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Full text of "Magazin der Entomologie"

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LIBRARY OF 




1665-1056 



<4l^ 



Magazin 

der 

Entomologie, 

herausgegeben 

von 

Dn Ernft Friedrich Germar, 

Director des Mineral-Gahinets 
und Docent der Mineralogie an der Univerßt. zu Halle, 

der naturforfch. Gefellfch. zu Halle vortragendes, 

der mineral. Gefellfch. zu Jena correfp. und der Ökonom. 

Gefelllch. zu Leipzig Ehrenmitglied. 



Erfter Jahrgang. 
Erßes Heft. * 



Mit eil er illuminirteo Kupferrafel. 



Halle, 

bei Job. Chr. Hendel. 

X 8 1 3. 



Seinem gcfchätzten Freunde, 

Herrn 
geheimen 

Finanz- Secretair 

Zenker 

in Dresden, 



widmet diefen elften Band 



der Herausgeber. 



V o r e r i n n e r u n g. 

UiC Herausgabe diefes Magazins war^ zwar 
auf Subfcription angezeigt, aber die im gcwöbnli- 
cheo Gange des Buchhandels den meifteo Subfcrip- 
tionen entgegenftehenden HindernilTe, bewogen 
dtn Verleger von ihr abzugehen, und den Preis 
jedes Hefts auf i8 Gr. feftzufetzen» Diefe Nach- 
richt tür unfere Subfcribenten , die dabei nichts 
verlieren , und denen wir für ihre gütige Theil- 
pahme und Unterflützung danken. 

Die Aufnahme diefer Schrift vom entomologi- 
fchen Publicum wird über ihre Fortdauer entfchei- 
den. Der erfte Jahrgang, der wenigftens aus zwei 
Heften beftehen foU, erfcheint gewifs, aber die wei- 
tere Folge hängt von der Zahl der Abnehmer ab. 

Auffätze aller Art, welche die Entomologie 
betreffen, w^erde ich mit Dank annehmen, und ia 
fo fern fie etwas Neues oder Wichtiges enthalten, 
gewiflenhaft benutzen. Sollte in der Folge fich 
eine hinlängliche Anzahl Abnehmer finden, fo 
würde ich dergleichen Arbeiten auch auf Verlan- 
gen honoriren , für jetzt arbeite ich felbft, um der 
Wiffenfchaft willen, ohne einige Vergütung, 

Schriff- 



Schrififteller, welche ihre Werke in diefer 
Schrift angezeigt und beunheilt wünfchen , wer- 
den um Einfendung eines Exettiplars durch die 
Verlagshandlung an nnich erfuchr. Es ift unmög- 
lich, alle Werke ohne Vergütung fich felbft auf 
eigene Koften anzufchafFen , ob wir uns fchon be- 
mühen werden, unfern Lefern das Wichtige und 
Neue immer kund zu thun. Anzeigen , welche 
blos das persönliche Interefle der Einfenders be- 
ireffen , z. B. mercantilifche Anzeigen , Subfcrip- 
tionen, Titel ihrer Werkst, AufForderuagen, Strei- 
tigkeiten &c. werden nur dann angenommen, 
wenn fie mit dem Namen des Verfaflers verfehen, 
völlig Porto frey eingefandt werden, und nicht zu 
viel Raum einnehmen. Anzeigen, welche der En- 
tomologie fremd find, werden nicht aufgenommen. 

Dem Plane der Schrift zu Folge werden fei- 
ende Gegenftände einen Platz finden; 
i) Anatomifche Unterfuchungen. 

2) Phyfiologifche Beobachtungen. 

3) Syftematifche Befchreibungen neuer oder 
zweifelhafter Gattungen und Arten, nebft 
Monographien. 

4) Oekonomifche Bemerkungen. 

5) 



5) Auszüge aus enromologifchen Schriften in 
ausländifchen Sprachen, überfetzr und mit 
Bemerkungen. 

6) Recenfionen neuer entomologifcher Schriften. 

7) Zusätze und Berichtigungen zu claffifchea 
Schriften. 

j) Biographien, Reifen, Beförderungen, To- 
desfälle &c. bekannter Entomologen, mic 
einzelnen hißorifchen Notizen. 

9) Miscellen, einzelne fragmentarifche Benoer- 
merkungen, 6cc. 

10) Auszüge aus entomolqgifchen Abhandlungen, 
die in gröflern nicht der Entomologie gewid- 
meten Schriften vereinzelt fich finden. 

11) Mercantilifch-entomol. Bekanntmachungen, 
nebft Gelehrten- und Buchhändler-Anzeigen. 

Halle» im Jan. 181 3< 

Dr. E.F,Germar. 



In- 



Inhalt 

des 
erflen Heftes. 



I. Naturgefchichte desCflrabus gibbus, eines faatverwnften- 
denlniiekts. Vom Herausgeber. Seite I 

IL Infekten in Bernftan eingefchloßen , befchrieben vom 
Herausgeber. 3 

III Bemerkungen über die Sacktrager unter den Schmetter- 
lingen, ihre Fortpflanzung und Emwickelung. Von 
Dr. Z««^ß, genannt »SflWOTfr. I9 

NacWchriit tles Herausgebers. 41 

IV. Litteratur : 

Der Fkviiner naturforfch. GAe\}(ch. Magazin für die neue- 

ftenEiitdeckungen in der Naturkunde. 5tfcrjahig. 47 
Dcrfelben Schlitten. 6ter Jahrg. etftes Quartal. 60 

Neue Schriften der naturf. Gcfellfch. zu Halle. Band I. 6? 
Derfelben Schriften, 2teriiand 2tet Hefe. 65 

I. Sturm Dtutlchlands Infekten. Zweites Bändchen. 67 
E. F. Gertnar Syf^emstis gloflatorcm prodromus. 69 

— — " Keile nach Dalmatien und in das Gebiet 

von Ragufa. 70 

G. R. Jrevirauus über den Bau der Arachniden, 70' 

K. A. RamUohr Abhandlung über die Vtrdauungswerk- 
leuge der Infekten. 71 

V. Kritiiches Vi'rzeichnifs der bisher bekannt gewordenen 

Soiefichen Schmetterlinge, von C. F. fV. Richter. 72 
(Fortietzung folgt). 

VI. Neue Infekten, befchrieben vom Heravisgeber. I14 

VII. Miscellen und Correspondenz- Nachrichten. 134 
Vni. Mcrcantilifche Anzeigen, I39 



r. 

Naturg efchichte 

des 

Carabus gibbus, 

eines faatverwüftendea Infekts. 



I 



Vom Herausgeber, 

m May des verflofsenen Jahres wurde der na- 
turforfchenden Gefellfchaft in Halle die Anzeige von 
derOberpräfecturin Halberfladt gemacht, dafs in dem 
Canton Seeburg eine Larvenart die Getreide - Spiüfs- 
linge und Wurzeln zerflöre. Zugleich erhielt die Ge- 
fellfchaft den Auftrag, die Sache zu unterfuchen und 
darüber zu berichten. Eine Commiflion diefer Ge- 
fellfchaft, der ich als Protocollführer und Berichter- 
llattcr Zweimal beizuwohnen die Ehre hatte , begab 
fich im Juni mehrmals an Ort und Stelle , uud es er- 
gab fich , dafs die fchädliche Larve die des Carabui 
gihhtis fey. Wir glauben dem entomol. Publicum ei- 
nen Dienft zu erweifen, wenn wir ihm das Refultat 
derer von den Herren Zepernick ^ Düßer ^ Buhle^ 
Ahrem und uns angebellten Unterfuchungen mitthei- 
len, da fie ein mannigfaltiges Intereüe haben. 

Heft U A Di# 



Z I. Naturgefchichce 

Die Verhältnifle des Eyes kennen wir nicht, doch 
läfst fich aus der von einem Bauer mitgetheilten Be- 
obachtung, dafs er einen ganzen Klumpen kleiner 
R-clupchen in einem Ballen faeifammen gefunden habe, 
der Schlafs ziehen, dafs die Eyer zufammen und nicht 
einzeln von der Mutter abgefetzt worden find. 

Die Larve des Thieres braucht wahrfcheinlich 
drei Jahre bis zu ihrer Verwandlung, u'enigfters fan- 
den fich jetzt halbausgev^'achfene Larven unter den erft 
feit wenig Tagen eingefponnenen Puppen, die auf kei- 
nen Fall von diesjähriger Brut her/lammten; die Ein- 
wohner fagten auch aus, dafs fie vor drittehalb Jahren 
im Herblle die erften Zerftörungen, jedoch von min- 
derer Bedeutung bemerkt hätten, und jeden Herbft 
feitdem diefe Larven weit mehr Schaden gethan zu 
haben fchienen. 

Die Länge der ausgewachfenen Raupe beträgt 
etwas über einen Zoll, doch erhielten wir keine voU- 
Aändig ausgewachfenen , und die nachfolgende Be- 
fchreibung ifl; von einer dreiviertheilzöUigen Latve 
entworfen, doch dürfte die Erwachfene, auffer in der 
Gröfse, wohl kaum verfchieden feyn. Sie ifl: platt und 
fchmal gebauet, und faft überall gleich breit, denn 
fie verfchraälert fich nur wenig nach hinten. Der gan- 
ze Körper beliebt aus dreizehnAbfchnitten, von denen 
der erlle den Kopf , der letzte die Afterfpitze bildet. 
Der Kopf ift fehr platt gedrückt, mit einem ftarken 
Zangengebifs bewaffnet, und hat auf der Oberfeite 
zwei eingedrückte Läni^slinien. Man bemerkt an der 
Seite die Augen, vor denen zwei kurze grad vorge- 

(Ireckte 



des Carabus gibbus» ^ 

fcreckte, viergliedrige , borftenförmige Fühler einge- 
fetzt find, auch ift der Kopf mit einzelnen, dünnen 
Haaren befetzt. Der zweite Abfchnitt ift ziemlich 
viereckig, gröfser als die übrigen, oben braun, un« 
ten weifs, an ihm fitzt das erfte Fufspaar. Die nun 
folgenden zwei Abfchqitte find breiter als lang , oben 
braun, unten weifs, mit einem braunen, fchwieligen 
Punkte an jeder Seite, da wo das Luftloch liegt, fie find 
die Träger des zweiten und dritten Fufspaares. Man 
bemerkt an ihnen ebenfalls einzelne lleife Haare. 
Die nächften acht Abfchnitte iind zwar unter fich von 
gleicher Länge , nehmen aber nach hinten zu in der 
Breite ab. Sie find gelblichweifs, an den Seiten mit 
Boiften befetzt, oben liegt ein breiter, an den Seiten 
zugerundeter brauner Fleck, der auf jeder Seite nach 
außen einen eingedrückten Punkt zeigt. Alle diefe 
braunen Flecke beftehen aus einer dichteren Mem- 
bran, wie der übrige Körper, und ftofsen der Länge 
nach zufammen. Am Seitenrande der Abfchnitte liegt 
eine Doppelreihe dergleichen brauner länglicher Wärz- 
chen, fo dafs auf jeden Abfchnitt auf jeder Seite zwei 
kommen. Auf der Unterfeite liegt in der Mitte jedes 
Abfchnittes ein ähnlicher brauner, fchmaler, fchwieliget 
Queerfleck, und hinter demfelben find auf jedem Ab* 
fchnitte vier dergleichen in einer Queerlinie liegende 
braune Punkte , welche letztere jedoch auf der Un- 
terfeite des vorletzten Abfchnittes fehlen. Der After- 
abfchnitt ift klein , faft ganz braun , der After ragt 
hervor und über demfelben liegt eine Erhöhung mit 
zwei dreigliedrigen, behaarten, kurzen, fpitzigen Hör- 
A a nern. 



4 I. Naturgefchichte 

nern. Längs dem Rücken der ganzen Raupe läuft 
eine durclifichtige Mittellinie durch alle Abfchnitte 
durch. 

Die Anzahl der jetzt vorhandenen Ranpen war 
gering, da die meiftcn fich bereits im Zuftande der 
Verpuppung befanden; wir trafen in einem Raum 
von 30 - 40 Quadratfufs, den wir umgraben liefTen, 
kaum noch 15-20 Stück an, da wenige Wochen 
vorher alles davon gleichfam gewimmelt hatte, und 
zwölf Hufen Landes durch fie zerflört worden waren. 

Ueber die Lebensart der Raupe erhielten wir 
theils durch eigne Beobachtungen, theils durch Be- 
fragung der Landleute folgende Angaben. Am Tage 
lebt die Raupe fcchs Zoll und tiefer unter der Erde, 
geht aber des Abends und Nachts heraus , frifst fich 
an der Oberfläche der Erde in den Stengel ein , und 
wühlt im Marke herunter. Zuerfl; wurden fie im 
Waizenfelde bemerkt, und obgleich der VVaizen noch' 
mals nachgefüet wurde , fo vernichteten fie ihn immer 
wieder, es fcheint daher als oj fie fchon die Keime 
deffelben angegriffen hätten» Nachher giengen fie 
vorzüglich den R^oggen, und fpäter auf gleiche Weife 
die Gerde an. In den übrigen Getraidearten wur- 
de nichts von dergleichen Zerflörungen bemerkt, ja 
im Gegenthcile hörte die Verheerung meifi: an denje- 
nigen Aeckern, worauf Wicken oder Kartoffeln ge- 
bauet wurden, auf, und die hinter den Wicken oder 
Kartoffelfeldern liegenden Waixen- Rocken- und Ger- 
ftenäcker blieben vom Angriff frey. Doch bemerkten 
wir auf einem Acker, der früher mit Waizen beflellt, 

aber 



des Carabus gibbus. 5 

Aber zerflört worden war, und auf welchem zum zwei- 
tenmalWaizen und Wicken untereinander gefäet wor- 
den waren, ebenfalls Frafs an diefer zweiten V/aizen- 
faat und eine Menge Puppen in der Erde. In denje- 
nigen Feldern, die an Rainen , in der Nähe von Raps 
oder an Brach- und Stoppelfeldern lagen, begann die 
Zerllürung zuerfl:, und am ftärkrten mit dem einbre- 
chenden Frühjahr und verbreitete lieh von da aus weiter. 
Wahrfcheinlich waren die Larven an Rainen in ihre 
Winterwohnnngcn gegangen, und griffen von da aus 
die nahe liegenden Felder an. Ihre Frequenz in Fel- 
dern, die an Stoppel- und Brachfeldern lagen, erklärt 
fich leicht, da hier die ohnehin d;u-inn vorhandene 
Menge noch durch die, welche das Jahr vorher auf 
den beftellt gewefenen Stoppel- und Brachfeldern ge- 
häuft hatte, vermehrt wurde. Den Einflufs der ver- 
fchiedenen ' Lage der Felder gegen die Witterung, 
konnten wir nicht beobachten, die ganze Gegend die 
aus Thon und Kalkmergel befteht, ill ziemlich ebeni 
und die wenigen feuchten Felder jener Gegend, waren 
durch die Glühhitze des letzten Sommers eben fo aus- 
getrocknet worden, wie die übrigen. 

Wir trafen beim Nachgraben auf den Feldern 
jezt eine ungemein grofse Menge fenkrecht niederge- 
hender Röhren, die nur feiten einfache Krümmungen 
zeigten, und von fechs Zoll bis zwei Fufs tief unter 
die Erde niederfezten. Diefe Röhren endigten fich in 
eine eyförmige, ausgeglättete Höhlung, in welcher 
die gekrümmte Puppe lag. 



Bejr 



6 I. Naturgcfchichte 

Bcy der Puppe unterfcheidet man fchon dcurüch 
die Zufammenfetzung des Körpers aus Kopf, Hals- 
fchild nnd Leib. Ihre Farbe ift gelblichwcifs, nur die 
Augen find fchwarz. Der Kopf ift ziemlich viereckig, 
mit langen vorragenden Taftern, nnd untergefchla- 
genen Fühlern, die jedoch eiwas kürzer find, und 
xufartimengedrängtere Glieder haben , als bcy dem 
vollkommnen Infekte. Das Halsfchild ift ziemlich 
viereckig, an den Seiten nach vorn gerundet, der 
Kopf liegt unter ihm eingeCchlagen. Der Leib ift 
mehr als noch einmal fo lang, wie das Halsfchild mit 
dem untergefchlagenen Kopfe, und befteht aus eilf 
deutlichen Abfchnlrten,die nach hinten fich verengen, 
bis endlich der letzte dreieckig ausfällt und den After 
bildet, obfchon nie Hinge unter fich betrachtet, ziem- 
lich einerlei Länge haben Der Rücken ift ziemlich 
platt, jeder einzelne Pving zeigt mehrere'Queerrun- 
zeln , und in der Mitte eine nach hinten abgekürzte 
durchfichtige Längslinie. Auf der Unterfeite bemerkt 
man die von oben herabgefchlagenen, kurzen, gerief- 
ten, durchfichtigen Deckfchüde, unter denen die mit- 
leren und hinterften Beine eingefchlagen liegen. Dio 
Beine, wovon zvvey am Halsfchilde, und die übrigen 
unter den Deckfchüden liegen , find bereits ziemlich 
vollkommen ausgebildet, die Vorderfchienen zeigen 
bereits eine ftumpfo dornartige Erhöhung. Die ganze 
Puppe ift äufiferft weich und empfindlich, fie wird bey 
der geringften uuv erficht igen ßerühruDg verletzt und 
getödtet» 



Der 



des Carabus gibbu$. 7 

Der PupppDzufland dauert mur drey bis vier Wo- 
chen. Im Anfang Juni hatten die Larven fich ver- 
puppt, Ende Juni und Anfang Juli begannen die Käfer 
zu erfcheinen, wobei ich eine nicht unintereffante 
Beobachtung machte. Diejenigen Käfer nemlich, die 
unmittelbar nach dem Auskriechen an die frifche Luft 
kamen, oder fich gleich darinn entwickelten, blieben 
weifs und wurden nicht fchwarz: diejenigen aber, die 
noch einige Stunden in ihrer HOhle blieben, wurden 
fchwarz. Es ergiebt fich daraus, dafs entweder der 
Kohlen - oder der Waflerftoff bey Färbung diefer Thie- 
re, und vielleicht mehrerer Infekten, eine wichtige 
Rolle fpielt. 

Das vollkommne Infekt war nun: 
Carabus gibbus^ Fabr. Syft. El. I. i89. 105, Ent» 

fyft IV. App. 442. 97. 
Cava! 4t s tembrioides^ Rofli Fn. Etr.Mant, 1. 82. ig 8* 
Panz Fn. Germ. 73. tb. 8. 
und wahrfcheinlich daffelbe Thier, das 1776 in Ober- 
Italien grofse Verwüftungen anrichtete. *) 

Der Schaden, der bei uns durch die Larve diefeft 
Thieres angerichtet wurde , war fehr bedeutend, bis 
zum Zuftand der Verwandlung waren zwölf Hufen 
Landes im Canton Seeburg zerftört , aber damit war 
feine Laufbahn noch nichl vollendet, fezt erfchien das 
vollendete Infekt im Juli in ungeheuren Heerfchaaren, 
verkroch fich des Tages unter die Schollen und Steine, 

kam 



*) Hierüber ift eine eigne Schrift von Qooti erfchtenen; dit 
uns aber nicht weiter bekannt ilt. 



8 J. Naturgefchichte 

kam des Nachts hervor, kletterte an den Halmen in 
die Höhe und frafs die Körner der Aehren aus, fo 
dafs felbfl: die früher verfchontenAecker und die Felder 
der nächllcn Communcn feine Beute wurden. Meh- 
rere diefer Käfer in eine Schachtel gefperrt, liefsen 
fjch eine geraume Zeit mit Aehren ernähren, und nur 
als fie nichts mehr hatten, fielen fie fich felbfl: an. 



Zu diefem fchädlichen Infekt gefeilte fich noch 
ein anderes, das - ob zwar minder häufig, doch 
auch in Menge vorhanden - unter Umftänden , die 
feine Entwickelung befördern , eben fo grofsen Scha- 
den anrichten könnte , und in der Lebensart vieles 
mit vorigem gemein hat, dies war 

Melolontha ruficornh. Fabr. Syll. El. 2. 165. 25» 
Ent. fyfi:. i^- 159. 19. 

Mehl margh2ata.Heth(\:K^f. 111. 86.38. tab. 24. f.2. 
Arch. tab. 19. f. 22, 

Die Larve, deren Frequenz fich zu der des Car. gibbus 
wie I : 4 verhielt, lebte von den Wurzeln des Getrai- 
des, wo wir mehrere fanden, die Puppen lagen in 
ähnlichen Höhlungen wie die des vorigen Thieres, 
und viele Landleute klagten über Wurzelfrafs, fio 
hatten aber die Larven diefes Thieres für junge Larven 
des vorigen gehalten» 

Es kam darauf an , einige Mittel zur Verminde- 
rung diefer Thiere vorzufchlagen und wir glaubten fol- 
gende angeben zu können: 

o 



der Carabus gibbus. 9 

i) Den Landfchullehrern VeranlalTung zu geben, 
die Schulkinder mit diefen Thieren genau be- 
kannt au machen, und fie in inüfligen Stunden 
auf den Fang zu fchicken. Befonders empfahlen 
wir dazu den bekannten Schöpfer, den wir bei 
Nacht anzuwenden riethen, auch einen dort lief- 
fen, und fie mit derArt ihn anzuwenden bekannt 
machten. Am Tage können fie unter Schollen 
und Steinen fuchen. 

2) Im Spätherbft , wenn die erften gelinden Fiöfle 
eintreten , diejenigen Felder, auf welchen Wal- 
zen, Gerfte und Korn gellanden haben, möglichfl: 
tief umziijilügen. Viele Larven, die nun be- 
reits die Winterquartiere bezogen haben , wer- 
den herausgeworfen, fie find erftarrt, und wer- 
den entweder durch den nädiften Frort; getödtet, 
oder von den herumziehenden Krähen und Fut- 
ter fuchenden Vögeln gefreßen. Diefes Umpflü- 
gen müfste jedoch mehrere Jahre, und von allen 
Landleutcn diefer Gegend gefchehen. 

3) Diejenigen Felder, die im Herbfte beftellt find, 
im Frühjahr mit der Afi:he der in hiefigen Ge- 
genden häufigen erdigen Braunkohle (insgemein 
Torfafche genannt,) dick zu beftreuen, die zu- 
kommende Näfle entbindet fchweflige Säure, wel- 
che die Larven tödtet. In kalkigem und fandi- 
gem Boden wird ohnehin diefe Afi:he als Düng- 
mittel gebraucht , doch (oll fie hier in diefec 
Hinficht weder Vortheil noch Nachtheil bringen. 

4) 



lo I. Naturgefchichte des Carabus gibbus. 

4) Die überaus nützlichen Krähen mehr zu- fcho- 
jien, und das logenannte KrähcnfchielTei^ , zu 
dem im Jn]. Alt und Jung auszieht, und mehrere 
Hundert oft in einem Tage vernichtet, zu ver- 
bieten. 



Eiklürung der illumin. Kupfertaf'el 

Fig. 1. Eine Erdfeholle mit den durchgehenden Rohren a. a, 
b. b. und einer Puppen • Höhlung c. 

Fig. 2. Eine halbausgewachfene Larve. 

Fig. 3. Eine in ihrer HöhUing liegende Puppe. 

Fig. 4. Eine ganx ausgtwachlene Larve. 

Fig. 5. Das volikommne Infekt. 



IJ. 



: u pri(f. I - tr>. 




AJircn.r dfJ - 



^UeJlJ 



II. 

Infeften in Bernftein eingefchloflen, 

befchrieben 

aus dem academifchen Mineralien • Cabinet 

zu Halle. 

Vom Herausgeber, 

^chon GraveJikorß Aüi^ert den Wünkh *) daf« 
die in Bernftein eingefchlolTenen Infekten, einer ge- 
nauem Beobachtung und Belchreibung werth gehalten 
werden möchten, und überzeugt von der Nützlichkeit 
diefes Unternehmens, laflen wir hier die Belchreibung 
einiger Infekten folgen, die in dem Bernftein des hie» 
figen acad. Mineral. Kabinets fich vorfinden. Wie 
kennen zwar Sendeis **) grofses Werck über diefen 
Gegenftand , aber fo viel VVerth es auch zu feiner Zeit 
haben mochte, fo unwichtig ift es uns jezt, da fich der 
V^erfaÜer begnijgt, nach einzelnen Aehnlichkeiten , die 
leine beobachteten Infekten mit Frißh's Abbildungen 
hatten, diefelben zu beftimmen, ihm genügte meid 

^_____ ^^'^^ 

*) Monogi. Col. Micr. 239» 

**) Nath. SencUi ^ Hift. Succinorutn corpora sliena involv. 
ex reg. Augg. cimeliis DvesdjE condiiis. Lipl. 1742. fol. 
cum labb. 13. sn. 



12 II. Infekten 

eine allgemeine Gattungsbeftitnmung, und genaue Be- 
fchreibungen liefert er nirgends. Auch ift die Unter* 
fuchung- dieferThiere mit ganz eigenthümlichen Schwie- 
rigkeiten verbunden, die Dicke des Bernfteins, wel- 
che oft die Anwendung fcharfer Linfen verbietet, trü- 
be Stellen , Queerfprünge , ja felbft die Form der Bern- 
fteinfKicke , die verdeckte feinere Sculptur derThiere, 
die widernatürh'che Lage einzelner Gh'eder und noch 
eine Menge andrer Zufdlligkeiten , erfchweeren die Be- 
obachtung ungemeiu und ein einziges Infekt erfordert 
oft mehrere Stunden Beobachtung. Den Bernftein 
aufzulöfen, um die Infekten heraus zunehmen, ift 
unthunhch, da uns zcrbrocbne Stücke überzeugten, 
dafs die ganze Mafle des Infektes innig mit Bernftein 
durchdrungen, ja gewiffermafsen in ihn felbft ver- 
wandelt fey. 

Sollte diefer gegenwärtige Verfuch Beifall fin- 
den, fo verfprechen wir unfern Lefern die Fortfet- 
zung. Die daraus hervorgehenden Refultate für die 
Natur und Entftehung des Bernfteins übergehen wir 
jedoch bis dahin, wo eine gröITere Anzahl unterfuch- 
ter Infekten eine freiere Umficht geftattet. 

Dafs wir die Gattungsnamen durch Anhängung 
der Endigung ina^ites oder /i/to abänderten , bedarf 
hoffentlich keiner Rechtfertigung, die Gründe dafür 
auseinander zu fetzen, wäre hier lu weitläuftig. 



in Beruftem eingefchloiTtn. 13 

Lebina resinata nob. 2 Par, Lin lang. 
Eine Lebia , der Lebia quadrimaculata ungemein ähn- 
lich, aber doch verfchieden. 

Der Kopf glatt und glänzend, die Fühler faden- 
förmig, fall von halber Körperlänge. Das Halsfchild 
an den Seiten fchvvach gerundet, doch treten die Hin- 
terwinkel wieder etwas hervor. Der Scitenrand ill 
deutlich abgefezt, bef nders nach hinten zu, wo die 
Falte dann dicht an dem Hinterrande hinläuft und 
diefen etwas hervorhebt. Eine feichte Längsrinne ift 
deutlich zu bemerken. Die Deckfchilde lind noch ein- 
mal fo breit als das Halsfchild , hinten ftarck und ge- 
rade abgeftuzt, an der Stelle des Schildchens findet 
fich ein tiefer, breit-er, dreieckiger Eindruck, wodurch 
die Schulterbeulen ftark herausgehoben werden. Die 
Oberfläche ill tief und deutlich geftreift, es läfst fich 
aber nicht mehr entfcheiden, ob die Streifen glatt 
oder fein gekerbt waren. Die Beine find lang und 
dünn, die Schenkel fchwach verdickt, und verdünnen 
fich gegen die Wurzel zu. 

Von der Farbe läfst fich angeben, dafs Halsfchild 
und Beine roth waren , die Deckfchilde fcheinen eben- 
falls roth gewefen zu feyn , mit einem fchwarzen Ge- 
meinfleck in der Mitte. 

Von der Lebia quadrimaculata unterfcheiden diefo 
Lebina refinata die ftärcker vortretenden Hinterwin- 
kel des Halsfchilde^ , die tiefern Streifen der Deck, 
fchilde und der Eindruck am Schildchen, 

Crio- 



14 H« Infekten 

Criocerina pristi'nAj nob. i| Lirt. lang. 
Der Kopf niedergebogen, fchwrarz. Die Fohlet 
von efwas mehr als halber Körperlange, roth, an der 
Spitze dunkler, das effte Glied kurz und dick, vor 
den Augen auf der Stirn eingefett, das folgende Glied 
klein, kugelförmig, die nun folgenden fechs Glieder 
fehr klein und dicht rufammengedrängt, dafs fie als 
blofse Ringe erfcheinen, die drey lezten Glieder lang 
und dicker, faft wie bey ylnobium gebaut, fie ma- 
chen zufammcn iwti Qrittheil der ganzen^Fühlcrlänga 
aus. Das Halsfchild ift: kurz und breit, der Seiten- 
rand, befonders nach vorn, tief niedergebogen, die 
Hinterw^inkel abgerundet, die Oberfläche dicht und 
ziemlich fein piinktirt, von Farbe blafsgelb. Das 
Schildchen klein, an der Spitze abgerundet. Di© 
Deckfchilde gewölbt, gerandet, an der Spitze flarck 
niedergebogen und gerundet, unter der Schulter am 
Seitenrande ein tiefer Einbug, die Oberfläche dicht 
und ziemlich fein punktirt, die Farbe gelb. Die Un- 
terfeite fcheint mit feinen Härchen dicht bedeckt ge- 
wefen zu Icyn. Die Beine find dünn, rothbraun, die 
Schenkel dunkler. 

Ich kenne keine ähnliche, im Bau kommt fie, die 
fechsfach mindere Gröfse abgerechnet, noch derGrio- 
ceris teilacea Fabr. am nächilen. 



MoRDELLtNA mCLUSA. ßob. 1 1 Lin. lang* 
Die Farbe läfst fich nicht mehr genau beurthei- 
lenj fie fcheiut fchwarz gewefen zu feyn. üeberhaupt 

koram^^ 



in Bernft^in eingefcbloffin. 15 

kommt dies Thier der Mordella aculeata Fabr. aiifler- 
ordentlich nahe, dieftlbe Gröfse. diefelbe Form, die- 
felbe pLinkiirnng, Doch in den Fühlern liegt ein Un- 
terfchied, das erfte Glied ill kurz, dünn, das zweyte 
etwas dicker» die nun folgenden lechs Glieder fchlief- 
fen fehr dicht zufammen, und bilden eine nach aiiffen 
allmählich verdickte Keule, auf welcher die drei lei- 
ten , becherförmigen, deutlich voneinander getrenn- 
ten Glieder aufgefezt find. Es find zwei Exemplare 
vorhanden. 



Hylesinites flectrinvs, nob, i| Lin. lang. 
In der Gegend des Kopfes ifl der ßernftein trübe, 
Fühler, Rüffel und feinere Sculptur find daher der Be- 
trachtung entzogen. DesHalsfchild ift: halb fo lang, 
als die Deckfchilde, nach vorn nur wenig verfchmä- 
lert, am Seitenrande liegt nach vorn eine ziemlich tief 
eingedrückte Queerfurche, hinter welcher dann die 
Seiten fchwach gerundet erfcheinen. Die ganze Ober- 
fläche ift dicht und deutlich punktirt, durch ilarkeVer- 
grüderung bejnerkt man eine feine Haarbedeckong. 
Das Schildchen ift klein, dreieckig. Die Deckfchilde 
find etwas gewölbt, gekörnt , und geftreift punk?irt. 
Von den Beinen find blos die hinterften bemerkbar, 
deren Schienen gefranzt , gegen das Ende erweitert 
und fchwach gezähnelt find. 

Die Farbe fcheint pechfchwarz gewefyn zu feyn, 
die Beine reinfchwarz 

Am nächften fteht er nach dem Hykfinus ligni" 
ptvda^ ift aber körier und in der Sculptur der Deck- 
fchilde vcrfchieden. 

Blat- 



i6 II. Infekten 

Blattina succinea, nob. 5 Lin. lang. 
Ich habe nur ein verftümmeltes Exemplar vor mir, an 
dem Kopf - und Halsfchild nicht mehr beobachtet 
werden können. Die Deckfchilde find fo lang als der 
Hinterleib, flark gerippt, braun, gegen und hinter der 
Mitte am breiteilen , an der Schulter niedergebogen, 
an der Spitze abgerundet. Das Schildchen ifl: lang, 
dreieckig. Der Unterleib iflweifs, oder blafsgelb; 
an den Seitenrändern bemerkt man mehrere fchwie- 
lige Erhabenheiten und einzelne aber ilarke Dornen. 
Die Spitze des Hinterleibes läuft in zwei cylindrifche 
Anhängfei aus, die an ihrem Ende einen ftarkenDorn 
führen. Die Beine find weifs oder blafsgelb, die 
Schenkel auf der Unterleite gezähnt , die Schienen 
ftark gedornt. 

Die mehrefte Aehnlichkeit hat fie noch mit Blattet 
fjiveay ift aber hinreichend verichieden. 



Hemerobites ANTiQuus,nob. Flügellänge, 4 Lin, 
Körperlänge 2|; Lin. 
QSend. hifl. fucc. 20. §. 9. tab. i. fig. 5- ) 
Der Kopf niedergebogen, ncbft: den Augen 
fchwärzlichbraun, der "Mund roth oder gelb, die Füh- 
ler roth oder gelb, dicht vor den Augen eingefezt, 
fie beliehen auS' vielen fall kugelrunden Gliedern, 
die perlfchnurförmig, jedoch nicht lehr dicht aneinan- 
der gereiht find. Sie fcheinen halb fo lang als der 
Körper gewefen zu fcyn , doch kann man ihr Ende 
nicht ganz verfolgen. Vom Halsfchilden lälfst fich we- 
gen 



in Bernftein eingeulilulTen. 17 

vorliegender Trübe des Bernftcins nichts be/b'mniteres 
fagtn» als dafs es gelb gewefen zu feyn fcheint. Der 
Hinterleib ift etwas platt gedrückt und beliebt aus 
fieben breiten, braunen, auf der Ober und Unterfeite 
fchiual gelb gerandeten Abfchniiten, von vi'elchen 
der lezte, kleine, abgerundete, auf dem man auf 
der Unterfeite zwey kleine hervorragende Stacheln be- 
merkt, den After bildet. Die Beine lind dünn und 
gelb, an den hinterllen bemerkt mau vier Fufsglie- 
der, die drey erden klein und zufammengedrängt j 
das Klauenglied lang und fchwachnach aiilTen verdickt. 
Die Vorder- und Hinterflügel haben gleiche Länge, 
fie ragen vreit über den Hinterleib hinaus, find durchs 
fichtig, ungefleckt und von den kleinen vi^ellenförmig 
gebogenen Flügeladern überall durchkreuzt. 

Diefe Art nähert fich durch ihre Fühlerform ei- 
nigermafsen der Gattung Termes, fteht aber doch 
noch beffer unter Hemerobius. Wir kennen keinea 
ähnlichen. 



Phryganeolitha vetusta nob. Flügellänge 
i|;Lin. Körperlänge i Lin, 

Der Kopf breit, fein behaart, braun, die Au- 
gen grofs, vorftehend, die Fühler länQ;er als der Kör- 
per, zvvifchen den Augen auf der Stirn eingefezt, 
borftenförmig, fie beliehen aus vielen cyh'ndrifchen 
Gliedern, Das Halsfchild braun, der vordere Lap- 
pen fchmal, kurz, in der Mitte gefurcht, der hin- 
tere in der Mitt« mit einem rundlichen Eindruck. 
Heft, l B Der 



lg II. Infekten in Bernftein eingefcliloffen. 

Der Hinterleib kurz, an der Spitze gerundet. Die 
Beine dünn und fehr lancj, blafs mif dunkleren Schen- 
keln , die Füffe haben fünf lauge Glieder. Die Flü- 
gel find über noch einmal fo lang als der ganze Kör- 
per, durchfichtig, ungefleckt, die vordem etwas län- 
ger als die hintern, an der Spitze gefranzt. 

Sie hat einige Aehnliclikeit mit der Phryganea 
Waeneri Linn. ift aber kaum halb fo grofs , und die 
Vorderflügel haben _ die Franzen, nicht aber di» 
Hinterflügel»- 



IIL 



III. 

Beobachtungen über die Sackträgelr 

unter den Schmetterlingen, 

ihre Fortpflanzung und Entwickelung, 

von * ' 

Dr. Zinke, genannt Sommer 

in Braunfchweig. 

jyiit dem allgemeinen Namen Sackträger 
werden von den Natu rforfchern diejenigen Schmetter- 
lioge belegt, deren Raupen in beweglichen Gehäufea 
eingefchloflen leben, welche fie, wie die Schnecken 
ihre Häufer, von einem Orte zum andern mit fich her- 
umtragen. 

Die Materialien , aus welchen diefe Gehä'ufe be- 
liehen, find veifchieden, bei einigen find fie nur aus 
zwei oder wenigeu, durch einzelne Queerfäden auf 
einander befeftigten Blattftücken ziifammen gefetzt» 
wie bei Pyr. Potamogalii^ Nyviphaalis u. a. , bei 
andern aber und wohl bei den meiilen , find es hau* 
tige, aus Seide gefponnene, mehr oder weniger feile, 
pergamentartige Scheiden oder Röhren, deren Gellalt 
und Bauart eben fo verfchieden ifl, als die Arten felbll 
verfchieden find, denen fie zur Wohnung dienen. 

h 2 Der 



20 IH. Beobachtungeu 

Der Geftalt der Raupe und ihrer Lebensart nach, 
haben die Sackträger fehr viel Aehnlichkeit unterein- 
ander, fie gehören aber dennoch bei weitem nicht alle 
zu einerlei Gattung, fondern nähe-n fich in ihrem 
vollkommenen Zuftande bald diefer bald jener Ab- 
theilung der Schmetterlinge. Diejenigen tmrer ihnen, 
welche den Spinnern näher ftihen, inui welche vor- 
zucsweife Sackträ'jjt^r genannt werden, iind es bcfon- 
ders , welche den Entomologen viel zn fchaffcn ge- 
macht haben, und deren Naturgtlchichte bis jetzt 
räthfelhaft geblieben ift. 

Schon über den Platz, welchen man diefer Gat- 
tung im Syftt'me einrHumen wollte, war man uneinig. 
LtJV ce , Fabricms -, Borkhaußn und mehrere fexren 
fie unter die Spinner, - andere, als Lang^ Schiffer- 
miillev unA Denis-, Hilbmr feiten fie unter die Scha- 
ben, PoJj gcW unter die ßlattwefpen (Tenthredo), 
und Scopoli unter die Frühling- (liegen (Phryganea), 
bis Schrank j Latreilk und Ochßnheimer in feinem 
claffifcheii Werke „ die Schmetterlinge von Europa" 
fie mit entfchiedenem. Rechte unter dem Namen /^i-/;f 
als eigene Gattung trennten. 

Am aulTallendften war aber die Verfchiedenheit 
der Meinungen über ihre Fortpflanzungsweife, wor- 
unter die merkwürdigfte diele war: dals die Weiber 
diefer Gattung, ohne vorhergegangene Paarung frucht- 
bare Eyer zu legen im Stande leyn follten. 

Es würde mich zu weit führen, alles was von 
den Naturförfcheru für und wider diefe Meinung auf- 

ge- 



über die Sackträger. 21 

geftellt worden ift, und faft in allen entomologifchen 
Schriften zeritreut gefunden wird, hier zu wieder- 
holen und auseinander zu fetzen; genug, diefe Mei- 
nung erhielt fich , da die, welche fie befcritten, nur 
VernunfifchUifle, aber keine, oder zu wenig Thatfa- 
chen anzuführen hatten, wodurch fie den Irrthum in 
den Beobachtungen anderer hätten beweifen können. 
Einer der neueften Vertheidiger der erwähnten Mei- 
nung ifc Ochfenhehner^ der im dritten Bande feines 
gedachten Woikes fagt: (S. lös.Anm. ) ,,Eine der 
nierkwürdigften (Erfahrungen) ill die, (bfs die Wei- 
ber zuweilen ohne voi hergegangene Begattinig be- 
frucl.tete Hyer legen; es ifc diefos eine unleugbare, 
bis jetzt unergründljche Thatfache , weicht durch 
mehrere mit aller Vorficht angtftellte Verfuche beftä- 
tigt wird. Die vollftandigften du rüber lieferte Rojß 
in einem Briefe an den Abbee Mazzola über Pfyche 
apiformis.'-^ S. 178. l'ihct Oc/ifenheimer in der Be- 
fchreibung der Pf äpiforfllts fort : „ Die Verfuche 
welche y?o^ mit möglichfter Vorficht unter Glaskaften, 
fogar in abgefonderten Zimmern anllellte , ergaben 
die Gewifsheit, dafs die Weiber diefer Art ohne vor- 
hergegangene Begattung befruchtete Eyer legen/' 

So fehr ich auch RoJß*% Verdienft fchätze, und 
fo wenig ich geneigt bin, die hiftorifche Gewifsheit 
oder die Genauigkeit feiner Beobachtungen zu be- 
zweifeln, und fo wenig ich endlich auch Gelegenheit 
gehabt habe, mii Pf . ap'iforims felbft Unterfuchungen 
anzuftellen, da fie bis jezt in der Braunfchweiger Ge- 
gend nicht gefunden worden ift, fo glaube ich doch 

an 



a2 III. Beobachtungen 

an einigen andern Arten der Gattung Pfyche Beob- 
achtungen gemacht zu haben, welche vielleicht die 
Beobachtungen Roffi's , oder vielmehr die aus ihnen 
gezogenen Folgerungen widerlegen, und die Art und 
Weife anzeigen, wie derfelbe bei aller unbezweifel- 
ten Genauigkeit fich dennoch geirrt haben konnte. 

Ich hatte fchon mehrere Jahre in einem eine 
Stunde von Braunfchweig entlegenem Birkenwalde, 
an d'kn Stämmen einiger dafelbft Hebenden Fichten, 
(Pinus fylveftris) ohngefiihr einen Fufs hoch über der 
Erde , verfchiedene grofse Sackträger gefunden , aus 
welchen aber die Vögel fchon ausgeflogen waren. 
Die Säcke waren gröfser als die der Pf graminella, 
und auch in Hinficht der Form, der Materialien des 
Sackes und der Art der Befchuppung wefentlich da- 
von unterfchioden, es interreffiite mich daher der Be- 
fitz diefer Raupe , fowohl in Hinficht der allgemeinen 
Kenntnifs der Gefchichte der Sackträger, worauf mei- 
ne Aufmerkfamkeit fchon länger gerichtet war, als 
auch in Hinficht des Zuwachfes, welchen ich mir da- 
von für meine Sammlung verfprach, weshalb ich denn 
im folgenden Jahre früher darnach fuchte. Wirklich 
fand ich die Säcke den 2"" Jul. 1 807 an den nemli- 
chen Stellen wieder, zwar noch gefchloffen und 
fchwerer , aber fchon feft an die Rinde angefponnen, 
wie alle Sackträger folches thun , wenn fie fich ver- 
puppen wollen, fo dafs ich alle Urfache hatte, in ihnen 
verpuppte Raupen zu erwarten. Ich fammelte ig« 
Stück davon, welche in einer eigenen, dicht fchlief- 
feoden, grofsen Schachtel > deren Deckel mit dickem 

Milch- 



über die Sackträtrer. 



o 



Milchflor überzogen war, aufbewahret wurden. Nach 
Verlauf von 3 bis 4 Wochen kamen nacheinander 
f ämtliche Sackträger aus, lauter Weiber, denen der 
Pf.graminella ähnlich, nur etwas gröfler, die fich wie 
grofse Maden auf dem Boden der Schachtel umher- 
wanden. Zwei bis vier Tage nach dem Auskriechen 
der Weiber kamen zu meinem Erftaunen aus jedem 
von dem Weibe verlaffenen Sacke mehrere hundert 
kleiner Sackträger Ränpchen , die fämmtlich befchäfti- 
get waren, fich aus den Materialien ihres Mutter- 
fackes kleinere Säcke zu verfertigen. 

Ich hatte zu der Zeit zwar mehrere Sackträger, 
als Pf. graminella O., calvella O., nitidella 0.,Tin, 
pfeudobombycella H. , Tin. triquetrella mihi nov. fp. 
und mehrere wirkliche Sackträger Schaben , als Tin» 
anatipenella H., T. coracipenella H< und Tin. pallia- 
tella mihi n. fp. gezogen , allein ich hatte diefe , jede 
für fich allein , nicht nur in gut fchlieffenden , abge- 
Ibnderten Behältniflen, fondern auch in einem andern 
Zimmer gehabt, es war mir von allen auch nicht ein 
Stück entkommen, und überall keine Möglichkeic 
vorhanden, dafs während ich die Sackträger in Befitz 
hatte, bis zu der Zeit, wo die jungen Räupchen aus» 
krochen , irgend ein Mann , falls fich auch mehrere 
Arten untereinander begatten foUten , Zutritt zu den 
Weibern hätte haben können» Ich hatte dazu die 
Säcke verfchlofTen gefunden , und in ihnen verpuppte 
Raupen vermuthet, ich hatte folche drei Wochen und 
einige noch länger in genauer Verwahrung gehabt, 
und hatte endlich auch gerade _fo viel Weiber aus 

ihneo 



24 in. B.obachfungen 

ihnen erhalten , als ich Säcke gehabt hatte , fo dafs 
auch det Verdacht, dafs mir vielleicht unbemerkt ein 
Mann cntfchlüpft fey, nicht Datt fand ") 

Dicfs fclüen nun allerdings einen neuen Beweis 
für die bthauptete felbftdändigc Friichtbarkeit derW'ei- 
ber dicfer Gattung abzugeben, indeffen wagte ich es 
dennoch nicht, Folgerungen ans diefer Erfcheinung zu 
ziehen. Der fehr Z'i rechtfertigende Sclilufs vnn d-.^r 
Vernichrungsweise anderer Gattungen der Schmetter- 
linge auf diefe, ließen mich immer nocli einen unbc- 
mei kten Irrthum in meiner Beobachtung ahnen , um 
fo mehr, da ich mir den Fehler vorzuwerfen hatte, 
die Säcke bei ihrer Einfammlung nicht inwendig un- 
teifucht zu haben, und die Erfcheinuug der jungen 
Riiupchen dem Auskriechen der Weiber früher er- 
folgte, als es der gewöhnlichen Entwickelung derfel- 
ben angenielTR^n war. 

Im folgenden J>ihre fuchte ich daher diefe Sack- 
träger noch früher, und zwar fchon vor der Mitte Juni 
auf. Ich fand verfchiedne noch als Raupen mit ihren 
Säcken herumkriechen, mehrere aber fchon ange- 
fponnen. Die Säcke der letzrern wurden der Länge 
nach aufgefchnitten, und da fich in jedem eine voll- 
ftändige weibliche Fuppe fand, xufammen in dicht- 

fchlief- 



♦) V. Reaumur in feinen Mem. Tom. UI. p. ^i — 154- er- 
zählt einen ahnlichen Vorfall. Er hatte, fagt er, (eine 
Socke zu Anfon'r [ul. eingefamnitlt und geglaubt, ia 
ihnen noch Kaupen zu befitien , Ende jul. aber kro- 
chen Weibchen und mit diefen junge Räupchen daraus 
hervor. 



über die Sjcktrüger. 2j 

fchlienenden, des leichtern Beobachtens wegen mit 
durchfichtigem Flohre überzogenen Schachteln aufbe- 
wahrt und in ein eigenes verfchloflTenes Zimmer ge- 
fetzt, von welchem auch die Fender nicht (^efjffnct 
werden durften. *) Diu andern aber, welche noch 
Raupen waren, wurden jede einzeln in eine bcibii- 
dere Schachtel eingcfchloffen, und ftanden in meinem 
Wohnzimmer. Im Ende Jun. und Anfang Jul. fainmel- 
te ich darauf, wie im vorigen Jahre, noch 15 Stück 
diefer Säcke ein, und fand Tic wie damals dem An- 
fchein nach verpuppt. Bei der Eröffnung derfelben 
aber zeigte es fich , dafs in allen fchon aus der Puppe 
gekrochene Weiber waren, die den Boden der leeren 
Puppenhülfe bereits mit weifsgelben kleinen Eyern 
angefüllt hatten, und fich felbft innerhalb des Sackes 
in dem untern leereu, mit feiner weicher Wolle be- 
kleideten Theile deffelben verborgen hielten. Es 
wurden mm auch diefe zuletzt gefundenen Säcke mit 
dtT in jedem erhaltenen weiblichen Made for|2;fältig 
in einem eignen dichten Behältnifle aufbewahrt. 

Aus 



*) Die Puppeniiülfe behalt oft bei der EntwicUelun'j^ des 
Inf^k's iq lo weit ihre VolUtändigkeit, dafs nur die 
vordere Kopfbedeckung davon abgefprcngt wird. Bei 
derßerühiung des Sackes zieht fich die weibliche Made 
in diefe Puppcnhüife znrück , und füllt die Öffnung 
detfelberi gan?- mit ihrem braunen, glänzenden Kopfe 
'■US, der dann den aufgtiprengten Deckel eifetzt. Man 
fey dajier bei Ctfuung des Sackes aufmeikiam aut die- 
fenUmüand, dafs miin ein bereits entwicUcUes, viel- 
leicht fchon begnttetes Weib nicht für eine noch ge- 
tchloflene, voiUtandige t'uppe halte. 



25 III. Beobachtungen 

Aus'diefen krochen gegen Ende Juli wie im Vo- 
rigen Jahre die Weiber ans , iiud wenige Tage nach- 
her, bei einigen fogar unmittelbar darauf, folgten 
ihnen die jungen Räiipchen. 

Auch aus den erftern , früher, theils noch als 
Raupen, theils als vollftändige iinausi^ekrochne Pup- 
pen eingefammelten Sackträgtrn , erhielt ich lauter 
Weiber, die zu der nemlichen Zeit, als jene ihre Sä- 
cke verlieffen , - aber es folgten ihnen keine Rau- 
pen, und auch in keinem der Säcke und leeren Pup- 
penhülfen fand fich irgend eine Spur von abgelegten 
Raupeneiein. 

Ich habe nachher mehrere Jahre hintereinander 
diefe Verluche mit der gröfsten Vorficht wiedeiholtt 
aber immer gleiches Refultat erhalten. Allezeit leg- 
ten nur diejenigen Weiber befruchtete Eyer, die be- 
reits fchon im Freien fich zum vollkommenen Infekt 
ausgebildet hatten, nie aber folche, deren Entwicke- 
lung erfl: bei mir erfolgt, und wo mithin die Annähe- 
rung eines Mannes nicht möglich gew^efen war- 

Dafs die Weiber diefer Art nach dem Auskrie- 
chen aus der Puppenhülfe noch 4 bis 5 Wochen 
innerhalb ihrer Säcke verweilen , erhellet fchon aus 
dem Vorhergefagten, eben dies ift auch der Fall bei 
Pf- graminella. Ein merkwürdiger Umftand aber, 
den ich beobachtete, und der fehr viel zur Erklärung 
beiträgt, auf welche Art die Männer den Weibern 
beikommen, ifl: noch der, dafs die Weiber während 
diefer Zeit bald den After , bald den Kopf, wechfels- 

weife 



über die Sacktiägcr* 17 

weife aus dem Afterende des Sackes vorftrecken. 
Wie fehr diefer Umftand, wenn man fich nicht vor- 
her durch Ocffnuug des Sackes von dem Dafeyn der 
w^eiblichen Made deutlich überzeugt, oder gar die 
Gegenwart der Raupe mit vorgefafster Meinung fchon 
als ausgemacht angenommen hat, zur Selbfttäufchung 
beitragen kann, wird dadurch noch begreiflicher, dafs 
der Kopf des Weibes dem der Raupe beim erften 
Anblick fehr gleicht, und diefes bei jeder Annähe- 
rung, bei jedem feindlichen Geriiufch, und beim ge- 
ringften Athmen des Beobachters fich fchnell zurück, 
und der fernem Nachforfchung entzieht. 

So war mir denn das Räthfel vom vorigen lahre, 
wo es fehlen, als wenn ein weiblicher Schmetterling 
ohne vorhergegangene Begattung befruchtete Eyer ge- 
legt habe, gelöft. Ich hatte mich felbfl getäufcht und 
hatte geglaubt, noch unausgekommene, vbllftändige 
Puppen gefunden zu haben, hatte aber fchon ausge- 
krochene, bereits im Freien begattete Weiber gefun- 
den , die fchon befruchtete Eyer gelegt hatten , aus 
welchen fich nun nothwendig auch junge Räupchen 
entwickeln mufsten, und die Zeit, wo dies madenähn- 
liche Weib den Sack verliefs, war nicht wie es fchien, 
die Zeit feiner Entwickelung aus der Puppe, die fchon 
früher erfolgt war, als ich die Sacke eingefammelt 
hatte, fondern die Zeit des herannahenden Sterbens, 
und es war mir wenigftens fo viel erwiefen , dals die 
Weiber diefes Sackträgers keine felbllftändige Frucht- 
barkeit befitzen. *) 

*) V. Scheven erhielt von Weibern , die er als Kaupen ein» 
gefammeh hatte, zwar Eyer , aber alles unbsfruchtete, 
Noturf. X, pag, 100. 



28 in. Beobachtungen 

Ich kann über die Art, wie ' Roß feine Unter- 
lucbüngen an^ellellf hat, nicht urtheilui, da ich def- 
fen Brief an den Abbee Mazzola. auf den fich Ochfen- 
heimer beruft, nicht geUfen habe, 'ind überlaffe es 
daher den beffer Unterrichteten, meine Verfuche auf 
jene anziiwendcn, icli gelkhe aber aufrichtig, dafs ich 
niicli für berechtiget halte, das. was in einem fo wich- 
tigen Cfefchäfte des thierifchen Lebens , als das der 
Fortpflanzung ift, bei der einen Art als ausgemacht 
gilt , in der Hauptfache auch bei den übrigen Arten 
derfelboii Gattung anzunehmen, und dafs uh fehr ge- 
neigt hin , zu glauben, dafs /?o^ auf'diefelbe Art, 
wie ich felbft anfanglich, getä-ifeht wurde, und dafs 
feine Säcke von Pf apiformis fchon zu der Zeit, als 
er folclie einfammelte, ohne dafs er es wufste und 
ahnete, begattete Weiber enthielten. 

Ich theile nun hier noch einige allgemeine Be- 
merkungen, welche die Sackträger überhaupt und 
nicht blos die der Gattung Pfyche angehörigen Arten 
betrefft-n , mit, und fchmei(.hie mir mit der Nachficht 
meiner Leftr , wenn fie folche nicht alle neu finden 
foUten Nicht blos das Neue, fondern vorzüglich 
das Wahre wollte ich bekannt machen , fo weit ich 
es mit eignen Augen betrachtete. 

Alle mir bis jetzt bekannt gewordenen Sacktrnger 
der hieügen Gegend überwintern als Raupe, von Pf. 
puUa allein kann ich dies nicht beweifen, da ich 
ihre Pvaupe nicht kenne, ich vermuthe aber von ihr 
daffelbe, weil fie gleiche Fingzeit mit andern hat, die 

gewifs 



über dis Sacktrllger. 2^ 

gewifs überwintern. Die sSäcke» in denen die Rau- 
pen leben, find von Seide verfertigte, mehr oder we« 
niger Helfe, 1 äiuige Rühren. Einige dcrlelbfn fuid 
auswärts mit Grasllielen, Blattribben , BlatRüvk.n 
oder ülinlichen Materialien dachziegelförmig belegt, 
andere ohne dicü^n Beleg blofs häutig. D «s eine Ende 
des' Sackes, welches ich das Afterende nenne, ifl ent- 
weder mit einer zwei- oder dreifpaltigen, bei eini- 
gen lehr (onderbar geftüheten Klappe gefchloffen , 
oder bei andern wie eine Diite xulammen gedrehet. 
Gegen diefe Üelfnung 'ü\ die Raupe ftets mit dem Af- 
ter gekehrt, und entledigt üch durch diefelbe ihres 
Unrathes, und beim Hiiuten ihres abgeftreiften Bal- 
ges, nach deiTen Durchgange fich die OofTnung wie- 
der fchliefst. Das andere, oder das Kopfende des Sa- 
ckes iit mit einer runden, nicht gefchloffcnen Oefliiang 
verfehcn , durch welche die R.anpe , wenn fie gehen, 
oder Nahrung einnehmen will, den Kopf nebft den 
drei erften Gliedern hervorftreckt. 

Wenn fich die Rhupe verpuppen will , fo befe- 
ftigt fie das Kopfende des Sackes an irgend einem 
fchicklichen Gegenftande, indem fie die Oeffming def- 
felben durch kurze flarke Fäden mit der Flüche, an 
welcher fie fich anfpinnen will, verbindet, fie dreht 
fich darauf im Sacice felbft um, und wird dann zur 
Puppe. Ganz irrig ifl; die Meinung einiger Naturfor- 
fcher , als ob die Raupe um fich zu verpuppen , den 
Sack felbfl: umkehrte, und das Afierende deflelben an« 
fpönne. Die Pnppe beider G-^fchlechter liegt nun 
mit ihrem Kopfe^ gegen das Afterende des Sackes ge- 
kehrt, 



30 III. Beobachtungen 

kehrt, durch deffen Oeffnung der Vogel den Sack 
verläfst. Die Puppenhülfe des Mannes tritt bei dem 
Ausfchlüpfen deffelben zur Hälfte aus dem Sacke her- 
vor, die des Weibes aber bleibt in der Höhle des 
Sackes zurück. 

Die Männer der Gattung Pfyche find geflüi^It, 
und verlaflen fogleich nachdem fie aus der Poppe kom- 
men, ehe fich noch ihre Flügel entfalten, ihren Sack ; 
die Weiber hingegen lind völlig flügellos, und einige 
von ihnen ganz nackte, madenähnliche Thiere, ohne 
fichtbare Fühler und Füfse , fie verweilen nach ihrer 
Entwickelung noch längere oder kürzere Zeit in ih- 
rem Raupenüicke , und verlaffen ihn erfl: vt^enige 
Stunden vor ihrem Tode, nachdem lie fich vorher be- 
gattet und ihre Eyer innerhalb der leeren Puppenhülfe 
abgelegt haben. Dies war wenigftens bei Pf grami- 
nella und jenen grOffern an höhern Stämmen gefunde- 
nen Sackträgern der Fall. 

Die Begattung diefer beiden Arten gefchiehet 
höchft u'ahrfcheinlich auf die Weife, dafs fich die Wei- 
ber bei der Annäherung des Mannes im Sacke wen- 
den , und ihre Gefchlechtstheile aus dem Afterende 
deffelben herausflrecken. Es wird dicfe Vermuthung 
theils dnrch die fchon oben angeführte Beobachtung, 
dafs ich diefe Weiber vvechfelsw^eife den Kopf und den 
After aus dem Sacke herausflrecken fah , theils da- 
durch höchft wahrfcheinlich , dafs es denfelben wegen 
Schweere des Körpers und Mangel der Füfse unmög- 
lich werden würde, fich außerhalb des Sackes zu hal- 
ten» 



über die Sackrräger. 31 

ten, nnd dafs fie, wenn fie einmal zur Erde herabge- 
fallen wären, (was jederzeit gefchieht, wenn fie den 
Sack verlaflen,) nie wieder zu demfelbcn hinauf kom? 
men und ihre Eyer darinn ablegen könnten. 

Einige Sackträger Weiber haben fichtbare Füh- 
ler, vollkommene Füffe, eine fehr dünne haarige 
Bekleidung, und find mit einer Legeröhre verlehen. 
Diefe gehen aus dem ^acke hervor, verweilen an 
der Auflenfeite deflelben, warten da die Begattung 
ab, und legen mittelft ihrer Legeröhre, welche fie 
von auffen in die Afteröffnung des Sackes eirifchieben, 
ihre Eyer in deflen Innern ab. Hieher gehören Pf» 
nitidella O. , Tinea pfeudobombycella H. und Tin. 
triquetrella m. Diefe beiden letzgenannten Arten ge- 
hören nicht zu Pfyche, fondern machen eine eigene 
den Schaben näher flehende Gattung aus. 

In der bisher angenommenen Gattung Tinea 
giebt es mehrere Arten derer Raupen -Sack räger und 
wovon beide Gefchlecbter vollkommen geflügelt und 
farbig befchuppt find : z B Tin. anatipenella H. pal- 
liatella m. , coracipenella H und andere. Bei 
diefen ift die Begattung von der anderer Schaben nicht 
verfchieden. 

Merkwürdig ift es, dafs mehrere Sackträger 
während ihres Pvaupen. und Puppenzuflandes nur in 
getrennten Gefchlechtern vorkommen, und dafs man 
da, wo man das eine Gefchlecht findet, das andere 
vergeblich fucht. So erhielt ich aus jenen oben er- 
wähnten, dem Namen nach mir noch unbekannten, 

grofsen 



32 ni. Beobachtungen 

grofsen Sackttägem, welche ich als Raupe und Puppe 
an Wen Stämmen der Föhren fand, allzeit Weib<.>r, 
ob ich gleich eine grolse Menge davon eingelammelt 
habe. *) Dlel'elbe Bemerkung machte ich an TJn. 
triqiietreifa m., von welcher ich jahrlich mehrere hun- 
dert Säcke gehabt, aber nie einen Mann aus ihnen, 
fondern allezeit Weiber erhalten habe. Den einzigen 
Mann, welchen ich davon bcfitre, fieng ich bei Son- 
nenaufgang an einem, weiblichen Sacke in Begattung 
mit einem aus dicfem ancgekrochenen Weibe. Bei 
Pf. calvella O. ill der Fall umgekehrt, aus dicfen er- 
hielt ich unter 25 Stücken nicht ein Weib. Die Form 
0.35 Sacks, die Materialien, ans welchen derfeibe be- 
geht, die Art und Stärke ihrer Zufammenletznng, und 
felbft die Materialien der äuffern Bekleidung, und die 
Art, wie lolche aufliegen, habeich bei den verfchie- 
denen Arten die ich erzog, immer verfchieden , bei 
einer Art immer gleich gefunden, fo dafs mir der Sack 
auch immer das befte Kennzeichen der Art abgab. 

Die Säcke derer, welche zur Gattung Fi'yche ge- 
hörten , waren alle belchuppt. Aus den unbefchupp- 
ten und glatten Säcken erhielt ich entweder wirkliche 
Arten von Tinea, oder doch Schmetterlinge, die nicht 

Säcke' 



*) Ich fand verfchledentlich im Winter, da wo jene Wei- 
ber vorkamrn, mehrere vorjährige Siicke derfelben Art 
an den Spitzen der Birken. Ich kann uicht entfchei- 
(Jen , ob diele das andere Gelchlecht enthalten haben, 
da mich die B^laubun^ im Sommer verhinderte, folche 
auch irifch und gefüllt aufiufinden, es ift mir aber gar, 
nicht unwahrfcheinlich. 



über die Sackträgei*. 33 

zu Pfyche gehörten. Ich mache hieraus nicht dell 
Schhifs , dafs die ganze Gattung Pfyche befchiippte 
SiScke hätte, ich rede nur von denjenigen Arten, die 
ich bis jetzt in hiefiger Gec^end fand. Pf. phimella 
Und nudella follen nach Ochfenheimer nackte Säcke 
haben. 

Ochfenhehmr hat Im 3ten Bande feines Werkes 
über die Schmetterlinge von Europa, die Synonimie 
der Sacktiager, die zu feiner Gattung Pfyche gehören, 
mit fo viel Sächkcnutnifs und fo richtigem Blicke aus- 
einartdergefetzr* dafs ich mich fchon dadurch überho- 
ben finden würde, etwas hierüber zu fagen, wenn 
mir auch folches nicht fchon der Zweck und dieGrän* 
zen diefes Auffatzes verböten. Daher hier nur fo viel 
als nöthig ili, um die in diefem Auffatze erwähnten 
Sackträger kenntlich zu machen. 

Psyche graminella. 

Ochfenk. Eür. Schmetierl HL igl I4. 

hübner SmxwtA. rab. |. (ig. I. TiNfiA öKÄMlNfitLA 

larva lepid. Tin. I. Bombycif. A. a. (ig. 2. der Sack 

des Mannes, a) die männliche j b) die weibli* 

clie Puppe. 
Riaumur Mem. III. 148. täb. m. fig. 10. der Sack dei 

Weibes. 

Der Sack diefer Pfyche ift eilie hautige, weiche, 
mit grofsen trockenen ßlattftücken, wie ein reifef 
Tannenzapfen dachziegelformig bekleidete Pvöhre* 
Am Kopfende derfelbcu firid gewöhnlich vier oder fünf 
lange Grashalmen befefliget, und die wie eine Düte 
gefaltete Spitze des Afterendes iit weifslich und un- 

Hc/t u c b«« 



5^ III. Beobachtungen 

bekleidet. Den Sack des Weibes fand ich allezeit mit 
kürzeren, kleineren, weniger abftehenden Blattflü- 
cken belegt, fonft in nichts von dem des Mannes ver- 
fchieden. Vielleicht aber war es nur Zufall, welcher 
mir hier abgenutztere Säcke in die Hände fpielte. 

Die Raupe kommt in Buchen und Eichenwal- 
düngen vor, der Vogel fliegt im Jul. 

Von diefer Art ifl: ficher der oben erwähnte Sack- 
trh'ger verfchieden , und eben derfelbe , welcher im 
Naturforfcher Vll. tb. 3. f. i. 2. abgebildet ift, und von 
welchem v. Scheuen im Naturf. X. S. 97. fehr richtige 
Und wahre Bemerkungen mittheilt. Der Sack diel'ec 
Art hat die Gröfse und Form des Sackes der Pf. gra- 
minella, und befteht wie diefer in einer häutigen, aus 
Seide verfertigten. Röhre, diefelbe ill aber viel feiler, 
pergamentartiger, inwendig mit fehr feiner weicher 
V/olIe gefüttert, und auswendig nie mitßiattftücken, 
fondern mit der Länge nach aufliegenden Pflanzenflie- 
len dicht bekleidet. Ich fand die Raupe niemals an 
folchen Stellen, wo die Raupe von Pf. graminella vor- 
kommt, fondern immer auf mit Birken und Föhren 
bewachfenen Heideplätzen. Der Vogel fliegt im Jun. 
undJuL 

Ob diefer Schmetterling nun die Bomb, veilita, 
oder graminella Brkh., *) oder vielleicht eine von 

bei- 



♦) Der Befchreibung der Raupe nnd des Sackes nach wür- 
de Borckhaufem B veßica mit Pf. graminella O., feine B. 
graminella (veftitaEfp.) aber mit dielierAtt vereinigt 
werden können. 



über die Sackträger. 3^ 

beiden verfchiedene Art fey, kann ich bis jetzt nicht 
entlcheiden, ich werde aber, fobald ich fo glücklich 
bin, den Mann davon xii ziehen, beide Gefculechtcr 
und vielleicht mehrere mir zweifelhafte Sack räger, 
mit Raupen und Säcken dem entomol Publicum in 
Abbildung mit Angabe der Artverfchiedenheiten vor* 
legen» 

Ueberhaupt wäre es fehr zu wünfclien, dafs ia 
Sammlungen allemal der Sack neben dem Vogel auf- 
geftellt, Und auch bei Abbildungen nicht davon ge- 
trennt würde. Die Farbe der Vögel verfchiefst fo auf- 
ferordentlich leicht, dafs fich diefelben oft fchon nach 
einem Jahre nicht mehr gleich fehen, und da maa 
ohnedem nicht wifTen kann , ob die vorhandenen Ab- 
bildungen nach frifchen oder alten Exemplaren ge- 
macht find, Ib bleibt oft bei ßeftimmung der Arten 
nichts übrig , als zu rathen, und aus dem Umrifs der 
Flügel zu Ichliefien, 



PsYCäß CALVELLA» 
Ochfetih. Europ. Schmett. 5 172. 6. 
mbn. Tin Tab. I. fig ^. Tmea hit/uteila (naCH einem 
Aken Exemplar abgebildet). 

Den Sack hat Öchfenheimtr richtig befch rieben, 
wne gute kenntliche Abbildung ift mir aber bis jetzt 
nicht davon bekannt. Ich fand die Raupe in Wal- 
dungen von ßuchenftammen, und habe fie mit Bu« 
chenblätterj^ efftährc* Der Schmetterling kam mit 
Ende May u&d Anfang Juni aus» 



3$ IH. Beobachtungen 

Psyche nitidella. 

Ochfefilt. Eur. Schmett. 3 169 3. 

Hübn. Tin. ib i. f 6. Tinea tiitidaLi (der Mann). 

Naturf.Vll. tb. 3. f. 3. (der Sack). 

Frz/cÄ Inf. VI. 17. tab.7. (Raupe, Sack und Schmetter- 
ling). 

Reaum. Mem III. tb. 11. £.7.8- (der Sack) f. 9 (der Sack 
mit dem wäblichen Sehmetterling , in der Stellung, 
die er anvunehmen pflegt , um bei AbUgung der 
Eyer feine Legeröhre in des geöffnete Atterende des 
Sackes einzufchieben). 

Das Weib hat vollkommene Fühler und Füfle. 
Kopf und Rücken find horuartig , glänzend fchwarz- 
braun, der Leib aber fchwäizlich , mit weifslichen 
Ringeinfchnitteü , unterwärts grau mit kurzen Här- 
chen befetzt. Der After hat eine lange Legeröhre, 
und iü mit .weifsgrauer Wolle umgeben. 

Die Begattung gefchiehet auflerhalb des Sackes, 
und die Eyer werden mittelfl der Legeröhre in das 
Innere deffelben, auch wol, wenn das Weib die Ocff- 
nung des Sackes verfehlt, einzeln zwifchen die vorlle- 
henden Spitzen des Belags abgelegt. 



Tinea PStuDOBOMBYCELLA. 

IJübn.T'm. tb,3i. f. 212 (Die Figur ift nicht ganz ge- 
troffen, und noch einem abgebleichten Exemplare ge- 
macht.) 

Naturf. Vll. pg, 184. tb.3 f. 4. (Sack und Raupe). 

Die Oberfliigel find etw^as breiter als in der 
Hubnerfchen Figur , gelb j mit einem dichten bronze- 
farbeneu Netz überzogen, und haben einen metalli- 

fchen 



über die S^ckträger. 37 

fchen Schimmer. Die Unterflügel find grau mit gelb- 
lichen Kränzen ; die Tafter fchr kurz, fchwärzlich und 
wenig behaart, die Fühler grau, fadenförmig, von 
zweidritüieil Länge der ObeiflugeU Stirn und Na- 
cken find mit hellgelber Wolle bekleidet, der Rü- 
cken und Hinterleib dunkelgrau. Das Weib ift un- 
geflügelt, durchaus maufefarbig, hat vollkommene 
Fühler und Füfse, der Kopf ift klein und w^ie der Rü- 
cken kallanienbraun, hornartig glänzend, der Kör- 
per zeigt fich fichtbar geringelt, maufefarbig, mit 
kaum lichtbarer kurzer Wolle dünn befetzt , und am 
Ende mit hellgrauer Afterwolle und einer langen Le- 
geröhre verfehen. Die Raupe ift beinfarbig , nackt, 
mit einem kleinen kaftanienbraunen Kopfe, gleich- 
farbigen, doppelten, glänzenden Nackenfchilde und 
fchvvärzlichen BruftfüITen. Der Sack hat ohngefehr 
die Figur eines Haf<erkorns, ift lang, rund, hell erd- 
grau, von feftem pergamentartigen Gewebe, und ohne 
alle äuffere Bekleidung fremdartiger Materialien. 
Das Afterende ift mit einer dreifpaltigen Klappe ver- 
fehen, welche eine dreifeitige Zufpitzung bildet. Der 
Sack des Mannes unterfcheidet fich von dem des Wei- 
bes nicht, und wird auch mit ihm gemifcht an einer- 
lei Stellen als an Baumftämmen, alten bemoosten 
Planken , Gemäuern u. f« w. gefunden. Die Raupe 
nährt fich vvahrfcheinlich von Flechtenarten. Der 
Schmetterling fliegt im Jun, 



Tinea 



38 in. Beobachtungen 

Tinea triquetrella mihi. 
Uühn. Samml. Tin. tb ^y f. 273. maS. & fem. 
Naturf. V[I. p. ISS tb.3. f. 5. 

Sie ifl: lehr nahe mit der vorhergehenden ver- 
wand und gehört mit ihr zu einer Gattung » der 
Mann ift fehr wenig kleiner als der Vorhergehende, 
aber zarter gebaut, diinner befchuppt, ohne metal« 
lifccn Glanz, überall maufegrau, die Oberflü^el hell 
geIchL'ck^, oder wenn man lieber will, weifsgrau 
und dunkelgrau gegittert; er iileicht fehr der Tin. 
pilulella der Wiener, nur dafs er keinen metallifcben 
Glanz , keine gelbe Nackenwolle und kurze Fühler 
hat Das Weib gleiclitdem der T pftud^bombycella, 
ift aber kleiner, nackter und ohne Afterwolle- Es 
ift gleichfalls ungefiügelt ynd mit einer Legeröhre 
verfehen. 

Der Sack des Weibes ift von weniger feftem Ge- 
webe, als der der T. pseudobombycella , nur ohn- 
gefähr halb fo Inng, aber etwas dichter, dreifeitig, 
weifsgrau > aufler einzelnen kleinen Erdkörnern ohne 
alle Bekleidung und das Afterende ift ohne Klappe, 
nur durch wenige lofe Fäden gefchlofleri. Man findet 
ihn in Gehölzen und Waldungen an befchatteten Plan- 
ken, Gemäuern und ähnlichen Stellen ziemlich häufig» 
Den Sack des Mannes kenne ich nicht, es fcheint als 
wenn er nicht mit dem der Weiber an einerlei Stellen 
vorkäme. Der Schmetterling erfcheint imi May. 



Tinea 



über die Sackträger. 59 

Tinea anatipenella. 

mbn.Tm. f. i86. 

Samf. IX. p. 169- tb. I. fig. 2. 

Frißh Inl. 1. ^9. ib 12. 

Rcawft. U^m.lU. 20^. tb XVI f. i. 2. 3. 

heidc Gefchlechter find geflügelt und ähnlich gel 
tdrbt. Die Raupe lebt auf Erlen, Schlehen, Kirfchen, 
Efpeii, Birken und nnehreren anderen Bäumen, fie 
frifst die Blätter. Der Sank ift fehr feft, pergament- 
artig, fchwarz und etwas glänzend, am Afterende 
platt züfanimengedrückt und mit einer breiten, fchne- 
ckenförmig gebogenen, zweitheiligen Klappe verfehen. 
Der Schmetterling fliegt im Inli. 



Tinea coracipenei la. 

Huhn Tin fig 20':;. 'i 
Fnfck Uli. l. 37. tb. 2. ? 

Ich bin nicht ganz gewifs ob meine Tinea die 
Hübnerfche fey. Hübner giebt die Seinige als rabea« 
fchwarz an , die Meinige ift braunfchwarz. Eben fo 
kann ichFrifch nur mit einem ? anführen, da zwar die 
Raupe und der Sack, nicht aber die Befclireibung des 
Schmetterlings zutrifft. 

Beide Gefchlechter find vollkommen geflügelt, 
der Sack ift eine kleine, gelbbraune, glatte, gerade, 
fefte, pergamentartige, ein wenig plattgedrückte Schei- 
de , deren eine Seite eine Naht oder ftumpfgezahnte 
Rippe bildet. Das Afterende ift wie an dem Sacke 
der Tin. pseudobombycella mit einer dreilappigen 

Klap- 



40 in. Beobachtungen 

Klappe, aber unter einem ftumpfern Winkel gefchlof- 
fen. Man findet diele Pvaupe im May und Juni er- 
wachfen auf den Blattern mehrerer Bäume, bcfonders 
der Erlen. Der Schmetferling erfcheint im Jul, 



Tinea falliatella tnihi. 

Eeaim. Mem.ill. p2g.205 — 215 tb. XVI. (ig 6—1 . 
(Sack und Raupe). 

Der Schmetterling unterfcheidet ficb von Tin» 
anatipenella nur dadurch: dafs die Ichwarzbrauncn 
Atomen, womit die äuffere Hälfte der übrigens weif- 
fen Oberflügel beftäubt ill, bei diefer einige gegen die 
Flügelfpitze ftrahlenförmig zufammenlaufende braune 
Längslinien bilden, bei T. anatipenella hingegen dio 
Flügelfpitze einfarbig, graubraun beftäubt erfcheint. 
Alle übrigen Theile des Infekts bieten felbft durch die 
Lupe beteachtet, nicht den geringften Unterfc'ied 
dar. Die Raupe lebt auf Eichen , der Sack derfelben 
gleicht ebenfalls dem der Tin. anatipenella, unter- 
fcheidet fich aber wefentlich durch einen ihn umge- 
benden weiten, aus kleinen, häutigen, fchwärzlichen 
Schuppen beftehenden Mantel, 



Nach- 



über die S^.rktj'Ager. 41 

Nachfdirift des Herausgebers. 



V orllebenden Auffatz , das Refultat mehrjüh. 
riger genauer ßeobaclitung, tbeilen wir unfern Ls« 
fern vollftändigi mit, dafs er zu neuen Prüfungen und 
Unteifuchungen veranlafle. Schon Scheuen O niuth- 
mafste eine Bc^gattimg der Art, wie fie unfer Verfaf. 
ter höcbrt wahrfcheinlich , ja fafl gewifs macht, aber 
nach den Angaben von Roffi 2), Schiffermülkr 3), 
Pallas 4), Reaimmr 5) , Kühn 6; nnd Schrank i) fehlen 
CS keinem Zweifel mehr unterworfen äu feyn, und 
man nahm es als ausgemacht an , dafs die Weibchen 
det Gattung Pfyche ohne vorherige Begattung be- 
fruchtete Eyer legen körinten. Jetzt tritt unfer Ver- 
fafler auf, legt feine Erfahrungen dar, und zeigt die 
Möglichkeit des Irrthums beim Beobachten, und wir 
würden, da uns eigne hinreichende Erfahrungen über 
diefen Gegenftand fehlen, ihm völlig beiftimmen, wenn 
nicht Schranks Angaben fo genau wären, dafs fich ein 
Irrthum der Art , wie ihn der Verfaffer wahrfcheinlich 

macht> 

1) Naturf. X. pag. 107. 

2) Ochfenh. Eur. Schm 3. f. c. 
5) Wien, Verz. 28?. 

4) Paliaf nov. aft. nat. cur. HI. 434, 

5) Reautn. Inl. 3. i. 

6) Kükn Naturf. 7. 171. 

7) Schrank Fn. boica II. 2- p. 94. 



42 III Beobachtungen 

iwacht, nicht gut denken läfst. Schrank kannte die' 
Zweifel, die Scheven und auch Borkhaufen geäuffert 
hatten, und führt in feiner trefflichen Fauna Boica 8) 
die leider nicht fo, wie fie es feyn foltle, in den Hän- 
den ji^des Naturforfcher?, befonders des Entomologen 
ilt, folgendes gegen Scheven und Borckhaufen an : 

,>Die Raupe meiner Hagebuchen Federmotte, 
die lieh an dem papiernen Deckel meines Zucker- 
glafes befeiligte , war denn doch gewifs Raupe : 
denn weder Puppe noch weiblicher Schmetter- 
ling dicfer Art vermögen an einem Giafe aufzu- 
kriechen, vielweniger an dem Papiere, das man 
darüber gebunden hat, fich anzufpinnen» Un- 
ter den 1 3 Stücken, die ich allein im Glafe hat- 
te, war kein einziges Männchen; gleichwol er- 
hielt ich von diefem und noch einem andern 
Weibchen aus feiner Gefellfchaft muntere Räup- 
chen. Nun gilt aber ein einziger pofitiver wohl- 
beAätigter Beweis mehr, als taufend negative." 

Wir wollen damit die Ivlöglichkeit eines Verfehens 
bei Schrank noch nicht ausfchlieffen, er hatte feine 
Raupen Ende Juni eingetragen, und bereits am ach- 
ten Julius krochen die Weibchen aus, diefe Zeit dünkt 
uns für die Puppen Ruhe, und für die Zeit der Aus- 
bildung des Weibchens, nach unfers Verfaffers Beob- 
achtungen zu kurz, und deutet auf ein Verfehen hin; 
aber auf der andern Seite ift Schrank ein fehr genauer 
Beobachter, und darum, dafs das Weibchen in der Re- 
gel 



% B.M. Abth.2. vag- 97. 



über die Sacktr^ger. 43 

gel fich begatte, ift die Mögltchkelt einer Befruchtung 
oi»ne Be.attunii; noch nicht ausgefchloffen, da letzter» 
felbffc nach Schrank, nur feiten ftatt findet. Wir glau- 
ben daher im vorliegendem Falle jiichts thun , al» 
dielen Gegenftand zu neuen Unterfuchnngen empfeh- 
len und auf Dr. Soffwiers wichtige Zweifel aufmerk- 
fam machen zu müflen. 

Wir verdanken der Güte des Herrn Dr. JZinki 
genannt Sommer mehrere Exemplare verfchicdener 
Arten der Gattung. Pfyche, um die Rechtmäffigkeit 
diefer Gattung auch durch Angabe des Eigenthümli- 
chen in der Bildung der Kopf- und Mundtheile zu 
xeigen , und wir theilen die Refultate unferer Unter« 
fuchungen mit. 

Psyche 
Antenne maris fubfetaceai, peöinat«, feminae bre- 

viflimB, fubulatae, fupra oculos infertaj. 
Oculi globoft, prominentes, laterales» 
X7;;g»« mcmbranacea, niida, breviffima» 
Palpi nuUi. 
From pilis ereftis longioribus hirta , fccmio« nudiuf- 

cula. 



Die Fühler über den Augen eingefetzt, beim Mami 

borftenförmig, gekämmt, beim Weibe fehr kurz» 

pfriemenförmig. 

Die Augen kugUch, an den Seiten vorftehend» 

Der S'ÄW^er pergamentartig, nackt, fehr kurz. 

Die Taßer fehlen. 

Dia 



44 in. Beobachtungen 

Die 5'//»'« beim Mann mit vorftehendrn Haaren be- 
fctzt, beim Weib melir oder weniger kahl. 

Psyche pulla nnas. 
Die Fühler fafl fadenförmig, halb fo lang als der Kör- 
per, Zweireihig gekämmt, die Kanimborften be- 
ginnen mit dem dritten Gliede, fie find in der 
Mitte des Fühlers am längften, nehmen nach der 
Spitze allmählig an Länge ab, und verfchwinden 
am lezten Gliede, hach der Wurzel zu verlieren 
fie nur wenig an Länge. Durch ftarke Vergröf- 
ferung erfcheinen die Kammborflen einzeln und 
fein, aber lang behaart, man zählt auf jeder Rei- 
he fünfzehn. Der Schaft ifl: ziemlich dicht und 
fein behaart, die Haare feil anlitgend , er hat 
Zwei Wurzelglieder ohne Kammborften, das erfte 
ifl dick, walzenförmig, es ftebt über den Au- 
gen und wird durch die Kopfhaare umhüllt, das 
zweite ifl: klein, kugelförmig 

T)\e Augen ^md grofs, kuglich und ftehen an den Sei- 
ten des Kopfes. 

Der Kopf ift über und über mit langen , feinen, vor- 
geiheckten Haaren dicht befezt. Auf der Stirn 
fteht ein etwas abgefonderter Büfchel Haare. 

Dqv Sauger \^ fehr klein, pergamentartig, nackt, 
erbeftehtaus zwei kurzen, nach oben gekiümna- 
ten, ziemlich weit von einander getrennten Spit- 
zen , die nach hinten in einer pergamentartigen 
Haut fich vereinigen, (^'und vielleicht bei dem 
lebenden Thiere gapi zufaramenfchliefsen ) auf 

der 



über die Sackträger. 45 

der ein Haarbüfchel fteht (der Stirnbüfchel ), 
Man entdeckt den Sanger nur durch Abnehmen 
des Kopfes. 
Die Tiiftsr fcheinen ganj? zu fehlen ) vielleicht dafs 
die langen fteifen Haare ihre Stelle vertreten, 
denn bei 5 unterfuchten Exemplaren finde ich 
keine Spur. 

Psyche graminella mas. 
Die Fühler borfhenförmig, fall halb fo lang als der 
Körper, zweireihig gekämmt, mit 19-22 Kamm- 
borften, ganz wie vorige Art behaart und auf- 
gefeit. 
Das Uebrige genau wie bei voriger Art. 

Psyche muscella mas. 

Die Fühler borftenförmig, xweireihig gekämmt, et- 
was mehr als halb fo lang wie der Körper, fonft 
wie bei voriger Art. 

Die Stirn mit einem fehr langen Haarbüfchel, der 
weit über den Kopf vorragt, befezt. 

Das Uebrige wie bei Pf. pulla. 

Psyche vestita fem. 
Die Fühler fehr kurz, pfriemenförmig, über den Au- 
gen eingefezt» 
Die Stirn kahl. 
Der Sauger fehr kurz, pergamentartig. - - - 

Atim. das einzige getrocknere Exemplar, das uns zu Ge- 
bote fland, lies, ob wir es fchon aufweichten, keine 
weitere Unterfuchung zu. 

Wie 



46 ni- Beobachtungen über die Sackträger. 

Wir unterfuchten noch drei männliche Exem- 
plare <^er Pi- Calvella^ und fanden eine fo aufifwilen« 
de Verfchiedenheit in den Mundtheilen , dafs wir fie 
ohne Bedenken als Stamm einer eignen Gattung auf- 
liehmen würden, wären nicht die Exemplare fo be- 
fchädigt gewefen , dafs wir eine Täufchung lür mög- 
lich breiten. Vielleicht dafs das Weib, das bis jezt 
unbekannt ift, eben fo wie das von Ps nitidella, über 
die wir noch keine genauen Unterfuchurgen anftellen 
konnten , vollkommen ausgebildete Beine hat und viel- 
leicht dafs alle Arten, deren Weiber fchon auf diefer 
bedeutend hühern Stufe organifcher Bildung ftehen, eire 
ausgezeichnete eigne Gattung bilden. Darüber in der 
Folge das Nähere. 

Die Unterfchiede der Gattung Psyche von den m 
der Lebensart verwanden Gattungen Penthophera nob. , 
Liparis Och§. , Notolophus nob. , von Tinea pseudo- 
bombycella u. a. liegt vorzüglich in dem Mangel der 
Tafter» Die Charaktere der erflern Gattungen enthält 
unler Syft. glofT prodr, Sect. U. 



IV. 



IV. 

Litteratur. 



Der Gefellfchafq na turforfch ender Freunde 
in Berlin Magazin fül: die neueften Ent- 
deckungen in der gefammten Naturkunde. 
Fünfter Jahrgang. Berlin 1812. 4t. 

JL/as erfte Quartal beginnt mit einer Auseinan- 
derfetzung der unächten (adfciti) Ichneumon ■ Arten, 
vom Herrn Doktor Nees von Efinbeck zu Sickers- 
baufen bef Kirzingen in Franken, unter dem Titel: 
Ichmtitnonldes adfciti in genera et familias diviß. 
Wir erhalten hier die Gattungen Stephanus und Bracoft, 
und begnügen uns , aus diefer fchätzenswerthen Ab- 
handlung einen Auszug zu geben, und die neuen Ar«» 
ten zu bezeiclinen. Stephanus lur. i. St. parvuluSy 
ater nitidus, albido pubefcens, abdominis fegmento 
fecundo apice, tertio, quarto, quinto, pedibusque 
rufo piceis. long. lin. 3. - Prodiit menfe lu. e pupa 
oblonga, folliculata, Candida, contextu denfo fericeo 
formata , qua; larva; cuidam emortuae adglutinata 
erat. - Conf. lehn, circulator Gravenh, Vgl. Üebers» 
nro. 3747- 2., St.niger ater nitidus, fubpubefcens, 
pvdibus anticis rufis. long. lin. Q» Pedes «ntici coxis 

tro- 



48 IV. Litteratur. 

trochanteribusque mox nigris, mox rufis} tibiae po» 
fteriores böfi piceo rufefcentes , tarfi mox nigri , mox 
piceo riifi. Alae fubobicurc hyalinae, nervis et ftig« 
mare fofcis. 3- 5"/. W//««/«/ ater fubpubefcens, ab- 
riömine oblongd» alis hyalinis, pedibüs piceis. Long, 
lin. I. fem. Captus menfe Septembri. 

Bracon Familia I, Abdomine serilli, segmentis 
quinque anterioribns niajoiibns. A. Genuini ec. ab» 
domiiie ovato aut oblorgo. i ) ßr. caflyator Spi- 
nola, Fabr. ( Br. cunicuJator Roffi). 2)Br. nomina- 
tor Fabr. Sp. Pzr. ?) Br, imtiator Fabr. 4) Br. uru 
mtor. Fabr. 5) ^f, demgrator Fabr. Spin. 6) Br. 
flavator Fabr. Sp. 7) Br. (klufor Sp. Terebra corpo- 
ris longitiidine nicht terebra abbreviata wie Spinola 
nach einem nicht ganz vollftündigcn Exemplare urtheil- 
te. 8) Br.minntatorVdht. g) Br. variator niger^ ab- 
domine ovato , feffili , rufo nigrove variabili , terebra 
plerumque longitudine abdominis, pedibiis colore va* 
riabili, alis oblcuris fafcia obfoleta hyah'na. Fem* Dei^ 
Verf. bemerkt, wie uns diinkt mit Recht, dafs diefe 
2u allgemeine Diagnofe vielleicht mehrere Arten ver- 
einige, die er einftweilen als Unterarten - fiibfpe- 
cies - ( was foll das eigentlich feyn ? ) betrachte* 
Er zählt 1 1 dergleichen Unterarten auf, worunter Br. 
minutator Sp. und Br. guttator Pzr. mas. 10) Br. oh* 
fcurator niger, pubefcens, tibiis pcllicis bafi rufis; te- 
rebra abdominis longitudine. Fem. lectain qucrcu. Mas 
totus niger, pubefcens, alis obfcure hyalinis: nervis 
ftigris , ftigmato fufco teftaceo. Inter frutices obvius» 

An* 



Licteratur. 49 

Antenne filiformes , corpore breviores. 1 1 ) Br, ofcu- 
laior, nJger, nitidus, pubefcens, mandibulis abdomi- 
nisque primo fegmento utroque margine fiavis, pedi- 
bus plus minus rufefcentibus , terebra longitudine di- 
midii abdominis. Fem. Eine in der mehr oder min- 
der gelben Färbung der Füfse fehr abändernde Art, 
12) Bf. variegator $p. Fem. li) Bt\ d'tfpar, ater 
nitidus, capite craffo, ore, antennarum ball, pedi- 
busque totis luteis;, alis hyalinis , puncto nigro j tere- 
bra longitudine corporis. Fem, long. lin. i|. Mas 
niger nitidus, thorace antice rubro, pedibus luteis; 
aus hyalinis. long lin. 2. Prodiit cum mare ex Bo- 
leto igniario, quo nutritae erant larvae Dorcatomatis 
Drcsdenfis. 14) Br, paUidator^ luteo ferrugineus, 
oculis et metathorace fufcis, ftemmatibus terebraque 
longitudine dimidii abdominis nigris ; alis hyalinis. Fem» 
long. lin. i|; - 3» ahdomine lineari. 15^ Br. Imea- 
riSi luteo teftaceus, macula verticis nigra, abdomine 
lineari felTili, bafi obfcuriore > terebra corpore longi- 
ore, alis hyalinis. Fem. long. lin. 2|. Mas antennis 
nigris articulis bafeos luteis, alanim nervis nigro fufcis. 
Die Larve diefer Art fand fich in der Pvaupe der Noctna 
trapezina , und die Puppe auch in einer toden Forfi- 
cula auricularia, 1 6) Br.fdilipef, niger, pubefcens, pal- 
pis, antennarum articulo primo, coxis, trochanteribus- 
que aquofe flavis , ventre bau et pedibus luteis, tere- 
bra corpore longiore, alis hyalinis, nervis ftigmate- 
que pallide flavis, long. lin. 2. Inventa in Paftinaca 
horti. 1 7) Br. thorackus^ niger, palpis pedibusque totis 
aquofe luteis, thorace fordide rubro, dorfo obfcuriore, 
Heft U D ab. 



so 



Liaeraiur. 



j^bdominis linearis fubbamati fegmento tertio bafi ma r 
ginato, terebrn corpore longiore« Fem. long. lin. 3^. 
Captiis inter frutices. 1 8) Br, marginatoVi niger ni- 
tidus, pedibus rufis, abdoinin» lineari fubclavato, 
fegmento fecundo lateribus marginato, terebra cor- 
pore longiore; alis Iiyalinis, ftigmate fufco. Fem. 
long. lin. 2f . In Pvibe rubro. B. Specks heteroclitae 
I. Cellula radialis iina magna, elongata , in apicein 
cffufa ; ftigmate in media cofta angufto. Cellulis cu- 
bitalibus tribus; prima minore fnbquadrata, ad origi- 
nem nervum recurrentem excipiente, (rarius idem ip- 
fas primae et fecundse cellulae limites petit) tertia in- 
completa. i <)") By. pygmeatoVy mger , antenuis pedi- 
busque piceis, tibiis anticis , poflcrioribus bafi, tar- 
fisque Omnibus teftaceis, abdomine ovato. Mas. long. 
lin. f. . In Pimpinellac laxifragae fluribus. 20) Br. 
orbkulator , niger, ore, palpis et pedibus totis teftaceis, 
abdomine orbiculato - ouato, medio (faltem in mare) 
rufe, terebra lotjgitudine iiltimorum duornm Tegmento- 
rum abdominis- Fem. long. lin. \. In gramine cum 
mare in copula capta. Maris ftatura eadem , labrum 
et genae adminus in omnibus rufa, Antennae cor- 
pore longiores. Abdominis fecundum, interdum et 
primum fegmentum rufa. 21) Br, ciliatuSy niger, pu- 
befcens, antennarum bafi, ore pedibusque tutis luteis, 
abdominis oblong! fegmentis margine ciliatis, primo- 
que fegmento brevi, conico, rugofo. long. lin. if. 
22^Br.atery ater pubefcens , mandibulis pedibusque 
'rufis, abdomine ovato oblongo, nitidiflimo; terebra 
longitudine Ultimi fegmenti, hirta. FeiJ2. Ater nitidiffi- 
mus fubpubefcens, mandibulis, palpis, labro, anten- 

na- 



Lirteratur. ji 

narum articulo primo et fecundo fubtus pedibusque 
lotis rufo teftaceis, abdomine oblonge, laevi. long, 
lin- 2. In floribus. 23) Br. plagiator^ niger, abdo- 
minis oblongi , bafi attenuati dorlb medio palHdo , p6- 
dibus piceis, terebra longitudine duorüin fegmentoriim 
ultimorum. Fem. Sub foliis. Mas pedibus paullo ma- 
gis rufefcentibus. II Cellulae cubitales duae, prima 
fubquadrata , aut trapeziformi , nervum recurrentem 
ante apicem excipiente. Series prima : antennis fili- 
formibus, ratione reiiqui corporis validis, 24) Br. 
riificoniiSi niger pubefcens, abdominis ovati plaga, 
antennis et pt dibus riifis. Terebra longitudine tertiae 
partis abdominis. Fem. long. lin. i^. Sub foliis et 
mufcis. Maris antennae paullo tenuiores , apice diftin- 
ßius nigricantes. Abdomen anguftius fpathulatum. 
Variat fem. paullo minor abdomine evidentius com- 
preffo, alis ratione corporis paullo brevioribus, an- 
guftioribus, nervis validioribus. 2 y') Br» erranSy ni- 
ger, ore pedibusque anterioribus rufis, poflicis piceis, 
terebra longitudine abdominis fubcompreffi , oblongi, 
Fem. long. lin. i~. Ad parietes umbrofas. In mare 
alae dilutiores, abdomen fubfpathulatum. 26) Br». 
humiliS) niger, ore pedibusque teftaceis, terebra lon- 
gitudine dimidii abdominis lineari -^ compreffi. long, 
lin.!. In olis hortorum, locis umbrofis, fub foliis 
plantarum humilium, fub foliis in feneftris. Mas 
haud differt. 11^ Br. exiliSy niger, pedibus teftaceis, 
palpis pallidiusculis , terebra longitudine duorum ul- 
timorum fegmentorum abdominis lineari - oblongi, 
compreffi. long. f. Cum praeccdente. Mas idem. Se- 
ries fecunda: Antennis fubfetaceis, elongatis , gra- 
D » cili« 



C2 Litteratur. 

cilibiis. 28) Bf luJigtcorms, ater, mandibulis pedi- 
busqiie rufis, anteniiis corpore longioribus, alis ob- 
fcuie hyalinis, nervis ftigmateqne pallide fufcis. Mas 
long, liii- i^' Variat paullo minor, mandibulis ob- 
fcurioribus, antennis corpore vix longioribus, For- 
fan propria fpecies. 29) Br. areolaris, niger, ore 
pedibusque rufis, abdomine lineari- oblongo, feffili, 
alis hyalinis, ftigmate lineari- elongato nigro, cellula- 
que marginali maxima, nervo nigro valido circnm- 
fcripta. Mas long. lin. i. In fepibus humidiusculis. 

Familia II. Abdomine petiolato. A. Gemibii. 
30) Br gryfophthalmus Sp. 3«) Br. paUidus, lute- 
US pedibus pallidioribus; abdomine fubclavato, petio- 
Ig longitudine dimidii abdominis. Fem. long. lin. 2|- 
In dumetis, in queren. 32) Br. ruhens, rufe tefta- 
ceus, pedibus teftaceis, metathorace fufcefcente, ab- 
domine fubclavato , terebra fufca longitudine dimidii 
abdominis. Fem. long. \\ lin» An var. Br. cinctelli? 
33) Br. obfufcatus, obfcure teftaceus, pedibus conco- 
loribus, validis, metathorace nigro; abdomine oblon- 
go- ovato; alis obfcure hyalinis, fafciae linearis al- 
bae rudimento. Mas. long. lin. 2-|. Semel captus. 
34^ Br. i^ericus^ luteus , thorace nigro-vario , abdo- 
minis petiolo conico attenuato, longitudinaliter rimu- 
lofo, ball fubcarinato , terebraque longitudine abdo- 
minis nigris. Alis obfcure hyalinis, ftigmate teftaceo. 
Fem. long. lin. 2|. In fepibus humidiusculis. 35) 
Br. cMelluSy Niger, capite, (thorace lineis) abdomi- 
nisque fegmentofecundo rufis, pedibus luteis, petiolo 
a bifi ad medium lineari, laeviufculo, inde parum 

CO- 



Liueratur. 53 

conico dÜatato, rugulofo , terebra longitudine fere 
abdominib, alis hyalinis, ftigmate pallido : puncto fuf- 
co, long. lin. 2. Dem vorigen fehr ähnlich, aber 
durch dif Form des Stiels des Hinterleibes getrennt. 
Br. cinctellus Spin, citirt der Verfader als mas? Die 
Farbe ifk veränderlich, die eben erwähnte Form des 
Stiels fcheint das Hauptkennzeichen der Art zu feyn. 
36) Br abdomlnator^ niger nitidus, ore, antennarum 
dimidio anteriori, abdominis fegmento fecundo ter- 
tioque bafi, pcdibusqae piceo rnfis, gcniculis pofticis 
nigris, terebra longitudine dimidii abdominis, alis ob- 
fciiris, ftriga pallida fub ftigmato fufco. Captus femel 
in dumetis. Mas feminae fimillimns. Antennae bafm 
verfus pallidiores quidem, nee diflinctae rufae. Abdo- 
minis fegmenta polleriora omnia bafi rufa, apice nigra. 

B. Specks heteroclttae. I. Cellula fecunda cu- 
bitali nerviim recurrentem excipiente. 3?) B^' ^^' 
bidus, Spin. Ichneumon Roffi App. 38) Br. clava- 
tus^ Cryptus Pzr« Cryptus mutillarius Fabr. Ichneum» 
immaturus Gravenh. II. Cellulae cubitales duae. 
39) Br. terminatus ater9 capite, ano, pedibusque an- 
terioribus rufis, terebra longitudine dimidii abdominis 
obovato • fiibcompreffi. Fem long. lin. 2. 40) Br. 
n/Zi/«/, flavo rnfefcens, oculis, ftigmatibus , thoracis 
dorlb , petioloque abdominis nigris, terebra longitu- 
dine abdominis. Fem. long. lin. 2. 41^ Br conjun- 
genSi niger, antennatum articiilo fecundo, palpis, pe- 
dibusque rufis, abdominis petiolo brevi, lineari, fub- 
rugofo^ Mas. long. lin. i. Semel captus locis fylva- 
ticis. /^z^Br.pkipef^ ater, palpis pedibusque obfcu- 

re 



54 L'utcratur. 

re piceis , abdominis petiolo cylindrico , medio con- 
llricto. Fem. long. lin. ij. Sub foliis aridis. 4^) Br» 
infiymus, niger , pedibiis piceis, ore geniculisque 
pedum Inteis, petiolo- lineari, medio dorfo utrinqne 
impreflö. Fem. Paullo praecedcnte minor, cuius for- 
fan varietas. 44) Br conflriSfuSy mgev^ antcnnarum 
bafi, ore, pectore antico, abdominis petiolo et: apice, 
pedibusque totis lutcis , petiolo medio conflricto. Fem. 
long. lin. 1. 45) Br. n/elanocephaius, fordide rufo- 
piccus, capite cum antennis, abdomineque fpathulato 
poftice nigris, hoc petiolo lineari , riigulofo, prope 
bafm anguftiori. Mas long. lin. ^. Forfan Br. termi- 
nati mas, ilatu immaturo intercmtus. 46) Br, dfjjo- 
lutuSy niger, pedibus piceo fufcis, ore, abdomine, ti- 
biisque bafi teftaceis ; petiolo abdominis brevi, pofti- 
ce dilatato infundibiliformi; cellula ciibitalis prima in- 
terne incompleta. Mas long. lin. I. Captus femel in 
fepibus. III Cellulä cubitali iinica, elongata, ner- 
vum in parte anteriori excipiente. 47) Br". exfole- 
tus, teftaceus, occipite, thoracis dorfo, terebraque lon- 
gitudine duorum ultimorum fegmentorum abdominis 
nigris ; abdomine breviter petiolato , lineari- fubfalca- 
to» Fem. long. lin. |. Mas teftaceus, occipite ocu- 
lis antennariimque apice nigris ; thoracis dorfo obfcn- 
riore; abdomine breviter petiolato. lanceolato, ano 
acuto. long. lin. -f. 

Familia III. Abdomine feffili : fegmentis tribus 
anteriüribus majoribus. A. Gemi'mt. 48) Br, exfer- 
tor, niger, pnbefcens , ore, palpis, orbitis, litura hama- 
ta ante' alas, abdominis fegmenti tertii raacula utrius- 

que 



Litteratur. yy 

que lateris» pedibusque totis rnfis; terebra exferta 
(longitudine dimidii abdominis) Fem. Br. unicinctus 
Spin, forte huius mas. 49) Br.ruguloßis^ niger, pal- 
pis pedibusque rufis, tibiis pofticis apice, tarfis iisdem 
totis, Miiterioriim ungue cum ungiiiculis nigris. Alis 
hyalinis, long. ^| lin. variat abdominis primo regmeii- 
to rufo, fafcia lunata (arcu poftico) nigra. - In pine- 
tis. Conf. Baflus gloriatorius Panz. Fn.? 50) Br, 
ajßtn'tlis, niger, pedibus rufis, coxis nigris, alis hyali- 
nis. Mas. Statura omniiio et fculptura prsecedentis 
at dimidio minor. - Ex larva Zygaina; Filipendulas 
prodiit. ^i) Br.ßg7iatus, n\gex:^ punÖulatus, pnbef- 
cens, ore, pedibus totis, abdominisque fegmentorum 
trium anteriorum marginibus omnibus rufis, Mas. 
long 3. lin. 52; Br. prarogator, niger, pubefcens, 
ore pedibusque luteo teftaceis, femoribus pofticis apice 
fufcis, Fem. long. lin. 2-|. An Baffus pra;rogator 
Fabr.? - Mas paullo^inor, abdomen apice tenue, 
nee fubtus incraffatum. Venter medio convexiusculus, 
nee carinatus. Color fufcus in apice tibiarum poftica- 
rum diftinctior, breviori fpatio annuliformis. - In 
fepibus. 53) Br. teßaceuSi Spin, an Cryptus fticticus 
Fabr.? 

B. Species heteroclyta. 54) Br. äecrefcem^ ni- 
ger,mandibulis, palpis et pedibus rufo-piceis, abdomi- 
nis fegmento tertio transverfim carinato , antice pun- 
öulato, poftice \Kn. Fem. long- lin. I3. Captus in 
Sifymbrio Nafturtio. 55) i?K. wa/« j/or, niger pubef- 
cens, antennarum articulo tertio, palpis pedibusque 
totis luteo teftaceis , abdominis primo fecundoque feg- 

men- 



$6 Litteratur. 

mento rvibriignlofis, tertio breviori et rellquis laevibus, 
iliargine albo ciliatis. Mas. long. lin. i^. In pratis. 
56) Br. i7iomlhtus^teCtaceuS) antennarum apice, me- 
tathorace, abdoiiniiis bafi, limbo flrigisque pofticis 
per paria approximatis obfcare fufcis; limbo ftigmati- 
bus orbiculatis, pelliicidis, concatenatis; terebrabre- 
vi, exferta. Fem. long. lin. i|. Captiis fub mufcis 
et in trunco putrido quercus. Variat oc) capire pofti- 
ce, t'ioracs (exceptis plenris anticis ), abdominisqiie 
fegniento primo nigro fufcis, abdominis limbo fubcon- 
colore. ß) Rufo fufcus, antennarum bafi, palpis et 
pedibus luteisj y) nigro fufcus, antennis fufco ru- 
fefcentibus, palpis et pedibus luteis. 57) Br. dimi' 
diiUus, l^iceo nigricans, ore, antennarum bafi, metatho- 
race, abdominis fegmento primo, pe£lore pedibusque 
Inteis; terfbra longitudine abdominis; iligmatibus 
abdominalibus nullis. Fem. long, lin f. Semel cap- 
tus in horto. Auf den zu diefec Abhandlung gehö» 
jigen beiden Kupfertafeln find die Arten Br, linearis, 
orbiculator, rußcornis, humilis, areolaris, ictericus, 
conjungens, conftrictus , teftaceus, decrefcens , mo- 
niliatus fehr fauber abgebildet. 



Im vierten Quartale diefes Jahrgangs befindet fich 
noch pag 386. eine Abhandlung des Hrn. Dr. Ram- 
DOHa zu Schlofs - ßeichlingen. in Thüringen üi^er die 
Organe des Geruchs und Gehörs der gemeinen Biene, 
Da der geachtete Verfaffer felbft, feine hier geäuffer- 
te.Mi^inung über das Geruchs- Organ widerrufen hat,*) 

fo 



Vetgl die Correfpondenz Nachr. diefes Heftes, 



L'fteratur. 57 

fo haben wis blos nöthig imfi'rn Lefern des Verfaflers 
Glauben über das Gehörorgan der Eientn mitzutbei- 
len , den wir ihnen mit deiTen eigenen V/orten vor- 
legen : „Nicht fo ausgezeichnet als der Sinn des Ge- 
ruchs iil derjenige des GebOrs. Gleichwohl wird auch 
diefen niemand den Infekten abfprechen, wenn er nur 
das Zirpen des Heimchens, oder das Schwirren des 
Grashüpfers vernommen hat. Wer fich aber je mit 
den Bienen , diefen bewundern -würdi:^en und den 
Naturliebhaber mit immer neuen Reizen anziehen- 
den Thierchen befchäftigte, der wird auch die Er- 
fahrung gemacht haben, dafs diefe in Gefellfchaft le- 
benden Infekten , nicht nnr verfchiedene und felbft 
dem aufmerkfamen Beobachter fehr verftändliche 
Töne hervorbringen können > fondern dafs fie un- 
tereinander auch diefe Töne fehr wohl vernehmen 
und nie mifsverftehen. Jeder ßienenwirth kennt den 
bellkHngenden Schwarmton eines ausziehenden Vol- 
kes , und den fchwächern ruhigem Ton des Schvvar- 
mes , wenn er fich anlegt. Eben fo hört der Geüb- 
tere , wenn fremde Näfcher vor einer Bienenwoh- 
nurjg umherfliegen, den feinen Ton derfelben. Aber 
die Bienen der Wohnung vernehmen ihn eben fo 
wohl, und mit aufgerichtetem Leib und geöffneten 
Kinnbacken liehen fie bereit, die ungebetenen Gäfte 
zu empfangen. Noch auffallender beftätigt es fich, 
wie fich diefe Thiere verlieben, wenn man z. B. ein 
Volk im Sommer aus feiner Wohnung treibt, und fie 
nun auf einen freien Platz fcbüttet, bei dem in weni- 
ger Entfernung eine leere Bienenwohnung fteht. Dia 
crften Bienen, welche fie entdecken, erheben ein ei- 
genes 



58 Litteratur. 

genes nie zu verkennendes Gefumm, bald kommen 
noch einige hinzu, das Gefumme wird ftärker, der 
ganze Haufen vernimmt es, und man fieht zwölf bis 
zwanzigtaufend Bienen nach und nach, alle mit dem- 
felben Tone, alle nach derfelben Richtung der neuen 
Wohnung zuwandern und von ihr Befitz nehmen. — 
Doch wozu Erfahrungen erzählen, die gewifs fehr vie- 
len bekannt feyn werden. 

Sehr weit ifl das Organ des Gehörs bei den Bie« 
nen von der vollkommenen Bildung, z.B. eines Men« 
fchenohres entfernt: aber wir wiffen ja, dafs das VVe- 
feniuche des Gehörorgans nur in einigen wenigen 
Theilen befleht , die fich denn auch bei diefen Infek- 
ten finden. Eine elafliifche ausgefpannte Haut mit 
ihrer Feuchtigkeit und einige in derfelben befindliche 
Kerven machen das einfache , aber auch nur für ein- 
fache Zwecke beftimmte Ohr aus. Allein fonderbar 
ift: der Ort, wo es fich befindet, denn es liegt in 
den Kinnbacken. 

Die Kinnbacken find hohle Röhren, an ihrem äuf- 
fern abgeftumpften Ende mit einer ziemlich dicken 
Haut überfpannr. Man bemerkt, dafs mitten über 
diele Haut ein ftarkes hervorftehendes Hornllreifchen 
geht , um vielleicht bei dem Beififen das Eindrücken 
der Hrtut zu verhindern. Ich verweife der Kürze we- 
gen auf die Abbildungen von Reaumur {Inf. V.i.iphiS' 
fig. 7 a. c. ) Vor der innern Oeffnung der Kinnba- 
cken erhebt fich eine eyförmige, blafenartige Erhö- 
hung von der Länge der Kinnbacken, aber in der 
Dicke ftärker als diefe. Sie wird von einer fo elafti- 

fchen 



Litreratur. 59 

fchon Haut gebildet, dafs fie fclbil nach dem Zerreif- 
fen ihre vorige Form wieder annimmt. Diefe Haut 
ift an fich durchfichtig, aber innerh'ch mit einer un- 
durchfichtigen Maffe bekleidet, und enthält einen Tro- 
pfen einer wafferhellen, ein wenig gelblichen, auf dem 
VVaßer fch wimmenden Flüfligkeit. An ihrem obern 
Ende ifi: diefe Haut zugcwölbt , und hat überhaupt 
nirgends eine Oeffnung, mit ihrem untern Ende aber 
geht lie in die Kinnbacke und bekleidet die Wände 
derfclben. 

Der Gehörnerv kommt von demjenigen Nerven- 
paare des erflen Ganglions, welches das zweite ift, 
wenn man vom Gehirn abwärts zählt. Die beiden 
Nerven diefes Paares gehen nach den Kinnbacken her- 
ab , und indem fie in diefelben eintreten , gehen von 
jedem drei Aefte auf einer Stelle nach oben und fol- 
gen eben fo vielen M'jskeln, denen die Kinnbacken 
ihre Bewegung verdanken. Nachdem jeder dicfer 
Nerven die drei Aefte für die Kinnbacken - Muskeln 
ausgefchickt hat, geht er, wiewohl merklich dünner, 
neben der eyförmigen Haut in die Höhlung des Kinn- 
backens felbft über , fehickt aber vorher noch einen 
kleinen Zweig an die äuffere Fläche jener Haut. Ec 
theilt fichhierauf bandförmig in vier Zweige , die nun 
ohne Zweifel die Gehörhaut durchbohren , denn ich 
fand gebogene Aeftchen derfclben, innerhalb der ey- 
förmigen Haut wieder , und in der Röhre der Kinn- 
backen felbft, fahe ich einigemal Enden derfelben, 
nachdem fie fich knopfförmig verdickt hatten, an die 
untere Bafis jener Haut anfchlieffen. 

Ich 



6o Litteratur. 

Ich hoffe meine Unterfuchungen, die nun "frei- 
lich nicht anders als langwierig feyn können , über 
diefe Gegenftände weiter fortzufetzen. Möge indef- 
fen dies Wenige diejenigen intereffiren , die den Ge- 
nufs kennen , in dem unerfchüpflichen Buche der Na- 
tur zu lefen. *' 



Derfelben Schriften. Sechster Jahrgang, 
erftes Qiiartal. Berlin 1812. 4. 

In gegenwärtigem Hefte ift enthalten : 

1) P. F- BoucHe, ül^er die K'örpevthelle der 
zweiflüglkhen Jnfz^en. Ein fchätzbarer Beitrag zur 
entomologifchen Nomendatur. Doch möchten wir 
manche gewählte Benennungen nicht billigen, z.B. 
probolcis, das der Verfaffer in einer andern Bedeu- 
tung als Fabr. , Lin. , Latr. braucht, und dagegen für 
das Fabrizifche Wort probofcis, labium gefetzt wilfen 
will; zugegeben auch, dafs probofcis Fahr der Ana- 
logie gemäfs durch labium ausgedrückt werden könn- 
te , fo führt eine folche Abänderung uns nur zu Ver- 
wechslungen. Ueberhaupt möchte die Methode die 
Worte labrum , mandibula , maxilla , gloffarium für 
analoge Theile bei den ZweifliJglern gebrauchen zu 
wollen, manches gegen fich haben. 

2 ) Dk Blattmfpen nach ihren Gattungen und 
Arten zufammengefleilt von Dr. Fr. Klug. (Fort- 
fetzung; Gattung Lophyrus. Der Verfaffer erinnert 

fehr 



Lit'^cratur. 6i 

fehr richtig : dafs wer nur folche Gruppirungen als 
Gattungen erkennen will, die fich durch wirkliche Be- 
fonderheiten in der Struktur des Mundes unterfchei- 
den , die Gattung Lopliyrus nur als Blattwefpen - Fa- 
fuilie gelten iaflen könne, da fie nach der Fabricifchen 
Methode nur die Füblerform auszeichne. Wir 
wünfchten jedoch , dafs der Verf. den Namen Lophy- 
rus, als einer Amphibiengattung bereits angehörig, 
nicht angenommen hätte. 

Die Arten, welche der Verfaff. aufzählt, find: 
l) L. uemormUt Hylotoma neraorum Fabr. 2) L. 
pini. Tentbredo pini Lin. Cc/'O Hylotoma dorfata 
Fabr. C9O Pteronus pini Panz. Fn. 3) Z. rufuSy 
Tenthredo Juniperi Chrifl. Schasff icon. tb. 154. f. 5.6. 
und 5.^ 4) L.paUidüS ^ Tenthredo dorfata. Panz. 
Fn. huj. fem. 5) L. elo7igatuhiS ^ fem elongato cy- 
lindrica, fubtus flavefcenti pallida, fupra cum capite 
nigra, antennarum articulis: iS-f- mas : depreffo cy- 
liiidricus, clongatulus, ater, ano fubrufo, pedibus al- 
bis, antennis thorace fubbrevioribus, radiis utrinque 
Ig. et uno articulo terminali. Aus Schweden. 6) L, 
friaeforum, Diprion pini Schrank Fn. boica ((-j^.) Hylo- 
toma frutetorum Fabr. (2-) ?) L. virens ^ fem : fla- 
vefcen.c, capite vitta, thorace maculis, pectore plaga, 
abdomine cinguh's nigris, alarum fpatio coftali ftigma- 
teque flavis, antennarum articulis ig. mas: ovatus 
fubdepreflus ater, abdomine fubtus lateribusque rufo, 
alis pofticis apice fufcis, antennis thoracis longitudine, 
radiis utrinque 20. et unico articulo terminali. - 
Deutfchland, Schweden. 8) L. iarkh, Pteronus la- 

ricis 



62 Litteratur* 

ricis Jurine. Schxff. icon. tb. 1 26. f. 5. 6. 9) L.fociuSy 
vian fnbcylindricus (ieprelTiusciiliis, ater, abdomine 
fubtus pedibusqne rufis ; alis pofticis apice fiifcis, an- 
tennis thorace brevioribus, acumine reciirvo , radiis 
utrinqiie 20. et articulo terminali unico. fem. adhuc 
latet. InKärnthen. 10) L,/?o/i/«x, corpore elongato 
nigro nitido, ventre pedibusque albis, (antcnnis/gwii- 
na 18. articulatis, maris peimagnis, radiis utrinque 
2 3. et articulo terminali unico) In den Kärnthner Al- 
pen. 1 1 ) L.juniperl, Diprion Junipcri Schrank. Ten- 
thredo jnniperi Paaz. Fn.($) Hylotoma jnniperiFabr. 

3) Die europaifchen Jurten der Infekten Gattung 
L E u c s p I s . Naher heflimmt von Dr. Fr. K l u g. 
Der Verfaffer theilt die Gattung in zwei Familien. 

a. Kinterfchenkel mit Heben Zähnen. i)L.^anJis» 
L. gallica Roffi Mant. L. dorfigera Chrift. ( AhreU" 

ßi Fauna Infeftorum Europ». Fafcic. II. Tab. 15.) 
2) L. G'igas Fabr. Latr, Panz. 3) Z-. var'ia^ 
aculeo abdomine breviore , atra: antennarum flagello 
femirufo» coUaris margine utroque, coxarnm poftica- 
rum macula duplici et macula utrinque ad oculos dilute 
flavis. (fem.) Bei Fiume und auf den Infein desGolfo 
di Quarnero. (Ahrenfii Fauna Infeftorum Europae. 
Fafciculus II. Tabula 16.). 4) i^ intermedia, 

Roffi. L. dorfigera Pzr ?. 5) -£♦ aculeata^ corpore 
elongdtocompreffo, atro; collaris margine poftico la- 
teribus inflexo, lineolaque inclufa et coxarum poftica- 
rum macula bafeos dilute flavis. fem. AusTaurien.- 

b. Hinterfchenkel mit fünfzehn Zähnen. 6) L. dor. 
ßgera Fabr. Latr, L. dorfigera (^, Panz. Fn. L. dispak- 

Fabr. 



Litteratur. 63 

Fabr. (mas.) 7) L, hifafc'tata, abdomine vix thorace 
longif.re, fubdepreflb > fnbbicourctato. - fccm Puel'sl. 
Arch. UI. tab, i 8. f. i ». Von Genua. 8) L gil/hy 
abdomine thorace vix longiore fubdepreffo, gibbofo 
deflexo , aculeo breviffimo. fem. AusTaurien. - 
Unbekannt waren dem Verfaffer: L, hignet'ma Jnrin, 
Hymen. 305. pl» ' 3« gen. 45» und Z. intennedia Spino- 
la Inf. Lig. II. fafc. 4. p. 236, welche beide der zwei- 
ten Familie anzugehören fcheinen und felbibländige 
Arten bilden möchten. 9. 



Neue Schriften der nacurforfchenden Gefell- 
Ichaft zu Halle. Erfter Band. Halle i8il. 
gv. (iThlr. 12 Gr.) 

Das dritte, fünfte und fechste Heft find enromo- 
logifc en Inhalts Im dritten Hefte liefert Hr. Alivens 
ein' Monographie der deutfchen Rohrkceferarten , die 
bei Heben und zwanzig aufgeführten Arten, neun vor- 
her unbefchriebene enthält. Im fechsten Heft liefert 
Hr. Dr. Ger?jiar nicht unbedeutende Nachträge, und 
befchreibt wieder drei neue Arten. Intereffant find 
die dabei ertheilten Nachrichten über die Lebensart 
und den Aufenthalt der Don Equileti, aus denen fich 
ihre bisherige Seltenheit erklärt. Noch enthält das 
dritte Heft einen Auffatz des Dr. Germar xiher die 
Claßtficatton der Infekten^ vrorinn derfelbe feine Grün- 
de für das Fabricifche Syftem entwickelt. Das fünfte 
Heft begreift drei Abhandlongen : über die Natur und 
Entflehung des fliegenden Sommers, Die erile vom 

Hn. 



64 



Litteratur. 



Hn. Infp. BuUmann trägt die verfchiedenen Meinnii- 
gen und Beobachtungen früherer Schrififteller vor, 
die zweite vom Hrn. Dr. Strack enthält felbllgemachte 
Beobachtungen, nach welchen die Verfaf. dery^/i/;;^« 
ol;teärix\Jir\. für denVerfertiger des Stoffs des Sommer- 
fluTS erklärt. Merkwürdig ill es, dafs diefe Art mit 
einer andern, die der Verfafler Ar. fubreptans nennt, 
in «rofster und bcwunderswürdiger Eintracht lebt» 
Nach der dritten Abhandlung des Hrn. Dr. Schvmder^ 
unterwarf derfelbe den Sommerflag einer chemifchen 
Prüfung, und wies feine thieril'che Subllanz nach. ~ 

Das fechste Heft enthält vier Abhandlungen ento- 
roologifchen Inhalts. Die QxiiQ: Beobachtungen avffen 
fichtbarer Gefchlechtskennzeichen einiger Käfer. Gat- 
tungen und Arten vom Hm Capitain von Malinomkyy 
verdient in Hinficht der eigentlichen Beobachtungen 
unfern Dank, aber das beigefügte Pvaifonnement über 
Baftard- Erzeugung, läfst noch mancher triftigen Ein- 
wendung Raum. Die zweite Abhandlung vom Hrn. 
Dr. Germar umfafst die vorhin fchon erwähnten Nach- 
trage zur Monographie der Rohrkafer und die y^///- 
flellung einer neuen Kafergattung Potamophilus ^ 
aus dem Parnus acuminatus Fabric. gebildet» Die 
dritte Abhandlung giebt eine Befchreibung der grofsen 
tVafferkafer Arten ( Dytici ) von Hn. Ahrem , das 
fruchtbare Refultat einer mühevollen Vergleichung» 
Dyt. latiffimus Fabr., marginalis Fabr., dimidiatus 
Bergftr.,punctulatus Fabr., circumcinctus Illig, , Rö- 
fclii Ahr., dispar Roffi ( Röfelii Fabr.), werden be- 
fchrieben und ihre Unterfchi«de auseinander gefetzt» 

Zur 



IV. Liiteratur. ^$ 

Zur leicheren Ucberficht hat der Verf. noch eine ver- 
gleichende Tabelle bei-jjefügt. Die vierte Abhand- 
lung entivält einige Bemerkungen über die aus den 
ehemaligen Cur cu Honen neu gehtUeten Gattungen Li- 
XUS, Curculio und Rliyncliajins Fabr. vom Hn. Can- 
didat Kyber in Wtiflenfels *) Der Verf. wiU di© 
fämmtlichen Rüflelkafer blos in zwei Gattungen : Bra- 
chyrrhinus und Rhynch^nus zerfällt wifien. 

r. 

Derfelben Schriften, zweiter Band, zweites 
Heft. Beiträge zur Kenntnifs deutfcher 
Käfer, von Aug. Ähren s, mit 2 illumi- 
nirten Kupfern. 8v. (12 Gr.) 

Die neu befchriebenen und abgebildeten Arten 
find: Dyticus paralellogrammus, Canthäris discoidea, 
Chryfomela ornata , ( dürfte wohl die Chr. bivlttata 
Scriba und vielleicht eine Abänderung von Chr. cerea» 
lis feyn. Die Abbildung ift gänzh'ch verfehlt. ) Dri- 
lus concolor, Ptinus globofus, Rhynchsnus Xyph», 
RhynchJBnus rubricus , (ifl: wie der Verf. fpäter felbft 
bemerkt, blos Abänderung von Rhynch. lunatusFabr. 
In der Diagnofe ift f älfchlich vitta ftatt fafcia gefetzt) 
Curculio mollicomus, Lixus attenuatus, Anifotoma 
bipuftulatum, Anifotoma minutum, CryptophagusSpar- 
ganii (in der Diagnofe lieht wieder fälfchlich vitta für 
fafcia.) Bembidion argenteolum. Aus einander ge- 
fetzt und genauer befchrieben und abgebildet werden 

Apho* 
*) Jezt Diaconus in Eifenberg. 

Heft, L E 



66 IV. Litteratur. 

Aphodius hydrochccris Illig. ( Der Verf. äüffert mit 
Recht 2vveiftl gegen das Fabricifche CitatO Mala- 
chius praBuftus und flavipes, Curculio deprel'liroftris. 
Dann folgen einige allgemeine Bemerkungen. Die 
Lema pupillata Ahr, iil gewifs nichts als fchöne Abän- 
derung von Afparagi ; der aufgeftellten Meinung, dafs 
der rothgedeckte Aph. foübr eine befondere Art (Aph, 
fylvaticns des Verfaffers } fey, mögen wir nicht un- 
bedingt beitreten. Wir haben den letztern auch oft 
an Orten getroffen, wo weit und breit kein Wald war. 
Die neu aufgellellte Gattung Eucnemis verdient eine 
nähere Prüfung, fie fcheint allerdings von Elater ver- 
fchieden zu feyn. Von den deufchen 'i'aumelkäfern 
unterfcheidet der Verfaffer fieben Arten: Gyrinus nata- 
tor Linn. , mergus fibi , marinus Gyllenh. , urinator 
Illig , bicolor Fabr. , villofus Fabr. > min utus Fabr. 
Die Auseinanderfetzung diefer fehr verwandten Arten, 
war eine fchwierige Aufgabe, die der Verf. mit Glück 
gelöil hat. Ungern bemerkt man aber im ganzen 
Hefte mehrere nicht angezeigte Druckfehler,*) auch 
ift desVerf. Schreibart zuweilen etwas uncorreckt und 
unverftändlich. 

Für Liebhaber dient zur Nachricht: dafs die en- 
tomologifchen Hefte diefer Schriften vom Verleger 
einzeln abgelaüen werden. 



*) z.B. p8g.4. Z. 3. Ermunterung, i\&tt Erweiterung, p.40. 
Z. I. von unten gekrümmte, ftatr geh<emmte. 

G. 



IV. Litterarur. 6y 

A. Ahrensii Fauna inre8:orum Europa, 
Füfcic. I. icon, xxv. cum defcriptionibus 
continens. Hala apud Kümmel. 1812. (iThlr.) 

Seit dem langfamen und wie es fall fcheint, ganx 
beendeten Gange des Panzerfchen Infektenwerks, 
wurde allerdings ein Unternehmen wie das vorliegen* 
de wünfclienswerth , und wenn auch fchon die Aus- 
führung noch hinter der in Panzers Werk zurück- 
bleibt, 10 kann jnan doch diefelbe nicht verunglückt 
nennen, und bei mehrerer Uebung des Zeichnersund* 
Knpferftechers läfst fich auch für die Zukunft noch et« 
was voizüglicheres hoffen. Wir müßfen loben, dafs 
alle diejenigen Arten , die bereits in Panzers Fauna; 
find abgebildet worden, übergangen werden, und das 
gleich - grofse Format der Kupfertafeln mit den Text* 
blättern , fo wie die Bemeikungen der Zahl des Hef- 
tes und der Tafel auf jedem Blatte, geben in der auf* 
fern Form diefem Werkchen eine Bequemlichkeit, die 
man ungern an Panzers Werke vermifst» G» 



I. S T u Pv M Deutfchlands Fauna in Abbil- 
dungen nach der Natur mit Befchreibun- 
gen» Fünfte Abtheilung. Infekten. Zwei- 
tes Bändchen. Käfer, (ices und 2tes B. zufam* 
men 9 Fl. 36 xr. rheinl. ) 
Oder: 

l. Sturm Deutfchlands Infekten. Zweites 
ßändchen. Käfer, mit 32 illuminirten Kup* 
fertafeln. Nürnberg 1807, 8y* 



6S IV. Lifteratur. 

Nach dem bereits bekannten Plane , alte dent- 
fchen Infeöen zu befchreiben, die Frefswerkzeuge je- 
der Gattung durch Abbildung zu erläutern, und die 
bisher unabgebildeten Arten abzubilden, bandelt iii 
diefem zweiten Bändchen Hr. Sturm die Gattungen ; 
Sphaeridium , Anifotoma , Agathidium , Phalacrus, 
Byrrhus, Anthrenus, Trox, Bolitophagus, Opatrum, 
Scaurus, Scarites, Akis, Blaps, Tenebrio, Trogofita, 
Helops uudMelandrya ab. Die Befchreibungen find 
•gut und deutlich, die Kupfer bis jetzt wol unüberti of- 
fen. Einige gelegentliche Bemerkungen mögen hier 
ihren Platz finden. Sp!i(er. hamorrhoidale und melam- 
eepkalum find nur Abarten von einander, fo wie auch 
Sphcer. iviprejfum vielleicht dazu gehört. Die Gat- 
tungen Anifotoma urvd Agathidium dürften wol verei- 
nigt werden muffen. Agathidium nigrinum , mandi- 
bulare, ruficolle, fcheinen felbft den Fühlern nach 
wahre Anifotomen zu feyn. Byrrhus ohlongui ift ge 
wifs nichts als Abart von B. pilula, die uns bereits 
öfterer unter dem Namen B. regius Knoch vork>im, 
B> c'tnSiui ift nicht B. cinÖus Illig , fondern eine eig- 
ne Art, B. arcuatus Zenker, wozu Gyllenhall Inf Su, 
1. 194. 2. B. fafciati var. c. und f. excl. Syn. gehört, 
B. ater ift wohl nur Abart von B fafciatus Sturm. 
Die Synonimie bei letztern ift falfch , es gehört dazu 
B. dorfalis Fabr. Gyllenhall , B fafciatus Panz., Illig. 
Käf. Pr. Man trifft Exemplare, wo die rothen Zeich- 
nungen weifs find, der fchönfte Uebergang zu B.ater. 
B. dorfalis pag. 10 1. 9. ift B. cinftus Illig Käf Pr. , 
fafciatus Fabr., Gyllenh., dorfalis Pzr. - B nitens 
pag. lOg. I4, fcheint zwar allerdings der ,B. nitens Illig. 

Schal- 



IV. Liiteratur. 69 

Sthaller zu feyn, aber fchwerlich B. nitens Fabric. 
Letztrer ill doppelt fo groCs, gewölbter und weit fei- 
ner punöirt. ß. nitens Panz. Fn. halten wir für eine 
dritte Art, die vorzüglich im füdlichen Deutfchland 
vorkommt. B, minutttS pag. 1 1 1. 1 7 ift ein wahres 
Dorcatoma, Fühler und Füfse in Paniers Fauna find 
falfch. B» fafciciilaris pag. 1 1 9. 2 1. haben wir nie in 
Obftb'üthen, in Gebirgen, in Wäldern gefunden, fon- 
dern immer an dem auslaufenden Safte der Bäume, 
vorzüglich der Rüilern. Opatviim grifium fleht bef- 
fer unter Platynotus. y^kis kvcugrapha pag. 199. 
I. ift nie bei Halle gefunden, Fabricius erhielt fie 
von Hübner, der fie aus Siberien bekommen hatte, *- 
Trogoßta vtandibularis pag. 248. 4. dürfte mit vol- 
lem Rechte eine eigne Gattung bilden. Helops lani- 
pes pag. 255. I. ift uns noch nicht in faulen Stämmen, 
aber häiifig an Buchen in den Aeften vorgekommen- - 
Helops dentipes pag. 264. 6. ift gewifs kein Helops, 
und am wenigften Helops dentipes Fabr. Befler fteht 
er unter Blaps , und führt dann den Namen Blaps ca- 
raboides nach Petagna. 

Wir wünfchen, dafs Hr. Sturm uns bald mit der 
Fortfetzung diefes fchönen Werkchens befchenken 
möge. 

G. 



E» F. G E R M A R Syftematis glofTatorum pro- 
dromus, firtens Bombycum fpecies fecun- 
dum oris partium diverfitates in nova ge- 

nera 



yo IV. Utieratur, 

nera didributas. Sedio Tma. Lipfi^ apud Re- 
clam igio. Seaio Uda. 1812. 4t. 

Die darinn aufgenommenen Gattungen find : 

a) in der enden Se^lion : Attacus (Satiirnia Och- 

fenh. ), Tachyptena (Aglia Ochfenh.}» Platypteryx 

Lafp., Lafpeyria , Scoliopteryx, Pfylla , Eriogafter 

CGaftropacharum fpccies Ochfenh.), Aröoriiis (Eu- 

prepya Ochfenh.). b) In der zweiten SeÖion : Calli- 

morpha Latr. Eyprepia Ochf., Liparis Ochf., Pcn- 

•thophera, Laria Sehr , Notolophus, Pygsra Ochf., 

I^otodonta Ochf. , Ptcroftonia , Cerura Latr. , Stau- 

ropus , Endromis Ochf. , Lafiocampa Sehr. , Odone- 

Jlis, Gaftropaclia Ochf. 

G. 



E. F. Ger MAR Reife nach Dalrnatien und 
in das Gebiet von Kagufa. Leipzig ib'i3' 
8v« mit Kupfern. 

Im naturhiflorifchen Abfchnitt diefer niichftens er- 
fcheinendenReifebefchreibung macht der entomologi- 
fcheXheil bei weitem dasMeifte aus, und es find eine 
Menge neuer Arten befchrieben, und die vorziiglich- 
ften darunter abgebildet. Auch einige vorher zweifel- 
hafte oder mit andern verwedifelte Arten werden 
hier auseinander gefetzt. 



Tre VIR ANUS G. R. über den Bau der 
Arachniden, Herausgegeben von der phyC 

med, 



IV. Litteratur. 7r 

ir.ed. Gefellf. zu Erlangen. Erlangen 1812. 4r. 

( I Thir. ) 

Wir dürfen die Anzeige diefes wichtigen Werkes 
nicht übergehen, ob wir gleich uofern Lefern zu ei- 
ner ausführlichen Beiirtheilung in der Folge Hoffnung 
machen dürfen. G. 



K. A. Ramdohr Abhandlung üb^r die 
Verdauungs Werkzeuge der Infekten. Her- 
ausgegeb.n von der naturCorfchenden Gefell- 
fchafc zu Halle. Halle bei Hendel. 2r4 Seiten 
in 4to und 30 Kupfertafeln. (Laden pr. 10 Thlr.) 

Ueb^sr den hoben Werth diefes Werks haben be- 
reits alle kritifchen Inftitute ein einftimmiges Urtheil 
gefällt, und CS für eine der fchönften Früchte der na- 
turhillorifchen Litteratur unferer Zeit anerkannt. Die- 
fes für jeden Entomologen, der nicht blos in der Be- 
fchauung der bunten üuffernForm fich ergötzt, ja wir 
möchten fagen, für jeden wiffenfchaftlichen Zoologen, 
durchaus unentbehrliche Werk, dürfen wir in den 
Händen aller derjenigen erwarten, die nur einiges In- 
tereffe für die Anatomie der Infekten haben, und glau- 
ben daher eine ausführlichere Anzeige unterlaüeO-ZU 
muffen, 

G. 



V. 

Kritifches Verzeichnifs 

der bisher bekannt gewordenen 

S c h 1 e fi fc h e n Schmetterlinge. 

Als Beitrag zu einer Fauna diefes Landes, 

beaibeitet von C. F. W. Rjchter. 



W. 



enn eine Provinz einen ziemlich anfehnli- 
chen Vorrath fo mannigfaltiger Natiirerzeugniffe dar- 
bietet, worunter fich oft welche befinden, die ihr 
theils auslchlieflend eigen find, thcils vorziigsweife häu- 
figer als in andern benachbaiten Provinzen innerhalb 
ihrer eigenen Gränzen dem aufmerkfanien Beobach- 
ter der Natur fich darbieten, fo miifs in der Seele ei- 
nes folchen gewifs der Wunfeh entliehen, ein Ver- 
zeichnis hierüber vorhanden zu fehen. Diefer Satz 
findet ganx auf mein Vaterland Anwendung, das fo 
viele und darunter fo feltene Naturprodukte befitzt, 
wovon hin und wieder anfehnliche Sammlungen ange- 
legt worden , welche jeder Reifende mit wahrem 
Vergnügen und vollkommener Befriedigung durcbge- 
fehen haben wird. 

Es kommen zwar in verfchiedenen Schriften all- 
gemeine fragmentarifche Notizen über fchlefi(che Pro. 

dukte 



dier Scblefifcheu Schmetterlinge. 75 

dukte vor, z. B. in den altern Schriften der preis- 
würdigen Gefellfchaft naturforfchender Freunde zu 
Hallo lu.a. m. , allein noch war insbefondere kein 
Verfuch zu einer Fauna des Landes gemacht. Den 
Mangel derfelben fühlte nun vorzüglich der würdige 
IVeigel, Prediger zuHafelbach bei Schmiedeberg, Mit- 
glied der naturforfchenden Gefellfchaften zu Halle und 
Berlin, und der mineralogifchen Gefellfchaft zu Jena, 
Verfaffer der geographifchcn , naturhiftorifchen und 
technologifchen Belchreibung des fouverainenHerxog- 
thums Schlefiens. Die vortre(flicheLage feines Wohn- 
fitzes am Fufse des Riefengebirges, welches befon- 
ders nicht unanfehnliche Vorräthe an Mineralien, 
Pflanzen und Infekten darbietet, verfchaffte ihm vor- 
treffliche Gelegenheit felbft ru fammeln ; er legte mit 
vieler Mühe eine beträchtliche Sammlung von den ge. 
nannten Naturprodukten an, und in Verbindung mit 
mehrern nahen und entfernten Freunden entwarf er 
^enProdromus einevFauna Sileßaca^ welcher als zehn- 
terTheil feines obenerwähnten Werkes über Schieden 
im Jahr 1806 (bei Himburg in Berlin) erfchien. Zu 
früh raubte der Tod diefen um die gefammte Kennt- 
nifs der Provinz fo verdienten Mann , von deffen un- 
ermüdetem Fleifife für die Erweiterung der Schlefifchen 
Katurgefchichte fo viel zu erwarten war. 



Ich mufste das eben gefagte vorausfchiken , um 
meine Abficht vor dem entomologifchen Publicum zu 
rechtfertigen. Das erwähnte Verzeichnifs enthält 
nichts als die fyftematifchen Namen aller in Schleliea 
bisher bekannten Thiere, mit blofsem Citat des dabei 

be- 



74 V.Kritifches Verzeichnifs 

befolgten Syftems, ohne Diagnofe, fehr feiten mit An- 
gäbe des Aufenthalts ; - eine umftämlUchere Fauna 
ill demnach immer noch zu wünlchen. Indem ich 
nun fo oft diefes Verzeichnifs durchgegangen, und es 
mit mchrern Sammlungen verglichen habe , fand ich, 
dafs fich feit deffen Erfcheinung, befonders imcntomo« 
logifchen Abfchnitte, vieles Neue vorgefunden. Als 
Bcfitzer einer nicht unbeträchtlichen , theils auf meh- 
rern Reifen, theils in der Gegend von Breslau zufam- 
mengebrachten entomologifchen Sammhmg , und in 
Verbindung mit einigen vortrefflichen und eifrigen 
Entomologen, *) wage ich es, dem entomologifchen 
Publikum den Verfuch eines kritifchen Verzeichniffes 
der bisher bekannten Schmetterlinge Schlefiens vorzu- 
legen. - Irren iftinenfchlich; auch hierinn werden 
Irrthümer vorkommen , fo fehr ich allen Fleifs und 
Mühe anwenden werde, fie zu vermeiden ; - es find 
die erften Früchte meines entomologifchen Studiums ; - 
daher wird eine Zurechtweifung von erfahrficn Ento- 
mologen mir fehr willkommen feyn, und mit dem in- 
nigften Dank von mir angenommen werden. 

Ich habe bey meiner Arbeit befonders das vor- 
treffliche Ochfenheimerfche Werk, fo weit es erfchie- 
nen ift, zum Grunde gelegt, dabei Borkhaufens Natur- 
gefchichte der Europäifchen Schmetterlinge, nebfls def- 
fen Rheinifchen Magazin und die Panzerfche Fauna 
vor Augen gehabt, und höchfl: undankbar gegen die 

Afch© 



*) Herr Schullehrer Kcehler in Schmiedeberg. 

— Amtfxhirurgus Manger in Wannbrunn. 

— Stadtverordneter Langer in Hirfchberg. 



der Schlefircheu Schmeuerlinge. 7j 

Afche det würdigen Weigel wäre es, dcffcn Prodro- 
mus nicht zu citiren , weiches bei jeder Species ge- 
fchehen ift. 

Diejenigen Arten, welche nicht in meiner Sainm- 
Inng vorhanden find, wohl aber als anerkannte Schle- 
fifche fich in andern Sammlungen befinden , habe ich 
mit einem Kreuz (■]•) bezeichnet, und des Entdeckers 
und ßofitz-ers derlolben gewifienhaft erv. ;ihnt. 

Neuere Entdeckungen , Bemerkungen und Be- 
richtigungen, die lieh noch nachträglich ergebenj wer- 
de ich künftig vorzulegen und bekannt zu machen, 
nicht verläumen. 



Falter oder Tagfchmetterlinge. 

PAPILIONES. 

Familie I.^ 

Sclieckenfalter, Papiliones vafiegaii. 

I, Pap. Maturna. 

Ochßnh. Europ Schmett. B. I. Abih i. S. ig. n. i. 
Borckhaufens Naturgefch der Europ. Schmetterl. Th. I. 

S 59. n 10. und 11. Cynthia u. Agrotera. 
—— — Rhein. Magaz. B. I. S 273. n 73. P. Agrotera. 
WägelV^VLn, Silef. S. 222. n.^i, P. Cynthia n.32. P. 

Agrotera (nach Bork häufen). 
Ffinzer Fauna 96. 24. P. Cynthia (mas.) 

Die zufammengebrachten Exemplare diefes Falters 
überzeugen mich ebenfalls, dafs die Borckhaufen''ch9 
Agrotera nichts anders , als die Varietät feiner C-yn- 

thia 



y6 V. Kritifches VerzMchnifs 

thya ift, nnd es fleht ihrer Vereinigung nichts entge- 
gen. AiiiTallende Varicüiren find mir noch nicht vor- 
gekommen ; denn dir, fo niii zu Händen kamen, be- 
ziehen fich nur auf die Göffe und Anzahl der Flecke, 
vorzüglich auf der untern Stite. 

Ich fammelte ihn iiumt! (.remale im Anfans^e des 
Juni igii. auf derLandltrafse von Landeshut nach 
Schmiedeberg, v^-o er am Abhänge eines ziemlich ho- 
hen Berges flog, und fii h gern in den Sand der durch 
den Wald ziehenden Strafse niederliefs. Kommt auch 
in der Breslauer Gegend , jedoch feiten vor. Die Rau- 
pe verzehrt auch die Blätter der Efpe (Populus tre- 
mula). 

Diefer Falter fcheint nach meinen Erfahrungen 
im platten Lande viel feltener, als in gebirgigten Ge- 
genden vorzukommen. 

2. Pap. Artemis. 

Ochfenh. Eur. Schmett. S 24 n. 3. 

Borkk. Eur Schm.I. S.',;. n 8-S-225.n.9. auch Th, II. 

S. J98. n.9. P. Lye. 
/Tf j^^. Faun. Silef. >.222. n.30. 
Panz. Faun. 97. 24. (mas.). 

Von diefer Art find mir bis jetzt noch keine merk- 
würdigen Abänderungen zu Geficht gekommen. Ich 
fing ihn ftets auf lichten Plätzen in Wäldern, nie auf 
grofsen freien Wiefen. Um Breslau, im Oswitzer 
"Walde fehr feiten; nicht fo feiten aber in gebirgig- 
ten Gegenden. Ich erhielt ihn im May einigemal auf 
den feuchten Wiefen zwifchen dem Zopten- und Gey- 
ersberge, fand ihn auch in mehrern anfehnlichen Sam- 
lungen in den Gebirgsilädten. 



der Schiefidhen Schmetterlinge. 77 
3. Pap. Ci>jxia. 

Ochfenh. 1. c S. 27. n 4, 

ßo^M. Eut. Schmetteil. Th I. S.^o. n. 3. Th.II. S. 193, 

n.3.(adiect. figO P.Delia. 
— — Rhein. Mag. I.e. S.269. n.68. P. Delia. 

U'eig. Faun. S.222. n.25» P.Delia. 

Die Raupe fand ich ein einzigesmal im Frühjahr im 
Oswiczer Walde, im Gräfe, der Verwaudlung nahe. 
Der aus ihr entllandene Falter männlichen Geichlechts 
beweift, dafs die Raupe Ichwarz mit röthlichen Kopf 
und Füfsen ift, und hiedurch ift die Bemerkung im 
Rhein. Mag. am angeführten Orte über diefe Raupe 
und die des Pap. Athalia beftätigt und berichtigt. 

Nirgends eine Seltenheit, doch niemals gemein, 
in manchen Jahren fehr feiten. Auf Ijchten trocknen 
grafigten Plätzen in Laubwäldern, im Monat Juny, ge- 
wöhnlich früher, als der folgende?. Didyma, bei def- 
fen Erfcheinung der P, Cinxla faft immer verflogen von 
mir angetroifen worden. 

4. Pap. Didyma. 

Ockfenh. 1. S. 30 n.^. 

Borkk. Eur. Schm, Th. I. S. 49. P Cinxia. 

■ Rhein. Mag. S. 267. n. 66. P Cmxia. 

Farn. Fauna 76. 24. (Der Mann von btiden Seiten.) 

Ein Falter, welcher in den mannigfaltigften Abän- 
derungen, Iowohl in Hinficht der Gröfle, als auch der 
Zeichnungen, erfcheint. In meiner Sammlung befin- 
det fich ein Mann, der um die Hälfte kleiner, als die 
gewöhnlichen ift, und mehrere männliche Exemplare, 
welche an Gröfse den vv^eiblichen gänzlich gleichen. - 

Die 



-^8 V. Kritifclies Verzeichnifs 

Die Anlage der Zeichnungen ifl: fall bei allen mir vor- 
gekommenen Individuen gleich, aber bald find fie ilär- 
ker , bald fchwächer vorhanden , jedoch wie gedacht, 
fo mannigfaltig, dafs kein Exemplar dem andern völ- 
fig gleich ilL Das Weib ift äiiflerfi: feiten ; ich habe 
oft unter mehr als 30 Exemplaren nur ein weibliches 
Individuum gefangen. - Die Raupe fah' ich nie. 

Meine, über den Aufenthalt diefes Schmetterlings 
gemachten Beobachtungen find: 

er lebt ausfchliefslich in ebenen Gegenden, und ifl 
noch nie in unferm Gebirge gefangen worden, wes- 
halb er auch in der Weigelfchen Fauna übergangen 
ift. Auch fand ich ihn noch vor einigen Jahren in 
keiner der Sammlungen, der in der Einleitung zu 
diefem Verzeichnifs erwähnten fleifilgen und genau 
beobachtenden Entomologen, welche ihn als eine 
neue Mittheilung von mir erhielten» 

Um Breslau, im Üswitzer und Liffaer Walde den 
ganzen July hindurch, auf dürren Grafepiätzen, man- 
ches Jahr häufig, zuweilen aber feiten, wie es bei ei- 
nigen Arten der Fall ift; fo war er z. E. in dem Jahr 
1812 ziemlich feiten. 

Ein weibliches Exemplar fing ich im Jahr 1 8 H 
noch fpät im Sommer, erhielt aber keine Eyer. 

4. Pap. Dictynna» 

Ochßnh. 1. c. S. 42. n. 8- 
Borkkauf. Hur. Schm. I. S.^4. n.6. 
— Rheinl. Mag. S. 270. n. 70, P. Hebe» 
/Ft/gf/Faun. S.;j22. n.28. 

Ich 



der Sclilefifchen Schmetterlinge. 7^ 

Ich felbfl habe diefen Falter nie gefangen, fondern 
die in meiner Sammlung befindlichen Exemplare durch 
die Mittheihing des Hrn. Rathtirann ^t%e *) in Frey- 
burg "bekommen, mit der Bemerkung, dafs die Flug- 
zeit vom Ende May bis Ende Juny dauere, 

Der Aufenthalt diefcs Falters find gebirgigte Ge- 
genden ; - bei Freiburg, im StadUvalde; in derGraf- 
fchaft Glatz, bei Pveinerz. In Ebenen ill er noch nie 
gefanj^en worden. Eben Ib habe ich aller Mühe un- 
geachtet von feiner Raupe nichts erfahren können. 

Merkwürdige Abänderungen find mit nicht vor. 
gekommen, als blos in Beziehung auf die Gröfse und 
Anzahl der Flecken, wie Hr. Ocbfenheimer erwähnt, 
welche ich befonders auf der Oberfeite der Hinterfiü- 
gel wahrgenommen , wo zuweilen nur eine gelbe Fle- 
ckenreihe erfcheirit. 

6. Pap. Athalia. 

Ochfenh. I.e. S.44. n.9. 

Borkh. Eur. Schm. I. S.52. n. 4. II. S. 179. P. Leucipps. 

fm ... Rhein. Mag. S. 270. n. 69. P. Athalia. 

w . ■ « ■■- — — . S. 272. n. 71. P. Leucippe. 

fVeig. Faun, S. 222. n. 26. 

Er erfcheint auch bei uns in unzähligen Varietäten, 
fo dafs faft kein Exemplar dem andern gleicht. Ich 

mufs 



*) Amn, Diefer fehi verdiente Entomologe ift feit zwei Jah- 
ren vetftorben. Er hat iTif»nChe wichtigeEntdeekung 
gemacht, deren Bekanntmachi.ng ab et fein Tod ver« 
hindert hat. Was mir davon belcannt geworden, 
werde ich gewiflenhaft benutxen und in meine Be* 
merkungen aufnehmen, — d. V, — 



So V. Kiitifches Verzeichnifs 

mnfs hierbei zweier merkwürdigen Abänderungen ge- 
denken, welche beide ich im Gebirge, nicht weit von 
der Stadt Landeshuth im Mcnat Juli gefangen : 
C6. auf der Oberfeite der Vordcrflügel find die Fle- 
cken in zwei fehr breite Binden zufammenge» 
floffen, fo dafs von der braunen Grundfarbe fehr 
wenig zu fehen ift. Die Unterfeite ift: faft ein- 
farbig braupgclb, jedoch in fch wacherer Mi fchung, 
als auf der Oberfeite ; die gewöhnlichen ftarken 
Zeichnungen find nur in einer fchwachen Anlage 
vorhanden. 

Auf der Oberfeite der HInterfiügel mangelt die 
dritte Fleckenreihe, vom Rande her, faft gänz- 
lich, und es fchimmern nur hie und da einige 
braungelbe Fleckchen durch; - auf der Unter- 
feite find die fchwarzen Zeichnungen ebenfalls 
nur fehr fchwach angedeutet. - Eine ähnliche 
Varietät fah ich noch nirgends. 
ß. Auf der Oberfeite der Vorderflügel find die in- 
nern Flecken fehr ausgedehnt; auf der Oberfeite 
der Hinteiflügel ifl: von der erften Reihe der am 
Rande befindlichen, gewöhnlich mondförmig ge- 
bildeten Flecken, nur eine fchwache Spur vor- 
handen ; die zweite Reihe befteht aus fechs run- 
den, und die dritte aus eben fo viel, ganz langen 
fcbmalen Flecken. Die Unterfeite aller Flügel 
zeigt keine Veränderung, fondern kommt mit 
den meiften überein. 
Der Pap. Leucippe Borkh. ift von Hrn. Ochfenhei- 
mer mit allem Rechte zu Athalia gelogen worden, und 

die 



der Schlefirchen Schmetterlinge. 8i 

die citirte Efperfche Figur ftellt blos eine Abänderung 
derfelben vor» Ich belitze ein Exemplar, welches 
nach der Unterfeite genau zu der Efperfchen Fi- 
gur [pafst, auf der Oberfeite aber gar nicht damit 
übereinftimmt , fondern die Zeichnungen mit vielen 
andern Exemplaren des wirklichen Pap. Athalia ge- 
mein hat. 

Ich fand diefen Falter überall , den ganzen Mo- 
nat Juny hindurch, im Gebirge und platten Lande, 
auf Waldwiefen, - manches Jahr ziemlich häufig, zu- 
weilen aber auch feiten i wie es im Jahre igii und 
Ig 12 der Fall war, 

7» Pap. Parthenie» 

0:hßnk 1. c. S.4K. n. 10. 

ßorkkauf. Eur. Schm. I S. ^3. n. ^, ll. S. 194, 

« ■ ■ ' ■ " Rhein. Mag. S. 272. 0.72. 
fVtig^ Faun. S. 222. n. 27. 

Von diefem Falter find mir blshef nur twei (männli« 
che) Exemplare, das eine in dem Fürftenfteiner Grün* 
de, gegen die Mitte des Auguftmonats, wo def Pap. 
Athalia nicht mehr flog, das andere in der hiefigen 
Gegend, im fpäten Sommer vorgekommen. Leider 
reichen freilich zwei Individuen nicht hin, um zwi- 
fchen zwei fo nahe verwandten Arten, wie die gegen- 
wärtige und P. Athalia find, die Unterfchiede flandhaft 
anzugeben J allein, felbil bei Verglcichung diefer ein- 
zelnen Exemplare mit einer grofsen Anzahl Stücke deä 
P. Athalia fällt der von Borkhaufen Eur. Schm. I. S. 54. 
angegebene Ünterfchied , die mehr abgerundeten gel«- 

H(ß l ' F ben 



82 V. Kriiifches Verzeichnifs 

ben Flecken , und einerlei breiten fchwarzbraunen 
Binden, als charakteriftifch in die Augen. 

Ein Mehreres kann ich über diefen Falter nicht 
anführen, und bleibt folches künftigen Beobachtungen 
iJberlaflTen. 

g. Pap. Lucina. 

Ochfenk. 1. c. S. ^O. n. ii. 

Borkhauf. Eur. Seh. I. S. 48. n. i. 

m Rhein. Mag. S. 274. n. 74. 

H^tig. Faun. S. 221. n. 24. 

Panz. Faun. 97 25. 

Von Ende May bis gegen die Mitte Juny, je 
nachdem lieh der Frühling eingeftellt hat, zuweilen 
früher, zuweilen fpäter, in engen Thälern, bei War- 
tha, Freiburg, und am Fufse des Pviefengebirges» 

In ebenen Gegenden fah ich ihn noch nie. 



Familie II. 
Edelfalter, papiliones nobil»s. 
5. Pap. Sf.lene. 

Ochfenk. I.e. S.55. n. 2. 
Borkh. Eur. Schm. I. S.42. n. 15. 
■ Rhein. Mag. S. 265. n.62. 

PVeig. Faun. S.22I. n, 21. 
Panz. Faun. 76. 2i. 

Nirgends feiten , oft ziemlich häufig; zuweilen mit 
Abänderungen, worunter mir fehr merkwürdige vor- 
gekommen find. Unter andern wurde ein Exemplar 
bei Warmbrunn gefangen, welches auf der Oberfeite 
gleichfam mit ciaem fchwarzen Flor überzogen war, 

fo. 



der Schlefifchen Sclimetterlinge. gj 

fo, dafs die rothgelbe Farbe kaum durchfchien. Zwei 
andere Exemplare männlichen Gefchlechts, gleichfalls 
im Gebirge *) gefangen, befinden fich als merkwür- 
dige Varietäten in meiner Sammlung , ich werde vex- 
fuchen, fie zu befchreiben. 

Das eine von einem fleiffigen Sammler bei Arns- 
dorf, ohnweit Schmiedeberg gefangen, hat auf der 
Oberfeite ringsum die fchwarzen Zeichnungen , wel- 
che von denen der gewöhnlichen Exemplare nicht ab- 
weichen, einen fchwärzlichen Schatten, wodurch der 
Falter ein fonderbares Anfehen erhält; auf der Unter- 
feite fcheinen diefe Schatten etwas durch, die rothgelbe 
Grundfarbe ifl: fehr dunkel, beinahe roftbraun, und 
die filberglänzenden Makeln und Wifche haben einen 
ftarken bläulichen Schimmer, 

Das andere Exemplar aus der Landeshuther Ge- 
gend zeichnet fich dadurch aus, dafs auf der Oberfeite 
die rothgelben Flecken im Saume des Auffenrandes 
fehlen, die fchwarze, durch die Mitte der Vorderflü- 
gel ziehende, im Bogen flehende Fleckenreihe fehr 
grofs und tief von Farbe, und auf den Hinterflügelii 
der Raum von der Mitte bis an den Auffenrand ganz 
fchwarz ausgefüllt ift; die röthlichen Flecken am Auf- 
fenrande find jedoch vorhanden. Auf der Unterfeite 
der Vorderfiügel find die gewöhnlichen fchwarzen 
Zeichnungen in ftarke Wifche von gleicher Farbe, und 
das Colorit der Hinterflügel in tiefes Roftbraun umge- 
wandelt, wodurch fich die filberglänzenden Flecke fehr 
heben. 

F 2 Der 

*) ^tim. Unter dem AusdruckGebirge, wird hier jedesmal 

dag Rief«ng(birge v&iilanden. 



84 V. Krittfches Verzelchnifs 

Der Pap. Selene ift übrigens, wie vhen angefüliVti 
nirgends eine Seltenheit , und erfcheint oft fchon in .. 
den erften Tagen des May, in Gefelllchaft des Pap. 
Euphrofyne und Di4, auf freien Plätzen und Wäldern, 

Herr Ochfenheimer erwähnt in feinem Werke a, 
a. O. S. 58' einer zweiten Generation, welche obwol 
feiten, fpät im Auguft fliegen foll. Ich habe diefelbe 
ebenfalls nicht feiten gefangen, und erlaube mir dabei 
folgendes zu bemerken. 

Diefer fo fpät erfcheinende Falter iftnach beiden 
Gefchlechtern ftandhaft weit kleiner, als die im Früh- 
ling fliegenden Exemplare, und die Zeichnungen, die 
zwar in Hinficht der Lage und Richtung nicht abwei- 
chen , find weit feiner angelegt , fo dafs man fagen 
kann , der fpäter folgende Pap. Selene erfcheint in ei- 
nem verjüngten Maafsftabe. Ob diefes vielleicht eine 
befondere Art feyn dürfte, oder ob in der Regel alle 
zweite Generationen kleinere Exemplare enthalten, 
wie dieles bei Pap. Alexis und Eypr. RufTula der Fall 
zu feyn fcheint, wage ich nicht zu entrfcheien , fon- 
dern überlaffe es der Prüfung erfahrner Entomologen, 

10. Pap. Euphrosyne. 

0.-&/<?«/j. 1. C.iS.58. n. 3. 
Borkh. Eur. Schm. 1. 42- n. 14. 

Rhein. Map;. S. 265. n.bl, 

IVeig. Faun. S. 221. n.20. 
Vanz^ Faun. 96. 23. 

Üeberall, jedoch nicht häufig, nie auf oiTenen 
Wiefen , fcndern auf freien Plätzen in Laubwäldern, 

im 

I 



der Schlefifclien Sclimetterlinge. 85 

im Monat May. Ob es eine zweite Generation, die 
nach Ochfenh. a. a. O S. 63. im Augnft erfcheint, auch 
bei uns giebt, habe ich noch nicht genau beobachten 
können. Ich befitze zwar ein männliches Exemplar, 
welches ich am 6^«;» Auguft 1 809 im Oswitzer Laub- 
walde fing, und fich von denen im May fliegenden gar 
nicht unterfcheidet; ieitdem habe ich alles eifrigen 
Suchens ohngeachtet um die erwähnte Zeit nie wieder 
einen Pap. Euphrofyne entdecken können. 

Varietäten von Wichtigkeit fahjch noch nirgends.' 
ir. Pap. Dia» 

Ochjenh. I.e. 8.61.11.4. 

Borkfi. Eur. Schm. I. S. 41. n. 13. P. Dia minor. 

■ Rhein. Mag S. 266. n. 64. 

fVeig. Faun. S 221. n. 19. P. Dia minor. 

Diefer Falter wurde von mir faft überall, wo ich 
fammelte, gefunden, fowol im Gebirge , als im platten 
Lande. Nie kommt er häufig vor, fondern nur hie 
und da; ich kann mich auch keiner Zeit erinnern» 
wo er fich etwa befonders häufig gezeigt hätte. 

Er erfcheint zweimal des Jahres, das einemal im 
May, oft fehr frühzeitig ; das anderemal im July und 
Auguft; - auf trockenen grafigten Plätzen in Laub- 
waldungen» 

Erhebliche .Varietäten fah ich noch nie. 
12. Pap. Ino. 

Ochfenh. i.e. S.69, n.7. 

Borkh. Eur. Schm. I. S.46. n. 19. IL 8,191. 

fi'äg. Faun, S.22I, n,23. 

Im 



85 V. KritifcKss Verzeichnifs 

Im Monat Jnni auf feuchten Wiefen in Laubwal- 
dungen, - in verfchiedenen Gegenden, - nicht häu- 
fig ; - um Breslau - bei Freiburg. Ich fammelte ihn 
im Jahre rgii Anfangs Jnni, im Thale zwifchen dem 
Zopten- und Geyersberge , wo er auf hochliegenden 
feuchten Wiefen mehreremale flog. 

Merkwürdige Varietäten find mir noch nicht vor- 
gekommen , fo wie ich über die Raupe bis jetzt noch 
keine Erfahrungen habe machen können. 



In dem vortrefflichen Ochfenheimerfchen Werke 
folgt hierS. 72. unter No. 8. der Pap. Daphne. Ob 
zwar diefer Falter in der Weigelfchen Fauna 5» 221. 
n, 22. angeführt fleht, fo kann ich vor jetzt ihn» docH 
das Indigenatsrecht nicht einräumen , da ich ihn nie 
weder felbft: gefangen , noch auch in Erfahrung brin- 
gen können, dafs er irgendwo gefangen worden. 
Alle Eigenthümer von Sammlungen, die diefen Falter 
|)efitzen , haben ihn aus benachbarten Provinzen; -^ 
die meinigen hat mir Hr. Grimm in Niesky überfandt, 
mit dem Bemerken : dafs das Vaterland Oefterreich 
fey, n 

13. Pap, Latonia, 

Ochfenh. l,c. S.go n- 12. 
Borkh. Eur. Schm. I. S. 40. n. 12» 
— — Rhein, S.264. n-6o. 
Weig. Faun. S.22I. n. ig. 

Fliegt 



*) Fr kommt auch, wiewol feiten, bei Leipzig -und Halle 
vor. G. 



der Schlefirdien Schmetterlinge. 87 

- Fliegt den ganzen Sommer auf fandigen Fahrwegen 
und in Gärten, - nicht feiten. Ich fing i. J. 1809 ein 
frifch entwickeltes Exemplar männlichen Gefchlechts 
fpät im Jahre, nämlich am 4^«» Octobr. am Saume ei- 
nes Laubwaldes. 

Abänderungen fah ich noch nie. Die Exemplare 
mit dem grünen Anflug, deren die Herren Ochfenhei- 
mer und Borkhaufen (im Rhein, Mag.) erwähnen, find 
feltener als die andern» 

14. Pap." NfoBE» 

Ochfetih. I. c. S.83-n. 15. 

Borkh. Eur. Seh. I. S. 34. n.7. IL S. 189 Pap Niobe. 

I.S.36. n.8. P- Pelopia (adj. tab.) 
— — Rhein. Mag. S.263. n.58 P. Niobe. 
S. 264. n. 59. P. Pelopia. 
fVeigel Faun. S.221. n. 17. 

Diefer Falter erfcheint von Mitte Juni an, den gan- 
zen Monat hindurch, bis zur Hälfte des Juli, fowohl 
in den niedern als hohen Gegenden der Provinz , auf 
grofsen Wiefen in Laubwaldungen , wo er fich gern 
auf Blumen niedriger Pflanzen, z. E. der Trifolium- 
arten, niederläfst, und leichter als die verwandten Ar- 
ten gefangen werden kann. Nie fammelte ich ihn 
auf frei gelegenen Wiefen. 

Dafs die ganz fdberreichen keine befondere Art 
feyen, ift wol kaum mehr zu bezweifeln. Ich habe 
nach beiden Gefchlechtern eine Anzahl Exemplare, 
welche die Stufenfolge von den ganz filberlofen bis 
zu den filberreichflen fehr inftruftiv darilellen. 

Soft- 



88 V. Kritifches Verzeicbnifs 

Sonderbar ift es, dafs von diefem Falter fich in 
unferer Provinz noch keine merkwürdige Varietät 
vorgefunden. In allen Sammlungen, felbft in den 
reichhaltigften , habe ich nie eine bemerkt. 

Borkhaufens Pap. Pelopia ift gewifs nur eine fei- 
tene Varietät. 

Ij. Pap. Adippe. 

Ochßnh. l. c. S. 88 n 14. 

Dokli Eur, Schm. und deffen Rhein. Mag. f. die Citate 

im Ochfenheimerichen Werke. 
fj^ein. Faun. S. 221. n. i6. 

Diefen und den vorhin befchriebenen Falter kann 
nun VFohl kein Entomologe mehr verwechfeln, ftitdem 
der Unterfchied zwifchen beiden durch Hn. Ochfen- 
heimer fo vortrefflich und genau dargeftellt worden, 
dafs es unmöglich ift, etwas noch hinzuzufügen. 

Ich habe-demnach blos von dem Aufenthalt des 
P«p. Adippe zu fprechen. Meine Bemühungen, fol- 
chen durch eigne Erfahrung auszuforfchen, find noch 
bis heute ohne Erfolg geblieben ; indeflen ift fo viel 
gewifs, dafs fich diefer Falter wirklich in Schlefien 
vorfindet , aber der rechte V/ohnort defTelben noch 
nicht entdeckt ift. Herr Amtschirurgus Manger zu 
Warmbrunn, ein üufferft genau prüfender und erfahr- 
ner Entomologe , hat mich erft kürzlich verfichert» 
dafs er ein Exemplar beiHirfchberg felbft gefangen ;- 
ein anderes aus diefer Gegend fah ich in dem vor- 
trefflichen und reichhaltigen Cabinet des unermüdeten 
Jnfektenfaramlcis, Herrn Stadtverordneten Langer in 

Hirfch. 



d«r Schlefifchen Schmetterlinge. 89 

Hirfchberg, - als einzelne Seltenheiten. Sollte mir 
das Glück im Auffinden diefes Falters günftig feyn, fo 
werde ich in diefen Heften einft die Refiiltate meiner 
Bemühungen mit Vergnügen bekanntmachen» 

16. Pap, Agläja. 

Ochfenh. 1.0.8.91.0.15. 
Borknauf. Eur. Schm. I. S.31. n.^. 

Rheinl. Mag. S, 262. n. 56. 

fFeigel Faun. S.22r. n. 15. 

Diefer fehr bekannte Falter ift in Schlefien nirgend 
eine Seltenheit. Er fliegt den ganzen Juli und Auguft 
auf Wiefen und Feldern, wo viele Difteln flehen, auf 
deren Blüthe er fich gern aufhält» 

17, Pap. Paphia. 

Ochfenh. l.c 5.96- n, 17. 

ßorckh. Europ. Schmctterl. Th. I. S. 27. n. i. 

-— - Riiein. Magaz. S 261. n. 55. 

fVeigel Faun. Silef. S. 221. n. 14. 

Panzer Fauna 98- 23. (mas.) 
Die Raupe nährt fich wahrfcheinlich am liebfiien von 
den Blättern der zum Gefchlecht Rubus gehörigen Ar- 
ten, weil diefe Pflanze um Breslau weit fparlkmer als 
im Gebirge wächft, und ich den Falter bei uns nur 
fehr leiten, im Gebirge hingegen alle Jahre fehr häu- 
fig antreffe. Er liebt die Dillelblüthen ebenfalls vor- 
züglich, wo man ihn äufiferft leicht fangen kann. 

Die Spielart mit dem Purpurfchiller auf der un- 
tern Seite der Hinterflügel , deren Hr. ßorkhaufen im 
Rhein. IVlag. l.c. erwähnt, kommt auch bei uns vor, 
und zwar nach beiden Gefchlechtern. 

Flugzeit: - Monat Juli und Auguß. 



$o V. Kritifches Vcrzeichnife 

Familie III. 
Eckflugelige Falter, Papiliones angulati. 

lg. Pap. Cardui. 

Ochfenh. I.e. S I02. n. i. 
Borkh. Eur. Scbm. I. S. 15. n. 6. 
•—— Rhein. Mag. S. 255. n. 44, 
fVeig. Faun. S.22. n. 19. 

Es ift fonderbar, dafs diefer fonft überall vorkom- 
mende Falter in manchen Jahren als eine wahre Sel- 
tenheit erfcheint, wie es bereits viele Entomologen, 
und befonders der vortreffliche Röfel bemerkt haben. 
Ich habe die nämliche Erfahrung gemacht, indem die 
Raupen i.J. igi». fich fo häufig bei uns eingefunden 
hatten , dafs fie fogar auf den Diftelpflanzen , womit 
die nunmehr demolirten Feftungswerke unfrer Stadt 
(Breslau) häufig bewachfen find> in fehr grofser Men- 
ge gefunden wurden. Im abgewichenen 1 81 2ten jäh- 
re war diefer Falter wieder eine fehr grofse Selten- 
heit 5 - ich erinnere mich nicht drei gefehen zu ha- 
ben. - 

AufNeffeln, und andern in den verfchiedenen 
«ntomologifchen Werken als Aufenthalt de;: Raupe 
angeführten Pflanzen, fand ich bis jetzt noch keine, 
fondern blos auf Difleln , in den zufammengefponne- 
nen Blättern^ wie mehrere Raupen diefer Familie. 

19. Pap. Atalanta. 

Ochfenh. Eur. Schm. 8.104. "•2» 
Borkk. Eur Schm. I. S. 12. n. 4. 
■■ Rhein. Mag. S.256. n.45. 

fVeig. 



der Schlefifclien Schmetterlinge. 91 

fFeig, Fawn. Silef. S.220. n.4. 
Patiz. Faun. 22- 20. 

Arlig und richtig jil die Bemerkung im Rhein. Mag. 
dafs die Raupen erft nach der letzten Häutung in ver- 
fchiedenen Farbenabänderungen (r/erer/e)'; - f Bork- 
hauf. Eur. Schm. a. a. O.) fich vorfinden. 

UeberalU - Iß keinem Jahre Vorzugs weife häa- 
fig bemerkt. Es liebt diefer Falter befonders die 
feuchten Weidenftämme. 

20. ?Äl\ Jo. 

Üchfenh. I. c S. 107. n 5. 

Borkk. Eur. Schmetteri. Th. J. S.13. n.^, 

■ Rhein. Mag. I.e. S,26o. n.53. 

Weig. Faun. S. 220. n, 5. 

l^anz. Faun. 99. 23. 

Die Bemerkung im Rhein. Mag. , dafs diefer Falter 
allenthalben gemein fey, kann ich grade nicht auf un- 
fere Provinz anwenden. Das Refultat meiner Erfah- 
rungen ift, dafs fich derfelbe mehr in bergigten Ge- 
genden, als im flachen Lande aufhält, und daher um 
Breslau feiten ift. Ich fand ihn öfter im Fürftenileiner 
Felfengrunde ; - dann wieder auf dem hohen Gebir- 
ge zwifchen Landeshuth und Schmiedeberg; - - und 
auf feuchten Wiefen im Schmiedeberger und Hirfch- 
terger Thale. 

' Die von Hn. Ochfenh.eimer in der Anmerkung 
S.109. a. a. O. bemerkte kleinere Art ift fßir Ooch nij:- 
gends vorgekommen. 



2 h 



92 V. Kritifchcs Verzeichniß 

21. Pap. Antiopa. 

Ochfenh. I. c. S. S. I lo. n.4. 
Borkh. Europ. Schm.I. S.u. n.5. 
— Rhein. Mag S-258.n.48. 
We\g. Faun. S. 220 n. 3. 
Farn. Faun. 89. 23. 

Kicht feiten, - ohne doch gemein zu feyn» Bei 
Breslau feiten, ~ häufiger im Gebirge, wo er den Saft 
der Birken vorzüglich liebt. 

Dafs die Falter mit weiffem Rande überwinterte 
Exemplare find , ift nun wohl keinem Zweifel mehr 
unterworfen. Meine Gründe dafür find . 

i) fing ich nie ein ganz reines Exemplar mit weif- 
fem Rande; - 

2) ift mir mitten im Sommer, wo der Antiopa mit 
dem fchönen gelben Rande fliegt, nie einer mit 
weißem vorgekommen ; - 

3) find auf dem weiden R.ande, befonders nach der 
innern Seite der Flügel zu, noch deutlich die Spu- 
ren der gelben Farbe öfters zu fehen (Ebenfalls 
im Rhein. Mag. bemerkt.) 

4) ift die braune Grundfarbe der Oberfeite nie fo 
lebhaft, wie bei den Exemplaren mit gelbem 
Rande- - 

Sind nicht die Farben der überwinterten Exemplar« 
des P. Polychloros und Urticae ebenfalls abgeblafst ? - 
Ich kann ^ wenigftens keiner andern Meinung huldi- 
gen» 



22. 



der Schlefifchen- Schmetterlinge, 93 
22. Pap. V. ALBUM, m 

Ochfinh. 1. c. S. 112. n. ^. 

Bortu'i. Eur. Seh, I. S. 17. n. 11. P. L. album. 

II. S. iS'S- (Eine Anin über die Raupe.) 

Rhein. Mag. S.260 n. 51. P. V. album. 

Es gereicht mir zu einem befondern Vergnügen» 
die Infektenfauna meinen Vaterlandes durch diefe fel- 
tene Art zu vermehren. Hr. Paftor Weigel führt 
diefelbe in feinem Werke noch nicht auf, ihm war fie 
alfo als eine Schleßfcke , unbekannt. Am:h mir felbft 
find nur zwei Exemplare zu Geficht gekommen, und 
fo hat fich dieier Falter bis jetzt noch völlig verborgen 
gehalten. 

Das eine befindet fich in der Sammlung des Hrn. 
Schlofs Verwalter Teichgräber zu Arnsdorf bei Schmie- 
deberg, eines fehr fieifligen und achtungswerthen Be- 
obachters der Infekten, eines Mannes, der manche 
wichtige Entdeckung im Infektenreiche gemacht hat. 
Ich benutze diefe Gelegenheit, um ihm hier öffentlich 
meinen Dank für viele von ihm fo liberal und uneigen- 
nützig mir mitgetheilte Erfahrungen , als auch Bei:rä- 
ge zu meiner Sammlung abzullatten. Beides Eigen- 
fcbaften, die leider manchem Sammler fehlen, indem 
folche zwar einen bedeutenden Vorrath von Infek en 
anhäufen, und forgfältig in Doppelfpiegeln aufdecken, 
ihn aber engherzig und neidifch verfchlieffen, und def- 
fen Anficht den Freunden der VVillenfchaft entziehen, 
wodurch freilich für das Ganze manches verloren geht. 
Man wird mir diefen kleinen Seitenfprung verzeihen, 
mein Gefühl für Pvecht, Billigkeit und Dankbarkeit 
verleitete mich dazu. - 

Ge- 



54 V. Kritifches Verzeichnifs 

(jedachtes Exemplar wurde bei dem fünf Meilen 
füdweftlich von Breslau ganz ifolirt liegenden Pitfchner 
Berge gefangen; übrigens llimmt es genau mit allen 
Abbildungen; - weffen Gefchlechts es ift, kann ich 
mich gegenwärtig nicht erinnern. 

Das zweite Exemplar, (einen Mann), fing man 
in einem Garten allhler in der Vorftadt, zu Ende des 
Juli 1809, wo es fehr lebhaft um eine Böchenhecke 
geflogen feyn folU - 

Ich habe die möglichfle Mühe angewendet , um 
nähere Erfahrungen über diefen feltenen Falter zu fam- 
mein, aber bis jetzt ift fie ohne den erwünfchten Er- 
folg geblieben, 

23. Pap. Polychloros. 

Ochfenh. 1. c S. I14. n.6. 
Borkk. Enr, Schm. I. S, 14. n.7. 

. Rhein. Mag. S.2?8- n.49. 

fVeig. Faun. S. 220. n. 7. 
Pam. Faun. 89- 24. 

Ueberall häufig; befonders oft in grofser Gefell- 
fchaft an den Eichen - und Weidenftämmen, deren aus- 
dringenden Saft er fehr zu lieben fcheint. 

Die Raupe fand ich noch nie auf Cornus fangui- 
nea ; - übrigens aber auf allen andern bereits als ih- 
rem Aufenthalt bekannten Pflanzen. - 

Am 6ten Januar diefes Jahres, wo ich eine Excur- 
fion des fchönen Wetters wegen machte , wurde ein 
Exemplar diefes Falters im Freien fliegend beobachtet» 

So 



der Schlefifchen Schmetterlinge. ss 

Dabei fand ich auch am Stamm einer Eiche eine 

mir unbekannte Tinea, und ein Exemplar der Geome- 

tra brumata. - Eben kroch auch an einem Weiden- 

ftamm Cimex diffimilis. 

24. Pap. Xanthomelas. 

Ochfenh 1. c. S 117. n.7. 
Borkk. Eur. Schm. I. S. ig. n. 14. 

Rhein. Mag. S. 259, n.50. 

fVeig, Faun. S. 220. n. 10. 

Diefer Falter wurd« lange Zeit als ein blofser Ge- 
birgsbewohner betrachtet, ift aber nun feit zwei Jah- 
ren auch in der Breslauer Gegend beobachtet worden, 
wo er im verfloflenen sgiaten jähre in der Mitte de$ 
Sommers mehrmals auf den Landftraflen, in der Nähe 
der Weidenbäume gefangen wurde» Die Raupe habe 
ich noch nie gefehen. 

Da er zu gleicher Zeit mit dem P. Polychloros 
fliegt, fo ifl: er wahrfcheinh'ch auch bei uns für denfel- 
ben gehalten worden, und hat fich demnach dadurch 
den Beobachtungen bisher entzogen. 



Herr Schullehrer Köhler zu Schmiedeberg, einer 
meiner aufrichtigften Freunde, - Entomologe im wah- 
ren Sinne des Wortes - hat einen Falter beobachtet, 
und mehreremale erzogen, der demPap.Xanthomelas 
fehr nahe verwandt ift, den er aber wegen der Ver- 
fchieienheit der Raupe für eine befondere Art 2u hal- 
ten 



9^ V. Kritifches Verzeichnifs 

ten geneigt ift, und unter dem Namen P. Salicis einH- 
weilen der VV'eigelfchen Fauna einverleibt hat. 

Ich fage hierüber nichts beftimmteres ; die mir 
von Hn. Köhler mitgetheilten Beobachtungen kann ich 
hier nicht anführen, indem er diefes felbfl , entweder 
in diefen Heften, oder in der vortreffli-hen Fauna des 
Hn. Ahrens, thun wird. Nur erwähnen wollte ich 
diefes Falters, theils weil er in der Weigelfchen Fauna 
aufgeführt ift, (S. 220. n. 1 1.) theils und hauptiachlich, 
um auswärtige Entomologen auf den P. Polychloros 
und deffen Verwandte aufmerkfamer zu machen. - 

Aui;h hat Hr. Manger in Warmbrunn diefen Fal- 
ter im verfioffenen Jahre beobachtet, und es werden 
wahrfcheinlich feine Bemerkungen, mit denen des Ho. 
Köhler vereinigt , dem entomologifchen Publico zur 
Prüfung vorgelegt werden. ') 

55. Pap. Urtica. 

Ochfinh. 1. C.S. 120. n.8. 

Borkh. Eur. Schm.il. S. I^. n. S» 

— — Rheinl. Mag. S.261. n.54. 

JVeig. Faun. S. 220. n. 8- 
Findet fich überall» aber nirgends In grofser Menge, 
weil die Raupen und Puppen zu fehr den Ichneumons 
ausgefetzt find* 

Auf Rüilern fand ich noch nie die Raupe. 

a6. 



Wir verdanken der Gate des Hrn. Richter zwei fchone 
Exemplare diefes Pap. Salicis, geflehen aber, dafs es unl 
unmöglich war. Unterfcheidungskennzeichen vomPap. 
X^ithomelas zu finden. 



det Schierifclieii Sclimetterlinge. $^ 

&6^ Pap. C Album. 

Ockfenh. Eür. Schm.S. i2^. n. lo. 
Borkk- Ear Schm. I. S. I^. n 9. 

» * ■ ■■ Rhein. Mag. 8,260. n. 'jz» 

/^fi^» Faun. Silef. S»220. n.9. 

In verfchiedenen Abänderungen, - niemals feilen -» 
den ganzen Sommer hindurch, bis in den Monat Sep-,- 
tember. 

Man y^nn nach Borkhar.fen Ca. a O. S. 16O füg- 
lich dreierlei Hauptverfchiedenheiten inAnfehung des 
Colorits, belbnders der Unterfeite , annehmen, Welche 
hie und da von Sammlern, die ein befonderes Vergnü- 
gen, oder wenn man will, Spiel, darinn finden, auf 
jeden oft unbedeutend abweichenden Exemplaren 
neue Arten zu bilden, zu dergleichen erhoben wer- 
den. Diefe drei Abänderungen find : 

a) Die Oberfeite mehr gelb, als röthlich, die Un- 
terfeite ganz gdb-, grau und grün niarmorirtj 
das weiffe C ill: hier immer fehr flark gezeich- 
net} der Flügelrand ift nicht fo tief und ftumpfer 
ausgefchnitten, als bei der zweiten uwd dritten 
Abänderung. 

b^ Die Oberfeite dunkelrothgelb, die Ünterfeite 
fehr dunkel marmorirt, ohne gelbe Exnmiizhnwgi 
das C nimmt fich bei' diefen voi züglich fchört aus % 
der Flügelrand ift tiefer und fchöaer aüsgefchnit« 

' ten. 

c) Die Oberfeite gleicht der vorigen*, die Ünterfei- 
te ift aber ganz düfter und bläffer marmorirt, das 
C erfcheint dadnrch Weniger lebhaft j die Flügel- 
Heft. t. G auji- 



$ig V. Kritifches Verzeichnlfs 

ausfchnitto find ftiimpfer, als bei den vorigen. - 

Ich habe bei diefer Abänderunt; allein das C oft 

(ehr undeutlich gefunden ; bei einem Exemplar 

fehlt es fiift gan7, , und an feiner Stelle ift nur ein 

kleiner, äufierft feiner weifler Strich zu fehen. 

Offenbar bringt die Verfchiedenheit des Futters diefe 

Abweichungen im Colorit hervor; ich habe indeffen 

bisher zu wenig Glück in der Erziehung der Ranpen 

diefes Falters gehabt, als dafs ich hierüber etwas fi- 

cheres aufftellen könnte; - es bleibt demnach noch 

künftigen Erfahrungen aufbehalten. 

Als merkwürdig führe ich noch an: dafs ich die 
Abänderung c. immer im Herbft gefunden. 

21- Pap. Prorsa. 

Ochfenh. I. c. S. 129. n. I2. 
Borkk Eur. Schin. I, S.20. n. 17. 

■ Rhein. Mag. S. 256. n.46. 

Weig. Faun, S. 221- n. 12. 

Die Raupen fand ich einmal im juny auf Nefleln in 
einem Eichenwalde ohnweit Breslau. 

Der Falter ift ziemlich feiten in unfrer Gegend; 
- im Gebirge findet er fich nach den mir zu Theil ge- 
wordenen Erfahrungen gar nicht. - Auffer der Bres- 
lauer Gegend findet er fich auch in den grasreichen 

Vertiefungen auf den Trebnitzer Bergen. *) 

Aus- 



*} Amt. Die Trebnitzer Berge haben ihren Kamen von dein 
in einem ihrer Thäler, 3 Meilen nördlich von Breslau 
gelegenem Städtchen und vormaligem Klofter Trebnitz. 

Sie 



der Schlefifchen Schmetterlinge. 99 

Ausgezeichnete Varietäten find mir noch nicht 
vorgekommen. 

28. Pap. Levana. 

Ochßnli. l.c S. n2. n. i^. ^, 

Borkk. Eur Schm.I. S. 21. n. 1^/ ^¥> V 

Rhein S. 256. n. 47. \4 »^ 

fT«^. Faun. S.221. n. 13. 

Diefen Falter, der ebenfalls bis jetzt noch nicht 
im Gebirge ifl: gefangen worden» habe ich im May ei- 
nigemal bei dem Dorfe Scarfine, ohnweit Trebnitz 
gefangen ; - er erfcheint zur nemlichen Zeit auch bei 
Breslau. Die Raupen fand ich nie im Frühjahr, fon- 
dern fpät im Augufl: auf Neffeln , und zwar auf der 
nämlichen Stelle , wo fich Anfangs Juny die Raupen 
des P. Prorfa aufhieUen. Die Falter überwintern in 
der Puppe, die etilen erfchienen bereits im Januar in 
meinem Wohnzimmer. 

Auch 



Sie fangen bei Oels an, und ziehen fich fudwfßlich bis 
zur Oder, in ein-^r Ljinge von ohng.fihr 7 Meilen, und 
zuweilen über 2 Meilen betrjigtnde'i Breite. Di.ie Hü- 
gel , von denen mehrere an 4 bis 500 Fu(s über Breslau 
erhaben find , befteheo aus keinem feftem Geflein , fon- 
dern find biosein aufgefchw mmter Landrücken, und 
enthalten hauptlächüch Lehm, band, Thon , Bolus, 
Walkererde, Kali-.erde und Mergel. D?m Entomologen 
liefern fie manches fchöne Iniekr, und in diefer Hin* 
ficht werde ich ihrer hier oft erwähnen ; für den Bota. 
niker find fie von nicht minderer Wichtigkeit, — dem 
Technologen find fie unentbehrlich , u. d für den bio- 
fen Spatziergänger enthalten fie vörtrtffiiche Parthieen 
und Ausfichten. — 

G 2 d., V«rf. 



loo V. KritKclies Verzeichni(s 

Auch von diefem Falter habe ich noch keine 
merkwürdige Varietät gefehen. 

Den bekannten Verfnchen zu einer Vereinigung 
diefes und des vorhergehenden Falters gebe ich mei- 
nen Beifall nicht; - warum vereinigt man da nicht 
auchNoQua Pfi undTridens Borkli. ? - da doch beide 
Eulen fchwer von einander zu unterfcheiden find, und 
man, um die richtige Art zu kennen, fie fchlech- 
terdings aus der Raupe aufziehen mufs. Und, find 
nicht die Raupen des P. Prorfa und Levana auch ver- 
fchieden? - wiewohl fehr fubtil; - allein diefes ift 
doch hinreichender Grund genug, einer Vereinigung 
beider zu widcrfprechen. - 



Familie IV. 
Bandirte Falter, Papiliones fafciati. 



29. Pap. Populi. 

Ochfenk. 1. c. S. 14^. n. ^. 

Borkkauf. Eur. Seh. I. S. 3. n. r. 

■ ■ Rhein Mag. S. 254. n. 42. , 

JVdg. Faun. S- 219. n. i. 

Fanz, Faun. 28 22. (mas, mit durchfcheinender Binde J 

Unter den bekannten Arten diefer Familie ift diefer 
Falter die Einzige, welche bisher in Schlefien gefun- 
den wurde. ( Ueber den F. Sybilla ift noch nichts 
entfchieden, wiewohl man ihn vor mehrern Jahren auf 
dea Bergen bei Nimptfch bemerkt haben will.) 

Der 



der Schlefifchen Schmetterlinge. loi 

Der P. Popiili erfcheint auch in linferer Provinz 
nach den von Hn. Ochfenheimer angeführten und hin- 
länglich bekannten Abweichungen in Hinficht der Bin- 
den, fo dafs noch etwas hinzuiufügen ich auffer Stan- 
de bin. 

Seine Raupe wurde in hiefiger Gegend mehrere 
Jahre hintereinander auf einem kleinen Hügel, wel- 
cher mit vielen jungen Efpenbäumen bewachfen ift, 
gefunden, und zwar fchon in der Mitte May beinahe 
erwachfen. 

Den Falter fing ich Ende May ; - auch in gebir- 
gigten Gegenden, z B. hinter Schweidnitz; - dann 
bei Schmiedeberg, - und bei Zobten, auf der halben 
Höhe, zwifchen dem Stuhl- und Mittelberge,*) häu- 
fig in einem Hohlwege , der durch mehrere Quellen 
an feinen Rändern, einen grofsen Ueberflufs an Feuch- 
tigkeiten hatte. 

Fami- 



^) Anm. Der Zohtenherg , —• oder eigentlich Zohtengehirge^ 
deflen in diefen Bog?n iöt'cers erwähnt wird , — liegt 
3 Meilen lüdöftlich von Breslau, dem höhern Glätzer 
undRielengebirge zu, und befteht aus dem eigentlichen 
Zobtenberge, dem Stahl- Mittel -und Engelsberge, wel* 
che nördlich vor demfelben liegen: dann au« dem Gey- 
ersberge, welcher füdlich vom Zobtenberge liegt, der 
höchfle Berg einer der bedeutenden Nebenkette von 
Hügeln ift, und mit dem Zobtenberge ein an Infekten 
und Pflanzen fehr reiches Thal bildet. Endlich gehören 
noch dazu die etwas nbgefondert liegenden Költfchner- 
Berge, lüdweftlich vom Zobtenberge. 

der Verf. 



102 V. Kriiifches Verzeichnifs 

Familie V. 
Schillerfalter. Pnpiliones verficolores. 



go. Pap. iRts. 

0-hfenk. 1. c S. T94. n.2. 

Borkfi. Eur. Scbm. I. S.5. u. 6. n.2.fl. P.Iris Junonis. 

Rhein M^g. S 2^1. n, 38- P. Iris. 

fFeig. Faun. S 220. n 2. 
Patn. Faun 79. 23. m. 

Ich fing diefen Falter noch nie in ebenen Gegenden, 
fondern allemal in gebirgigten; - hinter Scarfine im 
Trebnitzifchen, auf einem feuchten Fufsfleige ; - auf 
disr fchon bei Gelegenheit des Pap. Maturna erwähn- 
ten hohen Gebirgslliafse , zwifchen Landeshut und 
Schmiedeberg, bei d^m Dorfe Hohenwiefe, auf feuch- 
tem Erdboden ; - bei dem Bergfchloffe Fürftenftein, 
an dem den Grund durchflieflenden Bache, die Pols- 
nitz genannt; auch ebendafelbft in Gefellfchaft des ?♦ 
Polj'chlqros und P. Aniiopa, an Eichenftämmen, da er 
im Begriff war, den da herausfchwitzenden Saft begie- 
rig einzufaugen. Dergleichen feuchte Stellen find 
bekanntlich fein Lieblingsplatz und gewöhnlicher Auf- 
enthalt: aliein ich habe auch bemerkt, dafs er fich auf 
höhere Baumzweige niedcrläTst» - Flugzeit: von der 
Hälfte des July an. 

Die Weibchen find fehr feiten. 

31. Pap. Ilia. 

Ochfetth. 1. c S. i6o- n. 3. 

Borkk. Eur Schm. Th. I. S. gn. 2. b. P. Iris Ili«. 

■ ■ Fvhein, Mag. S« 252. n. 59. F. Ilia. 

OcÄ/- 



der Schlefifchen Schmetterlinge. 103 

Ochßnh. 1. c. S. i6l. Vcr. A. Iris lutea Eorhh. 

Ebend. S. 162. V.nv B. Iris rubefcens Borkh, 
Panz. Fauna 97. 24. m. 

M in der Weigelfcheii Fauna nicht befonders aufge- 
führt, und vvahrfcheinlich vom Hrn. Verf. zu Folge des 
zum Grunde gelegten ßorkhaufenfchen Syftems mit 
unter n. 2. P. Iris begriffen. 

Der P. Ilia Ochfenh. hält fich mit feinen Abände- 
rungen, dem P. Iris lutea und rubefcens ßorkh. , in 
Ebenen auf , und fehlt im Gebirge gänzlich; - we- 
nigfliens habe ich w^der eigene Erfahrungen über def- 
fen etwanigen Aufenthalt in diefen Gegenden gemacht, 
noch auch von irgend Jemand eine Nachricht darüber 
erhalten. - Bei Scarfine und Breslau findet fich die- 
fer Falter nicht allzufelten ; - die Raupe lebt an glei- 
chen Orten , nur etwas fpäter als die des P. Populif 
und ifl: bisher noch immer blos auf der Populus tre- 
mula gefunden worden. 

Es fcheint , als ob es von dem P. lUa eine dop- 
pelte Generation gäbe, denn ein fehr aufmerkfamer 
Sammler *) fing im Jahr iX» i im September beide Ge- 
fchlechter, einige Meilen von der Stadt, **) in einer 
Ilachen Gegend. Beide waren fehr frifch und gut con- 
fervirt, weit kkmer als die gewöhnlichen im Juny 
undjuly fliegenden, fie befinden fich aber leider nicht 
mehr in des Finders Händen, denn der Eigennutz ei- 
nes andern Sammlers entrifs fie ihm, als fchöne Exem- 
plare, und ich verlor zu meinem Bedauern die fchOne 

Ge. 

*) Hr. Fehrle, Affiaent beimKönigl. Oberlindesgciicht. 
**j nämlich Breilau. 



104 V. Kriiifches Verzciclinifs 

Gelegenheit zu iinterfnchen , welche Varietät es go- 
wefen, welches mir allerdings fehr intereflant fehlen. 

Die gewöhnliche Flugzeit des P. Ilia ift, wie ge- 
tagt, die letzte Hälfte des Juny und Anfang July. 

Auch von diefem Falter find die Weiber höchfl; 
feiten. 



Familie VI. 
Raudäugige Falter, Papiliones ocellati. 



32. Pap. Brisfis. 

Ochfevh. I.e. S. >«f. n. :>. 

Borkh. Eur. Schm. I. S.67. n.^ P. Dsdale, 

■ S. 6fi. n.4. P. Janthe. 

S. 69. n ^. P. Brileis. 

- " ' Rhein. Mag. S. 246. n. 34. P. Brifeis. 

In der Weigelfchen Fauna ift gegenwärtiger Falter 
■nicht aufgeführt. Er fcheint fehr feiten zu feyn, und 
ift blos von dem fchon erwähnten , bereits verftorbe- 
nen Hrn. Kammerer Afze bei Freiburg entdeckt wor- 
den. Ich fall' ihn noch nirgends. 

33. Pap Alcyone. 

Ochfenk I.e. S 176. n. 5. 

Borkk. Eur. Schm. I. S 63. n. i. P.Hermione. 

" Rhein. Mag. S.24S.n. 35, -. 

I^eig. Vznn. 8.222.0.33. m 

Liebt dürre Anhöhen, wo viel Kiefern C Föhren) 
wachfen; z. ß. in Lifsner Walde i - auf dem ßifch- 

witxer 



der. Schlefifchen Schmetterlinge. 105 

witzar Sandberge; *) an den trocknen Fändern der 
Hohlwege in den Trebnitzer Bergen, - Flugzeit: 
vom Anfang Jnly an, beinahe den Monat hindurch J 
manchmal in der Hälfte des ]any, wenn der Frühling 
zeitig eintrat, 

54. Paw Statiltnus.- 

Ochfenk. 1. c. S. IS4- n 9. 

Borkk. Eur. Schmenerl. Th.I. S.72. n. 11. P.Fauna. 
... Rhein. Mag. l.c S.250. n.57. P. Aiocline. 

Panz,. Faun. {^4. 23. (Copie mich Sülxers Abbildung.) 

In der erflen Hälfte des Augufts ; - befonders auf 
dem Bifchvvitzer Sandberge, auf dem Fahrwege. - Im 
Gebirge hat man ihn noch nicht wahrgenommen» 

35. Pap. Ph/€DRA. 
Ockfenh. I.e. S.igö.fn 10. 

Borkh. Eur. Seh. I. S.71. n.g- Pap Athen«. 

— Rhein. Mag. S.245 n-3i ^- P^^^dra. 
Aeufferft feiten; - er wurde nur ein einzigesmal 

auf dem Mittelberge bei Zobten, im Auguft igo9 ge- 
fangen; - aufferdem ift mir noch von keinem meiner 
Freunde eine Nachricht über diefen Falter tnitgetheilt 
worden. 

36. Pap. Semele. 

Ochfenh. 1. c. S. 197. n. 15. 
Borkkauf. Eur. Schm. I. S. 69. n. 6. 

Rhein. Mag. S. 246. n.33. 

IVeigtl Faun. 8.222. n. 34, 
fanz. Faun. 76« 23. mas. 

Nicfet 



^) Auf dem Wege v»n Breilau nach dem Trehnitzer Ge- 
birge, d. Verf. 



io6 V. Kritifches Verzeichnifs 

Nicht gemein, - fowohl im platten Lande, als im 
Gebirge ; - bei Breslau, im Oswitzer und Lifsner Wal- 
de , - bei Scarfine; auf den Bögendorfer Bergen, hin- 
ter Schweidnitz; und hin und wieder im Gebirge. 

Fliegt den ganzen July hindurch, und fetzt fich 
gern an die von der Sonne befchienenen Stämme der 
Eichen und Kiefern. 

37. Pap. Tithonus. 

Ocfifenli. 1. c S. 2iO. n. 22. 
Borkh. Ear. Schm. I. S. 80. n. 19. P. Amaryllis. 
. Rhein. Mag S. 244. n. 28- P- Heile. 

IFeig. Faun. S. 223. n. 43. P. Amaryllis, 

Nirgends gemein j nahe um Breslau fliegt er gar 
nicht, aber in dem an 2 Meilen entfernten Lifsner 
Walde; - auf dem Zobtenberg; - bei Freiburg; - 
im Monat Auguft. "• 

Ich befitxe eine von Hrn Fehrle gefangene männ- 
liche Varietät, wo die Hinterfiügel auf der Oberfeite 
ganz dunkelbraun find , und nur von dem gewöhnli- 
chen rothgelben Discus eine fehr fchvvache Spnr er- 

fcheint» 

3g. Pap. Janira. 

Ockfenh. I.e. S.2i8- n.-sy. 
Borkk Eur, Schm. I. S.73. n. I2. 

Rhein. Mag. S.245;. n. 32. 

IVeig. Faun. S. 222. n. 36. 

Vom July an, bis Ende Augufl: ; - auch in Schlefien 
nirgends eine Seltenheit; doch weit häufiger in den 
Ebenen, als im Gebirge. 

39- 



der Schlefifchen vSchmetteiiinge. 107 

39. Pap. !^udora. 
OchßiA I.e. S. 22^ n 28- 
Borkhau''. Ear. Schm. I S.74. n. 13. 
.. i-i Rhein. Mag. S. 238- n. »8. 
iVeig. Faun. $.223. n. 57. 

Imjiily und Auguft, auf fandigen Anhöhen und dür- 
ren Berglehnen, - im Lifsner Walde, auf denn Bifch- 
witzer Berge, bei Scarfiae , Fürllenflein ;' - nirgends 
feiten. 

40. Pap. Hyperanthus. 

Odifenk. 1. c. S. 12?. n. 29. 

Borkk. Eur. Sclim, I. S. 84- "• 2 J- P- Polymeda. 

— Rheini. Mag. S.245. "-30. P.Hyperonthus. 

• ■■ — S 244 n.29. variet. (P. Arete) 

JVeig. Faun. S.223. n. 45 P. Polymeda. 

Ueberall häufig; - erfcheint zuweilen fchon in der 
Mitte Juny, und fliegt bis zum Auguft. Ich befitze 
ein felbfl: gefangenes Exemplar aus der hiefigen Ge- 
gend, welches auf der Oberfeite der Vorderflügel die 
gewöhnlichen drei Augen hat: auf der Oberfeite der 
Hinterflügel ftehen nach dem Innenrand drei Augen 
nahe bei einander , wovon das am Innenrande fehr 
klein ift, und eins abgefondert, gegen den Vorder, 
ra'nd, welche ganz einförmig geftaltet und nach unten 
fehr zügefpitzt find. Auf der ünterfeite find aber alle 
Augen ganz rund, wie gewöhnlich. 

41. Pap. M^ra. 

Ochfitih- 1. c. S.251. n 51. 
Bohk. Eur. Schm. I, S.S*-". 20. 

• Rhein. Mag. S.237. n. 17. 
Weig. Füun. S. 225. n.44. 

Bis 



io8 V. Kritlfches Verzelchnifs 

Bis jetzt ifl diefer Falter blos im Gebirge gefangca 
worden , denn in hiefi ^er Gegend hat man ihn noch 
nicht eiitde kt. Ich fing ihn im July bei Landeshuth 
in einem Walde; - dann bei Schmiedeberg am Fufs 
eines hohen Berges, wo er fich befonders auf Diftel- 
blüthen niederliefs; auch im Felfcngrunde beiFürften- 
ftein. 

42. Pap. Meg^ra. 
Ockfenlu i. c S.23^. n. 32. 
Borkh. Eur. Seh. I. S.79. n. lg. 

— Rhein. Mag. S. 256. n. 16. 

fVeig. Faun. S. 223. n.42. 

Im July nnd Auguft, - gewöhnlich an Mauern und 
hölzernen Garteneinfaffungen , welche dem Sonnen- 
fehein fehr ausgefetzt fmd. Allenthalben häufig. 

43. Pap. Egeria. 

Ochjenh. I.e. S. 238- n. 35. 
Borkh. Eur. Schm. 1. 78- n. 17. 
.-- — Rhein. Mag. S. 236. n.i^, 
Weig. Faun. S. 223. n.41, 
Panz, Faun. 28. 21. 

Auch bei uns erfcheint diefer Falter zweimal des 
Jahres, das erftemal Ende May und Anfang juny: das 
zweitemal Ende July und Anfang Auguft, 

Bei Breslau im Schwoitfcher Laubwalde, - auf 
dem Zobtenberge und dem Eulengebirge , wo ich ihn 
bereits zu Ende May fing. - Nirgends häufig. 



44. 



der Schlefifchen Schmetterlinge, 105^ 
44. Pap. Galathea. 

Ockfenh. l c. S. 142. n. 3-^. 

ßorkk. Europ. Schm. I. S. 105. n.48. 

— — — Rhein. Ma^. 8,255. "• '4- 

/ffig. Faun. S. 224. n. 51, 

Panz, Faun. 2b'. 24- 

In der ganzen Provinz, überall häufig. Er erfcheint 
zuweilen fchoii Ende Juny. Die Weiber find ziem- 
lich TeUen. 

17, Pap. Medusa. 

Ochßnk. 1, c. S. 273. n. 50. 

Borkh. Europ. Schmctterl. Th.I, S. 74, n. 14. P. Medea, 

Rhein. Mi^az, S. 259. n 20. P. Mecka. 

fVnigel Faun. Silef. S. 223. n. 38. P. Medea. 
Panzer Fauna lOg. 22. 
Unfere Provinz ift von der Natur mit fahr w^enigen 
Arten Augenfiüglern befchenkt vi^orden, nur wenige 
halten fich im ebenen Lande auf, und einige ander© 
ausfchliffslich im Gebirge. 

Gegenwärtiger Falter erfcheint imjnnjr, fehr fei- 
ten im Oswitzer Walde bey Breslau ; - häutiger aber 
auf den grasreichen Waldwiefen im Tbale zwifchen 
dem Zobten - und Geyersberge. - Varie ätt^n find bei 
ihm, wie bei allen verwandten Arten diefer Familie 
keine Seltenheit. 



In der Weigelfcben Fauna fleht zvt'ar S. 223. n. 
39* der P. Medea Ochfenh. ( Medufa Bork Aethiops 
Efp.) als einheimifch aufgeführt, allein, fowohl eigene 
als meiner Freunde Bemühungen, feinen Aufenthalt 



aus< 



HO V. Kritidhes Verzeichnifs 

auszuforfch'en, find ohne Erfolg geblieben, und er ift 
wahrfcheinlich durch Irrthum in obgedachtes Werk 
aufgenommen worden, 

46. PaT. LlGE;^. 
Ockfenh. l. c. S. 283. 0.-^6, 
Borkk. Eur. Schm. I. S.76. n. 16. 

Rhein. Mag. S. 240. n. 21. 

Weigel Fnun 8.2:3. "• 40- 

Ein wahrer Gebirgsbewohner! Bis jetzt ift er noch 
nirgend anders entdeckt worden. Er fliegt im Jaly an 
verfchiedenen Orten im Gebirge, nicht häufig ; im Für- 
ftcnfteiner Grunde, Landeshuter Stadtvvalde, bei Scbmie- 
deberg; in der Graffchaft Glatz, *) befonders bei 
Reinerz, 

Merkwürdige Abiinderungen find noch nicht be- 
merkt worden. 

47. Pap. Euryale. 
Ochfetih. I.e. S. 286. n.57. 

Diefer Falter ift eine Entdeckung des würdigen Hn, 
Schullehrer Köhler, welcher ihn aiif feinen Excurfio- 
nen auf dem höchHen Pviefengebirge fand, bald als 
ftandhaft abweichend von dem P. Ligea anerkannte, 
und ihm dem Hn. Prof. Efper mittheilte , der ihn fo- 
gleich als neu in feia Werk aufnahm. 

Der 



) Jmn. Die meiflen Schmetterlinge, welche im Kierenge« 
birge fliegen, halten (ich auch in der gebircigten Graf« 
fchaft Glatz auf ; ich habe daher dielier Landlchaft nicht 
jedesmal befondtrs erwähnt. — 



der Schlefifchen Schmetterlinge. in 

Der P. Earyale fliegt ausfchlieslich auf den sn fö 
vielen Pflanzen reichen Lehnen nnd Abhängen des Rie- 
fengebirges, vorzüglich iu der Nahe der beiden Teiche, 
unc} auf dem Koppenplane , - Endejnly; - desglei- 
chen auf dem hohen Schneeberge in der Graffehaft 
Glatz. 

48. Pap. Davus. 

Ochfaik 1. c. S. 302. n. 6^. 

Borkk. Eur. Schm. I. S. 92, n. 30, P. Mufarion (cum 

var. Laidion.) 
m Rhein. Mag. 8,241. n. 23. P. Iphis; und n. 24. 

P. Laidion. 
Weig. Faun. S.224. n.5o, 

Erfcheint im Jiiny; - bei Breslau äuirerft feiten; - 
im Gebirge etwas minder feiten, doch nie häufig- Ich 
erhielt ihn aus der Gegend bei \Varmbrunn> und vom 
Hn. Kämmerer Atze in Freiburg. 

49. Pap. Pamph lus. 

Ochfmh I.e. S. 505. n S(>- 

Barkh. Eui Schm. I S.87. "24 P. Nephele. 

— Rhein. Mag. S 245, n,27. P. Painphilus. 

fVeig. Faun 5. 323. n. 46. P. Nephele. 

Allenthalben häufig, - mit verfchledenen Abu'ei- 
chungen in Hinficht der Augen und der Schattirung des 
Vorder- und Auffenrandes. 

Er erfcheint zweimal des Jahres: im May, und 
dann wieder im July und Auguil, 



SO. 



iil V. Kritifches Vcrzeiclinifs 

50. Pap- Iphis. 

Ochfath. l c. S. 310. n.69. 

Äorft/i. Eur. Schm. LS. 90. n.27. P. Glycerion. 

Rhtiti. Mag. S. 243. n. 26 P, Typhon. 

IVeig. Faun. S. 224 n. 49. P. Glycerion. 

Auf Wald wiefen, die nicht zu feucht find; - bei 
Breslau, im Oswjtzer Walde j - Monntjulf, zuwei- 
len fchon in der Mitte Juny. 

51. Pap. Hero. 

OcÄ/f«^. 1. c. S. 513. n.70» 
Borkh. Eur. Schm. I. S. 89. n. 26. 

Riidn. Mag. $.240. n. 22. 

fFe'g. Fauna- S.224. n.48. 

Der P. Hero war lange Zeit blos als ein Bewohner 
gebirgigter Gegenden bekannt , und als folchen fand 
ich ihn auch verfchiedene Jahre, während einer ento- 
mologifchen Reife, auf den Waldwiefen am Zobten» 
berge, und am Fufse des Schmiedeberger Berges; - 
im May und Juny. Im Jaiire «811 fand er lieh abec 
auch an manchen Stellen im Oswitier Walde, in weit 
geringerer Anzahl , als an oben benannten Orten , - 
Ende May. Im Jahre 1812 ward er fehr feiten da- 
felbft beobachtet. 



Hr. Lehrer Schmtmel, mein werthefter Freund, 
der ebenfalls viele intereflante Beobachtungen im Ge- 
biet der Entomologie gemacht hat, fing im Juny r 8 n 
zwifchen Reichenbach und Zobten auf einer Berg- 
wiefe einen Falter, den er gewifs nicht mit Unrecht 
fUr einen Baftard des F. Hero und F. Arcanius hält: 

denn 



der Scbkfirclien Schmetterlinge. i rj 

denn die Unterfeite ift vollkoirmen die des P. Hcround 
die Oberfeite ganz die des P. Arcanius. Diefer Falter 
ift zu 'merkwürdig, als dafs er nicht eine Abbildung 
verdiente, die gelegentlich dem entomologifchen Pu- 
blicum mitgetheilt werden foll , indem mir erwähnter 
Freund, durch anderweitige Gefchäfte gehindert, Er- 
laubnifs gegeben, von feiner Entdeckung zur Beförde- 
rung der Wifienfchaft Gebrauch zu machen, 

J2. Pap. Arcania. 

Ochfenh.l.c. S 317, n. 72. 
BorLk. liur. Schm. I. S. 88- n. 25. 
'■ ' ■ Rhein. Mag. S. 24?,. n. 25. 
^"^^ Faun. S. 223. 1147. 

Aeuflerft feiten, nahe bei Breslau; - öfterer im 
Liffner Walde , auf den Trebnitzifchen Bergen , am 
Zobtenberge, und im Fürftenfteiner Grunde J - den 
ganzen Juny hindurch. 



(Die FortfetzuDg folgt.) 



W^ ^* H VL 



VI. 
Neue Infekten, 

befchrieben 
vom Herausgeber. 



I. CoPRis GRACiLicoRNis. Megcvk. Thorace 
antice bideniaio, nigra, capitis cornu recurvo 
maximo, clypeo iniegro. 

Vaterland: America. 
Bau und GrOfle vonCopr. Cccnoblta. Das Kopffchil J 
gerundet, gerandet, vorn nicht ausgerandet, einzeln 
punktirt, in der Mitte erhebt fich ein dünnes, fchma- 
les, zurückgekrümmtes Horii, fo lang als Kopf- und 
Halsfchild zufammen, an der Wurzel ifl: es kaum 
merklich dicker, und vor ihm liegt ein kleiner, fchar- 
fer, halbmondförmiger Eindruck auf dem Kopffchilde. 
Das Halsfchild ifl: vorn ftark ausgerandet, am Seitcn- 
und Hinterrande gerundet, am Vorderrande etwas ge- 
ftulzt , mit zwei ftumpfen vorllehenden Zähnen , die 
etwas nüher zufammen ftehen, als fie vom Seitenran- 
de entfernt find, die Oberfläche ifl fchwach gepunktet. 
Die Deckfchilde find wenig fchmliler als das Halsfchild, 
auf der Oberfläche gepunktet , und feicht und verlo» 
Ichen gefurcht. Die Vorderfchienen haben vier flum- 
fe, gerundete Dornen. 

Die 



Vf. Neue Infekten. 115 

Die Farbe ift mattfchwarz, mit fcbwachem Bron- 
zen himmer, die Fühler und Fufsblätter bratinroth. 

Bei dem Weibchen ift der Kopf unbewehrt, in 
der Mitte liegt eine kurze, halbmondförmige, und da- 
hinter eine gerade Queererhöhung von gleicher Grüffe, 
die jedoch mit der vordem nicht zufammenfchliefst. 
Das Halsfchild hat in der Mitte am Vordenande 
einen kleinen Queerwulft. Die Zähne der Vorder- 
fchienen find fehr ftumpf und kaum noch bemerkbar. 

2. CopRis ANALIS «oA Thoracc mutico, acneo 
nigra, elyiris maculis duabus, ano ptdibusque 
rufis. 

Vaterland: Brafilien. 
Wenig kleiner, als Copr, Schreberi. Das Kopffchild 
rund, gerandet, der Vorderrand etwas aufgeworfen, 
fchwach ausgerandet , die Oberfläche gepunktet. In 
der Mitte liegt eine gerade Queererhöhung, die in ei- 
ner fchwafchen, etwas gefchlängelten Linie nach dem 
Seitenrande zu ausläuft, und dort einen fchwachen 
Einfchnitt verurfacht- Hinter diefer Erhöhung liegt 
eine zweite Queererhöhung, die an beiden Seiten fich 
in einen kurzen ftumpfen Zahn endigt. Das Hals- 
fchild ift am Vorderrande ausgerandet, am Seiten - und 
Hinterrande gerundet, nahe am Vorderrande fteht in 
der Mitte eine flache, ftumpfe Beule, von derein un- 
gepunkteter glatter Streifen nach dem Hinterrande 
durch die dicht gepunktete Oberfläche geht. Am Sei- 
tenrande in der Mitte' befindet fich zu beiden Seiten 
ein eingedrückter Punkt. Die Deckfchilde find ge- 
H a punk- 



Ii6 VI. Neue Infekten. 

punktet, feicht, aber deutlich' geftrclft, und an der 
Spitze niedergebogen und abgeftutzt. Die Vorder- 
fchienen haben vier dumpfe Zähne. 

Die Farbe des Käfers ifl metallifch grünlich 
fchwarz mit etwas Glanz, Fülller, Beine und der Af- 
ter auf der Oberfeite roth. Die Decklchilde find 
bräunlich fchwarz, ein Fleck an der Wurzel, der die 
Nath nicht erreicht und ein andrer an der Spitze, 
durch eine vervvifchte Längslinie am Seitenrande ver- 
bunden, roth 

Das Weibchen unterfcheidet ikh durch die glatte, 
nicht gezahnte hintere Queererhuhung des Kopffchil- 
des und durch die ftumpfern Ziihne der Vorderfchienen. 

3. Ateuchus humeralis. IJligcr Clypeo bi- 
dentato viridi aeneus , nitidus, eiytris punäato- 
ftdatis: macula humerali rufa. 

Vaterland : Brafilien. 
Ein kleiner Käfer, von der Größe des Copris ovata. 
Das Kopffchild gerundet, gerandet, vorn Hark aufge- 
worfen mit einem tiefen Einfchnitt, wodurch xwei 
kleine Zähne gebildet werden, in der iMitte des Sei- 
tenrandes liegt noch ein fchwacher Einbug. Die Ober- 
fläche ift dicht punktirt, und hat zwei dumpfe Höcker 
hinter der Mitte. Das Halsfchild ifl breiter als lang, 
die Vorderecken treten fcharf hervor, der Seitenrand 
ift kurz und bildet einen kleinen Ablchnitt eines gro- 
fsen Kreifes; der Hinterrand hingegen den grofsenAb- 
fchnitt eines kleinen Kreifes. Die Hinterecken find 
abgerundet. DieDeckfchilde bedecken den Hinterleib 

nicht 



VI. Neue ind-kicn. 117 

nicht ganz, fie haben deutliche grobpunktirte Streiferii 
die befonders an der Wurzel und Naht tief eingedrückt 
find, mit glatten Zwifchenräumen. Die Vorderfchie- 
nen führen drei (larke fcharfe Zähne. 

Die Farbe ifl: glänzend, metallifch - grün , unten 
dunk'er, faftfchwarz, Mund, Fühler und ein Schul» 
terfleck roth. 

4 ArcucHus LiTüRATUs. IlUger, Clypeo qua- 
drirlentaco, dcneo niger, pedibus luteis, elytris 
fufcis, liiura pallida. 

Vaterland: Brafilieo. 
Das Kopffchild gerundet, fahr fein punktirt, am Vor- 
derrande vierzä nig; dio beiden mittelllen Zähne am 
gröfsten. Am Seitenrande bemerkt man auf jeder 
Seite noch eine dumpfe Vorragung. Das Halsfchild 
ifl: auf der Cberfiäohe fein punktirt, der Seiten- und 
Hinterrand gerundet, nach vorn verfchmälert. Die 
Deckfchilde haben fehr verwifchte , höchfl: fein und 
weitläuftig gepunktete Streifen, mit glatten Zwifchen- 
räumen. Die Vorderfchienen führen drei fcharfe fpit- 
xige Zähne. 

In derGeftalt kommt er ziemlich mit der vorher- 
gehenden Art überein, doch ifl: er etwas flacher. 

Die Farbe ifl: metallifch fchwärzlich grün, unten 
dunkler; die Deckfchilde bräunlich, glanzlos mit ei- 
ner gelben, zahlenförmigen ( 6 förmigen ) Zeichnung. 
Es beginnt nemlich ein gelber Streif über der Mitte 
an der Naht, tritt in einem Bogen nach der Schulter, 
läuft dann dicht am §eitenrande herab, und bildet an 

der 



II 8 Vf. Neue lufekten. 

def Spitz© einen Kreis, fo dafs die ganze Figur der 
Zahl 6 gleiciit Fühler und Beine find gelblichbraun. 

5. Aphodius testaceus. Zenker. Brcvis, te- 
ftaceiiSj nindus lupra deprelFus, clyp.o tuber* 
cuiato, elytris pun(äato fulcatis. 

Vaterland: America. 
Etwas kleiner als Aph. fcrutator Fabr., aber ziennlich 
von derfelben Geftalt. Das Kopffchild gerandet, vorn 
ftark und breit ausgerandet. Am Hinterkopfe liegen 
in einer t-rhabenen Queerlinie drei Hocker, die beiden 
an der Seite find klein und ftumpf, der mittelfte hin- 
gegen ift grofs und bildet ein kleines Hörn Das Hals- 
fchild ift am Seitenrande tief niedergebogen und ftatk 
gerundet, am Hinterrande faft gerade, die Oberfläche 
fehr einzeln und zcrftreuet, aber tief punktirt, am 
Hinterrande läuft eine Reihe eingeftochener Punkte, 
Das Schildchen ift klein, länglich dreieckt, glatt. Die 
Deckfchilde find auf dem Rücken platt gedriickt, we- 
nig länger als Kopf, und Halsfchild zufammen, tief 
und fchmal gefurcht; die Furchen haben tief cinge» 
drückte, grobe Punkte, ihre erhabenen Zwifchen- 
räume find glatt. 

Die Farbe ift ein glänzendes Braunroth, der Kopf 
*twas dunkler, die Schenkel lichter» 

6. Aphodius Zenkeri. mh, Brevis, conve- 
xus, niger, capito tuberculaio , margine rufo, 
elytris rufis, ftriatis, ftriis per paria approxi- 
macis, tnacula poüica nigra. 

Va. 



VI. Neue Infekten. 119 

Vaterland : die Gegend um Halle und Leip- 
zig - im Hirfchkothe in Laubwäldern, 
aber feiten. 
Wir vermuthen, dafs diefe ausgezeichnete Art öfterer 
mit Aphod. porcQS Fab. oder mit Aphod. foctidus ver- 
wechfelt worden, und daher bis jetzt unbekannt ge- 
blieben fcy, ob fie gleich von beiden Arten ftreng ge- 
fchieden ift. 

Das Kopffchild nach vorn verfchmälert, vorn auf- 
geworfen, ftark ausgerandet, die Oberfläche dicht ge- 
punktet, mit drei dumpfen Höckern, von denen zu- 
weilen nur der mittelfte deutlich ift. Das Halsfchild 
an den Seiten niedergebogen, fchwach gerundet, die 
Oberfläche fehr dicht punktirt. Die Deckfchilde kurz, 
nach hinten gewölbt, flach gefurcht, die Furchen be- 
flehen aus feinen dicht zufammenliegenden Streifen, 
welche durch eingedrückte Punkte unterbrochen wer- 
den. 

Die Farbe ift fchwärzlich braun , die Unterfeite 
etwas lichter , der Rand des Kopfes , der Seitenrand 
des Halsfchildes und die Beine braunroth, die Deck- 
fchilde Ziegelroth, mit einer verwifchten, nach vorn 
gekehrten, halbmondförmigen, fchwarzen Queerbinde 
hinter der Mitte. 

Vom Aph. porcus unterfcheidet ihn der rothe 
Rand des Kopf- und Halsfchildes, die nicht behaarten 
gewölbten, anders gefurchten Deckfchilde , fo wie 
die bläOere Unterfeite. Vom Aphod. fcctidus die ftar- 
ke Ausrandung des Kopffchildes, der rothc Rand def- 

fei- 



12 o VI. Neue Infekten. 

felben, die bläffere Unterf^itp, der ganz durchgehende 
rothe Seiteiirajid des HaUfdiildes, und die verfehle- 
dene Sculptur und ftärkere Wölbung der Deckfchilde. 

7. HisT^R NEGLECTus. Zaikev. Ater, oblon- 
gas, elytris exErorfum quinque ftriatis , tibiis an- 
ticis multidenrgrjs, antennis bafi rufis. 

Vaterland: die Gegend bei Dresden und 
Leipzig. 

Dem H. ftercorarius Ent. Hefte verwandt, aber etwas 
gröffer und verfclieden. Auf dem Kopfe fteht eine 
eingedrückte halbkreisförmige Linie, die jedoch über 
der Lefze etwas ausgebnchtet ift. Das Halsfchild ifl: 
nach vorn etwas verfchmälert, die Seiten laufen fall 
gerade ohne Rundung, am Vorder und Seitenrande 
befindet fich eine eingedrückte Linie. Die Deckfchil- 
de haben nach auffen vier ganze und eine abgekü!Z?^e 
Randftreife, die letztere wird nach oben mit der zu- 
cächflliegenden Streife durch eine fchwache fchiefe 
Schulterftreife verbunden. Die letzte innere Streife 
ift zuweilen nach oben abgekürzt. Anfferdem findet 
fich noch der Anfang zweier Streifen an der Spitze der 
Deckfchilde zwifchen der letzten Streife und der 
Naht. Die Vorderfchienen find platt gedrückt, und 
mit fechs Zähnen bewaffnet , von denen der äufferfte 
an der Spitze gefpalten ift. Die Oberfläche des Kä- 
fers ift glatt, fchwarz, glänzend, der After punktirt, 
die Fühler röthlich , mit fchwärzlicher Kolbe. 



8) 



Vf. Neue Infekten. . i a j 

g. HisTER BisQuiNCTUE sTRrATus. Megevk, 
Thorace lateribus lesquiftriaris , ater, nitidus, 
elyrris extrorfuin quinque ftriatis, tibiis aiuicis 
dilatatis, tridentatis. 

Vaterland: America. 

Der Kopf mit einer eingedrückten, halbkreisförmigen 
Linie. Das Halsfchild nach vorn fehr verengt, mit 
einer eingedrückten Linie am Vorder- und Seitenran- 
de , und eini?r andern zwifchen diefer und dem Sei- 
tenrande, die aber noch vor der Mitte aufhört. Die 
Deckfchilde hafcen fünf fchief laufende Streifen, der 
äüflerfte der Kandflreifen ift nach vorn abgekürzt, und 
läuft in den untergefchlagenen Rand der Deckfchilde; 
der innerfte i(l nach hinten etwas abgekürzt Unter 
der Schalter liegt eine feine fchräg gebende Linie und 
an der Spitze gegen die Nalit zu, bemerkt man die An- 
fänge zweier Streifen, Die Oberfläche irt glatt, glän- 
zend, fchvvarz, der After oben einzeln und ftark punk- 
tirt. DieVorderfchienen find fehr zufammengedrückt, 
und mit drei fcharfen Zähnen bewaffnet. 

In Grolle und Bau kommt er dem H. carbonariu? 
ent. Hefte nahe. 

9. Anthrenus prcTüS. Megerle. Supra fulvo 
fubtus albo fquamofus , elytris guttis feptem 
albis. 

Vaterland: Oefterreich. 
Geftalt und Größe des Anth. pimpinell» F. Der Kopf 
rothgelb befchuppt. Das Halsfchild rothgelb be- 
fchuppt; am Seitenrande ein racder weiffer Fleck, mit 

roth' 



122 VI. Neue Inlekten. 

rothgelbem Kern, Die Deckfchilde rotligelb. mitfieben 
weilTen Tropfen , einer am Innern Winkel nahe an der 
Naht, zwei faa zufammengeflüffene über der Mitte, 
zwei in der Mitte und zwei nahe an der Spitze. Die 
Unterfeite weifs, die Beine rothgelb befchuppt. 

10 Blaps clypeata. Jüiger, Oblonga, atra, 
opaca, fabpunaata, coleoptris obtufis, fub- 
ftriatis, fronte perforata. 

Vaterland: Portugall. 
1 Lin. lang, 3 Lin. breit. Der Kopf gerundet, vorn 
gerade abgeflutzt, die Lefze vorragend, breit, fchvvach 
ausgerandet. Das Kopffchild wird von der Stirn 
durch einen breiten, tiefen Queereindrnck getrennt, 
der zu beiden Seiten durch eine feine Linie in die 
Ecken der Abnutzung des Vorderrandes ausläuft. Das 
Halsfchild iil fall fo lang als breit , nach vorn wenig 
verlchmälert; der Vorderrand gerade, die Vordereken 
llumpf, der Seitenrand ftark gerundet, üngerandet, 
nach hinten etwas gefchweift, fo dafs die Hinterek- 
ken ftark hervortreten; der Hinterrand gerade, die 
Oberfläche dicht, jedoch fehr fein punktirt. Das 
Schildchen fehr klein, dreieckig. Die Deckfchilde 
find fehr wenig breiter als das Halsfchild , etwas ge- 
wölbt, doch an der Wurzel ziemlich flach, an der Spi- 
tze gerundet, faft noch ein halbmal fo lang als breit, 
die Oberfläche dicht und fehr fein punktirt, mit fei- 
nen , reichten, nur durch fcharfe Vergrüfferung be- 
merkbaren Punktfl:reifen. 

Die Farbe ift ein reines, and wenig gläniendes 
Schwarz. * ^' 



VI. Neue InfLkten. 123 

11. Helops tfnebriüiües. Zcfiker. Oblon- 
gus l'ubcyliiidrkus, brunneus, thoiace quadra« 
10, margioato, elytris pun(Sulatis , ünaio puo- 
äatis. 

Vaterland: PortiigalL 
5 Lin lang, i^Un, br^^ Das Kopffcblld rundlich, 
vorn gerade abgeftut7.|-,Hp punktirt, mit einer tiefen 
breiten Queerrinne auf der Stirn. Das Halsfchild 
(b lang als breit, gepunktet, vorn wenig verengt, an 
dcn.Seitcn gerandet und ziigerundet, die Hinterecken 
deutlich, die Vorderecken abgerundet. Die Deck- 
fchilde febr v/enig breiter als das Halsfchild, aber 
noch einmal fo lang als Kopf- und Halsfchild zufam- 
men, ander Spitze niedergebogen, etwas gewölbt, 
die Oberfiäche fehr fein gepunktet, gellreift punktirt. 
Die Farbe der Öberfeite ill ein njetaliifches Braun> 
die Ünterfeite lichter, Fühler und Beine braanroth. 

12. Helops melanarius. Ze?2br. Oblonoas, 
convexus, ater, öiädus, thorace brevülimo, 
antice attenuato, elytris puuctatis, ftriatis. 

Vaterland: Laufitz. 
Dem H. ater ungemein ähnlich , aber etwas kleiner, 
glänzender , das Halsfchild im Verbjfltnifs zum Kör- 
per noch kürzer, die Deckfchilde tiefer gepunktet. 

Der Kopf eyrund, punktirt, zv/ifchen den Füh- 
lern eine breite, tiefe Qneerfurche. Das Halsfchild 
kaum länger als der Kopf, der Hinterrand noch ein- 
mal fo breit als der Vorderrand, der Scitenrand ge- 
rundet, die Vorderecken etv/as niedergebogen, abge- 

run- 



124 VI. Neue Infekten. 

rundet, die Hinterecken ftumpf, der Hinterrand 
fchwach gefchweift, mit zwei Eindriicktn, die Ober- 
fläche gepunktet. Die Deckfdiilde iliirk gewölbt, die 
Schulterbcnlen vorftehend, gcftreift , überall dicht 
und verworren pnnktirt. Die Füffe dünn und fchlank, 
die Fühler fadenförmig^ die den beiden Wurzelglie- 
dern zunächft flehenden JBkjlieder etwas fägeför- 
mig. ^^ 

Die Farbe reinfchwarz , glänzend. 

15. Helops -ANTHRACiNus. 'Lenker. Oblon- 
gus, planus, opacus, ater, ihorace transverfo, 
pun£lato, elyrris fubrugofis, pun£lato ftnatis. 
Vaterland: Portugall. 
Der Kopf eyrund , grob pnnktirt, die Lefze vorra- 
gend, viereckig, am Vorderrande gefranzt. Die Füh- 
ler fadenförmig von halber Körperlänge. Das Hals- 
fchild wenig breiter als lang, fchw^ach gewölbt, ge- 
punktet, der Vorder- und Hinterrand gerade, der 
Seitenrand fchwach gerundet und kaum merklich auf- 
geworfen. Das Schildchen klein, gerundet. Die 
Deckfchilde etwas länger als Kopf- und Halsfchild zu- 
fammen, flach, an der Spitze gerundet und wenig nie. 
dergebogen, durch zufammenflieflende Punkte auf der 
Oberfläche die Queere gerunieit, punktirt geftreift» 
Die Füffe ftark, unbewehrt. Die Farbe reinfchwarz, 
anf der Oberfeito matt, auf der Unterfeite etwas 
glänzend. 

Die Gröfle ift fehr veränderlieh, fie wechfelt von 
6-9 Linien Länge, 

14. 



VI. Neue Iiafektep,. 125 

14. CoLASPis ULPMA. lUigev. Thorace den- 
licuhto oblonga, lubcylindrica, vindi aeaea, 
pun£tata, amennis pedibusque flrwis. 

Vaterland ; Ungarn , auf den Blättern von 
wilden Aepfeln , Birnen und Cornus mas. 
im Monat May. 

Beym erden Anblick möchte man dies Thierchen für 
einen etwas lang geftreckten Cryptocephalus halten, 
doch die Fühlerform, die vorgeilreckte Lefze, die Ta- 
fter und die Form des Halsfchildes weifen ihm den 
Platz in diefer Gattung an. 

Der k. k. Poftoflicier CoteUl von Fahnenfdd ent- 
deckte ein Stück dlefes Käfers vor wenig Jahren. - 
y-oh. Natterer entdeckte i8io feinen Aufenthalt, Tiian 
hielt ihn erft fürColasp fiavicornis Fabr. , ^'eg-/t'r fand 
dicfen Irrthum und erchuf eine eigne Gattung, die er 
wegen der Aehnlichkeit mit Lema Ulema nannte, un- 
ter dem Namen Ulema flavicornis erhielt Illiger dies 
Thier, der es Colaspis ulema nannte. 

Der Kopf dicht und grob punktirt, die Augen 
grofs, vorftehend, kuglich, die Lefze vorragend, glatt. 
Die Fühler vor den Augen an der Seite der Stirn ein- 
gefetzt, eilfgliedrig, fall von Körperlänge, das eWle 
Glied dick, keulenförmi<T, das zweite klein, dick, kug- 
lich, das dritte, vierte, fünfte, fechfle Glied dünn, wal- 
zig, gleich lang untereinander, das fiebente, achte 
neunte, zehnte Glied keglich, gleichlang untereinan- 
der, allmählig etwas dicker werdend, das letzte ey- 
förmig. Das Halsfchild nach vorn etwas verengt, tra- 

pezoi- 



126 VI. Neue Iniekten. 

pezoidifch, die Vorderecken niedergebogen , fie endi- 
gen in einen kleinen feitwärts flehenden 2ahn. 
Von hieraus tritt der Seitenrand nach der Miite zu 
heraus» und führt dort wieder einen Zahn, neben wel- 
chem nach vorn noch ein kleinerer fleht. Von der 
Mitte u-eg lAuft der Seitenrand in einem nach innen 
gefchwungenen LJogen nach den Hinterecken herauf, 
die wieder einen flumpfen Zahn bilden. Die Ober- 
fläche des Halsfchildes ift dicht, aber nicht verworren 
punktirt. Das Schildchen ifl klein, und rund. Die 
Deckfchilde lind etwas breiter als das Halsfchild, der 
Seiten ■ und Hinterrand niedergebogen , die Spitze iil 
flumpf gerundet, wodurch fie ein walzenförmiges An- 
fehen erhalten, fie find doppelt fo lang als Kopf und 
Halsfchild zufammen. Die Oberfläche ift dicht, tief 
und grob punkürt, die Punkte bilden undeutliche Rei- 
hen. Die Schulterbeulen flehen hervor, und von i'.nen 
läuft eine erhabene, fehr fein punktirte, gefchwnnge- 
iie Linie nach der Spitze zu, die jedoch bisweilen 
minder deutlich ift. Die Beine find ftark und lang, 
die Schenkel dick, die Schienen fein behaart, die Füf- 
fe viergliedrig, breit, kurz, das vorletzte Glied zwei- 
lappig. 

Die Farbe ift ein feidenartjg glänzendes Gold- 
grün , auf der Unterfeite mehr bi onzefarben ; Lefze, 
Tafter und Füfle rothgelb , die Fühler rothgelb , das 
letzte Glied fchwärzlich. 

Die Gröffe ift etwas veränderlich, fie wechfelt 

von a - 3 Linien ab, 

j 

15- 



Vf, Neue lofekten. 127 

ij. EuMOLi'us ELEGANS. T^etiker. Ovalis, bre- 
vis, gibbus, purpureus, nitidus, fubtus cupre- 
us, elytris vittis quinque cyaneis. 
Vaterland: Portugall. 
JJnge 3 Lin. Breite 2 Lin. Der Kopf niedergebog^rii 
halbkreisförmig, auf der Stirn ein halbmondförmiger 
nach vorn gekehrter Eindruck, die Fühler vor den 
Augen an den Seiten der Stirn eingefetzt, halb fo 
lang als der Körper. Das Halsfchlld breit und kurz, 
der Vorder- und Hiuterrand niedergebogen, in der 
Mitte nach der Breite gewölbt und dadurch wulftig, 
der Seitenrand nach hinten fchwach gefch weift, die 
Vorderecken fluropf, die Hinterecken gedornt. Die 
Oberfläche fein punktirt, im Hintervs^inkel einige tie- 
fe, grob eingeftochene Punkte. Die Decklchildc kurz, 
ftark gewölbt, fehr fein und unregelmäfllg gepunktet, 
die Längsbinden der Farbenzeichnung mit weitläafti- 
gen feinen Punktreihen eingefafst. 

Die Farbe der Unterfeite kupferroth, wenig glän- 
zend, die Oberfeite purpurroth fl:ark<j:läiizend , der 
Kopf purpurroth mit grünblauer Stirn und Scheitel, 
dasHalsfchild purpurroth, mit einem groflen grünblau- 
en Ringe an jeder Seite , das Schildchen grünblau. 
Die Deckfchilde purpurroth, mit fünf grünblauen 
Längsbinden, die erfle, zweite und vierte vereinigen 
fich nach hinten , die dritte ift abgekürzt , die fünfte 
läuft hinter der Mitte in die Naht und färbt folche bis 
?ur Spitze. 



16. 



128 VI. Neue Infekten, 

i6. CrVtioclphalus tesselatus. noh Ni« 
gerj ihoiacis margine, anteonis pcdibusque fla- 
vis , elytris ftriato pundads, margine tnaculaque 
difci quadrato fulphureis. 

Vaterland: die Gegend um Halle. ^Äor». 
Einer der kleinrten Fallkäfer, nur halb fo grofs als 
Cryptoc. bilinearns Payk. (Cr. quadrum Schrank), 
und in der Zeichnung dem Cr. vittatus Roffi, (aniccnus 
Creutz. nach Schönherr) ähnlicii. 

Der Kopf niedergebogen , kaum merklich punk- 
tirt. Das Halsfchild nach vorn wenig verengt, dicht, 
fein und verworren gepunktet, (aber nicht in die Län- 
ge gciunzelt, wie bei Crypt. bilineatus^, der Vorder- 
rand glatt. Das Schüdchen dreieckt, vorgehend, ge- 
punktet. Die Deckfchilde ftark und grob gellreift 
punktirt. 

Die Farbe fchwarz , glänzend. Der Kopf theils 
fchwarz, theils gelb, mit fchwarzem Hinterkopfe. Das 
Hcüsichild fchwarz, der Vorder- und Seiten i and gelb. 
Das Schildchen fchwarz. Die Deckfchilde fchwarz, 
der Vorder- Seiten . und Hinterrand , fo wie ein wür- 
felförmiger Fleck neben der Mitte nach der Naht zu, 
blafs fchwefelgelb. Der Körper fchwarz, die Fülle 
gelb, die Fühler gelb, mit Ichwarzer Spitze. 

17. Mflolontha BruchiFormis. lUig. Ova£a, 
fupra planiuscula , brunnea, fufco tomemofa, 
elytris guttis albidis. 

Vaterland: Brafilien. 
Länge 3 Lin. Breite der Deckfchilde ^ f Lin. Der Kopf 
niedergebogen , fcbnauzenfgrmig nach vorn verengt, 

nicht 



VJ. Neue Inflkren. 129 

nicht gerandet, die Stirn grob punktirt, durch eine 
erhabene Quecrlinie vom Scheitel getrennt, Scheitel 
und Hinterkopf behaart. Das Halsfcliild wenig brei- 
ter als lang, der Vorderrand fanft aiisgerandet , die 
Vorderecken etwas niedergebogen, der Seitenrand 
Schwach gerundet, der Hinterrand j^efchweift , die 
Oberfläche dicht und fein behaart- Das Schildchen 
gerundet. Die Peckfchiide fl«ch, hinten abgeftutzt, 
fehr fein behaart, einfach geftreifl. Der Hinterleib 
unten an den Selten zufammengedrückt, fo, daf|,,die, 
Mitte fall kielförmig wird. Die Beine ftark und Ijf^ig^ 
ä'ie Schenkel dick, die Vorderfchienen zweimal ge- 
zähnt, die Füffe lang und dünn , beibnders die hin- 
terften. 

Die Farbe ifl eigentlich seiblich- braun, fie wird^ 
aber durch die überall dicht aDfliegenden, feinen, gelb- 
lieh grauen Härchen bedeckt. Die Deckfchilde find 
röthlichgelb behaart, mit einzelnen, in unregelmlifligen 
Pveihen flehenden, runden, weifslichen Flecken. 

18- Elater lythrodps. f^ok Thorace tumi- 
dulo, aeneo niger, fubpubefcens, antennis bafi, 
ore, anguiis thoracis aniicis fubius, pedibusque 
rufis. 

ß. var. Thoracis anguiis pofticis rufis. 

Vaterland : die Gegend um Halle. Zfchorn, 

Länge 2 Lin, Breite | Lin. , alfo ziemlich die GrÖffen- 
verhältnifle des Elat. ßruÖeri. Der Kopf ift dicht und 
ziemlich grob punktirt, der Vorderrand etwas erha- 
ben, die Stirn nicht vertieft. Das Halsfchild wenig 
Heft L I län- 



130 VI. Neue Inlekteru 

länger als breit, nach vorn kaum merkUch vcrjün(::t, 
die Seitenländer faft gerade und parallel , der Hinter- 
rand wenig gefchwolft , [ die Hinterecken bilden 
rechte Winkel ,] die Mirte gewölbt, der Hinterrand 
ftark ni-^dergedrikkt,' fiaher die Hin erecken als dün- 
ne rechtwlnkliche Bläf-tchcn tM-fcheinen; die Obt^iflä- 
che dicht und fein punktiit, fein behaart, etwas glän- 
zend. Der Brufliflachel fthr kurz, niedergeb' j;-n. 
Das Scbilelchen ftiimpf gerundet, piinktirt. DieDeck- 
fchiläe linienförmig, etwas gewölbt, fein die Quee- 
re 'gerunzelt , punktirt gtHreift , fein behaart. Die 
Bestie dünn und fchlank, die Fühler fadenförmig. 

Die Farbe ift ein metallifch grüili-.ch-fhwHrz, die 
Behaarung giünlich-grau. Mund, Fühler VVirzel, 
die Vorderecken des Halsfchildes auf der Unterfeite, 
und die erhaben^ Linie, ander fich die untergefchla- 
genen Fühler anlegen , ziegelroth ; die Beine braun- 
rotb, die Schenkel in der Mitte fchwärzlich. 

Die Abändf^runt: 3 zeichnet fich durch flärkeres 
Vortreten der rothen Farbe ai]s; der ganze Hinter- 
rand des Halsfchildes, befonders der Ecken , und zum 
Theil auch der Vrvrderrand find zifgelroth gefärbt. 

^c/iorn hnd dies niedliche Käferchen einigemal 
im Gräfe in den Laubwaldungen der hiefigen Heide. 

19. Sapfrda iMBOGUTTATA. Megcvk. Nigra, 
elyrris ftnaro pun£t;uis, piceis: guttis fquamo- 
ÜS albJs, aniennis brtvibus. 

Vaterland: Bengalen. 

Ziem- 



VI. Neue Inr^kceo. 131 

Ziemlich fo grofs als Sap. populnea , 4 Lin langj dej 
Kr^l)f dicht und grob punktirt, die Fühler kaum von 
halber Kürperlänge, über den Augen eingefetzt: das 
erfte Glied dick, keulenföi-mig, das zweite klein, kug- 
lig, das dritte und vierte fehr lan^^, walzenförmig, das 
fünfte bis eilfte fehr klein und zulammengediängt, fie 
machen znfammen kaum den dritten Theil der gan- 
zen Fühlerlänge aus. Das Halsfchild walzenförmig, 
grob gepunktet. DieDeckfchilde noch einmal folang, 
als Kopf und Halsfchild zufammen, grob geftreifr punk- 
tirt, die Spitze niedergebogen, abgeftuizt. Die Beine 
kurz und iiark. die Mitrelfchienen auf der AufTenfeit© 
mit zwei kleinen Zähnen bewaffnet 

Die Farbe fchwarz, Beine und Deckfthilde pech, 
braun • Am Halsfchilde fleht belderfeits nach hintea 
ein nicht gepunkteter, länglicher, graulich weifs be- 
fchuppier Fleck. Auf den Deckfchilden (lehen eben- 
falls mehrere dergleichen Flecke, welche von den 
Punktreihen umbogen werden : fie bilden hier vier 
unterbrochene Fieckblnden, die alle fchief nach der 
Naht zu laufen, nur die letzte an der Spitze ift gerade, 
und wie die erlte an der Schulter etwas undeutlich. 

20. Saper DA Euphorbia. Megerle. Grifea, 

virefcenti tomentofa, antennis nigris, capite, 

ano pedibusque iuteis. 

Vaterland : Ungarn. 

Bau und GiÖfle der Sap. oculata. Der Kopf fein punk« 

tirt, mit einem kurzen, aber dichten Filz überzogen, 

die Fühler faft von Körperlänge. Das Halslchild wal- 

1, 2 len- 



13 2 V'l. NcU3 Iiillkt^^n. 

-zenfOrmig, j^fpunhtet, fein, aber fehr dicht behaart. 
Die Deckfcliilde faft dreimal fo lang, als Kopf und 
J-Ialsfchild zulämir.en , - geftreift punktirt , aber die 
Sculptur durch dichte aufliegende Haare giöftentheils 
verdeckt. Die Uiiterfeite dicht und fein behaart, die 
ßeine nackt, dieMittelfchieneu nach auflen einmal ge- 
bahnt. 

Die Farbe ifl: eigentlich fchwarzgrau, aber durch 
den dichten Haaiüberzng erfcheint fie gelblichgrün. 
Die Fühler , Augen und eine verwifchte Binde zwi- 
fchen den Augen find fchwarz; Kopf, Beine und Af- 
ter pommeianzcngclb, 

21. CuRcuLio MuciDus. Ko^. Femofibus iDUti- 
cis canus, elytns Calciis duabus obliquis nigris, 
abdomine fubtus pundtis quadrifariam policis 
nigris. 

Vaterland : die Gegend von Halle , jedoch 
fthV feiten. Hübmv, 

Gröfle und Bau des Cuic. nebnloflis, dem er über- 
haupt nahe verwandt ift. Der RüiTel dick, fo lang 
als das Halsfchild, zweimal nach- der Länge gefurcht, 
behaart. Die F'iilder wenig länger als der Rüffel, 
unter der Mitte deffelben eingefetzt. Das Halsfchild 
oben etwas platt, zerllreut und grob gepunktet, ohne 
1/ängsrinne, mit einzelnen Haarflecken, befcnders 
nach den Seiten zu, vorn jäh zufammengedrückt und 
Verengt, der Hinterrand gefchweift, in der Mitte in 
eine Spitze heraustretend, welche die Stelle eines 
Schildchens vertritt. Die Deckfc'jilde wenig breiter, 

und 



Vf. Neue Inftkren. 153 

und noch einmal fo' lang als das Halsfchild , gewölbt, 
mit feinen dicht anliegenden Härchen bedeckt, tief 
und grob, aber regelmäflig geilreift punktirt, mit vier 
fchwacb erhabenen, nach hinten zufammenlanfenden 
Längsiinien, dieSpi(ze niedergebogen, gerundet. Die 
Beine ftark, die Schienen an ihrer Innenfeite in einen 
zahnartigen Fortfatz auslaufend. 

Die Farbe beruht auf der Färbung des dichten ■ 
Haaifilzes, wie bei Cure, nebuiofus , fulcirolbis u. a» 
Kopf und RüiTel gelbgrau; die Seiten des Halslchildes 
und vier gefehlängelte , zu einem Viereck vereinte Li- 
nien ebenfalls gelbgrau, der Grund fchwaiz. Die 
Deckfchilde grau, - eine durch die Schulterbeule un- 
terbrochene fchiefe Binde, eine andere nach auffen et- 
was abgekürzte Binde unter der Mitte, und ein Fleck 
dicht unter dem ZufammenftofTungspunkte der erhabe- 
nen Linien der Deckfchilde, fchvvarz. Die Flügel 
gelblich ; die Beine grau, fcbwä'rzlich geringelt. Der 
Unterleib grau, auf jedem Ringe d^s Hinterleibes 
vier runde fchwarze Flecke. 

Die verfchiedene Zeichnung des Halsfchildes, der 
Mangel der Längsrinne, die regelmäiligern Punktftrei- 
fen der Deckfchilde, ihre abgerundete, nicht in die 
Höhe geworfene Spitze, die flärker geringelten Beine, 
und die Punktreihen am Hinterleibe unterfchciden die. 
fen Käfer vom ähnlichea Cure, nebuiofus Linn Fahr, 



VIL 



H it« 



VIL 

M i s c e 1 1 e n 

und 

Correfpondenz- Nach richten. 



Herr Dahl in Wien hat im verfloflenen Som- 
ine eine entonioL gifche Reife nach Illyrien gemacht, 
auch Herr j^oh. Natterer in Wien, ein fieifliger und 
kenntnifsvolier Entomologe, reifte nach Trieft, Ve- 
nedig uiid Neapel. - Herr Kaulfufs aus Leipzig, 
ebenfalls ein eifriger Entomologe, bereifte Oefterreich, 
Steyermaik und Krain. 

Woher mag es kommen, dafs man oft Cantharis 
fufca mit den Kinnbacken feft in ein Blatt gebiffen, 
und dadurch daran hängend , todt findet ? 

Es ift den Schmetterlings- Sammlern zur Genüge 
bekannt, dafs bei den Schmetterlingen bisweilen Zwit- 
ter vorkommen, die in ihrer huflern Bildung die Ei- 
genheiten des männlichen und weiblichen Gelchlechts 
in der möglichft vollkommenften Vereinigung haben, 
auch von der Käfergattnng Melolontha hat man ein- 
zelne Beifpiele. Es wäre zn wünfchen, dafs ein Samm- 
l^r^ dem es gl,ückte, einen folchen Zwitter zu ziehen, 

der 



Vil. Miscellen 135 

der WifTenfchaft ihn aufopferte , und in Weingeift ei- 
nem unfrer berühmten Anatomen zufendete, una den 
iimern Bau eines folchen merkwürdigen Gefcböpfes 
zu unterfuchen. -. Ochßfikeimer erwähnt eines fol- 
chen Zwitterexemplars der Harpyja vinula, "deflen 
weibliche Hälfte Eyer legte, - welche hohe Ausbildung 
der weiblichen Gefchiecbtstheile ! Scopoli" ) erwähnt 
fog^r einer BonibyxPini, die fich felbft befruchtet habe, 
und erzli'^ k die Naturgelchichte derfelben nach Pillers 
Beobachtungen mit folgenden Worten: „Larv« bioSf, 
intra unicum, quem pararuntfolliculum, miitate ftint in 
unieam pupam, (?junde animal dimidia corporis parte 
mafculnm, antenna plumofa, alisque binis minoribus; 
alia vero femiiieum , antenna fetacea alisque binis ma- 
joribus. Quod vero mirabilius, pars mafcula eviijfo 
fejii foecundavit Ovula femhjea ^ qtta depoßia perfe- 
Bas larvas protukrimt^ 



Schtofs-Beichlingen, d loNov. i)?r2. 

Im Berliner Magazin **) fleht eine von mir ein- 
gefandte Abhandlung über das Geruchs- und Gehör' 
Organ der Biene. Ich mufs Ihnen aber geftehen, 
dafs ich mich von der Freude, welche mir meine Ent- 
deckungen machten, zu weit hinreiffen lies, ah ich 
üc fogleich bekannt machte. - 

Das vermeintliche Geruchs »Organ ift, - dies 
weifs ich jetzt gewifs - nichts weiter als ein Speichel- 

gefäfs ! 

*) Scop. introd. ad hift. r.at p.416. 
**) Ma^. der GefelÜch. natüif. Freunde in Berlin, ^r. Jahrg. 
4«. Quartal p. 386. 



ra^ VII. Miscellen 

gefäfs! die beiden Röhren deflelben , welche durch 
den Hals hindurchgehen, find zwar fchr feil an dio 
Tracheen des ßruftftuks gebunden, ö'fnen fich aber 
keinesweges in diefelben , fondern gehen vielmehr 
noch weiter fort, erweitern ftch endlich in ein zotti- 
ges, dem Netze der Infekten überaus ähnliches Wefen, 
welches die Speiferöhre bis zum lünterleibe begleitet. 
In Rikkficht des Gehörorgans bleibt es indeffen bei 
meiner erllen Meinung. 

Ich erfuche Sie diefe Berichtigur.g in ihre Corres- 
pondenz Nachrichten aufzunehmen. 

Ramdohr. 



Nicht blos die Larven der Gattung Clythra, 
fondern auch die der Gattung Cryptocephalus fcheinen 
Sackträger Raupen xu feyn. Ich fand vor zwei Jah- 
ren mehrere Sackträger- Raupen auf der Hafelnufs* 
ftaude, und zog Cryptoc. duodecimpunftatus Fabr. 
daraus. Dies Jahr (1S12} fand ich wieder mehrere, 
und zwar in einem Ameifenhaufen, aus denen ich 
zwei Exemplare von oben erwähntem Käfer erhielt, 

Zfchorn. 



In dem in Edinburg herauskommenden Medical 
and Surgical Journal findet fich im erften Quartal von 
jXii eine Abbildung und ßefchreibung mehrerer In- 
fektenlarven, die von einem Kranken, der an Urinbe- 
fch werden litt, im Krankenhaufe zu Manchefter mit 
dem Urin abgiengen. Einige follen Aehnlichkeit mit 
den Larven des Scarabaeus , andere mehr Aehnlichkeit 

mit 



und Correfpondenz- Nachrichten. 137 

mit Curculio , befonders mit Curculio nucum haben. 
(Gott, gel, Anz, 179^68 Siück vom 7t«nNovbr. i8i2« 
pag- 1779^- 



Ripiphorus paraäoxus fcheint, wenigftens als 
Larve, in Wefpenneftern zu leben. Ich trug vor ein 
paar Jahren ein Wefpenneft in einer Schachtel nach 
Haufe, aus der ich durch Löcher die Wefpen ausflie- 
gen liefs. Dabey kamen drei Stück des Ripiphorus 
paradoxus mit zum Vorfchein, und beim Unterfachen 
des Neftes fanden lieh eim'ge ausgefreffene Bruttafeln. 

Ramdohr, 



Sfli^fln, den i5ten Aug. 1812. 
Den I7ten jul, Nachmittags gegen 2 Uhr, wurde 
die Stadt Sagan iJurch dicke ^ fchwarze Rauchfäulen, 
die an der Spitze des Thurms der Stadtpfarrkirche 
wiederholt auffliegen, in Allarm gefetzt. Da man 
bei Unlerfuchung des oberften Thurmdaches nicht das 
geringfte Merkmal von Feuer oder Dampf entdeckte, 
auch das Holz im Dachftuhl im mindeften nicht ver- 
fault war, fo wufste fich niemand diefe Erfcheinung 
zu erklären. Um indeffen, da das Rauchen mit meh- 
rerer oder minderer Stärke fortdauerte , nichts unun- 
terfucht zu laflfen, fo wurden auf den Stellen, wo der 
Rauch am ftärkften aufwirbelte , die Dachfteipe aus= 
gehoben, und da entdeckte man eine ungeheure IVlen» 
ge Mücken, welche fich in den Sonnenftralen faelu- 
ftigten, und durch ihr Auf- und Niederileigen . Hin- 

K und 



138 VII. Miscellen 

und Herfchwärmen in einer Hohe von 200 Fnfs diefe 
Erfcheinung des Rauches verurfachten, Diefe Erfchei- 
nung ereignete fich auch an demfelben Tage zu Sorau, 
in der Niederlau fitz. 

(Schlefifche Prov. Blätter 1812. Aug. pag. 149.) 



In Reih und Autenrieths Archiv für die Phyfio- 
logie (Halle 181 1. X. 8,427.) findet fich ein ijitereflan- 
ter Auffatz des Hrn Dr. Rofenthal über das Geruchs- 
organ der Stuben -und Schmeif fliege CMufca domellica 
et carnaria). Er fetzte zwei zur Hälfte mit Brandt- 
wein angefüllte Spilzgläfer an einen fliegen reichen 
Ort. Beide Gläfer wurden mit einer Brodrinde be- 
deckt, in der ein kleines Loch angebracht war. Die 
Ränder des Lochs der einen Brodkrufte wurden mit 
Honig, die des andern mit einem Gemifch aus Honig 
undTherpentin beflrichen. Es fammelten fich auf das 
mit Honig beftrichene Brod bald eine Menge Flie- 
gen, auch flogen xu dem andern mehrere, vi^elche es 
aber bevor, fie noch den Rüffel zum Saugen ange- 
fetzt hatten, wieder verliefifen. Die Gläfer blieben 
einige Stunden hindurch flehen, und es fanden fich 
nachher in dem mit der Honigkrufle belegtem Glafe 
eine Menge diefer Thiere , vj^elche von der Ausdün- 
ftung des Brandtweins betäubt, durch das Loch der 
Brodfeheibe herabgefallen waren. Im zweiten Glafe 
hatte fich nicht eine gefangen. 

Herr Dr. Rofenthal zergliederte nachher den 
Kopf diefer Thiere, fo , dafs er die ganze hintere La- 
melle 



und Correfpondenz - Nachrichten. 139 

melle deffelben weghob, bis zn den hintern Rändern 
der Augen. Da nun das Gehirn offen lag, die 
großen Sehenerven aber fall den ganzen kleinen 
Kopf ausfüllten, und alles deckten , was an der vor- 
dem Koiiffläche enthalten ift, fo legte er das ganze 
Gehirn mit diefen Sehenerven nach hinten zurück. 
Hierauf wurde eine brauni üchliche Membran lichtbar, 
die fjch an der Bafis desjenigen Schildchens, au dem 
die Fühler mit ihren Wurzeln befeftigt find, in vielen 
zierlichen Fältchen anheftete. Auch fahe man deut- 
lich von der vordem Spitze des Gehirns zwei dünne 
Nervenfaden zu diefer Haut abgehen. So klar fich 
hierinn auch die Form diefes Organs der höhern Thie- 
re ausfprach, fo hielt es Herr Dr Rofenthal dennoch 
nicht für überflüffig , diefe Entdeckung durch Verfu- 
che auch an lebenden Thieren 2 ir überzeugendften 
Gewifsheit zu erheben. 2u diefem Endzwecke be- 
raubte er mehrere Schmeil^fliegen der Fünikölbchen, 
wobei er zugleich mit einer fpitzen Nadel die Bafis des 
kleinen Schildchens durchbohrte, um dadurch das 
Geruchshäutchen felbfl zu zeiftören, und dann er- 
hielten fie an einem fliegenreichen , gehörig verfchlof- 
fenem Orte die Freiheit, Ebendafelbft wurden die 
beiden Gläfer wieder hingellellt, und nach einigen 
Stunden fanden fich in dem mit dem obigen Honig- 
brodte bedeckten Glafe fehr viele betäubt, aber in 
dem mit der Therpentinkrulle verG hentn einige , je^ 
doch nur folche, bei denen das Geruchsorgan auf dies 
angegebene Weife zerftört war, 

K 2 Den 



140 _ Miscellea 

^ • Dea 2 6ften Dec. 1812. ftarb zu Halle Johann 
Gottfried H0mr, königl. pr* Bergcommifsär und In- 
fpeöor des zoologifchen Kabinets der Univerfitat , an 
den Folgen eines Nervenfchlags im öyften Jahre. Ob 
er fchon in der Entomogie, aufler in Fuefsli's Archiv, 
kaum als Schriftlteller auftrat, fo erwarb er fich doch 
um diö Wiffenfchaft durch Mittheilung einer Meng« 
neuer Arten an Fabricius, die derfelbe in feine Schrif- 
ten aufnahm, nicht geringe Verdienllc, die bereits 
Illiger in feiner preuffifchen Fauna zu würdigen wufs- 
te. In den letzten Jahren feines Lebens befchäftigte 
er fich nicht mehr mit der Entomologie', fondern mit 
der Naturgefchichte der Würmer in den Eingeweiden 
der Thiere, die er mit manchen intereffanten Entde- 
ckungen bereicherte. Sein Enthufiasmus und Eifer für 
die Naturgefchichte Oberhaupt, der keine Aufopfe- 
rungen fchRute , war ungemein grofs. Er verliefs 
die früher bekleidete, weit einträglichere Stelle eines 
Pedells, und vertaufchte fie mit der des InfpeÖors des 
zoologifchen Kabinets einzig aus Liebe zur Naturge- 
fchichte, und fcheute noch bis kurz vor feinem Tode 
weder Koften noch Strapazen , fobald es der Wiffen- 
fchaft galt. Durch die von Fabricius aufgenommenen 
Arten : Copris Hübneri, Dyticus Hübneri und Crypto- 
cephalus Hübneri ifl: fein Name in der Entomologie 
nnvergefslich gemacht. 

Wir werden unfern Lefern im nächften Heft eine 
etwas ausführlichere Biographie mittheilen. 



viir. 



viri. 
Mercantilifche Anzeigen. 



Die vomigllchflen , theils gegen Geld , theils 
auch im Taufch Infekten abgebenden Entomologen 
find folgende: 

G. Dahl zu Hacking bei Wien. Briefe gehen un- 
ter feiner Adreffe an die Hackinger Lederfabrick am 
St. Stephansplatze No. 933. in Wien. Die Infekten 
aller Klaffen nnd Länder, die man durch ihn erhält, 
findfehr fauberund gut behandelt > aber zum Theil 
etwas theuer. 

Oeimamz in Leipzig - Hallefche Vorftadt an 
Löhrs Garten - verkauft Schmetterlinge , befondcrs 
oftindifche und fächfifche. 

Grimm y in Niesky ),n der Laufitz, vorzüglich 
Schmetterlinge , doch auch Käfer, im Taufch und Ver- 
kauf, 

Das Naturalien • Taufch • und Handels • Bureau 
zu Hanau. Infekten aller Claffen und Länder. 

Scheuereck , - am Petersfteinwege zu Leipzig im 
Huthe. - Schmetterlinge aus Sachfen, im Taufch 
und Verkauf. 

Ssurm 



14* VIII. Mercantilifclie Anzeigen. 

Sturm , N«"o- 1047. Kupferftecher in Nürnberg. 
Alle Infektenklaflen , mit Ausfchlufs der Schmetter- 
linge, in Taufch und Verkauf. Sehr reell und billig. 

Stenz^ Leopolriftadt, große Fuhrmannsgafle Nr. 
43 V in Wien. Käfer und Schmetterlinge, vorzüglich 
öfterreichfche uud ungarifche zum Verkauf. 

Pf^allnery in Genf. Hauptfächlich Schweitzer- 
Schmetterlinge. Die Briefe wünfcht er wo möglich 
in franzöfifcher Sprache. 

Aufler diefen find die meiften Sammler fo human. 
Freunden und nähern Bekannten von ihen Doublet« 
ten abzulaffen, hier waren nur diejenigen aufzufüh- 
ren, an die fich der Unbekannte mit feinen ßeftellun- 
gen wenden kann. 



Den Freunden der Entomologie offerire ich zu je- 
der Zeit eine Anzahl Infekten aus verfchiedencn Claf- 
fen, vorzüglich Elentherata und Gloffata zum Taufch, 
und zum äufferrt: billigen Kaufe. Ueber die Befchaf- 
fenheit der Exemplare bemerke ich nichts, es wird 
jeder zufrieden feyn. Die Verzeichnifle flehen Jedem, 
der fich in frailkirten Briefen an mich wendet, zu 
Dienften. 

Breslau im Januar 1813* 

C F. W Richter, 

Inftituts Lehrer, Katharinenftr, Nr. 1 365. 



Hr. Dr. Zinke genannt Sommer in Braunfchweig, 
befitzt einen reichen Vorrath vonDoubletten an Schmet- 

tcr. 



Vin. Mercantilifche Anzeigen. 14? 

terlingen, theils aus der Braunfchweiger Gegend, theils 
aus Oefterreich , Schweitz , etc» Freunde der Ento- 
mologie, denen es um Mittheilung gemachter Beobach- 
tungen über einzelne Gattungen und Arten nicht weni- 
ger, als um den Austaufch xur Vermehrung ihrer 
Sammlungen zu thun ift , mögen fich in fitankirtett 
Briefen an ihn wenden. 



Folgende Infekten biete auch ich Liebhabern, 
die fich in frankirten Briefen an mich wenden , im 
Taufch an; 

Ateuchus variolofas Fabr. 

Copris furcata F. 

Aphodius fcrutator F. 

Boietophat^us crenatus F. 

Opatrum verrucofum mihi. 

Platynotus (Oparrum) grifeus F. 
■ fafcicularis m. 

Stenofis filiformis Herbft. 

Scarites Dama Roffi. § 

Pedinus helopioides mihi. 

Blipi gages F. 

Helops lanipes F. 

Harpalus paüicus m. (Scarites megacephaluiOliv») 

Harpalus columbinus m. 

Scolytvu limbatus F, 

Gyrinus villolus F. 

Dafytes ater F. 

Ptinus Scttias F. 

CafTida vittata F. 

Chryfomela americana F* 

Clytra longipei F. 

Gaiieruca nigricornis F. 

Myla- 



T44 VIII. MercantiUrdie Anzeigen. 

Cryptocephalus tefTulatus m. 

■ ■ ' hilineatui Payk. 
Mylabris variabilis Pall. 
Donacia tonientofa Ahr. und alle deutfche Arten 

dev Ahrenfilchen Monographie. 
Melolontha ruficornis F. 

■ tiansveria F. 

Cetonja metallica F. 
Bupreftis teneln-ionis F. 
Prionus eoiiarius F. 
Cerambyx Kcehleri F. 

budanfis Pzr, 

Lamia triftis F. 

• funerta F. 

*- - pedeflris F, 
— ' rufipes F. 

■ morio F. 
— — — fulva Illißf. 
■II ■'■' fuliginfltor F. 
Leptura tomentofa F. 

■ haftata F. 
Molorchns dimidiata F, 
Anihribus latirolhis F. 
Curculio Cynara F. 

— diftindug F. 
> « gemmatus F. 

- ■ ■■- Gcerzenfis F. 

— — lanuginofus mijii, 

■ ■ • <' fllutaceus mihi. 

< * i< obliquus F. 

■' ■ nebulofus F. 
Papilio Celtis Ochf. 
Notodonra veiitarij Ochf. 

' aigentino Ochf. 

Myrmelcon libelluloides F. 
Scorpio carpathicus Linn» 

Te- 



VHI. Mercaatilifche Anaeigen. 14T 



Tetyra albolineata F. 
Reduvius rubricus mihi. 
Centrotufi Genifti F. 
Tettigonia Orni F. 

Fiaxini F. 

Truxalis Hungarkus F 



E, F. Germay, 



Ende Novembers 18 12. erfchien des Hn. Sturm 
m Nürnberg neuer gedruckter Taufch- und Verkaufs- 
Catalog, der neben den deutfchen Infekten manche 
füdfranzüfifche enthält. Wir finden darinn vorläufig 
die verfchiedenen Gattungen angezeigt , welche aus 
der Familie der Laufkäfer gebildet find, und deren 
Rechtfertigung das dritte Bändchen feiner Fauna ent* 
halten wird. Zugleich bietet Hr. Sturm Sammlungen 
von 425 deutfchen Infekten mit deutfchen und latei- 
rifchen Namen für den billigen Preis von 1 2 Fl. Rhein, 
oder 6 Thlr. 16 Gr. an; doch werden auswärtige Be- 
fteller erfucht, noch 12 Gr. für Emballage beizulegeB, 



Herr Sturm in Nürnberg kündigt ferner an: 
dafs er bereit fey, feine Abbildungeit %u Oliviers En- 
tomologie wieder foitzufetzen , wenn fich nur 50 
Subfcribenten fänden. Der Subfcriptionspreis für 
das Heft mit Text und fechs illuminirten Kupfertafeln 
beträgt I Fl. 12 Kr. Rheinl. , oder 1 6 Gr. Conv. M. 
Mischte doch jeder Entomolog, delTen Kräfte es erlau- 
ben, diefes Unternehmen durch baldige Ueberfendung 

fei- 



14^ VIII. MercantiUrche Anzeigen. 

feines Namens zur Subfcribentenlifte fördern! Die 
bereits erfchienenen zwei Bände, welche 34 Bogen 
Text und 96 illuminirte Kupfertafeln auf Velinpapier 
in Quart enthalten, und welche 19 Fl. 12 Kr., oder 
loThlr. 16 Gr. Conv. keilen, wird der VerfafTer 
denjenigen, die fich b^ld an ihn wenden, und auf 
die Folge mit fubfcribiren , zu dem faft unglaublich 
billigen Preis von 9 Fl. Rheinl. oder 5 Thlr. Conv.M. 
ablaffen. Diele beiden Theile mit fchwarzen Kup- 
fern überläfst er zu 4 Fl. Rheinl. , oder 2 Thlr. 6 Gr. 
Conv. und den Text ohne Kupfer zu 2 Fl. Rheinl. oder 
iThlr. 3 Gr. Conv. 



Sintdc 



I. ■ ! H ill !■ ^ 1» ' O ^ m < l i iw .li— 



abtcfiß, 2(ug. 23cltrö9e jur J?cnntnig öeutfcfter Äafcratt<n, 
mit 2 tO. «upfertaf. qt. 8ü. i » ^r, 

S>r»efe an 2{srjtc unb 2BeltiDeife über ZnQtkQm\)tititi unb ©e* 
bürfntg öer ScttgcnofTen. 2 Hieferunqen; mit te« ?8ecfaf« 
fer« evlt)oucitc. (ö. D. üi?c&er in SHofiocf. ) i IhU. 4 @'^- 

Daniel^ Chr. Fr. commentatio de infantum nupernatorum 
umbilico et pulinonibus. gv. 780. 12(5^. 

m «8cr('u($ ctnec ^bi-oric bcc midjtigftcn 95eo6fld)tun9«n 

ouö bei- 3Jatuclcl)re, bte man jiim ^t)e;l burcfe fij:e Cuft obec 
fette ®auce ,^u erfldrcn &emül)et wax. %\i.777* 6&u 

— ' . ludimenta djaleflics iatrices. 782. 8v. 5 ©r. 

Germar, E.F.Migaiiri der Entomologie. B 1, Kettr.2 i'2:(;.ii®t. 

.^anobii* füc ben SBücgei* iinb Sanbmann. iter ^t)eil, füc 
Occonomen. atcc ^t)eU im 95ßum)55lumen*unb@artcn(ic6» 
fta^cr. jtec ^hcil cnttjalf 5)Jittet gegen .^cflnfbeitcn bcc 
?02enfd5fn unb ^biere» 4tet: %\it\\ ift nü|U(^cc Jinljong ju 
fccn üorigen j 2?anben. g. i %^\k. 

^antbucf) ber praftiftfeen 'P^armafologie füc Jfetjte / SBunb* 
ätjtc, "Mpotbcfer unb anbete 8tebt)ob<c ber 'Ärjnei)f «nfl. ^Coit 
einer ©eleüfcfeoft p'aftifd)er 21erj(e. gr. 8. * '^f)lf» it@c. 

.:S?anbbu* ber SKoologi« unb ©ijnbe^niolcgle, oon ?&oma«. 
l'aut^. oud Den ^ranjftf. überff|( unb beorbeifet oon Dr. 
30b. 6attt. Älupicb. gc. 8. 805. i5;()lt.4@r. 

i^tnnt, ©. 2). 2. ^inireifung, rote mon eine S&flumrci)ule üoti 
£)bfiöäumen im trogen anlegen unb gel)6ctg unferl)altcn foüc. 
aßobei; eine »oüfommenc 2^c|d)rcibun9 ber t)Dcne()mllcn bar* 
in tjotfommenbcn Obflforten; nebfl einet bsutUc^tn 2lntüet» 
fung Äum 'Pfropfen unb OfuUren; unb einet aanj neuen %b* 
banblang porn Copuliren ic. f te unb nun pcUflanbig »ermebcf 
tc 2luf[flge. ?3iit ^upfetn. gr. 8p. i ^()(r. 

?')iit illutnintrten .Sfupfetn. i ^l)lr. 8 ©r. 

igcnnc, M €rf>- ^iubm, 3f?elfcnfalenbec, obec monatUd)e Q3ec« 
cccbtang mit ben ^>ca6blunien in einer ©cgcnb pom 5ifteti 
©rab , nacb 24Jabrigcr (Stfnl)ruug aufgefegt, gx). 2 ©c. 

Gr. fietihl V. Donnersmark ^ Nomenciator botanicus &c, 
(f. midenow.^ 

|L«ntb/ ^b» ^anböucb ber S9?i)oIogte u ®ynbeömo(ogie, 3fu« 
bem €ngUf(t). überfc^t pon Dr, Klopfcb. gr. 8. 1 ^{)(c. 4 ©r. 

f, Leiffser, Fr. Wilh. Verzeichniis der von ihm gefammelten 
Mineralien, gr. g. i Thir. 

üitetartf^c 37ad)rtd)ten , Heue, für ^fecjte, QBunbar^te u. SRatür# 
fotfcbec flufß 3|abc 1 78«. ber ^a^rgang complet 2 Zhk. 1 2 ®r. 

£it. S^actjc. auf« ^abc 1787. 4Ctuartnle. gr. 8. 2 ^()!c. i2®c. 

»— fluf« 3a|)r »788 unb 89. 4 Quartal«. 2 ^(jir. 1 2 ©r. 

£ob(;f 



152 

iLobetbM, 5. ®. X Fe*« 93ocf(fefage un6 Sßünfc^c jur ^tfitbtt 
rung •>ec menfdjltdjen ©(ücffeliqfcit. 8ü. 5 ©r» 

Äo^öö, Dr ^ @. übet baö iörflunfof>len,jDd unb te|T<n Mir 
füttie »Sir fangen in maixdittiir), befontec» (^rouifci)fn ^ranf* 
ijfiten. 8D. y @C. 

iW<ji/er, H. ß. Synoptifche Tafeln der Muskeln des menfch- 
lichen Körpers gr. Folio. U Gr. 

(ynop«. Tafeln d. Nervendes menfchl. Kcerpers.fol. i j Gr. 

XTmncde, Dr. % ?. & ^er 95otnnJfer o()ne l'ci)rf c <5jne2(«« 
roeifung jur ^flan'.enfunöe, in S&iicfen an eine Jfreunöin 
bec a^arur; nrtcf) 3 3 jHouffeau un^ .^. t).<I btaröeitet unb 
niit2fnmetfunq<n6eghitcf. fj. ?D?it4iflum. Äupf. •-•. !ein«rft)» 
fiimattfdjcn ^a6eüf. « 810. @*ceihp. « "Iblr. g ®c. 

Vdicbaelis, 'Pbil- über bie X)urctfrcu|un(i ber ©che« iHcnjeti. 
«D?it ciaigcn 3tnmctfunaen »on ^ofr. ©ommcnnc?. g. j @r, 

V.^ucr, ^. ®* 37a(^c!d)m! öon üerfcbicOcncn ilänb.cn beö 
)pantf(i.n Ämeiifa. 31uö elfienfjdnbig^n ^Cuffd^en etntgec 
9]Jif|lDnarten Dcc @ffellld)oft 3«fu« * ^^iile, Ü3i«t finec groi 
^en ßanöcbartc gr. 8 iSn. 25f)lr.i6®r, 

Slcuc <öd)tificn Der 5narurfocfd)enNn ©efeüfd'flft in ^oüe, 
(botanifdjen, fecbno(09ifd)en, c^emifdien unb «Sofemoioaifcö» 
.^^nt)oltö.) ^rftot ^anb, in 6 ^cften 6e(let)cn^ mit 3 Äupf, 
gr. E i'5.()(r ia(^r. 

pftngRcn, D. 3ob ^crm. 93Jaqa^in für Me ^()armfl,ye, Söoranif 
unb Materia medica. 2 Söai.^e. gr* 80. i '5:i)lr. 16 @r» 

^linicinifctje 2inthoiogif, ober aii^tr(i'|en< ©teilen aui bet 
Statin- j unb Äunjtgefd)id)te beg altern ^(cniuö, mit ttUat 
r<nb«n furzen 2tnmerfU!^g«n von ©ottfr. ©roü?. 8. 20 ®r» 

©cbmieD^t, D. (». (£. tDpoqrap()t'cfee aRtncrafogie bcr®egcnb um 
.^ttile tn ®ad)len; ober 5[^efci)rei^^ng bcrer ft<^ um ^oUe 
|in^en^cn 'DDitnccalicn unb So^ilicn, nebfl genauer Änjcige 
ber Ocrc g. 797. 10 ©r* 

©Vlt''»^^^^f'l"^)f^ 53crieicftntg aller berjenigen 93üd)cr, welche bit 
3^atuc9e[d)id)te betreffen jy.uon ten dlteflen 6i^ aupbie neue»' 
ßcn Seiten, gr. 8v. 784- i ^blt» 

Voigtel^ D. F. G. Fiagmenta femiologia obftetricias, accedunt 
tabb. 6. senea:, 410. 792. ig Gr. 

JVallroth , l. A. Geichichte des Obftes der Alten , befonders der 
Birnen und Aepfel. grSv. j8i2. i2(j5r» 

TOzbtx, D. allgemein nu^lic^e tbeoretifcfee unb praftifc^e üBabc» 
nel)mungcn ü6cr bit 55ic()feucbe; nebfl Jln^cige ber ^OJittel, 
biefeni Uebel juüoräufommcn, unb felbigem auf bit roirffamjte 
^trt ab,^ut)e!fen. B"m23e|Ienbeö Sanbmannö. 8D. i&x, 

von XOzi'fz, jf. beutlid)e Änraeifung bit Ü^elfen burc^ ©c^nitt* 
linge ftt^neügr unb fic^ercc ju pecmeören, a\i eü bii\)n burcft 
bis 3em6f)n(ic^e Set M ^f>\tnUtt^ m^gUc^ getvefen; ne5(i 

ein'« 



149 

«Inigen ®e5<>nf<nü6er(5nt(l€hin(? un^ Jortpflanjung b^tS^eO 
fenlaufc un^ btrcn ?8ertilgutui, 8. mit Äupf. 6 @c 

fVildenow, C. L. traft, botan, med. de Achilleis cui accedit iup- 
plein.entum geneiis Tanaceti. cum Tabb. an. 789- 8 v. 6 ®r. 

»^ Nomenciator botanicus, (iftens plaiuas omnes in Caro/i 
a Linr.^ ipec. plantnr. ab illuftri D. C. L. Wildenow enu- 
ineratns. Curavit Come« L. F. v. Henckel a Donners- 
mark T. I — IV & Contin. I. - IV. gr. g. i ^()lr. 8 ®r, 

— Index generum ad Car. a Linn6 fpec. plant, a C. L.Wildenow 
editarum ia Tom. I — IV. curavic I C Hendel. 8 ®r» 

XDo\){^wt\), % ^. 33er:ad) übcc öie (^rfenntnsß unb ^uc öec 
voc,iu«lid)|ten .^ranft)euea einiger ^awi -. unö 91u|if)icce, 
etücEi. 2. 80. 8 @r, 

//-'o^, C. Fr. thecria generationis, ed.iiio nova auSla et emen- 
data; cum II. uabb. sn, med. 8v. 784» 18 ®U 

— «©. 3- ^ivoiii , tnfj fcaö ilßai.cn eine J?aupfqueU2 6cp 
0d)n)acl)e 6cö Äorper^ unö 6eö (^«illeö unfecer ©enecatiori 
fcy. K. 797 . 5 ©r. 

@. 3« 93en)e««, ba§ eine leiste ^Uibung bec ®e# 

funbb««t occtI)elll;afi i"ev; mit mebic, i()coc. unb pvaft. Q3e» 
meifungen. 8. 4 ®f» 



5^eoret(fc^ unb prohifcf)e ?Diu(i? ? ©d)r{ftcn 
in 3ol). ^i)t\^, S)i\\U\i QJerla^e ju J^aüe. 

aitenbttcg, S»^« «Scnfl, 23erfucft einer Einfettung jur Oerotfc^? 

niufifalifitcn 'Xiompctec unb 'Paufetfunjl, 5« tncf^ieicr 2luf« 

HQ()me Derfdbcn biflocifdj, <()corctJt'd) unb craftird) 6e* 

[(^rieben uno mit 5>eyfpiden cridutcit 2 %\)t{U, 4fo, ao @r« 
Der Abfchied und .die Huldigung Prolog bey einer Schulfey- 

erlichkeit im Kcen, Pädagogium Mit wechCelnder mufical. 

Begleitung der Harfe oder Pianuforte u. Ficete, von A. 6. 

Heyfe. toi. 4 Q}C. 

Äflrtfctj, ^. %, 2(cien unb 2iebec, in 3JJuftf gefefet» lo ©?♦ 
3Be?abt, ®. iS. 2ß. übet bie Jfirc^enmelobien. gr. 8» 10 ®r, 
Jöcrgmßnn, ^ (I()r. '^Inmeliung 5um@uitacrfpicfcn 4t- i3t®r. 
ö;yr06ftnD€«fl«nD«ne, ein*;^invilpiel vomjt^rn. ^rof 3\ßinfer; 

in ^l^ufjf gelebt »on M 3. €. i^enfel. gr Cluetfolio. i'XW» 
|Drcu?is, ^. ®. fceunöf4)ottlid)e 93riefe übet bie ^^eorie Dec 

5onfun(l unb €ompofttion. 8. 797 6 @c. 

Senfnet, tJ 2iug. ünwüwxnq, inm ^ßiolinfpielcn. 410, i %\)iv, 
^tyfi, 2(.®* ^nroeifung bie ^acfe ju l'pieUn. 8v* 8<^r, 



150 

Kellner, 3. €. Unterhaltung ficpm C(aoier in Hieöern mit "^'e* 
fan^, emem 3'Jnttfd)oartnmarlcfe unö engl. '^anj?!!. i2@r. 

on 2ina. (5in ©tngrtucf mit iilao. S&eglfitung. 9 (5)r. 

Dag 2ob bec Siebe, für« <ilamt ober Sorte» ^iano. in gKufif 
gefegt. 4ro. 798. ^(^e, 

rnfiUer, ®. Ä. anroeifung jum glötenfpief, m. ©eifpje(en. so (^r. 

XnulkßUfcbc monrttefcbnft : ober Unterl)airung für £ieb# 
(jabec Der 5J?urif/ infonberl)<it öcö (Slooierö uuD Der ^.nfe. 
4 Quartale. 24 ©ogtn inO.ucrquort. 790. 3 '2;()fr. 

lla^cl, ^, S furjeÄnroeifung juai Älaoierfpiefen, füi S!c()ccc 
unö^erncuöe. 2te verbcfTrrte unb v<rmcl)tie 2luf!. mit 1% 
^anbjlücfen, in SSioliulttlünel gefegt. 410. la (§5r. 

— leicbte u. gcfaütge 5Iufläfee jum .ftlavter . Unterricfcf, ali Ue* 
. 6un,tö''''^ei)fpifle füc.i'el)cer i\ni) ^etncnbc; fold)e bt\h\)m in 

einer aqeiDobl oon Arien, 9}ienuettcn, OLuabtiüen, SHonöo«, 
?Oiarid)c , «-üsnlrt^r K. 20 (^r. 

— 4iTg{:>ii«n.' ©ammlung für .^(ayierfpieler, 32 <^tücf^ 8 ÖJr. 
Sn?uc mufiralifd/e 3eit|clM:'ift anß ^a\)\: 1791. jur SÖtförce* 

runfl einlnmet nnb g^fcUiger UntcrijaUuna bcijm .^tayier füc 

©cübte unö Ungeübte; von oert'd)le^eilen'5on|"e^^ern bearbeitet. 

illcö u. itcg 53tertcljal)r. CuerfoUo. 1 ^t)Ir» 

Äobvmonns. ^. Ü. ^Sammiang j^rveif mogiger €l5oralvor>pi"le, 

für geüitc unb ungeübte Ocgcifpieier. golto. 1 "^blr. 8 ®r. 
Snunbgefang für »5cei)maurec. Ü^ac^ Dem äßalier Der Äöncgjn, 

^ür Das €lat)ier ober gorfepiano. 2 ^v, 

5oucf)cr, Der, eine SaüaDe oon ©cftiüer, tf^3JJuftf g«">|' vor» 

3. (£. <J£ömec. O.uerfo(io ( 5öiolinr*!ü(Tei ) 1 ^dlr. 6 v^ir. 
tOolf, 05 ^. Umcrri(^t im Älattierfpidejt, %b. i . 5tf :i(Mtl 8 ®r. 
— — Untecrict)t im Älaoiei'lpielcn , ater 5l)cil, roeldjer Die 

förunDregeln De« t^eneralba|Te« entl)ölt. gr. s. 8 ®r» 

Untrcrid)! tn btv (Ömgcfunfl. (^ni ileiifaben ju ©mgei 

onroeitungen auf öitukn at? vtvb. u. »erm^-bctf Aufl. !o iMc. 

— - 2iit>ev mit ?9ieloDieen auö SOJiÜer? ^reuDcn unD Sei« 

bcn , in ^DD^uftf geff J^t. f«. ^olio. 20 ®r. 

— : — J^ur.^gffaStegmurifalifd)eöCe]ci(on. 3te21ufl, gr.g. i^blc. 

.1 groey «Sonaten furo SUüier. ÖLueifolto. 12 05r. 

.., "5:roi;er;5Rotetren unb Arten, ijle ©amml. i2@c. 

— ^>ecniifcl)te Älaoier; u. ®inge(iücfe. (*r|le «Samml. 10 ^r. 
I für je unö (eichte Orgelflüde für «ngel^enDe Orgeifpider. 

gv. Uueerquart, S ^r. 



Magazin 

der 

Entomologie, 



herausgegeben 



Von 

Dr. Ernft Friedrich Germar, 

Director des Mineral. Cabinets 

und Lehrer der Mineralogie an der Uiiiverfitüt zu Halle, 

der nauirl:. Gelellfch. zu Halle Vortrag., der niiner. Gelellfcli. 

lu Jena, der Wctterauifchen Gef. für die gef. Naturk. , der Soc. 

für Forft - und Jagdk. zu Dreifslgacker correipond. und 

der ücon. Gel. zu Leipzig Ehrenmitglied. 



Erfter Jahrgang. 

Zweites Heft. 



aoGr. 



Halle, 

bei Joh. Chr. H«ndttl. 

1 8 i 5. 



L 

Einige Erfahrungen und Bemerkungen 

über 

Blatt laufe 

von 

Johann Friedrich Kybe'r 

Diacon. in Eifenberg» 

^o vortrefflich auch die Erfahrungen find , weU 
che Naturforfcher über die Eigenfchaften , Oekonomi© 
und FortpflanzuDgsart der Blattläufe gemacht haben: 
fo zeigt fich doch bei genauer und mühfamer Beobach- 
tung diefer kleinen Gefchöpfe noch Manches, was 
ihren fcharffichtigen Blicken entgangen zu feyn fcheint. 
Ich theile daher mit Vergnügen auch meine wenigen 
Erfahrungen darüber mit, die, wenn fie auch nicht 
alle neu find, doch zur Beftätigung, auch wohl hie 
und da zur Berichtigung dienen , oder doch wenigflens 
Veranlaflung zu weitern Nachforfchungen geben 
können. 

Es fcheint nach der Belehrung älterer und neu- 

rer Naturforfcher ausgemacht zu feyn^ dafs die Blatt« 

Heft IL A . läufo 



a I. Kyber's Erfahrungen 

laufe mit Ende des Sommers und im Anfange des 
Herbftes, wo gewöhnlich die Männchen erfcheinen, 
fich begatten, hierauf Eyer legen und dann flerben; 
im Frühjahre die Jungen den Eyern entfchlüpfen und 
hernach ohne neue und wiederholte Begattung mehrere 
Zeugungen hindurch fich fortpflanzen. In fo weit habe 
auch ich durch mehrjährige Beobachtungen alles diefes 
beftätigt gefunden. Df>ch die Natur diefer zärtlichen 
Thiere leitet das forfchende Auge auf noch Auffallen- 
deres und Bewunderungswürdigeres hin. 

Nicht blofs die Eyer von ihnen, fondern auch 
manches zarte Weibchen felbft trotzt, wie andere 
kaltblütige Infecten, der Kälte und fällt nach ftaiken 
Herbftfröflen in Winterfchlaf. Schon einigemal über- 
rafchte mich bei meinem Auffuchen der Infecten in die- 
fem Schlafe, um auch hier, fo viel wie möglich, ihre 
Natur und Oeconomie kennen zu lernen, das Ver- 
gnügen, einige todtfcheinende Blattläufe zu finden, 
die aber ein warmer Hauch bald belebte. Zwei Di- 
fiel ' Blattläufe (Aphis Cardui) fand ich im Januar 
1804 unter etwas dicht zufammen liegenden, abge- 
welkten Blättern nahe an einer Diflel (Card, lanceo- 
latus Linn. ). Unter Steinen auf Rafen traf ich oft, 
meift in Gefellfchaft mit Käfern, Ameifen und Spinnen, 
Blattläufe, die nach dem Grade der Kälte mehr oder 
weniger erftarrt waren. Auch in Ameifenhaufen brin- 
gen viele den Winter über zu und erftarren bei einer 
Kälte von zwei Graden unter dem Gefrierpuncte nach 
Reaumur. Se\h(t die Beutel - Blatt laufe (Aphis bur- 

lona) fcheinen in ihren Hüllen zu überwintern, weil 

man 



über die BlattlLiüfe 3 

man noch im Spätherbfte in den abgefallenen Gallen 
Alte und J intre, ungeachtet verausgegangener Fröde, 
munter, nnd fogar die VVeibchen mit Jungen gefchwän- 
gert findet. Auch Rofe.n- Blattläufe ( Aphis Pvoläe ) 
fahe ich einigeniale im Winter an abgefallenen Rofen- 
blättern, woran fie erlhint noch hnigen und in der 
Hand nach einigen Secunden erwachten. Diefe Ent* 
deckung gab mir fogleich ein Licht über die fiiihe 
Erfcheinung ausgewachfener, zum Junge- Gebären rei- 
fer Weibchen auf den fich noch erfl; entfaltenden Blät- 
tern der gewöhnlichen Gartenrofe. Schon mehrmals 
fand ich folche Weibchen, aber meift nur einzeln, 
oder hüchftens 2 bis 3 an einem Stocke. Aus d^ti 
Eyern konnten diefe einzelnen Weibchen unmöglich 
fchon gekrochen feyn. Denn eines Theiles war die 
Witterung noch nicht fo befchaffen, dafs fie denfelben 
hätten entfchlüpfen können ; andern Theiles hätten in 
folchem Falle mehrere und auch von verfchiedenem 
Alter fich zeigen müÖTen. Imitier aber waren es nur 
mit Jungen gefchwängerte Blattlausmütter, die fich 
zeigten. 

Im Jahre 1803 in der letzten Hälfte des Aprils, 
wo die Witterung bisher noch ziertilich rauh gewefen 
war und überdiefs häufige Nachtföfte erfolgten, fand 
ich zwei Rofenblattläjfe von gleicher Grö-'se. Eine da- 
von fetzte ich in meine Stube , W'O noch geheitzt- wurde, 
auf ein Rofenftöckchen; die andere liefs ich im Freyen; 
überzog aber den Zweig, woran fie fafs, mit dichtem 
Flore, damit fie nicht entweichen, oder ein Feind 
ihr fchaden konnte. Ueber acht Tage erhielt ich, 
A 2 unge- 



4 I. Kyber*s Erfahrungen 

ungeachtet der darzwifchen fallenden ilürmifchen, 
rauhen Witterung, diefclbe unverletzt, ohne dafs ich 
tei oft wiederholten Nachfohi-n ein Jun,^es neben ihr 
erbÜ kte. Erft b^i zunehmender warmer Luft gebar fie 
mehrere, deren Anzahl fuh bald nachher vergröfserte. 
iDie in meinem warmen Zimmer gebar noch am Abend 
des Tages ihrer Verfetzung (am 25 den April) ein Jun- 
ges. Die Nacht hindurch wieder eins. Um 11 Uhr 
des folgenden Tages (den 2<fltn) erfchicn ein drittes 
und nach einer Minute ein viertes. Darauf folgte ein 
Stillftand bis den 27ften, wo von 7- 11 Uhr drei Jun- 
ge aus ihr krochen; von 1 1 - 4 Stillftand; von 4-5 
wieder zwei, und' dann von 5-8 von neuem zwei 
Junge. Die Nacht hindurch hatte fie keines geboren. 
Den 28{len zeigten fich nur drei und den 29ften 6 
Junge. 

So war auch an den übrigen Tagen die Zahl der 
täglich Erzeugten bald gröfser, bald kleiner, Wahr- 
fcheinlich war der höhere oder mindere Grad der Stu- 
benwärme die Urfache der langfamern oder fchncllern 
Entwickelung der Jungen, weil die Geburten immer 
ftä-ker am Tage, als bei Nacht erfolgten, wo das 
Zimmer kühler wurde. Gjwifs ift es , dafs der Wär- 
me • und Lichtftoff vorzüglich die Ausbildung der Jun- 
gen im Mutterleibe begünftigt, weil auch im Frcyen 
die Geburten am Tage zahlreicher find, als bei der 
Nacht. Denn die Sonnenwärme hat vorzüglich gro- 
fsen Einflufs auf die Erzeugung und Entwickelung 
diefer Thiere. So wie die Sonnenwärme im Frühjah- 
re zunimmt , erfolgen mehrere und fchnellere Gebur- 

tea 



über die Blatrläufe y 

ten und bei heiteren Tagen immer in gröfserer Anzahl» 
als bei trüben und kühlen. Gerade der Tag, an wel- 
chem ich 6 Jnnge erhielt, war heiter lind angenehm. 
Im Herbfte gehen aus der nämlichen Urfache wenigere 
und laogfamere Geburten vor fich, bis die zunehmende 
kalte Luft die fernere Ausbildung der Blattläufe im 
Mutterleibe , oder das Gebären derfelben hemmt und 
nur noch das Eyerlegen erfolgt, wenn diele vom 
männlichen Saamen befruchtet worden find. 

Diefe Befruchtung hat meines Erachtens immer 
ihren Tod zur Folge , nicht im eigentlichen Sinne die 
Kälte, diefie, wie andere kaltblütige Thiere, aushal- 
ten können. Daher find es wohl nur immer Unbegat- 
tcte, die überwintern, fo wie es auch bei den mei- 
llen andern Infecten der Fall feyn mag» Männchen 
und Weibchen fcheinen während der Begattung ihre 
Lebenskraft abzuilumpfen, oder vielmehr in der Fort- 
erhaltung ihrer Art in Eyern zu concentriren und fo 
ihr eigenes Ende zu befördern, weil fie alsdann den 
höchilen Endzweck iiires Dafeyns - Fortpflanzung - 
erreicht haben. Denn nicht lange darauf erfolgt ge- 
wöhnlich der Tod beider Gefchlechter. Alle die Blatt- 
läufe, die ich in diefer Hinficht zu beobachten Gele- 
genheit hatte , traf ein folches Schickfal. 

Auch überzeugte mich in dem obengenannten Jahre 
1803 davon die Erfahrung an Rofenblattläufen. Ini 
Herbfte, als plötzlich ilarke Fröfte und Kälte eintra- 
ten, fetzte ich ein Rofenflöckchen , woran viele Blatt- 
lausweibchen nebft mehrern Männchen erflarrt hingen, 
in meine nicht eben fehr warme Stubenkammer j und 

fo 



5 I. Kyber's Erfahrungea 

fo blieben fie an den fortgrünenden Blättern ohne alle 
Nahrung zu fich zu nehmen fitzen. In diefem Ziiftande 
liefs ich diefelben bis zu Anfange des Januars unge- 
ftört. Als es aber nachher in diefer Kammer zu gefrie- 
ren anfJULj, brachte ich diffes Stö -kihen mit den daran 
befindlichen BUttläufen in mein Wohnzimmer ins Fen- 
fter dem Ofen gegenüber, und in kurzer Zeit befeelte 
gleichfam neues Leben Männchen und Weibchen, 
Sie fingen an fich zu bewegen j Nahrungsläfte einzufau- 
gen und fich zu begatten. Bald darauf legten die 
Weibchtn Eyer, die oval und von gelbgrüner Farbe 
Waren i:nd nach und nach entweder ins matt- oder 
braunfchwarze übergingen. Sie klebten f )lche gröfs- 
tentl.eils an den Stamm und die Aeilchen; wenige nur 
an die Blätter. Sie liefen oft bis zum Fufse des Stämm- 
chens und fetzten diefelben dort ab. Wenige falie ich 
an der Stelle Eyer legen, wo f(e faugten. Sie fchie* 
Den forgfam ein Pläzchen für diefe auszuwählen» 
I»Jach dem Legen eilten die Mütter auf die Blätter zu- 
rück und faugten von neuem- Ueberhaupt erfolgte 
das Eyerlegen auf diefelbe Weife wie das Jungegebä- 
ren, nach verfchiedenen Zvj^ifchenräumenj feiten ka- 
men zwti hintereinander zum Vorfchein. Bisweilen 
begattete fich ein Männchen mit dem Weibchen dazwi- 
fchen, welches ich auch an andern Arten wahrge* 
Dommen habe. Es find aber gewöhnlich andere Männ- 
chen, die dies Gefchäft wiederholen j ob diefes aber 
allemal und bei allen der Fall ift, und ob der männ- 
liche Saame auf einmal mehrere» oder alle im Mutter- 
leibe liegenden Eyer zugleich befruchtet, kann ich 

jetzt 



über die Blatlläufe 7 

jetzt noch nicht genau beftimmen; wenigftens fcheint 
bei einer Begattung die Befruchtung mehrerer vor fich 
zu gehen, weil viele ohne erneuerte Begattung einige 
Eyer nach einander legen und das lange Hängen des 
Männchens am Weibchen liefert auch fchon den Beweis, 
dazu. Denn je länger bei Infecten, wie bekannt, die 
ßegattung dauert, defto weniger fcheint eine wieder- 
holte nothwendig zu feyn; wohl aber da, wo fie, wi© 
bei mehrern Thieren , kurz id. 

Ungeachtet fie fich in in einer ftets warmen Stube» 
nicht weit vom Oft^n, befanden und m elfte ns dem 
Sonnenlichte ausgefeizt waren, bemerkte ich doch nie- 
mals, dafs fie Junge gebaren, fondern fie legten blofs 
Eyer. Allein nicht lange daurete das Wohlbehagen 
diefer Familie ; denn bald nach dem Eyerlegen erfolg- 
te der Tod beider Gefchlechter. Nach vier Wochen 
war von der ganzen zöhlreichcn Kolonie an diefem Ro- 
fenftocke keine einzige mehr übrig. Viele fanden 
ihren Untergang auch dadurch, dafs ihnen die Eyer 
mitten im After ftecken blieben, weil fie vielleicht nicht 
Kraft genug hatten, diefelben heraus zu drücken. 
Wahrfcheinlich aber würden Männchen und Weibchen 
glücklich überwintert haben *), wenn ich fie nicht aus 

ihrer 



i ) Sollten dergleichen Fälle nicht öfters im Freyen vor- 
kommen , wo beide Gefchlechter überwinterten und 
lieh erft im Frühlinge begatteten? Zeitig einfallende 
und anhaltende Fröffce nach vorhergegangener w^ar- 
mer Witterung mögen xvohl oft dergleichen Erfchei- 
nungen veranlaffen. Es v erfteht lieh , dafs es nicht 
alle Jahre leyn kann, weil hier alles auf die Befchaf- 
fenheit der Witterung ankommt. 



8 I. Kyber's Erfaliruogen 

ihrer Erftarrung geriffen und in eine warme Stube ge- 
bracht hätte. 

Diefes mag wohl auch bey allen denjenigen der 
Fall feyn , welche überwintern ; die Kälte überrafcht 
fie , ehe die Begattung und das Eyerlegen vor fich geht, 
oder manches Weibchen wird von den Männchen liber- 
fehen, fie erfchöpfen mithin ihre Lebenskraft nicht, 
erftarren und leben im Frühjahre von neuem auf. Da- 
her wohl die frühe Erfcheinung jener obengenannten 
Blattlausweibchen. 

Dafs die Blattläafe Kälte auszuhalten im Stande 
find, fleht man auch fchon daraus, das viele noch im 
Spätherbfte bei kalter, rauhen^Luft und ilarken Nacht- 
fföllen an Blättern' immer fo lange hängen bleiben, bis 
fie mit diefen herabfallen. Sie erftarren zwar allemal 
des Nachts, erwachen aber wieder, fo bald die Sonne 
die Luft erwärmt. Man kann dergleichen Verfuche 
an den in der Stube, oder in Gewächshäufern über- 
winternden Blattläufen machen. Sobald man diefe der 
kalten Luft ausfetzt, gerathen fie in Erftarrung, leben 
aber fogleich wieder auf, wenn man fie in ein geheitz- 
tes Zimmer bringt. Ich habe öfters verfchiedene fammt 
dem Blatte woran fie faugten , bei 6 - 8 Grad Kälte 
nach Reaumur 3-4 Minuten auf Schnee gelegt; 
das Blatt, worauf fich diefelben befanden, erfror 
fogleich und Alte und Junge erftarten; erwach- 
ten aber wieder, wenn fie in warme Stubenluft ge- 
bracht wurden. Indefs hielten aber doch nnr wenige 
einen mehrmaligen Verfoch der Art hintereinander 
aus* Man foUte glauben , dafs gleich die erile plötz- 
liche 



über die Blattlüufe» 9 

licjie Veränderung der Lufttemperatur für fie tödtlich 

wäre. 

Im Jahre 1803 war mir bei einer vierzehntägigea 
Abwefenheit im Januar ein peruifches Sonnenwenden 
Stöckchen (Heliotropium pcrnvianum), worauf ich 
Aphis Dianthi * )' tu erziehen und zu überwintern 
pflegte, erfroren. Ich fand nach meiner Zurückkunft 
alle Blätter und Zweige verwelkt und die Blattläufe wie 
todt daran hängen. Es fcbmerzte mich meine mehrere 
Jahre hindurch gepflegte Familie in einem folchen Zu- 
ftande zu erblicken. Doch erwachton fle zu meinem 
gröfsten Vergnügen wieder, als in diefem Zimmer 
wo ihr Standort war, eingeheitzt wurde, fuchten in 
die dürren Zweige und Blätter den Saugrüffel einzu- 
bohren, das ihnen aber nicht gelingen wollte j bis ich 
diefelbigen auf ein anderes grünendes Stöckchen der 
Art laufen liefs, wo fie fleh dann wieder wohl befan- 
den und wie zuvor Junge gebaren» 

Sogar junge Blattläufe überwintern» Denn man 
findet bisweilen an den Knospen mitten im Winter Eyer 
und Junge, die nach Schrank's ') Meinung noch im 
Herbile des vorigen Jahres dem Eye entfehl üpft feyn 

feil- 



st Man follte diefe', Blattlaus nicht mit Schrank, in 
feiner Fauna boica, /^fhis Dianthi^ fondern vielmehr 
A. vulgaris nennen, weil fie faft auf allen Gewächfen 
lebt und die allergeraeinfte ift. Sie kann fehr leichfe 
mit andern Arten verw^echfelt werden. Daher. mag 
CS wohl kommen, dafs fie weder Linnee noch Fabri- 
cius befchreiben, 

3) Fauna boica. 2. ßd, 1, Abtb. p, i3i. 



10 I. Kyber's Erfahrungen 

follen. Allein ich niögte fie liqber aus folgenden Grün- 
den für noch im Herbfte wirklich L:3bendiggeborne 
halten. Denn erftlich befinden fich unter den ßlattlaus- 
weibchen, die fchon Eyer legen, der Erfahrung ge- 
mäfs ) noch immer einige, die Junge gebären "*•). Die 
rauhe Herbftwitterung hindert die fchnelle Entwicke- 
lung der Jungen; und tritt nun noch etwa überdiefs 
unvermuthet anhaltender Froft ein, fo erftarren fie und 
überwintern in der erften Häutung. Es kommt frey- 
lich hier alles auf Zeit und Uinilände an. Manches 
Jahr wird man keine finden. Zur Beftätigung jener 
Behauptung kann auch Aphis burforia dienen. In den 
abgefallenen Gallen befinden fich im Spätherbfte nach 
rnehrern vorausgegangenen harten Fröilen nicht nur noch- 
Junge von verfchiedener Häutung, fondern auch geflü- 
gelte und ungeflügelte Ausgewachfene, die alle noch» 
Junge im Leibe haben. Dazu kommt zweitens, dafs, 
foviel ich weis, noch kein Naturforfcher eine folche 

Er- 



4) Befonders die geflügelten Weibchen, in denen im 
Spätherblte, oft wenn es fchon gefrieret, immernoch 
Junge ausgebildet liegen, wenn die ungeflügelten 
Weibchen aus der nämlichen Familie fchon längfi: 
Eyer legten. Den 21 November 1812 hatte ich noch 
immer mit Flügeln verfehene Haberblattläufe, die 
Junge gebaren, obgleich die flügellofen fchon im 
September, nach der Bega*ttung, Eyer legten. Ein© 
gewifs auffallende Erfcheinung, die noch Stoff zu 
wichtigen A uff chlüffen über die Fortpflanzungsweife 
der Blattläufe wird geben können. Vielleicht über- 
wintern auch viele geflügelte Blattlausweibchen mit 
lammt den Jungen. 



über dio Blattläufe, it 

Erfcheimm^ an den "Eycrn anderer Infecten bemerkt 
hat; es wäre denn, dafs es ihre Beftimmung fo ver- 
langte , wie es z. B. bei Pap. Crataegi Lin. der Fall 
ift. Das Ausfcblüpfcn der Jnngea aus den Eyern er- 
fordert fchon eine höhere Ten.peratur, als im Herbfte 
gewöhnlich ift. Selbll in der Siubenwärme hat es mir 
noch nicht glücken wollen, Blattläiife früher aus dem 
Eye zu entwickeln, als es ihre Zeit verlangte. Es ift 
überhaupt auch fchweer, folches zu bewerkftelligen, 
weil eine den Eyeiu gemäfse Feuchtigkeit daxu noth- 
wendig ift, 

Selbft die Ichöne, warme Herbftwitteriing des 
Jahres 1811 , wo fogar die Nächte lau waren, pflegte 
ich eine Colonie von Aph. Lycbnidis und Hordei *" ), 
welche unzählige Eyer legten , ftets in der Sonne und 
des Nichts am verfchloffenen Fenfter ftanden, und 
doch bemerkte ich nie, dafs irgend ein Junges dem 
Eye entfchlüpfte. Noch im November waren diefe 
Familien munter und befchäfiigten fich mit Begatten 
und Eyer legen. Seit dem Anfange des Octobers , als 
IMännchen erfchienen, (imFreyen kommen diefe früher 
zum Voifchein, welches auch das Abfterben der Pflan- 
zen nothwendig macht), hörten die meiften auf Jung© 
zu zeugen , wie wohl es noch immer verfchiedene un- 
ter ihnen gab, welche fort gebaren. Wäre nun plötz- 
lich Kälte erfolgt*, welche das Wachsthum der Neuer«» 
zeugten gehemmt hätte , fo würden fie unftreitig in der 
crften Häutung in Winterfchlaf gefallen fcyn» 
End- 

5) Eine neue Art, die ich nächllens näher befchreibea 
werde. 



IZ I. Kybei-'s ErfaliKungen 

Endlich würde drittens die Natur Wf^hl nicht 
mütterlich für die Erhaltung vieler kleinen Thiere ge- 
forgt haben, wenn im Herbfte ihre Ausbildung im 
Eye fo leicht wäre. Wü den dann nicht die nieillen 
durch Kälte und aus Mangel an Nahrung umkommen? 
Ifl: es nicht ausgemacht, dafs der im Eye fchlummern- 
de Keim jede Art Witterung eher aushalten kann, als 
das daraus hervorgehende ju-nge Thier felbft? 

Aus diefen allen folgt, dafs wenigftens verfchie- 
dene Arten Blattläufe eben fo gut, wie andere Infec- 
teri in Winterfchlaf fallen, aus welchem die Frühlings- 
wärme fie wieder erweckt. So wie aber kein Infect 
einen folchen Schlaf beginnen würde, fo lange dio 
für alle Gefcl öpfe wohlchätige Wärme auf daftelbe 
fortwirkte und ihm Nahiungsquellen offen ftänden: fo 
icheint diefs auch der Fall bei den Blattläufon zu leyn, 
ja was noch mehr ift, diefe letzteren Icheinen nicht 
einmal im Herbfte Eyer zu legen, fondern immerfort 
Junge zu gebären, fo bald jene Bedingniffe Wärme 
und Nahrung fortdaurend find. 

Diefs lehrte mich die Erfahrung nicht nur an 
Rofenhlattläufen ( Aphis Rosae ) , fonde^n auch an Nel" 
kenblattläuftn (Aphis Dianthi), die ich zur nähern 
Beobachtung Sommer und Winter am Fenller in meiner 
Wohnflube zu erziehen pflegte. 

Vier Jahre unterhielt ich diefe Colonie und doch 
fahe ich während diefer Zeit nie ein Weibchen von 
ihnen im Herbfte Eyer legen, fondern immer fort den 
ganzen Winter hindurch Junge gebären , wie wohl in 
Iceioer fo grofsen Anzahl , wie im Frühlinge und Som- 
mer. 



über die Blattläufe. 13 

mer. Die wenlgften wurden von November bis Fe- 
bruar geboren. Immer verftrichen mehrere Tage , ehe 
ich ein Junges bemerkte, oder hervorkriechen fahe. 
Ueberhaiipt kam es dabei immer fahr viel auf die Be- 
fchaffenheit der Witterung an. Wenn es fehr kalt war 
und die Fenfter im geheitzten Zimmer gefroren, ge- 
baren fie entweder gar nicht oder feiten eins. An 
heitern, nicht gar zu kalten Wintertagen erfolgten ge- 
wöhnlich häufigere und fchneliere Geburten. In dem 
angenehmen Januar 1804 vermehrten fich meine Colo- 
nien fo anfehnlith, dafs ich mich ^enötbigt fahe, fie 
zu verminderUj'wenn die Nahrungsquelle nicht verfiegen 
foUte. Weniger nöthig war es in dem darauf folgen- 
den kältern Februar , wo nur feiten Junge zum Vor- 
fchein kamen. Im März pflanzten fie fich an den fchö- 
nern Tagen zahlreicher fort, und überhaupt wurde 
die Vermehrung um fo ftärker, je näher das Frühjahr 
riickte. die Sonnenwärme zunahm, und die Pflanzen 
faftiger wurden. 

Die Witterung, verbunden mit reiehlicher Nah- 
rung, hat folglich bei den Blattläufen, eben fo, wie 
bei andern Infecten, den ftärkeften Einflufs auf die 
fchneliere Fortpflanzung und Ausbildung. Auch das 
Häuten der Jungen geht zu der Zeit weit gefchwinder 
vor fich , als in trüben und kalten Wintertagen , wo fie 
feiten in einigen Monaten die zur Erzeugung nothwen- 
dige Reife erlangen. Ich nährte im Winter 1805 drei 
Junge abgefondert von ihren Müttern, die im Decem- 
ber des vorigen Jahres geboren waren und erft im Fe- 
bruar des folgenden zur Zeugung fähig wurden." 

Di« 



14 I. Kybei's Erfahrungen 

v Die gepflegten Familien pflanzten fich aber niclit 

nur Sommer und Winter beftändig fort, fondern was 
das Wunderbarfte und Auffallendfte dabei war, ich 
bemerkte auch bei aller Aufmerkfamkeit, welche ich 
darauf verwände, feit jenen 4 Jahren keine Männchen 
und keine Begattung, die doch auch bei den oben er- 
wähnten Blattlänfen unter gleich günftigen Umftändeo 
allezeit im Herbfte erfolgen follte und bei der Rofen- 
blattlaus auch wiiklich im Freyen erfolgt. Nur die 
Ne'kenblattlaus fdieint hierin eine Ausnahme zu ma- 
chen , bei welcher ich überhaupt nie, auch im Herbfte 
nicht, Begattung und Eyer wahrgenommen habe. Sie 
bedarf vielleicht bei.les ihrer härtern Natur nach «uch 
nicht, um fo weniger, da fie von dem Safte fehr vie- 
ler Pflanzenieben kann; denn man findet fie nicht 
nur im Sommer auf verfchiedi nartigen Gewä^hfen, 
fondern auch in Gewächshäufern faffc an allen darin 
befindlichen Kräutern, wo fie fich den Winter über 
zum gröfsten Verdrufse der Gä; tnt'r fehr zahlreich fort- 
pflanzt und bef nicht genugfamer Aufmerklamkeit 
manche Pflanze verdirbt. 

Beftätigten fich diefe Erfahrungen auch noch an 
andern Arten, fo mögte wohl die bisherige Meinung 
von der Fortpflanzungsweife der Blattläufe nicht ganz 
entfchieden feyn. Entweder mufs die Befruchtung der 
Eyer durch Männchen auf weitere , als bekannte Zeu«. 
gangen hinaus reichen, oder ein Blattlausweibchen iil 
in gewiffen Verhältniffen rermögend, auch ohne vor- 
hergegangene Begattung, blos durch Jungegebären, 
ins Unendliche fich fortzupflanzen , fobald nur die zwei 

zur 



über die Blattll\u(e. 15 

zur Ausbildung der Jungen im Matterleibe j nöthlge^ 
Erforderniffe fVärme und Nahrung ftets vorhanden 
find. 

Fortdaurende Wärme und Nahrung alfo fcheinefi 
die Männchen im Herbfte unnöthig zu machen. Diefs 
follte wenigftens aus den Beobachtungen der erwähn- 
ten Blattlä'ife folgen. Woher fonft jene Vermehrung 
ohne Männchen und Eyer? Ja lie bedürfen vielleicht 
in den angegebenen Verhältniffen keiner Begattung, 

Selbft im Freyen kann man das frühere Erfcbei- 
nen der Eyer und Männchen aufhalten, wenn man 
Blattläufe, die auf zeitig abfterbenden oder hart wer- 
denden Pflanzen leben, auf frifch gefäete , odergepflsnz- 
te der Art bringt. Z. B. Aphis Lichnidis, Hordei, 
Avenae, vitellinae u. f. w. legen Ichon im September, 
ja die auf Weiden am Ende des Juni nach Erfcheinung 
der Männchen Eyer. Setzt man aber um diefe Zeit 
noch mit Jungen fchwangere Weibchen auf frifche Pflan- 
zen . die fie gewöhnlich bewohnen , fo gebären fie auch 
im Freyen bey angenehmer Witterung noch lange fort, 
bis endlich rauhe Herbdtage die Geburten hemmen 
und Eyer und Männchen fich zeigen. Sollte nicht auch 
hieraus folgen, dafs fich in Blattlaus- Müttern, wenn 
auch nur bei einigen Arten, fo lange Junge entwickeln, 
als Nahrungsquellen offen Heben und die Wärme auf 
fie fortwirkt, ob man gleich nicht einfieht, wie der 
Mangel oder die Fülle von beiden das frühe oder fpäte 
Erfcheinen der Männchen und Eyer veranlafien kann. 
Denn die Meinung, dafs die letzte Generation Männ- 
chen 



l6 I. Kyber's Erfahrungen 

chen feyn , fcheint fchon darum keinen Grund zu haben, 
weil fich ihre Erfcheinung entweder ganz hennmen, 
oder doch wenigftens verfpäten läfst, und überdiefs 
noch immer unter den Eyerlegenden verfchiedene es 
gibt, die noch eine xeitlang fortgebäreru Aufserdem 
niüfste auch die Anzahl der Männchen weit gröfser 
feyn. Man kann aber immer gegen loo Weibchen 
cur ro Männchen rechnen. Nach welchen Gefetzen 
diefs aber alles erfolgt, wage ich^icht zu entfcheiden. 
Künftige Beobachtungen werden vielleicht mehr Licht 
darüber verbreiten. 

Man kann 2war meinen Erfahrungen, dafs die 
Blattläafe, wenigftens verfchiedene Arten, in gewif- 
fen Lagen einer ewigen Zeugung ohne Zuthun eines 
Männchens fähig find, entgegnen, dafs fie erftlich nicht 
allgemein und zweitens nicht in der Natur, fondern 
in der Stube , oder in Gewächshäufern gemacht worden 
find. Was den erften Einwurf anbelangt, gebe ich 
meine Beobachtungen auch nicht für allgemein aus ; fie 
follen weiter nichts, als die Wahrheit beurkunden, 
dafs es auch unter den Blattläufen Arten giebt, die in 
gewiflen Ümfländen zur Forterhaltung ihrer Art ganz 
der Begattung entbehren können. Und wenn es auch 
nur einige Arten gäbe , von welchen diefes behauptet 
werden könnte, fo wäre ja wohl die Entdeckung für 
die Gefchichte des phyfifchen Lebens, befonders in 
Hinficbt der Erzeugungsarten der lebenden Natur immer 
wiciitig genug. Wirft aber eine folche Erfahrung nicht 
noch überdiefs ein helles Licht auf die Erzeugung der 
Blattläufe überhaupt* Wird nicht dadurch die Mög- 
lich- 



über die Blattläufe i^ 

lichkelt dargethan, wie diefe Thiere auch ohneZuthun 
eines Männchens den ganzen Sommer durch mehrere 
Generationen fich fortzupflanzen vermögend lind, und 
dafs fie nur dann eine Paarung nöthig haben, wenn 
der weibliche Zeugungsftoff im Eie durch Einwirkung 
des männlichen Saamens die Entwicklungsfähigkeit 
bekommen foll? Und erhält die bisher angenommene 
Hypothefe, nach welcher durch eine und ebendiefelbe 
Begattung im Herbfte des vorigen Jahres, fowohl die 
Stammutter, welche im künftigen Friihlinge dem Eie 
entkrieclit, als auch ihre Töchter, Enkelinnen, Uren- 
kelinnen und noch weitere Zeugungen mit befruchtet 
werden feilen, nicht einen harten Stofs? 

Es find freilich, um auf den zweiten Einwurf, 
der mir gemacht werden kann, zu kommen, die Ver- 
fuche darüber nicht ganz in freier Natur angeftellt 
worden.. Allein ift folches auch in Ländern möglich, 
die- einem Winter unterworfen find, und wo die Ge- 
wächfe, auf welchen die Blattläufe leben, meiftens 
abfterben, oder doch keinen Nahrungsftoff mehr liefern, 
oder aber eintretende Kälte die organifche Bildung jun- 
ger Blattläufe im Muttercanale hemmt? Und was liegt 
auch daran, ob fie in der Natur, oder in geheitzten 
Wohnungen gemacht worden find? Die Stubenwärme 
füll weiter nichts, als das bei uns im Winter fehlende 
Clima erfetzen. Aeufsert folglich ein Thier in künfl- 
licher Wärme ein gewifles Vermögen, fo mufs es auch 
im Freien unter gewiffen Bedingungen daflelbe äufsern 
können. Es kann ja ein folches Vermögen durch keine 
Kunfl: erft in ein Thier hineingepflanzt werden , es mufs 

ß fchon 



i8 I- Kyber's Erfalirungen 

fchon in ihm licG^oa und zeigt nur in gewiflen Verhalt- 
niflen feine Wirknimkeit. Mithin mufs auch das Ver- 
mögen, ohne Paarung mit N;ännchc'n von Gefchlecht 
•«.u Gefci:li?cht lich^ fortzupflanzen , wo nicht allen , doch 
'w^enigflens Weibchen einiger Arten Blattläufe, eigen 
feyn, fonfl: würden ja auch in künlllicher Wärme im 
Herbfte Männchen erfcheinen und fich mit ihnen be- 
gatten. 

Muffen nicht endlich künftliche Vcrfnche gemacht 
werden, um die Natur in ihrer verborgenen Werkftätte 
belaufchen zn können? Waren SpaJIaJiZanls Verfiiche 
über die Erzeugung der Thiere i^nd Pfl,jnzcn nicht auch 
meiftens von der Art? Und welche merkwürdige Ent- 
deckungen hat gleichwohl diefer Mann gemacht! 

Und mufsteh Lyonefs und Bonmt's Verfuche über 
die Blattläufe nicht auch in der Stube auf eine künft- 
liche Weife ange'lellt werden, um endlich zu ent- 
decken, dafs diefe Infecten im Sommer Lebendiggebä- 
rende und im Herbfte Eierlegende feyn? Tropifche 
Länder, die keinem Winter unterworfen find, könn- 
ten freilich die Sache am heften entfcheiden. 

Indefs fclirt dsch fchon aus meinen Beobachtnn-. 
gen foviel, dafs einige Blattlausartcn in gewilTen Ver- 
^ältniflen, auch ohne Beiltand der Männchen, mithin 
ohne Eierlegen im ^erbfle, durch immerwährendes 
Jungegebären ihre Art fortzuerhalten fähig find. Und 
diefs wäre ja keine neue, ungewöhnliche Erfcheinung 
in der Natur. Ich glaube, mnn ift fo ziemlich von 
der Allgemeingültigkeit des Harveyfchm Grundfatzes : 

«, omne 



über die BlattlLiure. 19 

„omne vivum ex ovo, omne vlvum ex coi* 
tu" abgekortimen, da neuere Entdeckungen es un- 
widerfprechlich darthun, dafs viele einfache, wo nicht 
felbft zufainmengefetztere Organismen zur Fortpflan- 
zung ihrer Gattung oder Art lieh felbft: genug ftyn 
können, und dafs bei ihnen die Erzeugung entweder 
ein blofses Sproffen, oder Abllofsen, oder aber Fort- 
wachfen des gleichartigen Körpers fey. Wir haben 
meines Erachtens zu einer folchen Behauptung fchon 
ßslege genug aus dem Thier- nnd Pflanzenreiche. 

Die Natur flellt auch hier, wie überall, in ihrer 
nnerfchöpflichen Fülle, fehr verfchiedene und mannich- 
faltige Formen der Erzeugung auf, die wir freilich 
noch lange nicht alle kennen. Indefs find doch unfere 
bisherigen Erfahrungen darüber fchcn fo reichhaltig, 
dafä man mit Zuverficht hoffen kann, künftig durch 
tieferes Eindringen in die verfchleierten Wege der Na- 
tur noch weit mehrere zu machen. Wir finden da 
Wefen , wenn wir zuerfi: auf die einfachften Organis- 
men einen Blick werfen , welche der Begattung nie 
bedürfen , ja nicht einmal Zeugungsthdle befitzen , fon- 
dern blofs durch Zeriheilung oder Auflöfen des mütter- 
lichen Körpers fich fortpflanzen. Dahin gehören, wo 
nicht alle , doch die meillen Aufgufs - und Saamen- 
thierchen <^_)' 
^ B 2 Stei- 

6) Vergl. Müller Vermium terrelV. et fluviat. feu ani- 
mal. Infuf. — hiftoria Vol. I. et II. Havniae et Lipüae 
377'd u. 74. 

Pallas Eienchus Zoophytorum etc. Hag. Com, 1766. 
Schrank ßeyträge zur Naturgefchichte. Augsburg 
1776. 



20 I- Kyber's Erfahrungen 

Steigen wir ferner in der thierifchen Schöpfung 
eine Stufe höher zn den Tfilerpflanzm y fo haben die 
Naturforfcher auch hier, an vielen wenigfttns, weder 
männliche Zeugungsglieder, noch l^aarung wahrge- 
nommen , und blofs durch Sproffen ihre Art fortpflan- 
zen gefehen. Es mufs folglich bei diefen Gefcböpfea 
der weibliche Zeugungsftoff entweder durch eigene 
Kraft fich felbfl: zu entwickeln vermögend feyn, oder 
durch von Aufsen wirkende Naturkriifte gleichfam 
den erden Stoff dazu erhalten, fo dafs diefer Sxoff an 
einem fchicklichen Orte des Mutterkörpers aufser- 
oder innerhalb fich anletzt, organifirt und von ihm ge- 
nährt fo lange fortwächfl:, bis er reif genug ift, fich 
vom mütterlichen Körper zu trennen und Ib fein eige- 
nes Leben zu beginnen. 

Am merkwürdigften hierunter find die Polypen 
(Hydra), welche in Hinficht der Zeugung einige 
Aehnlichkeit mit den Blattläufen haben. Nach einer 
Beobachtung von Pallas ') entfprofren den Sommer 
über diefen Thieren blofs Keime, die fich zu einem 
der Mutter ganz ähnlichen Individuum bilden und wenn 
fie die gehörige Bildung erreicht haben , von ihr fich 
losreilsen und für fich felbft fortleben. Im Herbflie 
hören diefe Wefen auf zu fproffen und legen Eier, die 
erfl; im folgenden Frühjahre durch die Sonnenwärmo 
ausgebrütet werden» 

Unter den Wurmgattungen giebt es gleichfalls 
mehrere, die fich durch SprofTen, Jungegebären und 

Eier 



7) Pallas ülench. Zoophyt. p, 28. 



über die Elattlüufe. ai 

Eier vermehren und die entweder nie, oder doch nur 
feiten , wenn nämlich gewifle Verhältniffe es nothwen- 
dig machen , eirj^r Begattung bedürfen. Beweife da- 
von liefern uns befonders die Gattungen Nereis, Nais, 
Aphrodite, Amphitrite, Planaria, Taenia, Terebella 
und LumbricDs, eine Gattung, die fich nicht nur durch 
Theilung und Sprofien, fondern aucli durch Eier fort- 
pflanzt und zur leLztern Art Fortpflanzung allezeit, wie 
die Blattläüfe einer Paarung und Befruchtung benöthigt 

Man füllte freilich glauben, was auch viele Na- 
turforfcher zu behaupten fuchen, dafs bei zufammen- 
gefetztern Organismen der Thiere, die entweder fich 
durch Jungegeb'aren , oder Eier fortpflanzen, die Begat- 
tung eine notbwendige Bedingung zur Entwickelung 
des weiblichen Erzeugungsflioffes fey. Allein wodurch 
will man eine folche nothwendige Bedingung beweifen 
können? -Und in der That hat es auch noch kein Na- 
turbeobachter bewiefen, um fo weniger, da uns die 
Natur bei vielen Gegenfländen , wenn auch nur negativ 
auf das Gegentheil hinweift. Stellt fie uns nicht felbll: 
unter den Infecten Arten auf, welche ohne vorausge- 
gangene Befruchtung Junge gebären oder Eier legen? 

Sehen 



8 ) Belege dazu geben unter andern : 

O. F. Müller Von den Würmern des fülsen und fal • 

zigen Waffers etc. Koppenhagen 1771. 

Deffen Vermium terrestr. et fluviat, historla. — Zoo - 

logia Danica. Hav. et Lipf. 1779. 

Haller El. phyf. T. VIII. 

Bonnet Traite d' Infect. Tom. II. 



22 I. Kyber's Erfahrungen 

Sehen wir diefs nicht fchon an den Blattläufen die der 
Hülfe eines männlichen Individuums zur Fortpflanzung 
mehrerer Generationen hindurch ganz entbehren können? 
Denn anzunehmen, dafs eine einzige im Herbfle dos 
vorigen Jahres erfolgte Begattung xu folchen Erzeu- 
gungen für den ganzen Sommer des folgenden i)inrci- 
chend fey, ift unftreitig naturwidrig, wie ich unten 
Weiter zeigen werde. Hier nur erfl noch einige Bey- 
fpiele aus den Beobachtungen Anderer, die es klar 
machen , dafs es auch auf den höhern Stufen des Thier- 
reichs weibliche Individuen giebt, die des Beiftandes 
eines männlichen xur Erhaltung ihrer Art nicht immer 
bedürfen, weil ihnen vielleicht oft die Gelegenheit zur 
Begattung fohlt, und dafs im letztern Falle der weib- 
liche Zeugungsfloff nach gewiflen uns noch unbekann- 
ten Gefetzen zur Ausbildung fich felbft genug feya 
könne. 

So legen oft Schmetterlingsvreibchcn ohne Zuthiin 
eines Männchens fruchtbare Eier, welches unter andern 
Palhs 5 ) , BernouHi ^ <^ ) , Albrecht " ) , und meh- 
rere beobachteten, Blancard '*) fahe eine Spinno 
vier Jahre hindurch ohne Begattung Eier legen. Wahr- 
fcheinlich gäben uns diefe Thiere mehrere dergleichen 
Beifpiele, wenn man fie genauer zu erforfchen fuchte. 
Denn feiten fieht man luiter ihnen eine Begattung, und 

Männ- 



9) Nova Act. Acad. Nat. Cur. Tom. III. p. 43o. 
ig) Hift. de L'Acad. des Sc. de Berlin 1772 p. 24. 

11) Miscell. Acad, Nat. Cur. An. 9. u. 10. obf. 11. p. 2G. 

12) Epherii, Acad. , Nat. Cur. An. 3- obs. 55. p. 65, 



über die BlattUiufe. S3 

Männchen und Weibchen nähern fich einander ausMifs- 
trauen gewöhnlich mit vieler Behutlamkeit. 

Selbft die Bienen Königinnen follen nach den Er- 
fahrungen von LaJige ^ ' ) und Schirach '^ )' bis in die 
zweite und dritte Generation ohne Zutuin eihes Männ- 
chetis fruchtbar feyn, welches fch.m Reaumur '*" ) be- 
merkt hat. y-urtne ^^ ) nahm dergleichen auch an der 
Daphnia pidex wahr» 

• Manche Infecten fcheinen alfo in gewiffen Ver- 
hältniflen -einer Begattung zur Fortpflanzung entbehreu 
zu können. Sollte diofs nicht felbrt: bei noch hühern 
Thierklaffen, wie bei manchen Amphibien, Fifchen 
und Vögeln, der Fall feyn? Wenigftens legen Hühner 
mehrere Wochen niich einer einzigen Begattung frucht- 
bare Eier. Blumenbach'^'^) erhielt von einen Sala- 
mander, Aen er mehrere Monate in einem Glafe ein- 
gefchloffen gehabt hatte, 34 lebendige Junge. 

So ftellt denn die Natur eine Menge Thiere auf, 
bey welchen, wie bei verfchiedenen Würmern , Thier- 
pflanxen, Infufionsthierchen die Begattifng entweder 
eine Null ift, oder die, wie einige Wurmart^n und 
Infecten, vielleicht auch manche Amphibien, Vögel, 

wenn 



i3) Gemeinnützige Arbeiten der Sächf. Bienengefell- 

fchaft. Bd. 1. p, 59. 
14 ) Ebendafelblt p. i55. 
i5) Menj. pour fervir ä l'Hift. des Infectes. Tom, V. 

p. 11. Mem. IX. Ed. 8. p. 166. 

16) Salzburger medic. chirurg. Zeitung, 1801. N. 76. 

P-444. - 

17) Specimen Phyliol. comp, inter animal, cal. et frig. 
Xanguinis, pag. XXXIV. 



94 I- Kybers Erfahrungen 

wenn nicht felbft einige Säugothiere * ^ ) jn manchen 
Fällen derfelben entbehren können» 

Auffallende Beifpiele der Art bietet auch das 
Pflanzenreich dar. Hier kann man augcnfcheinlich 
fehen, dafs fich viele auf dreierlei Art fortpflanzen, 
durch Saamenkörner, Knofpen undTheilungen. In den 
letztern zwei Fällen bedarf keine einzige einer Befruch- 
tung durch männlichen Saamen , wohl aber meiftens im 
erllern. Denn viele Pflanzen haben es hier mit vie- 
len Thiercn, welche fich durch Eier fortpflanzen, ge- 
mein, dafs nämlich zur Entwickelung des weiblichen 
Zeugungsftoffes durchaus männlicher Saame nothwendig 
ift; aber doch auch nicht in allen Fällen, wie mehrere 
Verfuche der Art bewiefen haben ^^). Bei vielen 
Gewächfen aus den Familien dör Pilze, Wafferfäden, 

Tan- 



18) Treviranus Tagt in feiner Biologie S.Theil. p. 269: 
es fey fehr zweifelhaft, ob nicht fogar einzelne Ar- 
ten der höhern, mit einem artikulirten Skelet verfe» 
henen Thierklaffen der Begattung zur Fortpflanzung 
entbehren können. Vielleicht und die Meernadeln 
(Syngnathus) folche Arten. — Ja was noch mehr 
ift, fogar bei den Menfchen zeigt floh in manchen 
Fällen eine Tendenz zur Bildung von Früchten, die 
durch keine vorhergegangene Begattung verurfacht 
feyn kann« 

19) Vergl. Gladitf ch Mem.del'Acad. desfc. de Berlin. 
1749. p. io'3. et 1767. p. 3. — Kölreuter Act. 
Acad. Theod. — Palat. Tom. III. p. 36. cet. und he- 
londers Spallanzani's Verfuche über die Erzeu- 
gung der Thiere und Pflanzen, Abth, 2. p. 378 — 
406. 



über die Blatiläufe. 25 

Tangen, Geranien hört fogar aller Gefchlechtsunter- 
fchied auf. 

Aus diefen, was uns die Natur felbfl: zeigt, er- 
hellt alfo, dafs die Behauptung vieler Naturforfcher ; 
die Begattung fey, vvenigflens bei zufammengefetztern 
Körpern des Thier- und Pflanzenreiches eine unbeding- 
te Nothwendigkeit zur Forterhaltung des Gefchlechts, 
oicht als allgemeingültig angenommen werden könne» 

So viele Abftufungen es in den Bildungen organi- 
firter Körper giebt, Jo fehr vervielfältigt fich auch die 
Natur in Hinficht der Zeugungen. Sie fchreitet auch 
hier, wie in allen Hufen weife von den einfachften bis 
zu den zufammengefetzteften , oder fo zu fagen, künil- 
lichften Gängen fort. Warum foll alfo überall in allen 
lebenden Körpern nur ein Gefetz gelten? Was befugt 
uns denn bei allen eine gleichförmige Erzeugung und 
Fortpflanzung anzunehmen? heifst das nicht feinen Ei- 
genwillen der Natur aufdringen? Man follte fich daher 
doch wohl immer mehr an Erfahrungen halten, welche 
die Natur felbfl;, freilich oft auf einem mühfamen, 
kofl: - und zeitfpieligen Wege , darbietet , als voreilige 
Schlüffe wagen , welche dann über kurz oder lang doch 
einmal über den Haufen geworfen werden. 

Ich hätte mir nach den Beobachtungen eines un- 
crmüdeten Lyonet ^ fcharffinnigen Bonnet und tiefbli- 
ckenden Degeer und Reaumur nie träumen lälfen , dafs 
fo zarte Pflanzenläufe auch im Freien überwinterten 
und manche Arten ohne B?gattung mehrere Jahre hin-» 
durch , ja unter gleichen VerhältniflTen , ins Unendliche 

fich 



fi6 I. Kybcr's Erfahrungen 

fich fortpflanzen könnten, wenn njich die Erfahrung 
davon nicht überzeugt hätte. Ich glaubte mich immer 
zu täufchen, wurde aber dadurch nur anfmerkfamer 
und fahe, dafs es fich wirklich fo veihielt ^°). 

So fand ich denn endlich nach vielen mübfamen 
und ausharrenden Forfchen auf den Wegen, wohin 
mi*li jene obengenannten Erfahrungen geführt hatten, 
zwar alles in fo fern betätigt, dafs die Blattlaufe nicht 
nur lebendige Junge gebärende, fondern auch Elerle- 
gende Gefchöpfe find; blofs im Frühjahre und Sommer 
Junge zeugen, mit Ende des Sommers und im Heibfte 
aber zur gewiffern Erhaltung ihres Gefchlechts nach 
vorausgegangener Begattung nn"r Männchen, die gleich- 
falls um diefe Zeit erfcheinen, Eier legen, woraus 
erft im Frühlinge des folgenden Jahres Junge kriechen, 
welche vermögend find , ohne Begattung bis ins lo oder 
12 Glied ^^^ fich fortzupflanzen. Allein meine Er- 
fahrungen leiteten mich noch weiter, als die meiner 
Vorgänger. Sie zeigten mir, dafs diefe bewunderungs- 
würdigen Thiere, wo nicht alle, doch wenigftens eini- 
ge Arten, durch Erzeugung aus fich felbfl, ohne Männ- 
chen, fich fiets forterbalten können, fobald nur die 
zwei Bedingniße Nahrung und Wärme immer vorhan- 
den find, dafs folglich warme, keinem Winter ausge- 
fetzte 



fii ) Oft nur bis ins 6 und gte Glied , wenn der Sommer 
kühle oder trocken, mithin an Wärme und Saft der 
Pflanzen Mangel ift , bei günftiger Witterung aber 
auch wohl bis ins zwölfte, ja fünfzehnte Glied und 
beim Überwintern auf noch weitere , Generationen 
hinaus. 



über die Blattl'äufe. 27 

fetzte Länder, weder Männchen , noch Eier nothwendig 
machen, dafs fie die Natur nur da als vivipara und 
ovipara auftreten lafle, wo die Nahrungsquellen verfie- 
gen oder ihre Gattungen Gefahr laufen würden , im 
Winter unterzugehen ^ weil die Leben^kelme in Eiern 
ficherer, als ihre zarten Mütter felbfl, zu überwintern 
fähig find, und dafs alfo die Meinung; die Blatiläufö 
im Sommer für Junge gebluende, im Herbfee aber für 
Eierlegende anzufehen, nur im befchränkten Sinne ge- 
nommen werden dürfe. 

Ich hoffe, man wird meinen Behauptungen, wel- 
che fich auf Erfahrungen llützen, Gerechtigkeit wider- 
fahren laffen, auch dann, wenn ich mich von der ge- 
wöhnlichen Zeugungs- Theorie der ßlattläufe, veran- 
lafst durch die von der Natur felbft mir gegebenen 
Winke, entferne und dem nicht beiftimmen kann, was 
Rsaumur^ Bonnet ^ Degeev und mehrere neuere Na- 
turforfcher, von denen freilich die meiften jenen Männ- 
nern es nur nacherzählten, von einer mit den letzten 
Weibchen des vorigen Jahres erfolgten und für die 
ganze Nachkomm enfchaft des folgenden hinreichenden 
Begattung wilTen wollen. Aber leider hat es noch 
keiner weder durch Schlöffe, noch durch Erfahrung be- 
wiefen und man mufs es bei einem blofsen Erftauneri 
bewenden laffen, dafs eine einzige Begattung zu fo vie- 
len Millionen Blattläufen , die von manchen Arten in 
einem einzigen Sommer geboren werden hinreichend 
{ey ^^). Allein noch weit mehr wird unfer Verfland 
_ zu 

22) Herr D. Schelver incht'\n feiner /Anmerkung zu Bonnets 
Biobachtungm über dis_ Blattläufe in fVüdemnns /irclüv für 

ZOQ- 



28 I- Kybei's Erfahrungen 

zn einem folchen Erflaunen fortgeriflTen , wenn man bei 
diefer Hypothefe anzunehmen lieh genüthigt ficht j dafs 

^ der 

Zoologie und Zootomie i. B. 2. St. p. ^5^ etc. diefes Wun- 
derbare dadurch zu löfen, dafs er annimmt: „es 
könnten fchon in dem Leibe der Mutter männliche 
und weibliche Blattläufe lieh vorfinden und fo viel- 
leicht innerhalb der Mutter die Begattung geCchehen 
feyn, indem er gegen Bonnet behauptet, dafs diefer 
TQaturforfcher die Gefchlechtsverfchiedenheit der 
jungen Blattläufe nicht genau beobachtet habe, weil 
Jie von ihm gleich nach der Geburt eingefchloffen 
worden wären und folglich keine Begattung hätte ge- 
fchehen können." Aus meiner eigenen Erfahrung 
fcann ich diefer Hypothefe entgegen fetzen : dafs es 
bis auf einen gewiffen Zeitpunkt, der bei den mei- 
ften Arten erft im Herbfte eintritt, unter den Jungen 
einer lebendiggebärenden Blattlaus nie zugleich männ- 
liche und weibliche gicbt und dafs bis auf eine ge- 
wiffe Generation blofs weibliche erfcheinen. Übrigens 
kann man lieh in der Unterfcheidung der Gefchlech- 
ter nicht leicht irren, weil die Männchen in mehr 
als einer Hinficht von den Weibchen unterfchieden 
ßnd. Am deutlichllen werden fie durch das am Hin- 
tertheile des Körpers nahe am After befindliche Begat- 
tungsglied bemerkbar. Ein geübtes Auge unterfchei- 
det daher fchon nach der erften Häutung die Männ- 
chen von den Weibchen. Man hat daher nicht nöthig, 
wie Hr. Schelver will, alle Junge von einer Mutter ein- 
zufperren und das Verhalten einer jeden zu beobach- 
ten. Und aufserdem läfst üch auch keine Begattung 
im Mutterleibe gedenken, w^cil es aller Erfahrung 
widerfpricht, dafs ein Infect, ehe es feine Vollkom- 
menheit erlangt hat, begattungsfähig ift. Nochmufs 
ich hinzufügen dafs diefe Anficht nicht neu, fondern 
fchon von Reaumnr Tom. III, p. 3 29 der Mem. für 
les Infects geäufsert wurde» 



über ' die Blatiläufe 29 

der Saame des Blattlansmännchens auch fclion die- 
jeiiigen Weibchen mit befruchten mufs, welche noch 
nicht da find und die erft noch in dem mütterlichen 
Leibe durch mancherlei Vorbereitungen gebildet wer- 
den muffen. Wie foU demnach ein Ding, dafs noch 
nicht da ift, befruchtet werden können? Ich hoffe man 
wird mir die von vielen angenommene und von vielert 
beftrittene Grille von einem piäformirten Keime nicht 
entgegenfetzen* Denn ein folches Wunder zu erklären 
würde doch nur ein neues Wunder erforderlich machen 
und viele Erfcheinungen , befonders aus der Pflanzen- 
welt, würden fich, ohne dem Gange der Natur Gewajt 
anzuthun, daraus gar nicht erklären laffen. Und wa- 
rum will man gerade bei Thieren , die auf einer nie- 
dern Stufe der Naturleiter flehen, dem männlichen 
Saamen eine folche wirkfame Kraft zufchreiben und de- 
nen auf einer höhern Stufe abläugnen? Nicht wahr, 
darum, weil es uns die Natur hier ganx offenbar vor 
Augen legt? 

Sie gibt es uns aber auch bei den Blattläufen an 
die Hand, wenn wir uns nur von Vorurtheilen losreifsen 
und ihren Winken folgen wollen. Sie ftellt uns die 
Blattläufe als Gelchöpfe dar, die auf der einen Seite 
fich felbft genug, und alfo ohne Männchen fich fort* 
pflanzen können ; auf der andern Seite aber auch als 
folche, die einer Begattung benöthigt find, wenn der 
Lebenskeim im Eie die Entwickelungs - Fähigkeit er* 
halten feilte und fetzt fie folglich in der Kette der 
Wefen iwifchen diejenigen, welche -iwar in ge willen 
Verhältniffen noch der Hülfe der Mänilchen zur Er- 

hal. 



30 I. Kybcr's Erfalirungeti 

haltung ihres Gefchlechts bedürfen, in gewifien aber 
eicht. 

Wie fchön ift daher auch in diefer Rückficht der 
Stnfengang der Natur! Da treten Gefchöpfe auf,\vel* 
che, wie Süugethiere, VOgcl u. f. w. ihrer orgaiiifchen 
Bildung zu Folge eine Begattung nöthig haben; andere, 
v/ie die Blattläufe und einige VVurmgattungen nur in 
gewifien Fallen des Zuthuns der Männchen bedürfen; 
andere, wie die Schnecken, männliche und weibliche 
Zeugungstheile zugleich in fich vereinigen und fich unter 
fich feibfl begatten ; noch andere , welche, wie die fprin- 
genden Schaalthiere, blofs einen Eierftock, oder Uterus 
nebH: einer Saamenfeuchtigkeit befitzen und folglich der 
Gefchlechtstheile beraubt find; und endlich andere, 
welche, wie die Aufgufs - und Saamenthierchen, ohne 
Gefchlechtsverfchiedenlieit und Befruchtung ihr Ge- 
fchlecht erhalten. So beobachtet die Natur auch in 
Hinficht der Zeugungen harraonifche Uebergänge , und 
künftige Entdeckungen werden uns noch gröfsere Man» 
nichfaltigkeit in der Erzeugung lebender Körper 
aufhellen, wozu auch die Zergliederungskunfl viel 
wird beitragen können , wenn üch ihre Verehrer auch 
an kleinere, einfach organifirtc Natu rgegenftände wa- 
gen. Eine fchöne Bahn d^izu bricht uns Ramdohr 
durch feine Anatomie der Infecten und es ifl: zu wün- 
fchen, dafs diefer fcharfilnnige und unermüdete Natur- 
forfcher feine Aufmerkfamkeit auch auf die Zergliede- 
rung der Blattlüufe richten mögte , um folgende Fra<* 
gen zu entfcheiden \ ob fich in diefen Thieren wirklich 

ein 



über die Blattläufe 31 

ein Eierflock ^^) befindet, woraus die Jungen im 
Mutterleibe entfteben, odei" aber ob fich diele im Mut- 
tercanale durch eine ganz eigene Organifation , viel- 
leicht durch blofe Abftofsung, oder Abreifsung vorn 

müt« 



23) Fö«»« behauptet zwar (f. deffen' Betrachtung übef 
die Natur, herausgeb. von Titus 4- Aufl. i. B p. 367.) 
aber freilich ohne Beweife, dafs fich zu allen Zeiten 
Eier und Junj^e im inütterlichen Körper vorfänden. 
Allein diefs habe ich bei meinen Beobachtungen noch 
nicht wahrgenomunen. Er hat%vahrfchein]ich die noch 
unausgebildeten, Eiern ganz ähnlichen Jungen für 
wirkliche Eier angefehen. Eine ftarke Vergrölserung 
zeigt uns aber fchon die noch werdenden Theile des 
Körpers, befonders die Augen, welche als 2 fchwar- 
ze Puncte erfcheinen und bei wirklichen Eiern nie 
fichtbar find. Wenn man eine Mutter anatoinirt, fin- 
det man entweder lauter Junge, oder zu einer be. 
ftimmten Zeit blofs Eier. Indefs will ich aber damit 
nicht lagen, dafs fie ohne Eierftöcke find. Zur, 
genügfaincn Entfcheidung diefer Sache reichten mei- 
ne optifchen und anatomifchen Werkzeuge nicht hin, 
Sie können allerdings einen Eierftock haben, nur 
müfsten die Jungen fehr bald im Mutterleibe den 
Eiern entfchlüpfen, w^eil Junge von verfchiedenen 
Graden der Ausbildung in ihnen liegen die alfo nicht 
kurz vor der Geburt ausgekrochen feyn könnentsk 
Auch habe ich an den Arten, die ich genauer unter- 
fuchte, nie Junge mit einer Hülle umgeben gefunden, 
welche fie nach der Geburt abgeftreift hätten. leli 
habe unter ftarker Vergröfserung w^eder die Hülle 
um die Jungen, noch den abgeftreiften Balg wahrge- 
nommen. Indefs könnte es bei manchen Arten der 
Fall feyn. Degeer will fie an der Rüßerbhnlaus bemerk« 
haben. 



3» I. Kyber's Erfahrungen 

mütterlichen Körper bilden, wozu blofs nur äufsere 
Einflüile, wie etwa Wärmefloff und andere Kräfte der 
leblofen Natur nöthig feyn könnten? Die Entfcheidiing 
diefer Fragen würde vieles Licht über die Entftehungs- 
art der Blattläufe verbreiten und manche andere Beob- 
achtungen, welche die Erfahrung an die Hand gäbe, 
könnten fich dann daran anfcliliefsen. Denn wir haben 
die Natur diefer Thiere noch lange nicht fattfam er- 
forfcht. Es drängen fich uns bei der Unterfuchung der 
Eigenfchaften , Bildung des Körpers, Oeconomie und 
Fortpflanzungsweife diefer Infecten noch manche Fra- 
gen auf, die man gern beantwortet wiffen mögte. Be- 
fonders liegt noch vieles Pviithfelhafte in der Erzeu- 
gungsart diefer Tbicre und in der Erfcheinung der 
Männchen zu einer beftimmten Zeit. Denn nicht blofs 
der Herbft iil der Zeitpunct ihres Dafeyns. Sie zeigen 
fich bei mehrern Arten fchon mitten im Sommer, wie 
im Juni, Juli, und Auguft ^^). Sollte die Natur man- 
cher Arten es fo nothwendig machen, oder was mir 
wahrfcheinlicher vorkommt, zunehmender Mangel an 
Nahrung die Urfache davon fcyn? Fafl fcheint es fo^ 
theils weil das frühere Entliehen der Männchen nur un- 
ter den Arten Blattläufen ftatt findet, die auf Gew^ch- 
fen leben, welche bald faftlos und hart vi^erden, oder 
nach erreichter Bellimmung verwelken; theils weil ihre 
Erfcheinung aufgehalten werden kann, fobald man Müt- 
ter folcher Arten auf junge , frifche Gewächfe bringt. 

Was 



24 ) Vergl. Hausmann' s Beyträge zu der Gefchichte der 
Blattläufe in liUgsr's Magazin für Infectenkunde. i* Bdt 
p. 43i. 



über die Blattläure. 33 

Was mag diefs für ein Natiirgefetz feyn , wocnacb 
diefes erfolgt? Und von welchen Weibchen werden 
überhaupt Mannchen zur Welt gebracht? Sind es die, 
welche fchon Weibchen geboren haben und nun zuletzt 
noch Männchen gebären > oder find es welche von der 
letzten Zeugung, die blofs nur Männchen hervorbrin- 
gen, und mit welchen begatten fie fich, die fchon Jun- 
ge erzeugt, oder nicht erzeugt haben? Soviel glaube 
ich bemerkt zu haben , dafs nicht immer die jüngft Ge- 
bornen begattet werden^*"). Nie läfst fich aber ein 
männliches Individuum mit einem weiblichen ein, das 
noch lebendige Junge in fich trägt *<^). Befteigt auch 
ein Männchen zufälliger Weife ein folches Weibchen, 
fo entfernt es fich fogleich wieder, oder letzteres ver- 
wehtt ftandhaft die Einfenknng feines Gliedes. Ein 
Beweis, dafs die Begattung blofs eine nothwendige Be- 
dingnifs zur Befruchtung der Eier ift, um dadurch did 
Fähigkeit zur Entwickeln ng der künftigen Jungen zu 
begründen *"'). 

Aus Eiern , die nicht vom männlichen Saamen be- 
fruchtet waren, habe ich noch kein Junges kommen 
ge- 

25) Degeer in feinen Abhandlungen zur Gefchichte der 

Infecten 2. Bd, p. 3o. ("nach der Ueberfetzung von 

Göze) behauptet gerade das Gegentheil. Ich werde 

künftig noch genauere Beobachtungen darüber an« 

. ftellen. 

fi6) Degeer hat das ISämliche beobachtet. Siehe die 
obenangef. Abhandl. p. 29. 

27) Vergl, Göze's Bemerkungen im 5ten Stück des 

Naturforfchers, Halle. 1775. Anm. 
Htfi IL C 



34 I- Kyber's Erfahrungen 

gefehen. Sie vertrocknen gewöhnlich. Sobald ein 
"Weibchen be'jattet ifl:, biingt es kein lebendiges Junges 
Jinehr zur Welt^*), fondern fängt an Eier zu legen 
und zwar nnr fo viele, als in feinem Leibi; ausgebildet 
liegen. Es fcheinen folglich, wie bei vielen andern 
Infccten, nach der Begattung keine weiter fich zu ent- 
falten und alfo nur die fchon vorhandenen befruchtet 
zü werden. 

Uebrigens aber find, wie bekannt, die Männ- 
chen lehr hitzig auf die Weibchen , nehmen wenig Nah- 
rung zu fich , laufen wie uniVdtt umher und mehrere 
drängen fich bisweilen zu einem Weibchen bin, indem 
eines dem andern zuvorzukommen fucht. Bisweilen 
dauert es lange , ehe daffelbe wilfahret. Oftmals ver- 
fagt fie allen ihre Liebesanträge. Das Männchen be- 
findet fich während der Begattung in mehr aufgerichte- 
ter, als wagerechter Lage, welches auch die Stellung 
feines Befruchtungsgliedes noth wendig macht, und 
hängt öfters 20 bis 30 Minuten, während welcher Zeit 
das Weibchen ruhig fortfaugt, ja nicht feiten ohne alle 
Bewegung bleibt. 

Bei allen den Arten aber, die ich in der Begat- 
tungszeit beobachtete, fahe ich nie ein Männchen mit 
einem geflügelten Weibchen fich begatten j immer wa- 
ren 



28) Was auch Bonnet und Göze richtig beobachtet 
haben, was aber Sulzer in der abgekürtzten Ge- 
fchichte der Infecten pag. loo ohne Grund bezweifelt. 
Ver gl. Entomol. Bey träge von Göze 2, Tbl. p. 289, 
Anmerk. 



über die Blattläufe. 35 

ren es flügellofe, an die fie fich machten *^). Denn 
bei vielen Arten bleiben ungeflügelte Weibchen unter 
den Faiuilien. Geflügelte Weibchen habe ich auch noch 
nie Eier legen gefehen, wie auch {chon Degeer bemerkt 
hat. 

Wäre es nun , wie künftige Beobachtungen noch 
lehren werden, bei allen fo , dafs nämlich nur Weib- 
chen ohne Flügel begattet werden und Eier legen , fo 
liefse fich daraus recht wohl die Erfcheinung erklären, 
warum die im Frühjahre den Eiern entfchlüpften Blatt- 
lausmütter ilandhaft nie Flügel bekämen, gefetzt auch, 
dafs ilirc Nachkommenfchaft damit verfehen wäre. Alle 
aus Eiern erzeugten Blattlausweibchen bekommen , fo 
weit es die Erfahrung beftiitigt, nie Flügel und zeich- 
nen fich gewöhnlich auch von den geflügelten durch Grö- 
fse, Bildung und Farbe aus, was wenigftens ganz na- 
türlich ift, indem ein zum Fliegen bellimmtes Weib- 
chen einer andern Organifation unterworfen ifi:. Das 
Entftehen der Flügel macht nicht nur ein ganz anderes 
Verhältnifs der Bruft nothwendig, fondern das Wachs- 
thum der erftern braucht auch gewiffermafsen eine 
Kraft, die fich aufser dem in dem ganzen Körper, fo 

C 2 zu 



29) Man nehme diefe Bemerkung ja nicht allgemein. 
Denn es find nur etwa 20 Arten, die ich bisher in 
ihrem Begattungsgefchäfte belaufchte. Geflügelt« 
Blattläufe find überhaupt Ichwerer zu beobachten, 
weil lie feiten lange an einem Orte verharren, fon- 
dern immer umher fliegen und bald da bald dort auf 
ihren Nahrungsgewächfen neue Colonien anliedeln. 
Ich bitte übrigens hier auf die ^te Anmerkung zu- 
rück zu blicken. 



36 I. Kyber's Erfahrungen 

zu fagen, concentriren und demfelben einen gröfsern 
Umfang geben künnle. Diefs mag wohl meines Erach- 
tens die Urfache feyn, warum geflügelte Weibchen der 
körperlichen Fläche nach immer kleiner find , als flü- 
gellofe. 

Die mit Flügeln verfehenen Weibchen bleiben aber 
nie lange bei der Colonie, in der fie erzeugt worden 
find. Sobald fie ihre Vollkommenheit erreicht haben, 
fliegen fie fort und fiedeln fich auf andern Pflanzen der 
Art an, die ihnen zu ihrer Nahrung beftimmt find. Zu 
diefemBehufe verfahe wohl die Natur viele mit Flügeln, 
um fo für die Erhaltung ihres Gefchlechts ficherer zu 
forgen, weil fie fich auf folche Art nicht nur häufiger 
verbreiten, fondern auch ihren zahlreichen Feinden, 
die nicht feiten in kurzer Zeit ganze Familien zernich- 
ten , eher entfliehen können , als die filigellofen , nur 
auf einen Ort hingebannten, Weibchen. 

Als etwas Sonderbares aber ift es mir immer vor» 
gekommen , dafs beflügelte Blattlausmütter auch wieder 
Junge gebären, die keine Flügel bekommen und fo 
umgekehrt ^°)- Wie weife hat doch der Schöpfer für 

die 

3o) Im Anfange des Septembers des Jahres 18 12 fammelte 
ich auf Haberftoppeln noch 2 trächtige Haberblatt- 
läufe (Aph. Avenae) ohne Flügel ein. Ich that fie 
g,uf frifch gefäeten Haber und fie fingen an Junge zu 
gebären; w^elche eine blafs braunröthliche Farbe hat- 
ten und alle Flügel bekamen. Nach Erreichung des 
vollkommenen Zuilandes zeugten fie w^ieder wein- 
grüne, flügelloCe, folglich den Stammüttern ähnliche 
Junge , und diefe waren es , welche im October Eier 

legten 



über die Blattläufe 37 

die Erhaltung und Vermehrung diefer zärtlichen Thiere 
geforgtj von denen fo viele andere Infecten, ja felbft 
manche Vögel ihre Nahrung erhalten und fogar meh- 
rern kleinen Schlupfwefpen zur Verwandlungshülle 
dienen muffen ! Je mehr man die Natur diefer Gefchöp- 
fe zu ergründen fucht, deflo tiefer verliert fich der Ver- 
band in Erforfchnng derfelben» Nicht einmal alle äu- 
fseren Körpertheile der Blattläufe kennt man noch 
genau. Dahin gehö-en unter andern die fogenannten 
Saftv'öhren, oder wie fie andere nennen, Rückentrom' 
peten. Ausleerungswerkzeuge , wofür man fie gewöhn- 
lich anfleht, find es gewifs nicht, wenigftens ift diefs 
bei vielen Arten der Fall nicht» Nie habe ich eine von 
denen die ich beobachtete, den Auswurf fich dadurch 
entledigen gefehen , fondern allezeit durch den After. 
So oft und genau ich, nicht feiten ganze Stunden hin- 
durch, mit der Lupe vor dem Auge deshalb Unterfu- 
chungen anflellte, habe ich doch nie bemerkt, dafs fie 
den Unrath durch die Saftfpitzen fortgefpritzt hätten» 
Diefe Röhren fcheinen bei anatomifcher Unterfuchung 
auch gar nicht dazu geeignet zu feyn, die Stelle eines 

Afters 

legten •, doch ohne Begattung, weil unter der kleinen 
Colonie keine Männchen erfchienen, Sie gaben ihre 
Sehnfucht nach ihnen dadurch , w^ie es fchien , zu er- 
kennen, dafs üe beym Saugen den Hintertheil des 
Körpers ftets aufwärts richteten und die Hinterfüfse 
ausfperrten. Manche ftrotzten voll Eier und wollten 
doch nicht legen, weil lie vermuthlich ihres Natur- 
triebes zu Folge fühlten , dafs zur Befruchtung der 
Eier eine Begattung nothwendig fey. Meine Verlor« 
gung und Entfernung vom bisherigen Wohnorte hin- 
derte die fernere Beobachtung, 



38 I- Kyber's Erfahrungen 

Afters zu vertreten. Sie flehen nicht in der gcringften 
Verbindung mit dem Auswurfscanale. Zuweilen er- 
blikt man zwar wirklich Tröpfchen des von ihnen 
ausgeworfenen Saftes auf den Spitzen derfelbenj allein 
er war entweder ganx zufällig, wie ich es fei bfl: eini- 
gemal fahe, von andern darauf gefallen, oder durch 
einen gewiffen Druck entftanden*, und das mag viel© 
getäufcht haben, zu glauben, fie verträten die Stelle 
des Afters. Denn bei der fanfteften Berührung, die 
man ihnen beibringt, oder von irgend einem Feind bei- 
gebracht wird , entquellen denfclben Tröpfchen , die 
gewöhnh'ch die Farbe des Thieres felbfl: haben. Auch 
diefe Farbe giebt einen Beweifs , dafs fich die Natur 
ihrer nicht als Ausführungscanäle bedient, weil der Aus- 
wurf durch den After immer wafferhell und zuckerar- 
tig ilt. Endlich befleht der Knopf diefer Röhren aus 
vielen kleinen Drüfen, fo dafs der Unrath nur gleich- 
fam durchfchwitzen könnte. Wie follte auf folche Wei- 
fe eine Wegfpritzang möglich feyn , die doch nothwcn- 
dig fcheint , wenn fie fich nicht alle unter ihren Koth 
vergraben wollten, Richtiger fcheinen es Werkzeuge 
zum Athemholen ^°), oder auch gewifTe Hebel zu 
feyn, vermittelfl welcher fie fich bei Entledigung des 
Auswurfs mit dem Hintertheile ihres Körpers leichter 
in die Höhe heben können. Denn diefe Emporrichtung 
ifl wegen der körperlichen BefchafTenheit , befonders 
beim Saugen , immer mit einer gewiffen Anflrengung 
▼er knüpft, indem fie fich nur mit Mühe langfam in die 
Höhe richten , wobei gewöhnlich die Hebel in einer 

fanf- 

3i) Was auch Bonnet vermuthete. S. deffen Ab- 
handl, aus der Infectologie , überf. von Göze, p. 26. 



über die Blattläufe. 39 

fanften Bewegung gegen den Kopf hin find. Manchen 
Arten fehlen diefe zwar , vielleicht aber brauchen fte Sol- 
che bey etwas anderer Bildung und Bcftimmung wtniger. 
Die Ausleerungen gefchehen übrigens bey denBlatt- 
läufen- nicht zu häufig. Man mnfs nicht feiten mehrere 
Stunden bei einer lauren ehe wieder etwas zum Vorfcheia 
kommt j doch zeigen fie (ich häufiger, wenn fie auf 
frifchen, faftigen Pflanzen leben und alio reichliche 
Nahrung haben. Sobald der Hjnterleib in die ihnen 
eigene Stellung aufgerichtet ift, erfcheinen diefelben in 
kleinen runden riurchfichtigen Bläfschen, welche lieh in 
einigen Augenblicken vergröfsern und hernach iu 3, oft 
4-6 Zoll weit fortgefchnellt werden. Diefs gefchieht 
fo viel ich bemerken konte, wenn die Blattläufe den 
After fchnell zufammen drücken. Der Ausleerungsca- 
nal ifl: fehr verengt und wird folglich durch das fich all- 
mählig bildende Bläschen ausgefpannt. Wird er nun 
nach Erfcheinung deffelben wieder zufammengedrückt, 
fo löfst es fich los und fchnellt fort ^^). Diefer Aus- 
wurf hat einen füfsen zuckeiähnlichen Gefchmack und 
wird von Ameifen ' ' ), vielen Fliegenarten und andern 
Infecten begierig aufgefucht. 

32) Sulz er in reiner abgekürzten Gefchichte der In- 
fecten p. io'3 ■will benaerkt haben: dafs w^enn eine 
/ich aufrichtet, um auszuleeren , ihre Nachbarn und 
fo fall alle, welche auf einem Blatte fitzen, ihr nach- 
folgen. Eine Bemerkung , welche der Erfahrung wi- 
derfpricht. 

33 ) Lefenswerthe Bemerkungen hat H u b e r in feinen 
Recherches für les Moeurs de Fourmis, i8io. darüber 
gemacht. 



II, 

Abhandlung über die Gattung 

Anthidium Fabr. 

(Aus den Annales du Museum d'histoire naturelle, 
Tom. XIII, Paris i^og. pag. 24 — 53. und (Fprtfet?;migJ 
|.ag. 207 — 1^34.) 

V o p 

P, A, L a t r e i 1 1 e. 



ANTHIDIUM 

Anthidium Fah* Panz, Klug. - Apis Lina. Geoff, 
Schaeff. OhV. Vm. Pvofli. Chr. Kirb. Dumer. - Me, 
c ACHILE Latr. Walk, Spin. - AntoPhora lllig;. -» 
Trachüsa Juf» 

Wefentlicher Charakter 
Die Lippe *^ (Uvre, labium) fadenfprmig, lang, UQ-« 
tergeboge^, die Spitze ganz.. An. den hinterq 
Fiifsblättern das erfte Glied faft gleichbreit, nicht 
Staubtragend» Die Lefze (labre, labrum) lang, 
viereckig, upter den Kinnbacken fenkrecht nieder- 
gebogen. Die Kinnladentafter fehr klein j ohne 
deutliche Glieder. 
. Der 

*) Lingtia Kirby j glofsarium lUig. 



Abhandl, üb, die Qatr, Antliidium Fabr. 4 f 

Der erfte von «3er Lippe hergenommene Charak-» 
ter, ift ^aS( eigenthiimliche Kennzeichen der Bienenfa- 
milien. Durch die Form der hintern Fufsblätter, un- 
terfcheiden fich die Anthidien und die Infecten verwand- 
ter Gattungen von MegiUa , Centris, Euglofsa , Bombus, 
^pis fahr. , wo das erlle Glied an feiner Spitze erwei- 
tert iil. Die andern, von der Lefze und den Taftern 
hergenommenen Kennzeichen ziehen die Gränze zwi- 
fchen den Anthidien und andern ähnlichen bienenartf- 
gen Infeltten, Unter den ohnlängft neu errichteten Gat- 
tungen, die den frühem AbtheiUingen von Megacbilo 
angehören, kommen Osmia (Amblys Klug) und Stelis 
Pzr. (Gynodroma Klug) der Gattung Anthidium am 
flächigen f aber bey Osmia haben die Kinnladen Tafter 
vier» hei Stelis zwei Glieder. Die Arten der letzten 
Gattung haben auch die Unterfeite der Hinterleibes nicht 
mit dem feidenartigen , pollentragenden Ueberzcge be- 
deckt , der diefen Theil bei den Osmien und Anthidieq 
^harakterifirt. Die Vorderflijgel der"Steliden kommen 
jnit denen der Anthidien ganz überein, und darum 
jnüfste Jurine Apis aterrima Pzr, unter feine zweite Fa-» 
inilie von Trachufa einordnen» 

Fabriqius hat die Tafter der Anthidien falfch beo« 
fachtet, denn er behauptet (Syft. Piez. p. 364) dafa 
die vier Tafter fehr kurz und ungegliedert wären , aber 
die Tafter an der Lippe find fehr lang und viergliedrig; 
die zwei erften Glieder verlängert und fehr deutlich» 
piefer Irrthum beruht gröfstentheils auf einer falfchen 
Vorausfetzung, die ich um fo mehr zu widerlegen ver« 
(Uchen werde , je allgemeiner fie ift. 



42 II. Abhandlung über die Gattung • 

An den Lippcntaftern der Anthidicn find die zwei 
erften Gieder fehr grofs und deutlich, fie find aber 
ferner fafl: der ganzen Länge nach fehr zufammengedrückt 
und bilden zufammen eine lanzettähnliche Figur oder 
eine borftenförmige Scheide , die beim erften Anblick 
einer der beiden Seiten Abtheilungen der Lippe bei Bem- 
bex, bei einigen Arten von Sphex und bei mehreren 
Infecten der Wefpenfamilie ähnelt. Die Aelinlichkeitiftfo 
grofs, dafs die meiften Eotomologen fich wirklich irrten 
und in diefen Taftern eine wahre Abtheilung der Lippe 
(labium) zu fehen glaubten, und blos die beiden äu- 
fserften kleinen Glieder diefter Tafter als die Tafter 
lelbft annahmen. Wären fie den Regeln der Analogie 
gefolgt, fo würden fie die allmähligen Uebergänge der 
Form diefer Tafter bemerkt und ihren Fehler vermie» 
den haben. Wenn man dies mir irgend berückfichti- 
gen wollte, fo würde fich wohl finden, dafs der Wech- 
fel in der Form diefer Theile gleichförmig mit der Ver- 
änderung der Natur geht. Eine aufferordentliche Ver- 
änderung eines Hauptorgans, mufs auf die ihm unter- 
geordneten Theile Einfiufs haben. Wird die Lippe der 
Bienen zu einer dünnen , langen Zunge , fo kann auch 
die Form der Tafter nicht mehr die alte bleiben. Die- 
fe Tafter find wirklich für dies Organ eine Art Schei- 
de die fie einhüllt, fiebefchüizt feine Wurzel und untere 
ßützt es j wenn es das Thier bewegt. 

Die Lappen der Lippe der bienenartigen Infekten 
oder wenigftens die analogen Theile beftehen in zwei 
mehr oder minder verlängerten , in eine Spitze fich en- 
denden Schaalen , und fchliefsen an den Seiten der Lippe 

felbft 



Anihidium Fabr. 



4^ 



felbfl unmittelbar an ihrer Bafis an. Kirby vergleicht 
fie mit Recht mit zwei Oehrchen (auricula) und diefo 
Benennung verdient den Vorzug vor der Bennung Ne- 
benzunge Cparaglofsa) die ihnen Illiger gab. Bei 
den Euceren lind diefe Oehrchen fehr lang und bor- 
ftenförmig; fehr kurz, zwifchen den Lippentaftern ver- 
borgen und wenig beweglich in dem gröfsten Theile 
der übrigen bienenartigen Infecten, bcfonders bei den 
Megachilen und Anthidien. Fabricius eignete den Eu- 
ceren eine fiebenfpaltige Zunge*) zu, den übrigen In- 
fecten der Gattungen diefer Familie eine fünffpal- 
tige, aber diefer Unterfchied findet nicht ftatt, die Zahl 
der Lappen aus denen die Lippe diefer Infekten xufam- 
mengefetxt ifi: , bleibt immer diefelbe , oder mit anderen 
Worten die Zunge (im Sinn des Wortes nach Fabricius) 
ift immer fiebenfpaltig. 

Es ift leicht meine Angaben zu unterfuchen , uiid 
diefe Unterfuchung, deren Schwierigkeiten Jurine viel 
zu grofs zu fchildern fcheint , erfordert bei den bienen- 
artigen Infecten überhaupt, weder groffe Gefchicklich- 
keit noch grofse Geduld. Man fetze mir nicht die Ver- 
fchiedenheit der Angaben der Schriftfteller mit ihren 
Beobachtungen über denfelben Gegenftand entgegen, 
die Natur bleibt immer diefelbe, und wer fie mit Fleis 
betrachtet, wird fie an allen Orten und zu allen Zeiten 
immer als diefelbe fehen. Ich befchäftigte mich zu 
gleicher Zeit mit Kirby mit der Unterfuchung der bie- 

neib; 

*) Die Kinnladen mit der Lippe zufammengenoramen 
bilden eine Art Rüfffel : proboscis Linn» Kirby, pro* 
muscis Illig. 



44 W« Abhandlung über die Gattung 

' nenartigen Infecten, und iinfere Unterfnchungen führ- 
ten uns zu gleichen Refultaten. Wir werden jetzt die 
übrigen allgemeinen und befondern Charaktere der An- 
thidien entwickeln» 

Die Fühler find fadenförmig, gebrochen, ihre 
Spitze reicht nicht bis an die Wurzel der Flügel, fie 
find in der Mitte der Vorderfeite des Kopfes CHypo- 
ftoma Illig,) eingefetJ^t und an ihrer Wurzel weit von 
einander getrennt» dreizehngliedrig beim ^/I■ännchen, 
Twölfglledrig beim V/eibchen , das erile Glied ift fad 
walzenförmig, faft unmerklich an der Wurzel verdünnt 
und das langfte von allen, das zweite ift fehr kurz, das 
dritte ein wenig länger als die folgenden, faft walzen- 
förmig, nach unten fehr fchwach verdünnt, die andern 
find kurz, walzenförmig, das letzte ftumpf. 

Die Lef%e ift hornartig, etwas gewölbtt 
Die Kinnbacken find vorragend, in der Ruhe kreuta- 
weis übereinander gefchlagen, und enden in einen 
ilarken Zahn , bei den Männchen find fie fcharfer. Ihre 
Innenfeite ändert nach Art und Gefchlecht ab. 

Die Kinnladentafier find faft walzen oder kegel- 
förmig, etwas dicker gegen die Wurzel zu, oben ftumpf 
und behaart. 

Die Oehrchen"^) welche die Wurzel der Lippe 
in Form eines Halsbandes umfchliefsen , ragen nicht 
über die fcheidenförmige Röhre vor, fie enden in ein 
Icleines lanzettförmiges ßlättchen , oder in eine Art drei- 
eckigen 

■*) Kirby erwähnt ihrer nicht, und übergeht fie über- 
haupt wo fie fehr klein und wenig deutlich find. 



Anihidium Fabr. 4j 

eckigen, fcharferi, verlängerten, etwas, nach innen 
gekrümmten Zahn. 

Das dritte und vierte, oder die beiden lezten Glie- 
der der LipperJtaßer find fehr klein, das dritte Glied 
fizt fchief auf der Aufsenfeite des vorhergehenden- Glie* 
des und fehr nahe an defsen Spitze. 

Die Lippe ift zwifchen der Wurzel und ihrer Mittd 
und gegen die Spitze fammtartig ( foyeufe ). Die an- 
dern Befonderheiten die fich auf die Ernahrungs Orga- 
ne der Anthidien beziehen, gehören unter die wefent- 
lichen Charaktere der Gattung und der Familie. 

Die Anthidien, fo wie alle bienenartigen Infekten 
deren Weiber einen feidenartigen , pollentragenden Ue- 
berzug des Unterleibes führen, haben einen ftarken Kopf, 
der etwas tiefer als das Halsfchild fteht. Das meifl 
gefärbte oder gelbgefleckte Kopffchild Cle chaperon) 
liegt mit der ganzen Vorderfeite in einer Ebene, es 
fteigt fall bis an die Wurzel der Fühler in die Höhe 
und hat die Form eines an der Spitze abgeflutzteii 
Dreiecks, deflen Grundfläche nach vorn liegt und der 
Lefze zum Stützpunkt dient. Diefe Grundfläche oder 
der Vorderrand ifl; gewöhnlich mehr oder weniger fein 
gekerbt. Die drei kleinen , glatten Augen Gnd gleich 
und flehen in einem Triangel auf dem Scheitel. 

Der Mittelleib ift kurz, dick, faft knglich an bei- 
den Enden abgeilutzt. Das Schildchen hat meill 
die Geftalt eines queer liegenden Halbkreifes, es ift 
niedergedrückt, mehr oder weniger ausgebreitet und 
in der Mitte feines Hinterrandes findet fich faft immer 
ein Bogen oder eine kleine Ausrandung, Die Flügel* 

fchup- 



4.6 II. Abhandlung über die Gattung 

fchuppen , oder die Erhabenheiten die an der Wurzel 
der Vorderflügel flehen, gleichen der Schaale einer klei- 
nen Mufcliel und find im Verhältnifs fehr grofs. 

Die Verde rflugel haben ein vollkommnes und läng- 
liches Randfeld (cellula niarginalis Ltr. radialis Jurin.) 
zwei ebenfalls vollkommene Binnenfelder, (cellules 
sous - marginales Latr. cubitales Jur. ) von denen das 
zweite etwas gröfser, nach hinten verfchmälert ift, an 
der Seite des Randfeldes liegt und mit diefem einen 
fehr deutlichen einwärts gekehrten Winkel bildet, fie 
nimmt die zwei auslaufenden Nerven (nervures recur- 
rentes) auf, jedoch ift: der zweite diefer Nerven am 
vordem Ende des Feldes eingefetzt und nicht vor dem- 
felben, eben fo wie bei den Osmien, Megachilen und 
andern verwanden bienenartigen Infekten. 

Der ünterfchied den wir in diefer Hinficht bemer- 
ken, cntfteht durch das Vortreten des untern Mittelfel- 
des , und nach diefem untergeordneten Charackter er- 
richtete Jurine feine zweite Familie der Trachufen, 

In Hinficht der Form des Hinterleibes nähern fich 
die Anthidien den Osmien und Steliden. Diefer Theil 
des Körpers bildet eine halbe Eiform oder ein Dreieck 
deffen Seiten gerundet find , und deflen Bafis dem Hin- 
terrücken anpafst. Die untere Fläche ift eben, aber die 
obere ftark gewölbt , der erfle Bauchring ift abgeftutzt 
und fein Vordertheil tief eingedrückt: diefe Aushöhlung 
ift oft durch eine Querfurche von verfchiedener Länge 
in der Mitte durchfetzt. Die lezten Bauchringe fchla- 
gen fich nach unten über einander, ihre Seiten zeigen 

bei 



Anthidinm Fabr. ^^ 

bei manchen Männchen eckige Vorragungen oder Zäh- 
ne, bald fpitzig» bald abgerundet. 

Die Gefchlechtstheile dieferThiere fmdkkin, und 
aus drei fchiippenförmigen , in einer Queerlinie auf ei- 
nem Träger liegenden Haiipttheilen zufammengefetvt, 
die beiden äuffern, die an der Seite ftehen, find weit 
gröffer, und haben die Geftalt von etwas gekrümmten 
Spitzen, deren Ende etwas erweitert, fchief abgeftutz^ 
und rauh ift; die beiden den vorigen zu nä< hfl: folgen- 
den Theile find die kürzeften unter allen und jedes hat 
die Form eines kleinen Hakens, die zwei andern Thei- 
le, die in der Mitte liegen, find durch einen kleinen, 
eckigen Knopf begrän^t. Der Zwifchenraum der alle 
einzelnen Parthien trennt, fcheint noch einige Gegen- 
ftände darzubieten, aber es ifl: fchweer fie richtig zu 
beobachten. Vor diefen Organen tritt das letzte fi:hup- 
penartige Blatt hervor und läuft queer über den Leib, 
Diefes Blatt ift eine dreiek'ge oder halbkreisförmige 
Platte , die wessen der Verfchiedenheit der Winkel und 
Einbiegungen des Umrififes für die Beobachtung wichtig 
wird , die Mitte des Hinterrandes ifl; oft in die Länge 
gezogen. Das Weibchen, obfchon Roffi (Fn. Etr.' 
Mant. 2. p. 138) das Gegeutheil fagt, ifl: mit einem 
in den letzten Ringen des Leibes verborgenen Stachel 
bewaffnet. Das erfte Fufsglied derfelben, befonders 
das der hintern Füfse, ifl: mit einer Bürfl:e von fehr kur- 
zen, dicht gedrängten Haaren verfehert, bei den Männ- 
chen oder wenigftens bei mehreren Individuen hat daf- 
felbe Glied und die Schienen eine Kränze von Haaren,' 
oderlio find wie gebartet 3 diefe Franze fleht an den 

vier 



48 li- Abhandlung über die Gattuög 

vier Vorderbeinen nach hinten gekehrt, aber an den 
Hinterbeinen fleht fie an der entgegengefezten Seite, 

Es fcheint, dafs mit Rückficht auf die Gröfsen 
Verhältnifle die Hinter und Mittelbeine bei den Anthi- 
dien länger find als-bei den Megachileil, Osmien und 
andern bienenarligen Infekten. 

Die Männchen find eben fo grofs als die Weibchen* 
ja bei einigen Arten , find fie fogar noch größer. An- 
thidium manicatum die gemeinde unferer einheimifchcrt 
Arten, giebt davon ein auffallendes Beifpiel Diefe Ano- 
malie betrog auch Geoffroi, er hielt die Weibchen für 
Gefchlechtlofe , die grofsen Männchen hielt er für 
Weiber und die kleinen für die wahren Männer. Villers 
wiederholte denfelben Fehler. Panzer bildete eben- 
falls das Männchen ftatt dem Weibchen ab, Dumeril 
bezieht fich blindlings auf die Meinung und Abbildun- 
gen Panzers. 

Der Körper der Anthidien ift gewöhnlich fchwar«# 
aber meifi: angenehm gelb oder roflbraun gefleckt, et 
ift fein und zerftreut gepunktet. Die Lefze ift fchwarz, 
das Kopffchild gelb gefärbt, doch tritt diefe Farbe ftär- 
ker bei den Männchen als bei den Weibchen vor, die 
Kinnbacken ändern in diefcr Hinficht bei mehrern Arten 
ab. Der Kopf, der Mittelleib, die Unterfeite des Kör- 
pers und die Beine, find mit einer mehr oder minder 
dichten Wolle bedeckt, diefe Wolle ift dunkel gelblich 
auf dem Scheitel und dem Rücken, an den übrigen Thei- 
len'aber lichter und zieht fich mehr ins Graue oder 
Weifle, 

Dies 



Anthidium Fabf. ^g 

Dies find die wichtigften Befonderheiteh, die ün4 
der Bau diefer Infecten darbietet. Ich habe die|eiiigen 
Veif:hiedeiiheiten der Form übergangen, die lie mit 
den übrigen bienenartigen Infecten gemein haben , und 
die in den Familien Charakter gehören. Wir kommen 
2u einem minder trocknem Gegenftande, zu den ßefon« 
derheiten in der Lebensart der Anthidien. 

Obfchon, wie ich glaube, bereits Aldrovand (dd 
ins. lib. I. p. 203. nro. 7. ed. Bologn. 1602) eine Art 
befchrieb und abbildete, fo wurden die Sitten der Anthi- 
dien doch erft in den neuern Zeiten bekannt. Rofli 
theilte die erfle Thatfache über diefe Gattung in feiner 
Fauna Etrusca ( Mant» II. pag. 138) mit. Er fagt, daft 
er feine Apis maculata oder onfer Anthidium manica- 
tum oft befchäftigt gcfehen habe , den Filz der fich auf 
der Unterfeite der Blättbr der Quitten befindet abzu^ 
fchroten, und zwifchen den Beinen eingeftopft damit 
fortzufliegen. Ich habe ebenfalls und unzähligemal 
daffelbe Thier in der nv^mlichen Befchäftigung getroffen ; 
alle Pflanzen mit wolligen oder filzigen Blättern find ihm 
gleich» Die Vorausfetzung ill natürlich , dafs das 7'hier 
diefe Wolle zur Bereitung feiner Neftes einfammle, doch 
mufste fie durch eine Thatfache betätigt werden, und 
dies Vefdienft erwarb fich Kirby, der das Neft diefes 
Infekts befchrieb und abbildete, und wir wiffen dadurch 
mit Gewifsheit, dafs es inwendig mit derfelben Wolle 
ausgefüllt ift, die das Thier fo mühfam fammelte. Das 
Nvfl, das Kirby die Freundfchaft hatte mir zu fenden, 
ähnelt im Kleinen fehr einem Gefpinfte von Bombyx. 
Heß IL D Ein 



50 11. Abhandlung über die Gattung 

Ein glücklicher Zufall gab mir Gelegenheit, Hie 
Beobachtungen des englifchen Naturforfchers zu wie- 
derholen. Ich fah ein Weibchen von Anthidium mani- 
catum beftändig um eine Mauer fliegen, und muthmafs- 
te, dafs es darinn feine Eier abfetze. Nach einigen 
Augenblicken, (ah ich dafielbe in eine Hölung der Mau- 
er fchlüpfen, und ich zog b?ld die Wolle heraus, die 
fie in grofler Menge eingetragen hatte, und worinn ein 
eben gebautes Neil eingewickelt la^, und hatte das 
Vergnügen das vollkommene Infekt im folgenden Jahre 
auskriechen zu feben. Dumeril giebt zwar ( Dict. des 
scienc. nat. tom. I pag. 42) eine verfchiedene Veru^and- 
lungsart des Anthidium manicatnm an, aber er hat die 
Beobachtungen die . Reaumur über Hylee glutineux 
Cuv. CoUetes fuccincta mihi , lUig. gemacht hatte , auf 
diefes übergetragen. 

Die Anthidien, wenigftens die in unferm Ciima, 
zeigen fich feiten vor der Sommerwende, weil gerade 
dies die Zeit ift> wo die wolligen Pflanzen, als Lychnis, 
Stachys u. a. am voUkommenften entwickelt find. Sie 
find muntere Infekten, haben einen rafchen Flug und 
fetzen fich nur auf ihre Lieblings Pflanzen. Ihr Ge- 
fumme ift hellklingend. Ich fah oft die Mätfnchen durch 
einen Schwung fich auf die Weibchen heben, fie im 
Augenblick ergreifen und mit fich in die Höhe nehmen. 
Hierin liegt es" ohne Zweifel, warum die Natur von ih- 
rer gewöhnlichen Ordnung abwich und das Männchen 
•gröffer und ftärker fchuf als das Weibchen. 

Gegen Ende Sommers verfchwinden meiftens die 
Anthidien wieder, doch fing ich Anthid lituratum ?az, 

noch in den letzten Tagen des Septembers. 

Diefo 



Anthidium Fabr. 5 t 

DIefe Infecten leben befonders in den wärmern, 
trocknern Gegenden Europa's und Africa's. Amerika hat 
uns bis jetzt nur zwei Arten geliefert, die fehr kleia 
find, aus Ollindien kennt man nach den Verzeichniffea 
von Illiger und Fabricius zu urtheilen, noch keine Art, 
Ich habe kein einziges Anthidium in der von Mace in 
Bengalen zufammengebrachten Sammlung gefehen. eben 
fo wenig in der aus Neuholland, die wir den Herren 
Peron und Sueur verdanken, aber Desfontaines hat das 
Mufeum der Naturgefchichte zu Paris mit mehreren 
neuen Arten diefer Gattung aus der Barbarei berei- 
chert. Die Reifen der Herrn Olivier und Savigny wer- 
den die Menge unferer Kenntnifle von diefen Infekten 
noch vermehren. 

Die männlichen Anthidien unterfcheiden fich von 
den weiblichen auffallend durch die Geflalt der letzten 
Ringe des Hinterleibes, und oft auch durch die Färbung, 
fo dafs man fich in Acht nehmen mufs, fie nicht für ver- 
fchiedene Arten zu halten. Fabricius und der gröfsto 
Theil der Entomologen, haben faft nie die Gefchlech- 
ter mit Aufmerkfamkeit unterfchieden, aber man fängt 
jetzt an aufmerkfamer darauf zu feyn, und die Ento- 
mologie verdankt in diefer Hinficht den Herren Kirby, 
Klug, Lepeletier und Jurine fehr viel. Das Werk des 
letztem', ift für jeden - welcher Methode er auch hul- 
dige - immer unentbehrlich. 

Es ift: leicht das Gefchlecht des Individoums zu er- 
kennen das man befch reibt, aber man findet groflTe 
Schwierigkeit bei demZnfammenfuchen der zu einander 
gehörigen Männer und Weiber. Da man fie nur feiten 

D 2 in 



5» II- Abhandlung über die Gattung 

in Begattung erhafcht, fo können uns bei der Wahl nur 
einige vorläufi.L^e Beobachtungen, forgfältige Verglei- 
chungen> dieAnalogie und der Blick, den uns eine 
lange Erfahrung verfchafft, leiten: dies find auch die 
Mittel deren ich mich bediente, um meinen vorgefetr 
ten Zweck zu erreichen. 

Ich habe meine Abtheilungen der Arten nach der 
Form der letzten Bauchringe der Männchen beftimmt, 
ich gebe zu , dafs das Syftem keine andern Kennzeichen 
zuläTst als folchfe, die beiden Gefchlechtern gemein find, 
aber ich fuche vor allem andern eine natürliche Ord- 
nung und diefe hat mich bei den Abtheilungen, die ich 
vorlegen werde , geleitet*}. 

Ich werde meine ünterfuchungen nach und nach 
über die andern Gattungen der bienenartigen Infekten 
ausdehnen, der Gegenftand ill einer der wichtigften 
und intereflanteften in der ganzen Klaffe der Infekten, 
aber er ifl; voll Irrthümer und Dunkelheiten, fowohl 
in Hinficht der Befchreibungen, als auch in Hinficht der 
Synonimie , und oft auch in Hinficht der fyilematifchen 
Ordnung. 



Synop- 



^) Ich v/erde «iedoch auch eine ryltematifche Tafel 
beifügen, um die Beftimmung der Arten zu erleich» 
lern, mit allgemeinen, beiden Gefchlechtern zukom- 
menden Kennzeichen und möglicbil einfach in ihrer 
Darfteliung, 



Anthidium Fabr. 53 

SynoptiTche Tafi^l der Anthidien 
nach einer natürlichen Ordnung * ). (pag 40) 

I. Der Afterrlng des Männchens auf beiden Seiten 
ausgerandet, einmal gezahnt; die Zähne hakenförmig> 
ein mittlerer Fortfatz flark, faft viereckig oder faft ke- 
gelförmig: er wird durch die Erweiterung der Spitze 
des Afterringes gebildet. 

(Der Körper fchwarz, roth oder gelb grfleckt, der 
Hinterleib der Weiber immer durch feidenartige 
Haare auf der ünterfeite rauh), 
1 ) A. ftlcticum 2 ) A. laterale 3 ) A. dentatum. 

II. Der Afterring des Männchens breit ausgerandet; 
an jeder Seite ein fcbmaler hakenförmiger Zahn und 
ein kleinerer, dritter, in der Mitte« 

(Dor Körper fchwarz, gelb gefleckt, der Hinterleib 
der Weiber immer durch feidenartige Haare auf 
der Unterfeite rauh, oben in beiden Gefchlechtern 
mit gelben, unterbrochnen Queerbinden gezeich- 
net, am Seitenraride bei den Männchen feidenar- 
tig gefranzt). 

4) A. florentinum 5 ) A. manicatum. 
III Der Afterring des Männchens ausgerandet, an 

beiden Seiten ein kurzer, breiter, platter Zahn. 

(Der 

*) Wir geben von diefer und der folgenden Tafel des 
Verf. blos die Familien Abtheilungen ohne die Art 
Bezeichnungen, da die vollftändigen Artbefchreibun- 
gen von dem Verf. ohnedem nach geliefert worden 
find, die unfere Lefer ebenfalls erhalten, und dort 
haben wir die Diagnofen der fyltematilchen Tafel 
eingeschaltet. G. 



54 n. Abhandlung über die Gattung 

(Der Körper fchwarz, gelb gefleckt, der Hinterleib 
der Weiber auf der ünterfeite immer durch feiden- 
artige Haare rauh ). 

1 ) Das Schildchen anf beiden Seiten einmal ge- 
Eahnt, (Die Seiten und Hintcrwinkel des fechften 
Bauchringes beim Männchen in einen Zahn herausge- 
zogen.) 

6} A. fcutellare 7)A. oblongatnm» 

2) Das Schildchen unbewehrt. 

8) A. punctatum 9) A. marginatum 10) A. cingU- 
latnm 11) A. fascintum 12) A. taeniatum 13) A. fla- 
vilabre 14) A. diadema, 

IV. Der Afterring des Männches am Hinterrande 
abgeftutzt oder ftumpf , oben und in der Mitte einmal 
gezahnt. 

(Das HaUf-hild blos behaart; die Arten meift klein), 
I ) Der Hinterleib der Weiber unten durch feiden- 
artige Haare rauh. 

A. Der Hintorleib roth oder gelb. (Das Schild- 
chen vierlappig oder viermal gebuchtet). 

J5) A. ferrugineum 16) A. difcoidale 17) A, fiavum. 
ß. Der Hinterleib fchwarz, gelb gefleckt. 

a. Der Körper nicht zufammengedrängt , das 
Schildchen bildet einen queerliegenden Kreis- 
abfchnitt. 

18) A. lituratum 19) A. fcapulare 20) A. guttatum. 

b. Der Körper xufammengedrängt, kurz eiför- 
mig, das Schildchen bildet fail ein queerlie- 

gendes 



AntLidium Fabr. 55 

gendes Vierek, und ragt über den erften 

Bauchring vor. 
21 ) A, ftrjgatum 22) A. contractnm 25) A. notatum 
2 ) Der Hinterleib der Weiber unten wenig feiden» 
artig, nur am Hinterrande der Ringe gefranzt. 
24) A, fignatum 25) A. nafutum 26) A. rufiventre. , 

SyftematiTche Tafel der Anthid'en *), 
nach Kennzeichen die beiden Gefchlechtern zukommen* 
(pag, 49)» 
I. Das Schildchen bildet einen Kreisabfchnitt und fteht 
wenig vor. 

i) Das Sehildchen unbevvehrt, oben einmal aus- 
gerandet. 

A. Der Hinterleib mit einer oder zwei Reihen voh 
Flecken, oder mit Queerbinden die meiftens 
unterbrochen find. 

Anth, fticticum, manicatum, marginatum, florentinum, 
fignatum, cingulatum, dentatum, lituratum, fcapulare, 
guttatum. 

B. Der Hinterleib mit mehrern Linien oder un- 
unterbrochenen Queerbinden. 

Anth. diadema, fasciatum, flavilabre, taeniatum. 

C. Der Hinterleib, oder wenigJlens ein Theil def- 
felben , mit vier Längsreihen von Punkten oder 
Flecken. 

Anth. nafale, punctatum. 

») 

*) Die bei diefer Tafel gelieferten Dlngnoren der Arten, 
haben wir bei Befchreibung der Arten eingefchaltet. G. 



56 n. Abhandlung über die Gattung 

2) Das Schildchen faft vierlappig, auf beiden Sei» 
ten einmal gezahnt. 

A. Der Hinterleib fchwarz. 
Anth. ferrnginenm, difcoidale, flavum» 

IL Das Schildchen faft viereckig, über den erften 
Bauchring vorragend- 

1 ) Per Körper kurz, zufammengedrängt, da$ 
Schildchen nicht deutlich ausgerandet, 
Anth. conrractum, notatum, ftrigatum. 

2) Der Körper lan^, fchmal, das Schildchen 
(l^rkrausgetandet. 
Anth. rufiventre, 

Befchreibung der Arten.*) 

I. Anth'idie fl'i^lpe ^nthiähwt ßiBicum**) (Ann» 
du Mas T<)m JCllI, pag 2-8. nro 1;, 

Anthidium üiQXizwm Fitbr . Syft Piez, 366, ?.fem,-* 
Apis ftictica Ö/it/ Encycl. meth. Hift. Nat. Tom. IV, 
p, 70. fem. - AnthophoVa dictica lilig. Magax.V. 117^ 
Apis ftictica Z)«7//er. Dict, des fcienc nat. Tom. I. pag, 
44. - Mus, d'hift natur. de Par. Abeille nro 79. fem. 
79 bis« mas. - Trachufa llictica ^urijje'Nouy, meth, 
de claflf. les hymen. tom, 1. p. 25$, fem» 

Männ- 

*) Sie findet ficK als Fortfetzung des vqrigen Auffatzes 
in derpfelben Bande der Annalen pag. 207 u. f. — • 
Wir werden bei jeder Art die Pagina der Annale« 
beifügen. G, 

* **) A fcute.llo femicirculari, inermi, abdomine rubes- 
centC) illius dorll medio macularumnigrarum lerie« 
(Ann. XUI. pag. 5o). 



Amhidium Fabr, 57 

Männchen 5-^ Lin. lang. 
Der Körper Ichwarz, fehr haarig, der obere Ueber- 
*ug dunkel gelblich, am Vorderkopfe, an den Seiten 
und unten lichter, ins Graue fallend. Die Fühler 
fchwarz, die fechs oder fieben erften Glieder rothbraun. 
Die Kinnladen, gezähnt , gelblich , der AnHenrand und 
die Spitze braunfchwärzlich. Das KopfCchild und dio 
anliegenden Seiten gelb, hinter dem Hinterwinkel der 
Augen ein eirunder, röthlicher Fleck, die Nebenaugea 
glatt, gelblich, glänzend. Die Schulterbeulen (tuber- 
cules fcapulaires) dunkel rörhlich , mit grauen Franzen 
Vmgeben. Die Flügel dunkel oder fchwärzlich, in 
der Mitte etwas lichter, die Nerven, uad die Flügel- 
fchuppe fchwärzlich. Die Beirie durchaus röthlichgelb. 
Der Hinterleib röihlichgelb, glänzend, oben fchwach 
behaart, der vordere und obere Rand der Ringe 
fchwarz, (diefe Farbe tritt bei den erllen fünf Ringen 
In der Mitte weiter hinter und bildet auf jedem einen 
fchwarzen Fleck, der den Hinterrand nicht erreicht, 
,4ie letzten Flecken find kleiner, dreieckig, die vordem 
beinahe viereckig) der Hinterrand des fechften Rin- 
ges an jeder Seite breit ausgerandet, in der Mittein 
einen viereckigen, queerliegenden Vorlprung heraus- 
tretend , die Seitenvi^inkel diefes Randes fchwach ver- 
längert , der letzte Ring vorragend , in der Mitte drei- 
eckig fich endend, ausgerandet, und auf jeder Seite 
einmal gedornt; die Dornen gerade und keglich, 

IVeibchen* 
Dem Männchen fehr ähnlich. Die Kinnbacken 
breiter, fchwach und kurz, gezahnt, die Innenfeite 

awei- 



58 H- Abhandlung über die Gattung 

zweimal gebuchtet. Das Kopffchild am Vorderrando 
fchwärzlich. Die Schenkel an der Wurzel fchwarz. 

Abänderung. Der erde Bauchring fchwarr, 
mit einem Queerfleck an jeder Seite und der Hinter- 
rand röthlichgelb. 

Vaterland: Barbarei, Desfontalnes; Spanien, lUiger. 

2. Aj2th'tdk laterale, ^nthidittm laterale *) (Ann. 

pag. 209.) 
Mus. d'hiil. nat. de Par. Abeille, nro. 80. femelle. 

Weibchen 6 Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, behaart, die obere Bede- 
ckung gelblich, am Kopfe vorn, an den Seiten und un- 
ten graulich. Die Fühler fchwarz, das erfle Glied an 
der Spitze und an der Wurzel etwas röthh'ch. Die 
Kinnbacken ftark, fchwarz, dreieckig, geftreift, mit 
zwei ftarken, fall gleich groffen, fpitzigen Zähnen auf 
der Innenfeite, ohne die Spitze. Das Kopffchild ganz 
Töthlicligelb, hinter den Augen ein groffer röthlich gel- 
ber Fleck. Der Rand des Schildchens viermal gebuch- 
tet , an jeder Seite einmal gezahnt. Die Beine röth- 
lich, die Hüften fchwarz, an der Spitze der Glieder 
röthlich gefleckt; ein kleiner fchwarzer Fleck am un- 
tern Urfprung der Schenkel. Die Flügel etwas dunkel, 
die Nerven und Flügelfchuppe röthlich. Die Oberfeite 
des Hinterleibes glänzend, fall; kahl, ftark gepunktet, 
mit dnem blalsgelben Fleck an jeder Seite der Ringe: 
' dio 

*) A. Icutello fubquadrilobo, utrinquc unidentato, ab- 
domine nigro maculis lateralibus, ovalibus, flavi», 
pedibus rufescemibus. (Ann. 62). 



Aothidium Fabr. , 59 

die der beiden erften Ringe dreieckig, die folgenden 
eirund, die beiden letzten faft kreisrund, die Wolle 
der Unterfeite des Hinterleibes oder der Bauch röthlich, 
etwas ins graue faWend; die Afterplatte vorragend, in 
der Mitte des Hinterrandes ausgerandet. 
Vaterland: Barbarei. 

3. ^nthidie afept dents. Anthidium feptemdentatum.*) 

(Ann. pag. 210. )• 
Megachile florentina Spin, Inf. Lig. Fafc, i. p, 137« 
mas. et fem. fynon. excl. 

Männchn 6 Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, behaart, die Bekleidung 
föthlicbgelb, die vor dem Kopfe, an den Seiten und 
unten ins Graue fallend. Die Fühler ganz fchwarz. 
Die Kinnbacken dreizähnig, gelb, der Seiten und In- 
nenrand fchwärzlich. Das Kopflchild gelb, mit einem 
fchwarzen Fleck, an feiner obern Begränzung ausge- 
randet; die anliegenden Seiten gelb, hinter jedem Au- 
ge ein kleiner, länglicher, röthlicher Fleck. Die 
Schulterbeulen gelb, in der Mitte lichter. Diß Flügel 
fchwärzlich , die Flügelfchuppe durchaus röthlich. Die 
Hüften und Schenkel, mit Ausnahme der obern röth- 
lichen Spitze, fchwarz, die Schienen und Füfse roth- 
gelb , ungefleckt. Der Hinterleib oben faft kahl , glän- 
zend, ftark punktirt, auf der Mitte der fechs erftea 
üvf" Rin- 

*) A. fcutello femicirculari inermi, abdomine maculis 
üam, ovalibusetlateralibus, thorace valde pubescen- 
te; tegulis rufescentibus ; ferainarum mandibulis ad 
fummum bidentatis (Ann. p.5o). 



^o II, Abhandlung über die Gattung 

Ringe auf jeder Seite ein citrongelber Fleck ; die beiden 
Jetztern länglich > die andern breit, bindenartig, die 
zwei er/lern kürzer, die des zweiten Ringes etwas halb- 
mondförmig gebogen; diefe beiden lalTen in der Mitto 
einen Zwifchenraura , der einen fchwaizen langen Rü- 
ckenftreif bildet und fich von der WuiZfl nach fei- 
ner Spitze allmählich verengt. Jeder Seiten und Hin- 
terwinkel des fünften Ringes führt auf der Unterfeite 
einen kleinen kegelförmigen Dorn, der folgende Ring 
ift in der Mitte erhabener und flacher, und hat auf 
jeder Seite» fafl: am Hinterrande eine Art Eindruck 
oder glatte Verliefung, jeder Seitenwinkel diefes Ran- 
des ift in einen dreieckigen Zahn erhoben und verlän- 
gert, der nach hinten gewendet und etwas nach innen 
gekrümmt ift; jede Seite des Afrerringes ift tief einge- 
drückt, ausgerandet, am Hinterrande in einen Iangen> 
Harken, faft kegelförmigen, nach hinten gerichteten 
Zahn verlängert, mit etwas gekrümmter röthlicher 
Spitze ; die Mitte deflelben Ringes bildet ein längliches 
Viereck und wird durch einen Saum begränzt, 

fVeibchen, 
Die Kinnbacken fchwarz, faft ohne Zähne, oder 
nur fchwach gezahnt. Das Kopffchild fchwarz, die 
anliegenden Seiten gelb. Die Ringe des Hinterleibes 
unbewehrt, blos der letzte auf jeder Seite, an feinem 
Hinterrande etwas ausgerandet oder xiemlich dreilap- 
pig , die untere Bekleidung lebhaft röthlich. Die obern 
Spitzen der Schenkel, Schienen und FüITe röthlich. Im 
übrigen kommt der Körper mit dem des, Mannes 

überein. 

Vater* 



Anihidium Fabr. 6 f 

Vaterland: Das füdliche Frankreich - Genuas Spi* 
noia. 

4. Anthidie Florentim. Anthtdmn Florenünum. *) 
(Ann. p. 2f 1.) 

Anth. florentinum Fab. Syfi: Piez J36. 3- mas. Pajiz. Fn- 
J05- tb; 2o.mas. - Apis florentina Oliv, Enc. meth. 
tom. 4. p. 73. mas. - Fill Entom. Linn, tom. 3. p. 
310. roas. - Megachile flarentina Latr. hiHor. nat. 
des cruft. et des inf. tom. 14. p. $5- mas. - JValk» 
Faun. par. tom. 2. p. 136. mas, - Anthophora fio» 
rentina lUig Mag. V, 117. mas. - Trachufa floren- 
tina. yur, nouv. meth. tom. I. p. 253. mas. 

Männchen^ 7-9 Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, behaart, die Bekleidung gelblich, 
die Fühler ganz fchwarz. Die Kinnbacken dreizähnig, 
gelb, mit fchwarzer Spitze. Auf der Lefze oben zwei 
kleine Höcker an der Wurzel , und xwei erhabene Li- 
nien durch eine breite Furche getrennt, welche die 
Spitze nicht erreichen. Das Kopffchild und die anlie- 
genden Seiten gelb , der Vorderrand des Kopffchildes 
gekerbt, fchwarz, ein röthlichgelber , gerader, längli- 
cher Fleck hinter jedem Auge. Das Halsfchild bei den 
Schultern an der Seite gelb gerandet, das Schildcheii 
mit vier gelben Flecken, zwei an den Seiten und zwei 
kleinere in der Mitte, etwas nach hinten. Die Flüget 
dunkel, die Nerven fchwärzlich> die Flügelfchuppe 

itchwaiÄ 



*) A. scutello femicirculari inermi, clypeo flavo , im* 
maculato, labio bicarinato, tborace valde pubefcen* 
te, abdomine maculis flavis, elongatis, transverüs« 
(^Ann. p. p.) 



6i II. Abhandlung über die Gattung 

fchwarz, ihre Vorderfpitze gelb. Die Beine gelb und 
fchwarz gemengt, die Hüften fchwarz, ihre Spitze, oder 
ein grofser Theil des erften Gliedes gelb , die Schenkel 
fchwarz, unten - befonders die vordem - mit einem 
ländlichen gelben Flecke ; die hinterften unten einmal 
an der Wurzel gezahnt, die Schienen fchwarz, auf dec 
Oberfeite gelb, an den beiden hinterllcn mit zwei 
fchwarzen , bisweilen zufammen geflofTnen Flecken, 
von denen der vordere gröOTere eine Läiigsbinde bildet» 
Die Vorderfeite der hinterden und die Hinterfeite der 
vier vordem Schienen mit gelblichen Haaren gefranzt; 
die vier erden Fufsglieder aber mit weifTen Haaren be- 
deckt und befranzt, unten mit einer dunkeln röthlichen 
Bekleidung, das letzte Glied und die Klauenwurzel 
röthlich , die Klauenfpitze fchwarz. Der Hinterleib 
glänzend, und auf dem Pvücken fchwarz behaart, an 
den Seiten und unten mit einer dichten gelblichen 
Bekleidung, die an den Seiten Franzen bildet; auf je- 
der Seite der Ringe in der Mitte ein gelber Queer- 
fleck, die auf den erllen beiden Ringen kürzer, fail 
dreieckig, etwas halbmondförmig gebogen, die beiden 
vorderften kleiner; die Flecke des fünften und fechsflen 
Ringes näher an einander (lebend; die des letzten Rin- 
ges fehr klein, bisweilen ganz verfchwunden ; die 
Theile der Ringe, auf denen die Flecke ftehen, erha- 
ben; die Mitte des Seirenrandes des vierten, fünften 
und fechften Ringes zahnartig vorftehend; die Zähne 
des vierten Ringes kurz , die der folgenden, befonders 
des fechften ftark und gekrümmt; der After, oder der 
fiebeote Ring bildet ein breites Viereck , der Hinter- 
rand 



Anthidium Fabr. (>3 

rand ifl: breit, kreisförmig ausgefchnittcn und dreimal 
gezahnt, die Seitenzahne werden durch das Vorgehen 
der Seitenwinkel gebildet, fie find ftark , fall gerade, 
nur wenig fchief, der Mittelzahn ift fehr klein und 
gleicbfam die Fortfetzung eines kleinen Rückenkiels. 

Vaterland; die füdlicKften Gegenden Frankreichs und 
Spa^^iens. - Dumeril will fie auch in der Gegend 
von Paris gefunden haben. (DiÖion. des fcienc. 
natur. tom.I. pag.45.) 

5. Anthidie a ctnq crocfien, Anthidium mankatim*) 
(Ann. pag. 212.) 
Anthidium manicatum /^^^r.Syft. Piez. 364. i. mas, 
cjusd. var. jS. fem., • Anthidium manicatum Paiiz. Krit,' 
Rev. p. 24H.mas. Ejusd. Anthidium maculatum. ibid. 
pag. 250. fem. •- Apis manicata, Linn. Syft Nat. 2, 95 g, 
mas. ejusd. Fauna Su^iyoi mas. - Geoffr. hift. des 
inf. tom. II. pag. 408. Apis nro. 3. femina, maris va- 
rietas major; ejusdem mas., maris varietas minor; 
ejusd. operaria, femina. - Oüu. Enc. meth. tom. 4» 
p. 73. Apis manicata mas. Ejusd. Apis maculata ibid. 
pag» 74. fem. - Apis manicata Fill Ent. Linn. tom, 3, 
p. 296. mas.; ejusd, Apis maculata ibid. pag. 31 f, fem. 
Apis manicata ÄOj^ Fn. Etr. tom I.pag.103. mas. j ejusd» 
Apis maculata ibid. pag. 104. fem. excl. varr. - Apis 
manicata Kirby Monogr. Ap. Angl. tom. IL pag. 248. tb, 
16. f. 13. maris var. f. 12. fem, var. - Apis manicata 
Dumer. Dift. des Scienc» Nat, Tom. I. pag. 42. mas. 

ejusd. 

*) A. fcutello femicirculari inermi, abdomine maculis ^ 
fiavis, elongatis, transverfis, labro bituberculatO) 
mandibulis fiaTis* (Ana. p, 5o,) 



^4 n* Abhandlung über die Gattung 

ejusd. Apis maciilata ibid. pag. 44. fem. - Megachlle 
manicata JVijlk Faun. Par. tom II. pag 136.- Mega- 
chile nianicdta Latr, hilt nat d Crufl; et des Inf. tom. 
14. pag. 55. pl. 104. fig. I. 2 mas. fig. 3. ft-m. - Me- 
gachlle manicata Spin. Inf. Lig. fafc.I. pag. 1 38. - Tra- 
chnfa manicata ^ar. nouv. meth. tom. I. pag. z«»?. - 
Anthuphora manicata Ilüg. Magaz. V. 1 17. - Panz, 
Fn. Germ.55. tb. II. Apis manicata mas- ibid. 7.tb. ^4. 
Apis maculata frm. - Chriß hym. pag. 133. tab. 9. 
fig. 5. mas. - Rai Hift. Iniva pag. 242. no. 1. mas. - 
Swamm blbl. nat. tom. II tb. 2 6. fig 4. mas. fig. 1 0. fem. - 
Sch(£ff. Icon. Infea. Ratisb tb. 32. fig. «1.13. maris va- 
rietates; ibid fig. 14- ^e™.; ejnsd Opufc. entom.fig.66. 
jnas. - //amExp Engl. Inf tab. 49. fig. i. mas. fig. 
3. fem. - AUyqv. üb. i. de Infea. p. 203. vefpa 
110.7. femina? 

Männchen 5-7 Linien lang. 
Der vorigen Art fehr ähnlich, aber durch folgende 
Kennzeichen wefentlich verfchieden: i) Oben auf der 
Lefze geht in der Mitte eine grofse Vertiefung, deren 
Ränder erhaben find , und wo jeder einen dreiekigen 
fpitzigen Höcker bildet. 2) An der Wurzel des Kopf- 
fchildes fleht ein fchwarzer nach unten zweimal gezähn- 
ter Fleck ; am Vorderrande des Kopffchildes befindet 
fich auf jeder Seite ein deutlich hervorftehender Zahn. 
3) Die Flecken des Halsfchildes find weniger deutlich, 
kleiner und fehlen oft beinahe gänzlich. 4) Die Flü- 
gelfchuppe ift an der Spitze und Wurzel gelb. 5) Der 
Hinterleib ift an der Wurzel ftärker zufammengezogen 
und nähert fich meHr einer queer abgeftutzten Eiformi 

' bef 



Antliidium Fabr. 6; 

bey Anth. Florentinum iH: diefer Körpertheil mehr drei- 
eckig 6) Die gelben Flecke des Hinterleibes und län- 
ger, ungleicher, die vordem gebogen oder balbniond- 
fürmig, die hohle Seite nach vorn gekehrt, bisweilen 
find diefelben Flecke in mehrere getheilt, bisweilen 
klein und punktförmig. 7) An der Spitze des Hinter- 
leibes flehen zwei Zähne weniger, indem fie dem vier- 
ten Bauchringe fehlen ; die Zähne des fünften Bauchrin- 
ges find kurz und ftumpf; die des vorletzten fehr kurz; 
der Mittelzahn des letzten Pvinges läi.ger als bei Anth» 
Florentinum mas. 8) Die Hüften und Schenkel fchwarz, 
unten nicht gelb gefl,eckt, keine Zähne an der Wurzel 
der Hinterfchenkel. 9.") Die untere Fufsbekleidung 
röthlich. Die Individuen des männlichen Gefchlechtes 
ändern in der Form und den Flecken des Hinterleibes 
ab. Wir werden die wichtigften Abänderungen aniei- 
gen. 

A. Die Flecke der beiden erften Bauchringe hinten aus- 
randet, die des dritten Ringes ohne fchwarzenPunkti 
und wie die folgenden, eine blos in der Mitte unter- 
brochene Queerbinde bildend. 

B. Die Flecke wie in A, aber die des dritten Ringes je- 
der mit einem fchwai zen Punkte ; der Seitenrand des 
Halsfchildes meifl: gelb. L'abeille ä cinq crochets, 
male, de Geoffroy. - Schaff, icon. tb. 32. f. 11 ? 

C. Der vorigen sehnlich, aber auch die Flecke des vier- 
ten Pvinges mit einem fchwarzen Punkte; die Flecke 
des dritten Pvinges fall halbmondförmig. 

D. Der vorigen aehnlich , aber die Flecke des zweiten 
und dritten Ringes in zwei getheilt; die des erften 
Heft /r, E Rin- 



6S IL Abhandlung über die Gattung 

Ringes klein, punktförmig. Punz. Fn. Germ. 55« 
tb. 1 1. - Schectf. icon. tb, 32. f. 13. Sn>avnn. bibl. 

tb.26. f. 4? 

E. Die zwei erften Eauchringe haben nur einen 
kleinen Fleck oder Punkt auf jedor Seite, die Bin- 
den der beiden folgenden Ringe haben einen fchwar- 
zen- Punkt, oder find ausgerandet. L'abeille d cinq 
crochets , femelle , de Geoffroy. 

F. Die beiden erften Bauchringe wie bei E; die Bin- 
den der folgenden Ringe durchfchnitten und zwei Fle- 
cke bildend; die des fünften Pvingcs mit einem fchwar- 
zen Punkt, oder ausgerandet. 

G. Die drei erilen Ringe blos mit einem kleinen Fleck 
oder Punkt auf jeder Seite; die Binden des vierten 
Ringes mit einem fchwarzen Punkt. 

H. Die beiden erften Bauchringe mit einem kleinen 
Fleck oder Punkt auf jeder Seite; cjie Binden des 
dritten Ringes in zwei getheilt. 
I. Alle ^auchringe, mit Ausnahme des vorletzten, ha- 
ben nur einen gelben Punkt auf jeder Seite; der vor- 
letzte hat vier. 

Diefe Abänderung haben Kirby und Harris abge- 
bildet, in Frankreich fah ich fie noch nicht. 

IVeihchen. Mittlere Lsenge 5 Lin. 
Immer kleiner als das Masnnchen. Die Kinnba- 
cken gelb, gerader als bei Anth, florentinum, mit fünf 
bis fechs ungleichen, deutlichen , fcharfen Zashnen , der 
an der Spitze ifl der ftcerkHe. Das Kopffchild mit ei- 
nem grofsen fchvvarzen Fleck , der von der Wurzel her- 
abkümmt, fich in eine Spitze endet, und an jeder Sei- 

U 



Anthidium Fabr. 67 

te oft einmal gezahnt ifi:; an der Wurzel bildet er ein 
Dreieck, bisweilen tritt er bis an den Vorderrand; der 
Vorderrand fehr deutlich gekerbt, die Seitenzaehne et- 
was ftaerker, fchwarz. Mittelleib, Flügelfchiippe und 
Flügel, wie beim Miinnchen , die gelben Flecke weni- 
ger veränderlich. Der Hinterleib kurz, gerundet, auf 
jedem Ringe zwei gelbe, längliche, beinahe gerade 
Queerflecke, ohne fchwarze Punkte und Ausrandungen; 
die Flecke fad alle untereinander gleich, und eine Rei- 
he, nur in der Mitte auf dem Rücken unterbrochener, 
Queerbinden bildend; der Hinterleib des letzten Rin- 
ges an den Seiten fchief abgeilutzt , und dieferRing da- 
her unvollkommen dreieckig; die Bauchwolle röthlich- 
gelb. Die vordem Schenkel in der Regel fchwarz , bis- 
weilen etwas roth oder gelb eingemengt, die vier hin- 
tern meift röthlich, feiten gelb; die Schienen alle unten 
fchwarz, auf der Oberfeite gelb, mit einem fchwarzen 
Fleck, der befonders auf den beiden Hinterfchienen 
grofs und beftändig ift; auf den vier Vorderfchienen 
liegt er vorn, auf den beiden Hinterlchienen hinten; 
die Bekleidung der Füfse auf der ünterfeite ift roth- 
braun, oben gelblich oder weifslich. 

Das Weibchen, das Kirby befchreibt und abbildet^ 
hat nur gelbe Punkte auf dem Hinterleibe, der vorlezte 
Ring zeigt vier, die andern beiden einen Punkt auf je- 
der Seite, Es aehnelt in diefer Hinficht der Abart I des 
Männchens. 

Vaterland: in ganz Frankreich fehr gemein. Aus 

Genua erhielt ich Weibchen, halb fo grofs als 

die unfrigen. 

E 2 6. 



6S n« Ablianüliing über die Gattung 

6. j^nthidie scutdhire. y^m/iidiu?iifcutellare*') (Ann, 
pag.215.) 

Misnnchen s^ Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, ftark punktirt, befonders auf 
dem Hinterleibe, die obere Haarbekleidung gelblich, 
die vor dem Kopfe und an andern Stellen lichter und 
weisgrau. Die Fühler ganz fchwarz. Die Kinnbacken 
llark , gf^lb , dreizäiinig , die Zähne fchwarz. Das 
Kopffchild breiter und viereckiger, als beim gröfsten 
Theile der übrigen Arten, faft ganz citrongelb, felbft die 
anliegenden Seiten, fein Vorderrand fchwarz, gekerbt; 
ein grofser löthlichgelber Fleck liegt hinter jedem Auge. 
Der Mittelleib nngefleckt, das Schildchen auf jeder Sei- 
te einmal gezahnt. Die Flügel dunkel ; die Flügel- 
fchuppe gelb, mit einem dunklern oder braunen Mit- 
telpunkt. Die Beine fchwarz, die Schienen, Füfse und 
Schenkelwurzel gelb , die hinterilen Beine ganz gelb ; 
das zweite Glied der Hüften unten mit einem ftarken 
Zahn verfehen. Der Hinterleib faft glatt, glänzend; 
die fechs erften Ringe führen jeder eine breite gelbe 
Queerbinde, die nur die Ränder freiläfst, diefe Binden, 
oder wenigftens einige davon, haben auf jeder Seite ei- 
nen dunklern , gefleckten Zwifchenranm ; die beiden 
erften Ringe, oder wenigftens der erfteRing, find in der 
Mitte des Rückens getheilt, die andern find ganz, oder 
mit einer Ausrandung oder Verfchmälerung in der 
Mitte des Hinterrandes ; die Seitenwinkel des fechften- 

Rin- 



*) A. scutello subcjuadrllobo, utrinque unidentato, ab- 
domine nigro, fafciis flavis : anticis folum interrup- 
tjs, (Ann. p, 52.^ 



Anthidium Fabr. 69 

Ringes in einen kurzen Zahn verlängert, am Hinter- 
rande deffelben Ringes flehen an den Seiten einige kur- 
ze Zäckchen; der fiebende oder lezte Ring gelb, ein 
breites Viereck bildend, jeder Seiten- und Hinterwin- 
kel in einen kurzen, breiten, nach äuflen gerundeten 
Zahn verlängert, die Mitte diefes Ringes nach der 
Länge gekielt, das Ende diefer Kante in eine Spitze, 
oder einen Torllehcnden cylindrifchen dumpfen geraden 
Stiel verlängert, der fo lang ifl als die Seitenzähne. 

Abamleruug: der fchwarze Theil der Oberfeite 
des Hinterleibes und die Schenkel löthlich; die Binde 
des etilen Bauchringes einfach durchfchnitten, die des 
zweiten Ringes flark aber allmählich verengt. ' 

JVeibcken, 
Die Kinnbacken ganz fchwarz, die Innfeite fchatf, 
jedoch ohne deutliche Zähne. Das Vordergeficht mit 
Ausnahme des Kopffchildes fchwarz. iDie Bauchringe 
ungezähnt, der lezte halbkreisförmig} die Bekleidung 
des Bauchs gelblich , die Afterplatte etwas vorftehend, 
mit einer breiten Bucht in der Mitte des Hinterrandes, 
Die Hüften fchwarz , die Schenkel röthlich , die vier 
vordem an der Wurzel fchwarz, 

Vaterland: Spanien; Lamm der Sohn. 

7. Anthidk allongk, anthidium oMongatum *). 
(Annal. p. 216) 

Me- 



*) A. scutello quadrilobo utrinque unldentato, abdomi- 
ne fafciis flavis : omnibus aut ultima folum excepta, 
interruptis. (Ann. p, 52.) 



70 II. Abhandlung über die Gattung 

Megachile interrupta Latv. hift. nat. des cruft. et 
^es inf. tom. «4. pag. s6. - Megachile interrupta 
Spin. Inf. Lig. fafc. i. p. 137. mas. *). - Anthopho- 
ra oblorgata lllig. Mag. VI. 11 8. - Apis manicata 
jnas. Pa7iz. Fn. Germ. 55. tb. 10. mas. 

Mannchen , faft 4 Lin. lang. 
Geftalt von Anthid. manicatum. Der Körper 
fchwarz, glänzend, die obere Bekleidung dunkelgelb- 
lich, die vorn, an den Seiten und unten am Kopfe weifs. 
Die Fühler ganz fchwarz, bei manchen Individuen ein 
röthlicher Fleck am fünften Gliede. Die Kinnbacken 
gelb, oder röthlich gelb, mit drei ftarken, fpitzigen, 
fchwarzen Zähnen. Das Kopffchild , die anliegenden 
Seiten , und ein Fleck hinter den Augen gelb ; der Vor- 
derrand des Kopffchildes wenig oder gar nicht gezäh- 
nelt, in der Mitte etwas ausgehölilt. Der Mittelleib 
ungefleckt, oder nur mit einem gelben Fleck auf den 
Schulterbeulen; d^s Schildchen etwas weiter vorzie- 
hend nnd ilärker niedergediückt, als bei der vorigen 
Art, an jeder Seite einmal gezahnt, in der Mitte des 
Hinterrandes fchwach ausgerandet. Die Flügel dunkel, 
befonders am R«ndfelde; die Flügelfchuppe gelb am 
Rande, dunkelbraun in der Mi te, etwas röthlich nach 
hinten. Die Hüften und Schenkel fchwarz , die Schie- 
nen und Füfle ganz röthlichgelb, ungefleckt; die obere 
Spitze der Schenkel löthiich^ die Oberfeite der Schie- 



*) Ich vermuthe dafs lieh Spinolain Hinlicht des Weib- 
chens täufchte , und dafs er das Weibchen der vo- 
rigen Art für hieher gehörig hielt, feine Synonimie 
fpricht für diefe Meinung, 



Anthidium Fabr. 71 

nen und das erfte Fufsglied höher gelb, mit weifler 
Haarbekleidung. Der Hinterleib glänzend, oben fall 
glatt, auf den erflen fechs Bauchringen citrongelbe, in 
der Mitte unterbrochene Queerbinden; die Binde des 
erften Ringes bisweilen in vier Flecke getheilt, auch 
wohl die des zweiten Ringes; die mittlere üiiterbrechung 
der Binden bildet auf der Mitte des Rückens der gan- 
zen Länge nach eine grade Linie; zwei gelbe Flecke, 
die bisweilen fehlen, auf dem fiebenden und leztenRing; 
der Hinterrand des fechften Bauchringes dreizähnig : ein 
gelber oder^fchwarzer Zahn, gebildet durch das fpitze 
Vorragen der Seitenwinkel an jeder Seite , ein dritter 
etwas ftärkercr, etwas in die Höhe gebogener9 fchwar- 
zer Zahn in der Mitte diefes Randes, oder auf dem Rü- 
cken ; das lezte Glied ftark und halbkreisförmig ausge- 
randet, j^de Seitenfpitze einen kurzen, breiten, ftum- 
pfen oder nach auffen gekrümmten Zahn bildend, der 
dieGeflalt eines dreieckigen Lappen hat, und an feinem 
End- und innern Winkel etwas fpitzig ift. Die Unter- 
feite des Hinterleibes fchwarz, einige Flecke und die 
Afterplatte röthlich; die Afterplatte halbkreisförmig und 
unausgerandet. 

JVeihchen^ wenig kleiner als das Männchen. 
Die Kinnladen wie beim Männchen gefärbt, die innere 
Seite mit drei ftärker vorftehenden Zahnen belezt, und 
die Zwifchenräume derfelben mit fehr feinen zahlrei- 
chen Zähnchen, befonders von der Mitte nach der Spi- 
tze zu, befezt. Das Kopffchild mit zwei mehr oder we- 
niger grofsen , bisweilen ziifammengefloffenen fchwar- 
zen Flecken befezt) bei einigen Individuen auch faft 

ganz 



12 IL Abliandlung über die Gattung 

ganz fchwarz oder fchwärzlich, blos mit einem gelben 
kleeblattlörmi^en Fleck in der Mitte. Das Schildclien 
unbefleckt > oder an j^der Seite mit einer gelben, ge- 
thcilten Linie. Die Bauchringe unbewehrt, der Hin- 
terrand des letz&en in der Mitte etwas zugefpitzt, mit 
einer feichten Bucht an jeder Seite, die Seidenbcklei- 
dung des Bauches rö hlich. Die Beine wie beim Männ- 
chen, doch mehr ins RöhÜcbe fallend- 

Vg^terland: Paris auf den Blüthen des Thymians, 
Feldquendels &c. Genua, Sfimlaj Mont- 
pellier, Hoimaud* 

8. Anthtdie ponBuee» Anthidium punctatum, *) 
(Ann. p. 2 1 7. ) 

Schaff. Icon. inf. Pvatisb. tb. 273. f. 3. mas? - 
Apis variegata var, Pan%> Schaff, icon. inf. enum« 
pag. 215, 

Mannchen, fafl: vier Lin, lang. 
Geftalt der vorhergehenden Art. Der Körper fchwarz, 
dicht behaart, die obere Bekleidung gelblich roth, die 
am Vorderkopf , an den Seiten- und am Unterkopfe 
grau oder weifslich. Die Kinnbacken gelb, dreizähnig, 
die Zähne fchwärzlich. Das Knpffchild, die anliegenden 
Seiten und ein Punkt oder kleiner Fleck hinter den 
Augen gelb, der Vorderrand des Kopffchildes in der 
Mitte etwas ausgehöhlt, gerandet, der Rand geftreift, 
das Schildchen in der Mitte des Hinterrandes fchwach 

aus- 

*) A. scutel'o femicirculari inermi, mandibulis valdo 
dentatis, abdomine maculis quadrifariam pofitis fla« 
vis, pedibus flavo nigroque väriis, (Ann. 52.) 



Antbidium Fabr. 73 

ausgerandet, «nbewehrt, ein kleiner gelber Fleck oder 
Punkt an jeder ^eite, - wenigftens bei den mehreften» 
Die Flügel dunkel, die Nerven fchwärzlich; die Flü'^el- 
fchuppe dunkelbraun oder fchwärz,lich, mit gelblichem 
oder röthlichem Rande. Die Beine zottig; die Haare 
oder Franzen an der Seite und die obere Bekleidung 
des erften Fufsgliedes' weifs ; die Hüften fchwarzj die 
Schenkel Ichwarz, die obere Spitze gelblich oder röth- 
lich; die Schienen weifs, unten fchwarz, oben gelb, 
bisweilen durchaus gelblich oder röthlich, bei einigen 
ein fchvvarzer Vorderfleck auf der Oberfeite der Hin- 
terfchienen, ein ähnlicher aber kleinerer und hinten fle- 
hender Fleck auf der Oberfeite der vier vordem Schie- 
nen j bei einigen andern Individuen die Füfse gelblich, 
oder röthlich. Der Hinterleib oben weniger haarig, 
glänzend, zwei blafsgelbe Flecke (einer auf jeder Seite) 
am erflen Pvinge , vier dergleichen in einer Queerlinie 
ftehende auf jedem der vier folgenden Pvinge, zwei bis- 
weilen in einer Queerbinde zufammengefloffene auf je- 
dem der beiden lezten; der Hinterrand des fechften 
Ringes an den Seiten fchwach gezähnelt, die Ecken def- 
felben in einen kleinen fpitztn, nach hinten gewandten 
Zahn verlängert ; der Hinterrand des letzten Ringes 
breit ausgerandet, dreimal kutz gezahnt; der Mittel- 
zahn am kleinften, fchwarz, durch die Fortfetzung ei- 
ner Erhabenheit oder eines Kiels diefes Ringes gebil- 
det, die Seitenzähne dreieckig, gelb j die Afterplatte in 
einem Winkel endend, und an jeder Seite am Grunde 
mit einem erhabenen, dreieckigen Zahnj der Hinter« 
rand diefer Platte röthlich. 

Weib- 



74 n« Abhandlung über die Gattung 

Weibchen. 
Fühler und Vorderkopf ganz fchwarz. Die Kinnba- 
cken fchwarz, der Auffenrand gelblich; die inncie Sei- 
te mit vier oder fünf fall gleich grofsen Zähnen befezt, 
ohne den Sp*tzzahn. Der lezte ßanchring ungefleckt, 
von oben gefehen faft dreieckig; die Bauchbekleidung 
grau, gegen die Mitte und nach dem After zu etwas 
röthlich. Die Fühler und Schenkel wie beim Männchen. 
Die vier Vorderfchienen und alle Flifse gelbroth, die 
beiden Hinterfchienen fchwarz, an der Wurzel röthlich. 

Vaterland : Paris auf Blüthen. Ro(p fcheint diefe 
Art als Abart des Anth. manicatum fem. angefehen 
zu haben ; Anthid, variegatum Fabr. iil diefer Art 
verwandt. 

9. Anthtäie hrdee, Anthidiuvi marginatum, *J 
(Ann. pag. 21 80 
Mus. d'hift. nat. de Par. Abeille, No. 81. femelle. 
Weibchen, 5 Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, wenig haarig, die Fühler ganz 
fchwarz. Die Kinnbacken fchwarz, breit,, ohne merk- 
liche Zähne auf der Innenfeite. Das Kopffchild , ein 
kleiner dreieckiger Fleck unmittelbar darüber, die Un- 
terfeite des Kopfes und ein Punkt hinter den Augen 
gelb ; der Vorderrand des Kopffchildes fchwarz , ge- 
zähnelt, befondors in der Mitte ; die gelbe Farbe der 
am Kopffchild anliegenden Seiten fteigt in die Höhe und 

bil- 



*) A. scutello femicireulari inermi, thoracis ambitu ab- 
dominisque fegmentorum lingulorum linea flavis: 
fegtnentis valide marginatis. (Ann.5o.) 



Anthidium Fabr. 7J 

bildet auf jeder Seite eine Linie, die faft bis an den In- 
nenrand der Augen reicht. Die Schulterbeulen , die 
Seiten - und obern Ränder des zweiten Abfchnittes 
des Halsfchildes, die Pvänder der Seiten des Hinterran- 
des am erften Abfchnitt, der äullere Unirifs des Schild- 
chens und ein länglicher Fleck auf jeder Seite untec 
dem Flügel gelb. Die Flügel rauchfarben, die Nerven 
fchwärzlich ; die FlügeUchuppe fchwarz , mit einem 
gelben Vorderfleck. Die Beine fchwarz, die Wurzel 
der Schenkel, die Schienen und Füfse röthlich. Der 
Hinterleib kurz, glänzend, dicht punktirt; die Ringe 
hinten ftark gerandet; ein gelber Queerftrich , in der 
Mitte unterbrochen, auf den fünf erflen Ringen ; die Sei- 
denbekleidung des Bauches gelblichgrau , dunkel. 
Das Vaterland unbekannt. Anthidium limbatum 
Fabr. ift vielleicht das Männchen diefer Art. 

10. ^nthtdie ceinturee. Anthidium cingulatum» *) 

CAnn. pag. 219.) 

Mus. d'hift. nat. dePar. Abeiile, No. 78. femelle. 
JVeibchen^ etwas über 5 Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, haarig, die obere Bekleidung dun- 
kelgelblich; an den Seiten, unten und vorn am Kopfe 
graulich. Die Fühler ganz fchwarz Die Kinnbacken 
gelb; die Zähne fchwärzlich, fpitzig, der Spitzzahn 
ftätker, geflreift, die andern fad gleich untereinander» 
Das Kopffchüd und die anliegenden Seiten gelb, an 

eini- 



*) A. sciitello femicirculari inermi, abdomine Hneis fla- 
■vis, antice linuatis; regmenti ultimi margine pofti« 
CO angulato, (Ann, 5o.) 



y6 II. Abhandlung über die Gattung 

einigen Stellen ins Rothe fallend ; ein fchwarzer Fleck 
auf der Mitte des Kopffchildes vom obcrn Rande aus- 
gehend, an der Mitte des Vorderrandes endend , und 
von der Geftalt eines verkehrten Dreiecks; der Vor- 
derrand gezähnelt; die> Zähne ftumpf, fohwäizlich, zwei 
an jeder Seite ftärker; ein gelber Punkt an jedem Auge» 
Das Schildchen ausgerandet, mit einem gelben längli- 
chen Fleck an jeder Seite. Die Flügel wenig dunkel, 
mit röthlich braunen Hauptnerven, die übrigen fchwärz- 
lich; die Fiügelfchuppe fchwarz, gelb gerandet. Die 
Beine fchwarz, oben grau behaart, die Knie und Schie- 
nen gelb; ein fchwarxer länglicher Fleck am äulTern 
und obern Rande der Hinterfchiencn, die gelbe Farbe 
bildet blos eine Linie; die Füfse rothbraun, die Ober- 
feite grau, die untere röthlich behaart. Der Hinterleib 
kurz , glänzend , aber v/eniger behaart , als der übrige 
Körper, der erfte Bauchring ftärker zottig, an jeder 
Seite mit einem citrongelben Fleck, eine gleichfarbige 
Queerlinie auf jedem der folgenden Ringe, diefe Queer- 
linie in der Mitte des Rückens unterbrochen, an jeder 
Seite an ihrem Vorderrande ausgerandet oder gebuch- 
tet, die Ausrandungen des zweiten Ringes ftärker; am 
fünften Ringe eine unterbrochene Linie bildend , der 
fechfte od'er letzte Riftg faft ganz gelb, der Hinterrand 
fchwarz, mit einei^Bucht und einem kurzen zahnförmi- 
gen Fortfatz auf jeder Seite ; die Seidenbekleiduog des 
Bauches ^^eifsgrau. 

Vaterland; Barbarey, Desfontaines, Marcel de 
SerreSj das Männchen unbekannt. 

Dief© 



Anthidium Fabr. ^7 

Disfe Art kommt dem Anthid. interriiptnm Fahr. 
(vergl. no. 13.) fehr nahe. Das Individuum, 
das er befchrieb, war ein Männchen. 

II. j4nthidie fasciee, Anthidium faßiatum. *) 
(Ann. pag. 220) 

Weibchen 4 Lin. lang» 
Der Körper fchwarz, haarig; die obere Bekleidung 
dunkel gelblich , die übrige etwas lichter , ins Gr«ue 
fallend. Die Fühler ganz fchwarz. Die Kinnbacken 
gelb, 'mit fünf oder Techs kurzen, fafl gleich langen 
fchw'ärzlichen Zähnen , der Spitxzahn etwas ftärker. Das 
Kopffchild und die anliegenden Seiten gelb; auf erllerm 
am obern Rande ein fch warzer, zweizähniger Fleck, 
am vordem Rande gezäbnelt, die Zähne klein , flumpf, 
fchwärzlich, die an den Seiten etwas llärker; der Hin- 
terrand des Kopfes mit einer gelben Linie. Die Schul- 
terbeulen , der Seiten- und Vorderrand desHalsfchildes 
land die Ränder des Schildchens gelb. Die Flügel we- 
nig dunkel, die Nerven fchwärzlich, die Flügelfchuppe 
gelb, mit brauner Mitte. Die Hüften fchwarz; die 
Vorderfchenkel unten blafs rothgelb, oben fchwarz, mit 
einem gelben Seitenftrich, die vier Hinterfcbenkel gan2 
blafs rothgelb ; alle Schienen fchwarz, mit einem grofsen 
bindenartigen gelben Fleck auf der Oberfeite, ihre äul- 
fere Bekleidung und die Bekleidung des erllen Fufsglie- 

des 



*) A. scutello semicirculari inerml, fegmentis abdo- 
minis lingulis quinque primis linea flava; lineis an- 
ticis interruptis; intermediis antice iinuatis; femo- 
ribus quatuor pofticis rufis. (Ann, 5i.) 



78 II. Abhandlung über die Gattung 

des grau , die lezten Fiifsglieder und ihre untere Be- 
kleidung rödilich. Der Hinterleib kurz , glänzend , oben 
fall glatt; ein blafs citrongelber Qiieerftreif in der Mit« 
te jedes der erilen fünf Ringe, die dsei erftern in der 
Mitte des Ringes unterbrochen, an den Seiten etwas 
erweitert, vorzijglich der erftere; der zweite an jeder 
Seite dnrchfchnitten , gleichfam in vier getheilt, der vier- 
te und fünfte vorn und in der Mitte ausgerandet, oder 
verengt, der fechfte befteht fall ganz oben aus zwei 
gelben, durch eine kleine fchwarie Linie einfach ge- 
trennten Flecken; die Seidenbekleidung des Bauches 
grau. 

Vaterland: Montpellier, Chahrier. 

12. y^nthtdie rubanee. Anth'td'mm tanlatum, *) 
(Ann. pag. 220.) 

Männchen fall 4 Lin, lang. 
Der Körper haarig , die obere Bekleidung gelblichroth, 
an den Seiten, unten und an den Beinen-, vorzügHch 
an den Füfsen, weifs. Die Fühler fchwarz, die Vor- 
derfeite des erften Gliedes gelb. Die Kinnbacken gelb, 
mit Ichwarzen Zähnen. Der Kopf fchwarz. Das Kopf- 
fchild, die anliegenden Seiten und ein Fleck hinter den 
Augen gelb. Der Mittelleib fchwarz, der Rücken 
bräunlich, eine Randlinie, die in der Mitte des Vor- 

der- 



^) A. scutello remicirculari inermi, abdominis fegmen- 
tis lex primis faCcia flava: duabus anticis quadri- 
partitis, tertia in medio interrupta , aliis integris ; 
thorace fupra marginibus flavis ; femoribus nigris, 
(Ann. 5i.) 



Antliidium Fabr. 79 

derrandes beginnt, und bis zu der Hinterfpitze des 
Schildchens (diefe mit eingefchloffen) läuft, gelb. Die 
Hüften fchvvarz, mit etwas {\e\b an der Spitze des er- 
ften Gliedes ; die Schenkel fchwarz , die Knie und eine 
Linie unter den vier vordem Schenkeln gelb, die hin- 
tern etwas mit roth gemifcht j die Schienen unten 
fchwarz, oben gelb; das erile Fufsglied blafsgelb, mit 
weifsen Wimpern, die andern vier Glieder lichtröihlich, 
die Klauen fchwärzlich. Die Flügel wenig dunkel; die 
Flügelfchuppe gelb, mit brauner Mitte. Die Unterfei- 
te des Hinterleibes, die vordere und obere Seite feiner 
Ringe röihlicl .braun, der Hinterrand fchwarz, mit et- 
was braun, die Mitte der fechs erftern Pvinge aber mit 
einer gelben Queerbinde : die erden beiden Binden in 
vier Flecke getheilt, die dritte in der Mitte getheilt, 
die zwei folgenden blos mit einer kleinen Ansrandung 
am Vorderrande in der Mitte, diefer Rand an jeder 
Seite etwas gebuchtet, eben fo bei der dritten Binde; 
jeder Seiten.- und Hinterwinkel des fechften Ringes in 
einen kleinen fpitzigen Zahn verlängert, der lezte oder 
fiebende Ring fchwärzlich , braun gemifcht, ftark und 
halbkreisförmig in der Mitte des Hinterrandes ausge- 
randet, mit einem kleinen etwas gekrümmten fpitzigen 
Zahn in der Mitte der Ausrandung, Die Seitenfpitzen 
Jiaben die Form von Lappen, deren Auffenfelte fchief 
abgeflumpft, und mit einem fehr deutlichen Winkel ver- 
fehen ift. Die Afterplatte läuft in der Mitte ihres Hin- 
terrandes etwas fpitzig zu, 

Vaterland: Spanien, 

Ich 



80 II. Abhandlung über die Gattung 

Ich glaube dafs man in der Gegend vonTurin eine 
Abart trfTr, die nach Boneliis- Meinung Anthidiiim va- 
riegatuin F.ilfr. iil. Ich theile die lateinifche Befchrei- 
biing eines Männchens , die ich Bonellis Güte verdanke, 
mit. 

Statnra A. purttati at dnplo major. Caput cum 
antennis nigrum» albo villofnm, mandibiilis clypeoque 
liiteis. Thorax niger, albo villnfus, punöicallofo 
antealas, alarum fquamis, maculisque quatuor fcu- 
tellum ambientibus , luteis Abdomen nigrum, fub- 
villofum , fegmentis primo et tertio maculis quatuor 
luteis, diftinftis , exferioribus latioribus, abdominis 
margine connexis, fegmentis quarto et quinto ma- 
culis iisdem notatis, et lineola p- ftice lutea conne- 
xis; fegmento fexto fimiliter macuJato, utrinque fpi- 
na validiuscula auöo; feptimo prominulo, tantum 
bimaculato, ad apicem tridentato; dentibus latera- 
libus apice truncatis, extus emarginatis, intermedia 
compreffo, acutiffimo, apice incurvo; venter imma- 
culatus, cinereo fubvillofus. Alae hyalinae. Pedes 
lutci, femoribus bafi tibiisque linea antica nigris, 
tarfis albo • villofis. 

Fabricius würde vom Weibchen gefagt haben: 
anus integer. 

13. Anthidie 'flavilabre. ^nthidium flavilabre. *) 
(Ann. pag. 222.) 

Anthi- 



*) A. fcutello femicirculari,inermi, fegmentis abdomi- 
nis quinque primis linea transverfa flava, anticis me- 
dio interruptis, aliis integris; thorace fub bimacu- 
lato; femoribus nigris. (Ann. pag, 5i)« 



Anthidium Fabr. gl 

Anthidium interruptum? Fahr, S. Piez. 366, 2» 
Männchen sf Lin. lang. 
Der Körper fchwarz , haarigj die obere Bekleidung 
gelblich, dunkel, die an den Seiten und unten graulich. 
Die Fühler fcheinen etwas länger und dünner, als an den 
übrigen Arten, fie find fchwarxi der Untertheil des erilea 
Gliedes gelb. Die Kinnbacken gelb, gezahnt, dieZähnean 
der Spitze fchwärzlich. Der Kopf fcheint verhältnifsniäfsig 
etwas breiter , als an den übrigen Arten ; das Kopffchild 
fehr breit, riebrt den anliegenden "^ alten durchaus gelb» 
fein Vorderrand fall gerade, gezr melt; der Theil des 
Gefichts, der unmittelbar über dem Kopffchilde liegt» 
und^ ein Fleck hinter den Augen gelb. Der Mittelleib 
ohne deutlich vortretende Flecke; das Schildchen 
fchwach ausgerandet. Die Flügel dunkel, mit einigen 
lichtem Stellen, die Nerven fchwärzlich; die Flügel* 
fchuppe fchwarz, vorn mit einem gelben Fleck, Die 
Beine fchwarz, die Wurzel der Schenkel, die Oberfei- 
te der Schienen und die Füfse gelb, ein fchwarzec 
Fleck auf dem Gelben der Schienen , der auf den hin- 
terften am kleinilen. Der Hinterleib glänzend, fchwach 
behaart; auf jeder Seite des erden Ringes ein dreiecki- 
ger,, länglicher, nach innen zugefpizter, citrongelber 
Fleck; eine gerade, gleichfarbige Queerbinde auf je- 
dem der fünf folgenden Ringe : die erlle oder die Bin- 
de des Zweiten Ringes in der Mitte des Rückens un- 
terbrochen , die folgenden in der Mitte ihres Vorder-» 
randes verfchmälert oder ausgerandet; die fünfte nimmt 
fall: den ganzen fechften Ring ein, der Hinterrand des 
fechflen Ringes vorgeilreckt > gerundet» am Rande 
tieft IL F fchwarz. 



8a II. Abhandlung über die Gattung 

fchwars, an beiden Seiten etwas zufammengedrückt, 
verfchmälert, der lezte Ring gelb, in der Mitte ausge- 
randet, und durch zwei kurze, dreieckige, fchwarz ge- 
landete Zähne begränzt; zwei dorncnartige gelbe Spit- 
zen auf der Afterplatte, an jeder Seite eine ; die Seiten 
der Baucbplatte, welche zuerft kommt, gekrümmt, eine 
gelbe Queerbinde auf der folgenden; der Ißzte oder 
fiebendeRing wird durch den vorhergehenden dreiecki- 
gen, deffen Spitze einen fehr ftumpfen , etwas gerande- 
ten, in der Mitte fchwach gebuchteten Vorfprung bildet, 
gani verdeckt. 

Abänderung: die Binden des Hinterleibes gerader, 
ftrahlförmigs alle nnimterbrochen, mit Ausnahme 
der des erften Ringes; ein gelber Streif auf der 
Unterfeite der vier Vorderfchenkel ; die Schienen 
durchaus wachsgclb. 

JVeikhen» 
Fühler und Kinnbacken ganz fchwarz. Am Halsfchilde 
eine Linie an jeder Seite und vier Flecke am Rande 
des Schildchens gelb. Die lezten Binden des Hinter- 
leibes faft gar nicht fichtbar; die Bauchbekleidung 
grau ; die beiden Flecke am Hinterrande des Kopfes 
fehr grofs» 

Vaterland : Montpellier , ChahieVy Turin , BofiellL 
Ich nehme an: dafs Fabricins unter Anthid. interrup» 
tum das Männeben befchrieben hat, und dies ift auch 
die Meinung Borelli's. Die Befchreibung ift nicht voU- 
fländig genug, und ich kann nicht mit Gewifsheit be- 
haupten, dafs diefe Art mit der unfrigen einerlei fey, 

14. 



Anthidium Fabr. g3 

14. AnifiUie diaäeme, Anthidium diaäema. *) 
(Ann. pag. 225. )• 

Männchen 53 Linien lang. 
Der Körper fchwarz, haarig, die obere Bekletdnng 
dunkelgelblich, die an den Seiten , v^rn und unteq am 
Kopfe graulich. Die Fühler fchwarz» Die Kinnbacken 
gelb, die Zähne ftaik, fchwärzlich. Das Kopflohild 
und die anliegenden Seiten gelb , der Vorderrand des 
Kopffchildes etwas ausgehöhlt, fchwärzlich, fein Rand 
geftreift; eine am Scheitel endende Qtieerlinie hinter, 
den Allgen rothgelb. Die Seiten und obern Pvänder des 
Halsfchildes , zwei Randflecken an jeder Seite des 
Schildchens, die jedoch bisweilen undeutlich find, oder 
ganz fehlen , gelb. Die Flügel dunkel , die Nerven 
fchwärzlich; die Flügelfchuppe gelb, mit fch warzer Mit- 
te. Die Beine fchwarz, die Unterfeite der Schienen 
und des erften Fufsgliedes gelb, ein fchwarzer Fleck 
auf der Ober - und Vorderfeito der Hlnterfchienen 
fchwarz; die obere Bekleidung des erften Fufsgliedes 
weifs, die untere rothbraun, die Übrigen Glieder röth- 
lich. Der Hinterleib glänzend und obe^^i fall glatt; ein 
dreieckiger, citrongelber Fleck auf jeder Seite des erften 
Ringes; die fünf folgenden R.inge jeder mit einer gleich- 
farbigen, geraden jind ununterbrochenen, in der Mitte 
des Vorderrandes nnr fchwach und einfach verfchmä- 
lerten Queerbinde, die Binden des zweiten und dritten 
Ringes an jeder Seite hinten ausgerandet; der Hinter- 
F 2 rand 

♦) A. fcutello femicirculari inenni , abdominis fegmen- 
to antiquo maculis duabus, reliqüis linea transver- 
fa integra fiavis, (Ann. p. 5i.) 



g^. 11- Abhandlung über die Gattung 

rand des fechften Ringes an jeder Seite ausgerandet; 
iie Ansrandung grzähnelt, jeder Seitenwinkel in einen 
gelben fpitzigen Zahn verlängert •, der lezce Ring mit 
zwei gelben, zufammen^feflolTenen oder getrennten 
Flecken, feine Hinterfeite ftark ansgerandet, und an 
jeder Seite durch einen breiten, gerundeten Zahn be- 
gränzt; ein kleinerer, dritter, fchwarzer Zahn in der 
Mitte der Ausrandung. Die Afterplatte auf jeder Seite 
einmal gezahnt; die Zähne erhaben, dreieckig. 

Bemerkung: die erften gelben Strahlen des Hinter- 
leibes find bisweilen enger zufammenfchlieffend, 
und der Hinterrand der dritten zeigt nicht immer 
Ausrandung. 

JVethchen. 
Die Kinnbacken auf der Innenfeite mit vier oder fünf 
kleinen, fpitzigen , ziemlich gleichen Zähnen. Der 
Hinterleib kurz; der lezte Ring ohne Flecke, und am 
Hinterrande fehr fein gezähnelt; die Zähne wenig 
merkbar; die Streifen des vierten und fünften Ringes 
in der Mitte fehr zufammengedrückt, und zwei verei- 
nigte Linien bildend, die bei einigen Individuen auch 
getrennt vorkommen ; die Seidenbekleidung des Bau- 
ches weifs. 

DiefeArt fcheint eine kürzere und breitere Form zu 
haben , als die vorhergehende. 

Vaterland: Montpellier, Marcel de Server» 

15. yinthtdie fauve* ^nthidium ferrugineum, *) 

(Ann. p. 224.) 
An- 

*) A. fcutello fubquadrilobo , utrinque unidentato, ab- 
domine rubro immaculato. ( Ann. 52.) 



Anthidium Fabr. Jj 

Anthidiiim ferrugineiim Fabr. Syft. Piez. 367* »^* - 

Apis ferruginea Oliv. Enc. meth. hifl. nat. tom. 4. 

pag, 74. - Anthophora ferruginea Illig. Magaz, 

VI. pag,ii8. 

JVeihchen 3 Lin. lang. 
Der Körper fchwach behaart, die obere Bekleidung 
gelblich, die an den Seiten und unten grau. Die Füh- 
ler durchaus röthlich. Die Kinnbacken röthlich, ftark, 
einige Kanten etwas fchwäi zlich , die Innenleite (charf, 
ohne deutliche Zähne. Der Kopf braunroth, fad blut- 
roth, die Gegend des Vordergefichts über dem Kopf- 
fchilde und die Stirn his an den Hinterrand, (diefen 
nicht mitgerechnet,) fchwarz, mit grauer Bekleidung: 
eine Linie an jeder Seite bei dem Innenrande der Au- 
gen, nnd ein kleiner Fleck auf der Mitte der Stirn, von 
der Farbe des Kopfs; die Augen braun. Der Mittelleib 
fchvvarz, ein Fleck auf jeder Seite unter den Flügeln, 
die Seiten- und obern Ränder des Halsfchildes uod 
der äufiere Rand des Schildchens braunroth, das 
Schildcheneben, vorftehend, vierlappig, die Seitenlap- 
pen kleiner, zahnformig. Die Flügel etwas dunkel, 
vvenigftens nach hinten^ das Stigma und der Randnerve 
röthlich , die übrigen Nerven fchwärzlich ; die Flügel- 
(chuppe röthlich. Die Beine röthlich. Der Hinter- 
leib kurz, fad glatt, wenig glänzend , durchaus braun- 
roth etwas ins Blutrothe fallend, der Hinterrand der 
Ringe etwas lichter, eine kleine dunkle oder fchwärz- 
liehe, wenig ausgezeichnete Linie in der Mitte def 
dritten und vierten Ringes ; der lezte Ring halbkreis- 
förmig. Die Bauchbeklcidung gelblich. 

Vi. 



86 11. Abhandlung über die Gattung 

Vaterland: aus Spanien brachte fie der verdorbene 
Prof. PVahl m\ty ich erhielt fie durch Za»;/oi den 
Sohn* 

i6. Anthidie dmo'iäah. Ai)thiäium discoidale, *) 
(Ann p3g.2250 

Mus. d'hift. naf. de Paris. Abeille, no. 82. male. 
Männchen^ faft 3 Lin. lang. 
Der Körper haarig, die Bekleidung nicht fehr dicht, 
die obere gelblich, die vor dem Kopf, an den Seiten 
und unten grau. Die Fühler röthlichgelb. Die Kinn- 
backen gelblich ; mitflarken fchwäizlich^n Zähnen. Der 
Kopf fcbwarz, die Hinterfeiten hinter den Augen, und 
eine Linie an jVder Seite fall bis zu dem innern Rande, 
röchlichgelb, das Kopffchild gelblich. Der Mittelleib, 
Schildchen, Flügel, wie bei der vorigen Art, aber das 
Roth bläffer oder mehr rothgelb. Der Hinterleib eben 
fo gefärbt, fall glatt, ein kleiner fchwarzer dreieckiger 
Fleck auf der Mitte jedes Bauchringes, mit Ausnahme 
des erden und dritten*, der Vorderrand des zweiten 
(und vifleicht aller) fchwärzlich; die Seitenwinkel des 
Hinterrandes des fechden Ringes vordchend, zahnför» 
mig; der Afferring eben, breit, viereckig, an den Sei- 
ten gerandet, in der Mitte des Hinterrandes einmal ge- 
Z'hnt; die Afterplatte an jeder Seite ausgerandet, drei- 
zähnig, der mittlere Zahn dumpf. Die Beine lichtroth- 
gelb. 

Ich vermuthe , dafs dies Thier das Männchen des 
Vorigen idi es kommt Anth, fulvipes Fabr. nahe, 
VÄterland: Barbarei, Desfontaims, 

17. 



Anthidium Fabr. 87 

1 7. Anth'iäie jaune, Anthidium flavum, * ) C Ann. 
rag- 225.) 

Mus. d'hift. nat. Abeille no. 83» male. 
Männchen^ faft 3 Lin. lang. 
Ge/lalt und Gröfse der vorigen Art. Die Fühler blafs- 
röthlich, das edle Glied gelblich. Die Kinnbacken gelb, 
mit fchwarzcn Zähnen. Der Kopf blafsgelb, an den 
hintern Seiten und am Scheitel etwas insRothe fallend, 
die Stirn bis an das Kopffchild mit Ausnahme der Sei- 
tenränder fchwarz, mit grauer Bekleidung, ein Fleck 
auf der Mitte der Stirn röthlich. Der Mittelleib fchwarz, 
ein Fleck auf jeder Seite über den Flügeln, die Seiten- 
und obern Ränder des Halsfchildes und das ganze Sehild- 
chen blafsgelb; das Schildchen, wie in den beiden vor- 
hergehendenArten, vierlappig. Die Flügel wenig dunkel, 
die Nerven, das Stigma und die Flügelfchuppe gelblich. 
Beine und Hinterleib gelblich, die vordere Aushölung 
des erften Bauchringes, der Vorderrand des zweiten 
und vielleicht auch die der folgenden lichtröthlich , die 
lerten Ringe wie bei voriger Art. 

Vaterland: BsLvhareitDesfojJtaijies. Olivier hrachto 
diefe Art von feiner Reife in die Levante zurück ; 
das Exemplar, das er mir mittheilte, zeigt die 
röthlichen Flecken der Oberfeite weit lebhafter 
und auf dem Scheitel ausgedehnter. 

18. 



*) A. fcutello fubquadrilobo , utrinque uniJentato, ab» 
domine flavo immaculato.(Ann. p. 62). 



Sg IT. Abhandlung über die Gattung 

18* j^nthidie a handelettes. j4nthid'tum Uturatum. *) 
(Ann, pag. 226.) 

Apis liturata Panz, Fn. 80. tb. 21. fem. - Ejiisd. 
Anthidium lituratum pr. Rev. pag. 250. - Megachile 
liturata JValk. Faun. par. tom. 2. pag. 136, fem. - 
Megaühile florentina var. Spin. Inf Lig. fafc. i. p. 1 3g. 
Trachufa liturata ^«r.nouv. meth. de claCf. les hym. 
tom. j. pag. 253. fem. - Anthophora liturata lUtg. 
Mag. V. pag, 1 1 8. fem. 

IViibchen^ faft 3 Lin. lang. 
Per Körper lang geftreckt, tieffchwar», dicht punk- 
tirt, oben fchwach behaart. Die Fühler kurz, ganz 
fchwarz. Die Kinnbacken ganz fchwarz, wcnigftens 
mit drei deutlichen fpitzigen Zähnen auf der Innenfeite» 
Der Kopf mit vier gelben Flecken, zwei droieckige 
vorn, einer an jeder Seite des Kopffchjldes iind etwas 
in deffen Näthe eintretend , die zwei andern faft eiför- 
migen am Hinterrande, einer hinter jedem Auge; der 
Vorderrand des Kopffchildes ausgehöhlt, grau gewlm- 
pert, einige gleichfarbige, gleichfam su einem Büfchel 
vereinigte Haare an der Wurzel der Fühler; die Haar- 
bekleidung des Scheitels dunkel gelblich. Der Mittel- 
leib ungefleckr, haarig, die Bekleidung dünn, die Be- 
kleidung des Rückens dunkel gelblich; das Schildchen 
halbkreisförmig, In der Mitte des Hinterrande? ausge- 

ran- 



*} A. scutello femicirculari inermi, abdpmine inacuHs 
flavis, ovalibus, et lateralibus , corpore fupra glabri- 
Tjfculo ; clypeo nigro, utrinque inacula flava; man- 
dibulis admoduui dentatis ; thorace immaculato. 
(Ann. 5o.) 



Anthidium Fabr. 89 

fandet , fchwach behaart , uiigefleckt. Die Flügel 
fchwärzUch , mit einigen lichtem Stellen ; die Flügel* 
fchuppe fchwarz, vorn mit einem gelben Punkte be- 
zeichnet. Die Beine fchwarz, die obere Spitze der 
Schenkel gelb, Schienen und Füffe gelb, etwas ins röth- 
liche fallend, die Unterfeite der Schienen ftärker gelb, 
die Füfse llärker röthlich. Der Hinterleib oben faft 
glatt und glänzend; zwei eirunde, fchön gelbe Flecke 
auf jedem der erften fechs Ringe, einer auf jeder 
Seite , welche zwei Längsreihen des Rückens bilden, 
die durch einen fchwarzen langgezogenen dreieckigen 
Zwifchenraum getrennt werden; die Fltcke des erften 
Ringes etwas kleiner, die übrigen faft gleich , der lezte 
Ring ungefleckt, gerundet, in der Mitte des Hinter- 
randesetwas gerandet, die Seidenbekleidung des Bau- 
ches grau. 

Bemerkungen : An einigen Individuen fallen die Fle- 
cke des Kopfes ins Röthliche, die des fünften Rin- 
ges find kleiner, und die Mitte der Unterfeite der 
Schienen ift bräunlich. Das Männchen fah ich 
noch nicht. Spinola fchreibt mir (unter dem 5ten 
Dec. 1808.) dafs bei diefem der fechfte Bauch- 
ring ungefleckt, und der lezte gerundet und un- 
gerandet fey. 
Vaterland; Paris, Deutfchland, im Sept, auf BlumeOf 

19. /inthidie a epauktUS. vfnthidium ßapulan* *) 

(Ann. pag. 227.) 

Mus. d'hift. nat. Abeilleno. $4. femelle, 

Weib- 

*) A. scutello femicirculari inermi, abdomine maculis 



90 II. Abhandlung über die Gutung 

JVeihchen 3 t.m. lang. 
Der Körper tieffcbwarz, fchwach beh;iart , die obere 
BikleiduniJ gelblich, die an den Seiten und unten lich- 
ter. Die Fühler kurz, ganz fchwarz. Die Kinnba- 
cken ftark, gezähnelt, unten gelblich, in der Mitte 
braun, an der Spi;ze fchwarz. Der Kopf dick, mit 
einer gelblichgrauen Haarbekleidung auf demGefichtej 
das Kopffchild und die anliegenden Seiten bis an die 
Fühler herauf gelb, ein Fleck oder eine Stelle auf der 
j^itte des Kopffciiildes röthlich; ein grofser, länglich 
dreieckiger, rothgelber Fleck hinter jedem Auge. Ein 
Fleck auf Jeder Schulterbeule, ein anderer linicnförmi- 
gcr über jeder Schulter, und zwei zafammenhängend© 
an jedem Seitenrande des Schildchens gelb. Das Schild- 
chen halbkreisförmig, vorflehend ,' mit fchvvarzen Rän- 
dern. Die Flügel etwas dunkel; die Flügelfchuppe^ 
röthfich, ihre Vorderfeite gelb, die Mitte dunkler. Die 
Beine gelb, die Hüften fchwarz, die Schenkel mit Aus- 
nahme der obern Spitze fchwarzlich. Der Hinterleib 
oben ftark punktirt, faft glatt und gelb gefleckt, zwei 
grofse eirunde Queerflecke auf jedem der erften fünf Rin- 
ge , einer auf jeder Seite , die beiden vordem fchmä- 
1er; der lezte Ring halbkreisförmig* Die Seidenbe- 
kleidung des Bauches graulich. 
Vaterland ; unbekannt. 

20. ^nthtdie mouchettis. jinthidmm guttatum, •) 

(Ann. pag. 227.; Aq- 

i»' ■ 

flavis, ovalibus et lateralibus, corpore fupra glabri- 

üsculo, clypeo flavo , thoracemaculato. (^Antt. p. ^o.) 

*") A^ scutello f emicirculari inermi, abdomine maculis 

pal- 



Anthidiura Fabr. 91 

Anthophora guttata lUig, Mag* V. pag. 118.) 
Weibchen faft 3 Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, fch wach behaart, die ^Bekleidung 
grau. Die Fühler röthlich braun, an der Spitze dunk- 
ler. Die Kinnbacken (lark , fchvrarz , mit einigen klei- 
nen wenig vorragenden Zähnen. Der Kopf gefl-ckt; 
das Kopffchild röthlich mit fchwarzem Vorderrande, die 
anliegenden Seiten gelblich, welche Farbe in Form einer 
Linie längs dtm Innenrande der Augen fnrtleztj ein© 
dreieckige Erhabenheit zwifchen den Fühlern an ihrer 
WuLZel röthlich; die Augen graubraun, die Nebenau- 
gen glatt, gelblich, glänzend; eine ununterbrochene 
gelbe Queerlinie am Hinterrande des Kopfes. Die 
Schulterbeulen, eine kurze Queerlinie auf jeder Schulter 
und die SeitenrKnder des Schildchens blafsgelb: jeder 
diefer gefärbten Ränder wird durch einen Fleck und 
eine daran ftofsende Linie gebildet. Die Flügel dun- 
kel, die Flügelfchuppe röthlich. Die Hüften fchwarz, 
die Schenkel fchwarz, mit röthlichen Knien, oben miC 
einer auf den vordem deutlicher ausgedruckten gelben 
Linie ; die Schienen und Füfse der Vorderbeine , und 
der gröfsere Theil der Mittelfchienen röthlich, dieHin- 
tcrfchienen und die übrigen Füfse fchwärzlich. Der 
Hinterleib das Mittel zwifchen cylindrifch und kegelför- 
mig (deraicvlindrico-conique^ , glänzend mit weifsgel- 
ben Flecken: zwei längliche , queerliegende ^ llralen- 
förmige auf dem erften Ringe , an jeder Seite einer, 
zwei fehr kleine am Seitenrande des zweiten, zwei 
an- 

palHdo flavis; illarum plurimis, dorfi Wiedium ver- 
fus, in lineas duas ordinatis; antennisrubescentibus, 
eminentia trigona «d i^arum baAn, (Ann, §\,y 



9* n. Abhandlung über die Gattung 

andere, längliche, queerliegende , linienförmige, in 
der Mitte des Pvückens fich nähernde, auf jedem der 
drei folgenden Ringe, die zwei Längsreihen bilden, 
der lezte Ring halbkreisförmig, ungefletkt, die Seiden- 
bekleidung des Bauches grau. 

Vaterland: Brafilien. Das befchriebene Exemplar 

verdanke ich der Freundfchaft Hoffmamseggs und 

Jiligerf* 

21. Anthidie rayie. Atithidiim flrigatum.*) (Ann. 
pag. 228.) 
Anthidium ftrigatum PafJZ. krit. Rev. 250. fem. - 
Ejnsd, Trachufa ftrigata Faun. Germ. 1 4. tab. 14. fem. - 
Trachufa ftrigata Jur nouv. meth. tom, i. pag. 253. fem. 
Anthophora ftrigata jf-llig. Mag. V. 118. - Schaff. 
icon. inf. Ratlsb. tb. 190. fig. 6.? - Andrcna fuccinfta, 
var. min. Panz Schaff, icon. enum. pag. i66. 

}Veibchen^ 3 Lin. lang. 
Der Körper ftark, unterfezt, kurz, oJ3en fchwach be- 
haart, tieffchwarz, ftark punktirt. Die Fühler durch- 
aus fchwarz, Die Kinnbacken fchwarz , ftark, breit, 
der Innenrand fcharf. ungezahnt. Der Kopf an der 
Fühlerwurzel fchwach behaart, auf dem Scheitel eine 
kurxe dunkelgelbliche Haarbedeckung, das Kopffchild 
fchwarz, ein fchön lebhaft gelber, dreieckiger Fleck 
an jeder Seite auf der Naht , die anliegenden Seiten bis 
^w die Fühler, und dn kleiner länglicher, linienförmi- 

gec 

*) A. scutello subquadrato, producto , corpori brevi 
contractOjfegmento abdominali tertio, quarto, quin- 
to, dorli medium verf us , fafciis duabus parvis ma- 
cuUsque elongatis et transverüs flavis. (Ann. p. 53.) 



Anthidium Fabr. g^ 

ger Fleck hinter Jedem Auge eben fo gefirbt. Der 
MirtelUib lebhaft gefleckt: ein kleiner punktförmiger 
Fleck auf jeder Schulterbeule, zwei andere, linienför- 
mige Queerflecke, - einer auf jeder Seite - auf der 
Schulter, und zwei andere an jedem Seitenrande des 
Schildchens, von denen der hintere giüiser ifl:; das 
Schildchen faft breit viereckig, über den tiften Bauch- 
ring vorragend, am Hinterrande gelb gewimpert. Die 
Flügel fchwarz, mit einigen lichtem Stellen in der Mit- 
te ; die Flügelfchuppe fchwarz , mit einem gelben Vor- 
derpunkte. Die Beine fchwarz, Knie, Schienen und 
Füfse gelb, etwas ins Pvöthliche fallend. Der Hinter- 
leib kurz, glänzend, oben gelb gefleckt, zwei drei- 
eckige Flecke auf dem erften Ringe , einer an feder 
Seite, zwei auf dem zweiten, die eine in der Mitte 
unterbrochene Qieerlinie bilden , zwei längliche, 
queerliegende, in der Mitte fich nähernde, den Sei- 
tenrand nicht erreichende, auf jedem der drei näch- 
ften Ringe, der dritte und vierte Ring führt jeder noch 
an jeder Seite einen kleinen punktförmigen Fleck am 
Seiten- und Hinterwinkel, diefe Winkel und auch die 
Winkel des fünften Pvinges liehen etwas vor; der lezte 
Ring gerundet, ungefleckt. Die Seidenbekleidung des 
Bauches grau, die an der Spitze und der Afterplatte 
röthlich. 

Abänderung : A. Die Flecke des Kopffchildes kleiner, 
eine gelbe Linie unter jeder Schulterbeule, die 
Unterfeite der Schienen gröftentheils bräunlich. 

B. Die Seitenflecken des Kopffchildes 
und die Randflecken des dritten und vierten Bauch- 
ringes fehlen i das Schildchen mit zwei einfachen 
Flecken. Mann- 



94 n. Abhandlung über die Gattung 

Männchen» 
Es iinterfcheide'- fioh vom Weibchen durch folgende 
Kennzei -hen ; die Kinnladen gelb mit fchwarzen Zäh- 
nen Das Kopffchild ganz gelb. Zwei kleine , linien- 
förmige, gelbe Queeiflecke auf dem fechften Bauchrin- 
ge, der lezte Ring ganz gelb, fein Hinterrand fafi; ge- 
rade oder fchwach ausgehölt; am Seitenrande des drit- 
ten und vierten Ringes keine punktföimigen Flecken, 
Das Schildchen hat blos die zwei hintern Flecke, Die 
Unterfeite der Beine ift bräunlich. 

Das Infekt , das Spinola (Inf. Lig fafc. 3. pag. 203.) 
als Männchen diefer Art befchreibt, gehört zu Anthid, 
Cgnatum. 

Vaterland: Frankreich, Deutfchland. 

22. j4f2t/iUie contraSise» Anthldium cofftraSfum. *) 
(Ann. p. 229.) 

Mus. d'hift. nat. de Par. Abeille , no. 85. male. 
Maamicheny 2| Lin. lang. 
Der Körper kurz, unterfezt, fehwarz, dicht punktirt, 
fail glatt, Die Fühler ganz fehwarz. Die Kinnbacken 
gelb, ihre Zähne fchwarx. Der Kopf vorn, befonders 
an der Fühlerwurxel fchwach behaart, die Haare grau- 
lich; das Kopffchild, ein Fleck darüber, die ünterfeiten 
des Gefichts bis zu den Fühlern herauf und eine in der 
Mitte unterbrochene Linie am Hinterrande des Kopfes 

gelb. 



*) A. scutello fubquadrato producto, corpore brevi 
contracto, abdominis fegmento tertio et fequentibus 
fere penitus flavisj üngulis tantum inacula parva 
nigra. (Ann. pag. 52.) 



Anthidium Fabr. r/j 

gelb.^ Der Mittelleib gleichfarbig gefleckt , ein kleiner 
punktförmiger Fleck auf jeder Schulterbeule, zwei li- 
nienförmige Flecke unmittelbar darüber, einer auf jeder 
Seite, zwei andere linienförmige Queerftriche, einer an 
jeder Seite, am Vorderrnnde des zweiten Tlieiles des 
HaIsfchildes(RückenfchiId Illig.) über der Flügehvmiel, 
und noch zwei andere zufammenbängende an jedem Sei- 
tenrande des Schildcbens, die hintern grüffer. Das Schild- 
chen wie bei voriger Art gehaltet. Die Flügel fchwärz- 
lich, mit einigen lichtem Mittelftellen; die Flügelfchup- 
pe fchwarz , mit einem gelben Vprderfleck. Die Beine 
grau aber dünn bekleidet, Hüften und Schenkel fchwarz, 
ein grofser Theil der Unterfeite der Vorderfchenkel, 
die Spitzen und Wurzeln (extremites) der vier hintern, 
die Schienen und Füffe gelb ; die Mitte der Unterfeite 
und die hintere Seite derHinterfchienen bei einigen In- 
dividuen fchwärzlich. Der Hinterleib kurz, oben 
glänzend, faft glatt, dicht punktirt, und faft ganz mit 
gelben Flecken oder Queerbinden bedeckt; xwei auf 
jedem der vier erften Pvinge, einer auf jeder Seite , dec 
am Seitenrande beginnt: die der beiden erfcen kürzer, 
fchmäler und durch einen ftarken Zwifchenraum ge- 
trennt ; die dritte, vierte und fünfte Binde in der Mitte 
durch eine fchwar2e,am Hinterrande jedes Ringes et- 
was erweiterte Binde einfach durchfchnitten, fo dafs 
diefe Ringe mit Ausnahme des Vorderrandes und dec 
Rückenlinien faft ganz gelb crfcheinen; derfechfte und 
fiebende Ring eben fo gefärbt: ein fchwarzer, dreiecki- 
ger» kurzer, durch eine Verlängerung des fchwarzen 

Vor- 



^6 II. Abliandlung über die Gattung 

Vorderrandes gebildeter Fleck *) auf der Mitte des 
fechften Ringes ; der fiebende oder lezte ohne deutliche 
Flecke, dreieckig, in eine kurze, ftumpfe Spitze fich 
endend. Auf dem Bauche einige braune flecke; die 
Afterplatte an jeder Seite ausgerandet, oder einmal ge. 
buchtet, und am hintern Ende jäh in eine linienförmigö 
vorftehende braune Spitze terlängert, deren Ende er- 
weitert und abgeftumpft ift. 

IVeihchen. 
Die Kinnbacken ftark, g«nz fchwarz. Das Kopffchild 
in der Mitte mit einem fchwarzm dreieckigen Fleck. 
Die gelben Binden des Hinterleibes deutlicher unter- 
brochen, der fochfte Ring halbkreisförmig» mit zwei 
gelben , gefonderten Flecken. Die Seidenbekleidung 
des Bauches graulich, am After bräunlich. 

Bemerkung: lUiger zählt zur vorftehenden Art 
(Anthid. ftrigatum) , ein Anthidium , das Rojß für 
Abänderung feiner Apis maculata, oder des Weib- 
chens vonAnthiduim manicatum hielt, diefe Abän- 
derung ift zweimal kleiner, als das leztere Infpkt: 
fein Kopffchild gelb , fchwarz punktirt , feine Kinn- 
backen immer fchwarz. Faft bei allen Anthidien, 
die bis jezt bekannt find, find die Individuen mit ganx 
fchwarzen Kinnbacken alle Weibchen : es ift daher 
zu vermuthcn, dafs auch Fvoffi's Bemerkung einem 

Weib. 



^) Die fchwarze Farbe des Vorderrandes bildet auf 
diefen Ringen eine Quecrbinde, die fich an jeder 
Seite am Rande nach unten in einen Fleck oder 
Punkt erweitert; diefe kleinett Flecke find lehr 
deutlich. 



Anthidium Fabr. $^ 

Weibchen gilt; aber das Weibchen von'Anth. ftriga- 
tiim hat kein gelbes fchwarz punftirtes Kopffchild, 
diefes Kennzeichen gilt eher unferm hier befchriebe- 
nen Weibchen. Jedoch , da Roffi über feine vorgeb- 
liche Abänderung fich nicht ausführlicher äuffert, fo 
glauben wir unfer Urtheil lieber fufpendiren zu muf- 
fen. 
Vaterland: Montpelliet) Marcel de Serres. 

23. ^nthidie notee. Anthid'mvt notatum. *) (Ann. 
pag.231.) 

Mannchen 2iLiji. lang. 
In Geftalt und Farbe der vorigen Art fehr ähnlicli. Def 
Körper fehr zufiimmengedrängt , fchwarz , glänzend, 
ftark punktirt, oben faft glatt. Die Fühler fchwarz. 
Der Kopf hinten fehr ausgehöhlt , der Hinterrand 
fcharf ; das Kopffchild und die anliegenden Seiten , die 
fich jede in eine Linie, welche dem Innenrande des an- 
ftoffendenAuges folgt, verlaufen, ein oben ausgerandeter, 
unmittelbar über dem Kopffchilde liegender Queerfleck, 
und ein ununterbrochener Streif durch d.e\\ obern und 
hintern Rand des Kopfes gelb. Mittelleib und Schildchen 
wie bei voriger Art gefleckt» nur fehlen die Flecko 
oben auf den Schulterbeulen. Die Flügel fchwärzUch, 
einige Mittelftellen lichter; die Flügelfchuppts durch- 

' aus 



*) A. scutello -fabquadrato producto, Corpore brevi, 
contractOf fegmento abdominali tertio duobusque 
fequentibvis raaculis quatuor parvis flavis : ordin© 
quadruplici et longitudinali dispofitis. (Ann. 53.^ 

Ueft IL G 



58 II. Abhandlung über die Gattung 

aus Tö!hlichgelb» Die Beine fchwaiz, mit grauer Be- 
kleidung; der Obertheil der Schenkel, die Oberfeite 
der Schienen und Füfse gelb, die Unterfeite der Icztern 
löthlichgelb, die Oberfeite der vier hintern Schienen 
mit einem fchwärzlichen Fleck, auf den mittlem nach 
vorn, auf den hintern nach hinten gerichtet. Der Hin- 
terleib fchwarz ; an der Spitze etwas ins Bräunliche fal- 
lend, kurz, mit gelben Flecken: iwei auf dem erften 
Ringe, einer auf jeder Seite, zwei andere auf dem zwei- 
ten, die einen in der Mitte unterbrochenen Queerllreif 
bilden, vier kleine punktförmige auf jedem der folgen- 
den Ringe, xwei an der Mitte, zwei am Seitenrande, 
einer an jeder Seite; der fechfte Ring fchwarz, an den 
Seiten und bis in die Mitte des Hinterrandes gelb ge- 
fäumt; der lezte Ring fcbwärzlich, queerliegend , der 
Hinterrand fehr flumpf, etwas ausgehöhlt und gelb, die 
Seiten diefes Ringes und einige Stellen am Unterleibe 
mit einer fchwachen grauen Bekleidung. 

Bemerkung : In diefer und analogen Arten, fchlagen 
fich , wenn das Inft-kt den Körper zufammenzieht , die 
Vorderfchenkel zwifchen den Kopf und die vordem 
vertieften und dadurch etwas vorgerückten Seiten des 
Mittelleibes. 

Vaterland: Carolina, Bosc, 

34. y§nthldie marquk. Anthid'ttan fignatum. *) 
(Ann pag. 232,) 
Megachile ftrigata, Spin Inf» Lig. fafc. 3. pag. 203. rtias. 

Me- 



*) A. fcutello femicirculari inermi, corpore elongato 
teretiusculo , f ubglabro ; margiuis antici thoracis li- 

neis 



Anthidium.Fabr. 99 

Weibchen , sf Lin. lang. 
Der Körper fchwarz, dicht punktlrt, verlängert, wal- 
zenförmig, faß durchaus glatt. Die Fühler durch 
aus fchwarz. Die Kinnbacken ftark, fchwarz, die In- 
nenfeite fcharf, unter der Spitze aiisgerandet. Der 
Kopf gelb gefleckt: drei längliche linienl'örmige Flecke 
am Kopffchlld , zwei grofse an den Seiten der vordem 
Fläche, längs dem innern Rande der Augen, und drei 
kleine punktförmige, eine mitten auf der Stirn, und 
einer beiderfeits hinter jedem Auge. Die Schulterbeu- 
len, eine kleine kurze Queerlinie an jeder Vorderfeite 
oder Schulter des zweiten Halsfchildes, und zwei zufam- 
menflofsende Flecke an jedem Seitenrande des Schild- 
chens, von denen die hinterften gröfser find, gelb; das 
Schildchen halbkreisförmig, ausgerandet, vorftehend, 
Jedoch weniger als bei den vorhergehenden Arten. Die 
Flügel dunkel; die Flügelfchuppe fchwarz, mit einem 
gelben Vorderfleck, der Hinter - und Seitenrand röth- 
lich. Die Beine fchwarz, das obere Ende des Schen- 
kels und bei den beiden vordem ein Theil der Unter- 
feite, die Schienen und Fülse gelb; ein kleiner gelber 
Fleck auf dem erften Gliede der Hüften. Der Hinter- 
leib etwas länger und etwas gerader als bei den vor- 
hergehenden, auf denerften fünf Ringen auf jeder Sei- 
te ein länglicher gelber Queerfleck, die der vier erften 
Ringe find fall gleich, die des erften kaum kürzer, die 
G 2 des 



neis duabus transverlls, scutelli latenbus, fegmen- 
torum quinque primorum et lingulorum abdominis 
niaculis duabus et in faXciam elongatis ilavis. (Ann. 
So.) 



loo II. Abhandlung über <3ie Gattung 

t 
des fünften merklich kleiner, diefe Flecke laflen zwi- 
fchen fich ein gerades, längliches Dreieck, das die 
Mitte des Rückens einnimmt; der lezto Ring gerundet, 
ganz Ichwarz, Der Bauch hat nur wenige grauliche 
Wimper, die am Flinterrande der Ringe flehen; die 
Afterplatte ift halbkreisförmig , ihr Hinterrand dunkel 
röthlich. 

Männchen. 
Die Kinnbacken gelb , mit l'chwarzen Zähnen. Das 
Kopffchild durchaus gelb. Die Flecken des erften 
Bauchringes fehr weit von einander getrennt, die des 
vierten unten zufammenftoffend , der Hinterrand des 
dritten Ringes und der folgenden fchwärzlich- braun, 
der fechfte Ring ohne deutliche Flecke, oder ungefleckt; 
die Afterplatte endet in eine Spitze, ich glaube felbfl: 
an jeder Seite deffelben einen kleinen ^lahn bemerkt zu 
haben. 

Sp'inola fah diefes Männchen für das des Anth. ftri- 
gatum an, aber erkannte nachher in einem feiner Brie- 
fe an mich feinen Irrthum. Ich verdanke feiner freund- 
fchaftlichen Güte das befchriebene Münnchec, das Weib- 
chen kannte ich fchon lange Zeit. 

25. Anthidie nasale* y^nthidimu nafutum. *) 
(Ann. pag. 233O 

Weibchen 5 Lin. lang. 
Der Körper lang, cylindrifch, fchwarz, etwas ins afch- 
farbene fallend, weil er grau bekleidet ift , diefe Beklei- 
dung 

*) A. scutello femicirculari inermi, clypeo valde pro- 
ducto , emarginato, abdomine maculis quadrifari-- 
am politis albicantibus ; pedibus rufis. (Ann. S\.) 



Anihidium Fabr. loi 

dnng ift fehr kurz und nur auf Kopf und Mittelleib et- 
was dichter. Die Füliler ganz fchwarz. Die Kinnba- 
cken ftark , fchwarx , mit einem grofsen zweizähnigen 
Vorfprung auf der Innenfeite. Das Kopffchild unge- 
fleckt, fehr hervortretend, und am Vorderrand in zwei 
grofse Lappen gefpalten; eine weifle Linie oder verlän- 
gerter Fleck fleht an jeder Seite längs dem Innenrande 
der Augen, eine röthlicheQueerlinie hinter jedem Auge 
am Hinterrande des Kopfes. Der Mittelleib fall unge- 
fleckt, blos ein kleiner weifslicher Strich an jeder Seite 
des vordem Randes des zweiten Halsfchildes ; das 
Schildchen halbkreisförmig. Die Flügel etwas dunkel; 
die Flögelfchuppe röthlich. Die Beine braunroth, Hüf- 
ten und Schenkel wurzel fchwarz. Der Hinterleib weifs- 
lichgelb gefleckt, auf jeder Seite des erfl:en Ringes ein 
am Hinterrande etwas gebogener oder ausgerandeter 
bindenförmiger Fleck, vier kleine, eirunde, queerlie- 
gende auf jedem der drei folgenden Ringe, die an den 
Seiten kleiner, diefe Flecke zufammen bilden vier 
LäDgsreihen, zwei andere Flecken liegen auf dem fünf- 
ten Ringe, der lezte iil ungefleckt, und fein Hinter- 
rand fein gezähnelt. Der Bauch hat keine Seidenbe. 
kleidung; die Afterplatte endet in einer Spitze. 

M(ennchen. 
Es unterfcheidet fleh vom Weibchen durch folgende 
Kennzeichen : * 

Das Kopffchild flieht weniger vor, und ift: am Vor- 
derrande nur einfach ausgehöhlt, ein blafsgelber, weifs- 
lieber, dreieckiger Fleck liegt in feiner Mitte , der fick 
fall an den Vorderrand anlehnt. Der Hinterrand des 

lezten 



102 II. Abhandlung über die Gattuug 

lezten^auchrioges oder des fiebenden Ringes i(t faft 
gerade , die Afterplatte ohne vorftehende Spitze. Die 
Schenkel find fchwarz, mit braunrother Spitze, eia 
fchwärzlicher Fleck fleht an der vordem Mitte der 
Oberfeite der Hinterfchienen» Die Tafter diefer Art 
find kleiner, als bei den übrigen, und haben die Geftalt 
kegelförmiger Höcker. 

Ich fieng das Weibchen zu Meudon , in der Ge- 
gend von Paris, das Männchen fandte mir Dargdas 
von Bordeaux» 

26. u4nthidie a venire fauve. Amhid'mm vufiventve, *) 
(Ann. pag. 234.) 

Mus. d'hill. nat. de Paris, Abeille no.gö. male^' 
Männchen, 7 Lin. lang. 
Der Körper lang, cylindrifch, fchwarz, dünn behaart, die 
Bekleidung des Kopfes an der Vorderfeite und die der 
Oberfeite des Halsfchildcs dunkel gelblich. Die Füh- 
ler durchaus fchwarz. Die Kinnbacken ilark, fchwarz, 
die innere Seite fcharf, ohne deutliche Zähne. Der 
Kopf ungefleckt, auf der Mitte der Vorderfläche mit 
drei bis an die glatten Nebenaugen verlängerten Kan- 
tenj die an den Seiten ftärker erhaben , über dem Füh- 
lerfitz einen Rand bildend, die mitlere beginnt am 
Kopffchilde. Das Schildchen fehr grofs, niedergedrükt, 
aber eben, fehr vorftehend, die Mitte des Hinterrandes 
tief ausgerandet, die Seitenftücke gerundet, lappenför- 

mig, 



*) A. scutello fubquadrato producto, maxime emargi- 
nato, corpore elongato angufto, abdoniine rufe. 
(Ann. 53.) 



Anthidium Fabr. 103 

niig, der Anffenrand fcharf , röthlich,' Die Flügel 
fchwarz, ins Violette ziehend, die Flügelfchuppe grofs 
nnd fchwarz. Die Beine fchwarz, die Bekleidung und 
die lezten Fußglieder dunkel rothbraun, die Sporen der 
Hinterfchienen (les eptrons) röthlich. Der Hinterleib 
hält das Mittel zwifchen walzen und kegelförmig , ift 
faft noch einmal fo lang als das Halsfchild, durchaus 
weinfarbig rothbraun, ungefleckt, fahr fein punktirt> 
auf jeder Seite der Wurzel des lezten gerundeten > un- 
bewehrten Ringes ein wenig merklicher Zahn. 

Dies Infekt nähert fich den Steliden» Ich kenne 
fein Vaterland nicht. 

Anthidium Ireos Fair, gehört unter die Gattnng 
Megilla Fabr. , fein Anth. rotundatum (vielleicht auch 
fein Anth. tarfatum) ift das Männchen einer Antho- 
phora. 



Auf PL I. der Ann. du Mus. Tom. XIII. find abge. 
bildet: Fig. i. Anthidium ftiOicum roas. Fig. 2. A. la- 
terale, fem. Fig. 3- A. marginatum fem. Fig. 4, A. 
cingulatum fem. Fig. $. A. discoidale mas. Fig.6. A» 
flavum mas. Fig. 7. A. rufiventre mas. Fig. 8. A.fca- 
pulare fem. 



III. 



W4 

III, 

Südamerikanifche Infekten, 

gefammelt voq 

V, Hiimbolclt und Bonpland, 
«uf ihrer Reife im füdlichen America 5 

befchrieben von 

P, A, L a 1; r e i 1 1 e. 



(Aus der Voyage d' Alexandre de Humboldt et Airnc» 
Jßoijpland. Peuxieme partie; Zoologie et Anatomie 
coinparee; quatrieme livraifon. pag, X97 bis 383, 
mit den Tafeln i5, 16, 17. 18.) 

■tJ^s ifl die in Paris und Tübingen bei Fr. SchöU 
ond I. G. Cotta erfchienene Reife de? Herren v. Hum- 
boldt und ßnnpland bereits rühmlich genug bekannt, 
als dafs wir es für nöthig erachten foilten» über den 
fo allgemein anerkannten Werth diefes fchönen Werkes 
noch etwas zu lagen. Um fo mehr eilen wir daher 
^ber auch, befonders da der theure Preis diefes auch 
dem Gewände nach prachtvollen Werkes, wohl den 
wenigften Gelehrten in diefem eifernen Zeitalter fich 
dafleibe anzufchaffen erlauben möchte, dem ento- 
mologifchen Publicum! die in dem zweiten für Zoologie 
und vergleichende Anatomie beftimmten Theile diefes 
Werkes enthaltenen entomologifchen Abhandlungen, in 
«inem kurzen gedrängten Auszuge initzutheilen. 

Wie 



Südamerikanifche Infekten, loj 

Wir liefern hier die im vierten, fünften und fech- 
ten Hefte bekannt gemachten fädamerikanifchen Infek- 
ten, wobei wir, um den Raum zu fchonen, auffer der 
lateinifchen Artbeilimmung , der Angabe der Gröfse, 
des Vaterlandes, der Synonimtn bei den fohon/ bekann- 
ten Arten und einigen andern nothwcndig gefchienenen 
Bemerkungen , alle weitläuftigern ßefchreibungen weg- 
gelaffen habeo. 

Die Bearbeitung der hier im Auszuge gelieferten 
Infekten ifl von P. A, LatreiUe^ und ihre generifche Be- 
ftimmung nach deflien Geneva cruflaceorum et mfecto- 
tum gemacht, die geringe Zahl derfelben veranlafste 
ihn aber dabei keiner fyftematifchen Ordnung zu fol- 
gen, fondern allein die gefällige Darftellung der beige- 
fügten Kupfertafeln zu berückfichtigen. Herr Latreil- 
le wird aber diefen Mangel durch eine fyftematifche Ta- 
belle der befchriebenen Infekten nach geendeter Arbeit 
erfetzen. 

Die Infekten find von Hrn.^ö»/?Ä?»igefammelt un4 
gröftentheils neu. Wir theilen mit allen Entomologen 
das innige ßedauren über den Verluft einer weit gröf- 
fern, von eben diefen Gelehrten in den Wäldern des 
Oronoco, Cafiquiare und Rio negro gemachten Infekten- 
Sammlung, welche mit einem Theil des Herbariums ao 
den Kliften von Africa von den Wellen Verfehlungen 
wurde, indem ein Corfar das Schiff, dem diefe Schätze 
anvertrauet waren, dafelbfl auf den Strand jagte» 

Zinke, gen. Sommer. 



io^ III. Südanaericanifclie Ind'ktetx 

I. Melolontha ckryfochl(fira, Tab. XV, fig. i. mas, 

fig. 2. fem. in natürlicher Gröfse. 
Antennis decemarticiilatis, capitulo triphyllo; tarforuna 
ungiiibus in«qua]ibas, antica majore, corpore ovali, 
convexo, aurato viridi, infra ciipreo vario ; elytris rii« 
gofulis; pedibus pofticis, in uno fexu maximis, tibiis- 
qne ad apicem in fpinam validiffimam interne produÖis. 

Länge, das Weib, o"*- 031 - der Mann, o*- 03 7, 

Diefer fchöne goldgrüne Käfer ift wohl unter allen 
bekannten diefer Gattung der fchönfle, und kömmt 
dem fehr nahe , welchen Hr. Francillon unter dem Na- 
men Scarab6e Kanguroo befchrieben hat. üeber den 
Gefchlechtsunterfchied walten nr-ch Zweifel ob, das 
Stück aber, welches Latr» für den Mann hält, zeich- 
net fich vor den andern durch feine fehr grofsen, ftarken 
lind langen Hinterfüfse merkwürdig aus. Sie find ohn- 
gefähr ijmal fo lang, als der Körper, die Schenkel fehc 
breit und platt, und vom hintern Ende der grofsen flarkea 
Schienen tritt ein grofser, abgeplatteter, faft lanzenför- 
miger, wenig nach hinten gekrümmter Fortfatz, der 
ohugefähr halb fo lang, als die Schiene felbft ift, faft 
unter einem rechten Winkel nach innen hervor. 

Er ift in der Provinz Loxa in Peru auf einer neuea 
baumartigen Pflanze aus der Gattung Budleja gefunden, 
tvo er häufig und in Paarung vorkam. 

2, Rutela polita, Tab. XV. fig. 3. in natürlicher GrÖfse» 
Länge des Körpers o**- 025. 

Tarforum unguibus integris, fubKqualibus ; corpore 
fubovalij capite thoraceque flavefcenti-bruneis, dila- 

tis5 



von Humboldt und Bonpland. 107 

tisi elytris pallido flavefcentibus, ad brunnenm vergen- 
tibus, lacvibus, corpore infra pedibusque faturate - viri- 
dibus; tarfis cupreo - brunneis, 

Sie kömmt der Melolontha punftata Fabr. fehr 
nahe. Das Vaterland ift die Gegend um Cuenja in Peru. 

3. Gakruca cajennefjfis. Tab. XV. fig. 4, vergröflert. 
Galercula cajennenfis Fahr. E. S. I. IL S. 14, n. 8. 

Fahr, Sylt. Eleuth, Tom. I. S. 480. no, 1 1. - Oliv* 
Ent. col. tom. 5. S. 617. Tab. 2. fig. 15. 
Länge o"*- oii. 
Stellt eine Abänderung mit rother Brufl: und Schenkeln 
vor : aus der Gegend von Xalapa in Neu - Spanien auf 
Pfichotria und einer Art Cornelbaum. ( sur des pficho- 
tria et sur une espece de Corneilles.) 

4. Altica ahbrevlata. Tab. XV. fig. 5. vergröflert. 
Altica abbreviata OUv, Ent. col. tom. 5. S. 683. Tab. 2. 
fig. 2 5- - Haltica abbreviata IlUg. Magaz für Inf. 
1807. 8,134. Galeruca abbreviata Fab. fuppl. E. 
Pag, 97. Deffen Syil. Eleuth. Tom. I. S. 493. 

Länge des Körpers o"* 007» 
Sehr häufig auf allen Pflanzen. 

5. Immatidium i4'Viaculatum. Tab. XV, fig. 6. vergr. 
Corpore fupra ferrugineo-flavefcenti, diluto; elytro 

fingulo maculis feptem nigris. 

Länge des Körpers, o'* 006. 
Sie gleicht fehr derCaffida finuata Oliv. Ent, col. tom. V. 
S. 949« tab, 5. fig. 71. Sie iil gemein in den Ebenen 
von Barcellona auf Gräfern , befonders der Gattung An- 
dropogon. 

/ ' 6. 



io8 III. Südatnerikanifche Infekten 

6. Imattäium fimi-circulare Tab.XV.fig.7. vergröff. 

Antennis , pedibus corporisque proprie difti parte 
inferiore brunneis; illius facie fupera nigra, limbo ex- 
terno lineaque femicirculari fcutellim cingente flavidis» 

Caffida femicircularis Oliv, Ent coleopt. tom.S. 

S. 970» tab, 6. fig. 99» 

Länge des Körpers o'«- 006. 
Sie ift verfchieden von der ihr ähnlichen Caffida annulus 
Oliv, et Herhfl, und ift mitimatid. 1 4 macul. auf einerlei 
Plätzen gefunden worden. 

7. Imatiäium alhicolk, nigrum, thorace flavefcenti albo 
elytris caeruleo nigris; abdomine femoribusque bru- 

neis. 
Imatid. thoracicum Fair, Sjrft. eleuth. tom.I. S. 346.- 
Caffida albicollis Oliv, Ent, col. tom. 5.S. 974» ^b. 6» 

fig. 105. 
Ift nicht abgebildet, fondern auf (9/?V. Figur verwiefen» 

S. Cryptorynchus *) fpiculator. Tab. XV. fig. 8* vergr, 
Femoribus fimplicibus , corpore brnnneo nigro, pilis 
fquamiformibus, flavefcenti - grifeis et lineas in elytris 
efficientibus, veftito; peftore fpinis duabus porreais, 
parallellis, longiffimis, armato. 

Länge des Körpers o"*- 00?. 
Kam nur einmal in den Gebirgen von Quindia auf den 

Blüthen der Begonia vor. 

9- 

*; Diefe neue von !%»• gebildete Gattung, begreift die- 
jenigen Arten der Gattung Rhynchaenus Fabr. de- 
ren etwas nach unten gebogener Rüffel fich in eine 
an der BruTt befindüche Grube oder Rinne einlegt. 



von Humboldt und Bonpland. 109 

9» Blatta angußata Tab XV. fig. 9. vergröfTert. 

Oblonga; corpore infra pedibusque dilute brunneo 
flavidis; thorace nigro; linea in medio, maculis discoi- 
dalibiis margineque externo flavidis; elytris elongatis, 
poftice anguftatis, nigricantibus, flavido lineatis. 

Länge des Körpers c'"' 014. 
Fand fich zu Veracruz in Gebäuden auf faft verfaultem 
Holze. 

10. Conus fanSius. Tab. XV. fig. 10. in natürl. Gröfse. 
Corpore ovali , rubefcente , thorace trigono , antico 

truncato, fenfim elevato , angiilis pofticis acutis; elytris 
nigris, fafciis duabus, una in fingulo, rubescentibus, 
literara x conjunöim formantibus; femoribus fpinofis; 
jtofticis incraflatis, nigro piinftatis. 

Lygaeus faiiftus Fabr,S)'k. Rhyng. p. 2 1 2. Entom. fyH:» 
IV. 141. 

v^ Länge des Körpers o'*'- 01 6» 

Komnfit häufig in den Gebirgen vonQuindia auf niedri- 
gen Geflräuchen vor. 

11. Reduvius d'imidtatut. Tab. XV. fig. 11. natürl. Gr» 
Tibiis conformibus, cylindricis; corpore nigro i el)^- 

trorum parte coriacea, abdominis lateribus pallido late- 
titiis, nigro maculatis; thorace antice bifpinofo» po* 
ftice fubbicarinato , pedibus totis nigris, 
Länge des Körpers o"'- 032, 
In fchattigen Wäldern , bei Ybara in Peru» 

12. Reduvius genkulatus. Tab.XV. fig. 1 2. natürl. Gf* 
Tibiis conformibus , cylindricis ^ coirpore colore nü- 

ceo> nigro maculato; thoracis margiiae antico tuber* 

culis 



no lU. Südamerikanifche Infekten 

cutis duobus lateralibus, conicis; fcutello insequali , ni- 
gro, maculis duabus rufefcentibiis ; illins apice in fpi- 
nam elongatam pruduQo ; pedibus nigris > genicuUs ru- 
bescentibus. 

Länge des Körpers 6^- 025. 
Kömrat mit den vorhergehenden an ebendenfelben Stel- 
len vor. 

13. Cicinäela hipuflulata. Tab. XVI f. 1. f. 2. var. na- 
türl. Gu 

Corpore infra cccruleo faturato, Itipra concolore vel 
obfcuro viridi; elytri finguli difco nigro, macula orbi- 
culari, rubefcente; labro antice valide mucronato. 

Länge des Körpers o"'- 017. 
Aeufferfl: häufig auf den feuchten Sandpliitzen an den U- 
fern des AmazonenflufTes. Sie ifl eben fo fchnell im 
Laufen, als die verwandten Arten» 

14. Elater palUatus, Tab. XVL%3. natürl. Gröfse. 
Quadruple longior quam latior, niger, nitidus, val- 

de punftatus; fronte, thoracis lateribus, elytrorum di- 
midio fupero fanguineis; thorace convexo, utrinque 
maculis duabus nigris, rubro impofitis, tuberculoque 
poftico, dentiCormi. 

Länge des Körpers o»«- 024. 
Fand fich zwifchen Gräfern in der Gegend des feuer- 
fpeienden Berges von Jorullo in Neufpanieii. 

15. Lampyris plumkornti. Tab.XVLf.4- vergrölTert» 
Elongata; antennis valde plumofis; thorace femicir- 

culari, transverfo, flavefcenti , eminentiis duabus fufcis 
in medio; elytris fufcis, marginibus omnibus flavidis. 
Länge des Körpers o"*« 012* 

Sio 



von Humboldt und Bonpland. m 

Sie gleicht in Rückficht der allgemeinen Körperform 
dem Manne der Lampyr. fpleadidula. Kam nur ein- 
mal ohnweit der Stadt Valadolid im Königreiche Mexico 
vor. 

i6. Bvuchus curvtpes. Tab. XVI. f. y. etwas vergrÖfTert. 
A. ein vergröirerter Hiiiterfufs, 
fig. 6. derfelbe Käfer , wie er aus dem Kern einer 
Palme hervorkriecht, in welcher er feine Ver- 
wandlungen überhanden hat, A. Ein rundes 
deckeiförmiges Stück der Haut diefes Kerns^ 
welches der Käfer beim Auskriechen abgetrennt 
hat. 
Niger, tomento breviflimo, rufefcenti cineteo, cly» 
tris abdomen penitus fupertegentibus, llriis profundis 
€ punctis fubcontiguis ; pedibus poilicis femoribus ma- 
ximis, fübtus ferratis denteque validiore, denticulato» 
inftruöis; tibiis eorumdem pedum arcuatis, 

Länge des Körpers o'*"- 0(4. 
Er hat fehr viel Aehnlichkeit mit Bruch, nucleorum 
Fabr,^ lezterer ül aber viel gröfler, und feine 
Flügeldecken find nicht punktirt. Von Bruch. Baciris 
Llnn, Herb. Oliv, unterfcheldet er fich durch feine ge- 
zähnten Hinterfchenkel, Findet fich bei Serullo in Neu- 
Spanien, in der Frucht eines Palmbaums. 

17. Tetraonyx *) 8 macitlatum. Tab. XVI. fig. 7. faft 
in natürlicher Giöfse. A. ein vergiöflerter Vorderfufs, 
Nigruni; elytro fingulo macplis quatuor rubris. 

^ Länge 

*) Dieter Name ift: aus zwei gricchifchen Wörtern zu- 
fammengefetzt, die vkn und Klm^ bedeuten. 



114 HI. Siidamerikanifclie Infektett 

Länge des Körpers o'"- 020. 
K()nQmt in Xalapa, in Neu - Spanien auf Liquidambus 
(lyracifiua vor. 

Herr Latveille ftellt in diefem Käfer eine neue Gat- 
tung auf, da fich derfelbe von den Gattungen Horia und 
Mylabris, in welche er dem erften Anfehen nach ge- 
liörte , durch wefentliche Merkmale unterfchied. Je- 
doch find die Frerbwerkzeuge noch nicht ganz genau 
unterfucht, vs'cil man das einzige Stück, vt'elches von 
diefem Käfer mitgebracht war, nicht aufopfern wollte. 
Hier feine eignen Worte. 

Par la forme generale du corps , il tient aux Ho- 
ries et aux Mylabres; mais ses antenoes sont presque 
filiformes, tres- legerement plus großes vers leur extrö- 
mit6; il n'est donc pas un Mylabre: de plus soncorce- 
let est transversal. Les Hories ont le second et le 
troisieme article des antennes plus courts que le sui- 
vant et presque de la meme longeur; leur labre est pe- 
tit et triangulaire ; leurs mandibules sont nues et fort 
avancees; leurs machoires sont terminees par un lobe 
etroit, allonge; en forme de languette; le dernier ar- 
ticle de leurs palpes est plus court que le pr^cedent et 
ovaloide; les articles de leurs tarses, ä l'exception du 
dernier 1 sont simples et cylindriques; les crochets qui 
terminent-celui - gi sont dentel^s en defsous et accom- 
pagnes chacun] d' une appendice setiforme. Dans le 
Tetraonyx ä houit taches, les antennes sont filiformes, 
plus grosses et plus longues ; le second article est no- 
tablement plus court que le troisieme , et celui - 51 est 
au moius de la longeur du suivanti le labre forme un 

car- 



von HumboIdE und Bonpland. nj 

carr6 transversal qni recouvre 1a majeure partie des man- 
dibules ; les roächoires paroissent se rapprocher de Cel- 
les des Mylabres, leur extr6aiire ^tant heriss^e de poils 
et faisant un crochet; ie dernier article de leurs palpes 
est plus long que Ie pr6c6dent, cyündrico-ovaloi'de et 
tronqu^; les articles intermediaires des tarses sont tri- 
angulairesj Ie penultieme est bifide; les deux crochets 
du dernier sont doubles et sans dentelures. La tete 
et Ie corcelet sont plus etroits que dans les Hories ; lo 
corcelet forme un carr6 court et transversal; Tabdo- 
men et les elytres paroissent fort grands, comparative- 
ment aux deux parties pr^c^dentes; les pates posteri- 
eures, quant a la grandeur, ne different pas notable- 
ment des autres. 

18. Cerambyxviridipemih, Tab. XVI, fig. g. in nat.Gr. 

Capite, antcnnis, thoracis maxima parte, pedi- 
bus corporisque maculis inferis badlo - rubris ; thorace 
fiipra vix inaquali, utrinque unituberculato , margini- 
bus antico et pollico «neis ; elytris Isevibus, viridibus, 
rubrum refleöentibus, ad apices oblique truncatis, ex- 
tus unidentatis. 

Läiige des Körpers o«- 033. 
Er nähert fich dem Ceramb. virens, nitens, ater &c. 
Sehr einzeln in den Gebirgen von Quindiu. 

19. Ceramhyx quadrimtam. Tab.XVI.f.9.natürI.Gr* 

Thorace fubcylindrico, paulo longiore quam la- 

tiore, fupra bituberculato , utrinque unifpinofo ; anten- 

nis longis vill.fis: cotpore dilute cinereo-brunneo; ely^ 

tro fmgulo ad apicem bidentato , maculis duabus pal- 

fi^ß J^- H Hjio 



114 Iir Südamerikanirclie loffekten. 

lido-flavis; fioiplicibus , linearibus, Icevibusj poftica 

longiore* 

Länge des Körpers o«- 03?» 
Unterfcbeidet Ikh von dem ihm fahr ähnlichen Stenoco- 
Tus quatuor maculatus Fahr, durch die einfachen Fle- 
cken, welche bei jenem gepaart find. 

Ift nur einmal in den Gebirgen vonQuindiu gefangen. 

20 . Evotylus Zebra Tab. XVI. fig. i o. ein wenig vergr. 
PalUdo-flavu ; antennis, capite, thoracis dimidio 
poftico, elytrorum fafciis tribns, nigris. 

Erotylus Zebra Fabr. Syft. eleut. Tom. 2. S. 6. 
Deflelb. Entern, fyft. Tom. 2. S. 38. 
Eroty'e Zebre Oliv, Encyclop. method. hiftor. nat 
Tom. 6. S.434- 

Länge des Körpers o'«- 010. 
Auf Gr'äfern imd den Blumen der Syngenefien in dem 
- Thale vonPuembo, ohnweit der Stadt Quito. 

21. Membracts lanceolaia, Tab. XVL fig. 1 1. vergröft; 
Corpore compreflb, nigro; thorace fupra caput ma- 
xime elevato, incurvo-cornuto, poftice valde ccmpref- 
fo, in modura fcutelli longe produao; illius margine 
fupero acutp , maculis duabus albis. 

Membracis lanceolata , Fabr» Syft. Rhyng. S. 1 3* - 

Deff Entom. fyft. Tom. 4- S. 10. 
Coqueb. lUuftr. inconogr. infe£l.dee.2. tb.ig. f. 3» 
Latr gen. cruft. et infeö. Tom. 3- S. l6o, 
Stoll cicad. Tab. 28. fig. 166. 

Länge des Körpers o«- co6. 
Aus der Provinz Caraccas, wo lie gefellig in grofsen, 

unbe- 



von Humboldt und Bonpland. nc 

unbeweglich fcheinenden Klumpen auf den Pflanzen 
angetroifen wird. 

22. Tettlgonia *) flavo - guttata,T'äh. XVI. f. 12. vergröfl; 
Linearis, fubtus flava, fupra rubefcenti brunnea, fcu«. 
tello, macula thoraci impofita, maculis quinque alüs 
in elytro fingulo et quarum tres margini externo adne- 
X», flavis; elytri finguli angulo externo rubroj capl- 
te trigono. 

Länge Iffes Körpers o'«- 012. 
III in Acapulco, an den Ufern des Südmeers gefunden, 

2 3- Meltpo72a **) fafciata. Tab.XVL f/is. natürl Gr. 
A- ein vergrüfferter Hinterfufs. B. ein vergrofler- 
ter Oberflügel. 
Antenniscorporeque nigricantibus; clypeo immaculato, 
abdomlne obfcuro, fegmentorum margine poftico et 
fupero flavefcenti. 

Länge des Körpers o»*' 010, 
In den Gehölzen von Veracruz. 

Hz 24, 



*^ Die Gattung Tettigonia hatr, ift Cicada Vahr, 
•«*) linder (Magaz. für Inf. Kund 5. Bd. S i56 i58.) 
zerthellt die Gattung Apis des Vah. Latr. et Jurine in 
zwei Gattungen, Apis und Melipona, von welcher 
letztern fowohl die Gattungskennzeichen als die zu 
ihr von ihm gezählten Arten, famt]ich Südameri- 
kaner, dafelbft aufgeführt werden. Latreiüe (Ge- 
nera cruft. et infect. Tom. 4 S. 182 u. i83) trennt 
von Melipona wiederum diejenigen, deren Kinn- 
backen immer gezahnt lind , nennt diefe Gattung 
Trigona , und behält für die mit ungezahnten Kinn- 
backen den Gattungsnamen Melipona bei. 



1 1 6 IIT. Südaipenkanifche Inftkten. 

14. Oilacantha hifafciata. Tab XVII fig. i. fall nat. Gr. 

A. ein vergiöiTerter Füliler. B. ein vergröfferter 

Kinnladentafter. C. ein vergröfferter Lippentaller. 

Corpore pallido-ferrugineo: elytris fafciis dnabus, 

transverfis, nigris; tarforum articulo penukimo bifido. 

Odacantha bifafciata Fab. Syft. eleuth. T. I. S. 229. 

Carabiis bifafciatus Oliv Entom, Tom. 3«no, 35. 

S.S8. Tab.7. fig.80. 

Länge des Körpers o'"- 014. 
Auf fandigen Stellen an den Ufern des Amazonenflufles. 

25. Lycus fuccinBus, Tab. XVIL fig. 2. natürl. GröiTe. 
Niger; elyiris valde elonijads, vcifus apicem fenftm. 

dilytatis, caeruleo nigris, ad bafm fanguinels; fingulo 
lineis quatuor elevatis; antennis limplicibus j thoraco 
admodum inaeqnali. 

Länge des Körpers o'"- 024. 

Er hat die Form des Lycus bicolor, reticulatus, faf- 
ciatus. 

lil zuTruxillo, am Ufer des Südmeeres gefunden. 

26. Dafytes rulripennis, Tab. XVL fig. 3, A. lig.4,A. 

natürliche Grüfle. 
Niger, pilofo-hirtus; elytris rubris, nigro maculatis. 

lä'gt? des Körpers o"'- 012. 
Hat in der Form Aehnlicbkeit mit Melyris ater Oliv* 
Ifc zu Jaen de Bracamorras in Peru gefunden, 

27. Ateuchus feptem maculatus Tab. XVII. f. 5. nat. Gr. 
Elytris margme externo n(m finuato; tibiis anticis ad 

apicem extus valde tridentatisj corpore nigro, laevij 

medio 



von Humboldt und Bonpland. ii^ 

medio marginis antici clypei bidentato; thorace macu« 
lis quinquCf ano duabus, flavefcentibus. 

Länge des Körpers o'"- 012. 
Er gehört in Latr. dritte Abtheilung feiner Gattung 
Ateuch-is, und hat grofse Aehnlichkeit mit dem, wel- 
chen Fahr. A, violaceus nennt» 
Zu X3.Iapa in Pferdemifl. 

28. Scarabaus ^egeon. Tab XVir fig. 6. natürl. GröfTe. 
Capite cornu recurvo> fimplici, acuto; medio difci 

thoracis in cornu breve, fubperpendiculare, antice ru- 
fobarbatnm, fenfim elevatö; corpore nigro; thorace 
elytrisque rufescentibus, nigro marginatis. 

Scarabaeus K2;eon Fah. Ent. fyft. Tom. I. Pars 2. S. 4» 

Geotrupes asgeon. Fabr. Syfi:. eleut, TL S. ?. 

Scarabaeus aegeon Oliv, Entomol. coleoptr. Tom. I. 
S.26. Tab. 26 fig 119. 

Drury illuftr» ofinfeft. Tom. 2. Tab. 2o. fig. 5. ' 
Länge des Körpers o^- 036. 
Ift lu Chilo, ohnweit Quito auf Kuhmifl: gefunden» 

29. Erotylus unicolor. Tab. XVII. fig 7. vergröflTert. 
Breviter ovatus ; nitidus , fupra penitus rufo • calla- 

neus, infra concolor aut fere totus niger. 

Erotylus unicolor Oliv, coleoptr. Tom. 5. no. 89. 
S. 4gi. Tab. 3. fig 32. 

Länge des Körpers o"** 010. 
AusJoruUo, in Neu -Spanien. 

30. Pentatoma denttfrom. Tab. XVII. f. g. wenig vergr. 
Quadrato • ovata, deprefla , pallido - flavicans , fufco- 

punöatiffima; capite antice trifido; lobo intermedio 

ma- 



Iig IIT. SLidamerikanifcbe Infekren 

majore, fubquadrato, antice rotundato et emarginato» 
marginibus lateralibifs fubdilatatis , arcuatis , acutis. 

Länge des Körpers c«- ci2. 
Kommt häufig in Peru , in fchattigen Wäldern vor. 

31. Coreus Itinatus. Tab.XVU. fig-g.in natürl. GröITe. 
Thoracis angulis pofticis acutis; pedibus fimplieibus; 

corpore fupra nigro; thorace linea arcuata, elytris faf- 
cia transverfa , fiavido albidis ; corpore infra faturato- 
virid», piinöis flavido- albidis. 

Ly;^aeus lunatus Fabr. Ent. fyfl;. Tom. 4. S. 142. 

DefiTen *'yftem. Rhyng. S. 212. 

Stvll dmic. Tab X. fig. 7«. A. 

Länge des Körpers c'"- 018. 
Kamin Guayaquil an <ien Ufern des Südmeeres vor. 

32. Covzus Äe;ero;>«J. Tab. XVII fig. 10» natürl. Grolle» 
A. ein vergröflerter Hin^erfufs. / 

Thorace poftice magis elevato , utrinque in dentem 
acute produä:!; marginibus lateralibus denticulatis ; 
femoribiis quatuor antici^ ad apicem bidentatis ; pedi- 
bus pofticis maximis;. coxis unidentatis , femoribus 
crafliffimis, dentatis , tibiis curvis, compreflis, ftriatis, 
unidentatis, corpore nigricante, ventris medio rube- 
fcente. 

Länge des Körpers o^* 030. 
Kommt dem Lygaeus gladiator Fahr, fehr nahe, und 
ift z'^ Giidy^quil in den Wäldern, die an die Stadt 
grenzen , gefangen worden» 



31. 



von Humboldt und Bonpland, 119 

53. Tettigoma fanguinicoUis Tab. XVII.. f ii.nat Gr. 
Elongata, nigra , capite andce rotundato, illius ver- 
tice, thoracis anticis, elytrorum bafi et apice albis, 
thoracis dimidio poftico, fcutelli roedio, marginibus 
fegmentorum abdominis , femorum maxima parte, ma- 
culisque peöoris, fanguineo-xubris. 
Stoll Cicad. tab- 14. fig. 75-^ 

Länge des Körpers o"*- 01^. 
^e hat viel Aehnlichkcit mit der Cicada aurulenta Fhr, 
und ift auf der Infel Cuba in dem Ttiale von Güines ge- 
funden worden» 

34. Euglojfa Suvinamenßs^ Tab. XVILfig. la.vergröff» 
Hirfuta, atra; abdomine ochreaceo, fegmento pri- 

mo atro. 

Euglofla furinamenfis Ztf/K. gener. Tom. 4. S. rgo» 
, Apis furinamenfis Lin. Syft nat. ed 1 2.T. i P. 2, S. 96r, 

Abeille a venire j^iuoe. Degeer mem. pour ferv. a 
l'hift. nat. Tom. 3. S.574. Tab.2S.fig. 9. 

Centris furinamenfis Fahr» fyfl:. Piez. S. 355« 

Apis furinamenf. Fabr. E, S.U. S. 318. 

Apis furinamenf. Oliv Encyclop. Tom. 44. S. 66. 

Drury illullr. of inf. Tom I. Tab. 43. ög. 4» 
Länge des Körpers o"*- 020, 
Ift zu Xalapa in Neu • Spanien gefangen. 

35. Helkonlus Humholdt. Tab. XVIII fig. 1. in natürl. 

GrÖffe mit offenen FJügeln. Fig. 2. mit zufammen- 
gefchlagenen Flügeln. 
Antennis corporis longitudine> fubfiliformibus t a1is 
atris , fulphureo maculatis ; inferiorum njaculis in faf- 

ciam 



120 HL Südamerikanifche Infekten 

tiam unicam fupra, in duas infra, difpofitis; his ma- 
culam fcrrnglneam includentibus; alarum omnium lim- 
bo pollico et infero macularum parvularum , albarum, 
linea» 

Länge des Körpers o'«- 033. 
Breite der geöffneten Flügel o"»- 097. 
Kam häufig an den Ufern des Amazonenfluffes vor, 

36. NymphaVts Pavon, Tab. XVIII. fig.3» in natürli- 
cher Gi'ö'i^^ mit offenen Flügeln, fig. 4. mit zufam- ' 
menge/chlag Den Fiugeln. 
Alis derratis; iV.periorum margine poftico concavo, 
ad apicem prod« ßo, trunf^ato; alis quatuor fupra fufco 
brunneis, fafciis duabus dilutioribos, maculaque ru- 
befcenti Ibperiorun» aplcem veilus; infra rnbefcenti- 
brunneis, fafciis rubefcenti- grifeis; fuperiorum bafi' 
f ulva, licteris duabus nigrisj inferioribus punöo caeru- 
lelceiiti, nigjo marginato, fafciae brunneae impofito. 
Länge des Körpers o^- 020. 
Breite der gt öffneten Flügel o"** 055» 
Der Name iil nach dem berühmten Ipanifchen Natur- 
forfcher Pavon gewählt , und der Vogel in den fchatti- 
gen Gehülztn von Laxa gefangen, 

37. Cethofia Bovphnd, Tab XVIIL fig. 5. von oben 

und in na'.üiUcher Giöffe. Fig. 6. mit aufrechten 

gefchluifenen Flügeln. 

Alis fnperis elon;:;atis , ad apicem anguftatO'produ- 

Ois; inferis brevioribus, poftice rotundatis; his etillis 

Digris, flavo maculatis, marginem poilicum verfus, al- 

bo-pun£iatis. 

Länge 



von Humboldt und Bonpland. 121 

Länge des Körpers o'"* 015, 

Breite der offenen Flügel o^- 050* 

Nähertfich in der Flügellarm dem Pap. Juno und Alcio- 

na Cram* Das Vaterland ift die Gegend von Cuenca 

in Peru. 



Fortfetzung 

der 

Südamerikanifchen Infekten 

etc. 

fünftes und fechftes Heft, *) 

S. 344 bis 397. Tab 22 bis 25- 

38. Scarabaus barhlcornis. Tab. XXfI. fig. i. natürl. Gr. 

Capite thoraceque unicornutis ; capitis cornu recurvo, 

fimplici, dentibus nullis; thoracis cornu breviffimo,. 

emarginato, infra hirfuto. 

Länge des Körpers o'"- 035, 
Er kömmt dem Scarab. militaris, PhÜoftetes undAge- 
nor. Oliv, nahe. 

Das Vaterland ift Mexico. 

39. Melolontha longicollis, Tab, XXII. fig. 2. natürl. Gr. 
A* ein vergröflerter Hinterfufs., 
Elongata; thorace longiore quam latiore, illius la- 
teram marginalium medio dilatato , uniangulato ; an« 

ten- 



*) Das fünfte Heft enthält noch einen Anffatz von ta- 
treill« über die Bienen des füdlichen Amerika (S. 294- 
344- tb. 19. 20. :4i.) den wir aber hier vorläufig 
übergehen müflen, Z.g.S, 



122 III. Südamericanifcbe Infekten 

tennis articnlis novem, capitulo triphyllo, tarforum un- 
guibus bifidis, dentibus aeque longis, infero paulo 
craffiore; corpore penitus caerult-o, nitido; elytris 
ftriatis. 

Länge des Körpers o"'- 013. 
Diefe und die Melolontha fufpinofa Fabr. möchten mit- 
einander nach der Meinung des Hrn. Xa/m//^, CS def- 
feh gener. cruft. et infeft Tom. II. S. 1 10.) in der Gat- 
tung Melolontha wohl eine eigene befondereAbthei- 
hing bilden» 

Das Vaterland ifl: Acapulco. 

40. LampyrU Unearis, Tab XXII. fig. 3« vergrößert. 

Linearis» nigricans; antennis filiformibus; fimph"ci- 
busj thorace elongato femicirculari 5 in medio uniful- 
cato: illlus elytrorumque marginibns omnibus ferme 
penitus lutefcentibus ; ventris fegmentis duobus penul- 
tirois pallido flavis. 

Länge des Körpers d*"- 01 ä. 
Sie hat einige Aehnlichkeit mit Lampyris marginata, 
Ihr Wohnort find die Ufer des Aiuazonenfluffes, 

41. Calandrafericea, Tab. XXII. f, 4. Abänderung, vergn 
' Antennarum clava truncata, thorace fanguineo, mar- 
ginibns lateralibus, linea longitudinali in medio, macu- 
lis duabus elongatis, dorfalibus et pofticis, nigris; ely- 
tris atro velutinis, ftriatis, bafi fanguinea; pedibus rii- 
bris, geniculis tarfisque nigris» 

Calandra fericea Oliv. Entom» col» Tom. V. S» 84. 
Tab. 28, fii?. 409. 
Länge von der Spitze des Rüffels bis zuni After o»«- or5. 

Die- 



von Humboldt und Bonpland. 123 

Diefer Käfer ändert in Pvückficht des Raumes, welchen 
die rorhe und fchwarzo Farbe einnehmen, mannigfal- 
tig ab , an dem hier dargellelltt n Exemplare ift die ro« 
the Farbe die herrfchende. Auch findet man ihn mit 
einem Acarus befpzt, welcher in allen Stluken deroje- 
»ir.rn gleicht, welchen Degeer la mitte v^g^tativo 
nennt. 

Sein Aufenthalt find die Wälder von Jaen de Braca 
morros in Peru. 

42. Ceramhyx fuccMus. Tab. XXII. fig. 5. Abänderung 
in natürlicher Gröffe. 

Thorace magno, admodum inaequali, utrinque bitu- 
berculato; longitudine fcutelli quartam partem longi- 
tudinis elytrorum aequante; c »rpore badio,'nitidoj an- 
tennis longis , nigro rufefcentique annnlatis ; elytrorum 
medio fafcia transverfa Ij^ea ; femorum apice nigro. 

Cerambyx fuccinftus. Fabr. Syft. eleoth. T. II. S. 274. 

Capricorne cordonne Oliv. Ent. coleopt. Tom. 4. 
no. 67. S. 20. Tab. 7. fig. 43. a. b. 
Länge des Körpers o*"" 019. 
Die Abänderung bcfteht darinn : dafs die gelbe Binde 
queer über die Mitte der Flügeldecken , hier in 4 Fle- 
cke getheilt ift. 

Das Vaterland find die Ufer des AmazonenflufTes» ' 

4 } . Clythra cingulata, Tab. XXII. fig. 6. 7. vergröflert* 
Antennis fubferratis; corpore nigro, illius parte in- 
fera, pedibus, thoracis lateribus margineque poftico 
tomento flavefcenti grifeo; elytris rubefcentibus ; bali 
interna fafci^que transverfa in medio nigrls. 

Län* 



124- in. Südamerikanifche Infikten. 

Länge des Körpers o'"- 006. 
Ifl nur ein einzigesmal in Guayaquil in Peru gefangen 
worden. 

44. Caffida multicava. Tab. XXII. fig. 8. 9. natürl. Gröff. 
Aenea, immaculatai thorace integro, quadripuntlato, 

ad marginis pollici medium dilatato; elytris, dorfi me- 
dium verfus, gibbofis, valde impreflb punöatis ; pun- 
£lis plurimis congeilis. 

Länge des Körpers o'«- 012. 
Sie kömmt in den Gegenden von Lima auf Gebrau- 
chen vor, 

45. Altka albo marginata Tab XXII f. 10. n^t. GröfT. 
Ovata, thorace transverfo, laevi; antennarum arti« 

culo fecundo tertio minore; hoc et fequentibus fiibae- 
qualibus ; tibiis quatuor pofticis, apicem verfus uniden- 
tatis, corpore nigro , thorace t lateribus exceptis , ely- 
tromm limbo externo , ventris apice, albis; elytris 
fubrugofis, nigris aut cocrulefcenti-viridibus violaceo- 
que fparfis, 

Länge des Körpers o'«* oio. 
Sie gehört xu Illigers crlter Familie der Floh- Käfer,' 
welche derfelbe Phyfapodes nennt. *) 
Das Vaterland ift Acapulco. 

46 Eumorpkus cruciger. Tab. XXII. fig. i r. vergröfll 

Capite, thcyace, antennarum bafi,pedumque maxima 

.parte, ferrugineis; thorace macula pollica, nigricanti, 

antice emarginataj elytris nigris, fparfim impreflb pun- 

£latis, 

*) S. Ulig. Magaz, für Inf. K. 5r Band S. 54. 



von Humboldt und Bonpland. 125 

datis, marginibus omnibns bafi lineaquc transverfa in 
medio, ferrugineis ; corpore fubtus intenfive brunneo. ' 

Länge des Körpers o'"- 00g. 
Es ift möglich, dafs diefer Eumorphus nur eine Abände- 
rung von dem ift, welchen Olivier cinSius *) nennt. 
Er ifl: nur einmal am Orenoco-Flufle gefangen. 

47. Leära vividipennls. Tab. XXII. ßg. i2.natürI.Gröf^ 
Rubefcens, fronte infra unidentata^ in medio exca- 

vata, ad apicem fuperum biprominula; thorace bicor- 
nuto: hemelytris viridibus, apice rubefcente. 

Länge des Körpers o*»- 020. 

Sie gleicht dem äufsern Anfehen nach der Ledra aurita» 

Kam nur einmal an den Ufern des Amazon enfluffes vor. 

48. Polyfles pedunculata Tab. XXII. fig. 1 3. ein Weib, 

in natürlicher Gtöfle. 
Nigra, abdominis fegmento primo pedunculiformi, 
turbinato, fecund© magno, campanulato, illorum mar- 
gine poftico, fegmentorum trium fequentium, thoracis 
fegmenti antici eodem margine lineaque fcutellari lu- 
tefcentibus, alis fuperis flavicantibus, ad apicem dilu- 
tioribus, fligmate nigro cellulaque marginali fufcis. 

Länge des Körpers o"*- O'o. 
Wurde an den Ufern des Amazonenfluffes gefangen. 

49. Copris confpictllatus. Tab.XXIIL fig. i» der Mann 
in natürlichec Größe. 

Mas. Capite cornu recurvo, thorace antice retufa» 
fuperius excavato, cornibtis duobus parvis, compreflls, 

den- 



*) Oliv. Ent. col. Tom. 5. S. 1067. Tab. 1. £g. 5, 



ii6 HL Südamerikanifclie Infektea 

dentiformibns , inftriiövO, ad marginis poftici medium 
produäo, elytris fulcatis> capite, corpore infra pedi- 
busque nigris, thorace, elytris, femorumque q'iatuor 
pofticorum latere infero viridibus, flerno intermedio 
antice mucronato. 

Copris confpicillatus. /f^e^eKobferv.entom.S. 36. mas. 

Fh. Syft. eleut. Tom, I. S. 22. mas- 

Länge des Körpers o*"- 026. 
Er unterfcheidet fich vom Copris feftivus nur durch die 
Farbe. Das V/eib hat kein Hörn auf dem Kopfe. 

In Quito, aufden Wiefen vonChillo, kömmt auch 
in Brafiiien vor. 

50. Ömhophagus curvicorms, Tab. XXIIL f. 2. vergröflf. 
Mas. Occlpite cornibus duobus> arcuatis, divaricatis, 

thorace antice produfto, acuminato, utrinque excava- 
to. Clypei margine anticorefie.xo, truncato, corpore 
nigro, antennis tarfisque brunneis , elytris ftriatis. 

Länge des Körpers o*"- 01 1. 
Er ifl: mit Copris vacca Fh* und C albicornis des Pali' 
fit de Beauvois verwand. 

Das Vaterland ift Quito, wofelbfl: er in trockenem 
Mifte vorkam. 

5 1. Melolontha ruMginofa. Tab. XXIII. fig. 3. vergröff» 
Oblonga; thorace non longiore quam latiore, anten- 
nis novem articulis; tribus ultimis clavam efficientibus. 
tarCorum unguibus omaibus aequalibus, bifidis, corpo- 
re omnino rufefcenti , pilis minimis , lutefcentibus, 
veftito, clypei margine antico elevato, obtufo et inte- 

groj .thorace convexo , rotundato. 

Länge 



von Humboldt und Bonpland. 127 

Länge des Kö pers o"'- 010. 
Sie ift der Meloloniha foHcitialis verwandt. Das Va- 
terland ill nicht belbnders angegeben. 

52. Tekphorus luSfuofns, Tab. XXIILfig. 5. in nat. Gr. 
Ater ; thorace abdomineque livido - flavefcentibüs ; 

thoracis lateribus valde reflexis. 

Länge des Körpers o*'^* 020. 
In den Gehölzen von Peru. 

53. Dyticus civctmfcriptus. Tab XXIII. fig. 5. nat. Gr. 
Fccmina. Scutellatus, corpore breviter ovali , fu- 

pra nigricante, infraatro; ore thoracis elytrorumqu© 
lateribus rufefcenti fl^vidis, elytrorum limbo colorato 
intus laciniato, antennis, frontis maculis duabus con- 
natis , thoracis medii linea transverfa, pedibus quatuor 
anticis, femorum pofticörum parte rnfefcentibus, elf- 
tris fublaevibus flavido punflilatis, oculis cinereis. 

Länge des Körpers o"'- 01 1. 
In den Gräben von Mexico. 

54. Epitragtis hrufinlcornif Tab. XXIII. fig. (J.vergröf« 
Apterus, niger, immaculatus, fublaevis , abdomine 

fubovato , thorace fuborbiculato , antice pofliceque 
truncato, antennis brunneis, pedibus piceis. 

Länge des Körpers 6*"- 009. 
Auf den Sandplätzen,* xwifchen Carichana und Atures. 

55» CurctiUo amuUger, Tab. XXIIL fig. 7- in nat. Gr. 
Femoribus omnibus unidentatis , rollro thoracis 
fere longitudine , cylindrico , laevi , incurvo ; cor- 
pore oblonge, nigro, nitido, thoracis lateribus, ely- 

tro- 



• 



128 in. Südamerikamfche Infekten 

trorum fafciis duabus transverfis maculaque annulifor- 
mij ochreaceis, elytris riii£lula£is, punäis diftantibus, 
per ftrias digeftis. 

Länge de^s Körpers, der. Rüffel mitgerechnet o^* 0I7. 
Das Vaterland ift die Gegend von L^xa. 

5 6. Coccmella hiiimralis. Tab. XXIII. fig. g. naturl. Gr. 
Cccrulefcenti - ßigra , pubefcens, coleoptris extns ad 
originem dilatatis, fl.ivefcentibus , apicibus duobu«;, 
margine toto puntlisque quatuor in dorfi medio trans- 
verfe^ pofitis, cccrulefcenti nigris, 

Länge des Körpers o'«» oo8» 
Das Vaterland ift Lima» 

57. Coccinella quaärtplaglata. Tab. XXIII. f. 9. vergr. 
Nigra, pubefcens, coleoptris maculis quatuor orbi- 
culatis, msgnis, fubaequalibiis, rubefcentibus, fpatio 
interjefto cruciato, capite, thorace, corpore infra pe- 
dibusque immaculatis. 

Länge des Körpers qw. 007. 
Das Vaterland ift Peru. 

5g. Aliica quinqm Uneata* Tab. XXIII. fig. lo. vergr. 
Elongata, laevis, pallido- flava, thorace transverfo, 
laevi, coleoptris futura lineisque quatuor nigris, dua- 
bus in fingulo; antennarum bafi pallida, illarum arti- 
culo fecundo breviffimo , quarto praeccdenti pauIo Ion- 
giore , corpore infra pedibusque penitus pallido ferru- 

gineis. 

Länge des Körpers o'** 010. 
Sie hat viel Aehnlichkeit mit der Galeruca caroliniana Pb* 
Das Vaterjand ift nicht näher beftimmt. 

S9. 



von Humboldt und Bonpland. 129 

5 9. Chryfomela femtmarginata. Tb. XXIII. f. r i . vergr, 
Ovata, convexa, faturato-cccriilea, oitida, thorace 

fublaevi, ad latera non incrafsato, duplo faltem latio- 
re quam longiore » illius lateribus, capite, antennarum 
articulJs quatuor primis, pedibus, tarfis exceptis, ano- 
querubris, elytris fubtiliter punctato - lldatis, 

Länge des Körpers o'"- 006. 
Sie gleicht der Form nach der Chryfomela colIariS) 
viminalis, adonidis u. f. w. 

Das Vaterland find die Ufer des OrenoccoflufTes» 

60. Aetalion retkulatum.. Tab. XXIII. fig. 12. vergröfT. 
fig. 13. der vordere u. untere Theil des Körpers vergr» 

Corpore grifeo lutefcenti; capite transverfo • lineari, 
illius margine antico ftrigis duabus nigris, transverfisj 
oculis prominentibus ; thoracis medio linea longitudi- 
nali dilutiore; fcutelloflavo, maciulis duabus, parvis, 
nigris; elytris dilutobrunneis , flavido reticulatis; fe- 
moribus omnibus, tibiisque quatuor anticis fufco-li- 
neatis; tibiis pofticis nigro rubidoque annulatis. 

Cicada reticulata Linn, S.N. ed.i 2. T. I. Par.. 2. S.707. 

Cigale a refeau, Degeer Mem. pour ferv, a T hift, des 
InC Tom. III. S. 2 27. Tab. 3 3. fig. 1 5. 1 6. 

Lyftra reticulata Fah. Syft. rhyng. S. 60. 

Tettigonia minutata Fah, E. S. Tom. IV. S. 26. 

Stoll Cicad. Tab. 14. fig. 74. 

Länge des Körpers o*«* 009. 
Hr. Latreille fezt diefe in eine neue Gattung , welcha 
er Aetalion nennt , da er wefentliche Verfchiedenhei- 
ten von den Gattungen Lyftra und Tettigonia an ihr 
entdeckt hat. Diefe Art kömmt bey Caraccas auf Ge- 
ilräuchen vor ; findet fich auch in Surinam, 

heft lU I tu 



r30 in. Südamerikanifche Infekten 

61. Erycina Oppelii *) Tab. XVI. fig. i. mit ausgebr. FI, 
flg. 2, von der Seite mit aufgerichteten Flügeln, nat. Gr.^ 

Antennis clava obconica, ad apicem roduntata; pal- 
pis produftis ; alis integerrimis fupra atris ; aoticarum 
medio fafcia aurato* viridi, transverfa ; pollicis , mar- 
gini poflico proxime, linea coerulefcenti; prioribus-in- 
fra nigrisj illariim bafi et apice, pofteriorum pagina 
infera toca, pallidb- ochreaceisj harum fingula ilrigis 
duabus nigris , paraleilis. 

Weite der ge/lreckten Flügel o™, 050. 
Länge des Körpers o^'- oig. 
Hr. Latretlle begreift unter feiner Gattung Ery- 
cina , diejenigen aus der Familie Ruralis der Gattung 
Hefperia Fahr,^ welche fich durch Putzpfoten von den 
übrigen unterfcheiden. Der hier befchriebene Vogel 
ift feiner Uebereinftimmung wegen mit den fogenann- 
ten Argus - Arten einftweilen in diefe Gattung aufge- 
nommen, da ihn nicht vi^eniger Aehnlichkeiten mit an- 
dern aus der Gattung Nymphalis gleichfalls in jene zu 
ordnen fcheinen ; vi'orüber indefs ohne die nähere 
Kenntnifs der Raupe nicht zu entfcheiden ifl. 

Das Vaterland fnid Gegenden des Aroazonenfluffes. 

62. Erycina EucHdef, Tab. XXIV. fig. 3. von oben mit 
geöffneten Flügeln, fig, 4. von unten mit gefchlof- 
fenen Flügeln. 

Antennis clava obconica , ad apicem rotundata ; pal- 
pis produäis ; alis integerrimis , fupra atris , fafcia ccc- 

ru- 

*) Oppel^ ein baierfcher Maler, der Hrn. Latreille bei 
der Bearbeitung diefes Werks unterftützt hat, ein 

eben 



von Humboldt und Bonpland. 131 

rulea, radios aurato-viridesrefleftente; alis anticis in- 
fra bafin verfus, rofeo - miniatis, in medio nigris, ad api- 
cem fuperum lucido-grifeis lineaque nigra notatis; po- 
fticis infra lucido-grifeis, ad coftam fiiperam miniatis ; 
ala fingula lineis fufcis, circulos daos, magnos fubcon- 
centricos, figurasqiie totidem fubovatas in medio, 'de- 
lineantibus; figura fupera punöurn unicum, infera duo 
includentibus, punäis nigris. 

Weite der geöffneten Flügel o^"- 045. 

Länge des Körpers o'"- 015. 

Er hat einige Aehnlichkeit mit Pap. Enrota Cvam. Tab. 

64 fig. E. F. Er ifl: gleichfalls an den Ufern des Amazo- 

nenflufies zu Haufe. 

63. Erycina Arifloteks. Tab. XXIV. fig. 5, von oben 

mit ausgebreiteten Flügeln, fig. 6. von unten mit 

aufgerichteten Flügeln. 

Antennis clava obovata, elongata; palpis brevifilmls, 

alis quatnor trigonis; anticis integris, poilicis elonga- 

tis, fubfinpatis; ad apicem obtnfis aut velutr truncatis; 

bis et illis utrinque nigris, fafciis duabus, transverfis, 

reftis; priori in medio pofitaaurantiaco-rufa, continua; 

pofteriori limbum pofcicum verfus fupra nervis valde di- 

vifa, fupra obfoleta et diluto - f ufca , infra albicanti; 

alis pofticis, ex utraque parte , ad marginem pofticum 

albo maculatis ; angulumque analem fupra macula au- 

ranttaco - rufa , transverfa , emarginata , notatis. 

I 2 Weit© 

eben fo unterrichteter Zoologe und gefcbickter Be- 
obachter, als ausgezeichneter Künftler, der nächllens 
durch ein Werk über die giftigen Schlangen von Eu- 
ropa , die Achtfcng der Gelehrten verdienen wird. 



132 111. Südamerikanifche Infekten 

Weite der offenen FlQgel o*"- 038. Länge des Körpers 
vom Kopfe bis zur hintern Spitze der Unterflügel, o'«* 
019. 

Kömmt an den Ufern des MagdalenenflufTes vor, 

64. Erycina Pallas. Tab. XXIV. fig. 7. mit geöffneten 
Flügeln. Fig. 8. mit gefchloffenen Flügeln. 

Antennis clava obovata, elongata; palpis breviffimis, 
aus quatuor trigonis, anticis integris, pofticis elonga- 
tis, fubfinuatis, ad apicem obtufis aut veluti trnncatis, 
bis et illis utrinque nigricantibus, fafciis duabus, trans- 
verfis, reftisj priori in medio pofita, alba, ad apices 
anguflato acuminata, pofteriori, limbum poflicum ver- 
fus, nervis valde divifa, fupra minus confpicua et di- 
iutO'fufcaj infra albida; alispofticis, ex utraque par- 
te ad marginem pofticum albo-maculatis, angulumque 
analem fupra macula aurantiacorufa, bipartita, trans- 
verfa, notatis. 

Weite der geöffneten Flügel o^- o38» 
Länge des Körpers vom Kopfe bis zur hintern Flügel- 

fpitze o"*- 019. 
Nur die Farbe der Mittelbinde unterfcheidet diefe Art 
von der vorhergehenden. 

Sie ift gleichfals an den Ufern des MagdalenenflufTes 
TU Haufe. 



Anmerkung. Sollte nicht Er. Pallas und Ariftoteles nur 
dem Gefchlecht nach verfchieden feyn? Diefe Fra- 
ge -würde lieh fogleich verneinend beantworten, 
•wenn unfre Reifenden von beiden Arten beide Ge- 
Ichlechter mitgebracht hätten; um diefelbe doch 
aber zu rechtfertigen, erinnern wir an die Ge- 

fchlechts- 



von Humboldt und Bonpländ. 133 

65. Nymphalis Chvyßtes. Tab. XV. fig r. und 2. in 
natürlicher GrölFe , und von beiden Seiten. 

Alis fuperioribus integris, ad apicem truncato - fub- 
jiroduftis, inferiorura margine poftico fubarcuato, an- 
gulum analem verfus fubfmuato, alis quatuor lupra, 
fuperioribus infra , violaceo-nigris , fafciis pallido- minia- 
tis, alarum fuperiorum pagina infera macula cccrulef- 
centi ad medium, et ocellis quatuor ad apicem, ho- 
rum infima majore, pupilla nigra, iride pallide minia- 
ta; alis pofticis infra fubbadiis, cocrulefcenti • cinereo 
leviter imbutis, macula aurato - ilraminea , unidentata, 
margini externoimpolTta, ocellisque duobus contiguis, 
in pagina fingula. 

Länge des Körpers o"'- 022. 
Weite der gellreckten Flügel, o'^'- 069. 
Die Geftalt der Fühler hat nicht angegeben werden 
können , weil diefe an dem einzigen von Bonpland mit- 
gebrachten Stücke gefehlt haben. 

Er ift in der Gegend von Gtiancabamba in den Cor- 
dilleren der Andes gefangen. 



66. 



fchlechisverfchiedenheiten bei Pap. Cardamines,Eu- 
pheno, Cleopatra, Iris, Ilia, Populi, Cordula, Jani- 
ra, Phryne, und befonders an die der meiften Ar- 
ten der Gattung Hefperia tabr. So halten -wir gleich- 
falls den Pap. Ancaea Linn, für den Mann vonObri- 
Mus Linn. , und Hefperia Aefopus und Phaedrus Vabr. 
nur für eine dem Gefchlecht nach verfchiedene Art, 

Z. g. S. 



134 ^^^' Südamericanifche Infekten 

66. Nymphalis leucophthalma. Tab. XV. fig. 3. und 4» 

von beiden Seiten in natürlicher Größe, 
Antennis fenfim elongato-capitatis, alis fuperioribus 
integris, inferioribus crenatis, bis et illis fupra nigri- 
cantibus, primoribus utrinque fafcia diluto-ochreacea, 
lata , transverfa, pofleriorum difco inacula Candida , or- 
biculata, in medio, ex utraque parte, notato ; alis 
Omnibus infra diluto- caflaneis, lineis pallidioribus ma- 
culisque coerulefcenti- grileis. 

Länge des Körpers c^- 01 8. 
iWeite der Flügel o*^- 061, 
In der Gegend von Gnangamarea in Peru , am weilli- 
eben Abhänge der Andes gegen das Südmeer lu, 

67. Heliconm Cyrene, Tab.XV. fig. 5. und 6. in na- 
türlicher Größe , und von beiden Seiten, 

Alis oblongis, integerrimis, anticis poilicarumque 
pagina fiipera nigris, bis fafcia magna, longitudinali, 
illis raaculis plurimis, diaphanis, alarum pollicarum pa- 
gina infera, anticarum ejusdem paginae dimidio apica- 
li caftaneis , omnium limbo poilico et infero nigro, 
punitorum alborura ferie transverfa. 

Länge des Körpers o'^* 017. 

Weite der Flügel o'"- 062. 

Er hat fehr viel Aehnlichkeit mit dem Pap. itegle Fair, 

Das Vaterland ift Peru, in Oflen von Truxillo. 

68. Evycina /^geßlas, Tab. XV. fig. 7. und 8. von bei- 
den Seiten und in natürlicher Größe. 
Antennarum capitulo parvo, fufiformi, palpis me- 
diocribus, parum pilöfis, articulo ultimo brevi, cjr- 

lyndri- 



von Humboldt und Bonpland. 135 

lindrico-conico, alis trigonis, ad marginem poflicum 
breviter angulatis, nigro ad fufco utrinque confertiffi- 
me punftatis, poflicis ecaudatis, bis et illis fupra cha- 
lybeo-aeneis , infra brunneis, grifeo variegatis, mar- 
ginis poftici incifiiris albo fimbriatis. 

Länge des Körpers o'«- 015» 
W«ite der Flügel o"'- 038. 
Ob gleich diefer Vogel in der Form und den Zeichnun- 
gen viel Aehnlichkeit mit Hefp. Phlaeas, Virgaureae, 
und andern aus diefer Gattung zeigt , fo hat ihn Herr 
Latreille doch feiner Putzpfoten wegen in die Gattung 
Erycina aufnehmen zu muffen geglaubt. 

Sein Vaterland find die Ufer des Amazonenfluffes in 
der Provinz Jaen de Bracamorros. 



IV/ 

Literatur. 



loh. Karl Megerle von Mühlfeld, erßem Cuftos 
der vereinigten k. k. Nnturalien - Kabinette, 
Benaerkungen , Berichtigungen undZufaetze zu 
llligers Zufäetzen, Berichtigungen und Bemer- 
kungen zu Fabvidi Syßema Eleutheratorum. 
Linz. igi2. 8v. 44. S. 16 Gr. 

Unter die neuern Erfcheinungen in der entomo- 
logifchen Literatur gehört eine Critik der Zufätze, Be- 
richtigungen und Bemerkungen zu Faby. Syftem. Eleuth. 

womit 



13 6 IV. Literatur- 

womit uns der unvergefsliche llliger in feinem Maga- 
zin für Infektenkunde befckenkte. Sie ifl: 1 8 1 2 xu Linz 
unter obigem Titel erfchienen , und hat den Cuflos des 
K. K. Naturalien - Kabinets zu Wien, Hrn. Megerle 
von Muhlfeld zum Verfaffer. 

Da Herr von Mühlfeld fchon feit einer Reihe von 
lahren in dem Rufe eines durch Thätigkeit und Kennt- 
niffe ausgezeichneten EAt^omologen ftehet; fo freuten 
wir uns, dafs er es war, der einem fo fchwierigen Ge- 
fcl jjfte fich unterzogen hatte , und glaubten durch feine 
Vermittelung eine Menge neuer und fchöner Auffchlüf- 
fe über Gegenftände die llliger übergangen, oder nicht 
ganz richtig beurthcilt hatte, xu erhalten. Indeflen, 
wie es leider fo oft unterm Monde zu gehen pflegt, 
wir fanden uns in unfern frohen Erwartungen gewal- 
tig getäufcht. 

Zwar fey es fern von uns, dem Büchlein alle 
Brauchbarkeit abfprechen zu wollen. Es enthält man- 
che Bemerkung, die, wenn auch nicht für neu, doch 
für richtig gelten kann. Allein im Ganzen genommen, 
war der Verfaffer der Arbeit nicht gewachfen. Oft 
findet er Tadel, wo keiner ift. Viele feiner Urtheile 
find entweder übereilt , oder fie beruhen auf falfchen 
Anflehten. Vielen merkt man es an , dafs fie lediglich 
auf einer eingebildeten Untrüglichkeit beruhen, nicht 
aber aus, einer durch forgfältiges Prüfen erlangten Rennt- 
nifs flüflen. Und bei alle dem führt der Verfaffer eine 
Sprache , die einem leicht glauben machen könnte , er 
habe die Weihe der Kraft, 

Wir haben das Produkt des Hn. v. M. durchgefe- 
hen, und vojA unfern eigenen nach und nach gefammel* 

ten 



IV. Literatur. 137 

ten Bemerkungen verglichen. Es gefchahe eigentlich 
nicht in der Abficht, die dabei fich ergebenden Refultate, 
zumal in dem ungefälligen Gewände einer Antikritik, 
ins Publicum zu bringen. Da jedoch fich vielleicht 
manches darunter findet, was der Mittheilung werth, 
und dem , der mit den von Fabricius aufgeftellten Eleu- 
teraten ins Reine zu kommen fucht, brauchbar ift: fo 
mögen fie einen Raum in gegenwärtigem Magazin ein- 
nehmen. Sie flehen zugleich als Aufforderung da, un? 
in den Fällen, wo auch wir durch ein blindes oder wohl 
gar falfches Glas fehen, gründlich und glimpflich eines 
BefTern zu belehren. Der Hr. Herausgeber wird ge- 
wifs alle und jede unfern Wünfchen entfprechende Mit- 
theilungen gern aufnehmen, und wir, unfersOrts, wer. 
den folche mit dem lebhafteften Danke erkennen und 
zu benutzen wiflTen. 

Geotrupes Monodon und punftatus find allerdings 
für zwei verfchiedene Arten zu nehmen. Auch wir 
waren fchon längfl davon überzeugt, weil wir nie einen 
punftatus aus Ungarn , und nie einen Monodon aus dem 
füdlichen Europa erhielten. Dafs aber punftatus flets 
kleiner als Monodon fey, widerfpricht unfern Beobach* 
tungen, denn wir finden unter dem erflern Stücke , di9 
eben fo grofs , ja noch größfer find , als die Letztern. 
Eben fo wenig glauben wir auch, dafs der (bei wel- 
chem ifl nicht angegeben, wahrl'cheinlich bei punQatus) 
in den gezahnten Kopfrand gefetzte männliche Ge- 
fchlechtscharaöer richtig ift ; wenigflens find an einem 
Weibchen unfrer Sammlung die 3 Vorderzähngen fehr 
deutlich zu fehen, an dem einen männlichen Exemplare 

hingegen keine Spur davon zu finden. 

Dia 



13 8 IV- (-iteratur. 

Die bei Copris Hübneri befindlkhe Rüge, dafs 
Illiger Copr. Alces immer noch für eine eigene Art halte, 
kommt zu fpät. Illiger erkennt diefe fchon langfc (Mag, 
II, p. 206. u. 3. 149.) für Varietas fexualis, nimmt aber 
die Hübneri für das Weibchen an , was durch die an- 
geblich von Hn. v. M. angeltellten anatomifchen Un- 
terfuchnngen widerlegt wird. 

Bei Aphodins prodromus änfTert Hr. v. M. , dafs 
da Fabricius den confputus Creuz. Prodromus genannt 
habe , von dem Citat contaminatus Kug. keine Spielart 
hieher gehören könne. Die fub oe. fey der fticticus, die 
fub y. & ^. aber confputus» In Anfehung der letzten 
beiden Varietäten llimmen wir ihm bei ; was aber die 
fub oc, betrifft, diefe gehört keinesweges zu fticticus 
Creuz. Pnz, , fondern offenbar zu contaminatus. 



Die Sphaeridien, lunatum, bipuftulatum und mar- 
ginatum foUen nicht als Spielarten mit fcarabacoides zu 
vereinigen feyn , weil fich bei ihnen, und befonders 
bey bipuftulatum , auffallende Unterfchiede in der Sculp. 
tur, oder, wie es Hr. v.M. nennt, Zellatur vorfänden» 
Wir wiiTen nicht, ob ein unbefangenes Aiige hievon zu 
überzeugen feyn möchte, wenigilens haben wir aller 
angewandten Mühe ohnerachtet, keine ftandhaften Un- 
terfcheidungsmerkmale entdecken können. Die Punkt- 
reihen, die auf den Deckfchilden mancher Individuen 
bemerklich find , verfchwinden bei andern gänzlich , und 
können daher keine Artverfchiedenheit begründen. Da 
nun auch die Giöfle und Zeichnung v/egen der häufig 
vorkommenden Uebergänge nichts beftimmen, fo möch- 

ta 



IV. Literatur. 139 

te fich wohl kaum gegen denVorfchlag, diefe 3 Käfer 
als Var. zu fcarabaeoides zurückzurufen, etwas einwen- 
den laffen. 



Zu Helops Pimelia, der eingefchaltet wird, fetzt 
Hr. V. M. ScaurusViennenfis Sturm. F. G. 1. 1 80. 1. 1 . f. 41« 
als gewiflfes Synonim. ' Billig hätte er eine Autorität für 
fich anführen foUen , denn 10 aufs Gerathewohl kann ihm 
diefes niemand glauben. Fal/r, giebt dem Käfer einen 
vorn gerundeten , hinten geduzten Halsfchild. Eben fo 
deutet er die Form des Halsfchildes bei ater an , und 
fagt von dem wie ater gebildeten Nordamerikanifchen 
obliquatus ; nimis affinis H. Pimelia. Folglich iil 
fchlechterdings anzunehmen, dafs diefe drei Arten ein- 
ander verwand feyn müHen. Was hat aber Sturms 
Scaurus mit ihnen gemein? Wer kann die Bezeichnung 
des Helops Pimelia auf ihn anwenden? Vielleicht ge^ 
fällt es gelegentlich Hn. v. M. fich deshalb zu rechtfer- 
tigen, denn fonfl; könnte man leicht auf den Gedankea 
kommen, das Synonym habe fein Dafeyn lediglich der 
bräunlichen Fühlerfpitze zu verdanken. 

Dafs Scarites gagates Panz. nicht aber der Porta« 
giefifche Striola Illig, Carabus elatus F. ifl:, hat der ver- 
ftorbene Lund, aus deffen Sammlung Fabrizius feinen Kä- 
fer nahm , entfchieden. Diefes hätte Hr. v. M. aus Illig» 
Machtrage Mag. III. pag. 154. erfehen können, wo auch 
darüber , dafs der portugiefifche ftriola mit Carab. glo- 
bofus F. einerlei ifl, Auskunft gegeben wird. 

Bei Carabus filphoides fagt Hr. v. M. ; der hieher 
gerechnete C, agricola Oliv, muff© ausgeftrichen wer- 

deD> 



14» IV. Literatur. 

den, weil er zu grofs fey, drei deutlich erhabene Deck- 
fchildftreifen und zwar fehr viele eingedrückte feine, 
nicht aber die verlangten gröfforn Punkte habe, 

Silphoides ifl: nach einer Anzahl von vielleicht 60 
Stücken die wir fehen, in der Gröfle etwas veränderlich, 
auch find die abwechlelnd erhabenen Zwifchenräume der 
Deckfchildftreifen bei einigen mehr, bei andern weni- 
ger ausgewirkt, und die darauf befindlichen Punkte in 
Anzahl und Gröfle fich nicht immer gleich, daher glau- 
ben wir denn doch , dals OlivkrS Käfer als richtiges 
Synonim gelten könne. 

Illigert Frage: ob nicht Car.Andreae derEIaphrus 
rupeflris fey ? beantwortet Hr. v. M, geradezu vernei- 
nend , weil er bei aller Aehnlichkeit ftets kleiner feyn 
foUe. Dlefes fcheint uns etwas zu voreilig» Erftens 
kommt es noch darauf an, ob er den wahren Andreae 
F. wirklick kennt, was wir fall bezweifeln, wenn er 
ihn nicht von Allioni felbfi: erhielt. Zweitens mufs diefer 
darum, weil er kleiner ift, noch nicht eigne Art feyn. 
Wir befitzen den Elaphrus rupeflris von fehr verfchie- 
denen Gröfsen und halten Illigers Vermuthung aller- 
dings für wahrfcheinlich. 

Das von llliger zu Car. cruciger fragweife ge- 
fetzte Synonim: vefpertinus Kug. PatlZ* ifl bereits 
Mag. V, pag. 2*4» wieder eingezogen , und cruciger 
für einerlei mit der allgemein für nieridianus ange- 
nommenen Art erklärt worden« 

Bei Elaphrus biguttatus fetzt Hr» v. M. die Unter- 
fchiede des femipunftatus vom aquaticus, aufTer der 

brei- 



IV. Literatur. 141 

breiten glatten Mittelftriertie , in gelbe Schienen. Die- 
fe haben , wie wir an unfern Stücken bemerken , bei- 
de Käfer mehr oder weniger mit einander gemein. « 
Richtiger wird femipiintiatus an den weniger gerunde- 
ten, mehr in fchrSger Linie herablaufenden Seiten des 
ftärker gepunkteten Halsfchilds, an der breitern Spie- 
gelfläche und den dichtem , bis zur Spitze deutlichen 
Punktreihen der Flügeldecken erkannt, 

Dafs übriges die, uns für aquaticus geltende Art, 
diefe wirklich fey, ift zu vermuthen, aber bei derUn- 
deutlichkeit der alten Linneifchen Diagnofe fowohl als 
der Citate , nicht zu erweifen» Paykull, Latreille und 
mehrere vereinigen ihn mit femipunftatus. Ill;ger^ der 
ehedem , wie man aus den Käfern Preußens fieht , wo 
e r bei aquaticus fagt : die Deckfchildflreifen ftehen bald 
dichter, bald entfernter, und verlieren fich nicht feiten 
vor der Spitxe, beide ebenfalls nicht gehörig unter- 
fchied, nimmt jetzt den aquaticus für femipunftatus, 
Diefes ergiebt fich daraus, weil er Mag. VI. pag. 299. 
den biguttatus für eigene, durch die auslaufenden In- 
nern Punktreihen der Flügeldecken unterfchiedene Art 
erklärt. 



Dyticus curcumflexus ift ja fchon längft von Illiger 
Mag.III. pag. 15 s. für eigene, vom marginalis verfchie- 
dene 'Art erkannt. 



Nach Hn. v. M. ift es fo gut wie gewifs, dafs Dyt. 
fufcus F. für ftriatus Lifw. und fufcus Lim für ftria- 
tus F, angenommen werden muffe. Wir , unfers Orts, 
können uns noch nicht ganz davon überzeugen. 

Dafs 



142 IV. Literatur. 

Dafs ftriatiis L'mn. mit fiifcns i^. Eins iH:, fcheini 
allerdings wahr, und wird auch von lUigeiiz angenom- 
men; ob ^her Lim ee unter fufcus den ftriatus F, ver- 
ftanden, ift "nd bleibt bei der unbellimmten Diagnofe, 
der nicht die minderte Erläuterung beigefügt wird , ein 
Problem, und man mufs fich wundern, wie Hr. v.M. 
der die Art, die F. als ftriatus hat, nicht einmal kennt, 
Math genug haben kann, den Knoten zu durchhauen, 
den felbfi: Schwedens wackere Naturforfcher , Gyl/en- 
hall und Piiykull nicht löfen. 

Striatns F. ifi: von Gyllenhall und PaykuU fchön 
und treffend befchrieben. Was aber auch Hr. v. M. ar- 
gumentiren mag, fo bleibt es doch zweifelhaft, ob fuf- 
cus Ltnm derfelbe oder der kleinere und auch fonfl: ver- 
fchiedene dolobratus Payk, , oder eine noch unbekann- 
te dritte Art ift, fo lange Linnees nachgelaffene Samm- 
lung uns keine Auskunft darüber giebt.^ 

Für die Belehrung : dafs Dyt. reticulatus das Männ- 
chen von Inaequalis ift, würde llliger ohne Zweifel 
dankbar gewefen feyn, wenn er auch den Ton, in den 
fie gegeben wurde, atwas unanfländig hätte .finden 
follen. 



. Sehr wahr Ifts, was Hr.v. M. bei Elophorus mini- 
mus und pygmaeus bemerkt. Ohnftreitig irrte fich ll- 
liger in der wahren Hydraena riparia , denn die , wel- 
che er in dem Verzeichnifie der Käfer Preuflens be- 
fchreibt, ift nicht dieCelbe , mit der uns Kugelhn felbft 
in Schneiders Mag. pag. 579. bekannt machte, fondern 
der Elophorus pygmaeus F» 

Zu 



IV. Literatur. 1.43 

Zu diefem gehören : Payk. F. S.''i. 245. 6. - GylUnhall 
Inf. Suec. I. 133. 9. - Hydraena riparia lUig. Col. 
Bor. 1.279. 1. -Lair. Hill. 10. 76. -Gen. 2. 70. i.- 
Jliig. Mag. 4. 209. - tJydrophilüs impreffas Marsh. 
Entoni. Brit. i. 408. 19. 

Zu minimus fetze man: Payk.F. S. i, 246. 8. - CT)//- 
lenhall. Inf. Suec. i. 234. r 1. - ///ig". Mi^g. 4. 209. - 
Hydraena riparia Schneid. Mag. 579.- Hydrophilus 
longipalpis Marsh. Ent. Brit. 1.407,1s. 

Nicht auf die gefälligfte Weife fpricht der Unwille 
des Hn. v. M. fich darüber aus: dafs llliger den Der- 
meftes 6dentatus zuLyftas verweift. PIr kann nicht be- 
greifen, wie man die Gattung an diefem Käfer zweifel- 
haft finden wolle. 

Zu feiner Ehre nehmen wir an : er habe diefes in 
einer zufälligen Zerftreuung niedergelihrieben, denn 
fonfl: möchte ihm vielleicht der Vorwurf gemacht wer- 
den können, er wiffe nicht was ein wahrer Dermeiles 
fey. Wollte IlUgcr keine neue Gattung für den Käfer 
errichten, was in der Folge Latreilk th^t, fo war es 
auch wohl gut, dafs er ihm für den Augenblick einen 
andern Platz anwies, der, wenn er auch nicht ganz 
paffend, doch beffer war, als der jetzige. 

Hr. V. M. erklärt das von IlUgern zu Anobium 
micans gefezte Synonym , fe{livum/^«s, für falfch, und 
fleht in diefem eine ganz verfchiedene Art. Wir erhiel- 
ten beide Käfer aus eriler, mithin aus ganz untiügli- 
licher Hand, und können , nachdem wir fie genau ver- 
glichen haben, verfichern, dafs beide zufammen gehOren. 

Auch 



1^4 ^^'- I-iteratur. 

Auch wir nehmen mit Hn. v.M. an; dafs Ptilinus 
ferratus eigene Art, und nicht, wie JlUger miithmalst, 
Abänderung von peQinatus fey» So glauben wir auch, 
dafs das Synonym ater Ppz. nicht zu ferratus gehöre, 
weil die Fabrizifche Befchreibnng der Art, vorausgefezt 
dafs fie richtig ift, weder auf den Einen, noch auf den 
Andern pafst. 

Was Hn. v. M. bei Dermeftes Serra zu der Frage 
veranlafste : warum hier nicht erwähnt worden , dafs 
diefer Käfer eben fo wenig Anobium Dorcatoma Jllig» 
fey? ift fchwer einzufehen. Da Illiger alle Citate auf- 
fer dem aus der Ent. Sylt, gelöfcht wiffen will, fo ver- 
fleht fich ja von felbft, dafs auch fein Anob. Dorc» nicht 
liehen bleiben foU. 

Hatte Hr. v. M» fich nun einmal vorgenommen, 
hier eine Ausilellung zu machen , fo konnte er allen- 
falls einen Druckfehler rügen , denn es mufs am ange- 
führten Orte ,,kann es das Herbllifche" ilatt „kann 
das Herbftifche " flehen. Doch diefes ift ein Fehler des 
Setzers ; als Fehler des Schreibers haben wir mehrere in 
den vorliegenden Bogen bemerkt : z. B. kommt auszu- 
ftreichen ftatt iß auszuftreichen, df»V9rlangten ftatt ver- 
langten, »fallen flatt H^^^fallen, i/erkehrt ftatt um- 
gekehrt, Bruftbeintofte ftattBruftbein,.^e//<3f/Ä>- ftatt 
Gelatur u. f. w. 

Das bei Nitidula 6puftu!ata in Zweifel gezogene 
Synonym, LyÖus abbreviatus Pnz., fcheint doch nicht 
ganz verwerflich , da Panzer, felbft feinen Käfer in der 
Revifion pag. 134. fürVarietset diefer Nitidula erklärt. 

Bei 



IV. Literatur. i^& 

Bei Heterocerus laevigatüs hätten billig die Grün* 
de angegeben werden follen, warum der Beweis der 
Einerleiheit mit marginatus eine unthunliche Sache zu 
feyn fchiene. Vielleicht war er dem Hn. v. M. zu- 
fchwierig, um fich damit zu befafifen. Illiger lil zwar 
auch Mag. VI. 301. geneigt, fie für verlchiedene Arten zu 
halten j allein wir fanden den marginatus fo unbeftän- 
dig anGröfle und Farbe, dafs es uns fchwer wird, den 
laevigatüs für etwas mehr als Abänderung anzunehmen. 

Man trifft auf Stellen, die wir unfers Ort, fonder- 
bar finden, ein unartiger Lefer hingegen geradezu un- 
gereimt nennen würde. 

Hr. V. M. erklärt die Illigerifche Bemerkung bei 
Coccinella margine punQata , dafs fie Abänderung von 
löpunftata fey, für unllatthaft, weil fich die Sache ge- 
rade umgekehrt befinde. Da Illiger die nämliche Be- 
merkung auch bey i6punftata macht , fo liegt wohl am 
Tage, dafs er die Abficht habe mit diefen Worten das 
Zufammentreffen beider Käfer anzudeuten , keineswegs 
aber zu beftimmen, was Stamm, was Abart fey. Soll- 
te aber auch diefes feftgefetzt werden ^ fo möchte fich 
die Sache doch nicht fo verkehrt befinden, wie esHn. 
V. M. dünkt , indem der Käfer mit der ausgebildeten 
Zeichnung allerdings als die Stammart, der mit der un- 
A^ollkommenen aber als die Varietät angenommen wer- 
den mufs. 

Das zu Chryfomela coriaria gefetzte Panzerifcha 

Citat will Hr. v. M» als zu Göttingenfis gehörig, aus- 

geftrichen , und auch bei Gocttingenfis das Synonym 

haemoptera Payk. , nebll dem Citat aus Panier gelöfcht 

Heft IL K . wif- 



1^6 l^V. Literatur. 

wilTen. Nächftdem wird llligern verwiefen : dafs er das 
Linneifche Citat liehen gelaffen habe, was zu haemop- 
tera kommen muffe. Die Methode, wie Hr. v.M. bei 
GcEttingenfis die V^erbefferung der Diagnofc zu erklären 
fucht, ift neu. Er glaubt: Fabrizius habe die Diag- 
jiofe der haemoptera verändern, und ftatt plantis , tar- 
fis fetzen, auch palpis hinzufügen wollen, habe aber 
folches \}nglücklicherwelfe in die von Goettingenfis ge- 
bracht. Uns fcheint es, als ob man diefer in deiThat 
fehr künftlichen Erklärung eine weit natürlichere zur 
Seite fetzen könnte, die aber freilich zu ganz andern 
Refultaten führt. 

Fabrizius hätte, fo nehmen wir an, in Linn^es 
Goettingenfis fich geirrt, und die adoptirte Linneefche 
Diagno(e durch den Zafatz „plantae rufae" entflellt. 
Auch war die Anmerkung,, Alae nullae, plantae rufae, 
fo wie : Copula conjunöas vidimus et inter fe , et cum 
tenebricofa '* unrichtig. In der Folge fahe er ein, was 
3Linn6e unter Goettingenfis verflanden hatte , und fand 
daher für nöthig, die Artunterfcheidung im Syft. Eleuth. 
durch den anderweiten beffern Zufaz, „palpis tarfisque 
rufis" zu berichtigen. 

Sonach hätte Illiger völlig recht, wenn er das Lin- 
neifche Citat bey Goettingenfis flehen liefs , dafs es nicht 
zu haemoptera, die Fabrizius, wie es fcheint, unter 
dem Namen Hottentotta noch einmal befchrieb, zu 
erfetzen ift, wie Hr. v. M. uns überreden will, fpriogt 
in die Augen. Linme bezeichnet den Käfer in der Fau- 
na Suecica fehr treffend, und er kann, da ausdrücklich 
dabei gelagt wird „absque punÖis confpicuis*' wohl 

nicht 



IV. Literatur. 147 

nicht leicht mit haemoptera , die fehr grobe Deck- 
fchildpunkte hat, verwechfelt werden. Der Ausdruck 
„palma! pedum»" kann auch keinen Zweifel erregen, 
weil Linn, das Wort palma für tarfüs öfrerer gebraucht.. 

Unter diefen Vorausfetzungen glauben wir , dafs 
die Illige,rfchen Zulätze bei diefen Käfern fehr richcig 
find, und keine Zufktze erleiden dürfen. 

Der Käfer, den Hr. v. M. für die wahre Gccttin- 
geufis Fahr, annimmt , ifl vielleicht die Art , die wir 
aus dem flidlichen Europa erhielten, und chloropus 
nennen. 



Es ift wohl anzunehmen, dafs die bei Chryfomela 
blcolor von Illig. vereinigten Citate nicht alle zafam- 
men gehören. Wir befitjsen vier unter einander ver- 
wandte, aber ilandh<»ft verfchiedene europäifche Aften : 
1) gemellata Äo^. Sie ift nicht fehr hoch gewölbt, 
unten dunkelgrün, oder dunkelblau, oder fchwarz; 
oben meift olivengrün, mehr oder weniger ins meffing- 
farbene ziehend, feiten dunkelblau oder blau fchwarz. 
Der Halsfchild iil äufierll fubtil gepunktet, hat auf bei- 
den Seiten an der Bafis einen Längseindruck, und über 
diefem mehrere grobe Punkte. Die Deckfchilde fmd 
mit feinen Pünktgen beftreut, die beinahe fo flach find, 
dafs die Oberfläche nur genarbt erfcheint. lede Flü- 
geldecke hat 4 Doppelreihen weitläuftig und hie und 
da unordentlich flehender Grübgen , und eine einfache 
Reibe neben der Nath. Fühler und Beine haben die 
Farbe der Unterfeite. Hieher fetien wir 
' Chr. fucata F. S. E. i. 444. 123. E. S. L 329. 

log. auf Üligers Verficherung Mag. Iil. 15g, 
K 2 oli- 



i^g IV. Literatur. 

Chr. olivacea Schall. Aft. hall. I. 272: 
Chr. orychalcea Herbft Arch. 5. 60.43. t. 23. 
fig. 22. als fch warzblaue Varietät. 
Panzers gemellata bleibt wegen der feinern regulairen 
Punktreihen ungewifs, vorausgefetzt, dafs die Abbil- 
dung der Natur treu ift. 

Dafs diefer Käfer die wahre bicolor Fahr, fey, 
>yie Illiger meint, bedarf eines nähern Beweifes, weil 
diefe nach der Bezeichnung in Syft. Entom. die Statur 
der Populi haben foll. Der als Menfch und Naturfor- 
fcher uns gleich fchätzbare Herausgeber gegenwärtigen 
Mao-axins glaubt nicht ohne Grund diefelbe in einer bei 
Zara entdeckten Art zu erkennen , die auch wir feiner 
freundfchaftlichen Güte verdanken. 

2) geminata Payk kaum gröfser oder gewölbter als 
gemellata, lackmufsblau, glänzend, unten dunkler. 
Der Halsfchild wie bei jener, die Deckfchilde aber find 
deutlicher gepunktet, und die Grübchen Doppelreihen 
dichter und regulairer. Schenkel und Schienen find dun- 
kelblau , Fühler und Füffe braunfchwarz. 

3) approximata, nobis. Mattvioletblau , ein we- 
nig dicker, wie die vorhergehenden. Halsfchild eben 
fo, Deckfchilde dichter, fiebartiger gepunktet. Die 
in Doppelreihen flehenden Eindrücke der Deckfchilde 
find noch dichter, dabei auch kleiner, feichter, und 
daher weit weniger bemerkbar. Es find nicht mehr 
Grübcheh, fondern ächte Punkte. Fühler und Füffe find 
blaufchwarz. Sie kam aus Portugal!. 

4) duplicdta nobis. Etwas kleiner noch als gemel- 
lata und flächer j oben kupferfarbig mit fchönem Glän- 
ze, 



LV. Literatur. 149 

ze, unten nebft den Beinen dunkelgrün. Halsfchild 
äufferll fein und weitlänftig gepunktet. Die Pünkt- 
chen, womit die Deckfchilde befäet fmd^ deutlich; die 
Reihenpunkte nur wenig gröfler und flach , fo , dafs fie 
fich nicht merklich herausheben. Die Fühlerbafe hell- 
braun. Aach aus Portugall. 

Ob die beiden leztern Arten fchon unter andern 
Namen bekannt find, oder, wie gerainata Payk. mit 
gemellata Äö^ vermifcht werden, ifl; uns unbewufst. 

Hr. V. M. erkennt Chryf. haemoptera Pnz* nicht 
für triftis Fbr. und nimmt, da lUiger des Fabrizius ei- 
gene Beftimmung für fich anführt, an : entweder habe 
Fabrizius den Käfer verkannt, oder lUiger in der Pan- 
zerfchen Abbildung fich geirrt, 

Dafs das leztere nicht gefchehen ift, wiflen wir ge- 
nau, da wir felbft den Käfer von Illigern erhielten, und 
bevor wir das Erflere zugeben, erlaube Hr. v. M., wenn 
nemlich feine triftis mehr als Varietät ift , wovon wir 
noch nicht überzeugt find , da wir in der aus Wien 
jnehrmals erhaltenen triftis nichts als eine unbedeu- 
tende Varietät der basmoptera Pnz. an der die Fühler- 
wurzel etwas mehr als gewöhlich blau tingirt war, fin- 
den konnten , die Frage : woher denn ihm die Untrüg- 
lichkeit komme ? 

Ohngeachtet Hr. v. M. mit einer Zuverläfligkeit, 
die jeden in Erftaunen fetzen mufs , behauptet, dafs h«- 
moptera Fahr, die wahre Gccttingenfis LtJin. ( denn fo 
foli es doch wohl ftatt haemoptera heiffen ,) fey, fo wird 
er uns doch aus den vorhin angeführten Gründen 

fchwer- 



Ijo IV. Literatur. 

fchwerlich davon überzeugen und vergönnnen » die von 
ihm hier zufammengeftellten Citate und Synonymen vor 
der Hand noch für ungültig zu erklären. 

Die Bemerkung, dafs Chryf. fpeciofa Pnz* Herh. 
nicht z'i glf)riofa gehöre, fcheint fehr richtig zu feyn, 
wenn auch in der Form der leztern, die wir nicht eben 
galerukenartig finden, kein hinreichender Grund zu ei- 
ner Tjennung vorhanden feyn follte. Wir belitzen 
Stücke der gloriofa , die im Bau fchvirer von jener zu 
unterfcheiden find. Noch ill zu berühren : dafs die von 
Jllig hierher, mit gezogene Schiifferfche Figur Tab. 8. 
flg. 21. eher für Graminis, wofür fie auch Panzer 
nimmt , als iür gloriofa zu halten ifl. 

Die Zweifel gegen die von Illtger angekündigte 
Identität der Crioceris adufla undNecydalis notata, find 
allerdings erheblich. Sowohl die Befchreibung der 
leztern in der Ent. fyftem. , als das in dem Syft. Eleuth. 
hinzugefügte Citat aus Paykull, machen es mehr als 
zu wahrfcheinlich: dafs die von Hr. v.M. dafür erkann- 
re Art, Oedemera notata Latr. darunter gemeint fey, 
Indeflon können wir bezeugen: dafs der von Fabrizius 
felbft Necyd. notata benannte Käfer der Hübnerfchen 
Sammlung , die jezt das Eigenthum unfers Freundes 
Dr.Germar ift, kein anderer war, als Crioceris adufta. 

Bei dem, was Hr. v.M. gegen dlelllig* Meinung 
wegen Aphodius prodromus und confpurcatus einv/en- 
det, ift zu erinnern: dafs confpurcatus Liftn. weder, 
wie von ihm angenommen wird, einerlei mit confpur- 
catus jRi/'y. ift, noch auch, was Illig, glaubt, zu dem 

von 



IV. Literatur. 151 

von ihm für prodromus genommenen (liöicus Pn%. ge- 
gehört. Nach' Ktrbyi Verficherung mache er eine dem 
prodromus i^j^y. zwar verwandte, aber felbftiläodig© 
Art aus. Die genaue Befchreibung derfelben findet fich 
in Gyllenhall F. S. 1. 24. 17. 

Carabus axillaris und humeralis halten auch wir 
für zwei verfchiedene Arten. Da jedoch die Unter- 
fclieidiingsmerkmale lediglich in der Gröffe und Zeich- 
nung beliehen, und es fich fragt: ob fich nicht Ueber- 
gänge finden? fo möchte es wohl befcheidener feyn, 
mit Illigern zu fagen, {\cfchnnen es zu feyn y als mit 
Hn. V. M. zu erklären, fie fcheinen es nicht zu feyn, 
{oDdern ße finds. 

Ob Paykulls Car. humeralis mit Ausfchlufs der al- 
lerdings za axillaris gehörigen Varietät jS? die angege- 
bene Cymindis fcapularis Ül, läfst fich nicht genau be- 
ftimmen, weil diefe befonders auf dem Kopf- und Hals- 
fchilde fehr grob gepunktet ift ; Paykulls Käfer aber, 
nach der Befchreibung ganz feine Punkte haben foll. 

Um die frühere Mittheilung, dafs Carabus elatusF. 
nach Fabrizius eigener Beflimmung, der unter dem Na- 
men Scarites ftriola verfendete portugiefifche Käfer fey, 
Scarites gagates Pn%> aber, überdies ein Deutfcher, 
der Befchreibung ebenfalls zu entfprechen fcheine, zu 
berichtigen, zeigt IlUger an : dafs nach Lunds auf feine 
Sammlang gegründeter Beftimmung Car. elatus F. Pan- 
zers Scar. gagates , der portugiefifche Scar. ftriola aber 
Car. globofus Fabr. fey. Beides beftärige feine fiühern 
auf die Befchreibungen gebauten Vermuthungep» 

Man 



j$% IV. Literatur. 

Man fleht hieraus deutlich , dafs lUiger fchon che-i 
dem eeneigt war, den Scan gagates Pnz. für Car. ela- 
tus F/;r. , und feineq Scar. ftriola für Car. globofus F. 
zu ha'ren, dadurch aber, dafs Fabrixius den Scar. ftrio- 
la als Car. clatus beftimmte, veranlafst wurde, feine 
Meinung, obfchon ungern, zu ändern. Es k'äme nun 
darauf an , zu entfcheiden : wer im vorliegenden Falle 

7.U viel gefagt hat, lUiger oder Hr. v. M. ? 

' ' . . J..I 

Bei der Bemerkung zu Chryfomela calcarata, dafs 
man fie für h«rnorrhoidalis halten würde, wenn nicht 
die Gröffe im Wege Hände, glaubt Hr. v. M. Illigern 
aut einem fahlen Pferde ertappt zu haben, und freuet 
fich höchlich, dafs er doch auch einmal durch dieVer- 
fchiedenheit der Gröffe von der Zufammenziehun^ 
zweier Arten abgehalten worden fey, ,^ 

Welcher Werth in das Merkmal der Gröffe zu fe^ 
tzen ift, wiifste Illiger gewifs. Er hatte aber auch fehr 
recht, dafs er dem feit einiger Zeit eingeriffenen Un- 
wefen, einem Käfer, weil er etwas gröffer oder kleiner 
ift als ein anderer, fogleich zu einer befondern Art zu 
llempeln, feinen Beifall verfagte» Giebt es denn nicht 
auch in der übrigen organifchen Natur gröffe und klei- 
ne Individuen ? und fmd der Pattagone und der Eskimo 
etwas anders als Varietäten? Abweichung in der Gröffe 
allein ill zu Begründung der Art nicht hinreichend, 
felbfl" dann nicht, vi^enn fie durch Veränderung desCli- 
ma oder fonft , bleibend werden foUte, Sonach kann 
tiefes unmöglich , wie Hr. v. M, fagte , einen Vorbe- 
weis abgeben, dafs die von ihm hier aufgeilellten Käfer 

acht 



IV. Literatur. IJj 

acht verfchiedene Arten find. Eine forgfältige Verglei- 
chiing von 251 Individuen aus ganz verfchiedenen Ge- 
genden räth uns, diefe vier Arten auf zwei zu reduci- 
ren, nämlich viminalis Linn. Fahr» womit lopunftata, 
haBmorrhoidalis , calcarata, Baaderi Pnz, als Varietä- 
ten zu verbinden find , und rufipes Payk. für deren Ab- 
art wir 6punÖata F. halten möchten, weil die Befchrel- 
bung in der Ent. fyft. auf die. Stücke, denen die bei- 
den hinterflen Flecken fehlen , genau und befler pafst, 
als auf die von Panzer abgebildete und bisher dafür er« 
kannte Art. 

Dafs Illiger Unrecht that, wenn er Ciflela bicolop 
für eine durch Näffe veränderte fulphurea erklärte, ifl: 
fehr wahr , doch fcheint Hr. v. M. entgangen zu feyn, dafs 
aufler der abweichenden Farbe, fich noch bedeutende! 
Unterfchiede finden, nämlich der fchlankere Bau , die 
längern Fühler, die gröffern mehr heraustretenden Au? 
gen, und der Mangel der Gruben zu beiden Seiten des 
Halsfchildes , die nur durch ein paar feichte Eindrücke 
angedeutet find, 

Mit Ciftela rufipes, wozu allerdings das Synonym 
fufca Pn%- gehört, ifl: auch , wie uns Hübners Samm- 
lung überzeugt hat, AUecula varians Fahr, zu verbin- 
den, die nichts anders als braune Spielart, und daher 
in Syft. Eleut. aus der Reihe der Arten zu löfchen ill. 

Ganz ohne Grund tadelt Hr. v.M. dafs lUlger die 
Cifliela thoracica für Varietät der murina erklärt. Der 
Hübnerfche Käfer ift nichts anders als Spielart der mu- 
rina. 



154 ^^' Literatur. 

rina, mit irothem Halsfchilde und fchwarzen Deck- 
fchilden; Die Art, welche H. v. M. ganz irrig für die 
wahre thoracica ausgiebt, kommt bei Halle gar nicht vor. 
Wir erhielten fie aus Ungarn, und nennen liecollaris. So 
gehören auch Evonymi mit Pveppenfis Hbß. und rubri- 
collis /'«Ä ficher hieher» Die mehrere oder mindere 
Breite des Halsfchildes deutet die Gvfchlechtsverfchie- 
denheitan, wie wir an dieferund einigen andern Cifte- 
len - Artea bereits mehrmalen wahrgenommen haben» 



Wenn auch Ciftela maura nach Fabr. eigner Be- 
ftimmung Helops picipes Pnz. ift, fo folgt daraus noch 
nicht, dafs Ciil. brevis, (nichc brevicollis) Pnz. JHig, 
eine befondere Art feyn muffe. Sie gehört um fo wahr- 
fcheinlicher hieher, da Panzer klbti in der Revifion 
beide für einerlei erklärt. Wir rathcn daher im Mag. 
nicht das Synonym Helops picipes Pnz, , fondern das 
dabey flehende ? zu tilgen. 

Illiger hält Chryfomela 4maculata Lin. für die ge- 
wöhnlich als Clythra Scopolina Fabr. geltende, und 
von Panzer im Naturforfcher und in der Fauna als 
iblche abgebildete Art. Er nimmt an: dafs die Clythra 
4maculata Fbr» uns völlig unbekannt fey, mithin die 
Citate aus Linnee und Schäffer dafelbfl wegfallen muf- 
fen. Dagegen behauptet Hr. v. M. : da Linnee der ro- 
then Lefze nicht erwähne, und hinter der Mitte der 
Deckfchilde einen Fleck, keine Binde haben wolle, fo 
gehöre feine Chryf. 4maculata als Abart zu Clythra 
4maculata Fbr. nicht aber zu Scopolina. Der für Sco- 
polina gehaltene Käfer fey auch nur Abart davon > da- 

her 



IV. Literatur. 155 

her müfsten die Citate aus Lianee und SchäfTer ftcheu 
bleiben, 

Dafs Chryf. 4maculata Lin, Panzers Chryf, fcopo- 
lina fey, ifl uns nicht wahrfcheirlich, weil diefe, fo viel 
wir wiffen, nie mit 4 Flecken j fondejn fiets mit 2 Bin- 
den vorkommt. Wir glauben lie Iti einer Art des fud- 
lichen Europa zu erkennen , die lUigev Clythra niegä- 
cephala nennt , und in der Gröfse von 4 L. bis zu i;i L. 
abändert. Die gelbe Farbe, die blau-fchwarzen bis- 
weilen rundlichen Flecken, die gelben Schienen , alle 
drei Merkmale find in ihr vereiniget. Der in Sachfen 
einheimifche Käfer, der gewöhnlich für Chr. 4maculata 
gilt, ifl: verfchieden. Er ift, anderer Abweicjiungen nicht 
zu erwähnen, bei übrigens gleicher Zeichnung, brauner, 
und hat' ftets fchwarze Beine. Ob JFai^f . diefen unter 
feiner Chr. 4macul. verflianden, läft fich nicht beftim- 
men. Indeffen wird man verfucht es zu glauben , und 
ihn einer Unrichtigkeit in Andeutung der Merkmale zu 
ieihen , weil weder in Sachfen noch im übrigen 
Deutfchlande eine Art bekannt iil, auf die feine Diag- 
nofe angewendet werden könnte« Die Schäfferfche Fi- 
gur Hellt den Käfer deutlich dar, Panzers Chr. Scopo- 
lina halten wir nicht für eigne Art, fcndern für Variet. 
der Scopolina Fahr. , die fich durch die 2 Binden ftand- 
haft unterfcheidet , in der Farbe der Füfse aber, wie 
unfere Exemplare zeigen, veränderlich ifl. 

Wir unterfcheiden diefe 3 Arten fo: 

1) Clythra megacephala lUig. Chryf. 4maculata» 
Lin. S. Nr.I. 596. 77? 
Clythra floraüs Latr, Hift. iit 360. 15 ? 

2) 



15^ IV. Literatur. 

2) Clythra rubicunda. 
Laichnvt. Tyr. Inf. I. 169.3. 
Schaffer Inf. Tab. VI. fig. 6. 7. 
4maculata F. S. E. 2. 36. 38? 
rubra Oliv. Encyc. Meth. VI. 35» 22 ? 
Latr. bift. 11. 359 11? 

Ceoßr, Inf. I. 196.2. 

Chryf. melanocephala Schaller ASt. Hall. I. 276. 

3) Clythra Scopolina. 
F. S. E. 2. 39. 52. 
Panz, F. G. 48. 15^. 
Zarr« Hift. II. 360. 14. 

Chryf Scopolina Limi. S. N. IL 597» Sl* 
Naturf. 24. 17.23« Tab. I. fig. 23. 
Cryptocephalus Scopolii Roffi F. E. 1. 9 Ui:a32* 
Bupr. unifafciata Scopoli Carn. 66. 205, 
Oliv, Enc. Meth. Tom. I. fig. 3. 

Gegen Illigers angeblich auf wiederholte Erfah- 
rung fich gründende Bemerkung : dafs Cryptocephalus 
flavilabris das Männchen von marginatus fey, erinnert 
Hr. V. M. : das Männchen des marginatus habe mehr 
oder weniger rothgefärbte Deckfchildfpitzen , bey fla- 
vilabris hingegen wären beide Gefchlechter fich in dec 
Farbe gleich. 

In Ermangelung einiger Erfahrungen halten wir 
unfer Urtheil hierüber zurück. So viel ift gewifs, dafs 
flavilabris von marginatus , die Farbe ausgenommen9 
fich nicht im minderten unterfcheidet. Was uns aber 
aus Braunfchweig für marginati mas. und flavilabris ge- 
iandt wurde > erkennen wir für eigne Art, die fich 

durch 



IV. Literatur. 



M7 



durch ungepunkteten Halsfchild, undeutlich gepunk- 
tete Deckfchilde und gelbe Vorderbeine als folche be- 
währt. Sie ift Crypt. affimilis Hrbß .Avch* V. 63. 13, 
nitens Schneid, Ma^. 216. 28. nitens PajiLVar.ß. 

Bei Dafytes flavipes, wo der Zufatx: „und auch 
das aus den K. P. hätte beigefetzt werden follen,'* uns 
völlig unverftändlich ift , giebt Hr. v. M. llligern recht, 
dafs das Citat aus Panzer wegfallen miille , und will 
daffelbe, nach Fabrizius eigener Beftimmung, mit 
Dermeftes tomentofus Pnz.^ den Illiger fragweife zu 
feiner Melyris pallipes zieht , vertaufcht wiffen. 

Nach unfrer Ueberzeugung ftellen Lagria flavipes 
Pnz, F.G. VI. II. und Dermeftes tomentofus, XL. 12. 
ein und denfelben Käfer dar. Gehört daher jener hie- 
her, fo mufs auch diefer ftehen bleiben. Wir fetzen 
demnach zu 

' Dafytes flavipes Fahr, 
• Derm. tomentofus Pnz, F. G, 40. 1 2- 
Lagria flavipes ibid. 6. 1 1. 
Melyris pallipes IlUg. Mag. L 83. 4. 
Lagria livida F. S. E. 2. 71. 14. 
Leztere nach den urfprünglichen Exemplaren der Hüb- 
nerfchen Sammlung. Zu 
Melyris plumha. IlUg. 

Dafytes flavipes Payk F. S.L 158. 4» 

Gyllenhall Inf. Suec. L 327. y. 

Die Anmerkung bei Dafytes linearis können wir 
ohnmöglich genehmigen. Wir kennen zwar nur eins 
Art, nemlich den von Fahr, aufgenommenen Schwe- 

difchen 



158 IV. Literatur. 

difchen Käfer , tnüffen aber verfichern , dafs diefer von 
dem Tillas filiformis, den wir aus Creutzers theurer 
Hand erhielten, fich nicht im mindeften unterfcheidet. 
Er ändert, wie auch Paykull bemerkt, mehr oder weni- 
ger bläulich ab» Die Diagnofe und Befchreibung im 
Syil, Eleut. find fehlerhaft. Wahrfcheinlich verwech- 
ftlte Fabrizius das Wort elongatus aus Verfehen mit ro- 
tundatus. 



Bei Cerocoma Schreberi wird IlJigern der fonder- 
bare Vorwurf gemacht, dafs Schaffe' i Rojß ganz Un- 
richtig hieher gezogen fey , weil die Belchreibung zu 
fehr abweiche. Wir geliehen , dafs wir nicht den 
mindeften Anllofs darin ne finden. Auch haben von 
Roffi felbll gefendete Stücke feines Käfers uns über- 
zeugt, dafs beide zufammeo gehören. Uebrigens fetzt 
der Schlufs: Schäfferi Rofß fcheine um fo mehr eigne 
Art zu feyn, weil H. v. M. noch eine andere kenne, 
eine uns fremde Logik voraus. 

Es nimmt Hn. v. M. Wunder, dafs IIligeY die von 
Fabricius bei Mylabris Cichorei angeführten einander 
widerfprechenden Citate mit Stillfchweigen übergangen, 
und in der Sache nichts entfchieden habe,^ Uns hat 
dielös nicht im mmdeflen befremdet , denn es fällt bei 
der Verwirrung, die hier herrfcht, in die Augen, dafs 
ficli nichts befriedigendes darüber fagen läfst» Unfers 
Bedünkens iil es das Befte, von dem Fabrizifchen Käfer, 
bewandten Umftäoden nach keine Notiz zu nehmen, 
und den von Panzer abgebildeten mit dem Namen Fuefs- 

lini 



IV. Literatur» ij9 

lini, den von Koy entdeckten aber als auftralis Koy 
beizubehalten. 



Wenn H. v. M. die Einziehung des Pytho feftivus 
und caftaneus , die IWger für Spielarten des coernleus 
erkennt, unrichtig findet, fo bitten wir ihn, uns mit 
den nach feiner Angabe , in den Fühlern liegenden Un- 
terfchieden naher bekannt zn machen. Wir haben fol- 
che vor der Hand noch nicht finden können j und ge- 
trauen uns nicht IWgem zu widerlegen. 

Cetonia floricola Hbß. ill allerdings eigene , von 
aurata verfchiedene Art; allein die GröiTe erkennen wir 
nicht für ein entfcheidendes Merkmal > da beide darin- 
cen abändern, und zuweilen einander ganz gleich find» 
Aurata ift auch bei der flüchtigflen Anficht an dem tief- 
ausgerandeten Kopfe zu erkennen» 

Die Frage : ob Cet. florentina Hbß» Abänderung 
von metallica F* fey ? was lUig* glaubt, läfst fich 
nur dann erfl: beantworten , wenn wir gewifs wiflen, 
was Fabrizius unter metallica verftand; damit find 
wir aber noch nicht im Reinen , denn die Fabrizifche 
Bezeichnung kann eben fo gut auf eine ungefleckte 
Varietät der floricola Hbfl. angewendet werden. Eine 
folche erhielten wir auch aus Wien, als metallica. Was 
lUiger dafür hält, ift eine andere Art, denn er verbin- 
det mit ihr Mag, V. 234. die anguftata, des Wiener 
Auöionsverzeichniffes, die fich deutlich, befonders durch 
den über dem Schildchen nicht ausgerandeten, fondern 
faft gerade abgeftuzten Halsfchild unterfcheidet. Herbfls 
Florentina, dio wir aus Italien bekamen, zeiciinet fich 

durch 



xSo IV. Literatur. 

durch ihre fchlanke Form , ein fchönes glasartiges 
Smaragdgrün der Oberfeite, und eine zarte fparfame 
Sculptur aus. Es ifl: leicht möglich , dafs diefe die wah- 
re metallica Fh, ifl:, weil das Vaterland übereinftimmt. 

Bei Melolontha vulgaris foll HerJfls Figur 2. Ta- 
fel ^3» wegen der kleinen Fühler utid des kürzern dün- 
nen Afterfortfatzes unrichtig angezogen feyn. Auf der 
vor uns liegenden Tafel find aber die Fühler eben fo 
grofs angegeben, wie fie fich in der Natur bei vul- 
oaris finden , und der kleinere Afterfortfatz ifl vielleicht 
einer Untreue des Künfl:Iers ziizufchreiben , der, wie 
wir an andern Figuren fehen , fich nicht ftreng an die 
Natur band. Wir können daher ipenigßens in diefem 
Bilde keine neue Art finden. 

Nach Hn. v. M. Ausfpruch foll Bupreflls punÖata 
eigene Ait', keineswegs aber Varietät der ruflica feyn, 
wofür fie Illiger nimmt. Weit entfernt ihn für feine 
Perfon eines beffern belehren zu wollen , merken wir 
nur zur Notiz Anderer an: dafs punftata nichts als Ab- 
art der rufl:ica ift, wie wir durch eine anfehnliehe Folge 
von allmähligen Uebergängen unwiderleglich darthun 
können. 

Bupreflis maculata ifl: Spielart der weiblichen fla- 
vomaculata, nicht aber das Weib, wie es gewöhnlich 
fich findet, mithin mufs der Name flavomaculata der 
Art bleiben. Dagegen ill der Vorfchlag : dafs in den 
Fällen, wenn die Gefchlechter einer Art als ganz 
Verfchiedne Arten aufgeftellt find, und ein Name wieder 

ein- 



IV. Literatur. i6i 

eingelien mufs, der Name des Mannes beibehalten 
werden möchte , zu billigen. 

Die Bupeftr. 4Uneata glauben wir nicht zu be- 
fitzen, und wagen daher nicht zu urtheilen, ob fie von 
moefta verfchieden fey. Ifl: fie es, fo war dennoch die 
von lUigem gefchehene Vereinigung zn entfchuldigen, 
da Herbfls Befchreibnng und Abbildung derfelben die 
moefta fo treffend bezeichnen, dafs es fchwer feyn 
möchte, fie für etwas anders zu halten. 

Das die vier Citate nitida Herbß p. p. bey IlUg, 
nicht zu Bupr. falicis gehören, fondern zu nitida Rofft^ 
kann einem nur irgend aufmerkfamcn Lefer nicht ent- 
gehen, befonders, da der vorletzten Zeile ein; bei- 
gefügt ift. , 

Bei Elater peÖinIcornis äuffert Hr. v. M. fich dar- 
über, dafs mjg> den aeruginofus und cnpreus als Varie- 
täten dahin verweill, in einem etwas unanftändigen To- 
ne. Er fagt: es fey falfch und einem Machtfpruche 
ähnlich. Schade, dafs nicht auch fignatus und andere 
Weher geprefst würden, um die Sippfchaft noch gröffer 
zu machen. Wie konnte er fich unterfangen Illigern 
einen Machtfpruch vorzuwerfen, da , wenn wir anders 
die Worte ; falfch, unrichtig u. dergl. als Machtfpruche 
annehmen, in feinen Bogen einer den andern treibt? 
Oder hält er fich vielleicht für einen competenterea 
Richter ? Eine folche Sprache durfte Hr. v. M. gegen 
einen Mann , der ihm an Scharffinn und Kenntniüen 
weit überlegen ift, nicht führen. 

Hiß 11 L Dafs 



iSz IV. Literatur. 

Dafs Elater cupreus nicht füglich mit peQinicornis 
2U vereinigen fey , geben wir gern zu , weil die ftets 
langem Fühlerkämme bei letztern charackteriftifch zu 
feyn fcheinen. Die angegebenen Unterfchiede zwi- 
fchen cupreus und scruginofus hingegen, können wir 
feibft bei der mühfamllen Vergleichung nicht finden. 
Bei beiden fehen wir die Fühlerkämme gleichlang. Die 
Deckfchildftreifen fowohl, als die Punkte der Zwifchen- 
räunie find bei dem Einen, wie bei dem Andern, bald 
llärker, bald fchwächer ausgedrückt, und das Schild- 
chen ift bei gleichgrofsen Stücken von einerlei GröfTe. 

"Was übrigens die Gedanken betrifft, die Hr. v. M. 
bei diefer Gelegenheit über die Vortheile der Artenver- 
niehrung äufsert , diefe möchten fich nicht füglich mit 
richtigen fyftematifchen Begriffen von Art und Abart 
vereinigen laflen. Nach unfern geringen Einfichten be- 
ftimmen wefentliche, ftandhafte, durch Fortpflanzung 
übergehende Merkmale die Art. Abweichung im Ein- 
zelnen, die fich nicht als bleibend bewährt, und blos 
individuell ift , giebt die Varietät. Es ift fonach kei- 
neswegs unferer Willkühr überlaflen , Abart zur Art, 
oder Art zur Abart umziifchaffen. Wem es Vergnügen 
macht, fich als Entdecker neuer Arten recht oft genannt 
zu wiffen, oder, wer durch Namenvermehrung feinem 
Gedächtnis zu Hülfe zu kommen fucht, dem fey es 
zwar vergönnet feibft die unbedeutendfte Abweichung 
vom Typus zur Art zu ftempeln ; er behalte aber diefe 
Art von Arten für fich und fey billig genug folche an- 
dern nicht aufdringen zu wollen. Wir haben einfe- 

hea 



IV. Literatur. i$^ 

hen gelernt, welche Nachtheile eine frivole Artenver* 
vielfältignng der Wiflenfchaft bringt , und es kann nicht 
fehlen, dafs fie fall: mit jeder neuen Entdeckung furcht- 
barer werden muffen. Bei der grofsen Anzahl von äch- 
ten Arten, die uns in neuern Zeiten bekannt worden 
find, und, deren Zahl immer mehr zunimmt, und bei 
der zarten Verwandfchaft, worlnnen viele mit einan- 
der flehen, ift es fchon jetzt oft fchwer, folche felbft 
nach genauen Befchreibungen und treuen Abbildungen 
mit Sicherheit zu unterfcheiden. Wie foll es endlich 
werden, wenn man fortfährt, noch ein Heer anderer 
darunter zu mifchen , deren Merkmale fchwankend find9 
oder wohl gar nur in der Einbildung beruhen. Unter 
diefe Cathegorie dürften z. B. gleich die von Hn. v. M. 
bemerkten Unterfchiede der Sculptur zwifchen Elater 
peftinicornis, cupreus und aeruginofus gehören. Man 
prüfe und urtheile, ob fie für gültig angenommen wer- 
den können. 

So grofsen Werth wir der Art beilegen, und {o 
fehr es uns freuet, wenn wir Gelegenheit finden, unfr© 
Kenntnifs der Arten durch neue Entdeckungen berei- 
chern zu können ; fo wiffen wir doch auch Varietäten 
zufchätzen, zumal da das dem Hn.v. M. fo läftigeMe- 
moriren derfelben uns ganz fremd iil. Sie find es be- 
fonders , die unfern Blick fchärfen , das Auge an eine 
richtige Würdigung der Merkmale , welche wefentlich, 
welche unwefentlich find, gewöhnen und überdies dem 
fchöne Winke geben , der nicht blos am todten Bilde 
klebt , fondern fich angelegen feyn läfst , dem wunder- 
L 2 famen 



1^4 *V' Literatur. 

famen Gange der Natur bei Bildung ihrer GefchÖpfe 
nachzufpühren. 

Wie oft läfst Hr. v. M. von einer eingebildeten 
Untrüglichkeit verleitet, fich zu ungegründetem Tadel 
hinreiffen! - 

Elater linearis Linn. , den Illiger bei livens citirt, 
füll eigene, dem lliöicus /'»Si. ähnliche Art feyn. Wel- 
che fonderbare Behauptung! Nicht allein der Name 
und die näiiere Bezeichnung des Käfers rechtfertigen 
IlUgers Meinung, fondern das Udmannfche Citat bei 
Lhm. fetzt die Richtigkeit derfelben auffer allen Zwei- 
fel. Dafs es von ihm heifst: eil inter minores, darf uns 
nicht irren, da es auf kleinere Exemplare, wie wir de- 
ren mehrere befitzen, fehr gut angewendet werden 
kann. 



Zu Elater obfcurus foll rufipes Hevbfl nicht gehö- 
ren , weil diefer immer fchmäler, der Kopfrand vorn 
weniger geläumt, nnd das Schildchen länger fey. Wir 
finden aber die Herbflfche Figur nicht fchmäler, fon- 
dern vielmehr breiter, und können folche, ob fie fchon 
wie viele Andere, im Umrifs verfehlt ift, bei der ihr 
zugegebenen Befchreibung um fo weniger für etwas 
anders halten, da von den übrigen vom Hrn. v. M, an- 
gegebenen Eigenthümlichkeiten nicht das Mindeile er- 
wähnt wird. 



Dafs Elater caftanipes Paykull gewifs einerlei mit 
obfcurus ift, fehen wir aus Gyllenhall, der die Art ful- 
vipes nennt, und fie in Lunds, von Fahims felbft be- 

ftimni- 



IV. Literatur. i6$ 

ftimmter Sammlung, als obfcuriis F, fand. Wir befit- 
zen eine merkwürdige Varietät diefes Käfers, dem die 
Deckfchildilreifen faß ganx fehlen. 

Bei Elater marginatus macht Hr» v. M. Illigevn 
den Vorwurf: dafs er den wahren marginatus Linnee 
nicht kenne. Man möchte hier wohl fragen : wer denn 
ihvi denfelben fo genau kennen gelehrt habe ? da felbft: 
Schwedens Naturforfcher darüber noch uneins find! - 
Nach Paykull foll er longicoUis Fi , nach GylleJihall 
lateralis Oliv, feyn. Gyllenhalls Meinung fcheint uns 
die richtigere, daher halten wir auch nicht für rath- 
(am, die Art nach Hn. v.M. Vorfchlage im Syfl. Eleuth» 
anszLillreichen, und als Synonym zu longicollis zu brin- 
gen. Wir lafifen fie einftweilen noch an ihrem Orte, 
und verwandeln die verworrenen Citate in folgende : 

GyUenhall \nL Suec. I. 432. 61. 

Herbft Col. X. 76. 86. tab. 164. fig. 12. 
El. lateralis O/zV.Inf.si. 50. 71. T.g. fig. gi.a.b. 

dorfalis iPd[);^. F. S.IIl. 4.5, 

lineatus Degeer Inf. IV. 158. 20» 
llifticus Pam. iit wahrfcheinlich Varietät. 



Sehr wahr iil es , dafs Prionus faber und ferrarius 
zwei ganz verfchiedene Arten find. Diefe Bemerkung 
ift eben nichts weniger als neu, und daher fleht die 
ohnehin kleinliche Frage : was werden nun die erfahr- 
nen Sammler dagegen anführen? um fo weniger am 
rechten Orte. 

Lamia Sartor erklärt Illtger für Abänderung der 
männlichen Sutor^ Hr. v, M. findet aber diefes unrich- 
tig- 



i66 IV. Literatur. 

tig. Wir, uhfers Orts, können, in Ermangelung eig- 
ner Erfahrungen , nur anmerken : dafs uns ein nicht un- 
xuverläffiger Sammler verfichert hat : er habe beide in 
der Begattung gefangen. Die lungern Fühler und Füflb 
bei Sartor fcheinen CharaÖere des männlichen Ge- 
fchlechts zu feyn, und für ////g^^r/ Meinung zu fprechen. 
Die vom Hn. v. M. an den Sutor wahrgenommenen Un- 
terfcheidungsmerkmale können wir an unfern Stücken, 
die zum Teil auch aus Wien kamen j nicht entdecken. 

Bei Saperda ferrea fagt Hr. v. M. : dafs Illiger^ 
derfie für Abänderung von nigripes hält, die wahre fer- 
rea miskenne. Sie habe den Bau der virefcens, fey 
hinten nicht erweitert u. f. w. Schranks und Fabricius 
Käfer wären Eins und eigne Art. 

Da Schrank in der Fauna Boica bei Saperda fer- 
rea ausdrücklich bemerkt: Flügeldecken SpltzewärtS 
breiter^ fo mufs fie fich nothwendig von derFabrizifchen, 
die, wie wir hier Jefen, und durch unfere Stücke be- 
iVätigt finden, hinten nicht breiter, fondern wie vires- 
cens gebauet ift, unterfcheiden, und wir wiffen daher 
nicht, was den Hn. v. M. auf den Einfall bringen 
konnte, zu behaupten, dafs beide zufammengehören. 
In fo fern Illiger Schranks Käfer für Varietät von nigri- 
pes erklärt , hat er vollkommen recht, und dafs Fabt\ 
eine andere Art dafür angenommen habe, konnte er 
kaum vermuthen. Wir befanden uns mit ihm in glei- 
chem Falle, werden aber jetzt ganz unerwartet eines 
beffern belehrt. Der Mangel der Nummer bei dem 
Citate in dem S. E. erweckt den Verdacht : dafs Hr. v. 

M. 



IV. Literatur. 167 

M. felbft Schuld an dem Irrthum fey, denn es fcbeint, als 
ob er den Käfer als den Schrankfchen an Fabrizius ge- 
fandt, und diefer denfelben, ohne weiter nachxufchla- 
gen, auf Treue und Glauben dafür angenommen habe. 
Panzers nicht mit dem gewöhnlichen Fleiffe be- 
handelte Figur 97. 15. die wieder eine befondere Art, 
dubia Anderfch feyn foll , ift ohne Zweifel die wahre 
ferrea Schrank y wofür fie Hr. v. M. nicht erkennen 
will. 



Bei Callidinm fufcum flehen die von Illigern dazuge- 
zogenen arvenfe und trifte Pn%. fehr richtig, und dür- 
fen nicht ausgeftrichen werden, wie Hr. v. M. will, 
weil die von ihm angegebenen Unterfchiede blos zu- 
fällig find, und nichts beweifen. Ueberhaupt aber mufs 
der Käfer aus der R.eihe der Arten wegfallen , da er 
nach dem Hübnerfchen Exemplare nichts als Varietät 
von luridum ift. 



Dafs Leptura bipunftata Abänderung von unipun- 
öata fey, kann unmöglich, wie Hr. v. M. fich aus- 
drückt, als unrichtig auszulöfchen kommen, da wir in 
einer Reihe von Individuen der unipunftata, die in Un- 
garn gefammelt wurden, und unmerklich in die acht 
ruffifche bipunftata übergehen , die fchönften Belege 
dazu haben. Das von cinfta und fanguinolenta herge- 
nommene Argument ift ganz ungültig, denn zwifchen 
diefen beiden Arten finden fich außer der abweichen- 
den Zeichnung auch wefentliche Unterfchiede im Bau, 
die nur einem blöden Auge entgehen können. 



Ob 



j6S IV. Literatur, 

Ob Leptura futuralis, wie Jlliger behauptet, Ab- 
änderung der 4guttata ift, oder nicht? wagen wir 
nicht zu beurtheilen. Die Erfahrungen derer, die fie 
beifammen fanden , fprechen allerdings für das Erfte» 
Wie aber Hr. v. M. darauf fallen kann, die futuralis 
für gewifle Abart der ihr fo wenig ähnlichen lurida an- 
zufprechen, ifl uns unbegreiflich. Von einem Manne, 
der Muth genug hatte IHfgern Hohn zu fprechen, hät- 
ten wir einen Solchen Mifsgriff nicht erwartet. 



Wir zweifeln zwar keinen Augenblick, dafsFabri- 
2ius die Leptura Chamomillae durch I Ir. v. M. erhalten 
habe, können aber nicht zugeben, dafs fie Varietät der 
fanguinolenta fey; fie Ül Abart der weiblichen cinöa. 
Das Weib von fanguinolenta hat flets einfarbig rothe 
Deckfchijde: nur bei cinöa färben fich diefe mehr oder 
weniger fchwarz, und wir befitzen ganz allmählige 
Uebergänge von der gewöhnlichen Zeichnung mit 
fchwarxem Seitenrande, bis zu der ganz fchwanen Cha- 
momillae. 



Die Erinnerung bei Lept. marginata nöthigt uns 
die Frage ab : worinn denn eigentlich der wefentliche 
Unterfchied zwifchen ihr und morio bellehe ? Wir be- 
fitzen die morio 

i) ganz fchwarz, 

2) fchwarz, mit braunem Deckfchildrande, 

3) mit braunen Deckfchilden und Schienen. 
Sollte die Varietät 2. nicht auch mit fchwarzen Schienen 
vorkommen, wie (lePaJizer darftellt, und //%er fahe, 
und dann morio feyn? 

~ Mit 



IV. Literatar. 1^9 

Mit den Illlgerfchen Ziifät7.en za Necydalis tba- 
laflina und viridifrima find wir zwar ebenfalls nicht eiry 
verftanden, müflen aber bei alledem geftehen, dafs 
viele Bemerkungen des Hn. v. M. noch weit gröflcre 
Sünden enthalten. 

Nach unferer Ueberzeugung darf das Cltat aus 
LifJn. nicht zu thalaflma voi fetzt werden, weil viridiffi- 
ma allerdings auch mit einfarbigen Füffen vorkümmt> 
und auflerdem in der Linneifchen Befchreibung des Kä- 
fers nichts enthalten ift, was uns anräth, ihn für thalaf- 
fina zu nehmen. Hierbei ift noch zu erwähnen , dafs 
die Bildung des HalsfchildeSj wor innen der eigentliche 
Unterfchied beftehen Ibll, fich nicht immer ganz gleich 
bleibt, und bisweilen unmerklich in die bei jener über- 
geht, fo, dafs man verfücht werden könnte, beide für 
ein und diefelbige Art zu halten» Dafs thalaffina nicht 
fo vergoldet fey, als viridiffima , können wir nicht zu- 
geben, da Eins unferer Stücke weit mehr Goldglanz 
hat, als alle Exemplare der Letztern. 

Die Verfetzung der Necydalis melanura als Abart 
zu ullulata, erklärt H» v. M. geradezu für falfch. War- 
um? Die Befchreibung der melanura, fo dürftig fie 
ift, bezeichnet genau die weibliche uftulata, das Citat 
aus Olivier aber, was Hr. v. M. der darinnnen enthal* 
tenen Widerfprüche ohngeachtct > für gut hält , gehört 
offenbar zu der Art, die er unmittelbar nachher für 
Necydalis notata erkennt, und gegen Iliigern in Schutz 
nimmt 

Dafs Illiger die uftulata eben fo gut kannte als 
Hr» V. M, ficht man aus Mag. VI. pag» 304. Was aber 

dl« 



I 70 IV. Literatur. 

die von ihm zufammengefteliten Synonymen anlangt, 
da fcheint wenigftens Panzers collaris zu melanoce- 
phala und aduila zu fimplex zn gehören, wozu fie auch 
lUiger felb/l in der Folge verfetzt. Eine eigne Art kön- 
nen wir in der Letztern nicht erkennen. 



Welche Autorität J/Iiger für fich hatte, wenn er 
die Necydalis notata für einerlei mit Crioceris notata 
erklärte , ifl vorhin fchon erwähnt. Wie daher Hr. v, 
M. , der, beiläufig gefagt, nicht einmal die Begriffe 
beleuchten und erleuchten richtig zu unterfcheiden 
weis, Co eine Sprache führen kann, wie hier, läfst 
fich kaum erklären. Was würde er fagen , wenn man 
in gleichem Falle fich beigehen lieüe , ihm , wäre es 
auch gleich auf eine nicht fo ungefchickte Weife, zu 
widerfprechen! Ifl eine Verwirrung hier gemacht wor- 
den , fo fällt fie nicht Illigern zur Lall, fondern FabrU 
%ius felbft. 



Dafs lUig. den Bruchus Cifti Patiz, und villofus 
Strm. mit Unrecht zu Cifti F. gefetzt hat , fcheint fo 
ausgemacht noch nicht. Im Gegentheil halten wir ihn, 
da er wegen der feinern und dünnern Haarbekleidung 
fchwärzer ift, für den wahren Fabrizifchen Käfer, und 
den flärker behaarten Cifti Payk, , der aufler der bräun- 
lichen Fühlerwurzel fich auch fonft noch durch gröbere 
Punkte auf Kopf- und Halsfchild, die mehr konifche 
Form des Letztern und deutlichere Deckfchildftreifen 
linterfcheidet, für villofus. Die Größe ift veränderlich» 

Die Bemerkung, dafs Curculio elljpticus Hrhfl» 

' nicht 



IV. Literatur. 171 

nicht zu Campanulae gehöre, ifl gegiUndet, Uns fcheint 
CS, als ob diefes Synonym mit 

Linariae P}7%. F. G. 26. 18. und 

AjugaB Hrhfl. Cd. 6. 192, 132» 
TU vertaufchen feyn möchte , doch fehlt uns noch die 
GewriXsheit. 

Bei Curculio dorfalis halten wir ebenfalls die Ci- 
täte aus Payk. und Pnz. für richtig, und fetzen voraus, 
dafs Fabricius die femora fubdentata überfehen habe. 
Allein , das Linn. Citat mufs wegfallen , da es gewifs 
nicht hieher gehört. Faft fcheint es , als ob Linn, den 
R. beccabungae unter dorfalis verftanden habe. 

Bei Cur. venuftus können wir nicht zugeben , dafs 
das Synonym parallelus Pnz. zu löfchen fey. Wir fan- 
den diefen Käfer in vielen Abänderungen von dem dun- 
kelften Braun, bis in das Silberweiffe , mit und ohne 
Zeichnung , und glauben verfichern zu können , dafs 
nicht allein obige beide , fondern auch aus Herbfl un- 
ter venuftus noch Pegafo als Varietät hier unterge- 
bracht werden mülTe. Der Käfer hat ebenfalls femora 
fubdentata, daher kommen verrauthlich die falfchen 
Angaben in Anfehung der gezahnten und ungezahnten 
Schenkel* 



Die Erlaubnifs zu zweifeln , ob Cure* Ceraforum 
und efuriens Eins findj geben wir Hn. v. M. mit Ver- 
gnügen , wenn er auch keine Urfache dazu haben foUte. 
Eben fo gern geftehen wir aber auch, dafs es fehr un- 
recht von Illigern gewefen feyn würde , wenn er das 

Citat 



172 IV. Literatur, 

Citataus HevlßimSyOi. Elcuth. hätte wegftreiqhen wol- 
len, da es, wenn fchon als eine fehlerhafte Abbildung, 
ganz gewifs hieher gehört , wie aus der ßefchreibung 
deutlich erhellet. 



Bei Cure, melanocephalus finden wir in Anfebung 
des Citats aus Panzer ebenfalls kein Bedenken. Eben 
fo gilt fcheint aber auch das aus Herbfl xn feyn, da 
die Härchen, welche das Sdhildchen decken, fich oft 
Abreiben. C. Phyllocolla Hhfl Col. lo. i6i. r8. t.70. 
flg. 14. möchte nicht minder hieher zu bringen feyn» 

Curculio parallelipipedus Hrhfl» dürfte allerdings, 
jedoch mit Ausfchlufs der dabei erwähnten Varietät, die 
wir zu linearis ziehen, für eigne Art gelten. Der Ruf. 
fei ift zwar auch bei ihm an der Spitze erweitert, al- 
lein er ift länger und fchmäler, die Punkte auf dem 
Halslchilde find weniger dicht, auch flächer, und der 
ganze Körper platter, Uebrigens möchten wir den Rüf- 
fel bei linearis nicht gern lüffelförmig nennen, weil 
die Erweiterung viereckig ift, und wenigftens hier zu 
Lande dergleichen Löffel nicht üblich find. 

Wie wenig Hr. v. M. Uitheilen, wenn fie auch 
mit noch fo vielDreiiligkeit ausgefprochen werden, zu 
trauen ift, fehen wir unter andern auch bei Lixus fer- 
rugatus. Hierfagt er, Jlligers Bemerkung, er fey Ab- 
änderung von anguftatus, muffe als unrichtig ausgeftri- 
chen werden; Da wir Gelegenheit hatten , den Käfer 
der Hübnerfchen Sammlung zu vergleichen, fo könnea 
wir um fo gewiffer verficher«, dafs//%erx Behauptung 

ihres 



IV. Literatur* 173 

ihren völligen' Grund hat, und ferrugatiis nichts anders 
als ein gelb beftaubter anguftatns ift, bei dem auch dio 
von Fahr angegebene GröiTe beträchtlicher ift, als bei 
lateralis Hl^fl, genau zutrifft. 

Dafs Cure, nigrinus Hilß.y den Hr. v. M. wie 
man aus der Vergleichung mit T album Linn. fieht, 
verkennt, zu Lixus Atriplicis gehöre , bleibt ungewifs. 
Wenn dem fo ill, mufs i\bfinthii Pn%. auch dazu kom- 
men , weil Illiger^ der Herbib Käfer wohl kennen 
muls, da er, wie bekannt, groffen Antheil an der Bear- 
beitung der Herbftfchen Curculionen hatte , denfelben 
in der Revifion der Panzerfchen Fauna I. p. 130. als 
Synonym zu Jenem fetzt. Was Fabr. unter Lixus Atri- 
plicis verilandj wird fchwer auszumitteln fevn, denn 
die Befchreibung ift nicht genau genug, und denCita- 
ten aus Linn. und Paykull widerrprechend. 

Curculio fellatus ift allerdings nicht Abänderung 
von viridis, wohl aber von polllnofus , wie wir bei ei- 
ner genauen Vergleichung der aus Rufsland nns zuge- 
kommenen Stücke fanden. Vielleicht hatte IlUger fich 
verfchrieben. 



Dafs Cure, limbatus ein verwifchter pllofus und 
faber Herbß fey, wie Illiger annimmt, möchten 
auch vi^ir nicht gern zugeben. Eher noch könnte man 
ihn für ein abgeriebenes Stück von einem dem pilofus 
//r^y?. ähnlichen Käfer halten, der uns ausBraunfchweig 
unter dem Namen inflatus Knoch, gefand wurde. 



Bei 



174 1^' Literatur. 

Bei Cure, mercurialis erklärt es Hr. v. M. für 
falfch, dafs Illiger den elevatus mit ihm vereinige, 
weil diefer keine erhabene Linie auf dem Halsfchilde 
habe. Es hätte ihm aber nicht entgehen follen, dafs 
nicht von des Fah. , fondern von Herbfls elevatus die 
Rede ift, wo mit klaren Worten gefagt wird : dafs auf 
der Mitte des BruftlVücks eine erhabene Linie ftehe. 
.Hr gehört demnach beftimmt zu mercurialis» 

Da FahiziuS) wie wir von Hn. v. M. hören , dje 
Beftimmung des Cure, maftyx HelliP, für niger , in der 
Folge zurück genommen, undErfteren für eine verfchie- 
dene Art erklärt hat, fo möchte wohl kein Bedenken 
mehr obwalten , die. in der Entom. Helv. fehr treffend 
abgebildete und auch zeither dafür angenommene Art, 
als den wahren niger beizubehalten, zumal, da auch 
die übrigen Citate damit übereinllimmen. 

Wenn wir auch gern zugeben, dafs Hr. v.M. den 
Cure, fquamiger kennen muffe, weil er durch feine 
Hände an Fabrizius gieng, fo können wir doch nicht 
umhin zu fragen: worinn eigentlich der Unterfchied 
zwifchen ihm und lepidopterus beftehe? Wir. befin- 
den uns im gleichen Falle mit Illiger , denn auch uns 
wurde unter beiden Namen ein und diefelbe Art aus 
Wien gefendet. 

Die Bemerkung, der unter dem Namen ovulum 
Illig. bekannte Rüflfelkäfer fey nach Fabrh. eigner Be- 
ftimmung Alneti F. ift intereflant. Wem konnte aber 
auch diefes einfallen > da Fa^r. feinem Alneti Gröffe und 

Bau 



IV. Literatur. 175 

Bau des Pyri giebt, diefer hingegen gewöhnlich noch 
einmal fo grofs , und auch im Bau ganz verfchieden ift. 

Dafs Carabus rubens F. tempeftivus Pnz, fey, be- 
zweifeln auch wir. Es war aber von Seiten Illigers 
eine blofse Anfrage, und diefe ftand ihm doch wohl 
frei? Das affinis atricapillo im Fal;r. pafst eben fo gut 
auf tempeftivus , wie das ftatura et magnitudo praece- 
dentis bei Cure. Alneti auf ovulum Illig. Der aus Wien 
uns gefandte rubens ift in der Ent. Helv. IL Tab. 2. fig, 
B. abgebildet» Das Halsfchild unterfcheidet ihn fehr 
von dorfiger, dafs er viel gröfler wäre, als diefer, finden 
wir wenigftens an dem Ünfrigen nicht beftätiget. 

Ob fchon Hr. v. M. es grundfalfch nennt: dafs 
Jlliger den Carabus cruciger für einerlei mit meridianus 
erklärt, fo fcheint es denn doch, als ob Illiger fo Un- 
recht eben nicht hätte, denn dafs die von Creuzer ephip- 
piger genannte Art der vi^ahre meridianus fey, wird uns 
Hr. V. M, nicht überreden. 

Fabrizius nahm den Cure, meridianus Limi, , der 
was aufser H. v. M. noch Niemand bezweifelt hat, der 
allgemein dafür bekannte Käfer ift, mit unveränderter 
Diagnofe auf. Ihn näher zu bezeichnen , hielt er bei 
einem fo gemeinen Käfer anfangs für überflüffig; doch 
fand er nachher für gut, einige Citate beizufügen , die, 
das von Degeer ausgenommen, alle übereinftimmen» 
Was ihm ^u den Zufatze in der Ent. Syft. „praecedente 
minor" veranlafste, wilTen wir freilich nicht. Er ift 
aber nicht bedeutend genug , um ihm den Werth bei- 
zulegen, den H»v,M. in ihn fetzt. Wir halten diefen 



1-7 6 IV. Literatur. 

Zufatz für eine der kleinen Uebereilungen, die an nith- 
rern Orten vorkommen; ja er wird uns um fo mehr 
veidächr-g, da Fabr. in feinen frühern Werken fagt: 
parvus efl:, a vaporariorum divcrfiffimus. Ob diefe 
ältere, und wie es fcheint, richtige Anmerkung auf 
den ephippiger Crz. bcfier, als auf unfern meridianus 
paOe? darüber mögen Andere entfcheiden. - Was übri- 
gens die Aeufscrung: dafs alle Autoren einerlei Fehler 
begangen, und nur allein Creuzer den wahren meridia- 
nus feinen Freunden unter dem Namen ephippiger mit- 
getheilt habe , bedeuten füll , iil fchwer zu enträthfeln. 
Denn, wenn Creuzer den Käfer unter einem neuen 
Namen verfendete, fo liegt ja wohl am Tage ; dafs auch 
er ihn verkannt haben muffe. 

Bei Cryptocephalus Coryli bemerkt Hr. v. M.r dafs 
vitis Pnz. nicht fowol zufälige Abart, fondern das Männ- 
chen fey, weil das VV^eibchen dem Coryli vollkommen 
gleiche. Wir muffen aufrichtig geliehen, dafs w'it den 
Sinn auch hiervon nicht recht faffen. Denn, wenn dasf 
Erftere wahr ift, was wir nicht bezweifeln, fo mufs un- 
fers I^edünkens das Weibchen von vitis dem Coryli nicht 
nur gleichen, fondern diefer wirklich feyn. 

Unfere Gedanken über Cetonia metallica haben 
wir bereits oben geäuffert. Hier bemerken wir nur 
noch: dafs zwar die Form der Bruilbeinfpitze , nicht 
aber der Punkt auf derfelben ein ilandhaftes Unterfchei- 
dungs - Merkmal abgeben kann, weil diefer bei ein und 
derfelben Art , und felbfl: bei anguftata Meg, bisweilen 
da ift, bisweilen fehlt. 

Bei 



IV. Literatur. 177 

Bei Lamia lineata ereifert fich Hr. v. M. gewaltig, 
dafs Illiger mehrere, als verfchieden geltende Arten, 
diefer als^ Varietäten untergeordnet hat Er nennt 
diefes einen eben fo unrichtigen als barbarifchen Aus« 
fpruch, und fucht zu beweifen, wie fchwer die Sünde 
fey, die Illiger begieng. Zu dem Ende geht er die ihm 
bekannten Käfer durch , und ftellt die Merkmale auf, 
die fie nach feiner Meinung von einander unterfchei- 
den. Wir glauben recht gern , dafs Illiger etwas zu 
weit gieng, doch läfst fich auch gegen Hrn. v« M, An- 
flehten fo manches erinnern. 

An Lamia lineata foUen die Deckfchilde felbft von 
hinten gefehen, an den Seiten nicht gekielt feyn. Wir 
vermiffen an unfern Stücken die Seitenkante keineswe- 
ges. Sie ift eben fo gut, wie bei vittigera vorhanden, 
und je größer die Stücke find, defto deutlicher. 

Panzers vittigera können wir nichts weniger als 
einen Riefen gegen lineata nennen , indem wir Stücke 
von ihr befitzen, welche diefe an GrölTe nicht übertref- 
fen. Die braune Grundfarbe des Halsfchilds und der 
Deckfchilde, fcheint zwar der vittigera eigenthümlich zu 
feyn , doch giebt es auch hellere Varietäten von lineata, 
und wir würden daher nur die kleinern Fühler und die 
braunen Extremitäten , die wir bei lineata ftets 
fchwarz finden, als bleibende Unterfchiede erkennen» 
Merkwürdig ift übrigens die Dreiftigkeit, mit der Hr, 
V. M. behauptet : Panzer habe die wahre vittigera Flf, 
abgebildet, wenn auch die Befchreibung noch weniger 
darauf pafste. PanzeriKüfcr gehört als Synonym zu c£- 
oeraria. Diefes beurkundet, nächil dem Citate aus Pal- 
Heft lU M kf. 



178 IV. Literatur. 

las, das HijLbnerfche Exemplar, defien Anficht wir der 
Güte des jetzigen Befitzers verdanken. Es ift klein und 
etwas undeutlich geftriemt, daher die Dunkelheit der 
Befchreibung, die Falm%ms nach ihm gab. Wenn 
wir uns nicht irren , fo iil vielleicht die vittigcra F, in 
einer Varietät von fuliginator zu finden. Wir befuzen 
Uebergänge von diefer, mit beinahe milchwciffen bis zu 
dunkelbraunen Deckfchilden. Jede Flügeldecke hat drei 
weiffe Streifen, Einen, der bis zur Spitze herablänft, auf 
der Naht; einen zweiten, vor der Spitze endenden, auf 
der Seite, und, einen dritten halben auf der Mitte. Sind 
die Deckfchilde weifs, fo kann man diefe Streife kaum 
bemerken, je dunkler aber die Farbe wird, deflo deut- 
licher treten folche hervor, und der Käfer erfcheint end- 
lich ganz fo, wie Fabr. die vittigera mahlt. Wir glau- 
ben daher zu obiger Vermuthung berechtiget zu feyn. 

Von holofericeja Meg. können wir nur zwei aus 
Wien erhaltene unfcheinbare Exemplare vergleichen^ 
und daher nicht beurtheilen, ob die vom Hn. v. M, 
angegebenen Unterfchiede bleibend find. Den Ein- 
druck über dem Schildchen vermiffen wir gänzlich. 

Ueber Lam. decipieris, viatica und vittata enthal- 
ten wir uns ebenfalls alles Urtheils , weil wir nicht ge- 
nau wiffen, ob unfere Käfer die von Böber benanntet^', 
find. '1 



Wir find zwar nicht indiskret genug, lUtgern mit'^ 
Hrn. V. M. alle Kenntnifs der Gattung Necydalis abzu- 
fprechen, gefteben aber gern zu , dafs N. adufla Panz, 
wohl nicht für das Weib der fimplex zu nehmen fey» 
Lieber würden wir fie für eine Abartung der männli- 
chen 



IV. Literatur. 179 

chen uftulata halten. Simplex Fahr. , die aber nicht 
die von Linn. feyn kann, ift das Weib von flave- 
Icens Lintt. Payk. 

Diefes ift, vi^as wir über Herrn V072 Miihlfeläs 
Critik der Illfgerkhen. Zufätzo u. f. w. anzumerken 
für nöthig finden. Wo wir fchwiegen, waren wir mit 
ihm einverflanden. Dafs es nicht öfterer der Fall war, 
thut uns leid. Ihm weh zu thun, war die Abficht nicht. 
Ifl: es aber gefchehen, fo lag es nicht an uns, fondern 
in der Sache. 



Index entomologicus , fiftcns omnes Infe^lo- 
rum fpecies , in G. W. P a n z e R i Fauna 
Infectorum Germanica defcriptas atque deli- 
neatas; fecundum naetlioduttiFabricianum: ad- 
jeclis ernendationibus, obfervationibus. Pars I. 
Eieutherata. Norimb. 1813- pagg.2i6.8v.(iThlr.) 

Herr Dr. Panzer zeigt in gegenwärtiger Schrift 
an: dafs feine treffliche Fauna mit dem io9ten Hefto 
beendet fey, und beginnt das nöthige fyftematifche Re- 
gifler zu liefern, deffen erfter vorliegender Theil die 
Käfer enthält. Wir finden hier die meiften Gattungen 
die Latreilley Bomlli und ClairviUe ausgehoben ha- 
ben, mit aufgenommen; auch fügt der Verf. von BroS' 
tus fibi (Caj-abus cephalotes Fahr,") und Dyfchirius fibi 
(Scarites thoracicus, gibbus Fhr.^ feine felbll beobach- 
teten Gattungs- Kennzeichen bei. Bei jeder Art ifl: das 
M z Ci- 



iSo IV. Literatur. 

Citat der Fauna, dann da, wo es vorhanden war, das 
Fabrizifche Citat und endlich noch ein vorzüglich be- 
währtes Citat angegeben. Eine vollftändige Revifion 
aller Synonyme lag aaffer des Verf. Plan. So fehr wir 
es nun dem Verf. Dank wifien , diefes Regifter begon- 
nen zu haben , fo mögen wir doch nicht bergen , dafs 
die Art der Ausführung gar nicht gerechten Anforde- 
rungen entfpricht. Wir wollen nicht mit ihm über den 
zu Grunde gelegten Plan rechten, nur einzig über die 
Ausführung deflelben. Die erfte Unbequemlichkeit die- 
fes Verzeichnifles liegt darinn: dafs fall durchaus nur 
^ie erfte Ausgabe der Fauna berückfichtiget ift , und 
Veränderungen, die fich in der zweiten Ausgabe fin- 
den, nur feiten angezeigt find. Dann find mehrere Arten 
gänzlich ausgeUffen, als y^nifotoma atra - Fn. 23.19. 
ed. I. Tritoma glabrum 23. 4. ed. 2. Sphaeridium atrum. 
- Byrrhus pilula var. /3. Fn. 32. 2. ( B. ater. ed. i.) - 
Carabus clathratus Fn. 7?. i. - Elater longicoUis 
Fn. 93. 18. - Hyleßnui cloropus var. /3, Fn. ig. 18. 
Curculio planiroftris. - Rhinomacer curculionoides 
Fn. 12. 8. - Rhinomacer lepturoides Fn. 98. 8. - 
Rhynchites coeriikocephalus. Fn. 99. 6. Attela- 
bus. - Hypophloeus teßaceui Fn. 84. 10. - My- 
cetopkagus dermefloides Fn» 40« 9. Dermeftes macella- 
rius. - Tritoma p'ilofa Vn.j,^* - Leßeua interme- 
dia Fn. 36. 2. Carabus abbreviatus. - Dagegen fin- 
den fich mehrere Arten doppelt aufgeführt, wie Lehia 
und Demetria quadrimaeulata , Cantharis melanura^ 
Ctflela fufca^ Rhynchaenus pvfio und horridus^ Tri- 
toma comatum und Boktophagus connatus, üeber- 

dies 



IV. Literatur. I8i 

dies fehlt e« nicht an Druckfehlern, und das ganze 
Werkchen verräth ohngeachtet feines tleuren Preifes, 
Eile beim Ausarbeiten, Eile beim Druck und Saumfelig- 
keit des CorreQors. 

^• 

Aug. A H R E N s 1 1 Fauna Infeaorum Euro- 
px, Fafc. II. icon. 2j. cum defcript. fißens. Ha- 
lae apud Kümmel. 1814. (iThlr.) 

Die Kriegsunruhen haben die Erfcheinung des 2ten 
Heftes länger aufgehalten, als wir wünfchten. - Vom 
3ten Hefte an wird der Herausgeber diefes Magazins 
in Verbindung mit Herrn Kaulfufs in Leipzig die Fort- 
fetzung beforgen, 

G. 



Chriflianus Ludov. Guilielmus Loewe, de 
partibus quibus infe^ta fpiritus ducunt. DiflT. 
inaug. med. Halae 1814. 8v. pagg- 28- 

Vorliegende Differtation giebt einen kurzen Abrifs 
^ der Beobachtungen , welche Prof. Kurt Sprengel über 
' die Stigmaten und Tracheen der Infekten machte, und 
facht deren Analogie mit den Spaltöffnungen und Tra- 
cheen der Pflanzen darzuthun. Bis dahin , wo Spren- 
geis Arbeit ausführlich behandelt, für fich erfcheint , iil 
diefer Abrifs für Entomologen gewifs willkommen und 
interefitnd. 



G. 



Guftaviloannis Billberg Monographia My- 
labridum. Holraiae (1813)- 8v. pagg. 74» <^"» 
tabb. 7. aen. color. 



Mit 



18j IV. Literatur. 

Mit vielem Fleifle und Scharffinn verfucht der Ver- 
fafler alle bekannten Mylabris • Arten auseinander zu 
fetzen und zu ordnen, und er befchreibt uns 5 1 Arten, 
worunter 10 bisher unbekannte fich befinden. Auf den 
beigefügten , von Ruckmann gellochenen Knpfertafeln, 
find alle Arten mit ihren Abänderungen nicht fchlecht 
abgebildet, und die Titel -Vignette liefert eine Abbil- 
dung der Mundtheile , Fühler und Beine der Gattung. 
Die Synonymie hat der Verf, mit Sorgfalt verglichen, 
doch gehö r Roffis Mylabr. Cichorei nicht zu M. Fues- 
lini, fondern offenbar zu Myl. variabilis. Zu Myl. ccc- 
ca var. i3 gehört Muf. Lesk n. 952. Die Lytta feftiva 
Fbr können wir nicht mit dem Verf. für Abänderung 
feiner Myl. 1 4punäata halten , ihre Erxfarbe , fo wie die 
di'ei fchwarzen Flecke der zweiten Pveihe unterfcheiden 
fie. Auch die Var. s. Mylabr, Sidse Tab» I. fig. 5, 
fcheint auf eigne Artrechte Anfpruch zu machen. Es 
ift nicht^ gut , dafs der Verf. nicht ein .befonderes Ver- 
zeichiiifs der Kupfer mit hat drucken laffen, denn im 
Text haben fich manche Druckfehler in die Zahlen der 
Figuren eingefchlichen. 



V. Miscellen i8j 



Miscellen 

und 

Correfpondenz - Nachrichten. 



In G. H. V. Lafjgsäorfs Bemerkungen auf einer Reife 
um die Welt (Band I. pag. 63.) finden lieh folgende 
Nachrichten über Aranea avicularia Linn.: „Man 
nennt diefe Spinne f^ogelfpinne ^ weil fie zuweilen Co- 
libri's anfallen und freffen foU. Dies Gerücht ifl: aber 
gänzlich falfch. Diefe Spinne macht kein Gewebe, fon- 
dern lebt beftändig unter der Erde in Löchern ( die fie 
nur bei fehr warm fcheinender Sonne und nicht weiter 
als höqhftens auf einen Schritt Entfernung verläfst. Sie 
lebt beinahe wie eine Krabbe , und daher hat fie den 
portugiefifchen Namen Caranguexeira d. i. Krahhen^ 
Spinne. Ich habe deren felbil 3 gefangen, und bei 14 
andern Exemplaren , die mir zugebracht worden , habe 
ich mich jedesmal genau nach ihrer Lebensart und Nah- 
rung erkundigt. Wenn ich die Landleute fragte : ob 
fich diefe Spinne wohl bisweilen von Colibri's nähra? fo 
verneinten fie dies ftets mit Lächeln, und verj^herten 
mich, defsfie von nichts als Infekten mancherlei Art, 

z, B. 



184 ^' Miscellen und 

z. B. groffen Fliegen , Ameifen , Bienen , Wefpen , Käfern 
u. f. w. lebe, welche Auflage auch meine eigne Erfah- 
rung beftätigte. DieColibri's fchwirren mit fchnellem 
Fluge von einer Blume zur andern, wie follte alfo ein 
Vogel in derLuft und eine Spinne auf der Erde zufam- 
jnen kommen? Die Krabenfpinne hingegen ifl: langfam 
und eher träge in ihren Bewegungen, würde daher auch 
fchon aus diefem Grunde niemals einen fchnellen Colibri 
erhafchen. Ihr Bifs ifl: weder gefährlich noch tödtlich, 
Icanu aber doch heftige Entzündung veranlaflen. Die 
Haare, mit welchen der Körper allentlialben bedeckt ift, 
gehen bei der geringflen Berührung los, und erregen 
auf der Haut ein ganz unerträglich fchmerxhaftes Juk- 
kßn und Stechen, welches ich auch beim Präpariren und 
Ausftopfen derfelben verfchiednemal empfunden habe.,, 



In kurzem foll zu Di Jon ein entomologifches 
Werk von D. I.N. f^allot erfcheinen, unter dem Titel: 
InfeÖorum incunabula juxta methodicum ordinem dis- 
pofita, adjeöis differentiis , fynonymis, locis, obferva- 
tionibus, epochis, cum indice locupletiffimo. Diefes 
Wetkj einzig in feiner Art, wird aus 4Theilen belie- 
hen : I. Flora hofpitans infeÖa. II. Tellus infeöa in 
gremio vovens. III. Najas in fmu infeöa involvens, 
IV. Fauna infeäorum hofpes. 



Faft alle Schriftfteller geben die Farbe der Caflida 
auftriaca als dunkelbraun mit fchwarxen Punkten an, 
und eben fo bildet fie Panzer ab; aber im Leben hat 
das Thier einen lebhaften grün goldenen Demantglanz, 

fd 



Correspondenz - Nachrichten. 185 

fo gut wie C. nobilis , margaritacea u. a. , felbft Caffida 
nebulofa Linn, Illig. hat lebend Kupferglanz, und un- 
terfcheidet fich gerade dadurch , (doch auch noch durch 
andere Kennzeichen) fehr beftimmt von C affinis Fbr, 
(tigrina Degeer, Ro(ß) der fie Illiger und Paykull mit 
Unrecht als Abart beizählen. 



Wien, den aSten Jun. i8i3. 
Aus der Arader Gefpannfchaft in Ungarn, und aus 
dem Bannate fchreibt man : dafs dafelbft die Columbat- 
zer Mücken *) an verfchiedenen Orten die Felder und 
Wälder überzogen, und an Hern* und Borftenviehe vie- 
len Schaden angerichtet haben. Nur in Banlack find 
von dem Viehe der Herrfchaft allein mehr als 2oo Stück 
gefallen, in Verfetz 500 Stück. In Togyer ift noch 
das Unglück gefchehen , dafs , als man fie durch Pväu- 
cherung vertreiben wollte, 10 Häufer abbrannten. — 
Schrecklich ifl die Wirkung diefes Infekts; es dringt 
in die Nafen und Ohren des Viehes, und martert es fo 
heftig, dafs auch das ftärkfte davon binnen 5 und 6 
Stunden umkommen mufs. Einige glauben: dafs diefe 
Mücken aus der Gegend von Mehadia» aus der vetera- 
nifchen Hohle , andere aber muthmafsen , dafs fie aus 
der Türkey, über Orfowa herkommen»- Das davon 
befallene Vieh läuft von felbfl dem Rauche entgegen, 
und meiftens wird es dadurch gerettet.; - Der Gröfle 
nach ift das Infekt kaum wie ein Floh, allein, fo klein 
es ift, fo furchtbar find deffen Wirkungen , meiftens durch 
ihre unausfprechliche Menge in der fie erfcheinen. Dies 
ge- 

*) Scatopfe reptans Fbr.'i 



185 V. Miscellen und 

gefchieht gewöhnlich gegen Ende Aprils , oder Anfang 
May's. Nicht feiten ficht man dann fo grofse und dichte 
Haufen , dafs man fie für Wolken hält. Da flieht dann 
alles aus dem Felde. Das Vieh vcrläfst feine Weiden, 
der Feldarbeiter eilt mit feinem Viehe nach Haufe und 
alles verfchliefst fich in feine Wohnung, um dem fiirclit- 
baren Ungeziefer zu entgehen. (Leipz. Zeit.Jul. 5. 1813.) 



Braun fchweig, d iiten Jul. i8i3. 

Die von Ihnen, meinem in vorigen Hefte abge- 
druckten Auffatze über die Sackträger angefügte Nach- 
fchrift, führt Schvanks Beobachtungen gegen die mei- 
nigen an : der von. feiner Hagebuchen - Federmotte be- 
hauptet: dafs fie am Deckel des Zuckerglafes fich noch 
angefponnen, und dann als ausgekrochenes Weib be- 
frachtete Eyer gelegt habe. Aber bei Schrank ift fon- 
der Zweifel ein Verfehen vorgefallen. 

Schränk« Hagebuchen Federmotte ift Pfyche niti' 
della Ochsh,, Bomb, nana Borkh«, deren Weiber voll- 
kommene Füfle haben, mithin wohl am Glafe herauf- 
kriechen können. Von diefer Pfyche exiftirt die Raupe 
nie länger als bis Mitte May, dann ift alles verpuppt, 
und der Schmetterling entwickelt fich in der zweiten 
Hälfte des Junius. Schrank fammelte feine Säcke zu 
Ende Junius ein , glaubte da noch Raupen in ihnen zu 
befitzen , die im Glafe herumkrochen und fich am De- 
ckel deffelben befeftigten, und will von eben diefen den 
I2ten Jul, fchon wiederum junge R.äupchen angetroffen 
haben, welche fich bereits fchon vollftändige Säcke ge- 
fertigt hatten, 

Alfo 



Cori-espondenz- Nachrichten. 187 

Alfo in einer Zeit von i4Tagc'n mufste die Ver- 
wandlung der Raupe zurPuppe , der Puppe zum Schmet- 
terling, das Eierlegen des mütterlichen Schmetterlings, 
das Auskriechen der Räupchen , und das Fertigen der 
neuen Säcke gefchehen ! 

Hätte Schrank feine Säcke zn Ende April , fpäte- 
ftens anfangs May eingefammelt, wo fie noch Raupen 
enthalten konnten, oder hätte er feine Bemerkungen an 
folchen Pfychen gemacht , deren madenartige Weiber 
keine Füfle haben, wie Pf. graminella u. a. (denn diefe 
würden als vollendetes Infekt an keinem Glafe hinauf- 
kriechen können,) fo wüfste ich freilich nichts einzu- 
wenden , aber fo ifl: es wahrfcheinlich , dafs er fich ge- 
irrt hat. 

Wer fich mit Raupenzucht nur einigermafsen be- 
fchäftiget hat, wird es gewifs für unmöglich halten, dafs 
das, was dort in höchftens 14 Tagen gefchehen feyn 
foll, wirklich in dieferZeit naturgemäfs gefchehen kann. 
Bei Pf. veftita Efp.t die ich beobachtete, bedurfte die 
Entwickelung der Raupen aus den abgelegten Eiern al- 
lein einer Zeit von 3 bis 4 Wochen. 

Vor kurzem fand ich bei Durchficht meiner Tage- 
bücher bei Pf. calvella Ochfenh. noch eine bis jezt über- 
fehene Beobachtung: dafs nemlich die Männer derfel- 
ben mir allemal Abends gegen 10 Uhr auskrochen, und 
des Morgens todt und verflogen im Behaltnifle lagen. 
Man Geht hieraus, dafs die Begattung des Nachts ge- 
fchehen mufs , dafs der Mann äufferft flüchtig ifl: , und 
dafs die fo fehr kurze Lebensdauer von einer Nacht für 
die Begattung genuzt werden mufs. Wenn daher dio 

Wei-, 



188' V. Mifcellen und 

Weiber, wie ich nicht zweifle, gleichfalls die Nacht 
auskriechen, fo iil es mir erklärbar, warum wir am 
Tage immer nur befruchtete W eiber finden. 

Zinken gm, Sommer* 



Papilo Diöynna und Athalia Ochfenh werden von 
manchen Entomologen für Abarten von einander gehal- 
ten. Es giebt auch von Athalia fo dunkle Abänderun- 
gen, welche den hellem Stücken des P. Diöynna fo 
gleich fehen , dafs es zweifelhaft wird , wofür man fol- 
che halten foU; hier entfcbeidet folgendes Merkmal: 
Auf der Unterfeite der Hinterflügel fieht man bei beiden 
Arten am Hinterrande des Innenwinkels zwifchen den 
beiden innerften Flügel rippen einen xiemlich grcflfeD, 
dreieckigen , bald fchwefel » bald ockergelben Flecken, 
diefer ifl: bei P. Diciynna allemal zur Hälfte kaftanien- 
braun, bei P. Athalia einfach und ungetheilt gelb. 

P. Polychloros und Xanthomelas Ochf unterfchei- 
den fich charaöerülifch und fchon im Sitzen im Freien 
durch die Beine, bei erfterm find fie fchwarz, bei lezte- 
rem find Schienen und Füffe gelb. 

Die Raupe des P. Xanthomelas lebt gefeilig , und 
mit der des P. Polychloros zu gleicher Zeit , auf WoU- 
weiden. *) Sie hat fchwarze, nicht gelbe und nicht 
fo äftige Dornen , und auch eine Reihe deren weniger, 
indem längs der Rücken Mitte bei Pap. Polychloros 

noch 



>) Wir haben üe auch auf andern Weidenarten getrof- 
fen. 

G. 



Correspondenz-NacbrichteD, 189 

noch eine Reihe Dornen läuft, die der Raupe des P. 
Xanthoinelas ftandhaft fehlt» 

Im November 18 10. theilte mir einer meiner aus- 
wärtigen Freunde eine ganz vortrefflich gerathene, vom 
Dr. LangStforf im Hafen St. Peter und Paul auf Kam- 
fchatka verfertigte Abbildung eines im Jahr 1 804 an 
den Gebirgen in der Nähe diefes Hafens gefangenen 
weiblichen Pap. Delius mit. Die wirklich aufleror- 
dentlich genaue und fchone, den Vogel von beiden Sei- 
tenl darfteilende Abbildung , zeigte auch nicht die aller- 
geringfte Verfchiedenheit von feinen auf den Schweizer- 
Alpen vorkommenden Brüdern, obgleich beide durch 
einen Raum von ohngefehr 7 Breite und ohngefähnjo 
Längsgraden von einander getrennt find- 

Eine fonderbare Erfahrung ift die , dafs die 5V«- 
henfliege (Mufca domeftica Fabr.^ gern ihre Eier im 
Schnupftaback abfetzt. Man darf im Augull und 
September nur einige Zeit die Schnupftabacksbüchfen 
offen ftehen laflen, und Acht geben, fo wird man bald 
die zufliegenden Gäfte entdecken , und hebt man die 
oberfte Schicht behutfam ab , fo trifft man den Schmeifs, 

^» gen. S. 

Schlofs-Belchlingen, den 2tenAug. i8i3. 
Ueber das Erfcheinen der Monoculus- Arten aa 
manchen Orten , hab* ich kürzlich wieder eine Erfah- 
rung gemacht, die ich ihnen noch mittheilen will. Auf 

dem 



ISO 



V. Mifcellen und 



dem hiefigen Schlofle fammelt fich das Regenwaffer in 
einem grollen Steine. Diefer Stein hatte ein Loch be- 
komme;!, er war länger als ein halbes Jahr ganz tro- 
cken, indeflen wurde -er reparirt, und dabei rein aus- 
gekehrt. Am erllen Juli füllte er fich zuerft wieder 
durch ftarken Regen, und heut am 2ten Aug. wimmelt 
das V/affer von Daphnien. Ein Beweis für die Dauer 
der Fruchtbarkeit der abgelegten Eier diefer Thierchen 
und der unglaublichen Schnelligkeit der Vermehrung, 

Inj Frühjahr 1806 fand ich eben fo bei Halle in 
einer Vertiefung auf einem Pvafenplatze , die felbft feit 
mehrern Jahren immer trocken war, und in welcher 
Rafen wuchs, einiges durch den häufigen und anhalten- 
den Regen angefammeltes Wafler. Aufler mehrern Mo- 
noculus - Arten traf ich hier auch Cyclops lacinulatut 
und rubens Müll, in einem groffen Schwärme an, wo- 
bei ich die Bemerkung machte : dafs erflerer das Männ- 
chen , lezterer das Weibchen ein und derfelben Art ift. 
Die Eier diefer Thierchen hatten alfo länger als ein Jahr 
auf dem trocknen Erdreich gelegen. 

Da ich einmal den Cyclops rubens Müll. erwäK^ 
ne, fo will ich nur bemerken, dafs' er mit dem Weib^ 
chen in feiner Struktur genau übereinkömmt Die 
Frefswerkzeuge find eben fo , wie ich fie in meinen Bei- 
trügen *) befchrieben habe , nur find die Borften an den 
äuffern Kinnladen etwas länger. Der Schwanz iil gefa- 
der und dünner, die von Müller fogenannten laciniae 
fehlen dem MÜnnchen , waren aber im Frühjahr beim 

Weib- 



*) Ramdohr Beiträge zur TSaturgefchichte einiger deut- 
fchen Monocuius-Arten. Halle i8o5. 4^. pag.y.tb.II, 



Corre^ondenz - Nachrichten. 19c 

Weibchen vorhanden. Im rechten Fühlhorn waren die 
Zeugungstheile des Männchens, weshalb es fich, wie 
auch die MüUerfche Abbildung zeigt , von dem linken 
und dem weiblichen Fühlhorn merklich unterfcheidet. 

Ramdohr, 



Ich "arbeite feit längerer Zeit an einer Synopfis 
Eieutheratorum Europa y die alle bekannten Käfer Eu- 
ropa's aufzählen, und die minder bekannten oder neuen 
ausführlicher befchreiben foll. Ich würde es mit Dank 
erkennen, wenn mir diejenigen Entomologen, die nicht 
felbft ihre Entdeckungen bekannt machen wollen, ihre 
Bemerkungen und Entdeckungen zur Benutzung mitthei- 
len woUteft. - 

So wünfchte ich auch noch mit einigen Entomolo- 
gen, die vorzüglich das Studium der Rhyngotm und 
^ntliaten betreiben, in eine wiflenfchaftliche Corres- 
pondenz zu treten, und erfuche diejenigen, denen es 
gefällig ift, fich an mich zu wenden. 

E. F. Germar, 

Herr Grmm^ der noch immerfort den Freunden 
der Entomologie im Taufch und Verkauf von feinen 
Infekten- Vorräthen abläfst, lebt jetzt in Ebersdorf bei 
Lobenftein im Reuflifchen, 



Schandau, den i4ten Jan.i8i5. 

Es find , fo viel mir bekannt ift , die Zweifel über 

aie Artverfchiedenheit des Pap. Prorfa und P. Levand 

Hoch keineswegs gehoben. Folgende Erfahrung fcheint 

für die Sceptiker zu fprechen, 

mß tL N Am 



192 V. Mifcellea und 

Am 7teD Aug. 1808. überbrachte mir mein Junger 
Freund Prenzel von Bucherfeld , ein Weibchen des Ptjp^ 
Prorfa^ welches er in leines Vaters Garien in Man- 
gelsdörff, um einige Brenneffeln (Urtica dioica) flatternd 
gefangen hatte. Da mich eben Gefchäfte abhielten, 
ihn nach Mangelsdorf zu begleiten, fo empfahl ich ihm 
befondere Aufmierkfamkeit auf jene ifolirt ftehenden 
Pflanzen zu haben, um welche der weibliche P. Pror» 
Ja herum geflogen war, damit wir ~ wenn jenes Weib 
vielleicht Eier darauf abgefetzt hätte, - die junge Brut 
zeitig einfammeln könnten, Ohngefähr nach 1 4 Tagen 
erhielt ich auch von meinem Freunde die Nachricht: 
dafs fich eine Menge fchwarzer Dornräiipchen auf je- 
nen Pflanzen eingefunden hätten , worauf ich nach 
Mangelsdorf eilte, und diefe Raupen mit einfammeln 
half. Wir erzogen folche bis zur Puppenverwandlung, 
welche im September erfolgte , und zu meiner groflfen 
Verwunderung entwickelten fich im May des folgenden 
Jahres aus allen diefen Puppen P, Levana. 

K. V. Tifcher. 



Am isten Jim. Ig 13. ftarb zu Stallwang beiLands- 
hut in Baiern Kandidat Huber ^ an einer Bruftwafler- 
flicht. Er war zu Ebersberg in Baiern am 4ten Febr. 
1747 geboren , und blieb in der Botanik, Entomologid 
und Forftwiffenfchaft ein bis ins Alter unveränderter 
Forfcher. Er hinterläfst eine Holzbibliothek von 51 
Oöavbiinden, und eine in forftwiffenfchaftlicher Hin- 
ficht fchätzbare Sammlung von Käfern. (Allg. Litt« 
Zeit. Jul. 1 81 3. n. 172.) 

Am 



Correfpondenz - Nachrichten- I95 

Am loten Auguft 1813. ftarb zu Winterthur im 
79fl:en Jahre feines Alters Dr. Joh. Heinr, Sulzer ^ der 
berühmte Verfafler des Werks über die Kennzeichen 
der InftÖen nach Linnee (Winterthur 1761, 4. mit 24 
illum. Kupft.) und der abgekürzten Gefchichte der In- 
feckten nach dem Linn^efchenSyftem. (Winterthur 17 7^ 
4t. mit 32 illum. Kpft.) 



Am 9ten April 1813« ftarb zu Halle j^oh. Gottloh 
Schaller j Hausverwalter am hiefigen Waillnbaufe , im 
79ften Jahre feines Alters. Fafl die meiften Infekten, 
die Linn6e in der zwölften Ausgabe feines Naturfyftems 
unter Schrebers Autorität befchreibt, find feine Entde- 
ckungen, die er feinem vertrauten Freunde Schreber 
damals nach Üpfala zur Mittheilung anLinnie fendete* 
Seine Auffätze und Befchreibungen im NaturforfcheVt 
und in den Schriften der Hall Naturf. Gefellfchaft find 
noch jetzt Mufter guter Befchreibungen. In einem 
der nächften Hefte des Magazins werden wir voa 
mehrern verdienten Entomologen und auch von ihm 
kurze Biographien liefern. 



Inhalt* 



i$4 



Inhalt 
des zweiten Heftes. 



I. Einige Erfahrungen und Bemerkungen über Blatt- 
]^a(e i vonl.F, Kßer, pag. i 

!!♦ Abhandlung über die Gattung Anthidium> von 
P KLatreilky (a. d. Franz. vomHerausgO 40 

UL Südamerikanifche Infekten , gefammelt von 
V, Humboldt und Bonplatiä^ befch rieben von 
P. A Latreille, (a. d, Frana^ voüDs. Linken ge/t* 
Sommer, 104 

IV. Literatur ^ 

Bemerkungen , Berichtigungen und Zufdtze , zu //- 
ligersZnCitzen, Berichtigungen und Bemerkun- 
gen zu Fabricii Syftema Eleuteratorum , von J. 
C. M. V. Mühlfeld. 1 3 5 

Index Entomologicus in Panzeri Faunam infeQo- 
rum GermanisB. 179 

^Ahrenfit^ Fauna Infeöorum Europa» Fafc. IL 

C. L. G. Loeive , de partibus quibus infeÖa Ipiri- 
ritus ducunt. \ 181 

G.\. Billberg y Monographia Mylabridura. 181 

V. Mifcellen und Correfpondenz- Nachrichten, iga 



3i. 




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