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Full text of "Magazin für die Wissenschaft des Judenthums"

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fur 



die Wissenschaft des Judenthums. 



Herausgegeben 
von 

Dr. A. Berliner «nd Dr. D. HoAnaan. 






Slebseliiiter Jahrgang< 

1890. 






Berlin. 

Verlag der ^Jiidischen Presse", 



Dniek Ton U. Itckowski, BwrUn, Or. Hunbnrgentr. ia-19. 



STANFC .SVERSITY 

Lit- .«jES 

DEC 1 6190 



stanfokd university 
ubrarifs 



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Inhalt. 

Seite 

Zur Geschichte der Exegese iiber den Vers Geii, 49, 10 

'v^ oav tid» v6 von Dr. B. Zimmels, 1—27, 1l6— 165, 

177-197. 261-279 
Leben nnd Wirken des Tannai'ten Ohija von Dr. S. 

Baer 28-49, 119-135 

Die Nagid-Wurde von Dr. A. Berliner 60—58 

Geschichte der dentschen Jnden von den ftltesten Zeiten bis 

zTun Ausgang dea 12. Jahrhonderts von Dr. M. Stern 59—73 
Priester nnd Leviten. eine Beurteilung der Schrift „Der 

Eampf zwischen Priestem nnd Leviten" des Dr. H. 

Vogelstein, von Dr. D. Hoffmann . . . 74—87 136—151 
Die Frankel in Worms von Prof. Dr. D. Kantmann . 87—92 

Abermals Antoninus, von FUrst 92—93 

Bemerknng zur „Berichtigung einer verdorbenen Midrasch- 

steUe**, von Dr. Bloch-Posen 93—96 

Litterarische Notizen, von Dr. Berliner 96—96 

Der achtundsechzigste Psalm nach Abfassnngszeit und 

geschichtlichem ibihalt von Benzion Behrend . . 97—118 
Die Quelle der Fabel von Elia Levita's Taufe, von Prof. 

Dr. D. Kaufmann 166—169 

„Ein B&thsel in der Litterator weniger'S von Prof. Dr. 

W. Bacher 169—171 

Mose und Bonajuto Alatino, von Prof. Dr. D. K aufmaun 172—173 
Hebrfiische Messkataloge. — Gerson Wiener. — Plan 

einer Talmudausgabe in Dessau, von demselben . . 173-^175 
Die Wormser Fr&nkel in Breslau, von demselben . . 175—176 
Becensionen: DiStt^ m^H vkd nito pntn und S*rubabel 

von demselben (M. Friedmann), von Dr. D. Hoffmann 176—178 
Eine Magistratur in Jerusalem, von Dr. Sid on . . . 198—218 
Fragmente eines pseudoaristotelischen Werkes Uber die 

Seele, in hebr. Sprache, von Dr. A. Loewenthal 

(Bemerkungen zum hebr. Tell S. 1-12) 219—225 

HebrlUsche Handschriften, von Dr. M. Steinschneider 225—232 
Einige Bemerkungen zu Aben Esra, dem Histonker, von 

Dr. D. Feuchtwang \ 232—235 



.^.It-n* /^i.l.»r 

K^(;jr'iip rt«n^j.mi(-^ »1"1 W^ pr-.i. ' ir— iii IS..' T— ir-.i 

('f'.f. Iff. 0. Kiifm*!*" 

MN'litM. Impr'Wiiii vim Iff, D, HfffiBiiiii . . . 
*>N<'}il' '"^i^ '9 f'tn lUlibin'-r l^zat 'irtinbat .... 
/,iit liplitlll>rl»'ii Abtlii^llnnK rxn Dr. A. B*:rMarr . . 

NHM 



HebrHUf her Tell: 



Minv'iVH^ smut riMO ibdimS onvon »wn looo o'eip'' 

WX^sj'] (in-ijti rxo p-n nijn) i;) n,io onian -t lino snao 

. . . L , , , n-rar riKO ,0'1b>d rwH% 

. . . vi'^-ia I'l fwa .KDii ^npn op»o pnpn 

\.t-.v; HI'"-*- Ml iMv rn* vw' 3t(C 'V3 Skw "mj ana 

« iinin rtvitt* 1! !>">' •> It nisii uno n'-rr in* iru oeie 

* v-*^ » m ■^(tttftt *fY 'ISM* nn'-t n»\no i avt 

■ . H'uwt apt' rwo 8<Q» p-ut 



Zar Oesehlehte der Exegese 

iiber den Vers: Gen. 49,10 1J1 ID3«^ "ilD^ hS. 
Yon Rabb. Dr. A. ZiBseU. 

I. Theil. 



E i n I e i t u n g. 

Die mehr als 2000jahrige Geschichte ^ev Exegese zu 
Gen. 49,10 umfasst vor Ailem zwei Reihen von Aus- 
legungen, die im ersten und obersten Prinzip der Erklarung 
biblischer Stellen ausemandergeheo. Die eine Reihe durch- 
lauft den ganzen Zeitraum, die andere dagegen reicht erst 
100 Jahre zuriick. Von den Septuaginta bis auf unsere 
Tage finden wir stetig Vertreter der einen Richtung, 
die in unserem Verse, wie in dem ganzen Abschnitte 
(Gen. 49,2-^29), dem „Segen Jakob's", mit der Tra- 
dition Segen und Weissagung des sterbenden Patriarchen 
in ihrer Echtheit sicher erhalten, erblicken. Wenn wir 
diesen Standpunkt in der Wissenschaft als den dogmatischen 
bezeichnen konnen, so steht demselben der kritische gegen- 
iiber, der eine Vorhersagung der Zukunft in jeder Weise 
ausschliessen will, daher nur ein vaticinium ex eventu an- 
nimmt und so die Abfassung eines solchen einer spateren 
Zeit zuschreiben muss.*) 



*) Nacb F. V. Bohlen: Die Genesis hist.-krit. erlUntert (KSnigsb. 
1885) p. 440 ist Hasse im Mag. f. bibl.-or. Lit. EQnigsb. 1788 der 
erste, der in einer besonderen Untersnchnng Uber den Segen Jakob's 
den jtingeren Urspnmg desselben behaaptet. 

Itogwin, Heft I, 1880. 1 



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— 2 — 

Da die erstere Gruppe von Auslegungen den ungleich 
%rdsseren Teil bildet und das meiste historische Inter- 
esse bietet, wird sie vornehmlich Gegenstand dieser Dar- 
stellung sein. — Wenn man dieselbe im Ganzen mit einem 
Blicke zu iiberschauen sucht, so zeigt sie, wie kaum eine 
andere, die sich fiber einen biblischen Vers gebildet hat, 
vorwiegend cin spezifisch charakteristisches Geprage, 
namlich das der theologischen Polemik und Apologetik.*) 
Es hangt wohi mit den unuberwindbaren Schwierig- 
keiten, die dieser Vers einer schlichten, auf geschichtlicher 
Grundlage ruhenden Auslegangsmethode bietet, zusammen, 
dass derselbe schon in der altesten exegetischen Literatur 
auf einen in derZukunft zu erwartenden Messias gedeutet 
wurde. An diese judische Tradition anknupfend, nahm 
die Kirche bereits in fruhester nacheyangelischer Zeit die 
in derselben liegendo Vorheryerkundigung unter die aus 
dem A. T. entlehnten Beweise fur die Wahrheit der 
Messianitat ihres Stifters auf.*) Wenn man nicht aus 
manchen Stellen der midraschischen Auslegung schon 
judischerseits einen versteckten Protest gegen die christ- 
liche Auffassung herauslesen will, dann muss man an- 
nehmen, dass ungefahr im 1. Jahrtausend n. g. Z. in der 
Kirche sich die Anschauung yon dem christlich-mess. 
Charakter dieser Stelle fortpflanzte und festsetzte, um erst 



1) Die Wichtigkeit, welche man dem zu den meist besprochenen 
Stellen der h. Schr. geh5renden Yerse, als einer unzwdfelhaften 
Hinweisting anf die Anknnft eines Messias beimass, driickt Pfeiffer, 
Dnbia yezata S. S. (1679) p. 202 mit bezeichnenden Worten aus: 
«Anecdimus nmic ad palmarium ferme locum non Geneseos mode, 
sed totius ferme V. T." (S. G. Baur, Gesch. d. alttestam. Weissag I, 
Giessen 1861 p. 239 A. 41). 

*) Der Benedictiner Rupertus t. Dentz (1135), De victoria yerbi 
Dei 1. in c. 9 zahlt Gen. 49, 10 als die 3. Verheissnng des Mess, 
neben 3, 15 u. 22, 18 anf (Ben. Pererins, Comment et disput, 
Mainz 1612 p. 1016), wahrend Jnstinus Martyr als die beiden ersten 
Yerheissnngen Gen. 26, 4, u. 24 18 anfUbrt (S. L.Reinke, Die Weissag^ 
Jakobs etc. Miinster 1849 p. 160}. 



— 3 — 

in der ersten HaKto des 2. Jahrtausends bei den Juden 
auf heftigen Widerstand zu stossen und unter ihnen eine 
grosse Zahl yon anderen, selbstandigen Erklarungsversuchen 
zur Widerlegung der vorgefassten polemischen Meinung 
hervorzurufen. Doch nicht allein die Verschiebung des 
mess. Standpunkts in jiidischem Sinne, dass die Ankunft 
des Messias, den der Vers voraussagen soil, noch zu er- 
warten sei, wurde als Argument zur Bekampfung der 
christlichen Ansicht in's Feld gefiihrt, sondem noch mehr 
wahrend der Bliithezeit der jiidischen Exegese im Mittel- 
alter eine rein rationelle Auslegung, die mit Zuhilfenahme 
der Grammatik und theilweise auch der Sprachvergleichung, 
die Weissagung auf ein bestimmtes, in geschichtlicher Zeit 
bereits stattgehabtes Ereigniss sich beziehen liess.^j Der 
theologisch-dogmatische Kampf um unseren Vers wahrte 
hiiben und driiben, trotz des Einflusses, den die humanistisch- 
reformatorische Bewegung sonst auf die Bestrebungen zur 
Auffindung der ^hebraischen Wahrheit", des einfachen 
Wortsinns der Bibel, ausiibte, noch lange fiber das Mittel- 
alter in die neue Zeit hinein fort und wurde erst gegen 
das Ende des 17. Jahrhundierts christlicherseits von einer 
der wissenschaftlichen Forschung mehr entsprechenden An- 
schauung abgelost. Dieselbe trat objectiver, freier yon 
uberkommenem Autoritatsglauben dem Bibelworte gegen- 
iiber, oder sie trat, wie Joh» Clericus (st. 1736) in seinem 
Commentar zur Genesis (Amst. 1710 p. 344 ff.) sagt: 
„man miisse bemiiht sein, selbst auf die Gefahr hin, dass 
man den Christen ein Argument far ihr Dogma der 

1) Dass eine rationelle Auslegung im Allgemeinen u. in unserem 
Falle ganz besonders als Mittel zur apologetischan Abwehr dienen 
konnte, bemerken schon Jos. Albo, Ikk. IV, 42: mSi nnvna \^Hm 

. . lapn Sy -pnn m Sy nw^an Sa wnc^ ]j\ ooipo u. Rich. Simon 
Hist. crit. comm. praecip. V. et N. T., d. v. L. Ohr. Htihlen 
(Gosl. 1718) p. 4: „Die Jnden fielen auf den blossen buchstabb'chen 
Verstand zn der Zeit, da sie die Christen mit den Wa£fen angreifen 
wollten**. 



— 4 — 

Messianttat raube, der Wahrbeit gemass aaszulegen, als 
ob gar keine Juden anf der Welt vorhanden waren; man 
bestrebe sich schoQ, andere fieweise ansfiodig zu machen, 
denn Id Gen. 49,10 wiirde man einen vergeblich snchen". 
— Im jiidischen Lager konnte diese Richtung, die sich 
rom Hinblick auf die theologische Nutzanweadung lossagte 
and so gewissermassen die kritiscbe Epoche rorbereiten 
half, erst nach der Anregang, die fur die niichterne Bibel- 
erklarung 70d der Mendelsohn'schen Schule ausging, Platz 
greifen. 

Nach dem Gesagten warden sich auch die Ein- 
theilangsgrSnde fur das Folgende ergeben. Es waren 
theils in cbronologischei' Aufeinanderfolge, tbeib in syn- 
chronistischer Gegeniiberstellang zu behandoln: 

A. Die dogmatische Auslegung, die die Aatbentie des 
Ursprangs wahrt; and zwar: 

I. Die alte Uebersetzungs- and Paraphrasenliteratur. 

II. Die midraschische Exegese, in der m unter- 
scheiden ist: 

1. halachische and 

2. haggadische bis urn's Jahr 1100. 

111. Die theologisch-polemiscbe Deutung bia um's 
Jahr 1500: 

1. bei den christl. Auslegem iu der kath. Kirche 
in durchgangig messianischem Sinne; 

2. die WiderlcguDg bei den Juden: 

a) messianologisch, worunter aucb die myslische 
Deutung zu begreifen ist, 

b) philologisch-rationell rait Einschluss dor kar. 
Interpretationsverauche, ') 



') Dfi' im Folgenden gegebene ereteTeil der Daratellung aoll 
2Uiiiicli.4l ilie eben bezeichneten drei Abscbnitte Us znm Ausgang 
dea Uitteklters nogefiUir entbalten. 



L. 



\ 



— 5 — 

IV. Fortsetzung vom Zeitalter der Reformation ab: 

1. christliche: 

a) katholische, 

b) protestantische ; 

2. jiidische Auslegung, theils mess., theils rationell, 
aber unselbststandig auf Grand alterer Er- 
klarungen. 

V. Dis wissenschaftlich-historische Exegese: 

1. bei den Christen und 

2. bei den Juden. 

B. Die kritische Periode. 

Das nach dieser Skizze zu entwerfende Bild kann 
nicht allein den Entwickelungsgang der Bibelexegese im 
Grossen illustriren, sondern enthalt auch mit ein Stack 
Caltar- and Sitte ngeschichte, indem es mit seinen einzelnen 
Momenten das fortwahrende Streben der gebildoten Mensch- 
heit nach wissenschaftlicher und klarerer Erkenntniss 
darstellt. 



A. 

In dogmatischem Sinne sind zu nehmen: 

I. Die alten Uebersetzungen. 

Fur dieso, sowie fur die folgende Klasse (unter II.), 
d. h. auch im AUgemeinen fiir die gesammte altere Aus- 
legung in messianischem Sinne, woUen wir eine leitende 
Bemerkung yorausschicken. Was namlich die Lesung des 
Bibeltextes in unserem Verse anbelangt, so ist sie ma- 
soretisch ganz gesichert bis auf das eine Wort nS"*^, von 
dem aber das Wohl und Wehe des ganzen, schwergepriiften 
Verses abhangt. Allem Anschein nach muss man voraus- 
setzen, dass — vielleicht einzelne, wenige Ausnahmen') 



1) Wenn Bohlen 1. c. p. 468 ohne Weiterea apodiktisch behauptet 
dass bis anfs 10. Jahrh. herab yon der Schreibung nSnr nicht die 
mindeste Spur zn finden sei, so sei bier zun&chst yerwiesen anf 
3 Anslegg. 1) Jalk. Gen. § 160, wo n'?^lC^=rib^l{' gesetzt; 2) Ber. 



abgereohnet — den alten Uebersetzern und Erklarern die 
La. rhv defect, vorgelegen habe, und man somit an den 
Namen der Stadt, der in dieser Schreibnng 22 Mai (uach 
W. Gesenius' Wb.^" s, v. rhtf, gegen iSv nur 2 Mai) 
vorkoiamt, sehr leicht denken konnte. Dagegen vrurde 
fast durcbgeheads thv gelesen und in messianischem 
Sinne gedeutet. Ob aber nach einor uralten Tradition 
so gelesen wurde und, als es historiseh nicht erklSrt 
warden konnte, der immer offen stehende Ausweg der 
Beziehung auf den Messias nachber gew&hit wurde, oder 
ob es sich ntcbt umgekehrt verbalt, dass die messiano- 
logiscbe Tradition das Primare ist, diirfte unmoglich zu 
entscbeiden sein.*} 

Es giebt von den griechischen Uebersetzern unseren 
: Vers wieder: 

1. der Alexaudriner infolgender Weise: o&x ixia^u 

ipHmv iS 'Io63a xal ^j-oifttvof £■ niv /ojpvv adtoS 8iu( idv (Sv) 
ti6]j TQ Airoxcflucka oAff) xal odrAf upofioxla i9v&v- 

Dies die La. in unseren Texten. Der wichtige Passus: 
iim 5v tk»^ tA Aitoxtiifva a&T^, der spater so oft besprochen 
wurde, ist in dieser Form vielfach bezeugt in der pa^ 
tristischen Literatur. Ihn haben Olemens Alex. (p. 220), 
Origenes, Cyprian, Eusebius, Atbanasius, Basilius, Augustin 
und Cyrill. Alex. (p. 444).*) Die abweichende La.: &sc 

r. 96, 6i nW anf Eillel oder seine Nachkommen Tielleicht wie von 
hv stammend gedeutet; 3) Texg. Fa. Jon. ■ nu yyi ebenfaJlg wie 
" lull S'c, (S. G. Banr L c. p. 284, wo derselbe anch daa si^ite 
ZengniB Apt Versio Graec Tenet., vor dem 14. Jb., SiXiov nicht gelten 
lassen will, n. p. 247). Inwieweit daa Aiigefahrte doch sehr fraglich 
Ut Oder eiiier apS.t«ren Zeit angetiflrt b. w. Unei&idlidi iat, was 
Job. JahQ, Einl. in die h. Bficber dee A. B. Wien 1803, I, p. 607—20 
behanptet, daas lua ^^1 ans ,-i^ zq erkiinstelu wSxe. 

1} Cf. Joh. H. Kurtz: GeEch. d. A. B. (Berlin 1863) I, p. 325. 
nach dem cia durch r\hs^ ™ Veree entatandener Widerspmch vor- 
angegaiigen aein mag. 

'J H. C'leriouB 1. e. i Perarina p. 1017; Hugo Grotins: Annotat 
\ y. T. m. Anm. y. G. F. L. Vogel, HaUe 1776, t I p. 61ff.; 



— 7 — 

a'i/ iXi^n ^ diKoxenat^) wird von Justinus Martyr (in seinem 
Dial. c. Tryph.) gegen die Juden als die einzig richtige 
erklSrt, trotzdem er selbst, Origenes^), Easebius, Chryso- 
stomus') und Augustin*) beide Laa. gebrauchen. <p dn, 
ist belegt durch Irenaus (p. 202), TertuUian, Ambrosias, 
Epiphanius, Hieronymus, Theodoret und Leo M. (I 461); 
bei Epiph. ist auch zu lesen: ^ td dnox. und in den Clem. 
Hom. o5 itfw. Mag man nun mit Just. M. den Juden 
den Vorwurf machen, sie batten, um die messianolog. Be- 
weiskraft der Stelle in christl. Sinne abzuschwachen, rd dn. 
an Stelle des richtigen ^ dn. gesetzt, oder mit Julianus 
Apost. (bei Oyr. Al. c. Jul. c. 8; s. F. A. St roth, „Beitr. 
zur Kritik der LXX" in Eichhorn's Report, f. blibl. u. 
morgenl. Lit. II, 96 A.) den Christen den Vorwurf zuriick- 
geben, dass sie tendenzios die urspriingliche La. rd a«. 
gefSlscht (wie auch G. Baur. 1. c. p. 240 f.) oder mit 
Clericus ^ a^.'^) fur eine erklarende Glosse halten, in jedem 



P. J. Bnms in Eichh/s Hep. IV. p. 1 ff.: J. E. Grabe's Anm. liber 
I. M. 49; G. Baur, p. 240 A. 44 n. Heinke p. 160 ff 

^) Unerhebliche Varianten bei Reinke p. 69 Anm. 6—9 und 
Rep. I, 113. 

*) Grig, in S. S. comm. ed. P. D. Huetius (C5hi 1685): In 
Matth. p. 229: oddi ^oufispog i( lepai^X iatqdv IX^j^ 3 dnoxicrat; 
u. cf. Huet. obserw. et notae p. 30: Grig, in Job. 4,26; c. Gels. 
C I, wo T^ iff.; in Horn. XVII in Gen. beide Laa. 

*) Gegen G. Baur s. Hom. LXVn, opp. (1687) t I p. 202: 
donee yeniant reposita ei. . . Tamdiu . . . quoad ille yenerit. £t 
bene dixit, quoad ille yeniat» was Reinke p. 162 auch tiberseben. 
l^aeh Grig. Hezapla ed. Field (Oxf. 1875) I, 70 beweisen Aquila, 
in welchem Ens. (5 &7r. ergSnzt u. Symmachos aucb nicbts fiir die La. 

*) Pererius 1. c. Reinke p 178. 

*) Basnage: L' hist, des Juifs t. m 1. IV c. XXI p. 298 f. 
ttbersetzt: „Jusqu*^ ce que yienne (!) les cboses lui sont soumises*" 
u. findet so diese SteUe sinnlos u. ungrammatikalisch, da sicb ein 
Fehler eingeschlichen babe, den die Kircbenyater alle nicht gemerkt. 
Um einen guten Sinn zu erlangen, emendirte B. u. zw. indem er 
nach iX^T^ eine Ltlcke ausfiillen will mit dem Worte nSilo*", das 
liXX fflr den Namen des Hessias gebalten batten, zu dem sie das 



\ 



— 8. — 

Falle wird die Entscheidung iiber den Charakter der LXX- 
Uebersetzung nicht leicht, denn beide Laa. lassen eine 
mess. Deutung, natiirlich nach jiid. traditioneller Anschaung 
ebenso gut wie eine rationell geschichtliche AufiFassung zu; 
die eine beweist kaum mehr wie die andere. Beiden liegt 
ira h. Texte die La. nb\tf = 'h\t^ = '\h nifi^X zu Grunde; in dem 
einen Falle ist W8 Subject: „bis koinmen wird, was ihm 
(sc. dem Stamme Judah) aufbewahrt oder bestimmt ist", 
in dem anderen aber wiirde es heissen: „bis kommen wird 
der, dem aufbewahrt oder bestimmt ist . . ." und diese 
Ellipse miisste erganzt werden : sc. ^ patnXtia, rd Ttavra (Grot. 
Cler,) rd fiadXttov (Grabe) oder fiaMetov xplfia (ganz nach Ez. 
21,32: oott^on iS w», wo LXX nur ^9 xm^x9t hat; Joh. 
Coccejus, Lex. et com. serm. hebr. et chald. V. T., Amst. 
1669 s. V. iTS^r p^ 898). AUerdings ist die Ausfiihrung 
dieaer Ellipse sehr gezwungen u., so meint Clericus schon. 
dass er ebenso gut sich dazu denken konne : finis s. cessatio 
eius sc. sceptri et regiae potestatis. Trotzdem diirfte man 
die letztere La. als die richtige wahlen,*) wenn man sich 
entschliesst, sie als messianische Weissagung gelten zu 
Ihssen, denn diese') lasst sie deutlicher hervortreten. Ihr 
giebt daher auch Prankel: Ueber den Einfluss der pa- 
lastin. Exegese auf die alexandrinische Hermeneutik p. 48 
ff. den Vorzug;*) aber nicht etwa gestiitzt auf das Zeug- 



Folgende als Erklanmg hinzugefiigt. Mit einem Sprunge giebt 
dann £. wieder: ^jusgu'd, ce que yienne le Scilo ou le Christ, k qui 
les choses sont sotimises (!). 

') Dieselbe fand Holmes in 26 von 51 Hss., die er verglich 
(Baur 1. c. p. 240 A. 44). 

'j Was auch dem Targ. Onk. «»n n»Sm, mag man nun eine 
urspriingliche paJast. Tradition oder umgekehrt einen Einfluss der 
alexandr. Schrifterklarung auf diese — vielleicht mit mehr Recht — 
annehmen, mehr entspricht; s. noch weiter. 

*) lb. Anm. „rd dTtooxsin&va driickt den Hinweis auf den 
Messias etwas donkler aus"*. — Aehnlich wie ob. Basn. meint, 
Riveltus (bei Pteiffer 1. c. p. 204) in seinen Exercit. in Q-en. 
§ 178, dass LX^ Th^w fax den Namen des Mess, angesehen batten, 



— 9 ~ 

nis Just M.'s, jjdes beschrankten, unwissenden Kirchen- 
vaters", sondern aus sachlichen Griinden. Frankel weist nach, 
dass wahrend im palastinischen Heimatlande erst unter 
dem schweren Drucke der Romerherrschaft die tiefe Sehn- 
sucht nach einem erlosenden Messias crwachte, in Alexan- 
drien dagegen diese Idee friiher sich ausbildete (cf.ib. p.l82flF.) 
und zur Zeit, da die griechisnhe Version der Genesis entstand, 
ina Volksbewusstsein schon tiefe Wurzel geschlagen haben 
konnte. Historisch ware somit ^ dn. mess, aufgefasst ganz 
zulassig und in diesem Sinne wiirde es auch mit dem 
folgenden: adr. npoad, it9v. gut iibereinstimmen. — Bei ge- 
nauerer Priifung jedoch miissen wir fragen: Wie konnte 
der Uebersetzer die Weissagung in der Form, wie er sie 
gab, rechtfertigen? Um die Mitte des 3. oder 2. Jahr- 
hunderts y, g. Z. war schwer zu behaupten die Wahrheit 
des Satzes: „Es wird nicht schwinden, der Fiirst {^pf»>x^) 
aus Juda (oder „der aus Juda stammt**) und der Fiihrer 
aus seiner Nachkommenschaft *) (oder 5,der aus seiner Nach- 
kommenschaft stammt^') bis kommet der (Messias), dem 
(es) bestimmt ist", da zu jener Zeit weder weltliche Piirsten 
noch Fiihrer aus Juda waren. Das TO., dem (Frankel 
ib.) die messian. AuflFassung der LXX entsprechen wiirde, 
ging dem wohl aus dem Wege, indem es |»Sir T33? und 
tncc („Fiihrer u. Gesetzeslehrer") fur »Dtt^ und ppn» sefzte, 
was mess, zu erklaren ist. Wir halten es daher nicht fiir 
unmoglich, dass man ganz von einer agad. Farbung dieser 
Stelle absehen miisse, und dass man beide Laa. auf eine 
geschichtliche Personlichkeit beziehen konne, etwa auf 
David („nicht wird weichen die Fiihrerschaft aus Juda und 
die Vorherrschaft seiner Nachkoramen bis kommen wird 
was ihm bestimmt ist sc. das Konigtum")*) oder auch auf 



1) Nicht wie O. L. Bauer: Hermen. sacra V. T. (Lpzg. 1797) 
t. I. p. 140, der vh^'^ ^^ao mit ix r&v Ttodwv = e medio discedere s. 
abire vergleicht 

«) Frankel ib. p. 51, der Schiloh beibehalt, erklart es als Periode 
zu Schiloh. — Es ware nicht undenkbar, rd dnox. einfach auf die 



% 



— 10 — 

Jerobeam; in beiden Fallen nurde zu der La. ■? ^*- doch 
das folgeode, allerdings etwas messianisch klingendo adr. 
vfi»f» «v. passen, wenn wir es = reTerentia und timor 
siUimen. Jul. Apost bei Gyr. Alex, deatete schon nl Av- 
odi^ *ai odT. uposi- ^- anf NebukadDezar,') durch den der 
Herrschaft Juda's ein Ende gemacht vrurde. 

Wir haben bei der far die gesammte kirchliche Ans- 
leguDg 80 wicbtigen Quelle langer yerweilt, am durch ge- 
nauere Untersachung idar zu zeigen, dass eine absolute 
Entscheidung iiber die Wahl der La., sowie der Interpre- 
tation der LXX schwierig ist, und dass damit jeder Be- 
mfuDg auf dieselbe die sichore Grundlage entzogen ist. 

VoD nntergeordneter Bedeutung sind die 3 andereo 
griecbischen Uebersetzungen ungeMr aus der Mitte des 
2. Jahrh. n. g. Z.*) 

2. Aquila ubersetzt: 08» avawnf^roi (Grabe liest 

gii o tfw j wttu) axfjinpoy dicA 'laOda aoi ixptfiaUfmot aiti /uratii 

xodar oiTwiJ Sate »" W*i! ■ ■ ■ ■ (hier erganzt, wie oben bemerkt, 
Ens. demoTistr, ev. 1.; ^ dmw.) m) aflrit (bei Grabe 
a6r^) au^T,/ia') Xaiiv. Wio gewfthnlich hat sich aneh hier 
Aqu. mebr an {!eti Buchstaben gehaiten; dass in dem 
ixfii^. eine antithiistl. Wendung liegen kann, s. w. bei Onk. 

3. Theodotion unterscheidet sieh nach Hexapla and 
Euseb. ib. nicht von dem JJLX; doch cf. Eiehh. Rep. IV 
p. 20, dass aucti er 4 <*«■ gelesen. 

4. Symmachus giebt den Anfang anders: Oi ntpim- 

Erolienuig iles Landea PaliUtiiia zu deuten, nach welcher J. doch 
den "Vorrang bewaliren wttrde. 

>) n&inke p. 170. 

») Cf, W. Vatte, Hist Krit Knl. i d. A. T. ed. H. O. S. 
Preiss (leSH) p. lae ff. 

■} Grabe p. 23 meint Aqu. Idtte mpD (da Gen. 1,10 n^s s 

•niimsfia) geleaen u. LXX mpo n. nipn. Fnmkel h&lt beido Coa- 

jecturen fur unbegrimdet Wenn aber nnp* anoh = aiari}/ta = V«- 

sammlung »iin kann, so mtUaen LXX bei npoginbi doch rieU. an 

■niu m^ geiiaclit habeo (wie Cler, p. S47 meint, mit Ter- 

; des 1 0. n). 



— 11 — 

p&^i^fferat^) i(ooaia dicb^Iouda , . . Nach Rosenmiiller , SchoL 
in Gen. (Lp. 1788) p. 326 u. Fr. Delitzsch, Neuer Comm. 
iiber d. Gen. (1887) p. 519 soil derselbe wie Aqu. ^dnox. 
lesen (Constit. apost. 6, 1 1). 

Auch aus diesen jiingeren griech. Verss., wie sie uns 
vorliegen, kann man nicht bestimmt auf eine mess. Auf- 
fassung, die sie im Auge gehabt, schliessen; vieileicht eher 
auf das GegentheiL 

Dagegen verbal t es sich schon 5) mit der chald. 
Uebers. dem Targ. Onkelos, ganz anders.') Dasselbe 
lautet: «DSy np \-n33 ^mo «ibo rmr n^aio pSw r^v ^ip' vh 
H^Doy pyttn^" n^bi nmsSo hm n^bm w^vo w*t ny. Auf diese 
ausgesprochen mess. Auslegung als einer alten Autoritat 
haben spater Juden und Christen yielfach sich gestiitzt 
und ihre entgegengesetzten Ansichten gebaut. £in streitiger 
Punkt lag in dem: ^n^n ^y KoSy ^y. Wenn wir nicht mit 
Baur p. 239 f. A. 43: 8oSy ny (was nach Berliner: Targ. 
Onk. p. 1)8, die Bibl. reg. nicht hat) als eine spatere Ein- 
schiebung, um das ^n^n ny, mit dem die Christen po- 
lemisirt, abzuschwachen, halten wollen; dann fragt es sich, 
wie das Targ, den Satz im Hebraischen construirt hat.') 
Ein alter Pent.-Cod. Firkowitsch (Berliner ib. und Pinsker 
likk. kadm. p. B^yp f. A.) soil ny vS:i mit Tiphcha n. 



') Die PasslTform hier n. bei Aqu. lasst noch nicht yoraus- 
setzeu, dass sie im Texte etwa ^di^ gehabt, da sie vielL nur, wie 
dfters Einzehies, dem Sinne nach Ubersetzen. So Vulgata: auferetur. 

*) Interessant sind die sp&teren Versnche, auch im Targ. 
rationelle Exegese wiederzufinden z. B. bei Moseh Cohen de 
Tordesillas u. A.; s. w. 

'J Aus dem Umstande, dass im Targ.-Texte Mn^tro, das ganz 
klar das christl.-mess. Dogma beweisen soU und you den Juden mit 
grosser Mtlhe umgedeutet wurde, stehen blieb, schliesstG.L. Bauer; 
Grit sacra V. T. (Lp. 1795), dass der Text sich intact erhalten 
habe (!). — Is. Abarb. citiert im Comm, zu St. n»^i vo ♦n»n tj? 
MDO^y ]i trains yiell. ex memoria, denn wie pyontr^ hat man spater 
nnp^ nach dem Arab. np» vielfach erkl&rt. — Vers. C^raec. Venet. 
hat adva ditaxoii Xa&if (Baur 238 A.), 



— 12 — 

Athnach gehabt haben.*) Wenn TO* so den Vers geteilt 
hat, dann ware why ny entsprecheod dem np*) u. das 
folgende ^n^n ly konnte das ht ^D schwer wiedergeben. 
R. Sal. b. Ad.») (Respp. Salon. 1808, IV f. 36 b f. u. bei 
Perles, hebr. Beil. p. 45) citiert als Targ. Moss why ly 
*n"»T*) u. R. Sal., der Lehrer des Bachja b. Ascher, (im 
Pent.-Comm. des Letzt.) wahrsch. mit b. Ader. identisch,') 
raeint bestimmt das 2. ny streichen zu miissen. Dagegen 
versuchte schon Job. St. Rittangel in scinem 2. hcbr. 
Briefe an einen Amst. Juden (1642 J bei Wagenseil (Tela 
ign. Sat.: Carm. R. Lipm. conf. p. 341) das Targ. anders 
zu erklaren; *n^n ly sei wortliche Uebers. von ht ^d tp 
und »^hy ly nicht die Wiedergabe von ny, sondern nur 
eine freie Erganzung des Paraphrasten, der nichts im Bibel- 
texte entspricht, wie sich derartige paraphrasierende Zu- 
satze oft im T. finden. Ebenso halt es N. Adler (in nrro 
i:S z. St.) fur willkiirlich und selbstandig hinzugefiigt; und 
das diirfte wol auch das Richtige sein. — Es unterliegt 

. ^) Bachja b. Asch. erwahnt im Namen seines Lehrers B. Sal. 
die Ansicht, dass nj? = nj?*?, u. fahrt dann fort: nj^a Djnan Hi yy^ 
'Bf Hi' »3 ^n« yPQi i33»»w nmnS. R. S. hat viell. auch Ty mit einem 
stark tremienden Accent gehaht denn lethib hat wol trennende 
Kraft (Pinsker ib.), aber nur etwa wie Paschta (Luzz. in Jesch* 
h. T. in, p. 31 u. im Comm. zu St). — Wie Men. b. Isr. im 
Concil. Quaest. LXV Ber. r. c. 99,8 n«te «D3 nr m^n»» taitr er- 
klart, als ob Ber. r. iibersetzt hS,tte: Non auferetur cesptr. a. J. 
in aeternum, quando veniet . . . s. w. 

*) Wie auch den Vers danach zu erklaren suchen R. Sims. 
(Berl., PL S., 29 h.), Isaak aus Orleans (? cf. Daath sek. Liv 1783, 
27 d; Paaneach rasa Amst. 1698 24 b), die beiden wahrsch. identischen 
R. Salomo's; diese Erkiarung femer nach Bittangel (Wagens. 1 c. 
p. 343) angeblich in nttfo i«3 (s. Benjak. Thes. p. 65 No. 169) u. 
'♦03n ino (?) u. vom Vater^des mit letzterem correspondirenden 
Amsterd. Juden (?); w. s. mehr. 

*) R. Nissim (nwm p. 82 f.) hat in« koSj^t n^, viell. z. 1. ly 
»n»n »i2hy, Nach Juch. lebte ders, vor Ader. (st. 1264); Graetz 
Gesch. Vn, 416 A. 3 identificiert ihn mit Gerundi (c. 1380). 

*) Cod. Firk. soil »n»» n« lesen, 

*) Mehr dariiber s. w. 



— 13 — 

keinem Zweifel, dass Onk. wie LXX ribl^ gelesen; da nun 
zu seiner Zeit bereits die Messiasidee vollstandig ausge- 
bildet war und traditionell in diesem Verse doutlich wieder- 
gefunden wurde, so setzte er dann das allgemein ange- 
nommene Subj. Kn^ro a. ein Obj. KnisSfi daza. 

Gegen Ludw. Cappellus (Crit. sacra, Paris 1650, p. 
326), der der gleichen Ansicht ist, sucht Job. Buxtorf 11. 
(Anticrit. II, 10 p. 714 f., Bas. 1653) die masoretische 
La. dem Targ. unterzuschieben, indem er annimmt, dass 
nS^ttf, wie Synh. 98 u. Ber. r. 98,' der Name des Messias 
mit KH^tt^D wiedergegeben sei; dann babe man ihn erst 
„durch cabbal. Notarikon als I^K^ = quia ejus sit regnum 
WIdSo «\t '^bm ausgelegt oder als Abbrev. aufgelost 'b*ttf = 
niDSon iS »^r".^) Ebenso wie diese halten wir auch die 
Behauptung N. Adler^s, dass im Targ. 2 Deutungen; nS^«> 
als Name des Messias u. dann als lb ^^') zusammenge- 
flossen sein, eine Erscheinung, die sonst bekanntlich viel- 
fach im TO. auftritt, an unserer Stelle fur unhaltbar. 

Onkelos' Debertragung ware somit: „Nicht wird 
weichen der Machthaber (der) aus dem Hause Juda 
(stammt) und der Schriftgelehrte aus seiner Nachkommen- 
schaft owiglicb, bis der Messias kommet, dessen ist die 
Herrschaft, und ihm werden die Volker') gehorchen". *) — 
Wenn Just. Mart. (p. 166), wie es ihm lOOfach nach- 
geredet wurde, meinte, dass die Weissagung in christl. 
Sinne in Erfiillung gegangen sei, denn bis auf Herodes 
batten die Juden (nicht der Stamm Juda) eigene Konige 
und Fiirsten gehabt und, nachdem diese aufgehort, ware 
der Mess, bereits gokommen, so beugt Onk. - wahr- 
scheinlich nach einer alteren Tradition*) — einer der- 

^) Raschi, auf den Boxt. sich beroft, beweist nichts. 

*) Wiewol Adl. auf Jalk. Gen. § 260 verweist, so muss er 
doch jedenfalls aus Ber. r. ihw ni^Sonv *d im Auge gehabt haben. 

>) „]>ie VOlker der Srde'', nicht die Stamme Israels, denn fur 
D)::y V, 33,8 u. 19 hat 0. M'nattf. 

*) Anderen Auffassungen des Targ. werden wir noch begegnen. 

*) Nach der einen Version soU die Tradition des Onkelos yon 



•y _ U - 

artigen Interpretation vor und rechtfertigt die Opposition 
gegen dieselbe, indem er die noch zu seiner Zeit bis in 
Ewigkeit andaaernde NichterfuUung der ganzen Weis- 
sagung betont und an Stelle der weltlichen Herrscher 
die Schriftgelehrten ^), die den Vorrang Juda's erhalteen, 
einfiihrt.*) 

Die namliche Tendenz — wenn wir hier von einer 
Tendenz zur Aufrechterhaltang des mess. Sinnes der Pro- 
phetie sprechen diirfen — verfolgen wohl auch die beiden 
jiingeren Targumim. 

6. Ps.-Jonathan b. Usiel. 

„Es horen nicht aaf Konige und Machthaber aus dem 
Hause Juda ') und schriftkundige Gesetzeslehrer aus seiner 
Nachkommenschaft bis zur Zeit, da der Messiaskonig, sein 
jiingster Sohn*), kommen wird und um seinetwillen werden 
die Volker zerfliessen*) (vor Angst)". 

Man konnte vermuthen, dass die Uebers. ^i» yyt 

R Elies. u. R Josna herriihren (Meg. da: More neb. II, 33), nach 
einer anderea sogar von Schemajah u. Abtaljon (Ikkar. IV, 42 a. 
cf. Jos. de Voisin, Obserw. im Prooem. Pug. fid. Rajm. Mart., 
1687, p. 81). 

') Wie yiell. schon Aqnila mit dxptfiaCdjMvog? 

') So Hbenetzt allerdings auch Onk. IV, 21,18 = '^'iioina M^noD 
'i^^rvon ppnD3, V, 88,21 ppnD = Mneo a. Jes. 33,22 uppno = mscVo. 

*) Wie hier haben wir es ancb bei Onk. u. LXX so genommen, 
dass ,aafh<5ren, schwinden etc." absolnt steht u. „Machtbaber ans 
Juda*" znsammengehdrt (was bei Aqn. n. Symm., wo es n^iD heisst, 
nicht anginge), sonst w&re hier, oben im Onk. n. weiter im Targ. 
jer. n^^o zu lesen. 

*) Hier tritt uns znm 1. Mai die Anschannng yom n""^ n^vs 
entgegen; s. w. 

j *) S. Levy, ChaJd. Wb. Ub. d. Targg. s. v. dd n. dd\ denn er 
schwonkt in der Ableitung a. meint, wenn es von ersterem kame, 
man vielL TIDD^n^N leBen. milsste. — Eine gldche Uebers. haben 
2war auch imTO.m, 26,39; Jes. 5,24; 34,4; Es. 88,10; Sach. 14, 
12, n. ^ 88,6 Worte von der Wnrzel ppo u. po, hier jedoch scheint 
nnp = stumpf, schwach werden, als Stanim angenommen zu sein 
(nicht wie Reinke p. 129 nPropter cnm colligebant**, denn dann 
vttoste 68 ]W3an^ heissen). 



— 15 — 

(was wieder das Primare ist, wozu dann erklarend ksSo 
itnD hiazatritt) die La. rht^ plene yoraossetzt, indem Snr 
die Wurzel ware (wie spater pm, Sal. Parch., JE. u. A. 
annahmen), aber man muss eher an eine Ableitung yon 
dem in der talm. Sprache sehr gebrauchlichen itSt^) oder 
S^^ denken and das Targ. kann auch rhtl^ oder rh\^^) 
gelesen haben. (S. o. S. 5 A. 1.) 

7. Das jerusal. Targum. 

,yNicbt horen auf Eonige aus dem Hause J., auch 
nicht kundige Gesetzeslehrer von seinen Nachkommen bis zur 
Zeit^)y da der Messiaskonig kommt, dessen ist die Herrschaft, 
und dem sich einst alleReiche der Erde unterwerfen werden.^^ 

Dies Targ. nahert sich wieder Onk. besonders, indem 
es rt^t^ ]iest. Die Uebereinstimmung betrifFt auch die 
Auffassung des nnp% far das auch alle 3 Targg. einen 
Plural haben, ohne dass es nothig ware, einen solchen in 
ihrer La. des Textes anzunehmen. '»jnro und ^a ^lao fur 
hr\ po beweist, dass dieses wie gleichbedeutend mit 
va6n '•wn^ angesehen wurde, wogegen neuere Erklarer 
mehrfach sich ausgesprochen haben.^) 



^) Wie TO. zn nn^ai V, 28,57 nraa iijnav 

*) Den Einwaad dagegen, dass es wSv i^ oder ^hv hfttte 
ISLXktea miissen, s, bei JE. Sef. jeth. (ed. Lippm. f. 18 a) u. cf. 
PardLon*s Machb. s. y. S«v. -^ Midr. Lek. tob p. n'^p f. (Beth hanu 
V, 196 f.) heisst es anch: rm^y\ tD3 i:a nStr; diese Ableitong, 
sowie der in dem Darauffolgenden angegebene Zahlenwert beweisen 
die La. nSv; cf. Beifinann im ira IV, 217 n. s w. 

') Erst bei dem Ear&er All b. Snleim. (Likk. Eadm. p. d^ f.) 
im 10. Jh., der fthnlich erklfirt, tritt das « gans bestimmt anf : lasi 
60 . . jin>y . . ^nip^ • • h'^W T«3nwi IS*)* H«i» ;rAon 'b» w d"» 
'ihwrs hw Hath 2, 16. Viell. leitete er rem Arab. W «== fluxit: 
nW = proflnviam eins ab, wie L. de Dien: Grit 6 (1698) p. 22. 
Cf. nnatan 'd :uoo h«* i»h . . ihwn Sw. 

^) . . .n |DT 1^ paraphradert nnr o ijr, denn es ist gezwnngen 
es fiir eine Uebertragimg des 1^ ss p^ genommen eu halten. Of. 
Jsaak Karo in Told. Jixch. (Bd, Tr. 1658) f. 44b Erkl&nmg VI. 

*) Z. B. Qericns meint, man mtlsste dann Hr\*n yor j^ao direkt 
hinnfttgen. 



— 16 — 

Nicht unbeeinflusst von der targum. Tradition, wie- 
wohl im Ganzen den LXX folgend, blieb die syrische 
Debersetzung der 

8. Peschitto. 
[0 «nwT 8ony \'nS:i rra p wpmoi wniiT p «»n» iw «S 

„Nicht wird weichen das Scepter von J. und der Ge- 
setzesausleger (Gesetzgeber?) von zwischen seinen Fiissen, 
bis kommen wird der, dessen es ist und ihn erwarten die 
Volker." Wie bei Aqu. ist rh^i pao buchstablich liber- 
setzt; nach den Targg. (0 u. J.) finden wir das i^lg^, nur 
in knapperer Form wiedergegeben, *) sowie das wpnsD*) 
vielleicht im Sinne von midd = legis interpres (Cler.), 
sodass beides mit auf den jiid. Urspning der syr. Ueber- 
setzung hinweisen konnte. — Trotzdem man dem Wort- 
laute gemass, wie bei LXX, hier nicht deutlich den mess. 
Charakter erkennen kann, so ist er doch schon aller 
Wahrscheinlichkeit nach vorhanden und zwar in antichrist]. 
Sinne (wio bei Aqu. u. Targ.). 

Rich. Simon bemerke einmal (Hist. crit. du S. T. 
Par. 1680, p. 414), die Diflferenzen zwischen LXX und 
Vulgata in c. 49 der Gen. waren nicht allein zuriick- 
zufiihren auf den schwer zu errathenden Sinn der dunkeln 
Prophetic, sondern auch auf die abgerissene Kiirze der 
Ausdriicke uud die Zweideutigkeit der moisten Worte. 
Dies AUes geniigt aber noch nicht, um eine seltsame Ab- 
weichung des Hieronymus in unserem Verse zu erklaren, 
Er selbst iibersetzt zu Ez. 17,22 (0pp. V p. 363) und zu 



*) Bei Aphraates (380—50) soil der ursprlingliche Text sich 
erhalteu baben; «ni3te »n n^^nn, „ dessen ist die Herrschaft; s. S. 
R. Driver in Journal of Pbilology XIV, p. 5. 

*) Wie bei Aquila: axptfiaXd/nevog „der das Gesetz genau 
prtift'*(?); die Bedeutong dieses Wortes ist nicbt feststehend; cf. Aqu. 
Prov. 8, 16: pTi ippin^ '»3tni=of duvdcrcu dxpifiaaov rat dixcuov und 
V. 27: ^^n ip^na=fix/oe/?tiCtey r^pov; daher kann axptficP^eiv auch = 
^festsetzen, genau feststellen (Gesetze)*' sein. 



— 17 — 

21,32: donee veniret cui repositum est, und doch heisst 
es in der canonisirten 

9. Vulgata: 

Non auferetur sceptrum de J. et dux de femore eius 
donee veniat qui mittendus est et ipse erit expeetatio 
gentium. 

Offenbar liegt hier ein Lesefehler vor: nSr statt nSr^) 
(jedenfalls ohne Jod) u. zw. rhttf punktirt.*) Wahrend 
Aug, Eugubinus: In Gen. (Perer. p. 1017) nur behauptete, 
zur Zeit des Hieronymus ware das Wort mit n statt n ge- 
schrieben gewesen,') ging Math. Flacius, Clavis scr. s. 
(Kopenh. 1695) I, c. 1170, s. v. Schiloh, sehon weiter; 
indem er als Protestant sogar die La. rht^ annimmt 
(„Siivah"), meint er, die Juden batten, als sie von den 
Christen in die Enge getrieben wurden und niehts erwidem 
konnten, „pro malitia et pervieacia sua" die Buehstaben 
vertauscht. G. Huntley (Baur 253 A. 77) nimmt ebenfalls 
h^B^ an und sieht nur in dem Jod des masor. rhtf eine 
,jfid. FaJschung"*) (!). Aueh Grotius gefallt nSr besser, 

') Dass die Tradition, unter nS^tr den Messias zn yerstehen, wie 
sie im TO. zuerst zum yollen Ansdruck kommt (s. o.), ^yielleicht 
nach der Combination nSntf = nS^v = n^bt^** ent8tanden sei, wie A. 

T 

Kohnt, Erit. Beleuchtnng des pers. Pentateuch, Uebers. 217, yer- 
muten will, dttrfte wohl kaom anznnehmen sein. 

*) Nicht wie Job. de la Haye (Annot. zur Par. Bib. 1660) n. 
Aug. Galmet (Ck)mm. litt. etc. P. 1724): .Schiloach'* oder wie 
Bonfrdre n^^ (Baur 262 A. 77). 

*) nUnd mit Salach wird Misulam bezeichnet;** wahrscheinlich 
nhtt^O Jes. 42, 19. 

*) Ebeuso P. FagioB in TransU. praedp. coll. ; die Juden hUtten 
n^S*Bf in rfr>v corrumpiert (Reinke 120); Leo Gastrius yerd&chtigt 
die Juden sogar. Dnj in '«oy and mm in iSi umgewandelt zu baben, 
«wie Vulg. beweise" (la Haye). - Diese Anschuldigung der Juden 
betreffend, seien hier Worte Dannhauer's (bei Baur p. 251) angefiihrt 
.Scilicet sol ordinem ueglexit, quia horologium aberrayit" — L. 
Capellus nahm an, dass Vulg. p^^ yor sich gehabt; aber treifend 

erwidert ihm Buxt. (Anticr. p. 769), der Vorwurf set gegen die 
Juden ganz unberechtigt, da dieselben yor Hier. und nach ihm die 

Xifuln Ueft I, 1890. 3 



- 18 — 

und er erklait, ,,aiit Tarante dialecto aat seriptara 
aberrante" sei rh*T daraos emstandeo — Tielleieht om- 
gekehrt? Job. Calvin (Mosis ll Y c. comm., 1563, p. 
32ti ff. ) dagegen hhh zwar niobi fur sicber, aber far wahr- 
scheinlich, ^,wa^ roancbe behaupten: fraude corniptQm esse 
lorum*\ indem n statt n geseizt wuide *) — Da ,«(is) qui 
nut tend us est^^ so vortrefflioh zu dem an Tieleo Stellen 
dos N. T. bozeichneten ««c«wip^ac (Math. 10 40; Luc. 
10,10; Job. 3J7 und bt\s. Job. 9,7: Siloa, d. h. „Ge- 
sandt^*)*) passt (Grot,), so durfte cs nicbt gevragt sein za 
vormuihen, dass dieseno zu Liebe der geringfugige Unter- 
Hchiod dor fiucbstaben iiberseben wurde, um damit einen 
unwidorleglichen Beweis erbringen zu konnen, dass der 
„Gesandte^^ im A. T. scbon geweissagt ist. Daher bielten 
auch die lat. Kirchenschriftsteller alle an dieser La. fest, 
zum Theil im guten Glauben sie nachbetend, zam Theil 
gegen besseres Wissen in tend.-polemischer Absicht sie 
vertheidigend. 

Wir lassen nun die lat. Uebers. des 10- samarit. 
Targ. aus der Br. Walton'schen Polygl. (Lond. 1657) folgen. 

Non auferetur sceptrum') de J. -et dux de yexillis 



Stella anf den Messias deut^ten; wozn hatten sie dann die Buch 
staben Tertauscht. Dasselbe war schon die Ansicht S. A mama's und 
Job. MBrcerins* (st. 1670); so Aug. Pfeiffer 1. c: Die Jnden konnten 
ebensogat nnter nhjff ibren Messias Tersteben. — Daber spricbt es 
anch Baor nmdweg ans, Hier. hiitte entweder falsch gelesen, oder« 
da das Wort dnnkel ist, so lesen wollen nnd den Sinn erraten. 

^) Fr. Delitzsch nennt es „ein keckes Qnidproqno*'. — Beinke 
der die Falscbbeit der La., die sicb sonst nicbt findet nnd gegen 
welche scbon LXX sprecben, zngiebt scbreibt die Yerwecbslnng der 
Bucbstaben „eJnem Irrtnm des Gesichts des b. BQer. zn, der einmal 
iiber die Scbwacbe seiner Angen nnd die Eleinbeit der hebraiscben 
Bucbstaben klagen soil**. 

*) Cyr. Alex. z. St.: pj^^^ = rt^K' = StrSmnng (missio?) nnd 

niu der Quelle Siloa sei der geistige Siloa wirkssm gewesen*" 
(Reinke 170j. 

^) Nacb Bjomst. in Cod. ar. Sam. Barb.: baculus Tel ranuis; 
nacb 8. de 8acy (Allg. Bibl. X, 54) in 2 Codd. ar. Sam.: yirga regni. 



— 19 — 

donee ejus veniat Pacificus et ad ipsum congregabantur 
populi.^) 

a) Der Samaritaner las vbai, denn in der Uebers. 
wird es ausgedriickt durch vno = seine Fahnen, seine 
Reihen'). Ebenso in der arab-saraar. Triglotte (aus der 
Barber. Bibl. bei J J. Bjornstahl, Eichh. Bep. V, 89) „a 
vexillis ejus*V) dagegen in einem arab.-sam. Bibelcomm. 
zu Gen. 49*) (Chr. Fr. Schnuirer in Rep. XVI, 154 ff. 
u. G L. Bauer: Cr. s. 835 f.) „e medio pedum ejus.') 

b) Fiir nnp^ heisst es piJ3n^ == werden hingefiihrt 
werden,*) sodass Sara, innp^ gelesen haben muss. Dass es 
nicht eine freie Uebersetzung ist, kann ein samar. Brief 
(an Job. Ludolf ed. P. J. Bruns Rep. XIII, 281) beweisen, 
der aus dem hebr. Text citirt: 'y inHp'O ^''^ ^^ ^^"^ "3 "'V- 
Wiewohl, wie Bruns 289 A. bemerkt, viele Codd. so haben, 
muss man sich doch entschliessen, im sam. Text eher 
innp*> vorauszusetzen. Denn dies weicht nicht so sehr vom 



>) Nach Reinke 68 ist der Text transscr.: n^nnna nav m'o* mS 
)*oy ]nian» m«*n nSef w nSn ly imo pao ^Misas s. anch A. BriUl: 
D. 8am. Targ. etc. (fcft 1879) p. 61. 

*) Gf. Eirchheiin: Introd. in libr. Talm. »de Sam.** p. 44 — 
Castellns giebt trotzdem das sam. no mit pes wieder, er moss also 
im Texte doch h)r\ angenommen haben; dagegen s. J. Lndolf^ Dnx 
Ind. snbl. 1674, c VI § 28, der xhsn Iftsst Em Gleiches that Glericns, 
der die Gorraptel in den hebr. Text verlegt mid, dem widerspricht 
P. Berger: Schilo princeps pads (Witt 1704) § 26. — Herder, 
Oeist der hebr. Poesie (11,76) weist die sam. La. ab mid, fibers, 
doch &hnlich; «yon seinen Zligen.* 

*) In einem arab. Comm. d. Bodl. (H. B. Panlns, Allg. Bibl. 
11, 640) llest man ebenfalls «a yexillo ejus**. 

^) dessen Autor ein Arst Almothatabban (Satakah) sein soil, 

") Wie aber Baur es erkl&rt: „Der Gommentar sage vS:ii t^do, 
weil sie (aus Jnda) sich in den Eriegen Josnas anszeichneten", wMre 
▼ielleicht \hTi berechtigter; cf. Eirohh. lb. p. 19 A. 1 n. p. 29: dass 
der Arabs-Sam. yhyx gelesen. 

*) Nach dem Vorgange AqQ.'s. 

^) Ebenso bei BjOmst 



— 20 — 

Orig. ab, beide nnpO and nnp sind als Stamme unbekannt 
and dann kommt auch in einem sam. Briefe (v. J. 1684 
ed. Scbnurrer Rep. IX, 27) n\np'' iSl vor. Ciericus and 
Baur (238 A.) wollen in yhrtp"* emendiren. 

c) Besonderes Interesse sollte die Auslegung von 
nb^r bei den Samarit. bieten. Fiir sie ware es nicht 
fernliegend gewesen, an die Stadt Schiloh zu denken, iind 
doch findet sich bei ihnen nicht eine Spur davon. 

Urspriinglich lasen sie nSr und behielten es in der 
Uebers. bei. Es wird allgemein angenommen (Reinke 97), 
dass sie darunter einen „Friedensbringer" verstanden haben; 
das wird bestatigt gefunden in einem Ms. Usser. (Bjornst.), 
durch 2 Paris. Mss. einer ar.-sam. Version (Reinke 96) 
und durch das alte Zeugniss der ar. Uebers. des sam. 
Pent. V. Abu-Saiid (Mitte d. XLJh. cf. Driver p. 16 A. 2 
nach ed. Kuenen 1851), die alle noSr fiir nSr haben. 
Diese altere Deutung scheint nicht messianissh gewesen zu 
sein, denn in dem bereits erwahnten sam. Briefe eiues 
Sichemiten an Ludolf heisst es ausdriicklich : Swrn nnvT 

nS»') KD" 'D IV :nmnna vhv "io« "itt^« 'm ,Dp^) \t [h n^r»n Sy 
,(elapsis) i«3t*) o^o'^n k3 ir» iHt^'bD \t nr ,o^dpO innp^ ^h^ 
\T'i Dip^ DK ^D®) ,ovn ny op (nondum) no n^e^om. Wenn sich 
nicht nach Bruns aus einem sam. Chronikon nnnn lor er- 
geben wiirde, dass unser Vers doch mess, genommen 
wurde/) so konnte mit nSr in recht rationeller Weise 



^) Cler. wftre geneigt, dies als einen alten hebr. Stamm anszn- 
geben, wenn i*Sm ergftnzt wUrde. 

*) Bei Kh. p. 18: wn. 

») Bei Kh. p. 18: Kia». 

*) Kh.; nnp» (?)hH 

*) Kh.: Ma^. 

•) Kh.: mn ovn. 

Viel femliegender ist es, an einen zu Muhammeds Zeiten 
etwa auch von den Sam. verehrten Propheten und Mess. Soliman 
Fersa-Hamsah zu denken (Bruns nach Cellarius' Doss. u. Michaelis* 
Or. Bibl. XVI, 89). 



— 21 — 

ganz gut Konig Salomo*) (cf. I. Chr. 22,8) gemeint sein, 
wie dem auch Bohlen 465 A. beistimmt. — Hh^ kann 
die alte sam. Uebers. nicht gelesen haben, sonst hatte sie 
es iibersetzt; aber spater findet sich fiir nblff „(is) qui 
illo" (sc. mittendas, reservatus; Ox£ Ms. einer sam. Vers., 
Reinke 96), „qui dignus illo*' (sc. imperio; Barb, Trigl. 
bei Bjornst.) == „dem es von Rechtswegen gebiihrt" (R.); 
ferner heisst es in dem von Schnurrer ed, Briefe (Rep. 
IX, 27): „er ist Derjenige (Prophet), welchem die 
Volker anhangen werden** ('op innp^ iSi). Ueber die 
jiingere Schreibung mit Jod in dem arab.-sam. Oomm. s. 
w. A. 3. — Diese letzteren Ausdriicke konnen augen- 
scheinlich darauf hinweisen, dass die Sam. sich doch 
nicht gar so sehr von einer mess. Deutung unserer Stelle 
fern gehalten haben (wie Baur behauptet), da sie auch 
nnn oder ^rwn (=■ att^n) erwarteten, allerdings in ihrem 
Sinne, namlich Moseh als ^Wiederkehrender" gedacht.*) 

Immerhin bleiben die Samaritaner unter den ersten 
Gegnern einer mess. Auslegung des Verses, wenn sie nSr 
auf Salomo bezogen. Ob dies in feindiichem Sinne ge- 
schehen ist, da Siloh-Salomoh derjenige sei, der „Moseh's 
Gesetz basse" (S. de Sacy, Corresp. des Sam. de Naplouse 
[1811] p. 28 — 30) oder „der das Gesetz verandert, das 
Recht beseitigt habe" (von Sr),') und da ferner auch 



^) Was nach Baur 276 A. 125 bereits hinfmiig geworden sein 
soil; vgl. anch Gesenius, De Pent. Sam. p. 60 n. s. Kohnt, Er* 
Bel. d. pers. Pent-Uebers. p. 217 A. 1. 

*) Ygl. anch bei Eh. p. 18 f. aus dem sam. Buche Josna and 
der Ep. sam. ves. lat. etc. 

•) Rep. XVI lb., G. L. Baur ib.: donee oriatur nS*r, hie enim 
est iUe qui unitabit legem cumque sectabuntur multi populi, quo- 
niam amant licentiam etc. Es klingt ganz so, als ob von einem 
Messias die B«de ware, sodass G. L. Bauer sich sogar veranlasst 
sab, es ein wenig christologisch zu verfarben. Zur Erklarung heisst 
es dort ferner: Sv und h^ bezeichne die Aufhebung des G^setzes, 
das Jod sei zur Bildung des Namens, das He ein Augment ,ob 
ablationem juris" (?); cf. Eh. p. 19 A. 1. 



— 22 — 

sonst der Hessias dem ,,yerhassten'^ Stamme Judah ent- 
sprossen bezeichnet ware, wie Baur meint, bleibe dahin- 
gestellt; eine nahere Untersuchung wiirde hier zu weit 
fuhren. 

Auch nicht entschieden mess. Geprage zeigt die 11. 
arabische Uebers., die in der Uebertragiing der Walton- 
schen (Lend.) Polyglotte also lauiet: 

Non praeteribit virga de J. et legislator de sub imperio 
ejus donee yeniat is cujus ipse est et ad eum congregabantur 
populi. 

a) Etwas klarer iibersetzt J. Ludolf (am Schiusse 
des erwahnten Dux Jud. sublatus): neque s crib a de sub 
imperio ejus h. e. Non auf. princeps de J. neque scriba, 
qui sub imperio ejus esse solet. Immerhin bleibt es 
schwierig, wie „de sub imperio ejus" sich mit vSii po 
decken soil. Im insan 'o (Groslow 1835) des kar. Arztes 
Ahron b. Josef (1290) finden wir eine gleiche Erklarung: 
■»ion rrt rppinoi ;'i3co "W^ vh (virga) rmi »w imrt^ ear 
oyn :10D (de sub imp. ej.) inWco "pno :vSj-i p30 ;(scriba) 
7Sn3 w« (Ex. 11,8).') 

Man ware somit gezwungen zu erklaren : vhy\ = „das 
Gebiet, wo er seinen Fuss hinsetzt, wo er hintritt, das 
unter seiner Herrschaft steht" u. vhy\ pao dann == „aus 
der Mitte des von ihm beherrschten Gebietes^^ wird der 
Gesetzesscbreiber nicht weichen.*) — Dass uhy) == im- 
perium im Geiste der saadjan. Schrifterklarung ist, ergiebt 
sich aus Em. wed. II (ed. Krak. 1880) p. 68: (4 110,1) 

*) Oder Jud. 9, 5, 11. Reg. 8, 9. 

^ Auch W. A. Teller, Notae crit et exeg. in Gen. 11 Halle 1766, 
nimmt i>S;ii == pedes, imperium, yestigia, Herder ^seine Tritte, 
GKnge, Zfige*'; cf. D. Deutsch, Ghis. em. A. t. p. 968 1^ ,Judah*8 
Tritt, Spur, wo er angetroffen wird; u. Hecklenb. Eirchenbl. 1886 
S. 6 «aaf dem Gebiete, auf dem ersich ergeht'', was Del. (p. 617) 
alfl unmSglich luriickweiBt Diese Deutungen sind nicht eu ver- 
wechseln mit der e. B. von P. Fabius, Yeiel (Wagenseil p. 274), Tuch 
Gomm., 1871 p. 486) u. a. yertretenen Ableitong des iu*iS yon 
^^y^ « pedites 0^;;^) Ex. 12, 37; Jer. 12, 6 u. a. 



— 23 — 

['w] fa'iH n^r» ny t»ok3 ,m3n Sjia im, wo man 

nicht dem Original entspricht und dafiir eher nnn^J: = 
jjUnterwerfung, Bewaltigung (des Feindes)" zu setzen ist.^) 
b) Der ar. Uebersetzer lasst nicht deutlich erkennen, 
wie er das rt^K^ (oder rib^lp^?), das er vor sich gehabt, 
ausgelegt und worauf er es bezogen vrissen woUte. — 
Vorerst woUen wir kurz die Frage erwagen, ob derselbe 
mit dem Gaon Saadjah al-Fajnmi (p. 942) identisch sei.*) 
Wahrend die Walton'sche Uebers. den Sinn gabe: 5,bis 
kommt, dessen er (der Gesetzgeber?) ist", meint Baur 
241, Saadj. habe wortlich wie Pesch. „Derjenige, welchem 
es gebiihrt"; Reinke 91, er habe: jjis, cuius ipse est*' u. 
p. 101 nach Constant. Par. u. Lend. Drr,: 5,Derjenige, 
dem es ist"; Rosenm. 327: „cui destinctum est" und 
Bohlen 464 A. erganzend: „dem (sc. das Reich) ist". 
Wenn wir „cuius ipse est"') nicht genau nehmen, dann 
konnten alle diese Uebetragungen iibereinstimmen mit der, 
die Dunasch (Adon, halevi) b, Labrat (mairn'D ed. Schrot.) 
von Saadj. uns bietet: (No. 61 p. 19 f.) lS «in ir» = 
^dessen (er?) es ist" und (No. 155 p. 55) lS w« = „dessen 
ist** (entspr. : «? dw.), wahrend bei Ew.-Dukes, Beitr. II p. 62 



S, Krit. Bern. z. Wortlaut d. Em. wed. im Mag. XV (1888) 
p. 164 (8. Abdr. p. 17) v. Dr. S. H. Margiilies, der tms freundlichst 
auf diese Stella aufmerksam gemacht hat. 

') Hottinger (1643) zweifelte an der Einerleiheit der arab. 
Uebers. in den Constant, Paris u. London Drr.; 0. G. Tychsen 
(Rep. X, 96) sprach die der Polygl. Saad. ab. S. De Wette, Lb. 
d. hist.-kiit Einl. (1862) p. 93. Als starker Beweis fiir die Antor- 
schrft Saadj.'s kann anch der oben erw&hnte Sprachgebranch D«S:in = 
imper. in Em. wed. gelten. 

') Die von Driver p. 11 als saacy. angefiihrte Uebers. soil, wie 
wir uns nachtr&glich ■ mittheilen liessen, folgenden Sinn geben: 
,, Nicht wird weichen das Scepter y. J. n. der Befehl yon seinem 
Herrscher, bis dass kommt der, welchem er (sc. der Befehl) zukommt 
a. um ihn werden sich Vdlker schaaren.*" Diese Uebertragung diirfte 
einleuchtend sein, wenn man an dem nichtmess. Gharaktar der saadj. 
Analegong festhalten will, n. &ndert so an dem oben im Text Gesagten 
nichts Wesentliches. 



— 24 — 

es heisst: „Das Seinige^) (viell. = « Ac. adr.),*) Dem 
SinDe nach kann man wohl sie alle identificiren als = 
y^essen ist sc. die Herrschaft'' (s. w.) Wiewohl direkt keine 
zwiogenden Grande (s. aacb S. 23 Anm. 3) yorliegen, moss 
man doch eher mit Dakes die Saadjan. Anslegong als mess, 
anseben, wenn man scriba = mco vorziebt, was TO. n. 
Jer. conform ware und ausserdem erwagt, dass keineswegs 
ancb die Erklaning aosgescblossen ist, S. babe T\bp = 1^tt^ 
anf Jnda zornckbezogen und etwa iibersetzt: ,,bis kommen 
wird der Seinige^* d. b. der Messias, der zu Jnda gebort, 
sein Nacbkomme ist. — Was jedocb die La. betrifft, so 
ist nicbt zn lengnen, dass ein sicberes Zeugnis for nS^r*) 
scbon bei Saadj. yorliegt, sodass der Beweis fur die La. 
nSr, den Jabn^), Rosenm., Boblen, Beinke, Baur u. a. yon 
Saadj. erbringen, binfallig wird. Der Karaer Dayid b. Abr. 
ein jiingerer Zeitgenosse (st. c. 975) Saadja's yerspricht in 
seinem Lex. pijK (Einl. z. Buchst. r; Pinsk Likk. Eadm. 
wop; nacb Driyer p. 12 cf. Neub. GataL Hebr. Mss. No. 1451) 
zu widerlegen die Ansicht derer, die meinen, dass prn 
unter r (st. nrn) konne wie Six?, nno oder »w gebraucht 
werden u. so Sv*) = iS itk erklaren wollen. DbA. wollte 
damit offenbar die saadj. Uebers. angreifen, yiell. aucb mit 
die der Targg. — Mit ahnlicben Worten: D^r3« larn naai 
(sc. nS-r) ir3y lori . . .prna w Hr (norn 'r nm) prnr 
(Ez. 21, 32) Tp 103 isSOfT iS nr« lo^ *3 iv 'i3n ,wh pv 
iscron lS inc k3 leitet der Earaer Ali b. Suleiman (c. 



*) lb. 8t ,Jon. a. Jer. geben dem Sinne nach ebenso" muss 
man setzen .Ook. u. Jer. . ." 

') Of. die arab. Uebers. aus dem Ms. Bodl. bei H. E. G. Fanlns 
(Allg. BlbL n, 640): «i8 cuius est- (qui est iUi?) 

•) Der Araber (Mitte d. 13. Jh.) bei Eripenius (Pent Mos. 
arab. 1622) hat in der Uebers. nS«v, sowie noch andere beiPaulus 
A. B. n, 640ff. 

*) der stricte behauptet, in der ersten Halfte des 10. Jh. wusste 
man in Babylonien nichts yon der La. nS*v (Reinke 100). 

*) W&re die La. defect gewesen^ so ware man nicht gen<)tigt 
gewesen, Schiloh zu lesen. S. w. im Texte. 




— 25 — 

Mitte des 11. Jh.) seine Folemik gegen Saadj/s Uebers. 
ein (siehe Pinsk, ib. eyp f.) u. von den drei Griinden, die 
er anfuhrt, ist der eine, dass zwischen r u. S ein ^ ware, 
wahrend r = nrK unnaittelbar vor einen Wurzelbuchstaben 
tret en muss. Wenn die genannten 8 Einwande auch nicht 
wie Pinsker (ib. Anna, irotzdem er sie an dem von DbA. 
angegebenen Orte bei demselben nicht gefunden hat) be- 
hauptet, von DbA. herriihren mogen, so hat sie doch in 
ahnlicher Weise Dunasch einige Jahrzehnte spater direkt 
gegen Saadj. aufgestellt, denn es heisst bei ihm: ia nyw 
ni\n yh}i^n rhnn l^^Tt^ ': n. dies kann nicht etwa heissen, 
dass Saadj. bloss rtW*) gelesen, da DbA. wohl bezeugen 
kann, dass er es mit prn punktiert. 

c) Endlich stimmt auch der Schluss: ,,et ad cum 
congregabantur populi" mit der von Dun. erwahnten Version 
Saadj.'s = 'v Snpn^ (ib. No. 156, p. 55) iiberein, wenn man 
da D^oy iSnpn^ liest.*) 

Da uns keine sonstigen Materialien iiber dieselben 
vorliegen, fiihren wir zum Schluss erst zwei Uebers. an, 
von denen die eine, 

12) Die athiopische sicher alter ist, aus dem 4. Jh. 
stammen u. zu ihrem Verfasser einen Christen haben soil.') 
Ludolf (1. c. c. Ill § 4) giebt von derselben folgende Ueber- 
tragung in's Lateinische: 

Non peribit Majestas de J. nee Ducum potestas e 
corpore ejus, donee invenerit, quod praeparatum est ei. 
Ille (est) spes gentium. 

1) Dafiir sprache allerdings auch bei Dun. T'D^n »»:nn n»3«^ni; 
was aber so aufzufassen ist: S. hat so iibersetzt, ale ob in dem 'h 
in WT ware, denn es heisst welter VHia wn «|>Snn r\>tff'»hvT]\ was 
abenso zn erklaren ist. Cf. auch die Rechtfertignng S.*8 bei JE. 
(Sef. jetJi. f. 18a): t^dS o^p '» i3«xDi vm7\ nnn oSj^a na «««d dji 

*) Bei Paulns (A. B. II, 640) hat die arab Uebers.: atque ad 
emn duel se (1. dndsse) patientur populi". Jb. p. 646 ff. sind noch 
4 arab. Uebers. gegeben, die uns aber nicht zugS.ngllch sind. 

») De Wette 1. c p. 78f. 



— 26 — 

Diese sehr freie Wiedergabe des hebr. Textes, die mit 
der AoffassuDg des hbt^ = rd dnox. abr& u. dem Ausdrucke 
spes s Tcpoqdoxla yon den LXX nicht uoabhangig sein diirfte 
u. davon absiebt, in rhv eine Person zu erblicken, schliesst 
jedes bestimnite Urteil iiber ihre Tendenz aus. Es ist 
moglicb, dass der Autor onbefangen nach friiheren Uebers. 
den Wortlaat wiedergab, ohne sich Bechensshaft davon ab- 
zulegen, inwieweit die Weissagung historisch oder messiano- 
logisch begriindet sei. Immerhin ist es aber auch denkbar, 
wenn die Uebers. im Dienste der fiekehrung angefertigt 
wurde, dass in ihr auch ein cbristologisches Moment 
zu finden ist, u. sie wiirde dann Folgendes besagen: ^Nicbt 
wird schwinden die (konigliche) Majestat aus Jada, noch 
die Piihrergewalt aus seinem Geschlecht'), bis er gefunden 
(erlangt) hat, was ihm (yorbereitet) bestimmt ist, d. h. 
die Ankunft des christlichen Messias angoblich aus seinem 
Stamme. So ist Judah die HoShung der Volker! 

Eine Uebersetz., deren Alter friiher als zwischen dem 
9. u. Anf. d. 16. Jh, (noch De Wette-Schrader: Lb. d. 
hist.-krit. Einl. 1869 § 80, p. 136 A. b) angenommen 
wurde, die aber nach den Forschungen Munk's (Notice sur 
Saadia 6aon) und Gratz' (Gesch. IX, 34 A.; s. auch Eohut 
Krit. Bel. d. pers. Pent.-Debers. p. 7ff.) mit grosster 
Wahrscheinlichkeit der 1. Halfte des 16. Jahrhunderts an- 
gehort, ist 

13) die persische des Jakob b. Josef Tayus (zuerst 
Const. 1546 unter den Auspicien des Moseh Uamon abgedr.) 
deren Uebertragung auch Walton im IV. Bd. der Lond. 
Polygl. giebt: Non recedet imperium a J. et scriba e 



Viell. ist aber ne corpore ejuB** w^rtlidi zn nehmen u. der 
Uebers. wtthnte in \hy\ )0d eine pars pro toto gesetzt oder er wollte 
den Ettphemismas noch einmal euphemistisch umschreiben. Dass «e 
corpore ejus** s uqd u. \hr\ i^ao ailgemein yerfliichtigt an^ 
fasst wiire, wie neuere Exegeten zu erkl&ren suchten (Baur 988), 
ist nioht anzTmehmen. 



— 27 — 

medio filiorum ejus^), donee veniat Christus ejus et ei 
coDgregabantur populi. 

Da es absolut feststeht, dass diese Uebers. von einem 
Juden herriihrt, hat Walt, einen Ausdruck der etwa = 
'^*?nn Kmro ist, in wohl bewusst christolog. Sinne mit 
Christus ejus^) wiedergegeben, wir haben aber vor uns die 
gut jiid. Auslegung in traditionell-mess. Sinne, wie in den 
Targg., worauf auch scriba =^ «nDD hinweist. Aus dieser 
Debers. den Schluss zu ziehen, dass der Autor st. nS^r 
etwa Tnnt'O gelesen, ist vollstandig unbegriindet, da er eben- 
falls nW gelesen oder wenigstens so iiberkagen haben 
mag u. das Subj. 'n^ro dann erganzte. Sollte das Erstere 
sich bestatigen, dann ware durch die La. M^K^ gerade das 
hohe Alter der Uebers. bezeugt. 
♦ Die Wiedergabe von nSne^ = rh^ mit ^dessen Messias" 
oder zunachst nur „der Seinige'* ist keineswegs etwa 
„wortlich und sich an TO anlehnend," wie Kohut I. c. p. 218 
meint, sondern diirfte yielmehr nach unserer Ansicht 
Saadjah folgen, bei dem wir allein eine derartige Auffassung 
im mess- Sinne finden zu konnen glaubten. 

^) Euphemistisch wie in den Trgg.; cf. Eohnt 1. c. p. 119. 

*) Aug. Pfeiffer, Decas selecta exercitt. sacrarr. etc. (Dresd. a. 
Lp. 1713), Exerc. VI p. 1096, citirt aus der pers Uebers. .Messias 
ejus" = «6ein Gesalbter*". — Jb. p. 1098 teilt Pf. auch aus Hottmger* 
Thes. Phil. p. 163, folgende Erkl&ruug unseres Verses you dem 
Araber Achmed ibn Idris mit: Donee yeniat Messias; quod ipsum 
ita evenit, uec enim deerant reges et imperium usque ad tempus 
Mess, benedicti. Tunc enim facti sunt opprobrium vile et populus 
captiyas id quod negare nequeunt, hoc est argumentum eyideus pro 
prophetia Jesu. Inwieweit dies autheutiach ist, bleibe dahingestellt. 



(Fortsetzung folgt.) 



lieben nnd Wirken des Tannalten Chya. 

Von Rabbiner Dr. B. Basr in Graadenz. 



E i n I e i t u n g."**) 

Mit der Zerstorung Jerusalems und der Einascherung 
des Tempels durch Titus (70 n. ii. Z.) war das Band 
zerrissen, welches das jiidische Volk bisher zu ein^ 
Ganzen vereinigt hatte, war der religiose Mittelpunkt ge- 
schwunden, zu welchem sich die Glieder dieses schon 
weithin zerstreuten Stammes hingezogen fiihlten. Welches 
Schicksal sollte den zerstreuten Resten werden? Sollten 
sie ohne Halt und Stiitze sich auflosen und der Name 
Israels gleich dem seiner Nachbarvolker von der Erde 
verschwinden? Die trostlose Lage liess kaum eine andere 
Hoffnung, und das ungliickliche Volk, welches die in 
seinem Schriftthume iiberlieferte grosse Vergangenheit nicht 
vergessen konnte, suchte in seiner Verzweiflung durch 
Emporungen sich seine Selbststandigkeit wieder zu er- 



♦) Vorbemerk. der Redaction. Folgendevor circa 20 Jahren 
geschriebene Abbandlnng ist xma Tom Verfasser gUtigst zur Ver- 
^gung gestellt worden. Mit richtigem Blicke ist darin die hohe 
Bedeutung R. Chya's fiir die FOrderung der Gesetzeslehre erkannt 
und gewiirdigt. Wenn nun anch die Arbeit in mancher Beziehung 
nnvoUstandig und zu berichtigen ist, namentlich da der Jemscbalmi 
und die Midraschim, aus denen hervorgeht, dass R. Chija auch 
Redactor des Sifra ist, unberttcksicbtigt blieben, so glauben wir 
die Abbandlnng dennoch zum Abdruck bringen zn diirfen, da sie 
eine gute Grundlage und reicbes Haterial fiir eine weitere Be- 
arbeitung des Gegenstandes darzubieten geeignet ist. 



~ 29 — 

ringen. Doch vergebens warden die Heldenthaten eines 
Johannes von Giscala and seiner Zeloten wieder erneuert, 
vergebens batten Bar Kochba und seine begeisterten Schaaren 
sich dena Tode geweiht. Wohl konnten sie das un- 
ermessliche romische Reich erzittern machen und die Reihen 
seiner Soldlinge durch ihre verzweifelte Gegenwehr lichten. *) 
Fiir das jiidische Volk konnten sie nur neue, driickende 
Ketten Schmieden und durch Heraufbeschworung des Zornes 
des stolzen Siegers neue Scheiterhaufen fiir seine ungliick- 
lichen Marty rer errichten. Der noch lebensfrische romische 
Adler hatte die schwache Taube*) zu fest mit seinen ge- 
waltigen Klauen erfasst; zuckend und bluttriefend lag sie 
unter seinen Fittigen. SoUte der jiidische Stamm noch 
eine Zukunft haben, so konnte diese nicht in der politischen 
Selbststandigkeit begriindet werden; sie zu erringen war 
un!er den damaligen Verhaltnissen eine Unmoglichkeit. 
Die Religion musste der Boden sein, in welchem Juda 
wieder neue Wurzeln schlagen konnte; ihre gemeinsame 
Ausbildung und Pflege musste foxtan das Mittel sein, die 
ungliicklichen Deberreste an ihre Stammeseinheit und Zu- 
sammengehorigkeit zu erinnern. Die Geschichte des Juden- 
thums in den auf die Zerstorung folgenden Jahrhunderten 
beschrankt sich darum hauptsachlich auf die Geschichte 
der religiosen Schulen, welche jetzt in Palastina und Ba- 
bylonien zu bliihen begannen, und auf die Wirksamkeit der 
Manner, welche dieselben leiteten. Durch ihre Thatigkeit 
wurde das schwer gepriifte Volk vor volliger Auflosung 
und Untergang geschiitzt; durch die Hoffnung auf einstige 
nationale Wiedergeburt, welche sie in ihm nahrten und 
kraftigten, durch die feste Gestaltung, welche sie durch 
den Ausbau und die schriftliche Abfassung des Talmuds 
seiner bisher von vielen Parteien und Sekten zerrissenen 
Religion gaben, machten sie das jiidische Volk stark, 



1) Die Gassius 69, 13. 

^ Siimbild Israels; s. Taimud Sabbath 130 a. 



— 80 — 

fortan alien Stiirmen und Gefahren der Zeit Trotz zu bieten 
und sich seinen Naraen und seine Stammesreinheit zu er- 
halten. Unter den Mannern nun, welche in jenerZeit fiir 
ihr Volk thatig waren, nimmt Rabbi Chija, von der Nach- 
welt ^der Grosse" (nan 8^^n n oder Shm)') genannt, eine 
hervorragende Stelle ein. Glanzend durch ausgezeichnete 
Geistesgaben, beriihmt durch seltenes Wissen und be- 
geisterte Frommigkeit, endlich beseelt von einem gliihenden 
Eifer fur die Verbreitung der Gesetzeskenntnies, verdient 
er die voile Aufinerksamkeit des Geschichtsforschers, 
wahrend ihm bisher selbst in grosseren und besseren 
jiidischen Geschichtswerken, wie die von Jost, Gratz u. A„ 
kaum einige fliichtige Seitenblicke gevridmet werden. Wenn 
wir daher im Vorliegenden den Versuch machen, nach den 
diirftig zerstreuten und hauiSg sagenhaft ausgeschmiickten 
Angaben der Quellen ein Bild von seinem Leben und 
Wirken zu entwerfen, so glauben wir nicht allein eine 
Pflicht gegen das Andenken eines grossen Mannes erfiillt, 
sondern auch zur Geschichte des Judenthums einen ge- 
ringen Beitrag geliefert zu haben. Werfen wir jedoch 
vorher noch einen Blick auf die jiidischen Zustande der 
damaligen Zeit und besonders auf den Stand der Schulen 
in Palastina und Babylonien; wir werden sodann das 
ruhmvoUe Leben, das segensreiche Wirken unseres Rabbi 
Chija noch besser zu wiirdigen vermogen. 



1. Kapitel. 
Die jQdischen Zustftnde in der damaligen Zeit. 

Die palastinensische Schule in Jabne (Jamnia), welche 
sich unter dem Patiiarchate des Rabbi Jochanan ben Sakkai 
und Rabban Gamaliel's des 11. (zusamraen von 70 bis ca. 



') Wahrscheinlich bedeatet hier „der Grosse** so viel wie „der 
Aeltere", wodurch er wohl von dem spateren R. Chija b. Abba, 
dem SchiUer R. Jochanan's, unterschieden werden sollte. (Red.) 



— si- 
ns nach ii. Z.) zu einer hohen Bliithe entwickelt 
hatte, war, theilweise schon durch die Dnruhen unter 
Trajan und durch den sogenannten Quietus-Krieg beira Re- 
gierungsantritte Hadrian's*^ (118) in ihrer Wirksamkeit 
gestort, durch den blutigen Bar Koch ba-Krieg (l::J2— 135) 
vollig aufgelost. Die vornehmsten und angesehensten 
Lehrer waren dem Henkerbeile und den Scheiterhaufen des 
Blutrichters Rufus — in den jiidischen Quellen inomer 
Tyrannus Rufus genannt — verfallen, und unstat irrten 
die Junger umher, um Schutz vor den grausamen Ver- 
folgern zu suchen. Wir wiirden uns zu weit von unserer 
Aufgabe entfernen, wollten wir eine Schilderung dieser 
Greuelscenen versuchen, durch welche die Romer die 
Uebertretung ihrer strengen "Verbote, sich mit dem Studium 
des Gesetzes zu beschaftigen oder ein religioses Gebot zu 
erfullen, ahndeten. Diese traurige Zeit blieb noch lange 
unter dem Namen „Eth Haschemad" oder „Hagesera" (Zeit 
der Verfolgung und des Religionszwanges) im Andenken 
der Juden.*) 

Erst nach dem Tode des Kaisers Hadrian (138), als 
der menschliche Antonius Pius die Blutgesetze und Ver- 
bote der Religionsiibung zuriickgenommen hatte, wagten 
es die iibrig gebliebenen Junger, ihre Schlupfwinkel zu 
verlassen und den Grund zu einer neuen Schule zu legen. 
Nachdem das neugebildete Synedriura kurze Zeit zu Dscha 
in Galilaa getagt hatte, eroffiiete es seine Sitzungen 
wieder in dem alten Patriarchatssitze Jabne, und der noch 
junge Simon, Sohn des friiheren Patriarchcn Gamaliel, 
erhielt die so lange unbesetzt gewesene Wurde eines Nasi. 
Spater wurde das Synedrium wieder nach Dscha verlegt; 
indess nur nach und nach konnte sich die Schule zu ihrer 
friiheren Bliithe wieder entfalten: Land und Bewohner 
hatten noch zu sehr an den Nachwehen des Krieges und 



>) Meor Enajim cap. 19. Graetz 2. Aufl. Bd. IV, S. 440. 
*) Siehe besonders Midr. Rabba zn Threni II, 2. 



— 32 — 

der Schreckensherrschaft zu leiden. Rabban Simon ver- 
waltete sein Patriarchat mit Kraft und Einsicht und ver- 
stand eSj seine Autoritat vor unbefugten EingrifiFen zu 
wahren.^) Am meisten hob sich aber das Ansehen der 
Patriarchenwiirde unter seinem ihm folgenden Sohne Rabbi 
Juda, welcher ungefahr 170 sein Amt antrat und die 
Hochschule nach Bet-Schearim und spater nach Sepphoris, 
beide in Galilaa*) verlegte. Gesegnet mit ungeheuren 
Reichthiimern , ') sowie ausgestattet mit einem reichen 
Wissen, vermochte er die Patriarchenwiirde zu bisher nie 
gesehenem Glanze zu heben. Was bisher ein allgemeines 
Recht der Gelehrten war, die Ordination der Jiinger, sollte 
jetzt der angesehene Fiirst einzig und allein ausiiben.*) 
R. Juda machte von dieser ausschliesslichen Gerechtsame 
den ansgedehntesten Gebrauch zur Aufrechterhaltung des An- 
sehens des Nasiats, indem er den Jiingem, welche sich eines 
Vergehens gegen die fiirstliche Wiirde schuldig gemacht 
batten, die Weihe yersagte.*) Ueberhaupt ahndete er 
selbst das geringste Vergehen der Schiiler auf das Strengste 
und scharfte noch auf dem Todtenbette seinem Sohne 
und Nachfolger Gamaliel d. III. ein, das Ansehen des 
Patriarchats zu wahren und den Schiilern strenge Ehrfurcht 
einzuflossen*). Andererseits bewahrte er aber seinen Edel- 
muth durch den riihmlichen Gebrauch, welchen er von 
seinem Reichthume machte. Wahrend er selbst sehr massig 
lebte, war seine Hand stets geoffnet, wenn es Nothleidende 
zu unterstiitzen und Diirftige zu sattigen gait. Hunderte 
von armen Jiingern speisten an seiner Tafel ^). Zugleich war 



') Siehe Horajot Ende. 

^ Siehe Kobinson Palastina Bd. Ill, S. 489. 

^) Er war so reich, dass man in hyperbolischer Weise sagte: 
B. Juda's Viehstalle haben mehr Werth als die Scbatzkammem des 
persischen KSnigs. Sabbath 113 a. 

*) Gratz 1. c. S. 487 nach Jer. Sanh. I. 

'') Jer. Moed Katan III. ibid. Taanit IV, 2, 

«) Ketubot 103 b. 

'') Baba Batra 8 a. 




— 33 - 

er mit der grossten Sorgfalt darauf bedacht, die Lage des 
gesammteii Volkes zu verbessern. Dies bethatigte er be- 
sonders durch Erleichterung der Gesetze iiber den Landbau 
und das Erlassjahr.^) Die sociale Lage des Volkes war 
unter seiner Amtszeit grosstentbeils keine giinstige; weder 
Marcus Aurelius, noch seine unwiirdigen Nachfolger waren 
besondere Freunde der Juden. Die Steuern waren so 
driickend, dass die Einwohner von Tiberias in Galilaa einst 
wegen der Unerschwinglichkeit des KeliJa (aurum coro- 
nariurn) die Flucht ergriffen.*) Mit einem Gefiihle der 
Sehnsucht sahen darum die Palastinenser auf ihre gliick- 
licheren Briider in Babylonien bin, und unser Rabbi Chija 
kennzeichnete diese traurige Lage mit den Worten: 5,Gott 
wusste, dass Israel die driickenden Gesetze der Romer 
nicht ertragen konnte, darum lies er sie nach Babylonien 
auswandem."^) 

Dessenungeachtet hob sich die palastinensische Schule 
uuter R. Juda so sehr, dass seine Amtszeit den Glanz- 
punkt der tanai'tischen Periode bildet. Von alien Gegenden 
des Landes, ja selbst von Babylonien und den entfernten 
Landern, wohin sich der Fuss jiidischer Exulanten schon 
verirrt hatte, stromten die Schiiler schaarenweise zu den 
Piissen des gelehrten ^Rabbi", wie man R. Juda «aT iSox^v 
nannte, als ob es neben ihm keine Autoritat gabe. Die 
Bliithe der Schule , das Ansehen und die Macht des 
Patriarchen machten es ihm moglich, das seinen Namen 
tragende Werk, die Mischna, zum Abschlusse zu bringen. 
Vor ihm hatte jedes Schulhaupt den Traditionsstoff, welcher 
neben den sinaitisch iiberlieferten Anwendungstheorien und 
Interpretationsregeln des mosaischen Gesetzbuches auch 
die Anordnungen und „Umzaunungen" der Synhedrien aller 
Zeiten umfasste, seinen Schiilern in beliebiger Form und 
Ordnung vorgetragon und die getreue Fortpflanzung des- 

1) Jer. Schebiit VI, 1; ib. Demai II, 1; Babl. Chulin 6 b. 
*) Baba Batra ibid. 
»J Gittin 17 a. 

Mi«Mi» llefi I, 1890. B 



— 34 — 

selben ihrem Gedachtnisse und Eifer iiberlassen. Hierdurch 
war aber die miindliche Lehre, welche durch die Thatig- 
keit der Schulen iinmer mehr anwuchs, der Gefahr aus- 
gesetzt, im Drange der Zeiten in Vergessenheit zu gerathen, 
und die religiose Praxis war schon damals wegen der 
Differenzen, welche iiber viele Gesetze zwischen den ein- 
zelnen Schulen obwalteten, klafifenden Spaltungen ausgesetzt. 
Diesen Schwankungen setzte R. Juda durch Abfassung der 
Mischna ein Ziel, indem er den weitschichtigen Stoff so 
viel als raoglich zusammenfasste und die meisten und 
wichtigsten streitigen Punkte zu einer endgiltigen Entschei- 
dung brachte. Hierdurch wurde die Tradition in einen 
festen, gediegenen Guss gebracht. Die Mischna wurde von 
alien Zeitgenossen R. Juda's als rechtskraftig anerkannt, 
ihr wendete sich jetzt die Thatigkeit der Schulen zu und 
ihre kurzen, gedrungenen Satze bilden den Text, an welchen 
sich die scharfsinnigen und tiefeindringenden Disputationen 
der beiden Talmude anlehnen.^) 

^) Naheres iiber B. Juda's Leben siehe bei Gratz 1. c. cap. XIL 
femer ChaluzII, wo aber R. Juda's Charakter in hamischer, der wissen- 
schaftlichen ITnparteilichkeit hbchst unwiirdiger Weise herabgesetzt 
und air seinen Handlungen unedle, selbstsnchtige Motive untergelegt 
werden, was auch schon Gratz 1. c. Note 22, 2. Auflage in gebiihrender 
Weise gekcDnzeichnet hat. Eine Untersuchung der Frage, welcher 
romischeKaiser der in den Talmuden so oft genannteAntoninus ist, welcher 
mit K Juda befreundet war, wUrde uns von unserem Thema zu weit ent- 
femen; von Marc Aurel bis Heliogabal ist kein Kaiser, an den die 
neueren Forscher nicht gedacht haben. Man vergleiche die Arbeiten 
von Jost, Rapoport, S. Cassel, Fiirst etc. Gratz ubertragt das Freimd- 
schaftsverhaltniss zwischen einem Patriarchen und einem Kaiser 
auf Juda II. u. Alexander Severus, wozu aber auch nicht eine der 
zahlreichen talmudischen Nachrichten passt; die Sache bedarf noch 
der eingehendsten Studien. Was die Dauer der Wirksamkeit 
Rabbi's anlangt, so ist nicht nothig, seinen Tod mit Gratz in das 
Jahr 210 anzusetzen; die Amtsthatigkeit seines Sohnes Gamliellll. 
kann nur eine kurze gewesen sein, denn 1) sind die Nachrichten 
iiber seine Wirksamkeit ausserst diirftig, 2) sehen wir alle seine 
Zeitgenossen noch lange nach ihm unter seinem Sohne und Nach- 
folger R. Juda II. am Leben und in reger Wirksamkeit 



— 35 — 

Werfen wir nun noch einen Blick auf die Zastande 
der Juden in fiabylonien, dem Yaterlande unseres B. Gbija. 
Hier lebten die Juden ziemlich unabhangig von den 
parthischen Herrschern unter eigenen Oberhauptern, Besche 
Galuta (Exilarcheu) genannt, welche ihren Stammbaum auf 
die dayidische Konigsfamilie zuruckfiihrten. Den parthischen 
Herrschern batten die Juden nur eine Eopfsteuer (Charag) 
und Grundsteuer (Taska) zu zahlen^); wurde diese Steuer 
verweigert, so durfte jeder, der sich zu ihrer Bezahlung 
anheischig machte, sich des Bodens bemachtigen.^ Sonst 
standen sie aber ganz unter der Herrschaft des Besch 
Galuta, welcher Bichter ernannte,') selbst die oberste 
Instanz bildete und sogar korperliche Ziichtigung als 
Zwangsmittel gegen Dnfus:same anwenden durfte.*) Seinen 
Sitz hatte er in jener Zeit in Nehardea und nahm unter 
den Grossen der parthischen Krone den dritten Bang nach 
dem Eonige ein. ^') Scherira ^ behauptet, dass diese Be- 
gierungsform in Babel schon seit dem Exil des Eonigs 
Jojachin (597 yor ii. Z.) bestanden habe, und eine alte 
Chronikt^ zahlt sogar die Namen der Besche Galuta yon 
Jechonja, Schealtiel und Serubabel an, dem Fiirsten, unter 
welchem zur Zeit des Cyrus (536 y. ii. Z.) die Juden aus 
dem babylonischen Exil zuriickkehrten, auf. Die historische 
Eritik erweist jedoch die Namen yon Jechonja bis Hiskiah 
und noch einige weitere als eine Zusammenstellung aus 
den Namen der dayidischen Nachkommen in I. Ohron. 3, 
16 — 24.®) Doch haben wir sichere Nachrichten, dass es 
zur Zeit Simon^s des II., also um die Mitte des 2. Jahr* 



1) Baba Batra 55 a. 

») Ibd. u. B. Mezia 73 b. 

^ Sabbath 55 a. 

*) Sanhedrin 5 a.. 

^) Schebnot 6b; Jer. ibid. I. 

*) Sendschreiben edit Goldberg Seite 83. 

') Seder 01am Sntta. 

8) Zunz, GotteBdienstlicbe Yortr^e S. 136. 



— 36 - 

hunderts nach ii. Z. einen Exilarchen gegeben hat, 
dessen Sohn , Namens Nathan , beim Patriarchen in 
Palastina als Gerichtsvorsteher und Stellvertreter (Ab bet 
din) fungirteJ) In der zweiten Halfte dcs zweiten Jahr- 
hunderts, die Zeit, welche uns hier am nachsten interessirt, 
hatte Mar oder Rab Hunna die Exilarchenwiirde inno.*) 

Sicher hat es in Babylonien schon in jener Zeit, 
d. h. yor dem Jahre 219, den palastinensischen ahnliche 
Hochschulen gegeben, und es ist unhistorisch, wie dies von 
mancher Seite geschehen,^) anzunehmen, dass die Babylonier 
damals noch alles rabbinischen Wissens bar gewesen seien. 
Mogen auch die in ihrer Bliithe zu jener Zeit steheuden 
palastinensischen Schulen die babylonischen verduukelt haben, 
so hat doch die rabbinische Wissenschaft von den friihesten 
Zeiten an in Babylonien ihre Pfleger gefunden.*) So 
raumten die Bne Batyra dem Babylonier Hillel dem I. 
(30 ante) wegen seiner grosseren Gelehrsamkeit frei- 
willig die Nasiwiirde ein.*^) Vor dem Bar-Koch ba-Kriege 
hatte Nehemjah aus Bet Deli eine Schule in Nehardea') 
und nach dieser Zeit leitete Chananjah, Brudersohn des 
Palastinensers R. Josua, ein Synedrium und eine Schule 
in der babylonischen Stadt Nehar Pekod. ^) Ferner hat 
auch der Exilarch Rab Huna sich eifrig mit rabbinischen 
Studien befasst, was daraus hervorgeht, dass das spater 



^) Siehe Horajot Ende. — Es ist wohl nur ein Versehen von 
Gr&tas, weDn er 1. c. Seite 277 sagt: „erst in dem letzten Tanaiten- 
geschlechte tritt ein Reschgaluta aus dem dunklen Hintergrunde 
mit Namen Mar Huna auf", da er ja selbst S. 201 R. Nathan als 
den Sohn des Exilsfiirsten bezeichnet 

*) Jer. Kilajim IX, 4. 

5) Jost, Geschichte des Volkes Israel Bd. IV, S. 270 fg. will 
die heilige Schrift als alleinige Quelle des Volksunterrichts in 
Babylonien hinstellen. 

*) Siehe Scherira 1. c. 

') Pesachim 66 a. 

•) Jebamoth 122 a. 

') Jer. Sanhedrin Ij vgl. Bab. Berachot 63 a u. Scherira 1. c. S. 33. 



— 87 — 

so beruhmt gewordene nehardeanische Schulhaupt Samuel 
ihm haufig rituelle Fragen yorlegte.*) Auch der Valer 
dieses Samuel war schon vor seiner Auswanderung nach 
Palastina eine geachtete Autoritat , und wahrend nach 
Jost's Annahme yon Talmide Ghachamim (Jiingergenossen) 
in Babylonien gar nicht die Rede hatte sein konnen, ver- 
gleicht Levi bar Sisi dieselben hyperbolisch mit den Engeln 
Gottes.*) Dnsere Annahme erscheint darum voUstandig 
gerechtferligt und wird noch besonders dadurch iiber alle 
Zweifel erhoben, dass auch der grosse Lehrer R. Chija, 
zu welchem wir uns jetzt wenden, den Grund zu seinem 
Wissen in Babylonien legte. 



2. Kapitel. 
Chija's Abstammung und Familienleben. 

R. Chija wurde ungefahr um die Mitte des 
2. Jahrhunderts in Babylonien/) dem zweiten Mutter- 
lande der Juden, geboren. Der Name Chija (t^^^n) ist eine 
Abkiirzung des biblischen Namens n^rt« *), und er wird im 



') Gittin 6 a. Sebachim 46 b, u. Parallst worauf Chaluz Bd. I 
in einer Note zn nK3«n^« hnvstff ninSin zuerst aufmerksam machte. 
(Anmerk. der Red. : Dass diese Ansicht entschieden falsch ist, wird 
yon Hoffinann, Mar Samuel S. 73 f. bewiesen). Gratz 1. c S. 287 
stellt dies zwar ohne Weiteres in Abrede, wir waren jedoch be- 
gierig, zu erfahren, welcbem Rab Huna sonst Samuel ge- 
setzliche Fragen yorgelegt haben kSnnte. Dass man nicbt an den 
gleichnamigen Schiiler Rabs dabei denken darf, beweist, so ein- 
leuchtend es an sich ist, die Stelle Erachin 16 b, wo dieser 
Hnna als Schiiler vor Samuel sitzt; auf Letzteres machen schon 
Tosafot zu Chulin Ida aufmerksam. 

') Eiduschin 72 a. 

*) Sanhed. 6a; Pesach. 4a und yiele Parallelstellen. 

*) Das Aleph am Ende 1st aram&ische Schreibart. Der yoUe 
Name Achy a hat sich an der Stelle Gittin 17 a in manchen Aus- 
gaben erhalten. Yielleicht ist auch der R. Achia in Sebachim 48 b 
mit unserem R. Chija identisch. 



- 38 - 

Talmud JiTUScbalmi and den Midraschiiu gew^ohnlich mil dcm 
Epitheton ^liabba^, zuN^eilun audi ^dagadoi^,^) d. i. der 
Grosse, erwahnt. Sein Geburtsort ist Kafri, welches eine 
bedeutende Gemeiude und spater Sitz eines jiidischen Ober- 
gerichtes war.') Ueber die Lage dieses fur die Topographie 
des jiidiscbea Babyloniens wichtigen Ortes hat bisher grosse 
VerwirruDg geherrscht; ') allein aus einer talmudischen 
Notiz (Baba Mezia 6 b) geht deutlich hervor, dass es in 
der Nahe yon Sura, also im siidlichen Theile des jiidischen 
Babyloniens lag/) Chija war ein Sohn aus zweiter Ehe 
des sonst onbekannten Abba bar Acha Earsila.*) Seine 
alteren Geschwister von yaterlicher Seite waren Aibu, 
Vater des beruhmten Abba Aricha (Rab), spateren Schul- 
hauptes zu Sura, Ghana, Schila and Martha, deren Sohne 
sammtlich gelehrte Talmudisten waren. Dann hatte er 
noch eine Schwester yon miitterlicher Seite, welche das 
Weib des obengenannten Aibu and die Matter Abba 
Aricha's war.*) Diese Familie soil yon Schefiatia, dem 
foniten Sohne des Konigs David ^) abstammen. *) Von 



1) Jer. Feah VI, 4 nnd haufig im Midrasch Rabba and Tanchnma. 

>) Kidnschm 44b. 

^ Jost, Geschichte des Yolkes Israel, Bd. lY S. 272 and Qr&tz 
1. c. S. 814 (erste Aoflage) verlegen es, ohne eine QueUe anzogeben, 
in's nehardeanische Gebiet Aus Enibin 62 b ^ns^n nm mtdh an geht 
onsweidentig hervor, dass Kaphri mindestens drei Parasangen von 
Pombadita entfemt war. Die Angaben Fiirst's in der „Kaltar- a. 
Literatorgesch. der Juden in Asien* S. 90 n. S. 184 stehen mit 
einander in offenbarem Widerspmch: in der 2. Aoflage liess Gr&tz 
an der betreffenden Stelle die Bestimmang der Lage fort 

«) VgL Baschi znr SteUe and za Eidoschin 44b. 

*) Sanhedrin 6a, Fesachim 4a. 

•) Ibid. a. MoM Katan 20 a. Unbegreiflicher Weise macht 
Lebrecht .Kritische Lese** S. 8 die Martha zor Praa Aiba*s, ohne 
za bedenken, dass in diesem Kreise an eine blatschanderische Ge- 
schwisterehe nicht za denken ist 

7) 2. Samuel 8, 4. 

>) Jer. Tunit IV, 2, Gen. Kabba cap. 28, wo eine in Jerasalem 
aofgeftmdene Genealog/entafel dtirt wird. Dagegen wird Babl. 



— 39 — 

der Jugendgeschichte Chija's haben uns die Talmude keine 
Andeatung erhatten; doch konnen wir aus dem Umstande, 
dass er, der jiingste seiner Geschwister, allein zum Studiam 
der rabbinischen Wissenschaften erzogen wurde, mit einiger 
Sicherheit schliessen, dass sich seine geistigen Anlagen 
friihzeitig entwickelt haben mochten. Nach einem, jedoch 
kaum historischen Berichte soil er von ausserordentlich 
hoher Statur gewesen sein.^) Perner ist noch bemerkens- 
werth, dass er wegen einer eigenthiimlichen Constraktion 
seiner Sprachorgane den scharfen Guttural Cli (n) nicht 
sprechen konnte, weshalb man ihm witzig den Vorwurf 
machte, er begehe eine Gotteslasterung, wenn er den Vers 
Jes, 8, 17 'rh ^n'Dm „ich harre auf den Herrn" lese, weil 
er dann vermoge seines Fehlers "^ri'^lpn) d. h. „ich schlage" 
lesen miisste.^) Auch wurde er deshalb zuweilen mit dem 
Spottnamen Ijah belegt.') 

R. Chija verheirathete sich mit einer gewissen 
Judith, welche ihm das ZwUlingspaar Juda und Hiskija 
und zwei Tochter Pasi und Tawi gebar.*) Judith hatte eine 
so schwere Geburt, dass sie unter dem Vorwande, ihr 
Vater habe sie in ihrer Jugend mit einem Andern 
verlobt, ihre Ehe mit R. Chija fur gesetzwidrig und 
ungiiltig erklaren woUte; als diess aber R. Chija als 
nichtig zuriickwies, nahm sie ein die Sterilitat beforderndes 
Mittel (Kos Ikrin), woriiber sich Chija sehr gramte. *) 
Ueberhaupt war sein eheliches Verhaltniss kein freund- 
liches, da ihn sein Weib durch ihre Launen qualte. Er 
ertrug dies aber mit grosser Geduld und Milde und suchte 



Ketubot 62b behanptet, dass Ghya yon Schime'i, dem Bruder Dayids 
abstamme (I Chronik 2, 13). 

^) Nidda 24 b; Chijas Name fehit an d. Parallelstelle Numeri, 
Rabba cap. 9. 

«) MegiUa 24b. 

>) Moed Katan 16 b; Keritot 6 a. 

^) Jebamot 65b; Kidoschin 12b. 

*) Jebamot ibid. 



- 40 -- 

sie durch zartliche Aufmerksamkeit zu versohnen; fand er 
irgend etwas, so verwahrte er es fiir sie und brachte es 
ihr, und als seine Uragebung diese Milde nicht begrifif, 
sagte er: „Genug, dass die Frauen unsre Kinder erziehen 
und uns vor der Siinde (Dnsitflichkeit) bewahren."^) Wie 
schmerzlich ihm iibrigens dieses missliche Verhaltniss war, 
zeigen uns die Worte des Segens, welchen er einst seinem 
NefiFen,demerwahnten AbbaAricha, zum Abschiede gab: „Gott 
rette dich vor dem , was schlimmer ist als der Tod." ') 
Es wird ausdriicklich berichtet, dass Chija schon in 
Babylonien mit grossen Kenntnissen in der Gesetzeslehre 
ausgestattet war.') AUein der grosse Ruhm der palasti- 
nensischen Hochschule und ihres Oberhauptes, des Patri- 
archen R. Juda, ferner der Trieb, fiir die allgemeine Ver- 
breitung der Gesetzeskenntniss thatig zu sein,*) wofiir damals 
beim Volke in Babylonien noch die gehorige Enapfanglich- 
keit fehlte, drangten ihn dazu, sein Vaterland zu ver- 
lassen, und schon im reifen Mannesalter stehend, zog er niit 
seiner Familie nach Palastina, wohin ihna spater auch seine 
Nefifen Abba Aricha und Rabba bar Ghana folgten.*^) Die 
Meinung der Tosaphisten, ^ dass R. Chija erst im Greisen- 
alter nach Palastina ausgewandert sei, scheint darum unhalt- 
bar, weil seine Eltern bei seiner Uebersiedlung noch am Leben 
waren.') Chija liess sich in Tiberias hauslich nieder®) und or 

1) Ibid. 63 a. 

*) Anspielung auf Kohelet 7, 26. 

') Snkkah 20 a. 

*) Vgl. Jer. Kilajim IX, 4 u. Midr. Kohel. zn 9, 9. 

*) Snkkah L c; Nidda 26 b. 

•) Zu Nidda 1. c. 

') Gen. Rabba cap. 92. Den Tod seines Vaters erfuhr er nach 
dem dort Erzahlten auf folgende schonende Weise: Er sah einen 
Babylonier und erkundigte sich bei ihm nach dem Wohle seines 
Vaters; dieser erwiderte; Deine Mutter erkundigte sich nach Dir". 
Als ihn nun Chija verwundert uber die Ursache dieser sonderbaren 
Antwort befragte, sagte er: „Man fragt nach Lebenden, nicht nach 
Todten". (Vgl. auch Pesachim 4a. Red.) 

«; Midr. Huth zu I, 17; ibid. Threni zu IH, 16. 



— 41 — 

scheint einiges Vermogen von Babylonien mit heraufgebracht 
zu haben, da er einen Bedienten hielt,^) Grundstiicke er- 
warb, welche er dann verpachtete,*) zum Theil auch wohl 
selbst anbaute.') Auch trieb er einen Handel mit Flachs*) 
und Seide*) und kaufte letztere personlich in Tyrus ein. 
Trotz seiner Wohlhabenheit war seine Lebensweise eine 
sehr einfache und massige. Als er einst R. Josua ben 
Levi besuchte und dieser ihm eine Menge Gerichte vor- 
setzen liess, fragte er verwundert, womit er bei dieser 
Lebensweise denn den Sabbath auszeichnen konne. Als 
Josua ihm den Besuch erwiderte, wagte er es gar nicht, 
dem an Leckerbissen gewohnten Mann seine bescheidene 
Kost vorzusetzen, sondern beauftragte seinen Schiiler, den 
Gast nach seiner Gewohnheit auf Kosten Chija's zu be- 
wirthen.®) Vorstehendes mag zur Schilderung der Privat- 
verhaltnisse Chija's geniigen, und wir gehen zur Betrach- 
tung seiner Stellung iiber, welche er gegenuber R. Juda 
und den iibrigen Mitgliedern des hohen Rathes und der 
Schule einnahm. 



3. Kapitel. 
Chija's Stellung an der palftstinensischen Hochschule. 

Obgleich Chija, wie schon erwahnt, mit umfangreichen 
Kenntnissen ausgeriistet in Palastina ankam, stand er 
Anfangs doch noch zu R. Juda in einem.,,-sehulerhaften 
Verhaltniss, und er soil die rabbinische Ordination (Semicha 



1) Moed Katan 20 b. 

•) Midr. Ruth zu HI, 3. 

^) Wir schliessen dies aus Chija's eignen Worten in Baba 
Mezia 85 b u. Jer. Megilla IV, 1. 

*) Jer. Baba Mezia V, 6 vgl. Babl. Chnlin 86 b. 

*) Genes. Rabba cap. 77; Cantic. zu III, 6; vergleiche iiber 
seine VermSgensverhaltnisse noch Baba Mezia 44 b u. ibid» Jer. IV, 1. 

•) Midr. Threni zu HI, 16. 



— 42 — 

Minui) erst von ihm erhalten haben;^) auch von R. Ismael 
bar Jose, welcher nach dem Patriarchen die grosste rabbi- 
nische Autoritat war, nahna er gerne Belebning an.*) Er 
musste darum die ungewohnliche Strange des Patriarchen 
einigecQal fiihlen. Dieser hatte einst ein Verbot erlassen, 
auf froier Strasse Lehrvortrage zu halten. Chija hatte in 
seinena Eifer fur die Lehre dieses Verbot unbeachtet gelassen 
und seine beiden Neffen Abba Aricha and Rabba bar Ghana 
auf dem Markte unterrichtet. Als er darauf vor R. Juda er- 
schien, redete er ihn im heftigen Zorne an: „Ija,*) wer ruft 
Dich draussen". Diese Andeutung geniigte, Chija 30 Tage aus 
seiner Gegenwart zu verbannen, und erst nach Verlauf 
dieser Frist nahm R. Juda eine Rechtfertigung seiner 
Handlungsweise an.*) Selbst einen unschuldigen Scherz 
durfte sich Chija nicht gegen ihn erlauben : Der Patriarch 
hatte ofters geaussert, dass er Alles zu thun bereit sei, 
was man von ihm verlange. Wiirde der Exilarch Rab 
Hunna von Babylonien kommen, so werde er ihm seiner 
Abstammung wegen alle Ehre erweisen, ihm einen Platz 
iiber sich einraumen: doch so weit wie die Bene Bathyra, 
welche einst seinem Ahnherrn Hillel zu Ehren sich frei- 
willig ihres Amtes und ihrer Wiirde begeben batten, wiirde 
er die Selbst verleugnung nicht treiben konnen. Als nun 
nach dem Tode jenes Exilarchen dessen irdische Hiille 
nach Palastina zur Bestattung iibergefiihrt wurde, trat 
Chija bei R. Juda mit den Worten ein: „R. Hunna ist 
draussen". Der Patriarch entfarbte sich; und als Chija er- 
lauternd hinzusetzte; „sein Sarg kommt an", wurde ihm 
aber sogleich wieder von R. Juda bedeutet, dass er dreisig 
Tage aus seiner Nahe verbannt sei.*) AUmahlig jedoch 



1) Synhedrin 5 a. 
') Jebamot 105 b. 



8) Spottnamen, vgl. oben S. 12. 

*} Moed Katon 16. 

^) Jer. Eilajim IX. 4; Gen. Rabba cap. 33. 



- 43 - 

lernte der Patriarch die Vorziige und den Werth Chija's 
schatzen, und wir sehen ihn nun eine wiirdigere Stellung 
einnehnien. Die talnaudische Agada, welche sich unseres 
Chija mit Vorliebe bemachtigt hat, lasst dies durch ein Wun- 
der bewirkt werden : Der Prophet Elias, in der Agada der 
stete Vermittler zwischen Himmel und Erde^ habe wahrend 
des dreissigtagigen Bannes des R. Chija die Gestalt des- 
selben angenommen und den Patriarchen von einem Zahn- 
schmerz, an welchem er dreizehn Jahre gelitten hatte, 
befreit. Als dann Chija dessen Dankesbezeugungen be- 
scheiden zuriickwies, habe er den Zusammenhang begriffen, 
und Chija sei in hohem Grade in seiner Achtung gestiegen.*) 
Es wurde ihm nun sein Platz in der vordersten Reihe der 
Zuhorer angewiesen, und er erhielt zwei Jiinger zu seiner 
bestandigen Begleitung; auch war er, wenn er sich zur 
Anhorung der Lehrvortrage in Bet Schearim und Sepphoris 
aufhielt, der bestandige Tischgenosse des Patriarchen,*) 
begleitete ihn auf Reisen') und redete ihn nicht immer 
mit den bei Schiilern schon friiher iiblichen Titel „Rabbi" 
sondem oft einfach mit dem collegialischen ,jDu" an.*) 
Als Chija emst dem Patriarchen eine Schwierigkeit gliick- 
lich losste, wendete er auf ihn den Vers Jes. 46, 11 an: 
„Aus fernem Lande (kam) der Mann meines Rathes"/) 
Auch betraute er Chija einmal mit der wichtigen Funktion 
der Neumondsbestimmung, *) was eigentlich ein ausschliess- 
liches Recht der Patriarchen war und iiber dessen Et- 
haltung sie mit sorgfaltigem Eifer wachten.^) R. Juda 
verschmahte es sogar nicht dem R. Chija Gesetzesbe- 
stimmungen, welche — wenn auch nur theoretisch — seine 



1) Ibid. 

') Erubin 73 a; vgl. Berachot 43 a, Synhedrin 38 ft. 

^) Tancboinab, sec. Yajescheb, pag. 41a. 

*) Ketubot 25 b, Nidda 14 b. 

») Menachot 88 b. 

') Roscb Haschanah 25 a. 

') Ibid. Mischna, H Ende. 



— 44 — 

eigene Person betrafen, zur Entscheidung vorzulegen^) und 
als er einst durch eine Krankheit einen Theil seiner hala- 
chischen Kenntnisse vergessen hatte, lernte er sie wieder 
von Rabbi Chija.*) Er beabsichtigte auch, Chija durch 
Familienbande mit sich und seinem Hause zu verbinden ; allein 
die Tochter Chija*s, welche fur den Sohn des Patriarcben be- 
stimnit war, starb wahrend der Vorbereitungen zurHochzeit.') 
Welche Autoritat Chija in den Augen des Patriarchen 
besass, raogen noch folgende Worte zeigen, welche der 
Letztorer in edler Selbstverleugnung einst zu einera Schiiler 
sprach: „Sieh' ab von meinen Worten und halte die des 
R. Chija fest/) 

Ein inniges Band der Freundschaft verkniipfte R. Chija 
mit Simon, dem Sohne des Patriarchen. Dieser begleitete 
ihn auf seinen Geschaftsreisen nach Tyrus,*) machte ihm 
Geschenke*) und hatte eine solche Achtung vor seinen 
Kenntnissen, dass er keinen Anstand nahm, dessen Aus- 
spriiche zur Norm seiner Handlungen zu machen.') Die 
Innigkeit ihrcs Freundschaftsverhaltnisses war so bekannt, 
dass der Talmud bei Erwahnung eines Vorfalles, bei welchen 
beide als selbstsiichtig erschienen, eine Verwechselung der 



*) Horajot lib. 

') Nedarim 41a. 

») Ketubot 62 b. 

*) Aboda Sara 36 b. Aus der Stella Aboda Sara 75 b ersehen 
wir dentlich, dass der Talmud Rabbi und R. Chija als voUstSndig 
gleichberechtigt betrachtet. Es kann daraus, dass dort die Worte 
beider unter nonx angefOhrt werden, durchaus nicht geschlossen 
warden, dass man Chija als Amora batrachtata, dann dann mtisste 
ja yon Rabbi dassalba galtan; jadanfalls arhellt aban daraus, dass 
man die Tanaimworta untar ^or\» anfiihrte, dass Hischnah und 
Baraita wirklich geschricben waran, und nur wail dia dort angafiihrta 
Halacha in keinar Sammlung aufganomman wordan, sondam nur 
mtindlich fortgepflanzt wordan war, citirta sia dar Talmud untar nnriM. 

*) Gan. Rabba cap. 77 Cant. ad. Ill, 6. 

«) Baza 28 a. 

■) Jar. Sabbath IV, 1. 



— 45 — 

Personen annehmen zu miissen glaubt.^) Aach bei den 
iibrigen Mitgliedern des Synedriuras und der Hochschule 
stand R. Chija in hohen Ehren, und nur bei zweien scheint 
dies nicht der Fall gewesen zu sein. Ismael ben Jose 
mochte wohl nait Recht denken, dass er ihn, wie schon 
erwahnt, an Kenntnissen iibertraf. So oft der Patriarch 
den Chija lobend erwahnte, hob Ismael mit Nachdruck 
die Verdienste seines Vaters,*j welcher friiher der Lehrer 
des Patriarchen gewesen war, und seine eigiien hervor 
und verklagte Chija bei R. Juda, dass er sich bei seinem 
Erscheinen nicht pflichtmassig erhoben habe.') Bei ha- 
lachischen Controversen nannte er ihn geringschatzig „Baby- 
lonier". Einen weiteren Gegner hatte Chija noch an Simon 
bar Kappara. Dieser, ein gewandter Dichter und Satyriker, 
welcher mit seinem beissenden Spotte sogar den Patriarchen 
nicht verschonte, beging die Taktlosigkeitj, im Beisein 
des Oschijah, eines Schiilers und Freundes von Chija, 
letzteren geringschatzig als Babylonier zu bezeichnen und 
ihn spottelnd Ija zu nennen, so dass Oschijah ihn in ge- 
rechter Entriistung dariiber auf die an ihn gerichtete Frage 
keiner Antwort wiirdigte/) Auch der Umstand, dass bar 
Kappara und R. CMja bei einer halachischen Controyerse 
schwuren, ihren Ausspruch so und nicht anders von R. 
Juda gehort zu haben, lasst auf eine gegenseitige Erbitterung 
schliessen. *) 

Es lasst sich aus den Quellen nicht mehr ermitteln, 
ob Chija ein ofiFentliches Amt bekleidet habe. ®) A. Kroch- 
mal behauptet, er habe neben Ismael ben Jose ein Richter- 
amt verwaltet; ^ allein die Stelle (jer. Kil. IX, 4), auf 

^) Beza 1. c. Ueber ihre halachischen Controversen vgl. EmbinOb ; 
Jebamoth 105b; Gholin 139b. 
*) Baba Mesda 85b. 
^ Jer. Kilajim IX, 4. 

*) Keritot 8 a. * 

*) Jebamot 82 b. 

•) Vgl. Kirchheim im L. B. des ^Orient" 1848, S. 688. 
7) Zeitschrift Ghalnz Bd. U S. 86. 



— 46 — 

welche er seine Hypothese stiitzt, hat keine Beweiskraft, 
da die dort erwahnte Ehrenbezeugung, dass ihm ein Platz 
in der vordersten Reihe angewiesen wurde, der personlichen 
Wiirde Chija's zukam. Ebensowenig lasst sich aus dem 
von Krochmal nicht angefiihrten Berichte, dass Isnaael und 

♦ 

ihm ein Rechtsfall zur Entscheidung vorgelegt wurde,*) 
etwas schliessen, da jedes ordinirte Mitglied der Schule 
zur Ausiibung der richterlichen Funktionen befugt war. 
Bevor wir jedoch unsere Untersuchung iiber die oflfentliche 
Wirksamkeit Chijas weiter fortsetzen, miissen wir auch 
seine individuellen Eigenschaften, den Grad und Umfang 
seiner Bildung einer naheren Betrachtung unterziehen. Es 
wird dies nur dazu beitragen, uns Chija der ihm von seiner 
Mit- und Nachwelt gezoUten Verehrung vollkommen wiirdig 
erscheinen zu lassen. 



4. Kapitel. 
Character Chija's. 



Unter den vielen riibmlichen Eigenschaften, welche 
Chija zierten, ragt besonders seine innige, aufrichtige 
Menschenliebe hervor. Wie wir schon bei der Betrachtung 
seiner hauslichen Verhaltnisse seine Nachsicht und Milde 
zu bewundern Gelegenheit hatten, so sehen wir ihn iiber- 
all, wo es gait, seinen Nebenmenschen vor Erniedrigung 
und Bescharaung zu bewahren, sein eigenes Ansehen zuriick- 
setzen. In der Lehrversammlung hatte sich einst Jemand, 
dessQU Person nicht ermittelt werden konnte, eines geringen 
Vergehens schuldig gemacht. Rabbi Juda, die Gewissen- 
haftigkeit seiner Genossen und Jiinger kennend, forderte, 
dass der Schuldige die Versammlung verlasse. Um diesen 
keiner offentlichen Erniedrigung auszusetzen, verliss Chija 
sofort den Saal, worauf dann auch Andre seinem Beispiele 



1) Baba Batra 69 b. 



— 47 — 

folgten.*) Die rigorose Strenge, mit welcher R. Juda die 
Schiiler behandelte, suchte er auf jede mogliche Weise zu 
mildern: er erklarte ihnen seine oft lakonisch kurzen Aus- 
spriiche und Befehle, *) suchte seinen Zorn durch begiitigende 
Worte zu beschwichtigen und gab den Schiilern weise 
Verhaltungsmassregeln, um den Patriarchen nicht zu reizen. 
Chija's Sohne batten den Patriarchen einst im Weinrausche 
beleidigt; als R. Juda finster blickend sagte: „ihr werfet 
mir Dornen in meine Augen", sagte Chija begiitigend; 
jjRabbi, mogen ihre Worte nicht missfallig sein in deinen 
Augen, es ist der Wein, der aus ihnen spricht.^) — Einst 
ging er mit dem Patriarchen auf das Feld; da bemerkte 
dieser Jemanden, der nicht wie er und R. Chija auf dor 
Seite des Weges ging, sondern um die Folder nicht zu 
beschadigen, miihsam in der Mitte der Strasse durch den 
Koth watete. Als R. Juda dies bemerkte, sagte er scharf : 
Wer ist das, der vor nnseren Augen mit seiner Frommig- 
keit prahlt? Chija aber beschwichtigte ihn mit den Worten: 
Vielleicht ist es Jehuda ben Nakusa, mein Schiiler, welcher 
alles in reiner Absicht thut. Der Patriarch erklarte dann, 
dass er ihn sonst in den Bann gethan haben wiirde.*) — 
Andrerseits ermahnte Chija die Schiiler ofter: Wenn sich 
Rabbi mit einem Traktate (Masechta) beschaftigt, so be- 
fraget ihn nicht iiber einen anderen Traktat.**) 

Wie auf den kleinen Kreis der Schule, so erstreckte 
sich seine Liebe auf alle seine Briider, ja auf alio Menschen. 
Wohlthun war seine siisseste Beschaftigung; er betrachtete 
die irdischen Giiter far verganglich, verglich das Gliick 
mit einem bestandig rollenden Rade, welches den jetzt 
Begiinstigten und oben Befindlichen bald nach unten kehren 
kann; darum ermahnte er sein Weib oft: bringe dem 



1) Synhedriu 11a. 
') Berachot 43 a. 
•) Synhedrin 38 a. 
*) Baba Kama 81b. 
*) Sabbath db. 



— 48 — 

Armen Speise, damit man einst auch deinen Sohnen bringe, 
wenn sie deren bediirftig sein werden.*) 

Das Schicksal seines Volkes war der Gegenstand seines 
Denkens and seiner Sorgfalt, und bei jeder Gelegenheit 
legte er an den Tag, wie sehr ihn sein Wohl beschaftigte. 
Als er einst mit Simon bar Chalafta auf dem Felde den 
allmahlig anbrechenden Morgen und das prachtvolle Schau- 
spiel des Sonnenaufgangs beobachtet hatte, sagte er zu 
diesem: „So wird die Erlosung Israels sein; allmahlig 
wird sich sein Loos mildern, bis ihm vollige Befreiung 
wird.*) 

Seine Liebe zu seinem Volke suchte er besonders 
auch durch die Sorgo fiir ihre goistige Wohlfahrt, Ver- 
breitung der Geset/eskenntniss unter das Volk zu bethatigen; 
selbst seine Urtheile iiber die heidnischen Stamme, welche 
weit entfernt sind, von Hass und Intoleranz gegen Dn- 
glaubige zu zeugen, driicken nur den Schmerz aas iiber 
die Grausamkeit dieser Henker seiner Nation und sind 
wiederum ein Spiegel seiner Gesinnung gegen diese.') Chija's 
Gottesfurcht, sein heiliger, innig-frommer Lebenswandel war 
bei seinen Zeitgenossen so beriihmt, dass man seine Ver- 
dienste denen der Erzvater gleich achtete und seinem Ge- 
bete versohnende Kraft beilegte. Hatte die Natur den 
nothwendigen Regen versagt, batten wilde Thiere die Felder 
verwiistet, so wusste das Volk keinen wiirdigeren Vorbeter 
zu fin den als ihn, urn durch seine Fiirbitte, die als gott- 
liche Strafen betrachteten Uebel abzuwenden *). Dem Ver- 
dienste des R. Chija schrieb man es zu, wenn giinstige 
Witterung und Fruchtbarkeit des Bodens die Arbeit des 
Lendmannes segneten*). Ferner verdient auch die strenge 
Rechtsliebe Chija's hervorgehoben zu werden. Bei seinen 



') Sabbath 161b. 

^ Jer. Berachot I, Midrasch Esther Ende. 

'} Siehe Gittin 17 a; ferner Tancliuma Vigescheb pag. 41a. 

*) Baba Mezia 85 b: Gen Rabba cap. 81. 

*) Chnlin 86 a. 



— 49 — 

Geschaften legte er jeden zweifelhaften Pall dem Patri- 
archen zur Entscheidung vor, aus Furcht, das Interesse 
an der Sache mochte ihn zu einem ihm selbst giinstigea 
Urtheile und zur Uebervortheilung Andrer verleiten^). Einen 
eclatanten Beweis seiner Gewissenhaftigkeit liefert uns 
noch folgender Zug: Eine Frau hatte ihm eine Miinze ge- 
zeigt, welche er fiir gangbar erklarte. Als sie am nachsten 
Tage wiederkam und ihm sagte, dass sie dieselbe nicht 
anbringen konne, wechselte er sie um, weil er sie durch 
sein Wort zu deren Annahme veranlasst hatte, und sagte 
zu seinem Neffen AbbaAricha: 5,Trage in mein Geschafts- 
buch ein, das war ein schlechtes Geschaft'*.^ Diese und 
ahnliche Tugenden konnten nicht verfehlen, Chija die 
Achtung und Verehrung aller seiner Zeitgenossen zu er- 
werben; der weitere Verlauf unserer Abhandlung wird 
zeigen, dass auch sein tiefes und umfangreiches Wissen, 
seine hohe wissenschaftliche Bildung Betrachtliches dazu 
beitragen musste. 

(Fortsetzung folgt). 



Jer, Baba Mezia V, 6. 

') Baba Kama 99b. — Der von Kircbheim S. B. des ^Orients" t'A?' t*% *'9^'»^ 
Jbrg. 1848 Seite 673 citirte Ausspruch eines Rab Chija, er k5nne i'^T^^^ *V'^'^ 
Processe allein schlichten (obne Beisitzende), geh($rt nicht unserem 
E. Chija an, da diesem nie der Titel Eab beigelegt wird; dann sind 
auch die Worte erst nach einem ahnlichen Ansspniche des um zwei 
Generationen jiingeren Rab Nachman erwSJmt und sind iiberhaupt 
dem hescheidenen Wesen unsres Rabbi Chija unangemessen. 



Magasla Befl I, 1890. 



Die Hafid-Wlrde. 

Das biblische t:o, in der aramaischen EinleituDg znr 
Haftara am ersten Pessachtage dem Josua beigelegt,^) 
erschdnt zom ersten Male ond man konnte in gewisser 
Beziehong sagen, aach zom letzten Male, ab ein glanz- 
YoUer Ehrentitel, als eine henrorragende Auszeichnong bei 
Samuel Haley i in Granada. Der hohe Rang, der ihm 
alsVezir bei Hofe nnd im Staate eingeramnt war and der 
seine politische Machtstellong erkennen lasst, onterstntzte 
wesentlich die Oberhoheit, welche er aber die Jnden des 
Reiches und ihre Gemeinden erlangte and abte. Aller- 
dings mass man hierbei aach noch die innere Begabong 
SamaeFs in Ansatz bringen. Seine Gelehrsamkeit and seine 
Frommigkeit, wie seine aofrichtige Hingebong an die yater- 
liche Religion and fiir die Bekenner derselben sind innere 
Giiter, die ihn, somit aach darch seinen geistigen Reich- 
thum emporragend, fiir werth der allgemeinen Verehrang 
and Dankbarkeit zeigen, welche ihm seine Glaabens- 
genossen nah und fern innig bewahrten. Auch die Nach- 
welt erhielt ihm seinen Weltruf und nannte ihn „ha-Nagid" 
xar* Ifoyjv, in ahnlicher Weise, wie „ha-Gaon" ohne 
weitere Naroensnennung, Saadia oder Hai bezeichnet. 
Anders gestaltete es sich mit seinem Sohne und Nach- 
folger Jehosef oder Josef, der auch die Nagidwiirde er- 
erbte, aber nicht mehr mit dem Glanze, der seinen Vater 
umgeben hatte. Ihm musste das einstige Ehrenamt bereits 
zu einer Quelle far die materielle Existenz werden. Denn, 



*) HVM yrin» n' Sj^ 1tDHfl»H1 n»DH. 



J 



— 51 — 

so berichtet ein Spaterer, David b. Simra, in seinen 
Responsen (Theil II No. 622), dessen Worte wir ganz 
mittheilen woUen, weil sie ausserdem das eigentliche Wesen 
des Nagidamtes naher darlegon. David b. Simra schreibt: 
„Die Secretare in Aegypten nehmen fur die Ausfertigung 
der Eetuba einen Goldfiorin and noch mehr an Bezahlung, 
fur einen Get lassen sie sich 12 '»T'«d (Moezzi) zahlen. 
Dieser Gebrauch riihrt aus der Zeit der Negidim her; es 
war eine der fur die Nagid-Wiirde (rm^is) bestehenden 
Bestimmungen, dass die Gemeinde dem Nagid Revenuen 
bewi^l^e, aus denen er seine Existenz bestreiten konnte. 
Denn der Nagid soUte keine andere Beschaftigung haben, 
als in Rechtssachen die Entscheidung zu geben und die 
Gesammtheit vor Konigen und Fiirsten wurdig zu ver- 
treten. Er hatte das Recht, mit Erlaubniss des Konigs 
zu strafen und zu zuchtigen, gefangen zu halten, wie einst 
der Resch Galuta dieses Recht besass. So hatte er auch 
die Urkunden auszustellen und sie durch den Schreiber 
und die Zeugen beglaubigen zu lassen. Bereits Rabbi 
Jehosef Halevi hatte solche Einkiinfte des Dajan 
in Granada bezogen." 

Weiter begegnen wir im arabischen Spanien einem 
Nagid nicht mehr. Erst im arabischen Aegypten treffen wir 
dann (um 1141) den homonymen Nagid Samuel Halevi, 
den Sohn des Arztes Chananja, an den Jehuda Halevi 
einen Brief richtete und funf Gedichte widmete. *) 

Als dieser Nagid aus Spanien nach Aegypten kam, 
wurde er von den Alexandrinern mit folgenden Versen 
begriisst: 

itSdkoi p«3 bm mw n'»f?m dk^i nim pM nj; 

^:y KDD "^hy cpim 2itD di^d ni^03 itt^« nti'w ana 

.Tnof? i^nStt^ npy^ i^3» pxi3 jwxn i»tt^ m 'jniS 



^) Lnzzatto in min» na nSina S. 18 n. 110. 
■) Von Sambari (s. S. 64 Note 1) mitgetheilt, der irrthumlich 
diesen Samuel Nagid mit dem alteren ganz identificiert. 



— 52 — 

Der Nachstfolgende, den wir als Nagid in Aegypten 
kennen lemen, ist Abraham, der Sohn des Mose b. 
Maimon. Dieser selbst hat den Titel Nagid nicht fiihren 
woUen;*) dafur wird aber der Sohn als Nagid vielfach 
gepriesen.^ 

Dessen Sohn David'), der mit Salomo b. Aderet in 
inniger Freundschaft verbunden war*) und dem nach der 
Anordnang des Nasi in Damaskus die feindseligen Schriften 
gegen Maimonides ausgeliefert werden soUten*^), ^erlebte 
keine guten Tage als Nagid. Simson b. Meir sammelte 
fiir ihn in den Gemeinden Spaniens, auf Grand eioij^ be- 
sonderen Empfehlungs-Schreibens des Aderet, eine grosse 
Summe Geldes. ®) Nach seinem Tod hielt die Gemeinde zu 
Rom eine Trauerrede, die sie in der Form eines Send- 
schreibens an die hinterlassenen Sohne Abraham und 
Salomo richtete.^ 

Der Erstere folgte ihm in die Nagid- Wiirde®); er 
lebte 1313, wie aus einem Citat bei Parchi*) hervorgeht 
Joseph Caspi^°) erwahnt ihn aus dem Jahre 1311 mit den 

Worten: D^DDnn T:i tt^Ki h» "^y^n nn arr\^» n rsm. 

Sein Sohn Josua, der Nagid, wird vom Verfasser 
des nsro P|D3 zweimal erwahnt^^) Wie aus Codex No. 628 



I) Nomologia p. 277. 

') Siehe Conforte: nnnn Hiip 13 b ed. Cassel n Briefe im 
Eobez, (Biographic am Ende) Leipzig; auch onnaNnsns, Lyckl859. 

') In der Einleitnng zum na^c n^cs, mitaufgenommen in n^^Jino 
nsio (Super-Commentar zu Ibn Esra) ist zu yerbessem: m wai ]a 
nB^o uai ]3 nuan Dnna« uai p nuan. 

*) nwap nnao S. 88, wo Day id gemeint ist. 

^) Kerem Cliemed III S. 170 u. bieraus im Kobez S. 21 der 
Abtbeilung nui^p nn;i«K. 

•) nwap nmo No. 67. 

D»D3 ntrvo (Paris 1867) S. XII. 

*j Melo Cbofnajim S. 79. 

^) nnci "iviDS, gegen Ende des 5. Cap. S. 13 und Noten S. XL. 

^") E\D3n nwap Anf. u. S. 12. 

II) In mo 6n c. 7 u. nip 6n c. 2. 



— 53 — 

in Oxford zu ersehen ist, lebte der Sohn desselben, David, 
in Aleppo, und zwar i. J. 1400. 

Somit hat sich 4 Generationen hindurch die Nagid- 
Wiirde in der Familie von Moses Maimon. in Aegypten 
erhalten. 

Wir horen dann nur wenig von Vertretem des 
mTJ3 in diesemLande; Zemach b. Duran schreibt an einen 
ungenannten Nagid in Aegypten.^) David b. Simra sass 
im Collegium des Nagid Isac Solal (hnhv), von dem er 
eine Yerordnung aus dem Jahre 5274 (26. Ellul) citirt, 
die Ain geht, dass die von Privaten der Synagoge iiber- 
gebenen silbernen Gerathe (tt^ilp ^Sd) der Gemeinde anheim- 
fallen and dass dieser sich nur solcher Gerathe, die in 
dieser Weise Eigenthum der Gemeinde geworden seien, 
bedienen solle. Aus Ausfuhrungen in uhnny ^natt^') (Li- 
vomo) lasst sich entnehmen, dass dieser Nagid 1522 in 
Jerusalem war. Er wird lobend erwahnt als tthod l^xin 

iroy] nanyi msSb iro2 mins inDa rmn nnaa inDion SSie^ pnsr 
.D^iyS nttny «iw mpnaw aio nt^ 

Das Manuscript des moi nincD von Parchi war bei 
ihm, wie dies auf dem Titelblatt (der 2. Ausgabe Berlin 
1851) bemerkt wird.*) 

Daher auch von ihm Conforte in nnnn «iip S. 31b 
schreibt, dass er zur Zeit E. Misrachi's Nagid in Mizrajim 
und Jerusalem gewesen sei. Letzterer (Resp. No. 50) 
nennt ihn mn am mas Vrr hhw pan pnr rnoa rssr\ 
'131 iDiSv ijcm^y mSroD rt^m im«Dm. 

Auch Joseph Karo in Tur. I § 61 berichtet von ihm, 

dass ymnti Snjn am ^mw jnan SSib^ pmr vnoa Snan rm 
irnn nya o^waan 'mn ^Sn: Sai apv' S^r aTa, dass sie Alle 

dem eingefuhrten Brauche, die letzten 3 Worter im Schema 
durch den Vorbeter wiederholen zu lassen, gewehrt hatten. 

^) S. RespoDsen des V'^avi No. 283 Ende. 
>) S.19b, aia n. 29b. 

*) ansca 7\ws\ TAa |uun n^jia mso^ ivmo u'^v n^v nswHi dbt: 
SSiv ]na pn«« 'O, s. auch welter unten. 



— 54 — 

Joseph Sambari in seiner Ghronik^) schildert Isac's 
Verdienste mit folgenden Worten: 

HT wm (■moi TV1B3 1CD WK iiatD) ir« jron pmr n Taan 
nnjrn arhv rrjrm rmm ^poiy Sy vr dh -poDn navi nonSoS 
air Try pa '•ay rr'n pa wn or Siui pep oro'^a pwft naitf? 
nnya vm rnn» iiop «33c ^mSn Hoai wiinin croo nnbb omec 
p« ^331 iTSy cr-nSi p«S on^non bmtr ^w» nsiSr nan i6n 

.nrhr ^«a t»b31 nanawenp '•jani crooi Smr^ 

Im Jahre 1527 muss er bereits todt gewesen sein; 
denn bei Levi b. Ghabib (No. 95 der Responsen) beiichtet 
aus jener Zeit Natan SmSv als Mityormund des Abraham, 
Sohnes des in Rede stehenden Nagid, iiber die Forderungen, 
die an sein Miindel gestellt werden. 

Gelegentlich seien hier mehrere Mitglieder aus der 
Familie Solal (ShSv) erwahnt: David ha Gohen Solal in 
Tenes (o«i)**) bei Simon Duran.') 

Abraham ha Gohen hvhw u. hvihVy den Duran seinen 
Schuler nennt, erst in Majorca, dann in Honein.^) Auch 
Salomo Duran richtet an ihn nach Honein seinen Bescheid.^J 

Trager dieses Familiennamens waren vorzuglich in 
Tlemsan ansassig. Aus dem Jahre 1415 wird uns Saadia 
Hacohen Solal genannt,®) der dort als Rabbiner auf- 
genommen wurde. Ihm folgte 1750 sein Sohn Natan, 
der sich durch seine Krilik des Textes des biblischen Tar- 
gums, namentlich durch seine Zusatze und die Varianten 
des jerusalemischen Targums zum Pentateuch, unsterblich 
gemacht hat. Dieses grosse Werk ist 1457 in Tlemsan 
beendigt worden/) 

1) Abgedruckt bei Neubauer D»»^n nmpi D^eann "no (Oxford 1888) 
S. 157. 

") Vgl oben S. 63 meinen Hinweis Note 3. 

2a) D:M=Tenes bei Oran ist zu unterscheiden Yon D):vi=Tuma. 

') Y^mr\ n 136, 175, 238, 276, 208. 

*) prn I 25; n 67, 142; HI, 207. 

6) ^u^^-^ No. 572. 

«) Nach Revue orientale III, S. 479. — SolJte diese bo wichtige 
Handschrift noch irgendwo yorhanden sein? 



— 55 — 

Ferner waren in Tlemsan als Gelehrte bekannt: Natan 
b* Chajim and dessen Sohn Chajim.^) 

Isac b. Amram Hacohen Sola! erscheint beim r»3tt^n 
in den Responsen No. 464; er trennt sich von seiner 
zweiten Frau und mass for seinen 6 Jahre alten Sohn 
Isac sorgen. 

Auch aus jenen Landem^ aber aas spaterer Zeit 
nennen wir als Trager dieses Familiennamens Meir, 1785, 
und Gfaaim, 1847, beide in Algier, nnd Samuel b. Ahron, 
1847 in Oran.«) 

Kehren wir jetzt wieder zu den Inhabem der Nagid- 
wiirde zuriick, von denen wir noch zu nennen haben: 

Natan Hacohen, der Nagid, den David b. Simra 
lobt,*) weil er als Cohen aus den Familien der ehemaligen 
£araer, die einst, in den Jahren des 267. Mond-Cyclus 
durch den Nagid Abraham, den Sohn des Rambam, in 
Aegjrpten zum traditionellen Judenthum zuriickgetreten 
waren, sich nicht verheirathen wollte. Vielleicht ist der- 
selbe mit dem dort an einer anderen Stelle^) erwahnten 
fron fni TfD wn identisch. 

Jonatan Hacohen, aus dessen Scripturen Elia b. 
Binjamin, Verfasser des Responsen werkes piM [pr anfiihrt : ^) 

rrr pan (fovr tot wm^ nyroo. 

An den Sohn des Jonathan, mit Namen David in 
Oran, dann in Granada, richtet der jiingere Zemach Duran^) 
zwei Rechtsgutachten, zugleich mit einem Elagelied iiber 
den Tod eines Bruders, um den David trauerte. — Von 
anderen einzelnen Namen, die mit dem Nagid-Titel angefiihrt 
werden, nennen wir: 



^) Responsen w^v^ No. 629 n. T^nr^i |o« No. 66. 
*) Im Veneichnisse vor dem Abot-Gommentar des B. Jona 
(Berlin u. Altona 1848). 

*) Resp. des Bezallel Aschkenasi No. 8 No. 86. 

*) No. 1 fol. 3 a. 

*) Resp. Bezallel Aschkenasi No. 36. 

'} Responsen tj^i^i |o« S. 16 c n. 26 d. 



1 



— 56 - 

MoseNagid, ein Pajtan, der seinen Namen in den 
Anfangen ') eines Pismon fiir das Ne'ila-Gebet in einem 
arabischen Machsor-Ritual zeichnet. 

Mose Ghefez Nagid , mit dem Aaron Alrabi') 
discutirte. 

T3Kn Nagid bei Sambari (s. S. 54 Note 1) S. 157; Mit- 
glieder dieser Familie lebten noch zur Zeit Sambari's in 
Aegypten. 

David Nagid bei Wolf, Bibl. heb. Ill S. 201. 
Schealtiel Nagid, 1519inGonstantinopel, angefuhrt 
bei Misracbi: Resp. 15. 

Wie die Nagid- Wiirde nach Aegypten verpflanzt und 
wann sie dort aufgehoben worden ist, hieriiber hat uns 
David b. Simra in seinen Responsen (Th. Ill No. 509) 
eine historische Mittheilung hinterlassen. Derselbe warde 
namlich angefragt, warum man in Aegypten zngelassen 
habe, dass der Nagid allein, ohne ein Collegium, Recht 
sprechen diirfe. In seiner Antwort fdhrt er den Ursprung 
der Nagid- Wiirde auf die Zeit zuriick, in welcher der 
arabische Fiirst des Landes eine Prinzessin aas Bagdad 
zur Frau heimgefiihrt hatte, die in ihrem neuen Lande es 
vermisste, dass die Juden nicht, wie in ihrer Heimath, 
unter der fiotmassigkeit eines Resch-Galutha aus Da- 
vidischem Hause standen. Hierauf liess der Eonig einen 
Mann, der. vom Konig David abstammte, aus Babylon 
holen und setzte ihn zum Nagid iiber alle Juden seines 
Landes ein. Dies ist der Ursprung dieses Amtes in Aegypten, 
das mit ausgedehnter VoUmacht fiir die Handhabung der 
Justiz ausgestattet wurde. Nachdem die Nachkommen- 
schaft aus dem ehemaligen jiidischen Eonigshause aber 
aufgehort hatte, oder richtiger, nachdem kein wiirdiger 
Vertreter solcher Abstammung mehr zu ermitteln war, 
setzte man einen Gelehrten, der durch Bildung und Ruf 



1) na*'?^ ^^h^ m^»i u)h^\ D3»nSH nW^ mpn^ nnnn in Cod. de Rossi 
"^0. 1377. 

•) S. Zion I S. 196. 



— 57 — 

hierzu fur geeignet erachtet wurde^ als Nagid ein. Mit 
der Uebernahme des Landes von Seiten der tiirkischen 
Regierung aber horte die sonst landesherrlich bestatigte 
Nagid-Wiirde ganz auf; man setzte dafiir einen Dajan ein, 
der, nach der alien Gewohnheit des Nagid, ebenfalls ganz 
allein das Richteramt ausiibte. 

Was David b. Simra hier mitgetheilt hat, ist uns 
jetzt durch den eingehenderen Bericht des Joseph 
Samba ri^) naher bekannt. Nach demselben ist das Er- 
eigniss mit der babylonischen Frinzessin in das Jahr 985 
zu setzen. Er beschreibt hierbei die Feierlichkeiten za 
Ehren des Nagid, erwahnt die Zeit, in der man angefangen 
hat, statt eines Nagid aus Dayidischem Haase einen 
judischen Gelehrten aus Constantinopel zur Nagid-Wurde 
zu berufen. Der Letzte, der aus einer solchen Wahl her- 
vorgegangen war, hiess Jacob b. Ghajim Talmid — 
mit ihm horte die Nagid-Wiirde iiberhaupt auf. Der 
Grund war folgender: Der Nagid soUte seinen Einzug 
halten, und die ganze jiidische Bevolkerung ging ihm entgegen, 
um ihn feierlichst zu begriissen. An ihrer Spitze stand 
der beriihmte Bezallel Aschkenasi, den es sehr ver- 
dross, als der Nagid sich vomehm fiber alle Aufmerksam- 
keiten, die ihm erwiesen wurden, hinwegsetzte und von 
dem Volke sich abwandte. Bezallel Aschkenasi stellte 
ihn hieriiber zur Rede, und zwar in so heftiger Weise, 
dass der Nagid ihn sofort beim Fiirsten yerklagte und 
verleumdete, dass er keinen Respect 70r der Regierung 
habe. Als Bezallel hieryon horte, begab er sich zum 
Fiirsten und legte ihm das Samuel-Buch mit folgenden 
Worten yor: „Hore, Fiirst, das Wort Gottes aus dieser 
Schrift; denn yon dem Tage an, da wir aus unserem 
Lande weggefuhrt worden sind und Eure Oberhoheit auf 
uns genommen haben, haben wir festgestellt, dass sich 
Niemand aus unserer Mitte mit dem Namen „Konig** be- 
nenne, denn Euch gehort die Herrschaft. Dieser Mann 

1) Bel Nenbaner: a^osnn nD, Abth. 6 S. 116. 



— 58 - 

aber masst sich die Benennong eines Eonigs an; denn man 
bezeichnet ihn als Nagid, welches so viel als Konig be- 
deatet. So ubersetzt das aramaische Targom die Schrift- 
stelle humr Sp loy Sy rxh mit Smr^ Sy ^wSdS. Ich habe 
versuchty ihn mit besanftigenden Worten einzuiehmen; er 
wies mich aber ab, und da ich einsah, dass er gegen die 
Landesherrschaft sich aoflehnt, habe ich ihn in den Bann 
gelegt." Als dies der Furst horte, ward er iiber den Nagid 
sehr erziimt und liess ihn aos seinem Lande fortziehen. 
Von damals ab worde es zum Gesetz in Israel, keinen Ge- 
lehrten aus Gonstantinopel mehr mit der Wiirde des Nagid 
zu bekleiden, und ihn fortan nur ^a^So^) zu nennen. 

Hieraus gewinnen wir eine nahere Erklarung for die 
von Asulai in seinem bibliogr. Worterbuche s. v* huht^ 
nur andeutungsweise gegebenen Notiz SlD^a (ShSjd n) HVir 
iTW iTryo Diro cnacD pna ra or. 

Auch werden wir jetzt die Elage Bezallel's in dem 
22. Bescheide seiner Responsen richtiger zu wiirdigen im 
Stande sein: er wendet sich gegen die habsiichtigen Ver- 
treter des Nagid-Amtes und preisst Gott dafur, dass sie 
endlich aus dem Lande entfemt seien- 

So endete die Nagidwiirde in dem Lande, in welchem 
sie am langsten sich behauptet hatte. Nur ein schwacher 
Nachklang ihrer einstigen Vomehmheit erhielt sich von da 
^b in dem Titelworte rm als epit-heton omans fur den 
Macen, bis auch dieser Ausdruck verallgemeinert und 
jedem reichen Manne*) — vom Bittsteller beigelegt wurde. 
In ahnlicher Weise hat auch der Titel Gaon in unseren 
Tagen den Missbrauch erfahren miissen, gegen den aus 
yerschiedenen Griinden jeder Anhanger der geschichtlichen 
Wahrheit mit aller Erafi; Protest erheben miisste. 

Dr. A. Berliner. 

') Man yergldche oben den Schlnss bei Dayid b. Simra in 
Betreff des nimmehr eintretenden Dajan. 

*) Anch mit )«sp ist im Laufe der Zeit eine solche Wandlung 
des Begriffes yor sich gegangen. 



Geschichte der deatochen Jaden. 

Von den altesten Zeiten bis zum Ausgang des 

Xn. Jahrhunderts. 

Nach den Qnellen ansftthrlich dargestellt Ton Mtrltz Stan. 



Eine Geschichte der deutschen Juden, welche von der 
Zeit des romischen Reiches an bis in die Gegenwart hinein 
die eigentMmlichen Schicksale dieses Brachtheiles nnseres 
Volksverbandes in zusamm.enfassender Darstellung verfolgt 
und zugleich die literarischen and kultur-historischen Mo- 
mente des judiscben Lebens wiirdigt, besitzon wir noch 
nicht. Ob es mir gegliickt ist, diese bedeutsame Ldcke 
auszufuUen, mogen Eundige beurtheilen. Jedenfalls glaabte 
ich, auf Grund meiner in zahlreichen Bibliotheken und 
Archiven gemachten mehrjahrigen Vorarbeiten den Versuch 
nicht scheuen zu soUen. 

Far die Periodisirang des gesammten Zeitraams konnte 
nicht die Literatur oder innero Entwicklong, sondem nur 
die aassere politische and sociale Stellang massgebend 
sein. Wir erhalten demnach yier Abschnitte: 

I. Von den ersten Ansiedelangen bis zum 
Ausgange des XII. Jahrhanderts. Die Juden sind 
vorzugsweise Eaufleute. Periode des religiosen Ge- 
gensatzes. 

n. Vom Anfange des XIII. Jahrhunderts bis 
zur Vertreibung der Juden aus den deutschen 
Stadten urn die Wende des XV. Jahrhunderts. Die 
Juden sind yorzugsweise Geldyerleiher. Periode des 



— 60 — 

socialen Hasses, Zeit der Eammerknechtschaft. Der 
Abschnitt zerfallt durch die Katastrophe des schvrarzen 
Todes in zwei Halften. Den Schlussstein bildet die Ver- 
treibnng aus Begensbnrg 1519; die Juden werden mit 
Aasnahme von Frankfart, Worms nnd Prag auf das platte 
Land beschrankt. 

III. Yom Anfange des XVI. Jahrhunderts bis 
zar Emancipation am Anfange des XIX. Jahr- 
hunderts. Die Juden sind yorzugsvreise Trodler und 
Geldverleiher. Periode der Verachtung, Zeit der 
Schutzjudenschaft. Einen Einschnitt macht das Jahr 1648 
durch die Einwandernng des aus Polen gefliichteten Pro- 
letariats. 

IV. Der Eampf um die Emancipation im XIX. 
Jahrhundert. 

Im Folgenden gelangt zunachst der erste Zeitraum 
zur Vero£fent]ichung. Die Bearbeitung desselben ist un- 
abhangig von den (Oktober 1887 — 1889) veroflfentUchten 
^Regesten^) zur Geschichte der Juden im frankischen und 
deutschen Reiche bis zum Jahre 1273"^ ed. J. Aronius, 
entstanden. Die Durchforschung der gedruckten Quellen 
fur den ersten, wie fur den zweiten Abschnitt bis 1519 
war bereits gegen Ende des Jahres 1886 im Wesentlichen 
von mir abgeschlossem Im Znsammenhang hiermit erschien 
damals „Aus der Zeitschriften-Literatur zur Geschichte der 
Juden m Deutschland^^ in der Ztschr. f. d. Gesch. d. Jud. 
in Dtschl. U (1887), 1—46, 109-149. Die Ferien der 
letzten drei Jahre verwandte ich auf archivalische Nach- 
forschungen. Aber auch von diesen abgesehen, war eine 
Vero£fentlichung des ersten Abschnittes verfriiht, so lange 
nicht die hebraischen Quellen zu den Verfolgungen des 
ersten und zweiten Kreuzzuges vorlagen. Nachdem ich 

^) XJeber Zweck, Anlage und Durchffihning der Regesten 
spreche ich in der demnftdist erscheinenden Eortsetzung der im 
Magazin 1889, begoxmenen Artikelserie: ^Zur neueren jtLdischen Ge- 
schichtflforschung*. 



61 — 



jedoch die Texte vor kurzem nach den von mir eingesehenen 
Handschriften und den von A. Neubauer in Oxford be- 
sorgten Abschriften zum Drucke befordert habe, glaubte 
ich, die Verofifentlichung meiner darstellenden Arbeit nicht 
mehr verzogern zu sollen. 



Erstes Eapitel. 
In Gallien und Germanien unter rSmischer Herrschaft. 

Der Beginn der judischen Niederlassungen in Gallien 
und Germanien ist aus Mangel an sicheren, geschichtlichen 
Nachrichten in Dunkel gehiillt, das nur durch Vermuthungen 
erhellt wird. Doch konnen wir letztere durch eingehende 
Betrachtung der dazu gehorigen Verhaltnisse zur grosseren 
Bestimmtheit erheben, sodass wir wenigstens im Stande 
sind, die Zeit der Einwanderung ungefahr anzugeben. 

Die Diaspora des jiidischen Volkes hat keineswegs 
mit der Einnahme Jerusalems durch Titus ihren Anfang 
genommen; man kann vielmehr behaupten, dass sie bereits 
vorher, in der ersten Halfte des ersten nachchristlichen 
Jahrhunderts in gewisser Beziehung geradezu ihren Ab- 
schluss gefunden hat, und dass die darauf erfolgte Zerstorung 
des Tempels nur geringen Einfluss auf diese Zerstreuung 
ausiibte. Schon seit den Tagen des Konigs Salomo'), 
ganz besonders aber seit der Zerstorung des ersten Tempels 
durch Nebukadnezar und der Fortfiihrung in die babylonische 
Gefangenschaft gab es nicht mehr ausschliesslich pa- 
lastinensische Juden. Wenn auch der jiidische Staat von 
Neuem erstand, so war doch ein Theil der Exilirten in 
Babylonien zuriickgeblieben und verbreitete sich von dort 
aus iiber den Orient. Die Eroberungen Alexander's leiteten 



^) Eiesselbach, Der Gang des Welthandels und die Entwicklung 
des enropftischen Vblkerlebens im Mittelalter (1860), 20 f. 



— 62 — 

sodaim den Strom der Aaswandenmg nadi dam Abend- 
land, zunachst nach Aegypten. Allmalig wxurde die Diaspora 
bedeutender als das Mutterland. Seit dem zweiten Jahr- 
bondert bildeten die Bewohner Palastinas nor einen ge- 
ringen Teil der Nation; die babyloniscben, syriscben, 
kleinasiatiscben und vor allem die agyptiscben Jaden- 
gemeinden waren der engen Heimat an Zahl und Be- 
deutnng weit uberlegen.^) Aucb in Griechenland und 
Italien wurden bald darauf Colonien begrundet. 

In Rom sind Juden nachweislicb zum ersten Male im 
Jahre 163 y. Ghr. erschienen: es waren die Gesandten des 
Makkabaers Juda an den romischen Senai Aucb seinBruder 
Jonatban schickte 143 nacb Rom, docb scbloss erst 140 
Simon, der Fiirst, ein Scbutz- und Trutzbiindniss mit den 
Romem ab. Nicht lange darauf sind dann noch zwei Ge- 
sandtscbaften unter Jobann Hyrkan gefolgt.^ Jedenfalls 
war damit einmal cin gegenseitiger Verkebr angebabnt 
worden, und baben sicb wahrscbeinlicb damals, noch vor 
Ausgang des zweii;en Jahrbunderts alexandriniscbe oder 
kleinasiatiscbe Juden dauemd in Rom niedergelassen. 
Scbon im Jabre 139 zwang der praetor peregrinus Gn. 
Cornelius Hispalus „die Juden"), welche durch den Gultus 
des Jupiter Sabazius die romiscben Sitten zu yergiften 
yersucbt batten," ihre Heimat wieder aufeusucben.*) Jupiter 
Sabazius ist wahrscbeinlicb kein anderer, als der Gott 
Zebaotb.') Die Nachricht wird noch dadurch bestatigt, 



1) Mommsen, Rbmische Geschichte V^ 489. 

^ Nach 128 und zwischen 113 und 110: Graetz, Gesch. der 
Juden m*, 644. 

') Es waren wahrscheinlich diejenigen, die im Gefolge des von 
Simon gesandten Nnmenius nach Rom kamen und yom Madcabaer- 
bnch 14, 24 mit xal nap' adroO bezeichnet werden. 

*) Valerius Maximus, factoram et dictomm memorabilium lib. 
I, 8, 2 (ed. Kempf p. 126): Idem Judaeos, qui Sabazi Jovis cultu 
mores Romanos inficere conati erant, repetere domes suas exegit. Ygl. 
Marguard, ROmische Staatsverwaltung III (1878), 80. 

*) D&aima/if, Philon d'Alezandrie: Merits historiques (1867), 99. 



— 63 — 

dass ein sp&terer Schriftsteller *) gleichfalls bemerkt, dass 
Hispalus die Juden, welche ihre Heiligthiinier den Romem 
aofzudraDgen versucht batten, aus der Stadt verbannte. 
Doch war dieses Verbot des judischen Onltus nur von 
voriibergehender Wirkung; frischer Zuzag aus dem mit 
Rom der Getreidelieferungen halber in Verbindung stehenden 
Alexandrien musi^ bald erfolgt sein. Auch Kleinasien wird 
Ansiedler geliefert haben. Einen unerwarteten und reich- 
licben Zuwachs erhielt die Niederlassung durch Pompejus. 
Jerusalem fiel (68), erobert, in seine Hand, und die Kriegs- 
gefangenen, soweit man sie nicht zum Tode verurtheilte, 
wurden nach Bom geschleppt. Jiidische Fiirsten und 
Purstinnen zierten Pompejus' Triumphzug (61). Da die 
jiidischen Sklaven von ihren romischen Herren durch keine 
Gewalt gezwungen werden konnten, ihre reUgiosen Gesetze 
zu iibertreten, so wurden sie bald darauf freigelassen,^ 

Doch kaxm man auch an Sabbat denken; die Sabbatverehnmg mag 
den BSmern besonders charakteristisch erscbienen sein. 

') Die Teztstelle des Nepotianus: .arasque privatas e pnblids 
locis abiecit** mdchte ich nicht, wie dies Dekuma/y thut, auf die 
Juden beziehen. Zu welchem Zwecke sollten die Juden Altftre an 
5ffentlichen Pl&tzen aufgestellt haben? Es duifte ja nur in Jerusalem 
geopfert werden! Ich erklare mir die Stelle didiin, dass Hispalus 
ausser der Unterdrttckung des chald&ischen und jiidischen Oultus 
auch noch allgemein verbot, dass tiberhaupt private Altftre an 
Sffentlichen Orteu aufgestellt werden. Das Plus bei Nepotianus 
gegentiber dem gedruckten Valerius Mazimus Iftsst sich vielleicht 
dahiu erkl&ren, dass dem Nepotianus eine voUst&ndigere Handschrift 
des Valerius vorgelegen hat 

*) Januarius Nepotianus (ea. 000 n. Ch.), Epitomator des zur 
Zeit des Augustas schreibenden Valerius Mazimus, der Eempf *schen 
Auagabe beig^lUgt 

*) PhiloniB legatio ad Gaium § 28: al^juMwroi r^ d^fiivnq 

mapaxapd^an /kaoMtng, Es wSre ein Lrrthum, anzunehmen, dass 
diese nach Eom gebrachten Kriegsgefangenen nach ihrer Freilassung 
die eraten jttdischen Ansiedler waren. Das Edikt von 189 zeigt 
aUerdingB nur, dass damals die Juden ausgewiesen wurden. Dass 
sie aber laiige vor 61 wieder Aufimhme gefonden haben mlissen, 



— 64 — 

zQin Theil mogen sie aach yon ihren romischen fireien 
Glaubensgenossen losgekaaft worden sein. Immerhin moss 
die rdmische Judengemainde an Zahl damals schon be- 
trachtlich gewesen sein. Auch dorch eifrige politische 
Tbatigkeit machte sie sich bemerkbar. Husste doch Cicero 
in seiner bekannten Vertheidigongsrede des Flaccas anf sie 
Bucksicht nehmen! „Da weisst,'' so raft der Bedner dem 
Angeklagten zu, ,,wie gross ibre Scbaar, wie gross ihre 
Eintracht ist, wieyiel sie in den YolksYersammlungen yer- 
mogen! Darom will ich mit leiser Stimme reden, damit 
mich nur die Richter boren/'^) „Man miisste grosste Strenge 
besitzen, nm diesem barbariscben Aberglauben entgegen- 
zatreten, und bochstes Ansehen, um der zaweilen in den 
Yolksversammlangen rubrigen Menge der Jndaer im Inter- 
esse des Staates Veracbtong za bezeagen/^') So seben 
wir am die Mitte des ersten yorcbristlicben Jabrbonderts 
bereits reges jiidiscbes Leben in Rom, das durcb Caesar's 
Gonst nocb besonders gefordert wurde. In dieser Zeit and 
Entwicklong aber baben wir die ersten Sporen for die 
Gescbicbte der galliscben Jaden zu sucben. 

!Nacb Griindang der Colonie Aquae Sextiae (Aix) war 
das um Narbo (Narbonne) gelegene Gallien im Jabre 120 
romiscbe Froyinz geworden. Von bier aus unternahm 
Caesar in neunjabrigen Eampfen die yon weltgeschicbtlicher 
Bedeutung gewordene Eroberung des iibrigen Galliens (58 
bis 51). Man wird nicbt febl geben, wenn man annimmt, 
dass damals zam ersten Male Juden den eigentlicb galli- 



geht am schlagendsten ans Gicero*s Beds tiir Flaccas hervor. Die 
im Jahre 61 oder 60 fireigelassenen Sklayen kbanei) onm^glich schon 
59 einen solchen Einfloss aof die Yolksyersammlangen ausgeubt 
haben, wie ihn uns Cicero schildert 

^) Oiceronis pro L. Macco oratio c. 28, § 66: sds, quanta sit 
manus, quanta concordia, quantum yaleat in contionibus. Sic, sub- 
missa yoce agam, tantum ut indices audiant. 

') Ibid. § 67: Hunc autem barbarae superstitioni resistere 
seyeritatis, multitudinem Judaeorum flagrantem nonnunquam in 
contionibus prae republica contenmere grayitatis summae fqit. 



— 65 — 

schen Boden betreten haben. In der altgriechischen, neben 

der Narbonensischen Provinz gelegenen Hafenstadt Massilia 

(Marseille) mogen bereits fruher bin and wieder alexandri- 

nische jiidische Eaufleute mit ihren Schiffen zam Ein- und 

Austausch der Handelsproducte gelandet sein. Wir konnen 

dies mit einigem Grand aus der Bedeutung des weitver- 

zweigten jiidisch-alexandrinischen Seehandels schliessen, der 

sich besonders auf die griechischen Hafen- und Uandels- 

platze erstreckte. Zu langerem Aufenthalte oder einer 

Niederlassong hat sich jedoch schwerlich den Alexandrinern 

Veranlassung geboten. Jetzt aber unter Gasar, nachdem 

yiele alexandrinische reiche Juden nach Rom iibergesiedelt 

waren, lagen die Verhaltnisse giinstiger. Von Rom aus 

war Gallien naher zu erreichen. Dazu gait es, mehrere 

Legionen Jahre lang mit Getreide zu versehen, und an der 

Spitze des Feldzuges stand der den Juden freundlich ge- 

sinnte Casar. Man nimmt daher mit Recht an, dass die 

jiidischen Eaufleute Roms damals den Legionen Caesars 

nach Gallien als Lieferanten gefolgt sind/) auch zur 

Handelsvermittlung mit den einheimischen gaUischen und 

germanischen Stammen mogen sie dem Feldherm gute 

Dienste geleistet haben.*) Fiir die Getreidelieferungen aber 

muss ein bestimmter Ausgangspunkt vorhanden gewesen 

sein, und es liegt nahe, diesen in der reichen Handels- 

und Hafenstadt Massilia (Marseille) zu suchen. Hier 

haben wohl damals die jiidischen Eaufleute ihre Magazine 

mit der dazu gehorigen Verwaltung stationirt. Als aber 

die Unterwerfung Galliens voUendet war und ein Theil der 

romischen Legionen im Lande verblieb, am Rhein unter 

M. Vipsanius Agrippa, da batten die romischen Eaufleute 



^) Stobhe, Die Juden in Deutschland w&hrend des Mittelalters 
(1666) S. 4 u. 8. Weyden, Gesch. d. Juden in Koln am Rhein (1867) S. 8. 
Stobbe geht jedoch sen weit, wenn er sagt, dass wohl schon seit den 
Zeiten der Eepnblik Juden in grosser Anzahl indenyerschiedenen 
Proyinzen (Galliens) ansassig waren. 

>) Kiessdbach, S. 25. 

Magasln Heft I, 1890. 6 



— 66 — 

keine Yeranlassung, die Magazine in dem seit 49 v. Chr. 
zur narbonensischen Provinz gehorigen Massilia wieder 
aufisuheben. Im Gegentheil kann man annehmen, dass in 
Folge der zur Unterwerfung Gennaniens unternommenen 
Kriegsziige des Drusus, Tiberius und Germanicus (12 v. Chr. 
bis 16 n. Chr.) noch weitere Handelsstationen hinzu- 
gekommen sein werden: in dem volksreichen, an der 
Kiiste gelegenen Narbo (Nar bonne), der Hauptstadt der 
Provinz, in dem fur den Verkehr so wichtigen, an der 
Bhonemiindung gelegenen Arelate (A rles), und zeitweilig am 
Rhein in dem von den Ubiern (38 v. Chr.) gegriindeten und 
vom romischen Standlager beschutzten oppidum Ubiorum, 
dem spateren Eoln. Voriibergehend haben damals auch 
Vienna (Vienne) und Lugudunum (Lyon) Juden, und so- 
gar entthronte Fiirsten, zu sehen bekommen. Nach ersterem 
Orte *) wurde (6 n, Chr.) Archelaus, der Sohn des Herodes 
und Konig von Judaa und Samaria, nach letzterem^) ein 
anderer Sohn des Herodes, Herodes Antipas, Tetrarch von 
Galilaa und Petraa, verbannt (39 n. Chr.). Einige treue 
Diener werden sich den koniglichen Briidem jedenfalls an- 
geschlossen haben, Antipas wurde sogar von seiner Ge- 
mahlin Herodias in's Exil begleitet. Immerhin zeigt schon 
diese Yerbannung, dass zur Zeit des Kaisers Gajus Caligula, 
von welchem Antipas abgesetzt wurde, Juden in Gallien, 
wenigstens im Inner n des Landes, noch nicht dauernd 
ansassig waren. 

Der allmalige Uebergang von der dem Wechsel der 
Geschaftsverhaltnisse unterworfenen Handelsstation zur 
Colonie und dauemden Niederlassung hat sich indess noch 
im Laufe des ersten nachchristlichen Jahrhunderts voU- 
zogen. Den Beginn dieses Prozesses werden wir bereits 
in die erste romische Eaiserzeit zu setzen haben. Elein und 



^) Josephns, Antiquitates indaicae 17, 13: xal ixeotov /ihf 
^oydda iXauvstt Sous olxi^Tfiptov abrip Bievvav itoXtv rijs raXaxiaQ* 

*) Josephns, Antiq. 18, 7: abrov ts jpw/jJ d.%d((p if^Jifiiwmvy 
dnoSei^ag otxn^n^piou abrou Aouydouvov n6Xtv r^c FaXXias. 



— 67 — 

unbedentend miisscn allerdings damals nochdiesejiidischen 
Oolonien Galliens gewesen sein, wahrscheinlich nur auf die 
Seestadte Marseille und Aries beschrankt and in diesen 
wohl auch erst in der Entwicklung begriflfen. Denn 
Philo^) (gest. um 60 n. Chr.), der Agrippa den I.*) in 
einem firiefe an den Eaiser Gajus die jiidischen An- 
siedlungen des Auslandes au&ahlen lasst, thut ihrer keine 
Erwahnung. „ Jerusalem", so schreibt Agrippa, „ist nicht die 
Mutterstadt eines einzigen Landes, Judaas, sondem nocfa 
sehr vieler anderer: Es hat Colonien in die Nachbarlander 
entsandt, nach Aegypten, Phoenizien, Syrien, Coelesyrien 
und in entfemtere Lander, wie Pamphylien, Cicilien und 
die meisten Gegenden Asiens bis nach Bithynien und den 
abgelegensten Gegenden des schwarzen Meeres; ebenso nach 
Europa, nach Thessalien, Bootien, Macedonien, Aetolien, 
Attika, Argos, Korinth und den Hauptgegenden der Pelo- 
ponnes. Und nicht nur auf dem Festlande sind jiidische 
Colonien, sondem auch auf den hochberiihmten Inseln Euboa, 
Cypem und Kreta. Ich schweige von den Landem jenseits 
des Euphrats; denn mit Ausnahme eines kleinen Theiles 
yon fiabylonien und anderer Satrapien sind alle Gegenden, 
die einen fruchtbaren Boden haben, yon Juden bewohnt; 
. . . jede*) Gegend der Erde, Europa, Asien und Afrika". 
Man wird Gallien in dieser durchaus nicht iibertriebenen, 
durch die Apostelgeschichte yielmehr bestatigten Auf- 
zahlung^) yergebens suchen. Indess auch Spanien ist nicht 

1) Legatio ad Gainm, c. 86. 

*) Mommsen y^ 499 Anin. nennt irrthlimlich Agrippa n. 

') xcd* ixaaTov xXifia xijq oixoufiimijs. Man darf aus diesen Uber- 
treibenden Worten keineswegs anf eine Verbreitnng der Jnden in 
alien L&ndern schliessen; denn es sind nur die gleich darauf 
folgenden drei (damals bekannten) Erdtheile and selbst in diesen 
nur die vorher bezeichneten Gegenden gemeint. Anch Cicero*s An- 
gabe (Pro L. Flacco oratio § 67); ^quum anmm Judaeorom nomine 
qnotannis ex Italia et ex omnibus prov inciis Hierosolyma exportari 
Boleret*', ist nicht genau sen nehmen. Passelbe gilt von Strabo^s Be- 
hanptung bei Josephns, bellom 1,6; antiq. 14, 2. 

*) Das Eeblen yon L&ndem, deren jtidiscbe Colonien gar nicht 



— 68 — 

genannt! Und dennoch hat dieses sicher in der ersten 
Kaiserzeit, *) wahrscheinlich aber schon zor Zeit der Re- 
publik, judische AnsiedlungeD gehabt. In keiner anderen 
Provinz war die romische Civilisation so firoh nnd so stark 
darcbgedrnngen, wie anf der iberischen Halbinsel. Die 
reichen Prodakte des Landes, die Nahe Italiens, der be- 
qaeme Seeverkehr baben sicberlich schon froh judische 
Kaafleate an die spanische Sad- nnd Ostkoste gefnhrt. 
Gades (Cadix) nnd Nova Carthago (Carthagena) m5gen hier 
ihre ersten Handelsstationen gewesen sein. Hat doch Horn mit 
keinem Lande der Welt einen so nmfassenden and stetigen 
Grosshandel getrieben, als mit Spanien.') Dennoch ist aach 
Spanien in Agrippa's Liste mit Stillschweigen abergangen. 
Keineswegs hat etwa hieran Agrippa's Vergesslichkeit 
Schuld. Dieser batte es sicb wahrlich nicht nehmen 
lassen, mit erhohtem Stolze za betonen, dass selbst bis in 
den fernsten Westen, bis nach Spanien, an das Ende der 
Welt, Jerusalem seine Colonien aasgesandt babe! Es bleibt 
eben nur die Annahme iibrig, dass Agrippa oder Philo 
von dem Vorhandensein der spanischen and gallischen 
Colonien keine Kenntniss batten, was sich wiederam nar 



angezweifelt werden konnen, wie Arabian, Armenien, Cyrene, Karthago, 
die griechischen Inseln Cos nnd Faros muss dahin erklart werden, 
dass es keineswegs Agrippa's Absicht war, alle Ansiedlnngen 
namentlich aufzuzahlen. Er fiihrt nur die haupts&chlichsten an, 
zeigt, wie welt sich die Colonisirang erstreckt, imd fasst dann das 
Resnltat in dem Satze zusammen, dass alle Gegenden dieses Lander- 
complexes, soweit sie fruchtbaren Boden haben, von Juden bewohnt 
sind. Auf Italien verweist wohl Agrippa deswegen nicht, weil er 
ja selbst in Rom lebt nnd die jiidischen Colonien Italiens dem 
Kaiser selbstverstandlich bekannt sind. 

1) Der Apostel Paulus, der im J. 61 nach Rom kam, beab- 
sichtigte, von dort eine Reise nach Spanien zn machen (RSmerbrief 
14, 24: &g idv nopeuiofjiat e{g r^v IitavCav, iXeuaofiat npdg djuSgy 
und 28: dnsXtuaofiat dl bfiS>v ek t^v Inav(av\ Mit Recht folgert 
hieraus Graetz V'-', Note 9, dass dort Juden ansassig gewesen sein 
miissen. 

*j Mommsen V^ 68. 



— 69 — 

dadurcb erklaren lasst,^) dass diese Colonien damals noch 
zu geringfiigig oder erst im Entstehen begriffen waren, 

Fiir Gallien fehlt es uns zwar an einer sicheren 
Nachricht fiber Ansiedlung in der ersten Halfte des Jahr- 
hunderts. Dennoch unterliegt es keinem Zweifel, dass 
auch die narbonensische Provinz nicht viel spater als 
Spanien Niederlassungen empfangen hat. Warum soUten 
auch die Juden, die jeder fruchtbare Boden anlockte, 
gerade von Gallien fern * geblieben sein? Dort waren, wie 
Josephus sich ausdruckt, die Quellen des Reichthums 
heimisch, and ihre Fiille stromte fast fiber die ganze Erde.*) 
Und da sollten die judischen Kaufleute, nachdem sie ein- 
mal durch Caesar den Segen des Landes kennen gelernt 
batten, sich fast fiberall ansassig geroacht und nur Gallien 
verschmaht haben! Aber selbst vom mercantilen Gesichts- 
punkte abgesehen, bot sich den italienischen Juden wieder- 
holt Anlass zur Auswanderung. Durch Kaiser Tiberius'^) 



^) Yielleicht z&hlt Agrippa auch nur solche Lander auf, die 
yon Jerusalem aus (Sg i$97ce/i^8v) colonisirt wurden. Fiir Gallien 
und Spanien war aber nicht Jerusalem die Mutterstadt, sondem Rom. 
Daher mag er auch die judische Ansiedlung in Cyrene nicht erwahnen, 
sie ist yon Alexandrien aus begriindet worden. Auf den griechischen 
Inseln waren Colonien Griechenlands oder Eleinasiens. 

*) Josephus, hell. iud. II, 16, 4: rag Sk wrjYdq m dv «« einot 

xXoSovTSi Tiyw ohcou/jLiuf^v, Siehe Mommsen V, 97 Anm. und die 
audem dort angefiihrten Belege fiir Galliens Eeichthum. 

') Die Angabe des Joh, Bcupt ViUaprandtts, in Ezechielem 
explanatioues et apparatus urbis ac templi Hierosolymitani 11 
(Romae 1606), 543 : „ Auctor est Xiphilinus, Tyberii Gaesaris iussu 
Hebraeorum oratorem, natione Galium, in Tyberim fluyium foisse 
proiectnm, quod orans Gaesaris iram concitasset**, wonach auf Befehl 
des Tiberius ein gallischer Bedner judischen Glaubens in den Tiber 
geworfen worden sein soil {Basnage, histoire des Juifs 1. VI (Rotter- 
damm 1706), 1086 und neue Ausgabe 1. YII (Haag 1716), 276], 
beruht auf Irrthum oder absichtlicher Erdichtung. Weder im Xiphilin, 
noch Dio Gassius findet sich etwas dariiber. Aber auch, wenn die 
Nachricht wahr w&re, wiirde sie doch nur zeigen, dass ein Gallier 
(natione Gallus) zum Judenthum Hbergetreten war. Das aber kann 



— 72 — 

ChristeDTerfoIguDgeD unter Nero (64) and DomitiaD (90). 
AUerdings sind die Juden dann jedesmal zarackgekehrt, 
doch batten die Vorfalle die Unsicherheit des Wohnsitzes 
erwiesen. Wenn aber die r5miscben Jaden seit Tiberias 
— onter dem sich die Aasweisang aof ganz Italien er- 
streckte — nach nahen Orten aosschaaten, an denen sie 
sich niederlassen konnten, so kam neben Griechenland^) 
Gallien za allererst in Betracht. Hier war ein Land in 
nacbster Nahe, das von Jaden noch nicht bewohnt and 
verwerthet war. Dazu erfreute sich der gallische Boden 
der grossten Fruchtbarkeit, die im Verein mit dem aaf- 
bliihenden Handel das Land, besonders an der Kaste, als 
ein zweites Aegypten erscheinen liess. Darch Caesar and 
die beiden ersten Kaiser war die alte narbonensische 
Frovinz vdllig romanisirt worden. Die nea angelegten and 
aufstrebenden Stadte batten latinisches Becht empfangen, 
romische Cultur and Civilisation ihren siegreichen Einzag 
gehalten. Aacb die drei neaen gallischen Provinzen waren 
seit Augustus geordnet. Das Land hatte unfiraglich eine 
Zukunft. 

Freilich darf man nicht annehmen, dass nun im Jahre 
19, als die Ausweisung aus Italien stattfand,^) sich eine 
ansehnliche Expedition zur jiidischen Colonisirung Galliens 
aufmachte. Dazu war jedenfalls das neue, zu betretende 
Land doch der grossen Masse noch zu unbekannt. Die 
Ansiedlungen k5nnen vielmehr nur allmalig vor sich ge- 
gangen sein und werden sich vornehmlich aus den bereits 



Literatur ist yerzeichnet bei Meyer- Wendt, Handbnch f. d. Apostel- 
geschichte 6/7. Aufl. (1888), 394. Siehe auch Graetz in Monats- 
Bchrift f. Gesch. u. Wiss. d. Judenthums 1877, 295 ff. 

^) Is Folge der Vertreibung unter Claudius begaben sich Aquila 
und leine Frau PriscillanacbKorinth: Apostelgeschichte 16, 1—2. 

■j Wir haben keine sicheren Nachrichten dartiber, wie welt 

tlberhaupt der Ausweisungsbefehl des Tiberius befolgt wurde. 

Wenn auch aus Rom entfemt, muss mindestens ein grosser Theil 

'h in Italien geblieben sein; man kann sich sonst die grosse Zahl 

TOmiichen Judes unter Claudius nur schwer erklaren. 



— 71 — 



Erst nach dem Tode des Pratorianerfuhrers Sejan (31 
B. Chr.) hatte die allgemeine Yerbannimg ein Ende und 
fanden die Juden wieder allnia% in Bom Aufnahme. 
Auch unter Claudius fand vorubergeheDd eine Aus- 
weisuBg*) aus Rom statt (51). Bekannt sind die Juden- und 



Proyence kamen, ist znrackzuweisen. Entweder gingen sie im 
Eampfe mit den einheimischen BUnbem zn Grande, was nach Tacitus 
beabsichtigt war, Oder sie kehrten, als die Verbannnng aufgehoben 
wurde (31 n. Chr.), wieder nach Rom zurtick. Die Ungenauigkeit 
Pittons hat anch noch zn Irrthiunem Anlass gegeben. Er erwahnt 
znm Schlnsse, dass die bekannte Chronik Schebec (!) Juda yersichere, 
alle diese Juden (tons ces Juifs) seien yom Stamme Juda und 
Beigamin gewesen, also yon den Edelsten der Nation. Andere haben 
ihm dies dann nachgeschrieben und irrthiimlich Pitton folgend an- 
genonunen, dass Schebet Jehu da you der Einwanderuug aus 
Sardinien berichte (Siehe Bardinet iu Reyue des 6tudes juiyes I 
(1660), 268 und Aronius, Begesten nr. 1). In Wirklichkeit spricht 
aber Salomo ibn Yerga, der in der zweiten Halfte des 15. Jahrh. 
lebende Verfasser der Chronik Schebet Jehuda, gar nicht dayon. 
Richtig ist nur, dass die Chronik erzahlt, die 60000 yon Vespasian 
Oder Titus nach Sp anion yerbannten Juden seien aus. den beiden 
edlen Stanunen gewesen. Siehe liber Scheyet Jehuda auctore 
R. Salomone aben Yerga ed. M. Wiener (1866), hebr. p. 14, dtsch. 
p. 26. Allerdings wird noch hinzugefiigt, dttss der grbsste Theil des 
Stammes Benjamin nebst den Priestem, wie auch einige yom Stamme 
Juda, also imGanzen an 10000 Mami, Spanien yerliessen und nach 
Frankreich zogen. Dochhat diese Tradition nichts mit Sardinien 
zu thun und kommt, im besten Falle, auch erst nach der Tempel- 
zerstbrung in Betracht. 

^) Sueton, Claudius 25. Apostelgeschichte 18, 1—2. Orosius 7, 6 
ed. Migne 81, 1075. Die Nachricht bei Dio Cassius 60, 6, wonach 
auB Fnrcht yor der grossen Anzahl der Juden die Verbannnng 
unterblieb und nur ihre religibsen Vereinignngen yerboten wurden, 
{ixiX^um fiii auva6^poi>^6^ai\ widerspricht dem keineswegs. Bereits 
Bamage (Haag) 1. 7, 232 hat die Annahme wahrscheinlich gemacht, 
dass Claudius allerdings zuerst nur die Vereinignngen yerbot, dann 
aber, da dies nichts ntitzte (assidue tumultuantes), sich zur Verbannnng 
entschloss. Doch spricht noch mehr fiir den umgekehrten Vor- 
gang, dass Claudius zuerst die Juden auswies (Sueton), in Folge 
ihrer grossen Anzahl jedoch auf Schwierigkeiten stiess und daher 
schliesslich nur die stbrende KultusHbung yerbot (Dio). — Die 



Prlester nsd lievlten. 

Eine Beurtheilong der Schrift;*) 

„Der Kampf zwischen Priestorn und UvHen 

seit deu Tagen Ezechiel's." 

Eine bistohach-kritigdie UnterandiQiig. 

TOn Dr. ft Vfitlatali. 



Die Leser mogen ans entschnldigen, wenn wir vor- 
liegendes Buch nur vom rein wissenschaftUelieii Stand- 
puDkte ans besprechen und weder die Confession, noch den 
Stand des Verfassers dabei berucksichtigen. Es kooate 
soDst scheinen, dass Alles, was wir bier gegen die Hy- 
pothesen des Verfassers vorbriDgen, bios religiose Bedenkea 
seien, dass aber die Wiysenschafl gegen die Behaaptangen 
dieses Baches nicbts einzuweuden babe. 

Im AUgemeinen geht diese Schrift yon der Vor- 
aussetzung aus, dass die Giaf-Wellbanseu'scbe Anscht von 
der Prioritat des Propheten Ezechiel TOr der pentatenehischen 
Priestergesetzgebung eine unamstosslicbe Wahrheit sei, wie 
dies S. 31 ff. zu verstehen gegeben wird. £3 ist im 
„Magazin" Jahrg. 1879 S. 1—19, 90—114, 209—237 und 
Jahrg. 1880 S. 137—156, 237—254 die Wellhaosen'sche 
Ansicht ausfUhrlich besprocben and, wie wir glauben, 
derart widerlegt worden, dass jeder Unbe&ngene die 
Unhaltbarkeit jener Hypothese uber den nachexilischen 
UispruDg des pentateuchischen Priesteroodex zngestehen 
muss. Wenn Vogelstein die dort (Jahrg. 1879 S. 210 
bis 216 nnd Jahrg. 1880 S. 150-153) beigebrachten 



W. 



•) Stettin, Terlag von Friearich Nagel. (140 S. gr. 8.) 



— 75 — 

zahlreichen Beweise, dass Ezecbiel den Priestercodex gekannt 
hat und dessen Gesetze iiberall voraussetzt, vornehm 
ignorirt^) und sich damit begnugt, einige Gegengriinde von 
Kittel zu beseitigen, so ist dieses Verfahren nicht geeignet, 
die in der Vorrede gegebene Versicherung, „ohne Vor- 
eingenommenheit za Werke gegangen und nur yon dem 
Streben nach Wahrheit geleitet worden zu sein", zu be- 
kraftigen. 

Auf solch' morscher Grundlage aufgerichtet, wiirde 
selbst ein fest gefiigter Bau bald zusammenstiirzen. Wie 
nun erst, wenn auf dieser Hypothese ein historisches Ge- 
baude aufgefuhrt wird, dessen Material erdichtete That- 
^achen und dessen Stiitzen willkiirlich gedeutete und 
zurechtgelegte BibelsteDen sein sollen. Der Verf. spricht 
(im Vorwort) die Hoflnung aus, es werden wenigsteas 
manche der yon ihm aufgestellten Behauptungen Zu- 
stimmung finden. Wir miissen zu unserem Bedauern be- 
merken, dass wir fur keine der in diesem Buche yor- 
getragenen Behauptungen, insoweit sie neu sind, irgend- 
welchen Halt zu finden yermochten. 

Ware der aus 10 Kapiteln (140 Seiten) bestehenden 
Schrift ein Inhaltsyerzeichniss beigegeben, so wiirde ein 
Blick auf das letztere hinreichen, um zu erkennen, aus 
welchen Quellen diese „Geschichte" geschopft ist. Der 
Verf. macht (wie im Vorwort bemerkt) den Versuch, „ein6 
Geschichte der Priester und Leyiten yon Ezechiel bis zum 
Untergange des jiidischen Staates zu schreiben". Die 
„Geschichte" umfasst also eine Zeit von ungefahr 6*/a 
Jahrhunderten. Day on behandeln 135 Seiten die Zeit bis 
nach Abfassung des Buches der Ghronik, welche die 
neueren Bibelforscher an das £nde der Perserherrschaft 
(ungefahr 335 v. Chr.) setzen; den letzten vier Jahr- 

^) Wir gestehen, dass die im ^Magazin** (1. c.) gegebene Erkl&nmg 
zu Ez. 44, 6ff. nicht befriedigt (vgl. w. u. S. 84 Note 1); allein die 
dortigen Beweise, dass Ez. den PC. vor sich gehabt, sind so schwer- 
wiegend, dass ein enister Eorscher sie nicht nnbeachtet lassen darf. 



— 76 — 

hunderten werden nur 4Vi Seiten gewidmet. Fiir die 
beiden ersten Jahrhunderte des zweiten judischen Staats- 
lebens, die Zeit der persischen Herrschaft, wo die Ge- 
schichtsquellen nur sparlich fliessen und Alles in Dankcl 
gehiillt ist, war es dem Verf. ein Leichtes, Phantasie- 
gebilde za schaffen und Spukgestalten yorzafiihren; sobald 
es aber zu dammern beginnt und gar in der Zeit, wo wir 
in das helle Licht der Geschichte treten, verschwinden alle 
jene Gespenstererscheinungen vom Schauplatze. Keine 
einzige Quelle, weder das Buch Sirach, noch die Makkabaer- 
biicher, weder Philo, noch Josephus, weiss etwas von 
einem wiithenden Kampfe zwischen Priestem und Leviten. 
Wir sehen da die Hellenisten mit den Frommen, Sadducaer^ 
mit Pharisaern, die Makkabaer mit den Herodianern, die 
Patrioten mit den Romern blutige Kriege fuhren, von 
Kampfen zwischen Priestem und Leviten aber kaum eine 
Spur. Erst kurz vor dem Untergang Jerusalems unter 
Agrippa dem Zweiten konnte aus einer Nachricht bei 
Josephus (Ant. 20, 9,6) auf eine damals bestandene Eifer- 
sucht zwischen der hoheren und niederen Priesterschaft 
geschlossen werden, und unser Verf. wiirde vor der Gefahr 
gestanden haben, in seiner „Geschichte" einen gewaltigen 
Sprung liber vier Jahrhunderte hinweg, von Darius Ko- 
domanus bis Agrippa II., machen zu miissen, wenn er nicht 
mit wenigen leeren Phrasen und dem verzweifelten Einfall, 
dass noch nach Simon dem Gerechten 4 Verse in den 
Pentateuch eingeschoben wurden, sich eine diirftige Noth- 
briicke von wenigen Seiten hergestellt hatte. 

Betrachten wir nun die einzelnen Kampfscenen, die 
Verf. vorfiihrt, und untersuchen wir, ob auch nur einer 
einzigen geschichtliche Realitat zugesprochen werden kann. 

Im ersten Abschnitt (S. 1—15) wird erzahlt: Nach- 
dem Ezechiel alle Priester ausser den Zadokiten (den 
Nachkommen Zadok's) zu Leviten degradirt hatte, erhob 
die P riesterschaft von Anatot (die Nachkommen Ebjatar's) 
„energisch Protest" dagegen, und „ein heftiger Conflict 



— 77 — 

drohte auszubrechen", so dass die Zadokiten sich genothigt 
sahen, den Ebjathariten die Gleichberechtigung einzuraumen, 
um desto sicherer „aDen Begehrlichkeiten der iibrigen 
Priester'* Widerstand leisten zu konnen. Fiir die Zadokiten 
und Ebjathariten ^wurde der gemeinsame Name „Sohne 
Ahron's" gewahlt"; die zadokitische Linie gait als die 
altere, von Eleasar abstamraende, die ebjatharische als die 
jungere, die in Ithamar ihren Stammvater erblickte. 
„M6gen nun auch in der Priesterherrschaft selbst Eifer- 
siichteleien nnd Reibungen zwischen den beiden Klassen 
stattgefunden haben,*) so traten die Priester doch nach 
aussen hin als eine festgeschlossene Partei auP', und die 
Hohenpriester (das soUen die nachexilischen Leviten sein), 
» unvennogend, diese „Phalanx" der Zadokiten und Ebja- 
thariten zu durchbrechen, gaben den Kampf vorlaufig auf 
und beschrankten sich darauf, „durch passiven Widerstand" 
(d. h. ein Strike) Vergeltung zu uben. Sie zogen gar 
nicht in ihre Heimat zuriick und iiberliessen es den 
Priestem, sich allein im Tempeldienste zurechtzufinden. 

Ueber die bereits von Watke. Kuenen, Graf, We ll- 
h;|n^<^^[^ n A anfgnofnii^a Hy pothese^ dass die Leviten des 
Pentateuchs keine Anderen als die von Ezechiel degradir ten 
ehemaligen Hohenpriester seien, sowie femer, dass das 
Priesterthum der jerusalemischen Priesterschaft nicht von 
Ahron und Eleasar, sondern erst von Zadok datire, ist 
bereits zur Geniige in „Magazin" 1879 S. 209—237 ge- 
sprochen. Unsern Verf. scheint der Dmstand, dass auch 
Ithamar als Sohn Ahron's bezeichnet wird, bewogen zu 
haben, nach der bekannten Methode der Geschichtsmacherei 
einen „energischen Protest" der Priesterschaft von Anathot 
„gegen die ihr von Ezechiel zudictirte Degradirung" und 
ein nothgedrungenes ZugestEndniss der Gleichberechtigung 



') Wamm nur hypothetisch „mdgen stattgefonden haben"?! 
Warum sind diese Reibungen weniger apodictiscb sicber, als der 
.energische Protest" der Ebjatbariten gegen Ezecbiel?! 



— 78 — 

der Ebjathariten mit den Zadokiten zu erfinden.^) Warum 
aber wird nicht auch aus den verstorbenen Sohnen Ahron's, 
Nadab und Abihu, Geschichte gemacht?! Diese miissten 
doch auch etwas zu bedeaten haben, wenn Alles nnr die 
spatere Geschichte reflectirte! Was wird der Verf. ferner 
mit den 13 Priesterstadten in Josua 21,13—19 anfangen, 
yon denen doch Anathot nur einen kleinen Bruchtheil 
bildet?! Ja, noch mehr, diePriester sind so grossmuthig, 
den degradirten Hohenpriestem 35 Stadte (also fast drei- 
mal so viel, als sie selbst beansprachten) zu offeriren 
(Josua 21,20 — 41), wahrend Ezechiel den Priestem und 
Leviten ein gleich grosses Gebiet zuweist (Ezechiel 45, 
8 — 5; 48,10; 13). Merkwurdig auch, dass wir zufallig ein 
genaues Verzeichniss der aus dem Exile zuriickgekehrten* 
Priester-Abtheilungen besitzen, worin wohl Sohne Jedaja's, 
Sohne Immer^s, Sohne Paschchur's und Sohne Charim's 
vorkommen, aber von der dem Verf. beliebten Eintheilung 
in Zadokiten und Ebjathariten, sowie von den Anathoth- 
Priestem keine Spur zu finden ist (Esra 2,36 — 39, Neh. 
7,39—42). Wohl waren auch 128 Manner von Anathoth 
heraufgezogen, das waren aber nur gewohnliche Israeliten, 
keine Priester (Es. 2,23, Neh. 7,27> 

AUein der „ passive Widerstand" der Leviten soil klar 
und deutlich historisch bezeugt sein, durch die Thatsache 
namlich, dass unter den hinaufgezogenen Exulanten wohl 
4289 Priester, aber nur 341 oder 360 Leviten sich be- 
fanden. ^Diese Thatsache", meint Verf,, „spricht so deutlich, 
dass jedes Missverstandniss ausgeschlossen ist, fur den 
tiefgehenden Zwiespalt zwischen Priestem und Leviten." 
Es miisste aber dann auch zwischen den iibrigen Israeliten 
und den Priestem ein „tiefgehender Zwiespalt" bestanden 
haben, denn wenn von ganz Israel nur ungefahr 37 000 



*) Auch die W. 1. Sam. 2, 27—86 sollen in jener Zeit von 
einem Zadokiten eingeschoben sein. Dabei ist tibersehen, dass in 
Sam. 1. 8,12 u. 1. Kon. 1, 27 auf jene VV. Bezng genommen wird. 



— 79 — 

hinaufisogen, so ist dies im Yerhaltniss zu den Priestem 
Dur eine ausserst geringe Anzahl. Die Thatsache muss 
also anders erklart werden. Entweder fehlte dem, (ibrigen 
Volke die Begeisterang fur die Heimat, was auch aus den 
Worten der Fropheten herauszulesen ist (Jesaja 48,18 ff. 
65,11 flF., Secharja 2,10 f.), oder aber es wagten nur die 
Beichen und Wohlhabenden die Reise in das yerwiistete 
Heimatland (Esra 2,6b ff., Ghaggai 1,4); zu diesen go- 
horten vorziiglich die Priester, wahrend die Leviten arm 
waren, wie aus vielen Stellen der Thora ersichtlich ist 
(Deut. 12,19; 14,29; 16,11 u. a.). Was hatten auch die 
armen Leyiten unter der geringen Anzahl der Israeliten 
ohne aUe Subsistenzmittel anfangen soUen? Der Zehnte 
reichte wohl kaum hin, sie zu ernahren, und dazu waren 
doch Missernten zu erwarten (Ghaggai 1,6, 2,16 f.). 

Es stellte sich aber, wie.S. 14 behauptet wird, in 
Jerusalem ein Mangel an Leviten heraus, so dass man 
gegen die anfangliche Absicht zu Aufsehem beim fiau des 
Tempels nebst den Leyiten noch Judaer yerwenden musste. 
Dies ginge aus Esra 3,8 f. heryor, wo, wie es dem Verf. 
scheinen will, das Waw yor ,TniT ^« „yon dem leyiten- 
freundlichen Ueberarbeiter absichtlich gestrichen wurde, 
weil es ihn storte, zu einem den Leyiten gebiihrenden Dienste 
Sohne Judas yerwendet zu sehen*^ — Hier hat der Verf, 
in seinem Eifer, iiberall tendenziose Aenderungen zu suchen, 
yergessen, die Quellen mit Bedacht zu lesen. Er wiirde 
sonst gefimddn haben, dass der erwahnte rmrr, der sonst 
auch nmi oder Tvym genannt wird, ein echter Leyite war, 
ygl. Neh. 12,8; 10,11; 9,5; 7,43; Esra 2,40; 10,23 u. a. 

In den traurigen Zeiten nach der Yollendung des 
Tempels bis Esra und Nehemia wurden die yorgeschriebenen 
Gaben an die Priester und Leyiten nur selten oder gar 
nicht abgeliefert (Maleachi 3,8). Die reichen Priester, die 
noch wenigstens die Altaropfer erhielten, die ihnen nicht 
entzogen werden konnten, hatten bei diesem Zustande 
weniger zu leiden, als die armen Leyiten. Daraus erklart 



- 80 — 

sich zar Genoge die Thatsache, dass mit Esra Anfangs 
gar keine Leyiten binaa&ogea. Darin einen Eampf der 
Leviten gegen die Priester erblicken za woUen, ist wohl 
noch keinem £xegeten oder Geschichtsforscher in den Sinn 
gekommen. Diese Entdeckong war dem Verf. yorliegender 
Schrift vorbehalten. A us den VV. Esra 8, 16 ff. wird 
kiinstlich ein Conflict zwischen Priestern and Leviten her- 
ausgedeatet. Jedem Unbefangenen erzahlen diese VV. ein- 
fachy dass Esra 10 vornehme Manner an Iddo, das Ober- 
haapt (wobl der Leviten und Nethinim), sandte, aaf dass 
sie (die Deputirten) durch dessen Vermitteliing Diener fur 
den Tempel berbeibringen, und dass die Gesandschaft auch 
wirklich ihren Zweck erreichte, indem sie 38 Leviten 
und 220 Nethinim mitbrachte. Das vh iranS im V. 17 
hat die Deputirten zum Subjecte, wie das folgende ik^s^ 
xh im y. 18. Es lag nicht im Entfemtesten in Esra's 
Absicbt, Iddo selbst, der das Oberhaupt wahrscheinlich 
einer zahlreichen Leviten-Kolonie War, zu bewegen, seine 
Untergebenen im Stich zu lassen und nach Palastina zu 
Ziehen. Unser Verf. aber (S. 17) bezieht lA «^3nS auf 
Iddo, deutelt dann weiter, da nicht lA nStt^, sondem iranS 
uS steht, so hat Esra Iddo selbst erwartet, und daraus 
wird dann folgende Kampfgeschichte zurechtgelegt: „Un- 
geachtet aller Bitten, Vorstellungen und Versprechungen, 
welche die Abgesandten den Leviten . . . machten, ist 
der Erfolg ihrer Sendung ein ausserst diirftiger. Iddo und 
seine Verwandschaft weigern sich, mitzukommen, und die 
Deputation ist schliesslich froh, doch noch ... 38 Per- 
soDen zusammeugebracht zu haben.^ Diese Darstellung macht 
zuerst aus den any] des Textes „Bitten, Vorstellungen und 
Versprechungen", dichtet dann die Weigerung Iddo's und 
seiner Verwandschaft hinzu, darauf wird der Erfolg der 
Deputation als „schliesslich" gemacht bezeichnet, als wenn 
dazu besondere Bemiihungen nothig gewesen waren, und 
um diesen Erfolg „ausserst diirftig^^ erscheinen zu lassen, 
werden die 220 Nethinim jeinfach — todtgeschwiegen!! 



— 81 — 

Wenn beim ersten Zuge unter Serubabel unter 3700 Isra- 
eliten nur 360 Leviten und 392 Nethinim und noSr nay ^M 
also zusammen nur 752 Mann, fur den Dienst des Tempels 
mitkommen, so sind fur eine Kolonie von ungefahr 1600 
Mann 38 Leviten und 220 Nethinim, also 258 n'^aS D^nWD 
'« eine solche respectable Anzahl, dass der Erfolg der 
Gesandtschaft Esra's geradezu ein glanzender zu nennen 
ist, wie ja auch Esra mit den Worten irSy naian 'K TD 
Gott fiir diese Gnade preist; und es beweist diese That- 
sache, dass die Leviten trotz der triibsten Aussichten fur 
ihre Existenz dennoch sich zur Riickkehr in die Heimath 
entschlossen, sobald sie horten, dass man ihrer dort zum 
Tempeldienste bedarf. 

Auch die Vorenthaltung der Hebe und des Zehnten 
von Seiten des Volkes, wodurch doch die Priester selbst 
einen bedeutenden Schaden erlitten, versteht der Verf. zu 
Gunsten seiner Kampf-Hypothese auszubeuten. Die Priester 
batten die Volksstimmung zu Ungunsten der Leviten be- 
einflusst! Allerdings mogen die Priester durch unwiirdiges 
Verhalten (Mai. 1,6; 2, 3) die Irreligiositat des Volkes 
mit veranlasst haben; allein diese Thatsache als „Kampf 
der Priester gegen die Leviten" darzustellen, ist unge- 
fahr dasselbe, wie wenn Jemand im Abfall der Niedor- 
lande einen Kampf des Eonigs von Spanien gegen seine 
eigenen dortigen Statthalter und Feldherrn erblicken woUte. 
Wenn weiter auch Mai. 2, 1 — 10 als eine Quelle fiir diese 
Kampf-Geschichte in Anspruch genommen und die Worte 
rn«a »^« maj yno auf die Treulosigkeit der Priester gegen 
die Leviten bezogen wird, so sind wir einer solchen Exe- 
gese gegeniiber allerdings machtlos, miissen aber hinzu- 
fiigen, dass dann Maleachi nur deshalb kein Sterbens- 
wortchen von jener Treulosigkeit der Priester erwahnte, 
well er als Prophet voraus wusste, dass einst 
nach mehr als 2000 Jabren ein fiabbiner dieses 
Geheimniss enthiillen werde. 

Im m. und IV. Abschnitt (S. 26 '-44) wird das 

MaguiB Heft I, 1890. 6 




Yerhaltniss dor Sanger und Thorwarter za den Leviten 
erSrtert. Wir wollen dem Vert keine Vorwiirfe daruber 
machen, dass er, urn eioen passenden Uebergang zu ge- 
wicnen, die Leviten in den Zeiten nach Esra und Nehe- 
mia TOD den Priestern so hart bedrangen lasst, dass ste 
die Sanger und Thorwarter als Buudesgenossen heranziehcn 
mussten. Eine Quelle wird zwar fiir dicse Behauptung 
nicht nachgewiesen ; indessen wenn die Abhandlung iiber 
die Sanger und Thorwarter richtige Resultate zu Tage 
gelbrdert hatte, wurden wir uos dieDichtung, die den Ueber- 
gang zur Wahrheit bilden soil, gcfallen lassen. Thatsachlich 
aber ist das Hauptresultat selbst nar ein Phantasiegebilde. 
Hiemach sind namlich die Sanger und Thorwarter gar 
keine Leviten; „denn Sanger und Thorwarter hat es schon 
im salomonischen Tempel gegcben, Leviten im Sinne von 
Numeri and in der nachexilischen Bedcutung des Wcrtes 
aber sind . . orst von Ezechiel geschaffen worden". Die 
letatere Behauptung ist, wie oben bemerkt, besonders durch 
Welthausen zur Geltung gebracht and im „Magazm" be- 
reits zar Geniige besprochen worden. Hier miJchten wir 
nur noch auf einen Funkt aufinerksam machen, der, 
soweit ans bekannt, noch nicht beachtet worden ist. 
Nach Welthausen sind die nachexilischen Leviten bios 
die degradierten ehemaligen Land- oder Bamotpriester; 
vor dem Exile habe es keine Leviten gegeben, vielmehr 
seien die Geschafte, welche Ezechiel den Leviten zuweist, 
im Tercpel zu Jerusalem von heidnischen Hierodulen bo- 
sorgt worden, Darunter waren doch jedenfalis die Nethi- 
nim. Nun finden wir aber in der oben erwahnten Stelle Esra 
S, 17— 20 die Leviten mit den Nethinim zuaammen- 
wolinend. Wir legeu kein Gewicht daraaf, dass dort ge- 
siigt wird: oiSfi rmyh o'-Wfti in [rar Di'ron; die Stelle 
ist, wie ersichtlich und allgemein angenommen, von Esra 
goMuhrieben und wiirde vielleicht in der vorexiljschen 
Sprache crhn o'ns-i rniajS lauten, Allein die Thatsache, 
diiss die nachexilischen Leviten mit den Netbinim im 



— 83 — 

Exile zusamtnenwohnten, steht durch diesen von Esra 
selbst verfassten Bericht unbestreitbar fest, and wie aus 
dem Berichte hervorgeht, waren letztere den ersteren unter- 
geben. Nun fragen wir, wie kamen die ehemaligen Land- 
priester rait den jerusalemischen Hierodulen im Exil zn- 
sammen? Beweist das Zusammenwohnen der o^lS und 
D^rna in ktdd nicht, dass deren Vater zusamraen in's Exil 
gewandert, und dass die dmS ebenso die Unterpriester der 
Hauptstadt, wie die o^rro dort Tempelsklaven waren? 

Docb dies nur nebenbei. Wir woUten ja von den 
Sangern und Thorwartern sprechen. Lange Zeit hindurch, 
so meint Verf , behaupteten die Leviten, d. h. die litur- 
gischen Gebiilfen der Prioster, ihren Vorrang .vor den 
Sangern und Thorwartern, je mehr sie aber von den 
Priestern zu leiden batten, desto mehr naherten sie sich 
den niederen Tempelbeamten. Anfangs schlossen sie mit 
den Sangern ein Bundniss, durch welches diese die Eben- 
biirtigkeit rait ihnen erhlelten, -bald aber mussten auch die 
Thorwarter zu Leviten geraacht werden. „Vergebens 
straubten sich die liturgischen Leviten gegen die Auf- 
nahme der Thorwarter. Ehe siQ sich's versahen, hatten 
diese die Schranke durchbrochen, die gegen sie gerichtet 
war, und wurden allgemein als dritte Tribus der Leviten 
anerkannt." So weit der Verf., dessen Erzahlung sich 
wie auf Autopsie beruhend ausniramt. 

Dieses Kartenhaus umzuwerfen, geniigt die kurze Notiz: 
Vgl. Ezech. 44, 11 und Esra 3, 10! Erstere Stelle zeigt, 
dass die Leviten n'»an ^"iptt^ S« mnpe (Aufseher iiber die 
Tempelthore) waren, wahrend in der zweiten Stelle klar 
und deutlich die musicirenden vpv( ^» schon ira B. Esra 
als Leviten bezeichnet werden.^) Die Stelle in Ezech. 
scheint Verf. ganz iibersehen zu haben, denn er erwahnt 
sie gar nicht! Mit der Stelle Esra 3, 10 aber wird ein 



^) Nach dem Verf. soU nftmlich erst in Neh. 11 und in der Chron. 
die Zugehorigkeit der Sanger zu den Leviten bezeugt sein. 



— 84 — 

Manoeuvre sender Gleichen ausgefuhrt. Sie wird versteckt 
in einer Note unter dem Texte (S. 41) mit folgendem 

Gewaltstreich bei Seite geschoben: 

„Die Esra 8, 10 als Leyiten genannten „S51me Asafs** sind ein 
spaterer Zusatz, urspriinglich lautete die Stelle o^nSvo^ onSm. Siehe 
Neh. 12,27, woselbst das Spielen der musikalischen Instrumente 
ebenfalls den Leyiten, nicht den Sangem iibertragen ist, die erst im 
folgenden Yerse genannt werden.*" 

Also bei der feierlichen Grundsteinlegung des Tempels 
and bei der Einweihung der Mauern Jenisalems haben 
nicht die „berufsmassigen Sanger", welche „mit grosser 
Kunstfertigkeit" die Gesange Zions vortragen und mit der 
Harfe begleiten konnten (Ps. 137), die musikalischen 
Instrumente gespielt, sondern die liturgischen Leyiten, 
deren Beruf gewohnlich das Opferschlachten und dgl. war, 
mussten eine Musik mit o^nSata und nmm D^SaJ zum Besten 
geben; die ^D« '•33 werdcn ohne Weiteres aus dem Texte 
hinausgeworfen, und das AUes der wunderlichen Hypothese 
zu Liebe, dass die Sanger imd Thorwarter keine Leviten 
waren. (Vgl. noch Herzfeld, Geschichte I S. 388 f. u. 
Lagarde Orientalia II 16). 

In der That steht die Zugehorigkeit der Sanger und 
Thorwarter zum Levitenstande ausser allem Zweifel. Mit 
Recht ist im Magazin 1879 S. 235 auf diese Thatsache 
als Beweis fiir die friihere Existenz der Leviten hinge- 
wiesen worden. Dieselbe Familie DlStt^, welche in Esra 
2, 42 an der Spitze der Thorwarter steht, gehort auch 
nach Jeremia 35, 4 zu den ppn ^law, die zwar in 2. Kon. 
12, 10 D^iiiD, dagegen in 2. Kon. 22, 4 nur ^un naw 
und 2. Chron. 34, 9 D^iS genannt werden. Die angefuhrte 
Stelle in Ez. 44, 11 beweist, dass die D'»3n3 in 2. Kon. 
12,10 nur Unterpriester, *) also Leviten sind. 



^) Znr Zeit als der Bamot-Cultus in Israel allgemeiu tiblich 
war, wurden aUe Cultus-Diener o^ana genannt. Der Bamot-Onltas 
kommt in der Geschicbte (Ez/s Strafrede 20, 28 bestimmt die Zeit 
nicht genau) erst zur Zeit Samuels nach der Zerst<5rung Schilo^s, 



— 85 — 

Die Gewissheit, dass die Sanger und Thorwarter, wie 
von alien Forschern bisher einstimmig behauptet wurde, 
wenigstens vom Beginn des zweiten Tempels an, Leviten 
waren, iiberhebt uns der Miihe, die „Beweise'S welche der 
Vert fur die spatere Levitisirung dieser Tempel-Functionare 
beibringt, ausfdhrlich zu wiederlegen. Offen gestanden, 
wir konnten aus der Darstellung in vorliegender Schrift 
nicht king werden, worin diese Levitisirung, welche als 
„innige und unauflosliche Verschmelzung" mit den Leviten 
bezeichnet wird, eigentlich bestand. Der Verf. gesteht zu 
und muss dies Angesichts der Angaben der Geschichts- 
quellen zugestehen, dass die Funktionen der verschiedenen 
Levitenabteilungen stets getrennt blieben. Wenn diese 
nun etwa ein Schutz- und Trutzbiindniss gegen die Priester 
mit einander abschlossen, wozu bedurfte es da einer 
Levitisirung, was doch nichts Anderes heisst, als eine 
FaJschung der Genealogien-Verzeichnisse, um die Ahnen 



des auserwahjten Heiligtruns (Jer. 7, 12), allgemein vor. Bel den 
Bamot wurden auchNicht-Leviten zuFriestem gemacht (l.Kon. 12,31); 
doch Bcheint man auch dort Leviten bevorzngt zu haben (Richter 17, 14). 
Wenn demnach alle Goltas-Diener, hdhere nnd niedere, Q^^ns genannt 
wnrden, so gebrauchte man wohl oft den Namen onS oder n>i7\D 
nvhn zur Bezeichnnng der legitimen Tempeldiener aus dem Stamme 
rh zur Unterscheidnng von den anderen nichtlevitischen Priestem. 
Es liegt aber schon in der Natur der Sache, dass z. B, die Sanger 
nnd t\un naw^ nicht zugleich Opferpriester waren, sowie dass die 
Opfeipriester einen hohem Rang einnahmen. Niur von ihnen durften 
die vip «*iv (Jes. 48,28; 1. Chron. 24,6 und vielleicht anch 'wy\ 
vip in Jer. 11, 16) gew&hlt werden. — Nach der Reformation nnter 
Josia wnrde die Einrichtong getroffen, dass die Bamot-Priester znr 
Strafe zwar nicht opfem durften, aber dennoch ihren Anteil an den 
Opferdepataten erhielten (2. ESn. 28, 9, vgL Menachot 109 a). Diese 
Ifassregel scheint aber nur eine temporare gewesen zn sein; die Kinder 
der Bamot-Priester wnrden wohl wieder vollst&ndige Priester. Wenn 
also Ezechiel die Bamot-Priester in dem Znkunftstempel nnr zn 
Funktionen der Unterpriester zulassen will, so ist zur Zeit des zweiten 
Tempels dieses sein Qesetz (wie viele andere seiner Yorschriften) 
nicht zur AusfQhrung gekommen, da sich in den nachexiMschen 
Schriften keine Spur davon findet 



— se- 
der Sanger Asaf u. s. w. yon Levi abstammen zu lassen! 
Die beiden Stamme fienjamin und Juda waren auch Jahr- 
hunderte lang mit einander innig yerbunden, musste des- 
halb der Stamm Benjamin judaisirt werden? Es wird 
grosses Gewicht darauf gelegt, dass in den meisten Stellen 
in Esra und Nehemia Leyiten, Sanger und Thorwarter ge- 
trennt als drei Elassen, in Neh. 11 Leyiten und Sanger 
vereinigt und Thorwarter besonders und in Neh. 12,1 — 26 
und der Chronik alle drei Leyitenklassen yereinigt auf- 
gezahlt sind. Diese Erscheinung lasst sich am einfachsten 
mit Herzfeld (Gesch. I S. 400 f.) erklaren: Die Be- 
nennung Leyiten passte (ygl. Num. 12,2) zunachst nur fur 
Priestergehilfen,^) weil jedoch Gesang und Musik allmalig 
integrirende Teile des Opferritus wurden, so wurden auch 
die Musiker zuweilen Leyiten genannt; am Ende aber 
dehnte man die Benennung auch auf die Wachter aus, 
weil die Bewachung des Heiligthums eigentlich den 
Priestem zukame und die Wachter deshalb als Priester- 
gehilfen erschienen. Wir fugen nur hinzu, dass an den 
Stellen, wo alle 3 Klassen mh genannt werden, das Wort 
nomen patronymicum, dasselbe wie ^S ^33 ist; an anderer 



^) Ueber den Stamm des Namens ^S teilt uns Herr Prof. 
J. B a r t h folgendes mit : Der Stamm des Namens ^^ ; niS 

bedeutet imHebraischen: Jemandem nahe sein, ihnbegleiten; dasselbe 

bedeutet das aramaische foU:^; bv. Hl'^^ ^* ^^^^ ^ Jemanden an- 
schliessen. Demnach entspricht im Arabischen nicht das finsserlich 

gleiche /^, das = drehen ist, sondem ^3 Jemandem nahe sein, 

anch verwandt, befrenndet sein, einer Sache nahe stehen, d. h. sie 

o 

yerwalten, leiten, woher ^^ Verwalter, Leiter noch jetzt im 

Orient = „PrS.fect einer Provinz" ist; der Verwaltungsbezirk ist iu^^ 

Die letztere Bedentimg hat im Assyrischen litmiu, das = Uvitu ist, 

wo also der Stamm die gleiche Umstellnng der Radicale wie im 
Hebr. hat 



— 87 -^ 

Stelle dagegen ist D^lS appellativisch gebraucht als eine 
Bezeichnung entweder der Priestergehilfen im engeren 
Siune oder aller Gehilfen des Opfercultus (vgl. Raschi zu 
Cholin 24 b), also auch der Sanger. 

(Schluss folgt.) 

Dr. D. Hoffmann. 



Die Frftnkel in Wormfii. 

Von Prof. Dr. David KanfnanB in Budapest 

In das Ghetto von Wien vor 1670 leitet, wie ich in 
meiner 5,Letzten Vertreibung der Juden aus Wien und 
Niederosterreich" vielfach nachgewiesen habe, der Ursprung 
gar vieler und hervorragender Familien in den bedeutendsten 
Gemeinden Deutschlands zuriick. Aber dieser Nachweis 
ist nicht erschopft, sondem ebenso sehr noch der Ver- 
mehrung als der Vertiefung fahig und bediirftig. Dieser 
osterreichische Einschlag im Gewebe des geschichtlichen 
Lebens der deutschen Judenheit erforderte einmal ein Buch 
fiir sich selber. Aber es gilt, die Zugehorigkeit zu den 
Familien der Exulanten erst zu erkennen, hinter den 
diirren Namen den lebensvollen Zusammenhang zu schauen 
und die auseinandergefallenen Glieder an ihre gebiihrende 
Stelle im einstigen Organismus einzuordnen. So kann ich 
heute die Familiengeschichte der nach alien Richtungen 
hin thatigen und denkwiirdigen Wiener Frankel um einige 
verdiente Personlichkeiten bereichern, deren Beziehung zu 
dem trefflichen Geschlechte noch nicht erkannt war. 

Von David Isak Seckel FrankePs Sohnen habe ich 
nur Barman, den Rabbiner von Fiirth, ausfiihrlicher be- 
handeln konnen (S. 194 f.). Das Memorbuch von Worms 
giebt uns auch iiber Juda Lob und Ahron Frankel Aus- 
kunft. Der Schwiegersohn des Benjamin Mirels, der 
Macen der Berliner Ausgabe des En Jakob von 1709, 



— 88 — 

hat sich also, sachdem er in Berlin gewohnt und nach 
seinem Aufenthalte in dieser Stadt den Namen Juda Lob 
Berlin erhalten hatte, spater, wohl 1722 nach dem Tode 
seiner Gattin PesseP), nach Worms gewendet, wo er sein 
der Pflege des Gesetzessludiums und frommer Werke ge- 
weihtes Leben Dienstag, am 31. Mai 1735 beschloss (p. 
38). Durch seinen Sohn, den Namenstrager seines Vaters, 
Isak Seckel, verschwagerte er sich mit der in Breslau 
bliihenden Wiener Familie der Miinzlieferanten Lazarus'). 
Elias Lazarus Zacharias ward der Schwiegervater Isak 
FrankeFs, der unter dem Namen Isak Ahron Lewi als 
Theilhaber dem Geschafle beitrat und sich in Breslau 
niederliess"). Sara Cheile, Isak's Frau, ward denn auch, 
als sie Dienstag, den 13. Mai 1755 verstarb, im Erb- 
begrabniss der Familie Lazarus, von Breslau aus, in 
Erotoschin beigesetzt. Ihr Gatte Isak Seckel Frankel, der 
nach ihrem Tode sich wieder in seine Heimath begab, 
diirfte sie nur um einige Jahre iiberlebt haben^). 

Ahron Frankel, der bisher nur durch Gedirung seines 
Antheiles beim Wiener Friedhofe an seinen Onkel, den 



*) Anf ihrem Grabsteine hdsst Frankel mi^ea h">D i^h min» '\ 
Wie ich L. Landshnth's handschriftlichem Grabregister des alten 
Berliner Friedbofs entnehme, das mir Dank der Frenndscbaft des 
Besitzers, des Sanitatsraths Dr. S. Neumann, yorliegt, starb Pessel 
Sonnabend n"tn n:^p nn 'h. 

*) S. Brann in Gratz Jubelschrift p. 3d8f. 

*) Nach Mittheilungen meines Erenndes Habb. Dr. M. Brann 
in Pless. 

*) Ich vermnthe im Abdrucke des Wormser Memorbuchai p. 46 
einen Fehler. S^p];* pni> ist wohl sicherlich in S^p^rt pnv zu Kndem; 
er ist, obzwar die Angabe nS bei seinem Namen fehlt, all Sohn 
des gelehrten und frommen Jnda Lob Berlin, d. i. Frftukel, derselbe 
vh hp^y der p. 40 als Gatte der Sara Cheile erscheint. Da er seine 
Gattin iiberlebte, so ist das Datum seines Todes, zumal es auch 
durch den Ealender widerlegt wird — 1754 war der 19. Ijar 
Montag, nicht Sonnabend ~ und unter den Yerstorbenen des Jahres 
1758 auftxitt, wohl aus r'^pn in n''«pn zu findem, was der Kalender 
best&tigt Seckel Lewi starb also Sonnabend, den 27. Mai 1758. 



— 89 — 

Rabbiner von Ungarisch-Brod, Israel Frankel, bekannt war^), 
darf als einer der verdientesten Manner in der Gemeinde 
Worms bezeichnet werden. Er nauss noch bei Lebzeiten 
seines Vaters sich in Worms niedergelassen und die furcht- 
bare Zeit von 1689, die Zerstorung der Stadt durch die 
Franzosen und die Drangsale des Exils, mit seinen neuen 
Heimatsbriidern durchlebt haben. Sein Schwiegervater, 
der beruhmte Prediger R. Ahron Teomim*), seit 1670 
Rabbiner von Worms, diirfte es gewesen sein, der seine 
Uebersiedelong dahin bewirkte. Die Familien Teomim und 
Frankel, vielfach bereits verschwagert und verwandt- 
schaftlich verbunden, wurden durch die Ehe Ahron Frankel's 
mit der kenntnissreichen und frommen Zippora Hendele 
Teomim noch enger verknupft. Der Rabbiner von Worms 
war im Ghetto von Wien aufgewachsen') und von Kindes- 
beinen an ein Zeuge des Ansehens und Einflusses, den 
Roppel Frankel, der Grossvater seines Schwiegersohnes, 
als der reichste Mann der Gemeinde besass. Ahron 
Frankel diirfte noch unter den Augen seines Schwieger- 
vaters in seiner neuen Heimat Worms zu Ehren und 
Wiirden emporgestiegen sein, so dass er daselbst auch 
dann verblieb, als R. Ahron Teomim dem Rufe nach 
Erakau folgte, den der ungliickliche Mann mit dem Leben 
bezahlen soUte. Derselben gelehrten Erziehung wie seine 
Bruder theilhaftig, lenkte er durch die Vereinigung von 
Wissen und Reichthum die Aufmerksamkeit so friih auf 
sich, dass er sowohl vor der Zerstorung wie seit der 
Wiederherstellung der Gemeinde bis an sein Ende durch 
voile AA Jahre dem Vorstand angehorte. Das schonste 



^) KauMaim, die letzte Yertreibnng 196 n. 6. 

>) Kanfiuann, Samson Wertheimer 60 n. 1. 

^) Die Approbation zu Bochner's vnn ym nnterzeicbnet E. Ahron: 
inia . . D«t3iHn nva Y'*inio vonn :s*in trM^n and ebenso die zu Samuel 
Heida^s humi i^pipr. 1688 bezengt er in der Approbation zu Kn\a nm^^r, 
den Yerfasser Simon AJdba Beer von Eindbeit an, also aus Wien 
gekannt zu haben, s. Eanfinami, die letzte Yertreibimg 208 n. 2. 



— 90 — 

Andenken in Worms wie auf den Blattern der Litteratur 
hat er sich durch die Ausgabe der Wormser Bussgebete 
gestiftet, die er 1737 in Sulzbach^) erscheinen liess. 
In der be^riindeten Furcht, dass durch die Zerstreuung 
der Gemeindeangehorigen nach der Katastrophe von 1689 
auch die Ueberlieferungen des uraltgeheiligten Ritus zer- 
ruttet und voUends vergessen werden konnten, hatte 
er es mit nie erkaltendem Eifer Jahre auf Jahre sich 
angelegen sein lassen, die ortsbrauch lichen Bussgebete 
in den erhaltenen Triimmern der Wormser handschriftlichen 
Ritualjen zu sammeln und so ein treues Bild der von 
altersher iiblichen Bussagende zusammenzustellen. Als er 
1737 die Freude hatte, den stattlichen Folioband aus der 
Presse von Sulzbach hervorgehen zu sehen, beschenkte er 
Manner und Frauen in der Gemeinde mit dieser Sammlung, 
aus der fortan die Gebete auch fur ihn selber empor- 
zusteigen schienen. Er war offenbar noch in Wien ge- 
boren, denn beim Tode seiner zweiten Frau Hizel, der 
Tochter Salomo Kohen's, die am Versohnungstage, Sonn- 
abend^), den 5. Oktober 1738 ihre Seele aushauchte (p. 39), 
wird Ahron Lewi, wie er in der Gemeinde genannt wurde, 
bereits ein hochbetagter Greis genannt. Freitag, am 12. 
Dezember 1742 starb dieser Wohlthater der Gemeinde 



1) Die an sich bereits mini<5gllche Angabe Lewysohn's nuon 2 
No. 42, Ahron Levi babe 1674 in Frankfort a. M. die Selichoth 
yon Worms heransgegeben, hat auch Ben Jacob, Tbesauras p. 421 
No. 383 wiederholt. Wie mir der erfahrene Kenner der Wormser 
Alterthumer. Herr Moses Mannheimer, mittheilt, ist in Worms 
yon der Erankforter Edition des dortigen Bnssritaals niemals etwas 
bekannt geworden. (Mir scheint, dass hier eine Verwechselung mit 
der Ausgabe p'^pn D»;iniDi B^piDcn oj? mn'Soi ninSw nnvv n»nij?o 
MB'^oi^ii vorliegt, welche in Frankfurt a. M. 5474, woraus irrthlimlich 
1674 geworden ist, bei J. Kehier gedruckt wurde und in meinem 
Besitze ist. Berliner.) 

*) Im Druck des Memorbuches von Worms p. 39 ist fur oio 
'H zu lesen: '» ova. Zippora Hendele, E. Ahron Teomims Tochter, 
Frankels erste Frau, starb nach dem Wormser Memorbuch, das ihr 
nngew5hnliches Lob spendet, Sonntag, den 8. Marz 1722 (p. 34.) 



— 91 — 

selber, nachdem er, seiner Vater wurdig, den Ruhm der 
Familie in einem langen und verdienstvoUen Leben ver- 
mehrt hatte (p. 40). 

An der Schwelle des Alters hatte er den Schmerz 
erfahren, einen trefflichen, wohlthatigen und angesehenen 
Sohn, Zacharias Frankel, Ende 1721 durch den Tod in 
jungen Jahren in's Grab sinken zu sehen (p. 33). 

Er hatte aber auch die Freude, nnter seinen Augen 
den Sohn, dem er den Namen seines Grossvaters, des 
reichsten Mannes der Wiener jiidischen Gemeinde vor 1670, 
Jakob Koppel, geliehen hatte, in Worms erbluhen zu sehen. 
Dem Vater gleich, widmete dieser Sohn sich den oflFent- 
lichen Angelegenheiten der Heimat, die er in schweren 
Lagen wiederholt vor den Behorden vertreten haben diirfte, 
so dass ihn dor Ehrenname eines Schtadlan schmiickte. 
In Frommigkeit, Gesetzesstudium und Wohlthun der Erbe 
und Fortsetzer seiner Ahnen, ward er vor der Zeit, Mitt- 
woch, den 21. Mai 1755 den Seinen durch den Tod ent- 
rissen, nachdem er durch fromme Stiftungen sein An- 
denken in der Gemeinde befestigt hatte (p. 45). 

Auch ein zweiter Sohn Ahron Frankel's, Wolf Frankel, 
war, wenn auch weniger bedeutend und begiitert als sein 
Bruder Jakob Koppel, ein angesehenes Mitglied der Ge- 
meinde. Er starb bejahrt und betrauert Dienstag, den 
28. December 1762 zu Worms (p. 48). Seine, Freitag, 
den 6. April 1770 verstorbene, an Josel Berlin ver- 
heirathete Tochter Zortel (p. 49) scheint den Wechsel 
menschlichen Schicksals in ihren Vermogensverhaltnissen 
erfahren zu haben. Eine zweite Tochter Wolf FrankePs 
Pessel, starb Freitag, den 30. Januar 1778 in Worms 
(p. 50). 

Durch seine Tochter Cheile, die Ahron Frankel an 
David, den Sohn Wolf Brilin^s verheirathete, wurde die 
Familie Frankel mit den angesehensten Familien von 
Worms in verwandtschaftliche Beziehung gebracht. Wolf 
Brilinwar ein Sohn desRabbiners von Hammelburg und spater 



— 92 — 

MaDDheim, R. Isak Brilin, also ein Neffe R. Jair Bacharach's 
sowie der Schwager Samson Wertheimer's in Wien^) und 
Wolf Oppenheim's in Worms'). Wolf war wie sein Bruder 
Mose Brilin in Bamberg zu hohem Ansehen gelangt, so 
dass sein Sohn in seiner neuen Heimath Worms auch den 
Namen David Bamberg fiihrte. Talmudisch gelehrt, von 
angesehener Abstammung, reich begiitert, stieg David in 
der Gemeinde Worms zur Wiirde des Vorsteheramtes 
empor, die er bis zu seinem von schmerzvollen Leiden 
ihn Montag, den 9. August 1784 erlosenden Tode (p. 52) 
bekleidete. Er hat seine Dienstag, den 11. Mai 1784 
gleich ihm in vorgeriicktem Alter dahingeschiedene Frau 
kaum 3 Monate iiberlebt (ib). Ihre an Leser Nass in 
Worms verheirathete, die frommen Werke der Eltem fort- 
setzende Tochter Sara Esther starb Donnerstag, den 24. 
Juni 1790 (p. 53). 



Miscellen. 



AbermaU Antonlniu. 

Aber diesmal ein Anderer. Denn ansser dem im Talmud er- 
wahnten Kaiser Antonin, in welchem wir Caracalla erkannten*), wird 
in Jer. Sanh. I f. 19 ein Statthalter Antoninus genannt, welcher 
ein Controvers mit B. Jochanan b. Sakkai hatte. In den Parallel- 
stellen heisst es ona^inn (Bam. r. § 4 f. 189 a): oder gar Dipne^ip 
(Bechor. f. 6 a); in Jer. Sanh. 19 d dixi'wk. Welches ist nun der 



^) Kaufmann 76. 

^ n» ^ f ap p. 88. 

*) Ich fiige als ErgSnzung hierzu noch bei, dass unter diesem 
Kaiser Antonin b. Severas, od. Severus b. Antx>nm nicht Alexander 
Seyerus gemeint sein kami, da dieser nach Lampridius den ange- 
tragenen Namen Antoninus nachdriicklich ablehnte: sein nomen 
gentilicium war auch nicht Severus, sondem Aurelius; den Namen 
Seyerus geben ihm die Soldaten wegen seiner Strenge in der 
Disciplin. Lampr. Alex. Sever. 12. 



— 93 — 

richtige Mann? Da yon einem romischen Statthalter die Rede ist, 
so passt offenbar anch niir ein romischer Name, und denmach ware 
Antx>niniis die richtige Lesnng. Dass aber von einem r(5mischen 
Statthalter die Bede ist, sagt der Beisatz i^osn. Das griech. Wort 
^"Xefjuov, Uebersetznng yon praeses bedentet wie dieses im Allgemeinen 
einen Proyinzstatthalter, sowohl einen proconsul, als einen propraetor. 
Znr Zeit des B.. Jochanan ben Sakkai war aber Proconsnl yon Asien 
Arrius Antoninus, der miitterliche G-rossyater des Kaisers Antoninus 
Pius. Jener Arrius Antoninus yerwaltete seine Preying in so aus- 
gezeichnet rtihmlicher Weise, dass Capitolinus im Leben des Kaisers 
Antonin berichtet, dieser Antoninus, als Proconsul yon Asien, sei 
der Einzige gewesen, welcher seinen Grossyater, den genannten 
Arrius Antoninus in der Verwaltung iibertroffen babe. Proconsulatum 
Asiae sic segit, ut solus ayum yinceret. 

Plinius in einem Briefe an jenen Arrius Antoninus riihmt ihn, 
dass in der Verwaltung der Proyinz Asien kaum Einer yorher oder 
nachher (die Hiicksicht auf Deine Bescheidenheit, sagt er, yerbietet 
mir, zu sagen, dass Niemand) ihn erreicht babe. 

Damit stimmt es, dass dieser Arrius Antonius mit den besiegten 
Juden freundlicbe Beziehungen unterhielt und namentlich mit dem 
friedlich gesinnten B. Jochanan b. Sakkai yerkehrte. 

Furst. 



Bemerknng siir „Berielitigiiii||; einer 
Terdorbenen l[ldraselifiitelle'\ 

Ln zweiten Quartalheft 1889 des Magazins (S. 117) wird die 
schwierige, unerklHrliche Stelle in der 3. Pethichah der Piska «nn 
HBfD mSa Dva (Pesikta ed. Buber S. 4 a): n'^n htji Y'h nnpSno mo 
n^nm^Vw rm^h jonpno nn^o ]1D»d yon Herm Dr. PUrst geandert in: 
HT)n via HanSnBfD HnwM^ D-nann nnan Twa nnpSno »«i ino. Bichtig 
ist allerdings, wenn dort gesagt wird, dass ^ein Eingehen auf den 
Gedankengang zur Herstellung des urspriinglichen Textes leiten*" 
kann; ebenso richtig ist, dass der Sinn der rathselhaften Worte kein 
anderer sein kann, als der angegebene, da ihn Tanchuma und Schemoth 
rabb. zu Exod. 9,24 erharten: wnwi b^hh vinpiS Ton inanBf nn«S. 
Dass aber grade die Worte Minn via MnnSnvo mtivmi die urspriinglichen 
sind and statt der yorhandenen emendirt werden mussen, ist keines- 
wegs erwiesen worden. Wie kamen die Abschreiber dazu, well sie 
glaubten, dass ni^ia das Wort nnpSno erklart werden solle**, MnvMi 
in nnna und nnn^nvD in MnSpnD zu andem, Worte, die in ihrem 



— 94 - 

Schriftcharakter erhebllch von einander abweichen! Die Abschreiber 
hUtten ja dann am dem YerstlUidlicbeu das Unyerstandliche gemacht, 
wabrend meist die Textkritik das Umgekehrte voranssetzt. All das 
bat wenig Wabrscbeiulicbkeit fiir sicb. 

Im Grunde bandelt es sicb nur nm die beiden Worte: nn^Q 
K«*ipnD im Buber'scben Pesiktatext Hier muss zunacbst Mnpno in 
Hiipno geandert werden, was eigentlicb gar keine Aenderung ist, 
da in den Handscbriften gewQbnlicb fiir n und n dasselbe Scbrift- 
zeicben gebrancbt wird, und tiberdies der im *iioSn n^2 edirte Text 
(Wien, Jabrg. V, 1886 S. 62) wirklicb Mnpno liest. Hiemacb bieten 
sfimmtlicbe Texte — mit Ansnabme von Tancbnma imd Scbemotb 
rabba, welcbe den Gedanken rein bebraisch wiedergeben — entweder 
die Lesart MiiSpno, oder MSnpno, oder Mnpno. Die Bucbstaben Mnpno 
feblen also in keinem Text. Man bat daber wobl das Recbt, sie 
als gesicberten Bestand anzunebmen. Dann aber mass das Wort 
Miipno iiberbaapt als nrsprtinglicb festgebalten werden, da nnsere 
Texte von Midr. Scbir bascb. nnd Bamidbar rabb., die nocb ein h, und 
dazu von einander abweicbend, einscbieben, vor den verbaltnissmSssig 
guten Pesiktatexten, wie aucb vor Jalkut und Arucb, die ausserdem 
mit ibrer Lesart MnpnD in der Majoritat sind, zuriicktreten miissen. 

Ob nnna (beziebungsweise md^d) vor Mnpna beizubebalten und 
»T\pt\Q nn^D zu lesen ist, erscbeint vielleicbt £raglicb. Codex Cannoly 
Buber (S. 4 a Anm. 60) und Jalkut zu Exodus 9, 24 (§ 186) lesen 
das Wort allerdings nicbt, docb die Majoritat der Texte ist dafiir. 
Mitbin bat der uns vorliegende Text die grossere Wabrscbeinlicbkeit 
fur sicb. 

£s ist demnacb an alien Stellen zu lesen: D'nn^iH nnpSno mo 
n»nYi*Vw mwpS »npnD nn»D. Wie lasst sicb aber wnpno nn»D er- 
klaren? Zieben wir Tancbuma und Scbemotb rabb. zu Exod. 9, 24 
zu Batbe, und erblicken wir in ibren Worten; innpA Tinn inanr itikS 
iD*)UBri VHii die bebraiscbe Parapbrase der beiden fragUcben Ausdriicke, 
so ergiebt sicb folgendes Yerbaltniss: nnna ist gleicb ironv mnh 
Tinn und nnpnia ist gleicb wrnn w»7\ "innpA. In nn^D muss der Be- 
griff des .hemach'', in nnpno der des ,Verbrennen' liegen, wozu 
ubrigens aucb das Eingeben auf den Gedankengang drangt Das 
kann nicht anders moglicb sein, als wenn wir beide Ausdrucke fur 
griecbiscb erklaren. nn^D =/u£t9o od. fte&'oi .bemacb"; Hnpno = 
ftMTaxakof «binterdrein breunen**. In den Worterbiicbem ist /fcrozacccy 
fireilich nicbt aufiratrdben, aber gegen diese WortbUdung lasst sicb 
nicbts einwcnden, da fierd in der Zusammensetzung nicbt bloss die 
Bedeutung einer Umwandlung bat, sondem aucb die des ^binter- 
drein''. Der Midrasch bedient sicb ja stets des volksthumlichem 
Griecbiscb und mag dieses Wort sicb selbst gebUdet baben. 



— 95 — 

Der Gedankengang ware dann folgender: R. Jnda nnd B. 
Nehemiah erklaren, dass Hagel nnd Fener, mit einander yereinigt, 
zusammengewirkt haben, um das G«treide der Aegypter niedefzn- 
schlagen — lassen sich aber liber die Weise, in der dies geschehen 
ist, nicht naher aus; mSglich, dass der Stoss des Hagels dadurcb 
verstarkt worden*). R. Juda bar Simon fUgt hinzn, dass das Eener, 
nachdem es mit dem Hagel das G^treide niedergeschlagen, die 
Qetreidereste hinterdrein verbrannt habe, nicht aber von dem. Hagel 
ansgelSscht wurde. Er findet dies in dem doch nngewohnlichen Worte 
nnpSno angedeutet, indem das praformative no an /uera, und nnp an 
xam anklingt. Weil die Abschreiber das Wort Hnpno nicht ver- 
standen haben, wurde in manchen Texten von ihnen an verschiedenen 
Stellen noch ein S eingeschoben, nm es dem zn erklarenden Worte 
nnp^DD eben ahnlicher zu machen. Nach dieser Erklamng bleibt 
freilich auffallend, warum hier die sonst in solchem Falle gegebene 
Erklamng H^n n«ai« \ii»h unterlassen wird; ein Einwand Ubrigens, 
der nicht allzu schwer wiegt. 



*) Dass die Rabbinen bei einer Yereinigung yon Stoss und Hitze 
das Verhaltniss beider Wirkimgen zum G-egenstand ihres Nachdenkens 
gemacht, beweist Ghulin 8a: 'S\ n:i Dntsfi |od p^h. 

Bloch-Posen. 



lilterarisehe NotiBen. 

Zum Zwecke der Edition eines lateinischen Manuscriptes, welches 
grosse Eragmente eines bisher unbekannten psychologischen Werkes 
des Salomo ibn Gabirol enthalt, ist Dr. A. Loewenthal in Berlin 
von der Zunzstiftung subventionirt worden. Das betreffende Ms. ist 
dasselbe, yon welchem Salomon Munk, Melanges p. 170 ff., spricht 
und welches auch Dr. J. Guttmann, dem Verfasser der neuesten 
Monographie fiber Salomo ibn Gabirol, in einer Abschrift yorge- 
legen hat. (Vgl. Guttmann, die Philosophie d. Sal. ibn Gabirol p. 12 ff). 



In London bat sich eine Anzahl yon Freunden der jtidischen 
Wissenschaft yereinigt, um die erforderlichen Kosten fiir die Druck- 
legung des handschriftlichen Midrasch ha-Gadol aufizubringen. 
Herr Salomon Schechter hat die Bearbeitung dieses wichtigen, 
aus Jemen stammenden Jalkuts zum Pentateuch ubemommen, Durch 



— 96 — 

die kritische Heraasgabej^des Abotb de Rab Nathan (London 1887) hat 
Herr Schechter seine Befahigung znr Herausgabe dieses Werkes 
YoUkommen erwiesen. 



Wie mich Dr. Ziemlich in Niiinberg anfinerksam macht, er- 
geben die drei Abs&tze des 6. Klageliedes, welches ich im 8. Sam- 
mdbande des Mekize-Nirdamim-Vereins mitgetheilt habe (S. 17—21) 
in den AnfUngen den Namen nvD nnd die 8 ersten W5rter im 
yierten Absatze die Bezeichnong \7\d (^tw^ pMn hi). 



Abraham ibn Esra fUhrt in seinem Commentar zn Jesaja 1,80 
das alphabetische Silndenbekenntniss («ni) mit den Worten noMatif 
fjnip uvp nnnn an. Es scheint, dass ibn Esra als den Yerfasser 
Saadia Gaon annimmt; ygl Rappoport in der Biographie Saadia's 
No. 80. Ibn Esra hatte sonst hnndert Beispiele aus der heiligen 
Schrift anfuhren konnen, aber er zieht diese Stelle yor, weil es 
gates Hebr&isch yon Saadia ist. Dieses Gitat ist auch Beweis, dass 
ibn Esra nnd seine Zeitgenossen ^^{(^p, im Kal und nicht ^yt^py 

wie bei nns gelesen haben. Das Fiel ^J^t^p wiirde einen yollen 

Accnsatiy regieren nnd nicht fiir die adyerbiale Wendnng beweisen. 
Anch wiirde derVerf.Hiphil, wie in der Schrift n»pn, und nichtPiel ge- 
wShlt haben. Er hat aber Kal gewahlt, nach der Form ^'^^y ntt^p- — 



In einer Handschrift der Yaticana, welche yiele niSiSD, sympa- 
thetische Mittel, beschreibt, wird anch fiir den Prediger, nm bei 
den Znhdrem Gefallen znfinden, empfohlen: Er nehme in Gedanken 
den Gottesnamen, der sich ans den Anfangen in den Worten des 
Schriftyerses onas Sa vc nnai iB^a b»d» 'H nana ergiebt nnd wieder- 
hole diesen Spmch yor dem Beginne der Predigt — es sei dies 
ein ganz probates Jilittel! 



Zn ^a«Sa oben S. 58 ist anf Steinschneider: Catalog Bodleiana 
p. 1158 zn yerweisen, wo «a^^;) nnd nhn als Stammnamen erscheinen. 
Was das Wort selbst betrifft, so theilt mir Dr. Steinschneider anf 
meine Anfrage mit, dass T s c h e 1 e b i bei den THrken eigentlich : Herr, 
yornehmer Herr, insbesondere der Griechen oder Enropfter, heisst. 
Diese Bedentnng des Wortes ergiebt sich aus Zenker's Diet tnrco- 
arabe-persan (Leipzig 1866) I, 868. 



Der achtandseehzlgfiite Pfiialm 

nach Abfassungszeit und geschichtlichem Inhalt 

erkl^rt yon 
Benzion Bebrend. 



Erste Abtheilung. Abfassungszeit. 

Kaum ein zweiter Psalm unter den historischen Psalmen 
bietet bekanntlich in Hinsicht der Bestimmung der Zeit, in 
welcher er verfasst wurde, soviel Schwierigkeiten, wie der 
Psahn 68, obgleich derselbe gar viele, fast offenliegende 
Merkmale in sich birgt, aus denen die treibende Kraft zur 
Abfassung und die Zeit selbst, in welcher sicher und be- 
stimmt dieselbe erfolgt ist, sich erkennen lassen. Wenn 
dessenungeachtet die Forschung auf biblischem Gebiete bei 
diesem Objekte lauter Misserfolge zu verzeichnen hat — 
leicht merklich an den Verschiedenheiten der Ansichten 
liber Abfassungszeit und Inhalt, und erkennbar an dem 
Verwerfen bisheriger und Begriinden neuer aus dem Psalm 
selbst hervorgeholter Gesichtspunkte — so diiifte der 
Grund darin zu suchen und zu finden sein, dass der Ideen- 
gang des Dichters weniger als Mittheilung thatsachlicher 
Ereignisse genommen, beurtheilt und behandelt wird, als 
vielmehr das Reale in dem Psalm idealisirt, die historische 
Mittheilung als Redefigur nach wie vor dargestellt wird. 
Femer sind zumeist die schonen Bilder des Psalms — 
obgleich nicht zu verkennen ist, dass sie geschichtliche Er- 
eignisse andeuten und zum Untergrunde haben — zum 
grossen Theil von ihrer RathseUiaftigkeit noch nicht befreit 
und klar gestellt, sie werden daher fort und fort beliebig 
gedeutet, idealisirt, oder in herkommlicher Weise erklart 

Msguin, Heft II, 1880. 7 



Jifc 



— 98 — 

mitunter auch aus Nothbehelf durch beliebige und un- 
nothige Aendemngen des Textes, die nachweislioh proponirt 
sind, weil der wirkliche Inhalt des einen oder anderpn 
Verses nicht erkannt worden ist. 

Kein Wunder, dass das Eesultat, nach griindlicher 
Priifung und Beurtheilung der verschiedenen Zeitbestimmun- 
gen und nach Aufwerfimg der Frage wann dieses geistes- 
gewaltige in seiner Art formvollendete Lied gedichtet 
worden, ein ganz unbefriedigendes, fast einer Resignation 
ahnlich ist, dahin lautend: „Die Beantwortung dieser Frage 
wird auch demjenigen, der den Sinn der einzebien Verse 
und den Gedankengang mit einiger Klarheit und Sicherheit 
erfasst zu haben glaubt, noch immer mehr oder weniger 
schwer fallen, und man wird sich bescheiden miissen, die- 
jenige Annahme darzulegen, die am meisten Wahrscheinlich- 
keit hat".i) 

Hiemach ist unverkennbar anheimgegeben, lediglich 
wiederum zu priifen und je nach eigenem Ermessen sich 
for die eine oder andere der bereits von der Forschung 
thunlichst begriindeten Abfassungszeit und zwar fiir die- 
jenige Zeit zu entscheiden, welche die meiste Wahr- 
scheinlichkeit hat. Bis zur abschliessenden Gewissheit also 
hat es in dieser Hinsicht die Forschung bisher noch nicht 
zu bringen vermocht, und wie es scheint aus dem Grunde, 
weil eben der Sinn der einzelnen dunklen Verse nach ihrem 
wirkHchen Inhalte noch nicht dargelegt worden ist. 

Um diese Verse klarzustellen und zum Verstandniss 
zu bringen und um zu einem sichem Resultate namentlich 
in Hinsicht der Fixirung der Abfassungszeit des Psalms zu 
gelangen, diirfte es vor allem erspriesslich sein, diese Verse 
aus dem engen Rahmen der hergebrachten und gleichsam 
stereotypen Auffassung, Beurtheilung und Erklarung zu be- 
freien und in einem anderen als in dem bisherigen Lichte 



^) Der 68. Psalm mit besonderer Mcksicht auf seine alten 
Uebersetzer und neueren Ausleger, erklart von Dr. Julius Grill 
190. Tubingen, 1883 Lauppscbe Bucbhandlimg. 



— 99 — 

zu betrachten, so dass das Ergebniss der Klarstellung die 
Handhabe zu bieten geeignet sein durfte, nicht bios die 
Abfassungszeit zu bestimmen, sondem auch den wahren 
geschichtlichen Inhalt des Psalmes zu zeigen. 

Die letzte Schwierigkeit des Psalmes wird in Vers 34 
gefunden. Und um dessen Inhalt einigermassen verstandUch 
zu macben, wurde, die von sammtlichen Auslegem recipirte 
Deutung voraussetzend, von Hupfeld die von einigen anderen 
gebilligte Konjektur proponirt, das den V. 33 abschliesgende 
rho in iSd zu andern, dem V. 34 vorzusetzen und wie V. 5 
aDiS iSd zu lesen. 

Abgesehen davon, dass diese Aenderung und Anfiigung 
darum kaum denkbar ist, „weil dem, der im Himmel 
einherfahrt, nicht Weg gebahnt werden kann'' (Hitzig), so 
drangt sich ausserdem die Frage von selbst auf, ob hier- 
durch fiir das Verstandniss und die Klarstellung des Verses 
etwas gewonnen wird. Vergleicht man den Inhalt beider 
Verse miteinander, so gelangt man zu der Wahmehmung, 
dass das Ergebniss des Vergleiches ganz verschieden ist. 
Wahrend in V. 5 deswegen anempfohlen wird, nicht etwa, 
wie zwar allgemein erklart wird, Gott in der Wiiste Weg 
zu bahnen, sondem Gott in gesteigertem Grade zu lob- 
preisen, einmal weil in „ Jah'' sein Name und hauptsachlich, 
well er noch, nach V. 6, Vater der Waisen und Eichter 
der Wittwen ist, wird bei AnJRigung von iSo zu Vers 34 
aufgefordert, Gott deswegen in gesteigertem Grade zu 
preisen, weil er nach dem zweiten Verstheil „Mit seiner 
Stimme eine Stimme der Macht giebt", Man wird wohl 
zugestehen miissen, dass im Vergleich zu Vers 5 die An- 
nahme ziemlich prekar und nicht minder bedenklich ist, 
33nS in Vers 34, selbst wenn dem Verse ein iSd angefiigt 
wird, auf Gott zu beziehen und ihn deswegen zu preisen, 
weil er mit seiner Stimme eine Machtstimme giebt. Auf 
wen soil diese Machtstimme, sei es zum Guten oder zum 
Bosen, von Einfluss sein? Ist etwa darunter die in V. 35 
anempfohlene Lobpreisung, ausgedriickt durch ry, zu ver- 



— 100 — 

stehen? In diesem Falle Tware die Gnadenverleihimg in 
die^sem Verse lediglich durch rv Sip, wie an primarer Stelle, 
kennbar. Oder soil damit etwa eine Drohung bekundet 
werden gegen diejenigen, die Gott nicht in gesteigertem 
Grade mit machtiger Stimme preisen, oder laut allgemeiner 
Erklarung des Wortes iSd gar die, welche nicht den Weg 
bahnen fiir den, der im Urwelthimmel waltet? In diesem 
FaUe drangt sich die Frage von selbst auf, wem die Be- 
drohung gelten soil. Etwa den Volkem der Erde, die in 
Vers 33 aufgefordert sind, Gott zu preisen? Das scheint 
nicht der Absicht des Dichters zu entsprechen, denn den 
Volkem wd bios anempfohlen, „Elohin'^ anzuerkennen und 
anzubeten, aber nicht den, der lediglich im Urwelthimmel 
waltet. Andrerseits bietet der Vers 35 den klaren Beweis, 
dass es dem Dichter nicht allein um die Anbetung Gottes 
zu thun ist, sondern speciell um die Anbetung des „Elohin", 
der iiber Israel nnd dessen AUmacht in den Wolkenhohen 
waltet, und zugleich auch auf Erden vom Heiligthum aus 
regiert und seine AUmacht walten lasst (V. 36). Es 
scheint sonach der Vers 35 einen Protest gegen den Inhalt 
des V. 34 zu enthalten. Dieser Vers erheischt deshalb 
eine andere Deutung, als die bisherige. 

Von diesem Gesichtspunkte aus diirfte man zu der 
Behauptung berechtigt sein, dass, solange unter '»att^3 331 
Dip ""Ott^ Gottes Waltung verstanden wird, der Vers 34 
schwerlich in Einklang mit den neben befindlichen Versen 
derart zu bringen ist, dass er als integrirender Theil desGanzen 
erkannt wiirde. Zugestanden kann zwar werden, dass 331 
in Verbindung mit Himmel oder Wolken in der Bibel die 
Waltung Gottes bildlich darstellt und dass der erste Theil 
des V. 34, nicht bios an Deut. 33, 36 u. 37 erinnert, 
sondern sogar eine Entlehnung aus diesen Stellen sein 
kann. Trotzdem aber liegt die zwingende Nothwendigkeit 
nicht vor, unter tnp ^ar ^0tt^3 33lS Gottes Walten und 
Thronen im Himmel verstehen zu miissen. Denn an den 
SteUen wo 331 sonst vorkommt, ist leicht zu erkennen, 



— 101 — 

dass dieses Verbum ein wesentliches Attribut Gottes in- 
volvirt, was an unserer Stelle weniger der Fall, selbst 
wenn iSo dem Vers vorangestellt wird. Kaum ist es nothig, 
darauf hinzuweisen, dass der Name Gottes weder im ersten 
noch im zweiten TheU des V. 34 vorzufinden ist, und dass 
kein Gnmd vorliegt, besonders im ersten Theil die Waltung 
Gottes zu erkennen. Und dass der zweite VerstheU: 
„Siehe, er giebt mit seiner Stimme eine Machtstiname", 
sich auf Gott beziehe, ist nicht bios fragHch, sondem 
ganzlich in Abrede zu steUen. 

Zmiachst ist darauf hinzuweisen, dass ein wesentlicher 
Unterschied vorzuwalten scheint zwischen CDtt^ 331 Deut 
33, 36, wo die Waltung Gottes in dem unbegrenzten 
Himmel, also „dessen Ueberallsein" bekundet ist, oder 
Jes. 19,1, wo die Allgegenwart Gottes hervorgehoben ist 
und ^ow 33iS, wo durch 3 loc. eine Begrenzung, ein inner- 
halbliches Verhaltniss in, an, am, ein Schweben am 
Himmel angedeutet ist. Etwa auf msiys im V. 5 zu 
verweisen, um die eben gezeigte Differenz als irrelevant zu 
entkraften, ist aus dem einfachen Grunde unthunlich, weU 
dort unverkennbar von Gott, Elohin und Jah die Rede ist, 
was hier nicht der Fall. Ausserdem wird man durch die 
Begrenzung, die in dem Worte angedeutet ist, darauf ge- 
ffihrt, unter ni3iy3 nicht Waltung in Steppen, sondefn in 
„Seligkeiten" — von ynf angenehm, liebhch (Jer. 6,20 u. 
a. 0.) zu verstehen. Man wird also das Unterscheidungs- 
merkmal als solches in dem Sinne aufzufassen haben, 
dass unter Dip ^ar3 33lS ein am Hinamel schwebender 
Korper und im begrenzten Sinne die Sonne zu verstehen 
sei, die als syrischer Baal zu jener Zeit ein Gegenstand 
der abgottischen Anbetung gewesen war und die seit der 
Zeit der Schopftmg durch einen „Werdespruch" an dem 
Urwelthimmel, dem Dip ^Dtt^, sich befindet. 

Unterstiitzt wird diese Erklarung des ersten Theiles 
durch den zweiten Versiheil, auf den wir nun eingehender 
zu sprechen kommen. Dieser zweite Theil lautet in wort- 



— 102 — 

licher wie inhaltlicher Uebersetzimg: Siehe, er giebt mit 
seiner Stimine, eine Stimme der Macht; oder in freierer 
Uebersetzung: Sieh', erhebet er seine Stimme, ist seine 
Stimme gewaltig. Auf wen diese Machtstimme bezogen 
werden mid einwirken soil, ob sie, wie Psalm 29,3 fiF. von 
Gott ausgehend angenommen wird, ist nicht angegeben. 
Dahingegen nimmt man aus dem Inhalt des V. 35 
wahr, dass vom Dichter Entgegengesetztes von dem 
•Voranstehenden gewiinscht wird, namlich: „Gebt Macht 
— im Gebet — dem Elohim, der iiber Israel". Da hier 
miter ry einzig imd allein Lobpreisimg Gottes aus iiber- 
zeugtem, tiefem Herzen zu verstehen ist, so kann miter 
ry Sip in V. 34 nur Anbetung in gesteigertem Grade ver- 
standen werden, namlich Gebet mit starker, machtiger 
Stimme, allerdings geweiht dem, der am Urwelthimmel 
schwebt 3DiS. Auch ist davon Akt zu nehmen, dass der 
Dichter einen wesentlichen Unterschied macht zwischen ry 
Lobpreisimg, die Gott gewidmet, wie Ps. 29,1 ryi 1133, in 
V. 35 durch dmS«S ry I3n, und rv *?ip Stimme der Macht 
in V. 34, so dass er eben durch die Beifiigung von Sip 
auf eine abgottische Anbetung hinweisen will. Denn die 
Anbetung des goldenen Kalbes wird Exod. 32,18 durch 
?ni3: may Sip und namentlich die Anbetung des Baal eben- 
falls durch Sip kennbar gemacht, wobei noch ein besonderes 
Merkmal von Bedeutsamkeit, das dem ry in unserm Vers 
entspricht, wahrzunehmen ist. Wir sehen namlich den 
Propheten Elijahu auf dem Berge Oarmel als Gottesstreiter 
einer grossen Zahl Baalspropheten gegeniiber, ihnen nach 
1 Kon. 18,27, zwar spottweise, zurufend, dass sie mit 
starker Stimme ihre Gottheit um Erhorung angehen sollen. 
Und in Wirklichkeit, so wird dort femer V. 28 mitgeteilt, 
schrieen sie mit starker, angestrengter Stimme zu ihrem 
Gotte, aber vergebens. Und diese Art Anbetung ist in 
dem Bericht an beiden angefiihrten Stellen durch Sn: Sip 
kenntlich gemacht. Es ist dies eine Kennzeichnung, die 
bei genauer Erwagung ganz der poetischen Bezeichnung von 



— 103 — 

ry Sip in V. 34 entspricht. Was aber kann der Dichter 
nach dieser Parallelstelluiig unter seiner speciellen Be- 
zeichnung von rp Sip anderes verstanden haben, oder ver- 
standen wissen wollen, ai^ die Anbetung des Baal? Nur 
gemass dieser Auffassung und Erklarung wird von V. 34 
das Dunkel, in welchem die Erklarung ihn bisher gelassen 
hat, beseitigt, ihm bedeutsame Klarheit gegeben und sein 
Inhalt einzig und aUein als Ansprache an diejenigen des 
eigenen Volkes erkannt, welche in ihrer Verblendung 
dem Baalkultus huldigten. Nachdem namlich der Dichter 
die Konigreiche der Erde in V. 33 aufgefordert, »Elohim", 
den alleinigen Gott, anzubeten und somit seinen an das 
Ausland gerichteten Wunsch abgeschlossen, wendet er sich 
in V. 34 an die Baalanbeter im eigenen Volke, ihnen vor- 
haltend mit den Worten; »Zu dem, der da schwebt am 
Urwelthimmel, siehe, erhebt man seine Stimme zur ge- 
waltigen Gebetsstiname", was vergebens, obendrein ver- 
vrerflich und verabscheuungswiirdig ist. — Das hinzu- 
zudenken, iiberlasst der Dichter, gemass seiner bisherigen 
andeutenden Kiirze, dem urtheilenden Leser, wie dem, der 
dieser eitlen Verehrung und Anbetung nachhing. Mit seinen 
folgenden Versen 35 u. 36 versucht er, diese Baalverehrer 
auf den Weg zu Gott zu fuhren, indem er ihnen zuruft: 
„Gebet Preis dem „Elohim", der liber Israel und dessen 
Macht in den Wolkenhohen, der die Welt regiert, und alle 
Wesen, so auf Erden wie am Himmel beherrscht. Nur 
ihm allein gebuhrt Verehrung und Anbetung, und er ist's, 
der den Abfall und die Abgotterei bestraft, denn: „Furchtbar 
„Elohim" bist du von Deinen Heiligthiimem aus; Gott 
Israels! Er allein ist's, der Macht und Starke giebt seinem 
gesammten Volke. Gepriesen sei „Elohim**. 

In Voraussetzung, dass die gegebene Erklarung des 
dunkeln V. 34 als zutreffend erachtet wird, kann die Be- 
antwortung der Frage nach der Abfessungszeit des Psalms 
mit Sicherheit entschieden werden. Die aus Babylon Zuriick- 
kehrenden zogen in die Heimath ihrer Vater ein mit der 



— 104 — 

festen Ueberzeugung von der Waltung des einig einzigeii 
Gottes, und in dieser gelauterten Ueberzeugung verblieben 
gleich ihnen ihre Nachkommen. Eine Hinneigung und Ab- 
irrung zu den abgottischen Kulten der umwohnenden Volker 
fand bekanntlich nicht mehr statt. Und so gab es fiir 
einen Psalmendichter keine Veranlassung mehr, vor Ab- 
gotterei, besonders vor Verehrung und Anbetung des Baal 
zu wamen. Nur in der vorexilischen Zeit hiiben imd 
driiben, selbst noch zur Zeit des frommen Konigs Joschia, 
wurde Abgotterei getrieben. Und da der fromme Dichter 
im V. 34 vor Anbetung des Baal, oder der Sonne, die der 
Werderuf Gottes zur Beleucbtung der Erde an den Himmel 
gegeben, vramt, so kann er seinen Psalm nur in der vor- 
exilischen Zeit gedichtet haben. 

Im Uebrigen ist man auf den einen Beweis, wie sich 
weiter zeigen wird, durchaus nicht beschrankt, denn durch 
V. 31 wird uns sogar eine genaue Zeitbestimmung geboten; 
dieser Vers birgt ein hochwichtiges Ereigniss in seinen 
dunkeln Worten, welches im Buche der Konige ausfuhrlich 
berichtet ist. Um jedoch den Nachweis fiir den inhalt- 
lichen Zusammenhang mit dem Berichte im Konigsbuche 
zu fuhren, ist von den bisherigen mannigfachen Erklarungen 
des Verses abzusehen, da sie sammt und sonders ein befrie- 
digendes Verstandniss desselben nicht zu geben vermochten. 
Zunachst ist von der Annahme, dass unter m n^n iw 
Aegypten zu verstehen sei, aus dem Grunde abzusehen, 
weil nap Rohr, das iiberail an den Ufern von Flussen, 
Seen, Teichen uud Sumpfen anzutreffen ist, nicht specielle 
Bezeichnung dieses Landes und Reiches sein kann. Selbst 
die Stelle Jes. 19,6, auf welche verwiesen wird, beweist 
bios, dass ausser Schilf und Tang, ^id genannt, auch in 
den Festungsgraben ^Rohr'^ vorfindlich war. Und pn r\:p 
Jes. 36,6, worauf ebenfalls verwiesen wird, ist im AU- 
gemeinen eine Bezeichnung der Schwache und konnte, wie 
dieser Stelle auf Aegypten, erforderlichen Falles auf 
andere machtlose Reich angewendet werden. Nur 



— 105 — 

«)1D und hauptsachlich i«^, das ursprunglich ein agyptisches 
Wort ist, sind, wie das Krokodil (p)n, p^lS), die jedoch 
iD dem Vers nicht erwahnt sind, symbolische Bezeichnimgen 
fur Aegypten. 

Ebenso kann unter „Thier des Rohrs" das kriegs- 
lastige persische Reich, dessen Symbol Euphrat und Tigris 
sind, an denen sich gem Lowen aufhalten (Ewald), nicht 
verstanden werden, da in der vorexilischen Zeit, aJs noch 
Fiirsten Sebulon's und Naphtali's im Lande existirten 
(V. 28), dieses Reich als solches noch unbekannt war. 

Nur das eine diirfte ausser allem Zweifel sein, dass 
mit nap ein Fluss gemeint und unter iTn ein Regent zu 
verstehen sei, dem in Folge seiner iiberaus brutalen und 
verabscheuungswiirdigen Handlung, die er an einem Flusse 
vollfiihrt, das Epitheton „Thier" beigelegt ist, und dass 
auch die ihm nahe stehenden Oberen und reich begiiterten 
Besitzer verwerfliche Personen gewesen sein mussen, die 
zu bedrohen, ebenso wie den Herm, anempfohlen war, daher 
ihre Bezeichnang: Verwerfliche Rotte crT3« my*). Und 
von keinem der regierenden Konige, weder Juda's, noch 
Israel's, ist eine derartig grausenerregende Handlung 
veriibt worden, wie die 2 Kon. 15,16 von Menachem, 
Konig von Israel, berichtete, der bei der Eroberung von 
Tiphsach in thierischer Weise selbst die Frucht im 
Mutterleibe nicht verschont hat, was der Erzahler ge- 
flissentlich durch ypa »Tnmn Sa n« anmerkt. 

Dieser geschichtlich feststehende Vorgang erfordert, 
um dessen Zusammenhang mit dem Inhalt des V. 31 
evident nachzuweisen, zunachst eine langere Besprechung 
behufs Feststellung, welche Stadt unter Tiphsach zu ver- 
stehen sei. 

Berichtet ist: Menachem ben Gadi aus Tirza zog 
hinauf, kam nach Schomron, todtete dort den Schallum 
ben Jabesch und regierte an dessen Stelle. Die Frage, 



1) Gleich Num. 27, 3 nnp-nny und 22, 17 o^r'io mj^. 



— 106 — 

woher, aus welcher Stadt oder Gegend Menachem mit 
seinem bewaffneten Anhang gekommon, urn seinen Anschlag 
auszufuhren, hat die Geschichtsschreibung verschieden und 
von einander abweichend beantwortet. Ewald (Geschichte 
III S. 305) stellt den geschichtlichen Hergang wie folgt 
dar: „Dieser (Menachem) zog von seiner Vaterstadt (Tirza) 
aus mit einem grossen Heere gegen Samarien, musste aber 
unterwegs das Gebiet der von jener nicht weit ab liegwiden 
Stadt Tifsach aufs Grausamste verwusten, weil sie ihm 
ihre Thore verschloss, eroberte jedoch endlich diese Stadt 
und behandelte sie wie der roheste Feind. Dann Samarien 
einnehmend und Schallum todtend, behauptete er sich in 
der Herrschaft." Diese Darstellung des geschichtlichen 
Vorganges scheint jedoch nicht der Quelle entsprechend zu 
sein. Denn einmal hat laut dem Bericht in 2. Eon. 15 
die Todtang Schallum's von Seiten Menachem's vor der 
Eroberung Tiphsach's stattgefunden. Der Erzahler bekundet 
dieses Verhaltniss V. 16 durch das bedeutsame Zeitad- 
verbium ttc, „dann", nachdem namlich die That voUbracht 
war und Menachem sich die Regierung angeeignet, eroberte 
er Tiphsach. Zweitens kann von einem Tiphsach in Pa- 
lastina darum keine Rede sein, da nirgends mitgetheilt 
ist^ dass es je eine Stadt dieses Namens im Gebiete des 
Zehnstammereiches gegeben habe. Und drittens ist es 
nicht denkbar, dass Menachem, der es auf die Einnahme 
der Hauptstadt und auf die Unschadlichmachung des Usur- 
pators SchaUum abgesehen hatte, sich wahrend seines 
Zuges dahin mit der vorherigen Eroberung der renitenten 
Stadt Namens Tiphsach langere Zeit beschaftigt haben 
wird. Menachem konnte, da er, nach Ewald, sich in Thirza 
befand, von da aus nur durch schnelles Handeln und durch 
Ueberrumpelung der Hauptstadt seinen Atischlag ausfiihren 
und wird es sicherlich vermieden haben, sich vorerst unter- 
wegs mit einer Stadt, die den Einlass ihm verweigerte? 
langere Zeit zu befassen, um sie zu erobern, schon darum 
nicht, weil er befiirchten musste, dass Schallum davon 



— 107 — 

Kunde erhalten und Vorkehrungen zu seinem und der 
Hauptstadt Schutz treflfen und ihm den Einlass verweigem 
werde. 

Anders lautet die geschichtliche Darstellung des Er- 
eignisses bei Gratz^). Nach dieser war Menachem ein 
Bewohner Tirza's, der gegen Samaria zog „iind die Haupt- 
stadt liess ihn und seine Mitverschworenen ohne Wider- 
stand ein". Jedoch „mochten sich ihm andere Stadte nicht 
sofort ergeben. Ganz besonders setzte sich die Stadt 
Tipsach (Tapuach), ostlich') von Thirza zur Wehr und 
verschloss die Thore". — In einer Anmerkung wird hierzu 
noch erlautert: „ Tipsach ist Tapsakus am Euphrat, diese 
Stadt kann hier nicht gemeint sein. Eine Stadt dieses 
Namens im Zehnstammereiche gab es aber nicht. Man 
muss wohl dafiir mit Thenius und Anderen men lesen". 

Richtig ist allerdings, dass unter rnnno im V. 14 der 
Wohnort Menachem's zu verstehen sei. Nur mfisste man 
im Original bericht eine Liicke, das Pehlen der Mittheilung, 
von wo aus Menachem seinen Zug nach Samaria unter- 
nommen, voraussetzen, zumal das verbum Syi das Kommen 
aus einer ebenen Gegend, einer Niederung in ein gebirgiges 
Land anzeigt. Thirza kann keinesfalls der Ausgangspunkt 
Menachem's gewesen sein, weil diese Stadt nach Angabe von 
Reisenden') selbst auf einem betrachtlich hohen Berg ostlich 
von Samaria belegen war. Hiemach durfte der geschicht- 
liche Vorgang wie folgt darzustellen sein: Jerobeam IL, 
der, wie spater gezeigt werden wird, erst in seinem hohen 
Alter Hamath und Damaskus erobert hatte (2. Kon. 14,28), 
musste darauf bedacht sein, auch in den Besitz von 



>) Geschichte der Israeliten U. erste Halfte S. 100. 

'j Die Lage Tapuach's kann nicht 5stlich yon Thirza, sondem 
nordwestlich, ziemlich weit ab yon dieser Stadt, an dem Fluss 
Eana nnweit des Mittelmeeres belegen (Jos. 16, 8. 17, 8, 9,) ge- 
wesen sein. 

8) Winer Keal W(5rtb. Art. Thirza. Nach Robinson Neueste 
Bibl. Eorschnngen S. 896 ff. das heutige Talluzah. 



— 108 — 

Tapsakus zu gelangen, um durch den Euphrat eine natiir- 
liche Grenze seines nun sehr ausgedehnten Eeiches zu 
haben. Mit einer Heeresmacht wurde der Peldherr Me- 
nachem entsendet mit dem Auftrage, in moglichst scho- 
nenderWeise in den Besitz dieser Grenzfeste zu gelangen* 
Da eine freiwillige Uebergabe verweigert wurde, so wurde 
zur Belagerung geschritten, die jedoch von geringem Einfluss 
auf die Einwohner der Veste gewesen zu sein scheint, da 
die Bewohner ausserhalb derselben von Nah und Fern, sie 
von der Wasserseite nait Lebensmitteln und sonstigen Be- 
durfnissen versahen. Jerobeam starb inzwischen und sein 
Sohn Zacharia nabm den Thron seines Vaters ein. 

Menachem diente diesem letzten Jehuiden ebenso treu, 
wie er dessen Vater gedient, und blieb mit seinem Heere 
vor Tipsach, ohne besonders merkbare Fortschritte in seiner 
Aufgabe zu machen. Wie viel Zeit, ja Jahre erforderlich 
waren zu jener Zeit, um eine befestigte Stadt zu erobem, 
ist 2. Kon. 17,5 zu ersehen, wo es heisst, dass die Assyrer 
drei Jahre die befestigte Hauptstadt Samaria belagerten, 
bevor sie dieselbe, wahrscheinlich durch Aushungerung, 
einzunehmen vermochten. Und Thapsakus litt, wie er- 
wahnt, am Proviant keinen Mangel. Da traf die Kunde 
von Zacharias' Ermordung durch Schallum und dessen An- 
eignung des erledigten Thrones ein. In seiner Entriistung 
brach Menachem die Belagerung sofort ab, zog mit seinem 
Heere hinauf ins gebirgige Vaterland (^jn) und nach 
Samaria, todtete den Thronrauber Schallum, und da kein 
Nachkomme Jerobeam's mehr am Leben^) und ihm das 
Heer ergeben war, so eignete er sich den erledigten 
Thron an. Dann, und vielleicht erst nach einigen Jahren, 
zog er wieder hinab gegen Tipsach und erzwang die Ein- 
nahme dieser Feste mit Sturm. Menachem mochte Kunde 
davon erhalten haben, dass Phul von Hamath und Damaskus 
mit einem grossen Heere herbei gerufen worden sei und 



>) Gratz Geschichte II erste Halfte S. 99 zweite Anmerkong. 



- 109 — 

dass dessen Eriegszug ihm allein gelte, daber die Er- 
stiirmung und Vernichtung jedes menschlichen Wesens iu 
und um Tipsach, wobei selbst die Fracht im Mutterschosse 
nicht verschont wurde. Und diese thierische Handlangs- 
weise geschah, damit dem heranriickenden Feinde keine 
Hilfe beim Uebersetzen iiber den Euphrat, was zu ver- 
hindern Menachem entschlossen war, geleistet werden konne. 
— Der Psalmist scheint absichtlich sich des Ausdrucks 
nap bedient zu haben, um die Lage Tipsach-Tapsakus an 
dem Ufer des Flusses Euphrat und naher und bestimmter 
noch: an dieses Flusses Rohricht anzudeuten und dadurch 
naher zu bezeichnen. 

Auch die Verlegung des grausenerregenden Ereignisses 
nach Tapuach wiirde den Zusammenhang der Psalmstelle 
mit dem Bericht im Buche der Konige ebenfalls nicht in 
Frage stellen, denselben vielmehr bestatigen und be- 
kraftigen. Denn nach Jos. 16,8 war die Lage der Stadt 
Tapuach an der Nordseite des Flusses Kana, und da kein 
begriindeter Unterschied zwischen r\ypj dem Namen des 
Baches, und r\yp = Rohr, geltend zu machen ist, so diirfte 
die Annahme berechtigt sein, dass der Psalmist die Stadt, 
in welcher das Blutbad stattgefunden, um sie vermoge 
ihrer Lage kenntlich zu machen, durch Kana treffend be- 
zeichnet hat. 

Bei Aufwerfung der Frage jedoch, welche von den beiden 
genannten Stadten Menachem heimgesucht und erstiirmt 
hat, wobei deren Bewohner bis auf die Frucht im Mutter- 
schosse vertilgt worden sind, wird man sich wohl fiir 
Tipsach-Tapsakus zu entscheiden haben, Einmal weil 
Tipsach im Berichte sich bereits vorfindet und seit David 
bekannt ist, und weil eine zwingende Nothwendigkeit nicht 
vorliegt, daraus erst Tapuach zu prapariren. Zweitens ist 
kaum denkbar, dass, nachdem Menachem die Hauptstadt 
und den Thron sich gewaltsam angeeignet hatte, die un- 
bedeutende Stadt Tapuach gegen den Usurpator sich auf- 
gelehnt und ihm Gehorsam und Einlass beharrlich ver- 



— 110 — 

weigert haben wird. Wie gross und intensiv zu jener Zeit 

die Furcht war und wie lahmend selbst auf die Bewohner 

der Hauptstadt das Machtwort eines Thronraubers wirkte, 

sehen wir aus dem Bericht 2. Kon. 10,1 — 7, wo sich 

sammtliche behordliche Personen dem grausigen Befehle 

Jehu's fugten und denselben ohne Versuch eines Wider- 

spruchs vollzogen haben. Umsoweniger ist anzunehmen, 

dass die Provinzialstadt Tapuach sich herausgenommen 

haben wird, gegen den Machthaber bebarrlich renitent zu 

sein. Und drittens ist die Vertilgung der Bewohner im 

Vorlande gleich denen der Stadt Tapuach, was der Bericht 

durch itSisj hhi anmerkt, nicht denkbar, da diese sich 

einer Widersetzlichkeit schuldig zu machen schweriich ge- 

wagt haben, denn auch die Furcht vor Bestrafung und 

Ziichtigung erzeugt friodliches Verhalten und Unterwurfig- 

keit. Und obgleich geschichtlich als Wiitherich gebrand- 

markt, wird Menachem dennoch nicht Insassen seines 

Reiches aus purer Mordlust hingeschlachtet haben, Da- 

hingegen war es fiir ihn eine Nothwendigkeit, die im 

Weichbilde von Tapsakus befindlichen Bewohner deswegen 

unschadlich zu machen, um ungehindert und mit Nach- 

druck das heranriickende assyrische Heer am Uebersetzen 

iiber den Euphrat verhindern zu konnen, das sonst, wie 

zu vermuthen war, von der in der Euphratgegend woh- 

nenden aramaisch gesinnten Bevolkerungbereitwillighierbei 

unterstiitzt worden ware. Menachem's grausiges Verfahren 

in und um Tipsach geschah jedenfalls der eigenen Wohl- 

fahrt und Sicherheit wegen, aber seine Hinmordung ohne 

Riicksichtnahme und ohne Schonung, das war's, was dem 

Dichter Veranlassung gab, ihn als reissendes Thier des 

Euphrathrohrichts zu brandmarken. 

Trotz dieser Menschenvertilgung und thierischen Hin- 
mordung vermochte Menachem den Feind von seinem Lande 
nicht fern zu halten. Der assyrische Konig Phul iiber- 
schwenamte mit einem grossenHeere plotziich die israelitischen 
Gebiete. »Von Hamath und Damaskus aus bewegte sich 



— Ill — 

das assyrische Heer, das aus viel Reiterei und Kriegswagen 
bestand, wohl zuerst an der Ostjordanseite, iiberfiel die 
gileaditischen Stadte, machte die Bewohner zu Gefangenen, 
die nicht die Flucht ergriffen hatten, und pliinderte deren 
Habe. Dann setzten die Assyrer iiber den Jordan und ver- 
fuhren auf dieselbe Weise in den Landstrichen Zebulon und 
Naphtali* (Jes. 8,21)*). Menachem, einsehend, dass er 
mit seiner Kriegsmacht diesem grossen Heere gegeniiber 
nichts auszurichten vermoge, beeilte sich zu unterhandeln, 
den Frieden zu erbitten, seine Bestatigung als Regent und 
den Schutz Phuls fur die ungeheure Summe von tausend 
Kikhar Silber (etwa 1,000,000 Mk.) zu erkaufen. Ueber 
die Art und Weise der Aufbringung dieser ungeheuren 
Summe wird 2. Kon. 15, 20 wie folgt berichtet: »Me- 
nachem, den koniglichen Schatz wohl verschonend, belastete 
mit der Aufbringung das Volk Israel Stntt^ Sv; jeder Be- 
sitzende hatte funfeig Schekel zu zahlen h^'n ma:) Sd Sy"'), 
und da diese in Folge ihres Reichthums an Land und 
Heerden die Machtigen waren, so erpressten sie iiber- 
massige Beisteuer von den Minderbegiiterten, und derart 
wurde das gesammte Volk, das Menachem diesen Mach- 
tigen iiberliefert hatte, in erdruckende Contribution gesetzt. 
»Zieht hin auf die Berge Schomrons, dort gewahrt ihr viel 
Verwirrung und Bedriickungen; nicht verstehen mehr das 
Rechte zu thun, die Schatze haufen in ihren Palasten von 
Raub und Pliinderung* (Amos 3, 9. 10). 

Das Bild, welches der Prophet von den Grossen und 
Machtigen im nordischen Reiche den Minderbegiiterten 
gegeniiber entwirft, kam sicherlich zur Auspragung, als 



Gratz Geschichte na. S. 211. 

') Die reichen Gmnd- und Herdenbeaitzer werden hier wohj 
deswegen als S^n nu;; bezdchnet, well sie in Kriegszeiten die An - 
fUhrer ihrer Knechte und Hirten waren. In Friedenszeiten waren 
sie in ihrer Gegend diirch ihr Dienstpersonal die Machtigen, die 
ihre Macht znm Oefteren zu Ungerechtigkeit, Willklir und Be- 
driicknng missbraucht haben^ 



— 112 — 

jedem dieser Machtigen zur Zeit der Nothlage eine Beisteuer 
von 50 Talenten auferlegt worden war. 

Die geschichtlichen Ereignisse also, wie sie 2. Kon. 
14,16 — 20 mitgetheilt sind, schildert der Psalmist in V. 31 
in knapper Ausdrucksweise und in kiinstlich bUdlicher Dar- 
stellung, wovon fast jedes klargestellte Wort eine einzelne 
Begebenheit jener Ereignisse zum Inhalt hat. 

In Folge der thierischen Handlungsweise des Konigs 
Menachem bei der Erstiirmung Tipsach's, brandmarkt er 
ihn durch das Epitheton nap n'^n. Die Machtigen des 
Reiches, die Sm '•na:, von denen jeder 50 Talente 
Silber fiir Phul beizusteuem hatte, diese Beitrage aber, 
sich selbst verschonend, von den Unbemittelten gewalt- 
sam beitreiben liess, bezeichnet der Dichter treffend 
durch D'"'i3» my. Und um keinen Zweifel dariiber vor- 
walten zu lassen, welcher Nation der Konig und die „Rotte 
der Machtigen" zugehorig waren und in welchem Lande 
sie mit grenzenloser Willkiir gewaltet haben, kennzeichnet 
der Dichter sie in zutreffender, bezeichnender und hochst 
gelungener Weise durch D^DJ? '•Sjy. Dieses ebenso wie „das 
Thier des Rohricht", vielgedeutete Rathsel, das die Aus- 
leger zu eigenartigen Erklarungen gefiihrt hat und zwar, 
dass unter ^Kalber junge, wilde Thiere in zuchtloser FiiUe 
zu verstehen seien" (Reuss), oder „dass in den d'»T3» und 
u'^h^iy der Gegensatz trotziger Selbstzuversicht und wohl- 
habiger Sicherheit zu erkennen sei" (Delitzsch), oder 
dass, wie Andere diesen gordischen Knoten losen wollen, 
D^oy '•Syao, „welche Volker verachtlich behandeln", statt 
"hm zu lesen sei — dieses Schmerzenskind der Erklarung 
wird erkannt werden, wenn unter D^DV nicht ^Volker" 
verstanden, sondern, wie an vielen poetischen Stellen 
der Schrift so auch hier diesem Worte die Bedeutung 
von „Stamme" gegeben wird.^ Dann ist unter d^dv ''h:v 



1) Targ. tibersetzt bereits o^oy zu 6. Mos. 32,8 u. 33, 3, 19 
durch H»oaw Stamme. Auch uuter d»ov I- Miose 49, 10 wird 



— 113 — 

einzig und allein das nordische Reich zu verstehen und 
kennbar gemacht, in welchem seit Jerobeam I. die von 
diesem in Bethel und Dan aufgestellten goldenen 
Kalber auch noch unter Menachem und spater als Grott- 
heiten angebetet Avurden (2. Kon. 15,18) — das Reich 
Israel also, in welchem der Regent und sein Anhang ver- 
werfliche Handlungen veriibt haben, die der Dichter nach 
Massgabe ihrer Verwerflichkeit treftend gekennzeichnet hat. 
Qioy 'hiV ist sonach eine pragnante Bezeichnung des „in 
dem Kalber dienst verharrenden Zehnstammenreiches". 

Die Richtigkeit der Erklarung des ersten Verstheils 
voraussetzend, wird man nun den folgenden, nicht minder 
dunkeln und schwierigen Theil des Verses, der selbst- 
verstandlich inhaltlich eine Erganzung des ersten Theiles 
enthalten muss, sich klar machen und zum Verstandniss 
bringen konnen. In WirkMchkeit haben zunachst die drei 
Worte rp2 '•3«13 Doino die Schilderung des Gebahrens 
Menachem's und dessen machtigen Anhangs der unbe- 
mittelten und armeren Volksklasse gegeniiber zum Inhalt. 

Das schvrierige und viel gedeutete Wort dcttid liusst 
sich freilich bios durch ,>sich mit Fiissen treten® wieder- 
geben, was jedoch nicht denkbar, ausserdem weder mit 
dem Folgendem noch mit dem Voranstehenden in Enklang 
zu bringen ist. Und dennoch konnte der Dichter, um 
seiner bildlichen Darstellung einen realen Untergrund zu 
geben und die Situation treffend zu kennzeichnen, dies 
nur durch das Wort DDino zum Ausdruck bringen. Denn 
ebenso wie man zu sagen pflegt: »sein Gliick mit Fiissen 
treten", kann diese figiirliche Redeweise auf Ehre, Ansehen, 
Wiirde und Macht angewendet und als personliche Herab- 
wiirdigung bezeichnet werden. Von diesem Gesichtspunkte 
aus betrachtet, ist DonnD eine iiberaus gelungene Be- 



^St&mme" zu verstehen sein. Auch Raschi erklart za V. 81 D^Dy *iTa 
dnrch o^toavn ps nts. Im Uebrigen ist in jedem neueren hebrftischen 
Lexicon dem Wort o^oy in den vorangefOhrten Stellen anch die 
Bedentnng von St&mmen gegeben. 

XAguin, Heft II, 1890. 6 



— 114 — 

zeichnung fur Selbstherabwiirdigung der Reichen und Mach- 
tigen im nordischen Reiche. Sie haben ihre Macht den 
Wehrlosen gegeniiber missbraucht, ihr Ansehen und ihre per- 
sonliche Wirrde besudelt, gleichsam sich selhst mit Fiissen 
getreten ,>durch gewaltsame Gelderpressungen von den Un- 
bemittelten im Reiche^* ppD ^T\2^). So wird man nun 
die Ueberzeugung gewinnen konnen, dass nach dieser Klar- 
stellung des ersten Verstheils die Schilderung des Dichters 
sich in voUer Uebereinstimmung mit dem Bericht im Konigs- 
buche befindet. Und ausser dieser Uebereinstimmung wird 
man in o^DV "^ra eine Erganzung des Berichts zu erkennen 
vermogen, im Hinblick auf die Schilderung in Jes. 8,23, 
wo mitgetheilt ist, dass die beiden Stamme Sebulon und 
Naphtali von den Haschem Phul's ihrer Habe beraubt und 
gefangen fortgefiihrt word en sind. Denn dieses traurige 
Ereigniss scheint der Dichter kund geben zu woUen durch 
ir3, aus welchem der schwache Laut y des Wohllauts 
wegen elidirt zu sein scheint, daher o^oy lyra darunter zu 
verstehen ist*): »von verringerten Stammen^* gewaltsame 
Gelderpressung. 

Man konnte allerdings versucht sein, ohne dem ge- 
schichtlichen Inhalt des Verses eine andere Auffassung imd 
Erklarung geben zu miissen, die Erklarung von -^ra = ire, 
die von alteren Erklarem schon proponirt wurde, fur 



') «si — Abstraktum c*si. — Kimchi z. St. erklart: fvi ww 
trop. bedrncken, gewaltthS.tig behandeln. 5. Mos. 28, 38 und be- 
Bonders Am. 41 D»3va« nissin. 

Anm. der Red. Anch die gewohnliche Erklarung von 'Ui DBinD 
„sich nlederwerfend mit Silberbarren" passt recht gnt auf Menachem 
b. G^adi. 

*) Jes. 41 Sa = S5?a, neiD = ntn^o, nn = mjn, nta = ijna.— 
Eine anffallige Stammbildtmg ist auch V. 17 in pTiin wahrzonehmen, 
dessen Wurzel nvi nach Ansicht der Ausleger arabisch sein soil: 
scheel, neidisch anblicken, nachstellen, — eine Bedeutimg, die dem 
Gesammtinbalt des Verses nicht entspricht. Das Eichtige wird woM 
sein, dass in diesem Verb, eine Bnchstaben&idemng vorgenommeii 
worden ist, des Wohllautes wegen. 



— 115 — 

richtig und entsprechend erachten und diesen Verstheil als 
Erganzungsmittheilung oder als Folge der im ersten Vers- 
theile geschilderten Ereignisse zu halten. Denn in Folge 
der Invasion Phul's total verannt und zur ausgepressten 
Schale einer saftreichen Frucht geworden, mochten im 
nordischen Reiche, una sich einigermassen zu entschadigen, 
sich aufzuhelfen und wieder zu Besitz zu bringen, Raubziige 
in das benachbarte Juda geplant worden und die Kunde 
hiervon nach Jerusalem gelangt sein, und davon, dass nur 
aus Furcht vor dem machtigen Hort und Mehrer seines 
Reiches, dem Konig Usia, der liber ein schlagfertiges Heer 
gebot (2. Chr. 26,13), der Raubzug unterblieben sei. Man 
konnte sogar fur das Vorwalten der Absicht als indirekten Be- 
weis anfiihren, dass bereits zur Zeit, als Amazia, der Vater 
Usia's, mit seinem Heere in Idumaa weilte, von der nordi- 
schen Hauptstadt Samaria aus, ohne Riicksicht auf den Bru- 
derstamm, ein Raubmordzug in's judaische Gebiet thatsach- 
lich stattgefunden habe (2. Chr. 25,13), und dass seit jener 
Zeit sich die beiden Reiche, sei es auch bios in Gesinnung, wie 
geschichtlich nachweisbar, feindlich waren, sodass, wie es 
ungefahr vor ffinfzig Jahren aus Rache geschehen, jetzt 
die totale Verarmung des Landes die Absicht reifen lassen 
konnte, in das benachbarte Reich Juda einen Raubzug aus 
Nothwendigkeit, um sich aufzuhelfen, zu untemehmen. In 
Anbetracht nun, dass a"tp bios in Verbindung mit nonSo 
Krieg, Heer gegen Heer bedeutet (5. Mos. 20,2.3, Job. 
38,33 nonSoT 2y m'3), sonst den Sinn involvirt von feindlich 
nahen, und dass 3ip selbst in sonstigen poetischen SteUen, 
wie Ps. 27,2 und hauptsachlich Ps. 55,19 in "h anpD ein 
UeberfaUen und Bewaltigen des Emzebien von Vielen zu 
erklaren ist; und in Anbetracht ferner, dass }^Dn nicht 
VoUfuhrung, nicht Aktion, sondem bios Absicht, Wunsch 
oder Verlangen bedeutet — so konnte der Sinn und Inhalt 
des Verstheiles mit der Lesart i?c allerdings in Ueber- 
setzung lauten: »Zerstreue die Stamme, die Ueberfalle 
planen* i»&ff» rmy. — Und dennoch wird aus verschiedenen 



— 116 — 

Griinden von der eben gegebenen Erklanmg des Schlusses 
mit der Aenderung *va in ^TD abzusehen sein. Eininal well 
diese Erklanmg lediglich auf Yermathung basirt, die, da 
ohne sonstige geschichtliche Andeutnng, in Zweifel zu ziehen 
ist, wogegen die projektirte Deutung •^ri = iv^i gerecht- 
fertigt ist und begriindet wird durch Jes. 8,23, und 
zweitens weil der V. 31 in sich einen indirekten Hinweis 
auf Jerusalem enthalt, indem in dessen Schluss lediglich 
die Absicht kund gegeben zu sein scheint, auf einen friedlich 
freundschaftlichen Anschluss an Gott, dessen Tempel in 
Jerusalem und an den Regenten darin. Denn ebenso wie 
V. 30 mitgetheilt ist, da»ss Konige nach Jerusalem Geschenke 
bringen (2. Chr. 26,8), und V. 32, dass Edle Egyptens eben- 
falls dahin kommenwerden,in gleicher Absicht wieAethyopien, 
das die Hande behende zu ^Elohim" anbetend ausstrecken 
wird^), kann der Schluss des zwischen diesen beiden Versen 
befindlichen Vwses nur Aehnliches zum Inhalte haben und 
entsprechend eben seiner SteDung zwischen V. 30 und 32 
ein Kommen nach Jerusalem in friedlicher, Gott anerkennender 
Absicht enthalten. Hiemach kann der Schluss des Verses 31 
litcn^ ni3ip nicht wie allgemein durch die Aenderung -^ra in 
itt gedeutet und erklart wird: »Die Kriege woDen*% auch 
nicht: »Die Ueberfalle planen* zum Inhalte haben, sondem 
einzig und allein nur eine Aufiforderung enthalten, den 
Regenten und die machtige Rotte im nordischen Reiche zu 
bedrohen, dass sie in zweifacher Absicht Annaherung an- 
streben, einmal, dass sie nach Jerusalem kommen, um 
Gott allein anzuerkennen und anzubeten, gleich den Edlen 
Egyptens und den Aethyopiem (V. 32) und zweitens zur 
Ankniipfung iBreundnachbarlicher Beziehungen mit dem Konige 
Usia; daher plur. maip^). 



^) inv |M*in hat hier lediglich die Bedentnng von : die Hfinde 
eilig zor Anbetang erheben. Aehnlich Hab. 2,2. la Klip pi« ipoh 
damit man gelftufig lesen kann. 

*) naip Ann&henmg, at. const. nn*ip. Ps. 73.28. Jes, 58,2. 

Jmm, der Red.: K5nnte nicht erkl&rt werden: Q-egen den ge- 



— 117 — 

Vorausgesetzt, dass die aus dem Schlusse des 
Verses hergeleitete und gegebene Erklarung, dass derselbe 
eine zweifache Bedrohung enthalte, fiir zutreflfend befimden 
wild, so wild von der stereotypen Ansicht, dass der 
Dichter seine Bitte an Gott gerichtet habe, ganzlich ab- 
zusehen sein, vielmehr wird man dahin sich zu entscheiden 
haben, dass er seine Aufforderung, diesen Akt auszuiiben, 
an eine bestimmte Person und hier, wie sich von selbst 
versteht, an den Konig Usia, der beilaulSg bemerkt, nachst 
Gott, der Mittelpunkt des Psalms zu sein scheint,. gerichtet 
habe. Denn eine unmittelbare Enwirkung Gottes auf den 
Menschen, dass er ihn anerkenne und ehrfurchte, ist darum 
nicht denkbar, weil die Gt)tteserkenntniss zwar durch Be- 
lehrung iibermittelt werden kann, immerhin aber dem 
freien Willen anheimgegeben bleibt (5. Mos. 4,10; 5,26). 
Der Dichter kann also seine Aufforderung, ausgedruckt 
durch nya, nicht an Gott, sondem einzig und aflein an Usia 
gerichtet haben, mit den Worten: »Bedrohe das Thier des 
Rohrichts, die Rotte der Machtigen, die im Kalberdienst 
verharrenden Stamme, sich herabwurdigend durch Geld- 
erpressungen von verrmgeren Stammen — dass sie An- 
naherungen anstreben.« 

Der Inhalt des V. 31 ist sonach nicht bios in seinen 
einzelnen Theilen ihrer Bedeutung nach zum Verstandniss 
gebracht, sondem, was die Hauptsache ist, er bUdet die 
Etappe zur Gewissheit, ist ein untriigliches Schiboleth, um 
die Abfassungszeit des Psalmes mit Sicherheit bestimmen 
zu konnen. Denn sein Inhalt giebt, da er die Ereignisse 
unter Menachem, Konigs von Israel, in poetischer Dar- 
steUung reflectirt, liber die Zeit, in welcher der Dichter 
seinen Psalm verfasst hat, mit anverkennbarer Gewissheit 
sicheren Aufischluss. Und da Menachem, der 10 Jahr re- 
giert hat, im neununddreissigsten Regierungqahre Usia's, der 

ringsten der Stftinme planen sie Ueberfalle/ wobei unter dem ^Ge- 
ringsten* Benjamin gemeint w&re, der auch oben 17s ptD^aa genaimt 
wird? 



- U8 - 

52 Jahr regierte, den Thron bestieg, so kaim die Anf- 
forderung, diesen regierenden Usurpator zu bedrohen, 
spatestens in dessen achten Begierungsjahr an Usia ge- 
richtet worden sein, zu einer Zeit, in welcher dieser Helden- 
konig noch im Vollgenuss seiner Gesundheit wie seiner 
Machtstellung sich befunden und noch nicht von einem un- 
heilbaren Aussatz behaftet gewesen war. Wenn also nicht 
ein oder zwei Jahre friiher, spater als im siebeniindvierzig- 
sten Jahre seiner glorreichen Regienmg kann die Auf- 
fordemng an Usia, das nordische Reich in zweifacher Ab- 
sicht zu bedrohen, nicht gerichtet worden sein. 

Die Klarstellung des V. 31 diirfte nun den Beweis 
dafirr liefem, dass der Psalm ein Geistesprodukt eines 
gottbegnadeten Dichters sei, gedichtet in den letzten 
Lebensjahren des Konigs Usia, zugleich aber auch zu dem 
Schluss berechtigen, dass im Grossen und Ganzen seine 
glanzvoUen Bilder keine Fiktionen, keine dichterischen Aus- 
schmiickungen, sondem schimmemde Perlen sind, die auf 
historischem Untergrund verdeckt lagem. 



JLeben und Wirken des TannaSten Chija. 

Yon Eabbiner Dr. B. Baer in Grandenz. 



5. Eapitel. 
Kenntnisse Chija's. 

Chija hatte den gesammten rabbinischen Lehrstofif in 
sich aufgenommen und gait sowohl bei seinen Zeitgenossen, 
als auch spater fur eine der grossten Autoritaten. Er wird 
im Talmud fast iiberall noch als Tanna d. i. Mischnalebrer 
bezeichnet*), und seine Ausspriiche haben auch da Geltung, 
wo sie mit denen anderer Tannaiten im Wiederspruch sind. 
„Halte nicht die Matnita Rabbi Chija entgegen; Chija ist 
selbst Tanna und kann dagegen streiten", heisst es im 
Talmud^). In der Mischna selbst wird Chija zwar nicht 
erwahnt, aber einige in der Gemara erhaltene Notizen zeigen 
uns, dass er bei ihrer Abfassung von bedeutendem Einflusse 
war. So wird uns berichtet, dass ein Satz der Mischna erst 
nach einem Dispute des Patriarchen mit Chija entsprechend 
der Meinung des Letzteren aufgenommen wurde'). Bei 
Controyersen Chija's mit Simon, dem Sohne des Patriarchen, 
wurde entweder die Meinung Beider bei der Peststellung 
des Mischnatextes beriicksichtigt und so die Frage unent- 
schieden gelassen*), oder nur Chija's Ausspruch beachtet*). 

>) Enibin 80 a. 
') Baba Mezia 5 a. 
») Schebuot 47 b. 
*) Chulin 46 a, 

^) Menachot 86 a und ibidem Mischna YIII, 3; vgl. noch 
Chulin ld9b. 



- 120 — 

Wenn wir die yerscbiedenen gesetzlichen Aassproche, welche 
ons die Talmude im Namen Chija's mittheilen, naher in's 
Auge fassen, so erkennen wir in Chija einen treuen Wachter 
des Gesetzes. Hit gewissenbafter Genauigkeit uberlieferte 
er den iiberkommenen Gesetzesstoff and, damit aach nicbt 
ein Wort von den kostbaren Halachotb yergessen werde 
and so fiir die kommenden Geschlecbter yerloren gehe^ 
scbrieb er seltene Falle auf Geheimrollen (Megilot Setarim)^), 
weil ibm die £rbaltung des Gesetzes wicbtiger scbeine, als 
das Verbot, die lebendige mondliche Lebre dem starren 
Bucbstaben imzuyertrauen. Selbst bei rabbiniscben Yerboten 
und Einscbrankungen wollte er keine Erleichtening ge- 
statten') und nor wo die aosserste Notb es erbeiscbte, er- 
laubte er, yon gewissen Obseryanzen Umgang zu nebmen'). 
Zur Entscbeidung neuer Falle bediente er sich der herkomm- 
lichen Interpretationsregeln and wir seben ibn besonders den 
logischen Schlass a minore in majas (Eal wacbomer) in 
geistreicher Weise anwenden*). Sonst wollte er indess die 
sopherischen Gesetze nicht yermebrt wissen and warnt 
dayor, darch einseitigen Rigorismus das Gebiet des Erlaabten 
n immer engere Grenzen za bannen. Mit Anspielang aaf 
Proyerbia 30, 5, 6 sagt er: ]»Mache den 2iaan nicht 
grosser als das Gesetz selbst; er mochte einfiskllen and 
dann wird man die Pflanzangen beschadigen^ ^). Andrer- 
seits legte er aaf den schon eingewarzelten Yolksgebrauch 
Gewicht and wollte daran trotz seiner besseren Erkenntniss 
nichts gewaltsam andern*). 

Das Gesetzesstudium geniigte Chija's strebsamem Geiste 
nicht; er bewegte sich aach mit Vorliebe and Geschick 
aaf dem Gebiete der agadischen Schrifterklarang. Wie es 



1) Sabbath 6b; Baba Mezia 92a. 

*) Enibin 80 a. 

*) Synhedrin 60a. 

*) Baba Mezia 3 a. 

^) G^es. Eabba cap. 19. 

•) Sabbath 60b. 



— 121 — 

in der Natar dieser Exegese liegt, suchte er darin nicht bloss 
den Sinn der Schrift nach dem Zusamraenhange zu erfassen, 
sondern hauptsachlich aus dem Schriftworte w^ise Lebens- 
regeln abzuleiten. Die Bibel war ihm ein Spiegel, in 
welchem das ganze menschliche Leben, die freudigen 
und traurigen Schicksale des Menschen abgebildet sind; die 
schopferische Agada war ihm ein unversiegbarer Wasser- 
teich, aus welcher der hofifhungsvoU aufspriessende Wald, 
die lernbegierige Jugend, immer neue Nahrung schopfen 
kann^). Die zahlreichen, Chija angehorenden Agadoth tragen 
den Stempel niichterner Natfirlichkeit ; ohne den urspriing- 
lichen Sinn der Bibelworte gewaltsam zu entstellen, wendet 
er sie auf alle Verhaltnisse des Lebens an. Fiihren wir 
hier nur ein Beispiel an : Die Warnung des weisen Salomo 
(Proverbia 23, 1, 2) bezieht sich nicht bloss auf einen zum 
Konige geladenen Gast, wie es der buchstabliche Sinn 
giebt, sondern auch auf einen Schiiler, der vor seinem 
Lehrer sitzt; auch dieser ziigle seine Zunge und setze das 
Messer an seine Kehle, damit er den Lehrer nicht durch 
yorwitzige Fragen in Verlegenheit bringe ^). Obgleich Chija 
als Babylonier sich der chaldaischen Sprache als Umgangs- 
sprache bediente, gebrauchte er auch die rein hebraische 
ohne alio Schwierigkeit. Dies zeigen uns einige von ihm 
herriihrende zutreflfende Worterklarungen ') und besonders 
ein von ihm verfasstes, in kindlicher Einfachheit gehaltenes 
Gebet*). Chija*s geradem, natiirlichem Sinne widerstand 
jede gezwungene Erklarung; er wies es mit Entschieden- 
heit zuriick, wenn andere Rabbinen den Sinn der heiligen 
Schrift durch ihre Deutungen gewaltsam verkehrten, und er 
hielt ihnen dann den grammatischen Versbau entgegen*). 



1) Kohelet Rabba ad U, 8. 
«) Chulin 6a. 

*) Jer. Sabbath I pag. 3; Midr. Esther ad I, 6. Cantic. ad 
I, 6 etc. 

*) Berachot 16 b. 
^) Ketubot 6 a. 



— 122 — 

Dabei scheute er keine Autoritat; als er einst mit seinem 
Neffen Bab von dem Patriarchen eine gewagte Erklamog 
horte mid letzterer ihn ersachte, die Heinang des Rabbi 
zu erlautern, sagte er: „ Seine Worte gleichen einem Waw 
(1), das auf einen ungehobelten Holzspahn geschrieben, (also 
in unzusammenhangende Pankte zersplittert) ist***). Zur 
Erklarang schwieriger hebraischer Wortformen hatte er eine 
eigenthumliche, mystische Methode erfonden, das sogenannte 
At^Bach di Rabbi Chija'). Dieses bestand darin, dass er 
statt der im Texte stehenden Bachstaben diejenigen las, 
welche jene, nach ihrem Zahlwerthe genommen, zur Zehnzahl 
erganzten ; so setzte er f iir Aleph Teth, fiir Beth Cheth u. 
s. w. Die Zehner erganzte er auf diese Weise zu Hunderten 
und oahm z. B. statt Jod das Zade. Zu den Hunderten setzte 
er die fiinf Finalbuchstaben hinzu, erganzte Koph ^u 
Final-Zade und setzte dann die iibrigbleibenden Buchstaben 
He, Nun und Final-Koph fiir eiuander; diese Methode fand bei 
ispateren Rabbinen vielfache Anwendung'). Die geheimniss- 
voUen Rathsel des Lebens suchte Chija durch trefifende Gleich- 
nisse dem Verstandnisso naher zu bringen. In ungliicklichen, 
drangyoUen Zeiten trostete er damit seine Zeitgonossen und 
sagte ihnen, Gott schicke dem Menschen nicht mehr Strafen 
zu, als er ertragen konne, wie der Glashandlor seine 
zerbrechliche Biirde erst dann einem Pflocke anvertraut, 



1) Chnlin 16 a. 

*) Sukkah 62 b. 

^) Die Behauptung Ftirst's (Kultur und Literatnrgesch. S. 23), 
dass Cbija wegen seiner Geschicklichkeit in der Erklaning der Schrift 
den Beinamen Kara geflihrt, ist ganz unerwiesen, da in den yon ihm 
citirten Stellen (Jalknt Hoschea cap. 589 und Jebamot 73 a) Cbga 
gar nicht erwahnt wird. Ebenso falsch ist, was Ftbrst S. 295 be- 
merkt, dass Chija gegen den Gottesbegriff des Ghristenthums pole- 
misirte; der yon ihm citirte Ausspruch (Pesikta Rabb. cap. 12) 
gehj6rt einem etwa ein Jahrhundert spater lebenden Chija an, was 
aus dem dort beigefUgten bar Abba erhellt, wie unser Chija nirgends 
n der gaozen talmudischen Literatur bezeichnet wird. 



— 123 — 

nachdem er dessen Tragkraft gehorig gepruft habe^); die 
Strafen Gottes richten sich nach der Zurechnungsfahigkeit 
des Schuldigen*). 

Auch anderen Gebieten des Wissens war Chija's 
rastlose Thatigkeit zugewandt. Er war ein aufmerksamer 
Beobachter der Natur. und befragte diesen untriiglichen 
Wegweiser auch bei seinen ritualen Entscheidangon. Als 
ihm einst eine Vogelgattung vorgezeigt wurde, damit er 
iiber ihre Zulassigkeit zum Genusse entscheide, befahl er 
zu beobachten, ob sich eine der unreinen Arten mit ihr 
geschlechtlich paare, und entschied nach dem Resultate 
dieser Beobachtung^). Auch in der Landwirthschaft hatte 
er reiche Erfahrungen gemacht, was uns folgender Vorfall 
zeigt. Er hatte seinem Freunde Simon ben Chalafta ein 
Feld yerpachtet und dieser hatte den Ertrag geringer ge- 
funden, als ihm Chija nach der Giite des Feldes verheissen 
hatte. Chija fragte ihn, wo er die Tenne angelegt habe, 
worauf Simon sagte, auf einer Anhohe. Dann hat der 
Wind zu viel Korner mit der Spreu hinweggeweht, sagte 
Chija; und wirklich fand Simon dies in anderen Jahren 
bestatigt*). 

Chija's medicinische Kenntnisse mogen nach dem da- 
maligen Stande der Wissenschaft nicht unbedeutend gewesen 
sein, und vielen seiner weisen Gesundheitsregeln wird auch 
die heutige wissenschaftliche Medizin ihren Beifall nicht 
versagen konnen. So empfiehlt er, unmittelbar vor dem An- 
tritte einer B;eise nur massig zu speisen, nicht mehr als man 
zur Zeit einer Hungersnoth essen wiirde ^). Trockene Speisen 
tauche man zu jeder Tageszeit ein, weil hierdurch Unterleibs- 
krankheiten verhiitet wiirden ®). Ferner warnt er, von Speisen, 



^) Gen. Rabba cap. 25; cap. 40. 
*) Levitic. Rabba cap. 4. 
') Gen. Rabba cap. 65. 
*) Midr. Ruth ad HI, 3. 
*) Taanit 10 b. 
•) Gittin 70a. 



— 124 — 

die man besonders liebt, za viel zu sich za nehmen, oder 
die Verrichtung der Nothdurft zuriickzuhalten ^). Iss Salz 
nach dem Essen und trinke Wasser nach alien anderen 
Getranken, so wirst du nicht Schaden nehmen*). VoU- 
bliitigkeit sei bei Frauen ein Zeichen der Gesundheit'). 
Nidda 10b beschreibt er die Gestalt des Embryo im ersten 
Stadium seiner Fntwickelang. Die Zeichen der Mannbar- 
keit seien oft wegen allzugrosser Korpulenz oder Korper- 
schwache nicht erkennbar *). Wem ein Knochon im Halse 
stecken geblieben, der lege von derselben Art aof seinen 
Kopfj das sei kein aberglaubischer Gebrauch*). 



6. Kapitel. 

Chija's LehrthfltigkeiL 

Chija hatte es sich zur Lebensanfgale gemacht, die 
Kenntniss der heiligen Schrift und der iiberlieferten Ge- 
setze immer mehr zu verbreiten und sie zum Gemeingute des 
Volkes zu machen. Seine eigenen Worte werden uns am 
besten zeigen, von welchem Eifer er hierfiir beseelt war. 
Als sein Freund und Genosse Chanina bei einem halachischen 
Dispute mit ihm sich seines grossen Scharfeinnes ruhmte, 
durch welchen er das Gesetz, wenn. es vergessen werden 
sollte, wieder emeuem konnte, sagte Chija: Ich werde 
verhiiten, dass das Gesetz vergessen werde; ich baue 
Machs, verfertige Netze, mit denen ich Hirsche fange, 
mit ihrem Eleische ernahre ich arme Waisen, aus ihren 



1) Gittin ibid. 

') Berachot 40 a. 

») Ketubot 10 b. 

*) Nidda 47 b. 

*) Jer. Sabbat VI, 9; vgl. Bab. ibid. 67 a. — Diese eigen- 
thtunliche Kur empfiehlt anch Plinins hist. nat. 28, 12: si vero ex 
aliis OBsibns (sc. haeserit fandbus) ImpositiB capiti ex eodem vase 
ossiculis. 



— 125 — 

FeDen verfertige ich Pergament, schreibe darauf die fiiiif 
Riicher Mosis, begebe mich dann nach einem Ort, an welchem 
kein Kinderlehrer ist, lese mit jedem von je fiinf Kindern 
ein Buch, lehre von sechs Kindern jedes einen der sechs 
Theile der Mischna und sage ihnen, bis ich wiederkomme 
leset nait einander und lehret einander. Auf diese Weise 
will ich das Vergessen der Thora verhiiten^). — Ebenso 
machte er sich anheischig, die Exemplare des Pentateuch 
zu vermehren^). Der Patriarch R. Juda selbst zollte dem 
Wirken Chija's voUe Anerkennung, indem er sagte: „ Gross 
sind die Thaten Chija's", oder „Heil dem Zeitalter, in 
welchem Chija und Ismael ben Jose leben" •). Wenn es gait, 
den Schiilem die Anwendung eines Gesetzes klar zu machen, 
suchte Chija es durch eigenesBeispiel und selbst dann zu thun, 
wenn er dabei die Gefiihle und Regungen des Herzens unter- 
driicken musste. Als er bei der Ankunft Abba Aricha's 
aus Babylonien den Tod seiner Eltem, welche beide 
Chiia's Halbgeschwister waren, erfahren hatte, legte er nur 
zum Zeichen der Trauer seine Fussbekleidung ab und gebot 
sogleich, ihm ein Bad zu bereiten — nur um den Schiilem 
zu zeigen, dass bei spat eintreffenden Trauemachrichten 
ein geringes Zeichen der Trauer genuge*). Seine Schiiler 
richteten danun auf sein Thun und Lassen die grosste 
Aufmerksamkeit und schlossen schon aus seinem Yerhalten 
gegeniiber den Handlungen Anderer, deren Zulassigkeit 
ihnen zweifelhaft war, dass diese gestattet sein miissten*). 
Gleich ihm genossen seine Schiiler die grosste Achtung 
seiner Zeitgenossen und in zweifelhaften Fallen wurde an 
die Tanae debe Rabbi Chija, gleichsam wie an eine hohere 
Instanz appellirt*). Von den zahlreichen Gesetzeslehrem, 



Ketabot 103 b; Baba Mezia 85 b. 

«) Jer. MegOa IV, 1. 

') Ibid. = 1) u. 2). 

*) Moed Eaton 20b und ParaU. 

*) Sabbath 38 b. 

^) Baba Mesia d4a (Anmerk. der Bed. Dort ist yon sp&teren 



— 126 — 

welche entweder geradezu als seine Schiiler bezeichnet 
werden, oder in seinem Namen Gesetzesbestimmungen iiber- 
lieferten, seien hier nur die Bedeutendsten erwahnt*). 
Vor allem ragen seine Sohne Juda und Hiskija hervor. 
Diese lebten und wirkten ganz im Geiste ihres Vaters, 
dessen frommen Sinn und Lernbegierde sie ererbt batten*). 
Sie werden im Talmud haufig und in ehrenhafter Weise 
Robim d. i. Jiinglinge genannt, weil sie sich Mhzeitig durch 
ihre vorziiglichen Geistesgaben auszeichneten. Juda, der altere 
der Zwillingsbriider, war mit einer Tochter Janai's'), 
eines Freundes Chija's, verehelicht, welcher diesem sein 
hohes Ansehen im Voraus verkiindigt haben soil*). Juda 
ist besonders als Agadist beriihrnf^), wahrend der Jiingere, 
Hiskijah, fiir eine grosse Autoritat als Gesetzlehrer gait 
und ein Lehrhaus (Be Chiskijah) griindete*). Um auch das 
vom Unterrichte entblosste Landvolk nicht ohne alien 
religiosen Beistand zu lassen, schickte Chija seine Sohne 
ofter nach den umliegenden Dorfem, und sie erstatteten 
ibm immer Bericht, welche Fragen ihnenzurEntscheidung vor- 
gelegt worden waren; stimmte ihre Antwort nicht mit seinen 
Ansichten iiberein, so mussten sie dieselbe zuriicknehmen^. 
Chija's Sohne theilten die Achtung und das Ansehen ihres 
Vaters; der Patriarch zeichnete sie offcntlich aus ®), und das 

Amoraem die Rede, welche die Mischna des R. Chija auswendig 
wnssten). 

*) Siehe Seder Hadorot s. v. Chija, wo als Chija's Schiiler ca. 
90 Amoraim anfgezahlt werden. 

*) Chnlin 20 a; Synhedrin 38 a. — Dass sie, wie Graetz hehanptet, 
anch Turgemanim genannt wnrden, ist nnhegriindet. Die Stelle Jer* 
Challa V. nnd Bereschit Hahba cap. 66 brauchen sich nicht anf Chija's 
Sohne zn beziehen; erstere Stelle kann sogar nicht anf sie bezogen 
werden, da sie nie nach Babylonien zartlckgekehrt sind. 

3) Ketubot 62b. 

*) Jer. Demai VII. 1. 

*) Enibin 54 a; Synhedrin 37 b. 

«) Sabbath 24b; 133a und Parallst. 

7) Beza 9b; Nidda 24a. 

8) Synhedrin 38 a. 



-i 



— 127 — 

dankbare Volk hat ihrem yereinten Wirken in folgendem 
Spruche ein schones Denkmal gesetzt: Wie einst Esra und 
Hillel von Babylonien heraufzogen und die Restauratoren 
des Judenthums wurden, so haben auch die Babyionier 
Chija und seine Sohne das vergessene Gesetz wieder neu 
begriindet^). Endlich sei hier noch Abba Aricha (Rab) 
erwahnt. Der vertraute Umgang, welchen Rab mit 
Chija pflegte, lasst uns einen Blick in das herzliche, liebe- 
volle Verhaltniss zwischen Chija und seinen Schiilern thun. 
Mehr als auf sein eigenes Wohl war Chija darauf bedacht, 
Rab zu einem achtbaren Mitgliede des Gelehrtenkreises zu 
erzieheu. Mit der grossten Bereitwilligkeit gab er ihm auf 
alle seine Fragen Bescheid, loste ihm alle seine ZweifeP) 
und suchte ihm durch weise, vaterliche Rathschlage^) die 
Gunst des Patriarchen zu erhalten*). 

Rab war bei Chija's offentlichen Vortragen sein 



1) Siikkah 20 b. 

*) Berachot 13b, 43 a, 46b; Sabbath 29a; Nasir 59a. 

») Sabbath 3 b. 

♦) Die Fonnel Bar Pachthi ^nne *\x womit Chija den Kab 
gewdhnlich anspricht, hat den Erklarem schon yiel zn schaffen ge- 
macht. Es kommt ansser den oben unter 2) und 3) citirten 6 
Stellen nicht yor, findet sich also nur im Mnnde des Eabbi Chija. 
R. Natan ben Jechiel (Arnch sub yoce nne) erklart es mit „Fursten- 
sohn", indem er ♦nne yon dem hebr. nne plur. mne ableitet. Mit 
Recht weist aber Krochmal (Chalnz S. 85) diese ErklHrung znrUck, 
da sie im Mnnde des Oheims dem Neffen gegeniiber zu unnatiir- 
Hch erscheint. Jedoch die yon ihm und auch yon Lebrecht 
(Kritische Lese S. 1) yorgeschlagene Emendation des ^nne ia in ♦nnw na 
= «mein Schwestersohn" muss trotz ihrer Einfachheit als unkritisch 
erscheinen, da nicht zu denken ist, wie ein und derselbe Fehler 
sich an sechs Stellen, die mit alleiniger Ausnahme yon Berachot 
46 b ganz unabhangig yon einander sind, einschleichen sollte. 
Darum erscheint die Erkl&mng yon S. D. Luzzatto (im Ha- 
maggid) am geeignetsten, welcher es yom chald. nnt, gering, als 
scherzhafte Bezeichnung „Schelm" nimmt. In diesem Sinne wird 
diese Wurzel zuweilen in der talmudischen Literatur gebraucht 
(Vergleiche das Shnliche \mQ nia Midr. Kohelet ad n, 20. Ver- 
gleiche auch \mt nn Berach. jer. cap. IX.) 



— 128 — 

Sprecher'), lernte vod ihm die alten Uebertiefeningen 
Babyloniens (Hitchete fiablai)') nod als er von Palastina. 
nach seiner Heimath zorSckkehrte, erwirkte Ghija beim 
Patriarchen eioe etnas beschninkte Ordination fur ihn "). 
Rab's weiterer Lebenslauf zeigt uns, welche Frtchte sein 
Umgang mit Cbija getragen. Durch den Glanz der Schate, 
welche er im Jahre 219*) in Sura grQDdete, wurde 
Palastina verdankelt, das von da ab in den Hinter- 
grand tritt Die Zahl der Schuler Rab's soil 1200 betragen 
baben, sein Name Rab ist dem Ehrennamen Rabbi in 
Palastina entsprechend, and er gait, wie in Babylonieo, so 
aoch in Palastina') fur die grosste Antorilat seiner Zeit. 

Ein fernerer Schiller Chija's, Oscbijah, war besonders 
als Mischnasammler thatig und wurde wegen seiner ruhm- 
lichen Leistnngen hieria „Vater der Hischna" genannt*). In 
dieser Thatigkeit erscheint Osehiah jedoch nur als Nach- 
folger seines Lehrers Chija, welcher io seinem nimmer 
rastenden Eifer auch nach dieser Seite bin thatig vrar. 



;. Ka,„.,l. 

Chija's Mischnasamtnlung. 

Dem unermudlichen Eifer Chija's 
dorch Belehruog seiner Jiinger die Keni 
am anch der s[uleren Nachwelt j< 
zn erhalten, urn des 



») J«ma 20 b. 

■) Oenef. Rabba ijaji. sa n. 

•) Synhedrm 5 

*) Scherira 1. i 

■) Camlin 54n; 

^ Jei. Baba K: 




— 129 — 

ganz unmoglich zu machen, verfasste er eine von der durch 
R. Juda redigirten Hauptmischna unabhangige Saramlung, 
wclche den Namen Boraita («n^'»i3)^J d'Rabbi Chija, oder 
auch Matnita d'R. Ch. fiihrt. 

Diese Sammlung ist fur uns nicht mehr vorhanden, 
ja sie scheint sogar schon in der talmudischen Epoche yer- 
loren gegangen zu sein, (?) was aus einem unsicheren 
Schwanken bei Citaten aus derselben ^), besonders aus einer 
Midraschstelle ^) geschlossen werden kann. Wenn wir daher 
eine Beurtheilung des Inhalts und der Form der Chija'schen 
Mischnasammlung geben wollen, so sind wir auf die, aller- 
dings zahlreichen, Stellen angewiesen, die aus derselben in 
den Talmuden und Midraschim angefiihrt werden. Unstatthaft 
ist es, Ghija's Sammlung, 'wie Maimonides *) thut, fiir identisch 
mit der Tosiphta ^) zu lialten, da ein Vergleich der aus 
Chija's Sammlung angefuhrten Boraita's mit der Tosiphta 
zeigt, wie selten beide Sammlungen iibereinstimmen. Fiirst, 
welcher mit Maimonides Chija die Abfassung der Tosiphta 
zuschreibt *), hat Chija's Sammlung in drei Theile: Mischna, 
Tosiphta und Boraita zerlegt ^), was aber ganz unbegriindet 
und willkiirlich ist. Dem Inhalte nach umfasste Chija's 
Sammlung neben denHalachoth auch zahlreiche Agadoth,®) 
und erstere waren viel \imfangreicher und ausfuhrlicher als 
in der Mischna selbst. Disciplinen wie die Wuchergesetze, 
welche in der Mischna nur den Raum eines Abschnittes 



*) Yom chald. kis ausserlialb, in Bezug auf ihren Charakter 
gegeniiber der Hauptmischna. 

>) Nidda 26 a. 

») Midr. Kohelet ad XH, 7. 
» *) Vorrede zu Seder Seraim, S. 8a der Piimer'schen Talmudausgabe. 

^) D. h. Supplemente ziir Mischna; diese Sammlimg ist in den 
Ausgaben der Werke Alphasi*s abgedmckt. (Jetzt separat, ed. 
Zuckermandel). 

®) Bibliotheca judaica S. 173. 

^) Eultur- und Literatorgeschichte S. 20 f. 

*) Vgl. Genes. Rabba cap. 19, cap. 67, Le^t. Eabba cap. 4, 
cap. 13, Cant, ad I, 1. 5 und viele andre Stellen. 

Ma^uin, Ueft II, 1890. 9 



— 130 — 

einnehmen (Baba Mezia V), scheinen dort ganze Traktate 
ausgefuUt zu haben. (Ribit d'be R. Chija)*) Oft finden 
wir in einer aus Chija's Sammlung angefuhrten Boraita die 
Mischna durch erklarende Zusatze erganzt*) und dasjenige 
zam Gegenstande einer ausfuhrlichen Abhandlung gemacht, 
was in der Mischna bloss angedeutet ist. Die Halachoth 
warden in Chija's Sammlung in einer breiteren Form 
wiedergegeben, als dies bei den gemessenen Satzen dor 
Mischna der Fall ist, und ausserdem batte Chija in seiner 
Sammlung auch solche gesetzlicho Bestimmungen auf- 
genommen, die in der Hauptmischna keine Stelle gefunden 
hatten. Chija's Sammlung wird darum ofter mit dem 
Namen Mischna gedolah (die grosse Mischna) bezeichnet)*; 
alle spateren Talmudisten hielten sie sehr hoch, und sie 
gait als unentbehrlich zur Erklarung und Erganzung der 
Hauptmischna*). Nur Ilpha, ein Amoraer des 3. Jahr- 
hunderts, glaubte, der Sammlung Chija's neben der Haupt- 
mischna nicht zu bedurfen, und machte sich durch eine 
gefahrvoUe Wette anheischig, alles darin Enthaltene aus den 
Andeutungen der Mischna folgern zu konnen*). Unter 
alien ahnlichen Sammlungen, welche in jener Zeit ver- 
anstaltet wurden, wie die des R. Jannai, des Bar Kappara 
u. A., gait nur die des Chija und seines Schiilers Oschija®) 
wegen ihres klaren und gesichteten Inhalts fur berechtigt, 
ira Lehrhause als Autorilat geltend gemacht zu werden^). 
Kein Amoraer durfte gegen die Boraita Chija's eine Ent- 



1) Ibid babl. 62 b, 65 b. 

*) Aboda Sara 72 b, Erubin 92 a, jer. Kidduschin 1,1. 

^) Midr. Eohelet ad 11, 8, Jer. Horajot Ende, an letzterer Stelle 
ist statt Man zu lesen M««n. 

*) Jer. Sabbath I, 2. ibid. Aboda Sara 1, 5. 

') Jer. Kiduschin I, Taanit 21a. 

^) Diese beiden oft neben einander genannten Samtnlnngen 
scheinen nicht identisch gewesen zu sein, wie aus Baba Kama 4 b 
unzweideutig hervorgeht Vergl. Jer. zur Stelle, welche mit Babli 
Uber die Autorschaft der angefuhrten Boraita diffetirt. 

^) Cholin 141b, vgl. Rascfai zur St. and zu Sabbath 121b. 



— 131 — 

scheiduDg trefifen, und nur, Trenn sie in direktem Wider- 
spruche rait der Hauptmischna stand, wurde Letzterer der 
Vorzug zuerkannt^). Im jerusalemischen Talmud und in 
den Midraschim wird die Sammlung Chija's haufig mit den 
Worten »'"»n n h^ (R. Chija hat gelehrt) citirt. Im ba- 
bylonischen Talmud geschieht dies nur an etwa hundert 
Stellen*); allein Scherira berichtet uns in seinem Send- 
schreiben"), dass die im Talmud mit der Formel pan I3n 
(die Weisen haben gelehrt) angefuhrten Boraita's, deren es 
sehr viele giebt, Chija zum Autor haben. Dass diese 
Angabe keine blosse Vermuthung, sondern getreue historische 
Ueberlieferung ist, lasst sich daraus beweisen, dass viele 
unter dieser Formel und mit dem blossen H3n (man lehrte) 
im babylonischen Talmud angefiihrte Boraita's an anderen 
Stellen ausdriicklich dera Chija beigelegt werden*). Aus 
diesen ungemein haufigen Citaten ist ersichtlich, welch' 
grosser Theil des Talmuds nur durch den Sammeleifer des 
Chija entstanden ist. 

A. Krochmal*) will die Sammlung Chija's als einen 

M Jebamot 43 a, Erubin 92 a, Nidda 62 b. 

*) An folgenden SteUen des Talmud Babli wird Chija's Samm- 
lung mit M^^n '*\ Mn citirt: Berachot 24a, 26a, 52a. Sabbat 20 a, 
42a u. b, 104b, 137a, 141b. Erubin 9b, 14a u. b, 15a, 17b, 
47b, 55b, 92a, 101a. Pesachim 8a, 42b, 80b, 87b, 109b. Beza 
16 a, 25 a, 32 a n. b. Cbagigia 13 a. Rosch Haschanah: 5b, 6b. 
Joma: 4a, 6b, 19b, 24a, 25b, 26b. Jebamoth 9b, 22a, 28b, 
29 b, 33 b, 34 a, 40 b, 53 b, 97 a. Kethubot 10 b, 30 a, 83 a, 102 b, 
109 a. Gittin 17 a, 19 a, 70 a. Nasir 10 a. Sota 8 b. Baba Kama 
4 b, 84 a. Baba Mezia 3 a, 20 b, 37 b, 75 a. Baba Bathra 
67 a, 68 a, 69 a, 73 a, 95 a, 97 a u. b. Synhedrin 28 a u. b, 68 b, 
Schebnoth 35 a, 38 a u. b, 40 a, 46 b, 48 b. Aboda Sara 56 b, 72 b. 
Sebachim: yiel. 48 b, siehe S. 21. Anm. 2. Menachoth 23 b. 
Bechoroth 21b, 23 a u. b. Ohulin 6 a, 27 a, 61a, 75 b, 122 b, 
134a, 141a. Temurah 18b, vergl. jedoch ibid 20b. Nidda 17b, 
25a, 26a, 27b, 47b, 62b, 64b. Tamid 32b. 

») S. 25. 

*) Vgl. Snkkah 35 a mit'Levit. Rabba cap. 30, femer Joma 54 b 
mit Jer. ibid V, 3. 

») Zeitschrift Hechaluz IV, S. 119 fig. 



— 132 — 

offeDen Protest gegen die von R. Juda redigirte Mischna 
auffassen; diese tendenziose Behauptong hat jedoch gar 
keiaen Halt und wird durch den ganz gleichen Inhalt und 
Charakter der beiden Sammlungen, noch mehr aber durch 
den fiinblick auf das intime Yerhaltniss, in welchem Chija 
und R. Juda zu einander standen, widerlegt. Auch in 
nichtjiidischen Ereisen scheint Ghija's Mischnasammlung 
gleich den iibrigen derartigen Werken gekannt worden zu sein. 
Dies zeigt folgende Stelle des Kirchenvaters Epiphanius ') : 

Al ]rdp 7capa^6aei£ Ttt>v npecpuripmv ieuTtpdfoetg napd rote looSaiotg 
Xfyoyrat. EM dk aJkcu ritraapsq^ fih. fikv ^ eig ^vofiuz Momaitog 
^pofthni. Aeinipa dk ^ too zaXoofiivoo ^Pa^fiuuifia^ rpirg ^Adda 

^ TOO *Io6^a, Terdprij r&v bn&v ^ Amfuovaiou. In den drei erstcn 
erkennt man ohne Schvrierigkeit das Deuteronomium (bei 
Juden Mischne Thora genannt), die Sammlung des R. Akiba 
und die Mischna R. Juda's wieder. Zur Erklarung des 
ganz unverstandlichen wv ul»v "AaatuovwM muss man aber 
mit Gratz*) diese Worte in tow 'YUi Obmtia emendiren und 
und es soil damit die Sammlung Ghija*s und die seines 
Schiilers Oschija bozeichnet werden. Nach der Erklarung, 
welche Geiger (Orschrift S. 158) zu den Worten des 
Kirchenvaters giebt, ware die Aufzahlung der 4. Mischna 
ganz gegen die historische Aufeinanderfolge. 



*) contra haereses I, t^. 
•) IV, S 422. 



— 133 — 



8. Kapitel. 
Chija's Tod. — Schluss. 

Chija's Leben war, wie wir im Verlaufe unserer Ab- 
handluDg gesehen, ganz seiner Religion und seinem Volke 
gewidmet. Wie lange es ihm gewahrt war, diesem segens- 
reichen Berufe obzuliegen, konnen wir bei der Armuth 
der Qa^Uen an chronologischen Daten leider nicht genauer 
fixiren, wie wir auch zur naheren Bestimmung seines 6e- 
burtsjahres und der Zeit seiner Uebersiedlung nach Pa- 
lastina, welche den wichtigsten Wendepunkt in seinem 
Leben bildet, keinen Anhaltspunkt haben. Als sicher 
konnen wir jedoch annehmen, dass er den Patriarchen 
B. Juda^), wenn auch vielleicht nur um kurze Zeit, iiber- 
lebte. Ghija selbst erzahit, Rabbi Juda wahrend seiner 
Erankheit besucht, seinen Sarg gesehen und Thranen 
darauf vergossen zu haben. Auch gebot Ghija bei dem 
Leichenbegangnisse des Patriarchen den Ahroniden, sich 
ungeachtet des mosaischen Verbotes mit der Leiche zu 
beschaftigen, da bei einem solchen Manne die priesterliche 
Heiligkeit aufgehoben sei'). Dennoch bezweifelt der ba- 
bylonische Talmud, dem doch alle diese Nachrichten vor- 
lagen, dass Ghija den Patriarchen iiberlebt habe, und sucht 
alle diese Nachrichten in das Gegentheil umzukehren, weil 
er nicht begreifen kann, warum ein Mann von Ghija's Be- 
deutung nicht vom Patriarchen zum Yorsitzenden emannt 
worden sei. Das diirfte indess nicht ausreichen, die ent- 
gegenstehenden Nachrichten zu entkraften, und auch der 
Talmud raumt schliesslich die Moglichkeit ein, dass der 
Patriarch ihn nicht in seinen frommen Werken storen 



^) Ueber dessen Lebensende ygl. oben S. 82, 
*) Xetabot 103 b. 



— 184 — 

wollte. Der schon erwahnte leideoschaftliche Dispat Chija's 
iDit Bar Eappara^) batte wohl aach schwerlich bei Lebzeiten 
des Patriarcben stattfinden konnen. 

Die Agada bat Cbija's Tod and Andeoken mit 
poetiscben Zagen ausgescbmackt. ^Am Todestage Cbija's 
fielen Feuerkogeln yom Himmel".') Der Todesengel, 
so erzablt der Talmad ferner, babe dem beiligen Uaone nicbt 
nabe kommen konnen and babe ihn wie ein an der Tbare 
bettekder Armer daza bewegen miissen, ibm seine Seele 
za ubergeben'). — Cbija's Leiche wurde in einer Hoble 
beigesetzt and spater b^nib man aacb seine Sobne Jada 
and Hiskija an seiner Seite*). Der Bericht des Reisenden 
Benjamin von Tudela, dass Cbija za Seppboris in der Graft 
des Patriarcben liege ^, tragt die Unwabrbeit an der 
Stime, da von R. Jada aasdriicklicb erzablt wird, dass er 
in Bet Scbearim beigesetzt worden sei^; der sonst za- 
verlassige Reisende scbeint, wie das ja ofter gescbiebt, 
bier von den Einwobnera getanscbt worden za sein'). 
Cbija's Grab wurde der Gegenstand allgemeiner Verebrang; 
als die Ueberreste des im Jabre 297 verstorbenen suraniscben 
Schulbauptes Huna^) nach Faliustina zur Bestattung gebracbt 
warden, wusste man dafiir keinen ebrenvolleren Platz als 
die Grabeshoble Cbija's. Allein eine allgemeine Scbeu hielt 



1) Oben S. 45. 

>) Mogd Katon 25 b. 

«) Ibid 28 a. 

*) Ibid 25 a. 

^) Masaot Bii\jamin S. 7 der Snlzbacher Ausgabe. 

») Ketubot 1. c. 

^) Mehr Sicherheit hat die Angabe des Seder Hadorot (s. v. 
Chija), dass Chija in Tiberias begraben liege, da Tiberias bei der 
Bestattung R. Huna's aasdriicklicb genannt wird. 

*) Unbegreiflicher "Weise hat Kirchheim diesen R. Huna mit 
dem gleichnamigen Exilarchen, der zu Lebzeiten E. Jada's imd 
Chija*s schon verstarb, identificirt and konnte so natiirlich die oben 
(S. 86) mitgetheilte Nachricht mit dieser nicht yereinigen. S. 
Literaturbl. d. Orients Jahrg 1848 S. 611 fg. 



— 135 — 

A He zuriick, die geheiligte Statte zu betreten, bis Rabbi 
Chaggai, ein achtzigjahriger Greis, das Wagestiick unter- 
nahm.^) Spatere Talmadisten fasteten und beteten, um der 
Gnade theilhaftig zu werden, dass der abgeschiedene Geist 
Chija's ihnen erscheine. AUein eine geheimnissvolle Stimme 
(Bat Kol) soil ihnen angezeigt haben, dass sie einer solchen 
Erscheinung nicht wiirdig seien. »Hast Du auch gleich 
Chija das Gesetz erforscht^, erklarte die Himmelsstimme 
dem Simon b. Lakisch, ^so hast Du doch nicht wie er zur 
Verbreitung der Lehre beigetragen, da er ja sein Vaterland 
verliess, um das Gesetz zu lehren".*) In kiihnem Fluge 
erhebt sich die Agada, gleich einem Dante, sogar in die 
lichterfuUten Raume des Paradieses') und erspaht dort, wie 
Chija alle seine Genossen an himmlischen Glanz iiberstrahle, 
und l^st die von ifam ausgehenden Feuerstrahlen die Augen 
der vermessenen Sterblichen blenden, welche diesen Glanz 
schauen wollen. Doch wir diirfen der gefalligen Agada 
hier nicht weiter folgen; getrost kchinen wir aber am 
Schlusse unserer Abhandlung aussprechen, dass Rabbi Chija 
in der Geschichte der talmudischen Epoche eine der hervor- 
ragendsten Erscheinungen ist und zur Entwickelung und 
Gestaltung des rabbinischen Judenthums Betrachtliches bei- 
getragen hat. 



1) Jer. Kilaun X, 4, Gen. Babba cap. da, Ho6d Katan 1. c. 
>) Jer. Kilaim ibid S. 24 a. bab. B. Mezia 85 b. 
») Ibid. 



Priester and Levlten. 

Eine Benrtheilung der Schrift: 
„Der Kampf zwischen Priestern und Leviten 

seit den Tagen Ezechiel's". 

Eine historisch-kritische Untersnchung, 
yon Dr. H. Yogelsteln. 



(Schluss)i). 

Ein fiirchtbarer und sogar blutiger Kampf zwischen 

Priestern und Leviten soil unter dem Pontificat Jochanan's, 

des Sohnes Jojada's, der nach Gratz (lib S. 210) um 360 

V. Chr. fungirt hat, ausgebrochen sein. Horen wir die 

Schilderung des Kampfes bei unserem Verf. '): 

„Es leuchtet dn, dass die Macht des so (durch die Verbindnng 
mit den Sangem und Thorwartem) erweiterten Levitenstandes eine 
viel grSssere wurde, als sie bisher gewesen war. Wie eine ge- 
schlossene Phalanx . . . stellten die Leviten sich jetzt den Ahroniden 

entgegen Mit Neid und Eifersncht sahen die Ahroniden der 

wachsenden Macht der Leviten zu, konnten aber nichts gegen sie 

ausricbten Yielfache Reibungen fanden zwischen den Leviten 

und Priestern statt. namentlich machten sich die ersteren die schwierige 
Stellnng zu Nutze, in welcbe der Hohepriester Jochanan, der Sohn 
Jojada's, durch seine eigene Schuld gerathen war. Er hatte namlich 
seinen Bruder Josua, der mit Hulfe des persischen Satrapen Bagoses 
sich die Hohepriesterwurde zu erwerben trachtete, im Tempel er- 
mordet und dadurch grosses IJnheil tiber Judaa heraufbeschworen. 
. . . Bagoses riickte in Jerusalem ein und druckte das Yolk durch 

Zu S. 84 ist zu bemerken, dass auch aus Ez. 40, 44 f zu 
entnehmen ist, dass die Sanger (onv) zu den Leviten gehoren. 
*) V. Abschn. S. 44-65. 



— 137 — 

nnerhdrte Strafsteuem sieben Jahre hindnrch (Jos. ant. XI, 7, 1). 
Selbstverstandlich litt das Ansehen des Hohepriesters . . . nngemein 
unter der Ungunst der Zeitverhaltnisse, und den Leyiten, die in 
alien anf die Schwachung der priesterlichen Macht abzielenden Be- 
strebungen an Bagoses eine Sttitze fanden, wurde es leicht ihren 
Einflnss zu vergr^ssem. Die Abroniden . . . konnten dem Andringen 
des Levitenstandes keineu energiscben Widerstand entgegensetzen, 
mnssten es yielmebr ruhig mit anseben, wie dieser anf ibre Kosten 
seine Recbte immer mebr ansdebnte and sicb geradezu eine Macbt- 
stellnng eroberte." 

„Da aber wagten die Leyiten . . . einen Scbritt, der sie im 
Falle des Gelingens zn nnumscbrankten Herren der Situation ge- 
macbt und ibnen ... die religiose Oberberrscbaft yerscbafft baben 
wiirde, der aber, weil er misslang, sie nm alle ibre Errongenscbaften 
bracbte und ibren Einflnss fur immer zerst5rte. Sie yersucbten die 
Scbranke zu durcbbrecben, welcbe zwiscben ibnen und den Abroniden 
aufgericbtet . . . worden war. Sie yerlangten Zutritt zu den 
eigentUcben Opferbandlungen, namentlicb zur Darbringung des 
Raucberwerks, oder mit anderen Worten, yoUige Aufhebung des 

Unterschiedes zwiscben Priestem und Leyiten Die all- 

gemeine Missstimmung, sowie die fiir die Friesterberrscbaft un- 
gunstige politiscbe Lage benutzten die Leyiten, um den Hauptschlag 
gegen die Abroniden zu fiibren. . . . Es gelang ibnen aucb, einen 
Teil des Volkes und der Sobriftgelebrten anf ibre Seite zn bringen 

und sicb einen acbtunggebietenden Anbang zu yerscbaffen 

Aber es war docb ein grosses Wagestiick, die gebeiligte Stellung 
der Abroniden anzugreifen. . . Das saben die Leyiten auch sebr 
wobl ein und bescbrankten sicb daber yorlaufig anf die Forderung, 
bei der Darbringung des BAucberwerks . . eine Verwendung zu er- 
balten. . . . Ein beftiger Eampf entbrannte, die Leyiten, ibrer 
Hacbt sicb bewusst, wollten um jeden Freis mindestens die Baucb- 
pfanne bis zum Altare tragen und fanden sicb eines Tages in 
grosser Zabl und in drobender Haltung im Tempel ein, um sicb 
dieses Becbt zu ertrotzen. Viele angesebene Israeliten scblossen 
sicb ibnen an; der Beyormundung durcb die Friester mQde, ge- 
dacbten sie mit Htilfe der Leyiten selbst einen grQsseren Anteil an 
der Staats- und Tempelyerwaltung zn ejbalten. . . Aber im ent- 
scbeidenden Augenblicke gelang es den bartbedrangten Friestem 
den gewaltigen Sturm zn bescbwicbtigen. Die Scbriftgelebrten, die 
sicb in ibrer grossen Mebrbeit dem Yersucbe der Leyiten, eine 
gegen den Wortlaut der Scbrift und gegen eine mebrbundertjabrige 
gebeiligte Tradition yerstossende Nenerung einzufUbren, widersetzten, 
stellten sicb offen anf die Seite der Abroniden, und die Leyiten 



— 138 — 

wurden nach hefdger bhitiger Gegenwebr bedegt. . . . Der Nimbiu. 
der mn das Haupt der Friester schwebte, zeigte aich im ent- 
seheidenden Augoiblicke als ein so machtiger Faktor, dass alle you 
den Leyiten angeknupften Yerbindimgen mit angesehenen nnd her- 
Tomgenden Mannern vergeblich blieben nnd das Friestertnm einea 
glanzenden Sieg erfoeht.** 

A us welcher Quelle hat Vogelstein diese Schauer- 
geschichte geschopft? Man hore imd staune! Aus der 
Erzahlung von Korach in Nmneri 16 und 17!! Der Verf. 
sa^ (S. 49): „Wir sind iiber diesen Zeitabschnitt so 
wenig unterrichtet, und die Quellen, aus denen wir schopfen 
konnen, fliessen so sparlich, dass sich iiber die Einzelheiten 
dieses Kampfes (der Leviten gegen die Priester) nicht ein- 
mal Vermutungen aufetellen lassen. Doch dass er sehr 
erbittert gewesen ist, erhellt aus der Num. 15 und 16 
(soil heissen 16 u. 17) mitgetheilten Emporung Korachs.* 

Wir konnten iiber die Lasterung, die darin liegt, dass 
eine Erzahlung der heiligen Thora zu einer in spaterer 
Zeit eingeschmuggelten tendenziosen Erdichtung herabge- 
wiirdigt wird, hochst entrustet sein, wenn die ganze Hypo- 
these nicht ein gar zu lacherlicher B15dsinn ware, so dass sie 
uns nur als eine krankhafte Hallucination erscheint. Denn 
es mag wohl Sinn haben, bei sicherer historischer Grundlage 
eine Erzahlung, die man far erdichtet zu halten berechtigt 
ist, und die unverkennbar bekannte geschichtliche Momente 
widerspiegelt, als eine in Beziehung zu jenen historischen 
Thatsachen stehende Erdichtung zu erklaren. So wenig 
WahrscheinUchkeit eine solche Hypothese stets fiir sich hat, 
darf sie doch mitunter zur Erklarung rathselhafter Er- 
scheinungen auf dem Gebiete der alten literatur in An- 
wendung gebracht werden. Unerhort aber ist es, ohne 
jeden geschichtlichen Boden aus der erdichtet sein sollenden 
Erzahlung sich erst die ganze Geschichte zu constrderen 
und dann die Hypothese aufeustellen, jene Erdichtung sei 
ein Reflex dieser Geschichte. Das ist barer Unsinn ! Wenn 
die kritis che Analyse, durch welche die neueren Bibelforscher 



— 139 — 

znr Annahme eines Dualisinus in Num. 16 gefiihrt wurden,*) 
in so unverantwortlicher Weise missbraucht wird, wie dies 
hier von Vogelstein geschieht, so wird wohl eine wissen- 
schaftliche Kritik in erster Linie gegen ein solches Verfahren 
Protest einlegen. 

War unser Verfasser sich der Tragweite seiner Annahme, 
dass die Geschichte Korachs und (me der Verf. dann weiter 
ausfiihrt) das Gesetz iiber den Raucheraltar erst um 
360 V. Chr. in die Thora eingeschoben wurde, auch be- 
wusst? Wir glauben kaum! Er wiirde sonst genothigt 
sein, sich den Wahnwitz Sorensen's auzueignen, wonach die 
Thora erst zur Zeit der Makkabaer redigirt wurde. Der 
Verf. scheint sich nicht vergegenwartigt zu haben, dass 
viele Stellen der Bibel ohne jede erkennbare Absicht jenes 
vermeintlich erst um 360 erdichtete Ereigniss far ge- 
schichtliche Wahrheit halten und dass er nun consequenter- 
massen diese Stellen in eine noch viel spatere Zeit, etwa 
in die der Chronik, setzen miisste. In die Zeit nach 
360 wiirden somit nach dem Verfasser folgende Stellen zu 
setzen sein: 

1. Num. 16 und 17 (zum grossten Theil). 

2. Num. 26, 9—11. 

3. Num. 27, 1—11 (wegen V. 3). 

4. Num. 36 (wegen seiner Abhangigkeit von 27, 1 — 11). 

5. Josua 17, 3—4 (aus demselben Grunde). 

6. Num. 26, 33 (dgl.). 

7. Exod. 30, 1—10 (so datirt vom Verf. S. 56). 

8. Lev. 4, 1—21 (das. S. 60). 

9. Lev. 16 (das.). 

10. Lev- 6, 23 (wegen Bezugnahme auf Lev. 4 u. 16). 

11. Lev. 10, 16—20 (dgl.). 

12. Num. 4, 11, sowie 3, 31. 

13. Exod. 30, 7 u. 8, Lev. 24, 3, Num. 8, 2 u. 3 



') Diese Annahme wird aber mit nichten darch Deat. 11, 6 
gestiitzt, ygl. Hagazin 1880 S. 251 i. 



— 140 — 

XL. a. St. (so datirt vom Verf. S. 63 imd 65).*) Noch 
spater soil der Text in 27, 20; 21 geandert worden sein 
(das. S. 64.) 

14. Sehr viele Stellen in Exod. cap. 30 — 48, wo der 
goldene Altar oder der Rancheraltar u. s. w. vorkommt 
(vgl. die Concordanz). 

15. Auch alle die Stellen, wo der Opferaltar genauer 
als nSiyn naro oder nmn naro bezeichnet wird, gehoren 
hierher, da diese einen andem naro voraussetzen. 

Mit der Hjrpothese iiber den spateren Ursprung des 
goldenen Altars hat V. iiberhaupt einen ungliicklichen GriflF 
gethan. Er hat keine Ahnung davon, dass die Behauptung 
nicht neu, sondem bereits im Jahre 1877 von Wellhausen 
in den Jahrbiichem far deutsche Theologie XXII S. 410 flf. 
aufgesteUt und wenigstens consequent durchgefohrt wurde, 
ohne durch eine so spate Datirung vieler ThorasteUen von 
vome herein die ganze Annahme zu discreditieren. Well- 
hausen hat auch aUe entgegenstehenden Instanzen bemerkt 
und zu beseitigen versucht, aUerdings mit wenig Gliick. 
Was soil man aber zu unserem Verf. sagen, wenn er hier 
das oben S. 84 gekennzeichnete Manover wiederholt, die 
wichtige Stelle 1. Kon. 7, 48, welche die Existenz des 
goldenen Altars zur Zeit Salome's bezeugt und seiner 
Hypothese den Todesstoss versetzt, verstohlen in einer 



1) Charakteristisch ist die Beweisf&hmiig, mit der dies begrundet 
wird: ,Dass die Leviten in der Zeit, als der Kampf nm das 
Mucherwerk so heftig entbrannte, den Dienst des Lichteranziindens 
nnangefochten ansgeubt haben, steht deshalb ausser Zwdfel, weil 
sonst in dem Streite Koracbs sicherlich auch dieser levitischen An- 
massnng Erwahnung geschahe. Und andererseits lS>sst es sich nicht 
denken, dass die Leviten, welche nach dem viel heiligeren Rancher- 
werk ihre Hand ansstreckten, die Fonktion des Lichteranziindens 
nicht begehrt haben sollten." — Lidem Verf. ein Lnftschloss anf 
dem anderen errichtet, meint er, seine oben gegebene Darstellang 
Yom Kampfe stehe wdrtlich in der Thora, ohne zu bedenken, dass 
im Texte Eorach einfach das ganze Priestertom yerlangt (Y. 3 a. 
10) und dass nur anf Hoses' Vorschlag mit dem RHucherwerk der ' 



— Ul — 

Note (S. 53) durch eine einfaltige Bemerkung^) bei Seite 
zu schieben versucht, wenn er femer 1. Kon. 6, 22 und 
Ezech. 41, 22 ganz iibersieht?! Es ware unnutz und gar 
zu leicht, solche Oberflachlichkeit zu widerlegen. Wir 
woUen hier deswegen, um auch etwas Positives zu geben, 
nicht mit Vogelstein aUein, sondem auch mit Wellhausen 
rechnen. 

1. Das einzig beachtenswerthe Moment, das man gegen 
die Urspriinglichkeit des goldeneu Altars im Stiftshiitten- 
gesetze anfuhrt, ist der Umstand, dass er im Gesetzbuche 
erst nachtraglich erscheint (Exod. 30, 1 — 10), nachdem 
nicht nur die Anfertigung des Stiftszelts, sondem auch die 
der Priesterkleider, sowie die Inauguration des Gottes- 
dienstes bereits befohlen ist. — Allein gerade ein spaterer 
Interpolator wiirde die Vorschrift an die vermeintlich passende 
Stelle gesetzt haben, wie ja der Samaritaner wirklich das 
Gesetz hinter 26, 35 gestellt hat. Nur der urspriingliche 
Gesetzgeber kann aus einem tiefer liegenden Grunde die 
dem ersten Anscheine nach auflfaUende Stellung der be- 
treflfenden Vorschriften vorgenommen haben. Der Name 
nD», von nar (schlachten), kommt eigentlich nur demjenigen 
Altar zu, auf dem nDr geopfert wird. Ein Raucheraltar 
konnte nicht naro, sondem nur Itgpl^ (wie 30, 1) genannt 
werden. Erst nachdem von dem eigentlichen nDttD die 
Rede war, konnte einem anderen Gegenstande, der diesem 
ahnlich ist und eine ihm verwandte Bestimmung hat, eben- 
falls der Name naro beigelegt werden, indem dieser letztere 
n3?D daza bestinmit ist, dem am Hauptaltare ausge- 



Anfang gemacht wird. IJebrigens sei bemerkt, dass nach dem Tal- 
mud Joma 24b iiberhaupt aneh ein Nichtpriester die Lichter an- 
zlinden durfte (vgl. Haimon. vipo nM^a 9, 7). 

^) Der 1. KOn. 7, 48 erwlihnte goldene Altar des Salomo soil 
kein R&ncherwerkaltar, sondem ein vielleicht nur bei besonderen 
feierlichen Gelegenheiten bentitzter Opferaltar gewesen sein ! ! Wenn 
aber Salomo einen goldenen Opferaltar gehabt hat, wie kommt es, 
dass man im zweiten Temp^ bis 360, bis zum „Kampfe gegen die 
XieWten" mit der Enichtnng eines goldenen Altars wartete? ! 



— 142 — 

iibten taglichen Opfer-Gottesdienst einen weihevollen und 
feierlichen Abschluss zu geben. Es konnte also an der 
Stelle, wo man es erw^artet hatte, bei der Beschreibung 
der Gerathe des inneren Heiligthums vom Raucheraltar 
nicht gesprochen werden. Erst nachdem (Exod. 29, 38 — 46) 
der tagliche Opfer-Gottesdienst (Ton nSlv) angeordnet 
wurde, schliessen sich hieran passend die Vorschriften iiber 
den Abschluss dieses Gottesdienstes durch das -."cn n'lOpO^ 
und bei dieser Gelegenheit wird auch die Anfertigung des 
Raucheraltars befohlen, der jetzt erst den Namen naro er- 
halten kann. 

2. Femer-meint WeUhausen, da Ezech. 41, 22 den Altar 
im Tempel auch „Tisch** nennt, so habe es einen vom 
heiligen Tisch verschiedenen Altar im Tempel nicht gegeben; 
der Altar im Tempel Salomons (1 . Kon. 6, 20 u. 22) soil 
demnach auch der Tisch, und die Worte [nStt^n n«i in 1. Kon. 
7, 48 soUen eine spatere Interpolation sein. Dies bezeichnet 
Dillmann (Pent. 11 316) als Hyperkritik; wir mochten es 
Tend^nzkritik nennen, in der Alles, was einer vorgefassten 
Meinung im Wege steht, einfach wegkritisirt wird. Mit 
dem fnSrn nw ist's nicht gethan. Auch znr am Schluss 
des Verses miisste fort. Wenn Ezechiel vom Altar sagt 
jnStt^n nr, so ist natiirlich daraus nur erwiesen, dass der 
Altar auch ^Tisch'^ genannt werden kann. So nennen 
Ez. 44, 16 und Maleachi 1, 12 auch den Opferaltar 'n [nSir. 
Dass aber umgekehrt der Tisch naro genannt wiirde, ist 
undenkbar, da riDro (== nam mpo) fur den Tisch ganz und 
gar nicht passt. Die Beschreibung, die Ezechiel yon dem 
Gerathe giebt, macht es auch unzweifelhaft, dass er von 
einem Altar und nicht von einem Tische spricht; denn 
a) es hat vorstehende Ecken niv^po; b) die Lange ist gleich 
der Breite, wie bei aUen Altaren, wahrend beim Tisch 



') Wie ja auch die Mahlzeit des lainn diurch RHucherwerk 
(nD:iiD) beschlogsen wurde. Vgl. fiber die symbolische Bedeutung 
des nntop Hirsch zn Exod. 30, 1. 



-^ 143 — 

erstere doppelt so gross als letztere ist; c) auch die Hohe 
von drei Ellen ist jfiir einen Tisch zu gross. Somit ist aus 
Ezechiel, verbunden mit 1. Kon. 6, 20 u. 22 und 7, 48, 
mit voller Sicherheit zu schliessen, dass im Terapel Salomo's 
ein goldener Altar gewesen ist. 

3. Kaum hat man nothig auf andere Fragen zu 
erwidem, wie die von Wellhausen, warum der Ritas des 
teierlichen Siindopfers in Lev. 4 am goldenen Altar, in 
Exod. 29 und Lev. 8 — 9 aber ohne denselben vor sich 
geht. Auch eine oberflachliche Betrachtung lehrt, dass 
die Sprengung des Blutes an den goldenen Altar nur 
bei schwerwiegenden Siinden, wie die des Hohenpriesters 
und der ganzen Gemeinde, nothig war, keineswegs aber 
beim Einweihungs-Siindopfer. Wenn Wellhausen es femer 
auflSllig findet, dass bei mehreren feierlichen Raucheropfem 
nur der Pfannen, aber nicht des goldenen Altars Er- 
wahnung geschieht, z. B. in Lev. 16, Num. 16 u. 17 und 
Lev. 10,1 flf., so ist auch hier die Schwierigkeit nur ge- 
sucht. In Lev. 16 am Versohnungstage wird das Raucher- 
werk an die heiligste Statte, in das AUerheiligste, gebracht; 
in Lev. 10,1 und Num. 16 sind die Darbringer des 
Raucherwerks sofort beim Eintritt in's Heiligthum vom Tode 
ereilt worden, ehe sie noch an den Altar angelangt waren; 
in Num. 17 endlich erfolgt die Raucherung mitten unter 
dem Volke, wo vom Altar keine Rede sein kann. Wenn 
wieder Vogelstein auf das Opfer der o^Ktt^i in Num. 7 auf- 
merksam macht und glaubt, dass die Darbringung des 
n-^ep mit dem Verbote mr nn»p rSj? iSvn »S im Wider- 
spruch stehe, da die Erklarung von Menachot 50 a (wntn 
nyr) nur „eine Verlegenheitserklarung" sei, so ist es ein 
hochst sonderbares Verfahren, zuerst, um eine Schvrierigkeit 
zu finden, die talmudische Erklarung zu mr mep als fest- 
stehend vorauszusetzen und dann die talmudische Losung 
zu verwerfen! mr t^ heisst nach Lev. 10,1 das, was 
Gott nicht geboten hat or» rm vh ")»«. Das Opfer der 
D'Hnt^i aber war ja von Gott befohlen worden. Num. 7,11, 



- 144 — 

Wir sind zwar von der Wahrheit der Tradition unserer 
Weisen, dass das m»p der o^^^r) auf den prnn HDro kam, 
iiberzeugt, halten aber auch die Erklamng for richtig, dass 
die Vorschriften beim Einweihungsopfer als nytt> n«nin zu 
betrachten und for die spatere Praxis nicht massgebend 
seien, wie wir ja z. B. auch finden, dass bei der Einweihung 
ein mirn n«»n ausserhalb des Lagers verbrannt wurde 
(Exod. 29,14). 

4. Besondere Beachtung verdient Lev. 16,18. Well- 
hausen ist nicht so unkritisch wie Vogelstein, das Kapitel 
vom Opfer des Versohnungstages far eine spatere Ein- 
schiebung zu erklaren, meint aber, der ti ^3bS "i^h nare sei 
nicht der goldene, sondem der gewohnliche Opferaltar, da 
'H '3dS auch vom Vorhof gebraucht wird (Vv. 7, 10, 12, 
vgl. auch Ibn Esra).*) — Indessen ist hier schon die 
genauere Bestinunung des Altars aUein entscheidend. Wenn 
es nur ein en Altar gab, wozu bedarf es da der naheren 
Bestimmung 'n ^3oS nr»? Diese will sicherlich nur den in 
Rede stehenden Altar von einem anderen unterscheiden, und 
es kann daher hier nur der goldene Altar, wie in Lev. 
4,18, gemeint sein. Letztere SteUe Hefert den besten 
Commentar zu der unsrigen. Betrachten wir femer, wie 
in Exod. 29,12, wo vom Ganzopfer- Altar die Rede ist, die 
Vorschrift, den Rest des Blutes in den iid'' zu giessen, 
hinzugefiigt wird, so lasst schon das Fehlen dieser Vor- 
schrift in Lev. 16,18 darauf schliessen, dass hier von einem 
Altar ohne mo' gesprochen wird, also vom goldenen Altar. 
Es darf endlich nicht iibersehen werden, dass «ri in V. 18 
dasselbe wie inH2C ly in V". 17, also den Ausgang aus dem 
Allerheiligsten in das unmittelbar daran grenzende HeUig- 
thum bedeutet, wo der goldene Altar stand. SoUte man 



1) Nach Ibn-Esra ist in nj?ra ShkS (V. 16) alles im Stiftszelt 
Befindliche, anch der goldene Altar, enthalten. Man kann also 
Wellhausen in der Erkl&rung von V. 18 zustimmen, ohne die Ur- 
sprtin^chkeit von Exod. 30, Ir-lO in Abrede zu stellen, vgl. 
Dillmaim. 



— 145 — 

es auffallend finden, dass in V. 25 nnatDn ohne nahere Be- 
stinunung den Ganzopfer- Altar bezeichnet, so bedenke man, 
dass hier im vorhergehenden Verse mit inSy n« iWjn «an 
die Localitat dieses Altars genau angegeben ist. — Das 
hier Gesagte diirfte hinreichen, mn die Bedenken, welche 
gegen Exod. 30,1 — 10 erhoben wurden, zu beseitigen, *) 
und wir kehren nun zur Sache zuriick. 

»Die Priester^S erzahlt Vogelstein weiter, »nutzten den 
erkampften Sieg weidlich aus . . . Dem Sieger die Beute! 
war ihr Losungswort.* »Die Beute*, die den Leviten ent- 
rissen wurde, bestand, wie in Abschn. VII ausgefiihrt wird, 
in der Entziehung des ausscMiesslichen Rechts, die Opfer 
zu schlachten und zu kochen, in der Beseitigung des Vorrechts 
der Leviten fiir Richteramter und der Einziehung des 
Zehnten zu Gunsten der Priester. — Alles ist hier wieder 
bodenlose Erdichtung! Unverantwortlich oberflachlich ist 
die Behauptung, die Priester batten in jener Zeit die 
Schlachtung der Opfer, welche nach Ezechiel den Leviten 
zukam, ganzlich den Laien freigegeben und fur diese Praxis 
die gesetzliche Bestatigung von den Schriftgelehrten erlangt. 
Als Quelle hierfiir wird Sebachim 31b angegeben. Ueber 
die Methode, ohne jedweden Anhaltspunkt die Enstehung 
einer talmudischen Halacha in eine dem Geschichtsschreiber 
beliebte Zeit zu versetzen, daraus Resultate zu ziehen und 
diese als feststehende historische Thatsachen darzusteUen, 
wollen wir mit dem Verf. nicht mehr rechten. Allein so 
viel soUte doch Jeder wissen, dass aus dem theoretisch 
Zulassigen kein Schluss auf die Praxis zu ziehen sei. That- 
sachlich verhielt es sich nun mit der Schlachtung der 
Opfer folgendermassen: Nach dem Gesetze ist, wie von 
alien Pentateuch-Erklarem zugestanden werden muss, das 
Schlachten der Opfer Jedem gestattet; denn dass die 
Leviten schlachten soUen, ist in der Thora nicht im Ent- 



^) Ygl. noch Delitzsch's Anfs&tze in Luthardt's Zeitschrift f. 
kirchliche Wissenschaft 1 (1880), welche mir jetet nicht vorUegen. 

XH«dn* Hen II, 1890. IQ 



— 146 — 

femtesten aDgedeotet*). Dies Idirt nun anch die Halacha 
in Sebachim 31b mit Becht In der Pnms fireilich machte 
es sich anders. Da nicht Jeder die Schlacht- nnd Rein- 
heitsvorschriften kannte nnd beobachtete, mnssten bestimmte 
Personen zam Schlachten nnd Abziehen der Opfer ver- 
wendet werden, nnd das waren noch in den ersten Zeiten 
des zweiten Tempels (wahrscheinlicb nocb zor Zeit der 
Chronik) die Leviten, die sich yorschriftsmassig gereinigt 
batten, vgl. Esra 6,20; 2. Chron. 29,34; 30,17; 35,6. In 
spaterer Zeit mochte man nur den Pries tern die strenge 
Einhaltong d^ Reinheitsvorschriften zngetrant nnd daher 
anch nur ihnen das Schlachten der Opfer anyertrant haben. 
Es wurde daher taglich beim Tamid nur unter den 
Priestem geloost, wer schlachten soUe (Mischna Tamid 
3,1), und es wnrden aus der Tempelkasse Schriftgelehrte 
besoldet, damit sie die Priester in den Schlachtregeln 
unterweisen (Ketubot 106 a; Jer. SchekaUm 4,2)'). Beim 
Pesachopfer waren wahrscheinlicb Ansnahmen von der ge- 
wohnlichen Praxis gestattet (Pesachim 5,6), da die Priester 
wegen der Menge der Opfer das Schlachten nicht bewaltigen 
konnten. (Vgl. noch Tos. Chadaschim zu Joma 6, 3). 

Gleich oberflacUich ist die Behauptung des Verf.'s 
hinsichtlicrfi der Besetzung der Richteramter. Auch hierbei 
hat er die alten Quellen libersehen und aus jiingem Be- 
richten und der eigenen Phantasie geschopft. Der Bericht 
des Talmuds (Jebamot 86b), dass man jetzt nur Israeliten 
(nicht Leviten) als a"\tsiw ansteUt, ist jedenfalls jiinger als 
Josephus, denn zur Zeit des letzteren waren die ciew 
noch Leviten, wie seine Wiedergabe der Stelle Deut. 16,18 
beweist (Joseph, ant. IV, 8,14). Betreflfe der Richterstellen 
lehrt der Sifre-Deut. 153, dass Priester und Leviten bei 
deren Besetzung ein Vorrecht geniessen. Auch Tempel- 



*) Das gibt Vogelstein zu. Er sagt: „Die ezechiersche Vor- 
schrift ist im Pentateuch nicht wiederholt!" 

*) Und Vogelstein wagt zu behaupten, die Priester hUtten das 
Opfer-Schlachten profanisirt und Allen freigegeben! 



— 147 — 

beamte, Schatzmeister und Vorsteher *) mussten, wie Sifre- 
Num. 116 wiederholt einscharft, von den Leviten gewahlt 
werden. Die Behauptung Vogelstein's, dass um 360 v. Chr. 
das Vorrecht der Leviten auf die Richter- und Beamten- 
stellen beseitigt wurde, ist also nachweislich der Wahrheit 
diametral entgegengesetzt. 

Wir kommen jetzt zu der Einziehung der Zehnten. 
Die verwerflichste Unwahrheit ist unseres Erachtens die- 
jenige, die sich an etwas Thatsachliches anklammem kann. 
Nicht durch die aus der Luft gegriffenen Verleumdungen, 
sondem durch die falschen Beschuldigungen, welche irgend 
welchen thatsachlichen Hintergrund hatten, haben die Juden 
am meisten zu leiden gehabt. Eine solche verdanamens- 
werthe falsche Anklage hat auch Vogelstein gegen den 
Hohenpriester Jochanan erhoben. Eine alte Mischna (Ende 
M. scheni) berichtet: » Jochanan der Hohepriester schaflfte das 
Gebet beim Zehnten (Deut. 26,13 — 15) ab/^ Wer vermag 
aus diesem Berichte zu entnehmen, dass Jochanan den 
Zehnten den Leviten entrissen und den Priestem zugetheilt 
habe? Zu einer solchen Annahme musste eine Erklarung 
des babylonischen Talmuds, der noch dazu im Jerusch. 
widersprochen wird, herhalten. In Sota 4:7 b wird als 
Grund der Massregel Jochanan's angegeben: »Weil man 
ihn (den Zehnten) nicht gab, wie es sich gehort, denn die 
Thora befahl, dass man ihn den Leviten gebe, und wir 
geben ihn den Priestem.** Diese Erklarung ware von 
einem gewissenhajfken Porscher, der nicht den Talmud bios 
zu seinen bodenlosen Hypothesen missbrauchen will, zuerst 
zu priifen, zumal ein alter Tanna die Ansicht ausgesprochen 
hat, dass man auch nach dem Gesetz den Zehnten an den 
Priester entrichten darf '); Jochanan hatte sich also ebenso 
wie dieser Tanna mit dem Gesetze abfinden konnen (vgl. 



^) onnu und d^Ssidk, vgl. Schekalim 6, 2 und Jer. das. 
*) Die Rechtfertigung dieser Ansicht nach dem Gesetze Num. 
18 ist Jer. M. scheni Y. 56 b zn finden, vgl. anch Joseph, ant IV 8, 8, 



— 148 — 

Tos. Jebamot 86 b v. T30 nc). In der That ist auch im 
Jenisohalmi eine viel einfachere Erklarung fiir die An- 
ordnuDg Jochanan's gegeben. „Weil Jochanan uiDhersandte 
in alle Stadte J. raels und fand, dass Einige den Zehnten 
ablieferten, Andere aber ihn nicht entrichteten, traf er zwar 
die Anordnung, dass man bei den von einem pi^n cy ge- 
kauften Friichten die Heben absondere, bei den Leviten- 
zehnten aber musste er den Rechtsgrundsatz i?3no nrxusn 
n^"n rhv respectiren und konnte deren Entrichtung nicht 
erzwingen; daher schaflfte er wenigstens das Gebet ab, 
damit man nicht vor Gott eine Liige ausspreche/* Diese 
Erklarung klingt doch schon plausibler! Kennt denn aber 
der Babli diese Erklarung nicht? Er kennt dieselbe wohl, 
ja er citirt sie im Namen einer Baraita; jedoch will der 
Babli auch einen Grund angeben, warum Jochanan die 
cnan, die doch den Zehnten absonderten, das ^"n-Gebet 
nicht verrichten liess. Nun stellt auch der Jerusch. die 
Frage auf, warum nicht wenigstens diejenigen, welche den 
Zehnten absonderten, das Gebet verrichteten. Die Antwort 
lautet etwas dunkel: Es ist, wie in einer Baraita gelehrt 
wird: Bis nc*pM (V. 15) sagte man mit leiser Stimme 
(■p03 Sips), von da ab mit lauter Stimme (ma J Sipa)^). 
Jochanan scheint also nach dieser Baraita die alte Sitte 
nur insofem abgeschafft zu haben, dass man das Gebet 
nicht in feierUcher Versammlung, wie das Dankgebet bei 
der Darbringung der Erstlinge (M. Bikkurim 3,6), laut vor- 
trug; es blieb aber Demjenigen, der piinktlich seine Pflicht 



^) Die Angabe, dass man das ^nvGebet mit leiser Stimme sage, 
findet sich auch in der im ^Magazin" 1889 S 193 ff. besprochenen 
alten Mechilta zu Deut. 26, 5 und 13. Dort sagt E. Simon b. 
Jochai: nn:i Sipa now dih via "poa Sipa now bin inaiy (der 
Mensch mag sein Lob leise, seine Schande aber laut hersagen). 
R. Simon will erklaren, warum in V. 5 nnow n^a^n (du soUst laut 
anssprechen), im Y. 13 aber einfach nnOMi steht Er meint, an 
ersterer Stelle erzahlen wir von unserer Sklaverei und Gedriicktheit 
' 'a;j), an letzterer aber von unserer gewissenhaften Pflichter- 
uig (naB^). 



— 149 — 

erfiillt batte, unbenommen, das Bekenntniss leise fiir sich 
zu sprechen. Es liegt ja auf der Hand, dass es misslich 
war, in offentlicher Versammlung die onan anders als das 
iibrige Volk zu behandebi (vgl. Bikkurim 3,7). 

Mag man aber auch mit dem Babli annehmen, Jochanan 
babe auch fur die onan das Gebet abgescbafiFt, weil sie 
den Zebnten nicbt nacb Vorscbrift an die Leviten, sondem 
an die Priester entricbteten, so siebt docb jeder Verniinftige 
darin ein Tadelsvotum von Seiten Jocbanan's gegen jenes 
vorscbriftswidrige Verfabren, wie ja in der Tbat der 
Jeruscbabni ibm dies zum Lobe (natt^S) anrecbnet. Welcbe 
Verkebrtbeit ist es.nun, aus diesem Bericbte berauslesen 
zu wollen, dass Jocbanan es war, der, urn die Leviten zu 
bestrafen, ibnen den Zebnten entriss?! 

Scbon das ist ein salto mortale des Verfassers, unter 
diesem Hobenpriester Jocbanan nicbt, wie gewobnlicb in 
Miscbna und Baraita, Jobann Hyrkan, sondem den alten Jo- 
cbanan b. Jojada zu versteben. Es wird zugegeben, dass die 
andern dort in der Miscbna erwabnten Anordnungen Jobann 
Hyrkan angeboren; allein die erste Verordnung, die Ab- 
scbafiFung des 'm, muss einen andern Urbeber baben, weil 
»die Verfugung in BetrefF des Demai (Absonderung der 
Hebe von der vom f^v^n ov gekauften Prucbt) und die Ab- 
scbaffung des Bekenntnissgebetes einander ganz und gar 
widersprecben/* Erstere Verfugung strebte die aUerstrengste 
Beobacbtung .der Religionsgesetze an, wabrend letztere ein 
bibUscbes Gebot beseitigt. — Wir baben oben aus dem 
Jeruscbalmi geseben, dass beiden Verordnungen dieselben 
Tbatsacben zu Grunde liegen, und aucb nacb dem Babli 
ist die zweite Verordnung wenigstens tbeilweise durcb die- 
selben Zustande veranlasst, welcbe die erste Verfugung 
notbig macbten. AUein gerade nacb V., der in der ersten 
Verordnung die Einziebung des Zebnten zu Gunsten der 
Priester erblickt, zeigen ja die beiden Neuerungen erst 
recbt ein und dieselbe Tendenz, namlicb die Vermebrung 
der Einkiinfte der Priester. Denn nur die Priester erbielten 



— 150 — 

vom Demai Hebe und Hebezehnten, die Leviten und Armen 
aber Nichts. Die beiden Verordnungen haben also ent- 
schieden ein und denselben Urheber, wie die Quellen be- 
richten, und dieser kann nur Johann Hyrkan sein. 

Die Mischna kennt uberhaupt von Esra bis Simon den 
Gerechten keinen einzelnen Namen^) eines Schriftgelehrten. 
Diese Zeit wird von den Mannem der grossen Synagoge 
ausgefiillt (Abot I, 3). Jochanan, der Hohepriester, lebte 
in der Ueberlieferung der alien Mischna nach Simon dem 
Gerechten (Para HI, 5). Und dennoch soil sich von einem 
alten verschollenen Hohenpriester Jochanan in der Mischna 
eine Ueberlieferung erhalten haben! 

Wir haben iibrigens von demselben R. Josua b. Levi, 
der, als man spater den Priestem den Zehnten wieder 
ganzlich entziehen wollte, zu Gxmsten der Priester auftrat 
(Jer. M. scheni 56 b), eine Ueberlieferung, die den Stempel 
der Historicitat an der Stime tragi: Er berichiet (Jer. M. 
scheni, Ende): )>In fiiiherer Zeit isi der Zehnie in drei 
Theile getheilt worden, ein Drittel gab man den Bekannten 
unter den Priestem und Leviten, ein Drittel in die Schatz- 
kammer und ein Drittel den Armen und Chaberim zu Je- 
rusalem. Als aber Eleasar mine p und Jehuda iTinc fa 
kamen, nahmen sie alles mit Gewali fori. Er (der Hohe- 
priester) hatte die Macht, dies zu verwehren, er that es 
aber nicht, schaflFte vielmehr das '•m-Gebet ab; darob 
wurde er geiadelt.^* Nicht mit Unrecht identificirt Gratz 
(HI, Note 9) diesen rrnno p nryStt mit dem ak boshaft 
und rankevoU geschilderten nryiD p iryS« in Kidduschin 
66 a. Auch bei Josephus (XIH, 10,5) isi ein Eleaser der 
Urheber des Zerwurfoisses Hyrkan's mit den Pharisaem. 
Somit hatten die gewaltthaiigen Priester unter Johann 
Hyrkan zuerst den ganzen Zehnten an sich gerissen. 

^) Selbst die doch gewiss oft von Miind zu Mund erzahlte Be- 
gegnimg eines Hohenpriesters mit Alexander dem Grossen, welche 
noch Josephus yon Jaddua berichtet, wird in der talmudischen 
IJeberliefenmg Simon, dem Gerechten, zngeschrieben (Joma 69 a). 



— 151 — 

Die Gewaltthatigkeit der jerusalemischen Priesterschaft der 
spateren Zeit ist ja genugsam bekannt (vgl. Jos. ant. XX, 
8,8; 9,2 und Pesachim 57 a) und richtete sich nicht gerade 
gegen die Leviten, sondem das Volk und sogar die 
armen Priester batten dadurch ebensoviel zu leiden. Fiir 
einen Kampf zwischen den Priestem und den Leviten ist 
also diese Thatsache nicht zu verwerthen. 

Wir brechen bier [S. 82] ab. Von da bis nahe an 
den Schluss zieht sich eine lange und langweilige Schmah- 
schrift gegen die Chronik bin, mit deren auch nur ge- 
kiirzter Wiederholung und Widerlegung wir die Leser nicht 
belastigen wollen, denn wenn es auch wahr ware, was der 
Verf. behauptet, die Absicht des Autors der Chronik sei, 
die hohe Bedeutung der Leviten hervorzuheben und historisch 
zu begriinden, so ist es doch ungereimt, diese Tendenz in 
jedem Satz, oft in jedem Worte zu suchen und auch da 
gewaltsam hineinzudeutek, wo bisher auch das bewaflhete 
Auge nichts zu entdecken vermochte. Neu sind die An- 
griflfe gegen die Chronik keineswegs, sie sind langst von 
de Wette u. A. vorgebracht; dagegen ist wieder von 
Anderen, auch von solchen, die auf streng kritischem 
Standpunkte stehen, wie EwaJd, Bertheau, Dillmann, die 
Glaubwiirdigkeit der Chronik vertheidigt worden. Wer sich 
fiir die Frage interessirt, mag jene Schriften, die in jeder 
Emleitung des A. T. angefiihrt sind, nachlesen. — 

Berlin, im Marz 1890. 

Dr. Hoffmann. 



Zar Oetichlchte der Exes^ese 

fiber den Vers: Gen. 49, 10 1J1 Mr mo^ vh. 
Von Babb. Dr. B. ZlHWit in 8t PMtw. 

(Fortsetzimg)*). 



II. Midraschische Auslegung. 
1) Halachische Exegese. 

Die namliche Auslegung zur Rechtfertigung der in 
traditionell uberkommener Weise messianisch gedeuteten 
Weissagung Jakob's, wie wir sie in den Targumim ge- 
funden haben, erscheint, wie wir glauben, nur mannig- 
fach variirt wieder an einzelnen midraschischen Stellen, die 



*) Wir bitten folgende sinnst(5rende Druckfehler im erst en 
Teil nnseres Anfsatzes zn corrigieren nnd einzelne Erganzungen 
nachzntragen: p. 2 A. 1 Z. 9 y. u. statt: Anecdimus lies 
Accedimns; p. 3 Z. 4 v. u. st. trat 1. tat und A. 1 Z. 2 y. u. 
St. den 1. dies en; femer ist das. zn erganzen: Eine andere An- 
schannng dariiber s. bei Oppenheim im n'O III, 48 f. nnd Isaak 
Abarbanel in Jesch. mesch. (ed. K^nigsb.) f. 5a; p. 5 A. 1 Z. 1 
V. n. St. rh^ 1- rib ^B^; p. 6 Z. l n. 3 V. n. statt p. lies st; 
p. 7 Z. 6 Y. statt p. nnd Z. 6 y. o. statt 1 lies st; p. 10 Z. 8 
Y. n. lies: Demonstr. eY. 1. 7; Z. 3 y. n. st dem 1. den; A. 3 
Z. 5 Y. n. St. n. lies oder; p. 13 Z. 7 y. n. statt p. lies st n. A. 
2 Z. 6 Y. n. st 260 1; 160; p. 14 A. Z. 3 y. o. st im 1. in; A. 3 
Z. 10 Y. st n^ao 1. dndi A. 6 Z. 2 Y. n. st cnm L enm; p. 15 
A. 3 Z. 9 Y. n. lies ^y^y . . . in^u^ nnd st. d"» 1. »a bw; Z. 7. y. 

n. st Crit 6 1. Crit S.; p. 16 Z. 9 y. n. st bemerke 1. bemerkt 
nnd st dn S. T. lies dn V. T.; A. 2 Z. 6 y. n« lies dxptfiaKSfiLsvog; 
Z. 3 Y. n. lies dxpipdm>vrat und Z. 2 y. n« lies >\t\ ipn3=ax/>., 




— 153 — 



zwar an sich dunkel und schwierig sind, aus denen aber 
der leitende Gnindgedanke doch herauszulesen ist. — Die 
Prophetic des Patriarchen soUte kiinden: Nicht wird ewig 



erg. daselbst: In den Scholien des Bar-Hebraeus ed. R 
Schroter Vat. cod. 170 in der Zs. der DMG. XXIV. heisst es p. 
498 f. (Uebers. p. 513) ;H3»n :(LXX) H»3V ,HTin» p OTsar T3S3 rS 
«3nanD nh) :(LXX) k>3V ;nyiit p n ^Tvhx^ n*a p ;^c^2i " »«3pnaoi 
nm^'w «nwSo »n nSm wyvffo n :>n nSm p vtrwyx rdtj? ;nnopj? p 
(Targ. jer.); vergl. zn H»a3 p. 529 A. 16 die Erklaning Afrem's: 
wm^ny pim ««a3 mwkt wpnao lA d. h. der Prophet, der das 
Zukiinftige offenbart Diese Ausl^nng ist schwer in ppno 
wiederznfinden, was allerdings nicht so bd den ^Gresetzeslehrem*, 
die, wie Schrbter bemerkt, ,im weiteien Sinne" das jer. Targ. nnd 
Midr. Eabb. darnnter verstehen, der Fall ist — p. 17 Z. 6 v. n. fies 
„Siloah" und A. 4 Z. 9 v. n. lies TranslL praedp. V. T. colL; 
p. 18 A. 3 Z. 2 V. u. lies BjSmst. (Rep. V, 89) in Cod. ar.-sam. 
Earbi: bacnlns vel ramus; p. 19 Z. 1 v. o. lies ejus donee; A. 1 
lies (Frf rt. 1879) p. 61 und e^;anze: Beachtenswert ist die Variante 
bei Petermann (A. Briill, Z. G. u. L. der Sam. 22 A. 1) h^'^^ fiir 
ppno, womit zu vergl. ist Levy, Trgg.-Wb. s. v. hyyc, A. 2 ist zu 
erganzen: Cf. S. Kohn. Sam. Stud. p. 38 u. A. 6 und A. Briill, 
Kr. Stud. fib. Sam. Ms. Fiagm. p. 6 A. 13; A. 7 ist zu erganzen: 
Ein Text bei Morinus iibersetzt ]n3n>, s. Kohn L c. 29; p. 20 
Z. 3 V. 0. St. ninp» 1. innp»; Z. 4 v. u. lies annn id» >n^ und 
letzteres in Z. 3 v. u. zu streichen; das. A. 1 erganze: Dass speciell 
Gen. 49 bei dem hebr.-Sam. viele Abweichungen zeigt und ins- 
besondere die Stellen uber Juda nnd Benjamin im Segen Jakob's 
tendenzi5s iibersetzt sind, s. bei Briill, ZG. u. L. d. Sam. 23, und 
femer, dass die Hdschrr. des sam. Targ. bei Petermann fiir Gen. 49 
durchweg nicht mit einander ubereinstimmen, s. Noldeke in Geiger's 
Jlid. Zs. X, 311; zu A. 3: Vergl. die eigenthiimliche Uebers. yon 
nhv mit niD3 in einem Cod. bei Petermann; Briill, ZG u, L. 20 
A. 2. — P. 21 A. 3 Z. 3— 4 y. u. lies: Zur Erkl. des nS>B» heisst 
es dort femer: hn^ bezeichne u. s. w.; Z. 7 v. u. lies eumque u. 
Z. 8 St. Baur 1. Bauer; A. 2 lies vers. lat. — P. 22 Z. 1 v. u. 
(4 110, 1) zu streichen u. p. 23 Z. 1 v. o. zu erganzen: (^110. !)• 
P. 22 A. 2 Z. 2 V. u. 1. vhi\ Z. 3: Faglus, Z. 7: p. 358 ff. — , 
P. 23 Z. 8 V. 0. statt p. lies st. u. Z. 14 st. destinctum I 
destinatum. — P. 24 A. I erganze: Vergl. Geiger, Jttd. Zs. IV, 
201: „dessen ist"; u. A. 4: Vergl. oben S. 6 A. — P. 25 Z. U 
V. 0. lies eum statt cum. 

\ 



— 154 — 

weichen Scepter und Macht von Juda. Sprachen nicht die 
Thatsachen dagegen? — Da gab es aber noch einen 
babylonischen Exilsfursten und einen Nassi in Palastina, 
die nach einer alten, zum Theil auch in FamilienroUen 
schriftlich fixirten Ueberlieferung von dem koniglichen Hause 
David's ihre Abstammung herleiten konnten. So waren 
diese Diejenigen, in denen sich ein Theil der Weissagung 
erfiillte; sie bewahrten das Ansehen, den Vorrang und die 
Macht, die Juda verheissen wurden;^) sie bildeten gleich- 
sam eine Fortsetzung der Zeit, auf die eigentlich die 
Prophetie abzielte, da wirkliches Konigthum und eine aus- 
gedehnte weltliche Macht bei Juda war, welche sie, sei 
es auch nur durch eine iibertragene Gewalt und durch 
eine geistige Ueberlegenheit ersetzten. Und dieser Zustand 
sollte so lange wahren, bis in messianischer Zeit durch den 
Erloser, der aus dem Stamme Juda's erwartet wurde, auf 
diesen Stamm hohere Macht und konigliche Wiirde wieder 
iibergehen miisste.*) Dementspreehend wurde dann auch 
ppno im Sinne von „Gesetzesausleger, Gesetzeskundiger, 
Gesetzeslehrer" genommen. 

a) In einer Baraitha begegnen wir dieser der Tradition 
gemassen Anschauung. nrSj -tt^tn Hk iiin^o Mr ilD^ vh 



^) Macht und Wiirde waren also noch nicht gewichen! Damit 
stiinde in Widerspruch eine in aiteren Qiiellen nicht nachweisbare, 
wol nicht ganz echte Agada, die Raym. Mart. (Pug. fid. p. 872; 
darans Ger. d. S. E6 in Tract, c. Jnd.) und Is. Abarb. (in Jesch. 
mesch. II, 1 c. 6) als aus dem Bereschit rabba des R. Moseh had. 
stammend anfiihren: pna t'h (P. f. u. Ger. R. Rachmon)? nSoara 
'nwB3 »an (po iSoai) iSeai nn:jn nac^So [nSn:in] pmnao (nrh^v^) 
nH : nom (nmp on^Sy) onwKi ^y nnip innpm DnnS;t OSj?) Sj? pv nen 
Doch dariiber s. waiter mehr. na nh in pi mn»o oaw "^d ^^ ^^ M- 
') Vergleiche diese Auffassnng in der Erklanmg der hierher- 

gehdrigen talmudischen Stellen (Synh. 5a nnd Hor. lib) bei R. 

Nissim (ni«^n*T 1. c), Ramban (im noM ed. Steinschneider> Rerlin 1860} 

nnd Isaak Abarbanel im Fentat-Gommentar z. St.> denen wir zn- 

meist gefolgt sind. 






— 155 — 

(hirm-h) rnin tnohtstf SSrr hv ra 'la- iSk h'Sji pao ppwi 
.(V3-13 . ^ 

„Es wird der Herrscherstab von J. nicht weichen": 
Das (bezieht sich auch auf) die Exilsfursten, die Israel 
mit dem Stabe ziichtigen (bcherrschen) ; „und der Gesetzes- 
lehrer von seinen Fiissen":*) Es sind die Nachkommen 
Hillels, die das Gesetz dcna Volke kund thun.') — Zur 
VervoHstandiguog dieser "Auslegung muss roan wohl er- 
ganzen: „Bis Schiloh kommen wird", das ist der Messias, 
denn rhv ist der Name desselben,*) da sein ist die Macht 

■) DasB. Jalk. Gen. § 160 nnd raS -rm ni9'» in Beth-ham. II. 

*) Ob der nreprtingliche Sinn dieser Stelle bo zo nehmen ist, 
dasB uSii I'so anf die Jttnger (onnj'jn), die zu FUasen des Meistera 
Bitzen, hinweise, wie Easchi im Pent-Comm. z. St. es anfeufasBen 
scbeint (woranf Baur 256 schon anfmerksam inacht), ist doch etwaa 
fraglich, da ppno='«iBD das Beatiromende wftr, nnd 'jt |'an=i"into. 

*) Da wurde n'liji Bfin dem ib'jib' Tap nnd »'W dem «ibd dea 
TO. entsprechen. Ueber den Gegenaatz dieser "Wiirdeu b. anch 
Gi«tz, Geach. IV, 314. 

') Sjnh. 98b: mv nh'v nnii tth'B' n 'ST (n<vo ^scj nv fiD 
nhv K3' <3 ip ']B>. DasB die Scbuler ans dem Lehrhaose R. Schela's 
nicht willkiirlich den Meaaias mit einem an den Namen ihres Lehrera 
anklingenden Bibelwort bezeicbneten, eondem, wol die darin liegende 
ehrenvolle Aaspielung beriickaichtigend (Raachi z. St.). einen Ana- 
dmck wahlten, der hereita traditionell anf den Messias gedeutet 
wuTde, indem riW' ^^ '*^^^ bemerkt. wol die tirapiiingliche La. 
war, ist an sii^h zweifeUos nnd findet anch aeine Beatatigung in der 
Farallelatelle Midi. Echa rabb. zn c. 1 v. 16: :nQit nh^ ^ai >ii 

riW ."^ "S' '3 "V :'» niffo hv io» nW. Mathn. Eehnn. 
glanbt 3<n3 anf n st. 1 beziehen zn ktJnnen, wodurch nbE* anazn- 
ijreclien moglicU wiirt. S. Buber im Midr, Lek. tob (Wilna 1880) 

'P f. A. 64 meiut, •let Zablenwert t. nSw (ohne ') = 336 ware 
'liier daflir beatimmend getvesen, es anf den Uessiaa zu denten im Hin- 
iblick anf Dan. 12. 13, Inwieweit aber geschichtlich ein wirklicher 
^aammenhang zwiacLen dem Ausapmch derer ans dem Lehrhanse 
lee R. Si'bela n. der FersSnlichkeit des S, Schela aelbat, der nach 
(On Tode Rabbi's ein .Si^hnloberfaanpt in Nebardea war, mit der 
wtlichen Obrigkeit in Verbindnng gestanden haben moaa, ate ge- 
lenger Richter ein bedentendes Anaeben genosB, n. ans dessen 
iben wnnderbare EreignlsBe eizUdt wurden (Berach. fiSa), vor- 



I 



— 156 — 

so. yht^i). — Diese an sich Tielleicht nur agadisch 
ZQ nehmende Deutimg worde, iDdem^man weitere Conse- 
quenzec aus ihr zog, auch daza benotzt, in gewLssem 
Sinne halachisehe Besthnmangen aus ihr berzuleiten oder 
an sie anzolehnen. Da dieselbe den ExiLsfursten, mit 
weltlicher Maeht bekleidet, dem nor mit geistlieher oder 
geistiger Wfirde aasgestatteten Nassi gegennbersiellt, so 
soUte Ersterem ein hoherer Bang, grossere Befugnis in der 
Joriisdiction nnd in strafrecbtlieher Beziehong eingeraomt 
werden, wahrend Letzterer als Synhedrialoberhaupt in 
Allem, was rituell-religionsgesetzliehe Bestimmaugen, die 
kalendarische Regelnng der Festeszeiten and die Ordination 
betrifft, ein hohercs Aosehen geniessen sollte;') das war der 
Gegeiisatz von Herrschergewalt (jcSw T3y) und geistiger 
Macht (ktcd).*) Daher ware ein Einzekichter, der die Be- 

handen ist, entzieht sich nnserer Benrteilnng u. durfte schwerlich 
ZQ emieren seiiL Of. Jnch. p. 189, nnd Scherira-Brief ed. Goldb 
p. 31. 

^) Cf. Synh. 5 a Toss. s. v lonn n. die Parallelstellen n. cf. den 
Aosdmck: mS la^B^a pn Pass. 61a il Hor. lib. — Die Prarogative 
des Nassi bei Festsetzimg des Nenmonds nacb Zengenanssagen 
(n^Ki fy B^nnn riTp) gait besonders als ein Becht, das sich von der 
iiberkommenen, k5niglichen Autoritat des dayidischen Hauses 
herleitete ; dies dtirfte sich auch bekondet haben in dem Losmigswort 
(P^d), mit dem R. Chija nach Bosch haschana 25 a (wo wol statt 
«S nhvn leg. n»S nSn) Rabbi aus En-tab die Nachricht von der 
vollzogenen Amtshandlung des vmn vrvp iibermitteln liess: nn 
o»pi «n Skib'* "^So, was etwa bedeuten sollte: .Noch lebt die 
kbnigliche Macht David's und hat sich im Hause des Patriarchen 
erhalten." Eine ahnliche Parole, die wahrscheinlich in gefahrvollen 
Zeitei) bei der Neumondsbestimmung angewandt wurde (cf. Baschi 
zu Bosch hasch. 1. c, s. v. db ]'^h h^t im Namen seines Lehrers), 
findet sich Jer. Bosch hasch. Ill, 1, ed- Krot. f. 58d: m nova 
\)h^p\ ,i3*nSi«:i inoKi, i3*S«u: io*o «i?a, pn» insH (s. G. Perlitz 
in Graetz' Ms. XXXVI, 78). — Obige Erklarung verdanken wir 
unserem hochverehrten Lehrer, Herm Seminarrabb. Dr. J. Lewy in 
Hreslau u. erlauben uns dieselbe hier wiederzugeben. 

*) Wie auch unsere Auslegung umgekehrt sich viell. nach den that- 
sHchlichen' Verhaltnissen herausgebildet haben mag. ~ Den Midrasch, 



— 157 — 

fugnis von der hoheren Instanz, dem Exilsfursten, erlangt, 
frei von jeder Verantwortlichkeit und jedem Schadenersatz 
bei einem etwaigen Irrthum in der Rechtssprechung, selbst 
wenn es auf palastinensischem Gebiete, also im Machtbe- 
reiche des Nassi gewissermassen, geschah, wahrend, wenn 
der Nassi die Erlaubnis ertheilt, der Einzelrichter fur jeden 
Irrthum bei der Reclitssprechung in Babylonien verant- 
wortlich zu machen ware (Synh. 5 a). Daher hatte auch 
femer ein Nassi aus der Zeit nach der Tenapelzerstorung 
als Siihnopfer fur eine nicht wissentlich begangene, hinter- 
her als solche erkannte Schuld nicht einen Bock darbringen 
diirfen, wie nach biblisch-mischnaitischer Vorschrift allein 
ein wirklicher Volksfiirst, der in seiner voUigen Unab- 
hangigkeit nur die gottliche und keine weltliche Macht 
iiber sich anzuerkennen braucht, thun sollte (Hor. 11 b).^) 
Diese Baraitha vvurde auch in spaterer Zeit in der 
That als halach.-exeg. Midrasch angesehen und demgemass 
von Maimonides z. B. codificirt in Hilch. Synh. c. IV § 13;*) 



der sowol dem Targ. Onk , als auch unserer Baraitha zu Grunde zu 
liegen scheint glauhen wir in dem handschriftlichen Midrasch 
hagadol [vergl. iiher denselhen J. Lewy, Ein Wort uher die 
„Mechilta des R Simon" (Breslau 1889) p. 2f.], der so manche 
Bmchstiicke alter Midraschim nehen recht jungen Bestandtheilen 
enthSIt; wiedergefnnden zu hahen; daselhst heisst es (Ms. der 
Kbnigl. Bibl. zu Berlin, Or. fol. 1204) I., f. 182 b f.: mo* kS/, :Hn 
m "^^^') )»aD ppnov/ :pSpB^»o oar loini '3B^ wbw n' '"nin»o bdb' 
pDD ppno npSn 'X^ "IDIDI **'^3. Of. auch das Trg. zu Amos 1.8 
()DSir T»3:^i) und zu V, 33,21 (Shib^h hsi snco). 

') Die schwankende Auffassung von ppno bei Easchi erklart 
sich aus der verschiedenen Anwendung der Baraitha; in Synh. 
('192^10 miff) kommt der Grad der Machtvollkommenheit in Betracht, 
in Horaj. (oan) wird der Mangel an weltlicher Selbstherrlichkeit 
betont 

') Cf. auch Semag bei Eess. mischn. z. St. — Ueber den 
Gegensatz von nSu b^ki als Vertreter der weltlichen Macht, da er 
von der h. Schr. als dsb^ bezeichnet wurde, u. k*b^3, der durch Wissen 
ausgezeichnet sein muss (ppno=Q3n) s. auch Maim. Misehnacomm, 
z. Bechor. c. 4 M. 4, f. 28 b. 



- 158 — 

*rfc«n iS« :nin^D Mt^ iid'» »S or w ttS p ^T\ pa [rrSy pnSi 
Saaatt^ nvSa.*) — Die Nachkommen des Konigsohns Juda 
warden nicht allein als berechtigte Vertreter jeder, wenn 
auch untergeordneten weltlichen Macht und des geistigen 
Vorrangs in Israel angesehen, sondern auch nur ihnen 
soUte, solange ein wirkliches Konigthum in Israel bestand, 
diese Wiirde gebiihren. Denn „ nicht soUte weichen das 
Scepter von Juda" und jeder Herrscher aus einem anderen 

') Of. die noch halb praktische Diskussion liber Nassi und 
Exliarchen im Briefwechsel zwischen Josef b. Gersom u. Abraham 
Maimuid im oa^'Din n'lB^i nnjjK, ed. Wrsch. 1877, p. 87 f.; femer 
siehe Juchasin (ed. Wrsch. 1876) p. 17. Ueber Jos. b. G. vergl. 
Gross in Grata MS. XXVH, 472 A. 5. Wie Alphons d. 
Spina (Fort. fid. c, Jud. etc. 1. Ill' f. 128 b f.) nach dem 
Muster des Paul. Burg. (Dial, dist III, c. II) gegen das 
18. Argument der Juden fiir ihre mess. Auffassung u. gegen diese 
Tradition von der Vererbung der konigl. Wtirde in Juda durch das 
Exilarchat ankampft, soil noch spater besprochen werden. — 
Dagegen sei hier erwahnt, das auch Job. Morinus (Exercitt. biblicae 
Par. 1640, 1. II, ex. IV p. 262 ff.) eine ausfuhrliche Abhandlung 
diesem G^enstande widmet, in der die Nachrichten tiber die 
Herrschaft der Juden in Babylonien u. Palastina kritisch untersucht 
sein sollen. a) Gegen die von Abr. b. Dav. (nSapn 'D) u. Dav. 
Ganz (nn nos) erwahnte Thatsache, dass seit Serubabel u. Nehemias 
der principatus (nm^r^; stets im konigl. Hause David's vererbt 
wurde, auch zu der Zeit, als das regnum (nsiSo) in den Handen 
der Hasmonaer u Herod£ler war, fuhrt Mor. an: 1) das Josephns 
dessen nicht Erwahnung thue, 2) dass (R. Chananel bei Juchas.) 
Jose b. Joeser Priester gewesen, u. 3) dass Eillel vaterlicherseits 
aus dem Stamme Benjamin gewesen (Juchas.) und ebenso Babbi 
(jer. Keth. 35 a). — b) Was die Abstaramung der Exilarchen aus 
davidischem Geschlecht betrifft, meint Mor., dass dieselben doch erst 
sehr spat in Babylonien eine Machtstellung erlangteu. Da die Reihe 
der Nessiim bis dahin nur miitterlicherseits aus Juda war, ging 
die Weissagung doch nicht in Erfiillung. — Endlich sei die ganze 
Herrschaft der Exilarchen in Babyl., die die Wiirde des Konigshauses 
bewahrt batten, fingiert, da weder Origines u. Eusebius, noch 
Epiph. und Hieron., die so viel von den Juden erzalilen, etwas dar- 
iiber bringen. AehnHch ist der Schluss, wie wir ihn sonst noch 
^den werden, auch bei de Spina. 



— 159 - 

Stamm© hatte dasselbe somit widerrechtlich an sich ge- 
rissen und konnte nicht als voUgiiltig angesehen werden. 
Dies war bei den hasmonaischen Fiirsten aus dem Stamme 
Levi der Fall, gegen welche folgende halachische Be- 
stimmung, aus unserem Verse abgeleitet, gerichtet zu sein 
scheint:^) 

b) Jer. Horaj. Ill, 3 f. 47 c, Sot. VIII, 3 f. 22 c und 
Schek. VI, 1, 49 d: r» .(d'^dSo D-3nD) D'»iiD d^dSo pntt^io pjt 



^) So Eamban, Comm. z. St« gegen ihn wendet R. N. ein, dass 
doch umnbglich in unserem Verse ein Gebot oder eine Verwamung 
(es diirfe nicht weichen: 'nntM mSi nrso u^m) liegen konne, so dass 
Konige aus anderen Stammen sich vergangen hatten gegen den 
letzten Willen des Erzvaters, denn in jedem Falle ware ja dieWeis- 
sagung nicht in Erfullung gegangen. R N. meint daher, unser 
Vers ware bios eine Vorhersagung des Zukiinftigen, wie es auch 
eingetroffen sei, denn die Hasmonaer wie alle Konige wahrend des 
2. Tempels w8ren nicht souverain gewesen, sondern fremden Herr- 
schem botmassig. Cf. Abarb. Comm. z. St. iiber beide Ansichten.— 
Anders wie R. N. erklaren Toss. Joma 62 a s. v. min» imseren Vers 
nicht als eine Verheissung bestimmter in Zukunft eingetretener 
Tatsachen, sondern als einen Segen („Es moge nicht das Scepter 
weichen); s. auch H. Homberg's oiian : own nin* oac^ »3ao niifiniDK nh 
iSta tSj?. Wie durch einen Fehler in der Vulg. I. Makk. 5,63, wo st 
„der Mann Juda gelangte etc.*" stand: „die Manner aus J. etc.*" 
verleitet, Baronius, Genebrard u. le Bran sich bemtihten, die Makk. 
in den Stamm Judah einzufiihren u. wie andere wenigstens meinten, 
dass sie miitterlicherseits yon Juda warens. Fererius p. 1022 b (wo 
die Autoren sich auch noch auf Cyr. Al. berufen) u. Basn. p. 311. 
Letzterwahntes giebt selbst de Spina 19. Arg. als imerweisbar zu; 
cf. weiter de Lyra. 

') Nach der Stellenangabe j. Schek. soil es im Babli beigedrackt: 

wnn^n «aH 'n heissen (nicht angefuhrt in t'hd, jedoch nachgetragen : 

nnn nan Yira nai^ im lb. oian, Wrsch. 1887, p. 221; in am «ann, 

• Fiirth 1825, f. 32a: ntmn^n hsk 'h nai», wo der Commentator 

Moseh Weikersheim erklart: iv:? Dipo db^; die Laa. n'nnn und 
nt»ipnm siehe in D"t VTH, 62. Wir fanden ed. Lemb. 1863: 
H^mamay mv (»a» i*k nai^) *)"»; Ramban, Comm. z. St. hat Kninaj? 
8. Mebo hajernsch. f. 95 a, wo die erwSlmten Stellen, sowie jer. 
Schek. Vm, 6, f. 51b; Ber. IV, 1. f. 7 c u. Ab. s. I, 2 f. 39 c 



— 160 — 

zy2 r33i «in iroSeo by o^e^ (^inK- [yoS [db? by] («n») »3 
D'lSn D'^insS m^ kS innra 3-n3 no ;(V, 17, 20) (^S«itt?^ 
[V, 18, 1 'ijn pSn nS wr Sd]. 

„Konige aus priesterlichem Geschlechte diirfen nicht 
gesalbt werden, denn es heisst: „ Nicht darf von Juda 
das Scepter weichen". Im babyl. Talmud fiudet sich weder 
diese Halacha, iioch eine derartige Anwendung unseres 
Verses (s. Anm. 2). 

Zum Schlusse sei hier noch eiiie Baraitha erwahnt 
(Sifren«n §66; Toss. Seb. f. c. 13; Seb. 119a; jer. Meg. 
72 d und b. Meg. 10a), in der R. Jehuda (sowie die Schuie 
R. Ismaers) nnison V, 12, 9 als rih^^ erkiart. Dachte man 
da bei rkv vielleicht an^Frieden und Ruhe"?— Raschi, Penta- 
teuch-Oom men tar Z.St, sagt kurz: nSr ir nmjon; doch s. w. m. 



nachzutragen sind (cf. thd ed. Wrsch. 1876, II, 112). Statt aller 
Varianten, die da fiir diesen Namen vorkommen, ist M^^aninaj; zu 
lesen, was, wie wir aus einer Notiz Jacob Bernays' erfahren, dieser 
als Anthedonius auffasst. Die Stadt 'Av^Tjdatv in Falastina s. 
bei A. Neubauer, La Geographic du Talmud p. 273. Jerusch. ed. 
Lehmann liest consequent M^nin:}y, ebenso bei dem Namen des n 
«a»an (cf. Mebo hajerusch. f. 87 b s. v. '^ainay n"i), was dann etwa 
yon dem Stadtnamen ninay abzuleiten ware. Neben der verstiimmelten 
La. n^nn n3»y siehe auch: «mna»y u. D»Tn3»y in D"n VIII, n^S. 

1) Abudarrham (nswn 'cn 'd, 1614, f. 63 d) fiihrt wol an, dass 
die Hasmonaer unrechtm^ssig die Konigswurde sich zugeeignet, 
da sie Friester waren, begrundet es aber mit den beiden letzten 
Versen, V, 17, 20-18, 1. 

*) Dieser Vers wird in Babli Kerith. 6b u. Horaj. lib als 
Stutzvers fiir eine and ere Halacha verwendet: pntrio ]»« :no '« 
oaS «'n nttni* 'ui.nnM* ]yoS on ^^h t'« ]S3D iSo ]3 "jSd. Letztere 
Vorschrift wird aber im Jer. anders belegt, Schek. 49 c, Sot 22 c: 

'nnro pyia wa, und durch diesen Vers wird wieder im Babli (Hor. 
lib, Ker. 6b eine Halacha gestiitzt, die im Jer. nicht yorkOmmt: 
nip Hip '« «a'^ '« '1^30 ]»nwD ]»K Skib^' »3So /]»nwD nn n»a »3Sd no 'k 
nn'»o pyo "^nn ]»hi nn^ona p^ta nr /«in nt o inntt^o. In dieser Ha- 
lacha ist viell. die jerus. 'aSo ona ]»nttfiD ]»« mit eingeschlossen, 
wenn S«itr' oSd nicht allein auf den 1. Tempel bezogen wird, son- 
4em allgemein EOnige aus nichtdavid. Hause bedeuten soil. 



— 161 — 

2. Agadiscke Anslegng Ms «k Jakr UOQi 

a) Dieselbe TraditioD, die, wie wir schoa mehr&ch 
erwatmt, •pre = kxc = Geseizecskundiger aoslegte. irin in 
der Agada wieder in allegorisirender Fonn aut Juda's 
YoTzug bei den Lagernngen in der Wuste nach der Osl« 
nnd lichtseite wird onter Anderem damit be^riindeu dass 
die Manner aos seinem Stanune Manner der Lehre nnd 
Manner Ton koniglicher Wurde waren (Bam. r. p, T«p)»0 
Das Erstere wnrden sie dorch die Xahe Ton Moseh and 
Aron, nnd damm heisst es Ton ihrem Stamme: ,»Nielit 
wird weichen das Scepter Ton Jnda nnd der Geseties- 
kaodige Ton seinen Fnssen" (Bam. r. e, 3, rrcp) s. TancL 
bam. (ed. Bab.) p. 12.*) 

b) Wenn es aach Gen. r. c. 98 (p. 182) beisst: lo 



^} Wo nicht bes. bemeikt ist, ddren wir ro-i sma nadi dor 
Leipz. Ansg. (1864). 

*) Jalk. bam. § 686 wild dasselbe dorch nnseien Vers betegt 
nnd ansserdem dorch tppmo min« {<p 60, 9; 106, 9), wobei dien vpvia 
aoch als .Weiser" an^gefasst wird (Jalk. lod. § 52> Dasselbe ist 
der FaU Bam. r. c. 14 p. -rai (j. I^ynh. 99b, b. 104b, P. dr. EL 
c. 17), wo «ppinD aof d^i ,weisen'' Achitofel aos dem Stanmie J« 
gedeotet wird; c£. Joma 62a. (Die Bezeichnong onserer Stelle 
zn ^60, 9 characterisirt Hitz., Psalm., 1863, II. d2 Anf. mit den 
Worten : ,Es mag hier (^ 60, 9) aof die letztere Stelle (I, 49, 10) 
Bezog genommen sein"). Dass ppnD aoch in dem orsprQnglichen 
Simie eines koniglich^i ^Gesetzgebers o. Wordentragers genommen 
worde, geht hervor aos Bam. r. c. 14 (p. -r^i o. 449), in dem mit 
Vpno aof Dayid hingewiesen wird. lb. p. rv^ nach d Worten: 
3r n^i^ SjD Mine^ rmn« moss wahrscheinlich erg&nzt werden: 
ppnoi . . . nyff iw vh oder 'ppino "tcv, da die Belegstelle wie 
'bei den anderen Stanmien fehlt, o. weiter moss es heissen: Kin pi 
nOTp D»3inm: now. — Aoch aof den Messias wird einmal »ppinD 
gedeotet (s. w.) o. zw. aof den einen v. den vier: (Pes. rabb. f. 71a; 
Pes. d. R. Kah. f. 51a, cf. G. H. Dahnan: Leid. o, Sterb. Mess. d. 
Synag. p. 5 f.) Bam. r. c. 14 p. nan : wn» SiTin Shuh nt »ppviD rvxvnn 
•m Sr yyQ. Gelegentlich sei hier bemerkt. dass in 'ppino "nn» 
angewandt aof C]1ian., Misch. o. Asarja, so wie aof Dan. (bam. r. 
c 14, ber. r. c. 99, Synh. 93 b) ppino wol = .Derjenige, der das 
Zeognis eingegraben hat*", daher for die Macht Gottes zeogen kann. 

XHMuii, Hon II, 1S90. 11 



— 162 — 

i:oa nD3«l Ypn n« onS mbiS (3pr)? so hat doch die agadische 
AUegorese im Segen Jakob's wenigstens Andeutungen von 
einer Weissagung auf den einstigen Erloser seiner Nach- 
kommen und auch ihrer geschichtlichen Schicksale gefunden 
(s. Bam. r. c. 13 p. 444: bs . , . mrr ODtt^ T3 niDO '\m 
rvji^n mo" iy y-i^«S n-nyr na). Unseren Vers hat sie in 
doppelter Weise auf die messianische Zeit gedeutet: 

a) Dass bios rhv der Messias sei und das darauf 
Folgende beziehe sich auf ihn: 1. Gen. r. c. 98 §8 (Wilna 
1878) p. 362: :'^:ii pa /nai ;i:i i''3o nt :ni.To oa^^ iid'^ kS 
:d*03? nnp'^ i^i n^t^on ']Sa nt :nh^ i^y '•3 ly v^jn ^jdS ODnn^i K2i«^ 
(3?"niK) D'3? h\t^ Dn-3t^ nnpoi K3 Kinu^. Eine Erklarung nach 
dem gegebenen Wortlaute versucht Men. b. Isr. im Oonci- 
liador (lat. Uebers. Amsterdam 1633; engl. v. E. H. Lindo; 
Ausz. d. Quaest. LXV in Jew. Chron. VII, 218 f. u. 228). 
Er meint, TDfi beziehe sich auf nan "hSo S«''oy p T3o 
(11. S. 9, 5; 17, 27), in dessen Haus Mephib., Saul's 
Enkelssohn, sich aufgehalten und der David auf der Flucht 
vor Abs. mit Hilfeleistung entgegenkam. Dann ware der 
Sinn des Midr.: „Der Stab (cair) der HiJfe und Unter- 
stiitzung wird J. nie fehlen, bis kommen wird Messias, „sein 
Sohn'^, der eine Beunruhigung der Nationen sein wird".*) 
Wie damals David Hilfe fand, so werden seine Sohne auch 
im Exil Hilfe finden; wenn ein Konig oder eine Nation sie 
grausam behandeln oder bannen wird, dann werden andere 
sie aufnehmen und ihnen Schutz gewahren; und auch Ge- 
setzeslehrer werden stets in Israel sein, die es trosten 
werden, auf dass es sein Geschick geduldig ertrage. Eine 
schone und anmuthende Erklarung, die Men. b. Isr. aus 
den eigenen Zeitverhaltnissen heraus geben mochte; aber 
sie befriedigt nicht.^) 



^) Qui erit afflictio gentium. Lindo unrichtig aufgefasst: „der 
le Sammlung (gathering) der Nachkommen Juda's sein (herbei- 
ren) wird". nnp' wird von nnp abgeleitet (s. o. S. 14 A. 5) 
iiCfifih. Jer. 31,28, 29; Ez. 18,2. 

der urn eine Erklarung in Yerlegenheit ist, denkt ebenf. 



— 163 — 

Wir schlagen vor zu lesen: :ppnoi niiTa teDti' 11D^ iO 
vh2i ••jc^ annn^i kdi^ :r^:i po /iai 1^30 ['•30 tot 100] m 

"131 Qmn ^tt^]. Das wiirde bedeuten: „„Es soil nicht 
weichen die Macht von Juda und der Gesetzeskundige, 
der sich ihm unterwirft": unter Letzterem ware Machir 
Sohn Manasse's zu verstehen, von dem es heisst: Aus 
Machir sind Gesetzeskundige hervorgegangen (Jud. 5,14); 
„von seinen Piissen: weil jener kam und Chezron aus dem 
Stamme Juda fussfallig bat"** [dass derselbe seine Tochter 
zur Frau nehnae*) (I. Chr. 2,21)]. So werden nie machtige 
Manner in Juda und Gesetzeslehrer,^) die sich den Nach- 
komnoen Juda's unterordnen werden, aufhoren, bis kommt 
der Messiaskonig {jrh^ = iStt^ HDlSDntt^ = dessen ist die 
Herrschaft).') — Es ist nicht zu leugnen, dass dieser 
Versuch einer Erklarung der so schwierigen Stelle etwas 
erzwungen ist, da in der aus I. Chronik angefuhrten Stelle 
keine Spur von einem Fussfall Machir's — dem schlichten 
Wortsinne gemass — zu entdecken ist; man wird sich 
jedoch einstweilen mit einem Notbehelf, wie bei mancher 
anderen Midraschstelle begniigen, bis vielleicht einmal neue 
Texte auch auf diese Dunkelheiten helleres Licht werfen 
werden. — Ebenso kann eine Vermutung, in unserem 
Midrasch eine Beziehung zu I. Chr. 12, 20 und 21 (an- 
gespielt auf den Ausdruck th Sp iSd3 und vhy iSo3) zu suchen 
und unter Machir allgemein Manasse zu verstehen oder da 
einen Hinweis auf Machir's Ahn Josef, dem Juda nach 



an diesen Mach. b. Am., will aber: (ib. v. 4) »in nan 'Stt^ nena^DD nt 
i»3D n»a lesen, 

*) Of. die Comm. in der Wiln. Ausg., bes. Dav. Luna (Vm), 
der auf Targ. u. Raschi (angeblich! s. w.) z. St hinweist. 

') Ob unaere Midraschstelle in Verbindung zu bringen ist mit 
Jeb. 62 b: D»a23 ]n nn (Raschi mia) o^aa ^aan ]3an iiom hhSd nn »3d 
')3i H3nD . . . wie die Commentat. meinen, so bes. Vni, muss be- 
zweifelt werden. 

') Raschicomm. z. St. S. Commentat, die hier schon die Dentung 
A >gf sehen woUen. Oben Men. b. Isr. „sein Sohn" (?). 



^ 

r 



L 



A I, Sir-.- - y:irK = V'ia. 



' ■■.'<'- U..i.i.i,.„iu. till tilitixtt- 

•••< i,(i.,i -ut. II (t,-,f r. aa.a) 

'I II I'tihii' ii'iti iluHs^en Dalun 
■' '(I iintiiiiliilKT Unit) fort- 



— 165 — 

3. Wahrend die angefiihrten Auslegangen dem aner- 
kannt jungen Teil der Ber. rabba zu c. 49 entstammen, 
so diirfte ein anderer Midrasch, der noch immer, wenn auch 
etwas unbestimmt, an der Ueberlegenheit (nisSe) Juda's 
festhalt, in eine friihere Zeit hinaufreichen. Midrasch Mischle 
c. 19 (ed. Stett.) f. 22a heisst es namlich W'^pJti^ poi 
IT ny^oj no (Jes. 5, 7): 'i:ii 0*13 ••3 ':tt^ ?di3 hn^^'^ (Pfeiffer, 
Decas selecta excercitt. sacrarr. etc. p. 1097 iibersetzt: 
„Quomodo se habet plantatio?") nj^K^a [wir mochten vor- 
schlagen z. 1. nyie^o] yo3 -[3 ,133 [njiaipo [n])vm: nnK«^ 

. . . rr^B^oS iKipa niot^ naits^^ win •■) 'k . . . n^^K> Ka** ••3 ny 

(wohl zu lesen niDr T, vgl. A. Epstein in n*3 V, IGO; 

gelegentlich sei hier auch betreffs der La. des 3i '3T «livn, 

woriiber Epst. Beitr. 109 ff., n*3 V, 87 f. u. 159 handelt, be- 

merkt, dass schon E. B. Pusey in seiner Einl. zu Neub.- 

Driver: The 53. Chapter of Jesaiah 11, p. XXXIV die La. im 

Pugio fidei fiir den urspriinglichen Text, wahrend Dalnaan 

ler «^^Sn *-iCK pn bei Abarb., Jesch. mesch. 47a fiir eine 

Glosse halt und dem gedruckten Text den Vorzug giebt; 

s. Dalman, der leidende und sterbende Mess. d. Synag. 

p. 36 A. 2). 

(Fortsetzimg folgt). 

Lesart tiberhanpt tranen darf, ein Geprage, das anf ein hSheres 
Alter hinweisen wtirde; doch ware es gewagt, zu vermuten, dass es 

etwa der yersprengte East einer baraitaartigen Notiz ware, die auf 
die Fraponderanz bei der Entscheidnng in den Controversen der 
n'O und vo Bezug h&tte, wonach sich der Zusammenhang etwa 
ergeben wiirde: laoa [»»arn) D»a*ia nmn dmoSob^ SSn hm vaa ^aa 

wi »D Stt^o hh7^^ [n^aa naSn] 110:11. Dann diirfte man allerdings 
auch nicht zwischen SSn n»a (Schule) und SSn hv V32 ^22 (Nach- 
kommen) streng scheiden. Mit dieser Abstammung in verschiedenen 
Linien wurde auch der Rangnnterschied zwischen r^ u. h^^h be- 
griindet. S. Toss. Synh. 6 a s. v. «am. — Vergl. auch Sabb. 66 a u. 
Keth. 62b: So^an p "OKyts »n» »ai (2. Sam. 3, 4)ij^Dtt^D >r\H n»»n '11 
(2. Sam. 21,21) nn »n» mit j. Taan. 68a u. Ber. r. ib. hier: '»»n "i 
So^an ;a ''BDrn p nai. 



— 166 — 



Die Quelle der Fabel Ton Ella Levita's Taafe. 

Von Prof. Dr. David KaifmanB in Budapest. 



Simon Majolus aus Asti, [Bischof von Volturara im 
Neapolitanischen, hat im Jahre 1615 sein Buch „Dierum 
canicularium tomi VIP ausgehen lassen, das im ersten 
Colloquium seines dritten Theiles unter der Ueberschrift 
de perfidia Judaeorum (in der Offenbacher Ausgabe von 
1691) auf 130 Foliocolumnen das Gift seiner Bosheit gegen 
die Juden ausspritzt. Zu den kraftigsten Argumenten gegen 
die Juden und zugleich besten Bekehrungsmitteln zahlt der 
fromme Bischof die Beweise, dass die Juden ihr eigenes 
Gesetz nicht halten und so mit dem Fluche ohnehin 
beladen seien, der auf Uebertretung der Gebote verhangt 
ist. Um Beispiele von dem Uebertritt besonders beriihmter 
Juden anzufiihren, fahrt er p. 562b also fort: Sic circa 
annum Christi 1412. Hieronymus de sancta fide, ex Judaeo 
nuper factus Christianus, libellum edidit contra Judaeos, 
ad cujus lectionem 5000. Judaei conversi sunt. Floruit 
etiam anno 1518. Elias Levita, Judaeus German us; 
Grammaticus eximius, natus in nova civitate Eysch baud 
procul a Norimberga, qui admonitu Pii V. Pontif. Rom. 
Christianus factus fuit, adductis secum 30. aliis Judaeis ad 
Baptismum. Claruerunt etiam Nicolaus Lyra circa annum 
Christi 1310. et Paulus Burgensis, an. Christi 1430 uterque 
ex Judaeo factus Christianus, aliique complures, qui scriptis 
suis adversus Judaeos momentum attulerunt. 

AUein diese Verleumdung Levita's haben die „Hunds- 
tage'' nicht ausgebriitet. Majolus erweist sich auch sonst 
als Plagiator oder, was der Wirklichkeit vielleicht mehr 
entspricht, als Compilator. Er diirfte, wenn nicht eine 



^v- 



— 167 — 

noch altere Quelle sich wird nachweisen lassen, die Nach- 
richt iiber Le vita's Taufe dem Malleus obstinationis judaicae 
des Marburger Professors der Theologie und hebraischen 
Sprache Johanu Moltherus (1561—1618) entnommen haben. 
Wahrend aber Moltherus wenigstens noch so gewissenhaft 
ist, seiner Angabe die Benaerkung hinzuzufiigen: sed quod 
factum Judaei pernegant, stellt sein bischoflicher Nach- 
schreiber das Geschichtchen wie eine unbestrittene Thatsache 
hin. Moltherus war es denn auch, der den Fluss 
Eysch, an dem Neustadt bei Niimberg, Elia's Geburtsort, 
liegt, in eine Stadt verwandelt, was Majolus wieder wortlich 
nachschreibt. Dieses Missverstandniss hat schon J. Chr. 
Wagenseil berichtigt, wie bei J. Ch. Wolf in seiner bibliotheca 
hebraica I, s. v. und J. J. Schudt, Jiid. Merckwiirdigkeiten 
IV, 2 p. 288 zu lesen ist. Dem Moltherus wird wohl 
auch J. H. Alsted (1588 — 1638) in seiner Chronologic 
nachgeschrieben haben, aus dem J. Ch. Wolf die ubrigens 
von ihm bezweifelte Ueberlieferung von Levita's Uebertritt 
allein hat kennen lemen. 

Die Selbstauflosung dieser Liige, die den am 28. Januar 
1549 verstorbenen Elia durch den erst 1566 auf denThron 
gelangten Papst Pius V. bekehrt werden lasst, hat bereits 
Schudt a. a. 0. 289 bemerkt; iiber die Entstehung dieses 
Geriichtes hat aber weder er, noch meines Wissens sonst 
Jemand sich in eine Dntersuchung eingelassen. 

Mir scheint aber die Quelle dieser Darstellung in einer 
oflFenbaren Verwechslung zu liegen. AUerdings soil sich 
ein Jude Namens Elia durch Pius V. zur Taufe haben 
bewegen lassen, aber nicht Elia Levita, sondern der Vor- 
steher der jiidischen Gemeinde von Rom, Elia Corcos.^) 
So berichtet der Geschichtsschreiber der Salzburger Diocese, 
Joseph Mezger (1635 — 1683), der Freund Mabillons, his- 
toria Salisburgensis lib. V c. 5 p. 620 unter den Juden- 



>) Schudt II* 121; vgl. Graetz IX, 502 n. 2 tmd jetzt auch 
Berliner in Jabelschrift-Hlldesheiiner p. 162f. 



do 

lltu 

div 

di. 

In. 

Oi 

I)' 



s 




— 169 — 



Beispiel zur Taufe mitgerissen, sind namlich keine anderen, 
als die dreissig, welche rnit Elia Oorcos abgefallen sein 
sollen. 



Miscellen. 



„Eiii B&thsel in der Lltteratar weniger/^ 

Dnter dieser Ueberschrilt hat Herr Dr. Berliner im Magazin 
liir die W. d. J. (XVI, 271) einem Ahnen der Massora zu seinem 
Rechte verholfen, indem er in der bekannten Tradentenkette, anf 
welche die Angabe iiber die Verszahl der heiligen Schrift zuriick- 
gefiihrt wird, das letzte Glied der Kette — mit Verwerfong der 
Leseart np30 — ebenfalls als Personennamen erkennt und das Vor» 
kommen der betreffenden Person in der talmudischen und midraschi- 
schen Litteratnr nachweist. Die Eichtigkeit dieser Erkenntniss ist 
aus der in Rede stehenden Notiz selbst ersichtlich, denn oen n«Sj«T 
kann sich nicht auf einen Plural („die Punktatoren**), sondem nur 
auf einen Singular beziehen^). Was nun aber die von Berliner er- 
kannte Pers^nlichkeit betrifft, in der wir den &ltesten mit Namen 
bekannten Massoreten zu erblicken batten, so war der Name des- 
selben nicht »»p3D (^Menaceus" oder ^Mannacius"), sondem ein 
anderer auch sonst vorkommender Name, wie im Folgenden darge- 
legt werden soil. 

Was zunachst die Sage von Simon b. Jochai angeht, welche 
an fiinf Stellen zu lesen ist (j. Schebiith d8b, b. Sabbath d4a, 
Genesis r. c. 79, Pesikta ed. Buber 90 a, Koheleth r. zu 10, 8), so 
ist an zwei der drei Stellen, an denen allein der Simon b. Jochai's 
Neuerung missbilligende Schullehrer oder Schreiber (kidd) genannt 
ist, der Name »Kp3 geschrieben (Gen. r. nncD »Hpan wSp, Koh.r. 
K1BD »Kpan nSp); nur an der dritten Stelle heisst es: msD pa^DT vhp, 
was Buber dazu veranlasst hat, das Wort nicht als Eigennamen 
aufzufassen, sondem zu erklaren, es sei iiberhaupt nicht von einem 
Schullehrer, sondem von Schulkindem (vw»d) die Rede. Naturlich 
iaUt diese Erklarnng gegenilber den anderen Stellen nicht in's Ge- 



1) Es muss auch ^h^ n gelesen werden statt ih:^ n. 



— 170 — 

wicht, aber anch die Schreibmig des Namens in der Pesikta ist 
unrichtig und wahrscheinlich anf ein ahnliches Missyerstandniss zn- 
riickzufiihreii. wie das der Erklanmg Buber's zu Gnmde liegende. 
Aber auch in der massoretischen Notiz ist «paD nicht die nrspriing- 
liche Schreibung des Namens. Die Notiz findet sich namlich in 
hebraischer Uebersetzung auch in Ginsburg's Massorawerke, und 
zwar an zwei verschiedenen Stellen: unter dem Buchstaben d. 
No. 176 und im in. Bande, Col. 43 b, § 76. Hier lautet der frag- 
liche Passus so: nhy,m ipao un^zm iSap kih am Miion aii*). Derjenige, 
von dem die genannten babylonischen Lehrer die Ueberlieferung 
Uberkommen batten. Mess also »pa, was auch "p5 geschrieben werden 
kann. In der bekannten Notiz muss also gelesen werden S*ap M^ni 
»'p30, wahrend das p vor »»pao iiberfliissig ist, urspriinglich vielleicht 
nur Zeilenhiiter war, als Beginn des folgenden Wortes. 

Einen eyidenten Beweis, dass in der Sage yon Simon b. Jochai 
»1DD »Hpa zu lesen ist (die Schreibungen »pa, ^na, »«pa sind dreierlei 
Orthographien desselben Namens, wie ^nm, ^^dv, ^kob^), mit dem dann 
der Massoret "pa nach Berliner's richtiger Combination identisch 
zu halten sein wird, liefert eine andere Sage, in der yon demselben 
Schulmeister die Eede ist. Sie lautet (j. Maasser scheni 66 a oben: 
Taj; mm ]t3 «aw nanj; Saa [1. »»»psn] w'^^asi Sn:iDa »d» mn ♦'pa 
nin 1DD ]no«T n^w \ih p»Snm n»nai Hirnpo n^aa nair p'So mn nSnap 
.n»n'»aa n*a» n^nai vnpian n»aS nmo ore pSo nin »naw nanj; Saa 
In Echa r. zu 3, 9 findet sich die Sage ebenfalls, aber ohne den 
Namen des Helden (auch steht irrthiimlicherweise im ersten Theile 
ebenfalls Mnco, statt b^db^). Im Aruch s. y. nos wird die Stelle aus 
^MegiUath Echa*" citirt, aber mit abweichender Leseart: micd ^^pa 
oSttni^S p»Sdi nanya »*?na»p n^j; n»tas mn KSn:itan. Der Name war 
also urspriinglich auch in Echa r. zu lesen, und hbchst wahrscheinlich 
ist M1CD ^Km in den Ausgaben des Midrasch sehr leicht erklarliche 
Corruptel aus micd «Kpa^) Die Sage soil die Schnelligkeit iUustrieren, 
mit der man einst, zur Zeit des Tempels, nach Jerusalem gelangte. 



*) Anstatt wiaon ai]0 S^ap hih aii heisst es: nnwa mn h^h aii 
wiaon ano Sap» nnpoa Sn:i m« nyir. — In der bei Kirchheim, Ein 
Commentar zur Chronik aus dem 10. Jahrhundert, S. 66, yer- 
offentlichten hebraischen Version der massoretischen Notiz (aus der 
Turiner Bibelhandschrift No. 124) lautet der betreffende Passus so: 
SaaS S«niy» pwD (s. Esther 2, 6) nS:intt^ '♦pao iSa»p (pn^xn =) ai 

^) Das \ mit dem die Erzahlung beginnt, kann schon deshalb 
nicht. urspriinglich sein, weil die Ubrigen Erzahlungen daselbst ohne 
'^ie Bindepartikel an einander gereiht sind. 



— 171 — 

wpa war Synagogendiener in Magdala ("der Farber"), ordnete seine 
Lampen am Freitag, ging nach Jerusalem und kam noch rechtzeitig 
zuruck, iim die Lampen vor Sabbat anznziinden; nach anderer 
Version war er Schulmeister daselbst, ging am Freitag nach Jerusalem, 
las dort den Bibelabschnitt und kam noch zum Sabbat nach Hause 
zuriick. Obwohl die eine Sage zur Zeit Simon b. Jochai's, die 
andere zur Zeit des Tempelbestandes spielt, katin doch kein Zweifel 
daruber sein, dass der Held beider Sagen eine und dieselbe Person 
ist. In beiden Sagen heisst er wpa (»»pa), in beiden ist er Schul- 
meister (hidd), in beiden ist sein Wohnort h^^^^'i hSijid oder kiirzier 
«Sn;iD^), das bekannte Magdala in der Nahe von Tiberias. Eine 
dritte Sage uber denselben Helden ware nun in der massoretischen 
Notiz enthalten, wonach ihn Eufns aus dem heiligen Lande verbannte, 
„damit in diesem die Thora nicht vorhanden sei** (»yn o DDn n^'Sjim 
S«*iim »j,n«a «n«mK Hinn kSi), und wonach er nach Babylonien aus- 
wanderte und daselbst Lehrer des Hamnuna und Adda wurde. 
Wir haben es da zweifellos mit einer historischen Personlichkeit 
zu thun, die vor der Mitte des zweiten Jahrhunderts bei Tiberias 
lebte und einen grossen Ruf als Bibelkundiger genoss. Der „ Schul- 
meister Nakkai"*) kam nun nach der einen Sage auf wunderbare 
Weise um, als er dem die Stadt Tiberias fiir rjsin erklarenden Simon 
b. Jochai opponirte, nach der anderen Sage wanderte er nach 
Babylonien aus und wurde daselbst der Propagator massoretischer 
Xenntnisse. Eine anachronistische Sage endlich lasst ihn an jedem 
Freitag zum Tempel nach Jerusalem Ziehen, dort seinen Bibelabschnitt 
lesen und wieder rechtzeitig zuriickkommen.') 

Der Name ^npz kommt noch einmal im Tahnud vor, und zwar 
als Zweiter unter den fiinf Schiilem Jesu, Sanhedrin 48 a (in den 
spateren Ausgaben fehlt die Stelle, s. Dikduke Sofrim TX, 63 a). 
Er soil wohl den Namen Lukas vertreten. Zum Tode gefiihrt. 



*) In der Sage von Simon b. Jochai steht der voile Ortsnamen 
nur in Genesis r., in der anderen Sage nur im jerus. Talmud. 

*) So ist wohl der Name nach der oben angefiihrten Analogie 
von „Schammai"zu lesen ; vgl. die Namen »htv, '«nn, ^«a». Vielleicht 
ist es eine hebraisirte oder armaisirte Form des griechischen Namen 
Nikias (vgl. D»pa Gittin 11 a oben). Levy (Wb. Ill, 438a) punktirt 
•J^p^ an einer andem Stelle (IV, B30a s. v. min) nj^pj. 

•) Vielleicht gehdrt hierher auch die in Tanchuma ed. Buber 
nisn Ende erzahlte Sage von dem schriftkundigen icid, der j&hrlich 
nach Jerusalem zog und den die Jerusalemier bewegen wollten, bei 
ihnen zn bleiben. 



— 172 — 

bernft er sich, mit Anspielnng anf seinen Namen, anf Exod. 23,7 
(p^nsi »pai), und man antwortet ihm mit Ps. 10,8 (^i :iin»). 

Wenn also ~ um das Ergebniss unserer ErSrtenmg krirz zu- 
sammeDznfassen — durch die richtige Combination des Herm Dr. 
Berliner ein Rathsel der Massora-Litterator anch thatsachlich' geldst 
ist, so heisst das Wort des Rathsels jedoch nicht, wie er annimmt, 
))p:}0 = Menaceus oder Mannacios, sondem ^«p:} «Mpa, wohl Nakkai zn 
lesen, und die massoretische Notiz, auf die hiermit neues Licht ge- 
fallen ist, fiigt sich zu zwei anderen Sagen, welche den bibelkundigen 
Schulmeister dieses Namens zum Gegenstaude haben. 
Budapest, Ende M&rz 1890. 

W. Bacher. 

Nachschrift Der vorstehende Aufsatz befand sich langst in den 
H&iden der Redaktion, als ich bemerkte, dass bereits im Jnni 1834 
Bapoport in einem Brief e an Lnzzatto (S. L. Rapoport*s hebraische 
Briefe, ed. Graber, 1885, p. 66) den in der Sage von Simon b. 
Jochai vorkonmienden Schulmeister mit dem in der massoretischen 
Notiz genannten )^p:o identificirte. Er halt die letztere Schreibart 
fiir richtiger, als die ohne d. — Seither erschien auch in No. 4 der 
Gottinger Gelehrten Anzeigen (vom 19. Mftrz 1890) eine sich mit 
Berliners Hypothese beschaftigende Abhandlung von P. de Lagarde 
(„Da3 alteste Glied der massoretischen Traditionskette''), auf welche 
aber hier naher einzugehen, ich keine Veranlassung babe. 

Im Juni. .W. B. 



Mose und Bonaiuto Alatino. 

Dass David de Pomis^) von Mose Alatino und seinem Sohne 
nicht zu viel gesagt hat, das ersehen wir jetzt aus dem Breve*) 
Clemens' VIII., das er im^Jahre seiner Thronbesteigung, am 6. JuU 
1592, Mose und seinem Sohne Bonaiuto zur Fortsetzung ihrer 
arztlichen Praxis, die sie seit Jahren bereits ruhmreich in Ferrara 
ausiibten, verlieh. Ausdrucklich wird darin von diesem Wohlthater 
der italienischen Juden hervorgehoben , wie beide Manner zum 
allgemeinen Nutzen der Christenheit um die Uebersetzung des 
Themistius und des Eanons Avicenna's sich verdient gemacht 
batten. Den Commentar des Themistius zu Aristoteles' vier Biichem 
vom Himmel und der Welt hatte Mose 1574 nach der hebraischen 



1) Steinschneider, Cat Bodl. 1766 und Magazin 16, 255 ff. 
*) Bruzzone in Bevue des 6tude8 juives XTX, 134 f. 



— 173 



\ 



Uebersetznng lateinisch in Yenedig heransgegeben. Yom Kanon 
hatte er nur das erste Bnch nbersetzt AIs David de Pomis 1587 sein 
dreisprachiges W5rterbach herausgab, konnte er seinen beriihmten 
Yerwaiidten, den Halbruder seines Onkels Jechiel Rechabja Alatdno, 
dieses zweitenHippokrates^), bereits durch diese seine allgemeinbekann* 
tenUebersetznngenkennzeicbnen, denSohn lemen wir aber dnrch ihnnur 
obenhin, nicht einmal dem Namen nach kennen, wiewohl er ihn nach 
dem Bibelworte als weisen Sobn die Freude des Yaters nennt. 1592 
sehen wir Bonainto schon an der Seite des Yaters durch die ans. 
zeichnende Gnade des Papstes in der Ansiibnng seines frtiher bereits 
gepflegten arztlichen Bemfes von Nenem bestatigt. Die Znver- 
lassigkeit Tiichtigkeit und Erfahrong erkennt der Papst beiden zn, 
wie er selbst an den gelebrten Arbeiten dem Sohne einen Antheil 
znschreibt. Nur etwa 13 Jabre noch war es Bonaiuto vergQnnt, 
neben seinem beriihmten Yater in Ferrara zu wirken. Am 29. 
Nissan des Jahres 1605 yerschied Mose. Kein Geringerer als Leo 
de Modena hat ihm die Grabschrift gedichtet. Wie de Pomis 
seinen Onkel Jechiel nennt auch er Alatino den Meister der Aerzte^), 
hebt seine naturwissenschaftUche und philosophische Gelehrsamkeit 
hervor und uberliefert, dass ihn auch die Krone des Alters ge 
schmiickt hat 

David Kanfmann. 



Hebr&ische Messkataloge. — Gerson Wiener. — Plan einer 

Talmudausgabe in Oes3au. 

Dass auch hebraische Buchdrucker nach dem Yorgange der 
deutschen fiir die Leipziger Messe gedruckte Kataloge ihrerPress- 
erzeugnisse herzustellen pflegten, ist bisher wohl noch nicht beachtet 
worden; wenigstens hat Zunz, zur Geschichte S. 245 die Thatsache 
unerw&hnt gelassen. Um so lehrreicher erscheint daher die Angabe, 
die wir dem Eostocker Zacharias Grapo oder Grapius verdanken. 
Dieser Sobn des Heklenburger Superintendenten Zacharias Grapius, 
geboren zu Rostock am 6. Oktober 1671, gleich seinem Bruder 
Augustinus in jtingeren Jahren bereits einer der eifrigsten Pfleger 
der rabbinischen Litteratnr unter den Christen, uberliefert in seiner 
zur Geschichte des Talmudstudiums unter den Nichtjuden noch 
heute lehr- und aufschlussreichen Dissertation: Spicilegii historico- 

') David de Pomis, de medico hebraeo p. 71. 
*) D^aaw mmS ed. Berliner No. 45. 



— 174 — 

philologid, historiam literariam Talmndis babylonici sistentis diss, 
posterior (gleich der prior Eostock 1696 erschienen) p. 37: Sic 
qvoque partes qvasdam Talmudis, ut conjicio, reperio inCatalogo 
librornm Ebraicorum, quos R. Gerschom Francofurto ad 
Viadrum Lipsiam Nundinis venales solet advehere, et sunt: 
Gemara Schabbath, Gemara Hosch Haschanna, Gemara 
Succa, Gemara Beza, Gemara Chagiga, Gemara Taanith, 
Gemara Babba Kama, Gemara Babba Mezia, Gemara 
Kiddnschim, Gemara Schebbuoth, quos tamen ob summam 
confasionem, cni Bibliopolae Judaici res suas implicarunt, videre 
non miiii licuit, partes tamen Talmndis Babjrlonici esse Jndaens asse- 
rebat. Novam integri Talmndis editionem moliuntor hodie 
JndaeiAnhaltini, qnam magno cum apparatn imprimere tentarunt, 
quae, si ita pergant proxime prodibit; sed qnam accnrata sit futnra, 
tempns docebit, mode correctior prodeat, quam non ita pridem 
Abarbenel in prophetas priores (intelligo editionem illam a 
Jndaeis procnratam, ill& autem qnae cura DN. Christiani Lip- 
si ae prodiit nullus liber Ebraicns potest esse accuratior) Babboth, 
Pirke Elieser etc. qnae omnia ne cass& quidem nnce digna snnt, 
cum tot yitiis scateant, ut nemini nsui esse queant. 

Ich erkenne in diesem Buchdrucker und Herausgeber eines 
hebraischen Leipziger Messkatalogs Gerson Oettingen, den Wiener 
Exnlanten, der gleich den ubrigen Vertriebenen des Jahres 1670 
nach seiner Niederlassnng in Preussen als Wiener bezeichnet wurde, 
obzwar er ans Langenlois in Niederosterreich stammte^). Wir finden 
hier den an den hebraischen Pressen Frankfurts an der Oder und 
Berlins so rege beschaftigten Druckherm auch als Buchhandler 
thatig. Die Theile einer Talmudausgabe, die er ankiindigt, sind 
wohl die eben der Presse von Frankfurt a. 0. entwachsenen Tractate 
des Dank der Munificenz und dem Hochsinn Barmann Halberstadts, 
des polnischen Eesidenten, in Frankfurt a. 0. mit Kaiserlichem und 
Kurfiirstlich - Brandenburgischem Privilegium erscheinenden baby- 
lonischen Talmuds*). Die Bxemplare, die Grapo zu seinem Verdrusse 
nicht zu Gesichte bekommen konnte, v^aren bis zur Messe, zu der 
sie bereits angektindigt waren, wahrscheinlich noch nicht fertig gestellt 
worden. 

Dagegen ist aus der Ausgabe des babylonischen Talmuds, mit 
deren Plan nach Grapo's Berichte die Juden im Anhaltischen nm 



*) Kaufmann, die letzte Vertreibung der Juden aus Wien p. 218. 

*) B. H. Auerbach, Geschichte der israelitischen Gemeinde 
Halberstadt 58 ff; Rabinovicz, Dikduke Sofrim Bd. I und VIII; 
^anfmann, Samson Wertheimer 62 n. 2« 



— 175 — 

gingen, Nichts geworden. Yielleicht hat die Er<5f&iiing einer 
hebraischen Druckerei in der wenige Jahrzehnte vorher zu besonderer 
Bliithe gelangten judischen Gemeinde Dessau,^) die wahrscheinlich 
eben in das Jahr 1696 f&llt,^) den Gedanken eingegeben, den 
babylonischen Talmnd hier von Nenem dracken zu lassen. Das £e- 
diirfDiss nach Talmudexemplaien, die durch Brande nnd atarken 
Oebrauch selten geworden waren, war nach libereinstimnienden 
Zengnissen in den Approbationen zu R. Barman's Ausgabe so gross, 
dass die Untemehmung dieses Miicens als rettende That begriisst 
wurde. Die Nachricht yon dieser Edition hat sicherlich die Absicht 
der Dessauer oder Anhaltischen MS.cene imKeime erstickt. Wenn 
aber Grapius nach dem Vorbilde der Hamburger und Frankfurter 
Presserzeugnisse, die er erwahnt, nichts Gutes yon der neuen Talmud- 
ausgabe erwartet, so hat die yon Frankfort a. 0. wenigstens seine 
Befiirchtung nicht gerechtfertigt. 
Budapest, 6. Mai 1890. 

Dayid Kaufmann. 



Die Wormser Frftnkel in Breslau. 

Isak Aron Lewi, den ich irrtumlich ^) oben S. 88 als Sohn Juda 
^ Ldb Fr&nkels behandelt habe, weil ich die Angaben des Wormser 
Memorbuches p. 46 so yerstehen zu mlissen glaubte, ist der Sohn 
Aron Friuikels und mit seinemVetter, dem Sonnabend den 19. Ijar 1754 
' in Worms yerstorbenen Isak Seckel nicht zu yerwechseln. Ich 
yerdanke diese Belehrung Herm Rabbiner Dr. M. Brann, der in 
dem yon der Judencommission zu Breslau yom 6. Oktober bis zum 
2. Noyember 1776 aufgenommenen Seelenregister der Breslauer 
Juden (im Besitze der Synagogengemeinde daselbst) in der Reihe 
der Priyilegirten unter No. 3 auf p. 64/5 Isaak Aaron Lewi aus 
Worms yerzdchnet- fand. Er erscheint hier im Alter yon 70 Jahren, 
als Gatte der 40 Jahre alten TS^ubche Samsonin aus Breslau, in der 
Brann eine Tochter des reichen Breslauer Juden Samson Sklower 



») Schudt IV, 251. 

*) Ersch und Gruber, Encyclopftdie II, 28 p. 84 n. 49. 

1) Anmerkung 4 daselbst entfallt ganz. P. 90 n. 2 ist 'n ova 
richtig und Hizels Sterbedatum Dienstag Abend am 23. Oktober 1738. 
Jb. 1. Z. 1. statt 12. am 21. Dec. 1742. P. 91 Z. 6 ist statt 
Ende 1721 zu schreiben: Anfangs 1722, genauer: 8. Januar 1722. 
Jb. Z. 18 1. statt den 21 Mai, Dienstag Abend den 20. Mai 1756. 
Anch diese Correcturen hat Dr. Brann mir geliefert. 



— 176 — 

• 

vermnthet. Unter No. 4 folgt daselbst Jacob Isaac Lewi aiis Breslau ; 
offeubar Isaks Sohn, 46 Jahre alt, mit seiner Fraa Bahel Abraham 
Lazarus, 42 Jahre alt, der auf Grund des grossyaterlichen Privilegiums 
des Elias Lazarus Zacharias yom 6. Mai 1744 aufenthaltsberechtigt 
ist Ihr Sohn Elias war im Jahre 1776 yierzehn Jahre alt So 
bllihten unter den Augen Isak Aron Lewi's drei Geschlechter des 
Wormser Absenkers der Familie Frankel in Breslau. 
Budapest, 10. Juni 1890. 

David Kaufmann. 



Beeensionen. 

p'o'? n-Oin p'^)) (26 Seiten gr. 8). 

SVubabhsl, Erl&uterung der Weissagung : „Siehe, es geUngt meinem 

Knechte" (Jes. 52, 13 und53). Von M. Friedman n. Wien 1890 

(19 Seiten gr. 8). 

M. Friedmann hat in seinen Midrasch-Commentaren (Sifre, 

Mechilta, Fesikta rab.) an vielen Stellen gezeigt, wie mitunter die 

Agada's unserer alten Weisen zur Erklarung schwieriger Bibel- 

stellen zu verwerthen sind. Die vorliegenden zwei exegetischen 

Yersuche haben auch dies miteinander gemeinsam, dass sie mit 

Zuhilfenahme der Agada uber das Dunkel der betreffenden Weis- 

sagung Licht zu verbreiten suchen. 

L Die erste Schrift (in hebr. Sprache) will das 20. Kapitel des 
Ezechiel erlHutem. Der Frophet h&lt den ihn urn Belehrung 
fragenden Aeltesten die sUndhafte Yergangenheit Israels vor Augen, 
um am Schlusse zu dem Bescheid zu gelangen: ^Was aber euch 
in den Sinn kommt, das soil nicht gescbehen, dass ihr sprechet: 
Wir woUen sein wie die Y51ker" u. s. w. (Ez. 20, 32). Ist es denn 
denkbar, meint Friedmann, dass die Aeltesten Israels zum Propheten 
mit dem Ansinnen kamen: „Wir woUen sein wie die Yolker!**? 
Allein aus den Agada's ist zu ersehen, dass die Israeliten in der 
Zerstreuung sich Bamot errichteten, um daselbst Gott ihre Opfer 
darzubringen, indem sie glaubten, dass nach der Zerstdrung des 
Tempels die Bamot erlaubt seien, wie dies (nach Sebachim 115 b) 
vor der Errichtung der Stiftshutte der Fall war. Ja, Einige haben 
gar nach Art der Heiden ihre Kinder dnrch das Feuer gefiihrt 



- 177 — 

Die Aeltesten fragten daher den Propheten, ob es gestattet sei, in 
Babylonien einen Tempel zu erbauen (nach Art des spateren Onias- 
Tempels in Aegypten), dort einen einbeitlichen Knltus einzorichten, 
damit nicbt ein Jeder sicb eine eigene Bamah erbaue. Der Fropbet 
erklarte, dass ein solcber Kultus wie G5tzendienst zu betracbten sei 
und dass Gott einen solcben Plan nicbt zur Ausfiibraug kommen 
lassen werde. „Mit starker Hand und mit ansgestrecktem Arm und 
mit uberstromendem Grimm will Icb uber eucb regieren*" spricbt 
Gott, was nach unseren Weisen zu erklaren ist, dass, so oft Israel 
sicb von Gott lossagen und unter den anderen Yolkem aui^eben 
will, ein yerfolgungssucbtiger Haman iiber dasselbe kommen und es 
bald zur Besserung fiibren wiirde. — Aucb die Bilder aus der Ver- 
gangenbeit, die der Propbet vorfiibrt, sucbt der Yerfasser mit Hilfe 
der Agada als bistoriscbe Darstellungen nacbznweisen, die mit den 
anderweitigen gescbicbtlicben Bericbten sicb nicbt in Widersprucb 
befinden. — Die Vorrede der Scbrift enthalt eine ansprecbeQde 
Betracbtung, wie die ganze Gescbicbte des Volkes Israel bald den 
Aussprucb "|D^ ^i» u^Sb^i (Exod. 33, 16), bald wieder die Worte 
D»wn Saa— "»3«m (1. Sam. 8, 20) zum Ausdruck bracbte. Es werden 
femer die besondem Eigenscbaften dargestellt, die dem Volke Israel 
eigentumlicb sind und dasselbe vor Vemicbtnng und Unt^rgang be- 
wabren. Die ganze Scbrift, die Vorrede besonders, ist lesens- und 
beberzigenswert. Scbade nur, dass gerade diejenigen, denen 
eine solcbe Lectiire am meisten Not tb&te, das Hebr&iscbe nicbt 
yersteben. 

n. Die zweite Scbrift (in deutscber Spracbe) will die yielfach 
gedeutete Weissagung Jas. 52, 13 ff. auf Serubabel bezieben. Die 
Bezeicbnung des Serubabel als ben Scbealtiel, welcbe wiederbolt 
in Esra, Nebemia und Cbaggai vorkommt, ist mit 1. Cbron. 3, 17—19 
in offenbarem Widersprucb, der yon den Exegeten nicbt befriedigend 
gel5st werden kann. „Die Agadisten bieten bierin das annebmbarste. 
Vielleicbt waren sie bieruber durcb Traditionen unterrichtet." Der 
K'6mg Jecbonja war yor seiner Gefangenscbaft kinderlos. Erst in 
der Gefangenscbaft wurde ibm durcb gQttlicbe Gnade ein Sobn ge- 
scbenkt, und dieser wurde mit Bezug auf jenes wunderbare Er- 
eigniss Assir-Scbealtiel (der Gefangene, yon Gott Erbetene oder 
Gepflanzte) genannt. Sp&ter wurde er aucb Serubabel genannt, und 
die Beifiigung „ben Scbealtiel*' ist ein Attribut etwa wie »ein Kind 
der gdttlicben Fiigung*' (Sanbedrin 37 b). Der Serubabel in 1. Cbron. 
3, 19 ist aber ein anderer und zwar ein Enkel des Assir-Scbealtiel 
Von dem im Eerker geborenen und berangewacbsenen Serubabel 
sagt der Propbet: „Ent8tellt, nicbt menscblicb war sein Anseben 
und seine Gestalt nicbt die der Menscbenkinder''; femer: „Abge- 



— 178 — 

schnitten war er yom Lande der Lebeodigen''; endlich: ,,0b dem 
Abfall meines Volkes traf sie die Plage", womit der Abfall von 
Gott sowohl, als der Abfall yom babylonischen Konige zn verstehen 
sein mag. — So weit bewegt sich der Verf. auf historischem Boden. 
Yon da ab und welter muss er sich auf das unsichere Gebiet der 
Yermuthungen begeben. Hier begegnen wir auch yollstandig on- 
begrttndeten Behauptungen und Yermuthungen, wie, dass Josua, der 
Hohepriester, es mit den Gegnem des Serubabel gehalten habe, dass 
Serubabel unter Cambyses seiner Wiirde entsetzt, in Gefangenschaft 
gefiihrt und zum Tode yerurteilt ward, u. dgl. ! Warum batten die 
Biicher Esra, Nehemia und die Propheten Anstand genommen, dies 
mit deutlichen Worten zu berichten? Wenn Eriedmann aus einigen 
Stellen die Abwesenheit Serubabels yon Judaa schliessen wollte, so 
hatte er wenigstens die plausible Annahme Herzfeld's (Gesch. I 
S. 321) beriicksichtigen m^gen, wonach Serubabel an den persischen 
Hof gereist war, um personlich fur die Erlaubnis zum Tempelbau 
zu wirken. Auch diirfte es sehr fraglich sein, ob, wie F. meint, 
der Name „Zemach" (Sech. 3, 8; 6, 12) sich spedell auf Serubabel 
bezieht. Der Name wird schon yon Jeremia (23, 5; 33, 15) dem 
Messias beigelegt (ygl. auch Gratz, Gesch. 11 2, S. 97). — Wenn 
man nun auch in Yielem und sogar in der Hauptsache, dass sich 
die Weissagung Jesaja's auf Serubabel bezieht, Eriedmann nicht 
zustimmen kann, so wird man dennoch aus seiner Schnft mancherlei 
Anregung und Belehrung erhalten imd deshalb auch die sprachlichen 
Mangel iibersehen, die dem Yerf., der gewdhnUch in hebraischer 
Sprache schreibt, nicht angerechnet werden diirfen. Ueber die 
Weissagung Jes. 62, 13 ff. ygl. ubrigens die Abhandlung Peilchen- 
feld's im „Magazin** 1883 S. 1—19, wodurch yiele Auslegongen 
Friedmann's beseitigt werden. 

Hoffmann. 



Zur Geschichte der Exegese 

iiber den Vers: Gen. 49, 10 '^y\ SD3tt^ mo^ vh. 

Von Rabb. Dr. B. ZtaMMto in 8i PSltM. 

(Fortsetzung). 



II. Midraschische Auslegung. 
2) Agadische Exegese. 

4. Eine Auslegung, die schon ganz von der weltlichen 
Macht Juda's absieht und die Weissagung nur auf die Lehrer 
und Schriftkundigen bezieht, ist eine Agada jiingeren Ur- 
sprungs, die aber vielleicht auf altere Quellen zuriickgeht. 

Tobia b. El. in Midr. Lek. tob 1. c. (B. ham. 1. c, 
ed. Buber p. ny f.) und y^S nunn nsD^r Ven. 1602, f. 49b. 

MK^a C^3tt^lO IM m,T3ttf OPIOID )h» I'lT'O »3tt^ "IID^ »h 

p»3) (^witt'^a)] nw^n pio«^ QY^V' '*2\trv ihn rTooi poio 



^y Unter yiy^ «avp hat man nach Ab. dR N. c. 85, Sifr4 I, 
78; 11,852; Mech. Am. II. (ygl. die Emend, des Com. y^w ed. Livomo, 
1801. f. 65a f^yt Sittt onS ^sv*^) und Parallelst. im JaJkntdie Nach- 
kommen Jetro*s des Eeniten, welche ihren reichen Wohnsitz yerliessen 
(Jnd. 1,16 and Eascbi z. St) and hingingen zu Othniei oder Jabez 
aos dem Stamme Jnda, zn verstehen. (Temura 16a py« H\n Sm^^ti^ Hin 
(Sttiv^a niin y2^\ fynr . . . um diesem weiseu and frommen Manne als 
Jlinger zuFUssen zn sitzen and von ibmLehre zu empfangen ; von ihnen 
stammten die Rechabiten, die im Synhedrion sassen und Gesetzes- 
bestimmungen lehrten (nwi nan omoi mnaoa ]»awi» i»n» vergl. 
Jalk. Jeremia§d2d). Damach w&re (in 'ttnn 'ta^v) '^Ai paD doppelt 
ausgelegt, mit Beziehung auf die Jlinger Jabez* die ihm zu Fits sen 
sassen und auf die Quaderhalle, die im Gebiete Juda*8 lag; s. 
oben S. 164 A. 2. Vergl. anch das Targ. zu I. Chr. 2,55 (Wilna 

JUCuia H«n HI, 1890. 12 



— 178 — 

Stt^ ^phm (iT'T:;! rott^^a) nati^r «\nr nSna mn^oa (Snik^^ 
(I. Chr. 2,55 '131) pP' '3i^V D'iciD mnctt^oi ':tt^ [mn^ 

(S»ir^S) pin K^anS nioi»n Sa pn^nvtt^ iS vt -^b :r"^2v 
^aSo now/) . . . . -r Sav «Mn nya '3tt^ in ja n^eron "|SdS 

.(^ 72,10) ^yy navK . . . .trtnn 

TV ^^ D'T3r mnpnS rnytt^ (^d^Sc^it ir) I'oy 'np** ^h^ 
jw-i irD\ . . pnsca Bcn :nw (^ 72,11) ij Sa iSiinnr^ r'ar 

.(Jes. 11,12) n: D''wS D3 »tt^il :n«i (Jes. 11,4) 

• ,)Es soil nicht weichen der Stab von J/* weist hin 
auf die Schriftgelehrten (oder Schreiber) in Juda, wie es 



1816, f. 3 b) nnd zu 4,9 (f. 4 b). — An eine ehrende Anspieliing 
auf einen Sohn oder Enkel Rabbi's der ebenfalls Jabez ge> 
heissen (Der. er. sutta c. 1) ist nicht zu denken, da, wie A. Epstein 
(n"3, V, 97 und Beitrage I, 111) nacbgewiesen, y^y^ mit S» naa 
3"nn (auf diese richtige La. in Jalk. Ez § 367 hat schon ttidII, 
156 aufmerksam gemacht) gar nicht identisch ist; yergl. auch 
Graetz, Monatsschrift XXX, 441. Mit der zweiten Erklarung in 
Pseudo-Raschi zu I. Chr* 2,66 in Jabez hier den Namen der Stadt 
Abez (pK) nach Josua 19,20 im Stammesgebiete Isachars u. zwar 
im Hinblick auf D»ni;S n:<3 ^nv I. Chr. 12, 32 (cf. Joma 26 a) zu 
suchen, und als das Leitende im Midrasch den Umstand anzusehen, 
dass das Sjnhedrion auf judaischem Gebiete sich befand, ware 
Yollstandig verfehlt 

^) Jes. 18, 7. Es scheint, dass man die beiden Worte nSn^ «3» 
mit einander verschmolzen aussprach- ^ ^\t; ^2^"^ Raschi, der diese 
Deutung anfiihrt, cit ^ 76. 12 'dS ^v ^S^av. Was Jalk. § 160 
bringt: 'was nh iS»av ist kein Bibelvers und scheint zusammenge- 
zogen zu sein aus Jes. 18, 7 und 68,30: ^tr '>aSo iSov -[S. Letzterer 
Vers ware sogar im Texte oben statt Jes. 18, 7. angemessener, denn 
dort ist nicht die Rede von den Geschenken, die Gott gebracht 
werden. — Pugio fidei hat aus Ber. Kezara auch Jes. 18, 7, 

') Trotzdem sich dieser Zusatz in Jalk. u. Beth ham. findet 
mochten wir ihn als sinnstbrend streichen, weil eben t3"S das Ganze 
auf den Mess, bezieht u. nachtraglich wurde wol erst in Jalk. ein 
passender Vers Sech. 12,3 dazu gefnnden. Das soil aber nicht mit 
Bestimmtheit behauptet werden, denn Jerus. als Sitz des ktinftigen 
Mess, kann auch als die Schwachung der Volker herbeifuhrend ge- 
dacht werden. 



— 179 — 

heisst: »Die da fiihren den Stab des Schreibers (Jud. 
5,14)**; »iind der Gesetzeskundige von seinen Piissen": 
Das sind die Maimer (Schiiler) des Jabez, die (ihm zu 
Fiissen sitzen und) in Israel Geseteesbestimmangen lehren 
im grossen Synhedrion, das seinen Sitz hat in der Quader- 
halle im Stammesgebiete Juda's, wie es heisst: »Und die 
Gelehrtenfamilien, die Manner des Jabez etc/* — * »Bis 
kommet Geschenk ihm, oder der, dem Geschenk wird®, 
denn einstens werden alle Volker Israel mid dem Messias 
Geschenke bringen^), wie es heisst etc. — »Und ihm ist 
das Stumpfsein der Volker**, denn er (der Mess.) wird 
einstens die heidnischen Volker stumpf machen, oder es 
ist Jems., das den Volkem Stumpfheit bereiten wird etc. 
Je nachdem )b ^ aufgefasst wird, entweder als Subj, 
zu »3% dann bezieht es sich eher auf Juda, oder = '»l|^l5^ 
iy = J, der, dem Geschenke gebracht werden**, dann eher 
auf den Messias. — Es wird aUgemein angenommen, dass 
iS ^8^ schon die La. rh^ voraussetzt, mid dieser Midr. ware 
daher nothwendigerweise in eine spatere Zeit herabzusetzen. 
Es ist aber doch vielleicht moglich, dass immerhin ri^K^ 
gelesen wm'de und man, wie Derartiges nicht selten im 
Midr. vorkommt, derAbleitung zu Liebe ein Jod einschob. 
Der Versuch des Leo Gastrins (Baur 244 A. 50), den 
.LXX mit der La. rd dnox. im hebr. Text iS w unterzu- 
schieben, diirfte als kaum gelungen anzusehen sein.^ 



*) Ohne dieses Midrasch Erwahnung zn than, hat man in nenerer 
Zeit sogar emstlich Tersucht, in seinem Sinne rationell zn erkl&ren 
und damach im Biheltext zu em'endieren: nS >v K3> o ny; dies 
kUhne Wagnis fiihrt S. Finsker im Namen eines Frenndes in 
nVMH mp^ Sm mno p. 134 an; in Franknl*s MS. XII (1863) p. 401 f. 
wird schon daianf anfmerksam gemacht, dass diese „sinnreiche 
Conjector'' eigentlich in der Weise nnseres Midr. auslege. — An 
dieser Lesart haben librigens anch Amandus Polanus, und in nenerer 
Zeit Hensler Gefallen gefonden; s. Baur, Gesch. der alttest. Weiss. 
I, 244 A. 50. s. folg. Anm. 

^) Nach Baur hat sich (s. A. 1) sogar Amand. Polanus u. in neuerer 
Zeit Hensler fiir die Erklfirung durch ^h nr entschieden. Ob aueh 



- 180 — 

5. Einen verwandten Sinn bietet folgender Hidrascfa, 
der sich uns in dem handscliriftlichen, bereits oben (S. 1 56 
A. 2) erwahnten Midrasch hagadol erhalten hat: 

Simr f-mar pnrDD ^nm mav *wn Ak dv^S :nn 
^TOK^)] nSv n ^3T .nvDn iSon nr r^ai; ;mpa w^an poo 
HVT :o'oy nnp^ iSi . . . ^nr n 'an ;r«a]; 'nan lor [••^nr 
jeSr a*n^ .T*n or tS papnro jSiai mow Sr omr nrpoi lo 
pyonBTi prtSo^ •^ ir»Sr hr 'wm (Dan. 7,14) ia^ -pn 

.(Jes. 2,2) crun Sa vSh n-ui 'otw (Dan. 7,27) 

In der Erklarung des mp^ scheint eine zweifache Ans- 
legung zusammengeflossen zu sein, j,»stumpf machen*, 
wieoben unter 4. im Midrasch, und »unterworfen sein*, 
welches das jerus. Targ. zeigt. 

Da nach Synh. 41a (Ab. s. 8b, Sabb. 15a) das 
Synhedrion die Qoaderhalle 40 Jahre vor der Tempel- 
zerstorung verliess (was spater als christl. Einwand gegen 
obige Auslegung yielfach angefuhrt worde), und da es nach 
lOfacher Wanderung*) — mit Ende des 2. Jh. wohl — 
seine Bedeutung zum grossen Theil einbiisste, wurde auch 



Goccejus, wie Werltm: De laud. Jnd. celebr., meinen soil, mSchten 
wir bezweifeln, denn derselbe erkl&rt (Lex. et comm. p. 8d8) diese 
Dentnng direkt als falsch und zieht ^princeps pads'" vor. Der yon 
Banr das. citirte: „Der von Jarchi angefiihrte Midr. Agada* iLdann 
„da8 Beresch. Kezera des Baym. Mart. p. 813" sind wol die niunliche 
Quelle, unser Midr., der hier yorliegt 

^) Fehlt in Midr. hag. nnd dtlrfte nach Synhedr. 98 b, zu er- 
ganzen sein. Wenn auch das obige nnpn u«n*i )Ud mit Mtino w a*i tsn 
nnpn '«3i ]uo ^r\H ein wenig contrastirt, steht doch in Midr. hag. 
die citirte Stelle mit der folgenden aos Synhedr. ib. bis 99 a *p^ 
. . . n'w in einem gewissen Zusanmienhange. Jedoch folgt nach 
'{'D'tp U7D1 "^"^p in anderer Beihenfolge zuerst: nS m^^d mnn '^h 'Ox 
. . . no^nS inaM und dann:onitnDnnn 'nan »itD mtSoiawSoBf n vyn 
. . . i:n (Am. 5,18) Einen B. Simla'i mit einem solchen Beinamen 
konnten wir nicht wiederfinden, doch scheint er identisch zu sein 
mit dem hmSd ni, den Juchasin (ed. Wrsch. 1876) p. Ill bios 
mit Namen erwahnt und zu dem T'no, nachdem er friiher Synh. 
98b citirt, kurz bemerkt: «nMSD mS. 

*) Bosch hasch. 31a. 



— 181 — 

jcne Erklanmg unseres Verses, die auf das Synh. buch- 
stablich hinweisen sollte, unhaltbar. 

Allen Schwierigkeiten, die durch den Wandel der ge- 
schichtlichen Ereignisse entstanden, konnte vorbeugen eine 
allegorische Ausdeutang, die 

ff) den Inhalt des ganzen Verses als eine Vorher- 
verkiindung in die mess. Zeit verlegte-^). 

1) Ber. r. c. 99 § 8 p. 370 (Wilna) und Tanch. — 
Jelamd. (ed. Stettin): 

(MSr noScw [('tSo] ihik) vctv^ :rDDi ('^na^K) ;(^ 45,7) 
.(*(Jes. 28,3) "i;i nitty wDD"^n o^Sjia :id airoc? ^o 

S3 •'jr nnpor ^o :'ov ',y ^Si ;iSr maSDrw ^o :tt?*^Dy 
nc Sy n^ le^r^ [cmiaj Sdo wan 0^:1 i»i^] :w niDwn 
•noSS (•i^Sv \h7^rxi y7\wt ^0 :'ay ',y iSi ^n .(Mich. 17,6) 
.(^wm^ D^j vS» . . . "tt^^ tt^nw :w (^rco rmn 

^) Auf diese Aiiffassong weisen hin E. Nissim vh nntaann dm?) 
(S«wn n«c nn« pt S»nnn und Js, Abarb. in Jesch. mesch. pars II, 1 
e. 6 ed. Kbnigsb. f. 37 b ff. 

*) Fehlt in Tanch. u. wird unten vor iSr 'laSonr ♦» zu 
setzen sein. 

*) Hat nur Tanch. 

*) Das Ganze fehlt bei Abarb.: Jesch. mesch.; ist anch zu 
streichen. 

*) S"Ti schlSgt vor hierzulesen Jes. 26, b: oy ^hy\ hr\ naoDifi, 
was anch wirklich Pug. fid. p. 842 hat. ~ Abarb. liest: 0^^:112 
D^T ♦S:n ruDOifi, eine Yerschmelzung der beiden Verse, und hat noch 
einen Nachsatz ['Ui] (i)«D3 lona ]3irn (?)inn« 'na no (Jes. 16, 5); 
ebenso jfindet sich Jalk. Jes. 26, 6 § 296 (,die Angabe das. aus 
10 [67, 5] bezieht sich auf das folgende) 1:11 (L »S;n S;n) rvhx^ '3D0"vn 
1:11 (1. ^^Ji"^ Sji) ♦*?ji ':DDin OB' nwon nio^S no^wo 'nata ♦an 'h 
'vi^ ]3ini mn« 'na nm; an eine Verwechslung von Jes. 26,6 mit 
16,4 :n;i^ p D&*i iDM Iftsst sich kaum denken. 

•) P, t. hat vSh ! Ueber nnp» = Versammlung s. w. bei Midr. 
Lek. tob. 

^) La. in dom nw, durch die viell. die in folg. Anm. angefuhrte 
Erganzung bestatigt wSx e. 

*) P. f. p. 854 aus dem Ber. r. des Hos. had. fahrt fort: r« 



— 182 — 

Mit Benutzung der versch. La. und mit einer geringen 
(ob. p. 181 A. 2) Emendation giebt diese an sich schwierige 
Stelle folgenden Sinn: 

j>Es wird einstens ewig nicht (mehr) weichen das 
Scepter*', d. i. der Konigsthron von Juda, denn es heisst: 
Dein Thron, o Gott, ist immer and ewig, ein Rechtsscepter 
ist das Scepter Deines Konigthums; »und der Gesetzgeber 
von seinen Fiissen**, d. i. der, von dem es heisst: Es 
zertritt sie der Fuss — die Fiisse des Armen. Wann 
wird dies sein? — Wenn kommen wird der, dessen ist die 
Konigsherrschaft und der stumpf macht die Zahne der 
Volker*) (denn es heisst: Es fiirchten sich die Volker und 
schamen sich all ihrer Starke, legen die Hand auf den 
Mund), oderum den die Volker sich sammeln werden: Der 
Spross Isai's ihn werden die Volker aufsuchen.*) 

2) Eiue zweite derartige Deutung des ganzen Verses 
auf die mess. Zeit findet sich Jalk. Gen. § 160 (Abarb. 
in Jesch. mesch. 38a cit. "va, das Verzeichniss ib. f. 3a: 
»nr T'3), wo aber die Auslegung von ppnt^ == pr '3«fr 
entschieden aus den oben erwahnten Midraschim hinein- 
gekommen sein muss, denn in ihrem jetzigen Zusammen- 
hang spottet sie jeder Erklarung. Gliicklicherweise konnen 
wir sie ersetzen durch eine jedenfalls halbwegs authentisch 
uns erhaltene Stelle aus Ber. r. des Moseh had. bei Raym. 
Mart., Pug. fid. p. 842: Tpy wnr mn p n^tt^o nr ity^'h 
:veei ,(^2,9) SnawM oimn :'ar mm ni[^]DSon pk nrrh 



(Ipni) |ionn i*h ;rji«3 oSi^^n moutS \r\^h nhn na n»»on iSo ]»h H3»an 
( Jes. 66,4) '»o«S nwm . . . d»owS tj? ]n : low «m ]3i. 

') Diese beiden Glieder parallel den obigen — KQnigsthron 
und Bestraftiog der Vdlker. 

^) Wir folgten der Uebers., die Men. b. Isr., der glanbt, dass 
nv hinanfgelesen wurde, giebt: Non auferetnr sceptmm a. J. in 
aeternnm neqae legislator (?) a pedibus eius, qnando veniet, ille 
cui (regnnm) et congregatio popnlonun. Er sah sicli wol dazn ver- 
anlasst durch das *T)ri d^i]; ans ^ 46,7. Man kann aber anch o n^ = 
qnando nehmen, was an gegebener XJebers. wenig Snderte; s. oben 
S. 12 A. 1. 



■..'3' 



— 183 — 

•jC^-^y ^Sr ,Sn r\sotyn :'jr o^Sra rm\w\ pineS Tnv tnnr 

.'131 pTfiyiy :r'^ ry 

»Es wird einstens der Stab nicht weichen von J/* 
weist bin auf den david. Mess., der die Reicbe mit dem 
Stabe ziichtigen wird, wie es heisst: Du zerschellst sie mit 
eiseraem Stabe; »und der Zertriimmerer (?) von seinen 
Fiissen^*) (ist ebenf. d. Mess.), der^ die Volker mit Fussen 
zertrummem wird"), und das wird sein zm- Zeit, da kommen 
wird 1*? U5^, wenn einstens die Volker Isr. und dem Mess. 
Geschenke entgegenbringen werden. 

3) Wiewohl ein wenig zweifelhaft*), zahlen wir doch 
zu dieser Klasse eine Agada aus Agadath beresch. in Beth 
ham. IV p. 113 (ed. Wrsch. 1876, p. 110): 

"D ny ?T0 ('(ny) .h'^jv^ rtt :Tt50i ;ni3So [ir] nr :dt^S 
w Cinh niDSan [Ttmi] ivmi w-'iya «r ^d ny :nS^r ht 
. . . lar" in« to pi ,(Ez. 37,25) oSiyS urh »^tt^3 nay nm 
yarn Sa^m :('i<-n2i ;(Hos. 8,5) ddSo in tki . . . . wpai 



1) p. f. hat dann (Sech. 9, 9.) non Sy aaii ♦ay I'atr n*»D nT <3j^, 
was aber freie Ausfiihnmg des Mos. had. sein diirfte. 

•) In welchem Sinnehier 'h)r\ ]»aD genommen ist, diirfte schwer 
zu entscheiden sein; gegen die Erklamng: ^deijenige, der die 
Ydlker zertriimmert aus der Mitte seiner Ftisse hervorgehen 
lasst", spricht o»^;na . . . pinoS. 

') Diese ganz nngehrHuchliche Anwendnng von pnD, die sich in 
den Lezicis nicht findet, k5nnte doch viell. mit Targ.. Jnd. 5,26 he- 
legt werden: wmi npnD= nnrn man. In Tikk. Sohar (Wagenseil 
849) rmn ^opn pno»ty. 

*) Es kann n&mlich M^va nnd nuSo wie Mnra nnd ri in der 
Baraitha verstanden sein. 

B) Nach dem Znsammenhange ist dieses ny zn streichen; die. 
beiden folgenden *iy kQnnen erkllbt werden. 

•) Dav. als Messias Synh. 98 h : in» Tn onS ToynS n'opn n^nj? ^ 
und Echa rahh. 1. c. 118 : H»n»DD »« '»D» nn n^^no '« 'n^wo hsSo r"in 
'♦D«f in. Interessant die Ansleg. unseres Verses auf Dav., den 
geschichtl. Messias beinaiOHn ity u. ]napH nach TO; s. welter. 

') Midr. Ruth r. §. IV. n'oyS Saw iH'ron nio^S Saw .rTinya S3n« *, 
JaJk. Ruth § 603: 7\'yh invii /te^on mo^S yawni ^rmya Sa»rii. 



— 184 — 

rxh rmo 133 Tm w Tjffi nr Sawn :(Riith 2,14) irtm 
•Onunw ir iftiw ('ntrhiT v (nr) yarn ,(I. Chr. 5,2) ttse 

yEs wird emstens nicht weichen das Scepter y. J.*, 
d. h. das Kdnigfhimi; ^^und der Gesetzgeber yon seinen 
Ffissen*, d. i. ein Frarst. Wann?') Da kommen wird in 
des Hessias Zeiten ein Fnrst nnd mit ihm das Kdnigthmn 
zam david. Haase zorackkehrt, wie es heisst: JOnA mein 
Knecht David ist ihnen ein Furst for ewig*, xnxi ebenso 
heisst es: ,»Dann kehren die Kinder Isr. zorack nnd sachen 
ihren Gott nnd ihren K5nig David*. — So heisst es 
anch von Bnth, der Ahnfiran des david. Eonigshauses: 
»Sie ass*, das bedentet den Vorrang J.'s als Gebieter nber 
die anderen Bmderstamme; »sie wnrde satt* bedentet das 
Konigihnm, nnd ,»sie liess (behielt) iibrig*, das ist der 
Best der Herrschatt bei den Nessiim ans david. Hanse 
— So wird in geschichtlicher Folge der stete Vorzug des 
Stammes J. von der mos. Zeit bis in die Diaspora, der 
Vorrang nnter den Bmderstammen in vordavidischer Zeit, 
das Konigthnm und die Wiirde der Nessiim bezeichnet. 

c) Es erubrigt uns noch hier zusammenzusteUen die 
Brucbstiicke, die aus der Midraschsanunl. des R. Moseh 
hadarschan (c. 1050) erhalten sind. Dieselbe wird von 
mittelalt. christl. und getauften jiid. Schriftstellem vielfach 



1) Als Beleg da viell. zn erg&nzen : '*7in«D car *iid« mS ov. 

') Und hier: rhn ]»aD ppnm 

*) Die Erkl&nmg des Gomm. t)DV )^ in derWarsch. Ausg. ttiit 
Beibehaltnng des «nD n)^, ^es wird Scepter n. Herrscherstab, aber 
als Zeichen eines geringeren Grades von Macht, nicht ganz 
schwinden/ jedoch nnr bis znr Ankunffc Schilo*s, denn dann wird 
alle Machtzum Davidischen Gescblecht zurukkehren — erscbeint nns 
nicht richtig, da im Yorder-und Nachsatze das gleiche rvcho steht 
Anch das «no n^ anf M^tra allein zu beziehen nnd zn erkl&ren: Es 
wird nicht weichen znerst das K5nigsthnm und nach dessen Anf- 
h^ren dann die NassiwUrde ans Jnda, aber letztere nur bis das 
MessiaskOnigthum wieder beim Hause David^s sein wird, ist 
etwas gezwnngen, doch eher mQglich; aber man mnsste dann trotz 
des angeftihrten Schrifsverses Ez. 37,26 . . . nnn»i n^Jto^oi^ lesen.— 



— 185 — 

citirt, so von Rayra. Mart., Ger. de S. F6, der allerdings 
nach Epstein's Ansicht (Bereschit-Rabbati etc., Sep.-Abdr. 
aus dem Magaz. 1888 p. 13) Alles, was er von Ber. r. 
des Moseh had. erwahnt, Ersterem entlehnt haben soil 
(Hebraeomatix z. B. I, 42 „Ber. Babba de B. Moyse 
praedicatore** und Tr. e. Jud. in Max. Bibl. V. patr. XXVI, 
529—55 oft.) u. A. Sie nennen sie Ber. Rabba wr' i^riv 
und im Gegensatz zu dem uns vorliegenden Text des Ber. 
r.^): Ber. Kezara. Das Ber. r. des Mos. had. soU auch 
mit der bereits erwahnten raS n^m no*» identisch sein 
(JeU. Beth-ham. H, p. XXV nach Zmiz, GV. 291). Be- 
senders den Segen Jakob's scheint man im 10. und 11. 
Jh. zum Gegenstand der agad. Erlauterung vielfach gewahlt 
zu haben; daher die vielen Oitate aus dem Ber. r. des 
Mos. had. speciell zu I M. 49 z. B. bei Raym. Mart., wie 
auch bei anderen christl. Autoren zu messianolog. Zwecken. 
— Einzehie Stiicke wurden bereits oben mitgetheilt. 

a) Is. Abarb. in Jesch. mesch. 11, 1 c. 6, p. 37b, 
der, wie es scheint, erst aus christl. Quelle, wahrscheinlich 
aus dem ompcn "D*) des Geron. de S. F6, schopft, und 



*) Dies ware ungefahr die Ansicht Zxmz* (GV. 290); eine 
andere hat nun Epstein (1. c p. llf.) aufgestellt, nach welcher 
Martini unter Ber. r. minor einen Bereschit rabba im Anszog, 
nnter Ber. r. schlechtweg den gedruckt vorliegenden und unter Ber. 
r. major den des Moseh had. verstiinde. Nach beiden Ansichten 
mnsste aber Alles, was Mart, aus Ber. r. minor bringt in nnseren 
Ansg. sich finden, wahrend, was recht anffallend ist der Fngio 
fidei p. n, c. lY , § 4 p. 813 aus „Bereschith Kezara Sectio 79** 
citirte Midrasch bei uns nnr Jalk. Gen. § 160 sich findet. 

') Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass dies dorch hSm 
'nipcn Oder „«BnBnioa '»ya» niann 'D** (s. r,"^ II, 113 und 375), von dem 
das einzige Ms. sich im Besitz A. Epstein's (frilher J. S. Halberstam's, 
yergl. Kobak*s Jeschuron hebr. VI, 45 f. A. und Ginse nist. ib., 
femer Ber-Babb. p. 13 n. 33 A.) nicht eine Uebersetzung des 
Tract contra perf. Jud. ist^ sondem. wie Epstein mit Recht an- 
nimmt. urspriinglich hebr&isch geschrieben wurde. Einen direkten 
Beweis daflir k5nnen wir aus der Einleit. des Abarbanel zn Jesch. 
mesch. f. oa entnehmen, wo es heisst: D^yvwri one^^Mn onS vtT^ 



— 186 — 

Pug. fid. p. n, c. 4 § 3 p. 313: nn^n nwS it :o"r^S 
n« ina^i . . . rjDV hrtao c»on :w *)"aT Sttf (MpSna rurur 
p'^^n -in :(0 78, 67--68) 3n» ir» [vsc in w ,niT SDStt^ 
;(^^^Sn3 msccnDnpi^ (^ 87,2) p^3C njwn anK :«*nDi ,Tnna 
wie ob. S. 177 'WiSswamDSn (*p-norpr '28?r ^h» :tdoi 
unter 4. ti pS fmnaoS nD »Sir "[S -^mS k^« ro'e^^S nei^) 
wpoS Dro iSiB^ p'-Dtt? man tdb^Sd parvr pr Sd «S^( mt^w 
(V, 17,10) «inn Dipcn p . , . n^e^jn :':r nwc3 "n iSoa ^^^( 
(n'tt^Dn nr w'^^v ;(^dii:i oipoe^ noSo. 

Sitw:i letr Sn:in ipe^on n»y w«3 ompB mam d»3»d ncD ia«auy^a 
anpwn tr«n v'B'^ (1. ^pn^) ipmS d^^bS. — Die bei Ab. 1. c. aus dem 
ipBQ citirte Stelle stimmt fasst yollst&udig mit dem Excerpt uberein, 
welches Herr Epstein aus seinem Ms. f. 82 b freundlichst nns nber- 
mittelte: . . . nw^n omoBf . . . ipSna . . . niD» nh hy ^trnn ntro n noK^ 
(1. pom) ]ioTn n nD«i . . . ly (tj;) 'ynn mpoa nwBa ♦an ]nS . , . pnnaoa 
(e. nnip) nK^p un^hy \n'»^pT\^ . . . nwBa 'an dhd ^toai ,. . . nnSara 
'131 laS MM noMi. Wie es scheint, ist das eine Compilatiou uns den 
oben im Texte unter a) und fi) angefiihrten, dem Pugio fidei ent- 
nommenen Midraschim. Wie Herr Epstein uns *ebenfalls mitteilte, 
hat Don Vital in '»Bfnp »np (einer Widerlegung Geronimo's), das 
er handschriftlich besitzt (vgl. Gratz, Gesch. VIII, 3. Aufl., 1890, 
Note 3, p. 416) ]Dn3 "i und ]n«3no statt innS;i. 

1) Abarb. ipSnS, cf. Scheb. jeh. (1855) hebr. p. 78. — Wie wir 
nachtraglich fanden, hat sich der erste Theil des Midrasch auch im 
Sifre n, 352 erhalten: (so nach ppinoi min»D oatr niD» «S Vn nm 
^nwa DKO^i 'Xf mn* hv ipSna ':n«3B^ r^T)h n Jalkut § 957 richtiger) 
;'nin» tDa» n« nna^i . . . fpv vgl. Raschi Sebachim 54 b s. v. n^ya^m 
«o*k: vh^^. i»ao ppnoi ona "nn» Sw ip^na pnn« n»o;i. Das Citat 
bei Mart., der auch y. 67 anfiihrt, sprache gegen die Emendation 
Friedmann's z. St n. 23. 

*) Aus Pugio fidei. 

^) Berach. 8 a. 

*) Abarb. Shw»S nwiin. 

») Aus Pug. fid. 

«) Ab. sara 8b; cf. Raschi Synh. 41a, der v. 8 citirt h» r)6v^ 
Dipon. — Abarb. in Jesch. mesch. stellt nach dem Talm. den Sach- 
verhalt anders dar; als die Verbrechen im Lande zahlreich wurden, 
gab das Synhedrion die criminelle Gerichtsbarkeit auf u. verliess 
aus freien Stucken die Quaderhalle (ranSo ipSnoa ddij^o an); das 
flihrt Abarb. gegeri die Angriffe des ipBO, der kein Anderer als Josua 
Lorki, Ger. di S. M ist, aus; n. oben p. 186 A. 2. 



— 187 — 

P) S. ob. S. 154 A. 1. (?nS»3tt>3) nnS^ra (em Ttt 

.131 nn:)n nsrSa nSnjn pnn3D 

Dies angebliche Dictum R. Nachman's, das wir sonst 
nicht nachweisen konnen, steht im Widerspruch mit der 
ganzen Anschauung, die wir in Bezug auf die Auslegung 
unseres Verses ia den Midrr. gefunden haben. Dieselbe 
will eben nicht zugeben, dass die Macht Juda's schon 
vollstandig gewichen sei. — Das wiirde nns aber nicht 
hindem,. trotzdem diese Stelle als authentisch anzusehen, 
wenn nur Rayna. Mart.'s Glaubwiirdigkeit in Bezug auf 
Qtate aus Midrr. iiberhaupt nachgewiesen ware. 

Dariiber hat sich in den letzten Jahren gerade eine 
kleine literarische Fehde entsponnen. S. M. Schiller- 
Szinessy in seinem Aufsatz »The Pugio fidei^* in »The 
Journal of Phaology«, vol. XVI (1888) p. 136 ff. brand- 
marktMart. geradezu als Falscher und Ignoranten und 
sieht in dem R. Rahmon eine Mystification fiir Ramon- 
Raimundus selbst (vgl. diesen Namen in Graetz' Monats- 
schrift XXXin, 503, 505 A. 1 u. 507: Ramon Martin und 
in Disp. Nachm.; Graetz, Gesch. VII, 418); also Mart, ware 
selbst der Erfinder aller Midr., die er unter diesem Namen 
anfiihrt, wie auch Zunz, GV. 407 sie fiir einem erdichteten 
Autor untergeschoben halt. Gegen Sch.-Sz. trat Neu- 
bauer in ,>The Expositor*^ (1888) fiir Mart, ein, dem auch 
J. Loeb beistimmt, s. Rev. des 6t. juiv. XVI (1888) p. 
314, wo zugleich auf » Academy « vom 17. Sept. 1887 
hingewiesen wird. — Die Partei Mart.'s sucht Epstein, 
Ber.-Rabb. p. 21 ff. unabhangig yon den genannten Ge- 
lehrten zu ergreifen, konnte es jedoch nicht ganz con- 
sequent thun; denn p. 22 das. heisst es: ))Wenn Mart. 
Falscher war, so war es hochstens im Gruppiren, aber 
nicht im Schaffen^*, und p. 25: ,)Was aber unbedingt 
christlich und zu dem Zwecke verfasst ist, um die 
Juden zu bekehren, das fiihrt Mart, nicht im Namen 
des Ber. major (des Mos. had.) oder eines anderen Midr., 
sondern eines unbekannten Rachmon an^*. Nun kann 



i 



— 188 — 

Epst. nicht entscheiden, ob Rachmon (and damit auch 
der Inhalt seiner Ausspriiche) fingirt sei, oder ob as 
einen Apostaten dieses Namens wirklich gegeben (s. auch 
n"3 V, 181 A. 8 und Beitrage I, 110 A. 2). Ausserdem 
bringt Epst. selbst Beitr. 1. c. ein Qtat aus Pugio (p. 695), 
nach welchem Rachmon Moseh had. ausfiihren soU und 
in unserer Stelle aus dem Pugio (p. 872), sowie in der 
oben p. 181 A. 8 (P. f. 854j citirten scheint der R. Rachmon 
wieder aus Mos. had. zu stammen. Sollte die Nennung 
dieser geachteten Autoritat in Verbindung mit dem aller- 
dings unbekannten Rachmon nicht unter den Juden irre- 
fiihren? Ganz frei von jedem Verdachte ware Mart, somit 
nicht. Wenn die christologischen Erklarungen nicht auf 
Juden wirken sollten, welchen Zweck batten sie dann im 
Pugio gehabt? Sollte der ungebrauchliche Name gerade 
dariiber belehren, dass man es mit einer nichtjudischen 
Auslegung zu thun habe, dann ist es seltsam, dass einmal 
sich doch (durch einen Druckfehler!?) im Pugio (p. 853; 
nach Epst., Ber.-Rabb. 26) dixit Rabi Nachmon findet, 
und dass Abarb., sowie Don Vidal in der Widerlegung des 
Geronimo, der ebenfalls R. Rachm. hat u. zw. aus P. f., 
(vgl. oben S. 185f. A. 2; u. Abarb. 1. c. 49b) einfach 'i 
|0n3 wiedergeben und Ersterer sich bemflht, den agad. Aus- 
spruch desselben zurechtzusetzen*). — Die ganze Frage ist 
daher noch oflFen zu halten, denn ein entscheidendes Urtheil 
diirfte schwerlich zu fallen sein. 

r) P. f. in, 9,5 p. 767: yn :ushz TO«r nr :DnrS 
nS-^r icy ^s ?ir ntnaa Po^'pne ^noi ,(IV, 24,17) ('apro dm 
.n'^ron ^So «3^rD 

Abarb. scheut sich sonst, z. B. Jesch. mesch. 49 b und 61b, 
gar nicht Ger. Plagiate u. !F%l8chungen yorzuwerfen, wShrend er bei 
R Rachm. keinen Verdacht schdpft. 

') Interessant ist, dass auch B. El. Wilna in '^m '*i*tm (ed. Halb. 
f. 82 a) zu IV, 24,17 den apv'O asia in Verbindung bringt — in 
dnnkel mystischer Weise — mit **d 'b^ *nD» hS, indem 4 ErlSsungen, 
ansgedrUckt in yyi /op, f no a. *ip*ip zn 4 yersch. Zeiten durch 4 
ErlQser — <toav <ppnD <nW «nnp^ — herbeigefiihrt werden sollen. 



— 189 — 

Diese Auslegung des ^d np = ^3 = wenn, gehorte zu 
den unter ^) oben p. 181 ff. angefuhrten Midraschim, die 
die gauze Frophetie aaf die Messiaszeit beziehen; sie findet 
sich auch im ms. des Bereschit-Rabbati bei Epstein p. 14; 
doch s. noch weiter. 

^) ib. m, 16, 1 p. 842 s. o. S. 182 unter 2. 

«) ib. m, 16; 22 p, 854 s. o. S. 181 A. 8.^) 

Den Uebergang von traditioneller, alleg.-agad. zu 
rationeller Auslegung bUdet neben Baschi 

d) Tobia b. Elieser (aus Worms oder Mainz; s. 
Graetz, Gesch. VI, 172; doch nach den neueren Forschungen 
Buber's in der Einl. zu seiner Ausgabe des d*S, Wilna 1884, 
p. 20 f. aus Eastoria in Siidbulgarien, urn's Jahr 1100). 
Sein Werk, die Pessikta Sutt. od. Midr. Lek. tob, wurde 
bereits oben erwahnt. Wahrend die Auslegung iS -r bei 
ihm yermuthen liesse, Aass er schon die La. rh^v gehabt, 
spricht dagegen folgende messianol. Deutung, die wir ausser 
dem oben Angefuhrten noch bei ihm finden: 
:nSr :r"P .(*(V, 28,57) nn^Srai los m w^^siy :r«w 
1335,) .tSi mwD ': f|S« vtyh yy^ rt3narnr« :TOn 'iw nr 
fiicm ,SS3»T Kin[i] f|S« ivonaa T3^3« apy^ imn ;(Dan. 12,12 
,1335 = (V, 31,18) n''no« -iron^DJHi :td toi pi ;n"Sr wn 

V.T dO)tcod ,*3cm onjno njno irv Aei pan^p p^p am ;n:n 
SD«_jwv_m»w n^tawi ^o^ v.t anar n^ioi o^ir ': (1. w} 

1) In -i"3S no^nn na^e^ (ed. Yen. 49 a) wird noch eine kleine 
alleg. Spielerei angegeben, die etwas unklar an unseren Vers sich 
anlehnt Jnda als 4. geboren, n=4 der 4. Buchstabe dieses Namens; 
ein Messias, der Sonne vergleichbar, die am 4. Tage geschaffen; 
4 ans Jada*8 Stamm warden errettet: Dan., Chan., Misch. und 
As.; u. wie in in das *n Anfang a. Ende des Wortes, so ist Judah 
der Bestand yom Anfang bis znm Ende gesichert, denn es heisst; 
,,Es wird nicht weichen etc." (?}: yergl. Jalk. § 169, w^ ed. 
Bnber p. 284. — Gelegentlich sei auch angefOhrt die Zahlencom- 
bination ans HH^Sfin 'O (ed. Przemysl 1883, f. 24 b): '^ nS^ '-nn« 

.Bf'/o 'T'y . . . D"w*'? im T'y «in tdS nSon nm 

*) Leitet also von n«Sv ab n. las h^^, wie wirob. beiT. J.b.U. 
bemerkt ; s. Reifinann im iro IV, 217 und oben S. 16 A. 2. 



_ 190 — 

pi»n iSdm S« «iy Dipnoi 'b^i r"vi ,'ro'»K p^^"'^'' ^3» p» }nSnnn 
— .w Di«nc ,nSr w ••a :n'W (Mai. 3,1) D-tt^pDOonw irK 
■jcn« r« -D :»"nri ,(1. S. 19,20) (^rpnS p)V3 Sry h nnp^ S"n 

.(Zeph. 3,9) *)nir3 nctt^ d^dv S« 

Das nS^tt^ erfahrt hier eine doppelte Deutung auf den 
Mess. Nach Dan. 12,12 soil nach SVa Jahren des Unheils 
die Erlosung kommen; der Anfang dieses Zeitraums ist 
zwar unbekannt, aber es heisst: „ Bis kommen wird nSa*", 
d. h. die 1335 Tage werden plotzlich beginnen.^) (Dass 
diese Zahl aus Daniel in den Messiashoffiiungen und in den 
Erwartungen des Erlosungsjahres auch sonst eine Rolle 
spielt, s. bei Zunz, Jiid. Zeitschr. IX, 108 u. Ges. Schrift. 
in, 228.) 

Beide Auslegungen sind ein klarer Beweis dafiir, dass 
noch immer die La. hSb^ die iibliche war.*) 



*) Die Ableitung von Snp» aus nnp» mit Hilfe des gegebenen 
Beispiels npnS, ob per metathesin oder durch Vertauschung der 
verwandten Buchstaben n u. S, so wie der Zusammenhang mit dem 
folgenden Verse, sind uns unklar geblieben. — Als Parallele konnen 
wir anfiihren, dass Job. de la Haye im Comm. zn seiner lat. Bibcl- 
ausg. (Par. 1660) p. 426 anonym die Ansicht eines chrisl. Antors 
bringt, der nnp = nSnp = ecclesia erklart hat, u. zw. dass aus 
nSnp durch (doppelte) metathesis npnS u. daraus wieder durch eine 
solche nnpS, mit vorausgesetzten Jod (?) = nnpS' u. mit iy:n in p = 
nnp"' — ^ Andere batten nnp» od. nnpS* = rhT}p = praedicatio ge- 
setzt. XJebrigens s. auch Reinke 130. 

*) Dieser Vers soil wol ein Beleg dafiir sein, dass die Volker 
einstens sich bekehren und um den Messias schaaren werden, cf. 
Ab. sora 24 a u. Berach, 67 b ; doch steht er mit dem Vorangehenden 
in einem so losen Zusammenhang, dass er fast wie ein frommer 
Wunsch Oder Trost klingt, dass einstens in messian. Zeit so schwierige 
Worte (nnp<) im bibl. Texte aufgehellt wurden. Das hatte T. b. 
El. auch fur nS»r wlinschen kSnnen! 

3) »iSr = plotzlich findet sich mehrfach in Targ.; Prov. 
3,25; 6,15 fiir ownc u. ^no; 24,22 u. o. 

*) Wenn in Sohar z. St. das ^ (u. n) in r\b^^ mystisch ge- 
deutet wird u. in den Tikk. Sob. (cit. bei Wagsl. 347) dagegen es 
heisst: nSir . . . n^Sn ntm» ^7\>»i nronSr, so k5nnte ersteres n^i;^ 
xnn^ S<»p in»» W71 n»Sn, auf eine spa tare Zeit u. das Letztere 



— 191 — 

Frei von derartiger mystischer Zahlencombination, doch 
der Tradition getreu legt 

e) Raschi agadisch u. zw. in mess. Sinne unseren 
Vers aus. — Er erklart nach der alten Baraitha: „Es wird 
die Macht vom Stanune Juda (so er sie einmal erlangt) 
nicht weichen", das sind von David ab (oder von dem 
Aussterben des david. Konigshauses ab?) die Exilarchen in 
Babylonien, die die Gewalt iiber das Volk von den Konigen 
libertragen haben (cf. Graetz, Geschichte IV, 214); ^und 
der Gesetzeskundige von seinen Fiissen", das sind die Ge- 
lehrtenjiinger, die (zu Fiissen der Lehrer sitzen und) zu 
Nessiim in Palastina ordinirt werden, „bis*) kommen wird 
der Messiaskonig", dessen ist die Herrschaft, oder dem 
Geschenke gebracht werden. (Vgl. Raschi zu I Reg. 11,39. 
— Trotz des iS ^8^ kann Raschi doch, da er gegen die 
masoretische Lesung auch ]b^ annimmt, nStt^ gehabt haben.) 
Wie Raschi einem polemischen Einwande (cf. Gratz Gesh. 
V, 364): Dass doch nach der Zerstorung des ersten 
Tempels keine in aus davidischem Geschlecht in Babylonien 
die Macht bewahrten (s. Morinus ob. S. 158f. A. 1 und 
dagegen fiir Raschi w. unter Nicolaus de Lyra) und 
auch bis zu seiner Zeit dieser Zustand nicht angedauert, 
begegnet ware und die Weissagung gerechtfertigt hatte, ist 
aus seinen Worten nicht klar zu ersehen*). Vielleicht 



offenbar mit rl^t^ anf ein hbheres Alter hinweisen, denn hier ist 

V 

noch nicht (s. auch Bachja b. Ascher) nro durch Zahlenwert = nS»», 
wie schon bei Jak. b. Ascher (oniiDn o). — Hier sei noch bemerkt, 
dass R Moseh Isserles in den Glossen zu Sch. Ar., Oh. M. § 67,1 
anfuhrt: bib'? r\"hv »a» o . . . naa^r p^i »n»; auch Mord. Dato 
glaubte an das Jahr 1675, in welchem nach Abarbanel die Todten 
auferstehen soUten; s. Zunz 1. c. 

') Raschi hat o *iv ausschliessend genommen, da er eszn 
I, 24,33 dem o» n^ gleichgesetzt; vergl, TO. 

*) S. bei Pererius p. 1020b die Frage gegen Raschi: Sed ubi 
terramm aut gentium sceptrum et imperiura habet tribus Juda? 
Dass m Medien, Assyr., Babyl. oder im Kaukasus eine solche Herr- 
schaft w&re, betrachtet auch er als erfonden n. nicht geschichtlich 



- 192 — 

legte er schon, wie man es spater gethan, den Nachdrack 
auf die Gelehrten ond die g^stige Macht, die stetig in Joda 
erhalten blieben. 

Mehr Interesse und Schwierigkeiten zugleicfa bietet bei 
Raschi der (erste) Versnch eiiier grunmatischen Erklaning 
des Wortes r-y: 

,{Ez. 28,7; 17) Tnye* im tw3 wn yf rvnv voy ne'w 
[Tinpj D.T1 ,11 prSa mroro wmn noai moo rfjDiw d"ojci 
('cr3T»3 -nyrvatf n'Sw -jyra hm »pu S» p] ic3 ,Scij yy 
;(lI.Reg. 4,2) ptf(mi{Ez. 21,20) 3Tn nr3K:» ,(Job 13,17) 
;(Jes. 11,10) inr im t6k :*» d'bjj rvi'm :aw ('nnp' m w 

bewieaeiu'da die jDden dortes inimer miter fremden Semcheni lebten. 
— Am Anfiuig des XVI. JL. beriefeu sich Isaak AraniB anf eincai 
Tinm -n-nj ifsn (Aked. jizch z. St vergl. Ibn Eero za Zach. ISJ: 
iTjaa onr ■ns in n<3 tun's Jahr 113S a. Grneta VI, 460) a. Abr. 
Fariss. anf die nKJiiiKn rnvai iibo nMi3 Smc nv iMa. 33 d. 
Sem.- BibL; if. Qnetz' HS. XXX, 201 A. 2). — Benjamin 
T. Tndela wax in alien "WeltteileD nmhergezogen, nm xa sehen ,ob 
das Scepter ganz von Jnds genommen sei" (b. P. Cosset, AhasTerna 
45) nnd fand ancb zn Narbonne (1166) den Nasai B. Kalon. b. Todr., 
der seines Urspnmg ans david. Hanae ableitete; in dieserStadt 
die elnen Boi Jnif gehabt haben soil, liess sich ja jener R. 
Uachir nieder, der wie Jnchasin en^t, dem KOnig Earl i?) 
auB Babylonien anf Verlangen gesandt wnrde als ein Weiser 
ans dem KSnigsstamme Jnda. Aack zn Aries gab es nm die 
Uitte des 13. Jalirhnnderta Nesaiin. ans dem kQniglichen Oe- 
schlechte Isai's, wie noch andere !Familien im Mittelalter sich 
Bulcb' adeliger Abstammung riibmten; vergl. Gross in Graetz' HS. 
XXX, 448 n. 451; dera. in MS. XXVII, 472; Geiger, Jiid. Za. X, 
262; Z. Kahn, Et. snr le livre de Joseph le Z*!atenr p. 13 f. und 
Graetz, Geach. V, 68.— Ebenso wendet P. Fagins (Tha^., Strassb. 
1 &46) schbu gegen Baschi ein : Qnod si rogas nbi ergo hodie est sceptrum 
judaicumV respondet in Babjlonia; u. in bissig- gehOssiger Weise 
bemerkt ej dazu: vts pfrn •\^9b Trmn.— VergL obra S. 158 A. 1. 
1) MiiLi^- jeh. (Preg 1678) des Jnda b. Mes. (1313) sehiagt 
vor statt liiesea Beispieia: V, 28,14 iJtii hv (Raschi: p'l hs los).— 
Vir vermuten, dass von dieeem Verse die in nnseren Texten ein- 
^klammeite Glosse, die keinen Sinn giebt, herrtlhrt: pM 'h »^n 

*) '"ffT 'piTpi (RiTa di Tr. 1560) wlirden, wenn Boschi nieht 



— 193 — 

^an^n :fcno»i ....*) (Prov. 30,17) dk rvyS ram iS noi-n 
.D^op nnip nvnS Siyi ;(llOb) 'oy • . . «nnp« inpw 
Als Stamm des Wortes wird rtp^^) angesehen, wobei 
das ^ abfallen kann (oder auch rrp and das ^ tritt beliebig 
heian^), da das " hm nu* oder Sdi3 y^v ist, d. h. dass 
es wie das f'i3 in y;: und f)33 abfallen oder wie das '« in 
^mn»^), nn3«^) und ■pow*) angefiigt werden kann. In aip^ 

das t als znm Stamm gehdrig erklart h&tte, annehmen, dass n a. S 

wechseln (mit Beruftrng auf Raschi zu IH, 19, 16) und das > ab- 

gestossen werden kann (n^^M rw '') :nnp = Snp; s. S. 190 A. 1. 

*) Abarb. Comm. z. St begrtindet bier p^^p = nnp^ anders 

*) Aus Rascbi zu Proy. 30,17 scbeint sogar etwas deuUicher 
hervorzugehen, dass er eher zu dem Stamme np^ hinneigte, w&hrend 
Gross: Men. b. Sar. p. 69 Raschi mit Men. den Stamm rrp = 
stumpf werden, annehmen lUsst; B.'s Erklarung schliesst doch 
letztere Bedeutung ganz aus. — Mit dem gleicben Stamm wie R. 
erkl&rt Joseph Kimchi gegen Men., wenn auch mit anderer Bedeutung 
u. zw. nach dem Arab, wie spater Qfters als nGehorsam*"; s 
rhin 'oed. Mathews p. 146: (p. X: obedionsa)o»nB) »i» T')»n *3 

*) N. Eronberg, Baschi als Exeget S. 19 f. meint, dass hierin 
sich R Yon Men. unterscheide. Die hier gew&hlten Beispiele 
^mnx .nnax /"^dm beweisen klar das Gegenteil, da B. doch nicht daran 
denken konnte, einen Stamm ihm ,n^» /*]Dk anzunehmen. So wird zu III, 
26, 36 das 'o in "i^D wie in nyio als Sfiia tid^ d. h. als Bilduugs- 
laut (yergl. Eronb. p. 42) und nicbt als Bestandteil des Stammes 
bezeichnet. — Dass ein Stamm nx wirklich angenonmien wurde 
s. Jos. Eimchi in S. ha- galuj p. 65; ^nmm das. s. auch im d>^ pyD 
ed. Buber p. 44. 

s) B. nimmt keineswegs — El. Misrachi — gegen pn*i als 
Stamm inx an, sondem wie p'n'y ein noDia '». 

^) Nach unserer Stelle hier wtirde B. dies x ^ ^b^ '^^ &&' 
sehen; zu Ez. 21,20, heisst es: ^x\^n h\p n^^oB^n :3-in nrDM aw ^^mi 
]"ia 1D3 «<n Sbu Tio^ nmaaa p^ o (glapissement) nn^aa 6 ;ain 
."pDN ^nviMi 103 noipoD 'M Msni nsne^aa So man diese Stelle in dem 
yielfach mit Glossen versehenen Ezechieltexte Baschi nicht ab- 
sprechen will, muss man annehmen, dass K hier an ein doppeltes 
Sdu tro^ dachte, das ausfaUende a u. das angefiigte 'k. Ein Wider- 
spruch diirfte jedenfalls Yorhanden sein; cf. angebl. Eara (Ms. 104 
n. d. Sem. - BibL) zu ^nvin: -pwS hSb^ na^na Dsas 'iti •n'uni hvf ':nn 

KAfMu Heft Til, 1880. 18 



— 194 - 

gehort es wohl zum Stamm, d. h. das Wort ist ein Nomen 
und keine Futorform 3 p. masc, gleich dem ^ in nyc^. 
Dagegen kann es ebenso gut fehlen, wie der Stamm »7ip 
(r\p'^)^) 5= versammeln auch im Talm. vorkommt; somit 
hatte das Wort auch rrnp lauten komien. 

Der unter R.'s Namen gedruckte Comm. zur Chronik 
n, 10,15 enthalt eine Erklarung miseres Verses, die sich 
jedoch genau deckt mit der, die R. Samuel b. Meir in 
seinem Pent.-Comm. z. St. giebt; der Wortlaut ist ver- 
schieden: 

^yhmh D'^oy mp^ iS oen oyam or yht2rh rh^ m.T »y ^3 

tK D3r3 D-DDKiMI .... riVJOh HDIDO TOBp TV 038^1 . . . 

.npSni msSen orr 'iito ear -no^ 
Man kann jetzt wohl schon zweifellos annehmen, dass 
der Chronikcomm. nicht Raschi, sondem einem Nar- 
bonnenser, wahrscheinlich aus der Schule Josef Kara's an- 
gehort; vgl. Geiger, Oz. nechm. IV, 45, Jiid. ZS. 1, 148 A. 
und B. Einstein, R. Jos. Kara und sein Comm. zu Koh. (Sep.- 
Abdr. aus dem Mag. 1885) p. 35. 

f) Als Anhang fur diese Abteilung wollen wir noch 
eine sogenannte Agada yorfiihren, die in alteren QueUen 



}fn\H h)nr\H i03, ahnUch Jos. Eimchi 1. c. a'lnnD^K '^\ ist eine 
Glosse zu nn^M von Men. z. St in Ez. hertibergekommen. 

*) Dazu Raschi: tid^ n^na '»m pv na^D na (wohl "jDia, so 
ist zu lesen mov und nicht wie diennszng&nglichen Aosg. haben: 
niD^n \d; das ware nicht im Sinne E's) nn^M hm 'in ^mnn Sb^ 'k ids. 
Das Ms. 104, n, d. Sem.- £. hat den Zusatz 'mvM p% der nicht 
yon R. sein kann; denn Gen. 25,3 heisst'es: iav*S ^h |^m (]n«B^oS) wr\ 
Mipon 'h Sy a. der nun folgende eingeklammerte Passns diirfte eben- 
falls nicht von B. sein, denn er enthalt einen Einwand gegen R.: 
nniD> r\s*HV '»n «2DD p u^mv mni (wenn du meinst, dass es deshalb 
nicht in^vo = ni^no heissen kann, weil 'h dann nicht vom Stamm 
sein miisse): nc'DWi 'H nr»ia \^hv nu^n ^h nn. 

1) Ar.: Hn«np »npD Hp% in unseren Texten: »mipH tipopi R. z. 
St-: oa»ao n^oSn o^S^npo, aber auch: nrS m mnnp ]»anw3 . . . wh. 
--*^ Ed. Ven, 1618 hat: ni* 



— 195 — 

nicht nachzuweisen ist imd doch als Midrasch auftritt. 
Sie wird anonym angefiihrt. Eagentlich gehort sie nicht 
hierher, da sie keine Agada ist^ sondern schon rein 
rationell den Vers deutet. Sie ist in einer Beziehimg 
originell (durch eine seltsame Auffassung des mo^^). md 
diirfte vielleicht karaischen Urspmngs sein oder tossafistischen 
Kreisen angehoren. 

Sie findet sich: 1. Im Ms. 29 d. Sem.-Bibl. als Marginal- 
glosse zu KipiDTi ^v; 2. im t^n nsyo d. Is. b. Juda halewi 
(1698, f. 24 b); 3. D^3pr npn (f. 27d) u. '"jpr nn; 4. in 
einem halach. Sammelwerk (Pariser Ms. 326; mitgetheUt 
von A. Neubauer in Graetz' Ms. 1887, Jg. XXXVI p. 504) 
des Jacob b. Abraham; 5. im Pent.-Comm. d. Jak. b. 
Ascher (Hann. 1838, 27a) u. 6.in pnr nnSin d. Is. Karo 
(Rd. Tr. 1558, 44 b), Erklar. m. 
:(«DDr mo" = tt^^ wohl?) r"tt^ vh :erD ^oSrn^a ^rwxo .1 
nio^ ¥h 'S3 (Jer. 2,21) mas pjn mo id3 nnc^ «S iid^ «S 
twjrn«anD3 «3^ rr'op ,Tmnn Sirw^ Sy iSoi iwmvTo wr 
•H^ttr3 tSd tS '%t «S : 'S3 rfrr pro nr : nSr (HI, 22,7) ttidi 
DVtn wm -nomi ;S«nr^S tot wr '\t mi nSnt^ |3»d nS3^r ny 
nsp W3 Tn3^ (v. 59) iSr pro ro^ :»Ttn (^ 78,38) 

.(v. 70) 
ypr» ^3 ny -m n^3 ni3So me^i oip^ «Sr 103 nne^ «S .2 
Mit geringen Abweichmigen .Tn3''l ... ro''i ;nSne^ TpSrnror 
in Cod. Vind. XXXH, 12 a. 

mo :i03 mo^ itS ^"S :(^Tna« r-no :o"r^S .3 

}3in 'S HT ;rfrr |3ro ain^r ip :r"3); ;|ojn ^sSiS 103 wnr 
^So (*pi^ leSi n-^D" hS :'tni ;(Jes. 60,20) ('-|ror ^iv ^'^y «S :103 
...■visn :»tS 7001 ... :ron :H"n3i iiS^r [sro rw "3 ny fTnfT3 
mo no3 mo^ kS iir r-S .o-r^ :(oro ^oSrn^s) .4 



^) Grotins in Annot. p. 51 macht aber schon daranf anf- 
merksam, dass iid« nach Sech. 10, 11 nichts anders heissen kann 
als Mweichen". 

•) o'jpT inn :Bf'noi. — 

•) rn I01 |3i nn^on m«D ^'7;i pvi iS pm 1. 16, 16 jnttH Sh «an nnw 

*) rn :y»»» 



— 196 — 

Tn inn TlTV 7P J?D1 ISWn fllllPU CSV rnBr K7 TTj .... 

f3ro (leg. vn) laii i.-frr ,'\tw aforn loi >D3 :io' ,rtr3y 
3?nTT Tr*ni in ■p'm |ioc t? ppTO[i] cstt^ 'w wo [ ] rfrv 

.(*. . . TTD^ . . . vin 

car mo^ nS '^ mo :tt33 mD* »S :r^ .5 

wn 'ny!3 -oonnS ra ntiSo [ijSwr tw nSv pro 

Tran 

nto^ i6 'm ,pn^SiS Snr jon nro los nno^ kS :^ .6 
•mS Smtsr nro to svorar nSne^ pro yrtvt np 'tvt ntiSo 

. . . TnaM iitS jddi . . . ron :'» fjoS 
Der Sinn dieser uberall fast gleich (bis auf me^ u. 
rrc) gegebenen Erklarung ware: »Es erbliihe nicht ein 
Scepter aus Juda und ein Gesetzgeber aus seiner Nacb- 
kommenschaft, bis eingehen wird Siloh und dann werden 
sich die Volker urn ihn schaaren." Durch die seltsame 
Auslegung von ito^ = n"«* ist hier eine Schwierigkeit um- 
gangen, die eine andere, sehr ahnliche Erklarung enthalt, 
welche nanJich y\rr = y^r = »eintrefiFen, einkehren", 
nimmt. Dieselbe findet sich bei Jakob b. Ruben, Ende 
d. 12. Jh. (im 'T monSo 'D Ms. 47 d. Sem.-Bibl. f. 30b), 
bei Bachja b. Ascher (1291), Moseh de Tordesillas, 1375 
(in r\y\wn -^ry Ms. 91 d. Sem.-B. f. 4 b), bei Schemt. b. 
Is. ibn Schapr. 1380 (in |na p« Ms. 59 11, f. 67 a) und 
in pnT nnSin Erklar. IV. Bei Abr. Farissol (crrcH p 
Ms. 33 f. 67 a) finden wir, wie einen Ausgleich zwischen 
den beiden Auslegungen: n'»3rnS pD3 ^m . . . '« ore '^iT'vn 

isaro rh'^'m r«r r^n «Si ntsT «Si niD'» vh irnainon 

ypr3 «iTr ..... ny pi ... . Sno nrnS n^r 

nS^'ty pro. 

*) In [ ] istwol n^»» \xfO nh^vff ny nr^a tSd ify '»n» nh I'h^ 
zu erg&nzen, dexm diese Belation der Auslegung ist mit der unter 1) 
fast identisch. — Dass Manches im Mittelalter unter der Be- 
zeichnung ^cS^ns was nicht im Talmud dieses Namens vorkommt, 
cursirte, s. bei Gross in Graetz' MS. XVIII, 441 A. 3 aus einem 
Ms. des Orchot Chajim, und bei Friedmann, Mechilta f. 121a aus 
Kolbo. 



— 197 — 

Der uns vorliegende einfache, schon historisch be- 
griindete exegetische Versuch kommt in unserem Jerusch. 
nicht vor, kann auch aus den agadischen Quellen nicht 
stammen, sondem diirfte — wenn nicht aus karaischen*) 
— aus nordfranzosisehen Kreisen (12. Jh.) herriihren, und 
muss besonders zu apologetischen Zwecken in Disputationen 
verwendet worden sein. Jedenfalls weist er schon auf eine 
hohere Entwicklungsstufe der Exegese hin. 

^) Wir denken an einen kar. Urspnmg denn schon bei Day. 
b. Abr. (Likk. H"Dp heisst es: 'noi '"nn^o niniHrn Mvsn oa» no» nh 
(?) hn »a» 1VH TV v^Sn «Hyi>D viel deutlicher dagegen bei dem 
. . . inan '.ynm . . . itbm t'nw ^th 'Ui ih^m etwas jiingeren Alib. 
Suleim. (ib. p. oj^p f.) naSoon awn tm nW |aiin ma ny :v"»a)? 
. . . inan t^nx w . . . b^bm inoHa -m tSdS nta tom ;mB^on) 
Auch Sam. b. GhoM (1034) kennt diese ErklUning [neben einer 
anderen auf Nebukadnezar [me Jul. Ap.] als nZerst^rer*" : Hab. 2,8 
(mf«y), Hiob 27,8 (S»»). V,7, 1; 19, 5 (Sw)] namUch etwa: „Du 
wirst nicht einen Herrscher in Juda finden, bis (nicht) Schilo unter- 
gegangen ist, wie es heisst: Er verliess Silo u. erwahlte David. *"— 
Of. mit einer anderen Wendung des «a ly bei JE. [u. Jos. Eimchi 
(n«nan 'd in nam non^jD f. 24 bf; s. w. weiter)]. — 



Eine Hai^tratar In J^msaleiii. 

Von Dr. 8idoii. 



I. 

In Jerusalem hat eine Magistratur bestanden, deren 
Trager unter der dreifachen Benennung: nma ^m, ^y^n 
niSna und WTW nn3 vorgefuhrt werden ^). Die Verschieden- 
heit der zwei ersten Benennungen — die letzte bietet 
keine Veranlassung dazu — ist schon im Talmud in Er- 
wagung gezogen worden, die auf eine Combination beider 
gefuhrt hat.*) 

Auf diese talmudische Construction werden wir im 
Laufe unserer Ausfuhrungen noch zuriickkommen und 
wenden uns zunachst zu den Ansichten, die in der neu- 
esten Zeit iiber die amtliche Stellung und den Wirkungs- 
kreis der Dajane Geseroth hervorgetreten sind. Hier be- 
merken wir sofort, dass die Eigenthiimlichkeit der Be- 
nennung, die ein so auffitUiges und isolirt dastehendes 
Geprage aufweist, fur die Auffassung von entscheidendem 
Gewicht gewesen. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, 
dass ein Forscher von der Bedeutung Frankel's zu dem 
Gedanken geleitet wurde, dass es sich hier um eine po- 
lizeiliche Institution handelt, und dass die D. G. fur 
»Praesidenten des Polizeigerichtshofes* zu halten sind.*) 



^) Eetnboth XTTI, 1. In der Mischna des b. T. nnn;i, in der 
des j. T. niSn:); die dritte Bezeichnung in der Baraita (Eetb. 106a; 
B. Kama, 58b). 

*) Ketb. ibid. : m^M hy nnn;i iniu vn» 

') Der gerichtliche Beweis nach mos. talm. Becht S. 96. Ho- 
degetica in Miscbnam (hebr. Titel: ruBfon oil) S. 61 fL 



— 199 — 

Bei dieser Ansicht wird der Begriff des Polizeiwesens 
in dem Sinne und in dem Umfange vorausgesetzt, wie er 
sich im Staatswesen der Neuzeit herausgebildet und ent- 
wickelt hat, welcher Begrifif jedoch dem Staatswesen des 
Alterthmns fremd war, indem wesentliche hervorragende 
Zweige der modemen polizeilichen Wirksamkeit dem Rechts- 
gebiet nicht nur einverleibt waren, sondem als organisch 
zum Rechtswesen gehorig betrachtet wurden. Wie eng mn- 
schrieben war doch der Wirkungskreis der Aedilen in Rom, 
welche die Magistratur des eigentlichen Polizeiwesens 
bildeten, im Vergleich zu den modemen Begriflfen von den 
polizeilichen Aufgaben und Agenden. Wohl fehlt es auch 
im jiidischen Staatswesen nicht an besonderen polizeilichen 
Einrichtungen und Organen*), das privatrechtliche Gebiet 
aber in seiner ganzen Ausdehnung vom Kleinsten bis zum 
Grossten ist dem Richter als seine eigentliche Domanci 
iiberwiesen. Jedwede Beschadigung oder Beeintrachtigung 
fremden Eigenthums unterliegt dem richterlichen Spruch, 
und diese Anschauung wurzelte so tief, dass in StrafiSllen 
auf privatrechtlichem Gebiete nur dem Richter die Befugniss 
zur Verhangung von Geldstrafen zuerkannt wurde, der die 
Ordination von einer Behorde in Palastina erlangt hatte^). 
Characteristisch fur diese Anschauung ist auch der Umstand, 
dass das gesammte Recht — Civil- und Criminalrecht — 
unter dem Titel: »\^'li^ »Schaden« erscheint, also unter 
einem Namen, der wesentlich for die polizeiliche Thatigkeit 
in Anspruch genommen wird. 

Die von Frankel zur Begrundung seiner Ansicht heran- 
gezogenen Falle gehoren gleichfalls in die Kategorie der 
jjSchaden*' und bilden einen integrirenden Theil richterlichen 



*) Vgl. M. Blochy das mosaisch- talmndische Polizeirecht (Pro- 
grammschrift des Bndapester Rabbinerseminars, 1879). 

•) Synh. 14a: mwp »3n Am . . . wn nhnh^HO^; ibid. 8a, B. 
£ama 27b n. 84a.. 

*) . . . nynu noap (Ketb. 106a; B. K. 68b) „die Sch&dignng 
einer jimgen Pflanze*" t&llt richterlicher Entscheidung eb^iso anheim 



— 200 — 

firkamtnisses. FrankeFs Aiisicht, jedoch wesentUch modificirt, 
wnrde von IL Bloch in der Weise festgehalten, dass ^^die 
Kchter der Greseroth eine Behorde gewes^ welche Vor- 
beugoDg^ gegen Baab za treffen batten n. s. w.*^) 

Worin mossten demnach der»i Hanptagenden be- 
standen haben? In der Leitung nnd Controlle einer 
Strassen- und Wegpolizei, denn andere behordlicherseits 
zatreffende Prayentivmassregebi gegen Raab lassen sich 
kaum heransfinden. Damit ware anch deren Thatigkeit 
erschopft. In den QueUen lasst sich far diese Anflassnng 
keine Stiitze finden.') 



wie die im ersten Abschnitt B. Kama yorgefohrten .Gmndtypen* 
der «S<Mden^ Dasselbe gilt yon den E&Uen ibid. Vm, 6. 

1) A. 0. a. 0. S. 10 ft 

*) Bloch 8ucht die These in yollste Uebereinstinimmig zu bringen 
mit der talmnd. ErkUhnng: niSn:i Sjr nnn:i pnru wvff nnd fasst 
nihnx alfl „Banb'' im engsten Wortsinn. Dem widerspricht aber 
entflchieden die beifolgende tahn. Begriindnng: r^mss noop m^is, wo 
doch yon Beschadignng des Eigenthnms die Bede ist. niSn;i 
bedentet hier ^BeeintrSehtigmig, Verletznng fremden Eigenthnms, " 
fttr welchen erweiterten Sprachgebranch characteristisch ist dieSteUe 
(Synh. 2b, ygl. Baschi nnd Chidnsdie B. Nissim): nuiao ^^n ]n no 
ntSani niSn:i, wo zngleich ersichtlich ist, dass ni^T:i in abstracto gerade 
in Hinsicht anf die richterliche Befngniss angewendet wird, was Bloch 
gegentiber Frankel nnr yon der Polizei gelten lassen will — ihid. 
8. 11, Anm. 6 — . Vgl. Tosefta, B. K. XI, 4 n. 8, ibid b. T. 99b; 
Tosefta, Schebiotb, Y, 2; Mischna, Maasrotb, HI, 4; b. T. Synh. 
6b:... nS«u H^TW in allgemeinster Anwendnng fiir die richter- 
liche Function, u. a. a. 0. Die engbegrenzte jnristische Definition 
tritt hervor in der Gegentiberstellnng yon ^^ n. f:^:^ ygl. j. T. Synh. XI, 
2; b. T. B. E. 79b. ygl. ]i£aimonides, I. H. H. G. zn Anfang. — 
Die Stiitze ans dem j. T. EetL XTTT, 1 znr Erhartnng der Prae- 
ventiy-Befngniss ist keineswegs haltbar, denn die Formel jichh 
. . ninoS n«a np^DO mrw ^o Ssb^ hat Uberall den Sinn, Unrechtes, 
Verbotenes nicht weiter fortbestehen zu lassen, sobald die 
Macht zu dessen AbsteUung gegeben ist, bedeutet aber nirgends: 
^urch Praeyentiy-Massregeln eingreifen oder zu wirken. Vgl. j. T. 
eza, II, 8 u. die Paristl. im b. T. So ist auch im yorliegenden Fall 
II gettfhrdeten Eigenthum die Bede, zu dessen Sicherung und Be- 
^^ "'^j die „Swn Sv d«3)DD" berufen waren. Zum Text des j. T. 



— 201 — 

Wir Ziehen noch zwei Meinungen in Betracht, die das 
Gemeinsame haben, dass sie den Wirkungskreis und die 
Machtbeftigniss der D. G. auf dem Gebiet der Justiz fest- 
stellen und abgrenzen. 

Bei Gelegenheit der Besprechung des Tempelschatzes, 
der Tempelspenden und deren Verwendung bezeichnet 
Graetz dieselben als ^Mitglieder eines Obertribunals zur 
Entscheidung ausserordentlicher Rechtsfalle"^). Fiir diese 
Ansicht findet sich gar kein Anhaltspunkt in dem Quellen- 
material. Dagegen macht sich aber geltend, dass ein Be- 
diirfiiiss nach einem solchen Obertribunal gar nicht vor- 
handen war, da ja ausser dem grossen Synhedrion noch 
andere hohere Behorden — die kleinen Synhedria von 
23 Mitgliedern — fiir ausserordentliche Civil-Rechtsfalle 
competent gewesen waren.*) Die Titulatur allein lasst auch 
kein Obertribunal erkennen. 

J. H. Weiss giebt seine Meinung dahin ab, dass die 
D. G. staatlich eingesetzte Richter waren, denen zufolge 
dieser staatlichen Bestellung die Macht verliehen war, die 
richterlichen Erkenntnisse von den Parteien zu erzwingen'). 
Diese Aufstellung wird begriindet durch die Thatsache, 
dass die D. G. aus der Tempelkasse besoldet wurden 
G-T. SchekalimlV, 2; b. T, Keth. 105a), ferner dadurch, 
dass pn n^a titm, welches mit nib-w identisch ware, ^gericht- 
liche Urtheile" bedeutet. Gegen diese Auffassung ist zu 
bemerken, dass ^bestellte Eichter" unter dem Namen: 
D'»310D D^rn batten figuriren mfissen (vgl. j. T. Keth. XIQ, 1), 
dass, selbst zugegeben, dass unter niTM ^Urtheile" ge- 

ist zu bemerken, dass in der Tradition des R Pinchas die Worte: 
\*i^ ^n^, die in der Eelation des b. T. enthalten sind, ausgefallen 
Oder dass dieselben durch: Sun Sy d^^idq on lh»^ vertreten sind. 
Letzteres als Schluss der Tradition des B. Pinchas wtirde den Fragepunkt 
bilden und die Antwort mit . . . ftoSS beginnen. Vgl. Beza, II, 8. 

1) B. m, S. 127. 

«) Vgl. Tosefta, Chagiga n, 9;Synh. VII, 1. 

») Zur Geschichte der jtidischen Tradition (hebr. Titel: in in 
wnti). 



— 202 — 

■Msmt sem konnten, man wM sagt: jm nnts ^Urdidle 
dfir Ridiiar', aber keinesvregs: mrn 7*1 ^Biehter der 
^I1ileae^ was due mehr als sehsame Tautologie darbiebai 



IL 

Die im Vorstehenden yorgefahrte kritische Uebasicht 
hat anch dn positiyes Ergebniss. 'Es geht daraus heiYor, 
dass die Magistratur der D. G., welche ihres Amtes in 
Jerusalem walteten, aaf dem Grebiete der Jnstiz za sachen 
isL Die Bechtssatze mid Aossprache, die von den Hanpt^ 
tragem derselben in nicht mibelTachtlicher Anzahl nber- 
liefert sind, enthalten dafor nicht nnr das Beweismaterial^ 
sondem sie bieten noch mehr, indem sie das Tenrain der 
Thatigkeit der D. G. genaa mngrenzen« Sammtliche Bechts- 
satze gehdren namlich dem Ciyilrecht an, woraos — 
abgesehen von anderen noch in Betracht kommenden 
Momenten — zu folgem ist, dass nnr das Civihrecht der 
Wirksamkeit and MachtbefogDiss der D. 6. onterstand. 

Dass es sich aber hier nicht mn ein gewohnliches, 
wenn auch mit staaflicher Autoritat bekleidetes ^Bichter- 
amt oder Bichtercollegiam handelt, dafor spricht mit Ent- 
schiedenheit die Benennnng, dmrch welche eine exceptionelle 
Stellong dieser Magistratur nnzweifelhaft zu Tage tritt. 
Auch erweckt das Geprage sammtlicher anf dieselbe Bezog 



1) VgL Hificbna, M. Katan m, 3: ts rvmi; B. Hezia I, 8: 
•7/3 nrjro; B. Bathra X, 4: vs nvpa Ob in der Erklanmg des j. 
T. IL K.: ]»an »nr;i*TSn „gerichtliche Urtheile" und nicht Tiehnehr* 
wgerichtlich legalisirte ActenstUcke* gemeint sind, ist immer frag- 
lich. VgL ibid, B. Mezia, I, 8. — Die Identit&t von nT:i mid 'Sri 
D^3*n mttflste anch mehrfach bezengt sein; das einzige : ]^3«n *St:i 
(B. Mezia I, 8) diirfte der Unachtsamkeit des Abschreiben, yer- 
Anlasst dnrch die Nachbarschaft : p^^nn ^Svm, wo h statt n erscheint, 

Brdanken sein n. w&re demnach z. 1.: p«n ^'xti. Vgl. Frankel, 
%. 0. S. 62. Anm. 2. 



1 
I 



— 203 — 

habenden Ueberlieferungen den unabweisbaren Emdruck, 
dass durch die D. G. eine Institution innerhalb des Ge- 
richiswesens vertreten war, die den Eahmen der her- 
komnalichen Gerichts-Organisation verlassen hatte. 

Diese Institution treflfen wir auch nur.an einem Orte, 
im Centrum des Landes, in Jerusalem. "Worin bestand das 
Wesen, das Eigenartige derselben? und aus welchen Ur- 
sachen und Veranlassungen ist sie hervorgegangen? Diese 
Fragen lassen sich nur beantworten durch die Kenntniss 
des Zeitabschnitts, in welchem die Institution der D. G. 
in's Leben trat, auch der Zustande, in denen das Justiz- 
wesen jener Zeit sich befand — Momente der Untersuchung, 
die bisher kaum oberflachlich gestreift wurden. 

Fiir die Feststellung der Entstehungszeit bietet die 
bereits erwahnte Ueberlieferung, dass die D. G. aus der 
Tempelcasse besoldet wurden, einen zuverlassigen Weg- 
weiser. Wir erfahren daraus nicht nur, dass dieselben 
wahrend des Tempelbestandes fungirten — ein That- 
bestand, der auch aus anderen Daten zu entnehmen ist^) 
— sondern es ergiebt sich daraus die begnindete An- 
nahme, dass deren Functionirung noch wahrend des Tempel- 
bestandes von langerer Zeitdauer gewesen. Denn an eine 
Institution, die es zu keiner ConsoUdirung gebracht, deren 
Bestand einen nur ganz kurzen Zeitraum umfasst, knupft 
sich keineso bestimmt auftretende Ueberlieferung; mit der 
Raschheit der Institution selbst schwindet auch jedes An- 
denken an dieselbe. Dazu kommt noch, dass das Ueber- 
lieferte nur ein Glied in der Kette ahnlicher Mittheilungen 
bildet, die alle auf Einrichtungen zuriickgehen, deren 
dauemder Bestand zweifeUos ist*). 



1) ,Die SShne der hohen Priester* (Keth. XIII, 1—2;, die ad- 
yersarii des Ghanan, R. Jochanan b. Sakai, R. Dosa b. Horkinos 
(ibid.)i weisen auf die Tempelperiode hin. Es dUrfte auch annehmbar 
sein, B. Gamliel (ibid. 3, 4, 5.) fiir den „&ltem" (ptn) zu balten, s. 
welter nnten. 

*) ]. T. a. a. 0. 



— 204 — 

Wann begiimt aber dieser Zeitramn? Darnber fehlt 
es an jedweder Andeotung in den Ueberlieferungen. Der 
Combination bleibt es nberlassen, dieses Dnnkel za er- 
hellen. Die weiter unten folgende Analyse wird namlich 
zeigen, dass die von den D. G. uberkommenen Bechtssatze 
eine Denkweise, eine AnfEassnng wiedergeben, die wesent- 
lich verschieden ist von jener, die in den ihnen gegennber- 
stehenden Meinnngen znm Ansdrack gelangt. Tbesen und 
Antiihesen lassen klar nnd bestimmt die scharf ans- 
gepragten Richtungen dnrchblicken, welche die Schulen 
HilleFs nnd Schamai's characterisiren. Man befindet sich 
bei naherem Eingehen anf die Bechtsanschauungen der 
D. G. inmitten der Stromung des zwischen den Hilleliten 
nnd Schamaiten bestehenden Antagonismns. Der Bestand 
dieser Schulen bildet die Grenzlinie, aber welche hinaos 
bei Pixining des von uns gesachten Zeitpunktes nicht ge- 
schritten werden darf. 

Za dessen naherer Bestimmang innerhalb dieser Grenz- 
linie erofl&iet sich nanmehr von anderer Seite eine lichte 
Aassicht. 

Im Jahre 6 der gew5hnlichen Zeitrechnang traf das 
jfidische Staatswesen das folgenschwere Geschick: Jadaa 
warde eine romische Provinz and es begann darin das 
rSmische Provinziakegiment. GewohnKch befanden sich 
bei der Einfahnmg der romischen Provinzialherrschaft zwei 
Dinge im Vordergrand: der Censas and die Jurisdiction. 
Wie verhielten sich die Romer diesbezuglich gegeniiber 
Jadaa? In Bezug aaf Syrien, dem, wie Josephas angiebt, 
Judaa zagetheQt worden war^), berichtet dieser an zwei 



1) Mommsen (Bdmische Geschichte, Y, S. 609 Anm. 1) zieht 
die Bichtigkeit der Angaben der Josephas dorch eine Beihe von 
Grimden in Zwdfel and statoirt fiir Ind&i den Character ,einer 
Provinz zweiten Banges.*" Eine in der Mischna enthaltene Notiz, 
wonach sich B. Gamliel znm Statthalter Syriens begeben hatte, nm 
mit ihm in einer Angelegenheit in onterhandeln (Ednjoth, Vll, 7: 
^sof ]TO;ino n^ttn hvsh i^rm ^k»So:i ]:i'\^ nrjnDi) scheint die Dar- 



— 205 — 

Stellen, zuerst, dass Quirinus als Statthalter dorthin ge- 
sandt wurde wegen der Einfiihrung des Census (ant. 17 fin), 
dann gleich unmittelbar darauf (ant. 18, 1,1) wegen der 
Rechtsprechung und des Census. Diese Angaben, die doch 
auch Judaa umfassen, berechtigen entschieden zu der An- 
nahme, dass die Romer auf die Ordnung, auf die Organi- 
sation des jiidischen Justizwesens ihr Augenmerk gelenkt 
batten, wobei der Umstand, dass Josephus im weiteren 
Verlauf der Erzahlung ausschliesslich nur vom Census 
spricht, diese Annahme keineswegs beeintrachtigt, da der 
Geschichtsschreiber den Census und desson traurige Folgen 
vorfiihrt, wodurch alle sonstigen von den Romem aus- 
gehenden Massnahmen und Anordnungen ganzlich in den 
Hintergrund treten mussten. Den Sachverhalt mag man 
sich wohl richtig so vorstellen, dass, wahrend die peinliche 
Gerichtsbarkeit, wie ausdriickliche Zeugnisse melden, Aire 
Selbsistandigkeit einbiisste'), die Romer auf dem Gebiete 
des Civilrechts mit einer ihren Begriffen entsprechenden 
Organisation sich fcegniigten, die das Gerichtswesen betraf, 
das Meritorische des Rechts aber unberiihrt liess. Diese 
im Vergleich zum sonstigen Vorgehen geiibte massvolle 
Beschrankung romischerseits war eine Eingebung politischer 
Klugheit, welche die jiidische Eigenart zu schonen gebot, 
wo nicht die Oberherrlichkeit und der Gewinn in Frage 
kamen. Die peinliche Gerichtsbarkeit wurde vom romischen 



stellimg des Josephus zu best&tigen, der audi Graetz in, 204 ohne 
Bedenken g^efolgt ist Aber selbst wenn die Darstellung des Josephus 
fiber das Verhfiltniss Judaeas zu Syrien eine unrichtige ist, so 
l&sst sich die Jngerenz der R5mer auf das jiidische Justizwesen aus 
der Mitteilung folgem, dass Goponius zur Verwaltang Judaeas die 
unbeschrSnkteste Vollmacht erhalten hatte (ibid. 18, 1, 1; vgl.bell. 
2. 8. 1). 

") Vgl. Graetz (HI, 4»2, Note 25). Nur ist nicht zuzugeben, 
dass die Notiz: ^mnao nnS:i n«an ain nh^ nj? nav 'o (b. T. Sabb. 
16a) mit jenerim j. T. (Synh 1, 1) collidirt, da die Zeitpartikel oTip 
Yor ru87 'Q eine pleouastische YerstiLrkung zu n^^n ^nn kSv ijf 
bildet 



— 206 — 

Schiedsspruch abhangig gemacht, wefl darin die Pracisirung 
der Oberhoheit ausgesprochen lag; hingegen konnte man 
sich auf civilrechtlichem Gebiet mit einer Organisation be- 
gniigen, hie nach Aussen bin einige Aehnlichkeit mit der 
romischen Jurisdiction hatte. 

Als Ertrag obiger Ausfuhrung hatte sich somit heraus- 
gestellt, dass in der ersten Epoche der romischen Procuratur 
in Judaa von Seiten der Romer der Impuls ausgegangen 
ist zur Organisirung des Gerichtswesens, in einem Zeit- 
abschnitte, in welchem die Schulen Hillel's mid Schamai's 
bereits in voller Arbeit begriflfen waren. 

Welche Haltung beobachtete man dem romischen An- 
sinnen gegeniiber in Judaa? Was so haufig im geschicht- 
lichen Leben sich wiederholt hat, dass an inneren Uebel- 
standen erst geriittelt wird, wenn ein Druck von aussen 
her sich geltend macht, dass man zu dem Entschluss, eine 
neue, heilsame Bahn zu betreten, erst dann sich aufrafft, 
wenn von Aussen dazu gedrangt wird — das vollzog sich 
auch in jener Zeit im jiidischen Gemeinwesen in Hinsicht 
auf die Organisation des Gerichtswesens. 

Die Lage des Justizwesens war eine solche, dass die 
Wegraumung der Uebelstande durch eine neue Schopfung 
ein dringendes Bedurfiiiss geworden; und dazu bot die 
romische Forderung nur den Anstoss, nur die zwingende 
Anregung. 

Werfen wir einen Blick auf die damaligen Verhaltnisse 
des Rechtslebens. 

Die Schulen HilleFs und Schamai's standen im Mittel- 
punkte des geistigen Lebens, aller geistigen Regungen. Die 
Bichtungen, welche sie vertraten, batten sich so zugespitzt, 
die Diflferenzen im Einzelnen batten einen solchen Umfang 
erreicht, dass dariiber in Tonen voll Wehmuth iiberliefert 
ist: »dass, als die Zahl der Schiiler HiUel's und Schamai's, 
die fliren Studien nicht griindlich obgelegen, sich mehrte, 
die Streitigkeiten ihr Haupt erhoben®, oder »dass die eine 
Lehre wie in eine zwiefache umgewandelt worden war* (To- 



— 207 — 

sefta Synh. VU, 1; Ghagiga H, 9; b. T. Synh. 88b). 
Dieser Zwiespalt hatte schwerwiegende Consequenzen fiir 
das religiose Leben, indem dessen Festigkeit imd Stetigkeit 
eine ErscMtterung erfiihr; und Schwankungen traten ein, 
wo Sicherheit und unangefochteneNorm geherrscht batten. 

Und wie muss es unter solchen Umstanden mit dem 
Justizy^esen bestellt gewesen sein? Betrachten wir die 
Stellung, die demselben im jiidischen Staatswesen von jeher 
eingeraumt war. 

Das jiidische Justizwesen bildete keinen fur sich be- 
stehenden abgeschlossenen Organismus, sondem hatte seinen 
Platz innerhalb der Sphare, die fiir die Thatigkeit der 
Religionsbehorden festgestellt war. Wie das Religionsgesetz 
iiberhaupt, so unterstand auch die Pflege des Recbts den 
Behorden, die zu Hiitern und Vollstreckem des Gesetzes 
berufen waren. Exclusive Corporatioren, wie ^Gerichts-^ 
hofe" „Gerichtscollegien" gab es in jiidischen Staatswesen 
nicht; die Bezeichnungen „p n^D" oder „pn ^w" sind mit 
diesen keineswegs auf gleiche Linie zu stellen. Darunter 
sind vielmehr verstanden die Behorden, deren Wirkungs- 
kreis als jjHsius" oder „Hauser des Gesetzes" ganze Gesetz 
umfasst, die dem ganzen Gesetz vorstehen und infolge dessen 
auch dem Recht, das einen Theil des religjoseo Gesetzes 
bildet. So gab es denn aberhaupt keinen besondern Richter- 
stand^), denn der Richter war eine Person mit dem Ge- 
setzeslehrer. Die Rechtspflege lag den Gesetzeslehrern ob, 
sei es, dass sie Mitglieder der Religiousbehorde waren oder 
dass sie zu Richtem von den Parteien erwahlt wurden — 
ein Recht, das den Parteien unbestritten zukam und welches 
auch zumeist geiibt wurde. Es war das Justizwesen an 



>) Die sp&ter iiblich gewordene Formel der Ordination (|n« n*ii« nii« 
. . . i»n« pT (Synh. 6a) illostrirt dieses Verhaitniss. Doch fehlt 
andererseits keineswegs die Erkenntnis in der Unterscheidimg des 
Jnristen oder Richters ex professo yon dem gewobnlichen Gesetzes- 
lehrer ; das giebt sich knnd in der Wendnng: n^po)^ n«rui mn M^n 
lunn B. Kama, d9a xl 6db, n. a. a. 0. 



— 208 — 

keine selbstandige Organisation geknupft, and die Par- 
teien batten in civilrechtlichen Angelegenheiten die vollste 
Freiheit.^) 

Bei einer solchen Verfassung des Gerichtswesens sind 
die socialen Verhaltnisse nur dann ertraglich, wenn die Be- 
dingung erfiillt ist, dass die Rechtsnorna keine n Schwan- 
kungen ausgesetzt, dass sie dem Einfluss der divergiren- 
den Schulmeinungen und den Discussionen entzogen ist, 
dass sie sich einer festen Basis zu erfreuen hat. Je 
schwacher die Organisation, umso sicherer muss die Norm 
sein, welch letzteres aber nur dann zutrifft, wenn dieselbe 
erhaben hinausragt iiber den Schulstreit. 

War nun das Recht in Judaea zur Zeit, als die Lehr- 
hauser Hillei's und Schamai's das geistige Leben beherrschten, 
auf eine sichere Grundlage gestellt? Oder stand es nicht 
vielmehr unter dem Bann dieser verhangnissvoUen Dishar- 
monie? Weicher Richtschnur folgten die Richter, wenn sie 
je nach der Schule, der sie angehorten, sich auf ver- 
schiedener Rechtsbasis bewegten? Und was half den 
Parteien die freie Wahl der Richter, wenn das Ziinglein 
an der Wage des Rechts durch die divergirenden Meinungen 
der Richter dem Schwankon preisgegeben war? Ein solches 
Chaos, wodurch der Einzelne wie die Gesammtheit mate- 
rieli und moraiisch geschadigt wird, war in's judische Rechts- 
leben eingebrochen ^, und das Bediirfniss nach Schaffung 
einer Rechtsordnung war ein unbeweisliches geworden. 
Was die Zustande im Innem dringend gefordert, dem ver- 
lieh die romische Provinzialherrschaft gebietenden Nach- 
druck — und eine neue Organisation durch die SchafiEung 



*) Fiir die Freiheit der Parteien hinsichtlich der Wahl der 
Blchter ist sehr bezeichnend die Eegehmi^ m .nvSv^ rvav^D ^m 
THH iS "nu nn nnn A (Synh. Ill, 1). 

>) Die Entscheidimg iiber die Erage, weicher Schulmeinung die 
Geltung als Norm znzuerkennen sei, wnrde etwa ein Jahrhundert 
spHter gefallt, nachdem das jtidische Staatsleben bereits yom Schan- 
platz abgetreten war. 



— 209 — 

einer neueu Gerichts-Institution wurde in's Leben 
gerufen, welclie als Jurisdiction in Civilsachen das 
autoritative Forum, das Centralorgan fiir die Par- 
teien wie fiir die Richter biiden soilte — eine Be- 
horde von anaioger Stellung und analogem Wir- 
kungskreis, wie die Jurisdiction des Praetors in 
Rom. 

Das war allerdings ein Reformwerk, insofern als 
das Geleise des Herkommens verlassen wurde, aber es 
collidiite nicht im Geringsten mit den Bestimmungen des 
Religionsgesetzes. Diese Justizreform konntenach der Zeit, 
die wir fur deren Einfiilirung zu ermitteln versuchten, auf 
den Namen des Synhedrial- Praesidenten Simon, des Sohnes 
und Nachfolgers Hillel's (B. T. Sabbath, 15a)zuruckzufuhren 
sein, iiber dessen Leben und Wirkeu die Ueberlieferungen 
ganzliches Stillschweigen beobachten.^) 

Die D. G. welche wir verlassen haben, urn fiir sie den 
geschichtiichen Boden aufzusuchen, woilen wir nunmehr 
einfiihren als die Trager der in Jerusalem organisirten Ju- 
* risdiction fiir das Civilrecht. Das Gebiet ilirer Thatig- 
keit ist zur Evidenz gekennzeichnet durch die Frucht ihrer 
geistigen Arbeit, die in ihren auf uns gekommenen Rechts- 
satzen theilweise erhalten ist. Man merkt es diesen sofort 



^) S. Qraetz a. a. 0. S. 206. Dass von diesem Synhedrial- 
Fraesidenten gar nichts bekannt geworden, hUngt wohl wieder damit 
ziisammen, dass die durch den Census hervorgerufenen Bewegungen 
alles Andere aus dem Gesichtskreis der Erinnerung drUngte, — Es 
scbien mir anfUnglich, als ob in der abweichenden Relation des j. 
T., wonach zur Zeit Simon b. Schetach's (Synh. 1, 1), dann wieder, 
dass zur Zeit Simon b. Jochai's (ibid. VII, 2) die Jastiz des Privat- 
rechts entzogen wordensei, dunkle Heminiscenzen an Simon 
den Sohn HilleTs enthalten waren; ein naheres Eingehen fuhrte 
mich jedoch dahin die Leseart. Simon b. Jochai als die richtige 
zu halten. Die Religionsverfolgungen der hadrainischen Zeit trafen 
als Heligions-Institut auch die Rechtsprechung. Unter Simon b. 
Schetach k5nnte nur die sadduclusche Justiz gemeint sein, die aber 
gerade damals aufhbrte. Eine Er&rterung uber dieinEede stehende 
Notiz des j. T. ist mir nirgends begegnet 

lUgMiB H«n III, 1680. 14 



— 210 — 

an, dass sie nicht fiir einen einzelnen Fall, sondern dazu 
bestimmt waren als richtungebende Norm zu dienen. Heben 
wir eine dieser Feststellungen hervor z. B. die: fiir die 
Schadigung einer einjahrigen Pflanzung ist als Schaden- 
ersatz „zwei Silberstucke", fur die einer zweijahrigen „vier 
Silberstiicke" zu leisten, so ist unverkennbar," dass eine. 
Norm zur Darnachhaltung gegeben wird. Auch liegt die 
Analogie mit den Edicten des praetors nahe, welche die 
gesetzlichen Bestimmungen enthielten, nach denen seine 
Jurisdiction geleitet wird. 

Die Benennungen, die wir an die Spitze dieser Aus- 
einandersetzungen gestellt, liefern die Probe far die hier 
gebotene Aufifassung. Ueber die Bedeutung des Wortes: 
»Ti"»M waltet namlich kein Zweifel ob; es wird damit aus- 
gedriickt: Feststellung, Verordnung, Einfiihrung, gesetzliche 
Bestimraung oder Norm. Wir besitzen sogar in dem Fasten- 
kalender ein classisches Zeugniss dafur, dass ein Gesetz- 
buch, ein codex, den Namen: "wnTW idd. gefiihrt hat 
(Megillat Taanith IV,l)i). Die D. G. sind also „Richter 
der Normen*^ d. h. Richter, von denen gesetzliche Be- 
stimmungen ausgingen zur Handhabung der Justiz in 
civilrechtlicher oder privatrechtlicher Hinsicht. 

Man wird zugeben, dass die Wahl der Bennenung: 
niT?3 ^rn eine zutreflfende gewesen, und diirfte darin die 
officielle Titulatur zu finden sein. 

Die weiteren Benennungen bieten auch keine Schwie- 
rigkeiten. Eine derselben enthalt nur eine Variante auf 
Grund des in derartigen Redewendungen iiblichen sprach- 
lichen Gleichklanges : niTM nn:i „Erlasser der Normen" statt 
„ Richter der Normen". Die Diflferenz zwischen: niTM und 
mS^:i — in der dritten Benennung — wird dadurch ausge- 
glichen, dass, wie bereits friiher erhartet (s. oben S. 200 A. 2) 



^) Vgl. Graetz, a. o. a. 0. S. 417, Note 1. Das Zeugniss aus 
dem Fastenkalender ist umso gewichtiger, als dessen Abfassung in 
die letzte Zeit der Tempelperiode zu setzen ist, vgl. ibid. S. 497, 
Note 26. 



- 211 — 

mit letzterem Ausdruck jede Beeintrachtigung fremden 
Eigenthums, jeder unrechtmassige Besitz belegt wird: so 
sind die „Richter der Normen, da ihre Jurisdiction mit 
dem Privatrecht sich befasst, „Richter fur das angegrififene, 
gefahrdete Eigenthum *). Diese Benennung wird zu jenen 
terminis zu zahlen sein, die das Volk erfindet und 
construirt, dem vor Allem der practische Zweck 
vor Augen schwebt, wahrend die leitende Be- 
horde bei der Verleihung der officiellen Titulatur 
auf die staatsrechtliche Stellung Gewicht zu 
legen hat. 

Der Sache nach wiirde dieses ermittelte Ergebniss voU- 
kommen iibereinstimmeD mit der im Talmud gegebenen 
ausgleichenden Erklarung (Ketb. 105 a). 

Versuchen wir den Wirkungskreis der D. G., soweit 
dies iiberhaupt thunlich ist, naher festzustelleji. Der Zweck 
dieser Magistratur bestand darin: das Centralorgan der 
Rechtsordnung in BeXug auf das Privatrecht zu bilden. 
Daraus ergab sich von selbst als die nachste Aufgabe: 
allgemein giltige Rechtsnormen zu erlassen, die den Richtem 
als Richt5chnur zu dienen hatten. Diese Analogic mit der 
Wirksamkeit des Praetors tritt bemerkenswerh hervor; 
eine andere Aehnlichkeit ergiebt sich gleichfalls aus der 
den D. G. angewiesenen Stellung, wofiir es aber auch an 
Anhaltspunkten in den Quellen nicht fehlt. 

Das romische Processverfahren bestand aus zwei Theilen, 
deren einer sich vor dem Praetor — in jure — deren 
zweiter sich vor dem judex — in judicio — abspielte. Die 
Bestellung dieses judex ging aber von dem Praetor aus, 

^) Nicht Yerlegenheit hat diesen Ansgleich herbeigefiihrt, 
sondem die TJeberzengimg, dass der Sprachgebrauch diesen Sinn 
von nM:i sanctionirt hat. Sonsth&tte auch gesagt werden kOnnen, 
dass der Inrisdictmn der D. g. von fanatisch patriotischer Seite der 
Spitzname „Ranbrichter" ertheilt wurde, weil die Romer dabei mit 
gewirkt. — Beide Benennungen waren in den Schulen gebrauchlich, 
so dass die Mischna des j. T. die eine, die des b. T. die andere Uber- 
liefert hat 



— 212 -. 

nachdem die Parteien sich in dessen Person auf Grand 
der ausgestellten Liste der Rihcter geeinigt hatten, und 
bildete den ersten Punkt der fur den Richter ausgefertigten 
Formulare (Process per formulas)^). 

Im jiidischen Processverfahren war die Wahl und Be- 
stellung der Richter ausschliesslich Sache der Parteien, 
und es lag wesentlich in deren Interesse die Uebereinkunft 
hinsichtlich der Richter vor der autoritativen Jurisdiction zu 
treflfen. — Die mehrfach erwahnten pnTD n»r sind nach 
den taJmudischen Erklarungen: Documente die Ueberein- 
kunft der Parteien hinsichtlich der Richter betreffend, deren 
Ursprung sich sonach auf die D. G. zuriickfuhren liesse*). 

Im romischen Processverfahren wurden die Be- 
hauptungen der Parteien dem Richter durch den Praetor 
zur Kenntniss gebracht*); ein ahnliches Vorgehen den D. 
G. zuzuschreiben, stiinde im Widerspruch mit dem Wesen 
des jiidischen Processverfahrens, das in Allera und jedem 
nur die Unmittelbarkeit kennt. Wenn demnach Documente 
erwahnt werden, welche den ITiatbestand, wie ihn die 
Parteien angaben, enthielten, so miissen dieselben einen 
anderen Zwehk als zur Informirung der Richter — bei der 
ersten Verhandlung des Processes — gedient haben*). 

Als wesentliche Aufgabe muss den D. G. zugefallen 
sein — infolge der autoritation Stellung, die sie als Juris- 



*) Vgl. H. Vering, Gescb'chte u. Institutionen des rbm. Itechts 
S. 129 if. (Mainz 1866). 

*) B. Mezia, 20 a; B. Bathra, 167 b.; j. T. M. Katan ni, 3 
wird dieses Uebereinkommen der Partheien: ]»D«»nBO)p = Compro- 
missum genannt. 

*) |nn«a noB^ werden auch als Documente erklart, welche die 
Bebanptungen der Parteien entbalten — «n3V» ♦iob' j. T. a. o. a. 
0. Ueber deren Zweck ist Nichts mitgetheilt. Vgl. Lippmann Heller 
B. Bathra, X, 4. 

*) Vieleicht haben zuerst Schiedesrichter solche Documente ver- 
fasst, wenn sie keinen Erfolg hatten, damit fiir die folgende stren- 
gere Procedur die 'Bebanptungen der Parteien keine Wandlung 
erfahren. 



— 213 — 

diction einnahmen — daffir Sorge zu tragen, dass die von 
den Richtern erflossenen Urtheile zur Ausfiihrung gelangen. 

Damit waren ihrer Hauptagenden gekennzeichnet. 

£s lasst sich dabei ganz gut annehmen, dass anter 
Umstanden und in zweifelhaften Fallen Parteien wie Richter 
die Entscheidung der Centralstelle der Rechtsordnung an- 
riefen. So konnte es kommen, dass die D. G. als Richter 
erster und zweiter Instanz fungirten. 

Nach der Fassung der Ueberlieferungen ware zu 
schliessen, dass die Jurisdiction der D. G. aus einena 
Collegium von mindestens zwei Mitgliedern zusanamengesetzt 
war^) — also eine wesentliche Abweichung von der Juris- 
diction des Praetors. 

Die Mischna erwahnt zwei Namen : Admon und Chanan 
b. Abischalom; nach einer Baraitha gesellt sich hinzu: 
Chanan hamizri *), und nach R. Natan in der Baraitha ge- 
hort Nachum der Meder mit zu ihnen. Nimmt man an, 
dass die in der Mischna genannten die Mitglieder des ersten 
Collegiums der D. G. waren, so wiirde sich fur Chanan 
hamizri und — nach R. Nathan — fur Nachum den Meder 
ein Platz finden in einem der dem ersten folgenden 
Collegium, und von einem Widerspruch in den Relationen 
konnte keine Rede sein, Der Widerspruch wurde aber 
darum geltend gemacht, weil die Fassung der Relationen 
die Meinung hervorruft, als ob von einem und demselben 
zu gleicher Zeit fungirenden Collegium gesprochen wiirde *). 

Wir gehen nunmehr zu den von den D. G. erhaltenen 



1) Man kl^nnte sich wohl der Ansicht Frankers anschliessen (a. 
0. a. 0. S. 62, Anm. 3), wenn abgeseben von den Zahlen: ^Zwei" 
und nDrei** die Mittheilnng des R. lose : d^dik vn nnn;i ntu (Ketb. 
105 a; B. Kama 58 b) nicht mit Bestimmtheit als anf den Aus- 
spmcli eines Golleginms hinweisen wiirde. 

>) Im j. T. (Ketb. XTTT, 1) findet sich diese Baraitha nicht. 
Es mag in der That in Bezng anf den ^dritten** eine Variante 
zwischen ^Chanan** und ^Nachnm" bestanden haben, welche in den 
im b. T. angeftihrten Baraitha's zum Vorschein kommt. 

>) S. Ketb. 106 a. 



— 214 — 

die ZaU (11) beuzgeaaden BadnsDonDen aber ^ tod den^i 
wir eicige eauer Beleodttimg untersieDeD woUea, £s zeigt 
fiidb datei, dass die codgt^^ GestaJtnng des Ubeos diese 
IbediLSBatze y^anlaast hat, daas sie nicht das Elzeiigniss 
eafioistiscb^ Specoladon sbd; es zeigt acfa dn gesand^, 
da£ BUligkeitsgefuhl berocksichtigeQd^, fdn ontascbeidaider 
jurifitischa' Geist in denselb^i — and in Toileai klaren 
Umrissen wiid die Schule siditbar, in welcli^ dieser Geist 
seine Pflegestatte hatte. Die hier folgeoden BeebtsDoim^i 
werdrai dies^ Geist Toifohien. 

L Wenn der Ehemann in^s Aosland gegangen ist nnd 
dess^ Fran gerichtlicb ihre Alimoitation f(»deit, so hat 
das Gericht diese — naeb der RechtSDonn des Ghanan — 
zoznerkennen, obne dass seitens d^ Fran der Eid za leisten 
ist, dass ihr Mann for ibre Ernahmng nicbt gesoigt bat. 
Die Yerpflichtong zum Eid erfolgt erst, wenn der Mann 
nach dessen Bnckknnft Einspracbe eibebt, indem er be- 
banptet, seiner Pflicbt in Bezog aof die Alimentation vor 
seiner EntfemoDg genogt za baben. Der Recbtsgedanke 
ist klar: waram der Fran za Beginn einen Eid aoferlegra, 
da ibrer Forderong keine Einrede gegenaberstebt? Erst der 
Widerspracb des Mannes soil zom Eid fobren^. Die 
„Sobne der Hobenpriester^ dag^en fordem den Eid zn 
Anfang and za Ende d. b. als Bedingang for die Inter- 
vention des Richters and zar Abwebr g^en die Einrede 
des Mannes. Cbanan stand wohl bier den Verfechtem des 
Herkommens gegeniiber. (VgL Ketb, 48 a; 107 a). 

n. Wenn der Ehemann in's Aasland gebt and ein 
Dritter leistet, obne von jenem hieza beaoftragt za sein, 
die Alimentation der Frau, so bat dieser Dritte — nacb 
Cbanan — keinen Rechtsansprach fur seine Leistang. 
Diese Recbtsnorm enthalt keineswegs eine Harte gegen die 



1) Ketb. XTTT, 1^9; Tosefta, B.Bathra>]X 1; Ketb. 105 a n. 
B. K. 58b. 

^) Maimonides, Mischnaooxnmentar beiieht den £id aof die Ein- 
rede des Mamies, wodurch der Kern dieser Rechtsnonn gefcmden ist 






— 215 — 

Frau, dass ihr Annehmer keines Rechtsschutzes geniesst; 
die Frau wird vielmehr im eigenen wie im Interesse der 
Rechtsordnung angewiesen, die Intervention des Gerichtes 
au&usuchen, um za ihrem Recht zu gelangen, wobei der 
ananfechtbare juristische Satz: wer ohne Auftrag die 
Verpflichtung eines Anderen erfullt, hat an diesen keinen 
Rechtsanspruch, seine unerschiitterliche Geltung haben soil. 
Die „S6hne der Hohenpriester*^ statuiren den Eid fur den 
Dritten und er empfangt den Ersatz seiner Leistung. Sie 
sind wieder Vertreterdes Herkommens. (Vgl. Ketb. 108 a; 
Nedarim 33a; j. T. ketb. XIII, 2). 

III. Wenn jemand seinem zukiinftigen Schwiegersohn 
eine Mitgift verspricht, sein Versprechen aber umgehen will, 
so bleibt die Tochter sitzen im Vaterhaus bis ihr das Haar 
bleicht, d. h. — wie Maimonides erklart — bis der Vater 
sein Versprechen halt. Das mag Gewohnheitsrecht ge- 
wesen sein. Admon stellt dem entgegen: Die Tochter kann die 
Einrede erheben: hatte ich die VerplSichtung iibernommen 
fur die Mitgift, so ware es Rechtens, dass ich, falls dieselbe 
unerfullt bleibt, dafiir biisse, da aber das Versprechen von 
meinem Vater ausgegangen, so fordere ich: entweder ehe- 
lichen oder froigeben mittelst des Scheidebriefes. Die 
Satzung des Gewohnheitsrechts, der Admon entgegentrat, 
erschien in spaterer Zeit so hart, dass die in der Relation 
der Mischna enthaltene Voraussetzung, aJs habe der Vater 
die Mitgift versprechen, nicht zugegeben, sondernangenommen 
wurde, das Versprechen sei von der Tochter ausgegangen 
und, dass nach Admon der Tochter selbst in diesem Falle 
die angegebene Einrede gestattet sei, da sie im Hinblick 
auf ihren Vater bona fide gehandelt hatte (Tosefta Ketb. 
XIV, 1; j. T. z. St.): 

IV. Es erhebt jemand einen Rechtsanspruch auf ein 
Grundstiick; dagegen wird ein Kaufinstrument producirt, 
auf welchem jener als Zeuge unterschrieben ist, so ist — 
nach Admon — der Ansprucherhebende nicht ohne Weiteres 
abzuweisen, da ihm die Einrede zusteht: der zweite ist mir 



— 216 — 

geDehmer als der erste, d. h. durch meine UDterschrift aaf 
dem producirtcD' Kaufdocument wollte ich mein Grundstuck 
aos einer gelahrlichen Hand nurbefreien und in eine unge- 
fahrliche bringen. Die blosse Unterschrift entscheidet nfcht 
unbedingf, iiber das Bestehen oder Nichtbestehen des Rechts, 
sondern es muss der Weg der Beweisfuhrung durch den 
Process ermoglicht werden. Die Chachamim opponiren 
diesem Rechtsgrundsatz Admon's und statuiren: der Rechts- 
anspruch ist durch die blosse Thatsache der Unterschrift 
eigenbandig aufgehoben und der Klager a limine abzuweisen. 

V. Jemand ist ausgewandert und der Weg zu seinem 
Gmndstiick ist nicht auflRndbar, so muss — wie Adraon 
statuirt — der Nachbar den Eigenthiimer jenes Grundstiickes 
zu diesem „auf kurzem Wege" gelangen Jassen, denn das 
unerlassliche Wegerecht unterliegt keiner Verjahrung. Dem 
gegeniiber behaupten die Chachamim: „er kaufe sich einen 
Weg um hundert Mana'' d. h. bezahle fur den Zugang zu seinem 
Grundstiick dem Nachbar, was dieser beliebig fordert „oder 
fliege in der Luft*^. Der Standpunkt der Chachamim wurde 
spater fur so hart befunden, dass Umstande geltend ge- 
macht wurden, die denselben in ein milderes Licht riickten 
(Ketb. 109 b). 

VI, Zwei produciren auf einander je eine Obligation, 
deren eine spater datirt ist als die andere. Admon stellt 
auf: der Glaubiger des spater datirten Schuldscheines kann 
die ihm entgegengehaltene Schuldschein- Forderung an- 
fechten: „wie kommst du dazu von mir ein Anlehen zu 
nehmen, wenn ich dein Schuldner bin? Aber die Chachamim 
treten fur beide Schuldscheine ein und lassen gegen deren 
rechtskraftige Giltigkeit keine Einrede aufkommen. 

Im Anschluss an die voranstehenden Rechtsnormen 
und Rechtsanschauungen mochte ich die Worte eines aus- 
gezeichneten Forschers und Gelehrten des romischen Rechtes 
hier beisetzen, der sich iiber das Wirken des romischen 
Praetors folgendermassen auslasst: „Mit seiner Eigenschaft 
als Chef der ganzen Qvilrechtspflege vereinigte er zugleich 



— 217 — 

'"^^^ thatsachlich die eines Gesetzgebers, es war ihm die Aufgabe 

und die Pflicht zugefallen, das Rccht auf der Hohe der 
Zeit zu erhalten, und wie er derselben nachkam, indem er 
in seinen Edicten neue Eechtsgrundsatze aufstellte, so hielt 
er sich auch fiir berechtigt und berufen, die Harten des 
alten Eechts in der Anwendung auf den einzelnen Fall 
auszuschliessen Er versagte Klagen, die das alte Civil- 
rechi gewahrt batte, gab Einreden, welche im geschriebenen 
Recht nicht vorgesehen waren". . .^). Es ist einleuchtend, 
dass der Weg, den die D. G. in in ihrer Wirksamkeit ge- 
wandelt, augenfallige Aehnlichkeit damit aufweist. Allein sie 
waren keine Nachahmer, denen das romische Vorbild verge- 
schwebt, sondern dieser Weg war ihnen vorgezeichnet 
durch die Richtung der Schule Hillel's, die das 
Leben hoher stellte, als die wenn auch vom Herkommen 
sanctionirte Rechtsregel, die bei der Beurtheilung der con- 
creten Rechtsverhaltnisse den Maasstab des Individuellen 
zur GeltujDg brachte. 

Die Opponenten sind in jener Schule zu suchen, die 
am Herkommen und abstracten Rechtsregeln festhaltend 
den individuell* mannigfach abgestuften Verhaltnissen und 
Umstanden die gebiihrende Beriicksichtigung versagten, 
namlich in der Schule Schammai's*). Gharacteristisch fiir 
die Rechtsanschauungen dieser Schule ist die These: 
„Wer einen Pfosten geraubt und beim Bau eines Wohn- 
hauses verwendet hat, der zcrstore das ganze Wohnhaus*^ 
(Tosefta, B. Kam. X, 5; Gittin 55 a). Auch das Ansehen 
und das Gewicht eines Schuldscheines gilt dieser Schule 
nahezu als ein unbedingtes (vgl. B. Bathra, IX, 8 u. 9; 
Ketb. VIII, 6). Wir haben den Kreis aufgefunden, dem 
die Chachamim, die adversarii Admon'sund Chanan's, an- 
gehorten'), und dicsem Kreis standen auch die „Sohne der 

^) Ihering, Zweck im Becht B. I, 432 ff. 
») Vgl. Frankel a. o. a. 0. S. 45 ff.L H. Weiss a. o. a. 0. 
B. I, 177 if. 

') Die Frage Frankels (a. o. a. S. 62, Anm. 4), zu deren 



— 218 — 

Hohenpriester" infolge ihrer Denkweise viel naher als der 
Schule Hillel's '). Ebenso steht es ausser Frage, dass die 
Partner der D. 6., Baban Gamliel und R. Jochanan b. Sakai, 
zu den hervorragendsten Meistern dieser Schule zahlten. 

Der Geist der hOlelitischen Schule muss zur Zeit der 
Entstehung der Jurisdiction der D. 6. (angesichts eines 
solchen Thatbestandes) ein iibermachtiger gewesen sein. 
Aber diese Jurisdiction war nur eine voriibergehende In- 
stitution, eine Art Episode im jiidischen Rechtsleben, denn 
mit ihrem Erloschen kehrt das Justizwesen zu seiner ehe- 
naaligen Stellung zuriick, die es innerhalb der Religions- 
behorden eingenommen, in welcher Stellung es im Laufe 
der Zeiten verblieb'). 



Losimg er eine Reihe von M5glichkeiten hervorhebt, diirfte somit 
als gelost zn betrachten sein. 

^) Ich kann Frankel (ibid. S. 61) nicht beistimmen, wenn er 
die Q^Sm u^in:^ ^12 mit o^^ns hv ]n n«a zu identificiren sucht. Dafiir 
giebt es gar keinen Stutzpunkt. Man wird wohl das Bichtige kaum 
yerfehlen, wenn man annimmt, dass „die S5hne der Hohenpriester** 
als Abkommlinge adliger Geschlechter znsammenhielten nnd der 
Schamaitischen Schule zugethan waren. 

*) Aus spSterer Zeit werden erwShnt : n^« »3»n und »•» »3»n (B. 
Bathra, 70b, Synh. 17b), und es liegt nahe, an Bichter zu denken, 
die ausschliesslich zur Ausubung des richterlichen Berufes eingesetzt 
waren; man kann sich aber auch hier mit der Annahme gut zurecht- 
finden, dass Gesetzeslehrer gemeint seien, die, ohne gerade fiir^s 
Bichteramt ausschlieslich bestellt zu sein, auf dem Gebiete der 
Rechtspflege sich besonders hervorthaten und als gesuchte Bichter 
einen weitgehenden Buf genossen. H5chst wahrscheinlich ist 
es jedoch, dass in Babylonien seitens des Exilarchen (Besch Galutha) 
Gesetzeslehrer mit der Befogniss als Bichter eingesetzt und auto- 
risirt worden sind. (Vgl. B. Bathra, 85 b; Ketuboth 94b). 



Fragmente eines psendarlstoteUsehen Werketi 
fiber die Seele, in liebr. Spraelie. 

yon Dr. A. lioewenthal. 

BemerkuDgen zum hebraischen Teil S. 1 — 12 



1) Die Encyklopadie des Gerson ben Salomo aus 
Aries, „Schaar Haschamajim ^) bildete fur lange Zeit ausser 
den Schriften des Maimonides eine Hauptquelle, aus welcher 
diejenigen judischen Gelehrten, welche ausser der Be- 
schaftigung mit der Halacha das Streben batten, sich im 
profanen Wisseh zu vervoUkommenen, ihre Kenntnis der 
„griechi5chen Weisheit" herholten '). Diese Bedeutung hat 
das Work Gerson's fiir die heutige Zeit verloren, es hat 
fur uns nur eine historische Bedeutung. Dieser historische 
Wert ist aber ein sehr grosser. Gerson ist sehr reich an 
Citaten aus fremden Werken. Wenn er auch nur solche 
Werke kannte und excerpirte, die ins Hebraische iibersetzt 
waren, so gestattet doch der Reichtum an Quellen, welche 
ihm zu Gebote stand en, eine grosse Ausbeute fur die jiidische 
sowohl, als auch fiir die allgemeine mittelalterliche Litteratur- 
geschichte. 

2) Der Zustand, in welchem sich seine Encyklopadie 
befindet, ist ein sehr schadhafter. Die editio pilnceps 
(Venedig 1508) ist sehr fehlerhaft und enthalt weit weniger 
als die Manuscripte. Heidenheim hat durch seine Edition 
(Rodelheim 1801) nicht viel zur Herstellung eines lesbaren 



Of. Gross. Monatsschrift 1879. S. 20 ft 
') Of. Kerem Chemed Bd. 8. S. 162. 



— 220 — 

Textes beigetragen. Auch die Handschriften dififeriren sehr 
an Ausdehnung. Es geschah mit diesem Werke *), wie 
haufigmit Encyklopadieen ; es wurde vieles gestrichen und 
vieles zugesetzt, so dass die Herstellung einer kritischen 
Ausgabe sehr schwierig ist. Doch waregerade eine solche 
sehr notig*), „weil gerade solche unselbststandige Com- 
pilationen geeignete Kulturmesser ihrer und der nachst- 
folgenden Zeit sind." 

Gross hat sich ^) der Mflhe unterzogen, die griechischen, 
arabischen und lateinischen Autoren zu citiren und deren 
Schriften zu besprechen. Es gelang ihm meistenteils, die 
Quelle fur die Citate Gerson's anzugeben und die von ihrn 
citirten Schriften zur naheren Kenntnis zu bringen. 

3) Unter den Biichem, welche Gerson von Aristoteles 
kennt, befindet sich nun auch ein rcan 'D*). Im dritten 
Teile seiner Encyklopadie, welcher die Theologie behandelt, 
hat er uns grosse tVagmente aus einem Buche fiber die 
Seele aufbewahrt, welches angeblich Aristoteles in 10 
Fragen verfasst hat. Gross bemerkt, Gerson habe wahr- 
scheinlich irgend eine freie Bearbeitung der aristotelischen 
Schrift benutzt; denn was daraus angefuhrt wiirde, finde 
sich daselbst nur zum Teile inhaltlich wieder, zum Teile 
fehle es. Der Ansicht, das Aristoteles wirklich der Ver- 
fasser ist, wird wohl kaum beizupflichten sein. Die Ueber- 
setzung des aristotelischen Buches de anima ins Hebraische 
— denn nur solche Quellen hat Gerson benutzt — ist, 
wie wir wissen, von Serachja Hasephardi*) angefertigt 
worden, welcher hochstwahrscheinlich Gerson ben Salomo 
unbekannt war*). Ferner hat Aristoteles niemals in 10 

.1 

^) Qi. Cassel, Ersch und Gmber I. 62. S. 13 ff. 

') Of. Steinschneider: die hebr. Uebersetzongen des lOttelalters 
(unter der Presse befindlich) S. 11. 

') A. a. 0. 

*) Ed. Venedig. p. 66 col. 4. 

*) Cf. Steinschneider a. a. 0. S. 146. 

") Serachja Uhersetzte 1284 in Rom. Hat Gerson damals noch 
Telebt, so ist es doch zweifelhaffc, ob der Verkehr mit Rom ein so 



- 221 — 

Abschnitten fiber die Seele geredet. Der Inhalt des von 
Gerson citirten Buches ist zadem in Oardinalfragen der 
Ansicht des Aristoteles entgegengesetzt, so z. B. nimmt 
der Autor des von Gerson excerpirten Werkes 3 ver- 
schiedene Seelenkategorieen an. Wurde Aristoteles der Ver- 
fasser sein, so wurde das Buch gewissermassen aus der 
RoUe fallen, da die Erklarung der Definition des Aris- 
toteles eingefiihrt wird mit den Worten : Aristoteles definirt 
die Seele folgendermassen : u, s. w.^) 

4) Das Mittelalter muss aber dennoch der Ansicht 
gewesen sein, dass wirklich Aristoteles der Verfasser eines 
Buches fiber die Seele, welches der Gegenstand in 10 Fragen 
behandelt, sei. Isac Latif (geb. um 1270) verfasste ein 
philosophisches Gompendinm, nawrti mjiH, welches in Form 
von Frage und Antwort fiber die wichtigsten Fragen der 
Philosophic Aufschluss giebt. Der Wortlaut der 7ten Frage 
ist folgender:') 

iTninDi «^3n pay nwm ^avjna TacS Sdikt noa Sato ^ ('Sttton 
niDnK ^nSa »TSy iwd^i« twvt nn^pn iryn SiSm 

Hier haben wir also dieselbe Ansicht, dass Aristoteles 
Verfasser eines psychologischen Werkes in 10 Fragen sei. 
Der Inhalt der von Isac Latif erwahnten Schrift ist voll- 
kommen neuplatonisch,^ so dass S. Sachs m seinen Noten 
bemerkt:*) 



reger war, dass er bei Abfassung des Bf nv die Uebersetzmig 
Serachja's schon gekannt hat 

') Gerson erw&hnt ed. Yened. p. 25. col. 4. ifioa sns DiStsitDDnn 
Bffisn, die Stelle ist aber in ntpl ^u^^s nicht zu finden unfl beruht 
wahrscheinlich aul einer fehlerhaften Angabe. 

Freilich ist es auffallend, dass Gerson ein Buch, in welchem die 
Ansicht des Arist. als Beferat mitgeteilt wird, fiir aristotelisch hielt. 
' >) Eobez al Jad. I. (Berlin 1885) S. 50. 

^) Diese Phrase begegnet uns anch in der lat. Uebersetzung 
des Mekor Chajim von Salomo ibn Gabirol : da mihi excemplum . . . 
Cf. Guttmann, die Philos. des Salomon ibn GabiroL S. 11. Anm. 1. 

«) Ibid. S. 68. 



— 222 — 

nr pa?3 cr^ mpo 'd3 *?iT3a 

5) Von den 10 Fragen, welche das Werk des „Aris- 
toteles^ enthalten soil, bat Gerson nicht alle excerpirt. 
Yon den am Anfange seines Ausznges mitgeteilten Gapiteln, 
in welche das Bach eingeteilt ist, werden die beiden letzten: 
„ob die Seele aUe Krafte, welche sie wahrend ihrer Ver- 
bindung mit dem Eorqer besitzt, auch nacb ihrer Trennang 
vom Leibe beibehalt, oder nicht" und die IVage „ welche n 
Teil ihrer Fahigkeiten sie weiterhin besitzt," gar nicht von 
Gerson behandelt. Sein Index der Fragen ist auch fehler- 
haft, weil darin die im weiteren Verlaufe behandelte 
Frage (ed. Venedig p. 58. col. 2.): „ob die Seele ge- 
schaflFen ist, oder nicht" fehlt. Die Edd. und die ver- 
schiedenen Mss. differiren an Ausdehnung und Inhalt so 
sehr, dass man genotigt ist, mosaikartig aus aUen vor- 
handenen Hilfsmitteln den urspriinglichen Text, wie er in 
Gerson's Excerpten gewesen ist, wieder herzustellen. Dabei 
ist nicht Alles, was auf die Worte iitxn» anD folgt, Excerpt 
aus dem pseudaristotelischen Werke, sondern Gerson hat 
die Ausziige daraus zuweilen durch von ihm eingeflochtene 
Bemerkungen und Citate unterbrochen. 

6) Als Hilfsmittel zur Herstellung eines korrekten 
Textes diente folgendes: 

1) Ms. Miinchen No. 65.M) Diese Hs. enthalt in der 
2ten Frage: „was die Seele ist" bedeutend mehr, als die 
Edd., namlich eine ausfahrliche Erklarung der Definitionen 
Plato's und Aristoteles' iiber die Seele. Dagegen fehlt in 
diesem Ms. ein grosser Teil der Fragen: „ob die Seelen 
alle zu gleicher Zeit geschafifen sind," ebenso die Frage 
nach dem GrundstoflFe und die nach der Fortdauer der 
Seele. Dem Texte zu Grande gelegt ist dieses Ms., die 
Zahlen in [ ] beziehen sich auf die Blattzahl der Hs. [M] 



*) Cf. Steinschneider, Katalog der hebr. Handschriften der 
'"^Qchener Bibliothek. Ms. 65''. 



— 223 — 

2) Ms. Orford. No. 1325. i) . . . == [0] 

3) Ms. Kaufmann, *) ... — [K] 

4) Jacob ben Chajim, genannt Comprat Vidal 
Farissol hat nach Vortragen seines Lehrers Salomo ben 
Menachem (Frat Maimon) einen Commentar znm Cusari 
verfasst, aipy n^a. In diesem Commentar, der grossten- 
teils identisch ist mit«den Aufzeichnungen seiner Mithorer 
Salomo Vivas und Natanael Caspi, sind Citate aus Gerson 
b. Salomo enthalten, welche einige Berichtigungen und Zu- 
satze zu dem Text des Miinchener Codex geben.') 

5) Meir Aldabi hat in seinem Buche n3lo» "S^att^, im 
Abschnitt fiber die Seele, und auch sonst, Gerson b. Salomo 
plagiirt. Die bei ihm erhaltenen Stellen aus Gerson 
wurden ebenfalls zur Herstellung eines korrekten Textes 
benutzt. 

7) Schon am Anfange seines Werkes scheint Gerson 
auf das Buch des y,Aristoteles" zu verweisen. In ed. 
Venedig. p. 2. col. 2 heisst es: 

"TODK T^ ^3wSd "dt ^ntt^nn »S lai mnS» noDno ^tt^-Stt^n pSnm 
po**^© (3 mwD Iran rhm "n»D ain nan w« at dm iddd 

Gross*) hat nun in der That im 3ten Teile derEncy- 
klopadie Gerson's Entlehnungen aus Maimonides' „Acht 
Kapiteln" nachgewiesen. Doch wird dieses Buch nirgends 
rDsn 'D genannt. Ms. Mon. 65 liest aber: idod ^tdok 
naaan, so dass zu vermuten ist, dass urspriinglich in 
Gerson gestanden habe: . . naaan toodi iWDn«S tt^ean 'oa^). 

8) Der Umstand ist beachtenswert, dass das Buch 



^) Herr Dr. Neubaner hatte die Giite, mir die in der Edd. 
fehlenden Stellen mit meiner Abschrift des Miinchener Codex zu 
vergleichen. 

*) Herm Prof. Eanfinann verdanke ich eine Gollationirung 
des Ms. Mon. mit seiner Handschrift des tr'ntr. 

*) Of. Catalog der hebr. Hss. der k5nigl. Bibl. zu Berlin. S. 115. 

*) A. a. 0. 

*) Cf. Steinschneider, Alfarabi p. 91, 246. und S. Sachs, Kerem 
Chemed Vm, 153. 



— 224 — 

den kiihnen Namen des Aristoteles tragt. Soweit bis jetzt be- 
kannt, ist dieses pseudaristotelische Werk nur in hebraischer 
Sprache vorhanden. Mag es Irrtum oder Absicht geweseu 
sein, dass das Werk dem Weisen von Stagira zugeschrieben 
wurde: die zwei Dokumente aus der jiidischen Litteratur 
machen es zur Gewissheit, dass das Bach thatsacblich fiir 
aristotelisch gehalten wurde. 

Diese Excerpte beanspruchen aber das ganz besondere 
Interesse der jiidischen Litterarhistoriker wegen eines Um- 
standes, welcher Gross eutgangen ist. Salomon Munk hat^) 
darauf hiDgewiesen, dass eine gewisse Verwandschaft 
zwischen diesen Excerpten Gerson ben Salome's und einem 
psychologischen Werke, welches er Salomo ibn Gabirol zu- 
schreibt, vorhanden ist. — Ferner hat Gross (S. 132) 
eine Verwandschaft der Excerpte bei Gerson mit der 
Schrift des Costa ben Lucca, „de differentia spiritus et 
animae" gefunden. 

Es wird nicht eher moglich sein, an die Untersuchung 
dieser Punkte zu gehen, bevor nicht die Excerpte Gerson's 
in einem korrekten und vervolistandigten Texte vorliegen, 
welcher an dieser Stelle gegeben worden ist. 



1) Melanges p. 170 f., 531. 



Hebraisehe Handsehriften. 

Notiz von y. SteiMOhnelder 



1. Ein ms. des Dr. Berliner, 126 Bl. 4°, italienischa 
Cursiv XVn. Jahrh. ? ist vielleicht identisch mit ms. Coro- 
nel (Catal., London 1871, p. 6 n. 36, p^:)n 'o; ich verdanke 
diesen sehr seltenen Catalog der bekannten Freundlichkeit 
Halberstam's); derm ich erkenne in der Blattbezifferung 
meine Hand. Durch Vergleiclmng mit ms. Reggio 48 (Neub. 
1393) ersah ich schon damals, dass das ms. ohne Titel 
und Ueberschrift, eine Uebersetzung von LHnstrummto della 
FUosofia^ nebst La prima parte ddla fUosofia naturale 
von Alessandro PiGCOlomini (gedr. 1551) enthalte. Die 
geometrischen Kguren im 11. Theil (f. 57 ff.), die im ms. 
Reggio fehlen, sind hier zu finden. Naheres in meinem 
noch unvoUendeten Werke iiber die hebr. Uebersetzungen 
S. 474. — S. auch weiter nnten. 

Jakob Spira aus Meseritz in Russisch Polen, welcher 
das ms. besass, nachdem ich es gesehen, schrieb auf ein 
Vorblatt eine hebr. Notiz, deren wesentlichen Jnhalt ich 
hier wiedergebe, hauptsachlich, um sie unschadlich zu machen, 
und wegen des darin erwahnten anderen ms. Spira fingirt 
folgende Ueberschrift: (!) yaion noDnS s'^DiDiS^en "MDD; dieses 
Buch soil Efraim Misrachi aus dem Lateinischen und 
Franzosischen (!) hebraisch iibersetzt haben. — Efraim sei 
der Uebersetzer der Theorica^ genannt D^33lDn ^hr\ti^ aus dem 
Arabischen (!) auf Befehl des Salomo TOt w» S''r Th^p 
,tS« '1 irn wro «"in n"Wa ««:3; es scheine, dass Efraim 
der Bruder des Elia Misrachi sei (!); aus dem Ende des 

KagMiii Heft lU, 1890. 15 



— 226 — 

vorliegenden ms. ergebe sich, dass der Verf. desselben auch 
der Verf. der erwahnten Theorica sei. — Alles das ist 
Confusion. 

Efraim Misrachi iibersetzte die Theorica des Georg 
Purbach (verf. 1460, s, weiter unten). 

Die Erwahnung eines Sal. CavaUiero bei Elia Misrachi 
stammt wahrscheinlich aus Conforte f. 33. Eine Verwandt- 
schaft von Efraim und Elia ist aus dem blossen Namen 
Misrachi nicht ohne Weiteres abzuleiten. Naheres fiber die 
verschiedenen Uebersetzungen der Theorica bringt mein er- 
wahntes Work S. 646. 

Weiters belehrt uns Spira, dass auch Moses Jsserls u. 
Manoach die Theorica commentirt haben, und dass er das 
Originalms. (?), worin die Vorrede des Efraim, an die 
Bibliothek in Warschau vcrkauft habe. Das ist also 
wohl das ms. in Meseritz, woruber in Hamaggid 1864. S. 
270 und Hebr. Bibhogr. VH 113. 

Die Worte m^pSH niTpm V3»n noan Sy ^"d am Anfang 
des ms. hat Barl Goldberg geschrieben, wie Spira bemerkt; 
ich erkenne die Hand. 

Die Jdentification des anonymen ms. begrundet Spira, 
im Widerspruch mit sich selbst, durch das Citat, Ende U 
f. 126b *pm«^»n '03 ny ^nwi cSiyn inD 'D3 ona -ronttir iijn; 
das sind aber die Schriften des Picolonimi La spera dd 
mondo und La prima parte deUe teoriche (gedr. 1540 ff.), 
welche Josef Baruch Urbino (um 1637—59) unt. dem T. 
in^yi 'D und naiaan "3313 ^jvy ubersetzte (s. mein erw. Werk 
S. 639). 

2. Ein anderes ms. Dr. Berliner's 109 Bl. kl. 4^ 
zusammengesetzt aus 3 Codd., enthielt frfiher noch Anderes, 
was aus dem Bande entfemt worden. Vorhanden ist: 

1) Bl. 1—83 niBK iWVf^ von Prophiat Duran, Anf. 
von neuer Hand erganzt, Ende defect. 

2) Bl. 84—93 (1. und letzt. Bl. Perg.) span. rabb. 
etwa XV. Jahrh., ohne Ueberschrift, anf. r\yor\n nt^yw ^eS 
nn^T cSm hS, ist die Schrift fiber den Quadranten von 



— 227 — 

Jakob b. Machir, u. zw. die kiirzere Recension, die in 
ms. Miinchen 256 und Florenz, wo im Vorw. nniK ^n«ipl 
Si«ni&^ VSr\ iioch nicht steht (s. Hebr. Uebers. S. 608, 
wo dieses ms. nachzutragen ist). Fol. 92b endet K. 15 

^unyh ^D iry nmaSo . .lan w» [?v3m] yuin -ico nhm 

imw hskSdh. Fol. 93 hat nur die Ueberschrift nttne^n ij^tt'n 
nrn '^dh n^nt^y iw^aa nDnSon -nyS wy und den Anfang 
7i3y »wy3. 

3) Bl. 94—103 (wie n. 2) DN^-ntDX^n [tt^n]^B -WD, 
iibersetzt von Jakob b. Machir in 40 Capp. ffalsch 
ny3'T8), deren Jndex unmittelbar folgt. Zwischen BL 102 
u. 103 fehlt 1 Bl. (Mitte K. 23—26); Bl. 103b enthalt 
nur einen Teil von K. 28 und darunter den Namen des 
Censors Camillo Jaghel 1613, also endete hier der Codex. 
Der arabische Verf. ist hochst wahrscheinlich ibn al-Saffar 
(cf. HB. XIV, 80, ms. Czenstochau n. 22). Auch von dieser 
Uebersetzung giebt es 2 Recensionen (Hebr. Uebers. S. 581). 
Da hier das Ende fehlt, so kann ich die HauptdifFerenz 
nicht angeben. K. 1 bietet in den, von mir gepriiften mss. 
folgende Abweichungen : 

.n (iniSown) D'^oun niDB^m aSiBJfxn ^Sd ^^^12 ])'tt^Hnn ^frt^n 
n^'?nn {Hyy\ ,»-ipm) »y:n «ini ny3»n («in) nt (nhnn^ rhnn 
(na) aSi»3f»n (U) na nSiY* iir« (»im) «\'n ('•iSn ,nt^^hnn^ 
^y\nm «im (p^p^) Di3n (iiy) nt -in« .(ia) n^::^ (innpSna) mp 
mhn («%-n) Kim (mSn) D«n (nw) nr nn^ .(na) 13 (pain) 
(pw) p^nn nn (nimSS) mmSn 'jd (nSapon) n^apon nSnan 
»w [256 nirnS« '•aiya] munn (»-ipn ,»-ipji) «npn {«\-n) 
(my) rn« .SaS:n i^dd (iodd) m^jyo d-K'S (npSm *rm) phn: 
hv mSiay (n)B^SB^ (ono) tvh Sd^ (na niDWjn) oainatt^ nimSn 
(n^oo .ono) onaB' nj»pn (nSi:yn)i (ni^iayn) (nimSn) mSn me 
(nioo) one (n)'^3fo«m (^)'»3f^pn iicnn Si:y «ipni |»id b^»-i a^ao 
D^Swn Dm ontt^an rnx .•^inon iionn -Jiay tnpm n: b^ki a^ao 
pB'Kim poi«n |D (irS») nh::r\ Rim mSn p jvSyn "arna o'^ipn 
moon m in« my . . . ptinn one 

Das verstiimmelte Citat aus der Geographie des Ptole- 
maeus, welches ich in meinem Werke fiber die hebr. Ueber- 



— 228 — 

setzungen S. 522 aus ms. Paris 1049, K. 28 mitgeteilt 
habe, lautet hier KnDj?3S« ^ \yynw\ fr\o^ }0 ht:t^ no *eS; 
in K. 27 heisst es "D-w 13 Y^?^ H'^^^opi wip tbo wdSmSi 
m&DiiD&n nm»n onit^. 

Der Fehler geht offenbar auf einen arabischen Copisten 
zuriick, welchem ^Dja'afarijje" naher lag als Geographic 
Dieses Buch ist niemals hebraisch iibersetzt und daher sehr 
selten citirt worden, unter Anderen von Levi b. Abraham 
b. Chajjim (Artikel in Ersch, S. 295 A. 13, wo lies Zeitschr. 
far Mathem. XII, S. 10, fur 86) mit demTitel y'^^'^ niix, 
wie z. B. bei Albattani f. 13: lib figura terrae, und qui 
vocatur geographia. 

4) Bl. 104 — 9, Perg., sehr kleine deutscheHand mit 
sauber ausgefiihrten Figuren, zum Teil von Wiirmem zer- 
fressen. Ohne Ueberschrift; ist ein Fragment einer Schrift 
iiber Kalenderberechnung auf astronomischer Grundlage. 
Fol. 108b und 109 wird Jsak [Jsraeli], Verf. des B. cSip 110% 
citirt, welches sehr stark benutzt ist; so z. B. ist f. 108 Z. 6 

no" meon tr'^n 13 omaK rim (so) feipn p pmr '-n (so)pnn 
aus IV3 Ende K. 2 (Zeile 10) und K. 3, worauf aus 
K. 11 f. 11^ ed 11. excerpirt wird, dann wieder aus K. 2 
(f. 6') wn iDin^ nt^on '121 lAnnn T^ctt' '^v^^ h'n D-3Din dj 
fo^oS (so) '•ir^e^ cr (in der Ausg. nt^Se^ S'^S). — 

An diese, bisher unbekannten, oder nicht genau be- 
kannten mss. kniipfe ich Erganzungen zu Neubauer's Catalog 
der Bodl. nach meinen Aufeeichnungen von der Zeit ihres 
Ankaufs vor beinahe 40 Jahren. 

3. 0pp. Add. qu., 1 (Neubauer 845). Gutachten- 
sammlung, grossenteils Autograph, oder wenigstens eigen- 
handig unterzeichnet, von J. M. Goldberg 1852 gekauft. 

Anf. naT3 38^in frrDH ('nimo nn npnxS mion tnr nStw 
'33 D3? mopM mariDn mSnam mjnorn nw2 ^"^h n\byh nxn rr^n 

^) 1st dieser Namen ein Dininutiv yon 3ic (Faradsch)? 



— 229 — 

Es kommen in dieser Sammlung vor: Natan neia, Ahron 
ibn Chajjim, Jsak Boton, Mord. Levi zu £ 63, wo Folgendes : 

IK 3 "nar '\'''mi^ nhitn ODnn 8a d^d^ rtt .th "jd rrntt^ nryo 
noStt^ na Skidb^ 'om a^airn pnx^ 'in D^emtw yarn S"? 

aVT IfiSW T2P ip3«-iD. 

Dieselben gaben ihm eine Anweisung auf Sam. b. 
David Franco in Venedig, welcher mit Ahron Portero (iTome) 
in Verbindung stand: 

'nn onxDatt^ n"3 13« W3d*? «ai . . ♦ '•nar n i»D3 . . "ja pai 
••natt^ nn n30*?«a . . . n«ttnnm»r irai . . S«^np Dnia«. — 

Jsak b. Samuel Kohen (f. 95), Samuel b. Jona nSny 
(vSnyi 103, 131b, 147b), Moses Kohen, Abr. Levi, Moses 
b. Abr. nna (?), Samuel Tir^S^, Sam. Gaon (157b), Gab- 
riel b^nDtt^K, Sam. ha-Levi, Abr. Zarfati (215b), Menachem 
SchuUam, Sam. b. Js. Jafe, Jomtob Zahalon (f. 231, Mo- 
nogramm wie in einem anderen ms.), Sam. b. Meir 
mot« (?), Jsak b. Jechiel Aschkenasi, Jos. b. Sam. Jafe, 
Chajjim b. Jakob Bassan, Menachem b. Benj. Levi, 
Efraim Pinto, Mord. b. Sal. Kalai, Jehuda Gabbai, Samuel 
ibn Verga (f. 258 — 70, nummerirt 53p ff.). — 

f. 254. sind Sam. Gaon, Mich. Kohen u. Ahron als 
D^rn in Salonichi unterzeichnet. 

Eine Abhandlung (f. 168 — 208, aberBl. 1 fehlt) ist 
zuletzt auch von dem kranken Elia pSne (?) unterzeichnet. 

2) f. 21 — 35 h't -mron in^*?« ama (mitn) iiber 
Nachmanides, Abr. b. Dav., Nissim und ^'ae^i fiber ma, 
bei Neub. nicht angegeben. 

4. Mich. Add. 67 (Nb. 2317), enthalt vielleicht viele 
Autographa, meistens von Moses Leone aus Urbino um 
1625 (gest. 1641, s. Delitzsch, Catal. p. 299). Unter- 
zeichnet sind: (in wt) ^wapna noStt^, oipmp Dm3« |a SwDtt^^) 



^ Hebr. Bibl. XI S. VI nnd daher bei Berliner, Aus schweren 
Zeiten (in Jubelschr.) S. 168, wo 0pp. Add. Qu. 1 angegeben ist, 
we 11 ich geglanbt hatte, das ms. werde diese Nmnmer erhalten. 



— 230 — 

Jakob b. Abr. Finzi, (f. 22? inTOm=) W^ pmp, .TiTiT 

119^ "ID ^ir p, »i3i» p^a p ^iro .t«. 

f. 22—26 biWTD iToro, f. 22b p BT10 px orao. 

f. 32b nxn ^»S amsS iv. 

(Akrost rnvr) ifiKpmon yyt:h rv. 

0'iT3 ^Sro Sp nv und and. dergl. 

f.33b y? yawmS ^p«pon pmc Sy nto inn nnn 

f.34 8^n^ f [m^arjia] n^nraia 'n n«rp T?»pDn pv« Sp nmt nx^So, 

bei Neub. angegeben. 
f. 35 verschiedene Gedichte. 

f. 35b Gedicht von Jsrael Nagara (Akrost. ^r mt nnB")- 
f. 36 ^3i«^S nro VnnoDa nmn" nn» und And. 
f. 37 SDrn nnSD'B^iTm onnn; n. l ist das bekannte hv ^ 

••nw "0 (Nase iiber dem Mund). 
f. 39 beginnen Vieder die Decisionen und darunter 
f. 53b "awS nnor, wdd iWd p mvi% p«^S nro p iTyor 

(CaiBodl. 2832— 62);f.59b,o''iD«p om3»,cni3iw {' pnew. 
f. 63 Materialien nach Schlagwortem. 

Dann wieder Decisionen. 
f. 66 (?) T«Dnip Skd'D. 

f. 78—84 woinowpip (ntaSr p m50 .TnnD). 
f. 97b nriiDD m» rmrp ; 98b S»i-id yh p rrnno. 
f. 99b r\yi}^ n nra p rryor. 
f. 102—12 my'ra "nSnAir pSin to Sy cr«mm o^riioi o-^Sa 

^mh nra ^38 nana; eine kurze nbipn beginnt nSnn nn\'W nth 

nryon p)1D narnon ; enthalt bis Ende Cap. 2 104 kurze § §. 
f. 113-5 [["nm] si'ma d'^hdo Sp D'^tt^nn? uber die meisten 

mnaoD, zuletzt (p-^aip iS'^t* pie p'^So) pnpna "r^to a"y. 
f. 116-27. Skw^ pya «''o maia (sic) 'ohv ont^Tin; geht 

iiber die meisten mnaoo bis ma 
f. 1^8nS:ion m t!(y\pn c"i -nan '-d und dergl., 
f. 130b citirt Arama (j\ypy) C. 73. 
f. 136 T^wp^io nro p ,TTT (a. 1574), s. f. 191. 
f. 143 Gedicht von hoSb^ omo zur Hochzeit des Manoach 
b. Baruch Sullam, hebr. und italienisch mit latein. Lett, 
f. 163b . . . iTnro p pnar 



— 231 — 

f. 174 (?) . . : Ss^D vom 9 Tammus n'w, dazu f. 174b 

von p»i:i pmr, wo Autograph, 
f. 179 S'rvnna pnv p spi^ S«d-i. 
f. 181 (Autogr.) nc tt^KW^D n'nSr S«wy n"i033 pnsr Tyxn 

T3r prrno rtina nnj^S^ac. 
f. 191 nro p rTin^ (s. f. 136). 
f. 194b Dip-np tt^'moa Sncn. 

6. 0pp. Add. Qu. 2 (Neub. 830) ist irrtumlich iiber- 
schrieben pen S»iae^ 'i ^pDD, und daher beiZimz, G.V. 424 f, 
falsch pn bei Benjacob S. 561 u. 161; derBesitzer (J. M. 
Goldberg?) hat f. 89mder Unterschrift den NamenAhron 
iibersehen; f. 74 v. J. 1601 und Ahron b, Salomo ibn 
Chason, Jakob ha-Levi und Josef b. Nissim Kohen als DTn in 
Salonichi unterschrieben(cf. Cat. Bodl. p. 2286); f. 6 ist datirt 
l.[W8D«i(so) 1609, e&kommen die Namenpi33?, ''pVW^ ^3Xlpi 
pev vor; f. 87 heist die Wittwe des David ibn Jachja (24. 
Kislew 1608) «30iS»d Palomba (Taube). P. 143 akt^ py 4. 
Ab 1601 wird festgesetzt, — und zwar unter Zustimmung 
(njn Sv) von Eiia ibn Chajjim aus Constantinopel, Abraham 
pD3iD aus imaw, Moses Ourial aus Safet, — dass in 10 Jahren 
kein Rabbiner gewahlt werde, auch nicht Jehuda Broda, 
der im Orte einen Anhang hatte. P. 163 macht Samuel 
ibn Benveniste seine Aussage in Sofia am 19. Kislew rw 
V'ytn vor den 3 Dajjanim Astruc ibn ^i»w (Cat. Bodl. p. 
2832), Jakob b. Abraham Levi, pan b. Elia Levi. Am 1. 
Tammus desselben Jahres sind D^m Chajjim Jakob b. Moses 
Levi, vtr Pinto (f. 164b). P. 215 handelt von dem Skandal, 
den Jemand mit seiner Sklavin getrieben. P. 174b Donner- 
stag 14 Kislew y'oit (1605) in Salonichi vor Ahron b. S. 
ibn Chason, Moses nprKip (?), Nachum ^O'oS^:! {= Sidjil- 
masi?). P. 235b, Montag 23 Sivan rwn (1607) in Sofia, 
die Dajjanim sind: Abraham Sid (td), Jakob b. Abraham 
Levi n'\t, Menachem b. Jedidja. 



Efadl^e Bemerkmigen sh Abem Esra, dei 

Hlstoriker. 

Yon Dr. D. Feachtwaiii:. 



Zo Genes. Cap. X w. 11 u. 12, welche lauten: 

rnSs rm rv maim mn mrs nn p^ iittv wr Kvn pun p 
: nSn^T Tyn wn nSs p3i mra pa pi ntn bemerkt Aben Esra 
auf die Worte m Tpn mn: nK pn oy p3T mrvt ^ arpn 
.pvn 133^ tHd up MK p) up pan invnSi mra ntt 

,>Mir scheint es wahrscheinlich, dass sich dieser Aus- 
drack auf ^Nimyeh^ zoriickbeziehe: und dass dieses in 
Verbindnng mit Resen oder Kelech gewesen, scheint nicht 
anwahrscheinlich zu sein.** So verstehe ich die Stelle. 
„Niniveh* wird die grosse Stadt genannt, nachdem 
sammtliche Quartiere, welche zum Kreise Nineveh gehorten, 
ao^ezahlt worden sind. Schar&innig erkennt A. E. das, 
was wir nnr dnrch originale historische Denkmaler wissen. 
Chalah war die ninivitische Siidstadt, wo heate der Hngel 
Nimrfid und das gleichnamige Dorf liegen. Ninua mn 
selbst ist ein ungeSihr 30 Km. von Nimrud belegener Stadt- 
iheil, der von einer Ringmauer umgeben war. Die Ver- 
mutnng Ibn Esra's also, dass Chalah ndt Niniveh verbunden 
gewesen sei, ist bestatigt durch die Thatsachen. Resen 
liegt zwischen diesen beiden Stadttheilen. Ty novn sind 
die Vorstadte, wahrscheinlich der genannten dreiOrte, und 
alles zusammen verdient mit Fug die Bezeichnung nSrun yy 
„die grosse Stadt*^. Dass dieser Nachsatz keineswegs auf 
eine der angefiihrten Stadte, oder etwa auf Niniveh alldn 



— 233 — 

zu beziehensei, steht ausser Frage; der Gesammtname des 
Staedtecomplexes ist Niniveh. Die doppelsinnige Ausdrucks- 
weise Aben Esra's, der die Adjektiva pinn und anp an dieser 
Stelle grammatisch und geographisch angewendet wissen 
will, wild uns nicht befremden konnen, da wir die Freude 
dieses grossen Exegeten an Zweideutigkeit geniigend kennen. 

Nicht minder interessant ist die Anmerkung, welche 
A. E. zum dritten Verse des XI. Cap. der Genesis macht, wo 
die Geschichte des Thurmes zu Babel erzahlt wird. Der 
Commentar macht hier die Ansicht geltend, dass dieBauenden 
keineswegs so thoricht gewesen seien, einen unendlieh 
hohen Thurm errichten zu wollen, vielmehr hatten sie ver- 
meint, ein bedeutendes Bauwerk aufeufiihren, das als 
historisches Denkmal bis in femste Zeiten dienen sollte. 
Die gewaltige Stadt mit dem Wahrzeichen, dem Thurme, 
sollte als Centrum der verschiedenen Volkertheile dienen, 
die sich einen „Namen" Ott^ machen wollten, wie die 
Bibel sagt; worin vielleicht das ethnologische Geheimniss 
angedeutet liegt, dass Sem's Nachkonien die fuhrende Stellung 
unter den Nationen iibemehmen wollten und soUten. Die 
Zerstreuung aber straft die iiberhebende Absicht, durch ein 
ausseres Mittel den inneren Zusammenhang der Volkerstamme 
zu erhalten, die denn doch naturgemass sich zu trennen 
hatten. Es ist gleichgiltig, ob man von einem solchen 
Bauwerk in babylonischen Berichten liest oder nicht; doch 
deshalb wieder ist es von Bedeutung zu wissen dass that- 
sachlich gewaltige Thurmbauten aufgefiihrt wurden, (etwa 
ztt Borsippa), um die oben geltend gemachte Ansicht, dass 
es sich um ein historisches Denkmal handle, zu erharten 
— und das ist auch Aben Esra's Meinung. 

Zur Erklaruug des Namens Saa (Genes. XI, 9) bemerkt 
Aben Esra kurz und biindig: ion 5]S«l mSo ^nr. 

Die Ansicht also, dass der Name S33 von radix SSa 
abzuleiton sei, welche Erklarung der Bibeltext ja keinesfalls 
sprachlich aufgefasst wissen will, sondem sachlich, theilt 
A. E. als rationeller Grammatiker nicht. Die Conamentatoren 



— 284 — 

zu A. Esra's Bemerkung geben sich alle erdenkliche Miihe, 
die lakonische AmnerkuDg zu verstehen. Das Bathsel lost 
sich aber einfacher, als man denkt. Die Stadt Babylon 
heisst in assyrisch-babylonischen Texten: Babi-i-lu oder 
Ba-bi-lim, das ist bn-f 33 nnd bedeutet: Pforte (833) Gottes 
(*?»), was in ^33 mit Wegfall des h contrahirt ist. Auch 
andere Stadte sind mit dem Worte Bllb zusammengesetzt, 
so Bab-Diir »Thor der Feste**; man denke auch an die 
Strasse von |>Bab-el-Mandeb**. So hat der gen. Bibel- 
commentator denn schon gewusst, was wir erst erraten und 
erschliessen mussten! — Es bedarf nur einer vorurteilslosen 
Interpretirung und man wird manches im A. Esra finden, 
was lange nach ihm sich als neuentdeckt ausgiebt; die 
Beweise lassen sich ohne Zweifel haufen. Um bei der 
babylonischen Geschichte zu bleiben, fuhre ich noch 
Genes. XI, 26 u. 28 an, woselbst A. E. nach meiner Auf- 
fassung die Ansicht geltend macht, dass Ur-Kasdim, welches 
als Abrahams Geburtsort zu gelten habe, urspriinglich, 
nicht diesen NaTmen gehabt hatte; Ur-Kasdim sei eine 
spatere Benennung, ein Name, welchen Moses bei der Auf- 
zeichnung des heil. Berichtes gekannt und durch Ueber^ 
lieferung erhalten habe. Es sei schon deshalb unmoglich, 
die Benennung Ur-Easdim als die originale zu betrachten, 
weil die Dntt^3==Kaldim=Chaldaer erst viel spater in die 
Geschichte das Volk eintraten, denn sie seien (nach A. 
E.'s Auflfassung) Nachkonjmen Nahor's. 

Diese hochst geistvolle Ausfuhrung macht dem 
Historiker Aben Esra alle Ehre. En wunderbares 
historisches Feingefiihl bekundet die Ansicht, dass die 
»Chaldaer*^ als historisches Volk erst spat in die Geschichte 
eintraten. Wir wissen jetzt bestianmt, dass der mittelalterliche 
Exeget unbedingt Recht hat. iw-Uru, welches als Stadte- 
namen in den Keilinschriften vorkommt und schlechtweg 
»Wohnsitz« bedeutet — das weiss auch Abraham ibn Esra 
schon, was daraus ersichtlich ist, dass er auf Jes.XXIV, 15 
hinweist, wo onw in der Bedeutung: Stadte gebraucht 



— 285 — 

wird — war Ausgangspunkt einer uralten Cultor. Es ist 
dies das urkundlich iiberlieferte Uru, wo gewaltige Bauten, 
dreistockige Thfirme, Tempel, in ihren Ruinen erhalten sind. 
Es wfirde za weit fiihren, den ganzen geschichtlichen Her- 
gang za erzahlen, wie die Kasdim-Ghaldaer zom historisch 
beruhmten Volk geworden sind. Nur in ganz kurzen Ziigen 
soil es angedeutet werden, damit man daraus ersehen kann, 
dass wirklich erst in spaterer Zeit das urspriinglich schlecht- 
hin Ur genannte zum Ur der Chaldaer werden konnte. 
In grauester Vorzeit (es lasst sich nicht genau be- 
stimmen, wann) herrschten dort Konige, von denen wir 
Nachrichtenbesitzen ; sie waren Schutzbefohlene der Babylonier . 
Von der Stadt selbst wissen wir, dass sie am Pur&tu = 
mo gelegen war in der Landschaft »Kaldu", das sich im 
letzten Viertel »Naharaims**, des Zweistromlandes =Meso- 
potamien's befand. Die Macht der Kaldu entwickelte sich 
nach und nach so sehr, dass die babyl.-assyr. Konige in 
bestandiger Fehde mit den Eindringlingen lagen. Babylonier 
und Ghaldaer wurden im Verlaufe der Zeiten mit einander 
yertauscbt, die Bezeichnungen verschmolzen, als beide den 
Persem gegeniiber in dieselbe abhangige Stellnng gerieten; 
es konnte nur derjenige Name sich erhalten, der die ganze 
civilisirte Welt erfullte. Und so kam es, dass man spater 
von Chaldaem da sprach, wo von „Babyloniem" die Rede 
sein soUte. 

(Fortsetzong folgt). 



Erwideranii;. 

Yon Hr. Tosrelsteln* 



In der Beurtheilung meiner Schrift: „Der Kampf 
zwischen Priestem und Leviten** (Magazin 1890 I, S. 74fE) 
bittet zwax der Hen Recensent die Leser um Entschuldigung, 
„dass er das vorliegendeBuch nur vom rein wissenschaftlichen 
Standpunkte aas bespreche uad weder die Confession, noch 
den Stand des Verfassers dabei beriicksichtige**, aber diese 
Bitte hat keinen anderen Zweck als den, den religiosen 
Bedenken des Herm Beurtheilers ein wissenschaftliches 
Mantelchenumzuhangen')und seiner gehassigen undhamischen 
Beurtheilung den Charakter der Voreingenommenheit, 
welchen sie aber trotzdem nicht verleugnen kann, zu 
nehmen. Als Beweis fur diese meine Behauptung fiihre 
ich nur Folgendes an: 

Der Recensent bemangelt zunachst, dass von den 
6V2 Jahrhunderten. welche die ^Geschichte** des Kampfes 



Bemerkungen der Redaction. 

>) Dies ist eine offenbare Unwahrheit. Der Verf. der Recension 
tritt nicht zum ersten Male vor die Leser des ^Magazin" nnd hat 
z. B. bei der Besprechung von Wellhausen*s ,Geschichte IsraeFs" trotz 
seiner religiosen Bedenken sich nnr anf streng wissenschaftlichem 
Boden bewegt Allein, wenn ein judischer Rabbiner im Stande 
ist einen grossen Theil der Thora offentlich als ein in sp&ter Zeit 
von den Priestem nntergeschobenes Machwerk zn eVklaren, und ein 
Recensent vor einem jiidischen Leserkreise dies zn riigen unter- 
l&sst, so bedarf dies wohl der Entschuldigung, was nur derjenige 
nicht einznsehen vermag, der bereits jede Gemeinschaft mit den 
glaubigen Israeliten aufgegeben. 



— 287 — 

zwischen Priestem und Leviten umfasst, den ersten 2 Vj Jahr- 
hunderten 135, den letzten 4 Jahrhunderten iV, Seiten 
gewidmet sind. Dabei wird verschwiegen, dass Seite 136 
und 139 meines Buches mit klaren Worten der Gmnd 
angegeben ist, weshalb nach dem entscheidenden Siege des 
Priesterthums die Leviten jeden Gedanken an eine durch- 
greifende Verbesserung ihrer Lage in ihrer Brust verschliessen 
mussten und ihre Wiinsche nicht laut werden zu lassen 
wagen durften*). Auch wird der Umstand nicht erwahnt, 
dass einer Untersuchung iiber den Lehrzweck der Chronik 
nicht weniger als 46 Seiten gewidmet sind. 

Die hamische Art der Beurtheilung, die vor kleinen 
stylistischen Kunstgriffen nicht zuriickschrickt, um sich ein 
dankbares Angriffeobjekt zu verschaflfen, zeigt sich so recht 
deutlich in der Anmerkung auf Seite 77: „Warum nur 
hypothetisch „m6gen stattgefunden haben"?! Warum sind 
dieseReibungen weniger apodictisch sicher, als der^energische 
Protest" der Ebjathariten gegen Ezechiel?!** — Jeder un- 
befangene Leser meiner Schrift, ja, ein Jeder, der den 
deutschen Sprachgebrauch kennt, kann iiber den Sinn des in 
so eigenthumlicher Weise kritisirten obenerwahnten Satzes 
in meinem Buche nicht im Zweifel sein, sondem wird ihn 
folgendermassen deuten: Wohl, oder sicherlich haben auch 
in der Priesterschaft selbst ESfersiichteleien stattgefunden, 
aber nach aussen hin zeigten sie sich als eine festgeschlpssene 
Partei. Nur der Herr Recensent musste den Satz anders 
auffassen, damit er Gelegenheit hatte, eine offene Thiir 
einzurennen*). 



') Merkwiirdig, dass gerade zu der Zeit der Kampf aufhSrt, 
wo die historischen Quellen zu fliessen begiimen! Red. 

*) Der Eecensent wollte nur an einem Beispiele zeigen, dass 
der Yerf. nach Belieben ohne jeden Gnind bald hypothetiscbe, bald 
apodictische Behanptmigen aufstellt Der Rec. hielt nun den Satz: 
.Mdgen — stattgefunden haben*" fnr einen hypothetischen. SoUte 
dies nicht der Ftdl sein, so wollen wir dem Yerf. mit einem andem 
Beispiele dienen: S. 49 seiner Schrift behauptet er: Mdglicher- 



— 238 — 

Doch yiel bezeichnender als dies, bezeichnender als 
die Bemangelung der Syminetrie in der Anlage meines 
Buches nnd die hinzugefogten Bemerknngen uber Spuk- 
gestalten, Phantasiegebilde nnd Gespenstererscheinungen, 
bezeichnender fiir den ^wissenschaftlichen^ Gehalt der Be- 
urtheikng ist die geradezu monstrose Auseinandersetzong 
auf Seite 78—81 des „Magazin". Um in der mangelhaften 
Betheiligung derLeviten an derEinwanderang unter Serubabel 
und £sra nor nicht Zeichen eines tie^ehenden Zwiespaltes 
und einer Unzufriedenheit mit den cultuellen Einrichtungen 
zu erblicken, — wie iibrigens auch schon Graetz (Gesch. 
der Juden lib S. 129) vermuthet, — wird uns da ein 
Marchen von den reichen Priestem und armen Leviten 
erzahlt*), das alien Thatsachen und selbst der taglichen Er- 
fahrung widerspricht. Woher die Priester nur ihren Reich- 
thum batten?') Schade, dass derHerr Recensent es unter- 
lassen hat, uns dies mitzutheilen. Von den Opferabgaben 
sicher nicht — denn diese existirten ja im Exile nicht — 
die sonstigen Priestersporteln, soweit sie ausserhalb des 



weise ist gerade damals ein Umschwimg in den politischen Yer- 
hSItnissen eingetreten.*" Dieselbe Behauptong wiederholt er S. 55 
mit folgenden Worten: „Es muss damals sicher ein freimd- 
schaftliches Verh&ltniss zwischen dem persischen Statthalter nnd 
dem Hohenpriester bestanden haben!* Red. 

*) Der Recensent hat zwei Erkl&nmgen fUr die betreffende 
Erscheinnng gegeben, nnd es wlirde, wenn anch diese zweite Er- 
kltoing nnrichtig w&re, die erste aUein yoUkommen genfigen. Ja 
der Rec. hat dargethan, dass die Thatsache anders, als der Verf. 
es thnt, erkl&rt werden mnss, nnd die Wissenschaft hat, wo keine 
genligende ErkUimng zn finden ist, „non liquet" zn sprechen, nicht 
aber nnhaltbarie Hypothesen anfisustellen. Red. 

') Ans derselben Quelle, woher ihn die anderen Israeliten im 
Exile erwarben. Dass die adeligen Geschlechter der Priester anch 
in der Fremde leichter als das tibrige Yolk zn Ansehen nnd Reich- 
thnm gelangen konnten, ist doch wohl leicht einznsehen. XJebrigens 
war die jemsalemische Friesterschaft anch znr Zeit des ersten 
Tempels wahrscheinlich eben so reich, wie sie es znr Zeit des 
zweiten Tempels war. Red. 



— 239 — 

heiligen Landes zor Entrichtang kommen, sind aber recht 
winzig und reichten wohl nicht hin, mehreren Tausenden 
von Priestem zu Verinogen zu verhelfen. Fiir die Armuth 
der Leviten citirt der Herr Recensent die Stellen aus 
Deut. 12, 19. 14, 29. 16, 11. u. a.; aber dass Deut. 10, 9 
woselbst unter ^iS nach den Erklarem nur der Priesterstand 
zu verstehen, oder dieser doch zum mindesten mit gemeint 
ist — und Deut. 18, 1 u. 2 auch die Priester als besitzlos 
dargestellt werden, das verschweigt unser Recensent ab- 
sichtlich,*) weil dadurch seine famose Hypothese umgestossen 
wiirde. Ist das ein wissenschaftliches Verfahren? Oder 
heisst das nicht vielmehr einem Gegner, dem man nicht 
anders beizukommen vermag, mit Scheingriinden und leeren 
Redensarten auf den Leib riicken?') Uebrigens lehrt die 
Erfahrung seit den aitesten Zeiten, dass die Armen, die 
ja nichts zu verlieren haben, sich weit eher zur Auswanderung 
entschliessen, auch wenn eine ungewisse Zukunft ihrer harrt, 
als die Reichen, die begreiflicherweise ihr Vermogen nicht 
gem auf s Spiel setzen. Gewiss sind auch manche Reiche 
mit Serubabel eingewandert, aber noch mehr Begiiterte 
sind in der Gola zuriickgeblieben; die reichen Weihgeschenke, 
die sie spendeten, die Auslosung der an Heiden verkauften 
judaischen Sklaven bezeugen, dass unter den Eiculanten 
grosser Wohlstand herrschte. Und wie viele Arme oder 



*) Absichtlich?! Sonderbar! Der Rec. glanbte, dass es jedem 
SchnUmaben bekannt ist, dass die Priester keinen Antheil am heiligen 
Lande erhielten. Was hat dies aber mit seiner Hypothese zu thun? 
Die Priester batten ihre St&dte und ein sehr reichliches Einkommen, 
durch welches Yiele von ihnen es leicht znm Reichthum bringen 
komiten. Red. 

^ Nein! Der Rec. braucht kein einziges Wort von dem, was 
er gesagt hat, zuriickzunehmen. Der Umstand, dass in Dent. 12, 19; 
14,29; 16, 11 u. a. nnr die Leviten, nicht aber die Priester der 
Mildth&tigkeit des Volkes empfohlen werden, beweist, dass wohl 
die Leyiten, aber nicht die Priester arm waren, und der Ton der 
Entriistnng, den die Replik aozuschlagen fUr gerathen hSlt, wird 
daran nichts findem. Bed. 



— 240 — 

doch nur mit sehr geringen Mitteln Ausgestattete nach 
Palastina gezogen waren, wird in ergreifender Weise 
Nech. 5, Iflf geschildert. Fur die Leviten lagen nach der 
altublichen, auch von dem Herm Recensenten getheilten 
Anschaunng die Verhaltnisse in Palastina ja ganz besonders 
giinstig. Denn wenn ihnen der Zehnte damals schon durch 
die Gesetzgebung zugesichert war und seit Alters her that- 
sachlich gegeben wurde, dann waren sie materiell so vor- 
iheilhaft gestellt, dass es fur sie verlockend genug gewesen 
ware, in grossen Schaafen in Judaa einzuwandem.®) Siehe 
Herzfeld: Geschichte des Volkes Israel 11, 61, 139. Die 
erstere Stelle ist besonders lehrreich zur Illustration der 
Hypothese von dem Reichthume der Priester und der Armuth 
der Leviten. ®a) 

Wie sich mit der Theorie, dass die Leviten wegen 
ihrer Armuth sich nicht zur Reise nach Palastina entschliessen 
mochten, die Thatsache vereinbaren lasst, dass Iddo, das 
Oberhaupt einer zahlreichen Leviten-Kolonie, nicht mit Esra 
zieht, ja, dass es (nach dem Recensenten) nicht im ent- 



^) Der Yerf. scheint nicht zu wissen, dass die Leviten anch in 
Babylonian den Zehnten erhielten (vgl. Frankel, Monatsschrift 1852 
S. 860). Von der geringen Anzahl der Israeliten, die nach Palastina 
znrlickgekehrt waren, konnten die Leviten nicht so viel erwarten. 
Mit den heiligen Friestergaben verhielt es sich anders, da die meisten 
derselben wahrscheinUch (die Opfer gewiss) auch von auswarts nach 
PalSstina gesendet wnrden. Red. 

'a) Aus dieser Stelle h&tte der Verf. lemen sollen, dass die 
Zahl der heimgekehrten Priester nnverhaltnissmassig gross 
war. Dagegen war die Zahl der Leviten im VerhSltniss za den 
producirenden Laien normal, nur etwas geringer, als das Verhaltniss 
in der Wtiste war; hier 360 : 37000, dort 22000 : 1500000 (die 
Kinder von einemMonat an gerechnet). Dabei muss man be- 
denken, dass die heimziehenden Exulanten in der ersten Zeit wenig 
prodnctionsfahig waren. Die Frage hatte demnach sa gestellt 
warden mtissen: Wie kam es, dass eine verhaltnissmassig so gross e 
Anzahl von Priestern heimkehrte? Statt dessen snchte der 
Yerf. einen Gmnd far die geringa Anzahl der Leviten. Das 
heisst, die Sache auf den Kopf stellen! Red. 



— 241 — 

femtesten in Esra's Absicht liegt,') Iddo zu bewegen, seine 
Untergebenen im Stich zu lassen und sich ihm anzuschliessen, 
vennag ich nicht einzusehen. Ich weiss nur, dass Esra 
sehr viel daran gelegen war, eine moglichst grosse Zahl 
Leviten in seiner Kolonie zu haben, und halte es daher fur 
zweifellos, dass es ihm eine grosse Genugthuung gewesen 
ware, wenn auch der angesehene Iddo sich zur Auswanderung 
entschlossen hatte. Geradezu unerhort ist es aber, dass 
der Herr Recensent mir vorwirft. (S. 80 unten) „ich hatte, 
um den Erfolg der Sendung an Iddo „ausserst diirftig'* 
erscheinen zu lassen, die 220 Nethinim einfach todt- 
geschwiegen." Als ob Esra iiberhaupt die Nethinim ver- 
misst und sie zu gewinnen versucht hatte,^®), als ob es 
nicht vielmehr an der betreffenden Stelle (Esra 8,15) klar 
und deutlich hiesse: or ^n»XD vh (*^nS ^33ai D^3rD3t DV3 nr3»i 
0, nein! Ich hatte nichts todtzuschweigen, denn fiir 
meinen Zweck war es ganz bedeutungslos, ob Nethinim 
sich Esra anschlossen oder nicht; aber der Herr Recensent 
hatte triftige Ursache etwas hinzuzufiigen, was meine 
Hypothese stiirzen sollte, und was ich zu meinem Bedauem 
doch nicht anders als mit dem Ausdrucke Taschenspieler- 
kunststiicken ") bezeichnen kann. Er addirt namlich zu 
den 38 Ijeviten die 220 Nethinim und rechnet heraus „also 
258 '« n^aS a^rrt^t:. 

Ist das wissenschaftlich ? Weiss Herr Dr. HoflFrnann 
nicht so gut wie ich, dass in der ganzen Bibel das Wort 



^) Wenn man, wie dies jede grammatische Exegese thnn wird, 
zu uS M^snS in Esra 8, 17 die Deputirten als Subject nimmt, so 
fehlt jeder Anhalt dafur, dass Esra Iddo selbst zur Mitreise bewegen 
wollte, und der Verf. behauptete dies nur, weil er ^schlich Iddo 
als Subject setzte (S. 17 Anm. 2). 

^^) Wozu denn hat Iddo ihm 220 Nethinim geschickt, wenn Esra 
dies nicht gewiinscht h&tte?! 

^^) Selbstverstandlich hat er nur die Abwesenheit der Leviten 
beklagt, weil bei deren Betheiligung die ihnen untergebenen 
Nethinim auch mitgezogen w&ren. 

^*) Vgl. Jesaja 5,20! 

lUsMin Heft lU, 1890, 16 



- 242 — 

irmrD in Yerbindung mit dem Gottesnamen oder mit dem 
Tempel von keinem anderen Stande als den Priestem und 
Leviten gebraucht wird? Kann er mir audi nur eine einzigc 
Stelle nennen, in welcher die Nethinim als •« n^aS D*nwD 
oder dem ahnlich bezeichnet sind?**) Nein, er vermag es 
nicht; er hat sich aber dieses Additionsexempels dennoeh 
bedient, urn eine ^respectable Anzahl^ zusammen zu 
rechnen**) nnd im Gegensatze zu meiner Behauptung von 
dem „ausserst diirftigen'* Auslialle der Sendung von einem 
„geradezu glanzenden Erfolge" sprechen zu konnen. Ein 
solches Verfahren, durch welches man die Thatsachen 
corrigirt, ist eines Mannes der Wissenschaft unwiirdig,^*) 



'') Man ygl. Josua 9,27; Esra 7,24 and 8, 18 nnd sage dann, 
ob nidit jeder Unbefangene zngestehen mnss, dass nnter omniro 
'M n«aS die Leviten mit den Ihnen nntergebenen Nethinim 
zusammen gemeint seinkSnnen! Wir fragen aber nochmals, wozn 
schickte denn Iddo die Nethinim nnd warnm erwahnt dies nocb 
Esra dazu mit besonderem Nachdrucke: niQira inp3 dSs, wenn es 
ihm auf die Nethinim gar nicht angekommen ware?! 

^*) Dessen hS.tte der Rec. gar nicht bednrft. Denn selbst nach 
dem Verf., der die Nethinim todtgeschwiegen, oder, sagen wir, mit 
in Rechnnng zu ziehen nicht fiir gut fand, ist dennoeh der Erfolg 
Esra's ein „geradezu glanzender" zu nennen. Der Verf. vergesse 
nur nicht seine eigenen Worte, dass die SS,nger und Thorwaiter 
ursprlinglich keine Leviten waren. Wir haben also immer nur die 
eigentlich liturgischen Leviten zu zahlen. Demnach sind beim 
ersten Zuge unter 87000 Israeliten 74 (Esra 2, 40) oder (nach 
Neh. 11, 18, die 128 Sanger abgezogen) 130 Leyiten. Wenn nun 
Esra mit einer Kolonie von ungef&hr 1600 Israeliten und Priestem 
88 Leviten brachte und der Verf. dies als einen „&usserst durftigen 
Erfolg*" darzustellen sich bemuht, wer hat da ein „Taschen8pieler- 
kunststUckchen'' zu machen versucht?! 

>') Die Bemerkungen 10—14 haben zur Genlige gezeigt, mit 
welchem Rechte der Verf. zu diesem personlichen Ausfall sich ver- 
steigt: Nichtsdestoweniger bringen wir diesen wortlich zum Ab- 
druck, well auch wir weiter in den Noten 18, 21 und 24 zu zeigen 
gencithigt sein werden, was eines Mannes der Wissenschaft, ja, eines 
jeden wahrheitsliebenden Mannes unwiirdig ist und zu welchen Un- 
geheuerlichkeiten sich ein Autor versteigen kann, dem es mehr urn 



— 243 — 

zu solcher Ungeheuerlichkeit kann ein emster Kritiker sich 
nur dann versteigen, wenn er mit vorgefasster Meinung, 
ja mit Gehassigkeit an die Beurtheilung eines Buches geht. 

Durch das, was der Herr Recensent (im zweiten Absatze 
auf Seite 81) iiber meine Karapf hypothese und den Hinweis 
auf Maleachi sagt, kann er doch wohl nur einen Eindruck 
auf solche Leser erwarten, die mein Buch nicht in der 
Hand gehabt haben, und selbst diese werden den gesperrt 
gedruckten Schlussworten, in denen so geschmackvoll der 
Devinationsgabe der Propheten Erwahnung geschieht, schon 
um deswillen keine Berechtigung zuerkennen, weil sie sich 
sagen, dass, wie manniglich bekannt, den Zeitgenossen, 
die mit den Personen und Verhaltnissen vertraut sind 
oftmals Andeutungen und Anspielungen*') geniigen, um die 
Absicht des Redners zu verstehen, dass ihnen daher kein 
unenthiilltes Geheimniss ist, was den Spateren leicht als 
solches erscheinen kann. 

Was die sachlichenAusstellungen des Herrn Recensenten 
betrifft, so gestatte ich mir, nur die wichtigsten derselben 
naher zu beleuchten. 

Aus dem Umstande, dass Esra 8, 17 — 20 von einem 
Zusammen- oder Nebeneinanderwohnen von Leviten und 
Nethinim gesprochen wird, lasst sich gegen die durch so 
viele gewichtige Momente gestiitzte sogenannte Graf schfe 
Hypothese nichts beweisen; daraus geht keineswegs hervor, 
dass „deren Vater zusammen in'sExil gewandert, und dass 
die D^lS ebenso die Unterpriester der Hauptstadt, wie die 
D^rna dort Tempelsklaven waren." Denn iiber die Art und 
Weise der Vertheilung der Exulanten in Babylonien und 
iiber die Verschiebungen, die im Laufe der Zeit von 



„8chmeichelhafte Anerkeimiingen yon heryorragenden Gelehrteu" als 
am die Wahrheit zu thun ist 

^") Der Prophet Maleachi begntigt sich (2, 1 ff) nicht mit An- 
dentungen nnd Anspielungen, wemi er die Priester znrechtweist. 
Mit einer solchen Exegese, die Beliebiges in den Text hineinlegt, 
anstatt ihn ansznlegen, kann man freilich aus AUem Alles machen* 



— 244 — 

Nebukadnezar bis Artaxerxes stattgefunden haben, sind wir 
nur auf Vermuthungen angewiesen. Sicherlich sind schon 
aus politisclien Griinden nicht sammtliche Jerusalemer an 
einem einzigen Orte angesiedelt worden, und es konnen 
sich sehr wohl'') jerusalemische Nethinim und ehemalige 
Bamothpriester, besonders die aus der Nahe Jerusalems, 
etwa aus Hebron und Bethel stammenden, zusammengefunden 
haben. Aus Ez. 44, 11 folgt meiner Ansicht nach nicht, 
(wie Seite 83 „der Beurtheilung** gefolgert wird) dass die 
Leviten als cnyw fungiren sollten, sondern der Prophet 
will ihnen nur den Ehrendienst in der Bewachung des 
Hauses zuweisen, das Amt der Oberaufsicht iibertragen, 
wie er sie ja wiederholt n*3n nioro ^loia^ nennt. Dass er 
aber mit dieser Forderung nicht durchgedrungen ist,^®) dass 



^^) Es kSnneii sich wohl! Warum nicht? Dass dies m($glich 
ist, wird ja Niemand hestreiten. Alleiu natUrlicher erklart sich die 
Erscheinimg durch die Annahme, dass die Leviten mit den Nethinim 
zusammen in's Exil gewandert sind. Unsem Lesern ist es ja iibrigens 
bekannt, dass Hoffinann's Zorfickweisung der Graf-Wellhansen'schen 
Hypothese sich nicht bios auf diesen einen Gegenbeweis stutzt, 
sondern auf eine 126 Seiten starke Abhandlung im „Magazin'* 1879 
nnd 1880. 

^^) Freilich wenn man den Sinn yon Ez. l4, 11 yerdreht, ist 
der Prophet mit seiner Forderung nicht durchgedrungen. Erkl&rt 
man aber, wie alle Erklarer bisher gethan haben und wie der ein- 
fache Wortlaut es will, so ist diese Forderung wohl erfiilit worden. 
Uebrigens werden ja, wie S. 136 Note bemerkt ist, in Ez. 40, 44 f 
auch die Sanger zu den Leviten gezahlt, was dem Verf. ebenfalls 
entgaugen ist. — Eine Bemerkung k5nnen wir aber hier nicht unter- 
drticken. Es ist Jedem klar, dass der Yerf. bei der Aufstellung 
seiner Hypothese an Ez. 44, 11 nicht gedacht hat. Ware dies der 
Fall gewesen, so hS.tte derselbe vielleicht seine Ansicht aufgegebeti 
Oder wenigstens, wie dies von ihm an andem Stellen geschieht, in 
einer Note die Schwierigkeit bei Seite zu schieben versucht. Dieses 
Versehen h&tte aber der Verf. gestehen mtissen. Ebenso batte er 
den Irrthum gestehen mtissen, der ihm (S. 79 der Eec.) nacbgewiesen 
wurde, er babe nicht gesehen, dass n*Tin« in Esra 3, 9 ein 
Levitenuame ist. Aber auf ein solcbes Gestandniss der Wahrheit 
Tird man vergebens warten. Der Verf. redet sich heraus, wo es 



— 245 — 

vielraehr die Mheren Thorwarter sich ihr Amt von den 
neuen Leviten nicht verkiirzen liessen, erheUt deutlich aus 
Esra und Nechemja. 

Die pp7\ noitt^ 2. Kon. 12, 10 Jerem. 35, 4 u. a., 
waren keine Leviten, wie der Herr Recensent (S. 84) an- 
nimmt, sondern vomehme Priester, die zum Priesteradel 
gehorten, wie aus 2. Kon. 25, 18 und der Parallelstelle 
Jer. 52, 24, woselbst die ^r\ '•"io«^ ntt^Sr neben dem pa 
rK^T und dem ^yftm pD genannt werden, unzweideutig 
hervorgeht. In ihnen bloss Unterpriester oder gar D*i)n«f 
zu erblicken, ist vollig verfehlt.*') 

Das Seite 85 aus Hcrzfeld (Geschichte I S. 400) an- 
gefuhrte Citat spricht nicht gegen, sondem weit eher 
tiir meine Hypothese*®) von der spateren Levitlsirung der 
Sanger und Thorwarter; nicht etwa, als wollte ich damit 
sagen, dass Herzfeld selbst sich zu dieser Ansicht bekannt 
hatte. Aber dem unbefangenen Leser wird es nicht ent- 
gehen, dass, wenn in der ersten Zeit des nachexilischen 
Staates den Sangem und Thorwartern der uralte Name 
^Leviten" nicht zuerkannt wurde, sie jedoch in der spateren 
Zeit diesen Namen allgemein fiihrten, und die von ihnen 
ausgeiibten Fuifktionen die eigentliche levitische Thatigkeit 
ausmachten, dass dann eine Umwandlung und Umgestaltung 
sich vollzogeu baben muss, die in der von mir behaupteten 
Levitisirung der Sanger und Thorwarter am einfachsten 
ihre natiirliche Erklarung findet. 

Doch das sind Streitfragen, iiber welche ich mir in 
meiner Schrift kein abschliessendes Urtheil erlaubt, 

geht, und wo er nichts zn erwiedem weiss, da ist er zu vomehm, 
am zu widerlegen! 

**) Daraber lUsst sich streiten. Dieser Pnnkt ist in der Wider- 
legung nur als nebensachlich angefUhrt. Fiir Hoffinann spricht die 
Chronik, der Name diSv, und auch Gratz, Gesch. 11,2 S. 394 steht 
auf dessen Seite. 

*°) Wenn Herzfeld die Erscheinung, auf die der Vert 'seine 
Hypothese stiitzt, durch eine andere Annahme erklUrt, so soil dies 
fUr die Hypothese des Yerf/s sprechen, das begreife, werdakanni 



— 246 — 

sondem nur meine wahrlich nicht leichtfertig geschopfte 

vielraehr durch mannigfache Indicienbeweise unterstiitzte 

Ansicht ausgesprochen habe. Fiir jede Belehnmg, fJir jede . ! 

von meiner Ansicht abweichende Erklarung, die eine wissen- 

schaftliche Unterlage hat, bin ich aufrichtig dankbar*®a). 

Gegeniiber einer ungerechten, nicht sachlich gehaltenen ^ 

Kritik habe ich geglaubt, im Interesse der freien Forschung 

nicht schweigen zu diirfen. 

Vogelstein. 



Nachschrift vom 7. September 1890. 

So weit hatte ich geschrieben und der Redaktion ein- 
gesandt, nachdem ich den ersten Theil der Recension von 
Hoffmann gelesen hatte. In dem zweiten Artikel belegt 
der Hen Recensent Ergebnisse streng wissenschaftlicher 
Untersuchungen — fiir welche, nebenbei bemerkt, dem 
Verfasser von hervorragenden judischen und christlichen 
Gelehrten (ich nenne nur Joseph Hal6vy, Kuenen, Merx) in 
Briefen, Zeitschritten und besonderen Abhandlungen 
die schmeichelhaftesten Anerkennungen ' und Begliick- 
wiinschungen zu theil geworden — mit Ausdriicken, wie 
»lacherlicher Blodsinn", )>krankhafte Hallu- 
cination**, »barerUnsinn**, »einfaltigeBemerkung***^) 



«oa) ^ir halten Sie beim Wort. Gestehen Sie offen: Eonnten 
Sie aus der Eecension im nMagazin*" Niehts lemen? Sind Sie nicht 
auf Stellen und Momenta anfmerksam gemacht worden, die Ihnen 
Mher entgangen waren? Wamm haben Sie kein "Wort der Aner- 
kennnng dafUr, wenn Sie auch irrthtimlich glanben, dass religi5se 
Bedenken den Recensenten jerhindert haben, Ihr Bach gerecht zu 
beartheilen?! 

'1) Die drei ersten Bezeichnungen (S. 188) beziehen sich auf 
die ungehenerliche Behauptnng des Yerf., dass nip 'C erst urn das 
Jahs 360 von den Priestem in die Thora eingeschoben sei! Der 
Becensent hat dies ad absnrdum gefiihrt, indem er nachwies, dass 
dann 15 verschiedene Partieen vom Pent, und Josna noch spater 
eingeschoben worden sein mtissten, bei denen alien wohl kein ver- 



^A 



— 247 — 

bezeichnet er die Erklanmg, dass eine Erzahlung der heil. 
Thora in spaterer Zeit verfasst sei, als eine »Lasterung"**)j 
nennnt er eine Abhandlung fiber den Lehrzweck der Chronik 
„eine lange und langweilige Schmahschrift" u.s.w.") 
Auf eine Erwiderung leiste ich Verzicht.^*) 



niinftiger Mensch einen Gnind der Einschiebnng angeben kbxmte. 
Die yierte Bezeichnimg (S. 141) („eiiif&ltige Bemerknng*') bezleht 
sich auf eine Note, in der eine schwierige Stelle, Uber die sich 
Wellhansen nur durch eine verzweifelte Corrector hinwegzuhelfen 
yermag, mit einer nichtssagenden Bemerkimg nnter dem Strich bei 
Seite geschoben wird. An diesen Stellen wird jeder Wahrheitsfreund 
die Starke Ansdmcksweise des Bee. gerecht finden. Ftir die Wahr- 
heitsliebe des Yerf. ist es nun charakteristisch, dass er diese Ans- 
drticke so anfohrt, als wUren sie ftir das ganze Bnch gebrancht 
worden, und, anstatt seine diesbezliglichen Behauptungen zu recht- 
fertigen, ^ch auf die „scbmeichelbaftesten Anerkennungen** beruft, 
die den ,,Ergebnissen seiner streng wissenscbaftlichenUntersuchungen" 
zu Theil geworden sind. Ob aber gerade die Behauptungen, auf 
welche sich jene Ausdrucke des Becensenten beziehen, von irgend 
welcher Seite Beifa]l gefunden, — das behauptet der Yerf. nicht; 
aber er mlJchte es dennoch den Leser glauben machen!!! 

'^) Dies ist geradezu eine Falschung! S. 138 der Bee. wird 
gesprochen von der ^Ltlsterung, die darin liegt. dass eine Erz&hlung 
der heiligen Thora zu einer in sp&terer Zeit eingeschmuggelten 
tendenti5sen Erdichtung herabgewlirdigt wird.** Nicht 
also auf die „sp&tere Zeit*", sondem auf die „einge8chmuggelte 
tendentidse Erdichtung'' wird Gewicht gelegt Es ware einerlei, 
wenn Sie auch behauptet h&tten, dass in alter Zeit Moses urn 
Parteizwecke wiUen eine erdichtete ErzlUilung in die Thora ge- 
setzt Das nennen auch unsere Weisen nta 'n nan und :\*uo mn 'n mn. 
Das ist eine Schm&hung und L&sterung des Gotteswortes ! 

») Wenn eine Abhandlung, die beispielsweise einem bibUschen 
Schriftsteller yorwirft, dass es ihm „Yergntigen zu machen scheint, 
mit uncontrolUrbaren Tausenden um sich zu werfen'\ dass er aus 
seiner Phantasie Thatsachen erdichtet, um sie als „Aus8chmUckung 
uud Beiwerk" zu gebrauchen, „damit man seine leyitische Tendenz 
nicht erkeune** (S. 105), dass er sich der ^Geschmacklosigkeit* 
schuldig gemacht u. s. w. (S. 106) wenn diese Abhandlung nicht 
den Namen »Schm&hschrift** yerdient, dann mag das Wort gestrichen 
werden. 

'*) Diese Erkl&rung ist sehr bequem! Wo der Yerf. nichts 



— 248 — 

Nut auf eine direkte Falschimg will ich noch hin- 
weisen, deren sich der Herr Kecensent S. 143 schuldig 
macht, indem er sagt: „Weim wieder Vogelstein auf das 
Opfer der CK**') in Num. 7 aufmerksam macht und glaubt, 
dass die Darbringung des rrtsp mit dem Verbote iSvn fc<S 
nnr mtp vSy in Widerspruch stehe, da die Erklarung von 
Menachot 50 a (nytr nr\)r\) nur »eine Verlegenheitserklarung^* 
sei, so ist es ein hochst sonderbares Verfahren, zuerst, um 
eine Schwierigkeit zu finden, die talmudische Erklarung 
zu T\t rr^tso als feststehend vorauszusetzen und dann die 
talmudische Losung zu verwerfen/* 

Wer sich die Miihe nehmen wiU, in meiner Schrift 
die Auseinandersetziing S. 58 und 59 durchzulesen, wird 
finden, dass es mir nicht in den Sinn gekommen ist, dieses 
phochst sonderbare Verfahren** zu beobachten. Ich habe 
vielmehr darauf hingewiesen, dass schon der Talmud den 
Widerspruch zwischen Exod. 30,9 und Num. 7, 14flf be- 
merkt, erstere Stelle richtig erklart, zur Losung des Wider- 
spruches aber bei letzterer Stelle sich einer „Verlegenheits- 
erklarung" bedient. Ich habe also 7on zwei verschiedenen 
Erklarungen die eine acceptirt, die andere verworfen.") 

Vogelstein. 

zu erwidem weiss, m()chte er den Leser glauben macheu, dass er 
freiwillig darauf verzichtet. Es ist ihm uachgewiesen worden, dass 
ihm Bibelstellen entgangen, dass er Nachrichten der talmndischen 
Litteratur nicht gekannt, dass er andere £erichte falsch und nn- 
kritisch behandelt, und mbchte dies widerlegt haben mit der £e- 
merknn^: Auf eine Erwidernng leiste ich Verzicht!! Nein! 
Wer auf eine Widerlegung Verzicht leisten will, moss gSnzlich 
schweigen. Wer aber eine solche fiemerkung macht, yersucht nur 
dem arglosen Leser Sand' in die Augen zu streuen, und dies ist 
eines wahrheitsUebenden Mannes unwurdig! Vgl. oben Note 15. 

*') Das ist es ja eben, was die Recension Ihnen zum Vorwurf 
macht. Sie scheinen den Passus nicht yerstanden zu haben oder 
nicht yerstehen zu woUen. Der Eec. bemerkt mit Recht, dass nach 
dem einfachen Schriftsinne ein Widerspruch zwischen Exod. 80,9 
und Num. 7 gar nicht existirt, denn nnt nnisp heisst, nach der 
Analogic yon nnt »« (Ley. 10, 1), das Rftucherwerk, das Gott nicht 



— 249 — 

geboten dmh nw nh irw. Das Opfer der Fiirsten war aber von Gott 
geboten (Num. 7, 11), also war ihr Raucherwerk kein nit nitap. 
Nur der Talmud, der nit niop anders erklart, findet einen Wider- 
spruch, den er durcb die Erklanmg yon nym niMiin 15st. Wem 
diese L5sung nicht recht ist, der mag zu n'lT n*itDp entweder die 
obige einfache Erklamng oder die ErklS,rung yon Ibn Esra und 
Bamban (vgl. das.) nehmen, und der Widerspruch ist gelbst. Von 
zwei talmudischen ErklHrungen aber, deren eine als eine Consequenz 
der andem erscheint, die eine gegen den einfachen Schriitsinn zur 
Geltung bringen, um einen Widerspruch zu finden, die andere aber, 
welche die Losung des Widerspruchs enthalt zu verwerfen, dies 
nennt die Rec. mit Recht „ein hochst sonderbares Verfahren*'. — - 
Wenn Sie nun dies Verfahren nicht sonderbar finden, so wollen wir 
mit Ihnen daruber nicht rechten. Wie Sie aber dazu kommen, den 
Rec. einer Falschung zu zeihen, ist uns unerfindlich ! Der Rec. hat 
Ihre Ansicht, wenn auch in Kiirze, ganz correct mitgetheilt, und 
eine litterarische FSJschung heisst, die Ansicht eines Andem falsch 
wiedergeben, ygl. oben Note 22. 



— 250 — 



Zu Pesikta ed. Buber f. 4 a.* 

Der leitende Gedanke in dem Stiicke der Ghannkapiska, das 
an den angeblichen Namen Gottes im hohen Liede, Salomo den 
Friedenstifter, sich anlebnt, ist die auch von mittelalterlichen Piiilo- 
sophen nnd Predigem so viel bemerkte wunderbare Ansgleichnng 
nnd Verschwisterung der Gegensatze in der Natur, die dnrch ihr 
haimonisches Zusammenwirken auf den hbheren einenden Willen hin- 
weisen. ^ach mehreren Beweisen for diese Thatsache aus der 
Welt der Spharen nnd der Engel wird anch das egyptische Wnnder 
vom fenrigen Hagel als Argument hierfiir herangezogen. Drei 
Ansichfcen werden iiber d«e Natnr dieses Wunders yorgetragen, die, 
ohne dass dies aasdriickJich bei den beiden ersteren bemerkt wiirde, 
in dem anffailenden Ausdrucke der heiligen Schrift 2. M. 9,24 
nnpSno ihren Urspmng nehmen. R. Juda erinnert das Wort nach 
der bekannt^n hermenentischen Hiilfsregel vom Stellenwechsel der 
Stammesbnchstaben an eine Yerbalform von nn^p; kessel- oder 
schalenfdrmig umgab die Hagelbtilse den Feuerkem. Die ohne 
diese Ideenassociation nnerklSrlicbe, einfach inderLnft schwebende 
und durcb ihre knappe Bestimmtheit nm so anft&iligere Beschreibnng 
des wnnderbaren Vorganges findet jetzt Wurzel nnd Anhalt im 
Wortlaute des Bibeltextes selbst R. Nechemia findet im einfachen 
Wortsinne des Stammes npS den bezeichnenden Aosdnick des 
eigentlicbenWnnders. Feuer und Ms, die ineinandergreifen, gewisser- 
massen chemiscb geeint sind, stellen das Wnnder im Wunder dar. 
Nach R. Juda b. Simon deutet aber vollends das Bibelwort selber 
auf den tiefen Gedanken yon dem im Willen Gottes sich einenden 
und aufhebenden Gegensatzpaare. nnpSno ist, metathetisch und des 
durch die ganze alte Litteratur belegten Wechsels yon n und n 
sich bedienend, einfach so yiel als nSnpno oder itSnpnD. In seinem 
Sinne mtlssen wir das Bibelwort wiedergeben: Hagel und Feuer 
„innig geseUt*". Die Eisgranate mit dem durchscheinenden Feuer- 
kem ist das Bild der ersten Auffassung, die Lampe, in der Uber 
Oel und Wasser die Flamme sich erhebt, das minder g^Uckliche der 



— 251 — 

zweiten, die feindlichen Legionen, die far ihren gemeinsameu Konig 
zusaminen zu Felde Ziehen, das der dritten, wie sie der Beihe nach 
in den Quellen fiir die drei Anslegnngen auftreten. 

Warum gerade die dritte Erklarnug diirch Abschreibefehler so 
vollig verdunkelt Tvarde? Es ware das erste Mai nicht, dass eben 
das Einfache ein Opfer der Missverstandnisse geworden ist. So 
einladend und wissenschaftlich richtig es auch ware, der schwereren 
Lesart einen Sinn abringen zn wollen, so spotten doch die miss- 
handelten Worte selbst in der vocalisirten Gestalt: xriDno HtVO 

(Beth Talmud Y, 52) aller ^esserongsversuche. Man miisste denn 
R. Jnda b. Simon den Gewaltakt znmnthen wollen, dass er nnpSriD 
in Stiicke gerisseu und neben der zerqualten Dentung yon no iind 
np = np auch noch in dem einsamen S den Hinweis auf nw}fy 
n^n^n^Sts^ entdeckt habe. Aber selbst dann bewiese die Form Mnpno, 
dass nicht ein Bestandtheil des Wortes, sondem das Ganze gedeutet 
werden sollte, abgesehen davon, dass eine ErklcLrung wie etwa : 
Feuer, das kommt und sich abstumpft oder wirkungslos wird, nicht 
emstlich aufgestellt werden kann. hm^o oder nn^o wird aber eben 
einfach zn streichen sein, wie es in der Pesiktahandschrift Carmoly^s 
und im Texte des Jalkut § 176 fehlt Es dankt seine Entstehung 
einer Dittographie und willkiirlichen Erweiterung der ersten zwei 
Buchstaben des Wortes M^npno, das selbst nach dieser ungluckseligen 
Yermehrung durch Theilung im Barmidbar r. yollkommen und 
Cant r. z. St. in der Form KnSpnoi sich erhalten hat Nur bei 
dieser Annahme begreift sich das Treffende in dem Gleichnlss von 
den zwei sich yers5hnendeu und vereinigenden feindlichen Legionen, 
das R. Acha, oder wer immer der Urheber desselben sein mag, zur 
Beleuchtung der dritten Erklarung aufgestellt hat. 

Die Deutung des Bamidbar r. betrachte ich als eine yierte, 
yon den gegebenen y511ig unabhiingige, die nnpSnc in die zwei 
Bestandtheile nnpS no aufl^st und das Feuer yon der h. Schrift 
dadurch charakterisirt sein lasst, dass es das yom Hagel Hin- 
gemordete, Todte noch yoUig dahinrafft und yerzehrt. 

Budapest, 21. April 1890, 

Dayid Kaufmann. 



— 252 — 



Recenstonen. 

Agada der Tannaiteii. Zweiter Band: YonAkiba's 
Tod bis zum Abschluss der Mischna. (133 bis 220 nach der 
gew. Zeitrechnung). Von Prof. Dr. Wilhelm Bacher. Strassburg 

i. E. 1890. Vin und 578 S. 8 « 

4. 

Ueber das Ziel, das der Verfasser bei der Darstellung der 
Agada der einzelnen Agadisten — so welt sie in den Quellen als 
Urheber genannt sind — sowohl der Tannaiten als der Amoraer, 
vor Angen hatte, spricht er sich selbst ^'n seiner Einleitung zn der 
vor 12 Jahren erschienenen Agada der babylonischen Amoraer und 
nachher in der Yorbemerknng znm ersten Bande der Agada der 
Tannaiten mit der gr5ssten Elarheit ans. Der Verf. hat sich die 
wichtige nnd dankbare Aufgabe gestellt: „aus einer Litterator, 
welche vonAnfang an und ihrer inneren Natur nach aus Fragmenten 
znsammengesetzt ist, diejenigen Theile herauszuheben, welche ansser 
dem sachlichen Interesse, anch das pers($nliche an ihrem Urheber 
bieten und welche in unvollstandigem zwar, aber bei der Beschaffenheit 
der Quellen auch so willkonunenem Masse einen Einblick gewahren 
in das geistige Schaffen der Manner, an deren Namen ein grosser 
und wichtiger Zeitraum der jtidischen Geschichte gekniipft ist." 
Als einen Theil dieser Aufgabe betrachtet der Verf. : „die agadische 
Thatigkeit der Tannaiten und Amoraer aus den unter ihrem Namen 
erhaltenen Aussprtichen zu ergriinden und im Zusammenhange zu 
erkennen". (Die Agada der Amoraer S. XII). 

Der Verf. giebt nur eine Darstellung desjenigen Theiles der 
Agada, dessen Autoren uns iiberliefert sind; er will also vorzuglich 
eine litteraturgeschichtliche Aufgabe losen. Die Schwierigkeiten 
und das Mtihselige einer solchen Aufgabe liegen auf der Hand und 
brauchen wohl nicht erst auseinandergesetzt zu warden. Die ilber 
eine grosse Litteratur zerstreuten einzelnen Ausspruche mussten 
erst gesammelt werden, was bei dem verwahrlosten Zustande der 
meisten Texte dem Bearbeiter fast untiberwindliche Hindemisse in 
den Weg legt und die zu iiberwinden nur dem •selbstaufopfemden 
Fleisse und der innigen Vertrautheit des Verf. mit dem zu be- 
arbeitenden Stoffe gelungen ist. Auch hat sich der Verf. die Miihe 
nicht verdriessen lassen, sein Augenmerk den Varianten desselben 
Ausspruches in den verschiedenen Quellen zuzuwenden, wenngleich 
kein nennenswerthes Resultat diese MUhe gelohnt hat. 



_ 253 — 

Ergebnissreich war die Bemiihang des Verf/s das gesammelte 
Material zn sichten nnd zu ordnen. Wer sich einmal mit einer 
Bolchen Arbeit versucht hat, wird dem Verf. seine Bewunderung 
nicht versagen. Mit sicherem Blick dnrchdringt er die oft sehr 
zahlreichen Fragmente, nm aus ihnen nach MSglichkeit ein ab- 
gerundetes, anschauliches Ganzes zn bilden. Mit sicherer Hand 
reiht er wie ein Mosaikarbeiter Stein an Stein, damit aiif einmal 
ein Ueberblick uber das Ganze m5glich sei. Allerdings wird manche 
Lucke sichtbar, mancbes will sich auch nicht recht fiigen, aber 
solche Uebel sind eine nnvermeidliche Folge des zu verarbeitenden 
Stoffes und durfen der Darstellnng des Yerf/s nicht aufgebiirdet 
werdeu. Die ganze Tradition ist als Fragment zur Welt gekommen, 
es ist also natiirlich, dass auch die dieser Tradition gewidmeten 
Darstellnngen ein fragmentarisches Aussehen haben. Soweit es der 
Stoff gestattete, hat der Verf., der reich an Gesichtspunkten ist, 
eine Gruppirung versucht. Wie ein Roman liest sich das Buch 
freilich nicht, denn die Agada enthalt wohl auch poetische Stiicke, 
ist aber mit Poesie nicht identisch, wie sich sie manche in ihrer 
Phantasie ausmalen. Wer mit wissenschaftlichem Emste an das 
Werk herangeht, wird es sogar gut lesbar finden. 

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen woUen wir auf den 
vorliegenden Bandnaher eingehen. In 19 Kapiteln wird die Agada 
aller nach Akiba's Tod bluhenden Tannaiten behandelt, deren Zahl 
sich auf 75 belauft. Je ein Kapitel ist gewidmet R. Meier, R. 
Simon b. Jochai, R. Josel). Chalaftha, R Jehuda b. Ilai, R. Eleasar 
b. Schammua, R. Eleasar b. Jakob, R. Elieser dem Sohne Jose's 
des GalilEers, R Josua b. Korcha, R. Simon b. Gamliel IL, R. 
Simon b. Eleasar, R Nathan, R. Jehuda I. dem Patriarahen, das 
fUnfte Kapitel handelt fiber R Jehuda und R. Nechemja, das zwolfte 
tiber R Josia und R. Jonathan, dem ein Kapitel mit der Ueber- 
schrift: „ans der Schule Ismaels*" vorangeht. K. 13 behandelt 
19 Tannaiten aus der nachhadrianischen Epoche: K. 14 die Sohne 
der Schiller R. Akiba's; K. 18 die Zeitgenossen R. Jehuda's I. und 
das letzte K. 24 Tannaiten aus verschiedener und zum Theil un- 
bekannter Zeit 

Leben und Lehre der Tannaiten haben schon mehrfach zum 
Yorwurf eingehender Darstellnngen gedient, trotzdem ist es Prof. 
Bacher gelungen iiber mehrere neues Licht zu verbreiten, besonders 
iiber R. Meir und R. Simon b. Jochai. Manches Dunkel wird auf- 
geheUt Oder wenigstens dem Verst&ndniss n&her gebracht. Eine 
Ftille von selbstandigen Bemerkungen ziert das Buch. Eine ganze 
Heihe yon Stellen ist erst hier beMedigend erkl&rt und wie immer 



— 254 — 

in musterhafter Etirze und Klarheit wiedergegeben. Es finden sich 
anch yiele treffliche Worterklamngen. 

Im Al^gemeinen ist das Buch mit der bekaDnten Griindlichkeit 
des Yerf/s gearbeitet. Dass sich deonoch manche Verseheu ein- 
geschlichen haben, wird man bei der ersten Verarbeitung Reiner 
Unzahl yon zerstreuten SteUen begreiflich finden und leicht ent- 
schuldigen. Als Zeichen des Jnteresses, mit dem wir das Bnch 
gelesen haben, mogen hier eirige Berichtigungen und eiuige ab- 
weichende Erkl&ningen einze^ner SteUen in moglichst«r Ktirze auf- 
gefahrt werden. Zu Seite 3 Anmerknng 4. Das Wort in^DMi 
bedentet nach Streichung des letzten Bnchstaben: und Dn bist 
stark geworden (in der Lehre). Vgl. Josua 1, 6.7. Gen. r. c. 6. C. 

S. 4 A. 3. „Der Menscb ist verpflichtet, drei Gelehrten als 
Jnnger zu dienen nach Prov. 8, 34 »nnSn nSn hSh 'MinSn npn Sh." 
Der Verf. meint, R Meir deducire die dreimalige Jiingerschaft aus 
der l&ngsten Wortform »nSn, ♦J?Sn; ♦ninSn. Dannbleibt aber npn Sk 
unverstandlich. Die Stelle erklart sich leicht und be&iedigend nach 
Sifr^ n, 311 : Die Generation des Messias enthalt drei Generationen 
nach Ps. 72, 6 D»in yn = H-2. Noch ein Beispiel Sifre II, 813 
(113 a Z. 8). 

S. 28, A. 5 M*DM, wo R. Meir starb, kann nicht Kleinasien sein, 
ist nberhaupt kein Land, sondem eine Stadt, allerdings unbekannt, 
Sifr§ I, 131; Neubauer, G^ographie du Talmud S. 310. 

S. 35 A. 3. Der Kern des Gesprachs ist Sifr6 I, 115 im 
letzten Absatz enthalten, was die Historicitat des jiingem Midrasch- 
werkes erh5ht. 

S. 47 A. 3. Hatte auf Sifr6 I, 131 (47 b) verwieseu werden 
k5nnen. 

S, 49 A. 4 fehlt die Angabe der Stelle, die sich Megilla 7 a 
befindet. 

S. 60 A. 6. Wenn Meirs Paraphrase als Fragesatz gefasst 
wird, miisste es statt nviy heissen nvyn. 

S. 85 A. 7. Vgl. Mech. zu 18, 21 (69b unten); Sifr6 II, 15. 

S. 91. In der angefiihrten Stelle des Sifr6 ist ^iH in «2«m zu 
emendiren vnd zu iibersetzen: Heute will ich nicht lemen, morgen 
will ich lemen (vgl. Aboth II, 7). 

S. 94 A. 5. Nach K. Simon b. Jochai bildet Israel das Paar 
des Sabbaths, was in Exod. 20, 8 angedeutet ist: Erinnere Dich 
des Sabbathtages, um ihn zu ehelichen. Der Beweis beruht auf 
dem Worte viph in der neuhebraischen Bedeutnng des Wortes ge- 
nommon, wie schon Einhom in seinem Kommentare z. St. bemerkt. 

S. 128 iibersetzt der Verf. die Worte der Mischna (Ende 
Makkoth): m»D nanp naw iS ]»ama nnoj? -laj? vhi aenst So. „Wer 



~ 255 — 

aber die Gebote nicht ansnH i^^er aack die Verbote nicht ubertriti 
dem wird der Lohn dessen zn Tbeil, der das g5tttiche GMMt aus- 
ftbt." Einen 'solchen, die Verbindlichkeit der Gebote aufhebenden 
Ansspruch hat nie ein Lefarer dea Talmud gethan, geschweige denn 
der gesetzesstrenge R Simon b. J. Die Misehna will sagen, dass 
das Nichtubertreten eines Verbotes ebenso belohnt wird, wie das 
Ansiiben eines Gebotes. Es muss also tibersetzt werden: Wer 
ein Gebot nicht tibertritt, erhalt einen solchen Lohn, als hatte er 
ein Gebot ausgeiibt." (n»ij?D = nanjr i^«3. Vgl. auch Maimuni^s 
MischnakommentPT z. St.) 

Zn S. 129 A, 2 ist zn bemerken, dass sich auch im SifrS 11, 193 
die "Worte finden, 'So "ij^o ]n3 nsn D»;n3W San, was dem Verf. ent- 
gangen ist In der nnmittelbar darauffolgenden Stelle ist ausdrucldich 
angegeben, dass die ganze Auffordemng zum erlaubten Wegbleiben 
vom Kriege (Dent. 20, 1—8) von einem Priester gesprochen ¥nirde. 
Die Worte \ns n^n in Tos. Sota 7,2 sind also ganz genan. Ant 
die sonst etwas dnnkle SifrSstelle soil bier nicht naher eingegangen 
werden. 

S. 164 Z. 10 ist, um einem Missverstandiiss vorzubeugen, zu tiber- 
setzen : InPalastina ist es erlaubt, an NichtjudenHHuser und Felder zu 
verpachten, im Anslande die einen wie die andem anch zu yerkaufen. 

8. 188 Z. 9. Die angezogene Stelle des SifrS ist vom Verf. 
missverstanden worden nnd muss richtig iibersetzt werden: Wenn 
das Strafgericht iiber Israel nur allm&hlich heranruckt, obgleich 
es bei ihm heisst, Dent. 82, 85 „nahe die Zeit ihres Unglticks,** 
wie lange wird erst das Strafgericht fiber die Feinde Israels 
sSnmen, von denen es heisst Jes. 24, 22 „nach vielen Tagen werden 
sie heimgesucht werden." Die Stelle im Dent wird auch von 
Onkelos nnd von der traditionellen Erklarung im AHgemeinen auf 
Israel bezogen, worin eigentlich vom Sifr§ das trSstende Moment 
geftmden wird. 

S. 199 Z. 5 statt nAndacht" besser: Absicht 

S. 282. Zn Anm. 1 fiige hinzu Tosefta Sota VI, 8. Die 
Uebersetznng ist nicht deutlich genug nnd scheint eher Akibas als 
Nechemja*s Ansicht wiederzngeben. Es muss genau iibersetzt werden: 
Das Lied wnrde von Israel so gesungen, dass es Moses, wie ein 
Yorbeter das Schema, nur anstimmte, worauf das Yolk durch Ein- 
gebung des heiligen Geistes dasUebrige von sich selbstweiter sang. 

S. 240 A. 1. Yor den Worten nnanS H«3n steht a»no = der 
eine Tanna erhob seinen CoUegen gegeniiber die Einwendung. Die 
aramaischen Worte sind vom j. Talmud in die Baraitha eingeschoben. 

S. 285 Z. 10 V. u. muss es heissen: Selbst diejenigen Lehr- 
stiicke, welche als Zus&tze zur Thora erscheinen kdnnten z. B. die 



— 256 — 

nHheren Bestiinmungen iiber Schaufaden u. s. w. An „uberflussig*' 
erscheinende Gebote kann der Tanna schon deshalb nicht gedacht 
habeii,.weil es auf eine solche kritische Frage gar keine Antwort gibt. 

S, 302 folgt der Verf. Priedmann in der Erklarung der Sifre- 
stelle (11, 53); itynS 'o kann aber nicht bedeuten uih ^^ irnS* d« 
no im. was noch obendrein wieder erklftrt werden muss. Eine 
Erlauterung der Stelle soil an einem andem Orte versucht werden. 

S. 310. Z. 8 ist „ nicht" zu streichen. Der Grund, wanim 
R. Josua b. Korcha dem Patriarchen R. Jehuda I. nicht sein eigenes 
hohes Alter wunscht, ist anch angegeben, damit seine Wiirde auf 
seine S5hne ubergehen konne. 

S. 424 A. 1. Die Lesart des Talmud in;i ist wahrscheinlich 
dasselbe, was my (y = :j). 

S. 478 A. 6. Die Bemerknng des Sifre zu Lev. 26, 20. (lll.d) 
Dian nr now on .dshd pnS nni ware vielleicht so zu erklaren. R. 
Jehuda I meint, dass hd den Weinberg bedeute, wie Sn* die Feld- 
Mchte und y^f no die Baumfruchte, so dass in der Bibelstelle das 
Dahinschwinden der drei Hauptprodukte des Landes angegeben 
ware. Nach einer andem Meinung (Sifr& z. St,) ware das dritte 
Hauptprodukt der Flachs und oana bedeute eben den Flachs. Wein 
und Flachs waren thatsachlich eine wichtige Erwerbsquelle fiir 
Palastina, wie aus j. Maaser scheni g. E. (56 d oben) hervorgeht. 
Es musste demnach ubersetzt werden, dahinschwinden werden Deine 
Weinberge. Nach des Verf. Auffassung, dass von der auf den 
Weinberg verwendeten Muhe die Rede sei, wiirde R. Jeh. I mit 
der dritten Ansicht iibereinstimmen. (Vgl. Baba mezia 107 a unt.) 

S. 514 A. l! Die Controverse iiber Deut. 5, 25 wk h2 o^a^n 
nan glaube ich anders als der Verf. erklaren zu milssen. Beiden 
Tannaiten ist die Ausdrucksweise, die sich nur noch in der Wieder- 
holung unserer Stelle (deut. 18, 17) findet, auffallend. Es soUte 
stehen nan(^) ia»»'n. Auch mogen Beide von der Voraussetzung 
ausgehen, dass in den Worten Gottes kein miissiges Lob ausgedriickt 
sein diirfe, o»ta»n muss also die wohlgefallige Annahme Gottes be- 
deuten. Die Frage ist Aur, wie ia»B»n zu dieser Bedeutung komme, 
daher nntop 'ona 'h 'n\ nn:n raona idk nn (Lev. r. c. 32) d. h. 
was sie sprachen, war wohlgefallig wie die Zurichtung der Lampen 
(nach Ex. 30, 7), oder nach der andem Meinung: wohlriechend wie 
Weihrauch. Ihre Worte waren vor Gott wohlriechend d. i. wohl- 
gefallig (nino nnS). Zum Ausdrack vgl. Jes. 39, 2. Hohel. 1, 2 wie 
im Arabischen gewohnlich. Zur Sache Sifr^I, 11a (39 b Z. 16 
V. u.); Pesikta 60 a; Midrasch Mischle zu 13, 25. 

S. 530 A. 3. In Gen. r. c 73 g. E. (zu 30, 34) und ib. c. 74 
zweimal, lesen wir die folgende Stelle; "pnans »n» ^S p p^ nonn 



— 257 — 

'' in inn n>n np;»i oy nana pS n^nr ism -im Sa nni K«n "i na» 
I'j ]n iDWB' yiBoS c»oys. Der Verf. bemerkt mit Recht, dass die 
Versuche, die Deduktion begreiflich zu machen, nicht befriedigen. 
Und doch ist sie sehr einfach. R. Cli. meint, Labans betriigerisches 
Vorgehen bestand nicht in der mehrfachen A,enderung des Lohnes, 
was ihm schliesslich frei stand, sondern darin, dass er jede Verein- 
baning nachtraglich anderte und nicht nur fiir die Zukunft, sondern 
auch ftir die Vergangenheit als nngiiltig erklarte und an ihre Stelle 
die eben getroffenene Vereinbarung setzte, wodurch Jakob natUrlich 
benachtheiligt wurde. Die neue Abmachung musste auch fur die 
verflossene Zeit Geltung haben (yieaS wie 7\:lu «in 5;"iboS u. sonst). 
Als Jacob seine Bedingungen stellte (V. 22, 23), sagte Laban nicht 
einfach: Ja, sondern fiigte noch hinzu: wenn es nur geschehen ware 
nach deinen Worten d. h. die von dir jetzt gestellte Bedingung 
moge auch fiir die Vergangenheit Geltung haben, (♦n^ iS = n^n iS 
wie Sifrfi. H zu 32, 29 ; 323 Anf.) R. Ch. findet die Berechtigung 
seiner Erklarung darin, dass sonst die Worte '«i iS tiberflussig waren. 

Zu S. 540 sei nur kurz bemerkt, dass die Erlauterung, die der 
Verf. zu der Stelle aus Pes. 167 a gibt, nicht das Richtige trifft. 
R. Benaja will nur sagen, dass dem Studium der Mischnajoth vor 
dem Talmud (= dialektische Durchdringung) und vor der Agada 
der Vorzug gebuhre, denn mit der Kenntniss der Mischnajoth aus- 
geriistet, kann man in den Talmud und in die Agada leicht ein- 
dringen oder eingefiihrt werden und den Kampf der Thora auf- 
nehmen. Die Deutung der Schriftworte ist ganz klar. 

Es liesse sich noch uber Vieles streiten, was aber in dem engen 
Rahmen einer Anzeige nicht gut geschehen kann und den Gesammt- 
werth des Buches iibrigens gar nicht beeintrachtigt. Es mogen nur 
noch von den mir aufgestossenen Druckfehlem einige angemerkt 
werden. S. 10 A. 2. lies Gen. 46,23; S. 49 Z. 8 1. Esther 2 22- 
S. 94 Z. 2 V. u. 1. Exod. 20,8; S. 27 A. 5. 1. Num. 15, 39- s! 
123 Z.9.1. Deut. 17, 16; S. 467 Z. 6 1. ISam.; S. 28 A. 5. 1. 32c 
unt; S. 156 A. 3 „Leser" 1. Lehrer; S. 298 A. 3 „synagogische 
Poesie'* 1. synaogale; S. 495 Z. 3 „Beweislade" 1. Bundeslade- S 
542 A. 3 „Sifrg z. St.** 1. Sifra zu Deut 1,2. 

Mit grosser Freude ersehen wir aus S. 487, dass der Verf. 
seinem sich vorgesteckten Ziele treu bleibend. nunmehr an die Be- 
arbeitung der Agada der palastinensischen Amoraer, des an Um- 
fang grSssten und auch sonst schwierigsten Theiles seiner Aufgabe 
herantreten wird. Es sei uns also gestattet, den Wunsch auszu- 
sprechen, dass die Darstellung nicht so ausserst knapp ausfallen 
moge, wie in letzten Drittel des vorliegenden Bandes. Auch ware 
es wiinschenswerth. bei den Citaten aus dem Midrasch rabba nach 



— 258 — 

der Wilnaer Ausgabe auch den kleineren Abschnitt innerhalb der 
oft sehr langen Kapitel anzugeben. Durcli das gross angelegte 
Werk hat Prof. Bacher eine zuverlassige neue Grundlage zur 
weiteren Erforschnng der Agada geschaffen, wofiir ihm alle Freunde 
der Agada und ihrer Litteratnr Dank wissen werdeu. Aber nicht 
nur das Stadium der Agada, sondem auch das Studiiun der 
Geschichte der altjUdischen Exegese und der Geschichte der religiosen 
Anschauungen innerhalb des Judenthums wird durch das mit 
bewunderungswiirdiger Objektivitat gearbeitete Werk eine nicht 
unwesentliche FQrdemng erfahren. 

Budapest, 7. Mai 1890. Ludwig Blau. 



Zur Textkritik von Midrasch Schemuel 

(Bomberger Ausgabe). 

Zum richtigen Yerstandniss eines Schriftwerkes ist yor AUem 
ein richtiger, fehlerfireier Text erforderlich. Den richtigen Text zu 
finden, muss man theils auf den Zusammenhang sehen, theils aus 
Parallelstellen denselben herzustellen suchen. Im Folgenden sind 
die Textberichtigungen im Midrasch Schemuel ed. Bomberg nach 
diesen Ritcksichteu versucht worden. Ich ubergebe sie der Priifang 
SachverstSndiger. 

Im ersten Abschnitt ist die auch in Jer. Berach. Ende yor- 
kommende Stelle pao Hn^nin («»ai3i) «wai3i ]»r»a (H^aiD) K^aia Sa 
l^atD Kn^niMi M«tdi9«fii inr^a M^tDto^D h^ oder wie es im Jer. heisst Ss 
pts^^n Hn^niKn it^^^nsi ]oi9 M^t^n^ durch Aruch als unrichtig bewiesen, 
welcher s. y. tofi die Stelle in Jer. Ber. citirt Mtns^nni pato H^w^n hs 

Daselbst heisst es yon Samuels S5hnen Waschni und Ab\ja 
p"nnS 13T Q"»S unsvs, es muss heissen i3i unvav^ ^als sie sich 
anderteu und Tugenden ausubten u. s. w.*" 

Daselbst ist fiir noKoeuuvK zu lesen: ^bmqd^^uvk, = cd^^cvs^raroc, 
Nobilissimi, zur kSniglichen, kaiserlichen Familie geh($rig. 

In Abschn. 2 im Satze nss nmo oMt^sn mtc v^ts^ hy heisst es 
D^iaa nnoH »3h i»«; es fehlt das Wort nn^m yor dSws, ygl. Pes. r. 
43 f. 180 a (ed. Friedmann). 

Abschn. 5: nS^^ »h» nnin hv rui*u yn] es muss heissen \*h 
'\2 n*iin hv ru*i, wie aus der Beweisstelle zu ersdien nS^^a un ^oip 
ebenso ist im Midr. Schir s. y. vntsnp das Wort nd*u nach Waj. r. 
19 in run zu berichtigen. 

In demselben Abschn. heisst es -pnS m^dybo )ni3 Kim nn\s ns ra 
naion om Sai nhn p u»» n"apni ^^SD0. Hier idnd zwei Schwierig- 



— 259 — 

keiten, die eine ist wie m^dido zvl erklaren, die andere wie bo der 
citirte Psalmspruch das Gleidmiss bestatigen kann. Da m^diod keinen 
richtigen Sinn gibt, so muss mqioob gelesen werden, welches dem 
griechiscben ^^wr^ (y^) entspricbt, nnd es bedeutet: Kies. „Der 
Maler mischt Kies in seine Snbstanzen; bei Gott ist es nicht so, 
yiehnebr „l&aterst Du mein Gehen und Liegen nnd bist mit alien 
meinen Wegen vertraut**. Es ist iiamlich der Anfang des Verses, 
anf welchem die Vergleichnng aufgebaut ist, ausgefallen. Der Ag- 
gadist hat die Dentnng dieses Psalmverses im Ange, wie R. Cha- 
nina b. Papa in Nidda 31a gibt: noSo naaon oin Sai nnr ^2^\ »ni» 
naB> ^^^^n p «S« nc^on Sa ]0 dim ixu nSr. 

Zn dem dj;")' d»db>s vSj; ist in dem Satze ]wna ]o p«OD pnnm 
im ersten Wert ein d ausgefallen is p^OD pn^n^Di deren Hoffnung 
auf ihren SchSpfer gewichen*". Siehe Jalknt z. St 

Im 7. Abschn. ist in dem Satze ]no in» uy inn ]T.fino dm ist 
das zweite Wort zn berichtigen in DnDno, so dass es heisst dm 
]nD inM Dnsno, und ebenso in der folgenden Zeile; ygl. Aruch 
s. y. one I. 

Daselbst ist in n»"m n»»3"iD«S pea pnv 'i j^oafi \vd das Wort 
HK^^nfiK zu berichtigen in «edCM ^Als R. Jochanan gehort, ging er 
ihm entgegen*** 

Im 9. Abschn. ist der Satz yon Ssa nnM MoSn nSyn dmv zu 
berichtigen in T*inMD nnMa koSd nSyn dmb^ „wenn eine Krankheit 
eines deiner Glieder ergreift*". M^s^ts, das gr. fiakaxUi kSmmt oft im 
Midrasch vor. 

Im Abschn. 10 ist pp^c^D |n2);n«iii das Wort Mnoiis ausgefallen; 
8. Jalknt 

In Abschn. 12 muss es anstatt *fi6unn ^counn r\^^ my\ «Dn 
ponRi n>ai3 nSSinon am »ona npwinon -pmn aina heissen <3i >3n 
jiDTHi i»aT3 nSSwen am 'opna npannon "pin ana 'wunn »fiDunn nov 

In Abschn. 17 ist pi^oo (S^pn nx 'j^mtf nsi) zu berichtigen in 
pn^D^M, ygl. Bam. r. § 11 f. 211a. 

In Abschn. 19 ist onnn (hdS» ♦Dip laj^o ]inM) in D»inm «dS« 
zu berichtigen (s. Jalkut z. St.); es sind solche G5tzenbilder, welche 
Herodes in yerschiedenen Stadten, wie C&sarea, Sebaste u. a., ygl. 
Joseph, jtld. £jr. 1,21, 2. 8. 7. u. s. w. 

In Abschn. 20 ist (onM *2a hmd hv) d«u (na nyra) zu berich- 
tigen (roDV) nvu (na n);ru). 

In Abschn. 22 ist ^Sna ^ D«*iip)3 nach Luzzato (Iggaroth 
V, 712) in >p^*ia ^oips (Tlderfelle, wie sie die Satiriker anzogenj 
v&xoc fittpokdYwv zu berichtigen. 

In Abschn. 26 ist in dem Satze ^S^ava uh Sikv Sv idid am 
Ende das Wort xm ausgefallen, ygl. Jalkut Ps. 61. 



— 260 — 

In demselben Satze ist der Satz: nS»o nn n»niy ]r\i h\ff ^ono 
cnan wn itbd d» j^tS innnS ni^Diip zu berichtigen in nms ^ir imo 
cn2T Hin 1TD0 DM innxS m'DTip n*:ttfo nn r.'nr (rette mich) von der 
Blutgchnld an Urias, welchem David Spaher nachgesandt (Curiotos) 
ob er die Sachen (David's Siinde) verbreite. 

In Absehn. 28 ist no^n»D nann n«tDn iSir oifenbar verdorben 
aus «o^»D wnn Ktan hS»b>; daselbst nair i»v.(^«i»* n« tsse^ wm) in 
TMjff ona^j; zu bericbtigen. 

Daselbst am Anfang ist »nn»Dp pn»3»); nach Ber. r. 71 zu be- 
ricbtigen in »rm»BT pn»3»j?, vgl. Sebcb. f. 102 a, wo es heisst nj;^^ 
.^3»j? pnxD 3?iJ» «S 'aw fiinnn hs c)id ij? lyiTSi iS D^poiD cn«S p^hjj D»pD^e» 

Das Wort nns's, das im letzten Abschnitt Sfters vorkommt 
ist, wie von Anderen scbon bemerkt, in nn s^:? zu berichtigen. 

Ftirst. 



Seltene BOcher. 

Ware beschreibung der Juden guten Tugent vnd wolthaten 
gegen den Christen etc. o. 1. c. a. (Titelkupfer „der gelb Geckl) 
1581 (zuletzt). Sign. A— D zu 4 Bl. . . — Anfang : „Dem Edlen. . . 
faule GrSnmiiller zu Sti ebska, Obristen, Landsprobierer im Konigreich 
Behmen meinem gunstigen Herm etc." — Eine Stelle. die Verfolgung 
in „Leitemischl" betreffend, habe ich Dr. Griinwald mitgeteilt. 
JUdin, die zum Christenthume neubekehrte, oder veriiebte u. ab- 
gefallene Josebeth. Mit Kpf. u. Gedichte. Dresden 1680. 12". 

Hayn, 138. 

Oder Veriiebte und Abgefallene Josebeth, In einer Wunder- 

wiirdigen schbnen Liebesgeschichte Mit vielen Vor diesem unbekannten 

doch nacbdenklichen Judischen Cerenomien der Curiosen Welt zu 

geziemender Ergotzung u. nothwendiger Wissenschafft an den Tag 

gestellet. Getruckt Anno 1712. 0. 0. 12®. 

(Hayn, Nachtr, 396). 

Breitenbauch, Ger. Aug. v. Jiidische Schafergedichte. Altenburg 
1765. (Hayn, 277). 

Floridorus, Cupido als ein Rabbine, od. wahrhafftige Begebenheifen 

Zweier bekehrten christlichen Judinnen. . . Halle, 1723. (Bar) 

(Hayn, 77. Erotica ed. II.) 



Zar deschiehte der Exeirese 

iiber den Vers: Gen. 49, 10 131 oar -nO" «S. 

Von Eabb. Dr. B. ZiWMis in 8t. PSItw. 

(Portset?img). 



III. Die theologisch-polemische Deutung. 

1. Die kirchliche Literatur bis zur Reformation. 

Dass unsere Stelle im N. T. *) nicht als Schriftbeweis 
angefiihrt wird, haben einzelne kirchliche Schriftsteller, wie 
Huetius und Orusius*) (Baur 272, B. 118) offen und ehrlich 
zugestanden *). Damit ware eigentlich a priori jeder christ- 



^) Die bereits oben erwahnte Beziehung zu Ez. 21, 82 wurde 
als mess. Argument kanm emstlich behauptet. — Eine allgemeine 
Widerlegung jeder christologischen Auffassung unseres Verses findet 
sich in der Antwort, die ein R. Me'ir b. Jecheskel (Plet Sof. 
hebr. Text 29) einem Apostaten gab : Wenn du zugiebst, dass der 
Erzvater Jakob ein Prophet war und seinem Sohn Juda einen 
Segen erteilen wollte, dann liegt darin nacb deiner Art der Aus- 
legung ein Widerspmch. Denn Jakob musste docb vorausseben, 
dass Juda*s Nachkommen den neuen Glauben nicht annehmen wiirden, 
somit wS.re mit dem Erscheinen des Stifters derselben vollstandig 
alle ihre Macht, WUrde nnd Ansehen vemichtet worden nnd ihr 
Erzvater hatte ihnen einen Fluch nnd nicht einen Segen gekiindet. 

*) Pererius ist diese Frage auch aufgestossen (p. 1027 a); er 
sucht sie dahin zu beantworteu^ dass man zu der Zeit, da gerade 
die Herrscbaft v. Juda auf den Fremdling Herodes uberging, keinen 
Glauben fur die Messianit&t einer bestimmten Person nach unserem Y . 
gefunden hatte, da man doch dam als in n&chster Zukunft noch 
einen anderen Mess, erwarten konnte. 

^ Apok. 5,5: b Xiwv 6 ix r^^ ^atX^s I- konnte als Anspielung aus 
der christol. Gesammtanschauung hervorgehen. Joh. 9,7 wurde ob. 
p. 18 > bertihrt 

Ma«fum, U«ft IV, 1690. 13 



— 262 — 

lich-messianologischen Verwendung derselben der feste Boden 
entzogen. Trotzdem muss, weniger die dunkele Ueber- 
setzung der LXX (wie Baur 273 meint), als vielmehr die 
in den Targg. sich widerspiegelnde jiid. Tradition von der 
Beziehung des nS«^ auf den Messias — natiirlich mutatis mutan- 
dis — im 2. Jh. bereits die willkommene Gelegenheit geboten 
haben, den an sich schwierigen Vers mit als Stiitze fiir christl.- 
dogmatische Anschauungen gewinnen zu konnen. Seit Just. 
Mart, behielt diese Deutung, die dann auch per fas et 
nefas in den zweideutigen Worten der LXX wiedergefunden 
wurde, ihre unbestrittene Herrschaft viele Jahrhunderte bin- 
durch in der morgenland. wie in der abendland. Kirche. 

a) Wir wollen zunachst die Periode der patristischen 
Zeit vom '2. bis Ende d. 6. Jh. betrachten *). Alle Au- 
toren ( bis auf 2 unkirchliche Ansichten, denen wir bei Epiph. 
und Cyr. Alex, begegnen werden) deuten einmiitig den 
Vers auf das Erscheinen Jesu. 

1) Justinus Martyr (166). Sein Dial. c. Tryph. 
mit der christl.-allegor. Auslegung unseres Verses ist in 
dieser Beziehung der Vater aller Diall. und Disputatt. 
gegen die Juden. Jakob habe eine doppelte Ankunft Jes. 
geweissagt; das erste Mai sei er voriibergehend erschienen'i; 
und nachher war kein Prophet und kein Konig mehr bei 
den Juden, denn der h. Geist hat es durch Moseh(!) vorher- 
gesagt: Es wird das Scepter v. J. nicht weichen, bis der 
kommen wird, dem die Herrschaft aufbewahrt sei '). Juda 
war der Stammvater des jiid. Geschlechts, das nach ihm 



^) Wir Bind gezwungen das Folg. zum Tell nach Keinke und 
Pererius wiederzugeben. 

') ^Da ihm noch bestimmt ist in Znkunft das Reich.** 
') La. ^ ditSxBtrat, wie J. M. in LXX sicher gelesen nach Apol. 
I, 32 (0pp. Paris 1742) p. 63. wahrend Dial. c. Tr. cap. 52 p 148 
n. c. 120 p. 213 allerdings ra d^oxe^jntwa oder 8 dndx. angeblieh 
nach „judischer Interpretation" hat; vergl. G. Baur 1. c. 240 A. 44. 
Ueber die Bedeutnng des Dialogns' fiir die Polemik in der Folge- 
zeit 8. J. Loeb, La coutroverse religieuse, Sonderabdr. aus der 
„Eey. de Thist. des religions" (Paris 1888) p. 9). 



— 263 — 

Juden heisst. Diesen rufk Just, zu: „Ihr werdet es doch 
nicht wagenzu leugnen, dass bis zum Erscheinen Jes. Euch 
weder Propheten noch irgendwie, sei es auch unbedeutende 
Pursten (qualescunque principes) aus Euerem Geschlecht 
(vestri generis) gefehlt haben." Nun fahrt er fort, indem 
er die Heiden anspricht: »Nachdem Jener, den wir Heiden 
erwartet haben, gekommen ist, erhaltet Ihr die Herrschaft 
iiber die Juden, und unterwerft ihr gauzes Reich Eurer 
Botmassigkeit(!)* 

2) Wiewol J r en aus (202) der Erste war, der in 
der Kirche gegen eine einseitige allegor. Interpretation des 
Bibelworts Widerspruch erhob, meint auch er an einer 
Stelle im 4. Buch „ Gegen die Ketzereien^: »Man moge 
doch die Zeit suchen, in welcher Scepter und Fiihrer von 
Judah (den Juden!) genommen wurde, und man wird keine 
andere finden als die, da erschienen der, den Moseh (im 
Segen Jakob's!) geweissagt und der die Hoffiiung der 
Volker war**^). 

3) Ebenfalls ein Gegner der Allegorese^) glaubt Ter- 
tullian (243) doch, dass eigentlich unter Juda in V. 11 
die Person des von ihm stammenden Mess, zu verstehen 
sei, der in V. 10 als Erwartung und Hoffhung der Nationon 
vorher verkiindet ist. 

4) Origenes (254), den man »den Vater der bibl. 
Kritik'' nennen woUte, war wol der Begriinder einer wissen- 
schaftl. Exegese, aber in moralischem, mystisch-allegor. 
und anagogischem Sinne '), wobei der histor. Gesichtspunkt 
gar sehr in den Hintergrund gedrangt wurde Es sagt: 
Die Weissagung sei in Erfiillung gegangen, da bis Konig 
Herodes *) an Fursten und Fiihrem in Juda es nicht gefehlt. 



^) Dass auch Clemens Alex. (220) unseren Vers christl.-mess. 
gedeutet, will man daraus schliessen» dass er me Tert. V. 11 aoffasst. 

•) De Wette-Schrader p. 158. 

») G. W. Meyer: Gesch. d. Schrifterklarung (GcJtt. 1802) I, 41 ff. 

*) Wahrend seit der patrist. Zeit alle kirchlichen Schriftsteller — 
Katholiken wie Protestanten — durch den Ascaloniten, den Fremdling 



— 264 — 

Auf den, dem das Reich bestimmt war, haben die Heiden 
gehoflPt, was die Ausbreitung des Evang. beweise. Auch 
meint er, man konne unter Juda Jes. verstehen, der nach 
der Auferstehung Fiirst der Kirchen geworden, und 
unter den Fursten die Fiihrer der Christenheit, die Glieder 
Jesu waren. — Wahrend wir bis jetzt bei den Kirchen- 
vatem (Disputation mit Tryphon?) nur eine versteckte 
Polemik gegen die Juden landen, so konnte man bei Orig. 
aus dem Umstande, dass er der Erwiderung auf die polem. 
Angriffe, die unter den Juden verbreitet ware, Erwahnung 
tut, schliessen, dass er vielleicht in offentl. Disputationen 
dieseMeinung der Juden kennen gelemt habe. Dieselben sollen 
auf ihre Fiirsten in Babylonien und Palastina hingewiesen 
haben, durch die die Weissagung erfiillt werde, so dass 
der Mess, damals noch nicht gekommen sei (Pererius)^). 

5) Eusebius Caesar. (340). Bei diesem bedeutenden 
Kirchenhistoriker finden wir schon das bis auf ihn kaum 
variirte Thema auch etwas geschichtlich beleuchtet. Er 
weist darauf hin, dass Juda, auf den speciell die Verheissung 

1, 35,11 »und Konige werden aus dir hervorgehen^* sich 
beziehe, seit der friihesten Zeit einen Vorzug vor den 
anderen Stammen genossen hat, bei der Lagerung ^) (IV, 

2, 3), bei den Weiheopfem (IV, 7, 12), bei der Landes- 
verteilung (Jos. 15, 1), in der Kriegsfiihrung (Jud. 1, 2) 



Herodes die Herrschaft von Jnda entfemt wahnten, sucht Camp. 
Vitringa (p. 1722) in seinen Observ. sacrae (Jena 1723) p. 937 ff 
weitschweifig nachzuweisen, dass in Herodes gerade noch die Herr- 
schaft bei Juda blieb. 

Bas ist angenscheinlich die oben besprochene alte Baraitha, 
die zu apologet. Zwecken also benutzt wurde. Ueber Origines' Ver- 
kehr mit Jnden s. Graetz, Geschichte IV, 250 f. uud Loeb, Con- 
troverse 12. Auch Cyprian (258) deutet Juda im ganzen Segen 
auf Jes. und muss in V. 10 das Snbjekt Jnda durchweg beibe- 
halten haben, sodass er nh>v wiedergibt: „quoad usque veniant 
deposita illi'', was er nicht genauer erklart 

*) Cf. Bam. r. c. 2 (Tanch. c. 16 p. 14): . . .nvanS n^nn mn» 
'DnSoS . . . r\\^2^ph. 



— 265 — 

und 6. Wenn auch Richter, Priester und Eonige aus 
anderen Stammen waren, so war doch J» im Allgemeinen 
der Fiihrer des Volkes {Sjuuog ^k xa&6Xou ^ roS *lo6da ^Ai^ 
xou ntiyrdg i&vouq ^r^ero) und nahm eine ausgezeichnete 
Stellung ein ^). Auch nach dem Exil sei die Pro- 
phetie Jakob's in ErfiiUung gegangen, denn Juda habe 
dem ganzen Volke und dem Lande den Namen ge- 
geben. Das war aber nur bis zu der Zeit, da das ganze 
Volk durch die Romer Herrschaft und Reich verloren und 
Herodes Konig wurde „bis da kam was Juda bestimmt war, 
der die Erwartung der Volker gewesen." Um also die 
Weissagung bis Herodes erfullt zu sehen, nimmt auch Eus., 
wie die anderen Patres, Juda=Juden: „Es wird von den 
Juden die Herrschaft nicht weichen etc."! 

6) Mit den Vorhergehenden stimmen auch Athanas. 
Alex. (373) und Basilius*) (379) darin iiberein, dass' in 
unserem Vaticinium dem Reich der Juden Bestand gesichert 
wurde bis zum Auftreten des Herodes des Sohnes des As- 
caloniten Antipater, da zugleich „die Erwartung der Heiden 
auf einen ewigen Thron sich erhoben". 

7) Ephram Syrus (358) bezieht den ganzen Segen 
Juda's (des „Vertrauenden" und »Glaubenden**) auf Jes., 
der erschienen sei, als der Stamm Juda die Vorherrschaft 
verlor; vgl. ob. S. 153 A. Ebenso Ambrosius') (397), 
denn Jes. ist derjenige, der von den Briidem angebetet 
wurde, dem „es noch bestimmt ist", und der die Erwartung 
der Volker ist. 

8) Epiphanius (408), der als Jude geboren war, 



^) Dieser Ansicht schliesst sich auch Diodor. Tarsens. (884) an. 

*) Gleich Hilarius (868) meint auch er, dass inV. 10 der h. 
Geist Jes. als Nachkommen Juda*s weissagt. — Cyrill. Hierosol, 
(386) sagt: HUtten die RSmer die Juden nicht unterworfen und 
h&tten diese noch einen FUrsten aus Juda gehaht, so w&re der Er- 
wartete nicht gekommen. 

^) Auch er weiss sich nur zu helfen, indem er die Herrschaft 
Juda's auf das ganze Yolk der Juden verallgemeinert Hberti^t. 



— 266 — 

bespricht v. 10 in der 7. Judischen Haresie", in der er von 
den Herodianern handelt. Dieselben^) sieht er nicht als eine 
poUtische Partei, als Anhanger des Herodes und Verbiindete 
der Romer gegen die national gesinnten Juden an, sondern 
als religiose Secte, die in Herodes einen Messias erblickte(?) *) 
Dass Letzteres unmoglich sei, meint Ep., erhelle darans, 
dass Herodes nicht von jiid. Abkunft gewesen (wie der 
verheissene Messias sein sollte) und aucb nicht die Er- 
wartong der Heiden, da kein Yolk ihn erhofft. 

9) Ohrysostomus (407)') sagt: In diesem Vers 
wird deutlich erklart, wann der Mess, kommen wird. Es 
ist der Zeitpunkt, bis zu dem jiid. Herrschaft (im Allgem., 
nicht allein aus Juda!) danern wird, um dann den Bomem 
nnterworfen zu werden, wann Jener kommt, von dem es 
so schon heisst: dass ihm bestimmt die Herrschaft und 
ihn die Ifationen erwarten, da er ihnen das Heil bringt. 

10) Hieronymus (420)*) will nachweisen, dass trotz- 
dem dieMakkabaer widerrechtlich die Herrschaft an sich 
gerissen, doch immer noch Herrscher aus dem fiause David's 
vorhandeo waren, bis der, der aus Juda stammen sollte 
und erhoflPt wurde, gekommen sei. S. auch oben S. 17 f. 

11) Augustin (430), der schon mit niichternerem 
histor. Sinn die Verheissuug wenigstens einschrankt, indem 
er sie auf Juda selbst, den eigentlichen Stammhalter der 
I^achkommenschaft Abrahams, bezieht, bleibt doch dabei, 



^) Dieselben werden Math. 22, 16, mit den Pharisflem znsammen 
Mark. 8, 6; 12, 13 genannt 

*) Nach Baur 280 waren die Herodianer viell. nachst den 
Samarit die ersten Gegner einer mess. Anslegung des nW. Da 
dieselben Herodes als KcSnig hnldigten, sachten sie es zu recht- 
fertigen durch unseren Vers, der voraussagen sollte, dass die 
Herrschaft v. J. einstens weichen imd auf einen Fremden (n^!) 
auf Her. iibergehen wtirde, als dengenigen, ^cui destinatum faerit 
sceptmm" ; das zwinge noch nicht zur Annahme, dass die Herodianer 
Herodes als Messias angesehen. 

») Hom. LXVn in Gen., 0pp. (Lyon 1687) I, 202. 

*) Comm. zu Ez. c. 17; 0pp. (Erankfurt 1684) V, 863. 



— 267 ~ 

dass da die Ankunft dessen, der dem Fleische nach aus 
Juda staiQinte, der vod den Hoffecden erwiinscht wurde 
und von den Glaubigen geliebt werden soUte, geweissagt 
sei fur eine Zeit, da die Prophetie erfuUt sein wird und 
cin fremder Eonig die flerrschaft erlangt, wahrend bis 
dahin Fiirsten im Volke der Juden (=Juda) nicht ge- 
fehlt baben. 

Nur mit Hilfe dieser ganz willkiirlichen Verallgemei- 
nerung, dass unter Juda in unserem V. das Volk der 
Juden, das eigene Fiirsten bis auf Herodes gehabt, ver- 
standen sei, konnte auch 

12) Cyrill. Alex. (444) der scharfen antichristl. Po- 
lemik desKaisers Julianus Apost.^) (363) begegnen. Dieser 
erste*) Versuch der Widerlegung des christlich-messian. 
Dogma's durch eine rationell - histor. Auslegung (s. o. 
S. 1 97 A.) ist besonders deshalb interessant, well er — ohne 
dass ein innerer Zusammenhang nachzuweisen ist — ge- 
wissermaassen als der gescbichtlicbe Yorganger aller der- 
jenigen Interpretationsversucbe gelten kann, die die Juden 
in spaterer Zeit, nacbdem sie die bei ihnen altere mess. 
Auffassung zum Teil aufgaben, machten, um in gleicber 
Weise, auf dem Wege der rationellen Exegese, gegen die 
cbristlichen Angriffe anzukampfen. — Julian, bebauptet: 
Die Weissagung — eine solcbe gab er jedenfalls zu — 
b eziehe sich nicht auf Jes., sondem auf Zidkiah, mit dem 
far immer das Konigtum von Juda entfernt warde, weil 
Nebukadnezar gekommen war, ^derjenige, dem es bestimmt 



^) Von seiner gegoi die Christen wegen der Schriftf&lschnng 
erhobenen Anklage war ob. S. 7 die Eede. — Dass Julian den 
Tempel wieder erbauen lassen wollte, s. Graetz, Gesch. IV, 371 ff. 

') Wenn die Herodianer rationell ausgelegt haben soUten (s. 
A. 1), so taten sie es doch nicht, nm dem christl. Dogma zu 
opponieren. — Diese Erklanmg auf Nebukadnezar, die hier Jul. 
Ap. giebt wird auch (s. S. 197 A.) von den Karaem Ahron b. Jos. 1294 
(vi2sn 'D: 01 3133 n^v 'BV njn&ni nach Ez. 21, 82) u. Ahr. b. El. 1368 
(n-nn ina 1866, f 91b: Tranaua «in n^ 'B . . 0"n) angefOhrt u. von 
ihnen als falsch zuriickgewiesen. 



— 268 — 

war"*) und dem judaischenReiche ein Ende machte; oder, wie 
Jul. die La. rd dnox fur die richtige halt, weil mit ihm das 
Schicksal Jada's erfiillt war. — Cyr. Al. konnte wieder 
nur darauf erwiedern, dass nach dem babyl. Exil in Seru- 
babel und seinen NachkomineD die Herrschaft bis auf 
Herodes erhalten blieb im Stamme Juda; oder vielmehr, 
wie spatere Kirchenschriftsteller corrigierend bemerkten, dass 
aus dem Volke der Juden, das den Stamm Juda dar- 
stellt(?)5 Herrscher nicht fehlten. — Uebrigens ist Oyr. AL 
auch der Erste, der nach Apok. 5,5 u. Joh. 9,7 „den Lowen 
aus Juda" u. ^Siloah die geistige Quelle" als Schriftbeweise 
im N. T. ansieht und anfuhrt '). 

13) Zum Schlusse saien noch kurz die Ansichten der 
beiden Papste Leo's (461) u. Gregorys des Grossen er- 
wahnt. Beide erklaren, dass in v. 10 der Tag der An- 
kunft des Reiches Jes. und die Aufhebung der Herrschaft 
der Juden angekiindigt sei. Ersterer bemerkt noch dazu, 
dass die Juden den Ausspruch Jakob's nicht recht begriffen, 
da mit Herodes Ascalonita's Regierung die Zeit erfiillt ge- 
wesen sei. 

b) Die traditionell-kirchliche Exegese bis gegen 

Ende des 1 3. Jahrhunderts. 

Da die selbstandige Forschung der ersten Jahrhunderte 



1) Vielleicht mit Beziehung auf Ez. 21, 32. — Es wird bemerkt 
dass Flay. Josephus V. 10 auf Titus bezogen babe; die Stelle bei 
dems. ist uns unbekannt geblieben. — Chajim b. Juda ibn Musa, 1456 
(in seinem no^^ii po Ms. 59 I d. Sem. B. f. 225 a ff.) fubrt gegen 
die von Nicol. de Lyra vertretene La. der Vulgata an : Dnpnyn »d^i 

mm* tDsro n^ppnoi (1. d>odb^ ipoea). 

^) In demselben Geleise bewegt sich auch Theodoret (458), der 
die Kennzeichen fur die Ankunft Jes. darin sieht, dass bei seiner 
Geburt nicht nur K5nige, sondem Hohepriester (?) u. Propheten 
aus Juda geschwunden waren u. ein auslandischer Konig uber die 
Juden herrschte. Jak. machte bekannt die Zeit, da in Erfiillung 
gehen werde die Verheissung an Abr., dass durch seine Nachkommen 
die Volker der Erde gesegnet wiLrden, da der ^dem es aufbewahrt 
war (^ dff.)" die Erwartung der Heiden war. 



— 269 — 

in der Kirche kaum etwas Wesentliches fiir die Erklarung 
uDseres V. geleistet, so lasst sich auch nicht erwarten, 
dass die folgende Zeit, die sich iiberhaupt darait begniigte, 
aus der alteren Literatur zu excerpieren und Ausziige zu 
machen, oder die allegor. Auslegung noch weiter zu treiben, 
irgend welche Ausbeute bieten wiirde. — Von Just. M. war 
die oriental., von Augustin die occidentalische Kirche be- 
herrscht. Aus letzterer woUen wir einzelne Autoren an- 
fuhren, die der Vulg. folgen. 

1) D. Albinus, gew. Alcuin genannt (804), der be- 
kannte Hofgelehrte Karl's d. Gr. (Ueber seinen Verkehr 
mit Juden s. Giidemann, Gesch. d. Erziehungswesens 
IIj 12 f und Loeb, Controv. 13). — In Genesin quaest. 
(Hagenau 1529) heisst es: In mystischena Sinne bedeutet 
alles von Juda Ausgesagte als von Jes. ausgefuhrt, im 
buchstablichen Sinn (?) aber heisst es, dass nicht aus dem 
david. Hause und vom Stamm Juda (Juden !) iiberhaupt 
Fiirsten fehlen werden bis zur Zeit, da geboren wird der, 
der, vom Vater gesandt, die Erwartung sein wird. 

2) Hrabanus Maurus (zu Fulda u. Mainz, st. 856) 
opp. Coin 1626; t. II, in Gen. IV, p. 79a f. 1) Den myst. 
Sinn fiihrt er ganz genau mit den Worten Alcuin's anj 
2) fahrt er fort: Mit Bezug auf Juda selbst beweise die 
Geschichte der Juden, dass bei ihnen eine ununterbrochene 
Herrschaft war, bis der geboren wurde, der nicht allein 
den Juden, sondern auch den Heiden, denen er das Heil 
brachte, gesandt war, da Herodes der erste fremde Konig 
gewesen. Wenn die Juden aber meinen, dass der Mess, 
noch nicht gekommen, dann miisste die Herrschaft aus J. 
bis heute noch ihnen geblieben sein, sodass nie ein Konig 
ihnen fehlte, bis der kommet, dem es aufbewahrt ist^). 



*) Die Worte: ^quod ipsi putant Judaei non venisse Chr. ergo 
de tribu Juda usque hodie Judaeorum permanet (?) regnum: ita 
ut non defoit rex de populo Judaeorum donee veniret cui repositum 
est** sind nicht ganz klar, wir glauben den richtigen Sinn getroffeu 
zu haben. Auch Petrus Damianus aus Rarenna (1072) fiihrt 



— 970 — 

3) Etwas mehr sachliche Bestimmtheit giebt schon 
seiner Erklarun^ der Benedictiner Rupert us v. Deatz 
(1135). In Gen. comm. IX, 29 (Coin 1602) p. 142 f. 
Welches ist der Zeitpunkt, den die Weissagung Jakob's far 
das Erscheinen des Messias festsetzt? Wann wurde das 
Scepter Juda entzogen? Als der Fremdling Herodes, Sohn 
eines Idamaers und einer Araberin, yon den Romem die 
Herrschaft iiber die Juden erlangte. Dieselbe wurde ihnen 
nach und nach entzogen: Zuerst batten sie Eonige bis 
zum babylon. Exil, dann noch Fiihrer aus ibrem(?) Stamme, 
bis aucb diese Wiirde von ihnen schwand. Darauf weist 
der doppelte Ausdruck ^Scepter und Fiihrer" (sceptrum et 
dux) bin. 

4) Petrus Venerabilis von Olugny (c. 1150) 
Ueber seine Controversen mit Juden und seine Kenntnisse 
in der hebraischen Literatur, die er viell. durch Renegaten 
sich angeeignet, s. Loeb, Controv. 20 u, 21. Sein 
„Tractatus contra Judaeorum inveteratam duritiera" 
(Patr. lat. ed. Migne CLXXXIX, col. 509 flf.) ist ge- 
schrieben 1144 (s. Loeb, Controv. 17*; cf. Loeb, Pol6- 
mistes Chretiens et juifs in Revue des 6tudes juives, 
t. XVIII (1889), p. 43: 1146). In Cap. IV: „Quod Chr. 
non, sicut Judaei desipiunt, adhuc venturus sit, sed jam . • . 
vcnerit" giebt er u. A. (col. 540 f.) interessante Mitteilungen 
iiber einen mohamedanischen Pseudo-Messias in Marokko, der 
wahrscheinlich dorselbe sein diirfte (1127), von dem Mai- 
monides in seinem bekannten Sendschreiben an die Juden 
Jemen's spricht (Loeb, Contr. 44), sucht zu beweisen, dass 
der der wahre Messias, der aus Davidischem Haus 

Gen. LIX, 10 in seinem Antilogus contra Judaeos (Patrologia 
latina ed. Migne, t. CXLV) p. 46 als Beispiel einer Prophetic, in 
der Jakob das Erscheinen desSohnes Gottes vorausgesagt, nachdem 
es im „Argumentum" heisst: „Hunc libellum ad confutandos 
Judaeos conscripsit, in quo . . . probat ea, quae ab illis impie 
negantur, b. e. . . . Chr., quern iUi Messiam vocant . . . venisse, 
et denique onmia illis subterfogia intercludit, quibus contra Christianos 
subdole uti possent* Cf. Loeb, Controverse 13. 



— 271 — 

stammen soil, nicht sein kann, und fiihrt schliesslich das 
zum „Geinemplatz in der Polemik" gewordene Argument 
aus unserem Verse gegen die Juden an, dass zu Herodes 
Zeit das Scepter von Juda wich, ergo sei damals der 
Messias gekommen. Zwar erwiedern die Juden daraufj 
indem sie auf die Exilsfursten in Babylonien und die ein- 
flussreichen P'amilien ans dem Konigsgeschlecht, welche 
noch zur Zeit die Macht in Handen haben, hinweisen, aber 
P. V. meint: Da giebt es keine Ausfliichte, entweder Du 
zeigst mir, wo das fiirstliche Scepter Juda^s oder Du 
glaubst, dass Chr. schon gekommen sei; und (col. 560) 
keinesfalls kann man docb Jenen als Eonig ausgeben, den 
Manche von euch in Narbonne, Andere in Rouen zu 
besitzen glauben. (£r fahrt dann nocb fort: Non ego 
inquam in Gallia, quemlibet in Geimania, quemlibet in 
Italia seu in remotis Orientis, Africae aut Aquilonis par- 
tibus . . . pro rege Judaeorum suscipiam. Dabis ergo 
mihi, Judaee, de talium numero regem? Dabis pro rege 
exsulem? Produces pro rege seryum? Propones pro duce 
mancipium? Dices in talibus adhuc manere prophetiam: 
Non auferetur etc.?) Da spielt P. V. zweifellos zuerst auf 
den Roi Juif aus der Familie der Ealonymos an, von 
der schon oben bei Raschi (in Bezug auf dessen Auslegung 
noch zu vergleichen ist Metz in Graetz' Monatsschr. XXVII, 
385 f., denn wir glauben nicht, dass R. auf den Exilarchen 
zu seiner Zeit hindeutete) p. 191 *f. die Rede war. 
Diese Nachricht ist auch alter als die Benjamin's von 
Tudela. BetreflFs der anderen Familie in Rouen s. Loeb, 
Revue 45 f. u. cf. oben p. 192 A. Die Angaben P. V/s 
sind so von grosser Bedeutung. 

5) Hugo de Sancto Charo (Garo) st. 1263, Verf. 
der lat. Concordanz (Graetz, VIII ', 163 *; cf. Buxt. 
praef., wo noch friiher Ant. v. Padua genannt ist); Anm.' 
z. Vulg.-Text (Lyon 1669) I, f. 22 b. Er meint: 60 Konige 
aus J. gab es bis zum ExiJ, dann waren Fiihrer aus dem- 
selben Stamme bis Aristobul, der Sohn Joh. Hyrkan's, kur 



- 274 - 

iDsro ^SD Smor Topnr ip nSrS Kar ny . . . wnS 'nvr 

po*33. — Ak erste Erklarung fUhrt dieselbe (nur w 
anders au%efasst) auch Jos. Albo selbstandig in Ikk. 
IV, 42 (1428) an: anmr np . . ©3«^n nSnj '-niTO -non »*? *3 
.131 nisSon moi Y?dS Siirr nvoatf nSr pm inHr *cS . . nSr 
Wenn das K3^ auch anders aufgefasst wird, so bleibt 
dem Sinne nach dies dem Obigen gleich. 

c) Die christlich-polemische Literatur bis gegen Ende 

des 15. Jahrh. 

Wir verlassen den ohnehin unfruchtbaren Boden der 
Exegese, um uns einem Werke zuzuwenden, das fur die 
Geschichte unseres Verses im Vordergrunde des Interesses 
steht, es ist der Pugio fidei desL Dominikanermonchs 

1) Raymund Martini*). Schon Mher, im 12. und 
13. Jh. wurde in Disputationen unser V. vielfach Gegen- 
stand heftiger christl. Polemik, die aber nur jiidischerseits 



Argument zxu: Abwehr der Berufong anf Onkelos, der mit Mn^vo 
den christlichen Messias meinen soil, wendet ein Anonymus (s. Plet. 
sof. hebr. Text 29) in einem Disput vor dem Konig in Sevilla (!) 
gegen einen Convertiten an, indem er erwidert: Der jiidische 
Proselyt Onkelos, der nach einer anerkannten Tradition erst von 
Titus stamme. (Vergl. Gittin 66b u. die La. des R. Elia Wilna: 
Dia^min n^nnn na; Graetz, Gesch. IV, 113 und 435) und somit 
lange nach der Entstehung des Ghristentbums lebte, kann unm5glich 
einen Bibelvers auf den Stifter desselben gedeutet haben. Der 
Apostat war geschlagen und ging beschamt von dannen! Ob dem 
ein geschichtliches Ereignis zu Grunde liegt? Erst iim die Mitte 
des 17. Jh. wagte es wieder (s. Aibo o. S. 3 A,) der Amst. Jude 
in Briefwechsel mit Rittang. (Wagsl. p. 360 f.) es auszusprechen, 
dass man nach jud. Anschauung nicht durch ein Dogma knechtisch 
an eine kanonisirte Auslegung der h. Schr. gefesselt sei, sondem 
dass sogar die freie Forschung, so sie nicht eine Aenderung der 
Gesetzesbestimmungen herbeifiihren will, gebotensei: mw «in m *d 
\'y H^n . . . mm nno rwhshy «i»Din^ p« .nwK^ Sinjn pin db^ ^» «in 
M D'sn 'TD nn^ m» SaS nwi ... (11,9) .. . pxts nanw :av» 'k 
no»n >D3i "iryn "h^v. (Nach Maim.) Er wollte sicb daher nicht an 
die Auffassung d. Targ. gebunden fiihlen. 

») Ueb. d. Folg. s. Graetz, Gesch. VU, 148; 176ff. 



- 273 — 

in f. 24 b f.) zahlt aach, wie wir sonst bei keinem Autor 
gefunden haben, unter die Vorziige des Stammes Juda, 
dass sein Oberbaupt zuerst in's Meer gestiegen ("33*? K'rD 
D'3 'Snn c:5: »in 'oy [3 firn: 'iiT)*), aber er erklart }KV 
nSr anders: msSon Ssp^ir 1:2 in «3*r iv und das np soil 
gerade bei ihm die Folgezeit nicht ausschliessen. (Cf. 
IE. u. A.; s. auch Baur 260, A. 100 u. vgl. Geiger in 
H. B. IV, 130, woriiber w. mehr.) Dagegen flnden wir 
sachlich genau dieselbe Erklaruiig spater im Nizz. d. R. 
Lippm. aus Muhlhausen (1410)'): C3ir '^n "[S^fc^i ny)2 nni«o 



S des Jak. b. Ruben gegolten, 8. Ozar nechmad 1. c. u. Graetz, 
Gesch. VII 488 f. — Es ist nns somit nicht bekannt, dass Jos. 
Kimchi christlicherseits einen* liter. Gegner gefanden. 

») Nach Mech. n^nrs c. 6: v')nH loaBn) n»S hts\ '3»Dy p ts^m fep 

*) Schon etwas Mher die Erklarong bei Schemtob b. Isaak ibn 
Schaprut 1380 jna pH Ms. 59b d. Sem.-Bibl. 11, 11 f. 67 a): nnna Tiy 
MDyoi ;nin«D nnwn pwDfi nwon K3sr mm ,jySiPon noB^ «dS rneS 
nimQ tSo ''n» ly /db^ id3 b^k'i^ '»n» oSiyS /"nn» bsb^d nSyon poen »6r 
Ty uTX^H 'H'T on n nnwa Kipai nne^on pra nvoav Sihit mm S«i»»o 
'•nm n»aD nSy« Swb^ mwn Sap ?k» (1. S. 12,5) 's\ inwts lyi 033 'n 
nnci ninc3 hti! Hier mdchten wir auch aufmerksam machen anf 
einen interessanten, gewissermassen messianisch - rationellen exe- 
getischen Versuch. Wie bereits ob. erw&hnt, haben die Christenfiir 
die mess. Ausleg^ung* sich auf das Targ. Onk. berufen, das den Juden 
sacrosanct sein sollte u. von dessen Erklarung man nicht abweichen 
dtirfe. Das konnte u. wollte man judischei*seits nicht ganz bestreiten. 
Man nahm aber doch mitVorliebe zur hist. Deutung seine Zuflucht; 
daher ein Ausgleich zwischen messian. u. rationeller Erkl&rung, 
wie wir sie bei (s. S. 30 A. 3) Moseh Kohen de Tordesillas nty 
ruio«n Ms. 91 1. 6 b) vom Jahre 1375 finden: «^ piSnna^ ^nyra^ ^th^ 
^nnDwy no 'D3 uwb^ nt piot nunn pay Sy (er erklarte rationell: Es 
wird die Herrschaft erst mit Dav. eintreten) 'n^vta »n*n ny : 'n3 nn» 
. . TIT «a»tr ny '-nn^a nhru ^zv mD> »S noiS Ssia .K^ooy ]iyonjy» n»Si 
nnron |Otra na^caB^ iSon in Kino^ n^vn k3W ly . . nSnas '-nn* tdd 
nnS in^roS non nwyi i'dt ?mtM3 -jSon in nipae^ poi . . . . 
. . . (Ps. 132,17) »n»B^S la >n3iy nnS (II. S. 22,51 Ps. 18,51) 01 
. . . SS33 Tyi Ty innnro »n«n ny 2in3» otai Aehnlich auch pa pK 
«an ny . . . nin» aaB**? . . nSyon i^on »Sw . . . oiSpaiK b^idS b^' Tjy 
, . . d^hSm mvo Mipav in mm nn&'on Ein anderes recht triftiges 



— 276 — 

jon nachwdsen, dass nach d^n Tafan. Herodes aDe Nach- 
sijmmm, HHlftk getotet habe, a. sollte man not den Nach- 
k^jjimiei ordim^te Seholer meioen, dann hat die Hadnani- 
sJie Vts&igmig a. Tollstandige Zerstonmg Jeinsal^iis aaeh 
iieseiii. &r. £ade bereitet. — Ausserdem wurde aaeh, wie 
:^b«s£iILi im TaJm. nachzmreisen ist, zo B. Akiba's Zeiten 
iMonainL. dass die Jaden keinen Messias mehr zn enrarteD 
laoai. Was endlich die ExilsffirsteD in Babylonien betriffl, 
50 soil dieses Land nach den Worten des Propheten Jesajah 
Teiodet and verlassen sein, so dass die Juden dort keine 
SbA!ht mehr besitzen kdnnon. 

In ErganzoDg dessen, was zar ,,Gescbichte christo* 
logischer Mi dr." (of Loeb, Contr. 36 *f ) oben p. 187 f. 
in Bezog auf Baim. Mart, gesagt warde, sei hier gelegent- 
Ikh aaf die sehr beachtenswerthe Notiz in Abraham 
Farissol's Oman foo cap. 72 (Ms. der Sem.-Bibl. Nr. 33 ; 
aach abgedruckt bei Jellinek, D'atsin p 19^ hinge wiesen. 
Zwolf ApostateD batten sich zasammengetan und eine 
kleine Sammiang von Pseudo-Midraschim verCasst. Der 
zweite von den drei dort genannten Fuhrem, Vidal di 
Saragoza, durfte mit dem von Graetz, VIII', 410 f., 
eruierlen Taufling zur Zeit der Disput. zu Tortosa, uud der 
dritte, Davila (itS>n ptmo mp'p^S^), wie wir glauben, 
mit dem Ahn des Diego Arias Davila und Juan A. D. 
(Graetz i. c. 225 und 318), der zur Zeit Ferrer Vicente's 
iibertrat, identisch sein. Das Nahere darijber ware noch 
festzustellen. 

2) Zu den alten Beweismittebi kehrte wieder zuriick 

Nikolaus de Lyra, 1340, der seine Polemik doppelt 

giebt. In einer bes. Schrift: De probatione adventus Chr. 

^'^^ Hebraeomastix des 6eron.de Santa Fe 1602, p. 188 flF,) 

seiner Postilla (BibL max. yon Joh. de la Haye, 

428 ff.) Die Herrschaft wich v. J., fiihrt er aus, zur 

^des, denn seit dem Jixil gab es Fiirsten, Nach- 

babels, die sogar aus dem St am me J. waren 

n Morinus ob. S. 158* u. cf. 159, femer unter 



— 277 — 

Raym. Mart, und Paul. Burg) und auch Konige aus hasmonai- 
schem Geschlecht, das aber nicht allein ein priesterliches, son- 
dern auch ein konigliches war, da diese beiden Geschlechter 
mit einander vermischt waren (tribus sacerdotalis et tribus 
regia erant commixtae), wie nach II. Reg. c. 11 die Konigs- 
tochter Joseba die Gattin eines Priesters war. — Nachdem 
Lyra die Ansicht des R. S. b. M') mit der Bemerkung, dass 
doch Siloh weit entfemt von Sichem gewesen ware, zuriick- 
gewiesen, erwahnt er die bei Hugo de S, Charo oben 
citierte Ansicht der Juden, dass mit Saul's Salbung zum 
Konig die Weissagung erfullt gewesen, und eine andere, dass 
rhiff wohl=missio*) zugegeben werden kann, nur dass 
diese Sendung sich auf Nebukadnezar beziehe, der als 
Geissel Gottes gesandt war, sich die Volker zu unter- 
werfen. Gegen alle nicht messianisch-jiidischen Erklarungen 
beruft sich L. auf die Autoritat des Targum. 

3) Ein einziges Denkmal') der Polemik, die in der 
griech. Kirche gestutzt auf unseren V. gegen die Juden 
gefiihrt wurde, ist uns bekannt geworden in dem Dialogus 
contra Judaeos (1327) des Kaisers (?) Andronikos Con- 
stant., der 1331 in einem Kloster starb (Max. Bibl. Vet. 
patr. t. XXVI, Lyon 1676 p. 616). Von geradezu un- 
glaublichen, nichts weniger als kaiserlichen Invectiven 
(gegen die Luther's, Calvin's u. Fagius' AusfaUe bei derselben 
Gelegenheit, bei Besprechung der Messianologie in v. 10, 
noch sanft und zart erscheinen!) iibersprudelnd apostrophiert, 

^) Dass nh^v den Namen der Stadt bedeuten kSnne, meint L., 
entspreche zwar mehr der „Hebraica Veritas", aber trotzdem nimmt 
er an, wie Hieron., dem er sonst oft widerspricht, daflir gesetzt: 
,qiu mittendos est." 

') Wir konnten eine derartige ErklHrong in jiid. Kreisen nicht 
ausfindig machen ; cf. ob. S. 40 A. 1 u. S. 39 A. 5, femer im alten 
Nizz. bei Wgsl. p. 32 eine lUinliche Spur davon: D^w^h onnan >ch 
H^v^A Sa« D^aam n^oaiD B««»r3 . . . 'loyei mn»a d^sSd vn» b»dj;d '♦» 
n^ »D3H nan 'S» :in»^K u^m nSiwo (Mai. 3,23). 

') Dessen Autbenticitat nicht ganz feststeht; s. die Einleitungen 
daza in Max. Bibl. 

Maguin, Heft IV, 1890. X9 



— 278 — 

er die Juden: „Bis auf Johannes Bapt. haben alle Propheten 
das Christentum geweissagt; schon Jak. verkiindete, was 
bestimmt ist" (quod constitutum est ■= S dnSxeirat^^ denn 
als der von den Volkern Erwartete erschien, verliessen 
Euch Fiirst und Fiihrer, Herrschaft und Priestertum (was 
in gewissem Sinne dasselbe ist!?). Wenn Ihr behauptet, 
dass derselbe noch nicht gekommen sei, strafet Ihr Liigen 
Euren Erzvater, Moseh u. A. diese Verstocktheit und 
Blindheit! Wie hat der Verkiinder der Wahrheit ein 
falsches oder unniitzes Wort aussprechen konnen?" u. s. w. 

4) Wie Raym. Mart. — oder viell. vielmehr durch 
ihn — sucht dagegen auch bei Tahnud u. Midrasch Hilfe 
Geronimo de Santa Fe (Josua Lorki), der Partner der 
aragon. jiid. Notabeln auf der grossen Disputationsver- 
sammlung zu Tortosa (Febr. 1413 — 12. Nov. 1414*). Ausser 
dem, was unsvon seinen Behauptungen in Scheb. Jeh. im 
Sendschreiben des Aben Astruc an die Gemeinde Gerona 
(1413)fragmentarisch berichtet wird (77f.), iSndet sich im 
Hebraeomastix (1 I p. 42) eine Andeutung, dass Gen. 49,10 
einen Namen des Gottessohnes (Siloh) enthalte, wahrend 
er im Tractatus contra perfidiam Judaeorum*) (im Auftrage 
des schismatischen Papstes Bened. XIII. v. Avignon im 
August 1411 verfasst) iiber das Thema weiter sich aus- 
lasst (Max. B. XXVI p. 534a f. cf. ob. p. 185» f.) Lib. I, 
c. II: Quod tempus adventus Mess, significatum erat .... 
paulo ante templi destructionem. 

Wahrend der Leidenszeit Jes., 40 Jahre vor der 
Tempelzerstorung horten nach dem Talmud als Zeichen 
der ErfuUung die Wunder im Tempel auf. Damals schwand 
auch das Scepter^) v. J., wie es Jak. geweisssagt, denn, 



») S. Graetz, Gesch VIII p. 127. 

*) Ueber dessen Verhaltnis zu dem handschriftl. ompcn 'D 
s. oben S. 31 u. A. la. — Ueber die Widerlegungen jiidischerseits, 
wie von Don Vidal, Isaak Natban aus Aries (Graetz Ms. XXIX, 522) 
Ti. Js. Abarb., s. weiter mebr. 

*) Im Texte: scriptum? 



— 279 — 

wie es Syiih.^) u. Ab. sara^) heisst, wurde damals das 
Sphedrion in der Quaderhalle aufgehoben. Da Moseh had, 
unter „ Scepter u. Fuhrer^* die Quaderhalle und das Synhe- 
drion, die bis zur Ankunft des Mess, von J. nicht weichen 
werden, versteht, ist folglich bei der Entfemung des Synhe- 
drion aus der Quaderhalle der Messias gekommen. — 
Interessant ist aber, vrie Geronimo, dem man sonst tal- 
niudische Kenntnisse nachruhmt, eine Stelle, wahrschein- 
lich dem Pug. iSd. entnommen(S. auch ob. S. 154*), zu seinem 
Zwecke — andert, um nicht zu sagen Mscht: »Et dixit 
R. Ramon ^): Quando synhedrion ftierunt remoti de consis- 
torio Quazit et potestas iudicandi criminalia indicia ab eis 
fuit ablata, cooperti sunt saccis et capillos suos pillaverunt 
dicentes: Vae nobis quia sceptrum Juda est ablatum et 
filius David in mundum venit, wahrend es in Pug. fid. 
p. 872 heisst: car id ^3 xh ^», was Raym. Mart, auch 
richtiger iibersetzt: «3 hS in pi mMX^t^ Vae nobis quia 
(!) recessit sceptrum de Juda et nondum venit Messias. 
Geronimo fugt noch hinzu: „Wer nicht blind ist, wird klar 
genug einsehen konnen, dass nach den angefuhrten Talmud- 
Autoritaten folgt, dass der Mess, bereits gekommen sei*). 
Ein zweites Mai ruft Geronimo p. 524:a unseren Vers 
zu Hilfe, um zu beweisen, dass das Heil durch den 
Messias*^) schon gekommen sei. 

(Fortsetzimg folgt.) 

1) Im Texts: Ain Bodqnin. 

*) Im Texte: Adobnzara! • 

*) So schreibt regelm&ssig Ra3rm. Mart, wie er auch im hebr. 
Text statt pns n z. B. bei Abarb. : Jesch. mesch. IT. 1, c. 6 u. bei Don 
Yidal immer |>Dnn n hat; doch vergl. dartlber ausfUhrlich ob. S. 81. 

*) Ob danach Geronimo noch das Compliment, das Geiger (Nach- 
gelass. Schriften II. 296) ihm, sowie Alfonso de Yalladolid n. Panlus 
Burgensis, den drei fanatischen Convertiten, macht, dass sie alle „Mftn- 
ner wareh, die ernst bis zu ihrem Mannesalter gernngen**, verdient?? 

^) Gegen den steten Hinweis anf das Targ. s. auch pnv txvp^ : 
♦nSa^ D^wnnno n»p whib^ loa Di^p3» hv wn^ea oaaa «Sw n«n3 
in^T ^DV. Vergl. oben S. 42f Anm. 4. 



Kritlsehe Bemerkungen sam Wortlant der 

Emnnot wedeot. 

Von Rabb. Dr. 8. H. Hargillet. 

(Portsetznng).^) 



S. 67. Z. 'Vai (ed. Slucki): MD '•nMiann tho nSw 
hr\n2 )H 3?3tni iT'^a c« o^a^'^inD en nam = iJU' »J^^ 

Statt yDfiDni hat man also zunachst ysttn zu lesen. Was 
soil hier aber S:inn bedeuten? Die Verandenmg der Farbe 
bei den Pflanzen soil sich nothwendig voUziehen „durch 
Gewohnheit"! Auch der Anonymus scheint das Wort 
vAj^juJu nicht recht verstanden zu haben, er half sich 

deshalb durch die Umschreibung: onaoD rwym nw ^nm^ 
ivacoi oSiyn, wobei jedoch das offenbar fiir Ju^* 

stehende oSiyn anjt: ^Fiihrung der Welt" oder „gewohnlicher 
Lauf der Dinge'' mit yaw zusammenfallt, anstatt, wie der 
Worilaut des Originals fordert, eine zweite Ursache jener 
Verandnung darzusteUen. Beiden Uebersetzem scheint es 
entgangen zu sein, dass o^^ auch altern bedeutet und 

das nomen actionis Ju^*j hier in dieser Bedeutung gebraucht 

ist. Die Farbenveranderung der Pflanzen ist nach Saadja 
bedingt: entweder durch die „natiirliche Organisation" d. 
h. durch gewisse der betreflfenden Pflanze eigenthiimliche 
Anlagen, oder durch das aUen organiscben Wesen gemein- 



1) Vergl. Jahrgg. 1880 dieser Ztsch. Heft m und IV 



— 281 — 

same allmalige Absterben, das „Altern". Fiir das sinnlose 
hxm^ werden wir also fpira zu setzen haben. 

S. 68, Z. 24. rtyi^nti ••ba bedeutet hier nicht ^absichts- 
los" (Guttm. a. a. 0. S. 154) sondem „ohne Allegorie" 
= (Jsj^Lj Ub) Die Behauptung, Gott habe Himmel und Erde 

in einem Jahre (und nicht in sechs Tagen) erschaflfen, ware 
— so sie nicht etwa eine allegorische Bedeutunng 
haben soUte — eine so offenbare Liige, dass wir uns an eiri 
zu ihrer Bekraftigung bewirktes Wunder gar nicht kehem 
wiirden. Allendings pflegt J. T. das Wort Ju^Lj sonst durch 
Knao wieder zu geben. 

Daselbst. Z. 36. niiT^ nM n*?nna iTiT nn Sar' 
«^^fc\Jb ^luX^s^o tJoU/. ^j^ J^:^ JJ' ^!. Das hier 

sinnlose nSnna ist also infolge einer FehUesung J. Ti's (t jcCa/> 
statt Ijo^^) entstanden und etwa durch •]»03 oder durch 

das von II gebotene ^<^d zu ersetzen. 

Das. Z. 39. Dass hier hinter dem Worte pHDI durch 
Homoioteleuton ein ganzer Passus ausgefaUen ist, bemerkt 
schon Guttmann (S. 155 Anna.). Der fehlende Passus 
wiirde etwa folgendermassen lauten: w^ yph non hvw ^5B0 

pnw ^313 nrn Sy rmm mtht^ D«^a »yy\. 

S. 71. Z. 1. Statt nrn wn hat die ed. princeps richtig 
'W DVn „der siebente Tag." 

Das. Z. 26. Hier sind die infolge des Homoioteleuton 
(anrm) wiederholten Worte naSa D'^tnio vw onio p d:i I3m« 
za streichen, die ed. princeps hat iibrigens diesen Fehler 
nicht. 

S. 72. Z. 8. Hinter dem Worte oiiapa ist hier durch 
Homoioteleuton ein ganzer Satz ausgefaUen, der, wortlich 
iibersetzt, etwa so lauten wiirde: onann nwna pv^ iw ^n"bri 
vnary iS^« p d3 »yMtt^ n& prm ooipoi dSw '»^ p)w •^an hSo 

(sc. waaSn) nnoca vn. ADe diese Punkte sind auch in der 
That am Ende des ersten Abschnitts besprochen worden. 
n hat hier stark gekiirzt und ganze Seiten weggelassen. 
Daselbst Z. 17. Auch hier hat das leidige Homoio- 



— 282 — 

telenton eine Yerstammelnng des Uebersetzungstextes her- 
beigefulirt; fur die unvestandlichen Worte vrmn ¥ht nsi 
ona steht nfimlich im Original: U^ vUA:>3 m raS^ ^ L«., 

^und was wir in jenem (d. h. in dem Buche der Lehre) 
nicht finden, das fmden wir in diesen beiden (d. h. in den 
beiden anderen Quellen der Religion: Vemunft und Tradition)" 
die Uebersetzung miisste demnacb lauten: vhshvd nSe^ n&i 

S. 74. Z. 1 und 2. Hinter mp&3 hat die ed. princeps 
noch die bei Slucki fehlenden Worte: iTn orrwDn an ^D 
«npD3, dagegen ist die hinter dem Worte npoS in der 
zweiten] Zeile ausgefallene Begriindung: pn v»w an 'a 
tnpth auch in der ed. princeps nicht zu finden. 

Cap. IV. 
S. 75. Z. 19 oilman Sa icd i-ninn nSnn» Sa« = ^ Jwj 

^^y^UcuJt ^A^^ sjkX*o iU^t ,3^1. Landauer Z. St. (p. 146 

Note 10) vermuthet, dass J. T. v.^^^^ (= ^dd) statt vJLa^ 

gelesen habe. Die Abweichung beruht jedoch, wie aus 11 
horvorgeht, auf einem Druckfehler in der hebr. Uebersetzung. 
Die betreffende Stelle lautet dort namlich : nS'nna i^ckt kSm 

o*Knan n^» Sa •ii^DT «iian S^hai nnnan; auch bei J. T. ist 

also ifiD in hid zu emendiren. 

S. 76. Z. IS. Statt onain Sm hat noch die ed. prin- 
ceps richtig und dem Arabischen entsprechend onann nStta. 

Das. Z. 25, Hinter dem Worte o'nspn ist bei J. T. 
das WSrtchen mSh ausgefallen, wodurch die Stelle einen 
ganz verkehrten Sinn erhSlt. 

Das. Z. 28 nrt^cnD passt hier durchaus nicht, da die 
Frage nach dem Grunde der kurzen Dauer unseres Daseins 
boreits oben erledigt ist; im Arabischen steht dafur k^L^xq 

j^conform, gleichartig** ; 11 hat rah nr tivhtt^y wir werden 
also fuglich niTDTD in n^Dttm emendiren durfen. 

S. 77. n?n oinn ntata — ^UJ^t Jo^^^t ^. Die Ueber- 
setiung des Wortes yc\ an dieser StcUe durch mx „Befeh J<« 



— 283 — 

kann J. T. nur in einem Augenblicke der Unachtsamkeit 
aus der Feder geflossen sein; das Wort muss selbstverstandlieh 
in der Bedeutung „negotium" genommen und demnach 
durch p)ya iibersetzt worden. 

S. 81. Z. 18. wye W«W TOD = iJL*» jA/) wl ]yh 

„man glaubte Er (Gott) habe seine That verhmdert'% 
also in«^p» [y)o] hiw . . . 

Daselbst Z. 25 f. Hier bleibt es ganz unverstandlich, 
wie die „Abhaltung von dem Streben nach Verbesserung 
der weltlichen Dinge undGuter" als eine das sittliche Handeln 
bestimmende Nothigung (pron) angesehen werdeir konnte. 
Die Stelle ist aber nur durch Ausfall des nothwendigen 
Mittelgliedes verstiimmelt und muss nach dem Arabischen 
folgendermassen erganzt werden: oSiyn r\y^r^ r^T^f!^*^ '3«^»tl 
.... 13W1 [mn fupno hp^mdo iS nmy) ^wv^] vmaiei. Jener 
Irrthum entsteht also dadurch, dass man in der Schrift- 
stelle (Jes. 6,10) falschlich eine von Gott bewirkte Ver- 
stocktheit in religiosen Dingen erblickt, wahrend dieselbe 
— nach Saadia — in Wahrheit nur von der zur Strafe her- 
beigefuhrten Verblendung in weltlichen Dingen handelt.^) 

Cap. V. 

S. 84, Z. 15. Fiir das Wort D'vpsfi hat das Original 
^^^^.mmJLj «sie befiihlen", also w«^»\ J. T. nimmt das 
Wort in seiner secundaren Bedeutung „suchen", die hier 
nicht am Platze ist. 

Daselbst Z. 25 f. die Worte Sjne*^ no vh i«an^ y»\ 
nrm TDy&l no^cpa sind durchaus nicht unverstandlich, wie 
Wolff (Magazin 1880 S. 80) meint; nur muss man Sjncr 
im pragnanten Sinne fur nsito nSiyo SyiGtt^ nehmen und nicht 
•)^33?D1, sondern wie auch Slucki richtig hat, i^avw lesen, 
welches letztere Wort ganz dem^oJo des Originals ent- 
spricht. 

1) Vergl. Saadia's Uebersetzung dieser Stelle bei Derenbourg 
Version d* Isaie de R. Saadia (in Stade's Zeitsch. f. d. alttestam. 
Wissensch. Jahrg. 1889). 



— 284 — 

S. 85. Z. 19. Zur Erklarung der Wone uSrwir TUjo 
jismn Q, welche zd vielfacben MissfersluidiiisseD Anlass 
gegeben faaben (vergl. Wolff a. a. 0) bedarf es eioer kurzea 
Darlegnng des Zusammenbanges, in welchem sie stehen- 
Die in den Schriftstellen MaleacbJ 3, 16 and Jes. 65,6 
gebraacbte Metapher, dass Gott die gaten wie die bosen 
EandlnDgen der Menschen niederscfareibe, wird folgender- 
massen erklart; L'ns Uenscben bat Gott die Fahigkeit 
verliehen, unsere Gedanken in Worte zti kleiden and diese 
wiedemin durch schriftliche Zeicben aaszndrucken. Da- 
darcb sind wir in den Stand gesetzt, unser Gedanken nnd 
Eriabningen fnr spatere BedorEDisse festzabalten und auf- 
znbewabren. Gott aber bedaif selbstverstaodlich dieser 
Zeicben nicht, ibm bleibt alles, was geschiebt, stets gegen- 
vartig. Wenn trotzdem die angefnhrten Stellen von einem 
SchreibenGottes sprecben, so bt dies ein treffendes and an- 
schanlicbes Bild, welcbes nor deshalb gebraucbt wird — 
pamn -a xhrew fi:y3 „weil wirgewohnt sind, mit dessen 
(d. b. des Scfaretbens) Hilfe za denken (parn nicht „Recb- 
nung", sondern „denken"!) Jbn Tibbon hatte liier offenbar 
die voQ Landaner (p. 168) in der Fussnote angefuhrte LA 
vor sich, nor las er statt des ricbtigen ■■• Uji.^ ^i-^**- .-j* 
. . . viW(v tay2) wahrscbeinlicb iio^ ; dagegen ist im 
Arab, das bei J. T. erhaltene u = u za erganzen. 

Das. Z. 32. Statt O'l'Tltn hat die ed. princeps noch 
richtig ansBli — i-^-^. Dass femer nach dem Original 
hinter dem Wort oyixS das Wort ixwo mit dem Beleg 

Tin's rxat -»» -jaw ai no row und daraaf nmw nuinn Ssi 
eyarh m erganzen sei, bemerkt sobon Wolff a. a. 0.; 

ungelahr so laiitet Jic Stellc .inch in il. 

S. 86, Z. 3. Fur pilcB hat die cd. jirinceps rxiD, 
was dem iJ,^ der Originals entsprioht. Die Kategorie der 
^iff: nioralischen Gleichgewichi sich crhaltenden Menschen 
■<yoii den aufge^jyi^^^ anderenKategoHen gesondert, 
id^ fa werden. 




— 285 — 

Daselbst Z. 18. Hier ist hinter dem Worte W«D das 
Wort VTD ausgefallen. 

Das. Z. 3 von unten. Statt des unverstandlichen nam 
hat die ed. princeps richtig nai». 

S. 87, Z. 7. von unten wk n)WKnn lanawna vrrw 

UJLd,, B.i>yi ,b Mit den bei Jbn Tibbon fehlenden Worten 
'^.s>^\ ^b Ji vJiL<=u'l fiUAji ^y (e5^'0 ^^^ darauf hin- 
gewiesen werden, dass hier dieselbe Antwort zu geben 
sei, -wie auf die am Anfang des IX Cap. (bei Siucki 
S. 131) erwahnte Frage, warum Gott den Men- 
schen nicht lieber fiir das Jenseits geschaffen 
habe, anstatt ihn erst den Versuchungen und Ge- 
fahren des irdischen Lebens auszusetzen.^) Wir hatten 
demnach bei J. T. zwischen irH und liioH (wofiir dann 
■^owi zu lesen ware) eine Liicke, die nach dem Arabischen 
erganzt werden miisste. Allein die Eichtigkeit der ara- 
bischen LA. wird bei naherer Betrachtung doch sehr fraglich. 
Eine derartige bestimmte fierufung auf eine erst in einer 
spateren Partie des Buches vorkommende Erorlerung ist 
namlich schon an sich ganzlich unmethodisch und darum 
Saadia nicht zuzutrauen. Dazu kommt aber noch der 
Umstand, dass dieses Vorgreifen hier vollig uberfliissig war, 
da die hier gegebene Antwort fast wortlich schon in der 
Einleitung zum dritten Cap. (Siucki S. 58 Z. 18) sich findet 
und eine Berufung auf jene bereits vorangegangenen Stelle 
viel natiirlicher erscheint. Endlich miisste unter J^^t Lot^ipu 

eine erste Antwort verstanden und demnach angenommen 



1) Wolft a. a. 0. S. 81 hat diesen Hinweis nicht erkannt and 
damm die Stelle onrichtig aufgefasst. 

Die Bezeichnung eines solchen principiellen „Gesetzesuber- 
treters,* mit dem Worte nowD flndet sich in der Tosefta Horajot 
cap. I (ed. Zuckermandl p. 474. Z. 20) wahrend er im Talm. Babl. 
das f. 11a noio oder «pn:t genannt wird. Vergl. auch Maimuni lad 
Hachs. Hilch. Rozeach IV, 10 f. 



— 286 — 

werden, dass an der betreflfonden Stelle ira IX Cap. mehr 
ais eine gegebcn sei, wahrend in Wahrheit — und das 
ist entscheidend — dort gar keine ausdriicklichc Antwort 
sich findet, sondern lediglich der Hinweis auf die angefiihrle 
Stelle im 111. Cap. Nach alledem unterliegt es keinem 
Zweifel mehr, dass wir es nait einer und den arab. Text auf- 
gcnommenen Randglosse zu thun haben, und dass die LA. 
J. T's die allein richtige ist. Die Worte vJOJ^vjI j^tJOCj! ^ 
'^J>'^ \ jto ^5 sind zu streichen, und statt ,3^» welches 

nach Aufnahme der Randglosse verschlimmbessert wurde, 
dem iro« J. T.'s entsprechend UJLjj zu lesen. 

Daselbst Z. 5. von unten: narnn ist selbstverstandlich 
nur Druckfehler fiir riDann. 

S. 88.' Z. 2. Der hier nach dem Worte wv^"* durch 
gleichen Anfang ausgefallene Satz ist von Wolff (a. a. 0.) 
folgendermassen treu nach dem Original wiederhergestellt 
worden: nry w» nvsrno ttvon Sy SioA iS yimv ^o onoi 
irH3 w«3 vicS. II hat: Sp -i3«^ nnS nD iS p3n«o«^ ^d »^ 

Das. Z 19 f. Die Worte hS na pSrr IH nnSiw a^30^ uvuv 
SSa rifc^ra "^xp^ sind folgendermassen zu iibersetzen: „mag 
er sich zu den andern (sc. Vorschriften) bald zustimmend, 
bald widerstrebend verhalten, diese (die von ihm bevorzugten 
namlich) iibertritt er nie"; vergl. eine andere Auffassung be 
Guttmann (p. 184). 

Daselbst Z. 27 f. Hier sind nach mimno durch Ho- 
moioteleuton mehrere Worte ausgefallen, ohne welche die 
Stelle durchaus unverstandlich bleiben muss. Die Liicke 
ist nach dem Arabischen etwa so auszufiillen: ^d nww ^tt 

[mxeno nwoi nsoa «in corral n^Sv men idd] mimio mvo 
. . . niDtt^S Snnra »ini na [i J-^itp. Das Zeitwort nHi ist hier 
natarlich im Sinne des arab. ^ s^L „der Ansicht sein 

dass ..." gebraucht. Ein Gesetzesiibertreter*) (n^DO) ist 
derjenige, welcher sich der Erfiillung eines Gebptes ent- 
ziehtj weil man darin, nach seiner Ansicht, zu weit gegangen 



— 287 ^ 

sei, dafiir aber ein anderes, welches ihm vernachlassigt zu 
sein scheint, desto eifriger beobachtet. 

S. 89, Z. 23. Wolff (a. a. 0. p. 83) bemerkt richtig, 
dass vor D*fc<»nn ^D das arab. Wort l^jciiAx;! uuiibersetzt ge- 
blieben ist; dieses Wort ist aber hier nicht als Praeleritum, 
sondcrn als Jmperativ aufzut'assen und ware demnach etwa 
durch in zu iibersetzen. 11 behandelt dieses Capitel sehr 
fliichtig, so dass nur selten ein Fingerzeig fur die richtigo 
LA. daraus zu gewinnen ist. 

S. 90. Z. 15. Durch Weglassung des Apostrophs ist 
bei Slucki aus m,T*:rn das Unwort in'^Srn entstanden, 
welches die Krakauer Ausgabe sinnlos nachgedruckt hat. 

S. 92. Z. 8 von unten. Die Worte S^yiDit' "Ci cDnn nprn 
D1H ••iaS bedeuten: „die Schadigung des Weisen und eines 
die Menschen Fordrednen.'* Hiermit erledigen sich die 
Ausfiihrungen Wolff^s (a. a. 0), der die Stelle unrlchtig 
aufgefasst hat. 

S. 93 Z. 4. Statt des unverstandlichen onw ^Dy^ hat 
die ed. princeps richtig cm« im^ = L^IAaj. 

Das. Z. 12. Hier ist p^cnS willkurlich im Sinne des 
arab. vJistj = conciliavit gebraucht, welche Bedeutung das 

hebr. Wort nirgends hat; II hat dafiir richtig lanS. 

Das. Z. 15. r3iy dm ''D^Si»3 iS pH nr oSr" hS d«i = 
*JLx: \^'Ji£. '^^ /J \^]yi tis 5CJo \J ^ ^ ^4.5 Die Uebersetzung 

sagt also das Gegentheil von dem Original, wonach der 
missgliickte Versuch, eine Schwierigkeit in der heil. Schrift 
durch Umdeutung zu heben „weder Lohn noch Strafe" 
nach sich zieht. Dieser Fehler ist sicherlich durch die Fehl- 
lesang )i\ statt ^Jj entstanden. Fiir ds ^3 haben wir also 

bei J. T. «Sl zu setzen und danach ist auch Guttmann 
(a. a. 0. S. 191) zu berichtigen. 

Das. letzte Zeile. Die Worte Sr^na oStrn vh onav^^ntt' 
bedeuten: „dass ihre Busse nicht durch Gewohnheit zu 
einer volkommenen wird" d. h. sie ist nur voriibergehend 
und darum erfolglos; ebeuso bedeuten die Worte: DfT»»n '•3 



— 290 — 

allgemeinen Zerstorung einer fuhlenden Seele abgepresst 
warde, die es mit ansehen musste, „wie man R. Secharja 
sein Schul hat verschlagen." Sicher ruht kein Stein mehr 
von dem Baue, den Zacharias Lewi fur alle Ewigkeit in's 
Werk gerichtet zu haben glaubte, auf dem anderen, die 
Zerstorung hat auch die Kirche hinweggenommen , die das 
Erbe der Synagoge anzutreten vermeinte, selbst von dem 
Lehrhause, das Josef, der Sohn des Zacharias, in seiner 
neuen Heimath Kremsier in Mahren, um das Andenken 
des Vaters von Neuem zu beleben, zu stiften so hochsinnig 
war, hat sich keine Spur erhalten, nur einige Lagen von 
Alter gebraunten Pergamentes haben alle Stiirme und alle 
Wanderungen als einzige Zeugen zerstorter Herrlichkeit 
und versprengten jiidischen Lebens iiberdauert, die bisher 
alleinige Reliquie aus der jiingsten der Wiener Synagogen, 
aber die sprechendste und beredteste, ihre Seele gleichsam, 
die Tafel ihrer Geschichte, das Familienheiligthum des 
Stifters, ihr inneres Band, das Andenken ihrer Todten, 
ihr — Memorbuch. 

Einst war es ein vornehmes Buch mit schweren hand- 
festen Holztafeln, die heute auseinandergefallen sind, in 
weisse^, mit herrlichen Pressungen geschmiicktes Maroquin 
gebunden, das die Zeit geschwarzt, der Wurm angebohrt 
hat, mit Schliessen versehen, in deren Triimmern jetzt der 
Griinspan nistet, als Ueberrest noch ein Zeugniss der 
reichen Ausstattung des Gotteshauses, fur das es bestimmt 
und wiirdig angepasst war. Drei Lagen Pergament, zu 
je sechs Quart-Blattern geheftet, am Schlusse eines Blattes 
beraubt, tragen den Inhalt, der jah abbricht, wie seine 
Bestimmung unvermuthet abgerissen ward. Die Einrichtung 
war die gewohnliche der Memorbiicher jener Zeit. Dem 
eigentlichen Todtenregister geht eine synagogale Agende 
voraus, die einzelne in die Gebetbiicher damals noch nicht 
allgemein aufgenommene Stiicke enthalt, welche beim oflFent- 
lichcn Gottesdienst verlesen werden. Die Haftara der 
Fasttage steht am Eingang, ihr folgt das Gebet am Schlusse 



— 291 — 

der Thoralection an den Wochentagen, das jedoch die be- 

merkenswerthe Eigenthiimlichkeit bietet, dass es vor 

dem ScMussabsatz bvnt^* n^n Sd irn» ein Gebet gegen die 

Angeber und Verlaumder enthalt, das aus den Synagogen 

Israels nunmehr zum Gliick verschwunden ist. Damals 

war es nicht etwa nur in einzelnen Gemeinden, wie z. B. 

Eisenstadt in ^Dngam^), wo es als vermeintliche locale 

Institution noch fortbesteht, sondern allgemein iiblich und 

darum als verbreitete Formel zum festen Bestande der 

Memorbiicher vorziiglich Oesterreichs gehorig. Dem Segens- 

spruche aus Gefahren Geretteter folgen die der Haftara- 

lection an Sabbathen und Festen vorangchenden und sich 

anschliessenden Benedictionen sowie das Jekum Purkan- 

Gebet. Geschichtliche Erinnerungen traurigster Art regt 

das Kaiser gebet auf. Als Zacharias Lewi's Gotteshaus 

seiner Bestimmung iibergeben wurde, war Kaiser Leopold 

kaum ein Siebenzehnjahriger und unvermahlt. Daher er- 

scheint sein Name in der Gebetformel allein; als am 

5. December 1666 die spanische Infantin Margarethe Therese 

als Gemahlin Leopolds in Wien ihren Einzug hielt, ward 

ihr Name als der Kaiserin Margarethe an den Rand des 

Kaisergebetes geschrieben und treu gesegnet, bis sie ihn 

selber von den Lippen riss, die ihn voll Inbrunst in ihr 

Gebet geschlossen hatten. Auf die Neumondsverkiindigung 

und ihre Gebetsformel folgt das Gebet fur die Martyrer, 

das ausser den bestimmten Sabbaten des Jahres auch 

nach dem offentlichen Seelengedachtnisse verrichtet wird. 

Der Segensformel, die an den Fasttagen des Montags, 

Donnerstags und Montags in der ersten Halfte des Ijar und 

Marcheschvan verlesen wird, schliesst die nur fiir das 

Gotteshaus Zacharias Lewi's bestimmte Segnung des Stifters 

und seiner Gattin Breindel sich an, die er in zweiter Ehe sich 

vermahlt hatte. Die Segensformeln fiir die Gemeinde nach 

dem Seelengedachtniss an Festen und am Versohnungstage 



*) KanfmanD, Samson Wertheimer p. 67 n. 



— 292 — 

gehen dann den Gebeten fur Schwerkranke voran. Diesen 
folgen die Gebete fiir das Fest der Gesetzesfreude und die 
feierlichen Aufrufungen derer, welche die Thoralection des 
Jahres beschliessen und eroffiien, sowie des Brautigams an 
seinem Hochzeitssabbat. Die Segensformel fiir diese drei 
Gattungen von Aufgerofenen macht den Beschluss dieser 
Abtheilung. Die Benediktionen fiir die Megillalection und 
die ihr folgenden Gebete am Purim sind die letzten in 
Quadratsohrift eingetrageuen Stiicke des Memorbuches, das 
bis hierher sorgfaltig vocalisirt und sogar mit Rafezeichen 
versehea erscheint. 

Den eigentlichen geschichtshaltigen Au£&eichnungen 
des Memorbuches gehen nur noch in Cursivschrift zwei 
Gebete bei der Namensveranderung Schwerkranker sowie 
die Formeln des sog. kleinen und grossen Bannes voran. 

Entsprechend dem Privatcharakter des Gotteshauses, 
verzeichnet das Memorbuch nur die Hingeschiedenen der 
Familie oder dem Stifter besonders theuere Verstorbene. 
Aber schon diese wentgen Angaben reichen hin, um das 
Bild von der Abstammung und den Verwandtschaftsbe- 
ziehungen Zacharias Lewi's zu erweitem und zu beleben. 
Wohl sind unsere Quellen der jiidischen Familiengeschichte 
Wiens vorlanfig zu durftig, um auch nur dieses kurze Todten- 
register, diesen Familienfriedhof gleichsam, vollstandig auf- 
zuhellen, allein die neugewonnenen Daten erofl&ien uns doch 
anderseits so viel Einsicht in den Zusammenhang jenes 
Geschlechtes, um die Ueberzeugung zu erharten, wie der 
kleinste Fund von geschichtlichem Interesse unsere Kennt- 
niss der Vergangenheit bereichert und vertieft. Wir lemen 
hier vor AUem die Eltem des Stifters und ihren edlen 
Ursprung kennen. Der nach den Inschriften des alten 
jiidischen Friedhofes m Wien No. 98, wenn ich ihn richtig 
erkenne, Montag am 24. Tischri, d. i. am 16. Oktober 1634, 
in hohem Greisenalter verstorbene Vater Zacharias', Isachar 
Beer, war als Vorsteher und beguterter Wohlthater in der 
Gemeinde Wien zu hohem Ansehen gelangt, das auch 



— 293 — 

bereits sein Vater Meir und sein Grossvater Meschullam 
hier genossen zu haben scheinen. Von Geschwistem Isachar 
Beer's begegnen uns hier die an den aus Prag einge- 
wanderten und durch Gelehrsamkeit und Reichthum in 
Wien zu einer flihrenden Rolle gelangten Henoch Schick*) 
vennahlte Fogel oder Fogele, die Dienstag am 10. Sivan, 
d. i. den 10. Juni 1631 verstarb (No. 83), und Sarah, 
in der ich wohl mit Recht die 1616 in Wien begrabene 
auf ihrem Leichenstein (No. 26) als edle Frau Bezeichnete 
erkenne. 

Hier zuerst erfahren wir, dass die Mutter des Stifters 
Lewia oder Libe die Tochter eines Mannes war, den der 
Ehrenname des heiligen Zacharias schmiickt; Zacharias 
Lewi war also der Namenstrager seines Grossvaters miitter- 
licherseits, dessen Andenken durch den Enkel noch be- 
festigt und gehoben wurde. Die Mutter hat die Auf- 
richtung der Klause und alien Hochsinn ihres Sohnes mit 
erlebt, da sie fast ein Menschenalter nach ihrem Gatten 
Sonnabend den 27. Mai 1662 in Wien verstarb. Jetzt 
wissen wir aber auch, dass der Mittwoch am 16. Mai 1640 
nach seinem einsilbigen Grabstein (No. 124) in Wien ver- 
storbene Gelehrte R. Israel IsserP) der Bruder Lewia's 
gewesen ist und dass somit seine Sohne, Veitel, der 
Rabbiner von Kremsier, und David, der Rabbiner von 
Trebitsch, Vettem Zacharias Lewi's waren. Ein dritter 
Sohn R. Israel Isserl's, gleich seinem Vetter Namenstrager 
des Grossvaters Zacharias des Heiligen, war nach einem 
durch Wohlthatigkeit ausgezeichneten, aber offenbar friih 
abgebrochenen Leben, lange vor dem Jahre des Exiles, in 
die Wiener Erde gebettet worden. 

Von Geschwistem des Stifters gedenkt das Todten- 
register des Montag am 23. November 1643 als Mitglied 



*) Inschriften N. : 109 und 176. 

*) Eaufinann a. a. 0. p. 51 n. 2 nnd die letzte Vertreibung der 
Juden aus Wien p. 27 n. 4. 

M^asin, Htfk IV, 1890. 20 



— 294 — 

des Rabbinates von Wien verstorbenen Bruders R. Nathan 
FeiteP) (No. 140) und einer Schwester Namens Hendel. 

Zacharias Lewi erfuhr aber auch den Schmerz, das 
Seelengedachtniss eines in der Bliithe des Lebens Uirweg- 
gerafiften treflFlichen Sohnes, Jehuda Lob, seines treuen Be- 
rathers und Beistandes bei der Aufrichtung der Klause und 
ihrerSynagoge,in dasMemorbuch eintragen zumiissen. Montag 
am 2. Oktober 1661 hatte der Tod sein junges Leben be- 
schlossen(No.279). Durch dieEhe seines Sohnes IsacharBeer, 
des Namenstragers seines Grossvaters, mitKrondel, derTochter 
des reichsten Mannes im Ghetto von Wien, Koppel Frankel's, 
war das Haus Zacharias Lewi's in der Gemeinde zu noch 
erhohtem Anschen emporgestiegen; aber bald musste das 
Memorbuch den Namen der im Sivan*) 1659 in jungan 
Jahren hinweggenommenen (No. 243) Schwiegertochter 
des Stifters verzeichnen. Seiner eigenen Gattin Fogele, 
der Tochter Isak's, war es nicht vergonnt, den Bau ihres 
Mannes, den sie mit so viel freudiger Begeisterung unter- 
stfltzt hatte, vollendet zu sehen; sie starb vor dem Ab- 
schlusse wohl Dienstag am 17. Marz 1657 (No. 217)»). 

Am Fusse des Blattes, das als erstes dem Seelenge- 
dachtnisse seiner Familie eingeraumt war, soUte bald aber 
auch der ifromme Urheber selber beigesetzt werden, dessen 
Ruhm, dankbar gleichsam und treuer als sein Grabstein, 
das Memorbuch der von ihm gestifteten Synagoge bewahrt 
hat. Dienstag, am 15, Juli 1664 ward er, viel beweint 
und tief betrauert, den Seinen und der Gemeinde entrissen 
(No. 292), iiber die es in den Stemen bereits geschrieben 
war, dass sie die Wohlthaten ihres edelsinnigen Fuhrers 
und Vorstehers nicht lange iiberleben werde. 



lb. p. 67 n. 2. 

') B3''«n r)i» p«D 'n ci\ wie es auf dem Grabstein heisst, enth&lt 
offenbar eine Liicke. 

^) pfiS i"«n nnM ro ';i dp. Da der 21. Adar 1656 auf Freitag« 
wohl aber im Jahre 1657 auf Dienstag fillt, so dUrfte das Jabres- 
datum in v^n zu berichtigen sein. 



— 295 — 

Auf einem besonderen Blatte sollten nach der An- 
ordnung des Memorbuches die Manner darin verzeichnet 
werden, die ob ihrer hervorragenden Bedeutung und aus 
dankbarer Verehrung des Stifters eines auszeichnenden 
Seelengedachtnisses auch in dieser des offentlichen Charakters 
entbehrenden Synagoge theilhaftig zu werden verdienten. 
Der allverehrte Sohn des Verfassers der Bundestafeln, der 
unvergessliche Rabbiner von Wien, R. Sabbatai Scheftel 
Hurwitz*), der am 12. April 1660 viel zu friih seiner 
Gemeinde entrissen wurde, eroffiiet die Ehrentafel. Die 
zweite Stelle nimmt der ob seiner kabbalistischen Gelehr- 
samkeit und aussergewohnlichen Frommigkeit hoch ge- 
feierte R. Elchanan*) ein, zu dessen Namen eine spatere 
Hand in Cursivschrift sein schmiickendes Beiwort hinzuge- 
fiigt hat: der Gottliche. 

Hier sollten aber auch die Namen der Martyrer eine 
Stelle finden, die auf dem Boden Niederosterreichs ge- 
blutet und einen Anspruch darauf erworben hatten, dass 
ihr Andenken in aUen Synagogen dieses Landes und vor- 
nehmlich der hauptstadtischen Gemeinde Wien erhalten und 
gepflegt werde, Isak von Niederspreigen und der als Jiing- 
ling hingemordete Sender b. Jakob. 

Das letzte Blatt des Memorbuches gehort dem Stifter, 
an den in seinem Grotteshaus nicht die blosse Erwahnung 
seines Namens unter den iibrigen Verstorbenen, scmdem 
ein besonderes, seine Verdienste um diese seine Stiftungen 
wie seine sonstigen Wohlthaten preisendes Seelengedacht- 
niss erinnern sollte. 

Diese Reliquie aus dem Ghetto von Wien, dieses 
Opfer der Vertreibung von 1670 bildet heute das Besitz- 
thum der naahrischen Gemeinde Misslitz'). Wie ist das 



^) Kaufiouum a. a. 0. p. 66 n. 1. 

*) lb. p. 82 n. 1. 

') Harm Rabbiner Dr. Simon Stern, der mich zuerst auf 
dieses verschoUene Denkmal anfinerksam gemacht hat, sowie dem 
yoistande der Gemeinde Hisslitz spreche ich fiir die mir gewfthrte 



— 296 — 

Buch dahin versprengt worden, welchen Weg hat es ge- 
nommen, ehe es in die neue Heimath gelangte? Josef 
Oettingen hat dafiir gesorgt, dass wir wenigstens eine 
Strecke weit es auf seiner Wanderung begleiten konnen. 
Von den Sohnen Zacharias Lewi's haben nach der Ver- 
treibung der Juden aus Wien Veitel, seinem Onkel Benjamin 
Frankel (Mirels) folgend, nach Berlin, Josef mit seinen 
Yettem Jesaja und Zacharia, den Sohnen seines Onkels 
R. Nathan Feitel, nach Kremsier sich gewendet, wo R. Veitel, 
der Sohn ihres Grossonkels Israel Isserl's, als Rabbiner 
wirkte. Hierher hatte nun Josef zunachst das Memorbuch 
als die greifbarste und inhaltreichste firinnerung an 
R. Secharja's »Schul^ mitgenommen und bis zu seinem 
1 706 erfolgten Tode treu gehiitet. Dann wird es als Erbe 
an seinen treflPlichen Schwiegersohn, R. Elieser Oettingen, 
den Rabbiner in dem benachbarten Holleschau, gefaUen 
sein, der aber schon 1709, vier Tage bevor er zum 
Rabbiner von Krakau berufen wurde, einem vorzeitigen 
Tode zum Opfer fieP). Sein Sohn Josef hat diese Her- 
kunft des Buches, dieser theueren Familienerinnerung, an der 
Spitze derselben nach dem Heimgange seines Vaters auf- 
gezeichnet*). Aber auch am Scblusse, auf der Riickseite 



BenntziiDg des Memorbnches anch an dieser Stelle den besten Dank ans. 
Herr Rabbiner Stem vermuthet, dass die Gemeinde Misslitz von den 
Exnlanten des Jahres 1670 gebildet wurde, da kein Leichenstein 
fiber jene Zeit hinansreiche. Der alteste eines v^fi n^a nvD n'O 
ruhrt von x'^ T»» T'o '» Di» her. Das Epitaph des pyo» n'O 3»S 'n, 
der Thpn naaa nn n u^^ verstorben ist, besagt: |nnK n^ni ^on')la nu 
^nisD^M ^tr^xc. Dieser L(}b kann nur als 8 o hn eines dsterreichischen 
Exnlanten, nicht aber als Zeuge des Exils von 1670, als „der 
letzte Oesterreicher** bezeichnet worden sein. 

^) Kanfmann a. a. 0. 183 n. 1. 

*) Die am Scblusse fast vollig verblasste Ueberschrift lautet: 
innar nY'nno pviS r^n 'w^is^i d^ob^S \*:ipn t^ihnn nnS y^ nm neon nt 
. . M n*nSvT H:ni — so weit hat ein Neffe Zacharias Lewi's geschrieben, 
woranf nach einer Mcke von wenigen Buchstaben Josef Oettingen 
fortsetzt: 'pn ihw nss snisn hkt — LUcke, auf der jedoch kaum etwas 



— 297 — 

des letzten Blattes, leitet das Buch auf R. Elieser Oettmgen 
zuruck. Aus Pietat fur den seltenen Mann und zur ewigen 
Erinnerung fiir die Familie hat hier eine befreundete Hand 
das ehrende Seelengedachtniss in Currentschsift einge- 
tragen, welches die Gemeinde Holleschau ihrem so friih 
dahingeschiedenen Fiihrer und Vorbilde in ihrem Memor- 
buche gewidmet hatte. Abgerieben und erlosehen, ja 
stellenweise verschwunden, wie diese Abschrift sich heute 
darstellt, ist sie doch nicht ohne jede Bedeutung. insofem, 
als sie, ein unerwartetes flilfsmittel, Stellen aufhellt, die 
im Original* der Verbesserung durch die Vennuthung be- 
diirftig ^waren^). Durch die Wittwe R. Elieser Oettingen's 
ist das viel umhergetriebene Buch nach Trebitsch und wohl 
von da nach Misslitz gelangt, wo es im Besitze der Ge- 
meinde zur Ruhe kam^). 

Es liegt nahe, angesichts des gliicklich geretteten und 
geborgenen Memorbuches aus Zacharias Lewi's Klaus-Syna- 
goge die Prage aufiniwerfen, wohin wohl die Memorbiicher 
der Gemeindesynagogen von Wien gerathen sind, die so 
viel geschichtlichen Stoff enthalten haben diirften und mit 
klaren Thatsachen uns batten aushelfen konnen, wo heute 
tastend die Vermuthung mit dem volligen Verzichte auf 
Erkenntniss der Vergangenheit ringt. Der Fund von Mis- 
litz hat mir eine Spur erofl&iet, die, wenn nicht gar zu dem 



stand — 'pn to» '>tw V»t hxo nt^hn o^o'^wam n^onn iwina t\w 
au . . p"pi 'ns'^ HSTKi ppa nw'^B 'n^n ^r\l^so^ ^whyn. 

>) Heine Vennnthiing in ni*iAon yntt ed. Graber n, 
114 ist durch die Leseart der AbBchrift zur Gewissheit ge- 
worden. 

') Auf dem obem Bande der Riickseite des 10. Blattes onter- 
flchreibt in dem Memorbuch wohl ein sp&terer Besitzer in grossen 
Quadratbuchstaben: y\2^ '^h :3pys ein Name, der nach Trebitsch zn 
weisen scheint Anf der Innenseite des rechten Deckels steht von 
nenerer Hand: Salomon Strasser. Auch der Name Eleasar Bech- 
nitK^ der in Gnrsivschrift neben dem Seelengedachtnisse B. Josef 
oske*s ersoheint, ist sp&t hinzugekommen. 



— 298 — 

Schatze selber, so doch sicher zu der Stelle, an der er 
gelegen, und zu zerstreuten Trummem desselben zu leiten 
scheint. 

Colberg, August 1890. 



Anbang. 

D^anaon Sai noSi^i nn pnKi nu^o apri pnr oma^ li^iTDK r» 

'jnr wipi mi D1T [onS] i*? wk S3 nto [ntDj^^aio inte^K n«T m j 
npw mv Sao mnoi^'-i i.T'»n''i i«» n3:n Kt^ii iko mi'* iniaSo kd3 
mSr niB" iit^« ^331 vSii niM nnn vm\t^ Ab'^t rmn d'-dj^ laT-i 
nrnSi D^onii ion npnvi Mt^o mtt^vh pD3i Dsn aS dniSk )h jn^i 
S^attf'.T D^Di» D-D'' -[IkS not^jT Pjii fiKnM in'»^n'»T h:h D'tsoi di» 
^31 D.T3fyv Sai wit yin win «in rmonSo h^y) mi S33 n-Ssri 
yit^in •u-CDi ro-DT loit^D ini^i ihk S3 Dn'»S''-n Sai Dnw^DV nit^ 
:}»K 1DK3T p3n M** pi S«iJ jvsA «Di ntDDS \o\tf'> S«itt^''i niin'» 



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noSit^i in pHKi nit^o apri j^t oniDK irniSK -[idk^ ""d 
YT it^i* 3'i3.iS mStt^T mStt^ .itoo jiT**) psi^'* ton ntn n-aa pii^n 
'»51iannp ,ti3t '•^I DinirnoDoiionpiiSKnifnanaSyDip-Tniyii 
Sdi mn i^npni Snan n-nn pa dw imi Ki^ate^ iidw '•iSn iDt^it^- 
^•51 Din irno fiD Sij-"!?? mo nipM mi^K n^i m^yin Sy noj^n n-D 
DTiiDT HM" nt lott^D omi nni^n pM w^-d oSate^ iidj^d ••iS.i .tidt 
Dnwit niDinSi d31d"»i D.i"»Sy nimpc -'"• ••aw rm ovp. nun nnS 
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i» latt^t^'' T1.1D D3iBn nSpn yiM note^a n« dmSk iw 
^tt^a inot^j ni3T.i ij^a npivS ww nat^iiDj^a nSn i-i^o '1 id 



— 299 — 

T^2\t^ V1X i«t^ Dj?i rt^ nott^i Dj? D^^nn niM nmv ik^bj «nn 

Mtt^ niay ^^n o^iit^o 'i 13 i'-kd '•31 not^i n^ dm^k nar 
view niatn t^d npivS n^te^ nwi»S onte^ }w ^^n iDte^u^^ n 
vnaf TKi^ Djn r-'K noi^a tiv D^-nn nivn nin:if iit^ei Knn nt iDit^n 

ttnnpn p Sid^» h^itf*^ inno Tonn n»i^3 n» dni^k n3T"» 
«nn m n^tt^a viot^i niDtn njD npiv ii3 m\t^ inj^a .tidt rnn 
py }Mi^ rw iKttf Djn r"'^ note^i oy omn wva mnv ite^w 

^©^••c }ni innD3 Donon rji^^n am nott^i nv^ dmS« iwr 
TTiDi^a niDtn nj^a npnv liw rn^i laai^ iwa "iSn iDte^u^^ i-nn p 
nv i«i^ Djn rK noie^i dj^ D'^-nn wvd nnnv inoit^a »nn nt idk^d 

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inno p n^T2T inns PiiS«n anin note^a ni< D\nS« nar 
no laSo nc np'i^h ^np "Sdi nma anai nite^ iiaj?D ^id^'K S«itt^^ 
Dy D'-'-nn invn nin:if inoit^a Knn nt iDte^a ntSnpSt on-n''^ niu^ 

:m riv i«i^ Dj^i •!•"'« noit^i 

inn M ^^i» n'TO nrom njmvn nte^Kn not^a nK qm^k TOt^ 

'nott^i niDtn ipD r\pi^ 113 mauf iiDj^a "iSn tko 

ittj^a ^Sn i^K» inn nD nite^ ni» note^a n^ dm^k iisr 

i3tt^tt^^ -i«vt nD Snaj^n mo nt^Kn note^i n« dmS« ii3t^ 

ntDj?D ^tSn 

nm po iTrn p lya iDu^t^^ '^'^^ nott^a n« dm^k nsr 

1WD ntJ^D i-nn nD one mo inte^K not^i 

na Sninp mo nrom nyijv nu^i^n noit^a nK D\nS» iw 
lya iDiw innD nSj^^n nSj^Dit^ iiaj^a ^iSn 'j-oi^p Dpy*" inns j^sfpn 

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na lAro mo nrom nyiijfn m^^n not^a n» dmS« iiar 
Snun n^an pa nmi naiiUf iiaj^a noSj^S rt^hrwt^ pnT w lann 



— 800 — 

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trpnjf imr t3jn njAi Sm npan mu^ apjn jrnr omaK nott^i oy 

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n^tt^a rtmw main lya npnaA wi miai^ now nnaT "i ttmpn ra 
Sm npai mttf r» not^i oy c^nn mnara mnar nnoi^i Knn m 

.|o» lOKJi r»v 3n3t iRV Djn njAi 

ryv^ n-na a^S nnvr rvra nSyyr nott^i nK dm^k nrr 

jw raK D31 mn t^npn n^an paa tko popnnv niaya ^^n mat 

Dj? cvin iiiva ninsf inoit^i Knn nt nau^a mei^i niain nya nptjA 

p 'nsT Tnmo pji^kh T'onn notrmx t3'»nS« n«r 
isiro ntr« (O »npn ''^s h^ dj^ nrn »npni ^n:in iron 
mot^^ HKtr ^5 Dj? d'^^nn nnsa mins itrtj «nn m nst^a 

jiwn p S»cjn{^ ^natt^ irani irno \)^yn noK^a nK D\ibK tov 
^Kni^'-a niTTi paini^ nnya ^iSn .Tj^te^^ rnnoa ^kik^'^ pwa k^k^j 
apri pnr oniaK noit^a dj? n^vr^ nma ninsf inoit^: «nn nt nat^a 

.pK nowT pj^ pati^ nvapnsn D'-pnv i«k^ dj^i 

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— 301 • — 

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n^D nan ii^k .D-»n "ifjin piv f?yiB not^iS .D^wm D''pnv on^ntt 
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h:h i^^yr nmrn n .n^-D n»y D-srn mof?K Sisa .hm rwt^v ^iSn 
D'^wn^jrar i*?vk n«T nj?S moij? inpnv nit^S ^n:in I :n3«f?»n 
^y»o T»n niian nnn niinri .nyei itj? onS rft^n n^TWi jnit .njn it'D 
.r^nw on*? nin^ pm mei d-t .nnn^i n^tJ^D d^ki'^S jw riitt :nvv 
: nnipc pj?D im S«ni^^ pK '•'•ayS .nnine nnnS n%T in'-a na^M 
joi^T rih'iyyy \t^)rph }'"• jna .nnpnii nti^em 3^ an: vtim '•o | 

vsnh nT\yih nay*? •»''iii .o^'ari nirait^a niiot^K vr j^ lonp .D'-io D'ts'*'' 
Saa Sar '»d nw .rwtrp roj^a di» lu^i* D^'tt^yo nKtt' :d^30W d^d |w 
n^p ni»D .non «^ ibdd ^y nu^npate^ idi SaS .nit^c nwo w 
)ryi .nnw ••jtt^ o^pn Kin o'^onin Sya pS :nDini i6 miona 

rat^ni .WTOD mD3 nnMi ronipc noite^S iKt^^ nic:if dt» ai^ nar 
m»r Dnn wSi .inrait^i ^"^ Djn^D rmh .inott^Ji itt^ea ninsmsra 



Z«r Oe«ehlehte der Wiener Exnlanten 

Ton 1670. 

Von Prof. Dr. D. KmAnm in Bidapttt. 



1. Die Wiener in Trebitsch. 

Dank der fordersamen Bereitvrilligkeit, mit der Herr 
Rabbiner Dr. Samuel Pollak in Trebitsch durch ur 
kondliches Material wie durch seine Funde auf dem Gottes- 
acker der Gemeinde mich unterstiitzt hat, kann ich heute 
Trebitsch der Zahl der mahrischen Gemeinden anreihen, 
in die der Strom der Vertriebenen aus dem Wiener Ghetto 
von 1670 eine Welle getragen hat. 

Der natiirliche Mittelpunkt der Wiener Colonie und 
wohl auch der eigentliche Veranlasser ihrer Niederlassung 
an diesem Orte war R. Isak Meir Theomim, den die Gemeinde 
Trebitsch unmittelbar nach seiner Exilirung aus Wien zu 
ihrem Rabbiner erwahlte. Der Ruf ausserordentKcher per- 
sonlicher Bedeutung und ein in der eigenen Abstammung 
wie in der Familie seiner Frau *) begrundetes Ansehen waren 
ihm vorangegangen. Sein Schwager R. Juda Lob Krochmal*), 
der Sohn des gefeierten Landesrabbmers von Mahren 
R.Menachem Mendel Krochmal, sein Vorganger in Trebitsch, 
hatte durch seine Beruftmg auf den Rabbinersitz von Nikols- 
burg ihm die Wege geebnet. Noch bewahrt das Statuten- 
buch von Trebitsch in der Unterschrift Isak Meir Theomim 
aus Prag, wie er sich hier nennt, von Donnerstag dem 
6. Adarl. 432 d. i 1672 einZeugniss seiner rabbinischen 



') Kaufmann, die letzte Vertreibnng der Juden ans Wien 
n. 80 n. 2. 

") lb. 79 n. 2. 



— 303 — 

Wirksamkeit. , AUein die Ruhelosigkeit, die mit ihrem 
Fluche sein ganzes Leben verfolgte, ergrifif ihn bereits hier an 
der Schwelle seines ersten Wirkungskreises durch eine 
furchtbare Schickung. Sara, die Tochter des im Ghetto 
von Wien und weithin in deutschen nnd fremden Landen 
durch seine Familienverbindungen beriihmten Mose Mirels, 
seine in Jugendbliithe an seiner Seite wirkende Gattin ward 
Dcnnerstag am 15. Ijar 1672 in ihrem 23. Lebensjahre 
vom Tode dahingerafft, da sie eben einem Kinde das Leben 
geschenkt hatte*). 

Mit dieser Tochter Mose Mirels' und ihrem Gatten 
war aber auch ein Sohn Mose's, Abraham Mirels, gleich 
dem Vater durch talmudische Gelehrsamkeit und reich- 
geiibte Wohlthatigkeit ausgezeichnet, nach Trebitsch ge- 
kommen. Die Tochter dieses seines vortrefflichen Schwagers 
war es, der R. Isak Meir in zweiter Ehe die Hand reichte. 
Aber schon Dienstag am 2. Ijar 1673 ward auch Abraham 
Mirels der neuen Heimath, die kaum des Glanzes seines 
Namens und seiner frommen Werke sich zu erfreuen an- 
gefangen hatte, durch einen vorzeitigen Tod entrissen'). 
Jetzt war R. Isak Meir's Bleiben nicht langer in dem Orte, 
in dem er in so rascher Folge hatte begraben miissen, die 
seinem Herzen am Nachsten gestanden. Als die Gemeinde 
zwei Jahre nach den ersten neue Statuten errichtete, war 
kein Rabbiner in ihrer Mitte, der sie bestatigen konnte; 
sie wandte sich ^Qkher an den Rabbiner von HoUeschau, 
Mose Isak Jehuda Lob, der Sonntag am 1. Neumondstage 
des Elul 1674 seine Unterschrift darunter setzte"). 

Wohl durch die Verwandschaft mit der Familie Mirels 
angezogen, nahm auch ein anderer Exulant aus Wien hier- 
her seinen Weg, um hier der Griinder eines ausgebreiteten 



') Anhang I. So erkl&rt sich die zugleich auch die Zahl ihrer 
Jahre anzeigende Bezeichnung nv^n. 

*} Anhang 11. 

') M. L. Kohn, Biographien hervorragender rahbinischer Au- 
toritatenp. 49, jedoch nach Kaufinann a. a. 0. 88 n. 8 ku berichtigen. 



— 306 — 

der Unterschrift seines Namens im Gemeindebuch hinzu- 
fugt: Exulant aus Wien.*) 

Auf dem Friedhofe von Trebitsch erinnert an die Ver- 
treibung von 1670 auch noch das Grab der 1748 ver- 
storbenen Eabbinersgattin Libele, der Tochter des, wie es 
ausdrficklich auf dem Leichensteine heisst, Wiener Exulanten 
R. Josef Halewi*). Ich vemauthe in ihr die Wittwe des 
Rabbiners von Holleschau, R. Elieser Oettingen, die Enkelin 
Zacharias Lewi's, des Griinders der Talmudklaase von 
Wien, die Tochter Josef Lewi's, der in Kremsier sich nieder- 
gelassen nnd in dieser Tochter den Namen seiner Gross- 
mutter wird haben aufleben lassen. Hierdurch scheint 
auch auf den im Memorbuche Zacharias Lewi's untcr- 
schriebenen Trebitscher Namen Bacharach ein Licht zu fallen. 

2. Ahron b. Meir, der Grammatiker aus Wien, und 
sein Schiller Liwa Oppenheim in Glogau. 

Wer das Geistesleben im Ghetto von Wien nach dem 
Schriftthum der Exulanten von 1670 beurtheilen wollte, 
in dem die gleichsam vorher latente Gelehrsamkeit plotzlich 
frei und oflfenbar wurde, der miisste ein Gemisch von 
Talmud, Midrasch und Eabbala als den ausschliesslichen 
Gegenstand bezeichnen, dem der Fleiss jener Tage sich 
dort zuwandte. Und doch hat es, vielgestaltig und in 
Gegensatzen polarisirend, wie der jiidische Wissensdrang 
zu alien Zeiten gewesen ist, in dem Wien des fi. Sabbatai 
Hurwitz und R. Gerson Aschkenasi, des R. Jakob Temerls 
und des ^gottlichen^ R. Elcbanan auch cinen Mann gegeben, 
der, betriibt ob des Verfalles der hebraischen Sprachkunde 
unter seinen Glaubensgenossen, mit liebevoller Hingebung 
in die Gesetze der heiligen Sprache sich vertiefte und 
anspruchslos und ohne schriftstellerischen Ehrgeiz, wie 
man in der Judengasse von Wien iiberhaupt gewesen ist, 

»B»a»')B p"p »»np nhnp Svm mem jr'^. 
yr\ nan Mj^B^in '». 



— 807 — 

ein Grammatiker des Hebraischen wurde zu seiner eigenen 
Befriedigung, far seiner Seele Seligkeit. Ahron b. Meir 
hiess der Mann, dessen Lchre und Yorbild erst in seinem 
Schfiler litterarisch wirksam und schopferisch wurde. Vom 
Sturme der Vertreibung von 1670 aufgehoben, fie] er wie 
ein triebkraftiges Samenkom in Lissa und wohl kurz darnach 
in Gross-Glogau nieder, wo Juda Liwa Oppenheim aus 
Worms sein Jiinger wurde. Der Sohn Samuel Sanwel 
Oppenheims, der Abkommling jenes Simeon Wolf, der 
keinen Geringeren als R. Jomtob Liepmann Heller sich 
verpflichtet hatte, indem er seine kostbarste Handschrifl 
ihm zur Verfiigung stellte, war vom Hause aus geeignet, 
die Anregungen, die von Meister Ahron ausgingen, sich zu 
Nutze zu machen. Als er 1693 seine kurze hebraische 
Grammatik n^v *pT in Frankfurt a. M. herausgab, konnte 
sein Lehrer, mit dem er damals bereits 23 Jahre in stetem 
Verkehr dem grammatischen Studium obgelegen hatte, 
ihm bezeugen, dass er bei der Durchsicht des Werkchens 
keinem Verstosse begegnet sei. Ahron hatte den Ehren- 
namen: der Grammatiker damals bereits als standige Be- 
zeichnung erworben und der Ruf seiner Fachkenntniss war 
auch in Deutschland verbreitet, so dass der beriihmte 
Rabbiner von Frankfurt Josef Samuel b. Zewi Hirsch, auf 
sein Zeugniss gestiitzt^), sich nicht bedachte, Oppenheim 
seine Approbation zu ertheilen. Rabbiner von Glogau war 
damals Isach^r Bar b. Obadja, genannt Bar Satanow^), 
nachmals Rabbiner zu Kremsier, der beim Erscheinen des 
Buches gerade nach Zolkiew berufen wurde, wie iiber seiner 
Approbation zu lesen ist. Hohen Lobes ward Oppenheim 
auch noch von einem andem hochgefeierten Manne ge- 
wiirdigt, R. David Lida*), der auf der Durchreise in Breslau 



1) Die Worte: nanDn hv "Wa pnpnn noana Domao nnit Snj d:i 
pnsi niMi man Sav k5nnen sich dem Inhalte von K Ahron*8 Approbation 
ZQ Folge nnr auf diese, nicht anf die Lida*8 beziehen. 

*) Kanftnann, die letste Yertreibung p. 62 n. 2. 

*) S. Brann in Qrfttz Jubelschrift p. 281. 



— 808 — 

Sonntag am Neumond des Tammus 1692 die Schrift mit 
preisenden Worten approbirte. Ahron b. Meir war damals 
bereitseinhochb etagterGreis undals^FurstderGrammatiker'^ 
weithin beruhmt^). Vertrieben aus Wien fiigt er gleichwohl 
noch seinen Namen hinza, ob aach zwei Jahrzehnte dariiber 
hingegangen waren, seit er in der neuen Heimath sich an- 
gesiedelt hatte*). 

rrr "pn nannteOppenbeim sein Biichlein, weil es eine An- 
leitoDg zu sprachrichtigem Gebet, ferner einen Anklang an 
Isak Halewi's pnr iT'r, aus dem es eigentlich einen Auszag 
bietet, und ein Vademecun) der hebraischen Grammatik 
zu enthalten bestimmt ist. In zehn Abschnitten werden 
die Elemente der Formenlehre darin vorgetragen; Ueber- 
setzungen in's Deutsche, die in Klammem hinzugeffigt sind, 
vermitteln eine Anschauung von der Bedeutung der Con- 
jugationen. 

Jehuda Liwa war in Folge seiner talmudischen Ge- 
lehrsamkeit bereits Rabbinatsassessor von Glogau, 'als eres 
noch immer nicht fur zu gering hielt, der grammatischen 
Reinigung der Gebettexte in der alten Weise seinen Eifer 
zuzuwenden. Dnbekiimment um den Spott, dem diese 
armliche unzeitgemasse Weisheit so leicht ausgesetzt war, 
richtete er auf den Text des Tischgebetes und der damit 
verbundenen Formeln, vorziiglich aber der am Sabbat sich 
ihm anschliessenden Gesange wie auch der am Sabbat- 
ausgang iiblichen Lieder seine Aufmerksamkeit. Er war 
aber bedeutend und angesehen genug, um bei den Besten 
Verstandniss und Anerkennung fur seine Bestrebungen zu 
wecken. Als er in den Jahren 1699—1700 mit der Ab- 
sicht umging, diese gereinigten Gebetstiicke mit seinen 



^) Ueber seiner Approbation wird er genannt: HW^y iprn v^v^n 

w*w p"p^ mpoi T»o '»nB^ mo^h p^fo w. 

'} Er unterschreibt die Approbation: Sv k^^dsm 'r\^A ^rxon 
v'D H"Ha ]nn» >nai tiMh:^ na onin p"bS n^Ttan an 't 'h t 'vn n'^in 



- 309 — 

Erklarungen der Oeffentlichkeit zu ubergeben, verliehen 
ihm neben seinen Blutsverwandten E. David Oppenheim *), 
damals Landesrabbiner von Mahren, auch R. Josef Samuel, 
der Rabbiner von Frankfurt a. M., R. Abrahani Broda, 
damals Rabbiner von Prag, und R. Samuel Schotten, der 
ausgezeichnete Klausrabbiner von Frankfurt a. M., ihre 
Approbation. Der Schiiler war auch der Erbe seines 
Lehrers an Ruf und Ansehen in seinem Fache geworden. 
Es war aber dem Verfasser nicht vergonnt, seinen Juda- 
stab (nm.T nao) beira Loben an's Licht treten zu sehen ; 
erst 1721 ist das Buch durch seinen Sohn, den Namens- 
trager des Grossvaters, Samuel Sanwel in Offenbach 
herausgegebcn worden. Die Verbcsserungen Oppenheims 
haben bald die Zustimmung eines berufenen Richters, 
Salomons aus Hanau*) erfahren. 

Eine Tochler Oppenheims, Sara, war an Nathan, den 
Sohn des Rabbiners David Cohn, nach Berlin verheirathet, 
wo sie in jungen Jahren am 15. Tebeth 1724 verstarb'); 
ihr Gatle folgte ihr 1743 imTode nach. Wie ich Lands- 
huth's Papieren entnehme, ist Sara die Stammmutter der 
Familie Springer. Ihr * Sohn Zadok Cohn aus Zehdenik, 
gestorbcn 1798, gab seine Tochter Sara*) dem Jakob Abraham 
Salomon Friedlander aus Kronek, gestorben 1796, zur Fi-au, 
dessen Tochter Marianne, geboren 1787, verstorben 1817, 



1) Die p"cS n3?w» ^j^nv^ mK n 'i di» datirte Approbation ist 
zYi Wien im Hause Samuel Oppenheim*s ausgestellt; n^ns Mam no 

Eaufmann, Samson Wertlieimer p. 3 n. 1. 

* nScn ^'■\'}:iff ed. Jessnitz 1725 f. 26,27. 

^) Ihre Grabschrift No. 115 lautet: nn» 'D nia nnas naora nhv 
xa o<S» f D |na n"3 r\w» h"tt o^^nacw H^vh mm* iiinoa pnpnon na 
n"Dn nao vo. 

*) Sara starb am 10. Nisan 1785. Ihre Schwester Lea, die 
fast 80 Jahre alt, am 13. Cheschwan 1819 verstarb, war dieGattin 
des Uri Feiwel Ries, des Verfassers von n»o pan, des Sohnes des 
Gemeindevorstehers Isak Ries; Peiwel war bereits am 28. Elul 1797 
seiner Gattin Lea im Tode vorangegangen. 

Maguin, Ueft IV, 1890. 21 



— 310 — 



verheirathet an Isak Springer, die Mutter des am 
17. April 1877 verstorbenen Berliner Verlagsbuchhandlers 
und Stadtverordneten Julius Springer wurd«. 

Colberg, August 1890. 



Anhang 

I. 
Grabschrift Sorel Theomims. 

r\hh') ID '•233 r\:'p wtr 

7^%rt jroK^i Dipo S^n 

nSi2 onow n-ti3D T'DJi 

n"n nn W mo mp\i n^i^n 

tt^S'T'O S"3fT S"aD ntt^o -nno 

om T'Ds 3in Snan iiKon 

P"bS a"Sn •)•'-« V'D 'n DV 

II. 

Grabschrift Abraham Mirels' 

Dnanon k^«i pi» in 

onK^o i-io 'n n-nn «^D 
•nno nnam P)iS»n rt"T\ 

.p-oS i"Sn T^N 'D 'a or 



— 311 — 

III. 
Grabschrift Jakob Bacharachs 

T'iniD xSoion y\r\ ]D'r\) j^iiid i*?BiD D3n jOKi njni tt"c 
nott^i n«3f iSdd 'n 'i S^Sa piio 113a nn n^^o inn p mpxip apj?^ 
np*"*) aio^ n-nm nrt mm n^e ot^n ntt^yi ninom r\]tfTtp2 pnsf 

.[n"Dn =] n'^vin nnSO non'''l p« 
IV. 
(sic !) np»- nnino anna n^wo am te^^'K^n pii^kh n"ntt^ ik^k^ 
Dnai nyvna rr ^npn nip^'j?') cm D-rvp d"»ciS» ••jb^ i^a h"i -[id^ 
nyS loy D^onSi vntt^inS tt Snpo o^om it^p^ai nDte^^n Sk D^j?ai5n 
napS inoti^iS nm nn ti^^tt^ na-t^''3 vnu» oipoa nti^*? in-5nSi imipt 
D^^pS ^ni^pti nvh) v'^n -o" S2 Knti^-'iD '"dS anynSi d-dk^hS nio*?tt^ 
nvnai ornSnp no jnoi wti'o n)ii^ mt^yS inyn j^«i "nuK nv -naDtt^i 
mon lam iron ,m« SdS pn^eoi non ion h^ hr\p n>on rr Snpt^^ 
pDSii "M ij^nSnpa Dtt^r nrnS y»t2 r^r\ r^^nh nwi lanai vh» 
inyitt^ 'n yott^^'T ntt^y'* D'»y psni ,jnoi »tt^o dik^ rwt^v^ ^nS "•t^oi« 
"Sn xn^tt^ TT p"yi anip D^DiSw itt^in n: ••wnai jowDi iiy-^tt^ri 
ny^tt^ DK31 na*7 i^wo innS »in |vtt^im .n"T m-itt^no |*>n«io 
tt^^tt^Nn «a "'«iS nvnSi irnSnp no r\pin ow n^n intt^K^ }••» rn omn 
P"dS n"3fn Tion it^inS o^o'' 'i pt^^nn or ovn ( ^n"y loyya tko inn 

.»"r t^^ritt p"p no 
.t^B'.anoa yyS S"3f: ^iidd apj?** inmo p i-»o dw 

V. 

Grabschrift R. Meir Sor's 

.p"o^ o"Dn ante^ 'S '» dv iDpji p^o^ n"ott^ jo'^i i'"*^ iw iSi3 
n'10 nin pwn |n |*''t^3^''« a"*? inno p pn i«t i^»o inmo ro 

VI. 

inani V't }^n tko innio p nm u^im inmo "iiinn >"} 

D nSwi '1 |nnnDi hn -[im apr nnnio nn mwSo mo nyiisrn 

"T 7iayn mo njnjvn nS^n om nott^i luya d^m^bik pyott^ n"D 

.[ninw 3^ a-t^" '"Sx =] K"S^» p"sh wyn aaw^ nny nSyo^ nti^panitt^ 



I 



— 313 — 

hangenden, StoflF fur die Bilder fand, hat in der naiven 
Darstellungsart seiner Zeit die Personen der biblischen 
Geschichte zu seinen Zeitgenossen und Landsleuten ge- 
macht und in einer ergotzlichen Weise die Geschehnisse 
der heiligen Schrift seinen simplen Vorstellungen angepasst, 
so dass manch' unfreiwilliger Humor zustande gekomraen 
ist. Um ein Beispiel fur viele zu geben: Die Heirat des 
Moses und der Zippora ist mit vollstandiger Chuppa, mit 
Zeugen, Ring und Wein dargestellt, wahrend im Hintcr- 
grunde ein fahrender Sanger zum Hochzeitstanze aufspielt. 

— So ware es auch manchmal unmoglich, den Sinn der 
Bilder zu entratseln, hatte nicht der Schreiber selbst fiir 
das Verstandnis durch anspruchslose hebraische Verse 
gesorgt. 

Neben dem Text bieten die mannigfachen, auf das 
Pesach-Fest beziiglichen Vorschriften , welche in farbiger 
Schrift beigefiigt sind, Anlass zu Elustrationen ; sodann die 
Schicksale des Volkes Israel in Agypten, und in aus- 
giebigster Weise die Lebensgeschichte des Moses, wie sie 
in Bibel und Midrasch erzahlt wird; schliesslich sind alle 
wichtigen Ereignisse aus der gesaramten heiligen Schrift 
mit den bekannteren Midraschim zu Abbildungen benutzt. 

— Trotz dieses reichen Materials gestatteten die 42 grossen 
Pergamentblatter, auf welche die Haggada geschrieben ist, 
immer noch B;aum fur groteske Randverzierungen, seltsame 
Blattformen und abenteuerliche Tiergestalten, wie sie der 
Geschmack der damaligen Zeit mit sich brachte. — 

Hinsichtlich der Dlustrationen der zweiten Haggada 
ist wenig zu berichten: dieselbe ist leider arg verstiimmelt, 
und von den auf den Ran dem einstmals vorhanden ge- 
wesenen Federzeichnungen sind nur kiimmarliche Spuren 
erhalten, da sammtliche Rander abgeschnitten sind. Dieser 
Verlust ist um so mehr au bedauem, als die in den Text 
eingezeichneten, noch gut erhaltenen Initialeu meisterhaft 
ausgefiihrt sind und den fertigen Kiinstler verraten. Auch 
zu diesen grossartigen Verzierungen der Anfangsbuchstaben 



— 3U — 

find 'Worte der einzelBen Abs<:hnme haben nataiiicberweise 
hMwMt Themata den Stoff geHefert. — Die Schrift ist 
noch altertomlicher ak in der anderen Haggada; die 
Punktation jedenfalLs erst spater hinzngeffigt; die nicht znm 
Text gehorigen Bemerkiingen sind in ganz eigentmnlichen, 
/»chwcr zu entziffemden Zeichen medergeschrieben. — 

Wenden wir ons nun zom Text,- so ist zonachst fest- 
zu^U^lIen, dass die beiden Handscbriften (die mit Hagg. A 
\mA Hagg. B bezeiclinet werden mogen) von einander un- 
abhangig «ind, da sie selbst bemerkenswerte Verschieden- 
heitcn unter einander baben; jedoch sind die wesentlichen 
Abweichungen von dem heute angenommenen Texte beiden 
gemeinHam. Diese sind der Haaptsacbe nacb folgende: 

1) Statt cm* heisst es - wn bei der Frage des cm; 
dadurch ware die Schwierigkeit gehoben, die sich unserer 
Ivcsart im Vcrgleich zur Frage des y«n ergibt, — allerdings 
mit Hilfe elner Variante, auf welche bereits vielfach hin- 
gcwiesen worden ist. 

2) Nach dem SSvo rnpoS nsr am Ende das ersten 
Tciles fehlt das nsi SSn nrj p. 

3) Im "jran ^cr fehlt der Vers Ps. 79. 6: S3« "3 

4) Nach dem Snin SSn folgt der bei uns fehlende 
Vers (Ps. 33. 1): 031 'na o^pnst un. 

5) Im nfir3 heisst es in Hagg. A. fiir Dir kS 'm: 
Dir hS "»y Snir" iDir 'm, und fur mnnrn iprth: 'n ^s-eS 
ninnrn naS ^S irnSn; in Hagg. B. fehlen in dem Satze 
mS^na — irt iS« die Worter: mi ,nar iHIt^o imriic ,mSp. 

()) Das ganze mo Son fehlt sammt dem 7\\!Cir\ 7\vih 

7) Von den letztcn Gedichten fehlt in beiden Hag- 
gada.s VT ^0 noH und')«nj in, in Hagg. A. auch wn ti8, 



^) Ueber die erste Aufnahme dieses Volkslledes in die Drnck 
auigaben s. Magaxin, Jahrg. 1889 S. 186. ' 



— 315 — 
welches in Hagg. B. sich vorfindet, jedoch ohne •]n^3 ny2 

8) Bei der Omer- Benediktion heisst es anstatt cr Dvn 
iDiyS ins: nns dv ovnr. — 

Besondere Beachtung verdienen auch die Abweichungen 
im i]rDn roia, das nur in Hagg. A. beigefugt ist, 

9) Nach Till 'DIB niDn p« heisst es dort noch n^ia 
p?oi D'^^n num. 

10) Nach -jS [W irs naittn pKn Sy heisst es noch: 
nD83 hSd Snjn ipjth miDi. 

11) Anstatt irSiv heisst es d''U Siy. 

12) Das i.tS« n« iA n'?r' Kin pcmn fehlt; beim fol- 
genden ist der Wortlaut: iA WK Ss DKi i:mK "py ptannn — 
ohne weiteren Zusatz. 

13) Das y\t iSisr orS liS^nr »in pomn fehlt ebenfalls, 
wie auch alle Schlussverse des pr»n roi3 mit Ausnahme 
von 'H i«T und oi Dnx3. 

Erwahnenswert ist noch das Abschiedswort des Schrei- 
bens in Hagg. B; aus ihm scheint hervorzugehen, dass der 
Name myi zur fraglichen Zeit iiberhaupt noch nicht ge- 
kannt oder iibUch war, wie sich dieses Wort auch nirgends 
in beiden Handschriften findet. Dort heisst es namlich: 
-- .'31 nSi«3n -icD nr ^nans pyor na Sm^ toidh ^)« 



316 — 



Beeensionen. 

Maybaam, ]>r. IS. Jlidische Homiletik nebst einer Aus- 
wahl von Texten und Themen. Berlin 1890. Ferdinand Dummlers 
Yerlagfibuchhandlang (385 u. V S.) 

Der gottesdienstliche Vortrag hat, wie allgemein zugestanden wird, 
im nacbexiliscben Judentnm seinen Ursprung. Nachdem die Stimme 
der Propbeten, welcbe das Wort Gottes dem israeJitischen Volke 
Terkiindigt batten, verbal) t war, traten dieSchnftgelebrten {ypafifxatBiq) 
an deren Stelle.^) urn aus den gottlichen Offenbarungen, die in der 
beiligen Scbrift fiir alle Zeiten niedergelegt waren, die Wahrheit 
zn scbbpfen nnd damach dem Volke den rechten Weg zur Tugend 
nnd znm ewigen Leben zn zeigen. Yon dieser Tbatigkeit der Scbrift- 
gelehrten berichtet schon das Buch Sirach in begeisterten Worten 
(vgl. Sirach 38, 24—39, 11): Der Scbriftgelehrte sucht heraus 
{ixXi^T^t = rm) die Weisheit aller Alten, und beschaftigt sich 
mit den Prophetieen (39, 1). Er sncbt auf (ixCi7Ti7<rei) den geheimen 
Sinn der Spriiche und vertielt sich in die Ratbsel der Gleichniss- 
reden (39, 3). Die durch seine Forschung ergriindete Weisheit lebrt 
aber der Scbriftgelehrte in offentlicher Versammlung (vgl. 38, 33), 
und deshalb riihmen Viele seine Einsicht (39, 9) und sein Lob ver- 
kiindet die Versammlung (30, 10). 'j Es ist selbstverstandlich, dass 
die Schriftgelehrten die Weisheit, die sie aus der Scbrift erforscht, 
zu der sie noch die Ueberlieferung der Vater (narpipa itapddoaiq) 
binzufugten, im Anschlusse an die offentlicben Schriftlectionen mit- 
teilten, bei welcher Gelegenbeit sie stets dem vorgelesenen Schrift- 
worte mundlichc Belehrungen anreihten (Philo 11, 81), und so ent- 
standen die regelmassigen go ttesdien^t lichen Vortrage bei den Juden, 
welcbe fur die Erziehung des Volkes von der grossten Bedentung 
waren. 



1) Dies wird unter Andem vom Propheteutargum vorausgesetzt, 
wenn er o'H'aa oft mit nnoo tibersetzt (vgl. z. B. zu 1. Sam. 10, 5) 

') An dieser Stelle, die Maybaum (S. 3) nicht beriicksichtigt 
hat, besitzen wir ein authentisches Zeugniss liber die gottesdienst- 
lichen Vortrage der Schriftgelehrten in altester Zeit (vgl. noch 
das. 39, 6). 



— 317 — 

Diese heiJige Sitte hat sich in Israel auch das ganze Mittelalter 
hindurch bis auf die neueste Zeit erhalten, „Gottesdienstliche ver- 
standliche Vortrage sind in Israel stets iiblich, nie ganz vemach- 
lassigt gewesen; sie wurden, als aufs innigste mit den jiidischen 
Institutionen verkniipft, nicht bios zugestanden, sondeni gefordert, 
nnd in einer zweitansendjahrigen religiosen Litteratur haben sie 
sich ihr Denkmal errichtet" (Znnz G. V. S. 458). Wenn dennoch 
die deutsche Predigt^im Anfang dieses Jahrhunderts von vielen 
alten Rabbinem bekampft wurde, so ist der Grnnd einfach darin 
zu suchen, dass die Einfiihrung dieser berechtigten Institution zu- 
meist mit andern religionsgesetzlich verponten Nenemngen verbunden 
war, so dass man letztere als eine notwendige Folge der ersteren 
ansah. Erst nachdem unzweifelbaft gesetzestrene deutsche Prediger 
wie Bernays, Adler, Hirsch, Plessner u. A. aufgetreten waren und 
gezeigt batten, dass deutsche Predigt und Neologie nichts mit 
einander gemein haben, da drang bald, wenigstens in Deutschland, 
allgemein die Erkenntniss durch, dass die deutsche Predigt, wenn 
sie nur von jlidischem Geiste durchweht ist, als ein alter gottes- 
dienstlicher Vortrag in neuer zeitgemasser Form betrachtet und 
nicht nur geduldet, sondem angelegentlichst empfohlen werden 
niiisse,^) "VVenn nun Maybaum (der aUerdings S. 17 ff den ge- 
schichtlichen Sachverhalt nicht so darstellt), nachdem die Predigt 
von keiner Partei mehr bestritten wird und nachdem bereits in 
einer nicht unbedeutenden jiidisch-homiletischen Litteratur die judisch- 
homiletische Praxis zur Darstellung gelangt ist, nun zum ersten 
Male den Versuch gemacht hat, in einer Theorie die Gesetze, nach 
denen die Kanzelberedsamkeit sich bisher vollzogen hat und weiter 
vollziehen soil, festzustellen ; so kann er fiir diese seine „jiidische 
Homiletik" mit Recht den Anspruch auf nachsichtige Beurteihmg 
erheben. Diese wird ilim auch von denjenigen zu Teil werden, die 
mit ihm nicht auf gleichem religiosem Standpunkte stehen und so 
manche Stelle seines Buches fiir nichts weniger als „jiidi8ch" er- 
klaren miissen. Wir sind ja oft genug bei Erscheinungen der neuem 
jiidischen Litteratur auf das Auskunftsmittel des R. Me'ir angewiesen, 
von guten Eriichten so manche Schale zu beseitigen. 

Ja wir gehen noch weiter. Wir anerkennen, dass die „judische 
Homiletik** Maybaum*s im Vergleich zu den Maximen mancher 
friiherer Reformprediger einen Eortschritt zum Besseni bekundet: 



') Dass die Anwenduug der klassischen Rhetorik bei der 
jiidischen Predigt dem Geiste des Judentums nicht widerstrebt, 
zeigt schon die Lehre unserer Alten, dass die Schonlieit Jephet's in 
den Zelten Sem's wohuen soUe. 



— 318 — 

Unter den ersten Reformpredigem ging der Hass gegen das 
traditionelle Jiidentum so weit, dass Manche es perhorrescirten, 
einen talmndischen Ausspruch als Text zu ihrer Predigt zu ge- 
branchen, Manche sich ob einer solchen licenz wenigsteus ent- 
schuldigen zu mtissen glaubten (vgl. S. 117 im vorl. Werke), Andere 
glaubten,! nicht nur in der Form, sondern auch im Inhalte ihrer 
Predigten protestantische Muster nachahmen zu mtissen J) DieseFeind- 
seligkeit gegen das Alte war erfreulicher Weise nur von kurzer 
Dauer, bald war bei den meisten, und gerade bei den besten 
jUdischen Predigem eine bessere Erkenntniss durchgedmngen, und 
auch die vorliegende Judische Homiletik*' schliesst sich diesem 
Fortschritte an. Sie ist stets bestrebt, von dem Einflusse fremder 
Religionsgebiete sich zu emancipiren und das specifisch Judische 
hervorzuheben, vgl. z. B.S. 30, 37. 51, 70, 151 u, a. 

Freilich ist damit der jtidische Standpunkt noch keineswegs 
betreten. Der Verf. ist der Ansicht, dass dem Gesetze der 
geschichtlichen Entwickelung in der Religion des Judentums 
unbedingt die Herrschaft einzuraumen sei. Jeder Ring in der Kette 
dieser Entwickelung ist ihm gleichwertig, und als solcher, nur als 
solcher erh^t auch der Talmud von ihm seine Wertschatzung 
(S. 117). „Dieser Glaube," meint der Verf., „an die ununterbrochene 
Wirksamkeit des „heiligen Geistes," d. h. an die Ewigkeit der 
gottlichen Offenbarung, deren erhabenster Trager Israel geworden. 
lehrt uns die jungsten Manifestationen des Gottesgeistes ebenso 
hoch schatzen, wie die ^testen" (S. 180f). Eine Eritik dieses 
Standpunktes imd die Barlegung, zu welchen Ck)nsequenzen 
derselbe ftlhrt, ist hier nicht am Platze. Allein so viel muss 
behauptet werden: «jiidisch'* ist dieser nGlanbe*" nicht Nach der 
Lehre des Judentums hat Gott am Sinai sein unabanderliches 
Religionsgesetz offenbart als ein heillges Ideal, das in Israel im 
Leben des Individunms sowohl, als auch im Familien- und Staats- 
leben verwirklicht werden soUte. Die ^Entwickelung** alterirte nicht 
das Religionsgesetz, sondern nur das israelitische Yolk, das sich 
durch Fortschritt in der Erkenntniss sowohl, als in der th&tigen 
Uebung des gottlichen Gesetzes dem gottlicben Ideele immer mehr 
naherte oder auch zeitweise sich von demselhen entfemte. In alien 
Phasen der geschichtlichen Entwickelung Israels aber gait allgemeiir 



1) Vgl. PhiUppson, die Rhetorik und judische Homiletik, 
nach dem Tode des Verf. herausgegeben von Kayserling. Leip- 
zig 1890. (S. 54 und 101). Das Biichlein enthait die Abhandlnngen, 
die Philippson bereits vor vielen Jahren au verschiedenen Stellen 
veroffentlicht hat. 



— 319 - 

das Sinaigesetz als ein ewiges unabanderliches, iind ein Versuch, 
dasselbe zu modificiren, fiihrte hald aus der jiidischen Gemeinschaft 
hinaus. Derjenige mm, der auf dem Standpunkte des nnabanderlichen 
Sinaigesetzes steht, wird gegen viele Satze inMaybaum's „Homiletik'* 
sich ablehnend verhalten, Vieles wieder, was dort nicht erwahnt ist, 
hinzufugen intissen. Er wird aber nichtsdestoweniger das Buch 
niit Nutzen lesen und Belehrung daraus schiJpfen. Dieser allgemeinen 
Bemerkiing lassen wir noch einige besondere folgen. 

Maybamu hatu. A. diePredigtbei iltrer grossen Wichtigkeit, die wir 
ihrkeineswegs absprechen, viel zu sehr uberschatzt und ibr eineStellung 
angewiesen, die sie wohl im Protestantismus, niemals aber im Judentum 
einnehmen kann. Der jiidische Geistliche heisst seit jeher ^Rabbiner** 
(in der Synagoge uniD miD) ; diesen Namen fubrt aber er nicht yon 
seinem Predigtanite, sondem als Lehrer, der in alien religionsgesetz- 
lichen Fragen zu entscheiden hat. Wenn nun auch in neuester Zeit, bei 
der Unfahigkeit der in der Geraeindeverwaltung massgebenden Person- 
lichkeiten, die Qualification desRabbiners zu beurteilen, der Beifall, den 
der Candidat durch seine Probepredigt emtet (nicht die Qualitat der 
Predigt), bei der Rabbinerwahl den Ausschlag gibt, so diirften doch 
nur ausserst wenige Gemeinden zu finden sein, bei denen nicht 
auch die numn ninn (d. h. der Nachweis der Befahigung und der 
Autorisation zu religionsgesetzlichen Entschei'Uingen) als eine con- 
ditio sine qua non angesehen wird. Wenn nun, wie Maybaum will, 
kein Hanptgottesdienst am Sabbat und an Fcsttagen ohne Predigt 
denkbar sei (S. 19) und der Rabbiner den grossten Teil seiner 
Kraft und Zeit der Predigt widmen soil (S. 182), wenn ferner selbst 
ein Genie, wie Mannheimer, eine ganze Woche zu einer Predigt 
brauchte (das. Anm.), dann fragen wir mit dem Talmud 'no innn 
n^tyya? Die Folgen dieser Ueberschatzung der Predigt sind bis jetzt 
nur deshalb nicht so deutlich zu Tage getreten, weil es noch viele 
Rabbiner gibt, die nach jenem „widersinnigen Lehrplan" vorgebildet 
sind, nach welchem sie schon im zarten Kindesalter sich ausschliess- 
lich mit Bibel und Talmud beschaftigten. Was aber dann, wenn 
dieses ganze Geschlecht ausgestorben sein wird und, nach dem Ideale 
Maybaum's (S. 176), ein dem jud.-theologischen Studium sich wid- 
mender deutscher Abiturient keine Talmudkenntniss, sondem, „nur 
einige Belesenheit in der hebraischen Bibel mitbringt" — was dann 
aus der rabbinischen Wissenschaft werden wird, das lasse man 
sich yon den christlichen Hebraisten erzahlen, die mehrere Jahre 
fleissig mit dem Talmudstudium sich abgemiiht, es aber beim 
besten Willen nicht so weit gebracht haben, eine halachische Dis- 
cussion entziffem zu konnen. 

Die in der Einleitnng dargestelJte „geschichtliche Entwickelung 



— 320 — 

der Predlgt* erscLeint uns zn luckenhaft. In Znnz's ^Gottesdienst- 
liche Vortrage* ist fur das spatere Mittelalter nnd die netiere Zeit 
bis zum 19. Jahrhundert ein betrachtliches Material gesammelt, 
dessen Inhalt aber noch einer wissenschaftlichen JBearbeitnng harrt, 
die von Pbilippson (a. a. O. S. 94) vergebens ersebut ward. In 
einer, wenn ancb nnr knrzen Barstellnng der gescbicblicben £nt- 
wickelnng der jtidischen Predigt batten wir wenigstens eine genane 
Cbarakterisimng einiger bedeutender Werke der jiidisch-boniiletischen 
Litteratnr ans der erwabnten Periode nach Form nnd Inbalt er- 
wartet. Imzweiten Teile der Einleitnng, die fiber ^Begriff nnd Zweck 
der Predigt* handelt, vennissen wir die Erortemng, was die be- 
sondere Bestimronng der jiidiscben Predigt ist nnd was de von 
anderen Predigten unterscheiden soil. Der diesbeziiglicbe, auch von 
Salomon Plessner als ^gediegen** bezeichnete Anfsatz Philippson's : 
„Ueber die JBestimmnng des jiidischen Predigers** (a. a. O. S. 51) 
hatte auch von Seiten nnseres Verf/s beachtet zn werden verdient. 
Der erste Hanptteil des Werkes: ^Inhalt der Predigt" 
zeicbnet zwar bei den Festpredigten mit ziemlicher Genauigkeit 
den Gedankenkreis, in welchem der Prediger sich zn bewegen hat: 
die ^Sabbat-Predigt" aber ist in dieser Beziehnng stiefiniitterlich 
behandelt. Hier begegnen wir nur allgemeinen Belehmngen iiber 
Anslegnngsarten der Schrift, iiber Stra^redigten, Eritik nnd Pole- 
mik, die spatere jiidische Geschichte nnd der alte Hidrasch anf der 
Eanzel. Eine Bestimmung der Beligionslehren nnd Wahrheiten, 
die vorziiglich in der jiidischen Sabbatpredigt behandelt werden 
soUeu, vennissen wir, was keineswegs dadurch ersetzt ist, dass der 
jedesmalige Wochenabschnitt als Hanptgegenstand der Betrachtnng 
empfolilen wird. 

Ans dem 'Nachweise Znnz's, dass der Midrasch nichts weiter 
als eine Sammlung von Triimmem offentlich vorgetragener Predigt«n 
ist, wird (S 46) mit Unrecht gefolgert, dass die midraschischen 
Anslegungen der Schrift nicht Gegenstand nener homiletischer 
Anslegiingen sein konnen. Es ist dabei ansser Acht gelassen, dass 
das Material, welches der Midrasch-Prediger verwendet, zum 
grossten Teil in alten traditionellen Schriftauslegnngen nnd Kern- 
spriichen nnserer alten Weisen besteht. Dieses Material wird ja 
vom Verf. selbst (S. 117) als fiir Predigt-Texte benntzbar erklart. 
Ansserdem ist doch zwischen Midrasch nnd Midrasch wohl zn nnter- 
scheiden, der alte Midrasch: Mechilta, Sifra nnd Sifre, ist gewiss 
keine Sammlung von Predigt-TrUmmem. 

Zu S. 8 Anm. 3 ware Lemer's Austnlirung iiber die Probmien 
des Ber. rabba (^Magazin" 1880 S. 168ff u. 1881 S. 183ff.) zn 
vergleichen. 



— 321 — 

Zu S. 13: „In alter Zeit wurde allsabbatlich gepredigt," 
ist hinziizufligen, dass auch am Preitag Abend gepredigt wurde 
(vgl. FrankeFs Commentar zu Jerusch. Anf. Berachot). 

Zu S. 23 Anm. 2. A us Ausspriichen wie hr^p^ tynm ^w^ nan 
n^TO 'a;iS om aSn nnpn iSh3 mnan vSy nSyo zu schliessen, dass die 
Alten die Predigt als eineu Gottesdienst ansahen, ist nicht statthaft. 
Solche Aussprilehe kommen uoch bei auderen gottgefalligen Hand- 
lungen, wie Almosengeben, Fasten, vor. 

Zu S. 38. Nicht Akiba, sondem Beraria, die Frau des R. Mei'r 
hat den schonen Satz ausgesprochen : Nicht die Siinder, sondern 
die Siindesoli untergehen (Berachot 10 a). 

Zu S. 66. Beim Neujahrsfeste hatte auf Albo hingewiesen 
werden sollen, der (Ikkarim I, 4) in nnow manaT nvaSa die drei 
Glaubensartikel (Dasein Gottes, gi5ttliche Vergeltung und gottliche 
Gesetzgebung) ausgedruckt findet. 

Zu S. 69. Auch beim Versohnungstage ist ein geschichtliches 
Moment zu beachten. An diesem Tage hat nach der Tradition 
Gott zum ersten Male dem Volke Israel das „*nnSD'* verkiinden 
lassen, wodurch die Siinde mit dem goldenen Kalbe vergeben wurde. 

Zu S. 80. Fiir das Chanukka-Fest diirften an mancheu Orten 
die Hellenisten Jason und Menelaos als abschreckeude Beispiele 
vorgefiihrt werden, wie die Verachter der jtidischen Religion immer 
tiefer sanken und schliesslich Verrather und Verfolger ihrer Briider 
wurden. 

Zu S. 117. „Indes8en empfiehlt es sich auch fur diesen Zweck 
(fur die Predigt am Vorabende des Chanukkafestes) lieber die 
makkabaischen J'Psalmen | heranzuziehen.*" ^Die makkabaischen 
Psalmen'' ? Als wenn diese so genau bestimmt und unbestritten 
waren! 

Zu S. 181 ff. Fine Thatigkelt, die auch nach dem Standpunkte 
des Verf.'s Rabbinem zu empfehlen ware, ist die Abhaltung von 
Lehrvortragen am Sabbat-Nachmittag oder zu einer andern Zeit, 
wo unter Zugrundelegung eines biblischen Buches oder einer 
passeuden religionsphilosophischen Schrift den Zuh5rem in freier, 
zwangloser Sprache religiose imd moralische Lehren mitgeteilt werden. 
Solche Vortrage erfreuen sich namentlich in kleineren Gemeinden 
(aber auch in grossen, wie in Hamburg) der grossten Beliebtheit 
und wirken mehr als die Predigt. 

Zu S.187 Anm.2. Dass dieGegner der Orgel diese „falschlich" 
fiir religionsgesetzlich verboten erklart haben, darf gerade vom 
, Standpunkte der Entwickelung" aus am allerwenigsten behauptet 
werden. Fine weitere ErSrterung dieser Frage ist hier nicht 
am Platze. 



— 322 — 

Zam Scfalnsfle sei bemeiirt, dass im ToriiegendeB Weike so 
manebe Belebrong den Rabbmem erteilt wird, der wir TollinbaltJicb 
zuBtunmeiL So z. B. wenn S. 55 ff. die Prediger ennabnt werden. 
den bj&aslicben Gottesdienst am Pe&sacbabend der Gemeinde nacb- 
driicklicbst ana Heiz zn legen^); wenn S. 184 es als Anfgabe 
des Rabbinen bezeicbnet wird, sicb zum lOttelponkte aUer werit- 
thl&tigen Liebe zn machen nnd for die Woblthatigkeit, die im Stillen 
geabt wird, den YenDittier zwischen den Reichen and Armen zn 
bilden; wenn endlich S. 36 die Wabrheit aasgesprocben wird: «Die 
beste Predigt des Predigers bleibt nnter alien Umstanden diejenige, 
die er yor der Gemeinde lebt.*" 

D. Hoffmann. 



Rosenthal, ]>r* I^ndwi^ A., Ueber den Znsanimen- 
hanc^ der Misclina. £in Beitrag zn ibrer Entstebnngs- 
geschicbte. Erster Theil : Die Saddnzaerkampfe nnd die Mischna- 
sammlnngen Tor dem Anftreten Hillels. Strassbnrg. 1890. 94. S. 

Es ist eine interessante Frage, deren L5sang der Verfasser vor- 
liegender Schrift nntemommen hat. Die Resnltate, die sicb ibm 
dabei ergeben baben, wSren, wenn sie richtig befnnden wtirden, 
hdchst bedentend. Ob dies der Fall ist, mag man darans beurteilen, 
dass wir znerst die Ansicbt iiber die Ordnnng der Mischna in 
Kiirze mitteilen, die wir bisher fur die richtige bielten nnd von der 
nns wenigstens dieser erste Tell der Arbeit Rosentbals nicbt abzn- 
bringen vermocbte. Was die Anfeinanderfolge der Traktate betrifft, 
so ist die vom Talmnd nnterstiitzte Ansicbt des R Scberira Gaon (in 
dem berUhmten Sendscbreiben) festznbalten, dass der Redactor, 
Rabbi, bierin gar keine Ordnung beobachtetbat (n^ts^oS iid |«m) nnd dass, 
wenn er aucb eine solche beobachtet bUtte, nns diese Ordnnng nicbt 
mehr bekannt ist.*) Die nns vorliegende Ordnung der mnaoQ ist 



1) Zn dem dabei in einer Anm. geausserten Wunscbe, dass die 
Rabbiner sicb zn einer zeitgemassen Umarbeitnng der Pessach- 
Hagada in deutscber Spracbe aufraffen soUten, bemerken wir, dass 
bereits eine solcbe Hagada, bearbeitet yon Leopold Stein, in Frank- 
fort a. Main, 1841 erschienen ist. Allein eine solche nHagada*" wiirde, 
yon allem Andem abgesehen, im Laufe der Zeit trivial und wirknngs- 
los werdeu. Die alte Hagada bleibt ewig neu, besonders wenn sie 
mit schSnen homiletisehen Erlanterungan, wie deren schon manche 
im Druck erschienen sind, vorgetragen wird. 

*) Dies die Worte Scherira's: ]w-no »h wnatyoS nsin na »3n 
n»S »n»3i |H0 n»»Ba ^bhs Hin H^in Hin »in nhn »man ina Hnn nnaDO^ 



— 323 — 

diejenige, wie sie sich nach und nach beim TJnterricht in den 
palastinensischen und babylonischen Schnlen eingebiirgert hat. Hier 
ist es aber mehr als wahrscheinlich, dass die Lebrer der Hochschulen 
sich yon pUdagogisch-didactischen Griinden in der Ordnung ihrer 
Lehre leiten liessen. 

Nun ist bereits langst yon anderer Seite darauf aufmerksam 
gemacht worden, dass in 5 Sedarim die Traktate nach ihrer Grosse 
georduet sind, so dass derjenige Traktat, der mehr Perakim hat, 
dem Traktat mit einer geringeren Anzahl von Perakim voransteht.^) 
In Seder Moed folgen aufeinander nair mit 24 Perakim, ]*5n»:; 10, 
D^noD 10, D»^ptr 8, hdv 8, naio 6, nif»a 6, nn 4, nuyn 4, nSuo 4, 
p''o 3, mun 3. In Seder Naschim: moa* 16, maina 13. nma 11 
•ma 9, noiD 9, pou 9, ]>^'vp 4. In Seder Nesikin: |»pn3 
(nna 'j^. 30, maoi imnao (ist ein Tr.)")14, myiaty 8, mni? 8, vy 5 
ma»6, nvnin 3. In Seder Kodaschim: D>naT 14, ninao 13, pSin 12, 
rnwa 9, ]»3ny 9, mipn 7, nvina 6, nS»j?S3 6, n^on 6 (nach Cod. 
Cambridge, ed. Lowe, wo nnser 6. und 7. nur einea Perek bilden 
vgl. auch T'amn '»n und »"Hn), nna 5, D»3p 3. In Seder Teharot: 
D»S3 30, mSnH 18, n>:?:»3l4, me 12, nnno 10, mmpo 10, ma 10, |n»ir30 6, 
D«aT 5, DV ^iSB 4, on* 4, ]»xpiy 3. — Hier ist der didaktische Ge- 
sichtspunkt klar. Der Lehrer, der eine Mischna-Ordnung lehren 
wollte, hat es vorgezogen, am Anfang, wo der Schiiler voll Eifer 
mit gespannter Aufmerksamkeit an den neuen Lehrgegenstand heran- 
trat, den grossten Traktat durchzunehmen, um darauf die nachst 
kleinem Traktate folgen zu lassen. Die kleinsten Traktate lehrte 
man zuletzt, a]ji die Schiiler bereits abgespannt waren. Man bedenke, 
dass es beim ersten Mischna-Unterricht weniger auf ein tiefesVer- 
standniss, als auf Auswendiglernen der Mischna ankam. Bei 
den Traktaten, die eine gleiche Anzahl Perakim haben, lasst sich 
auch nicht schwer der Grund der Aufeinanderfolge herausfinden. 

Eine Begriindung, die bei 6 Sedarim so klar zu Tage tritt, 
muss fUr richtig angesehen werden, wenn sie auch bei der einzigen 
Ordnung Sera'im sich nicht geltend machen lassen k5nnte. AUein 
im Grossen und Ganzen findet man diese didaktische Regel auch 
im Seder Seraim. Es folgen aufeinander nD*ia mit 9 Per., hm^d 8, 
»»Dn 7, n»»S3 9, n^^aw 10, nwnn 11, nntyyo 5, »3W ^tyyo 5, nhn 4. 



KtBfna. Was man in dieser Beziehung zur Zeit R. Scherira's nicht 
mehr wusste, das wusste man sp&ter um so weniger. 

^) Wir balten uns an die allgemein tibliche Ordnung des 
Maimonides. 

') Dies beweist n^nu imnao im 1. Perek und das Schema iSm 
|n im 3. und 3. Perek yon Makkot. 



^-t3t!L -r^^riL- 






J^ --a :r> T ^ ~ 







X >* n ♦i/-w^>i^ "^1:::;.,^ ir-r^^-^-iX ▼ '^.r-a. tt^ tt ^ "t. 
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^y5E^rj/" ♦;»*9« n;«ii« ..ma*. ▼» rf'^r mat -•in** jL-»-*aa i*-r ~niiir-^ariiira. 



Tm Ann 44f T'/rti^eaAi .Vu-vrf: z:;ri«iEnk.jainiiia ac lemeTseo. 
m'»f ^t^^ r,'9tJtr lu^h Aftm V'/faGki^-r^^ht'^ktea Xiniiiii» 2a& i«;«er}«a. 

mn'^f w*im ao/.r» *r>;#^ A$iir.^TB I'riron^ ^n^fMiirl^ ytdeaiiT^ i2XFeg<3?ie 

Mf St*'*^f\A^i% frifi* H/j/^t/f^ai^. dife iitfifi^fiSk werden mag. Fr>rii::h 
/f»rf rrt*fi wi/ ^if wiifc /J^jfw V^* Wi< xar Z^it Alexander JannaTs niiu:k- 
((^Ji^li> fhyrt'i^t^i t^hf'M AffripyiUi in BiULOiim 3 4 za denttichefl 
^r/ft^'4f AD^iff ill d^j InWfm Zeiten dea zweiten Tempels wai^rn 
di#' KMddfi' H^ r Atu )f fio^h ein^; mliclitlge Partei, die sich beim peinlichen 
(h^Mtinvt'tUhftm (hUnni^zu verachaifen wiUMte (8anliedrin52b),imd 
^f^KAf iU'T Uoht^r\cMi4fr Anantui der jQngere gehSrte dieser Secte an 
(•fowi<|f)f, Atiis 110; (I, 1)< (InmdgcnugiindenSchalendenSaddacaismas 
full. HnMrwU Mi hMtnpkiu 

J). Hoffmann. 



— 325 — 

^SlOtt^ ^"QT 'D betitelt sich ein nenes Werk des Rabbiners 
S. Waldberg in Jaroslau, der bereits durch seine Mheren Schriften, 
namentlich rmn S» nam »»n "p und ona^wn oil seinen Enhm als 
talmudischer Antor begriindet hat. Auch das yorliegende Werk 
bestlltigt diesen Ruf yon Neuem. Es ist nicht ohne Weiteres eine klare 
Vorstellnng von den methodologischen GnmdsHtzen {n^hhs) xa ge- 
winnen, welche im Talmud zerstreut vorhanden sind, and oft an ver- 
schiedenen Stellen auch einen verschiedenen Sinn ergeben. AUerdings 
sind bereits bedeutende Werke hieriiber vorhandin, dass aber auf diesem 
Gebiete noch Vieles zu leisten ist, hat der gelehrte Verfasser durch 
diesen ersten Band, der den Bucbstaben m enthalt, zur Gentige 
dargethan. Er verfolgt darin die n^hhs, die zu diesem Theile ge- 
hQren, bis zu ihren Quellen, von denen seinen Vorg&igem gar 
manche derselben unbekannt geblieben sind, und indem er zuy^rderst 
in klarer Darstellung ihren Sinn zu erkennen giebt, sucht er dann 
ihre Anwendung im Einzelnen wie ihre Analogien im Besonderen 
naher nachzuweisen. Pracis im Ausdruck, formvollendet in der 
hebraischen Sprache, weiss der Verfasser den sprdden Stoff zu einem 
Studium zu erheben, das den logisch denkenden Leser immer mehr 
anzieht Be&emdend war es uns, dass der Verf. den Grundsatz 
n'os ]v»yiij; pM, der doch von unvergleichlicher Wiehtigkeit und be- 
sonderer Tragweite im Taknud erscheint, unberiicksichtigt hat — 
Die Quellenangabe S. 8 b zu Anfang des tr^'D muss p'n2 iMsn n'^n 
anstatt d^dd u. s. w. lauten. Zu S. 75 b ware zu bemerken, wenn 
nach der Annahme des Verfassers MS^py '*) in Zweifel war, wann 
der n'Ti w^ 'sei, so wtlrde ja die Erage der Tosefot aufrecht zu 
halten sein, woher die mio:) wisse, dass H2>pTf n bei ms ^vm 
nicht *pnD leme. 

Wir k(5nnen nur mit dem aufiichtigen Wunsche schliessen, dass 

es dem Verfasser ermdglicht werde, auch die folgenden Theile als 

griindliche Anweisungen zur Methodologie des Talmud recht bald 

folgen zu lassen. 

Lazar Grtlnhut, Rabbiner. 



Zar liebrftischeB AbthelliMfl;. 

8. 81—86. Zwei Jahrzehnte hindurch dauerte der Streit in 
den SynagogenRoms in Betreff der Vocalisierung gewisser hebr&ischer 
W5rter. Die ansgebrochenen Diiferenzen nahmen einen immer 
heftigeren Character an, und bedrohten den Frieden in der Gemeinde. 
Erst einem Sendboten aus Jerusalem, der im Jahre 1846 in Rom 
eintraf, gelang es durch seine Entscheidung dem bedanerlichen 



— 326 — 

Streite em Ende zu macbeD mid den Frieden wieder herzustelleiL 
Seln modnrtes Gatachten wnrde in das ProtocoUbnch der Gemeinde- 
Repraseatanz anfgenomi. en. Dasselbe erschien mir als interessant 
genng, die Mohe for eine Abschiift nicht zn scheaen, so dass ich 
es jetzt dnrch den Drnck weiteren Kreisen znganglich macben kann. 

Der Sendbote dnrfte mit dem gegenwardgen Oberrabbiner in 
Jerusalem identiscfa sein, da er dieselben Namen fohit wie die in 
der UnterschriH^i 

S. 37—40. Das Schreiben des Jechiel b. Joab an Sabbatai b. 
Salomo Terdanke ich einer Copie. welcbe Dr. Xenbaner for midi 
ans God 2219 der Bodleiana anferdgen liess. Fiir die Benrteilong 
der Caltnr-Verhaltnisse in Rom gegen Ende des 13 Jahrfaunderts 
werden cms in diesem Schreiben manche Anhaltspimkte geboten. 
TJeber den Schrdber nnd den Adressaten wird bei einer anderen 
Gelegenheit eine ansfiihrliche Notiz erfolgen. 

S. 41—42. Das Schreiben ist einer Brief-Sammlimg, welche 
God. Xym der Lanrendana in Elorenz enthalt, entnommen. 
Wabrscbeinlich ist dieser Jochanan b. Madsjahn mit dem Rabbiner 
ans Paris idendscb, der nach der Answeisnng der Jnden ans Frank- 
reieh (1349) seinen Anf enthalt in Italien nahm. 

S. 42-43. Herr Jacob H. Wagner in Altona begleitet die 
mitgetheilten Daten mit folgenden Zeilen: 

Hiennit erfolgt die Abschrifib der in meiner Handschrift des 
Maharil sich befindenden genealogiscben nnd geschichtlichen Nodzen. 
Die Nodzen 1 — 13 sind yon derselben Hand geschrieben, nnd be- 
finden sich am Rande der Vorrede des Maharil, die sich aber hier 
in der Mitte befindet nnd zwar Tor noe m^Sn wie in den gedmckten 
Ansgaben. Die Nodz^i 14 19 sind yon einer anderen Hand, wie 
anch die Notiz 20. Dieselben befinden sich anf den 2 folgenden 
Seiten nach den Nodzen 1 13, Die Nodz 21 hat dieselbe Hand- 
schrift nnd ist anscheinend mit derselben Tinte geschrieben wie die 
Notiz 10, die yom selben Jahre dadrt ist. Die in [] eingeklain- 
merten Stellen sind theils yerwischt and deshalb nndentlich, theils 
gar nicht mehr zn lesen. Die dnrch . . . bezeicbneten Bnchstaben 
standen am Rande nnd sind abgebrannt, daher nicht zn entziffeni. 
Die Daten sdmmen alle bis anf 10 nnd 15, denn das Jahr jm war 
TMSiert ynn daher «3n3V nav •kt!0 ]V*i to nnd das Jahr o^yp war 
Txawt r2T^, daher 'n dv3 sk ro. Was die in den Nodzen genannten 
Orte anbetrifft, so yermnthe ich, dass der Ort d*d«^o eins yon den 
Ddrfem Yermissen oder Garmissen, die zwischen Hildesheim nnd 



♦) Dort S. 31 in den Noten ist Hny'On n. S. 32 » ono statt 
p onta zn yerbessem. 



— 327 — 

Peine liegen, ist. Ich fand dieselben auch auf einer alten Karte 
vom Jahre 1638, jetzt heissen dieselben: Varmsen resp. Garnisen 
Ich glaube nicht, dass man fur d»d"0 die Doifer gross oder klein 
Algermissen anznnehmen hat, da dieselben, obzwar in der Nahe 
Hildesheims, jedoch welter davon als die obengenannten Dorfer und 
noch mehr abseits yon dem Wege nach Peine liegen. Mit o'a'r^pia 
ist wohl das jetzige Bockenem in der Nahe Hildesheims gemeint, 
ebenso geht man wohl nicht fehl, wenn man fiir, »nw \)vhs n:aB 
:)nniP»aKii, die Ortschaften Wunsdorf, Lauenau, Pattensen, annimmt, 
da sich dieselben alle in der Gegend von Hannover nnd noch nicht 
sehr entfemt von Hildesheim befindeu. Sollte man annehmen 
dtirfen, dass der in der Notiz 5 nnd auch 21 genannte (b"30) onao 
identisch ist mit dem als Btirgen unter der von Abraham von Peine 
am 2. Juli 1553 beschworenen Urfehde nnterzeichneten na onao 
h'l ]nrn naSty? (sieheDr M.Wiener, Zur Geschichte d. Juden i. d. 
Eesidenzstadt Hannover im Jahrbuch f. d. Geschichte der Jnden 
I Bd.) Wer ist der in 21. genannte v/j;o? 



Notis. 



Zn den im Magaein v. J. S. 274 erwahnten Stellen von Die 
fiir Rom ist noch hinzuznfiigen ; 

Abraham b. Joseph b. Jehnda d^^ci^, dem eine Handschrift in 
der Ambrosiana geborte; s. Magazin, Jahrg. 1880 S. 117; vielleicht 
ein Enkel Jehnda Romano's. 



:trri:?n pin 

1—12 . . SKnB3j?iiyS omaK nnia *wdihS onpian c^wn neoD D»89ipS 

13—20 iy3»Si3 Dman nno /]Pn n^ona laa njo annan n anno anao 

21—81 n"nw nno .DnoiD no'Ve 

81—37 lya'Sia omsH nno iWian Snpn ppaeo pnyn 

87—41 S^an nno inoStBf "i»3 »natBf n^nS rw» 2hv 'n«a SH»n» no ana 

uani lanio Myn»h p ]3ni» y'o naaii kjio nStrc^ nn« ana daw 

41—42 . . S"an nno ivx^ n«nHD Snp naaaS n"nSt n»nno n ain 

42—43 lyajKii apr nwo /D»d» ]naT 



Dipoa nwo 't S"» nnana 32 y .nnroa S*'^ ntDoSi nnana 81 y ^•j?^ 

.niND 'p 



— 43 -- 

:n"yi nte^n y^ n^h)} 'nte^ KiS^t *n3 (ii 
vSd3 t^nnm ts-wS n-oi njtt^ '^ntt^ wS^p ^ntt^K ^nnpSi (12 

n^"^ |rD r »icS t5"Di wtt^ }"t^ «*tu ^nt^K ^nnpS D"n« (13 

rm» pvh rv2 »"»3 j^witt^^^n 

:»icS T3tt^ WB r» 'T 'V ih): "^ iWO ^« (14 

:(!) »icS BOtt' 3« n"3 '1 'r nSii '^tt^ }»o-S ^33 (15 

rtsioS yStt^ p-D "• M 'r n^iSi: '^nt^ pDrn ^nn (16 

:»ioS rSte^ nt^n '*i '3 'V iSiJ '^t^ KirS ^^3 (17 

:t5icS »"i^ rSoa rs nnti^ orn nSij "iff }nn« *33 (18 

:t5icS »"i^*i p^D r"» 'n 'r 'iSi: ">n^ pSs^n ^nn (19 

n"3ft^ iSdd 't 'V (so) oSi3 hn ni^o cniaK 13 nt^D ":» (20 

:iSdd 't dv (so) t2^^3fir p^o an i^k :idicS 
^33 oy "[tJjm i^yn D^on ^rr'M n'lya tsneS yn r\:w2 (-21 
'1 ^-onw . . t^"3 ""Tan oy pt^ pSaroii n "inn oyi |"k^ t^^jD n 
lottn iri"3n [i]:»o inKi |n: '-n pi^it '11 i^hiff noSo . . n ')h |oSt 
itt^y nynit' inK 'k dv Sjn S"n i^w ^^r\} nNn kSi^ mn: [Sfc^J^mp^ 
T2 i^w inpSi irn^iK irSj? iSeanm iSSi:inn u^mnS 3"3 Kint^ nons 
S^nnnt^ ipt^ nS^Sy n»i:i3 nistn nnw Siion iin wnw )t) Dion noi 
Dtt^n D^t^np rS i^nriM pi'ik'i vt^^ ""po hmn nstn mstn c'^iini 
»icS yn 3K [?3"''] [iei]tt^ii n"D ny Don r^'i Qon mpr [?'n"] 
Dv no^cnnoi mwS nS^cKO ijfc^^nn i»tt^ iisn^ Kii:ni Snan ct^m 

:n»n t'3 nwn in« 'i 



— 42 — 

n''^'ir\i2) Y^n -^nw n^3a« it^K y^^ ^^^'^ P^^ ^nKvot^ -cS o-pntt^D 
}^KU^ mpoi D''ppiTD onDti^ D^jou^ nnti^o n^io npS npin }'•'' nnio |Di 

D"'»ptt^in»p]''tt^D nn3T nw pr rSj; vSyno nits y3»^ «Si o-rno 

?vwt^07i Dt^n SiSn ti^^t^mpon pi o-pSinn jo kSidAk^S -^k ^dd^S 
Htt^K kS BDi^o nanyw ^iKin ]m -wnn mpon nn^n nain •]« ^nSs 

D^i31 mD» D'-itt^l D'^D'' 133tt^n p«t^ m^D D-p-n ?Dn D^SDVOI t^''» "30 



^itif or »"D3 iSi3 '-nu^ pDB^r ^na Sii^ ):2 '^^ joc'^ -r^ (i 

lencS n"Di '1 DV2 Hitt^n tt^«i ^tt^ 

oncS N"3i njtt^ '« Dvn i-^« k"3 i»wn S"3n [?^2t*] ^3» (-2 
|nD DHio in S«v i"nn V'sn ••u^ki nit^cn mo t*n« •'t^i^n ^S«n 
nti^ic 'n 'VD I'^-w m j^-D p^pn inp^i ct^iS m ••» d"'D"''»)s imd V'vt 

•/npnm inn 

n'oi n^t^ "I Dvn %» 'n niBo^n V'srr nno i"c -ow ^o« (3 

mo n"naf:n -u^ki ni«cn (so) ^nio ^o« rrno -i^t^n ^S»n »ioS 

D«^ inpji D^iS^pin p"pn j^'-ctt^oyo S"2fT "-iSn jna inno nn «iSi:i 

:ninvo n"n mSm nno nn^n wii^ni «3fn ••n ntnc "i or viwn 

:tDioS ts-oi »n«^ 'n »"on "S 'iSi: '^nu^ j^nts^r ••nn (4 
:^icS |"i ii« n"i »"on ^S lb): ""t^ «^^:o n^inon omo ••jn (5 
HM DniD jt^wm ii« rts ts"on ""S 'i^i3 "Tit^ pS-n ^nn 6 

:»ioS «"r 

:tsieS rr nne en "i orn ts-'on ""^ 'i^i3 '^nti^ NiSii ^nn (7 
:p"c^ tD-ii nK n"- ") or 'iSi: '^nu^ nan -nn (8 
:oicS n"Di p'-i c'"^ 'n dv i^i: |"t^ ^»r ^jn (9 

nnti^ ^«vio ^^'^ tsicS ci |d-3 T"n ni^ii |"tt^ r^in -nn (lo 

:(I) mo 'inK 



— 43 — 



:rrr> "TWn y t-nfra 'nr nSn »ia (ii 

Sfl^M^^^ ^^tf^i^B^MA ^A^k^K^H ^BMtt^^ ^K^^^tf Jtefl^^^ A^^^^^^ A^B^^A^^ ^^^^B^^^^ ^ -fl .Tk 

vtuj V U.J] Cv7 mn i\x^ ^Tw nrp ^inwi xiy^/i (iz 

#Tn pT J** BTDv CU'l T\Xf ^Vf WTQ *tWH TVTpl mit (13 

rinn pTv TjD zns2 i'KIB^IiT 

:ir»S rsr roc re 'i t tVij 'tt rve *23 (!4 

:(!) BTcS C3r 3K rrr 'i t tVij "V jco-^ *33 (13 

:tnith yh^ \ro '* m t mVu 'Tir |*2m 'ra (16 

:cToS rSr *^m n 'j t tVij 'ts^ «tpS '33 (17 

iBicf? c-r rSo3 « ratr era -r^m 'nr pvrK *33 (18 

rCToS O'tn pT3 T' 'rr t hVd "»ntr pS2*n vn (19 

T«r 1*703 'T T (»o) Bfn3 V) nTC Dm3K 13 mWD *3H (20 

nSor 'T or (so) B**anr pe an -[^» :dioS 
*M op '[)]3»o 1^3 D^en *n*7f rfipa dicS jri njra (21 
'T "^ym . . va ^ran 03? ftr pSwia n ^ann ojn fir tr^je "i 
lotn i3*Tan [i]3oe inin jw ni joittt "n liStr loSe . . n nS jdSt 
ntrp nyar thk 'k or Sjn S-n i»y trcnj »Tn »Sr maa [S»]^mp^ 
T3 ijnw inpSi Ti'»anK w^y iSeanai iSSnnn trtinS a-a jnnr nana 
StthiW nptr nS^y ne^ia nym nn» ^i:ien ivi ww nn oion nei 
orrr o^mp rh wrioa P]itri rtr'' ^"p» Snm i3rr nwn o^T^m 
B-ioS yn aK [?a''-] [wi]r3i n-a -ry dot r^n dot oipr [?'n^] 
m^ no^onnoi mwS nS^oKO ufcrnn i»ir iian^ Kii:m Smn otrm 

:non ra ni)fn inK 'i 



— 42 — 

nmnoi ^en ••»« n^33« ik^k p« nny ^i«3 ^nKSfot^ ^cS D^pntt^D 
p«tt^ Dipoi D'-ppito onott^ D^iou^ nnti^D 3ie npS npin i"''' nnio |Di 
-itif D^oD^o Dvn ^31 S*i ^^dS jntt^ id3 t^S t^ncisfo t^niSj ^33 p^30 

«tt^K «^ oDi^o naij^K "iKin ]m "wnn mpoa ns^n naiD •]» ^aSa 
D-M1 ma« D^iu^i D^o^ i^ati^n pt^tt^ ni^a cp-n ?Dn d'»»15?oi tt^^» -» 



^itif or »"»3 iSi3 '"nu^ pDwr "rin Sii^ )}2 '-^^ joc'^ ^ra (i 

tD'ieS ^-ii nitt^ 'N DVD n^''N w-d n»D3n h")n [?^3k] -3K (2 

JHD DmD 'in Snv i"nn V'sn ••u^t^n nit^cn mo t*3« -t^i^n ^S«d 

nti^-ic 'D 'vn i''-« m }•»••© p"p3 lapii d^i^iSni "» d''D'»'»)s ic3D S"vt 

Don n^t^ "1 DVD h^hn 'n nicwn S"vt nno rt -o^ ^o« (3 
nio n'oaf^n ^t^Ni nn«cn (so) -mo 't2H nno -u^t^n r]^«D »icS 
Dtt^ iDpii DoS^piD p"pD j^^»«^cj?o h"Ti ^iSn p nnno nD »i^i:i 
in'iDiyo n"D mSm nno nyvn wi^di KJtn -d nt^nc "i dv viwd 

:»icS con oDt^ 'n o"OD ""^ "iSu '^nt^ j^D»ij?^ tid (4 
:iDnc^ jn m« nn »"od "^ ih): '^tt^ u^oo n^iDon onio -jd (5 

HM Dmo }«^1tt^D1 niK r'» »"0D "^ '^^13 "Tltt^ pS^D ^nD 6 
ItDnoS J"r nD» CD "I DVD »"0D ^S "lSl3 "Tltt^ «lSia TID (7 

rp-oS »''3i DK D"^ "I DV 'iSii '^nti^ mn -riD (8 

:oioS D-Di |D'»3 c'"^ 'D DV ih): 1"!^ Skv ^3D (9 

nDtt^ -Kjno ^^S oidS en jdo t"d niSi: |"u^ mn ^nD (10 

:(!) mo 'in« 



ujn«^ p pm" TO wall wno n^rr in« ana Dfcito 



tt^np D^So inn jnjA wnan D-pvio 31 tooi ante DnDn^n 

n«'»So n«non riK ^^k '•n-tni D^pnx onDDte^oi D-pin d3^m wotr* 

2h2 nyj? D'^pioy D-o D^ot^S iy nnDii nami o^p^ii D'^note^ KiDDoa 
\'T»i D3n3 K3 Snr nnyi D^pnte^ viwaai mmo nm nroo nw paj 
D3^3pT pDDi Mn oy D/iK -3 WD»n D^pvnn aS n-3K ^^k vote^ Dsnon 
••K^i iini np ^0^ nynr ^k^dj nySvi '•35K1 02^12 jrSy ^jdi Dansatt^ 
Dn«i D-pntt^Di nuima nSip |nn n^im nra noKi ni nnon ^oSi 
nyo ite^« nWn ^tt^w i«3nn dsS no nStiD '•te^3« mp oy u'^yin 
••330 nS-vnS 1VID01 HDHoS niDoi nSii ^Sa nS nnti^y T\h)^sb nii3 
niSj?03 nny ^3 ^S nw »f?i D'^pno on DiT^iaas pSp d,tS3 wS» nSw 
^3 n«i "3^1 n«Ac Kn3:3 nonSo tt^t**? ^)irnn 03^3^3 d» Dsmn 
ni^p^ -3 DGK min3 •pn nsy D''«ncD n3:ite^ ^Sy nnKO Dnyoie^ 
D»i D3^yy3 -tt^w "ip^n WK D^ppirr pK '•ppn pKn 3S fissSs ociy 
Dn« }3 niw«i no»i oiSte^ n3*i3 mwKi D3TDn onSijn nte^K3 n»p 
DHo ^nSsti pn niTsnS c^tt^^^n h» ^n^te^y nm no omoM m n3i 
D,Ti3n nlmsnn nnci nw D-oyc niry n^r "^'Wi isn** nSs) iie^K 
jr)''Dr }n 0^3331 D^3i i^tt^y '•3nw -nyn*' ^3 jrpi33 DntiS3 &T»no 
my33i onn p3tt^^ o^ono pi'* kd3 hv on^n- steno onnyi mpo o^yi 
psno W3 D7n« n^nn- r^hn Sip 1SS3 myon SynS Sipn 'n n^v jus 
on '•niSio p«3 ^toin ^0^3 ''n'•^'^ itW3 i-'M i7f3 Sy -3ki o^pm 
n^'hmn Sk ^S hsSk n3Sn -^ins ^3^ ^c no« \tsrh o^snt^o onan ^n« 
DT0i3 myiott^ ^Syi iSSn fi^V'W loioi mnmo niio» ••33^3 M-3r6 
Tna iw wi «S ^pnmS w^in wte^^u^pn ^<nte^^1 mn mnn ^ko d^Stijo 



~ 40 --- 

ena na p«tt^ "o ^3W3 n^wn onaajn o-'r^VD nana nmnS wn 
Donn nn«i Si nt Sy irman nNttn itt^Ka nSyn** i^on S3\i3 nioyS 
onDpiSn nSjtei inSyoi •]0iStt^ Snr ^nw d-ok^ n^ip nite^cin mip 
Saw D» (D/iKO V'v) in»o w«i nwian '•o^o D^'aKit^n -jnoan ^noo 
onain piDcS nyte^n nr^'t laai ^by nw yiT?a 3»^-te^ nana SycnnS 
new ncDa Dma-nai nt^yoa nat^noa rS« ^in^ir^^tt^ otwi ^» nSmi 
nyit^-^S nao n\nn K\n ntt^« n^iOTjn ,nyittf\n Sk i3»^a^ oniC'Di 
vipn mna wa^i v^a hv it^p mn n« laewa n^^nxin n^^te^oxn 
.ncS nwi Tio^p- ^te^-^Ste^n ova dwd i5^^n^ ^"a '^St^n ova 



^fiair yrh vnv^ axv n^a h»r\^ yx ^nn^ir nrn anan 

p ^y thvsn ^hi S« noa iniSy iv n:noS nmoo Vi loy db^h 
ToSnn |o diSb' "jS mh^ nth^ V2 -wb' N^an wio dS v^ dnt^k "jaia 
1^30^ r\im\t^nh Kan 3KV i^a Sn^m ^iimo yciB^n pote^o Sapon 
nvnnSi '*r\)h»^ hv ^^a^t^nS ^imr la^B' no ^maao te^paSi ^oipoD 
an^ ^3 "jip^ rmnS ^3k ymo oiowi .^mp^co '•ioo p^Dna ^b^o: n» 
naSai Dvn ip ••S b^^ jrp »yo ^S ^n^jp ib^k oSvn ^rapa '•mio 
iK^ iB'K B'^Ka nvno '•3« o^oycS ^a no« nvn'^OKn nvjrpn moana 
^a nM2 ^Sx K D^KJfoyr onDDH p SaiKB^ noa j^^pw vi^b^o (iir V'jf) 
kSS lann n%n h)T '•n^M dk iS^om SSa niannS Saw kS ora 
lan line lan }'»anS narnn dki dikh Soya tiib ^aS *a nSyin 
aiB^nS nnciT* kSi pnS my^r vpoy ikb' Sao viaB^no nic^ kS 
o^oycS op w ntSi nS^a ina Sani pnS ^a nhy n^a moSno nanv 
nnm Sb^ mn }^k w» nnaajn nvB^n noKa om nS^n oaB^ nwB^a 
♦nvraB^ no mn iB^wa a^Yino nSaaS ona laS njoom ona nSw 
DB^n Djma mtnS onv ^yy npion laa^n lOKoa w\ pyS nny 
B^^jinS hy\ *)n^ iiayS ^nat iSiaia lawn ^a -nyi^ d^oki iSa^a ipaSi 
noTK vSy now mn wk oipon ^a iSn *)a la -jwn wk oipo Saa 
DnD%n n^in^a DB^n S« owo ia onivi d'^v oB^n ••anSoi *nn B^-np 
anD nnr mn iSSaa WJto^ ^o pioy pwy uoo o'^pSna ow law Ski 
Sy naiyai dSwo SSw inri ^nww onoon Sao vojS ^wyn nnn 
vSn ^jryi toSoi nniy» ^nSao vSk rB^no nixp ^av r\t^ p^y 
lama nvK antn m»n tko o^t a^ ib^k Pjoan n^avo ^apio i^ynS 
nB^K lOB' riK nTiKi ovn ^S n^y^ K\nn myon |o nynooi novi ^jki 
c-yK *a iDwn r\v\T\ Scvn oSiya f^aon nw^Jton i^Snpa K'»aron 






- 38 — 

K3fo^ ^» S'n nt^K DDnn id»»d niD'^St^S niKi ^nSn Kin am ^y lonnt^ 
naS rh» r^}):^^ yi)}\t^ )f^^ ••d 3''^no «in S3« oSt^ s^risnS vim ir» 
^t^n- lu^fc^ »im fc^JfD^ nSk^ nti^cs ••« ou^n Sjtk pDon -laim pon 
itt^a S3 n^nt^on Suorr ^o t^Mi r6\i^2 iinyo in^^m nnt^ ^» lu^w 
}''p n^ Sy m: 133 Snni ot^oi Sy inj? nSm oioiDt^ D'»on pp yir 
njitt^fcnn mn omS^ itt^» dh^jk^ urn Dn"»3« ot^ p«t^ mpoD m«^3 
nnn i^yo Di»n Ssk n^niyjfONni t^mS n^no^n miiDnT n^oinn 
nS:iD yhyi nn n^3T iu^k ji^t<) eSoa nnS moisi cSsfn nSijm 
rr'Sy •'33 ^n-t*i iHKt^ n^ D"»e5;o on d^^i D^'OiSt^n i«t^ Syi D^ODnn 
d'^k'jS DinpSi r^:rt niaits "3 Di«n mjsnD D\nSsn •'jn i03 d^idj^d dhi 
33-nDn KP Dtn iSis pn hv «Si nn33n -d3 nnii:r ^h2p nm Sii 
co^Si^n on Di^n ••k^jk oSiyo ik^k omn^iiS pi dSi3D "jTm pint^n 
nSi^K 'hv n^p'^ no idin* "3 mjo ••t^DjS «2fOK nm nvo^St^n "nt^n 
nKiin -lanni ^naS ^rj? mKi pD Snnon -[oon i''D'»i h)iin am S« 
noKn no3n3 pioyS -nSsty nnS nn isyo pi "['•ioS '•n''%n kSi^ e-^Ki 
Soiyni p3?n lino m»iS n:npom ^nnS -rj; nw NPn t^mn oj^on 
oy "nSnnti^ni -nmoti^ no ni S« inino vS« nipo ''n•»^n «St^ noa 
D^3t^oAi ^n^OKn 2ih D^t^^rojn D'^inon Sy inys it^K S3i %nSKn iryn 
n^y ono "Sstk D-ii^^ion onmn vi3i nx t*o:r3 o-mt^n vinK 
nnn it^^ 3in3i }>on nsn ki^toS nr^'^r^n nvih npiu^nn k^k •'sipn 
^3Vio -nnySoi ••Jiyve •»ii3n ^jw^ro 173 D-33iDn onoitt^n djoki dok 
not^o S^TJK i^« Dno SsfinSi on^Sj? i3nnnS Si3^ ^n^%n dk ^t^ 
3nnn iDnS d'T'3 ii^k "nj; o^'Safjoni ••Syo nm o^Kte^jn moinn 
•jnioS D^Tin |*j; p-i nK noit^S py p nne Sy lote^im n3onnon 
•n30 nnM oyo3 rtitt^rtn n«n yii 311D nj?nn yyi^ S3wn inS^3K0 
nr3«i Sk ^t^npo St^ «3k ny mn nSmnn npDcnSi ^3^ n« v^tv^h 
S^om mn Sy ti^m t^w nn«i oneit^ o^t^S -jiann nh y^o) nM iS ^3 
nh nny nj? d»t fnomt npuci) ••ro in Sy S^ite^'' noy Komt ni 
1D31 DW mc^t^ ny mp» n«o m3W 3^3iDn nmm ^3co m3 ^fl^3t 
p» ""a *nyT dki n^isSn nj?3a3T ion ins S^''»3 73 pi D^SSxn 
nw^vo pfc^ ^3 n3iinfc^3 iSi^n 113^3 13 \)T^n Dio» 1030?3 p3on nr 
NP nny ^3n33 ^idso tt^psS nn«K^ noi pi^Kin oip^ nh d» ^rvS 
n^noion neion moipnn jo o^ni^ 1030?3 p"»0D0 ii«^3 "^S iKante^ 
itt^K no^onn mmn 3Sn po jme^ ntt^Stt^n nwpi303 omS« yiarn 
s^nn-'tt^ no ^jymnB' ^nSso ^it^n pSnn t^«i3 '•no^n 3in o^ran 
D^piD3 D^3nS S3i« T»i n3i n3^n3 3in3S niio ^S mn m ""S ono 



J 



— 85 — 

WT intm wfw D^pioca \s\ naara onw \v(y w» o'^amai o^jraja 
V13 S33Bf -oajf TnStt^ ry iron ksitt yin ^pwoo nSenn •]in3 
mminj^a^ Kpi-r Vpw ne^ nnjo 3vr rrjoa neiS aHin.*^ nroja 
noii3i rh^^Mi otn nana pi iSSa i^Sat won jti3 ^b' nnjoa trwn 
^ra ^33 Vt n^ nnjo rnn an^o ^-oy w)n^ dSd^ nni^ iwaoa nvniK 
moipon ^331 n-ra pi SSs naA nam pi^n oir nw lAi nrojs 
wfw S3 D^s^nno le^npa rro pp3 n^jtt^ nm nioHrr nno ^03; ww 
Tn« n-jo '^oKi Kpn nnc r|cn3 op yyh nvD« ••ns S33«^ niaar 
mp iS^Ki |»30 neif? SnKi yt^o n^on n%n^ p rr^tt^oi pno ntrnp 
rrStt^n s^ino nnt^y ^3 S3 nioiporr S33 pi ^^'^ nnc fi©n3 ^^ri?^ 
jmn n^*V3 ^te^'»Strn n« tu niOKn nno3 B'np3 1313 pvi jn^nnS ni33f 
^n3 S33te^ ni33f n^Sie^n s^nno D3Dy 'n noiKt{^3 n-D3 ninpS nSij^nS 
nioipon S33 pv nsS Kir3 ^pi-^ kSo ncs iS noiSi nwS nvD33 
nnmnte^ nn'»03 nrSitwon n3i33 i3i3n n3 wonnn vtiSb' ^ins ^m 
T3tt^n TioS ino3 t^np3 T3n .npn nsS Kittys t^-o yTi03 nie^n^ 
3VT :in303 noSS nioipn S33i n-n3 p3 enoSo 3''3? K^on k^iti 
n\T kSv B^pi3on n''73n im ^3 ny-ao oite^ ^nSs »pn ^tt^ nmo 
.1-^3 nSr DT3 'n ^om mo |in ^v im-^i rn Dn^r3 nn^oi piS^n 
iB'K ni3''m D^pno b'kii D^pioo ''affT3 ii33f ^oSu^ '•nst^ |''0^o nu^on 
nittnn nonsi 1313^1 iSSni }ia3 nSnni n3n3 yy nScnn ■jin3 iki3^ 
nno^ vh ^B^3«i Vio Sp 'n n«T3 nn^t^ 103 noiS 113^ n^Sti^n -i'»3 
onmctWDS oi^ ^53 t^a \ts\ py3 Dni3^S3 oni^^S oniOK^o rw^ .Dn^3 
nn3m niSnpn S3 D^3^^ino onott^i '•iS'^ySi t^a |n3TS D''3n^on 
onip moB'i ^S'»pS tt^o^ pn3TS mipn 101S n''n3 ono3i nite^npn 
nvyote^ .ti^npni nioton no«'' lot^ n« i^3tn nt^K inKi nioTon nt^^np 
p"»3 n3wn ^0- nit^p3 ir-i3 no»i noK'* o^pS^n kp 'n nr3n30 
1^5? nS« D^nB^3 •.diSb' rr\ n'^n^ piS"'n nM-* k71 nion pm jnn cy 
i"\n nn^n ••3101 ^t^Ki nyi3 D^3Son njn oyS^n «in mi ^l^ jn3t 
••nnpS 113 np p ^nwnsi nsnoi iio«3 Dno3Dn nnSj? '•sn ikS3i 
nn3 ini3 w» nn3 ^mi3 ny3t^ iS« oSiyS loio'* vh oS'^n it{^^« 
Sk |n n'"'Sni «^t*n nSpoS 3in33 rmyh^ noK^S noSSi nioSS n3nK 
n3^nn Sk «3S D^3nn ni3TS ^53t mom vom 31131 ••n'» n^aro T33 
nnnKn p^ya 31 Snp3 pnir ^nit^3i Skik^^o nnjn Snp -jm n-jtt^ oyo 
iS« Dwnn S3 woB'i n»3 yi3 in» 3S3 Skib^- w ]m .diSk^ nSnw 
Sy win mn» D''3in3 Din it^K3 in» Sk inK n3nK nn3 ^nii3 rvgy^ 
3in3n S3 nSK iri3i o^^pS on-^SK o^iSjn S31 on^Sy iS3pi n^iM nottf 



— 84 — 

pK Saa 1MW0 p ••3 njow m *nnjn Vpw ns^ nmo iiioa lanyi 
noDS 3V13 ^<5f03 p ^D Da noi rn p"ny oSriT ^aain cnoDT S»itt^^ 
«on aniM p-'ocni onitno noai ^ry koii nc o^KJfOjn n^ n^na 
yn^wi niKO u^iStt^o nSyoS c^at^^ nan rran kik^d onpiao itn ^37 
i^tt^-'K rwi nm »nipnn D^^p^i i^kS k^oi Kmtr p3i ..n^t^ niKO 

ni^vim nwtt^i nwp dSd o«t n^'W 13J nny 'nS nir*^i DiStt^ rm»i 
iWTT «^ ''"Ti vi^onS t^pDOT pnirS jnj^i ncisf or Saa VT»t^j?o rm 
oott^oai nDT3i latt^j aS ^j?a HTh nawKi Knao ^<o^K n-ya w .n'^a 
lyioS nii^K pnia eicai 'n ^jd*? -r^on jin*? nSiy io«'» ik^k pt^Sn 
}KOT tt^ant^D ^<S "arr ^jm |fc^o )^w )p^^ -^^ii »n iniia nat^o ir«i 
itt^t* Sa*? inSonS rn«noi r^j? aw 'n n>n tt^antt^o «S ^an ••inn 
pSnontt^ nrwh Diia niaa^n nn"*© vn nM^tt^a a"S no«a im^ip^ 
ptt^Sn no nrau'i rn yctt^n nmrir hphp^) mo^^ipn Tnco S^itt^-'o 
fy i3ia Siptt^T nion D:n n«3tt^ pj? »in njm- ^a ^r«no ^aSp mow 
DKT loy 'n phn o'^^ipa o-tt^np ^tnu^^ nnn«n nno '"'jn rt^i y:i 
npi^no n\n^i pjiSk nncoi pSn nvnw "jvia mo dwji pnn m ikS 
itt^pa iitt^pnni Kau^ w Dip id^k a"K S"pw n-'^iif anrr w^an itt^Ka 
^ni«i ^nnw nns '•1: ^Kitt^'^ ioj?a '•oi mpo Stt^ liin «\n it ^a nnw 
-"cy^ wp ^Jiaor* nncn d'^ow pai npi^non y'^D pane tt^oca ^a 
nai:a Kr -ry m^K »Si oiptt^K fc^^ 'nS nitt^yS ny dwd .'•Kna '•r^tt^ 
D^emSi lonSi jn*? ^aana '^hv 'n nSonai DiStt^m oci^on ptht ii« 
DiSrn Sniai nnnKH nSyoa Skiu^-o nnyi ^npa D-aia u^ii^i^ ^3an 
noK^ wnanj d^ou^ dk^Si aS^ D'^oaaa aSn jo D^Kan\n ona^i n-^Sni 
Snp Saatt^ iiair mh^ 'yoi waii ^oanc ni»noa in« Sai oiStwi 
^aitti ^t^Ki •HDoiDi ^itt^ 'yoS ni»nca pi lanK oiStt^ni no«n Snpi 
naiT irKtt^ n« lu^jn -^^n p'r^yt^r^ hi2\i^m }T?a oamai i"%i rr\'^yr\ 
}o ^inr w» ^niaD ••"cyi 'n ••rya itt^%n 7aa Di^tt^n -jiinS naita 
no'^yjai nina nct^a inn'* lot^ noonii nu^yj p now i3y towa D^ot^n 
^atWD npiSnon pni^i DiSt^n aip^ nnyo 'iiok non^.n '^y d^d%-t Sa 
nt "jina nti^onnS ••rya n»i3 ipt^j diSk^i pnir ipan^ nni omsf 
not^ aSa nat^Si hhrh nnin*? nwyS ic'DV nai n^y na ']S''tn |«aoi 
nmSarnn ^0110 i'y DKte^ri D^»ri Dn'»Sy ]y nwajf 'ni vnap nirr Dte^ 
ley riK 11a- 'ni Dieyn }ian rrjafai oyatt^'' d'^o^ infc^ mnDte^ yawi 
jKao ^a nnott^i maiyS minrr nmi ie«o jT'tt^Kia noiKi }y«i .mStt^a 
•^oi pi wira niinn ntrip ninpS niaar n-'Stt^n a^^no roa -jS^ki 



— 35 — 

WT iKtm utfw D^pToca |3i majfa onw wifr w» d*3v«i trjrajn 
^ro Saaicf "rax friw dt jron naw yin ^piDoo nWin ^pna 

noTOi nS^K Dttn nana }3i ASi AVx loon fua ^b^ nn»3 iruB^n 
^ra Saa Vt V nn» ann rrjo *"03; w)n^ tAaa nw jwaoa nrnui 
moipon Saai rrna jai S^a naA "tjco piSn dw .•to^ vhs nroja 
wfw Sa iranro vnpa laia p3;a n^jB^ nm -noiin ito ^03; ww 
Tn» n-ra '^oin npn nno r|cna op -loi^ nit^ja ^na Saar max 
vnp "i^^Ki }»30 iDiS Sn»i ine^o i^n n\T ja njiwi pio n«np 
rrSyn a^nrra rrm 'a ^a moipon Saa pi npn nnc fpna ^ari?^ 
fmnn^^aya^tt^te^nnKanoKnTToa le^paiaiapya vw^h iiaac 
^na ^aav "rax rrSie^n anno 0203; 'n -lowB^a n-oa mipS n'npn^ 
moipon ^aa pr na^ «wa 1?"^-^ kSo nca i^ •loAi myh m^js 
rnvvne^ jin'^oa mr^te^on nanaa laian na womn vnW ^arra ^m 
rate^/i nioS nnoa B^npa Tai .«pi*i laS Kite^a te^'o an^oa men-ij 
ann 3,1303 no^S nioi5on Saai n-na p onoSo 3*3; tron naw 
n%T vh» tt^piaon n^73n im ^3 wt3o dik^ ^n^a «pn ^tt^ nmo 
.T''3 n^r DTa 'n ^om 'no pxi po^ rn^i rn D.Tra m^i piS^n 
Ttt^K maw D^pnc le^Kii o-'piDo '•xn3 nax ^oSt^ ^nat^ |^o^o nufon 
nittnn nowi i3ia^T iS^ni ps nSnm n3ia 3"y rrSonn -pna i»ia^ 
nno^ »S '•t^iHi v» Sy 'n nKTa nxr^tt^ 103 yyh nax rrSt^n ra 
DnvTDtwsS u^ ^33 t^Di }n3T pja DTi'D'^Sa ontt^^S omot^o nten^ .on^a 
nnam niSnpn S3 o^a^^vro onot^j '^'^yh t^a pn3tS o^aiinon 
omp inoK^i ^^'•pS i^Di pn3TS tmpn noiS n-na oncai mt^npn 
niTatt^ .tt^npm nioton no«'' lot^ n« i^3tn ntt^K in»i moron nt^^-^p 
p '•3 nait^n ^0^ nnt^pa irT3 nojn no«^ o-'pSKn *nn 'n nr3nao 
py nS« D^ntt^a roiStt^ 7v\.7\>7^ phv n\T k71 mon pm jnn D"y 
r\"T nmyn ^aioT ^t^Ki njm o'^aSon n^n n'^ph^n mn 'm t^ej piaT 
^nnpS l^a nan p ^nwnai lanoi niOKa Dno3Dn nnSy '•sn wSai 
nna ini3 ik^k nna ^nii3 nyat^ \h» uh)v^ wio'* »S oS^n it{^^''» 
St* |n n-^ni tt^H^ nSyoS aTn33 mi^ySi mou^S noSSi moSS nanK 
na'^nn S« KaS o^ann nwtf? ^33t r^iom vonn anai ••t^ hkxo Ta3 
nnn«n pf2 an Snpa pnx ••nwai S^nu^'^o mjn Snp "iin nott^ oyc 
iS« D^arnn S3 wot^i n«3 p3 in» aSa Skiu^'' ot^ jn'^i .oiSt^ nSiiJi 
Sp win mn« D'»avi3 ojn ntt^t*3 in« S« in« nan« nna ^nni3 nj^ate^ 
ainan S3 hSk irian D'^^pS d.tS« d^Ajh S31 d.t'Sj? iSapi nrTn nott^ 



— 84 — 

Y^H Saa DJ%tio p '•a moKi m '•nnjn S^piacr n^ nmo 3.1303 laian 

^■»D3 3V13 K5f03 p ^3 W rrOI m p'TTJ D^tW '•33in ttlMI ^Klte^^ 

«Dn amoD 0^0013 ommo noai ^ry koii nc D^Kiro^n n^ nrna 

int^''« T1331 nm nipnn o^'^pSi "^te^wS k^oi «avn }D31 .nju^ m»o 

nrvrni nwtn nwp aSa om y^» 133 nny 'dS nflni mStt^ mnsi 
i33Tr e^*? 'HI vi^onS t^paoi pniA jnj^i noisf or ^3D ^'t^kt^d rm 
Dote^ODi rr3n3i i3tt^3 nS T^n t^yh n3itt'Ki kisd ko-k n^w w .im 
^^3oS iB'K pn33 B103T 'H ^3oS 1^0/1 pnS nSij io»- ntt^« pt^Sn 
jKDi tt^ariB'D «S '•an ^3m j»o nm ipiar -Km «n vi31d n3tt^o i3''«i 
nt^K SaS Tn'^enS nwnoi vSy aw 'n n3n tt^anro kS ^an •'3nt 
pSnonte^ ns'^ati^S Dni3 maaSn nn^o r'n n\n'»ttfa yS no»a iniKip-' 
jwSn no n3-3tt^i rn yoti^n nin3-3f SpSpoi nio^wn inco Skik^-o 
T^ 133a h)p\t^^ lion D3n nwtt^ p «in njnr -a '•te^Kno *3Sp mow 
Dtn loy 'n pSn D-tnp3 o'^tmp Stnu^- minKn mo -"jn r\tn y: 
npiSno nM**! pjiSk nnooT p^n nrnw ^ma mo D3a3i pnn m itA 
itt^pa nt^pnni Ka^^ k3 Dip id'»k a-K ^"pw n"Stt^ ann w-an it^^a 
wtn -nntn inN -13 SKitt^^ "joya ^i oipo h\if i3in K%n it -a nnw 
^"oyK *3n^i -3iaor' '^'ntn o^oijry pai npiSnon ySo pnc** tt^nsoa -^a 
n3i3a K3r ly ni3K kSi oiptt^K kS 'nS mti^^S ny on^o /wia '»3-»te^ 
D-emSi lonSi jnS -33n3 "hv 'n nSonai DiStt^m oct^on rmt iik 
DiSt^n Sii3i nnnnn n^oa Skiu^-o nnyi ^npa D-aia u^inS -3an 
no«^ I3iian3 D'^ott^ Dt^^i aSS D-D3a3 aSn p D-K3n%n onan n-'^Sni 
Snp Saate^ iiaat -mStt^ 'yoi wnsi ••D3nc nioioa inK ^ai oiStwi 
^aioi ^te^fcn noooi ••nte^ 'yoS nionca pi ian« oiStt^m noK.i Snpi 
nan i3'»»r riK lu^n "^yn p-nyon Sott^nn pa oamai r%n m^^yn 
|o '•3nr w» '•mao '•-cyi m •'3-ya it^%n ^aa oiSt^n -jiin^ naita 
noT^3ai mna nctt^a nm loie^ neorai ntt^y3 p now i3y jcwa o-ote^n 
^3tWD npiSnon pm^i oiSt^n ysph nnyo Sio» nonwn '^y D^D%n Sa 
m pia itt^cnnS -3''ya m^i iptt^3 oiSt^i pi3f ipaiT nn^ D-'iijf 
note^ aSa naie^Si hhnh nmr\h nit^yS ic-'or nai n^r na i^*»i |»aoi 
nmSjtnn lano 3*^ DKtt^3''i dSid3'»i on^y p^ ni»a3f 'm rnap tvt ote^ 
loy n« -pa- 'm moyn pn n33fai oy^au^^ o'^o- jwh rnnote^ yan^i 
jKao ^a niott^i niaiyS niinn nmi no»o nne^Kia lowi p^w .mStt^a 
w pi iiyjfa minn n«^np nnpS niaar mSe^n ynno rr 



— 33 — 

y[\rnpy mnh 3vi3 diw tt '-o jtik it noon tt^-oDV 7^3 nute^S 

nn^y nn« n^y\ rr\ noyom ^^n Tpn *>ytc) ^t^Ki dSi3 noDona 
Di noi npSnon nrtSi nanon »''pte^nS '^)ii^:i) iio«3 ^an onoDDrr 
Dijtt^ nT^« nutt^S Sni ik pop t^": dw Sar frAtt^ r^Di iii fpnS 
WD itt^yj itt^« ni03Dn '^as pTvn loina Sam nSpoS 'tid d^hk 
701 nS^tt^ KT -3 ly dSv '0' ^3 "^V K^'Jtt^n^ ^Sn p: p ye^m^ 
riKTn no3Dn o'^^pSi ik^k^ on^^y iSnp m^n no it^K , r^ n"nn 
D''tn n Kana «n3 d^id noDona -icd3 cnmi ariDJi^ nnxi rroa 
na ijnj^ ^p c'^asf^n nu^ r\"n mi^j? pa-'oo pt^n %-n^5; inSu^ »o3no 
nrD33 '•na nti^ona ^^h ^«a:n ^d^ic cu^np d^3 nnyn ^dS d'^di 
pnoD u ^3 ^<n^o «a3f^i ^"5?^ Kon K^ene fc^no nSnn i^^n no h\t^ 
tt^nnS laS^i vinri emu i'^od N-nSy iSapi nao nrD53 ••na yniK 
nmo 3n303 co^t^ c^piooi D''3in3i cs^'Si mvi no^on tt nrm 
'Wt^yn 7^y)T)r^ r^'^nvi D^ojno d-'D^ nay k^i ,-i3^ Kit^n d^13 ^^^ 
nan ^3^ 11^1 itm in» nsfo nu^Sti^T -inK -iiro D^nu^ nins ^n«^3 
tt^ipa nitt^^o insf n^^u^n n^ayn njit^j^i «r nn njit^wnaa npi^non 
HTpn "aiJDi "u^Ki ^no3Dn ^npn n:pn3i '\tf nmo 3n303 loiS nsfi ^3 
noK^t^oTn ••«:n3D3nya 07^1:1 D.Tnnn onnniro pai :r'%*i noyom 
p« '•3 KP yn^ ^3 i6nhm "^hinhn Kjnwi nS'^ann n-nenji D:ian3 
K^n pK ^3^0 ia3f-n''i Kno- uvh pa ^nm npiSnon p K^n'' aie lai 
ami KT '»DMn» Tyaie^ ann ^^nt^^ ni^nn ••^^13 D^^am non 

iMnnn irr^^ott^ rpo^i pni viro ^3^» m^-^ioi maa^n in^oi p^^n .th- 
111'' »J? nw n^pn ••3 uh\t^ csaa^a pmnn^T pp p« diSu^S it^pai 
npiSnon nan^i nation e-'pB^n^ n»in nopio k%*i iu^k noipoo 

:DiStt^ an Sj? )::yr\r^) 
w« ^on Stt^ njion h)p "ica wim "nj^ot^ ni^n no ^Kiaa '•ifcn 
«in tsvon ••0 ^iCD nmi •'O orr^ra «na»pi KDi'^a ^»pi«S o^ySo non 
r\y^Hh mia ^an aiyooi nitoo o^vn an in^o inS rotJ' k^i 3*1 d» 
«53io i?3n^ nn^ main lyira K^«a ij?ia ••aSi nwo ••S w mr^n 
jTia ^nnoK tK n^it^Ki ncpt^na viiya ^3K1 in-^wiK ai« im^nnax 
r^m n»i -"an Kip no-'k n"»ya ^k i30%n nni: D^oan mn p» ^wm «t 
injD3 )}hM:h n\n'» inK mk^oi nn« nnm nnan nan nanwa SapS 
nv. D'*^ .1^'^ nn:it^>^a pt^mo tt^in^ o^iyn an »j?03i eSiyn an 



— 32 — 

n«) kS -3 D-«3no nom pit a'^D jnoi an nnnnS mniJ« nni3« 
«Si ^Scnn^ KD itt^» nnan Sp j?ot^ it^«3i pon noiS .•»«•» nh '•a 
Dj?3D in-i nn:r^ rcS 5]^pn nnooD rJi liisna noiS i^itt^S Sj? S)n 
«S njin i^^«i mi ip" S-n ^K^iK Sdi loy onnw losfj? itno irj? 
dSd now-t^ -nDJf mb\t^ D-^mn mii^n*? on'^^r n«i onn" n« wsfo 
^31^ Sy DK1 ••^iSaf^ ^DiD "•'lafj^V in^S »hi n^ow nnp nnw noiia 
n'»BiK •'•^nS yont^D n''eB''«^ sjki noe S''«d Ai" tn noio D"'D"»j?Dn 
hdS ^nt^3 D«i n»« nne P]t:nn Saw n-^t^^S y*i' «^i D^^y^e B'opoi 
nSyo ^3dS )M) nroiD -na nr» -oro Tt^*'» lop nin «n Sap ^3 
Dit^Sy 'n ioj?oni Tyn ••dissi ^k^^i t^npn ijnn n"n Kom ^^yv^n 
)}h )'^i:rt) n^ n:h ion i-io«i ^3j?i d.t3cS p3i S«ii^^ n^D- it^» rm 

nam nrn imn nn^i 37 '2 niDin^n ni»Si mnc wA mxon 
t^"t^ «2f03i p]iSn inco pnji nstoi rn^ }n narpe Dj?n '^ai k^iS»-«i 

nS^bdd p3i 11DK D-^iiu^ n»3 nonsi o^o^iyn V^ IT^V^^ l?^^^pJ 
D^D nm i»j?om Tyn ^aw ^tt^«i nSj?o noy pn fo ^3i |n }o S3 
nij?3pi 13pm nojn mu^na •»ni'» niDn |r3 th)v^v^ Dniiy«^03 ppinos 
n"D3 jnnti^n nt^ne iiD3f3 n»npS ir\in SKiu^^n nmj?nn n«T nnin 
jnjoD .DriKipS K''-oi «3vn invD oniK wip'' nt^^< D^'DinDi d'^^-d^ pi 
«»Di p ^3 eott^ODi piv3 "-an ]prh ikii nsS kii^d dSi3 ••k^ nmo 
(^p-no nSj^D^ poip pto ni^yn no D'-Ksroin t ^3^n3 noD3 Din^ 
lovp ^ic3. im . S3S rT-D S33 D^Di03 i^n ncDi n^t^ nwo j?3t^i 
Dnipy dSi3 iK3f»i Dt^i niKcn «^nt^ S3 nitnt^o n3''n3 ^Spn. D''3in3 
D^ow D^piDc |3i .'•tt^ nmo ini03 idS kiu^s P]D3n nnip33 ompj 
dSivS tt iiSo^ 'nS iSn: nonsi nii^or p:i3 D^3in3i d-k^d^ nnin 
-3n pi 137 »itt^3 dS3 dioiwS ii33r H^St^H Sj? .1310 mw dSi33 
nt^ii3 nimntif nii-on ntt^Sit^on .1313 I3i3n .13 K3»mi ^niw -3.13 
moipon S331 n"n3 i"3«^n iioSn iiD3 it 101S yisf p»i it 13S «itt^3 
p3 npiSno rn hm^ nSi «pii '•t^ nmo :ni03 cdk^o niN3 iniioS'» 
r\yr\) nScnn no nSiT .u^t^i mic «^iit^i ip**}? hm nr '•3 cioSon 
ni3ioD nioiin nrnw D3in3 wi3^ itt^»3 nvisit^ni nii^t^ S31 1313 
ni^S wi i«^« D^^irii^n iKt^ D13 .I3in3 iok- ii3''3f mSit^n '•iijin 



.natBf nwo 'p ono nt»w na» p"r\ one ht^k Sn ( 



: Kon hnpn Dp:Bo pnpn 



.1-rjy (3^3? (feT-Dn 

p3*n vr^nmSva htt «on nmn i^n 'n ^^3 jna ^3K 
•VT30 troW r6«n DV3«n ^navr pin '•2»i .rn pan pviy nrtp 
rPTOifn rrnnn ^3m« njrco DnjTT njnai nToro noana cnDxy 
rAun SKntra dm tj pna S3 ^pmo pax ^tn m^ovn na irp-mo 
»w rrawo nmn i^n nmi Rnonp mpo ivk «p«S iikt Kpjwn 
Sio ns^ijWD nsSna D^j^xon onpv D'^noann roV3 rairr nm»3 
Dnonj D^TT DnroA rm Rn3S\'n k^Sk Knnyov ^peo rcipo 
anro ononi tti wt3 "hk wtt m Sk m Knpi m rw m D^anw 
m^p^a 3?3n r^'^y^ irv tu dttk nava o^rvpo man iranKyn 
VC3 mn m%'Ti ^Kittf^ maa ^ja A ^nnr tt dp in^nKO pa nanvm 
rn« ^ tr»» iT«T npiSnon ySoa nmn trSv cj^roia wn nro 
D^Toij^n D^nan nSon tt nroj^a nanoi njco trrio Tn» htoi inK mo 
Sai n^eivi dtoS in Sa irotr nnavni r«tr nnw oSiy W wna 
laia pi .i^^Sn 1*?*?^ )hh:t Toon pa ^tthk maTOOi nion mw fftti 
voa ^v nnjo rrjoa naS wva d-iohS lao 10 kS^oo ^njn »nan 
DnoD narpoa nno p]»n Tipoa d-ioikS lao 101 v^ "iS "^ vm 
^ToSo on iKf» n-nn 'vm :niaaii d^oSh ma^n noa rvynn D^pnpTon 
wa ja ^3 mn lann S^aa nn%"r na^on v»m mo m D^pSn Oravn 
TiiirS Diet njtt^ Dntt^A anp rr-iwroi onwDVi mpaS rrtt^in Dnco 
dSi3 m3iom monn nSnn nmnn ^jiws ptt^jnn nwrn non3i «T 
onoSo D^03nn j^a np^n Kf»3 13^33 »ona pni naS tnva D^npiio 
pSn pya pK ^a mno Sv nso nu^pv »rn ttiS «! p3i -nsit w?ttn 
n3noi Koop nanSv nan*? irwa apr^ lya^i o^tt^iw pa an %-ri oaS 
^an nS ^^non hth ont^K^ ^nn 731 \itr*y nowoa 'n ^e K^3no a-y 
K'^noee |nw '?'?enn'? vmee mr nn naiS opo ]ni3i pj-sfpn mipja 

= (i .pm n^otr na^y " njns nty s= (3 .lo oy t^ ^nn yDa = (b 



— 30 — 

nnn Dn3i Sw )»h »m I'jjfw ot^wnt^ "^tt^n jns*? Vi Dtt^« 'jsfte tth" 
PsS injn" wni |niin S« Sm lioo Sapi^ '»»S |n3n nnn'^t^ '•wnnoi 
73p «S it^« in« psn T»S nt |n3n 't»o PjDsn nnrr n»^i imot^oai^ 

Sapt^ n^j^Ti ,i^Drn d: im iS a^'^nni 3n^in'»^ Dt^wn ^hw ]r\}\i^ |r3ir 
n-yTO pN-'jno ph) yyit^'^h mn jniiS innnS y^^^m: |'»13 «Stt^ lioo 

.^SsfK y 131 mi .3n^in^^ }'»)ni3i 
r\y\r( '•nnni '•d -^hn hSd^ nm*? qniin 1132 ^» ^^ 13T my 
'n Dn** ?nnD3 ])rt^h n« wtr-* nsy pu^S mn ntt^y« nei ,n3i3 pu^'ja 
IKO in-pioi iDHw j^cns DK^ t^yni ^n^n ,nSyo n^yo i«D2 m 

.T'jfpn I'jDa '^ "1 DV DinS no onim anisn 



.13 3in3n S33 nitt^ySi '131 3in ciStt^ dn n^r d'''^*?» 
.(55 'y yn n"33 eott^i -noKn i-)''3\, ny |N2B) 
minS i^iiy i2Dnt^ u'^^y^izn n» SSpSi i^naS P]-)n^ now ^rs 
DDiD^i '7np3 Dfienn r\)h:h i5m« D^3^'»n S3» .no hvw i» 3n33i^ 
'n my fiK S'^arn jy»S Dnni3n S33 DniTon niyin Dni3t^no ^010 
niie ttfnit^ iinn« D''K3n on^o^nn mtt^^ nh) D'^jnn ^0 mpo^ ni^ao 
i^n^K D'»3''''m .SSnno c'^ot^ dk^ »3f03i n'»''t^D3 nn^e inio'^i n^y^i i^ki 
^'•yDn^ -r'»onon Snu^n cDnn^i hvnrtrt^ T'tt^N-r csnnS ^^nSi nnm*? 
''Sn'^eo P]DV "1 in» D3n ^cDKnc 'T'y3 nny kjcd: pi .nsfis oni^piD 
1:3 3ni3 -pSfiD-K ])\tfhh 1^3 pe i-nno ninsn nnip inpnyn3t^ lOtt^ 
3ni3tt^ nnynn ^3 ^573 nt^^ »*? '•s Dai^3 P]pin S33 i^^n owip^oKn 
"^rrtf ninpnS »^n ^rr^o Naiio nSsfn ©"sy ,ni3nn ■]ir3 isT^n p^nyen 
iT3^ 11^3 ^53 ^31 ntt^ ni3So3 o'^iy ipin" ii^« Ty inn ^rnoi ^ttn 

.(55 'y yn n''33 u^'os) '131 ymn »)yh «3k nny 



— 27 — 

in) in» it^'^K nott^N it^Ni Sy D'^op w ?pnitt^'» i^nio ms n-)»cn 

n:D ^3 i»Ni ,1211 nioS y\it^w itr« it^'^wn St^ itt^M y)i 133 lan 
iS pK'» "01 ?|Ti«S pwo lioo yott^ n3i csnn n^iiD n'»72n »in nni 
3''»n itrK3 ?iDnn cnion pD^iio on Stt^ onwino onDi i5i nwD 

Jim nyna 'O^ nw»DD T't^'* n"nn htd nan*? 

n-'^i K^nnS D''2ni3n dik ••^d myi hv rv^ p n: oipon nei 
n^N-i i»'»D''i iT-oSn nr» -Dino Dsn S3 St^ ni^rjn nnoi nnt^no Sy 
in*»oSni r\'y i3'»d» dhidk Sir vToSn ni3»a WTOn Sn rutro mS 
I^D k'ji c'T'oSnn pa pi SiDnn "iO'»D W5 n^iioatt^ ,j?t^in tfh^ Sir 
1» 1I32S yii cSynSi ti^cnnnSi inonS S2V niion -3 ^dostj^ oySai »"» 
dSi« .ponn Dial nSK3 .ddii duo aSa hm no S'-SyD d'-kio nn^oSfirr 
"iD S3 Sy nSyin p-i3foi S11: di«S ikd win 1133 -3 - ri^m i3ir jroin 
1pm yi** itr« S3 m vroSn S3 3S3 D-33nS niyi3 ainim S":in Syi 1111 
kSi wi3n no iy iokS tt^e^n ovm3 Sn:n onS ni»in3 inr3i .«3fDi 

.03 lStr3'' D'»yit'1C1 03 13S'» D'^p'-ISf KipOH 1K0 JIW" HT Syi ID^Din 

p v^)^" "1 1310 tr-'^ Diii'^OiK 103 o-'pnafi o''03n nt S3 hv 11T1 
D"30ii }7"3Kii ijiw nnyo 31 ,}iw '•Kim'' 31 ,]pir( hivh^: pi ,n"rrHD 
ii^nyiS .13 ^' nin« .13113 ni3n3 ni3»3 njtroni ,o"'03n .103 iiyi ,S"t 
niiop "331 Swyoi^" "33 kSh ,V33 on n")^ «"« Stt^ o"i"oSn non "o "3 
nott^ Kip itt^K nisfiKH i« ,rnnoi 1311 SS3 110S kSit o^tt^iSen 
"Nil nS« .ono yii33 ryv nioS "in» iiy ii«i^3 030« .m Dtt^3 
on"0"3 niieS nS"nnntt^ nii^inn nin Sy T013 no ni3io nit^ontt^ 
ir3K «in "3 .I'T K"K Sk^ i"i"oSn niinon i3m3 D"p"moS .iKipi 
m3 D"p"tnoSi .1K13 oipo S33 m ot^ nyiin3i n3ioK3 jit^Kin 131101 
yii3t^ pn3io |o"Di }i33 T01 m (*,yti^in DyS3 St^ i"i"oSn nit'inn 
iti^N »"33S loafj? nti'y 3''"DyKi nu^yt^ niS33no yu^in oySsS 13"3 y» 
Si3nn "30"D nt "bS wSd3 noi .n«oion 120 pi imh Sy n"S» mi 
TK D"i3ion ti^Ni "311 yii"S ini" iiy d"33101 ,D"i"oSnn j"3 w liwte^ 
1131 D"oyD no3i .iptt^ niiNcnm m«3 D"»Son Dn"iDD3 nw^inn mo 
tt^"trS »"nt^ n"D33 73 103 101 ^ii pi iSk D"3""3yo nioiip ni"3tt^03 
nitt^yS iSnn D"te^innon it^K ni"D33n Sy "nyiS n3ii3n ,t^"te^S n3"Ki 



.n'TiTW .p^»on '03 ♦iiy^i (31 vn y^o) a*':ii (406 H^n 



— 26 — 

u» itt^K p« niny So tamiapp nmw »S ntt^yi ns dni ?ni3tt^non 

y^Sim y'DKin cy id30 napitt^ nonSo t^nmi .pt^3 riK-ipS nwtS 
lynoio S3 '»3 .S'-ii^ TnnS p ca •'niai itt^« i3in kp ?DnS c'^enni 
DnaiDi S^Sya my-in vmat^no n»i» u^-^n S^'n^i pi moyS n\-Tn 
kS i^e .mow nvKii ninnn ditopd iidni ny vr^D DiinSi xnKiDO 
miiSoi pyi '•ryD }nv kS t^^» w ••3 .-lano Sd dS mns p^oynS 
n»i D^-lSKn n» iSnno pnan nsn r'*^ i^^ra njnj '•31 .S«W3 irai" 
mm T» .D^oj^n p D3 o'^pnioS ^Sin 3i»n lyoi^i ii^ri oina D^i^3»n 
niMn nSnin iS '•rjn n^ana, vhn -lowi m SSi^ «3nB3"rSj? noirii r^e nw 
rnwin^ kistoS p»n5 pi voib nns iipnS rthn^h v:"} »h "nisonni 
ite^K hm DTK S3 ^n3ip ,di^ '•t^is Smi neon ••mna pi .rmSyoi 
itt^K nooyo ^33« vSyo Si:iS '^nv^*' no '•stdko S331 p«3 ot^ iS ntry 
."1^2 wn rrSarn '•3 n7V3 •'S 'm .iroyo o^S'^stt^on ci rSy iD'^oyn 
D"":^ 1WB Syoo Dins ^nyiS P]ii3n miDoSsn nn'^i" «oinSi 

iy icy anw ^jtt^ n-3 pin nys Stntt^'-at^ Sum »33f w pnr pi 
}n3n in^nno p pidvo si^tt^i ,S3 '•ieo 3itt^^ »St nN3 w 13S1 ^^SenS 
D^03n IV '"^onsi (*.3»%"T i3in '»nii3 itt^K3 3S n^po pi ididh 
cnnoD n» w onw mmSi dbit n« tt^'-KsnS o^K^pne narp in ii^« 
^3 iSir mtt^on iisna vnpn iroi nKin iiy nto inr .S«it^'' Snpe 
S3 Sk liinoS I30t3 yiiin t^-'^n n^ins p y^f^Sw -131 d: i3TnS p]D» 
'D Syn \\H^n -jSn P1031 ,3i»S iibnot loir i^3tni .e-yoi^ nnn ^03n 

DT?31« 1^3 (S-T D''30in 133) TOK HiOt^ (^3 HI »pKip 'l) pnW 

nmne n'^ ^jki S"ti u\tf iot»i nn» cyo pi mti^oD onsT^tt^ D^03n 
ni3» ty iT3Tn miini rnno d^biS i3»ir t^npn irsii^ p'»3 iSnpS 
^iKi pi j-y .cmf ii»S PD^iS" . . . • D^Bnin Syn 3"«i 'i3i oSiyn 
«Si iniSiB ni n» nw kSi ray S» P]Dwn piaro D3n S3 oy :mh 
.nttnn n3 nt^t* irtno iBy »Si nipSnoS cyn n« pS^n 

•]Sn '•s iS HM no ijyi" n"3yDB innon ir'^wn ni^o nt p» 
nni Dai .S-n noiB |»p 131 Sy p]» loy »Si vn '•»•' S3 niinn 1113 
ntnnani niinn nyoins fo»n ^3 iCnnsfs tt^oti's DnKi3» nin ^iid'»3 
'»3dS irnn S3 Syi n^Sy pan nni nosnsi .naoo i^^Ban S31 c'^ot^n p 
n^nan jiiB'^yam ninstn rnirSo n» c'^yoitt^i cnoiyn c-Byn ^B3n S3 



ufy» nh nnnn Hiip 'O wh-d ofitan wnaoa S"t 3'».n w"d u |wy (• 

.mnw .(n^irpn iwimi) pan 



- 25 — 



r^nryi nosna rrnna kSotd ifcOBorr n^m ^rarr a-n 1133 Sk 
.vry** n)'^^ pyh tdk n^ nin-3 Skiov "otw inmo 

Tnr» tnee ^3n« nnn -itt^w onpim c-jto ^3^3 |n nwanoi '•nnanDo 

miienm nnn»n kSiS nnw wo'Tin pi d-^otki D%nS» nnovon nm 
^n^^ mio lirr* kSi ^n^3 SidSd n«BO "hkix Sj; tinnte^rr -iu^k |^p j^» 

.I3n20 nnn^ n3 «33 p3 ?"»irt^inS d'T' hi6 yt(\ .n^rh 
|V3i^ eitt^D ^S n«n3 n'D 'n rjio rt D-3onn nan iwdd .•» 
nimSn oy .th dk ntro "o-^n rv'D nmn oipon nm.T m o-n nsnS 
('» 1"^ y2) ^^i^rt nsTO n-om iitd vn nim^n^^ w pKn iinn nn^s 
nnsn mmSatt^ cna-ri .naoSi Dip«3 niin -icdS in'-S mxe -iok ntSi 
■]ViD nnan nmiSS n\-itt^ Dipo tim ioiSd -ibdi ibd S^at^ }n }n 
D"aoin cnD m ^bSi .n-iin ^itfoin ni^ono -ibdi ibd S3S oa .th }n»n 
p^n eeS min'» ni^ mt^o nmn^ 'id naSn mirT* ni oni^ btk 0*13 
|3» .t^«'»'»y .n-a^S^ '•sn p^owi wn KiioSn pi Kn'^'^nnn tt^n'-DD 
pnv n '•rSB (M^n ^iid n»iDi n-Bi »«n i^id c^Sptt^i re) '»oStt^no 

ni3iD niBDinn ^312 nn .nw^ '12 r\::hrt n^Dn*' m oni SSan n« 
'»oSte^ii''3) nnn« KiT'nsn K)t^''Sn NDno iw (on nn '3 »"») 

"iti' tt^-'pS J3 mi.T '1 '»in Dt^ TV -"^'^o '^^ ?^*^io (piB ^^"^ D^Spt^i 
nmh) minn Sni ")3i •)3in3 navii nivin nn\'it^ in« "i3i vn ntjnK 

)yn» }^3 m^iti^ ninN3 tt^-i t^" -3 lynw rr^'^it^n inS«t^ Sjn 

ni3rD3 ■]« .nnncn ijm niD'-Si laS miTioi mit niyn "^^3 n'^osnnon 

|w .nowo nS nS»3 ctt^^w iSsr tA '•s D'»o%n 1331^3 "^iiKin ni3n 

"•^K ion3 Ki'^i kS |3 hv ,i3t^ip in ^33 n-nt^nSi ynnS Dn'»3 

ov nSiyS «%ni nro^o n33'n msfo iSb'^ DmD3 nS« ,Dnn ai03i 

no ntt^D n D3nn ni3tt^no jnw ']»%n n'^tr^Stt^n viWtt^ 'jyi 

^*n^3 n^rr^j '•ri .n^Ntt^n pte^S S3? '»nnon '»3 i-'aw noNn 3-t 



— 24 — 

^''inii imy i«-)» i^j^a nyn nno T'3 '•o hy «i»o }pt }n»n pn« 
"iini .p«i i-'Sf 1DDD tDiDDi man S33 ana it4^» vnn-B33 in«ai»3 
pnr i"nn» mn nrnn 'D Sy tt^ii'^o ii«S vxsi nrS ore '•d nu^ao 
3nD S"W i"nn dji .nn» |n«n my\a Sd S''0'»i^ n«'»r'Ti:iD vin 

nti^o '1 DDiiBon DDnn mntt^no n"3y» in"* ■]«\t n'^t^'^Stt^ 

py •'3rj? 'DDT a"ip Jfp n»^DiDiS''Dni rninn idd3 ainDD cnanon p 
PdS*i3» nt^» pw •'3 iD"»'?nn^ ^313 «S ^ny*i 'ch Y'^V) .'h ©"s n"3 vp 
in pjiDiS^em n-no«n 1:21 nt^o mm cyi Switi^'' \nW 'n oy 
3n»3 "jD Sd n\"i kS '•3 *T' nsms maN3i vmana i^ymn in^ySnno 
poS^iio '•iionn {'•'•yanttf -on n loisn ana pi S"! irnini '•iio'»'?3 
Dipo n-'ini •♦roD nt^o^ nSaipon no«n 1110 mi'' ••d S-'di^'^i }''D"» S"jn 
•nnnn 133 p »S it4^» onai ni^onSi vmyia niyoS rin» d'»«3S 

iDinD D030 DK -ij^nr oti^ '•tt^i« ibd nana n"3yot^ '•nyott^ 
inyn ••S nSr SSsdi .Dnosnn oS^n n» n^^n^f D'':nn«n 'hm dj 
cnpti^n ^3 "inN ^''pw itsKsnS D^-^n ntt^o mmo 'r^onn Sn^n mn Sy 
no -)n» nsrai d^'di^ Dt^S «St^ c'^wpn vSy iS^Syn it4^« D^niDm 
p\T ^SnB3 inn pSan u^nr\ am tDiom ir-nn ^iiw nya irSnte^ 
;3'»3t^im impnsrnt^ nnon noo nonpnai iSt^ ••t^-'Sti^ ansoD n"nSt h^y) 
p -3 T'iK noKni .lora or "lo D'»Donin Dnneoa ni-n*' nSyoa ini» 
■]«^o nKno3 in^nott^ .nt cn^s ninoD ii^n wn ^ipto -nyoi^ 
Tti^y D'^ti^iK Dyi 'n cy }»«3i it^"* pnsr i^om can n\-n D\iS«n 
dSvd ipSn nti^Ki ni^« nwa w nti^o ti^-^^m npi3f hy2) iSeio 

niim nsie iS pinw nam inyi '•^ynv r\h»r\ cnain S3 Sy 
nVoni D'"»oiSt^ n3-)DD '•DioSip nn'^att^ Knn nei .liSSns o'^ai iinai 
in3i3^ j\2 miDyn Syi nnmn Sy vniJtt^i vo'' ins"" cno %'iSt6 n^i 
no ti^npa nitt^S laiyn yon) laronD iimi d'»d331 itt^iya 

x"D niiTi Skioi^ ^3110 Tyarn Kim .nan no 



.(♦^"t nii'T'j ^Nittir •'snno n nnsis 

.nn« D3n pai irD nnyti^ nn^n nyniN .rSn "•d 

-)yt^3 DDiiBoni Hitmen pipnon S^3t4^on '•ninn cann P]iS»n iiddS 
mm Sn«3 Dt^r vni DiiDKon }nD 3^S no^ji^ rnnoa d"»d-) na 

.«T ^i^^ p"p2 

Sy nNSf nK» "3 vSn n-jnS m^n inniai loiStt^ ntt^m nn» 
.n"3yo n«o mip" nii'^pn dsthd «i«i D-nyn ^idd mane nsnnn -jc 
r^}ni22 Dtt^'^mit^ iiDD nnwi .iSdi^ ni-P inoDn '•rya tko nip'» 
)i2V nan SS3D vaf i»K3nS nn Skioi^ i"nn -anpi ^"''T' nt D%n'7» 
nt^« mn:Kn nK "iKirn himS nmiwrt ninat^vin ana n»o m»3fB 
nn*' iti'j? DHD "TiwafD '•a "-SafK inu"»t^n nSnJtt^ |di«d on^yD nay 

it'ipD DDiti^S '•Sy ntn nyn h^ Nt^o ••d '•jinsy T)n\ni niaarn '•poy 
,rniDyn Siiio '•S r\'n ijno ^syo ".^ nny djok iniinyn Sy^ niinn Sy 

♦nanin inyn 
0^311 n"D maSn pjidsi^ cnoin pt^S ••S t^io- n^iti^Kia 
i5fn ni«niDe: ""SyDtt^ Ditt^Di "131 1DD1 1BD ^DDti^ |n JH mmSat^ 
pi»3 miann nitt^ya nvni« ^'nn wsra: nvnw pjii-st •»"y it^ieS 
.t^non D"y o-pim d^hk o'^tt^ii'^D i« p3ii 'n Kn^nwi nisfo mn 

.onnaiD myi nm »^ m Sd ny 
n»»n nwp noDD D'^t- » mi«'» -3 iro3n '•ryo dSw v6 n^ii^ 
^^ynr .nt^npn wnn np'-yo nnnx onmi D''3N'?&n ms^sfo tt^n-3 
D« ^Di .D-'ynn ro'^D int^ti^ imo3 c^Diip-BK inynos nny w3fo: d» 

' o'^jin nS« nvo natr nno wtea ovS "iihS oH^innS »'oa »S»« 



— 20 — 

■jniDV it5>» ^nysoni -ij^snrr -iiam iitt^n ,nj?B» m^n S-^d iim 
nnKti^ S)^ DHin Din"- nh ^01 .nai mwa py lati^i »it5>3 ^no'^ToS 
onyo Drr* ])^h m cnmi ^nnx'' ?]» yn^ rr^tt^"' tj^irr nSi ^Skii^^'' 
Din pKn nsn «Si ?if?«n onyno nn» ti^w ^»3rv n» Dor na^i 

Din '•3 ;niD5 Din ii"" loin iipip f?y nM** if? Dim ,Ton^ if?i 
D^"* jTinnS ^h»^y^ iroin rn D''f?p ,SKiot«>i nt^^o nop^ iS .Kin 
nai Dinn DBott^o ,nninS imi ,mnij>3tt>n n)T2)t^ i-^onS niaraitt^o 

:S« nins Dnpi3f 

panS nf?« nai iSy^'i ;jiinn ^Sip nK m yoti^^ ^3 ^nan« no 
n'^^K jrS^NK n»Si^ i»tt>3 Donn pwo pi .jncK it3 '•jbS 
a^3K 111 "'D ,}vmD Sij^o nM^ |i3: vio uii ,pntt^i nnij> na tiyi 
))V ^3 I'^ip }n^ ]vhv inii f?y JKi^"- biny ,]vw iti^ Tt5> ''Sd3 
IJO nyy2 iv^o ,irm P)afp nai jvSdS pin nnrawi D'pS»b 
ni3ro noiu nixoi ,}voii |vpi Sdo »in niu ^^r*?}; m o ^]Y}r\n 
vhv ams'^i ,|vb: innpa ,}rSen p ,jvn »^'»n vSpaS t^^oi ai^n 
«iipa '•n'^pjD ,n«ii3 ^'H'^w ;:» niti^oj nsni ,|vdi '»b3 tt>ii» »ina 
D^Saipon iiy lai^m «Si Kip** kS up lott^i pjiu^^ ^iiiti^ neoi 
»em 'K t^-'K DK ^3 ^D^bia: D^f?att^ ,D''Sf?im D'»SpSpo ,D^S"'a:o 
3K0 Ilia n\T lyin jvbao pbno onT '•Si« ^fjioan wf? myn Sa 
ji^j? ii)n riJtt^i 11D .i-'^aK f?Kiti^'' f?a Dy ^Tp'' }aa ,pSy f?» di 

.nSK3 Dneian by t^^K tb^^i 

^i-'yyi iy»yon yv^r6 ni^pa ^I'^nyoi Dnin nai nS» 
nriD3 ^b«Dp p-p rr\^h loiyn 171 ij^npS lay n:D onias 

:i''3?i DK i»»i'»wio 



iD'BinS »niDHi «»te»«a nnn an ^latjw d»3W o'ana pa nt anao »nH»D ,X"K 
7 'V D:n 4 'y f?HW »Sn:i nnSvia nniaoa Sn:j w»« n»n aman ann o 
.661 'V 0:11 448 0? VB^^rv^niemvo*^ T^^^ '^ ^*i**^ nnim 



— 19 — 

vh^ ^m ,n33 low mi nsa low nt D''3^'»no if?Sni d^3T0 iSSn 
rmna d*":© d'^Sjoh onDiDn i3ii ^naw -d n:oN ^ij>:» f?y d^313 
vanp DK tihT\i^ o-T ^c^pS^ 'n Sy onai wcn'»i ^nsSnD kSk^ 
'3ioNn nKOWO -nn»n pti^S d'j; t'^dk mh nDij^'^i irrp wt idiso 
Sy^San ie^»n Sy onj? noD ;n oy w^np yn) oaf? wn .f?'3n nj^irr 
irni:ny3i mc^on vniyia o^ain n» N^»noi nynS losry noDorr 
Dr»i ^D^DU^ nisSo h)y D.Tf?yo ^pnS d^ow DWpon m ^3 
D''piia vn DN1 p2 nnnhn ik^k ■T'Da mo ^a pi mu^j^S o^ynv 
K^vn \i^n:rt p niiaa vjdo o'^mia vn loipoo ^vi^yoai w^^a 
DTNn mra o'^t^^pv ona rpwi nei nnc iicdoi ,^ean ^Syao «t5>'»a 
wip Noo 111D 'T'y ^pyr nptj> ••S^f?n .iina ii^»o D'»ti^i onS nnpS 
ir^nti^ai ,niyi yrna m oa imwn '»a ,iyn hn nio mo ,ioS 
ny Kin ij^K ,tt^» tt^K »*?« D^D D^o iioKD f?« iii«n nnj^ "jwS 
nSnp 1DD tujS ii^pa d»i .mnon f?na« ••:» neo dk nS3'» piaK 
niro naif? la o^Kiipn i^bo onan vn ^a f?y *.ow i^npn nnai^ 
pta nam Nit5> ^yti^e yoi^ ^poar Sim «S nai aiiatf' tnm neon 
'•onott^ 13^3 iDon ^Smaoi ,niDiiip'®»i niro nai ,13on3 kS d'^o 
lyivm ,1^3 Ncoj inypo «o»3 ,ia pjarp jn ,ia f^on ]"» '•Sa tnn 
nSic3 naio rany ^oniio no oSia cn^ti^j^ci onai SiJ> fyv 
Kin DK ""a ?ion 13? SSan ipa- n^^Ka iiyaS n'h pnaj? nSeiaoi 
i:n iSj^eo D^poi3f D''Bnsf kic'»n 3"n 11^3^ nh vim '•arn nS3'' 
Si3»3 «S3i KnuoMoi ^K'N n*?i3»oS p'npi nen^^S D^pS»S ny 
iS Syoo onoiy d^diij^ ,ioyS pTO'n d"»d33 p ,i^» jwS t^^p 
.iS lOKn «3f «3fo^i n«i^ iS ^Sa ny ,iyr 1S1 i3rii'» D'^o^a u^K^a 
iniS"- '•a ,niwi nowc ,nii«i niioD ninoia mra nii^Ki^ ci^j 
n^na i:ij> ;yn lat^^ai ijjynn pa ;n mm 3?iott^ ia« »h D^:a 
'nS DK ,hm p SSm D^ott^o tdq: y» .nnyi ony ,mS'»Sc) ipo 
pixi oei^o nt^y iS pHn Sa mw ?iS SSc ^d tJ^'^K Kon'* 
i-'DcnSi I'^a^nS n^oiJ^nS ^no apy ncti^oSi neoon nB^eoS n^ni 
•»:aK iS« innni m3?in )Katn in ]vhv hsoi ,jnnn nK jnrpnSi 
11D nnei iit5> ninrrn nio-^n niinti^ ,nioit^ ^aip: niooiy nioino 
j^na nioinn m^ nio'^ai S-D3 B^y '•«b^w o^ot^^ iSy^ nio^to Sya 
.jn'»: oSiyn aioai jn^ai n«^p hikod niyn^ jioiNn •]in niomp 
loni ^::n )::n ,ir3ina nnK D'»pS« ,ira« 'n nn» ,wp ^S ij^n 'n 
w ipny ,pny yhi; onaion oniio o'^jan iSk irSoy riK i^'-Syo 



— 18 — 

yy) ,th)yh »3 «Si^ ^h mi ijip ms by m «f?i^ ho) r\)nHh 
D-piD -tt^Ki 1K3J n"3?3 d:d« flniT'pna p^i^yrth^ a-mn^ Sdi3 nS 
^ryjyS 2nin ^'Dy .o'^pioy onma nif^Dnon '•nSa p'^oinn p psfOD 
n:tt^on nm iinoS ij^npn 3in naij^noa rhy «Sti^ '^ca nn 
«Si ,nij>«a SarDon ry cnann peij? nif?DnDn f?m .^anoen ^jni 
lOKtt^ nca nt aw •T'Kn nan nnoai .ni^iini^ noa «f?K piann 
nop «f? nf?''Sn p^pioy onaia D^Sanoo -nba p^ainn jo }*"»3f03 
"rh^h f?anDnSo icnn 'n niaai .nm c'^iann jnwi 111a nt pica 
DT-pna vii^anon p^oyna dtkh pno^ »yo3 ii^k ti^'oai .janon 
naoo nf?'»nna pnoKT ''»oS ^"on am n^S ^oiot .nononi nj'»^jy 
na D^ianDoi ^Din n^Ki ,nf?^JDn n«npa D"'SanDoi S'wn nS'»30 
jaa ,nhhm niSao pu^S Sanoo '^d mn nyan ,T»SnD rr^S P)"'Dini 
iT'af? onnon pa y:o nowa ,^Bjn ijdc aits .yacJi p-^yn ndit 
.npjiom nB'»3?n n«T Sy d^oi^ ioik^ ?3;3Worr Ka ynoi ,V3W0 
nnSiJ^D ,m3n opn maj? ypyp naina ,nT»an vpypf? riKafvn no'^K 
noa ?pnK pi« ,pi»n Sa ^:d by irnn n« t5>"»KanS o^yi '•aK^o 
varn itt^» p')^: ata nam Kii^n ^bana pyn -att^io nyn nroy 
iSi^a" D'»3?i5^iB b«wb naia m» n-an «Si no niK^py •]f?p o^iiJi^ 
n3ir«i naoa D^roKOi^ ^'•3?^ iraii^ o-iyvia (iptt^ ptt^S) S-ia ia 
Kim p]iD p« ir\-n niiij>«i nao 'iai mii^c nw «ini^ ^bS "lai 
ininS naiy iS»a nai ma po»on a'« /lai m»''tt^Dn n-'bana tDitJ^D 
^•ay '131 'h larm mini dbnd hjj pKa c'^ian Sa Kip iokt noa 
ma KifOin i^bo na iiiaf i«tDn inonm la^am d'^i: i»n (jia'' ba) 
DniasSo f?3ai jidkh ^oan baa kvdm ?ia D-yiy mi m^K i^-'k 
iwn^ ^0 pn^iain on^neij^ boyi ,DaS nam no ^a pimoa po 
nine nnci /n Kia iij'k n«na ,piKn nBD D'^mw pbo laioa 
'joi»nn nBU ,nSwi^ D^'^n onb iir» bai en hti ;nhi^ viai iksto'' 
iiatvb 10K'' lat^ /iiyoii^ ^alJ> D^it»S "^ik .mi»ai by mi '•neti^ 
iioK'n 'na lu^na ^yoK^Ji nw^yj Dimbi n'-a^nb Din^Si pin:b pa^ Kb 
^aniK 'K Dane ^b i3in nrp mm nynb m^^n ^ab .Kin Kib 
tt^br m (^nK D^pn) b-ii m ]'*}y by anaw^ '•Jiirb i-yo "-i^Bia 
mnnao d:'»k vnrKii^ ib m-^Kin ^5ki pm 'k oan jKa layit^ d'»ji^ 
nK K^m tKi baipo dw oibap Kb nwmno nunai nioipn onit^i 
nbapn -bo Kin icon yy\i^ pi Kin p naiaw^ ioki pmb inny 
Kb DK ircKo -JK pKi^ lb mai^n -jki ,D-jBn w ^Kbono bapw^ 
lb ^bn lan p)id .onaia '•niK nnii .naia ik niK -JBb nw^y 



— 17 — 

^rniTiD yn'» irxr p^-w ro^D nf?r «b im moi vnir f?''Dtt^^ d» 
app" i^Shk imn no Sann io»'» nown .aw i^ p'^TxS ti^w d:i 
if?5r hS d^31 d*»o ?Di3i^ nnK'^i inna i^r^ ,SKitt^"» i^ni^DB^e 
DK una >iini j^«3 loni inic»tt^'' i^ nnnii ,nT^r\ nx niaab 
p^r kS lioo nns ppi ,i3 mxvd p]Ski wn nate'* ,nny ntn tt>'»Krr 
ntt^r^ Dn'»tt>ro w D.TC f?3natt> /n dp o'^ti^ip |»af3 dio S^d^ kSi 
KT1 rsyi nniD3 o^K-^pa vn »Sir mra '•u^^wo rp ,nSyof? oi^n 
D'^eciJ^ Una mt^^yS cam Sk nac t^h) Hp))i DiTk^o nx o-'pf?** 
.DnpN3 n» D'»pSK yei^'»i kSk dwiwt ^kik^^ ^ir inatt^nc iiaya 
piDc ^y S-t no«i^ no ^a hy vmS'^yo d-dk^ njian njj?'* noi 
nyott^ nram n^K^o ^y iti^n^o ^na^K ^^y i:iSj^ ?nan» ^hv 1*?^ 
Dfin pm n'^o'^oS ^^du^ hSi ^nju^on p3in pm» pin ^^af? i** n3 
D'"'3i3fn D^S3ntt^ 1031 ,iTafa inait^^n ,iiip iia3 Sy on H^ti^ Sai 
173D TOiin .D'^pnn nn^ niS^i niS:n3 miyo }3 ^o'^^o'^jen nKnn 
nnoj ni^:n dk ueo »^dio3 j^s** jni .niinD:3 miett^i D^ono3 
nhy n-yip P]^pn .te^^n »h tt^-Nn nt Si^ i^ip ins •»:« nxn ?150 
i3n: noSi .pintt^ i^ noN'* K^ir n3 nK^ii^s pmji ,»^ivn3 K\tm 
nij^ni iiiarn latn i3T «^i ?n'»imn ma ^i»: I'^p «\nn3 i6i n-oi 
T'y ,n3iaS «f?i nyi^ nKi30 n:tt>on »tt>e '•a wi'T'd Sy caoon 
onafon on Dn«i mm -3«SoS n''3n io» f?'n -i"03 Kn^«n "^^o 
itt^K rr:^''^v p» /131 ^iKi Til nM «S T-yi /i3i n^o y^n nip^S 
••iKi I'^s tj^ion yH\ ,S«3oSi Sn3oS ^im win ^n^ij^on niano n^^y 
1^ '»iN-i ^a-'py n n**^ io» »"y n-a ^i nm 'oaa fn3i^Nn3 ^innS 
^ini '•Dw n'»Hi ,17 nn^w i^y iitr f?Ki tt^nn 3''' noo^ hn^'^ 
«'»a« D''ai3 D^ot5> Dtt^ tt^npSi ."inyo ^3fri iiiys nwi^ ,in irN-n 
nn» ,iDn^ Kf?i P)^Ty^ n^ .itj>3'» m , ^\i^' Dn«a n-nf?) ^nnnf? tt^'o 
}rK ,in^i7^ a'^rn^ n3 n»nan niiiaa *eii3n nat^^S oyts jn^ij^ 

ro^oan jik^^ S-n yni 
iinM^ nov D^je^ no nW Sk nanp »\n n:n 'an n'^'^pnn 
n^Kir nvnS njni .pi^in pK 'd tt^n nran n3D03 nitt^oa lawn 
mTpn3 inif?3nDn p'^oyns own }3nD'' eyo3 ik^k im npioy it 
"73 bnoon Sa ^-n mawn n^t^^oa ^m iniTatn •itt^«3 fl^^^v 
no D**:©^ no noo^ no nSyoS no o^iyS k3 teSt^ -iS ^i»-i onai 



— 16 — 

no yirii ^m^Dtt^ion myn no3n itt^snf? nisfon ntJ^yo tit ^*?3 
ninsn ni^av ,m^^by »iv i^ «^i d3^ ;Tnr»*r no j?toi» «in 
np^a iciDn n)h:}) minoj m^pSp jo ono^ pK ?niSwn jo 
nw« noi \ioh piTOi pvioS no ,onD^ u'^isi^ dw^ wwwk 
aiK^n^ 'n r\» 2)tv mi nitt^yo ''^ r^h'^hn por^"* wh^hn^ '•aS ?-iowi 
"^h nh'^hn y^t^^ pnyK dk nh^hn ,3?tt^i oy pnsf n^oynS ntn nana 
DN1 .lanayi '•3 ni^ no "jiyo niri ,ymo hi6 rh^^hn 'r\h «iano 
^nti^yon i« T)of?nn fc^in 3i dn )phm 0"^:^ noDi^ noa in3?»n u"'y 
,nir3?o n-i^ «'»aoti^ Siij *mof?n «D3 lonn pin '•d 3?T'^ iS n\t 
iiof?nn ""D f^n^nn u^)rQ n\-i^ i^^bki ,Nrwi «wj ioitji "ioiu^s 
nNi^ ^33 p'^v'^ nryon nt -joo kS pT\'^ p dk 3kdi Sna »pm 
h}v ,iomn nKioo no^i h^ ?n3rD'' ^an nt no no*?! ,Naro"» ^ai 
3"»n"» pr p'^ny ir«n i^ot oj W3i8>'' di^ «cdw N-nc loiS nS 
nosn nipo yai: bn: ,no iy ynr i:nN p«i ^no'-Sir mm ):h r\r\h 
"1103 irjtj'tj' no n^n d: n^i .non3 ^ip yoti^Ji ntJ^yj itoki 
^^^3 .mti^y^ o-y noSn K^K-n p]1di ^noS? o^y noiSn nnion 
io«S vrti^ n« mnpnS i^npn mm ij^ jwir ,«in 1113 mpon 
N-'^j »mm K131J73T -lOKpi 'j^^s ^kS^'js KJtt>^S3n nn pie ;*? 
pnvi 1CD |nr npo'ji io^"»p^ ij^i )y^^2l6 mo3?i^ K\ni .sn^^o 
iS'^oKi^ ,D"»f?3ipon o-no vsn ins nc3 .pntr*' D''0tr3 3Kn"» iudS 
Knn^om ""^"os onnco hv noivn n3r3 insntrji W3nD: ^o-'Spn •'^p 
msn ,15^0^3 Koon f?3; iT'onni^ irip3 loin p"io ^j? -roy «Si 
i)y ^:h noi .nym ^y dh-'ji 3iir"» itr« iy inixoi imin msn 
■)n«7 npNT Kpii^ Npn o^p^ jno ?'tiioi noo no nc V3ary'? 
nyi3 nnhii^ 70 ;pn icd*? -j^ no u^phn io« ytri^i n^^ '^wh) 
y^h y3rm p)wji myi 3mn ipi^K msti^ n«t •ir3 ,Nin yn3 ^3 
ip^y ?ny in m Sy i3n*?i wSxj oniONi Dnn« D^pf?« nnN iibni 
yare ,yaf3n in« nioi^ ^cp^^^ iiS^ n3n i3inn nSn: r^rt mm 
Srei «o^toi in'^ott^ D''30"in rnp no nsn Sk id »^i ,yro nnn 
^rr^i^o^ D'^p'^mo vn ii^« d-'K^jn 3^3 ni3tt'no ni3i n3trno nDK^o 
,1:1110 nipnaf iin''3 p3'nK "i3yi^ bv ,i3on n3in pnar nm tt^^« 
n^n ny''T3 i3nKn f?3n ni noS ,iji31 yivS d3 }10» kS ^^'•o 
^3n3 S3n «o"»J3 Ho-'j '?3n3 ^3n iw^p m Sy iK'p iit^^ rwp 
tt'tei cin^ itt^«n o'^jsn^ ,1^ P]Snnj «o^i3 no^yj ?noi^J3 nom: 
••s '•3rp noi ,n3i^K »h) ni^ ,pT pen ji3t5>ni pn .i^ki j^nos 



— 15 — 

IB 13 ,1113 1110 ,iny jhSd ,NafOJ ^f?M ^-jiok pcx natm i^:o 

«n ,n^ip nnn n^i3 «ji31n^ lao n «^n« .10^*73 «n ,n^:Ki rT»jKn 
^ip 11^3 iSoN mas ^nnafoi Nvi«a wnnaw r^n -i ^'•jj^ kdSh 
nay K3n «ni^n ^irrj? nrSan imr nrnpn d'^ju ^y^n ii^ao 
,n3?in '''?''ai^ i3«on "j^noo jnin ^^a ^«ii^n «3?ikd nN3 Nnw^n 
,nn3: n3?n nit o'-aia ip^jM aniax 'jSo ^nvns nvwbeo mi'^n 
1ir« .vt^ej i« tv nnpc >'tt>i n^33 'n nrwo ,yoK^: no^cn Sip 
jpT "jSon Janea ii^« ^Skii^^ n3?ix ••e^pn nn '»i3o laSctr j^i« 
nci« D'*i:ia nom ddhS iSaw'^ «S nya 7^1 ,S«jnD irw '?''D31 
;^ J30 '•DJN ,Dni3« «Tn Sk ^p^^Sa iir« n« -[W^ .o^'^inan 
ySxa D'^tt^nS ,mpn nnci lyu' "jnpSi ^niw o-'St^iTa latrio }n\*< 
vao «Si «iSd3 ,ni3? nip nun nicD poS nv^iarn ncoiK ,"inK3p 
niSv npi nSi3? pjiSk niij? it nc moDS ,N3i3;oa nary mo «ei 
nabnnn itr« n« naioS o^p^K iiar .^aia yhh vh Nsnn nnai 
"•aaf i2fn '•ax'? /n noarpiDp aS u^^k aipa inDi|«a Drni^DDS 
■•neju^ plan piani ,n«n pion ^^tn rh^ ^ymnoi^ n:DiiDn noi: 
;Sd3 ant i^« mnnS VJicaro lya: vi^in ii^em p*? nnno S'^oa 
,pNn |c n*?]?^ iyi .mx piNo m |n«o lono ,p]D3S mpSi^ '•3ar 
ij>« nonar ;jS n*? m j^n ncni^S ^inairno nn ninb onw in 
,«iw pie» 1*? ,1^ i«a i3rapj oSa nKii ^j-v a-'ao "^b^ jj"? n 
i^yo ]W» Sip ,311 i-^yx pip i^^« 'ja pip"* «S -[oinS iino iino 
ni ^va'^wS S10: dSu'S 'n 'jaMo Sip i'^kod jion Sip3 jxarn S3 
no .ni3?''in Sao mn nyin n:ni^j no .13 wia"" o-ipn]: mS lyxn 
131J? 1^3" n«T iS"»3i^'' io3n iS .niynn Sao nin ij?an r\rm^^ 
"•iD^a ,n)aJi nn ,n)ian lanon ""rj? lati^rr no3i nc3 ,nn« Sp ^oni 
Sa ntTN Ssio ^Setri Sc» Se« p ^Scni «ii^ nnn ,Sci3 D"»ry 
,i:a naia Sip 'iSi^ «a3rS Nin nw ni«33r m poi troi^ nm 
pp3 ,ni3i«30 ^^'•Ko nviia moipn ,nian nsi niana nnaoa 
S30 inttS mm 1S1 n ni3rno 3ii^nS oa vnnio npn'-i^ ,niain 
S"i) cnai ny3i«3 S3rDoni5^ (nyia Sid^) S"ti ,nia3?ini nniono 
S3 Sj? i3y DN iS''B« vni:iy S3 Sr iS Dne53o (131 nS3;oS no 
uitj'S »intr p , ti^« )itr S S"3y /i3 noi nSyoS n3it 'kii nSs niinn 
n\T ii:Dti^ niamiai o^piiB^a Kin nt^«i nt Kin "oi .iai noio 
naS iS-cK inj^i wit^n kSi^ ^niKaiarn niKioa niKiS nnB"* kSi 
nSai^o nyia no^3?J3 San pS lootr o^mn iodo ino3 o^eiDiS'^cn 



4 



— u — 

nS^: "^h my DK Dn3«Si ddihS Kinn iddh pj^'^d nan P]iin Sd 
m«no nwio '•n^nn: i^ibn d%-iS» n^f?p o pciD'» kSi jok'' «S 

f?3n '»3D in'joi ^Niti^- ^i nea y'^^^^ ^p^"" ^^^^ ^'^^ ^'^^^ 
poat pp)nt:i npSna ,nra oipes onp n^ ii^yi ^njuna f?an n^Nin 
n3i3 '•iariif? irSn *?« ?n-oi iidt' iSi nSij? nar S»bn .d-ik3 

i»io^ cnnn ^3 ? •'oy na Tiu^e •»j»''^nnS iti^'^nn »S jh • ;oy 
,V3iB3fS pco ii^rr iTD^i ,8Dio'» N^ niDo Ti'^jm njttiDD m3?onm 
T)3T D'»o^ -mow /'jJi -ej?© ,^n i^DOin nci: ib i^« in^D^n 

3iiri «wn Dvn f?3 n^ ^^B^- a^tr> »in i» f«^ pan^ hd aian 

nj:iD'? "Jjn /nb "ie«rr Dip« nnv ;:k "iuj idk*' '»ji»3 tt^^nn 
ni33 ^cmaja 'n mij?*? ,D^ott^ nis'jo nw«^D^ ^m ,mafo nonSo 

.nan •♦ti^iy na 
•]aw an no .''f?y iiar^i /nnain »: lyoi^ ^onien m voir 
F|Ni ,n-nf?T ^HKn Sir n^no» nSap irnp noD isn^*? n:csf iitk 
omaia noa ,d^3)k nS p«ir ne^eaa ira"'i« pwa lanvna n»t dj 
D'^neir lai iiono*? -jk D^nira npiniro pSoa nSo n^hv "nana 
D"'o Sa ^3? V"nt na DO-^e^-on noii iJo:ir ny naanSo in nSi 
nSatr u'^r p^inn mn^aio cn^a iripn ••ana f?aS pjixm m^'^yin 
nioirSi mayS j:a rr^Ni ,pK "j*? ••« o^rpf? "uS nn\-n ^o^oir nny 
"aarn DiKa anij?: fjiSk incnS tib: irpa^ m«nf?i 'ayinS noirin 
ir« ^aj Sy mmir ir» -iw nairm ;aatn pKa ^inS KaSo iiao 
Sir amrjaS d^no ^nxair rryi loirir in« aaa pyn ay a n^aS 
Syaa wa^ ckmh ^imyT* nS niinn '•ircin ,m riN nryi nt Ka 
D^ryS ""w laSn iSw »h nn«i ,n«oato lanai sin-'o -p^i '»yjo 
iSSinirK na«^ lyai S'^Da oy in^ D^oan n«i» -a ni»n "jair 
nSiS) »So oSiy naxS nair ,m Sana on'^o^ iSa noa aS n'»aK 
r\H wS i^mS p» ir^ee Sy^Sa pnn irSy Dipa (ijS hmit 'n 
Dipo nSyo nSyo m'?yS nuvon noni ,nmirK «S on'-a nniDKn 
Syo Syo '•a ,n»D ntso onmo iSi o^Syo d^k ^Son ^m iirN 
^13 n^oKNT naK DV01 laS ninooo mnooD ,iaa la rnmoa 
nia^D HK Dn«ir3i pn;i3 Rnp ?S'»yi"» »Sa niaa i^o"'i o^pSw 
••airno mana lair d'^tS ^ik ?Da''pS« aaa oaoSaf po oaaSo mai 
;^H y ir« la .^01D p«S doit «rr "iny p»S ts'^a" ,Dyai Soy 



••ana ^th jtea ly oaSa Sk mm uv p^nr ^in ^f?K ipDir 
p'p^ »n3''no tt^m Kno tt^m »in D'^jo »ir:i jp7 Snjn ^n»n 
^varn ):id ,Sn^ inj ^Siinn miiT minoD ^^^nir'^ 13 «"3?^ naiwD 

^Kiu^^*? mn vS« Sin iS Sip ,DOitJ' ppi^ mSdt *em:o\-ra tod 
npa^a new lypn ^nro no^nm htd hd^nh ,F]Tirn nio vk^itm 
Dry ,(iS «i»no) S-^dd mou' ntriN nny ,n3?n: Kiw^a jo«'' Sab 
Dnno .To^Di ^rftt^no ^dSj^: Ss hv 1:3 nosoi inoja nyi nr 

Sjn 'n 73? nnDini mar or ,7pSK Sk Nip Dip "S noK'»i ^:nTi 
?ir3; no jNxn nS«i ;3 i3?trt D^ynn o lai^D ir D^aa wa ^itr'^nac 
msTD jnat nm« "'r''3?a ,^inin« ncpSn ;^jv nn«i Sa jn 
no 1CD0 ;S» njiiy ^13*^ ^^'•n nS wwi ^.T^a ja .T^on: py 
^mnan rnnni ,dw rnioK^ d^p^kS nyi p-np onan tt^iaS 
«ato^ mnnoa ^a nmv^ 13 ae nown ,rm»: noanai niKoo nj?iy 
rnctt^a a^w K»n nw Saa ,ia nnonS rr-a |mnc j^ia ,i:iai ynvn 
»hn "n^sn «S D« ?vnvnaS ictro u^m idwnS nSoo |nji 
n\i^ .«"''n '•tj^yo o'»'?i3?a noa ,«^"'a w'^'^a »"»"'anaa imianS wo«n 
prr i^mrctt^a ja pann Dn« ""^ao n-e'^c ;aaf mej?^ niKaar 'n 
lai Sy ,1mm ^^^^ ."jain ii:n .D-pS^ "jKia p hv ,"i^nnc» jn 
mp'^mn'iTa jik "^ppn o^ppinn iSc* ^nnn p'^op ^D^iiitr i^arn tok 
natt^ ^naj w^yna |»id p^^S Dp d«i .nSyoi ™o Si«iro no ]v^h 
It ^Ki ^0)^ na latt' m wain >nip Dpn Sn jinu^ lau^ Sy 
noK DiSt5> }••» 1 itt^nrr ti^mn |n^ ^o 1 1» '•S no diSk^ diSu^ idnS 
' M Dnxn nSt5> ni^s toya di^ Sib^ 'n Dipt poary o'^yns^noS 'n 
on ann Snpna viSp nSai ^a ,iS v^h Dpya Snn dim 



— 12 — 

^iy^'^ kS ••nsf: 131 S3 '•D rT'njfi nn''''in .Tnn t6 p dk n"ip03 
-io«t^ t^- -3 ,-i3T K^o w 1310 treii DN ^)pr6 ^i»ii 

11^30 pn 1t^3r 103 '•3 .Pjl^n 103 ,110 IT 1310 n«133 t^DlIB^ 

n: onmo onnNi .n35fn3 dnhi 3Kn nitt^ojo tt^ojn j3 ,D»m 3Nn 
S3 "3 .niiDnj m3Kn nitres vrr^t^ }3n'' p ONt^ onowi ,i3in 
in .ion iNt^'» .injfpo w 1:00 1S3 rips'* ik ihn i3io np3 i3i 
J31 .ion urN inK 1:0 pSi:n im irjfo "3 ,ino nnSn nyin 
nS iojf5;3 B^ot^n 11N J31 ,i''iN3 Din iSinS ion*" kS B^»n oin 
K'^ ■[» .3«n 1^030 mrKtr noi03 io''3Dni .i'^ins iik inn3 lom 
t^ej nMn dni^ .doiiboh }o n"»Ni N''3nS S31JI ,ninK nSnnn nS 
,D'"'n •'Sy3 S3 nit^cio p lOiS ■jitosr: ,D»ni 3Nn jo dikh po 
D'^^n ^Sv3 nsrpi D''5?Sinn "»ro3 nvnSn "•tt^ieyo onSi^n p d«i 
^iN3 B^mn: :to ik ,D"»5;iiD3rn 103 i''in3 trinn: 3too d''N133b^ 
s*? onS }"»» nnt^ on'^mtt^e: cnS N3n j'^ko p dk .Dn3337n 103 
13T 11J? sS3 D^03nn njfp n3;iS iitdn dinh p3 dj .dk «Si 3N 

:B^c:n iS K3n j^koi napJi 

SiTK nSiu ni-pn nw: ^3 .t^ejn ni»K^n Sy iipnS ^lan 
nns loNB^ nio n-Ni tf^'^rw r-i .o.T'rs npiSnoi o^eioiS'^cn 
lU'Snjt^ }on njpin n5;3 npinno nmi^ i:in3b^ 103 p]ij3 n3 n^rxB^ 
103 Pjun loena locn nSi p]i:S n3''i5f wj-n 3"^ ^o^^ei^n nin3n 
hv n''Ki iN^3ni 110K Ty :p]i:S D"»3''i5f ont^ onn nin3n iioctt' 
D''i3i,i Sn ,10130 ^in nNyv tt^o^n nSi3;c n^i: («iim» .nniNrn 
DwSj^ni D-:innnn Dn3in S3 ncini 3itrnn ••3 ,nJoo o^pinin 
DDD'^OK S3; norm S3B^3 ODIN T^STDi .jvSyn ^i-^pon hm iy 
uoo S3n'' ncuo pn 1133;'' tt^e^.i Syio dni .hSstn oafapnr ^nS3o 
n73 ^iNi inv HM nojfyK^ pr S3 ,iDcn ^S30 Siu pnii Ss 
|0 nil ,n:oo ni33J inr nnSiye Naroj p nS dnit nnSi3;Bo 
,nSi3;en n«o ns S3;icn jw Sncn nwo nK3 nSirci "3 ,ipt^n 
1333 inv csfpnK' p€iD pNi .mpo nSipcni o^v S3;icnK^ ''jdo 
iiayn nnSi3;c dni ,nnSirco m33: inv U'dii p dk .nipono 
p DK ,nSiren jo inv ntS n'-iKi NMtt' I'p .lOonK^ ••S30 ncu 

rpjun JO mien nnN niNt^^i no^'^p nm noN3 



^») Ibid. f. 96 col. 4. Z. 8—18. 



— 11 — 

d:ok -3 .n-ima w pan "jS t^nnwt^ ''^co nSk n'» nn .oipo 
IK D-j^Jion "oS Kin ,mnK nra Syo- kSi ni nya Sj;©'*^^ Syicn 
no nSiro rij^-'^o o-yjion )h ^y^^rr iy) ,iS o-rnnnon o-K'^aon 
^DTipo Kin nsrn n\i kSu' no psn o'^K'^iicn iS la'^'^n-i ,inan'»B^ 
D''y:io kSi ,p3n "utt' im3''-n''B^ iS CK'^ao j-k i^^rv" K^nane^ inKi 
f?rie inrnS nsf }'»k d^k ,i-nD"»B^ w iB^inn-r D"»33yo kSi iSstk 

ininK n^a Kpn lann S37D kSi npa 
n^iSn nrKK' nSij^ea pn^ iSa ni ^3 ,iko t^iSn jnn m 
,t\):2 n"»Sn: knt nn'^'in r\h)Vt) P]un niw K\nB^ tt^ojn Sdk poina 
■]K ;5;3roK kS3 K-nan hko nKi33 K\n o lOK^tt' pSinS ik^bk 
noinn n32n n^n "3001 ,i3 Sinnt^ loin nnj? ny nS }oi:n kS 
irKU' Snain nSij?©© niDna lOKnt^ ^njf pi ^nn-in nr'^JO nn\n 
,Sn3:n nf^iyo n^an SapS loin r\:^n ^lyn '•:co kSk inSiyoo Stoa 

:neio3 o'^ai onnK o'^^-na iik31 
K"ii3n }o niKia: d^k nit^cnr ccioiS'^en lo-DOn lan p]id 
nrK n^t^UK nSive iitk iodi .o'^Snajn n^h:i^n nv3;3roK3 -[K 
t^cin p .nnn niv2roK3 dk o nSat^en t^cjn jo nt^yo nSape 
niyjfOKa DK "3 pu'Knn Sj^ion )o ntrv» nSapo nrK nSaron 
n"»S3n3 »it^D Dj; "lann^ kS naainn an Kinir nan -a .o'^SaB^n 
nM'^ti' im ni5?3roK3 ok "»d pnn dj; pan^ kS 33? nam .nio-B^on 
^5 on^ra nipani nnannn j-ki^ loai ,Dn^r3 nsrp jvoni ^ly iS 
^3 ;V3fOK3 DK ^r 1:00 niinnnS h)T ij^k -ja ^ysroK n^ hv dk 

.-13^3 oiti'D kSk uoo nvnS k"k owon nann 
KiDJtt' IK nSij?D Sapcno inv Taai nan pK -"d iiok iiyi 
/j?3fOK '•Sa inan"' Knian riKo nKiaj t^c^nr ja oki (^i'^v^tok ^Sa 
K\n D"»Snajn n"'''in '•a riTi ,n:oo nnv naa: nan Ditt' kjtoj pK 
S3;iDn Sk nan jo nKarv kni t^o^n -a myi .moo inv maa: 
nu'ij; K\nn nyi^nni ,r6 mp'^ir nnK n3;i3n K\n K\nn nK^3r\ni 
Kin ja DK Tian'' ijoo riKia: nn\n dki .Sj^ioS nK''3non nniK 
'n^: irK B^D:n j^'^jon nan Sa o k"k n!i ,KMn nyunn ntt^iy 
Sai .mpoa ik D3fj?a ir-io Kin lan y^o nan Sa '•a .n^'San pK^ 
.n-San pKf? n-njfj nj^i^nn n\nn niana loarya lan v'^o ^njfi lai 
n3;"»:o dki ;n^:o n^'^y: nja^K ja dk iT'njfi n^K t^oin nyi:ni 



« 
4 



^') Ibid. Z. 17—20. 



— 10 — 

p)i: crN nntf> niciaa nhnn nic*' kS nit^eim :inN Dip»s "in«n 
nn« pSn nNTti' [247bj p'rn" n^ p)i: irsti^ m • "»d o^pSna k^i 
p c« itS it ni^j; dj^n pi irrN Dipon in«n pSnm im oipoa 
P]ijn nvn onip irc^n mN"»3ro n^n dni^ mj?! j^jo dhs Sor^^v nS 

nmN''3:o p dn i:eo mip nN"i3J dni S3;ioS iS'^annSi lo^WnS P]i3n 
nSi ddh 3;38on ""^ Sdi^^ioi ddiibo i3in (3«nn nScaS onipn 
mKiDJ ur\^ '•0 ^y p)n -"^ o'^DiDiScn nw^ai : (" nS»3^ nan nt^r 
, jotn •'3 JOT N^s Dn«na *]N jod dtsidj orw or f?D3 nit^nn 
•nir-Nm nonpnn pj; na i»"»3''t^D (ssSjSjh nyi:nS pm nnpo Kin 
ah) ny):r\ nS3 pt N3rcn kSi loipoa i«3nnti^ iod meDJ n\nni 
p DN nttirya n5?i:n nS j''« t^c:S "»a uiN'^a i3di |ot «^n nyi:n 
mo3 hv2 «inti^ Pji: Sa "»a ni5?i ,nn"»nn3 pn nnn n^eij n:r« 
HT vpSn iNi3*t^ in'^'^ina ptn nnn '?oi: Nin o'^pSno aaiio wm 
nnn'^ti' na io«Jti^ moa nS j'^si p]"u n:rK t^ojn •]« .m jot in» 
' nnnn^ p]i: 'jd ^a nij?i :p in« n^pSn nsrpi nn« pn n^pSn nsrp 
•]» pt^«n piTKi r^nnn'' Nim piom ncoin Sapo :tc f?ai :too 
jiiTNT ti^nnnn nS p Sy ::on nf?i5?eo njrKt^^ p hj^k t^ojn 
nnnncti^ nnirn Sat^ ijvy p]"iDa DiStDitDDn» caon (^^pij jiti^Ki 
n'73r«Ji n«-)a: (^onj^Kir D-enoiS-cn n«"»a r^v^ :[Jot s^a noma 
Sat^n n'' S3? in^o n'jsrsj t^^cn "]« "»3;3roN ^Sa 'n** Dtrn nKo 
••a :Sat^ Sva SaS 'jar^n jniji n-iijf Sj^a SaS n-nsr jmn Svion 
n\T uooir ti'innon :Ton naa ik "loin naa nSnno n\i roJn 
N^-i^ nc Sai — S3?icn Ss nan p U'cin «3rn p insi p]i:n lari: 
iNiaoti^ loa n-iana ijeo pn Nim inSiT N^'sno wen S» nan jo 
poo N"»3rioni K'»3non poo Njnon .Tn^ti' *]n3n rnoioa nt Sa 
WNo Sax ,}oiK Ninu' -naya nsrwn nit^y^ «S la^n "»a .NXion 
n*"!.! N%-i i:3n Sati'a -it^» lyisn nmsn pvwn miv iSat^a t^sto 
nii3r nnsfn jnu pco sSa p ,pya oniK noti^i '73;icS isfwn nniir 
nit^innen t^on '\in osti^ no« niy ih^^ Sau^n k'^^ooi nSnaj 



'') K. mjn. 

*') Of. Bamidbar Rabba S. 18: hSi inn»Sty nirij? n"2pn oipo Ssa 
nStDsS nnn lan ma; Kaufmann, Attributenlehre p. 322 u. 183. 
") 0. c. p. 306 n. 147. 
^^) Znsatz G-erson ben Salomons. 
^0) Aldabi f. 91 col. 4 Z. 8-16. 



— 9 — 

DTiw^n D-JTom D-Di:n P)'?nnn -cS di»S Sdi^^i cm ^f^r^S ni^nn 
HKi: 13WK TifiKi nynn nt cDiDiSen nnDi :Dnn mnDn SapS 
n^Dro tg'c:! nr3"io i^D3 onh psi r.Snjci nnoiarn b^d: cmosrS 
onano orwB^ rr'aa pi nitf^on iwr nSii k\t noijfn B^c:n d'k 
s\i (247a] }3 D« n^Dtro t^ei cnS j-'Ki nt^Jio tt^e: onf? tr*' 
nuN nS ncDoa ni3i en d'^b^jkh niB^c^n dj "^d nK'^a 11371 rirhn 
D''f?3o IN D"»orn IN dSid D-t^:Nn r.Tti' '»wi .TH p (»*DNtr dSid3 
p lann o^wn i:n j^ni uoo d^v" »^i "^nsn j^rr nc inNn yr^ 
hSdoi noDH it^Djn p dn .Tnn S3DS1 o^na nnw tf^e^n ,Tn ow 
rwn j-Ni nS^on trein n:yN noDnn B^ean D"N1 :ipr inn nn-a 
Dn3 nnnron niDun icdod noDoa nisi on ^nw niDi:n Sd3 nnK 
nnN n\inB^ iu'd-n ■•» laS oiNn j"© ^^Dn ii^n B^oantr "inwi 
pt^ Sd D''''t8'''Nn D'»»'^n 1BD0D "IDD03 ni3i niB^o: on *]N 13S 
iB^B'^s ^N woni t^roni noi3rn om D'^^iom D-^pi^nn wycn ti^c^r 
K'o: if? i^'' 31D1 w Sdi poi j-o S2 ■]» n3*?3 nnN rcj nnrrh 

IpSmi (• 61310 fOTTn "031 lS "»1Nln '•03 j-Di p f^D^ mttvo 

or "^nn 13 ^nnrntt' no om o-^pSn na^St^S nvts^cin if?Nn ninsn 
Si3pi mf?ini h^^n n3 1:00 ■[ik^o'' ii^n ••nojfn n3 Nini noivn 
n'^oipon n37i3nn ^rhn noi3fn dv o^ts'^nom n- 3n loin*' ni3i j iion 
DiNn 13 Pinntt^nti' no pi "ini303 me'^i iSn3^ 113 "iu'N n^^mm 

.'131 D'^-nn -iKB^ 03; 
Tm W133 0^13 DN "iipnj ni3i niB^o:n '•s mN^stf' nnjn 
onoiN onsTpo ^3 ror f?33 nitrin niNi33 en in of^iyn nSnni 
or nnN nmioi D^i3;n nSnna in'' niNi33 nrruxn niB^Dii S3 "^s 
N3ni nnN p)13 pintt' n"»iNi nyn n\n^r ij; join -jiins nniin 
-3 p D3 D"'ciDiS''cn nno nyin nn :nNii3 jin3 nnN ti^o: vSn 
Dnrn3 nSn p^jo 13 S3t^v nS ^1:3 n3 nSi p]13 i^nb^ no ^3 Nin pn' 
Dncn3i nici33 ON ""s 110" nS iCDoni niB" no3 -3 n^'h'hv^ niSv 
pSnni THN Dipo3 noir pSnn ni .inN p]i:o omcir o^'pSni in 



^*) Aldabi f. 92 col. 3. Z, 10-13 u 15-21. 

*^) Ms. Mon. hat nach i;ito . . . ., als Zeichen, dass die Stelle 

mvoUstSudig ist. In der That hat Jacob ben Chajim nnd Natanael 

spi (cf. S. Sachs. Kerem Cheined VIII. S. 155 Anm. 7; eine Fort- 

snng, die allerdings anch den Artikel nicht ganz yervollst&ndigt 

Text steht das Gitat aos Natanael Gaspi. 



— 8 — 

na io»:it> t^on "»d iok:i :P]i:m •»S3ti^n nnm leinm noinn 
n:i33 nmo3 nn%nS p lann n\T DKii' -loinn ojfyD kS dstj; »\-nt> 

pi (s^n-iijoi jnSitJ'T ND3 1J00 nit^yS Sdvi ^y sini^ (^oj^^^n 
}3 sSi rmc^nno man nmar Sap** Mm p]^^d^ loin Kini^ Snan 
n\nn nS noinn niiv ^3 loinn nmjf n\Ti5^ d^ mr»i B^cjn 
: n«3jr 103 f\^:n jo mien nnN mnn t^Dim p]ijn p mien nnw 
Djfr DN "»3 D-oaryno . i»b^: »f? j3 dk ^'•bu oary i3y» B^ex-n 

(»«^3 :j3 1N3J1 ns"i3J nS w n«n3: t^e:n on 11pm nnri 
Djfy N\-! tTDjntt' inKi nSnnn nS j-n in nSnnn nS t^'* •)« wjfo: 
n^ j^Ntt' Djrj; N\n DN1 nSnnn n^ j"»Nt^ i« nSnnn nS b^^b^ i« 
niidS ninafJ3 non n%i 3"ni "nsrj u^y N^•^ 3"« mnjf: N\n n^nnn 
inn mt^3 o'^-ny: on mf?K iJ'^Kti'i 'm mS»n m mn" p dni tt' 
Vi (ssNiisn nf?iJD IN N133 IN Niia Nin nvoj S3 mvi :ipr 
N\n p ON N-iun nSi3D nSi N"iia n^N roim Dnicjn D''S3ti'n 
nS im *?3 "3 imcSit^ n''S3n3 nrN f?n3 im S3 "3 myi rriNns: 
niK^'^noi nhi: i^e^n ••3 o'^Nn w^i^i inwhti^h r^nS dn ••3 Snj^ 
in^Ssns irNK^ in S31 nnioStt^ n'^Ssna hjj'^n p dn pnarsi no3na 
iT'Ssna nJ3''N K^o^nr ittni moh^t^ n^S3n3 Nimt> lano Sstn^i ni3'» 
••nSa i::^N SnnnB^ -im S31 dSb^io Ninr isne Nan nmoSt^^ 
Ssu' ^:cD nN"i33 N\n p DN nNn33 ^nSs nj^N treii 3''n Snmo 

.[246b] Nia: nS w n-133 Nin w 
nrrN N\nr ioink^ '•0 b^^ rmai in nnN N\n dn iNaa nnyi 
Satt^n DHNai n^i^nm \s^y)m rr'aai nn^oarn D^nosra jnn laS 
nrrN N\ntf' dinh B^e:a D'^Nn i3n ""a onnanS ,tni D^jni:i nynm 
D-reafai lytrai mojfw '•^ nieSnno mSivc irSt^n iS'-n nu^ym 
D'^piivm iti'am Dna^'Nn 10a ^m '^p'yn iNrai laS nn'-osrn jnn 
D"»Nn i:n pi rSai^m nynn iS jnni nyiini ni^iin jnn Dn^am 
Pl^nnn ^oS nm D^eSnno Dnan ni^iyi thn Nin u^oti^n ^ir^ ^a 
noN p mvtt^n ^n-i tt^wn N-'cp" Nin '•a inSi3;D D'^Sapon D^ain 



*o) 0. u. K. noon. 

^') 0. nisDi ]nSitr cf. Steinschneider, Alfarabi S. 247. 
") Cf. Aldabi f. 91 col. 3. ZeUe 7 v. 0. bis Z. 12. 
") fehlt in 0. u. K. 



— 7 ~ 

Divyn t^DUTi 11N 103 ,D''oi3fvi D''pm D'^iDT cri^nai D.Tt^yo 
»^i VOt?^■^ t^in ti^'^SiT^i n^oe- pmn f?ipm niNin tt^in ^"^hn^ pmn) 
rn it^K D-i^iSnm [•245b] u^hpn onain tf^inSi rit^n^ iSdv 
rt^nS iJ^*?c^ it^N 113? Sd '•d t^o:n nina p »S ; pS Diip o^rK'o 
D'-oye DK1 1:00 inv pioy 13T3 S-Dt^n"? }>oi« iB-Dr pioy nana 
t^Snnai ,nv2fn nso (^^invi Nint^ "»jco win ••Soi^n nai it^^n*' 

r'jDi^n tt^^n'' Ninn i-^von hdh Ntt^un i3Kn 

P]iJ D'-f^t^oi jit^Ni Dvp K\i tt^Bjn : p ti^D:n 1S13 leonNi 
:d^:"»o ^jt^ D-D'^^i^om D''0^''pon onann p m^n "»n '"'S3 ''3;3» 
i"ii3y3 Kin pr^Nin /Jti^ «ipj inNn j^Dni jit^Ni «"ipj nnsn pon 
F|"»-Dn mi3r ^:co •'3 pj^^dh niiv 103 Sj?iC3 0"ib nt^^yj tDion ijooi 
••rr^n pom ,S3;id3 p)''-o nn\i «S inbm in''^in no'^'^ipoi noSi^: 
IHK Kcnn lONn pi :P]''^Dn ns^nno }i:3 Ninn i3nn nSiyce win 
nvnS S3V nS nnSiT "»3 nt^icin no3n Nin iSti^ jit^Nin ovpnt^ 
nNio-in n3«So3 Syics Kinr3 Sn Sj^ion inc3n ^Jt^n ovpni Ncn 
nn'^'ina "3 ^irt jik^nt DVp n\-i t^ojni :P]''''Dn nsTin 103 Ninti^ 
iiN-a im rD'^^n Sys oiti^ nnSii nvnS S3V «Si SyioS P]in sr 
••3 "»niD«So ^1: 1SS30 N-mS "»v3tD P]i: ioni :P]i:S pti^Ni Dvp 
D-'^n ^Sv3 103 c^'yatDHi .o'^'^ystt j'^k dhoi d^^3;38o ono o'^eun 
i^c33 ie» p Syi muoni jnSit^n ND3n 103 D^''ni3KSoni noisn 
himS S3r nS «in -"S "»ni3NSon SiSu'S ••ystD pjijS o^-'po Nint^ 
Sj^D j-Nti^ Donn SiSb'S d''S3 Sj;^ hn •••'Sa -io«i P)"»Dini "^^i^dj 
: w^m "17^3 Kin dhd d^31 u'hD iS v.t'i^ Sn ••^^3 iok p S3;i d"'S3 
nimS ono t^"»i jnon SspS D^''m3n ont^ ono «''» o'^Ssn pi 
nrm ti'-iB'rr D'^nosra on [246a] }i^on o^'Sspon 0^^3.11 innnion 
D''^ni3nni : on'^oni w^r^n) K30ito3r''Nni jnani ncn o^t^^noni o^'e^ym 
DHD D^cit^n N-'rvti^ nuS^KS ti^'tt' D''3p:n on nnnion nimS 
mi D"»no3r3 "it^« D''3p:n p5;3 crKti* o'^m o^sp: i^*" D"'t^^Ji03i 
D''it>''JiD3 d:u'"» iii^N pion D^'Sspon D''S3n sn ••jso cnS nip*' 
Plian iTn p)i:3 ti^wn n^^in oiip "3 Sn nss ^n .-D^nosfn }0 inv 
N\n i^wni :iri'"'in noSirJi in'^in SyioS KSf 13 nnvn3i rr33 v 



") Cf. Kusari V, 12. S. 397 ed. Cassel. 
*®) K. u. Aldabi itj?j^^ j^^' 



— 6 — 

pya loij; D^3Dn Sapo nan Sa :("p (»iios: djpv nni B^wm 
D^Dcnn n^3po poa nn» n^iciv N\n it>c:ni Dsry Kin }"»J03 nn» 
,D3fv »\n ti^cjn D-N m^DDi noDH pn nnoti^ ipt^m noKn Nim 

p]wn iriTDy lan sinit> *]Dn3 t<in nipen iiji .■tdc'' 1:00 moai 
Djfj^n 113 ti'oia D-Nii i:n:Ni idd'* kS lioo moai P]i3n D-p"» nS^ 
miD3i 12 nnrn ••o"' f?3 •ut'dj^d^ inw D^^pn p)ij3 nisd ib^n3 nm^ 
r^3ri .:P]i: nr» «\w iwarr' pi .nipo it^ain }••» s'K iIDc ii»o 

«Sl Vrr 1.131 Clf?t^:i inKD DIKDC. K13: in» D1Kt«' p 131.1 

itJ'N pV3 T1K3 yviiDoi pn3 iit^K n3» n«ni»i^ ^3V [245a] 
1313 ij^^r «^i nn n: pr? iSov kSi mo ni D"»Si3ii D"'iie: vin» 
^"in D.I it^s Dnsin niv »Si ny kS li^^^n nn is i^-ji'^b^ 

IS ••t^DJ K1.1 DN PT N^l 1J00 D'^JD? Iti'K t6) T'lSK »Sl n3Nb 

Kjfoi Niiir^ "imti^^n o'^'^pS piDc nS ,it h^ ov mh .ion w ••k^^jio 
in»ti^"i ici: ^iis nj^iS"! o-^pS f?3r kS Saw ins i3i w tt^^no i» 
laim D'^ipo irst^ 121.1 nSii ni.i '^ipo.i 121.11^ ni.i ^no» 1311 :vavi 
D'^^po irsi imtr^ yivi o^^po t^'^N.i .in ynj irst^ 131.1 rhM yiw 
it^o: nj^iS P]i:S ■jiuf 1^ }•»«') P]iJ,i nMi^"* rh^t «in nwM d^n ,iew j^in 
nw-'Ni D^t^iai JO t^mo mr^« i*? t^"* p|13 b^ (^^^"2 («3i"i3;i .if?^3B^.iSi 
''B^ci K1.1 m ^3 "3 nj^i P]i3 tt'Di.i }^« s's D''it>in,i .iirt^^ nh t^a:.i 
nin« ii^B3o n^tj^e: nm p dn p]1J iT.in b^dii (s^dsi ••tt^ej }"« i« 
I'^rt^c: P]i: ,irN 3''» n^Ssn t^h ly 'IS" .in nin«.i hv io«^ pi 
inK 131 .I'^n'^ nh ••n i^j'^nb^ 131.1 (»6o '•t^ci j'^s p|ij ,i:^» pi 
n3 .urs ^3 iok: pi : p]i: .ij^k t^e3,i 3"^ p|1J.i riK .Tnn K^exii 
itr» niin3,i ny p|id*7 D^ts^^m nn d'-^oot d.i.i nin3.i (»7^3 p]i:3 



««) K. paf?tt«. 
2») K. ia. 

") Cf. Aldabi f. 91 col. 1 ZeOe 14 v. u. bis Z. 6 v. u. Die 
Definition des nipo ist dnrch Homoiotelenton ausgefallen. 

*3) Von bier ab ist in den Edd. yorbanden; ed. Venedig p. 58 
col. 1. Z. 7 y. n. bis col. 2. Ende des Abscbnittes. 

") Cf. Aldabi f. 90 col. 3 Z. 11-13. 

") Ibid. Z. 17^ 20. 

M) Ibid. Z. 13—16. 

»0 f. 94 col. 4. Z. 9 y. u. bis f. 96 col. 1. Z. 6 v. o. 



— 5 — 

niNnS Dnw ny'':© n\i '•d .o^-^n ^Sya B^o^n v^^n -tt^'^enn pyn 
^i3n myijn "^y^v^ nns3 nyyi^nn sf? «\ti '^^wh^ Srie^i pn^i 
/inpo nj^ian r\h rt^'^ n-o^o^ nr'J^n nosryn rh j^nis^ '•d Sr ei^ 

pu'Nin 3;^Jon N\n t^c^m ,mpD3 b^bii nrwm oifyn Kin P]i:n 
yyi:non mr ti^e^n mnt^3i .mpoa nyyiann i^Dii^ kSk osrya 
,B^c:S NMn nnpcn nr:nn iion P)iJn ni:3i ,^un »im niiayn 
: ni35;3 rviifJon ni:^ mrtt^ai mona mr mpoa vj^W'i^ no Sd "3 
nSNi^n n»: '•d iipnS ••wn ni ^3 ,tre: »\"r no -ins: nny 
s\n t^Don o lONU' ^0 ono ,H^n no nyn^ D''oiDi'?''cn Sjtk nSna 
narn pjuS nwK km ^3 tio«'' onnNi .losrj^s yri^rio ••ou pw osry 
iDDS •'SNitt'\i pnT '•) imN ino r\yir\ (^^m] .nipo t<\'w noiS 
W3 ,D'"'n ^'jVD nSii D''o*J3 n«3roj km mpo t^^on nn\n i^wr ,miiD\i 
103 inN po onnx d'^dus N3f03 Kinu^ anj^ni '»t^i3n nnnit> kstojij^ 
n'?ii3 "inN pn riNSfo: n:j''Kir p ti^ojn j^ni ^D-iiS^n ^yai neis 
IK p3T mpo w n"ipo t^ein nn\n iSstt' iok niyi .o^'^n ^Sya 
rnnn in« jit iiop-b^ )h y^^ n\n ^on'^JB^o nr»i ,n"iDj mpo 

1Jt< J-'NI ,inK -I0N03 D'^IU' 1Nni 1SUJ3 SsJJI 10B^3 KIpJ \T1 im03 

P]iJ3 p3tt'^tt' nnom Snij n^ nstoj »h i:m«i5^ ,p B^ojn d'^kvio 
■[Dn «\n ■[» ,t^wn -[cn nnpo ijr» mom ..i:oo nmcn nn« 
vnn^ p»3r^ n^ tt^ejn "]Dn nn\n iS»i .U'bjS *]cn »h rt^a^n rwH^o 
ur\h im "njtt' D"»nnN D''3en onpo "Jtt^ 103 ,11:2 d'^ib^ omjB^ 
••j^De r\Vi D"»Stro 02:5; Kin t^cvi ("ii3 ^3 .t^^wsi mo3 p innn j^tn 
Din Np tt'ejn '•3 onow onnNi ,[p irw mon iiJi ,n3a ''n 
m3i mvTi (^'lojfj; j;-:^ po sni t^ejn ••3 io» (lett^'^JSJjjmD 
.u^c:n (i«i5fa D'^cioiS^en myi ins: i:mNi B^puon nin (isfinDo: 

^^) Die Stelle aiis Isaac Israeli ist offenbar yon Grerson hinzu 
gefiigt, und ist kein Citat ans ^Aristoteles**. 

^*) Von hier ab fehlen in den Edd. die Definitionen des Pytha- 
goras, Plato und Aristoteles. In Ms. M. K. nnd sind sie yor- 
handen. 

i«) K. tsfinwHn^c cf. Frankel-Grnltz, Monatschrift 1879 p. 361 
Anm. 5. 

i«) fehlt in K. 



— 4 — 

nn\n ,n"»m3n n3;vunn na w« nnyian ,Tnn d»k^ .niDna oipo 
p]iJn T:r\ ir» train n37i:n p (^idk ,p3f-is sSi niDna nj?pijno 
13:^ DN N\T ir^m^n nyijn "^^ tij?i .}d: ij^k nn .ir-Jisn nn\i »S 

psn nj?i3nD ,inH i:th n^niDn nrwn iS ^"^t^ nniD\n nyaiKo 
,D''m DmjfS n'^T]'):ir^ T\y)}n n\nn w h"»^ ^V nm'^iy ni^n2 rhv^h 

iptt'n inrt^'' ins ijfS nnyijn n\-!n DKtr ,iptr ni .n^wn D'':an 

KMT , THN j?jin D-o*?nno omar "»Jti^^ nm j;**:;! novy K%n p d«i 
nf?yo^ laicNtt' ".DD irrN nif? p)w nyi:ni thk ijff? noary nyi:n 
nyijn yyijnn troan d«i .nin oyen }o maSttai n"»yattn nyi:n3 
nou y^an KMK^ D"»Kn i:Nit> ,y^ n: d: cm omaf^ nw3n 

,D"»cf?nno onan*? cni .dik: i:rK nn .iS nonm nntroi f?3KoS d'»''du 
103 niNJ '•nSa m .th" D-on en d« ^con »S ik p^m ViT w 
nit^K nyijnn pa ^enn ,t.t p dk d-oh nS dn .nSyoS moKis^ 
••D myijnn ibaSan'* nni .ny-jn na "iis^n nyiann pai yyimi na 
^D p)ijn y'^anS Sam nh p d» ,P]wn nyi:n ■jon nyyi:no km 
nyuno uStDa nn p dki .K'nk^ nan mi ,nnyian len inyi:n 
nowi ,n"»ti^D:.n nywn S»a: nnyi .n^nani n"»yatt.n nyi:n.n n:K.n 
ntg^K nyiann ••a ^n^'^ts^ej nyyi:nn na na^K nnyi:n n^r\iw wki ,p 
DN1 ,yaa.n jo NNn nt^K n"»^ya»n loa ,n^''ire3 NNn B^e:.n jo N\n 
,nnn« (istroio yyiann ts^cm .n^'^u^ei nyi:no nyyiann tre:,ntf> p 
p DN1 ,[244a] ri^'jan »f?^ ^^^ nil nnnxn B^can f?y no»i pi 
Shko yyiinn m nana yyian^r nan f?ai ,y"»an s\ni nm tt^aan 
,inj:a NinB^ noo mnaSi niwin B^pa^ yyw ik ,D''3^jy ntt^ono 
psni nSyoS tt^sn loa iva» nnana ik .a'^wn. nnanSi P)innS w 
nanS nSnnn Kin y^^ontf^ '»:do ik ,SnaS nau^ion p^a ik ,n»o^ 



") K. DM o. 

*'; K. niHH n»ryD3 njnano. 



— 3 — 

^331 n^P3 jrn djtb Sd31 b^c: nnno Scanm punter np Ss mc»3 

J3 Dt<i "viK p inKi inK D]fp n^\t^v^ P)un j?'»:nB^ njn^n Sdd pi 
nwi^nn «S p dn we'-w ^« nn n^San p^b o'^ojfp or S33 nnn^J 
"iDona nj^jn^nn kVb^ n«n3 pi pjw y^anig^ npa nm "oS is^oi-r 

.rrp3 moNr Djr»n '^ioo .T'»inn ion kvw 

moan iono ^eS nj^wai "3 moon iono •»eS nyj?wnn nS pi 
^eS w^rmtt^ ib^ck w piorrn '•oSi nn'^oafn th D^y:v ^318^ ^j? 
noary moD Si3n p^:nS joi yi^m ny^rwt^ n^ Hd p dkb^ nn-oafn 
JO D'»jp3 tt'ein Sijn p dn nSnna nn\n its^^o P]i:n S^irtr iod 
nriSn nnyi:n ••3 D''«'n i3n:Ki D"»:opn }o o'^nmsa f?n:m omnan 
D^-.inan }o nano nj?^^ onS is^*' o^aiDprr w Dnmsn jo D'»:pT3 km 
D.tS pNtt^ oyo3 npoS Dipoo D'»pj?unoi d'^dSih on dim Sa ^3 
hiy\ pu sinr '•cia D5fj?S nSk pnn nS nmosrn "3 mvi .nnuo 
^TJ »\n B^e:n p dki imo3 3b^i iSnaon -lann n 0J3n (•-^oo 
pi nonm Si:nt{^ ni03 n^ p« p dn .^1: n:y«tr ")K33 wjki 
-io«o '»oS y3;i:nn 16 pi .i:"i3n^ oj^on }o p-ionn '»dS vyunn »^ 
n^ntg^nn ••3 [243a] dis'^nS nis^No m^nti^nn Kin itt^N ni3-Kn 
,13 nanu'i ib^« iS ^win ni3''»n 113^3 niryi «in nia^KS nia^Ko 
nM''r3i /win Kinn nia-'Kn S» n^i-'oy nrna km m^ni^nn n''^3ni 
jT'jntro K\n dk y'^jnu^a tt^c^n p dk ,mjnt^nn f?03'' Kinn ni3^Kn 
p3V3 nioyn kS p dk ,y'':n "ib'K n^iyun ^33 m3^K ^k ni3''K0 
,nnK yn3 rr'jntt'O kSi n^jna^o n^nK^ i^jpi ^yjnu^ ny3 inK 
n^ tr''i ,13 n-jnB^: "it^N '•isin m3'»Kn ••jbo m^oy nS b^^ nntt' 
pi .nnnK nia-nS p inx n^jnti^o nna^ .loary yji im«3 ""lyr 
n:^n neso ''oS y'-jn s^ pi .ma-N*? ni3''Ko n'»:nt^o kni T'on 
n^5;3oni .n-U'c: ik n'»m3n in n''y30 in km '•3 n^oipo nyun nmb' 
i3"ion 3-30 IN T3ion ha w t3ion JO IN ,nnN narS ny S33 nm 
V'^jn «S ,^303 Dipon ''bS yyunn ti'oin dn J3 dn ,(i03i3Dh Nim 
D''3i onnif^ P]i3n y"»3n KNii^ d^nii i3n:» n^ni ,in» larS c« ••3 
S33 nnN y:i3 D^cSnno omar "it^S nn"* y^n nojry K\n j3 cn o'^o^nno 
nil ,^r\i^ i^h P]iJn nyiani nnw i^h nojry nyian nnt^ ^V'^nu' ny 



«) K. Dwa. 

•) K. iSnion D333n pTon ♦aco. 

»«J K. sDion. 



_ 2 — 

DN mci:n itt3 ni3«n nits^wo on («d« ,13*10 jn (sdni nan kSo 
j-'K CN1 nno WW i« nno n\t dk^ Pjian }o i3t nrKo *]» k^ 
mij^a nS vnii^ n^mniD Sd Pjian jo mien nn« n^ ViT d« nno 
ni^V 1^"^* :nS i«t^^ ono nva nS d«i ,dSid nf? r.T nS w p]i:3 
nn« TDioa ddin ns'^a -[3 inNi nhnn iidd t^»i3 ('j^'-vn mi'^pn 

.pst^n »iafoS nn» Sk 

"iso 0^31 "3 ^S c» K\n DK u^on f?y nipmtt^ jm: jnn 
iNsS [242a] "[njf }3 hv t^mon cti^an dk ^3 o^rao d3''» dik 

onS n\T nn t^'^^ioi p3n3 j^j^wo ^iia D''K"n um« io«:i 
D-cian f?3 v.T' P]i: onti^ *T3ro onS n%-i^ dni ,nS i» p)ij dhk^ nsro 
103 ti^nm nyi:n anS j^sir d"»31 o^oia d^nti ijm«i ma d'^ik^ 
onif' nsfo nr« it'sS i^t^ B^:nnm nj^iann J3 dk oonm o'^noyn 
P]1J cnrt' nsfo t^Jini npun n"3S t^'^ii^ p D«t^ tj^i ,p]13 
in» '73S n^nnn ti^'^t^ 103 t^JinSi n3;i3nS nSnnnn n«T onn b^'» 
ti'"'i^ loipo^ ^'in Nint^3 n mnvon )nv):rh nnioM nr3i«o 
j^V^^non P]i:n S»3'' «S p I3nn d«i noipoS ait^S onS nSnnn 
103 5?5?i3noi tj^^no n\T' nSk' p]13 Kintr "ny S3 i^'^rom n'':i3ri nj^un 
nSi nSnnnn hn: dhs t^- onvn ••o'' S3t^ nniD''3 o-^n 13«b^ 
ct^^jiom c^3;riJnon D''''n ••Syair d"»ovc d'^nii i3m» n:m .ono Stoan 
nyijnn }••» }3 uh dh/T'os jn D,T"'n3 jn ontt^Jini Dnyi:n iSoa"* 
Kin inK "I3T nSn p]ij ont^ "i3ro uo^yo onf? ssroi ni^:inm 

37''rti^ I3n S3 :P]i:n n» B^e:n 3?^jn f-'jj; nr«3 nipm nnyi 
n3?J u^D^n D«i rJ'K' nv3 nu'' i« v-^'^tt' nya yu*' w in« 13t 
nyijnm natt^nt^ nj^3i«n nnoNoo nnK3 nyiann 3"k y'^jni^ np 
10K01 ni3''Nn io«oi mo3rr io«oi a^vr\ io»o om ona d'^kvoj 
n-i^j?} u^vn 10NO "»dS 3;5;wn d«i .ir-oipo nyian »\'ti n3«n 
nva t^D:ni [242b] noen "eS i« n'>'')r\ '•dS w o^'j^'^jy ••jt^s nyian 
n}3''« n'»''in ••dS nyiann -3 n'^'^^n '•oS vyiannu^ it^o^K "« ^''ani^ 
nin« nnjf k^3iSi dhk mi3c jd'-i^bob^ mina miarn Sin d« "»3 
N\n n'»''in ••cS yyi:nn yintf^ ny3 tt^ojntt' }3 dni vhv nhn it^» 



®) K. mnnn nwwo dh isno on dh. 
^) Die Edd lesen: trnin nSnn nianaa. 






itsDis'? DHi-'on vtyn -ibdd Dtapb 

.DDUrta TDfur no ^r ppui t 'ana noa ■« Sy oicin nwaipo 0*15110 
riKO 



Dfi Di» 'J3 h: vain icd nSnna Di^BiBD'ift ana [241b] 
BT?"!!' -itfua rojn nnoB ayre o'jia p« 'jan t]i33i ipeia di» 
n:]'B*' K*? B-cim n-wna (>:k'1» p)1w 'a vhs irit rm ,F)i3n nno» 
131 D« '3 D'aipo Drsip DIM ':a jid?i nt ^m laS Sarn ds 'a 
Saa nBipcnD s'nr ires' w e'ojn n'nna D'raso d:'n ipnits 
on rmv "yiv w nmno San .yyiino sirtip 'loo F|yn nioipa 
jiaji nui p«i .^au-a m irp'B' on [rwoi .nVap -pia d'j'oko 
ncn [tin mnn p'jnm ,i\"i^KVar' la ifs ijjSn onMn jjt itSir 
^■nWn T3' (t^ ni'jN'? non sirBP no j'm yv nh nsi ni'jKb 
Tjto D"n '"jyao cai d'di:o n»oS »inr x ^ (]« oinn «)ui 
{*y^ p H-i .cViao n'js.'f:S ni.-i nSaBfon itpw TfO owtt ,loia 
^n"? dm n-,-i u-Ejn CN K-on I'lyc ncion yna ('E'pa^i ilpnS 
iKia: c« niai en (icNi ,mai iK nns dn ,km no njn^ p inwi 
on DKi cr "jaa niB-in ni«naj nx iB k^ a» a'njin nSnna im 




3110 -|S1« 



^^12 



♦D"'pnyiD ""D TinD D'^pTiy onm 



.pn natr 



OZAE TOB 



hebraische Beilage 



zum 



Magazin llir die Wissenschalt des Judenthnms 

herausgegebeu von 
Dr. A. Berliner und Dr. D. Holiiiiaiiii. 



^ : ( 1^ ^ 







3 bios OQA 317 510 I 



Bill 

V.17 
1890 




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94505 




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