ftmtl bekämpft den Galemsmus und das scholastische Treiben und 
verlangt, daß man sich nicht auf Autoritäten, sondern nur auf die Natur 
und auf Beobachtungen stützen solle. Er tritt mit scharfer Kritik gegen 
die überhandnehmende Uroskopie auf, bei der der Arzt seine Diagnose oft 
aufstellte, ohne den Kranken zu sehen. Er schildert in durchaus zutreffen- 
der und sdbst vom heutigen Standpunkt noch richtiger Weise das Wesen 
der Syphilis. 

— F. Fltzhfrbift verfaßt „The book of husbandry*', das erste englische Werk 
über Landwirtschaft. 

534 — 36 Cabe^a 40 Vaca durchquert den amerikanischen Kontinent von Texas 

bis zum Golf von Kalifornien. 
535 Diego tft AlliMgre durchzieht das Hochland von Chile. 

— Jacques Gartitr, der 1534 den St. Lorenzgolf befahren hat, ent- 
deckt den St. Lorenzstrom, auf dem er bis zu einer Indianeransiedelung. 
der er den Namen Mont Royal (jetzt Montreal) gibt, hinauffährt und 

— 79 — 



-'j 



1585 

sucht in den Jahren bis 1544 wiederholt die für die französische Koloni- 
sation ausersehene Landschaft Canada auf. Er gibt die erste Kunde von 
dem Vorhandensein des großen Seenkomplexes. (S. 1635 C.) 

1535 Der französische Seefahrer Jean Fonttneau aus Saintonge verbessert das 
Hochsee -Segelschiff in mehrfacher Beziehung. Er ist der Erfinder der 
Bramstenge. 

— Die erste Erwähnung der Anana« geschieht durch Petrus Martyr (i. J. 1514), 
der die Frucht mit einem Tannenzapfen vergleicht, aber noch keinen 
Namen für sie hat. Die erste eingehende Beschreibung, Benennung und 
Abbildung gibt Gonzalo Hernandez d« Ovitdo y Vakfas in seiner „Allge- 
gemeinen Geschichte Indiens". 

1536 Gonzalo Hernandez de Ovitdo y VaMas erwähnt zuerst in seiner „Allgemeinen 
Geschichte Indiens, Band V, Kap. II, S. 165'* den Kautschuk als Material 
der bei dem Batosspiel der Inder benutzten Bälle. Der Name „Gummi*' 
kommt zuerst in der gegen 1580 erscheinenden „Allgemeinen Geschichte 
der Reisen und Eroberungen der Kastilianer" von Antonio de Herrera 
Tordesillas vor. 

— Ambroise Part führt die erste Exartikulation im Ellenbogengelenk aus, 
die 135 Jahre später von Christoph Ramphtun zum zweiten Male vor- 
genommen wird. 

1537 Der Mathematiker Niccolo Fontana, genannt Tartacliat gibt in seinen 
Schriften „Della nuova scienza" und „Quesiti et inventioni diverse*' ein- 
gehende Berechnungen der Flugbahn der Geschosse (Schußtafeln). Ent- 
gegen der damaligen Meinung, daß die Geschoßbahn aus 2 geradlinigen, 
durch eine Scheitelkurve verbundenen Ästen bestehe, nimmt er eine kreis- 
bogenförmige Flugbahn an. (Vgl. 1602 Galilei.) Die größten Schußweiten 
werden nach seiner Angabe bei einer Erhöhung des Rohres von 45^ erreicht. 

1538 Joäo de Castro macht die erste größere Reihe von Dekhnationsbestimmungen 
mit dem von Nufiez verbesserten Guillen 'sehen Instrument und entdeckt 
den Gesteinsmagnetismus an frei und hoch gelegenen Felsen der Ilha de 
Chaul bei Bombay. 

1539 Der Kanonikus Afranlo defll AlboiiMi zu Ferrara stellt aus dem Bomhart, 
einem Holzblasinstrumente von unförmlicher Länge, ein handlicheres 
Instrument, das Fagott — im 16. und 17. Jahrhundert auch Dolcian 
genannt — her. 

— Robert Broka, ein Sekretär Heinrich VIII. von England, erfindet die Her- 
stellung gegossener Bleiröhren für Wasserleitungen. (Vgl. 97 Frontinus.) 

— Nachdem sich schon Bhafikara (1150), Paciolus (1487), Buckley (1530) und 
Tartaglia (1534) mit der Lehre von den Kombinationen und Permutationen 
beschäftigt hatten, tritt namentlich Hieronymus Cardanus der Lösung von 
Wahrscheinlichkeitsproblemen näher. (Vgl. seine Schrift „Practica Arith- 
meticae et mensurandi generalis'*.) Er erörtert das einen Streit zwischen 
zwei Schülern behandelnde, später als „Petersburger Aufgabe" bezeichnete 
Problem und berechnet die Gesamtzahl aller Kombinationen aus n Ele- 
menten zu allen möglichen Klassen von der ersten bis zur n-ten auf 2« — 1. 
Er zeigt, wie man ein behebiges Ghed einer arithmetischen Reihe bilden 
kann, ohne die dazwischen hegenden Glieder zu berechnen. 

— Alessandro Pieeokmiiiil veröffentlicht die erste Sternkarte. 

— Der Astronom Rhaatlcut (eigenthch Georg Joachim von Lauchen) gibt die 
erste Anweisimg, die Kompaßnadel durch Streichen zu magnetisieren. 

1539—41 Hemando dt Sota erforscht den Südosten der Vereinigten Staaten und 
das Gebiet des Mississippi. 

1540 Antonio Banivlani führt mit bestem Erfolg die Resektion eines großen 
Teils des Unterschenkelknochens ohne Narkose aus. 

— 80 — 



1540 

lüO Tanuocio BIri i MC Cto aus Siena lehrt in seiner „Pirotechnia" die Ileretellung 
T<m Modellen und Gußformen für den Geschützguß, das Bohren der Ge- 
gehütce, die Lafettierung derselben und den Guß der eisernen Kugeln, 
sowie den Glockenguß in der heute noch üblichen Art. Zur Anfertigung 
der Formen bedient er sich ausschließlich des Lehms. 

— Yanaccio BIri i MC Cto sagt in seiner „Pirotechnia'*, daß Legierungen aus 
Kupfer and Zinn mit dem Namen „Bronzo*' bezeichnet werden, ohne 
jedoeh eine Begründung dieser Benennung zu geben, die kurz vorher ein- 
geföhrt zu sein scheint. Bis dahin war nach dem Vorgang der Alten die 
BionjEe als „Erz" bezeichnet worden. 

— Vannccio Blrl tuccto beschreibt die Entsilberung von Schwarzkupfer durch 
den Saigerprozeß. Das Verfahren stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahr- 
hundert und setzt sich aus folgenden Operationen zusammen: 1. Frischen 
(Zusammenschmelzen) des silberhaltigen Kupfers mit Blei, 2. Saigem auf 
dem Saigerherd, wobei silberhaltiges Blei mit einem Kupfergehalt von 
2 — 3 Prozent ausfließt, 3. Darren, d. i weiteres Erhitzen unter Luftzutritt, 
wobei ein stark silberhaltiges Gemenge von Bleioxyd und Kupferoxydul 
erhalten wird, und 4. Verarbeitung des Gemenges, der sog. Darrlinse auf 
Handelskupfer. 

— Vannccio BMi^accio gibt eine genaue Beschreibung des technischen Vor- 
ganges bei der Holzverkohlung, von der er zwei Arten, die in Meilern und 
die in Gräben, unterscheidet. Auch gibt er eine Beschreibimg des damals 
üblichen Stahlfrischprozesses. 

— HieronymuB Garianut macht die ersten Versuche, das Gewicht der Luft zu 
bestimmen. 

— Valerius €€fftfM entdeckt den Schwefeläther (Äthyläther) bei Behandlung 
von Weingeist mit Vitriolöl und beschreibt denselben unter dem Namen 
„Oleum dulce vitrioli". Er erklärt zuerst die Entstehung der Braunkohle 
und Steinkohle aus Pflanzen. 

~ Der Bitterklee (Menyanthes trifoliata) taucht als Heilmittel zuerst im 
Mittelalter auf. Näher beschrieben wird er zuerst von Valerius Cortlut. 

1340—43 Francesco ät Ooronaio erforscht den Südwesten der Vereinigten Staaten 
bis zu den heutigen Staaten Kansas imd Arkansas. 

1540 Philibert Dttomt, Architekt in Paris, erfindet das Bohlendach, eine neue 
Art des Dachgerüsts. 

— Conrad QttMr führt die Belladonna, die, wie es scheint, Dioskorides und 
Oribasius schon gegen Krebsgeschwülste ven^'endet hatten, wieder in den 
Arzneischatz ein, und zwar als schmerzstillendes Mittel bei Ruhr. 

— Georg Hartaunn in Nürnberg erfindet den Kaliberstab (Kalibermaßstab), 
ein zirkelartiges Instrument zur einfachen Ermittelung des Verhältnisses 
zwischen dem Durchmesser imd dem Gewichte der steinernen, eisernen 
und bleiernen Rundgeschosse. Durch den Kaliberstab, der sich in fast 
allen deutschen Artillerien einführt, wird das Nürnberger Maß und Gewicht 
weit verbreitet. Die Erfindung wird oft, jedoch mit Unrecht, dem Tar- 
taglia zugeschrieben. 

— Peter Andreas Matthloliit wendet zuerst das Quecksilber in der Medizin 
innerlich, und zwar bei Syphihs an. 

— Bemard Pallny entdeckt die Kunst, farbige Emails auf Tonwaren anzu- 
bringen und stellt die nach ihm benannten hoch reliefierten Fayencen her. 

— Ambroise Part macht die ersten ausführlichen Mitteilungen über die zuerst 
von ParaceLsus beobachtete Erblichkeit der Syphilis, über die später Maxi- 
milian Stoll, Nils Rosen von Rosenstein und Joseph Jacob von Plenck, 
sowie insbesondere Antonio Ribeiro Nunez Sanchez eingehende Unter- 
suchungen anstellen. 

Darmstaedter. ^ 

— 81 — 



1540 

1540 Giovanni Ventura Rotttti publiziert das erste Kompendium über die Färbe - 
kunst unter dem Titel ,,Plieto dell* arte de* tentori". Das Buch ist da- 
durch bemerkenswert, daß es ein Urteil über den Zustand der Färberei in 
Europa vor ihrer Neugestaltung durch Einfuhr amerikanischer Farbstoffe 
gestattet. 

— Der Glasmacher Christoph SchQrtr in Neudeck erhält durch Zusatz von 
geröstetem Kobalterz zur Glasmasse das blaue Kobaltglas. Dieses geröstete 
Kobalterz, das aus wechselnden Mengen von Kobaltoxydul und Kobalt- 
oxyduloxyd, zum Teil mit anderen Metallen gemengt, besteht, wird Zaffer, 
Saflor oder Kobaltsaflor genannt. Das gemahlene Kobaltglas kommt unter 
dem Namen Smalte in den Handel und wird späterhin zum Blauen des 
Papiers und der weißen Zeuge benutzt. 

— Nachdem Mondino de Luzzi 1315 die erste Andeutung gemacht hatte, daß 
das Blut vom Herzen nach den Lungen geschickt werde, spricht Miguel 
Sirvfto zuerst bestimmt aus, daß das Blut durch einen merkwürdigen 
Kunstgriff (magno artificio) von der rechten Herzkammer auf einem Um- 
weg durch die Lunge geführt und von der Vena arteriosa in die Arteria 
venosa geleitet wird (kleiner Blutkreislauf). Realdo Colombo bestätigt 
dies ausdrücklich im Jahre 1559. 

1541 Francisco (to Orellana befährt den ganzen Amazonenstrom von Ekuador aus. 
(S. a. 1499.) 

— Die Türken sind unter den Völkern Europas dasjenige, das seit dem Alter- 
tum zuerst wieder von der Einrichtung der Taubenpost Gebrauch macht. 
So läßt der Sultan Sollman zwischen Konstantinopel und dem von ihm er- 
oberten Ofen eine Taubenpost einrichten. (Vgl. auch 300 und 1167.) 

1542 Leonhard Fuchs macht in seiner „Historia stirpium'* den ersten Versuch 
einer botanischen Nomenklatur. 

— Der Portugiese Mendez Pinto erreicht Japan, über das bald die Missionare 
weitere Nachrichten geben. 

1543 Blasco de Qaray führt dem Kaiser Karl V. im Hafen von Barcelona ein 
Schiff vor, das sich ohne Segel bewegt. Mißverständliche Berichte, in 
denen von „einem großen Kessel mit siedendem Wasser*' die Rede ist, 
haben dahin geführt, daß dieses Schiff lange Zeit hindurch als der erste 
Fall einer Verwendung der Dampfkraft zur See angesehen worden ist. 
Neuere Forschungen, und namentlich auch die aufgefundenen Original- 
berichte Garay's, lassen keinen Zweifel, daß hier lediglich eine Schaufebad- 
konstruktion im Sinne der Vorschläge von Kyeser (s. 1405) und Valturins 
(s. 1472) vorliegt. 

— Die Stadt BunzlM richtet eine Kanalisationsanlage mit Rieselfeldern ein. 

— Nikolaus Kopernikm lehrt, daß die Sonne den Mittelpunkt des Planeten- 
systems bildet, um den sich die Erde mit den andern Planeten dreht. 
Kopernikus hat seine neue kosmische Lehre bereits um das Jahr 1507 auf- 
gestellt. Eine Verbreitung erfolgt zunächst nur mündlich und handschrift- 
lich. Die Drucklegung des Werkes „De revolutionibus orbium coelestium" 
erfolgt erst unmittelbar vor Kopernikus' Tode. 

— Nikolaus Koptrnlkut findet die Ursache der von Hipparch entdeckten 
Präzession in der Anziehung, die Sonne, Mond und Planeten auf das an 
den Polen abgeplattete Erdsphäroid ausüben. 

— Andreas VtHÜlut begründet durch sein großes Werk „De humani corporis 
fabrica", das herrliche Zeichnungen von Tizian und Johann von Calcar 
enthält, die neuere menschliche Anatomie. Nur der eigenen Beobachtung 
vertrauend, liefert er die erste, fast durchaus zuverlässige, systematische 
Anatomie, die zugleich zahllose neue Angaben enthält. Insbesondere 

— 82 — 



1545 

wendet er sich gegen die Lehre Galen's, daß die Herzscheidewand für das 
Blut durchlässig sei. 
'A3 Andreas VMallut beschreibt in seinem vorgenannten Werke u. a. den Vorhof 
des Labyrinths, die Kiefer-, die Stirn- und die Keilbeinhöhle, die Grelenk- 
manisken von Unterkiefer, Hand und Kinn, und den langen Fortsatz 
des Gaumens und gibt eine gute Schilderung des anatomischen Baues des 
Auges. 

— Andreas VMalliis liefert als erster eine genaue Darstellung der mensch- 
lichen Beckenhöhle, ihrer Knochen, Bänder usw., und demonstriert zuerst 
die anatomische Unmöglichkeit eines Auseinanderweichens in der Scham - 
beinverbindung während des Geburtsaktes. Er beobachtet zuerst vorzeitige 
Atembewegungen am Säugetierfötus. 

»44 Oronce Finte erfindet die Methode, die geographische Länge durch Bestim- 
mung der Rektaszension des Mondes in seiner Kulmination zu bestimmen. 

— Die Herstellung gußeiserner Gegenstände beschränkte sich im Mittelalter 
zunächst auf die Verfertigung der Kanonenkugeln. In größerem Umfange 
und zur Herstellung von Geräten verschiedener Art soll das Gußeisen 
zuerst von den Engländern Ralph Nagt und Peter Bowdt i. J. 1544 ver- 
wendet worden sein. 

— Georg Harfnianii entdeckt die Neigung der Magnetnadel gegen den Horizont 
(Inklination), ohne jedoch Messungen auszuführen. (S. seinen Briefwechsel 
mit dem Herzog Albrecht von Preußen. — Vgl. auch 1576 Norman.) 

» Sebastian MQnstir, Professor in Basel, gibt die „Cosmographia universalis'* 
heraus, deren 26 neue Karten mit den WaldseemüUer^schen „Tabulae 
modemae** (s. 1513) die Grundlage und den Ausgangspunkt des deutschen 
Kartenwesens bilden. Er ist der erste, der nach Strabo der Gletscher 
wieder Erwähnung tut. 

* Der Augustinermönch Michael Stfffal (sein Hauptwerk ist die „Arithmetica 
integra'*) gibt der Algebra mittels planmäßiger Durchführung der Zeichen- 
sprache diejenige Gestalt, die seitdem fast unverändert dafür beibehalten 
worden ist. Er entwickelt eine neue Summienmgsmethode für geometrische 
Reihen, die auch Tartaglia in seiner Schrift „General trattato" v. J. 1556 
wiedergibt, ohne jedoch Stifel zu nennen. Femer entdeckt er unabhängig 
von Alchaijami (s. 1078) die additive Bildung der Binomialkoeffizienten 
imd untersucht die Diametralzahlen. (Vgl. auch 1526.) 

1545 Hieronymus Ganbuittt beschreibt das nach ihm benannte Universal- oder 
Kreuzgelenk, das er zuerst zur Aufhängung der Schiffskompasse anwendet. 
(S. a. 210 V. Chr.) Er veröffentlicht im gleichen Jahre eine Formel zur 
Lösung der kubischen Gleichungen, die indes von dal Ferro (s. 1505) zu- 
erst aufgefunden worden und auch Tartaglia schon vorher bekannt ge- 
wesen war. 

— Nachdem schon im Altertum (s. 20 Celsus) zur Lokalanaesthesierung die 
Kompression der Nervenstämme geübt worden war und die arabischen 
Ärzte die Abschnürung mittels eines Knebels vorgenommen hatten, ver- 
wendet erst Ambroise Pari wieder die Unterbindung sowohl hierfür, als 
auch bei Amputationswunden, an Stelle der bis dahin gebräuchlichen blut- 
stillenden Glüheisenapplikation. 

^ Nachdem Celsus imd Abulcasis zuerst in roher Weise die Heilung der 
Hasenscharte versucht hatten, unternimmt es Ambroise Pari zuerst, sie zu 
operieren, indem er die Spaltränder resezieit. Die Operation wird späterhin 
u. a. namentlich von Malgaigne und Bernhard liangenbeck wesentlich ver- 
vollkommnet. 

— Ambroise Pari verbessert neben der Amputation die Behandlung der Frak- 
turen und lehrt als erster die rationelle Chirurgie der Schußwunden. Er 

6* 

— 83 — 



1546 

bekämpft zuerst die Irrlehre, daß die erhitzte Kugel Vergiftungen bewirke; 
schlagende Beweise gegen diesen Irrtum werden 1550 von Bartolomeo 
Maggi auf experimentellem Wege erbracht. Par6 verwendet vielfach die 
seit Abulcasis (s. 1100) in Vergessenheit geratene Trepanation. 
1546 Georg Acricola gibt zuerst in seiner Schrift „De re metallica*' eine genaue 
Aufklärung über die Chemie der Metalle und lehrt die Zubereitung der 
Erze durch Rösten. Er gibt genaue Anweisungen für die Reinigimg des 
Kupfers, für das Auslaugen des Silbers aus Kupfer und Eisen mittels 
Blei, für die Gewinnung des Spießglanzes und des Wismuts. Er beschreibt 
die Probierung der Erze und die dazu nötigen Geräte, wie Muffeln, Tiegel 
und Aschenkapellen. 

— Georg Acricola stellt die Markscheidekunst auf geometrische Grundlagen. 
Er erfindet den Grubenkompaß, wobei er zuerst erwähnt, daß sich die 
Bergleute bei ihren Arbeiten der Deklinationsnadel zu bedienen wissen, 
und gibt eine Reihe von Ventilatoren für Bergwerke an. Im 6. Buche 
seines Werks „De re metallica" findet sich die älteste Abbildung einer 
Kettenpumpe (vertikales Patemosterwerk, Püschelkunst) und die Empfeh- 
lung dieser Maschine zur Wasserförderung in Bergwerken. Er erwähnt 
femer, daß die Pferdegöpel seit 1504 in den Bergwerksbetrieb eingeführt 
seien. (Die Einführung der Wassergöpel erfolgt um 1556.) 

— Georg Agrleola erwähnt die Entstehung des Eisenvitriols aus Eisenkies 
und kennt den weißen Vitriol oder Erzalaun, d. i. Zinkvitriol, der bereits 
seit dem 14. Jahrhimdert in Kärnten gesotten werde. Daß dessen Basis 
Zink sei, wird jedoch erst im Jahre 1735 gleichzeitig von Hellot, Neu- 
mann und G. Brandt mit Bestimmtheit erwiesen. Auch gibt Agricola 
Beschreibungen des Salpetersiedens sowie der Bereitung der Schwefelblumen 
durch Kondensation von Schwefeldämpfen an kalten Wandimgen, imd 
kennt das beim Erhitzen des Wismuts entstehende gelbe Wismutoxyd, das 
als Farbe benutzt worden zu sein scheint. 

— Georg Africola erklärt es in seinem Buche „De re metallica'* für wahr- 
scheinlich, daß man aus der Färbung einer Flamme die darin verbrennende 
Substanz zu erkennen lernen werde. Er beschreibt das zu seiner Zeit 
schon viel gehandhabte Verzinnen des Eisens (s. auch 1551) und gibt eine 
genaue Beschreibung des Stahlfrischprozesses, die so große Ähnlichkeit 
mit der von Biringuccio (s. 1540) gegebenen Darstellung aufweist, daß 
Ludwig Beck in seiner „Geschichte des Eisens** zu der Annahme neigt» 
daß Agricola's Beschreibung von Biringuccio entlehnt sei. 

— Peter Mon entdeckt den Kirschlorbeerbaum und bezeichnet ihn bereits 
mit „Laurocerasus**. Auf die giftige Wirkung des aus Kirschlorbeerblättem 
destillierten Wassers wird man sehr früh aufmerksam, offizinell wird das- 
selbe insbesondere durch den Arzt Thilenius. 

— Antonio Musa Braitavola führt die seit dem Altertum (s. 70 v. Chr.) ver- 
lassene Tracheotomie wieder aus. Diese Operation wird 1590 von Santorio 
und 1610 von Nicolas Habicot wesentlich verbessert und fortan als eine« 
berechtigte Operation angesehen. 

— Valerius Cordut schreibt auf Verlangen des Nürnberger Rates sein „Pharma- 
corum conficiendorum ratio, vulgo vacant, Dispensatorium**, das als die 
erste deutsche Pharmakopoe angesehen werden muß, und lehrt die arznei- 
lichen Rohstoffe in eingehender Art kennen. 

— Giovanni Filippo Ingratilas entdeckt das dritte Gehörknöchelchen, das er 
als Steigbügel bezeichnet. (S. 1480.) 

— Nachdem 1506 der Neubau der Peterskirche in Rom von Bramante be- 
gonnen und später von Raffael und Peruzzi fortgeführt worden war, über- 
nimmt Mlcliflaiic»lo Bvonarroti die Bauleitung und entwirft für die Kuppel 

— 84 — 



1550 

augführliche Pläne und ein großes Hil&modell. Die Kuppel, die bei einem 
Durchmesser Ton 42^/2 m 127 m Höhe aufweist, wird erst nach Michelangelo' s 
Tod vollendet. 

1546 Pedro Nvntt (Nonius) untersucht die Linie doppelter Krümmung (von ihm 
„Linea rhombica'*, von W. SneUius spater „Loxodrome** genannt), welche auf 
der Erdkugel alle Meridiane, denen sie begegnet, unter gleichem Winkel 
schneidet und sich in schraubenförmigen Windungen dem Pole immer 
mehr nähert, ohne ihn jemals zu erreichen. 

1547 Der Mediziner Kainer QtnunapFrlsNis spricht zuerst die Idee aus, Längen- 
unterschiede mittels der ühr zu bestimmen. 

— CllafftMiis sucht in seinem „Dodeka chordon" die in den Kirchen tonarten 
unter dem Einfluß der polyphonen Musik eingerissene Verwirrung wieder 
zu lösen und imterscheidet 12 Tonarten, und zwar 6 authentische und 
6 plagalische. (S. auch 370 Ambrosius.) 

— Der Dominikaner Georges Bemard Pmot in Toulouse verfaßt eine Schrift 
„De aquae naturalis virtute", in welcher bereits die leitenden Grundsätze 
der heutigen Kaltwasserkur (Umhergehen mit nackten Füßen im feuchten 
Gras usw.) klar enthalten sind. 

1548 D. C. nceolpasto gibt in seinem Werke „I tre libri deU' arte del Vasajo** 
die Mittel an, um metallische Reflexe auf Töpferware zu erhalten. Seine 

- Arbeiten werden den in neuerer Zeit von Ginori in Doccia u. a. gemachten 
Versuchen zur Erzielung solcher Metallreflexe auf Majoliken zugrunde gelegt. 

1549 Sigmimd von Harbsr i ttln fügt seinem Werke „Herum Moscovitarum Com- 
mentarii*' eine Karte bei, die einen Teil von Sibirien umfaßt und zu ihrer 
Zeit für die Kenntnis des nördlichen Rußlands von großer Bedeutung war. 
Das Weiße Meer führt auf dieser Karte den Namen „Mare glaciale*'. 

— Zoccaiillo und Floravantl, zwei neapolitanische Bader, machen die erste 
Milzexstirpation bei einer wassersüchtigen Frau, und zwar mit vollem Er- 
folg. Es kommt daher nicht Viard, der erst 32 Jahre später diese Operation 
ausführt, die Priorität zu. 

1550 Georg Agricola gibt in seiner Schrift „De natura fossilium" die erste syste- 
matische Beschreibung der Mineralien und bezeichnet das fossile Holz 
und die Fischabdrücke des Mansfelder Kupferschiefers als Überreste von 
Organismen. Er untersucht die geologische Tätigkeit des Windes und 
hebt hervor, daß ähnliche Verhältnisse, wie bei der Dünenbildung, in 
kleinem Maßstabe auch in der Lüneburger Heide vorliegen. 

— BlatiHt von Villafranca soU zuerst die Erscheinung, daß sich die Lösung 
gewisser Stoffe im Wasser stark abkühlt, am Salpeter erkannt haben. 

— Thomas Cantfl bringt den Stern-Anis von den Phihppinen nach Europa. 
Die Frucht beschreibt zuerst Clusius, den Baum Plukenet und Kaempfer. 

» Hieronymus Cardanat gibt eine Theorie des Verbrennimgsvorganges, wobei 
er die Notwendigkeit der Anwesenheit der Luft betont. (S. 1260 Bacon.) 
Er verbessert die Einrichtung der Öllampen durch Höherlegen des Öl- 
behälters. In seiner Beschreibung einer Mehlsichtmaschine weist er auf 
die sichtende Wirkung der Luftbewegung hin, ein Gedanke, der in neue- 
ster Zeit von Friedrich Georg Winkler in Zschopau wieder aufgenommen 
worden ist. 

— Bartolommeo Eustadiio entdeckt die Tuba Eustachii (Eustachische Röhre), 
die Spindel der Schnecke, die häutige Schnecke, den Ursprung der Seh- 
nerven und beobachtet die Zahnentwicklung. 

— Gabriele FalloppUl, Anatom in Padua, macht wichtige Beobachtimgen auf 
dem Gebiet der Osteologie und der Muskellehre. Er entdeckt die Bogen- 
gänge, den nach ihm benannten Kanal des Schläfenbeins, und den Schließ- 
muskel der Blase. Er beschreibt ferner die Muskeln des Kehlkopfes in 

— 85 — 



1650 

richtiger Weise. Er verwendet seit den Zeiten der Griechen und Araber 
zuerst wieder in der Medizin das Arsen äußerlich, und zwar in Form von 
Realgar. 
1550 Wie mehrere im OtraianlscIiM MuMum in Nürnberg ausgestellte K&stchen 
imd Schachteln beweisen, beginnt man um die Mitte des 16. Jahrhunderts, 
das Papier mit kleineren Mustern in häufiger Wiederholung zu bedrucken, 
um verzierte Flächen zu erlangen, die sich zum Überziehen großer und 
kleiner Gegenstände eignen. Die Vorläufer dieser Technik sind die 
bunten Holzschnitte, die zu solcher Verzierung schon vor dem 16. Jahr- 
hundert benutzt wurden. 

— Eonrad Qesntr erfaßt in seiner „Historia animalium'* das Tierreich nicht 
nur als Gegenstand der Natur betrachtung, sondern auch in seiner Be- 
ziehung zur Medizin und Kulturgeschichte und trägt dadurch zur Begrün- 
dung der neueren Zoologie bei. 

— Holltriiit ist der erste Arzt, der den Kurzsichtigen regelmäßig Brillen 
verordnet. 

— Das Joachlmsthaltr Sllberkergwtrk benutzt für Bergwerkszwecke, insbesondere 
zur Wasserhaltung, Pumpwerke mit sogenannten Stangenkünsten. Die 
Triebkraft wird durch ein oberschlächtiges Wasserrad geliefert, mit dem 
die Lenkstange verbunden ist, die ihre Bewegung auf die Schwinge eines 
Doppelgestänges überträgt, von wo sie durch ein sogenanntes Kunstkreuz 
auf die Schachtgestänge fortgepflanzt wird. 

— Adam Lonleanit beschreibt zuerst die Amica, die er an Matthiolus sendet, 
der sie unter dem Namen Alisma abbildet. Ihren Gebrauch bei Koliken 
und äußeren Verletzimgen veranlaßt zuerst Tabernaemontanus. (S. 1613.) 

— Hans Lobtlnftr zu Nürnberg verbessert die im Jahre 1430 von einem Nürn- 
berger Bürger Guter erfundene Windbüchse. Er soll auch an Stelle der 
seit alters her üblichen Lederbälge (s. 1475 v. Chr.) die ersten hölzernen 
und kupfernen Blasebälge mit ununterbrochenem Windstrom für Schmelz- 
hütten, sowie für Orgeln, und die erste Messinghobelmaschine verfertigt 
haben. 

— Nicolaus MaiM beschreibt die Muskeln des Antlitzes und speziell des Unter- 
kinns, die Lymphgefäße der Nieren und die Lagerung des Magens. Er nennt 
zuerst die Syphilis als Ursache von Geisteskrankheiten. Er liefert gleich- 
zeitig mit Berengario die erste Beschreibung der Bindehaut des Auges 
(Conjunctiva). 

— Bemard Pallny spricht sich entschieden dafür aus, daß die im Kalk und 
^ anderen Gesteinen gefundenen Muscheln „versteinerte" Reste von Tieren 

seien. Er weist darauf hin, daß manche dieser Versteinerungen den noch 
lebenden Gattungen vollkommen gleichen. 

— Bernard Palltsy macht zuerst darauf aufmerksam, daß der Dünger durch 
seinen Gehalt an löslichen Salzen den Boden verbessere und daß der Boden 
durch fortgesetzten Anbau unfruchtbar werde, weil ihm dadurch alle lös- 
lichen Stoffe entzogen würden. 

— Bemard Palltsy soll nach der Angabe des Vicomte H^ricourt de Thury 
den Erd- oder Bergbohrer erfunden haben. 

— Andrea PalMIo baut die erste bekannte Hängebrücke (über den Fluß 
Cismone). 

— ViCMtliio erfindet das Archicembalo, ein Klavierinstrument mit 31 Werten 
innerhalb der Oktaven, das für alle Töne der drei antiken Tongeschlechter 
(diatonisch, chromatisch und enharmonisch) besondere Tasten und Saiten 
zur Verfügung hat. 

1551 Pierre Mon erweitert die spezielle Tierkenntnis durch Herausgabe seiner 
auf seinen zahlreichen Reisen gesammelten Erfahrungen, die sich nament- 

~ 86 — 



1564 

lioh auf die I>Msohe beziehen, die zum Teil durch gute Holzschnitte wieder- 
gegeben werden. 

551 Erasmus RtlaliM, Professor der Mathematik in Wittenberg, berechnet auf 
Grund der neuen Kopemikanischen Lehre die ersten Planetentafeln, die 
er zu Ehren des Herzogs Albrecht von Preußen die prutenischen (Tabulae 
prutenicae ooelestium motuum) nennt. Sie werden der gregorianischen 
Kalenderreform zugrunde gelegt. 

— Der Astronom Rhastlcw verfaßt zehnstellige, von 10 zu 10 Sekunden fort- 
schreitende Tafeln der trigonometrischen Funktionen, die genauesten und 
umfangreichsten trigonometrischen Tafeln des Mittelalters. Er berück- 
sichtigt darin zum ersten Male sämtliche 6 trigonometrische Funktionen. 
Die Herausgabe des Werkes unter dem Titel „Opus Palatinum de trian- 
gulis^* erfolgt im Jahre 1596 durch Valentin Otho. 

— Freiherr Hans llRfnai, Landeshauptmann von Steiermark, erhält vom König 
Ferdinand am 5. August die Gerechtsame, zu Waltenstein Hammerwerke 
anzulegen, daselbst schwarzes Blech zu schlagen und dasselbe zu verzinnen. 
(Älteste Erwähnung des Weißblechs. Vgl. indes auch 1546.) 

552 Der französische Stempelschneider Antoine Bnilisr konstruiert ein Walz- 
werk zum Strecken der Gußstücke (Zaine) und eröffnet dadurch die Mög- 
lichkeit, gleichwichtige Münzen zu erhalten. 

— Edward Wotton verfaßt ein zoologisches Werk „De differontiis animalium*'. 
Das Buch zeichnet sich namentlich dadurch aus, daß darin versucht wird, 
die verwandten Formen in möglichst natürliche Vereinigung zu bringen. 
Er wendet in diesem Buche als erster die Benennung „Zoophyten** (Tier- 
pflanzen) an. 

1553 Hieronymus Cartfanuf nimmt zuerst die Gewichtszunahme des Bleies bei 
der Verkalkung wahr, schreibt dieselbe jedoch der Entweichung der Feuer- 
materie zu. Ähnliche Ansichten werden 1660 von Lefövre und 1666 von 
Tachenius geäußert. 

— Nachdem Sebastian Cabot um 1550 mit der Idee eines nordöstlichen See- 
weges hervorgetreten war, wird imter dem Oberbefehl von Sir Hugh 
WiUoughby eine Expedition entsandt, die aus drei Schiffen besteht. Zwei 
der Schiffe gehen auf der Fahrt zugrunde, während das dritte, „der Edward 
Bonaventure" unter dem Befehl von Richard ChaMtllor den Seeweg nach 
dem Weißen Meere entdeckt. 

— Nach Emil Naumann ist die aus den älteren imvollkommneren Streich- 
instrumenten Rota, Giga, Kebecchina und den verschiedenen Arten der 
Viola hervorgegangene heutige Violine zuerst von Caspar Tltffenkniektr 
(Gaspard Duiffoprugcar) in Lyon, einem Tiroler von Geburt, gebaut worden. 
Antoine Vidal hebt demgegenüber in seinem Buche „La lutherie et les 
luthiers*' hervor, daß die Violine das Ergebnis der Arbeit vieler Instrumenten - 
macher sei und kein einzelner Erfinder dafür namhaft gemacht werden 
könne. (VgL auch 1585 da Said.) 

1554 Gerhardt Htmianil« Geschäftsträger des Rheingrafen Philipp Franz von 
Dann, sendet aus London am 3. August 1554 an seinen Herrn ein Doku- 
ment, an welchem sich ein Siegel aus rotem Siegellack befindet, das älteste 
bekannte Beispiel von dem Gebrauche des Siegellacks heutiger Be- 
schaffenheit. 

— Gerhard Mtrcttor verbessert die konische Projektion des Ptolemaeus (s. 150), 
indem er die Längengrade nicht auf dem mittleren Parallelkreis aufträgt, 
sondern zwei in der Mitte zwischen diesem und den Rändern der Karte ge- 
legene Parallelkreise abweitungstreu zieht, wodurch die Abweichung der 
Projektion vom Kugelnetz auf die halbe Fehlergröße verringert wird. Auch 

— 87 — 



^1 



1554 

Delisle macht erneut 1745 auf die Wichtigkeit dieser Art der Projektion 
aufmerksam. 

1 554 Guillaume RonMet liefert in seinem „Fischbuch* ' eine sorgfältige Beschreibung 
einer großen Zahl von Fischen und gibt für sie gute Unterscheidungs- 
merkmale. (Vgl. auch 1551.) 

— Tartaflla führt den gedeckten Weg im Festungsbau ein. 

— Franz Traucat in Nimes macht die ersten eingehenden Beobachtungen über 
die Nahrung, die Krankheiten, die Entwicklung der Seidenraupe, die rich- 
tige Temperatur und Lüftung der Seidenhäuser und den Anbau des Maul- 
beerbaumes. 

1555 Pierre Mon schreibt eine Monographie über die Vögel und weist auf die 
Übereinstimmung ihres Baus mit dem anderer Landtiere hin. Er macht 
seit Aristoteles (s. 330 v. Chr.) die erste Andeutung von vergleichender 
Anatomie, indem er das Skelett eines Menschen und eines Vogels mit 
gleichartiger Bezeichnung der einander entsprechenden Teile abbildet, und, 
um die Vergleichung zu erleichtem, den Vogel mit derselben Stellung der 
Glieder, wie den Menschen darstellt. 

— Leonhart Fronsperftr gibt in seinem „Kriegsbuch*' die erste Beschreibung von 
mitrailleusen artigen Geschützen, die er Orgel- oder Hagelgeschütze nennt. 
Ein aus der Zeit zwischen 1480 und 1550 stammendes, aus 5 Eisenrohren 
zusammengesetztes Orgelgeschütz befindet sich im Berliner Zeughaus. 

— Konrad QttiiMr gibt die erste Beschreibung des Kanarienvogels. Da Belon 
um die gleiche Zeit (s. oben 1555) ein Verzeichnis aller damals bekannten 
Vögel liefert, ohne den Kanarienvogel zu erwähnen, so ist anzunehmen, 
daß diese Vogelart erst zu jener Zeit neu in Europa erscheint. 

1556 Stephen Burroufh imtemimmt auf dem Fahrzeug „Searchthnft** die erste 
westeuropäische Nowaja-Semlja- Fahrt, durch welche erst in Westeuropa 
bekannt wird, daß das W^eiße Meer durch die Inseln Nowaja Semlja und 
Waigatsch von dem sibirischen Eismeer getrennt wird. 

— Georg Fabrlcius beobachtet zuerst die Schwärzung des Chlorsilbers durch 
das Sonnenlicht. 

— . Cesare Flaschl in Bologna stellt umfangreiche Untersuchungen über den 

Bau des Pferdehufes an und gründet auf dieselben ein dem anatomischen 
Bau entsprechendes Beschlagverfahren, das lange in Gebrauch bleibt. 
Das von ihm verfaßte hippologische Werk enthält im 1. Buche die Zaum- 
kunst, im 2. die Reitkunst und im 3. den Hufbeschlag. 

1557 Jodocus Lommlut gelingt es, durch seine klassische Monographie über die 
Behandlung kontinuierlicher Fieber die Krankendiätetik zu einer bis dahin 
noch nicht erreichten Höhe zu erheben. 

— Bartolom6 dt Mttfna lehrt die Gewinnung von Silber und Gold aus ihren 
Erzen vermittels Quecksilber in Form einer Quecksilberlegierung, aus der 
durch Destillation das Quecksilber abgeschieden wird (Haufenamalgamation, 
Patioprozeß). Eine vage Andeutung über Gewinnung von Silber aus 
Erzen unter Anwendung von Queoksilbersublimat findet sich in der 1540 
erschienenen Pirotechnia des Biringuccio, so daß doch vielleicht die An- 
regung zu der Erfindung des Amalgamationsprozesses auf europäischem 
Boden zu suchen ist. (Vgl. indes auch 77 und 750.) 

— Robert Rteonto führt die systematische Anwendung des Gleichheitszeichens 
(-=) in die Mathematik ein. (Vgl. 1460 Alkalsädi.) 

— Hieronymus RoMlIO (Alexius Pedemontanus) lehrt zuerst im Abendland die 
Bereitung einer Mischung von Auripigment und Kalk, die im Orient seit 
lange zwecks Enthaarung von Fellen unter dem Namen Rhusma an- 
gewendet wurde, bereiten. Die Tatsache, daß Schwefelarsenik ein Aus- 
fallen der Haare bewirke, berichtet bereits Dioskorides. 

— 88 — 



1560 

1558 Antoine Brultor erfindet das Stoß- oder Spindel werk zum Prägen der 
Münzen, welches später von H. Bonlton und I. P. Droz (1781) und Ph. 
Gengembre (1810) vielfach verbessert wird. 

— Giambattista MIa Porta verbessert die Camera obscura durch Anbringung 
einer Sammellinse, die er in die erweiterte Öffnung der Camera einsetzt 
und vergleicht zuerst das Auge seinem Bau und seiner Funktion nach mit 
der Camera obscura. 

1559 HtiBrich II., König von Frankreich, trägt auf der Hochzeit seiner Tochter 
Elisabeth (er findet dabei im Tumierkampfe mit dem Grafen Montgomery 
seinen Tod) gestrickte [seidene, wahrscheinhch in Spanien angefertigte 
Strümpfe. Es ist dies die erste Erwähnung gestrickter Strümpfe. (Vgl. 
1564 Rider.) 

— Matteo RoaMo Momko gibt zuerst eine korrekte Beschreibung von der 
Lage und Haltung des Foetus im Uterus und bezeichnet ihn als längliche 
Kugel (Ovoid). 

— Graf Reinhardt zu Mmt beschreibt im 7. Buch seiner „Kriegsregierung'* 
ein „Khartenspiel", mit welchem die Marsch- und Schlachtordnungen 
zweier gegeneinander kämpfender Heere (Römer — rot, Karthager — 
schwarz) dargesteUt werden können. Es ist dies die erste Erwähnung des 
Kriegsspiels. (Vgl. 1824 R.) 

1560 Hieronymus Bock (Tragus) unterscheidet in seinem „Kräuterbuch" zuerst 
die Familien der Lippenblütler, Kreuzblütler und Korbblütler. 

— Hieronymus Bock (Tragus) beschreibt zuerst den Seidelbast unter dem Namen 
„Mepereum germanicum"; eine eingehendere Beschreibung liefert 1609 Peter 
üffenbach. Andere Daphnearten waren den Römern und Griechen bekannt 
und sind u. a. gegen Wassersucht und als Brechmittel verwendet worden. 

— Die in Armenien, Kurdistan und der Krim heimische Tulpe wird um die 
Mitte des 16. Jahrhunderts von Bu i koc q , Gesandten Ferdinands I. in Kon- 
stantinopel, nach dem westlichen Europa gebracht. Im Jahre 1560 blüht 
sie in Augsburg. 

— Pietro Fraaco bildet den hohen Steinschnitt (Lithotomie) aus und verbessert 
den von Bemardo de Rapallo angegebenen Apparatus altus. Er verbessert 
auch die Radikaloperation der Unterleibsbrüche. 

— Franciscus Maurolykus erklärt unter Benutzung von VesaJs Beschreibung 
des Baues des Auges (1543) die Wirkung der Krystallhnse im Auge in rich- 
tiger Weise, indem er darlegt, daß sich die Strahlen hinter derselben 
schneiden. Er gibt eine Erklärung der Kurz- und Weitsichtigkeit. 

— Nicolo Monanlot beschreibt die Gewinnung des Perubalsams, die bei der 
Entdeckung Amerikas schon unter den Eingeborenen im Gebrauche war. 
Der Baum gelangt erst 1781 durch Mutis in die europäischen botanischen 
Gärten. Auch der Tolubalsam wird zuerst von Monardes beschrieben. 

— Garcias io Orta gibt gute Beschreibungen vieler in Indien gebrauchter 
Drogen und bereichert dadurch die Arzneimittellehre. Er beschreibt u. a. 
auch zuerst den Benzoebaum (Styrax Benzoin). 

— Garcias tfo Orta gibt die erste Nachricht über Catechu, das in der Medizin 
und mehr noch in der Färberei und Gerberei angewendet wird. Das in 
den Handel kommende Produkt ist der aus den Blättern erhaltene ein- 
gedickte Extrakt. 

— G. P. A. Pierluigi da Palestrina vereinfacht die polyphone Musik, indem er 
durch passende Abschnitte und Einteilungen die Masse der Töne und die 
Masse der Stimmen gliedert, welche letztere bei ihm meist in Chören ge- 
sondert erscheinen. 

— Erasmus RolahoM erkennt die EUiptizität der Mond- und der Merkurbahn. 

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1560 

1560 Josias Slmltr begründet die wissenschaftliche Kunde der Alpen und ihrer 
Gletscher. (S. a. 1544 M.) 

— Daniel Sptk te, Kriegsbaumeister in Straßburg, fordert Befestigungsanlagen 
mit stark entwickelter Feuerkraft und völliger Deckung der Grabenmauem 
gegen Sicht. £r führt den gedeckten Weg s&geförmig (en cremailldre). 

— Pergamentblättchen, mit Namen und Wohnort versehen, haben zuerst die 
in Italien studierenden deutschen Studenten in Gebrauch genommen. Die 
älteste derartige Besuchskarte (Visitenkarte), die bekannt ist, befindet sich 
im Staatsarchive zu Venedig und lautet auf den Namen eines i. J. 1560 
zu Padua studierenden RechtsbefUssenen Johannes Wüttriioff aus Westfalen. 

1561 Gabriele Falloppl« beschreibt zuerst die später nach ihm benannten Tuben 
(Eileiter), die Ligamenta rotunda und die Ovarien. Er führt die Namen 
Vagina und Placenta ein. 

— Gabriele Falloppla zeigt zuerst, daß sich die Hornhaut des Auges nicht nur 
durch das ihr eigentümliche Gewebe, sondern auch durch ihre sphärische 
Krümmung von der Sklera unterscheidet und daß der Ciliarkörper keine 
Membran, sondern ein die Uvea mit der linse verbindendes Band ist. Er 
beschreibt auch zuerst die Hyaloidea. 

— Konrad Omimt gibt die erste eingehendere Beschreibung eines Nordlichts. 
(S. 320 V. Chr. Pytheas.) 

— Adam Lmii€tnit macht die ersten Angaben über den Gebrauch des, wie es 
scheint, schon von den Chinesen als geburtf orderndes und blutstillendes 
Mittel angewandten Mutterkorns. 

— Ambroise Pari zieht die Orthopädie, die seit der Römerzeit geruht hatte, 
wieder ans Tageslicht. Er gibt Apparate zur Klumpfußbehandlung an 
und schreibt das erste Werk über die Ursachen und Behandlung der Spinal- 
deformitäten, wobei er ein Korsett von durchlochtem Eisenblech zur Auf- 
rechthaltung des Körpers empfiehlt. 

— Ambroise Pari fertigt aus Gold- und Silberplatten Obturatoren zum Ver- 
schluß von Gaumendefekten, nachdem eine Veröffentlichung über solche 
Obturatoren das Jahr vorher von Amatus Lusitanus gemacht worden war. 
Es scheint nach J. Christas Mitteilungen, daß beide selbständig auf diese 
Idee gekommen sind. 

— Barbara Uttmann führt die Klöppelspitzenfabrikation im sächsischen Erz- 
gebirge ein. Ob sie die Fabrikation der Klöppelspitzen erfunden hat, ist 
nicht sicher zu erweisen. Daß diese Kunst in Brabant vorher existiert 
habe, will Mrs. Palliser aus einem Bild von Quentin Messys von 1495 
schließen, auf dem ein spitzenklöppelndes Mädchen dargestellt sei. 

1563 Der spanische Seefahrer Juan Famamltz entdeckt die nach ihm benannte 
Insel im Stillen Ozean, welche später durch die Abenteuer des Schotten 
Alexander Selkirk (Robinson Ousoe) berühmt geworden ist. 

1564 Aiifutt, Kurfürst von Sachsen, gibt in seinem „künstlich Obstgarten Büch- 
lein*' eine auf eigener Erfahrung beruhende Anweisung zur Obstkultur. 

— Bartolomeo Eustadito entdeckt den Hauptstamm der Milchgefäße bei einem 
Pferde (Ductus thoracicus). Er gibt die erste richtige Abbildung des weib- 
lichen Uterus und entdeckt die Nebennieren. 

— Das im Altertum unbekannte Strumpf stricken ist wahrscheinlich im 16. Jahr- 
hundert zuerst in Spanien aufgekommen. (Vgl. auch 1559 Heinrich II.) 
Von da gelangt diese Fertigkeit nach England, wo William RMar i. J. 1564 
als erster Strumpfstricker genannt wird. 

1565 Giulio Cesare Aranzlo, Arzt in Bologna, untersucht die Veränderung des 
Blutlaufs, die bei der Geburt im Foetus vor sich geht und entdeckt den 
Ductus venosus Arantii und die Muskeln des oberen Augenlids. 

— Peter Andreas Matthlolut gibt die erste Nachricht vom Roßkastanienbaum» 

- 90 — 



1568 

der durch ihn nach Wien gelangt und der eingehender 1588 von Clusins 
beschrieben wird. Die Fracht wird 1768 von Heideloff als Kaffeesurrogat 
empfohlen. 

15 Jean NIcel« franzosischer Gesandter in Portugal, bringt die Tabakpflanze 
nach Frankreich. (Vgl. auch 1497.) Bereits im gleichen Jahre gelangt sie 
durch den Stadtphysikus Occo nach Augsburg. Nach Nicot heißt die 
Tabakpflanze Nicotiana, ihr Alkaloid Nicotin. (S. 1828 P.) 
Während alle früheren Versuche, vom westlichen Stillen Ozean nach Osten 
zu segeln, mißlungen waren, weil der entgegenwehende Passat dies hinderte, 
segelt der spanische Mönch und Seefahrer Fray Antonio it Uriantla von 
Manila erst nach Norden, wo er unter 32^ n. Br. günstigen Westwind an- 
trifft, der ihn binnen 4 Monaten durch die Südsee bis in den mexikanischen 
Hafen Acapulco befördert. Diese Reiseroute trägt Jahrhunderte lang 
Urdanetas Namen. 

36 Der englische Schriftsteller Thomas Blmtftvlll veröffentlicht sein Werk 
„The foure chiefest Offices belonging to horsemanship*', das durch seine 
gründlichen, wenn auch zum Teil auf Kompilation beruhenden Angaben 
bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts seinen Ruf als Musterwerk auf dem 
Grebiet der Pferdekunde behauptet. 

Konrad QMnsr in Zürich gibt in seinem Werke „De omni rerum fossilium 
genere*', woselbst er auch das Reißblei erwähnt, die erste Abbildung eines 
Bleistifts. Er bemerkt dazu : Stylus inferius depictus ad scribendum f actus 
est, plumbi cujusdam genere, in mucronem derasi, in manubrium ligneum 
inserti. 

Theophrastus Paracslsiis gibt sein Buch von den Meteoren heraus, das sich 
als eine Art Meteorologie kennzeichnet. 

WÜMiii lY., Landgraf von Hessen, gibt einen Stemkatalog heraus, bei dem 
zum ersten Male die Zeit als eigentliches Beobachtungselement benutzt 
und die Uhr zu einem brauchbaren astronomischen Instrument erhoben 
wird. (S. 1484 W.) 

67 Herzog von Alta führt an Stelle der Arkebuse oder des halben Hakens 
den ganzen Haken unter dem Namen „Muskete" ein, welche an Stelle der 
bisherigen vierlötigen Kugeln achtlötige Geschosse zur Durchbohrung der 
verstärkten Ritterrüstungen verfeuert, aber zu ihrer Handhabung der 
Gabel bedarf. 

Die Gewehrpatrone wird zuerst i. J. 1550 erwähnt. Zur regelmäßigen Aus- 
rüstung des Fußvolks wird dieselbe durch den Herzog von Alba i. J. 1567 
gemacht. 
67 — 69 Alvaro de Mtmlafia entdeckt die Salomon^, die Marquesas- und die 
St. Cruz -Inseln. 

68 Auf Veranlassung des Herzogs von Alta werden an der niederländischen 
Küste zuerst die sog. Duc d' Alben angelegt, das sind Gruppen eingerammter 
Pfähle, die als Seezeichen und zum Festlegen der Schiffe dienen. Mög- 
licherweise ist indes die Bezugnahme auf Alba eine irrige, und es sind die 
betreffenden Vorrichtungen besser als „Dukdalben** zu bezeichnen, nieder- 
deutsch „Dickdollen*', d. i. Deichpfähle. 

Philipp Aplanus, Professor in Tübingen, der erste Topograph der neueren Zeit, 
liefert in seinen 24 „bayrischen Landtaffeln*' das topographische Meister- 
werk des 16. Jahrhunderts. Diese Karte ist auch von großer Bedeutung 
für die Greländedarstellung. 

Der Danziger Zeugmeister Veit Wulff von Sonfftinborf beschreibt in seinem 
Buche „Von allerlei Kriegsgewehr imd Geschütz" in ausführlicher Weise 
Pulverminen mit Fern- und Zeitzündung, Selbstschüsse, Sprengbriefe, 
torpedoartige Sprenganlagen u. dgl. 

— 91 — 



1568 

1568 Bemardino Teltslo begründet eine neue Naturlehre, wobei er die gesamte 
Erscheinungswelt auf drei Hauptprinzipien zurückführt, nämlich ein pas- 
sives körperliches (die Materie) und zwei tätige unkörperliche (Wärme imd 
Kälte). Durch den Kampf der Prinzipien bilden sich Himmel und Erde 
und alle Einzeldinge. (Vgl. sein Hauptwerk „De rerum natura juxta 
propria principia**.) 

— Constantin Varollo von Bologna bearbeitet die Anatomie des Zentralnerven- 
systems. 

1 569 Egnatio DantI von Bologna entdeckt die Verminderung der Schiefe der Ekliptik. 

— Gerhard Mereator erfindet die nach ihm „Mercator- Projektion" benannte 
winkeltreue Zylinderprojektion mit wachsenden Breiten, die noch heute 
die Projektion aller Seekarten ist. 

1570 Die Königin ElisaMh von Enfland beruft behufs der Verhüttung des Zinns 
deutsche Unternehmer und Arbeiter und versieht dieselben mit Privilegien. 
Von dieser Zeit datiert der Aufschwung der Zinngewinnung in Comwall. 
Der Zinnstein wird dort in sog. Handkrählöfen, später in rotierenden 
Telleröfen und Zylinderöfen geröstet, das Röstgut durch Waschen und 
Behandlung mit Salzsäure oder verdünnter Schwefelsäure, welche die fremden 
Metalloxyde lösen, angereichert und das angereicherte Zinnerz mit Kohle 
in Schachtöfen oder Flammöfen reduziert. Das rohe Zinn (Werkzinn) 
wird einem Raffinationsprozeß unterworfen. 

— Hieronymus Fabridut ab Acquapendente entdeckt, daß alle Klappen in 
den Venen sich nach dem Herzen hin öffnen, erkennt aber deren Bedeutung 
für die Erleichterung des Blutstromes zum Herzen zurück noch nicht. 

— Fournltr führt die Fabrikation der Leonischen Ware (d. s. aus feinem 
Draht hergestellter Tressen, Borten, Stickereien, Fransen, Quasten usw.) 
in Nürnberg ein, das von da ab der Hauptsitz dieser zuerst in Leon in 
Kastilien betriebenen Industrie wird. In neuerer Zeit ist diese Fabrikation 
durch Benutzung der Galvanoplastik, durch Erfindung der Überspinn- 
maschine und der Vergoldmaschine wesentlich vervollkommnet worden. 

— Der Arzt Volcker KoytMr fördert die beschreibende und vergleichende Ana- 
tomie der Tiere, äußert richtige Ansichten über den Nutzen des äußeren 
Ohrs als reflektierenden Organs, über das Trommelfell und die Gehör- 
knöchelchen als Schallleiter und die Leitung der Gehörsempfindung durch 
den Nervus acusticus ins Gehirn. 

— Abraham Ortollut veröffentlicht in seinem „Theatrum orbis terrarum" 
53 Karten in Kupferstich, die für die Geschichte der Kartographie von 
großem Werte sind. 

— Felix Piator macht zuerst den Versuch einer Systematik der Geisteskrank- 
heiten und tritt für eine psychische Behandlung der Irren und gegen 
Zwangsmaßregeln, namentlich gegen die Einsperrung in Gefängnisse ein. 

— Der Benediktinermönch Petro ito Ponca zeigt zuerst, daß die Taubstumm- 
heit nicht auf einer mangelhaften Bildung der Sprachorgane beruht, sondern 
daß die Stummheit nur eine Folge der Taubheit ist und liefert den prak- 
tischen Beweis hierfür, indem er Taubstummen zeigt, wie artikulierte Töne 
gebildet werden und ihnen so die Sprache wieder schenkt. 

1571 Konrad Hartttach aus Speyer schreibt sein berühmtes Buch „Rei rusticae 
libri quatuor'S das erste deutsche Buch über Landwirtschaft, das den 
Keim der späteren kameralistischen Richtimg der landwirtschaftlichen 
Studien enthält. 

1572 Der Italiener Raffaele Bamballl zu Bologna lehrt in seiner 1572 zu Venedig 
erschienenen „Algebra'* ein Verfahren zum Quadratwurzelausziehen, das 
auf die Berechnung von Näherungswerten mittels Kettenbrüchen hinaus- 

— 92 — 



1576 

kommt. Pietro Antonio Cataldi (s. 1613) und Daniel Schwenter (s. 1618) 
verbessern dieses Verfahren. (Vgl. auch 1659 Brouncker.) 

•72 Tycho Bndi« beobachtet am 11. November einen neuen Stern im Sternbild 
der Kassiopeia, der im März 1574 wieder unsichtbar wird. 

•72 — 74 Isaao Habrtdit aus SchafFhausen erbaut die berühmte Kimstuhr im 
Straßburger Münster, welche bis zum Jahre 1889 im Gange war. 

72 Nicolo Monartfts erwähnt zuerst die SabadiUa, aus deren offizinell an- 
gewendetem Samen das Veiatrin hergestellt wird. 

Leonhard ThamaytMr macht die ersten systematischen Mineralwasser- 
analysen und hebt in seiner Schrift „De frigidis et calidis aquis minera- 
libus et metaUicis*' zuerst die Möglichkeit der Darstellung künstlicher 
Mineralwässer hervor. 

WinMlm von Oranltn bedient sich während der Belagenmg von Harlem durch 
Herzog Alba der Brieftauben, um sich mit seinen Landsleuten außerhalb 
der Stadt zu verständigen. Dasselbe tut er im folgenden Jahre bei der 
Belagerung von Leiden. 

•73 Lorent «lobMt entdeckt die Blinddarm platte und die knorpelige Rolle für 
den oberen schrägen Augenwinkel. 

- Ambroise Par< ist der erste, der den objektiven Nachweis von Kindes - 
bewegungen zur Diagnose des Lebens der Frucht verwertet. (S. a. 1543 
Vesahus.) Er gibt eine genaue Darstellung der Wendimg auf die Füße 
mit nachfolgender Extraktion. (S a. 536 n. Chr.) 

- Jacques Pelttlar erfindet einen Distanzmesser, den er in seiner Schrift „De 
Tusage de la g^ometrie'* beschreibt. 

- Samuel Zlmmtmumn in Augsburg gibt in seinem „Dialogus"' eine ausführ- 
liche Beschreibung der Kartätschgranate, die danach mit dem spätem 
Schrapnell (s. 1803 S.) fast völlig identisch ist. 

174 Lazarus Ercker gibt in seiner „Probekunst** an, .„wie das Eysen in lang- 
wieriger starker Hitze mit harten oder buchenen Kohlen ohne Abgang 
geglühet zu hartem Stahl kann gemachet werden*'; es handelt sich aber 
dabei nur um eine Härtung kleiner geschmiedeter Gegenstände. (Erste 
Erwähnimg des Zementstahls.) (Vgl. auch 1627.) Er gibt Anweisung 
zu einer partiellen Mineralanalyse auf trockenem Wege und weist auf 
die Wichtigkeit einer feinen Wage hin, die er beschreibt. 

»75 J. INtndOEa gibt in seinem Kompendium, in dem er die Winde, Meeres- 
strömungen, Schiffskurse usw. abhandelt, bereits besondere Segelanweisungen 
für einzelne Meere und Meeresteile. 

> Ambroise Part spricht zuerst von der Anwendung künstlicher Augen, die 
aus Gold und Silber gefertigt werden. Nächst ihm gedenkt Geronimo 
Fabricio (1617) der Anwendung künstlicher Augen und hält gläserne Augen 
für die am meisten geeigneten. 

- Ambroise Part bespricht in seinem „Tractatus de renunciationibus et ca- 
davenim embaumatibus** die Lehre von den Wunden, deren Gefahr und 
Tötlichkeit, ihre gerichtliche Feststellung usw. und gibt 1583 eine An- 
leitung zur Erstattung von gerichtlichen Gutachten. ^ 

- Ambroise Part beschreibt, nachdem im Mittelalter die Massage vergessen 
worden war, dieselbe wieder in ihren verschiedenen Arten und Wirkungen 
und legt großen Wert auf dieses Heilverfahren in Fällen, wo die Patienten 
lange Zeit das Bett hüten müssen und keine Bewegungen machen können. 

- Der Bologneser Arzt Caspar Tacliaeozza vervollkommnet die plastischen 
Operationen noch weiter als es Celsus und Branca vor ihm getan hatten 
und bildet namentlich auch künstliche Ohren. 

»76 Tycho Brahe bewirkt eine wesentliche Verbesserung der astronomischen Instru- 
mente und fügt am Okularrande der Alhidade ein besonderes Visier hinzu, 

— 93 — 



1576 

das ihm gestattet, sein Instrument mit größter Genauigkeit auf einen 
Stern einzustellen. Obwohl seine Apparate mit Fernrohren noch nicht 
versehen sind, verleiht er seinen astronomischen Messungen auf der Insel 
Hveen (Uranienburg und Stemenburg) einen bis zu seiner Zeit noch nicht 
gekannten Grad von Genauigkeit und schafft dadurch die Grundlagen für 
die weiteren astronomischen Fortschritte, namentlich für Kepler's Be- 
rechnungen. 

1576 Tycho Bnüit verbessert die Armillarsphäre und benutzt dieselbe zur Be- 
obachtung der Stimden Winkel und Deklinationen der Sterne. (S. 150 P.) 
£r stellt im gleichen Jahre das gleichförmige Wachsen der Präzession fest. 

1576 — 78 Der englische Seefahrer Sir Martin FroMthtr macht auf drei Reisen den 
Versuch, die nordwestliche Durchfahrt zu finden, doch gelangt er von 
der Ostküste Grönlands nur bis Baffinsland, das man in England „Meta 
incognita" nannte. Er entdeckt die Hudsonstraße, die er jedoch nicht 
weiter verfolgt. 

1576 Matthias Lobelliit (de TObel) aus Lille ordnet die Pflanzen habituell, und 
zwar nach der Blattform. Er unterscheidet bereits die Monokotylen und 
Dikotylen, eine der vorzüglichsten Abgrenzungslinien in der Botanik. 

— Der englische Seemann Bobert Norman erfindet den Inklinationskompaß 
zur Messimg der Neigung der Magnetnadel gegen den Horizont. Für 
London ermittelt er eine Inklination von 71° 50®. (Vgl. seine i. J. 1680 
erschienene Schrift „The new attractive". — S. auch 1544 Hartmann.) 

1577 Nachdem schon Nicolaus von Cusa den Vorschlag gemacht hatte, die 
Schiffsgeschwindigkeit nach derjenigen Zeit zu bestimmen, in der das Schiff 
an einem kleinen über Bord geworfenen Gegenstande vorbeiläuft, beschreibt 
zuerst William Bourae das Log in der noch jetzt üblichen Gestalt. Die 
Ansicht Humboldts, daß Magalhäes schon 1520 das Log benutzt habe, ist 
durch Breusing widerlegt. 

1577 — 80 Sir Francis Drake vollführt mit einem Geschwader von 5 Schiffen die 
zweite Erdumseglung. (Vgl. 1520 Magalhäes.) Er durchfährt die Magalhäes- 
straße, erblickt Kap Hoom und segelt an der Westküste Amerikas entlang 
bis 43® n. Br. Er durchquert alsdann den Stillen Ozean, erreicht im 
Jahre 1579 die Insel Ternate, läuft Java und das Kap der Guten Hoff- 
nung an und gelangt im September 1580 nach England zurück. 

1577 Guido UMdl (Guidobaldo del Monte) findet das Gesetz, daß Last und 
Kraft zueinander im umgekehrten Verhältnis der Wege stehen, welche 
sie in derselben Zeit durchlaufen, geht aber über die Anwendung beim 
Flaschenzuge und dem Rad an der Welle nicht hinaus. (Vgl. 1594 Galilei.) 

1578 Guillaume 49 Baillou beschreibt unter dem Namen „Quinta*' eine in Paris vor- 
wiegend unter den Kindern aufgetretene Hustenepidemie, die sich mit dem 
Krankheitsbilde des Keuchhustens deckt und die früheste Erwähnung 
dieser Krankheit ist. Die nach M^zerai im Jahre 1414 aufgetretene 
Coqueluche-Epidemie stellt sich eher als Influenza dar. 

— Jacques Btnon beschreibt in seinem „Theatrum instrumentorum et machi- 
narum'* eine Passigdrehbank und eine Drehbank zum Gewindeschneiden, 
welche mit einer Art Leitspindel versehen ist. Eine Drehbank zum 
Gewindeschneiden, die mit 2 Leitspindeln ausgestattet war, war schon 
von Leonardo da Vinci beschrieben worden. 

— Egnatio Dantt in Bologna konstruiert zuerst „durchgehende" Windfahnen, 
bei denen die Windrichtungen zu jeder Zeit auf einer im Hause selbst be- 
festigten Windrose abgelesen werden können. 

— Marx Fugger aus der Familie der Fugger zu Augsburg, Rat Kaisers 
Rudolf IL, gibt der Züchtung»- und G^stütskunde durch sein Werk „Von 
der Gestüterei** eine wesentliche Bereicherung. Er betont in seinem Buch 

— 94 — 



1&80 

auch die Notwendigkeit einer Pflege der Tierheilkunde für die Landwirt- 
schaft und Viehzucht. 

1578 Der Kosake Jermak TlmofiJfW dringt in Sibirien, ein, begründet die Herr- 
schaft Rußlands vom Uralgebirge bis zum Irtysch und trägt durch seine 
Kriegszüge viel zur Kenntnis des Landes bei. 

— Grerhard INtrcalor verwendet in seiner Ausgabe der ptolemaeischen Karten - 
Sammlung sowohl die abweitimgstreue unechte Kegelprojektion mit kon- 
zentrische Kreise bildenden Breitenlinien, die vielfach Bonne zugeschrieben ^^ >^ 
wird, als auch die ab weitungstreue unechte Zylinderprojektion mit gerad- 
linigen parallelen Breitenkreisen, die 1650 Sanson und 1729 Flamsteed 
anwenden und die häufig die Sanson -Flamsteedsche Projektion genannt wird. 

— Die Erdwalze oder völlige Sappe (d. i. die Ausführung der Laufgräben 
derart, daß der gegen die Festimg vorarbeitende Pioniertrupp eine £rd- 
deckung vor sich errichtet und diese beim Weitervortreiben der Sappe 
stetig weiterwälzt) ist eine türkische Erfindung. Im Abendlande wendet 
zuerst der niederländische Oberst Sonnoy bei der Belagerung von D eventer 
die Erdwalze an. 

1579 Nachdem bereits bei den Römern eine gelegentliche Verwendung kupferner 
und bronzener Schreibfedem erwähnt wird, die aus dünnem Bleche ge- 
schnitten und dann hohl gebogen waren, versucht Andreas Ludwif, ge- 
bürtig aus der Umgegend von Reichenhall in Oberbayem, eine Herstellung 
von Schreibfedem aus Messingblech. Auch Johann Neudörffer aus 
Nürnberg soll ähnliche Versuche gemacht haben, die jedoch ebensowenig 
wie die Ludwig'schen praktische Folge hatten. (Vgl. 1780.) 

— Mathaeus Mtfli, ein Arzt aus Langensalza, erfindet die Gradierhäuser zur 
Anreicherung der Salzsolen behufe Gewinnimg von Kochsalz und baut 
das erste Gradierhaus in Nauheim. (Vgl. auch 1726 B.) 

— Der italienische Architekt Giacomo MIa Porta macht den Vorschlag, die 
menschliche Stimme durch Röhren auf weite Entfernungen fortzuleiten. 
(Akustische Telegraph^e.) L 

— Fran^ois VMl begründet durch seine Schrift „Universalium inspectionum 
ad canonem mathematicum Über singularis'* innerhalb der Trigonometrie 
die Goniometrie als vorbereitende Wissenschaft. 

1580 Prosper AIMnut veröffentlicht die erste Abbildung und Beschreibung der 
Kaffeepflanze in Europa. 

— Prosper AIMniiS lernt im Orient die Moxen kennen und bringt dieselben 
nach Europa. Die Moxa ist ein kleiner aus leicht verglimmendem Stoffe 
angefertigter Kegel oder Zylinder, der bei Gicht, chronischem Rheumatis- 
mus usw. zum Zweck energischer Ableitung auf der Haut verbrannt 
wird. Jetzt sind die Moxen allgemein durch Brennapparate verdrängt. 

— Nachdem nächst Kleomedes (s. 100 n. Chr.) auch von Alhazen und Bernhard 
Walther einzelne Beobachtungen der astronomischen Strahlenbrechung 
mitgeteilt worden waren, behandelt Tycho Braht dieselbe wissenschaftlich 
und bestimmt zum ersten Male auf empirischem Wege ihre Größe. 

— Der Botaniker Fabio Columna führt den bereits Plinius dem Älteren be- 
kannten offizineilen Baldrian in den Arzneischatz ein, nachdem er ihn an 
sich selbst gegen Epilepsie angewandt hatte. 

— Rembertus DiNhNiasvt führt die Tomate, die den Griechen bereits als Genuß - 
pflanze bekannt war, in die medizinische Praxis ein. 

— Rembertus Dwionatas beschreibt die Kapuzinerkresse, die zu seiner Zeit gegen 
Skorbut verwendet wird. 

— O bschon die Stärke seit den ältesten Zeiten bekannt und auch schon 
800 V. Chr. zu Appreturzwecken verwendet worden war, wird sie doch in 

— 95 — 



1580 

England erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts eingeführt. Das Stärken 
der Wäsche ebensowohl, wie das Blauen derselben wird durch die Hollän- 
derin Abigail GullhaiQi die Frau eines königlichen Leibkutschers, zuerst be- 
wirkt. Das Blauen wird derart zur Modesache, daß die Königin Elisabeth, 
in der Absicht, sich dasselbe allein zu reservieren, durch ein Manifest vom 
23. Juni 1596 es ihren Untertanen verbietet. 
1580 Arthur Ptt dringt auf dem Schiffe „Georg'* bis in das Karische Meer vor 
und fördert die Lösung der Frage eines nordöstlichen Seewegs nach dem 
Stülen Ozean in nicht imbedeutendem Maße. 

— Ratellffo in Plymouth begründet zum ersten Male, seitdem die Tironischen 
Noten (s. 63 v. Chr. Tiro) außer Gebrauch kamen, ein Kurzschriftsystem 
(Stenographie), das jedoch zur Andeutung der einzelnen Wörter bestimmte 
Zeichen einführt, daher große Anforderungen an das Gedächtnis stellt, 
und nicht zur allgemeinen Anwendung gelangt. Ein ähnliches System 
steUt 1588 Timothy Bright auf. 

— Paolo Sarpl^weiß, daß ein Eisenstab durch Influenz seitens eines Magneten 
selbst zum Magneten wird. 

— Pompeo Tarfone, Ingenieur des Marchese Ambrogio Spinola, erfindet die 
Feldmühlen. (Wagenmühlen, fahrbare Mühlen.) 

— Garcilafio ile la Vtca spricht von dem Gebrauch der Inkafi, auf den Hoch- 
ebenen von Peru zum Schutz der Pflanzungen gegen Frost durch Verbrennen 
von Mist Rauch zu erzeugen, der wie eine Wolkendecke wirke und den 
Frost abhalte. (S. a. 1757 und 1867 T.) 

— Fran^ois VIeta begründet die Buchstabenrechnung, indem er, wenngleich 
auch schon vor ihm Buchstaben zur Bezeichnung von Zahlengrößen gelegent- 
lich verwendet worden waren (s. 330 v. Chr., 150 n. Chr.), die folgerichtige 
und systematische Anwendimg der Buchstaben in die Algebra einführt 
und dieses Verfahren auch auf die Geometrie ausdehnt. 

1582 Tycho Brahe führt in üranienburg 15 Jahre hindurch ein meteorologisches 
Tagebuch, in dem er regelmäßig den Gang der Witterung verzeichnet. 
Ähnliche Aufzeichnungen werden von Kepler gemeldet. 

— Der Papst Grsfor XIII. führt nach sechsjährigen Verhandlungen mit den 
katholischen Mächten mittels der Bulle „Inter gravissimas*' die nach ihm 
benannte Kalenderreform durch, zu w^olcher der italienische Arzt Luigi Lilio 
die Anregimg gegeben (vgl. jedoch 1474 Sixtus) und der Bamberger 
Mathematiker Clavius die Berechnungen ausgeführt hatte. Die i. J. 1582 
gegen das tropische Jahr bestehende Abweichung von 13 Tagen wird da- 
durch beseitigt, daß nach Donnerstag d. 4. Oktober gleich Freitag d. 
15. Oktober gezählt wird. Ferner wird in Abänderung des julianischen 
Kalenders (s. 46 v. Chr.) bestimmt, daß für die Folge nur diejenigen Säkular- 
jahre Schaltjahre sein sollen, die durch 400 teilbar sind. 

— Der aus Deutschland gebürtige Techniker Peter Maurice legt unter der 
London Bridge ein durch ein Wasserrad getriebenes Pumpwerk an, das 
als die erste Anlage dieser Art in England bezeichnet wird imd lange Zeit 
hindurch für die Wasserversorgungseinrichtungen der Städte vorbildlich 
gewesen ist. 

— Paul Witticli findet das als Prosthaphaeresis bezeichnete Rechnungsverfahren, 
das vor Erfindung der Logarithmen sehr gebräuchlich war, um Multi- 
plikationen durch Additionen und Subtraktionen zu ersetzen. 

1583 Georg Bartitcfi gibt seinen „Augendienst*' heraus, in welchem er sich als 
tüchtiger Beobachter und geschickter Augenarzt zeigt, und in dem er auch 
verschiedene neue Instrumente und neue Operationen beschreibt. 

— Andreas Caasalplnut sucht die Pflanzen nach ihren Fruktifikationsorganen 
in ein System zu bringen und gibt eine inhaltreiche theoretische Botanik. 

— 96 — 



1684 

1583 Andreas Oatniplnm bemerkt zuerst das Anschwellen der Venen unterhalb 
des Verbandes und zieht daraus den Schluß auf ein Zurückfließen des 
Blntes in den Grefäßen. 

— In der in Basel gedruckten „Greometria rotundi'* des Mathematikers Thoma» 
FtaMk aus Flensburg finden sich zuerst die Kamen „Tangente" und „Sekante**. 
(Die Einführung der Sekante in die Trigonometrie erfolgt durch Kopernikus.) 

— Pieter van Forttt t fördert die Medizin durch die Herausgabe seiner Be- 
obachtungen und tritt gegen die sehr verbreitete Uromantie auf, indem 
er hervorhebt, daß Temperatur, Lebensalter, Lebensart usw. auf die Be- 
schaffenheit des Harns großen Einfluß äußern. (Vgl. auch 1534 Femel.) 

— Galileo QallM beginnt seine bedeutsame, iast sechs Jahrzehnte fortgesetzte 
Tätigkeit als Physiker und Astronom. Er legt die Ergebnisse seiner For- 
schungen in den in den Jahren 1612, 1623, 1632 und 1638 verfaßten, erst 
nach seinem Tode herausgegebenen vier Hauptwerken nieder. Dieselben 
enthalten viele von ihm schon lange vorher erkannte Tatsachen, so daß 
es bei den meisten Entdeckungen Galileis nicht möglich ist, eine bestimmte 
Jahreszahl anzugeben. Die hier folgenden, auf Galüei bezüglichen Artikel 
sind deshalb hinsichtlich der Jahreszahlen, obwohl auf Gnmd der besten 
Quellen geprüft, trotzdem zum Teil unsicher. 

— Galileo QallM soll — bei Beobachtung der Schwingimgen einer Lampe im 
Dom zu Pisa — den Isochronismus der Pendelschwingimgen erkannt haben. 
Doch ist das Jahr unsicher und der ganze Vorgang historisch nicht scharf 
nachweisbar. Auch soll Galilei auf Grund jener Entdeckung einen Apparat 
zur Messung der Häufigkeit des Pulsschlages ersonnen haben. 
— Felix Plator spricht klar aus, daß die ErystalUinse des Auges die Bilder der 
äußern Gegenstände auf der Netzhaut entwirft, daß die letztere also den 
Hauptteil des Sehwerkzeuges darstellt. (S. a. 1160.) Der Irrtum Platers, 
daß die Bilder auf der Netzhaut vergrößert werden, wird von Kepler (vgl. 
1604 K.) richtig gesteUt. 

— Joseph Justus Scallfir veröffentlicht sein Werk „De emendatione temporum", 
ein bahnbrechendes Lehrbuch der Chronologie, das Ordnung und Licht in 
diese Wissenschaft bringt und ihm den Namen des Vaters der Chronologie 
einbringt. 

— Joseph Justus Scallpr schlägt eine, die ganze bekannte Geschichte um- 
fassende 2jeitrechnung vor, indem er durch Multiplikation der zyklischen 
Zahlen 28, 19 und 15 eine Periode von 7980 Jahren bildet, die er „julia- 
nische Periode" nennt. Das 4713. Jahr dieser Periode entspricht dem 
ersten unserer christlichen Zeitrechnung. 

1584 Sir Walter Ral^ifh -bringt zuerst das Curare, das im wesentlichen aus dem 
eingedickten Saft gewisser Strychnusarten besteht, nach Europa und be- 
richtet, daß dasselbe unter dem Namen Ourari von ^en Indianern Guyanas 
benutzt werde, um die Pfeilspitzen zu vergiften. N^ere Mitteilungen über 
das Curare macht insbesondere Appun (1871). 

— Die Kartoffel soll um 1565 bereits durch einen Sklavenhändler Hawkins 
nach Irland gebracht worden sein, ohne jedoch Beachtung zu finden. Nach- 
dem sie inzwischen durch die Spanier auch nach Italien und Burgund 
gebracht worden war, führt sie 1584 Sir Walter Raleifh zum zweiten Male, 
und zwar aus Virginien nach Irland ein. Von da an datiert ihre allgemeine 
Verbreitung, um die sich u. a. auch Drake verdient gemacht hat. Dagegen 
ist, wie schon Humboldt nachgewiesen hat, die Annahme irrig, daß Drake 
die Kartoffel nach Europa eingeführt habe. 

— Johann Schtnck von GraiMbMi; wendet zuerst bei asphyktisch Verunglückten 
nach Entfernung aller Atmungs- Hindernisse künstliche Respiration an. 
Darmitaedter. 7 

— 97 — 



1584 

1584 Michael Varro äußert in seinem „Tractatus de motu** richtige VorsteUimgen 
von der mechanischen Kräftezusammensetzung. 

— Nikolaus Zurfclnden in Bern verfertigt ein Schnellladegewehr, an dem eine 
drehbare Ladetrommel, ähnlich wie bei dem heutigen Revolver, angebracht 
ist. Die Versuche mit dem Schnellladegewehr fallen zwar nicht besonders 
günstig aus, doch hat die Idee eine entwicklungsgeschichtliche Bedeutung. 

1585 William Borough gibt ausführliche Anweisungen zur Bestimmung der Dekli- 
nation und bespricht ihre Wichtigkeit für die Navigation. 

— Tycho Brahe stellt ein Weltsystem auf, bei dem die Erde den Mittelpunkt 
der Welt bildet. Sie wird von Sonne und Mond umkreist, während die 
Planeten sich um die Sonne bewegen. 

1585 — 87 John Davit unternimmt drei Reisen zur Auffindung einer nordwestlichen 
Durchfahrt, sichtet den südlichsten Abschnitt von Ostgrönland, das er 
„Land of Desolation" nennt, und kommt an der Westküste von Grönland 
durch die nach ihm benannt« Davisstraße bis über 72" n. Br., worauf er 
quer über den Meerbusen zur Hudsonstraße steuert. 

1585 John Davit erfindet den Davis -Quadranten (Backstaff), welcher sich in der 
Seeschiffahrt rasch einbürgert, ohne indes den Jakobsstab (s. 1325) ganz 
zu verdrängen. 

— Von Philipp II. abgewiesen, begibt sich der italienische Kriegsbaumeister 
Federigo Qlaniballl nach Antwerpen, wo er mit den von ihm erfundenen 
Minenschiffen die Brücke sprengt, mit der die spanischen Belagerer die 
Scheide gesperrt hielten. Anderen Nachrichten zufolge hat Gianibelli Spreng- 
ladungen von 60 und 75 Zentnern zum Wegräumen der Sperren angewendet. 
Hiernach hätte man es mit einer Art von Seeminen zu tun. 

— Durch den aus der Grafschaft Buckingham gebürtigen Engländer Oranvilit» 
welcher den Gebrauch der Tonpfeife bei den Eingeborenen Virginias kennen 
gelernt hatte, wird die tönerne Tabakspfeife in Europa bekannt. 

— Jaques Qiilliwntau liefert in seinem Buche „Des maladies de l'oeil qui sont 
en nombre de cent treize auxquelles il est subject" das beste Lehrbuch der 
Augenheilkunde des Mittelalters. 

— Christoph Rotliniann in Cassel beobachtet zuerst das Zodiakallicht (Tierkreis- 
licht), das 1661 im Druck von Joshua Childrey beschrieben wird imd dessen 
räumliche Verhältnisse 1685 von Jean Dominique Cassini bestimmt werden. 

— Gasparo Bertolotti aus Brescia, genannt da Said, hat einen wesentlichen 
Anteil an der technischen Ausbildung der heutigen Violine, deren Erfindung 
ihm bisweilen zugeschrieben wird. (Vgl. 1553 Tieffenbrucker.) Unter den 
späteren Violinenmachern sind namentlich Niccolo Amati in Cremona und — 
als berühmtester und in der Folgezeit nicht wieder erreicht — Antonio 
Stradivari zu nennen. 

— Wenn auch nicht mehr zu ermitteln ist, wer die erste Zinseszinstafel auf- 
gestellt hat, so sind doch als erste derartige, im Druck erschienene Tabellen 
die von Simon Stovinut in seiner „Practique d'Arithm^tique" gegebenen 
anzusehen. 

1586 Galileo Qaill«l konstruiert eine hydrostatische Wage (Bilancetta), die, auf 
dem archimedischen Prinzip von dem Gewichtsverlust eines in die Flüssig- 
keit eintauchenden Körpers beruhend, das spezifische Gewicht fester Körper 
zu bestimmen erlaubt. 

— Simon Stovinut stellt die erste richtige Theorie der schiefen Ebene auf und 
deutet den Satz vom Parallelograinm der Kräfte an. 

— Simon Stovinut spricht, unter Anlehnung an Ubaldi (s. 1577) bei Gelegen- 
heit der Untersuchung des Gleichgewichtszustandes der RoUen und Rollen- 
systeme das Prinzip der virtuellen Verschiebungen aus. 

— 98 — 



1689 

1586 Simone Viravfo führt den Kupferstich in den Musiknotendruck ein, welcher 
sich seitdem dauernd neben dem Typendruck (s. 1476 Hahn, 1498 Petrucci, 
1625 Haultin und 1755 Breitkopf) erhalten hat. 

1587 Giulio Cesare Aranzlo demonstriert zuerst das Netzhautbildchen an einem 
ausgeBchnittenen Tierauge nach Abpr&parieren der Lederhaut und 
Aderhaut. (S. 1625 S.) 

— Giulio Cesare Aranzio weist zuerst auf eine Difformität des Beckens hin, 
eine Beobachtung, die der eigentliche Ausgangspunkt der Lehre vom engen 
Becken wird. (S. a. 1460.) 

— Giovanni Battista BMMdtHi ahnt die Ursache der Fallbeschleunigung 
und hat eine gewisse Kenntnis von der Beharrung der Körper, nicht bloß 
in Ruhe, sondern auch in Bewegung. Er spricht aus, daß ein im Kreis 
geschwungener Gregenstand beim Aufhören der Zentralbewegung sich in 
tangentialer Richtung fortbewegt. 

— Tycho Brahe stellt in Uranienburg seinen „Quadrans muraUs sive Tichonicus*' 
auf, der mittels Transversaleneinrichtung Sechstelminuten abzulesen er- 
laubt und viele Ähnlichkeit mit dem Quadranten des Nassir-Eddin (s. 980) 
aufweist. Später werden große Mauerquadranten namentlich von Bird 
(1775), Ramsden (1780), Troughton, Reichenbach (1819) u. a. gebaut. 

— Nachdem der Gedanke, Winkelinstrumente mit zwei zueinander senk- 
rechten Kreisen zu konstruieren, an welchen sich beliebige Visierrich- 
tungen nach Höhe und Azimut festlegen lassen, zuerst von den Arabern 
verwirklicht worden war, konstruiert Tycho Braht einen Quadrans azimu- 
talis, der aus einem Höhenquadranten von 1^/2 Ellen Höhe besteht, der 
über einem horizontalen Vollkreis von 2 Ellen Durchmesser spielt. 

— Simon Stovlnus entwickelt aus den Sätzen des Archimedes das sogenannte 
hydrostatische Parodoxon, wonach Flüssigkeiten einen viel größeren Druck 
als ihr eigenes Gewicht auf den Boden der Gefäße ausüben können, und 
bestimmt auch den Druck der Flüssigkeiten auf vertikale und geneigte 
Seitenwände. Er stellt femer den Satz vom Gleichgewicht des Wassers in 
kommunizierenden Röhren auf. 

1588 Carolus dvsius pflanzt in Wien und Frankfurt a. M. Kartoffeln als bota- 
nische Seltenheit an. (S. 1584 Raleigh.) Ihren botanischen Namen Sola- 
num tuberosum erhält die Kartoffel durch Caspar Bauhin. 

— Der Jesuit Giovanni Pietro Maffel in Florenz beschreibt in seiner Schrift 
„Historiarum indicarum libri XVI** die Teepflanze. Der Name „Tee** 
stammt von den Arabern, welche die chinesische Bezeichnung „Tscha** über- 
nahmen, das Wort aber „Tiä** aussprachen. (Vgl. 150 v. Chr.) 

— Ldvio Sanato spricht zuerst von zwei magnetischen Polen der Erde. (Vgl. 
1530 Fracastoro.) 

1589 Galileo QaliM weist nach, daß Körper verschiedenen Gewichts, die er von 
der Höhe des schiefen Turmes in Pisa herabfallen läßt, ihren Weg in bei- 
nahe gleichen Zeiten zurücklegen. 

— Der englische Student der Theologie William Lm baut den ersten Hand- 
kulierstuhl für Strumpfwirkerei in solcher Vollkommenheit, daß der- 
selbe auch heute noch in seiner ursprünglichen Form Verwendung 
finden kann. 

~ Giambattista dellt Porte gibt an, daß man mit Eis und Salpeter eine 
vreit höhere Kälte als mit Wasser und Salpeter (s. 1550) erzeugen 
könne. 

— Giambattista MIa Porte gibt in seiner ,,Magia naturalis** die älteste Be- 
schreibung eines Wassertrommelgebläses. In seinem Werke schildert er, 
wie Eisenfeilicht vom Magneten angezogen wird, an diesem wie ein Bart 
hängen bleibt und selbst, solange es nicht aus seiner Lage gebracht wird, 

7* 

— 99 — 



1^9 

magnetische Wirkungen äußert, daß diese Wirkung aber gestört wird, so- 
bald man es vom Magneten abschüttelt. 

1589 Daniel Sp^ckls beschreibt in seiner „ Architectura' * den ersten Proportional- 
zirkel. Der Zweck des Proportionalzirkels, welcher aus zwei nach Zirkel- 
art miteinander verbundenen, in mannigfacher Weise mit Marken ver- 
sehenen Linealen besteht, ist der einer graphischen Tabelle. Mit der 
Verbesserung des Proportionalzirkels hat sich im Mittelalter eine große 
Anzahl Mathematiker beschäftigt. 

1590 Der Jesuit G. dl Acotta gibt die erste Beschreibung der Bergkrankheit und 
führt dieselbe auf die Dünne der Luft zurück. 

»- Tycho Brahe entdeckt die dritte große Ungleichheit des Mondes, die jähr- 
liche Gleichung, die daraus entspringt, daß die Erde sich nicht immer in 
der gleichen Entfernung von der Sonne befindet. (S. 150 und 980.) 

— Nachdem sich die Wasseruhr (s. 450 v. Chr.) im Mittelalter auch im 
Hausgebrauche eingebürgert hatte, verbessert Tycho BralM diese Kon- 
struktion zu astronomischen Zwecken, indem er das Wasser durch Queck- 
silber ersetzt. 

— Domenico Fontena soll zur Hebung des ägyptischen Obelisken auf dem 
Petersplatze in Rom von der Verkürzung der Taue durch Benässung Ge- 
brauch gemacht haben. 

— William Gilbert stellt sich — nach der von Lasswitz herrührenden, aller- 
dings sehr freien Deutung — die Wärme als Bewegung eines sehr feinen 
materiellen Äthers vor. Gilbert selbst bezeichnet in seinem posthumen, 
erst 1651 veröffentlichten Werke die Wärme nur als „Actio corporis**. 

— Der holländische Optiker Zacharias Janttan erfindet das zusammengesetzte 
Mikroskop, welches aus der Vereinigung einer BikonvexUnse (Sammel- 
linse) und einer Bikonkavlinse (Zerstreuungslinse) besteht, von denen die 
erstere als Objektiv, die letztere als Okular dient. 

— Johann Praetorlut, Professor in Altdorf bei Nürnberg, erfindet das Diopter- 
lineal und den Meßtisch. (Mensula Praetoriana.) 

— Simon Stavinut legt mit seiner „Hylocynesie" den Keim zur teUurischen 
Morphologie. Er behandelt darin bereits den Bau der Ebenen und 
Berge, den Lauf der Flüsse und die Beziehungen zwischen festem und 
flüssigem Element. 

— Simon Staviniis stellt eine Theorie der Gezeiten auf, die es ihm ermöglicht, 
für gegebene Erdorte die Eintrittszeiten für Ebbe und Flut mit Rücksicht 
auf den Mondlauf vorauszubestimmen. 

1591 Johannes Colar gibt einen ökonomischen Kalender heraus, der neben den 
in Kalendern üblichen Angaben über Tage, Monate, Sonnenaufgang und 
Sonnenuntergang ausführliche Angaben über die Arbeiten enthält, die 
während eines jeden Monats im Hause, in den Ställen, auf den Feldern usw. 
ausgeführt werden müssen und der die Veranlassung zu dem 1593 von Coler 
veröffentlichten Werke „Oeconomia oder Hausbuch des Johannis Colers" 
wird, das den Weinbau, Gartenbau, Obstbau, Waldbau, Ackerbau, die 
gesamte Viehhaltung, Jagd, Vogelfang und Fischerei behandelt. 

— Federigo Qlanlballl bietet dem Lord Burleigli eine Erfindung an, durch 
welche er das Wasser der Londoner Straßengossen klären imd für eine 
anderweitige Verwendung geeignet machen wiD. Der Vorschlag — eines 
der ersten geschichtlich nachweisbaren Beispiele des Versuchs einer Klärung 
der städtischen Abwässer — bleibt unbeachtet. 

— Faustus Varantius baut die erste bekannte Baggermaschine, bei welcher die 
auf Stielbagger übertragene Kraft durch eine Anzahl in einem Laufrade 
tätiger Menschen hervorgebracht wird. Er entwirft eine Hängebrücke, 
die jedoch nicht zur Ausführung gelangt. 

— 100 — 



1595 

1592 HieronymnB FaMdus ab Aoquapendente erwähnt zuerst das Leuohtea 
des Schlachtfleisehes (Lamm- nnd Bockfleisch). Das Lenchten an dem 
Schleim, den Köpfen, den Augen, sowie den Schuppen der Fische hatte 
zuerst Aristoteles erw&hnt. Robert Boyle stellt 1667 fest, dafi diese 
Eigenschaft im luftleeren Räume aufhört, im lufterfüllten Räume aber 
wieder beginnt. 

— Georg Hotfnactl in Frankfurt a. M. macht die ersten bekannten mikro- 
skopischen Beobachtungen und veröffentlicht auf 50 Kupfertafeln eine 
größere Anzahl von Abbildungen von Insekten als Ergebnis seiner Beob- 
achtungen. 

— Der Holländer Comelis Comelisz van UHgttst erbaut die ersten durch Wind- 
räder getriebenen Holzsägemühlen, nachdem bis dahin solche Mühlen nur 
durch Wasserräder betrieben worden waren. 

1593 ScrvMrt erfindet die Kapselpumpe, bei der die Wasserbewegung durch 
zwei entgegengesetzte Drehbewegungen oder durch die Verbindung einer 
Drehbewegung mit einer geradlinigen Bewegung der an Stelle der Kolben 
wirkenden Scheiben und Platten bedingt wird. Trotz der Schwierigkeit, 
eine haltbare Dichtimg für die Drehscheiben und Platten herzustellen, wird 
diese Art von Pumpen in der Folge vielfach angewendet und auch noch 
vervollkommnet. 

1594 Wie durch eine Regensburger Handschrift neuerdings festgestellt worden 
ist, bezeichnet es Galileo GallM als einen allgemein gültigen Satz, daß bei 
allen mechanischen Vorrichtungen in demselben Verhältnisse an Weg und 
Zeit verloren, wie an Kraft gewonnen wird. (Vgl. 1577 Ubaldi.) 

1595 Wer zuerst den Calomel in der Medizin angewandt hat, ist nicht zu er- 
mitteln; so viel aber steht fest, daß Joseph du Chetnt (Quercetanus) den- 
selben öfters benutzt hat, weshalb er im 17. Jahrhundert auch Panchy- 
magogum Quercetani hieß. 

— Andreas Jttsntr gibt in seiner „Kunstkammer" an, der Wein bleibe süß, 
wenn man 3 — 4 Pfund Blei in das Faß lege. Die Verfälschung des Weines 
mit Bleiglätte ist neueren Datums imd zuerst in Frankreich aufgekommen, 
wo man ihr durch eine Verordnung von 1696 zu steuern sucht. 

— Andreas UImyIus gibt das erste Lehrbuch der Chemie „Alchemia e dispersis 
passim optimorum auctorum etc. coUecta." heraus und entdeckt bei 
Destillation von Quecksilbersublimat mit Zinn das Doppelt - Chlorzinn 
(Spiritus fumans Ldbavii). 

— Andreas LIiMnrIiit beschreibt das wahrscheinlich schon früher bekannte neu- 
trale essigsaure Bleioxyd und bezeichnet dasselbe zuerst als Bleizucker. 

— Andreas Lltavlut macht zuerst auf die Reaktion zwischen Salzsäure und 
silberhaltigen Lösimgen aufmerksam. 

— Andreas Llbtvliit erwähnt zuerst das schwefelsaure Ammoniak, dessen Dar- 
stellung aus Schwefelsäure und Spiritus Urinae er beschreibt. Gegen Ende 
des 17. Jahrhunderts wird das Salz ein beliebtes und viel ge- 
brauchtes Arzneimittel und späterhin, nachdem die Gasbeleuchtung sich 
allgemein verbreitet und man das Teerwasser (Gaswasser) zur Bereitung 
der Ammoniaksalze anzuwenden gelernt hat, ein großer Handelsartikel. 

— Bartholomäus PItIteiis veröffentlicht seine „Trigonometria**, welche Be- 
zeichnung bei ihm zum ersten Male vorkommt. Er gibt derselben 
trigonometrische Tabellen bei, und zwar in der Auflage vom Jahre 1612 
mit DezimaLsteUen, welche durch einen Punkt von den übrigen Stellen 
getrennt sind. (Vgl. aber 1600 B.) Sein Hauptverdienst ist die im Jahre 
1613 unter dem Titel „Thesaurus mathematicus** erfolgte Herausgabe des 
großen Kanon des Rhaeticus. 

— 101 — 



1696 

1596 — 97 Nachdem Willem Barents bereits im Jahre 1594 eine Expedition zur 
Auffindung des nordöstlichen Seewegs unternommen hatte, die ihn bis 77* 
nördlicher Breite führte, und nachdem im Jahre 1595 eine zweite hoU&n- 
dische Entdeckungsfahrt gemacht worden war, die ergebnislos verlief 
unternehmen Willem Barents, Jacob van Heemsktrk und Jan Comelisz RIJp 
eine neue Expedition, auf der sie unter 74^30' die Bäreninsel und unter 
80<* Spitzbergen entdecken. 

1596 Willem Barents und Jacob van Hoemsktrk (s. vorigen Artikel) beobachten 
auf ihrer Beise im nördlichen Eismeer, daß die Bamakel- (Bemakel-) 
gänse Eier legen und bebrüten wie andere Vögel. Die Annahme der 
klerikalen Schriftsteller, welche, um diese Gänse als Fastenspeise zulassen 
zu können, dieselben aus der Entenmuschel (Lepas anatifera) entstehen 
lassen, ist damit endgültig widerlegt. 

— Andreas Caasalpinus bespricht in seiner Schrift „De metaUicis'*, daß Alaun» 
Salpeter, Vitriol, Zucker usw. aus ihren Auflösungen immer in denselben 
Formen anschießen und dürfte damit wohl der erste Beobachter der Tat- 
sache sein, daß Salze eine verschiedene Krystallgestalt haben. Er hält 
indes die Krystallgestalt nicht für ein konstantes Kennzeichen der Körper, 
weil er die vorgefaßte Meinung hat, daß nur die organisierende Kraft be- 
stimmte Grestalten erzeugen könne, was bei leblosen Substanzen nicht der 
Fall sei. 

— Der Mathematiker Liidolf van Ceulen in Leiden berechnet die nach ihm be- 
nannte Kreisumfangszahl ji auf elementarem Wege (aus dem umschrie- 
benen imd eingeschriebenen 1073,74r284-Eck) auf 35 Dezimalstellen. 

— David Fabricius entdeckt den 13. August an dem Fixstern o Ceti eine auf- 
fallende Lichtveränderung und nennt diesen veränderlichen Stern, der im 
Oktober wieder verschwindet, später aber mit wechselnder Helligkeit 
wiederholt beobachtet wird, ,,Mira Ceti**. 

— Sebastian Hflile regelt zuerst die Brennzeit des Zünders nach der Flugzeit 
des Geschosses und wendet einen Fall- und Aufschlagzünder an. 

— Simon Stevlnus führt die Dezimalbruchrechnung in die Kechenkonst ein, 
indem er voUe Klarheit über das Wesen der Dezimalbrüche schafft und 
die vorhandenen Keime (s. 1140) zu einem klar durchgebildeten System 
vereinigt. Stevinus hatte schon i. J. 1585 in seiner Abhandlung „La Disme" 

* ausgesprochen, daß sich alle Berechnungen des Geschäftslebens ohne Brüche, 
nur mittels ganzer Zahlen ausführen lassen. (Vgl. 1600 Bürgi.) 

1597 William Bariowe in Easton bei Winchester erkennt zuerst den störenden 
Einfluß der im Schiffskörper befindlichen Eisenmassen auf den Kompaß: 
Deviation. (S. seine Schrift „The navigator's supply". -— Vgl. auch 1798 
Flinders.) 

— Capo Bianco erwähnt zuerst in seiner Schrift „Corona e palma militare'* 
die Anwendung der Kartusche in der Artillerie, welche das bis dahin 
unbequeme, zeitraubende und gefährliche Laden der Geschütze mit losem 
Pulver aus einer Ladeschaufel entbehrlich macht. 

— Heinrich lY. von Frankreich soU vor Amiens das erste Feldlazarett er- 
richtet haben. 

— Andreas Llkavlut macht die erste bestimmte Beobachtmig über die blaue 
^ Färbung des Ammoniaks mit Kupfer. 

— Buonajuto Lorini beschreibt in seinem Werke „Delle fortificationi" Hinter- 
ladungsgeschütze, die auf Galeeren und Kriegsschiffen zur Bequemlichkeit 
der Kanoniere sehr gebräuchlich seien. Er gibt u. a. auch die Beschreibung 
einer Seilbahn zur Bewegung von Erdmassen. (S. a. 1411.) 

— Sir Walter Ralalfll benutzt das Mahagoniholz auf Trinidad zur Ausbesserung 

— 102 — 



1600 

s^ner Schiffe, doch wird daa Holz in England erst 1724 eingeführt. Die 
Rinde wird 1787 von Wright in Jamaika als Chinasurrogat empfohlen. 

1598 Fortunato FaMt in Palermo ist der erste, der den Wert der Sektion zum 
Erweise eines Giftmordes erkennt imd zu dem Behufe die Eröffnimg und 
Untersuchung der Leichen vorschlägt. 

— Der Senator Carlo Rulnl in Bologna gibt die „Anatomia del Cavallo'' her- 
aus, ein Werk, das durch die anschauliche Beschreibung der Krankheiten 
des Pferdes und deren Heilung einen großen Kuf erlangt. Neuerdings 
wird bezüglich des genannten Buches die Autorschaft Ruinis, der ein 
Jurist war, in Zweifel gezogen. 

— Nach W^illiam $ h «k H ptar> ist es eine zu seiner Zeit bereits allgemein be- 
kannte Tatsache, daß der Mond die Ursache von Ebbe und Flut ist. 
(S. Heinrich IV. [1. Teü, I, 2]; Lear [V, 3: „Wir überstehen List und Zwist 
der Großen, die Flut und Ebbe haben nach dem Mond"]; Wintermärchen 
[I, 1]; Sturm [V, 1]). 

1599 Ulisses AMrwandi gibt die drei ersten Bände seiner großen Tiergeschichte 
heraus, die der Naturgeschichte der Vögel gewidmet sind. Die ferneren 
Bände werden erst nach seinem Tode von Uterverius, Dempster und 
Bartholomaeus Ambrosinus herausgegeben. Das Werk geht wenig über 
G-esner (s. 1550) hinaus, der im allgemeinen kritischer als Aldrovandi ist. 

— Dirk Qtrrlte wird auf einer Fahrt durch die Magalhäes- Straße durch einen 
Orkan angeblich bis 64^ s. Br. verschlagen, wo er schneebedecktes Land 
(Grahamland t) erblickt haben will. Doch haben Buge und Wichmann 
nachgewiesen, daß er nur bis 56^ s. Br. gelangt ist und den nach ihm be- 
nannten Dirk G^rritsz -Archipel nie gesehen hat. 

— Der ItaUener Ferrante Imptrato erwähnt in seiner „Naturgeschichte*' das 
Beißblei, das er „Grafio piombino** nennt. Die Bezeichnung „Graphit" 
stammt von Abraham Gottlob Werner. 

1600 Tycho BndM entdeckt die säkulare Beschleunigung der Mondbewegung. 

— Tycho BralM berechnet die erste Kefraktionstafcl und benutzt dieselbe, um 
die astronomischen Beobachtungen zu korrigieren. 

— Jujst BQrfl erfindet imabhängig von Stevinus (s. 1596) die Dezimalbruch- 
rechnung. Er wendet zuerst einen Punkt zur Abgrenzung der Dezimal- 
stellen an. (Vgl. aber 1595 Pitiscus.) Er konstruiert ein Triangularinstrument, 
das aus 3 Linealen mit Dioptern besteht imd zur Verwendung bei den 
Feldmeßarbeiten bestimmt ist. 

— Hieronymus Faferldus ab Acquapendente macht hervorragende entwicklungs- 
geschichtliche Arbeiten und gibt die ersten Abbildungen von Embryonen, 
von der Decidua, dem schwängern Uterus und der Placenta. Er stellt 
auch als Erster die Lage der Krystalllinse in einer Umrißzeichnung richtig dar. 

^ Hieronymus Fabrldus ab Acquapendente gibt in seiner Schrift „De larynge 
vocis organo" die erste Monographie über den Kehlkopf. 

— William GlllMrt erforscht die Eigenschaften der natürlichen Magnete, gibt 
der Lehre vom Magnetismus eine wissenschaftliche Grundlage und be- 
gründet die Lehre vom Erdmagnetismus (vom großen Magneten Erde). 
Durch die Annahme des Erdmagnetismus gelingt es ihm, die Deklination 
und Inklination zu erklären. Er behauptet schon, daß jeder unmagnetische, 
aber durch seine Richtung im Baume der Erdeinwirkung zugängliche 
Eisenstab mit der Zeit selbst zum Magneten werden müsse. (Vgl. auch 
1530 und 1588.) 

~~ William Gilbert betrachtet zuerst die Anziehungskraft des Bernsteins als 
eine neue selbständige Natur kraft und gibt ihr nach dem ""HXexxqov (Bern- 
stein) den Namen „elektrische Kraft". Neben dem Bernstein führt er eine 
Menge Körper an, die durch Reiben elektrisch werden. Er ist der Erfinder 

— 103 — 



1600 

des ersten elektrischen Meßinstruments (Elektrometers) zum Nachweis der 
Elektrisierung durch die Anziehung eines schi^ingenden Metallst&bchens. 
1600 Hans Htydtn in Nürnberg baut ein Klavier (Creigen - Klavizimbel) , bei 
welchem die Klaviersaiten nicht durch Hämmeranschlagen, sondern durch 
kleine mit Kolophonium bestrichene Räder zum Tönen gebracht werden. 
Ähnliche Versuche, den Effekt von Streichinstrumenten vermittels einer 
Klaviatur zu erreichen, werden später u. a. gemacht von Gleichmann in 
Ilmenau, Le Voirs in Paris, Hohlleld in Berlin, Kunze in Prag imd RoUig 
in Wien. 

— Fabriz von HIMtii erneuert die alte Kunst der Inder und Araber (s. 500 
V. Chr. und 1256), Eisen mit dem Magneten auszuziehen, indem er mit 
dem Magneteisenstein einen kleinen Eisensplitter aus der äußeren Schicht 
der Hornhaut entfernt. 

— Die erste Nachricht über Feldapotheken, die man mit in den Krieg führte, 
stammt von Fabriz von HIMon, der erwähnt, daß der Marschall Moritz von 
Sachsen einen sogenannten „Feldkasten" mit sich geführt habe. 

— Fabriz von Hilden beschäftigt sich mit der Untersuchung des äußeren Grehör- 
gangee und mit dessen krankhaften Zuständen imd erfindet das erste 
Speculum auris zur Erforschimg des Grehörganges. 

— Anton Möller in Danzig erfindet die Bandmühle, die es ermöglicht, daß 
ein Arbeiter auf dem Webstuhl 16 oder auch mehr Bänder gleichzeitig 
herstellen kann. 

— OUvier de Serret behandelt in seiner Schrift „Theätre d'agriculture" die 
Obstzucht in methodischer Weise. Auch beschreibt und empfiehlt er die 
seit dem Altertume (s. 60 Columella) nicht mehr angewendete Drainage. 

— Simon Stevlnut baut einen Segelwagen, welcher, nur durch die Kraft des 
Windes getrieben, mit 28 Personen besetzt günstig verlaufende Probe- 
fahrten zwischen Scheveningen und Petten unternimmt. 

— Johann ThöMen in Frankenhausen konstruiert ein Skalenaraeometer zum 
Spindeln von Salzlauge, das jedoch die Grenzen der Frankenhausener 
Saline nicht überschritten zu haben scheint. Thölden ist wahrscheinlich 
der Verfasser der früher dem Erfurter Mönch Basilius Valentinus zuge- 
schriebenen Schriften, welche von Thölden untergeschoben worden sind, 
während Baailius Valentinus überhaupt keine geschichtliche Person ist. 

— Guido UMdl fördert durch seine „Perspectivae libri sex" die Perspektive. 
Er beweist, daß die Bilder aller mit der Tafel nicht gleichlaufenden Parallel- 
linien des wagerechten Grundrisses im Horizonte des Auges zusammenlaufen. 



— 104 - 



Siebzehntes Jahrhundert. 



1601 Der Portugiese Godinho d« Ertdia landet an der Nordweetküste AustralienB 
in der Gegend des Vandiemen • Golfs und ist der erste Europäer, der 
Australien betreten hat. Die Westküste wird 1616 von Dirk Hartog, die 
Südküste 1627 von Nuyts erreicht. (Vgl. 1606 J. und T.) 

— Der Ostindien fahrer Jamee Lancattor leitet die erste Expedition der 1600 
gegründeten Ostindischen Kompagnie und legt den Grund zu dem Verkehr 
mit Ostindien. Die Holländer, deren ostindische Kompagnie 1602 ge- 
gründet wird, beteiligen sich besonders an der Erforschung von Ostindiens 
Inselwelt. 

— Giambattista MIa Porta macht den frühesten bekannten Versuch zur quan- 
titativen Bestimmung, in wieviel Dampf eine bestimmte Wassermenge 
sich auflöst. 

— Giambattista MIa Porta macht den Vorschlag, zur Überleitung des Wassers 
in Wasserleitungen über Berge hinweg den Heber zu benutzen. 

— Nach William Shakoipiaro zeigt sich das St. Elmsfeuer unter Umständen 
auch an einem Menschen. (Juhus Caesar, I, 3: „Ein Sklave hob seine 
linke Hand empor; sie flammte wie zwanzig Fackeln auf ein Mal, und 
doch, die Glut nicht fühlend, blieb sie unverletzt.'') 

1602 Trotz der Einführung der Feuerwaffen erfährt das Bogenschießen und die 
Konstruktion von Pfeil und Bogen auch im späteren Mittelalter eine stete 
Vervollkommnung. Ganw berichtet in seiner Geschichte von Comwallis, 
daß sich die Bogenschützen seines Landes darauf verstanden, mit Pfeilen 
von EUenlänge eine Küstung auf 500 Schritt zu durchschießen. 

— JuUus Cantrflut macht zahlreiche anatomische Entdeckungen im Gehör- 
organ und fördert dessen Kenntnis, sowie die des Gehirns und der Nerven 
durch seine im vierten Buche seines „Pentaesthesion" enthaltenen vortreff- 
lichen Zeichnungen und Beschreibungen. 

— Galileo Gailloi, der die Tatsache des Isochronismus der Pendelschwingungen 
kennt (s. 1583), beweist das Gesetz des Falls durch die Sehnen des vertikal 
gesteUten Kreises. Er weist nach, daß der Fall durch den Bogen kürzere 
Zeit erfordert, als durch jede zum gleichen Bogen gehörige Folge von Sehnen. 

— Galileo GalllOl findet für die Wurflinie eine parabolische Gestalt, die sie 
indes, was Galilei nicht erkennt, tatsächlich nur im luftleeren Baume be- 
sitzt. (Vgl. 1537 Tartaglia.) — Da« Jahr 1602 ist ganz unsicher. 

— • Der Bakkalaureus der Theologie John Wllllt stellt das erste stenographische 
Alphabet auf (vgL 1580 Ratcliffe), welches inde4s noch der Einfachheit und 
Leichtigkeit der Darstellung entbehrt. William Mason verbessert dieses 
System wesentlich, indem er 1672 auf alphabetischer Grundlage die Worte 
nach ihrem Laute schreibt, daneben aber eine Anzahl von symbolischen 

— 105 — 



1008 

Charakteren einführt. Sein System wird von Thomas Gumey vereinfacht 
und danach zeitweise viel benutzt. Die Bezeichnung „Stenography" ist 
zuerst von John Willis gebraucht worden. 

1603 Johann Bayer veröffentlicht den ersten Stematlas „Uranometria''; die Sterne 
werden zum ersten Male der Helligkeit nach in jedem Stembilde mit den 
Buchstaben des griechischen Alphabets bezeichnet. Diese Bayerischen Be- 
zeichnungen sind noch heute gebräuchlich. 

— Carolus Clusius gibt die erste eingehendere Kunde von dem Gummigutt, 
das 1295 bereits aus China nach Europa gelangt, aber wenig beachtet 
worden war. Seine medizinische Einführung als drastisch wirkendes Abführ- 
mittel erfolgt gegen 1610. 

— Joseph du Chesne ( Quercetanus) nennt zuerst in seiner Pharmakopoe ein 
aus spießglanzhaltiger Schwefelleberlösung mit Säure niedergeschlagenes 
Präparat Goldschwefel (Sulphur auratum). Das Präparat wird später 
als Fünffach- Schwefelantimon erkannt. 

— Marino Ghetaldl stellt in seinem ,,Promotus Archimedes etc.** die ersten 
Tabellen der Volumgewichte von Flüssigkeiten und Metallen zusammen. 

1604 Galileo Galilei versucht, das von ihm schon vorher erkannte Gesetz der 
Fallräume durch die (unrichtige) Annahme zu erklären, daß die Geschwin- 
digheiten des fallenden Körpers den zurückgelegten Wegen proportional 
seien. Die richtige Erklärung, daß die Geschwindigkeitszunahme dejr 
Zeit proportional ist, fällt in die Zeit nach 1604 und vor 1609. 

— Johann Kepler hat eine klarere Vorstellung von der Brechung der Strahlen 
im Auge als Maurolykus (s. 1560) und Plater (s. 1583). Kepler läßt auf 
der Netzhaut ein umgekehrtes Bild entstehen xmd stellt als Bedingung 
des deutlichen Sehens hin, daß die Strahlen eines leuchtenden Punktes 
auf einem Punkt der Netzhaut vereinigt werden. Er gibt eine vollstän- 
dige und richtige Theorie von dem Nutzen der Brillen. Er untersucht 
ferner den Durchgang der Lichtstrahlen durch brechende Medien und 
streift nahe an die Erkenntnis des Brechungsgesetzes. 

— Johann Kepler bestimmt auf theoretischem Wege die astronomische Strahlen- 
brechung und stellt Formeln dafür auf, die 1661 von Jean Dominique 
Cassini auf geometrischem Wege vervollständigt werden. Er erkennt mit 
voller Klarheit, daß nur Zenitalstrahlen ganz ungebrochen zur Erde kom- 
men können. 

— Johann Kepler entdeckt im Sternbild des Ophiuchus einen neuen Stern. 
Derselbe übertrifft an Glanz alle Fixsterne 1. Größe, nimmt zu Anfang des 
folgenden Jahres an Glanz ab imd verschwindet zu Anfang des Jahres 1606 
spurlos. 

— Garcilaso de la Vega bringt mit seiner Schrift „Comentarios reales'' die 
erste Kunde von dem Vorkommen des Guano (h'uano) nach Europa. Er 
berichtet, daß der Guano im Inkareiche von alters her als Düngmittel im 
Gebrauch gewesen sei, und die einzelnen Guanolager auf die Provinzen des 
Landes verteilt waren. 

1605 Francis Baeon von Verulam schlägt die Beschaffung einer europäischen 
ünivcrsalsprache nach dem Muster des Chinesischen vor. Es sollen durch 
Formeln, welche die Ideen der Dinge repräsentieren, die Gedanken in etwa 
derselben Weise zum Ausdruck gebracht werden, w4e man die Ideen durch 
die artikulierte Sprache wiedergibt. 

— Pedro de Quiros entdeckt Tahiti und andere Südseeinseln. 

— Simon Stevinut ist der Erste, der seit al Mamun (vgl. 827) die Meßkette 
wieder erwähnt und sie abbildet. 

— Der französische Minister Maximilien de Sully veranlaßt den Bau des Kanals 
von Briare, der die Loire mit der Seine verbindet. Der Kanal, dessen 

— 106 — 



vm 

Länge 59 km ist, wird 1642 unter Ludwig XIII. beendet; er stellt den 
ältesten französischen Kanal dar. 

1606 Sir Bevis Bvlnar erhält ein Patent für das erste Eisenschneide werk in 
England, bei dem das Schneiden durch Schneidescheiben geschieht. (S. auch 
1532 Hessus.) 

— Der Florentiner Antonio Cnrltttl, welcher die Herstellung der Schokolade 
in Westindien kennen gelernt hat, führt diese Fabrikation in Italien ein. 

— Willem Jann entdeckt mit seinem Schiffe „Duyfken*' die Ostseite des 
Carpentariagolfs. 

— Der Spanier Luis Vaz ito Torrtt entdeckt die Niedrigen Inseln und durch- 
fährt die nach ihm benannte Torresstraße. Die von Torres befahrene 
Linie ist wegen der zahlreichen Korallenriffe gefährlich. Für die Schiffahrt 
wichtiger ist daher der 1802 von Flinders gefundene Prince of Wales- Kanal. 

1607 Galileo GallM versucht eine Messung der Lichtgeschwindigkeit, indem er 
zwei mit Laternen versehene Beobachter in der Dunkelheit einige Kilo- 
meter voneinander entfernt aufstellt, von denen der eine seine Laterne zu 
bedecken hatte, sobald er das Licht des anderen verschwinden sah. Aus 
dem Zeitimterschiede der Bedeckung sollte die Lichtgeschwindigkeit er- 
mittelt werden. Diese rohe Methode konnte zu einem brauchbaren Er- 
gebnisse nicht führen, enthält aber den Grundgedanken des Meßverfahrens 
von Fizeau (s. 1849) und Foucault (s. 1854). 

1607 — 11 Der englische Seefahrer Henry HiNlion entdeckt und erforscht bei 
seinen vier Versuchen, eine nordwestliche Durchfahrt zu finden, den Hud- 
sonfluß, die schon von Frobisher (s. 1576) befahrene Hudsonstraße und 
die Hudsonbai, wo er von seinen meuternden Matrosen in einem Boote 
ausgesetzt wird und verschollen bleibt. 

1607 Claudio MmitMvnto gestaltet die Tonarten des Glareanus (s. 1547) in die 
moderne Molltonart um. 

1608 Btfuin erwähnt in seinem „Tirocinium chimicum'' das mittels Schwefel, Kalk 
imd Salmiak hergestellten „Oleum sulphuris'* oder „Liquor Beguiui'% das 
im wesenthchen aus Polysulfureten besteht. Auch van Helmont und na- 
mentlich Boyle (1663) tun dessen Erwähnung; der letztere mit dem Zu- 
satz, daß die Dämpfe jener Komposition Blei- und Silberlösung schwärzen. 

— Thomas Coryati sucht die (nach Petrus Damianus) gegen 1080 in Italien 
aufgekommenen, aber auch dort wenig gebräuchlichen Gabeln in England 
einzuführen, erntet aber nur Hohn und Spott. In Frankreich werden die 
Gabeln 1589 am Hofe Heinrichs III. eingeführt, aber ebenfalls als weibische 
Ziererei insbesondere in der 1589 erschienenen Schrift (L*isle des Herma- 
phrodites) verspottet. 

— Oswald Groll führt durch seine „Basilica chimica'* eine große Anzahl or- 
ganisch chemischer Präparate in den Arzneischatz ein. 

— Oswald Groll erwähnt in seiner „Basilica chimica** das Knallgold- Ammoniak, 
dem Beguin den Namen „Aurum fulminans** gibt und dessen Zusammen- 
setzung von Kunckel um 1700 angedeutet und von Bergmann (1769) und 
Scheele (1777) bestätigt wird, während seine Konstitution erst von Dumas 
(1830) ermittelt wird. 

— Oswald Groll gibt dem geschmolzenen Chlorsilber den Namen „Lima Cornea, 
Homsilber". Die Löslichkeit des Chlorsilbers in Ammoniak wird zuerst 
1648 von Glauber erwähnt. 

— Galileo Qtlllol erkennt (etwa in der Zeit zwischen 1604 und 1609), daß der 
Fall auf der schiefen Ebene eine gleichförmig beschleunigte Bewegung ist. 

— Im Jahre 1608 gelangen durch Vermittelung der hollftnillscheii Ottindlen- 
kompafnio zum ersten Male indische bedruckte Kattune in das Abendland. 
Dieses Ursprungs halber erhalten solche Kattune den Namen „Indiennes**. 

— 107 — 



Ig06 

1608 Der hoUändische Brillenmacher Johann Upperhty in Middelbnrg sacht am 
2. Oktober um ein Patent für das sogenannte hoUändische Femrohr nach, 
das ans einer bikonvexen und einer bikonkaven Linse zusammengesetzt ist. 

— Ludovico MMTcato beschreibt in seinen „Opera medica" zuerst die per- 
niziösen dreitägig intermittierenden Fieber. 

— Blaise d« Vlgtnira entdeckt die Benzoesäure, die er aus Benzoeharz in 
krystaUinisch sublimiertem Zustande herstellen lehrt. 

1609 Alonzo Saavedra Barba führt die warme Amalgamation der Silbererze 
unter Benutzung von kupfernen Kesseln ein. Er erwähnt auch die Ver- 
arbeitung geschwefelter Erze und macht auf den Nutzen ded vorherigen 
Röstens derselben aufmerksam. (Cazoprozeß.) 

— Wie Caspar Bauhln berichtet, ist die Jalape, die als Drastikum viel ge- 
braucht wird, i\nter [dem Namen „Bryonia mechoacanna nigricans" ans 
Mexiko zuerst nach England eingeführt worden. 

— Galileo QallM erkennt im Jahre 1609 (vielleicht jedoch schon sehr viel 
früher) das Prinzip der Trägheit, wonach ein Körper, auf welchen keine 
Kräfte wirken, in Euhe oder gleichförmig geradliniger Bewegung verharrt. 

— Als Galileo Qalllti im Frühjahr 1609 von der holländischen Erfindung des 
Femrohrs (s. 1608 Lipperhey) Kunde erhalten hatte, gelingt es ihm, in 
kürzester Zeit (nach seiner eigenen Anjgabe in einer Nacht) ein dreimal 
vergrößerndes Femrohr selbständig zu fertigen. Doch behaupten Zeit- 
genossen, wie Fontana, Galilei habe in Venedig ein holländisches Femrohr 
gesehen und dasselbe zum Muster genommen. 

— . Karl IX. beginnt mit dem Bau des Karlsgrabens, der Wener- und Wettersee 

mit dem Kattegat verbindet, die Keihe der Kanäle, die sich von der Ost- 
see zur Nordsee erstrecken und deren Hauptglied der Trollhättakanal bil- 
det, der bezüglich der Stauhöhe seiner Schleusen auch heute von keiner 
anderen Kanalanlagc überholt worden ist. Die Verbindung zwischen 
Hjelmar- und Mälarsee, der Kanal von Arboga, wird unter Gustav Adolf 
und Christine erbaut; der ganze Kanal wird 1832 vollendet. 

— Johann K^ptar entdeckt durch sechsjährige Kechenarbeit auf Grand von 
Tycho Bra^e*s Beobachtungen die ersten beiden seiner drei Gesetze: Die 
Planeten beschreiben Ellipsen um die Sonne als Brennpunkt; und: Die 
Verbindungslinie (Radius vector) zwischen Sonne und Planet bestreicht in 
gleicher Zeit gleiche Flächenräume. 

— Johann Ktptor gibt in seinem Buche „De SteUa Martis'' zuerst zahlen- 
mäßige Angaben von den Anziehungskräften, welche nach Verhältnis ihrer 
Massen Erde und Mond gegeneinander ausüben und führt Ebbe und Flut 
als einen Beweis an, daß die anziehende Kraft des Mondes sich bis zur 
Erde erstrecke. 

— Johann Llpptrfliey führt auf Wunsch der hoUändischen Generalstaaten, die 
ihm nur unter der Bedingung der Einrichtung eines Femrohrs zum Ge- 
brauch für beide Augen ein Privileg erteilen wollen, die Verbindung zweier 
Fernrohre zu binokularer Benutzung aus. (Doppelfernrohr.) 

1610 Der französische Baumeister Louis de Foix beendet den im Jahre 1584 
begonnenen Bau des Leuchtturms auf Cordouan. Dieser jetzt noch tätige 
Leuchtturm war lange Zeit hindurch für derartige Bauten vorbildlich. 
(Vgl. auch 1821 Fresnel.) 

— Franzflsiseht Buchbinder verwenden zuerst an Stelle der hölzernen Buchdeckel 
Pappe, die anstatt mit Maroquin, Saffian oder Schweinsleder mit Kalb- 
leder überzogen wird. An den Ursprung erinnern die Namen „Franzband'* 
und „Halbfranzband*'. 

— Galileo Galilei entdeckt am 7. Januar 1610 drei Jui)itertrabanten und bald 
darauf den vierten. (Vgl. 1610 Marius.) 

— 108 — 



1612 

1610 Galileo QaÜM entdeckt den Ring des Saturn, den er jedoch für eine Drei- 
teilung des Planeten halt. (Vgl. 1657 Huygens). Er hat zuerst eine 
richtige Vorstellung von der Natur der Mondoberfläche und schätzt aus 
den Gebirgsschatten die Höhe der höchsten Mondberge auf 8000 m. 

— Galileo GaliM spricht zuerst die Ansicht aus, daß die Milchstraße eine An- 
häufung unzähliger nahe aneinander befindlicher Sternchen sei. Er teilt 
die teleskopischen Sterne in sechs Größen ein. 

— Johann Baptist van Htlmont kennzeichnet zuerst die bis dahin nicht für 
wesentlich verschieden von der Luft angesehenen luftförmigen Körper als 
verschiedenartig von der Luft und untereinander und gibt ihnen den 
Namen „Gase**. Namentlich lehrt er den Wasserstoff, die schweflige Säure, 
die Kohlensäure usw. kennen. Er spricht zuerst aus, daß die Wirkung 
des Pulvers auf einer Gasentwicklung beruhe. 

— Johann Baptist van Hthnmit spricht zuerst aus, daß bei der Atmung die 
Luft eine ähnliche Rolle spiele, wie bei der Unterhaltung der Plamme. 

— Simon Marlns bezeichnet sich als den Entdecker der vier Jupitertrabanten. 
Doch tritt er mit seiner angeblichen Entdeckung erst im Jahre 1614, also 
4 Jahre nach GaUlei (s. d. 1610) in die Öffentlichkeit, wobei er als Datum 
der Auffindung den 29. Dezember 1609 alten Stils, d. i. 8. Januar 1610 
neuen Stils, angibt. 

— Raymund MIndertr führt das essigsaure Ammoniak als „Spiritus ophtalmicus 
Mindereri'* in den Arzneischatz ein. 

— TranlHiann gibt die erste genaue Beschreibung eines Kaiserschnittes, den 
er am 21. April an einer Lebenden ausgeführt hat. (S. a. 1500.) Par6 
hatte auf Grund eigener Erfahrung und der Resultate seines Schülers 
Guillemeau sowie derjenigen von Viart, Brunet und Charbonnet ausdruck- 
Uch vor dieser Operation gewarnt. 

1611 Die Sonnenflecke (s. 1160 Averrhoes) werden von Johann Fabricius, Galileo 
Qalllti und Christoph Schtlner fast gleichzeitig wieder entdeckt, ein Zu- 
sammentreffen, welches sich aus der kurz zuvor erfolgten Erfindung des 
Femrohrs (s. 1608 Lipperhey und 1609 Galilei) erklärt. 

— Galileo Galilei spricht zur Unterstützung der Kopemikanischen Lehre die 
Tatsache öffentlich aus, daß die Planeten keine selbstleuchtenden Himmels- 
körper seien und daß Venus und Mars sich um die Sonne drehen. Er 
lehrt im folgenden Jahre die Achsen drehung der Sonne. 

— Johann Kepitr erfindet das astromomische oder Kepler* sehe Fernrohr, das 
in seiner einfachsten Gestalt eine Bikonvexlinse als Objektiv und eine 
ebensolche als Okular hat und umgekehrte Bilder liefert. Er beschreibt 
das Femrohr in seiner „Dioptrik**, in der er diese Wissenschaft so darsteUt, 
wie wir sie auch heute noch behandeln. Die Begrifife „Prisma, Linse, 
Meniskus usw.'' werden hier zum ersten Male aufgestellt. 

— Nachdem schon Aretaeus, Severinus und Forecst Notizen über die Diph- 
therie gegeben hatten, gibt Villa Real mit der Schilderung des in Spanien 
herrschenden Jarotillo ein wohl zu erkennendes Bild dieser Krankheit. 
Insbesondere erwähnt er auch die zähe Membran als Characteristikum. 

1612 Agullonliif (Fran^ois Aguillon) begründet die Horopterlebre, die nament- 
lich von J. Müller 1826, Pr6vo8t 1843, Helmholtz 1862, Hering 1863 und 
Volkmann 1863 gefördert wird. Horopter ist für eine bestimmte Augen - 
Stellung der Inbegriff aller derjenigen Punkte im Raum, deren Abbildungen 
bei dieser Augenstellung auf identische Punkte der beiden Netzhäute fallen. 

— Claude Gaspard Baclitt da Mteirlac kündigt in seinen „Probl^mcs plaisaiits 
et d^lectables qui se fönt par les nombres** die Auflösung der unbestimmten 
Cleichungen vom ersten Grade an, die er 1624 allgemein und vollständig 
gibt. (Vgl. auch 1484 Chuquet.) 

— 109 — 



1612 

1612 Bvtton und Ingram unternehmen eine Hilfsexpedition zur Aufsuchung des 
verschoUenen Hudson. (S. 1607.) Sie schließen aus den Erscheinungen der 
Ehbe und Flut auf einen Zusammenhang des von Hudson aufgefundenen 
Meeres mit einem weltlichen Weltmeere und leisten dadurch den Be- 
strebungen für die Auffindung einer Nordwestpassage Vorschub. 

— Johann FaulhalMf fördert die Lehre von den arithmetischen Reihen, indem 
er Summenformeln für die Potenzen der aufeinanderfolgenden Zahlen 
der natürlichen Zahlenreihe bis zur Summe der 11 Potenzen einschließ- 
lich gibt. 

— Simon Marlus entdeckt als ersten Nebelfieck den Nebelfleck in der Andro- 
meda, zu dem Hartwig 1886 eine Nova findet. 

— Der Florentiner Antonio Nerl trägt durch sein Buch „De arte vitraria" 
zur Entwicklung der Glasbereitung bei. Er kennt bereits das Bld- 
kryst allglas, das er von allen Gläsern das aUerschönste und edelste nennt. 

1613 Christoph Schtlnor bestimmt aus der Beobachtung der Sonnenflecke die 
Rotationszeit der Sonne und die Lage ihres Äquators und beobachtet 
zuerst die Sonnenfackeln. 

— Jacob Theodor Tabernaemontaniit gebraucht zuerst die Amica medizinisch 
gegen die Hämorrhoidalkoliken; größere Verbreitung findet dieselbe jedoch 
erst seit 1667 durch Johann Michael Fehr. (Vgl. auch 1550.) 

1614 Robert Bylot und William Baffffin machen eine Expedition zur Auffindung 
der Nordwestpassage und gelangen aus der Hudsonstraße in den Foxkanal, 
wo sie indes durch Packeis an der Weiterfahrt verhindert werden. (S. a. 
1616B.) 

— Roderich a Castro beschäftigt sich in seinem „Tractatus Medico-Pohticus 
sive de officüs medico-politicis tractatus** sehr eingehend mit den Auf- 
gaben des Gerichtsarztes und muß als der Schöpfer der wissenschaftlichen 
gerichtlichen Medizin bezeichnet werden. 

— Der Grieche Demlsdanut wendet zuerst die Benennungen „Teleskop" und 
„Mikroskop*' an, an Stelle der für diese Instrumente bis dahin gebräuch- 
lichen Bezeichnungen „Perspicilia'S „Conspicilia" und „Occhiali". 

— Der schottische Mathematiker John Napier of Merehltton wird mit seinem 
Werke „Descriptio mirifici logarithmorum canonis** der geschichtliche Er- 
finder und zugleich Namengeber der Logarithmen, welchen Ruhm sich 
Bürgi hat entgehen lassen. (S. 1620.) Er stellt die als Napier'sche Ana- 
logien bezeichneten Formeln zur Berechnung sphärischer Dreiecke auf. 

— Der italienische Arzt Santorio Santoro weist die Perspiration (die unmerk- 
liche Stoffausgabe durch Lunge und Haut) und andere Erscheinungen des 
Stoffwechsels und Wachstums durch jahrelang fortgesetzte Wägungen nach. 

1615 William Bafffln wendet zu Ortsbestimmungen zuerst die Methode der Mond- 
kulminationen an, welche sich auf die Beobachtung der Meridiandurch- 
gangszeit des Mondes gründet. 

— Fabrizio Bartolotti entdeckt den Milchzucker, den er durch Eindampfen 
von Molken gewinnt. Die Herstellung des Milchzuckers wird seit den 
letzten Dezennien des 18. Jahrhundert« ausschließlich in der Schweiz be- 
trieben und bleibt bis gegen 1880 das Monopol der Berggemeinde Marbach 
im Kanton Luzern. Erst seitdem entstehen auch Fabriken in Deutsch- 
land und Amerika. 

— Der Werkmeister an der Pariser Münze Nicolas Briot konstruiert ein Präge- 
werk, welches in seiner Einrichtung einem Walzwerk gleicht, auf dessen 
Walzenbahnen sich die Gravierungen der Münzen befinden. Er verkauft 
später seine Erfindung an Warin, der sie noch verbessert und zur Ein- 
führung bringt. (S. a. 1552.) 

— 110 - 



1616 

1615 Johann Baptist van Htlnioiit weiß, daß die Dämpfe des brennenden 
Schwefels die Flamme erlöschen machen. 

— Johann Baptist van Halmmit bewirkt durch sein ,,Phannacopolium ac dis- 
pensatorium modernum'% in dem viel Belehmng über die richtige Dar- 
stellnng der Arzneien und über die Schädlichkeit mancher damals ge- 
brauchter Mittel enthalten ist, einen wesentlichen Fortschritt der Arznei- 
mittellehre. Er macht zuerst auf die stärkende, erhitzende Kraft des 
Mohnsaftes aufmerksam. 

— Johann Baptist van Halniont erwähnt zuerst die Feuererscheinung, unter 
welcher sich der Schwefel mit den Metallen vereinigt. Er gibt an, beim 
Rösten von Blei mit Schwefel Feuer wahrgenommen zu haben, ohne daß 
ein brennender Körper die Mischung berührt habe. Deimann, Paets von 
Troostwyk, Nieuwlandt, Bondt und Lauwerenburgh zeigen 1793, daß die 
Feuererscheinung auch dann eintritt, wenn die Verbindung von Schwefel 
mit Metallen in sauerstofffreien Gasen stattflndet. 

— Andreas Utavlus schreibt eine „Chirurgia transfusoria*', aus der hervor- 
geht, daß er es für möglich hält, zu Heilzwecken Blut von einem jugend- 
lichen Individuum in die Gefäße eines älteren zu leiten. Ähnliche An- 
sichten waren vor ihm schon von Hieronymus Cardanus und Magnus 
Pegelius geäußert worden. 

— Christoph ScMntr beobachtet, daß durch zwei im Abstand von 1 — P/2 mm 
in ein Kartenblatt gestochene feine Öffnungen, welche dicht vor das Auge 
gehalten werden, eine Nadel sowohl in sehr geringer, als auch in sehr 
weiter Entfernung vom Auge, d. h. über den Nah- und über den Fern- 
punkt hinaus, doppelt, innerhalb dieser beiden Grenzen aber einfach ge- 

^ sehen wird. Auf dieser Beobachtung, dem Scheinerschen Versuch, beruhen 
die Methoden der Optometrie, der Messung der Sehweite, für welche man 
Optometer (s. d.) konstruiert hat. 
1616 William Baffln ei^orscht bei Versuchen, einen Wasserweg zwischen Hudson- 
bai und Stillem Ozean zu finden, die Baffinbai und entdeckt den Smith-, 
St. Johns- und Lancoster-Sund. Er beobachtet in der Baffinbai die größte 
damals bekannte Deklination von 56^ westlich. 

— Fabio Gotonna unterscheidet bei den Fossilien scharf zwischen den Resten 
von Süßwasser- und Seewasser-Tieren. 

— Galileo QallM formuliert seine Theorie der Ebbe und Flut, die er im 
wesentlichen auf die doppelte Bewegung der Erde (Umdrehung um sich 
selbst und Umlauf um die Sonne) zurückführt. 

— In einem Briefe des Thomas Bartholinus an J. L. Hannemann aus der 
2. Hälfte des 17. Jahrhunderts findet sich folgende Stelle: „Singulare 
instrumentum invenit descripsitque Franciscus Katlar Wetzlariensis 1616, 
quod „Wasserhamisch" vocat, quo tuto ambulemus in fundo maris, 
legamus ibidem, scribamus, edamus etc. sine periculo vitae longiori tem- 
pore." Ob der damit gemeinte Apparat, der nach der beigefügten Figur 
eine wirkliche Taucherglocke darstellt, nur theoretisch entworfen, oder 
auch praktisch erprobt ist, wird nicht gesagt. (Vgl. a. 210 v. Chr., 1350 
und 1664.) 

— Jacob Le Main und Willem Cornelisz Schonten entdecken die Le Maire- 
Straße und umsegeln das nach ihrem Schiffe „Hoom" Kap Hoorn benannte 
Südende von Feuerland. Sie stellen zuerst die Gestaltung der Südspitze 
Amerikas fest. 

— Cesare Mafati tritt für eine einfachere und mehr exspektative Wundbehand- 
lung, insbesondere bei Schußwunden und Fisteln ein und spricht sich 
gegen die zu häufigen Verbandemeuerungen als eine schädliche, die Heilung 
verzögernde Maßregel aus. 

— 111 — 



1616 

1616 Jean Baptiste Morin macht zuerst in nngariBohen Bergwerken die Ent- 
deckung, daß die Temperatur mit der Tiefe zunimmt. (S. a. 1763 Ott). 

1617 Der Mathematiker Henry Brlfgi (latinisiert Briggius) in Oxford, bestimmt 
die Werte der von Napier of Merchiston (s. 1614) erfundenen Logarith- 
men bis zu großer Genauigkeit und gibt die ersten Tafeln S-stelliger 
Logarithmen heraus, die er später zu 14-8telligen vervollständigt. Briggs 
wählt die Zahl 10 als Basis der Logarithmen, weshalb die dekadischen 
Logarithmen auch als „Briggs'sche Logarithmen" bezeichnet werden. 

— Naptor of Morehltton erfindet ein Rechenbrett (A.bakus) mit beweglichen 
Gliedern (Napiers bonos. — Napier'sche Rechenstäbchen). (Vgl. seine 
Schrift „Rabdologiae seu numerationis per virgulas libri duo".) 

— Willebrord Siiflllut in Leiden schafft durch Einführung der Triangiilations- 
methode die Grundlage der heutigen geodätischen Erdmessung, indem er 
zeigt, daß die Entfernung zweier weit entfernter Punkte mit Hilfe einer 
verhältnismäßig kurzen (20 bis 30 km langen) Standlinie, nur durch 
Winkelmessung und trigonometrische Ausrechnung, bestimmt werden 
kann. (S. 1822 Schwerd). 

— Willebrord Snolllut stellt gleichzeitig mit Wilhelm Schickhart die fälsch- 
lich „Pothenotsche Aufgabe*' genannte geodätische Aufgabe auf und gibt 
deren Lösung. 

— Simon Stevlnut schafft mit Hilfe von Schleusen und unter weitgehender 
Anwendung der Bewegung des Wassers neue wertvolle Mittel des Festungs- 
baus. 

— Eine der frühesten Abbildungen und Beschreibungen einer Hebelade findet 
sich in dem „Recueil de machines'* von Fran^ois Thybourtl und Jean 
Appier. Von hier ist die Abbildung in Leurechons „Recreationes" xtnd aus 
diesen in Schwenters „Mathematische Erquickstunden" übergegangen. 
(S. 1723 L.) 

1618 Während das Tierheil wesen im Mittelalter in der Hauptsache in den 
Händen der Hirten und Schmiede lag und im besonderen ein Militär- 
veterinärwesen nirgends organisiert war, verfaßt zuerst der kurbranden- 
burgische Militärroßarzt Martin Böhme ein, wenn auch vom heutigen 
wissenschaftlichen Standpunkte aus sehr unvollkommenes Werk über die 
Pferdearzneikunde („Ein Neu Buch von bewehrten Roß-Artzeneyen"), 
welches fast 100 Jahre (1618—1710) im Gebrauch bleibt. 

— Johann Baptist Cytat entdeckt bei Gelegenheit der Beobachtung des 
Kometen vom Jahre 1618 den Orionnebel. 

— Galileo QtllM konstruiert ein Perspektiv für zwei Augen, das vollkommener 
als das Lipperhey'sche Instrument (s. 1609) ist. 

— Johann Kepler stellt sein drittes Gesetz der Planetenbewegungen auf: Die 
Quadrate der Umlaufszeiten der Planeten verhalten sich wie die Kuben 
ihrer mittleren Entfernungen von der Sonne. — Begeistert fügt er hinzu: 
„Endlich habe ich es ans Licht gebracht und über all mein Hoffen als 
wahr befunden, daß die ganze Natur der Harmonien in den himmlischen 
Bewegungen vorhanden ist." 

— David Ramtey und Thomas Wlldfoose nehmen ein Patent auf eine land- 
wirtschaftliche Maschine, die ohne Anwendung von Pferden oder Ochsen 
pflügt, „as weD as to ploughe grounds without horses or oxen". Dem- 
selben Ramsey wird 1630 ein Patent auf eine Vorrichtung, „durch Feuer 
Wasser in Bergwerke zu heben**, erteilt. 

— Willebrord Snelllus entdeckt das Gesetz des konstanten Verhältnisses 
zwischen dem Sinus des Einfallwinkels und dem des Brechungswinkels 
der Lichtstrahlen. 

— 112 — 



1620 

519 Der En^ander Dud Du4toy verwendet zur Eisengewinnung zuerst Stein- 
kohle an Stelle der bis dahin gebräuchlichen Holzkohle. 

— John EthtrlilftM stellt die erste Ziegelformmaschine her. 

619 Christoph ScMnor führt den Beweis, daß die Netzhaut das eigentliche 
Sehorgan ist und die Kry stalllinse und der Glaskörper nur dazu dienen, 
die Lichtstrahlen dergestalt zu brechen, daß der Gregenstand sich auf der 
Netzhaut darsteUt. (S. a. 1160.) Er bemerkt die mit der Akkommodation 
verbundene Pupillenveränderung und gibt die erste Abbildung des Auges, 
mit welcher auch die heutige Anschauung sich befriedigt erklären kann. 

620 Francis Baeon von Verulam definiert in seinem „Novum Organum" die 
Wärme als eine Bewegung der kleinsten Eörperteilchen. 

— Francis Bacon von Verulam bezeichnet in seinem „Novum Organum" die 
Südspitzen Afrikas und Südamerikas als homologe Bildungen (Similitudines 
physicae in configuratione mundi). (Vgl. auch 1772 C.) 

— Caspar Bauhin bewirkt eine neue Anordnung der Pflanzen nach habituellen 
Ähnlichkeiten. Er steUt die ersten wissenschaftlichen Speziesdiagnosen auf 
und benennt die Gattungen, ohne jedoch für diese eine Diagnose zu geben. 

— Nachdem Danner in Nürnberg etwa 100 Jahre nach Gutenberg die Buch- 
druckpresse verbessert hatte, indem er die bisher aus Holz angefertigte 
Spindel durch eine solche aus Messing ersetzte, bringt der Holländer Willem 
JanszoonBlaM wesentliche Verbesserungen an der Presse an, indem er nament- 
lich unter der sog. Brücke eine nach imten gebogene stark federnde Platte 
anbringt, die durch ihr Geradewerden beim Druck demselben seine stoß- 
artige Plötzlichkeit nimmt und ihn verstärkt, zugleich aber bei dessen 
Nachlassen den Proßbengel zurückschnellt. 

— Just BOrfi veröffentlicht seine Schrift „Arithmetische und Geometrische 
Progress-Tabulen", eine Logarithmentafel, die in den Jahren 1603 — 1611 
entstanden ist, zu deren Herausgabe sich aber Bürgi trotz Kepler's Auf- 
forderung nicht früher entschließen konnte. Bürgi hat sich damit den 
Ruhm, der geschichtliche Erfinder der Logarithmen zu sein, entgehen 
lassen. (Vgl. 1614 Napier.) 

— Fran^ols in Ronen steUt zuerst die sogenannten Flocktapeten her, das sind 
Tapeten aus Leinwand, auf die das Muster durch Schablonen oder Stempel 
mit einem Klebemittel aufgetragen und mit Scherwolle der Tuchmacher, 
oder auch mit Seidenstaub bedeckt ist. 1634 wird diese Industrie von 
Lanyer nach England überführt. 

— Edmund Gunter berechnet die trigonometrischen Logarithmen und ver- 
öffentlicht die ersten Tafeln der Logarithmen für Sinus und Tangenten 
für die Grade und Minuten im ersten Quadranten. Er gebraucht zuerst 
an Stelle der bis dahin üblichen Bezeichnung „Sinus complementi*' die 
durch Wortumsetzung und Abkürzung entstandene Benennung „Cosinus*'. 

~ Johann Baptist van Helmont lehrt das Weiterbestehen eines Körpers in 
seinen Verbindungen, wie der Kieselerde in dem Wasserglas, des Silbers in 
seinen Salzen, erfaßt demnach den Satz vou der Erhaltung des Stoffes 
klarer als seine Zeitgenossen. 

— Johann Baptist van Hflmont verwirft die Idee Galen's, daß die Verdauung 
im Magen durch die Wärme geschehe und setzt an ihre Stelle die bessere 
VorsteÜung, daß das an die Magensäure gebundene Fermentum die Ver- 
dauung bewirke. Er betrachtet die Galle nicht mehr, wie Galen, als 
bloßes Exkrement, sondern als wichtigen Faktor der Verdauung, der im 
Duodenum auf den Speisebrei einwirke, und da sie alkalisch sei, diesem die 
Säure nehme. 

T- Fabriz von HildM macht in seinen „Observationes** darauf aufmerksam, daß 
Schädelverletzungen häufig die Ursache von Geisteskrankheiten seien. 
Darmstaedter. 8 

— 113 — 



1620 

1620 Der Kupferstecher Theodor Meytr erfindet den weichen Ätzgrund, der im 
wesentlichen aus Wachs und Asphalt besteht. (Für den bisher auBsohließ- 
lich benutzten harten Ätzgrund war ein hoher Prozentsatz von hartem 
Pech verwendet worden.) Der Grund wird durch Lampenruß geschwärzt, 
damit die durch die Nadel bloßgelegten Striche der Metallfläche deutlich 
sichtbar werden. 

1621 Der neulateinische Satiriker John Barday in Rom spricht in s^nem zu 
Paris gedruckten Romane „Argenis*' von künstlich gefrorenem Weine 
und in Hohlformen gefrorenen Fruchtsäften als Tafelgenüssen. (VgL 1660 
Couteaux.) 

— Pierre QasMiMil begründet mit der Beobachtung des großen Nordlichts 
vom 12. September 1621 — er nennt die Erscheinung „Aurora borealis'' — 
die wissenschaftliche Nordlichtbeobachtung. 

— Francesco Planonl beschreibt zuerst die Ausführungsgänge der heute ge- 
wöhnlich nach Bartholinus benannten Drüsen. (S. 1661.) 

1622 Gasparo AmIII aus Cremona, Anatom in Pavia, entdeckt die Mesenterial- 
drüsen, die als „Pancreas Asellii** bezeichnet werden und beschreibt die 
schon dem Erasistratos (s. 300 v. Chr.) bekannten Chylusgefäße in ein- 
gehender Weise. 

— Cornelius DrabM konstruiert ein Unterseeboot, mit welchem er zwei Stunden 
lang unter dem Themsespiegel mit zwölf Ruderern herumfährt. Die Ruder- 
griffe sind durch wasserdichte Lederschläuche ins Innere des Fahrzeugs 
geleitet. Eine Spiere am Bug sollte einen Torpedo gegen den feindlichen 
Schiffskörper stoßen. Sobald das Deck geschlossen war, konnte das Fahr- 
zeug 15 Fuß tauchen. Doch bewährte sich das Boot ebensowenig als die 
Spieren- und Treibtorpedos, die 1628 von den Engländern bei La Rochelle 
versucht wurden. 

1623 Der Landgraf Harmann von HMsen-CasMl (Uranophilus Cyriandrus) macht 
tägliche, regelmäßig gebuchte Wetternotierungen durch 23 Jahre hin- 
durch. 

1624 Francis Bacon von Verulam schlägt vor, die Schallgeschwindigkeit durch 
Abfeuern von Geschützen (Messung des Zeitimterschiedes zwischen dem 
Blitz des Geschützes imd dem Knalle) zu ermitteln. 

— Philipp CIQvMT bereitet durch seine „Introductio in G^ographiam univer- 
sam" den Boden für die später ..Historische Geographie" benannte erd- 
kundliche Disziplin. 

— Pierre QasMiitfl begründet aufs neue die atomistische Naturerklärung, indem 
er an die Atomenlehre des Epikuros anknüpft. 

— Der Jesuit Jean LMirtdion gebraucht zuerst (in seiner Schrift „R^r^ations 
math^matiques'*) das Wort „Thermometer". 

162Ö Als Erfinderin des unter dem Namen „Aqua Tofana" bekannten Gift- 
trankes, welcher mit Sicherheit wirkte, ohne den Verdacht einer Ver- 
giftung zu erregen, wird die Italienerin Teofania dl Adamo genannt (hin- 
gerichtet 1633 zu Pajermo). Das Gift soll durch Kochen von weißem 
Arsenik mit Blei und Antimon hergestellt worden sein. 

— W. Beale schlägt zum Schutze von hölzeren Schiffsböden gegen den Bohr- 
wurm Schießpulver, Zement und einen Auszug aus Kupferarsenerzen vor, 
die er zusammen verkocht. Ihm folgt anfangs des 18. Jahrhunderts 
Emerson mit einem aus gekochtem Leinöl, Glaspulver und Sand be- 
stehenden Überzug. 

— Christoph 8cheln«r liefert den experimentellen Kachweis des umgekehrten 
Netzhautbildchens. (Vgl. 1587.) 

— Francesco Sttiluti verwendet das Mikroskop zur Untersuchung von Teilen 
der Bienen. (S. a. 1592.) 

— 114 — 



1628 

625 Der kaiserliche, sp&ter gchwedische Oberst von Wwnbraiid konstruiert leichte 
Kart&tsohgeschütze aus dünnen Knpferrohren mit Tanumwicklung und 
Lederumhollung, die sog. ledernen Kanonen Gustav Adolüs. Die Greschütze 
wurden bereits 1631 wieder abgeschafft, weil die zu rasche Erhitzung der 
Rohre eine Selbstentzündung der Ladung herbeiführte. Doch wurde der 
Gredanke, wenn auch in veränderter Gestalt, später von Hannoteau und 
alsdann von Longridge (s. 1884 L.) wieder aufgenommen. 

626. Der König Gustav AMf vermindert das Gewicht der Muskete auf 5 kg, 
wodurch die Gabel entbehrlich und die Beweglichkeit der mit der Mus- 
kete bewaffneten Truppen eine größere wird. (S. 1567 Alba.) 

— Jean RloUai entdeckt, daß die Ursache der Hautfarbe der Neger in dem 
Pigmentreichtum der Epidermis liegt, welche mit der Rasse wechselt. 

— Santorio Santsro gibt in seinem Kommentar zum Kanon des Avicenna an, 
_ daß man zur Kälteerzeugung das Gemisch von Eis und Salpeter durch 

ein Gemisch von 3 Teilen Schnee und 1 Teil Kochsalz ersetzen könne. 
1627 Bei der Belagerung von La Rochelle durch Richelieu werden von der Ar- 
tillerie an Stelle der Rundkugeln zylinderförmige Langgeschosse verwendet, 
eine Erfindung von Clamsr in Nürnberg. Da diese Geschosse aus glatten 
Creschützen verfeuert werden und ihnen daher die Drehung um eine sta- 
bile Längsachse fehlt, ist ihre Trefffähigkeit gering. Doch hat der Vor- 
schlag Clamers eine entwicklungsgeschichtliche Bedeutung. 

— Mathurin JoutM de la Fliehe erwähnt in seiner „La fideUe ouverture de 
Tart du serrurier" ein in Piemont gebräuchliches Verfahren zur Umwand- 
lung von Eisen in Stahl, welches darin besteht, daß mit Holzkohlenpulver 
bestreute schmale Stücke weichen Eisens lagenweise in einen feuerfesten, 
gut verschlossenen Tiegel eingeschichtet werden, worauf das Ganze längere 
Zeit der Weißglühhitze ausgesetzt wird. Danach ist zu Anfang des 17. Jahr- 
hunderts die früher bekannte Tatsache der Zementstahlbereitung fabrik- 
mäßig ausgenutzt worden, wie auch aus Athanasius Kirchers „De 
Magnete" (1641) und Dud Dudley*s „Meta]lum Martis'' (1665) hervorgeht. 

— Nach langen Verzögerungen erscheinen Johann Kepler's astronomische, auf 
Grund der Beobachtungen Tycho Brahe's berechnete Tafeln unter dem 
Titel „Tabulae Rudolphinae'* zu Ulm im Drucke. Sie treten an die Stelle 
der prutenischen Tafeln. (S. 1551 Reinhold.) 

— Der Tiroler Caspar Welndl führt am 8. Februar die erste erweisliche 
Sprengung in Bergwerken im OberbieberstoUen zu Schemnitz aus. 

1628* Benedetto Castelll verfaßt das erste wissenschaftliche Werk über die Be- 
wegung des Wassers in Flüssen und Kanälen („Della Misura dell* acque 
correnti") und findet den Satz, daß in einem Kanal von konstantem 
Querschnitt die Flüssigkeitsquerschnitte des im stationären Zustande 
fließenden Wassers sich umgekehrt wie die entsprechenden Geschwindig- 
keiten verhalten. 

— William Harvey findet, daß die Venen bei der Unterbindung unterhalb des 
Bandes, d. h. dem Herzen am fernsten, anschwellen, während die Arterien 
auf der dem Herzen nächsten Seite aufgetrieben werden. Er kombiniert 
diese Beobachtung mit der des Fabricius ab Acquapendente, daß sich die 
Klappen der Venen nach dem Herzen öffnen (s. 1570) und spricht aus, 
daß das Blut von der linken Herzkammer in die Arterien bis an deren 
Ende getrieben wird und von da durch die Venen zur rechten Herzkammer 
zurückkehre. Er beweist in seiner Schrift „Exercitatio anatomica de motu 
cordis et sanguinis in animahbus'', daß der Lungenkreislauf nur eine 
Fortsetzung dieser großen Bewegung ist und zeigt, daß seine Entdeckung 
durch die Pulserscheinungen und die Resultate bei Öffnung der Adern be- 
stätigt wird. (Großer Blutkreislauf.) 

8* 

— 115 — 



1628 

1628 Jean LMtault berichtet in seinem Werke „Quatre livres de Secrets de 
M^decine et de la Philosophie chimique", daß Puder, Schminken und 
Pomaden sich am französischen Hofe einzuführen beginnen. In Italien 
hatte sich deren Gebrauch ungefähr von 1550 an verbreitet, nachdem die 
seit den ältesten Zeiten geübte Anwendung von Parfüms, die von den 
Juden über Griechenland nach Rom gekommen und dort große Aus- 
breitung gewonnen hatte, seit der Völkerwandenmg fast ganz ver- 
schwunden war. 

1629 Der Franziskanermönch De la Roche d'Allion gibt die erste Nachricht über 
das Erdöl in Amerika. 

— Albert GIranI verfaßt eine Schrift „Invention nouveUe en Talg^bre", in 
der zum ersten Male Formeln für den Inhalt sphärischer Dreiecke und 
Polygone entwickelt werden. Er weiß, daß jede Gleichung so viele Wur- 
zeln hat, als ihr Grad anzeigt, und daß die Koeffizienten aus den Kombi- 
nationen der Wurzeln sich darstellen lassen. Gleichfalls neu ist die Be- 
rechnimg symmetrischer Funktionen der 'Gleichungswurzeln (bis zur 
4. Potenz) [aus den Koeffizienten. Auch führt er den Gebrauch der 
Klammem in die Buchstabenrechnung ein. 

— Wilhelm Schickhart gibt in seiner „Kurzen Anweisung, wie künstliche Land- 
tafeln aus rechtem Grund zu machen**, im Anschluß an Snellius' Methode 
(s. 1617) an, zur Anfertigung von Karten das aufzunehmende Gelände mit 
einem zusammenhängenden trigonometrischen Netz von Dreiecken zu über- 
ziehen, diese nach astronomischen Beobachtungen zu orientieren und nach- 
her mit dem topographischen Detail auszufüUen. 1671 werden diese An- 
weisungen von Jean Picard, unter dessen Namen sie vielfach gehen, 
wiederholt. 

— Marco Aureiio Severino macht die erste Resektion des Handgelenks, die 
nach ihm von Breschet und Gooch mehrfach ausgeführt wird. (S. auch 
1786 M.) 

1630 Der englische Ingenieur Beaumont soll zuerst Holzbahnen auf den Stein- 
kohlengruben von Newcastle upon Tyne für Kohlen- und Steintransporte 
angewendet haben. 

— Vincenzo Cascarlolo entdeckt den Bononischen Leuchtstein, indem er 
einen am Berg Patomo bei Bologna gebrochenen Schwerspat, den er 
zwischen Kohlen kalziniert hatte, im Finstern leuchten sieht. (Phos- 
phoreszenz.) 

— Cornelius Drebbel lehrt die Scharlachfärberei mittels Cochenille unter Zu- 
satz von wässerigem Zinnchlorid, das er durch Auflösen von Zinn in 
Königswasser erhält. Durch seine Methode erhält man Fabrikate, die dem 
Purpur des Altertums an Schönheit gleichkommen. 

— Der Niederländer Freyta|[ macht Vorschläge über eine rasche und billige 
Herstellung von Festungswerken mit Benutzung des Wassers als Hindernis 
und unter Verzicht auf Mauerwerk. (Altniedorländische Befestigung.) 

— Nach dem Zeugnisse von G. P. Harsdörfer und A. Böhm (Magazin für 
Ingenieure und ArtiUeristen, 1782) ist der König Gustav Adolf der Urheber 
einer, der Dürer' sehen Befestigung (s. 1517) ähnlichen „kreisrunden Be- 
fostigungsmanier*', bei welcher bereits das Eisen als Panzermaterial zur 
Herstellung von Panzerschirmen in Vorschlag gebracht wird. Die Schirme 
sollen mit Hilfe von Gegengewichten hebbar oder versenkbar sein, — ein 
in der Gegenwart tatsächlich praktisch nutzbar gemachter Gedanke. 

— Samuel Haünreffer gibt in seinem „Nosodochium in quo cutis affectus 
tractantur" der Dermatologie bereits einen reichen und umfassenden In- 
halt und berücksichtigt bei Diagnose und klinischer Betrachtung der ein- 
zelnen Hautkrankheiten sogar Temperatur, Puls und Urin. 

— 116 — 



1688 

1630 Zur Zeit Karl't I. von Großbritannien werden dort bereits Düngungsversnohe 
mit Salpeterlösnngen ausgeführt; doch wird die Verwendung salpetersaurer 
Salze in der Landwirtschaft erst etwas allgemeiner, nachdem der Chili- 
salpeter auf den Markt kommt, was etwa um das Jahr 1831 geschieht. 

— Der Büchsenmacher Augustin Kiitttr in Nürnberg schneidet zuerst schrauben- 
förmig gewundene, also mit Drall geführte Züge in den Büchsenlauf ein. 
Die Rimdkugeln werden zur Beseitigung des Spielraums in getalgte Lein- 
wandpflaster gehüllt und gewaltsam in den Lauf eingekeilt. Noch die 
preußischen freiwilligen Jäger von 1813 führen solche Büchsen. (S. 1480 Z. 
und 1826 D.) 

— Jean Ray beobachtet, daß Zinn und Blei beim Kalzinieren an Gewicht zu- 
nehmen und leitet diese Gewichtszunahme von dem Zutritt der Luft zu 
dem Metallkalk her, erkennt also nicht, daß der Metallkalk eine Verbindung 
von Metall und Luft ist. 

— Christoph 8cb9lntr, einer der ersten Beobachter der Sonnenflecke (s. 1611), 
fertigt zu seinen Sonnenbeobachtungen ein Femrohr mit Blendglas an, das 
er Helioskop nennt. Ein verbessertes Helioskop wird später von Merz 
hergesteUt. 

— Der französische Arzt Thulllter weist zuerst nach, daß der unter dem Namen 
„Ignis sacer'' seit dem Altertum bekannte Ergotismus (Kriebelkrankheit) 

' durch das Mutterkorn verursacht ist, dessen Giftigkeit er bei Tieren dartut. 

1631 Pierre GasMüdl und Johann Baptist Cytat beobachten am 7. November 1631 
zum ersten Male einen Vorübergang des Merkur vor der Sonne. 

— Thomas Harrlot (gest. 1621) wendet in seinem (erst 10 Jahre nach seinem 
Tode gedruckten) Werke „Artis analyticae praxis" zuerst die mathema- 
tischen Zeichen für „größer** und „kleiner** (> und <) an. 

— Adrian van Mynilcht führt den Brechweinstein in den Arzneischatz ein. 

— Jean Rey scheint zuerst die Ausdehnung des Wassers zur Temperatur- 
bestimmimg verwendet zu haben. 

— Christoph SdMliiar beschreibt in seiner „Pantographice seu Ars delineandi 
res quaslibet per parallelogrammum** zuerst den Storchschnabel (Pantograph), 
ein aus einem Systeme drehbarer Lineale bestehendes Instrument zur Ver- 
größerung und Verkleinerung von Zeichnimgen. (Vgl. 1435 Alberti.) 

— Der französische Mathematiker Pierre Varnler erfindet eine Einrichtung zur 
Ablesung sehr kleiner Teile an den Maßstäben mathematischer Instrumente. 
Die Vorrichtimg wird meist nach dem Mathematiker Pedro Nunez „Nonius** 
genannt, obwohl dieser nur eine unklare Andeutung jenes Hilfsapparats 
(in seiner Schrift „De crepusculis liber**, v. J. 1542) gemacht hatte. 

1632 Jean Toutlil vervollkommnet die Technik der Emailmalerei, indem er lehrt, 
auf weißem Schmelzgrund mit verglasbaren Farben zu malen. Der Haupt- 
vertreter dieser Technik, die bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts für Uhren, 
Dosen usw. sehr beliebt war, war Jean Petitot in Genf (1607 — 1691). 

1633 Alonzo Saavedra Barta zu Huancavehca in Peru erfindet den Aludelofen 
zur Destillation des Quecksilbers, der in Almaden von Bustamente ein- 
geführt wird. Die Kondensation der Metalldämpfe erfolgt in sog. Aludeln, 
etwas ausgebauchten Tonröhren von ca. 40 — 45 cm Länge und 20—25 cm 
größtem Durchmesser, welche zu 40—45 Stück aneinander gesteckt und 
gedichtet, einen Strang bilden, der nach der Mitte zu geneigt ist. Die 
Aludeln der absteigenden Hälfte des Stranges haben an der Unterseite der 
Ausbauchung kleine Löcher, durch welche das kondensierte Quecksilber in 
eine Sammelrinne und aus dieser in Behälter gelangt. 

— Johannes Jonstonus gibt in seiner „Thaumatographia** und später in seinem 
„Theatrum xmiversaJe*' eine enzyklopädische Darstellung des Tierreichs, 
die indes nicht über Gesner (s. 1550) und Aldrovandi (s. 1599) hinausgeht. 

— 117 — 



1688 

1633—36 Richard Nomrood stellt die Entfernung zwischen London und York 
vermittels der Meßkette fest und ermittelt dadurch die L&nge eines 
Meridiangrades auf 57300 alte Toisen, woraus sich, die Erde als voll- 
kommene Kugel angenommen, ein Erdumfang von 40437 km errechnet. 

1633 Balthasar Rtaler erfindet das Hängezeug zum Grubenkompaß, wodurch 
dessen Verwendbarkeit im Bergbau eine wesentliche Erweiterung erfährt. 
(Vgl. 1786 S.) 

— Der Marquis von Woreeiter erfindet einen optischen Telegraphen und teilt 
dies in der Schrift „A Century of inventions" mit. 

1634 König Ludwlf XIII. von Frankreich setzt auf Grund eines vom Creo- 
graphenkongresse in Paris am 25. April gefaßten Beschlusses die Westspitze 
der westlichsten canarischen Insel, Ferro, als Ausgangspunkt der Meridian - 
z&hlung für die Kartographie fest. Übrigens hatte schon Ptolemaeus den 
Nullpunkt der Längengradzählung auf die Glückseligen Inseln (Canara) 
verlegt, ebenso auch Mercator. 

— Nicolas Claude Fabri Mrasc beschreibt zuerst die positiven und negativen 
Nachbilder, aus denen Newton die Dauer des Lichteindrucks berechnet. 

— Giles Persone (!• Robenral vollzieht die Quadratur der Zykloide mit Hilfe 
der etwas später als Sinuslinie erkannten Kurve. 

— Philipp White führt auf den Scliiffen Ankerketten anstatt der Ankertaue 
ein. Allerdings berichtet über eine Verwendung von Ankerketten schon im 
Altertume Caesar (De hello gallico, III, 13), sowie Strabo (Geographica, IV, 4). 

1635 Niccolo Aoluiitl stellt zu wissenschaftlichen Zwecken Gefrierversuche mittels 
Wassers imd verschiedener Salze an und bestätigt, daß das Wasser beim 
Frieren sich nicht zusammenziehe, sondern ausdehne, wie dies Galilei 
daraus, daß Eis auf Wasser schwimmt, gefolgert hatte. 

— Der Mathematiker Francesco Buonaventura Cavalterl gelangt bei den 
Untersuchungen über die von krummen Linien und gekrümmten Flächen 
eingeschlossenen Räume zu dem Begriffe der nach ihm benannten „unteil- 
baren Elemente**, indem er annimmt, daß beispielsweise die Linie nicht 
aus einer unendhchen Menge von Punkten, sondern aus unteilbaren Linien- 
dementen besteht. Seine Auffassung streift mehrfach den Grundgedanken 
der Infinitesimalrechnung. (Vgl. seine „Geometria indivisibilium con- 
tinuorum nova quadam ratione promota*'.) 

— Samuel de Champialn, der Gründer Quebecs, entdeckt den großen cana- 
dischen Seenkomplex, von dem die erste Kunde von Cartier (s. 1635) ge- 
geben worden war. Nach ihm wird der 1608 vom ihm entdeckte See 
„Champlainsee*' benannt. 

— Henry CMIIbrand gibt den ersten sicheren Nachweis von der Säkularvariation 
der magnetischen Deklination. 

— Robert Mamall schmilzt zuerst das Glas mit Steinkohle anstatt mit Holz 
und wendet zum Schutz des Glases vor Verunreinigung durch den Kohlen- 
ruß bedeckte Tiegel an. Zu seiner Zeit kommt zu dem Zweck, das Schmeleen 
in den Tiegeln zu erleichtern, die Verwendung von Bleioxydzusätzen auf, 
woraus sich allmählich die Bleiglasindustrie entwickelt. 

1636 William Brlfgi beschreibt als erster die Papilla nervi optici und steUt 
fest, daß sich die Retina bis an das Ligamentum ciliare erstreckt. 

— Pierre Femitt braucht in seinem „Methodus ad disquirendum maximum 
et minimum*' zur Bestimmung des größten oder kleinsten Wertes einer 
Funktion eine Rechnung, bei der er die Differenz zweier Größen und da- 
durch mittelbar auch die Differenz zweier zugehöriger Größen verschwindend 
setzt. Er wird so der Erfinder eines Teils der Infinitesimalrechnung. 

— Galileo QallM setzt in einem Briefe vom 5. Juni den Gedanken, ein Pendel 
mit einem Zählwerk zu verbinden und das Ganze zur Zeitmessung zu ver- 

— 118 — 



16»7 

wenden, dem Gouverneur von NiederländiBch- Indien, Louren^o Reaal auB- 
einander und ändert 1641 seine Idee dahin, daß er das R&derwerk wie 
bisher durch Gewichte in Bewegung setzt und das Pendel als Regulator 
benutzt. Der G^anke wird aber infolge der Erblindung Galilei's und 
des vorzeitigen Todes seines Sohnes Vincenzo nicht voUst&ndig durch- 
geführt. 

163G Der Mathematiker Marin MtriMM ermittelt die Gesetze der Vibration der 
Saiten, entdeckt das sympathetische Mitklingen gleichgestimmter Saiten 
und bestimmt, einem Vorschlag von Baoon entsprechend (vgl. 1624 B.)f die 
Geschwindigkeit des Schalls in der Luft durch die Beobachtimg des Zeit- 
unterschiedes zwischen dem Aufblitzen und Hören eines abgefeuerten Ge- 
schützes zu 1380 Pariser Fuß. Pierre Gassendi findet i. J. 1640 bei einem 
ganz ähnlichen Verfahren 1473 Pariser Fuß. 

1637 Renö DMcarlM begründet durch seine epochemachende „G6om6trie'' die 
analytische Geometrie. Pierre Ftrmat soU sich gleichzeitig erfolgreich mit 
analytischer Geometrie beschäftigt haben; seine Abhandlung „Isagoge ad 
locos planes et solides*' soll, |Wie ein Nachruf im Journal des s^avans 
1665 behauptet, sogar vor Erscheinen des Cartesischen Werkes vollendet 
gewesen sein. 

— Renö Dsicaitll eröffnet durch die in seiner „G6om6trie*' angegebene Koordi- 
natenmethode einen neuen Weg zur Untersuchung der Kegelschnitte. (Vgl. 
auch 1655 W.) 

— Ren6 Dsicaitll erfindet die Methode der unbestimmten Koeffizienten, die 
sich von größter Fruchtbarkeit erweist, und wendet dieselbe zuerst zur 
Lösimg des Tangentenproblems an. 

— Ren6 DttcarlM bringt durch seine „G^omötrie** die Anwendung der Buch- 
staben X, y und z zur Bezeichnung unbekannter Größen in allgemeinen 
Crebrauch. Auch die Bezeichnungen „reell'* und „imaginär** stammen aus 
diesem Werke. 

— Ren6 DttcartM gibt dem von Wülebrord Snellius gefundenen Brechimgs- 
gesetz den heute noch gebräuchlichen Ausdruck. 

— Ren^ DttcarlM gibt eine Beschreibung von Lupen für mikroskopische Unter- 
suchungen (kleine Organismen u. dgl.), die er „Perspicilia pulicaria ex uno 
vitro** (Flohgläser mit einfacher Linse) nennt. Nach den noch vorhandenen 
Abbildungen waren diese Lupen bereits mit Spiegeln zur Beleuchtung des 
Objekts versehen. 

— Ren6 DttcarlM weist darauf hin, daß die Akkommodation des Auges — wenig- 
stens zum Teil — auf Formveränderungen der Linse zurückgeführt 
werden muß. 

— Galileo Qallltl entdeckt die Libration des Mondes in Breite und die pa- 
rallaktische Libration. 

— Johann Htvtlliit (eigentlich Höwelcke) in Danzig erfindet die Grundform des 
heutigen Wallspiegels, bez. derjenigen Spiegelinstrumente, welche dazu 
dienen, den Gegner (Schützen) von einer Deckung (WaD, Anzeigerdeckung 
u. dgl.) aus ungefährdet imd ungesehen zu beobachten. HeveFs Apparat, 
den er Polemoskop oder Kriogsperspektiv nennt, ist oin Femrohr, welches 
am Okular- und Objektivende je einen unter 45° geneigten Planspiegel 
trägt, so daß die Sehlinie zweimal unter 90° gebrochen wird. 

— Phineac^ Pttt erbaut in Woolwich den ersten Dreidecker „The Sovereign of 
the Seas**, der eine Gesamtlänge von 232 Fuß, eine größte Breite von 
48 Fuß und einen Tonnengehalt von 1637 t besitzt imd 100 Geschütze 
führt, wovon 30 im untern, 30 im mittlem, 26 im obem Deck sich be- 
finden, während die übrigen auf dem Oberdeck der Back und der Hütte 
verteilt sind. Bis dahin waren die Kriegsschiffe als Zweidecker gebaut. 

— 119 — 



1688 

1638 Nachdem der Copaivabaum zuerst um 1600 von einem unbekannten portu- 
giesischen Mönch erwähnt worden war, spricht Pater Acufna cuerst von 
dem Copaivaöl, das als wundheilendes Mittel angewendet werde. 1677 
figuriert das Mittel bereits als „Balsamum copaivae** in der Londoner 
Pharmakopoe. 

— Galileo GallM dehnt etwa i. J. 1638 seine Untersuchungen der Pendel- 
schwingungen (s. 1583) auf Pendel verschiedener Länge aus und findet 
das Gesetz, daß die Pendellängen sich wie die Quadrate der Schwingungs- 
Zeiten verhalten. 

— Galileo Galilei begründet die Elastizitätslehre und die Festigkeitslehre, in- 
dem er zuerst die Natur des Widerstandes fester Körper gegen Bruch 
zu erforschen trachtet. (Vgl. seine Schrift ,,Discorsi e Dimostrazioni mate- 
matiche**.) 

— Nicolo Saliattiiil macht in seinem Werke über die italienischen Theater den 
Vorschlag, die durch die leicht entzündlichen Dekorationen bedingte Feuers- 
gefahr dadurch zu mindern, daß die zum Anstriche der Hölzer, Gewebe usw. 
dienenden Farben mit Ton oder Gips gemischt werden. 

— Watkins und Bauftit erhalten in England das ausschließliche Recht, Ziegel- 
steine mit Steinkohlen zu brennen. Bis dahin war für diesen Zweck nur 
Holz benutzt worden. 

Jlß3^ — Benedetto Castelll führt die ersten Regenmessungen aus, 31 Jahre vor Er- 
findung des ersten selbstregistrierenden Regenmesser^ von Robert Hooke. 

— Der französische Ingenieur G^rard DMarguM weist darauf hin, daß die 
ästhetischen Maß Verhältnisse in der Kunst vielfach von geometrischen Gre- 
setzen abhängig sind, und führt in der Untersuchung der Kegelschnitte 
eine perspektivische Beweisführung ein. Von ihm stammt die der nicht- 
euklidischen Geometrie zugrunde liegende Vorstellung, daß sich zwei pa- 
rallele Linien in unendlicher Entfernung schneiden. 

— .lohn Horrox und Craktree beobachten am 4. Dezember einen Durchgang 
der Venus durch die Sonnenscheibc. (Vgl. hierzu 839.) 

— Giles Persone dt Robtrval veröffentlicht eine Tangentenkonstruktion, bei 
welcher er das ParaUelogramm der Kräfte verwendet, indem er die Kurve 
durch Zusammensetzung zweier Bewegungen entstehen läßt. 1643 löst 
Torricelli dieselbe Aufgabe, ohne Roberval*s Lösung zu kennen. 

1640 Marcus Banitr substituiert als erster dem verletzten Trommelfell ein künst- 
liches und beschreibt dies in seiner Schrift „De auditione laesa". 

— Alonzo Saavedra Barte empfiehlt zuerst die Anwendung der Flammöfen für 
das Rösten und Schmelzen der Bleierze. Die erste praktische Anwendung 
erfolgt 1698 durch Wright in England. 

. — William Qascolfne erfindet den ersten mikrometrischen Apparat, indem er 
in der Fokalebene eines Fernrohrs zwei parallele Lamellen anbringt, deren 
einander zugekehrte scharfe Kanten durch Schrauben genähert oder ent- 
fernt werden können. (Schraubenmikroraeter.) 

— Der Goldschmied, spätere Mathematiker Paul Guldln in Wien gibt in seiner 
Schrift „Centrobaryca" die nach ihm benannte Guldin'sche Regel (bary- 
zentrische oder zentrobarische Regel) zur Bestimmung des Rauminhalts 
und der Oberfläche eines ümdrehungskörpers an. Die Regel war indes 
schon Pappos (s. 300) bekannt. Guldin legt den Grund zur Kombinations- 
theorio und berechnet die Anzahl der aus 23 Buchstaben kombinierbaren 
Wörter. 

— Johann Baptist van Htimont gibt an, daß bei der Verbindung von Alkalien 
mit Säuren die charakteristischen Eigenschafton der ersteren sowohl, wie 
der letzteren verschwinden. 

— Blaisc Pascal verfaßt im Alter von 16Jahron unter Anlehnung an die Unter- 

— 120 — 



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lft48 

sachungen von Desargues (s. 1639 D.) eine Schrift über die Kegelschnitte, 
die auch den nach ihm benannten Satz vom „Pascal'schen Sechseck** 
(Hexagramma mysticum) enthält. 
1640 Giovanni Battista Rlcdoll und Francesco Maria QrimaMI unternehmen in 
den Jahren bis 1654 auf dem Turme degli Asinelli in Bologna eine Reihe 
von Versuchen, mit Hilfe fallender Körper die Wirkung des Luftwider- 
standes zu bestimmen. 

— Nachdem das Sezieren von Leichen Jahrhunderte hindurch als sündhaft 
gegolten hatte, und seit Raimondo de Luzzi (s. 1314) kaum mehr geübt 
worden war, erhält Werner Rolflnk zuerst wieder die Erlaubnis, mensch- 
liche Leichen — von Verbrechern — sezieren zu dürfen, woher die Bezeich- 
nung „rolfinken, roliincare" rührt. 

— Daniel StumpMt soU angeblich die Steinkohlenverkokung erfunden haben. 

— Nachdem die Gräfin del Cinchon, die Gemahlin des Vizekönigs von Peru, 
1618 durch die in Peru seit langer Zeit benutzte Chinarinde von einem 
Wechselfieber geheilt worden war, führt Juan tfel Vtco, der Leibarzt der 
<5räfin del CJinnchon, die Rinde in Spanien ein, wo 1642 Peter Barba ein 
Werk zu ihrer Empfehlung schreibt. 

641 Madame Marion Delorme erwähnt in einem Brief vom Jahre 1641, daß 
ein Mann namens Salomon dt Caus lange Zeit hindurch den Kardinal 
Richelieu mit der „verrückten" Idee verfolgt habe, man könne Schiffe^ ^ 
durch Dampf fortbewegen. Neuere Forschungen lassen es als sehr wahr- 
scheinlich erscheinen, daß diese Angabe ihre Richtigkeit hat, so daß dem- 
nach hier die erste — wenn auch nur theoretische — Erfindung des Dampf- . 
Schiffs vorliegt. 

— Nach einer Angabe von Christian Kramp in „Hindenburgs Archiv der 
reinen und angewandten Mathematik*' hat Otto von Guericko die Erfindung 
der Luftpumpe i. J. 1641 gemacht und das erste Instrument dem Magistrat 
von Köln geschenkt. Diese Luftpumpe soll sich 1799 noch in Köln be- 
funden haben. Eine einwandfreie Bestätigung dieser Kramp*schen Angabe 
liegt nicht vor. (Vgl. 1654 G.) 

^ Athanasius Kirdiar gebraucht zuerst das Wort „Elektromagnetismus'*, selbst- 
verständlich in einem sich mit der heutigen Bedeutung des Wortes nicht 
deckenden Sinne. Vgl. seine Schrift „Magnes seu de arte magnetica opus 
tripartitum", woselbst in Lib. III folgende Bemerkung enthalten ist: 
^^^Hlt^zgofiap^iiofÄog i. e. de magnetismo electri seu electricis attractio- 
nibus**. 
~ In der „Pharmakopeia Medico-Chymika" des Johann SchrMer findet sich 
die Bemerkung, daß geglühte Granaten in Salzsäure löslich sind: eine der 
ersten wichtigen Beobachtungen in der Mineralchemie. 
1642 Blaise Paical erfindet die erste Rechenmaschine zum Rechnen der 4 Spezies. 

— Ludwig von StoSM erfindet die Schab kunst, eine Abart des Kupferstichs, 
die sich namentlich in England sehr schnell verbreitet; bei ihr werden 
aus dem mit dem Granierstrahl aufgerauhten Grunde der Platte die mehr 
oder weniger lichten Stellen herausgeschabt. 

— Der holländische Seefahrer Abel Jansz Tasman entdeckt Vandiemensland 
(jetzt Tasmania genannt), umfährt Australien in weitem Umkreis und stellt 
fest, daß Australien tatsächlich ein neuer Kontinent ist, daß aber das hier an- 
genommene große Südland nicht existiert. Er entdeckt bei seiner Fahrt 
die Westküste Neu- Seelands, an welche sich fortan für lange Zeit die 
Phantasie als an das große südliche Festland anklammert. 

^^3 duikarow entdeckt den Amur. 

■" DuMc erbaut den Kanal von Dixmünden und Fortknoke nach Ypern. 
Die bei Boesynge errichtete Doppelschleuse, bei der es gilt, ein Gefälle von 

— 121 — 



1648 

-■^^^^ 

über 6 m zu überwinden, wird lange Zeit als ein Meisterwerk der Bau- 
kunst betrachtet. 

1643 Georges Fournler trägt in seinem großen Werke „K Hydrographie contraiant 
la th^orie et la pratique de toutes parties de la navigation" eine große 
Anzahl von Tatsachen zum Aufbau einer wissenschaftlichen Ozeanographie 
zusammen. 

— Abel JansTs Tasman erblickt zuerst die Fidschiinseln. Dieselben werden 
i. J. 1773 von Cook wiedergefunden, aber erst i. J. 1827 durch Dumont 
d'Urville ausführlich beschrieben. 

— EvangeUstaTorrlMlII führt, durch Viviani*s Erklärung des Luftdrucks (s. 1643 V ) 
angeregt, den Versuch aus, den Luftdruck mit einer Quecksilbersäule zu 
messen, und gelangt so zur Erßndung des Barometers. Die Bez^chnong 
„Barometer** erscheint zuerst in einem anonymen, wahrscheinlich yon 
R. Boyle herrührenden Aufsatz in den „Phil. Transactions'* von 1665. 

— Evangelista Torricelll bestimmt den Flächeninhalt der Zykloide und be- 
schreibt eine von Viviani gefundene Konstruktion der Tangenten an diese 
Kurve, die auch Robcrval (s. 1639 R.) für sich beansprucht. 

— Vincenzo Vhrlanl erklärt zuerst aus dem Luftdruck, weshalb es nicht ge- 
lingen will, mit einer Saugepumpe das Wasser höher als nahezu 32 Fuß zu 
heben. Er schließt, daß der Luftdruck das Wasser nur bis zu einer Höhe 
von 32 Fuß -- 10,25 m heben kann und deshalb das Quecksilber, das 13^/2]iial 
schwerer als Wasser ist, nur bis zu einer 13^/0 mal kleineren Höhe, d.i. bis 
ungefähr 28 Zoll - - 760 mm emportreiben würde. 

— Der Holländer Maarten Gerrit.^z d« VriM entdeckt die Ostküsto Japans, 
die Kurilen und Sachalin. 

1644 Florimond dt BaauiM in Blois bestimmt die Eigenschaften einer Kurve aus 
ihrer Gleichung. Er lehrt die Grenzen finden, zwischen denen die reellen 
Wurzeln einer Gleichung liegen. 

— Ren6 DeteartM führt die Entstehung der hervorragendsten Unebenheiten der 
Erdoberfläche zuerst auf das Zusammenstürzen innerer Hohlräume zurück 
und spricht sich über die Entstehung der Erde im wesentlichen in pinto- 
nistischem Sinne aus. Er spricht in seinen „Principia** von der „Beharr- 
hchkeit des Quantitativen in der mechanischen Aktion*' und ist damit der 
Vorläufer des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft. 

— Renö DMcartM begründet die Theorie der Reflexbewegungen, indem er 
sagt, es würden Impulse von der Peripherie nach dem Zentrum fortgeführt 
und in letzterem auf motorische Nerven reflektiert. Er betrachtet den 
Tierkörper als eine Art Maschine, für welche dieselben Gesetze gültig 
seien, wie für Arbeitsmaschinen von Menschenhand. 

— Johann Baptist van Htlmont stellt die festen Bestandteile des Harns dar und 
findet unter ihnen Kochsalz. Er konstatiert das höhere spezifische Gewicht 
des Fieberhams und erklärt das Entstehen der Harnsteine aus den featen 
Bestandteilen des Harns. 

— Evangelista Torrletlli veröfl'entlicht ein mathematisches Sammelwerk ,. Opera 
geoinetrica**, in welchem er die Rektifikation der logarithmischen Spirale 
angibt imd zuerst den Begriff der ..einhüllenden Kurve*' aufstellt. 

1645 Isiiiael Boulllau spricht, wie Newton angibt, zuerst von einer Anziehungs- 
kraft der Sonne, die in umgekehrtem Verhältnis der Entfernung ab- 
nehme. 

— Ftriiiiaiid II. von Toskana erfindet das Kondensationshygronieter. bei welchem 
der Feuchtigkeitsgehalt der Luft durch die Verminderung der Temperatur 
angezeigt wird, die nötig ist, um den atmosphärischen Wasserdaropf auf 
der Oberfläcli«' eines polierten Körpers als Tan niederzuschlagen. (S. a. 
1820 D.) 

122 



1648 

1645 Nachdem schon Kepler darauf hingewiesen hatte, daß man das in seinem 
Fernrohr umgekehrt erscheinende Bild durch Hinzufügung einer dritten 
Linse zwischen Objektiv und Okular wieder aufrichten könne, konstruiert 
der Kapuziner Anton Maria Schyrlatm dt RhtHa zuerst ein solches terrestri- 
sches Femrohr. Er ist der erste, der die Bezeichnungen Okular und Ob- 
jektiv gebraucht. 

1646 Francesco Fontana beobachtet zuerst die Flecken des Mars und veröffent- 
licht unter dem Titel „Novae coelestium terrarumque rerum observationes*' 
die beiden ersten Marszeichnungen, deren erste im Jahre 1636 gemacht ist, 
während die zweite vom 24. August 1638 herrührt. Die zweite Zeichnung 
beweist, daß Fontana auch als Entdecker der Phasengestalt des Mars an- 
zusehen ist. 

— Der Kurfürst FrMrtch WUMm von Brandenburg richtet für die Zwecke 
der westfälischen Friedensverhandlungen eine Dragonerpost zwischen Berlin, 
Osnabrück und Münster ein. (Vgl. 560 v. Chr.) 

— Marco Aurelio Stvtrino bedient sich bei chirurgischen Operationen zur 
Anfisthesierung des Operationsgebietes der Kälte, indem er Schnee und 
Eis auflegt. 

— EvangeUsta TwrrlMlII weist nach, daß die Geschwindigkeiten des aus der 
BodenöfFnung eines Gefäßes fließenden Wassers sich wie die Quadratwurzeln 
aus den entsprechenden Druckhöhen verhalten (Torricelli'sches Theorem). 

1647 Buona Ventura Cavallari berechnet die Lage der Brennpunkte aller ver- 
schiedenen Formen von Linsen. 

— Johann Htvtllns in Danzig entdeckt die Libration in der Ebene des Mond- 
äquators (in Länge) und gibt seine noch jetzt wertvolle Selenographie 
heraus. Er liefert eine Nomenklatur der Mondflecken, aus der man auch 
heute noch die Bezeichnung „Marc" benutzt. 

— Jean Piequtt entdeckt die Chyluszisteme und deren Zusammenhang mit 
dem von Eustachio (s. 1564) entdeckten Milchbrustgang und weist nach, 
daß dieser seinen Inhalt in die linke Schlüsselbeinvene ergießt, der Chylus 
also vom Darm durch die Chylusgefäße und Mesenterialdrüsen ins Blut 
gelangt. 

— Angelo 8ata kennt die Bestandteile des Salmiaks und die Eigenschaften des 
flüssigen Laugensalzes und lehrt die Anwendung des Sublimats in der 
Medizin. Er entdeckt das Sauerkleesalz beim Konzentrieren des durch Ei- 
weiß geklärten Saftes des Sauerampfers. 

— Nachdem Moritz Hof mann aus Fürsten walde schon sechs Jahre zuvor den 
Ausführungsgang des Pankreas am Truthahn entdeckt hatte, findet ihn 
Georg ¥flnaiic aus Bayern am Menschen. 

1648 Simeon DmIimw umfährt das Ostkap von Asien und dringt durch die 
Beringstraße bis zum Anadyr vor, wodurch die Trennung der Alten Welt von 
der Neuen Welt bewiesen wird. 1898 erhält das Ostkap durch kaiserliche 
Verordnimg den Namen „Kap Deshnew*'. 

— Johann Rudolf Qlaubar erwirbt sich große Verdienste um die Darstellung 
der Mineralsäuren. Die Salzsäure war bisher immer durch Destillation 
des Eisenvitriols mit Kochsalz, die Salpetersäure durch Destillation des- 
selben Körpers mit Salpeter erhalten worden. Glauber erkennt, daß die 
aus dem Vitriol freiwerdende Schwefelsäure es ist, welche die Austreibung 
der Säure aus Kochsalz und Salpeter bewirkt und versucht nun immittel- 
bar die Schwefelsäure auf diese Salze einwirken zu lassen, wodurch er die 
Säuren reiner und stärker als bisher erhält. Die rauchende Salzsäure er- 
hält nach ihm den Namen „Spiritus salis Glauberianus*'. 

— Johann Rudolf CUaubtr erhält bei direkter Darstellung von Salzsäure und 
Salpetersäure die Salze, welche durch die Verbindung der Schwefelsäure 

— 123 — 



1648 

mit den Alkalien des Kochsalzes und des Salpeters entstehen. Dm 
schwefelsaure Natron namentlich zieht seine Aufmerksamkeit auf sich; 
seine medizinische Wirksamkeit erscheint ihm so bedeutend, daB er ihm 
den Namen „Sal mirabile** beilegt. 

1648 Johann Rudolf Qlauber stellt zahlreiche Chlormetalle her, indem er das 
Metall mit Vitriol und Kochsalz destilliert. So erhalt er außer den schon 
bekannten Chloriden, wie Antimonbutter und Spiritus fumans Libavü 
(s. 1595) das ätzende Arseniköl und das Chlorzink. Auch stellt er wäs- 
seriges Eisenchlorid durch Lösen von Eisen in Salzsäure und Abdampfen 
der Lösung dar. 

— Johann Rudolf Glauber erhält zuerst eine Lösung von salpetriger Säure 
durch Reduktion von Salpetersäure mit Arsenigsäureanhydrid. Seine Be- 
obachtung wird 1694 von Kunckel bestätigt. 

— Johann Rudolf Qlaaber scheint zuerst das Chloräthyl in weingeistiger 
Lösung erhalten zu haben. In reinem Zustand stellt es Rouelle 1769 durch 
Destillation von Zinnchlorid mit Weingeist dar. Diese DarsteUungsmethode 
wird vom Marquis de Courtenvaux veröffentlicht, der deswegen öfters als 
Entdecker des wasserfreien Chloräthyls genannt wird. 

— Athanasius Kireher gibt eine Beschreibung des Hörrohrs. 

— Jan de Latt gibt die von Wilhelm PIso und Georg Marcgrav auf ihrer brasi- 
lianischen Reise gesammelten naturgeschichtlichen Daten heraus, welche 
die spezielle Tierkenntnis wesentlich bereichem. 

— Maflottl erfindet den, fälschlich nach Descartes benannten Cartesianischen 
Taucher. 

— Emanuel Maignan gibt die erste Theorie der Lichtbrechung. 

— Der Mediziner Johann Marcus Marc! von Kronland sieht zuerst die prismatische 
Dispersion des Lichts, ohne jedoch eine Erklärung derselben geben zu 
können. Nach Gerland und Traumüller hat auch Descartes 1649 die pris- 
matischen Farben beobachtet. 

— Blaise Paseal läßt durch seinen Schwager Parier am 9. September die erste 
barometrische Höhenmessung auf dem Puy de Dome ausführen, wodurch 
das Vorhandensein dos Luftdrucks endgültig bewiesen wird. 

— Francesco RodI tritt zuerst gegen die Annahme einer Generatio aequivoca 
in den niederen Tierklassen auf, indem er zeigt, daß, wenn man die Ab- 
lagerung der Eier in faulende Substanzen verhütet, sich in diesen keine 
lebenden Wesen entwickeln. Er macht (1664) die ersten methodischen 
Arbeiten über Schlangengift. 

— Jean RIolan macht den Versuch, die Hautkrankheiten nach ihrer äußern 
Form zu klassifizieren. Auch Thomas Willis macht 1670 einen dahin- 
gehenden Versuch. 

1649 Ren^ DaicartM erklärt mit Gilbert (s. 1590) und mit Bacon (s. 1620 B.) die 
Wärme als Bewegimg der Körperteilchen. Je stärker die Vibration der 
Teilchen ist, um so höher steigt die Wärme. Die Bewegung der Himmels- 
körper erklärt er durch seine Wirbeltheorie. 

^ Ren6 DMcailM wendet das Refraktionsgesetz (s. 1614 S. und 1637 D.) zu- 
erst zur Erklänmg des Regenbogens an. 

— Nachdem zuerst 1447 in der Memminger Chronik eine fahrradähnliche Fort- 
bewegungsmaschine (ein Wagen ohn Roß, Rindter und Leutt) erw&hnt 
worden war, baut der Nürnberger Zirkelschmied Johann Haiitiieh einen 
Wagen, der durch die eigene Kraft des Fahrenden getrieben wird, jedoch 
nur 2000 Schritte in der Stunde zuriicklegt. 

— Nachdem Franciscus de Pedemontinus die erste Beschreibung der Wander- 
niere gegeben hatte, gibt Jean RIolan auf Grund von Sektionen ein yoll- 

C ständiges klares anatomisches Bild davon. Im gleichen Jahre weist er als 



I 



— 124 — 



1660 

der Erste bestimmt auf den Zusammenhang des Kropfes mit der Schild- 
drüse hin. 

649 Während man in der Artillerie bis dahin die Bomben noch „mit zwei 
Feuern*' warf, indem zunächst der Zünder des in das Rohr eingesetzten 
Creschosses und sogleich darauf die Geschützladung entzündet wurde, lehrt 
Kasimir SlnlMOWIcz in seiner „Ars magna ArtiUeriae'* das Bomben werfen 
„mit einem Feuer", wobei der Geschoßzünder von der Flamme der Ge- 
schützladung gleichzeitig mit in Brand gesetzt wird. 

650 Fran^oifl dt It Boi (Sylvius) begründet das chemiatrische System in der 
Medizin. Er glaubt an dem Chlorkalium besondere medizinische Eigen- 
schaften zu finden, nach welchen es lange Zeit als Sal febrifugium oder 
Digestivum Sylvii bezeichnet wird. Otto Tachenius betrachtet bereits als 
Bestandteile dieses Salzes Kali und Salzsäure. 

— Fran^ois dt It Boi (Sylvius) findet zuerst Lymphgefäße in der Leber 
und gibt die erste Beschreibung von Tuberkeln, deren genetischen Zu- 
sammenhang mit Phthisis pulmonalis er annimmt. 

— Maria CanHUl gibt Planetentafeln unter dem Namen „Urania" heraus, die 
sich auf Keplers rudolphinische Tafeln (s. 1627 K.) stützen. 

— Honoratius Fakry untersucht die Erscheinungen der Capillarität in engen 
zylindrischen Bohren und findet, daß die Steighöhen oder Depressionen 
einer Flüssigkeit dem Halbmesser der Röhren — gleiches Material der 
Röhren vorausgesetzt — umgekehrt proportional sind. Dieser Satz wird 
von Gay Lussac (1799) bestätigt. Auch Brunner (1846), E. F. D6sains 
(1857), BMe (1861) u. a. gelangen zu gleichen Ergebnissen. 

— Der englische Anatom Francis Qllsion gibt in seiner Schrift „De rachitide" 
^e erste erschöpfende, noch heute klassische Darstellung der Rachitis 
(englischen Krankheit), die eine Entwicklungsstörung des frühen Kindes- 
alters darstellt und zu eigenartigen Schädigungen des kindlichen Skeletts 
führt. Er empfiehlt zu deren Behandlung Gymnastik und Unterstützungs- 
apparate und gelegentlich auch Massage. 

— Joachim Junflus bemängelt zuerst die altherkömmliche Einteilung der 
Pflanzen in Bäume und Kräuter als das Wesen nicht treffend und be- 
zweifelt wie Redi (s. 1648 R.) die Generatio aequivoca. 

— Athanasius Klrchtr beschreibt die Aeolsharfe (Anemochord), die aus einem 
langen, schmalen Resonanzkasten besteht, auf dem eine Anzahl im Ein- 
klang abgestimmter Darmsaiten über zwei niedrige Stege gespannt sind. 
Streift ein Luftzug die Saiten, so fangen dieselben an zu tönen. Da das 
Prinzip der Aeolsharfe bereits im Altertum bekannt war, kann die Er- 
findung nicht dem heiligen Dunstan zugeschrieben werden. 

— Fran^ois Mansart erfindet die gebrochenen oder Mansardendächer, die aus 
einem steilen unteren und einem flachen oberen Walmdachteil bestehen. 

— Domenico Panaroli beobachtet zuerst Finnen im Corpus Callosum eines 
epileptischen Priesters in Rom; den Namen „Finnen" führt 1782 Paul 
IViedrich Christian Werner ein, der auch die Einstülpung des Kopfes in 
die Blase zuerst beobachtet. 

— Papptflhtim konstruiert das erste der Kapselpumpe (vgl. 1593) analoge 
Kapselgebläse mit zwei Drehachsen zur Förderung von Luft und Wiisser, 
das aus zwei Zahnrädern von je sechs an allen Ecken des Profils ab- 
gerundeten Zähnen besteht und die Grundlage aller derartigen Konstruk- 
tionen ist. 

— Nicolas Santtn erfindet die sogenannte flächentreue Projektion, die, weil 
sie sich in dem Atlas coelestis von Flamsteed 1712 findet, vielfach auch 
nach Flamsteed benannt wird. 

— Nicolas Saiivagt hält im Hotel de Fiacre in der Rue St. Martin in Paris 

— 125 — 



zuerst Wagen und Pferde zum Vermieten bereit, die von seinem Hwue 
den Namen „Fiacre" erhalten. 

1650 Johann Spertlnf gibt in seiner erat nach seinem Tode veröffentliohten 
„Zoologia physica" die erste Andeutung einer richtigen Auffassiing von 
der Stellung des Menschen innerhalb des Tierreichs, die später zoi Bildung - 
eines besonderen Naturreichs für denselben fuhrt. (Vgl. indes auch 1501.) 

— Bernhard Vartnlut gibt in seiner „Geographia generalis" die erste allgemeine 
»ystematische Darstellung des Formenschatzes der Erde. Er klaasifiaert 
zuerst die großen Meere trnd unterscheidet den Atlantischen, Pasifiaeh«! 
und Indischen Ozean, eine Einteilimg, die sich allmählich einbürgert. 

— Bernhard Vartnins gibt die erste eingehendere Beschreibung der Wind- 
verhältnisse auf der Erde. 

— Thomas Wharton aus Yorkshire publiziert das erste bedeutende Werk über 
Drüsen, beschreibt darin die Thymus-, Pankreas- und SubmaxillardrÜBe 
und entdeckt den Ausführungsgang der letzteren. 

1651 Johann Rudolf Qlaiiber macht die erste chemische Analyse von Meteorsteinen. 

— William Hanrey erklärt in seiner Schrift „De generatione animalium**, daß 
die Theorie der Greneratio aequivoca ein Irrtum sei und jedes lebende 
Wesen sich aus einem Ei entwickle, welches vom weiblichen Individuum 
stamme und auf dessen Entwicklung der Same als belebender Reiz einwirke. 
Der von Harvey aufgestellte Satz „Omne vivum ex ovo" bildet den Aus- 
gangspunkt aller seitdem auf entwicklungsgeschichtlichem Gebiete unter- 
nommenen Forschungen. 

— Nathanael dt Hlfhmors beschreibt die nach ihm Highmorehöhle genannte 
Oberkieferhöhle, welche bereits Galen als Sinus m axillaris kannte. Es 
gelingt ihm, viele bis dahin unerklärliche Zahnerkrankungen als Er- 
krankungen des Antrum Highmori nachzuweisen. 

— Giovanni Battista Rleeioll macht die ersten trigonometrischen Höhenbeetim- 
mungen der Wolken. 

— Der schwedische Arzt Olaus RiNibeck entdeckt als Student in Padoa die 
von ihm „seröse Gefäße" benannten Lymphgefäße des Darms und zeigrt 
1652, daß diese Gefäße mit den Chylusgefäßen identisch sind und daß sie 
in den Ductus thoracicus einmünden. Die Bezeichnung Lymphgefäße führt 
1653 Thomas Barthollnut ein. 

1652 Le Gsndr« begründet die Spalierbaumzucht und macht wichtige Angaben 
über Unterlage und Reis in der Obstbaumkultur. 

— Francis Lodwlck entwickelt in seinem „Groundwork or Foundation laid for 
the Framing of a new perfect Language" das Programm einer Universal- 
sprache, das alle die Eigenschaften in sich vereint, von denen spätere Ver- 
suche (s. 1879 S., 1887 S., 1906 M.) stets nur einen Teil wiedergeben. 

— Domenico tft Marchsttl erkennt zuerst am Herzen und Darm die Fähig- 
keit aktiver Bewegung. 

— Isaak MInnInt führt zum ersten Male die Durchtrennung des Kopfnickers bei 
Caput obstipum (Schiefhals) aus, eine Operation, die 1668 von Meister 
Florian in Holland, 1670 von Hendryk van Koonhuyze, 1738 von Tolp 
und dann öfter wiederholt wird. 

— Sir Hugh Platt macht zuerst den Vorschlag, den Dampf zum Heizen eines 
Treibhauses zu verwenden. 

1653 Pierre BortI entdeckt die sympathetische Tinte, indem er die Schwärsang 
der mit essigsaurem Blei gemachten unsichtbaren Schriftzüge durch eine 
Abkochung von Auripigment und Kalk bewirkt. 

— Andrö Le Nötrt ist der Schöpfer des französischen Stils in der Gartenkunst. 
Er gibt den Gärten das, was ihnen bisher fehlte, die Perspektive, ver- 
einfacht die Wasserkünste, hebt darin, wie in der Baumformung, alle Spiele- 

— 126 — 



Ig6» 

reien auf und bringt Symmetrie in die durch Schnitt hergestellten Lauben- 
gänge, Hecken und NiBohen. 
1653 Jean Riotan erfaßt zuerst den Gedanken, bei Wassersucht des Herzbeutels 
diesen zu öffnen. 

— Johann SculMus benutzt für den Verband der unteren Gliedmaßen die 
nach ihm benannte Binde, die aus einer beliebigen Anzahl yon Streifen 
besteht, welche dachziegelartig übereinander gelegt werden, und so lang 
sein müssen, daß sie das betreffende Glied l^/^ mal umgreifen. 

— Der französische Staatsrat M. dt Vtfaytr erhält von Ludwig XIV. das 
Privil^, in Paris eine Stadtpost einzurichten. Hierbei führt er zwecks 

_ fr^er Beförderung die „Billets de port pay6*' ein, welche um die Briefe 
herumgeschlagen oder auf irgend eine andere Weise an denselben befestigt 
werden. Sie ähneln den späteren Streifbändern und sind als Vorläufer 
der Briefmarken anzusehen. Auch stellt er die ersten Postbriefkasten auf. 
654 Johann Rudolf QlMbtr hat eine annähernd richtige Vorstellung von den 
Wirkungen der chemischen Verwandtschaft. Er zeigt, daß die Zersetzung 
des Kochsalzes und Salpeters durch Schwefelsäure sowie die des Salmiaks 
durch Kalk oder Kali (s. 1648 G.) darauf beruht, daß der eine Bestand- 
teil zu dem Zersetzungsmittel eine größere Verwandtschaft hat (es liebt 
und auch von ihm geliebt wird). £r erläutert, wie Sohwefelantimon sich 
mit SubUmat zersetzt, hat also auch Einsicht von dem Vorgang der dop- 
pelten Wahlverwandtschaft. 

— Francis Glitioii in London bearbeitet die Anatomie und Physiologie der 
I^ber in hervorragender Weise und erwähnt in seiner Schrift „Anatomia 
hepatis" zuerst die nach ihm benannte Glisson'sche Kapsel. 

— Otto v«M Ckitrlcke führt dem Reichstag zu Regensburg sein berühmtes Ex- 
periment mit den sogenannten Magdeburger Halbkugeln vor. Diese Halb- 
kugeln werden durch eine, mit einem Hahn verschließbare Röhre mit der 
Luftpumpe in Verbindung gesetzt. Nachdem die Luft ausgepumpt ist, haften 
sie mit solcher Kraft aneinander, daß 16 Pferde kaum imstande sind, den 
Druck der Luft zu überwinden, während sie ohne Schwierigkeit ausein- 
anderzuziehen sind, sobald durch Offnen des Hahns die Luft wieder ein- 
gelassen wird. (Vgl. 1641 G.) 

— Otto von Quarlckt wird durch seine Versuche bahnbrechend für die Lehre 
von der Aerostatik. Die Elastizität der Luft ist seitdem bewiesene Tat- 
sache und es ergibt sich der wichtige Schluß, daß die unteren Schich- 
ten der Atmosphäre dichter als die oberen sein müssen. Er erkennt auch 
die Bedeutung des Wasserdampfes für die Nebel- und Wolkenbildung. 

654 — 88 Der französische Matrose Henri Hamel, der als Schiffbrüchiger in 
Korea gefangen gehalten ivird, gibt nach seiner Rückkehr die erste aus- 
führliche Kunde von diesem Lande. 

.654 Blaise Pascal baut in seiner erst nach seinem Tode i. J. 1665 gedruckten 
Schrift „Trait^ du triangle arithm^tique*' die Kombinationslehre und 
Wahrscheinlichkeitsrechnung weiter aus, und erörtert im besonderen das 
nach ihm benannte arithmetische Dreieck, eine Tafel der Binomialkoeffi- 
zienten zur Auffindung höherer arithmetischer Reihen imd der Kombina- 
tionszahlen. Neben Pascal ist namentlich auch Fermat ein Förderer der 
Wahrscheinlichkeitsrechnung. 

1665 Nachdem schon Anton Platner in Augsburg 1518 die Feuerspritze ver- 
bessert hatte, versieht, wie aus einem Briefe von Leibniz an Papin vom 
4. Februar 1707 hervorgeht, Johann Hautzsch dieselbe wieder mit dem von 
Heron (s. 100) erfundenen Windkessel. 

— Christian HuyfMit entdeckt den Titan, den größten der acht Satelliten 
des SatuTD. 

— 127 — 



1656 

1655 Der Jesuit Martin Martfnl, der 1651 aus China heimgekehrt ist, publisiert 
seinen neuen Atlas von China, auf den sich das neuere Wissen von diesem 
Reiche gründet. In diesem Atlas erscheint auch zuerst das Bild der 
Halbinsel Korea. (Vgl. auch 1654.) 

— John Wallis in Oxford baut die Lehre von den Kegelsohnitten unter An- 
wendung der von Descartes angegebenen neuen Methode (s. 1637 D.) weiter 
aus. Vgl. seine Schrift „Tractatus de sectionibus conicis nova methodo 
expositis". 

1656 Johann Rudolf Glautar rät in seinem „Miraculum mundi'% den Nieder- 
schlag, den kohlensaures Kali in Kupferlösungen bewirkt, statt des seit 
alters her bekannten Grünspans zum Malen anzuwenden. Proust zeigt 
1799, daß diese grünen Niederschläge, die man bei unvollkommener 
Fällung erhält, basische Salze sind und daß der blaue Niederschlag, d^ 
bei vollständiger Fällung entsteht, Kupferoxydhydrat ist. Das salpetersaure 
Kupfer scheint Glauber bereits 1648 erhalten zu haben. 

— Christian Huygtns erfindet die Pendeluhr. Hat auch, wie aus dem Artikel 
unter 1636 G. hervorgeht, schon Galilei den Gedanken gehabt, das Pendel 
bei Uhren anzuwenden, so ist doch, wie jene Notiz ergibt, eine praktische 
Ausführung dieses Gedankens nicht erfolgt. 

— Werner RoMnk führt an den Leichen zweier im Leben mit Katarakt Be- 
hafteter den anatomischen Nachweis, daß der graue Staar auf einer Trü- 
bung der Krystallhnse beruht. 

— John Tradtseant bringt die erste Probe von Guttapercha unter dem Namen 
„Mazer wood*' nach London. 

— Jsaak Voniut begründet selbständig die meteorische Quellenlehre durch 
den von ihm aufgestellten Satz „Omnia flumina ex coUeotione aquae 
pluvialis oriri". 

1657 Der polnische Feldarzt Janus Abraham a Qehema macht zuerst bestimmte 
Vorschläge, um die Vorbildung, die Leistungen und damit auch die 
Stellung des militärärztlichen Personals zu verbessern. Er tut Schritte 
zur Reformierung der bisher mitgeführten Feldapotheken (Feldkästen), 
die nicht mehr vom Arzt, sondern vom Staat angeschafft werden soUen. 

— Wolf gang HMr gibt in seinem „Hercules medicus** die erste Beschreibung 
des Kretinismus. 

— Johannes Hudde fördert die Lehre von den Gleichungen und gibt eine 
Methode zur Erkennung der mehrfachen Wurzeln einer Gleichung, die 
nach ihm die „Hudde'sche Regel** genannt wird. Auch findet er die ein- 
fachste und übersichtlichste Ableitung der Cardanischen Formel. 

— Christian Huyctnt erkennt die wahre Gestalt des Saturnringes (s. 1610 G.), 
veröffentlicht jedoch seine Entdeckung, um weitere Beobachtungen ab- 
zuwarten und sich dennoch die Priorität zu sichern, zunächst nur in 
folgendem Anagramm: aaaaaaa ccccc d eo^^ee g h iüüü IUI mm nnnnnnnnn 
oooo pp q rr s ttttt uuuuu, welches, richtig gelesen, heißt: Annulo cin- 
gitur, tenui, piano, nusquam cohaerente, ad eclipticam inclinato. 

1658 Pierre Famiat fördert die Zahlen theorie durch Aufstellung einer großen 
Reihe bemerkenswerter, zum Teil berühmt gewordener Sätze. Hierhin 
gehört das „Fermat'sche Problem**, welches den elementaren Beweis 
fordert, daß die Gleichung x" -}- yn ^= z" für n > 2 nicht in ganzen 
Zahlen lösbar ist. Format behauptet, einen „wahrhaft wunderbaren** Be- 
weis zu besitzen; doch ist es bisher nicht gelungen, diesen Beweis wieder- 
zufinden. Andere zahientheoretische Sätze beziehen sich auf die Polygonal- 
zahlen, die Primzahlen usw. 

— Johann Rudolf Qlaubcr beschreibt die Bildung des übrigens schon vorher 
bekannton HolzoüHigs durch trockene Destillation des Holzes. 

— 128 — 



1660 

1658 Johann Rndolf QUwbtr wendet zuerst die Sicherheitsröhren als Sicherheits- 
ventile an. Durch Welter (1820), nach dem sie auch benannt werden, 
kommen dieselben in regelmäßigen Grebrauch. 

— Der kurfürstlich brandenburgische Ingenieur Johann Gregor Mtmhanl be- 
ginnt die Befestigung Berlins nach dem altniederländischen bastionierten 
System. Die Festungswerke laufen etwa in der Linie der heutigen Ober- 
wall-, Niederwall- und Neuen Friedrichstraße und bestehen aus 13 durch 
Kurtinen verbundenen Bastionen und 5 (später hinzugefügten) Ravelinen. 
Die Sturmfreiheit beruht auf einem 45 m breiten nassen Graben. 

— Jan SwamuMrten entdeckt die roten Blutkörperchen im Froschblut. 

— Johann Jacob Wtplir gibt in seiner Schrift über die Apoplexie gute Unter- 
suchungen über das Gefäßsystem des Gehirns und weist zuerst die Ver- 
narbung apoplektischer Himherde nach. 

1659 William BrovBCktr, Viscount of Castle Lyons, bringt die Faktorenfolge, 
welche John Wallis (s. d. 1668) in seinem berühmten „Wallis'schen Pro- 
dukt" zur Darstellung von n verwendet, in die Form eines unendlichen 
Kettenbruchs. 

— Oberst Gmtkant wendet zuerst Steinminen (Erdmörser) an, indem er bei der 
Belagerung von Thom schräg in das feste Erdreich eingegrabene röhren- 
artige Löcher nach Art eines Geschützes mit Pulver ladet und Steine als 
G-esohosse daraufsetzt. 

1660 Robert Boyf«, der durch Kaspar Schott's Werk von Guericke's Versuch 
(s. 1641 G. und 1654 G.) Kenntnis erhalten hatte, konstruiert mit Robert 
Hookff eine Luftpumpe, die in der Handhabung wesentlich bequemer als 
Guericke*s Pumpe ist. Der Rezipient besteht aus Glas und ist mit einem 
abhebbaren Deckel versehen, der gestattet, den Versuchskörper bequem 
hineinzubringen. 

~ Hermann Conring wird mit seinem „Examen rerum publicarum" der 
Schöpfer der Statistik, die bis dahin nur ganz oberflächhch von dem 
Venetianer Sansovino und dem Franzosen Pierre d'Avity behandelt 
worden war. 

— Procope GontMUix, Limonadier in Paris, stellt zuerst gewerbsmäßig durch 
Kältemischungen gefrorene Limonaden und Fruchtsäfte her. Diese 
Fabrikation verbreitet sich so schnell, daß sich 1676 eine Innung der 
Meister der Kunst „des glaces de fruits et de fleurs** mit 250 Mitgliedern 
bUdet. (S. a. 1621 B.) 

^ John Harrlnfton führt die Wasserklosetts aus Frankreich nach England ein. 
Doch sind dieselben keine französische Erfindung, und es unterliegt keinem 
Zweifel, daß die Wasserklosetts schon im Altertum im Orient in Gebrauch 
gewesen sind. 

~ Blaise Pascal wendet das Prinzip der virtuellen Verschiebungen zum Be- 
weis des Satzes an, daß ein an einem Punkte der Oberfläche einer flüssigen 
Masse ausgeübter Druck sich gleichmäßig nach allen andern Punkten der 
Flüssigkeit verbreitet, wofern diese nicht auszuweichen imstande ist 
(Pascal*sches Gesetz). 

~ Conrad Victor SchntMar in Wittenberg beweist anatomisch und klinisch, 
daß nicht das Gehirn, sondern die Nasenschleimhaut (Membrana Schnei- 
den) den Schleim absondert, der in Krankheiten abfließt, und stößt damit 
endgültig die Lehre der Alten von den zahlreichen katarrhoischen Krank- 
heiten um. 

* Nicolaus Slanonls erkennt die Muskeln als die eigentlichen tätigen Be- 
wegungswerkzeuge und findet, daß sie sich bei ihrer Zusammenziehung 
selbst verkürzen, eine Erscheinung, die Borelli auf die Elastizität der 
Darmstaedter. 9 

— 129 — 



1660 

Muskeln zurückführt, welche unter dem Einfluß der Nerven in Tac- 
kelt trete. 

1660 Thomas Sydanham, der ,, englische Hippokrates'S faßt zuerst den Gredanken« 
daß die Krankheit eine Folge eines Krankheitsprozesses sei. ein Begriff, 
den er als erster streng durchführt. Er betrachtet das Fieber als einen 
Akt zur Entfernung der Schädlichkeiten, welche Lehre bis gegen Ende 
des 18. Jahrhunderts die herrschende bleibt. „Fieber ist ein Werkzeug 
der Natur, durch weiches dieselbe die unreinen Teile von den reinen 
sondert.** 

— Thomas SydMiham gibt diätetische Anordnungen je nach der Konstitution 
des Patienten und zeigt, daß eine große Zahl von Erkrankungen lediglich 
durch richtige Lebensweise und verständige Ernährung zum guten Ende 
geführt werden können. 

— Thomas Sydenham gibt der Seuchenlehre einen gewaltigen Umschwung 
durch die Ausbildung des Begriffes epidemischer Konstitution, bei deren 
Entstehung kosmische und tellurische Einflüsse, Miasmen, die ans dem 
Erdinnern emporsteigen, Unreinigkeiten der Atmosphäre und ähnliche 
Faktoren mitspielen. 

1661 Die Academla dtl Clmanto in Florenz macht Versuche über die Zusammen- 
drückbarkeit des Wassers in Silberkugeln. Die Versuche ergeben zwar kein 
brauchbares Resultat, erweisen aber die Porosität des Silbers. 

— Henry Bishop, Generalpächter des englischen Postwesens, führt den Auf- 
gabestempel für Briefe ein. 

— Der englische Naturforscher Robert Boyle stellt im Anschluß an Demokritos 
und Gassen di (s. diese) eine Korpuskulartheorie auf, nach welcher alle 
Körper aus kleinsten Teilchen bestehen. Durch Aneinanderlagemng der 
sich gegenseitig anziehenden Teilchen verschiedener Stoffe kommt die Ver- 
bindung zustande. Tritt mit einem Körper ein anderer in Wechselwirkung, 
dessen kleinste Teilchen zu denen eines Komponenten mehr Anziehung 
haben, als die Komponenten unter sich, so erfolgt Zersetzung. 

— Robert Boyle stellt den Begriff der chemischen Elemente auf, als welche 
man Stoffe anzusehen habe, die man nicht weiter zerlegen, aus denen 
man aber die anderen Stoffe zusammensetzen könne. Ähnliche Ansichten 
hatte Joachim Jungius in seinen 1642 erschienenen „Principia corporum 
naturalium** ausgesprochen, die jedoch unbeachtet geblieben waren. 

— Gegenüber den Alchemisten, welche die Verwandlung von Eisen in Kupfer 
annahmen, zeigt Robert Boyle, daß Kupfer aus seinen Lösungen durch 
Zink und durch Eisen metallisch gefällt wird, und erklärt den Vorgang 
dahin, daß das Auflösungsmittel ein aufgelöstes Metall fallen lasse, um 
das die Ausfällung veranlassende Metall aufzunehmen. 

— Robert Boyle hebt zuerst ausdrücklich hervor, daß auf die Hervorbringung 
von mehr oder weniger regelmäßigen Kry stallen langsame oder schnelle 
Abkühlung der Lösung bedeutenden Einfluß ausübt. 

— Die Jesuiten Albert Dorvllle und Johannes Grueber machen einen Zug durch 
Tibet, erreichen die Hauptstadt Lhassa und steigen von da über den 
Himalaja nach Agra hinab. 

— Guichard Joseph Du Vemey fülirt die Untersuchungen von Aranzio (s. 1565) 
über den foetalen Blutkreislauf weiter, findet im Verein mit Caspar 
Barthollnut die nach dem letztern benannten Drüsen (Glandulae Bartho- 
linianae) und liefert davon eine genaue Beiichreibung. 

— Johann Hevelliis beobachtet 1553 Sterne für die Epochen 1G61 und 1701, 
die nach seinem Tode 1690 in einem Katalog zusammengefaßt werden, 
der auch 335 südliche Sterne enthält, die Halley auf seiner Expedition 
nach St. Helena aufgenommen hatte. 

— 130 — 



166S 

661 Chiistiaii HuygMls verwendet zuerst ein abgekürztes Heberbarometer zur 
Beurteilung der Luftverdünnung unter dem Rezipienten der Luftpumpe. 
(Barometerprobe, Manometer für niedrigen Druck.) 

— Marcello Malpifhl beobachtet zuerst an Lunge und Mesenterium des Frosches 
den Capillarkreislauf. Er setzt den Übergang der Arterien in die Venen 
ins richtige Licht imd liefert damit die wichtigste Ergänzung zu Harvey's 
Entdeckung des großen Blutkreislaufes. 

— Marcello Malpighl entdeckt den Bau der Lungen. Das Innere der Lungen 
besteht aus Säckchen oder Läppchen, welche mit den Ästen der Luftröhre 
und miteinander in Gemeinschaft stehen. Die Bläschen, die mit Gefäß- 
netzen umgeben sind, dienen dazu, durch den Druck der in ihnen ent- 
haltenen Luft das Blut inniger zu mischen; in die Gefäße selbst scheint 
keine Luft überzugehen. 

— Giovanni Battista RIccIoll stellt eine Berechnung der Größe der Erdoberfläche 
an, die er auf seine mit Grimaldi ausgeführte Gradmessung gründet 
und die 170981012 bononische Quadratmeüen ergibt. 

— Der französische Astronom Melchisedec Thevenot erfindet die Röhrenlibelle, 
auch Wasserwage oder Niveau genannt. 

L662 Adrian Auzoot bemerkt zuerst den Schatten des Saturn auf seinem Ring. 

— LfOrenzo MHni untersucht den Bau der Nieren und findet die Ausführungs- 
gänge in den Papillen, den „Tubuli Belliniani**. Er erkennt die Zungen- 
papillen als Geschmacksorgan und beschreibt deren Verbindung mit den 
Nerven. 

— Robert Boylt und Edme Mariotte stellen unabhängig voneinander das 
Boyle - Mariotte'sche Gesetz auf: „Der Raum, den eine eingeschlossene 
Gasmenge einnimmt, steht im umgekehrten Verhältnis zum Druck*'; oder 
„je geringer der Druck, um so größer der Rauminhalt, je größer der 
Druck, um so geringer der Rauminhalt." An den Boyle'schen Forschungen 
hat Richard Townley einen hervorragenden Anteil. 

1662—68 Nachdem schon 1558 vom Kurfürsten Joachim IL die Grabung eines 
Kanals von der Spree nach der Oder projektiert worden war, läßt der 
Große Kurfürst durch Philipp de ChlMe dieses Werk ausführen. Anfangs 
bedient man sich bei demselben hölzerner Schleusen, die aber 1699 durch 
steinerne Schleusen ersetzt werden. 

1662 Jean Baptiste Golbtrt vereinigt die bis dahin in Paris zerstreuten Werk- 
stätten von Haute- und Basselisse-Weberei in der Teppichfabrik der Nach- 
kommen des im 15. Jahrhundert verstorbenen Färbers Jehan Gobelin. 
Die Manufaktur erhält nach diesem den Namen „Aux Gobelins*', welcher 
Käme sich auch auf die dort fabrizierten Wandteppiche überträgt. 

~ Regnier de Qraaff entdeckt die nach ihm benannten Follikel im Eierstock 
and stellt fest, daß die Ovarien die Eier erzeugen und reifen lassen und daß 
die Eier nach der Befruchtung durch die Tuben in den Uterus gelangen. 

— John Qraant in London begründet die medizinische Statistik. 

— Marcello Malpifhl erforscht zuerst die Entwicklung des Hühnchens im Ei 
mit dem Mikroskop und trägt zur näheren Kenntnis aller Teile des Foetus, 
seiner Hüllen imd seiner Umgebung bei. Er begründet die mikroskopische 
Anatomie der Tiere. 

^ Der Marquis von Maivaila beschreibt in seinen „Ephemerides novissimae 
motuum coelestium** das Fadennetzmikrometer, dessen Erfindung Venturi 
zufolge von Montanarl gemacht sein soU. Es besteht aus einem System 
von mehreren feinen und senkrecht einander durchkreuzenden Silborfäden. 

1663 Fran^ois dt le Boi (Sylvius) weist auf die Alkohol- und Essigsäuregärung 
als die Typen der Vorgänge hin, deren Vorkommen er im Verdauungskaaal 
annimmt. Die Verdauung ist ihm ein chemischer Prozeß. Die alkalische 

9* 

— 131 — 



166S 

Galle dient dazu, den Speisebrei zu neutralisieren, und ihn in Chylus und 
Faeces zu sondern. Zur Bildung des Chylus trägt andreiseits auch der 
Pankreassaft bei, dem Sylvius saure Reaktion zuschreibt. Er kennt auch 
bereits den Speichel als Verdauungssaft. 

1663 Nachdem Albertus Magnus (1260) zuerst das Zusammenschmelzen von 
Schwefel mit Alkalien erwähnt und Libavius (1695) gelegentlich eine 
Vorschrift für die Auflösung des Schwefels in wässerigem Alkali gegeben 
hatte, gibt Robert Boylt genaue Anweisungen für Bereitung der Schwelel- 
leber sowohl durch Auflösung von Schwefel in kochendem wässerigem 
ak auch in schmelzendem trocknem Kali. Er weiß bereits, daß sich 
Metalle in Schwefelleber lösen und erwähnt auch die Auflösung des Spieß- 
glanzes in derselben sowie die Schwärzung des Silbers durch SchwefeQeber- 
lösung. Bei spätem Untersuchungen ergibt sich, daß die Sohwefelleber 
nicht, wie man früher glaubte, aus SchwefelkaUum besteht, sondern ein 
Gemenge von Kaliumsupersulfureten imd unterschwefUgsaurem oder 
schwefelsaurem EaU daretellt. (Vgl. auch 1608 B.) 

— Robert Boyto spricht in seinen „Experiments and considerations touohing 
colours" von den Niederschlägen, welche Alaun und Pottasche oder Blei- 
essig mit Farben hervorbringen. Der Gebrauch des Alauns, um die Farben 
auf Stoffen zu fixieren, war schon lange vorher allgemein bekannt. (8. 
a. 624.) 

— Robert Boylt bereitet zuerst das Chlor^ismut ( Wismut butter) durch Er- 
hitzen von Quecksilbersublimat mit Wismut. 

— Otto von Quorlcko macht elektrische Versuche mit einer Sohwefelkugel, die 
in schnelle Rotation versetzt und mit der flachen Hand gerieben wird. 
Er sieht, daß sie leichte Körper nicht nur anzieht, sondern, was Gilbert 
(s. 1600 G.) noch übersehen hatte, nach einiger Zeit wieder abstößt, und be- 
merkt zuerst das elektrische Leuchten der Kugel, aber nicht den elektrischen 
Funken. 

— Nicolas Loquln erfindet die elastischen Bruchbänder. 

— Giles Persone it Robtrval erfindet das G^wichtsaraeometer, welchem Fahren- 
heit (1724) einen Teller zum Auflegen der Gewichte hinzufügt. Die heutige 
Form erhält das Instrument durch William Nicholson. (S. 1787 N.) 

— Hendryk van Roonhuyzo veröffentlicht ein Buch über die Frauenkrank- 
^ «1 heiten, worin er ausführlich den Scheidenprolaps, die BlasensoheidenfisteL 
t) ' die er zuerst durch Operation (Blasenscheidenfistelnaht) schließt, die 

operative Öffnung der Vagina u. a. beschreibt. 

— Nicolaus StMionlt weist nach, daß sich das Herz wie ein Muskel verhält 
und leitet seine Zusammenziehung von der Kontraktion der Muskeln her. 
Er entdeckt den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse (Ductus Steno- 
nianus) und den Ausführuugsgang der Tränendrüse. 

1664 Robert Boylo beschreibt die Krystalle von wasserhaltigem Kupferohlorid, 
welche aus einer Auflösung von Kupfer in Salzsäure sich bilden und in 
Weingeist löslich sind, und kennt das Kupferchlorür. 

— Da die hygro metrische Methode des Nicolaus de Cusa (s. 1440) sich als 
ungenau erweist, bestimmt Folli 4M Popp! den Feuchtigkeitsgrad der Luft 
mit Hilfe der Längen Veränderung oines Papierstreifens, der in der Mitte 
mit einem Gewicht belastet ist und den er später durch einen Pergament- 
streifen ersetzt (Hygrometer). 

— Regnier 4t Graaff sammelt und untersucht den Pankreassaft aus Fisteln. 
Die Alkalinitit des Saftes findtMi jedoch erst Tiedemann und Gmelin 
(s. 1823 T.), die Speichelähnliehkoit L<Mirt»t und Lassaigne. 

— Der englische Arzt Htnshaw konstruiert den ersten pneumatischen Apparat 
in Form einer gemauerten Kammer, in welcher durch von außen wirkende 

— 132 — 



Ift6& 

Blasebfilge und Ventile die Luft je nach Belieben verdichtet oder verdünnt 
werden kann. 
.664 Der Mathematiker Kaspar Mi«lt in Würzburg beschreibt in seinem Werke 
,,Teohnica cnriosa" eine Taucherglocke. £ine Beschreibung derjenigen 
Taucherglocke, mit der i. J. 1665 eine Hebung der Schätze der versunkenen 
spanischen Armada versucht wurde, gibt Sinclair 1669 in seiner „Ars nova 
et magna gravitatis et levitatis". 

— Jacques Labessie dt 8olt]fMli französischer Stallmeister und Tierarzt, be- 
handelt in seinem Werke „V^ritable parfait Mar^chal** ausführlich die 
Krankheiten des Pferdes. Er verwendet Ringe von Blei und Pasten von 
Arsenik und Kupfervitriol zu Fontanellen, und greift in die gesamte Tier- 
heilkunde vielfach reformatorisch ein. Sein Werk wird in fast sämtliche 
Sprachen Europas übersetzt. 

— Jacques Labessie tft Sotoysal weist die Übertragbarkeit des Rotzes von Pferd 
auf Pferd nach. Die Übertragbar keit der Krankheit auf den Menschen 
wird zuerst eingehend von Schilling (1821) begründet. 

— Nicolaus Stammls imtersucht zuerst das Gefäßsystem der Choroidea und 
erkennt den venösen Charakter der Venae vorticosae. 

1665 Giuseppe Campanl macht sich durch die Konstruktion seiner Femrohre 
berühmt. Die Brennweite seiner Objektive, die den vollkommensten 
heutigen Erzeugnissen kaum nachstehen, ist so bedeutend, daO die In- 
strumente nicht mit Röhren (Tuben) versehen werden können, vielmehr 
das Objektiv auf der Spitze eines Mastes befestigt werden muß, während 
der Beobachter das Okular in die Hand nimmt. Campani liefert auch die 
Gläser, mit denen Giovanni Domenico Cassini seine großen Entdeckungen 
macht. Er setzt, zur Vermeidimg der sphärischen und chromatischen 
Aberration, seine Okulare und Objektive schon aus mehreren Linsen 
zusammen. Auch Huygens und Divini zeichnen sich durch den Bau von 
Femrohren, deren Brennweite ein erhebliches Vielfaches von ihrer Öffnung 
ist. aus. (Luftfemrohre.) 

— Francesco Maria QrimaMi ist der erste, der Interferenzerscheinungen be- 
obachtet imd auf diese hin den Satz ausspricht, daß Licht, zu Licht hinzu- 
gefügt, Dunkelheit erzeugen könne. Er beobachtet auch zuerst die Beu- 
gungserscheinungen des Lichtes und beschreibt zuerst das durch ein Prisma 
erzeugte Sonnenspektrum. 

— Robert Nooke entdeckt und erklärt die Farben dünner Blättchen, die er 
auf eine Verwirrung der an den Grenzflächen der dünnen Schicht reflek- 
tierten Schwingungen zurückführt und erfindet das „Newton'sche Farben- 
glas". Er spricht zuerst aus, daß das Licht aus einer schnellen und kurzen, 
vibrierenden Bewegung bestehe. 

— Robert Hooko konstruiert ein Mikroskop, dessen Okular und Objektiv aus 
je einer Sammellinse bestehen, und setzt zwischen diese beiden Linsen nahe 
dem Okular eine dritte, das sogenannte Kollektivglas. 

-^ Robert Hooko bemerkt zuerst den Farbenwechsel in der Szintillation (Fim- 
keln) der Sterne. 

^ Christian HuyfMS macht 29 Jahre vor Carlo Renaldini, dem man bisher 
diese Idee zuschrieb,'den Vorschlag, als Fundamentalpunkte für das Thermo- 
meter den Schmelzpunkt des Eises und den Siedepunkt des Wassers zu 
benutzen. 

— Christian Hiiygons beobachtet, daß zwei auf einer gemeinsamen Unterlage 
befestigte Pendeluhren nach einiger Zeit gleichen Gang annehmen. Spätere 
Untersuchungen über die „sympathetischen Pendeluhren** werden von 
EUicot (1739), Breguet, Laplace, Savart, Poisson und Resal (1873) ge- 
macht. 

— 133 — 



1666 

1665 AthanasiuB Kircher gibt die ersten Karten der Meeresströmungen 

— Friedrich Ruyich in Amsterdam untersucht durch künstliche Injeh 
Gefäßverteilung in den verschiedenen Organen des Körpers und 
mit Hilfe seiner Methode eine ausgedehnte Sammlung anatomiscl 
parate an. 

— Nicolaus StMonls entdeckt die Ohrenschmalzdrüsen. 

— Der dänische Mathematiker Thomas Walgtnttelii erfindet die Latems 
und die Projektionskunst (s. Prometheus 1904 S. 314). Athanasius 
kann somit nicht mehr als der Erfinder gelten, indem er erst in c 
erschienenen zweiten Auflage seiner „Ars magna lucis et umbr; 
überdies z. T. unklare Beschreibung der Latema magica gibt. 

— Der Prämonstratensermönch Johann Zahn beschreibt zuerst ein< 
portable Camera obscura. Seine Camera besitzt in Höhren gefaßte 
Er berücksichtigt den Einfluß der Brennweiten seiner Sammellin 
Bildgröße und Bildabstand. Er verwendet auch einen schräg g) 
Umkehrungsspiegel. 

1666 Der Ingenieur Fran^ois Andrfoiiy baut auf Kosten von Pierre Paul 
den Canal du Midi (Languedoc- Kanal), der den Atlantischen 0» 
dem Mittelländischen Meere verbindet, 20 m breit, 239,5 km '. 
und 100 Schleusen und über 100 Brücken hat. Für diesen Kan 
von 1679 — 1681 der Malpas-Tunnel als erster Tunnel mit Sprengarl 
geführt, der bei einer Breite von 6,9 m und einer Höhe von 8,4 
Länge von 157 m hat. 

— Der englische Eektor John Btal macht die ersten Beobachtung« 
die täglichen Barometerschwankungen. 

— Giovanni Alfonso Bortill spricht zuerst den Gedanken einer parab 
Form der Kometenbahn aus. Er erfindet den Heliostat, der dei 
hat, ein Strahlen bündel Lichtes unveränderlich in einer gewissen £ 
zu reflektieren und dessen Erfindung mit Unrecht W. J. s* Gravess 
geschrieben wird. 

— Das Q t rre aiiltch» Museum in Nürnberg bewahrt das älteste bekann 
farbige Buntpapier, das handschriftlich die Jahreszahl 1666 tri 
braimroter Farbe ist und deutlich das Auftragen der Farbeflüssig] 
dem Pinsel erkennen läßt. Es ist aber nach älteren Rezeptbüohei 
nehmen, daß solches Papier bereits im 15. Jahrhundert angefertigi 

— Jean de La Qulntlnye betont die Wichtigkeit des Veredeins der Obf 
und verbreitet die Kunst des Pfropfens und Okulierens in weiteren 

— Gottfried Wilhelm von Lolbnb erörtert in seinem Werke „De arte c 
toria*' neben einer pasigraphischen, nur für wissenschaftliche Zwc 
eigneten Begriffsschrift (s. 1500 Trithemius) auch eine auf der Laul 
beruhende, für den bürgerlichen Gebrauch verwendbare Universali 
(Vgl. auch 1652 L.) 

— Der französische Chemiker Nicolas Lemery schlägt vor, zur Dai 
der Schwefelsäure Schwefel mit Salpeter gemischt in einer feuchten 
zu verbrennen. 

— Richard Lowir, der vorher schon an Hunden mit Bier-, Wein- unc 
infusionen experimentiert hat, führt die nachweislich erste direkte 
fusion an Tieren aus, indem er das Blut aus der Arteria cervical 
Hundes in die Vena jugularis eines andereren, dem vorher bis z' 
lieber Ermattung Blut abgeimpft war. leitet. (S. 1615 L.) 

— Heinrich Mtlhom beschreibt die Augenliddrüsen, die nach ihm die 9 
sehen Drüsen genannt werden. 

— Isaac Ntwton stellt zur Erklärung der optischen Erscheinungen 
genannte Emissions- oder Eraanationstheorie des Lichtes auf, won 

— 134 — 



1667 

Lacht aus sehr kleinen, mit ungeheurer Greschwindigkeit von den leuch- 
tenden Körpern fortgeschleuderten Teilchen der Lichtkörperchen hestehen 
sollte. 
6 Isaao Ntwioii stellt, von der Emanationstheorie ausgehend, als erster ein 
Maß für die Uchtbrechende Kraft der Stoffe auf in dem Ausdruck n' — 1 : d, 
wo n* das Quadrat des Brechungsindex und d die Dichte des Körpers be- 
deutet. £r nennt die lichtbrechende Kraft „Absolute refractive power". 
Isaac Nfwtoii findet durch Rechnung die Größe der Abplattung der Erde 

«u 1/289. 

Otto TadlMliit empfiehlt als das reinste kohlensaure Ammoniak (flüchtiges 
Laugensalz) das aus Salmiak mit kohlensaurem Kali bereitete. Die Dar- 
stellung aus Blut oder Urin mit einem Zusatz von Pottasche erwähnt 
Mayow 1669. 

— Otto TadMnius erweitert die Kenntnisse in der chemischen Analyse mehr 
als irgend einer seiner Vorgänger und macht darauf aufmerksam, daß 
der wesentliche Charakter einer Säure darin bestehe, daß sie sich mit 
Alkalien zu Salzen verbinde, daß die Benennung „Salz** also auf die Ver- 
bindung von Säuren und Alkalien zu b^chränken sei. 

— Isaac VomIiis ermittelt die Depression des Quecksilbers in sorgfältig ge- 
reinigten Capülarröhrchen. 

667 Adrien Auzout verbessert das von Malvasia angegebene Fadennetzmikro- 
meter, indem er dasselbe mit der von Gascoigne für Mikrometerzwecke 
zuerst benutzten Schraube versieht, die gestattet, die auf einem Kahmen 
befestigten Fäden beliebig zu verschieben. 

— Robert Boylt vertieft die analytische Untersuchung der Substanzen auf 
nassem Wege. Er benutzt zum Nachweis von Schwefelsäure und Salzsäure 
die Losung von Kalk- und Silbersalzen und macht systematische Unter- 
suchungen über die Reaktion der Galläpfel und anderer pflanzlicher Stoffe 
auf die Lösungen der Vitriole. Diese Untersuchungen bilden die Grund- 
lage der Tintenchemie. Er charakterisiert die Säuren noch genauer als 
Tachenius nach ihrer auflösenden Kraft, die sie auf verschiedene Sub- 
stanzen üben und dadurch, daß sie die Farben vieler Pflanzen in andere 
Farben umwandeln und die durch AlkaHen veränderten Pflanzenfarben 
wieder herstellen. Er wird hiermit der Entdecker der Farbindikatoren 
und schafft dadurch die Vorbedingimgen für die Alkalimetrie. Er schildert 
namentlich das Verhalten von Blauholz, Femambuk, Cochenille, Cur- 
cama, Veilchensirup, welch letzterer durch Säuren gerötet imd durch 
Alkahen grün gefärbt wird. 

— Robert Boyto veröffentUcht ausführhche Versuchsreihen von Kältemischun- 
gen. Er erwähnt, daß die Vermischung von Schwefelsäure, Salzsäure und 
besonders Salpetersäure mit Schnee Kälte erzeugt und daß Salmiak, in 
Wasser gelöst, dieselbe Erscheinung hervorruft. Er gibt die richtige Er- 
klärung, daß das Auftreten der Kälte darauf beruhe, daß die Salze den 
Aggregatzustand des Eises und Schnees ändern, indem sie Schmelzung be- 
wirken. (S. a. 1550.) 

'- Giovanni Domenico Cassini berechnet auf Grund der Beobachtung einiger 
Flecke auf der Oberfläche der Venus eine Rotation dieses Planeten, die 
er zu 23 — 24 Stunden findet. 

~" Jean Dtais und Emmartz führen am 14. Juni die erste direkte Bluttrans- 
fusion mit Überleitung von Lammsblut an einem entkräfteten Menschen 
durch, dessen Kräftezustand sich sichthch gehoben haben soll. (S. 1666 L.) 

"* Robert Nooke äußert in seiner „Mikrographie** klare Anschauungen über 
das Wesen der Wärme: ,,Die Wärme ist nichts weiter, als eine sehr 
lebhafte und heftige Bewegung der Körpermoleküle." Ebenso urteilt er 

— 135 — 



1«67 

ziemlich klar über die Materie und die Bewegung, von denen er sagt: 
„Sie Bind, was sie sind, Mächte, geschaffen vom AUm&chtigen, zu seiii, 
was sie sind und zu wirken, wie sie tun, welche unveränderlich sind im 
Ganzen, weder sich vermehren, noch sich vermindern/' 

1667 Robert Hookt konstruiert zuerst das Pendel-Anemometer, welches dnroh 
den Winkelausschlag einer dem Winde senkrecht entgegenstehenden pen- 
delnd aufgehängten Tafel die relative Windstärke zu messen gestattet 
Von manchen Seiten wird diese Erfindung Christopher Wren oder auch 
Rooke zugeschrieben. 

— Robert Hookt beobachtet mit dem Mikroskop den zelligen Bau der Pflanzen 
und gebraucht zuerst den Ausdruck „Zelle**. 

— Robert Nooke gibt zuerst die Idee an, die menschliche Stimme durch einen 
straff gespannten Faden auf entferntere Strecken zu übertragen. 

— Christian HuygMS beweist die Tatsache, daß sich das Wasser beim Ge- 
frieren ausdehnt und daß die Kraft, mit der sich das Wasser beim Ge- 
frieren auszudehnen bestrebt ist, sehr beträchtlich ist, dadurch, daß er 
ein eisernes mit Wasser gefülltes Greschützrohr durch die Kraft des frieren- 
den Wassers sprengt. (S. 1635 A.) 

— Gottfried Wilhelm von Lolkniz erfindet eine Rechenmaschine, welche die 
Pascarsche (s. 1642 P.) an Leistungsfähigkeit noch übertrifft. 

— Walter Noodham tritt in seiner „Disquisitio de formato foetu'* zuerst dafür 
ein, daß der Foetus nicht durch die lymphatischen Gefäße, sondern durch 
die Placenta ernährt werde. 

— Karl Raygir, Physikus der Stadt Preßburg, macht in einem forensischen 
FaU die erste praktische Anwendimg von der Galen'schen Lungenschwimm- 
probe, die beim Verdacht eines Kindsmords aus dem Schwimmen oder 
Niedersinken der Lunge im Wasser dartun soll, ob das Kind nach der 
Geburt Luft geatmet hat oder nicht. Der zweite praktische Versuch wird 
1682 von Johann Schreyer in Zeitz gemacht. 

— Nicolaus Stmonls weist auf das Vorkommen von Eiern in den immer noch 
als Testes bezeichneten weiblichen Geschlechtsdrüsen der viviparen Tiere 
und auf deren Analogie mit den Ovarien der eierlegenden Tiere hin. 

— Richard Townloy konstruiert die erste bekannte Teilmaschine. 

— Thomas Willis erforscht den Bau des Gehirns und entdeckt den nach ihm be- 
nannten „Circulus** der Himarterien. Er beschreibt den Nervus accessorius 
und den Nervus laryngeus superior und die Funktion des Kehlkopfes. Das 
schon von Aretaeus gekannte Bronchialasthma erklärt er als Bronchial- 
krampf. Er versucht die Himfunktionen zu trennen und sie verschiedenen 
Iliniteilen zuzuschreiben, womit er ein Vorläufer der Lokaiisation wird. 

1668 Tnter Benutzung der von Desargues gegebenen Anregungen begründet 
Botti die räumliche oder Reliefperspektive, die für den Bildhauer das 
leistet, was für den Maler die gewöhnliche Perspektive bietet. Eine weitere 
Ausbildung erfährt die Reliefperspektive durch Petitot (1758) und J. A. 
Rrey»^ig (1798). 

— William Brouiicfcsr, Viscount of Castle Lyons, fördert die Reihenlehre durch 
seine Abhandlung „The squaring of the Hyperbola by an infinite series 
of rational numbers". Er gibt zuerst eine Quadratur der Hyperbel durch 
Reihen ( Brouncker^sche Reihen.) 

— Eustaohio Dhrlnl verbessert das zusammengesetzte Mikroskop, indem er 
diMiselbe mit einem aus zwei plankonvexen Linsen bestehenden Okular ver- 
sieht, weli'hes die Gegenstände flach anstatt gekrümmt sehen läßt. d. h. 
die sphärische Aberration vermindert. 

— Denis Dotot spricht sirh über die Mittel, die EitrtMisohaften einer Pflanze 
zu entdecken, aus. Er empfielilt in erster Linie die Prüfung der Dekokte 

— 136 — 



1669 

mit Eisen Vitriol und Bleiweiß, in zweiter Linie die Klärung und Ein- 
dampfung der S&fte. (S. a. 1647 Sala.) Er wendet yieUach auch noch die 
Pyroanalyse an, gegen welche als unzweckmäßig schon Robert Boyle 1661 
zu Feld gezogen war. 
1668 Edme Markitli entdeckt gelegentlich seiner Studien über den Gesichtssinn 
den blinden Fleck der Netzhaut (Mariotte'scher Fleck). (S. a. 1852 L.) 
— Fran^ois MawICMUi gibt ein ausführliches Buch über Greburtshilfe heraus, 
das namentlich auf technischem Gebiete einen großen Fortschritt bedeutet. 
Er erörtert darin u. a. die Herkunft des Fruchtwassers, die Bildung der 
Milch in den Brüsten, die Tubengravidität, das Puerperalfieber. 
— John Wallis in Oxford ermittelt die Stoßgesetze völlig unelastischer Kör- 
p^ und tut in seiner Methode der Quadration den ersten Schritt zur Inte- 
gralrechnung. Er unterscheidet zuerst Potenzen mit gebrochenen und 
negativen Exponenten. 
1669 Erasmus BartMlniit entdeckt, daß ein Lichtstrahl, wenn er durch isländischen 
Doppelspat geht, in zwei Strahlenbündel zerlegt wird. (Doppelbrechung 
des Lichts.) 

— Johann Joachim Bidltr hebt in seiner „Physica subterranea'* als erster die 
chemischen Kennzeichen der Mineralien hervor. 

— Brand entdeckt den Phosphor und stellt ihn aus Harn dar. 

— Christian Hnygtiit gibt in seiner Abhandlung „De motu corporum ex per- 
cnssione*' die Gesetze für den Stoß elastischer Körper. 

— Richard Lowir schildert in seinem „Tractatus de corde'' genau die Muskel- 
fasern des Herzens und deren Bestimmung, leitet die Bewegung des Herzens 
vom Einfluß der Nerven her und gibt an, daß dasselbe Blut fast dreizehn - 
mal in einer Stunde durch das Herz hindurchgehe. Er führt die helle 
Farbe des arteriellen Blutes auf dessen Mischung mit Luft zurück. 

— John maiow ermittelt als erster das spezifische Gewicht eines künstlich 
dargestellten Gases, indem er von dem Rückstand der atmosphärischen 
Luft, die zur Unterhaltung der Verbrennung gedient hat, soweit er von 
Wasser nicht aufgenommen wird, angibt, er sei etwas leichter als ge- 
meine Luft. 

— John Mafow zeigt durch das Experiment, daß bei der Verbrennung wie 
beim Atmen das Volum der Luft vermindert wird und betrachtet das 
Atmen als einen dem Verbrennen ähnlichen Prozeß; die Entstehung der 
Blutwärme betrachtet er als auf einer Gänmg beruhend. Die Substanz, 
die aus der Luft hinweg genommen wird, bezeichnet er als eine salpetrige 
(Partioulae nitro -aereae). 

* Isaac Ntarton veröffentlicht seine Abhandlung „De analysi per aequationes 
numero terminorum infinitas*', deren wesentlichen Inhalt der binomische 
Lehrsatz bei beliebiger Annahme des Exponenten und die Auflösung von 
Oleichungen bildet. 

1669^70 Die durch Jean PIcard zwischen Sourdan bei Amiens imd Malvoisine 
bd Paris durchgeführte Gradmessung, bei welcher zum ersten Male das 
Femrohr mit Fadenkreuz (s. 1662 M. und 1667 Auzout) Anwendung findet, 
wird dadurch bedeutungsvoll, daß sie Newton in den Stand setzt, sein 
Gravitationsgesetz als richtig zu erkennen. 

1669 Nicolaus StMOillt begründet mit seiner Schrift „De solide intra solidum 
naturaliter contento*' die Krystallographie und die Stratigraphie (Lehre 
von den Erdschichten) und gibt eine Theorie von der Entstehung der Erde, 
die ihn als Begründer des Neptumsmus erscheinen läßt. Er stellt am 
Bergkrjstall die Konstanz der Kantenwinkel der Krystalle fest, eine Be- 
obachtung, die nach Q. Sella schon 1540 Biringuccio am Pyrit gemacht 
haben soll. 

— 137 — 



1669 

1669 Jan SvrammMnlam macht bahnbrechende Untersuchungen über den Bau und 
die Entwicklung der Bienen und die Fortpflanzung und Verwandlung der 
Insekten überhaupt und stellt, indem er die bis dahin bestehende Ansioht 
von der Urzeugung niederer Tiere beseitigt, die Theorie auf, daß die Ent- 
stehung der Wesen eine Enthüllung (Evolution) ihrer schon vorhandenen 
Keime sei. 

1670 Der Landwirt von Amboton in Paddem in Kurland konstruiert eine Mühle, 
die das Gretreide durch einen runden Boden den durch Wasser angetriebenen 
Flegeln zuführt, wobei das Dreschgut auch ausgesiebt wird (Dreechmafichine). 

— Nachdem das Lötrohr zuerst um das Jahr 40 und danach in den Be- 
richten der Academia del Cimento zu Florenz (1660) flüchtig erwähnt 
worden war, benutzt Erasmus Bartholinuf das Lötrohr zuerst zu Zwecken 
der Mineralchemie. 

— Nachdem bis dahin der Glaube verbreitet gewesen war, daß die im Wasser 
lebenden Tiere anstatt Luft Wasser atmen, zeigt zuerst Robert B#yto, dafi 
Luft auch für das Leben der Wassertiere erforderlich sei. 

— Thomas Halt in Dcptford baut die erste Walzmaschine zur Herstellong von 
Bleiplatten. Bis dahin waren die Bleiplatten lediglich gegossen worden. 

— HoMm und Montuiarl erklären gleichzeitig das Zerspringen der Glastränen 
beim Ritzen aus den Spannung» Verhältnissen. Die Ansicht, daß Asmadd 
die Tränen resp. die Bologneser Fläschchen 1716 erfunden habe, kann 
demgegenüber und weil nach dem Bremer Rektor Schulenburg dieselben 
in mecklenburgischen Glashütten schon um 1623 bekannt waren, nicht 
aufrecht erhalten werden. 

— Robert Hookt konstruiert den ersten selbstregistrierenden Regenmesser. Unter 
den später konstruierten derartigen Apparaten (Ombrographen) findet der 
von Hottinger die weiteste Verbreitung. (S. a. 1639 C.) 

— Francesco Lana bildet eine fliegende Barke ab, die durch (luftleer gemachtet]^ 
metallene Kugeln getragen wird. 

— Marcello Malpighl entdeckt die Malpighi'schen Körperohen der Milz, daa^ 
Malpighi'sche Netz (Rete Malpighii) und die Malpighi'schen Knäuel in detr* 
Niere. 

— Marcello Malpifhl entdeckt, unabhängig von Robert Hooke, die Pflanzen — 
Zellen, die er Utriculi nennt und findet, daß die Blätter diejenigen Organa 
sind, welche die Nahrung der Pflanzen bereiten. (Vgl. 1667 H.) 

— Samuel Morbuid erfindet das Sprachrohr, das eine Anwendung der Reflexions- 
gesetze des Schalls darstellt. Er bringt dasselbe zur Nachrichtenüber> 
mittelimg auf weite Entfernungen, namentlich im Schiffsdienste, zur An- 
wendung. 

— Der französische Theologe Gabriel Mouton äußert zuerst die Idee eines 
natürlichen Grundmaßes. Er will als solches die Minute eines Meridian- 
grades annehmen und dieselbe „Mille'* nennen. 

— Isaac Ntwtofi zerlogt durch ein Glasprisma das Sonnenlicht in seine farbigen 
Bestandteile und weist nach, daß Lichtstrahlen von verschiedener Farbe 
verschieden brechbar und die prismatischen Farben wirklich einfache 
Farben sind (Dispersion des Lichts). 

— Der Töpfer Palmar in Burslem erfindet das ,, Salzen**, ein Verfahren zum 
Glasieren des Steinzeugs, das darin besteht, daß man während des Brandes» 
namentlich am Ende desselben, Salz in die Feuerung wirft. 

— Jean PIcari entdeckt, daß alle Pendeluhren im Sommer, wegen der Ver- 
längerung des Pendels durch die Wärme, langsamer, im Winter, wegen 
der Verkürzung des Pendels durch die Kälte, schneller gehen. 

— Giovanni Battista Rlcdoli berechnet zuerst aus der Breite, der mittleren 
Tiefe und der Geschwindigkeit eines Stromes dessen Wasserfülle. 

— 138 — 



1672 

> Gües Persone 4t Rokarval erfindet die Roberval*Bche obersohalige Wage. 
Heinrich Sdiwankhardt (oder Schwanhard) in Nürnberg erfindet die Glas- 
&tzang mit Flußspat und Schwefelsäure. 

Der sizilianische Maler Agostino Scilla weist an einer Reihe von Beispielen 
die nahe Übereinstimmung fossiler Gebilde mit Teilen lebender Tiere nach 
und tritt entschieden dafür ein, daß sie wirkliche Reste von Tieren seien, 
die einst gelebt haben. 
Jan Swamimnlaiii entdeckt den Muskelton. 

Thomas WIIHt spricht in seiner Abhandlung „De medicamentorum opera- 
tiotiibus" zuerst klar aus, daß der diabetische Harn von wunderbarer Süßig- 
keit, gleichsam wie von Honig oder Zucker durchtränkt sei, doch schreibt 
er den süßen Geschmack einer „Veränderung der Salze*' zu. 
Nachdem schon Brunfels und Bauhin wahrgenommen hatten, daß aus 
dem Ameisenhaufen ein saurer Dimst aufsteige, der Pfianzenfarben röte, 
gewinnt zuerst John Wray die Ameisensäure durch Destillation und ver- 
gleicht dieselbe mit der Essigsäure. 

71 Giovanni Domenico Casiiiil entdeckt im Oktober den achten Satelliten des 
Saturn, der den Namen Japetus erhält. 

Athanasius KIrelier sucht die Ursache der meisten Krankheiten, insbesondere 
der Pest, in mikroskopischen Organismen der Luft. 

— Isaac NtwtiNi schreibt seine Abhandlung „Methodus fiuxionum'', die später 
von John Colson in englischer Übersetzung herausgegeben wird. Die 
Fluxionsrechnung ist nichts anderes, als die von Leibniz (s. 1676 L.) 
selbständig erfundene Differentialrechnung. Newton hat diese Methode im 
Wesentlichen nur für seine eigenen Rechnungen entwickelt, während erst 
Leibniz sie der Allgemeinheit zugänglich macht. 

— Nachdem Zucchius 1608 den Vorschlag gemacht hatte, Hohlspiegel als 
Pemrohrobjektive zu verwenden und Mersenne 1639, Gregory 1661 Instru- 
mente verfertigt hatten, die aber wegen der verwendeten parabolischen 
Spiegel keinen Erfolg hatten, gelingt es Isaac NtwtiNi, durch Anwendung 
eines sphärischen Spiegels das erste brauchbare Spiegelteleskop zu kon- 
struieren. 

— Thomas Willis betrachtet, wie John Mayow, das Atmen und die Verbren- 
nung als gleiche Prozesse, erklärt aber die Entstehung der Blutwärrae als 
von der Verbrennung herrührend. Auch er betrachtet den Bestandteil 
der Luft, der die Verbrennung unterhält, als „Particulae nitrosae'^ Ähnliche 
Ansichten äußert 1680 Robert Boyle, der indes davon spricht, daß es 
nicht nachgewiesen sei, daß jener Bestandteil der Luft salpeterartig ist. 

~ Jan de Witt, Ratspensionär von Holland, wendet zuerst die Wahrschein- 
lichkeitsrechnung auf die Berechnung der Lebensrente an. Vgl. seine 
Schrift „Waerdye van lyfrenten nar proportie van los-renten**. 

1^72 Andr6 Charles Boulle wird durch seine musivischen Arbeiten mit farbigen 
Hölzern, die er in die Möbel einlegt und mit Bronzen umgibt, der Be- 
gründer einer neuen Richtimg in der Möbeltischlerei (Boulle-Möbel). 

^ Robert Boyle beobachtet die KrystalUsation des Wismuts aus dem 
Schmelzflusse. 

^ Giovanni Domenico Casiiiil entdeckt am 23. Dezember den fünften Satelliten 
des Saturn, der den Namen Rhea erhält. 

"^ Francis Qllstoil in London lehrt in seiner Schrift „Tractatus de natura 
8abstantiae energetica" die Irritabilität der belebten tierischen und pflanz- 
lichen Gewebe, d. h. deren Fähigkeit, auf Reize zu reagieren. Glisson 
schafft damit wichtige Grundlagen für das von Brown (s. 1780 B.) auf- 
gestellte physiologische System. (S. auch 1757 H.) Er stellt experimentell 
fest, daß sich das Volumen des Muskels bei der Kontraktion nicht ändert. 

— 139 — 



1672 

1672 Otto von Quirtekt erwähnt zuerst die farbigen Schatten, ein< 
erscheinung, die z. B. auftritt, wenn ein Gregenstand von gelbei 
licht und von Mondlicht gleichzeitig beleuchtet wird. 

— Jan van der H«yde in Amsterdam erfindet den gen&hten Segeltu 
der als Druck- und Saugeschlauch für Feuerspritzen dient, 
entwickelt sich hieraus der genähte, dann der genietete Lederschla 
hin die gewirkten Hanfschi äuohe ohne Naht und endlich die Ha 
mit Gummieinlage. 

— Christian Hiiygüis schlägt als Längenmaßeinheit ein Drittel des 
pendeis unter dem Namen „Pes horarius" vor, wobei er die 
Sekundenpendels damals noch (vgl. dagegen 1673 H.) unter al 
für gleich hält. (S. auch 1749 B.) 

— Li Qrai führt die von Wilhelm Piso 1648 zuerst als ein in B: 
bräuchliches Mittel erwähnte Ipecacuanha (Ruhrwurzel) in die li 

— Gottfried Wilhelm von Lalkniz entdeckt an einer ihm von Otto vc 
zugeschickten Schwefelkugel den elektrischen Funken. Diese I 
ist also nicht Hawksbee zuzuschreiben, wie dies vielfach geschi 

— Isaac Ntwton schlägt das mit einem Spiegel als Objektiv ausgeri 
dioptrische Mikroskop vor, das später von Barker, Brewster, . 
vervollkommnet wird, heute aber nur noch historischen Wert 1 

— Nach den Plänen des Holländers Rannokon wird in den Jahren 
in Marly bei Paris für die Gärten von Versailles eine Wasserleit 
geschaffen, welche zu den größten Leistungen auf diesem Gel 
Das Hochreservoir liegt 163 m über dem Spiegel der Seine 
davon entfernt. Zum Betrieb sind 14 Wasserräder und 250 
Druckpumpen erforderlich. Hier werden auch zum ersten Male 
Flanschenröhren verwendet. Von anderer Seite wird die Erfi 
gußeisemen Flanschenröhren David Zeltner in Nürnberg zugesc 

— Jean Rlehor entdeckt, daß ein in Paris genau eingestelltes Seku: 
in Cayenne merklich langsamer schwingt. Er muß dasselbe un 
verkürzen, um den richtigen Gang wieder herzustellen. 

— Pierre Soifnotte entdeckt das „Seignettesalz**, Kahumnatrium-Tai 
zufällig Soda statt Pottasche zur Neutralisation von Weinsäur 
Er verwertet das Salz als mildes Laxans. 

— Francis Wllloughby macht umfangreiche Arbeiten über die Natu 
der Vögel und der Fische, die nach seinem Tode in den Jahren 
1686 von John Ray veröffentlicht werden. 

1673 Olaus Borrldiliit führt das isländische Moos, welches in Island 
land als Nahrungsmittel bekannt war, als Arzneimittel ein. 

— Johann Htvolliis verbessert den Azimutalquadranten (s. 1576), ii 
vorher mit der Hand ausgeführten Einstellungen durch M 
schrauben und Schnurzüge bewirkt. Sein Azimutalkreis hat 4 
Quadrant 5 Fuß Radius und beide sind unmittelbar in Minuten 
während Transversalen ermöglichen, noch kleinere Teile bis zu fi 
abzuschätzen. 

— Christian Haygons stellt den Satz auf, daß die Summe der Pr< 
Massen und der Quadrate der von ihnen erreichten G^schwi 
dieselben bleiben, die Massen mögen sich verbunden fortbew 
getrennt dieselbe Bewegung ausführen. 

— Christian Hoygons begründet die Theorie der Zentrifugalkraft i 
den Beweis, daß die Zentrifugalkraft wie das Quadrat der Ge 
keit zunimmt und in dem Verhältnis kleiner wird, wie d 
zunimmt. 

— Christian Hoygons bestimmt durch Pendelbeobachtungen die < 

— 140 — 



1674 

Beschleunigung für den freien Fall und stellt fest, daß der Gesebwindig- 
keitszuwaohs rund 10 m in der Sekunde beträgt, so daß ein Körper nacb 
Ablauf der 1., 2., 3. usw. Sekunde eine Geschwindigkeit von rund 10, 
20» 30 usw. Metern besitzt. 
1673 Cluristian HuygtRS löst die von Mersenne gestellte Aufgabe über den 
Schwingungsmittelpunkt des zusammengesetzten Pendels, entwickelt ^die 
Theorie des Pendels, insbesondere die Abweichungen vom Galilei'schen 
Pendelgesetz, entdeckt die wahre Gestalt der Kettenlinie und behandelt 
die Eigenschaften der Zykloide und die Lehre von den Evoluten. 

— Christian HHygMis erklärt die Beobachtung des Astronomen RicNr (s. 1672), 
daß das Sekundenpendel in Cayenne sich langsamer bewegt als in Paris, 
durch die Abnahme der Schwere von den Polen nach dem Aequator, die 
davon herrühre, daß die Erde nicht eine reine Kugel, sondern ein an den 
Polen abgeplattetes Rotationssphäroid sei. 

1673^87 Robert La Salto erforscht das Stromgebiet des Mississippi, sowie die 
Gebiete des Illinois und des Ohio. (Vgl. 1523 und 1539.) 

1673 Antony LMUWMhotk entdeckt die roten Blutkörperchen beim Menschen. 
Er macht seine Beobachtungen mit einem einfachen Mikroskop, das von 
ihm selbst geschliffene Linsen enthält und mit welchem er nur in durch- 
fallendem Licht beobachten kann. Ähnliche durch vorzügliche Arbeit aus- 
gezeichnete einfache Mikroskope steUt insbesondere Jan van Musschen- 
broek her. 

— marquttte und Jolltot fahren am 17. Juni vom Obern See aus den Missis- 
sippi abwärts, wobei sie den Missouri entdecken. 

— Der Pater Ignatius Gaston Pardlti macht zuerst den Versuch, den Wider- 
stand, den ein Schiff im Wasser zu überwinden hat, rechnerisch fest- 
zustellen und die Lehren der Hydrostatik auf den Schiffbau anzuwenden. 

— Der französische Marschall Sebastien Lepr^tre dt Vautan wirkt bahn- 
brechend für das französische und das gesamte europäische Festungs- 
wesen, indem er den bastionierten Grundriß in einfachster Anordnung 
aller Teile mit ausschließlicher Grabenflankierung vom hohen Walle, unter 
Ausschluß der Kasematten, einführt. 

1674 Christoph Adolph Baktowaln (Balduinus) bemerkt, als eine Retorte, in der 
er salpetersauren Kalk zum Trocknen kalziniert, zufällig zerbricht, daß 
die den Trümmern anhängende Masse im Dunkeln leuchtet, wenn sie 
vorher den Sonnenstrahlen ausgesetzt wird. (Balduin'scher Phosphor.) 

— Robert Boyla erforscht die Eigenschaften der Luft in physikalischer und 
chemischer Beziehung und bestätigt durch zahlreiche Versuche die von 
Jean Rey gefundene Tatsache, daß die Metalle bei der Kalzination an 
Gewicht zunehmen. 

"" Robert Boyto erkennt zuerst, daß die Luft durch die Atmung verdorben 
wird und der Erneuerung bedarf. (Vgl. auch 1669 M.) 

~ Robert Hookt erfindet die Kreisteilmaschine, die im Jahre 1775 durch den 
Mechaniker Jesse Ramsden vervollkommnet wird. 

~ Robert Hookt erfindet die Schwimmerlampe, welche sich auf das von 
Archimedes (s. 250 v. Chr.) entdeckte Cresetz des hydrostatischen Auftriebs 
gründet. Es ist dies die älteste Form der sogenannten statischen Lampen 
(Feder- oder Kolbenlampen), zu welchen auch die Moderateurlampe 
(8. 1836 F.) gehört. 

"• Die Sehschärfe wird gemessen durch den kleinsten Unterscheidungswinkel, 
d. h. den kleinsten Winkel, unter dem wir zwei leuchtende Punkte noch 
etwa als gesondert zu unterscheiden imstande sind. Diese von Euklid 
schon theoretisch angegebene Untersuchung wird von Robert Nooke zu- 
erst praktisch ausgeführt. 

— Ul — 



1674 

1674 Christian HuygMis ersetzt die Borstenfeder der Taschenuhrunnihe duiofa 
eine stählerne ebene Spiralfeder, deren Schwingungszeit regulierbar ist und 
gibt der bis dahin balkenförmigen Unruhe die runde Rädchenform, auf 
die der Luftwiderstand weniger Einfluß hat. Der Prioritäteansprach von 
Hooke ist ungerechtfertigt, da eine Uhr nach seiner Angabe erst 1675 
fertig wird. 

Der französische Chirurg Morel erfindet die Aderpresse (Toumiquet) zur 
Blutstillung durch Kompression. 

— Samuel Morland wendet zum ersten Male die Taucher- oder Plungerkolben 
zur Wasserförderung in Pumpen an. 

— Denis Papln beobachtet, daß die Siedetemperatur vom Druck abhängt und 
das Wasser viel weniger erwärmt zu werden braucht, wenn ee unter nie- 
drigerem Druck kochen soll als bei höherem. Die Erhöhung der Siede- 
temperatur durch Druck benutzt Papin 1681 in dem nach ihm benannten 
Papin'schen Dampfkochtopf, an dem er bemerkenswerterweise schon ein 
Sicherheitsventil anbringt. 

— George Ravtnicroft in England erfindet das Bleialkaliglas für optuche^ 
Zwecke (Flintglas), vermag dasselbe aber nur in kleinen Stücken her- 
zustellen. 

— Der dänische Astronom Olaf Römer wendet zuerst die epizykloidisohe Gre- 
stalt für die Zähne von Zahnrädern an. 

— Veltch entdeckt die Ursache der seit langer Zeit bekannten Dracunculosis 
in dem Medinawurm, Dracunculus medinensis, der späterhin von Manson 
1893 — 1903 unter dem Namen ,, Guineawurm'' eingehend untersucht und 
beschrieben wird. 

]67%5 Robert Boyto entdeckt, daß alle Körper eine größere elektrische An- 
ziehungskraft haben, wenn man sie vor dem Reiben erwärmt und daß die 
elektrischen Versuche auch im luftleeren Räume von statten gehen. Im 
gleichen Jahre erfindet er ein Skalenaraeometer, mit dem er das spezifische 
(rewicht zahlreicher Körper bestimmt. 

Oiovanni Domenico Cassini entdeckt eine dunkle Linie auf dem Satnmringe 
(die sog. Cassini'sche Trennung), die sich als ein Spalt zwischen zwei 
konzentrischen Ringen herausstellt. Genauere Untersuchungen dieser Er- 
Hcheinung hat später F. W. Hersohel (s. 1787 H.) vorgenommen. 

— Dskkers in Amsterdam erfindet das erste Bronchotom zur Vornahme der 
Tracheotomie, das aus einem kleinen Troikart besteht, dessen Kanüle am 
hinteren Ende zwei Handhaben besitzt. 

— Antony LMuwMhoek entdeckt mit Hilfe des Mikroskops im Süßwasser win- 
zige Lebewesen, die er „Infusoria** (Aufgußtierchen) nennt, und beschreibt 
eine Anzahl Formen derselben. 

— Nicolas Lsniiry erkennt die saure Natur der Bernsteinsäure, die 1550 von 
<ieorg Agricola als flüchtiges Bernsteinsalz beschrieben worden war und 
deren Zusammensetzung später von Berzelius richtig erkannt wird. 

— Nicolas Lamtry untersucht das Arsen genauer und stellt es zu den Halb- 
metallen oder Bastardmetallen. 

— Nicolas Lmii^ teilt die Chemie ein in mineralische, vegetabilische und 
animalische. Er unterscheidet die Metalle, Mineralien und Erden als mi- 
neralische, die Pflanzen, Oummi- und Harzarten, Schwämme, Früchte, 
Safte usw. als vegetabilische und die Tiere, ihre einzelnen Teile und Ex- 
kremente als animalische Substanzen. 

' — Friedrich MartMis, SchilTsarzt auf einem hamburgischon Walfischfänger, gibt 
die erste eingehende Beschn'ibung der landschaftlichen und klimatischen 
Verhältnisse von Spitzbergen, sowie der Tiere und Pflanzen des hohen 
Nordens. 

— 142 — 



1677 

> Samuel Morlaiitf konstruiert ein selbstregistrierendes Barometer, auch Wage- 
barometer genannt, das auf dem Archimedischen Prinzip beruht, daß jeder 
in eine Flüssigkeit getauchte feste Körper so viel von seinem Gewicht ver- 
liert, als das Gewicht der von ihm verdrängten Flüssigkeit beträgt. Der 
vergessene Apparat wird 1857 wieder von Pater Secchi in den wissen- 
schaftlichen Beobachtungskreis gezogen. 

Denis Papin trägt durch Erfindung des doppelt durchbohrten Hahns 
(Wechselhahn), der 1679 von Senguerd noch verbessert wird, wesentlich 
zur Vervollkommnung der Hahnluftpumpe bei. 

— Jean Pleard bemerkt zufällig, daß das Quecksilber in der Torricelli'schen 
Leere des Barometers leuchtend wird, wenn man es im Dimkeln schüttelt. 
Er nennt diese Erscheinung merkurialischen Phosphor, weiß aber dafür 
keine Erklärung. Hawksbee erklärt das Leuchten 1708 durch die Reibung 
des Glases am Quecksilber, was 1767 von Aepinus und 1772 von Deluc 
bestätigt wird. 

— Olaf Röoiir ersetzt in dem Tycho*schen Azimutalinstrument (s. 1576) den 
Quadranten durch einen Vollkreis. 

676 Der englische Geistliche Isaac Barlow erfindet die Repetieruhr. 

— Gottfried Wilhelm von Ltiknlz legt in einem Brief an Newton die Auflösung 
- des Tangentenproblems mit Hilfe der Differentialrechnung dar. Er ist es, 

der zuerst der Differentialrechnung eine pädagogisch brauchbare Form 
gibt und sie auf einfache Regeln zurückführt, was bei Newtons Fluxions- 
rechnung (s. 1671 N.) noch nicht geschehen war. 

— Gottfried Wilhelm von Lalbniz löst (in einem Briefe an Collins) den irre- 
duziblen Fall der Gleichungen dritten Grades durch eine Reihenentwick- 
lung. 

— William MolyiiMix konstruiert ein Hygrometer aus Hanfseil, bei welchem die 
Beobachtung verwertet ist, daß solche Seile sich mit zu- und abnehmender 
Feuchtigkeit ausdehnen und verkürzen oder sich auf- und zudrehen. Diese 
Erfahrung wird auch zur Konstruktion der bekannten Wetterhäuschen 
verwendet. 

— Isaac NtwtiNi findet die Gesetze der Farben dünner Blättchen. (Newton'sche 
Ringe.) 

— Olaf RÖOMT (damals in Paris) nimmt bei der Beobachtung des ersten 
Jupitermondes wahr, daß dessen Verfinsterungen, im Widerspruche zu 
dem durch die Berechnung ermittelten Zeitpunkte der Verfinsterung, auf 
der Erde um so später gesehen werden, je weiter der Jupiter von der 
Erde entfernt ist. Römer schließt hieraus, daß die Geschwindigkeit des 
Lichtes nicht, wie bis dahin fast allgemein (vgl. indes 78) angenommen, 
dne unendlich große, sondern daß sie eine endliche sei, und berechnet die- 
selbe auf 40000 geographische Meilen (etwa 300000 km) in 1 Sekunde. (S. 
a. 1607 G., 1849 F., 1854 F., 1874 C.) 

~~ Johann Christian Sturm erfindet das Differentialthermometer und konstruiert 
die erste Ventilluftpumpe, die Papin vervollkommnet, indem er an ihr im 
(Gegensatz zu allen früheren Luftpumpen zwei Stiefel, sowie Ventile am 
Grunde eines jeden Pumpenstiefels anbringt. Er, und nicht wie man bisher 
annahm Hawksbee, ist also der Erfinder der zweistiefligen Luftpumpe. 

~~ Richard Wiiaimuiil gibt das erste genaue Krankheitsbild der tuberkulösen 
Cielenkerkrankungen. Er faßt unter dem Namen „Tumor albus" eine 
Anzahl chronischer Gelenkleiden zusammen, welche auch heute noch die 
häufigste Form der tuberkulösen Gelenkleiden darstellen. Er führt diese 
Krankheiten hauptsächlich auf Skrofulöse zurück. Er gibt bestimmte 
Indikationen für die frühzeitige oder spätere Amputation. 

1677 Israel Conrail in Olivence beschreibt zuerst die Unterkühlung des Wassers 

— 143 — 



1677 

(Gefrier Verzögerung), die später von Fahrenheit (1721), Deluc und MiUBcheo- 
broek untersucht wird und deren Gesetze von Blagden (s. 1788 B.) ermittelt 
werden. 

1677 J. F. EWioli erwähnt zuerst in den „Ephemeriden der GeseUsohaft deut- 
scher Naturforscher" die Eigenschaft des Flußspats, durch Erw&rmimg 
noch vor dem Erglühen leuchtend zu werden. 

— Der englische Astronom Edmund Halley weist bei Gelegenheit der Beob- 
achtung eines Merkurdurchganges darauf hin, daß Venusdurchgänge 
(s. 1639 H.) noch besser als Merkurdurchgänge zu einer guten Bestimmung 
der Sonnenparallaxe geeignet seien. (Vgl. 1770 D.) 

— Ludwig van Hammen sieht bei mikroskopischer Untersuchung des tiensoheii 
Samens die sich lebhaft bewegenden Samenfäden und teilt s^ne Beob- 
achtung an Leeuwenhoek mit, der genauere Untersuchungen anstellt und 
veröÖentlicht. 

— Edme Mariotls gibt den noch heute im Gebrauch befindlichen PerknssionB* 
Apparat zum Nachweis der Gesetze über den Stoß elastischer Körper an. 

— William Noble und Thomas Pifott entdecken die durch Mitschwingen ent- 
stehenden Flageolettone. 

— Der Anatom J. C. Psywr entdeckt die Peyer'schen Drüsen, die sog. ge- 
schlossenen Lymphdrüsen, die sich von den eigentlichen LymphdrÜBem. 
dadurch unterscheiden, daß sie keine einführenden und ausführenden. 
Lymphgefäße besitzen. Sie stehen jedoch mit den sie umspinnendem. 
Lymphgefäßen der Darmschleimhaut in Verbindimg und füllen sieh nach, 
den Mahlzeiten mit Chylus, wie auch die in ihnen erzeugten Lymphzelleii. 
in das Lymphgefäßsystem auswandern können. 

1678 Giovanni Domenico CasiinI beobachtet zuerst Doppelsteme, die er jedoch 
nur als optisch zusammengehörig ansieht. (Vgl. 1778 M.) 

— Robert Hookt verkündet in seiner Schrift „De potentia restitutiva" das 
Gesetz der Proportionalität von Spannung und Verlängerung mit den 
Worten: „Ut tensio sie vis.*' Es ist dies das Grundgesetz der Elastizi- 
tatslehre. 

— Christian Hoyisns stellt die Undulationstheorie des Lichtes auf,- wonach 
das Licht in einer elastischen Wellenbewegung des Äthers besteht. 

— Christian Huyctns stellt für den Kalkspat fest, daß die Strahlenfläche des 
von ihm ausgehenden Lichtes aus einer Kugel und einem Rotations- 
eUipsoid besteht. Kugel und Rotationsellipsoid berühren einander in den 
Endpunkten der Rotationsachse. 

— Domenico ds Marchtttl weist zuerst mit Sicherheit durch Injektion nach, 
daß die feinsten Zweige der Venen und Arterien miteinander kommuni- 
zieren. 

— CA. Ramtay begründet mit seiner auf englischer Grundlage aufgebauten 
„Taoheographia" die erste deutsche Stenographie, ohne jedoch Nachfolger 
seiner Bestrebungen zu finden. 

— Olaf Römsr konstruiert ein automatisches Planetarium (zur Darstellung der 
Bewegung der Himmelskörper), bei dem er zuerst von seinen konischen 
Spiralrädern (s. 1674 R.) Gebrauch macht, bei denen die ineinandergreifen- 
den Radzähne in Spirallinien auf Kegeln von verschiedenem Durchmesser 
nebeneinander stehen. Das erste Planetarium soll 2697 v. Chr. in China 
ausgeführt worden ^ein ; später soll Archimedes ein solches aus Glas her- 
gest^illt haben. 

1679 (tiovanni Alfonso Borslll begründet die Schule der latromathematiker. Er 
macht hervorragende Arbeiten über die Verdauung, schildert deren mecha- 
nischen Vorgang und spriclit sich über die Existenz eines Magensaftes 
und dessen Beziehung zu den Driisen des Magens klar aus. 

— 144 — 



1680 

n9 Giovanni Alfonso Boitlll gibt in seinem Werke „De motu animalium*' eine 
bahnbrechende und erschöpfende Theorie der Körperbewegung der Tiere 
und Menschen. (S. 1644 D.) Er untersucht namentlich auch den Kon- 
traktionsvorgang der Muskeln, dessen Einwirkung auf das Skelett und 
seine Kraft und bestimmt den Schwerpunkt des menschlichen Körpers bei 
gestreckter Lage. Er veröffentlicht in dieser Schrift auch die ersten 
wissenschaftlichen Untersuchungen über den Vogelflug. 
~ Giovanni Alfonso Bortlll beschreibt die Atembewegung und die Passivität 
der Lungen in richtiger Weise. 

— Qrtaiktffir wendet zuerst die sogenannte gnomonische Projektion, und zwar 
für Sternkarten an. Für Seekarten wird sie zuerst von Sturmy benutzt; 
ihre Theorie wird 1718 von Borgondio entwickelt. 

— Der Chemiker Johann Kiinckal von Ldwonsttni erfindet das echte Rubinglas, 
aus dem er im Dienste des Großen Kurfürsten auf der Pfaueninsel bei 
Potsdam farbenprächtige Gefäße (Kunckelgläser) herstellt, die auch bei 
großer Wandstärke die Rubinfarbe deutlich hervortreten lassen. (Vgl. 
1888 R.) Seit der Entdeckung des Goldpurpurs (s. 1685 C.) wird meist 
dieses Präparat zur Herstellung des Rubinglases verwendet. 

— Johann Kunckal von Ühw ns ttrn beschreibt in seiner „Ars vitraria experimen- 
talis" den Glasblasetisch mit dem doppelten Blasebalg und führt an, daß 
eine derartige Vorrichtimg für den Chemiker sehr nützlich sei; so dürfe 
man, um Metallkalke zu reduzieren, nur eine Kohle aushöhlen, den Metall- 
kalk in die Höhlung legen und vermittels jener Vorrichtung die Flamme 
darauf richten. 

— Antony Lio n vr tn hoofc entdeckt die Querstreifung der Muskeln. 

— Isaac Nowton erkennt theoretisch, daß frei fallende Körper infolge der 
Achsendrehung der Erde von der Senkrechten östlich abgelenkt werden 
müssen. 

— Samuel RtylMr verwendet für sein Mikroskop Sonnenlicht und erhält, da 
es mit ihm möglich wird, die vergrößerten Gegenstände auf einer Wand 
sichtbar zu machen, das Sonnenmikroskop. 

1680 Caspar Barthollniit in Kox)enhagen entdeckt den Ausführungsgang der 
ünterzungendrüse. (S. a. 1661 D.) 

— Hieronymus Brasiavola weist aufs neue auf die Wirksamkeit von Nähr- 
klystieren hin. (S. 20.) 

— Giovanni Domenico Cassini entdeckt die Rotation des Planeten Mars. 
(8. a. 1667 C.) 

— Der Engländer dsmont erfindet die Ankerhemmung oder die Hemmung 
mit dem englischen Haken an Stelle der bis dahin gebrauchten Spindel - 
hemmung der Uhren. 

~ Tommaso Cornollo in Neapel erkennt zuerst die eigene Irritabilität der 
Muskeln und die peristaltische Bewegung des Darmes. 

~ Dominique Diidos beschreibt zuerst den Lackmus und dessen Verwendung 
als Farbindikator in der chemischen Analyse. 

— Christian Hnyions beschreibt in einer Eingabe an die Pariser Akademie 
seine 1673 erfundene Pulvermaschine. Der Hubzylinder derselben hat 
Seitenröhren mit Ventilklappen. Durch eine im Zylinder zur Explosion 
gebrachte Pulverpatrone wird der Kolben bis über die Öffnungen der 
Seitenröhren geschleudert, aus denen alsdann die Gase entweichen. Fährt 
nun die Luft zurück, so schließt sie die Klappen und preßt den Kolben 
mit so großer Kraft herab, daß dadurch Lasten gehoben werden können. 
Die Hautefeuille*sche Pulvermaschine ist erst 1678, d. i. fünf Jahre nach 
der Huygens*schen Maschine erfunden worden. Man wird nicht verkennen, 

Darmstaedter. 10 

— 145 — 



r 



1680 

daß in der Huygens'schen PulvermaAchine schon die Grundidee der Gas- 
maschine enthalten ist. 

1680 Der Franzose «lacquln erfindet die künstlichen Perlen, die er in der Weise 
darstellt, daß er hohle Glaskügelchen inwendig mit dem silberfarbenen 
Bodensatz kleiner gewaschener Fische überzieht und die Perlen mit Wachs 
ausgießt. 

— Antony LMVWMihoek untersucht die Bierhefe unter dem Mikroekop und 
findet, daß sie aus kleinen kugel- oder eiförmigen Körperchen besteht, 
über deren Natur er jedoch nicht ins Reine zu kommen vermag. 

— Gottfried Wilhelm von Lalbnlz stellt in seiner „Protogaea" eine Theorie 
über die Bildung der Erde auf, die im wesentlichen ein plutoniatisches 
Gepräge trägt und nicht vöUig unbeeinflußt von den Descartee'schen An- 
sichten ist. 

— Der Engländer Martin Uttar erkennt den Wert der Petrefakten für die 
Bestimmung der Altersfolge der Sedimente. Er schlägt zuerst die An- 
fertigung geologischer Karten vor, ein Gedanke, der jedoch erst später 
von Packe (s. 1743 P.) verwirklicht wird. 

— Domenico de Marehttli macht den ersten beglaubigten Nierenschnitt 
(Nephrotomie) an dem englischen Konsul in Venedig, Hobson, wobei es 
ihm gelingt, mehrere Nierensteine zu entfernen. 

— Bemardino Ramaslnl behandelt in seinem Werke „De morbis artificnm 
diatribe** als erster die Gewerbehygiene. 

— J. G. Voiekamar liefert die erste Beschreibung des Bergamottöles und 
des Bergamottenbaumes. 

1681 Johann Joachim Badiar denkt zuerst an Gewinnung und Verwendung 
des Steiinkohlenteers, wie aus einem von ihm in Gemeinschaft mit Henry 
Serie am 19. August genommenen Patente hervorgeht. 

— Der Kapitän Blonck vom brandenburgischen SchiÖ „Morian** schließt mit 
drei Negerfürsten in der Nähe des Dreispitzenkaps an der afrikanischen 
Goldküste einen Vertrag ab, wodurch die Errichtung einer branden- 
burgischen Kolonie daselbst eingeleitet wird. (S. 1683 G.) 

— Giovanni Domenico Cassini betreibt in rationeller Weise Bohrversache auf 
artesische Brunnen und bespricht sie in seiner Abhandlung „Sur la manidre 
de faire des puits et des jets d'eau ä Mod^ne". 

— Georg Samuel DMM weist an dem Kometen von 1680 die von Borelli 
(8. 1666 B.) vermutete parabolische Form der Bewegung nach. 

— Robert Hooka beobachtet, daß ein musikalischer Ton entsteht, wenn man 
ein Kartenblatt an die Kante eines schnell rotierenden Zahnrades bringt, 
und findet damit das Prinzip der Zahnradsirone, die 1820 von Savart her- 
gestellt wird. 

— Johann Kunckel von LftwtnttMH entdeckt den Salpetrigsäureäther bei Destil- 
lation von Alkohol mit Salpetersäure und gibt ihm den Namen Salpeter- 
naphtha. 

— .Tohann Konektl von Lftwinttern spricht von der Verbindung des geschmol- 
zenen Zinnes mit Schwefel, die später unter dem Namen „Musivgold" als 
Malerfarbe gebraucht und von Peter Woulfo, Proust und namentlioh J. Davy 
und BerzeUus näher untersucht wird. 

— Nachdem Libavius (1600) schon angegeben hatte, daß die Lösung des 
Wismuts in Salpetersäure durch Wasser gefällt werde, lehrt Nicolas 
LtiiMry die Bereitung des „Magisterium bismuti*', das unter dem Namen 
„Blanc d'Espagne'* als Schminkweiß verwendet wird, durch Auflösen von 
Wismut in Salpetersäure und FaUon mit kochsalzhaltigem Wasser. 
Daß kochsalzhaltiges Wasser hierzu nötig sei, wird von Pott (1739) 
widerlegt. 

— 146 — 



U8t 

ftSl Nachdem bis dahin im allgemeinen die Vorstellung geherrscht hatte, daß 
auf der Erde das Land gegen das Wasser überwiege, welche Ansicht 
namentlich Grerhard Mercator (1569), Varenius (1650) und insbesondere 
Riccioli (s. 1661 R.) vertreten hatten, zeigt Sir Jonas Moors, daß die be- 
kannte Wasserfläche großer als die des Landes ist. 

1682 BadMT erwähnt zuerst die Möglichkeit, auch aus Kartoffeln Branntwein 
zu gewinnen. (S. a. 1750 M.) 
— Johann Joachim B schor gibt eine umfassende Theorie über die Zu- 
sammensetzung der Körper. Er nimmt in den Metallen und den andern 
entzündlichen Körpern eine brennbare Erde an, auf deren Vertreibung 
die Verbrennung beruhe, und legt dadurch den Grund zur phlogisti- 
Bchen Theorie. 

— Johann Joachim B sc h or erwähnt in seiner „Großen chymischen Concordantz'' 
die Brennbarkeit des Steinkohlengases. 

— Johann Joachim Bochor behauptet, daß nur zuckerhaltige Flüssigkeiten 
der alkoholischen Gärung fähig seien und zeigt, daß der Alkohol 
nicht in dem ursprünglichen Weinmost existiert, sondern erst während 
des Gärungsprozesses entsteht. 

— Nehemiah Qrow begründet die Pflanzenhistologie. Er erkennt den zelligen 
Bau der Pflanzen xmd unterscheidet das parenchymatische Gewebe und 
die longitudinal gestreckten Faserformen, die echten Gefäße und die saft- 
führenden Kanäle. 

— Emanuel Ktalf teilt die gesamte Natur in die drei Reiche (regna): das 
Mineralreich, das Pflanzenreich und das Tierreich. 

— Edme Mariotto macht die ersten Beobachtungen über strahlende Wärme, 
indem er die Durchlässigkeit von Glas für Wärmestrahlen untersucht. 

* Isaac Nowton spricht, nachdem er bereits 1666 die ersten Versuche gemacht 
hatte, die Bewegung der Himmelskörper aus den Gresetzen der Mechanik 
zu erklären, das Gresetz der allgemeinen Gravitation aus, demzufolge sich 
die Materien gegenseitig im direkten Verhältnis ihrer Massen und im um- 
gekehrten Verhältnis des Quadrates ihrer Entfernungen anziehen, und er- 
bringt dafür den mathematisch genauen Nachweis. 

— Der Holländer van tartM benutzt zuerst zur Bereitung von Wassermörte 
den am Laachersee, im Nette- und Brohltal vorkommenden Tuffstein, der 
zu diesem Zweck zu Pulver vermählen wird. Der gemahlene Tuffstein, 
auch Traß genannt, dient auch heute noch zur Bereitung von Wasser- 
mörtel. Der Stein ist der schon von Vitruvius (s. 20) erwähnten Puzzolan- 
erde ähnlich. 

1683 Johann Bobn spricht zuerst deutlich von dem würfligen Salpeter (salpeter- 
Baures Natron), der bei der Bereitung von Königswasser durch Destillation 
von Kochsalz mit Salpetersaure entsteht. 

^ Gruichard Joseph Du Vomoy veröffentlicht das Werk „Trait6 de Torgane 
de Touie", in welchem er die Anatomie des Ohres ausführlich behandelt 
and das als erster Versuch einer wissenschaftlichen Abhandlung über die 
f^esamte Ohrenheilkunde anzusehen ist. Er gibt in seinem Werke die ersten 
genaueren Abbildungen der Bogengänge und der Ohrenschmalzdrüsen. 

— Der preußische Major Otto Friedrich von dor Qröbon hißt die kurbranden- 
burgische Flagge auf Groß-Friedrichsburg an der Guineaküste. (Vgl. 
1681 Blonck.) Im Jahre 1684 erwirbt Brandenburg die Arguin-Inseln am 
Weißen Vorgebirge. Aber schon im Jahre 1717 gehen die sämtUchen 
preußisch-afrikanischen Besitzungen durch Kauf an die Holländer über. 

"* Edmund Halloy entwirft seine Theorie von vier magnetischen Polen oder 
Konvergenzpunkten und von der periodischen Bewegung der magnetischen 
linien ohne Abweichung. 

10* 

— 147 - 



1688 

1683 de HtMe beobachtet zuerst die Flimmerbewegung an den Eliemen d( 
Muscheln. Diese Bewegung besteht darin, daß die feinen Haare, mit dene 
die Zellen an ihrer Oberfläche besetzt sind, in unaufhörlicher schwingende 
Bewegung begriffen sind. 

— Antony LoMiwtnhoek beobachtet in dem Speichel des Menschen verBchieden 
sich lebhaft bewegende kleine Tierchen, nach Abbildung und Beoohreibiin 
die ersten gesehenen Bakterien. 

— Maundrell und Williams erhalten ein Patent zur Anfertigung von gegossrae 
hohlen Zinnknöpfen, in welchem sie sich selbst als deren „erste Erfinder 
bezeichnen. 

— Der Engländer Pttliit spricht in seiner Schrift „The laws of art and ni 
ture'* zuerst davon, daß das beste Holz zur Einfassung der BlelBtifte da 
Zedernholz ist. 

^ Andrews Snapt, Eurschmied Königs Karl II. von England, verfaßt eü 
Schrift „The Anatomy of an Horse*', in der er kurze, aber wertvolle Az 
gaben über Rotz und Rehe des Pferdes macht. Seine Darlegungen zeuge 
von guter Beobachtung, sind jedoch mehrfach durch Ruini (s. 1698 R.) un 
Soleysel (s. 1664 S.) beeinflußt. 

— Thomas Sydanhani unterscheidet zuerst ausdrücklich die ohronischen Forme 
des GrelenkrheumatismuB und erwähnt auch die charakteristischen Ve 
krümmungen der Fingergelenke. Er gibt in seinem „Tractatus de podagi 
et hydrope" eine auch jetzt noch mustergültige Schilderung des gesamte 
Krankheitsbildes der Gicht. 

— Thomas SydMihani gibt die erste eingehende Beschreibung des Veitstanzi 
(Chorea St. Viti), dessen Natur trotz vieler Arbeiten darüber (Romb», 
Litten, Westphal, Bright, SeehgmüUer, Heubner, Henoch u. a.) noch nid 
geklärt ist. 

— Thomas Sytfanham bringt zuerst klar zum Ausdruck, daß die Hysterie eii 
Erkrankung des Nervensystems ist. Er gibt eine genaue Schilderung d 
konvidsivischen Anfälle und der intervallaren Symptome. 

— Wilhelm Ten Rhjfiia bringt die seit langer Zeit von den Chinesen und J 
panern geübte Akupunktur (Einstechen von Nadeln in die Weichteile a 
Excitans oder Derivans) nach Europa. 

— Ehrenfried Walter von Tidilmliaus arbeitet über das Tangentenproblei 
und löst Gleichungen dritten und vierten Grades, indem er alle Glied 
zwischen denjenigen höchsten und niedrigsten Grades wegschafft. 

— Edward Tyson gibt in den „Philosophical Transactions" eine genaue an 
tomischc Beschreibung der Eingeweidewürmer. 

1684 Der holländische Arzt Bontekoo empfiehlt in seiner Schrift „Körte y( 
handeling van't menschenleven'* den Teeaufguß als ein untrüglich 
Mittel, das menschliche Leben zu verlängern. (S. a. 1588.) 

— F. Berntor unternimmt einen Versuch, die Menschen in Klassen einzutefl* 
und unterscheidet die Weißen in Europa, die Gelben in Asien, die Schwf 
zen in Afrika und die Lappen im Norden. 

— Robert Boylo hat klarere und richtigere Ansichten über die versohieden« 
Grade der chemischen Verwandtschaft als irgend einer seiner Vorgang« 
selbst Glauber. (S. 1654 G.) Er weiß, daß Kali das Ammoniak ans sein 
Verbindungen austreibt, weil die Säure zu dem fixen Alkali mehr V« 
wandtschaft hat als zu dem flüchtigen und daß die ätzenden Alkalien i 
stärkste Afflnität haben zu starken Säuren. 

— Giovanni Domenico Cassini entdeckt im März den dritten und den viert 
Satelliten des Saturn, welche die Namen Dione und Tethys erhalten. 

— Der englische Techniker James Dolabadlo konstruiert die erste Rauhmaschi 
für Stoffe und betreibt die erste Tuchschere mit Wasserkraft. 

— 148 — 



1686 

684 Robert Hookt legt am 20. Mai der Royal Society ein fertig ausgearbeitetes 
optisches Telegraphensystem vor, das er insbesondere zur Verwendung im 
Seeverkehr empfiehlt, und bei dem zuerst die Ausnutzung von Fern- 
rohren zur Aufnahme der Femzeichen vorgeschlagen wird. Der Gedanke 
findet erst ein Jahrhundert sp&ter praktische Würdigung. (S. 1793 C.) 
— Christian HojfgMlt konstruiert ein Femrohrokular, bei welchem er zuerst 
in bewußter Weise Achromasie anstrebt und zwei mit ihren Krüm- 
mungen nach dem Objektiv gewandte plankonvexe Crownglaslinsen benutzt. 

— Der französische Ingenieur Labion bewirkt zuerst die Verbindung von Fem- 
rohr und Libelle, aus der die späteren Nivellierinstrumente hervorgehen. 

— Edme MartoMi macht die Lehre von dem meteorischen Ursprung des in 
den Quellen austretenden Wassers durch Experimente und rechnerisch 
statistische Nachweise seinen Zeitgenossen einleuchtend. 

— Edme Marlolli konstruiert ein Manometer, bei dem die Flüssigkeit unter der 
Wirkung des zu messenden Drucks in ein oben geschlossenes, zum Teil mit 
Luft gefülltes Bohr hineingetrieben und der Druck nach dem Grade der Zu- 
sammenpressung dieser Luft gemessen wird (Kompressionsmanometer, Ma- 
riotte'sche Rohre). 

— Edme Marlotli erfindet die nach ihm benannte Flasche (erst nach seinem 
Tode 1686 bekannt gemacht), die den Zweck hat, eine größere Wasser- 
menge ohne Änderung der Druckhöhe ablaufen lassen zu können. 

1685 Jacob Bimoiill bearbeitet die Kombinationstheorie in so umfassender Weise, 
daß alles, was den heutigen Inhalt dieser Lehre ausmacht, sich in dem 
nach seinem Tode i. J. 1713 erschienenen Werke „Ars conjectandi'* 
— sogar in modemer Form — vorfindet. Er gebraucht zuerst das Wort 
„Permutation", während der Ausdruck „Kombination" zuerst von Pascal 
gebraucht wird. 

— Der Arzt und Alchemist Andreas Casiiiit in Leiden entdeckt den Gold- 
purpur (CasBius-Gold), welcher durch Fällung von Goldchlorid mit 
einer dünnen Lösung von Zinnchlorür und Zinnchlorid erhalten wird. 
(VgL auch 1679 K.) Eine Beschreibung des Darstellungsverfahrens gibt 
Cassius' Sohn. 

— Der französische Ingenieur Gattalnf erfindet die Münzrändelmaschine zur 
Anbringung erhabener oder vertiefter Schrift auf dem Bande der Münzen, 
welche in neuerer Zeit (z. B. durch Ludwig Löwe in Berlin) derart ver- 
bessert worden ist, daß sie in 1 Stunde bis zu 14000 Münzen selbsttätig 
rändelt. 

— Der niederländische General Menno von Coehoorn verstärkt die Festungen 
seines Landes durch Einführung eines bis auf das Grundwasser gesenkten 
und daher mit der Sappe nicht überschreitbaren Grabens und vermehrt 
die Anlagen zur Durchführung einer zähen abschnittsweisen Verteidigung. 
Er ist der Erfinder der kleinen, beweglichen, zum Massengebrauche be- 
stimmten sog. Coehoom'schen Mörser. 

^ Hendryk van DtVMttr bearbeitet die Lehre vom engen Becken und gibt 
die erste Einteilung der abnormen Verhältnisse des Beckens. Er erwirbt 
sich große Verdienste um die Therapie des engen Beckens. 

"- Der gelähmte Uhrmacher Stephan Farfifr in Altdorf macht eine praktische 
Anwendung von der von Hautzsch (s. 1649 H.) gemachten Erfindung, indem 
er sich zur eignen Beförderung einen kleinen Wagen baut, dessen Räder 
er durch eine Handkurbel bewegt. Sein Gefährt ist zuerst vierrädrig, 
wird aber später dreirädrig umgebaut. 

" (Christian FOrnar erfindet die Windwage, durch die es möglich wird, den 
Wind für die Orgel zu regulieren und die Dichte der eingeschlossenen Luft 
zu messen. 

— 149 — 



1686 

1685 Johann Htvflliit konstruiert den Oktanten, einen mit einem g 
AchtelkreiB versehenen Winkelmesser. 

— Der italienische Arzt Giovanni Landti benutzt als erster die Per! 
des Stemum bei Aneurysma am Herzen. 

— Giovanni LaneM unterscheidet zuerst zwischen wahrem und falaohc 
eurysma und nennt als hauptsächliche Ursache der Aneurysmen 
nische Einwirkungen imd die Syphilis. 

— Isaac Ntwton findet den Satz, daß die Dichte der Luft sich in geomel 
Progression vermindert, wenn die Höhe in arithmetrischer Prog 
wächst und gibt dadurch die Unterlage zu Halleys barometisohe 
schungen. (S. 1686 H.) 

— Verbindet man ein Femrohr so mit einer Achse, daß dasselbe untei 
beliebigen Winkel zu derselben festgehalten werden kann und bii 
dann die Achse mit Hilfe der bereits gemachten Bestimmungen 
Richtung der Weltachse, so heißt das Fernrohr parallaktisch m< 
zumal wenn damit ein Uhrwerk, das die Achse in einem Tage 
umdreht und anderseits zwei geteilte Kreise, der sog. Stundenkre 
der Deklinationskreis verbunden sind. Ein solches Instrument w: 
erst von Scheiner und etwas später von Grünberger, in voUkon 
Weise aber erst von Olaf Römtr in seiner „Machina acquatorea" verwii 

— Der französische Anatom Raymond d« Vlemttns beschreibt zuerst die 
miden und Oliven im verlängerten Mark. 

— Johann Zahn schlägt vor, statt des Fadenkreuzes (s. 1667 A.) mittels Di 
auf Glas eingeritzte Gitter zu verwenden; dieselben werden 172 
Benjamin Martin und 1796 von Brander noch wesentlich vervoUko: 
und von Lambert warm empfohlen. 

1686 Nachdem die erste unzweifelhafte Angabe über das Vorhandensa 
kleinen Tierchen in der Haut von Krätzekranken in der „Physica S 
Hildegardis*' um 1150 gemacht worden war, weisen^ Giovanni i 
Bonomo und Hyacinth CMtonl nach, daß die Milben das einzige ursä 
Moment der Krätze sind, eine Angabe, die 1786 durch Wichmai 
stätigt wird. 

— Johann Conrad Brunntr, Anatom in Heidelberg, entdeckt die Brunnei 
Drüsen und stellt (s. 1709 B.) Versuche über partielle Exstirpati« 
Pankreas und Milz bei Tieren an, die zeigen, daß nach solcher Op< 
Tiere weiter leben können. 

— Nachdem Newton (s. 1685 N.) die allgemeinen Regeln für die Ab 
der Dichte der Luft mit der Höhe festgestellt hatte, gibt Edmund 
eine Barometerformel für die barometrische Höhenmessung, die voi 
Cassini, Celsius, Lambert, namentlich aber von Deluc (s. 1772 D.) y 
lieh verbessert wird. 

— Edmund Hallty entwirft eine Windkarte, zugleich die älteste aller m< 
logischen Karten. 

— Henning Hutmann ist nachweislich der erste, der Maschinenbohru 
die Sprengarbeit in Bergwerken einführt. 

— Gottfried Wilhelm von Lelbnlz begründet mit seiner Abhandlung „I 
metria recondita et analysi indivisibilium atque infinitorum" die In 
rechnung. Hier erscheint zum ersten Male das Integralzeichen / im E 
das Leibniz schon i. J. 1675 an Stelle der von Cavalieri herriihrend 
Zeichnung „Omnia" vorgeschlagen hatte. Das Wort „Integral" wird 
1689 von Jacob Bernoulli gebraucht. Auch die Benennung „Fun 
rührt von Leibniz her, desgl. die Einführung des einfachen Punk 
Multiplikations-, des Doppolpunktes als Divisionszeichen. 

— Marcello Malpiftil entdeckt bei der Untersuchung des Seidenschmett 

— 150 — 



1687 

das Eüokengei&ß und das Nervensystem der Insekten, sowie die Spinn- 
drüsen nnd die Malpighi'schen Blindsäcke. 

^6 John Ray erkennt die Bedeutung der Kotyledonen (Samenlappen) für eine 
natürliche Systematik der blühenden Pflanzen. 

John Ray erkennt zuerst das Etiolement (die Vergeilung) von Pflanzen als 
einen vom Lichtmangel abhängigen Vorgang. Nähere Untersuchungen 
hierüber werden von Senebier (1785), A. P. de CandoUe (1832) und nament- 
lich von Sachs (1863) gemacht. 

»87 Giovanni Domenico Oastlnl findet das nach ihm benannte Gesetz der Be- 
wegung des Mondes um seine Achse. 

— William C wr p f entdeckt die „Cowper'sche Drüsen" genannten Harn- 
röhrendrüsen. 

— Isaac NiwtaR spricht in der Einleitung zu seinen „Philosophiae naturalis 
prinoipia mathematica** klar aus, daß alle Erscheinungen in der Natur von 
gewissen Elräften hervorgebracht werden, durch welche entweder die 
Körper und die Atome der Körper einander genähert oder voneinander 
entfernt werden. „Da aber diese Kräfte bisher unbekannt gewesen sind, 
so sind auch alle unsere Bemühungen, die Ursachen jener Erscheinung zu 
finden, vergeblich gewesen!" 

— Isaac Ntwton formuliert in seinen „Principia" das Prinzip der Gleichheit 
zwischen Wirkung und Gregen Wirkung, das übrigens Huygens bereits be- 
kannt war und von ihm bei Aufstellung der Gesetze der Zentrifugalkraft 
benutzt wurde. „Die Wirkung ist stets der Gregenwirkung gleich" oder 
„die Wirkungen zweier Kräfte aufeinander sind stets gleich und von ent- 
g^engesetzter Richtung." (Drittes Bewegungsgesetz.) 

— Isaac Ntwton beweist zuerst auf synthetischem Wege den 1586 von Stevinus 
nur angedeuteten Satz vom Parallelogramm der Kräfte. 

— Isaac Ntwton zeigt, daß gleichlange Pendel aus dem verschiedensten Material 
im luftleeren Räume gleiche Schwingungsdauer haben, die Oszillations- 
dauer eines Pendels somit unabhängig von der Natur des schwingenden 
Körpers ist. Auch gibt er eine Formel zur Berechnung der Schallgeschwindig- 
keit, die später von Laplace (s. 1816 L.) berichtigt wird. 

— Isaac Ntwton begründet die Theorie wellenförmiger Bewegungen in elastisch- 
flüssigen Mitteln imd behandelt sehr eingehend den Widerstand des Mittels, 
der nach ihm dem Quadrat der Greschwindigkeit des Körpers proportional ist. 

— Isaac Ntwton nimmt an, daß zur relativen Verschiebung zweier Schichten 
einer Flüssigkeit eine gewisse Kraft erforderlich sei, daß somit ungleich 
schnell bewegte Flüssigkeitsschichten einander wechselweise in ihren Be- 
wegungen beschleunigend oder verzögernd beeinflussen. Diese Wechsel- 
wirkung nennt er Reibung der Flüssigkeitsschichten untereinander und 
nimmt an, daß, wenn sich zwei unendlich dünne Flüssigkeitsschichten über- 
einander bewegen, die Elraft, mit welcher die schnellere Schicht verzögert 
und die langsamere beschleunigt wird, proportional ist der Bewegungs- 
fläche der beiden Schichten und der Differenz ilirer Geschwindigkeiten. 

— Isaac Ntwton begründet die statische Theorie von Ebbe und Flut, die durch 
ihn ein Kapitel der allgemeinen Lehre vom Gleichgewicht und der Be- 
wegung der Flüssigkeiten wird. 

— Isaac Ntwton äußert die Yermutimg, daß die Stoffe, welche zu einer Gruppe 
von Weltkörpem (zu einem Planetensystem) gehören, dieselben seien. 

— Denis Papln kommt zuerst auf die Idee, Arbeitskraft mittels verdichteter 
atmosphärischer Luft auf größere Entfernungen fortzuleiten, und entwirft 
dne Kompressionsmaschine, die diesem Zwecke dienen soll, von deren Aus- 
führung jedoch nichts bekannt geworden ist. 

— Gottfried Minb entdeckt die Darstellung des Zinnobers auf nassem Wege 

— 151 — 



durch Schütteln von Quecksilber mit Boyle's flüchtiger Schwefeltinktar 
( Seh wef elammonium ) . 

1687 Der Pater SMnkOfiff erwähnt im ,, Schweizerischen Botaniker*' znent die 
Winter Veredlung, d. h. die Ausführung des Pfropfens im Herbst oder Wiater» 
also zu einer Zeit, wo die Bäume ohne Saft und daher weniger empfind- 
lich gegen Einschnitte sind. 

— Ehrenfried Walter von Tsehirnhaus gelingt es, mit Hilfe eines Brennspiegete 
glasartige Massen zu schmelzen, welche als Vorläufer des Böttger'seheKi. 
PorzeUans gelten können. 

— Der Marschall Sebastien Lcprdtre de Vauban ändert bei der Befestigung voms. 
Beifort und Landau, später auch bei Neubreisach sein sog. erstes Systencm. 
um, indem er einen polygonalen Hauptwall mit flankierenden, durch deti^ — 
schierte Bastione gedeckten Türmen einführt. 

— Die erste Erwähnung eines Personenaufzugs (Fahrstuhls) findet sich Lxs 
Jablonsky's allgemeinem Lexikon. Hiemach hat der Mathematiker ErhsncS 
Wsigsl in Jena i. J. 1687 einen „Fahrsessel** erfunden, der in einer 3 Fn. B 
weiten Wandnische derart angebracht ist, daß man sich mit Hilfe ▼<>: 
Gegengewichten schneU aus einem Stockwerk in das andere befördern 

— Carol Zumbs schlägt zuerst vor, statt der Holzpflöcke, die bislang 
Besatz der mit Pulver gefüllten Bohrlöcher benutzt wurden, Letten (Toim 3 
als Besatzmittel zu verwenden, wodurch die bergmännische SohieBarbw.'^ 
wesentlich gefördert wird. 

1688 Der Holländer Meeuves Meindertszoon Bakksr erfindet die „Kamel'* g^" 
nannte Hebevorrichtung für große Schiffe, die dazu dient, tie^hend^ 
Schiffe aus der Zuidersee über den Pompus in das Y zu bringen. 

1688^98 Gerblllon erforscht China im Auftrage Rußlands. 

1688 Robert Hooks erklärt die Versteinerungen als wertvolle Denkmäler dc^^ 
Natur. Er weist auf den Widerspruch zwischen den in En^and ao^" 
gefundenen Petrefakten und dem in der historischen Zeit daselbst herr*^ 
sehenden Klima hin und deutet an, daß die Versteinerungen vielleioht 
einer chronologischen Gliederung der sie umgebenden Ablagerungen dienei 
könnten. (Vgl. 1680 L.) 

— Abraham Thovart in Paris erfindet die Methode des Gießens des SpiegeL — 
glases, welche die bis dahin übliche Methode des Blasens verdrängt. Viel " 
fach wird als Erfinder dieser Methode auch Louis Lucas de Nehou genannt^ --^ 

1689 Jacob Bornoulll ist der erste, der nächst Leibniz die Differential- nnd Inte — 
gralrechnung (bei seiner Abhandlung über die Isochrone) anwendet. 

— Johann Bohn beschäftigt sich eingehend mit allen Fragen der geriohtliohei:^- 
Medizin und führt einen großen Aufschwung derselben herbeL Er fübrS^ 
für diese Disziplin die Bezeichnung „Medicina forensis" ein. (S. a. 1614 C.^ 

— Der große Salzsee in Nordamerika wird zuerst vom Baron La HotM i. J-* 
1689 erwähnt. Genauer erforscht wird der See durch H. Stansbury^ 
1849—50. 

— Antony Lsiiiwsnhook, der das Mikroskop zuerst zum Studium des ieinereiL 
Baues des Auges vorwendet, entdeckt die Stäbchenschicht der Netzhaat» 
die faserige Zusammensetzung und den Epithelüberzug der Homhant 
und vermutet auch die faserige Beschaffenheit der Linse. 

— Richard Morton führt an, daß die Lungenschwindsucht stets aus Tuberkeln 
und nie auf andere Weise entstehe. 

— Denis Papln erfindet die Zentrifugalpumpe, die indes nicht zur Verwendung 
kommt, da es an einem Motor fehlt, der ihr die nötige rasche Bewegung 
mitteilt. Der Apparat wird jedoch fortan als Ventilator, insbesondere um 
Wind für Öfen zu geben, und auch als Komreinigungsmaschine benutst. 

— Olaf Rdmor konstruiert das Passageinstrument (Durchgangsinstrument), das 

— 152 — 



in die Meridianebene eingeetellt wird nnd das Hauptinstniment für die 
astronomiBohe Zeitbestimmung bildet. Er erkennt auch die Vorzüge des 
ersten Vertikales für gewisse Bestimmungen und konstruiert ein besonderes 
Passageinstmment für Bestimmungen im ersten Vertikal. 
1690 Nachdem Zambeccari 1670 in einem Briefe an F. Redi erwähnt hatte, daß 
er zwei Nephrektomien an Hunden vorgenommen habe, von denen der eine 
den Eingriff überstanden habe, macht Stephen Blankaart die gleiche Ope- 
ration an anderen Tieren und spricht davon, daß steinhaltige , in Ver- 
schwämng übergegangene Nieren nach Unterbindung der Gefäße ebenso, 
wie die Milz, exstirpiert werden können. 

— Rudolph Jacob Guntrartat liefert die erste Abbildung des Stechapfels, der, 
wie er glaubt, aus dem Orient stamme, der aber sicher schon Theophrastos 
bekannt war. Das Alkaloid aus dem Stechapfel wird 1833 von Geiger und 
Hesse hergesteUt. (S. 1831 M.) 

— Peter Emoay in Amsterdam gibt für den Dreiklang der Kirchenglocken die 
noch heute gültigen Gesetze an. 

— John FlamslMd, Astronom an der durch ihn ins Leben gerufenen Stern- 
warte von Greenwich, hat zuerst i. J. 1690, also fast 100 Jahre vor 
Herschel (s. 1781 H.), und, wie aus seinen Aufzeichnungen hervorgeht, später 
noch viermal den Uranus beobachtet, ohne aber dessen planetarische Natur 
zu erkennen. 

— John Floytr führt als Hilfsmittel zur sicheren Pulszählung die Sekunden- 
uhr ein und berechnet das Verhältnis der Geschwindigkeit des Pulses zur 
SchneUigkeit des Atmens. 

— Domenico QuclMmkii bedient sich zu seinen hydrometrischen Bestimmungen 
des Stromquadranten, bei dem aus der Richtung, den das Bleilot durch 
den Wasserstoß erhält, die Stoßkraft des Wassers berechnet wird. Zen- 
drini (1717), Manfred! (1723), Michelotti (1767) bedienen sich särathch 
dieses Apparates zu ihren hydrometrischen Messungen. Das Hydrotacho- 
meter von Raucourt (1828), die Wasserfahne von Ximenez (1780), das Tacho- 
meter von Brünning (1798) sind sämtlich Abarten des Wasserquadranten. 

— Der erste Nebelfleckenkatalog, welcher Johann Htvtllut zu verdanken ist, 
wird im Jahre 1690 posthum veröffentlicht. 

— Christian Haygtiit steUt in seiner Schrift „Trait^ de la lumi^re** sein Prinzip 
der Elementarflächen (einhüllenden Flächen) auf, nach welchem jeder 
Punkt eines in Wellenbewegung begriffenen materiellen Systems durch 
Beine Bewegung der Ursprung sogenannter ElementarweUen wird, aus deren 
Übereinanderlagerung und Interferenz die tatsächlichen Wellen hervor- 
gehen. Durch dieses Prinzip gelingt es ihm, die Reflexion und Brechung 
des Lichts auf Grund der Undulationstheorie zu erklären. Auch für die 
Erdbebenphysik gewinnt dieses Prinzip später fundamentale Bedeutung. 

— Christian HaygMt ist der erste, welcher beim Durchgang des Lichts durch 
isländischen Doppelspat (s. a. 1669 B.) ein verschiedenes Verhalten der Licht- 
strahlen beobachtet (Polarisation des Lichts). 

1690—92 Der deutsche Mediziner Engelbrecht Kimptar erforscht Japan. (Vgl. 

sein zuerst in englischer Sprache erschienenes Werk „History of Japan 

and Siam*'.) 
1690 Denis Papln schlägt vor, in geschlossenen Gefäßen durch Kondensation 

darin enthaltenen Dampfes ein Vakuum zu erzeugen, wie dies später in 

der Newcomen'schen Dampfmaschine geschieht. 

— Dom Pirignoii, der Pater Kellermeister der Benediktinerabtei Haut villers, 
erfindet den Flaschen Verschluß durch Korken. Auch zeigt er, wie sich 

die bei der Gärung in der Flasche gebildete Hefe entfernen läßt, ohne 

" — 153 — 



1690 

den Kohlensauregehalt des Weins weBentlich zu vermindern, womit er den 
Grand zur Champagnerfabrikation legt. 

1690 Michel Rolle veröffentlicht in seiner Schrift „Trait6 d'Alg^bre" außer eine 
wirklichen Methode zur Auflösung unbestimmter Gleichimgen auch N&he- 
rungsmethoden zur Bestimmung der Gleichungswurzeln, unter denen dii 
Methode der Kaskaden hervorragt. (Die Kaskaden sind, in die heutig« 
mathematische Sprache übersetzt, die aufeinanderfolgenden Ableitung« 
der gegebenen Gleichung.) 

— Der Mediziner Christian Günther ScMllliamiiMr spricht zuerst aus, daß de 
Ton durch Schallwellen entsteht. 

— Stissor in Braunschweig führt die Cascarillarinde in den medizinischen Ge 
brauch ein. 

1691 Jacob BmhouIII behandelt mit der Integralrechnung die Kettenlinie, di 
von Nunez (s. 1646) gefundene Loxodrome, sowie die logarithmische uu 
parabolische Spirale. Er benutzt bei seiner Arbeit über die parabolisch 
Spirale das, was Leibniz 1692 krummlinige Koordinaten nennt. 

— WiUiam Goek gibt seine „Meteorologica** heraus, in welcher er von de 
Beurteilimg der Veränderung der Luft und des Wechsels des Wetters i 
verschiedenen Ländern spricht. 

— Nachdem die dionysische Aera (s. 525 Dionysius und715Beda) allgemeine 
Eingang gefunden hatte, sich aber trotzdem häufige Widersprüche heraus 
gestellt hatten, weil die Kaiser und Päpste in ihren Erlassen und Bulle: 
vielfach den 25. Dezember als Jahresanfang gebrauchten, setzt der Pap6 
InnocMiz Xll. fest, daß das Jahr lediglich mit dem 1. Januar beginne 
solle. 

— Friedrich Rnysch beschreibt genau die Bronchialäste, welche Galen dunk< 
erwähnt, und Philipp Verheyen (1705) oberflächlich beschrieben hatte. E 
entdeckt das Periost der Gehörknöchelchen und gibt eine genaue Dai 
Stellung der Gefäßversorgung der Paukenhöhle. 

— John Tyzackt erhält ein englisches Patent auf eine Waschmaschine zur B< 
freiung der Gewebe (Leinen, Wolle usw.) von den durch das Fabrikationi 
verfahren verursachten Verunreinigungen. 

1692 Johann Konrad Amman aus Schaff hausen lehrt Taubstumme sprechet 
indem er sie gewöhnt, auf die bei jedem Laut veränderte Stellung de 
Organe des Mundes zu achten, dieselben mit dem Gesicht aufzufassen un 
vor dem Spiegel nachzuahmen. Seine Methode wird von Samuel Heinids 
1768 wesentlich vervollkomnmet. (Vgl. auch 1570 P.) 

— Giovanni Domenico Cassini erkennt aus den Flecken der Jupiteroberfläcli 
eine Rotation dieses Planeten, die er zu 9 h 50 m berechnet. 

— Clopton Havtrt veröffentlicht in seiner „Osteologia nova'* seine Unten 
Buchungen über die Anatomie und Histologie der Knochen und macht sie 
namentlich durch die Entdeckung der Knochengefäßkanälchen „Canalou 
Haversiani*' sehr bekannt. 

— Wilhelm Homberc zeigt die Nutzlosigkeit der trockenen Destillation (Pyn 
analyse) für die Pflanzenanalyse, indem er nachweist, daß zwei ganz veo 
schiedene Pflanzen, wie Belladonna und Kohl, so ähnliche pyroanalytisol] 
Produkte haben, als ob man eine dieser Pflanzen zweimal destilliert hätt* 
(S. a. 1668 Dodart.) 

— Denis Papln verwirklicht seine in einem Briefe vom Jahre 1691 an Christia 
Huygens geäußerte Idee, indem er ein Taucherschiff baut, mit dem < 
sich im Mai mehrmals unter den Spiegel der Fulda hinab läßt, von wo < 
ein angezündetes Licht wieder mit hinauf bringt. Die Luftemeuerung Im 
sorgt er durch einen Zentrifugalventilator. £s scheint damit seine PrioritI 

— 154 — 



1694 

vor Halley, der die Luftzufühnmg io die Taucherglocke (1724) yermittelBt 
eineB SchlaucheB bewirkt, zweifelloe erwiesen. 

1692 John Ray ist der erste Schriftsteller nach Strabo» der über die Wirkung 
der fließenden Grewässer im Binnenlande und die Angriffe des Meeres auf 
die Küste spricht. 

— Georg Ernst Stalll gibt die Anregung zur Erforschung vom Psychischen 
und Physischen in allen physiologischen und pathologischen Vorgängen, 
sowie zu deren therai>eutischer Verwertung und bedingt hierdurch 
einen Fortschritt in der Auffassung und Behandlung der psychischen 
Krankheiten. 

— Yincenzo VHrtail stellt das als „Florentiner Aufgabe" berühmte Problem: 
In eine Halbkugel vier gleichgroße Öffnungen derart herauszubrechen, daß 
der Rest der Halbkugelfläche quadrierbar sei. Die Lösung geschieht durch 
Leibniz, Bemoulli und L' Hospital mit Hilfe der Differentialrechnung. 

1693 Acolvtliiit in Breslau führt die erste Besektion am Oberkiefer aus. Daß 
Oribasius eine solche gemacht habe, ist zweifelhaft, wie auch die angeb- 
lich um die Mitte des 17. Jahrhunderts von Molinetti gemachte Resektion 
sich lediglich auf Entleerung von Eiteransammlung bezog. 

— Edmund Hallsy macht den ersten Versuch der geographischen Flächen- 
messung durch Wägung der aus der Landkarte mit der Schere ausge- 
schnittenen Flächenstücke, ein Versuch, der von dem Jesuiten Scherer 
(1710) mit Erfolg wiederholt wird. 

— Der Engländer J. Harttoy erhält das erste Patent auf einen Wellenmotor, 
bei welchem die Bewegung der Brandung zur Grewinnung von motorischer 
Kraft in der Weise benutzt wird, daß ein Schwimmgefäß mit der Welle 
auf und ab geht, wodurch eine Mühle in Betrieb gesetzt wird. 

— Georg Holyk gibt in seinem Gartenbuche zuerst die Veredelung der Bäume 
und Sträucher durch Kopulieren an. 

— Wilhelm Homtaff entdeckt, daß geschmolzenes Chlorcalcium phosphores- 
zierend ist; das Präparat wird nach ihm als Homberg'scher Phosphor 
bezeichnet. 

— > John Ray führt in die Zoologie den naturhistorischen Begriff der Art 
ein und berücksichtigt die Anatomie der Thiere als Grundlage der Klassi- 
fikation. 

1694 Johann BmhooIII weist nach, daß Fische in Wasser, das vorher von Luft 
befreit ist, nicht leben können. (S. a. 1670 B.) 

— Jacob Rudolf CaiiMrarlus weist experimentell die Sexualität im Pflanzen- 
reiche nach, die schon Grew und Ray vermuteten. 

— Philippe Dtlahiri behandelt zuerst die Theorie der Epizykloide in syste- 
matischer Weise. 

~ Joäo fwmym da Rosa gibt eine genaue Beschreibung des gelben Fiebers 
und beschäftigt sich mit dessen Ursachen, seiner Verbreitung, seinen 
Symptomen, der Prognose und Behandlung der Krankheit. Die frühest 
bekannte Beschreibung des gelben Fiebers rührt von Thukydides her, der 
selbst von der Krankheit befallen war. 

'^ Engelbert Kimpfir beschreibt die Naphthaquellen und die ewigen Feuer 
der Apscheronhalbinsel an der Westküste des Kaspischen Meeres (Baku), 
die zuerst um 930 von Massudi erwähnt worden waren. 

^ Gottfried Wilhelm von Mtob macht in einem Briefe vom Mai 1694 darauf 
aufmerksam, daß zur Integration von Differentialgleichungen vor allem 
die Variablen getrennt werden müssen. 

— Christopher PoIhMii gibt für den Bergwerksbetrieb die Förderung mit starren 
Grestängen an, die ähnlich wie die Gestänge der Fahrkunst auf und ab be- 

— 155 — 



1695 

wogt werden, und führt eine solche Förderung in Falun ein. Diese i 
der Förderung wird 1776 von Hubert Saxton in Belgien verbesflert m 
neuerdings von M6hu wieder aulgenommen. 

1695 Nehemiah Qraw entdeckt im Epsomer Bitterwasser das Bittersals (Sdiwd 
saure Magnesia), welches infolge seines Ursprungs auch Epsomsals hd 
und 1710 von Friedrich Hoffmann zur milden Abführung empfohlen wi 

— Gottfried Wilhelm von Uibniz definiert in den Act. Erud. von 1695 i 
lebendige Kraft als Produkt aus Masse und Quadrat der Greechwindij^ 
und betrachtet dieselbe als das wahre Eraftmaß eines in Bewegung 
findlichen Körpers. 

— Der Werkführer Morin in St. Cloud erfindet das Frittenporsellan (Per 
laine tendre). 

— Tomplmi äußert die erste Idee der Zylinderhemmung für Taschenuhren. 

— John WoodwanI in London tritt mit Entschiedenheit der zu seiner Zieit m 
verbreiteten Meinung entgegen, wonach die Versteinerungen nur müfi 
Naturspiele seien. Er nimmt als Ursache der Sintflut den Ausbrach ei 
unterirdischen Meeres an. Seine Versuche, die von ihm beobachteten ! 
scheinungen mit der heiligen Schrift in Übereinstimmung zu bringen, füh 
ihn mehrfach zu seltsamen Hypothesen. 

1696 Der von Wolodomir Atlastow, Befehlshaber in Anadyrsk, entsandte Kw 
Morosko erreicht zuerst Kamschatka. Atlassow selbst folgt im nftohs 
Jahre mit einer größeren Truppenabteilung und errichtet am 13. Joli 1< 
am Kamschatka-Fluß ein Kreuz zum Zeichen, daß das Land von ihm 
Besitz genommen sei. 

— Augustin MIottt rät bei der Behandlung der Wunden vor allem die L 
fernzuhalten, weil dieselbe kleine Atome mit sich führe, welche die J 
steckung der Wunden vermittle. Er empfiehlt bei der Wundbehandlt 
Mittel, welche die Eiterung beschränken und die Zersetzung verbind« 
und nennt als solches Mittel vor allem den Alkohol, der später in Batai 
(1859) einen eifrigen Fürsprecher findet. 

— Johann Bernoulll stellt die Aufgabe, die Brachistochrone zu finden, d. 
diejenige Kurve, auf der ein Körper herabfallen muß, um in mögtiel 
kurzer Zeit zu einem tiefer gelegenen Punkte zu gelangen. Mit die» 
Probleme beginnt die Entwicklung der Variationsrechnung. 

— Der französische Akademiker Guillaume Fran^ois de l'HoipKal veröffentli« 
das erste Lehrbuch der Differentialrechnung „Analyse des infiniment pet 
pour rintelligence des lignes courbes**. 

— Johann Lotting stellt zuerst Fingerhüte fabrikmäßig her, die man aber ( 
mals auf dem Daumen trug. Die Annahme, daß Nicolaas van Beechool 
in Amsterdam (um 1684) den Fingerhut erfunden habe, ist widerle, 
(Vgl. hierzu 1210 Walter von der Vogel weide.) 

— John Ray liefert die erste Beschreibung der Pfefferminze, die als Arm 
pflanze zuerst in England und erst viel später (1777) in Deutschla 
gebraucht wird. Er erwähnt auch zuerst die Senegapflanze, der 
Wurzel von den Indianern gegen den Biß der Klapperschlangen verwc 
det werde. 

1697 Pantaleon Htbenttralt versieht ein dem Hackebrett ähnliches, mit Dan 
Saiten und Drahtsaiten überzogenes Instrument mit Dockenau&chlag u: 
wird der Vorläufer der Hammermechanik, indem er durch dies Instrume 
Schröter (s. 1711 C.) zu seiner Erfindung anregt. 

— Johann Christian JacobI verwendet weißen Arsenik mit Pottasche neuti 
lisiert und in Wasser gelöst innerlich bei Wechselfiebern. 

— Richard Morton in London erkennt zuerst, daß die perniziösen Fieb 
durch die Ausdünstungen sumpfiger Gegenden veranlaßt werden ui 

— 156 — 



l 



1700 

schreibt deren Behandlung mit Chinarinde vor, die auch Sydenham 1723 
empfiehlt. 

1697 Antonio PaccklMl entdeckt die sogenannten „Pacchioni'schen Drüsen*' der 
harten Hirnhaut. 

1698 Johann BtrnoulO nimmt zuerst das Problem der kürzesten Linie zwischen 
zwei Punkten einer krummen Fläche mit Erfolg in Angriff. Er gelangt 
dabei zu Raumkurven, die später als „geodätische Linien'* bezeichnet 
werden. 

— ÜMfford kennt den Wirbelcharakter der indischen Stürme. 

— Während das Bajonett im Gebrauchsfalle anfangs in den Gewehrlauf 
hineingesteckt wurde, und daher ein Schießen mit aufgepflanztem Bajonett 
immöglioh war, erfindet der englische Greneral Macfcey das Düllenbajonett, 
welches mittels einer um den Lauf herumgreifenden Hülse an dem Gewehre 
dauernd befestigt ist. 

— Thomas Savtry baut eine Dampfmaschine, in welcher er den in einem be- 
sondem Kessel erzeugten Dampf abwechselnd in zwei Behältern benutzt; 
während er das Wasser aus dem einen heraustreibt, saugt er gleichzeitig 
im andern durch Kondensation des Dampfes Wasser an ( Wasserhebe - 
maschine). 

— Sovlliwtll führt in England die kalte Vergoldung durch Anreiben mit Gold- 
zimder ein, die angeblich schon vorher von deutschen Goldschmieden ge- 
übt worden sein soU. 

— Der Arzt und Chemiker Georg Ernst 8talil begründet durch seine Schrift 
„De yenae portae porta malonmi etc", die wissenschaftliche X<ehre von 
den Pfortaderleiden, die seit den ältesten Zeiten bekannt und größteu- 
teüs mit dem Glüheisen oder vermittels Ätzung und Ligatur behandelt 
worden waren. Nach ihm kann da« Blut im Gebiete der klappenlosen 
Pfortader leicht hin und her versetzt werden und sich bald im Magen, 
bald in der Milz, bald im Dünndarm anhäufen. 

1699 Goillaume Amontont macht ausgedehnte Versuche über den Reibungs- 
widerstand und stellt die Gesetze für die gleitende Beibung auf. 

— Simon BouMue führt die von Dodart (s. 1668 D.) vorgeschlagene Extraktions - 
methode für die Pflanzenanalyse durch und wendet dieselbe zuerst auf 
eine vergleichende Untersuchung der verschiedenen im Handel befindlichen 
Ipecacuanhasorten an. Als Extraktionsmittel verwendet er bald Wasser, 
bald Weingeist. 

1699—1701 Der englische Seefahrer William Dampltr unternimmt eine Ent- 
deckungsreise nach Australien. Im Jahre 1700 entdeckt er die Dampierstraße 
imd stellt fest, daß das östlich gelegene, von ihm Neubritannien genannte 
Land von der Küste von Neuguinea getrennt ist. 

1699 Wühelm Hombtrg sucht zuerst den Säuregehalt einer Substanz durch die 
Gewichtszunahme einer bestimmten Menge Pottasche zu ermitteln. Er 
gibt dem Flaschenpyknometer, das er Araeometer nennt, die noch jetzt 

übUche Form. (S. a. 1121.) 

1700 Guülaume Amontons schlägt als unteren Punkt des Thermometers den ab- 
soluten Nullpunkt vor, den er auf — 239,6® (umgerechnet auf die heutige 
himdertteilige Skala) berechnet. Er konstruiert ein Luftthermometer, bei 
welchem das Volum der eingeschlossenen Luft konstant gehalten wird 
und die Höhe des erforderlichen Quecksilberdruckes als Maß der Tempe- 
ratur gilt. 

— Guillaume IMIsto macht sich als erster völlig frei von den Positions- 
bestimmungen des Ptolemaeus und legt seiner Weltkarte und den Karten 
der Erdteile die neueren astronomischen Bestimmungen zugrunde. Seine 
Karte von Europa (1725) gibt zuerst ein naturwahres Bild dieses Erdteils« 

— 157 — 



1700 

1 700 Johann Christoph Dmimt in Nürnberg entwickelt die Klarinette ans ek 
zösischen Schalmeienart mit neim Tonlöchem. 

— Hendryk van Dmnlir fördert die Orthopädie, indem er Beinkram: 
Sehnenverkürzungen und Muskelatrophien mit Bandagen und M; 
behandelt und Apparate für Rachitische konstruiert. 

— Der Chemiker Johann Konrad Dlfiptl erfindet das nach ihm bena 
auch „Tierisches Stinköl" genannt. 

— Denis Dodart untersucht die Schwingungen der Stimmbänder, de 
dingungen er an dem Lippenverschluß eingehend erörtert, und st 
daß der Ton an der Glottis entsteht und im Mund und in der N 
Klange wird. 

— Nachdem Hutchinson schon 1640 eine unvollkommene Karte vc 
gleicher Deklination (Isogonenkarte nach Humboldts Benennung) ge 
hatte, gibt Edmund Haltoy die erste vollkommene Karte der Isogonei 

— GottMed Klrdi in Guben macht regelmäßige Witterungsaufseic! 
und pflegt sein Thermometer regelmäßig, sogar mehrmals ai 
abzulesen. 

— Johann Knnektl von LAwfnsttrn macht in seinem posthum gedruckter 
ratorium chymicum" zuerst auf das kaustische Ammoniak (Salm 
aufmerksam, das er mit der Ätzlauge vergleicht. 

— Ugir erwähnt in seinem Werke „La nouvelle maison rustique" zunc 
mal die Verwendung der Ölkuchen als Futtermittel. Nach der 
Erwähnung kann angenommen werden, daß diese Verwendung nai 
in HoUand schon seit längerer Zeit üblich war. 

— GreoTg M m imm M rhir in Nürnberg ist (nach Doppelmeyer) der er 
Stahl zu schmelzen und in Formen zu gießen versteht und somit 
finder des Stahlgusses anzusehen ist, welche Kunst aber mit ihm 
geht. 

— Antoine Pannt wendet die Koordinatenmethode zuerst auf den Ks 
drei Dimensionen an, indem er Oberflächen durch eine Gleichung i 
den drei Koordinaten eines Raumpunktes darstellt. Einen weitei 
bau dieses Grebiets bewirkt Clairaut in seinen Raumkurven. (S. 

— ' Joseph taiVMir stellt die Theorie der Schwebungen auf, stellt die 

keitsgrenzen fest und erfindet die noch jetzt üblichen Mittel, < 
Schwingungen einer Saite durch Berührung der Knotenpimkte höi 
durch aufgesetzte Papierreiterchen sichtbar zu machen. Er gibt d 
vom Schall den Namen „Akustik". 

— Johann Jacob MMHChZMr in Zürich setzt mit seiner Schrift „Histo 
veticae naturalis prolegomena" die von Simler (s. 1660) begründet! 
schaftliche Alpenkunde fort und fördert die Versteinerungskimde. 
ein Anhänger der Woodward'schen Sintfluttheorie. (S. 1695 W.) 

— Johann Ji^ob SchMtdizar findet im Tertiärschiefer von öningen h 
ein fossiles Skelett, welches er i. J. 1726 als Sintflutmenschen (Hom 
testis) deutet. Das Skelett wird indes später als dasjenige eines 
(Riesensalamanders — später als „Andrias Scheuchzeri*' bezeichnet) 

— G^org Ernst Stahl empfiehlt die medizinische Anwendung der i 
duftenden Schafgarbe, aus der in neuerer Zeit im Engadin der „] 
nannte Likör bereitet wird. 

— Als Erfinder des Violoncello wird in der Regel Tanliea (1700) | 
Doch ist demgegenüber zu bemerken, daß bereits der um 1690 ge 
Domenico Gabrieli den Beinamen „Del Violoncello** hatte. Auch 
die Amati, Magini u. a. schon im 16. Jahrhundert Streichinstrumc 
CeUogröße gebaut zu haben. 

— Lorenzo Ttrranto fördert die Pathologie der Gonorrhöe und gibt eil 

— 158 — 



1700 

matiBohe Einteilung der yersohiedenen Arten dieser Krankheit. Seine Be- 
funde über den Gang des Krankheitsprozesses werden von Cockbum (1713), 
Morgagni (1719) und Boerhaave bestätigt. 
1700 Joseph Pitton <• Tourntfirt gibt in seinen ,Jnstitutiones rei herbariae" ein 
auf Bau und Form der Blüte begründetes Pflanzensystem, das jedoch 
lediglich den formalen Vorzug hat, daß in demselben strenge Ordnung 
herrscht und bestimmt begrenzte Gattungen eingeführt werden. 

— Raymond #• VlMiiMiit entdeckt die „neurolymphatisohen Arterien** und 
nimmt an, daß dieselben den ununterbrochenen Fortgang des Blutes aus 
den Arterien in die Venen vermitteln. 

— Andreas WtrkiiMMir stellt die gleichschwebende zwölfstufige Tonleiter auf. 
um die Einbürgerung der gleichschwebenden Temperatur machen sich 
später verdient J. G. Neidhardt, ' J. A. Sorge, J. H. Lambert, C. G. Schröter, 
Rameau, d'Alembert, Bach u. a. 



— 159 — 



Achtzehntes Jahrhundert. 



1701 Michelangelo AndrloN verwendet den Mohnsaft zuerst bei der Ruhr; b 
Wechselfiebem wird er 1710 zuerst von Jacob Minot und, um die Gewa 
der Schmerzen bei Entzündungen und ähnlichen Krankheiten zu beaftn 
tigen, 1739 von John Huxham empfohlen. 

— Nachdem man, insbesondere seit Galen der Meinung war, daß bei Ei 
stehung eines Unterleibsbruches das Bauchfell zerreiße und daher audi d 
Bezeichnung „Ruptura** eingeführt hatte, lehrt Jean Mercy zuerst, daß l 
Brüchen das Bauchfell ausgedehnt sei, sonach die Eingeweide in eine 
Bruchsack liegen. 

— Isaac Ntwton erfindet den Spiegelsextanten und sendet eine Besohreibu] 
und Zeichnung seines Instrumentes an Hadley. Die diesem zugeschriebe] 
Erfindung des Instruments (1731) beruht somit auf einem Irrtum. 

— Olaf Römer vereinigt zur Erzielung sicherer Stern -Durchgangsbeobaohtongi 
Mauerkreis und Passageninstrument zu einem einheitlichen Inatrumei 
dem sog. Meridiankreis. Sein eigenes Instrument, die berühmte „Ro 
meridiana'' bleibt bis 1728 im Dienst, wo es bei einem Brand ve 
nichtet wird. 

— William Whltton bringt die erste IsokUnenkarte, die Orte gleicher Inklin 
tion verzeichnet, für den Kanal und das südliche England zustande. 

— Jacob Barnoiilli stellt das „isoperimetrische Problem'* auf, das für die Ei 
Wicklung der Variationsrechnung von Bedeutung ist, und welohea vc 
langt, unter allen isoperimetrischen Kurven diejenige zu finden, für d 
ein bestimmter Ausdruck möglichst groß oder möglichst klein wird. Eleme 
tare isoperimetrische Untersuchungen finden sich schon bei Zenodotos (u 
180 V. Chr.), M. Fabius Quintilianus (70 n. Chr.) imd Bradwardin 
(S. d. 1330.) 

1702 Urban Hlini« bemerkt zuerst eine langsame, aber stetige Verändenu 
der Küstenlinien zugunsten des Landes, die später von Swedenborg, O 
sius und Linn^ bestätigt wird, welche daraus auf einen Rückzug des Meei 
schließen, während sich viele Stimmen schon damals anders äußern ui 
eine Hebung des Landes über den im verändert bleibenden Spiegel d 
Meeres annehmen. 

— Wilhelm Homberc beschreibt zuerst die Borsäure in bestimmter Weit 
Über den Borax spricht er sich noch sehr unklar aus. 

— Gottfried Wilhelm von Mbniz äußert in einem Briefe an Johann Bemou 
bereits die Gesanitidee des Feder-(Aneroid-)Barometers, die durch Vi 
(s. 1848 V.) ausgeführt wird. 

1 702 — 10 Johann Jacob Schtuchzer macht zahlreiche der wissenschaftlichen Lande 
künde gewidmete Alpenreisen und führt die Gletscher als Naturerscheinm 

— 160 — 



1704 

in die wissenschaftliche Betrachtungsweise ein; namentlich kennt er deren 
Bewegung und sucht sie zu erklären. 

702 Johann Jacoh Schtuchztr macht auf die Einschlüsse in Krystallen aufmerk« 
sam und benutzt sie für die Theorie der Genesis der Mineralien. 

- Georg Ernst Stahl untersucht die verschiedene Starke in der Verwandt- 
schaft der Säuren zu den Alkalien und Metallen und findet, daß unter 
allen Säuren die Schwefelsäure, dann die Salpetersäure die mächtigsten seien, 
welche alle anderen Säuren aus ihren Verbindungen austreiben. Er er- 
weitert die Kenntnis der Abstufungen in der Verwandtschaft der ver- 
sohiedenen Materien zueinander und bereitet so die Aufstellung von Af- 
finitätstabellen vor. (S. 1718 G.) 

- Georg Ernst Stahl stellt die Phlogistontheorie auf, nach welcher bei der 
Verbrennung aus den verbrennenden Körpern ein hypothetischer Stofif, 
das Phlogiston, entweicht. (S. 1682 B.) 

- Georg Ernst Stahl überträgt Boyle's Ansichten über die Elemente (s. 1661 B.) 
in die ausübende Chemie und faCt das, was wir heute „chemische Elemente'* 
nennen, klar auf, indem er als eigentümliche Körper diejenigen bezeichnet, 
aus deren Vereinigung untereinander oder mit Phlogiston er alle Substanzen 
gebildet glaubt. 

703 Johann Barnoulll erklärt die von Huygens (s. 1673 H.) aufgestellte Theorie 
über die Bewegung schwerer Körper für ein allgemeines Naturgesetz und 
nennt dasselbe „Das Prinzip von der Erhaltung der lebendigen Kräfte**. 

- Der Abb^ Jean de Hautaftullle konstruiert einen Apparat (Quecksilber- 
horizont), um bei Erdbeben die Abweichung der Bodenteilchen von ihrer 
Ruhelage zu messen (Seismometer). 

- Antony Latuwanhoek entdeckt die parthenogenetische Fortpflanzung der 
Blattläuse. 

704 DlMhaah, Färber in Berlin, entdeckt bei Fällung eines mit Alaun und 
Eisenvitriol versetzten Cochenilleabsuds durch fixes Alkali das Berlinerblau. 
Daß er dieses und nicht den erwarteten roten Niederschlag von Florentiner 
Lack erhielt, erklärt sich daraus, daß er von Dippel (vgl. 1700 D.) ein 
fixes Alkali erhalten hatte, über welches mehrfach tierisches Stinköl zur 
Reinigung destilliert worden war. Eine Vorschrift zur Bereitung des Ber- 
linerblau durch Kalzinieren von Blut mit Alkali veröffentlicht 1724 Wood - 
ward. John Brown zeigt in demselben Jahre, daß man auch geröstetes 
Fleisch verwenden könne und Geoffroy wendet 1725 zu gleichem Zweck 
Wolle und gebranntes Hirschhorn an. 

- Grottfried Haataeh in Nürnberg erfindet das konische Zündloch, bei dem 
die Pfanne sich selbst beschüttet, und gibt dadurch seinen Pistolen eine 
tun das Dreifache gesteigerte Ladegeschwindigkeit. 

- Jean Mary untersucht das Augenleuchten an einer unter Wasser gebrachten 
Katze und sieht dabei sogar die Netzhautgefäße. Delahire erklärt dies 
1709 daraus, daß die Brechung der Lichtstrahlen an der Vorderfläche des 
Auges durch die Bedingungen des Experimentes geändert werde. 

- Isaac Nawton zieht zur Erklärung der Entstehung der Farben des Regen- 
bogens die Dispersion des Lichtes heran. (S. a. 1649 D.) 

- Isaac Nawton interessiert sich zuerst für die Farbe des Wassers und gibt 
als Grundfarbe desselben „grün** an. 

- Antonio Maria Valsahra empfiehlt in seinem „De aure humana Tractatus*' 
als bestes Mittel, Eiter aus dem Ohr zu entfernen, bei verschlossenem 
Munde und Nase Luft durch die Eustachische Röhre zu pressen. (Valsalva- 
scher Versuch, s. auch 1741 C.) Er macht darauf aufmerksam, daß die 
Ursache der Taubheit häufig in einer Verstopfung der Eustachischen Röhre 
liegt und fördert die Lehre vom Bau, der Funktion und den Krankheiten 

Darmstaedter. 11 

— 161 - 



1705 

des Grehörorgans , an welchem er u. a. die Muskeln des Tragus und Anti- 
traguB und das Valsalva'sche Band entdeckt. 
1705 Jacob Btrnoulil führt die elastische Linie (Elastica) in die Festigkeite 
lehre ein. 

— Pierre BrlttMO gewinnt auf Grund von Experimenten an der Leiche eine« 
Starblinden die Überzeugung, daß die Katarakt nicht, wie bis dahin an 
genommen worden war, auf einer Trübung in der vorderen Augenkamme] 
beruhe, sondern die getrübte Krystalllinse selbst sei. (S. a. 1656 R.) Dieses 
Ansicht treten insbesondere Mai tre -Jean und Heister bei, welch letztere: 
namentlich mit dazu beiträgt, daß die Ansicht von Brisseau als richti] 
anerkannt wird. 

— Edmund Halley gibt in seiner Schrift „Of Compound interest'* eine syst€ 
matische Behandlung der Zinseszinsrechnung. (S. a. 1202.) 

— Edmund Halloy weist nach, daß der i. J 1682 erschienene Komet mit de; 
in den Jahren 1456, 1531 und 1607 beobachteten Kometen identisc! 
ist. Seine Voraussage, daß der — später nach ihm benannte — Komc 
im Jahre 1759 wiederkehren werde, hat sich bestätigt. Auch i. J. 183 
erscheint er wieder. 

— Gottfried Wilhelm von Mbniz, äußert in einem Briefe an Papin den Gf 
danken, den Dampf in der atmosphärischen Maschine behufs Verstärkun 
der Expansion der Luft um den Dampfzylinder zu führen, eine Idee, dj 
von Stirling (s. 1816 S.) der Konstruktion seiner Heißluftmaschine zugrund 
gelegt wird. 

— Thomas NewconiMi und John Cawlf y führen den Papin 'sehen Versuch (s. 1690P 
bis zur wirtschaftlich brauchbaren Betriebsmaschine durch und schaffe 
die fast anderthalb Jahrhunderte hindurch gebräuchlichste Form d< 
Balancierm aschine. (S. a. 1707 P.) 

— Der Pater de Sdfia und J. J. Schtuchzar machen zuerst barometrische Simu 
tanbeobachtungen in Zürich und auf dem St. Gotthardhospiz. 

— Henry 8ally erißndet die Friktionsrollen (Friktionsscheiben). 

— Jacob Walte erwähnt zuerst die sympathetische Tinte aus Kobaltchlorfi 
die 1731 durch Teichmeyer und 1737 durch Heilot größere Verbreitui 
findet. Wird das mit der blaßroten Lösung beschriebene Papier erwärm 
so erscheinen blaue Schriftzüge. Durch Tränkung von Fließpapier m 
Kobaltchlorür erhält man die bekannten chemischen Wetteranzeiger, d 
bei nassem Wetter rosenrot, bei sehr trocknem Wetter blau erscheinen. 

1706 Pierre BrissMii macht auf Grund seiner anatomischen Untersuchung über d 
Ursache des grauen Stars (s. 1705 B.) wichtige Arbeiten zur Behandlui 
dieser Krankheit und veröficntlicht dieselben in seinen „Nouvellea obse 
vations sur la cataracte'*. (S. a. 1656 R.) 

— Der englische Physiker Francis HawktbM bemerkt, daß Glas ebenso, wie Ben 
stein, wenn es mit Wollenzeug gerieben wird, Licht ausstrahlt und erhfil 
indem er eine luftleer gemachte Glaskugel an seiner Hand reibt imd ein« 
seiner Finger der Kugel nähert, zoUlange Funken. (S. 1672 L.) 

— Urban Hlirnt untersucht seit 1679 eine große Anzahl von Mineralwfissea 
und fördert durch seine Untersuchungen die Mineralwasseranalyse, d 
von Friedrich Hoffmann noch weiter vervollkommnet wird. 

— Johann Heinrich Hottlngtr sieht zuerst die Schichtung oder Struktur im Ei 
der Gletscher. 

— William Jontt braucht zuerst das Zeichen ,t, das von 1737 ab von Eni 
regelmäßig benutzt wird und namentlich durch Euler*s „Introduotio** a 
gemein Verbreitimg findet. 

— Luigi Ferdinando dt Martlll errichtet das erste maritime Laboratoriu 
zum Studium von Moertieren in Marseille. (S. a. 1870 D.) 

'- 162 — 



1709 

1706 Der Kapitän StaNayan entdeckt die Chromosph&re der Sonne, d. i. jene 
zarte rosarot gefärbte Gashülle, die bei Verfinsternngen konzentrisch nm 
die Sonne gelagert sichtbar wird. 

1707 William Danpitr gibt in einem Reisewerk über seine Weltumsegelung eine 
Fülle von wertvoUen Segelanweisungen und beschäftigt sich mit einer 
Theorie der tellurischen regelmäßigen Windsysteme. 

— Der sächsische Stabsmedikus Daumlns beobachtet, daß erhitzter Turmalin 
Ascheteilchen an sich zieht imd wieder von sich stößt. 

— Philipx>e Delahlrt verbindet zuerst die Zugramme mit Laufrädem, Gröpeln 
usw. und bahnt so den Übergang zu den Kunstrammen an. Wesentliche 
Verbesserungen der Ramme werden dann von Vanlou^, B^lidor (1760) und 
namentlich von Perronel (1780) ausgeführt. 

— Domenico GiiflMiiiiiil spricht in seiner „Dissertatio de Salibus'* aus, daß 
die kleinsten Partikeln der Salze eine beständige und unveränderliche Form 
haben und daß die Verschiedenheit von Kochsalz, Vitriol, Alaun, Salpeter 
auf einer Verschiedenheit der Krystallgestalt ihrer kleinsten Teil- 
chen beruhen. 

— Nicolas Ltmary macht eingehende Untersuchungen über das Antimon und 
dessen Verbindungen. Er ist der erste, der die vulkanischen Erschei- 
nungen als auf einem chemischen Prozeß beruhend ansieht. 

— Denis Papin konstruiert nach dem von ihm gefundenen Prinzip (s. 1690P.) 
eine Hochdruckdampf maschine zum Pumpen von Wasser. Wegen der 
Undichtigkeit der einzelnen Teile wird mit der von Papin damals in Cassel 
aufgestellten Maschine, die in der Schrift „Ars nova ad aquam igni ad- 
miniculo efficacissime clarandam" beschrieben und abgebildet ist, nur ein 
einziger Versuch unternommen. (S. a. 1705 N.) 

— Denis Papln fährt am 24. September auf einem Boote auf der Fulda von 
Cassel nach Münden. Da Papin ein Vorkämpfer für die motorische Aus- 
nutzung der Dampfkraft gewesen ist, hat man in jenem Boote öfters ein 
Dampfboot erblicken wollen. Es ist indes erwiesen, daß es sich hierbei 
nnr um eine Konstruktion gehandelt hat, wie sie schon vorher von Kyeser, 
Valturius, Blasco de Garay (s. diese) und anderen in Vorschlag gebracht 
worden war. 

n08 Abraham Darby erfindet für den Eisenguß die Kastenformerei in nassem 
Sand. Nur für kleine verzierte Gregenstände hatte man bis dahin hier 
nnd da das Formen in fetter Erde angewendet, so daß Darby 's Ver- 
fahren einen wesentlichen Fortschritt bedeutet. 

— William Dcrfiani untersucht die verschiedenen Einflüsse, welche die Gre- 
schwindigkeit des Schalls ändern, und findet, daß namentlich die Wind- 
stärke von Einfluß darauf ist. Er findet für die Schallgeschwindigkeit den 
Wert von 1071 Pariser Fuß in der Sekunde. 

"* Der englische Physiker Wall hebt in einer Abhandlung in den Philos. 
Transactions hervor, daß der elektrische Funke und sein Knistern einiger- 
maßen Blitz und Donner vorstelle. (S. 1746 W. und 1749 F.) 

1709 Nachdem durch die Feststellung, daß der Star eine Krankheit der Linse 
sei, der Name Glaukom dafür überflüssig geworden war, bezeichnet Pierre 
BrfnMUi als Glaukom eine Sehstdrung, die unabhängig von der Linsen- 
trübung auftritt und den Augengrund oft bläulich oder grünlich schil- 
lernd erscheinen läßt und wahrscheinlich von der Entartung des Glas- 
körpers herrührt. 

^ Johann Maria Farina, geb. in Santa Maria Maggiore im Tal Vigezza, der 
sich i. J. 1709 in Köln niederläßt, wird als Erfinder des Kölnischen Wassers 
(Eau de Cologne) genannt. Zur gleichen Zeit soll in Köln ein ähnliches 

11* 

— 163 — 



1709 

Produkt von einem Verwandten Farina's, Paul Feminis, hergestelll 
worden sein. 

1709 Der Pater Bartholomeo Louren^o de Qutmäo baut ein Luftschiff, bestehenc 
auB einem mit Papier überzogenen, \mten offenen Korb aus Weidenhob 
von ca. 8 Fuß Durchmesser. Durch ein unter dem Korb angezündete 
Feuer wird in diesem die Luft verdünnt, und so soll es Gusmäo gelungei 
sein, am 8. August in Lissabon mit seinem Apparat bis auf 200 Fuß Höh 
zu steigen und unbeschädigt herunter zu kommen. 

— Le Bon dt Salnt-H Ilaire, Präsident der Handelskammer von MontpeUiei 
legt der Pariser Akademie der Wissenschaften einige Bekleidungsstück 
(Strümpfe und Handschuhe) vor, die aus den Spinnenfäden verschiedene 
südfranzösischer Spinnenarten hergestellt sind. Die Hoffnung auf ein 
praktische Verwertung der Spinnenseide wird freilich durch R^aumn 
stark herabgemindert, welcher nachweist, daß 18000 Fäden der Kreuzspinn 
erst einen Faden in der Stärke der Nähseide liefern. Doch ist eine Bc 
nutzimg der Spinnenseide in neuerer Zeit mehrfach wieder versucht worden 

— Ren^ Antoine F. de Rtaumur zeigt, daß die Schalen der Schnecken un 
Muscheln durch Erhärten eines Saftes entstehen, der aus den Poren diese 
Tiere hervordringt. 

— Christian von Wolf gibt der Aerometrie eine wissenschaftliche Grundlag 
und beschreibt in Deutschland das erste Anemometer. 

1710 Dominique Anel führt am 30. Januar zuerst die nach ihm benannte Aneu 
rysmenoperation bei einem Aneurysma der Ellenbogenbeuge aus, bei der 
er, ohne den Sack zu öffnen, so nahe als möglich oberhalb desselben di 
Arteria brachialis unterbindet. 

— Hermann Boerfiaave beschäftigt sich mit der Anlage von Treibhäusern (di 
übrigens den Römern schon bekannt waren) im Leidener Pflanzengartei 
und bestimmt, unter welchem Winkel die Glasdächer unter jeder Breit 
gegen den Horizont geneigt sein müssen, um möglichst viel Sonnenstrahlei 
aufzufangen. 

— Johann Friedrich Böttger stellt in Meißen das erste Hart-Porzellan ii 
Europa her. 

— Roger Cotes verfaßt das erste vollständige Werk über die Integralrechnung 
„Harmonia mensurarum", in welchem sich der nach ihm benannte „Cotes' 
sehe Lehrsatz" findet. 

— William Dertiam beobachtet zuerst das aschfarbene Licht der Venus. 

— Wilhelm Homberg beschreibt zuerst das Effloreszicren einiger Salzlösungen 
das 1722 auch von Fran^ois Petit erörtert wird. 

— Wilhelm Homberf gibt das Verfahren zur Verfertigung des aus dem Niedei 
schlage des Silbers entstehenden Dianenbaums (Silberbaums) an. 

— Jacob Christoph Le Blon aus Frankfurt a. M. versucht, farbige Bilder mi 
den sieben Farben des Spektrums zu drucken und findet dabei, daß mai 
mit drei Farben, rot, blau und gelb, auskommen kann. Er ist somit de 
Erfinder des Dreifarbendrucks, den er in der Weise ausführt, daß er dn 
Kupferplatten mit den entsprechenden Farben übereinander druckt. 

— Gottfried Wilhelm von Leibniz unterscheidet zuerst zwischen gleitender un< 
rollender Reibung. 

^~ Der Astronom Giacomo Filippo Maraldl entdeckt, daß die rautenförmige) 
Platten der Bienenwaben immer dieselben Winkel zeigen, nämlich 109® 2^ 
für den stumpfen und 70** 32' für den spitzen Winkel. 

— Der Gießer Johann Maritz in Bern gießt massive Kanonen und bohrt si 
mit einer selbst erfundenen horizontalen Bohrmaschine so aus, daß de 
Kern als ein massives Stück herausgenommen werden kann. 

— Der Holländer J. van der Mey und der deutsche Prediger Johannes 

— 164 — 



1711 

in Leiden fuhren die Stereotypie in den Buchdruck ein« Doch beschränkt 
sich ihr Verfahren darauf, daß sie den fertigen Letternsatz auf der Rück- 
seite mit einem dünnen Überzuge von Mastix, Gips oder leichtflüssigem 
Metall versehen, wodurch der Schriftsatz zu einer stereotypartigen Druck- 
platte zusammengekittet wird. 
1710 Fran^ois Sauveur Nkinuid und Henri Fran9ois Lt Dran machen die erste 
Exartikulation des Schultergelenkes (Exarticulatio humeri). 

— Thomas Ne wc oi mn erfindet die Einspritzkondensation und wendet dieselbe 
sofort bei seiner atmosphärischen Maschine an. 

— Christopher PoIhMR fördert die praktische Mechanik in allen ihren Zweigen, 
insbesondere aber die mechanische Bearbeitung des Eisens. 

— Fran^ois Pouffour du Pttit lenkt zuerst die Aufmerksamkeit auf die psycho- 
motorische Leistung der Hirnrinde. Er sieht bei Trepanierungsexperimenten 
an Hunden je nach der Lage der verletzten Himmasse stets Lähmung der 
Extremitäten der gegenüberliegenden Seite auftreten, die dann vollständig 
war, wenn das Corpus striatum verletzt war, wogegen alleinige Verletzung 
der Himoberfläohe keine eigentliche Lähmung, sondern bloß Schwäche der 
kontralateralen Extremitäten hervorrief. Diese Experimente werden 1721 
von Pietro Paolo MoUnelli bestätigt und begründen die Lehre von der 
kontralateralen Innervation (Kreuzung der Fasern). 

— Der Anatom Giovanni Domenico Santorlnl entdeckt den Lachmuskel und 
die Santorini'schen Knorpel des Kehlkopfes. 

— Pierre Varlgnon leitet die statischen Gesetze der einfachen Maschinen aus 
dem Satz vom Kräfteparallelogramm ab, weist den Zusammenhang von 
Seilpolygon und Kräftepolygon nach und erfindet die Seilwage. 

nu Bartolommeo Cristofforl in Padua erfindet angeblich die Hammermechanik 
des Pianoforte, indem er die Hämmer durch Tasten verbindet, durch 
welche sie an die Saiten geschnellt werden. Von anderer Seite wird die 
Priorität dieser Erfindung Christoph Gottlieb SdirMtr vindiziert. Ins- 
besondere Pauli tritt in seiner Geschichte des Klaviers für Schröter ein 
und behauptet, daß Christof ori's Mechanik nur eine Nachahmung der 
viel vollkommneren Schröter'schen gewesen sei. 

-~ Der Geistliche L. D. HMnnanii in Massel in Schlesien erkennt, daß die 
Blitzröhren (Fulguritbildungen) nichts anderes sind als unter der Einwirkung 
des Blitzes zusammengebackene Kömer verschiedenen Mineralcharakters. 

~ Wilhelm Hombtrf stellt durch Verkohlen von Alaun mit Zucker den „Hom- 
berg's Phosphor*' genannten Pyrophor dar, dessen Erglühen, wie Scheele 
1777 feststellt, daher rührt, daß er an der Luft begierig Sauerstoff auf- 
nimmt und durch die bei dieser Oxydation entwickelte Wärme stark 
erhitzt wird. 

— Gottfried Wilhelm von Lolbniz sucht Peter den Großen von Rußland zur 
Sammlung von Vokabularien der im weiten Umfang seines Reiches zer- 
streuten Völkerstämme zu veranlassen und wird so ein Vorläufer der Eth- 
nologie. Er unternimmt einen Versuch, die Menschen in Klassen einzuteilen 
und unterscheidet eine japetische (die keltischen und szythischen Stämme 
umfassende) und eine aramäische Haupt völkergruppe. (S. a. 1684 B.) 

-^ Johann Justus Partels in Zellerfeld im Harz konstruiert einen Aspirations- 
Ventilator für Bergwerke. Durch seine Idee, die Luft in geschlossenen 
Räumen durch Abführung der verdorbenen Luft und Zuführung frischer 
Luft zu erneuem, hat er zweifellos die Priorität vor Stephen Haies und 
Martin Triewald, die beide erst 1741 die Ventilation für Krankenzimmer 
und für Schiffe anwenden. 

- Ren6 Antoine F. Ite Rfoumur gibt an, daß sich eine Unze Gold zu I46V2 

— 165 — 



1711 

PariBer Quadratfuß anAhämmem lasse. Nach neueren Angaben kann 1 
zu etwa 5675 qom ausgeBchlagen werden. (S. Homer 800 v. Chr.) 

1711 John Short in London erfindet die Stimmgabel. 

1712 Nachdem der Asphalt schon in Babylon und Ninive als Baumaterial Ix 
nutzt worden, aber seitdem gänzlich abgekommen war, nimmt der gri< 
chische Arzt Elrlnlt dessen Verwendung wieder auf und beutet die Lage 
statten des Val de Travers im Fürstentum Neuchätel dafür aus. 

— John FlamitMd gibt den ersten umfassenderen Stemkatalog heraus. (8. seil 
„Historia coelestis Britanniae*'.) 

1712 — 10 John Flamtleed arbeitet bis zu seinem 1719 erfolgten Tode an dem er 
posthum i. J. 1729 herausgegebenen „Atlas coelestis'', dessen 27 Karten vi< 
fach, zuletzt i. J. 1781, neu aufgelegt werden und im 18. Jahrhundert fa 
allein maßgebend sind. 

1712 Engelbert Kflmplir erwähnt zuerst die unter dem Namen „Maduraful 
bekannte, in Indien endemische Krankheit, die besonders die Füße, selten 
die Hände befällt und zu elefantiastischen Verdickungen mit FisU 
bildungen führt. Kämpfer beschreibt die Krankheit unter dem Nam< 
„Perical" (großer Fuß). 

— Jan KruM betreibt zuerst in Wildervank, Provinz Groningen, die Moc 
brandkultur mit großem Erfolg und führt dieselbe auch in Ostfrieslai 
ein. Sie besteht darin, daß vor jeder Ernte die oberste Moorschic 
in Stärke von einigen Zentimetern losgerissen, nach dem Trocknen 
Brand gesteckt und danach in die geröstete Decke der Same (meist Buc 
Weizen) gestreut und etwas eingeeggt wird. 

— Humphry Pottir. ein jugendlicher Arbeiter, welcher das Drehen des Hahn 
an der Newcomen'schen Maschine zu besorgen hatte, soll die Selbststen 
rung erfunden haben, indem er die Hähne mit dem Balancier in V< 
bindimg setzt, durch dessen Spiel sie fortan geöffnet und geschloss 
werden. Ein Beleg für die Richtigkeit dieser Angabe ist nicht zu erbringe 

— Nachdem die Chinarinde seit ihrer Einfühnmg in Europa (s. 1640 V.) a 
wechselnde Beurteilung erfahren hatte und infolgedessen nicht in a 
gemeine Anwendung gekommen war, zeigt Francesco Torti in Modena 
seiner Abhandlung „Therapeutice specialis ad febres quasdam perniciosa 
den Nutzen derselben bei den Zehr- und Wechselfiebem und trägt dadur« 
zu ihrer allgemeinen Einführung wesentlich bei. 

— Laurent Varduc weist zuerst darauf hin, daß die bei Flüssigkeitsergufi 
die Schädelhöhle oder bei Knocheneindruck am Schädel zu beobachtend« 
schweren Zufälle auf Kompression des Grehirns (Gehimdruck) zurückz 
führen seien. 

1713 Dominique Anel führt zuerst den Katheterismus der Tränenwege aus. ] 
führt eine goldene Sonde täglich durch den obern Tränenpunkt in d 
Tränennasenkanal ein und injiziert mit der nach ihm benannten Sprit 
eine adstringierende Flüssigkeit in den Tränensack. 

— Abraham Darby gelingt es, durch Abschwefeln guter backender Kohle 
Meilern brauchbaren Koks zu erzeugen, mit welchem er in Coalbrookdi 
einen Hochofen betreibt. Diese Erfindung bedeutet für die Roheise 
erzeugung einen der praktisch bedeutsamsten Fortschritte. 

— Der Zimmermeister Ptrte zu Dünkirchen erfindet Flutmühlen, die sowo 
auf die VerAvertung des Ebbe- als auch des Flutstroms eingerichtet mi 
und die nach ßölidor gegen 30 Jahre in vollem Betrieb standen. 

1714 Gabriel Daniel Fahrenhtit konstruiert die ersten brauchbaren Quecksilb< 
thermometcr mit der nach ihm benannten Skala von 212 Graden, l 
welchem er die von Huygens 1665 vorgeschlagenen Fundamentalpunkt 

— IGO — 



1715 

n&mHoh den Schmelzpiinkt des EisoB und den Siedepunkt des Wassers 
verwendet. 
nu Der französisohe Grelehrte N. QaMgtr verfaßt eine Abhandlung über die 
Mechanik des Feuers und wird damit der Begründer einer wissenschaft- 
lichen Behandlung des Gebietes der Ventilation. £r virirkt durch seine 
Schrift namentlich für die Erkenntnis der sanitären Wichtigkeit einer 
guten Lüftung der Wohnungen. (S. a. 1750 H.) 

— Edmund Hallty spricht die Vermutung aus, daß das Nordlicht eine mag- 
netische Erscheinung sei, welche Hypothese durch Faraday's Entdeckung 
der Magnetisation des Lichtes (s. 1846 F.) zur Gewißheit erhoben wird. 

— Gottfried Wilhelm Yon Ltibnli weist (in einer jetzt in Hannover befind- 
lichen Wiener Handschrift) darauf hin, wie sehr die großen Lazarett- 
bauten die Verbreitung ansteckender Krankheiten begünstigen. Er empfiehlt 
kleinere Einzelbauten, „Baraquen also, daß sie nicht contiffuae sevn oder 
an einander hengen, sondern von einander geschieden, damit die Luft 
durchstreiche". Leibniz ist somit der eigentliche Vater des Pavillon - 
Systems im Lazarettbau. 

— Gottfried Wilhelm von Lsikniz erwähnt zuerst den Fleischextrakt. Er er- 
örtert in den „Utrechter Denkschriften'* die Mittel, Truppen auf langen 
Märschen bei Kräften zu erhalten und empfiehlt dazu die „Kraft-Com- 
poflitiones" (Konserven) und besonders „das Extrakt aus Fleisch, dessen 
Komposition mir bekannt'*. Die Anregung zu diesen Vorschlägen hat 
Leibniz wahrscheinlich durch Papin erhalten. 

— De la Ugirie lenkt zuerst die Aufmerksamkeit auf das 1658 von Glauber be- 
reitete rote Schwefelantimon (Dreifach-Schwefelantimon), dessen Bereitung er 
angeblich von einem franzosischen Offizier Chastenay und dieser wiederum von 
einem Schüler Glauber's erfahren hatte. Das Präparat wird als „Poudre des 
C!hartreux*' und später als „Alkermes minerale'* (Kermes) viel verkauft und 
erst von Berzelius 1821 in seiner wahren Zusammensetzung erkannt. — 
Am besten wird es aus dem 1821 von Schlippe dargestellten Natrium- 
sülfantimoniat (Schlippe'schen Salz) hergestellt. 

^ Henry Mlll nimmt ein englisches Patent auf eine Schreibmaschine, mit 
deren Hilfe er erhabene Schrift erzeugt. Diese Maschine hat einen prakti- 
schen Erfolg nicht aufzuweisen, ebensowenig ein 1784 in Frankreich paten- 
tierter ähnlicher Apparat. 

1715 Van Gheleii in Wien gibt in seiner „Aeromanteia'' fortlaufende Angaben 
über Temperatur, Luftdruck und allgemeine Wetterlage. 

— Johann Thomas Htniinf in Gießen findet Phosphor im Gehirn. 

^ Christian Gottlieb Htrtel in Halle führt für das Mikroskop den Ucht- 
reflektierenden Spiegel (Beleuchtungsspiegel ), der die Vorteile der verti- 
kalen Stellung und der Beobachtung bei durchfallendem Licht vereinigt, 
zu allgemeinem Gebrauch ein. (Vgl. 1637 D.) 

— William Kant verwirft das Symmetrische und geometrisch Berechnete der 
franzosischen Gärten (s. 1653 L.) und spricht den Grundsatz aus, daß ein 
Lustgarten nichts sein dürfe, als eine schöne Landschaft in geschmack- 
voller, den Formen der Natur angepaßter Gestalt. (Englische Gärten.) 

^ Pttar ier CNl»6« veranlaßt den i. J. 1732 beendigten Bau des 110 km langen 
Ladogakanals, der die Verbindung zwischen der Ostsee und dem K aspi- 
schen Meere herstellt, indem er die mit der Wolga vereinigte Wolchow 
von Neu-Ladoga ab mit Schlüsselburg verbindet. 

— Jean Louis Pillt spricht sich eingehend über Wundheilung aus und unter- 
scheidet Vereinigung nach der ersten und zweiten Intention (s. 169), von 
welch letzterer er vier Arten angibt. Er wendet zuerst den Ausdruck 
„chairs grenues'% kömige Fleischbildungen, an, woraus die Bezeichnung 

— 167 — 



1715 

Granulation entsteht. Er unterscheidet zuerst zwischen Gehirnerschüt 
rung und Gehimdruck und betrachtet den letzteren für so gefährli* 
daß er in allen Fällen die Trepanation empfiehlt, die durch ihn grc 
Verbreitung erlangt. 

1715 Der Mathematiker Brook Tajffor stellt den nach ihm benannten Si 
(Taylor' sehe Reihe) auf, wobei auch schon diejenige Einzelform seil 
Reihe, die später den Namen „Maclaurin'sche Reihe*' erhält, erwähnt i 
(S. seine Schrift „Methodus incrementorum".) 

— Raymond fto Vleussont legt den Grund zu einer strengeren wissenschs 
liehen Behandlung der Herzkrankheiten. (S. a. 1726 A.) 

1716 Philippe Delahirt erfindet die noch heute nach ihm benannte doppc 
wirkende Pumpe. 

— Johann Caspar Funck behandelt in seinem Buche „De coloribus coeK" 
erster die Dämmerungsfarben, die 1754 auch Mairan in seinem „Tra 
physique et historique de 1* aurore boröale" beschreibt. Funck beschre 
auch zuerst die Gegendämmerung. 

— Dr. Hook soll die erste Räderfräsmaschine zum Einschneiden der Zal 
lücken der Uhrräder erfunden haben, die von Henry Sully in Engla 
eingeführt wird. 

— Giacomo Filippo Maraldl bemerkt zuerst einen weißen Fleck an d< 
einen Pole des Mars. 

— Abraham de Molvre trägt durch seine „Doctrine of chances'' und dui 
seine später (1724) erschienenen „Annuities upon Lives" wesentlich i 
Entwicklung der Wahrscheinlichkeitsrechnung bei. 

— Der Schwede Martin Tritwald konstruiert die erste Wasserheizanlage i 
Gewächshäuser in Newcastle on Tyne. 

1717 Johann Btraoulll erkennt die allgemeine Bedeutung des Prinzips der virtuell 
Verschiebungen für alle Gleichgewichtsfälle. 

— Nachdem schon Gedetden 1516 die Destillation als ein Mittel, Seewaai 
trinkbar zu machen, empfohlen und Houton 1670 diesen Vorschlag wied 
holt hatte, konstruiert der französische Schiffsarzt GautMor den erst 
Destillationsapparat für Bordzwecke. 

— Lady MontafiM läßt ihren Sohn in Konstantin opel zum Schutz vor d 
Pocken nach orientalischem Brauch mit menschlicher Lymphe impl 
und führt dieses Verfahren (1721) in England und dadurch in ganz Euiti 
ein. Zuerst hatten der in Konstantinopel ansässige Arzt Timoni und < 
venetianische Konsul Pylarini 1714 auf diese im Orient verbreitete Methc 
hingewiesen. (S. 1797 J.) 

— Giovanni Potonl veröffentlicht die wichtigen Resultate seiner mehrjährig 
Versuche über die Erscheinungen beim Ausfluß des Wassers. 

1718 Henry Bolftiton gestaltet die selbsttätige Steuerung der atmosphäriscli 
Maschine gebrauchsfähig aus. 

— Dt la Balmo erwähnt in seinen „Machines approuv^es*' die Sackbagg 
Schaufelbagger und Radbagger, welche, wie er hinzufügt, „zur Gattu 
der Schöpfräder mit sich drehenden Eimern am Radumfang gehören**. 

— Jean Th^ophile Dotaculltrs versieht den Dampfkessel zuerst mit dem v 
Papin (s. 1674 P.) erfundenen Sicherheitsventil. 

— Pierre DIonit gibt ein Buch über Geburtshilfe heraus, in dem er u. a. eine ei 
gehende Beschreibung der Tuben gravidität gibt (s. a. 1668 M.) und das en 
Becken als Geburtshindemis bezeichnet. (S. a. 1587.) Sein Buch st€ 
auf der Höhe der anatomischen und entwicklungsgeschichtlichen Lehr 
seiner Zeit. 

— Der französische Chemiker Etienne Franyois Qooffroy ordnet die versch 

— 168 — 



1720 

denen Körper nach ihrem Verwandtschaftsgrad zu einer bestimmten 
Substanz und stellt damit die ersten AffinitätstabeUen auf. 
171B Edmund Hallsy entdeckt auf Grund einer Vergleichung neuerer Beobach- 
tungen mit den Sternörtern des Almagest die Eigenbewegung der Fix- 
sterne, im besonderen des Sirius, Aldebaran und Arkturus. Die wahre 
Geschwindigkeit des letztgenannten Sternes hat Kobold in neuerer Zeit 
auf 674 km in 1 Sekunde bestimmt. 

- Der Mediziner Friedrich Hoffmaiiii erfindet die aus 1 Teil Äther und 
3 Teilen Weingeist zusammengesetzten Hoffmannstropfen (Liquor anodynus 
mineralis). 

- Giovanni LancW schreibt die Schädlichkeit der Sumpfluft unsichtbaren 
Tierchen zu, wie bereits Varro vor ihm. 

- Der Finanzmann John Um erfindet die Banknote als Ersatzmittel des 
Metallgeldes. 

- MHmi erwähnt in seinem Werk „Vollständige Mühlenbaukunst** als erster 
in Deutschland die im 17. Jahrhundert aufgekommenen sogenannten hollän- 
dischen Ölmühlen, in denen der Same vor dem Stampfen erst mittels 
aufrecht gehender Steine zerquetscht, in Stampflöchern feingepocht, hier- 
auf in Pfannen erwärmt wird, wonach erst das öl mittels sogenannter 
Rammeln (Rammpressen) herausgepreßt wird. In England werden diese 
Mühlen von Smeaton (1770) eingeführt. 

~ Emanuel Sw id snfc or g erfindet eine R ollen maschine zum Transport schwerer 
Lasten über Berg und Tal. 

1719 Johann BamoulH macht mit seinem Neffen Nikolaus Bemoulli ausgedehnte 
Versuche über den Widerstand der Luft, namentlich bei Wurfbewegungen, 
über den Widerstand des umgebenden Mittels arbeiten später insbesondere 
Hawksbee (1719), Desaguliers (1721), W. J. s'Gravesande (1721), d'Alem- 
bert (1752) und J. C. Borda (1763). 

- Giambattista Morgagni entdeckt die syphilitische Erkrankung der Gehirn - 
arterien, schildert die Lungen syphilis, die syphilitischen Knochener- 
krankungen, die syphilitische Erkrankung des Herzens und der großen 
Gefäße und die Gehimsyphilis. Auch die Leber-, Milz- imd Nierensyphilis 
kennt er bereits. 

^ Kaspar NMimanii scheidet zuerst das Thymol aus dem Oleum thymi ab. 
^ Christopher PolliMl erfindet ein Verfahren, um das Holz vor Fäulnis zu 

schützen, welches darin besteht, daß er es mit Eisenvitriol imd Kalk 

„metallisiert'*. 

1720 Asttary in Bedford entdeckt, daß durch Zusatz von gebranntem gemahle- 
nem Feuerstein zum Ton sich ein wesentlich besseres Steingut erzielen 
läßt. 

" WUliam dia wld t n in London führt die von Woolhouse bereits 1711 an- 
gedeutete künstliche PupiUenbildung aus, indem er die Iris einschneidet. 
(Iridektomie.) 

*~ John CuiwNrt a nd in England erhält ein Patent auf ein Verfahren zum Biegen 
von Holz für den Schiffbau. 

*~ Claude Joseph Q toi t roy macht die ersten Angaben über die quantitative 
Zusammensetzung des Sal ammoniacum (Salmiak) aus Salzsäure und 
flüssigem Alkali; das genaue Zusammensetzungsverhältnis wird indes erst 
festgestellt, als am Ende des 18. Jahrhunderts die quantitative Analyse 
an der StÖchiometrie einen Anhaltspunkt findet. 

"* George Graham führt die auch heute noch für Taschenuhren sehr gebräuch- 
liche Zylinderhemmung aus, eine ruhende Hemmung, deren erste Idee 
von Torapion (s. 1695 T.) herrührt. 

~- Der Wundarzt Lorenz Halttir erfindet den Mundspiegel. Er gibt das erste 

— 169 — 



1790 

vollBtändige und systematische Handbuch der Chirurgie heraus un 
sich namentlich auch als Verfechter des Sitzes des Stars in d< 
bekannt. 

1720 Johann Friedrich Htnkel entwickelt die chemische Analyse, indet 
der Untersuchung der Schlackenbäder zu Freiberg Gall&pfelaufg^ß, ^ 
saft, Säuren imd Alkalien anwendet. 

— Jacob LtupoM erwähnt in seinem „Theatrum maohinarum*' den Yien 
als Dampf Steuerorgan, wie solcher zuerst von Cugnot bei seinem 
fuhrwerke (s. 1769 C.) praktisch angewendet wird. 

— Abraham de Molvre führt den Begriff und den Namen der rek 
Reihen für solche Reihen ein, bei welchen die einzelnen Koeffiziei 
einer bestimmten Anzahl ihnen vorausgehender Koeffizienten in eil 
Glied zu Glied unverändert bleibenden Zusammenhange stehen. 

— Alexander Monro begründet die wissenschaftliche Kenntnis der beiden 
des Wasserbruchs, welche dem Hydrops des Zellgewebes am Sam* 
und der zuerst von Abulcasem und Guy de Chauliac erwähnten H 
cystica entsprechen. Er heilt die letztere Form durch Pimktion i 
spritzung einer starken Auflösung eines Ätzmittels, wie dies 167 
der Marseiller Wundarzt Lambert angegeben hatte. Jod zur I 
wird 1839 zuerst von Velpeau verwendet. 

— Jonathan SiMon macht das Azimutalinstrument (s. 1675 R.) zu ein* 
baren und dennoch leistungsfähigen Apparat und stellt so dei 
Theodoliten her. 

— Der spanische Maler Palomino de Castro y Valateo macht Versi 
Wiedererflndung der Technik der bereits im Altertume bekannten 
verloren gegangenen Wachsmalerei (s. 350 v. Chr. Pausias), inden 
Ausführung der Bildnisse einen Wachsgrund herstellt, die in d 
eingegrabenen Umrisse der Figuren mit geschmolzenen Wachsfarl 
und alsdann die Oberfläche des Bildes glättet. 

1721 Der norwegische Landpfarrer Hans Egtdt gründet Godhavn, die < 
nische Kolonie auf Grönland, und widmet sich mit Erfolg der Bc 
und der Zivilisation der Eskimos. Er gibt die erste genaue Bescl 
des Landes sowie der Gebräuche seiner Bewohner. 

— Jean Baptiste Qoiffon sucht die Ursachen der Beulenpest zu ergrüc 
weist darauf hin, daß die wahrscheinlichste Erklärung für die Yei 
dieser Krankheit darin bestehe, daß sie durch kleine mit dem 
Auge unsichtbare Lebewesen verursacht werde. 

— George Graham erfindet das Quecksilberpendel, die erste Erscheii 
Grebiete der Kompensationspendel, bei denen die ungleiche Aus 
verschiedener Metalle zur Kompensation dient. 

— Der holländische Chirurg John Palffyn erfindet die Geburtszange, die a 
schon im 17. Jahrhimdert als Geheimnis von den Gebrüdem Ch£ 
in England angewendet wurde. Die Zange w^ird 1724 von Lorenz 
wesentlich verbessert. (S. a. 1753 L.) 

— Der Holländer Jacob Rocgavean entdeckt die Samoainseln und ne 
selben Beimannsinseln; 1768 werden sie von Bougainville (s. 1766 I 
erforscht, der ihnen den Namen „Navigatoreninseln** (SchifFerinse 

172*2 George Graham nimmt zuerst wahr, daß nicht nur die Deklination, 
auch die Inklination von Stunde zu Stunde variiert. 

— Der Braumeister Harwood in London erfindet die Porterbrauerei. '. 
wird Porter genannt, weil dasselbe anfangs hauptsächlich von Lai 
(Porter) getrunken wird. 

— Ren6 Antoine F. de Rteumur gibt auf Grund ausgedehnter Versuche 
Vorschriften zur Bereitung des Zementstahls, für die Mischung des 

— 170 — 



1725 

pulvere, den Grad und die Dauer der Hitze und die Form der Zementöfen. 
Da bishior das Verfahren, Zementstahl zu gewinnen, geheim gehalten wurde, 
bedeutet diese Veröffentlichung einen großen Fortschritt für die Eisen- 
industrie. 

1722 Ren6 Antoine F. it Rtanniir gibt in seiner Schrift „Nouvel art d'adoucir 
le fer fondu'* ein Verfahren an, zur Grewinnung von schmiedebarem G-uß- 
eisen das Roheisen durch Glühen in Sauerstoff abgeben den Körpern ohne 
Schmelzung zu entkohlen. 

— Ren6 Antoine F. Ite Rtannvr gibt in seiner Schrift „L*art de convertir 
le fer forg6 en ader" eine Anweisung, durch Zusammenschmelzen von 
Gußeisen und Schmiedeeisen Stahl zu bereiten (Tempern). (S. a. 1728 P.) 

— Jacopo RIccttl fördert die Lehre von den Differentialgleichungen und macht 
sich durch die von ihm aufgestellte „Riccati'sche Differentialgleichung" 
bekannt. 

1723 Jacob LiMpoM unterscheidet in seinem „Theatrum machinarum'* die deutsche 
Hebelade, die schon 1651 von Daniel Schwenter beschrieben worden sei 
und bei welcher die veränderlichen Drehpunkte des wirksamen Hebels 
durch zwei Bolzen gebildet werden, die man in geeignete Löcher steckt, 
und die französische Hebelade, die zuerst in Frankreich (s. 1617 T.) be- 
kannt geworden sei und bei welcher die veränderlichen Drehpunkte durch 
die Einschnitte einer sägeartig auf zwei gegenüberliegenden Seiten ver- 
zahnten und senkrecht stehenden Stange gebildet werden. 

— Jean Antoine Ptynootl führt zuerst den Nachweis von der tierischen Natur 
der Polypen, die bald allgemeine Anerkennimg erlangt. 

— Jean Antoine PtyitoiMl stellt die tierische Natur der Korallen fest. 

1724 J. F. LalltMW, der in Kanada als Missionar wirkt, ist als einer der ersten 
Vertreter der ethnologischen Ideen anzusehen, indem er nicht nur Einzel- 
tatsachen über die Sitten der Wilden sammelt, sondern auch die gemachten 
Beobachtxmgen unter sich und mit den hypothetischen Schlüssen über das 
Leben imd die Lebensbedingimgen der Völker vergangener Zeiten in Ver- 
bindung bringt. (S. auch 1711 L.) 

— Ren6 Antoine F. dt Riaumur beobachtet zuerst die Entglasung (die Bildung 
krystaUifiierter Körper inmitten eines Glasflusses) und führt derartige Glas- 
flüsse unter dem Namen R^aumur-Porzellan ein. Später beschäftigen sich 
namentlich d*Arcet, Keir, Kersten u. a. mit diesem Prozeß, der indes für 
die Technik Bedeutung nicht gewinnt. 

n25 Charles Fran^ois de Cistemay Dutay beobachtet, daß die Luft in der Nähe 
rotglühenden Metalles elektrisch leitend wird. Entsprechende Beobachtun- 
gen werden von Du Tour (1745). Watson (1746), Priestley (1767) und Ca- 
vallo ^1785) gemacht. 

" John Harrtton erflndet das Rostpendel, ein Kompensationspendel, das von 
(Jeorge Graham noch verbessert wird. 

— Johann Friedrich HtnM gibt in seiner „Pyritologia** an, daß der Pyrit 
bisweilen Silber und Gold enthält. 

— Stephan Ludwig JaeoM zu Hohenhausen in Lippe-Detmold erfindet nach 
langjähriger Beobachtung des Laich Vorganges die künstliche Befruchtung 
der Fische, indem er reifen Forellen die Geschlechtsprodukte abstreift, die 
Eier durch Vermischung mit der Milch künstlich befruchtet und sie dann 
in einem Kasten ausbrüten läßt. Doch bleiben seine Anregungen lange 
Zeit unbeachtet. (S. 1853 C.) 

— Samuel MolyiMUX findet, daß der Stern y Draconis seinen Platz scheinbar 
verändert. Untersuchungen, die er mit James Bradley unternimmt, er- 
geben, daß der Stern innerhalb eines Jahres eine geschlossene ringförmige 

— 171 — 



1785 

Bahn beschreibt und führen Bradley zur Entdeckung der Ab 
Lichts. (S. 1727 B.) 

1725 Die von Newcomtn konstruierte Maschine (s. 1705 N.) führt sie 
sie bereits seit 1710 als Bergbaupumpe Verwendung gefunden 
Kohlengruben Englands als Wasserhaltungsmaschine ein und 
wesentliche Änderung vorbildlich für den Bau von Wasserhaltung 
bis Maudslay (s. 1807 M.) seine erste balancierlose Maschine l 

— Christopher Polhain legt auf seinem Eisenwerke zu Stemsjund 
schere an, die er durch Wasser betreibt. 

— Der russische Großkanzler und Feldmarschall Graf Bestutditfl 
Lichtempfindlichkeit der Eisensalze. 

1726 Hippolito Francesco Albortiiil bemüht sich, ati der Hand eii 
reich pathologisch - anatomischen Erfahrung die Krankheitsz^ 
Herzens, der Lungen und die aus ihnen entspringenden pa 
Verhältnisse dieser Organe während des Lebens nachzuweis 
Grundsätze ihrer Behandlung festzusteUen. Er führt zuerst p 
Experimente aus. 

— Friedrich Constantin von Beutt führt auf der Saline Glücksl 
Eisenach statt der für Gradierhäuser bis dahin üblichen 
(s. 1579 M.) Wände aus Schwarzdorn (Pnmus spinosa) ein 
gradierung.) 

— Guichard Joseph Du Vornoy, Bernhard Siegfried Alblnus und Jac< 
WIntlow beschreiben gleichzeitig die Sehnenscheiden, deren ] 
— die Tendovaginitis crepitans — zuerst von Boy er, Velpeau ui 
charakterisiert wird. 

— Stephen Halet teilt in seinem Werke „Vegetable Staticks** V 
einem aus Steinkohlen gewonnenen Gase (Elastic inflamm 
coals) mit. 

— Stephen Halot macht die erste exakte Messung des Blutdrucks 

— Alexander Monro bearbeitet die Anatomie der Knochen, des Gehj 
weiblichen Geschlechtsorgane und stellt den muskulösen Bau 
mutter fest. 

— Der Musiker Jean Philippe RamoMi in Paris bildet durch seil 
Systeme de musique th^orique" eine neue vereinfachte Harmoi 

— Wie Schramm in seinem Werke „Saxonia monumentis viarun 
mitteilt, konstruiert der kursächsische Kartograph Friedrich 
„geometrischen Wagen", welcher die Länge des zurückgele| 
selbsttätig aufzeichnet. 

1727 Johann Konrad Amman ist der erste, der die Sprache des Mensc 
schaftlich untersucht. 

— Der englische Astronom James Bradloy beobachtet zuerst das 
der Aberration des Lichtes und erkennt sofort, daß die Aber] 
Folge einer Parallaxe der Fixsterne ist, sondern daß dieselbe 
vereinigte Wirkung der Fortpflanzung des Lichts und der Be 
Erde zustande kommt. Weil das Licht sich nicht unendlich 
pflanzt und weil zugleich die Erde sich bewegt, muß eine V 
der Lichtquelle nach der Seite, nach welcher hin sich die Ei 
stattfinden. (S. a. 1725 M.) Er ermittelt aus der Größe der j 
der Fixsterne die Geschwindigkeit des Lichtes zu der gleichen 
sie Römer (s. 1676 R.) gefunden hatte. 

— Leonhard Eulor erhält, 20 Jahre alt, für seine Abhandlung übt 
Art des Bemastens der Schiffe den Preis der Pariser Akademie 

— Stephen Gray beobachtet die Fortpflanzung der Elektrizität au: 

— 172 — 



1728 

Seidenfäden aufgehängten 400 Fuß langen Draht, der die erste elektrische 
Drahtleitung darstellt. 

1727 Stephen Haltt mißt zuerst die Größe und Kraft des Saftstromes an ange- 
bohrten oder abgeschnittenen Pflanzenstengeln und Zweigen. 

— Jacob LtupoM beschreibt in seinem „Theatri Machinarum Supplementum'* 
Instrumente zur Schrittzählung und Wegmessung, Hodometer, Gyrometer 
nnd Pedometer. (S. a. 100.) Er beschreibt auch eine größere Anzahl von 
Treträdern, Tretscheiben und Göpeln. 

— Fran^ois Pourfoiir du Pttit arbeitet über die Funktionen des Halssympathi- 
kus, über die später Claude Bernard eingehende Untersuchungen macht. 

— Der Philologe Johann Heinrich Schützt in Halle benutzt die von Fabricius 
(8. 1556) entdeckte Schwärzung des Chlorsilbers durch das Licht, um aus 
einer undurchsichtigen Schablone ausgeschnittene Schriftzüge im Licht auf 
weißen Kreideschlamm zu kopieren. Er ist also der erste, der, wenn 
auch vergängliche, Lichtbilder erzeugt. 

— Wtiditr schlägt als Längenmaßeinheit den Abstand der Pupillen des er- 
wachsenen Menschen vor. 

1728 Nachdem Ballon zuerst im 16. Jahrhundert über den Keuchhusten be- 
richtet hatte, gibt Alfetrty ausführliche Mitteilungen darüber und legt das 
klinische Bild der Krankheit in seinen Hauptzügen richtig dar. 

— Veit Btrfiif unternimmt mit Morten Spangberg und Alexei Tschirikow 
eine Entdeckungsreise, bei der er die Küste von Kamschatka kartographisch 
festlegt, die St. Lawrence- Insel entdeckt, an der nordöstlichen Spitze von 
Asien vorübersegelt und nachdem er bemerkt, daß die Küste sich nach 
Westen wendet, daß also Asien und Amerika durch einen Meeresarm ge- 
trennt seien, umkehrt und nach seinem Ausgangspunkt Nishnij-Kamschats- 
koj-Ostroj zurückkehrt. (Vgl. auch 1648 D.) 

— Der niederländische Ingenieur Cruqulus verwirklicht zuerst den Gedanken 
der Darstellung des Bodenreliefs durch Niveaulinien in einer Tiefenlinien - 
karte des Merwedeflusses. 

— Leonhard Eultr führt in seiner Abhandlung „Nova methodus innumerabiles 
aequationes differentiales secundi gradus reducendi ad aequationes differen- 
tiales primi gradus** die Differentialgleichimgen zweiter Ordnung mit zwei 
Variablen auf die erste Ordnung zurück. Mit dem gleichen Gegenstand 
beschäftigt sich später von 1747 ab d'Alembert. 

"- Patetn konstruiert einen Seiden Webstuhl , bei dem nach Vorschrift des 
Dessins durchbohrte Karten verwendet werden. Schon 3 Jahre vorher 
hatte Bonchon durchbohrtes Papier zum gleichen Zwecke angewendet, 
das sich jedoch als nicht haltbar erwies. 

— Pierre Fauchanl wird durch sein Werk „Le Chirurgien dentiste ou trait6 
des ' dents*' der Begründer der selbständigen wissenschaftlichen Zahn- 
heükonde. 

— John PMjm schmilzt im offenen Frischherd Roheisen und Eisenschlacke 
mit Zuschlägen und antizipiert damit eine Grundidee des späteren Martin - 
Prozesses. (Vgl. 1864 M.) Er führt gleichzeitig mit Major Hanbury das 
Walzen der Eisenbleche in England ein. 

— Henri PItot erfindet das* Verfahren, die Stromgeschwindigkeit durch die 
Steighöhe der Flüssigkeit in dem lotrechten Schenkel einer rechtwinklig 
gebogenen Röhre zu messen, deren wagerechter Schenkel mit der Mündung 
dem Strom zugewendet wird. 

— Antonio Vallltiitrl deutet das Auftreten zahlreicher versteinerter Überreste 
von Wassertieren in den verschiedenen Schichten der Erde dahin, daß das 
Festland nicht nur einmal (durch die Sintflut), sondern mehrmals vom 
Meere bedeckt gewesen sei. (Vgl. 520 v. Chr. Xenophanes.) 

— 173 — 



1729 

1729 Alexis Claude dalraut veröffentlicht, 18 Jahre alt, in seinen „Rechei 
les courbes k double courbure" eine bedeutsame Schrift über Ran 
von doppelter Krümmung und erörtert darin in systematischer ^ 
Gleichimgen mit mehreren Unbekannten. 

— Nachdem schon Galilei und nach ihm Newton über die Bewef 
Saiten Untersuchungen angestellt hatten, ermittelt Leonhard I 
Gesetze dieser Bewegungen. Er gibt an, daß die einfachen Yer 
der Saitenlängen auch ebenso für die Schwingungen der Töne l 
somit den Tonintervallen aller musikalischen Instrumente zukomi 
nicht allein denen der Saiten, an denen die Gesetze entdeckt wui 

— Der Goldschmied William Q«d in Edinburg, welcher seit d. J. 1 
sucht hatte, Schriftsatz in Gips abzuformen und nach den so er 
Matrizen Druckplatten zu gießen, verbindet sich mit dem Sohl 
Ftnntr und dem Architekten Jamet in London zur weiteren Au 
dieses Verfahrens und wird damit der Erfinder der eigentliehei 
typie. (Als Vorläufer s. 1710 Mey und Müller.) 

— Stephen Gray entdeckt den Unterschied zwischen elektrischen Leil 
Nichtleitern und erkennt, daß bei gleich großen Körpern die M< 
Elektrizität unabhängig von der Masse ist. Die Bezeichnung „] 
toren" für Leiter führt 1742 Desaguliers ein. 

— ehester More Hall aus der Grafschaft Essex stellt eine achromatisc! 
her, ohne jedoch das Geheimnis der Darstellung derselben zu off« 
So kommt es, daß erst durch DoUond (s. 1757 D.) die Herstellung 
Linsen öffentlich bekannt wird. Der Name „Achromasie" wird en 
von Lalande 1764 erfunden. 

— Fran^ois Petit erklärt, warum Salpeter aus einer kochsalzhaltigen 
kdt rein auskrystallisiert und so von dem Kochsalz getrennt werd« 
damit, daß Kochsalz in heißem und kaltem Wasser gleich löslich 
peter aber nicht. 

— Thomas TafflpiMianii stellt eine umfassende Messimg aller Teile d 
an, die alle früheren Leistungen (s. 1310 imd 1661 R.) bei weitei 
trifft \md für die gesamte Erde 148510627 Quadratmeilen ^Nautica 
miles) ergibt. Seine Berechnung erfolgt in der Weise, daß er die 
der Landgebiete in Quadrate einteilt und durch Abzahlung dieser Q 
die Anzahl der Flächeneinheiten erhält. 

— Der Ingenieur Tarral verwendet das Zentrifugalgebläse (s. 1689 P.) zuc 
Betriebe von Feuerungen. Die erste größere Anwendung zur Vei 
macht Desaguliers (1730) im „House of commons", nachdem f 
zuerst (1715) von ihm angebrachte Aspirationsventilation nicht 1 
hatte. 

1730 Johann Philipp Brtyn schreibt ein systematisches Werk über Koi 
und versucht zuerst, die fossilen Formen in das System mit einz 

— Magnus von Bromall führt die verschiedene Schmelzbarkeit als Keni 
der Mineralien an. (Fast gleichzeitig, nämlich 1734, tut dies aud 
Henkel.) 

— Der spanische Arzt Caspar Casal gibt die erste Beschreibung der insbc 
in den Heimatsländem des Mais weit verbreiteten Pellagra (Mf 
Rosa), die nach neueren Forschungen als eine chronische und pe 
wiederkehrende Intoxikationskrankheit, verursacht durch eine b\ 
giftige im Mais enthaltene Substanz, aufgefaßt wird. 

^~ Jacques Daviel verbessert die Technik der Staroperation, indem 
Lappenschnitt einführt und die dazu nötigen Instrumente konstru 

— Charles Franyois de Cisternay Duffay leitet die Elektrizität durc 
nassen Bindfaden 1256 Pariser Fuß weit fort und unterscheid« 

- 174 — 



1780 

Elektrizit&ten , von denen er die eine Glaselektrizität, die andere Harz- 
elektrizität nennt. (S. a. 1727 G.) 
K) Professor Eccartot in Braunschweig gibt in seinem Werke „De origine 
Grermanomm" an, daß bei allen Völkern vor der Kenntnis der Metalle 
Steinwerkzenge im Gebrauch waren, und daß von den Metallen zuerst die 
Bronze benutzt wurde. 

Lieonhard Eoltr führt die nach ihm benannten Integrale, die Betafunktion 
und die Gammafxmktion, ein, welche auf die Entwicklung der Theorie der 
Transzendenten von erheblichem Einflüsse sind. 

Nicolas Falio <• Dulllltr lenkt zuerst die Aufmerksamkeit auf die perio- 
dischen Seespiegelschwankungen des Crenfer Sees, für die er als erster den 
Namen „Seiches" gebraucht. 

Sigismund August FrobMlut beschreibt die Darstellungsweise des zu seiner 
Zeit noch nicht allbekannten Schwefeläthers und führt dafür die Bezeich- 
nung „Äther** ein. (S. 1540.) 

Thomas CMffiny, ein Glaser in Philadelphia, erfindet den Spiegelquadranten. 
Die französischen Wundärzte Qourtault und Roland führen die erste Oeso- 
phagotomie (operative Eröffnung der Speiseröhre) aus. Die Operation war 
bereits 1611 von Verduc empfohlen worden. 

Stephen Haiit weist auf Grund seiner Untersuchungen über die Saftbewegung 
in den Pflanzen (s. 1727 H.) und über die Transpiration und Wasserbewegung 
im Holz auf die Notwendigkeit hin, die Imprägnierung des Holzes unter 
Druck vorzunehmen. 

— Friedrich Hoffmanii und Anton Elias BQchnor klären die Lehre von der 
Apoplexie durch den Nachweis des Blutergusses auf. 

— Wie Fauchard berichtet, hat Lamfeert, Chirurg bei Ludwig XV., zuerst die 
. Resektion des Unterkiefers bei einem jungen Edelmann, De Barces, 

bewirkt. 

— L sa p o M I. von Anhalt- Dessau führt den eisernen Ladestock an Stelle des 
bis dahin gebrauchten hölzernen ein. Die eisernen Ladestöcke erlauben 
ein viel rascheres Laden und tragen 1741 wesentlich zum Siege von MoU- 
witz beL 

-- Georges Marawlial und Jan Daniel Sehlleiitiiif machen gleichzeitig, aber un- 
abhängig voneinander, die ersten Neurotomien. zur Beseitigung der Tri- 
geminusneuralgie, indes ohne durchgreifenden Erfolg. 

~~ Maüilea lehrt zuerst in Frankreich die Hasenhaare zum Zweck des Filzens 
mit salpetersaurem Quecksilber behandeln. Da er die Methode, die er in 
England kennen lernte, geheim hält, kommt für diese Arbeit das Wort 
„Secr^tage** auf. Bis dahin war zum Verfilzen nur Salpetersäure ver- 
wendet worden, 

"^ Abraham de Molvra veröffentlicht in seinem Hauptwerk „Miscellanea ana- 
lytica" den nach ihm benannten Moivre'schen Satz, der einen wichtigen 
Portschritt in der Lehre der fmaginären Größen bedeutet und die völlige 
Losung der kubischen Gleichung gestattet. 

^ Nach dem Vorgang eines gewissen Lummis bauen Pathlty und dessen in 
Botherham ansässiger Sohn Pflüge von mathematisch berechneter Form, 
welche den Namen „Rotherhamer Pflüge'* erhalten und 1760 von James 
Small noch wesentlich vervollkommnet werden. 

"" Jean Philippe Rameau in Paris benutzt die Flageolettöne zur Erklänmg 
der Konsonanz, indem er annimmt, daß konsonierende Töne solche sind, 
weiche übereinstimmende Flageolettöne besitzen. 

*- Ren^ Antoine F. de Rtaumur verfertigt sein Weingeistthermometer mit Tei- 
lung in 80 Grade, wobei der Eispunkt mit 0^, der Siedepunkt des Wassers 
mit 80^ bezeichnet wird. 

— 175 — 



1780 

1730 Servington Savery gibt die Art des Magnetisierens von Eisenstäben duicl 
einfaches Streichen mit natürlichen Magneten an, eine Methode, die voi 
Gilbert erwähnt, aber wieder in Vergessenheit geraten war. 

— Jethro Tüll führt die Drillwirtschaft ein, d. i. Reihenbehackung durch Ma 
schinen nach vorhergehender Maschinensaat. Dies führt dazu, daß vo 
jetzt ab mehr auf die Bauart der Ackergeräte geachtet wird. 

1731 Qottz und Trtw führen das von Rumphius zuerst beschriebene Cajeputöl i 
den Arzneischatz ein. 

— Henri Fran^ois Le Dran verbessert die Operation des Steinschnitts un 
die Behandlung der Schußwunden, lehrt die charakteristischen Zeiche 
des Empyems und gibt Vorschriften über die Behandlung des Krebses. 

— Johann Joosten van Musschmbrook konstruiert das erste Pyrometer, das ai 
der Ausdehnung eines einzelnen Metallstabes beruht. Der Apparat wii 
1736 von Ellicott verbessert. 

— Jean Louis Petit erwirbt sich große Verdienste um die Amputation, i 
beschreibt die Vorgänge der natürlichen Blutstillung bei verletzten Arterie 
und gibt dadurch die Anregung zu vielen Forschungen auf diesem Gebie 
(S. a. 1805 J.) Im gleichen Jahr begründet er die chirurgische Therapie b< 
der Erkrankung der Gallenwege. Er empfiehlt bei Stauung der Galle di 
Entleerung der GaUenblase durch Punktion, bei durch Steinbildung vei 
anlaßten Leiden Eröffnung der Gallenblase durch den Schnitt zwecks Ei 
traktion der Steine. 

1732 Hermann Boerhaave hebt den Unterschied zwischen chemischen Verbii 
düngen und chemischen Mischungen hervor. Er sagt, chemische Verbii 
düngen liegen dann vor, wenn sich in der Ruhe die Bestandteile« auc 
wenn sie verschiedenes spezifisches Gewicht haben, nicht sondern und wen 
dieselben in ihren kleinsten Teilchen überall homogene ZusammensetzuD 
zeigen. Er bespricht die Wärmeentwicklung und das Verschwinden d< 
charakteristischen Bestandteile beim Entstehen einer chemischen Verbii 
düng als etwas Bekanntes. 

— Hermann BiMrfiaavt beweist die Unrichtigkeit der Annahme einer pond( 
rabelen Feuermaterie, indem er große Massen von MetaU kalt und glühen 
wiegt und keinerlei Veränderung des Gewichts dabei wahrnimmt. 

— Hermann Boerhaava gibt das Prinzip der Schnellessigfabrikation an. (Vg 
1823 S.) 

— Hermann Boarhaavt macht, wie G. Berthold in den Ann. der Phys. un 
Chemie nachweist, die erste Beobachtung und Beschreibung dee Leidei 
frost'schen Phänomens, d. i. des sphäroidalen Zustandes verdampfende 
Flüssigkeitstropfen, den Johann Ellcr erst 14 Jahre später beschreib 
(S. a. 1756 L.) 

— Christlieb von Clausborc gibt in seiner „Demonstrativen Rechenkunst*' ein 
eingehende Behandlung der Wechsel- und Arbitragerechnung. Der Nam 
„Arbitrage** hat sich von da ab im Börsenverkehr dauernd erhalten. 

— Stephen Gray erfindet den Isolierschemel, indem er einen Knaben, mit dei 
er elektrische Versuche unternimmt, zur Isolierung auf einen Harzkuche 
stellt. 

— Auf Veranlassung des Marschalls Moritz von Sachten werden die ersten Vei 
suche mit der Kettenschif fahrt unternommen. 

1733 Hermann Boerhaave prüft die Frage der Fixierung des Quecksilbers i 
einem feuerbeständigen Metalle, die den Gegenstand der Bemühung de 
Alchemisten gebildet hatte und nimmt, nachdem er Quecksilber 15 Jahr 
lang in einem offenen Gefäß bei wenig erhöhter Temperatur gehalten hattl 
keine Veränderung wahr. Auch in verschlossenen Gefäßen bleibt Quecksübei 
das 6 Monate lang stärkerer Hitze ausgesetzt wird, unverändert. Dies gib 

— 176 — 



17S4 

Boerhaave VeranlaBBimg, die Fixierung des Qneoksilbers für unmöglich nnd 
die Prozesse der Alohemisten, die darauf beruhen, für unrichtig und be- 
trügerisch zu erklaren. 

1733 Der schwedische Chemiker Georg Brandt entdeckt das metallische Kobalt, 
das in ganz reinem Zustand jedoch erst 1780 von Bergman erhalten 
wird. Er lehrt im Verein mit J. F. Henckel die Herstellung des Arsens 
durch Sublimation. 

— Jacques CftMlBl und Giovanni Domenico MaraNÜ messen das Stück des Parallel- 
kreises zwischen Brest und Straßburg \md finden dasselbe 1037 Toisen 
kleiner, als es bei vollkommener Kugelgestalt der Erde hätte sein müssen. 
(Erste eigentliche Längengradmessung.) 

— John Kay verbessert den Webstuhl durch Einführung des mechanisch be- 
wegten Schnell- Schützen an Stelle des Hand-Schützen oder -Schiffchens. 

— John Kay konstruiert eine Schlagmaschine zur Auflockerung der WoUe. 

— Jean Jacques Malran spricht in seinem „Trait^ physique deTaurorebor^ale*' 
von einem wahrscheinlichen und engen Zusammenhang zwischen dem an 
die Ekliptik gebundenen Zodiakallicht und dem auf polare und subpolare 
Bezirke beschränkten Nordlicht. 

— Der Mathematiker Girolamo Sacehtrl entwickelt in seinem Werk „Euklides 
ab omni naevo vindicatus", das lange vergessen war und dessen Be- 
deutung erst Beltrami 1889 hervorgehoben hat, eine große Anzahl von 
Sätzen der nichteuklidischen Geometrie, obwohl er schließlich doch die 
euklidische Geometrie als die einzig wahre erklärt. 

— Johann Andreas von Sagnar kommt auf den Gedanken, Newtons Unter- 
suchungen über Ebbe imd Flut auch auf die Lufthülle der Erde an- 
zuwenden. Der von ihm behauptete Einfluß des Mondes auf die Baro- 
metersch wankungen, der insbesondere auch von Toaldo 1774 verfochten 
wird, ist nach neueren Untersuchungen für unsere Breiten wenigstens 
nicht nachweisbar. 

— Der schwedische Gymnasiallehrer Vastanlut erwähnt zuerst die Protuberanzen 
der Sonne. 

1734 Frlairicli Wllbafm I. von Preußen erläßt eine eingehende Instruktion über 
die Ausrüstung der Feldlazarette und die Verpflegung der Kranken, mit 
dem Befehl, auf alles, was der Gesimdheit der Soldaten nachteilig sein 
könne, zu achten. (Erstes Feldlazarettreglement.) 

— Da durch Verwilderung des Flußlaufes der Weser bei Hameln die Schiff- 
fahrt eine gefahrvolle war, wird von der Stadt Hamalii neben dem Hamelner 
Wehr ^ne Schleuse gebaut, durch welche die Weser gleichsam den Cha- 
rakter eines kanalisierten Flußlaufes erhält. 

" Maliadal spricht zuerst aus, daß die Blitzsteine (Lapides fulmims der Kömer) 
die Waffen der vorsintflutlichen Menschen seien, welche Ansicht nach ihm 
auch von Mercati geteilt wird. 

— D'Ona-an-Bray, der Generalpostdirektor von Frankreich, konstruiert in seinem 
Anemographen (Windgeschwindigkeitsmesser) den ersten Apparat zur selbst- 
tätigen graphischen Registrierung der zeitlichen Aufeinanderfolge von Er- 
scheinungen. 

1734^42 Ren6 Antoine F. IIa Rtaimur gibt in seinen „Abbandlungen zur Natur- 
geschichte der Insekten*' wertvolle Mitteilungen über die Lebensweise, 
das gesellige Leben der Insekten, die Pflanzen, auf denen sie leben, über 
ihre Feinde usw. 

1734 Der schwedische Theosoph Emanuel von Swadanborg entwickelt in seinen 
„Opera philosophica et mineralogica** ein System der Natur, dessen Mittel- 
punkt die Idee eines notwendigen mechanischen und organischen Zusatnmen- 
Darmstaedter. 12 

— 177 — 



1786 

hanges aller Dinge ist. In demselben Jahr schreibt er sein Buch „De Ferro" 
das älteste Handbuch der Eisenhüttenkunde. 
1735 Peter Arttdl bringt durch seine nach seinem Tode fl738) von Linn^ publi 
zierten Arbeiten über die Fische eine Reform in der zoologischen Systematil 
und Terminologie hervor. 

— Johann Friedrich CasMMim faßt die Anatomie des Ohres in einer sm 
führlichen Monographie zusammen und gibt zuerst die Einteilung des äußer 
Gehörgangs in einen knorpeligen und einen knöchernen Teil. Er erwirl 
sich große Verdienste um die genaue Erforschung der Schnecke und Im 
richtigt die frühem Irrtümer über eine angebliche Verbindung zwische 
Schädel und Paukenhöhle. 

— Von den unzähligen Versuchen, das Feilenhauen auf mechanischem We^ 
auszuführen und dazu Maschinen zu konstruieren, ist der erste bekannte di 
von Duvergw in Paris, dessen Maschine jedoch ihrem Zweck nicht voUständ 
entsprochen zu haben scheint. Ebenso wie die Unzahl der nachher e 
fundenen Maschinen beruht sie auf dem Prinzip, eine den Meißel tr 
gende, vertikal geführte Stange durch einen Daumen zu heben und duic 
eine Feder abwärts schnellen zu lassen, so daß der Meißel in dem auf dei 
Schlitten ruhenden Feilenkörper einen Hieb hervorbringt, worauf d 
Schlitten um den Abstand zweier Hiebe vorrückt. (S. 1604.) 

— Nachdem schon Halley 1686 eine Theorie der Passatwinde aufgestellt hatt 
die ungenügend war, da er auf die Rotationsablenkimg keine Rücksicl 
nahm, findet der Physiker George Hadley das Hadley'sche Gesetz der Passat 
wonach alle Windströmungen durch die Erdrotation abgelenkt werdei 
und zwar auf der nördlichen Halbkugel nach rechts, auf der südliche 
nach links. 

— Nachdem Dr. Willis in London 1688 ein Sauerwasser bereitet hatte, di 
gleiche Wirkungen wie das natürliche gehabt haben soU (s. a. 1572 T. 
steUt Friedrich Hoffmann verschiedene künstliche Mineralwässer her und gib 
Vorschriften zur HersteUung von Säuerlingen, Bitterwässern und von Karb 
bader Salz. Ihm folgt 1750 Gabriel Fran^ois Vonel in Paris, bei dem e 
jedoch ebensowenig, wie bei Hoffmann, zu einem regelmäßigen Absat 
kommt. Ähnliche Vorschläge werden 1772 von Priestley und 1774 voi 
Bergman gemacht, welch letzterer auf Grund von Analysen Vorschriftei 
zur Nachahmung der Wässer von Selters und Pyrmont gibt. 

— Roland Houghton in Massachusetts verbessert den Theodolit soweit, daß e 
fortan für die Zwecke des Landmessers ein handliches Instrument dar 
stellt. Er erhält für seine Konstruktion ein siebenjähriges Patent. 

— Wennschon die Römer den Meerschaum, ein aus kieselsaurer Magnesia be 
stehendes Mineral, zur Herstellung kostbarer Gefäße hier und da benutx 
hatten, so wird dessen Verarbeitung erst eine allgemeine, als K W i tlltl l i 
Budapest seine Behandlung mit Fett lehrt, wodurch er fester, dauerhafte 
und politurfähiger wird und sich zu Pfeifen verarbeiten läßt, die siel 
gleichmäßig anrauchen. Die Kunst, die Meerschaumabfälle durch Zei 
reiben und Schlämmen nutzbar zu machen, wird von Christoph Dreiß ii 
Ruhla erfunden. 

— Karl von Llnni teilt in seinem „Systema naturae*' die Tiere in seoh 
Klassen ein: Säugetiere, Vögel, Lurche, Fische, Kerbtiere und Würmei 
und führt die schärfere morphologische Definierung der Gattung allgc 
mein durch. 

— Karl von Linn6 weist in seinem „Systema naturae" dem Menschen seine 
Platz in der Klasse der Säugetiere (Mammalia) an. Er versucht es, di 
gesamte Menschheit in ihre natürlichen Gruppen zu zerlegen und untei 
scheidet nach der Farbe vier Menschenrassen, den schwarzen Afrikanei 

— 178 — 



l .. 



1786 

d^i roten Amerikaner, den gelben Asiaten und den weißen Europäer. 
(Vgl. 1684 B. und 1711 L.) 

1735 Jean Jacques Malran schlägt; zur Bestimmung der Größe der Beschleuni- 
gung beim freien Fall die Methode der Koinzidenzen vor, die darin be- 
steht, daß man die Schwingungsdauer eines Pendels beobachtet, die Länge 
eines mathematischen isochron schwingenden Pendels berechnet und aus 
diesen Werten die zu prüfende Größe herleitet. 

- Mancliirt in Tübingen bezeichnet in einer i. J. 1735 geschriebenen Disser- 
tation die Kakaobutter als ein „Novum medicamentum'*. Hieraus geht 
hervor, daß die Verwendung der Kakaobutter zu Heilzwecken erst um diese 
Zeit aufgekommen ist. 

1736 Daniel B«nioulll entwickelt zuerst die Theorie des Wasserstoßes, die dann 
von Coriolis (1829), Kavier (1838) imd Weisbach (1846) weiter ausge- 
baut wird. 

- Daniel Bernoalll beschäftigt sich zuerst mit Untersuchungen über den Aus- 
fluß von elastischen Flüssigkeiten aus Gefäßmündungen. 

- Hermann Botrhaavt begründet die wissenschaftliche Medizin mit dem Satze: 
der Arzt ist Diener der Natur. Er untersucht systematisch bei Krank- 
heiten den Harn, benutzt das Thermometer in rationeller Weise, ins- 
besondere auch bei Fieber, und vereinfacht die Rezeptur. 

- Der französische Mathematiker Charles Marie d§ la Condamlne sendet von 
seiner Gradmessungsreise aus Peru der Pariser Akademie einige KoUen 
einer schwärzlichen, harzigen Masse, die unter dem Namen Kautschuk be- 
kannt war, ein, gibt nähere Mitteilungen über deren Gewinnung und setzt 
seine Untersuchungen über den Kautschuk bäum mit dem französischen 
Ingenieur Fresneau (s. 1751 F.), der sich in Cayenne niedergelassen hatte, 
in eingehender Weise fort. 

- Henri Louis Duhamel du Monceau erkennt zuerst die besondere und vom 
Kali verschiedene alkalische Natur der Basis des Kochsalzes, die er als 
identisch mit der Basis des ägyptischen Natrum und der spanischen Soda 
bezeichnet. Seinen Beweis für die Eigentümlichkeit der Soda gründet er 
hauptsächlich auf ihre von der Pottasche verschiedene Löslichkeit. Er 
stellt zuerst das essigsaure Natron dar. 

Henri Louis Duhamtl du Monceau stellt fest, daß die alkalische Basis des 
Borax Natron ist. Er findet femer das Natron in geringer Menge im Harn 
und dem Blute, in großen Mengen dagegen in der Asche der Strand - 
gewächse. Er gibt 1747 an, daß bei der Verpflanzung solcher Gewächse 
ins Binnenland deren Natrongehalt abnehme, der Kaligehalt dagegen zu- 
nehme, was von Cadet später bestätigt wird. 

Leonhard Euler wendet in seiner „Mechanik" die Analysis zuerst auf die 
Untersuchung der Bewegung an. 

Die in Königsberg seiner Zeit als Scherzaufgabe gestellte Frage, ob man 
die dortigen 7 Pregelbrücken hintereinander überschreiten könne, ohne 
eine derselben zweimal zu passieren, veranlaßt Leonhard Euler zu einer 
wissenschaftlichen Behandlung dieser Aufgabe („Brückenaufgabe"), und 
auf diesem Wege zum weiteren Ausbau der Kombinatorik und Wahr- 
scheinlichkeitsrechnung. 

Albrecht von Haller gibt in seiner „Dissertatio de vasis cordis propriis" 
eine eingehende Beschreibung des Mechanismus der Bewegung des Herzens. 
Albrecht von Haller betont den Nutzen der Galle für die Fettverdauung. 
Nachdem Huygens 1660 eine durch Federkraft bewegte Pendeluhr zum 
Gebrauch auf See konstruiert und Sully seit 1703 sich vergebens mit 
der Anfertigung von Längen uhren mit Unruhe abgemüht hatte, verfertigt 
John Harrleon nach Vorschlägen des holländischen Uhrmachers Massy 

12* 

— 179 — 



1786 

vorzügliche, zur Längenbefitimmnng geeignete Seeuhren (Chronometer), die 
allerdings von der Temperatur noch nicht unabhängig waren. Harmon 
erhält für seine Chronometer einen von der englischen Regierung am- 
gesetzten Preis. 
1736 Der Engländer Jonathan Hulls nimmt ein Patent auf ein durch eine New* 
comen*sche Dampfmaschine bewegtes Ruderradschiff, welches indes nicht 
zur Ausführung gelangt. 

— Nachdem Bouguer, de la Condamine und Godin auf der Hochebene von 
Quito 7300 Fuß über dem Meere i. J. 1735 eine Gradmessung auBgefühit 
hatten, die die Länge des Meridianbogens zu 56753 Toisen ergab und zur 
Einführung der Toise von Peru führte, unternimmt Pierre Louis Moreaa 
di Mauptrtult mit Clairault, Lemonnier, Outhier und Celsius eine Grad- 
messung in der G^end von Tomeä in Lappland, bei der die Länge des Med- 
dianbogens zu 57 437 Toisen festgestellt wird. Mit der Picard*schen Messung 
(s. 1669 P.) verglichen, ergibt sich das Resultat, daß die Breitengrade vom 
Äquator nach den Polen zu wachsen, womit der Beweis geliefeit ist, daB 
die Erde nach den Polen zu abgeplattet ist. 

— Jean Louis Pttit eröffnet zuerst zur Entleerung von Eiter aus der Mittel- 
ohrhöhle den Warzenfortsatz. Diese Operation wird 1776 von dem preufii- 
schen Militärarzt Fasser wiederholt, gerät dann aber völlig in Vergessenheit 

— Caspar Franz tfe Rms fördert die Rechenkunst durch sein Buch „Allge- 
meine Regel der Rechenkunst", das insbesondere durch die nach ihm be- 
nannte Rees*sche Regel (Kettenregel, Kettensatz) bekannt wird. Doch 
stammt die Kettenregel nicht von ihm selber; sie wird schon von Fibo- 
nacci (1202) erwähnt. 

— Der praktische Arzt Tsniuuit in Philadelphia führt Radix Senegae in den 
Arzneischatz ein. (Vgl. 1636 R.) 

1737 — 80 Jean Baptiste Bourguignon d'AnvIll« gibt eine Anzahl von Landkarten 
heraus, die sich durch kritischen Scharfsinn in der Benutzung des Qudlen- 
materials auszeichnen. Er zuerst säubert die Karte von Afrika von den 
fabelhaften Gebirgen und Flüssen, die auf früheren Karten das Innere 
erfüllen. 

1737 Bemard Forrest &§ Mlltfor berichtet in seiner „Architectura hydraulica'* 
von Maschinen zur Vertiefung der Seehäfen, insbesondere von denen, welche 
man zu Toulon braucht. Die von ihm erwähnten Baggermaschinen ge* 
hören zur Gattung der Stielschaufel — und der Stiellöffelbagger. (S. a. 1718D.) 
Er berichtet ferner über die Anwendung horizontaler Wasserräder in der 
Provence und dem Dauphin^. 

«• Philippe Buicht entwirft eine Karte des englischen Kanals, in der er die 
Punkte gleicher Tiefe durch Kurven ( Isobat hen) darstellt. 

— Leonhard Eultr begründet in seiner Schrift „De fractionibus continuii'' 
eine eigene Theorie der Kettenbrüche und zeigt, daß jeder rationelle Bnoh 
sich in einen endlichen, jeder irrationelle Bruch sich in einen unendMclieii 
Kettenbruch verwandeln läßt. (Das Wort „Kettenbruch** rührt überhanpt 
erst aus der Verdeutschung der von Euler zuerst angewendeten Besdeh* 
nung „Fractio continua** her.) 

1737—43 Johann Georg Ckntlin erforscht Sibirien. Er stellt fest, daß der Spiegel 
des K aspischen Meeres tiefer liegt als der des Schwarzen Meeres. Er madit 
zuerst auf den sibirischen „Eisboden** aufmerksam, d. i. die das gania 
Jahr hindurch vorhandene, auch im Sommer nur oberflächlich auftauends 
Frostschicht in der Erde, welche z. B. in Jakutsk bis zu 186 m Tiefe 
reicht. Er rückt die natürliche Grenze zwischen Asien und Europa \m 
zum Jenissei, wo eine neue Fauna und Flora an die SteUe der bisher be* 

— 180 — 



17«8 

obaehteten tritt. Gmelin wird hiermit der Schöpfer der vergleichenden 
Greographie. 

17 Jean Htitot benutzt Silbemitrat als sympathetische Tinte imd l&ßt die 
damit anf Papier gebrachte Schrift durch das Sonnenlicht schwärzen. 
Nicolas Louis §§ Laeaillt macht zuerst auf die Vorteile der Kreislinie für 
mikrometrische Zwecke aufmerksam, die unabhängig von Lacaille auch 
von Boscovich 1739 für diesen Zweck empfohlen wird. Das darauf ge- 
gründete Kreis- und Ringmikrometer wird insbesondere von J. G. Bepsold 
und Fraunhofer wesentlich vervollkommnet und seine große Brauch- 
barkeit namentlich von Olbers und Bessel erwiesen, die besondere Begeln 
für seine Benutzung auf theoretischem Wege ableiten. 

iS Daniel Binioalll spricht zuerst die Ansicht aus, daß die Gasmolekeln ganz 
unabhängig voneinander nach allen Richtungen im Raum umherfliegen 
und daß es dabei zu mannigfachen Stoßen derselben gegeneinander, wie 
gegen die sie einschließenden Wände kommt, von denen sie wie elastische 
Kugeln zurückgeworfen werden (kinetische Gastheorie). 
Daniel BcmoHlll schlägt zuerst vor, die Reaktionswirkung des aus Röhren 
ausströmenden Wassers zum Antrieb von Schiffen zu verwenden. (Reak- 
tionspropeller. ) 

Daniel BtniMlII veröffentlicht seine „Hydrodynamik", in der er die Theorie 
der Wasser- und Windräder, Wasserpumpen und -Schrauben zum Wasser- 
heben entwickelt. Er unterscheidet zuerst zwischen dem Druck der 
ruhenden Flüssigkeit (hydrostatischem Druck) und dem der bewegten 
Flüssigkeit (hydrodynamischem Druck). Bezüglich der Windräder ist zu 
bemerken, daß sie wahrscheinlich am Ende des 11. Jahrhunderts in 
Deutschland erfunden worden sind. Die früheste Erwähnung derselben 
geschieht in einem Diplom vom Jahre 1 105, in welchem einem französischen 
Klost«: die Erlaubnis zur Anlage von Windmühlen (Malendina ad ventum) 
erteilt wird. 

- OtMkil #• Thary, MaraMI und Laeallls machen auf Veranlassung der Aca- 
demie des sciences Versuche zur Messung der Geschwindigkeit des Schalls. 
Als Stationen werden das Observatorium, der Montmartre, Fontenay-aux- 
Roses und Monthlery gewählt. Von 10 zu 10 Minuten wird auf einer 
bestimmten Station eine Kanone gelöst und auf den andern Stationen die 
Zeit zwischen Wahmehmimg des Lichtblitzes und der Ankunft des Schalles 
beobachtet. Die sich ergebende Geschwindigkeit ist 332 m/sec. 

- Friedrich Hoffmann unterscheidet zuerst zwischen dem Sitz des Fiebers 
(den fieberhaften Symptomen) und dem Ausgangspimkt der febrilen 
Ktankheit; erstere verlegt er ins Herz und in weiterer Verfolgung ins 
Zentralnervensystem, letztere findet er in den verschiedensten Organen, 
namentiich im Magen- und Darmkanal. Er betrachtet die vermehrte 
Pulsfrequenz als das wichtigste Fiebersymptom. 

?38— 4 1 Der deutsche B otaniker Georg Wilhelm Stoller bereist im Dienste der russi - 
sehen Regierung Kamschatka und gibt eine treffliche Beschreibung des 
Landes. Durch ihn wird die Kenntnis der Organisation und Lebens- 
weise der seitdem ausgerotteten Seekuh (Rhytina Stellen) erhalten. 

^38 Der spanische Staatsmann Don Antonio da UHoa entdeckt in dem gold- 
führenden Sand des Flusses Pinto in Neugranada das Platin. 

- Jacques ds Vancanton konstruiert durch IThrwerk betriebene Automaten, 
einen Flötenspieler, einen Pfeifer und eine Ente, welche den Anstoß zu 
einer großen Anzahl von Nachbildungen im 18. und zu Anfang des 
19. Jahrhunderts geben. 

• John Wyalt erfindet das Spinnen mit Walzen, wobei mehrere neben - 
und übereinanderliegende kleine geriefte Walzen (Streckwalzen) die Baum- 

— 181 — 



1789 

wolle zwischen sich hinziehen und ausdehnen. Mangel an Kapital hindert 
ihn, die Idee im Großen auszuführen, was dann durch Liewis Paul von 
1741 ab geschieht. 

1739 Bemard Forrest dt Midor wendet zuerst die Differential- und Integral- 
rechnung für technische Zwecke, namentlich zur Berechnung der Ausfluß- 
geschwindigkeit des Wassers aus senkrecht stehenden Röhren von kreb- 
förmigem Querschnitte an. 

— John Clayton erhält bei der Destillation der Steinkohle ein brennbares Gas, 
dessen Brennbarkeit, wie Richard Watson 1767 konstatiert, auch beim 
Durchleiten durch Wasser und lange Röhren erhalten bleibt. Er macht 
über den Steinkohlenteer ausführliche Angaben. (Vgl. auch 1681 B.) 

— Leonhard Eular führt den Buchstaben e zur Bezeichnung der Reihe: 

1 + ^. +/o + ii 0+-- = 2,7182818 ... in die Mathematik ein. 

1 1 * ^ 1 ■ Z' o 

— Fran^ois Sauveur Morand macht die erte Exartikulation des Oberschenkek 
(Hüftgelenks) und gibt die erste Beschreibung der Osteomalacie, die von 
Lobstein 1819 ergänzt wird. 

— Johann Heinrich Pott bearbeitet eingehend das Wismut und seine Prä- 
parate; die hüttenmäßige Gewinnung des Metalls erfolgt indes erst zu An- 
fang des 19. Jahrhunderts in Sachsen aus sächsischen und österreichischen 
und in England aus südamerikanischen und australischen Erzen. 

— Der Dubliner Arzt Rutty gibt die erste verläßliche Beschreibung des Rück- 
fallfiebers. (Febris recurrens.) 

1740 Jean Attruc schreibt ein Werk „De morbis venereis libri novem**, in welchem 
er die Geschichte, die Ätiologie und die Therapie der Syphilis so behan- 
delt, daß diese Schrift auch heute noch für den medizinischen GreechiohtB- 
schreiber unentbehrlich ist. 

— Der Bergrat Johann C'hristian Barth in Freiberg macht die Beobachtung, 
daß Indigo sich mit Schwefelsäure zu einem wasserKmlichen Farbstoff ver- 
einigt, welcher alsbald zur Erzeugung von Sächsischblau und Sächflischgrän 
Verwendung findet. 

1740 — 42 Veit B«rlnc unternimmt mit Tschirikow eine weitere Reise (s. 1728 B.)* 
auf der er, von Ochotsk ausfahrend, den Peter- Pauls -Hafen in der Avatscha- 
Bai zur Überwinterung anläuft. Die Gesellschaft, die durch G«org Wil- 
helm Steller vergrößert wird, verläßt ihr Winterquartier am 4. Juni 1741» 
durchfährt die Beringstraße und erreicht am 15. Juli die nordwestlicbo 
Küste Amerikas zwischen 58 und 59^ n. Br., entdeckt den Mount St. Elia^ 
die Aleuten, umfährt dann Alaska und ankert am 5. November 1741 b€ä 
der Beringinsel. Nach dem am 8. Dezember eingetretenen Tode von Berix^ 
kehren die übrigen Teilnehmer auf einem aus den Resten des alten Schiff* 
selbstgezimmerten Fahrzeug nach Kamschatka zurück. 

1740 Charles Marie d0 la Condamlne mißt in Quito die SchaUgeschwindigkeit s^ 
339 m, in dem beträchtlich wärmeren Cayenne zu 357 m. (Vgl. 1738 Cl 

— William Cullm, Professor in Edinburg, gründet die gesamte Lehre von den 
Erkrankungen auf die Neuropathologie. 

— DMialllet führt in seinen unter dem Pseudonym „Telliamed** erschienenen 
„Entretiens d'un philosoplie indien*' die Idee aus, daß das Festland dnich 
Ablagerung aus dem Meere entstanden sei, dessen beständiges Zurück» 
weichen die Kontinente frei gelegt habe (Neptunismus). 

— Thomas Dover erfindet das nach ihm benannte, aus Opium, Ipecaouanhi 
und Milchzucker bestehende Dover'sche Pulver, welches gegen DurchfiDft 
und als schweißbringendos und schlaf beforderndes Mittel angewendet wird. 

— Henry Louis Duhamtl du Monceau macht zuerst auf die Beziehungen zwischen 
der Entwicklung der Vegetation und dem Klima aufmerksam. 



— 182 — 



j 



1741 

1740 Jean Charles Franst erfindet die Kreidetechnik (Mani^re du crayon), eine 
Ahart des Kupferstichs, mittels welcher eine Zeichnung ähnlich der Kreide- 
zeichnung erzielt werden kann. 

— Jean Paul da Qua de Malvat veröffentlicht seine „Usages de T Analyse de 
DescarteB'S worin er u. a. die Anzahl der komplexen Gleichungswurzeln 
auf geometrischem Wege bestimmt. 

— Die Brüder Havart zu Ronen erfinden den Baumwollsamt (Manchester oder 
Velvet). 

— Jean Hfllot in Paris gibt die erste Theorie des Färbeprozesses. 

— Benjamin Hiintmiaii in Sheffield erzeugt zuerst Tiegelgußstahl, indem er 
Schweißstahl, den er durch Zementieren (Glühen weicher Schmiedeeisen - 
Stabe in Holzkohle) erhält, in Tiegeln umschmilzt. 

— Jean Jacques Malran bestimmt die Höhe des Nordlichtes, die er auf mehr 
als 100 Meilen berechnet. 

— Der Pariser Möbelfabrikant Martin, dem auch die Vernis-Martin- Arbeit (d. i. 
eine Art japanischer Lackmalerei auf Kutschwagen usw.) zu verdanken ist, 
erfindet das Papier mach6. 

— Der Marschall Moritz von Sachtan erfindet die Amüsetten, einpfündige, der 
Infanterie als Regimentsgeschütze beigegebene Kanonen. 

— Lazzaro Moro führt, von der Neubildung einer Insel im G^lf von Santorin 
im Jahre 1707 ausgehend, aUe Veränderungen der Erdoberfläche auf die 
durch unterirdische Hebungskräfte bewirkte Auftreibung einzelner TeUe 
der Erdrinde zurück. 

— Christopher Polhoni erfindet den Support der Drehbank und die schwe- 
dische Hebelade. 

— Esaias Ward errichtet die erste Schwefelsäurefabrik in Richmond. Er er- 
hitzt ein Gemenge von Schwefel imd Salpeter in eisernen Kapseln und 
fängt die Schwefelsäuredämpfe in gläsernen Vorlagen auf. 

— Josias WoHferacht erforscht in methodischer Weise die Gelenke imd Bänder 
des menschlichen Körpers. Er macht darauf aufmerksam, daß die Pulswelle 
in den dem Herzen näher gelegenen Arterien etwas früher auftritt als in 
den entfernteren, wie namentlich in der Arteria dorsalis pedis. 

— Der Mediziner Paul Gottlieb Warlhoff macht die Blutfleckenkraukheit zum 
Gregenstand eines besonderen Studiums und schildert zuerst die nach ihm 

• benannte Krankheit „Morbus maculosus Werlhofii''. Im Anschluß an die 
Torti' sehen Arbeiten über Wechselfieber (s. 1712 T.) bemüht er sich um 
die weitere Einführung der Chinarinde. 
1741 Nicolaus Andry bewirkt durch sein Werk „Die Kunst bei den Kindern die 
Ungestaltheit des Körpers zu verhüten und zu verbessern*' einen großen 
Aufschwung der Orthopädie, der er auch den Namen gibt. 

— Der englische Militärarzt Archibald Claland führt bei Ohrenkranken eine 
silberne Röhrensonde durch die Nase in die Eustachische Röhre ein, um 
Luft oder Flüssigkeit einzuspritzen. Eine derartige Katheterisierung an sich 
selbst, und zwar vom Munde aus, hatte vorher (1724) der Postmeister Guyot 
in Versailles gemacht. (S. 1704 V.) 

— Pierre Demourt untersucht die Struktur des Glaskörpers an gefrorenen 
Augen und findet, daß derselbe aus muschelförmig aneinander gelagerten 
Teilchen besteht, welche sich schieb tenartig an die hintere Fläche der 
Linse anlegen und durch eine sehr feine Membran von ihr getrennt sind. 

— Henry Louis Duhamel du Moncaau betont zuerst, daß die Neubildung von 
Knochengeweben vorzugsweise aus dem Periosteum (Knochenhaut) statt- 
finde, eine Ansicht, die auch von Flourens (1847) geteilt wird. 

— Antoine Farreln stellt zuerst akustische Experimente an dem heraus- 
geschnittenen Kehlkopf an und entdeckt, daß die Vibration der Stimm- 

— 183 — 



1741 

bänder der hauptsächlichste Faktor bei der Erzeugung der Stimme ist 
Er vergleicht die Stimmbänder mit den Saiten der Streichinstrumente und 
bezeichnet sie als Chordae vocales. 

1741 Claude Joseph QMflfroy zeigt, daß sich die medizinische Seife in dem drei- 
fachen Crewicht Weingeist löst und die Auflösung bei niedriger Temperatur 
zu einer durchscheinenden Masse — Seifenspiritus — gesteht. Bergman 
führt den Grebrauch dieses Seifenspiritus zur Untersuchung von Mineral- 
wässern ein. 

— Olaf Peter HJflrtar in Upsala erkennt den störenden Einfluß des Nordlichts 
auf die Magnetnadel. 

— MItfdIeton stellt zuerst außer Zweifel, daß die Hudsonbai ein Mittelmeer 
des Atlantischen Ozeans ist. 

— Lewis Pial verwendet zum Lockern der Baumwolle an Stelle der bisher 
verwandten Stockkarden zylindrische Karden, denen er eine drehende Be- 
wegung gibt, und vereinigt durch eine sinnreiche Vorrichtung die erhaltenen, 
der Breite des Kardenbeschlags entsprechenden Locken zu einem Bande 
von beliebiger Länge. 

— Johann Peter SOBmIlch begründet durch sein Werk „Die göttliche Ordnung 
in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts aus der Greburt, dem 
Tode und der Fortpflanzung desselben erwiesen" die statistische Sozial- 
wissenschaft. 

1742 Thomas Bolaovtr erfindet die Kunst des Silberplattierens, die 1758 von 
Joseph Hancock in Sheffield zuerst in großem Maßstabe betrieben wird. 
Eine Silberplatte wird auf eine etwa achtmal so starke Kupferplatte ge- 
legt, nachdem die Berührungsfiächen der beiden Platten gut geränigt und 
mit Borax bestreut worden sind. Nun werden sie ausgeglüht und so lange 
zwischen starken Stahlwalzen gestreckt, bis sie die gewünschte Dünne er- 
langt haben. 

1742 — 1753 Johann Gottfried BranM und Johann Gottfried Zinn machen im An- 
schluß an die Cassebohm'schen Arbeiten über die Schnecke (a. 1735 C.) 
epochemachende Forschungen über den Nervenapparat der Sohnecke. 

1742 Anders CeMut schlägt die heute für wissenschaftliche Zwecke allgemein 
adoptierte hundertteilige, nach ihm benannte, Celsius*sche Thermometer- 
skala vor. Er setzt den Siedepunkt bei 0^ und den Gefrierpunkt bei 100^, 
welche Skala 1745 von Linn^ umgekehrt wird. Daß Morton Stromer die 
Skala verändert habe, ist irrtümlich. 

— Louis de Cormontalgnt verbessert Vauban*s sog. 1. System (s. 1673 V.) durch 
Vergrößerung der Bastione und Baveline, völlige Sichtdeckung der Graben- 
mauern und Verminderung des Kommandements des Hauptwalla. Er be- 
lierrscht mit seinen Ideen auf lange Zeit den Festungsbau Europas. 

— Albrecht von Haller führt die in Surinam schon lange arzneilich verwendete 
Quassia in den europäischen Arzneischatz ein. 

•^ Joseph Ututaud begründet durch seine anatomischen Werke die sog. chiroT' 
gische Anatomie. Er entdeckt das nach ihm benannte Dreieck am 
Grunde der Harnblase. 

— Roger Long versucht nach der zuerst von Halley (s. 1693 H.) angewendeteD 
Wägemethode das Verhältnis von Wasser und Festland auf der Erde fest- 
zustellen. Er nimmt von einem Erdglobus die Papierbedeckung ab« 
trennt Land und Wasser voneinander imd findet so das Verhältnis von 
Land zu Wasser = 124: 349, also ungefähr 1 : 3. 

— Colin Maclaurln stellt die Maclaurin*sche Formel zur Entwicklung der Funk- 
tionen in Reihen auf und macht bahnbrechende Untersuchungen über den 
Stoß und über Ebbe und Flut. Vgl. seine Schriften „Greometria organica' 
(1720) und „Treatise of fluxions" (1742). 

— 184 — 



k«* 



1748 

742 Andreas vm twafe stellt Zink durch Reduktion von Galmei und Destillation 
ans geschlossenen Gefäßen her und macht hierdurch dieses Metall der 
Industrie zugänglich. Er gibt Anweisungen für rationelle Herstellung von 
Messing durch Zusammenschmelzen von Zink und Kupfer. 

— TtcMJiHldii umwandert die Nordspitze Asiens, die nach ihm Kap Tschel- 
juakin genannt wird und erst 1878 wieder von Nordenskjöld erreicht wird, 
der am 19. und 20. August dort mit der Vega verweilt. 

743 Jean le Rond D'Atamfetrt stellt den Satz auf: Wirken auf ein System mit- 
einander verbimdener Punkte Kräfte, die eine gewisse Beschleunigung 
hervorrufen, und fügt man solche Kräfte hinzu, welche, wenn die Punkte 
frei wären, die entgegengesetzten Beschleunigungen bewirken würden, so 
tritt Gleichgewicht ein (D'Alembert'sches Prinzip). 

— Daniel BeniMHI veranlaßt den Baseler Mechaniker Johann DIstrIch Huf- 
eisenmagnete herzustellen und entdeckt Beziehungen zwischen der Trag- 
kraft solcher Magnete und ihren Oberflächen und Gewichten. 

— Alexis Clalrmiilt entwickelt in seiner „Theorie de la flgure de la terre tir6e 
deaprincipes de Thydrostatique*' zuerst die partiellen Differentialgleichungen, 
durch welche man die Gesetze des Gleichgewichts einer flüssigen Masse 
ausdrücken kann, wenn auf ihre Teile beliebige Kräfte einwirken. Er stellt 
das Clairault'sche Theorem auf, wonach die Änderung der Schwere auf der 
Oberfläche der als elliptisches Sphäroid gedachten Erde von der Art, wie 
die Dichte der inneren Schichten sich ändert, unabhängig ist, somit bloß 
von der Form der Oberfläche abhängt und zeigt, wie man mittels einer 
einfachen Formel aus dem Unterschied der Schwerkraft am Äquator und 
an den Polen der Erde deren Abplattung berechnen kann. 

~ FVMrlch dsr QroBt erläßt ein Feldlazarettreglement (vgl. auch 1734 F.), 
in welchem er die Hauptlazarette von den mobilen oder fliegenden Ambu- 
lanzen scheidet. 

— Christian August Hamen führt auf Veranlassung seines Schülers Litzendorf eine 
Elektrisiermaschine aus, die aus einer durch eine Kurbel drehbaren Glas- 
kugel besteht, welche mit der Hand gerieben wird. Diese Maschine gibt 
schon wesentlich bessere Resultate als Guericke*8 Schwefelkugel (s. 1663 G.) 
und Hawksbee*s Glaskugel. (S. 1706 H.) 

— R. Jeanliifi legt bei Howden York die ersten Überschlämmungswiesen an. 
Rieselungswiesen existierten schon vorher in England, imd zwar in Wiltshire, 
wo von 1690 bis 1700 gegen 20000 Acres berieselt und unter Aufeicht eines 
Wässerungsvorstandes gestellt wurden. 

— Andreas Sigismund Marggraf bestreitet Stahl's Ansicht, daß die Phosphor - 
säure phlogistierte Salzsäure sei und zeigt, daß sie diirch Erhitzen mit 
brennbaren Stoffen stets wieder zu Phosphor wird, worin er einen Beweis 
sieht, daß Phosphor aus Säure imd Phlogiston besteht. Er gibt ein Ver- 
fahren der Phosphorfabrikation an, indem er gefaulten Harn zur Honigdicke 
verdunstet, 10 Teile des Rückstandes mit 1 Teil Homblei und Va T^^^ Kohle 
mischt und das Ganze erhitzt, bis es sich in ein schwarzes Pulver ver- 
wandelt hat, aus dem alsdann der Phosphor abdestilliert wird. 

"~ Christopher Packt veröffentlicht die älteste, überhaupt existierende, aller- 
dings noch unvollkommene geologische Karte, die ein Areal von 32 eng- 
lischen Meilen im Osten der Grafschaft Kent umfaßt. 

*" Pringle und HHxliam bezeichnen zuerst die bis dahin mit Catarrhus epide- 
micus, Tussis epidemica usw. bezeichneten Krankheit mit dem Namen In- 
fluenza (influxus). Bemerkenswert ist, daß Christian Calenus in Greifs- 
wald, der die Ansteckungsfähigkeit der Krankheit schon hervorhebt, die- 
selbe „Ob occulta quadam coeli influentia" hervorgehen läßt. 

"• Servington Savsry gibt das für die Entwicklung der Mikrometrie ungemein 

— 185 — 



1748 

wichtige Prinzip der Doppelbilder an, auf Grund dessen das erste Dop 

bildmikrometer 1 752 von John DoUond konstruiert wird. Andere Dop 

bildmikrometer werden von Amici (gegen 1820), Airy (1840), Stein 

A (gegen 1840), Clausen (1841), Bigourdan (1896) und vielen and< 

angegeben. 

1743 Thomas Slmpton stellt zur Korrektion des durch die astronomische Strah 
brechung gegebenen Fehlers Formeln zusammen, die durch Zusamn 
wirken von Theorie und Empirie erhalten sind und von Lalande (T 
und Hennert (1796) verbessert werden. 

1744 Auf Empfehlung des Bischofs Berktity wird das Teerwasser eist in i 
land und dann auf dem Kontinent vielfach zu Heilzwecken angewen 

— Georg Matthias Bote bemerkt, daß man die elektrische Wirkung 
Hausen'schen Elektrisiermaschine (s. 1743 H.) verstärken kann, wenn i 
die Elektrizität von der Kugel durch eine blecherne Röhre (Konduktor) 
sammelt. 

— Pierre Bougiitr teilt in den „Memoires de TAcad^mie royale'* seine B< 
achtungen über die Schneegrenze in den Anden mit und knüpft wich 
Betrachtungen über die Gesetze, denen ihr Verlauf unterworfen ist. 
Er faßt diese Grenze im wesentlichen als eine klimatische auf. (S. 1516 

— Leonhard Eutor behandelt die ersten Probleme der Variationsrechnung 
gibt das erste Lehrbuch der Variationsrechnung heraus. („Methodue 
veniendi curvas mazimi minimive proprietate gaudentes".) 

— Johann Heinrich Lambert findet. 16 Jahre alt, bei der Berechnung 
Kometen von 1744 das „Lambert'sche Theorem", den für die parabolii 
"Bahn eines Himmelskörpers gültigen Satz, daß die Zeit, in der ein Bc 
durchlaufen wird, nur von der Sehne des Bogens und der Summe der 
gehörigen Radien vektoren abhängig ist. Auf das Lambert'sche Theo 
gründet Olbers seine berühmte Methode zur Berechnung der Konie 
bahnen. 

— Jean Ph. Loys de Cheseaux behauptet zuerst die Absorption des Lic! 
beim Durchgang durch den Weltraum, welcher Behauptung 1823 Ol 
beitritt. 

— Pierre Louis Moreau de Maupertuls stellt das Prinzip der kleinsten Wirk 
auf: „Wenn in der Natur eine Veränderung vor sich geht, so ist die für d 
Veränderung notwendige Tätigkeitsmenge die kleinstmöglichste.** Di 
nach Maupertuis benannte Prinzip wird durch Euler (1753) noch w« 
ausgebaut. 

— Alexander Monro veröffentlicht das erste Handbuch der vergleichen« 
Anatomie. 

— Der Organist G^org Andreas Sorge in Hamburg entdeckt die Kob 
nationstöne, die 1754 unabhängig von ihm von Tartloi entdeckt 

\ nach dem letzteren „Tartini'sche Töne** genannt werden. Den Nai 

Kombinationstöne erhalten sie 1805 durch G. U. A. Vieth. 

— Der Naturforscher Abraham Trembley in Leiden erkennt die SüBwas 
polypen als tierische Organismen, und entdeckt, daß sich dieselben o 
Beeinträchtigung ihrer Lebensfähigkeit zerschneiden, beispielBweiBe 

I Länge nach halbieren lassen. Auch zeigt er die Möglichkeit eo 

dauernden Vereinigung verschiedener getrennter Teile, indem er den al 
schnittenen Tentakelteil eines kleinen Süßwasserpolypen Hydra mit 
entgegengesetzten Hälfte eines anderen Exemplars verwachsen läßt. 

— Antonio da Ulloa und Pierre Boucuer geben die erste Beschreibung der 
ihnen auf dem peruanischen Hochland beobachteten, später „Brocli 
gespenst** genannten Erscheinung, sowie die des weißen Regenbogens. 

— Johann Heinrich Winkler in Leipzig konstatiert zuerst, daß die Erde 

— 186 — 



1745 

Leiter der Elektrizität zu gelten hat und daß das Wasser ein guter 
Leiter ist, was beides später für die Telegraphie von Wichtigkeit wird. 
1745 Bernhard Siegfried AlMmn, Anatom in Leiden, entwirft die von Wandelaar 
gestochenen anatomischen Tafeln, von denen Haller sagt „Albinas seu 
natura". Seine Untersuchungen über das Muskelsystem bilden für lange 
Zeit die Grundlage der Kenntnis dieses Organsystems. 

— Der englische Techniker Barkar erfindet, wie Desaguliers angibt, das Re- 
aktionswassorrad. 

-> Jacopo Bartolommeo Btecarl zeigt zuerst, daß das Mehl aus Stärkemehl 
und Kleber, dem Eiweißkörper der Gretreidearten zusammengesetzt ist. 
Spätere Forschungen ergeben, daß das Weizenmehl ungefähr 12, das 
Roggenmehl 9 — 10 Prozent Kleber enthält. Die Hauptmenge des Klebers 
befindet sich in der Kleie. 

— Charles Bannet stellt den Satz auf, daß eine unimterbrochene Stufenfolge 
zwischen dem vollkommensten Tier und dem niedrigsten pflanzlichen 
Lebewesen bestehe. 

— Charles Bamiat weist durch zahlreiche exakte Versuche nach, daß bei ge- 
wissen Würmern zerschnittene Stücke wieder zu vollständigen Tieren aus- 
wachsen und imtersucht eingehend die zuerst von Leeuwenhoek (s. 1703 L.) 
beobachtete, ohne Befruchtung durch Männchen stattfindende Fortpflan- 
zung (Parthenogenesis) der Blattläuse. 

— Der Oberst William Caaka gibt im Anschluß an den Vorschlag von Sir 
William Platt (s. 1652 P.) ein Schema für eine Dampfheizung, bei welchem 
durch ein schlangenförmig angeordnetes System von Kupferröhren der 
Dampf durch sämtliche Zimmer eines Hauses geleitet werden soll. Die 
erste Anwendung dieser Heizung macht 1784 James Watt zur Heizung 
seines Arbeitszimmers. 

— Craai erfindet den Melograph, eine Vorrichtung am Pianoforte, die alles, 
was auf demselben gespielt wird, zu Papier bringt, so daß beispielsweise 
Improvisationen damit festgehalten werden können. Der Apparat, seit- 
dem in den verschiedensten Formen ausgeführt, hat bisher noch keinen 
durchschlagenden £rfolg gehabt. (S. a. 1900 K.) 

— Der Dekan Ewald Jürgen van Klaist in Cammin erfindet die elektrische Ver- 
stärkungsflasche, die 1746 durch Musschenbroek in Leiden allgemein be- 
kannt und infolgedessen als Leidener Flasche bezeichnet wird. In ihrer 
frühesten Form besteht sie aus einem Fläschchen, das zum Teil mit 
Wasser gefüllt ist und in der Hand gehalten wird. Die Hand bildet die 
äußere, das Wasser die innere Belegung ; ein hinein gestellter Nagel macht 
die innere Belegung von außen zugänglich. 

~ Der Arzt Christian Gottlieb Kratzanstsln verwendet die Leidener Flasche 
zu Heilzwecken, indem er versucht, die Lähmung eines Fingers durch elek- 
trische Schläge zu heilen. 

— Johann Nathaniel LlabarfcOhn erfindet das sogenannte Korrosions verfahren 
zur Herstellung anatomischer Präparate. Er füllt die feinen Grefäße mit 
gefärbter Harzmasse aus und ätzt das die Gefäßausgüsse trennende Ge- 
webe mit Schwefelsäure fort. Diese Methode wird von Hyrtl noch 
verbessert. 

— Johann Nathaniel LIabarkOhn entdeckt die Lieberkühn'schen Drüsen, welche 
den für den Verdauungsvorgang wichtigen Darmsaft absondern. 

■* Nachdem die Academia del Cimento in Florenz bereits i. J. 1667 Ver- 
öffentlichungen über die elektrische Leitungsfähigkeit der Flamme gemacht 
hatte, die aber wieder in Vergessenheit geraten waren, entdeckt Henry 
Ullas, Pfarrer zu Tovting in der Grafschaft Surrey, i. J. 1745 die Leitungs- 
fähigkeit der Flamme für die Elektrizität wieder. 

— 187 — 



1746 

1745 Percival Pott erfindet für die Mastdarmflstel, die früher meist darch 
Ätzung oder Ligatur, später auch mit dem Messer behandelt worden war^ 
ein besonderes Bistouri und verbessert dadurch die chirurgische Behandlung 
wesentlich. Er studiert im gleichen Jahre die Caries der Wirbelsäule, di» 
nach ihm „Malum Pottü'* genannt wird. 

— Benjamin RoMnt konstatiert bei seinen umfangreichen, mit Hilfe des voih. 
ihm erfimdenen ballistischen Pendels unternommenen Versuchen, daß sich^ 
das Newton'sche Luftwiderstandsgesetz für mit großer Anfangsgeschwin- 
digkeit abgeschossene Körper nicht anwendbai* zeigt, weshalb LeonhanL 
Euler i. J. 1763 die Einführung geeigneter Hilfstafeln zur Korrektur der 
Resultate vorschlägt. (S. a. 1859 N. und 1863 B.) 

— Johann Christian Anton Thtdtn macht bei Operationen die G-Ueder durch 
feste Umschnürung unempfindlich. 

— Antonio da Ulloa sieht zuerst ein Südhcht (Aurora australis) am Kap 
Hoom. Späterhin werden solche Südlichter von Cook imd seinem Begleiter 
J. R. Forster als eine fast alltägliche Sache beschrieben. 

— Johann Heinrich Winkler verbessert die Elektrisiermaschine, indem er, 
statt die Kugel mit den Händen zu reiben, auf den Rat des Leipziger 
Drechslers Giessing Kissen als Reibzeuge verwendet, welche er durch 
Federn gegen die Glaskugel drückt. 

1746 Pierre BoufiMr veröffentlicht sein Werk „Trait6 de navire'% welches als 
die eigentliche Grundlage des theoretischen Schiffbaues anzusehen ist. 

— Antoine Dtpardtux erwirbt sich durch sein Buch „Essai sur les probabilit^ 
de la vie humaine" große Verdienste um die Statistik. Er führt in 
diesem Buche zuerst den Begriff der mittleren Lebensdauer eines Neuge- 
borenen ein. 

— Albrecht von Halltr gibt in seiner Abhandlung „De respiratione experi- 
menta anatomica'* eine Darstellung der Mechanik der Atembewegungen, 
die von Georg Erhard Hamberger bekämpft wird, der in der Folge be- 
züglich der Rippenbewegung Recht behält. 

— Henry Hatklnt nimmt ein englisches Patent, um aus Teer ( Holzteer f) eine 
Essenz (Spirit) zu extrahieren und das Pech aus dem Rückstande zu 
gewinnen. 

— Pierre Joseph Macqutr zeigt, daß sich der weiße Arsenik mit wässerigen 
Alkalien verbindet und nennt die so entstehenden arsenigsauren Salze irr- 
tümlich Arseniklebem. 

— Johann Heinrich Pott entdeckt bei Untersuchung der im Feuer verglas- 
baren Steine eine eigentümliche Erde, die wie Carthäuser, Scheele und 
Bergman nachweisen, sich weder in Kalk noch in Tonerde verwandeln 
läßt. 1811 wird dieselbe von L. M. Smithson als Kieselsäure erkannt. 
(S. 1811 S.) 

— Johann Heinrich Pott fördert die chemische Analyse durch seine „Chymischen 
l^ntersuchungen , welche vorzüglich von der Lithogeognosie, ingleichen 
vom Feuer und dem Licht handeln'*. 

— John Rotblick wendet zuerst zur Fabrikation der Schwefelsäure Blei- 
kammern an, in welchem er ein Gemisch von Schwefel und Salpeter 
verbrennt. 

— Nachdem Varenius schon erkannt hatte, daß ein Fluß sein Bett bei ge- 
steigerter Strömung tiefer einschneiden kann, spricht sich zuerst der 
Ästhetiker Johann G^org Sulztr für die Talbildung durch fließendes Wasser 
aus, welcher Ansicht 1774 Guettard, 1791 J. L. Heim folgen, worauf dann 
1795 James Hutton mit aller Bestimmtheit die Theorie der Talbildimg 
durch fließendes Wasser erörtert, eine Lehre, die 1849 durch J. D. Dana 
lind 1857 durch George Greenwood zu allgemeiner G^ltimg gebracht wird. 

— 188 — 



1747 

1746 Benjamin WlbM erkennt, daß die auf der Leidener Flasche angesammelte 
Elektriat&tsmenge mit der Größe der Belegongen direkt proportional, mit 
der Dicke der isolierenden Zwischenschicht umgekehrt proportional ist, 
wobei er gleiche Spannung voraussetzt. Dies Gesetz wird 1773 von 
H. Cavendish experimentell bewiesen. 

— Johann Heinrich WlnklMr weist durch Analogieschlüsse überzeugend nach, 
daß Schlag und Funken der verstärkten Elektrizität für eine Art des 
Donners und Blitzes zu halten sind. (Vgl. 1708 W.) 

— WIR in Zürich erfindet die Spiralpumpe, eine zur Wasserförderung dienende 
Maschine, bei welcher ein um eine horizontale WeUe schraubenförmig ge- 
wondenes Rohr mit dem einen Ende aus einem Wasserbehälter abwechselnd 

< Wasser und Luft schöpft, wobei der Inhalt des Spiralrohrs durch die fort< 
gesetzte Umdrehung in einem Steigerohre in die Höhe geschraubt und eine 
verhältnismäßig große Hubhöhe des Wassers erreicht wird. (S. a. 1897 G.) 
1747—48 Theodore BarMi lehrt zuerst die Konstitution des Borax genauer kennen 
und stellt denselben aus seinen Bestandteilen dar; er zeigt, daß derselbe 
an sich nicht flüchtig ist, sondern nur unter Beihilfe von Wasserdampt 
snblimiert. 

1747 Nachdem die große, einen Zeitraum von 26000 Jahren umfassende Pende^ 
long der Erdachse (Präzession) schon im Altertume (s. 146 v. Chr. Hip- 
parchos) beobachtet worden war, entdeckt James Bradlsy die Nutation der 
Erdachse, eine durch die Anziehung des Mondes bedingte kleinere Achsen- 
Schwankung von etwa 19 jähriger Periode. 

— George Louis Leclerc dt Bvffon stellt einen Brennspiegel von bedeutender 
Größe dadurch her, daß er 168 kleine, 16 zu 21 cm messende Planspiegel 
ro einem einzigen Hohlspiegel vereinigt. Es gelingt ihm damit, ein ge* 
teertes Tannenbrett auf 47 m Entfernung in Brand zu setzen. Der Vor- 
schlag zur Herstellung großer Brennspiegel durch Zusammensetzung zahl- 
reicher kleinerer Spiegel ist zuerst von Anthemios (s. 632) erwähnt worden. 

— Leonhard Eator entwickelt zuerst in vollständiger Weise die Theorie der 
Wage. 

— Leonhard Eutar schlägt zur Erzielung der Achromasie und Vermindenmg 
der sphärischen Aberration vor, das Objektiv des Mikroskops aus mehreren 
geeignet angeordneten einfachen Linsen zusammenzusetzen und schlägt 
auch schon vor, solche Linsen mit Wasser zu füllen. (S. 1729 H. und 1767 D.) 

— LMtlnpiMUiiM macht in den Abhandlungen der schwedischen Akademie 
der Wissenschaften die ersten Mitteilungen über die Erzeugung von Alkohol 
ans Kartoffeln. (S. a. 1760 M.) 

— Andreas Sigismund Marggraff entdeckt den Zuckergehalt der Runkelrübe 
und weist nach, daß der darin enthaltene Zucker Rohrzucker ist. Seine 
diesbezügliche Abhandlung führt den Titel „Chymische Versuche, einen 
wahren Zucker aus verschiedenen Pflanzen, die in imsem Ländern wachsen, 
zu ziehen**. 

— Thomas Simpson behandelt in seinen „Elements of plane geometry** eine 
Reihe elementarer Maxima- und Minimaaufgaben auf geometrischem Wege, 
Er gibt die nach ihm benannte, in der Technik viel verwendete Simpson *8che 
Regel zur angenäherten Berechnung des Inhalts von Flächen und Körpern an. 

— Wüliam WatMNi bemerkt, daß die Elektrizität im luftleeren Räume mit 
glänzenden Strahlen, wie das Nordlicht, und auf größere Abstände als im 
lufterfüllten Räume von einem Körper zum andern geht und macht 
den Versuch, die Greschwindigkeit der Elektrizität zu bestimmen, wobei 
er findet, daß der Entladungsschlag einer Leidener Flasche eine Drahte 
leitung von ungefähr einer halben geographischen Meilenlänge mit unmeß^ 

— 189 — 



1748 

barer Geschwindigkeit durchläuft. Ähnliche Versuche hatte Le Monii 
das Jahr zuvor unternommen. 
1748 Jean le Rond d'Aiembert behandelt simultane Dilferentialgleichaiigen i 
löst Differentialgleichungen durch Eliminationen zwischen der Gleichi 
und der differentiierten Gleichung, wobei er auf singulare Lösungen komi 

— Jean le Rond d'Aiembert behandelt außer den simultanen Differentialg 
chungen auch die Lehre von den partiellen Differentialgleichungen, 
von Euler, der sich zuerst — 1734 — mit den partiellen Different 
gleichungen beschäftigt hatte, in seiner 1762 erschienenen „Inveetigs 
functionum ex data differentialium conditione*' weiter geführt, und ai 
von Condorcet, Monge, Laplace und Legendre gefördert wird. 

— Pierre Bougiier bringt die Herstellung eines Heliometers in Vorschlag, 
w^ill übereinstimmend mit der jetzigen Form dieses Instrumentes 
Objektiv mittels eines Schnittes durch die optische Achse in zwei Half 
zerlegen und den beiden Linsenhälften eine meßbare Bewegung in 
Richtung des gemeinsamen Halbmessers geben. 

— Wie Johann Baptista Do Halde in seiner Beschreibung des Chinesisol 
Reiches mitteilt, bedienen sich die Chinesen zur Wasserförderung ei 
geneigten Patemosterwerkes (Schaufelwerkes). Du Halde hebt her^ 
daß der Betrieb dieser Maschine in China ebenso alt sei, wie der Acli 
bau selbst. 

— Leonhard Euler in seiner „Introductio in analysin infinitorum'% und z 
Jahre später Gabriel Crainer in seiner „Introduction ä Tanalyse des lig 
courbes alg^briques" bauen in systematischer Weise die höhere Kurv 
lehre aus. Der von Euler und Cramer bemerkte, und erst von Lam6 (18 
gelöste scheinbare Widerspruch zwischen der Anzahl der eine ebene 
gebraische Kurve bestimmenden Pimkte imd der Zahl der unabhängi| 
Schnittpunkte zweier Kurven derselben Ordnung heißt das „Euler-Cram) 
sehe Paradoxon". 

— Friedrich der Qrofie führt im preußischen Festungsbau, im Gegensatz zu 
damals fast unbeschränkt herrschenden französischen Befestigung, 
kasemattierte Grabenflankierung und die kasemattierte Batterie (s. 1826 '. 
ein, und sorgt für permanente Abschnitte zur abschnittsweisen Verteidigt 
und für gesicherte Unterbringung der Besatzung. 

— Christian Ludwig Qenten entwickelt zuerst die Anschauung, daß das ( 
Tau bildende Wasser aus dem Boden hervortrete. 

— Stephen Haies erfindet das Eudiometer, welches aus einem oben 
schlossenen graduierten Glasrohr besteht und zur Bestimmimg des San 
Stoffgehaltes der atmosphärischen Luft dient. 

— Peter Kretodimer schlägt eine neue Methode des Rajolens vor, die da 
besteht, daß er durch Bearbeiten des Bodens in die Tiefe abwechsel 
den Untergrund, der, wie er meint, fruchtbarer als die Krume sei, ni 
oben bringt. (Beginn der Tiefkultur.) 

— Jullien La Mettrie weist in seinem Buche „L'horame machine" zuerst i 
die Einheit des Bauplans aller Wirbeltiere hin. 

— Pierre Le Roy in Paris erfindet die freie Hemmung für Unruhuhren. 

— Pierre Joseph Macquer stellt aus dem Rückstand der Darstellung von S 
petersäure (durch Destillation von Salpeter mit weißem Arsenik) das ai 
niksaure Natron in reinem Zustande dar. 

— Johann Friedrich Meckel der Ältere entdeckt das „Ganglion Meckelii" u 
fördert die Anatomie des Kehlkopfes, des Bauchfells, der Lymph- u 
Chylusgefäße. 

— Der Abb6 Jean Antoine Noilet entdeckt die Diffusion von Flüssigkeit 

- 190 — 



1749 

welche durch Scheidewände getrennt sind, indem er den Austausch von 
Wasser und Alkohol durch eine Sohweinsblase beobachtet. 
r4S Robert Slniioii trägt im Verein mit seinem Schüler Matthew Stewart durch 
seine elementar-geometrischen Untersuchungen und durch Neuherausgabe 
der Euklidischen „Porismata** und der „Loci plani" des ApoUonios zur 
Weiterentwicklung der Geometrie in hervorragender Weise bei. 

— Jacques 4» Vauauison führt degm König Ludwig XV. einen Wagen vor, der 
vom Wagenlenker durch Eurbeldrehung in Bewegimg gesetzt wird — ein 
Vorläufer der Selbstfahrer. 

1749 Jean le Rond iPAtombert macht die Bewegungen der Erdachse, welche daher 
rühren, daß der Erdkörper nicht rein sphärisch, sondern ein abgeplattetes 
Ellipsoid ist, zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung, die auch 
für die Folgezeit maßgebend bleibt. (Vgl. 1747 B.) 

— Durch William Watsons Beobachtung, daß der Schlag der Leidener Flasche 
am so stärker sei, an je mehr Punkten man die Außenfläche berühre, 
kommt Dr. Btvif auf den Gedanken, die Außenfläche anfangs mit dünnen 
Bleiplatten und dann mit Zinnfohe zu belegen. Wation fügt dann noch 
die innere Belegung mit Zinnfolie hinzu und gibt so der Flasche ihre end- 
gültige Gestalt. Dr. Bovis erkennt dann, daß die Form der Flasche nicht 
wesentlich ist, belegt Glasscheiben auf beiden Seiten bis einen Zoll breit 
vom Rande mit Zinnfolie und erhält mit diesen Tafeln dieselben Wir- 
kungen wie mit Flaschen. Diese Tafeln werden später Franklin 'sehe Tafeln 
genannt. 

— Pierre BoufiMr schlägt unter Berichtigung des Huygens'schen Vorschlags 
(s. 1672 H.) die Pendellänge unter dem 45. Breitengrade als Längenmaß- 
einheit vor. De la Condamine will die Pendellänge am Äquator als Maßeinheit 
angewendet wissen. (Die von ihm nach Beendigung der peruanischen Grad- 
messung daselbst veranlaßte Denkmalsinschrift lautet „Mensurae naturalis 
exemplar, utinam et universalis' '.) 

1749^88 Georges Louis Leclerc de Buffon gibt seine „Histoire naturelle generale 
et particuli^re" heraus, die, wenn ihr auch die streng wissenschaftliche 
Methode Linn^'s fehlt, doch in bezug auf die Wahrheit der Beschreibimg 
und die Schönheit der Bilder so anregend wirkt, daß sie in fast alle leben- 
den Sprachen übersetzt wird. 

1749 Georges Louis Leclerc d« Buffon betont zuerst die wesentliche Artver- 
schiedenheit der (süd) amerikanischen Tierarten von den altweltlichen. 

-~ Georges Louis Leclerc de Buffon macht auf den Parallelismus in der Gestalt 
der einander zugewendeten Grenzen der Alten und Neuen Welt aufmerk- 
sam, auf den Humboldt (1845), der von einem atlantischen Tale spricht, 
dn großes Gewicht legt. 

— Georges Louis Leclerc do Buffon macht die von Descartes, Stenonis und 
Leibniz (s. d.) bereits geäußerte Idee eines zentralen Wärmeherdes zur 
Basis eines Systems der Entstehung der Erde, das er in seiner „Theorie 
de la terre" eingehend auseinander setzt und erklärt damit die auf der 
Erdoberfläche vor sich gehenden mechanischen Veränderungen, wie nament- 
lich die Erdbeben und vulkanischen Erscheinungen. 

— Georges Louis Leclerc do Buffdn bekämpft in seiner „Theorie de la terre" 
die Hypothese einer universellen Sintflut. (S. 1510 A. und 1517 F.) Er 
rechnet der Erde ein viel höheres Alter als das biblische nach und erblickt 
in den Fossilien die Reste erloschener Arten von Lebewesen. In seinen 
1778 erscheinenden „£poques de la nature" führt er seine Theorien im 
einzelnen noch weiter aus. 

^ John Ellls unternimmt es als erster, die Wärme größerer Seetief on zu 
messen. 

— 191 — 



1749 

1749 Jamee Ftrguflon konstruiert die erste Schwung- oder Zentrifugalmaschii 
bei welcher die Rotation einer Kurbel vermittelB eines Treibriemens a 
eine vertikale Achse übertragen wird, mit welcher allerlei Hilfsapparate 
Verbindung gebracht werden können. 

— Benjamin Franklin schlägt — von der schon von Wall (s. 1708W.) und späl 
von Grey, Nollet, Beccaria und Winkler (s. 1746 W.) geäußerten Ansicht c 
Ähnlichkeit zwischen dem elektrischen Fu^ken und dem Blitz ausgehend 
in einem Briefe an Peter Collinson in London Versuche über die Elekt 
zität der Gewitterwolken vor, zu deren Ausführung er den elektrisol] 
Drachen empfiehlt. (S. 1752 D.) 

— Der französische General Jean Baptiste Vaquette <• QribMUival erfindet i 
hohen Bahmenlafetten für Belagerungs- und Festungsgeschütze. 

— Der Tierarzt Etienne Guillaume LahMM in Paris stellt durch seine Unt 
suchungen den Sitz des Rotzes fest. Vgl. die Schrift „Trait4 sur le v« 
table si^ge de la morve*'. Er wirkt bahnbrechend auf dem Gebiete < 
Hufbeschlags und betont die Wichtigkeit der schon von Apsyrtus (s. Z4 
Vegetius (s. 380), Ruini (s. 1598) und Soleysel (s. 1664 S.) erwähnten F« 
tanelle, sowie des Haarseils. 

— Pierre Joseph MacqiMr stellt zuerst durch Einwirkung von Ätzkaülauge , 
Berliner Blau das gelbe Blutlaugensalz dar, in dem BerthoUet 1787 < 
Eisen als notwendigen Bestandteil erkennt. 

— Der Schweizer Arzt Maytr verordnet bei Lungenkranken Grcbirgskuren, 
dem er dieselben nach Appenzell sendet, wo er sie neben der Luftl 
auch Milchkuren brauchen läßt. (Vgl. auch 1750 S.) 

— Caspar NMimann vervollkommnet die analytische Chemie und veröffentM« 
seine Forschungen in einem Werke „Chymiae medicae dogmatico exp< 
mentalis Tomi primi Pars prima et secunda*'. Von ihm rühren die 1 
fange der Acidimetrie her. 

— Plnmlar beschreibt in seiner „Art de toumer" eine Patronendrehbank. 

— Der Arzt Fran^ois SauvacM de la Crolx macht umfassende Anwendung ^ 
der Elektrizität in der Medizin. (Vgl. 1745 E.) 

— Jean Baptiste SMiac behandelt in seinem klassischen Werke „Traitö de 
structure du coeur, de son action et de ses maladies** die Anaton 
die Physiologie und namentlich auch die Pathologie und Therapie < 
Herzens. 

— James Short verbessert das Äquatoreal (s. 1685 R.), indem er ein tragbai 
auch imter jeder Breite brauchbares Instrument konstruiert, das er du: 
Beigabe von vier geteilten Kreisen für Azimut, Höhe, Stundenwinkel t 
Deklination sehr vielseitig gestaltet. Eine wesentliche Verbesserang • 
Instruments erfolgt 1793 durch Ramsden, der für G. Shuckburgh ein Aq 
toreal mit 5^/2 füßigem Fem röhr und zwei vierfüßigen Vollkreisen baut 

— Alexander Wilson soll zuerst an Drachen Thermometer angehängt hab 
um die Temperatur der oberen Luftschichten zu messen, was die ei 
wissenschaftliche Verwendung des Drachens darstellen würde. (Vgl. ai 
1749 F.) 

— Charles Wood beschreibt zuerst das Platin in eingehender Weise, wc 
ihm Lewis, Marggraf und Macquer folgen. 

1750 George Adams in London erfindet den Winkelspiegel, der aus zwei klein 
in einem prismatischen Gehäuse mit ausgeschnittenen Fenstern ux 
einem Winkel von 45® gegeneinander gestellten Spiegeln besteht und 1 
Abstecken gerader Linien oder zum Festlegen rechter Winkel dient. 

— Nachdem Wasserzeichen in Papier schon seit 1301 angewendet wai 
führt J. Batkorvlllo Drahtgowebe als Unterlagen für deren Erzeugt 
ein. Das Wasserzeichen wird durch die Verschiedenheit der Transpar 

— 192 - 



1760 

^ der eingepreßten Zeichnung und des EUntergnindes sichtbar und hat Be- 

deutung namentlich für Banknoten, Schecks, Briefmarken u. dgl. 
1750 Andr6 Rhodiwonowitsch BafMdief verbessert den zuerst von Rdaumur 
1722 angegebenen Stürzofen derart, daß derselbe in den Eisengießereien 
eine gewisse Bedeutung erlangt. 

— B&Nkr schreibt dem Gletschereis trotz seiner Sprödigkeit eine gewisse 
Plastizität zu. 

— Jamee Brlntfley erfindet die selbsttätige Eesselspeisung. 

— John Cmto i i und John Michail schlagen imabhängig von einander die 
Methode der Magnetisierung von Eisenstäben durch doppelten Strich mit 
Magneten vor. 

— C^sar Fran9ois Canliil de Thury beginnt die Bearbeitimg der großen Karte 
von Frankreich im Maßstab 1:86400, welche auf einer großen und ge- 
nauen Landesvermessimg beruht. Auf den Karten der französischen Alpen - 
länder zeigt sich hier ein wesentlicher Fortschritt in der Entwicklung der 
perspektivischen zur Schraffenzeichnimg. 

— Gabriel Cramtr beschreibt in seiner „Introduction ä Fanalyse des lignes 
courbes alg^briques" die Gleichungsauflösung mittels Determinanten, auf 
die zuerst Leibniz 1693 in einem Briefe an den Marquis de T Hospital 
hingewiesen hatte. 

— Der Bürgermeister Drwisr begründet in Deutschland den rationellen Wiesen- 
bau durch die von ihm im Siegener Lande angewendeten Rückenbauten. 

— Leonhard Eutor behandelt ausführlich die Theorie der Wasserräder, schlägt 
gekrümmte Schaufeln vor und erfindet die Leitapparate. 

— Leonhard Enler beschäftigt sich in seinen Aufsätzen „De serierum deter- 
minatione seu nova methodus inveniendi terminos generales serierum'* 
und „Consideratio quarumdam serierum quae singularibus proprietatibus 
sunt praeditae" mit den unendh'chen Reihen. Er leitet die Exponential- 
reihe aus der Binomialreihe her xmd entwickelt rationale Fimktionen in 
Reihen, die nach sin. und cos. der ganzen Vielfachen des Argumentes fort- 
schreiten, wobei er die Koeffizienten dieser trigonometrischen Reihen durch 
bestimmte Integrale definiert. 

— Nachdem Döring in Breslau 1627, Sydenham und Morton (1661 bez. 1678) 
zur schärferen Ausschälung des Begriffs Scharlach beigetragen und letzterer 
den Namen Scarlatina geschaffen hatte, äußert John Fottierflll zuerst 
klare Anschauungen über die Existenz eines kontagiösen Giftes bei dieser 
Krankheit. 

— Orwifar, der sich längere Zeit im Orient aufhält, gelingt es, das Verfahren 
der Darstellung des Saffianleders (Maroquin), eines mit Sumach ge- 
gerbten, auf der Narbenseite gefärbten Ziegenleders, ausfindig zu machen. 
Unter seiner Beihilfe wird in Paris die erste Saffiangerberei eingerichtet. 

— Stephen Haiet stellt in den englischen Gefängnissen Versuche mit künst- 
licher Lüftung her, um der übergroßen Sterblichkeit Einhalt zu tun, und 
mindert durch verhältnismäßig einfache Ventilationseinrichtimgen die 
Sterbb'chkeit binnen kurzer Zeit von 30 Todesfällen täglich auf einen 
einzigen. Er liefert damit den augenscheinlichen Nachweis für die damals 
noch wenig gewürdigte Wichtigkeit einer guten Lüftung der Wohnräimie 
für die Gesundheit. (Vgl. a. 1714 G.) 

*- Nachdem bis dahin die baumwollenen Zeuge, bevor man sie auf die Bleich- 
wiese zum Bleichen brachte, in saurer Milch eingeweicht worden waren, 
ersetzt Dr. Home in Edinburg die saure Milch, die das Verfahren sehr um- 
ständlich macht, durch verdünnte Schwefelsäure. 

— Andreas Huber in Fürth stellt zuerst Bronzefarben aus Blattmetall her. 
Anfangs verarbeitete man dazu vier verschiedene Legierungen, Kupferrot, 

Barmstaedter. 13 

— 193 — 



1760 

Reiohgold, Bleichgold und Silber, wovon die drei ersteren aus Kupf< 
wechBelnden Zinkmengen bestanden, die letztere aus 98 Teilen Zini 
2 TeUen Zink. In neuerer Zeit werden die Bronzefarben mit TeerJ 
gefärbt. 
1760 Samuel KlIncMitQtrna, Professor in Upsala, wiederholt Newtons Vei 
über die Farbenzerstreuung, findet aber im Gegensatz zu letzterem 
die Zerstreuung für verschiedene Glassorten verschieden ist Diese, 
Eulers Untersuchungen (s. 1747 £.) geben dem Optiker DoUond 1 
lassimg, die Herstellung achromatischer Linsen in die Hand zn ne 
(S. 1767 D.) 

— Der Mediziner Kötftrik ist der erste, der eine Wucherung aus dem Kel 
durch den Mund herausnimmt imd mehrere Fälle von Kehlkopfpc 
eingehend beschreibt. 

— Joseph Bartholomeus Kuchfiiraiitar in Regensburg erwirbt sich durch 
reiche Vervollkommnungen an den Handfeuerwaffen einen Weltruf. 

— Pierre Lalootttl macht eingehende anatomische Forschungen über die 
von Reaido Colombo, Eustachio, Morgagni und Bidloo erforschte S 
drüse und beschreibt den Processus pyramidalis, der nach ihm 
„Pyramide de Lalouette*' genannt wird. (Recherches anat. sur la | 
thyroide.) 

^ Johann Georg Laopoldt bemüht sich in seinem Werke „Nützliche ui 
die Erfahrung gegründete Einleitung zu der Landwirtschaft*' alles c 
geben, was der Landwirt für eine gute Wirtschaftsführung wissen 
und praktisch verwerten kann imd bringt darin viel tatsächliches, na 
lieh zahlenmäßiges Material über die verschiedenen Teile der Lan« 
Schaft, während dies bei der Hausväterliteratur, die sich im Anschl 
das Coler'sche Werk (s. 1691) entwickelt hatte, sehr mangelhaft wai 

— Andreas Sigismund MarfS^ beweist, daß der Gips aus Kalkerdc 
Schwefelsäure besteht, durch Zerlegimg desselben mit Weinsteinsal 
durch Vergleichimg der Eigenschaften des Gipses mit dem künstU« 
haltenen Niederschlag von schwefelsaurem Kalk. 

— Johann Gabriel Müitz verwendet zuerst den Phosphor in der Medizin 
zwar als Erregungsmittel. 

— Mftlllnger errichtet die erste KartofFelbrennerei in Monsheim. 

— Jean Louis Pttit führt die zuerst von Fabriz von Hilden gemachte £ 
kulation im Kniegelenk wieder aus, die nach ihm von Pierre Bi 
(1774) öfter geübt wird. 

— John Prinfto verbessert das Hospitalwesen und macht namentlich au 
Nutzen frischer und reiner Luft in den Hospitälern aufmerksam. Er 
die Grundsätze für die Unterbringung und Verpflegung von Tru 
massen und für die Anlegung von Militärhospitälern auf und gibi 
gute Darstellung des Flecktyphus, der 1742 und 1746 in den engli 
Armeen stark gewütet hatte. 

— Ren6 Antoine F. de Rtaumur fördert die künstliche Brütung, inde 
Hühnereier in einen hölzernen, mit frischem Pferdemist umgebenen K 
bringt. 

— Georg Wilhelm Rlchmann in Petersburg stellt die nach ihm benannte 
auf, daß beim Mischen von ungleich erwärmten Mengen einer Flüss 
die Temperaturen sich im Verhältnis ihrer Höhe und im Verhältni 
Flüssigkeitsmengen ausgleichen. 

— August Johann Rötel von Rosenhof gibt eine Geschichte der Insekten h« 
die eine reiche Fundgrube für die Lebens- und Verwandlungsgesd 
dieser Tierklasse bildet und einen Fortschritt gegenüber den Kennt] 
von R^aumur (s. 1734 R.) bedeutet. 

— 194 — 



1761 

1750 Richard RmmI in London empfiehlt Seetangasche als ,,Aethiop8 vegetabilis" 
gegen Drüsenerkrankungen. 

— RoiMl, HasMiquItt, Hollaiitf und Volnty beschreiben zuerst die endemische 
Beulenkrankheit, die sie als Beule von Aleppo bezeichnen. Näher studiert 
wird die Krankheit von Alibert, Requin u. a. (1820.) 

» Der Petersburger Arzt A. N. R. Sancliti führt die Sublimatbehandlung der 
Syphilis ein. Er erweist die Existenz der erblichen Syphilis, die zuerst 
7on Paracelsus behauptet worden war. 

» Der sächsische Pfarrer Schlraeh in Klein-Bautzen, Reformator der Bienen- 
zucht, entdeckt, daß die Bienen durch Vergrößerung der Zellen willkür- 
lich aus jeder befruchteten (Arbeitsbienen-) Larve eine Königin machen 
können. 

— Johann Andreas ¥Ml 8tfMr konstruiert das nach ihm benannte Reaktions- 
wasserrad, welches das Vorbild für die Reaktionsturbinen abgibt, von 
denen insbesondere Burdin (s. 1824 B.), Poncelet und Foumeyron (s. 1827 F.) 
neue Konstruktionen liefern. (Vgl. a. 1745 B.) 

— Der englische Architekt John Smttton macht nachdrücklich auf den großen 
Wert des Eisens für Bau- und Maschinen- Konstruktionen aufmerksam. 

— Archibald SmHIi läßt sich in Lima nieder und findet dort die Tatsache 
vor, daß seit alters her die Ärzte die Lungenleidenden aus den Niederungen 
in die Berge schicken. Er findet selbst die Methode bewährt und tritt in 
der Literatur für sie ein. 

" Major von Trtu in Braunschweig schlägt vor, das Holz zur Entfernung 
der Saftstoffe durch Dampf auszulaugen. Eine rationelle Auslaugung nach 
dieser Methode wird aber erst 1815 durch den Pianofortebauer Andreas 
Streicher ausgeführt. 

— Jacques de Vaucanson erfindet die Bandketten zum Antriebe von Maschinen 
and konstruiert eine Maschine zu deren Verfertigung. 

— Thomas Wrlfht aus Durham gibt in seinem Werke „An original theory 
or new Hypothese of the Universe*' eine Ansicht über die Entstehung des 
Sonnensystems, welche die Anregung zu Kants Hypothese gibt. Er sagt 
in seiner Abhandlung, daß die Sonne aus flammender Materie bestehe. 

— Johann Friedrich Zlttmann stellt ein Dekokt aus Sarsaparilla her, das sich 
in der Syphilistherapie unter dem Namen „Decoctum Zittmanni" dauernd 
änbürgert. 

1751 Der Botaniker Michel Adanson aus Paris tut die elektrische Natur des 
Schlages des Zitterwelses dar und vergleicht denselben mit dem Schlage 
einer Leidener Flasche. Bezüglich des Zitteraales erfolgt der gleiche Nach- 
weis 1755 durch L. S. van s'Gravesande. 

— Axel Fredrik CrontMt entdeckt das Nickel, das 1775 von Torbern B«rc- 
man in reinem Zustand erhalten wird. 

^ Axel Fredrik CroilsMt stellt Nickeloxydul und den demselben entsprechen- 
den Nickel Vitriol dar. Das Nickeloxyd wird 1803 von Proust hergestellt 
und 1824 von Berzelius genauer untersucht. 

~ Der Astronom Joseph Jerome Delalwide macht eine genaue Bestimmung 
der Parallaxe des Mondes. 

-- Dapety, Thtnrey-Qiiauvlii, Boudion et Compagnl« begründen die erste Mühlstein- 
fabrik in La Fert^-sous-Jouarre (Seine et Marne), dessen poröse Süßwasser- 
quarzsteine nach Piot seit Jahrhunderten in der Müllerei für die besten 
Mühlsteine gelten und denen sonst nur noch die Steine von Fony in 
Ungarn an die Seite gestellt werden können. 

— Der Ingenieur Frtsntau macht eingehende Mitteilungen über den kautschuk- 
liefemden Baum und vervollständigt die Angaben von De la Condamine 

13* 

— 195 — 



1751 

(g. 1736 C.) über das Verfahren, welches die Indianer bei Grewinniing dei 
Kautschuks einschlagen. 

1761 Jean Etienne Qiitttartf erkennt in dem zu Straßen- und Baumaterial ver- 
wendeten schwarzen Gestein von Volvic vulkanische Lava» geht der 
Spur nach und findet die bis dahin unbekannten erloschenen Vulkane der 
Auvergne. Er lernt am Mont d*Or den säulenförmigen Basalt kennen, 
dem er neptunischen Ursprung zuschreibt. 

1751—53 Nicolas Louis tfe Lacallle nimmt eine Gradmessung am Kap der guten 
Hoffnung vor, welche in Übereinstimmung mit den von Maupertois an- 
gestellten Untersuchungen (s. 1736 M.) dartut, daß die Erde die Grestalt eines 
BotationseUipsoids hat. 

1751 Karl von Llnnt stellt in seiner „Philosophia botanica*' zuerst die Zeiten dei 
Eintritts einer Pflanze in eine maßgebende Entwicklungsphase als Funktion 
des Klimas hin und muß danach als Begründer der Phänologie, d. i. der 
Lehre von der Gresetzmäßigkeit zwischen den Entwicklungsstadien der 
Organismen und der ihnen entsprechenden Klimaphasen angesehen werden. 
Er äußert auch bereits den Gedanken phänologischer Karten.' 

— Andreas Sigismund Marfcnff weist zuerst das Vorkommen der Salpetersäue 
im Begenwasser nach und glaubt, dieselbe auch im Schneewasser zu finden. 
1761 gelingt ihm auch der Nachweis der Salpetersäure im Brunnenwasser, 
den unabhängig 1767 auch Cavendish liefert. 

— Der Ästhetiker Johann Georg Suber bemerkt, daß bei der Berührung der 
Zunge mit zwei verschiedenen Metallen eine eigenartige Gresdunaoks- 
empfindung hervorgerufen wird, welche nicht entsteht, wenn nur eines 
der Metalle an die Zunge gebracht wird. Er entdeckt damit den charakte- 
ristischen Geschmack des Galvani'schen Stroms, wenn auch ohne Ver- 
ständnis des wissenschaftlichen Zusammenhangs. 

1752 Der Pariser Arzt Th6ophile de Bortftu begründet den Vitalismus, die Lehre 
von der Lebenskraft. 

— Im Anschluß an Franklins Brief (s. 1749 F.) an Collinson stellen Thomas 
Fran^ois Dalltard durch einen am 10. Mai während eines Crewitters in Maily 
bei Paris mit einem Metallgestänge unternommenen Versuch und Benjamin 
Franklin durch einen im Juni unternommenen Drachenversuoh die Identit&t 
der Luftelektrizität mit der Scheibenelektrizität außer Zweifel. 

— Der Repetitionstheodoht beruht auf dem von Johann Tobias Maitr an- 
gegebenen Verfahren der doppelten Repetition oder Multiplikation und 
unterscheidet sich von dem einfachen Theodolit dadurch, daß er b^ ein- 
maliger Aufstellung und zweimaliger Ablesung ein beliebig großes Viel- 
faches eines gegebenen Winkels zu messen gestattet, aus dem man durch 
Division leicht den einfachen Winkel bestimmen kann. Dies Verfahren 
vermindert den Einfluß der Beobachtungsfehler. 

— Louis Guillaume Le Monnisr bestätigt die von Cassini de Thury beiläufig 
gemachte Beobachtung, daß die Luft, auch wenn kein Gewitter am Himmel 
steht, elektrisch ist. 

— Ren6 Antoine F. de Rteumur macht Experimente über die Verdauungi- 
kraft bei Vögeln, indem er denselben kleine mit verschiedenen Nahrungi- 
mittein gefüllte Metallröhren zu schlucken gibt, und erzielt durch diese 
Versuche eine wesentliche AufheUung der Natur und der Leistungen des 
Magensaftes. Ähnliche Versuche werden 1777 von Stevens in Edinbuig 
an einem \mgarischen Künstler vorgenommen, dem er mit Nahrung ge- 
füllte kleine durchlöcherte silberne Kugeln zu verschlucken gibt, deren 
Nahrungsinhalt unter dem Einfluß des Magensaftes aufgelöst wird. 

— John Smealon in England fördert durch Versuche die Lehre vom Bau der 
Wasserräder und Windräder. 

— 196 — 



176S 

753 John Omtoii entdeckt die elektrische Influenz nnd konstruiert zum Nach- 
weis derselben sein Eorkkugel-Elektroskop. Die Theorie der Influenz wird 
im gleichen Jahre von Wilcke aufgestellt. 

— Antoine DsptrclMiK weist nach, daß Wasser durch Druck viel mehr leistet, 
als durch Stoß, daß daher oberschlächtige Räder den unterschl&chtigen 
vorzuziehen sind. 

— Edward DlghtMl wendet das beim Kattundruck übliche Druckverfahren 
mit gestochenen oder ge&tzten Kupferplatten, die aus freier Hand mit 
dem Pinsel ausgemalt werden, an, um Papiertapeten herzustellen. Die 
Papiertapeten, die in China schon lange üblich waren, kamen in Europa 
erst im 18. Jahrhundert auf ; anfangs hatte man die Muster mit Hilfe von 
Papierschablonen gemalt. 

— John DoHoni stellt nach den Vorschlägen von Bouguer (s. 1748 B.) das erste 
Heliometer her. Die ersten umfangreicheren Beobachtungen mit diesem 
Instrument, die sich namentlich auf die Stellung der Jupitertrabanten gegen 
den Planeten beziehen, macht 1796 Franz von Paula Triesnecker in Wien. 

— Leonhard Ealtr berechnet unter dem Gresichtspunkt des Problems von den 
drei Körpern die Bewegung des Mondes und ermöglicht dadurch Johann 
Tobias Mayer (s. 1760 M.) die Herausgabe seiner berühmten Mondtafeln. 

— Leonhard Eiilar fördert durch seine „Principes de la trigonom6trie sph^- 
rique tir6s de la m^thode des plus grands et des plus petits'* die sphärische 
Trigonometrie. Er geht darin von den Eigenschaften kürzester Linien auf 
krummen Flächen aus imd speziaUsiert die gefundenen Sätze für die 
größten Kreise der Kugelfläche. Er macht femer zuerst auf den Zusammen- 
hang der Formeln in der sphärischen und ebenen Trigonometrie aufmerk- 
sam, der 1765 von Lambert in seinen „Beyträgen zum Gebrauch der 
Mathematik" genauer auseinander gesetzt wird. 

— Leonhard Euter wirkt bahnbrechend in der Kartographie, indem er all- 
gemeine Regeln für das Projizieren aufstellt und vor allem auch die 
Größe der Yerzemmg in gewissen Fällen mathematisch bestimmen lehrt. 

— Benjamin FnoMlil zeigt, daß man ein Gebäude mit Hilfe einer dasselbe 
überragenden und andrerseits bis in die leitenden Schichten der Erde 
reichenden Metallstange vor dem Einschlagen des Blitzes sichern kann 
imd erfindet damit den Blitzableiter. (Vgl. jedoch 1170 v. Chr.) 

— Nachdem Denisard und De la Douaille 1731 eine Wassersäulenmaschine 
projektiert hatten und B^lidor in seiner „Architecture hydraulique'* 1736 
von einer solchen gesprochen hatte, führt H5II die erste nach ihm benannte 
HöU'sche Luftmaschine (Wassersäulenmaschine), bei welcher durch nieder- 
fallendes Wasser Druckluft erzeugt wird, im Amaliaschacht zu Schemnitz 
in Ober-Ungarn aus. Im gleichen Jahre bringt (nach Calvör) der Artillerie- 
major Winterschmidt eine kleine Wassersäulenmaschine auf der Grube Carls- 
gnade in Gang, erbaut dann aber 1761 eine größere Maschine mit wesent- 
lich verbesserter Steuerung auf dem „Treuer Schacht" bei Clausthal. 

~ Andr^ Ltvrtt vervollkommnet die geburtshilflichen Operationen, die er 
vielleicht zu häufig anwendet, so daß durch seinen Schüler Boer (s. 1791 B.) 
eine Einschränkung erfolgt. Er verbessert die Geburtszange, vervoll- 
kommnet die Operation der Wendung und den Kaiserschnitt, und wagt 
es zuerst, die Polypen des Uterus zu operieren. 

— Karl von Llnn^ führt die schärfere Bestimmung der Arten und ihre binäre 
Benennimg für alle ihm bekannten Pflanzen durch (Species plantarum). 

— Nachdem Schlafbewegungen einzelner Pflanzen schon von Plinius und 
Albertus Magnus erwähnt worden waren, weist Karl von Unni zuerst auf 
die Häufigkeit solcher Bewegungen bei Blättern und Blüten hin. 

— 197 — 



175S 

1753 Karl von Llnni führt die bereits den Griechen nnd Römern bekannt 
Pfefferwurzel „Pimpinella** als Medikament ein. 

— Pierre Joseph MacqiMr erkennt die Bedeutung der Beizen für die F&rben 
und unterscheidet in seinem Buch „Art de la teinture" deutlich zwische 
Substantiven und adjektiven Farbstoffen, eine Unterscheidung, welche de 
ferneren Untersuchungen über den Zeugdruck die Wege ebnet. 

— Greorg Wilhelm Rlehmann wird am 6. August vom Blitz erschlagen, als < 
sich bei einem aufsteigenden Gewitter einer auf seinem Hause angebrachte 
isolierten Eisenstange, die ohne alle Ableitung war, auf einen Fuß £n 
femung genähert hatte. Die Gefahren der FrankUn'schen Experimeni 
werden durch dieses Vorkommnis erwiesen. 

— Der Schotte Dionysius Roberlson, Bereiter und Tierarzt in englischen, öste 
reichischen, württembergischen und s&chsischen Diensten, gibt ein Pf^d 
arzneibuch heraus, in welchem viele neue Beobachtungen niedergelegt sini 
Er ist namentlich auch als Operateur (d. h. als Kastrator) tätig und e 
findet die Methode der Kastration mit Kluppen. 

1754 Anton Friedrich BOtdililg gibt in seiner „Neuen Erdbeschreibung** d< 
ersten grundlegenden Versuch einer wissenschaftlichen Behandlung d 
politisch -statistischen Geographie. 

— John Canton und 1757 Franz Ulrich Theodor Atplnut erweisen, daß Tu 
malin (s. 1707 D.) durch Erwärmen tatsächlich elektrisch wird, was spät« 
insbesondere von Hankel (1839), auch für KrystaUe von Kalkspat, Gif 
Feldspat usw. nachgewiesen wird (Pyroelektrizität). 

— Der Pfarrer Prokop DIvItch in Brenditz in Mähren kommt unabhängig v« 
Franklin auf die Idee, durch die Wirkung vieler Metallspitzen ein< 
ruhigen Ausgleich der Elektrizität herbeizuführen. 

— Nachdem das Schießpulver bis dahin in Stampfmühlen hergestellt word< 
war, errichtet FarrI die erste Walzmühle in Essone (Frankreich). I 
gleichen Jahre gibt Karl Knutttrf die Kollermühlen an, die zum Klein< 
der einzelnen Bestandteile 1787 von Cossigny allgemein eingeführt werde 

— Immanuel Kant in Königsberg weist zuerst darauf hin, daß die Umdrehung 
geschwindigkeit der Erde durch die der Erdrotation entgegenwirken« 
Kraft von Ebbe und Flut stetig verkleinert werden muß. Bobert May 
führt diesen Gedanken später weiter aus. 

— Jean Jacques Malran spricht zuerst die Ansicht aus, daß die Nebelfleol 
gasförmiger Natur sind. 

— Nachdem J. H. Pott 1744 aus Ton und Schwefelsäure Alaun dargestel 
hatte, zeigt Andreas Sigismund Marffraff, daß die Alaunerde von Kai 
verschieden und im Ton mit Kieselsäure verbunden ist. Er gibt d 
Flammenreaktion der Kaliumsalze (violett) und Natriumsalze (gelb) an. 

— Guillaume Fran9ois Roualla in Paris unterscheidet zuerst zwischen saure 
neutralen und basischen Salzen. Er stellt zuerst das saure schwefelsau: 
Kali dar. 

— William Smallle erwirbt sich unvergängliche Verdienste um die Lehre vc 
der natürlichen Geburt und vom Geburtsmechanismus. Zum Unterricht ve 
wendet er zuerst ein Phantom, dessen Grundlage ein natürliches Beck< 
darstellt. 

1755 James Andarioii führt die Trockenlegung nasser Acker- und Wiesengrun« 
stücke in großem Maßstabe in ähnlicher Weise durch, wie dies berei 
von ColumeUa (s. d.) i. J. 60 n. Chr. beschrieben worden ist, indem 
unterirdische Abzugskanäle anlegt. Drainröhren kennt er noch nicht. 

— Johann Christian Btrnhardt beschreibt die fabrikmäßige Gewinnung d 
Vitriolöls (Schwefelsäure) aus Eisenvitriol. Er stellt zjierst die wasserfre 
Schwefelsäure dar, die er „Sal volatile olei vitrioli** nennt und von d 

— 198 — 



1756 

wäsaerigen VitriolBäure untencheidet, welche schon über dem Gefrierpunkt 
des Wassers fest wird. 
1755 Joseph Black untersucht die Eaustizit^t der Alkalien und erklärt zuerst 
richtig den unterschied zwischen milden und ätzenden Alkalien und ihre 
Umwandlung ineinander. 

— Joseph Black beweist die Verschiedenheit der Magnesia, welche er durch 
Präzipitation aus Bittersalz darstellt, von der Ealkerde. Als unter- 
scheidende Merkmale betrachtet er die verschiedene Löslichkeit der schwefel- 
sauren Salze sowie des gebrannten Kalks und der gebrannten Magnesia im 
Wasser. ' Die Verschiedenheit an sich war bereits 1724 von Friedrich Hoff- 
mann behauptet worden. 

— BcwMhi gibt zuerst an, daß Kupfemiederschläge die Flamme des darüber 
abbrennenden Weingeistes grün färben. 

— Der Buchhändler und Buchdrucker Johann Gottlob Immanuel Briltkofrf in 
Leipzig eründet den Musiknotendruck mit beweglichen imd zerlegbaren 
Typen, welcher sich von dem bisherigen Verfahren (s. 1476 H., 1498 P. 
und 1525 H.), das gleichfalls als „beweglich'* („Caratteri mobili") be- 
zeichnet wurde, dadurch unterscheidet, daß alle einzelnen Teile der Note 
(z. B. an einer Achtelnote der Kopf, die Cauda und das Fähnchen) für sich 
getrennt gesetzt werden. 

— Der Schweizer Mich^ly dn Omt der lange Jahre auf der Feste Aarburg als 
Staatsgefangener interniert ist, ist der erste, der ein Landschaftspanorama 
(Gesamtansicht der Alpen) nach geometrischen Regeln richtig darstellt. 

— Jean Andr^ Dduc beobachtet zuerst, daß, um Eis zu schmelzen, es nicht 
ausreichend ist, dasselbe bis auf seine Schmelztemperatur zu erwärmen, 
sondern daß noch eine gewisse Quantität Wärme hinzugefügt werden muß, 
um die Arbeit, welche die Überführung in den zweiten Aggregatzustand 
bedingt, zu leisten. Clausius hat vorgeschlagen, die hierzu verbrauchte 
Wärme als Schmelzungswärme zu bezeichnen. 

— Leonhard Ealcr gelingt es, die Clairault*Bchen partiellen Differentialgleichungen 
auf einfachere Weise abzuleiten und in diejenigeForm zu bringen, in der sie 
heute noch zur Beantwortung der wissenschaftlichen Gleichgewichtsfragen 
flüssiger Körper angewendet werden. 

— Leonhard Eultr gibt in seiner Schrift „Institutiones calculi differentialis" 
die nach ihm benannten Zahlen (Euler'sche Zahlen, Sekantenkoeffizienten) 
an, gewisse Zahlen, die als Koeffizienten auftreten, wenn man sec x in 
eine Potenzreihe von x entwickelt. Die sechs ersten sind: 1, 5, 61, 1385, 
50521, 270715. 

— Immanuel Kant in Königsberg entwickelt in seiner „Allgemeinen Natur- 
geschichte und Theorie des Himmels" eine neue Anschauung von der Ent- 
stehung des Sonnensystems, wobei er die mechanische Theorie mit der 
teleologischen zu vereinigen sucht. (Vgl. 1750 W. und 1796 L.) 

— Während Galilei (s. 1610 G.) die Ansicht ausgesprochen hatte, daß die Milch- 
straße eine Anhäufung unzähliger, nahe aneinander befindlicher Sternchen 
sei, spricht Nicolas Louis ilt Lacaillc bei Gelegenheit der Durchmusterung 
der Nebel des Südfirmaments den Gedanken aus, daß dieselbe teils aus 
kleinen Sternen, teils aus unauflösbaren Nebeln bestehe, auf denen sich die 
Sterne projizieren, ein Gedanke, der durch die neuesten Forschungen, be- 
sonders die von Kapteyn Bestätigimg findet. 

— Der schweizer Physiker Martin von Planta erfindet die Glasscheiben-Elek- 
trisiermaschine, elf Jahre vor Jesse Kamsden, dem mit Unrecht diese Er- 
findung zugeschrieben wird. 

— Percival Pott führt zuerst eine Exstirpation beider Ovarien wegen irreponib- 
1er doppelseitiger Ovarialhemie aus. 

— 199 — 



1755 

1755 Johann Gottfried Zinn macht Untersuchnngen über daa Gefäßsystem im 
Ange und über den Glaskörper und bestätigt Demours' Befund. (S. 1741 D.) 
Er beschreibt zuerst das vom Rande der Retina zum Rande der linsen- 
kapsei gehende, nach ihm „Zonula Zinnii" benannte Aufhangeband der 
Linse, über das später DöUinger, M. F. Weber (1827) und Eugen 
Schneider (1827) Untersuchungen machen. 

1756 Marco Antonio CaManl beobachtet 33 Jahr vor Galvani das Zucken der 
Froschschenkel in der Nähe der Elektrisiermaschine, ohne die Wichtigkeit 
dieser Beobachtung zu ahnen. 

— Nicolas E>Mniamt untersucht die Verhältnisse der Vulkane der Auvergne, 
bekämpft die Meinung Guettards (s. 1751 G.), wonach der säulenförmige 
Basalt neptunischen Ursprungs sei, imd erkennt zuerst mit Bestimmtheit die 
Tulkanische Natur des Basalts, wie des Porphyrs und Granits. 

— Leonhard Eultr vervollkommnet die Theorie der Windräder (s. 1738 
B.) und entwickelt namentlich auf analytischem Wege den Ausdmok 
für die vom Winde auf eine doppelt gekrümmte Fläche übertragene 
mechanische Arbeit, wobei er zeigt, wieviel vorteilhafter eine solche Fläche 
ist, als eine Ebene. Zu ähnlichen Resultaten war Maclaurin 1752 auf 
geometrischem Wege gelangt. Die Theorie wird später von Coriolis (1829) 
und von Weisbach (1836) noch vervollkommnet. 

— Während bisher die Umwandlung des Bleiweißes, die hauptsächlich nach 
dem holländischen oder deutschen Verfahren erfolgte, in großen Töpfen 
vorgenommen wurde, schlägt Michael von Horbirt in Klagenfurt dafür zu- 
erst begehbare Kammern vor. Der unter Anwendung solcher Kammern 
vor sich gehende Prozeß heißt von da ab die „Klagenfurter Methode". 

— HohlMtf aus Hennemdorf konstruiert die erste HäckselschneidemaBchine. 

— Immanuel Kant stellt in seiner „Theorie der Winde*' das Drehungsgeeetz dee 
Windes auf, das später von Dove (s. 1835 D.) weiter entwickelt wird. 

— Johann Gottlieb LtldtnUrott wiederholt das von Boerhaave angegebene 
Experiment des sphäroidalen Zustands der Flüssigkeitstropfen, der nach 
ihm Leidenfrost'sches Phänomen genannt wird. (Vgl. 1732 B.) 

— Thomas Macanlay führt die erste künstliche Frühgeburt mit glückHohem 
Erfolge aus. 

— Pieter van MuitcliMbrotk macht bemerkenswerte Arbeiten über die Festig- 
keit der Baumaterialien. 

— Nachdem seit Hippokrates (s. 400 v. Chr.) die Kenntnisse der Skrofoloee 
wenig Fortschritte gemacht hatte, obschon Ärzte, wie Cullen, Wise- 
mann u. a. sich damit befaßt hatten, erläßt die Pariser Akadamie für Milr«||i 
ein Preisausschreiben, das Studien von Faure, Borden, Majault u. a. her- 
vorruft. Aber auch sie tragen ebensowenig wie die infolge eines sweiteo 
Preisausschreibens der Acad^mie de m^decine i. J. 1786 gemachten Arbeiten 
von Hufeland, Weber u. a. zur Klärung der Frage bei. 

— Philipp Pfaff in BerUn veröffentlicht ein epochemachendes Werk über die 
Zähne und deren Krankheiten. Er kennt drei Füllungsmaterialien, Blei, 
Gold und Stanniol, von denen das Gold das beste, seiner Kostspieligkeit 
wegen aber nur wenig zu brauchen sei. Er spricht auch von künstlichen 
Zähnen aus Kupfer, auf die er ein zartes Email aufträgt, und von Gips- 
modellen nach Wachsabdrücken des Kiefers. (Vgl. auch 400 v. Ghr.) 

— Der Pariser Apotheker Qulnquet verwendet zuerst den gläsernen Lampen- 
zylinder, dessen Idee schon zwei Jahrhunderte vorher von Leonardo da 
Vinci ausgesprochen wurde. 

— Der Londoner Architekt Ravthtad bringt bei dem Krankenhaus für alte 
Seeleute zu Stonehouse bei Plymouth zuerst das Pavillonsystem zur 
Durchführung. (S. a. 1714 L.) 

— 200 — 



1757 

56 Benjamin Robtat macht in La F^re den Veisnch, eiförmig gestaltete Gra- 
naten an Stelle der Rnndkngeln aus glatten GreBchützen zu verfeuern. Der 
Yersach mißlingt ans dem gleichen Grunde, wie bei Clamer. (S. 1627 C.) 
Doch gelangt das eiförmige Geschoß später bei dem Langblei des Dreyse- 
sehen Zündnadelgewehrs (s. 1836 D.) zu praktischer Bedeutung. 

- Nach einer Aufzeichnung des preußischen Majors von Scheele a. d. J. 1756 
hat der Regimentsfeldscher SchniMktrt von der Garde ein Pulver erfunden, 
,,davon man ohne Brot und ander Essen 14 Tage leben kann". Der vom 
König Friedrich II. angeordnete Versuch, wobei man das Pulver in Wasser 
einige Minuten aufkochen ließ, hatte ein günstiges Ergebnis. Die An- 
regung zur Herstellung seines „Pulvers wider den Hunger" scheint 
Schmuckert aus Frankreich erhalten zu haben. Man wird dieses Fabrikat 
als Vorlaufer der Erbswurst (s. a. 1867 G.) und ähnlicher Konserven an- 
lusehen haben. 

- John SoMatM macht die Beobachtimg, daß der aus tonhaltigen Kalksteinen 
gebrannte Kalk die Eigenschaft besitzt, unter Wasser zu erhärten, und 
benutzt einen solchen Kalk mit Zuschlag von Sand und Eisenschlacken 
als Mörtel beim Bau des Eddystone-Leuchtturms. (S. 1757 S.) 

'57 Michel Adttisoil konstatiert, daß Schwalben und andere Zugvögel im 
Oktober an der Westküste des tropischen Afrika eintreffen, aber nicht da- 
Belbst brüten. 

- Michel Aiansoii berücksichtigt bei der Beschreibung der am Senegal ge- 
fundenen ConchyUen zum ersten Male nicht bloß die Schalen, sondern auch 

«das Tier. Er tdlt die ConchyUen in Schnecken und Muscheln, in welcher 
Einteilung ihm 1767 G-eoffroy und 1774 Otto Friedrich Müller folgen. 

- Joseph Black lehrt die von Helmont zuerst charakterisierte Kohlensäure, 
die er als fixe Luft bezeichnet, näher kennen und hebt deren saure, 
Alkalien neutralisierende Eigenschaft hervor. Er beobachtet auch zuerst 
die Ausscheidung von Kohlensäure bei der Atmung. 

- Friedrich August Cardiw m r stellt das doppeltkohlensaure Kali dar, dessen 
Natur durch G. F. BoueUe, Cavendish und Bergman aufgeklärt wird. 

- Charles CavMilth konstruiert das erste Maximumthermometer, sowie das 
erste Minimumthermometer. 

- Nachdem durch ehester More Hall (s. 1 729 H . ) die Möglichkeit der Herstellung 
einer achromatischen Linse gegeben war, beschäftigt sich John Dollmid mit 
der Herstellung von Objektivgläsem, die er aus bikonvexen Crownglas- 
und konkaven FUntglaslinsen in vorzüglicher Qualität herstellt und durch 
die er seinen dioptrischen Femrohren eine große Überlegenheit über die 
bisherigen Instmmente gibt. 

- John FtÜMTflll empfiehlt Kino als „Novum gummi rubrum adstringens 
gambiense" zur Aufnahme in den Arzneischatz. 

- Albrecht von Halltr beschäftigt sich eingehend mit der Emährungsfrage 
und sucht die Mengen der Einnahmen und Ausgaben des Körpers zu er- 
mitteln. Er spricht klar aus, daß durch die Arbeitstätigkeit Stoffe des 
Körpers aufgezehrt werden, welche durch Nahrung wieder ersetzt werden 
müssen. 

- Albrecht von Hallar macht Beobachtxmgen über die Entwicklung des 
Keims im bebrüteten Ei und über das Knochenwachstum. Er vertieft 
die Anschauungen von Glisson (s. 1672) und Cornelio (s. 1680) in bezug 
auf die Kontraktionsfähigkeit der Muskeln und Gewebe und zeigt, daß 
die Lebensleistung eines jeden Organs ihren Sitz in dem Organ selbst hat, 
und daß die Kräfte, welche die charakteristische Tätigkeit eines Organs 
bedingen, in diesem selbst gegeben sind. Er trägt durch diese seine Irri- 

— 201 — 



1757 

tabilit&tBlehre dazu bei, daß die Lelire von der Lebenskraft allinfthlich « 
Boden verliert. (Vgl. auch 1780 B.) 

1757 Peter HogsMm macht in seiner Abhandlung „Von der Verwahrung de 
Getreides und der Grewächse vor Frost durch Rauch" den Vorschlag, Ge 
treidefelder u. dgl. vor den Übeln Folgen der Nachtfröste durch Ranch 
erzeugung zu schützen, wie dies in alten Zeiten vielfach geübt wurde 
(S. 1580.) 

— John SniMton erbaut in den Jahren 1757 — 1759 einen steinernen Leuchttun 
auf den Eddystone Rocks, etwa 14 englische Meilen südlich von Plymontli 
Der Bau, unter großen Schwierigkeiten ausgeführt, darf als eines de 
kühnsten Werke der Wasserbaukunst gelten. Von der Brandung mit de 
Zeit unterspült, ist der Turm später abgebrochen und 1878 — 82 dud 
einen 51 m hohen Neubau ersetzt worden. (Vgl. a. 1756 S.) 

— Alexander Wlltoa erfindet die araeometrischen Glasperlen, kleine hohl 
Glaskugeln von ungleichem Gewicht, numeriert nach den Abstufungen de 
Dichte der Flüssigkeiten, in welchen sie einen ihrem Gewicht gleiche 
Gewichtsverlust erleiden. Wirft man eine Anzahl solcher Kugeln in di 
zu untersuchende Flüssigkeit, so sinken sie teils zu Boden, teils stdge 
sie empor, teils erhalten sie sich schwebend in der Flüssigkeit. Die letzter 
geben die gesuchte Dichte an. 

1758—71 James Brindtoy baut auf Kosten des Herzogs von Bridgewater de 
61 km langen Bridgewater-Kanal, der die Steinkohlengruben des Herzog 
mit Manchester und Liverpool verbindet und dadurch besonders bemerkeni 
wert ist, daß er vermöge eines 183 m langen und 12 m hohen AquAdokt 
über den schiffbaren IrweU und den Mersey führt. 

1758 Der englische Militärarzt BroekiMby macht die ersten Versuche einer Bi 
handlung der Kranken in behelfsweise hergestellten Hütten leichteste 
Bauart. Er konstruiert zu diesem Zwecke auf einer Art von Pfahlrost ii 
Holzbau ausgeführte kleine Feldlazarette (für 24 — 30 Kranke), welche ni 
Unterstützung der Luftzirkidation mit Öffnungen im Dach versehen sind 
Er ist damit der erste, der die Dezentralisation bei den Krankenhaus 
anlagen anbahnt. (Vgl. indes auch 1714 L.) 

— John diamploii in England ermöglicht die Verarbeitung der Zinkblende so 
Zink, indem er die Röstung derselben einführt, bei welcher der Schwefe 
ausgetrieben und das Zink oxydiert wird. 

— Nachdem £. Bartholinus (s. d. 1670), sowie der schwedische Bergrat Andre« 
von Swab (1738) gelegentlich das Lötrohr bei mineralogischen Unta 
suchungen angewendet hatten, begründet Axel Fredrik OrwitMt in Stock 
holm die planmäßige Anwendung des Lötrohrs in der Mineralanalyse. £ 
gibt eine Klassifikation der Mineralien, in welcher er dem Sand kein 
besondere Klasse zuerkennt, da derselbe ein Gemisch kleiner Steine seL 

— Jean Dsietiiitt entdeckt die hintere Basalmembran der Hornhaut, die nad 
ihm „Membrana Descemetü'* genannt wird. Auf die Priorität diese 
Entdeckung machte auch Pierre Demours, indes mit weniger Recht, Ai 
Spruch. 

— Henri Louis DubanMl du Monctau begründet mit seiner „Physique d'arbies 
die wissenschaftliche Epoche des Forstwesens. 

— Henri Louis Duhamel du Monceau macht die ersten Versuche, Pflanzen i 
destilliertem Wasser zu kultiWeron, dem er die Nährstoffe in paasendi 
Form und abgewogener Menge zusetzt. Es gelingt ihm, wie später Th^odoi 
de Saussure (1804), Humphry Davy (1804), Julius Sachs (1859) und Kno 
(1861) auf diese Weise Pflanzen in vollkommen normaler Ausbildung an 
mit reifem, fortpflanzungsfähigem Samen zu gewinnen. 

— 202 — 



175» 

i8 Leonhard Entor veröff entlieht den nach ihm benannten Satz: In jedem von 
Ebenen begreneten, einfach zusammenhängenden Körper („Euler'schem 
Polyeder'*) ist die Anzahl der Ecken, vermehrt um die der Flächen, gleich 
der um 2 vermehrten Anzahl der Kanten. Indes haben Descartes und 
vermutlich auch Archimedes diesen Satz schon gekannt, da der letztere 
sonst schwerlich die Stempolyeder vollständig hätte angeben können. 

• Der Engländer Evtrttt baut die erste durch Wasserkraft betriebene Tuch- 
schermaschine, deren Scheren den Handscheren nachgeahmt sind. 

• Benjamin FTinkllii studiert in eingehender Weise und auf streng wissen- 
schaftlicher Grundlage den durch den Schornstein hervorgerufenen Luftzug 
und empfiehlt die Schornsteine zur natürlichen Lüftung und Kühlung der 
Wohnungen. Eine Erweiterung seiner Untersuchungen findet sich in seiner 
i. J. 1785 erscheinenden Schrift „Beobachtungen über die Ursachen und die 
Abhilfe von rauchenden Kaminen". 

• Der Wiener Arzt Anthony 4t Hatn verwendet das Thermometer in größerem 
Maßstab in der Medizin und benutzt dasselbe namentlich zur Messung der 
Fiebertemperatur. 

- Karl von Lliia^ führt die schärfere Bestimmung der Arten und ihre binäre 
Benennung für alle ihm bekannten Tiere durch. (10. Auflage seines „Sy- 
stema naturae'*.) 

- Andreas Sigismund Margfraff weist nach, daß die Farbe des Lasursteins 
(Lapis lazuli) nicht von einem Gehalt an Kupfer herrühre, daß das färbende 
Prinzip vielmehr Eisen sei. Klaproth findet 1795 als seine Bestandteile 
Kieselerde, kohlensauren Kalk, Alaunerde, schwefelsauren Kalk, Eisenoxyd 
und Wasser. 

- Jedediah 8trutt baut den Handkulierstuhl von Lee (s. 1589) zur Erzeugung 
von durchbrochenen Wirkwaren (Derby-rib machine) um. 

- Andreas von 8»ab macht bei Gelegenheit der Untersuchung eines Zeoliths 
zuerst auf das Gelatinieren der Kieselsäure (Kieselgallerte) aufmerksam, 
über das Bergman 1777 genaue Angaben macht. 

59 Franz Ulrich Theodor Atplnus eliminiert aus der Elektrizitätslehre die 
Cartesianischen Vorstellungen von Ausflüssen und führt in dieselbe die 
Newton'sche Anschauungsweise der Kraftäußerung, die „Actio in distans" ein. 

- Giovanni Ariuino teilt zuerst in seiner Abhandlung über die Gebirge von 
Padua, Vicenza und Verona die Berge nach ihren Lagerungsverhältnissen 
und nach ihrer Entstehung in primitive (ohne Versteinerungen), sekundäre 
und tertiäre (mit Überresten von Pflanzen imd Tieren) und in vulkani- 
sche ein. 

- Nachdem bereits 1736 zu Irkutsk in Sibirien bei strenger Kälte ein Ge- 
frieren des Quecksilbers im Thermometer beobachtet worden war, gelingt 
es zuerst Josias Adam Braun in Petersburg, das Quecksilber durch eine 
künstliche Kältemischung (Schnee und vordünnte Salpetersäure) zum Ge- 
frieren zu bringen. 

- Johann Heinrich Lambert gibt in seiner Schrift „Die freie Perspektive** die 
Grundlehren der Zentral- und Parallelprojektion. 

- L. L. F. de Lanrafuait entdeckt den Essigäther bei Destillation starker 
Essigsäure mit Weingeist, wobei vermutlich eine Mineralsäure zugegen war. 

- Andreas Sigismund Marfcraff bestätigt, daß die Magnesia eine besondere 
Erde ist (vgl. auch 1755 B.) und erkennt deren Vorkommen in verschie- 
denen Mineralien, wie im Serpentin, Speckstein, Amianth und Talk. Das 
Vorkommen der phosphorsauren Magnesia in den Knochen stellen 1803 
Fourcroy und Vauquelin fest. 

• Jos^ Celestino Mails wendet zuerst die Angosturarinde als Heilmittel an. 

— 203 — 



1769 

Nach Dentechland gelangt sie erst 1788 durch die englkohen Äiste Ewi 
und WilUams, die sie von Trinidad mitgebracht hatten. 

1769 William PorttrfMd gründet auf den Scheiner'schen Versuch (s. 1615 S.) ei 
Optometer, d. i. ein Instrument, welches durch Bestimmung des Fen 
Punktes des Auges den Refraktionszustand und durch gleichzeitige B< 
Stimmung seines Nahepunktes die Akkommodationsbreite festzusteDe 
gestattet. 

-a> John Roblson ist der erste, der die Anwendung der Dampfkraft für StraB« 
wagen, und zwar seinem Freunde James Watt vorschl&gt. 

— Fran^ois 8auvaget dt la Croli bringt den Ausdruck „Typhus" für eine \h 
stimmte Gruppe von Affektionen, und zwar einerseits den nervösen, gaste 
sehen und Abdominaltyphus, andererseits den Flecktyphus zur allgemeinei 
Anwendung in der Pathologie, doch werden Abdominal- und Flecktyphus en 
1810 durch Hildenbrand und namentlich 1836 durch Grerhard und Pennod 
genauer unterschieden und gegeneinander abgegrenzt. 

— Johann Heinrich von SchQte in Augsburg scheint zuerst die gestDohenei 

Eupferplatten zum Drucken in der Kattundruckerei verwandt zu haben 

— John SmeatiNi findet in seinen Untersuchungen über die Friktion beim Ein' 
griff von Rad- und Getriebezähnen als beste Gestalt der Zähne für die 
Kammräder die zykloidische, für die Stirnräder die epizykloidische. 

— Robert Symmtr begründet die dualistische Theorie der Elektrizität, in 
welcher die auch heute noch vielfach benutzte Hilfsvorstellung von den 
zwei elektrischen Fluiden zum Ausdruck gebracht ist. 

— Josiah Wtdfwood gelingt es, unter Vervollkommnung der Astburyschen Ent- 
deckung (s. 1720 A.) aus weißem Tone von Devonshire und gemahlenem 
Feuerstein milchweißes Steinzeug und Geschirr herzustellen, das er mit einer 
glänzenden Glasur versieht und unter dem Namen „Queen -Ware" in den 
Handel bringt. 

— Josiah Wodfwood erhält durch Brennen einer mit verschiedenen Metalloxy- 
den gemischten Tonmasse Nachahmungen von farbigen Steinen (namentiioh 
Achat) und erfindet die sog. Jaspistöpferei, welche auf der Herstellung einer 
besonders zarten und schönen weißen Masse beruht, die sich durch Zusaii 
von Metalloxyden in der ganzen Substanz färben läßt. Durch Anbringung 
von Reliefs in weißer Masse auf gefärbter Unterlage stellt er die nzoh 
ihm benannte „Wedgwood-Ware" her. 

— Johann Heinrich Zleglcr bestimmt die Spannkraft des Wasserdampfs, indem 
er Dampf in einem abgeschlossenen Raum erzeugt und feststellt, welohei 
Druck bei einer bestimmten Temperatur entsteht. Von gleichem Priniip 
gehen Watt (s. 1764 W.), B^tancourt (s. 1792 B.) und G. Schmidt bei ihren 
Bestimmungen aus. 

1760 Robert Bakowell bewirkt durch sein Züchtungs verfahren die Verbeasemni 
des Leicesterschafes und des „Longhom"- Rindes in so vollendeter Weine, 
daß er eine ausgezeichnete Grundlage zu allen weitem Fortschritten 1^ 

— Johann Gottlob Immanuel Breltkopf in Leipzig unterzieht die Formen d« 
Fraktur- oder sog. „deutschen" Druckschrift (vgl. 1522 Dürer), welche im 
17. Jahrhundert aUe Schönheit verloren hatte, einer durchgreifenden Yer 
bcsserung. Durch seine Bestrebungen, die im Anfang des 19. Jahrhunderti 
durch die Schriftschneider Gebrüder Walbaum fortgesetzt werden, hat da 
Frakturdruck seine heutige Form erhalten. 

— Pieter Camper weist zuerst nach, daß die Linse des Auges, wie Leeuwen 
hoek vermutet hatte, aus Fasern besteht. 

— Pieter Camper stellt den Gesichtswinkel als RaAscnmerkmal auf und madu 
die ersten Versuche der Messung von Schädeln, über welche er in sein« 
Schrift „Über die Verschiedenheit der Gesichtszüge des Menschen" beriohteit 

— 204 — 



1760 

1760 Domenico IMiifHO entdeckt beim Kochen des Hama von Wassersüchtigen 
und Diabetikern eine gerinnbare Substanz, die sich als Eiweiß erweist. 
Er entdeckt den „Aquaeductus Cottunnii" im Felsenteil des Schläfen- 
beins und Uefert zuerst den sicheren Nachweis, daß das Labyrinth Flüssig- 
keit enthält, während bis dahin die aristotelische Ansicht galt, daß das- 
selbe Luft enthalte. 

— Qtutafftf führt eine Losung von basisch essigsaurem Blei als äußerlich zu be- 

nntzendes Mittel in den Arzneischatz ein. (Goulard*sches Wasser.) 
^ Wer der erste Erfinder der Eunsthefe ist, läßt sich nicht mit Sicherheit 
feststellen. Die ersten Nachrichten darüber gibt Ferdinand Juttl in seinen 
„ökonomischen Schriften über die wichtigsten Gegenstände der Stadt- und 
Landwirtschaft". 

— Robert Kay, Sohn von John Kay, ermöglicht durch die Doppel- oder 
Wechsellade im Webstuhl das Einschießen verschiedenfarbiger Fäden. 

— Knoop in Holland behandelt in seinem „Hortulanus mathematicus'* die 
Obstzucht und gibt eine ausführliche Beschreibung der europäischen 
Obstsorten. 

— Der Mathematiker Joseph Loms Lagrangs in Turin gibt ein Verfahren zur Lösimg 
der Angaben der Variationsrechnung an, das im wesentlichen noch heute 
b«[iutzt wird. Eine weitere Förderung hat die Variationsrechnung ge- 
funden durch Jacobi, Weierstraß, Schwarz und A. Mayer. 

" Johann Heinrich LamlMit zeigt, daß die durch einen Körper hindurch- 
gehende Lichtmenge in geometrischer Reihe abnimmt, wenn die Dicke 
des Körpers in arithmetischer Reihe wächst. Dieses nach Lambert be- 
nannte Gesetz wird 1828 von J. F.^ W. Herschel und 1853 von Beer (s. d.) 
bestätigt. (S. a. 1857 B.) 

— Johann Heinrich Lambert erfindet gleichzeitig mit Pierre BoofiMr das Photo- 
meter (Schattenphotometer) und begründet die Lehre von der Messung 
des Lichts (Photometrie). 

— Martin Frobenius LcdtrmAllar gebraucht zuerst die Bezeichnung „Infusions- 
tiere", die später in Infusorien abgekürzt wird. 

-- Anne Charles Larry macht die ersten Untersuchungen über das Atmungs- 
zentrum. (S. a. 1812 L.) 

-- Johann Tobias Mayer der Ältere gibt seine auf die Theorie der Mond- 
bewegung (s. 1753 £.) gegründeten Mondtafeln heraus, aus welchen man 
den Ort des Mondes am Himmel für jede gegebene Zeit ohne Schwierig- 
keit herleiten kann. Diese Mondtafeln ermöglichen erst die Ausführung 
der von Vespucci vorgeschlagenen Längenbestimmung nach Monddistanzen. 
(VgL 1499 V. und 1766 W.) 

— John Michail steUt eine Hypothese über die Fortpflanzung der unterirdischen 
Bewegungen auf, wobei er annimmt, daß die Ursache dieser Bewegungen 
in den im Erdinnem erzeugten Dämpfen zu suchen ist. Er hat eine rich- 
tige Vorstellung von dem Wesen der geologischen Schichtung und weiß, 
daß die Schichten in der Niederung meist wagerecht, im Gebirge dagegen 
vielfach gebogen und gebrochen sind. 

— Johann Joosten Mutschanbroak erwähnt zuerst den Farbenkreisel, der auf 
ähnlichem Prinzip wie die stereoskopischen Scheiben (s. 1832 P.) beruht. 

^ Der französische Chirurg Hugues Ravaton benutzt zuerst einen an vier 
Ringen aufgehängten Stiefel aus Blech zur „schwebenden'* Lagerung ge- 
brochener Beine, eine Erfindung, die gewöhnlich Sauter zugeschrieben wird. 

<— John Smaaton erfindet das Zylindergebläse imd führt zuerst ein solches mit 
vier gußeisernen Zylindern für den Hochofen des schottischen Eisenwerkes 
Carron aus. 

— Lazzaro Spallanmuil macht Forschungen über die Infusionstierchen, den 

— 205 — 



1760 

Kreislauf des Blutes und die Zeugungslehre und führt insbesond* 
Nachweis, daß die Befruchtung durch die Samenkörper stattfindet 

1760 Anton ¥Ml Störk wendet zuerst den Schierling, den man bis dahin 
gehends als Gift betrachtet hatte, in der Medisin und zwar innerlid 
Rhachitis, Beinfraß und gegen Kachexie an. 

— Clifton Wlntringham, Arzt in London, führt die von Borelli begi 
Jatromathematik in bahnbrechender Weise weiter. 

1761 Jean Astrac bearbeitet die Hautkrankheiten und sucht schon fast g 
modernen Sinne den anatomischen Sitz der einzelnen Hautaffektion 
zustellen. Er unterscheidet Epidermis, Schleimmembran, Cutis, S< 
drüsen, Talgdrüsen, Haarbälge und Nervenpapillen. 

— Joseph Leopold Auenbragfir begründet in seinem Buche „luven tum 
ex percussione thoracis humani ut signo abstruses intemi pectoi 
bos detegendi** in wissenschaftlicher Weise die Perkussion des Thoi 
er systematisch zur Diagnose der Krankheiten der Brusthöhle l 
(S. a. 1685 L.) 

— Johann Ullrich Bllfutr liefert den Nachweis, daß sehr viele Gliede 
Zungen, die nach den bis dahin geltenden Grundsätzen dem Ampu' 
messer verfallen waren, zur Heilung zu bringen sind und wird da: 
Vorläufer der konservativen Chirurgie. 

— Der Wagner BIrner in München konstruiert die erste Schubfeuerlei' 
der zwei gleich breite und gleich lange Leitern aufeinander liegen un 
eiserne Hülsen verbunden sind. Die Verlängerung geschieht durc 
ziehen der obem Leiter und Befestigung derselben in ihrer Lag< 
eine einfache Hakenkonstruktion. 

— Henri Louis DuhanMl du MoncMU erwähnt zuerst, daß im Norden 
reichs und in England Ölkuchen (besonders Raps-, Lein-, Hanf- uo 
nuskuchen als Düngemittel Verwendung finden; doch wird diese . 
Düngung erst um 1850 aUgemeiner. 

— Die tnglltclie AdmlralHit beginnt mit der Kupferbeplattung der Schi 
Schutz gegen Bohrmuscheln. 

— Der französische Orientalist Joseph te GuIgnM weist in seiner „1 
g^n^rale des Mogols" auf die Möglichkeit hin, daß vielleicht sc] 
5. Jahrhundert n. Chr. von China aus über Kamtschatka und die Aleul 
bindungen mit Amerika stattgefunden haben können. Er sucht 
weisen, daß die Chinesen Amerika unter dem Namen „Fusang** ^ 
hätten. Nach neueren Forschungen ist indes Fusang identis« 
Sachalin. 

— Gottlieb Kölrtutir macht die ersten Untersuchungen über die B 
befruchtung und über die Bestäubungseinrichtungen der Pflanzen. 

— Der auch sonst um die Schiffshygiene verdiente Dr. James Lind befü 
dringend die Wasserdestillation an Bord der Schiffe (s. a. 1717 C 
gibt die erste Idee zur Vereinigung des Kochapparates mit dem E 
tionsapparat; er stellt zuerst die Behauptung auf, daß kein Zusi 
Salzen nötig sei, um destilliertes Seewasser trinkbar zu machen. 

— Andreas Sigismund MarfS^aT fördert durch seine „Chy mischen Schrift 
analytische Chemie in allen ihren Zweigen. 

— Nevil Maiktlyiif beobachtet zuerst beim Venusdurchgang am 6. Juni 
scheinung einer dunklen brücken artigen Verbindung zwischen Veni 
Sonnenwand an der Stelle, wo die innere Berührung stattfindet, d 
„Schwarzen Tropfen". 

— Giambattista Morfafiii stellt die pathologische Anatomie des Oh: 
eine feste wissenschaftliche Grundlage. Er beschreibt das Antrum 
deum, den Inhalt der Paukenhöhle der Neugeborenen und die Bec 

— 206 — 



1762 

der Tuben und yerbratet sich über die Beziehungea der Mittelohreitenmgen 
«ad Gebimabsseeae und über den Wert der Knochenleitung. 
lil ^unbatÜBta Wlwg lf I handelt in seinem Buche „De sedibus et causis inor- 
bonim per anatomen indagatis" in epochemachender Weise von den Frauen- 
krankheiten und gibt Mittel zu deren Bekämpfung an. 

- Giambattista liarflTil beschreibt das nach ihm benannte Taschenband im 
Kehlkopf, erwähnt dessen Appendix, die Drüsen im Ventrikel und präpariert 
den später nach Wrisberg benannten keilförmigen Knorpel. Er untersucht 
als erster den Kehlkopf pathologisch-anatomisch. 

• Canten lOaMtf bereist im Auftrage der dänischen Regierung Arabien, Per- 
tien, Palästina und Kleinasien und wird durch seine Schilderungen und 
Karten, die Fülle von Beobachtungen und die Aufnahmen von Denk- 
mälern der Bahnbrecher für das tiefere Eindringen in die Kunde des Orients. 

• Johann Grottakalk WaHtrtaa stützt in seiner Schrift „Agriculturae funda- 
menta ehemica" die Grundsätze des Ackerbaus auf die Vergleichung der 
Bestandteile der Pflanzen mit den Bestandteilen des Bodens. 

12 Charies B a—tt untersucht in seinen „Consid^rations sur les corps organis^" 
die Zeogunptheorien und nimmt eine Präformation der Keime an, welche 
namentlich auch durch Albrecht von H aller und Spallanzani vertreten wird. 

- Auf Anregung des französischen Tierarztes Claude Bourfalat wird zu Lyon 
die erste europäische Tierarzneischule gegründet. Bourgelat schreibt über 
die Proportionen des Pferdekörx)erB und erfindet da« Hippometer zur Be- 
stimmung derselben. 

- James BnMay gibt einen mustergültigen Sternkatalog mit 3222 Stern - 
örtem heraus. 

" John Gairtaa gelingt der Nachweis, daß das Wasser durch einen äußeren 
Druck eine Verminderung des Volums erfährt, daß es also kompressibel 
ist (S. a. 1661 A.) Im gleichen Jahre verbessert er das Keibzeug der 
Elektrisiermaschine, indem er das dazu dienende geölte Seidenzeug mit 
dner Mischung von Zinnamalgam und Kreide bestreicht und so die Wir- 
kung erheblich erhöht. Dies Amalgam wird 1788 von Kienmayer in 
Wien noch verbessert und nach ihm benannt. 

- rakkl in Northwich macht die erste Resektion des Kniegelenks, die dann 
von Park (1781), Moreau (1792) und namentlich von William Fergu88on( 1850) 
wesentliche Verbesserungen erfährt. 

- Der Geolog G. (Christian FOehttl stellt eine scharf ausgeprägte Ter- 
minologie der Geologie auf und definiert zuerst die Begriffe „Schicht**, 
,Jiager'* und „Formation**. Sein Hinweis, daß jede Schicht (sowie Forma- 
tion) zugleich eine bestimmte Periode in der Entwicklung der Erde be- 
zeichne, ist in der Folge grundlegend geworden. 

• diarles La Roy widerlegt die durch das ganze Mittelalter verbreitete Lehre, 
daß der Tau von oben herabkonime und deutet den später bestätigten 
Credanken an, daß bei der Kälte der Nacht die Luft den bei Tage ver- 
schluckten Wasserdampf nicht bei sich zu behalten vermöge. 

' Ehsabet Christina van Linn^ berichtet an die schwedische Akademie der 
Wissenschaften über die von ihr gemachte Entdeckung des Leuchtens der 
Blüte der Kapuzinerkresse, das sie zuerst im väterlichen Garten in Upsala 
beobachtet hat. 

Marcus Antonius Planciz stellt die erste, der heutigen sehr ähnliche Theorie 
der ätiologischen Bedeutung der Mikroorganismen für die Entstehung der 
Infektionskrankheiten auf und erklärt die Fäulnis durch die Entwicklung 
und Vermehrung der Keime „wurmartiger** Wesen. 

Anton ¥011 Stfrk wendet den Eisenhut (Aconitum) iuierst medizinisch gegen 
Wechselfieber, Geschwülste und gegen rheumatische Zustande an. Er führt 

— 207 — 



1762 

das von den Alten bereits angewendete Bilsenkraut wieder ein, wie er 
auch zuerst den Stechapfelextrakt und im Jahre 1763 auch das Colchicum 
autumnale medizinisch anwendet. 

1762 Johann Karl Wllckt spricht das Prinzip des Elektrophors aus, dessen Wiik- 
samkeit auf der Influenz (vgl. 1753 C.) beruht. 

1763 Der vom Gouverneur von Sibirien, Tschitscherin , auf eine Entdeckungh 
fahrt nach Norden ausgesandte Sergeant Andrtjtw erreicht die südwestüolis 
Fortsetzung des jetzt als Wrangell-Land bezeichneten, aus zahlieidNB 
kleineren und größeren Inseln bestehenden Landkomplexes. 

— Joseph Black bestimmt zuerst die spezifische Wärme einer Ahk^Ii| von 
Körpern nach der Mischungsmethode. Ausgedehnte Versuche jnaoh dieser 
Methode machen auch Wilcke (1764) und Crawford (1778). 

— Joseph Black bestimmt zuerst die Verdampfungswärme (latente Wftrme) ii. 
roher Weise, indem er ein kleines eisernes Grefäß mit Wasserbau! einea mög- 
lichst gleichmäßig brennenden Ofen stellt und die Zeit beobachtet, ift 
welcher das Wasser auf 100® steigt, und die, in der es verdampft. 

1763—67 Nachdem Pardies (s. 1673 F.), Newton (1687), Jean Bemoulli (1742)ii]id 
Leonhard Euler (1747) die Probleme des Schiffswiderstandes zu lösen yer- 
sucht hatten, ohne jedoch befriedigende Resultate zu erzielen, macht Jeai 
Charles Bortfa ausgedehnte Experimente mit Schiffsmodellen, Prismen und 
Zylindern, die den Weg zur Aufstellung einer Widerstandsformel zeigen 
sollen, jedoch ebensowenig als die Nachprüfung dieser Versuche diudi 
Th^venard, Bezout, Condorcet und Bossut (1775 — 78) zum Ziel führen. 

1763 Richard Lovell Edcewortii, Mitglied des englischen Parlaments, l&ßt eüMO 
optischen Telegraphen zwischen London und Newmarket zu seinem Priyai- 
gebrauche herstellen, soweit bekannt die erste neuzeitliche Anwendung dei 
optischen Telegraphie. (Vgl. 400 Vegetius und 1793 Cliappe.) 

— Albrecht von Hallcr spricht in seinen „Elementa phjsiologiae'' die Über- 
zeugung aus, daß man aus den anatomischen Veränderungen, die man an 
den Leichen Tobsüchtiger und Blödsinniger finde, manchen nütiUohai 
Schluß auf die Funktionen der verschiedenen Hirnteile ziehen könne. 

— Nachdem die Zichorie schon längere Zeit hindurch am Harze als Kalfea- 
surrogat verwendet worden war, lenkt der Major vo« Hslm die Aufmeik- 
samkeit weiterer Kreise auf dieses Präparat. Seitdem bürgert sich die 
geröstete Zichorie als Zusatz zum Kaffee und als Ersatz desselben immei 
mehr, zunächst in Norddeutschland, ein. 

— Hulot konstruiert einen Schraubstock, der sich um eine horizontale AohM 
drehen und sich außerdem in der Vertikalebene neigen läßt, wodurch dem 
eingespannten Arbeitsstück die verschiedenste Lage gegeben werden kann. 

— Johann Heinrich Lambert gibt eine Theorie des Sprachrohrs und schUgi 
vor, das konische Sprachrohr durch ein anderes zu ersetzen, daa ans eineii 
Ellipsoid und einem Paraboloid zusammengesetzt ist. 

— Giambattista Morgagni behandelt zuerst in umfassender Weise die patfao* 
logische Anatomie der Geisteskrankheiten und teilt sowohl Kranken 
geschichten als auch Leichenbefunde mit. 

— Der Kaufmann Johann Jacob Ott in Zürich macht die ersten konseqnentei 
Messungen der Boden temperatur in verschiedenen Tiefen. (3. 1616 M. 

— Der Schichtmeister Johann J. Poltunow zu Barnaul in Sibirien erbaut ein 
Dampf- Gebläse in aschine zur Winderzeugung bei metallurgischen OperationeD 

— Johann Gottskalk Wallerlat gibt eine umfassende Kritik der Kennzeiohei 
der Mineralien, die dem mineralogischen Studium eine neue Richtung gib 
und die systematische Einteilung der Mineralien erleichtert. 

— John Wilson aus Ainsworth verbessert die Baum wollsam tfabrikation, indei 
er das die Samtstoffe charakterisierende Haar aus einem Polsohuase bilde! 

— 208 — 



1765 

Um das Haar abzugleichen, bearbeitet er znerst den Stoff auB freier 
Hand mit dem Rasiermeeser, fuhrt aber dann das Absengen, erst mit 
der Weingeistflamme, dann mit glühendem Eisen ein. In neuerer Zeit wird 
statt dessen das Abscheren auf der Schermaschine angewendet. 

64 Louis Claude CaM dt Ganleowt entdeckt die rauchende arsenikalische 
Flüssigkeit, flüssiger Pyrophor genannt, von der Bunsen bei seiner Arbeit 
aber das Kakodyl ausgeht. 

- Domenioo Cotugno beschreibt zuerst die Neuralgie der Hüftnerven, Ischias, 
die nach ihm „Malum Cotunnii" genannt wird. 

- Während man in der Buchdruckerei den „Kegel*' (d. i. die Stärke des 
Typenkörpers in der Richtung der Höhe des Buchstabenbildes) bis dahin 
in willkürlichen Abstufungen w&hlte, stellt zuerst der französische Schrift- 
gießer Fornrntor It Jtans bestimmte Regeln auf und gibt in seiner Schrift 
„Manuel typographique" eine nach sog. typographischen Punkten ge- 
staltete Einteilung der Typen. (Vgl. 1879 B.) 

- Die Brüder Qravtnhorit in Braunschweig erfinden das Braunschweiger Grün 
(basisches Kupfercarbonat). 

- Erik Laxmann in St. Petersburg benutzt zuerst in rationeller Weise das 
Glaubersalz als Flußmittel bei der Glasbereitung. Durch Baader (1803), 
Scholz und Kim (1839) wird die Verwendung des Glaubersalzes weiter 
gefördert, doch erst durch Pelouze*8 Bemühungen, der das Glaubersalz 
vöUig eisenfrei herstellt, wird dessen Verwendung auch für weißes Glas 
ermöglicht. 

- Antoine Louis empfiehlt bei Blutungen nach Amputationen statt der 
Toumiquets die Digitalkompression. 

- David MacMdo erkennt die bei der Gärung auftretende Gasart als Kohlen- 
saure. Die Quantität der entstehenden Kohlensäure wird zuerst 1766 von 
Cavendish bestimmt. 

- Andreas Sigismund Marfcriff führt den exakten Beweis für die viel be- 
strittene Präezistenz des Alkalis in der Pflanze, der 1774 durch Wiegleb 
noch vervollkommnet wird. Urban Hiäme hatte diese Präexistenz schon 
1707 behauptet, während Heimont, Boyle, Lemery und Stahl sie ge- 
leugnet hatten. 

- James Watt macht Versuche über die Abhängigkeit der Spannkraft des 
Wasserdampfs von der Temperatur und über den Dampfverbratich der 
Newcomen'schen Maschine. 

65 Im Gregensatz zu der 1604 erschienenen Karte Tirols von Warmund Ygl 
und den Kartenbildem der Alpen von Matthias Seutter gibt Peter Anich 
in seinem „Atlas Tirolensis'* die Berge und Gletscher in richtiger Weise 
und in naturtreuer Darstellung wieder. 

- Der englische Techniker Cragtr erfindet die Kettenspulmaschine. 

- Leonhard Eultr, der 1736 eine Theorie der Präzeesion gegeben hatte, gibt 
in seinem Werke „Theoria motus corponim solidorum seu rigidorum'* eine 
gnmdlegende Theorie der Hauptachsen der Drehung im allgemeinen, sowie 
die Darstellung der Bewegungen um beliebige Achsen in spezielleren Fällen. 
Er entwickelt daselbst zuerst den Begrifi des Trägheitsmoments und gibt 
ihm auch den Namen. („Momentum inertiae.*') 

' Feiice Fontana publiziert eine wertvolle Arbeit über das Vipemgift und 
beobachtet die nach ihm benannte Bänderung an den Nervenstämmen. 

' Albrecht von Hailsr lehrt auf experimentellem Wege die große Schädlichkeit 
faulender Substanzen kennen und führt die seit dem Altertum bekannten 
und voa Hippokrates, Celsus und Boerhaave beschriebenen „Fibrae pesti- 
ferae** (Septichaemie) auf Fäulnisstoffe der Luft zurück. 
Francis Homt beschreibt — unter dem von Patrik Blair 1713 geschaffenen 
Darmgtaedter. 14 

— 209 — 



1765 

Namen Croup — die Diphtherie als eine Krankheit entzündlicher Art und 
weist auch wie Villa Beal (s. 1611 V.) auf die charakteristiBche Membnn- 
bildung hin. So vorzüglich die Abhandlung ist, so trägt sie doch zu 
Verwechslungen zwischen Croup und Diphtherie bei, die erst durch Bre- 
tonneau's Eingreifen (s. 1818 B.) beseitigt werden. 

1765 La Sallo erfindet das Papier, auf welches man die Muster für Weberei und 
Stickerei zeichnet (Patronenpapier) und bemüht sich, den Zugstuhl für 
größere Dessins, namentlich auch für Möbelstoffe, zu verbessern. 

— Otto von MOnchhausMi entwickelt in seinem „Hausvater" die Theorie 
' des Pfluges. 

— Jakob Christian MMhf, evangelischer Prediger in Regensburg, erfindet 
das Holzstoffpapier, das er aus feinen, mit Wasser zu Brei verriebenen 
Sägespänen herstellt. Seine Erfindung verfällt der Vergessenheit. Doch 
ist seine Priorität gegenüber Keller (s. 1843 K.) unbestritten, wie dies dnich 
seine Schrift „Sämtliche Papierversuche, sechs Bände, nebst 81 Mustern, 
Regensburg 1766'* klar bewiesen wird. Schäffer hat auch zuerst ein nn* 
verbrennUches Asbestpapier hergestellt, und die Verwendung des Papien 
zu Kleider- und Wäschestoffen empfohlen. 

— Lazzaro Spallanianl erfindet im Laufe seiner Untersuchungen über die toe 
John Tuberville Needham (1745) behauptete Generatio spontanea (Ur 
Zeugung) die Methode, zersetzungsfähige Flüssigkeiten dadurch vor dei 
Zersetzung zu schützen, daß er sie kocht und nur erhitzter Luft den Zi 
tritt gestattet. 

— James Watt trennt bei der Dampfmaschine den Kondensator mit der Lnft 
pumpe vom Zylinder, befreit dadurch den Zylinder von der schädlichei 
Abkühlung durch das Einspritzwasser und gibt dem Zylinder einen sehnt 
zenden Mantel. 

1766 Der schwedische Chemiker Torbem Bargman setzt die Experimente voi 
Canton und Aepinus über Pyroelektrizität fort und erkennt das Umspringei 
der Pole beim Abkühlen des Turmalins. 

1766—69 Louis Antoine de Boufalnvllle macht die erste von Franzosen ausge 
führte Weltumsegelung, entdeckt die Korallenriffe an der Ostküste Austn 
liens und die Louisiaden und findet einige der Salomoninseln wieder ani 

1766 Henry Cavendith entdeckt, daß das Wasserstoffgas eine eigentümliche Lnfi 
art ist, welche entsteht, wenn man Eisen, Zinn oder Zink in verdünnte 
Schwefelsäure oder Salzsäure auflöst. (S. a. 1783 L.) Er untersucht di 
Kohlensäure noch eingehender als es Black (s. 1757 B.) getan hatte nn* 
konstatiert namentlich auch, daß sich bei der Weingärung Kohlensäui 
entwickelt, und daß dieses Gas identisch mit dem aus Marmor und Sali 
säure erhaltenen ist. (Vgl. a. 1764 M.) 

— Henry CavMidIsh macht eingehende Untersuchimgen über die spezifische 
Gewichte der bekannten Gasarten, wie der Kohlensäure und des Wassei 
Stoffs. In lunf angreichem Maße werden solche Bestimmungen 1787 va 
Kirwan unternommen. (S. a. 1669 M.) 

— Johann Gottüeb Gähn entdeckt, daß die Knochen größtenteils aus pb« 
phorsaurem Kalk bestehen. Diese Entdeckung erst ermöglicht die Dai 
Stellung des Phosphors in größerem Maßstabe. 

— Johann Heinrich LambtTt wird durch seine (erst i. J. 1786 veröffentlicht« 
„Theorie der Parallellinien*' ein Vorläufer der nichteuklidischen Greometri« 
(S. 1826 L.) Er führt die hyperbolischen Fimktionen ein und beweist di 
Irrationalität der Zahl .t. 

— Amöd^e Luilin beschreibt in seiner „Dissertatio physica de electricitate 
den nach ihm benannten Versuch der Durchbohrung eines Kartenblattc 
durch den Entladungsschlag einer Franklin'schen Tafel, wobei der Funk 

— 210 — 



1767 

von der Spitze, die mit der positiv elektrischen Belegung verbunden ist, 
über die Fläche der Karte fortgeht und dieselbe in der Nähe der nega- 
tiven Spitze durchbohrt. 

1766 Peter Simon Pallat bahnt zuerst eine mehr naturgemäße Einteilung der 
linn^'schen Tierklasse Vermes an, indem er die Nacktschnecken und 
Sepien mit den Schaltieren, die Ringelwürmer mit Gordius und den Ein- 
geweidewürmern zusammenstellt und eine eigene Hauptabteilung „Centro- 
mas" für die strahlig gebauten Tiere, wie Seeigel, Seesteme und Aktinien 
aufstellt. Es ist dies die erste Andeutung der später von Cuvier, Leuckart 
n. a. aufgestellten Hauptkreise unter den wirbellosen Tieren. 

1766—85 Ludwig Pfyflfir verfertigt die erste auf geometrischen Grund- 
sätzen beruhende, in Wachs ausgeführte Reliefkarte, und zwar der Zentral- 
Schweiz. (Vgl. auch 1510 Dox.) 

1766 John Piiroell nimmt das erste Patent auf Herstellung von Draht durch 
Walzen. Ungefähr gleichzeitig wird die Walzendrahtzieherei von Fleur, 
Direktor der Münze in Besan^on, in Frankreich eingeführt. 

— Der österreichische Stallmeister und Tierarzt J. von Sind gibt in seinem 
Werke „Der im Felde und auf der Reise geschwind heilende Pferdearzt" 
viele zweckmäßige, wenn auch — der Zeitrichtung entsprechend — noch 
sehr umständliche Rezepte und ist als Autorität in bezug auf den Hufbe- 
Bchlag zu bezeichnen. 

— Der Wittenberger Professor Johann Daniel Titiiit weist darauf hin, daß 
der Abstand der Planeten von der Sonne annähernd durch die Formel 
44-3-2n ausgedrückt wird, wobei der Wert von n für Merkur = 0, für 
Venus = 7»» f^ ^^ Erde= 1, für Mars = 2 und so weiter für jeden ent- 
fernteren Planeten das Doppelte des vorhergehenden beträgt. Die Reihe 
läßt erkennen, daß für n = 4 ein Planet (der Ort der tatsächlich später 
entdeckten Planetoiden) fehlt. Auch hat sich die Formel bei der Auf- 
findung des Uranus, dagegen nicht mehr bei dem Neptun bewährt. Die 
Titius'sche Regel, erst durch Bode 1772 allgemein bekannt geworden, heißt 
daher auch Titius-Bode'sche Reihe. 

1766—68 Samuel Wallis führt auf seiner in Gemeinschaft mit Philipp Cartoret 
ontemommenen Weltumsegelung die erste Längenbestimmung nach Mond- 
abständen aus, die schon 1499 von Vespucci (s. d.) vorgeschlagen worden 
war, aber erst praktisch ausgeführt werden konnte, nachdem die Mond- 
tafeln von J. T. Mayer (s. 1760 M.) erschienen waren. Im Verfolg dieser 
Reise wird die Pitcaim-Insel entdeckt, die Carteret-Straße durchfahren 
und die Lage der Salomons- und der Gesellschaftsinseln festgestellt. 

1767 John Berkenhout führt die Musierung der Spielkarten auf der Rückseite 
ein; bis dahin war dieselbe stets weiß geblieben. 

— Henry Cavandlsh entdeckt die Löslichkeit des kohlensauren Kalks in kohlen- 
säurehaltigem Wasser. 

-- Joseph Louis Lacranst wendet die Kettenbrüche auf die Lösung unbestimmter 
Gleichungen und auf die näherungsweise Berechnung der Wurzelwerte 
höherer algebraischer Gleichungen an. 

— Timothy Lane bildet die Leidener Flasche zu der nach ihm benannten 
Maßflasche aus, indem er beide Belegungen mit Funkenkugeln verbindet, 
die in einen beliebig bestimmten Abstand gebracht werden können. Sobald 
die Maßflasche mit einer bestimmten Elektrizitätsmenge geladen ist, findet 
Selbstentladung statt, so daß man durch die Zahl dieser Selbstentladungen 
ein Maß der entwickelten Elektrizitätsmenge gewinnt. 

— Reynolds, Mitbesitzer der Coalbrookdale-Eisenwerke, baut die erste eiserne 
Spurbahn. Die gußeisernen Schienen, 1,5 m lang, 11 cm breit und 

14* 

— 211 — 



1767 

beiderseits in M-Form aufgekrempt, werden auf hölzernen Längs- 
schwellen verlegt. (Vgl. 1776 C.) 

1767 James Watt konstruiert die doppeltwirkende Dampfmaschine, indem et 
beide Kolbenhübe als Arbeitshübe benutzt und erreicht dadurch, wenigstem 
bei geringen Umdrehzahlen, eine größere Gleichförmigkeit des Ganges dei 
Maschine als bisher. 

1768 William Altxandtr untersucht die Wirkung der verschiedenen antiseptisehen 
Mittel, wie Chinarinde, Salpeter, Sublimat, Ealomel, Campher, Kalkwaflsei 
auf Infusorien xmd erwähnt, daß es außer diesen Stoffen noch viele gibt, 
womit man diese Tierchen töten könne. Er geht jedoch nicht dazu über, 
seine Untersuchungen in der Praxis der Wundbehandlung zu verwerten. 

— Antoine Bauiil^ konstruiert ein Skalenaraeometer, welches späterhin in 
der chemischen Technik so große Verwendung findet, daß die Bezeich 
nung der Konzentration der Flüssigkeiten nach Baum^graden eine gani 
allgemeine wird. 

— Der italienische Physiker Giacomo Battista Bacearia weist bei G^egenhei^ 
einer in Piemont ausgeführten Gradmessung den Einfluß der Alpen au 
die Pendelabweichungen nach. 

1768 — 73 Der Schotte James Bruce unternimmt die erste wissenschaftliche Afrika 
reise, hält sich drei Jahre in Abessinien auf und entdeckt 1770 den Ur 
Sprung des blauen Nils aus dem Tanasee wieder, nachdem bereits Ptole 
maeus den Ursprung des Blauen und Weißen Nils angegeben hatte, dies 
Kunde jedoch in Vergessenheit geraten war. (Vgl. seine Schrift „Travel 
to discover the Sources of the Nile".) 

1768 Nachdem schon Marggraf 1750 ein Leuchten des mit brennbaren Sub 
stanzen kalzinierten Gipses hatte wahrnehmen wollen, bereitet Johi 
Canton durch Glühen von Austemschalen mit Schwefel den nach ihm bc 
nannten Canton'schen Phosphor (Schwefelcalcium). 

— Michel Ferdinand Duo de Chaulntt wendet zuerst das Mikroskop zur Bc 
Stimmung von Brechungsindices an. 

1768 — 71 James Cook umfährt auf seiner ersten Reise Neuseeland, entdeckt di 
Cookstraße und die Ostküste Australiens und findet die TorresstraO 
wieder auf. Außerdem schafft er Klarheit über die Inselwelt der Südsei 
Unter anderem entdeckt er die Botanybai, die er nach der reiche 
botanischen Ausbeute seiner Begleiter Banks und Solander benennt. 

1768 Leonhard Eultr führt in die Undulationstheorie die Periodizit&t der Schwii 
gungen ein (Begriff der Wellenlänge). 

— Johann Heinrich Hagtn findet, daß Natron weniger Affinität zu Säure 
hat, als das Alkali der Pottasche, und zeigt, daß bei der Zersetzung vo 
Glaubersalzlösung mit Pottasche zuerst schwefelsaures Kali und dann Sod 
auskrystallisiert. Die Methode, die für die Sodadarstellung bestimii 
war, ergab indes dafür keinen praktischen Nutzen. 

— Der englische Weber James Hargroavot erfindet die Mule- Jenny- Spini 
maschine. 

— HMttant und Macquor teilen der Pariser Akademie der Wissenschaften mit, da 
es ihnen gelungen sei, den Kautschuk in Dippelöl, Terpentinöl und reinei 
Äther aufzulösen. Sie machen den Vorschlag, denselben zur Herstelloii 
medizinischer Sonden und kleiner Röhren, wie solche in Laboratorien g« 
braucht werden, zu verwenden, welche Ide<5 von Grossart in die Praz 
übersetzt wird. 

1768—73 Peter Simon Pallas erkennt während seiner auf Befehl der Kaiseij 
Katharina gemachten wissenschaftlichen Heise durch Sibirien die aUg« 
meine Übereinstimmung der Tier- und Pflanzenwelt des nördlichen ub 
gemäßigten Asiens bis zum Baikalsee mit der europäischen und ist dam 

_ 21S — 



1769 

der Begründer des Begriffs eines pal&arktisohen Reiches für Tier- 
und Pflanzengeographie 9 wenn er auch diesen Ausdruck noch nicht 
gebraucht. 

1768 Peter Simon Pallat konstatiert während seiner Beise (s. vorstehend) die 
auffallende Häufigkeit der Überreste vom Mammut, Rhinozeros und Bison 
in der sibirischen Ebene, wobei er u. a. eine noch mit Haut und Haaren 
erhaltene, am Wüniflusse gefundene Rhinozerosleiche beschreibt. Pallas 
bezeichnet den Granit als den Kern aller Hauptgebirge. 

— Prartrs in Coventry faßt zuerst den Gledanken, Leder seiner Dicke nach 
derart zu spalten, daß die Narbenseite von der Fleischseite getrennt wird 
und zwei Blätter entstehen, deren jedes für sich zu geeigneten Zwecken 
verwendet wird. 

— Jean Ren6 SlfauK macht zuerst den Vorschlag, bei Beckenenge die Sym- 
physeotomie vorzunehmen und führt 1777 die erste derartige Operation 
an einer Kreißenden mit relativ günstigem Erfolge aus. 

— Johann Daniel TItliis empfiehlt zur Bepflanzung der Dünen das Sandrohr 
(Arundo arenaria), und äußert hinsichtlich des Dünenbaus in einer durch 
die naturforschende Gesellschaft in Danzig veranlaßten Preisschrift eine 
Rdhe von G^anken, die später von Björn (s. 1796B.) weiter ausgebaut und 
nutzbar gemacht werden. 

— Johann Gottskalk WaHtrlut beschreibt verschiedene für die Mineralchemie 
wichtige Tatsachen: Destillation des Quecksilbers aus dem Zinnober, 
Knoblauchgeruch der Arsenverbindungen beim Erhitzen auf Kohle, Blau- 
färbung des Boraxglases durch Kobalt. 

— Charles White erkennt den großen therapeutischen Wert der Grelenkresektion 
und gibt bestimmte Regeln für deren Ausführung. Er schreibt eine wert- 
volle Arbeit über die Luxation des Schultergelenks und macht am 14. April 
die erste Resektion des Schultergelenks. 

— Johann Karl Wllcfce gibt die erste Isoklinenkarte der ganzen Erde heraus. 
(VgL 1701 W.) 

— Kaspar Friedrich WoHf zeigt in seiner grundlegenden Untersuchung über 
die Bildung des Darmkanals des Hühnchens, die in der Schrift „Über 
die Bildung des Darmkanals der Tiere*' niedergelegt ist, daß der Darm- 
kanal im Ei anfänglich als ein blattförmiges Gebilde (Keimblatt) angelegt 
ist, daß dieses sich darauf zu einer Halbrinne einkrümmt und endlich 
zu einem Rohr umgestaltet wird. Er vermutet, daß in ähnlicher Weise 
die übrigen Organsysteme entstehen. 

— Kaspar Friedrich Wolff tritt dem Dogma der Evolutionstheorie (s. 1669 S. 
und 1762 B.) entgegen und stellt den Grundsatz auf, daß, was man nicht 
mit seinen Sinnen wahrnehmen könne, auch nicht im Keim präformiert 
vorhanden sei. Er wird hierdurch der Begründer der Lehre von der 
Epigenesis. 

1769 Richard Arkwrlght baut in Nottingham die erste praktische, mit Wasser- 
kraft betriebene Spinnmaschine (Waterspinnmaschine). 

* Nachdem schon 1690 Elie Richard einen Straßen wagen gebaut hatte, der 
von einer hinten sitzenden Person vermittels eines Zahnradgetriebes mit 
den Füßen in Bewegung gesetzt wurde, baut der französische Offizier 
Joseph Ougnot einen dreirädrigen Dampfwagen, bei dem er die Richard'sche 
Übertragung durch Zahnräder und den Vierwegehahn (1720) verwendet, 
und der zum Transport von Kanonen benutzt wird. 

"- John Ellii gibt in einem Briefe an Linn6 die erste Nachricht über eine 
fleischfressende (insektenfressende) Pflanze, die Dionaea (Venusfliegenfalle), 
die in ihren bei Berührungen lebhaft zusammenklappenden, gewimperten 

— 213 — 



1769 

und borstigen Blättern Insekten fängt und aussaugt. Ein ahn 
halten beobachtet 1782 Roth an der Drosera. (S. a. 1875 D.) 

1769 Robert Fratt und Holmet gelingt es, auf einem abgeänderten ] 
stuhl eine Art Tüll mit sechseckigen Maschen zu erzeugen, der 
dem Namen „Point net" gut einführt und vielfach zum Au& 
Blumen verwendet wird. 

— Jean Baptiste Leprinee erfindet die Aquatinta-Technik, eine 
Kupferstichs, bei der, wie bei der Schabekunst, die Grundla^ 
ist, aus dem das Licht mittels Ätzen herausgearbeitet wird. 

— David Macbrlde führt die Schnellgerberei mittels Lohbrühe ein i: 
zuerst verdünnte Schwefelsäure zum Schwellen der Häute. 

— Als erstes Beispiel der Anwendung der Luftheizung in der n 
gilt die Einrichtung der Heizung im Arbeitszimmer Friedrichs 
im Neuen Palais zu Potsdam, ausgeführt durch den Schlol 
MangMT. Die Heizkammer befand sich im Keller; die auf 50 
Luft stieg von selbst in Heizkanälen in die oberen Räume. 

— Der Pfarrer Mayer zu Kupferzeil macht nachdrücklich auf die d 
bereits bekannte Wirkung des Gipses als Düngungsmaterial ai 
die dann B. Franklin seinen Landsleuten praktisch vor Augen 

— Playtalr erhält am 24. Mai ein Patent, feineres Formeisen du 
herzustellen, und am 17. Dezember ein weiteres Patent, um 
spitz zulaufend zu machen und um Schaufeln zu walzen. 

— Der Chemiker Karl Wühelm Scheele erhält durch Zerlegung voo 
saurem Kalk mit Schwefelsäure die Weinsteinsäure, die jedoc! 
von Retzius krystallinisch erhalten wird. Er zeigt hierdurch 
seine ferneren Arbeiten, daß man die Pflanzenbestandteile syst< 
Form chemischer Individuen darstellen könne und wird so dei 
der modernen Pflanzenchemie. 

— Jacques de Vaucanson verbessert die Maschinen zum Moirierei 
der Stoffe. Das Moirieren war zu Beginn des 18. Jahrhunde: 
land aufgekommen und in der Weise ausgeübt worden, daß der 
Stoff zwischen heißen Walzen so gepreßt wurde, daß ein w 
Muster entstand. 

— James Watt erhält ein Patent auf ein Verfahren, den Dam] 
bei Feuermaschinen zu vermindern und baut eine demem 
Maschine. 

— James Watt spricht zuerst von den Vorteilen, die mit der Ex] 
Dampfes verbunden sind. Er benutzt die Expansion (1776 
Versuchsmaschine in Soho. 

— Samuel Wlae nimmt ein englisches Patent auf den ersten med 
Kulierstuhl, welcher der Ausgangspunkt einer Reihe von Erfin 
dem Gebiete des mechanischen Wirkstuhlbaus wird. (S. a. 15J 

1770 Charles und Robert Collinc setzen die Tätigkeit Bakewells (s. 1 
dem Gebiete der Viehzucht weiter fort und veredeln das ei 
enghsche Rind derart, daß es als „improved Shorthorn" zur V 
wird und als solche einzig dasteht. 

— Der französische Astronom Joseph Jerome Delalande bestimmt 
parallaxe zu 8,5 — 8,6 Sekunden und findet, daß die Kraft, i 
ein Körper in der Nähe der Sonnenoberfläche angezogen wird, 
auf der Oberfläche der Erde wirksame Anziehungskraft übert 

— Dumoutler erfindet ein pneumatisches Feuerzeug, das aus einei 
Ende verschlossenen Hohlzylinder besteht, in dem sich ein luftdiol] 
der Kolben durch einen Stab niederstoßen läßt. Geschiehl 
schnell, so wird durch die bei der Kompression erzeugte Wä3 

— 214 — 



1770 

Kolben befeetigteB Stück Feuerschwamm entzündet. Dies pneumatische 
Feuerzeug wird von Mollet (s. 1803 M.) in verbesserter Form als Tachy- 
pyiion vorgeführt. Das pneumatische Feuerzeug wird von Portugiesen 
nach Hinterindien gebracht, wo es sich bis auf den heutigen Tag in €re- 
brauch erhalten hat. 
70 Der Abb6 Charles Michel de PEpie erzielt mit Hilfe einer methodisch ent- 
wickelten Gebärdensprache und des Fingeralphabets große Erfolge im 
Unterricht der Taubstummen. 

- Pascal Joseph Ftrro verordnet zuerst kalte Bäder bei Fieber. 

- Der Mediziner Htwson entdeckt die weißen Blutkörperchen (Leukocyten) 
und liefert wichtige Beobachtungen zur Lehre von der Gerinnung des Blutes. 

- Antoine Laurent Lavolstor kommt bei Untersuchung der vermeintlichen 
Umwandlung von Wasser in Erde, wie dies noch van Helmont und Boyle 
angenommen hatten, zu dem Ergebnis, daß das Gewicht des verschlosse- 
nen Glasgefäßes nebst dem lange im Kochen erhaltenen Wasser unver- 
ändert geblieben war, daß aber die entstandene Erde ebensoviel wog, als 
das Gefäß an Gewicht abgenommen hatte, xmd zieht den Schluß, daß die 
Erde aus dem Glase und nicht aus dem Wasser stamme. Dies führt ihn 
zur Au&tellung des Satzes, daß bei chemischen Vorgängen nichts neu 
entsteht und nichts vergeht, sondern daß die Summe der in den Prozeß 
antretenden Materien eine konstante Große ist. (Gesetz der Erhaltung 
des Stoffes.) 

- Der amerikanische Arzt Macarl entdeckt die anthelmintische Wirkung der 
Rinde des Wurmrindenbaums und teilt dieselbe dem surinam'schen Arzte 
van Struiyvesant mit, durch den die Rinde nach Europa gelangt. 

- Johann Tobias Maytr der Jüngere erkennt klar die Mängel des Spiegel- 
sextanten, namentiich die geringe HeUigkeit der Bilder, die Beschränkung 
in der Größe der zu messenden Winkel und die Unmöghchkeit, den Ein- 
fluß der Exzentrizität der Alhidade auf die Winkelmessung zu beseitigen, 
imd gelangt dadurch zur Erfindung des Spiegelkreises, der von Borda 
noch verbessert und 1833 von Steinheil in einen mit großen Vorzügen 
ausgestatteten Prismenkreis umgewandelt wird. 

- Der französische Ingenieur Jean Rodolphe PemmiMt entwickelt eine epoche- 
machende Tätigkeit im Bau von steinernen Brücken. Als sein Meister- 
werk gilt die Seinebrücke von Neuilly, die fünf öffnimgen mit je 39 m 
Spannweite hat. 

- Joseph Prftitity empfiehlt zuerst den Kautschuk, um Bleistiftstriche aus- 
. zuwischen. In Frankreich werden schon im Jahre 1775 in den Papier- 

h^idlungen kleine Kautschuk würfel unter dem Namen „Peaux de n^gres" 
verkauft. 

- Der erste bewegliche Herd, der Lang-Stoß-Herd, findet im Sidislscheii Bmi- 
Im zum Verwaschen der Erzschlamme Anwendung. 

~ Nachdem Schwankhardt schon 1670 die ätzenden Eigenschaften des aus 
Flußspat mit Schwefelsäure entstehenden Gases zum Ätzen des Glases 
benutzt hatte, untersucht Karl Wilhelm Scheele eingehend die dab^ ent- 
stehende Flußsäure, die er indes erst 1781 in reinem Zustande erhält. 

' Johann Andreas Stein verbessert die Hammermechanik des Pianofortes 
(s. 171 IC.) in der Weise, daß er den Hammer mittels eines Stieles auf dem 
hinteren Teil der Taste selbst befestigt, so daß beim Niederdrücken der 
Taste ein am hinteren Ende des Hammerstieles angebrachter Schnabel 
gegen den sogenannten Auslöser stößt und dadurch den Hammer in die 
Höhe schnellt. 

- Mar' Stoll begründet die Lehre von der biliösen Pneumonie und übt in 
großem umfang die Perkussion. (S. 1761 A.) 

— 215 — 



1770 

1770 Charles Taylor und ThomaB Walktr Dehmen ein Patent auf eine Walxoi. 
druck maschine für die Kattundruckerei, das indes keine praktische 
Folge hat. 

— Simon Andr^ TItiot lehrt zuerst, daß bei der Epilepsie der Krampfaniall 
nur eine Teilerscheinung einer meist unheilbaren, langwierigen Krankheil 
ist, welche, wie die Beobachtung lehrt, auch anders geartete, insbesonden 
geistige Störungen mit sich bringt. 

— James Watt führt die Pferdestärke PS = 75 Meterkilogramm als Mafi fäi 
die Einheit der Arbeitskraft ein. 

— Arthur Yovnf begründet die wissenschaftliche Richtung in der Landwirt* 
Schaft und macht dieselbe auch bei den höheren Bevölkerungaschichtei 
populär. 

1771 Richard Arkwrifht erfindet die Walzen- Krempelmaschine, bei welcher dei 
Hauptteil ein Walzenapparat ist, dessen Bestimmung es ist, die Baumwoll- 
bänder in ihrem Laufe zur Spule und zur Spindel zu strecken. 

— Joseph Athton erhält ein Patent für die Herstellimg gegossener eiserne] 
Nägel, deren Fabrikation um 1785 in England in großem Maßstabe be 
trieben wird. 

— Torbem Bargman gebraucht Glaskolben für verknistemde Substaniea 
Er gibt die wichtigen Reaktionen in der Boraxperle an und kennt d« 
Ausfällen von Kupfer aus dem Schmelzfluß durch einen Eisendraht. £} 
beschreibt femer die Reaktion von Eisensalzen mit gelbem Blutiaugen 
salz (phlogistiertem Laugensalz). 

— Andreas Bdhm schlägt als Längenmaßeinheit den Fallraum eines Körpen 
in der ersten Sekunde vor. 

— Der französische Ingenieur Du Carla bildet die von Cruquius (s. 1728 C 
zuerst verwirklichte Darstellung des Bodenreliefs durch Niveaulinien weite 
aus und zeichnet die erste Isohypsenkarte (einer imaginären Insel), di 
1777 publiziert wird. 

— Der praktische Arzt Hieronymus David Qaub in Leiden empfiehlt Radi 
Calumbae bei Verdauungsstörungen u. dgl. 

— Samuel Hearnt erforscht den Kupferminenfiuß in Nordamerika und fol| 
seinem Lauf, bis er ihn in der Feme in ein geschlossenes Eismeer (de 
Coronation-Golf) münden sieht. 

— John Huntar stellt als unumgängliche Bedingung zur erfolgreichen Fülluii 
und Erhaltung der Zähne zum erstenmal die gänzliche Entfernung d< 
Pulpa- Restes fest. Er versucht mit Erfolg das Regulieren schie&tehend< 
Zähne und ist auch wissenschaftlich in der Zahnheilkunde hervorragten 
tätig. 

— Johann Philipp KIrnbtrgtr erfindet die nach ihm benannte imgleichsohw* 
bende Temperatur der chromatischen Tonleiter, die es ermöglicht, eii 
vollkommene Reinheit der Tonintervalle zu erzielen. 

— Johann Heinrich Lambart weist zuerst auf den großen Nutzen korrespoi 
dierender meteorologischer Beobachtungen hin. 

— Charles Manlar entdeckt einen Nebel im nördlichen Jagdhund, der j* 
doch erst durch Rosse's Teleskop als Spiralnobel erkannt wird» das dei 
selben als eine leuchtende Spirale, oder als ein schneckenartig gewundem 
Tau zeigt, dessen Windungen uneben erscheinen und sowohl im Zentnu 
als auswärts in dichte, körnige, kugelrunde Knoten auslaufen. Er ve 
offen tlicht einen Katalog der Nebelflecke imd Sternhaufen mit 103 Ol 
jekten, von denen er 61 selbst entdeckt hat. 

— Joseph Pritttity und Karl Wilhelm SchMio entdecken gleichzeitig, ab« 
unabhängig voneinander den Sauerstoff, der erstere durch Erhitzen tc 
Salpeter in einem Flintenlauf, der letztere aus kohlensaurem Quecksübe 

— 216 — 



1772 

oxyd. Die nähere Eenntnifl des Gaaee erlangen aber beide Forscher 
erst 1774, als sie es aus rotem Queoksilberoxyd in ganz reinem Zustande 
dargestellt haben. 

71 Joseph Priitttoy entdeckt, daß die fixe Luft, welche sich beim Atmen 
bildet und die atmosphärische Luft zur Unterhaltung des Lebensprozesses 
untauglich macht, durch die Pflanzen in solche verwandelt wird, welche 
wieder zum Atmen tauglich ist. Die eingehende Deutung des Vorgangs 
gibt erst Ingenhouss. (S. 1779 I.) 

- Louis Vltot vermindert die durch die bisherige empirische Behandlung der 
Tierkrankheiten ins Ungemessene gehende Anzahl der Arzneimittel, 
empfiehlt die Anwendung von einfachen Stoffen und wird dadurch der 
Begründer der wissenschaftlichen tierärztlichen Arzneimittellehre. (S. s eine 
Schrift „M^deoine v6terinaire''. 

- Christian Ehrenfried WtifSl erfindet den später fälschlich nach Liebig be- 
nannten, zur Destillation viel benutzten Kühler, den er erst aus Blech, 
1773 aber bereits aus Glas herstellt. 

- Peter Wovlto stellt Pikrinsäure aus Indigo her und bewirkt damit die erste 
Darstellung eines künstlichen Farbstoffs. Welter erhält die Pikrinsäure 
1799 aus Seide mit Salpetersäure und bemerkt, daß das Kalisalz in 
der Hitze verpufft. Den Namen „Pikrinsäure" gibt dem Produkte 
Dumas 1836. 

72 AMsrlM und Sttwaii in Northumberland bauen eine Dreschmaschine mit 
einer größeren und mehreren kleineren gerippten Trommeln, zwischen denen 
die Kömer ausgerieben werden. 

- Nachdem P. Leroy in Paris für das Chronometer (s. 1736H.) eine bessere 
Kompensation eingeführt hatte, die dasselbe unabhängiger von der Tempe- 
ratur machte, gelingt es ArnoM und Ktnial, Chronometer herzustellen, 
welche die Länge auf 0,2® genau angeben. 

- Johann BtekniMB in Göttingen begründet die Technologie als Wissen- 
schaft nnd gibt derselben ihren Namen. 

- Charles Botmt fördert durch seine Untersuchungen und durch sein Buch 
„Trait^ elementaire d'hydrodynamique" die Hydrodynamik. 

^72— 1775 James Cook umfährt auf seiner zweiten Eeise auf der „Resolution" 
den ganzen Erdball zwischen 55® und 60® südlicher Breite, überschreitet 
dreimal den Polarkreis und dringt unter 106® 54' westlicher Länge bis 
71® 10' nach Süden vor. Er findet überall, abgesehen von kleineren 
Inseln, wie den von ihm entdeckten Cookinseln, freien Ozean und zerstört 
die Vorstellung von dem großen Südland (vgl. 1772 K.) gänzlich. Seine 
Begleiter sind Johann Reinhold Forster und dessen Sohn Georg, in deren 
ReLsebeschreibung Australien zuerst als fünfter Kontinent auftritt, dessen 
große Ähnlichkeit mit den Umrissen von Südamerika und Afrika Johann 
Reinhold Forster speziell hervorhebt. 

^72—75 James Cook, Johann Reinhold Fontar und Georg Fonlir sammeln zuerst 
planmäßig Geräte, Waffen, Kleidungsstücke usw. fremder Völker, legen 
dadurch deren Eigentümlichkeiten fest und begründen so die beschrei- 
bende Ethnographie. 

'72 Der Botaniker CÖrtl entdeckt die Zirkulation, d. i. die kontinuierliche Be- 
wegung der von Purkinje 1840 Protoplasma genannten zähflüssigen Sub- 
stanz in der Zelle der Chara. (S. a. 1846 M.) Seine Beobachtungen werden 
von Meyen 1827 an ValUsneria und^von R. Brown an Tradescantia ergänzt. 

* Jean Andrö Doluc scheint die Anomalie in der Ausdehnung des Wassers 
(d. h. die größte Dichte nicht unmittelbar am Gefrierpunkt, sondern bei 
i^ Wärme) zuerst erkannt zu haben. 

* Jean Andr6 Doluc betont die Notwendigkeit, in der barometrischen Höhen- 

— 217 — 



1772 

messungsformel (s. 1686 H.) der Temperaturversohiedenheit innerhi 
die beiden Stationen trennenden Luftsäule gerecht zu werden. Er 
eingehende Versuche über die Abhängigkeit des Siedepunktes voi 
druck und legt dadurch den Keim zur thermometrisohen Höhenm 
1772 Leonhard Eular sucht für die Folge der artikulierten Töne, wel 
Echo wiedergibt, ein Gesetz auszumitteln , in dem er die Schwin 
einer in eine Röhre von beliebiger Gestalt eingeschlossenen Li 
mathematisch untersucht. 

— Reinhold Forittr macht die ersten ernstlichen Versuche, die Tiei 
Ozeans zu messen, wenn auch mit unzulänglichen Mitteln; ebem 
Erfolg wie er hat das Jahr darauf Kapitän C. J. Phipps in de 
von Spitzbergen. 

— Benjamin Franklin lehrt durch Thermometerbeobachtungen die U 
Golfstroms bestimmen imd veröffentlicht 1785 die erste genauere 
desselben. (S. 1519.) 

— Der Schriftgießer Wilhelm Haas in Basel konstruiert eine fast aussch 
aus Eisen bestehende Buchdruckpresse, die einem Prägewerk nachj 
ist, imd bei der sich der den Druck vermittelnde Bengel oberh) 
gußeisernen PreßgesteUs befindet. 

— William Hebtrdtn gibt zuerst ein genaueres Krankheitsbild der 17 
Rougnon beobachteten Brustbräune (Angina pectoris). 

— Ives Joseph de KarfiMlMi-Trtmarac entdeckt im südlichen Indischen 
die später nach ihm benannte Kerguelen- Insel und erklärt, das grol 
land gefunden zu haben, das er „La France Australe" nennt. 
1772 C.) 

— Der französische Tierarzt Philippe Etienne Lafosse, Sohn von E. G. '. 
(s. 1749L.), zeichnet sich durch sein Wirken auf dem Gebiete der 
heilkunde aus und gibt in seinem „Cours d'Hippiatrique" eine vorti 
Beschreibung der Krankheiten des Pferdes. Er erörtert u. a. die 
schneidung der Fascien und die Behandlung der Homwarzen der 

— Johann Heinrich Lambart stellt in seinen „Beyträgen zum Gebrat 
Mathematik und deren Anwendung*' die ersten allgemeinen 
suchungen über Kartenprojektionen an und stellt gewisse Norm* 
denen die Abbildungen entsprechen müssen, wie insbesondere bezü^ 
Winkelsumme oder Konformität und der Flächensumme oder Äqui 

— Antoine Laurent Lavolslar weist nach, daß bei der Verkalkung von y. 
ebenso, wie bei der Verbrennung von Phosphor und Schwefel, ei 
Wichtszunahme stattfindet, die von der Absorption einer großen 
Luft herrührt, und daß bei der Reduktion von Metallkalken sich 
seits Luft in großer Menge entwickelt. 

— John Laat ermöglicht den ununterbrochenen Betrieb der Ejratzm 
(s. 1741 P.), indem er das endlose Speisetuch zur Zuführung der 
wolle hinzufügt. Der mechanisch bewegte Kamm zum Abnehm 
Baumwolle nebst Trichter wird von Arkwright angegeben. 

— Der Schotte Andrew Melkia in Tyrringham versieht die ganze Flüg< 
der Windräder mit rektangulären , jalousieartigen Klappen, die 
den Wind geöffnet und durch Federkraft geschlossen werden. Cubi 
bessert diese Anordnung noch, indem er die Federn durch Zahj 
und Getriebe ersetzt. 

— Joseph Priestlay stellt das Stickoxyd durch Erhitzen von Kupfer n 
petersäure her und schlägt es unter dem Namen ,, Salpetergas** zur 
metrie vor. Seine Zusammensetzung wird jedoch erst aus Cavc 
Entdeckung der Elementarkonstitution der Salpetersäure (s. 1784C.) e; 

— J. B. L. RomA tfe l'ltia beschäftigt sich mit dem Krystallisationsv* 

— 218 — 



1773 

Er erkennt das Vorkommen pseudomorpher Krystalle, die sich über andern 
gebildet und deren Form angenommen haben. Er macht Versuche über 
das Krystallwasser der Sake. 

2 Valentin Rom der Ältere erfindet die nach ihm „Rose's Metall" genannte 
kiehtflüssige, bei 93,75^ C schmelzende, aus 2 Teilen Wismut, 1 Teil Blei, 
1 Teil Zinn bestehende Metalllegierung. 
Daniel Rütbirfori entdeckt den Stickstoff. 

' John SmMton bestimmt zuerst die Verdampfungskraft der Steinkohle und 
findet, daß 1 kg Kohle 7,88 kg Wasser von 100^ C verdampft. 

• Jamee Watt erfindet den Indikator, einen selbsttätigen Registrierapparat 
zur Darstellung der vom Wasserdampf bei Dampfmaschinen geleisteten 
Arbeit. Es ist dies die erste verbürgte Anwendung des Registrierapparats 
in der Mechanik. (S. a. 1805 E.) 

' Johann Karl Wilckt bestimmt zuerst die Schmelzwärme des Wassers, in- 
dem er Wasser und Schnee miteinander mischt, und kommt zu dem 
Resultat, daß, um 1 kg Schnee in Wasser von 0® zu verwandeln, 72 Wärme- 
einheiten nötig sind. Lavoisier und Laplace finden nach der gleichen 
Methode die Zahl von 76 Einheiten. (Vgl. a. 1755 D.) 

- Thomas Wooi bringt an der Watermaschine Arkwright's (s. 1769 A.) eine 
Tretvorrichtung an, um den Faden längs der Spule auf und nieder zu 
führen, wodurch das bisher nötige Stillstehenlassen der Maschine während 
des Weiterhängens vermieden wird. Andere um die gleiche Zeit gemachte 
Verbesserungen betreffen die bessere Lagerung der Spindeln, um dem 
Schleudern derselben vorzubeugen und die Abnutzung zu vermindern, 
spätere Verbesserungen den Ersatz der die Spindeln treibenden endlosen 
Schnüre durch Friktionsscheiben. (S. 1846 D.) 

73 Peter Christian AMMguunl zeichnet sich durch sein Wirken in der Veterinär- 
kunde aus imd begründet die später zur großen Blüte heranwachsende 
Königliche Veterinär- und landwirtschaftliche Hochschule zu Kopenhagen. 
Seine Hauptverdienste liegen auf dem Gebiete der Tierpathologie. 

- Charles Augustin Coulomb entwickelt seine lange Zeit maßgebend gebliebene 
Theorie der Brückengewölbe, sowie seine Theorie des Erddrucks auf Stütz- 
mauern. 

73—79 Abraham Darfey III, ein Enkel von Abraham Darby (s. 1713 D.). erbaut 
als erste eiserne Brücke der Welt die jetzt noch vorhandene Straßen- 
brücke über den Sevem bei Coalbrookdale (Gußeisen). 

'73 Johann Ignaz von FolMgor gibt mit seiner Schrift „Anleitung, jede Art von 
Witterung genau zu beobachten und in Karten zu verzeichnen'' die An- 
regung zur Herstellung synoptischer Karten, die heutzutage die Grundlage 
der Wettervorhersage sind. 

" John Fottier|ill beschreibt sehr genau die nach ihm benannte Form der 
Neuralgie des Trigeminus, von der zuerst Nicolas Andr6 in Versailles 1756 
unter der Bezeichnung „Tic douloureux" gesprochen hatte. 

- John H unter veröffentlicht Untersuchungen über das elektrische Organ 
der Zitterfische. 

- Joseph Louis Lagrango schafft den mathematischen Begriff der Invariante. 
(Über den weiteren Ausbau dieses Gebiets s. 1845 C.) 

- Nachdem schon 1694 imd 1695 auf Veranlassung des Großherzogs Cos- 
inus III. von Toskana Averani und Targioni konstatiert hatten, daß der 
Diamant im Fokus eines starken Brennglases völlig verschwinde und d'Arcet 
1766, Macquer imd Rouelle 1771 ähnliche Experimente unternommen 
hatten, st^t Antoine Laurent Lavoisier im Verein mit Macquer, Cadet, 
Brisson und Baum6 fest, daß der Diamant zu seiner Verbrennung des 
Zutritts von Luft bedarf, daß er wirklich verbrennt und sich nicht etwa 

— 219 — 



1778 

verflüchtigt, und daß bei der Verbrennung ebenso, wie bei der Verb 
der Hobskohle, fixe Luft (Kohlensäure) entsteht. 

1773 James Bennett MonboiMo macht zuerst auf die Verwandtschaft : 
des Menschen und des Orang-Utangs aufmerksam. 

— Der Engländer Nootli erfindet die Taftflügel am Reibzeug der £le 
maschine, nachdem Beccaria auf das Zurückströmen der Elektriz: 
der Scheibe nach dem Isolator hingewiesen hatte. 

— Fr. P. Savary untersucht das Sauerkleesaiz, das seit lange bekannt (s. 
jedoch meist mit Weinstein verwechselt worden war, und erhäl 
dessen Destillation eine saure Flüssigkeit, mittels deren er das ; 
Oxalsäure KaU darstellt. Die Säure in reinem Zustand stellt erst 
dar. (S. 1776 S.) 

— Fr. P. Savary erhält zuerst Oxaläther bei Destillation der aus Sauei 
durch Destillation erhaltenen sauren Flüssigkeit mit Weingeist. Ai 
Oxalsäure und Weingeist stellt den Oxaläther zuerst 1776 Bergmi 

— Johann Gottlieb Wolttalii, ein Hauptförderer der wissenschaftliche 
heilkunde in Deutschland, bekämpft den Mißbrauch des Aderlas 
fördert die Tierheilkunde durch Begründung eines Instituts zur Auf 
von Militärtierärzten und Militärhufechmieden. Er behandelt c 
halten der Eriegspferde in Winterquartieren, die Pferdeseuchen, 
heiten der Füllen, Leisten- und Nabelbrüche u. a. 

1774 Karl Samuel Andaneh untersucht die Himnerven, den Halsteil des 
sympathicus, die Herznerven und entdeckt den Nervus glossophai 

— Der Chemiker Pierre Bayen in Paris zeigt, daß Quecksilberoxyd nu 
Temperaturerhöhung, ohne Zusatz von phlogistonhaltigen Buh 
reduziert werden kann, und unterstützt dadurch Lavoisier in seinem 
gegen die Phlogistontheorie. 

— Torbem Barcman zeigt in seiner Abhandlung „De acido aöreo", d) 
weiß nur kohlensaures Blei (Calx plumbi aerata) sei. 

— Louis Cotia gibt sein Werk „Trait^ de m^t^orologie'* heraus, das 
Gebiete der Meteorologie reichliches Beobachtungsmaterial liefert. 

— Der Naturforscher Eugen Johann Christoph Etper deutet in seiner 
„Nachricht von den neu entdeckten Zoolithen*' die in der Gailei 
Höhle gefundenen fossilen Tierknochen richtig und begründet, d« 
in geologischer, zoologischer und anthropologischer Beziehung 1 
wissenschaftliche Höhlenkunde, wenn auch zimächst nur in elemi 
Sinne. 

— Feiice Fontana bestimmt gemäß Priestley's Vorschlag (s. 1772 P.) 
des Salpetergases (Stickoxyd) die Menge des Sauerstoff gases in dei 
Sphäre und bedient sich dazu des von Haies (s. 1748 H.) angegebei 
diometers. 

— Benjamin Franklin stellt Versuche zur Beruhigung der Meereswellei 
öl an und legt die gemachten Erfahrungen in einer besonderen 
(„Of the stilling of waves by the means of oil**) nieder. (Vgl. 78 1 

— Jean Etienne QuottanI führt die „Degradation*' der Berge und die 
lierung der gesamten Erdoberfläche auf Abspülung und Erosion 
Regen, Flüsse und den Ozean zurück. 

— Der englische Chemiker James Hunlar führt Knochenschrot als 
mittel ein. 

— Der englische Anatom William Huntar, Erfinder des Hunter'sch< 
bands, veröfifentlicht sein epochemachendes Werk über die Anato: 
schwangeren Uterus. 

— Johann Heinrich Junc-Stllllnf , zuerst Kohlenbrenner und Schneider, 
Lehrer und Arzt in Elberfeld, zeichnet sich durch Staroperationen 

— 220 — 



1774 

r74 Martin Heinrioh Klapralli erfindet ein Verfahren, ans bedrucktem Papier 
die Dmokerfarbe völlig heranszuwaschen und daraus neues Papier herzu- 
stellen, und läßt dieees Verfahren bei dem Papiermüller Schmidt in 
Kleinen -Lengden ausarbeiten. 

- dt La Follla verbessert die Schwefelsäurefabrikation, indem er während der 
Verbrennung des SchwefelB durch den beigemischten Salpeter gleichzeitig 
auch Wasserdampf in die Bleikammem einströmen läßt. 

- Joseph Louis Lagranft veröffentlicht als Ergebnis seiner Untersuchungen 
. suf dem Grebiete der Zahlentheorie die Fundamentalsätze der quadra- 
tischen Formen. 

- Pierre Simon dt Lafrtact vertieft die Newton'sche Theorie von Ebbe und 
Flut dadurch, daß er nicht allein die Niveaufläche des Meeres ins Auge 
faßt, sondern die von Euler und Lagrange aufgestellten hydrodynamischen 
Grundgleichimgen auf die Vorausbestimmung der Oszillationen des Meeres 
anwendet. Er weist nach, daß die Erdrotation als ein wesentlicher Faktor 
der Grezeiten anzusehen ist. 

- Antoine Laurent Lavolsler stellt durch die Wage fest, daß die Gewichts - 
Zunahme bei der Verkalkung der Metalle (s. 1772 L.) dem Grewicht der ab- 
sorbierten Luft genau gleich ist. Er äußert sich bei Gelegenheit der Ver- 
öffentlichung dieser Arbeit zuerst bestimmter über die Zusammensetzung 
der Luft aus zwei verschiedenen Gasen. 

- Antoine Laurent Lavollitr behandelt in seinen „Opuscules physiques et 
ehymiques" die Eaustizität der Alkalien und entwickelt darin vollständig 
die Ansichten, die Black bereits früher (s. 1755 B.) geäußert hatte. 

- Georges Louis Lataga versucht die von einer Reibungselektrisiermaschine 
gdieferte Elektrizität zum Zeichengeben zu verwenden, scheitert aber an 
der Unmöglichkeit einer bei jedem Wetter genügenden Isolierung. 

- Nevil Matktlyiia und Charles Huttan bestimmen durch ihre am Berge She- 
hallien in Schottland angestellten Messungen der Ablenkung des Bleilotes 
die mittlere Dichte der Erde auf 4,929, einen Wert, der durch spätere Mes- 
sungen (s. 1887 W. und 1896 E.) wesentlich korrigiert wird. 

- Sdpione PlaMII empfiehlt die Wiederaufnahme der im Altertum üblichen 
Leichenverbrennung. 

- Der Wiener Arzt Patch gibt eine als Fußbett bezeichnete Aufhängevorrich- 
tung zur Behandlung des Beinbruchs an. (S. a. 1760 R.) 

- Joseph Prlatüay wendet zuerst Quecksüber zum Absperren von Gasen an 
und erfindet die pneumatische Wanne. 

- Joseph Priastlay stellt Ammoniakgas durch Erhitzen von Salmiak mit Ätz- 
kalk und Auffangen der entweichenden Luftart über Quecksilber dar. 

- Karl Wilhelm S c hasla entdeckt bei der Digestion von Braunstein mit 
Salzsäure das Chlor, das von Helmont und Glauber als Exhalation aus 
Königswasser beobachtet, aber nicht als eigentümlicher Körper erkannt 
worden war. Im gleichen Jahre stellt er aus einem barythaltigen Braun- 
stein die Baryterde rein dar, die Jahn dann als Basis des Schwerspats er- 
kennt. Bei Gelegenheit dieser UntersuchuDgen bringt er genügende Be- 
weise für den Gehalt des Braunsteins an einem eigentümlichen Metall dar, 
dessen Reindarstellung ihm aber nicht gelingt. Er macht wieder auf die 
von Jacob Waitz 1705 zuerst beobachtete Farbenändening der Lösung 
der Schmelze von Braunstein und Salpeter aufmerksam und nennt das 
Schmelzprodukt mineralisches Chamäleon. 

- Der Landwirt Johann Christian SdiulMurt van Kleafold führt den Kleebau in 
die mitteleuropäische Landwirtschaft ein. Er schafft Brache und Weide- 
gang ab und führt Kunstfutterbau und Stallfütterung ein. 

- J. C. Ph. Tradaina da Mantigny verfertigt ein aus einer Hohllinse bestchen- 

— 221 — 



1774 

dee Brennglafi, welches er anfangs mit Weingeist, später aber mit Terpen- 
tinöl anfüllt und bei welchem der durch die bedeutende Dicke der mas- 
siven Glaslinsen verursachte Strahlenverlust vermieden werden sollte. Die 
damit von Lavoisier, Macquer u. a. im Jardin de T Inf ante in Paris unter- 
nommenen Versuche ergeben sehr gute Resultate. 

1774 Anne Robert Jacques Turgot, Finanzminister Ludwigs XVI., erfindet die 
Turgotine, das Vorbild der späteren Postkutsche. 

1775 Richard Arkwrifht konstruiert zum Vorspinnen die Kannenmaschine (La- 
temenband), die jedoch wie alle nach ihr erfundenen Vorspinnmaschinen 
durch den Flyer (s. 1821 C.) verdrängt wird. 

— Bancrofft bringt zuerst die „Quercitronrinde" genannte Rinde von Quercns 
tinctoria nach England, die bis zur Entdeckung der Anilinfarben eine sehr 
große Bedeutimg zum Grelbfärben von Wolle und Baumwolle und zum 
Grundieren von Stoffen, die man später braun oder grün färben oder 
bedrucken will, erlangt. Der in unreiner Form daraus hergestellte Farbstoff 
kommt auch unter dem Namen „Flavin" in den Handel. 

— Jean Louis Baiidtloci|iM macht sich um die Lehre vom Becken und ins- 
besondere um dessen Messung sehr verdient, lehrt die Unterstützung des 
Dammes zur Vermeidung von Dammrissen und stellt Indikationen für die 
Entfernung der Placenta auf. 

— Torbem Bargmaii erkennt den Einfluß der Wärme auf die chemische Ver- 
wandtschaft und stellt Affinitätstabellen auf, die allgemein als die rich- 
tigsten und vollständigsten anerkannt werden. Er führt den Begriff der 
doppelten Wahlverwandtschaft ein, deren Wirkungen zuerst Glauber (s. 
1654 G.) richtig aufgefaßt hatte. 

— Nachdem N. Lemery schon auf die Verschiedenheit der kalt und heiß be- 
reiteten Lösung von Quecksilber in Salpetersäure aufmerksam gemacht 
hatte, zeigt Torbem Bargman, daß in der kalten Auflösung Quecksilber- 
oxydulsalz, in der heißen Quecksilberoxydsalz vorhanden ist. 

— Johann Friedrich BlumMitedi fügt in seiner Dissertation „De generis humani 
varietate nativa" zu den vier Rassen Linn^ (s. 1735 L.), die er, wenn auch 
zum Teil unter anderer Bezeichnung als Kaukasier, Mongolen, Äthiopier, 
Amerikaner anerkennt, für die durch Cooks Entdeckungen erschlossene 
Inselwelt des fünften Erdteils noch eine fünfte Rasse, die malaiische hinzu. 
Er fördert durch seine mit Sömmering herausgegebenen „CollectioniB cra- 
niorum diversarum gentium decades*' die Kraniologie. 

— Burrowt konstruiert die erste bekannte Spiegelschleifmaschine, mit der er 
eine Vorrichtung zum Polieren verbindet. Welche Arbeitserspamis die- 
selbe bewirkt, geht daraus hervor, daß man vor ihrer Erfindung zum Rauh- 
und Klarschleifen von 2 qm Ebenfläche 41 Stunden, nachher 10 Stunden, 
zum Polieren vorher 72 Stunden, nachher nur noch 12 Stunden Zeit brauchte. 

^ Fredrik af ChaiNiMUi in Stockholm gibt eine voUständige Theorie des Schiff- 
baus sowie Regeln für die Ermittelung des Schwerpunkts der Schiffe, für 
deren Ausmessung und Belastung. 

— ConraA entdeckt in der Galle das Cholesterin, das von Chevreul 1824 näher 
charakterisiert und beschrieben wird. 

— CraiM in Edmonton gelingt es, den Handkulierstuhl so zu verändern, daß 
er auf demselben Kettentüll (Warp laces) erzeugen kann, der dauerhafter ist, 
als die von Strutt (s. 1758 S.) und Frost (s. 1769 F.) hergestellten Gewebe. 
Der Kettenstuhl wird auch zur Erzeugung von Modewaren aptiort und 
1791 von William Dawson noch verbessert. 

^ Der Weber Samuel Crompton in England konstruiert durch Verbindung der 
Streck Vorrichtung Arkwrights und des Spindelwagens von Hargreaves seine 
Mule-Spinnmaschine. 

— 222 — 



1776 

r75 William Crnlktluuik« Anatom in Edinbnrg, gibt eine Anatomie der Lymph- 
gefäße heraus. Er teflt infolge der Cotugni'schen Entdeckung (s. 1760 C.) 
die Fälle von Wassersucht ein in solche mit und solche ohne Eiweiß im Urin. 

- Pierre Joseph Desault fördert die von Lieutaud (s. 1742 L.) begründete chirur- 
gische Anatomie. Er schränkt die Amputation und Trepanation auf das 
Äußerste ein und bringt die seit Par^ in Vergessenheit geratene Unter- 
bindung der Arterien, insbesondere auch bei Aneurysmen wieder zu Ehren. 
Er bringt zur Eröffnung der Luftwege die Laryngotomie in Vorschlag, die 
bei Entf emimg von Fremdkörpern vielfach an die Stelle der Tracheotomie tritt. 

- Matthew Dotoon und Pool stellen in ihren „Medizinischen Untersuchungen'' 
fest, daß der Harn aller Diabetiker süßen Geschmack zeige und bei vor- 
sichtigem Eindampfen stets eine weiße Masse, die süß schmecke wie 
Zucker, zurücklasse. Sie folgern aus dem süßen Geschmack des Blutserums 
der Diabetiker, daß der Zucker nicht erst in der Niere entstehe, sondern 
schon im Blut angehäuft sei. (S. a. 1670 W.) 

- Feiice Fontana verwendet zum Füllen feinerer Libellen Äther oder Naphtha 
und macht die Röhre vor dem Verschließen durch Erwärmen luftleer. 
(S. 1661 T.) 

- Der Maschinendirektor Frlodrldi zu Clausthal legt eiserne Schienen von der 
Grube Dorothee bis zum Pochwerk xmd baut den dazu nötigen Hunt 
(vierrädrigen Förderwagen) mit Spurkranzrädem , welche Wagenkonstruk- 
tion später von Stephenson (s. 1825 S.) übernommen wird. 

- Nachdem Karl Wilhelm Scheele (s. 1774 S.) nachgewiesen hatte, daß in dem 
Braunstein ein eigentümliches Metall enthalten sei, gelingt es Johann Gott- 
Heb Qahn, dieses Metall — das Mangan — in regulinischem Zustand zu 
erhalten. 

- Der sächsische Bergmeister Gottlieb GISsor veröffentlicht eine geologische 
Karte, auf welcher die Verbreitung der verschiedenen Hauptgesteine (Granit, 
Sandstein, Kalkstein) durch Farben veranschaulicht wird. 

- Louis Bemard Guyton do Monreau wendet zuerst, um den Leichengeruch 
aus der Kirche St. M6darde zu Dijon zu entfernen, eine Chlorräucherung 
(Fumigatio Chlori) aus feuchtem Kochsalz und Schwefelsäure an. 

- Antoine Laurent Lavoislor, der von Priestley mit dem Sauerstoff gas be- 
kannt gemacht ist, zeigt, daß der Sauerstoff zur Verkalkung unerläßlich 
nnd eine notwendige Bedingung des Verbrennungsprozesses ist. 

- Antoine Laurent Lavoislor macht eingehende Untersuchungen über die Natur 
der Kohlensäure. Er beschreibt, wie Quecksilberoxyd für sich erhitzt Sauer- 
itoffgas, mit Kohle erhitzt hingegen Kohlensäuregas entwickelt und schließt 
ans diesem Versuch, daß das kohlensaure Gas das Resultat der Verbindung 
von Kohle mit dem zum Atmen tauglichen Teil der Atmosphäre sei. 1780 
bestimmt er dann in annähernd richtiger Weise die quantitative Zusammen- 
setzung der Kohlensäure, 

- Franz Anton Moinior findet, daß sein bloßer auf die Kranken gerichteter 
Wille (die heutige Suggestion) sich heilkräftig erweist. Er führt zweifellos 
die ersten Hypnosen herbei. 

- Peter Simon Pallas liefert die erste umfassende naturgeschichtliche Ab- 
handlung über die mongolische Kasse und offenbart sich damit als einer 
der ersten sachkundigen Bearbeiter der wissenschaftlichen Ethnogra- 
phie. (Vgl. auch 1772 C.) 

- Die Paritor Akadomlo faßt den Beschluß, in Zukunft alle Vorschläge eines 
Perpetuum mobile abzuweisen. 

- Joseph Priostioy entdeckt das Knallgas. Das KnaUgasgebläse soU, wie 
Lavoisier angibt, zuerst vom Präsidenten de Saron angewendet worden sein. 

— 223 — 



1775 

1775 Joseph Prftitley entdeckt das Salzsäuregas, die gasförmige schweflige S&imi 
und das Fluorkieselgas, aus welchem er mit Wasser die Eaeselfluorwasa« 
stoffsäure erhält. 

— Josse Ramsdon vervollkommnet die von Hooke (s. 1674 H.) erfundene Kieu* 
teilmaschine so, daß mit derselben ein Kreis von Sekunde zu Sekunde^ 
also der ganze Umfang in 1296000 Teile geteilt werden kann. Inda 
war die Herstellung der bei der Bewegung zusammengreifenden Teile so 
schwierig, daß oftmals die Grenauigkeit der Maschine darunter litt. 

— Jesse Ramidan verwendet einen wurmartigen Fräser zur Herstellung da 
Wurmrades seiner Kreisteilmaschine. 

— Karl Wilhelm SdiMlt erhält, indem er Kochsalzlösung langsam durch Blei- 
glätte filtrieren läßt, Ätznatron, das an der Luft zu Soda wird. Kirwao 
gibt 1782 an, daß in London Soda nach dieser Methode fabriziert werde. 
Eine andere Methode der Sodadarstellung wird 1784 von Johann Kul 
Friedrich Meyer in Stettin angegeben. Er schlägt vor, Kochsalzldsimg 
direkt durch Pottasche zu zersetzen, wo beim Abdampfen zuerst Chlor- 
kalium und dann Soda anschieße. Mit dem Bekanntwerden der Leblanc'- 
sehen Methode (s. 1791 L.) werden diese Verfahren wertlos. 

— Karl Wilhelm Sdioel« erhält, indem er in ein Gemenge von weißem Arsenal 
und Wasser Chlor einleitet, sowie durch Behandlung von weißem Anenik 
mit Königswasser die Arseniksäure in reinem Zustande imd beschretbl 
deren Salze, sowie ihr Verhalten zu anderen Substanzen. 

— Karl Wilhelm SchMit entdeckt bei Einwirkung von Zink auf Arseniksäan 
den Arsenwasserstoff. 

*- Alexander Tllloch und der Buchdrucker Andreas Foiills in Glasgow machen 
Versuche zur Herstellung von Stereotypdruckplatten, und gelangen, ohne 
von Ged's Erfindimg (s. 1729 G.) Kenntnis zu haben, zu einem ähnlichen 
Verfahren. 

*- TrtvHhlck der Ältere ersetzt den bis dahin flachen Deckel des Dampfkessek 
der atmosphärischen Maschine durch eine kugelförmige Haube, die den 
Dampfraum vergrößert und auch eine Drucksteigerung in der Masohinc 
zuläßt. 

— Michele Troja macht seine berühmt gewordenen Versuche, die dartun, daC 
bei ausgewachsenen Tieren nach Zerstörung des Knochenmarkes eine Nekro« 
des Knochens und rings um dieselbe unter dem Periost eine Neubildung 
von jimgen Knochen stattfindet. (S. auch 1741 D.) 

1775 — 81 Felix Vlcq d'Azyr macht im Süden von Frankreich eingehende Unter 
suchungen über die Rinderzucht und gibt Schutzmittel gegen die An 
steckung und Vorschriften für die Desinfektion der Ställe und für die Un 
schädlichmachung der Häute der gefallenen Tiere, wodurch er sich groß« 
Verdienste um die Bekämpfung der Viehseuchen erwirbt. 

1775 Alessandro Voita konstruiert nach dem von Wilcke (s. 1762 W.) angegebe 
ncn Prinzip das Elektrophor, welches dazu dient, während längerer Zei' 
wiederholt kleine Mengen Elektrizität zu liefern, und aus einem Harzkuchei 
besteht, auf den eine mit einer isolierenden Handhabe versehene MetaU 
Scheibe paßt. Der Ilarzkuchen wird durch Peitschen mit einem Fuchs 
schwänz elektrisch gemacht und gibt durch Influenz seine Elektrizität ai 
den Deckel ab, von dem die positive Elektrizität entnommen werden kann 
nachdem man ihn vor dem Abheben mit der Erde in Verbindung geset« 
und so die negative Elektrizität abgeleitet hat. 

^~ Abraham Gottlob Werner begründet die empirische Methode der Mineral 
bcschreibung und klassifiziert die Mineralien namentlich nach äußeret 
Kennzeichen. 

— John Wllklnton wendet zuerst das Zylindergebläse mit Dampfbetrieb an 

— 224 — 



1776 

1776 Torbem BMffnan entdeckt die Liohtempflndliohkeit der Oxalsäure. 

— DerAmerikanerD. Bwlmtll konstruiert ein Unterseeboot (s.a. 1622 D.) und 
erfindet die ersten Offensivtorpedos, die er gegen das englische Linienschiff 
,,£agle'% jedoch ohne wesentlichen Erfolg verwendet. 

1776—79 James Cook entdeckt auf seiner dritten Reise die Sandwich -Inseln 
wieder (vgL 1527 S.), erforscht die Nordwestküste Amerikas und das 
Beringsmeer und gelangt durch die Beringstraße bis zum Eiskap. Auf 
der Rückkehr wird er in Hawaii ermordet. 

1776 William Cnrikthank beobachtet am Menschen, daß durchschnittene Nerven 
wieder zusammenwachsen. Dies wird von Fontana und Michaehs auch an 
Tieren bestätigt. 

— Benjamin Cur verbessert die Reynolds'sche Schienenkonstruktion (s. 1767 R.), 
bei welcher die Wagen leicht entgleisten, indem er den gußeisernen Schienen 
den Querschnitt des einfachen Winkeleisens, mit senkrecht stehender 
äußerer Flansche, gibt. 

— PiChlttMi, Apotheker in St. Grermain, läßt künstliche Zähne aus Porzellan 
in der Porzellanmanufaktur von Guerhardt und Dihl in Paris hersteUen. 
(S. a, 1756 P.) 

— Der englische Ingenieur Hatitii erfindet die Holzhobelmaschine. 

— H. F. HMr entdeckt die Borsäure in den Lagunen von Toskana, aus denen 
sie seit 1818 fabrikmäßig gewonnen wird. 

* Jonathan HornMawir führt die erste, sehr kleine zweizylindrische Zweifach- 
Expansions-Dampfmaschine aus, auf die er 1781 ein Patent erhält. 1790 
baut er eine größere Zweifach-Expansionsmaschine für die Wasserhaltung 
einer Grube in Comwallis. 

* Antoine Laurent Lavolsitr zersetzt die Salpetersäure in Sauerstoff und 
Stickoxyd, erkennt jedoch nicht die Zusammensetzimg des letzteren; doch 
folgert er aus seinen Versuchen, daß die roten Dämpfe der Untersalpeter - 
säure eine in der Mitte zwischen Stiokoxyd und Salpetersäure stehende 
Verbindung seien. (S. a. 1786 L.) 

— Antoine Laurent LawoMtr arbeitet über die Phosphoreszenz der Mineralien, 
über die späterhin Macquer (1777) und Wedgwood (1792) Untersuchungen 
anstellen. 

— UpHswr d'AplIgny beschreibt in seinem Werke „L'art de la teinture des fils 
et Stoffes de coton" zum ersten Male die Türkischrotfärberei (Rouge des 
Indes), die zuerst in Indien aufgekommen ist und von da ihren Weg 
durch Asien und alle Länder der Levante nach Westen genommen hat. 

— Der französische MarschaU Marc Ren6 von MontalemNrt betont die Not- 
wendigkeit eines überlegenen Greschützfeuers der Festungen, entwickelt dazu 
anfangs das tenaillierte, später das polygonale Trac6, fordert zahlreiche 
Kasematten sowie die Anlage einer einfachen oder doppelten Kette deta- 
Bchierter Forts um die Kemumwallung. 

* Der Ziegelbrenner Johann Georg MflllMr überreicht dem Königlichen Ober- 
baudepartement in Berlin den Entwurf eines Ziegelbrennofens, der aus 
6 Einzelöfen besteht, die der Reihe nach derart angeheizt werden sollen, 
daß die abziehenden Gase zum Vorwärmen der noch nicht angeheizten 
Abteile dienen. In diesem Vorschlage ist der Grundgedanke der späteren 
kontinuierlichen Ziegelöfen (s. 1839 A. und 1857 H.) enthalten. 

— Joseph Pritttley entdeckt das Stickstoffoxydul (Lachgas) bei Einwirkung 
von Eisen auf salpetrige Säure. 

— Alexis Marie ü§ Rochon erfindet das nach ihm benannte doppelbrechende 
Prisma, das eine Anwendung der Doppelbrechung des Lichts in einach- 
sigen Krystallen darstellt und als Mikrometer und Distanzmesser verwendet 
werden kann. 

Darmstsedter. 15 

— 225 — 



1776 

1776 Karl Wilhelm SdMtle erh&lt bei Einwirkung von Salpeters&ure auf 
eine eigentümliche S&ure» die er 1784 als identisch mit der von 
(8. 1773 S.) ans Sauerkleesalz erhaltenen Säure erkennt und Zuck« 
nennt, welcher Name später durch Oxalsäure ersetzt wird. Im g 
Jahre entdeckt er in den Harnsteinen die zuerst Blasensteinsäurc 
Harnsäure genannte Säure und veröffentlicht seine Untersuchunge 
den schon lange bekannten Schwefelwasserstoff, dessen Bereitui 
Schwefeleisen mit Säuren er lehrt. 

— Alessandro Volta untersucht das Sumpfgas, entdeckt dessen Entzü 
keit und findet, daß es bei der Verbrennung Kohlensäure liefert. 

— Thomas Wood konstruiert eine unter den Namen „Billy" bekannte 
maschine, die sich von Hargreaves* Jenny (s. 1768 H.) dadurch unteFsc 
daß ihre Spindeln auf einem aus- und einfahrenden Wagen steh 
Presse aber an ihrem Platz bleibt, während es bei der Jenny umgeke 

1777 Johann Anrlilsoa (Afzelius) stellt zuerst Ameisenäther in unreinem Zt 
her; rein erhält ihn 1782 W. H. S. Bucholz, indem er ihn aus dem D 
von konzentrierter Ameisensäure mit Weingeist durch Wasser absc 

— In der Abhandlung „De Terra Gremmarum*' gibt Torbem BorgM 
Härte (ermittelt durch Ritzen der MineraUen mit Stücken von beb 
Härte) und das spezifische Gewicht der Mineralien als beachtun| 
Kennzeichen an. 

— Nachdem Haas in Basel i. J. 1770 die ersten Versuche zur Hers 
von Landkarten auf typographischem Wege gemacht hatte, bringt % 
Gottlob Immanuel BriHkO|if in Leipzig dieses Verfahren zu weiterei 
tischer Brauchbarkeit. (Vgl. 1840 R.) 

— - George Louis Leclerc dt Buffon stellt das mathematische Nadelprobk 
Hierzu wird eine Tafel mit gleichweit voneinander entfernten P 
linien bedeckt und eine Nadel von bestimmter Länge darauf gei 
Mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist nun zu ermitteln, * 
die Nadel die Parallelen schneidet und wie oft sie dazwischen zu 
kommt. Durch] das Nadelproblem läßt sich ein Annäherungswert 
empirisch finden. 

— Tiberius Cavallo macht das von John Canton angegebene Elektrosk* 
zu einem wirklichen Elektrometer, indem er die pendelnden Kügel< 
ein Glasgefäß einschließt und sie so gegen Luftzug und andere zi 
Störungen schützt. 

— William Cvlltii gibt zuerst die richtige Erklärung für die Erscheinui 
das Quecksilber im Thermometer infolge des Wärmeverbrauchs 
Verdunstung sinkt, wenn die Kugel befeuchtet wird. (S. 1825 A.) 

— Qofdon bereist das südafrikanische Dreieck und entdeckt den Orang 

— Der englische Chemiker Bryan HIfglns erfindet die chemische Harn 
Indem er in ein an beiden Enden offenes Glasrohr von untc 
Flamme einführt, gibt die Röhre, wenn die Flamme entsprechend w« 
geschoben ist und eine passende Größe hat, einen kräftigen Ton, 
Höhe gleich ist dem Grundton, den die Röhre als offene Pfeife gib 

— John Howard erreicht teils durch persönliche Bemühungen, teils 
seine Schriften, deren erste „State of the prisons in England and 
namentlich großes Aufsehen macht, die sanitäre Reform der GetSa 

— Johann Heinrich LamNrt dehnt sein für das Licht gefundenes G«8 
1760 L.) auch auf die Wärmestrahlen aus, für die es 1837 von MeU< 
dem Thermomultiplikator bestätigt wird. 

— Antoine Laurent Lavoltlor zeigt, daß der Sauerstoff der einzige B* 
teil der Atmosphäre ist, der das Atmen unterhält und daß er sich 
in Kohlensäure umwandelt, daß somit der Atmungsprozeß der V 

— 226 — 



1777 

nung organischer Substanzen analog ist, und folglich auch als WärmequeUe 
angesehen werden kann. (S. a. 1669 M.) 
77 Antoine Laurent LavoMtr macht zuerst eine strenge Unterscheidung der 
organischen Körper von den anorganischen, und zeigt, daß bei vollstän- 
diger Verbrennung organischer Körper, wie Alkohol, öl. Wachs usw. sich 
nur Kohlensäure und Wasser bilden, daß diese Körper somit nur aus 
Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehen können. Er legt den 
Grrund zur quantitativen Analyse organischer Körper und benutzt schon 
für schwer verbrennliche Substanzen statt freien Sauerstoffs Stoffe, wie 
Quecksilberoxyd und Mennige, welche in der Hitze ihren Sauerstoff abgeben. 

— Antoine Laurent LawoMtr entdeckt durch exakte Versuche, daß die Schwefel- 
säure sich von der schwefligen Säure nur durch einen größeren Grehalt an 
Sauerstoff unterscheidet und gibt eine Erklärung über die Umwandlung, 
die der Eisenkies an der Luft erleidet. 

— Nachdem Marggraf (s. 1743 M.) zuerst die Eigenschaften der Phosphorsäure 
angegeben hatte, stellt Antoine Laurent LavoMtr bemerkenswerte Unter- 
suchungen über die Phosphorsäure an, indem er dieselbe als aus Phosphor 
und Sauerstoff bestehend betrachtet. Er lehrt die Herstellung der Phosphor- 
säure durch Behandlung von Phosphor mit Salpetersäure, die auch Scheele 
in seiner „Chemischen Abhandlung von der Luft und dem Feuer" erwähnt. 
(S. 1777 S.) Die Pyrophosphorsäure unterscheidet zuerst Clark. (S. 1828 C.) 

* Der Physiker Georg Christian Uchtnitarg entdeckt die auf elektrischen 
Isolatoren (Harzkuchen) entstehenden elektrischen Staubfiguren (Lichten- 
berg'sche Figuren), die zur Untersuchung der elektrischen Natur pulver- 
förmiger Körper führen. 

— Nachdem bis dahin die formale und systematisierende Richtung in der 
Dermopathologie obgewaltet hatte, die auch noch J. J. von Plenck in 
seiner 1776 erschienenen „Doctrina de morbis cutaneis** vertrat, gibt 
Anne Charles Lorry das erste, echt moderne Lehrbuch der Dermatologie 
heraus, in welchem er die Haut nicht bloß als Decke betrachtet, sondern 
in der von Astruc (s. 1761 A.) inaugurierten Richtung sie als ein physiolo- 
gisches Werkzeug, ein Organ des Körpers ansieht, das die innigsten Be- 
ziehungen zum Darmtraktus und zum Nervensystem hat. 

— Simon Peter Pallas gibt die erste eingehende geognostische Beschreibung 
des Baus der Grebirge, sowie Andeutungen über deren Entstehung und 
Altersbestimmung. (S. 1760 M.) 

— Joseph PrlMtlty zeigt, daß sich die roten Dämpfe, die sich bei Vermischung 
von Stickoxyd mit Luft bilden, wie eine Säure verhalten, und nennt die- 
selben „Nitrens acid air". 

-- Jesse RamtdMi verbessert den Sextanten (s. 1701 N.), indem er nicht bloß 
der Bewegung der Alhildade und des drehbaren Spiegels einen gleichmäßigen 
und sichern Gang verleiht, sondern den Limbus und Nonius mit seiner 
Kreisteilmaschine (s. 1775 R.) viel feiner und genauer teilt, als es früher 
der Fall war. 

" August Grottlob RicMir, der sich auch in der Augenheilkunde auszeichnet 
(s. a. 1804 R.), bearbeitet in hervorragender Weise das Gebiet der Schuß- 
wunden, gibt eine gediegene Darstellung der Lehre von den Unterleibs- 
brüchen, und vervollkommnet die Herniotomie ganz wesentlich. 

"- Karl Wilhelm S c l udt macht umfangreiche Untersuchungen über strahlende 
Wärme. 

— Karl Wilhelm SdiMlt lehrt gleichzeitig mit Lavoisier (s. 1777 L.) die Dar- 
stellung der Phosphorsäure aus Phosphor und Salpetersäure und gründet 
auf Gahns Entdeckung (s. 1766 G.) ein neues Verfahren der Phosphordar- 
stellung, indem er weißgebrannte Knochen durch Digerieren mit verdünnter 

15* 

— 227 — 



1777 

Salpetersäure löst, durch Schwefelsäure den Kalk entfernt, die Flüssigke 
zur Sirupsdicke verdunstet, mit Kohlenstaub mischt und in irdene 
Destillationsgefäßen glüht. Das Verfahren wird 1780 durch Nicolas im 
Pelletier und 1797 durch Fourcroy und Vauquelin noch verbessert. 

1777 Karl Wilhelm Schotte benutzt mit Chlorsilber überzogenes Papier, um dj 
chemische Wirkung des Sonnenspektrums zu prüfen, und findet, daB di 
violette Licht am stärksten darauf einwirkt. 

— Karl Wilhelm SdMile und Fehce Fontuia entdecken gleichzeitig die Absorptio 
der Gase durch starre Körper, insbesondere durch frisch geglühte nn 
unter Quecksilber erkaltete Holzkohle. 

— Der GeneraLstabsarzt Johann Christian Anton Thedm in Berlin läßt elastiscli 
Bougies und Katheter aus Draht mit Kautschuk überzogen hersteOfl 
(Theden*sche Katheter). Der Goldschmied Bemard in Paris nimmt 178 
zu diesem Zweck Kamelhaargeflecht, das er mit Kautschuk übendehi 
Die Anregung hierzu ging von Macquer aus. (Vgl. 1768 H.) 

— Carl Friedrich Wtiizol erklärt die Fortdauer der Neutralität bei wechse 
seitiger Zersetzung neutraler Salze damit, daß die verschiedenen M^ige 
der verschiedenen Basen, welche ein und dasselbe Gewicht irgend eiiu 
Säure neutralisieren, auch von jeder anderen Säure ein und dasselbe Ch 
wicht zur Neutralisation bedürfen. Er beobachtet, daß die €reeohwüidi| 
keit, mit der ein und dieselbe Menge Metall von einer Säure gelöst win 
von deren Menge und Konzentration abhängt und zieht hieraus den Schlnl 
daß die Stärke der chemischen Wirkung von der Konzentration und Meni 
des wirkenden Stoffs abhängt. 

-^ Eberhard August Wilhelm von Zlmuiermann entwirft die erste Erdkarte fi 
die Verbreitung der Säugetiere und gibt das erste zoogeographische Leb 
buch heraus. Er schließt auf Grund seiner Untersuchungen über d 
geographische Verbreitimg der Tiere auf vormalige Änderungen der Ve 
teilung von Land und Meer. 

1778 Benjamin Bell zeichnet sich durch die Behandlung der Geschwülste ni 
insbesondere deren Exstirpation aus. Er macht die Brustparacenteee bei Ei 
pyem, Brustwassersucht und bei der Wassersucht des Herzbeutels zu eu) 
Spezialität und übt die Drainagebehandlung der Wunden, bei der er sich i 
Ableitung des Eiters sübemer oder bleierner Röhrchen bedient, die übrige 
auch schon von Brunns von Longoburgo 1252, Guy de Chauliac 1363 u] 
von Par6 1550, von letzterem unter dem Namen „Tentes cannul^es" l 
nutzt worden waren. 

— Georges Louis Leclerc de Buffon erklärt im Anschluß an Mahudel (s. 1734 1 
die Blitz- oder Donnersteine für die ältesten Kunstprodukte des Urmensohi 

— Charles Augustin Coulomb erfindet den Taucherschacht, der die Taach< 
glocke vielfach in den Hintergrund drängt. 

— Barth61emy Faulat de Saint- Fond liefert in seiner Schrift „Recherohes f 
les volcans 6teints du Vivarais et du Velay" entscheidende Beweise 1 
den vulkanischen Ursprung des Basalts. (S. 1751 G. und 1766 D.) 

— Der Engländer Qreen erfindet die „Tachymetrie" genannte Methode c 
Distanzmessung und konstruiert dazu das Tachymeter, einen Theodd 
der außer zum Messen von Horizontal- und Vortikalwinkeln auch n 
Messen von Entfernungen (vermittels einer Distanzlatte) bestimmt i 
Die Methode wird insbesondere von Porro (s. 1847 P.) und Kaltbnmi 
(1882) weiter ausgebildet, in neuestor Zeit aber durch die Photogrammei 
(s. d.) in den Hintergrund gedrängt. 

1778 — 89 Der Schweizer Johann Ullrich Grubenmann erreicht beim Bau i 
hölzernen Straßenbrücke über die Limmat bei Wettingen die größte bisl 
im Holzbau ausgeführte Spannweite von 118,90 Metern. 

— 228 — 



1778 

78 Der ehemalige kurhessische Roßarzt Johann Adam Ktrttliif organisiert in 
Hannover ein vorbildlich gewordenes tierärztliches Unterrichtswesen nnd 
ist auf verschiedenen Crebieten der Tierheilkunde von bahnbrechender 
Bedeutung. 

— Der Chef des preußischen Mineurkorps Heinrich VM tftr Lalyr erfindet ein 
Verteidigungsminensystem für den Festungsbau, welches für alle späteren 
Festungsminenanlagen vorbildlich wird. 

— Antoine Laurent üivoMsr erkennt, wie das Jahr zuvor in der Schwefel- 
säure, so auch in den wichtigsten anderen Säuren (Phoephorsäure, schwef- 
lige Säure usw.) den Sauerstoff als Bestandteil und erklärt den Sauerstoff 
für das säurebildende Prinzip. 

— Greorg Christian Uchtsntarg führt für die beiden Elektrizitäten (s. 1730 D.) die 
Namen positive und negative Elektrizität ein und bezeichnet dieselben 
mit den Zeichen -j" ^^<1 — • 

— Der Benediktiner Pater Malbtrbe macht den ersten industriellen Versuch 
zur Herstellung von künstlicher Soda. Er geht vom Glaubersalz aus, das 
er mit metallischem Eisen und Holzkohle glüht und nach dem Erkalten 
durch Auslaugen auf Soda verarbeitet. Im wesentlichen hiermit überein- 
stimmend ist das 1781 von Bryan Higgins in England patentierte Ver- 
fahren, wonach Glaubersalz mit Kohle geschmolzen und dann Blei oder 
Eisen zugesetzt wird. (S. a. 1775 S.) 

— Während die Doppelsteme bis dahin nur als optisch einander nahestehend 
angesehen wurden, weist der Astronom Christian Mayer in Mannheim zu- 
erst auf die Wahrscheinlichkeit einer physischen Zusammengehörigkeit 
der'Einzelsteme hin. Eine genauere Untersuchung dieser Frage wird von 
Heischel (s. 1781 H.) angestellt. 

— Nachdem zuerst Appius Claudius (312 v. Chr.) und später die Päpste 
Bonifacius VIII. (1300), Martin V. (1417) und Sixtus V. (Iö8ö) die Urbar- 
machung der Pontinischen Sümpfe ins Auge gefaßt hatten, führt der Papst 
Pitt VI. seit dem Jahre 1778 die Trockenlegung derselben durch. Zur Be- 
seitigung der Mängel, die sich hinsichtlich der Entwässerung mit der Zeit 
herausstellten, hat neuerdings (1887) v. Donat ein Projekt aufgestellt. 

— Plamr und Tromimdorff stellen zuerst die Übereinstimmung der blauen Farbe 
im Waid mit dem Indigo fest und bemerken an der Farbe aus dem Waid 
auch die Sublimierbarkeit, die bald darauf für den Indigo 0*Brien in seiner 
Schrift „On calico printing" erwähnt. 

— Joseph Prietttey untersucht zuerst die Absorption der Gase durch Flüssig- 
keiten und weist nach, daß unter gewöhnlichem Barometerdruck ein ge- 
gebenes Volum Wasser ein gleiches Volum Kohlensäure absorbiert. 

— Benjamin Thompson Graf yoii Rumford läßt zur Widerlegung der zu seiner 
Zeit herrschenden Ansicht, daß sich Wärme nur bei Luftzutritt zu ent- 
wickeln vermöge, ein Metallstück (Kanonenrohr) bei völligem Luftabschlüsse 
unter Wasser bohren und beobachtet die damals überraschende Erschei- 
nung, daß das bei der Bohrarbeit den Metallkörper umgebende Wasser 
bis zum Sieden erhitzt wird. Er gelangt dadurch zu der Erkenntnis, daß 
alle Wärmeerscheinungen in Wirklichkeit Bewegungserscheinungen sind. 

*- Karl Wilhelm SdiMle lehrt arseniksaures Kupfer durch Fällen einer Kupfer- 

yitrioUösung mit einer Lösung von weißem Arsenik in Pottasche herstellen 

(Scheele'sches oder schwedisches Grün). 
-- John SmMton wendet bei der Brücke von Hexham in Northumberland zum 

ersten Male die Gründung der Pfeiler mit Luftdruck (Luftdruckgründung 

oder pneumatische Gründung) an. 

— Samuel Thomas von SAmmsrine fördert die Anatomie des Zentralnerven- 
systems und der Sinne. 

— 229 — 



1778 

1778 James Watt führt für ein Londoner Wasserwerk eine Expansionsm: 
mit '/, Füllung aus. 

1779 Leonhard Eutor stellt die Gesetze der Fortpflanzung transversaler 
in gespannten dünnen Schnüren oder Saiten auf, wonach die Fortpflai 
gesch windigkeit der Bewegung der Quadratwurzel aus dem span 
Gewichte direkt, derjenigen aus dem Querschnitt der Saite und 
spezifischen Gewicht umgekehrt proportional ist. 

— Friedrich Wilhelm Htnditl beginnt die planmäßige Erforschung der Nebe 

— Carl Friedrich Hlndenkiire in Leipzig zeigt, wie Kombinationen und 
tionen an sich nach sicheren einfachen, rein kombinatorischen Gese 
Klassen und Ordnimgen vollständig aufgestellt werden und le] 
Kombinationen und Variationen zu bestimmten Summen aussonde 
aufzählen. Er wird damit der Schöpfer der kombinatorischen A 
und der einflußreichste Vertreter der sog. kombinatorischen Schule, 
wird dieser Schule der ihr früher beigemessene Wert in der Geg 
nicht mehr zuerkannt. 

— Jan Ingüihoutt entdeckt die Kohlenstoff assimilation und Atmui 
Pflanzen und weist nach, daß die grünen Blätter und Schößlii 
Sonnenschein und hellen Tageslicht Kohlensäure aufnehmen und Sai 
abgeben, während sie bei Nacht Kohlensäure abgeben und Sauerste 
nehmen. (S. 1771 P.) 

— James Ktlr zu Westbromwich beobachtet zuerst, daß Messing bei 
hohen Zinkgehalt sich im Glühen strecken läßt. Er und nicht 
der dieselbe Beobachtung 1832 wieder macht, ist als Erfinder des sei 
baren Messings anzusehen. 

— Joseph Louis d« Lagnuift verallgemeinert die Euler* sehe Verzerrung 
(s. 1753 E.) und studiert auch bereits die Abbildung des Umdn 
ellipsoides. 

— Otto Friedrich MAIItr bedient sich zuerst des mit Gewichten bescl 
Schleppnetzes, um die Tierarten des Meeresgrundes ans Licht zu 
doch beschränkt er seine Versuche nur auf mäßige Tiefen an der 1 

— Ruli entdeckt die Krameria triandra, deren Wurzel unter dem 
Ratanhia in Huanako längst als zahnkonservierendes Mittel im (h 
war und empfiehlt dieselbe als Adstringens. 

— Karl Wilhelm 8chMlt erkennt zuerst, daß der Graphit mineralische K< 

— John Srntaton führt die direkte und kontinuierliche Luftzuführung 
Taucherglocke mit der Luftpumpe aus. Eine aus Gußeisen her^ 
Glocke mit Luftzuführung, unter der zwei Mann Platz haben, wirc 
beim Bau des Hafens in Ramsgate benutzt. 

— Zailingtr zum Thurn beleuchtet das Wesen der Wildbäche, gibt die 
für eine rationelle Wildbach verbauung und eine Erklärung für d 
stehung der Erdpyramiden durch erosive Aktion des Wassers auf 
oder Lehmanhäufungen, welcher Erklärung sich Lyell anschließt 
auch 1897 K.) 

1780 Torbem BMrgman gibt die erste vollständige Anleitung zur Prüfu 
Mineralien, insbesondere von Erzen. Er schließt unlösliche Mineral! 
Zweck der Analyse durch Schmelzen mit Alkali auf und führt in c 
lytische Chemie das Verfahren ein, einen Mischungsteil nicht isoliert, 
in einer genau bekannten konstanten Verbindung zu bestimmen. 

— Torbem Btrimtn beschäftigt sich eingehend mit Untersuchungen ö 
metallische Wismut und dessen Verbindungen, von denen er ein 
Anzahl darstellt. (S. a. 1546, 1663, 1672, 1681, 1739.) 

— Torbem Btffiiuui benutzt die löslichen Barytsalze als Reagens auf S< 
säure. 

— 230 — 



1780 

1780 Bf awai« verbessert das von R^umur vorgeschlagene künstliche Brut- 
verfahren (s. 1750 R.)» indem er die Wannwasserheizung des Brutapparats 
einführt. 

^~ Jean Charles Borta spricht die Meinung aus, daß die Kenntnis der Tat- 
sachen, durch welche die Wetterveränderung bewirkt wird, gestatten werde, 
diese Änderungen vorherzusagen. 

— Der Mediziner John Brown in Edinburg entwickelt in seiner Schrift „Eie- 
menta medicinae" die Grundsätze eines neuen Systems (Brownianismus), 
nach dem sich die belebten Organismen von den leblosen Substanzen allein 
durch die Eigenschaft der Irritabilität (Heizbarkeit, vgl. auch 1672 G.) 
unterscheiden. Browns Lehre hat sich in der Folge zwar als einseitig und 
vielfach irrig erwiesen, aber doch ein klareres Erkennen des tierischen und 
pflanzlichen Lebens angebahnt. 
* OaranfMt, Gehilfe des Mineralogen Rom^ de Flsle, erfindet das Anlege- 
goniometer, eine einfache Art von Winkelmesser, bestehend aus einem 
Transporteur mit einem im Mittelpunkte angebrachten radial drehbaren 
Lineale. Das Anlegegoniometer findet namentlich in der Krystallographie 
zur Winkelmessung der Krystallkanten Anwendung. 

— Oarcil konstruiert die Carcel-Uhrlampe, bei welcher neben der Anwendung 
eines zur stetigen Kolben Verschiebung dienenden Triebfederwerks die Ein- 
richtung betroffen ist, daß ein Überfließen und Zurückkehren des über- 
flüssigen 01s in den Lampenfuß stattfindet. Eine unvollkommenere Pump- 
lampe soll 1765 von Grosse in Meißen konstruiert worden sein. 

— Jacques Alexandre C^sar CharlM nimmt Schattenrisse in der Camera auf 
Chlorsilber auf. 

* Andrea Gomparttti macht vergleichende imd anatomische Beobachtungen 
über das Gehörorgan und entdeckt das Ganglion nervi vagi im Foramen 
lacerum sowie den Ramus auricularis nervi vagi, dessen beide Äste er angibt. 

— Hapel de la ditnajfe legt die erste Speichelflstel an einem Pferde an imd 
macht eingehende Untersuchungen über den so erhaltenen Speichel. 

— Oliver Evant in Amerika erfindet den Elevator. 

— Feiice Fontana entdeckt das Wassergas (Hydrocarbongas), indem er Wasser- 
dampf auf glühende Kohle einwirken läßt. 

— Benjamin Franklin gibt ein Brillenglas an, das aus zwei in einer wagerechten 
Scheidelinie zusammenstoßenden Hälften derart zusammengesetzt ist, daß 
die obere Hälfte des Glases zum Sehen in die Feme, die untere zum Sehen 
in die Nähe, namentlich zum Lesen, benutzt wird. Hieraus haben sich 
die heutigen Augengläser mit Doppelfokus entwickelt. 

~- Flffttentaiwr in Basel erfindet das elektrische Feuerzeug, bei welchem aus 
Zink und verdünnter Schwefelsäure WasserstofTgas entwickelt wird, das 
in dem Augenblicke, wo es beim Offnen eines Hahns entweicht, durch den 
elektrischen Funken eines Elektrophors entzündet wird. Die entstandene 
Flamme überträgt sich auf den Docht einer Kerze. 

"^ Johann Gottlieb Gähn weist zuerst die Phosphorsäure im Mineralreich, 
und zwar an Bleioxyd gebunden nach; 1788 finden sie Klaprotli und 
Proust auch an Kalk gebunden. 

~* Luigi QalvanI entdeckt die Berührungselektrizität (1796 von Volta „Gal- 
vanismus'* genannt), indem er zufällig beobachtet, daß ein frisch prä- 
parierter Froschschenkel in starke Zuckungen gerät, wenn man einen 
Muskel und einen entblößten Nerv mit zwei verschiedenen Metallen be- 
rührt, die ein leitender Bogen verbindet. Galvani erklärt in einer 1791 
erscheinenden Mitteilung diese Erscheinung irrtümlich aus der tierischen 
Elektrizität. (S. a. 1756 C.) 

— Nachdem schon Avicenna (1020) und der deutsche Arzt Stockmann auf 

— 231 — 



1780 

die gefährlichen Wirkungen der Bleiverbindungen hingewiesen hai 
schreibt Louis Bemard Quyton d« MorvMU eingehend die Giftig 
Bleiweißes, welche Warnung jedoch unbeachtet bleibt, bis Tanqi 
Planches 1830 au£s neue eindringlich darauf hinweist und gesetzlic 
lung der Herstellung von Bleifarben verlangt, die 1849 zuerst ii 
reich erfolgt. 
1780 HamMln und David Avwry errichten bei Nore an der Mündung der 
eine schwimmende Leuchte. (Leuchtschiff, Feuerschiff.) Andere 
richten zufolge sollen die ersten Feuerschiffe schon i. J. 1732 in 
in Grebrauch gekommen sein. 

— Harrlsoii in Birmingham fabriziert die ersten, noch sehr mangelhafte 
federn, die von 1803 ab von Wise in London zuerst zu 5 Shillings das 
den Handel gebracht werden, deren Preis jedoch bald auf 6 P< 
Stück reduziert wird. Die neuerdings öfters auftretende Behauptr 
Alois Senefelder der Erfinder der Stahlfedern sei, ist somit irrig. 
Harrison von Johann Janssen in Aachen (1748) und Johann ] 
Bürger in Königsberg (s. 1808 B.) gemachten Versuche ergaben eben 
wie die Versuche des 16. Jahrhunderts (s. 1579) praktische Resuli 

— Nachdem der Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz der seit 1783 i 
heim bestehenden Akademie der Wissenschaften eine meteorologisch 
zugefügt und dieselbe mit geeigneten Instrumenten ausgestatte 
errichtet der Hofkaplan Johann Jacob Hamintr mit Hilfe dieser Inst 
ein Beobachtungsnetz von 39 Stationen, die von Bologna bis G 
vom Ural bis nach Nordamerika reichen. (S. 1771 L.) 

— John HuntMT fördert die wissenschaftliche Chirurgie nach jeder I 
hin und übt zu dem Behufe in ausgedehnter Weise die Vivisekt 
das Tierexperiment. Er schreibt den Entzündungs vergangen einen r 
sierenden Einfluß zu, beschreibt zuerst die Phlebitis (Venenentz^ 
imd macht ausgedehnte Untersuchungen über die Muskelschicht < 

— John Landtn zeigt durch die nach ihm benannten Substitutionen, 
Ellipsenbogen durch einen andern Ellix)senbogen und einen Kre 
sowie ein Hyperbelbogen durch zwei Ellipsenbogen dargestellt 
kann. Mit der Zurückführung der Lemniskate (der Cassini'schen 
auf die EUipse und Hyperbel hatte sich vorher 1718—1750 bere 
Fagnano beschäftigt. 

— Nachdem die Definition des Begriffes „Salz", die Tachenius (s. 
gegeben hatte, vöUig in Vergessenheit geraten und die Bedeutuni 
Wortes von den verschiedenen Chemikern, wie Lemery, Stahl, Bo< 
Kirwan u. a. in willkürlicher Weise aufgefaßt worden war, trennt 
Laurent Lavolttor durch seine Entdeckungen über die Natur der 
(s. 1777 L. und 1778L.) diese als eine eigentümliche Klasse von Verbii 
scharf von den Salzen ab imd gibt zu einer gesonderten Betrachtung dei 
Alkalien und Salze Veranlassung, die sich jedoch nur langsam Bahr 

^ A. L. Lavoltitr und P. S. d« Laplaet stellen die ersten genaueren "V 
über die Ausdehnung fester Körper an und schließen aus diesen Vei 
daß ein Körper, wenn er vom Nullpunkt bis zum Siedepunkt des 
erhitzt und nachher wieder bis zum NuUpunkt abgekühlt wird, 
seine frühere Länge wieder annimmt, und daß zwischen Nullpun 
Siedepunkt die Ausdehnung des Körpers der am Quecksilberthem 
gemessenen Temperatur proportional ist. 

— A. L. LtYOltltr und P. S. cto Laplace bestimmen die spezifische Warn 
größeren Anzahl von Körpern nach der zuerst von Black angei 
Methode des Eisschmelzens und konstruieren dafür einen eigenen A 
das Eiskalorimeter. 

— 232 — 



1780 

i7S0 A. L. Livobltr und P. S. dt LaptaM leiten als Resultat ihrer gemeinsamen 
Studien über spezifische, latente und Verbrennnngswärme den Satz ab: 
,yDie bei einer Verbindung oder Zustandsänderung frei gewordene Wärme 
wird bei der Zerlegung oder Rückkehr in den ursprünglichen Zustand 
wieder verbraucht und umgekehrt." 
— Antoine Laurent LatoMar macht den ersten Versuch, zu beweisen, daß die 
Summen der dem tierischen Organismus in der Nahrung zugeführten, und 
der vom Organismus produzierten Energiemengen einander genau äqui- 
valent sind. Ähnliche Versuche werden 1824 von Despretz und 1841 von 
Dulong unternommen. 

» A. L. LanroWtr und P. S. dt Laplaet finden bei Gelegenheit ihrer Versuche, 
die Gewitterelektrizität zu erklären, die Elektrizitätserregung durch Ver- 
dampfung. Es ergibt sich, daß bei der Verdampfung von Wasser in 
Metallgefäßen der Dampf positiv, das Gefäß negativ elektrisch wird. Daß 
auch die Reibung hierbei eine Rolle spielt, wird 1843 von Faraday nach- 
gewiesen. (S. a. 1840 A.) 

— Der französische Techniker Ltvritr-Dtnsit stellt Papier aus Pflanzen und 
Rinden her. 

— Während man sich bei der Darstellung des Geländes auf Karten und Plänen 
bis in das 18. Jahrhundert darauf beschränkte, die Berge und Gebirgs- 
züge ohne Rücksicht auf ihre wirkliche Gestalt durch gleichförmig an- 
einander gereihte, schräg beleuchtete Pyramidensignaturen („ Heuhaufen - 
Signaturen") zu skizzieren, versucht zuerst der preußische Ingenieur- Kapitän 
miitr eine der Wirklichkeit näher kommende Geländedarstellung, indem 
er die Bergabhänge ihrer Neigung nach in 9 Klassen (sanft, flach, prall, 
steil usw.) einteilt, und jede Neigung durch eine besondere Art von „Schwung- 
strichen" kenntlich macht. 

~ Jo66 Celestino Miitis in Bogota macht nachdrücklich auf die Kultur des 
Chinarindenbaumes aufmerksam. 

— Während das von Charles Taylor und Thomas Walker (s. 1770 T.) auf eine 
Walzendruckmaschine genommene Patent Erfolge nicht gezeitigt hatte, ge- 
lingt es Christian Philipp Obtrkanipf in Jouy bei Versailles, den Walzen - 
druck in die Praxis der Kattunfabrikation einzuführen. 

— Der französische Mechaniker Rticnitr stellt zuerst handgedrehte Seile aus 
Eisendraht her und verwendet sie namentlich für Blitzableiter. Wenige 
Jahre darauf werden dieselben vom Berghauptmann von Reden zu Zwecken 
der Grubenförderung in den Harzer Bergwerken eingeführt. 

— Sven RInmann stellt zuerst das nach ihm benannte Rinmann'sche Kobalt- 
grün her, indem er kohlensaures Kobaltoxydulhydrat mit Zinkweiß ver- 
mischt, trocknet und anhaltend glüht. 

— Der italiemsche Anatom Antonio Scarpa macht sich durch seine Arbeiten 
über Augenkrankheiten und über die Brüche (1809) einen im vergänglichen 
Namen. Insbesondere macht er die Discission und die Abreißung der Iris 
an ihrer Randinsertion (Iridodiaiyse). 

" Karl Wilhelm Sdlttlt stellt zuerst schwefelsaures Manganoxydul her. 

"• Karl Wühelm Sdlttlt entdeckt in der sauer gewordenen Milch eine besondere 
Säure, die er als Milchsäure bezeichnet. Bei der Einwirkung von Salpeter 
auf Milchzucker erhält er neben Oxalsäure ein weißes, schwer lösliches 
Pulver, daß er als eigentümliche Säure erkennt und dem Fourcroy den 
Namen Schleimsäure gibt. 

"- K. W. Sdlttlt imd F. A. C. Grtn beobachten gleichzeitig, daß, wenn meh- 
rere Salze zugleich in Wasser gelöst sind, bei verschiedenen Temperaturen 
verschiedene Produkte herauskrystalüsieren. 

— 233 — 



1780 

1780 Graf Charles von Stanbopo stellt das Prinzip vom Rückschlag l 
wittern auf. 

— Jean Baptiste Thitaiit d« Chanvalot stellt fest, daß die regelmäßigei 
metersch wankungen (s. 1666 B.) in keinem Zusammenhang mit der 
rung stehen. 

— Der Italiener Vera erfindet eine Vorrichtung, durch ein Seil ohm 
Wasser in großen Mengen auf beträchtliche Höhen zu heben (Vera* 
kularmaschine). (S. a. 1597.) 

— James Watt erfindet die Schreibkopiermaschine und die Kopiertint< 

— Der Schwede Vlflntfholin erfindet das nach ihm benannte schwedische 
holmgebläse, einen hölzernen Blasebalg mit beweglichem Unterkast 
festem Oberkasten. 

— Heinrich August WrMbarf studiert die Anatomie des Peritonaeun 
Netzes und der männlichen Geschlechtsorgane. 

1781 Felix da Azara erforscht in siebenjähriger Heise die Pampas vo 
amerika vom atlantischen Gestade bis zu den Anden. 

— Henry Cavtndlth zeigt, daß bei der Vereinigung von Wasserstoff und 
Stoff ausschließlich Wasser entsteht und liefert so den Beweis für < 
sammensetzung des Wassers. Gleichzeitig mit Cavendish gelang 
James Watt zur Erkenntnis der richtigen Konstitution des Wassers 

— L. F. F. von Crtll teilt in den „Neuesten Entdeckungen in der C 
mit, daß die Stärke, welche bis dahin nur aus Weizen gewonnen 
auch aus knolligen Wurzeln (d. i. Kartoffeln) bereitet werden kann. 

— Nicolas Dtytux weist zuerst das Vorkommen des Schwefels in Pfianzei 

— Graf Archibald DuntfonaM erhält am 30. April ein Patent auf eii 
schlossenen Verkokungsofen mit gleichzeitiger Gewinnung der 
Produkte. In dem Patent werden neben Cinders (Koks) als zu gewi 
Produkte aufgeführt: Teer, Pech, ätherische öle (essential oils), flu 
Alkali, mineralische Säuren und Salze. Praktische Verwendung 
die Öfen aber nur, um neben dem Schmelzkoks den Teer zu ge% 
Bemerkenswert ist, daß sowohl Lord Dundonald als auch seine A 
das sich entwickelnde Gas gelegentlich auffangen, um es zu Beleucl 
zwecken zu benutzen. 

— Nachdem Swabs Vorschlag, Messing durch Zusammenschmelze; 
Kupfer und Zink herzustellen, fast vergessen worden war, nimmt 
Emarton denselben wieder auf und stellt zuerst im großen Messin 
dieser Methode her; doch hält man auch dann noch das nach 
Methode durch Schmelzen von Kupfer mit Galmei und Kohle er] 
Messing lange Zeit für vorzüglicher. 

— FeUce Fontana erkennt den Zellkern als gesonderten Inhal tsbestandt 
Zellen. 

— Ren6 Just Hauy und Torbem Bariman erkennen gleichzeitig die Ko 
der Spaltungsgestalt des Kalkspats und ermitteln deren Zusamm« 
mit den äußern Formen., 

— Friedrich Wilhelm Hanehtl entdeckt am 13. März einen neuen Pli 
den Uranus. Das Jahr darauf veröffentlicht er seinen ersten Doppc 
katalog und nimmt eine wahre Eigenbewegung der Sonne mitsamt 
ganzen Systeme nach der Richtung des Sternbildes des Herkules u 
Leyer an. Noch im Jahre 1781 gibt Delambre die ersten Tafe 
Uranus heraus. 

— Nachdem K. W. Scheele 1778 in der von ihm entdeckten Molybdä 
ein eigentümliches Metall erkannt hatte, gelingt es Peter Jakob 
dieses — das Molybdän — zu isolieren. 

- 234 — 



178g 

1781 W. Himtv konBtruiert eine Differentialschraabenwinde, der dasselbe Kon- 
struktionspriiizip, wie beim Weston'schenDifferentialflasoheiizuge (s. 1861 W.) 
TOgmnde liegt. Auch Prony wendet dieses Prinzip für eine Mikrometer- 
schranbe an. 
— Antoine Laurent Lavoititr sucht zuerst die beim Verbrennungsprozeß ent- 
wickelte W&rme zu messen, indem er bestimmte Quantitäten der ver- 
schiedenen Körper in dem Eiskalorimeter verbrennt imd die Menge des 
geschmolzenen Eises beobachtet. Ähnliche Versuche werden von Crawford 
(1788), Rumford (1813) und Dalton (1818) mit Hilfe des Wasserkalori- 
meters unternommen. 

— Antoine Laurent Lavirisitr macht kalorimetrische Messungen der Wärme- 
produktion des Tieres. 1849 werden solche Messungen von Scharling 
auf den Menschen ausgedehnt, wobei derselbe findet, daß der menschliche 
Körper in 24 Stunden etwa 2400000 Kalorien zu erzeugen vermag. 

— Philipp Friedrich Theodor Mtcktl gibt in seiner Schrift „De labyrinthis 
auris contentis" wertvolle Aufschlüsse über das Gehörorgan und erkennt 
die „Zonae sonorae", die Valsalva für Nerven gehalten hatte, als Periost 
der Bogengänge. Er stellt hervorragende anatomische Präparate her, zu 
deren Füllung er Quecksilber benutzt. 

— MtNIllt macht in den „Philosophical transactions** eine Verbesserung der 
?onW. Hunter (s. 1781 H.) erfundenen Differentialschraubenwinde (Doppel- 
Bchraube) bekannt. Diese Winde wird für besondere Falle zum Heben 
und Senken von Lasten benutzt, doch ist ihr Wirkungsgrad wegen des 
bedeutenden Reibungswiderstands ein geringer. 

— Peter Simon Pallas weist nach, daß die Eier der Eingeweidewürmer von 
außen in den Körper ihrer Wirte gelangen. 

~ Henry Park macht die erste Resektion des Ellenbogengelenks an 
einer Leiche. 

^ Rtivat in Chesterfield stellt zuerst aus Eisen gegossene Messer, Gabeln 
nnd Scheren her, die nach dem Guß noch einer Adoucierung unterworfen 
werden. Sein unternehmen hatte wenig Erfolg und es blieb der neuesten 
Zeit vorbehalten, diese Idee, jedoch nur für billige Artikel und auf Kosten 
der Qualität (u. a. auch für Rasierme-sser), durchzuführen. 

— John SnMaton konstruiert eine Mehlbeutelmaschine (Dressing machine). 

— James Watt führt in die Dampfmaschine die Kurbel und das Schwungrad 
nur Umsetzung der auf und ab gehenden Bewegung in drehende Bewegung 
ein und erfindet das Planetenrädergetriebe. 

— James Watt gibt seinen Dampfkesseln eine rechteckige Gestalt. Nach ihrer 
einem Koffer oder Lastwagen ähnlichen Form werden sie als Koffer- oder 
Wagenkessel bezeichnet. 

1782 Nachdem schon seit dem 12. Jahrhundert Versuche zur Schiffspanzerung 
gemacht worden waren (s. 1354 Peter von Aragonien), und auch Karl V. 
1635 eine mit Blei gepanzerte Fregatte, die „Santa Anna**, mit Erfolg 
gegen Tunis verwendet hatte, baut bei der Belagerung von Gibraltar der 
französische Ingenieuroberst Jean Claude Eleonore d'Ai^on zehn schwim- 
mende, mit Eisenplatten gepanzerte Batterien, die aber schließlich der 
Wirkung der glühenden Kugeln erliegen. 

— Torbem Barfman sucht an der Hand seiner zahlreichen Mineralanalysen 
in seiner „Sciagraphia regni mineralis** eine Klassifikation der Mineralien 
nach rein chemischen Prinzipien durchzuführen. 

* Jean Pierre David weist zuerst mit Nachdruck darauf hin, daß die von 
alters her unter verschiedenen Namen, wie Spina ventosa, Paedarthrocace 
bekannte Nekrosis der Knochen (Knochenbrand) durch konservative Maß- 

— 235 — 



1782 

nahmen, wie Eröffnung der Totenladen und Entfernung der S 
zu heilen ist. 
1782 Der Apotheker J. H. FIQfltr in Cassel erfindet das Casseler Ge 
oxychlorid). 

— Nachdem bereits Montanari (1667) einen periodischen Lichtwech 
Algol {ß im Stembilde des Perseus) wahrgenommen hatte, ste! 
CkNNirlkt fest, daß der Fixstern jedesmal 5972 Stunden hindur< 
größte Helligkeit (2. Größe) behält, dann in 4^ , Stunden zur * 
herabsinkt und ebenso rasch zur 2. Größe wieder aufsteigt, eine 
nung, die das Vorhandensein eines den Algol umkreisenden 
Begleiters wahrscheinlich macht. 

— Louis Bemard Quyton d« MorviMi entdeckt das Zinkweiß (Zinkox; 
schon 1786 von Courtois im großen fabriziert wird. 

— A. Hactmann in Bremen erhält zuerst bei Einwirkung von CJ 
Schwefel ein Gremisch von Schwefelchlorür und Schwefelchlorid 
beide Körper 1816 gleichzeitig von Humphry Davy und von < 
Friedrich Bucholz isoliert werden. 

— A. HacMumn in Bremen findet die Lichtempfindlichkeit des Guaja 

— Ren^ Just Hauy entdeckt das Vermögen einiger Mineralien, durc 
elektrisch zu werden (Piezoelektrizität) und benutzt diese Eigensc 
Doppelspates zur Konstruktion eines sehr einfachen und doch < 
liehen Elektroskopes. 

— Georges Louis LMSf* spricht aus, daß die kosmische Schwere auf ( 
. von Ätheratomen zurückzuführen sei. Seine Gravitationstheoi 

1872 von W. Thomson wieder aufgenommen und weitergeführt. 

— Joseph Etienne IWo nt g oliitr in Annonaj stellt mit seinem Brudei 
Michel MontfoHler einen Luftballon — Montgolfi^re — her, der seil 
kraft durch warme Luft (Entzündung eines Strohfeuers an der 
offenen Basis des Ballons) erhält. (Vgl. auch 1709 G.) 

— J. H. MOItor erfindet eine Rechenmaschine, die für Addition, Sub 
und Multiplikation geeignet ist. Die Maschine ist im Museum vo: 
Stadt aufbewahrt. 

— Der Chemiker Franz Joseph MQIlMr von RelchMStelii in Wien < 
das Tellur. 

— Karl Wilhelm Schatte zeigt, daß sich das färbende Prinzip des Blu 
Salzes isolieren läßt, wenn man das Salz mit Schwefelsäure destUli 
nennt die übergehende Luftart Berlinerblau-Säure oder abgekür 
säure und stellt die Verbindung dieser Säure mit Kalium, da 
kalium her. 

— Karl Wilhelm Schetif steUt durch Destillation von Benzoesäure m 
geist und Salzsäure dein Benzoeäther her. 

— Der Physiker Jean SmeMer findet bei seinen Untersuchungen über < 
fluß des Lichtes auf die Pflanzen, daß das Chlorophyll schon nach 
Minuten durch das Licht gebleicht wird. Er bestätigt im wesentli« 
von Ingenhouss gefundenen Tatsachen (vgl. 1779 I.) und verwert 
Befunde über den Einfluß des Lichtes auf die Vegetation in seinei 
rungstheorie, die er in seiner ,, Physiologie v^getale'* veröffentlicht 

— Jean SMltMar wird durch Hagemanns Arbeit (s. 1782 H.) anger 
Veränderungen der Harze im Lichte zu untersuchen. Einige Hai 
Mastix, Sandarak usw. bleichen aus, andere, wie Gummigutt, 
niakharz, Guajakharz werden dunkler. Er findet femer, daß versi 
Harze durch Belichtung ihre Löslichkeit in Terpentin und flüchtig 
verlieren, welche Tatsache später in den Reproduktionsverfahren 
totypie und des Asphaltzinkprozesses Verwendung findet. 

— 236 — 



1788 

1782 James 81x konstmiert den Thermometrograph (Registrierthermometer), ein 
Instmment zur selbsttätigen Aufzeichnung der höchsten und tiefsten 
Temperatur für einen beliebigen Zeitraum. (S. a. 1757 C.) Das Registrier- 
thermometer wird 1794 von Daniel Rutherford in eine bequemere und hand- 
lichere Form gebracht, in welcher es aus einem Quecksilberthermometer 
(Maximumthermometer) und einem Weingeistthermometer (Minimum- 
thermometer) besteht und ist in dieser Form heute noch gebräuchlich. 

— James Watt projektiert die erste rotierende Dampfmaschine, die später 
Yon Murdoch (1799), Rider (1821) u. a. verbessert wird, aber an dem 
Fehler leidet, daß die Gleitflächen nicht dauernd dicht halten. (Vgl. auch 
1899 H.) 

— Josiah Wtdgwootf erfindet ein speziell für die Steingutfabrikation geeig- 
netes Pyrometer y welches auf der Eigenschaft mancher Tonarten, beim 
Erhitzen zu schwinden, beruht. Das Pyrometer besteht aus einer Anzahl 
kleiner Tonzylinder und einer Vorrichtung, deren Dicke zu messen. 

* William Wttli in Bristol erfindet die Herstellung des Patentschrots. In- 
dem das geschmolzene Blei von der Höhe eines Schrotturms 30—40 Meter 
tief in ein untenstehendes Wassergefäß fällt, wird erreicht, daß die Tropfen 
sich in der Luft runden und abkühlen. 

1783 Der Schweizer Aim6 Argwid erfindet den nach ihm benannten Rundbrenner 
für Leuchtflammen mit röhrenförmigem Docht und innerer Luftzuführung, 
der eine vorher ungekannte Stetigkeit des Lichtes und volle Unabhängig- 
keit desselben von der Luftbewegung bewirkt. 

— Pieter Gamptr veranlaßt, nachdem die erste, 1777 von Sigault (s. 1768 S.) 
an Madame Somhot ausgeführte Operation zwar mit der Erhaltung des 
Kindes, aber mit dem Tode der Mutter geendet hatte, auf Grund von Tier- 
versuchen, den Geburtshelfer Damen im Haag, in einem Falle von engem 
Becken die Symphyseotomie zu machen, was auch vollen Erfolg hat. 

— Henry Cavtndlth bestimmt die quantitative Zusammensetzung der Luft 
und stellt deren Gehalt an Sauerstoff auf 20,85®/o fest. 

— Jacques Alexandre C6sar Charles ersetzt die erwärmte Luft der Montgolfi^re 
(8. 1782 M.) durch Wasserstoffgas und läßt am 27. August die erste Char- 
li^re in die Lüfte steigen. Er ist der erste, der meteorologische Beobach- 

. tungen mittels des Luftballons ausführt, indem er am 1. Dezember am 
Barometer den Wert von 500,8 mm, am Thermometer — 8,8® abliest und 
daraus die vom Ballon erreichte Höhe auf 3467 m berechnet. 

— Nachdem infolge der Powers'schen Entdeckung (s. 1768 P.) Crowley eine 
Lederspaltmaschine, die sich jedoch nicht bewährte, angegeben hatte, 
konstruiert ChOuniMrt in London eine solche Maschine, die von Parr und 
Bevlngton (1806), Newberry (1808), Dyer (1811) und vielen späteren ver- 
bessert wird. 

--' James Cooke erfindet die mit Löffeln (Bechern) versehene Säemaschine 
(Löffelsystem). 

— Henry Cort in Lancaster erfindet das unter dem Namen „Puddeln" be- 
kannte Verfahren der Verarbeitung von Roheisen zu Schmiedeeisen und 
Stahl, das an die Stelle des Herdfrischens tritt. Durch die Verwendung 
von Steinkohle wird nicht nur die teurere Holzkohle, sondern auch ein 
Teil der Menschenarbeit entbehrlich. 

— Henry Gort schafft Einrichtungen, durch welche es ihm zuerst gelingt, 
Luppeneisen unter gefurchten Walzen zu verarbeiten und trägt dadurch 
zur Entwicklung der Formwalzerei bei. Seine Einrichtungen geben Ver- 
anlassung, auch den Draht in Walzwerken herzustellen. 

— Nachdem Scheele 1781 in der von ihm entdeckten Wolframsäure ein 

— 237 — 



1788 

eigentümliches Metall konstatiert hatte, isolieren die Brüder Fausto und 
Juan Jos6 d'Elhuyar daraus das Wolfram. 
1783 Philippe Q t ng im b fi entdeckt das selbstentzündliche Phosphorwasserstoffgas 
beim Erhitzen von Phosphor mit Kalilauge. 

— Jean Paul dt Qua dt Malvtl beweist den schon 1727 von F. C. Maien auf- 
gestellten Satz, daß man die ganze Trigonometrie aus dem Kosinussats 
herleiten könne, ein Beweis, den Lagrange (1799) und Gauß (1810) ver- 
einfachen. 

— Nachdem die 1774/76 von Jacques Constantin Parier und dem Grafei^ 
Auxiron auf der Seine in Betrieb gesetzten Dampfboote ihrer Langsanm- 
keit wegen verworfen worden waren, unternimmt der Marquis Claude #• 
JoiifFroy einen neuen Versuch auf der Sa6ne bei Lyon, wobei es ihm ge- 
gelingt, mit seinem Dampfboot eine volle Stunde stromaufwärts zu fahren.. 
Trotzdem wird die Erfindung, deren hoher praktischer Wert unverstandeix 
bheb, vergessen. 

— Antoine Laurent Lavdsltr unternimmt es, an der Hand seiner Erfahrungen 
über die Verbrennung die Phlogistonlehre zu stürzen, und errreioht, daS 
um 1785 seine antiphlogistische Lehre allgemein anerkannt wird. 

— Antoine Laurent Lavoltitr betrachtet diejenigen Körper als einfache, die, 
wie Lichtstoff, Wärmestoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, nicht weiter 
zerlegt werden können, und diejenigen als zerlegbare, deren Zerlegung 
wahrscheinlich ist, wie die Alkalien, die Erden und die Metalle. 

— Antoine Laurent LavoMtr zerlegt das Wasser, indem er Wasserdampf über 
glühendes Eisen streichen läßt, mit dem sich der Sauerstoff des Wassers 
verbindet, während Wasserstoff frei wird. 

— Ltgtr in Paris schlägt an Stelle des bis dahin angewandten massiven 
Dochtes den bandförmigen Flachdocht für die Brennlampe vor. (Vgl. 1783 A.) 

— Sebastian Ltnormantf verwirklicht den Gedanken Leonardo's (s. 1480), indem 
er den Versuch macht, sich mit einem aufgespannten und gegen Umkippen 
gesicherten Kegenschirm von seiner Wohnung auf die Straße herabzulassen. 
Infolge dieses Experimentes konstruiert er einen kegelförmigen FaUschirm, 
mit dem sich am 22. Oktober 1797 Jacques Gamerin aus einer Höhe von 
1000 m herunterläßt. 

— Martdiall in Straßburg exstirpiert zum ersten Male einen carcinomatösen 
prolabierten Uterus mit Erfolg. 

— Jan Pieter Mlncfct lt t n stellt aus Steinkohle erzeugtes künstliches Gas zu 
Beleuchtungszwecken und technischen Zwecken her und begründet damit 
die Industrie des Leuchtgases. Er berichtet darüber in einer 1784 erschie- 
nenen Denkschrift, in der er auch die Reinigung des Gases durch Kalk be- 
schreibt. 1785 erleuchtet er damit seinen Hörsaal in Louvain. 

— Jan Pieter Mlncktlatri füllt den ersten Luftballon mit Leuchtgas und läßt 
denselben am 21. November im Park des Herzogs von Arenberg zu 
Heverl6 bei Louvain aufeteigen. (Vgl. 1783 C.) 

— J. £. und J. M. MtntctHltr lassen am 5. Juni den ersten größeren Luft- 
ballon in Annonay aufsteigen, der mit erwärmter Luft gefüllt ist. 
(S. a. 1782 M.) 

— Jesse Ramsdtn verbessert das Femrohrokular und benutzt für dasselbe 
zwei plankonvexe Crownglaslinsen, die mit ihren konvexen Flächen ein- 
ander zugewandt sind. 

— Sven Rlnmann in Eskilstuna versucht zuerst das EmaiUieren gußeiserner 
Gefäße, ohne jedoch eine hinreichende Haltbarkeit zu erzielen. Die Her- 
stellung haltbarer emaillierter Geschirre gelingt erst Adolph Pleischl. 
(S. 1836 P.) 

— J. B. L. RtniA ^ risit spricht das Prinzip aus, daß jedem festen Körper von 

— 238 — 



1784 

beBÜmmter chemischer Zusammensetzimg eine eigene Krystallgeetalt zu- 
komme und erkennt das bereits (s. 1669 S.) von Stenonis ausgesprochene 
Grundgesetz der Kristallographie, das Gresetz von der Konstanz der Kanten- 
winkel, in seiner allgemeinen Gültigkeit. 
1783 Der französische Naturforscher Pil&tre dt Rodtr und der Marquis i'Arlanisi 
wagen es, am 19. Oktober von den Gärten von La Muette aus in einer 
Montgolfi^e selbst in die Lüfte zu steigen. Bis dahin hatte man nur 
versuohsweiBe Tiere in Käfigen mit in die Lüfte genommen. 

— Horace Benedict ds OMiiiiirt erfindet ein Haarhygrometer, welches dem 
1774 von Deluc konstruierten Hygrometer, zu dem letzterer erst £lfenbein, 
dann Fischbein verwandte, wesentlich überlegen ist und später von Koppe 
und namentlich von Klinkerfues verbessert wird. 

— Karl Wilhelm SdMtle entdeckt, daß bei Einwirkung von Bleioxyd auf 
Brennöl eine eigentümliche süße Substanz ausgeschieden wird, und zeigt 
1784, daß diese Substanz, das ölsüß oder, wie Chevreul es später nennt, 
das Glyoerin auch in andern Fetten und ölen enthalten ist. 

— Lazzaro Spaliainaiil stellt die eiweißlösende Wirkung des Magensaftes fest 
nnd weist nach, daß der Magensaft unter geeigneten Bedingungen auch 
außerhalb des Körpers dieselben Umwandlungen wie im Körper bewerk- 
stelligt. Er erkennt auch die saure Reaktion des Magensaftes. 

— Alessandro VoNa gelangt vom Elektrophor (s. 1 762 V.) durch Verringerung der 
Dicke der Isolierschicht zum sog. Kondensator, der aus zwei Metall- 
platten mit schwacher IsoUerschicht, am besten Firnis, besteht und zum 
Nachweis geringer Elektrizitätsmengen dient. Das Instrument wird 1847 
von Kohlrausch wesentlich verbessert. 

* Die im Jahre 1543 entdeckten und im Jahre 1710 von dem Spanier Padilla 
wieder aufgefundenen, jetzt deutschen Palauinseln werden in Europa erst 
bekannt im Jahre 1783 durch A. WIImni, der dort Schiffbruch erleidet und 
längere Zeit verweilt. 

~ William WHhtrliif entdeckt den aus kohlensaurem Baryt bestehenden 
Witherit (dem Werner den Namen gibt) bei LeadhiUs in Schottlands. 

— j£. A. W. ZlmuMmaiiii schätzt auf Grund der Cook'schen Entdeckungsfahrten 
- das Verhältnis von Wasser zu Land auf der Erde wie 2,7 : 1. (S. a. 1681 M.) 

1784 Nachdem Graf Karl von Sickingen 1772 die Schweißbarkeit des Platins 
erkannt hatte, stellt Franz Karl Aehard zuerst Platintiegel her, indem er 
durch Zusammenschmelzen mit Arsen schmiedbares Platin erzeugt. 

— George Atwootf beschreibt in seiner Schrift „On the rectiünear motion and 
rotation of bodies" die nach ihm benannte Fallmaschine, die im Prinzip 
schon 1746 von C. G. Schofetr in Wieliczka angegeben worden war. 

~ Joseph Bramth erfindet ein Kombinationsschloß mit Schlüssel, das schnell 
eine große Verbreitimg erlangt und nach seinem Erfinder „Bramah -Schloß*' 
genannt wird. Zur Bearbeitung der Teile dieses Schlosses verwendet er 
Fräsen. 

" Nachdem der französische Seeoffizier De Genne (1678) einen mechanischen 
Webstuhl entworfen hatte, der ebenso wie die von Jacques de Vaucanson 
(1745) erfundene Webemaschine sich nicht als gebrauchsfähig erwies, baut 
Edmond Cartwrlght den ersten brauchbaren mechanischen Webstuhl. 

^ Jean Dominique Cassini dt Tliury zeigt, daß im Keiler der Pariser Stern- 
warte im Verlaufe eines Jahrhunderts die Veränderungen des Thermometer- 
Btandes sich auf wenig über 0,02® beliefen; der stabile Stand war 11,82®. 

^ Henry Cavtmlitll beobachtet, daß auf reine dephlogistierte Luft (Sauerstoff) 
und auf reine phlogistierte Luft (Stickstoff) der elektrische Funken nicht 
wirkt, daß dagegen in einem Gemisch von beiden eine chemische Verbindung 
entsteht, die er als identisch mit Salpetersäure erkennt. 

— 239 — 



1784 

1784 Charles Augustin Coulomb untersucht die Gesetze der Torsionselastiatät an 
feinen Fäden und Drähten und wendet zu seinen Versuchen die Methode 
der sogenannten Oszillationen an. Er findet, daß die Torsionskraft dem 
Torsionswinkel proportional ist, was mit gewissen Einschränkungen (für 
einige Metalle) von Warburg 1880 bestätigt wird. 

— Oliver Evans baut ein vielfach in Anwendung gebrachtes Gretreidereinigongs- 
Siebwerk (Holling Screen and Fan). 

— Johann Peter Franz Xaver Pauken macht Reform vorschlage für die Hospi- 
täler und verlangt namentlich Evakuation und Lüftung der längere Zeit 
mit Kranken belegt gewesenen Räume. 

— Johann Wolfgang von Goethe entdeckt gleichzeitig mit Felix VIcq iTAiyr den 
Zwischenkiefer am Schädel des Menschen. Durch diese Entdeckung wird 
G-oethes Überzeugung von der Kontinuität des osteologischen Typus durch 
alle Gestalten hindurch bestätigt, eine Idee, auf der die vergleichende 
Anatomie beruht. (Goethe: Osteologie.) Diese Entdeckung soll übrigens 
1626 schon von dem Holländer S. van den Spickel gemacht worden, aber 
unbeachtet geblieben sein. 

— Christian Friedrich Samuel Hahnemann stellt den Grundsatz auf, daß bei 
chemischen Prozessen die verschiedene Löslichkeit die wechselseitige Zer- 
setzung bedinge, indem stets die für die statthabende Temperatur schwer- 
löslichsten Salze herauskrystallisieren. (S. a. 1780 S.) In Berthollet's Af- 
finitätslehre wird dieser Satz sehr erweitert. 

— Ren6 Just Hauy stellt das Gesetz der Symmetrie (nach dem die Verände- 
rung einer Krystallform durch Kombination mit andern Formen sich stets 
auf alle gleichartigen Teile erstreckt) und das Gesetz der Achsenver&nde- 
rung durch rationale Ableitungskoeffizienten auf. 

— Friedrich Wilhelm Henchel stellt in seinem Buche „On the construotion of 
heavens" die Theorie auf, daß die sichtbaren Sterne samt der Milchstraße 
einen linsenförmigen Haufen bilden und die Sonne sich etwas außerhalb 
der Mitte desselben befindet. 

— John Jeffrlei aus Boston imd Nicolas Fran^ois Blanchard unternehmen in 
London die erste, ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dienende 
Luftschiffahrt und erreichen eine Höhe von 2740 m. Sie konstatieren da- 
selbst eine Temperatur von — 1,9®, während auf der Erdoberfläche eine 
solche von 10,6" herrscht. 

— Mikroskopische Präparate werden in der Art aufbewahrt, daß man sie 
zwischen einem Glasstreifen, auf welchem das Objekt präpariert worden 
ist und dem Deckglas, einem sehr dünnen Glasplättchen, luftdicht ein- 
kittet. Das Deckglas ist von Jan Ingenhoutt erfunden. 

— Christian Kramp unternimmt es zuerst, Ballonbeobachtungen für die Lehre 
von der barometrischen Höhenmessung fruchtbar zu machen. (VgL auoh 
1749 W.) 

— LamNit setzt in St. Cloud den ersten Krystallglasofen in Frankreich in 
Betrieb und legt damit den Grund zu der Fabrikation des berühmten 
französischen Bleikrystallglases. (S. a. 1612 N.) 

— Antoine Laurent Lavolller zeigt, daß der Weingeist aus Kohlenstoff, Wasser- 
stoff und Sauerstoff besteht. 

— Der Mathematiker Simon Antoine Jean Uiulller begründet rechnerisch den 
zweckmäßigen Bau der Bienenzellen. 

— Capel UoK aus Bury konstruiert eine mähmaschinenartige Vorrichtung, 
die als Schneideapparat einen einfachen Messerkamm enthält, wie solcher 
bereits von PaUadius (s. 78 und 390) beschrieben worden war. 

— Der Engländer Lionel Lukin baut das erste Rettungsboot zur Bergung 
Schiffbrüchiger. Das Boot iat mit Luftkästen, Korkeinlagen und einem 

— 240 — 



1785 

schweren Eisenkiel yersehen. Ein verbessertee Rettungsboot dieser Art 
steDt 1789 Henry Greathead her. 
1784 John MIcMI erfindet die Torsionswage, die auch Conlomb'sche Drehwage 
genannt wird, weil Coulomb sie zum Messen magnetischer und elektrischer 
Kjr&fte zuerst benutzte. (Vgl. 1786 C.) 
~~ James Miiort komprimiert bei einer Amputation des Unterschenkels den 
Nervus ischiadicus imd cruraUs mit einem Kompressorium, wodurch die 
Ox>eration schmerzlos verläuft. 
— William Murdoch verfertigt das Modell eines Dampfwagens und führt tat- 
sächlich Fahrten damit aus. Das Fahrzeug hat drei Räder. Aus dem 
senkrechten Dampfkessel ragt der Arbeitszylinder heraus, dessen Kolben- 
stange einen einarmigen langen Hebel bewegt, der seinerseits durch eine 
Lenkstange die Radachse in Umdrehung versetzt. 
* Der Mechaniker Salsano in Neapel konstruiert einen, wenn auch primitiven, 
PendelBeismographen imd bereitet dadurch der Verwendung des Pendels 
für seismische Zwecke den Weg. Vor ihm sollen (nach Mario Baratto) 
Apparate zu seismischen Beobachtungen von Andrea Bina (1751), Graf 
Catanti (1751), Michele Augusti (1779) und Nicola Cirillo (1781) konstruiert 
worden sein. (Vgl. auch 1703 H.) 

— Karl Wilhelm S c fa sal t erkennt zuerst, daß die aus Weingeist und organischen 
Säuren entstehenden Äther bei Einwirkung passender Agentien leicht 
wieder in Weingeist und die angewandte Säure zerfallen, was von Chenevix, 
Th^nard u. a. bestätigt wird. 

— Karl Wilhelm S c fa sals stellt zuerst die Citronensäure in reinem krystallisiertem 
Zustand aus (Zitronensaft her, und zeigt, daß der Saft der Ribes grossularia 
neben Citronensäure auch eine Säure enthält, die auch in den sauren 
Äpfeln vorkommt, und der er den Namen Äpfelsäure gibt. 

— James 8lx würdigt zuerst die Bedeutung der nächtlichen Strahlung, über 
die nach ihm Melloni (1831), PouiUet (1838), Maurer (1887) und viele an- 
dere arbeiten. Maurer findet, daß die nächtliche Strahlung 0,13 Kalorien 
betragt, d. i. ungefähr den zehnten Teil des Strahlungsbetrags, welchen die 
Flächeneinheit (1 qcm) bei normaler Bestrahlung und hohem Sonnenstand 
in der Zeiteinheit von der Sonne empfängt. 

— Moritz Gerhard ThilMlIut macht den ersten Versuch, den Klumpfuß durch 
Durchschneidung der Achillessehne zu heilen, der jedoch keinen voUen 
Erfolg hat. 

— James Wtit erfindet die Parallelogrammführung und wendet für die Dampf- 
maschine den Zentrifugalregulator an, der vereinzelt schon im Mühlen - 
betrieb gebraucht worden war. Mit diesen letzten Vervollkommnungen 
ist die Dampfmaschine nunmehr befähigt, ihren Siegeszug durch die Welt 
anzutreten. 

— James Watt spricht zuerst den Gedanken des Dampfhammers aus, indem 
er ein Projekt entwirft, ein Gewicht durch Dampfdruck wiederholt auf 
gewisse Höhe zu heben, um es wieder auf das Schmiedestück zurückfallen 
zu lassen. Ein ähnlicher Entwurf wird 1806 von W. Deverell gemacht. 

1785 Franz Karl Adianl beschreibt zuerst den Siede verzug (die Erscheinung, 
daß Flüssigkeiten erst bei höherer Temperatur, als dies ihrem normalen 
Siedepunkt entspricht, zu sieden beginnen). Eingehendere TJntersuchungen 
darüber werden von Gay-Lussac (s. 1818 G.), Rudberg (1837), Marcct (1842), 
Donny (s. 1843 D.), Dufour (1865), von welch letzterem auch der Name 
Siedeverzug (Retard d'6bullition) herrührt, angestellt. 

"- Der Architekt AnfO führt in einem Hause in Boulogne die erste bekannte 
schmiedeeiserne Deckenkonstruktion aus, die sprengewerkartig 6,50 m über- 
Darmitaedter. IG 

— 241 — 



1786 

Bpannt und als Vorläufer der eisemen Balkendächer anzusehen ist, aber 
zunächst wenig Beachtung findet. 
1786 Der französische Chemiker Claude Louis Berthollit erfindet die Chlorbleiche 
und entdeckt 1792 das unterchlorigsaure Kali. Im gleichen Jahre ver- 
öffentlicht er seine Untersuchungen über das Ammoniak; er zeigt, daß die 
Volum Vergrößerung, die der elektrische Funke beim Durchschlagen durch 
Ammoniakgas bewirkt, durch die Zerlegung des Gases bedingt ist und 
findet in dem entstehenden Gasgemenge Stickstoff und Wasserstoff all 
alleinige Bestandteile, deren Menge Verhältnis er feststellt. 

— Nicolas Fran^^ois Blanchard, der erste berufsmäßige Luftschiffer, fährt nach 
einem vorher überlegten Plane am 7. Januar im Luftballon von Dover 
nach Calais: die erste Luftreise nach einem bestimmten Ziele. (S. a. 
1784 J.) 

— Joseph Bramah erfindet die Flügelpumpe, bei welcher sich die Kolben in 
einem zylindrischen Gehäuse, mit dessen Mittelachse die Schwingungsachse 
des Kolbens zusammenfällt, schwingend bewegen. 

— Charles Augustin Coulomb führt mittels der Drehwage (s. 1784 M.) die für die 
Elektrotechnik fundamentalen Untersuchungen über die ponderomotorischen 
Wirkungen elektrisch geladener Körper aus und findet als Ergebnia 
das auch für die heutige elektrische Meßtechnik noch den Ausgangspunkt 
bildende, seinen Namen tragende Grundgesetz, wonach zwei elektrische 
Teilchen sich gegenseitig anziehen oder abstoßen mit einer Kraft, die im 
geraden Verhältnis der wirkenden Elektrizitätsmengen und im umgekehr- 
ten Verhältnis des Quadrats ihrer Entfernung steht. 

— Charles Augustin Coulomb konstruiert das erste Magnetometer zur Ermitt- 
lung der Änderungen der Deklination. 

— Charles Augustin Coulomb untersucht mittels der Drehwage, welcher Art 
die Kräfte sind, die auf den Magneten einwirken, nach welcher Richtung 
dieselben tätig sind und bestimmt mittels dieses Apparates auch die Gröfie 
des Drehungsmoments, welches den Magnet in den Meridian zurückfährt 

— Charles Augustin Coulomb untersucht die Fem Wirkung magnetischer 
Massen aufeinander mit Hilfe der Drehwage und gelangt bei dieser Unter- 
suchung zur Auffindung der nach ihm benannten Grundgesetze der Fem- 
wirkung, wonach die magnetischen Anziehungen und Abstoßungen dem 
Quadrate der Entfernungen umgekehrt proportional sind. 

— Charles Augustin Coulomb steUt Untersuchungen über den Elektrizitäts- 
verlust eines geladenen und isoliert aufgehängten Körpers in Luft an. 

— Charles Augustin Coulomb ermittelt durch ausgedehnte Versuchsreihen, bei 
denen er sich des von ihm erfundenen Tribometers bedient, die Gesetze 
der gleitenden und der drehenden Reibung und erlangt mit seiner Arbeit 
den 1779 von der Acad^mie des sciences ausgesetzten Preis. 

— Thomas Fowlor führt an Stelle der bisher gebrauchten Arsensäure (s. 1697 J.) 
eine Lösung von arseniksaurem Kali in die Medizin ein, die unter dem 
Namen „Fowler'sche Lösung" das am meisten angewandte Arsenikpräparat 
darstellt. 

— Friedrich Wilhelm Hcnchel vervollkommnet das Spiegelteleskop (s. 1 666 N.), 
indem er behufs Steigerung der Helligkeit den Auffangspiegel we^fit 
und dem Hauptspiegel eine geringe Neigung gegen die einfallenden Büschel 
gibt. Er konstruiert ein derartiges Instrument von 12,2 m Länge bei 
1,22 m Öffnung. 

— John Hunttr entdeckt den Kollateralkreislauf, der sich nach Unterbindung 
oder Verstopfung einer größeren Arterie entwickelt, indem das Blut dann 
mit größerer Kraft und in größerer Menge in die Seitenäste des ge- 
schlossenen Gefäßes eingetrieben und auf Seitenwegen zu dem Teil ge- 

— 242 — 



j 



1785 

langt, der eigentlich von dem geschlossenen Gefäß versorgt werden sollte. 
Er gründet hierauf seine Aneurysmabehandlung durch proximale Ligatur 
in größerer Entfernung vom Aneurysma, die bis zur Periode der Antisep- 
tik das vorherrschende Verfahren bleibt, während alsdann die Exstirpation 
immer mehr in den Vordergrund tritt. 
1785 Richard Klrwan fördert durch seine physisch -chemischen Schriften die ana- 
lytische Chemie. 

1785—88 Der Seefahrer Jean Fran9ois de Galaup Lap<rouM entdeckt auf seiner 
Weltreise die Lap^rouse- Straße zwischen Jesso und Sachalin und erforscht 
die nordjapanischen Inseln sowie die Küste der Mandschurei. 

1785 Eobert Paul dt Lamamm, Begleiter von Lap6rouse, erkennt zuerst die 
schon von Borda gemutmaßte Änderung der Intensität des Erdmagnetis- 
mus mit der magnetischen Breite. (S. a. 1804 H.) 
~ Adolph Friedrich UMTItr lagert verletzte Körperteile auf eine Hängevor- 
richtung, die Löffler*sche Schwebe, aus der später die Sauter'sche (1812) 
nnd die Mayor*sche Schwebe (1827) zur Heilung der Beinbrüche hervor- 
gehen. Die Schwebe wird später von Volkmann, Esmarch, Bergmann, 
Beely u. a. abgeändert. (Vgl. 400 v. Chr.. 1450, 1760 R.. 1774 P.) 
~ Der Chemiker Johann Tobias Lowlti entdeckt das Entfärbungsvermögen 
der Holzkohle, die er zuerst zur Reinigung des Branntweins anwendet. 

— Nevil MaiktlyiM nimmt zuerst wahr, daß bei der Bestimmung von Stern- 
durchgangszeiten nach dem Gehör (Pendelschläge) die Angaben zweier 
Beobachter um eine konstante Zeitgröße differieren. (S. a. 1823 B.) 

~ Andrew Mtlkle in Tyrringham erfindet die erste mit Schlagleisten ver- 
sehene Dreschmaschine (schottische Dreschmaschine), aus der sich die 
auch heute noch vielfach neben der Stiftendreschmaschine (s. 1831 T.) 
benutzte Schlagleiatendreschmaschine entwickelt. 

— William Murdoch erfindet die Dampfmaschine mit schwingendem Zylinder, 
dessen hohle Drehachsen die Kanäle für den aus- und eintretenden Dampf 
bilden. (Oszillierende Dampfmaschine. Vgl. 1820 C.) 

~ Robert Rantome erhält das erste Patent für die Verfertigung der Pflugschar 
aus Gußeisen und später für das Stählen der Gußeiaenschar. 

— Benjamin Thompson Graf von Rumford ruft in München eine wohlorgani- 
sierte Hygiene und Wohlfahrtspflege ins Leben und baut Arbeiterhäuser 
und öffentliche Speiseanstalten. 

— Karl Wilhelm SdiMto entdeckt den Amylalkohol, das eigentliche Fuselöl, 
das der hauptsächliche verunreinigende Bestandteil des Rohspiritus ist. 

— Nachdem Mangetus (1700) zuerst die Miliartuberkeln beschrieben hatte, 
geraten dieselben wieder in Vergessenheit und werden von Johann Christian 
Mark neu entdeckt und in ihrer Bedeutung erkannt. 

— J. G. Studer gibt dem von Rößler (s. 1633 R.) erfundenen Hängezeug zum 
Grubenkorapaß die noch heute gebräuchliche Form. 

— Fran^ois Tourto in Paris verbessert — unter teilweiser Anlehnung an die 
Vorschläge seines Vaters und seines Bruders — den Violinbogen und gibt 
demselben seine bis zur Gegenwart unverändert gebliebene Form und 
Einrichtung. Er erkennt in dem Femambukholz das geeignetste Material 
für die Bogenstange, die er aus Geradholz schneidet und über Kohlen- 
feuer biegt; durch entsprechende Vorrichtungen am Bogenfrosch und an 
der Bogenspitze gelingt es ihm, die Haare beim Drucke auf die Saiten 
in gleichmäßiger Lage zu fixieren. 

— Der Abt Vogler baut eine vereinfachte Orgel mit drei Klaviaturen von je 
63 Tasten und 39 Pedaltasten nebst einem Schweller zur Hervorbringung 
verschiedener Tonstärken. Er nennt dieses Instrument Orchestrion. 
(über andere Musikinstrumente dieses Namens s. 1791 K. und 1850 K.) 

16* 

— 243 — 



1786 

1785 James Watt läßt sich eine rauchlose Feuerung schützen, bei welcher dur 
ein zweites Feuer der Bauch verbrannt werden sollte. 

— Karl Friedrich Wenitl stellt durch Fällung eines Gemischs von eisenfrei 
Alaun- und Kobaltoxydullösung durch kohlensaures Natron und starli 
Glühen des Niederschlags das Kobaltultramarin dar, das nach Th^nai 
welcher es 1804 aufs neue herstellt, Th6nard*s Blau genannt wird. 

— Abraham Gottlob WarnMr in Freiberg begründet die Geognosie. Er nimi 
die Abscheidung des ganzen Bodenreliefs aus dem Meere als eine unzweif 
hafte Tatsache an und wird damit der Begründer des Neptunismus. I 
Vulkane hält er nur für Resultate lokaler Entzündung brennbarer Sto 
im Erdinnem, die Laven nur für umgeschmolzene Steinmassen. 

— Abraham Gottlob Wtniir teilt die Gebirge ein in ürgebirge (jetzt archi 
ische Bildungen genannt), zu denen Granit, Gneis, Glimmerschiefer u. d 
gehören, in Übergangsgebirge (jetzt palaeozoische oder Primärbildung 
genannt, s. 1835 M.), in Flözgebirge (jetzt mesozoische oder Sekimdi 
bildungen genannt), zu denen Kreide, Jura und die in Keuper, Muschelks 
und Buntsandstein eingeteilte Trias gehören, in Braimkohlengebirge (jel 
känozoische oder Tertiärbildungen genannt, s. 1838 L.) und in aufj 
schwemmtes Land oder Sedimentbildungen (jetzt Quartärbildungen genann 

1786 Aim6 Argantf konstruiert eine ÖUampe, bei welcher die ölzufuhr zi 
Dochte dadurch geschieht, daß der Ölbehälter als Stürzllasche ausgebilc 
ist, deren untere Öffnung in gleicher Höhe mit dem Dochtende liegt. 

— Abraham Btnntt konstruiert das auch heute noch gebräuchliche sehr eni 
findliche Goldblatt-Elektroskop. 

— Abraham BtniMt erkennt zuerst die Wichtigkeit der Leitungsfähigk* 
einer Flamme für die Untersuchung der Luftelektrizität in einer bestimmt 
Luftschicht imd führt genauere Untersuchungen mit der den starren Meta 
spitzen überlegenen Flammenspitze aus. 

— Nachdem Glauber das chlorsaure Kah bereits unter den Händen geha 
hatte, ohne jedoch dessen Natur zu erkennen, stellt Claude Louis BtrtM 
dieses Salz in reinem Zustande her und stellt fest, daß eine Säure dai 
enthalten ist, die mehr Sauerstoff als das Chlor enthält. Er zeigt, daß ( 
Chlorsäuren Salze in Vermengung mit brennbaren Stoffen allein durch Dru 
oder Stoß unter Feuererscheinung explodieren, was für die Tauch- ui 
Tunkfeuerzeuge ausgenutzt wird. 

— Das von Claude Louis BtrUiolltt (s. 1785 B.) erfundene Chlorbleich verfahr 
wird in die englischen Baumwoll- Bleichereien eingeführt und dadurch d 
Bleichvorgang auf 2 — 3 Tage abgekürzt. (S. a. 1750 H.) 

— Jean Charles Borda gibt ein Annäherungsverfahren zur Stabilitätsbestii 
mung der Schiffe an, indem er eine nach der Schiffsgröße zu bemessen 
Zahl von Mannschaften an der einen und alsdann an der anderen Boi 
wand aufstellt, und aus der dadurch bewirkten größeren oder geringer 
SchrägsteUung des Schiffs die genügende, bzw. zu große oder zu klei 
Stabilität ableitet. (Borda'sche Regel.) 

1786 — 88 Charles Augustin Coulomb weist experimentell nach, daß die d 
Körpern mitgeteilte Elektrizität nicht in das Innere der Körper ei 
dringt, sondern sich nur auf deren Oberfläche ansammelt. Auch Farad 
weist dies 1839 durch schlagende Versuche nach. Diese Versuche l 
stätigen die aus der Potential theorie sich ergebende Folgerung, daß < 
Potentialfunktion im Innern der Körper überall gleich Null sein muß. 

1786 Nachdem bereits 1621 die ersten Anbau versuche von Baumwolle 
Louisiana und Texas gemacht worden waren, wirkt der amerikanisc 
Advokat Coxt für die allgemeine Einführung der Baumwollenkultur in d 
Südstaaten der Union. 

— 244 — 



1786 

1786 Louis Gabriel Dvbiiat entwickelt die Gesetze der Wasserbewegung in 
Kanälen, Flußbetten und Röhrenleitungen. 

— Oliver Evant baut walzenförmige Dampfkessel mit Unterfeuerung und 
durchgehendem Bauchrohr, das, um größeren Dampfraum zu erzielen, aus 
der Mitte etwas nach unten versetzt wird. Er baut auch Walzenkessel 
mit im Flammrohr angeordneter Feuerung, die, weil sie in den Gruben - 
bezirken von Comwall vielfach verwendet werden, den Namen Comwall- 
kesael erhalten. 

— PMWCfoy und Tbowtt entdecken gleichzeitig bei Gelegenheit der Räumung 
des Pariser Kirchhofe der „Saints Innocents'* das Adipocire (Leichenfett), 
eine wachsartige Masse, in welche sich die Leichen beim Liegen in feuchter 
Erde bisweilen derart verwandeln, daß dieselbe die Form der früheren 
Gewebsteile zeigt. Fourcroy erkennt das Leichenfett als ein Gemenge von 
Seifen und Basen. 

— Wnai und Girant empfehlen die direkte Einleitung der menschlichen Ab- 
fallstoffe in bewegliche Behälter (Fosses mobiles) und die Abf\ihr der 
letzteren (Tonnensystem). 

— Johann Wolfgang von Qooth« führt die von Kaspar Friedrich Wolff (s. 1768 W.) 
zuerst ausgesprochene Idee der Metamorphose der Pflanzen klarer aus, 
welche in der Vielheit der Pflanzenformen nur Umbildungen einiger weniger 
Grundorgane, nämUchldes Stengels und des Blattes, sieht. Die Veröffent- 
lichung erfolgt im Jahre 1790. 

* Johann Friedrich Güte Mulht führt das Klettergerüst (Holzgerüst mit 
Leitern, Kletterstangen, Klettertauen, Schwingseilen usw.) für den Turn- 
unterricht ein. Den Schwebebaum (Balancierbaum) wendet zuerst Johann 
Bernhard Basedow beim Turnen an. 

* Nachdem der englische Mathematiker N. Saunderson (1730), Weißenburg 
in Mannheim (1780) und das blinde Fräulein M. Th. von Paradis (1784) 
Lese- und Schreibmaschinen für Blinde ersonnen hatten, verbessert 
Valentin Hauy diese Apparate und stellt auch den ersten Druck von 
Blindenbüchem her. 

— Friedrich Wilhelm HencM veröffentlicht seinen ersten Nebelkatalog, dem er 
das Jahr darauf einen zweiten folgen läßt. Bis zum Jahre 1802 entdeckt 
er insgesamt 2303 Nebel (in 8 Klassen) und 197 Sternhaufen. 

~ John Huntsr veröffentlicht sein epochemachendes Werk „A treatise on the 
venereal diseases", in welchem er die Theorie der Identität der Syphilis 
mit dem LHcus moUe begründet, die erst durch Ricord (s. 1831 R.) ge- 
stürzt wird. 

~ Richard Klrwan lehrt durch Verbindung von Schwefelwasserstoff mit 
Ammoniak bei gewöhnlicher Temperatur das Schwefelammonium her- 
stellen. 

*- Nachdem Antoine Laurent Lavolsitr schon 1776 (s. d.) bewiesen hatte, daß 
die Salpetersäure aus Sauerstoff und Stickoxyd bestehe, wobei er jedoch 
die Zusammensetzung des letzteren noch nicht kannte, verbrennt er jetzt 
den Salpeter mit Kohle, bestimmt aus der sich bildenden Kohlensäure 
den Sauerstoffgehalt der Säure, läßt die Kohlensäure absorbieren und er- 
mittelt aus dem Rest des Gasvolums den Stickstoff. Er findet 20,5 Ge- 
wich tsteile Stickstoff auf 79,5 Gewichtsteile Sauerstoff (richtig ist 25,9 
zu 74,1). 

■" P. F. MOTMUI führt systematisch und erfolgreich Gelenkresektionen aus und 
erwirbt sich namentlich große Verdienste um die Resektion des Schulter- 
gelenks und von 1792 ab auch des Ellenbogen-, Hand- und Fußgelenks. 

"" Der dänische Arzt Otto Friedrich MQItor macht den ersten Versuch einer 
wissenschaftlichen Systematik der mikroskopischen Lebewesen. 

— 245 — 



1786 

1786 L. (MlMT verwendet zuerst das basisch salpetersaure Wismut (Magisl 
bismuti) in der Medizin. 

— Nachdem bis dahin die Gletschererscheinungen im wesentlichen nu 
deskriptive Behandlung (von Wolf, Scheuchzer, Altmann, G-rune: 
erfahren hatten, studiert Horace Benedict de Sausture dieselben zuere 
geologischen und physikalischen Standpunkt aus. Er erklärt die Glel 
bewegung aus der Schwere und beschreibt die Bildung und Zusai 
Setzung der Gletschermoränen, wie auch der eigenartigen gerundetei 
buckel, die später als Zeichen der Gletscherbewegung erkannt werd« 

— Karl Wilhelm Scheele stellt aus den Galläpfeln die Gallussäure da 
findet, daß das bei Destillation der Gallussäure erhaltene Sublima 
schieden von der ursprünglichen Säure ist. Erst 1831 wird diese Sul 
von Gmelin und Braoonnot näher untersucht und erhält von diese 
Namen „Pyrogallussäure". 

— Lazzaro Spällanzanl stellt fest, daß durchspeichelte Speisen leichter v< 
werden, aJs mit Walser durchfeuchtete. 

— Samuel Taylor erstrebt in seinem Kurzschriftsystem auf phonet 
Grundlage die möglichste Vereinfachung der Laut- und Buchstabenze 
Er entlehnt seine 19 Zeichen d.er geraden Linie und dem Halbkre 
und ohne Schleife. Der Punkt dient zur Bezeichnung der Vokale. 
System wird die Grundlage für viele andere Systeme. 

— Felix Vlc«| d'Azyr fördert durch sein großes anatomisches Werk di< 
gleichende Anatomie. Insbesondere bearbeitet er die Struktur des G< 
den Ursprung der Nerven, die Struktur der vier Extremitäten des Mei 
und der Vierfüßler. 

— Nachdem Malouin schon i. J. 1742 darauf hingewiesen hatte, da( 
durch Behandeln von Eisen mit Zink, anstatt mit Zinn, eine Ai 
Weißblech erhalten könne, beschreibt William Wafson das Vendn] 
verfahren so, wie es im wesentlichen noch gegenwärtig gehandhabt 
nämlich: Scheuem der zu verzinkenden Gegenstände, Beizen derselbe 
einer Säure (jetzt in der Regel verdünnte Schwefelsäure), Eintauol 
eine Salmiaklösung und demnächst in ein stark erhitztes Zinkbad. 

1787 Der Münchener Arzt Joseph von Baader erfindet das nach ihm gei 
Gebläse, bei welchem ein unten offener Holzkasten in einem z^ 
oben offenen, mit Wasser gefüllten Holzkasten auf und nieder l 
wird. 

— Claude Louis Berthollet untersucht die von Scheele (s. 1782 S.) ent< 
Blausäure und findet darin nur Kohlenstoff, Stickstoff und Wasse 
Er hält sich danach für berechtigt, gegenüber Lavoisiers Ansicht 
andere Elemente neben dem Sauerstoff als säureerzeugend anzusehe 

— Jean Charles Borda konstruiert, indem er nach Römers Vorgang (s. 17 
den Quadranten durch einen Vollkreis ersetzt, den sogenannten I 
kreis, der zu den Azimutinstrumenten gehört und sich bei der als Gnu 
des metrischen Systems angeordneten französischen Gradmessung (s. 17 
vortrefflich bewährt. 

— Ignaz von Born entdeckt das erste bekannte natürliche Mineral wachs 
wachs), das 1822 von Conybeare mit dem Namen „Hatohettin" 
wird. 

— Bride! in Montfaucon trocknet zuerst die Fäkalstoffe, um sie in p 
förmige Form bringen zu können, und verkauft das pulverförmige Pi 
unter dem Namen „Poudrette" als Dünger. Unter diesem Namen 
in Frankreich nach dem „Dictionnaire de Trevoux von 1732" scho 
dieser Zeit an der Luft getrocknete und zu Pulver zerfallene Fäka 
verwendet worden. 

— 246 — 



1787 

787 Li. G. Bnigiialilll entdeckt die bei Behandlung des Korks mit verdünnter 
Salpetersäure entstehende Korksäure, deren Eigentümlichkeit von Bouillon- 
Lagrange, der auch ihre Sublimierbarkeit entdeckt, 1797 bestätigt wird. 

— Der Forstmann Friedrich August Ludwig von Buifldorf, der Vater der 
deutschen Wildbaumzucht, verbessert das Veredelungsverfahren des Oku- 
lierens, Pfropfens und Kopulierens, und prüft die Zweckmäßigkeit des- 
selben durch zahlreiche Kreuzungen und Kombinationen. 

— De GMMrtt GreneralJnspekteur des französischen Wegebaus, gibt die erste 
Anregung zur Konstruktion und Verwendung schwerer, und zwar hohler 
goßeisemer Walzen für Wegebauzwecke. 

— Ernst Friedrich CliMnl gelingt es, die Tatsache, daß eine Platte niemals 
als Ganzes schwingen kann, sondern sich immer in mehrere durch Knoten- 
linien getrennte schwingende Teile zerlegt, durch die nach ihm benannten 
Klangfiguren sichtbar zu machen. Er bestreut die Platte mit trocknem, 
staubfreiem Quarzsand, der von den schwingenden Teilen der Platte fort- 
geworfen wird und sich auf den ruhenden Stellen, den KnotenUnien, 
ansammelt, wodurch auf der Platte scharfe, regelmäßige Figuren ent- 
stehen. 

— OoHliifMr erfindet die Patentachse, eine auch noch heute bei Luxusfuhr- 
werken angewendete Konstruktion der Achsen und Naben, bei der ein 
dichter Abschluß der Achsenschenkel nach außen hin und infolgedessen 
die Anwendung flüssiger Schmiere ermöglicht und das Eindringen von 
Schmutz und Staub verhindert wird. Er konstruiert auch die erste Patent- 
buchse für Fuhrwerke. 

— Gr. V. M. Fabbronl zählt in seiner Abhandlung über die Gärungsvorgänge 
die Hefe den animalischen Substanzen zu. 

— Der amerikanische Ingenieur John FItdi fährt mit dem von ihm erfunde- 
nen, zum erstenmal mit einer Schiffsschraube versehenen, durch Dampf 
betriebenen Boot „Perseverance"' auf dem Delaware, ohne daß jedoch 
dieser Versuch eine Folge hatte. Bemerkenswert ist, daß er bereits einen 
aus einem großen Schlangenrohr bestehenden Wasserrohrkessel und einen 
ähnUch gebauten Oberflächenkondensator verwendet. 

— Fr. E. F od ar ü veröffentlicht umfangreiche Arbeiten über den Kropf und 
den Kretinismus und sieht das Primäre der veränderten Kopfform in 
einer Verhärtung und Verkleinerung des Gehirns, deren Folge die fehler- 
hafte Bildung der Kopfknochen sei. 

— Fourcroy und Hahnemann empfehlen gleichzeitig zum Nachweis des Bleis 
das Schwefelwasserstoffwasser. Zum Nachweis des Bleis im Wein empfiehlt 
Hahnemann dasselbe sauer anzuwenden, damit es nicht Eisen niederschlage. 
Später (1795) empfiehlt er Probeflüssigkeiten aus Kalkschwefelleber und 
Weinsäure (Hahnemann'sche Weinprobe). 

— Friedrich Wilhelm Hwrsehel entdeckt am 11. Januar zwei Satelliten des 
Uranus und bestätigt im gleichen Jahre die zuerst von J. D. Cassini (s. 
1675 C.) gemachte Beobachtung, daß der Satumring in zwei Ringe von 
ungleicher Breite geteilt ist. 

— Bernhard Friedrich Kuhn erklärt in seiner Schrift „Versuch über den 
Mechanismus der Gletscher" die Bewegung durch den Druck der oben 
hegenden Fimmassen, erörtert die Entetehimg der Moränen und verfolgt 
alte Moränen weit über das jetzige Eisgebiet hinaus. Er schließt aus 
seinen Befunden auf eine frühere ungewöhnlich große Ausdehnung der 
Gletscher. 

— Antoine Laurent La¥Oisi<r untersucht quantitativ die Beziehungen des 
Zuckers zu den während der Gärung gebildeten Produkten und kommt zu 
dem Schlüsse, daß der Vorgang in einer Spaltung des Zuckers in zwei 

— 247 — 



1787 

Teile beruht, von denen der eine zu Kohlensäure oxydiert, während der 
andere in Alkohol umgewandelt wird. 

1787 Antoine Laurent Lavolii«r vergleicht den Wert einer Anzahl Brennmate- 
rialien in Beziehung auf die durch gleiche Grewichtsmengen erzeugte Wärme. 

— Lavolslar, BMHiolltt und Fovrcroy geben gemeinsam mit Guyton it Monm 
die „Nomenclature chimique" heraus, in der bereits die Prinzipien der 
heutigen chemischen Sprache enthalten sind. 

— Ltlthnar in Idria führt an Stelle der Aludelöfen zur Destillation des Queck- 
silbers (s. 1633 B.) gemauerte, innen zementierte Kondensationskammem ein, 
welche zu mehreren zu beiden Seiten des Ofens, abwechselnd oben und 
unten miteinander in Verbindung stehen. Später wird dann der konti- 
nuierliche Betrieb mit Schachtofen und in neuester Zeit mit Fortschaufe- 
lungsöfen eingeführt, 

— Paolo Mascagnl gibt in seiner Schrift „Vasorum lymphaticorum corporiB 
humani historia et iconographia" die Resultate seiner Forschungen über 
das Lymphgefäßsystem aller Tierklassen wieder. 

— Der Schotte Patrick Mllltr baut ein Doppelboot, das durch zwei von Men- 
schenhand gedrehte Schaufelräder bewegt wird. Auf Anraten von Jame« 
Taylor benutzt er zum Antreiben der Räder später eine von William 
Symington gebaute atmosphärische Maschine, und unternimmt in den 
Jahren 1788 und 1789 mehrere gut gelungene Probefahrten. Trotzdem 
hat sein Vorschlag keinen dauernden Erfolg. (Vgl. a. 1783 J. und 1787 F.) 

— William Nlchotoon konstruiert ein Crewichtsaraeometer, das aus einem zylin- 
drischen oben und unten zugespitzten Schwimmer aus Messingblech be- 
steht, der an seinem oberen und unteren Ende mit Wagschalen versehen 
ist, so daß man einen Körper unter oder über Wasser von dem Schwimmer 
tragen lassen kann. Durch oben aufgelegte Gewichte wird der Schwimmer 
beide Male bis zur gleichen Marke versenkt. Indem der Körper so über 
und imter Wasser gewogen wird, erhält man sein spezifisches Gewicht. 

— Nachdem das Mutterkorn in der Bekämpfung von Frauenkrankheiten 1561 
bereits von Lonicerus erwähnt worden war, berichtet Paulltiky in Eam 
zuerst über dessen Anwendung als Pulvis ad partum. 

— Der irische Maler Robert Parktr führt zuerst ein Panorama zu Zwecken 
der SchausteUung aus, indem er in London eine 45 Fuß im Durohmesser 
haltende Rotunde errichtet, in der die russische Flotte auf der Reede von 
Spithead dargestellt ist. (Vgl. 1792 B.) 

^ Nachdem der Anbau der Kartoffel trotz der seit 1663 fortgesetzten Be- 
mühungen der Royal Society nur langsam fortgeschritten war, gelingt es 
Antoine Augustin ParniMitltr durch seine Schriften „Instruction sur la con- 
servation et lee usages de la pomme de terre" und „Trait^ sur la culture 
et les usages des pommes de terre'* ihr die weiteste Verbreitimg zu schaffen. 

— Joseph Louis Proust erkennt zuerst den Silbergehalt des Meerwassers, der 
1850 von Malaguti, Durocher und Sarzeaud mit 1 mg in 100 Liter Meer- 
wasser nachgewiesen wird. 

— James RvniMy, ein amerikanischer Ingenieur, wendet zuerst die von Ber- 
noulli (vgl. 1738 B.) geäußerte Idee des ReaktionspropeUors zum Betriebe 
eines Dampfschiffes an, welchem indes ein praktischer Erfolg nicht be- 
schieden war. 

— Nachdem am 8. August 1786 der Montblanc zum erstenmal von Dr. 
Pacard mit Jacques Balmat bestiegen worden war, macht am 1. August 1787 
Horace Benedict tft Sautiurs seine epochemachende Besteigung dieses Berges, 
die die alpine Touristik einleitet und gleichzeitig durch die dabei erzielten 
wissenschaftlichen Resultate von Bedeutung ist. Seine barometrischen 

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1788 

Simnltanbeobachtungen auf dem Gipfel und in Chamouny werden für die 
Höhenmeteorologie wertroll. (S. a. 1705 D.) 
J87 Horace Benedict dt Saimurt gibt ein anschauliches Bild des Symptomen- 
komplexes der zuerst von Acosta (s. 1590) und später (1730) von Bouguer, 
De la Condamine, Godin und Ulloa beschriebenen Bergkrankheit. Auf die 
Blutungen aus Lippen und Augen, die zuweilen dabei auftreten, macht 
zuerst Alexander von Humboldt aufmerksam. 
— John toiMloii erfindet für die atmosphärische Maschine die Kataraktsteuerung, 
deren Bestimmung ist, bei jedem Hub Wechsel eine beliebig lange Pause zu 
erzeugen und die Anzahl der Hübe nach dem Wasserzufluß in der Grube 
zu regulieren. Der Katarakt läßt sich auch als Hubzähler benutzen. 

— Nachdem Ekeberg (1767) in seiner Abhandlung „Die chinesische Ölpresse 
imd Pressungsart" das bei den Chinesen übliche Verfahren beschrieben 
hatte, die Saat vor dem Pressen über kochendem Wasser zu wärmen, 
führt sich diese Art der Erwärmung anstatt der bisherigen über freiem 
Feuer, auch in Europa ein. John SntatM nimmt ein Patent auf einen 
Wasserheizapparat für Ölsaaten, und vielfach ist von sogenannten Dunst- 
bädem die Rede. Diese Wärmvorrichtungen fallen jedoch mit der Ein- 
führung der Dampfmaschinen in die Ölmühlen fort. (S. a. 1830 C.) 

* Grraf Charles vtn ttanhopt in London konstruiert mit Hilfe des Technikers 
Walker die nach ihm benannte Buchdruckerpresse, eine ganz aus Eisen 
hergestellte Maschine, deren kräftig wirkender Mechanismus den Druck 
einer Form mit einer Hand und in einem Zuge gestattet, während die 
damaligen Holzpressen deren zwei, und überdies das Ziehen des Bengels 
mit beiden Händen, erforderten. Er verwendet zuerst Walzen zum Ein- 
färben des Satzes. 

" Alessandro Volta erkennt unabhängig von Bannet (s. 1786 B.) die Spitzen- 
wirkung der Flamme und findet, daß das Bestreichen der Oberfläche 
elektrisierter Körper mit einer Flamme das beste Mittel zur Entfernung 
der elektrischen Ladung ist. 

— Adam Walktr empfiehlt zur künstlichen Kälteerzeugimg Glaubersalz in 
verdünnter Schwefelsäure zu lösen. 

— J. MUdiitM erbaut das erste eiserne Schiff. Doch beschränkt sich in der 
Folgezeit die Verwendung des Eisens im Schiffbau auf vereinzelte Fälle, 
und erst in den Jahren 1812 und 1813 werden wieder eiserne Boote für 
die Kanalfahrt in Staffordshire erwähnt. (S. 1820 M.) 

1788 Claude Louis BMlholitt entdeckt das nach ihm benannte Knallsilber, indem 
er den Niederschlag, den Kalkwasser in einer Lösung des Silbers mit Sal- 
petersäure gibt, längere Zeit mit Ammoniak überschichtet. Im gleichen 
Jahre stellt er fest, daß Schwefelwasserstoffgas keinen Sauerstoff enthält. 
(S. a. 1787 B.) 

-* Charles Btafitn veröffentlicht seine Untersuchungen über die Gesetze der 
zuerst von J. Conradi (s. 1677 C.) beobachteten Unterkühlung (Gefrierver- 
zogerung) und stellt quantitative Versuche über Gefrierpunktserniedrigungen 
bei Salzen an. Die Beobachtungen über die Unterkühlung werden 1861 
von Dufour noch vertieft. Auf der Tatsache der Unterkühlung des Wassers 
beruht die Bildung des Reifes und des Rauhfrostes, die entstehen, sobald 
das in der Luft befindliche unterkühlte Wasser die leiseste Erschütterung 
an einem festen Gegenstande erfährt. 

— Jean Charles Borda gibt die Methode der doppelten Wägung an, bei welcher 
das Wägestück zuerst durch beliebiges Material, z. B. Schrot, ausgewogen 
wird, während nach Entfernung des Wägestücks die leer gewordene Schale 
mit so viel Gewichten besetzt wird, daß die Wage wieder einspielt. Bei 

— 249 — 



1788 

dieser Methode (Tariermethode) ist man von der Gleichheit der ArmU 
der Wage unabhängig. 
1788 Tiberius Cavallo ersetzt das feste Dielektrikum bei Voltas Konden 
(s. 1782 y.) durch eine Luftschicht und gelangt so zum Luftkondensato] 
zwar schwächer wirkt als Volta's Instrument, dafür aber keine Fälsc 
durch unfreiwillige reibungselektrische Erregung veranlaßt. 

— Charles Augustin Coulomb macht Versuche über die Menge der em 
Influenzelektrizität imd stellt den Satz auf, daß unter sonst gleichen 
ständen die Menge der Influenzelektrizität der Menge der errege 
Elektrizität proportional ist. 

— Erasmus Darwin betrachtet zuerst die Domen, Rindengifte, scharfrie« 
den Ausdünstungen, Schleimdrüsen und andere Einrichtungen der Pflf 
als Schutzmittel gegen die Angriffe räuberischer Insekten und den na< 
Mund der Vierfüßler. 

— Thomas Donman empfiehlt nach dem Vorgang Macaulays (s. 1756 M. 
künstliche Frühgeburt. Er macht die ersten Beobachtungen übei 
Selbstwendung und spricht zuerst aus, daß das Kindbettfieber durch 
und Hebamme verschleppt werden könne. 

— Während man sich beim Waschprozesse bis dahin zum Einreiben der! 
wand mit Seife gekerbter Bretter bediente, geht William FuNon zuerst 
über, diese Bretter durch einen Mechanismus zu bewegen, was die Ani 
der Seifmaschine vorstellt. 

— James Hutton veröffentlicht seine „Theory of the Earth*', in der er g 
über dem von Werner seit 1785 gelehrten Neptimismus eine scharfe G: 
zwischen den sedimentären und den aus magmatischem Glutbrei ersta 
Gesteinen zieht, womit er der Schöpfer der wissenschaftlichen plutonii 
Lehre wird. 

— Nachdem man bis dahin der Ansicht gewesen war, daß Wasser 
Luft eine chemische Verbindung miteinander eingingen, die sich 
einer gewissen Abkühlung wieder in ihre Urbestandteile trenne, 
James Hutton die moderne Theorie des Auflösungs- und Kondensat 
Prozesses auf, wonach das Wasser in der Luft wirkliches Wasser b! 
das nur dem Auge zeitweilig entzogen ist und erst durch Koagulation 
den Sinnen wieder bemerklich macht, während geeignete Apparate 
Beobachtungen von seinem Vorhandensein auch in der Zwische 
Kechenschaft geben. (S. a. 1280 K.) 

— Der Mechaniker Wolfgang von Kompolon baut eine Sprechmaschine, w 
die Stimme eines Kindes von 3 bis 4 Jahren nachahmt. (Vgl. 1843 F.] 

— Joseph Louis Lagrango stellt in seiner „M6canique analytique" das Pr 
der virtuellen Verschiebungen als ein Axiom an die Spitze der ga 
Mechanik und leitet aus dessen Verbindung mit dem d*Alembert*e 
Prinzip die Hauptprinzipien der allgemeinen Mechanik ab. 

— Antoine Laurent Lavoliior behauptet zuerst, daß die Essigsäure aus 
Weingeist durch Sauerstoffaufnahme entstehe. Die quantitative Zusam 
Setzung der Säure wird erst durch BerzeUus (s. 1814 B.) bestimmt. 

— Johann Tobias Lowitz erhält durch wiederholte Destillation der koi 
trierten Essigsäure über Kohlenpulver den Eisessig. 

— Vincenzo Malacarno begründet die pathologische Anatomie des Kretinis 
(Vgl. 1657 H. und 1787 F.) 

— Nachdem 1740 Marggraf die ersten Versuche gemacht hatte, durcli 
hitzen der fein zerteilten Metalle mit Phosphor Phosphormetalle h 
stellen, wobei ihm jedoch nur die HersteUung von Phosphorkupfer 
Phosphorzink gelang, stellt Bertrand Pollotlor durch Erhitzen der Mc 

- 250 — 



1789 

mit PhosphoiB&ure und Kohle eine größere Zahl von Phosphormetallen 
her. Das Phosphorcalcium erhält zuerst Smithson Tennant 1791. 

1788 Pater PIlfnmi gibt in seinen „Untersuchungen über das Wahrscheinliche 
der Wetterkunde" trefOiohe Grundlagen für die Beurteilung der Wärme-, 
Niederschlags- und Windverhältnisse in Wien während der Jahre 1762 bis 
1786 und zieht bereits aus seinen Beobachtungsregistem Schlüsse auf den 
Normaloharakter der Witterung. 

— Horace Benedict dt Samrart macht wichtige Untersuchungen über die Luft- 
bewegnng, die eine neue Epoche der Meteorologie einleiten. 

— Horaoe Benedict dt Saosture veröffentlicht die bei seiner Montblanc- 
besteigung (s. 1787 S.) gemachten Beobachtungen über die Veränderung 
der Lufttemperatur mit der Höhe, die als Resultat ergeben, daß ein 
Höh^mntersohied von 100 m eine Temperaturemiedrigung um 0,63^ 
bewirkt. 

— Karl Wilhelm S c fa talt entwickelt die analytische Chemie derart, daß seine 
Analysen des Flußspates, des Schwersteins, des Braunsteins usw. auch 
heute noch schätzbare Unterlagen für den Analytiker bilden. 

— Jean Andr6 ViiMl fördert die Orthopädie insbesondere durch die in seinem 
großen Werke „Descriptions de plusieurs nouveaux moyens m^haniques 
propres ä corriger les courbures lat^rale^ etc." niedergelegten Untersuchungen 
über die Beschaffenheit und Ursache der Verkrümmungen und Deviationen 
am menschlichen Körper. Er begründet die erste orthopädische Heil- 
anstalt in Orb in der Schweiz. 

1789 Der Karlsbader Arzt David Btdiir macht zur Bestimmung des kohlen- 
sauren Natrons im Rückstand von Karlsbader Sprudelwasser die nach- 
weLslich erste wirkliche Titrierung mit einer auf reine Soda gestellten 
verdünnten Schwefelsäure, wobei er sich des Veilchensaftes (s. 1667 B.) als 
Indikators bedient. 

1789—92 Edmond Cartwrlclit nimmt vier Patente auf Wollkämm maschinen, ohne 
dieselben jedoch zu einem praktisch brauchbaren Zustande fördern zu 
können. 

1789 Charles Augustin Coatomb sucht zuerst die Verteilung des freien Magne- 
tismus in Stahlstäben experimentell zu bestimmen, indem er eine 15 mm 
lange Magnetnadel von hartem Stahl sehr nahe bei einem vertikal auf- 
gestellten Magnete schwingen läßt, erhält hierbei jedoch ein nur sehr 
angenähertes Resultat. (Vgl. auch 1846 R.) 

— Der französische G^andte in Grenf, Hrninln, veranlaßt, wie Ramend erzählt, 
mit Hilfe von Tannen, die er in Gletscherspalten einsetzt, die ersten 
Messungen über das Vorrücken der Gletscher im Faucigny (Pyrenäen). 

— C. G. Htrmann beschreibt den ersten selbsttätigen Regenaufzeichner, mit dem 
der 1842 von C. F. Mohr konstruierte Regenmesser im Prinzip über- 
einstimmt. 

— Friedrich WUhelm Htnditl entdeckt am 28. August den ersten und am 
17. September den zweiten Satelliten des Saturn, welche die Namen Mimas 
und Enceladus erhalten. 

— William jMSOp wendet zuerst gußeiserne Eisenbahnschienen in J.-Form mit 
verdicktem Kopfe an. In dieser Konstruktion sind die ersten Anfänge in 
der Entwicklung der heutigen Breitfuß-Eisenbahnschienen zu erblicken. 
(Vgl. 1832S.) Im Jahre 1798 versucht Jessop die hölzernen Eisenbahnschwellen 
durch Stein Würfel zu ersetzen, eine Konstruktion, die vielfach nachgeahmt 
worden ist und sich auf einigen deutschen Bahnlinien bis zum Jahre 1880 
erhalten hat. 

— Antoine Laurent 4% ilutllaa stellt im Anschluß an die Arbeiten seines 
Onkels Bemard de Jussieu ein natürliches Pflanzensystem (System von 

— 251 — 



1789 

Trianon) auf, in welchem er die Gattungen nach ihrer Ähnliohk< 
größeren Gruppen — natürlichen Familien — vereinigt, die er (etwi 
durch Merkmale umschreibt. Er macht als einer der ersten auf di( 
schiedenheit zwischen den fossilen Pflanzen aus Kohlenbergwerkei 
den Pflanzen unserer Klimate und andrerseits auf deren Analogie z 
äquatorialen Pflanzen aufmerksam. 

1789 Nachdem Hösel von Rosenhof 1758 eine Beschreibung der bis zu 
Zeit bekannten Amphibien und wichtige Notizen über deren Fortpfla 
gegeben hatte, veröffentlicht Bemard Germain Etienne 4t LaeipMt 
„Histoire naturelle des reptües", die sich durch sorgfältige Schildenu 
einzelnen Arten der Amphibien auszeichnet. 

— Alexander Macktnilt erforscht den Mackenziefluß in Kanada und vc 
diesen Strom bis zu seiner Mündung. Er stellt die ersten genaueren 
bestimmungen im amerikanischen Norden an. 

— Isaac Mllmr entdeckt, daß beim Überleiten von Ammoniak über glüh 
Braunstein Stickoxyd und Salpetersäure entstehen. 

— James Moort empfiehlt die Wundheilung unter dem Schorf. Seine 
Schrift wird von John Hunter bekannt gemacht und in Deutschland 
von Volkmann der Vergessenheit entrissen. 

— O'BrItii erhält zuerst das Indigblau durch Sublimation aus dem Ii 
in krystallisiertem Zustande wird dasselbe 1843 von Fritzsche aus 
alkalischen Lösung des Indigweiß (Indigküpe) gewonnen. 

— Jesse Ramtdtn konstruiert für Palermo ein Azimutalinstrument mit 
kreia (s. 1675 R.)> ^^ welchem über einem dreifüßigen Horizontalkre 
fünffüßiger Vertikalkreis spielt. 

— Humphry Rt|rtwi entfernt alles Mechanische und Formelle aus der A 
der englischen Gärten und wird der Schöpfer der Landschaftsgärl 
die auch in Deutschland, insbesondere durch den Fürsten Pückler M 
und durch Skell in großartiger Weise gepflegt wird. 

— Antonio Scarpa entdeckt das membranöse Ohrlabyrinth, den Nervus 
palatinus und das seinen Namen tragende Dreieck am vorderen Te 
Oberschenkels. 

— Der Pianofortefabrikant Schnell in Paris stellt ein „Anemochord" gena 
pneumatisches Musikinstrument her, bei dem mittels künstlich ( 
Bälge) erzeugten Windes die Töne der Äolsharfe nachgeahmt werden 
Idee wird später von Kalkbrenner und von Henri Herz wieder aufgenon 

— Paets van TroottwIJk und Dclmann beobachten die erste unzweideutig« 
legung eines zusammengesetzten Stoffes durch die Wirkung der Elektri 
indem sie Wasser in brennbare Luft und Lebensluft scheiden, wie 
einem Briefe an Delam^therie mitteilen. 

— Nicolas VauqiMlIn erwirbt sich Verdienste um die analytische Chemie, < 
vereinfacht und zu einem hohen Grad von Präzision führt. 

— Alessandro Volta wiederholt den Galvani'schen Versuch (s. 1780 G.) 
findet, daß die Zuckungen des Froschschenkels nur dann eintreten, s 
derselbe mit zweierlei sich berührenden Metallen verbunden wird 
schließt daraus, daß die Berührung verschiedener Metalle die Quell 
Elektrizität sei, die sich in dem Froschkörper ausgleiche und il 
Zuckungen versetze. 

1790 Matthew Ballllt fördert durch genaue Beobachtung und Darstellun 
pathologische Anatomie. 

— Thomas Btwiek setzt an die Stelle des Holzschnitts den Holzstich, i 
er anstatt des Schneidemessers den Grabstichel zur Bearbeitung de 
bestem jungem Buchsbaumholz präparierten Platte benutzt. 

^- Jean Charles Borda bestimmt mit einem Pendel, welches einem n 

- 252 — 



1790 

matiBclieii Pendel möglichet nahe kommt, nach der von Mairan (b. 1735 M.) 
vorgeschlagenen Methode der Koinzidenzen die Größe der Beschleunigung, 
welche ein frei fallender Körper durch die Schwere erlangt und findet 
deren Wert für die Breite von Paris und die Höhe der Meeresfläche zu 
9,80896 m/sec. (S. 1673 H.) 
1790 Wann die Kalander (Glacier- und Satiniermaschinen) erfunden worden sind, 
ist nicht festzustellen; jedenfalls findet sich in Leonardo da Vinci's Papieren 
die Skizze eines solchen, aus zwei Zylindern bestehenden Apparats. Den 
ersten dreiwelligen Kalander mit zwei hölzernen und einer Metallwalze 
mit Glühbolzenheizung hat nach den „Transactions of the Soc. for Encour/* 
XV, S. 269 Bimllilf konstruiert. 

— Ernst Friedrich ObMnl erfindet' das Euphonium, ein Musikinstrument, 
wdches aus Glasröhren (Gläsern) mit harmonisch abgestimmten Tönen be- 
steht, die mit benetzten Fingerspitzen zum Klingen gebracht werden. Das 
Euphonium dient auch zur wissenschaftlichen Untersuchung der Schall- 
schwingungen. 

— Der Engländer Thomas CRfffoN baut die erste Maschine zur Herstellimg 
Ton Eisennägeln. Bei derselben wird das glühende Metall zwischen zwei 
mit entsprechenden Vertiefungen versehenen Walzen zu Nägeln geformt. 

— Dem Mechaniker Nicolas Jacques Conti in Paris gelingt es, gleichzeitig mit 
Joseph H a ii lwU i, durch Mischen von geschlemmtem Graphit mit Ton eine 
Komposition von jedem gewünschten Härtegrad zu erzeugen und damit 
die Bleistiftfabrikation zu begründen. 

— D6odat G. S. T. Gratet de Doloiiiliu unterscheidet zuerst zwischen gewöhn - 
Hohem Kalk und Bitterspat, der nach ihm Dolomit genannt wird. 

— H. li. J. Drw konstruiert ein Prägestoßwerk, bei welchem ein aus drei Teilen 
bestehender, sogenannter gebrochener Prägering dem unter dem Prägedruck 
stattfindenden Ausbreiten der Platte eine stets gleiche Grenze setzt und 
so Gestalt, wie Größe der Münze genau bestimmt. Gengembre verbessert 
diese Vorrichtung, indem er den Ring nicht teilt, sondern als ein ganzes 
Stück herrichtet. H. L. J. Droz ist mit seinem Bruder P. J. Droz der Ver- 
fertiger der unter dem Namen „Androiden" bekannten Automaten, die 
i. J. 1904 von Emil Frölich in Berlin wieder hergestellt werden. 

— Oliver Evans konstruiert eine Gipsmühle zum Zerkleinem des Rohgipses. 
Dieselbe besteht im wesentlichen aus einer horizontal liegenden eisernen 
Schraube, die sich in einem Trog dreht, dessen Boden rostförmig ge- 
staltet ist. 

— Qllltrt in Freiberg führt die Fässeramalgamation ein, indem er die Erze mit 
Quecksilber und Wasser in stehenden hölzernen Fässern mit eisernen oder 
kupfernen Scheiben lebhaft bewegt. Ruprecht verbessert diese Art der Amal- 
gamation, indem er um eine horizontale Achse drehbare hölzerne Fässer 
anwendet und die Erze vor der Behandlung mit QuecksUber und zuge- 
gebenen MetaUplatten röstet. Später kommt als Vorbehandlung vielfach 
das chlorierende Rösten der Silbererze in Anwendung, wobei ein inniges 
Gemisch von Erzteilchen und Kochsalz in Gegenwart von Schwefelsäure 
abgebenden Sulfaten einer höhern Temperatur ausgesetzt wird. Eine Abart 
der Fässeramalgamation ist die Bottichamalgamation (Tinaprozeß), die in 
Südamerika viel angewendet wird und neuerdings von Francke (1884) da- 
hin verbessert worden ist, daß er die Erze chlorierend röstet und die Zer- 
setzung durch Zusatz von Kochsalz, Berührung mit Kupfer und Einleiten 
von Wasserdampf in die Bottiche befördert. 

— Der Kunstsammler und Händler Qlomy in Paris erneuert die aus dem 
12. Jahrhundert stammende Technik, mittels öl-, Tempera- oder Wasser- 
farben Bilder auf die Rückseite von Glasplatten oder Glasgefäßen auf- 

— 253 — 



1790 

zutragen und durch eine Fimisschicht zu schützen. Derartige Gläsei 
seitdem nach ihm »»Verres eglomis^s'' genannt. 
1790 Der englische Chemiker Charles QowMi entdeckt, daß durch Beh 
des rohen Rüböls mit 1 bis 1V2 Prozent konzentrierter Schwefel» 
schleimige Substanz, die das Ol dickflüssig und undurchsichtig 
verkohlt wird und daß das so behandelte öl durch Waschen mit 
und Filtration klar und leichtflüssig wird. Das Verfahren wird y 
nard, Cogan, Michaud u. a« verbessert und auch für andere öle m 
angewendet. 

— Friedrich Albert Carl Gran braucht zuerst die Bezeichnung „Pharma 
für die Lehre von den Arzneimitteln. Später wird das Wort in a 
speziellerem Sinn für die Lehre von der Wirkung der Arzneimittel 
tierischen Organismus gebraucht. 

— James Hall in Edinburg macht die ersten geologischen Ezperime: 
liefert den Nachweis, daß geschmolzene Gesteinmassen glasartig o< 
stallinisch erstarren, je nachdem sie rasch oder, langsam abgekühlt 
So erhält er beim Erhitzen von Kreide im verschlossenen Flinten 
krystallinisches, marmorähnliches Erstarrungsprodukt; so gelingt 
feuerflüssigen Basalt durch langsame Abkühlung krystallinisch erst 
lassen. 

— F. C. Hofmann entdeckt in der Chinarinde die Chinasäure, deren 
von Liebig 1837 zu C7Hi20e festgestellt wird, und die nach ihrem 
Verhalten eine Hexahydrotetraoxybenzoesäure darstellt. 

— John Hunttr schafft im Anschluß an die Lehren von James Mo< 
aus seinem posthum veröffentlichten Werke „On the nature of th 
inflammation and gun shot wounds" hervorgeht, die wissenschi 
Grundlagen für die Erkenntnis des Vorgangs der Heilung getrenni 
und tritt mehr für das unblutige Verfahren mit Anlegung von 
Heft- imd englischem Pflaster, als für das Nähen ein. 

— JACMT wendet zuerst die Polyederprojektion an, die bei der neueren 
sehen Landesaufnahme, bei der Karte des Deutschen Reichs 1 
und der neuen Spezialkarte der österreichisch • ungarischen M 
1:76000 angewendet wird. 

— Der englische Fabrikant James Kelr zu Westbromwich entdeckt 
Schönbein 1836 näher untersuchte „Passivität** des Eisens, welcl 
besteht, daß das Eisen, welches an sich durch schwache Salp< 
leicht zersetzt wird, von der schwachen Säure nicht mehr angegriü 
wenn es zuvor in konzentrierte Salpetersäure eingetaucht wurd 

— Ktith konstruiert eine als Nivellierinstrument dienende Quecksil) 
bei welcher zwei vierseitige prismatische Gefäße von 3 cm Weil 
eine 50 cm lange Röhre von 1 cm Durchmesser, die mit Queckai 
füllt ist, verbunden sind. Auf den Oberflächen der Quecksilli 
schwimmen zwei mit Dioptern versehene Elfenbeinwürfel, die, 
Diopter selbst, gleich hoch und schwer gewählt sein müssen. Dac 
ment erlaubt sehr genaues Nivellieren. 

— William Kelly in Lanark betreibt die erste Mulcmaschine (s. 177i 
Wasserkraft. 

— Martin Heinrich Klaprotll entdeckt in der Pechblende ein neues Mei 
das Uranoxydul, und im Zirkon von Ceylon eine neue Erde, die Zir 

— Martin Heinrich Klaproth bedient sich bei der Analyse des Kf 
Sprudels, wie Becher das Jahr zuvor (s. d.), der alkalimetrischei 
nmg, deren Methode er wesentlich verbessert. 

— Die von Antoine Laurent Lavolsitr aufgestellten Grundsätze, daß ' 
Gewicht der Materie durch chemische Operationen nicht» verloi 

— 254 — 



1790 

und nichts neu erzeugt werde, fangen jetzt an, allgemeine Greltung zu ge- 
winnen und üben einen großen Einfluß auf die quantitative chemiBche 
Analyse aus, der vor allem jetzt Eürwan, Kichter (1790— 1800), Black (1794), 
Elaproth (1795), Valentin Rose d. J. (1803—05), Bucholz (1803), Vauquelin 
und Proust (1805) ihre Bestrebungen zuwenden. 
1790 Der Oberst-Stallmeister Graf von Undtiuui gründet in Berlin die erste Tier- 
arzneischule (die jetzige tierärztliche Hochschule). 

— Joseph Michel Monlgolfler äußert bereits den Gedanken der Äquivalenz der 
Wärme und mechanischen Arbeit. 

— Der englische Uhrmacher Mutfgi erfindet an der Uhr die freie Hemmung mit 
konstanter Kraft, bei welcher der Regulator seine Oszillationen fortsetzt, 
während das Hemmungsrad von einem besondern Einfall aufgehalten wird. 

— Bertrand Ptlltt i or entdeckt das im Gegensatz zu dem von Gengembre 
(s. 1783 G.) dargestellten leichtentzündlichen Gas schwerentzündliche Phos - 
phorwasserstof^as, das 1812 von Davy näher untersucht wird. Auf die 
Analogie des Phosphorwasserstoffs mit dem Ammoniak macht 1826 H. Rose 
aufmerksam. 

— Marc Auguste Pldtt gibt in seinem „Versuch über das Feuer" eine Er- 
klärung der Taubildung, wonach der Boden sich durch nächtliche Aus- 
strahlung um so ausgiebiger abkühle, je weniger er von einer schützenden 
Wolkendecke daran verhindert werde und wonach der sogenannte Taufall 
am meisten in mondheUen, klaren Nächten stattfinde. 

— Edme Rtcntar erfindet das Feder-Dynamometer, das eine praktische An- 
wendung, namentlich zur Messung der Zugkraft der Pferde, des Wider- 
stands der Wagen auf Straßen, der Ackergeräte usw. findet, und das 1805 
von Burg wesenthch verbessert wird. 

^ Der Engländer Thomas Mnt nimmt ein Patent auf eine Kettenstich - 
maschine, die zur Herstellung von Schuhen und Stiefeln bestimmt imd 
als Vorläuferin der Nähmaschine zu betrachten ist. 

— Horace Benedict de Saustura konstruiert ein Diaphanometer, um ein Maß 
für die optische Durchlässigkeit der Luft zu gewinnen und erfindet im 
folgenden Jahre das Cyanometer, eine Vorrichtung, die es ermögUcht, eine 
annäherungsweise Messung der Intensität des Himmelsblau zu machen. 
Andere Cyanometer werden von Parrot (Rotationscyanometer) und Arago 
(Polarisationscyanometer) konstruiert. 

— John Sinclair erfaßt zuerst die Aufgabe einer nationalökononuschen Be- 
trachtung der Landwirtschaft und betritt zuerst den Weg der statistischen 
Forschung auf diesem Gebiete. 

~- Christian Konrad Sprracti macht die Entdeckung der Dichogamie, d. i. des 
UDgleichzeitigen Reifwerdens von Staubgefäßen und Narben in Zwitter- 
blüten, einer Einrichtung, die auf Fremdbestäubung (s. 1793 S.) abzielt. 

— Der Engländer Thomas Turnbuil erfindet das Glätten (Satinieren) des Papiers. 
*- James Watt soll die zum Rauh- und Klarschleifen der Spiegel noch jetzt 

viel benutzte Fliegrahmenmaschine (Fly frame machine) erfunden haben. 
Eigentümlich ist dieser Maschine, die zwei Schleifstände gleichzeitig bedient, 
die mechanische Führung ihrer, die Obergläser tragenden Schleifkisten, d. i. 
der Fliegrahmen, durch die Glas auf Glas mit doppelter Drehung in der 
Horizontale herumgeführt wird. 

— Nachdem schon 1728 von Fayolle der Vorschlag gemacht worden war, 
Bleiröhren durch Walzen zu strecken, wird dies Verfahren mit voUem Er- 
folg und in beträchtlichem Umfang von John Wllklnson durchgeführt. 

— Robert Wlllan in London nimmt eine vollständige Reformation in der 
systematischen Einteilung und Klassifizierung der Hautpathologie auf Gnmd- 
lage der primären Effloreszenzen vor. Er beschränkt den Krankheits- 

— 255 — 



1790 

begriff „Herpos" zuerst durch exakte Unterscheidung auf gnipj 
auftauchende akut verlaufende Bläscheneruptionen, die sein Schüler 
Bateman dann in sechs verschiedene Klassen einteilt. Desgleichen 
eine eingehende Charakteristik des Krankheitsbegriffes „Ekzema", 
ihm vielfach, insbesondere von Aerius von Amida, Paulus Aeginei 
raeus u. a. beschrieben worden war. 

1790 Reinhard Weltmann erfindet den nach ihm benannten hydrome 
Flügel zur Bestimmung der Geschwindigkeit von Wasserläufen i 
rechnung der Wassermengen daraus. 

— Peter Woulta benutzt zuerst die nach ihm benannte zwei- oder dr< 
Woulfe'sche Flasche, die als Kondensations-, Waschflasche usw. 
wird tmd in der Technik aus Steingut hergestellt als Bombonne ^ 
namentlich in der Fabrikation der Salzsäure gebraucht wird. 

— Der Kattundrucker Johann Znber in Mühlhausen betreibt zuerst < 
einanderkleben echelonnierter Papierbogen zur Tapetenfabrikation 
mäßig. 

1791 Akan empfiehlt ein Löschpulver aus schwefelsaurem Eisen, Alaim 
Eisenoxyd und pulverisiertem Lehm, das mit Wasser angerührt zum 
Löschen des Feuers dienen soll. 

— Der englische Ingenieur John Barbar erfindet eine Maschine, in w€ 
ein Gemisch von Luft und Gas als treibende Kraft benutzt, w< 
Gas in einer besonderen Retorte durch Erhitzen von Holz, öl, Kol 
erzeugt wird. (S. a. 1680 H.) Eine ähnliche Maschine gibt 1794 
Street an. 

— Charles Fran9oi8 Baautampt Baaiipr< entwickelt zuerst auf seiner l 
unternommenen Forschungsreise aus perspektivischen Handzeicl 
der von ihm berührten Küstenstriche topographische Pläne d( 
Auf diese Weise stellt er u. a. eine Karte eines Teiles von Vanc 
land und von der Insel Santa Cruz her. 

— Claude Louis Barthallat erkennt zuerst, daß der Indigo durch Sai 
entziehung löslich wird und die blaue Farbe verliert, an der Luft 
aber durch Sauerstoffabsorption wieder erhält. Eingehender wird < 
gang 1817 von Döbereiner und Chevreul studiert, die das Indigi 
aus dem Indigblau durch Zutritt von Wasserstoff entstehend bet 

— Johann Lucas Bair, Kaiserlicher Wundarzt in Wien, begründet ei 
Epoche der Geburtshilfe durch Einschränkung der operativen Ein 

— Der französische Baumeister Fran^ois Mntaraux führt den bereits ii 
tume bekannten, seitdem vergessenen Pis6bau wieder in die Bai 
ein. Der Pisöbau wird mit lehmiger Erde oder einer Mischung vc 
brei und Kies in der Weise ausgeführt, daß zunächst doppelte, < 
parallele Bretterwände errichtet werden, zwischen denen die Pis^ma 
gestampft wird. Nach ihrer Erhärtung werden die Bretterwände l 
(S. a. 1828 R.) 

— Pierre Joseph Daiault erfindet den nach ihm benannten Verband 
handlung des Schlüsselbeinbruches. 

— Nachdem A. F. Vogel 1771 eine partielle Operation eines Kroj 
vorausgehender Unterbindung der zuführenden Gefäße ausgeführ 
macht Pierre Joseph Dasault am 20. Mai zum erstenmal eine völlig 
Exstirpation einer Kropfhälfte an einer Frau. 

— Nachdem poröse oder aus Bergmehl (Infusorienerde) hergesteUt< 
schon den Alten unter dem Namen „schwimmende Ziegel** bekann 
nimmt Giovanni FabferanI deren Fabrikation aus einem bei Santa 
Toskana vorkommenden Bergmehl wieder auf, die dann überaU 
Infusorienerde sich findet, angefertigt werden. 

— 256 — 



1791 

« 

1791 Der franxösiache Kartograph Dupata-TrM veröffentlicht die erste Höhen- 
schichtenkarte eines Landes, nämlich Frankreichs. Er gibt in feiner Punk- 
tierung die Niveaulinien von zehn Toisen Schichthöhe, während er die 50- 
tmd lOO-Toisenkurven kräftiger hervorhebt. (Vgl. auch 1728 C.) 

— 9nmifi&r in Annonay entwirft eine Rauhmaschine, die aus einer schnell 
Bmlauf enden zylindrischen Trommel besteht, auf der rundherum reihen- 
weise Karden angebracht sind. Eine ähnliche Maschine wird von John 
Douglas 1802 nach Frankreich gebracht und seit 1807 auch in Deutsch- 
land viel gebraucht. (S. a. 1684 D.) 

— William Ctolfsr entdeckt das Titanoxyd (Titansäure) im Titaneisen (Mena- 
ohanit). 

— John Hoyto verbessert die Cooke'sche Dampfheizung (s. 1745 C.)> indem er 
den Dampf durch Röhren in, rundum oder über den zu erwärmenden 
Raum fuhrt. Der Dampf steigt bis an den höchsten Punkt und wird, in- 
dem er langsam niedersinkt, zu Wasser verdichtet, das sich in einer 
Zisterne sammelt. 

— Alexander von HamMdt führt die ersten Bestimmungen des Kohlensäure- 
gehalts der Luft aus, denen später solche von Fourcroy (1801) und 
Th6nard (1813) folgen. (S. a. 1804 S. und 1872 S.) 

~ Michael Kag in Mühldorf am Inn verfertigt zuerst Dachpappe, die er mit 
einer Mischung von Steinkohlen teer, Firnis und Staubmehl versieht. Un- 
gefähr gleichzeitig wird dieselbe Erfindung von dem schwedischen Admi- 
ralitätsrat Faxa gemacht. 

— Wol^ang ¥oa Ktmpiltii beschreibt in seinem „Mechanismus der mensch- 
lichen Sprache** die Sprech Werkzeuge und die Art, wie die in den euro- 
päischen Sprachen vorkommenden Laute gebildet werden. 

— Kmi in Prag konstruiert ein mit einem Orgelwerke verbundenes Pianoforte, 
das aus einem flügeiförmigen Kasten mit zwei Manualklavieren von je 
65 Tasten imd einem Pedalklavier von 25 Tasten besteht, und im ganzen 
230 Saiten und 21 Register umfaßt. Kunz nennt sein Instrument Or- 
ohestrion. (Über andere Instrumente dieses Namens s. 1785 V. und 1850 K.) 

— Dem französischen Chenüker Nicolas Lsblanc gelingt es, die Soda auf 
künstlichem Wege aus dem Kochsalz herzustellen, indem er zu dem Ge- 
misch von Glaubersalz und Kohle einen Zuschlag von Kreide macht, wo- 
durch erst die BUdung von kohlensaurem Salz ermöglicht wird. Mit 
dieser Entdeckung wird nicht nur im allgemeinen dem dringenden Be- 
dürfnis der Industrie nach erleichtertem Bezug von Soda abgeholfen, 
sondern namentlich auch der gewaltige Aufschwung der Seifenindustrie 
bedingt, die jetzt imstande ist, statt vorzugsweise mit Holzasche und 
Pottasche zu arbeiten, feste Natronseifen herzusteUen. Nach St. Maurice 
Cabany's in der „Revue generale biographique** 1845 gemachten Angaben 
wäre nicht Leblanc, sondern Michel Jean J^rome Diz^ der Erfinder des 
Leblancprozesses. (S. a. den betreffenden Aufsatz von Scbelenz, Chem. 
Ztg. 1906, 1191.) 

— James Parfctr verwendet zuerst zum Brennen der Ziegelsteine Torf. (S. 
1638 W.) 

— Nathan RMd beschäftigt eich mit der Damp&chiffahrt und dem Bau von 
Dampfwagen. Er erfindet einen stehenden Wasserröhrenkessel, bei dem 
eine Anzahl dünner unten geschlossener Röhren in den Feuerraum herab- 
hängen. Ein derartiger Kessel wird von George Stephenson in seiner Loko- 
motive „Rocket" verwendet. Später führt sich diese Art von Kesseln fast 
ausnahmslos für Lokomotiven und Lokomobilen ein. 

— James 8adter beschreibt eine nach Art des Segner'schen Rades gebaute 
Reaktionsturbine, die indes nicht zu praktischer Anwendung gelangt. 

Darmstnedter. 17 

— 257 — 



1791 

1791 Smithson Tannant isoliert den Kohlenstoff aus Kohlensäure, indem « 
Phosphordämpfe über glühenden kohlensauren Kalk leitet. Dieser Venncl 
bewirkt im Zusammenhang mit Lavoisier's Angaben (1773 L. und 1776 L) 
daß die meisten Chemiker endlich die wahre Zusammensetzung der Kohlen 
säure anerkennen. 

1792 Georg Joseph Bear begründet mit seinem Buche ,, Lehre der AugenkranlK 
heiten" eine neue Aera in der Augenheilkunde. 

— Theodore Pierre BMUn verbessert das Taylor'sche Stenographiesysta 
(s. 1786 T.) und begründet damit die französische Kurzschrift, wie sie i 
Frankreich, namentlich mit den Umarbeitungen von Pr6vost (1827) nn 
Delauny (1866), noch jetzt angewendet wird. Daneben hat sich neaei 
dings das System von Duploy6 (s. 1867 D.) entwickelt. 

— Augustin de BMncourt publiziert in seinem „Memoire sur la force expai 
sive de la vapeur*' ausgedehnte Versuche über die Spannkraft des g( 
sättigten Wasserdampfes und ist der erste, der seine Untersuchungen auc 
auf die Spannkraft anderer Dämpfe, wie des Alkoholdampfes ausdehnt. 

— Bonnemaln konstruiert im Anschluß an Triewald's Vorschläge (s. 1716 T.) ei 
Warm Wassersystem zu Heizzwecken, dessen erste Ausführung 1812 i 
Petersburg erfolgt, das dann von Braithwaite in seinem Hause in Kend 
benutzt und von 1816 ab durch den Marquis de Chabannes allgemein« 
bekannt wird. 

— Zu etwa gleicher Zeit wie Parker (s. 1787 P.) steUt Johann Adam Bftyilg - 
unter Anlehnung an die Panorama-Zeichnung von Mich^ly du Cre 
(s. 1755 C.) — ein Panorama- Kundgemälde her. Derartige Rundgemälc 
werden fortan häuüg Gegenstand der öffentlichen Schaustellung. 

— Der Artillerieleutnant Cell schlägt dem englischen Gewerbeverein vor, d 
Verbindimg eines gestrandeten Schiffs mit der Küste mittels eines G 
Schützes (Mörsers) zu bewirken, an dessen Kugel ein Seil befestigt i& 
Es ist dies die erste Erwähnung des Rettungsmörsers. 

— Die Gebrüder Claude und Ignace Urbain Chappe schaffen gemeinsam m 
DeUuiiMy und Brefuet ein System optischer Telegraphen, wozu sie behu 
Wahrung des Geheimnisses die Modelle in Frankfurt a. M. anfertigt 
lassen, und legen dasselbe dem Konvente der Französischen Republik vo 
sie machen die ersten eingehenden Versuche über die Sichtbarkeit ve 
schiedenartig gefärbter Körper und farbiger Lichter und stellen dabei d 
heute noch geltenden Grundsätze für die Anordnung optischer Signale fee 

— Die diemlsclie Fabrik zii Javel bringt unterchlorigsaures KaU in Lösung a 
Bleichflüssigkeit in den Handel, die als „Eau de Javel" oder »,£au < 
Javelle" bezeichnet wird. 

— Ernst Friedrich ChMnI zeigt zuerst, daß außer den Transversc 
Schwingungen bei Saiten Longitudinalschwingungen vorkommen, b 
denen die einzelnen Teile der Saite nicht aus der Richtung der Sai 
heraustreten. 

— Johann Peter Frank legt durch sein „System der medizinischen Polizei" d 
Grundlage für alle späteren Arbeiten auf dem Gebiete der öffentlichen G 
Sundheitspflege, namentlich auch der Hygiene der Städte, wie er auch t 
Autorität auf dem Gebiet der gerichtlichen Medizin zu betrachten ist. 

— Nachdem schon im Altertum Celsus, Aretaeus und Galenus Leidend« 
geeignete klimatische Gegenden, wie z. B. Ägypten, oder längere Seefahrt« 
vorgeschrieben hatten, tritt Gregory mit seinem Buche „De morbis co« 
mutatione medendis** für die klimatischen Kuren ein, die bald vielfai 
empfohlen werden, und um die sich in der Neuzeit insbesondere Niemeyc 
Beneke und Oertel große Verdienste erwerben. (Vgl. auch 1210, 1749 M 

— 258 — 



1792 

1792 Ren6 Just Hany macht genaue Versuche über das spezifische Grewicht der 
Mineralien mit Hilfe der Nicholson'schen Senkwage und berichtigt die bis 
dahin geltenden Angaben von Brisson. 

— Thomas Charles Hope entdeckt in einem 1787 bei Strontian in Argyleshire 
aufgefundenen Mineral eine neue eigentümliche Erde, die er nach dem 
Ursprung Strontianerde nennt. 

— Fran9ois Hubtr macht wichtige Untersuchungen über die sozial lebenden 
Insekten, namentlich die Ameisen und Bienen, mit denen sich später auch 
sein Sohn Jean Pierre (1810) beschäftigt. 

— Pierre Simon 4« LaplaM schlägt vor, den Tag in 10 Stunden zu 100 Mi- 
nuten zu 100 Sekunden einzuteilen. 

— Johann Tobias LAWitz entdeckt den Traubenzucker. 

— Der Physiker Martin von Marum bemerkt, daß, wenn durch eine mit 
Sauerstoff gefüllte Röhre ein elektrischer Funke schlägt, eine Ver- 
änderung des Sauerstoffes mit eigentümlichem Geruch vor sich geht. 
(S. 1839 S.) 

— Nachdem im Anschluß an Mouton's (s. 1670 M.) Ideen Brisson den Vor- 
schlag gemacht hatte, das ganze Maßsystem auf eine natürliche Länge zu 
gründen, beschließt eine aus Borda, Lagrange, Laplace, Monge und Con- 
dorcet zusammengesetzte Kommission der Akademie, den vierzigmillion- 
sten Teil des durch Paris gehenden Erdmeridians als Maßeinheit festzu- 
setzen. Im Anschluß hieran beginnen Mochaln und Dtlambre die Grad- 
messung zwischen Dünkirchen und Barcelona, die später durch eine 
größere Kommission, an deren Spitze Laplace steht, beendet wird und 
1800 (s. Prieur) zur definitiven Einführung des Meters führt. 

— WiUiam Mvnlocli verwendet das Stein kohlengas zur Beleuchtung der 
Maschinenfabrik von Boulton & Watt in kleinerem und von 1798 ab in 
großem Maßstabe. Er hat demnach zweifellos die Priorität vor Philippe 
Lebon, der das Leuchtgas, welches er durch Vergasimg von Holz erhält, 
1792 nur in seiner Thermolampe und erst 1799 in dem Feuer eines 
Leuchtturms des Hafens von Havre anwendet. Wohl aber kann Mincke- 
laers (s. 1783 M.) als der eigentliche Urheber der Idee bezeichnet werden. 

— Johann Friedrich Wilhelm Otto erklärt zuerst in seinem „Abriß einer 
Naturgeschichte des Meeres'* eine Zirkulationsbewegung zwischen polaren 
und äquatorialen Meeresräumen, die sogenannte Vertikalzirkulation der 
Ozeane, für wahrscheinlich. 

^ Bertrand PtIMitr zeigt, daß sich das Zinn in zwei Verhältnissen mit 
Sauerstoff vereinigt und so zwei Reihen von Salzen bildet. Berzelius 
nimmt 1812 drei Verbindungen an, widerruft dies aber 1817, so daß die 
Frage erst 1832 durch Fuchs, der die Existenz von Zinnoxyd nachweist, 
völlig geklärt wird. 

— Bertrand MMiar stellt das Zinnchlorür (Zinnsalz) durch Lösen von Zinn 
in konzentrierter Salzsäure dar. Später findet dieses Salz ausgedehnte 
Verwendung in der Färberei. 

— Jacques Constantin Parier nimmt ein Patent auf die „liegende" Dampf- 
maschine. 

^ Der französische Mediziner Philippe Plii«l spricht zuerst den Gedanken 
von der analytischen Methode der pathologischen Forschung aus und 
wendet denselben praktisch in der Lehre von der Entzündung an. Er 
ist als der Reformator der Irrenbehandlung zu bezeichnen. Er beseitigt 
die Ketten der Greisteskranken, öffnet ihre Kerker und schafft ihnen ein 
menschenwürdiges Dasein, indem er eine zweckmäßige physische Behand- 
lung einführt. 

— Jeremias Benjamin Richter weist für die Vereinigung von Säuren und Basen 

17* 

— 259 — 



unter Bildung von neutralen Salzen die Eonstanz der Gewichtsverhältnisse 
nach. (S. 1777 W.) 
1792 Jeremias Benjamin RichtMT stellt zuerst die relativen Gewichtsmengen, in. 
welchen sich die Säuren und die Basen miteinander verbinden, in Form, 
von Reihen zusammen. Die Gewichtsmengen aller alkalischen und erdigen. 
Basen, welche einerlei Menge einer gewissen Säure, z. B. 1000 Gewichts- 
teile Schwefelsäure sättigen, nennt er die Massenreihe oder Neutralität»- 
reihe der Basen. Ebenso sucht er die Neutralitätsreihe für die verschie- 
denen Säuren in bezug auf dieselbe Menge einer Base. Er führt dem. 
Namen Stöchiometrie für die „Meßkunst chymischer Elemente" ein. 

— Johann Daniel Starek nimmt die Fabrikation von rauchender Schwefel ~ 
säure (Oleum) durch Destillation anfangs von kalziniertem Eisen vitrioL» 
dann von kalziniertem Vitriolstein in Galeerenöfen in großem Maßstabs 
auf und bleibt der einzige Verfertiger dieses Produktes, bis ihm ISTT 
Clemm (s. 1877 C.) und später die badische Anilin- und Sodafabrik Korn.— 
kurrenz machen. 

— W. Stnitt verwendet die Luftheizung zur Heizung seiner Fabrikräume ixB. 
Belper und das Jahr darauf zur Heizung des Erankenhauses von DerbT^ — 
shire. Er konstruiert zu dem Zwecke einen Ofen, der von ihm s^biac'^ 
und von Boulton und Watt (1808) wesentlich verbessert wird. (S. a. 1769 M- > 

— Johann Bartholomäus Trommtdorf fördert durch seine gründlichen Untec- 
suchungen das Cresamtgebiet der Pharmazie nach allen Richtungen an<3 
schreibt ein Handbuch der pharmazeutischen Warenkunde. 

— George Vancouvtr erforscht die Nordwestküste von Amerika und YatB.- 
couversland. 

— William Charles Wtlls kennt bereits die prismatische Wirkung dezeis.- 
trierter Gläser und schlägt in seiner Schrift „An essay upon Single visii»:^^ 
with two eyes" vor, Prismen mit flachen Seiten, Winkel nach innerm, 
gegen Femsich tigkeit, solche mit der Basis nach innen gegen Kurzsichtii^' 
keit zu gebrauchen. 

— Johann Friedrich Wettnimb beschreibt ausführlich die Bereitung der Kuna^fc- 
hefe (s. 1760 J.); ein Jahr darauf werden von Riem verschiedene Method^Ki 
der Hefebereitung in seinem Buche „Entdecktes Geheimnis der Gärung«»' 
mittel" mitgeteilt. 

— Der englische Techniker John Wllklnton erfindet das Kehrwalzwerk 
Blecherzeugung. 

— „Di vidi vi" sind die Schoten eines in Südamerika einheimischen Baum< 
Das Produkt w^ird seit lange zum Gerben und Schwarzfärben gebraucb.'^ 
Den Namen Caesalpinia coriaria erhält der Baum durch Karl Ludwig 
Wllldmow. 

— Thomas Younf stellt mit Sicherheit das schon von Descartes (s. 1637 £>•) 
und Huygens geahnte Akkommodationsvermögen des Auges fest on^ 
erklärt dasselbe durch die Fähigkeit der Augenmuskeln, die Krümmung 
der Linse zu verändern. 

1793 John Abtrnethy setzt an die Stelle der meist erfolglosen Neurotomi^ 
die Resektion der Nerven, die Neurektomie, die darin besteht, daß, um 
die Leitung der Nerven zu verhüten, ein Stück derselben herausge- 
schnitten wird. 

— Marc Btaufoy macht eingehende Untersuchungen über den Schiffswider- 
stand mit Modellen, und macht zuerst auf den bei der Fortbewegung eines 
Körpers im Wasser auftretenden Reibungswiderstand aufmerksam, den 
alle früheren Beobachter nicht berücksichtigt hatten. (S. 1763 B.) 

— Unter Bezugnahme auf ein schon 1750 von Bennet ausgesprochenes Prin- 

— 260 — 



17^ 

ap verordnet Thomas B t ido w zuerst die Inhalation von Gasen und Dämpfen 
XU Heilzwecken. (S. a. 1866 S.) 
1793 Benjamin MI erweist in seinem „TreatLse on gonorrhoea virulenta and 
luee venerea*' die Verschiedenheit des Gonorrhöe- imd Syphiliskontagiums. 
(Vg^ 1786 H.) 

— Samuel BMitham gibt die erste Anregung zum Bau von Langlochbohr- 
maschinen für die Holzbearbeitimgswerkstätten, die jedoch erst gegen das 
Jahr 1820 in allgemeinere Anwendung kommen. 

— Samuel Bantham projektiert die ersten Holzstemmmaschinen, welche die 
Handarbeit mit Meißel und Schlägel ersetzen sollen. Wirklich praktische 
Ausführungen solcher Maschinen gelingen erst 1827 Mac Clintick in Penn- 
sylvania. 

— Sdpione Brtitlak macht wichtige Arbeiten über die vulkanischen und 
seismischen Zustände ünteritahens. 

— ir u mt gelangt als erster Europäer nach Darfur. 

— In das Jahr 1793 fällt die HersteUung der ersten öffentlichen optischen 
Telegraphenlinie (über einen Privattelegraphen s. 1763 £.) zwischen Paris 
und Ldlle. Die Einrichtung, nach den Vorschlägen der Ingenieure Gebrüder 
Claude und Ignace Urbain Chappt (s. 1792 C.) ausgeführt, besteht aus weit 
sichtbaren, mit beweglichen Balkenflügeln versehenen Gerüsten, deren Stel- 
lung mit dem Femrohr von der nächsten Station beobachtet wird. (S. 1684 H.) 
Die Beförderung eines einzelnen Zeichens von Paris nach Lille (240 km, 
20 Zwischenstationen) erfordert etwa 6 Minuten. 

-- CMaiMt und DteniiM zeigen, daß der Salpeter im Schwefelsäureprozeß nur 
die Rolle eines Vermittlers zwischen schwefliger Säure imd LuftsauerstofF 
bildet, und daß man dessen Verbrauch bedeutend ermäßigen kann, indem 
man einen kontinuierlichen Luftstrom durch die Bleikammem (s. 1746 R.) 
schickt. 

— Nicolas DeyMix erkennt zuerst, daß der gerbende Bestandteil der Galläpfel, 
der Eichenrinde usw. ein eigentümlicher Körper, die Gerbsäure ist. 

* Johann Gottfried EM beschäftigt sich zuerst mit dem Studium der Föhn- 
erscheinungen und gelangt zu ziemlich richtigen Ansichten darüber. 

"" FoUMTflll scheint die erste Flachshechelmaschine konstruiert zu haben, 
bei der mit Hecheln besetzte Walzen oder Trommeln Anwendung finden. 
Eine wesentliche Verbesserung der Hechelmaschine findet 1801 durch Archi- 
bald Thomson statt, welcher es erreicht, daß die Hecheln den Flachs in 
geradliniger Bewegung durchstreichen. 

* Franz Joseph von Gartliitr verwendet bei dem von ihm für die Eisengrube 
Krussna Hora in Böhmen konstruierten Pferdegöpel (Fördermaschine) einen 
konischen Seilkorb an Stelle des bisherigen zylindrischen. Der Zweck dieser 
Vorrichtung ist der, das Drehungsmoment der Achse während der ganzen 
Dauer der Förderung ebenso konstant zu machen, wie dies bei der Schnecke 
tragbarer Uhren in bezug auf die abnehmende Zugkraft der Triebfeder 
der Fall ist. 

* Der Militärarzt Johann CMMct führt für die preußische Armee ein „fliegen- 
des Feldlazarett*' für 1000 Verwundete ein (s. a. 1768 B.) und organisiert das 
Krankentransportwesen (Krankenträgerkompagnien), das später von Percy 
durch die Schaffung der Brancardiers, das sind Träger, welche die Ver- 
wimdeten aus der Gefechtslinie holen, eine wesentliche Verbesserung erfährt. 
Gleichzeitig werden derartige Lazarette unter dem Namen „Ainbulances 
Yolantes'* auch von Jean Dominique Larrey eingeführt. 

— Joseph HiiMart nimmt ein Patent auf eine Seilspinn maschine. Er geht 
dabä von dem Prinzip aus, daß die Fäden eine um so größere Länge 
haben müssen, je weiter sie von der Achse entfernt liegen, zu welchem 

— 261 — 



1798 

Zwecke die Maschine Platten mit Löcherkreisen (sog. Register) 
welche den einzelnen Gamfäden ihre Anordnung in der Litze vors« 
Von diesem Patent schreibt sich der Name „Patenttaue" für di< 
gestellten Erzeugnisse her. 

1793 Kehlt entdeckt, daß die Knochenkohle ein Entfärbungsvermögec 
welches dasjenige der Holzkohle bei weitem übertrifft. (S. 1785 

— Karl Friedrich KMmeyer spricht zuerst den später von Ernst 
als biogenetisches Grundgesetz bezeichneten Satz aus, daß der 
höherer Tiere während der Entwicklung die Organisationszusti 
niederen Tiere durchlaufe. 

— Tobias Lowiti entdeckt, daß das Kochsalz bei strenger Kälte mi 
verbunden krystallisieren kann. 

— Gaspard Monfi macht eingehende Untersuchungen über die N 
Filzens der Haare, das, da dieselben (namentlich die Hasen-, Kai 
Biberhaare usw.) von Natur ganz gerade sind, nicht ohne Beizon 
tage s. 1730 M.) möglich ist. Erst durch die Beizung schlingen 
Härchen durcheinander. 

— Der Natkmalkonvent führt am 6. Oktober 1793 die Aera der fran; 
Revolution in Frankreich ein. Dieselbe hebt mit dem 22. Septem 
an, dem Tage, an dem die Einführung der Republik dem fran 
Volke verkündet worden war. Die Aera wird durch Gesetz von 
tember 1805 mit dem 1. Januar 1806 wieder abgeschafft. 

— Benjamin Outram legt die Schienen — er verwendet die Jeesop'sch« 
bauchschienen (s. 1789 J.) — auf steinerne Schwellen und konst 
Coalbrookdale zahlreiche Bahnen, die nach ihm den Namen Outr; 
oder abgekürzt Tram-roads erhalten. 

— Gilbert Romme denkt an die Möglichkeit, den optischen Telegn 
Wetterwarnungen zu benutzen. 

— Der Spanier Ml y Ckmiez entdeckt die nach ihm benannte Felsei 
Stillen Ozean, welche den östlichsten Punkt Polynesiens bildet. 

— Christian Konrad Sprenfel entdeckt die Fremdbestäubimg in d 
(Allogamie) und erklärt den Bau der Blüte aus ihren Beziehungen z 
besuchenden und bestäubenden Insekten. 

— Die Brüder C. und G. Taylor wenden zuerst die Papier-Halbzei 
an, die sie mit Chlor im Beisein von Wasser ausführen. 

— Der englische Ingenieur Thomas TelfonI verwendet beim Bau des E 
kanals zuerst das Gußeisen zur Herstellung von Schleusentoren, 
sucht später, ganze Schleusen in Gußeisen auszuführen. 

— Alessandro Votta legt ebene Platten aus verschiedenen Metallen mit 
den Griffen aneinander und findet bei der nach der Trennung er! 
Prüfung an seinem Kondensationselektroskop, daß durch die B 
das eine Metall stets schwach positiv, das andere ebenso negativ € 
geworden war. 

— Alessandro Volta stellt die nach ihm benannte Spannungsreihe de 
auf. Eine ähnliche Reihe wird gleichzeitig von C. H. Pf äff ange 

— Der amerikanische Mechaniker Eli Whitney erfindet die für die Verf 
der Baumwolle epochemachende Sägenentkömungsm aschine (! 
maschine). 

1794 Matthew Balllle liefert die erste Beschreibung von der Eruptio 
Tuberkeln im Lungenparenchym, ihrer Gruppierung, ihrem Anwac 
Verschmelzen zu größeren Knoten. Er lehrt, daß diese Tuberk 
f ulöser Natur seien, später zerfallen und die Lungenschwindsucht l 

— Charles Blafden und George Qllpln stellen auf Veranlassung der e; 
Regierung umfangreiche und genaue Untersuchungen über den 

— 262 — 



1794 

gehalt des Spiritus an und geben TabeUen heraus, die den Alkoholgehalt 
in Gewichtsprozenten angeben. 
1794 Nachdem Bergsträsser bereits i. J. 1785 für die Einführung öfFentiüoher 
optischer Telegraphen in Deutschland eingetreten war, baut der Mechaniker 
BicküMUMi in Karlsruhe die erste deutsche TelegraphenUnie (s. 1793 C.)f 
auf welcher er am 22. November 1794 als erstes Telegramm aus einer Ent- 
fernung von IV'2 Wegstunden dem Markgraf Karl Friedrich von Baden 
dnen Geburtstagsglückwunsch übermittelt. Die erste deutsche Telegraphen - 
linie von größerer Ausdehnung, zwischen Berlin und Frankfurt a. M., wird 
i. J. 1798, der optische Telegraph Berlin-Köln-Trier erst i. J. 1832 gebaut. 

— Nachdem schon 1771 in der „Encyclop^die des arts et m^tiers*' ähnliche 
Vorrichtungen beschrieben worden waren, wendet Joseph Bramah zuerst 
in größerem Maßstabe nachstellbare Führungen und Schrauben zum Be- 
wegen des Stichels der Drehbank an. 

~ Gegenüber der namentlich von der französischen Akademie hartnäckig 
festgehaltenen Ansicht, daß die Meteorsteine irdischen Ursprungs seien, 
weist der Physiker Ernst Friedrich Chladnl an der Hand des von Pallas 
1772 in Sibirien aufgefundenen Meteoreisens die kosmische Natur der 
Meteoriten nach. (S. 461 v. Chr. Plutarch und 1803 B.) 

— John Datton beschreibt, nachdem schon von Tuberville(1684), Huddart(1777), 
Whiston (1778) tmd Scott (1779) Mitteilungen über Farbenblindheit ge- 
macht worden waren, eingehend nach Beobachtungen an seinen eignen 
Augen diesen Zustand, den T. f oung (1807) auf eine teilweise Lähmung 
der für die Perzeption der einzelnen Grundfarben bestimmten Retina- 
elemente zurückführt. Die Farbenblindheit erhält nach Dalton den Namen 
„Daltonismus*'. 

— ErasmuB Darwfn stellt die Hypothese vom förderlichen Einfluß des Ge- 
brauchs oder Nichtgebrauchs der Organe auf und weist zuerst darauf hin, 
daß viele Tiere die Farben ihrer gewöhnlichen Umgebimg haben, damit 
sie nicht so leicht erkennbar sind. (Mimikry s. a. 1860 B.) 

— Johann CMolin untersucht eine schwarze, vom Hauptmann Arrhenius ge- 
fundene Steinart, in der er eine unbekannte Erdart entdeckt. Das Mineral, 
anf das Bergmeister Geyer 1788 zum erstenmal die Aufmerksamkeit ge- 
lenkt hatte, war bei Ytterby in Schweden gefunden und ursprünglich 
Ytterbit, später (1800) von Klaproth Gadolinit genannt worden. Dagegen 
erhält die neue Erdart, deren Existenz von Ekeberg in Upsala 1797 be- 
stätigt wird, den Namen Yttererde. Die Yttererde — in der übrigens 
Klaproth 1802 ein Gemisch von Yttererde tmd Beryllerde erkennt — ist 
das erste Element aus der Gruppe der „seltenen Erden". 

~- (^ristoph Girtannar arbeitet über die Ernährungs Verhältnisse des Kindes 
und hebt die Verschiedenheit der menschlichen und tierischen Milch hervor. 

^ Htsloii in Birmingham erfindet die erste brauchbare Maschine zur An- 
fertigung von Öhren aus Draht für Knöpfe. 

"-* Friedrich Wilhelm HtfidMl bestimmt die Umdrehungsdauer des Saturn auf 
10 Stunden und 16 Minuten. 

~- MmmI regt zum ersten Male den Gedanken an, allein durch erhitzte Luft 
eine Maschine zu betreiben. Doch hat seine Idee niemals praktische Ge- 
stalt angenommen. 

— Gaspard Monct und Lazare Nicolas Marguerite Carnot sondern die Lehre 
von den Bewegungsmechanismen von der allgemeinen Maschinenlehre. 

— Benjamin Thompson Graf von Rumfonl konstruiert das nach ihm benannte 
Photometer, das eine Verbesserung des Lambert'schen Schattenphotometers 
(s. 1760 L.) darstellt. 

— Daniel Riiih«rfonl konstruiert einen selbsttätigen Thermometrogri^^hen, bei 

— 263 — 



1794 

welchem ein Stift die durch Wärme hervorgerufenen Bewegungen auf ei 
Papier aufzeichnet. 

1794 Erdmann Friedrich Senff führt in Dürrenberg die Sonnengradienmg ei] 
indem er die Sole in großen, flachen, stufenweise übereinander errichtete 
Behältern von der Sonne bescheinen läßt, wobei sie sich durch a] 
mähliche Verdunstung mehr und mehr anreichert. Joseph von Baad' 
verbessert diese Art der Gradierung, indem er die Sole durch sahlreid 
Löcher im Boden der Behälter aus einem Behälter in den andern, danmte 
stehenden, tröpfeln läßt. 

— VMtar in London nimmt ein Patent auf ein Verfahren, Holz zu biege 
nachdem es durch Dämpfen oder Kochen in Wasser, Salzlösungen od 
Säure schmiegsam gemacht ist. Ein ähnliches Patent wird 1820 v( 
Sargent in Paris genommen. 

— Robert Waiden konstruiert eine Tauchschleuse, die als Übergang von d( 
Schleusen zu den Hebewerken anzusehen ist. Diese Schleuse wird spät 
von Rowley vervollkommnet. 

— John WIIMnson erfindet die Kupolöfen zum Umschmelzen des RoheiBei 
für die Gießerei in derjenigen Bauart, die sie im wesentlichen auch jet 
noch inne haben. 

1795 Daniel BariMt führt den wasserdichten Grubenausbau mittels Gußeisei 
Zylinder ein. 

1795—1802 J. Barrow bereist Südafrika und dringt bis zum Oranjefluß vor. 

1795 Connop erfindet die zur Reinigung und Auflockerung der BaumwoUe dienenc 
Schlagmaschine (Klopfmaschine), worin die zum Klopfen derselben diene 
den Stäbchen mechanisch in Bewegung gesetzt werden. 

— Georges Cuvler fördert die vergleichende Anatomie, indem er die ve 
schiedensten Tiere anatomisch studiert, um den Bau und Zweck ftinisAln 
Organe durch das ganze Tierreich zu verfolgen. Er beginnt seine Untc 
suchungen über den Bau ausgestorbener Tiere. (S. a. 1812 C.) 

— Georges Cuvltr beschreibt die Mollusken (Weichtiere) in klassischer Weif 
Ihre eingehende Untersuchung in systematischer und entwicklungsgesohicli 
lieber Beziehung nimmt 1850 H. Milne Edwards vor, dem van Benede 
Owen, Huxley, Spengel, Martens und viele andere folgen. 

— Ddmann, Patts von Trooitwyk, Bondt und Lauwtrtnburfh entdecken bei D 
stillation des Weingeists und des Äthers mit konzentrierter Schwefela&u 
das ölbildende Gas (Äthylen) imd stellen dessen Verbindimg mit Chic 
Chloräthylen, Elaylchlorür (auch öl der holländischen Chemiker genann 
her, das 1831 von Dumas und 1835 von Regnault eingehend untc 
sucht wird. 

— Wie nach der Entdeckung des Neptun durch Leverrier und Adams nae 
trägUch festgestellt worden ist, hat der französische Astronom Jose] 
J^rdme Dt LalaiMto in Paris zweimal, am 8. und 10. Mai 1795, den Nepti 
beobachtet, ohne ihn als einen Planeten zu erkennen. 

— Fran9oi8 Antoine Henri Deicrolzllles wendet die Volummessimg bei d 
Prüfung der Berthollet'schen Bleichflüssigkeit durch Indigolösung a 
(Chlorometrie.) 

— Der Landwirt Joseph Elkingiton in der Grafschaft Warwick wird vom en 
lischen Parlament durch eine Nationalbelohnung für seine Verdienste u 
das Drainagewesen ausgezeichnet. Er bediente sich namentlich der untc 
irdischen Ab wässenmgsk anale ohne Verwendung von Drainröhren (vj 
auch 1755 A.), sowie der Ableitung des überflüssigen Wassers dun 
Bohrungen. Der englische Professor John Johnstont hat das Verdient 
die Ideen Elkingstons veröffentlicht zu haben. 

— Karl Friedrich QauB findet als Student die Methode der kleinsten Quadrat 

— 264 — 



1796 

ohne sie zunächst zu veröffentlichen, erwähnt sie aber in einem Briefe 
[ an Schumacher. Die Publikation erfolgt erst viel später in der „Theoria 

|r combinationis observationum erroribus minimis obnoxiae". Als Vorläufer 

L der Methode sind Euler (1748), Tobias Mayer (1760), Lambert (1765), 

;. Boscovich (1770) und Lagrange (1770) zu nennen. (Vgl. auch 1806 L.) 

r 1795 Sigismund Friedrich HtmiMMt gibt in seiner „Kurzen Einleitung zur che- 
t mischen Zergliederung der Vegetabilien'* ein zusammenfassendes Bild der 

l Methodik der Pflanzenchemie. 

t — Alexander von HumboMt macht die ersten galvanischen Reizversuche an 
^ seinem eignen, vorher durch Canthariden an der Applikationsstelle ez- 

l coriierten Körper und veranlaßt 1800 nach Entdeckung der Volta'schen 

t Säule Lichtenstein und Bischoff, Versuche mit diesem Apparat vor- 

^ zunehmen. 

: — Mb inLewes (England) bringt an der schottischen Dreschmaschine (s. 1 785 M.) 

Speisewalzen zum Zuführen des Getreides an. 

- Abraham Gotthelf Kaitliitr gibt in seinem Buche „Weitere Ausführung der 
mathematischen Geographie" Anweisungen zur geographischen Flächen- 
messung mit Hilfe der sphärischen Trigonometrie. Für diese Art der Mes- 
sung werden späterhin von Klügel und Bode Tafeln herausgegeben. 

- Martin Heinrich Klaprotti entdeckt unabhängig von Gregor die Titansäure 
im Rutil, doch gelingt es ihm nicht, dieselbe ganz frei von Kali imd Eisen- 
oxyd zu erhalten. 

* Martin Heinrich Klaproth führt in die analytische Chemie die Anwendung 
des Ätzkahs zur Aufschließung der härteren Mineralien ein. 

- Tobias Lowlti gibt zuerst die Kältemischung aus Schnee mit Chlor- 
calcium an. 

"- Tobias LowHz entdeckt, daß in den meisten Schwerspaten auch schwefel- 
saurer Strontian vorhanden ist. 

~ MSgliiif stellt mittels einer von ihm erfundenen Webemaschine schlauchförmig 
gewebte Seile her. Er überläßt seine Erfindung den Gebrüdern Landauer 
in Stuttgart, die nach dieser Methode vortreffliche Seile erzielen, ohne 
daß sich das Verfahren jedoch allgemein verbreitet. 

- r^aspard Monct begründet die darstellende (deskriptive) Geometrie imd die 
InfinitesimfiJgeometrie als Wissenschaften. (Vgl. 1639 Desargues, der bis- 
weilen bereits als Begründer der deskriptiven Geometrie bezeichnet wird.) 
Er gibt die erste wissenschaftliche Erklärung der „Fata morgana" ge- 
nannten Luftspiegelung. 

1795—97 Mungo Park verfolgt den Gambia aufwärts, erforscht den südwestlichen 
Sudan und bringt die erste Kunde vom Niger nach Europa. 

1795 Alezander Nicolaus von Scherir sucht zuerst das Ranzigwerden der Fette 
zu erklären und leitet dasselbe von dem „Beitritt des Sauerstoffs'* ab. 

1796 Augustin dt BManeourt legt einen mit Leidener Flaschen betriebenen elek- 
trischen Telegraphen zwischen Madrid und Aranjuez an. 

"~ Während bis dahin der Dünenbau seine Aufgabe hauptsächlich in der Be- 
festigung und Kultur der kahlen Sandflächen gesehen hatte, spricht Sören 
BJAni, der für die Stadt Danzig den Dünenbau ausführt, zuerst in einer 
Denkschrift aus, daß es nicht nur Aufgabe sei, das bestehende Ufer gegen 
ferneren Abbruch zu sichern, sondern daß man namentlich den aus der See 
ausgeworfenen Sand unmittelbar am Strand vor den natürlichen Dünen 
durch Strandgräser, die durch den Sand hindurchwachsen, auffangen 
müsse, daß er nicht weiter landwärts fliege. Dieser Grundsatz führt zur 
Schaffung der nunmehr sich allgemein einführenden Vordünen. (Vgl. 
1768 T.) 

■" Joseph Bramah verwertet das Pascal'sche Prinzip der gleichförmigen Druck- 

— 265 — 



1796 

fortpflanzung in flüssigen Medien (s. 1660 P.) zur Herstellung der hydrao 
Uschen Presse, die er znerst als Ersatz der Sohraubenpresse in den vei 
sohiedensten Gewerben, wie zum Heben der Lasten, als Packpreese, im 
Ausziehen eingerammter Pfähle usw. empfiehlt. 
1796 Joseph Braiiuüi versucht die Herstellung eines hydraulischen Telegraphe 
(s. 360 V. Chr. Aeneas) nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhra 
Durch Vermehrung oder Verminderung der Wasserfüllung wird der Waasei 
Spiegel in den beiden senkrecht stehenden Endrohren auf verschiedene Tei 
striche eingestellt, deren jeder einen Buchstaben bedeutet. 

— Charles Augustin Coulomk sucht die Flüssigkeitsreibung experimentell i 
bestimmen, indem er die Abnahme der Schwingungen einer in eine Flässij 
keit eingetauchten und an einem dünnen Draht aufgehängten Kreisscheil 
beobachtet und daraus die Abhängigkeit des Widerstandes von der 6i 
schwindigkeit berechnet. Bei nicht sehr bedeutender Geschwindigkeit i 
der Widerstand der Geschwindigkeit proportional. In der Folgeseit werde 
die Coulomb*schen Versuche vielfach modifiziert, so von Moritz (1847 
Helmholtz und Piotrowsky (1860) und anderen. 

— Louis Jean Marie Dtiibantoii in Paris stellt ein zoologisches System auf, i 
welchem er die Wirbeltiere als Tiere mit Knochen den Insekten und Wü 
mem als Tiere ohne Knochen gegenüberstellt. 

— Karl Friedrich GauB zeigt, daß sich ein regelmäßiges 17 -Eck im Kreiae ge 
metrisch konstruieren läßt, womit er zum ersten Male seit 2000 Jahn 
der schon den alten Griechen bekannten Konstruktion des regelmäßig« 
5-Ecks etwas Neues hinzufügt. 

— Der Ingenieur Orimshaw konstruiert den ersten durch Dampfkraft betrieben« 
Eimerkettenbagger für die Arbeiten im Sunderlandhafen. Eimerkette 
bagger, die durch Menschenkraft betrieben wurden, scheinen znerst 17' 
beim Bau der Allierbrücke bei Moulin durch Regesmortes angewend 
worden zu sein. 

— Christian Wilhelm HiifMantI zu Berlin gibt seine „Makrobiotik oder die Kuni 
das menschliche Leben zu verlängern*' heraus. Er empfiehlt unter andei 
auch das tägliche Luftbad für die Kinderpflege. 

— . Edward iltnMr stellt die Schutzkraft des Kuhpockenkontagiums gegen d 

Menschenblattem experimentell fest und gründet darauf die Schutzpocke 
Impfung des Menschen. (Vaccination — s. a. 1717 M.) 

— Lafeoulayt in Pont-Audemer verbindet zuerst, um eine durchaus gleid 
Dichtigkeit des' Gewebes zu erzielen, mit dem Webstuhl einen Regulatc 
der selbsttätig bewirkt, daß stets eine gleiche imd genau vorauszubestii 
mende Anzahl Einschußfäden auf gleichen Raum zu liegen kommen. 
England führt einen solchen Regulator 1803 James Hall ein. Spätere Ko 
struktionen werden von Prost 1813, Haussig 1822 u. a. angegeben. 

— Der Chemiker Wilhelm August Lampadlus entdeckt den Schwefelkohlensto 
der 1838 von Schrötter fabrikmäßig erzeugt und seit 1843 von A. Park 
in großen Mengen zum Reinigen von Guttapercha und andern Gumn 
arten benutzt wird. (S. a. 1856 D.) 

— Pierre Simon de Laplaet bestimmt auf rein astronomischem Wege die Fig 
der Erde. 

— Pierre Simon de Laplace bildet die Kant'sche (s. 1755 K.) Hypothese der Ei 
stehung des Weltgebäudes (Kant-Laplace*8che Nebularhypothese) weit 
aus, indem er seine Anschauungen vornehmlich auf mathematisch-phyi 
kahscher Grundlage aufbaut. 

— Pierre Antoine Latreille macht die ersten Versuche einer Klassifikation der A 
thropoden, welche die Spinnen, Krebse, Insekten und Tausendfüße amfaaaf 
und deren Anatomie und Entwicklungsgeschichte namentlich Trevirani 

— 266 — 



1797 

Ratzeburg, Siebold, Blanchard, Odier, Lov6n, F. und J. P. Huber und viele 
andere bearbeiten. 

1796 Tobias Lowllz stellt zuerst absoluten Alkohol mit frisch geglühtem Kalk und 
absoluten Äther mit geschmolzenem Chlorcalcium her, dessen Anwendung 
von Richter im gleichen Jahre auch zur Darstellung von absolutem Alkohol 
empfohlen wird. 

— Johann Tobias Mayar der Jüngere schlägt vor, zur Bestimmung der spe- 
zifischen Wärme die Erkaltungszeiten der zu prüfenden Substanzen zu 
benutzen. 

— Robert Miliar in Glasgow bringt am mechanischen Webstuhl eine Sicherung 
f&r den Fall des Steckenbleibens des Schützen im geöffneten Fach an 
(Schützenwächter oder Protektor). Er wandelt den Federschlagstuhl in 
den Exzenterschlagstuhl um und bewirkt so eine wesentliche Erhöhung 
der Arbeitsleistimg des Apparats. 

— Joseph Michel MonlgoHlar erfindet den hydraulischen Widder (Stoßheber), 
eine Wasserfördervorrichtung, bei welcher der Stoß, der durch ein mit 
starkem Gefälle fließendes Wasser, z. B. den Abfluß eines Teiches, erzeugt 
wird, dazu benutzt wird, einen Teil des Wassers über den ursprünglichen 
Wasserspiegel zu heben. Der hydraulische Widder wird jetzt nur noch 
selten angewendet. 

— William Murtfocli verbessert die Plungerpumpen. (S. a. 1674 M.) 

— Eröffnung der ersten optischen TelegraphenHnie in England von London 
nach Dover und Portsmouth (s. 1793 C. und 1794 B.), nach dem System 
Mwniy. Die Zeichengebung geschieht durch Tafeln, welche dem Beobachter 
je nach ihrer Stellung die voUe Fläche oder die schmale Kante zuwenden. 

~ James Parkar erzeugt aus natürlichem hydraulischem Kalk durch Brennen 
und Pulverisieren einen Wassermörtel, dem er wegen seiner Ähnlichkeit 
mit den altberühmten römischen Mörteln den Namen „Eoman-Zement" 
beilegt. 

" Benjamin Thompson Graf von RumfonI beschäftigt sich in wissenschaftlicher 
Weise mit Untersuchung der Kaminfeuerung und ermittelt den Wärmeeffekt 
der verschiedenen Brennstoffe. Er verringert die Tiefe des Kamins, schrägt 
die Seitenwandungen unter 45^ ab und verringert die Rauchabzugsöffnung 
auf 15 cm Weite. ( Rumford'sche Kamine.) 

— Alois Sanaffaldar erfindet die Lithographie. 

— Smithson Tannant zeigt, daß Kohle und Diamant bei Verbrennung mit 
Salpeter gleichviel Kohlensäure ergeben. 

— Samuel Gottlieb von Vocal empfiehlt die Benutzung der Seebäder zu ge- 
Bondheitlichen Zwecken, auf die G. E. Lichtenberg 1803 nachdrücklich 
wieder hinweist, nachdem der Vorschlag bereits in Vergessenheit ge- 
kommen war. 

— Alessandro Volta führt die Bezeichnung „Galvanismus" in die Wissen- 
schaft ein. 

1797 Johann Heinrich Ferdinand von Autenriatli in Tübingen fördert durch seine 
„Supplementa ad historiam embryonis humani'* die Lehre vom mensch- 
lichen Embryo und leistet Hervorragendes in der gerichtlichen Medizin. 

— E. .1. Bonlllon-Lagnnca und L. N. Vaui|ualln zeigen, daß die von Kosegarten 
1785 aus Campher mit Salpetersäure erhaltene Säure eine eigentümliche ist, 
was von Bucholz, der ihr den Namen Camphersäure gibt, bestätigt wird. 

— Edmond Caitwricht erfindet für die Dampfmaschine den Metallkolben mit 
metallener Liderung, der heute noch im Gebrauch ist. (Vgl. auch 1852 R.) 

— J. A. C. Chaplal und L. N. Vaui|ualin beweisen zuerst überzeugend den 
wesentlichen Gehalt des Alaun an Alkali und erkennen, daß sich in dem- 
selben schwefelsaures Kali und schwefelsaures Ammoniak vertreten können. 

— 267 — 



1797 

1797 Jean Claude DelamMitrl« formuliert die von Vossius (1656) und Mariot 
(1717) begründete Quellenlehre in dem hydrologischen Fundamentalsal 
daß von allem aus der Luft zur Erde gelangenden Wasser der Erde e 
Teil gleich wieder durch Verdunstung entzogen werde, ein weiterer Teil obe 
irdisch zu größeren Wasseransammlungen abrinne, ein dritter Teil endlic 
in den Erdboden eindringe und den Stoff zu den Quellen liefere. 

— Jean Claude DtlaniMMrie gibt eine der ersten Klassifikationen der See 
nach ihrer Entstehung und führt in erster Linie die Seen auf, die das Met 
bei seinem Rückzuge auf dem festen Lande zurückgelassen hat. 

— Firmin Didot in Paris erfindet ein neues Stereotypdruckverfahren, indei 
er den aus Hartmetall typen hergestellten Schriftsatz mit einer Schranbei 
presse in weiches Blei eindrückt imd die auf diese Weise erhaltenen Mi 
trizen durch die Klischiermaschine in Schriftzeug abklatscht. Didot g< 
braucht zuerst die Bezeichnung „Stereotypie". 

— Der französische Mechaniker Fortin erfindet ein Normalbarometer fi 
Observatorien, dessen Gefäß die Eigentümlichkeit aufweist, daß der Bode 
beweglich und der obere Teil ein Glaszylinder ist. Diese Einrichtung g< 
stattet dem Beobachter, die Oberfläche des Quecksilbers in dem Gefä 
bei jeder Beobachtung auf den Nullpunkt der Skala einzusteUen, so da 
das Instrument keine Kapazitätsfehler hat. 

— Der Buchdrucker Louis Etienne Horhan in Paris erfindet ein Stereoty] 
druckverfahren, bei welchem die Schrift nicht in erhabenen, sondern ve 
tieften, und zwar rechts geschnittenen Typen derart gesetzt wird, daß d 
auf diese Weise entstandene Schriftsatz ohne weiteres die Matrize zu 
Guß der Stereotypdruckplatte bildet. 

— Bryan Hicflns stellt Knallgold (Fulminat) zuerst in reinem Zustande du 
das später von Liebig als knallsaures Gold erkannt wird. (S. 1823 L.) 

— Kennody in Edinburg findet zuerst Natron in Mineralien, und zwar 
Basalt, was von Klaproth bestätigt wird; Vauquelin u. a. finden es ba 
noch in verschiedenen anderen Mineralien. 

— Joseph Louis Lagnnge begründet die Theorie der analytischen Fun 
tionen, durch welche die Differentialrechnung nicht, wie von Leibnj 
auf den Begriff des unendlich Kleinen, sondern auf die Betrachtung v< 
lediglich endlichen Größen zurückgeführt wird. (Vgl. die Schrift „Th6oi 
des fonctions analytiques, contenant les principes du calcul diff^rentiel' 

— Der englische Bischof Lantfloff erfindet das Verfahren der Verkohlung d 
Holzes in Zylindern, das anfangs geheim gehalten wird, aber 1802 dun 
Collmann's Beschreibung der Zylinderverkohlung sich auch nach ande 
Ländern verbreitet. 

— Henry Maudslay verbessert den Support der Drehbank, namentlich nc 
Rücksicht auf die Möglichkeit, größere Werkstücke in Angriff zu nehme 
und baut zuerst die sogenannten Prismendrehbänke, deren Bett aus ein 
einzigen prismatischen Eisenstange besteht. (Vgl. 1740 P.) 

— Heinrich Wilhelm Matthaeus Olbers veröffentlicht eine Methode zur bequ 
men Berechnung von Kometenbahnen. 

— D^nis Bemard Quatrwndre-Dlsjonval stellt seine Erfahrungen über die Natu 
geschichte der Spinnen in seiner „Araneologie" zusammen, in der 
auch, wie schon vor ihm Plinius, die Spinnen als Wetterpropheten a 
gesehen wissen will. 

— Ilorace 8ay beschreibt einen Apparat zur Messung der Volumina v< 
Körpern und zur indirekten Bestimmung ihrer Dichtigkeit, ohne daß 
einer Wägung in Wasser bedarf. Er nennt seinen Apparat Stereometer. E 
•"^nlicher Apparat wird (1823) von Leslie unter dem Namen Volumenomet 

— 268 — 



1798 

besohrieben und später von Regnault (1845) und Paalzow (1881) ver- 
bessert. Kopp gibt 1840 ein noch einfacheres Volumenometer an. 

1797 Armand Sigulii versucht zuerst eine Erklärung des Gerbprozesses und 
namentlich der Lohgerbung (s. 1769 M.) zu geben, die darauf hinausläuft, 
daß das Leder eine chemische Verbindung von Gerbstoff mit leimgeben- 
dem Gewebe sei. 

— Louis Nicolaus Vanquolln entdeckt das Chrom im roten sibirischen Bleispat 
und im gleichen Jahre im BeryU die Beryllerde, deren Verschiedenheit 
von Tonerde er erweist. 

— L. N. Vauquallil und A. F. tft Fourcroy finden im Harn der grasfressenden 
Vierfüßler eine Säure, die sie für Benzoesäure halten, die Liebig jedoch 
1829 als Hippursäure erkennt. Schon 1776 woUte H. M. RoueUe im 
Harn der Kühe und Kamele ein den Benzoeblumen analoges Salz erhalten 
haben. 

* William Hyde WoHastoa weist zuerst in den gichtischen Ablagerungen 
Harnsäure nach, welcher Befund durch Pearson und Smithson Tennant 
bestätigt wird und zur Begründung der Lehre der besonderen Rolle der 
Harnsäure bei der Gicht beiträgt, die 1847 von Garrod noch erweitert, in 
der Folge aber vielfach bestritten wird. 

1798 Aim6 Argand macht die ersten Versuche einer wirksamen Dephlegmation, 
Rektifikation und Vorwärmung bei Spiritusdestillationsblasen, indem er 
die aus der Maische entwickelten Dämpfe durch eine stehende Schlange, 
welche sich in einem mit Wein gefüllten Gefäße befindet, in der Richtimg 
von unten nach oben streichen läßt und sie dann erst in die eigentliche 
Kühlschlange, und zwar in umgekehrter Richtung einführt. In der ersten 
Schlange erleiden die Dämpfe, indem sie den zu destillierenden Wein er- 
wärmen, Dephlegmation und zugleich infolge wiederholter Destillation des 
entgegenfließenden Phlegmas Rektifikation. 

— Paul Joseph Birthti in Montpellier, von d'Alembert „Puits de science*' 
genannt, erforscht die Mechanik der Bewegungsorgane und trägt zur Be- 
gründung der Lehre von der Lebenskraft bei. (S. 1762 B.) 

— Nachdem Morozzo in Turin konstatiert hatte, daß Sauerstofifgas asphyk- 
tigche Tiere wieder belebt, und Chaussier und Ingenhouss Sauerstoff - 
einatmungen bei Fieber empfohlen hatten, verwendet Thomas BaiMots 
in ausgedehnter Weise den Sauerstoff zu therapeutischen Zwecken und 
eröffnet das erste pneumatdsche Hospital in Bristol. 

— Heinrich Wilhelm Brandts und Johann Friedrich BtnzMibtrg versuchen die 
Entfernung der Sternschnuppen zu bestimmen. 

— Anton Bnicmans spricht in seinem Werke „Magnetismus seu de affinitatibus 
magneticis observationes*' folgende Mineralien als magnetisch an: Sämt- 
liche EisenmineraUen, Kobalt, Grün- und Buntkupfererz, Quarz, Zinnober, 
Zinkblüte und Bernstein. 

— Henry Ctvtndith bestimmt mit Hilfe der Coulomb'schen Drehwage die 
Dichtigkeit der Erde zu 5,18. Diese Bestimmung ist, wie die von Maske- 
lyne und Hutton (s. 1774 M.) zu niedrig und wird später wesentlich korrigiert. 
(S. 1887 W. und 1896 K.) 

■" Claude und Ignace Urbain Chappe (s. 1793 C.) stellen eine optische l'ele- 
graphenUnie zwischen Paris und Straßburg her und verbinden nach und 
nach 29 französische Städte durch 534 Stationen für optische Telegraphie, 
welche zum Teil bis zum Jahre 1855 im Gebrauch bleiben. 

— Benjamin Curr verfertigt die ersten Plattenseile, die er aus mehreren neben- 
einandergelegten und durch Hanfschnur oder Draht zusammengenähten 
Seilen herstellt. Maschinen zur Herstellung solcher Seile werden 1807 von 
William Chapman, 1826 von F. E. Molard u. a. angegeben. 

— 269 — 



1798 

1798 James Gwrit wendet kalte Begießungen bei allen akuten Krankheiten, n 
Scharlach, Masern, vor allem aber bei Typhus an. Er nimmt regelm&fiij 
Temperaturmessungen seiner Kranken vor und läßt die Übergießung! 
um so häufiger imd um so kälter machen, je höher die Fiebertempersti 
ist. (S. a. 1770 F.) 

— Decrolx kommt zuerst auf die Idee, die gewirkten Waren schlauchfönu 
zu erzeugen imd nimmt das erste Patent auf einen Rundstuhl, bei dei 
die Nadeln im Kreise angeordnet sind imd horizontal in der Richtung d( 
Radien eines Kreises stehen. Im Gegensatz zu diesem Stuhl, dem franic 
sischen Rundstuhl, werden beim englischen Rundstuhl die Nadeln vertäu 
und paraUel zueinander angeordnet. Der Rimdstuhl wird 1815 von Andrieu 
so verbessert, daß er auch das Mehren und Mindern der Maschenzahl gi 
stattet, wie es beim Wirken der Strümpfe nötig ist. 

— Der engUsche Seefahrer Matthew Flindert imtersucht den störenden £ii 
fluß des eisernen Schiffskörpers auf den Schiffskompaß (s. a. 1697 B.) i 
eingehender Weise. Er bringt eine senkrechtstebende Stange von weiohei 
Eisen (die nach ihm benannte Flindersstange) neben dem Kompaß ai 
um dessen Ablenkung infolge von Vertikalinduktion im Sohiffseisen au 
zuheben. 

— Nachdem Willis 1672 in seinem Werke „De anima brutorum" die erste Ai 
deutung von der Paralyse der Irren (Dementia paralytica) gemacht hatt 
gibt John Haslam ein genaueres Bild dieser Krankheit, die dann namen' 
lieh von Bayle 1822, Calmeil 1826 imd von J. Falret 1863 in ihren b 
stimmten Symptomen und ihrem typischen Verlauf als besondere Kranl 
heitsform gekennzeichnet wird. 

— Friedrich Wilhelm HMidMl entdeckt die rückläufige Bewegimg der üranu 
monde. 

1798—1801 Friedrich Hornamann reist im Auftrage einer englischen Gesellscha 
von Kairo über die Oase Siwa und Fessan bis fast an den Niger und wii 
in Bokane ermordet. 

1798 Alexander von Humboldt konstatiert den Magnetismus des Serpentins ai 
Heidberg im Fichtelgebirge und findet später ähnliche lokalmagnetisc] 
Erscheinungen an Gesteinen auf Teneriffa und bei Cumana. 

— Adrien Marie Lifondre bildet, geleitet durch seine Behandlung des ProbleD 
von der Anziehung der EUipsoide, neue Rechnungsmethoden für die Int 
gration algebraischer und transzendenter Funktionen aus. 

— Nachdem bereits im Altertume die Herstellung eines Schiff ahrtskana 
zwischen Rotem Meere und Mittelmeer mehrfach versucht worden in 
(s. 1250 V. Chr. Ramses IL, 610 v. Chr. Necho, 645 n. Chr. Amr) und aui 
Leibniz, sowie der Sultan Mustafa III. dieser Frage näher getreten warei 
veranlaßt Napoleon Bonaparte i. J. 1798 Geländeuntersuchungen zum Bi 
eines solchen Kanals, die von dem französischen Ingenieur Lopift ausg 
führt werden und zu dem — irrigen — Ergebnisse führen, daß d 
Spiegel des Roten Meeres 9,908 m höher liege, als derjenige des Mitte 
meers, und somit die Herstellung eines Kanals auf schwer zu übenrii 
dende Schwierigkeiten stoßen werde. Infolge dieses Irrtums ruht d 
Frage mehrere Jahrzehnte. (S. 1869 L.) 

— Nachdem schon Peschel (s. 1798 P.) mit einer Bohrmaschine Steinröhren da 
gestellt hatte, konstruiert William Murdocii eine Bohrmaschine, mit welch 
er die Wasserleitungsröhren der Stadt Manchester aus hartem Kalkstd 
herstellt. 

— Potdifl in Dresden baut eine Steinbohrmaschine, bei welcher der Meiß 
von unten nach oben arbeitet, so daß das Bohrmehl von selbst aus dei 
Bohrloche fällt. 

— 270 — 



1799 

Joseph Louis Prtiitt zeigt, daß außer dem schwarzen Kupferoxyd, das 
bereits den Alten bekannt war, noch eine niedrigere Oxydationsstufe des 
MetaUs, das Kupferoxydul, existiere, welches er aus dem von ihm durch 
Einwirkung von Zinnchlorür auf Kupferoxydsalze dargestellten Kupfer- 
chlorür durch Erhitzen mit Kali darstellt. Das Kupferchlorür war übrigens 
schon Boyle bekannt, wie derselbe auch das Kupferchlorid beschreibt. 
(Vl^ 1664 B.) 

— Johann Wilhelm Ritter entdeckt, daß die Volta'sche Spannungsreihe mit 
der Reihenfolge der chemischen Verwandtschaft der Metalle zum Sauer- 
stoff zusammenfallt. 

-> Rifeirttoii in Paris stellt mit Hilfe optischer Vorrichtungen auf der Bühne 
Gespenstererscheinungen („Phantasmagorien") dar, wobei er sich einer 
Latema magica bedient. Um dieselbe Zeit benutzt Enslen in BerUn 
statt der Glasmalereien der Laterne lebende Personen, von denen ein Hohl- 
spiegel ein verkleinertes Bild für die Linse der Zauberlaterne bietet. Ähn- 
liche Zauberkunststücke werden schon von Heron von Alexandria (s. 100) 
erwähnt. 

— Während man in früherer Zeit zur Reduktion des Galmei resp. der Zink- 
blende mit Steinkohle oder Koks Öfen mit stehenden Röhren benutzt 
hatte, welche, oben geschlossen, unten einen Ansatz hatten, durch den die 
Zinkdämpfe in einen gemeinsamen Behälter entwichen, führt RuNrf die 
Destillation in Muffeln aus feuerfestem Ton ein, aus denen die Metall- 
dämpfe in Vorlagen eintreten. Neben diesem schlesischen Prozeß wird 
heute noch der belgische Prozeß benutzt, bei welchem geneigtliegende 
Tonrohren verwendet werden, die in Schachtflammöfen in mehreren 
Reihen übereinander liegen und direkt oder mit Gasfeuerung geheizt 
werden. 

~ Charles Ttonant beschreibt die Anwendung von Kalkmilch zur Absorption 
von Chlor und beginnt erst allein, dann in Gemeinschaft mit Mac Intosh, 
die Fabrikation von Bleichflüssigkeit mit großem Erfolge. 

~ Louis Nicolas VaiN|iMlln stellt die Chromsäure, das einfach- und doppelt- 
chromsaure Kali und das grüne Chromoxyd dar und entdeckt das Vor- 
kommen des Chroms in dem Smaragd und Spinell; im Serpentin wird es 
1800 von V. Rose d. J., im Chromeisenstein 1799 von Tassaert nachge- 
wiesen. 

— Louis Nicolas VaiNnMlin stellt das dem Rotbleierz analoge chromsaure Blei- 
oxyd durch Fällen einer Lösung von Bleizucker mit zweifach chromsaurem 
Kali dar. Der Niederschlag ist der unter dem Namen „Chromgelb" viel an- 
gewendete Farbstoff. Er stellt femer das chromsaure Silberoxyd her, 
ein karminrotes Salz, das, wie er findet, im Lichte sich dunkler färbt. 

1799 Wer die Schuß -Spulmaschine erfunden hat, läßt sich nicht feststellen; eine 
der ersten bekannten und zugleich vortrefflichsten Maschinen für AbroU- 
spulen ist jedoch die von Arzt in Wien erfundene, von Chwalla daselbst 
verbesserte. 

"** Der französische Ingenieur Boudiard findet in Ägypten die „Inschrift von 
Rosette'* auf, eine Granittafel, welche eine Bekanntmachung der ägypti- 
schen Priesterschaft aus dem Jahre 196 v. Chr. in 3 Sprachen — ägypti- 
scher Bilderschrift, ägyptischer Kursivschrift und griechischer Sprache — 
enthält, und für die Entziffenmg der Hieroglyphen von entscheidender 
Bedeutung geworden ist. Die Tafel befindet sich gegenwärtig im briti- 
schen Museum in London. 

— Der Engländer Joseph Boyce erhält ein Patent auf eine — anscheinend noch 
ziemlich unvollkommene — Mähmaschine. (Vgl. 78, 360, 1784 L.) 

— Fran9ois ClMUitiltr und Louis Nicolas Vauqutllii stellen zuerst das unter- 

— 271 — 



17»9 

schwefligsaure Natron her, das jetzt als Antichlor vielfache Verwendonj 
findet. (S. 1820 H.) 
1799 Ernst Friedrich CHiMnl entdeckt die drehenden Schwingungen an Stäbei 
die er hervorbringt, indem er glatte zylindrische Stäbe in drehende 
Richtung reibt. 

— Ernst Friedrich GhUukii untersucht die durch Schwingungen von St&ben im 
Platten hervorgebrachten Klänge und findet, daß dieselben der Theori 
entsprechend von Elastizität und Dichtigkeit des Materials abhängig smd 

— Cochot setzt an die Stelle der altem Furnierschneidemaschine mit Vertikal 
säge eine solche mit horizontaler Säge, wodurch die ganze Maschine ein 
neue Gestalt und einen festem Stand, also selbst bei großer Greschwindi^ 
keit der Säge einen gesicherteren Gang erhält. Nach vielen Versache 
gewinnt diese Art der Fumierschneidemaschinen um 1814 eine vöUi 
brauchbare Gestalt. 

— Humphry Davy findet, daß zwei Eisstücke durch Aneinanderreihen ii 
Vakuum geschmolzen werden können, trotzdem die Temperatur des Res 
pienten unter dem Gefrierpunkt erhalten wird. Er schließt daraus, da 
Wärme unmöglich ein Stoff sein könne. 

— Humphry Davy entdeckt die anästhetische Wirkung des von Priestle 
(1776) zuerst erhaltenen Stickstoffoxyduls (Lachgases), mit dem Horac 
Wells 1844 die erste Narkose vornimmt. 

— A. F. de Fourtroy und L. N. VaiH|iMlln steUen Harnstoff, das Endprodnl 
der Zersetzung des Eiweißes, im Tierkörper, zuerst in reinem Zustand 
her und geben ihm den Namen „üröe". 

— Karl Friedrich QauB gibt den ersten Beweis für den Fundamentalsatz d< 
Algebra, daß jede algebraische Gleichung eine Wurzel hat. 

— Joseph Hutfdart nimmt ein Patent auf Vervollkommnung seiner Seilspini 
maschine. (S. 1793 H.) Die Vorbereitung für die verschiedenen Grade d 
Drehung erfolgt hierbei durch Auswechseln von Rädern an den Register 
um eine lockere Nummer zu spinnen, muß das Getriebe des R^istei 
bei gleichbleibender Geschwindigkeit der allgemeinen Umdrehung, schnell 
gehen; das Garn wird schneller durchgezogen und erhält weniger Drak 
als im umgekehrten Fall, der einen harten Strang erzeugt. 

1799—1804 Alexander von HumMdt macht seine grundlegenden Forschungsreiw 
im Gebiet des Orinoko, des Rio Negro und des Amazonenstromes ui 
entdeckt die Neue Welt für die Wissenschaft. Auf dieser Reise begleit 
ihn der französische Naturforscher Aim6 Bonpland, der 3500 bis dah 
noch unbekannte Pflanzenarten sammelt. 

1799 Alexander von HumboMt beobachtet am 12. November zu Cumana zu 
erstenmal den Stemschnuppenschwarm der Leoniden, dessen Wiederke 
am 12/13. November 1833 in Nordamerika und am 13/14. November 18< 
in Europa beobachtet wird, während die für das Jahr 1899 erwarte 
Wiederholung der Erscheinung in der Hauptsache ausbleibt. 

— Alexander von Humboldt konstruiert für Bergarbeiter eine Maske zum Ei 
atmen von atmosphärischer Luft aus einem Tornister oder einem, auf eine 
Wagen nachgefahrenen Sack. Er stellt auch bereits Versuche an. Bei 
leuten den Aufenthalt in schlecht ventilierten Grubenbauen durch Saue 
stoffgas möglich zu machen. 

— Joseph Marie Jacquard erfandet einen inechanischen Apparat, der an d 
Zugstühlen für gemusterte Stoffe den Arbeiter entbehrlich macht, d 
bis dahin die vorgerichteten Schnüre nach bestimmter Ordnung anzieh 
mußte, um die Kettenfäden des Gewebes zu jedem Einschuß zu heb* 
(Litzenzugmaschine). 

— Kinsley erfindet eine Ziegelmaschine, welche die Handarbeit nachahmt. Ei 

— 272 — 



1799 

Form gelangt zunächst unter die TonschneidemaBchine, kommt gefüllt 
unter eine Presse und tritt dann über oder unter einen Stempel, welcher 
den Stein aus der Form drückt. Nach dem gleichen Prinzip sind die 
Maschinen von Doolittle (1819), Delamorini^re (1824), CarviUe zu Issy 
(1840), Huguenin und Ducommun (1844) usw. konstruiert. 
1799 Martin Heinrich Klaproth entdeckt, daß der Honigstein das Tonerdesalz 
der Mellitsäure (auch Honigsteinsäure genannt) ist. 

— Pierre Simon de Laplaee gründet in seiner „M^canique Celeste'' die Hydro- 
statik auf die vollkommene Beweglichkeit der kleinsten Flüssigkeitsteil- 
chen und führt die betreffenden Entwicklungen mit alleiniger Zuziehung 
des Prinzips der virtuellen Verschiebungen aus. 

— Pierre Simon dt Laplact, der 1787 die Acceleration des Mondes erklärt hat, 
bestimmt die gegenseitigen Störungen der Hauptplaneten und beweist auf 
analytischem Wege die ünveränderlichkeit der mittleren Entfernungen 
der Planeten von der Sonne. Seine Rechnungen werden von Lagrange 
bestätigt, der ausspricht, daß in unserem Sonnensystem die Stabilität vor- 
herrscht und daß dessen Bestand auf die fernsten Zeiten hinaus ge- 
sichert ist. 

— Pierre Simon dt Laplact behandelt ausführlich die Gleichung für barome- 
trische Höhenmessungen, auf die noch insbesondere Poisson (1811), 
Pemter (1881) imd Hann (1874) näher eingehen. 

— Der französische Ingenieur Philippe Ltkm nimmt die fabrikmäßige Her- 
stellung von Holzessig und Holzteer in Angriff und empfiehlt die Be- 
nutzung des Teers ziir Konservirung des Holzes, sowohl für Zwecke des 
Schiffbaus als auch für die in die Erde einzurammenden oder einzubetten- 
den Säulen, Schwellen usw. 

— Der sächsische Militärtopograph Johann Georg Lthmann in Dresden führt 
zuerst auf wissenschaftlicher Grundlage die Methode des Schraffierens 
mittels einfacher Striche von verschiedener Stärke zur Bezeichnung der 
Neigung des Bodens unter Annahme einer senkrechten Beleuchtung ein 
und verwendet in umfangreicher Weise die äquidistanten Höhenschicht- 
linien. (S. a. 1782 M. und 1791 D.) 

— Der preußische Fabrikenkommissär August vtn MarqHardt erfindet eine Löt- 
lampe, bei welcher eine Stichfiamme dadurch erzeugt wird, daß Wein- 
geistdampf in einem feinen Strahle durch eine Weingeistflamme hindurch- 
geblasen wird. 

— (reorge Mtdhurst in Clerkenwall setzt bei den Windrädern zuerst die Flügel 
in der Weise sternförmig, wie sie die später als amerikanische Konstruk- 
tion bezeichneten Räder (z. B. die HaUaday-Räder s. 1876 H.) zeigen. 

"* William ÜHrdtdi erfindet den Dampfmaschinenschieber (D -Schieber) und 
den Kreisexzenter. 

— Nachdem Lassone 1776 und Lavoisier 1777 das Kohlenoxyd in unreinem 
Zustande erhalten hatten, steUt Joseph Prititity dieses Gas, mit welchem 
er sich schon seit 1783 beschäftigt hat, in reinem Zustande dar. 

"** Jesse Ramtdtn verbessert die Längenteilmaschine, indem er eine sehr sorg- 
faltig mit einer besonderen Maschine geschnittene kurze Schraube ohne 
Ende verwendet, durch deren Umdrehung eine lange Mutter (eine Art 
Zahnstange) und durch diese der zu teilende Gegenstand unter dem 
Reißerwerke fortbewegt wird. 

— Loms Rtitrt Arbeiter in der Papierfabrik von Fran^ois Didot in Essonne 

erfindet die Papierschüttelmaschine und erhält am 18. Januar ein Patent 

auf die Dauer von 15 Jahren, das er am 27. Juni 1800 an seinen Chef 

Leger Didot zediert. Dieser verkauft das Patent 1804 an die Brüder 

Darmstaedter. 18 

— 273 — 



1799 

Henry und Sealy Fourdrinier, die nunmehr die AuBfühmng und 
tung tatkräftig betreiben. 

1799 Der englische Ingenieur William Smith erkennt die Wichtigkeit d 
fossilien als Hil&mittel zur Altersbestimmung der Erdschiohtu: 
ihrer voUen Bedeutung, indem er petrographisch verschiedene S* 
gemäß den daselbst vorhandenen gleichartigen organischen Re 
gleichaltrig nachweist. (Andeutungen hierüber s. bei 1680 L., 168^ 
1762 F.) 

— Charles Tennant nimmt ein Patent auf Absorption von Chlor durch t: 
Ealkhydrat und errichtet zur Gewinnung von Chlorkalk eine 
in St. RoUox, die lange Zeit die größte Chlorfabrik der Welt ble 
bedient sich zuerst der Chlorkalkkammem aus Holz, die jedoch ba 
steinerne Kammern ersetzt werden. Später werden die großen K 
aus Blei oder auch aus Gußeißen genommen. 

— James Watt ersetzt den hölzernen Balancier durch einen guß 
imd führt zum ersten Male die Dampfmaschine ganz aus Eisen a 

— Reinhard Woltmann stellt die beste Profllform der Deiche fest und 
net die Wirkung des Wasserstoßes gegen dieselben. Er stellt zu< 
richtige Theorie der Rammmaschine auf. 

1800 Marie Xavier BIchaft lehrt zuerst systematisch den makroskopiscl 
des ganzen Körpers. Corvisart berichtet über ihn an Napoleon 
sonne avant lui n*a fait en si peu de temps tant de choses et ausf 

— Delabere Blalna in London begründet die Pathologie und Ther 
Himdes und schreibt eine berühmt gewordene Schrift über die 
der Hunde. 

— Ludwig Heinrich Bojanus verfaßt seine Anatomie der Schildkröte i 
deckt das nach ihm benannte Organ der Muscheltiere. 

— Jean Charles de Borda erfindet einen Wärmemesser, der die Aus< 
eines Metallstabes als Maßstab für die Temperatur benutzt. 

— Joseph Bramah baut eine rotierende Pumpe, die ohne jedes Venti 
führt wird, die jedoch an dem Übelstand leidet, daß die Dicht 
Rotationskörper schon nach kurzer Zeit beeinträchtigt wird. 

— Anthony Gariltit und William NIcholtoii führen die zuerst von Tr 
und Deimann 1789 beobachtete Zersetzung des Wassers durch d 
trischen Strom in rationeller Weise aus. 

— William Chapman konstruiert eine Senkmaschine, die er beim Niec 
und Entladen kleiner Steinkohlenwagen in Anwendung bringt tu 
deren Vorbild später die auch als Senkbremsen bezeichneten Coal 
gebaut werden, die dazu dienen, die beladenen Kohlenwagen von de 
quaimauer auf die Schi£Fe hinabzulassen. 

— William Cnilktbank erfindet den elektrischen Trogapparat, der a 
Anzahl von Doppelplatten besteht, die in die RiUen eines längliche: 
so eingesetzt sind, daß sie diesen in eine Anzahl von AbteUunge 
in welche die Flüssigkeit gegossen wird. 

— William Cnilkthank bemerkt, daß bei Elektrolyse einer Kochsalzlöt 
negativen Pole Ätznatron auftritt, was 1803 von Berzelius und 
bestätigt wird. 

— Pierre Duret legt zuerst einen künstlichen After an, indem er die | 
Darmschlinge mit dem Bauchrand vernäht. 

— Der Ingenieur Johann Albert Eytelwoin macht bahnbrechende . 
über Stromkunde, Strom- und Deichbau und die Bewegung des 

— A. F. da Fourcroy und li. N. Vauqualin zeigen, daß die Holzsäure 
brenzUchem öl verunreinigte Essigsäure sei, desgleichen zeigt Th^nc 
daß die bei trockener Destillation tierischer Substanzen entstehend 

— 274 — 



1800 

die Berthollet noch 1798 für eine eigentümliche Säure gehalten und „Acide 
zoonique" benannt hatte, verunreinigte Essiggäure sei. 
1800 FMffcroy« VaiqiMlIii, Thfoartf und Haehtttt finden gemeinsam, daß ein schlecht 
leitender dünner Draht (im gegebenen Fall ein dünner Eisendraht), durch 
Vermittlung guter Leiter in eine galvanische Kette eingeschaltet, erglüht, 
und geben auch schon die richtige Erklärung, daß der Grund für die 
thermische Wirkung im Leitungswiderstand zu suchen ist. 

- J. A. W. Htdtnin führt am 8. Oktober die erste Totalexstirpation des 
Kropfes und Ligatur des Kropfstieles mit glücklichem Erfolg aus. Er 
muß als Begründer der operativen Technik der modernen Kropfexstir- 
pation angesehen werden. 

- Friedrich Wilhelm HMrtchal entdeckt die ultraroten Strahlen, indem er 
dn Thermometer jenseits des roten Endes des Spektrums am meisten 
Bteigen sieht. 

- Jonathan Hornbkiwtr erfindet das Doppelsitzventil, das später von Bodmer 
jmä Brown durch Hinzufügung der doppelten Dampf einström ung noch 
vervollkommnet wird. Aus dem Doppelsitzventü entsteht auch das um 
1820 von Woolf konstruierte GlockenventiL 

- Der englische Chemiker Edward Howard erhält bei Behandlung von Queck- 
sUber mit Salpetersäure und Weingeist das Knallquecksilber (Quecksilber- 
fulminat), das später von Liebig als Salz der Knallsäure charakterisiert 
wird. (S. 1823 L.) 

180(^1802 Nachdem schon 1660 in London der erste Dockhafen auf 
dem südlichen Themseufer errichtet worden war, erbaut William ilMiop 
die West India Import- und Export-Docks, an die sich 1805 die von 
Rennie erbauten London-Docks anschließen. Es folgen 1806 die East 
India-Docks, 1811—15 die Surrey Commercial-Docks, 1828 die St. Cathe- 
rine-Docks, 1855 die Viktoria- Docks, 1868 die Millwall-Docks, 1880 das 
Royal Albert -Dock und 1870 die Tilbury- Docks. Die gesamten Docks 
haben eine Fläche von 256,2 ha. 

1800 Der Uhrmacher JflrfMitan in Kopenhagen erfindet das Metallthermometer, 
welches um 1817 durch Abraham Louis Breguet größere Verbreitung findet. 

- Martin Heinrich Klaprotli entdeckt, daß das Kali ein Bestandteil vieler 
Mineralien ist, nachdem bis dahin diese Substanz als nur im Pflimzenreich 
vorkommend angesehen und deshalb auch Pflanzenalkali genannt worden 
war. Er schlägt die Namen Kali und Natron vor. 

^ Der Chemiker Knifht in London erfindet, 4 Jahre vor Wollaston, das Ver- 
fahren, durch Zusammenschweißen von Platinschwamm Zaine und Bleche 
dieses Metalls herzustellen. Das Verfahren wird schon 1809 für die Schwefel - 
Säurekonzentration nutzbar gemacht, in der an Stelle der Glasretorten 
nunmehr Platinblasen Anwendimg finden. 

"* Graf A. Moussln-Puschklii erhält zuerst durch Zufall den Chromalaun, indem 
er Chromeisenstein mit Salpeter glüht und dann Salpetersäure und Schwefel- 
säure zusetzt. Die filtrierte Losung, die wahrscheinlich durch das Papier 
chromoxydhaltig geworden ist, setzt Krystalle von Chromalaun ab. 

"* J. R. M«yer von Aarau verfertigt Reliefkarten aus Papiermachä», die sich 
durch richtige Darstellung der Gebirgsformen auszeichnen. 

*- Robert Mtarw in Frome (Somersetshire) baut einen mechanischen Mäh- 
apparat, bei welchem nicht, wie bei den früheren Versuchen, das Schnei- 
den in Nachahmung der Handarbeit durch rotierende Sichelmesser, sondern 
mittels Scheren bewirkt wird. Dieses System bildet die Grundlage aller 
späteren Konstruktionen von Mähmaschinen. 
-*• William Moorcrofft wirkt bahnbrechend in bezug auf den Hufbeschlag. Er 
legt eine Fabrik zum Gießen von Hufeisen an. 

18* 

— 275 — 



1800 

1800 — 1806 Von dem Netze fahrbarer Alpenstraßen, zu welchen Naf 
durch seine Feldzüge den Anstoß gibt, wird als erste die Simploi 
gebaut. Ihr folgen 1802 die Straße über den Mont Gren^vre, 1803 
die Straße über den Mont Oenis. Später werden 1818 — 1823 die S] 
Straße, 1820—1826 die Julierstraße, 1820—1830 die Gk)ttharc 
1820—1825 die StUfserjochstraße, 1861—1866 die Furkastraße geb 

1800 Der Mechaniker Naubautr in Hundisburg verwendet die hydraulische 

(s. 1796 B.) zum Ölpressen. 
•^ Durch Gesetz vom 29. November 1800 wird in Frankreich als L 
normalmaß das Meter eingeführt, dessen Name auf Vorschlag d 
putierten Claude Antoine Prltur-Duvirnols (1795) angenomme: 
dessen Größe nach dem Bericht der Untersuchungskommission (s. 1' 
auf 443,296 Pariser Linien der eisernen Toise von Peru bei 13® 
stimmt wird. Das Prototyp der Längeneinheit, ein von Etienne 
aus Platin verfertigter Meterstab (^talon ä bouts), sowie das Pi 
der Gewichtseinheit, ein von Fortin, gleichfalls aus Platin verf« 
Kilogramm, waren bereits am 22. Juni 1799 in den Archives d 
deponiert worden. (S. 1875 H.) 

— Georg Prochaska und ungefähr gleichzeitig Samuel Thomas von So« 
weisen darauf hin, daß nur die hintere Wurzel der Rückenmarke 
das Intervertebralganglion durchzieht, während die vordere dami 
Berührung hat und daß der fünfte Gehirnnerv analog den I 
marksnerven aus einer doppelten Wurzel entspringt, einer hinter 
ein Ganglion besitzt, und einer vorderen, die direkt in den 
übergeht. 

— Georg ¥on Rolehtnbtch vervollkommnet die Ramsden'sche Kreisteilm 
(vgl. 1775 R.), wobei er von der Anschauung ausgeht, daß ein 
kommene Einteilung nur erreicht werden könne, wenn man si 
alle vorgängigen sichtbaren Marken vollführe, sie also gleichsam in d 
vornehme, ehe die Teilungslinien gezogen werden. 

— Der Buchdrucker Fran^ois Ralnliinl in Straßburg wendet zuerst die 
typie auf den Musiknotendruck an. 

— Joseph Carl Schuster, Apotheker in Tymau in Ungarn, erfindet d 
allgemein in den Apotheken im Grebrauch befindlichen Tropfgläser. 

— VaiiqiMlIii und Buniva entdecken das Allantoin in der Amniosflüssigk 
Kühen und später auch im Harn verschiedener Tiere. 1834 wird 
Schulze und Barbieri aus den Platanenknospen gewonnen. 

— Alessandro Volte entdeckt die unbegrenzte Steigerung, welche k 
Berührungselektrizität durch angemessene Schichtung der wirksan 
standteile, Metalle und feuchte Leiter, erteilen kann und konstru 
Volta'sche Säule. 

— Der Mathematiker Johann Friedrich WonMbvrf fordert die geeetzlic 
führung des „voUkommensten'* Zahlensystems „Teleosadik", näml 
duodezimalen mit der Grundzahl 12, dessen Anwendung er „jed< 
Uchen Manne, ja jeder gebildeten, vernünftigen Regierung zur Pflicht i 

— Thomas Young lehrt zuerst die Ursache für die Verschiedenheit der 
färben einer und derselben schwingenden Saite kennen. Er empfi< 
erst, die Schwingungen tönender Körper in ihren besonderen Eigent 
keiten und Gesetzmäßigkeiten auch optisch zu verfolgen und gibt c 
zahl Zeichnungen von Kurven belichteter Saiten. 



— 276 — 



Nennzehntes Jahrhundert. 



1801 Franz Karl Achard erfindet die Rübenzuckerfabrikation und baut die erste 
Zuckerfabrik auf dem Gute Kunem in Schlesien. 

— Edouard Adam, Arbeiter in Montpellier, konstruiert den ersten Deetil- 
lationsapparat für Spiritus mit Kektifikatoren und Dephlegmatoren. 
(S. a. 1798 A.) 

— Claude Louis BmHioIM macht darauf aufmerksam, daß die Geschwindig- 
keit, mit der zwei Stoffe chemisch aufeinander einwirken, nicht nur von 
den gegenseitigen Affinitäten, sondern auch von den angewendeten Massen 
abhängt. 

— Marie Xavier Bldiat begründet die anatomische und pathologisch anato- 
mische Gewebelehre, indem er die Bestandteile des Körpers nach den 
überall oder speziell auftretenden Geweben zerlegt. Er unterscheidet all- 
gemeine (Nerven, Arterien, Venen, Lymphgefäße und Zellgewebe) und 
besondere (Knochen, Knorpel, Drüsen, Oberhaut, Muskelgewebe usw.), 
im ganzen 21 Gewebe, die er als Elemente des Körpers bezeichnet. Wenn 
auch viele seiner vermeintlichen einfachen Gewebe komplizierter Natur 
sind und sein histologisches System sich nicht halten konnte, hat er 
doch zuerst Methode in die Histologie gebracht und die richtige Behand- 
lung des Stoffes gelehrt. 

-* Nachdem bis dahin die Betrachtung der Geschwülste eine lediglich empi- 
rische gewesen war, zieht Marie Xavier Blchat infolge seiner Studien über 
die Gewebelehre auch die pathologisch neugebüdeten Gewebe (Geschwülste) 
in den Kreis der wissenschaftlichen Behandlung und teilt die Geschwülste 
in homöoplastische und heteroplastische ein, welche letztere kein Analogen 
in den normalen Geweben des Körpers finden. 

— Nachdem das Eisen, namentlich Gußeisen, gegen das Ende des 18. Jahr- 
hunderts in Deutschland und England wiederholt zum Brückenbau ver- 
wendet worden war, benutzen BoultMi und Watt dasselbe zum ersten Male 
auch zum Hochbau In ausgedehnter Weise, indem sie die Zwischen- 
decken einer sieben Stockwerke hohen Spinnerei mit Hilfe von gußeiser- 
nen, J.- förmigen Deckenträgem herstellen. (Vgl. 1785 A.) 

"-* Marc Isambard Bruntl erfindet die Kronsäge, die aus einem zum Vollkreise 
gebogenen gewöhnlichen Sägeblatt besteht, welches bei der Drehung um 
den Mittelpunkt seiner Krümmung mit der gezahnten Kante eindringt 
und je nach der Einstellung einen Kreis- oder Bogenschnitt macht. 

"^ CMmMit und Dtermes entdecken, daß sich Kohlensäure in Kohlenoxyd ver- 
wandeln läßt, wenn man sie über glühende Kohlen leitet, bestimmen die 
Zusammensetzung des Kohlenoxyds genau und bekämpfen siegreich die 

— 277 — 



1801 

Behauptung BerthoUet's, daß in die Zusammensetzung derselbe 
Wasserstoff eingehe. 
1801 CMmMt und DttomiM geben die Zusammensetzung der Schwefele 
und steUen eine Theorie für deren Fabrikation auf. (S. 1793 C.) 

— Nachdem Cheselden (1720) und Bussen (1748) auf die operat 
foration des Trommelfells hingewiesen hatten, macht Sir Astle^ 
Cooptr bei Verschluß der Tuba Eustachii die erste derartig« 
liehe Operation. Die zweite Operation wird von Himly ausgefiih 

— Georges Cuvier findet für das Tierreich das Gesetz der Korrelation, 
die plastischen Eigenschaften eines Organs besondere Eigentümli 
eines anderen Organs bedingen, also von einem Organ' auf da 
Schlüsse gezogen werden können. 

— Darracq zeigt, daß bei Mitanwendung von Ammoniak Oxalsa 
sicheres Reagens auf Kalk ist. 

— Oliver Evans baut, nachdem er seit 1772 fortdauernde Versuch* 
nommen und 1786 schon ein Patent nachgesucht hatte, die erst 
druckdampfmaschine und verwendet dieselbe zum Betriebe ei 
selbst bewegenden Wagens. (S. a. 1769 C.) 

— Robert FuKon konstruiert ein Unterwasserboot „Nautilus" und 
dasselbe mit torpedoartigen Sprengladungen. Seine Erfindung wii 
von Frankreich, wo er sie zuerst anbietet, noch von England ak 
„da die Beherrscher der See dieselbe nicht wünschten, weil sie ihnc 
sie Erfolg hätte, die Herrschaft rauben könnte" (Worte des Lord 

— Karl Friedrich QauB legt in seinem Werke „Disquisitiones arithi 
bahnbrechende zahlentheoretische Untersuchungsergebnisse nie< 
bringt das Problem der Kreisteilungsgleichung zur endgültigen 
indem er nachweist, daß durch eine endliche Anzahl von Opc 
mit Zirkel und Lineal ein regelmäßiges n-Eck nur dann konstruier 
kann, wenn n — 1 = 2p ist, wobei n eine Primzahl und p eine 
ganze Zahl bedeutet. 

— Karl Friedrich QauB findet eine neue Methode, die Bahn eines 
aus vier verhältnismäßig naheliegenden Beobachtungen zu bec 
Diese Methode bewährte sich, als es galt, die am I.Januar 1801 (i 
entdeckte, aber alsdann in der Sonnennähe wieder verschwunde 
von neuem aufzufinden. 

— Charles Hatehttt entdeckt in einem dem Wolfram ähnlichen schwärzet 
von Massachusetts das Oxyd eines neuen Metalls, das er „Cok 
nennt, während das Mineral den Namen „Columbit** erhält. (Vgl. a. 

— Jean Baptiste Antoine Pierre Monet dt Lamarck führt die Bez< 
„Wirbeltiere" ein. Er begründet die Ansicht von La Mettrie (s. 
noch eingehender, daß in sämtlichen Wirbeltieren, von den ni< 
Fischen imd Amphibien aufwärts bis zu den Affen und Mens« 
typische Körperbau, die charakteristische Lage und Beziehung d 
tigsten Organe dieselbe und wesentlich verschieden von derjenij 
anderen Tiere ist. 

— Philippe Ltbon nimmt ein Patent auf eine durch ein Gemisch 
und Luft betriebene, doppeltwirkende Zylindermaschine. 

— LMbure macht die ersten Versuche über die Beeinflussung des Wi 
der Pflanze durch die Temperatur und stellt die Kardinalpimkt 
mum und Maximum dieser Beeinflussung) fest. A. P. de CandolJ 
sowie insbesondere Sachs (1860) stellen außer diesen Extremen i 
Optimum für zahlreiche Keimpflanzen auf. 

— Nachdem seit Hohlfeld's Häckselschneidemaschine (s. 1766H.) noch 
Cooke*8che nach dem Säbelprinzip konstruierte Maschine und 

— 278 — 



1801 

Salmon'Bche Maachine aufgekommen waren, konstmiert Lttitr in Notting- 
ham unter Verwendung des Säbelpiinzix>B eine HäckselschneidemaBchine 
mit einem einzigen gekrümmten Messer am Schwungrad, welches bei Um- 
drehung des letzteren in vertikaler Ebene an dem Strohkasten herab- 
schneidet, dessen untere Mündungskante mit einem geraden Gregenmesser 
ausgestattet ist. Die Lester'sche Maschine wird später von Richmond und 
Chandler und von Bentall noch vervollkommnet und findet die weiteste 
Verbreitung. 
1801 F. B. Mamltr führt am 5. Mai zum ersten Male die Amputation des 
krebsig entarteten Halses der nicht prolabierten Gebärmutter aus. 

— Giuseppe PlazzI entdeckt am 1. Januar den ersten Asteroiden, Geres. Das 
Vorhandensein eines Planeten zwischen Mars und Jupiter hatte schon 
Kepler vermutet, welcher 1596 in seinem „Mysterium cosmographicum'* 
schreibt: „Inter Jovem et Martem planetam interposui". (S. a. 1801 G.) 

" Joseph Louis Proust macht sich um den Nachweis des Gesetzes von der 
Konstanz der Gewichts Verhältnisse sehr verdient, indem es ihm gelingt, 
die Ansicht Berthollets, daß die Elemente sich in stetig veränderlichen, 
von den äußeren Umständen abhängigen Verhältnissen verbinden, nach 
langem Streit siegreich zu widerlegen und nachzuweisen, daß, wenn 
zwischen zwei Elementen mehrere Verbindungen existiereo, die Ände- 
rung in der Zusammensetzung nie allmählich, sondern stets sprung- 
weise erfolgt. 

— Nachdem die Ansichten über die Zusammensetzung des Zinnobers seit 
Greber, der als Bestandteile desselben Quecksilber imd Schwefel annahm, 
viele Wandlungen durchgemacht hatten und nachdem noch Fourcroy den- 
selben für geschwefeltes Quecksüberozyd erklärt hatte, erweist Joseph Louis 
ProMt, daß er lediglich aus Quecksilber und Schwefel besteht, worin ihm 
Bucholz 1803 und Seguin 1814 beipflichten. Den Unterschied zwischen 
dem schwarzen Schwefelquecksilber, das Turquet de Mayeme im Anfang 
des 17. Jahrhunderts darsteUte und dem Zinnober erläutert 1833 J. N. 
Fuchs. Die Bereitung des Zinnobers auf nassem Wege beschrieb zuerst 
1687 Gottfried Schulz. 

— Johann Georg RsptoM erbaut für seine Privatstemwarte in Hamburg einen 
Meridiankreis von 4 m Durchmesser, mit welchem Schumacher viele Be- 
obachtungen anstellt. 

-* Johann Wilhelm Rititr findet, daß im Spektrum das Reduktionsmaximum 
für Chlorsilber jenseits der sichtbaren violetten Strahlen liegt und ist so- 
mit der Entdecker der chemischen Strahlen im Ultraviolett. 

— Johann Wilhelm Rittor entdeckt die Eigenschaft des galvanischen Stroms, 
Flüssigkeitsbewegungen zu veranlassen. Emü du Bois-Beymond gebraucht 
für diese Eigenschaft zuerst (1860) den Ausdruck „kataphorische Wirkung*'. 

"" Valentin Rom der Jüngere in Berlin entdeckt das doppeltkohlensaure Natron. 

"- Nicolas Saueerotte knüpft an die Versuche von Pourfour du Petit (s. 1710 P.) 
an und ist der Vorläufer der Bestrebungen, eine gesonderte LokaUsation 
der Bewegungsstellen für die vorderen und hinteren Extremitäten zu linden. 
Er erkennt zuerst bei Kleinhimverletzungen die auffallenden Bewegxmgs- 
störungen der Augen, den Nystagmus, mit dessen Erklärung sich später 
Albrecht von Graefe beschäftigt. 

— Paul Louis Simon konstruiert das erste praktische, auf der galvanischen 
Wasserzerlegung beruhende Galvanoskop und stellt fest, daß bei der Elek- 
trolyse des Wassers nur Sauerstoff gas und Wasserstoff gas erhalten werden, 
und daß die von frühern Beobachtern gefundenen Produkte, Alkali und 
Säuren, von Verunreinigungen herstammen. 

— Der englische Ingenieur William Symlncton verwendet zuerst den unbeweg- 

— 279 — 



1801 

liehen, liegenden Zylinder, welchen Parier (vgl. 1792 P.) in einem Patent i 
gegeben, aber nicht ausgeführt hatte, für die direkt wirkende Dampfmasohi 

1801 LoiiiB Jacquee Thtaard führt ein von den drei bisher existierenden Metho< 
der Bleiweißfabrikation, die als holländische, englische und östenreichiu 
oder Kremser Methode unterschieden wurden, völlig abweichendes V 
fahren (Methode von Clichy) ein, wonach zuerst dreifach basisch eeaigsati 
Bleioxyd bereitet wird, welches durch Kohlensäure zersetzt wird, wo 
sich Bleiweiß als Niederschlag abscheidet, während neutrales Bleiacetat 
Lösung bleibt, das sofort mit Bleiglätte wieder in basisches Salz umgewan^ 
wird. Auf demselben Prinzip beruht der neuere englische von Beni 
eingeführte Prozeß. (S. 1840 B.) 

— Erik Nissen Viborf, neben Abildgaard (s. 1773 A.) an der Kopenhagener ' 
terinärschule tätig imd später dessen Nachfolger daselbst, erwirbt e 
große Verdienste in allen Zweigen des Veterinär- und Gestütwesens x 
macht sich durch seine „Abhandlungen für Tierärzte und Okonom< 
(1796—1807) in ganz Europa bekannt. 

— Alessandro Volta stellt das Spannungsgesetz der Metalle auf, wonach 8 
die untersuchten Körper in die Beihe „Zink, Blei, Zinn, Eisen, Kup: 
Silber, Kohle" ordnen lassen, welche die Eigenschaft hat, daß jeder vor 
stehende Stoff bei der Berührung mit einem nachfolgenden positiv elektri 
wird, imd daß der elektrische Unterschied um so größer wird, je wei 
die Glieder in der Reihe voneinander abstehen. 

— Thomas Younf entdeckt den Astigmatismus, einen Brechungsfehler 
Auges, bei dem Strahlen, die von einem Punkte ausgehen, sich nicht wie 
in einem Punkte vereinigen können. 

— Thomas Youn{ konstruiert ein Optometer, bei welchem als Sehobjekt 
feiner weißer Faden auf schwarzem Gnmde dient, dessen eines Ende i 
nahe unter dem Auge befindet. Blickt man durch einen passenden Sek 
mit zwei Löchern nach dem Faden, so erscheint derselbe nur in der Strec 
für die das Auge akkommodiert ist, einfach, an allen übrigen Stel 
doppelt. (S. a. 1759 P.) 

1802 Nachdem schon Kunckel (1678) und namentlich Scheffer (1763) ge» 
hatten, daß die Schwefelsäure das Silber auflöse, das Gold aber m< 
gründet Jean Pierre Joseph d'Arctt auf dieses Verhalten die Scheidung di( 
beiden MetaUe und führt dieselbe im großen durch. Die Methode ¥ 
1876 von Rißler und 1881 von Gutzkow wesentlich verbessert (Affinati< 

— Die portugiesischen Händler (Pombeiros) Pedro Joas Batlsta und Ante 
lioiU durchqueren zum ersten Male Afrika von Angola über Lunda n 
Mozambique. 

— Lodovico Gasparo Bnignatelll entdeckt das dem Howard'schen Kn 
quecksilber entsprechende, von dem BerthoUet'schen Präparat (s. 1788 
verschiedene Knallsilber (Silberfulminat), welches sich bei Liebig's Um 
suchung als Salz der Knallsäure erweist. (S. 1823 L.) 

— Jacques Alexandre C^sar Charles konstruiert den ersten Apparat zur I 
jektion undurchscheinender Objekte, bei welchem die Beleuchtung ^ 
vom geschieht, und der später in dem „Megaskop", auch „Wune 
kamera*' genannt, in vollendeterer Form wieder erscheint. 

— John Dalton stellt das nach ihm benannte Gesetz auf, daß in einem € 
gemisch jeder Bestandteil auf die Gefäßwandung denselben Druck ausf 
als wenn er allein vorhanden wäre, und daß der Druck des Gemisc 
auf die Wandung gleich der Summe der Partial drucke der einzelnen G 
ist (Diffusionsgesetz der Gase). 

— Humphry Davy nimmt optische Bilder im Sonnenmikroskop auf Pa] 
auf, das er mit Chlorsilber präpariert hatte. 

— 280 — 



1802 

(02 Anders Gustav Ektfearf fmdet in dem Yttrotantalit, den er zur Herstellung 
von Yttererde benutzt, das Oxyd eines neuen Metalls, das er auch in dem 
Tantalit findet und Tantalsäure nennt. (Vgl. a. 1809 W.) 

- Ernst Gottfried Fitchtr hebt in seiner Übersetzung von Berthollet's „Recher- 
ches sur les lois de Taffinitö*' hervor, daß man alle Reihen Richter's (s. 
1792 R.) auf eine einzige reduzieren könne und berechnet aus Richter's An- 
gaben eine solche Tafel, welche die erste Tafel der Äquivalentgewichte dar- 
stellt, bei welcher von der Schwefelsäure mit dem Äquivalentgewicht 1000 
ausgegangen wird. Im folgenden Jahre publiziert dann Richter selbst eine 
ausführlichere Tabelle. 

- Franz Joseph Olli spricht aus, daß die Gehirnrinde der Sitz der